ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON W. F. ERICHSON.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. Dr. LEÜGKART IN GIESSEW.
HERAUSGEGEBEN
VON
Dr. f. H. TXtOSCHEI.,
PROFESSOR AN DER FUIBDRICU-WILHELMS-UNIVERSITÄT ZU BONN.
DREI UND ZWANZIGSTER JAHRGANG,
SEiveiter Band«
BERUN, 1857.
VERLAG DER NICOLAISCHEN BUCHHANDLUNO.
Inhalt des zweiten Bandes.
Seite
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Säuge-
thiere während des Jahres 1856. Vom Herausgeber .
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Vögel
während des Jahres 1856. Von Dr. G. Hartlaub in
Bremen . . . . . . • •
Bericht über die Leistungen in der Herpetologie während des
Jahres 1856. Vom Herausgeber . . . .
Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie während des
Jahres 1856. Vom Herausgeber
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Mollusken
während des Jahres 1856. Vom Herausgeber .
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der niede-
ren Thiere während des Jahres 1856. Von Prof. Leu-
ckart in Giessen
29
62
77
.111
165
IV
Inhalt.
Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen im Gebiete der
Entomologie während des Jahres 1856. Von Dr. A
Gerstaecker in Berlin
Seite
273
273
311
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383
383
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462
463
480
Bericht über die lieistniig^en in der IVatiir-
g-eschiclite der Säug^etliiere Aväiireiid des
Jalires 1S56.
Vom
Herausgreber«
Für die Abfassung der Jahresberichte ist es mir' un-
gemein wichtig-, ja unerlässlich , alljährlich eine Reise nach
Berlin zu unternehmen, um dort manche neuere Schriften
einzusehen , die mir sonst nicht zugänglich sein würden.
Die dortige Königliche Bibliothek befriedigt mein Bedürfniss
von Jahr zu Jahr mehr, und ich kann es nicht unterlassen,
beim Beginne meines diesjährigen Berichtes die zuvorkom-
mende Freundlichkeit und Gefälligkeit der Beamten jenes In-
stitutes dankbar zu rühmen. Namentlich muss ich die auf-
opfernde Bereitwilligkeit des Herrn Dr. Pritzel anerkennen,
der mir ausser den Fächern der Königlichen Bibliothek auch
die Bibliothek der Academie der Wissenschaften zugänglich
machte, die er als deren Bibliothekar in die vortrefflichste
Ordnung gebracht hat. — Auch den Verfassern spreche ich
öffentlich den Dank dafür aus , dass sie mir mit grosser Li-
beralität ihre Schriften zugesandt ,^ und dass sie mich da-
durch in den Stand gesetzt haben, meine Berichte an Voll-
ständigkeit gewinnen zu lassen. Wenn ich nicht jedem Ein-
zelnen in besonderen Briefen gedankt habe, so biite ich dies
damit zu entschuldigen, dass ich alle empfangenen Abhand-
lungen auf dem Umschlage der Hefte des Archives habe ab-
drucken lassen, um dadurch den Gebern den richtigen Empfang
zu melden. Namentlich an die Verfasser von Abhandluniren,
Archiv f. Naturgesch. XXIIl. Jahrg. 2. Bd. J^
2 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Nalurgeschichte
die in ZeHschriften erscheinen, richte ich die Bitte, mir Ab-
drücke zusenden zu wollen, da dies kein grosses Opfer for-
dert und die Garantie giebl, dass sie in den Berichten nicht
übersehen werden.
Von Dahlbom ist eine Lieferung- als Anfang eines
grösseren Werkes (Lundae 1856. 8.) erschienen : Studia zoo-
logica , familias regni animalis naturalis tractantia, in usum
studiosae iuventutis accommodata.
Diese erste Lieferung des ersten Theiles enthalt eine allgemeine
Eintheilung der Thiere in Klassen , deren Verf. 18 annimmt, so wie
eine Uebersicht des Körperbaues der Säugethiere. Auf einer ange.
hängten Tabelle sind die Ordnungen der Säugethiere folgendermassen
vertheill :
L Mammalia quadrupedia. 1. Mammalia placentaria. A. Dentes
difformes: Primates, Chiroptera, Glires , Insectivora , Ferae,
Phocacea, Ruminantia, Solidungula, Pachydermata. B. Dentes
conformes: Bruta. C. Dentes nulli: Edentata. — 2. Mammalia
eplacentaria: Marsupialia, Monotremata.
IL Mammalia pisciformia : Sirenacea , Cetacea.
Hier möchte es vielleicht am Platze sein, auf ein sehr
interessantes Buch hinzuweisen, „Aristoteles Thierkunde. Ein
Beilrag zur Geschichte der Zoologie, Physiologie und alten
Philosophie von Jürgen Bona Meyer. Berlin 1855. 8."
Es hätte eigentlich in einem allgemeinen Berichte über die
Thiere erwähnt werden müssen, wenn wir einen solchen lie-
ferten. Das Buch ist mit ausserordentlichem Fleisse und
grosser Klarheit geschrieben , und nimmt jedenfalls eine der
ersten Stellen unter den Schriften ein, welche beabsichtigen
uns die Anschauungen des Aristoteles verständlich zu ma-
chen. Eines Auszuges ist das Buch für unseren Zweck na-
türlich nicht fähig, und müssen wir auf das Studium dessel-
ben verweisen.
Von Kar seh erschien in der 25. Lieferung der neue-
sten Sammlung ausgewählter Griechischer und Römischer
Classiker : Aristoteles über die Theile der Thiere. Slult-
gart 1855. in deutscher üebersetziing.
Lenz hat eine Zoologie der alten Griechen und Römer,
Gotha 1856 herausgegeben.
In diesem Buche hat Verf. mit grosser Sorgfalt alle griechischen
der Säugethiere während des Jahres 1856. 3
und römischen Schriften benutzt , und die für die Naturgeschichte
der Thiere nur irgend brauchbaren Beobachtungen und Notizen wört-
lich übersetzt, deren Ursprung in die Jahre von 1000 vor Chr. bis
400 nach ihm fallen. Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass eine
Zusammenstellung dieser Art ein besonderes Interesse für den Zoo-
logen darbieten muss, da sie ein Bild von dem Bereiche der Vorstel-
lungen des Alterthums über unsere Wissenschaft giebt. Das Eigen-
thümliche des Buches besteht darin, dass die zahlreichen übersetzten
Stellen systematisch geordnet sind. Es enthält folgende Abschnitte :
Das Weltall, die Erde p. 1, der iMensch p. 3, Allgemeines von den
Thieren p. 35 , Säugethiere p. 76, Vögel p. 262 , Amphibien p, 413,
Fische p. 479, Kerbthiere p. 523 , Würmer p. 612, die Thierhatzen
p. 644, Auszug aus dem Corpus iuris lustiniani p. 645 , die Allegorie
p. 647. — Ein deutsches Register erleichtert das Aufsuchen; gewiss
würde ein lateinisches und griechisches Register auch sehr nützlich
gewesen sein, wenn Verf. auch im Texte die alten Benennungen bei-
gefügt hätte.
lieber den Winterschlaf der Säugethiere hat v. Rapp
Beobachtungen angestellt. Würtembergische Naturw. Jahres-
hefte 1856. p. 23.
Nach des Verf. Beobachtungen hält Procyon lotor und Psam-
momys obesus keinen Winterschlaf. Augen und Ohren sind bei dem
Winterschlafe geschlossen ; selbst die Tasthaare liegen dicht an. lie-
ber die Lufttemperatur, bei welcher der Winterschlaf eintritt, lässt sich
keine allgemeine Regel feststellen. Der Hamster widerstand der Kälte
am längsten. Bei stärkerer Kälte sterben die Winterschläfer; die
kleine Haselmaus, der Hamster und Spermophilus citillus erfroren bei
— 8» bis — 10'' R. Die im Winterschlafe liegenden Thiere zeigen
eine etwas höhere Temperatur als die der Luft. Bei einer Tempe-
ratur von -|- 2° zeigte der Hamster in der Gegend des Herzens eine
Temperatur von +5% die grosse Haselmaus +6^ u. s. w.
Eines Abschnittes über Hausthiere im Report of theCom-
missioner of patents for the Year 1855. Agriculture. Wa-
shington 1856. p. l — 63 sei hier kurz Erwähnung gethan. Nach
einer Einleitung über den Einlluss des Orts- oder Klima -
Wechsels auf Thiere, und der Nahrungsänderung, wird vom
Hornvieh, von Molkereien, Pferden, Schafen, Ziegen und
Schweinen gehandelt, was natürlich mehr auf Zucht, als auf
wissenschallliche Zoologie Bezug nimmt.
Langer stellte Untersuchungen über die Mechanik des
Sprunggelenkes der Säugethiere und des Menschen an; Jn
den Sitzungsberichten der Wiener Academie ßd. 19. p. 117
4 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
ist ein Auszug der für die Denkschriften bestimmten Abhand-
lung gegeben.
Jacquart hat ein neues Instrument angegeben, um
den Gesichtswinkel des Menschen und der Säugethiere zu
messen. Annales des sc. nat. V. p. 283.
Von Schriften, welche sich auf einzelne Faunen bezie-
hen, sind die folgenden zu nennen:
^Die Thiere Andalusiens nach dem Resultate einer Reise
zusammengestellt, nebst den Beschreibungen von 249 neuen
oder bis jetzt noch unbeschriebenen Gallungen und Arten.
Von Rosenhauer. Erlangen 1856.
Die Säugethiere sind auf den ersten 7 Seiten des Buches ver-
zeichnet. Verf. nennt die Säugethierfauna Andalusiens eine in man-
cher Beziehung auffallende. Sie weist einzelne Arten auf, die bis
jetzt nur in dieser Provinz oder in Spanien überhaupt gefunden wur-
den, so den Inuus Sylvanus L. , Lepus granatensis , Capra hispanica,
dann einige, welche dem Süden Europa's angehören, wie Viverra ge-
netta und Hystrix cristata. Im Freien lebende Arten sind 19 auf-
geführt; nämlich ausser den genannten Vesperugo pipistrellus, Vesper-
tilio?, Erinaceus europaeus, Sorex vulgaris, Ursus?, Mustela vulga-
ris, Canis familiaris, Canis vulpes, Canis lupus, Felis domestica, Mus
decumanus, Mus musculus, Hypudaeus arvalis, Lepus cuniculus, Lepus
timidus? (der vom Gebirge ist L. granatensis Schimper s. unten), Sus
scrofa, Equus, Cervus dama ? Capra hircus, Capra hispanica Schimper
(s. unten), Ovis aries, Bos taurus, Delphinus delphis.
Einen Bericht über die Säugelhierfauna des badischen
Landes erhielten wir von H. Fischer, Berichte über die
Verhandl. der Gesellsch. zu Freiburg in Br. I. p. 71 u. 113.
Hiernach kommen folgende Arten in Baden vor: Vesperugo
noctula, Leisleri, pipistrellus, Nathusii; Vesperus serotinus, discolor;
Vesperlilio murinus, Bechsteinii, myslacinus; Plecotus auritus ; Syno-
tus barbastellus ; Rhinolophus ferrum equinum, hipposideros ; — Eri-
naceus europaeus; Sorex fodiens, vulgaris, araneus ; Talpa europaea;
— Ursus arctos ist erst seit 100 Jahren in Baden völlig ausgerottet;
Meles laxus ; Mustela Pulorius, erminea, vulgaris, Foina, Maries; Lu-
tra vulgaris; Canis Vulpes, Lupus kommt nur in kalten Wintern aus
den Vogesen über den gefrornen Rhein, familiaris; Felis catus fe-
rus, Lynx war noch in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in den
Gebirgen des Murg- und Neckarlhales nicht selten ; — Sciurus vulgaris;
Myoxus Glis , riitela, muscardinus ; Cricetus frumentarius ; Mus mus-
culus, rattus auch in Baden selten geworden, decumanus, sylvaticus,
der Säugethicre während des Jahres 1856. 5
minutus (agrarius ist noch nicht gefunden); Hypudaeus amphibius,
terrestris, arvalis, glareolus ; Castor fiber ist mit Ende des 17. Jahr,
hunderts ausgestorben; Lepus timidus, cuniculus; Cavia cobaya ge-
zähmt; Sus scrofa zuweilen im Mooswalde bei Freiburg; Equus cabal.
lus, asinus; Cervus elaphus selten, dama nur noch in Thiergärten,
capreolus noch so häufig, dass zuweilen wegen des Schadens, den sie
anrichten, bedeutendere Jagd auf sie gemacht werden soll, Alces und
Tarandus längst ausgestorben; Carpa hircus; OvisAries; Bos taurus.
Im zweiten Bande von dem Werke: „der nördliche Ural
und das Küslengebirge Pae-choi, untersucht und beschrie-
ben von einer in den Jahren 1847, 1848 und 1850 durch
die Kais, russische Geographische Gesellschaft ausgerüsteten
Expedition,« welcher, verfasst von dem Leiter der Ural-Expe-
dition E. Hofmann, im Jahre 1856 zu St. Petersburg er-
schien, ist ein Abschnitt „Bemerkungen über dieWirbelthiere
des nördlichen europäischen Russlands, besonders des nörd-
lichen Ural's" von Brandt erschienen. 75 Seiten.
Es werden zuerst die Säugethiere aufgezählt, und zwar 64 Ar-
ten. Nämlich : 3 Chiroptera, 5 Insectivora, 15 Carnivora, 22 Roden-
tia, 2 Ruminantia (C. Alces und Tarandus), 7 Pinnipedia, 10 Cetacea.
Viele eingestreute Bemerkungen , namentlich über die geographische
Verbreitung der interessanteren Arten, machen diese Schrift für die
Kennlniss der Säugethiere wichtig. Daran schliessen sich Bemerkun-
gen über die Haussäugethiere des nordöstlichen Europa.
Kiprijanoff hat über Wirbelthiere geschrieben, wel-
che sich im aufgeschwemmtem Boden der Flussthäler des Dniepr
uiid der Wolga finden , zwischen Orel und Charkoff in den
Gouvernements Orel, Tschernigoif und Kursk. Bull, de Mos-
cou 1855. p. 185.
Die dort aufgefundenen Ueberreste gehören folgenden Thieren
/ an : Elephas primigenius, Rhinoceros tichorhinus , Equus fossilis, Bos
priscus, Cervus tarandus priscus, Sieles vulgaris, Spalax typhlus, Arc-
tomys Bobac. Von Schädeln der letzteren Art sind genaue Maasse
gegeben.
In Lindermay er's naturhistorischer Skizze von der
Insel Euboea (Bullet, de la soc. imp. des nat. de Moscou 1855)
ist auch p. 444 von der Thierwelt die Rede.
Die Insel Euboea wird in zoologischer Beziehung ein Minia-
turbild Griechenlands genannt, indem sie Alles aufzuweisen hat, was
in Griechenland vorkommt. Von Hausthieren werden gehalten : Pferd,
Esel, Maulthier; Kameel und Dromedar nur noch selten, dagegen
6 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
bilden Rind, Büffel, Ziege und Schaf den Reicbthum der Bewohner.
Von Säugethieren, die nicht Hausthiere sind, werden folgende aufge-
zählt: Cervus Elaphus, Dama, Capreolus; Capra Aegagrus; Lepus cu-
niculus und timidus; Sciurus vulgaris; Felis catus, lynx; Canis lu-
pus, aureus, vulpes ; Meles taxus ; Mustela foina, vulgaris; Erinaceus
europaeus; Talpa coeca, Dinops Cestoni Sar. ; Vesperugo noctula,
Kuhlii, marginatus Crelschm., pipistrellus ; Vesperus serotinus, Savi,
Leucippe; Vesperlilio maximus ; Uhinolophus ferrum equinuni, clivo-
sus Cr., Hippocrepis; JMus Rattus, decumanus, musculus, sylvalicus.
In den Annals of nat. bist. XVUI. p. 16ö ist ein Auszug
aus Hodgson's Bemerkungen über die geographische Ver-
breitung der Säugethiere und Vögel des Hiinalaya (Journ.
Asiat. Sog. Bengal for 1849} durch Moore gegeben. Des-
gleichen von Torrens Vorstellungen der Eingebornen in
Betreff der Naturgeschichte einiger indischen Säugethiere (aus
demselben Journ. for lb49).
Die Revue de zool. brachte p. 49 den Schiuss der „Es-
quisse sur la Mammalogie du continent africain« von Pu-
cheran, worüber im vor. Berichte Nachricht gegeben w^or-
den ist.
Blyth erstattete im Journ. As. Soc. 24. p. 291 Bericht
über eine Sammlung desLieut. Speke von Somali in Afrika
an der Küste des rothen Meeres , welche zehn Säugethiere
enthielt.
Es finden sich INotizen über die einzelnen: Canis variegatus
Rüpp., Hyaena crocuta, Mungos fascialus. Felis caracal, Xerus (Sciu-
rus) rutilans, Pectinator Spekei (n. gen. s. unten), Hyrax habessini-
cus, Gazella — ?, Madoqua (Antilope) saltiana , Oreotragus saltatrix.
Von Gould's „The Mammals of Austraiia erschien im
Jahre 1855 Part VII, im Jahre 1856 Part. VIII.
Die siebente Lieferung dieses grossartigen Werkes enthält die
Abbildungen folgender Säugethiere: Ornithorhynchus anatinus Shaw,
Phascolomys Woinbat Per. Les., Petrogale xanthopus Gray Proc. zool.
soc. Nov. 14 1854, Halmaturus brachyurus Q. G., ßettongia (Hypsi-
prymnus) Graii Gould , Bettongia rufescens Gray, Perameles nasuta
GeofTr., Scotophilus Gouldi Gray, Scotophilus Morio Gray, Vespertilio
macropus Gould n. sp. s. unten, Mus Gouldi Waterh. und Mus deii-
catulus Gould. — Die achte Lieferung enthält: Perameles obesula
GeofFr. , Phalangista vulpina Desm., Phalangista canina ügilby, Pha-
langista viverrina Ogilby, Phalangista Cooki Desm., Dendrolagus inu-
ßtus MülL, Dendrolagus ursinus Müll., Halmaturus Bennetti Waterb.
der Säugelhiere während des Jahres 1856. 7
Halmaturus Parma Gould, Petrogale concinna Gould , Phascogale la- '
nigera Gould n, sp. s. unten, Mus Novae Hollandiae VVaterh., Rhino-
lophus megaphyllus Gray , Scotophilus nigrogriseus Gould n. sp.
s. unten.
Die Zoologie in der „Voyage of H. M. S. Herald un-
der Ihe Command of Capt. Kellett," bearbeitet von Ri-
eh ardson ist im Jahre 1854 beendet.
üeber einen Theil ist schon früher von Wagner berichtet
worden. Diejenigen Abschnitte, welche unserem gegenwärtigen Be-
richte zufallen, p. 101 und folgende, enthalten osteologische Unter-
suchungen aus den Ordnungen der Yielhufer und Wiederkäuer,
s. unten.
Von Burmeister erschien ein Band mit hübschen Ab-
bildungen; „Erläuterungen zur Fauna Brasiliens. Fol. Leipzig
1856 mit 32 Tafeln. Der Inhalt, soweit er die Säugelhiere
angeht, bezieht sich auf die Gattungen Icticyon, Canis und
Didelphys. Bei diesen siehe das Nähere.
Als ein wichtiges Reisewerk ist hervorzuheben : „Expe-
dition dans les parties centrales de l'Amerique du Sud, de
Rio de Janeiro ä Lima , et de Lima au Para, exccutee sous
la direction du Comte Francis deCaslelnau. Septieme
parlie. Zoologie. Paris 1855. Der Inhalt der Abschnitte über
die Quadrumanen , Chiropteren , ßeutelratten , eine neue Na-
ger-Gattung und eine neue Nager-Art wird unten näher an-
gegeben. Den Schluss macht p. 107 — 116 eine Aufzählung
sämmtlicher auf der Reise gesammelter Säugelhiere, die nicht
in den erwähnten Abschnitten besprochen sind. Es werden
namentlich 14 Nager aufgezählt, von denen eine Art als neu
angesehen wird.
In dem Abschnitte über die fossilen Säugelhiere Süd-
an>erikas in dem eben erwähnten Reisewerke des Grafen v.
Castelnau, welcher von Paul Gervais bearbeitet ist, wer-
den folgende Arten abgehandelt,. die wir hier aufzählen, da
wir im Verlaufe des Berichtes nicht wieder darauf zurück-
kommen :
Von Raubthieren Ursus bonariensis, eine grosse Katze von
Tarija; von Nagern ein Hydrochoerus von Tarija ; von Vielhu fern Ma-
stodon Andium, Toxodon platensis , welche Gattung in Uebereinstim-
mung mit Owen als eine besondere Ordnung der Hufthiere angese-
hen wird, und der Kegodon beizugesellen w äre, Equus neogaeus, De-
8 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
villei (principalis Lund??), Macrauchenia patachonica ; von Wieder-
käuern Atifhenia Weddelii n. sp., Caslelnaudii n. sp., intermedia n sp. ;
von Edentaten Leslodon armalus n. sp. , myloides n. sp. beide nach
Kieferfragmenten, Scelidotherium , Megatherium amerlcanum und von
einer verwandten Species das Calcaneum von Tarija ; endlich Reste
von Glyptodon und Euphractus.
duad riimana.
Simiae catarrliinae. Blyth besrhäfligte sich wie-
der (vergl. den Bericht über das Jahr 1853. p. 7) jnil der
Frage über die Verschiedenheit der Arten der Orang-
Ulan's. Journal of the Asialic Sog. of Bengal Voi, 24. 1856.
p. 518.
Er hatte Gelegenheit sieben Skclete von grossen Orang-Utan's
zu untersuchen, welche das Museum in Calcutta von James Brooke
in Sarawak erhielt. Fünf Skelcte gehörten dem Mias Bambi Brooke
(Pithecus Rambi) an, das sechste war ein altes Weibchen von Mias
Pappan (Pithecus satyrus) das siebente hält er für eine neue Art Fi~
thecus curlus (Mias Chapin?). Das Exemplar ist männlich und von
vorgerückten Jahren; der Schädel ist menschenähnlicher als irgend
ein anderer Orang. Das kommt hauptsächlich von der geringeren
"Verlängerung der Schnauze, während die Backenknochen beträchtlich
vorragen, was dem Schädel einen Kaimucken - Ausdruck geben soll.
Die Verschiedenheit der Art würde in den verschiedenen Maassen der
einzelnen Knochen des Skeletes liegen.
Wallace beschäftigte sich durch Untersuchung von 17
Exemplaren, die er bis auf eines selbst erlegte, nach einem
von Sarawak datirfen Aufsalze in den Annais nat. bist. XVII.
p. 471 und von denen er sieben Skelete anfertigte, mit dem-
selben Gegenstande.
Er kam zu dem Resultate, dass die von Blyth unterschiedene
neue Art nicht berechtigt sei, da grosse Differenzen im Skelet bei Thie-
ren verkämen , deren äussere Charaktere identisch sind. Auch er
nimmt jedoch zwei verschiedene Arten auf Borneo an. Die Ver-
schiedenheiten sind deutlich in den männlichen Individuen , weniger
in den Weibchen ; alle Weibchen sind durch kleine Schädel ohne
vorspringende INähte und durch abgestutzte erweiterte Eckzähne aus-
gezeichnet; die Männchen beider Arten besitzen grosse conische Eck-
zähne ; die Gestalt, Grösse und Verhältnisse der Schädel, und Grösse
und Stellung der Zähne variiren so, dass diese Abweichungen allein
zur Unterscheidung der Arten nicht ausreichen.
der Säugelhiere während des Jahres 1856. 9
Brühl „Zur Kenntniss des Orano^kopfes und der Orang-
arten. Mit 2 Tafeln. Wien 1856. Selbstverlag des Ver-
fassers.
Bereits im Jahre 1852 hat der Verf. in der Wiener medicini-
sehen Wochenschrift von Dr. Witteis höf er No. 37. p. 592 unter
dem Titel „neue Befunde an ürangköpfen" kurz die Resultate sei-
ner Untersuchungen an 1 1 Orangköpfen aus Borneo bekannt ge-
macht. Hierauf die Priorität stützend werden diese Untersuchungen
jetzt ausführlicher dargelegt. ISach der Schilderung einzelner Kno-
chen, namentlich des Schläfen - und Keilbeins, geht Verf. auf die Frage
ein, ob mehrere Arten zu unterscheiden seien. Er nimmt zwei,
vorläufig osteologisch verschiedene, Arten von Orang-Köpfen an,
leisten hafte und leistenlose; erstere sind zugleich die gros-
sen, letztere die kleinen. Er stützt sich besonders darauf, dass es
Orangs giebt, die ihr ganzes Leben hindurch keine Schädelleisten
entwickeln (Kach der Arbeit von Wallace würden die leistenhaf.
ten Männchen, die leistenlosen dagegen Weibchen sein.)
W al la ce schilderte einen ganz jungen Orang-Utan
(Mias), dessen Alter er auf einen Monat schälzle, als er
durch das Tödten der Multer in seinen Besitz kam. Er ver-
suchte ihn durch Reis\yasser aufzuziehen, gab ihm auch einen
jungen Macacus cynomolgus zum Gefährten, aber der kleine
Zögling, dessen possirliches Betragen beschrieben wird, starb
nach drei Monaten. Annais nat. hist. XVII. p. .586.
Wallace schilderte auch die Lebensweise der Orang-
Utans von Borneo, Aniials nat. hist. XVIIl. p.26.
Da beide Arten in der Lebensweise ganz übereinstimmen, so genügte
es, von der Gattung z*u sprechen. Sie lieben den Hochwald in nie-
drigen feuchten Gegenden, und klettern an den Zweigen der Bäume
von einem zum andern. Sie hüpfen oder springen niemals. Verfolgt
brechen sie Zweige und Früchte ab, um sie herabzuwerfen. Verwun-
det machen sie sich ein Nest, um nicht herabzufallen. Solches Nest
legen sie auf einem horizontalen gabiigen Zweige an, auf welchem
sie alle abgebrochenen Zweige der Nachbarschaft legen und so ein
Laubbett bereiten, welches sie von unten schützt. Auch Nachts schla-
fen sie auf ähnlichen Betten, 50 — 60 Fuss über der Erde. Verf. sah
nie zwei Erwachsene bei einander, wohl aber ein Männchen oder
Weibchen mit den Jungen , oder 2 — 3 Junge beisammen. Auf die
Erde kommen sie selten, wohl nur um Wasser aufzusuchen. Die Weib-
chen werfen nur ein Junges, welches sich an den langen Haaren der
Ä^utter anklammert. Sie nähren sich ausschliesslich von Früchten,
die sie unreif vorzuziehen scheinen. Verf, erklärt die Ansicht, die
10 Troschel: Bericht über die Leistungen ia der Naturgeschichte
Orang-Utan's verthpidigen sich mit ihren grossen Eckzähnen gegen
Tiger, Bären und andere Raubthiere, für falsch. Die Dyaks behaupten
einstimmig, dass sie nie ein Thier angreifen oder von einem solchen
angegriffen werden, mit einziger Ausnahme des dortigen Krokodil's
(Cr. biporcatus) , das sie jedoch nicht mit den Zähnen, sondern mit
den kräftigen Armen bekämpfen.
Jeffries Wyman berichtete in den Proceed. Boston
Soc. V. p. 274 über eine Section des Troglodytes niger, be-
sonders mit Rücksicht auf die Vergleichung der Muskeln mit
denen des Menschen,
Mayer hat in unserem Archiv 1856. L p. 281 Beiträge
zur Anatomie des Orang-Utang und des Chimpanse geliefert,
und besonders dem Schädel, den Eingeweiden der Brust und
des Unterleibes, so wie den weiblichen Genitalien seine Auf^
merksamkeit zugewendet. Schliesslich führt er einige Bemer-
kungen über den Gorilla nach eigener Conjectur hinzu. Wenn
Verf. neue Namen für die drei menschenähnlichen Affen ein-
führt, indem er den Orang-Utang Satyrus Ktiekias, den Go-
rilla Safyrus Adrotes und den Chimpanse Satyrus Lagaros
nennt, so ist es zu bedauern, dass dadurch die Synonymie
vermehrt und erschwert wird.
Pucheran gab die Diagnosen zweier neuen Affen
an, Revue et mag. de Zoologie p. 96.
Cercopithecus Erxlebenii Dallbet Puch. Subparvus , cati dome-
stici magnitudinis ; olivaceo, fulv'o, ferrugineo, griseo nigroque varie-
gatus ; subtus et artuum lateribus internis luteus fundo albido; cau-
da'e parte basali infra olivaceo et nigro varia ; vittis capitis tribus,
intermedia cristam efficiente, regione lumbo sacrali, caudae parte su-
pera et toto apice, arlubusque anticis externe nigris ; manibus Omni-
bus facieque fuscis, ore carneo. Westafrika ?
Cynocephalus Doguera. Puch. et Seh. maior, brunneo-olivaceus;
manibus anticis nigro irroratis. Abyssinien.
SSiniae platyrriiinae. In der Reise des Grafen v.
Ca stein au beginnt der den Säugethieron gewidmete Ab-
schnitt mit einer Abhandlung von Geoffroy St. Hilaire
über die Affen, in der im Ganzen 27 Affen beschrieben und
zum Theil abgebildet sind , die sich in 1 1 Galtungen ver-
theilen.
Derselbe hatte bereits 1848 in den Comptes rendus die neuen
Arten dieser Reise veröffentlicht, und das Material ferner 1852 Archi-
der Säugethiere während des Jahres 1856» 11
ves du Mus V. p. 529 benutzt. Hier ist nun Lagothrix Castelnaui
Geoffr. et Dev. pl. l abgebildet und ausführlich beschrieben. Cebus
elegans Geoft'r. , Callithiix discolor GeofTr. Dev. sind beschrieben,
ferner Kyctipithecus Oseryi pl. 2. f. 1. , Pithecia albinasa Geoffr. Dev.
pl. 2. flg. 2, und Pithecia monachus Geoffr. pl. 3 , Brachyurus calvus
GeofFr. pl. 4. fig. 1, Brachyurus rubicundus Geoffr.. Dev. pl. 4. fig. 2
abgebildet. — Aus der Gattung Hapale sind abgebildet oder nur be-
schrieben : H. pygmaeus Spix pl. 5. fig. 1. 2, Midas pilcatus Geoffr.
Dev., Midas rufoniger Geoffr. Dev. pl. 5. fig. 3, Midas flavifrons pl. 6.
fig 1, Midas Devillei Geoffr. pl. 6. fig. 3, Midas Weddellii Dev. pl. 6.
fig. 2.
VolUantia«
Paul Gervais hat in Castelnau's Voyage Mammife-
res p. 25 — 88 unter dem Titel „Documenls zoologiques pour
servir ä la monographie des Cheiropteres sud-amerirains"
eine Monographie dieser Abtheilung niedergelegt. Vergl.
dazu auch die Berichte des Verf. in der Pariser Acadeniie
vom 24. März 1^56 und Annales des sc. nat. V. p. 204. —
Diese Ordnung der Chiroptera liefert ein Beispiel von einer
grossen Säugelhierablheilung, deren obere Glieder in ihrer
geographischen Verbreitung ebenso begrenzt sind, wie bei
den Affen , während dagegen ihre letzten Glieder , die auch
die unvollkommensten in ihren zoologischen Charakteren
sind, mehr oder weniger cosmopolitisch sind. In Amerika
existiren jedoch gewisse Arten dieser Familie, welche sich
generisch von denen der anderen Halbkugel unterscheiden.
— Verf. hnl für seine Arbeit besonders die von Caslel-
nau und De vi 11 e gesammelten Materialien benutzt. Wir
geben hier eine Uebersicht der Kintheilung des Verfassers.
I. Phyllostomi dae mit 4 Tribus.
a. Desmodina. Die einzige Art Desmodus rufus ist pl. 8.
fig. 6, pl. 9. fig. 1 abgebildet.
b. Stenodermina. Gattungen: Brachyphylla Gray l Art;
Ft er 0 derma n. gen. für Phyllostoraa perspicillatum Geoffr. gegrün-
det; — Arlibaeus Leach 3 Arten; — Der manu ra n. gen. mit
Schenkelflughaut aber ohne Schwanz. Dahin eine neue Art D. eine"
reum aus Brasilien; — Stenoderma E. Geoffr. 1 Art, St. rufum, deren
Vaterland unjiekannt war, die jedoch höchst wahrscheinlich aus Süd-
amerika stammt ; — Sturnira Gray 2 Arten.
12 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
c. Glossophagina. Dahin die Gattungen Phyllophora Gray,
— Glossophaga Gray, — Monophyllus Leach, — AnouraGray, — Hemi-
4 f>
derma n. gen. — Vorderz. — Backenz. Schenkelflughaut von mittle.
4 5
rer Grösse mit einem Rudiment von Schwanz , auf Phyllostoma bre.
vicaudum gegründet.
d. Vampyrina. Dahin die Gattungen Vampyrus Leach 1 Art,
— Phyllostoma E. Geoffr. (hastatum , elongatum und eine neue Art
angusticeps von Bahia. Zimmetfarbig grau, Ohren ziemlich gross,
Schwanz bleibt in der Schenkelhaut eingeschlossen). — Lophostoma
d'Orb. Gerv. 1 Art. — Tylo sloma n. gen. auf Phyllostoma bidens
Spix und crenulatum E. Geoffr. gegründet: Kopf ziemlich lang, Kinn
warzig, Schenkelflughaut gross, vollständig, bis zum Hacken reichend,
Schwanz kürzer , mit freier Spitze über der Haut. _1 Vorderzähne.
1
^ Backenzähne. — S chizos t oma n. gen. Kopflänglich, Gesicht schmal,
5
Mund tief gespalten, Schenkelflughaut weit, bis zum Hacken reichend,
aber am freien Rande mehr oder weniger ausgeschnitten ; Schwanz
viel kürzer mit freier Spitze über der Haut. Schädel angeschwollen,
Kiefern lang, __ Vorderz. __ Backenz. Unterscheidet sich besonders
2 6
von Lophostoma durch die Zahl der Vorderzähne, die dort_ ist. Eine
neue Art Seh. minutum von Bahia. Die kleinste Art der Familie,
oben braun mit hellgrauem Haargruncle, unten hellgrau, Seiten rölh-
lichgrau. — Macrophyllum Gray l Art. Am Schlüsse dieser Familie
wird eine neue Gattung Spectrellum aufgeführt: Zahnbau und Ha-
bitus ähnlich mit Tylostoma und Macrophyllum, aber ohne Nasenblatt.
Vorderzähne klein, die des Unterkiefers rudimentär, die innern kaum
sichtbar. _. Backenzähne. Schenkelhaut gross, bis über die Knöchel
reichend, seitlich durch ziemlich starke Spornbeine gestützt. Schwanz
stützt die Schenkelhaut in ganzer Länge , hat 5 Wirbel , von denen
die drei mittleren sehr lang und schlank sind. Schenkel lang und
dünn. Nur eine Art Sp. macrourum n. sp. Pelz weich, ziemlich lang,
unten blond, oben hellkaslanienbraun. Gliedmassen zimmetfarbig und
mit zahlreichen regelmässigen Streifen versehen , die durch kleine
reihenweis gestellte Follikeln gebildet sind. Naslöcher nahe dem
Lippenrande, schief gespalten; Ohren rundlich, am äusseren Rande
ausgeschnitten. Kinn schwielig und auf der Mittellinie schwach ge.
furcht.
IL V espertilionidae mit 5 Tribus.
a. Noctilionina. Gattung Noclilio.
der Süugethiere während des Jahres 1856. 13
b. Molossina mit den Gattungen: Molossus 2 Arten; —
Protnops n. gen. auf Molossus ursinus Spix gegründet. Aeusserlich
den Molossus ähnlich, Kopf wie bei Nyctinomus. — Vorderzähne,
2
_L Backenzähne , die oberen Schneidezähne hakenförmig und denen
5
von Noctilio ähnlich, die unteren Schneidezähne zweilappig; — Nycti-
nomus 3 Arten.
c. Emballonurina mit den Gattungen: Urocryplus Temm.
1 Art; — Diclidurus Neuw. 1 Art; — Saccopteryx 111. 1 Art; —
Emballonura Kühl 2 Arten, darunter £. brunnea neu von Bahia. pl. 15.
fig, 1 Gebiss. Ohren rundlich, Ohrdecliel messerförmig , Naslöcher
ziemlich genähert; Pelz rauchbraun, ziemlich hell und einförmig;
Flughäute mit vielen punktirten Linien, die durch Reihen kleiner
Follikeln gebildet sind ; die Schenkelflughaut reicht über die Knöchel,
•si'e ist dunkler als die übrigen Häute , und unten mit fast unmerkli-
chem Flaum; Spornen ziemlich gross, aber sie begrenzen nur '/a der
Flughaut, der freie Baum dazwischen ist gerade abgeschnitten; —
Proboscidea Spix. Dahin ausser P. saxatilis Spix eine neue Art V.
villosa pl. 11. fig. 1. pl. 13. fig. 3 Zähne, aus der Provinz Goyaz. Die
Haare sind länger, seidenartig weich; die der Stirn sind aufgerichtet
und bilden einen Schopf; die Farbe ist rauchbraun oben etwas dunk-
ler. Die Nase springt vor wie bei der anderen Art; der Schwanz
reicht nicht über das Drittel der Schenkelflughaut, welche zwischen
den Spornen gerade abgeschnitten ist; die Flügel sind schmal, und
die beiden letzten Phalangen des rechten Fingers und die letzte der
beiden folgenden fallen sich in der Buhe zurück, wie bei saxatilis.
Unter der Mitte der Schenkelflughaut stehen einige äschgraue Haare. —
Centronycteris Gray, der ausser Vesp. calcaratus Neuw. auch Em-
ballonura lineata Temm. beis^ezählt wird. — Furia.
d. Nycticeina. Dahin die Gattungen Atalapha Rafin. und
Nycticejus Baf. Aus letzterer wird eine neue Art beschrieben IS.
Ega pl. U. fig. 1 Schädel und Gebiss. Pelz gelblich kastanienbraun,
unten etwas heller, oben etwas glänzender. Ohren rundlich, mit
messerförmig gebogenem Ohrlappen, von der Gestalt eines Gartenmes-
messers (serpette). Naslöcher an den Seiten einer kleinen in der Mitte
etwas ausgeschnittenen Schnauze und röhrig. Schenkelflughaut gross,
über das Niveau der Knöchel als Spitze ausgedehnt. Schwanz reicht
bis zur Spitze. Oben auf der Basis der Haut einige Haare, ihre un-
tere Fläche mit einigen Querlinien kleiner Follikeln. Bei der Stadt
Ega in Brasilien.
e. V es p ertili-oni na. Sie werden folgendermassen einge-
theilt: 1. Solche mit 30 Zähnen. Gatt. Scotophilus Leach. — 2. mit
32 Zähnen. Gatt. Vesperus, — Histiotus n. gen. auf Plecotus ve-
14 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte -
latus GeofTr. gegründet. Grosse Ohren, aber nur JL Backenzähne.
5
Auch die afrikanische V. leucainelas Cretschm. soll dahin gehören. —
Harpiocephalus Gray. — 3. mit 34 Zähnen. Gatt. Murina Gray. —
Synotus Keys. Blas. — Vesperugo Keys. Blas. — 4. mit 36 Zähnen.
Gatt. Plecotus Geoffr. — Miniopterus Bonap. — 5. mit 38 Zähnen.
Gatt. Myotis Kaup. Darunter eine neueArt M. kinnamon pl. 15. fig. l.
Gebiss. Pelz zimmetroth, oben etwas dunkler; Basis der Haare blei-
farbig; der nackte Raum zwischen den Naslöchern etwas ausgehöhlt;
Ohren spitzlich , Ohrdeckel spitz messerförmig , am Innenrande ge-
rade, am Ausscnrande gekrümmt. Von Capellanova in Brasilien. —
Nicticellus n. gen. auf Vesp. lepidus Gerv. von Cuba gegründet,
stimmt im Gebisse mit Älyotis, unterscheidet sich aber durch die ei-
genlhümliche Form des Schädels, der im Gesichtstheile langstreckig
ist, und durch die Anordnung der Schneidezähne, die dünn, einfach
und gleichweit von einander abstehend sind.
- Zu diesem Abschnitte über die Fledermäuse gehören 9 Tafeln
(7 — 15). Auf Taf. 7 ist abgebildet: fig. 1 Schizostoma minutum, fig. 2
Macrophyllum Neuwiedii ; auf Taf. 11. fig. 1 : Proboscidea villosa, fig. 2
Furia horrens, fig. 3 Dermanura cinereum. Alle übrigen Abbildungen
sind Schädel und Gebisse.
Die Untersuchung von Peters über die Gattung- Mor-
mops Leach ist aus den Monatsberichten der Berliner Aca-
demie vom Juli 1856 in unser Archiv p. 305 aufgenommen
worden. Die Gattung Mormops würde sich hiernacli mit
Chilonycleris an Brachyphylluin ansciiliessen, und eine Gruppe
bilden, die den Vampyrus unter den eigentlichen Phyllosto-
men am nächsten stehen würde.
Eine neue Fledermaus von Gould in dessen Mammals
of Australia VII, Vesperiiäo macropus , stammt aus Süd-Au-
stralien.
Sie ist ein ächter Vespertilio, hat sehr lange und elegant ge-
bildete Ohren, grosse Flügel, sehr lange Hinterfüsse und unterschei-
det sich ferner durch die greise Färbung des Pelzes, der besonders
am unteren Theile des Bauches fast weiss ist. Die Farbe scheint
jedoch etwas zu variiren. Die allgemeine Farbe des Pelzes ist grau-
bräunlich, nach hinten weisslich werdend.
ScotopliUus nigrogriseus Gould ib. Vlli lebt in der Nähe
der Morelon-liai.
Er ist von der Grösse des Sc. picatus, dem er auch ähnelt. Sc.
picatus lebt mehr im Innern, Sc. nigrogriseus an der Küste. Pelz
weich und sammetartig anzufühlen; allgemeine Färbe graulichschwarz,
der Saiigethiere wälücnd des Jahres 1856. 15
etwas heller am hinteren Theile der obcien Fläche; der Bauch ist
braun, am After in ein sehr helles Braun veischiessend; Flügel und
Schenkel haut purpurbraun.
Iflisectivora.
Tom es hat in den Annais nat. bist. XVII. p. 11 die
Abhandlung von Blyth über indische Spitzmäuse (vgl. vor.
Bericht p. 42) auf den Wunsch des Verfassers wieder ab-
drucken lassen, und eigene Bemerkungen hinzugefügt.
Er hat zwei von Horsfield beschriebene Arten, eine neue
Blyth'sche Art S. fidiginosus von Pegu und eine neue Art S. Horsfieldii
von Ceylon hinzugefügt. — Was die Synonymie betrifft, so erklärt
Tom es S. caerulescens Shaw und indicus Horsf. für identisch, mu-
rinus sei davon nur durch längeren Pelz verschieden, Griffithii dage-
gen sei eine gute Art. Ferner werden S. Sikimensis Hodgs., socca-
tus Hodgs und aterrimus Blyth als Synonyme zu Soriculus nigrescens
gebracht. — Crossopus caudatus Hodgs. soll von dem Europäischen
C. alpiuus kaum zu unterscheiden sein.
Die von Dehne als neu beschriebene Sorex chrysothorax wird
von Blasius in diesem Archiv 1856. I. p. 266 als identisch mit Cro-
cidura leucodon nachgewiesen.
Ayres beschrieb Proc. California Academy nat. sc.
San Francisco I. p. 54, May 21. 1855 einen neuen Scaiops,
der in Californien sehr gemein und den Gärten schädlich
sein Süll.
2 12 9
Scaloüs californicus. — Vorderz. — Lückenz. __ Backenz. =
^ ' 4 12 6
44 Zähne. Dunkelbraun, fast schwarz; die sparsam behaarten Füsse
hell fleischfarbig. Knorpelschnauze verschmälert, unten abgeflacht.
Kaslöcher hallen in ihrer Lage die Mitte zwischen denen von Sc.
ßreweri und Sc. aquaticus, sie sind nicht so terminal wie beim ersten,
und nicht so nach oben gerückt wie beim letzteren. Sohle breit, nicht
länglich; Schwanz nicht flach, fast stielrund, am Körper etwas einge-,
schnürt, dann dicker werdend und von da an zugespitzt, schwach mit
Haaren besetzt. Länge von Kopf und Körper 5,1 Zoll. Länge der
Schwanzrübe 1,2 Zoll. Breite der Sohle 0,65 Zoll, Länge derselben
0,8 Zoll. Länge des Schädels 1,3 Zoll. — Diese Art ist nahe verwandt mit
Sc. Breweri, jedoch kleiner, die Hand verschieden, der Schwanz nicht
abgeplattet, mehr nackt und länger, der Schädel ist breiter. Von Sc.
aquaticus unterscheidet sie sich durch geringere Grösse und durch
die Zahl der Zähne. Von Sc. Townsendi, der einzigen bisher von der
Westseite Amerika's bekannten Art unterscheidet sie sich durch Grösse
und Farbe, obgleich sie in der Zahnformel übereinstimmt.
16 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
^ Carnivora«
li'eiina« Valenciennes beschrieb in der Pariser
Academie eine neue Art Felis TuUiana von Smyrna.
Der Pelz ist grau, wenig bedeckt mit grossen Rosenflecken an
den Seiten; an den Schultern und Schenkeln sind diese Flecke etwas
kleiner, an Hand- und Fusswurzel werden sie grosse schwarze Punkte,
die man am Kopfe und ein wenig am Halse wiederfindet. Die Flecke
setzen sich auf den Kücken des Schwanzes fort. Dieser ist länger
als der ganze Körper des Thieres, das Haar wird gegen das Ende im-
mer länger, was als besonders charakteristisch hervorgehoben wird.
Yergl. Revue et mag. de zool. p.286.
Canina. Bur meist er hat sich in seinen „Erläute-
rungen zur Fauna Brasiliens" p. 19 vorzüglich auch mit den
Hunden Südamerika's beschäfligt. Er unterscheidet 7 Arten,
die er in drei Ablhellungen bringt. Es sind folgende:
1. Chrysocyon Ham. Smith, Schwanz kurz, reicht nur
bis zun) Hacken; Schädel mit abgesetztem Scheitelkamm auch im hö.
heren Alter ; obere Kauzähne zusammen viel länger als der Fleisch-
zabn, Pupille rund.
J. C. jubatus Desm. (C. campestris Pr. Wied).
II. Ly ca lo p ex Burm. Schwanz bis über die Hacken hinab-
reichend; Schädel ohne Scheitelkamm auch im höheren Alter; obere
Kauzühne zusammen viel länger ^Is der Fleischzahn. Pupille rund.
2. C. cancrivorus Desm. (C. brasiliensis Lund, C. melampus
Wagn. Schwanz miltellang; Schnauze schwärzlich.
3. C. vetulus Lund (^C. Azarae Pr. Wied) Schwanz sehr lang;
Schnauze röthlich gelbbraun; untere Seite des Schwanzes blassgelb.
4. C. fuhicaudus Lund. Wie voriger ; untere Seite des Schwan-
zes rothgelb.
III. Pseudalopex ßurm. Schwanz lang über den Hacken
herabreichend; Schädel mit schwachem Scheitelkamm im Aller; obere
Kauzähne zusammen kaum oder sehr wenig länger als der Fleisch-
zahn. Pupille im Lichte elliptisch.
5. C. Azarae Rengg. Vorderbeine aussen bis zur Hand grau,
F'usssohle schwarzbraun.
6. C. griseus Gray. Vorderbeine ganz rothgelb , Fusssohle
rothbraun; kleiner, röthlich gelbgrau, ßeine rolhgelb.
7. C. magellanicus Gray. Wie voriger; grösser, fuchsroth,
Rücken schwärzlich.
Alle diese Arten sind beschrieben , mit Ausnahme von Azarae
und magellanicus auch abgebildet. Von letzteren ist jedoch, wie auch
der Säugethiere während des Jahres 1856. 17
von den übrigen der Schädel abgeLildct. Bemerkungen über die Le-
bensweise sind beigebracht, und die Synonymie ist erörtert.
Bur meisler ist ebenda nach eigener Anschauung
von Balg und Skelet der Ansicht van der Iloeven's bei-
getreten, dass Icticyon venalicus nicht zu den Mardern, son-
dern zu den Hunden gehöre. Der von der Zahl der Höcker-
zähne hergenommene Charakter sei für Familienunterschei-
dung nicht ausreichend. Verf. definirt nun die Hundefamilie so,
dass ihre Lückenzähne ungleich (oben 3, unten 4) seien, dass
ihr Fleischzahn im Oberkiefer nur zwei Höcker in der äus-
seren Reihe der Zahnkrone besitze, und dass die oberen Kau-
zähne sich nach innen entschieden verschmälern. Im Un-
terkiefer hat der Fleischzahn zwar drei Höcker, wie derselbe
der Vivcrren, aber der innere hinlere Höcker ist viel kleiner
als der äussere , während bei den Viverren beide hinteren
Höcker ziemlich gleiche Grösse besitzen. — Icticyon vena-
licus ist auf 4 Tafeln im Balg, Skelet, Schädel und Skelel-
Iheilen abgebildet.
Crisp hat Annais nat, bist. XVIII. p. 178 den Lycaon
piclus anatomisch untersucht, mit besonderer Rücksicht auf
das Gewicht der einzelnen Organe.
Viverrina. Loche beschrieb eine neue Art Zorilla
Vaillantii. Rev. de zool. p. 497 aus Algerien.
Sie wird dadurch von Vivcrra zorilla unterschieden, dass sie
kleiner ist (44 Centim. gegen 55 — GO Centim., dass der Pelz weicher
ist, dass das Weiss der Stirn ein Band bildet, welches den ganzen
Kopf einhüllt, während es bei zorilla nur ein weisser Längsfleck zwi-
schen den Augen ist, dass die Lippen weiss sind, bei zorilla schwarz,
dass der Schwanz oben weiss und unten schwarz ist, bei zorilla
oben schwarz.
Marsiipialia.
In den „Erläuterungen zur Fauna Brasiliens*^ p. 55 lie-
ferte Burmeister eine Monographie der Gattung Didelphys.
Er behält die Zusammenstellung, wi'e sie in seiner systema-
tischen Uebersicht der Thiere Brasiliens I. 1854. p. 122 ge-
geben war, bei, erweitert sie aber durch einige neue Grup-
pen. Er Iheilt die Gattung in folgende sechs Unlergal-
lungen:
Archiv f. Katurgesch. XXlIl. Jahrg. 2. Bd. ß
18 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Kaiurgeschichte
1. Didelphys ausgezeichnet durch das lange, steife, ziem-
lich starke Grannenhaar, welches weit über das lange geliräuselte
"Wollhaar hervorragt. Dahin D. virginiana, Azarae,. albiventris, cali-
fornica, aurila, cancrivora.
2. Metachirtts Burm. Haarkleid kurz, glatt anliegend,
fein ; Grannen wenig vorragend , Ohren gross , einfarbig ; ein heller
Fleck über jedem Auge; Schwanz halb schwarzbraun, halb weiss
am Ende. Dahin M. Opossum, myosurus und Quica.
3. Chironectes 111.
4. Phil ander Burm. Unterscheidet sich von Metachirus
durch stumpfere Schnauze, wolligeren Pelz, längere Grannen; auf
dem Scheitel ein dunkler Längsstreif, kein heller Fleck über dem
Auge; Schwanz gewöhnlich scheckig gefleckt. — Am Schädel fehlt
ein erhabener Scheitelkamm, dem knöchernen Gaumen fehlen die offe-
nen Lücken ; der erste und dritte Lückenzahn sind sehr klein. Dahin
Fh. CayopoUin und dichura.
5. Grymaeomys Burm. Kleinere Arten von mäuseartigem
Ansehen mit langen dünnen Schwänzen und unvollständigem Zitzen,
sack. Haarkleid weich, ohne Grannen, nicht wollig. Schwanz fast
nackt. Farbe röthlichgrau am ßücken, gelblich weiss am Bauche und
Kopfe , Augengegend von einem dunklen Fleck umgeben , der sich
als Streif gegen die Nase hinzieht. Dahin G. cinereus , scapulalus
Burm. (Waterh. l. 505) nach dem Berliner Museum beschrieben, dor-
siger, murinus, impavidus, agilis, elegans.
6. Microdelphis Burm. Nase kleiner und spitziger als bei
der vorigen, auch die Augen und Ohren kleiner, Pelz kürzer aber
sehr weich, Schwanz viel kürzer und dichtbehaart. Dahin M. tri-
striala, tricolor, brachyura und velutina.
Die meisten Arten sind abgebildet, alle beschrieben. Am Schlüsse
werden einige dem Verf. unbekannte hinzugefügt.
Paul Gervais hat die amerikanischen Beutelrallen;,
namentlich in Beziehung auf das Gebiss genauer untersucht.
Sur quelques points de i'histoire zoologique des Sarigues et
plus parliculierement sur leur Systeme dentaire. Voyage de
Castelnau Mammiferes p. 95— 103. — Es kam ihm besonders
darauf an, zu unterscheiden, ob die fossilen Reste des Mont-
martre mit den amerikanischen übereinstimmen. Er spricht
sich dahin aus : dass die ßeutelrallen^ deren Reste man in
Europa geiünden hat, weder in Amerika noch anderswo
existiren.
Das Gebiss ist von Didelphys derbiana , philander, opossum,
der Säuffethiere während des Jahres 1856. 19
•&
virginiana und Azarae abgebildet, ferner von Chironecles palmata,
Wicoureiis pusillus und Didelphus Ilunteri, welche letztere der Gattung
Hemiurus Geoffr. beigesellt wird. Von dieser Art ist auch das Thier
pl. 16 in natürlicher Grösse abgebildet.
Crisp hat in den Annais of naf. hist. XVIII. p. 177
einige Notizen über die Anatomie von Thylacinus Cynoce-
phalus gegeben , wobei er besonders auf das Gewicht der
einzehien Organe Rücksicht nahm.
Gould beschrieb in seinen Mammals of Auslralia Part
VIII eine neue Art Phascogale lanigera.
Dieselbe unterscheidet sich durch Grösse und Färbung von Ph.
calura , ist kleiner und hat keine Spur von der rothbraunen Färbung
am Grunde des Schwanzes. Der Pelz ist weich und etwas mehr wol-
lig als bei calura. Die allgemeine Färbung ist aussen braun, an der
Haut grau, wird greis an den Hintertheilen, unten grauweiss; Augen
von einem schmalen schwarzen Ringe umgeben; Ohren sparsam mit
kleinen braunen Haaren bekleidet; Vorder- und Hinterfüsse weiss,
an den Zehen braungrau, Basaltheil des Schwanzes braun wie der
Körper; Haare der letzten Schwanzhälfte lang und schwarz.
Mofleautia.
Hensel schrieb in den Verhandlungen dos Schlesischen
Forslvereins 1855 über die forstiich schädlichen Nagelhiere
Schlesiens.
Es werden gciurus vulgaris, 3 Arten Alyoxas, 3 Arten Mus,
4 Arten Arvicola abgehandelt. Der Verf. und in einem Zusätze der Ober-
forstmeister V. Pannewitz, meinen, die Gattung der Nagethiere,
welche den Schaden verursachen, sei aus der Art und Weise des Scha-
dens zu erkennen. Im Winter verübt kann er nicht von den Schlä.
fern herrühren, sondern ist von Wühlmäusen verursacht, wenn er
dicht über dem Boden statlfirtdet, von eigentlichen Mäusen dagegen,
wenn mehr oder weniger hoch über der Erde, da diese klettern. Im
Sommer verübt und dicht über dem Boden ist er lediglich den Wühl-
mäusen zuzuschreiben , mehr oder miuder hoch über der Erde und
hei Wacht hat er die Mäuse oder die Schläfer zu Urhebern, bei Tage
dagegen nur die Mäuse , da die Schläfer nur während der Nachtzeit
arbeiten. Auf einer zugehörigen Tafel sind die Gebisse der verschie-
denen Arten dargestellt.
Die Revue et mag. de zool. bringt auf Taf. 17 eine
nach dem Leben gezeichnete Abbildung eines jungen Aye-Aye,
Chiromys madagascariensis , und der Herausgeber jener Zeit«
20 Troschel: Bericht liber die Leistungen in der Naturgeschichte
Schrift, Guerin Meneville, machte dazu p. 312 einige
historische Bemerkungen.
siyoxina. Pomel beschrieb Revue de zool. p. 188
Myoxus munbyanus aus der Provinz Oran als neue Art.
Pelz schieferbraun, röthlich auf dem Kopfe, mit Weiss melirt
hinter den Ohren, unterhalb weisslich ; ein schwarzer Augenfleck
erstreckt sich bis zum Scheitel, und unter das Ohr, wo er einen klei-
nen wcisslichen Fleck einfasst; Schwanz zweizeilig, nach dem weis-
sen Ende schwärzlich. Körper 0,085 ftl., Schwanz 0,075 ä1.
Eine von Dehne in der AUg. deutschen Zeitung I. S. 180 als
Myoxus speciosus beschriebene Art hält Blas ins nicht verschieden
von M. avellanarius. Dies Archiv 1856. I. p. 275.
Castorina. Nach Boll wurde der letzte Biber in Meli-
lenburg 1789 erlegt , und zwar bei Dömitz in der Elbe.
Archiv des Vereins in Meklenburg 1856. p. 73.
Murina. Nach Krauss wird auch in Stuttgart die
Hausratte sehr selten; seit 15 Jahren kamen ihm zuerst wie-
der zwei Exemplare vor. Würtembergische naturw. Jahres-
hefle 1856. p. 117.
V. Kon ig-Wart hausen vermehrte die Fauna VVür-
tembergs um zwei Nagethiere, Mus minulus und Hypudaeus
rutilus lUig. Fall., die beide beschrieben werden. Zu ersle-
rer zieht er auch Micromys agilis Dehne; letztere nistet
nicht wie ihre Gallungsverwandlen unter der Erde, sondern
in einem rundlichen Nest über dem Boden. Würtembergi-
sche naturwiss. Jahreshefte. 1856. p. 72.
Der Ansicht, dass Dehne's 18-11 aufgestellte Micromys agilis
nichts weiter als Mus minutus sei, ist auch ßlasius in diesem Ar-
chiv 185G. 1. p. 272 Musculus mollissimus Dehne hält Blasius
ib. p. 277 für nicht verschieden von Mus musculus.
v. König- Warthausen beschrieb die noch blinden
Jungen von Hypudaeus arvalis, und sieben auffallende Farben-
varielälen. Würtembergische naturw. Jahreshefte 1856. p. 88.
Pomel stellte eine neue Mäuse-Art auf und beschrieb
sie, so wie zur Vergleichung Mus alexandrinus Geoffr. Revue,
et Mag. de zool. p. 189.
Mus alexandrinus Pelz oben rothbraun , aus drei Arten von
Haaren gebildet; die einen lang, steif, die andern fein, weich, noch
andere ebenso lang, platt, stark und stechend; unten weisslich; Oh-
der Säugelhiere während des Jahres 1856. 21
ren fast nackt , braun ; Schwanz schuppig mit Ringen steifer Haare.
Körper 0,2 M., Schwanz 0,2 M. Lebt in Häusern. — M. algirus Po-
mel ib. Pelz braungrau mit einem Stich ins Gelbe oder Röthliche,
untermischt mit einigen langen schwarzen Haaren ; unterhalb weiss-
lich ; bisweilen ein rother Fleck an der Brust; Ferse braun; Ohren
fast rund, kurz, mit einem kleinen Büschel vor dem Gehörgange;
ein weisslicher Fleck -hinter dem Ohre; Schwanz grau, gegen das
Ende bräunlich. Körper 0,075 M , Schwanz 0,06 M. Provinz Oran.
Blasius hat sich in diesem Archiv 1856. I. p. 261 überzeu-
gend dahin erklärt, dass Arvicola leucurus Gerbe Local- Rasse von
Arvicola nivalis Mart. oder Hypudaeus alpinus Wagner sei ; ebenso
Arvicola Selysii Gerbe von Arvicola subterraneus. Arvicola ibericus
Gerbe ist sehr wahrscheinlich gleichfalls nur Local-Rasse von Arvi-
cola incertus de Selys, und mit dieser von A. Savii nicht specifisch
verschieden.
Gervais beschrieb in der Castelnau'schen Reise eine
neue Art Eesperomys macrurus pl. 16. fig. 1, die zu Trixas
gefangen wurde.
Sie ist gelb, oben etwas röthlich , unten gelblich weiss, Füsse
gelblich weiss, Basis der gelben Haare bleifarbig braun; Schwanz
schuppig und fast nackt in seinen letzten zwei Dritteln, am Ende wird
er jedoch etwas haarig; diese Haare sind zimmetgrau, aber nicht lang
genug um einen wirklichen Pinsel zu bilden; grosse zimmetfarbige
Barthaare.
Nacli Da wson (Report of the 25. Meeting of the British
Assoc. held at Glasgow p. 110) kommen m Neu -Schottland
zwei Arten Meriones vor.
Die eine ist M. Labradorius Richards., die zweitB ist kleiner,
dunkler gefärbt, und hat gröbere Haare. Verf. giebl ihr den Namen
M. Acadicus für den Fall, dass sie sich als neu ergeben sollte. Diese
Art bewohnt Kornfelder. — Von Arvicola kommen auch zwei Arten
vor: A. pennsylvanica und novaboracensis, — Ebenso lebt dort Mus
leucopus. -^
Pomel beschrieb Rev. et Mag. de zool. p. 189 eine
neue Art Gerbillus Sellysii,
Pelz weich, glänzend, hellbraun mit gelb verwaschen, dunkler
auf Kopf und Kruppe, röthllcher an den Seiten, unterhalb rein weiss;
Unterseile des Schenkels braun ; ein grosser blasser Augenfleck, deut-
licher markirt vor dem Ohre, Schwanz von Farbe des Rückens am
hinteren Drittel mit langten braunen Haaren. Provinz Uran.
Hensel hat in der Zeitschr. der deutschen ^geologischen
22 Tr ose hei: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Gesellschaft 1856. {3. 279 über das Gebiss des lebenden Mi-
solhermus torqualus geschrieben^ nach einem aus dem Tai-
myrlande stammenden Exemplare. Verf. vergleicht ihn mit
einem früher beschriebenen diluvialen Schädel desselben Thie-
res, und erklärt die kleinen Abweichungen für individuelle.
Orycteriiia. In dem Reisewerk von Castelnau ist pl. 17
Lasiuromys villosus Deville abgebildet, über welche Galtung bereits
in dem Berichte über das Jahr 1852. p. 15 Nachricht gegeben wurde.
P ectinator Blylh ein neues Genus j, welches schon
oben erwähnt ist, gehört mit Ctenodactylus Gray in dieselbe
Gruppe von Nagern.
Die Thiere dieser Gruppe haben einen weichen Pelz, sehr lange
Barthaare, und nur vier Zehen an jedem Fuss ; die Fusssohlen sind
nackt ; über jeder Kralle ist ein Büschel steifer Borsten, besonders
an den Hinterfüssen, und die innerste Zehe der Hinterfüsse hat einen
eigenthümlichen Kammapparat. Ctenodactylus hat _ Backenrähne ;
3
bei Pectinator tritt ein kleiner einfacher Zahn oben und unten vor
den anderen hinzu; der Unterkiefer von Pectinator hat keine Spur
von Kronfortsalz. Aeusserlich ist Pectinator von Ctenodactylus durch
wohlentwickelten Schwanz und Ohrmuscheln , kleinere Augen und
mehr diurne Lebensweise verschieden. Die Art I\ Spekei ist 6 Zoll
lang, nud der Schwanz 2yn Zoll. Die Farbe ist graubraun.
Duplieideaitata. Historische Notizen über „gehörnte Ha-
sen" finden sich im Archiv des Vereins in Meklenburg 1856. p. 75.
V. König-Warthausen beschrieb eine Monstrosität eines
Hasen. W'ürtembergische naturw. Jahreshefte 1856. p. 86.
Von Lepus granatensis Schimper, der in den aadalusischen Ge-
birgen lebt, und den Verf. fraglich als eine Varietät von Lepus medi-
terraneus Wagn. ansieht, giebt Rosen hauer (Thiere Andalusiens
p. 4) folgende Diagnose: Auriculis capite multo longioribus , apice
nigris, cauda alba supra nigra; Stria flavescenti post oculos; nucha
colloque sordide, abdominis lateribus artubusque saturate ferrugineis,
bis linea alba ; gula, mento ventreque niveo-albidis.
V. Klein hat den Apparat zur Bewegung der Zunge
bei Manis macroura Desm. (crassicaudata Griffilh) beschrie-
ben. Würtcmbergische naiurw. Jahreshelte 185Q. p. 96.
der Säugelhiere während des Jahres 1856. 23
Vulpian und Philippeaux untersuchten und be-
schrieben das Herz, die Leber und die Lungen eines im Alter
von 3i Jahren zu Paris gestorbenen weiblichen Elephanten.
Annales des sc. nat. V. p. 183.
In der Zoology of H. M. S. Herald machte Richard-
son p. lOl Bemerkungen über ein Paar fossile Schulterkno-
clien eines Elephanten, die am Swan River in Ruperts Land
gefunden wurden , und die der Verf. , obgleich er nicht die
Absicht hat, eine Species nach den Abweichungen eines ein-
zelnen Knochens zu charakterisiren , docii für passend hält
unter einem besonderen Namen Elephas Riipertiamis zu be-
schreiben.
Ruminaiitia.
Cervina. Nach einer Schilderung des Elenn's und
seiner Jagd (Blätter über Pferde und Jagd von Vogler
1S56. December) ist das Elenn in Schweden jetzt wieder häu-
figer, namentlich in Wermeland und Dalekarlien.
Richard son hat in der Zoology of the Voyage of
H. M. S. Herald p. 102— 114 das Skelet von Alces Muswa,
das Muswa der Cree- Indianer ausführlich beschrieben und
auf pl. 20, 21, 22. fig. 1 und Q4 abgebildet. — Ebenda
p. 115 — 119 sind die Maasse des Skeleles eines Rennthieres,
Cervus tarandus, welches bei Fort Confulence in der Arcti-
schen Zone getödlet wurde, gegeben.
Cavicornia. In der Zoology of the Voyage of H. M.
S. Herald p. 131. pl. 16— 19 hat Richa rd s o n das Skelet
der Antilope von den Rocky Mountains Rupicapra americana
beschrieben und abgebildet.
Gray sieht ein Uörnerpaar in dem Derby-Museum zu Liver-
pool, wenigstens vorläufig, als einer neuen Arl der Gattung Antilo-
capra an, verschieden von A. americana. Er nennt die Art A. anle~
fleiva. Die Hörner sind zusammengedrückt , hinten abgerundet und
gekrümmt, vorn zusammengedrückt; die dreieckige Spitze ist wink-
lig nach vorn gebogen etwas über dem comprimirten Stirnfortsatz,
wogegen die Spitze bei A. americana nach hinten gebogen ist. Verf.
24 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
vennuthet , dass auch diese Art aus Amerika stamme. Proc. zool.
soc. 1855. Jan.; Annais nat. hist. XVII. p. 424.
Von Capra (Aegoceros) hispanica hat Rosen hauer (Thiere
Andalusiens Taf. l und 2. p. 4 Abbildungen geliefert und dazu eine
Beschreibung und Diagnose entworfen: Supra fusco-fulvcscens, venire,
collo capiteque subtus, pedibus intus sordide albidis, his antice nigris ;
cornibus triquetris, interne carinatis , erectis , mox divergentibus, in-
curvis, apice sursum versis; cauda brevi, apice nigro ; barba minima,
brevi, nigra; femina imberbis, cornibus minutis , parum compressis.
Eine Notiz über den afrikanischen Älouflon Ovis (rage-
laphus Cuv. findet sich von Aucapitaine in der Revue et
Mag. de Zoologie 1856. p. 3.
Valenciennes beschrieb in der Pariser Academie
eine neue Art Mouflon , Ovis anatolica von Bulgardagh, die
die Mitte zwischen Ovis musimon und Ovis tragelaphus hal-
ten soll. Vergl. Rev. et Mag. de zool. p. 346.
In der Zoology of the Voyage of H. M. S. Herald p. 119
hat Richardson nachträglich zu p. 66 die Maasse eines
lebenden und fossilen Ovibos moschalus vergleichend an-
gegeben. -
Ebenda p. 122 finden sich die Maasse des Skeleles vom
Auerochsen, wozu die Abbildungen auf pl. 6 — 9 gehören.
Kavvall hat im Correspondenzblalt des naturforschen-
den Vereins zu Riga 1854 — 55. p. 114 eine Mitlheilung zur
Geschichte des Auerochsen geniacht,, der früher auch über
Kurland verbreitet war , wie aus aufgefundenen Skeleltheilen
hervorgeht, jetzt aber bekanntlich auf den Bialoweschaer
Wald beschränkt ist, wo 1853 nach den Berichten 1543 Stück
dieser Thiere gehegt wurden.
Breve descrizione anatomica di un vilello ciclope di
Andrea Verga. Memoric ddl Istiluto Lombarde di scienze
lettere ed arli. V. 1856. p. 391 mit einer Tafel.
Piiiiiipedif).
A. Koch berichtete im Archiv des Vereins in Meklen-
burg 1856 p. 71, dass im Jnhre 1838 zwei Seehunde, Männ-
chen und Weibchen durch die Recknitz in die Trebel, und
von da in die Peenc gelangt waren.
der Säuffelhiere während des Jalireä 1856. 25
Ayres legte (Proc. Californ. Acatl. San Francisco 1.
p. 61. 25. Jiiny 1855) einen Schädel vom Seelöwen (Olaria
jubata?) von den Farallon-Inseln vor, in dessen Jochbein sich
eine Bleikugel fand, welche an gewissen Eigenthiuiilichkellen
als eine solche erkannt wurde, welche erfolglos auf einen
Seelöwen an denselben Felsen im Sommer 1854 abgefeuert
wurde. Die Knochensplitter waren durch Absorbtion fast
ganz geglättet, Verf. schliesst hieraus , dass diese Seelöwen
alljährlich zu danselben Lokalitäten zurückkehren. Sie ver-
lassen die Farallon-Inseln im November, und kehren im Mai
zurück. Wie weit sie in der Zwischenzeit wandern, ist noch
unbekannt.
Cetacea.
Van der Hoeven hat in dem Album der Natuur
1856. 12. Aflev. p. 371 eine populär gehaltene Abhandlung
„über vvallfischartige Thiere im Allgemeinen und Delphine
ins Besondere« veröffentlicht, die in anziehender Darstellung,
freilich in holländischer Sprache, ein Bfld dieser Thierklasse
giebt, erläutert durch die Darslellung mehrerer Delphin-Ar-
ten in Holzschnitt.
Emmanuel Rousseau schrieb in der Rev. de zool.
p. 193, 257, 305 und 353 über den Zahnbau bei den Ceta-
ceen (de la dentition des Cetaces , et de la place qu'occupent
les fanons dans la bouche des Baleines.
Bei der Gattung Manatus finden sich oben jederseits 10 drei-
W'urzelige, unten 10 zweiwurzelige Backenzähne, die mit Ausnahme
des ersten, denen des Tapir vergleichbar sind. Die vorderen Zähne
fallen allmählich- aus , ohne ersetzt zu werden, hinten treten neue
hinzu; so erklärt sich die verschiedene Anzahl der Zähne bei den
Individuen. Die Yorderzähne sind rudimentär und gehen schnell ver-
loren. Bei einem jungen Thiere fand V«rf. zwei in flachen Alveo-
len des Zwischenkiefers liegende Zähne, bei einem anderen sechs
solcher Schneidezähne unter einer Knorpelplatte , welche die Sym-
physe des Unterkiefers bedeckt. — Halicore dugong hat zwei IHilch-
Zähne und zwei bleibende im Zwischenkiefer, unten sind acht Yor-
derzähne vorhanden, entwickeln sich jedoch nicht, und kommen beim
lebenden Thiere nicht zur Ansicht. — Rytina borealis hat Yerf. nicht
selbst beobachtet. — Aus der Gruppe der Delphine werden die Ge-
bisse der Gattungen Delphinus, Delphinapterus, Hyperoodon und Mo-
26 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
nodon kurz beschrieben. Ebenso von Physeter , in dessen Oberkie-
fer Verf. keine Zähne beobachtete. — Als den Haupttheil der Ab-
handlung betrachtet Verf. selbst die Entscheidung der Frage über die
Lage der Barten innerhalb des Unterkiefers, wenn der Mund geschlos-
sen wird. Diese Frage wurde durch einen Schädel der Pariser
Sammlung angeregt, der so aufgestellt war, dass die Barten aussen
an dem Unterkiefer vorbei herabragten. Verf. bringt mancherlei Ci-
tate und Zeugnisse für die Richtigkeit seiner Ansicht bei.
Oliphant machte eine Notiz über Manadis Seneg-alen-
sis, welcher bis 15 Fuss lang* wird, dessen Fleisch von den
Eingebornen vorzüglich geschätzt wird^ und dessen Erlegung
Bedingung für die Mitgliedschatt der Egbo-Geselischalt ist.
Report of the 25. meeting of the British Assoc. held at Glas-
gow, p. llö.
In der mehrfach erwähnten Reise des Grafen Gaste 1-
nau finden sich p. 114 auch einige Notizen über Manalus
ausiralis und dessen Skelet.
Unter der Ueberschrift „Notices manimalogiques" giebt
Pucheran die Resultate seiner Untersuchungen über die
Delphine im Pariser Museum. Rev. et mag. de zooL p. 145^
315, 362, 449 und 545.
Er sucht zunächst zu erweisen, dassDelphinus plumbeus Duss.
von D. delphis, malayanus Less. et Garn., capensis Rapp , specifisch
verschieden sei, was er jedoch von dubius zweifelhaft lässt, und
stellt die Diagnose von ü. plumbeus folgendermassen fest: Gross,
bleifarbig grau; das Ende und die Unterseite des Unterkiefers
weisslich ; Rückenflosse niedrig, aber länglich; Brustflossen und
Schwanzflosse wohl ausgebreitet und wohl entwickelt. Zahnformel
^^~^^ In der Jugend ist der Rand des Oberkiefers, der ün-
32—33—34—37
terkiefer und die Unterseite des Körpers bis zur Hälfte des Schwan-
zes weisslich. Vaterland Walabar. — Zweitens wird hervorgehoben,
dass D. longirostris Gray, mit welchem Schlegel D. capensis ver-
einigt, Zweifel übrig lasse, und fordert Schlegel auf von Neuem
Untersuchungen anzustellen, ob hierunter zwei oder drei Arten con-
fundirt seien. — Die dritte Notiz bezieht sich auf D. velox Duss. und
werden einige Maasse von ihm gegeben. — Die vierte Notiz ent-
hält eine Vergleichung von D. fraenatus Duss. und D. frontalis Duss.,
deren letztere noch verschiedener von D. dubius erscheint, als erstere.
— Fünftens wird D. niarginatus Duvernoy beschrieben und auf pl. 25
jsibgebildet. — Unter 6. werden die Maasse von Phocaenn capensis an-
(Jer Säugelhierc während des Jahres 1856. 27
gegeben. — 7. endlich werden einige Zweifel überNeomeris phocae-
noides Gray besprochen.
lieber den Bau der Magenschleimhaut von Delphinus
phocaena schrieb Ecker Berichte der Gesellsch. zu Frei-
burg in Br. Heft II. p.212.
Historische Notizen über den Whalekiller oder Tresher,
erwähnt von Tradescant 1618 finden sich Proc. Amer. Assoc.
8. meeting, held at Washington. 1854. p. 259. Es ist Del-
phinus orca.
Description des trois especes de Dauphins qui vivent
dans la region du haut Amazone par Paul Gervais.' —
In Castelnau Voyage Mamuiiferes p. 89— 94. (Vergl. Comptes
rendus 1856. p. 806; Annais nat. bist. XVII, p. 521).
Für die eine Art D. Geoffrensis Blalnv. wird der d'ürbigny'-
sche Gattungsname Inia erhalten, die beiden anderen sind von Ger-
vais neu aufgestellt. Delphinus fiutiatilis ist zuerst im JiuU. de la
soc. d'agric. de l'Herault 1853. p. 148 beschrieben. Er gehört zu den
eigentlichen Delphinen. Der Kopf ist aufgetrieben , der Schnabel
ziemlich deutlich abgesetzt, die Brustflossen ziemlich gross. Er ist
1,1 Metre lang. Oben ist die Farbe grauschwarz ; Unterkiefer und
die ganze Unterseite sind rosenfarbig Lila. Das Auge liegt im schwar-
zen Theile, und eine breite schwarze Binde, welche schief vom Auge
zu den Brustflossen herabsteigt, vereinigt diese Flossen mit dem
schwarzen Theile. Dieser Delphin ist im oberen Amazonenflusse bei
Pebas in Peru gefangen, wo er in Truppen von 2Ö — 30 Stücken vor-
kommt, Delphinus pallidus Gerv. Zuerst beschrieben in der Acade-
mie des scienc. de Montpellier 1855. Auch er gehört zu den eigent-
lichen Delphinen. Die Trennung der Stirn von dem Schnabel ist
weniger schief als bei vorigen, der Schnabel ist etwas länger, der
Unterkiefer überragt den Oberkiefer. Die Rückenflosse ist weniger hoch
und mehr ausgeschnitten , die Brustflossen sind weniger gross, we-
niger spitz. Das ganze Thier ist hell gefärbt, oben gelblich weiss,
unten weiss. Er ist 1,65 Meter lang und wurde bei Kauta in der
Gegend des Amazon, welche Maranon" heisst, gefangen. — Alle drei
Arten sind abgebildet, Sie gehen nie ins Meer.
Auch das Britische Museum in London erhielt von
Herrn Bat es die Schädel von zwei Delphinen aus den obe-
ren Theilen des Amazonenflusses, die J. E. Gray Annais
nat. bist. XVill. p. 157 beschrieb.
Den einen, welchen die Eingebornen ßouto nennen, erkannte
Gray für Delphinus Geoffroyii Dem., den anderen, von welchem
28 Troschel: Bericht über die Leistungen in d. Kalurgeschlchle etc.
Schädel von Männchen und Weibchen vorlagen , und den die Einge-
borncn Tucuxi nennen , hält er für eine neue Art der Gattung Stino
und nennt ihn SL Tucvxi. Das Thier soll schwärzlich oder braun
von Farbe sein. Die Käse des Schädels ist niedrig an der Basis,
convex und verschmälert an der Spitze, etwas länger als der Kopf;
das Slirndreieck länglich, beträchtlich A^or die Linie des Einschnittes
vorgezogen ; dreissig sclilanke konische Zälyie oben und unten ; Un-
terkiefer ziemlich schlank und an der Spitze schwach aufgebogen ;
Symphyse unten und vorn etwas gekielt.
Bericht über die Ijeistuiig:eii in der HJatur
g^esciiiclite der "^'ög^el vräiireiid des
Jaiires l§d6.
Von
t9r, G, Harflaub
in
Bremen.
Auch das verflossene Jahr hat der Ornithologie von
Seiten zahlreicher schriftstellerisch thätiger Verehrer Nulzen
und Zuwachs gebracht, ßonaparte und Gloger haben
sich über die schwer zu deünirenden Begriff'e von Art und
Abart vernehmen lassen, und der Engländer Wall a ce, dem
das Glück sehr zahlreiche tropische Vögel in ihrer Lebens-
weise beobachten zu können, in ganz ungewöhnlichem Maasse
zu Theil geworden , veröfTenllichte interessante und eigen-
thümliche Ansichten über ein natürliches Arrangement der
Vögel. Wir glauben hier ferner besonders hervorheben zu
müssen, dass mit der wissenschaftlichen Nutzbarmachung
einer der reichsten Sammlungen der Welt, der Wiener näm-
lich, endlich der Anfang gemacht ist, und zwar durch A.
von Pelz ein, Assistenten am zoologischen Cabinete, der
mit Benutzung von Johann Natterers schriftlichem Nach-
lasse in sehr ansprechender und gründlicher Weise über selt-
nere Arten derselben berichtet hat. — Die weit überwie-
gende Mehrzahl der als neu bekannt gemachten und gröss-
tentheils auch wirklich neuen Arten lieferte das unerschöpf-
liche Amerika j dann folgen Afrika mit noch ziemlich zahl-
3Ö Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
reichen und dann Asien und Australien, beide mit nur we-
nigen. Auch Spanien hat. Dank sei es den Anstrengungen
Alfred Brehms, einige für mich unzweifelhaft neue Arten
geliefert, und unsere wachsende Bekanntschaft mit der Orni-
thologie dieses südlichsten und westlichsten unter den Län-
dern Europa's verspricht noch fernere Früchte. Der deutsche
Ornilhologen. Verein war in Köthen versammelt, und erfreute
sich der ihn ehrenden Gegenwart eines mit Recht gefeierten
Gastes, Bonaparte's nämlich, der, wenngleich körperlich
schwer leidend , mit ungetrübter Geistesfrische an den Ver-
handlungen Theil nahm.
L. T. Kitzinger „Ueber das System und die Charak-
teristik der natürlichen Familien der Vögel" Brochüre von
44 Seiten , besonders abgedruckt aus den Sitzungsberichten
der mathem.-naturwiss. Klasse der Kais. Academie der Wis-
senschaften zu Wien.
A. R. Wallace: „Attempts at a natural arrangement
of Birds" in Ann. and Mag. of Nat. Hist. p. 193. Der durch
seine Reisen in Südamerika und Südindien vortheilhaft be-
kannte Verfasser hatte, wie schon bemerkt, Gelegenheit, eine
grosse Menge der verschiedensten Vögel in ihren natürlichen
Lebensäusserungen während längeren Aufenthaltes in der
Wiklniss zu beobachten, und gerade auf diese Beobachtun-
gen stützen sich seine geistvoll entwickelten systematischen
Ansichten. Die Passeres werden vorzugsweise behandelt.
G. R. Gray's System wird in einzelnen Punkten siegreich
widerlegt. So z. B. finde Todus seine einzige natürliche
Stellung neben Todirostrum , die Cucconiden seien nächst-
verwandt den Rhamphastiden; die Musophagidae seien Scan-
sores und keineswegs, wie bei Gray, den Conirostren bei-
zuzählen. Die Colibri's will Wallace bei den Fissirostren
belassen wissen. Mit vollstem Rechte wird gegen systema-
sche Versuche geeifert , welche nicht die ganze Summe un-
serer Kenntnisse von den Vögeln , also ihre äusseren und
inneren Charaktere sowohl als auch ihre Lebensweise, be-
rücksichtigen wollen.
J. Michelet: „Aus den Lüften. Das Leben der Vö-
der Vögel während des Jahres 1856. 31
gel.'* Aus dem Französischen. 1 Vol. 8. Berlin. Ein ganz
hübsches geistreiches Buch, aber nicht eigentlich unser Ge-
schmack, in der Manier Toussenel's und C. Vogt's wer-
den philosophisch -politische Betrachtungen an zoologische
Thatsachen geknüpft.
Harrisson Weir: „Stories about Birds«* by a young
naiuralist. VVith lllustralious. 4. 4ö S. London.
T. C. Eyton: „A Catalogue of Ihe species of llie
Birds in his possession." Brochüre in 8. S. 1 — 46. Eyton's
Sammlung ist eine der reichsten und der Gedanke, dieselbe
zu catalogisiren lag nahe genug. Ausser dem Hauptnamen
einer Art wird nur deren Fundort und eine Abbildung der-
selben angegeben. Die Behandlung ist also leider eine ziemlich
dürftige. Uns scheint, es hätte einem Manne von Eyton's or-
nithologischer Bildung nicht schwer fallen können, das Ver-
zeichniss einer mit Liebe und Geschmack von ihm zusam-
mengebrachten Sammlung durch kritisches Beiwerk für die
Wissenschaft nützlicher zu machen. Mit blossen Namenska-
talogen ist heutzutage verzweifelt wenig gedient.
G. L. ßonaparte: „Ornithologie fossile servant d'in-
Iroduclion au tableau comparativ des Ineptes et des Aulru-
ches." Compt. rend. des seances de TAcad. des Sc. tome 43.
Eine treuliche Zusammenstellung , welche die üniversalilät
von des Verfassers ornilhologischem Wissen unter einem
neuen und glanzenden Lichte erscheinen lässt. Es scheint,
als ob fast sämmtliche sogenannte antediluvianische Vögel
den Ordnungen der Inepti und Rudipennes angehört hätten.
Das Studium der fossilen Ornithologie ist übrigens ungemein
schwierig und scheitert in den meisten Fällen an dem Man-
gel nothwendigen Materials zur Vergleichung.
A. V. Pelzeln: „Ueber neue und wenig gekannte Ar-
ten der kaiserl. ornithologischen Sammlung^^ nebst Auszügen
aus Johann Nalterer's handschriftlichem Calalog über
die von ihm in Brasilien gesammelten Species der Familien
Trogonidae und Alcedinidae.'* Separat-Abdruck aus den Sit-
zungsber. der malhem. naturw. Classe der Kaiserl. Acad. der
Wissensch. Band 20. S. 492 und 153. Darüber mehr im
speciellen Theile dieses Berichts.
32 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
J. Cabanis ^Journal (üi* Ornithologie" enlhält im 4ten
Bande von hierher Gehörigem: 1) G. Hartlaub „Index zu
Pucherans Etudes sur les lypes pcu connus du Musee de Pa-
ris." 2) J. J. von Tschudi: „Beiträge zur geographischen
Verbreitung der Meeresvögel/* S. 134 und 177. Unter vielen
guten Beiträgen und Arbeiten dieser Zeitschrift eine der be-
sten und interessantesten. Unbekannt blieb dem sonst mit
der hier einschläglichen Lilteralur vollständig vertrauten Ver-
fasser nur das treffliche Memoire J a cquinot's über die See-
vögel und in specie die Procellarien , welches Pucheran
im dritten Theile der „Zoologie du voyage au Pol Sud" ver-
öfTenllicht. v. Tsc h ud i schildert die Lebensweise und geo-
graphische Verbreitung d.er von ihm auf weiten Seereisen
beobachteten Meeresvögel und theilt von den erlegten gute
Beschreibungen und Messungen nach den frischen Exempla-
ren mit. Seine Arbeit behandelt 44 Arten. 3) Verzeichniss
lebender Vögel der zoologischen Gärten in London" von Dr.
C. Bolle. Sehr instructiv und soviel uns bekannt, die erste
einigermassen vollständige Mittheilung über diesen Gegen-
stand. Aber wir konnten uns dabei des Gedankens nicht er-
währen, wie überaus gering doch noch immer die Zahl der in
den zoologischen Gärten Europa's gehaltenen Vögel sei ge-
genüber der ungeheuren Masse beschriebener Arten. 4) Prinz
Gh. L. Bon aparte: „Bctrachlungen über die Species," p. 257.
5) „Ueber den Begriff von Art« von C. Gloger p. 260. 6)
„Ueber Grundsätze zur Beurtheilung wirklicher Arten und
blosser Abänderungen" von C. Gloger. 7) „Ausgestor-
bene Vögel" von Dr. C. Bolle. 8) „Der Begriff von Rage in
specieller Anwendung von C. Gloger p, 353. 9) „Zur Ver-
färbung der Vogelfeder," von Dr. D. F. Weinland. p. 125.
Die „Naumannia" brachte unter Anderem : 1) „Aphori-
stische Bemerkungen für Ausslopfer," von B. AI tum. Viel
Richtiges und Beachtung Verdienendes. 2) Prof. Blasius
„Ueber die verdächtigen Arten im Verzeichnisse der euro-
päischen Vögel." Es that Nolh, dass in dem zunehmendeji
Unfuge fremde Elemente in die Vögelfauna Europa's einzu-
schwärzen , einmal streng und schonungslos mit kritischer
Geissei dreingeschlagen wurde , und das thut Freund Bla-
der Vöffel während des Jahres 1856. 33
»
sius mit humoristischem Behagen und, was die Hauptsache,
mit überlegener Sachl^enntniss. In der Reduction der Art^n
geht er aber, nach unserem Geschmacke, zu weit.
Jeder Freund der vaterländischen Ornithologie wird mit uns
dem Erscheinen des die Yögel behandelnden zweiten Ban-
des seiner „Wirbellhiere Europa's« mit Verlangen entge-
gensehen.
H. ßarkow: „Syndesmologie der Vögel." Breslau 1856.
Fol. Erste Abtheilung mit 3 Tafeln. Keines Auszugs fähig,
aber sehr lleissige und werlhvolle Arbeit.
F. W. Bädelvcr beschreibt und bildet trefflich ab die sehr
seltenen Eier von Kucifraga cathacactes , Garrulus melanocephalus,
Cyanopica , Cooki, Melizophilus provinchilis, Pyrophthalma sarda,
Phyllopneiiste Kaltereri, V. sylveslra, Regulus satrapa, Tichodroma
muraria, Certhia Nattereri, Parus alpestris, P. ullraniarinus , Euspiza
aureola, Teraliia cinerea und Himantopus melanoplerus.
Europa.
H. D. J. W allengren's Arbeit „Ueber die ßrutzonen
der Vögel innerhalb Scandinaviens" kam zum Schlüsse: Nau-
mania p. lOü. Dieselbe ist reich an trefflichen geographisch-
zoologischen Bemerkungen im Allgemeinen , behandelt ihren
Gegenstand in möglichst erschöpfender VVei^e, und gehört
zu dem Besten, was die Naumania bis jetzt brachte.
C. A. VVestelund „Öfversigt af Öland's Foglar och
Amphibier," Gölheborg's Kongl. Velensk. Acad. Handl. III.
p. 67—72.
„Beiträge zur Ornithologie Südrussland's/« insbesondere
die Vögel Taurien's betreffend^ von Gustav Radde. Bul-
let. Soc. Imp. Natur. Mose. 1854. p. 131. Hübsche instructive
Arbeit, welche namentlich auch über den Zug und die Ver-
breitung der Vögel in jenen Gegenden Aufschlüsse bringt.
Einzelne Arten werden ausführlicher behandelt, so z. B. Otis
tarda und tetrax, Grus virgo, Anas tadorna und rutila. Die
taurischen Dohlen haben alle einen deutlichen weissen Ring
um den Hals , der selbst bei jungen Vögeln schon sehr
bemerklich ist,
A. Bielz: „Fauna der Wirbelthiere Siebenbürgens/«
Archiv f. Naturgesch, XXIII. Jahrg. 2. Bd. C
34 Harllaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
eine syslemalische Aufzahlung der in Siebenbürgen vorkom-
menden Säugelhiere, Vögel, Amphibien und Fische. 1 Vol.
8. Hermannstadt. Vom Vereine für siebenb. Landeskunde ge-
krönte Preisschrift. Jede Art wird kurz beschrieben. Für
den ornilhoiogischen Theil ist die Angabe der Standorte von
Wichtigkeit. Zawadsky behandelte bekanntlich mit Er-
folg denselben Gegenstand.
Dr. Lindermayer: „Verzeichniss der in Griechenland
vorkommenden Vögel/' im Moniteur grec 1856. No. 20. Sehr
reichhaltig. Es werden an 300 Arten namhaft gemacht. Vgl.
Giebel Zeitschr. für Nalurw. 1857 p. 91.
L. Brehm: „Uebersicht der europäischen Vögel in Be-
zug auf ihr Herbst- und Frühlingskleid.« Gab. Journ. iV.
p. 370.
W. C. He Wilson: „Coloured illustrated eggs of Bri-
tish Birds, wilh descriplions of Iheir nesls and nidification.*'
2 Vol. Dritte Ausgabe eines Buches , das über 30 Thaler
kostet. So etwas ist in England möglich.
Rev. F. C. Morris: ,,History of British Birds.« Vol. 5.
Mit 57 colorirten Abbildungen. 320 S.
Rev. F. 0. Morris: „A natural History of the nests
and eggs of British Birds. Vol. 3. 21 Sh.
W. Yarrell: y,X History of Britioh Birds.« Dritte
Ausgabe mit Zusätzen. Kostet 30 Thaler.
Von Schlegels ,,Fauna van Nederland, Vogels/' liegt
das 36ste Heft vor. Jedenfalls eines der hübschesten Ku-
pferwerke über europäische Vögel, und glücklicher Weise
bis jetzt ohne erhebliche Unterbrechung seinem Schlüsse zu-
eilend. Der Text holländisch.
A. A. van Bemmelen: „Liyst van Vogels in de
provincie Groningen en op het eiland Rottum waargenomen etc.«
in Herclots BouwstofTen Faun. Nederl. p. 119. Enthält zahl-
reiche Bemerkungen über die Lebensweise und Verbreitung
der beobachteten Arten. Es werden deren 254 namhaft
gemacht.
Heinrich Gaetke, der unermüdliche ornithologische
Beobachter auf Helgoland , hat in Cabanis Journal wiederum
der Vögel während des Jahres 1856. 35
interessante Midheilungen über diesen merkwürdigen Stand-
ort gemacht.
Von Emberiza pusilla und Regulus modeslus stehen jetzt zahl-
reiche Exemplare in seiner Sammlung, Ausserdem figuriren noch in
derselben Anas dispar, Anthus cervinus, Emberiza ciclus, Turdus ru-
ficollis, Charadrius pyrrhothorax, Limicola pygmaea, am 29sten Mai in
6 Exemplaren erlegt, ferner Pastor roscus. Um Mitte Juli bis Mitte
August kamen wieder 8 bis 10 alte Vögel vor. Zum ersten Male er-
hielt Gaetke Lanius phoenicurus Fall, und Hirundo dmirica Fall.
Auf S. 70 äussert sich derselbe über das gelegentliche Vorkommen
und den Weg nordamerikanischer Vögel nach Europa. Sehr merk-
würdig ist die Beobachtung, dass Landvögel, von weitem Fluge er-
mattet , auf dem Wasser ausruhen und dann gekräftigt weiter fliegen
können. Gaetke beobachtete dies bei Turdus niusicus, Emberiza ni-
valis und Fringilla montifringilla.
B. AI tum: „Ornilhologische Beobachtungen auf einer
Excursion in Vorpommern." Naum.
V. Preen: „Beobachtungen aus der Vogelwelt. Brut-
und Zugvögel der Umgegend von Schwerin." Naum.
Jäckel; „Ornilhologischer Jahresbericht aus Baiern.*«
Naumannia.
W. Pässler: „Die Brutvögel Anhall's« in Gab. Journ.
für Orn. p. 34.
H. Albin: „Mährens und Schlesien's Fische, Repti-
lien und Vögel ," ein Beitrag zur Fauna beider Kronländer.
8. Brüm.
H. Mohr: „Die Singvögel der Umgegend von Brixen.^*
Ornithologische Skizze. 36 S. 8.
Dr. Jaubert's „Letlres sur l'Ornithologie de la France
meridionale" sind mit dem I4len Briefe zum Schlüsse ffe-
kommen. Diese geist- und kenntnissvollen Beiträge zu un-
serer Bekanntschaft mit den südfranzösischen Vögeln haben
bereits in frülieren Jahrgängen dieses Journal's ihre gerechte
Würdigung gefunden. Ausführlicher werden diesmal behan-
delt die Pterocl es- Arten, Perdix gambra und (?) Lahatei,
Tiirnix africanus , Fulica cristata und verschiedene andere
Arten. Rev. et Mag. de Zool. p. 64 , 97, 149, 262, 322
und 403.
ßaron v. Müller: „Beiträge zur Fauna des Mittelmeer-
36 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
beckens. Ausflug in die Camargue.« Gab. Journ, p. 205.
Der Verfasser besclireibt seinen „Ausflug" recht anziehend
umi giebt dann zweitens ein systenialisches Verzeichniss der
provengalischen Vögel mit Bemerkungen über geographische
Verbreitung, Zug u. s. w. Fleissige Arbeit.
Dr. W. G. Rosenhauer: „Die Thiere Andaiusien's,«
nach den Resultaten einer Reise zusammengestellt u. s. w.
1 Vol. 8. Erlangen.
Darin ein kurzes und ziemlich dürftiges Verzeichniss von 70
Arten auf S, 8. Sturm/s vulgaris sass am ersten Älärz in Schaaren
auf der Thurmspitze von Sl. Lucar , wurde aber sonst nicht wieder
beobachtet, ßlerops apiasler war im Juni und Juli häufig um Gra-
nada. NeSphrcn jjeraiopterus ist in ganz Andalusien gemein. Gij])ae~
tos barbalus (nicht var. meridionalis) nislet in der Sierra Kevada.
Perdix rubra die gewöhnlichste Art.
„Verzeichniss der Vögel, welche von Dr. Antonio
Machado in einigen Provinzen Andalusien's, zumal Sevilla,
beobachtet worden sind, mitgetheilt von Oskar de 01a-
varria-Lozan 0 aus Bilbao.« Allgem. naturh. Zeitung II.
p.241.
Behandelt 140 Arten, mit hinzugefügten biographischen Notizen.
Ueber das herbstliche Wandern vieler europäischer Vögel nach Afrika
enthält diese Arbeit werthvolle Angaben. Ein bevorzugter Abreise-
punkt ist zu Ende September und in der ersten Hälfte üctobers das
Cap von Länder en llota, gegenüber Cadix. Ausserdem können als
solche gelten: Gibraltar, Cap Trafalgar, larifa und Algesiras. Vultur
cinereus und fulvus sind ziemlich gemein, ebenso Cathartes percno^
pterus. (iypactos kömmt einzeln in der Sierra JMorena vor. Aquila
imperialis ist nicbt selten. Caprimulgus ruficollis ist Standvogel, ebenso
Pica cyanea. Cuculus canorus scheint zu fehlen, aber Coccystes glan-
darius ist gemein. Merops apiaster nistet bei Colonien an den ab-
schüssigen Uferwänden des Guadalquivir. Sturnus vulgaris hält sich
vorzugsweise in Olivenwaldungen auf u. s. w.
E. Hasse: „Heimische Vögel," zum Nachzeichnen und
Ausmalen. 50 Holzschnitte von H. Brückner 4.
J. G. Fa li 0 -B ea u ni ont : „Verzeichniss der Vögel,
welche sich im Thale von Genf und an den Seilen der das-
selbe einschliessenden Berge finden." Kaum. Von den 306
namhaft gemachten Arien sind 213 Stand- oder regelmässige
Zugvögel, 93^ dagegen von mehr zufälligem Vorkommen. Als
der Vögel während des Jahres 1856. 37
'o
nistend kennt der Verfasser 146 Arten. Larus Cabini wurde
zweimal geschossen, und zwar beide Male im Winterkleide.
Asien.
VonGould's Praehtwerk : „The Birds of Asia^- erschien
der S(e Theil.
Er enthält meist sehr gelungene Ahhildungen von Phasianus
torquatus , Nectarinia asiatica und lolenia, Ihidorhyncha Strulhersii,
Cursorius coromandelicus, Trogon Kasumba, Myzornis pyrrhoura, Pte-
ruthius erylhropterus , Pteruthius rufiventris , Cutia nipalensis, Allo-
trius melanotis und xanlhochloris, Merops quinticolor , Cuculus stre-
nuus, Cuculus hyperythius , Ruticilla erythroprocta von Erzeroun.
Lieutnant Burgess fährt fort sehr interessante Mitlhei-
lungen über „die Lebensweise indischer Vögel" und nament-
lich über deren Fortpflanzung zu machen; Proc.'Zool. Süc.l835.
p. 32, 70, 79, 184.
Er kennt Eier und Nest von Rhynchops orientalis, Sterna mela-
nogastra, Podiceps philippensis, Vanellus goensis, Ibis papillosa, Tan-
laluä leucocephalus, Ciconia leucocephala, Ardea caboga, Turlur cara-
bayensis, Otis aurita und nigriceps, Colurnix argoondah , Francoli-
nus ponlicerianus , Pterocles exustus, Pavo cristatus, Hirundo filifera,
Cypselus affiuis u. s, w.
Bon aparte berichtet in den Comptes rendus der Aca-
demie über eine nicht umfangreiche aber sehr interessante
vom Herzog von Vallombrosa in Palästina zusammengebrachte
Sammlung von Vösieln.
Sie scheint zu beweisen , wie unvollständig es eigentlich noch
um unsere Kenntniss der Ornithologie jener so oft und vielseitig be-
suchten Gegenden aussieht. Wer hätte in der Ebene von Jericho
eine Nectarbna , wer an den Ufern des Tiberiassee's bei Nazareth
eine Crat erop us_ Art vermuthet? Ämmopcnlix lleiji wurde in den
Gärten von Damascus erlegt. Als neu erkannte Bonaparte Neda-
rinia osea y Craleropus chalybaeAis, Jxos Vallombrosae und Cercomela
aslhenia von Jericho , der melanura nahe verwandt. Ausserdem be-
fanden sich in der Sammlung Saxicola enjlhraaa Ehrenb., Cenjle rjf-
dis und Gavia brunneiceps.
Afrika.
J. A. Wahlberg, der zu früh für die Wissenschaft
in Afrika umgekommene ausgezeichnete schwedische Gelehrte,
38 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
beschreibt einige von ihm Im Damaralande gesammelte neue
Vögel : „Nye foglararter fran Damara-landet i soedra Africa/*
Öfvers. Kongl. Vetensk. Acad. Förhandl. April 1855.
Diese sind: Alauda Grayi , Eremomela damarensis, Erithacus
Schlegelii, Saxicola albicans, Prionops Retzii , Taida Mevesii, Platy-
stira affinis, Carbo neglectus, Carbo coronatus und Otis Rüppellii. Aus
der von Baron Gustav v. Düben verfassten höchst interessanten
biographfschen Pfotiz über Wahlberg wissen wir, dass sich der-
selbe im Allgemeinen über die Ornithologie Südafrika's getäuscht
fühlte. Er hatte mehr erwartet, und musste unwillkührlich mit den
ihm so wohl bekannten überreichen östlichen Gebieten vergleichen.
(Zeitschr. für allgem. Erdkunde, April 1857.)
Th. v. Heuglin: „Systematische Uebersicht der Vö-
gel Nordostafrika's," mit Einschluss der arabischen Küste,
des rolhen Meeres und der Nilquellenländer südwärts bis zum
4ten Grade Nördl. Br. Separatabdruck aus den Sitzungsber.
der mathem.-nalurw. Kl. der Kais. Acad. der Wissensch. ßd. 19.
p. 255. Zählt ohne Zweifel zu dem Wichtigsten, dessen die-
ser Jahresbericht zu gedenken hat. Erreicht, obgleich kei-
neswegs vollständig, die hohe Ziffer von 754 Arten. Sehr
werlhvoll ist der die geographische Verbreitung umfassende
Theil der Arbeit. Was die Bestimmung ,der Art anbetrifft,
so erfüllt uns die Masse der überall angebrachten Frage-
zeichen mit grossem Misstrauen. Mit der Litteratur istHeug-
1 i n offenbar nur unvollständig vertraut. Er kennt z. B. we-
der die wichtige Arbeit C. SundevalTs über Hedenborg's
Sennaarvögel, noch Lefevre's Voyage cn Abyssinie, noch
de Filippi's Brief an B onapar te über ßrun RoUet's neue
Vögel vom oberen weissen Nil. Manches ist positiv falsch,
so z. B. die Angabe, dass die madagascarische Coturnix
striata bei Ben-Ghasi eingesammelt sei. Unmöglich !
„Report on a Zoological collection from the Somali coun-
try madc by Lieutn. Speke." By E. Blyth: Journ. Asiat.
Soc. of Beng. Es ist dieses die erste Nachricht, welche uns
von den Vögeln des so weniüf bekannten Somaliffebieles zu-
kömmt, und schon darum beansprucht dieselbe ein besonde-
res Interesse.
Die grosse Mehrzahl der namhaft gemachten Arten kennen wir
bereits aus Abyssinien oder Schoa. Die neuen sind eine kleine Trappe
der Vögel während des Jahres 1856. 39
Sypheotides hinnilis, Spreo albicapilluSf Htjphanlornis Spekei nob. (? ba-
glafecht Bl.) und Fässer caslanoplerus. Die einzige Papageienart, auf
die man stiess , war Psiltacus rußcenlris Rüpp. Von Musophagiden
wurde nur Ckizaerhis leucogasler angetroffen, von Glanzvögeln noch
Amydrus RüppeUi und Lamprocolius superbus, von Honigsaugern Necla~
rinea hahessynica und albhenlris Strickl. u. s. w. Wur ein europäi.
scher Vogel figurirt auf der Liste, nämlich: Coccystes glandarius. Der
Strauss ist in der Somali - Gegend überall gemein, aber sehr scheu.
Der wissenschaftliche Werlh dieser Miltheilung wird erhöht durch
hinzugefügte biographische Notizen.
„Conlributions to Ornithology. Nalal collections« by Sir
William J ardine. New-Edinb. Philos. Jouni. Vol. IL
p. 238. Jardlne, einer der rüstigsten Veteranen unter den
schriftstellerisch tliätigen Förderern der Ornithologie, berichtet
in dieser nicht unwichtigen Arbeit über 57 um Natal gesam-
melte Vögel.
Wir begegnen auf diesem ganz östlichen Gebiete verschiedenen
westlichen Arten, so z. B. VhoUdanges leucogasler, der somit über den
grösseren Theil des Conlinents verbreitet zu sein scheint, Cenlropus
senegalensis, Columba guinea , Cuculus nigricans Sw. und unserer
Coracias garrula. Die Ornithologie von Natal ist jetzt, man kann
dies wohl sagen, vollständig bekannt.
Dr. G. Hartlaub: „Beschreibung einiger neuen von
Herrn H. S. Pel auf der Goldküste gesammelten Vögelarten.«
Gab. Journ. 1855. p. 353.
Id. „Systematisches Verzeichniss der von Herrn H. S.
Pel auf der Goldküste zwischen Cap tres Puntas und Accrah
gesammelten Vögel.« Gab. Journ. 1855. p. 360. Umfasst
150 Arten der Leydner Sammlung.
V. Müller: „Systematisches Verzeichniss der Vögel
Afrika's.« Gab. Journ. 1856. p. 113. Schliesst mit den Go-
nirostren.
A. Brehm: „Die Fundorte -des Ornilhologcn in Nord-
ostafrika.« Gab. Journ. 1855. p. 362 und 481. Anziehende
lebensvolle Schilderungen aus des Verfasser's afrikanischen
Naiursludien.
A, ßrehm: „Biälter aus meinem ornithologischen Ta-
gebuche.« Gab. Journ. 1856. p. 328.
A. Br e h m : „Beiträge zur Ornithologie Nordostafrika's«
40 Harllanb: Bericht über die Leistungen in der Nalurgescliichte
mit besonderer Rücksicht auf die in Europa vorkommenden
Vögel. * Naum. Heft 3. Sehr reichhaltig und interessant.
R. Vierthaler: „Ornithologische Beobachtungen auf
einer Reise in Aegypten, Sennaar u. s. w. Naum. Jahrg. 6.
Heft 1.
C. Bolle: „Die Vogelvvelt auf den Inseln des grünen
Vorgebirges.« Gab. Journ. 1856. p. 17. Der Verfasser schil-
dert in sehr ansprechender Weise die Natur und das Thier-
leben auf den capverdischen Inseln. Man weiss von den die-
selben bewohnenden Vögeln verhältnissmässig nur wenig, und
Bolle's Nachrichten sind daher, wenngleich mangelhaft, doch
sehr willkommen. Es scheint darnach, dass die Ornithologie
jener Westafrika so nahe gelegenen Inseln noch immer eine
starke Beimischung europäischen Gepräges zeigt, wenngleich
einzelne Arten deutlich genug die faunische Verwandtschaft
zu Afrika verrathen.
Als solche mögen hier nur Numida Rendalli und Halcyon rtifi-
venlris genannt werden. Den von Bolle systematisch unbestimmt
gelassenen „Curvo" der Creolen möchten wir für Corvus umbrinus
halten. Von europäischen Arten sind Milvus ater, Tinnunculus alau-
darius, Strix flammea, Sylvia cinerea und atricapilla, Columba livia
und Coturnix vulgaris von häuBgem Vorkommen. Phaeton aethereus, der
Rabo de Tunco der Creolen, nistet auf Santiago und wahrscheinlich
auch auf Sal.
Ca SS in fährt fort die von Du Chaillu aus dem äqua-
torialen Afrika eingesandten Vögel zur Kenntniss des Publi-
kums zu bringen; Proc. Acad. N. Sc. of Philad. Aug. 1856 u.
„Catalogue of Birds collected at Cap Lopez etc. ib. Decemb.
Diese Sammlungen sind im hohen Grade interessant, nicht bloss
der in ihnen enthaltenen Novitäten halber, sondern auch weil sie uns
mit den Verbreitungsgrenzen der südlichen Arten bekannt machen.
So z. B. befinden sich Fringillaria lahnpisi und Merops bullockioides
in der Sammlung. Die merkwürdigste ornithologische Entdeckung
Du Chaillu's ist die neue Kumidinenforin Phasidus.
Amerika.
a. Nordamerika.
Dr. E. K. Kane's zweite Reise „Arctic Explorations etc.«
enthält neben zahlreichen naturgeschichllichen Notizen ande-
der Vöge! während des Jahres 1856. 41
rer Art auch Manches über die Vögel des höchsten Nordens.
iMorlon traf auf seiner ewig denkwürdigen Expedition den
Kennedylianal aufwärts am offenen- Polarmeere unter dem 82.
Grade N. Br. noch ein reges Vogelleben von Larus trydacly-
lus, eburneus und glaucus^ Sterna arctica und üria grylle.
Etwas südlicher, am Ausgange des Kanals, zeigten sich grosse
Schaaren von Anser bernicla^ Somaleria niollissiina und spe-
ctabilis. Der einzige unter so hohen Breiten bcobaehlele
Sturmvogel war Procellaria glacialis.
Nach mündlichen Mittheilungen von Dr. Kane berich-
tet auch v. Müller in Caban. Journ. p. 304: „über die Vö-
gel des höchsten Nordens von Amerika.'' Darnach halte Kano
Anser bernicla und Uria grylle für die am nördlichsten ge-
henden Vögel.
Dr. Rufus Haymond: „Birds of Soulh-easlern In-
diana.« Proc. of the Acad. of Philad. Nov. 1856. p. 280.
Nur kurz aber ganz übersichtlich behandelt, und als Beilrag
zu den Lokalfaunen nicht unwichtig.
Alexander Gerhard: „Lebensweise der nordame-
rikanischen Vögel im Staate Georgien.'' Naum. p. 1—18.
Behantlelt in ganz ansprechender Weise Icterus baltimore, Gar-
rulus crislatus , Caprimulgus vociferiis, Hirundo purpurea, H. riparia,
Parus canadensis, Silta carolinensis, Trochilus colubris, Cuculus ame-
ricanus und erylhrophlhalmus, Colaptes auratus, Columba carolinensis,
Ortyx virginianus, Ardea vircscens und Scolopax minor.
Dr. J. Caban is fährt fort die ungemein reichen und
wichtigen ornilhologischen Arbeilen J. Gundlach's auf
Cuba unter Mitwirkung des Herrn Bez. -Dir. Sezekorn in
Kassel zur Kenntniss des Publikums zu bringen : Journ. für
Ornilhol. 1856. p. I, 97, 337 und 417. Von allen uns be-
kannten Arbeilen über westindische Vögel ist diese die werlh-
vollste, selbst Gosse nicht ausgenommen, dessen reizendes
Buch über die Vögiel Jamaika's in streng wissenschaftlicher
Hinsicht hinter Gundlach zurücksieht. Was über die Le-
bensweise, Fortpflanzung u. s. w. der meisten Arten milge-
Iheilt wird, ist zum grossen Theile neu und offenbar das
Resultat selbständiger Beobachtung. Wir wünschten sehr
Gundlach's Arbeiten über die Ornithologie Cuba's in. zu-
42 Harllaul»: Bericht über die Leistungen in der Naturffeschichte
o'
sammenhängender Form als eigenes Werkchen edirt zu se-
hen. Einzelnes im speciellen Theile dieses Berichtes. Bis
jetzt wurden 211 Arten behandelt. Der nächste Jahrgang
des Journars wird den Schluss bringen.
„Catalogue of Birds collected by M. Auguste Salle
in Soulhern Mexico , wilh descriptions of New Species" by
P. L. Sclater. l^roceed. Zool. Soc, p. 366. Die Bestim-
mung und Calalogisirung der so bedeutenden Sammlungen
Salle's hätte keinen besseren Händen anvertraut werden
können, als denen Sclater's, dessen Bearbeitung sie recht
eigentlich erst zum Eigenlhume der Wissenschaft gemacht hat.
Die grosse Mehrzahl der gesammelten 233 Arten stammt aus
der Umgegend der Stadt Cordöva im Staate Veracruz. Während ei-
nerseits die ganz südamerikanischen Formen: Kyctidromus , Pipra,
Anabates und Formicarius vertreten sind , wurden andererseits die
nördlichen Gattungen Parus und Certhia bisher nicht so weit südlich
angetroffen. Auch Bonaparte hat in den Comptes rendus der Aca-
demie eine liurze Notiz über diese ausgezeichnete Sammlung veröf-
fentlicht , welche unter zahlreichen bereits früher in Mexico zusam-
mengebrachten einen hervorragenden Rang einnimmt. Tabl. parallel,
des Gallin. p. 16.
Sir William Jardine berichtet über eine nicht
umfangreiche aber höchst interessante Sendung von Vögeln,
welche Prof. W. Jameson in Ecuador auf einer Expedition
von Quito nach dem Gebirge Cayamba gesammelt hat: Edinb.
new Philos. Journ. IL p. 90.
Jameson beschreibt seine Reise und fügt Notizen über die
beobachteten Vögel hinzu. Diese waren diesesmal Tanagra lunulata,
Catamblyrhynchus diadema , Carpornis rubrocristatus , Tyrannus fumi-
galus, Grallaria monticola, Thryothorus unibrunneus, Merulaxis orlho-
nyx, Tetragonops rhamphastinus und Arremon leucopterus n. sp.
„List of Mammals and Birds collected by Mr. Bridges
in the viciniiy of Ihe town of David in Ihe province of Chi-
riqui in the State of Panama." Proceed., Zool. Soc. p. 138.
Die sehr interessante Localität, von welcher diese 46 Arten
umfassende Sammlung stammt, war bisher ornithologisch un-
durchforscht. Hinzugefügte kurze Notizen über die Lebens-
weise, wie sie Bridges an Ort und Stelle antraf, erhöhen
den Werth der Mittheilung.
der Vöffel während des Jahres 1856. 43
'»
Der prachtvolle Vharomachrvs mocinno wurde in den dichten
Waldungen der sogenannten Boqueti beobachtet, einer etwa 4000 Fuss
über dem Meere gelegenen Savanna am westlichen Abhänge des Vul-
kans von Chiriqui. Es kann nicht befremden , dass wir in dieser
Liste vielen Namen begegnen, die Bon aparte als von Delattre in
Nicaragua gesammelt auEführl. Von seltneren Arten nennt sie z. B.
MomotusLessoni, Rhodinocichla rosea, Trogon aurantiiventris. Calliste
Franciscae, Embernagra conirostris (Bp.) , Chloronerpes Cecilii , eine
neue Geotrygonart u, s. w.
H. B u rm eiste r's „Systemalische Uebersicht der Vö-
gel Brasilien's« ist mit der zweiten Abtheilung des zweiten
Bandes vollendet.
Dr. J. T. Descourlilz: „Ornithologie Bresilienne" ou
histoire des oiseaux du Bresil remarquable par leur plumage
leur chant et leurs habitudes. Dieses in Farbendruck ausge-
führte dem Kaiser Don Pedro dedicirte Werk ist auf 7 Lie-
ferungen zu je 12 Tafeln berechnet und soll 25 fr. kosten.
Ohne allen wissenschaftlichen Werth und als ouvrag-e de
luxe nicht schön genug.- Farbendruck eignet sich überhaupt
nicht für ornilhologische Darstellungen.
„On some addifional species of ßirds received in col-
Jections from Bogota" by P. L. Sciater: Proceed. Zool. S.
p. 25. Sciater kennt jetzt 451 Arten aus den Umgebungen
von Bogota. Dieser Nachlrag umfasst grösstentheils neue
Arten. Davon Näheres im speciellen Theile.
„Expedition dans Ics parties centrales de l'Amerique
du Sud, de Rio Janeiro ä Lima et de Lima au Para etc." par
le comteFr. de Ca st ein au. Zool. Oiseaux par P. 0. Des-
murs. 1 Vol. 4. 98 S. und 20 Kupfertafeln. Sehr wichtig
und als Beitrag zu unserer Kennlniss der Vögel Südamerika's
von grösstem Interesse.
Allgemeine geographisch - zoologis^che Einleitung. Abgebildet
sind: Cymindis magarhjnchos Kaup, Maracana Weddelii, Maracana
Lucianiy Comirus jugularis , Ära primoli, Chrysolis hypochondriaca^
Cullrides Packerani ^ Micropogon amazoniais , Micropogon aiirifvons,
Galbula chalcQcephala, lacamerops Isidoriy Capito pulmenlum ^ Trogon
ramoniatius , Trocliilus Castehiaudi , Dendrornis mulUgultalus^ rostripal-
icMs, guttaloides , pallialus ^ Kieneri und WeddeUii, Dendrocolaptes De-
villei^ Glyphorhynchus Cnslelnaudii, Sittasomus amazonus , Conopophaga
eniviana , C. tkeresae , Helerocnemis bicolor , Sarockalimis rvfigulariSi
44 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Herpsilocbmus argentatus , Rhopothera guttata , Casiornis typus , Schifm
fornis major, Cassicus Oseryi, Devillei und Alfredi ^ Arremvn Pevillei
und Pipilopsis rvßceps.
„The U. St. Naval asironomical Expedilion lo Ihe Sou-
thern Hemisphaere diiring liie years 1849 — 52/'' by Lieutn.
Gilliss. Vol. il: Chile. Birds by Cassin. 1 Vol. 4. Der
Text ist ziemlich dürftig. Nur spärliche biographische No-
tizen. Der Verfasser scheint weder unsere Arbeit über 50
von Philippi um Valdivia gesammelte Arten zu kennen
noch Rei eil e nba cli's Mittheüung über chilesische Orni-
Ihologrie.
Ausführlicher wird nur Plioenicoplerus andinus (jetzt in Eng-
land) behandelt. Abgebildet in gutem Farbendruck sind Kalco nigri-
ceps, Psarocolius curaeus, Agelajus ihilius, Sturnella mililaris, Chry-
soniilris marginalis, Calliste cyanicollis, C. larvata, C. gyroloides,
C. Desmarestii, Euphone rufivcnlris, Chlorophonia occipilalis, Enicor-
nis melanura, Scytalopus fuscus , Psiltacus ochrocephalus . Bernicla
antarctica , B. magellanica , Anas melanocephala , Querquedula crcc-
coides, Q. metopias, Fhalacrocorax brasilianus.
A. Raimondi: „Ueber die Chinchainseln an der Küste
Peru's und über dAe Vögel, von denen der Guano kömmt.«
Als solche werden namhaft gemacht: Pelecanus thajus, Phala-
crocorax Gaimardi , Ph. albigula , Sula variegata , Plolus anhinga,
Rhynchops nigra , Larus modestus , Spheniscus Humboldtii, PufGnus
Garnotii und Sterna inca.
„Note on some Birds from the Island of Ascension by
P. L. Sclater" in Proeed. Zool. Soc. p. 144. Die beobach-
teten Arten sind : Phaeton aeihereiis und flavirostriSy Sterna
fuliginosa und Tachypetes aquilus, Sula fusca und Sula pis-
catrUc,
A u s l r a 1 i e n.
„Note on the Natural History of the [»rovinee of Can-
terbury in the Middle Island of New-Zealand" by Sir Tho-
mas Tancred Bar. New-Edinb. Philos. Journ. Vol. ill.
p. 5. Ganz interessant. Die neuseeländische Landschaft und
das sie belebende Treiben der Vögfel wird rreschildert, und
dabei, merkwürdig genug, noch immer die Yermuthurig aus-
gesprochen, dass eine Dinornis-Art noch leben könne.
der Vögel während des Jahres 1856. 45
Rev. Rieh. Taylor: „The Ika a Maui, or New-Zea-
land and its inhabilanfs etc.« togolher wilh Ihe Geology, Na-
lural History, productions and climale of the country. l Vol. 8.
Enthält in Text und Abbildungen einiges Ornithologische.
Prinz Max von Wie d schreibt ausführlich und sehr instructiv
über den rolhköpfigen nordamerikanischen Urubu (Calhartes aura L.)
Cab, Journ. p. 119. Derselbe unterscheide sich constant von dem
brasilianischen (C. brasiliensis ßp.)«
„Der Jagdfalke und die Falkenbaize« von Bar. v. Müller.
Cab. journ. p. 497. Bringt nur Bekanntes.
Sehr anziehend schildert Falco lanarius in seiner Lebensweise
und namentlich in seinem Brutgescbäft Graf Wodzicky: Cab. Jouru.
p. 75. Derselbe über Haliaetos alblcilla ib.
Ausführlich behandelt „die Raubvögel Nordafrikas" Alfred
Brehm. Kaum. p. 194.
Julius Verraux erhebt v. Tschudi's Circaelos solitarius zum
Typus seiner neuen Gattung Urubitortiis. Proc. Zool. Soc. p. 145,
Sämmlliche Kleider werden beschrieben. Verreaux erhielt den Vo-
gel von St. Martha in JJolivien.
J. Ca SS in schreibt über Biileo monlanus. Proc. Acad. Philad.
ISJö. p. 39.
INeue Arten. Buleo Cocperi , Cass. Proc. Acad. N. Sc. Philad.
Oct. 1856. Caliiornien. — Accipiler niaoides Autinori , von Smyrna.
Naumannia. — Circaelos orientalis, A. Brehm ib. p. 203. Aegypten.
— Circ. zonuruSf Herzog v. Würtemb. ib. p. 205. über blauer und
weisser Fluss. — Haliaetos funereus , A. Brehm ib. Aegypten.
Fülco graciliSf A. Brehm ib. 232. Aegypten mit Abbild, von mas juv.
— F. cyanoslolos, B. ib. 234. Abyssinien. (Üb diese sämmtlichen
neuen Arten A. Brehm's nicht vielmehr nur lokale Varietäten, rauss
ich zunächst dahin gestellt sein lassen.) — Aslur macrourus^ Temm.
Dabocrom. Cab. Journ. p. 353. — A. Teiüminkii, Pel ib. Rio Boutry.
A. macrocelideSf Temm. ib. Ashantee. — Nisus erylhropus , Temm.
Rio Boutry.
Abbild. Falco nigriceps, Cass. in Gilliss U. St. Exped. Chile.
Birds pl. 1. — Cymindis megarhynchos, Kaup (>Yilsoni, Cass.) in Ca-
sleln. exped. Amer. centr. üis. pl. 1.
Eulen. Keue Arten sind Bubo leucosUctus, Temm. Cab, Journ.
p.351 von Dabocrom. Ist Fraser's j^oeiisis. ~ B. fasciolalus, Temm.
Dabocrom. ib.
46 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Gundlach s hreibt über djinnoglaux nudipes : Cab. Journ. III.
465, und ebendaselbst über Strix furcata.
' Passeres.
Cagsrismtlgidae. Burm eiste r behandelt ausführlich in
seinen „Vögel Brasiliens« : Nyclibius grandis und aethereusy N. cornu'
lusj N. leucoplerus f Hydropsalis forcipalus Bcske, //. psalurus, Eleo~
threptes anomalus, Anlrostomus rulilus Licht. (Caprini. corlapao Kalt.),
A. ocellalus, A. longiroslris Bp., Nyclidromus albicollis , N- gvjanensiSf
Chordeiles leiicopygos , Ch. rupeslris , Ch. priiincsuSf Ch. acutus, Ch.
semilorquaius, Ch. Nallereri und Fodagcr nacimda. S. 370 — 400.
Neue Arten. Caprimulgus Gvndlackii, Lawrence Ann. Lyc. Nat.
Hist. Newy. vol. 6. p. 166, von Cardenas auf Cuba. — Chordeiles
tcxensis f Lawr. ib. p. 167. — Ch. minor, Cab. Journ. IV. p. 5. Cuba.
Vielleicht nur kleine Rasse von virglnianus.
Caprimulgus hinotatus Temm. ist ausführlich beschrieben: Cab.
Journ. p.355. Stammt von Ashantee und nicht von Borneo, wie irr-
thümlich bei B ona parte angegeben.
Cypselitlae« Cypselus Yradii Lembeye ist gleichartig mit
Gosse's Tachornis phoenicobia, nach Gundl. Cab. Journ. IV. p. 5.
Burmeister ist ausführlich über Acanlhylis oxyura, A. spini~
cauda ^ A. colearis und Fanyplila cajanensis : Vögel Brasiliens I.
p. 361 u. s. w.
SiirMadasaadae. „Beitrag zur Ptilographie und Anatomie der
Hirundo rustica" von Dr. A. Hell mann: Cab. Journ. p. 360.
Eine sehr interessante und wenig bekannt gewordene Abhand-
lung über die Gruppe der Rauchschwalben (Cecropis) schrieb d e S e 1 y s
Longchamp: Bull. Acad. Sc. Brux. XXII. Nr. 8. Er kennt und
beschreibt C. senegalensis , Gordoni, capensis , abyssinica , Korihalsi^
hyperylhra^ rustica, melanocrissus, rufula, daurica ^ japonica und slrio-
lala, also 12 Arien. Wir kennen eine dreizehnte aus Senegambien
stammend, C. lucida Verr.
H. A. Bernstein: j,Beiträge zur näheren Kenntniss der Gat-
tung Collocalia," 4. Bonn. Mit einer Tafel. Die specielle vom Verf.
behandelte Osteulogie bestätigt die Verwandtschaft dieser Form zu
den Cypseliden. Viel Splanchnologisches.
Neue Arten. Hirundo obscura^ Temm. Cab Journ. p.355. von
Dabocrom in Ashantee. H. subfusca Gould von den Fejee -Inseln.
Proc. Zool. Soc. p. 137.
A. Salle fand Audubon's Cotyle scrripennis im südlichen Mexiko
um Cordova: Proc. Z. S. p. 285.
Hirundo daurica Pall. erhielt Gactke auf Helgoland.
der Vögel während des Jahres 1856. 47
Trog^Guidae. Neue Arten sind : Trogon Sallaei, Bp. Compt.
rend. de l'Ac. Ser. parall. Gallin. p. 16. — Tr. auranliiventris, Gould
Proc. Zool. Sog. p. 107, 139, 285.Veragua. — Tr. Eytuni, Fräs. Proc.
Z. S. p. 368. Rio Janeiro. — Tr. crysochloros, Kalt. v. Pelzein. „Neue
oder wenig gekannte Arten« u. s. w. p. 7. Ypanema. Die Unter-
schiede dieser letzteren Art von Tr. alricollis entwickelt v. Pelzeln
sehr ausführlich, und beschreibt mehrere Kleider beider Arten.
V. Pelz ein ausführlieh über Trogon violacetis Gm. und dessen
Unterschiede von Tr. viridis L. und melaiioplerus Sw.l.c. — Die sehr
interessanten aus Job. Natter er's Cataloge mitgetheilten Auszüge
behandeln : Trogon viridis , aurantius , surucura, chrysochloros, mela-
nurus, variegatus , coUaris, meridionalis, atricollis, citreolus , Calurus
pavoninus.
Abgeb. Trogon ramonianus j Dev. Casteln. Exped. Ois. pl. 11.
Eine gute Beschreibung dieser Art giebt auch Bonaparte in den
Compt. rend. de l'Acad. 1. c,
Bucconidae. „Characters of some apparently new species
of Bucconidae, accompanied by a geographica! table of the family«
by P. L. Sclater: Proceed. Zool. Soc. 1855. p. 193. Der Verfasser
kennt jetzt 40 Arten dieser mittel - und südamerikanischen Form,
nämlich: 19 ßwcco, 11 ßlalacoptilUf 3 JSonnula, b Monasa und 2 CÄe-
lidoplera.
Einen zweiten interessanten Beitrag zu unserer Kenntniss dieser
Familie liefert v. Pelz ein in seinen Arbeiten über neue Arten der
Wiener Sammlung p. 9. Nach ihm wurde der ungemein seltene B»
Ordii Cass. von Natterer am Rio I^anna erlegt. Die sehr wichti-
gen aus Joh. Natterer's Cataloge mitgetheilten Auszüge behandeln:
B. chacuru, Swainsoni , maculatus, striolatus , tamatia , macrodactylus,
coUaris, melanoleucus, ürdii, macrorhynchus, giganteus; Monasa atra,
nigrifrons, leucops, ruficapilla, rubecula, torquata, fusca, rufa, Cheli-
doptera tenebrosa, Capito peruvianus.
Neue Arten. Bucco hyperrhynchuSf Bp. Consp. Zygod. p. 13 und
Sclat. Proc. Z. S. p. 193. pl. 105. Oberer Amazonas. — B. Dysoni,
G. R. Gray , ib. p. 193. Honduras. — B. pidmenlum Bp. Oberer
Amazonas, ib. p. 194. pl. 106. — Monasa peruana, Sei. ib. Oberer
Amazonas. — Bucco picalus, Sei. ib. Oberer Amazonas. — Malacopiila
nigrifusca^ Sclat. ib. 195. St. Fe de Bogota. — B. giganteus , Natt.
V. Pelzeln 1. c. p. 9. Inneres Brasilien. Nach v. Pelz ein doch
wohl nur grosse Lokalform von macrorliynchusl — B. slriolatusj
Natt. Brasilien 1. c. p. 11.
Auch von B. melanoleucus beschreibt v. Pelzeln eine grös-
sere Rasse : 1. c. p. 10.
Abbild. Bucco pulmenlum in Casteln. Exped. Ois. pl. 11, — »
CapHo amazonicuSf ib. pl. 8. — Capito aurifronsy ib. pl. 9.
48 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Alcedinidme« Uebcr die von Johann Natterer in Bra-
silien tjesaminellen Ga 1 b u 1 a - Arten Iheilt v. Pelz ein aus dem
handschrifllichtn Cataloge desselben wichtige Notizen mit. Es waren
G. viridis f G. rußcauda, G. maculicauda, G. cyanicollis , G. ckalcoce-
phala, G. leucocjtisli'a , G. jjaradisea , G. melanosloma ^ G. inornatOj G.
tridaclyla und Jacamerops grandis. I3ei diesen Nalterer'schen An-
zeichnungen ist namentlich die genaue Angabe aller Fundorte und die
Färbung gewisser Theile sowie die Maasse an frischen Exemplaren
von grossem Interesse, 1. c. p. 27.
Galbula vielanostoma Sei. wurde von Natter er am Rio Pa-
rana gesammelt und von ihm G. luguhris genannt, v. Pelz ein hält
G. albigularis Sp. für den jüngeren Vogel dieser Ait, 1. c. p. 15.
V. Pelz ein meint Urogalba amazonum für Altersstufe von U.
paradisea hallen zu müssen. Die Wiener Sammlung zeigt Uebergänge,
1. c. p. lö.
Y. Pelz ein über Halcijon ahyssinica Licht (Ceryle abyss. No-
mencl. av. 1854. p. G7). Noch nicht beschrieben. Ich sah
den Vogel in Paris und hielt ihn für polynesischen Ursprungs, üb
= chlorocephala Gm.?
Auch über Halcyon venerala Gm. veröffentlicht v. Pelz ein
eine seiir interessante Notiz. Die üriginalexemplare der Latham'schen
Beschreibung gelangten nämlich aus der Lavarianischen Sammlung
nach Wien. v. Pelz ein beschreibt ein Exemplar von den Sand-
wichinseln und sucht dieSynonymie festzustellen, Ist auch Todirham'
phus divinus Lcss 1. c. p, 13.
Aus dem Manuscripte Natterer's wird dann noch berichtet
über Ceryle lorqnala y C. amazona , C. americana , C. bicolor und C.
superciliosa.
Cassin möchte Eyton's Halcyon varia für gleichartig mit con»
CVßla T. halten.
Abbild. Galbula chalcocephala in Casteln. Exped. Ois. pl. 9. —
Jacamerops Isidori, ib. pl. 10.
Neu ist Ispidina Lecotitei, Cass. Proceed. etc. Philad. Aug. 1856.
von Gaben.
Teiiiäli*ostres.
I^^eclariBiiadae« Neu. Cinnyris osea^ Bp. Compt. rend. de
PAcad. von Jericho. Eine Entdeckung des Herzogs von Vallombrosa.
In Verreaux's Sammlung. — Dacnis jiigripes , v. Pelz ein, neue
und wenig gek. Art. der Wien. Samml. Sitzungsber. Bd. 20. p. 153.
Taf. 1. Fig. cT $• Brasilien.
Tfoclaiäidae« Neue Arten. Eugenia imperatrix ^ Goul
Proc. Z, S. 1855. p. 192. Ecuador. — Pygmornis amaura ßourc. Rev.
der Vögel während des Jahres 1856. 49
et Mag. d. Zool. p. 552. — - Tholucania coelina, Id. ib. p. 553. Beide
Neugranada. — Amazilius cerviniveniris, G. Proc, p. 150. Cordova.
A. castaneivenler , G. ib. St. Fe de Bogota. — Phaelornis Adolphi,
Salle Proc. p. 287. — Mellisitga aUocoronata , Lawrence Ann.
Lyc. K. H. Nevvy. vol. 6. pl. 4. von Veragua. Die Lebensweise die-
ser Art schildert Dr. Merritt. — Tr. Castelnaudii , Desm. Exped.
Casteln. Ois. pl. 11.
Ebenderselbe ib. über Trochilus aquila Bourc. Veragua.
Synonymische Aufklärung über Phaelornis superciliosus giebt
Y. Pelz ein in seiner Arbeit über neue oder wenig bek. Vöo-el der
Wiener Sammlung.
A. G. Adams-. „Humming Birds described and illustrated with
an inlroductory sketch of their structure, plumage, haunts, habits etc."
with 8 coloured plates. ISmo. 104 S. London.
Einen Schatz interessanter Notizen über die Lebensweise zahl-
reicher Trochiliden enthält der von Desmurs verfasste Text zu
Casteinau's Heise, Ornithol.
Gould's Prachtwerk über die Colibri's enlhält in part. 10 die
Abbildungen von Lophornis ornatus , Gouldi, magnificus, regulus, re-
ginae und Helenae, Hclianthea eos und violifera , Eriocnemis Aure-
liae, Campylopterus Delattrei und pampa, Gouldia Laetitiae, Phaelor-
nis Philippii , Leucochloris albicollis und Adelomyia castaneiventris.
Und in part. 1 1 : Eugenia imperatrix , Heliactin cornula , Avoceltula
recurvirostra, Avocettinus eurypterus, Calypte anna, Helenae und Co-
slae, Rhodopis vespera, Lamprolaima Rhami, Cyanomyia cyanocephala,
Coeligena Wilson! , Glaucis hirsutus , Thalurania Watertoni und glau-
copis, Adelomyia inornata. Und in part. 12 : Aglaeaetis cupripennis,
A. pamela, Thaumatias albiventris und Linnaei, Chrysolampis moschi-
tus, Calothorax Fanni, Eugenia fulgeus , Lesbia Gouldi, Campylopte-
rus lazulus, C. Cuvieri , Urochroa Bongueri, Lampornis mango, Leu-
cippus fallax, Calliphlox amethystina, Saucerottia cyanifrons.
MelipUag-idae* Neu scheinen zu sein: Phyllornis frontalis,
Natter, von Khelgal bei Goa (Bar. Hügel}. Sitzungsber. d. Wiener
Acad. vol. 20. p. 157. pl. 2. fig. I.
Certliidae. Sclater schreibt über die westindische Gattung
Legriocinclus fCiticlocerlhia G.) und deren Synonymie : Proc. Z. S.
p. 212. Er kennt drei Arten : 1) C. tremulus = Stenorhynchus rufi-
cauda Gould. 2) C. gulturalis Lafr. und 3) C. brackyura (Vieill.) =
Zoolhera cinclops Bp.
Ebenderselbe über Buglodyles albicilius Bp. Proc. Z. S. p. 97.
Ist = Furnarius griseus Sw. u. s. w.
Brehm sen. über Cerlhia familiaris und Consorlen : Naum.
p. 557.
Neue Arten. Certhiola mexicana , Sei. Proc. Zool. S. p. 286*
Archiv f. Naturgesch. XXUl. Jahr?. 2 Rd. £)
50 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Cordova. — Squallaxis Spixii, Sei. Proc. Zool. Soc. p. 98. Brasil. —
S. canicepSf Sei. ib. p.98. — S. castanea ^ Sei. ib. Caraccas. Nähert
sich Sylviorthorhynchus. — S. eleyanSf Sei. ib. p. 25. St. Fe de Bo-
gota. — S. moesta, Sei. ib. 2ö. Ebendaher. — S. fntiginosa , Sei. ib.
Ebendaher. — S. Kollari, v. Pelzcln Sitzungsber. d. Wiener Aead.
vol. XX. p. 158. pl. 1. flg. 3. Brasilien. — S. slriolala , Natt. v. Pelz,
ib. Brasilien. — S. albilora , v. Pelz. ib. Brasilien. — S. inornaiay
V. Pelz. ib. Brasilien. — S. vulpina, TXalt. v. Pelz. ib. Brasilien. —
Atiabales rubiginosus ^ Sei. ib. p. 288. Cordova Mex. — A. cervinigula-
risy Sei. ib. Cordova, — A. variegaliceps, Sei. ib. p. 298. Cordova. —
A. erylliroplcnts, Sei. ib. St. Fe d. B. — A. infuscalus , Sei. ib. Peru.
— A. linealiceps , Sei. ib. Peru. — Digtopopis caerulesce7is, Sei. ib.
Caraccas. — Diglossa indigolica, Sei. ib. Ecuador. — Xenops mexicamis.
Sei. ib. p. 289. — Margarornis brmtnescens , Sei. ib. p. 27. pl. 116.
St. Fe d. B. — Sclerurus meccicamts, Sei. ib. p. 290. Cordova. — Fwr-
narius loiigirostris v. Pelz. 1. c. Taf. 2. fjg. 2. — Dendrornis rostripallens,
Lafr. Expcd. Casteln. üis. pl. 12. fig. 2. Oberer Amazonas. — D. Kie~
ncriif Lafr. ib. pl. 14. fig. 1. Ega in Brasilien. — D. WeddeUi, Lafr. ib.
pl. 14. fig. 2. — Glyphorhyiichus Coslelnavdii, Lafr. ib. pl. 15. fig. 2. —
Scylalopus pro^lkeleucus , Sei. Cordova. 1. c. — Cilta aculeatn ^ Cass.
Proc. Ac. Pbilad. Oct. 16. Californien.
Abbild. Enicornis melanura , G. Un. Stat. Exped. South He-
misph. Chile, pl. 22. — Scylalopus fuscus, G. ib. pl. 22. — Dendroco~
laples DeviUeif de Casteln. Exped. Ois. pl. 13. fig. l. — Dendrornis
gutlaloides, Lafr. ib. pl. 13. fig. 2. — J). mulligitllnlus, Dev. ib. pl. 12.
fig. 1. — D. palUalus, Dev. ib. pl, 15. fig. 1. — Sillasomus amazonuSf
Dev. ib. pl. 15. fig. 3.
Cabanis berichtet in seinem Journale sehr interessant über
die FortpUanzungsgeschichte der Menura superba ^ nach lUitlh eilungen
von Herrn L. Becker. F'ig. ovi : Tab. 2. fig. 18. Das Ei ist sehr
verschieden von dem der M. Alberli.
Dei&tivostfi'es.
f^usciniadae* Graf v. d. Mühle: „Monographie der eure,
päischen Sylvien." Wach dem Tode des Verfassers herausgegeben von
dem zool.-mineral, Verein in Regensburg. (Bildet das 7te Heft der
Abhandlung des Vereins) 150 S. Sehr zweckmässig von Pfarrer Jä-
kel bearbeitet. Sämmlliche Arten sind ausführlich behandelt. Abge-
bildet sind auf Taf. 1: Syloia erylhrogaslra, Güld. und S. erylhronutoSf
Eversm. ^ ad. und juv., ferner auf Tai'. 2 : -S. oUveloruin und fig. 2
S. elaeicOf beide mit Nest und Eiern; auf Taf. 3. fig. l: Calumoherpe
scilay Eversm. und fig. 2, 3: S. vielanopogonTem. Endlich auf Taf. 4:
Cisticola schoenicola und celti. Gute fleissige Arbeit.
Brehm sen. über die „Blaukehlchen"; Naum. p. 373.
der Vögel während des Jahres 1856. 51
Id. Ueber „Meisen" und deren Unterarten: Kaum. p. 367.
Id. Ueber die „Anthusarten« : Waum. p. 337.
J. S, Fa tio- ß ea um ont: „Ueber die Gruppe der Graumeisen.«
Kaum. p. 160. Fünf europäische Arten : Sibiriens , lugubris, palustriSf
borealiSf alpestris. Letztere wird sehr ausführlich beschrieben.
Baron v. Müller schreibt über die Unterschiede zwischen SyU
via rubricapilla Landb. und S. Naumanni v. Müll. Cab. Journ. p. 255.
W. Kidd: „The Kightingale, the Blackcap and Ihe Garden-
Warbier.« London. 12mo. 32 S.
Neue Arten. Regulus kimalayetisis Gould , Bp. Compt. rend.
p, 15. — R. surinamensis G. , Bp. ib. — R. mader ensis y Harc. Proc.
Z. S. 1854. p. 153. — Eremomela damarensiSf Wahlb. Öfvers. Konal.
Vctensk. A. F. Apr. 1855. Damaragegend. — Erithacus Schtegelii,
Wahlb. ib. Ebendaher. — llelinaea Sallaeif 13p. collect. Salle p. 19.
Mexiko. — Stjlvicola pityophilaj Gundl. Cuba. — Cercomela aslhenia,
Bonap. Compt. rend. Jericho. — Saxicola albicans, Wahlb. 1. c. Da-
maragegend. — Ortholomus derbianus , Moore Ann. and Mag. N. 11.
p. 430. — 0. macnlicollis j Moore ib. von Malacca. — Varus meridio~
naliSf Sei. Proc. Z. S. p. 293. El Jacale in Mexiko. — Calamopkilus
Sibiriens, Bp. Compt. rend. Acad. Tome 43. (Nur Rasse.) — Cala-
moherpe obsciirocapilla, Uubois Cab. Journ. p.240. bei Löven ge-
schossen (?)
Sclater verweist Aegilhalns flavieeps Sundev. in die Gattung
Psaliria : Proc. Z. Soc. p. 37. Aber wir müssen uns durchaus dagegen
erklären, (kr typischen /^sa/^nct ccci^is Java's einen Vogel von der Nord-
westküste Amerika's generisch beizugesellen.
Tiirtlidae. Ueber Lebensweise und Fortpflanzung von Tur-
dus rubripes vergl. Gundl ach in Cab. Journ, p. 470.
W. K i d d : „The Blackbird, the Songthrush and the Misselthrush.«
London. 12mo.
L. Brebm: „Ueber die Cinclus« : Naum. p. 178.
Neue Arten. Caroehalinus rufogularis, Desm. Casteln. Exped.
üls. pl. 17. fig. 1. Peru. — Conopophaga peruviana, Id. ib. pl. 16. fig 1.
Oberer Amazonas. — • C. cncuUata , Sei. Proc. Z. S. p. 29. pl. 119.
St. Fe de Bogota. — C. Tfteresae , Desm. ib. pl. 16. fig. 2. Bio Ja-
vari. — Helerocnemis bicolor, Desm. ib. pl. 16. fig. 3. — tierpsilochmus
argenlalus f Desm. ib. pl. 17. fig. 2. Oberer Amazonas. — Rhopotera
punclulataf Desm. ib. pl. 17. fig. 3. Oberer Amazonas. — Formicarius
moniliger, Sei. Proc. 294 von Cordova. — Mimus Gundlachii, Caban.
Journ. p. 471. Cuba. — Malacocichla mexicana, Bp. Compt. rend.
Dec. 1856. p.35. — Mernla dactyloplera, Bp. ib. von Smyrna. Schwarz-
drossel mit Flügelsporn! — Crateropus chalybeiis, Bp. Compt. rend. 14
von Nazareth. — Ixos Vallombrosae y Bp. ib. Jaüa. — Trichophoxus
52 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
nivosusj Temm. Cab. Journ. III. p. 316. Rio Boutry. — Ir. eximius,
Haiil. ib. Dabocrom. — Tr. siniplexj Temm. llio Boulry. ib. — Tr.
calurus , Cass. Proc. Aead. IMiilad. Aug. 1S5Ö. Moondafluss. — Tr.
nolalus, Cass. ib. ebendaher.
Muscicstpidae* Brehm scn. verbreitet sich in Caban. Jour-
nal über die europäischen Fliegenfänger: p. 191. ♦
Neue Arten. (Amerikanische) PhyUomanes harbnlulns, Cab.
Journ. p. 467. Ist Vireo olivaceus Lembeye. Cuba. — Vireo Gund-
lacliii, Cab. ib. p. 468. Cuba. — Elaenia afßtns Lund , Burm. Vögel
Bras. p. 477. Brasilien. — Tkamnophilus Bridgesii , Sei. Proc. p. 141.
Panama. — Tyrannula sulfureipygia , Sri. Proc. Zool. Soc. p. 296.
Cordova. — Elaenia variegala, Sclat. ib. p. 297. Cordova. — Casior"
nis hjpus^ Bonap. Exped. Castein. üis. pl. 18. fig. 1. Gojaz Brasil. —
Todiroslrum cinereogulare , Sei. 1. c. p. 295. Cordova. — Muscivora
mcxicana, Sei. 1. c. 295. Cordova. — Ochlltoeca fuviicolor , Sei. 1. c.
pl. 117. p. LV. Neugranada. — Etiscarlhmus acjUis, Sei. ib. 28. pl. Il8.
Ebendaher. — Granalellus Sallaei, Scl.~ Bp. Proc. 292. pl. 120, Cor-
dova. — Polioptila melanura, Lawr. Ann. Lyc. N. H. Newy. VI. 168.
(alricapilla Svv. und mcxicana ßp.?j. — (Afrikanische): Muscipela
nigriceps, Temm. Guinea. Cab. Journ. p. 355. — Sliplirornis erythro^
ihorax, Temm. Dabocrom. 1. c. 355. — Sl. sup er ciliar is ^ Temm. ib.
Weslafrika. — Plaiystira afßnis, V»'ahlb. Öfvers. K. Vet. Ac. Förh.
1855. Damaragegend.
lieber die brasilischen Tyranninen verdient auch Burmei-
ster verglichen zu werden: Vög. Brasil. I. p. 458 u. s. w.
Ampelidne« Eine erschöpfende öliltheilung über die Ana-
tomie der Coracina scutala verdanken wir H. Burmeisler: Ab-
handl. Nal. Gesellsch. zu Halle, Bd. 3. (Auch Separalabdruck.)
Ueber Myiadesles Elisabelhae , Cab. (Lemb. Ac. de la Isla de
Cuba t.5. fig. 3) vergl. Gundl. Cab. Journ. IV. p.2.
Neue Arten. Myiadesles tenezuelensis , Sei. Proc. Z. Soc. 1855.
— M. unicolor f Sei. ib. 1856. p. 299. Cordova. — Pipra coracina,
Verr. (= leucocilla, Sei. Proc. 55. p. 152). — P. menlalis, Sei. Proc.
Z. S. p. 299. pl. 121. Cordova- — Pipreola melanolaema , Sei. Ann.
Mag. N. H. p. 56. Caraccas. — Chiroxiphia regina, Nalt. Rio Madeira.
Borba. ib. — Schiffornis major, Bp. Exped. Casleln. Ois. pl. 18. fig. 2.
Sarayacou. — Eiopsaltria cinerea, Cass. Proc. Ac. Philad. Oct. 1856.
von Gabon. (Ohne Zweifel einer anderen Form angehörig!)
Sehr ausführlich und instrucliv schreibt Desmurs über die
Cor acina -Arten (er nimmt deren nur zwei an) und über Cepha^
loplerus ornalus: Exped. Castein. Ois. Desmurs hält, vielleicht mit
grossem Rechte, C. glabricoUis Gould's für das ganz alte Männchen
von ornalu9.
der Vögel wahrend der Jahres 1856. 53
liania^dae. Neu scheint zu sein: Lanius lugubris Hartl. von
China. Gab. Journ. III. p. Sö^. — Prionops Reliii, Wahlb. Cab. Journ. V.
p. 1. Am Doughe-Flusse im Damaralande. Mit rothem Schnabel. —
Napolhera caslanea, Cass. Proc. Ac. N. Sc. of Phil. Aug 1856. Gabon.
Lanius phoenimtrns wurde auf Helgoland erlegt: Gaetke.
C!osiiro§tres.
Corvidae. Graf Wodzicki erzählt von Angriffen des Cor-
vus corax auf Hasen : Cab. Journ. IV. p. 80.
Prinz Max von Wied: „Ueber die nordamerikanische Elster
fPica kudsnnicaj : Cab. Journ. p. 197. Schöne ausführliche Mitlheilung.
Neue Arten. Cyanocorax Heckelii, v. Pelzeln Sitzungsber. der
Wien. Acad. Vol. XX. p. 163. Rio Boraxado. Dem azureus zunächst
stehend. — C. Diesingii, v. Pelz. ib. von Horba in Brasilien. Dem
pilealus ähnlich. — C. afßnis, v. Pelz. ib. von Bogota.
Salle brachte eine reiche Suite von Psitorhinus morio aus
Mexiko, die alle Uebergänge der Schnabelfärbung vom reinsten Gelb
bis zum Schwarz zeigen: Bonap. und Sciater.
fittirssidac« Ausführlich über Afjelajus assimilis schreibt
Gundlach: Cab. Journ. IV. p. 12.
Neue Arten. Spreo albicapillnsy Blyth Journ. As. Soc. of Beng.
Somaligegend. — Juidn Mevesii, Wahlb. Öfvers. K. Vet. Ac. Förh.
Damaragegend. — Cassicus üevillei, Bp. Casteln. Exped. Ois. pl. 19.
flg. 1. — C. Alfredi, Desm. ib. pl. 19. fig. 2. Thal von St. Anna.
Abbild. Cassicus Oseryi , Dev. et Casteln. Exped. Ois. pl. 18.
fig3. — Psarocolius caraeus , (Mol.) Gilliss Exped. South. Hemisph.
ßirds, pl. 15. — Agelajus ihilius, (Mol.) ib. pl. 16. — Slurnella inili-
tarisf ib. pl. 17.
ff^riee^^illidae. Eine Abhandlung Fr. Moore's über seltene
nordindische Fringilliden behandelt Propasser ihura ßp. von Nepal, P.
pulchcrrimus Hodgs., Himalaja und Linola bretiroslris Gould , von Er-
zerum und Afganistan: Proc. Z. S. 1855. p. 216.
ßonaparte will Pyrenestes ostrinus und sanguineus als Arten
unterscheiden: Corapt. Rend. Tabl. parall.^ Gallin. p. 18.
Neue Arten. Sycobius nigrifrons, Temm. Ashantee. Cab. Journ.
p. 356. — Passer Hausmanniy Bolle Cab. Journ. p. 22. — P. caslano^
pleruSf Blyth Journ. As. Soc. Beng. Somaligegend. — Ploceits bagla-
fecht, ßl. (nee Büff.) ib. Soraaligegend. — Vidua kypockerinay Verr.
Rev. et Mag. de Zool. p. 260. pl. 16. Westafrika. — Pelroica albigu-
laris, Brehm Naum. p. 37 7. Sennaar. — Geospizopsis 7nelanotis , Bp.
Tabl. parall. Gallin. p. 17. Mexiko. — Passerculus ionarius , Bp. ib.
p. 18. — Catlirhynchns masesus, Bp. Compt. rend. Ac. — ■ Embcriza
64 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der TS^aturgeschichle
Stracheyif Moore Proc. Zool. Soc. 1855. p. 215. Kumaon. ~ E. ca^
staneicepsy Gould MS. Kintang in China, ib.
Ca s sin über Spizella pallida Sw. (= Shattuckii Aud.) : Proc.
Ac. Philad. 1856. p. 40. Audubon's Sp. pallida ist eine andere Art:
Sp. Brewerif Cass. von Californien und Neumexiko. — Kach Gas sin
wäre Oriturus mexicanus Bp. = Aimophila superciliosa Sw. und C.
Wrangelii Bp. = Pipilo crissalis Sw. Und Passerculus zonarius Bp.
= Zonotrichia conspurcata Licht. Und endlich Zonotr. plebeja Licht.
= Embernagra rufivirgata Lawr.
Abbild. Chrysomitris marginalis ßp. in Gilliss Exped. South*
Hemisph. ßirds pl. 18.
Tanssg-ritlae. P. L. Sclater: „A monograph of the birds
forniing the Tanagrine genus Callisle, illustrated by coloured plates
of all the known species." Ist auf 4 Theile zu je 12 Tafeln berech-
net, .leder Theil kostet 10 Shill. Der vor uns liegende erste Theil
giebt die wohlgelungenen Abbildungen von C. talao , C. coelicolor,
C. geni, C. tncolof, C. fastuosa, C. fesliva, C. cyaniventris, C. thora~
cica^ C. xanthogasira. C. rufigula , C. Sclaleri, C. anrulenla, C. icle-
rocephala und C. gyroloides. Der Text ist ganz in unserem Sinne
abgefasst, läuft aber nicht immer conform mit den Abbildungen. Alle
Arten sind gut und mit genügender Ausführlichkeit beschrieben, und
der synonymische Theil ist ebenso vollständig als kritisch. Scla-
ter's Arbeiten über die Vögel Süd- und Mittelamerika's bilden ge-
radezu einen Wendepunkt in der Geschichte der beschreibenden Or-
nithologie.
P. L. Sclater: „Synopsis avium Tanagrinarum a descriptive
catalogue of all known species of Tanagers." Proceed. Zool. Soc.
p. 64, 108 und 230. Eine der bedeutendsten und jedenfalls die um-
fangreichste von allen Arbeiten Sclater's. Dieselbe behandelt in
möglichst erschöpfender Weise die Beschreibung, geographische Ver-
breitung und Synonymie von nicht weniger als 272 Arien, und giebt
zum Schlüsse ein sehr instructives Schema der Verlheilung aller die-
ser Arien über die süd- und millelamerikanischen Ländergebiete. In
der Annahme von Arten geht Sclater für mich mitunter zu weit.
Keue Arten. Buarremon leiicoplertis , Jard. Proc. Z. S. p. 214.
pl. 1 09. Quito. — B. phaeopUuriis , Sei. ib. p. 85. Venezuela. — Dii-
bitsia rturicrissa, Sei. Proc. 227. pl. 110. Neugranada. — Iridornis por^
phyrocepliala , Sei. ib. 227. pl. 110. Ecuador. Bestimmt verschieden
von analis Tschudi. — Chlorospingiis xanlhophrys, Sei. ib. p. 30, 93.
Neugranada. — Chi. Lichtenslcinii, Sei. ib. p. 30, 93. Ncugranada. —
Chi. ßaviventris, Sei. ib. p. 91. Trinidad. — Arremoti Devillei, Bp. Ca-
steln. Exped. Ois. pl. 20. fig 2. — CnlHsle ci/nnescens, Sei. Proc. Z.
S. p. 260. Venezuela. -- C. rußgenis , Sei. ib. p. 311. Venezuela. —
der Vögel während des Jahres 1856. 55
Rhampkocelus unicolor, Sei. Proc. 128. Keugranada. — Nemosia auri-
collis, Sei. Proc. p. 111. Cajcnne, Ostperu. — N. insignis , Sei. ib.
p. 110. Südbrasilien. — N. (juirina, Sei. ib. 110. Neugranada. — Pi~
pridea venezuelensis, Sei. ib. p. 265. — Ettphonia fulvicrissa^ Sei. ib.
p. 276. St. Martha. — E. crassirostris, Sei. ib. 277. Neugranada.
Abbild. Calliste cyanicollis, GillissExped. South. Hemisph. ßirds
pl. 19. — C. thalassina, Strickl. ib. — C. gyroloides, Sw. ib. pl. 20.
— Euphorie rufivenlrisf ib. pl. 20. (Eine inslructive Notiz über diese
Abbildungeu giebt Sclater: Proc. Z. S. p. 18.) — Fipilopsis ruficeps,
Str. Exped. Casteln. Ois. pl. 20. fig. 1.
Alaudids&e. Brehm sen. : „Ueber die Melanoeorypha-Ar-
ten.« Naum. p. 374.
Neu sollen sein: Otocorys longiroslris Gould, Moore Proc. Zool.
Soc. p. 215. Agra. — Melanocorijpha rufescens , Br. Sudahn. 1. e. —
Calandra ferruginea^ A. Brehm ib. 375. — Corydalla Viertkaleri, Br.
Naum. p. 338. Nordostafrika. — C. Hasseltii Br. Java. — AI. Groyi,
Wahlb. Ofvers. Damaragegend. Gab. Journ. 57. p. 2. — Anlfius orien.
talis, Br. ib. p. 343. Nordostafrika.
f^caiisores.
ISucerädae* Neue Arten sind: Buceros semifasciatus, Temm.
Gab. Journ. p. 356. Rio Boutry. — B. camurus , Gass. Proc. Acad. of
Nat. Sc. of Philad. Dec. 1856. von Gap Lopez: Du Ghaillu.
llliamisliastidae. G. R.Gray hat in einem eigenen Bänd-
chen die Rhamphastiden des Britischen Museums verzeichnet.
Psittacidae. „Gatalogue des Perroquels de la collection du
prince Massena d'Essling, et observations sur quelques especes nou-
velles ou peu connues de Psittacidae« par Gh. deSouance. Sehr
wichtig. Behandelt 218 Arten. Zahlreiche gute Bemerkungen,
Gh. L. Pr. Bon aparte: „Tabellarische Uebersicht der Papa-
geien." Beil. znr Naum. Heft 4. Jahrg. 6. 330 Arten. (Asien 13,
Afrika 24, Amerika 134 und Australien 159.)
Dr. David Lyale: „Ueber die Lehensweise des Nachtpapa-
geien Neuseelands (Strigops habroptilus).« Aus den Ann. and Mag.
of N. H. übers, von Ref. in Gaban. Journ. p. 503.
Neue Arten. Nestor nolabilis, Gould Proc. Z. Soc. p. 94. Neu-
seeland. — N. EssUngii , de Souance Perr. p. 29. Beschr. ib. — La-
riculus Bonaparlei, Id. ib. p. 28. Solo-Archipel. — L. regulus, Id. ib.
Woher ? — L. apicalis , Id. ib. p. 26. Mindanao. — L. puniculus, Id.
ib. Südasien. — Geoffruyus Pucberani, Id. ib. p. 24. Moluccen. — Phaeo^
cephalns aubryanus, Id. ib. p. 22. Gabon. — Lorius cldorocercus, Gould
Proc. Zool. Soc. p. 137. Insel St. Cbristoval. -— PsUlacara Hahniy de
56 Hartlaub: Bericht über die. Leistungen in der Naturgeschichte
Sonance Cat. Perr. ist Ps. nobilis Hahn. — Fs. (hloroplern, Id. ib.
St. Domingo. Ps. Maugei, Id. ib. — Blicrositlace Lnciani Dev. Peru.
Myiopsilta ticjrina^ de Souance Rev. p. l44. Venezuela. Ist = lineo-
lata Cass. Salle brachte diese Art von Cordova in Südmexiko. —
Clirysods chloronota. Id. ib. p. 153. — Chr. coccineifrons, Id. ib. Co-
lumbien? — Psiltacula cyanopygia, Id. ib- p. 157.
Abbild. Ära primoli, Hp. Casteln. Exped. Ois. pl. 4. — Mara-
cana Weddelii ^ Dev. et Casteln. ib. pl. 2. — Coniirus' jurjularis, Id.
ib. pl, 3. fig. 2. — Chriiaolis hypochondriaca, (Licht.) ib. pl. 5. — Psit-
locus ochrocephaluSf ü. St. Exped. South. Hemisph. pl, 23.
lieber MelopsiUacus undulalns, vergl. de Souance Perroq,
Ueber das Originalexemplar von Latham's Psülacus pugmaeus
in der Wiener Sammlung schreibt kritisch und instructiv A. v. Pel-
zein: 1. c, dasselbe stammt von Otaheite.
fi*äeicla.e* Eine neue Artist Picus cruentatus Antinori : Naum.
p. 411, mit guter Abbild. Umgegend von Damascus. Anatolien. Steht
zu P. medius wie numidicus zu major.
Die von Salle im südlichen Mexiko gesammelten Spechte sind
nach Sclater's Untersuchung die folgenden: Dryocopus scapularis
Vig , D. erythropsCuv., Colaples mexicanus Sw., Melanerpes formicivorus
Sw,, Centurus St. Cruci Bp., Chloronerpes yiicatanensis Sabot (= aeru-
ginosus Licht.) , Chi. oleagineus Licht. , Picus scalaris Wagl., P. ra-
rius L., P. Jardinei Malh. und P. cancellatus Wagl.
Cueuliclae. Neue Arten sind : Cuculus slrenuus^ Gould. Proc.
Zool. Sog. p. 96. Philippinen. — C. hyperylhrus, G. ibid. von China.
Beide sind abgebildet in den ,,Biids of Asia " — Cenlroptts milo,
Gould Proc. Z. S. p. 136 von Guadalcanar. — 3Ielignolhes conirostris^
Cass. Proc. Ac. Philad. Aug. 1856. Moondafluss. — M. exilis, Cass. ib.
Ebendaher. — Uetaerodes insignis^ Cass. ib. Moondafl.
AbbiU. CuUrides Pucherani , Dev. Casteln. Exped. Ois. pl. ö.
und 7. Ist sehr wahrscheinlich = C. rufipennis G. R. Gray, Illuslr.
Proceed. 1849. pl. 10. Desmurs beschreibt die verschiedenen Indi-
viduen der Castelnau'schen Reise und sucht die Gleichartigkeit beider
mit C. Geoffroyi zu bew^eisen.
de Castelnau bestätigt die nahe Verwandtschaft von Guira
piririgua zu den Ani's (Crotophaga).
Columhae.
G. R. Gray: „List of Specimens of Birds in the collect, Brit.
Mus. Columbae." 73 S. 8. Die Taubensammlung im britischen Museum
mus3 eine der reichsten sein.
Bonaparte giebt in den „Comptes rendus de l'Academie«
der Vöcel während des Jalires 1856. 57
vielfache und wichtige Kachlräge , Berichlignngen und Zusätze zu
seinen umfassenden Arbeiten über die Tauben. Tome 43. INov. 1856,
Neu sind: Sphenoeacus phasionellus Blyth. Himalaja. — Jolreron
Eugeiiiae Gould. Salomoninseln. Proc. Zool. Soc. p. 137. — Carpo-
phaga (Janthoenas) hijpoenochroa Gould. Isle of Pines, ib. — Ftilino-
pus Greiji Gray. Catal. Loyalty-island und Isle of Pines. — Turacoena
crassiroslris, Gould Proc. Z. S. p. 136. Guadalcanar. — Columba gym-
nocyclus f G. R. Gray Col. Senegambien. — Palumbus excelsus, Hp.
Algerien. Dr. Buvry. — C. cliakauclienia, G. R. Gray Col. von Ga-
bon ist av. jun. von Malherbii. — C. iriditorques , Cass. Proc. Ac.
Philad. Oct. öG. St. Pauls- und Moondafluss. — C. plumipes, Gray ib.
Persien. — Macropygia crassirosiris Gould. Guadalcanar. (Salomon-In-
seln.) — Geolrygon chiriquensisy Sei. Proc. Z. S. p. 143. Panama. Da-
vid. — Perislera mondeloura, Bp. Compt. rend. von Caraccas. — Ca-
loenas Stairii. Gray Proc. Z. S. p. 6. pl. 115. Navigatorinseln. — Ser~
ressins galealvs, Bp. 1. c. Rev. et Mag. de Zool. p. 401. pl. 18. fig.bon.
Jedenfalls eine der allermerkwürdigsten Formen unter den Tauben.
Mus. Par. Marquesasinseln. — Turliir ceylonensis , Reichb. — Zenaida
hiniaculala Gray. Barbados. — Z. noronha Gr. von der Ins. Fernando
Noronha. — Z. rvßcanda Gray, Comb. Brit. Mus. Ncugranada. — P.
brevipetmiSf Gray ib. Trinidad (= Verreauxi Bp.) — P. erytkropareia
I5p. Ecuador.
Graliiiiae«
Ch. L. Bonaparte: „Tableaux paralleliques de l'ordre des
Gallinacees. Compt. rend. de l'Acad. 1856. Fleissige ausführliche Ar-
beit des unermüdlichen Verfassers ; reich an kritischen Bemerkungen
über zahlreiche Arten.
Neue Arten. Agelastus mchagrides, Temm. Cab. Journ. p. 316.
Dabo«rom. ~ Nicwida plumifera, Cass. Proc. Ac. Philad. Dec. 1856.
Cap Lopez. Du Chaillu. — Phasidus niger^ Cass. ib. Cap Lopez. Steht
Agelastus nicht fera. — FrancoUnus squamahis, Cass. ib. Cap Lopez.
— Fr. asiae Bp., kleine Rasse vom Frankolin Europa's. — Fr. Hen-
rici Bp., grosse Rasse aus Scinda. — Fr. tristrialiis Bp. Cypern. ib.
— Perdix Hodgsoniae G. ib. Himalaja. — _, Mdeagris mexicana ^ Gould
Proceed. Z. S. p. 61. — Odontopkorus veragiieiisis , Gould ib. p. 143.
— Diardigallus prelalus, Bp. Compt. rend. Vol. 43. Borneo. — Aco..
mus Crmofurdii, J. E. Gray 1. c. Borneo. — Ts'othocercns Sallaeif Bp.
Tabl. parall. p. 16. Mexiko. — Tinamus Blasii , Bp. 1. c. - I, Wed-
delii, Bp. ib. von La Paz. — Cryplurus megapodius Bp. Cajenne. —
Cr. cervinus Bp. von Chiquilos. Vielleicht nur bleiche Rasse von
taiaupa. — T. peruvianus Bp. ib. — Cryplurus pallescens Licht., Bp.
ib. — Pipilc argyrotis Bp. von Caraccas. — Ortalida Montagnii Bp.
58 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Neugranada. — Evpsichorlyx Sclateri Bp. ib. p. 11. — Penelope ery~
ihroplera Licht., Bp. ]. c. Gute Art.
Bonaparte ebendaselbst über Penelope caracco Poepp.
Und ebenderselbe über die „Bartavelle der Dauphine (Perdix
graeca liriss.).
Sehr instructiv und ausluhrlich schreibt über Opisthocomns cri-
slatus der Vicomte Desniurs; Expedit. Casteln. Ois. Anatomie. Nahe
im Systeme bei Penelope.
Ch. L. Pr. ßonaparte: „Conspectus Ineptorum et Strulhio-
nuni.« Compt. rend. de l'Acad. Nov. 1856. Der Verfasser nimmt
hier 4 Apteryx-Arten und 2 Dromaius-Arten an, nämlich: 1) D. no-
vae Hollandiae 6 pedal. und 2) D. ater Vieill. triped.
Neue Arten sind : Otis Rüppelli , Wahlb. 1. c. Damaragegend. —
Sypheotides humilis, BlylhJourn. As. Soc. of Beng. Somaligegend. Auf
dem Hochplateau zwischen Ilaide.
„Einiges über Oiis ßlacqueeni Hardw." von Ch. F. Dubois:
Cab. Journ. p. 301, mit guten Abbildungen auf Taf. 3. Mehrmals in
Belgien erlegt. Wurde sehr häuhg mit 0. houbara verwechselt. Sy-
nonymische Auseinandersetzung und genaue Beschreibung. Recht
verdienstliche Arbeit. Die eigentliche Heimath des Ol, Macqueeni ist
Beludschistan und Kabul.
GfvaUae.
Ch. L. Pr. Bonaparte: „Tableau parallelique de l'ordre des
Echassiers." Compt. rend. de TAcad. Aug. 1856. Giebt 432 Arten in
144 Gattungen.
diaradridsue, lief, beschrieb zum ersten Male Chelliisia
crassiroslris , eine schöne neue Art vom weissen Flusse: Caban.
Journ. HI, 427.
Artteidae« Jules Verreaux: „Ueber die systematische
Position und Lebensweise von Balaeniceps lex." Edinb. New Philos.
Journ. new ser. Vol. IV. p. 101. Detaillirte Beschreibung und Mes-
sung. Verreaux weist dem Balaeniceps seine Stellung in der un-
mittelbaren Nähe von Leptoptilos an. Der merkwürdige Vogel liebt
vorzugsweise auch Schildkröten zur Nahrung. Sein colossales Nest
von nahe an 12 Euss im Umfange steht auf hohen Bäumen und ent-
hält zwei schmutzig weisse mit einigen verwaschenen röthlichen
Flecken gezeichnete Eier. Heide Geschlechter brüten. Die Jungen
verlassen das Nest nach Ablauf des zweiten Monals. Der aus Lehm,
der Säugelhieie während des Jahres 1856. 59
und vegetabilischen Trümmern ziemlich kunstvoll gearbeitete Horst
dauert mehrere Jahre. '
Gr. Wodzicki: „Ueber Ardea einerea." Caban. Journ. IV.
p.82.
Ueber die drei Psophia -Arten Südamerikas vergleiche manDes-
murs in Casteln. Exped. Ois. P. leucoplera kommt nur auf dem rech-
ten Ufer des Amazonenflusses vor, crepila7is nur auf dem linken.
Gast ein au ssih Mijcleria americana in Schaaren von mehr als
100 Individuen an den Ufern des Araguay.
Scolopacidae* Pfarrer Jäckel: „Ueber das Schnurren
der Becassine.« Cab. Journ. IV. p. 85.
Gas sin schreibt in Proceed. Acad. Nat. Sc. of. Philad. p. 40.
über Totanus brevipes Vieill., welche Vögel er für gleichartig mit T.
glareola Pall., fuliginosi4s Gould , PoJynesiae Peale, pulverulenlus Müll,
und Scol. undulala Forst, erklärt. >Vird richtig sein.
Neue Art. Gallinago nobilis^ Sclat. Proc. Zool. Soc. p. 31. Neu-
granada.
Palamedeidae* Ueber Palamedea cornula schreibt sehr
inslructiv Desmurs in Casteln. Exped. Ois. Der Flug ist trappen-
artig. Keine Affinität zu den Ralliden. Ei schmutzig weiss , unge-
fleckt, oval. Nach Desmurs Ansicht habe man den Vogel wohl am
richtigsten mit Lesson zu den Megapodius , Penelope u. s. w. zu
bringen.
P. L. Sclat er: „On the species of the American genus Parra."
Proc, Z. S. p.282. 1) P. jagana , 2) P. intermedia Bp. ?^ Venezuela,
3) P. melanopygia Sei. von St. Martha in Neugranada. 4) P. hyp-ome^
laena Gray. Neugranada. Carthagena, Chiriqui. 5) P. gymnosloma Wagl.
Mexiko, Neugranada, Honduras.
Halliflae. Eine hübsche Abbildung von Fulica cristala giebt
die Naumannia im 5ten Hefte des 6ten Jahrg.
Neue Arten. Himantornis haematopus, Temm. Cab. Journ. p. 357.
Dabocrom. — Gallinula octdea Temm. ib. Bio ßoutry. — Hydrornia
porphyrio (Temm.) ib. Elmina. — Rallus semiplumbeus, Sei. Proc. Zool.
Soc. p. 31. Neugranada. — Zapornia ttmbrina, Cass. Proc. Acad. Philad.
Oct. 1856. Fejee-Inseln.
Ueber Eurypyga lielias vergl. man Desm. Casteln. Exped. Ois.
Ebenso über Aranius guaraujia. Oologisches.
Ueber Altum's Schwan (Cygnus Bewickii mas. ad.) vgl. Naum.
p.363. AI tum will seinen Schwan noch nicht ganz aufgeben. Uns
bleibt kein Zweifel.
»Encore un mol sur la Fuligula Homeyeri« par Leon Olph-
60 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Gailiard, INaum. und ü'icg;. i31alt von 6 S. Die Bcziehunffcn die-
ser vermeintlichen Art zu ferina und nijroca vvrurden im Einzelnen
nachgewiesen, aber der Verfasser äussert keine bestimmte Ansicht über
die Artselbständigkeit jener Ente. Jedenfalls nur ein Bastard. Wir
begreifen unsererseits gar nicht , wie ein mit dem Umfange unseres
ornithologischen Wissens einigermassen vertrauter Forscher überhaupt
anderer Ansicht sein kann.
Ca s sin unterscheidet verschiedene Unterarten von Anser hy-
perboreus, nämlich: l) yi. alhalus Cass., kleinere Form mit etwas ab-
weichender Schnabelbildung, von Oregon. 2) Anser hyperboreus ve~
rus. Ausführlich beschrieben, und 3) A. caerttlescens, das von Wil-
son und Audubon als jüngerer Vogel beschriebene Farbenkleid.
(?? Uef.)
ISeue Arten. Anas cyanoplera Temm. Rio Boulry. Cab. Journ.
p. 357. Eine Querquedula. Ein Exemplar in der Leydener Samm-
lung. — Spalula variegaldj Gould Proc. Zool. Soc. p. 95. Neuseeland.
Abbild. Soinaleria V nigra, G. R. Gray : Proceed. illustr. Z. S.
1855. pl. 107. p. 212 von Kotzebuesund. — Lampronelta Fischeri, ßr.
ib. pl. 108. Beschr. des Weibchens. Nortonsund. — Ber7iicla anlarclica
^ ^: Gilliss Expedit. South. Hemisph. Birds pl. 22. — B. magella-
nicttf ib. pl. 25. (^ ^' — Anas melanocephala, Yieill. ib. pl. 26. Erste
und sehr gute Abbildung. — Querquedula creccoideSf ib. pl. 27. — Q.
melopias, Poepp. ib. pl. 28.
Procellaridae« Neu ist Prion brevirostris, Gould Ann. and
Mag. of N^t. Hist. p. 17. von den Desertas. Abgebild. Illustr. Proc.
Z. S. pl. 93.
Weiterer Bestätigung scheinen uns die folgenden von v. Tschudi
beobachteten und aufgestellten Arten zu bedürfen : l) Tkalassidrotna
fasciolala, v. Tsch. Cab. Journ. p. 180. — Procellaria lugubrisj v. Tsch.
ib. p. 185. — ProceUaria maculata , v. Tsch. ib. p. l85. — Pufßnus
bicotor, v. Tsch. ib. p, 187. und Diomedea adusla, v. Tsch. l. c. —
Wie trefflich und instructiv im Uebrigen diese Arbeit v. Tschudi's
über die JMeeresvögel , ist bereits im allgemeinen Theile dieses Be-
richtes gewürdigt worden.
Der noch unvcröH'entlichte zweite Theil von Bonapart e's
„Conspectus generum avium" behandelt auf S. 184 bis 200 die Pro-
cellariden.
liS&ridae. Sehr interessant ist was Licutnant ßurgess über
die Lebensweise von Rhynchops orienlalis auf den Flüssen Indiens
mittheilt: Proc. Zool. Soc. 1855. p. 184.
Fatio-Beaumont beschreibt ausführlich ein auf dem Genfer
See getödtetes Weibchen von Larus Sabini: Naum. p. 172. Ebenda-
der Vögel während des Jahres 1856. 6l
selbst wird ein jüngerer ebenfalls auf dem Genfersee erlegter Vogel
von Latus ichlhyaelos Fall, beschrieben.
Bonaparte bestreitet, nicht völlig sine ira et studio, dass sein
Procellnrus negleclns der jüngere Vogel von Larus Heermanni sei, wie
dieses Kaup behauptet.
Desmurs zweifelt an der Artselbständigkeit von Larus coraU
linus, ßonap. Exped. Casteln. Ois.
C h. L. Pr. Bon aparte: „Conspectus Gaviarum systemalicus."
Compt. rend. de l'Acad. Sehr wichtig.
Pelecanidae* Der die Pelecaniden umfassende Theil von
Bonap arte's „Conspectus generum avium II," (bekanntlich bis jetzt
nicht in den Buchhandel gekommen) gehört zu dem Besten, was je
aus des berühmten Verfassers Feder hervorging. S. 160 — 180.
Bonaparte: „lieber Pelecanus - und Carbo - Arten" im Tabl.
parall. des Echass. p. 4. Kritische und ergänzende Bemerkungen über
sehr viele Arten. Vhalacrocorax Delalande sei = lucidus Licht. — ■
Urile magellanicus Bp. ib. — Graculus mexicanus Bp. ib.
Neu scheinen zu sein : Graculus neglectus, Wahlb. Öfvers. Kongl.
Vetensk. Acad. Förhandl. Inseln an der Südwestküste Afrika's — Gr.
coronatus, Wahlb. ib. ib.
Abbild. Pltalacrocorax brasiliatius : Gilliss Exped. South. Hemisph.
ßirds pl. 29.
Cassin vindicirt Speciesrang für Tachypetes Fabnerstoni Lath,
Gm. Proceed. Acad. Kat. Sc. of Philad. Oct. 1856.
Bericht über die lielstuiigfeii in der IIer|iei
tolos:Ee wälireud €le§ «Jahres I§56.
Vom
II e r a. u s gr c ^ <^ ■*•
Von dem Handbuche der vergleichenden Anatomie von
V. Siebold und Slannius ist die zweite Lieferung der
zweiten Ausgabe erschienen. Sie behandelt die Klasse der
Amphibien, bearbeitet von S ta nnius, und bietet durch zahl-
reiche neue Beobachtungen bereichert ein ausgezeichnetes
Hülfsmiltel für das Studium dieser Thierklasse. Auf das
Einz«dne einzugehen, ist wegen der Fülle des Neuen kaum
möglich.
Eine Abhandlung von Joseph Jones ^Invesligations
chemical and physiological, relating to certain american Ver-
tebrata^' im 8. Bande der Smithsonian contributions to know-
ledge mag hier erwähnt werden, weil es vorzugsweise Repti-
lien sind , mit denen sich Verf. beschäftigt hat. Das Blut,
das Pancreas, die Leber, die Milz, die Nieren von einer Zahl
von Thieren sind untersucht , zum Theil in Holzschnitt ab-
gebildet.
Alphon se Milne Edwards hat die Blutkugelchen
mehrerer Amphibien und Fische gemessen. Annales des scienc.
nat. V. p. 164.
Ein älterer Aufsatz von Thomas Allis, der bereits
1849 gelesen wurde, erschien in den Proc. of the Yorkshire
philosophical Society. London 1855. p. 114. Ueber d,en Au-
Troschel: Bericht über die l>ei3lungen in der Herpetologie etc. 63
genring bei Vögeln und Reptilien. Derselbe ist Taf. IV. von
Iguana, Gecko und Chamaeleon abgebildet.
Lichtenstein gab mit W e i n 1 a n d und v. M a r t e n s ,
einen „Nomenclalor Reptillum et Atnphibiorum , Namensver-
zeichniss der in der Zooiogisclien Sammlung der Königlichen
Universität zu Berlin aufgestellten Arten von Reptilien und
Amphibien nach ihren Ordnungen , Familien und Galtungen.
Berlin 1856" heraus. Derselbe ist nicht in den Buchhandel
gekommen , sondern gratis vertheilt, und wird auf Verlangen
bereitwillig mitgelheilt. Bei solchen Arten , die abgebbar
sind, sind Preise verzeichnet, so dass dieser Nomenclalor
zugleich als Doublellen-Verzeichniss dient. Eine ganze An-
zahl neuer Arten ist durch lateinische Diagnosen charakte-
risirl worden; dadurch erhält der Nomenclator auch einen
wissenschaftlichen Werth. Diese neuen Arten sind unten
namhaft gemacht.
Unter dem Titel: „Descriptions des Reptiles nouveaux
ou imparfaitement connus de la colleclion du Museum d'hi-
stoire naturelle et remarques sur la Classification et les ca-
racteres des Repiiles" hat Auguste Dumeril in den Ar-
chives du museum d'histoire naturelle Vlil. p. 437 — 588 eine
zweite Abhandlung gleichsam als Supplement zu der Erpeto-
logie generale von Dumeril und Bibron herausgegeben.
In derselben sind die Familien der Geckonen, Varanen un&
Iguanen abgehandelt. Das Nähere s. unten bei den einzel-
nen Familien.
In der Zoology of the Voyage of H. M. S. Herald un-
der the command of Capt. Kellett. London 1854. 4. ist
p. 143 — 156 ein Abschnitt über Reptilien enihalten von Ri-
eh ardson bearbeitet.
Daselbst ist Lophosaura Goodridgli Gray nebst Slcelet pl. 26
abgebildet und ausführlich beschrieben. Ebenso Craneosaura See-
manni Gray pl. 25 und Gecko Reevesii Gray pl. 27. Auch Anniella
pulchra Gray ist pl. 28 abgebildet.
Rosenhauer führt in seinem Werke, die Thiere An-
dalusiens, Erlangen 1856, 19 Amphibien als dieser Fauna an-
gehörig auf:
Emys Siegrizii Michh. ; Lacerta ocellata Daud , pardalis Lichtsl.,
64 Troschel: Bericht über die Leislungen in der Herpetologie
Algira L. ; Chamaeleo afiicanus Cuv. ; Platydactylus fascicularis Daud.;
Cygnis chalcidica Cuv. ; Blanus cinereus Vand. ; Coluber lessellatus
Sciiinz, laevis Merr. , Aesculapii Wagl. , hippocrepis L. , bilinealus
Schinz, Monspessulanus Herrn. , fuscus Fleiscbm. ; Pleurodeles WaItU
Michh. ; Euproctus Rusconi Schinz, Rana esculenta L. , Rufo varia.
bilis Gm.
Auf der Uralexpedition (1. c. p. 71 vergl. oben p. 5)
wurden von Reptilien nur zwei Arten beobachtet, nämlich :
Zooloca vivipara Jacq. und Rana temporaria.
Edward Blyth beschrieb Journal of the Asiatic So-
ciety of Bengal Vol. 23. 1855, p. 287 eine Anzahl neuer oder
wenig bekannter Amphibien, die ausser einigen Oatrachiern
zur Ordnung der Schlangen gehören. Alle sind unten nam-
haft gemacht.
Aug. Dumeril hat in Revue et mag de zool. p. 369,
417, 460 und 553 die Amphibienfauna von Gaben behandelt,
wozu ihm namentlich die Sendungen des Herrn Aubry Ver-
anlassung gegeben haben.
Es wird hervorgehoben, dass neben Arten, die allgemein über
den Afrikanischen Boden verbreitet sind , wie Varanus niloticus und
Kaja Haje, andere den in den südlichsten Gegenden dieses Continen-
tes lebenden analoge, wenn nicht identische, vorkommen. Die ver-
wandteste Localfauna mit der des Gabon ist die von Liberia. Alle inter-
essante Arten des Gabon werden durchgegangen, und manche neue
Arten und Gattungen aufgestellt, die unten namhaft gemacht sind.
Guichenot hat in der Expedition dans les parties
centrales de l'Amerique du Sud , de Rio de Janeiro ä Lima,
et de Lima au Para, executee sous la direction du Comte
Francis de Castelnau. Septieme parlie. Zoologie 1855
den in der 6. Lieferung enthaltenen Abschnitt über die Am-
phibien bearbeitet. Auf 96 Seiten Text und 18 Tafeln sind
die beobachteten Arten beschrieben und abgebildet. Die we-
nigen neuen Arten gehören den Familien der Geckonen und
Iguanen an; sie sind unten genannt.
Chelonii.
Agassiz hat sich mit der geographischen Verbreitung
der nordamerikanischen Schildkröten beschäftigL Er ist der
Ansicht, dass sich für dieVertheilung kein allgemeines Gesetz
' während des Jahres 1856. 65
aufstellen lässt. Sie verlheilen sich durch vier grosse Land-
striche, einen nordöstlichen , einen südlichen , einen westli-
chen und einen pacifischen ; die Thatsachen der geographi-
schen Verbreitung seien jetzt wohl ermittelt, aber keineswe-
ges die Ursachen. Proc. Boston Soc. VI. p. 6.
Gray hielt in der Zoological Sociely vom Novembe
1855 einen Vortrag über einige neue Arten von Süsswasser-
Schildkrölen von Nordamerika, Ceylon und Australien. Annais
nal. bist. XVIII. p. 263.
Der Verf. zerfällt zunächst die Galtung Emys in zwei Gattun-
gen, die er folgendermassen charakterisirt : 1. Emys, Unterlriefer un-
ten abgerundet und mit dem hinteren Theile des hornigen Schnabels
bedeclit ; Zehen liräftig , mit breiten bandartigen Schuppen bedeclit.
Dahin E. ornata, scripta, Holbrooliii und andere asiatische und ame-
riltanische Arten. — 2. F sendemys, Unterkiefer unten flach und
mit einer weichen Haut bedeckt; die Zehen schwach, dünn, oben
mit kleinen Sphuppen bedeckt, und mit sehr breiten Schwimmhäuten.
Dahin Ps. concinna und serrata.
Die Gattung Cistudo zerlegt Verf. in zwei Gruppen und vier
Gattungen , die durch abweichende Lebensweise und geographische
Verbreitung natürliche genannt werden: A. Die mehr auf dem Lande
lebenden haben die "Vorderseite ihrer Beine mit dicken, dachziegel-
förmigen, dreieckigen Schuppen bedeckt , die Zehen nur schwach mit
Schwimmhaut versehen, das Brustbein breit, die Beine im zurückge-
zogenen Zustande verbergend: 1. Cistudo, Kopf rhombisch, Vor-
derkopf flach, Augen seitlich, auf Nordamerika beschränkt; dahin
C. carolinensis mit vier und mexicana mit nur drei Zehen an den
Hinterfüssen. — 2. Lutiemys, Kopf länglich, niedrig, Augen am
oberen Theil der Wangen, in Europa ; dahin L. curopaea. — B. Die
mehr dem W asser angehörigen Arten haben die Vorderseite der Beine
mit kleinen Schuppen und einigen breiten queren mondförmigen Plat-
ten bedeckt; Zehen mit Schwimmhäuten; alle auf Asien beschränkt.
— 3. Cuora, Kopf rhombisch, Augen seitlich, Bruslbeinlappen breit,
die Beine im zurückgezogenen Zustande yerbergend; dahin C. amboi-
nensis und trifasciala. — 4. Cyclemys, Kopf niedergedrückt, Au-
gen fast oben, die Brustbeinlappen ziemlich schmal, die zurückgezo-
genen Beine nicht verbergend ; dahin C. dentata und platynota.
Ohne die Arbeit von Le Conte Proc. Philadelphia IV. p. 180
zu berücksichtigen unterschied Verf. drei Arten von Kinosternon, näm-
lich : K. pennsylvanicum, kippocrepis und punclalum. Aus odorata und
carinata bildete derselbe eine neue Gattung Ar omo chelys.
Die beiden Arten der Gattung Chelydra sieht er als die Typen
Archiv f. Naturgcscb. XXUI. Jahrg 2. «d. JjJ
66 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
zweier Gatlangen an: 1. Chelydra^ Kopf massig, etwas deprimirl,
mit einer weichen Haut bedeckt, Kinn mit Bartfaden, Nacken gekörnt;
Rücken mit zwei schwachen Kielen, Seitenplaiien in einer Reihe.
Ch. serpentina. — 2. MacrochelySf Kopf gross, winklig, vorn zu-
sammengezogen, mit symmetrischen Hornschildern bedeckt, Nacken
mit einigen Reihen dorniger Warzen, Rücken mit drei scharfen hök-
kerigen Kielen, Seitenplatten in zwei Reihen. M. Temminckii.
Ferner werden zwei neue Arten der Gattung Chelodina , Ch.
Colliei vom Swan River und Ch. sulcata, beschrieben. — Ebenso end-
lich zwei Arten der Gattung Emyda, E. punctata aus dem Ganges und
E. ceylonensis von Ceylon.
Hai low eil beschrieb zwei neue Schildkröten von Gabon :
Pe7itonyx Galonensis und Cryptopodus Aubryi. Revue et mag. de zool.
p.373.
Hai low eil hatte Gelegenheit eine grössere Anzahl von Ster-
nothaerus odoratus Holbr. zu vergleichen. Er stellte die Differenzen
zwischen den Geschlechtern und einige Varietäten fest. Kinosternon
guttatum Leconte hält er für Varietät dieser Art. Er stimmt Dume-
ril und Bibron bei, die Art in die Gattung Staurotypus zu setzen.
Proc. Philadelphia Vlll. p. 106.
iSaurii.
Varanini« Aus der Familie der Varanen, über welche sich
1. c. p.49l der Bericht A. Dumeril's erstreckt, werden keine neue
Arten beschrieben. — Dagegen stellte Hallowell Proc. Philadel-
phia YIII. p. 150 eine neue Art Varanus olivaceus von Manilla auf.
Clianiaeleoiites« Studiati schrieb über die Ursa-
che der Farbenveränderuung in der Haut des Chamaeleo
africanus. Memorie della reale Accademia delle scienze di
Torino. Serie seconda. Tomo XV. p. 89.
Chamaeleo granulosus von West- Afrika und Ch. Burchelli von
Fernando Po sind neue Arten von Hallo well Proc. Philadelphia
Vni. p. 147.
Oeckones« A. Dum er 11, nachdem er die Einlhei-
lung der Geckonen von Filzinger und Gray dargestellt, zählt
die Arien auf, durch welche die einzelnen Gattungen dieser
Familie seit dem Erscheinen des entsprechenden Bandes der
Herpetologie generale bereichert worden sind.
Er beschreibt mehrere Arten ausführlich. Unter ihnen ist eine An-
zahl vom Verf. aufgestellt und bereits früher publicirt; neu sind: Pia-
tydactylus Boivini von Madagascar , Uemidaclylus aleles von den Phi^«
während des Jahres 1856. 67
lippinen, Gymnodactijlus varius von Cayenne, G. persicus aus Persien.
Mehrere Arten sind abgebildet. Archives du Museum d'hist. nat. Mll.
Uemidactyliis furmosus von Liberia in Afrika und Gijmnodaclylus
tenuis von Manilla sind von Hallowell Proc. Philadelphia VIII.
p. 149 als neue Arten beschrieben.
Hemidaclylus puslulosus von Ceylon , Sphaeriodactylus lineolalus
von Veragoa , Gymnodaclylus atropunctalus aus der Tartarei , sind in
Lichtenstein's Nomenciator als neu beschrieben. Ebenda sind Gym~
nodaclylus vittalus Wiegm. und Stenodactylus pipiens Pall. durch Dia-
gnosen charakterisirt.
Gyinnodactylus kumeralis Guichenot ist in der Castelnau'schen
Reise Lief. 6. pl.3. fig. 1 aufgestellt.
Iguaoini* In dieser Familie beschreibt A. Dumeril (Ar-
chives du Museum d'hist. nat VIII) , nach einer Einleitung, in der
namentlich die Classificationen von Kitzinger und Gray besprochen
werden, ausser manchen Arten, die schon früher von ihm publicirt
waren und manchen Nachträgen und Berichtigungen zur Erpetologie
generale auch folgende neue Arten und Gattungen aus der Abthei-
lung Pleurodontes: Corylophanes percarinatus aus Central- Amerika,
Sauromalus (n. g^n.) aler unbekannten Vaterlandes, P hymatole^
pis (n. gen.) bicarinatus aus Mexiko. Zu dieser Familie gehören die
Tafeln XIX — XXIV. Auf ihnen sind abgebildet Anolis transversalis
und heterodermus , Corylophanes percarinatus, Basiliscus galeritus,
Ophryessoides tricristatus , Sauromalus ater , Holotropis trachycepha-
lus, Phymatolepis bicarinatus, Centrura quadrimaculata, Mecolepis tri-
spinosus, hirsutus, sulcatus.
Die beiden erwähnten neuen Gattungen haben folgende Cha-
raktere:
Säur 0 malus. Körper stark deprimirt, ohne Kamm, an den
Seiten mit einer Hautfalte; Schuppen klein, viereckig, nicht dachzie-
gelartig und in regelmässigen Querreihen geordnet; Kopf platt, mit
kleinem Occipitalschilde ; eine Querfalte unter dem Halse, welcher je-
derseits eine andere halbkreisförmige mit Stachelschuppen besetzte
trägt; keine Gaumenzähne; vorderer Ohrrand gezähnelt; Schenkel-
poren, keine Analporen; Gliedmassen kräftig mit kurzen Zehen;
Schwanz lang uiid kräftig , am Grunde deprimirt, weiterhin rund.
Phymatolepis. Rumpf ohne Kamm, mit feiner Granulation
bedeckt, dazwischen mit grossen gekielten Schuppen ; Schwanz ziem.>
lieh kräftig, mit gekielten Schuppen; Kopf kurz; üccipital- und
obere Augenschilder gross; keine Gaumenzähne; eine doppelte Falte
unter dem Halse, welcher seitlich gefaltet ist; Schenkelporen, keine
Analporen.
Aus derselben Familie finden sich in Li chtentein's Nomen-
68 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
clalor folgende neue Arten : Anolis laeticeps ohne Angabe des Vater-
landes, Tropidurus (Proctotretus D. ß.) cuhensis von Cuba, Phrynoce-
pkalus inlerscapxdaris aus der Bucharei. Ausserdem sind einige Wieg-
mann'sche Arten, die von Dumeril und Bibron z. Th. mit anderen
confundirt waren, wieder hergestellt, so: Anolis biporcalus "SV. von
Mexiko, Tropidurtis plychopleurtis W. von Chile, Microlophus helero»
lepis W. von Chile, Hisliurus pnslulalus W. Mscr. von Manilla.
An neuenArten finden sich von Guichenot bei Castelnau I.e.
aus dieser Familie: Enyalus laliceps pl. 5. a, b. von Fontebra am
oberen Amazon, Enyalus planiceps pl. 6. a. b. ebendaher, Doryphorus
flaviceps pl. 3. fig. 2. von der Mission Sarayacu in Peru, Doryphorus
spinosus pl. 7. fig. 1, 2 von Bahia.
Holotropis vittalus Hallowell Proc. Philadelphia YlII. p. 151.
von Cuba.
Eine neue nächtliche Eidechse von Mexiko beschrieb J. E. Gray
unter dem Namen Cubina gratidis. Annais nat. bist. XVIII. p. 270.
Eine neue Gattung von Eidechsen stellte Gray unter dem Na-
men Corucia auf, Annais nat. bist. XVIII, p. 345; sie gehört in die-
selbe Section wie Äteuchoglossus, von der sie sich durch die glatten
Schuppen, die beschildete Unterseite des Schwanzes und dergl. unter-
scheidet. C. zehrala von Neu-Guinea.
Siacertini» Cnemidophorus festivtis von Veragoa ist in L i eil-
te nstein's Nomenciator als neu beschrieben.
Eine grüne Eidechse verzehrte nach Erber Verhandl. d. zool.-
bot. Vereins in Wien VI. p. 396 vom Februar bis November 2040 Mehl-
würmer, 112 Heuschrecken , 58 Cetonia aurata, über 200 Begenwür-
mer , 408 grosse Fliegen , 40 Mantis religiosa und mehrere hundert
kleine Käfer.
^■tycBiopB^iiri. Der Lichtenstein'sche Nomenclalor enthält
zwei neue Arten: Gerrhonolus poecilochilus von Veragoa und Puerto
Cabello und Chalcides heleropus Wiegm, Mscr. von Laguayra und
Venezuela.
Scincoidei. llallowell hat vier neue Arten von Eupre-
pis beschrieben : E. surinamensis von Surinam, microcephalus von Me-
xiko , dissimilis von Bengalen und lotigicaudala von Slam. Proc. Phi-
ladelphia VIII. p. 154.
Tiliqua Burtoni wird von Blyth als neue Art von Somali in
Afrika beschrieben. Journ. As. soc. 24. p. 306.
Studiati schrieb über die Verbindung des Eies mit dem Ovi-
duct bei Seps tridactylus. Memorie della reale accademia delle scienze
di Torino. Serie seconda. Tomo XV. p. 101.
Eine neue Galtung Anisolerma charakterisirte A. Dumeril
Revue et mag. de zool. p. 421: Vier i' üssc , die vorderen kurz und
während des Jahres 1856. 69
schlank, mit zwei Zehen, die hinteren mit vier Zehen; Schnauze ab-
gerundet, mit dünnem und schneidendem Rande; Seiten unten wink-
lig. Eine neue Art A. sphenopsiforme vom Senegal.
Die von Hallowell beschriebene Acontias elegans sieht Aug.
Dumeril für den Typus einer neuen Gattung Anelytrops an, die
er folgendermassen charakterisirt: keine Spur von Augenliedern, keine
Gliedmassen, Kaslöcher seitlich in dem Schnauzenschilde mit gekrümm-
ter Furche, deren Concavität nach unten und vorn gewendet ist; Gau-
men nicht gezähnt; Zähne konisch, Zunge pfeilförmig , schuppig, an
der Spitze schwach ausgeschnitten; Schuppen glatt, keine Präanalpo-
ren. Rev. et mag. de zool. p. 420, pl.2l. fig. 1.
Bei den jungen Ringelnallern, die aus dem Ei schlü-
pfen, fand Weinland einen sehr vergänglichen Zahn am
Zwischenkiefer, der zum Durchschneiden der Schale benutzt
wird. Einen solchen halle J. Müller 1841 im Archiv für
Anat. p. 329 zuerst bei Schlangen und Eidechsen beobachtet.
Verf. hat diesen Eizahn dann bei allen einheimischen Schlan-
gen und Eidechsen gesehen , überall von ziemlich überein-
stimmender Form. Das Fehlen dieses Zahnes beim Krokodil,
wie schon Müller fand, wird bestätigt. Abbildungen sind
beigegeben. Würtembergische naturwiss. Jahreshefte 185Ö.
p. 90.
Bemerkungen über die 'Caroliden der Schlangen schrieb
Rathke im XI. Bande der Denkschriften der Wiener iVca-
demie. Er fand bei einer Anzahl von Schlangen zwei deut-
lich erkennbare Carotiden, bei anderen gleichfalls zwei, von
denen jedoch die der rechten Seile kaum erkennbar war, bei
noch anderen nur eine an der linken Seite.
J. G. Fi s eher beschrieb im S.Bande der Abhandlun-
gen des nalurwissenschafllichen Vereines in Hamburg p. 79
eine Anzahl neuer Schlangen des Hamburger Museums, unter
denen auch einige neue Gattungen aufgestellt sind. Alle sind
unten namhaft gemacht.
Mulsa nt erzählt von einem merkwürdigen Kampfe zwischen
einer Vipera Berns und einer Coluher viridiflavus, welcher über eine
halbe Stunde währte, ohne dass die Kämpfenden durch t'ie umstehen-
den Zuschauer sich zur Flucht bevvegen Hessen. Bei einem erneuten
70 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
Angriffe umschlang die Natter mit ihrem weit geöffneten Rachen den
Kopf der Viper, der zwei bis drei Zoll in den Schlund eindrang, so
dass man beide Schlangen forttragen konnte , ohne dass sie sich von
einander trennten. Annales de la Soc. Linneenne de Lyon Tome IL
1855. p. 75.
CSpoterodonies. Aug. Dumeril beschrieb Onychocepha-
lus coecus in Revue et Mag. de Zoologie als neue Art, die auf pl. 21
Fig. 4 abgebildet ist.
Aglypiiodontes. Borland hat in Boston Proceed.V.
p. 309 die Genilo-Urinal- Organe von Boa conslrictor kurz
beschrieben.
In der Boenfamilie hat Hallo well Proc. Philadelphia VIII.
156 eine neue Gattung Notophis aufgestellt: Kopf klein, dreieckig,
oben flach; Augen massig, seitlich, Augenrandplatten nicht vorsprin-
gend; vordere Kopfhälfte mit Schildern, die hintere mit Schuppen
bedeckt; zwei Internasalia ; zwei vordere und zwei hintere Fronlalia,
die ersteren erreichen die oberen Labialia ; Naslöcher in eine^ Platte,
11 Platten an der Spitze des Kopfes, nämlich 2 Internasalia, 2 vordere
und 2 hintere Frontalia, ein Verticale und 2 Occipitalia mit einigen
kleinen Platten dazwischen; 1 Zügelschild, 1 vorderes und 3 hintere
ürbitalschilder ; eine Reihe grösserer hexagonaler Schilder längs der
Mittellinie des Rückens ; Präanal - und Subcaudalplatten einfach ; Bauch,
platten ganz schmal. iV. bicarinatus von Cuba.
Auch von Fischer wurde diese Familie durch zwei neue Gat.
tungen von Westindien in den Abhandlungen des Hamburger Vereins
111. p. 94 bereichert:
Epicarsius zwischen Xiphosoma und EpicratesWagl, Schwa-
che Lippengruben , durch Einziehung der seitlichen Grenzen der Lip-
penschilder gebildet; nur die Schnauzenspitze mit symmetrischen Schil-
dern gedeckt; Stirn zwischen den Augen mit unsymmetrischen Schil-
dern; Schnauze niedrig, seitlich abgerundet, mit stark nach aussen
divecgirenden Seitenflächen, daher die Nasenlöcher eine subverticale
Lage erhalten ; Nasenlöcher zwischen zwei Schildern ; Schuppen glatt;
Schwanzschilder ungetheilt; Körper wenig zusammengedrückt, ohne
Neigung zu spiraliger Eindrehung. E. cupreus aus Porto- Cabello.
Taf. II. Fig. 1.
H omalochilus. Nasenlöcher seitlich zwischen drei Schildern ;
Augen seitlich mit verticaler Pupille ; Oberseite des Kopfes halb mit
Schildern, die nur an der Schnauze eine symmetrische Lage haben,
halb mit Schuppen gedeckt; keine Lippengruben ; Schilder und Schup-
pen glalt; Schwanzschilder einfach. U. slriatus von den Antillen.
Taf. II. Fig. 2.
Aus der Gattung Calamaria hatBIyth Journ. Asiatic Soc. of
während des Jahres 1856. 71
Bengal XXIII. p. 287 mehrere neue Arten beschrieben: C. catenata
(monticola Canlor ?) von Assam, reticulata von Assani, lenuiceps von
Darjiling, fusca von Darjiling, obscuro-striata von Rangoon , bicolor
von Assam.
Zwischen Coryphodon und Ablabes Dum. gründete Fischer
Abhandl. des Hamburger Vereins III. p. 112 eine neue Gattung Mei-
zodon. Oberkieferzähne vorn klein, dichtgedrängt, nach hinten all-
mählich aber merklich an Grösse zunehmend; keiner derselben ge-
furcht; Kopf klein, massig abgesetzt vom Rumpfe; dieser drehrund,
nach vorn und hinten gleichmässig dünner werdend; Schwanz klein
(Yä — % der Totallänge) nicht abgesetzt, allmählich zugespitzt; neun
Kopfschilder; Schuppen rhombisch, glatt; ßauchschilder paarig. 31.
regularis von Peki in Wesl-Afrika. Taf. III. Fig. 3.
Blyth beschreibt 1. c. p. 292 eine Varietät von Herpetodryas
Helena Daud.
Eine neue Gattung von Baumschlangen in der Nähe von Her-
petodryas stellte Fischer Abb. des Hamburger Vereins p. HO auf:
Hapsidophrys f Körper dünn, sehr schlank, nicht höher als breit,
mit langem Schwänze und kantigem Bauche; Augen sehr gross, Stirn
zwischen den Augen stark von hinten nach vorn gewölbt ; Schuppen
gekielt, diejenigen der Mittellinie des Rückens nicht von den übrigen
verschieden; ßauchschilder jederseits in einer Kante umgebogen;
Schwanzschilder paarig; Oberkieferzähne sämmtlich gleich lang, un-
gefurcht, ohne Zwischenräume. //. lineatus Taf II. Fig. 5 und H. coe-
ruleits ib. Fig. 6. Beide von Elmine in West-Afrika.
Boaedon nigrum ist eine neue Art desselben Verf. aus West-
Afrika 1. c. Taf. III. Fig. 2.
In der Familie Lycodontini gründete Aug. Dumeril Rev. et
Mag. de Zool. p. 460 eine neueGattung Ho luroph olis. Die ersten
5 oder 6 Oberkieferzähne länger als die übrigen, von denen sie durch
einen kleinen Raum getrennt sind; die ersten Gaumen- und ünter-
kieferzähne gleichfalls länger als die auf sie folgenden; untere Schwanz-
schilder nicht gelheilt. Durch letzteres Merkmal ist diese Gattung
von Boaedon verschieden. Die einzige Art //. olivaceus von Gabon.
Ueber Leptophis rubescens (Dipsas rubescens Gray) von Mer-
gui und L. ornatus Shaw Var. von Ceylon findet sich bei Blyth
Journ. Asiat. Soc. of Bengal p. 293 eine Notiz.
Hallo well stellte eine neue Art Tropidonolus annularis Proc.
Philadelphia VIII. p. 151 von Ningpo in China auf. — Auch Blyth
stellte 1. c. p. 295 mehrere neue Arten dieser Gattung auf: Tr. zebri^
nus (Tr. chrysargos Schi. Var.?) von Mergui, angusliceps aus Assam
und Arakan , macropSf dipsas und plalyceps von Darjiling. Er beschrieb
ferner Tr. subminiatus? Schi, von Assam.
72 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
Kennicott beschrieb eine neue Schlange Regina Kirtlandii
von Illinois. Proc. Philadelphia \III. p. 95.
Ebenda p. 151 beschrieb Hallo well als neu Coronella striata
von Ningpo. — Von ßlyth wurde Coronella callicephalus Gray von
Assam detaillirter beschrieben 1. c. p. 289.
Blyth beschrieb ferner p. 290 als neu: Coluber nigromargina^
tus von Darjiling und Coluber prasinus von Assam. — Ebenso wurde
C. hexagonatus? Cantor Var. von Arakan und C. diadema Schlegel
(C. Oppelii Wagl.) beschrieben, so wie über G. pictus Daud. eine
kurze IXotiz gegeben.
Erb er hat Beobachtungen überZamenis Aesculapii in der Ge-
fangenschaft angestellt, und namentlich verzeichnet, wie viel sie fras-
sen. Ein Exemplar von 4 Fuss Länge verzehrte in 4 Monaten 40
Aläuse und zwei Eidechsen, ein anderes von 5 Fuss Länge in dersel-
ben Zeit 31 Mäuse. Verhandl. des zool.-bot. Vereins in Wien VI.
p. 393.
Von Xenodon purpurascens Schlegel sind durch Blyth Journ.
Asiat. Soc. of Bengal p. 289 mehrere Varietäten beschrieben werden.
0|)istIio^iypliBt Aug. Dumeril hat Bev. et Mag. de Zool.
p. 467 die Uebereinstimmung seiner Oxybelis Lecontei mit Leptophis
Kirtlandii anerkannt , und nennt die Art nunmehr Oxybelis Kirtlandii.
— Oxybelis violacea ist eine neue Art von Fischer aus West-Afrika.
Hamb. Verein 1. c. Tat". II. Fig. 7.
Elaj)omorphus gabonensis A. Dumeril ist eine neue Art von
Gabon 1. c.
Psammophis irregularis Fischer aus West-Africa. Hamb. Verein
I. c. Taf. II. Fig. 4. — Fs. condanarius Gray ist von Blyth 1. c.
p. 293 beschrieben.
Blyth stellte auch l. c. p. 300 zwei Arten der Gattung Ho-
malopsis auf: H. crassa und H. parviceps von Nord-Carolina.
Fischer hat vier neue Arten Dipsas aus West-Afrika im 3ten
Bande der Abh. des Hamburger Vereins aufgestellt: Dipsas pulveru-
lenta Taf. 3. fig. 1, D. fasciata ib. fig. 5, D. valida fig. 4, D. globiceps
fig. 6. — Blyth beschrieb in Journ. Asiat, soc. p. 293 Dipsas ferru-
ginea und monlicola Cantor von Assam und fügte eine neue Art D.
nigromaculdla^ ebenfalls von Assam hinzu.
Ifroterog-lyplii. Elaps personaliis Blyth von Assam 1. c.
p. 298.
Pseudoelaps sMperflj7jos?(s Fischer Abhandl. des Hamb. Vereins III.
p. 107. Taf. n. Fig. 3 von Sidney in Neuholland.
Aug. Dumeril lieferte nach neuen Untersuchungen die Dia-
gnose von Dendraspis Jamesonü Fischer. Revue et Mag. de Zool.
p. 467.
während des Jahres 1856. 73
§»»leno»^ly|9!si. Blyth macht Journ. Asiat. Sog. of Bengal
XXIII. p. 302 die Bemerkung , Parias maculata Gray sei identisch mit
Trigonocephalus nilgiriensis Jerdon Journ. As. Soc. XXII. p. dli.
lieber den schallerzeugenden Apparat von Crotalus hat
C z e r m a k geschrieben (Zeifschr. liir vviss. Zoologie VlII.
p. 294).
Die Schwanzwirhelsäule, deren letzte Wirbel zu einem koni-
schen Knochenstücke verschmolzen sind , sind beschrieben und abge-
bildet. Die kräftigen Muskeln sind mit der Klapper nicht in unmit-
telbarem Zusammenhange. Die Cutis, welche die Epidermis absondert,
wächst an dem Endkörper der Wirbelsäule unmittelbar fest , indem
sie sich zugleich beträchtlich verdickt. Dieser verdickte Hautüber-
zug ist kegelförmig und hat zwei tiefe ringförmige Furchen, die ihn
in drei quere Anschwellungen theilen. Diese Gestalt haben denn auch
die einzelnen Glieder der Klapper , die so in einandergeschachtelt sind,
dass jedes folgende Glied die hintere und mittlere Anschwellung in
seine mittlere und vordere Anschwellung aufnimmt. Die vordere
Oeffnung jedes Gliedes ist verengt und dadurch wird ein Auseinan-
derfallen der einzelnen Glieder verhindert. Bei der Entwickelung
nimmt Verfasser an, dass die zweite Anschwellung der Hautverdickung
allmählich an die Stelle der hintersten, die vorderste an die Stelle
der zweiten rücken müsse, und dass sich unter den letzten Haut-
schuppen eine neue Anschwellung erheben müsse, welche die erste
Ausbuchtung des neuen Gliedes absondern wird. Er möchte dies
einer fortschreitenden Wellenbewegung vergleichen.
Batracliia.
Ranaet In den Proc. Philadelphia Vill. p. 142 berichtigt
Hallo well die Angabe von Dumeril und Bibron, dass Rana
halecina keine Stimmsäcke im männlichen Geschlechte besässe, und
erklärt diesen Irrthum dadurch, dass in den südlichen Staaten eine
ähnliche Art ohne Stimmsäcke vorkomme, die er als Rana oxyrhyn^
chus beschreibt.
Borland hat Scaphiopus solilarius Holb. auch in der Nähe von
Cambridge gefunden. Das Männchen umfasst nur das Becken des
Weibchens während der Begattung ; beim Schwimmen bewegen sich
die rechten und linken Beine nicht gleichzeitig, sondern abwechselnd
wie bei den Schildkröten; sie sind nächtliche Thiere, graben sich bei
Tage tief in die Erde, mittelst eines breiten hornigen Randes an den
Füssen. Proc. Boston Soc. V. p. 381.
Aus dieser Familie wurden an neuen Arten beschrieben: Rana
albolahris Hallowell Proc. Philadelphia VIII. p. 153 von West-Afrika,
— Rana subsigillala Rev. etMag. deZool. p. 560 von Gabon, — Rana
robusla Blyth Journ. Asiat. Soc. XXIII. p. 298 von Ceylon, -^ Me^a.
74 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
lophrys gigas \h, p. 299 von Silum Himalaya , — Bombinalor Sihim-
mensis ib. p. 300 von dem Ansehen des B. igneus, von Sikim.
Bflyltte« Burrn eisler veröffentlichle in seinen „Er-
läuterungen zur Fauna Brasiliens.'' Berlin 1856. p. 90 eine
Uebersicht der Brasilianischen Arien der Gallung Hyla.
Er fügt zunächst als Gattungscharakter der Gattung hinzu, dass
die Pupille geschlossen eine horizontale Spalte, geöffnet kreisrund
ist. Zur Unterscheidung der Arten legt er Gewicht auf die Form der
Beine, namentlich auf die leistenartige Kante am äusseren Rande des
Armes und Hinterfusses; dann auf die Form des Gaumenhöcker und
ihre Stellung gegen die Choanen (was schon Baird und Girard
benutzt haben). — Er unterscheidet dann vier Subgenera.
1. Lophopus V. Tschudi. Laubfrösche mit ausgezacktem,
warzigem Randsaum am Vorderarm, der Hand und dem äusseren Fuss-
rande, deren erste Warze am Hacken höckerartig vorragt. Dahin H.
marmorata üaud., H. corlicnlis Burm. bei Neu- Freiburg gefangen.
2. Centrot elma Burm. Laubfrösche mit langgezogenen, nach
vorn gegen einander geneigten, also schief gestellten Gaumenhöckern
und scharfer leistenförmiger Randfalte am Vorderarme wie am äus-
seren Fussrande , welche sich am Hacken zu einer frei abstehenden
spitzen Warze ausbildet. Dahin H. infulata Wied , H. geographica
Spix , H. calcarata Troschel, H. Langsdorffii Dum. Bibr. , H. Lundii
Burm. von Lagoa santa.
3. Hylomedusa Burm. Laubfrösche mit ähnlichen, längli-
chen, nach vorn convergirenden Gaumenhöckern und etwas vor ihnen
beflndlichen Choanen, denen die spitze Warze am Hacken fehlt, wäh-
rend die seitliche Randfalte am Fusse noch in einer Andeutung vor-
handen sein kann, aber nie leistenförmig vortritt. Dahin H. palmata
Daud., H. crepitans Wied.
4. Hyla Burm. Laubfrösche mit kleinen runden, halbkugeli-
gen Gaumenhöckern, die in einer geraden Linie neben einander genau
zwischen den Choanen stehen und sehr wenige (6 — 8) feine Zahn-
cheu tragen. Dahin H. punctata Daud., H. leucophyllata, H. auran-
tiaca Daud., H. venulosa Daud,, //. prasina Burm., H. luteola, H.
boans Daud. , H. rubra Daud., H. pumila Dum. Bibr.
H. inflata, corticalis, marmorata, prasina, luteola, leucophyllata,
Lundii, sowie Fhyllomedusa bicolor sind nach lebenden Exemplaren
abgebildet, fast alle sind ausführlich beschrieben.
Ixalus leucorhinus und poecilopteurus beide von Ceylon und Hyla
albovitlata von Brasilien sind neue Laubfrösche des Nomenclalor Lich-
tenstein's.
Lecontebat durch Abbildung und Beschreibung eine neue
Art Hyla graliosa aus Georgia bekannt gemacht. Proc. Philadelphia VIH.
p. 146. pL 6.
während des Jahres 1856. 75
Hijla Aubriji A. Dumeril Rev, et Mag. de Zool. p. 560 ist ein^
Art von Gabon.
Blyth beschrieb Journ. Asiat. Soc. XXIII. p. 299 zwei neue
Arten: Lymnodytes macularius von Ceylon und L. lividus vonColombo.
Bleeker hat in Natuurk. Tijdschr. Wed. Indie XI. p. 469 eine
neue Art toUjpedales Junghuhnii beschrieben. Sie unterscheidet sich
von den beiden anderen javanischen Arten P. mystax und rugosus
durch merklich kleineren und minder eckigen Kopf; die Vomerzähne
bilden mehr von einander entfernte Gruppen ; die Handfläche mit zwei
länglichen Warzen; 5 Wärzchen an der Unterseite des dritten Fin-
gers, drei an dem des zweiten Fingers. Das weisse Oberlippenband
verlängert sich hinter dem Trommelfell in zwei längliche weisse
Flecken. Der dritte Finger ist beträchtlich länger als der vierte im
Vergleiche mit leucomystax und rugosus. Uebrigens ist die Farbe oben
olivengrün mit dunklerem Grün gewölkt, während die Schenkel mit
dunkelgrünen Querbinden gezeichnet sind. Die Unterseite ist gelb.
Junghuhn entdeckte diese Art bei dem See Patengan auf Java.
Bufones. In den Proc. Philadelphia VIII. p. l42 erv>ähnt
Hallo VN eil der Larven von [iufo americanus, die mit Schwanz nur 9
Linien lang sind, der junge Frosch ist dann nur 6 Linien lang.
Li c h t e ns te in's Nomenciator bringt auch p. 40 eine neue
Gattung von Kröten, unter dem Namen Vhrynidium^ mit folgenden
Charakteren: lingua oblongo- lanceolata, integra , lateribus et postice
libera ; maxillae palatumque absque dentibus ; tympanum nullum ; pa-
rotides nullae; digiti apice tumidi , subdilatati, pedum anteriorum non
palmati, posteriorum primus et secundus ad apicem usque, ceteri ad
dimidiam longitudinem palmati; tuberculum solitarium molle, sub
flexura metatarsi situm ; apophyses transversae verlebrarum sacralium
in laminas trianguläres dilalatae; habitus gracilis Hylarum, cutis lae-
vis. Unterscheidet sich von Rhinoderma durch die einfach stumpfe
Schnauze, von Alelopus durch den deutlichen Höcker am Metatarsus
und durch die langen am Ende erweiterten Zehen, von Phryniscus
durch den Habitus und die Zehen. Zwei neue Arten FA. varium und
crucigerum beide von Veragoa.
Caudata. H a 1 1 0 \v eil machte in Proc. Philadelphia
VIII. p. 10 1 Bemerkungen über die Häufigkeit des Vorkom-
mens der Arten der geschwänzten Balrachier in der Umgebung
von Philadelphia.
Hallo well fügte der „Beschreibung einiger Arten ge-
schwänzter Balrachier mit Bemerkungen über die geographi-
sche Verbreitung der Caducibranchiata und ihre Classifi-
kation.« Proc. Philadelphia VIII. p. 6 eine Eintheilung der
Urodeles atretoderes hinzu:
76 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpelologie
a. Mit longitudinalen Zähnen.
I. Salamandridae. 1 Gatt, Salamandra mit 3 Arten. II. Sei*
ranolidae 1 Galt. Salamandrina mit 1 Art. III. Pleurodelidae. IV.
Tritonidae 5 Gatt. Eiiproctus, Cynops, Diemyctylus, Taricha, Triton mit
lO Arten. V. Ellipsoglossidae t Gatt. Ellipsoglossa mit 1 Art.
b. Mit transversen und iongidutinalen Zähnen.
VI. Plethodontidae 3 Gatt. Dtsmognathus , Aneides, Plethodon
mit 6 Arten. VII. ßolitoglossidae 4 Gatt. Batrachoceps , Spelerpes,
Pseudotriton , Geotriton mit 9 Arten. VIII. Hemidactylidae 1 Gatt.
Hemidactylium mit 1 Art.
c. Transverse, aber iieine longitiidinale Zähne.
IX. Ambyslidae 2 Galt. Onychodaclylus , Ambysloma mit 15
Arten.
Beschrieben sind in diesem Aufsatze Ambysloma laterale n. sp.
vom Obersee, A. porphyriticum (Sal. porphyritica Green) und Aneides
lugubris (Sal. lugubris Hall.). — Die Gattungsmerkmale von Aneides
Eaird , welche in der Iconographic Encyclopaedia Vol. II. 1849 first
edition p. 256 gegründet war, werden folgendermassen gegeben: Kopf
breit, an den Schläfen geschwollen, Schnauze winklig, Augen sehr
vorspringend ; Zunge herzförmig , hinten abgestutzt, vorn und mitten
angeheftet, seitlich und hinten frei; Kieferzähne stark entwickelt,
besonders die unteren, welche speerförmig, scharfspitzig, vorn con-
vex, hinten concav sind; Vomerzähne in zwei convergirenden Bei-
hen, hinler den inneren Nasenlöchern sich hinten treffend; sehr zahl-
reiche scharfspitzige Sphenoidalzähne, bürstenartig in zwei Beihen.
Beine schlank, Finger und Zehen schwach comprimirt, frei. Haut
glatt, Costalgruben deutlich, 12 — 14; Schwanz rund, zugespitzt, am
Ende schwach comprimirt, so lang wie der übrige Körper.
Hallo well beschrieb ferner Proc. Philadelphia VIIl. p. 130
als neue Arten : Pseudotriton marginatus und flavissimus aus Georgia.
Girard stellte Proc. Philadelphia VIII. p. 140 eine neue Gat-
tung der Urodelen in der Nähe von Aneides auf, Heredia, Kopf
fast elliptisch, breiter als der Körper; Schnauze stumpf und rund,
über den Unterkiefer vorragend ; Mundspalte schief und geradlinig;
Kieferzähne sehr klein, kaum wahrnehmbar; Vomer -Gaumenzähne
in einer doppelten Wölbung von der Mittellinie des Gaumens längs
dem vorderen inneren Bande der Augenhöhle ; Sphenoidzähne in zwei
länglichen Haufen; Zunge gross, elliptisch, durch einen länglichen
centralen Stiel angeheftet, und im hinteren Drittel frei ; Augen gross ;
Beine dünn, die vorderen länger; vier Finger, fünf Zehen, alle frei
und zugespitzt; Schwanz subcylindrisch, schwach comprimirt nach der
Spitze verdünnt; Haut glatt und weich. H. oregonensis. Soll sich
von Aneides durch die Gestalt des Mundes, die kleinen Zähne und
durch die Anordnung der Gaumenzäbne unterscheiden.
Bericht über dielieis^uiig^eiB In der Iclitliyo«
loggte Ti'ätireiid des Jahres 1S56.
Vom
Herausg-eber*
In der Zoology of the Voyage of H. M. S. Herald.
London 1854. p. 157 — 171 hal Richardson aus einer grös-
seren Sammlung von Fischen einige hervorgehoben , um sie
zu beschreiben und abzubilden. Sie gehören den Familien
der Telrodonten , Pleuroneclen und Salmonen an, bei denen
sich unten nähere Angaben finden.
Rosen hau er zählt 23 von ihm b^eoibachlete See-
fische auf, die der Küstenfauna Andalusiens angehören. Süss-
wasserfische sollen wenige vorkommen. Dieses Verzeichniss
hat kaum einen Werth, da es nur einen sehr geringen Theil
der dort lebenden Fische enthält. (Thiere Andalusiens. Er-
langen 1656. p. 15).
Eine vorläufige Anzeige von einer Arbeit über die Fi-
sche des Departement de la ^Manche findet sich in den Me-
moires de la Soc. imp. des sciences naturelles de Cherbourg.
111. 1855. p. 375. Die Arbeit selbst ist mir noch nicht be-
kannt geworden.
Zur Ichthyologie des südlichen Russlands hat Kess-
ler einen Beitrag geliefert. Bullet. deMoscou 1856. p. 335.
Der Kiew'scbe Lehrbezirk umfasst einen beträchtlichen Theil
dreier zum Becken des schwarzen Meeres gehöriger Flussgebiete,
nämlich des Dnjestr^ des südlichen Bug und des Dnjepr; von diesen
78 Tr ose hei: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
sind die Gewässer des letzteren vorzüglich vom Verf. durchforscht
worden. Der in die Weichsel sich ergiessende nördliche Bug ist ganz
unberücksichtigt geblieben. Neue Arten sind nicht aufgestellt. Das
Verzeichniss enthält im Ganzen 57 Arten, die zum Theil beständig
jene Gewässer bewohnen, zum Theil periodisch dieselben besuchen.
Davon gehören ungefähr 30 Arten der östlichen Hälfte Europas, ver-
breiten sich nach Westen nicht über den Rhein hinaus, und von die-
sen wieder sind an 20 Arten den Becken des schwarzen und des
Caspischen Meeres, oder auch ausschliesslich nur dem ersteren eigen-
thümlich. Die Familie der Karpfen hat 33, die derSalmones nur einen
Repräsentanten. Der Mangel der lachsartigen Fische erklärt sich wohl
durch die Abwesenheit von Gebirgszügen und den davon herstammen-
den Mangel an kalten Seen und Bächen.
Tchihatcheff legte der Pariser Akademie am 3ten
März 1856 eine Abhandlung über die Fische der Flüsse Don,
Dniepr , Dnieslr, Bug und Donau vor. Danach besitzt der
Don 34 Arten in 19 Gattungen, der Dniepr 51 Arten in 24
Gattungen, der Bug 33 Arten in 20 Gattungen, der Dnieslr
47 Arten in 22 Galtungen, die Donau 44 Arten in 23 Gat-
tungen.
Von der Uralexpedition 1. c. p. 72 wurden zwar nur 8
Arten mitgebracht, es waren jedoch ausserdem viele russi-
sche Namen verzeichnet, wonach Brandt ein Verzeichniss
der dort lebenden zusammenstellte.
Dieses zählt denn 20 Arten: 2 Acipenser, 2 Salmo, 6 Corego-
nus, l Osmerus, IThymallus, l Esox, 1 Cyprinus (carassius), 1 Leu-
ciscus (Idus), 1 Lota, 1 Perca, 1 Acerina, 1 Cottus. Die Lachsfamilie
scheint demnach hier über die Karpfenfamilie beträchtlich überwiegend
zu werden.
Von Bleeker sind auch im Jahre 1856 wieder werth-
volle Beiträge zur Ichthyologie derSundainseln und der Mo-
lukken erschienen, und es wird wohl keinen begründeten
Widerspruch finden, dass Bleeker derjenige Ichlhyologe ist,
welcher sich in dem letzten Decennium um die Kenntniss der
Fische jenes Theiles unseres Erdballs die hervorragendsten
Verdienste erworben hat, ja, dass er unter allen Ichthyolo-
gen, die sich die Kenntniss der Arten zur Aufgabe gemacht
haben, den Preis verdient.
Ich erwähne zuerst diejenigen Abhandlungen, welche
im 1. Theile der Acta Societatis Scientiarum Indo-Neerlan-
dicae, welcher zu Batavia 1856 erschien, enthalten sind:
während des Jahres 1856. 79
1. Beschrijvingen van nieuwe weinig- bekende Visch-
soorten von Amboina, verzameld op eene reis door den Mo-
lukschen Archipel gedaan in het Gevolg- van den Gouverneur
General Duymaer van Twist, in September en October 1855.
Verf. hat in Amboina eine Sammlung von 328 Arten zusammen-
gebracht, von denen ihm I3i Arten noch nicht von Amboina bekannt
waren. Das Verzeichniss sämmtlicher nunmehr von Amboina bekann,
ter Fische beläuft sich auf 560 Arten. Neu sind darunter 17 Arten,
welche unten namhaft gemacht sind. Unter ihnen finden sich auch
zwei neue Gattungen.
In einem Anhanore werden fernere 64 Arten von Am-
boina aufgezählt, wodurch die Gesammtzahl auf Ö24 steigt.
2. Beschrijvingen van nieuwe en weinig bekende Visch-
soorten van Manado en Makassar, grootendeels verzameld op
eene reis door den Molukschen archipel ct.
Durch den diesmaligen Beitrag ist die Zahl der von Celebes be-
kannten Fische auf 622 erhöht worden , unter denen eine ziemliche
Anzahl neue, deren IVamen unten ihre Stelle finden werden.
3. Tiende Bijdrage tot de kennis der ichthyologische
Fauna van Borneo. Visschen van de Rivieren Barito, Kahajan
en Kapoeas.
Es werden nunmehr 258 Arten von Borneo aufgezählt. Von
ihnen sind als nähere Fundorte angegeben: Sambas 65, Pamangkat 30,
Pontianak 73, Sintang 11, Sampit 36, Kahajan 8, Bandjermasin 126,
Pengaron 23 und Prabukarta 10 Arten. Einige neue Arten sind be-
schrieben, s. unten.
4. Zesde Dijdrage tot de kennis der Vischfauna van
Sumatra. Visschen van Padang, Troessan, Priaman, Sibogha
en Palembangr.
Die Zahl der aufgezählten Arten von Sumatra beträgt 720. Aus-
serdem hat aber Verf. 392 Arten aufgezählt , die in der Inselgruppe
von Sumatra vorkommen, jedoch noch nicht an den Küsten von Su-
matra selbst gefangen worden sind. Dadurch wird sich die Zahl der
Sumatranischen Fische voraussichtlich auf 1II2 erhöhen. — Eine be-
sondere Tabelle für die Verbreitung der 160 Süsswasserfische ist bei-
gegeben. Die neuen Arten s. unten.
Als ein sehr nützliches und die Erleichterung der Be-
nutzung der Bleeker'schen Forschungen förderndes Verzeich-
niss muss erwähnt werden: Index specierum piscium in Vo-
80 Troschcl: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
luminibus XXI — XXVI Aclorum societalis artiuin et scienliaruni
Hataviensis descriptarum, adieclis citalionibus ubi descriptio-
nes Bleekcrianae recenliores emendalaeque reperiunlur. Es
enthält 906 Arten.
Im 10. Bande der Natuurkundig" Tijdschrift voor Ne-
derlandsch Indie. Balavia 1850 sind folgende Abhandlungen
von Bleeker enthalten:
p.345: Tweede Bijdrage tot de kennis der ichthyologi-
sche Fauna van het eiland Bintang.
Durch eine neue Zusendung von Fischen von Riouw konnte
Verf. die Zahl der von dieser Insel bekannten Fische auf 142 steigern.
Neue Arten sind nur zwei Plagiostomen ilabei.
p. 357 : Zevende Bijdrage tot de kennis der ichlhyolo-
gische Fauna van Ternate.
Dieser so wie die folgenden Beiträge sind die Frucht einer
Reise nach den Molukken im Gefolge des General - Gouverneurs von
Niederländisch-Indien Herrn Duyniaer van Twist. Während eines drei-
tägigen Aufenthalts auf Ternate brachte er 133 Arten zusammen. Von
ihnen waren 82 neu für Ternate, 26 neu für die Molukken und 8 neu
für die Wissenschaft. Im Ganzen sind nun 233 Arten von Ternate
bekannt.
p. 467 : Ein neuer Haifisch , in der Nähe von Solombo
gefangen, wird beschrieben; siehe unten.
p. 469: Fische von Saparoea. Es werden 18 Arten
namhaft gemacht, die ersten von dieser Küsle; keine neue
Art unter ihnen.
p. 472. Als besonders wichtig ist ein Index specierum
piscium in Voluminibus I ad X Diarii socielatis scienliaruni
indo-batavae descriptarum zu erwähnen. Dasselbe weist 1 150
Species nach, die systematisch geordnet sind, und macht da-
durch eigentlich erst die in den zahlreichen Aufsätzen ver-
streuten Fische für die wissenschaftliche Benutzung zu-
gänglich.
Im 11. Bande derselben Zeitschrift sind ferner ent-
halten:
p. 81: Verslag omtrent eenige Vischsoorlen gevangen
aan de zuidkust van Malang in Oost-Java.
Enthält 33 Arten, welche sämmtlich neu für die Fauna des süd>
pstlicben Java sind; drei unter ihnen sind neu.
während des Jahres 1856. 81
p.93: Vijfde Bijdrage tot de kennis der ichthyologische
Fauna van de Banda-eilanden.
Verf. sammelte daselbst 86 Arten und brachte dadurch die Zahl
der von dort bekannten Fische auf 176. Alle sind Seefische. Süss-
wasserfische fehlen auf den ßandainseln gänzlich. Mit Ausnahme von
Gross-Banda besitzen die Inseln der Banda-Gruppe keine Flüsse und
Bäche, und selbst die Bächlein von Gross-Banda sind wenig nennens.
werlh. Zwei neue Arten.
p. 253 : Ein Verzeichniss von 27 bei der Insel Baijan
gesammelten Fischen, wodurch die Gesammtzahl auf 149
steigt.
p. 383 : Bijdrage tot de kennis der ichthyologische fauna
van het eiland Boeroe.
Durch die Reise des Schiffs üranie und durch Cuvier und
Valenciennes sind nur 23 Arten von Buru bekannt geworden.
Verf. konnte diese Zahl durch seine Forschungen auf lo7 erhöhen.
Unter den neuen Arten sind auch drei neue Gattungen enthalten.
p. 415: Verslag van eenige verzamelingen van zee- en
zoetvvatervisschen van het eiland Banka.
Den früher bekannten- wurden 38 Arten hinzugefügt und da-
durch die Gesammtzahl auf 251 gesteigert.
p. 486 : Durch einen kleinen Zuwachs brachte Verf. die
Zahl der von Ceram bekannten Arten auf 186.
Vom 12. Bande derselben Zeitschrift erschien auch schon
im Jahre 1856 die erste Hälfte. Sie enthält die folgenden
ichthyologischen Arbeiten Bleekers :
p. 191 : Achtste Bijdrage tot de kennis der ichthyolo-
gische Fauna van Ternate.
Eine neue Fischsendung von Ternate, die 113 Arten enthielt,
brachte die Gesammtzahl der dieser Fauna angehörigen Arten auf 284.
Einige neue Arten s. unten.
p. 211: Bijdrage tot de kennis der ichthyologische Fauna
van het eiland Nias.
Durch Hrn. von Rosenberg erhielt Verf. 217 Arten Fische
und wurde dadurch in den Stand gesetzt, diesen ersten Beitrag zu
liefern. Die meisten Arten wurden an der Südküste der Insel ge-
sammelt, die Süsswasserfische sind meist von Goenong - sitoli an der
üstküste. Wie zu vermutlien war, hat die Fauna von Wias grosse
Uebereinstimmung mit der Westküste Sumatra's. Fünf neue Arten und
darunter eine neue Gattung.
Archiv f. Nnturgesch. XXllI. Jahrg. 2. Bd. [?
82 Tr ose hei: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
p. 229 : Dcrde Bijdrage lot de kennis der ichlhyologi-
sclie Fauna van de Batoe-eilanden,
Hierdurch wurde die Zahl der Fische, welche dieser Fauna an-
gehören auf 145 gebracht. Zwei neue Arten.
p. 273 : Bericht über einige Fischarien von Taboali auf
der Insel Banka.
Eine Zusendung von diesem Orte erhöhte die Zahl der aus den
Gewässern von Banka bekannten Fische auf 265.
Neuerliciisl, jedoch ohne Angabe der Jahreszahl ist
wieder eine Fortsetzung der Hisloria fisica, polilica y natural
de la Isla de Cuba publicada por Ranion de la Sagra erschie-
nen. In den Lieferungen 80 — 83 ist der Abschnitt über die
Fische enlhalten , der jedenfalls nach dem Jahre 1853 er-
schienen ist. Diese Thierklasse war ursprünglich von Bi-
bron übernommen, und ist nun durch Guichenot bear-
beitet worden. Viele Arten sind nur mit Namen und Syno-
nymen aufgezählt,, bei vielen wird durch lateinische Diagno-
sen und spanische Beschreibuno- naher ein^eoanoen. Die
neuen Arten sind auf 5 hübschen Tafeln abgebildet.
Girard lieferte interessante Beiträge zu der Ichthyo-
logie der Westküste der Vereinigten Staaten nach Exempla-
ren des Museums der Smilhsonian Institution, darunter auch
mehrerp neue Gattungen s. unten.
In dem ersten Bande der Proceedings of the California
Acadenjy of natural history, welche seit dem September 1854
in San Francisco erschienen , finden sich zahlreiche kleine
ichthyologische Beiträge von Ayres. Die neuen Gattungen
und Arten sind unten n^haft gemacht. Hier möge nur er-
wähnt werden, d/iss Ayres p. 74 über eine Sammlung von
Fischen berichtete^ die Lieul. Trowbridge bei CapFlattery W.
T. zusammengebracht halte. Sie enthält fast nur Arten, die
auch bei San Francisco vorkommen. Hervorgehoben wird
ein Ammodytes der nicht von dem Europäischen tobianus zu
unterscheiden sein soll. Dies wird als ein Beispiel dafür
angenommen, dass geographische Entfernung nicht nothwen-
dig speciüsche Verschiedenheit bedinge. Bei dieser Gelegen-
heit wird erwähnt, dass auch Pelamys sarda in Caliiornien
vorkomme, wenigstens sei sie von der atlantischen Form nicht
zu unterscheiden.
während des Jahres 1856. 83
In' dem Reisewerke „Expedition dans les parlies centra-
les de TAinerique du Sud, de Rio de Janeiro ä Lime, et de
Lima au Para , executee sous la direction du Comte Fran-
cis de Caslelnau. Septieme parlie, Zoologie Paris 1855"
nimmt die Abiheilung der Fische p. 1 — 112 fünfzig Tafeln in
Anspruch.
Verf. hat die Fische noch nach dem Cuvier'schen Systeme geord-
net. Die zahlreichen neuen Arten sind unten genannt. Verf. sammelte
die Arten während einer fünfjährigen Reise im centralen Brasilien
und Peru und während eines siebenjährigen Aufenthaltes in Bahia.
Die bereits bekannten Arten sind nicht von Neuem beschrieben , je-
doch hat Verf. Notizen über die Färbung und das Vaterland einge-
streut. Die Zahl der verzeichneten Arten beträgt 275, unter de-
nen 100 neu , wozu noch zwei Lepidosiren kommen , die der alten
Welt entstammen und nur beiläufig aufgestellt sind. Die Arbeit von
Heckel in dem ersten Bande der Wiener Annalen ist dem Verf. erst
nach Vollendung des Druckes bekannt geworden, wie denn überhaupt
die Literatur des Auslandes nicht besonders die Aufmerksamkeit des-
selben in Anspruch genommen hat. Er hat erkannt, dass einige
Heekel'sche Arten wieder als neu beschrieben sind , behauptet aber,
dass dies leicht zu erledigen sei, weil er wie Heckel meist die
einheimischen Namen zu ihrer Bezeichnung angewendet habe. Es
würde den Dank der Leser erworben haben, wenn Verf. sich her-
beigelassen hätte, in der Einleitung, wo er hierüber spricht, durch
Berichtigung der Synonymie diesen Uebelsland zu beseitigen, — Die
Fische des Stromgebietes des Amazonenflusses sind im Allgemeinen
von denen des Plata specifisch verschieden, worin Verf. eine Bestä-
tigung eines früheren Ausspruches sieht, dass überall, wo die Indi-
viduen einer Species völlig einer Communication mit anderen Indivi-
duen derselbep Species beraubt sind , sie das Bestreben haben , sich
zu modificiren, selbst wenn man annimmt, dass sie von einem einzi-
gen Typus abstammen. Er ist überzeugt, dass wenn eine künstliche
Verbindung zwischen diesen beiden Stromgebieten hergestellt ^ein
wird, die Arten sich in mancher Beziehung verändern werden , und
dass man bei Para und Buenos^Ayres Fische wird erscheinen sehen,
die bisher diesen Gegenden fremd waren. In der Einleitung p. IV
wird ein interessanter und grossartiger Fischfang in einem See am
Ucayale beschrieben \ bei dem nach der Schätzung des Verf. über
50,000 Pfund Fische gelödtet wurden. Verf. erwähnt wieder des
eigenthümlichen Tons, den eine kleine Art von Hypostoma hervor-
bringen soll (vgl. Sehomburgk Ueisen im Britisch Guiana IL p. 33).
Vorherrschend im süssen Wasser sind die Sciaenoiden, wobei freilich
die Chromiden mitgezählt werden, die Siiuroiden und Salmonoiden,
84 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
unter welchen letzteren die Characinen verstanden werden. Bei sol-
chen allgemeineren Angaben tritt es besonders bedauerlich hervor,
dass Verf. auf die neuere Systematik so wenig Rücksicht genom-
men hat.
In einer Jubelschrift der Universität Freiburff -Unter-
suchungen zur Ichthyologie. Freiburg in B. 1857. 4.« findet
sich p. 17 eine Abhandlung von Wilhelm Manz über den
wahrscheinlichen Accommodations- Apparat des Fischauges,
wofür die Campanula samnit dem Ligamentum Suspensorium
gehalten werden.
Ueber die Enden der Nerven im elektrischen Organe
der Zitterrochen schrieb Remak in Müller's Archiv 1856.
p. 467.
M e i g e n hat Betrachlungen ,,über die Function der
Schwimmblase bei den Fischen" angestellt. Programm der
Realschule zu Marienburg 1856.
Er kommt zu dem Resultate, dass ein Fisch nur innerhalb einer
Wasserschicht von bestimmter Dicke Unterstützung von der Schwimm-
blase beim Schwimmen habe ; und dass ausserhalb dieser Schicht die
Schwimmblase nicht nur unnütz , sondern sogar gefährlich sei , indem
er zu tief sinken, oder zu hoch steigen könne, ohne jemals wieder
die ihm zusagende Schicht erreichen zu können. Nach des Verf.
Erörterungen ist die Einrichtung der Schwimmblase entscheidend für
die Verbreitung der Fische in den verschiedenen Wassertiefen.
Brüh hat unter dem Titel: „Osteologisches aus dem
Pariser Pflanzengarten. Mit 11 Tafeln. Wien 1856. Selbst-
verlag des Verfassers" eine Reihe Untersuchungen über das
Skelet der Fische bekannt gemacht. Die Tafeln sind vom
Verf. selbst recht hübsch radirt.
Ein Eingehen auf die Einzelnheiten verbietet der diesen Be-
richten gesteckte Raum, Ich erwähne daher nur im Allgemeinen,
dass sich der Inhalt auf ein bisher unbekanntes accessorisches Bo-
genelement derOccipitalgegend einiger Knochenfische (Megalops, Thyn-
nus, Ostracion etc.), auf das Occipitale superius des Lophius pisca-
torius, auf den Lepidosteus-Kopf, und dessen Wirbelsäule, ferner auf
die Ostcologie von Aspredo, Loricaria , Hyposloma, Aulostoma, Esox,
Clupeiden, Salmoniden, Batistes etc. bezieht. Da die mühevollen Un-
tersuchungen Zeit und Kosten des Verfassers in Anspruch genommen
haben , so möchte ich demselben einen recht reichlichen Absatz
wünschen.
Paul Gervais hat in Castclnau's Reisewerk, Anatomie
während des Jahres 1856. 85
p. 96 — 98 einig(3 osleologische Bemerkungen über den Schä-
del von Vasires und Myletes beigebracht.
In einer „Monographie der fossilen Fische des siluri-
schen Systems des Russisch -baltischen Gouvernements St.
Petersburg 1850-' beschrieb v. Pander zahlreiche Zahnge-
büde, die er für Fischzaline hält. Der Vergleichung wegen hat
er die Zähne einiger lebender Fische, nämlich Lucioperca
Sandra, Perca fluviatilis, Osmerus eperlanus, Esox lucius mi-
kroskopisch untersucht, und gezeigt, dass auch hier die Zahn-
substanz aus Lamellen, wie bei seinen Conodont en, zu-
sammengesetzt ist. Ich kann die Vermuthung nicht unter-
drücken , dass diese fossilen Zähne nicht Fischen , sondern
vielmehr Schnecken angehört haben. — Beiläufig wird p. 13
in einer Noie ein Verfahren angegeben," die feinsten Tubuli
der Zähne zu färben. Man legt das Präparat 14 Tage in
eine wässrige Auflösung von Cyankalium und bringt dasselbe
dann einige Wochen in eine concentrirte Auflösung von
Sublimat.
Ueber die Mikropyle der Fischeier und über einen
bisher unbekannten, eigenlhümlichen Bau des Nahrungsdot-
ters reiferund befruchteter Fischeier (Hecht) von Reichert
vergl. Müller's Archiv für Anatom. 1856. p. 83.
Ebenso p. 125 über die Müller-Wolff"schen Körper bei
Fischembryonen und über die sogenannten Rotationen des Dot-
ters im befruchteten Hechteie von Reichert.
In der deutschen Vierteljahrsschrift- No. 73 xMärz 1856
findet sich ein Aufsalz über künstliche Fischzucht.
JDipBioi.
Ueber Lepidosiren annectens findet sich eine Notiz von
Edward N e w m a n in Journal of Ihe Proceedings of the
Linnean Society I. p, 73.
Verf. picht die enge Kiemenspalte, die beiden vorderen Zähne
in dem Oberliiefer, die Vereinigung der senlirechten Flossen und die
Schuppen mit der Seitenlinie als entscheidend für die Fischnatur an,
und ist in Verlegenheit, ob er diese Fischgattung zu den Knorpel-
fischen oder Knochenfischen bringen soll. Ihm scheint das MüUer'scho
System unbekannt.
86 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Der Graf Castelnau fühlt in seinem citirlen Werke
die Gallung Lepidosiren als eine besondere Ordnung „Ich-
tliyosirenes« am Schlüsse des Abschnittes über die Fische,
und sieht sie als eine Mittelstufe zwischen Fischen und Ba-
trachiern an.
Er zählt fünf Arten auf, nämlich: L. paradoxa Ts'att, annectens
Owen, dissimilis n. sp. pl. 50. fig. 1 aus einem See des Ucayale, wo
er äusserst selten zu sein scheint, da "Verf. nur ein Exemplar fing,
und wo ihn die Indianer mit den Aalen, Carapus u, s. w. confundiren,
L. tubal Adanson Ms., ein Adanson'sches Exemplar in getrocknetem
Zustande, schlecht erhalten, aus dem Senegal, L. Ärnaudii n. sp. nach
einem Exemplare aus dem weissen Nil.
Teleostel.
Acuntho pteri.
Percacei. Die bereits im vorigen Berichte p. 75 an-
gedeuteten Untersuchivigen vonDufosse, welche das Zwit-
terthum von Serranus scriba und cabrilla bestätigen, und das
von S. hepatus hinzufügen, sind nunmehr in einer ausführ-
lichen Abhandlung Annales des sc. nat. V. p. 294 erschienen.
Das anatomische Verhalten ist durch Abbildungen erläutert.
Die beiden früher von Girard als Labrax nebulifer und cla-
thralus beschriebenen Fische sieht derselbe nunmehr (Proc. Philadel-
phia VIII. p. 131) als die Typen für eine neue Gattung an, die er P«-
ralabrax nennt, und weist ihr die Stellung neben Serranus an. Die
Charaktere sind folgende: Allgemeine Physiognomie wie Labrax, aber
die erste Rückenflosse ist mit der zweiten vereinigt, wie bei Serra-
nus; das Profil des Körpers ist spindelförmig, die Schwanzflosse ab-
gestutzt oder schwach ausgerandet; Kopf subconisch, Unterkiefer etwas
länger als der Überkiefer, Mund ziemlich gross; hecheiförmige Zähne
an den Kiefern, Vomer und Gaumen, mit einer Reihe schmaler Hundsl
Zähne längs der Kieferränder; Zunge glatt; kleine gleichartige Dor-
nen am Aussenrande des Praeoperculunis ; zwei kleine Dornen am
Rande des Kiemendeckels; Suborbitalknochen ganzrandig; Ilumerus
gezähnt; Deckel und Wangen mit Schuppen bedeckt, an den Wan-
gen kleiner als am Deckel ; Kiemenspalten unter der Kehle vereinigt,
sechs Kiemenhautstrahlcn ; Schuppen klein hinten gesägt.
In der Trachinus-Gruppe stellte G i rar d Proc. Philadelphia VIII.
p. 132 eine neue Gattung II o nialup o viu s auf: Körper langstreckig,
Mund gross, Unterkiefer vorstehend ; Ober- und Unterkiefer mit Hunds-
während des Jahres 1856. 87
Zähnen, hecheiförmige Zähne am Vomer; Gaumen zahnlos, Zunge
glatt; Rückenflossen getrennt, die vordere klein nnd dreieckig, die
hintere lang bis last zur Schwanzflosse; Afterflosse länger als hoch,
weit hinten. Deckel - Apparat dornlos und schuppig; Wangen glatt
und schuppenlos; obere Fläche des Kopfes mit kleinen Schuppen be-
deckt; Schuppen am Körper massig entwickelt, hinten ganzrandig und
glatt; Kiemenspalten unten vereinigt, sechs Kiemenhaulslrahlen. H.
Trowhridgii von Oregon.
H e t er oph th almu s Bleeker. Manado 1. c. ist eine neue
Gattung aus der Gruppe der Trachichthyoiden in der Barschfamilie.
Corpus oblongum compressum ; pinnae dorsales 2 seiunctae, anterior
spinosa, posterior radiosa; ossa capitis granuloso-rugosa et, regione post-
inaxillari trigona excepta, alepidota; dentes maxillis ossibusque palatinis
pluriseriali, vomerini nuUi ; oculi maximi inferne lobo stipitato oblongo
mobili muniti ; squamae corpore ctenoideae ; membrana branchiostega
radiisS; praeoperculum, suboperculum interoperculumque denticulata ;
pinnae ventrales anacanthae radiis omnibus fissis ; squamae linea ven-
tris media scutiformes carinam efficientes. ülerkvvürdig ist diese Gat-
tung durch den Mangel des Bauchüossenstachels und durch einen ge-
stielten Auswuchs an jedem Auge, den Verf. mit einem Spiegelchen
vergleicht, und der hinten schwarz, vorn goldig rosenfarbig und
schwarz eingefasst ist. Eine neue Art li. kalopron von Manado.
An neuen Arten wurden in dieser Familie aufgestellt:
Von Ayres in den Proc. California Acad. p.8 Cenlrarckns ma-
culosus aus dem Sacramento und San Joaquin, p. 9 Grystes lineatus
aus der Bai von San Francisco.
Von Guichenot in der Historiade la Isla de Cuba : Fleclro-
poma melanorhina pl. 1. ßg. 1. p. 154 , Apsilus dentatus pl. 1. fig. 2.
p. 160, Holocenlriim retrospinis pl. 1. fig. 3.
Vom Grafen de Castelnau in seiner Reise in Südamerika:
Apogon americanum pl. 3. fig. 2 von Bahia, Centropristis uehulosus pl. 1.
fig. 4 von Rio de Janeiro.
Von Bleeker: Apogon kalloplerus , monochrous (nigrlpinnis
C. V.), nematopleniSj zoslcrophorus alle von Manado I.e., leplacanthus
von Ternate 1. c. p. 204, Apogonicklhys gracilis Kat. Tijdschr. X. p. 371
von Ternate, Ambassis buruensis ib. XI. p."394 von Buru, Cheilodiplertis
apogonoides von Monadol.c, buruensis und atnblyuroplerus ^at. Tijdsch.
XI. p. 394 von Buru; Bogoda macrolepis von ßornco 1. c, Serranus
dikliophorus von Manado 1. c, tnicrodon Kat. Tijdsch, XL p. 86 von Ba-
lavia, Ajilhias manadensis von Manado 1. c.
Centrarchus maculosus Ayres ist nach Girard identisch mit C.
intcrrnptus Girard Proc. Philadelphia VIII. p. 132.
^cieropi&reJ. i» <Jen Proceedings of Ihc Californi
88 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Academy hat Ayres einige auf diese Familie bezugliche
Notizen geliefert.
Er beschreibt p. 2 eine neue Art Hemitripterus marmoratus,
die 20 Zoll lang wird, und die Girard Proc, Philad. VIII für iden-
tisch mit Scorpaenichthys marmoratus Girard erklärt.
Unter dem Namen Rockfish (p. 2) kommen vier Arten der Gat-
tung Sebastes auf den Markt: S. nebulosus , paiicispims, ruber und ra-
riabilis Cuv. Auch von diesen hat Girard 1. c. die Synonymie be-
richtigt. Er erklärt S. ruber Ayres für S. rosaceus Gir., nebulosus
Ayres für fasciatus Gir., variabilis Ayres (non Cuvier) für S. auricu-
latus Gir.
p 10 beschrieb Ayres als neue Gattung einen Fisch Cty-
peocottus ro bustus f den er jedoch nachher als den Aspidocottus
bison Girard erkannte.
Ferner berichtigte Ayres die Synonymie der Arten der Gat-
tung Acanthocottus von New - England. A. mucosus Ayres (Cottus
groenlandicus Rieh., Acanthocottus variabilis Gir.), A. variabilis Ayres
(not Girard), A. virginianus Girard (Cottus 18spinosus H'itch. Cottus
virginianus Storer. und Dekay.)
p. 47 wird eine neue Art Gaslerostens serratus Ayres aus der
Bai von San Francisco beschrieben ; sie ffehört in die Gruppe mit 2
freien Stacheln vor der Rückenflosse, aus welcher Verf. nunmehr 8
Arten namhaft macht.
p. 75 stellte Ayres in der Nähe von Hemilepidotus und Scor-
paenichthys Gir. eine neue Gattung C aly cilepid olus mit folgenden
Charakteren auf: Kopf snit Knochenplatten bedeckt, etwas dornig, be-
sonders an den Kiemendeckeln. Zähne fein und haufenförmig in den
Kiefern , am Vomer , den Gaumenbeinen und Schlundknochen. Die
stachligen und weichen Strahlen mehr oder weniger vollständig ge-
trennt. Kopf breiter als hoch , die Seiten des Körpers und zuweilen
der Kopf mit Flecken von doppelt concaven ciliirten Schuppen, die
mit Räumen glatter Haut abwechseln. Hautlappen an verschiedenen
Stellen des Kopfes. Dahin gehören zwei Arten C. spinosus Ayres und
C. lateralis (Scorpaenichthys lateralis Girard) beide aus der Bai von
San Francisco. Vergl. hierzu die spätere Bemerkung von Girard.
Girard hat in Proc. Philadelphia Vlli. p. 132 einige
neue Gattungen in der Familie der Panzervvangen gegründet
und sonstige Bemerkungen über Mitglieder dieser Familie be-
kannt o-emacht.
Die Gattung Ölig o co lius gehört der Cottoidengruppe an, und
ist auf eine sehr kleine Art gegründet: Kopf glatt, ausser einigen
Dornen an Vordeckel und Schnauze ; Oberkiefer etwas vorstehend,
während dee Jahres 1855. 89
Zähne an Kiefern, Vomer und Gaumen; Kieincnspalten unlen verei-
nigt, sechs Strahlen in der Kiemenhaut; Kückenüossen vereinigt,
Schwanzflosse abgerundet, Insertion der Bauchflossen hinter der Basis
der Brustflossen , Anfang der Afterflosse vor dem Vorderrande der
zweiten Bückenflosse; Haut glatt, Seitenlinie ununterbrochen in der
ganzen Länge des Körpers. 0. maculosus von San Francisco.
Die Gattung Lei o coltvs hat einen völlig glatten Kopf, nur
am Vordeckel Dornen; Mund massig gespalten, Kiefer gleich; Zähne
in den Kiefern und vorn am Vomer, keine am Gaumen ; Bartfäden an
den Überkiefern; Kiemenspalten unten vereinigt, 5 Strahlen in der
Kiemenhaut; Bückenflossen fast vereinigt an der Basis, Bauchflossen
hinter der Basis der Brustflossen eingelenkt, Schwanzflosse abgestutzt;
Haut völlig glatt ohne Höcker und Schuppen; Seitenlinie deutlich und
ununterbrochen. L. hirundo von San Miguel in Californien hat ganz
das Ansehen einer Trigla.
Früher hatte Ayres (vergl. oben) eine Gattung Calycilepido-
tus aufgestellt mit zwei Arten. Die eine C. spinosus erklärt Girard
für der Gattung Ueuiilepidotus Cuv., die hier aufs Neue charakterisirt
wird, angehörig; die andere C. lateralis ist nicht identisch mit Scor-
paenichthys lateralis Girard. Auf dieäe letztere gründet G. nun eine
neue Gattung Äi'ledius: Kopf rauh, mit häutigen Supraorbitallappen;
Dornen nur am Vordeckel ; Mund massig gespalten, Überkiefer etwas
vortretend; Zahne an Kiefern, Vomer und Gaumen; Kiemenspalten
unten vereinigt, fünf Strahlen in der Kiemenhaut; Bückenflossen ge-
trennt, Schwanzflosse abgestutzt, Bauchflossen unter der Basis der
Brustflossen eingelenkt; eine dorsale Binde gekämmter Schuppen. Da-
hin ausser Scorpaenichthys lateralis eine neue Art A. nolospilolus aus
der Tomales-Bay in Californien.
Auch in der Gruppe der Heterolepiden (Chirus und Ophiodon)
wird eine neue (Jattung Oplopoma gegründet: Körper langstreckig,
häutige Lappen über den Augen, und Dornen am Vordeckel ; Schnauze
konisch, Mund gross, Unterkiefer länger; Hundszähne an den Kie-
fern, Vomer und Gaumen; Kiemenspalten vereinigt, sechs Kiemen-
hautstrahlen; Rückenflossen vereinigt, Schwanzflosse halbmondförmig,
Bauchflossen ein wenig hinter den Brustflossen inserirt ; "Körper mit
kleinen Cycloidschuppcn bedeckt. 0. panlherina vom Cap Flattery.
Von neuen Arten hat Verf. in dieser Familie ib. aufgestellt:
Sebastes tuelanops^ Gasterosteus intermedius und Vugetti sämmtlich von
Californien.
Die Berichtigung einiger Synonyme ist schon unten bei Gele-
genheit der Arbeiten von Ayres angegeben worden.
Pteroidichlhys n. gen. Bleeker Amboina l. c. Caput
corpusque compressa; praeoperculum et operculuin posllce aciileata;
90 Troschel: Bericht über die Leisfungen in der Ichthyoloo-ie
Vertex, orbitae, tempora, rostrum ossaque suborbilalia anacantha; cirri
capite plures ; dentes maxillis yomerinique plnriseriati, palatini nuUi ;
corpus squamosum ; pinna dorsalis unica partem spinosam inlcr et
radiosam profunde incisa, membrana interspinosa Integra, radii pin-
nis dorsali, anali , caudali pectoralibusque omnes simplices, liberi
nulli; membrana branchioslega radiis 7. Ft. amboinensis n. sp.
Ausserdem stellte ßleeker in dieser Familie noch folgende
neue Arten auf: Apislns leucojyrosopos Amboina 1. c. , Scorpaena cya-
nostigma Kat. lijdschr. XI. p.400 von Buru , Plalycepkalus Qiioyi ib.
XII. p. 206 von Ternate.
PseisflucBaroEfiiieli's. Bleeker sltWie PseuJockromis pohja-
canthiis Watuurk. Tijdschr. X. p. 375 von Ternate als neue Art auf.
§Ckacnoidei* Leioslomus lineatus ist eine neue Art von
Ayres Proc. California Academy I. p. 25.
Castelnau bildete in seinem Reisewerke 1. c. Johnius crou^
vina pl. 5. fig. 1. aus dem Flusse Crixas und aus dem Araguay, J.
amazonicus pl. 4. fig. l aus dem Amazonenflusse, J. aitrahis pl.4. fig. 2
aus dem Ucayala als neue Arten ab. — Die übrigen von ihm als
Sciaenoiden beschriebenen neuen Arten gehören den Familien La-
broidei ctenoidei und Chromides an, woselbst sie unten aufgeführt
werden.
Guichenot lieferte in der Historia de la Isla de Cuba 1. c.
pl. 2. fig. 1. p. 183 eine Abbildung von Latilus chrysops Cuv. Yal.lX.
p. 496.
SpRroidei« Neue Arten : Pagcllus microps Guichenot Histo-
ria de la isla de Cuba pl. 3. fig. 1. p. 188; und die folgenden von
Bleeker: Upeneus Jansenii und oxycephalus von Manado 1. c. , Le-
ihrinus kallopierus ib , Caesio gijmnopieius Nat. Tijdschr. X. p. 372 von
Ternate, Dentex lysson ib. XII. p. 219 von Nias.
Sqiia.niipeBines. Ausser einer neuen Art llolacantlius for-
mosus pl. 11. fig. i von Bahia hat Castelnau in seinem Ueisewerke
eine neue Gattung dieser Familie aufgestellt:
Plalaxoides. Keine Zähne am Gaumen; im Oberkiefer je-
derseits neun, ziemlich stark und spitz, die des Unterkiefers fein, je-
derseils und vorn ein grosser gebogener im Unterkiefer ; Körper sehr
hoch, sehr zusammengedrückt ; Rücken - und Bauchflossen mit langen
Fäden versehen. Die Gattung findet ihre Stellung neben Platax.
Die neue Art PL Dumerilii von Para ist pl. II. fig. 3 abgebildet.
§coinllceroidei. Ayres beschrieb Proc. California Academy
1. p. 62 eine neue Art Caranx symmelricus aus der Bai von San Fran-
cisco, den ersten Scomberoiden , welcher von Californien bekannt
wird. Die Seitenlinie krümmt sich unter der zweiten Rückenflosse
während des Jahres 1856. 91
plötzlich abwärt;;, und istniit 44— 46 Schildern bewaffnet ; sehr kleine
Zähne in den Kiefern, an den Gaumenbeinen, am vorderen Theile des
Vomer, längs der Millellinie des Vomer und an der Zunge. Die an
der Zunge und an dem vorderen Theile des Vomer sind gedrängt, die
übrigen fast in einer Ueihe geordnet. Die Art soll noch am ersten
mit C. punclatus verwandt sein.
Auch Guichenot beschrieb eine neue Art Caranx pisquetus
in der Historia de la Isla de Cuba pl. 3. fig. 2. p. 204.
Neue Arten von Bleeker sind: Scomber moluccensis, Tliyrsi^
tes promelkoides y Caranx tapeinosoma und jantkinospilos f sämmllich
Amboina 1. c.
Naucrates ductor wurde bei Falmuth gefangen, wie Cocks be-
richtet. Annais nat. bist. XVIII. p. 49ö.
'Teutlaitles. Neue Art: Acanlhurus Bahianus Castelnau 1. c.
pl. 11. flg. 1. von Bahia.
j^tlteriiiitcci. Nach Girard ist Atherina Storeri Ayres =
Atherinopsis californiensis Gir. Proc. Philadelphia VIII. p. 136.
ISSeunioidei. Pholidichlhys ßleeker n. gen. Natuurk.
Tijdschr. XI. p. 406. Corpus valde elongatum compressum poslrorsum
sensim gracilescens cauda gracili acuta; pinna dorsalis, caudalis et
analis distinctae sed unitae, radiis simplicibus flexilibus; dorsalis unica
indivisa anali multo longior; ventrales filiformes biradiatae , vix ante
pinnas pectorales insertae; apertura branchialis ampla ; membrana bran.
chiostega radiis ü; cutis alepidota ; dentes maxillis pluriseriati inae-
quales, vomerini vel palalini nulli; operculum anacanthum. Zwischen
Pholis und Petroskirtes , aber durch das Gebiss und die vereinigten
Flossen unterschieden. Eine neue Art l'h. leucolaenia von Buru.
Ausserdem beschrieb Bleeker zwei neue Arten: Salarias rer-
miculatoides Sumatra 1. c. und Opistognathus Rosenbergii^at. Tijdschr.
Ned. Indie. XII. p. 220 von Nias.
Clinus fasciatus Castelnau 1. c. pl. 11. fig. 2 von Rio de Janeiro.
L ep lo (ju nn ellu s nov. gen. Ayres Proc. California Acad. I.
p. 26. Körper verlängert, stark coniprimirt, Vorderkopf nicht abschüs-
sig, 31und massig, kleine gleiche Zähne jn den Kiefern und an den
Gaumenbeinen, Vomer zahnlos, alle Strahlen der Hückenflosse stach-
lig, Bauchtlosseu wohl entwickelt, Kiemenspalte frei. L. graciUs aus
der Bai von San Francisco.
Apodicktkys virescens Ayres ib. p. 55 aus der Bai von San
Francisco.
Eine neue Güttung zwischen Zoarces und Anarrhichas gründete
Ayres ib. p. 58 unter dem Namen C ebedi c hthy s. Kopf glatt,
rundlich, Schnauze stumpf, Körper langstreckig mit kleinen eingebet^
92 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
teten Schuppen, Rücken-, Schwanz- und Afterflosse vereinigt, keine
Bauchflossen; Lippen fleischig, Mundöffnung schief aufwärts ; Zähne
klein in beiden Kiefern und an Vomer und Gaumenbeinen; sechs Kie-
nienhautstrahlen, ein fleischiger Kamm auf dem Kopfe. C. crislagalli
aus der Bai von San Francisco ist abgebildet.
Eine andere neue Gattung in der Wähe von Anarrhichas ist
Anar r hichthy s Ayres ib. p. 31. Kopf glatt, gewölbt, stumpf,
Körper selir langstreckig; Schuppen klein, Rücken-, Schwanz- und
Afterflosse vereinigt. Hundszähne vorn in den Kiefern, stumpfe rund-
liche Zähne an Vomer, Gaumenbeinen und am Unterkiefer, keine am
Oberkiefer; keine ßauchflossen. Unterscheidet sich von Anarrhichas
durch die aalartige Verlängerung des Körpers und die vollständige
Vereinigung der verticalen Flossen. Ä. ocellalus aus der Bai von San
Francisco.
Oobioitlei- Gobiodon Bleeker n. gen. Natuurk. Tijdschr.
ned. Indie XI. p. 407. Pinnae dorsales 2 basi continuae, ventrales in
discum unitae ; dentes maxillis erecti pluriseriati, inferiore scrie in-
terna symphysin versus caninis 2 magnis; apertura branchialis verti-
calis ; membrana branchiostega radiis 4. Verf. hält es für geeignet
das artenreiche Geschlecht Gobius zu zersplittern und gründet auf
Gobius histrio K. v. IL, quinquestrigatus C. V. und coryphaenula C. V.,
welche schon Valenciennes wegen des grossen Kopfes, der klei-
nen Augen, des stumpfen Profiles und des schuppenlosen Nackens als
besondere Gruppe zusammenbrachte, die neue Gattung, der er noch
Gobius erylhrophaios Blkr. und eine neue Art G. helerospilos von Buru
hinzufügte.
Als neue Arten der Gattung Gobius sind beschrieben : G. hemi^
gymnopoimis Bleeker i\Iacassar 1. c, G. javanicus Bleeker Nat. Tijdschr.
XL p. 88 von Patjitan im südlichen Java, G, ophlhalmonema Bleeker
ib. p. 20s^ von Ternate. — Ferner G. Newberli Girard Proc. Philadel-
phia VIIL p. 136 von Californien.
Gobius crisla galli Cuv. Val. ist von Guichen ot Historia de
la Isla de Cuba pl.3. fig. 3 abgebildet.
Auf Kosten der Gattung Eleotris bildete B 1 eek er Nat. Tijdschr.
ned. IndieXL p. 41 1 eine neue Galtung CmZ iws, die leicht an dem nach
unten gerichteten Dorn des Vordeckels zu erkennen ist. Die Cha-
raktere sind: Pinnae dorsales 2; dentes maxillarcs pluriseriati; pala-
tum totum cdentulum ; praeoperculurn spina deorsum spectante arma-
tuni ; membrana branchiostega radiis 6; nares anteriores tubulatae.
Dahin Eleotris nigra Q. G. , acanthopomus Blkr, pseudacanthopomus
Blkr. und melanosoma Blkr.
Als neue Art beschrieb B 1 e e k er Eleotris microlepis Nat.
Tijdschr. XL p. 102 von Banda. — Eleotris Hasscllii, welche Blee.
während dos Jahres 1856. 93
ker früher nach einer nachgelassenen Abbildung von Kühl und van
llassclt aufgestellt hatte, konnte er nun ib. XI. p. 412 nach Exempla-
ren beschreiben.
In der Gruppe Discoboli stellte Ayres Proc. California Acad. I.
p. 23 zwei neue Arten auf: Liparis pulchellus und mucosus von San
Francisco.
Pediculitti'' ÄHtennarius Lacepedii ist eine neue Art bei
Bleeker Amboina 1. c.
ff'istulares. Castelnau beschrieb 1. c. p. 148. pl.9. fig. 3
als neue Art Aulosloma Margratii von Brasilien mit dem Bemerken,
dass dies wahrscheinlich der Patimbuaaba des Marcgrav sei. Der
Fisch ist olivengrün mit vielen runden blauen Flecken; am Körper
einige blaue Längslinien, von denen sich eine jederseits auszeichnet.
D. 14. A. 14. V. 6. F. 14.
Anacanthini.
c^adoidei. Agassi z zeigte in der Boston Proc. VI.
p. 9 an, dass er in dem Eierstocke des Haddock (Gadus ae-
glefinus?) die Eier bereits gefurcht beobachtet habe, und
setzt voraus, dass die Embryonen sich im Eierstocke ent-
wickeln. Ebenso bei anderen Fischen (Cod , Whiling und
American Hake).
Ayres stellte einige neue Arten dieser Familie in Proc. Ca-
lifornia Academy I auf, nämlich : Morrhua californica p. 9 und Bros»
mius marginalus p. 13 aus der Bai von San Francisco ; ferner Mer»
langus ptoduclus von der Californischen Küste. Die letztere Art soll
weiter nördlich an der Küste von Oregon häufiger vorkommen, und
ist ausser dem kleinen Gadus proximus Gir. der einzige Repräsentant
der Gadoiden-Familie in diesem Meere.
Pieiironectae. Rhomboidichthys Bleeker nov. genus.
Manado en Macassar l. c. Pinnae dorsalis , analis, caudalis, pectora-
les, ventrales; dorsalis rostro incipiens et analis a caudali seiunctae;
OS anticum ; dentes maxillis biseriati aculi ; roslrum cornutum ; oculi
valde distantes; membrana branchiostega Tadiis (i. Durch die zwei-
reihigen Kieferzähne von Rhombus verschieden. Dahin Rhombus my-
riaster Temm. Schi. Fauna japon.
Platessa stcllata und glacialis Fall, sind von Richardson in
der Zoology of the Yoyage of H. >1. S. Herald. London 1854. p. 164.
pl.32 abgebildet worden. Die Figuren sind auf dem Stein nicht um-
gekehrt gezeichnet, daher auf der Tafel verkehrt abgedruckt.
Keue Arten: Solea heterorhinus und Synaplura lielerolepis Blee-
ker Amboina 1. c. , Pladchthys umbrosus von Cap Flattery und Pleum
94 Troschel: Bericht über die Leislimgen in der Ichthyologie
ronichtliys guUulalus von der Tomales-Bay Girard Troc. Philadelphia
VIII. p. 136. — Mutiochir lineatus Guichenot Hist. de Cuba p. 235,
wird mit M. maculipcnnis Ag. verglichen. — Rhombus bahianus pl. -11.
{ig. l von Bahia und Monochir punclifer pl. 41. fig. 3 von Rio Ca-
stelnau I.e. — Flal^ssa bilineata Ayres Proc. California Ac. I. p. 40
aus der Bai von San Francisco.
Dplfiidini. K a u p lieferte einen Beitrag zur Familie der
Ophidinen in diesem Archiv p 93. Er zählt l4 Arten in 5 Gattungen
auf. Die neuen Arten s. daselbst.
Ausserdem stellte B 1 e eker eine neue Art Oxy6c/es gracilis Nat.
Tijdschr. Ned. Indie XI. p. 105 von Banda auf.
Aaiiinodytsdes. Girard brachte einen neuen Am7nodyles
];ersonalus von Cap Flaltery Proc. Philadelphia Vlll. p. 137.
Pharyngognathi.
Sialtroiflei cycloSdei. Duymaeria Bleeker n. gen. Acta
Soc. scient. Indo-INeerl. I. Dentes maxillis uniscriati conici, utraque
maxilla antice canini 4 magni ; linea lateralis continua; caput prae-
operculo operculoque squainosuin ; pracoperculum denticulatum ; pin-
nae dorsalis et analis basi squamosae, caudalis basi squamis 3magnis;
Spinae anales 3, dorsales 9; membrana branchiostega radiis 5. Unter-
scheidet sich von Cossyphus durch einreihige Kieferzähne, von Cre-
nilabrus und Ctenolabrus durch die beschuppte Basis der Bücken- und
Afterflosse, und die geringe Anzahl Rückendornen, von Acanlliolabrus
durch einreihige Zähne und geringe Zahl der Rücken - und After-
flossendornen. Dahin gehören Ctenolabrus flagellifer C. V., Crenila-
brus flagellifer T. Schi. (D. japonica Blkr.) , Ctenolabrus aurigarius
Richards., Ct. rubellio Richards., Cr. nematopterus, enneacanthus und
spilogaster Blkr. und eine neue Art D. amboinensis.
Xiphockeilus Bleeker n. gen. Nat. Tijdschr. Ned. Indie XII.
p.223. Dentes maxiliis e crista communi oriuntes, uniseriati vel sub-
bisseriati , obtusi ; canini insuper utraque maxilla antice 4 externi
magni divergentes; dentes pharyngeales conicograniformes; labia lala
sed leuuia , superius subensiforrae, ore clauso lotum fere sub cule
suborbitali occullum ; caput, rcgione oculo-maxiliari, rostro et maxilla
inferiore exceptis, squamis tectum ; maxilla superior vix ve.l non pro-
Iractilis ; pracoperculum denticulatum; linea lateralis continua; pinnae,
caudalis excepla, alepidolae; membrana branchiostega radiis 6; Spi-
nae dorsales 12, anales 3. Eine neue Art: X. iyi>us von Nias. Die
Gattung wird in die Nähe von Cossyphus gestellt und unterscheidet
sich besonders durch die eiguuthümliche Bildung der Lippen.
Neue Arten von Bleeker: Labroides xanthiirus Manado 1. c,
v/ährend des Jalires 1856. 95
— Trtutoga notophthalmus ib. , — Novaciila HoecltU Amboina , celebica
Macassar , Ticislii Kat. Tijdschr. X. p. 381 von Ternäte , — Anampses
Ticisdi Amboina 1. c, — Julis fJulisJ Jansenii Manado, leurorhynchos
ib., ambhjceplialus Kat. Tijdschr. XI. p. 83 von Malang in Südostjava,
— Julis fHalicIioeresJ amioinetisis Amboina , pseudominialus ib. , ße«-
chei Sumatra, batuensis Nat. Tijdschr. XII. p. 240 von den Batu.
Inseln,
Castelnau beschrieb eine neue Art Xyrichthys splendens 1. c.
pl. 5. fig, 2 von Bahia.
Ayres desgleichen Labrus pulcher von San Diego Proc. Cali-
fornia Aead. I. p. 1.
Ef olconoti. Embioloca argyrosoma Girard Proc. Philadelphia
VIII. p. 136 von San Francisco.
ffiabroiflei ctenoietei- ^Neue Arten: Heliases tnnltilineatus
Guichenot Hist. de Cuba p. 184. pl. 2. fig. 2. — von Castelnau I.e.
Pumacenlrus variabilis pl. 3. fig. 3 von Bahia, P. pictus pl. 2. fig. 1
ebendaher, vielleicht nur Varietät des Vorigen; Heliases marginnla
pl.3. fig. 1 von Bahia. — von Bleeker Pomacentrus taeniutus Am-
boina 1. c. , tapeinosoma Kat. iijdschr. Ned. Indie X. p. 376 von Ter-
näte, cyanomos und simsiana ib. XI. p. 89 von Balavia, Heliases ler^.
nalensis ib. X. p 377 und Glyphisodon melanopus ib. XI. p. 82 von Ma-
lang in Südosljava.
CJiromides. DerGraf Gas t el n a u»beschrieb auch aus die-
ser Familie eine Reihe von Arten : Chromis (Verf. schreibt Chromys)
unipunclala pl. 8. fig. 2 von Bahia, Ch unimaculala pl. 7. fig. 2 von
Rio Janeiro, Ch. obscura pl. 6. fig. 3 aus dem Flusse Paraguassu in
der Provinz I5ahia, Ch. oblonga nach einem verstümmelten Exemplare
aufgestellt aus dem Flusse Tocantins Provinz Goyaz, Ch. proxima pl.7.
fig. 1 aus einem See bei Ucayale in Peru, Cli. ucayalensis pl. 6. fig. 2
von Sarayacu in Peru, Ch. uniocellala pl. 6. fig. 1 von Ucayale, Ck.
appendiculata pl.7. fig. 3 ebendaher, Ch. lapidifera pl. 8. fig. 1 von
Araguay, C/*.? acora pl. 9. fig. l von Araguay, Ch.'i fasciala pl. 9.
fig. 2 von Araguay. Cickla (Verf. schreibt Cyela) Touconnami pl. 10.
fig. I aus dem Lac des perles in der Provinz Goyaz, aus dem Tocan-
tins und dem Amazonenllusse, C. multifusciata pl. 10. fig. 2 von Uca-
yale in Peru, C. conibos pl. 10. fig 3 von Ucayale, C. lacuslris pl. 8.
fig. 3 von Bahia. Es lässt sich vermuthen, dass manche dieser Arten
mit denen von Heckel in den Wiener Annalen beschriebenen zu-
sammenlallen werden , so wie es einer neuen Untersuchung bedarf,
um sie mit Sicherheit den Heckel'schen Gattungen einzuordnen.
Chromis fusco maculala Guichenot Hist. de Cuba p. 185. pl. 2.
fig. 3.
96 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Scomlieresoces. Neue Art: Betone macroiepis Bleeker Kat.
Tijdschr. Ned Indie XII. p. 125 von Nias.
Belone timucu Cuv, Val. und Exocoetus spilopus Cuv. Yal. sind
bei Guichenot in der Hist. de Cuba pl.4 abgebildet.
Physostomi.
Siluroidei. Zunächst mögen hier die reichen Beiträge
des Grafen Castelnau l. c. zu dieser Familie hervorgeho-
ben werden.
Die Bagrus -Arten, welche Verf. erwähnt, haben alle 6 Bart-
fäden, und er theilt sie in zwei Gruppen, je nachdem sie einen Helm
auf dem Nacken haben oder nicht. In die erste Gruppe gehört eine
neue Art B. Valenciennei pl. 13. fig. 1, in die zweite drei neue Arten
B. flavicans pl. 13. fig. 2, Rousseauxii pl. 14. fig. 1, punctulalus pl. 14.
fio-. 2, alle vier aus dem Amazonenflusse.
Aus Bagrus genidens nebst einer neuen Art bildete Verf. eine
eigene Gattung Genidens^ die durch den »langel der Gaumenzähne
und die Gegenwart eines Zahnsystems jederseits auf dem oberen Theile
der Wangenhaut, zu Platten oder Bündeln vereinigt, charakterisirt wird.
Es scheint als ob diese Gattung mit Ariodes »lull. Trosch. Horae
ichthyol. zu vereinigen sei. Bafrus genidens erhält den Namen G.
Cuvieri^ die neue Art heisst G. granvlosus pl. 16. fig. l und stammt
aus dem Flusse Araguay in der Provinz Goyaz in Brasilien.
Pimclodus Bahiamis pl. l6. fig. 2 aus Bahia, P. versicolor pl. IG.
fig. 3 aus dem Araguay; Anus'i longibarbis aus dem Amazonenstrome;
Galeichthys aragnmjensis pl. 17. fig, 3 aus dem Araguay, G. bahiensis
pl. 18. fig. 1 von Bahia sind neue Arten. — Ebenso Callicklhys chi-
quilos pl. 18. fig. 2 aus der Provinz Chiquitos, C. splendens pl. 18.
fig 3 aus dem Tocantins , C. Toasch pl. 19. fig. 1 von Chiquitos und
Plalysloma punclifer pl. 19. fig. 2 aus dem Amazonenflusse.
Die Gattung Hypostomus theilt Verf. in zwei Abtheilungen :
1. Hypostomus ohne Dornen am Zwischendeckel, wohin als neu:
//, alalus pl. 20. fig. 1 von Älinas Geraes in Brasilien, asperatus pl. 20.
fig. 2 aus dem Araguay, pardalis pl. 20. fig. 3 aus dem Amazonen-
flusse, subcarinalus \)\. 2i. fig. 1 aus der Provinz des Mines. 2. Acan-
thodemus mit langen Dornen am Zwischeudeckel , der erste Strahl
der Brustflosse sehr stark und mit langen Dornen bewaffnet, wohin
als neu: //. auranliacus pl. 21. fig. 2 von Ucayale, luvealus pl. 21.
fig. 3 aus dem Araguay , nigricans pl. 22. fig. 1 aus dem Amazonen-
flusse, pictus pl. 22. fig. 2 aus dem Ucayale, spinosus ip\. 22. fig. 3 aus
dem Amazonenflusse, vicinus pl. 23. fig. 1 aus dem Ucayale. Auch
hier ist es wieder zu bedauern, dass Verf. die Arbeit von Kncr
während des Jahres 1856. 97
(vergl. den Bericht über 1854. p. 443) nicht gekannt hat , wo der-
selbe bereits dieselben Abtheilungen als Inermes und Lictores unter-
schieden hat. Auch von den Arten beider Verfasser werden sich wohl
manche identificiren lassen.
Ferner werden noch an neuen Arten beschrieben : Loricaria
amazonica pl. 23. ßg. 2 und carinata pl. 23. tig. 3 aus dem Amazonen,
flusse, castanea pl. 23. fig. 4 von Rio de Janeiro. — Boras Weddellii
pl. 17. fig. 1 aus der Provinz Chiquitos. — Ageneiosus ucayalensis
pl. 17. fig. 2 aus dem Ucayale. — Trichomycterus Penllandi pl. 24.
fig l aus dem Apurimac, jjunctalissimus pl. 24. fig. 3 aus dem Araguay,
wobei Verf. die Vermuthung ausspricht, dass Pygidium dispar Tschudi
Fauna peruana der Tr. punctulatus Val. sei , pictus pl. 24. fig. 2 aus
dem See iilicaca, pusillus pl. 24 fig 4 aus dem Araguay.
Die Gattung Vandellia endlich, welche Valenciennes zu den
Hechten stellt, hält Castelnau für verwandt mit Trichouiycterus
lind beschreibt eine neue Art V. Plazaii pl. 28. fig. 3 aus dem Ucayale
in Peru.
Bleeker stellte Sumatra 1. c. eine neue Gattung Hclico-
phagus auf: Pinnae dorsales 2, anterior radiosa , posterior adiposa ;
cirri 4 carnosi , maxillares et inframaxillares ; dentes maxillis pluri-
seriati setacei aequales in vittam curvatam bipartitam dispositi; den-
tes voinerini, palatini vel pterygoidei nulli; oculi superi ; membrana
branchiostega cum membrana lateris opposita unita , radiis 9 ; pinna
venlralis radiis 1.4 vel 1.5; pinna analis elongata ; vesica nata-
toria celluiosa; Spinae dorsalis et pectorales dentatae. Soll sich von
Pimelodus durch die 4 Fühlfäden und die lange Afterflosse unterschei-
den. //. typus aus dem Flusse Mussi bei Palembang. Den Magen
fand Verf. mit zahlreichen Schnecken erfüllt.
Ebenda beschrieb Bleeker auch als neue Art Arius go-
niaspis,
Murray erzählt von einem Zitterwels von der Vv'est-
küste Afrika's, den er früher, Edinburgh New philosophical
Journal, als Malapterus Beninensis beschrieben hat, dass die
Eingebornen ihn zur Heilung ihrer kranken Kinder verwen-
den^ indem sie dieselben veranlassen, mit den Thioren zu
spielen^ oder sie mit ihnen in ein Geiäss mit Wasser setzen.
Report of the 25. Meeting of the British Association ct. held
at Glasgow p. 114.
Cyprinoidei. Eck er beobachtete zwei Fälle von
wirklichem Zwitterthum beim Karpfen. Jubelschrift der Uni-
versität Freiburg i. B, 1857.
Archiv f. Naturgesch. XXUI. Jahrg. 2. ßd. Q
98 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Einige neue Cyprinoiden von der Westseile Nordame-
rikas beschrieb Ayres bereits in den Jahren 1854 und 1855
Proc. California Academy I.
Daselbst finden sich p. 18 Catostomus occidentalis aus dem Sacra-
mento und San Joaquin, p. 19 Gila grandis^ p. 20 Lavinia gibbosa und
compressa aus dem Sacramento und San Joaquin, p. 21 Gila macrolepi~
dola^ p. 32 Catostomus labialus von Stockton, p. 33 Mylopharodon
n. gen. Schuppen, Flossen und Seitenlinie sehr ähnlich wie bei Lavinia ;
Mund ziemlich gross, Lippen nicht gerunzelt, eine verdickte schwach
runzlige Schicht längs der inneren Überfläche jeder Lippe, Schlund-
zähne in zwei Reihen, die der äusseren Reihe plump, abgestutzt.
M. robuslus aus dem San Joaquin.
Einen bedeutenden Beitrag* zur Kenntniss der nordame-
rikanischim Vertreter der Karptenfamilie hat Girard in den
Proc. Philadelphia VIIL Seplnnbcr 18öt) geliefert: Resear-
ches upon the Cyprinoid fishes inhabiling Ihe fresh waters
of Ihe uniled slates , west of the Mississippi Valley, tVom
speeimens in the Museum of Ihe Smithsonian Inslilution.
Dem Verf. hat ein reiches Material zu Gebote gestanden, her-
vorgegangen aus den verschiedensten Sendungen ; auch die Literatur
scheint er sorgfältig benutzt zu haben. Die bereits vonAgassiz her-
gestellten Ratinesque'schen Gallungen sind angenommen, zahlreiche
neue hinzugefügt. Alle besprochenen Arten hat Verf. selbst unter-
sucht. Somit dürfen wir die Abhandlung als eine wichtige begrüs-
sen. Es werden in der Cyprinenfamilie 5 Gruppen unterschieden.
1. Cyprini. Dahin die Gattungen Mylocheilus Agass. mit 3
Arten, worunter M. fralerculus von Monterey in Califoruien neu; und
Mylopharodon Ayres. mit 2 Arten.
2. Ca tos tarn i. Aus Mangel an Material ist Verf. nicht näher
auf die Besprechung der hierhergehörigen Gallungen Carpiodes, Ictio-
bus, Bubalichthys und Cycleptus eingegangen. Eine neue Art C«r-
piodes damalis aus dem Milk. River, einem Nebenflüsse des oberen
Missouri ist beschrieben. — In der Gattung Muxostoma Raf. sind 4
neue Arten aufgestellt : M. claviformis aus einem INebenflüsschen des
Canadianriver, M. Kennerlii , Victoriae und Cantpbelli aus Texas. —
Von Ftychostomus Agass. werden 3 Arten aufgezählt, worunter Ft.
albidus von Monterey in Californien und Hnydeni aus dem Missouri
neu. — Die neue Gattung Minomus ist auf Catostomus insignis, ple-
bejus und Glarkii Baird und Girard gegründet, die ebenfalls neue Gat-
tung Acomus auf Catostomus Forsterianus Rieh., aurora Agass. und
latipinnis B. et G., wozu 4 neue Arten kommen : A. guzmaniensis aus
dem Janos-River, der sich in den Guzman-See ergiesst, A. generosus
während des Jahres 1856. 99
aus einem Bach beim See Utah, griseus aus dem Platte-River und
laclarius aus dem Milk-River. — Die Gattung Catostomus Lesueur ist
hier durch 7 Arten vertreten, von denen 3 neu: C. macrocheilus von
Astoria, Sucklii aus dem Milk. River und Bernardini aus Mexiko.
Die beiden neuen Gattungen haben folgende Charaktere:
Minomus: Körper langstreckig und spindelförmig; Kopf län-
ger als hoch, Rückenflosse mindestens so hoch vv^ie lang; Lippen
höckerig, massig zweilappig ; Schlundzähne nicht seitli h ausgedehnt,
aber beträchtlich einwärts gebogen; die Zähne comprimirt, zweispit.
zig, aber der innere Vorsprung mehr entwickelt als der äussere ;
Schuppen fast gleich gross, aber vorn ein wenig kleiner als hinten.
Acomus: Kopf sehr verlängert, Rückenflosse höher als lang,
Schuppen vorn kleiner als hinten; Lippen mit Papillen besetzt, und
sehr tief gespalten; Schlundknochen zierlich gebogen und nicht er-
weitert; Zähne comprimirt und zweihöckerig, der innere Vorsprung
deutlich, der äussere obsolet.
3. Chondr 0 Storni. Verf. nimmt sie in weiterer Begrenzung,
und charakterisirt sie durch den Mangel von Bartfäden, messerförmige
Schlundzähne in einer Reihe, herabhängenden Mund. Dahin gehören
folgende Gattungen: C am yo Stoma Agass. mit 4 Arten, C. omatvm
aus dem Chihuahuafluss, formulosum aus Texas, nasutum von Monterey.
— Dionda n. gen. mit 10 neuen Arten : D. episcopa aus dem Quell-
wasser des Rio Pecos, serena aus dem Rio Sabinal in Texas, texensis
aus dem Rio Kueces in Texas, papalis aus dem Delavarebach , der
sich in den Rio Pecos ergiesst , argenlosa aus Bächen des Rio Grande
del Körte (Rio Bravo), chrysitis aus Bächen des Rio Pecos, melanops
von Buena Vista in Coahiula, Couchi aus dem Rio San Juan, plmnbea
aus dem Canadian. River, spadicea von Arkansas. — Hy bor hync hus
Agass. mit 4 neuen Arten: H. perspicuus aus dem Arkansas-River,
teneUus 20 Meilen westlich von Choctavv Agency, punicens aus Bä-
chen am Canadian-River , confertus aus dem Hurrah. liach beim Rio
Pecos. — Pimeph ale s Rafin. mit 2 neuen Arten: P. maculosus aus
dem Arkansas, fascialus aus dem Yellowstone-River. — Algoma n.
gen. mit 2 neuen Arten A. amara aus einer Lagune am Rio Grande
del Norte und ßuviatilis von Monterey, New^iLcon. — Cochlogna-
thus B. et G. mit einer Art. — H y bo gnathus Agass. mit 3 neuen
Arten: H. argyritis aus dem Milk-River, Ecansi von Nebraska, p/n-
citus aus den Schleusen des Arkansas. — Ortho don n. gen. auf
Gila microlepidota Ayres begründet. — Alganseu n. gen. wohin Leu-
ciscus tincella Val. und 3 neue Arten : A. bicolor aus dem Klamath.
See, obesa aus dem Humboldt-River, formosa aus dem Mercede- und
Mohaveflusse. — Lavinia B. et G. (Acrocheilus Agass.) mit 3 Arten,
von denen L. harengus von Monterey in Californicn neu.
100 Troschel: Bericht über die Leislungen in der Ichthyologie
Die neuen Gattungen sind folgendennassen charakterisirt : Dt-
onda. Ganz kleine Fische, die sich von Campostoma Agass. durch
die Lage der Bauchflossen unterscheiden, die unter oder hinter dem
Anfange der Rückenflosse inserirt sind, nicht vor derselben wie bei
Cainpostoma ; von Hyborhynchus unterscheiden sie sich durch kleineren
spitzeren Kopf und kleineren Mund ; der Körper ist schlanker; Schup-
pen gross oder massig, die Seitenlinie in der Mitte der Seiten; ßük-
kcnflosse höher als lang, und kürzer als bei Hyborhynchus, und der
vordere Strahl ist enger mit dem zweiten vereinigt; Schwanzflosse
gahelig; Schlundknochen kräftiger als bei Hyborhynchus, der untere
Ast eben so lang wie der obere, beide mehr gekrümmt ; Zähne com-
primirl, nicht hakig, 4 in einer Reihe.
Algoma. Durch sehr grosse Schuppen von Hyborhynchus und
Pimephales unterschieden. Zähne messerlörinig , 4 in einer Reihe,
Kaufläche fast linear; Kopf und Mund klein, Unterkiefer kürzer; In-
sertion der Bauchflossen hinter dem Vorderrande der Rückenflosse;
letztere höher als lang, vorn ohne kurzen und dicken Strahl ; After-
flosse^ wie die Rückenflosse, Schwanzflosse gabiig; Schuppen sehr
gross, Seitenlinie mitten, schwach abwärts gebeugt.
Ortho don. Kopf konisch, vorn verschmälert; Mund terriiinal,
schief, beide Kiefer gleich, keine Fäden; ein Höcker an der Sym-
physe des Unterkiefers wie bei Hybognathus; Auge mittel, Isthmus
klein; Bauchflossen unter dem Vorderrande der Rückenflosse inserirt,
Schwanzflosse gabiig; Schuppen klein, Seitenlinie mitten etwas her-
abgebogen ; Schlundknochen dünn , senkrecht erhoben, oder ziemlich
breit in senkrechter Richtung, wie gewöhnlich gebogen und gegen
den oberen und inneren Rand erweitert, der untere Ast ist viel schma-
ler ; Zähne messcrförmig, zusammengedrückt, lanzettförmig, aufrecht,
sehr schwach nach innen gebogen, ö in einer Reihe.
Alg an sea. Kopf subkonisch, spitz; Mund mittel, schwach
aufwärts gebogen, nicht bis unter die Augen gespalten, ohne Bartfä-
den, Kiefer gleich; Augen massig, Isthmus schmal; Körper kurz und
kräftig, comprimirt, mit mittleren oder grossen Schuppen bedeckt,
Seiteulinie mitten , schwach herabgebogen ; Bauchflossen unter dem
"Vorderrande der Rückenflosse inserirt, der Hinterrand der Rücken-
flosse erreicht den Vorderrand der Afterflosse nicht; Schwanzflosse
ausgerandet ; Schlundknochen massig stark, die beiden Aeste gleich
s»,ark , der untere etwas länger; Zähne messcrförmig, 4 oder 5 in
einer Reihe.
. 4. Diese vierte Gruppe, in der die Schlundzähne in 2 Reihen
stehen, sonst aber verschieden sein können, und stets Bartfäden vor-
handen sind, finden sich in vorliegender Arbeit folgende Gattungen:
Argyreus Heck, (identisch mit Rhinichlhys Agass. j mit 9 Arten,
während des Jahres 1856. 101
unter denen neu: A. dulcis von Nebraska, nnbihis von Steilacoom,
Füget Sound, osculus aus dem Bobocomori, Nebenfluss des San Pedro,
der sich in den Rio Gila ergiesst, notabilis aus dem Rio Santa Cruz,
Sonora. — Agosia n. gen. mit 2 neuen Arten: A. chrysogasler aus
dem? Rio Santa Cruz und metallica aus dem Rio San Pedro. — Po-
gonicktkys B. et G. mit 4 Arten, unter denen P. communis von
Nebraska neu. — Gobio Cuv. mit 3 neuen Arten : G. gelidus aus dem
Milk-River , aestivalis aus dem Rio San Juan , venialis aus dem Ar-
kansasfiusse. — Leticosomus Hecli.. (Cheilonemus Baird) mit drei
neuen Arten : L. dissimüis aus dem Milk-River, pallidus aus dem An-
telope Creek in Arkansas, incrassfttus westlich von Choctaw agency.
— Nocomis n. gen. mit einer neuen Art: N. nebracensis aus einem
Nebenflüsschen des Nebraska.
Die Charaktere der neuen Gattungen sind: Agosia. Schnauze
rund , schwach vorspringend über den Unterkiefer , Mund mittel mit
schmalen und glatten Lippen, am Winkel mit einem sehr kleinen Bart-
fäden; Isthmus massig breit; Insertion der Bauchflossen unter dem Vor-
derrande der Rückenflosse , die höher als lang ist ; Schwanzflosse
gabiig; Schuppen klein; Schlundknochen an ihrer Krümmung erwei-
tert; die Zähne sind hakig mit einer Kaufläche, 4 in jeder Reihe.
No CO mis. Körper kurz, kräftig, comprimirt, mit grossen Schup-
pen ; Bauchflossen unter dem Vorderrande der Rückenflosse, Schwanz-
flosse gabiig; Kopf gross, an der abschüssigen Schnauze gerundet;
Mund gross, terminal; ein Faden am Hinterende des Kiefers; Augen
klein, Isthmus ziemlich weit ; Schlundknochen kräftig, etwas an ihrer
Convexität erweitert, Zähne hakig ohne Kaufläche in einer Reihe 1,
in der anderen 4. Diese Gattung schliesst sich durch die Schlund-
zähne an Semotilus, von der sie sich durch den nicht so tief gespal-
tenen Mund und die Bartfäden unterscheidet.
5. Die fünfte Gruppe ist zahlreich an Gattungen und unter-
scheidet sich von der vorigen durch den Mangel der Bartfäden: Exo-
glossum Raf. mit 2 Arten , wovon E. mirabile aus dem Arkansas
neu. — Meda n. gen. mit einer neuen Art M. fulgida aus dem Rio
San Pedro. — Cliola n. gen. wohin Leuciscus vigilax B. et G. und
zwei neue Arten: C. velox und vivax aus Texas. — Alburnus Rond.
mit 5 neuen Arten: A. c/i7ee<us aus demArJiansas, umbratilis aus einem
Nebenflusse des Arkansas, amabüis aus dem Rio Leone, Nebenfluss
des Rio Nueces , megalops aus Texas, socius Texas. Für den Fall,
dass diese amerikanischen Arten generisch zu trennen seien , beab-
sichtigt Verf. sie Album eil us zu nennen. — Albnrnops n. gen.
mit drei neuen Arten: A. bletmius, Shumardi und iUecebrosus^ alle 3
aus dem Arkansas. — Codoma mit 2 neuen Arten: C. ornala aus
dem Chihuahua und viltala aus Mexiko. — Plargyrus Rafin. (syno-
nym mit Hypsolepis) mit sechs Arten, worunter l\ Bowmaiii neu ans
102 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
einem Nebenflusse des Nebraslva. — Cyprinella n. g. wohin Leu-
ciscus hubalinus B. et G. und 13 neue Arten: C. vmbrosa Canadian-
River, Gvnnisoni Cottonwood Creck, der in den See Utah fliesst,
Beckicilhi Schleusen des Arkansas , Whipplii Arkansas, svavis Texas,
lepida Texas notata Texas , macrostomn Texas , renusta Texas , texana
Texas, luxdoides Texas , lugubris und ludilninda ohne Angabe des nä-
heren Fundortes. — Moniana n. gen. mit Leuciscus lutrensis B. et
G. und 15 neuen Arten: M. leonino ^ deticiosa , proserpina , auralOf
complanata , laetabilis j pulchella , frigida . Couchi ^ rutila^ nitida, for-
mosa f gracilis , gibhosa, tristis meist aus Texas und Mexiko. — Ri-
chards onius n. gen. gegründet auf Abramis balbeatus Richards,
und einer neuen Art : R. lateralis von Fort Steilacoom, Fuget Sound.
— Luxilus Rafin. mit 7 Arten, wovon L. leptosomus und seco aus
Texas und lucidus aus einem Nebenflüsse des Canadianriver neu, —
Semotilus Rafin. mit 5 Arten, worunter macroce/;Äa/Ms und speciosus
von Nebraska. — Tiaroga n. gen. mit einer neuen Art T. cobitis
aus dem Rio San Pedro. — Gila B. et G. mit 5 Arten — Tigoma
n. gen. mit 13 Arten, unter denen neu: T. bicolor aus dem Fiamath-
See, purpurea aus dem Rio Huagui , intermedia Rio San Pedro, obesa
Salt Lake Valley, Humboldti Huniboldtriver, lineala und gracilis eben-
daher, nigrescens Bocagrande und Janosriver, pulchra Chihahuariver,
crassa Sacramentoriver. — C heo n d a n. gen. mit 2 neuen Arten:
Ch Cooperi Columbiariver und caerulea Lostriver. — Siboma n.
gen. auf Lavinia crassicauda B. et G. und eine neue Art S. alraria
gegründet. — P ty c hoc heil us Agass. mit 5 Arten, von denen Pl.
rapax von Monterey in Californicn, Incius aus dem Rio Colorado und
vorax ohne nähere Angabe des Vaterlandes.
Die neuen Gattungen dieser Gruppe sind folgendermassen cha-
raktcrisirt: Meda ist von allen Amerikanischen Cyprinoiden durch
die Gegenwart eines kräftigen ungelheilten , obgleich gegliederten
Strahles am vorderen Rande der Rückenflosse unterschieden, der hin-
ten nicht gesägt, sondern gefurtht ist. — Cliola. Kleine Arten,
die sich von Dionda durch die Schlundzähne unterscheiden , die ge-
krümmt und ohne Kaufläche sind. — Alburnops. Von Alburnus
unterschieden durch den kleineren Mund und durch eine Verdickung
der Schnauze, welche den Unterkiefer schwach überragt. —Co-
doma von Cyprinella durch eine einzige Zahnreihe, von Moniana
durch den Mangel der Zähnelungen an dem Zahnrande , von beiden
durch kleinere Schuppen und den kurzen rundlichen Kopf unterschieden.
— Cyprinella hat die Schuppen höher als lang, unterscheidet sich
von Plargyrus durch die Schlundzähne und die Lage der Bauohflossen,
von Moniana durch die doppelte Reihe der Schlundzäbne ; die Schnauze
ragt über den Unterkiefer vor, obgleich der Mund terminal ist. —
Moniana hat ähnliche Schuppen wie Plargjrus und Cyprinella. Die
während des Jahres 1856. 103
Bauchflossen sind vor dem Vorderrande der Rückenflosse inserirt;
Schlundzähne in einer Reihe. — Ri char dsonius ähnelt Luxilus,
aber der Yorderrand der langen Afterflosse liegt vor dem Hinterrande
der Rückenflosse ; die Schlundzähne sind schmal mit einer schwachen
Ausdehnung an ihrer Convexität. — Tiaroga unterscheidet sich von
Gobio , mit dem sie einige Analogie zeigen, durch den Mangel der
Bartläden. — Tigoma von Gila durch kleineren Mund und grössere
Schupjien, von denen die des Rückens nicht so auü'allend kleiner als
an den Seiten sind ; der Mund ist terminal. Die Zähne haben bei
einigen Arten keine, bei anderen eine mehr oier weniger deutliche
Kaufläche, — C ho en da. Bauchflossen vor dem Yorderrande der
Rückenflosse inserirt wie bei Gila und Tigoma ; Schuppen massig,
Seitenlinie stark gebogen. — Siboma mit Lavinia verwandt; Kör-
per kräftig, Schuppen gross.
In einem Anhange wird eine neue Art HybognalJnts regius aus
dem PotOMiakriver hinzugefügt. — Kine neue Galtung Hudsonius
ist auf Clupea hudsonia Clinton gegründet, nebst einer neuen Art H.
aiiiurus, — Die Gattung Hybopsis Agass. wird charakterisirt und
auf Rutilus Storerianus Kirtl. bezogen, nebst einer neuen Art H. Wm~
chelli aus dem Black Warrior-River in Alabama. — Clinoslomus
ist eine neue Gattung, verwandt mit Plychocheilus , wohin Luxilus
elongatus und drei neue Arten Cl. fvnduloides^ afßnis, carolinus gehö-
ren. — Alburnus lepidulus aus dem Black Warrior-River und Plargy~
rus argenlalns aus dem James-River sind neue Arten. — Ceratich^^
tkys Baird wird charakterisirt und um eine neue Art C. leptocepka-
lus von Salem vermehrt. — Endlich wird Nocomis bellicus aus dem
Black Warrior-River als neue Art l>eschrieben.
Von Südamerika ist eine neue Art von Ca stein au 1. c. zu
erwähnen: Oreslias Tschudii pl. 27. fig. 1 aus dem See Titicaca.
B lecker endlich stellte einige neue asiatische Arten auf, näm-
lich : Bfirbus tetrazona, Leuciscus Helfiichiij Rohila horneensis, kahaja^
nensis und Knppenii Borneo 1. c, Leuciscus Svhwenkii Sumatra 1. c.
C'yprinofluntesi. Guichenot beschrieb in der Hist. de
Cuba p. 224. pl. 5. fig l eine neue Art Poecilia viltata ; sie ist dun-
kelgrün mit einer breiten seitlichen Silberbinde, unten hellgrün; alle
Flossen durchsichtig, die Rückenflosse braun punctirt.
Cliaracini. Neue Artin von Castelnau 1. c. Leporinus
bimaculatus pl. 29, fig. 1 aus dem Rio Vermelho de Goyaz, — Telra^
gonoptenis sawa pl, 33. fig. 1 aus deui Rio Crixas, Nebenflusse des
Araguay, T. fuscomirahts pl. 33- fig. 2 und viHafus pl. 33. fig. 3 von
Bahia, — Chalceus Decillei pl. 36. fig. 2 von Rio de Janeiro, — ChaU
cinus Irifurcatus pl. 37. fig. l aus dem Araguay, — Serrasalmus gib*
bus pl. 38. fig. 1 aus dem Araguay, — Xiphosloma Oserxji pl. 40. fig. 1
aus dem Tocantins.
104 Tr ose hei: Bericht über die Leistung^en in der Ichthyologie
Scopelifii. Saurus lucioceps Ayres Proc. California Acad. L
p. 66 aus der Bai von San Francisco.
Scopelus brachygnalhvs und Dmnerilii Bleeker Manado 1. c.
Saimones. John Davy hat Versuche über die Le-
bensfähigkeit der Eier der Salmoniden von verschiedenen
Altern angestellt, und seine Resultate der Royal Society am
7. Februar 1856 mitgelheilt. Annais XVII. p. 420.
Spencer Cobbold beschrieb eine monströse Forelle (trout)
die im Jedflusse bei Jedburgh geangelt war, und die sich äusserlich
durch eine überwiegende Höhe des Körpers kenntlich machte. Die
Monstrosität der einzelnen Theile der Wirbelsäule wird beschrieben.
Report of the 25. Meeting of the British Association held at Glasgow.
London 1856. p. 109.
Ayres beschrieb Proc. California Acad. I, folgende neue Ar-
ten : p. 17 Osmerus elongalus. p. 36 Salmo iridea Gibbons aus der San
Leandro- Bucht, p. 43 Salmo rivularis von Martinez am Fusse des
Monte Diavolo.
Girard hat in den Proc. Philadelphia October 1856 die nord-
amerikanischen Arten der alten Gattung Salmo in die von Valencien-
nes unterschiedenen Gattungen Salmo, Fario und Salar vertheilt, be-
sonders die in Oregon und Californien beobachteten. In die Gattung
Salmo Valenc. gehören S. Scouleri Rieh., quinnat Rieh, und specta~
bilis n. sp. von Oregon; — in die Gattung Fario Valenc. F. aurora
n. sp. von Astoria, S. tsuppitch Rieh., F. argyreus n. sp. von Fuget
Sound, S. Gairdneri Rieh., S. Clarkii Rieh., F. stellalus n. sp. ; — in
die Galtung Salar gehören S, Lewisi n. sp. von den F'ällen des Mis-
souri, S. virginalis n. sp. aus Nebenflüssen des Rio grande del Norte,
S. iridea Gibboiss.
Richardson stellte in der Zoology of the Voyage of H. M.
S. Herald zwei neue Lachse auf: Salmo consuetus p. 167. pl. 33. fig.
1-2 steigt in dm Fluss Yukon bis zu den Fällen oberhalb des Ein-
flusses des Porciipine. — ■ p. 169 wird ein Lachs ohnelNamen aus dem
Kupfermineniliiss ;uii nördlichen Eismeer beschrieben, der sich vom widely
spread Salar nur durch grössere Mundspalte und durch etwas kleinere
Schuppen unterscheiden soll. — p. 1Ö9 Salmo dermatinus Richards,
pl. 33. flg. 3 — 5, der aus dem Beering's-Meere in den Yukon aufsteigt.
Er wird in Wehren, die zwischen Insel und Insel des Stroms ange-
legt werden, in grosser Menge gefangen und für den Winter getrock-
net. Aus der Haut werden Kleidungsstücke gemacht.
Eine neue Art Coregonus Williamsi ist in einem Nebenflusse des
Columbia entdeckt worden und von Girard Proc. Philadelphia VIH.
p. 136 beschrieben.
während des Jahres 1856. 105
T?ach Jardine kommen in Schottland drei Arten Coregonus
vor: C. Willughbii, clupeoides und lavaretus. Report 25. Meeting Bri-
tish Assoc. held at Glasgow p. lll.
Clitpeacei. Wyman hat Proc. Boston Soc. V. p. 394 eine
Notiz über die Entwickelung der Chorda dorsalis und das Eierlegen
von Alosa vernalis bekannt gemacht.
Bleeker beschrieb zwei neue Arten dieser Familie: Coilia
Lindmani Sumatra 1. c. und Harengula Kunzei Nat. Tijdschr. XII. p. 209
von Ternate.
Mormyri. Hyrtl lieferte in den Sitzungsberichten der
Wiener Acad. Bd. 19. p. 94 einen Auszug aus einer für die
Denkschriften bestimmten Abhandlung über anatomische De-
tails der Gattungen Mormyrus und Gymnarchus.
Er spricht darin über die Diverticula am Bulbus der Kiemen-
arterie, die bei Mormyrus einfach, bei Gymnarchus mehrfach vorkom-
men ; — über die Verdauungsorgane, wo hervorgehoben wird, dass alle
Mormyri phytophag sind, wovon nur M. anguillaris als Raubfisch ab-
weicht; die Form des Gebisses, die Gestalt des Magens, die Weite
des Schlundes, die Kürze der zwei Appendices pyloricae unterschei-
den diesen so auffallend, dass die auf ihn gegründete Gattung Mormy-
rops MüUer's dadurch gerechtfertigt wird; auch M. zambecensis ist
ein Mormyrops, und Gymnarchus hat dieselben Verdauungsorgane; —
dann über die Schwimmblase, deren Arterien durch die Venen des 3.
und 4. Kiemenpaares zusammengesetzt werden, während die Venen
des ersten und zweiten Kiemenpaares die Aorta bilden. Demnach
wäre die Schwimmblase keine Lunge. Allein die Lebensweise des
Thieres wird es nicht unmöglich erscheinen lassen, dass, wenn wäh-
rend des Aufenthaltes im Trocknen die Kiemenrespiration unter-
bleibt, die 3. und 4. Kiemenvene kein arterielles, sondern venöses
Blut zur Schwimmblase führt und hier oxydirt werden muss ; in die-
sem Falle functionirt die Schwimmblase als Lunge; — ferner über
die Gemmingerschen Knochen der Mormyri ; sie gehören accessori-
schen Seitenmuskeln des Stammes an , deren Fleisch sie vertreten,
damit die an den Schwanzseiten gelagerten elektrischen Organe ge-
hörigen Platz finden; mit der Befestigung der elektrischen Organe
haben sie nichts zu thun ; — endlich über Osteologisches.
9fltira,enoidei. K a u p hat in unserem Archive p. 41
eine Uebersicht der Aale gegeben. Er zählt darin 5 Fami-
lien mit 52 Gattungen und 2l0 Arten auf. Die kurzen Cha-
raktere der neuen Gattungen und der neuen Arten sollen
nur die Vorläufer einer grösseren Arbeit bilden , weiche in
London erscheinen soll , wo der Verf. das reiche Material
106 Troschcl: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
des British Museums i)enulzl hat. In Betreff des Einzelnen
wird auf die allen Lesern des Archivs zugängliche Arbeit
selbst verwiesen. Aul den Wunsch des Herrn Verlassers
spreche ich hier den Trustees des brilischen Museums den
wärnnsten Dank für die bedeutenden Geldopfer aus, die sie an
die Arbeilen des Verf. gewendel haben, was beim Erscliei-
nen derselben in unserem Archiv in einer Redaclionsnote
hätte geschehen sollen , damals aber übersehen ist. Meiner
Meinung nach hat das Brilische Museum durch die fleissigen
Bestimmungen des Verfassers einen hinlänglichen Ersatz für
seine Geldopfer bekommen, da eine Saninilung ja erst dadurch
einen wirklichen Werth bekommt , dass sie zu wissenschaft-
lichen Würden erhoben wird. Mögen auch, wie mir von meh-
reren Seiten bemerkt worden ist, einige Berichtigungen in
den Arbeiten des Verf. nothwendig werden , was bei der-
gleichen Arbeilen kaum zu vermeiden ist, so ist doch jeden-
falls der Wissenschaft durch die Zusammenstellung des rei-
chen Materials ein dankenswerthcr Beitrag geliefert, und die
Trustees haben sich mittelbar auch den Dank der Wissen-
schaft erworben.
Neue Arten von Bleeker: Muraena amblyodon Manado 1. c,
M. monochous Tijdschr. Ned. Indie X. p. 384 von Tcrnate, M. Dniven'
bodei ib. X. p. 385 von Ternate, M. Fetelli ib. XI. p. 85 von Malang,
M. batuensis ib. XII. p. 241 von Batu. — Ophisurus celebicus Manado
1. c. und 0. Broelimeyeri Macassar 1. c.
Neue Arten von Castelnau: 3Iuraenophis curvilineata pl. 42.
fig. 2 von ßahia, vicina pl. 42. fig. 4 von Bahia , caramvra pl. 43.
ßg. l von Bahia, punctata pl. 42. fig. 3 und variegala pl. 43. fig. 2 von
Rio de Janeiro , — Conijer limbatus pl. 43. fig. 3 , microstomus fig. 4,
miullidens fig. 1 von Rio de Janeiro. — Ophisurus Gomesii pl. 44. fig. 2
•von Rio de Janeiro.
SyiTtbraacliiia Symbranchus vitlalus ist eine neue Art von
Castelnau pl. 44. fig. 3 von Rio de Janeiro.
«^yinnotini. Auch vou dieser Familie hat Kaup in
diesem Archive p. 78 eine üebersicht gegeben. Er fühlt 19
Arten in den bekannten fünf Galtungen auf, von denen er 10
durch Abbildung der Kopiprofile ausser den Beschreibungen
kenntlich gemacht hat. In Betreff der neuen Arten wird auf
die Arbeil selbst verwiesen.
während des Jahres 1856. 107
Ueher die Schwimmblasen von Carapus inaeqnilabiatus Val. von
Kaup mit einem Zusätze des Referenten vergl. gleichfalls dies Ar-
chiv p. 88.
Castelnau giebt eine Uebersicht der amerikanischen Gattun-
gen und Arten dieser Familie und beschreibt an neuen Arten: Cara-
pus sanguinolentus pl. 44. fig. l aus dem Flusse Urubamba , welcher
weiter unten Ucayale heisst; — Rhamphichthys marmoralus pl. 46.
fig. 2 aus dem Araguay , pantherinus pl. 46. fig 3 und lineatus pl. 47.
fig. l aus dem Ucayale; — Slernarchns Bonapartü pl. 45. fig. 2 aus
dem Ucayale, Lacepedii pl. 45. fig. 3 von Surinam, Maximiliani pl. 45.
fig. 4 aus dem Urubamba. — Aus dem Sternarchus oxyrhynchus Müll.
Trosch. bildete Verf. eine eigene Gattung Slernar chor hynchus j
die er von Sternarchus durch den in einen Schnabel vorgezogenen
Mund unterscheidet.
Helinichtliyidei. Bleeker beschrieb Manado 1. c. eine
neue Art Leptocephalichlhys hypsetosoma, in welche Gattung wegen
der Zahnlosigkeit auch des Verfassers früher beschriebener Leptoce-
phalus taenia zu gehören scheint.
Plectognathi.
Richardson hat in der Zoology of the Voyage of H. M. S.
Herald mehrere Arten beschrieben und a))gebildet : Anchisomus geo~
metricus Kaup pl. 3U von den Gallapagos . Inseln, angusticeps Jenyns,
multistriatus Kaup pl. 29 aus der Südsee, reticularis Kaup pl. 31. fig.
4 — 6 von Südamerika ; — Prilonolus vel Anchisomus caudacinctus
Richards, pl. 30. hg. l — 3. — Tetrodon virgatus Rieh. pl. 28. fig. 6,
war zuerst in der Reise des Erebus and Terror aufgestellt.
Neue Arten von Bleeker: Oslracion Renardi Amboina l. c. —
Monacanlkus macrurus Ned. Tijdschr. XU. p. 227 von Nias.
Neue Arten von Castelnau: ManacanthusRüppelii y\. ^1. fig. 2
und Tetraodon bojacu pl. 47. fig. 3, beide von Bahia.
Lophobranchii.
Neue Arten von Bleeker Manado 1 c. Syngnathus mentOy
Retzü, polyacanlhits, budi^ manadensis und Hippocainpus manadensis
Ayres beschrieb Froc. California Acad. I. p. 14 als neue Art
Syngnalhns griseo. lineatus D. 36. F. 12. A. 3. C. 10.
Hippocampus punrtulatus Guichenot Hist. de Cuba pl. 5. fig. 2.
p. 239. D. 22. A. 5. F. 10.
Graiioidei*
Cliondrostei. Ayres beschrieb Froc. California Acad. I.
108 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
p. 15 drei neue Störe von Californien, nämlich : Acipenser acutirostris
D. 45; P. 49; A. 29; V. 28; C. 22-88. — A. medirostris 1). 35;
A. 24; V. 27; P. 42: C 20— 75. — A. brachtjrhynchus D. 49 ; A. 31;
Y. 36; P. 45; C. 20—86.
fSelachii.
Squali* Neue Arten von B 1 e e k e r : Carckarias (Scoliodon)
Dumeri/ü Amboina I.e., C. (Scoliodon) Walbeehmi'^^%. Tijdschr. Ned.
Indie X. p. 353 von ßintang, C. fFrionodonJ amblyrhynckos ib. p. 467
von Solombo.
Ayres hat Proc. California Acad. I. p. 17 einen neuen Hai-
fisch Muslelus felis beschrieben , und ausserdem ib. p. 72 eine neue
Haifischgattung gegründet, die JSotorhynchus genannt ist. Eine
Rückenflosse; sieben KiemenöfFnungen jederseits ; zwei Spritzlöcher;
Naslöcher doppelt, subterminal; Schnauze breit, deprimirt; Schwanz
sehr verlängert, die Flosse unterhalb ; Zähne in melireren Reihen,
die des Unterkiefers flach, gebogen, gesägt, die des Oberkieters von
verschiedener Gestalt, die mittleren schlanker, die äusseren denen
des Unterkiefers ähnlicher. N. maculaius aus der Bai von San Francisco.
Prionodon falciformis Müll. Henle ist von Guichenot Hist.
de Cuba pl. 5. flg. 3 abgebildet.
Ilajae« Der Graf Castelnau glaubt, dass alle Rochen,
welche im süssen Wasser Südamerikas leben, der Gattung Taeniura
angehören. Er hat eine grosse Menge solcher Fische gesammelt, von
denen jedoch leider die meisten zu Grunde gegangen sind. Die
glücklich erhaltenen bilden vier neue Arten: T. Dumerdii pl. 48. fig. l
aus dem Araguay, Mülleri pl 28. fig. 2 aus dem Crixas und Araguay,
lienlei pl. 28. fig. 3 aus dem Tocantins, d'Orbignyi pl. 49. fig. l aus
dem Tocantins.
Torpedo californica ist eine neue Art von Ayres Proc. Cali-
fornia Acad. 1. p. 70 , von der auch das elektrische Organ beschrie-
ben ist.
Tryyoti dadong Bleeker Nat. Tijdschr. Ned. Indie X, p. 355 von
ßintang.
Rhinoptera vesperlilio Girard Proc. Philadelphia Vlil. p. 137 aus
der Tomales-Bay.
Cyclostoini.
Ecker sah bei Eiern von Pelromyzon Planeri zahlrei-
che Samenläden in der Eiweissschicht, dagegen keine durch
die Düllerhaul gedrungen, üeber die Furchung beuierkle er.
während des Jahres 1856. 109
flass dieselbe eine totale sei, was in der Klasse der Fische
noch nicht beobachtet wurde. Berichte über die Verb, der
Geseüsch. zu Freiburg i. B Heft 1. p. 42.
Max S ig m. Schult ze hat dieEntwickelungsgeschichte
von Pelromyzon Planeri verfolgt. Naluurkundige Verhande-
lingen van de Hollarulsche Maatschappij der Wetenschappen
te Haar!em. XII, 185Ö. 49 S. mit 8 Tafeln. (Vergl. auch
Comptes rendus Feb. 1856 und Annais nat. bist. XVII. p. 446).
Die Eier und der Furchungsprocess , welcher ein totaler ist,
werden zunächst sorglältig beschrieben. Dann die Veränderungen der
Eier l)is zur Ausbildung des Embryo und seinem Auskriechen aus der
Eischale, und die Veränderungen des jungen Neunauges durch einen
Zeitraum von sechs Wochen nach dem Auskriechen aus dem Ei. Hier
wird besonders von der Enlwickelung des Nervensystems und der
Sinnesorgane, von der Ausbildung des Darmkanals und dem Auftreten
der Kiemenspallen , von der Enlwickelung einiger Skelettheile, von
der Ausbildung einiger drüsigen Organe, von dem Blutkreislaufe und
der Ausbildung von Haut und Muskelsystem gehandelt. In dem Schluss-
Abschnitle wird eine Vergleichung der Entwickelungsgeschichte des
Neunauges mit derjenigen anderer Fische angestellt. Die Verschie-
denheilen beruhen zum Theil auf dem totalen Furchungsprocesse, so
dass Alles von vorn herein in Embryonalzellen zerlegt wird. Eigen-
Ibüinlich ist ferner die Furchiingshöhle des Neunaugen-Eies. Hierdurch,
und durch die Bildunji der primitiven Nahrungshöhle tritt eine grosse
Uebereinstiuimung mit dem Frosch-Ei entgegen. Abweichende Ver-
hältnisse finden sich in Betreff des Hirns und des Auges u. s. w.
Eine der interessantesten Entdeckungen in der Ent-
wickelungsgeschichte der Fische haben wir August Mül-
ler (Müller's Archiv für Anat. l856. p. 323, übersetzt in An-
nais nat. bist. XVlil. p.298 und Annales des sc. nat. V. p.375)
zu verdanken. Er hat nachgewiesen, dass der Querder (Am-
mocoetes) nur der Larvenzusland der Neunaugen (Pelromy-
zon) sei.
Er sah die Eier der Neunaugen, die er während der Begattung
auffing, sich entwickeln. Die Furchung ist eine tolale, und beginnt
10 Stunden nach der Befruchtung; am 18. Tage sprengt das Thier-
chen das Ei. Die so erzogenen Jungen sind Querder. Verf. hat aber
auch die Verwandlung der Querder in Neunaugen nachgewiesen. Er
hat sowohl die Querder der kleinen (P. Planeri) als der Flussneun-
augen (P. fluviatilis) aufgefunden, die sich sehr ähnlich sehen, woher
es erklärlich ist, dass sie nicht specifisch unterschieden worden sind.
HO Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie etc.
Es wird wahrscheinlich gemacht, dass das Larvenleben mindestens drei
Jahre dauert, dass die Verwandlung rasch vor sich gehe, und dass
die Lebensdauer des ausgebildeten Thieres nur kurz , wohl nur dem
Akte der Zeugung gewidmet sei. Die Frage , ob wegen der Meta-
morphose die Rundmäuler den Amphibien zuzuzählen sein möchten,
wird vom Verf. verneint, namentlich gestützt auf die Differenz der
Rippen der Fische von denen der Amphibien. Die Gattung Ammocoe-
tes wird also fortan einzuziehen sein, und nur den Larvenzustand
der Neunaugen bezeichnen dürfen.
Zwei neue Arten sind von Ayres Proc. California Acad. I be-
schrieben worden: p. 28 Petromyzon plumbeus und p. 44 P. ciliatusy
beide von San Francisco.
lieptocardii.
Cocks berichtete über einen Amphioxus lanceolatus , den er
von Gwyllyn Vase.Bay erhalten, und den er lebend beobachtet hatte.
Annais nat. bist. XVUL p. 350.
Bericht iiber die E«eistuiig:eii in der Matur-
g^escJiichte der ÜIolBuskeii während des
Jahres 1956.
Vom
Heraitsg-eber«
Von der Küste r'schen Ausgabe des Martini-Chem-
nitz'schen Corichylien-Cabinels erhielten wir im Jahre 1856
die Lieferungen 149 — 152. Sie enthalten den Text von Lit-
torina C"0. 1 — ^2(3), von ünio (no. 91 — 115 mit 2 Hyria} und
die Fortsetzung von Murex (no. 1 1 — 46). Eine ziemlich grosse
Zahl neuer Unionen-Arten ist unten zu nennen.
Von Pfeiffer's Novitates conchologicae , Abbildung
und Beschreibung neuer Conchylien, sind im Jahre 1856 die
Lieferunofen 5 bis 7 erschienen. Der Inhalt der Lieferungen
ist folgender :
In Lief. 5 sind die auf Cuba vorkomnienden Ampuilarien (reflexa
Swains., conica Wood und teres Phil.) in zahlreichen Ansichten und
Viirietäten abgebildet; ebenso Helix Dennisoni Pfr. — In Lief. 6 sind
abgebildet: 13 ßulimus, 2 Helix, 3 Ennea, 3 Partula, 1 Anaulus, 1
Achatina. In Lief. 7 : 5 Megalomastoma , l Aulopoma , 1 Amphipe-
plea, 2 Bulimus, 4 Ennea, 2 Pupa, l Raphaulus, 6 Helix, l Clausula.
Mehrere von diesen Arten sind im Jahre 1855 in den Proceedings Zool,
Society London aufgestellt , die mir nicht zugänglich geworden sind.
Daher habe ich diese Arten als neu unten angeführt. Die Proc. vom
Jahre 1856 habe ich für diesen Bericht benutzt.
In der Iconographie der Land- und Süsswasser- Mol-
lusken Europa's HL Band, 3. und 4. Hefl. Leipzig 1856 hat
Rossmaessler alle zehn Tafeln ausschliesslich den Clau-
silien gewidmet. Neben der Figur in natürlicher Grösse sind
112 T rösche 1: Bericht über die Leistungen in der
meist vier Ansichten des letzten Umganges abgebildet, die
Mündungs-, Rücken-, Nacken- und Nabelansicht. Einige
neue Arten , welche in diesem Doppelhefte aufgestellt sind,
sind unten genannt. Im Ganzen sind hier 41 Arten abgebil-
det und ausführlich beschrieben.
Unter dem Titel: „Notiliae malacologicae oder Beiträge
zur näheren Kenntniss der Mollusken" ist von S h u 1 1 1 e w o r t h
ein erstes HeU Bern 1856 erschienen. Dasselbe entliält als
Einleituni/ grundsätzliche Bemerkungen zur Systematik und
Nomenclatur der Mollusken, so wie Monographien der Hell-
ceengruppen: Limicolaria, Orlhalicus, Porphyrobaphe, Peride-
ris und Pseudachatina.
T^ähere Angabt^n über diese Monographien dem speciellen Theile
des Berichtes vorbehaltend, will ich hier nur kurz erwähnen, dass
Verf. in der Einleitung ausführt, wie bei der Gründung von Gattun-
gen die geographische Verbreitung besondere Beachtung verdient, und
wie unpassend es sei, jeder Species immer die Autorität hinzuzufü-
gen, welche dieselbe zuerst beschrieben hat. Ich bekenne mich gern
zu Beiden, und unterschreibe namentlich auch das auf die Nomencla-
tur Bezügliche, indem ich in diesem Archiv 1847. II. p.368 bereits
ganz dasselbe ausgesprochen habe.
Das „Journal de Conciiyliologie ,« welches für einige
Zeit zu erscheinen aufgehört hatte, ist im Jahre 185(3 von
Fischer und Bernardi wieder aulgenommen worden,
indem im genannten Jahre zwei Heite erschienen sind. Nach
Format und Ausstattung schliesst es sich genau an die früher
erschienenen 4 Bände an.
Part. XY von ^owerby's Thesaurus Conchyliorum or
figures and descriplions of recent Shells ist bereits im Jahre
1854 erschienen und enthält die Monographien der Genera
Petricola, Venerupis, Cyprina und Astarte von Sowerby,
wodurch die Familie der Veneriden zu Ende gebracht ist;
ferner der Galtungen Pyramidella, Obeliscus , Monoptygma,
Leiostraca, Eulima und Niso, so wie der Familie der Stoma-
lellinen mit den Gattungen Slomatella , Slomatia,. Gena und
Microtis bearbeitet von Arthur Adams. Dieses Helt wird
den Conchyliensammlern um so wichtiger sein, als es Gattun-
gen enthält, deren Bestimmung bisher viele Schwierigkeilen
darbot. Wir werden unten näher auf den Inhalt desselben
eingehen.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1856. Il3
Part. XVI desselben Werkes ist im Jahre 1S55 erschie-
nen, und enthält die Galtung Cerilhium mit 184 Arten, die
auf 1 1 Tafeln abg-ebildet sind. Verf. hat eine nicht völlig*
vollendete Monographie von A. Adams benutzen können, und
hat eine Einlheilung der Gattung Cerithium gegeben, die Be-
achtuno- verdient. Daher werde ich unten hierauf zurück-
kommen.
Von Lovell Reeve's „Conchologia iconica" erschie-
nen im Jahre 1856 zwölf Lieferungen als regelmässige Fort-
setzungen (151 — 162). Sie enthalten die Monographien von
Spondylus mit 68 Arten, worunter viele neue auf 18 Tafeln,
Nerilina mit 173 Arten auf 3 Tafeln, Siphonaria mit 36 Arten
auf 7 Tafeln, Navicella mit 33 Arten auf 8 Tafeln, Latia mit
2 Arten auf der 8. Navicellen-Tafel, Ampullaria mit 134 Ar-
ten auf 28 Tafeln, Cancellaria mit 86 Arten auf 18 Tafeln,
Capsa mit 2 Arten auf 1 Tafel, und den Anfang von Psam-
mobia. Von allen diesen genannten Galtungen sind, zum
Theil zahlreiche, neue Arten aufgestellt worden, die unten
namhaft gemacht sind.
Von Woodward's Manual of the jAlollusca ist 1856
die dritte Lieferung erschienen. Sie enthalt zunächst die sy-
stematische Uebersicht der Tünicaten. Nach den Angaben
des Verf. sind jetzt 16792 Arten lebender Mollusken bekannt.
Es folgt dann ein ausführliches Kapitel über die geographi-
sche Verbreitung der Mollusken ; ferner ein Kapitel über die
Verbreitung in geologischer Beziehung (on the distribulion
on the Mollusca in time) ; dann spricht er über das Sammeln
der Mollusken, wobei ein Schleppnetz und ein Aquarium ab-
gebildet sind. Zuletzt folgt ein Supplement mit Abbildungen
über die Entvvickelung der Cephalopoden , Mundlheile der
Schnecken u. s. w.
Henry et Arthur Adams: The genera of recent
Mollusca, arranged according to their Organization 1853—
1856 ist mir leider noch nicht zu Gesicht gekommen.
Von dem „Giornale di Malacologia compilato per cura
di Pellegrino Strobel^^ ist der zweite Jahrgang Pavia
1854. 8. erschienen, mir jedoch erst in diesem Jahre durch
den Buchhandel zugekommen, wesshalb ich ihn auch erst in
diesem Berichte nach seinem Inhalte besprechen kann.
Archiv f. Nalurijesch, XXIII. Jahrg. 2. ßd. J[|
Il4i Trosefiel: Bericht über die Leistungen in der
In dem zweitem Theile von B u r m e i s t e r's zoonomischen
Briefen , Leipzig 1850 ist p. 18 — 172 eine Schilderung der
Mollusken enlhaltcn, die YctL als ,,symmelrische ungegliederte
Tliiere" bezeichneL Wir dürfen uns wohl um so eher be-
gnügen, dieses Werk ohne näheres Eingehen zu nennen, als
es zu jenen sogenannten populären Darstellungen gehört, die
die Resultate der Wissenschaft in weiteren Kreisen zu ver-
breiten beabsichtigen. Leider werden diese weiteren Kreise
nur zu oft mit falschen, halbwahren, missverstandenen oder
längst veralteten Resultaten abgespeist, die der Leser gläu-
big als Wahrheit aufnimmt. Auch der Mollusken- Abschnitt
Burmeister's ist nicht frei von diesem Vorwurfe.
Petitde la Saussaye machte Bemerkungen über
einige Conchylien _, welche in den vier ersten Bänden des
Journal de Conchyliologie beschrieben worden sind, in dem-
selben Journ. 1856. p. 30. Sie beziehen sich auf die Syno-
nymie einer Anzahl Arten aus den Gaüungen Melania, Na-
tica , Trichotropis , Fusus , Melongena, Marginella, Phos und
Helix. Es kann um so eher von näherem Eingehen hierauf
abgestanden werden, als Pfeiffer sie in den Malakozoolo-
gischen Blättern, die wohl allen deutschen Conchyliologen zur
Hand sind, sämmllich angegeben hat.
in Rücksicht auf geographische Verbreitung und als
einzelne Faunen behandelnd sind die folgenden Schrillen zu
erwähnen :
Petit machte auf die Auswanderung von Mollusken an
entfernte Gestade aufmerksam, und fand diese Erscheinung
durch die Handelsbeziehungen der Völker erklärt. Journ. de
Conch. 1856. p. 70.
In derselben Zeitschr. p. 72 machte Fischer auf den
Einfluss der Inseln auf die Species aufmerksam. Er hebt
folgende Sätze hervor: Jede einigermassen beträchtliche In-
sel besitzt eigeplhümliche Landschnecken; die conchyliologi-
sche F'aüna einer Insel ist verhältnissinässig reicher als die
des Conlinenles; auf einer Insel findet man einige Formtypen
und eine Menge Modifikationen dieses Typus; auf benach-
barten Inseln findet man wenige gemeinsame Arten ; der Ver-
b'reilungsbezirk der mehreren Inseln gemeinsamen Arten ist
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1856. ll'Ö
viel begrenzter als der der continenlaien Arten; auf den
meisten Inseln findet man Arten fremden Ursprungs.
Ross massier fordert in den Malakozoologischen Blät-
tern p. 53 zu Exciirsionsberichlen auf und hofft darin, wenn
si6 nach einem von ihm vorgeschlagenen Schema eingerich-
tet v^'ürden, ein treuliches Material zu einer Arbeit über di6
geographische Verbreitung der Binnenmollusken.
M'Andrevv und Barrett haben ein Verzeichniss von
Mollusken veröffentlicht, welche zwischen Dronlheim und dem
Nord-Cap beobachtet wurden (Annais nat. bist. XVII. p. 378).
Die Beobachtungen erstrecken sich auf 700 Meilen Küstenlänge,
Von denen 300 südlich, 400 nördlich vom nördlichen Polarkreise lie-
gen, und auf eine Kästenzone bis zur Tiefe von 200 Faden. Es
wurden 103 Gasteropoden beobachtet, von denen 91 zu den Prosobrari-'
chiala und 12 zu den Opisthobranchiata gehören; 1 Pteropode, 4 Bra-
chiopoden, 94 Conchifera, 6 Tunicata, also zusammen 208 Arten. Alle
sind tabellarisch aufgeführt und bei jeder in der ersten Columne die
tiefe in Faden angegeben, in der die Art überhaupt gefunden, in
der zweiten bis zu welcher Tiefe sie lebend gefunden wurde , in der
dritten die Beschaffenheit des Grundes, in der vierten die Häufigkeit,
in der fünften das Vorkommen in den Norwegischen Provinzen'.
Ed. V. Martens hat in den Malak. Bl. p. ö9 eine Ar-
beit „über die Binnenmollusken des mittleren und südjichert
Norwegens" geliefert. Er hat darin seine Beobachtungen mit
denen von Friele in der Schrill Norske Land- og Ferskvands-
Mollusker, som findes i Omegnen af Chrisliania og Bergen,
Christiania 1853 niedergelegten zusammengestellt , und das
hinzugefügt, was er in den Sammlungen der Herrn Koren
und Sars gesehen hat. Es kam dem Verf. weniger darauf
a-n, die überhaupt vorkommenden Arten aufzuzählen, als viel-
mehr die Verbreilungsbezirke der einzelnen Arten genau fest-
zustellen. In dieser Arbeit werden überhaupt 64 Binnenmol-
lusken aufgezahlt, 36 des Landes und 28 des süssen Was-
i&^rs. Schliesslich wird ein Vergleich mit den Molluskenfau-
nen der Schweiz , der russischen Ostseeprovinzen, Schwe-
dens, Scholllands, der Schetlandsinseln , derFäröer, Island's
und Grönland's angestellt. Für das Einzelne verweisen wir
auf die hübsche Abhandhung selbst.
Malm schrieb einen Aufsatz über Schwedische Land-
116 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
und Süsswassermollusken , mit besonderer Rücksicht auf die
Arten, welche in der Nachbarschaft von Chrislianstadt und
Göthenburg vorkommen (Kongl. Vet. o. Vitt. Samhällets i
Götheborg Handlingar för är 1853—54). Es ist 1855 er-
schienen und schliesst sich an eine frühere Abhandlung des
Verf. in derselben Zeitschr. für das Jahr 1851. In der ersten
Abhandl. waren nur Landschnecken , hier die Muscheln und
Süsswasserschnecken enthalten. Holzschnitte im Text. Drei
neue Arten Pisidium s. unten.
In einem besonderen kleinen Werke: ^jFinnlands Mollus-
ker. Helsingfors 1856. 8.^ mit 7 Tafeln beschrieben Nor-
de nski öl d und Nylander die Mollusken Finnland's. Die
Verf. geben an , dass diese Molluskenfauna in Betreff der
Land- und Süsswasserformen nahe mit der Norwegischen
übereinstimme, sie enthält 77 Art<jn, während Norwegen 62
besitzt. Schweden hat etwa 90, Petersburg 70 und Liffland
78 Arten. Die Seemollusken sind sehr geringe an Arten;
denn an den Küsten Finnland's leben nur 6 Arten. Bei Re-
wal finden sich 8 oder 9 und im Kattegat steigt die Zahl
auf 110. Im Finnländischen Meerbusen östlich von Hogland
und im ßottnischen Meerbusen nördlich von Quarken findet
man keine Seeformen mehr, ausser solclien Schnecken, wel-
che im Süsswasser leben. Die Finnischen Seemollusken, wel-
che im Anhange p. 93 beschrieben sind, sind folgende: Palu-
dinella stagnalis, Littorina rudis, Mya arenaria, Teilina soli-
dula , Cardium eduie und Mytilus edulis. Die Abbildungen
beziehen sich nur auf die Land- und Süsswassermollusken
und sind meist nur Umrisszeichnungen.
Dem Cataloge der französischen Land- und Süsswas-
ser-Mollusken fügte Fischer zwei Arten, Paludina rufcscens
Küst und Helix micropleuros Pajet, hinzu. Journ. de Conch.
p. 158. — • Ebenso brachte Gwyn Jeffreys 20 Arten bei,
die in dem Cataloge von Petit fehlen und um die also die
französische Fauna bereichert wird. Annais nat. bist. XVllI.
p. 47 1.
Eine Schrift von de Lies vi 11 e „Calalogue dii^sMollus-
ques vivants aux environs d'Alengon Paris 1856 ist mir nicht
zu Händen gekommen. Verf. zählt darin. 61 Arten auf.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1856. 117
Die beiden folgenden conchyliologischen Schriften sind
mir nur aus einer Anzeige in der Revue de zool. bekannt
geworden. H/lirTHj-.^
Tableau statistique et geographique du nombre d'especes
de mollusques terrestres et fluviatiles observees, soit ä l'etat
vivanl , soit ä Telat fossile, dans les difTerentes regions et
contrees (departements, provinces, bassins ct.) de la France
continentale et insiilaire, pour servir ä la Faune inalacologi-
que frangaise dispose selon {'ordre geographique parxM. Gra-
te loup et M. Raulin. Bordeaux 1855 und Deuxieme ta-
bleau ct. Bordeaux 1855.
Catalogue des Mollusques terrestres et fluviatiles, vivants
et fossiles, de la France continentale et insulaire, par ordre
alphabetique par MM. Grateloup et Raulin.
Die drei in dem Verzeichnisse enthaltenen neuen Arien siÄd
nach Drouet, der über diese Arbeit Rev. p. 143 berichtet, nicht
neu, sondern Helix aquilanica =. H. fusca Mont., H. hurdigalensis und
H. cestasiensis sind Varietäten von H. variabilis Drap.
Verzeichniss der bis jetzt in der Rheinprovinz und Wesf-
phalen beobachteten Land- und Wasser- Mollusken , nebst
kurzen Bemerkungen über deren Zungen^ Kiefer und Liebes-
pfeile. Von Otto Goldfuss. Verhandl. des naturhistori-
schen Vereines der preuss. Rheinlande und Westphalens. 1856.
p. 29—86.
Nach diesem Verzeichnisse kommen in den Provinzen Rhein-
land und Westphalen 138 Arten vor, die sich in 30 Gattungen ver-
theilen. Diesen fügt Verf. noch neun Arten hinzu, die muthmasslich
im Vereinsgebiete vorkommen , von denen Amphipeplea glutinosa als
in der Sieg vorkommend dem Referenten bekannt ist. In der Ein-
leitung sind zahlreiche Bemerkungen über die Kiefer, die Reibmem-
branen und die Liebespfeile gegeben, auf welche Organe Verf. viele
Arten untersucht hat. Abgebildet sind die Mundtheile von Limax
maximus , cinereoniger , marginatus, agrestis , sylvaticus, Arion hor-
tensis und ater, Zenites cellarius, Daudebardia brevipes, Vitrina Dra-
parnaldi, Succinea putris, Ilelix pomatia, ßulimus monlanus, Clausilia
biplicata, Limnaeus stagnalis, Planorbis corneus, Piiysa fontinalis, An-
cylus fluviatilis, Cyclostoma elegans, Bythinia Icntaculala. — Beson-
dere Beachtung haben die Arten der Gattungen Arion und Limax ge-
funden , von denen auch die ganzen Thiere recht hübsch abgebil.
det sind. - *«'f'^** ' ,H(>i>*ar>b.i
rtt8 Troge hei: Bericht über die teißtungien |n der
In den Verhandlungen des zoologisch-botanischen Ver-
eins in Wien VI. p. 25 ist enthalten: Tirols Land- und Süss-
wasser-Conchylien von Prof. Gredler.
Im Vx)rliegentlen sind nur die Landconchylien beachtet, von
depen allen die Gehäuse beschrieben sind mit Bemerkungen über
Aufenthalt und Verbreitung. Uebergangen sind die Limaceen. Auf-
geführt sind 4 Succinea, 3 Vitrina, 50 Helix, 4 Achatina (aciculoides,
acicula, Hohenwarti, lubrica) , 3 Bulimus, 29 Pupa worunter 3 neue
Arten, 1 Balea, 15 Clausilia, 1 Carychium , 1 Cyclostoma, 2 Poma-
tias, 3 Acicula. Die Molluskenfauna Tirols erreicht demnach mit In-
begriff zweier dem Vorarlberg eigenthümlicher Conchylien, so wie 10
Arten von NacUtschnecken im Ganzen 128 Arten Landschnecken. Be-
sonders tritt der Reichthum von Pupa hervor. ISach einer tabellari-
schen Uebersicht kommen auf das Gebiet von Innsbruck 52 , auf das
von Botzen 76 Arten.
Rosen hauer führt in seinem Werke „die Thiere An-
dalusiens, Erlangen 1856« p. 423, 40 Mollusken-Arten, die
in Andalusien gesammelt wurden, auf, darunter führt er eine
kleine Paludina als neu an.
Die marinen Schall hiere der Piemontesischen Küste hat
Gwyn Jeffreys untersucht und verzeichnet. Annais of
nat. hist. XVII. p. 155.
Zunächst schildert der Verf. seinen Aufenthalt am Äliltelmeere
überhaupt, und geht dann zu dem wissenschaftlichen Theile der Ar-
beit über. Kach einigen Bemerkungen über Species und Varietäten
lässt er sieh in Betrachtungen über die geographische Verbreitung
der ^lojlqsJiCft eift; er sieht die Mittelmeer- Fauna nicht als eine
ejsenthüraliche, sondern als eine gemischte an. Eine grosse Anzahl
der Arten komme auch an den Britischen Küsten vor, während an-
dere mehr südlich und selbst tropisch sind. Er schätzt die Zahl der
Miltelmeer- Arten auf 850, wovon 250 auch britisch sind. Das fol-
gende Verzeichniss enthält 350 Arten , unter denen zehn neue , die
unten verzeichnet sind.
Giacomo Tassinari hat im Giornale di Malacologia
II. 1854. p. 65 und 100 ein Verzeichniss der Land- und
Süsswasser-Mollusken aus der Romagna veröffentlicht. Mol-
luschi lerreslri ed aqualici raccolli nella Romagna.
Es fasst 4 Limax , l Testacella, 2 Succinea, 31 Helix, 8 Buli-
mus, 2 Glandina, 12 Pupa, 1 Balea, 9 Clausilia; 1 Carychium, 1 Au-
ricula , 1 Cyclostoma (also 73 Landschnecken in 12 Galtungen); —
6 Limnaeus, 1 Physa, 5 Planorbis, 2 Paludina, 1 ßythinia, 1 Hydro-
Naturgeschichte der Mollusken während des Jafires 1856. 119
bia, 1 Neritina , 2 Ancylus (also 18 Susswasserschnecken in 8 Gat-
tungen) ; — 2 Anodonta, 1 Alasmodonta, 2 ünio, 2 Sphaerium, 1 PI-
gidium (also 8 Muscheln in 5 Galtungen). Dies ergiebt für die Ro-
magna eine Totalsumme von 99 Arten in 25 Gattungen. Durch eine
Hinzufügung des Herrn Strobel wird die Zahl der Arten auf 105,
die Zahl der Gattungen auf 26 gesteigert, indem Melarapha saxatilia
Olivi darunter sich befindet. — Ib. p. 154 sind wieder einige Arten
hinzugefügt.
De Betta theilfe im Giornale di Malacologie II. p, 129
ein Verzeichniss von Mollusken mit, die am Monte Baklo in
der Provinz Verona leben.
Dasselbe besteht aus 1 Limax, 1 Vitrina, 1 Succinea, 26 Helix,
1 Achatina, 4 Bulimus, 6 Pupa, 4 Clausilia, 1 Acicula, 2 Pomatias,
1 Cyclostoma, 1 Limnaeus und 1 Pisidium, also aus 50 Arten. Helix
insubrica lebt isolirt auf dem Gipfel in einer Höhe von 2100'". Von
vielen anderen Arten sind specielle Höhenangaben gemacht, welche
sie nicht übersteigen. Die Zahl der Landschnecken (48) beträgt mehr
als die Hälfte aller aus der Provinz Verona bekannten (85) Arten.
In derselben Zeitschrift II. 1854. p. 49, 114, 136 und
145 findet sich ein Verzeichniss von Mollusken aus Dalnria-
tien, Molluschi terrestri raccolli da Cristoforo ßellotti
nel 1853 in Dalmazia, con note ed aggiunte di P. Strobel.
Dieses Verzeichniss enthält 87 Clausilia, 3 Limax, 1 Succinea,
61 Helix, 5 Achatina, 1 Azeca, 17 Bulimus, 16 Pupa, 5 Auricula,
1 Truncatella, 1 Goniostoma , 6 Pomalias, 1 Cyclostoma, also zusam.
men 205 Landschnecken.
In einem Beitrage zur Fauna Dalmatiens hat Frauen-
feld (Schriften des zoologisch-botanischen Vereins in Wien
1856. p. 445) auch ein Verzeichniss der Land- und Süss-
wasser-Conchylien dieses Landes gegeben.
Es sind 24 Paludina (mit Einschluss von Bythinia, Lithoglyphus
und Paludinella), 1 Melania, 2 Neritina, l Succinea, 48 Helix, 1 Bu-
limus , 1 Achatina, 1 Glandina , 4 Pupa, 32 Clausilia, 1 Auricula,
2 Limnaeus, 2 Planorbis, 1 Ancylus, -1 Cyclostoma, 1 Pomatias, l
Hydrocaena, l Pisidium, 8 Unio , 5 Anodonta, also zusammen 138
Arten.
Pfeiffer hat ein Verzeichniss von Conchylien gelie-
fert, welche Zelebor auf einer zweiten Reise nach Serbien
und auf einer Reise nach Aegypten gesammelt und ihm über-
sendet hatte. Es sind 16 Arten von der Insel Syra, 7 von
Smyrna, 16 aus Aegypten^ 3 aus (1er Umgegend von, Rove-
'1f20 Troschcl: Beiit'ht über (Jte Leistuivgeh in der
redo , 23 a'us Serbien. Mehrere darunier befindliche' neue
Arien öind unten namhaft gemacht.
Description des coqiiilies univalves, terreslres et d'eau
douce, envoyes d'Algerie ä la soclele linneenne de Bordeaux
par M. Gassie s. Bordeaux 1856. Ist mir nur aus einer
Anzeige im Journal de Conchyliologie bekannt geworden.
Enthält l\} Arten unter denen 1 Hclix und 2 Melanopsis neu,
s. unten.
Unter dem Titel : „Chusan Shells« hat B en s on im Jour-
nal of theAsiaticSoc. of Bengal Vol. 24. p, 119 die Beschrei-
bung einer Anzahl Mollusken veröffentlicht, welche bereits
im Jahre 1841 angefertigt, aber noch nicht publicirt war.
Von Landsebnecken fehlen in Chusan, abgesehen von den ech-
ten Limaces , Pupa , Vertigo, Carycbium und Cyclostoma, ferner die
bauchigeren Formen von Bulimus und Achatina. Auch Succinea fehlt,
kommt aber weiter südlich bei IVlacao vor. Von Süsswasserschnecken
fehlen Ampullnria, Nerilina und INavicella , unter den Äluscheln Pisi-
dium. Die znhlreichen als neu beschriebenen Arien, so wie einige
neue Gattungen sind unten angegeben.
Wo od ward hat ein Verzeichniss von 22 Arten Land-
und Süsswassennolluskcn gegeben,, welche durch Thomson
in Kashinir und Tibet gesammelt waren. Die Hälfte dersel-
ben sind europäische Arten und die übrigen gehören zu den
weit verbreiteisten Indischen Formen. Proc. zool. soc. 1856.
p. 185.
Eine Anzahl neuer gedeckeller Landschnecken von Bur-
mah beschrieb ßenson Annais nat. bist. XVIL p. 225.
Benson hat bei Gelegenheit der Beschreibung eini-
ger neuer Landschnecken von Ceylon ein Verzeichniss der
bekannten Ceylonesischen Landschnecken bekannt gemacht.
Annais naL bist. XVIII. p. 97.
Es enthält 3 Yilrina, 1 Succinea, 40 Helix, 2 Streplaxis, 3 Pupa,
13 Bulimus, 8 Aehalina, 12 Cyelophorus , 8 Leptopoma, 4 Aulopoma,
10 Calaulus , 1 Cyclostomus, 5 Pleroeyclos, zusammen 117 Arten,
Einen Beilrag zur Fauna der Admiraliläts-Inseln (Au-
stralien) lieferte Pf ei f f e r Malak. Bl. p.237 und Proc. zool. soc.
p. 381, indem er eine Anzahl neuer Arten von dort besclirieb.
Isaac Lea beschrieb einige neue Süsswasserschnecken
von Califoriiien. Proc. Philadelphia Vlll. p. 80. — Carpen-
Walurgeschichte der Mollusken während des Jahres 1856. \2\
t er lieferte Proc, zool. soc. l^bQ. p. 198 ein Verzeichniss
von 68 Arten aus dem Golf von Caiifornien und den pacifi-
schen Küslen von Mexiko und Caiifornien, die ihmDr. Go'iild
zugeschickt hatte. — Diesem folgt ib. p. 209 ein Verzeich-
niss von 117 Arten, welche Nuttall an der Californischen
Küste gesammelt hatte. Aus beiden werden die neuen Arten
unten namhaft gemacht.
James Lewis verzeichnete 87 Land- und Süsswas-
sermollusken als in Herkimer und Otsego Counties, Nevv-York
vorkommend, und knüpfte daran einige kritische Bemerkun-
gen. Proc. Boston Soc. VI. p. 2.
In der mexikanischen Provinz Chiapa hat Ghies-
breght 45 Arten von Landschnecken für die bekannte Cu-
ming'sche Sammlung gesammelt. Darüber ertheilte Pfeiffer
Malak. Bi. p. 229 Bericht.
Dieser für die Molluskenfauna Mexiko's wichtige Zuwachs ver-
theilt sich folgendermassen in die Gattungen: l Simulopsis, 5 Ilelix,
8 Bulimus, 9 Spiraxis, 3 Achalina , 6 Oleacina (Glandina) , 3 Cylin-
drella, 1 Cyclotus , l Cyclophorus, 1 Cislula, 1 Schasicheila, 6 lle-
licina. Die zahlreichen neuen Arten (vergl. auch Proc. zool. soc.
1856. p. 377) sind unten genannt.
Pfeiffer beschrieb ferner 27 neue Arten Landschnecken,
welche von Salie im Mexikanischen Slaale Vera Cruz ffesam-
melt waren. Proc. zool soc. 1856. p. 3l8.
Pelit veröffentlichte ein zweites Supplement zu dem
Verzeichnisse der Conchylien von Guadeloupe, Journ. de
Conch. p. 149, welches 76 Arten enthält, und fügte einige
Bemerkungen über die Synonymie der früheren Verzeichnisse
hinzu.
Philippi hat in der Zeitschr. für die gesammten Natur-
wissenschaften 1856. p. 94; Malakozoologische Blätter p. 157
über die Conchylien der Magellanstrasse geschrieben.
Nachdem derselbe zuerst die von der Magellanstrasse bekann-
ten Conchylien der alleren Conchyliologcn aufgezählt, dann die von
King, Philippi, Homhron et Jacquinot und Andern beschrie-
benen Arten hinzugefügt und kritisch besprochen hat, wobei manche
Arten idenlificirt werden konnten, giebt or das Verzeichniss einer
Sendung, welche das Chilenische Nalionalniuseum von dem Gouver-
neur Schythe aus der Magellanstrasse erhielt. Unter diesen befan-
den sich sieben neue Arten , s. unten, die durch Diagnosen charakte-
122 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
risirt sind. — Somit kennt man jetzt 60 Gasteropoden, 22 Bivalven
litid 6 Brachiopoden , zusammen 88 Arten. Sie gehören folgenden
Galtungen an: Margarita , Trochus, Scalaria , Cerithium, Cancellaria,
Fusus, Tritonium, Älonoceros , Buccinum, Voluta , Natica, Crepidula,
Calyptraea, Fissurella, Siphonaria, Acmaea, Patella, Chiton, — Pecten,
Lima, Peclunculus, Rlytilus , Phaseolicama , Venus, Mactra, Lutraria,
Lucina, Cyamium, Kellia, Solen, Saxicava, Teredo, — Terebratula. —
Diese geringe Zahl von J^ollusken steht im Verhältnisse zu Chile,
welches auf 510 geogr. Meilen nur 261 Arten Mollusken ernährt,
während das Königreich Neapel 667 Schalthiere darbietet. Verf. geht
ferner in einen Vergleich mit Groenland , dem Cap der guten Hoff-
nung und Massachusetts ein, und hebt schliesslich die Eigenlhümlich-
keiten der Chilenischen Molluskenfauna hervor.
CcpSialopoda.
Eine der interessantesten Erscheinungen in der Mala-
kologie ist die Arbeit von Steenstrup über die Hectocoty-
lenbildung bei Argonauta und Trernoctopus, erklärt durch Be-
obachtung ähnlicher Bildungen bei den Cephalopoden im All-
gemeinen. Kong. Danske Vidensk. Selskabs Skrifter. 5.
Räkke, 4. Bind. 1856; übersetzt in unserem Archiv 1856. I.
p. 211.
Während bisher die in den letzten Jahren bekannt gewordenen
Verhältnisse der sogenannten Hectocotyli bei Argonauta und Tremo-
ctopus diese Formen von den übrigen Cephalopoden völlig isolirten,
ist durch die schönen Beobachtungen des Verf. eine Brücke über
diese Kluft gefunden, indem er gezeigt hat, wie auch bei sehr vielen
anderen Cephalopoden die Erscheinung ins Leben tritt, dass bei den
Männchen ein Arm irgend eines Paares unsymmetrisch entwickelt der
Geschlechtsfunktion dienstbar wird, indem er dazu bestimmt ist, den
Samen oder die Spermatophoren auf das Weibchen zu übertragen.
Auch auf die Classification wird dieses Verhalten von Einfluss, wie
der geneigte Leser aus der Uebersetzung dieser Arbeit entnehmen wolle.
Piiiionexidite. H. Müller hat in einer Notiz über
das Männchen von Argonauta Argo (Verb, der phys. medic.
Gesellsch. in Würzburg 1855. p. 332) angegeben, dass die
Reibmembran des Männchen in der Form mit der vom VVeib-
, chen derselben Grösse ganz genau übereinstimmt. Ferner hat
er die vonLeuckart nachgewiesene Communication zwischen
der pigmenlirten Tasche und der Samenblase auch für deo
männlichen Argonaulen bestätigt.
Nalurf eschichle der Mollusken während des Jahres 1856. 123
John Warren hat in Proc. Boston See. V. p. 369
'öfeer das Thier von Argonauta geschrieben; es werden die
Fragen über den Parasitismus, Hectocotylus u. s. w. vorge-
tragen. Neues enthält der Aufsatz nicht, der nach de*n Tode
des Verf. abgedruckt wurde.
t'' Parkinson stellte ib. p. 386 zwei neueArten Argonauta Cort^
radi von New- Nantucket im stillen Ocean un<l A. fragilis ohne An-
gabe des Vaterlandes auf. Erstere hat im mittleren Drittel jeder Ca-
rina 7 sehr grosse Höcker, bei der zweiten ist der Nucleus der Schale
nicht eingerollt, wie gewöhnlich, sondern steht cylindrisch einen hal-
ben Zoll hervor.
]fIyop««ic1ae* Nach Jonathan Couch kommt Sepia bise-
rialis auch in Cornwall vor. Verf. hält es jedoch für möglich, dass
die Schalstücke, welche er gefunden, von einem vorüberfahrenden
Schiffe über Bord geworfen seien. Journal of the Proceedings of the
Linnean Society I. p. 100.
Jü^aiitiiacea. Van derHoeven hat die Kenntniss
des Nautilus Pompilius durch die Beschreibung des Männchens
ansehnlich gefördert, ßijdragen tot de ontieedkundige Ken-
nis aangaande Nautilus Pompilius L. , vooral met belrekliing
tot het mannelijke dier. Wis en natuurk. Verh. der koninkl.
Akademie deel III. üebersetzt in unserem Archiv 1857. I.
p. 77 un^i Annales des sciences nat. VI. p. 291.
Hiernach wird wohl nicht mehr daran gezweifelt werden kön-
nen, dass auch bei Nautilus ein hectocotylisirter Arm im dritten Paare
vorkommt, den Verf. Spadix nennt. Auch wird durch diese Untersu-
chungen die Valenciennes'sche Ansicht, nach welcher die Tentakeln
nur modificirte Saugnäpfe sind, so dass dem Nautilus auch acht Arme,
wie den übrigen Cephalopoden zukommen, bestätigt.
An diese Abhandlung schiiesst sich dann ein Bericht
über die mikroskopische Untersuchung der Spermatophoren
des Nautilus Pompilius von Boogaard, welcher gleichfalls
an den angeführten Orten übersetzt ist.
Die Abhandlung von Macdonald über das Thier von
Nautilus umbiiicatus (vergl ikn vorigen Bericht p. 98) ist in
den Philosophiciü Transaclions of the Royal Society of Lon-
don Vol. 145. p. 277 mit zwei Tafeln Abbildungen erschienen.
CepSialopliora.
Referent gab die erste Lieferung einer grösseren
124 — Tr.oschelJ Bericht über die Leistungen in der
Arbeil: „das Gebiss der Schnecken zur Begründung einer
natürlichen Classification untersucht; mit 4 Kupfertafeln von
Hugo Troschel. Berlin 1856. 4." heraus.
.'!);• In einer Einleitung ist das wichtigste Historische über diesen
Gegenstand zusammengestellt, der Bau der Mundtheile im Allgemeinen
erörtert, die chemische Zusammensetzung ermittelt, wo sich ergab,
dass sowohl Kiefer wie Radula aus Chitin und 6 — Ty^ Knocheaerde
bestehen ; ferner wird eine Anleitung zur Präparation und Aufbewah-
rung so wie einige Notizen zur Entwickelung der Mundtheile gege-
ben. — Die Arbeit selbst ist dann mit den Heteropoden , Pteropoden
und dem Anfange der Gasteropoden begonnen. Da diese Untersuchun-
gen einfiussreich auf die Ciassifikation sind, so werde ich unten an-
gemessenen Ortes einige Resultate aus der Arbeit niittheilen.
Heteropoda*
Ueber die Entwickelung einiger Heteropoden hat Krohn
in Madeira Beobachtungen gemacht. Müller's Archiv f. Anat.
1856. p.5l9.
Bei Atlanta sind die Wimpersegel anfangs einfach , zerfallen
dann in zwei Wimpel und zuletzt kommt das dritte, hinterste Wimpel
hinzu. — Firoloides hat nach der Ansicht des Verf. die Eigenthüm-
lichkeit, dass den Weibchen Saugnapf und auch die Fühler fehlen.
(Sollte sich dies bestätigen, dann würde meine Gattung Eirolella, als
die Weibchen darstellend , eingehen müssen). Die ausgebildete Larve
besitzt eine Schale mit zwei Windungen, einen Deckel und ein mäch-
tiges Wimpersegel, gessen Lappen aus zwei langen schmalen Wimpeln
bestehen. Der Kiel erscheint sehr früh, ist cylindrisch mit flimmern-
dem Ende, und wandelt sich erst gegen das Ende des Larvenlebens
in den Kiel um ; der Saugnapf der Männchen entwickelt sich erst
viel später. Bei den reifen Larven nimmt man auf dem Fusse einen
Zapfen wahr, der sich in den Schwanz umwandelt. — Die Schale von
Pterotrachea unterscheidet sich dadurch, dass die letzte Windung frei
von der vorhergehenden absteht. — Eine Larve mit zierlich querge-
rippter Schale möchte Verf. für die Larve von Carinaria ansprechen.
Von den Heteropoden hat Referent in seinem Gebiss
der Schnecken Lief. I. p. 39 — 46 nachgewiesen , dass alle
Gattungen 7 Zahnplatten in jeder Qwerreihe besitzen^ und
dass Kiefer überall fehlen. Die meisten Gattungen sind un-
tersucht, und Verschiedenheiten der Radula nachgewiesen.
Hervorgehoben zu werden verdient, dass die hintereinander
folgenden Glieder der Radula schnell . an Grösse zunehmen,
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1856. 125
mehr als bei allen übrigen Mollusken , woraus Ref. auf ein
sehr schnelles Wachsthum dieser Thiere schliessen zu können
glaubt.
Grasteropoda*
J. E. Gray hat eine Reihe von Schneckenihieren, vor-
zugsweise in Beziehung auf das Gebiss und den Deckel, frei-
lich ohne Abbildungen, beschrieben, aus den Gallungen Fu-
sus, Fisania, Triuinphis, Cyclope, Cuma, Fasciolaria, Leucozo-
nia, Malea, Ranelia, Imperator, Callopoina , Tegula, Aplysia,
Tylodina, Umbrella, Proserpina. Proc. zool. soc. 1856. p.41.
Pulmonata operculata.
Bei der Untersuchung des Gebisses der Gasteropoden
hat Referent, Gebiss der Schnecken I. p. 64, mit den Pul-
monata operculata den Anfang gemacht, und die Cyclostoma-
ceen untersucht, von deren Mundlheilen früher nur sehr we-
nig bekannt war.
Ich konnte mich überzeugen, ,das8 die Gattung Pomatias eine
eigene Familie bilden müsse ; ebenso die Gattungen, welche bei Pfeif-
fer die Series prima der Cyclostomaceen bilden. Die übrigen Gat-
tungen, PfeifTer's series secunda und terlia mit Ausnahme von Poma-
tias bilden eine dritte Familie, in der Cyclostomus und Leonia eine
besondere Gruppe den anderen gegenüber darstellen.
In den Malakozoologischen Blätlern p. 1 18 zählte P f eif-
fer die bisher bekanntgewordenen gedeckellen Landschnek-
ken von Cuba auf, und verlieh dem Verzeichnisse durch Be-
merkungen über das Vorkommen, und Angaben über das
die Schale bewohnende Thier ein erhöhtes Interesse.
Es enthält 7 Truncatella , 13 ölegalomastoma , 3 Choanopoma,
6 Ctenopoma, 1 Cyclostomus, 4 Tudora, 6 Cistula, 21 Chondropoma,
14 Trochatella, 35 Helicina, 3 Alcadia, zusammen 113 Arten.
Cyclotaca. Diese Familie wurde um zwei neue Gat-
tungen und eine ganze Reihe neuer Arten wermehrt.
Cyclotus dauchium Pfeiffer Proc. zool. soc. p, 337 von den Sa-
lomonsinseln ; C. Lindstedli ib. p. 391 von Malacca.
Alycaeus ptjratnidaliSf vmbonaliSf Amphora ^ sculplilis ^ armiUahis
Benson Annais nat. hist. XVII. p. 225 von Burmab.
126 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Diplominatina Cantori Pfeiffer Proc. zool. sog. 185Ö. p. 336 von
den neuen Hebriden*
Plerocyclos pullalus und Celra Benson Annais nat. hist. XVII.
von Burmah ; lener IVIenke Malakozool. Bl. p. 69 aus Cocliinchina.
Opislhoporus cochinchinensis von Cochinchina, euryomphalus von
Borneo Pfeiffer Proc. zool. sog. 1856. p. 337.
Aulopoma grande Pfeiffer Proc. zool. sOc. 1855. p. 104 von
Ceylon ist in dessen Novitates conchol. Taf. 19. Fig. 11 — 13 abgebildet.
Cyclophorus scissimargo und Calyx Benson Annals nat. hist. XVII.
p. 228 von Burmah; C. Parma und Cratera Benson ib. XVIII. p. 94
von Ceylon; C. ßoucardi Salle Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 323 von
Cordova in Mexiko; C. Shiplayi Pfeiffer ib. p. 357 vom Kilgherrie-Ge-
birge — Cyclostoma cucullata Gould Proc. Boston soc. VI. p. 14 von
den Älergui-lnseln scheint hierher zu gehören.
Leplopoma aspirans Benson Annals XVII. p. 229. von Tenasse-
rim ; L, apicalum Benson ib. XVllI. p. 94 von Ceylon ; L. signalum
von Borneo und duplicaluin Pfeiffer Proc. zool. soc. Ib56. p. 338 ; L.
Hanleyanum Pfeiffer ib. p. 381.
Alegalomastoma gravidum Benson Annals nat. hist. XVII. p. 229
von Burmah; M. Gundlachi und /coninMm Pfeiffer Malakozool. Bl. p. 48
von Cuba ; M. complanatum Pfeiffer Proc. zool. soc. 1856. p. 36 und
M. ungula Poey von Cuba sind Novit. Conchol. Taf. 19 abgebildet.
Gould hat Proc. Boston soc. VI. p. 14 ein neues Cytlosloma
pollex von Tavoy beschrieben ; er vergleicht es mit Megalomasloma
chrysalis Pfr. und M. Myersii Haines, und sieht diese Arten als eine
neue Gattung an, die er Pollicaria nennt. Ihre Charaktere sind;
Shell subperforate , chrysalidiform , ventrally flaltened , spiie secund ;
aperture subcircular, truncate posteriorly within the peritreme.
Calaulus Cummgi Pfeiffer Proc. zool. soc. 1856. p. 338 ; C. Äae-
maslomus ib. p. 391 ; beide von Ceylon.
In den Proc. zool. soc. 1855, welche mir leider nicht zugäng-
lich geworden sind, hat Pfeiffer p. 105 eine neue Gattung Anau~
Itts gegründet. Die Art A. bombycinus von Borneo ist in dessen No-
vitates conchol. laf. l7. Fig. 12, 13 abgebildet. In denselben Pro-
ceedings 1856. p. 36 hat Pfeiffer eine zweite Art A. Lorraini auf-
gestellt; dieselbe ist Nov. conch. Taf. 20. l*"ig. 21, 22 abgebildet, und
bei dieser Gelegenheit der Gattungsname in Rhäp kanlus umge-
ändert.
Pupina Arula^ arlalaj imbricifera Benson Annals nat. bist» XVII.
p. 230 von Burmah. v -,-
Cyolostomace»* Neue Arten : Adamsieila cinnämomeum
Pfeiffer Malak. Bl. p. 208.
Naturgeschichte der Älollusken während des Jahres 1856. 127
Cycloslomus Boivini , microchasma , sarcodes Pfeiffer Proc. zooL
soc. 1856. p. 338 von Madagascar.
Eine neue Gattung gründete Pfeiffer in Folge einer briefli-
chen Mittheilung von Shuttleworth auf Cyclostonms rugulosus und
neun andere Arten, unter denen C. coronalum neu. Die Gattung heisst
Ctenopoma Shultl. und ist so charakterisirt : testa subperlorata,
cylindraceo-turrita, apertura subcircularis ; peristoma reflexum. Oper-
culum testaceum, subanguste spiratum , nucleo fere central), anfracti-
bus oblique sulcatis.
Otopoma Blennus ßenson Annais nat. bist. XVII. p. 281 von
ßurmah.
Tudora planospirum Pfeiffer Slalak. ßl. p. 208 aus Mexiko.
Chondropoma tenuiliraltim Pfeiffer Malak. Bl. p. 48 von Cuba,
— Ch. Cordovanum Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 323 aus Mexiko. —
Hierher scheinen auch Cyclostoma egregium und sordidum Gundlach
Malak. Bl. p. 38 von Cuba zu gehören.
Uydrocena Illex und Pj/j^is Benson Annais nat. bist. XVII. p. 231
von Burmah gehören auch in diese Familie, jedenfalls nicht zu den
eigentlichen Hydrocaenen. Dasselbe gilt von H^ noticola ßenson ib.
XVIII, p.439 vom Tafelgebirge am Cap.
Eine IS'otiz über den Deckel von Cyclostoma elegans machte
Gray Proc. zool. soc. 185Ö. p. 147.
Meiicinacea.« Diese Familie ist auch durch eine Menge
neuer Arten bereichert :
Stoasloma Porloricense Pfeiffer Malak. ßl. p. 51 von Portorico. *
Auf Irochatella regina Pfeiffer gründete Gray eine eigene Gat-
tung Map ata, die durch den liefen Sinus an der Aussenlippe cha-
rakterisirt wird. Annais nat. bist. XVill. p. 414.
Uelicina columellariSf Blandiana, subtnarginata Gundlach Malak.
Bl. p. 39 von Cuba, — H. granum und Calalinensis von Cuba, HjaL
marsoni und phasianella von Portorico Pfeiffer ib. p. 49. — H. Gkies^
breglitii, bremlabris^ Cliiapensis Pfeiffer Malak. Bl. p. 236. Proc. zool.
soc. p. 380 aus Mexiko. — H.Heloisaej nolala, Cordillerae SaUe Proc.
zool. soc. p. 322, — H. Idae von Ceram und virens ib. p. 339, —
il. gruliosa und suavis Pfeiffer ib. p. 385 vpn den Admiralitätsinseln,
- U. l^orfolkensis und piclella von den Korfolk-Inseln, Draylonensis
von Nordaustralien, Heatei von Westindien, rufa von Haiti Pfeiffer ib.
p. 391.
Alcadia rhamphoshjla Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 391.
Prciserpinacea. Ueber die Stellung dieser Familie hat
Gray Proc. zool. 1856. p. 99 geschrieben. Er ist geneigt, sie zu den
Uhipidoglossen zu stellen, wohin sie auch nach den Mundtheilen, die
von Ceres Salleana Cuming (Proc. zool. soc. 1855. p. 322) abgebildet
128 T rose hei: Bericht über die Leistungen in der
b'
sind, gehört. Sie wird in der Nähe der Familie der Helicinaceen und
Hydrocaenaceen, da sie ihnen im Bau der Älundlheile sehr nahe steht,
bleiben und mit ihnen dasselbe Schicksal bei der schliesslichen Ein-
ordnung in das System theilen müssen. — Nach der kleinen Mono-
graphie , die wir Pfeiffer als Anhang zu seiner Monographia Auri-
culaceorum (s. unten) p. 167 verdanken, gehören hierher zwei Gattun-
gen: Ceres Gray mit 2 und Proserpina Gray mit 6 Arten.
' ^Triancatellace».. Pfeiffer beschrieb Proc. zool. söe, 1856.
p. 336 Truncatella cetjlanica von Ceylon, leres von Mauritius und Au-
stralien, Harbadensis von Barbadoes als neu. Nach PfeifFer's Mono-
graphia Auriculaceorum p. 174 Appendix IL kennt man gegenwärtig
von der Gattung Truncatella 21 Arten.
JkBnpullariaeea» Lea stellte in Proc. Philadelphia \I11.
p. 116 vier neue Arten auf: Ampullaria aurosloma von Cartha-
gena, luraefortnis ohne Angabe des Vaterlandes, gracilis und lurbinis
von Siam.
: Besonders reichen Zuwachs an neuen Arten brachte Reeve
in der Conchologia iconica: Ampullaria cuprina , cornucopia Colum-
bia, rvßlineata, n(»6?7is Maranon, adnsta , pilula Borneo, hondurosensis
Honduras, aulumnalis , vcnehis^ vexillum, livescens , L«i<rei Guatemala,
haustrum Maranon, melanocheila, luzonica Luzon, Layardi Ceylon, Ya~
tesii Maranon, porphyrosloma, flalilis Mexiko, haemastoma Peru, lurbi-
noides Australien, lymnaeaeformis Maranon, Bridgesli Bolivia, iminersa
Bolivia, vermiformis Paraguay, amazonica Auiazonenfluss, cassidiformis
Maracaibo , maura, erythrosloma Zanzibar, lubricn,, compacta Malacca,
notabilis, nubila Salomoensfluss, Irochulus, producta) dolioides Bombay,
encaustica, hepataria, viliata Philippinen, pninulum Neu-Granada, cu-'
bensis Cuba, filosa Madagascar, complicata , inoesta Ceylon, Gossei Ja-
maica, cinerea Ceylon, cledrina, javanica Java, sirnplex, palula, intro-
piclOj olea, pernambuccensis Pernambuco, buUa, physoides Pernambuco,
saxea, bilineala, buxea, Uanleyi , testudinea, cilreum, picta^ caliginosaj
Melcalfeif miltoclieilus Mexiko, Ghiesbrecfiti Mexiko, fumala 3Iexiko,
dira, atirosloma, nnx Bombay, auriformis Honduras, Sprucei Taiapoto
an der Ostküste der Anden. Von allen Arten, bei, denen hier kein
Fundort unmittelbar neben dem Namen angegeben ist , ist das Vater-
land unbekannt.
Ctenobr anchi ata.
Williams hat seine Untersuchungen über den Mecha-
nismus der Wasser-Athmung, und über den Bau der Athmungs-
örganc bei' den wirbellosen Thieren in den Annais nat. bist,
XVll fortgesetzt.
Naturg'eschichte der Mollusken während des Jahres 1856, 129
Verf. handelt p. 28 — 42 von den Pectinibranchiaten , und glebt
über die Kiemen dieser Schnecken wichtige Aufschlüsse. Er tadelt
die Bezeichnung kammförmig, und möchte sie lieber fächerförmig
nennen. Jedes dreieckige Kiemenblatt ist an dem einen freien Rande
durch ein Knorpelstäbchen gestützt. Kein Kammkiemer soll mehr als eine
Kiemenreihe besitzen, die oft angegebene zweite sei eine Drüse. Die
Gattungen Littorina und Buccinum sind als Beispiele benutzt. Auffal-
lend ist es dem Ref., dass Trochus und Phasianella geradezu als Kamm*
kiemer betrachtet werden, da doch ihre Kiemen so auffallend anders
gestallet sind. — Ein anderer Abschnitt p. 142 — 154 ist den Lungen-
schnecken gewidmet. Die Landschnecken sollen niedriger stehen als
die Seeschnecken, in Rücksicht der verhältnissmässigen UnvoUkom-
ihenheit ihrer Sinne , und der Vereinigung beider Geschlechter in
einem Individuum. (Wie mit den gedeckelten Landschnecken?) Die
Athemorgane werden dann besonders von Limax, Delix und Limnaeus
geschildert. — In einem dritten Abschnitte (p. 247 — 253) ist von den
Drüsen die Rede, welche in der Athemhöhle der Kiemen- und Lun-
genschnecken enthalten sind. Verf. wilL des Cuvier'sche Organe de
la mucosite nicht recht alsKiere gelten lassen ; er zeigt die Verschie-
dene Lage dieser Drüse bei Buccinum, Limax, Littorina und Ilelix an.
Ferner spricht er von der Farben-Drüse oder supplementären Kieme,
über deren Function er keine Entscheidung trifft.
Bereits im vorigen Berichte p. 102 wurde einer Notiz
von Macdonald über Macgillivraya und Chelotropis erwähnt*
Die Aufsätze sind in Philosophical Transaclions of the Royal
Society of London Vol. 145. p. 289 mit einer Tafel Abbildun-
gen erschienen. Hierdurch bestätigt es sich vollständig, dass
diese Formen nicht eine besondere Molluskenordnung bilden,
sondern unzweifelhaft Schneckenlarven sind, die hoch das
Wimpersegel tragen. Da hier auch die Radulae der einzel-
nen Formen abgebildet sind , so lässt sich der Bestimmung
etwas näher treten. Alle gehören zu der Gruppe der Band-
züngler (Taenioglossata); die Abbildungerl sind jedoch nicht
detaillirt genug, als dass ich für jetzfri danach die Gattungen
bestimmen möchte. ">^ "»'^'^-^ - novuii
In der zweiten Lieferung der Fauna littoralis Norve-
giae von Sars, Koren und D aniellssen. Bergen 1856»
ist p. 25 in dänischer und französischer Sprache eine neue
Bearbeitung der Entvvickelungsgeschichte von Buccinum un-
datum und Purpura lapilius von Koren und D aniellssen
erschienen und durch vier lithographirte Tafeln erläuterte
Archiv f. Naturgescb. XXIII. Jabrg. 2. Bd. J
130 Troschel: Bericht über die Leistungen in der '
Die Verfasser beharren bei ihrer Ansicht von dem Verschmel-
zen der Eier zu einem Embryo und schreiben Carpenter
einen Irrthum zu, wenn er glaubt, die Embryonen frässen
einander auf und bedienten sich ihres Gleichen als Nahrung
Cvergl. den vorigen Bericht p. 104, wo leider durch ein Ver-
sehen der Name des Verfassers ausgelassen ist). Nament-
lich stützen sich die Verf. darauf, dass die Organe, welche
Carpenter für Mund und Schlund gehalten, nichts anderes
als der Fuss in seinen verschiedenen Entwickelunffsstufen
gewesen sei. Es sei im Anfange weder Mund noch Schlund
vorhanden , und daher könne auch von Fressen nicht die
Rede sein.
Taenio g lossata.
Valvatae. Hauffen entdeckte eine neue Valvata erythro^
pomatia in der Görzaher Grotte. Verhandl. des zool.-bot. Vereins in
Wien VI. p. 464. Taf. VII. Fig. 1 ; — eine andere V, spelaea in der
Grotte am Glaven verh. ib. p. 702. Taf. VII. Fig. 2.
Pa.ludinsftcea« Lewis hat seine frühere Mittbeilung (vgL
den Bericht von 1854. p. 463) dahin berichtigt, dass er nun von 5 Ar-
ten Faludina links gewundene Exemplare besitzt. Daran schliessen
sich einige andere conchyliologische Bemerkungen, die einzeln im
Berichte anzugeben, zu weitläufig sein würde. Proc. Boston Soc. V.
p. 295.
Bourguignat zählte Revue et Mag. de zool. p. 341 die in
der asiatischen Türkei mit Einschluss von Aegypten vorkommenden
Arten der Familie Feristomaces auf, nämlich 2 Vivipara und 16 By-
thinia. Es verdient beachtet zu werden , dass die früher von dem
Verf. als Cyclostoma Gaillardotii beschriebene Art nunmehr als Va-
rietät von Bythinia bulimoides anerkannt worden ist.
Paludina quadrala^ lecytkoides Benson As. Journ. 24. p. 130 von
Chusan. — P. Hainesiana, umbilicataf Swainsoniana y ingallisiana,
Siamensis von Siam, chinensis von China sind neue Arten von Lea
Proc. Philadelphia VIII. p. 109. — P. pellttcida Hauffen in der Grotte
von Glaven verh. Ueber den Deckel findet sich keine Notiz ; es ist
jedoch wohl eine Amnicola? Verhandl. des zool. - bot. Vereins in
Wien VI. p. 466. Taf. VII. Fig. 3. — P. Sturvii Rosenhauer Thiere
Andalusiens p. 424 in einem Hächlein der Sierra de Jarana, ähnlich
P. Schmidti und P. Byzanthina, von ihnen durch niedrigere Windun-
gcnund weitere Mündung unterschieden.
Bythinia longicornis und slrialula ßenson Journ. As. soc. 24.
p. 130 von Chusan. — B. Gaillardotii , longiscata und Maqniniana
Naturgeschichte der 31ollusken während des Jahres 1856. 131
Bourguignat Revue et Mag. de Zool. p. 19 aus Syrien. — B. Putoniana
ib. p. 6ö, ebendaher. — B. Verreauxiana aus dem Nil und hebraica
aus Syrien ib. p. 391. — B. globtda Lea Proc. Philadelphia YIII. p. 110
von Indien.
Nachdem ßenson Annais nat. hist. XVII. p. 342 den Namen
Nematura in S fewof Äi/ ra umgewandelt hatte, beschrieb er ib. p. 496
mehrere neue Arten dieser Gattung: St. cingulata von der Insel Pe-
nang, monilifera von Mergui, foveolala aus dem Ganges, frustiUum aus
Australien, slrigiUata von Borneo.
Paludomus maculala Lea Proc. Philadelphia YIII. p. 110 von
Ahmednugger in Indien. — P. labiosa von Tenasserim , ornata und
regulata von Burmah Benson Annais nat. hist. XVII. p. 494.
Pyrgula quadricostala Carpenter Proc. zool, soc. 1856. p. 162
von Panama.
Assiminea carinata Lea Froc. Philadelphia VIII. p. 1 1 1 vonSiam.
Gray erörtert noch einmal (vergl. den vor. Bericht p. 104)
die Frage von der Vereinigung der Gattungen Assiminea Leach und
Truncatella. Proc. zool. soc. 1856. p.20; Annais XVIII. p. 419.
Lagun cula ist der Name einer neuen (üattung von Benson
Journ. As. Soc. 24. p. 133, die mit Assiminea und Paludina verglichen
wird: tesla turbinata , subglobosa, apertura maiori , integra , oblonga,
peristomate interrupto, labio subreflexo ; umbilico profundo, tortuoso.
Vom Deckel ist keine Rede, üeberhaupt möchte nach diesen Charak-
teren die Gattung schwerlich haltbar sein. Die Art heisst L. pulchella
von Chusan. ,'.i -
Iflelaiiiacea. 31elania cancellata und M. (Hein'isinus Swains.)
orebricostis Benson Journ. As. soc. 24. p. 132 von Chusan. — M. sha-
slaensis und nigrina LedL Proc. Philadelphia VIII. p. 80 aus Californien."
— Derselbe stellte ib. p. 144 fünfzehn Arten dieser Gattung auf: M,
Verreauxiana f Newcombii , Mauiensis von den Sandwichsinseln, fra~
terna ohne Angabe des Vaterlandes, Hainesiana aus Indien, Housei
von Siam , ningponensis von China, Myersiana von den Keejeeinseln,
bullala aus Brasilien, lyraeformis , afßnis und australis von Manilla,
Boninensis von den Bonininseln, rubida aus Mexiko. — Die Gebrüder
Villa stellten zwei neue Arten M. Ttirati von Louisiana und Osculali
von Quito auf, Giornale diMalacologia II. p. 113. — M. p allida Gnnd-
lach von Cuba Malak. Bl. p. 42. — M. Kochii Bernardi Journ. de
Conch. p. 83 aus Brasilien. — M. fVibexJ ventricosa und M. Macapa
Moricand von Macapa an der Mündung des Amazonas. Journl de Conch.
p. 173. pl.6. fig. 6 und 7.
Pachychilus parvus Lea Proc. Philadelphia VIII. p. 145 von Siam.
Melanopsis Hammonensis und scalaris Gassies Coquilles unival-
ves 1. c. aus Algerien.
132 Troschel: Bericht übet die Leistungen in det
liittorina'eea. Rissoa Philippiana Jeffreys Annais nat. bist.
XVII. p. 182. pl. II. fig. 4. 5 undß. conlorta ib. pl. II. fig. 6. 7 beide
von Genua, '-l' '•''"'»' -' •' > -
Shenea tricarinala Webster Annais nat. bist. XVIII. p. 156. pl.
VIII. Fig. 12. 13. aus der Nähe von Falmouth.
Jeffreysia ci//in</nca Jeffreys Annais nat. bist. XVII. p. 184. pl. II.
flg. 8. 9 von Spezia. '-' -
Lacuna vnifasciala Carpenter Proc. zool. soc. 1856. p. 205 von
Santa Barbara.
Turritella pusilla Jeffreys Annais nat. bist. XVII. p. 184. pl. II.
fig. 10. 11 von Spezia.
Ceritliiacea* Sow^erby hat (vergl. oben p. 113) folgende
Eintheilung der Gattung Cerithium gegeben :
I. Marine Arten, mit einem vorgezogenen Kanal ; Deckel oval,
mit wenigen Windungen.
1. Ein langer aufwärts gerichteter Kanal, und eine Art Falte
oder Schwiele in der Mitte der Spindel. Genus Vertagus Klein.
20 Arten, worunter neu : C. Cumingii Adams von der Torresstrasse,
nobile Reeve von Mindanao , cedo-milli Sow. Philippinen, ptilchrum
Adams von Kord -Australien , articiilatum Adams et Reeve, rectir^
vum Sow.
2. Ein deutlicher, mehr oder weniger vorgezogener Kanal, und
eine F'alte am oberen Theile der Spindel. Genus Cerithium. 101
Arten, worunter neu: C, polygonum Sow. von Port Essington, cilrinum
Sow. (columna Kiener non Sow.), caudatum Sow. von Guadeloupe,
slrialissimum Sow., planispiralum Sow., tenellum Sow. Philippinen,
nmnilum Philippinen , spathuliferum Sow. , umbonalum Sow. Janiaica,
nigropunctalitm Sow. , feneslralum Sow. , turrilum Sow. Philippinen,
serotina Adams Vandiemensland, rhodosloma Adams ebendaher, roslra~.
tum Sow. Philippinen , fusiforme Sow. ebendaher , satebrosum Lord
Uood's-Insel, coronatum Sow. Philippinen , eriense Valenciennes Hon-
durasbay, dubium Sow, Vandiemensland, T^ovaeHollandiae Adams Weu-
bolland , subnodosim Adams Neuholland , muslcum Sow. vom grünen
Vorgebirge, nebulosum Sow. (maculosum Kiener), coernleum Sow, (tu-
berculatum Lam. non Linn.) Rothes Meer, p'perittan Sow. (punctalum
Brug.) , tessellatum Sow. Darnley's - Insel , Australien, dorsuosum A.
Adams Philippinen , obesum Sow. ebendaher , sculplvm Sow. , incisum
Sow. Philippinen, curtum Sow., Gallapaginis Adams Gallapagos , Met-
calfei Sow. f Bornii Sow, (tuberculatum Born, non Linn.), Traillii Sow.
Singapore, patulitm Sow. Philippinen , allernalun ebendaher, purpu~
rascens Sow. ebendaher, nilidum Sow. ebendaher, splendens Sow.
ebendaher, eximium Sow. Ceylon, milraeforme Sow., gernnia Sow.
Philippinen, vitlatum Sow., Hauleyi Sow., bifasciatum Sow. Philippinen,
rubrolinealum Sow., rarimaculatum Sow. Philippinen, Nassoide SoWt
IValurgeschichle der Mollusken während des Jahres 1856. 133
Sandwichinseln, nivosum Sow. , flammiculalum Sow., gibberulum C. B.
Adams Nord - Amerika, tenue Sow. Port Lincoln, papillosum Sow., in-
terstriatum Sow.
3. Nur die letzte Windung gross und zusammengezogen. Ge-
nus Colina A. Adams. 5 Arten, worunter neu: C. pingue Adams
von Port Katal, contractum Sow., coslatum Adams, pupaeforme Adams
Philippinen. * , „
4. Zahlreiche kurze Windungen, Kanal kurz. Genus Ccrt-
thopsis Forb. Hanl. 16 Arten, worunter neu: C. algerianum Sow.
Algier, elongalum Sow. ]\littelmeer und Australien, neglectum C. B.
Adams Algier, gracile Sow., cereum Sow. Australien. ! . *.'
5. Ziemlich runde Mündung, granulirte Windungen, kurzer gru-
benähnlicher Kanal. Genus Pir ene IIa Gray. 9 Arien, worunter
neu: C. ailramenlarium A. Adams , SM6i;irjrfe Sow., undutalum Sow.,
Layardi Adams Ceylon, clalhralum Adams Philippinen.
II. In Brakwasser oder Flüssen lebende Arten , Kanal nicht
vorgezogen; Deckel rund mit vielen Windungen. PolamidesBrongniart.
6. Mündung buchtig, am Grunde ausgerandet, Spindel schwie-
lig. Genus Pyrazus Montf. 8 Arten, worunter keine neu.
7. Mündung buchtig und nur schwach am untern Theile aus-
gerandet, Spira oft decoUirt. Genus Cerithidea Swains. 18 Arten,
worunter neu: C. rhizoporarum Adams Philippinen, ornatum Adams
ebendaher, corneum Adams Borneo, Mörchii Adams, subcarinalum Sow.
Neuseeland, Rissoideum Sow., plumbeum Sow. Australien, pauxillum
Adams Philippinen.
8. Wie Trochus gestaltet, mit vielen Windungen, Spindel ge-
dreht. Genus Telescopium Schumacher. Nur eine Art.
9. Viele Windungen, Spindel gewunden, Aussenlippe vorn vor-
gezogen, Schale mit einer Epidermis bedeckt. Genus Tympano~
tomus Klein. 5 Arten, worunter neu : C.mulligranum Sow. (radula Born
non Linn.) , retiferum Sow. Philippinen.
Ausserdem wurden aus dieser Familie zwei neue Arten be-
schrieben : Cerithidea a^fionorfosa Carpenter Proc. zool, soc. 1856. p. 205
von San Diego. — Triforis Macandraeae Adams ib. p. 1 von Nor-
wegen.
VeraneAacea* Carpenter gab die Grundzüge einer Mo-
nographie der Gattung Petaloconchus Lea. Proc. zool. soc. p. 313.
Die Gattung wird so charakterisirt : Animal ignotum. üperculum par-
Yum , corneum, diaphanum, lenuissimum , parum concavum ; cicatrice
centrali ; anfradtibus paucis , vix apparentibus. Testa extus Bivoniae
similis ; intus transversim rarissinie septata ; anfractibus medianis la-
minis elongatis spiralibus varie dispositis, cameram saepe paene se-
cantibus, plerumque duabus, plica columellari una. Unter den aufge-
134 Trö«chel: Bericht über die Leistungen in der
führten 9 Arten sind als neu bezeichnet : F. macrophragma von Ma-
zallan, cochlidinm von Australien, flavescens von Sicilien , renisectus
aus dem Indischen Ocean, nerinaeoides von Australien, cereus von
den Philippinen, octosectus von Südafrika.
Aleles squamigerus Carp enter ib. p. 226 von Sta Barbara.
Calyptraeaceai. Neue Arten: Crepidula rugosa Nuttal bei
Carpenter Proc. zool. soc. p. 224 von Über-Californien.
frucibulum violascens von Ceylon , pectinalum von Peru ib.
p. 166 und C. c.orrugalum ib. p. 204 sind neue Arten von Carpenter.
Carpenter zählte ib. p. 3 die amerikanischen Hipponyx-Arten
auf. Es sind deren sieben, unter denen H. tuberculatus und efTodiens
aus dem Caraiben-Meere neu.
IVaticacea. Recluz lieferte eine Geschichte der Gattung
Natica. Journ. de Conch. 1856,; p. 43.
Nalica excavata Carpenter Proc. zool. soc. 1856. p. 165 von
^an^nia.
. • . Velutinacea. Trichotropis Gouldii Adams Proc. zool. soc.
1856! p. 369 von Yeragua.
,.»;j Ranellacea. Triton crebricostaltts Carpenter Proc. zool.
ftocv 1856. p. 165 von Panama.
. F*iciilacea. In die Gattung f'icula Swains. (Sycotypus Gray)
gehören Fyrula Penardi Montrouzier Uev. et Mag. de zool. p. 472.
pl. 19. fig. 4 vonWeü-Caledonien und Ficus pellucidus Deshayes Journ.
de Conch. p. 184. pl. 6. ßg. 1. 2 unbekannten Vaterlandes.
Gymnoglossata.
Pyraniiflellacea. Diese Familie ist von Adams in So-
werby's Thesaurus Part. XV. bearbeitet worden. Bei allen soll die
Zunge unbewaffnet sein. Es sind hier folgende Gattungen abge-
handelt:
Eulima Risso mit 28 Arten, worunter neu: E. Martinii von
C\nm, pyramidalis von der "Insel Capul, nitidula \on Singapore, /Ze-
iniosa', teinosvmayon den Feejee -Inseln, obesula xon der Insel Bohol,
cuspidala von der Zebuinsel, porcellana, grandis von der Insel Burias,
Thodicella von der Zebuinsel, Cumingii von Lord Hood's-Insel, vilrea
von den Feejee-Inseln, polygyrd von Mindanao, laclea yon den Phi-
lippinen.
Mso Risso mit 8 Arten, worunter neu: 2V. goniosloma von der
Insel Burias und candidula von den Philippinen.
'•' "-^'Leiösirdca U. et A^Adams mit 9 Arten, unter denen neu:
'Ü Meicalfei Adams.
'' Obeliscus Humphrey mit 28 Arten, worunter neu: 0, monilis
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1856. 135
Philippinen, sutcatus von Tahiti, turrilus von der Insel Albrochos in
Nordaustralien, teres von der Insel Panay, terebelloideSf tessellatus von
der Insel Masbate, pulchellus Japan, elegans Singapore, aciculatus Min-
danao , pusillus Luzon , baUealus Mindanao, fasligium Bohol, jjerforaius
Westindien, brunneus Japan, scitulus Masbate, slylinus Bohol, attenua-
ius ebendaher, haslalus Westcolumbien, c?at5«/?/s Acapulco, aclis ßohol,
annulatns Mindanao, strialulus Feejee-Inseln.
Py r atnidella Lam. mit 13 Arten, worunter neu: P. nodi^
cincla y propinqua Societätsinseln , mitralis Luzon, variegata Masbate,
nitida Philippinen, gracilis Bohol, subulala Luzon.
Monoplygma Lea mit 12 Arten, unter denen neu: M. con~
cinna von Moreton-Bay, pura von Neuseeland.
Ausserdem wurden von Gymnoglossen an neuen Arten be-
schrieben :
Odoslomia frictncffl Jeffreys Annais nat. bist. XYII. pl. II. Fig. 12.
13 von Sestri di Levante und Nizza.
Carpenter stellte Proc. zool. soc. 1856. p. 166 eine beson.
dere Untergattung von Odostomia unter dem Namen Chry sallida
auf : testa ulririque constrieta , pupiformis ; peritrema continuum, ad
basin undatum ; labrum iuxta aperturam tenue, intus solidius ; plica
columellaris declivis, celata ; superficies plerumque cancellata. Oper-
culum radiatim corrugatum, tenuissimum. Dahin gehören Chemnitzia
communis, 16 Arten von Mazatlan und eine neue Art Ch. crebristriata
von den Philippinen.
Derselbe charakterisirle ebenda Chemnitzia Cumingii von China,
polyionata von den Philippinen, bicarinata ebendaher, rubrofusca von
China, Bittiformis von den Philippinen.
Eulitnella striatula Jeffreys Annais nat. bist. XVII. p. 186. pl.ll.
Fig. 14. 15 von Spezia.
Ptenog lossata.
Scalstriacea* Carpenter hat Proc. zool. soc. 1856. p. 164
einige neue Arten der Gattung Scalaria aufgestellt: Sc. regularisf
tiartty subnodosa, Cumingii, Hindsii sämmtlich von Panama. — Scala-
ria Loveni Adams ib. p. 1 von Norwegen.
Toxo g loss ata.
Pleurotoinacea. Neue Arten aus den Proc. zool. soc. 1856 :
Pleuroloma concinna Dunker p. 356 unbekannten Vaterlandes, — fer-
ner von Carpenter p. 1Ö2 von Panama: Cilhara sinuala, Defrancia
inlercalaris und sei rata, Drillia punctatoslriala und Pleurotoma gra-
cillima.
i3Ö 'Tros<heI: Bericht über die Leistungen in der ^
Rhachiglossaia,
■' Volutacea. Volula Cleryana Petit Journ. de Conch. p. 182.
^1.6. flg. 3, 4 von der Küste Brasiliens. — V. Cathcarliae ohne Va-
terlands-Angabe, cmericona von Brasilien, africana von der Qstjiüste
Afrika's Adams Free. zool. sog. 1856. p. 2. ..^--... .^■-
Marginella Jeweliii Carpenter Proc. zool. soc. p. 207 von Sta.
Barbara.
MUra florida Gould Proc. Boston Soc. VI. p. 14 von, Florida.
Olivacea. Olivella inlorta Carpenter Proc. zool. soc. p. 207
von San Juan in Californien. — 0. glandinaria Kutlal. ib. p. 227 von
Ober-Californien.
Canalifera» Fasciolaria Fischeriana Petit Journ. de Conch.
p. 88. pl. 2. flg. 3, 4. von den Cap Verdischen Inseln. — F. bistriata
Carpenter Proc. zool. soc. 1856. p. 207 von Panama.
,,:,, Fusus Hartvigii Shultleworth Journ. de Conchyl. p. 171 von St.
Thomas, .^j^^v;-, . inniJßgT Jr; .! ojoh
Cominella elongala und Adatnsia lypica Dunker Proc. iöoll sibßi»*
1856, p. 356 ; letztere von den Philippinen. -ir^/Kt
Hurieea. Angeregt durch die Mittheiliingen von SäCC
und de Saulcy im vorigen Jahre über die Purpurfarbe deir
Alten (vgl. d. vor. Bericht p. 105) hat Grimaud; de Caux
Rev. et Mag. de Zoologie an die Arbeiten des Venetianers
ßizio errinnert, wonach 1) Murex trunculus die Amethyst-
farbe, M. brandaris den lyrischen Purpur liefert, 2) M. trun-
culus zwei Radicalc, M. brandaris nur ein Radical enthält.
Er beschreibt dann nach eigener Beobachlung die Purpur-
tasche (d. h. die Kieinenhöhle) mit den Kiemen und einem
flockigen Organe (der Niere) darin. Er ist der Meinung,
dass die Farbe leicht wieder in die Industrie eingeführt wer-
den könne.,. _
Neue Arten : Murex tectum sinense und lacerahnn Deshayes
Journ. de Conchyl. 1856. p, 78 aus Algerien. — M. Cailleli Petit ib.
p. 87. pl. 2. fig. 1 — 2 von Guadeloupe. — M. Haneti Petit ib. p. 90.
pl. 2. fig. 7, 8 von Rio de Janeiro.
Trophon Morrisii Dunker Proc. zool. soc. 1856. p. 356.
Cancellariacea. Neue Arten von Reeve Conch. iconica
sind: Cancellaria eburnaeformis ^ sinensis von China, affinis, serrata,
corrosa (clathrala) Adams, hislnjr Mauritius, mangdioidcsy Icnuis, mi^
nima, nitida Adams MS., cotilis.
Naturgeschichte der Molinsken während des Jahres 1856. 137
Hiiccinea. Columbella Santa - Barbarensis Carpenter Proc,
zool. soc. p. 208 von Sta. Barbara.
Phos biplicalus Carpenter ib. p. 166 von Panama.
Lahjrus tumens Carpenter ib. p. 166 von Panama.
Buccinum floridatium Petit Journ. de Conch. p. 91. pl. 2. fig. 5,6
von Florida: gehört in die Gruppe Pollia Gray.
Bullia Cumingiana und elegans Dunker Proc. zooL soc. 1856.
p.355 unbekannten Vaterlandes.
Nitidella Gouldii Carpenter Proc. zool. soc. p. 208 von Sta.
Barbara.
Purpura fasciata Dunker Proc. zool. soc. 1856. p. 357.
Fischer stellte im Journ. de Conchyl. p. 85 eine neue Gat-
tung Volul harp a mit folgenden Charakteren auf: testa non crassa,
superne epidermata, inferne laevis, paucispira, sutura impressa, colu-
liiella vix callosa , non umbilicata , postice truncata , sinu mediocri,
margine columellari dextro simplici. Verf. vergleicht die Schnecke
einer Voluta ohne Falten , und nennt sie verwandt mit Harpa, Pur-
pura , Buccinum , Pseudoliva , Eburna und Priamus, Von der Art V.
Deshayesiana ist das Vaterland unbekannt. Wach der Abbildung zu
schliessen, würde ich die Gattung in die Nähe von Purpura setzen.
R hipidoglossata.
M^eritaceat Bei Reeve Conchyl. iconica finden sich fol-
gende neue Arten der Gattung Navicella: N. bimaculata von Mauri-
tius, lentiginosa f scarabaeus Hamond's- Inseln in der Südsee , Iwiday
Cookii Philippinen, afßnis, magnißca Hamond's-Insel, sanguisuga Neu-
caledonien, haustrum ebendaher, crepiduloides ^ reticulata Ceylon, in~
signis Sumatra, psütacea Australien, pulchella, eximia Ceylon, coeru-m
lescens Calculta, orientalis ebendaher.
Trocliacea. Gray beschrieb einen durch Reproduction mon-
strösen Deckel von Polydonta elegans und bildete ihn in Holzschnitt
ab. Annais nat. bist. XVIII. p. 468.
Neue Arten : Trochus zotialus Jeffreys Annais nat. bist. XVII. p. 182.
pl. II. fig. 2, 3 von Seslri di Levante und S^pezia. — T. flavidus, pal-
lidulus , ßammiger Dunker Proc. zool, soc. p. 354 ohne Angabe des
Vaterlandes.
Cijclostrema excavata \on China^ octoHrata aus dem Rothen Meere,
penlagoniostoma ebendaher Carpenter ib. p. 169.
Vilrinella spiruloides Carpenter ib. p. 169 aus Australien.
Phasianella compla Gould ib. p. 204 von Californien.
stoBua,teiiacea. Arthur Adams hat in Sovverby'$
138 Troschel: Bericht über die Leistungen in ^er
Thesaurus Part. XV. p. 827 die Familie der Stomatellen mo-
nographisch bearbeitet. Er sieht sie als eine Unterfaniilie der
Trochaceen an, die er in Turhininae, Trochinae und
Stomatellinae theilt, je nachdem der Deckel kalkig, hor-
nig oder endlich rudimentär oder fehlend ist. Die letztere
Gruppe macht einen Uebergang zu den Haliotiden. Von der
Gattung Anatomus Montf. (Scissurella d'Orb.) hält es Verf.
für möglich, dass sie iu diese Gruppe zu zählen sei, bandelt
sie jedoch nicht ab. Es werden hier folgende Gattungen an-
genommen :
Gena Gray mit vierzehn Arten, unter denen keine neu.
— Broderipia Gray mit 3 Arten. — Stomatella Lam. mit 26
Arten, worunter neu: St. Cumingii, arabica aus dem rothen Meere,
splendidula, Baconi Svvanriver, bicarinata Moreton-Bay in Australien,
caUiostoma Ceylon. — Microtina (aus Microtis H. et A.Adams
umgetauft, weil der Name schon bei den Gräsern vergeben) mit 1 Art.
Stomatia Helbling mit 8 Arten.
Haliotidae. Gray beschrieb eine Monstrosität von Halio-
tis. Proc. zool. soc. 1856. p. 147.
Fissurellacea. Fissurella ornala Wuttal MS. bei Carpenter
Proc. zool. soc. p. 222 von Ober-Californien.
Scissurella cancellata Jeffreys Annais nat. bist. XVII. p. 181. pl.II.
fig. I. von Sestri di Levante. — Das Thier von Sc. crispata hat Bar-
rett ib. p. 206 beschrieben und in Holzschnitt abgebildet. Es war
bei Hammerfest beobachtet. _ Clark hat dazu ib. p. 269 Bemerkun-
gen gemacht; er hält es für einen richtigen Trochoiden. — Auch
Jeffreys machte ib. p. 271 eine Bemerkung über das Thier von
Scissurella decussata d'Orb. (crispata der Engländer).
Gwyn Jeffreys hat ib. p.3l9 in einer kurzen Note „über
die Stellung der Gattung Scissurella« die Abtrennung von Sc. stria-
tula, bei der sich die Spalte zu einem Loch schliesst als eigene Gat-
tung Schismope vorgeschlagen, und dazu die Beistimmung Gray's
erhalten. _ Wood ward erklärt sich ib. p.401 gegen diese Tren-
nung und ist sogar der Meinung, dass die 4 d'Orbigny'schen und die 2
Philippi'schen Arten sämmtlich Varietäten einer Species seien. —
Jeffrey's Verlheidigung ib. p.470; worauf dann noch einige un-
erfreuliche Erörterungen ib. XVIIL p. 36 und 188 folgen.
Eine der interessantesten conchyliologischen Entdeckungen ist
wohl eine schöne lebende Art der Galtung Fleurolomaria bei der An-
tillen-Insel Marie galante. Fischer und Bernardi haben sie im
Journ. de Conchyl. p. 165 l'l. Quoyana genannt und pl. 5. fig. 1—3
abgebildet. Die Schale war ohne Thier gefunden ^ ist 45 MiU. hoch,
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1856. 139
und wird von den Verf. in die Nähe von Scissurella gewiesen. Ob
sie einen Deckel besitzt, bleibt unentschieden.
Cyclobranchiata.
Gliitonidae* Shuttleworth beschrieb Journ. de Conch.
folgende neue Arten: Chiton fChaelopleuraJ candisalus und asper von
Guadeloupe, Ch. (AcanlhopleuraJ Blauneri von Portorico, Ch. fToni-
ciaj Schramini von Guadeloupe.
»entaliacea. La c a z e Du th i e r s hat die Organi-
sation und Entwickelung der Gattung Dentalium zum Gegen-
stande genauer und gründlicher Untersuchungen gemacht,
und hat angefangen dieselben Annales des sciences nat. VI.
p. 224 und 319 zu veröffentlichen. Die Arbeit wird in vier
Theile getheilt; der erste soll die Organisation, der zweite
die Embryologie, der dritte die Lebensweise, der vierte das
Systematische enthalten. Im Jahre 1856 ist der Anfang des
ersten Theils erschienen, durch sechs Tafeln erläutert, und
behandelt die Verdauungs- und Bewegungsorgane und das
Nervensystem.
Verf. bezeichnet die grosse Oeffnung der Schale als vorn, die
kleine als hinten, die Concavität als oben , die Convexität als unten.
Das Thier ist von einem röhrenförmigen Mantel umgeben , vorn liegt
der dicke cylindrische Fuss über ihm der von Tentakelfäden umgebene
Mund, hinter ihm der After, jederseits in der Dicke des Mantels
die Leberlappen. — In dem Munde folgt zuerst ein Kanal mit zwei
seitlichen Taschen, in denen sich stets Foraminiferen oder dergl. fin-
den, denen aber Verf. zugleich die Function von Speicheldrüsen zu-
zuschreiben nicht abgeneigt ist. Dahinter folgt die Mundmasse. Von
ihr sind die Radula mit ihren in fünf Reihen geordneten Zahnplatten,
die Zungenknorpel und die bewegenden Muskeln sehr ausführlich be-
schrieben. Oben am Eingange liegt das kleine Rudiment eines Kie-
fers. Auf die Mundmasse folgt eine Erweiterung des Schlundes ; wei-
ter hinten liegt der Magen , an den sich jederseits die regelmässige
Reihe der Leberschläuche, die Clark für die Kiemen hielt, zierlich
anschliesst. Der Magen bildet eine Schlinge, die in den Darm über-
geht, welcher unter der Anschwellung des Schlundes einige Windun-
gen macht und in den After ausläuft. Vor dem After schwillt der
Darm plötzlich zu einem Bulbus an, und ist dann bis zur äusseren
Oeffnung ein viel weiterer Schlauch. Diese gaöze Erweiterung sieht
Verf. nicht mehr als dem Verdauungskanale angehörig an, sondern
findet darin Beziehungen zum Circulationsapparate. — Die Bewegungs-
organe werden p. 319— 360 beschrieben. Der Mantel umgiebt vorn
den Körper rundum mit welligem Rande, und kann wie eine Börse
140 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
den Körper völlig einschliessen ; hinten endigt er in den sogenannten
Pavillon, der aus einem kreisförmigen Ringe und aus dem Pavillon
selbst besteht. Die OefFnung, welche diese durchbohrt, ist nicht, wie
Deshayes angab, der After, sondern hängt mit den Generationsor-
ganen zusammen. Die Schale hängt mit dem Thiere nur an dem kreis-
förmigen Ringe am Ende des Mantels zusammen. Verf. ist der An-
sicht, dass die Spitze der Schale in dem Maasse abgeworfen wird,
wie das Thier wächst, da allmählich die hintere Oeffnung grösser
wird. Die Structur der Schale wird ausführlich beschrieben. Ebenso
der dreilappige Fuss, der im Ganzen eher dem Fusse der Lamellibran-
chiaten gleicht, und die Muskeln, welche sich am Rücken an die
Wulst am Pavillon ansetzen, und als zwei Paare nach vorn gehen, um
sich mit der Mantelröhre und dem Fusse zu verbinden. Sie scheinen
eine Concavität des Rückens zu veranlassen, die sich dann auch auf
die Schale überträgt. — Das Nervensystem hat einige Analogie zu
dem der Acephalen ; es sind drei Ganglien - Paare vorhanden, eins
über dem Schlünde, eins im Fusse und ein Bauch- oder Kiemengan-
glien-Paar. Augen fehlen gänzlich. Die Gehörbläschen mit zahlrei-
chen ütolilhen liegen an der hinteren Seite der Fussganglicn. Als
Tastorgane werden zwei Haufen zahlreicher langer und contractiler
Fäden, welche wie eine Halskrause die Basis des Mundstieles umge-
ben, gedeutet; dieselben, welche D es haye s für Kiemen, Clark für
Speicheldrüsen hielt.
Pulmonata.
Pfeiffer hat in den J\lalakozool. B!. 1856. p. 7 die
neuesten Systeme der ungedeckelten Lungenschnecken be-
sprochen. Er gab namentlich eine Uebersicht des Systems,
wie es Gray in dem Catalogue of Pulmonata or airbreathing
Mollusca in the Coilection of Ihe British Museum 1855 ange-
wendet hat. Es sind 7 Familien der Geophila^, 2 der Lim-
niphila und 2 der Thalassophila. Ebenso theilt er die Haupt-
züge des Systems von H. et A. Adams in ihren Genera of
recent Mollusca mit. Auf diese Auszüge fühle ich mich um
so mehr aufmerksam zu machen gedrungen , als die Origi-
nalarbeiten mir nicht zugänglich geworden, und daher in dem
entsprechenden Berichte übergangen worden sind.
Sem per hat Beiträge zur Anatomie und Physiologie
der Pulmonaten geliefert. Zeitschr. für wiss. Zoologie Vlll.
p. 340—399. Taf. 16 und 17.
Verf. stellt am Schlüsse die Resultate seiner Untersuchungen
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1856. 141
in 19 Salzen zusammen. Wir heben nur Einiges hervor. Die Drüsen
in der Haut haben nichts mit der Absonderung des kohlensauren Kal-
kes und der Schale zu thun. Letztere besteht aus einer äusseren
organischen Haut, der sogenannten Epidermis , welche wahrscheinlich
aus Conchiolin besteht, und einer Innern aus krystallinischem kohlen-
saurem Kalke bestehenden Schicht; die äussere wird durch die Se-
kretion von Drüsen im verdickten Mantelrande gebildet, die in-
nere schlägt sich aus einer durch die Epidermiszellen ausgeschiede-
nen Flüssigkeit krystallinisch nieder. — Die Fussdrüse ist nicht Ge-
ruchsorgan, Verf. neigt sich der Ansicht v. Siebold's zu, dass sie
ein schleimbereitendes Organ sei. — Auch die Verdauungsorgane wer-
den ausführlich beschrieben, namentlich die sogenannte Zunge. Ich
habe diese Darstellung in dem allgemeinen Theile meines oben p. 123
besprochenen Werkes „das Gebiss der Schnecken" nicht berücksichti-
gen können, weil sie viel später erschienen ist. Ich muss gestehen,
dass mir Manches in der Schilderung des Verfasser's nicht ganz klar
geworden ist, und habe die Ueberzeugung, dass wenn derselbe sich nicht
auf die einheimischen Pulmonaten beschränkt , sondern auch einige
grössere Seeschnecken untersucht hätte, er einige Ansichten geändert
hätte. So nimmt er die Zungenknorpel nur für Muskeln, und seine
Papille scheint mir nichts anderes als die, freilich bei den Pulmonaten
wenig entwickelte Zungenscheide zu sein. Den Hauptwerth in die-
ser Darstellung mögen wohl die histologischen Angaben haben. —
Ein Organ, welches zu beiden Seiten des Schlundkopfes liegt, aus
mehreren Läppchen besteht, Nerven aus den oberen Schlundganglieu
empfängt, und dem eine äussere Grube dicht unter der Mundöftnung
entspricht, spricht Verf. vermuthungsweise als Geruchsorgan an. —
Die Lunge ist an dem Theile, welcher den Gasaustausch zu besorgen
hat, ohne Epitel. Beachtenswerth ist die Darstellung von der Bezie-
hung des Gefässsystems zum Kalke und zu dessen Ausscheidung. Das
den Kalk führende Bindegewebe wird dem Fettkörper der Glieder-
Ihiere verglichen. — Die Meckel'sche Deutung der Zwitlerdrüse, nach
der die Hodenschläuche in den Eierschläuchen eingeschachtelt liegen,
erklärt Verf. für unrichtig; er fand das Epitel der Zwitterdrüsenfoili-
kel zur Zeit, wo sich keine Eier und Spermatozoen entwickeln, ein-
fach , und aus diesem einfachen Epitel sollen durch Abschnürung so-
wohl die Eikeime, wie die Samenbildungszellen entstehen. F^ür Sper-
matozoen und Eier existirt nur ein gemeinsamer Ausführungsgang,
den zweiten von Meckel als Tuba beschriebenen erklärt Verf. für
einen Nerv. Vom Liebespfeil, der aus Kalk und einer organichen
Grundsubstanz besteht, und nicht durch Drüsen ausgeschieden wird,
glaubt er, dass er kein Reizorgftn bei der Begattung sei; auch hält
er eine innere Selbstbefruchtung für unmöglich.
Fischer hat die Spermatophore (Capreolus) des Bulimus acu-
142 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
tus beschrieben und ist der Meinung, dass man diese Körper vielleicht
zur specißschen Unterscheidung benutzen könnte. Journ. de Conchyol.
p. 121. i'X ;j
Ijiinacea* Otto Goldfuss hat recht hübsche Abbildungen
von Arion ater List. (A. enipiricorum Fer.), einer vermuthlich' neuen,
aber noch nicht benannten Art, und A. hortensis geliefert. Ebenso
von L. maximus L. , cinereo-niger Wolf, marginatus Dr., sylvaticus
Dr.?, agrestis L. (reliculatus Älüll.). Dazu ist eine neue Art Arion
olivaceiis A. Schmidt, die Verf. häufig auf Weidenstämmen bei Ro-
thenhof unweit der Porta Westphalica entdeckte, beschrieben und durch
die Beschreibungen auch der übrigen Arten die Kenntniss dieser Fa-
milie gefördert worden. Verh. des naturh. Vereins der preuss. Rhein-
lande und Westphalens 1856. p. 56.
Cornalia hat die Arten der Gattung Krynickillus Kai. zusam-
mengestellt, und die Gattung tabellarisch mit Limax, Parmacella und
Teslacella verglichen. Giornale di Malacologia IL 1854. p. 19.
Ohne die oben genannte Arbeit kennen zu können schrieb auch
Fischer eine kleine Monographie dieser Gattung, für die er aber
den älteren Warnen Krinickia beibehält. Journ. de Conch. 1856. p.65.
Incilaria Benson n. gen. Journ. As. Soc. Bengal. 24. p. 119.
Corpus elongatum, postice atlenuatum, repens, undique velo margina-
tura; tentaculis quatuor, superioribus oculiferis, inferioribus integris;
foramen commune latere dextro, non procul ab extremitate antica veli
situm. Von Limax durch das allgemeine Schild, welches fast zum
Ende des Körpers reicht, unterschieden, von Onchidium Buchan., Va-
ginulus und Veronicella durch die rechts am hinteren Ende unter dem
Mantel, aber in dem vorderen Theile des Mantels wie bei Arion, ge-
legene gemeinschaftliche Oeffnung (?). Die Art heisst J. bilineata.
Macdonald hat eine Nacktschnecke mit zwei Fühlern von
der Insel Aneiteum in den neuen Hebriden beschrieben, und ausser
den äusseren Organen auch die Anatomie, namentlich Verdauungsor-
gane und Geschlechlsapparat beschrieben. Er vergleicht das Thier
mit Janella antipodarum Gray von Weu-Seeland, von der es durch das
Vorhandensein einer inneren Schale , durch die vom Kopfe entsprin-
genden Tentakeln und durch den Mantel, der sich nicht über den gan-
zen Rücken ausdehnt, sich unterscheiden soll. In dem Zweifel, ob
nicht das in Rede stehende Thier doch der Gattung Janella angehören
möge, wird ihm noch kein eigener Gattungsname gegebfcn; Verf. be-
zeichnet sie nur als Aneileum Slug. Annais nat. bist. XVIII. p. 38.
Helicea. Nachdem in neuerer Zeit die Heliceenfa-
milie von vielen sorgfältigen Arbeitern besonders bevorzugt
und bereichert ist, nachdem in allen VVelttheilen die Land-
schnecken mit Vorliebe gesammelt wurden, sollte man hoffen
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1856. 143
dürfen, dass endlich die Zahl der neuen Arien sich vermin-
dern müsste. Indessen hat sich diese Hoffnung- wenigstens
für dieses Jahr noch nicht bestätigt, wie wir aus der Auf-
zählung der neuen Arten im Folgenden sehen.
Von Fischer erhielten wir eine Monographie der Gat-
tung Daudebardia. Journ. de Conchyl. 1856. p. 13.
Von Helix entfernt sich die Galtung durch den Mangel der
Kiefer, durch die Mundtheile , die rudimentäre Schale und die Lage
der Athemöffnung ; von Vitrina ausserdem durch den Mangel des Man-
tels und seines Anhanges. Dagegen nähert sie sich den Gattungen
Testacella und Glandina, mit denen sie zur Familie Testacellidae \er-
eininigt wird. Es werden 8 Arten aufgezählt und charakterisirt, wor-
unter D. sicula Benoit neu. Die Anatomie von D. Saulcyi ist abge-
bildet.
In derselben Zeitschrift p. 148 bemerkt Fischer, dass auch
Vitrina Maravignae in die Gattung Daudebardia gehöre.
Vitrina Flemingi von Scinde in Indien, Planli von Natal, Bor"
neensis von Borneo , Celebensis von Celebes, Idae von Celebes, Co-,
morensis von den Comoro-Inseln, Darnaudi von Sennaar, Sennaaren^
sis ebendaher, leucospira von Australien sind Arten von Pfeiffer
Proc. zool. soc. p. 326.
Bourguignat hat in Rev. et Mag. de Zoologie p. 7 neben
Succinea aegyptiaca Ehrbg. eine zweite Art des nördlichen Afrika
beschrieben und abgebildet: S. Raymondi von Constantine. Bei die-
ser Gelegenheit werden 5 Arten dieser Gattung vom westlichen , 5
andere vom südlichen Afrika mit Diagnosen und der Synonymie auf-
geführt, so dass dadurch eine Monographie der afrikanischen Succi-
neen vorliegt. — Ib. p. 14 wird von demselben Verf. auch die Franzö-
sische S. Baudonii Drouet abgebildet und beschrieben, so wie für S.
longiscata Dupuy, S. corsica Shuttl. der ältere Name S. elegans Hisso
in sein Recht eingesetzt. — S. Flanli von Cap Natal und asperula \on
St. Helena sind neue Arten von Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 326.
Simpulopsis Chiapensis Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 377 ; Malak.
ßl. p. 230 aus Mexiko. — S. Salleana und CorJoutina Pfeiffer von Vera
Cruz Proc. zool. soc. p. 319.
In der Nähe von Anostoma gründete Benson Annais nat. bist.
XVII. p. 129 eine neue Gattung Tanystoma; später ib. p. 342 in
Hypselo Stoma umgetauft: Testa convoluta , concidea ; umbilicus
aperlus ; anfractus ultimus solutus, protractus, sursum tortus, aperturam
dentatam alte tollens ; peristoma horizontale, expansum T. tubiferiun
von den Ufern d«s Flusses Irawadi in Burraah, an Kalkfelsen.
Tomigerus Venemelensis Pfeiffer Proc. zool. soc, 1856. p. 36 von
Venezuela.
144 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Helix fNaninaJ Ctjmatium ßenson bei Pfeiffer Nov. conch. p.58.
Taf. 17. Fig-1. 2 von Walacca.
Ilourguignat zählte den Zoniles der Gruppe Crystallinus aciit
Arten zu, von denen mehrere als neu beschrieben werden: Z. ende-
dalaeus und lalebricola aus Griechenland, sublerraneus aus Frankreich.
Rev. et Mag. de zool. p. 268.
Sehr beträchllich ist die Zahl der neuen Arten der
grossen Gattung Helix, die ich der leichleren Uebersicht we-
gen nach den Verfassern ordne.
Von ßenson: Helix ratida und nanioides Journ. Asiat. Soc.
XXIV. p. 121 von Chusan, — i/. pa^erMs Annais XVIIl. p. 96 von
Ceylon. -^ H. jnjlaica von Maulmain, artificiosa von Tenasserim, ca-
pessens von Maulmain, convallata von Tenasserim, Wono/rt von Thyet-
Myo am Flusse Irawadi , bifoveaia von Tenasserim , pansa Irawadi,
Bolus von Prome, texlrina von Thyet - Myo, lairf^ayana von Benga-
len, Annais XVIII. p. 249. - H.Charybdis unA Tollini Albers m. vom
Cap ib. p. 436, bei welcher Gelegenheit Bemerkungen über einige
Helices vom Tafel - Gebirge und anderen Localitäten am Cap hinzu-
gefügt werden.
Von Bourguignat: //. Brondeli Rev. et Mag. de zool. p. 16
von Algerien, - H. graphicolera ib. p. 268 von der Insel Milo.
Von G a s s i e s : H. Mmjrani Coquilles univalves l. c. aus
Algerien.
Von Gould: H. repercussa von Tavoy und Mergui, ramentosa
und damascenus von Californien Boston Proc. VI. p. U.
Von Pfeiffer in den Proc. zool. soc. 1856. p.32: H. exserta
Sandwich -Inseln, coagulala Amboina , Hainesi von Siam in INovit.
conch. Taf. 21 abgebildet, Siamensis ebenso, amissa Juan Fernandez,
Miguelina Azoren, volutella Azoren, alata Sandwich, angelica Thibet,
INov. conch. Taf. 21 abgebildet, binaria Sandwich, fanulus Port INatal,
undina Nov. Conch. Taf. 21 abgebildet. - Ib. p.3l8 aus Vera Cruz
H. Cordovana, Veracruzensis. - Ib. p. 326 : /i. Kermandeci von den
Kermandec-Inseln, Ophiria von Malacca, Shiplayi von dem N.lgherri-
Gebirge, calabarica von Guinea, Darnaudi von Sennaar, argula von
Java, Chimmoi von den Kermandec-Inseln, conferla ohne Angabe des
Fundortes, Damahoiji von den Philippinen, Meobambensis \on Feru,
ammiralis von China, mucida von Percy's-Insel , Gueinzii von Peru,
iasidenlala von den Philippinen. - Ib. p. 377 : ,//. heli.ctomphala und
Chiapensis (vergl. auch Malak. Bl. p. 230) aus Mexiko. - Ib. p.331:
H. meta, plagiosloma, majuscula, quercina, Hombroni, Lombei, ßexila-
bris, phlhisica, xiphias, sebacea, eusloma , ursina, murina {wovon ei-
nige auch in den Malak. Dl. p. 238) von den Admiralitätsinseln. -
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1856. 145
Ib. p. 385 : H. gloriosa von Madagaskar , ductilis , Stutchburyi , dellay
pliculosa von Nord - Australien, castrensis von Weslindien , Lindsledti
von Malacca, Bourguignati aus der Krim, Adelaidae von Australien,
chionodiscus aus der Krim (Malak. Bl. p. 185. Taf. 2. Fig. 12. 13 ab-
gebildet), Grevillei von Ceylon. — Ferner in den Malakozoologischen
Blättern p. 43 : //. Ledereri von Cypern , Mazallanica von Matzatlan,
Baracoensis Gutierrez von Cuba, proboscidea ebendaher, Riisei (in
Novit, conch. Taf. 21. Fig. 13 und 14 abgebildet) von der Insel Vieque
in Ostindien, Arecibensis von Portorico , tnjpanomphala von Sierra
aJaestra in Mexiko. — Malak. Bl. p. 182 : H. de Natnh Benoit aus
Sicilien, Villae Mortillet aus der Lombardei, Reinae Benoit aus Sicilien,
rußlabris Benoit ebendaher; diese sind mit Ausnahme der letzteren
auch abgebildet. ~ Ib. p. 206 : H. Dianae und Cutleri von St. Helena.
Von Philippi: In einem Aufsatze über die in Chile einheimi-
schen Arten, Zeitschr. für die gesammten Naturw. , auch abgedruckt
Malak. Bl. p. 151, wird H. Gayi Hupe in der Historia de Chile für
den Jugendzustand von H. laxata erklärt, und dann bleiben noch 10
bekannte Arten von Chile übrig. Diesen fügt er 13 neue hinzu, von
denen die meisten nicht grösser als ein Stecknadelknopf sind , und
in der Provinz Valdivia unter Baumrinden oder im Moose leben ; die
erst Art ist dagegen aus der Wüste Atacama: H. Reenlsii (vergl. auch
Malak. Bl. p. 52) , Ochsenii^ zebrina , Jungermanniarum ^ Germaini,
tenuistria , hypophloea , corticaria , coiguecana , muscicola , bryophila,
exiguttf abscondita.
Von Roth: H. phocaena Malak. Bl. p. 1. Taf. 1. Fig. 1—3 vom
Parnass. Seine H. sylvatica Yar. Parnassia erkannte derselbe als H.
Codringtoni Gray. — H. costanccnsis Novit Conch. von Pfeiffer Taf. 2i.
Fig. 15 — 17 von Costarica.
Von Strobel: H. crhiata Sandri Giornale di Malacologia II.
p. 108; sie ist auf der Grenze der Herzegovina und Dalmatiens ge-
funden, und wird von Str. selbst als muthmassliche Varietät von H.
setosa angesprochen.
Von Zelebor: H. Redtenbacheri Malak. Bl. p. 176. Taf. 2.
Fig. 7 — 11 von der Insel Syra, Kollari ib. p. 180 aus Serbien.
Bonnafaux machte die Beobachtung^ bekannt, dass Helix hor-
tensis die Eier verlassener Vogelnester anbohre , um den Inhalt zu
verzehren. Rev. et Mag. de zool. p. 446. — Ueber H. constricta fin-
det sich eine Notiz von Moquin-Tandon ib. p. 562 und p. 592. —
Helix frigida ist von Vi IIa wieder aufgefunden worden. Giornale di
Malacologia II. 1854. p. 97. — Strobel machte für Ziegler einen
Prioritätsanspruch, der die neuerlich von Pfeiffer H. phoebus be-
nannte Art schon im Jahre 1844 als H. seposita bezeichnet habe. ib.
p. 70. — Nach Lonsdale ist Helix Cantiana um Keynsham, Somerset
häufig. Annais nat. bist. XVIII. p. 187.
Archiv f. Naturgesch. XXIII. Jahrg. 2. Bd. I£
146 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Streptaxis prostrata von Cap Palmas, elisa von den Mergui.In-
selnfAeasäcu^its von Burmah Gould Proc. Boston Soc* VI. p, 12.
'Biilimiis tepidus von den Mergui-Inseln und B. lautus von Quito
Gould Proc. Boston Soc. VI. p. 12. — B. monlicola Roth Malak. Bl.
1856. p.3. Taf. 1. Fig. 4, 5 von Parnass. — B. oclogyrus von Carac-
cas , hasla von Haiti und Portorico , Viequensis von Westindien, vir-
ginalis von Caraccas, chordatus vonMazallan Pfeiffer Malak. Bl. p. 45.
— B. Hjalmarsoni von Portorico und Bertiardii von Brasilien. Pfeiffer
ib. p. 51. — B. leucosticlus Phiiippi ib. p. 53 von Chile. — B. Papo^
sensis, AtacamensiSf anachorela Pfeiffer ib. p. 207 aus Chile. — B. si-
milnris Moricand von Moyobamba in Peru Journ. de Conch. p. 177.
pl. 6. Fig. 8. — B. Mageni Gassies ib. p. 181. pl. 6. fig. 5 von Weu-
Caledonien. — B. Eddyslonensis Pfeiffer Proc. zool. soc. 1855. p. 88,
Nov. conch. Taf. 16. fig. 1. 2, Strangei ib. p. 8. Nov. conch. Taf. 16.
fig. ll. 12. — Ebenso sind in Novit, conch. Taf. 18 abgebildet B. la~
certa, musivus, saccatus, protraclus und serratus aus Peru. — B. fus-
coventris und rufopictus Benson Annais nat. bist. XVIII. p. 96 von Cey-
lon. — B. arenicola vom Waterloo-Busen im Kaffernlande, Gemmula
von der Insel St. Vincent am grünen Vorgebirge, compressilabris von
St. Helena Benson Annais XVIII. p. 433. — B. cordovanus Cordova,
cyathostomus Westafrika Pfeiffer Proc. zool. soc. 1856. p. 34. — Ib.
p. 318 von Santa Cruz in Mexiko: B. sulphureus, coriaceus, Martensif
costatostriatuSf Drouetif aurifluus. — Ib. p. 329 : B. phaeostylus von den
Philippinen, inaequalis von den Bänken des Maranhon , Gueinzii von
Peru, clarus von Peru, laliflims von Chili, floridctnus von Florida, di-
stans von der Insel Karah im Golf von ? ersien, aestivus von Peru,
Charbonnieri von Karah, tibetanus von Tibet, cochinchinensis von Co-
chinchina , chion aus Indien , Kanaiensis von den Sandwichinseln,
Lorraini von der Insel Penang, Woodwardi von :Peru, Caslelnaui von
Bolivien, nigroapicalus ebendaher, stenacme ebendaher, monachus von
Peru. — Ferner ib. p. 388 : B. Palavanensis von Palawan, Ubrosus eben-
daher, Lindstedti von Malacca, parallelus und Catharinae von Brasi-
lien , sigillatus und Gayi von Bolivia, Sabatieri von China, Dulaülyi
von Brasilien, pUculatus von Bolivia, Clouei von Brasilien, pvncticw
latus von Bolivia.
In der oben erwähnten vortrefflichen Schrift S ch uti-
le worths Notiliae malacologicae hat der Verfasser meh-
rere Gruppen der alten Gattung Bulimus monographisch be-
handelt :
1. Limicolaria Schum. die afrikanischen Arten, welche
Pfeiffer's Sectio 30 von Bulimus bilden. Es werden 23 Arten aufge-
führt, unter denen folgende neue abgebildet sind : L. Cor^ofana Parr.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1856. ^47
Taf. 6. fig. 3. 4, Bassamensis Taf. 6. fig. 1. 2, rubicunda Taf. 7. fig.,4. 5,
/•e/mrt Taf. 6. fig. 5. 6. '' ' ' '
2. Orthalicus Beck mit 16 Arten, von denen neu: 0. trul-
lisalus (Bul. Gallina-sultana d'Orb.) Taf. 5. fig. 1 von Bolivia und Peru,
ot(/Mc/!/sTaf. 3. fig. 1 — 3 aus Columbien, iodes (Bul. Regina Yar. Reeve)
Taf. 4. fig. 8 aus Columbien.
3. Porp hijro bap he Schuttl. nov. Subgenus, von Orthalicus
durch verdickte Lippen und soliden Bau der Schale ausgezeichnet.
Dahin Bul. Adamsöuii Gray, Bul. ioslotmis Sow. , Bul. Kelletii Reeve,
latevillata Taf 5. fig. 2. 3 (p. 90 mit Bul. Yatesi Sow. idenlificirt), Bul.
Labeo Brod. und Bul. irroratus Reeve* \ i ^
4. Perideris Schuttl. nov. gen. Schale verlängert eiförmig,
deren Kucleus meistens stumpf warzenartig hervortritt, Naht perlen-
artig gefaltet, Mündung mit scharfen einfachen Rändern, Spindel-
Säule wenig gebogen , an der Basis meist deutlich abgestutzt. Da-
hin 18 Arten, unter denen bifrons Taf. 1. fig. 1, iolqrynx Taf. 2. fig. 1,
Onager Taf. 2. fig. 2. 3, incolorala Taf. 2. ßg. 4. 5, sämmtlich vom
Giiand Bassam.
l,,,^■ 5. P sßudacka tina Albers als Subgenus von Perideris mit
3 Arten, unter denen Ps. Gabonensis Taf. 8. fig. 5. 6 von Gabon neu.
Orlhalicus Maracaibensis, longus (Bul. zebra Var. ß) und fulves^
fem (Bul. zebra Var. y) werden von Pfe|ifjf.er b^Is besondere Arten
unterschieden, Malak. Bl. p. 186. :. . : ,, i . , ;,,,
Spiraxis Venezuelensis Pfeiffer Malak. Bl. p. 47 voji Caraccas. —
Sp. Pfeifferi Menke ib. p. 68 aus Cochinchina. — Sp. euptycha, dubia, bi-
conica, calenala^ oblonga, parvula Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 379 und
Malak. Bl. p. 232, sämmtlich aus Mexiko. — Sp. Shulileworlhi, turgi^
dula, auriculacea Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 320; von Cordova in Me-
xiko. — Sp. Sandwicliensis und o6so/e/fl Pfeiffer ib. p. 335 von den
Sandwich-Inseln.
Slenogyra angustala Gundlach von Cuba. Malak. Bl. p. 4l.
Pariula Macgillivrayi von den neuen Hebriden, slenostoma und
suluralis Pfeiffer Proc. 1855. p. 97 sind Nov. conch. Taf. 17 abgebil-
det. — P. purpurascens f callifera, laetigala ohne Angabe des Vater-
landes und lilacina von den Marquesas-lnseln Pfeiffer Proc. zool. soc.
1856. p. 333. — P. strigosa , minuta Pfeiffer ib. p. 384 von den Ad-
miralitäts-Inseln. — P. alabaslrina PfeiSer ib. p. 390 von den Salo-
mons-Inseln. '
G redler führt in seiner Molluskenfauna von Tirol (Verhandl
des zool. -bot. Vereins in Wien VI. p. 1 14 eine Pupa Strobeli an, die
er zuerst im GymnasiaUProgramm von Botzen 1853 bekannt gemacht
hatte. Ausserdem werden daselbst P. claustralis ^ striata beide ver-
wandt mit Strobeli und P, (Vertigo) Genesii , Leontina als neu be-
148 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
schrieben und auf Tafel II abgebildet. — Pupa Helenensis Pfeiffer
Malak. Bl. p. 207 von St. Helena. — P. bacillus und teres Pfeiffer
Proc. zool. soc. 1856. p. 35 Novit, conch. Taf. 20 von Isle de France,
— P. acarus von der Insel St. Vincent am grünen Vorgebirge , La-
yardi vom Cap Benson Annais nat. bist. XVIII. p. 435. — F. bacillus
von Mauritius , ieres ebendaher , Sennaariensis von Sennaar Pfeiffer
Proc. zool. soc. 1856. p. 35.
Ennea insignis Pfeiffer Proc. zool. soc. 1856. p. 388 von Gabon.
Tornalellina Gouldi ohne Angabe des Vaterlandes, Newcombi von
den Sandwichinseln, perforata von Venezuela Pfeiffer Proc. zool. soc.
1856. p. 335.
Pfeiffer hat aufs Neue eine Uebersicht der Gattung
Cylindrella gegeben, mit allen jetzt bekannten Arten. Er
nimmt dabei neun Gruppen an, und kennt 127 Arten.
Neue Arten: Cylindrella Sauvalleana^ irrorata und crenulata
Gundlach von Cuba Malak. Bl. p. 41. — Cylindrella inlegra von San
Diego de Bannos und goniostoma aus Mexiko Pfeiffer ib. p. 47. — C.
Boucardiy apiostoma , polygyra Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 322 von
Cordova in Mexiko. — C. Ghiesbreghli , lurris und clava Pfeiffer ib.
p. 380 von Chiapa in Mexiko.
Rossmässler stellte eine „natürliche Folgenreihe von Balea
glorifica bis. Clausilia plumbea" zusammen. Malak. Bl. p. 197.
Die kritischen Gruppen der Europäischen Clausilien von
Adolf Schmidt. Erste Abtheilung. Leipzig 1856 mit 11
Tafeln.
Nach einer Einleitung, in der sich Verf. über den Begriff der
Art auslässt, und die wichtigeren Merkmale durchgeht, behandelt er
in diesem Hefte zwei Gruppen : 1) die Gruppe der ventricosa, pli-
catula und rugosa. Die Arten derselben haben eine vollständige obere
Gaumenfalte, eine mit der oberen Lamelle zusammenhängende Spi-
rallamelle , eine deutlich ausgeprägte , die Naht nicht berührende
Mondfalte. Es werden dann gesondert die Sippschaften : a. der ven-
tricosa, b. der plicatula mit drei Formenkreisen, c. Zwischenglieder d.
der rugosa. — 2) Die Gruppe der gracilis zerfällt in die Sippschaften
der gracilis und der filograna. Die Cl. plicatula var. C« Pfeitf. Mon.
wird als eigene Art Cl. carinthiaca genannt. Cl. slyriaca aus Steier-
mark, concilians aus Siebenbürgen und exoptala aus Oberitalien sind
als i^pue Arten aufgestellt.
: ■ .Clo.usilia pliiviatilis und aculus Benson iouvn. As. Soc. 24. p. 122
von Chusan. — Cl. vespa Gould Proc. Boston Soc. VI. p. 13 von Tavoy.
— CL adposita und Bellotli aus Dalmatien, Strobel Giornale di 31a-
lacologia IL p. 17. — Cl. Guicciardii Heldreich Malak. Bl. 1856. p. 3.
Naturgeschichte der Molluslien während des Jahres 1856. 149
Taf. 1. Fig. 12, 13, warf lebendige Junge in der Gefangenschaft, Cl.
CaslaliaRolh ib. Tof. 1. Fig. 6 — 8 vom Parnass. —■ CL Lorraini Uenke
ib. p. 68 von Hongkong in China. — Cl. Rothi Zelebor ib. p. 177 von
der Insel Syra. — Cl. Fratienfeldi, Serbiensis und Pancici Zelebor ib.
p. 180 aus Serbien. — Cl. crassicostata und scarißcala ßenoit , beide
von Sicilien Pfeiffer Malak. Bl. p. 184 sind abgebildet. — Cl. Zelebori
aus Syrien, elegans Bielz aus Siebenbürgen und avia Parreyss von
Cypern Rossmässler Iconographie 1. c. — Cl. Sennaariensis Pfeiffer
Proc. zool. soc. p. 36 von Sennaar.
A. Schmidt zeigte an, dass Clausilia Mortilleti Dumont auch
bei Cheltenham in England vorkommt. Annais nat. bist. XYII. p. 10,
was ib. p. 446 von Prcntice bestätigt wird. Nach ßenson ib.
XYIlI. p. 74 kommt sie auch in Kent vor. Letzterer hält sie ib. p. 425
für eine Varietät von Cl. Rolphii.
Achatina erecta Benson Journ. As. Soc. 25. p^. 123 von Chusan,
— A. Chiapensis und (rj/panocies Pfeiffer Malak. Bl. p. 234, Proc. zool.
soc. p. 379 aus Mexiko. — A. parabilis Benson Annais nat. bist. XVIII.
p. 96 von Ceylon. — A, spiculum von der Insel St. Vincent am grü-
nen Vorgebirge , Veru von St. Helena ßenson ib. p. 434. — A. tn-
signis Pfeiffer Proc. zool. soc. 1855. p. 100 ist Nov. Conch. Taf. 18.
fig. 3. 4 abgebildet. — A. Shuttleworlhi von Grand Bassam in Afrika,
corrosula vom Nilgherrigebirge, pallens von Moely in Westafrika Pfeif-
fer Proc. zool. soc. 1856. p. 35. — A. orhabae, speciosa, Cordovana,
margaritacea , ambigua Pfeiffer ib. p. 321 von Cordova in Mexiko. —
A. Guadeloupensis von Guadeloupe Pfeiffer ib. p. 335.
Achatinella ovum, farcimen und callosa von den Sandwich-Inseln
Pfeiffer Proc. zool. soc. 1856. p. 334.
Glandina Brondeli Bourguignat Rev. et Mag. de Zool. p. 17 aus
Algerien , später p. 426 zu Caecilianella gezogen. — G. Vescoi ib
p. 67 von Malta, später ib. p. 333 zu Ferussacia gezogen. — Indem
Pfeiffer die Gattung Glandina anerkennt, wendet er zugleich für
dieselbe den älteren Namen Oleacina an und beschreibt Malak. Bl.
p.234 0. pulchella und Ghiesbreghti als neue Arten aus Mexiko, die
auch Proc. zool. soc. p. 379 publicirt sind.
Burguignat hat in der Rev. et Mag. de Zool. p. 327 eine
Monographie der Algierischen Arten der Gattung Ferussacia Risso ge-
liefert und sieben Arten abgebildet. Im Ganzen werden 11 Arten
beschrieben, worunter neu: F. eremiophila ^ sciaphila^ ennychiay
scaptobia.
Die Ferussac'sche Gattung Caecilioides nennt Bourguignat
Revue de zool. p. 378 u. 424 C aecilionella , und stellt ihre Cha-
raktere fest: die Arten sind blind und leben unter der Erde, sind
durchscheinend , farblos, runzlig mit kleinem Kopfe und 4 Fühlern,
ohne Augen; sie haben einen kleinen hornigen Kiefer, grosse Atheni'»
150 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Öffnung. Die Schale ist rechts gewunden, glänzend, einfarbig, cylin-
drisch, mit ovaler Mündung und scharfem Rande; die Spindel ist aih
Grunde abgestutzt. Diese Gattung unterscheidet sich von Glandina
durch das Vorhandensein des Kiefers, von Ferussacia durch die deut-
lich abgestutzte Spindel , von Bulimus, Achatina etc. durch den Man-
gel der Augen. Hierhin gehören folgende 16 Arten : C. Hohenwarti,
acicula, anglica (Cionella acicula p. p. Jeffr.), Liesvillei (Bulimus acl-
cula Brug.) und raphidia von Algerien, tumulorum aus Grabmal ern in
Griechenland , Brondelii (Glaudina Brondelii Bourg.) , suhsaxana aus
Grabmälern in Griechenland, nanodea tixxs Algerien, aciculoides (Co-
lumna aciculoides Jan) , miliaris (Columna miliaris Jan) , syriäca
(Glandina aciculoides var. torta Mouss.) , cylichna (Achatina cylichna
Lowe), nyctelia (Glandina acicula Albers), producta (Achatina pro-
ducta Lowe), Grateloupi (Bulimus acicula Grat.). Zehn dieser Arteä
Bind auf einer Tafel vergrössert abgebildet.
jturiciilacea. Monographia Auriculaceorum viventium,
sistens descripliones systematicas et criticas ouinium huius
familiae generum et specierum hodie cognitarum , riec non
fossilium enumeratione; accedente Proserpinaceorum n'ec non
generis Truncatellae historia. Auclore Ludovieo Pfeiffer.
Cassellis 1856. 8.
Wie wir von diesem Verfasser bereits eine Monographie der
Heliceen und der Pneumonopomen besitzen, so beschenkte uns der-
selbe jetzt mit der der Auriculaceen. Diese Familie zerfällt in drei
Subfamilien, in die sich die Genera folgendermassen vertheilen:
L Subfam. Otinea. Gatt. Otina Gray mit 3 Arten.
n. Subfam. Melampea. Gatt. Melampus Montf. mit 66 Arten,
Marinula King mit 9 Arten, Pedipes mit 7 Arten.
in. Subfam. Auriculea. Gatt. Pythia Bolt. (Scarabus Montf.) mit
34 Arten, Plecolrema H. et A. Adams mit 14 Arten, Cassi-
dula Fer. mit 19 Arten, Auricula Lam. mit 30 Arten, Alexia
Leach mit 12 Arten, Blauneria Shultl. mit 1 Art, Leuconia
Gray mit 6 Arten, Carychium Müll, mit 9 Arten, denen im
Anhange p. 198 noch 3 hinzugefügt sind. -oiioM
Im Ganzen kennt also Verf. 213 Arten dieser Familie, die sich
in 12 Galtungen vertheilen.
Im Anhange werden die Farn, der Proserpinaceen und Truncatel-
laceen monographisch behandelt (vergl, oben bei den Pulmonata oper-
culata).
Neue Arten : Melampus oblongus von Bermuda und Slutchburyi
(Ophicardelus) von Australien. Pfeiffer Proc. zool. socr 1856. p. 393.
— 3/. Btidgesii Carpenter ib. p. 161 von Panama.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1856. 151
Pythia Verreauxi, hepatica, nigricans Pfeiffer Malak. Bl. p. 175
ohne Angabe des Vaterlandes.
Mit einem nicht eben zarten und freundlichen Ausfalle gegen
einige deutsche Conchyliologen, denen er seine Amenites malacologi-
ques dadurch nicht angenehmer gemacht haben wird, macht ßourl
guignat Rev. et Mag. de zool. p. 499 die in den unterirdischen
Höhlen Kärnthens lebenden Schnecken, die bisher von jenen deut-
schen Conchyliologen der Gattung Carychium zugezählt wurden, zu
einer eigenen Gattung in der Nähe von Carychium, die er Zospeitm
nennt. Diese Gattung unterscheidet er namentlich durch den Mangel
der Augen und dadurch, dass unter ihnen auch links gewundene Scha-
len vorkommen. Ich will ihm eine höflichere Kritik angedeihen las-
sen, als er unseren Landsleuten, sonst könnte ich wohl noch kräfti-
ger auf die Inconsequenz hinweisen, dass er sich erst bemüht, zu
zeigen, diese Formen haben mehr Aehnlichkeit mit Pupa und Vertigo
und sie dann schliesslich doch neben Carychium stellt, mit denen
„selbst die Schale fast keinen Charakter geraein haben soll." Dass
sie blind sind, ist auch mir sehr wahrscheinlich, aber Verf. schliesst
dies bloss aus dem Vorkommen und hofft, die anatomische Untersuchung
werde seine Vermuthung bestätigen. Bei der Aufzählung der Spe-
cies, deren 13 unterschieden werden, erscheinen drei neue Namen,
nämlich Z. agleniim (Car. lautum Freyer non Frauenfeld), nycteum
(Car. obesum Freyer non Schmidt^^ nyctozoilum (alpestre p. p. Freyer).
Carychium reticulatum Hauffen Verhandl. des zool. -bot. Vereins
zu Wien VI. p. 623. Taf. VII. fig. 4 aus der Höhle Bidou stürm, -r- C.
bidentatum Hauffen ib. p. 701. Taf. VII. Fig. 5. — In einer Revision
der Gattung Carychium unter Benutzung reichen Materials, Wiener
Sitzungsberichte Band 19. p. 70, nimmt Frauen feld neun Arten an,
indem er C. costatum Fr., pulchellum Fr., obesum Schm. und lautum
Frauenf. als Synonym zu Schmidti Frauenf. zieht. Eine neue Art C.
amoenutn, so wie C. obesum Schm., lautum Frauenf. und Schmidti
Frauenf. sind auf einer Tafel abgebildet.
liifiisiaeaeea« Physa Fischeriana Bourguignat Rev. et Mag.
de zool. p. 18 von Abyssinien. — Ib. p. 229 findet sich von demsel-
ben Verf. eine Aufzählung der Physae des afrikanischen Continentes.
Im nördlichen Afrika, von Aegypten bis zu den Canarischen Inseln
leben 13 Arten, unter denen folgende neue: Ph. Saidcyi aus einem
Kanäle bei Alexandrien, truncata Fer. MS. aus Syrien und Aegypten,
Raymondiana aus Algerien, Brondelii ebendaher; im eigentlichen
Afrika vom Senegal bis zum Cap leben 12 Arten, worunter neu: Ph.
Verreauxii vom Cap, cyrlouQla ebendaher. — Ph. Irilicea Lea Proc.
Philadelphia. VIII. p. 80 von Shasta County in Californien.
Planorbis papyraceus und hemisphaerula sind neue Arten von
152 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Benson Journ. As. Soc 25. p. 125 von Chusan. Was Verf. daselbst
über die Eintheilung von Planorbis in Subgenera sagt, ist mir nicht
recht klar geworden. — PL Traskii Lea Proc. Philadelphia VIII. p. 80
aus dem See Kern in Californien. — Fl. subcrenatus Carpenter Proc,
zool. soc. p, 220 von Oregon.
Amphipeplea melbournensis Pfeiffer Novit, conch. Taf. 19. fig,
14. 15.
Litnnaea plicatula und minor Benson Journ. As. Soc. 24. p. 128
von Chusan. — L. nubigena Bourguignat vom Mont Viso in den Alpen
Rev. etMag. de zool. p. 18. — L. proxima Lea Proc. Philadelphia VIII.
p.80 von Arroya San Antonio in Californien.
Eine neue Gattung in der Familie der Limnaeaceen wurde von
Lea Proc. Philadelphia VIII. p. 80 unter dem Namen Po wpÄo^a; auf-
gestellt: Testa rotundo-gibbosa, subtus retrorsa, superne planulata, non
umbilicata; spira depressa , apertura amplissima, subrotunda, efFusa ;
labro acuto ; labio incrassato, planulato ; operculum nullum. P. effusa
aus dem Sacramento.Biver in Californien.
Notobranchiata.
Eolidiae» Nyst beschrieb eine neue Alderia scaldiana aus
dem Brakwasser bei Antwerpen. Bull, de l'Acad. de ßruxelles XXII.
2. p. 435. Sie ist in Holzschnitt abgebildet.
Bullacea* BuUaea caun'na Benson Journ. As. Soc. 24. p. 128
von Chusan.
Cylichna fragilis Jeffreys Annais nat. bist. XVII. p. 188. pl.II.
Fig. 16. 17 von Spezia.
Scaphander gibbulus Jeffreys ib. p. 188. pl. II. Fig. 20. 21.
Tornalina incuUa und Haminea vesicula Gould von San Diego
Proc. zool. soc. 1856. p. 203.
Monopleurohranchiata.
Pieurobrancliidae« Umbrella ova^ü Carpenter Proc. zool.
soc. 1856. p. 161 von Panama.
itncyloidea. Aucylus patelloides Lea Proc. Philadelphia VIII.
p. 80 aus dem Sacramento-Rivcr in Californien.
Latia Petitiana Fischer Journ. de Conchyl. p. 84 von Neu-See-
land und Gassiesiana Fischer ib. p. 167. — L. lateralis Reeve Conch.
icon. von Neu-Seeland.
Siplionariacea. InReeve's Conch. icon. sind folgende Ar-
ien als neu abgebildet: Siphonaria scabra Port Jackson, laeviuscula
Valparaiso, /"M/itcMiaia Vandiemensland, canccr Neu-Seeland, venosa Cap,
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1856. 153
aequilorata Mazallan, hrasiliana Rio Janeiro, palpebrvm Lissabon, ftwr-
racheemis Kurrachee, zebra Philippinen, biftircala Fort Jackson, redU
miculumj Macgillivrayi St. Pauls -Insel, ferruginea ^ siquijorensis Phi-
lippinen, cochleariformis China, luzonica Philippinen, Baconi Neuhol-
land, corrugata Philippinen, spinosa Neu-Seeland , amara Californien,
futiginata-
Pteropoda.
Krohn hat in Müller's Archiv für Anal. p. 516 einige
Beohachtungen über die Enlwickelung der Pteropoden nie-
dergelegt, die er in Madera angestellt halle.
Er bestätigt zunächst die Angabe Müller's, dass das Wimperse-
gel sich nicht im Mindesten an der Bildung der Flossen betheilige.
— Die Cymbulien sind im Larvenzustande mit einer provisorischen
kalkigen, brechlichen Schale versehen, die zwei Windungen besitzt;
der Fuss trägt einen Deckel, das Volum ist ansehnlich, in zwei breite
Wimpel ausgezogen. Die bleibende Schale bildet sich viel später.
Verf. hat drei Arten beobachtet, von denen eine schon als Larve
Zungenzähne und Kiefer hat, die anderen nicht. — Auch Pneumoder-
mon kommt in der frühesten Entwickelungszeit ein Wimpersegel und
eine Schale zu. Dies wurde bei zwei Pneumodermon- Larven und
einer Clio- Larve beobachtet. Die Schale gleicht der der Creseis-
Larven. Die Wimperkränze bilden sich noch vor Ablösen der Schale
und dem Eingehen der Wimpersegel aus.
Von den Mundtheilen der Pteropoden hat Referent
in seinem Gebiss der Schnecken I. p. 49 — 58 gehandelt.
Die mit Schale versehenen Thiere dieser Ordnung unterschei-
den sich auch im Gebisse sehr wesentlich von den nackten. Die er-
steren besitzen mit Ausnahme der Gattung Tiedemannia, die gebisslos
zu sein scheint , zwei Kiefer und eine kurze Radula mit drei Längs-
reihen von Platten ; die letzteren haben zwei oder drei Kiefer , von
ganz anderer Beschaffenheit, und auf der Radula spitze, dornförmige
Platten mit hakig erweiterter Basis in verschiedener Zahl, zu denen
meist eine Reihe Mittelplatten hinzutritt.
Acephala.
Bracliiopoda.
Besondere Beachtung für das Studium der Brachiopoden
verdient: Classification der Brachiopoden von Thomas Da-
vidson; nach der englischen Ausgabe unter Mitwirkung des
Verfassers, des Grafen Fr. A. Marschall und mehrerer
154 troschel: Bericht über die Leistungen in der
anderer Freunde deutsch bearbeitet und mit einigen neuen
Zusätzen versehen von Eduard Suess. Mit 5 Tafeln und
öl in den Text gedruckten Figuren. Wien 1856. 4.
Carpenter verlheidigt seine früher ausgesprochenen
Beobachtungen über die Schalensiructur der Brachiopoden
gegen einige Aeusserungen von King, und beharrl nament-
lich darauf, dass die Schale aller Terebraluliden von feinen
Löchern durchbohrt, die der Rhynchonelliden undurchbohrt
seien. Annais nat. bist. XVII. p. 502.
liamellibrancliiata.
Lacazc Duthiers hat in den Annales des sc. nat. V.
p. l eine interessante Arbeit über die Entwickelung der Kie-
men bei den Lamellibranchiaten veröffentlicht, die von einer
Tafel mit Abbildungen begleitet ist. ,
Bereits im Jahre 1854 halte derselbe die Enlwiciielung der
Kiemen von Mytilus edulis der Pariser Academie vorgelegt (vgl. den
Bericht über 1854. p. 4SI). Verf. geht nun wieder von der Betrach-
tung der Kiemen dieser Muschel aus. An jeder Seite liegen zwei
Kiemen, deren jede aus zwei Blättern besteht; von diesen vier Blättern
sind die beiden mittleren oben angewachsen, das innere und äussere
oben frei; jede Kieme besteht also aus einem angewachsenen abstei-
genden Blatte, an welches sich ein aufsteigendes oben freies Blatt
anschliesst. Diese Biälter bestehen aus cylindrischen Fäden, die durch
wenige Querfäden und ausserdem durch eigenthümliche Articulationen
verbunden sind. Die letzteren bestehen in bewimperten Höcliern, die
sich mit den ihnen gegenüberstehenden durch die Verwickelung der
Wimpern aneinander heften sollen. Bei vielen Gattungen sind jedoch
die oberen Ränder der aufsteigenden Blätter angewachsen (Verf. er-
wähnt der hierauf bezüglichen Untersuchungen des Ref. in die-
sem Archiv 1847. p. 265 nicht) ; er glaubt jedoch, da diese An-
wachsung ost nur lose ist, dass doch bei allen die Entwickelung
in ähnlicher Weise stattfinde. — Nach einer ausführlichen Beschrei-
bung der jüngsten von ihm beobachteten Embryonen, in welcher
Schale, Mantel, Fuss , ßyssus und die inneren Organe berücksichtigt
werden, wendet sich Verf. zur Entwickelung der Kiemen. Bei den
jüngsten Thieren, die Verf. beobachtete, fand er 3 oder 4 Kiemen-
fäden, welche den Anfang des absteigenden Blaltcs der inneren Kieme
darstellen , und welche an ihrem unteren freien Ende verdickt er-
scheinen. Hinter ihnen sprossen neue Fäden hervor und bedecken
sich in zwei Reihen, vorn und hinten mit Flimiiiern. Die Enden der
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1856. 155
Fäden berühren sich, aber sind noch nicht verwachsen, unten be-
gegnen sie den Fäden der anderen Seite, mit denen sie ohne Ver-
wachsung alterniren. Später verwachsen die verdicltten Enden , und
zwar die der ältesten Fäden zuerst, wodurch eine Art brücke über
alle Fäden entsteht, von welcher nach inwen eine neue Lamelle auf-
sprosst, um das innere Blatt zu bilden. Erst wenn die Blätter der
inneren Kieme 20 Fäden haben, beginnt die Bildung des dritten Blat-
tes oder des absteigenden der äusseren Kieme: am Rande der Inser-
tion des absteigenden Blattes der inneren Kieme am hinteren Ende
entsteht eine Reihe von Höckern; die zu Kiemenfäden werden und
sich nach vorn hin vermehren; da jedoch das innere Blatt nach hin-
ten wächst, so überragt es bald das äussere Blatt, und dieses muss
daher, um dem anderen zu folgen, sich nach zwei Seiten hin aus-
dehnen, nach vorn und nach hinten. Die Fäden und die vierte La-
melle entstehen ganz ebenso wie bei dem inneren Blatte. Während
die absteigenden Blätter anfänglich aus Fäden bestehen, die später
verwachsen, so sind die aufsteigenden Blätter zuerst volle Lamellen,
und bekommen erst später die Spalten durch Erosion. — Ueber die
Zeit der Entstehung der Kiemengefässe ist Verfasser zu keinem Re-
sultate gekommen ; jedoch bestätigt er, dass die Kiemen früher auf-
treten als das Herz.
Sch loss berger hat in denAnnalen der Chemie und
Pharm. Bd. 98. p. 99 chemische Untersuchungen zur Kennt-
niss der Muschelschalen , des Byssus und der Chitinfrage
angestellt.
An den Auslerschalen werden drei anatomische Bestandtheile
unterschieden; die innerste Perlmutterschicht, die braunen äusseren
Schuppen und die kreideartige Schicht, Sie sind auch chemisch ver-
schieden ; die Perlmutterschicht ist am reichsten an MineralstofFen.
Unter den organischen Materien der Muschelschalen unterscheidet
Verf. braune Häute und weissliche Flocken , deren erstere beinahe
zur Hälfte aus einer in Kali löslichen und einer zweiten darin völlig
unlöslichen Substanz bestanden. S. widerspricht der Ansicht auf das
Entschiedenste, welche die organische Grundlage der Muschelschalen
für analog oder gar identisch mit dem Chitin der Insekten und Cru-
staceen erklärt. — Den Byssus der Acephaien , namentlich von Pinna
nobilis, ergab die Elementaranalyse als von ausserordentlich verschie-
dener Zusammensetzung im Vergleiche zum Chitin.
Hague^ Consul zu Ningpo, hat einen interessanten Bei-
trag über die natürliche und künstliche Erzeugung der Per-
len in China geliefert (Journal of the Royal asiatic society
XVL p. 2S0> Nach manchen Angaben über das Vorkommen
der Perleu in China, wird das Verlahreii geschildert^, wie die
15Ö Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Bewohner von Hoochow kunstliche Perlen erzeugen. Sie
schieben Metall, Knochen oder andere Gegenstände in die
Muscheln, die dann von der Perlsubstanz überzogen v^^erden.
Dieses Verfahren wird im Grossen betrieben. Zwei mit sol-
chen Perlen reich versehene Schalen sind abgebildet; sie ge-
hören der Gattung Dipsas an.
Der vorstehende Aufsalz ist in der Zeilschr. für wiss.
Zoologie VIII. p. 439 übersetzt, und p. 445 daselbst findet
sich ein Zusatz von v. Siebold über diesen Gegenstand.
Derselbe bildet zwei in seinem Besitze befindliche Muschel-
schalen mit ganz ähnlichen Bildungen wie die von Hague
ab, eine mit Perlenreilien , die andere mit Reihen kleiner
Götzenbildchen, (die vielleicht den Buddha darstellen, wie
erwähnt wird). Es werden einige ältere Notizen über die
künstliche Perlenbildung bei den Chinesen beigebracht. Dann
wird es sehr wahrscheinlich gemacht, dass die sogenannten
Coques de Perles oder Perles coqs der Juveliere auf ähnli-
che Weise in Muscheln erzeugt sind, da sie aus einem dün-
nen echten Perlenüberzuge bestehen. Schliesslich wird die
Muschel richtig als Dipsas plicatus (Barbata plicata Humphrey)
bestimmt.
Küchenmeister hat in Müller's Archiv 1856. p. 251
die Arbeit de Filippi's „SuU' origine delle Perle; estratto dal
Cimento , Fascicolo IV, Torino 1852" nebst auf eigene Un-
tersuchungen gegründeten Anmerkungen in der Uebersetzung
mitgetheilt. Der Erklärung de Filippi's, dass die Perlen sich
um einen Kern bilden, der gewöhnlich aus Cercarien, der
Larven von Distoma duplicalum bestehen, giebt Küchen-
meister im Wesentlichen seine Zustimmung, weist aber
auch in einem sich daran anschliessenden Aufsatze : „lieber
eine der häufigsten Ursachen der Elsterperlen und das Ver-
fahren, welches zur künstlichen Vermehrung der Perlen vor-
geschlagen wurde" nach, dass zuweilen auch die Brut von
einer Milbe Atax ypsilophora den Perlenkern bilde. Er räth
zur künstlichen Vermehrung der Perlenbildung, dass man die
Cercarien so wie die Milben veranlasse in die Muscheln ein-
zuwandern.
In derselben Zeilschrift p. 490 zeigt de Fil ippi an,
Naturgeschichle der Mollusken während des Jahres 1856. 157
dass er bereils früher gleichfalls jene Milbe als Perlenkern
gefunden habe, jedoch sehr selten.
Hessling hat einen Bericht über die Methode der
künstlichen Perlenerzeugung, sofern sie auf Einführung von
Schmarotzern oder deren Brut in die Muschelthiere beruht, in
den Münchener Gelehrten Anzeigen 1856. p. 126 gegeben.
Concremente aus dem Bojanus'schen Organ von Pinna
nobilis hat Schlossberger untersucht. Müller's Archiv
1856. p. 540.
Caillaud hat von Neuem eine grosse Abhandlung über
die bohrenden Mollusken in den Naluurkundige Verhandelingen
van de Hollandsche Maatschappy der Wetenschappen teHaar-
lern. Vol. XI. Haarlem 1856 veröffentlicht.
Die verschiedenen Ansichten, welche bisher über diesen Ge-
genstand ausgesprochen worden sind, werden unter sechs Gesichts-
punkte gebracht. 1. Die Pholaden entstehen in der Gesteinsmasse,
die dann um sie herum versteinert. 2. Die Höhlungen werden durch
Kieseltheilchen, die in den fleischigen Theilen des Thieres eingebettet
liegen, hervorgebracht. 3. Durch Wimperbewegung werden "VVasser-
ströme erzeugt, die aushöhlend wirken. 4. Der Stein wird durch
eine Säure aufgelöst. 5. Chemische und mechanische Mittel wirken
gemeinschaftlich. 6. Die Muscheln bohren mechanisch, wobei die
Schale wie eine Feile wirkt. Die erste, zweite, dritte und fünfte Er-
klärung werden verworfen, die Mollusken bohren theils nach der
vierten, theils nach der sechsten. — Viele Muscheln verbergen sich
nur in schon vorhandenen Löchern, bohren nicht. Pholas und Teredo
bohren mechanisch mit ihren Schalen. Die übrigen Gattungen boh-
ren vermittelst einer Säure, die nicht eine mineralische, sondern
eine organische sein soll. Diese Säure hat Verf. aufgefunden, indem
er sah, dass das durchschnittene Thier, auf Lakmuspapier gelegt, das-
selbe röthete. — INach einigen Bemerkungen über den style hyalin,
den er mit den Geschlechtsfunctionen in Beziehung bringen möchte
und der sauer wirken soll , geht Verf. die ^Jatlungen durch , welche
sich eines chemischen Mittels bedienen. — Diese wichtige Abhand-
lung scheint die interessante Frage zu einem gewissen Abschlüsse zu
bringen.
Eduard von Wahl hat im Archiv für die Naturkunde
Liv- , Ehst- und Kurlands zweite Serie I. p. 75. 1855 über
die Süsswasser-ßivalven Livlands geschrieben, wie schon im
vor. Berichte p. 96 kurz angegeben ist.
Verf. bespricht zunächst diejenigen Charaktere, welche für die
t;58 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Diagnose brauchbar zu halten sind. Er verwirft als solche das zer-
fressene Aussehen der Wirbel, Ligament, Farbe und Sculptur. Als
brauchbar werden die Contourform , die Reliefform und das Scbloss
angesehen. Zu beachten werden immer die Einflüsse sein , welche
Wohnort, Alter und Geschlecht ausüben. Nicht uninteressant sind
einige Bemerkungen über das Vorkommen der Süsswassermuscheln,
wobei Sumpfseen, Seen mit Zu- und Abfluss und Seen gemischten
Charakters unterschieden werden. — Ich stimme dem Verf. darin bei,
dass er in der Aufzählung die Zahl der Arten durch Vereinigung
zahlreicher beschriebener Formen sehr verkleinert hat. iSur U. crassus
Retz. , pictorum L. und tumidus Retz., Margarita margaritifera Retz.,
Anodonta anatina L. , complanata Ziegl. , cygnea Linn. werden als
gute Arten unter den Kajaden angesehen , denen sich noch 3 Cyclas,
3 Pisidium und 1 Dreissena zugesellen. — Auch auf die Häufigkeit
des Vorkommens der Individuen nach den Geschlechtern hat Verf.
seine Aufmerksamkeit gerichtet. Er fand das Verhältniss der Männ-
chen zu den Weibchen bei U. crassus 2:1, bei U. pictorum 2 : 3,
U. tumidus 2 : 1 , M. margaritifera 1 : l , A. anatiqa 1 : 1 , A. cyg-
nea 3 : 2.
ßourguignat stellte Revue et mag. de Zoologie p. 68
alle bisher bekannten Bivalven- Arten zusammen, welche in
jdem grossen oltomanischen Reiche vorkommen, üeberall
sind die näheren Fundorte und die Synonymie angegeben^ und
die neuen Arten beschrieben.
Das Verzeichniss umfasst 1 Pisidium, 1 Sphaerium , 2 Cyrena,
7 Anodonta, 20 Unio (darunter 5 Margaritana) , 1 Dreissena. Das
grosse Reich besitzt zwei Faunen von Bivalven , die asiatische und
die europäische. Von den 32 Arten machen nur zwei eine Aus-
nahme, die in der europäischen und in der asiatischen Türkei vor-
kommen, nämlich Pisidium casertanum und Unio terminalis. Die Gat-
tungen Anodonta, Sphaerium und Dreissena scheinen auf Europa, die
Gattung Cyrena auf Asien beschränkt; die fünf Arten Margaritana
kommen in Asien vor. Unio Prusii ist abgebildet. — Ebenda p. 226
wurden später drei neue Unionen hinzugefügt. S. unten.
.Pectinea. Den im vorigen Berichte p. 116 angezeigten
Pecten Philippii Acton hat v. Märten s bei Gelegenheit einer üeber-
setzung des kleinen Aufsatzes in den Malak. Bl. p. 194 in Peclen Actoni
umgetauft.
Arcacea* Area galaclodes Benson Journ. Asiat, soc. XXIV.
p. 139 von Chusan.
Byssoarca pernoides Carpenter Proc. zool. soc. 1856. p. 202 von
San Diego.
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1856. 159
Benson gab in den Annais nat. bist. XVII. p. 127 eine emen-
dirte Beschreibung der Gattung Scapbula , die er zuerst 1834 aufge-
stellt hatte, und die sich vor Area und Cucullaea durch den linien-
förmigen , grösstentheils zahnlosen Schlossrand, und durch die Zahl
und Stellung der Zähne an seinen Enden auszeichnet. Er giebt
jetzt folgende Diagnose : Testa aequivalvis , valde inaequilateralis,
subtrapeziformis, carina valida ab umbonibus distantibus usque ad
marginem posteriorem et basalem extendente; cardo rectilinearis, nie«
dio tenuis, ad extremitates sulcidentatas latior, dentibus anterioribus 4,
crenulatis, minutis, obliquis, posterioribus lamellatis, parallelibus, in-
tus oblique descendentibus , 4 ad 6, primo obliquis, demum transver-
sis, raro bifurcatis, munita ; ligamentum exterius , rhombiforme , inter
umbones situm ; epidermis tenuis vel crasse lamelloso-rugosa ; musculi
adductoris impressio antica unica , posteriores duae subdistantes quo-
rum inferior oblongo-quadrata ; pallii impressio integra. Ausser der
früher aufgestellten Art S. Celox wird auch eine neue S. Pinna aus
dem Flusse Tenasserim beschrieben.
Peclunculus Grayanus Dunker Proc. zool. soc. 1856. p. 357 von
Neuseeland.
j%^iiciila.cea* Nucula Bellottii aus den nördlichen Meeren,
nitidula von Neuseeland, Laijardii von Ceylon, margariiacea von Ma-
lacca , Paytensis von Peru, gibba von Australien, crenulala von Gua-
deloupe, simplex von Sidney, Stränget von Neuseeland, paulula von
Japan, slriolata von China, sulcata von Neuseeland, castanea ebenda-
her, Adams Proc. zool. soc. p. 51.
Leda electa von Brasilien, siliqua aus den nördlichen Meeren,
concinna von Neu-Seeland , inornata von Neu-Guinea, fastidiosa von
Neu-Seeland , bellula und inconspicua von Australien , lugubris ohne
Angabe des Vaterlandes, lepida von den Philippinen, decora von West-
indien, fulgida von Port Essington , semisulcata von Borneo , plicifera
China Adams Proc. zool. soc. 1856. p. 48.
Yoldia lepidula Adams Proc. zool. soc. 1856. p. 50 von Borneo.
EtJieriacea,. Etheria stcphanensis Moricand Journ. de Conch.
p. 178. pl. 7. fig. 10 von Guallaya am Amazonenflusse; die erste ame-
rikanische Art dieser Gattung.
iVajades. Oscar Schmidt hat wieder einen Bei-
trag zur Enlwickelung der Najaden geliefert. Seine Beob-
achtungen beziehen sich auf Anodonta cygnea und Unio pi-
ctorum. Es ergiebl sich, dass in der Enlwickelung der Mu-
scheln manche Differenzen vorkommen, und Verf. kommt
auch zu der Ansicht, dass man in der neueren Zeit der Ent-
wickelungsgeschichte einen grösseren Einfluss auf die Sysle-
160 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
matik einräumt, als stalthaft ist. Sitzungsber. der Wiener
Acad. Bd. XIX. p. 183.
Langer besprach das venöse und respiratorische Ge-
fäss-System der Anodonten, so wie den Wasser-Aufnahrns-
apparat dieser Thiere. Sitzungsber. der Wiener Akad. XX.
p. 150.
Hiernach ist das Blutgefässsystem geschlossen ; die Blutzufuhr
zu den Kiemen geschieht durch die Gefässnetze des Bojanus'schen
Körpers. Unmittelbare Wasseraufnahme in das Blut findet statt, der
Bojanus'sche Körper (Niere) ist das Aufnahmsorgan. Verf. hält es
für wahrscheinlich , dass die Wasseraufnahme in das Gefässsystem die
Zufuhr von Kalk für die Schalenbildung vermittelt. Auf den Mecha-
nismus der Wasseraufnahme nehmen die Bewegungen der Schale
Einfluss.
Trask beschrieb in Proc. California Academy I. p. 28 drei neue
Anodonten aus dem Sacramento und den Lagunen : Anodonta Ran-
dallif trianfjularis und rotundovata. — Anodon gibbum Benson Journ.
Asiat, soc. XXIV. p. 135 von Chusan.
Drouet machte Bemerkungen über Anodonta cygnea und pon-
derosa. Sie senken sich erst in den Schlamm ein , wenn es friert ;
sie sind ungemein fruchtbar, und vielleicht sei die Milbe, welche
parasitisch in ihnen lebt, nach den Species verschieden (?) Journ. de
Conch. p. 123.
Margaritana Opperti Bourguignat Rev. et Mag. de zool, p. 71.
aus dem Euphrat. *
Alasmodon Yubaeensis Trask Proc. California Acad. L p. 31 aus
dem Yuba-Flusse.
Isaac Lea stellte ein neues Subgenus zwischen Monocondylea
und Margaritana auf, welches er Plag io d on nannte: testa aequival-
vis, inaequilatera , oblique trigona , valde inflata; dentibus cardinali-
bus crenulatis, compressis, transversis, curtis, in utraque valva dupli-
cibus ; dentibus lateralibus nuUis; ligamentum vix exlrorsum ; impres-
sio muscularis antica composita. PI. isocardiodes vom Rio Plata. Proc.
Philadelphia VIlLp. 79.
In der Küster'schen Ausgabe des Martini - Chemnitz'schen Con-
chylien-Cabinets sind folgende Arten der Gattung Unio als neu abge-
bildet: U. nalolicus Küster aus Natolien bei Brussa, modeslus Char-
pentier aus Chili, expansus Charp. aus Brasilien, rhuanicus Pfeiffer aus
Brasilien, ravislellus Morelet aus Guatemala, limensis Charp. aus Peru,
Gassiei Grateloup aus Chili , Verrauxi Charp. vom Cap , Fellmanni
Desh. von Algier , Shullleicorlhi Charp. aus Neuholland , labascoensis
Charp. aus Mexiko, plicatulus Charp. aus Mexiko, rugulosus Charp. aus
Naturgeschichte der Mollusken während des Jahres 1856. 161
Neuholland, coloraltts Charp. aus Mexiko, fncoior Küster aus dem Nil
und rugifer Küster ebendaher.
Lea charakterisirte Proc. Philadelphia VIII. p. 92 kurz folgende
25 Unionen: U. Hainesianus, Myersiamis, Housei, gravidus, inornalus,
eximius, lumidulus, ruslicus, sagitlarius , substriatuSj scobinatuSf hutnilis,
jjhaselus , nucleus sämmtlich von Siam , Intens von Newville Burmah,
Veneaitxianus und africanus vom Cap , Shurtleffianus aus dem Sina-
River in Indien, Bi'ownii von Mocha in Asien, effulgenSf Dunkerianus^
Whealleanns, suamdicus aus Brasilien, umbrosus aus Mexiko und Shittt-
leworlhü aus Australien. — Desgleichen ib. p. 103 die folgenden: U.
Coloradoensis aus Texas, NvUallianus aus Indien, Cambodiensis aus
dem Takrong- River bei Korat in Cambodia , Newcombianus aus dem
Nicaraguasee.
U. lepidus und coruscus Gould Proc. Boston Soc. VI. p. 15 von
Florida.
Benson beschrieb Journ. Asiat, soc. XXIV. p. 136 U. (Theli-
derma Swains.) Leaii Gray und fügte dieser Gruppe eine neue Art U.
ditergens hinzu.
Vnio Vescoi Bourguignat aus Anatolien, U. Schwerzenbachii Par-
reiss ebendaher und U. Fritsii von Rhodus (letztere fossil) Rev. et
Mag. de Zoologie p. 74. — U. Grelloisianus , lunulifer und Jordaniens
Bourguignat ib. p 227 aus dem Jordan.
]?Iy4ilacea. Dunker stellte Proc. zool. soc. 1856. p. 358
folgende neue Mytilaceen auf: Mijlilus splendens von Peru, rostratns
von Vandiemensland, horridus von Neuholland, atropnrpureus von West-
afrika , Morrisi von Guinea, Adamsiamis von Panama, obscurns von
Sydney, cuvvatus von Luzon, — Volsella gubernaculunif arata von
Neuholland, Fortunei von China, subpurpurea vom Senegal, tristis von
Chusan, perfragilis von den Molukken , midulala ebendaher, japonica
von Japan, ylaberrima von Sydney, inconslans von Vandiemensland,
subsulcala von Manila, seligem^ ßavida von Manila, splendida von Ca-
lifornien — Modiolarca snbtorla von Neuholland , — Lanistina nana
von Port Lincoln , coticinna von den Philippinen , — Crenella bulla
von Luzon.
Benson beschrieb Journ. Asiat, soc. XXIV. p. 134 als neu von
Chusan: Myiilus niger^ Dreissena pui'ptirascens ^ Modiola Senhonsia.
Modiola nitens Carpenter Proc. zool. soc. 1856. p. 202 von Ca-
lifornien.
Bourguignat will den von Pallas der bekannten Dreissena ge-
gebenen Namen polymorphus, weil Pallas ihn auf zwei Arten anwendete,
die er als Varietäten derselben Art ansah, auf die Art des Kaspischen
Meeres, die ein wahrer Mytilus ist, beschränken ; die Art der Wolga
nennt er Dreissena fluvialüis. Rev. et Mag. de zool.
Archiv f. Naturgesch. XXIIl. Jahrg. 2. Bd, L
162 Troschel: Bericht über die Leistungen in der
Carditacea* Cardita gracilis von Portorico und Conradi
von Florida Shuttleworlh Journ. de Conch. p. 173.
Cardiacea« Gosse beschrieb die Siphonen von Cardium
exiguum so wie eine Art Byssus , welche das Thier in feinen Fäden
spann, und verdeutlichte seine Angaben durch eine hübsche Abbil-
dung. Annais nat. bist. XVIIl. p. 257.
Cardium Loroisii Huppe Rev. et Mag. de Zool. p. 47, p. 470 u.
pl. 19. flg. 1 ohne Angabe des Fundortes. — C. Egmonlianum Shutt-
leworlh von Florida, Journ. de Conch. p. 172. — C. crtientaium Gould
von San Pedro (wahrscheinlich = C. substriatum Conr.) Proc. zool.
Boc. 1856. p.201.
liucinacea. Liicina Ärtemidis Carpenter Proc. zool. soc.
1856. p. 201 von Acapulco.
Cycladea« Gassi es berichtigte einige Synonyme der Gat-
tung Pisidium. Journ. de Conch. p. 140. — P. subtruncalnm^ arcaeforme
und personatum Malm Kongl. Vet. o. Vitt. Samhällets i Götheborg
Handl. för är 1853—54 von Christianstadt.
Sphaerium pallidvm Gray Annais nat. bist. XVII. p. 465 aus der
Nähe von London, die Gwyn Jeffreys ib. p. 74 für identisch mit Cy-
das lacustris erklärt. — Sph. pisidioides Gray ib. XVIII. p. 25.
iVyiiipIiacea. Teilina speciosa Deshayes Journ. de Conchyl.
p. 81 aus dem rothen Meere. — T. Deshayesii Carpenter Proc. zool.
»oc. 1856. p. 160 von Panama,
w! Slrigilla disiuncta Carpenter ib. p. 160 ebendaher.
*' Psammobia solida von Chile, amelhyslus von Ceylon, afßnis von
Neu -Seeland und den Philippinen, lellinaeformis Reeve Conchyl.
iconica.
Capsa tahiletisis Reeve ib.
Sanguinolaria iridescens Benson Journ. As. soc. XXIV. p. 138
von Chusan.
Jphigenia media Shuttleworth Journ. de Conchyl. p, 174 von
Portorico.
liiilkOjpliag^a. Die Gattung Venerupis enthält nach Sowerby's
Thesaurus 28 Arten, unter denen neu: V. fimhriatat inlersiriata und
tutnida, alle ohne Angabe des Vaterlandes. — Die Gattung Pelricola
umfasst ib. 20 Arten, unter denen nur F. bicolor neu.
Astartacea. Der Gattung Astarte gehören nach Sowerby's
Thesaurus 16 Arten an, worunter A. intermedia vom Norden Euro-
pa's, subaequilatera von Neufundland, oblonga als neu aufgestellt sind.
Concliae. In Sowerby's Thesaurus sind Verbesserungen und
Nachträge zu der Familie der Veneriden gegeben, die sich auf die
Naturgeschichte d^r Mollusken während des Jahres 185Ö. 1-63
Gattungen Cytherea , Circe , Tapes und Venus beziehen. Von neuen
Arten sind aus diesem Nachtrage zu erwähnen : Cytherea grata Des-
liayes, planisulcata Sow. , albodorsata Sow. , Hneolata Sow. , simplex
Sow. — Tapes anatina Sow. (virginea Philippi) , inaequatis Sow., —
— Veyius parva Sow., sphaerisulca Deshayes. Leider sind diese alle
fast ganz ohne Beschreibung geblieben , und der Leser ist daher fast
ausschliesslich auf die Abbildungen angewiesen.
Ausserdem sind aus dieser Familie noch an neuen Arten zu
erwähnen :
Cytherea Valenciennesi Larois Rev. et Mag. de zool. p.47I
pl. 19. fig 2 ohne Angabe des Vaterlandes. — C. sublrigona Dunker
Proc. zool. soc. 1856. p. 357.
Venus fChioneJ excavala Carpenter Proc. zool. soc. p. 216 von
San Diego in Californien.
Tapes cahdonica Bernardi Journ. de Conchyl. p. 82 aus Neu-
Caledonien, — T. gracilis Gould von San Pedro und tenerrima Car-
penter von Panama. Proc. zool. soc. 1856. p. 200.
Triquetrn lanceolata Lea von China ? Proc. Philadelphia VIIL
p. 79.
Jflactracea. Neue Arten: Maclra proxima Larois Revue et
Mag. de zool. p. 471. pl. 19. fig. 3 ohne Angabe des Vaterlandes. —
il7. Mariae Adams Proc. zool, soc, 1856. p. 53. — M. lacinata Car-
penter Proc. zool. soc. 1856. p. 161 von Panama.
Mulinia portoricensis Shuttleworth Journ. de Conch. p. 174 von
Portorico.
Setnele plfinala Carpenter Proc. zool. soc. p. 160.
Scrobicularia viridi.tincla Carpenter ib, p. 160. — Sc, Seychel-
laruin Adams ib. p. 53 von den Seychellen.
üeiliatlae. Aus dieser Familie beschrieb Hanley vier neue
Arten Proc. zool. soc. 1856. p. 340: Monlacuta coquimbensis von Co-
quimbo, Kellia tellinoides von den Philippinen, Pythina mactroides vom
Cap und nuculoides von den Societätsinseln.
Pythina arcuata , Cumingii, paula , peculiaris, triangularis sind
neue Arten von Adams aus dem Indischen Ocean Proc. zool. soc.
1856. p. 47.
Corbiilacea. Corbula polychroma Carpenter Proc. zool. soc.
p. 198.
Solenacea. Novaculina constricta ist von Benson Journ
Asiat, soc. XXIV. p. 139 beschrieben, sie stammte von Chusan.
Myacea. Wo od ward bildete das Thier von Panopaea in
Holzschnitt ab , und zählte die neun lebenden Arten dieser Gattung
auf. Annais nat. hist. XVIII. p. 415.
164 Troschel: Bericht über die Leist. in der Naturgeschichte u. s. w.
Tubicolae. Ein Verzeichniss der Arten der Gattung Te-
redo, in welchem 12 Arten aufgezählt werden , und welches im fol-
genden Hefte fortgesetzt werden soll, lieferte Fischer Journ. de
Conchyl. p. 129. Er gruppirt die Arten in solche mit einfachen und
solche mit zusammengesetzten Paletten. Eine Art T. divaricata Desh.
MS. ist pl. 7. Fig. 7—9 abgebildet.
Teredo thoracitesGoxüd Proc. Boston Soc. VI. p. 15.
:iq{'W)f;l!
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■I . 1,-) Si^.lllli . II
iiir
Bericht über die lieistuiig-eii in der IVatur-
g^esciiiehte der niederii Thiere \¥älireiid des
Jalires 1950.
Von
19 r« Rud. lieuckart,
Professor in Giessen.
Die vom Refdrenten verfassten „Nachträge und ße-
richtigungen zu dem ersten Bande von J. van der Hoeven's
Handbuch der Zoologie« Leipzig 1856 (148 Seiten, auch in
holländischer Uebersetzung erschienen) enthalten eine syste-
matisch geordnete Uebersichl der in den letzten zwölf Jah-
ren gemachten wichtigsten Entdeckungen aus der Naturge-
schichte der wirbellosen Thiere. Eine besondere Berücksich-
tigung finden dabei die Infusorien, Coelenteraten, Echinoder-
men, Eingeweidewürmer, Roliferen und Tunicaten, deren Bau
und Entwickelungsgeschichte vom Ref. in zusammenhangen-
der Weise nach den neueren Beobachtungen geschildert wird.
Die Systematik ist meist nur in so weit berücksichtigt ;, als
sie auf die einzelnen grösseren Gruppen Bezug hat.
VonHuxley erschienen vortreffliche „Lectures on ge-
neral natural history," leider an einem Orte, der sie dem
zoologischen Publikum zumTheil unzugänglich machte in den
Medical times and gazette. Die neun, im Jahrgange 1856
dieser Zeitschrift (Vol. XII u. XllI) publicirten Vorlesungen
beschäftigen sich — abgesehen von der kurzgefassten allge-
meinen Einleitung über Organismus, Thier, thicrische Formen
166 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
und Functionen, Forlpflanzungsweise u. s. w. — mit den Or-
ganisationsverhältnissen der niederen Thiere, die mit grossem
Geschicke und umfassenden Kenntnissen , ganz im Sinne un-
serer modernen wissenschaftlichen Zoologie, als deren Haupt-
vertreter in England unser Verf. betrachtet vi^erden darf, ge-
schildert werden. Wir werden die unserem Verf. eigenthüm-
lichen Ansichten und Beobachtungen an den geeigneten Orten
noch besonders hervorheben und erwähnen hier nur so viel,
dass derselbe fünf grosse Thierkreise (subkingdoms) unter-
scheidet; Protozoa, Coelenterata, Annulosa (mit den Echino-
dermen), Mollusca (mit den Bryozoen) und Verlebrata.
Die „zoonomischen Briefe" von Bur m eis t er (Leipzig
I, II) bilden ein Werk über allgemeine Zoologie , dessen
Zweck nach des Verf. eigenem Ausspruche dahin geht, nicht
sowohl dem Zoologen, als vielmehr dem wissenschaftlichen
NichtZoologen eine Uebersicht der thierischen Organisation
zu geben und dabei eine Prüfung des gegenwärtigen Inhaltes
der Wissenschaft zu versuchen. Die vorliegenden zwei Bände
behandeln die Cuvier'schen Radialen , Mollusken und Arliku-
laten mit Ausschluss der Hexapoden, und zwar der Art, dass
die Darstellung des Gesammtbaues den einzelnen grösseren
und kleineren Gruppen vorausgeht und dieser eine systema-
lisirte Skizze der Hauptformen nachfolgt. Um den Standpunkt
unseres Verf. zu charakterisiren, heben wir hervor, dass der-
selbe in der Zoologie nun einmal nichts Anderes sieht, als
„die Formenlehre des Thierreichs", deren Aufgabe, als Wis-
senschaft, darin bestehe, die Mannichfaltigkeit der thieri-
schen Gestalten auf ihre Einheiten zurückzuführen und aus
der schematischen Grundlage nicht bloss die Möglichkeit
einer grossen formellen Mannichfaltigkeit darzuthun, sondern
auch die wirklich vorhandenen abgeleiteten Formen sachgemäss
zu entwickeln (I. S. 25). Nach der allgemeinen Verschiedenheit
der Formen überhaupt unterscheidet Verf. drei Hauptlypen
der Thiere und demgemäss auch drei Hauptlhiergruppen : die
irregulären (?) Thiere oder Protozoen , die regulären Thiere
oder Radialen und die symmetrischen Thiere (Mollusken, Ar-
ticulaten, Wirbelthiere). Ref. bezweifelt, dass eine solche
Auffassungsweise unter den heutigen Zoologen grösseren Bei-
fall findet und glaubt, dass Verf. auch sonst in seinen An-
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 167
sichten mehrfach in der Minorität bleiben wird. Dass Verf. bei
seiner Systematik auf den allg-emeinen Habitus und den Ge-
sammtbau des Körpers ein besonderes Gewicht legt, ist ge-
wiss sehr lobend anzuerkennen, doch darf darüber nicht ver-
gessen werden, dass wir hiermit allein nicht ausreichen und
der sog. unterscheidenden Merkmale im Allgemeinen um so
weniger entbehren können, je zweifelhafter in einem concre-
ten Falle die Stellung eines Thieres oder einer Thiergruppe
überhaupt ist. Verf. hat das auch, trotz aller Polemik gegen
„die moderne Zoologie mit ihren specifischen Charakteren,«
selbst sehr wohl herausgefühlt — oder wären die bei ihm so
beliebten festen Zahlenverhältnisse (die sich in vielen Fällen,
z. B. bei den Cyclopiden und anderen niederen Arthropoden-
formen überdicss als ganz unzulänglich erwiesen) etwas An-
deres, als solche specifische Charaktere? Im Uebrigen wer-
den heuligen Tages gewiss Viele dem Verf. völlig beistim-
men , wenn dieser das „System" jenes Scheines der Realität
entkleidet, die für dasselbe so oftmals in Anspruch genom-
men ist.
A g a s s i z veröffentliclit die erste Abtheilung des er-
sten Bandes seiner „ Contributions of the natural history
of the united stales of North - Anierilia" (ohne Jahreszahl).
Dieselbe bildet gewissermassen die allgemeine Einleitung
der späteren speciellen Beobachtungen und handelt über
Classification und Systematik („essay on Classification").
Verfasser geht dabei von dem Gesichtspunkte aus, dass das
natürliche System nicht bloss den anatomischen Bau und
die Organisationsverhältnisse der Thierformen zu berücksich-
tigen habe , sondern in gleicher Weise auch die Entwicke-
lur.gsgeschichle, die Beziehungen zu den Gruppen, denen die
einzelnen Formen angehören , die Reihenfolge ihres ersten
Auftretens , ihre geographische Verbreitung und überhaupt
ihren Zusammenhang mit der umgebenden Natur in's Auge
fassen müsse. Alle diese Verhältnisse werden mit anderen
verwandten (Metamorphose , Lebensdauer u. s. w.) desshalb
denn auch von unserem Verf. in besondern Capiteln abge-
handelt, bevor derselbe den einzelnen grösseren und kleine-
ren natürlichen Gruppen und den hauptsächlichsten älteren
und neueren Systemen seine Aufmerksamkeit zuwendet. Das
168 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
System, welches Agassiz selbst für das natürlichste hält,
ist folgendes:
I. Rad lata.
1. Polypi mit den Ordnungen der Actinieen und Hal-
cyoniden.
2. Acaiephae mit den Hydroiden (incl. Siphonophoren),
Discophoren und Clenophoren.
3. Echinodermen mit den Crinoiden, Asteroiden, Echi-
noiden und Holothurien (exci. Sipunculoiden).
II. Mollusca.
1. Acephala mit den Bryozoen (incl. Vorticellen), Bra-
chiopoden, Tunicaten und Lamellibranchiaten.
2. Gasteropoda mit den Pteropoden, Heteropoden und
eigentlichen Schnecken.
3. Cephalopoda mit den Tetrabranchiaten und Dibran-
chiaten.
III. Articulata.
1. Vermes mit den Trematoden, (incl. Cestoden, Pla-
narien und Blutegel), Nematoden (incl. Acanthocephalen und
Gordiaceen) und Anneliden.
2. Cruslacea mit den Ilotiferen, Entomostraken (incl.
Cirripedien), Telradecapoden und Decapoden.
3. Insecta mit den Myriapoden, Arachnoiden und He-
xapoden.
IV. Vertebrala.
1. Myzontes mit den Myxinoiden und Cyclostomen.
2. Pisces mit den Ctenoiden und Cycloiden.
3. Ganoidei mit den Coelacanthen, Accipenserinen und
Sauroiden, vielleicht auch den Siluroiden, Plectognathen und
Lophobranchiern.
4. Selachii mit den Chimaeren, Haien und Rochen.
5. Amphibia mit den Coecilien, Ichthyoden und Schwanz-
losen.
6. Reptilia mit den Schlangen, Sauriern, Rhizodonten
und Tesludinaten.
7. Aves mit den Schwimmvögeln, Sumpfvögeln, Hühner-
vögeln und Nesthockern (incl. Kletler- und Raubvögel).
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 169
8. Mammalia mit den Beullern, Pflanzenfressern und
Fleischfressern.
Von L e y d i g erhielten wir ein „Lehrbuch der Hi-
stologie des Menschen und der Thiere." Franlifurt a. M.,
in dem auch den mikroskopischen StruklurverhäUnissen der
niederen Thiere , wie das freilich vom Verfasser nicht an-
ders zu erwarten war, gebührende Rücksicht geschenkt
ist. Wir werden später oftmals Gelegenheit haben, auf die-
ses Werk, das eine wirkliche Bereicherung unserer Litera-
tur ist, zurückzukommen. Mag man auch vielleicht nicht in
allen Einzelnheiten mit dem Verf. übereinstimmen , mögen
auch hier und da C namentlich physiologisch ) irrlhümliche
und unhaltbare Angaben mit untergelaufen sein, man wird
den ersten Versuch einer „vergleichenden Histologie" gewiss
dankbar aufnehmen und willig anerkennen, dass Niemand,
wie Verf., in gleichem Maasse dazu berufen war, ein so
schwieriges Wagstück zu beginnen und glücklich zu Ende
zu führen. Besonders hervorzuheben ist es namentlich auch,
dass die Angaben des Verf. mit wenigen Ausnahmen alle auf
eigenen Untersuchungen beruhen. Wir berücksichtigen das
Werk bereits in diesem Jahresberichte, obwohl es auf dem
Titel die Jahreszahl 1857 trägt, theils, weil ein so wichtiges
Werk nicht früh genug auch in seinen Einzelnheiten (die bei
der gewiss eben nicht sehr zweckmässigen Anordnung des
Materials und dem — leider ! — vollständigen Mangel eines
Registers sich oftmals dem Leser verstecken) , so weit uns
diese hier interessiren, dem wissenschaftlichen Publikum be-
kannt werden kann, theils auch desshalb , weil dasselbe be-
reits vor Ende des Jahres 1856 zum Abschlüsse gekom-
men ist.
Bei dieser Gelegenheit dürfen wir auch wohl der histo-
chemischen und histologischen Monographieen gedenken, die
Schlossberge r in seinem eben so fleissigen wie vortreff-
lichen Werke über die „Chemie der thierischen Gewebe" ge-
liefert hat. Der vorliegende erste Band (Frankfurt 1856) be-
handelt die Knochen und Knorpel, das Bindegewebe, Hornge-
webe, das Nervensystem und die contractilen Gebilde, also
eine ganze Reihe von wichtigen Apparaten , von denen uns
170 Leuckart: Kericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
hier besonders die Slielelformen der niederen Thiere interes-
siren dürften.
de Filippi's Abhandlung: „delle funzioni riproduUive
degli animali" Milano , die ursprünglich dazu bestimmt war,
ein Complement der Italienischen Ausgabe von M. Edward's
Elementarcursus über Zoologie zu bilden, und jetzt in zwei-
ter Auflage (1856) vorliegt, enthält eine gedrängte Uebersicht
über die Geschlechlsverhältnisse und die verschiedenen Fort-
pflanzungsweisen der Thiere , über Metamorphose , Genera-
tionswechsel, Polymorphismus u. s. w. Ueberall an einzelne
besonders charakteristische Beispiele anknüpfend, beschränkt
sich Verf. rein auf Darstellung der objectiven Thatsachen,
ohne auf die physiologischen Beziehungen und die Bedeutung
derselben weiter einzugehen.
Die Inauguraldissertation von Nölting „Einiges über
den Generationswechsel.'' Cassel 1856 enthält aber nichts
Neues, weder an Thatsachen, noch an Auffassungsweise. Verf.
schildert in wenigen Zügen den Generalionswechsel bei den
Hydromedusen, Trematoden und Cestoden, betrachtet sodann
die verschiedenen Deutungen und Auffassungen, die dieser
Vorgang erfahren hat und hebt schliesslich die Beziehungen
hervor die zwischen dem Generationswechsel (wenigstens
gewissen Formen desselben Ref.) und der Metamorphose
bestehen. Verf. schliesst sich dabei im Wesentlichen an die
Darstellung des Ref. an. Ebenso in den angehängten Be-
trachtungen über Metamorphose und Fruchtbarkeit.
Sars publicirte in Verbindung mit Koren und Da-
niellsen den zweiten Theil seiner berühmten Fauna littoralis
Norwegiae, Bergen 1856. fol.155 S. mit 12 vortrefflichen Ku-
pfertafeln , die auf Kosten des Storthing ausgeführt wurden.
Der ganze reiche Inhalt dieses wichtigen Werkes fällt mit
Ausnahme einer einzigen Abhandlung (über die Entwickelung
der Pectinibranchiaten) in den Bereich unseres Berichtes, und
werden die betreffenden Abhandlungen an den geeigneten
Stellen noch besonders angezogen werden.
Von Sars erschien ferner: Bidrag lil Kundskaben om
mittelhavets Littoral-Fauna, Reisebemaerkingen far Italien in
Nyt Mag. for Naturvidensk. IX. 1856. p. 1 10— 164 (c. t. 1.)
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 171
mit Beobachtungen über Zoologie und Verbreitung der wir-
bellosen Thiere im Mittelmeere. Der erste , bis jetzt allein
vorliegende Theil behandelt die (echten) Polypen und Hy-
droiden und wird in unserem Berichte später noch eine be-
sondere Berücksichtigung finden.
Ebenso L e i d y , Contributions towards a knowledge
of the marine Invertebrata Fauna of the coasts of Rhode
Island and New-Iersey , in dem Journal of the Academy of
nat. sc. of Philadelphia, Vol. III. P. 2. 185Ö. p. 135—152 mit
2 Tafeln Abbildungen ; ein Aufsatz, in dem zahlreiche, meist
neue (Krebse,) Würmer und Polypen beschrieben sind.
Die Fortsetzung von Stimpson, descriptions of some
new marine Invertebrata (Proc. Acad. Philad. 1855 p. 385 ff.)
enthält eine kurze Diagnose zahlreicher neuer Echinodermen
und Würmer^ die später einzeln aufgezählt werden sollen.
Der von einem Vereine dänischer Naturforscher her-
ausgegebene Naturhistoriske Bidrag til en beskrivelse af Grön-
land. Kjöbenhavn 1857 (aus Rink's Grönland, geographisk
og statistisk beskrevet selbstständig abgedruckt) enthält u. a.
auch ein Namenverzeichniss der in Grönland bisher aufge-
fundenen niederen Thiere und wird gleichfalls noch eine
mehrfache Berücksichtigung finden.
I. VePMies
(mit Einschluss der Helminthen).
Die Etudes sur l'histologie comparee du Systeme ner-
veux chez quelques annelides par Faivre (Ann. des sc.
nat. 1856. T. V. p. 337— 374. und T. VI. p. 16— 82) beziehen
sich auf den Hegenwurm und den Blutegel. Verf. giebt in
denselben nicht bloss eineDarstellung^-von der Histologie der
Nervenelemente und deren Verhalten gegen chemische Rea-
genlien , sondern auch sehr werthvolle Beobachtungen über
den Bau der Ganglien (den Faserverlauf, Lagerung der Zel-
len , Zusammenhang zwischen Zellen und Fasern u. s. w.).
Auch unsere anatomischen Kenntnisse erhalten dabei manche
interessante Bereicherung. Wir erwähnen u. a. die Entdek-
kung eines dem Systeme der sog. respiratorischen Nerven
bei den Arthropoden (Newport) analogen Nervenstranges
172 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Katurgeschichte
bei dem Blutegel , der zwischen den beiden Commissuren-
strängen herabläuft, ohne jedoch irgend welche Seitenzweige
abzugeben, die Beobachtung ferner, dass sich der sog. N.
sympathicus bei den Regenwürmern ausschliesslich auf den
Pharynx beschränkt, bei den Blutegeln aber (vgl. J. ß. XXII.
S. 359) in den Magenwandungen ausbreitet u. s. w. Ueber-
haupt finden sich zwischen dem Regenwurm und dem Blut-
egel in Betreff des Nervensystems (anatomisch/ wie histiolo-
gisch) viel grössere und auffallendere Differenzen, als man
nach den bisherigen Erfahrungen anzunehmen berechtigt war.
Was die Bedeutung des bei den Würmern so weit ver-
breiteten sog. Wassergefässsystemes betrifft, so möchte Ley-
dig (wie das Ref. wohl zuerst gethan hat, vergl. Anatomie
und Physiologie von Bergmann und Leuckart) dasselbe
jetzt gleichfalls als ein Secretionsorgan und zunächst als
Harnapparat betrachtet wissen. Vergl. Histologie S. 395.
Nach H u X 1 e y soll dieses Wassergefässsystem ein
gemeinschaftliches Attribut aller Würmer sein, also auch
den Chaetopoden und Nematoden zukommen. Bei ersteren
(ebenso auch den Echinodermen , die Verfasser bekanntlich
mit den Anneliden verbindet) wird das Blutgefässsystem (Sy-
stem of pseud-haemal vessels), bei letzteren das bekannte
schlauchförmige Secretionsorgan in diesem Sinne gedeutet.
Dafür soll der mit geformten körperlichen Elemente impräg-
nirte Inhalt der Leibeshöhle (Chylus) bei den Anneliden das
wirkliche Blut darstellen. Lectures etc. 1. c. T. XIII. p. 79,
385 u. s. w.
Eschricht's Abhandlung über die Entstehung der
Eingeweidewürmer (om indvoldsormenes Opsindelse) aus der
Tidskrift for popul. Fremstillinger af Naturvideskab. Bd. II. 2
ist mir nicht zu Gesicht gekommen.
Retzius macht einige Bemerkungen über die Entwik-
kelung von Würmern in dem Gehirne eines Albatros. Reports
br. assoc. at Glascow 1855. p. 132.
Burmeister stellt in seinen zoonomischen Briefen IL
S. 205 folgendes System der Würmer auf:
i. Vorzugsweise flache oder flachrunde Würmer, häufig ohne
alle Gliederung, mit localen Bewegungsorganen, die ent-
weder Sauggruben oder Hakenkränze sind.
der niederen Thiere wiihiend des Jahres 1856. 173
A. Helminthes. Würmer ohne Mund, Darm und After.
Gregarini, Acanthocephali und Laccocephali s. Ce-
slodes.
B. Piatodes. Würmer mit Mund und Darmkanal, und vor-
zugsweise flacher, ungegliederter Körpergestalt.
Tremalodes, Turbellarii und Hirudinei.
II. Vorzugsweise drehrunde Würmer mit allermeist deutlicher
Körpergliederung, bei denen Bewegungsorgane fehlen
oder als höchst bewegliche Borstenhöcker am Körper
auftreten.
C. Gymnodermes. Drehrunde Würmer ohne borslentragende
Fusshöcker.
Nematodes und Gephyrei.
D. Chaelopodes s. Annelides. Würmer mit borstentragenden
Fusshöckern an beiden Seiten des Leibes.
Oligochaeta , Polychaeta limnivora , P. rapacia und
Onychophora.
Nach den Ansichten von Huxley zerfallen die Wür-
mer (Annuloidea), die übrigens keineswegs von den Arthro-
poden abzutrennen sind , in zwei parallele Reihen, von de-
nen die erste die echten Anneliden (mit den Gephyreen), so
wie die Echinodermen und Rotiferen in sich fasst, während
die zweite von der Gruppe der Hirudineen, Trematoden, Ce-
stoden, Turbellarien, Nematoden und Acanthocephalen gebil-
det wird. Lectures 1. c. Vol. XIII.
Reinhardt liefert ein Verzeichniss der Grönländischen
Krebse, Anneliden und Eingeweidewürmer, Naturhistor. Bi-
drag etc. p. 28 — 49 und erwähnt in demselben 75 Anneliden
(mit 7 Lumbricinen), 2 Gephyreen, 1 Blutegel (Phylline hip-
poglossi, die Verf. demselben anschliesst, steht wohl richtiger
bei den Trematoden), 8 Turbellarien, 10 Nematoden, 3 Tre-
matoden, 2 Echir.orhynchen, 8 Cestoden. Die wenigen neuen
Arten gehören ausschliesslich der Familie der Sabellen an
und sind von Kröyer in einer besondern, später noch an-
zuführenden Schrift beschrieben worden.
174 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
A II II e 1 i d e ü.
].• Cliaetopodes«
Polychaeti s. Branchiati. L e y d i g liefert eine Dar-
stellung vom Baue des Auges bei AIciopa (nach Weingeist-
präparaten) mit einer hübschen Abbildung und macht dabei
auf die Lage der Retina hinter der Choriodea, wie auf die
eigenthümliche kammförmige Bildung der Stäbchen aufmerk-
sam. Vergl. Histologie S. 259.
Kröyer bestätigt die Beobachtung von Quatrefages
(J. B. XX. S. 312), nach der in den Augenflecken an den
Kiemenstrahlen gewisser Sabellen (Sabelia aspersa Kr. , S.
oculata Kr., S. Lynceus Kr., S. variegata Kr. und S. thora-
cica Kr.) wirkliche Linsen vorhanden seien. Die Zahl dieser
Augenflecke zeigt übrigens grosse Verschiedenheiten; bei
S. oculata Kr. beträgt dieselbe nur 10, bei S. Lynceus dage-
gen ungefähr 1200. Ebenso schwankt auch die Zahl der Lin-
sen in jedem Auge zu 8 — 50 und mehr, ßidrag til kundskab
om Sabellerne, Kongl. Vidensk. Selsk. Forh. J85Ö.
Ebendaselbst macht Verf. die weitere Entdeckung, dass
es auch unter den Sabellen Arten giebt, wie z. B. Sah. oculata
n. sp., die sich durch Quertheilung vermehren.
Huxley liefert eine genaue, auf sorgfälliger Unter-
suchung beruhende Darstellung vom äusseren Baue der Po-
lynoe squamala. Lectures 1. c. Vol. XHI. p. 27. Wir heben
daraus die Bemerkung hervor, dass der Kopf (prestomium H.)
dieser und anderer Anneliden als ein aus der Verschmelzung
mehrerer Segmente entstandener Körpertheil aufzufassen seL
Die schon im letzten Jahresberichte (XXIL S. 333) be-
rücksichtigte Abhandlung von Kinberg über neue Annula-
len aus der Familie der Aphroditeen erschien in deutscher
Uebersetzung, dieses Archiv 1856. L S. 311 ff".
Von Grube erhielten wir eine Beschreibung der von
Oersted auf seiner Weltumseglung gesammelten Anneliden
Annulata Oerstediana. Videnskab. Meddel. for1856. p. 44— 62
zunächst aus den Familien der Aphoditeen, Amphinomeen und
Euniceen. Alle beschriebenen Arten sind neu:
Hermenia (n. gen.) verruculosa n. sp. St. Jan; Polynoe. «)
elytris magnis : P. Savignyi n. sp. Callao; F. tonientosa n. sp. Costa
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 175
Rica; P. tenuiselis n. sp. Rio Janeiro; f. exanthema n. sp. Valpa-
raiso; F. crucis n. sp. Christiansted; P. clavata n, sp. ebendaher;
P. marginala n, sp. Callao ; P. Mülleri n. sp. Valparaiso; P. punclu-
lata n. sp. Rio Janeiro, ß) elytris ininimis : P. variegata n. sp. Ma-
deira; P. nigrovitfala n. sp. Rio Janeiro; Sigqlion (?) pergamentaceum
n. sp. St. Croix; Palmyra (?) elongata n. sp. ebendaher; Ämphi7iome
carnea n. sp. ebendaher; A. pavpera n. sp. Valparaiso; Notopygos
ornata n. sp. Costa Rica; Diopalra Rlmopliorae n. sp. Realejo; D.
brevicirris n. sp. Madeira; Euniee violacea n. sp. Costa Rica; E. fila~
mentosa n. sp. St. Croix; E. cariboea n. sp. ebendaher; E. Lucei n.
sp. Costa Rica ; E. splendida n. sp. Valparaiso ; E. rubra n. sp. St.
Thomas; E. punctata n. sp. St. Croix; E. quadrioculala n. sp. Costa
Rica; Anisocer as (n. gen.) rubra n.sp. St. Croix; A. villata n. sp.
Costa Rica; A. bioculata n. sp. ebendaher.
Char. gen. n. H ermenia. Genus Polynoae simile. Tentacula3,
lateralia nulla. Elylra pari primo exccpto minutissima, cum cirris dor-
sualibus ex lege Polynoarum alternantia. .Pinnae uniremes. Cutis
subcoriacea.
Char. gen. n. Aniso eeras. Corpus vermiforrae , subteres.
Lobus cephalicus quadrangulus, fronte rotundata , oculorum paribus 2
vel 1, tentaculis utrimque 2, inter se dilFerentibus , superioribus te-
nuioribus, inferioribiis crassioribus in spiram contorquendis. Segmon-
tum buccale biangulum, pinnis cirrisve tentacularibus nudum ; pharynx
exsertilis paribus maxillarum serratarum 2 armata, inferioribus antice
dilatatis, hie serratis, sibi adiacentibus, superioribus linearibus, e lon-
gitudine serratis. Pinnae uniremes vel biremes, longiusculae, subhu-
miles, cirro dorsuali et ventrali munitac, branchiis nullis. Setae al-
terae corapositae, alterae simplices, capillares. Cirri ani 4.
Ebenso beschreibt Stirn p so m eine Reihe neuer Anne-
liden vom Cap und von Neuholland.
Lepidonole semilecta n. sp. Cap d. g. H. ; Nereis aperla n. sp.
und N. inendax n. sp. ebendaher; Lysidice robtista n. sp. Port Jack-
son; Nephthys longipes n. sp. Botany-Bay; Glycera Kraussi Cap der
guten H. , Cirralulus australis n. sp. ebcndah. ; Chaetopterus luleus
n. sp. Port Jackson und Ck. capensis n. sp. vom Cap d. g. H. ; -S/-
phonostomum laeve und Tecturella luctator n.sp. beide vom Cap (Proc.
Acad. Phil. 1855. p. 391).
Leidy beschreibt von Rhode-Island und New-Jersey
(Journ. Acad. Philad. T. III. P. 2. p. 144 ff.) folgende meist
neue ßorstenwürmer :
N arag anseta (n. gen.) corallH n. sp. aus Gängen und ab-
gestorbenen Partieen von Astrangea astraeformis, Sabella oculifera n.
sp., Clymene urceolalus n. sp. , €1, lQr^}ii$^^S: n. sp,,, PßcUnariq aurU
176 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
cowmGr., Terehella ornala n. sp , Torquea (n. gen.) eximia n. sp.,
Cirrätulus frägilis n. sp. , Lumbviconereis splendida Bl. , Eunice san-
guinea Mont., Glycera amcricana n. sp. , Siphonostomum affine n. sp.,
Lepidonotfe armadillo (Boss ) Leidy (= L. punctata Oerst.) , Sigalion
Mathildae Aud. et Edw., Ophelia simplex n. sp.
Die beiden neuen Geschlechter tragen folgende Charaktere:
Naraganseta Leidy. Body cylindrical, narrowed posteri-
orly; no lateral pinnae; segments numerous; those anteriorly furnished
with a few , simple, cylindrical, lateral tenlaculae; anterior segments
•with four rows of simple setae infascicles; succeeding few segments
with Iwo rows of simple setae and two rows of cochleariform po-
dal spines; posterior segments with four rows of cochleariform spi-
nes. Upper lip distinct, conical, eyes none.
Torquea Leidy. Body cylindrical, narrowed al the extremi-
ties. Tentaculae numerous, attached laterally to the head, capable of
very great extension and contraction by the passage to and fro of
blood corpuscles from the cavity of body. Eyes none. Setae two
rows , three to twelve in a fasciculus, extremities lanceolate. Podal
hooks in two rows, short, from twelve to forty in each transverse
series supported at the edge of a laminar process stiflFened with fine,
simple setae.
Von besonderem Werthe sind die genauen und delail-
lirten , mit schönen Abbildungen erläuterten Beschreibungen,
die Sars über eine Anzahl meist neuer (theilweise auch
schon früher, J. ß. XX. S. 324, beschriebenen) Anneliden in
der Fauna liltor. Novegiae II publicirt hat, über: Spiochae-
topterus (n.gen,) typicus n. sp., p. i — ^9. Tab. I. fig. 8 — 21,
Notomaslus latericeus Sars p. 9—13. Tab. IL fig. 8 — 17 , Cly-
mene Mülleri n. sp., Cl. quadrilobata n. sp. , Cl. lumbricalis
(Fabr.) Sars p. 13—18. PI. 1. Fig. 1—7. PI. II. Fig. 18—22,
Sabellides cristata Sars p. 19—21. PL II. Fig. 1—7, S. oclo-
cirrata Sars (1835), S. borealis n. sp. (S. octocirrala Sars
1851), S' sexcirrata n. sp.
Das neue, höchst interessante Gen. Spir ochae ta, das den son-
derbaren Bau von Chaetopterus auf das Unverkennbarste den Organisa-
tionsverhältnissen der Aricinen annähert, trägt folgend^ Charaktere:
Corpus filiforme, antice truncatum , ibique infra et ad latera labium
formans carnosum , spathulatum seu subinfundibuliforme , in cuius
fundo OS. Lobus capitalis supra os parvus, rotundatus , oculis nul-
lis. Cirri tentaculares duo longissimi et sulco longitudinali ornati.
Segmenta novem antica corporis depressa, brevia , mamillis pedalibus
conicis seu pyramidalibus solummodo dorsalibus (ventralibus carenti-
bus), setis instructis capillaribus apice subhastato-acuto non in fasci-
der niederen Thiere während des Jahres 18S6. ilf
•
culuni congestis, sed seriem transversam seu ad longitudinem mamil-
larum formantibus, segmenlum quartum etiam seta validissima apice
oblique truncato et denticulo ornato. Segmentum decimum et unde-
cimum subteretia, longissima, pinnis seu mamillis pedalibus foliaceis
ornata scilicet una dorsali fasciculum setarum capillarium non exser-
tilium includente et duabus venlralibus absque setis. Segmentum duo-
deciraum et omnia sequentia (quoruni numerus fere 130 — 140) subte-
retia , anteriora longa sensimque posterius breviora, pinna dorsali
conica vel subcylindrica apice globoso et fasciculo setarum capilla-
rium instructa , ventrali duplici ut in segraento 10 et 11 et absque
setis. Animal in tubo inclusum erecto, longissimo, cylindrico, perga-
mentaceo, tenuissime transvefse sulcato seu annulato, extremitate in.
feriore affixo.
Kröyer liefert einen „Bidrag til kundskab om Sabel-
lerne , isaer de nordiske** in den Kongl. danske Vidensk.
Selsk. Forliandling. 1856 , und beschreibt darin, nach einer
historischen und kritischen Einleitung (in der auch die oben
schon angezogenen Mittheilungen über einige anatomisch-
physiologische Verhältnisse unserer Thiere niedergelegt sind)
27 neue Arten:
Sahella analis , S. rigida, S. tuberculosaf S. aspersa^ S. Fabriciif
S. infarcta, alle sechs aus Grönland, S. oculata, S. paucibratiohialaf
S. tenuissima y S. Sarsii, S. picla und S. pumilio aus Korwegen; S,
Sosias und S. Mülleri von unbekanntem Fundorte, S. lingual S. fide^
lia, S. crispttf S. f?J variegala ^ S. nudicollis und S. thoracica aus
Westindien, Anamoe Laea (n. gen.) Oerstedii ebendaher, Chone in-
fundibuliformis aus Grönland, Ch. suspecta und Ck. flabelligera aus
Norwegen, Myxicola Sleenstrupii von den Färöen, Spirographis Januarii
aus Rio Janeiro, In der Einleitung zu diesen Beschreibungen wer-
den gelegentlich noch drei andere Arten von Myxicola charakterisirt:
31. infundibulum Mont. (non Sars), M. Sarsii n. sp. und M. Gru-
bii n. sp.
Das neue Gen. An,amoebae a unterscheidet sich von Sabella
dadurch, dass kein Wechsel in der Stellung der Borstenhöcker und
Querwülste stattfindet.
In den Lectures etc. von Huxley (1. c. XIII. p. 30) wird ge-
legentlich auch eine neue Art des Gen. Polynoe erwähnt, P. asleri-
cola, die unter Seesternen lebt, und sich durch grosse, flimmernde Her-
vorragungen an ihren Fusshöckern auszeichnet, in denen die blinden
Endigungen der Magenanhänge liegen,
Marcel de Serres sucht gegen Shuttleworth (J, B. XXII.
S. 339) die Berechtigung seines Gen. n. Stoa aufrecht zu erhalten und
ßtützt sich dabei namentlich auf gewisse von Spiroglyphus verschiedene
Archiv f, Naturgesch, XXllI. Jahrg. 2. Bd. ]\1
178 Lenckart: Bericht üb. d. Leislungen in d. Naturgeschichte
Verhältnisse im Vorkommen seiner Schalen. Annal. des sc. nat. 1856.
T. V. p. 168.
Oligochaeti s. Lumbricini. K. Hering publicirt Be-
merkunoren „zur Anatomie und Physiologie der Generations-
organe des Regenwurms" (Zeitschriit für vviss. Zool. 1856.
S. 400— 425. Taf. XVIII), durch welche die dem Verf. im
Detail noch nicht bekannten Untersuchungen von d'Ukedem
(J. ß. XXII. S. 341) theils beslätigt, theils auch durch manche
interessante Angaben ergänzt werden. Eine Bestätigung fin-
det zunächst die d'ükedenrsche Entdeckung des Ovariums,
nur dass dieses nicht im 12., sondern im 13. Segmente ge-
legen ist. Die Art und Weise, wie die Eier nach Aussen
treten , ist dem Belgischen Zoolomen unbekannt geblieben ;
Verf. weist nach , dass dieselben durch Dehiscenz frei wer-
den und dann in einen kurzen, mit weiter trompetenförmiger
Oeffnung (tuba) beginnenden Eileiter gelangen , der im fol-
genden, 14. Segmente ausmündet. Die Wand der Tuba trägt
am oberen Rande eine kleine taschenförmige Aussackung, in
der die gelösten Eier eine Zeit lang verweilen und sich an-
sammeln. Was man früher (auch d'Ukedem) als Hoden be-
schrieb , wird von unserem Verf. als Samenblase gedeutet.
Derselbe weist nach , dass diese Gebilde in der Mittellinie
durch zwei (im 10. und 1 1. Ringe gelegene Paare) breiter
Commissuren zusammenhängen und hier im Innern noch
zwei Paar besondere kleine Organe einschliessen , die genau
nach dem Typus der Eierstöcke gebaut sind , statt der
Eier aber gewöhnliche zellenartige Elemente produciren ,
die nach Dehiscenz der umgebenden Wandungen in den
Innenraum der sackförmigen Samentasche hineinfallen und
sich hier in bekannter Weise zu Samenfäden entwickeln. Die
den Ovarien entsprechenden Bildungsstätten dieser Samen-
zellen sind es nun , die Verfasser als Hoden in Anspruch
nimmt. (Freilich unterscheiden sich diese Hoden insofern
von den gewöhnlichen männlichen Geschlechtsdrusen , als
letztere nicht bloss die Samenzellen bilden , sondern auch
die Enlwickelung derselben zu Samenfäden vermitteln, also
zugleich Functionen übernehmen , die bei dem Regenwürme
den sog. Samenblasen übertragen sind. Die männliche Ge-
schlechtsdrüse der Regonwürmer ist nach den Geselzen der
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 179
Arbeitsthei lung gewisserrnassen in zwei verschiedene Organe
zerspalten, eine Sanienzellendrüse und eine Samenfadendrüse,
ähnlich wie wir das auch von den Ovarien mancher niedern
Thiere kennen. Ref.) Die männlichen Auslührungsgänge be-
schreibt Verf. in einer mit d'ükedem ganz übereinstim-
menden Weise, nur dürfte noch zu bemerken sein, dass der
zierlich gefaltete Sainentrichter im Innern der Samenblase ge-
legen ist und wirklich zur Aufnahme der reifen Sperma dient.
Die bekannten Samentaschen (im 10. und II. Segment) sind auch
nach den Untersuchungen unseres Verf. ohne Zusammenhang
mit den übrigen Innern Geschlechtsorgenen; sie münden durch
eigene Oeffnungen nach Aussen uud werden erst bei der
Begattung mit Sperma erfüllt. Dass diese Taschen, wie Meiss-
ner wollte (J. B. XXII. S. 344), bei der Begattung auch die
Eier in sich aufnehmen , wird von unserem Verf. in Abrede
gestellt; was Meissner für Eier hielt, sind nichts als
Schleimlröpfchen, die sich von der Wand des Behälters ab-
gelöst haben. Zu den accessorischen Geschlechtsorganen ge-
hören mächtige, unter der Haut hinstreichende Drüsenschich-
ten, die keineswegs allein auf den Gürtel beschränkt sind,
saugnapfartig wirkende Muskelleisten (33 — 36 Segment) und
vorstreckbare , ansehnlich entwickelte Borsten , deren Vor-
kommen viel ausgebreiteter ist, als d'ükedem annahm. Bei
der Begattung findet gegenseitige Befruchtung statt. Die
Oeffnungen der Samentaschen des einen Wurmes liegen da-
bei dem Gürtel des andern gegenüber. Der Samen tritt aus
den OeiTnungen der beiden Samenleiter , fliesst jederseits in
einer durch Muskelthätigkeit gebildeten Längsrinne bis zum
Gürtel und wird hier in die Samentaschen des andern Wur-
mes aufgenommen. (Die von Ref. im letzten J. B. S. 342
als muthmassliche Spermatophoren erwähnten spindelförmigen
Körper sind nach unserem Verf. bloss zufällige Bildungen, die
durch Erhärtung einer schleimigen Masse im Umkreis eines
Samentröpfchens entstehen.) Beim Eierlegen werden zugleich
die Eier aus den Eibehällern und Samen aus den Samenla-
schen in die Eikapseln entleert.
An demselben Orte (S. 401. Anm.) macht Hering auch
einige Angaben über die Lagenverhällnisse der äusseren und
inneren Mündungsstellen der sog. schleifenförmigen Organe,
ISO Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Tfaturgeschichtö
sowie über die sog. Rückenporen, die frei in den Leibesraum
einmünden.
Leydig liefert eine Abbildung- von dem Verhallen der
Gefässe im vorderen Leibesende von Chaelogaster. Vergl.
Histologie S. 345.
Doyere, essai sur Tanatomic de la Nais sanguinea,
Caen 19 p. c. tab. (extr. duX. Vol. des Mem. Soc. Linneene
de Normandie) ist mir bis auf den Titel unbekannt ge-
blieben.
Fr. Müller entdeckt in Brasilien eine interessante neue
Art des Gen. Lumbricus, L. corethrurus , Beilr. zurKennlniss
der Landplanarien von M. Schultze, in den Abhandl. der
naturf. Gesellsch. in Halle IV. S. 26.
Derselbe ist von allen Regenwurmarten der dortigen Ge-
gend (Colonie Blumenau in Südbrasilien) der häufigste und fast in
jeder Scholle urbaren Landes zu finden, durch Gestalt, Grösse und
Stellung der Borsten aber so ausgezeichnet, dass man fast berechtigt
wäre, denselben zum Typus eines neuen Genus zu erheben. Beson-
ders auffallend ist die Stellung der stärkeren Schwanzborsien , die
(durch Allernation an den aufeinanderfolgenden Segmenten) bei den
älteren Individuen zahlreiche Längsreihen bilden. Das eigenthümliche
Aussehen einer etwa zu Ende des dritten Viertels gelegenen Stelle
scheint auf eine beginnende Quertheilung oder eine energische Neu-
bildung von Schwanzringen hinzudeuten.
Lumbriculus tenuis n. sp., L ei d y Journ. Acad. Phil. T. IIL
P. 2. p. 148.
3. tfwepliyrei«
Macdona Id liefert (Annal. and Mag. nal. bist. Vol.
XVIIL p. 101. Taf. IV) eine kurze Darstellung vom anato-
mischen Baue des Gen. Atlas. Verf. hält dieses Geschöpf
für ein Thier, das zeitlebens den Larvenzustand eines Sipun-
culus repräsenlire, dabei aber ebensowohl mit denRolatorien,
wie den Bryozoen und Tunicalen (!) eine nahe Verwandt-
schaft besitze. Trotz der Versicherung des Verf., dass Atlas
zu den hermaphrodilischen Geschöpfen gehöre, enthält die
vorliegende Darstellung keine einzige Thatsache, die uns ver-
anlassen könnte, dasselbe für ein ausgebildetes Thier zu hal-
ten, im Gegenlheile stimmen alle Angaben mit der schon
von J.Müller ausgesprochenen Vcrmulhung (vgl. J, B. XX.
der niederen Thiere während des Jahres 1856, 181
S. 333) zusammen, dass AÜns niehls Anderes, als eine Sipun-
culidenlarve sei.
Ref. macht den Vorschlag (Nachträge und Berichtigun-
gen u. s.w. S. 67), die Gruppe der Gephyreen in drei Fa-
milien zu theilen, die Echiurea , Branchiala und Sipunculea
und stellt für dieselben folgende Charaktere auf:
Farn. 1. Echiurea. Corpus utriculare, proboscidiferum;
proboscis labiiformis, longissima, subtus canaliculata, aut in-
tegra, aut bipartita. Spiculae duae uncinatae, post basin pro-
boscidis sitae. Organa genilalia bina in anteriore parte cor-
poris. Anus terminalis. Pulmones aquiferi cloacae iuncti.
Huc gen. Bonellia, Thalassema, Echiurus.
Farn. 2. Branchiafa. Corpus cylindricum, setiferum aut
nudum, proboscide destilulum. Branchiae in extremitale cor-
poris filiformes vel ramosae. Anus terminalis. Pars antica
retractilis, forma plerumque insignis. Huc gen. Sternaspis,
Chaetoderma, Priapulus.
5. Sipunculea, Corpus nudum^ utriculare , antica parte
elongata, retractili. Os fimbriatum , terminale; anus in ante-
riore parte corporis. Huc gen. Sipunculus.
Phascolosoma nodulifemm n. sp. von Fori Jackson und Ph. se-
micinclum n. sp. vom Cap d. g. H. Stimpson Proc. Acad. Phil. 1855.
p. 390.
3> Cliaetog^natlii.
Gegenbau r schildert „die Entwickelung der Sagilla«
nach seinen schon früher (J. B. XX. S. 335) kurz erwähn-
ten Beobachtungen. Abhandl. der naturforsch. Gesellsch. in
Halle 1856 S. 1 — 17 mit einer Kupfertafel (auch als Separat-
abdruck mit der Jahreszahl 1857).
Die Bildung der Darmhöhle geht sch"on vor sich , bevor der
Dotter seine ursprüngliche runde Form verloren und den (sehr sorg-
fältig beschriebenen) Furchungsprocess durchlaufen hat. Sie geschieht
durch Auseinanderweichen der ursprünglich im Centrum zusamraen-
stossendon Furchungskugeln. Später bricht die Darmhöhle an dem
einen Körperpole durch; es entsteht dadurch die MundöfFnung, gleich-
falls schon zu jener Zeit , die der Längsstreckung des Dotters vor-
angeht. Der neugeborene Wurm ist noch ohne Häkchen und pig-
mentirte Augen, auch nur mit einem einzigen (später wahrscheinlich
sich thcilenden) Flossenpaar versehen. Flimmerhaare auf der Haut
182 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
fehlen auch während der Embryonalenlwickelung ; die Entwickelung
verläuft ohne jede Metamorphose.
Was die systematische Stellung des Gen. Sagitta betrifft,
so glaubt Verf., dass dasselbe als Repräsentant einer beson-
deren, zwischen Nematoden und Anneliden zu errichtenden
Abtheilung zu betrachten sei. Dass eine solche Gruppe schon
seit mehreren Jahren in diesen Berichten (auch in den Nach-
trägen zuvanderHoeven's Handb. der Zoologie S. 117)
von Ref. für unsere Thiere aufgestellt ist , scheint Verf. un-
bekannt geblieben zu sein.
Ganz anders lautet dagegen die Angabe von Meiss-
ner, der nach Untersuchungen der Sagitta helgolandica kein
Bedenken trägt, unsere Thiere als Wirbelthiere zu be-
anspruchen, (Berichte der Schweizer Naturforscherversamm-
lung in Basel 1856, Gaz. hebdomad. T. III. N. 45, Blbl. univ.
de Geneve , ausführlicher Zeitschrift für rat. Medicin 1857.
S. 638). Meissner stützt seine Ansicht auf zwei Punkte,
zunächst auf die von ihm beobachtete Anwesenheit einer aus
hellen und dünnwandigen Zellen bestehenden Chorda dorsa-
lis, die „zugespitzt dicht hinter dem Kopfe beginne und, über
dem Darmkanal in der Leibeswand gelegen oder an diese be-
festigt, continuirlich bis zum Schwänze, über der Afteröffnung
herablaufe,« und sodann auf die Behauptung, dass Sagitta des
ihr zugeschriebenen Bauchganglions entbehre , das Nerven-
system derselben also als Hirn und Rückenmark aufgefasst
werden dürfe, nur dass das letztere in der ganzen Länge
von einer relativ tiefen Furche durchzogen und in zwei seit-
liche Hälften getheilt sei. Was letztere Angabe betrifft, so
glaubt Ref. dieselbe als unrichtig bezeichnen zu können, da
er sich — wenn auch nicht gerade bei S. helgolandica, die
er nicht untersucht hat — mit Krohn u. A. auf das Be-
stimmteste von der Existenz eines Bauchganglions bei den
Sagitten überzeugt hat. Eine Verwechselung mit.dem „Bauch-
satlel« ist dabei nicht untergelaufen; vielmehr wurde die
nervöse Natur des Bauchganglions, so wie dessen Zu-
sammenhang mit den Seitennerven und Commissuren (dem
Meissner'schen Rückenmarke) durch mikroskopische Untersu-
chung festgestellt. Eine Chorda dorsalis hat Ref. nicht auf-
gefunden, uuch giebt Meissner selbst an, dass dieselbe in
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 183
Exemplaren von etwa vier Mm. Länge bereits zu schwinden
anfange, und nur in der Jugend deullich sei. (Offenbar ist
Meissner's Chorda dorsalis dasselbe Gebilde^ welches Gegen -
baur als „Mesenterialfalte'^ abbildet.) Aber selbst wenn der
von Meissner gesehene Zellensirang in der geschilderten
Weise existirt^ dürfte die Deutung als Chorda dorsalis doch
einstweilen immer noch mehr als zweifelhaft sein. Jedenfalls
stimmt Ref. (und er gewiss nicht allein) gern der weiteren Be-
merkung des Verf. bei , dass zur definitiven Feststellung der
Wirbelthiernatur von Sagitla eine nochmalige Wiederholung
seiner Untersuchungen nothwendig sei. Ja Ref. glaubt sich
sogar der festen Ueberzeugung hingeben zu dürfen, dass Verf.
durch eine solche sehr bald von seiner allem Anscheine nach
übereilten, jedenfalls aber nicht gehörig begründeten, Schluss-
folgerung zurückkommen werde. Nach unseren heutigen An-
schauungen von der typischen Organisation eines Wirbel-
thieres wird Sagitta niemals in den Kreis dieser Geschöpfe
eintreten können, selbst dann nicht, wenn es in der Rücken-
wand seines Körpers, an dem Ursprünge des Darmmesen-
leriums einen chordaarligen Zellensirang tröge.
Auch ßur meist er kann sich nicht dazu entschliessen,
die Sagilten unter die Würmer zu versetzen; er betrachtet
dieselben als Mollusken, die in der Ordnung der Heteropoden
eine eigene kleine Gruppe (Lateripinnala) bildeten, der mög-
licher Weise auch ^das Gen. Tomopteris zugehöre (?). Zoo-
nom. Briefe II. S. 124.
Gegenbaur erwähnt in der oben citirten Arbeit gelegent-
lich (S. ö) zweier, von ihm bei Messina beobachteter Sagitten als
„wahrscheinlich neu," ohne sie jedoch besonders zu beschreiben und
zu benennen.
4. IVemotodes,
Unter den Arbeiten über diese Thiergruppe erwähnen
wir zunächst die vorlrelfliche Schilderung, die uns Walter
in seinen „Beiträgen zur Anatomie und Physiologie von Oxyu-
ris ornala« (Zeitschr. für wissensch. Zool. VIII. S. 163—202.
Tab. V und VI) von dem Innern Baue des genannten Spuhl-
wurms entworfen hui — mit Ausschluss der Geschlechtsorgane,
184 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d, Kaiurgeschichte
deren Beschreibung sich derselbe für eine andere Gelegenheit
vorbehalten hat. Wir heben daraus Folgendes hervor.
Das Muskelsystem besteht aus vier langen Schläuchen, die dicht
unter dem Corium vom Kopfe bis zum Schwanzende hinlaufen und
paarweise am Rücken und Bauche gelegen sind. Die gewöhnliche
Struktur der Muskeln fehlt diesen Schläuchen; dieselben bestehen aus
einer äussern, längsgestreiften Membran und einer innern, zähflüssi-
gen Substanz von homogener Beschaffenheit, die jedoch bei längerer
Einwirkung von Wasser in einzelne hinter einander liegende Scheib-
chen zerfällt und dann einige Aehnlichkeit mit einem quergestreiften
Muskelbündel darbietet. So wenigstens bei älteren Individuen, während
die jüngeren im Innern ihrer Muskelschläuche eine dicht gedrängte
Menge grosser und zellenartiger Eiweiss - (Sarkode-) Tröpfchen ent-
hielten. Zwischen diesen vier Muskelschläuchen liegen bei letzteren
noch vier andere schlauchförmige Organe, die mit grösseren und
kleineren Fettkörnern angefüllt sind, späterhin aber, wenn die Ent-
wickelung der Geschlechtsorgane beginnt, allmählich bis auf vier
strukturlose bandartige Streifen schwinden. Das Nervensystem ist
deutlich zu unterscheiden und stimmt in den wesentlichsten Verhält-
nissen (auch histologisch) mit dem von Meissner entdeckten Ner-
vensysteme der Gordiaceen überein. (Die Angaben Wedl's — J. B.
XXII. S. 351 — scheinen dem Verf. unbekannt geblieben zu sein.)
Verf. beschreibt, wie Meissner, eine aus mehreren Paaren bestehende
Kopfganglienmasse und ein Schwanzganglion, die beide durch einen
einfachen , glatten Bauchstrang unter sich zusammenhängen. Ausser
diesem Bauchslrange finden sich noch zwei schwächere Seitenstränge,
die von den Kopfganglien nach hinten herablaufen. Nervi splanch-
nici fehlen. Auch darin findet sich eine Abweichung von dem Verhal-
ten der Gordiaceen, dass bei unserer Oxyuris oberhalb des Oesopha-
gus zwischen den Seitentheilen der Kopfganglien eine quere Brücke
vorkommt, die in Gemeinschaft mit letztern einen förmlichen Schlund-
ring bildet. Die Mitte der Bauchfläche trägt bei den jungen Exem-
plaren einen Saugnapf, dessen Centrum von der Ausführungs-Oefl'nung
zweier ansehnlicher Blindschläuche durchbohrt ist, die theils um die
Dannröhre sich herumwinden, theils zur Seite derselben bis hinter
den After hinlaufen. Diese Schläuche besitzen eine strukturlose Mem-
bran und sind mit einer klaren, homogenen Flüssigkeit gefüllt, in
der zahlreiche Fetttröpfchen vorkommen, wie in den oben erwähnten
vier Fettschläuchen. Aehnliche Organe sind auch bei andern Nema-
toden beschrieben und meist für Secretionsorgane gehallen worden.
(Hierher wohl auch die von Meissner beschriebenen Secretionsor-
gane der Gordiaceen J. B. XXII. S. 347.) Verf. iheilt diese Ansicht
nicht ; er möchte vielmehr diese zwei langen Schläuche — trotz ihrer
Ausmündung nach Aussen — mit den übrigen Fetlschläuchen zusammen-
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 185
stellen und vermuthen, dass in ihnen „ein von der ursprüglichen DoU
termasse herstammendes (?Hcf.) überschüssiges Nahrungsmaterlal« auf-
gespeichert werde. So viel scheint nach den Beobachtungen unseres
Verf. jedenfalls gewiss, dass die betreffenden Schläuche ganz eben so
■Nvie die obigen Fettschläuche provisorische Organe sind, die gegen
das Ende des Enlwickelungslebens allmählich schwinden und schliess-
lich nur noch als feine und faltige Membran neben dem Darmkanale
persistiren. Eine ähnliche ISeubildung erleidet aber auch der Saug-
napf unserer üxyuren, indem dessen Muskeln fast völlig schwinden,
die Aufwulstung desselben sich ausgleicht, und nur noch ein kleines
gelbes Knötchen mit einer feinen Querspalte übrig bleibt.
Y. Györy beschreibt den äusseren und inneren Bau
einer von ihm im Dickdarme von Hydrophilus piceus aufge-
fundenen neuen Oxyurisart, 0, spirotheca, die sich besonders
durch Anwesenheit eines' trachenartig gewundenen Spiralfa-
dens an der Eischale auszeichnet. Am Bauche mündet ein
kugliges sog. Secretionsorgan. Sitzungsberichte der Wiener
Akademie 1856. III. S. 327-332. C. tab.
Huxley hält dieses Excretionsorgan, das er bei einer
Oxyuris aus der Scholle auffand und als ein von heller Flüs-
sigkeit gefülltes Doppelgefäss beschreibt, für ein Analogon
des bei den Würmern sonst so vielfach verbreiteten sog.
Wassergefässsystems. Lectures u. s. w. L. c. XIII. p. 385.
Wedl untersucht ,;die Mundwerkzeuge von Nematoden'*
(Sitzungsber. der K. Akad. zu Wien Bd. XIX. S. 33. Tab. I-III},
und kommt dabei zu Resultaten , die nicht bloss in zoologi-
scher Beziehung wichtig sind^ insofern sie die bis jetzt dar-
über vorliegenden Angaben mehrfach als irrthümlich und un-
genau nachweisen , sondern auch über die Beziehungen zwi-
schen Organisation und Aufenthalt, Sitten und Lebensweise
manche interessante Aufschlüsse bieten.
"Wir erwähnen hieraus, dass die — im Einzelnen übrigens sehr
verschieden gebauten — Älundvorsprünge der Äscarisarten nach Verf. als
llaftläppchen und nicht als Tastwerkzeuge fungiren (welche Behaup-
tung bei der noch immer sehr unzureichende Kenntniss über das Ner-
vensystem der Nematoden dermalen freilich nur schwer zu beweisen
sein dürfte). Ebenso sind auch die am Mundsaume von Sclerostoma
vorkommenden zackigen Verlängerungen Haflfranzen und keine Zähne.
Wo Bohrwerkzeuge vorkommen, da befinden sich diese entweder an
der äusseren Oberfläche des Kopfes, oder sie liegen in der Mundhöhle,
wie z. B, bei Sclerostoma arraatum , Spiroptera ganguinolenla u. a.?
186 Leuckarl: Bericht üb. d. Leistungen in d. Nalurgeschichte
doch muss man berücksichtigen, dass viele Arten schon ohne Weiteres
durch die Rigidität ihres Kopfendes befähigt werden , die lockeren
Gewebstheile der Organe auseinander zu drängen.
Die von Meissner zu den Seilen der drei Körperner-
venstäinme bei den Gordiaeeon "(Mermis) aufgefundenen Zel-
lengruppen, die einen körnigen, das Licht stark brechenden
Inhalt besitzen, möchte Leydig, der ähnliche Zellen auch
an dem Bauchnervenstrange von Ponlobdella u. a. Wirbel-
losen beobachtete , vorläufig als Analogon der Nebennieren
betrachten. Vergl. Histologie S. 191.
Die Angaben, die Prof. Mayer über den ßefruchtungs-
process der Nematodeneier macht (Verh. des naturhist. Ver-
eins der preuss. Rheinlande 1856. S. L) beruhen auf einer
irrthümlichen Deutung gewisser, an den Schalen längst be-
fruchteter Eier zu beobachtenden Strukturverhältnisse.
A. Thompson unterwirft die Frage nach den „Samen-
körperchen , den Eiern und der Befruchtung der Ascaris my-
stax'^ einer nochmaligen Untersuchung (Zeitschrift für wiss.
Zool. S. 425 — 438) und liefert dabei im Wesentlichen eine
Bestätigung der früheren Nelson'schen Angaben. Die be-
kannten kegelförmigen Bildungen der weiblichen Geschlechts-
wege, die ßischoff für Epithelialkegel hielt, weil er sie
— an der Thatsache kann kein Zweifel sein, zumal sich auf
der Göttinger Naturforscherversammlung auch Männer wie
Wagner, Weber, Ludwig u. A. von ihrer Richtigkeit
überzeugten — ■ nicht bloss frei im Innern fand, sondern auch
an der Wand festsitzen sah , sind wirklich die ausgebildeten
Samenkörperchen , deren Entwickelung aus den unreifen, im
Männchen vorkommenden Formen Verf. verfolgen konnte. Die
Anwesenheit einer Micropyle wird mit ßischoff Cgegen
Meissner) in Abrede gestellt; das Ei entwickelt sich ganz
auf dem gewöhnlichen W^ege durch allmähliche Ablagerung
des Dotters und entbehrt der Dotterhaut noch zur Zeit der
Befruchtung. Dass diese durch die oben erwähnten Samenkör-
perchen vermittelt wird, unterliegt keinem Zweifel; Verf. sah
auch oftmals die Samenkörperchen auf der Oberfläche der
Eier aufsitzen, konnte sich aber weder von dem Eindringen
derselben überzeugen, noch auch die Ueb'^reinslimmung der
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 187
gelegenllioh im Innern allerer Eier vorkommenden glänzen-
den Körperchen mil Samenkörperchen nachweisen.
Nach den Beobachtungen Schnei der's besitzen die
Samenkörperchen der Nematoden eine eigene , amöbenartige
Bewegung, die man selbst im Innern der weiblichen Geschlechts-
organe beobachten kann und desshalb keineswegs als eine
abnorme, durch den Einfluss äusserer Agentien eintretende
Erscheinung deuten darf (wie das u. A. Bischoff gethan
hat). Die spermatische Natur der betrefTenden Körperchen
hält Verf. ausser Zweifel, obgleich er sich niemals von einem
Eindringen derselben in den Dotter überzeugen konnte. Berl
Monatsberichte 1856. S. 192—197.
Die in dem letzten J. B. (XXII. S. 355) erwähnten Ver-
suche von Richter, Ascarideneier im Wasser zur Ent-
wickelung zu bringen, sind schon vor längerer Zeit mit ganz
demselben glücklichen Erfolge von S c h u b a r t und Verloren
angestellt worden. Letzterer zeigte im Sept. 1854 in Utrecht
so behandelte Eier von Ascaris marginata, die sich im Laufe
von 14 Tagen entwickelt und sich seitdem länger als ein
Jahr im Wasser mit lebenden Embryonen erhalten hatten.
Ein Versuch, die Embryonen nach Sprengung der Eischalen
mit Fleischfütferung aufzuziehen, misslang, obwohl Verf. an-
giebl, diesen Versuch mit anderen Ascaridenembryonen mehr-
fach glücklich angestellt und die Würmchen durch mehrere
Generationen hindurch erhalten zu haben. Aanteken van het
verhandelte in de vergadering der Sectio voor Natuur- en
Geneeskunde van het Provinciaal ütrechtsch Genoolsch. van
Künsten en Wetenschappen 1854. (Die letztern Angaben be-
ziehen sich, wie Ref. seither durch den Verfasser selbst
erfahren hat, auf Beobaclitungen , die derselbe in Gemein-
schaft mit dem schon seit einigen jT\hren verstorbenen Dr.
Schubart angestellt hatte. Seh. dürfte überhaupt wohl der
Erste gewesen sein, der Ascarideneier im Wasser zur Ent-
wickelung brachte. Freilich will derselbe mancherlei gar
merkwürdige Dinge daran gesehen haben. So sollen u. a.
die Embryonen von Asc. megalocephala im Wasser nicht
bloss ausgeschlüpft sein , sondern sich auch vermehrt haben,
wie das Verloren auch in der oben angeführten Arbeit
andeutet. Die Thiere, die nach Seh. aus den Eiern seiner
188 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Wurmarl hervorschlöpften, wurden aber nicht wieder zu Asc.
megalocephala, sondern blieben winzig klein und glichen
den Anguillulaceen. Ref., der die — musterhaft ausgeführten
Zeichnungen Schubarl's selbst gesehen hat — kann sie auch
nur für solche halten und glaubt, dass sich Seh. durch der-
artige fremde Eindringlinge hat lauschen lassen. Schon seit
länger als einem Jahre cultivirt Ref. eine ganze Reihe von
Gläsern mit Eiern von Asc. megalocephala, lumbricoides u. a.
und kann aus eigener Beobachtung bestätigen, dass sich die-
selben bald rasch, bald langsamer (bei warmem Sommerwetter
zum Theil schon in 14 Tagen) entwickeln, aber er muss in
Abrede stellen, dass die Embryonen freiwillig im Wasser aus-
schlüpfen. In schlecht gehaltenen Infusionen, deren Beschaf-
fenheit übrigens den Embryonen in keinerlei Weise nach-
theilig ist, sieht man allerdings wohl hier und da einen freien,
aus der Schale gefallenen Embryo, allein im Ganzen ist sol-
ches doch selten und gewiss nicht als Regel anzusehen. (Ref.
ist der Ansicht, dass es zu einem eigentlichen Ausschlüpfen
derselben — wie er das auch für dieTänien nachgewiesen hat
— der üeberführung in den Magen eines Thieres oder mit
anderen Worten der Einwirkung der Magensäfte bedarf und
hofft die von ihm in dieser Richtung angestellten Experi-
mente in Kurzem ausführlicher mittheilen zu können.)
Referent machte einige Fülterungsversuche mit Tri-
china spiralis und überzeugte sich , dass dieselbe im Darm-
kanale der Mäuse aus ihren Cysten ausschlüpft (Nachlr. u.
Berichtigungen zu v a n d e r H o e v e n's Zool. S. 96). Die gleiche
Beobachtung wurde später auch bei einer zweiten , in den
Muskeln der Hauskatze vorkommenden Art des (provisorischen)
Gen. Trichina gemacht. Die jungen Spuhlwürmer fanden sich
vorzugsweise im Dickdarme und waren nach drei Tagen be-
reits auf das Doppelte ihres früheren Durchmessers heran-
gewachsen.
Nach den Beobachtungen von Lespes lebt (Ann. des
sc. nat. 1856. T. V. p. 335) in den Termitennestern ein klei-
ner 2 — 2,5'" langer geschlechtsreifer Spuhiwurm (Isakis n.
gen.) , dessen Eier frei in den Boden abgelegt werden und
sich hier entwickeln. Die Jungen dringen auf irgend eine
Weise (wie, wird vom Verf. nicht angegeben) in den Kör-
der niederen thiere während des Jahres 1856. 189
per der Termiten ein und wachsen in der Leibeshöhle der-
selben , erlangen ihre Geschlechtsorgane aber erst später,
wenn sie nach dem, wie es scheint, durch Einwirkung der
Parasiten bedingten Tode der Wirthe inzwischen wieder nach
Aussen ausgewandert sind. Durch Anwesenheit von Mund
und Darm ergeben sich unsere Thiere übrigens als echte
Spuhlwürmer. Die Lebenstenacität derselben ist gross ; Verf.
sah die Würmer nach monatelanger Austrocknung durch Was-
serzusatz wieder aufleben.
Die Mitlheihingen von S. Durkee über Filaria me-
dinensis und deren Embryonen (Proc. Bost. Soc. V. p. 278)
sind sehr aphoristisch und bieten kaum ein weiteres In-
teresse.
Meissner giebt an, dass die ausgewachsene Filaria
medinensis des Darmes entbehre, dafür aber mit dem Zel-
lenkörper der Gordiaceen versehen sei. Der sog. After wird
als Geschlechtsöfl'nung in Anspruch genommen. Verh. der
naturf. Gesellsch. zu Basel 185Ö. S. 376.
Küchenmeister glaubt nach melirmonatlichen , an
sich selbst angestellten Beobachtungen behaupten zu dürfen,
dass Oxyuris vermicularis bei abnehmendem Monde häufiger
abgehe, als bei zunehmendem. Wochenblatt der Zeitschrift
der k. k. Gesellschaft der Aerzte in Wien 1856. S. 83.
Günther beobachtete ein siebenjähriges Mädchen, von
dem in 5 Tagen 584 Spuhlwürmer (darunter 172 Stück auf ein
Mal) abgingen. Zeitschrift für Medic. , Chir. u. Geburlsh. von
Varges X. S. 95.
(Die bloss medicinisch interessanten Beobachtungen über
Ascaris lumbricoides und andere Spuhlwürmer übergehen
wir hier, wie in den früheren Jahresberichten, mit einem Hin-
weis auf die von Prof. Will in den Schmidt'schen Jahresbe-
richten für 1856 gelieferten Referate, in denen eine nicht
unbeträchtliche Anzahl derartiger Fälle gesammelt ist.)
Die von Diesing der K. Akademie der Wissenschaf-
ten in Wien zur Publikation in den Denkschriften vorgelegte
Abhandlung über „sechszehn Arten von Nematoden" (Wiener
Sitzungsber. 1856. III. S. 276) ist bis jetzt noch nicht er-
schienen.
190 Leuckart, Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Valenciennes berichtet über den Fund einer (sehr
ansehnlichen) Filarie unter der Haut eines Quepard und lie-
fert einige Notizen über dieselbe (^F. aethiopica n. sp.)?
wobei er die Aehnlichkeit in Lebensweise und Fortpflanzung
mit der Fil. iiiedinensis besonders hervorhebt. Conipt. rend.
1856. T. 43. p. 260. (Da das Yorkonunen solcher Filarien in
Säugethieren nicht eben häufig ist und die bekannten Fälle
überdiess vom Verf. einzeln hervorgehoben wurden , glaubt
Ref. bei dieser Gelegenheit erwähnen zu dürfen, dass er ein
ganzes Convolut fusslanger Filarien (n. sp. ^ u. $) besitzt,
die Herr Dr. Seh unk in der Leibeshöhle eines in Surinam
von ihm geschossenen Brüllaffen auffand.)
Auch Wedl beschreibt eine neue Filarie aus dem Un-
lerhautzellgewebe des Hirsches, F. flexuosa , deren Weibchen
durch seine unentwirrbaren Windungen förmliche knollenartige
Auflreibungen bildet, während das kleinere Männchen neben
dem Knollen im lockeren Zellgewebe eingerollt liegt. Silzgsber.
der Wiener Akad. XIX. S. 122.
Ebendaselbst werden ferner noch als neu beschrieben: Filaria
data, aus dem Zellgewebe neben der Luftröhre der Haustaube, Tri'
chosotna polykeramolum aus dem Darme eines Jagdleoparden und Tr»
papillosum aus dem Darme eines Schafes.
Derselbe über eine neue ganz ansehnliche Art des Gen. Hystri-
chis Duj. (von 10 Ct. Länge) aus der Brusthöhle von Fulica atra
und Dispharagus n. sp. aus dem Zellgewebe von Podiceps nigricol-
lis. A. a. 0. ßd. XIX. S. 40 u. 28.
Oxyuris spirolheca n. sp. aus dem Dickdarme von Hydrophilus
piceus ^ u. ^ V. Györy, Wiener Sitzungsber. S. 327.
Walter liefert in den oben erwähnten Beiträgen u. s. w. (a.
a. 0. S. 166) eine sorgfältige Darstellung der zoologischen Charaktere
von Oxyuris ornata und hebt dabei besonders auch die Unterschiede
von den nahe verwandten Ascarisarten (A. acuminata undA. commu-
tata) hervor, mit denen dieselbe oftmals verwechselt sein dürfte.
Die von Will früher unterschiedenen zwei Varietäten des An-
giostoma limacis sind nach einer gelegentlichen Mittheilung Schnei-
de r's (Berl. JMonatsber. 1856. S. 194. Anm.) nicht bloss durch die
Bildung ihrer Schwanzspitze, sondern auch durch mancherlei Eigen,
heiten ihrer innern Organisation von einander verschieden.
Das mit Leptodera Duj. verwandte Gen. n. Isahis, dessen
Lebensgeschichte schon oben erwähnt wurde, trägt nach Lespes
(l. c.) folgende Charaktere;
der niederen Thiere "Während des Jahres 1856. 191
Corpus fusiforme, exlremilate caudali longa subulata, haud
alata. Caput corpore continuum , truncatum. Üs trilabiatum. Penis
vagina spiculisque duobus aequalibus instructus. Feminae aperlura
genitalis in corporis medio. Ovipara. Sp. n. 1. migrans. Im ge-
schlccbtlosen Zustande parasitisch in der Leibeshöhle von Termes lu-
cifugum, späterhin in den Termitennestern.
Leidy stellt ein neues Genus frei im Meere lebender Nema-
toden auf: Pontonema und charakterisirt dasselbe folgender-
maassen :
Body capillary narrowing towards the extremities. Head con-
tinuous with the body, obtuse, pointed, with short cirri. Eyes none,
caudal extremity obtuse. Generative aperlure near the niiddle of the
body. Oesophagus long, cylindrical ; intestine cylindrical. Ovaries two.
Allied to Amblyura. Marine. Sp. n. P. verticillalum, P. marinum, beide
von Pfew-Jersey. On the marine invertebrate fauna etc. 1. c. p. 144.
Wedl liefert eine genaue Beschreibung des von v. Siebold als
Trichina spiralis? aus dem Mesenterium verschiedener Vögel beschrie-
benen unreifen Nematoden , aus der die grosse Verschiedenheit von
der echten Tr. spiralis zur Genüge hervorgeht. Sitzungsber. der Wie-
ner Akad. Bd. XIX. S. 130.
5. Acantliocepliala.
Leydig macht darauf aufmerksam (vergl. Hislologie
S. 135), dass der glockenförmige Uterus der Echinorchynchen
mit einer dicken Lage quergestreifter Muskelfasern verse-
hen sei.
Nach den (einer delaillirlen Darstellung entbehrenden)
Angaben Wein land's soll bei den Acanlhocephalen ein Mund
und ein gabelförmiger Darmkanal vorkommen, dessen beide
Schenkel nach Innen in die Leibeshöhle hineinhängen. Proc.
Amer. Assoc. Aug. 1856. (Man fühlt sich fast versucht,
hier eine Verwechselung mit den sog. Lemniscen zu ver-
muthen.)
Von Die sing erhielten wir die Beschreibungen und
Abbildungen von „zwölf Arten von Akanlhocephalen.« (Aus
den Denkschriften der K. Akad. zu Wien Bd. XI besonders
abgedruckt) 185Ö. Dieselben sind mit einer einzigen Ausnahme
von Natter er in Brasilien gesammelt und in dem bekann-
ten Syst. helminthum bereits früher vom Verf. charakterisirt
worden.
192 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Die Namen der betreffenden Arten sind folgende: Echinorhyn-
chus campanulalus aus verschiedenen Katzenarten Brasiliens , E. tae-
nioides aus dem Seriema, E. variabilis aus verschiedenen brasiliani.
sehen Fischen, E. impudicus aus Doras niger, E. spira aus üeyern,
Echin. vaginatus aus Tunkans und andern brasilianischen Vögeln, E. ele-
gans aus Jacchus , E. echinodiscus aus Myrmecophaga, E. rhopalo-
rhynchus aus dem Kaiman, E. macrorhynchus aus Vastres Cuvieri, E.
torquatus aus Macrodon und E. turbinella aus Üelphinus Hyperoodon.
Den Beschreibungen voraus geht eine Darstellung von
dem Gesainmtbaue der Acanthocephalen , zumeist nach von
Siebohl. Bei gelegentlicher Erwähnung der von Zenker
in der Leibeshöhle von Gammarus pulex auCgefundenen zwei
Echinorhynchen wird hier bemerkt, dass dieselben Gregari-
nen seien und keineswegs den Acanthocephalen zugerechnet
werden dürften. Ref. kann dagegen versichern, dass Zen-
ker ganz recht gesehen hat. Die eine der betreffenden Ar-
ten (G. miliarius) ist hier um Giessen nicht eben selten. Sie
ist mit zurückgezogenem Rüssel und Kopfende in eine helle
Kapsel eingeschlossen und beständig ohne ausgebildete Ge-
schlechtsorgane. Kein Zweifel , dass dieselbe erst im Darm-
kanale anderer Thiere sich vollständig ausbildet. Ref. fand
einst mehrere dieser Parasiten theils frei, theils in der Darm-
wand befestigt bei einem Gadus lofa , dessen ganzer Magen
mit Gauimarinen erfüllt war; er vermulhet desshalb in diesem
Fische den Wirlh des geschlechlsreifen Kratzers (Nachtr. und
Ber. zu van der Hoeven's Zool. S. 93).
Platocies.
1« Hkrudinei«
Was man bei den Hirudineen bisher als „Leber* be-
schrieb, ist nach den Untersuchungen von Leydig bestimmt
nichts Anderes als ein mit gelblich braunem Fette impräg-
nirtes Bindegewebe (dem Fettkörper der Arthropoden ver-
gleichbar) , das bei dem Mangel einer eigentlichen Leibes-
höhle die Zwischenräume zwischen den Organen ausfüllt und
sie umgiebt. Vergl. Histologie S. 366.
Nach den Angaben von Ebrard ist der spongiöse Ue-
berzug des Cocons bei dem medicinischen Blutegel das Ab-
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 193
sonderungsprodukt der sogenannten Schleimdrüsen. l'Inst.
1856. p. 419.
üeber das Nervensystem der Hirudinecn vergleiche die
schon oben (S. 173) erwähnte Abhandlung von Favre.
2» Trematodes.
Hiixley erläutert den Bau der Trematoden an Aspi-
dogaster und liefert dabei eine auf eigene Untersuchungen
gestützte Darstellung vom inneren Baue dieses Thieres, be-
sonders des sog. Wassergefässsystemes und der Geschlechts-
organe, Lecture VII. L. c. Vol. XIII. p. 131.
Moulinie publicirt in einer umfangreichen, aus dem
dritten Bande der Mem. de l'Inst. Genev. besonders abge-
druckten Abhandlung „de la reproduction chez les Tremato-
des endo- parasites" Geneve 1856 (279 Seiten mit 6 Tafeln)
eine eben so genaue und sorgfältige, wie selbstständig durch-
gearbeitete Zusammenstellung der älteren und neueren —
auch neuesten — Beobachtungen über die Entwickelungsge-
schichte der Distomeen und deren Jugendformen. Nach
einer allgemeinen Einleitung über den Bau und die Organi-
sationsverhältnisse der Trematoden (p. 9—30) handelt Verf.
zunächst (p. 31—57) von der Bildungsweise und der embryo-
nalen Entvvickelung der Eier — zum Theil nach eigenen Be-
obachtungen an Dist. lanceolatum — , so wie von der Form
und Organisation der Embryonen, sodann (S. 58 — 120) von
den verschiedenen Ammenformen, den Sporocysten und Re-
dien, und schliesslich (p. 121 — 248) von den Larven- oder
Cercarienformen unserer Parasiten, die einzeln, wie die Am-
menformen, aufgeführt und beschrieben werden. Die Zahl
der beschriebenen Ammenformen beträgt 36 , und eben so
gross ist auch die Zahl der näher bekannten Cercarien, de-
nen Verf. übrigens auch die in den Ammen direkt entste-
henden schwanzlosen Distomeen (die in Leucochloridium sich
entwickelnde Form als Cerc. exfoliata) zurechnet. Von die-
sen schwanzlosen Cercarien vermuthet Verf. , dass sie ohne
vorhergegangene active Wanderung mitsammt ihren Ammen
und ersten Wirthen in den Darmkanal der späteren Wohn-
thiere gelangten. Dass übrigens Verfasser die neueren, in
Archiv f, Naturgesch. XXIII. Jahrg. 2. Bd. N
194 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
den letzten Jahresberichten zum Theil ausführlich dargeleg-
ten Entdeckungen über die Entwickelung der Trematoden
in allen wesentlichen Punkten bestätigt , bedarf kaum aus-
drücklich hervorgehoben zu werden. In Betreff der merkwür-
digen Tetracotyle ist Verf. — und gewiss mit Recht — einer
von de Filippi abweichenden Ansicht. Während letzlerer
bekanntlich (J. ß. XXII. S. 365) diesen Schmarotzer wegen
seines käufigen Vorkommens in den Redien gewisser Trema-
toden nur als eine besondere Entwickelungsform dieser letz-
tem in Anspruch nimmt , erklärt Verf. die Anwesenheit des
betreffenden Thieres im Innern solcher Ammen für zufällig
und ohne Beziehung zu der Fortpflanzungsgeschichte dersel-
ben. Er stützt sich dabei auf die Beobachtung, dass Tetra-
cotyle auch an anderen Orten und unter anderen Verhältnis-
sen gefundeh werde und eingekapselt selbst in Fischen (Perca
fluviatilis und Cyprinus Idus) häufig — im Bauchfelle, zwi-
schen den Muskeln u. s. w. — vorkomme (p. 230). Von
eigenen Beobachtungen des Verf. erwähnen wir ausser den
bisher schon hervorgehobenen ferner noch die über Leu-
cochloridium und als besonders wichtig die Entdeckung einer
neuen, in den inneren Organen verschiedener Limacinen (Li-
max cinerea und Arion rufus) schmarotzenden Sporocystis,
deren Beschreibung einen eigenen Abschnitt des vorliegen-
den Werkes bildet („Notice sur quelques sporocystes terre-
slres« p. 249— 267. Taf. VIII und IX. — Die Abbildungen der
vier vorhergehenden Tafeln sind meist Copien aus Steen-
strup, V. Siebold, de Filippi, de la Valette u. A.).
Die Sporocysten sind ziemlich gross und mit einem vorderen
rüsselförmigen, sehr beweglichen Fortsatze versehen, durch
dessen Hülfe dieselben nach der Entwickelung der Cercarien
durch die äusseren Körperhüllen ihrer Wirthe hindurchboh-
ren, um dann mit dem schleimigen Secrete derselben auf
fremden Gegenständen abgesetzt zu werden. Von diesem
Schleime umhüllt bleiben die eingeschlossenen Cercarien an
feuchten Stellen nicht selten mehrere Tage am Leben. (Verf.
denkt an die Möglichkeit einer Uebortragung in den Darm
von grösseren Pflanzenfressern und spricht selbst die Ver-
nmlhung aus , dass seine Parasiten die Jugendzuslände des
Dist. hepaticum sein könnten.) Die Cercarien haben einen
der niederen 'fhiere während des Jahres 1856. 195
sehr kurzen und rudimentären, slummelförmigen Schwanz und
sind auffallender Weise nicht unmittelbar in der Leibeshöhle
ihrer Ammen, sondern in einem besonderen, dicht an der
contractilen Körperwand derselben anliegenden hohlen Schlau-
che enthalten, der übrigens erst nach der Anlage der Cer-
carienkeime im Innern gebildet zu werden scheint. Vor der
Ausbildung dieser Keime zeigen die Sporocysten nicht selten
eine Qu^^itheilung, eine Vermehrungsweise, die Verf. überhaupt
allen Sporocysten zuschreibt.
de Filippi berichtet über die weiteren Ergebnisse sei-
ner Trematodenuntersuchungen (Annal. des sc. nat. 1856. VI.
p. 83) und beschreibt dabei eine Anzahl neuer Ammen und
Cercarien aus Paludina impura, Lymnaeus pereger und Plan-
orbis carinatus.
Von besonderem Interesse sind die Beobachtungen über das Vor-
kommen einer mit den Moiilinieschen Ammen von Limax und Arioo
nahezu übereinstimmende Form aus Paludina impura und Lymnaeus
pereger. Verf. glaubt berechtigt zu sein, diese Formen als Repräsen-
tanten eines eigenen mit Redia und Sporocystis gleichwerthigen Lar-
vengenus (Sporocystophora) aufzufassen und sucht die Deutung
dieser merkwürdigen Formen in der Annahme, dass der innere mit
Cercarien erfüllte Sack ein selbstständiges Individuum darstelle (Amme),
das nach Art der Redien im Innern des primitiven Embryo (Gross-
amme) entstehe, hier aber beständig von seinem Mutterthiere um-
hüllt bleibe. In Planorbis carinatus wurde eine Redia beobachtet, de-
ren Keime direkt zu Distomen sich entwickelten und bis zur Anlage
der Geschlechtsorgane in ihrer Amme verweilten. Das Excretions-
organ dieser Distomen bestand aus einer kleinen contractilen Blase
mit zahlreich gewundenen Gefässen. Eine schlanke Redia der Palu-
dina impura enthielt neue Wonostomum-Cercarien mit grossen Augen-
flecken und Schwanzfirste.
Dr. Weinland fand in der Leber der nordamerikani-
schen Physa heterostropha eine neue Cercarienart und ver-
rauthet , dass sich dieselbe in ein Distomum verwandele,
welches in den Lungen der nordamerikanischen Frösche und
Kröten häufig vorkomme QD. atriventre n. sp.) Proc. ßost.
Soc. VI. p. 24.
Referent macht — • und ebenso auch Moulinie 1. c*
p.lO — den Vorschlag, die Ordnung derTrematoden in zwei Fa-
milien : Distomea und Polystomea zu trennen, die beide durch
19Ö Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Waturgeschichte
Bildung der Haftapparate , Lebensweise und Entwickelung in
auffallender Weise von einander verschieden seien. Nach-
träge und Berichtigungen u. s. w. S. 59. Beide Familien
werden in folgender Weise charakterisirt:
Farn. !. Distomea, Acetabulum aut unicum, medianum,
ab extremitate postica plus minusve remoturn , aut nullum
praeter os suclorium. Evolulio fit per metamorphosin et ge-
nerationem alternantem.
Farn. 2. Polystomea. Acetabulum terminale permagnum,
saepissime compositum et corneis partibus suffiillum. Pone
OS nonnumquam duo pori suctorii laterales. Evolutio semper,
ut videtur, sine metamorphosi.
Burmeister stellt ausser diesen beiden Familien, die
als Malacobothrii und Pectobothrii aufgeführt werden, noch eine
dritte auf, Aspidobothrii mit der Gattung Aspidogaster. Zoo-
nom. Briefe 11. S. 250.
D i e s i n g's Abhandlung über „neunzehn Arten von Tre-
maloden" Wien 1856. (bes. Abdruck aus dem X. Bande der
Denkschriften der K. Akademie) enthält ausser den — schon frü-
her in dem Systema helminthum mitgetheilten — Beschreibun-
gen vortreffliche Abbildungen folgender meist von Natter er
in Brasilien gesammelten Arten: Diplostomum grande aus Ar-
dea Leuce und Agami^, Hemistomum — • eine bei uns fehlende
Form — dathratum aus Lutra brasiliensis, //. cordatum aus
Felis Catus ferus, H. pedatum aus Didelphys myosurus und can-
crivorus, Monoslomum Uguloideum aus Vastres Cuvieri, M.
cymbium aus Himantopus Wilsonii, M. constrictum aus Abra-
mis brama , M. hippocrepis aus Hydrochoerus Capybara, M.
Spirale aus verschiedenen brasilianischen Sauriern , M. echi-
nostomum aus Sula fusca und Calhartes Aura, Vistomum lan~
cea aus Delphinus Tacuschi , Vist, orbiculare aus Cebus tri-
virgatus, D. dimorphum (D. marginalum Rud.), welche letztere
Art ursprünglich , als junges und geschlechtsloses IV2 — 4'"
langes Thier meist eingekapselt in verschiedenen brasiliani-
schen Fischen lebt, von da aber durch den Frass in verschie-
dene Sumpfvögel übertragen wird und hier zu einem ge-
schlechlsreifen Thiere von 3 — 4" Länge heranwächst.
iiii; Biiharz ipacht neue interessante Mitlheilungen über
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 197
„Distoinum liaematobium und sein Verhällniss zu gewissen
pathologischen Veränderungen der menschlichen Harnorgane"
(Wiener med. Wochenschrift 1856. No. 4). Wir heben dar-
aus hervor, dass wenigstens die Hälfte der Bevölkerung ägyp-
tischen Stammes, Fellahs und Kopten, an diesem Parasiten
leidet. Zur Zeit der Eierlage bewegt sich das Männchen
mit seinem Weibchen im Canalis gynaecophorus gegen den
Blutstrom der Vena cava nach abwärts, bis in die Venen der
Beckenorgane, in denen das letztere sodann seine Eier ab-
setzt. Eigenthümlich ist, dass Verf. zweierlei Arten solcher
Eier auffand und zwar nicht bloss in den Geweben der damit
imprägnirten Unterleibsorgane, sondern auch schon im Ei-
leiter der Weibchen. Ein grosser Theil dieser Eier wird nach
dem durch die pathologischen Veränderungen der ßeckenor-
gane bedingten Eintritt in die Harnwege mit dem Urin nach
Aussen entleert, worauf dann ein infusorienartiger flimmernder
Embryo aus der Schalenhaut auskriecht.
van ßeneden liefert eine sorgfältige Beschreibung des
äusseren und inneren Baues von Octobothrium merlangi und
Axine bellones, die unsere Kenntniss über diese Thierformen
in mehrfacher Beziehung berichtigt und erweitert. Bullet,
acad. roy. de Brux. T. XXHI. No. 11 u. 12 mit 1 Tafel.
Ebenso von Epibdella Sciaenae n. sp. Ibid. No. 10 mit
1 Tafel. Das Gen. Epibdella glaubt Verf. als verschieden von
Tristomum aufrecht halten zu müssen. Die dahin gehörenden
Arten sind mit nur wenig entwickelten Mundsaugnäpfen ver-
sehen und tragen ihren grossen Bauchsaugnapf am Hinter-
leibsende. Der letztere ist ohne Strahlen , dafür aber mit
einem kräftigen Hakenapparate versehen. Die Hoden sind
ungelappt.
In anatomischer Beziehung neu ist die Entdeckung, dass eine
Anzahl grösserer Trematoden (Epibdella, Axine, Polystomum appendi-
culatum) neben der Geschlechtsöffnung einen besondern sehr ansehn-
liehen Drüsenapparat von unbekannter Bedeutung tragen. Ibid.
Von Hök erhielten wir Mittheilungen über Calicolyle
Kroyeri Dies., durch welche die Angaben Diesing's mehr-
fach verbessert und (namentlich auch in Betreff des inneren
Baues) erweitert werden. Verf. fand seine Exemplare im Re^
198 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
dum von Raja batis, dicht neben dem After. Mit Tristomum
nahe verwandt (auch durch Anwesenheit zweier grosser
Haken am Acelabulum) ist dasselbe doch wegen Mangels der
zwei seitlichen Mundsaugnäpfc als Typus eines besonderen
Genus anzusehen. Öfvers. vet. Akad. Förh. 1856. No. 6. u. 7,
übersetzt in der Hallischen Zeitschrift für die ges. Naturwis-
sensch. 1856. S. 507.
Referent hebt hervor, dass das Gen. Gyrodactylus
keineswegs bloss aus geschlechtslosen Arien (Ammen) be-
stehe , sondern neben der einen geschlechtslosen Form (G.
elegans) noch zahlreiche andere Arten mit männlichen und
weiblichen Geschlechtsorganen besitze. Er giebt an , dass
er sechs solcher geschlechtlich entwickelten Arten unterschei-
den könne. Nachtr. und Berichtigungen zu van der Hoe-
ven's Zool. S. 92.
3. Ce§todes.
Bur meist er widerspricht der Ansicht, dass der Band-
wurm ein zusammengesetztes Thier sei ; er sieht in demsel-
ben nur ein Individuum, das aber nicht gleichzeitig in sei-
ner ganzen Länge zur Geschlechlsreife gelange , sondern
allmählich „so wie ja auch die Henne jedesmal nur ein Ei \egQ^^
Zoonom. Briefeil. S. 223. (Wenn man, wie Burmeister,
auch die verästelte Pflanze nur als ein Individuum ansieht,
so ist das eine gewiss ganz consequenle Schlussfolgerung.)
Referent, der schon früher (J- B. XXII. S. 382, auch
Nachträge und Zusätze zu van der Hoeven's Zoologie
S. 77 — 78) einige Mittheilungen über die Entwickelung der
Blasen- und Bandwürmer gemacht hat, stellt seine mehrjähri-
gen umfassenden Untersuchungen über diese Thiere in einem
eigenen Werke zusammen: die Blasenbandwürmer und ihre
Entvvidkelung. Giessen 1856. (162 Seiten mit 3 lilhographirten
Tafeln). Nach einer historischen Einleitung, in der nament-
lich auch die Verdienste der älteren , zum Theil nur zu sehr
in Vergessenheit gerathenen Helminthologen in gebührender
Weise hervorgehoben wurden (S. 1 — 23), behandelt Verf. so-
dann in einem besonderen Theile (S. 29—78) die Zoologie
und schliesslich (S. 74— 158) die Entwickelungsgeschichte der
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 199
Blasenbandwürmer, die letztere mit besonderer Berücksichti-
gung der Taenia serrata. Die Formen , die Verf. hier als
Blasenbandwürmer zusainmenstelU ( und S. 54 — 73 einzeln
beschrieben hat), sind dieselben , deren Jugendzustände frü-
her als selbstständfge Thiere unter dem Namen Blasenwürmer
(Cystici) beschrieben wurden. Sie bilden eine auch zoolo-
gisch durch mancherlei Eigenlhümlichkeiten (Bildung des
Hakenapparates, der Eierschalen und Embryonen, vgl. S. 31)
charaklerisirte Gruppe des Gen. Taenia. Ihre Entwickelungs-
geschichte zeigt jedoch keineswegs irgendwelche wesent-
liche Verschiedenheilen von der der übrigen Tänien und Ce-
stoden, wie Verf. u. a. durch eine nähere Beschreibung der
früher nur unvollkommen bekannten sog. „Tänienamme'* aus
Arion rufus , die einen förmlichen kleinen Cysticercus dar-
stellt, im Speciellen nachweist (S. 150). Was die Blasenwür-
mer von den analogen Zuständen der übrigen Tänien (Cy-
sticercoiden Ref.) auszeichnet, ist nur die Grösse, besonders
der Schwanzblase, und die Ansammlung einer lymphatischen
Flüssigkeit im Innern derselben, v. Siebold bezeichnet
mit Rücksicht auf diesen letzten Charakter die Schwanzblase
der echten Blasenwürmer als „hydropisch" ; er schliesst dar-
aus dann weiter auf eine „Entartung^" doch das sind An-
sichten, die ebenso ungerechtfertigt erscheinen, als wenn
Jemand die Graaff'schen Follikel der Säugethiere als hydro-
pisch und entartet bezeichnen würde. Ebenso unbegründet
ist die weitere Behauptung v. Siebold's, dass das Vorkom-
men der echten Blasenwürmer an den uns bekannten Loka-
litäten auf einer „Verirrung" ihrer Keime beruhe (S. 150,
112 u. a. a. 0.), eine Ansicht, die übrigens, wie leicht ein-
zusehen , mit der Annahme einer Hydropsie und Entartung
auf das Engste zusammenhängt. Verf. trägt nach Erwägung
der Verhältnisse kein Bedenken, die ßlasenwürmer in Ue-
bereinstimmung mit van Beneden und Küchenmeister
für gesunde und normale Entwickelungszustände gewis-
ser Bandwürmer zu erklären. Dem Letzteren schliesst sich
derselbe auch insofern an ,, als er gegen v. Siebold (J.
B. XXII. S. 378) die einzelnen Blasenwürmer mit ihren aus-
gebildeten Bandwurmformen für verschiedene Arten er-
klärt und die Verschiedenheit derselben Iheils durch eine
200 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
genauere zoologisclie ßeschreibung-, llieils auch durch die Re-
sultate seiner zahlreichen Füllerungsversuche mit Blasenband-
wurmeiern und seine Beobachtungen über die Entwickelung
derselben im Speciellen nachweist. Besonders schlagend wi-
derlegt sich die v. Siebold'sche Identilätslehre durch die Fül-
terungsversuche, durch die es z. B. wohl gelingt, den Coe-
nurus mit den Eiern der Taenia Coenurus zu produciren,
nicht aber mit denen von T. Solium oder T. serrata , wäh-
rend die letzlere dafür und zwar wiederum ausschliesslich den
Cysticercus pisiformis der Kaninchen hervorbringt u. s. w.
Solche Fülterungsversuche hat Verf. mit den Eiern von sechs
verschiedenen Species angestellt: Taenia crassicollis, T. ser-
rata, T. e Cysticerco tenuicolli , T. Coenurus, T. Solium und
T. Echinococcus, bei den fünf erstgenannten Arten mit dem-
selben günstigen Erfolge, der im letzten J. ß. S. 375 auch in
Betreff der Küchenmeister-Haubner'schen Experimente hervor-
gehoben werden konnte (S. 38 — 54).
Die Darstellung von der Entwickelung der Bla-
senbandwürmer, die den umfassendsten Theil der vor-
liegenden Abhandlung bildet, beginnt mit der Schilderung der
Geschlechtsorgane und der Embryonalbildung, die früher zum
Theil wohl nur desshalb so unvollständig bekannt geworden
sind, weil sie sich nur in den vordem , sog. unreifen Glie-
dern beobachten lassen. Die Hoden bestehen aus zahlreichen
hellen Bläschen, wie solche auch von anderen Cesloden be-
reits bekannt sind, während die keimbereitenden weiblichen
Organe von einem flügeiförmigen paarigen Keimstocke und
einem ebenso paarigen Dolterstocke gebildet werden. Die
Befruchtung geschieht durch Selbstbegatlung , die sich ziem-
lich leicht nachweisen lässt. Die primitiven Eier, die in dem
anfangs ganz geraden und schlauchförmigen Uterus gefunden
werden, sind ohne Schale und auch sonst sehr eigenlhümlich
gebaut. Sie bestehen aus einem homogenen, hellen Keimbläschen
(Keimkorn Ref.), dem Produkte der Keimstöcke und einem an-
liegenden kugligen (aus den Dotterslöcken stammenden) Dot-
terhaufen, die beide in eine gemeinschaftliche Eiweissmasse
eingebettet sind. (Meissner polemisirt in seinem Jahres-
berichte, Zeitschrift für rationelle Medicin 1857. S. 632, ge-
gen diese Auffassung des Verf., weil „es durchaus nicht an-
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 201
zunehmen sei, dass so ein Ding^ wie eine Eizelle, sich so
allmählich, successive zusammen finde und aus einzelnen für
sich entstehenden Thcilen zusammen gruppire«, mit Gründen
also, die wohl zunächst nur einen subjektiven Werth besit-
zen dürften. Jedenfalls lässt sich darüber streiten — wenn
M. seinerseits aber das Keimkorn des Ref. selbst für das Ei
und damit für eine Zelle erklärt, so ist das entschieden irr-
Ihümlich und nur ein Beweis dafür , dass M. das betreffende
Gebilde niemals gesehen hat.) Die Entwickelung des Embryo
geschieht ausschliesslich auf Kosten des Keimkorns, das sich
nach der Befruchtung zerklüftet und später in den kugligen
Embryonalleib verwandelt, ohne dass der daneben liegende
Dotier eine besondere Veränderung erleidet. Die sog. Ei-
schale ist eine sehr späte Bildung ; sie entsteht durch Isola-
tion und Erhärtung der Oberlläche des Embryonalleibes , ist
also keine Eihaut im gewöhnlichen Sinne des Wortes. Das
eigenthümlich chagrinirte Aussehen derselben rührt von einem
dichten Besätze starrer Stäbchen her , die nach der Ueber-
tragung der Eier in den Magen eines warmblütigen Thieres
— bei Fröschen lassen sich die Eier, wie Ref. sich nachträg-
lich überzeugt hat, nach der Fütterung unverletzt im Darm-
inhalte und sogar im Kothe nachweisen — zerfallen und dann
den Embryo hervortreten lassen. Der freie Embryo durch-
bohrt mit seinem Hakenapparate die Darmwand seines Wir-
thes ; Verf. gelangt in das Blutgefässsystem — wo er denselben
bei den Kaninchen auffand (S. 110) — und wird mit der
Blutwelle den verschiedenen Organen zugeführt. Findet er
hier die nöthigen Bedingungen seiner Entwickelung, so ver-
grösserl er sich zu einem bald kugligen, bald ovalen Kör-
per, der nach einiger Zeit durch Verflüssigung seiner Cen-
tralmasse eine bläschenförmige Bildung annimmt , sich auch
ziemlich bald (nur bei Taen. serrata, wie es scheint, etwas
später) mit einem reichen Gefässnetze überspinnt und schliess-
lich durch Entwickelung eines Tänienkopfes in die sogenannte
Schwanzblase verwandelt. Während dieser Metamorphose sind
die Embryonen von einer körnigen Granulationsschicht, meist
auch von einer besonderen äussern Zellgewebscyste umge-
ben, die übrigens beide den Organen angehören, in denen
die Entwickelung der Parasiten vor sich geht. Trotz dieser
202 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Umhüllung" verändern manche Clasenwürmer ihren Aufent-
haltsort, wenn auch vielleicht nur sehr allmählich. Am auf-
fallendsten sind diese Wanderungen bei Cysl. pisiformis, der
fast ganz conslant die Leber der Kaninchen , in der er sich
zunächst entwickelte, durchbricht und in die Leibeshöhle hin-
einfällt, um in dieser sodann zum zweiten Male eingekapselt
zu werden (S, 1^7). Die Bildung des Tänienkopfes geschieht
durch eine förmliche Knospung an der Innenwand des blasi-
gen Embryonalkörpers und zwar an derjenigen Stelle, an der
die sechs Embryonalhaken angebracht sind. Die Masse dieser
Knospen wird von Aussen her hohl, „als wenn ein Bohrloch
in dieselbe hineingetrieben würde/* Die Höhlung im Innern
nimmt eine flaschenförmige Gestalt an, bildet am unteren Ende
vier radiäre Seitentaschen, die sich mit eigenen Muskelkappen
bedecken (Saugnäpfe) — und so verwandelt sich denn die
Knospe allmählich, wie Verf. genau beschreibt, in einen,
wie man gewöhnlic|i sagt , nach Innen umgestülpten ßand-
wurmkopf. Die äussere Substanzlage der Knospe, die sich
während der Entwickelung abhebt, bildet ein besonderes Re-
ceptaculum, in dessen Innerm sich schliesslich zwischen Kopf
und Schwanzblase die erste Anlage des spätem gegliederten
Bandwurmkörpers heranbildet. Bei Coenurus wiederholt sich
dieser Process der Kopfbildung an derselben Schwanzblase,
ohne dass sonstige Verschiedenheiten mit den übrigen Bla-
senwürmern staltfänden, während Echinococcus sich in mehr-
facher Beziehung abweichend verhält. Diese Abweichungen
sprechen sich ein Mal darin aus , dass hier der blasige Era-
bryonalleib (Echinococcussack) erst zahlreiche neue, klei-
nere Blasen (Tochterblasen) im Innern hervorknospen lässt,
sodann auch darin, dass die Köpfe beständig in mehrfacher
Anzahl in ihren Blasen angelegt werden und überdiess nicht
von Aussen , sondern vielmehr von Innen , d. h. von ihrem
freien Pole aus, hohl werden und desshalb denn auch niemals
nach Aussen aus ihrer Schwanzblase hervorgestüipt werden
können. Die Umwandlung der ßlasenwürmer in eine Band-
wurmkelte geschieht bekanntlich erst nach Ueberführung in
den Darmkanal eines anderen Säugethieres, wobei die Schwanz-
biase (wie man auch durch künstliche Verdauungsversuche
in einer Brütmaschine nachweisen kann S. 156) durch Ein-
der niederen Thiere während des Jahres 1856, 203
Wirkung der Magensäfte aufgelöst wird. Die Zeit, in der
die Entvvickelung der Bandwurmketle vollendet wird, ist ver-
schieden ; sie richtet sich sehr wesentlich nach dem Entwik-
kelungsgrade der Finne, besonders des zwischen Kopf und
Schwanzblase entwickelten Körpers. (Bei einem neueren Ver-
suche ist es Ref. gelungen, aus einem sehr allen Coenurus
in zehn Tagen reife Bandwürmer mit ausgebildeten Embryo-
nen in den hintern Gliedern zu erziehen.) Wenn wir die
verschiedenen Entwickelungsvorgänge der Bandwürmer vom
theoretischen Standpunkte aus überblicken , so erscheint uns
die Bildungsgeschichte dieser Thiere als ein zweifach wie-
derholter Generationswechsel. Verf. unterscheidet drei ver-
schiedene Generationen 1) den sechshakigen Embryo , das
Produkt der geschlechtlichen Forlpflanzung, 2) denTänienkopf
(Scolex), der sich durch Knospung im Innern dieses Embryo
entwickelt und 3) das geschlechtsreife Bandwurmglied (Pro-
glottis), das nach Verlust des ursprünglichen Embryonalkör-
pers (Schwanzblase) am hinteren Ende des Bandwurmkopfes
gleichfalls durch Knospung seinen Ursprung nimmt. Der
sog. Blasenwurm (Cysticercus) ist nach dieser AulFassung in
gleicher Weise, wie die gegliederte Bandwurmketle (Strobila)
ein zusammengesetztes, polymorphes Individuum.
Prof. Mayer beobachtete einige Phasen der (von Ref.
in dem vorstehenden Werke ausführlich geschilderten) Em-
bryonalentwickelung bei den Blasenbandwürmern , ohne die-
selben jedoch vollständig zu versieben und richtig zu deuten.
(Verb, des naturhist. Vereins der Rheinlande 1856. XIII.
S. LXI.)
Die noch in den reifen Eiern neben den Embryonen eine Zeit
lang deutlich persistirende Dotlerkugel beschreibt derselbe als eine
granulirte Cyste, in der eine Menge feiner Körnchen sich befänden, die
wohl Samenkörperchen sein dürften , da die Cyste „ganz der Samen-
kapsel der Ascariden ähnlich" sei. In einer früheren Mittheilung
(ebendas.) hielt Verf. sogar die sechs Embryonalhäkchen für beweg-
liche Samenfäden.
K ü c h e n m e i s t e r's (von der medicinischen Gesellschaft
in Kopenhagen mit doppeltem Preise gekrönte) Abhandlung
„über die Taenia c Cyst. tenuicolli , ihren Finnenzustand und
die Wanderung ihrer Brut,« Moleschott's Untersuch, zur
204 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Naturgesch. des Menschen und der Thiere I. S. 259—378,
c. 2 tabb., beschäftigt sich Iheils mit dem auf eine genauere
diagnostische Untersuchung und Fülterungsexperimenle ge-
stützten Nachweise der Verschiedenheit von Taenia serrafa,
T. Solium, T. e Cyst. tenuicolli und T. Coenurus, theils auch
mit der speciellen Betrachtung sämmllicher Entvvickelungsstufen
der T. e Cyst. tenuicolli und enthält neben mancherlei interes-
santen Beobachtungen (über Finnenzucht u. s. w.) namentlich
auch eine Reihe von praktisch w^ichtigen Bemerkungen.
Die von derselben Gesellschaft gleichzeitig gekrönte
Abhandlung von Möller, om blaereormenes udvikling til
baendelorme i Almindelighed og om Cysticercus tenuicol-
lis udvikling til Taenia tenuicollis i saerdeleshed, Bibl. for
Laeger 1856. Juli ist in allen wesentlichen Punkten eine Be-
stätigung der Küchenmeister'schen Angaben , dürfte für die
deutschen Leser aber kaum irgend eine wichtige neue That-
sache enthalten, es sei denn die, dass Verf. durch Ver-
schlucken des Cyst. tenuicollis vergebens einen T. Solium in
sich zu erziehen versuchte, wie es doch nach der v. Siebold'-
schen Identitätsiehre hätte gelingen müssen.
Baillet referirt in dem Journ. des veter. du Midi 1856.
(im Auszuge Rev. medic. 1856. p. 154) über die neueren,
die Entwickelung der Bandwürmer und Erziehung der Bla-
senwürmer betreffende Beobachtungen und theilt dabei zu-
gleich das Resultat einiger eigenen Experimente mit.
Küchenmeister fütterte abermals (J. B. XXII. S. 378)
einen verurtheilten Delinquenten mit Schweinefinnen und fand
8 — 12 Tage später bei der Section drei bis etwa y^ Zoll
lange Tänien (Wiener Wochenschrift 1856. S. 319), während
es Ref. gelungen ist, in einem jungen gesunden, vorher nie
bandwurmkranken Manne aus vier Schweinefinnen binnen 3
Monaten zwei ausgewachsene , d. h. mit reifen Proglottiden
versehene Exemplare von Taenia Solium zu erziehen. (Blasen-
bandwürmer S. 73.)
Die Untersuchungen, die Rainey über den Bau und
die Entwickelung des Cysticercus cellulosae veröffentlicht hat
(Proc. roy. Soc. 1855. Dec. ; Ann. and Mag. nat. bist. Vol.
XVIII. p. 486, rinslit. 1856. p. 420), scheinen ohne alle Kennt-
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 205
niss von der wahren Natur der Blasenwürmer angestellt zu
sein und auf der Annahme zu fussen, dass diese Thiere
durch Generalio aequivoca entständen.
Die jüngsten Zustände der Schweinefinnen will Verf. im Innern
der Muskelbündel gefunden haben und zwar unter der Form eines
Zellenhaufens, der auf seiner äusseren Hülle einen eigenthümlich ange-
ordneten Besatz steifer Haare trug. Ueber den Ursprung dieses Zel-
lenhaufens ist Verf. im Dunkeln gelieben, doch glaubt derselbe an-
nehmen zu dürfen, dass die Zellen aus Molecülen sich hervorbilde-
ten, die anfänglich in den xMuskelcapillaren befindlich seien. Mittelst
des Haarbesatzes soll das junge Thier dann später in die Zwischen-
räume zwischen den Muskelfasern auswandern, hier aber seine Haare
verlieren und schliesslich durch Einstülpung der äusseren Bedeckun-
gen den spätem Kopf bilden. Die Einzelnheiten dieses Vorganges sind
nicht näher beschrieben , doch enthalten schon die wenigen Notizen
über die Bildung der Haken so viele Irrthümer, dass wir den Mangel
ausführlicher Mittheilungen nicht beklagen wollen.
Die „Notes on a microscopical exaininalion of „measled**
and other pork by Smith" in dem Quarterly Jour. micr.
Sc. 1856. p. 4 — 7 enthalten eine ziemlich oberflächliche Be-
schreibung des Cyst. cellulosae mit rohen Abbildungen.
Eschricht publicirt Beobachtungen „über Echinococ-
cus" (Overs. liongl. danske vidensk. Selsk. Forh. 1856. p.
127 — 131, übersetzt von Creplin in der Zeitschrift für die
ges, Naturwiss. Halle 1857 S. 231), die zunächst an mensch-
lichen Echinococcen aus Island (E. altricipariens Küchenm.)
angestellt sind. Im Wesentlichen stimmen die Angaben des
Verf. mit der Darstellung von G. Wagener (J. ß. XXII.
S. 379) und Ref. (Blasenbandwürmer S. 144) überein. Beson-
ders hervorzuheben ist , dass Verf. niemals eine Spur von
blasiger Erweiterung an den sog. Echinococcusköpfen auf-
fand und (mit Ref.) der Ansicht ist, dass die v. Siebold-
sche Angabe einer Umwandlung solcher Köpfchen in Blasen
auf einem Irrthume beruhe. Die kleinen Mutterbläschen der
Echinococcusliöpfchen werden sehr prägnant als „Nester" be-
zeichnet. Was das häufige Vorkommen des Echinococcus in
Island betrifft, so glaubt Verf., dass die Isländischen Hunde
(und Katzen?) ihre mit Tänieneier geschwängerten Excre-
mente möglicher Weise auf die getrockneten Fischvorräihe
absetzten und dadurch Gelegenheit zur Importation gäben»
206 Leuckarl: Bericht üb, d. Leistungen in d. Naturgeschichte
(Nur ist hier zu bemerken, dass ein Austrocknen der Tänien-
eier nach unseren bisherigen Erfahrungen die Keimkraft der-
selben sehr bald zerstört.)
In Betreff der bloss medicinisch interessanten Fälle von
Echinococcus u. s. vv. verweisen wir auch hier auf das Re-
ferat von Will in den Schmidl'schen Jahrbüchern 1856. IV.
S. 427.
Davaine's Betrachtungen über Hydatiden, Echinococ-
cen und Coenuren (Gaz. med. de Paris 1856) sind nach einer
frühern Mitlheilung schon im letzten J. ß. (XXII. S. 382) er-
wähnt worden.
Aubert liefert eine Beschreibung des seit Nord-
mann nicht wieder gesehenen Gyporrhynchus pusiilus^ aus
der mit Besiimmtheit hervorgeht, dass dieses Thier den cy-
sticercoiden Jugendzustand eines Cestoden repräsentirt (wie
Verf. sagt „eine Cestodenamme ist," was jedoch insofern nicht
ganz treffend sein dürfte, als bei der Umbildung in eine ge-
gliederte Bandwurmkette, doch gewiss ein grosser Theil des
Gyporrhynchus, die Schwanzblase nämlich , verloren geht).
Zeitschrift für wissenschaftl. Zool. 1856. S. 274 293. Tab. XI.
mit Nachtrag, ebendas. S. 525.
Der Gyporrhynchus besteht nach den Untersuchungen des Verf.
aus einem durchscheinenden Vorderleibe mit Kalkkörnchen, der, ganz
nach dem Typus des Tänienkopfes, mit vier Sauggruben und einem
doppelten Hakenkranze versehen ist, und einem mit Fettkugeln gefüll-
ten Hinterleibe, den Verf. (wie besonders deutlich bei Vcrgleichung mit
den vom Ref. inzwischen publicirten Beobachtungen über den cysti-
cercoiden Bandwurm aus Limax rufus hervorgeht) mit allem Rechte
als Schwanzblase in Anspruch nimmt. Der Hakenapparat wird von
10 grösseren und eben so vielen kleineren alternirend stehenden Häk-
chen gebildet, die eine sehr eigenthümliche Form haben, im Grunde
aber doch nur eine eigenthümliche Modifikation der gewöhnlichen Tä-
nienhaken (mit Kralle und zwei Wurzelfortsätzen) darstellen. Derselbe
steht auf einem langen cylindrischen Rostellum, das aber in der Ruhe
meist nach Innen eingezogen ist. Der Bewegungsmechanismus dieses
Apparates wird ausführlich geschildert, scheint aber Ref. doch nur
unvollkommen erkannt zu sein, da die Anwesenheit des für Entfal-
tung des Hakenkranzes so wichtigen Rüsselsäckchens dem Verf. ent-
gangen ist. Die nach Ref. überall bei den Tänien vorkommende
Hakentasche (die Küche nra eis t er irrthümlicher Weise früher als
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 207
charakteristisches Merkmal von Taenia Soiium betrachtet wissen wollte),
sind auch bei Gyporrhynchus vom Verf. beobachtet.
Verf. fand den Gyporrhynchus an zwei Lokalitäten , in dem
Darme und in der Gallenblase der Schleihe. Am ersten Orte war
der Vorderleib des Thiers meist hervorgestreckt , das ganze Thier
nackt und frei beweglich. Die Exemplare der Gallenblase verhiel-
ten sich dagegen anders. Ihr Vorderleib war häufig in die Schwanz-
blase eingestülpt (ob freilich genau auf die vom Verf. beschriebene
Weise, möchte Ref. bezweifeln), und die Oberfläche der Schwanzblase
mit einer besondern membranösen Schicht von stark lichlbrechender
Substanz umgeben. Diese äussere Umhüllung der Schwanzblase Hess
sich auch bei den Exemplaren mit vorgestrecktem Vorderleibe nach-
weisen , nur war hier der vordere Rand derselben unregelmässig
zerrissen und von lappiger Bildung. Ref. zweifelt nicht daran, dass
diese äussere Umhüllung der Schwanzblase eine accessorische Cyste
vorstellt, wie sie auch sonst bei den cysticercen Zuständen der Ce-
sloden vorkommt, dass die Gyporrhyncheu der Gallenblase mit ande-
ren Worten eingekapselte Helminthen sind. Er wird in dieser Ansicht
noch durch die weitere Angabe des Verf. bestärkt, dass die Haken
dieser Thiere eine weniger ausgebildete Form besitzen, als die der
freien Exemplare des Darmkanals. Offenbar geht die Entwickelung
der Gyporrhyncheu aus den sechshakigen Embryonen, wie auch Verf.
annimmt, in der Gallenblase vor sich, und zwar, wie bemerkt, im
Innern einer Kapsel, wie bei den übrigen Cysticercen. Leider gelang
es unserem Verf. nicht, solche frühen Entwickelungsstadien aufzufin-
den , denn das in Fig. 9 abgebildete Körperchen dürfte wohl kaum
in diesem Sinne ausgelegt werden dürfen. Auch die Embryonalhäk-
chen wurden nicht aufgefunden, vielleicht nur desshalb, weil sie nicht
am rechten Orte, der Uebergangsstelle des Vorderkörpers in die
Schwanzblase (vergl. Ref. ßlasenbandwürmer S. 152^', gesucht wurden.
Die geringe Grösse der Haken wird daran kaum die Schuld tragen,
denn die Tänien, deren Embryonen in Kaltblütern zur Entwickelung
kommen, haben sehr allgemein viel grössere Embryonalhaken, als die
echten Blasenbandwürmer. Eigenthümlich und neu für unsere Kennt-
nisse von der Lebensgeschichte der Cysticercen resp. Cyslicercoiden
ist der Umstand, dass unser Gyporrhnchus nach vollendeter Entwicke-
lung seine Cyste durchbricht und aus der Gallenblase in den Darm
seines Wirthes auswandert. Dass derselbe hier seine Ausbildung zu
einer Taenia erhält, ist höchst unwahrscheinlich; viel näher liegt die
Vermuthung, dass er mit den Excrementen entleert wird und dann
auf irgend eine Weise in einen neuen Wirth einwandert. Der aus-
gebildete Zustand unseres Gyporrhynchus würde sich bei der speciti«
sehen Bildung seiner llakon leicht erkennen lassen, wenn diese Ha-
ken nicht sehr leicht ausfielen.
208 Leuckart: Bericht üb, d. Leistungen in d. Katurgeschichte
In dem Nachtrage beschreibt Verf. das von ihm früher überse-
hene Gefässsystem, das aus zwei Paaren ungleich entwickelter Längs-
stämme besteht, die im Vorderende des Kopfes einen Ring bilden und
hinten in der Schwanzblase durch eine deutliche OefFnung ausmün-
den. Flimmerhaare konnten in den Gefässverästelungen nicht aufge-
funden werden.
Bei Taenia (Liga) punctata n. sp. sah Weinland die
fadenförmigen Spermatozoen in zwei Stücke zerbrechen und
beide sich dann selbslständig weiterbewegen. Proc. Best.
Sog. vi. p. 60. Ebendas. werden auch einige kurze Angaben
über die Geschlechtsorgane der genannten Art und die Bil-
dung ihrer Eier gemacht.
Referent liefert in seiner Abhandlung über die Blasenband-
würmer eine auf selbslständige Untersuchung gegründete Beschreibung
folgender Tänienarten : T. crassicollisRud. (= T. e Cysticerco fascio-
lari) , T. laticollis Rud. , T. serrata Göze (= T. e Cyst. pisiformi) ,
T. marginata Batsch? (= T. e Cyst. tenuicolli), T. Coenurus v. Sieb.
(= T. e Coenuro cerebrali) , T. Solium (= T. e Cyst cellulosae),
T. mediocanellata Küchenm., T. crassiceps Rud. (= T. e Cyst. longi-
colli), T. polyacanlha n. sp. , aus dem Darmkanale des Fuchses, T.
intermedia Rud., T. tenuicollis Rud. (= T. e Cyst. Hypudaei Kü-
chenm. und wie ich jetzt nach neueren Untersuchungen von Kü-
m eist er und nifi|r^ hinzufügen kann = T. e Cyst. Talpae), T.
Echinococcus v. Sieb. (= T. ex Echinococco scolecipariente Kü-
chenm.), denen weiter noch einige Bemerkungen über die möglicher
Weise gleichfalls von einer Echinococcusart abstammende T. nana v.
Sieb, hinzugefügt sind. A. a. ü. S. 55 — 73. Für T. serrata, T. So-
lium, T. e Cyst. tenuicolli und T. Coenurus verweise ich ausserdem
noch auf die oben erwähnte Abhandlung Küch enm eist er's inMole-
schott's Untersuchungen L S. 266 — 294.
Wein 1 and überzeugt sich von der Identität des nordamerika-.
nischen Menschenbandwurms mit der Taenia solium. Ebenso hebt
derselbe das Vorkommen des europäischen Cysticercus pisiformis in
dem Lepus americanus und des Cyst. fasciolaris in der nordamerikani-
schen Ratte (M. decumanus) hervor. Bei dem nordamerikanischen
goldgeflügellen Spechte wurde eine neue Tänie (T. pun<^tala W.) ge-
funden. Proc. Bost. Soc. VI. p. 25.
Eine Beschreibung dieser letzten Art findet sich ebendas. p. 60,
wo dieselbe zugleich , mit Rücksicht auf einige (wie Ref. glaubt,
unzureichende) Besonderheiten im Baue der Geschlechtsorgane als Re-
präsentant eines besonderen neuen Cestodengenus Liga betrachtet
wird. Da Verf. verspricht, seine Beobachtungen über L. punctata an
der iiiiedelren Thiere während des Jahres 1856. 209
einem anderen Orte im Detail darzulegen, so dürften wir unsere Be-
merkungen darüber wohl bis später aufschieben.
Auch Leidy erwähnt das Vorkommen von Taenia solium in
Nordamerika und zählt ausserdem noch 15 andere nordamerikanische
Arten des Gen. Taenia auf, von denen 5 neu: T. laticephala aus Hy-
strix dorsata; T. peslifera aus Molothrus pecoris und Dolichonyx ory-
zivora; T. slrigis acadicae ; T. laclea aus Tiopidonotus sipedon ; T.
gibbosa ausLamna? Ausserdem führt L. noch auf: Dibothrium puncta-
tum Rud. und Ligula monogramma Crepl., ersteres aus Platessa plana,
letztere aus Morrhua americana und Leuciscus pulchellus. Proc,
Acad. Phil. 1855. p. 443 u. 444.
T. giganlea n. sp. aus dem Darme von Rhinoceros africanus,
Peters Berl. Monatsber. 1856. S. 469.
van Beneden spricht sich (wie Uef. a. o. a. 0.) öffent-
lich für die Artselbständigkeit der Taenia mediocanellala aus, l'Instit.
1856. p. 229. (Ref. will bei dieser Gelegenheit erwähnen , dass er
unter den der Giessener Universität zugehörenden v. Sömmerring'schen
Helminthenvorräthen unlängst ein Glas fand, in welchem sich neben
einem Stück Bolhriocephalus latus und Taenia Solium ein eben sol-
ches Stück von T. mediocanellata befand, offenbar um die Verschieden-
heit der in allen drei Präparaten sehr schön durchleuchtenden Frucht-
halter daran zu demonstriren.)
Ransom beobachtete in dem Stuhlgange eines jungen Mäd-
chens lange Zeit hindurch zahlreiche Bandwurmeier, die sich durch
ihre glatte Schale von den gewöhnlichen Tänieneier unterschieden,
auch nicht von Bolhriocephalus abstammten. Verf. schliesst daraus
auf die Existenz einer neuen, noch unbekannten menschlichen Band-
wurmart, Med. times and gaz. 1856. T. XII. p. 598. (Sollten die
Eier vielleicht von Taenia Echinococcus abstammen? Ref.)
4. Turbellarii«
Leydig leugnet (wie früher schon M. Schul tze) die
Existenz einer eigenen Darmhaut (tunica propria) bei den Tur-
bellarien und erklärt dieselbe für „die Grenzschicht einer ho-
mogenen ßindesubslanz , die continuirlich und areolär den
Körper durchziehe und nach innen die Darmzellen trage." Vgl.
Histologie S.346.
Pliaryngocoela (Planarieae). Von M. S. Schnitze er-
hielten wir „Beiträge zur Kennlniss der Landplanarien^ nach
Mittheilungen des Dr. Fr. Müller in Brasilien und nach
eigenen Untersuchungen." Abhandl. der naturf. Gesellsch. in
Archiv f. Naturgesch. XXllI. Jahrg. 2. Bd. Q
210 Leuckairt: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Halle 1858. Bd. IV. S. 19 (auch als Separatabdruck Halle
1857), eine Schrift, die uns einen überraschenden Aufschluss
über die reiche Fauna der Landplanarlen in den feuchten Ur-
waldregionen der tropischen Gegenden giebt.
Die Landplanarien, für die« hier der gewiss sehr zu empfehlende
neue Genusnamen Geoplana Müll, in Vorschlag gebracht wird,
zeichnen sich ohne Ausnahme durch einen sehr langgestreckten und
hohen, mitunter fast nemertinenartigen Habitus und eine beträchli-
che Grösse, meist auch durch bunten Farbenschmuck und Anwesen,
heit von Augen aus. Ihre innere Organisation stimmt, so weit
sie erforscht ist, in fast allen Punkten (Lage der MundöfFnung gegen
das hintere Körperdritttheil , dendrocoele Bildung des Darmkanales,
Einfachheit der Geschlechtsöffnung) mit der der grösseren Süsswasser-
planarien überein, nur ist ihr Pharynx nicht einfach cylindrisch, son«
dern trompetenartig , mit mehr oder minder tief gelapptem Rande,
wie bei vielen grösseren Seeplanarien. Ihre Nahrung besteht wahr-
scheinlich niemals (wie Darvin angab) aus Pflanzenstoffen, sondern
aus einer thierischen Beute.
Müller beobachtete an seinem Wohnorte (Colonie Blumenau in
Südbrasilien) 13, meist ziemlich häufige Arten : G. trislriala^ G. oclo»
striata , G. elegans , G. pallida , G. alra , G. marginata , G. rnfivenlris,
G. olivacea^ G. Nephelis , G. Maximiliani, G. marmorata, G. pulchellaf
G. subterranea , von denen nach Schultze's weiteren Bemerkungen
freilich wohl G. elegans mit D arvin's PI. (Geoplana) vaginuloides und
G. oHvacea und Maximiliani mit Darvin's G. puUa identisch sein dürfte.
Besonders eigenthümlich ist die letzte Müller'sche Art, die nach Art
der Regenwürmer und Engerlinge den vielfach durchlöcherten, locke-
ren Erdboden durchwühlt und fast ausschliesslich von einer neuen
(oben erwähnten) Art des Gen. Lumbricus sich ernährt. Ueberein-
stimmend mit dieser Lebensweise ist die cylindrische Form des Leibes
(Länge 2 — 3, selbst über 4 Zoll, Breite kaum y^ Linien), die voll-
ständige Abwesenheit der Pigmente und Augenflecke.
Zählt man zu diesen 11 — 13 von Müller neu beobachteten
Arten die von Darvin (J. B. XL S. 273) beschriebenen 10 Species,
so wie ferner den von Blanchard (J. B. XXII. S. 388) untersuch-
ten— freilich, wie Seh. hervorhebt, sehr irrthümlich aufgefassten —
Polycladus Gayi und den Leidy'schen Rhynchodesmus sylvaticus (J. B.
XX. S.346), so wie die schon von 0. Fr. Müller beobachtete, von
Dujes und später auch von Fr. Müller bei Greifswalde wieder
aufgefundene Planaria terrestris , so beläuft sich die Anzahl der bis
jetzt bekannten Erdplanarien (Geoplana) auf 24 — 26 Species, denen
M. Schultz e selbst noch eine weitere brasilianische, von Burmei-
s t e r gesammelte Art, G. Burmeisteri hinzufügt.
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 211
Aus den anatomisch . histologischen Kotizen über letztere Art
heben wir die von Schnitze constatirte Anwesenheit von Flimmer-
zellen auf der äusseren Haut und den vollständigen Mangel aller stäb-
chenförmigen Körper hervor.
Als w^eitere neue Arten erwähnen wir: Leploplana patellatum
n. sp. Cap d. g. H. ; Dioncus (n. gen.) badiui n. §p. und D. oblongus
n. sp., beide von Port Jackson; Thysanozoon auslräle n. sp. ebenda-
her. Stimpson Proc. Acad. Phil. 1855. p. 389.
Das neue Genus Dioncus trägt folgende Diagnose: Corpus
planum, dilatatum. Caput corpore continuum. Os subcentrale. Ocelli
numerosi, in umbones duos claros subdistantes disposili. Maricolae.
Planaria frequens n. sp. und Monocelis agilis n. sp., Leidy
Invertebr. Fauna of Rhode-Island and New-Jersey, 1. c. p. 143.
Rhy nchocoela (Nemeri'm'i). Huxley spricht sich in Be-
treff des Verdauungsapparats der Nemerlinen in einer riiit
Rathke, Referent, Schnitze u. A. übereinstimmenden
Weise und gegen Quatrefages aus. Leclure VilL L. c.
XIII. p.280.
Valencinia annulala n. sp. Cap d. g. H. ; Polia rhomboidalis
n. sp. Port Jackson; F. grisea n. sp. Küste von Virginia; Tetrastemina
incisum Cap d. g. H. ; Meckelia olivacea n. sp. ebendaher. Stimp.
son 1. c. p. 390.
Kemertes socialis n. sp. , Meckelia ingens n. sp», Leidy 1. c.
Ciliati.
1. Rotiferi.
Was die systematische Stellung der Räderthiere betrifft,
so hat sich Burmeisler (gegen Vogt, J. B. XXlI. S. 390)
neuerdings sehr entschieden wieder für die Krebsnatur der-
selben ausgesprochen , und zwar auf Grund der allgemeinen
Aehnlichkeit, die viel höher zu schätzen sei, als einzelne sog.
„entscheidende" Charaktere, wie Anwesenheit oder Abwesen-
heit eines FiimmercpUheliums u. s. w. „Noch einige Worte
über die systematische Stellung der Räderthiere" in der Zeit-
schrift für wiss. Zool. Vlll. S. 152 und zoonomische Briefe II.
S. 376.
Auch Dana wiederholt seine früheren Angaben von
der Krebsnatur der Roliferen, Amer. Journ. of Arts and Sc.
XXII. p.25. .
Die schon im lelzlen J. B. (XXII. S. 394) nach einer
^{^ Leuckartt Bericht nh. d. Leistutigeii in d. Naturgeschichte
vorläufigen Millheilung erwähnten Untersuchungen von Gosse
über die Kauwerkzeuge der Rotiferen sind jetzt in den
Philos. Transact. 1856. p. 419 — 453 ausführlich publicirt und
durch zahlreiche Abbildungen Tab. XVI — XVllI erläutert. Nach
der Ansicht des Verf. bestehen diese Kauwerkzeuge aus
zwei Kieferpaaren, Mandibeln (mallei Ehrbg.) und Maxillen
(incus Ehrbg.) , welche letztere auf einem gemeinschaft-
lichen Grundstück (fulcrum = cardo) aufsitzen. Wo die
Kauwerkzeuge nach Aussen vorgezogen werden können, da
bilden die Ränder der MundöfTnung (mastax) im Umkreise der
Kauwerkzeuge mitunter eine vordere und hintere Falte, ein
Labrum und Labium. Taster fehlen beständig, in vielen Fäl-
len auch die Lippen; es giebt sogar Arten , deren Kauwerk-
zeuge sich auf die Maxillen beschränken.
Derselbe stellte neue Untersuchungen über die Ge-
schlechtsverhältnisse der Rotiferen an und entdeckte die Männ-
chen von verschiedenen Brachionusarten, Synchaeta tremula,
Polyarthra platyptera, Sacculus viridis und Melicerta ringens,
so dass mau kaum noch länger an der Allgemeinheit der zuerst
von Brightwel 1 beobachteten interessanten Geschlechtsver-
hältnisse unter den Rotiferen zweifeln kann. In allen jenen
Fällen waren die Männchen klein und ohne Verdauungsapparat,
aber mit einem ansehnlichen Hoden versehen, wie die früher
schon bekannt gewordenen Zwergmännchen. Proc. roy. Soc.
1856. Apr. oder Ann. and Mag. nat. hist. XVIII. p. 335.
W es ton erwähnt gelegentlich (Quarterly Journ. micr. Sc. 1856.
p. 123 Anm.) eines in Ostindien vorkommenden Räderthieres mit Ga.
belfuss und Schwanz, das mit Ilydatina verwandt sein soll.
Weisse macht auf die Identität der vonBailey in Nord-
amerika aufgefundenen Limnias annulatus (J. B. XXII. S. 395) mit sei-
ner L. Melicerta aufmerksam. Zeitschrift für wissensch. Zool. VIIL
S. 302.
S» Bryozoa»
Nach den Beobachtungen von Huxley entstehen die
Eier der mit besonderen Eikapseln versehenen Bryozoen (Bu-
gula avicularis) nicht in den lelzteren, sondern, wie gewöhn-
lich, in den Thierzellen, in denen auch zugleich die Samen-
fäden entwickelt werden. Die Eikapseln fehlen anfangs ; sie
entstehen erst nach Entwickelung der Eier durch Ausstülpung^
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 213
aus der Thierzelle , nehmen aber dann das inzwischen be-
fruchtete Ei in sich auf. Der Hoden liegt bei allen unter-
suchten Arten des Gen. ßugula undScrupocellaria im Grunde
der Thierzelle , während das Ovarium , das übrigens nur
selten mehr, als ein oder zwei Eier entwickelt, seine Stelle
wechselt. Note on the reproductive organs of cheilostome
Polyzoa, Quarterly Journ. micr. Sc. 1856. p. 191 — 192.
Burmeister machte den Versuch, die ungeheure Menge
der Fiuslra-Individuen an den Pflanzen des grossen Sargas-
sumfeldes im Allantischen Ocean einer approximativen Schät-
zung zu unterwerfen und ermittelt (bei massigen Ansätzen
der Berechnung) bloss an den runden Blasen derselben die
Summe von 135 Billionen. Geologische Bilder II. S. 89.
AUman's wichtige Monographie der Süsswasserbryozoen (Lon.
den 1856) wird im nächsten Jahresberichte ausführlich besprochen
werden.
Leidy beobachtet auf Rhode -Island und New -Jersey neun
Bryozoen, von denen 4 neu sind : Escharina variabilis ^ Alcyonidium {!)
pellucidnm , Bowerbankia gracilis und Pedicellina americana, Journ.
Acad. Phil. III. P. 2. p. 142.
B u sk beschreibt die von Mac Andrew an der Küste von
Korwegen und Finnland gesammelten Bryozoen , Ann. and Mag. nat.
bist. Vol. XVII. p. 32. Mit 1 Tafel. Unter den 14 aufgeführten Arten
sind 4 neu : Eschara (eres, E. Shenei, E. saccata, E. rosacea. Ausser
ihnen werden vom Verf. noch abgebildet: Cellepora cervicornis, Idmonea
atlantica, Hornera frondiculata, Defrancia truncata und D. stellata?
Weitere neue von Busk beschriebene und abgebildete Arten
sind folgende: Membranipora denticulala ^ M. gothica ^ M. sp. n.?,
Lepralia marginipora Reuss?, L. humilis ^ L. hippocrepis ^ L. Maiat-
lanictty L. adpressa^ L. atrofusca, L. rostrala^ Cellepora papillaeformis,
C. cyclostoma , Defrancia inlricata , sämmtlich aus dem Californischen
Meerbusen. (Quarterly Journ. micr. Sc. 1856. IV. p. 176 fF.).
Membranipora hexagona Busk (= Fluslra coriacea Johnst.) De-
vonshire , Lepralia ringens Schottland, L. ßssa Guernsey, L. lata Str.
von Gibraltar, L. pallariana Moll. Tenby , L. Landsborovii Johnst.
Guernsey i L. punctata Hass. Gibraltar, L. californica Calif., Alysi^
dota (n. gen.) Alderi , Eschara cribraria Johnst. , Alecto granulata
Thomps.? Ibid. p. 308 ff.
Buskia (n. gen.) nitens Aid. n. sp., Farella pedicellata n. sp.,
Alcyonidium mamillatum n. sp. und A. albidum n. sp. , alle vier von
der engl. Küste. Ibid. T. V. p. 24 ff.
214 Leuckart: Beriebt üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Char. gen. n. Alysidota Busk. Gells disposed in a single
series, branching irregularly; one cell arising from another by a
broad base, Surface usually punclured. (Hierher auch Lepralia la-
brosa Busk.)
Char. gen. n. Bushia Alder e fam. Vesiculariad. Polyzoary
corneous, consisting of a slender , tubulär, creeping fibre, with cells
developed at intervals. Cells ovate, adhering through Iheir whole
length ; generally with lateral spine-like processes , also adhering;
ori&ce terminal and circular. Polypide with eight tentacles, issuing
from a sheath of fasciculated setae.
II. Schlnodertnata.
Dass Huxley die Echinodermen nicht als eine eigene
Thiergruppe betrachtet, sondern den Würmern zurechnet und
zunächst an die Anneliden anreiht, ist bereits früher erwähnt
worden. Wir müssen in der That auch zugeben, dass zwi-
schen diesen beiderlei Formen manche Uebereinstimmunffen
und Analogieen stattfinden; aber einstweilen scheint uns im-
mer noch — bei den doch unleugbaren, grossen und auffal-
lenden Eigenthümlichkeilen der Echinodermen — die zweite
der von Huxley in Betreff der Stellung unserer Thiere
hervorgehobenen Alternativen, die dahin geht, dieselben als
den Typus einer eigenen Abiheilung des Thierreiches zu be-
trachten , den Vorzug zu verdienen. Der Gesammthabitus
unserer Thiere , ihr Skelet und Ambulacralapparat, auch die
Art der Enlwickelung und die Bildung der Larven scheinen
die eigenthümliche Stellung derselben zu rechtfertigen und
einstweilen immer noch schwerer in's Gewicht zu fallen, als
die Aehnlichkeiten in der Enlwickelung der vegetativen Or-
gane, die doch einstweilen allein zu Gunsten der Huxley'schen
Auffassung geltend gemacht werden könnten.
Im Üebrigen können wir die Schilderung des Echino-
dermenbaues, die uns die Vorlesungen Huxley's (Lect. IX.
1. c. Vol. XIII. p. 537, 586 und 635) bieten, nur in empfeh-
lender Weise hervorheben. Besonders gilt dieses von der
Darstellung des äusseren Baues. In Betreff des Anatomischen
erwähnen wir, dass Verf. — nach den bisherigen Erfahrun-
gen jedenfalls mit Unrecht — die Selbstständigkeit des Am-
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 215
bulacralgefässsystems bei unseren Thieren bezweifelt und die
ältere Ansicht von dem Zusammenhange desselben mit den
Blutgefässen (pseud-haemai vessels, wie bei den Anneliden
vgl. oben S. 174) wieder wahrscheinlich zu machen sucht.
Gegenbau r bemerkt, dass das Körpergewebe der
Echinodermenlarven seiner Hauptmasse nach aus ßindesubstanz
besiehe. Dieses Arch. 1856. I. S. 166. Anm.
Die Muskelcylinder der Echinodermen sind nach Ley-
dig bald homogen, bald auch in keilarlige Stücke gesondert,
die dann , wie die Scheibchen der quergestreiften Muskelfa-
sern , dicht in einander geschoben sind. Vergl. Histologie
S. 135.
Burmeister bezeichnet (zoonom. Briefe I. S. 201 ff.)
die Echinodermen als „Strahlthiere (Radiata)« und unterschei-
det in der Klasse derselben die Echinodermen s. st. (mit den
Crinoideen , Asteroiden und Echinoiden) und die Scytoder-
men (mit den Gruppen der Pedala und Apoda).
Auch Referent weicht in der Eintheilung der Echi-
nodermen von der üblichen Sitte ab und macht den Vor-
schlag, die Ophiuren ^ Ästenden und Echiniden auf Grund
ihrer vielfachen üebereinstimmung in Bau und Entwickelung
2u einer gemeinschaftlichen, den Crinoideen und Hololhuri-
deengleichwerthigen Gruppe (Actinozoa) zu vereinigen. Nach-
träge und Berichtigungen u. s. w. S. 63.
Von Lütken erhielten wir eine Abhandlung „über die
an den Dänischen Küsten vorkommenden Echinodermen".
(\idenskab. Meddels. 1856. p. 88—110) mit kritischen Excur-
sei über einzelne Arten.
Verf. zählt im Ganzen 23 Species auf, 4 Holothurien: Cucumaria
eloagata Düb. et Kor. , Thyonidium commune Korb. ; Th. hyalinum
Forb. (= Holothuria pellucida Zool. dan.); Psoius Phantapus Strus-
senfeldt; 6 Echiniden: Echinus droebachiensis 0. Fr. Müll. (= E.
neglectus Forb.); E. esculentus L. (= E. sphaera Zool. dan.); E. mi-
liaris Leske (= E. virens Düb. et Kor.); Echinocyamus angulosus
Leske (= Spatangus pusillus Zool. dan.); Amphidotus cordatus Penn.
(= Sp. flavescens Zool. dan.); Spatangus purpureus ; 6 Asteriden :
Asteracanthion rubens M. Tr. (= Asterias violacea Ehrbg.); Cribella
sanguiiolenta Zool. dan. (= Echinaster Sarsii M. Tr.); Solaster pap-
PP8U9 L; S. endeca L, Aslropecten Mülleri U, Tr; A. squamatui M.
216 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Kafnrgeschichte
Tr. und 7 Ophiuren: Ophiura ciliala Reiz. ; 0. albida Forb. ; 0. squa-
mosa Lütk. ; Ophiopholis aculeata Zool. dan. (= Ophiolepis scolo-
pendrica M. Tr.) ; Amphiura filiformis Zool. dan.; A. Chiajei Forb.;?,
(= Ophiolepis Sundevalli M. Tr.) ; Ophiothrix fragilis Zool. dan.
Ebenso ein Verzeichniss der Grönländischen Echinoder-
men, Nalurhist. Bidrag elc. p. 181
mit 9 Holothurien (2 Sp. nn.), 1 Echinus, SAsteriden (2Sp, nn.),
11 Ophiuriden (vgl. J. B. XXII. S.409). Die neuen Arten sollen in
einer besondern kleinen Schrift über die Grönländischen Echinoder-
nien später beschrieben werden. Einstweilen erfahren wir bloss de-
ren Kamen. (Die betreffende Schrift ist so eben, 1857, erschienen
und wird im nächsten Jahresberichte ihre nähere Berücksichtigung
finden.)
Wenn wir hier schliesslich auch noch die paläonthoIo-(
gische Abhandlung von J.Müller „über neue Echinodermen
des Eifeler Kalkes", Abhandlungen der k. Akad. der Wissen-
schaften 1856 (als Separatabdruck 1857) mit 4 Tafeln. Berl.
Monalsber. 1856. S. 353, anziehen, so geschieht solches nicht
i)]oss desshalb , weil dieselbe durch Beschreibung neuer For-
men (Arten und Genera) und zahlreiche kritische Bemerkunger
für das Studium fossiler Crinoiden wichtig ist, sondern na-
mentlich desshalb , weil sie uns einen höchst merkwürdigen
„Seeigel mit schuppenförmigen Tafeln" kennen lehrt, Lepi-
docentrus (n. gen.) Eifelianus Müll., dessen Interambula-
cra überdiess durch fünfLängsreihen von Tafeln gleicher An-
ordnung gebildet wurde. Aehnliche Formen finden sich
übrigens auch in den devonischen Schichten des Rheinischen
Gebirges.
Holothuriae.
Von Koren und Danielssen erhielten wir höchst
interessante Aufschlüsse über die Entwickelung der Hololhuria
tremula, die aut einem sehr viel einfacheren Wege vor sich
geht, wie bei den von J. Müller (und Krohn) beobach-
teten Formen und durch keinerlei provisorische Organe ver-
mittelt zu werden scheint.
Die Eiei" dieses Echinoderms wurden von unseren Verff. von
der Oberfläche des Meeres aufgefischt. Sie maassen etwa ein Viertel
Millimeter und enthielten theils Dotter im Stadium der Furchung,
theils rundliche Embryonen mit uniformem Fliraraerkleide, Diese
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 217
letzteren nahmen nach dem Ausschlüpfen sehr bald eine birnförmige
Gestalt an und zeigten an dem einen , zugespitzten Ende eine Oeff-
nung, die in eine ziemlich weite und flimmernde , von einer eigenen
Membran ausgekleidete Höhle (Magenhöhle) hineinführte. Kurz dar-
auf bildete sich hinter der MundöfFnung , im Umkreise des vorderen
verengten Magenendes (Speiseröhre) ein heller Ring, von dem ein
Seitenzweig an die ziemlich dunkle Körperbedeckung abging , um
hier , in einiger Entfernung hinter dem Munde auf der convexeren
Rückenfläche durch einen eigenen Porus auszumünden (Steinkanal).
Die Bildung der fünf ersten Tentakel bezeichnet eine neue Entwicke-
lungsstufe. Dieselben erscheinen als keulenförmige blindgeendigte
Ausstülpungen des Ringgcfässes , die im Umkreise der MundöfFnung
durch die Körperhülle hindurchbrechen und gleich von Anfang an
statt der inzwischen geschwundenen W'imperhaare als Bewegungswerk-
zeuge dienen. Fast gleichzeitig geschieht die Entwickelung der Po-
lischen Blase und des Darmkanals mit AfteröEfnung, so wie die erste
Anlage des Hautskeletes, dessen Eormelemente übrigens einer mehr-
fachen Resorption und Umbildung unterliegen. Die nächsten Verän-
derungen bestehen in der beginnenden Verästelung der Tentakel und
dem Hervorsprossen der zwei ersten Ventralfüsschen , so wie fer-
ner in dem Schwunde des Rückenporus, und der dadurch beding-
ten Umformung des Rückenkanales in den sogenannten Kalksack, des-
sen Verkalkung übrigens bereits vor Bildung des Hautskelets begon-
nen hat. Was noch weiter folgt, ist leicht zu übersehen, wesshalb
sich Ref. auch mit der Schlussbemerkung begnügt, dass die jungen
Holothurien etwa drei Wochen nach dem Ausschlüpfen mit 10 ver-
ästelten Tentakeln und drei Paar Füsschen versehen waren. Fauna
littor. Norv. II. p. 47— 54. Tab. VlI. Fig. 1—27. Tab. Vill. Fig. 1—32.
Die „baumförrnigen Kiemen" der Hololhurien möchte Ley-
(Jig als Analogon des sog. VVassergefässsystems der Würmer
betrachten. Vergl. Histologie S. 393.
Thyone buccalis n. sp. , Chirodota australiana n. sp. , Synapta
dolabrifera n. sp. , alle drei von Port Jackson, Stimpson 1. c.
p. 386.
Cucumaria Koreni n. sp. , Eupyrgus (n. gen.) scaber n. sp.,
Lütken, Verzeichniss der Grönländischen Echinodermen I.e. p. 101.
Echinida.
Leydig hegt die Vermuthung, dass die sog. Ambula-
cralbläschen der Echinen mit der Harnfiinction betraut sind
(? Ret.) und sucht diese Ansicht durch einen Hinweis auf
218 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
die contraclile Niere gewisser Mollusken zu unterstützen.
Vergl. Histologie S. 470.
Meissner beschreibt den Bau und die Entwickelung
des Echinus-Eies und beobachtet die durch eine Micropyle
vermittelte Befruchtung mit nachfolgender Dotterklüftung.
Verh. des naturf. Vereins zu Basel 1856. S. 374.
Cailliaud berichtet — wie schon früher einmal (vor
Robert u. A. Cpt. rend. 1854. Juliheft) über das Vor-
kommen des Echinus lividus in selbstgegrabenen Steinhöhlen
(Sandstein und Granit) und sucht den Nachweis zu liefern,
dass diese Höhlen mit Hülfe des Zahnapparates gebildet wer-
den. Die Zähne sollen dabei, entweder einzeln oder ge-
meinsam, mitsammt ihrem Gestelle und allein nach vorn ge-
stossen werden. Verf. sieht in diesem Bohrgeschäfte die
wesentlichste Aufgabe des Zahnapparates und glaubt aus der
Anwesenheit desselben auch ohne Weiteres schon auf ein
Bohrvermögen zurückschliessen zu dürfen. Observations sur
les Oursius perforants de Bretagne (Ertr. des Annales de la
SOG. Academ. de la Loire-inferieure 1856.)
Marcel de S er res hebt hervor (rinst. 1856. p. 304,
Cpt. rend. T. 43. p. 405), dass Echinus lividus im Mittelmeer
keine Steinhöhlen grabe, wie an den Küsten des Oceans und
sucht den Grund dieser Erscheinung in der Annahme, dass
die Abwesenheit von Ebbe und Fluth im Mittelmeere unsere
Thiere der Nothwendigkeit eines besonderen Schutzes über-
hebe.
Gray publicirt „an arrangement of the families of Echi-
nida, with descriptions of some new genera and species,
Ann. and Mag. nat. bist. T. XVIII. p. 279. (Proc. zool. Soc.
1855. March.)
Die hier empfohlene Gruppirung der regulären Echinen (Echi-
nida acrocystos) ist folgende:
I. Tuberkel durchbohrt; Stacheln lang; Körper rund.
Fam. 1. Cidaridae.
Ambulacra eng, von doppelten Poren gebildet; wenige Inter.
ambulacralplatten mit einem einzigen grossen Höcker; Stacheln dick
und solide.
Oidaris. Gonioci daris.
der niederen Thiere während des Jahres 1856, 2l9
Farn. 2. Diademadae.
Ambulacra eng, mit einer Reihe doppelter Poren; Interambula.
cralplatten zahlreich mit zwei oder mehr Reihen von Höckern; Sta-
cheln schlank, öfters röhrenförmig.
Astropyga. Garelia. Diadema.
II. Tuberkel undurchbohrt.
Fam. 3. Arbaciadae.
Ambulacralfläche schmal; Ambulacra eng, mit einer Reihe dop-
pelter Foren; Körper rund; Dornen kurz und solide.
Agarites. Arbacia.
Fam. 4. Hipponoidae.
Ambulacralfläche so breit, wie Interambulacralfläche ; Ambula-
cra weit, von drei getrennten Verticalreihen doppelter Foren gebil-
det. Körper rund , Schale dünn.
Amblypneustes. Boletia. Hipponoe. Holopneustes.
Fam. 5. Echinidae.
Ambulacralfläche halb so breit, wie Interambulacralfläche, mit
^wei (oder drei) engen Reihen doppelter Poren, die in Dreiecken
neben einander stehen; Mundhaut nackt; Körper rund.
A. Mit Poren an den Ecken den Platten.
Mespilia. Microcyphus. Salmacis. Temnopleurus.
B. Ohne solche Poren.
Echinus. Psammechinus. Heliocidaris.
Fam. 6. Echinometradae.
Ambulacralfläche nur halb so breit, als Interambulacralfläche;
Ambulacralporen in Gruppen von vier und mehr , eine bogenförmige
Reihe rund um die Ambulacralhöcker bildend.
A. Körper rund.
Strongylocentrotus.
B. Körper länglich.
Echinometra. Holocentronotus. Colobocentronotus.
Die neu beschriebenen Arten sind folgende :
Cidaris oinafa Ostindien; C. verlicillatahab.l C. annu/rtfa West-
indien; C. spinulosa hab. ? ; Astropyga depressa hab. ?; Gar ella (n.
gen.) aequalis Mauritius; G. clavata hab.?; Toreumatica Hardwichii
hab. ? ; T. granulosa hab. ? ; T. Reevesii China ; T. concava ebendah.
Das Gen. n. Garella wird folgendermaassen charakterisirt :
Ambulacra broad ; the paires of pores crowled, so as to form twp or
rarely three series; ambulacral area narrow, upper part with fqur
series of small, and lower part with two or four series of rather lar-
ger tubercles; spines of ambulacral area bristle- like, very slender;
220 Leucliart, Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgesciiichte
interanibulacral area with several oblique series of larger tubercles,
"without any smooth band on the back near thc crown ; ovarian plates
moderate, triangulär.
Ueber Cchinus miliaris und dessen Identität mit Ech. virens
Dub. Kor. vgl. Lütken, Yidensk. Meddls. 1856. p. 96.
Asterida.
Von höchslem Interesse sind die MiUheilungen, die uns
Koren und Danielssen über die Enlwickelung von Pier-
aster militaris machen (Fauna litt. Norveg. II. p. 55 — 59.
PI. VIII. Fig. 1 — 8). Dieser Seestern gehört zu denjenigen
Arten, deren Junge sich in einer Brulhöhle am mütterlichen
Körper entwickeln und erst nach vollkommener Ausbildung,
in ziemlich beträchtlicher Grösse das Freie suchen. Die ßrut-
höhle wird hier aber nicht, wie bei Echinaster u. a. durch
Zusammenkrümmen der Arme vor der Mundöffnung gebildet,
sondern ist ein Zwischenraum zwischen dem Skelete und der
darüber liegenden Oberhaul, der die ganze Rückenfläche ein-
nimmt und in der Mitte eine grosse Oeffnung trägt. Die Zahl
der Jungen in demselben ist meist nur gering, 8 — 20. Die
jüngsten der aufgefundenen Larven hatten bereits das Ei ver-
lassen; sie besassen eine ovale Form und Hessen an dem
einen Ende eine Oeffnung erkennen, die sonder Zweifel Mund-
öffnung war und in einen dünnen, aber deutlichen, bogenförmig
verlaufenden Canal hineinführte. Leider war der Körper wenig
durchsichtig, doch bemerkte man weiter in der Concavität
dieses Bogens, etwa im Mittelpunkte des gesammten Leibes
einen dunklen Körnerhaufen , der von einem hellen Ringka-
nale umfasst wurde. Ein von diesem Ringgefässe abgehen-
der Ast Hess sich bis in die Nähe der äusseren Bedeckungen
verfolgen. Auf einem zweiten Entwickelungsstadium hatte
der Körper bereits eine Scheibeform mit fünf stumpfen Arm-
fortsätzen angenommen. Der Larvenmund fand sich an dem
Dorsalrande eines Armes; er führte, wie früher, in einen
Darmkanal , dessen Bogen (die Bauchfläche nach unten ge-
dacht) nach rechts offen war und mit einer deutlichen Afler-
öffnung auf der Rückenfläche eines dem Munde diagonal (nach
links) geffenüberliegcnden Armes endigte. Centraler Körner-
der niederen Thiere während des Jahres 1856. ^2i
häufen und Ringgefäss waren noch (Jeutücher, als früher;
kein Zweifel, dass jener den Magen des ausgebildeten See-
slerns , dieses der Centralkanal des Wassergefässsysfenics
repräsentirte. Ambulacralgefässe fehlten noch, dagegen erwies
sich der Seitenzweig als erste Anlage 6es Steinkanals. Die
Richtigkeit dieser Deutung ergab sich durch Untersuchung
eines späteren Stadiums, in dem bereits das Haulskelet, so
wie drei Paar Ambulacra vorhanden waren. Obwohl sich
Larvenmund und After noch immer deutlich unterscheiden
liessen, waren doch auch bereits der definitive Mund und
After, wenn auch einstweilen noch verschlossen, aufzufinden.
Erst bei Anwesenheit von vier Ambulacralpaaren sahen Verff.
den Larvendarm allmählich verschwinden.
In Betreff der Bipinnaria asterigera äusseren Verff. über-
einstimmend mit J. Müller die Vermuthung einer Abstam-
mung von Solaster frucifcr.
Asbjornsen beschreibt (Faun. litt. Norveg. II. p. 93—101.
Tab. IX. Fig. 1-15) unter dem Namen Brisinga (n. gen.) endeca,
cnemos eine grosse, sehr eigenthümlich gebaute Asteride, die durch
ihre äussere Form und namentlich das Verhältniss der Arme zu der
centralen Scheihe so vollständig einer Ophiure ähnlich ist, dass man
sie füglich als ein Verbindungsglied zwischen den sonst so scharf ge-
trennten beiden Typen der Seesterne betrachten darf. Die Cha-
rakteristik des neuen Genus ist folgende:
Brisinga Asbj. Discus aculeatus. Tessalla madreporiformis
marginalis. In brachiorum lateribus dorsalibus duae pororum genita-
lium series; tantaculorum duae series ; os sub angulis brachiorum di-
stans; brachia cylindracea; induta cute cum multis costellis transver-
salibus, calcariis, tenuibus. A brachiorum sulcis utrimque tres series
papillarum acuformium, sicut aculeoli disco ceterisque partibus insi-
dentes, et ipsae echinulatae et insuper inclusae vagina cutanea, in-
numeris pedicellariis tecta. Sp. n. Bs. endecacnemos Ash]. mit 11 Ar-
men, 2 Fuss im Durchmesser.
Sreenstrup benennt zwei neue grönländische Asteracanthion-
arten: Asteracanthion groenlandicus und A. problema , Lütken Ver-
zeichniss der grönländischen Echinodermen 1. c.
üeber Asteracanthion rubens M. Tr., A. violacens 0. Fr. Müll,
(non Ehrbg.) und A. anlarclicus n. sp. von der Magellansst. handelt
Lütken, Videnskab. Meddel. for 1856. p, 9S ff.
Ebenso über Astropectes MülleriM.Tr. und dessen wahrschein,
liehe Identität mit A. echinulatus W. Tr. ebendas. p. 105.
2n Leuckart: Bericht üb. d, Leistangen in d. Katurgeschichte
Sars beschreibt einen neuen norwegen'schen Aslropecten, der
zunächst mit Aslrop. (nicht Archaster) Parelii Dub. Kor. verv^andt
ist, A, arclicus Fauna litt. Kov. II. p. 61. Tab. IX. fig. 16-18.
Ophiurida.
Unsere Kennlniss von der Zoologie der Ophiuren ist be-
sonders durch die fortgesetzten ünlersuchungen von Lütken
bereichert worden. Wir verdanken denselben, wie früher
(J B XXII. S. 409) eine Uebersicht über die Ophiuren Grön-
lands', so jetzt eine Uebersicht über die westindischen (Vi-
densk. Meddelels. 1856. p. l-l9) und centraiamerikanischen
Arten dieser Gruppe (Ibid. p. 20-^6), meist nach Samm-
lungen Oersted's.
Aus Westindien werden beschrieben: A) von echten Ophiuren:
Ophioderma virescens n. sp. ; 0. serpens n. sp. ; 0. Elaps n. sp. ; 0.
Januarii n. sp. (Rio de Jan.); 0. hrevicauda n. sp.; 0- s.uamo.snma
n sp.; 0. rubicnnda n. sp. ; 0. AntiUarum n. sp. ; Opfnope.a Yoldn
„. sp. (Westindien?); Ophiomyxa caribaea n. sp. ; Ophiolepis Januarn
„ sp. (Rio de Jan.); 0. ^^ereis n. sp. ; Ophiactis (n. gen.) Krebst.
„ sp. und 0. Mülleri n. sp.; Ophiostigma (n. gen.) lenue n. sp. ;
Ophiocoma moniliforme n. sp. ; 0. pumila n. sp. ; 0 Rhsei u. sp. ;
0. crassispina Say; Ophiolhrix caribaea n. sp. ; 0. Kroyerv n sp.
(RioV, 0. Oerstedii n. sp. ; 0. Suensonii n. sp. B) von Euryal.den :
Asuroschema (n. gen.) oligacles Fall.; Asleroporpa (n. genO
annulala n. sp. ; Aslrophylon muricalum Lam.; A. Krehm n. sp. ; A.
Caecilia n. sp.
Von der Westküste Centralamerika's führt unser Verf. auf:
Ophiomyxn sp. (ein verstümmeltes Exemplar; nieht lu bestim-
men); Ophioderma variegalum n. sp. ; Ophiostigma lenue n^sp. ; Ophw.
,kriLpLuta LeConte; Ofhiolephis pacfica n. ^P;,'- "•/"~9""'
„. sp.; 0. Iriiot« n. sp.; Ophiactis Kroyeri n. sp. (Callao); 0.0er.
sJ.. sp.; 0. »iresoens n. sp. ; 0. arenosa n. sp. ; ^'"'•*'7 f""'":
renae n. sp.; ^. «or<,<iiso«s n. sp.; A. molacea n. sp. ; A. Oersud.
n sp. ; ^. marginala n. sp.
Zur Charakteristik der neuen Genera folgt hier die üebersetiung
der betreffenden Diagnosen : , „ . ,
Ophiactis n.gen. (Ophiolepis v. OphiopholisM.Tr. p. p.) Sehlan.
gensterne, deren Haut im Cenlrum zwischen den «ehn ..emhch gros,
sen Kadialschildern mit Sehuppen bekleidet ist, während m der Fe.
ripherie, besonders gegen den Seheibenrand hin, einzelne kur.e Sta-
cheln yLrkommen. Nur eine oder zwei Papillen an jedem Mundrande
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 223
unter den Zähnen keine. Vor den Mundschildern liegen zwei gebo-
gene Seitenniundschilder , die sich zugleich zwischen die ersten und
die folgenden Bauchplatlen der Arme einkeilen. Bald 5, bald 6 ziem-
lich dicke und kurze Arme. Die Seitenschilder tragen 3 — 6 kurze,
plumpe, bei Lupenvergrösserung rauhe Stacheln , die an der Spitze
der Arme oft die Form von Haken annehmen. (Hieher auch Ophio-
pholis Ballii M. Tr.).
Ophiostigma n, gen, Schlangensterne, die eine mit Körnern
bedeckte Haut besitzen, wie üphiocoma, aber der Zahnpapillen ent-
behren. Die breiten Seitenmundschilder liegen innerhalb der Mund-
schilder und bilden einen vollständigen Ring im Umkreise der Mund-
öffnung , indem sie sich vor den Mundsehildern berühren und sich
zugleich zwischen die erste rudimentäre Armbauchplatte, welche die
Mundwinkel am Ende begrenzt, und die erste wahre Bauchplatte ein-
keilen und auf einander stossen. Die Arme sind ziemlich lang und
schlank und regelmässig geschildert. Zwei (?) Fusspapillen, drei
kurze, dünne und platte Armstacheln.
Asteros chema n. gen. Eine kleine Scheibe mit zehn Uippen auf
dem Rücken und fünf langen und fadenförmigen unverästelten Armen
ohne äusserlich sichtbare Gliederung. Scheibe und Arme mit einer
überall gleichförmig granulirten Haut bedeckt. Mundöfl'nung nackt;
Zähne und Mundstacheln fehlen. In jedem Armwinkel zwei Genital-
spalten; 10 im Ganzen. Fusspapillen fehlen; dafür aberfinden sich
zwei Reihen kurzer Stacheln jederseils an der Bauchfläche der Arme.
Ästeroporpa n. gen. Eine kleine Scheibe mit 10 kurzen
Rippen und fünf ausserordentlich langen , dicht gegliederten und un-
verästelten Armen, die an der Spitze fadendünn, an der Wurzel aber
aufgetrieben (pukklede) sind. Die Rippen der Scheibe und die er-
habenen Ringe der Arme sind mit rauhen verästelten Warzen oder
Haken besetzt. Armwinkel scharf gegen den übrigen Theil der Scheibe
abgesetzt und gekörnelt. Zwei Genitalspalten in jedem Winkel, 10
im Ganzen. Längs der Mundränder sowohl, wie auch an der Stelle
der Zähne spitze kegelförmige Papillen. Fusspapillen fehlen; an der
Unterseite der Ringe jedoch kurze, rauhe Stacheln.
Steward liefert eine Beschreibung und Abbildung der von
ihm (in Schwämmen) aufgefundenen jungen Ophiocoma rosula von
kaum l'/j'" und macht dabei besonders auf die Verschiedenheiten in
Form und Bildung der Armstacheln aufmerksam. Ann. and Mag. nat.
bist. Vol. XVIII. p.387. Tab. XV.
Weitere neue Arten sind:
Ophiothrix spongicola Fort Jackson ; 0. planulata Südsee. S t i m p -
son 1. c.
Ophiolepis perplexa Fort Jackson. Stimpson ibid.
J124 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Ueber die Unterschiede der Amphiura filiformis 0. Fr. Müll.,
A. Chiajei Forb. (?) und Ä. Hoelboellii n. sp. (= üphiolepis Sunde-
valli M. Tr.?) handelt Lütken 1. c. 1856. p. 109.
Crinoidea.
Agassiz macht einige vorläufige Miüheilungen über
die Enlvvickelungsgeschichle einer nordamerikanischen Co-
malula^ resp. deren Penlacriniiszusland. Contributions etc.
Vol. I. P. 1. p. 85.
Carpenter findet, dass der Penlacrinus europaeus
(Jugendzustand von Comatula rosea), der an manchen Stellen
der englischen Küste nicht seilen auf Laminarien u. s. w. an-
getroff'en wird, eine entschiedene Aehnlichkeit mit Polypen
besitzt, bringt aber für diese Behauptung keine weiteren Be-
lege, rinst. 1856. p. 126.
Auch Hincks bemerkt das hier und dort häufige Vor-
kommen des Pentacrinus europaeus, Quarterly Journ. niicr.
Sog. P. V. p. 18.
III. Coelentepata.
ßurmeister schenkt in seinen zoonomischen Briefen
der systematischen Verwandtschaft der Akalephen und (ech-
ten) Polypen keine Berücksichtigung. Er glaubt sich noch
immer berechtigt, an der Abtheilung der Cuvier'schen Radia-
len (Regulärthiere B.) festzuhalten und unterscheidet in die-
ser ausser den Echinodermen 1) die früheren Akalephen als
Medusinen, mit den Ordnungen der Dimorphaea s. Disco-
phora — incl. die Hydroiden, jedoch ohne Hydra, die bei
den Polypen verbleibt — , Siphonophora und Ctenophora; 2)
die Polypen mit den Ordnungen der Bryozoa und Anthozoa.
A. a. 0. I. S. 73 ff.
Im Gegensalze zu dieser Auffassung sucht Referent
in seinen Nachträgen und Berichtigungen zu vander Hoe-
ven's Zoologie S. 12-19 durch eine nochmalige Analyse des
Coelenteratenbaues die typische üebereinstimmung der Akale-
phen mit den echten Polypen von Neuem zu begründen. Nach
seinen Ansichten lassen sich die Coelenteratcn am besten
und natürlichsten in drei Classen verlheilen : Ctenophora,
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 225
Hydrasmedusae (mit den Acalephen, Hydroiden und Siphono-
plioren} und Polypi, dieselben, die auch schon seit länge-
rer Zeit unseren Berichten zu Grunde liegen.
Gegenbaur spricht sich über die Beziehungen der
Cuvier'schen Akalephen und echten Polypen genau in dem-
selben Sinne aus. Er acceptirt die Gruppe der Coelenlera-
ten (wenn auch nur als Classe) und unterscheidet in ihr
dieselben ünterabtheilungen , die Ref. bereits vor mehreren
Jahren (zuerst in seinen zool. Untersuchungen I. S. 91) auf-
gestellt hat. Zeitschrift für wiss. Zool. 1856. S. 203 und
dieses Archiv 1856. I. 163.
Ebenso Huxley, der in der vierten und fünften sei-
ner Vorlesungen über allgemeine Naturgeschichte (a. a. 0.
Vol. Xil. S. 563 und 618} den allgemeinen Organisationsplan
der Coelenteraten in einer mit Ref. vollständig übereinstim-
menden Weise schildert und letzlerem auch insofern sich
anschliesst, als er die Coelenteraten für eine eigene, den VVir-
belthieren, Mollusken u. s. vv. völlig gleichwerthige Haupt-
abtheilung des Thierreiches hält. Im Einzelnen finden sich
freilich manche Abweichungen, namentlich auch in der Grup-
pirung der verschiedenen Unterabtheilungen. So unterschei-
det Huxley nur zwei Classen in der Abtheilung der Coel-
enterala: 1) Hydrozoa ohne eigene Magenwand und 2) Acti-
nozoa mit besonderer in den Centralraum der Leibeshöhle
hineinhängenden Magenröhre. Zu der ersten gehören als Ord-
nungen die Hydriden, Sertulariden , Diphyiden , Physopho-
riden und Lucernariden (= Steganophthalmata -{- Lucernaria),
also im Wesentlichen unsere Hydrasmedusen, zu der zweiten
die Anthozoen und Ctenophoren (obwohl unter den letzteren
auch Formen ohne freies Magenrohr vorkommen Ref.).
Auch Agassiz erkennt jetzt an (Contributions u. s. w.
L p. 71, 183, 210 u. a. a. 0.), dass Anthozoen und Aka-
lephen eine grössere Uebereinslimmung mit einander besit-
zen, als mit den Echinodermen. Nichtsdestoweniger aber
hält derselbe eine Vereinigung derselben zu einer gemein-
schaftlichen höheren Gruppe (Coelenterata Lt.) für unzuläs-
sig. Er erklärt ein derartiges Verfahren für ein solches,
das in augenscheinlicher Weise zeige , wie ein einseitiges
Archiv f. Naturgesch. XXIII. Jahrg. 2. Bd. p
226 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Hervorheben blosser anatomischer Merkmale zu Irrthümern
hinführe.
Morch giebt (in seinem Verzeichnisse der grönländi-
schen Mollusken!) eine Uebersicht über die Akalephenfauna
der grönländischen Küsten und zählt dabei 13 Scheibenqual-
len (2 nn. sp.), 13 Hydroidpolypen , 4 Rippenquallen auf.
Naturhist. Bidr. etc. p. 95. Von Rink wird später noch
(Ibid. p. 105) ein Verzeichniss der Grönländischen Anthozoen
(7 Species) hinzugefügt.
C£eEiophoi*a.
Huxley hebt, wie das früher auch von Ref. geschehen
ist CBeilräge von Frey und Leuckart) die Analogie des
Ctenophorenbaues mit dem der Anthozoen, besonders der
Actinien , hervor und sucht dadurch den Vorschlag zu be-
gründen, die Ctenophoren mit den Anthozoen zu einer ge-
meinschaftlichen Gruppe (Actinozoa H.) zu vereinigen. Le-
ctures etc. 1. c. Vol. XII. p. 620.
Gegenbau r's „Studien über Organisation und Syste-
matik der Ctenophoren« (dieses Arch. 1856. I. S. 163—205.
Tab. VII und VIII) enthalten zunächst eine Darstellung der
Organisations- und Entwickelungsverhältnisse, und sodann
eine Schilderung der vom Verf. aufgestellten einzelnen Fami-
lien mit Beschreibung einiger neuer oder doch nur unvoll-
ständig bekannter Arten.
Aus dem ersten Theile dieser vortrefflichen Arbeit erwähnen
wir zunächst die Thatsache, dass das hyaline Körperparenchym nach
seiner histologischen Struktur, als eine ßindegewehsform sich ergiebt,
wie sie in ganz ähnlicher Weise von Schultze für die Discopho-
ren beschrieben ist. Die Bindegewebszellen sind , nach der mehr
oder weniger festen Beschaffenheit des Körpers, in verschiedener
Menge vorhanden und durch radiale, in der Jugend hohle Ausläufer
mit einander im Zusammenhange. Die Bewegung der Flimmerplätt-
chen geht nur von der Basis aus vor sich und ist keineswegs , wie
bei den gewöhnlichen Wimperhaaren , durch eine Contractilität der
Gesammtmasse bedingt. Die Existenz einer einfachen oder doppelten
hinteren OefTnung am Gastrovascularapparate (dessen Bildung bei einer
neuen Form , Euramphaea n. gen. sehr genau beschrieben ist)
wird vom Verf. bestätigt; ebenso auch die Anwesenheit von Nessel-
kapseln an den durch Injektion von Innen aus sich entfaltenden Senk-
fäden. Das Nervensystem betreffend, erklärt sich Verf. nicht bloss
der niederen Thiere während des' Jahre« 18§6. 227
für die Existenz eines einfachen oder doppelten Ganglions am hin-
teren Trichterende; derselbe beschreibt auch acht Nervenstämme, die
im radiären Verlaufe an die Fliramerrippen treten , unter denselben
hinlaufen und für die einzelnen Flimmerläppchen ein kleines Aest-
chen mit einer ganglionären Endanschwellung abgeben. Gehörorgane
wurden sehr allgemein in der bekannten Bildung aufgefunden "(bei
Euramphaea scheinen dieselben zu fehlen), aber stets Aiil unbeweg-
lichen Otolithen. Hier und da entwickeln sich auch augenartige
Pigmentflecken neben dem Gehörorgane. (Auch die „räthselhaften"
haarförmigen Fädchen, die seitlich neben dem — bis zu bestimm-
tem Grade einziehbaren - Gehörorgane von Beroe vorkommen, dürf-
ten wohl als feine Gefühlswerkzeuge den Sinnesapparaten unserer
Ctenophoren hinzugerechnet werden Ref.) Kölliker's Angabe von
dem Vorkommen schlauchartiger Genitalien Ui gewissen Ctenophoren
(J. B. XX. S. 408) ist ungenau; was K. für Schläuche gehalten, ist
eine dichtgedrängte Reihe von Kapseln, die sich, wie bei allen Rip-
penquallen, als Hoden und Eierstöcke innerhalb der Wand eines jeden
Rippenkanales zur Zeit der Brunst entwickeln. Ausser der Brunst-
zeit ist, wie bei vielen Discophoren, keine Spur von Genitalien auf-
zufinden. Die Jugendformen unserer Thiere sind öfters mit eigenen
kolbenförmigen Organen versehen, die in doppelter Anzahl aus der
Mundöffnung hervorgestreckt und lebhaft bewegt werden können,
doch ist die Bedeutung dieser provisorischen Organe, die auch bei
echten Polypenlarven vorzukommen scheinen (J. ß. XX. S. 461, bei
Dianthaea und Calliphobe) dem Verf. unbekannt geblieben. Der Ga-
strovascularapparat wird anfänglich von einer einfachen hügligen
Höhle hinter dem Magensacke vertreten. Gehörorgane und Senkfäden
entwickeln sich sehr frühe, noch w^ährend der erste uniforme Wim-
perbesatz vorhanden ist.
Was die Systematik der Ctenophoren betrifft, so ist -
vom Referenten vorgeschlagen (Nachlr. und Berichtigun-
gen zu van der Hoeven's Zool. S. 46) , bei der Bildung der
einzelnen Gruppe die Organisation des Verdauungsapparates
und Gefässsystemes zu Grunde zu legen und darnacli zu un-
terscheiden :
I. Eurijstomata. Os ainplurn, nudum, in cavilalem cor^
poris perniagnam transiens. Canales costales ramulis late-
ralibus obsiti , circulo uniti. Ventriculus nullus Corpus
oblongum, cucumeriforme, tentaculis destitutum.
Farn. Beroidae.
II. Stenostomata, Os parvum, nudum, aut lobis circum-
datum. Ventriculus in camtate corporis suspensu^ Ganales
228 Lenckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. I^aturgeschichte
costales ramulis carentes. Tentacula aut nulla, aut duo op-
posita.
Farn. 1. Eucharidae. Corpus lobalum, tentaculatum,
aut tentaculis carens. Canales costales circulo sinuoso uniti.
Fam. 2. Cydippidae. Corpus tentaculatum, lobis desti-
tutum. Canales costales plerumque (exe. gen. Cestum) se-
juncti.
(Ref. bemerkt dabei noch nachträglich, dass dieser Ein-
theilung vielfache eigene Untersuchungen zu Grunde liegen.)
In sehr ähnlicher Weise unterscheidet auch Bur mei-
st er (zoonom. Briefe I. S. 199) die Gruppe der Stenoga-
strica (mit den Familien der Callianiriden , Ceslidinen und
Mnemiaden) von der der Eurygastrica (Fam. der Beroiden).
Wenn Gegen baur gegen meine Eintheilung in Eu-
rystomata und Stenostomata einwendet (a. a. 0. S. 191), dass
zwischen denselben üebergänge vorkämen , und dabei auf
Escholtzla cordata verweist, die gleichfalls, wie die Beroi-
den, mit einem beträchtlich weiten Magen versehen sei , so
übersieht er, dass der Hauptschwerpunkt meiner Classification
nicht in der Weite der verdauenden Höhle, sondern in der
Anwesenheit oder der Abwesenheit eines besondern Magen-
rohres gelegen ist, also in Charakteren, die wohl schwer-
lich einen Uebergang zulassen. Es scheint mir demnach,
dass jene Eintheilung vollkommen begründet ist und nicht
bloss behufs der ersten Orientirung als zweckmässig zu Grunde
gelegt werden könne. Gegenbau r charakterisirt die von
ihm aufgestellten Familien ausschliesslich nach der äusseren
Körperform, und zwar in folgender Weise:
I. Körper mit Fortsätzen oder lappenartigen Anhängen
versehen; bald mit, bald ohne Senkfäden. (Im Wesentlichen
gleich meiner Familie der Eucharidae.)
1. Seilliche, die Cilien tragende, flügeiförmige Anhänge.
Callianiridae.
2. Zwei lappenartige Fortsätze seitlich am Munde. Ca-
lymnidae.
II. Körper ohne lappige Anhänge oder Fortsätze um
die Mundöffnung; stets Senkfäden. (Gleich der Fam. Cydip-
pidae des Ref.)
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 229
3. Körper bandartig, der Quere nach verbreitert. Ce-
stidae.
4. Körper oval oder rundlich. Cydippidae.
III. Ohne lappige Anhänge, Körper oval, länglich. Nie
Senkfäden.
5. Beroidae.
Der Charakteristik der Calymniden und Cydippiden wer-
den werlhvolle kritische Bemerkungen über einzelne Genera
angehängt, die von dem Systematiker wohl zu beachten sind.
Von Arten werden beschrieben und abgebildet: Euramphaea
vexilligera n. gen. et n. sp., Eschschollzia cordala KöU. und Cydippe
hormiphora n. sp. , die erstere aus der Familie der Calymniden, mit
stark zusammengedrücktem Körper und zwei zipfligen ührfortsätzen am
hinteren Körperende, auf die sich vier Wimperrippen (die der brei-
ten Körperfläche) fortsetzen. Die Cyd. hormiphora Geg. ist durch die
Anwesenheit besonderer lanzettförmiger Anhänge zwischen den ge-
wöhnlichen Seitenzweigen der Senkfäden ausgezeichnet.
Das Gen. ßolina ist nach Verf. mit Mnemia, so wie Pleurobran-
chia (J. B. XX. S. 406) mit Cydippe zu vereinigen. Anstatt des schon
anderweitig verbrauchten Namens Owenia schlägt Verf. zur Bezeich-
nung der Cydippen mit unverästelten Senkfäden den — vacanten —
Genusnamen Mertensia vor (a. a. 0. S. 198).
Referent erwähnt unter den von ihm bei Nizza beobachteten
sechs Rippenquallen (dieses Arch. 1856. S. 3) eine neue zwei Linien
lange Cydippe mit blau gefärbten Senkfäden und die Eschscholtzia
cordata Köll. ?, hat sich aber durch die Beschreibung und Abbildung
Gegenbaur's davon überzeugt, das letztere von der Kölliker'schen
Art verschieden ist, indem ein Mal die Compression des Körpers we-
niger auffällt und sodann alle acht Flimmerrippen (nicht bloss die
vier der schmalen Seite) auf die zapfenförmigen Verlängerungen des
Hinterkörpers übergehen. Die rothe Punktirung ist dabei auf die
Flimmerrippen beschränkt.
Gleichzeitig macht Referent (a, a. 0. Anm.) darauf aufmerk-
sam, dass Kölliker's Eschscholtzia cordata unter dem Namen Cal-
lianira diploptera bereits von Delle Chiaje, Mem. Tab. CVI. Fig. 15
abgebildet sei.
Dass die von Gegenbaur am Ende seiner oben citirten Ab-
handlung (S. 201. Tab. VII. Fig. 6) als Sicyo s oma rulilmn n. gen.
et n. sp. beschriebene , kleine Coelenterate (1 — 3"^) wirklich , wie
Verf. meint, eine abnorme Form des Ctenophorentypus repräsentire,
dürfte nach der Ansicht des Ref. noch keineswegs ausgemacht sein.
Die Abwesenheit der Wimperrippen , der Radialkanäle und des Ge-
230 Leuck'artrj Bericht üb. d. Leistungen in 4. Katurgeschiclite
bi)rbläschens scheint, wie auch die Anwesenheit von Nesselorganen
in der Haut mehr auf pelagische Jugendzustände von Polypen hin-
zudeuten, wobei man freilich annehmen müsste , dass die von G. be-
schriebenen zwei „Senkfäden" nichts Anderes, als nach Aussen her-
vorgedrückte Kolben oder Mesenterialfilamente wären. (Herr ür.
Krohn hat laut mündlicher Bemerkung ganz ähnliche Formen beob-
achtet und als pelagische Jugendzustände von Actinien erkannt.)
Ilydrasiiiedflisae.
Die Darstellung, die Huxley in seinen Leclures von
der Morphologie der Hydrasmedusen giebt (Hydrozoa Huxl.)
ist im Wesentlichen eine Wiederholung der schon früher von
ihm publicirten Ansichten (vgl, J. ß, XX. S. 412).
Eine ähnliche Auffassung der Verhältnisse findet sich
bei Burmeister (zoonom. Briefe 1. S. 139 ff.) , während
Ref. bei seiner Darstellung (Nachträge und Berichtigun-
gen u. s. w. S. 24 ff.) mehr den genetischen Zusammenhang
der Formen zu Grunde legt und desshalb denn auch zu einer
abweichenden Anschauungsweise kommt, die er in folgender
Charakteristik zusammengefasst hat: „Animalia diversae for-
mae, corpore cylindrico (hydriformi) aul campanulato (me-
dusiformi) praedita, solitaria aut aggregata. Cavitas corpo-
ris interna in aliis simplex , in aliis radiata; ventriculus nul-
lus. Proles ovifera aut libere natans et ore praedita , aut
nutrici affixa et ore deslilula. Motus corporis per aquam ex
aperlura disci campanulati expulsam. Sexus distincti. Evo-
lutio fit per plures generationes efflorescentes , rarissime per
metamorphosin unius corporis campanulati."
Ueber den typischen Bau der Scheibenquallen vgl. Ge-
genbaur in der Zeitschrift für wiss. Zool. 1856, S. 204.
Wir heben aus den Angaben des Verf. die Bemerkung her-
vor, dass alle Anhänge und Fortsätze des Medusenkörpers
von der Unterfläche der Scheibe ausgehen, zugleich der ein-
zigen Fläche, auf der sich die conlractilen Gewebselemente
(bandartige M-uskelfasern, Faserzellen und einfache contiaclile
Zellen) verbreiten.
Schultze'is Beobachtungen über den „mikroskopischen
Bau der Gallcrtscheibe bei den Medusen« (Müller's Arch. 1856.
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 231
S. 311. Tab. XI und XII sind nach einer früheren Mitlheilung
schon im letzten J. ß, angezogen.
Gegen baur veröffentlicht „Bemerkungen über die
Randkörper der Medusen« (Müller's Arch. 1856. S. 230— 250
Tab. IX), deren Hauptresultate etwa folgende sein dürften.
Bei den niederen sog. nacktäugigen Medusen (Craspedota Ge-
genb.) erscheinen die Randkörperchen in doppelter Form, entweder
als bläschenförmige Bildungen mit erdigen Concretionen (Gehörorgane,
lithocysts Owen) oder als Pigmentflecke, (ocelli). Die letzteren fin-
den sich nur bei den echten Oceaniden und Thaumantiaden , die er-
steren bei den Geryoniden und einigen kleinen thaumantiasartigen
Formen (Eucopiden und Tachynemiden Gegenb.), so wie den Aegini-
den und wahrscheinlich auch den Aequoriden. Die Randbläschen
sind beständig geschlossen und niemals mit dem Gastrovascularappa-
rate in offenem Zusammenhange. Sie enthalten beständig bewe-
gungslose, sphäroide oder ovale Concretionen, bald nur ein einziges,
bald mehrere, die nach Art der sog. Secretkörperchen in besondere
Zellen eingeschlossen sind und mittelst dieser Zellen an der Innen-
Wand des Randbläschens festsitzen. (Sind mehrere Concretionen in
einem Bläschen , so liegen diese entweder einzeln in einer Zelle,
wie z. B. bei Geryonopsis oder auch zu mehreren, wie bei Geryonia
exigua Ref.) Die Pigmentflecke sind meist einfache Anhäufungen
von Pigmentzellen, die nur in seltenen Fällen (Cladomene und Eleu,
theria) einen lichtbrechenden Körper einschliessen.
Die Randkörper der höheren , eigentlichen Medusen (Acras-
peda Gegenb. = unsere Acalephen) zeigen einen anderen compli-
cirteren Bau. Dieselben erscheinen als verschieden geformte hohle
Zäpfchen, deren flimmernder Innenraum von dem Gastrovascularappa.
rate aus mit Flüssigkeit gefüllt wird und am äussersten Ende einen
mit bewegungslosen Crystallen gefüllten Sack in sich einschliesst.
Zu diesem Säckchen gesellt sich oftmals noch ein Pigmentfleck, in
dem sich bei Nausithoe und Charybdea marsupialis (welche letztere
drei solcher Flecken in wechselnder Grösse besitzt) eine deutliche
Linse auffinden liess.
Ueber die Funktion der Randkörperchen äussert sich Verf. sehr
zurückhaltend. Er ist allerdings am meisten geneigt, dieselben für
Sinneswerkzeuge (Augen und Gehörorgane) zu halten, macht aber
darauf aufmerksam, dass die Annahme derartiger Gebilde bei Thieren,
deren Nervensystem noch keineswegs mit Bestimmtheit aufgefunden
werden konnte, ihre eigenen Schwierigkeiten habe , zumal diese sog.
Gehörkapseln in manchen Fällen auch auffallend an gewisse Excre-
tionsorgane mit festen Absonderungsprodukten erinnerten.
Auch Referent macht einige Angaben über den Bau
232 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichle
der Randkörperchen bei niedern (Geryonia^ Phialidium n. gen.,
Aglaura u. a.) und höheren Medusen (;Pelagia), die bis in
die Einzelnheiten mit den Angaben Gegenbau r's über-
einstimmen. Das hohle Zäpfchen , das den Sack mit den
Otolilhen in sich einschliesst , möchte derselbe als einen
rudimentären Randfaden betrachtet wissen. Arch. fürNatur-
gesch. 1856. 1. S. 12. Anm. Bei Pelagia wurden mitunter
förmliche Zwillings-Randkörperchen gefunden, d. h. zwei an
der Basis zusammenhängende Zäpfchen , die beide mit Oto-
lithensack, aber nur mit einfacher Einmündung in das Ring*
gefäss versehen waren. A. a. 0. S. 16.
Die bei allen höheren Medusen in eigenen Vertiefungen
an der Basis des Mundstiels gelegenen ßlinddärmchen sollen
nach Gegenbaur (a. a. 0. S. 212), Avie die sog. Saflbe-
hälter (Fühler) bei den Siphonophoren, als Reservoirs der Er-
nährungsflüssigkeit dienen und diese namentlich dann in sich
aufnehmen, wenn die Räumlichkeit des Körperhöhlensystems
durch Contraction der Tentakel u. s. w. sich verkleinert.
Morphologisch werden dieselben den Mesenterialfilamenten
der Actinien verglichen (Verf. führt bei letzterer Angabe
unrichtiger Weise Ref. als Gewährsmann an).
Referent weist auf die sehr eigenthümliche, schon
früher von ihm (J. B. XX. S. 428) hervorgehobene knospen-
arlige Bildung der Geschlechtsorgane bei Aglaura hin und
wirft die Frage auf, ob man dieselben nicht vielleicht als
besondere individuelle Bildungen (Geschlechtsthiere) in An-
spruch nehmen müsse. Dieses Arch. 1856. I. S. 13.
Was die systematische Eintheilung der Hydras-
medusen betrifft, so ist hier zunächst der Vorschlag des Ref.
zu erwähnen, die Formen dieser Gruppe mit Rücksicht auf
deren Entwickelungsgeschichte in vier Ordnungen zu zer-
fallen : Ceratostera (= Aequoreadae Esch.) , Acalephae (s.
st. = Phanerocarpae Eschsch.), Hydroidea (mit den mei-
sten sog. Cryptocarpae) und Siphonophora. Die Annahme
einer Ordnung der Ceratostera stützte sich auf die Voraus-
setzung, dass sich die Aequoriden und sie ausschliesslich auf
direktem Wege, ohne Generationswechsel, entwickelten. Diese
Annahme ist jedoch durch Krohn's Entdeckung von der
der niederen Thiere während des Jahreä 1856. 233
Enlvvickelungsweise der Pelagia (J. B. XXII. S. 412) als un-
richtig erwiesen ; die Gruppe der Ceratoslera muss daher
wieder eingehen. Nichtsdestoweniger glaubt übrigens Ref.
das Princip dieser Eintheilung noch immer festhalten zu
müssen ; er ist der Ansicht, dass die Systematik der Hydras-
medusen mehr noch, als die einer anderen Thiergruppe,
neben den geschlechtsreifen Formen auch die ganze Reihe
der früheren Entwickelungszustände zu berücksichtigen habe.
Eine Gruppe der Discophoren, die zunächst nur an die For-
men der selbstständig lebenden Geschlechtsthiere anknüpft,
gleichgültig, wie dieselben entstehen, die für die Hydroid-
polypen und die Siphonophoren mit sessilen Geschlechlslhie-
ren keine Stelle hat und uns zwingt, diese letztern weit von
den sonst vielleicht ganz nahe verwandten Ammenfonnen
der Scheibenquallen abzutrennen , eine solche Gruppe mag
wohl für die Zwecke der ersten Orienlirung ganz passend
sein, aber den Bedürfnissen eines natürlichen Systemes kann
dieselbe unmöglich genügen.
Während sich Referent (a. a. 0. S. 36) und auch
Huxley (1. c. XI. p. 560) in solchem Sinne gegen die Zuläs-
sigkeit einer eigenen Gruppe der „Scheibenquallen" ausspre-
chen, betrachtet Gegenbaur in einer sonst vortrefflichen
und ausgezeichneten Abhandlung „Versuch eines Systems der
Medusen, mit Beschreibung neuer oder wenig gekannter For-
men; zugleich ein Beitrag zur Kenntniss der Fauna des Mit-
telmeeres" (Zeitschrift für wiss. Zoo). 1856. S. 202—272. Taf.
YII — X) diese Gruppe als eine systematische Einheit, ganz
wie das früher besonders von Eschscholtz und Forbes
geschehen ist. Wie diese letzteren, so Iheilt auch Gegen-
baur seine Gruppe der Scheibenquallen in zwei Ordnungen,
nur dass er dabei nicht die Bildung^ der Geschlechtsapparate
oder der Randkörper, sondern die Beschaffenheit des Schei-
benrandes zu Grunde gelegt hat. Die erste (den Phane-
rocarpae Esch. und Sleganophthalmata Forb. entsprechende)
Ordnung, die des Schwimmsaumes entbehrt, wird unter dem
Namen Acraspeda, die zweite ^ mit Schwimmsaum versehene
Gruppe als Craspedota (= Cryplocarpae Forb., Gymnophthal-
mala Forb.) in das System eingeführt. Die als Hydroiden
234 Leuckart; Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
u. s. w. bekannten Ammenformen will Verf. den jedesmaligen
davon aufgeammten JViedusenspecies beigefugt wissen ; wie
das aber bei den Ammenformen mit sessilen Geschlechts-
thieren, die doch von den mit frei lebenden Geschlechts-
thieren unmöglich getrennt werden dürfen, geschehen könne,
ist nicht abzusehen.
Uebrigens ist diese Arbeit von Gegenbau r unstreitig
die wichtigste , die wir in neuerer Zeit über die Organisa-
tionsverhältnisse und die Formen der Scheibenquallen erhal-
ten haben; sie wird auch in unserem Referate noch an meh-
reren Stellen Berücksichügung finden. Die Bedeutung der-
selben wird alsbaid einleuchten , wenn wir hier bemerken,
dass in derselben 36 (sicilianische) Arten von ScheibenquaU
len, die sich über 20 Genera vertheilen, auf das Sorgfällig-
ste beschrieben sind , und dass unter diesen der grosseste
Theil (28 oder 29 Arten mit 9 Genera) völlig neu ist.
Am Schlüsse der Arbeit (S. 268) sind einige Bemerkun-
gen über die Zahlenverhältnisse und die geographische Ver-
breitung der Medusen nach Familien , Gattungen und Arten
angehängt.
Wir legen hier bei unserem Referate, wie früher, eine
Eintheilung der Hydrasmedusen in drei Ordnungen zu Grunde,
in die echten, sog. höheren Scheibenquallen, die Hydroidpo-
lypen mit. den dazu gehörenden Hydroidquallen und Verwand-
ten und schliesslich die Siphonophoren, bemerken aber dabei,
dass Burmeister (zoonomische Briefe S. 156} die unseren
beiden ersten Ordnungen entsprechenden Scheibenquallen
mit den dazu gehörenden Jugendzuständen als Dimorphaea in
eine gemeinschaftliche Gruppe vereinigt hat.
1« Acalepliae«
(Discophora acraspeda Gegenb.)
Gegenbaur weist gelegentlich (Zeitschr. für wiss. Zool.
1856. S. 209) auf die Verschiedenheit der Angaben hin, die von
Sars und Dalyell einerseits, von Dcsor andererseits
über den Generationswechsel der Medusiden gemacht sind
und sucht dieselben — ganz eben so, wie das auch Ref.
schon früher gelhan hatte (J. B. XX. S, 417) — durch die
der niederen Thiere während des Jahres 1856i 235
Annahme auszugleichen, dass Des or bei seinen Untersu-
chungen bloss die späteren Zustände proüferirender Ammen
vor Augen gehabt habe.
Ebendaselbst stellt Gegenbaur folgende Eintheilung
unserer Thiere auf:
I. Magen mit verästelten P'ortsätzen.
1. Farn. Rhizostomidae. Stiel mit vielfach verästelten
Armen versehen. (Die von G. über die „Polystomie«
von Rhizostoma angeregten Zweifel sind nach In-
jectionsversuchen des Referenten unbegründet.)
2. Fam. Medusidae. Arme des Mundstiels unverästelt.
II. Magen mit taschenförmigen Forlsätzen.
3. Fam. Pelagidae. Mundsliel einfach und mit unver-
ästelten Armen.
HI. Magen mit taschenförmigen und verästeilen Fort-
sätzen.
4. Fam. Charybdeidae. Mundstiel einfach.
Das Gen. Cyanea dürfte wohl den Typus einer eigenen,
den Medusinen nahe stehenden Familie bilden.
Von Arten beschreibt G. aus der Familie der Felagiden : Nau^.
sithoe albida n. sp. und der der Charybdiden : Charybdea marsupia-
lis Per.
Da« von Kölliker (J. B. XX. S. 427) aufgestellte Gen. Nau-
sithoe wird folgendermassen charakterisirt : Körper sehr flach, mit
lief elDgebuchtetem Hände. Acht Tentakel sitzen in den tieferen Ein-
schnitten und alterniren mit eben so vielen in den weniger tiefen
Einbuchtungen sitzenden Randkörpern. Mundstiel sehr kurz, mit vier
Mundwinkeln. Acht taschenförmige Magensäcke. (K. gab seiner Art
einen einfachen, sackförmigen Magen.) Geschlechtsorgane in Form
von Bläschen, die auf der unteren Körperfläche hervorragen. Vier
Büschel Fangfäden an der Basis des Munds^eles. In gewisser Bezie-
hung repräsentirt das Gen. Nausithoe den entwickelten und geschlechts-
reifen Zustand der als Ephyra bekannten Jugendform von Pelagia. (G.
erwähnte derselben früher mehrfach unter dem neuen Genusnamen
Ephyropsis.)
Das (bisher ganz verkannte) Genus Charybdea hat einen
glockenförmigen Körper mit vier Tentakeln, der einen kurzen und
einfachen Mundstiel mit Magenhöhle im Innern einschliesst. Aus dem
Magen entspringen vier taschenförmige Kanäle, die in die Scheibe
eintreten und an den Seiten einige Nebeuzweige abgeben. Geschlechts-^
236 Leuckarl: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Organe wurden nicht beobachtet; was Milne Edwards dafür aus-
gab, sind die Randkörperchen.
Die von Morch (1. c.) erwähnten zwei neuen Schweibenqual-
len der grönländischen Küste gehören zu dem Gen. Aurelia und
Chrysaora (Subg. Dodecabostricha).
3« Hydroidea«
Während Gegenbaur, wie schon oben erwähnt wurde,
bei der Auffassung und Systematik der hieher gehörenden
Geschöpfe von den medusenartigen Geschlechtsthieren aus-
geht und die polypenartigen Zustände derselben bei den je-
desmaligen Medusenfamilien berücksichtigt wissen will, scheint
es umgekehrter Weise Referenten natürlicher, bei der
zoologischen Analyse unserer Thiere die Hydroidpolypen zu
Grunde zu legen und die zugehörigen Medusen als frei le-
bende Geschlechtsthiere den betreffenden Ammen beizufügen
(Nachtr. und Berichtigungen u. s. w. S. 39). Allerdings lässt
sich ein solches Verfahren gegenwärtig noch nicht vollstän-
dig durchführen, da wir von vielen hieher gehörenden Me-
dusenformen die Ammenstöcke noch nicht kennen und um-
gekehrt, allein es scheint dasselbe doch nach der Ansicht
des Ref. das einzige zu sein, das hier am Platze ist.
Als ein in Bezug- auf diese Verhältnisse wichtiores Fak-
tum macht Ref. (a. a. 0.) darauf aufmerksam, dass — nach
unsern bisherigen Erfahrungen — sämmtliche von Tubularinen
aufgeammte Medusensprösslinge zu den Arten mit Genitalien
im Umkreise des Magensackes gehören (Fam. der Oceaniden
im weiteren Sinne des Wortes), während dagegen die Spröss-
linge der Sertularinen ohne Ausnahme Arten mit peripherischen
Geschlechtsorganen darstellen.
Proles medvsiformis (Discophora craspedota Gegen b.)
Gegenbaur entwirft (a. a. 0. S. 218) zur besseren Ue-
bersicht der hier — einstweilen — zu unterscheidenden Fa-
milien folgendes Schema:
I. Mit Radiärkanälen.
a) Geschlechtsorgane am Magen, Ocelli an der Tenta-
kelbasis.
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 237
Farn. 1. Oceanidae.
b) Geschlechtsorgane längs der Radiärkanäle.
Farn. 2. Thaumantiadae. Radiärkanäle enlsprin-
gen vom Magengrunde. Ocelli.
Farn. 3. Aequoridae. Radiärkanäle entspringen
vom Umkreise des Magens. Randbläschen.
c) Geschlechtsorgane an den Radiärkanälen als bläs-
chenförmige Ausstülpungen. Randbläschen.
Farn. 4. Eucopidae. Contractile Tentakel.
Farn. 5. Tachynemidae. Starre Tentakel.
d) Geschlechtsorgane als flache Erweiterungen der Ra-
diärkanäle. Randbläschen.
Farn. 6. Geryonidae.
II. Mit taschenförmigen Fortsätzen des Magens , in denen
sich die Geschlechtsprodukte bilden. Randbläschen.
Farn. 7. Aeginidae.
Die von demselben Verf. untersuchten und genau be-
schriebenen, meist auch abgebildeten Arten sind folgende.
Aus der Familie der Oceaniden S. 219:
Oceanla conica Esch. (= 0. 16-costala Köll.), 0. flavidula Per.
(= 0. arinata Köll.) , 0. theloshßa n. sp. (nur im unausgebildeten
Jugendzustande beobachtet). Für das Gen. Oceania stellt Verf. fol-
gende Merkmale auf: Körper glockenförmig oder konisch nach oben
zugespitzt; der Magen hängt in's Cavum der Glocke und erreicht nie
die Mantelöffnung. Die Radiärkanäle sind vier an Zahl. (In der Ju-
gend nur 4 Randtentakel, später bis zu 60, je nach den Arten.)
Lizzia K öllikeri Gegenb. Char. gen. Ein glockenförmiger,
aber stets abgerundeter Körper , der seinen grössten Umfang meist
weit über dem Rande besitzt. Der kurze , dicke Magen auf einem
vom Glockengrunde aus vorspringenden Stiele. Im Umkreise der
Mundöffnung vier Büschel dichotomisch verästelter Mundtentakel.
Randtentakel unverästelt, auf acht Gruppen vertheilt. (In der Jugend
besitzt L. , wie Bougainvillia, nur vier Tentakelbüschel.) Als Ammen-
zustand unter dem Namen Eudendrium bekannt.
Cylaeis pusilla n. sp. (nur in unreifen Exemplaren beobachtet,
wie die meisten früher als Cytaeisformen beschriebenen Arten). Char.
gen. Magen im Grunde des glockenförmigen Körpers sitzend, mit
mehreren unverästelten Mundtentakeln; vier Radiärkanäle, vier ein-
fache Randtentakel mit bulbusartiger Basis.
Zancla (n. gen.) costata n. sp. Char. gen. n. Eörperform
238 Leuckarl: Bericht üb. d. Leislungen in d. Naturgeschichte
glockenartig, wie bei allen Oceaniden. Der Magen sitzt im Grunde
der Glocke, hängt frei herab und ist am i^Iunde in vier kurze Lap-
pen ausgezogen. Vier Radiärkanäle. Eben so viele Randtenlakel,
die mit zahlreichen secundären Anhängen versehen sind.
Cladonema radiatum Duj. Ch. gen. Magen vom Grunde des
glockenförmigen Körpers herabhängend, mit gelapptem Mundrande ; vier
sich iheilende Radiärkanäle und dichotomisch verzweigte Tentakel.
Ammenform = Stauridium. (Hieher wahrscheinlich auch Eleutheria
Quatref.)
Ckrysomitra (n. gen.) slriala Gegenb. = Phorcynia striata
KöU. Ch. gen. Körper glockenförmig, durchscheinend, bis auf die
gelbgefärbte Subumbrella ; Magen kurz, umgekehrt kegelförmig, dem
Grunde der Glocke ansitzend. Mund rundlich ohne Anhänge. 16 Ra-
diärkanäle. Tentakel (nur einmal unter 3 Exemplaren und auch hier
nur in einfacher Anzahl beobachtet) kurz, mit napfförmiger Endi-
gung. Randkörperchen fehlen. Geschlechtsorgane an der Magenwand.
Muthmassliches Geschlechsthier von Yelella mediterranea, in der Ju-
gend mit nur vier Radialkanälen versehen.
Aus der Familie der Thaui^iantiaden S. 236.
Thaumantias medilerranea n. sp.? Char. gen. Körper halbku-
gelförmig; Magen kurz mit lappigem oder ausgeschnittenem Mund-
rande. Geschlechtsorgane bandartig längs der Radiärkanäle. Tenta-
kel zahlreich.
Aus der Familie der Aequoriden (S. 239) wurde keine Art
beobachtet.
Dagegen aus der Familie der Eucopiden (S. 241):
Eucope (n. gen.) polystyla n. sp. , E. thaumantoides n. sp.,
E. campanulala n. sp. und E. afßnis n. sp. Char. gen. n. Körper schei-
benförmig oder hemisphärisch, durchsichtig, Magen kurz, meist cylin-
drisch mit vievlappigem Munde. Vier Radialkanäle. Tentakel in ver-
schiedener Anzahl (in erster Jugend vier); Randbläschen in bestimm-
ter Anzahl. Geschlechtsorgane in Form kleiner Hervorragungen an
den Radiärkanälen. Werden von Campanulariaarten aufgeammt.
Smi nth ea (n. gen.) eurygaster n. sp , Sm. leplogaster n. sp.,
Sm. globosa n. sp., Sm. tympanum n. sp* (die drei letzten nur in un-
entwickeltem Zustande beobachtet.) Ch. gen n. Körperform hemisphä-
risch oder noch flacher, an die Scheibenform grenzend. Der Magen
sitzt mit ausgezeichnet breiter Basis dem Grunde des Schirmes an
und besitzt einen meist geöflneten, etwas vorstehenden Mundrand
(eine Angabe, die vorzugsweise auf Untersuchung unreifer und
unvollständig entwickelter Individuen beruht und dahin der Berichti-
gung bedarf, dass der Magen ein langes, cylindrisches Rohr ohne be-
sondere Lippenbildung darstellt. Ref.) Von der Peripherie des Ma-
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 239
gens gehen acht Radiärkanäle ab. Die Tentakel sind kurz, in be-
stimmter Anzahl vorhanden, Randbläschen zu vier oder acht. Die
Geschlechtsorgane finden sich an der Yereinigungsstelle der Radiär-
kanäle mit dem Ringkanale (nicht bei allen Arten Ref.). Tentakel
hohl, mit dem Ringkanale im Zusammenhange.
Eurybiopsis (n, gen.) anisositjla n. sp. Char. gen. n. Der weite
Magen dehnt sich im Grunde der Älantelhöhle aus und besitzt eine
ungelappte Mundöifnung ; vier Radialkanäle , die aus der Peripherie
des Magens entspringen. Tentakel mit gruppenweis vertheilten Nes-
selzellen. (Ein kleines unentwickeltes Thier, das Ref. als Jugendzu-
stand von Geryonia exigua erkannt hat. Yergl. dieses Arch. 1856.
S. 7. Aehnliche Zustände hat G. selbst bei Geryonia proboscidalis
beobachtet, zur Lehre vom Generationswechsel der Medusen und Po-
lypen S. 18. Anm.)
Aglaura hemisloma Per. Char. gen. Körper glockenförmig, Ma-
gen an einem Stiele in die Concavität der Glocke hineinragend ; acht
Radiärkanäle ; zahlreiche Tentakel ; vier (? acht lief.) Randbläschen.
Geschlechtsorgane als kolbige Anhänge über dem Magen, am Ende
des den letztern tragenden Stieles. (Ob wirklich in die Familie der
Eucopiden gehörig? Ref.)
Aus der Familie der T ach yn em id en (S. 252) :
Tachyne ma (n. gen.) cilialum n. sp. Char. gen. n. Ein niedrig
glockenförmiger Körper, aus dessen Grunde ein cylindrischer in zwei
breite Mundlappen auslaufender Magen herabhängt. Acht Radiärka-
näle. Tentakel cylindrisch, an ihrem Ursprünge etwas dünner, Rand-
membran breit, schlaff ausgespannt. Geschlechtsorgane kamen nicht
zur Beobachtung. Entwickelung aus einem flimmernden Embryo ohne
Generationswechsel.
Rhopalonema (n. gen.) velatum n. sp. Körperform flach
glockenartig, Magen mit breiter Basis im Grunde der Glocke befestigt,
mit vierlippigem Munde und acht Radiärkanälen, Tentakel keulenför-
mig. Geschlechtsorgane bläschenförmig, mit einem Divertikel der
Radiärgefässe im Innern , etwa der Mitte dieser Gefässe anhängend.
Aus der Familie der G ery o niden_^(S. 252) :
Geryonia proboscidalis Esch. nndLiriope mucronala n. sp. Beide
Gattungen sollen sich nach unserem Verf. theils dadurch unterschei-
den, dass bei Geryonia bialtartige, bei Liriope dagegen laschenarlige
Erweiterungen der Radiärkanäle (Geschlechtsorgane) vorkommen,
theils auch dadurch, dass bei Geryonia aus dem Ringgefässe eine An-
zahl cenlripelal verlaufender blinder Ausstülpungen entspringen, die
bei Liriope fehlen. Ref. , der Geryonia proboscidalis gleichfalls un-
tersuchte, hat diese Ausstülpungen, die nur bei jüngeren Exemplaren
deutlich sind, übersehen, kann aber versichern, dass G. exigua, die
240 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Verf. zu Liriope rechnen möchte, ganz dieselben, nur kleineren blatt-
artigen Geschlechtsorgane trägt, dabei aber zugleich der blinden Aus-
stülpungen des Ringgefässes entbehrt. Nach Ansicht des Ref. dürften
die Genera Geryonia und Liriope kaum getrennt werden.
Ref. möchte hier welter bemerken , dass ihm die Angabe des
Verf., nach der die Geryoniden im Innern ihres Magenstieles oberhalb
der Verdauungshöhle keine Gefässe, sondern einen ungetheilten wei-
ten Behälter einschliessen, in ihrer Allgemeinheit wenigstens unrich-
tig scheint. Bei Ger. exlgua sieht man (vgl. dieses Avch. 1856. S. 4)
an dem nicht selten flächenhaft wie ein Saugnapf ausgebreiteten Ma-
gen die Einmündungssteilen der vier Radiärgefässe , die sich deutlich
durch den Stiel verfolgen lassen, sogar mit blossem Auge; und ähn-
liche Verhältnisse sind es unstreitig auch gewesen , die zu der frü-
heren irrlhümlichen Annahme einer „Polystomie" bei den Geryoniden
verführten. Selbst bei Ger. proboscidalis glaubt Ref., so weit er sich
entsinnen kann, den Ursprung von 6 gesonderten Gefässen aus dem,
hier sehr langen, Magen beobachtet und durch den Stiel verfolgt zu
haben. (In ähnlicher Weise beschreibt Verf. auch bei Aglaura einen
einfachen den Magenstiel durchsetzenden Hohlraum, während Ref.
hier gleichfalls vom Ursprünge an gesonderte Kanäle aus dem Magen-
grunde verfolgen konnte.)
Aus der Familie der Aeginiden (S. 258):
Cunina vitrea n. sp. , C. laliventris n. sp , C. albescens n. sp.
Ch. gen. Der meist beträchtlich dicke Körper zeigt verschiedene
Wölbungsgrade, und ist an der Unterfläche nur wenig vertieft. Der
weite Magen mit einem kaum vorstehenden Munde versehen. Vom
Umkreise des Magens gehen taschenförmlge Fortsätze aus , an deren
Ende die Tentakel entspringen. Das Velum ist faltig, wird einge-
schlagen oder hängt schlaff herab. Er wird von mehreren, am Ende
der Magensäcke entspringenden Kanälen durchsetzt, deren jeder am
Rande des Velums geschlossen endigt. (Ref. hat diese Kanäle im Ve-
lum bei Cunina nicht beobachtet.) Die nieren- oder hufeisenförmigen
Geschlechtsdrüsen sind nach den Beobachtungen des Ref. — G. hat die
betreffenden Thiere nicht im geschlechtsreifen Zustande beobachtet —
je mit den beiden einander anliegenden Hälften zweier benachbarter
Magensäcke verbunden.
Aeg inet a (n. gen.) rosea n. sp., A. prolifera n. sp., A. pau-^
perculala n. sp., A. globosa n. .sp. , A. hemisphaerica n. sp , A. flate-
scens Gegnb. (= Pachysoma fl. Köll.), A. sol maris n. sp. Der Unter-
schied von Cunina besteht vorzugsweise darin , dass die Tentakel
zwischen den einzelnen Magensäcken ihren Ursprung nehmen.
Aeginopsis mediterranea Müll. Char. gen. Körper stumpf-kegel-
förmig ; Magen mit breiten Taschen. Tentakel entspringen zwischen
^■''^'^'•'''^ei" niederen Thiere während des Jahres 1856. 241
und über der Basis zweier Magensäcke und alterniren mit mehr, als
zweien der letzern. Entwickelt sich bekanntlich, wie auch Verf.
und Ref. beobachteten, ohne Generationswechel aus einem flimmern-
den Embryo.
Die vom Referenten gelieferten Beschreibung-en der
in Nizza von ihm beobachteten Medusen (dieses Arch. 1856.
S. 1 — 40. Tafel I und II) sind durch die vorstehenden, weit
umfassenderen Untersuchungen fast überflüssig geworden,
werden aber doch als Bestätigungen , hie und da auch
als Ergänzungen der letzteren einigen Werlh behalten. Im
Allgemeinen sind die Resultate meiner Beobachtungen mit
den Gegenbaur'schen Angaben sehr übereinstimmend. Da
die meisten Differenzpunkle schon oben gelegentlich erwähnt
sind, bleibt hier fast nur übrig, die Benennungen meiner Ar-
ten mit der Gegenbaur'schen Nomenclatur in Uebereinslim-
mung zu bringen. Es sind von mir beobachtet und be-
schrieben:
Geryonia exigua Less. mit ihren Jugendzuständen (=: Eurybio-
psis anisostyla Gegenb.) und G. proboscidalis Esch. , Aglaura Peronii
Lt. (= A. hemistoma Per.), Calyptra (n. gen.) umbilicata n. sp.
(= Sminthea leptogaster Gegenb., ein Beiname, der für das ausgewach.
sene Tliier freilich nicht passt) , Thaumanlias corollala n. sp. (= Th.
raediterranea Gegenb.), Ph ialidium (n. gen.) viridicans n. sp.
(= Eucope Gegenb. , von der nahe verwandten E. Ihaumantoides
durch eine grössere Anzahl von Randfäden und Gehörbläschen ver-
schieden), Oceania pt/eafa Per., 0. coccinea n. sp., Bougainvillia (Liz-
zia Gegenb.) Köllikeri Gegenb. , Evphysa (^?) globator n. sp. , Sleen~
strupia lineata n. sp. , Pyxidium (n. gen.) truncalum n. sp. , Aegi-
nopsis mediterranea Müll. , Cunina moneta n. sp. (= C. albescens
Gegenb.), Cunina ['i) coslala n. sp. (= Aegineta flavescens Gegenb.?),
Pnryphasma (n. gen.) planiusculum n. sp. (wohl eine, mit A. sol
maris G. verwandte Aeginete, bei der die Zwischenräume zwischen den
Magensäcken als Radialgefässe gedeutet wurden , wie das in der Fa-
milie der Aeginiden so leicht geschehen kann).
Was das Gen. n. Pyxidium betriflt, das einzige, das mir nach
der Vergleichung mit Gegenbau r's Abhandlung übrig bleibt, so ist
dasselbe auf die Untersuchung eines kleinen höchst einfachen quäl,
lenartigen Wesens gegründet, das wahrscheinlich von einer Tubularine
abstammt und bis zur Geschlechtsreife wohl noch beträchtliche Um-
formungen erleiden wird. Der Körper isl halbkugelförmig, mit einem
kurzen, etwas excentrischen Kuppelstiele und acht kurzen und stum-
meiförmigen Randfortsätzen. Der Magen ist ein weiter, der Innenfläche
Archiv f. Naturgesch. XXllI. Jahrg. 2. Bd. Q
242 Leucks^rt: ßciricht qt)* d. Leistungen in d. Katurgeschichte
angehefteter Ss^ck mit rundlicher Mundöffnung , der sich am Rande,
den tentakelarligen Fortsätzen entsprechend, in acht taschenförmige An-
hänge auszieht.
Proles hydriformis. Die Mittheilungen von Sars über
die von ihm im Mittelmeere beobachteten Hydroiden (Nyt.
Mag. for Nalurv. 1856) enthalten zahlreiche Beobachtungen
über den Generationswechsel derselben , resp. Organisation
und Entvvickeiung der Geschlechtskapseln und Hydroidmedu-
sen. Wir heben daraus namentlich die Beobachtungen über
die diöcische Podocoryne fucicola n. sp. hervor, bei der die
männlichen, wie weiblichen Geschiechtskapseln einfache ge-
schlossene Bläschen mit centraler Leibesachse darstellen.
Die Beobachtungen, die Peach über „eine merkwür-
dige Metamorphose eines polypenartigen Geschöpfes^^ mittheilt
(Ann. and Mag. nat. bist. Vol. XVIII. p. 99. Tab. VIII) sind
so unvollständig, dass sie keine bestimmte Deutung erlauben.
Verf. hielt eine Muschelschale mit Hydroiden (wahrscheinlich
Hydractinien) in einer kleinen Menge Seewasser und fand nach eini-
ger Zeit darin eino grosse Anzahl Ideiner Scheibenquallen, die, wie er
zu glauben scheint, durch direkte Metamorphose aus jenen sessilen Po-
lypen entstanden waren. Nach einigen Tagen wurden die Scheiben-
quallen kränklich ; sie klappten, wie man das unter solchen Verhält-
nissen häußg sieht, ihren Mantel zurück , so dass die frühere Innen-
fläche jetzt die äussere wurde und der ganze Leib eine unregelmäs-
sige Keulenform annahm , und gingen schliesslich zu Grunde, ohne
sich vorher, wie Verf. gehofft halte, festzusetzen und von Neuem in
Polypen auszuwachsen.
W^right macht auf die Häufigkeit die Diöcesie bei den
Hydroidpolypen aufmerksam und erwähnt zweier Arten des
Gen. Clava (Coryne), deren Polypen in ähnlicher Weise wie
bei Hydractinia durch einen gemeinschaftlichen hornigen
Stamm zu einer Colonie vereinigt sind. Edinb. new philos.
Journ. IV. p. 3l3. (Schon Krohn hat auf die Wahrschein-
lichkeit dieses Verhältnisses bei Coryne hingedeutet, dieses
Arch. 1857. 1. S. 264. Anm.)
Die von Sars (I.e.) aus Messina und^Ne^gel beschrie-
benen Hydroiden sind folgende: ' ' ,-
Podocoryna carnea Sars, P. fucicola n. sp., Syncoryne (?) Cleo^
dorne Gegenb. , Tubiilaria larynx Ell. et Sol. , Eudendrium racenw-m
sum Cav., E. pusiUum n. sp., Pennaria CavoUnii Ebrbg., Campanula-
ultbiflosiler niederen Thiere während des Jahres 1856. 243
ria voluhiUformis Sar5 (= Gegenbaur, zur Lehre vom Generations-
wechsel bei Polypen und Medusen . — J. ß. XXII. S. 415 — Tab. I.
Fig. S), C. Gegenbaurii Sars (= Gegenbaur a. a. 0. Tab. I. Fig. 1),
C Oreviscyphia n. sp. , Laomedea exigua Sars (== Gegenbaur a.
a. 0. Tab* I. Fig. 5) , L. gracUisSars var., Serlularia pumila L.^ Plu-
viiidaria pluma Cav., PI. selacea Fall. Gelegentlich wird dabei noch
eine auf Tubularia indivisa schmarotzende dritte Art des Gen. Po-
docoryna beschrieben: P. Tubulariae n. sp.
, Unler den von Leidy (Journ. Acad. Philad. III. P. 2.
p. 135) bei Rhode -Island und New -Jersey aufgefundenen,
theilweise auch beschriebenen 9 Hydroiden befindet sich eine
neue, mit Coryne und Eudendrium verwandte Form Eiicoryne,
die folgendermaassen charakterisirt wird:
Eu coryne n. gen. Polypidom a rooted, branching, corneous
tube wilh a soft axis. Polypes terminating the branches of the po-
lypidom , non- retractile, clavate, furnished with a circle of long
cyiindrical tentaculae, and one or more circles of short tentaculae
with globular tips. Die einzige, beobachtete Art E. elegans L.
producirt Medusenknospen und wird vom Verf. sehr sorgfältig beschrie-
ben und abgebildet. Die Kesselorgane, die Verf. auch in der ver-
dauenden Leibeshöhle vorfand (wohl nur, nachdcin dieselben mit der
Nahrung verschluckt waren Ref.), zeigen dieselbe Bildung, wie die
Von Hydra.
Aid er berichtet über mehrere von ihm neu entdeckte
(Gattungen und Arten britlischer Hydroiden, Annais and Mag.
pat. bist. Vol. XVIII. p. 353. Tab. XII—XIV.
Vorticlava (n. gen.) humilis n. sp. auf Corallina officinalis,
Eudendrium conferlum n. sp. auf Buccinum undatum und Fusus anti-
quus, JE. capiUare n. sp. auf Antennularia ramosa, Serlularia tricu&pi-
data n. sp. auf verschiedenen Zoophyten, S. tenella n. sp. (S. rugosa
var. Johnst.) auf Plumularia falcata u. a., Campanularia Johnsloni A\d.
^= C. volubilis Johnst. , verschieden von der gleichfalls beschriebe-
nen und abgebildeten C. volubilis Linn.) auf Fucoideen , Zoophyten
«nd Muschelschalen, Camp. Hincksii Aid. <= C. volubilis var. Johnst.)
auf Zoophyten und Muschelschalen, C. gracillima ebendah,, Gramma-
ria elegans n. sp.
Das neue Gen. V orliclava gehört zu den Coryneen und trägt
folgende Diagnose : Polype linear-cylindrical or clavate, soft, nacked,
affixed at the base, solitary (?). Head terminal; tentacles in two
rows, stout, dissimilar, the upper row capitate.
In einem späteren Nachtrage (Ibid. p. 439. Tab. XVI) beschreibt
•Verf. ferner noch : Tubularia implexa n. sp., Laomedea neglecta n. sp.
und X. aeuminala n. sp.
i244 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Katurgeschichte
Hincks überzeugt sich, dass die von ihm unter dem Kamen
Halia praetenuis (J. ß. XXII. S. 404) als ein neues Bryozoon be-
schriebene Thierform mit Thomson's Reticularia immersa (J. B. XX.
S. 443) und Hassall's Campanularia serpens identisch ist und stellt
für das Gen. Reticularia folgende verbesserte Diagnose auf:
Reticularia Gen. ex Ord. Hydroid. Fam. ? Polypidom a
parasitical investing network of horny tubes , immersed in a horny
crusl; cells decumbent, adherent, irregularly disposcd along Ihe fibre,
to which they are attached at th# base. Polype of a greenish co-
lour, with numerous smooth solid tentacule ; very minute, Sp. R.
serpens (Hass.) Ann. and Mag. nat. bist. P. XVIII. p. 369.
3« Siplionopliora*
Burmeister hat Gelegenheit gehabt, einige Phasen
aus der Enlwickelungsgeschichte von Velella (im Texte steht
irrtiiütnlich „Porpila") und Pliysalia zu beobaclilen und macht
hierüber folgende Angaben. Zoonom. Briefe. I. a. v. 0.
Die junge Velella hat nur ein Saugrohr, welches dem grossen
Cenlralpolypen entspricht, darum einen Tenlakelkran«, eine völlig
runde Scheibe und darauf ein kleines sehr hohes Segel; es sieht dann
völlig so regulär aus, wie eine Scheibenqualle und könnte bei fluch,
tiger Betrachtung leicht für eine Geryonide oder Oceanide gehalten
werden. (Eschscholtz beschreibt dieses Thierchen als ein beson-
deres Genus Rataria , wie vom Ref. schon im letzten J. B. — nach
Untersuchung ßurmeister'scher Exemplare — bemerkt wurde und auch
unser Verf. hervorhebt.) Anfangs fehlt dem Segel jede feste Stütze,
während die Scheibe schon bemerkbar ist. Die Umbildung in die ge-
wöhnliche Velellaform geschieht dadurch , dass sich im Umkreis des
ersten Saugrohres, zwischen ihm und dem Tentakelringe, ein Kranz
neuer Saugröhren bildet. Ganz ebenso scheinen sich die Physalien
zu verhalten ; Verf. fand junge Exemplare mit einem grossen Saug,
röhre, neben dem aber schon mehrere kleine hervorsprossten , und
einem langen Tentakel ; die Blase ähnelte einer Erbse im Ansehen,
und der Kamm war eben erst als quergekerbter Kiel auf der einen
Seite der Blase, dem Saugrohre gegenüber, angedeutet. In der Bla.
»enwand sah Verf. einen deutlichen ziemlich grossen strahlich granu.
lirten Kern, seitlich neben der Stelle, wo das Saugrohr sass. (A. a.
0. 1. S. 350—351). Auch an den ausgebildeten Thieren konnte Verf.
„seillich nach rechts neben der Saugröhrengruppe" dieses Gebilde
auffinden (Ebendas. S. 352J. Dabei bestätigt Verf. , dass die sog. Ten.
takelblase am Grunde der Senkfäden wirklich geschlossen ist und kei-
neswegs, wie Quatrefages wollte (J. B. XXII. 3. 421), ein ^aug,«
y)rf3!rf3«-der niederen Thiere während des Jahres 1856. 245
röhr ist, so wie ferner die Anwesenheit deutlicher, braun gefärbter
Leberzotlen im Innern der Saugröhren. Die Muskelfasern der Blase
sollen deutlich quergestreift sein. (Ebendas. S. 344.)
Die Ansicht vom Polymorphismus der Siphonophoren wird
von Burmeister verworfen; derselbe findet eine derartige
Auffassung weit unstatthafter, als die von ihm früher einmal
vorgeschlagene Zusammenstellung der Siphonophoren mit den
gleich ihnen regulären Echinodermen (a. a. 0. I. S. 351).
Es scheint sogar, als wenn Verf. über die Polyzoolie der Si-
phonophoren in Zweifel geblieben sei , denn er betrach-
tet den Bau dieser Thiere ganz einfach als eine Wiederho-
lung von vier verschiedenen, an einem gemeinschaftlichen
Körper befestigten Organen (Bewegungsorgan, Ernährungs-
organ, Fortpflanzungsorgan und Greiforgan).
Auch Huxley kann sich nicht entschliessen , die Si-
phonophoren als polymorphe Thierstöcke zu betrachten (Le-
ctures 1. c), während andererseits A ga s s i z (Contributions etc.
I. p. 71. 91 u. a. a. 0.), so wie de Filippi (delle func. ri-
prod. p. 85) sich offen (ür den Polymorphismus derselben aus-
sprechen. (Irrlhümlicher Weise wird übrigens bei Letzterem
auf Vogt als Vertreter dieser Ansicht hingewiesen.)
Burmeister unterscheidet (zoonomische Briefe I. S. 181)
in der Ordnung der Siphonophoren zwei Familien: Bistio-
dromaea mit grosser Luftblase (Veleliiden und Physaliden)
und ISechalea mit Schwimmglocken (Physophoriden und /Dir
phyiden, welchen letzteren nach dem Vorgange des Ref, auch
Hippopodius beigesellt wird).
"! ^ ' Referent glaubt dagegen (Nachträge u. s. w. S. 4!)
noch immer an den von ihm früher aufgestellten vier Haupt-
familien festhalten zu müssen und umschreibt dieselben lol-
gendermaassen :
Fam. I. Diphyidae. Duae partes sibi oppositae, campa-
nulalae, ad natandum apiae. Vesica aerifera nulia. Stipes
cylindrica segmentala; in unoquoque segmento polypus simul
cum tentaculo proleque ovifera sub bractea infundibuliformi
absconditus. Tentacula filiformia , ramulis clavatis instrucla.
Utriusque sexus appendices medusiformes, aequales.
Fam. II. Physophoridae. Axis elongatus aut truncatus,
vesica aerifera parum magna praeditus, Organa nataloria
246 Leuckärt: Bericht üb. d, Leistungen' in d. Waturgeschichle
ant äccumulata, aut (rarius) nulla. Appendices dense in
plerisque collocatae; brachia et Iractrae inier polypös inter-
posita. Bracteae foliaceae numerosae (aut nullae). Tenlacula
filiformia, ramis laleralibus plerumqiie conlorlis. Proles utrius-
que sexiis vicina, dissimilis , altera medusiformis altera plus
minusve vesicularis , aggregata.
Farn. III. PhysaUdae. Axis globosus, vesica aerifera
permagna replelus , polypis subtus , tentaculisque longissimis
instructus. Organa nataloria et bracteae nullae. Pro|es ovi-
fera decidua. > iüijoiion
Fani. IV. Velellidae. Corpus disciforrae, intus vesicam
aeriferam complanatam, concentrice lamellatam conlinens, sub-
tus polypis ac tentaculis nnarginalibus obsitum. Polypus cen-
tralis permagnus, sterilis ; peripherici minores, proliferi. Ca-
vitas corporis in canales divisa radianles, e polypo centrali
prodeuntes , ramosos. Proles ovifera caduca, medusiformis.
Organa natatoria nulla.
Gleichzeitig werden von Ref. auch die bekanntesten
Genera in einer den neuen Entdeckungen conformen Weise
kurz charakterisirt. Ebendas.
Huxley giebt eine Abbildung des von ihm schon früher auf-
gestellten (aber nicht näher charakterisirten Gen. n. Spenia, einer
mit Cuboides verwandten monogastrischen Diphyide , die sich durch
die keilförmige Bildung ihres Deckstückes auszeichnet. Lectures etc.
P. XII. p. 565. Jiuw/:;:;-. i.ti: ii>-:../.j/^
Polypi.
Die 1853 zu Benevent herausgekommenen „Memorie post-
hume" von Cavolini enthalten u. a. auch eine. Abhandlung
über Meerpolypen, so wie über Physiologie der Zot>phyten,
sind aber Ref. bis jetzt noch nicht zugänglich gewesen, u')^^
]-• Calycozoa«
Dass Huxley die Lucernarien nicht als Polypen gelten
lässt und mit den echten Scheibenquallen verbindet, ja diese
letztere sogar geradezu Lucernariadae nennt, ist schon oben
hervorgehoben. Ob aber die Aehnlichkeit von Lucernaria
mit Hydra tuba, wie Verf. meint, ausreicht, diese Zusammen-
stellung zu begründen , scheint Ref, in hohem Grade zwei-
der niederen Thiere während des Jahres 185iS. 247
felhaft. Noch weniger dürfte jedoch eine Zusammenstellung
von Lucernaria mit den übrigen Polypen , wie sie neuerlich
wieder von Burm eis ter vertreten wird, zu empfehlen sein.
(Burmeister stellt die Lucernarien mit den Minyaden, Ce-
rianlhiden, Acfiniaden und Zoanthinen zusammen und bildet
daraus eine gemeinschaftliche Gruppe der Fleischpolypen, Ho-
losarca, die mit den Lithophylen, Octactinien und Hydrinen
die Abtheilung der Anlhozoen bilden.) Zoonom. Briefe 1.
S. 132.
-■'-"' Ref. fasst die wesentlichsten Unterschiede seiner Caly-
cozoa (Podactinia Milne Edvv., welchen Namen Burm eis ter
bezeichnender ündet und desshalb — trotz aller Priorität —
vorzieht, von den Anthozoen in folgender Charakterislili zu-
sammen: Venlriculus in cavitale corporis nulius. Organa
genitalia disco orali iuncta. C^athträge und Berichtigungen
u. s. w. S. 24.)
8* Antliozoa«
Danielssen und Koren beschrieben (Fauna litt. Norv.
II. p. 87) ein Paar neue Actinien , bei denen die Lippenrän-
der an zwei einander gegenüberliegenden Stellen, oder nur
an einer, zu einem langen gespaltenen Sipho ausgewachsen
sind und somit — nach Ansicht des Ref. — das Extrem
einer Bildung repräsentiren , die auch bei anderen Actinen
am vorderen Ende der von Ref. als Cardiacalwülste bezeich-
neten Organe vorliommt. (Vgl. hierzu Frey und Leuckart
Beiträge u. s.w. S. 2). Die OefTnung dieser Siphonen scheint
vorzugsweise zur Einfuhr von Nahrungsmitteln zu dienen.
Burm eisler hat sich davon überzeugt, dass die Me-
senlerialfilamente der Actinien ein unverkennbares Lumen in
sich einschliessen, also nicht solide sind, sondern dickwan-
dige Röhren darstellen. Zoonomische Briefe I. S..34i.
Leidy beschreibt die Nesselorgane von Astrangia astrae-
formis und Actinia marginata und bestätigt dabei die Beobach-
tung von Agassiz, dass der Angelfaden beim Hervorschnel-
len vollständig umgestülpt werde, wie ein NemertinenrüsseL
Das spiralige Aussehen des Fadens soll, wenigstens in man-
chen Fällen, von äusserst kleinen spiraiig gestellten Spitzen
248 Leupkart; Bericht üb. d. Leistungen m d. Naturgeschichte
herrühren. Journ. Acad. Philad. T. III. Vol. 2, p. 140. (Ref.
kann sich nach genauem Untersuchungen der Nessclorgane
aus den Mesenterialfilamenten von Act. plumosa dieser Dar-
stellung nicht anschliessen. Der eigentliche Nesselfaden, der
in Spiraltouren an der Wand der Kapsel anliegt, stülpt sich
bestimmt nicht um^ sondern schiebt sich nur durch Entfaltung
seiner Windungen nach Aussen hervor. Bevor das aber
geschieht^ beobachtet man in der That das Umstülpen eines
dünnen und röhrenförmigen Gebildes, das während der Ruhe
in der Achse der Nesselkapsel gelegen war und einen hals-
artigen langen Anhang derselben darstellt. Der eigentliche
Nesselfaden tritt aus dem Ende dieses Anhanges hervor; er
lässt sich auch im Innern desselben ganz deutlich erkennen
und bis in die Kapsel hinein verfolgen. Was Leidy als opti-
schen Ausdruck eines Spiralbesatzcs mikroskopischer Spitzen
in Anspuch nimmt, ist offenbar nicht Anderes, als der Nes-
selfaden im Innern des halsartigen Kapselanhanges, der sich
in zahlreichen Spiraltouren durch dieselben hinwindet. —
Was Ref. hier bemerkt, gilt übrigens keineswegs für die Nes-
selorgane aller Coelenteraten, wie denn auch schon an den
Tentakeln der genannten Act. plumosa solche abweichende
Formen vorkommen. In manchen Fällen fehlt der Kapsel-
hals, der sich umstülpt; der Faden tritt dann aus einer Oeff-
nung hervor, die mitunter durch einen förmlichen Deckelap-
parat geschlossen ist u. s. w.)
, , .. Sars handelt in der schon oben citirten Abhandlung
über die Miltelmeerische Küstenfauna von folgenden Antho-
zoen. Wir thejlen das Verzeichniss — der Anordnung un-
seres Jahresberichtes gemäss. ~. in umgekehrter Reihen-
folffe mit:
A) Polyactinia:
Anthea cinerea Contar., A. cereus Ell. et Sol., Adamsia palliata
Boh., Aclinia elongala delle Ch.?, Act. viduata Müll., Act. effoela
Bast. , A. mesembryaiilhemum Ell. et Sol. , Cerianthus tnembranaceus
Gmel., Corynactis tnedilerranea n. sp., MamiUifera arenacea delle Ch.,
Cyalhina pseudottirbinoUa Edw. et Haine, Paracyatlius striatus Phil.,
Co elo cyalhus (n. gen.) typicus n. sp. , Cladocora astraeina n. sp.,
Cl. caespilosa L., Balanophyllia italica Edw. et H. , Astroides calyciu
laris Lancko
; .j'iif! Öftrer niederen Thiere während des Jahres 1856. 249
if;! B^ 0ctactinia :
Pennatula t*ubrah. (= P. phosphorea Ehrbg.)» P- phosphorea L.
(= P. rubra Ehrbg.)> P- grisea Gm. , Muricea placomus L., Gorgonia
sarmentosa Esp. , G. Beriolinii Lamx. , G. verrucosa Cav. , Corallium
nobile L., Cornularia rugosa Lamx., Rhizoxenia rosea Phil. (= Com.
crassa Edw.), Xenia (?) indivisa n. sp., Akyonium palmalum ?d^\\., A.
palmalum var. (? an n. sp.?j.
PoJyacfinia. Tugwali verfasste a nianual of the Sea-
Anemones cömmonly found on Ihe English Coasts. London
1856, welches mir indessen bis jeizt noch nicht zu Gesicht
gekommen ist.
Leidy beschreibt (Journ. Acad. Philad. 1856. p. I4l) eine neue
Actinie von New-Jersey: A. neglecla und eben so Holdsworth
einige neue Arten der englischen Küste (Proc. Zool. Soc. 1855. Dec,
oder Ann. and Mag. nat. bist. 1856. T. XVIII. p. 346j : Act. pallida,
A. ornala und A. rubida.
Ueber Actinia vinosa desselben Beobachters vgl. Proc. Zool.
Soc. 1856. June oder Ann. and Mag. nat. bist. 1. c. p. 497.
Besonders interessant und ausgezeichnet sind die von Koren
und Daniel ssen in ihrem Aufsatze über norwegensche Aclinien
(Fauna litt.Norveg.il) beschriebenen zwei neuen Actinien -Formen:
Sipkonac lina (n. gen.) Boeckii (1. c. p. 88. Tab. XII. Fig. 4 — 6)
und Actinopsis (n. gen.) ßava (Ibid. p. 89. Tab. XII. Fig. 1 — 5).
Die neuen Genuscharaktere lauten folgendermaassen :
Siphonactinia Dan. Kor. Siphone cylindrico, valde excen-
trice extra discum prominente, a disco et aliquanto sursum duodecim
plicis membranaceis cohaerentibus — collari tentaculiformi (dem ge-
falteten eigentlichen Mundrande Ref.) — circumdato; superiore in
parte margo rotundatus, cuius in parte exteriore tres eminentiae car-
tilaginosae et in interiore fissura pertolam siphonis longitudinem por-
recta; tentacula 12 uniseriata nee retractilia.
Actinopsis Dan. Kor. Brevis, cylindrica, infra in magnam et
gracilem basin extensa, niargine oris in duos longo^ et rigidos semi.
cylindros prolongato, quorum margines laterales^ deorsum flexi et ex-
tremitates bisulcae; tentacula gracilia, filiformia triserialia , non re-
tractilia.
Die Sabella marsupialis Gm. ist nach Steenstrup's interessan-
ter Entdeckung gleichfalls ein actinienartiger Polyp , Repräsentant
eines besonderen Gen. Sp henopu s^ das Verf. folgendermassen
charakterisirt: Animal e classe Anthozoorum, ex ordine Polyactineo-
rum, et e familia Actiniarum , generibus aberrantibus Hyantho , Pea-
chiae et Ceriantho affine, monotrematum , corporis anteriore parte
Buboylindrica , posteriore vero a ventro dorsoque depressa, et lata,
^5<) Leuckart: Bericht fib. d. I^istungen in d. Naturgeschichte
securiformi vel cuneata , limum et granula arenae in crustam crassam
alligante; tentaculis unum circulum , a pluribus contiguis conslantcm,
formantibus; sulco stomachali parietibus carlilagineis instructo. Sp.
Sph. marsupialis Gmel. aus Tranquebar. Bei der Untersuchung stan^
den dem Verf. die allen Originalexemplare Spengler's zu Gebote.
Kongl. danske Videnskabs Selsk. Forhandl. 1856.
Gosse berichtet über das Vorkommen der von Forbes aus
dem Aegeischen Meere beschriebenen Edwardsia vestita an der Eng-
lischen Küste. Ann. and Mag. nat. bist. Vol. XVIII. p. 73.
Ebenso beschreibt derselbe eine neue Art dieses Genus E. car~
nea. Ibid. p. 219. Tab. IX.
Holdsworth beschreibt gleichfalls eine neue Species des
Gosseschen — von Gosse selbst aber bereits aufgegeben (J. B.
XXII. S. 425) — Genus Scolacanthus , Sc. sphaeroides. Von der eng-
lischen Küste. Ann. and Mag. nat. bist. Vol. XVII. p. 517. (Froc. Zool.
Soc. 1855. May).
Das oben erwähnte neue Gen. C o elocyal hu s Sars wird (1. c.)
folgendermaassen charakterisirt : Polyparium simplex, fixum, obconi-
cum seu turbinatum, curvatum , costis inconspicuis seu nuUis. Colu.
mella incompleta, paluli nulli. Calyx subcircularis, fissura calycinalis
profundissima. Sepia supra marginem calycis non prominentia, 12 — 24,
tria cycla, tertium incompletum, formantia.
An einem anderen Orte (Fauna litt. Norveg. II. p. 73 — 79. PI. X.
Fig. 18 — 27) liefert Sars eine genaue Beschreibung und Abbildung des
schon früher (J. B. XX. S. 464) von ihm kurz charakterisirten Ulo-
cyathus arclicus Sars (e tribu Turbinolinarura).
Octactinia. Die Gruppe der achtarmigen Anthozoen bat
besonders durch das zweite Heft der Fauna littoralis INorvegiae manche
schöne und interessante B-ereicherung erfahren. Sars liefert hier
zunächst eine Beschreibung zweier neuer Alcyoniden: Briarßum gratis
dißorum (p. 64. PI. X, Fig. 10— 12) und Rhizoüpenia filifortnis {p. 65.
PI. X. Fig. 13), wobei u. a. zugleich bemerkt wird, dass auch Linne's
Alcyonium arboreum dem Blainville'schen Gen. Briareum zugehöre,
so wie ferner, dass die Gen. Evagora Phil, und Sarcodyctioi^ jfj^rb.
von ^ibizoxenia nicht abzutrennen seien.
Asbjörnsen untersucht (ebendas. S.81 — 85. PI. X. Fig. 1 — 8)
die Müller'sche Pennatula slellifera und liefert den Nachweis , dass
dieses interessante Thier den Typus eines eigenen kleinen Genus aus-
mache, das sich von Vertillum, dem es am nächsten steht, besonders
durch die Gruppirung seiner wenigen Polypeüliöpfe unterscheidet.
Den Charakter dieses neuen Genus Kopho belemnon stellt Verf.
auf folgende Weise fest: Polyparium liberum, carnosum, spiculis cal-
caceis farctum; rhachis clavifojrmis, cpinoata , .Intcrc anteriors . »i^lum
'^,ubirfr^8dBf niederen Thiere während dei Jahres 1856. 251
papillis polypiferis, per quatuor series longitudinales , alternantes
dispositis obsito. Polypi (perpauci Ref.) niaximi, toti retracliles, oclo
tentaculis pinnatis circum os ornati. Axis gracilis subcalcaraneus vel
sublapideus. Sp. n. K. Mülleri Asbj.
Auch die von Sars schon früher kurz beschriebenen Virgula-
ria finmarchica, so wie die V. Cristii Kor. Dan. finden hier (p. 68 — 73.
PI. XI und p. 91— 93. PI. XII. Fig. 7 — 12) von ihren Entdeckern eine
detaillirte wörtliche und bildliche Darstellung. Beide ausgezeichnete
Arten machen in gewisser Beziehung, besonders durch die Anwesen-
heit von stützenden Kalknadeln , den Uebergang zu dem Gen. Penna-
tula. Dem Aufsalze von Sars sind Bemerkungen über die nordischen
Pennatuliden überhaupt angehängt, aus denen wir hier so viel hervor-
heben, dass Virgularia juncea Sars nur jugendliche Formen von V.
mirabilis Müll, enthält.
Popifera.
Lieberkühn publicirt in seinen „Beiträgen zur Ent-
wickelungsgeschichte der Spongillen" (Müller's Archiv für
Anat. und Physiol. 1856. S. 1 — 19) mit Nachtrag (Ebendas,
S. 399— 414. Tab. XV) und Zusätzen (Ebendas. 8.496—514.
Tab. XVIIl) die Resultate mehrjähriger Untersuchungen über
den Bau und dieFortptlanzungsverhältnisse der Flussschvvämme
und beschenkt uns dadurch mit einer reichen Fülle der wich-
tigsten und interessantesten Entdeckungen. Die Arbeilen un-
seres Verf. sind ohne Zweifel die bedeutungsvollsten, die wir
über Poriferen besitzen; sie sind die ersten, die unsern An-
schauungen über diese, bisher noch unvollkommen bekannten
Geschöpfe eine sichere Grundlage bieten. Was Ref. in sei-
nem ersten Jahresberichte (Bd. XX. S. 471) in Aussicht ge-
stellt hatte, ist jetzt eingetreten: die Poriferen wer-
den fortan als unzweifelhafte Thiere betrach-
tet werden müssen.
Die erste der genannten Arbeiten liefert uns in gewis-
sem Sinne eine Histologie der Spongillen. Verf/ beschreibt
darin die einzelnen Gebilde, die den Körper dieser Geschöpfe
zusammensetzen (Skelet, gallertartige Substanz), so wie die-
jenigen , die sich nur zeitweilig darin vorfinden (die Gem-
mulen, Schwärmsporen, Keimkörnerconglomerate , Zoosper-
mien) , ohne den genetischen Zusammenhang derselben be-
reits erkannt zu haben. Erst durch die späteren Mittheilungen
252 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
(denen auch noch die kurze Notiz in der Zeitschrift für wiss,
Zool. Vlir. S. 309 hinzugefügt werden kann) werden wir in
den Bau und die Lebensgeschichte unserer Thiere eingeführt,
und zwar Schritt für Schritt, wie sich die belrefTenden Ver-
hältnisse dem ßeobacliter allmählich enthüllten. Für unsern
Zweck dürfte es vielleicht am passendsten sein , einen an-
deren Weg einzuschlagen und, ohne Rücksicht auf die Zeit
und Art der vorliegenden Publicationcn mit gedrängten Wor-
ten eine zusammenhängende Uebersicht über die Hauplent-
deckungen unseres Verf. zu geben, wie dieser selbst es in
dem erst vor kurzem erschienenen neuen Aufsalze: „Beiträge
zur Anatomie der Spongien" (Müller's Arch. 1857. S. 375 —
403. Tab. XV), der mit seinen zahlreichen neuen Mitlheilun-
gen erst im nächsten Jahresberichte eine Berücksichtigung
finden kann, gethan hat.
Die „gallertartige Substanz^ die in bestimmter Anord-
nung den Körper unserer Thiere zusammensetzt , besteht
aus entschiedenen Zellen , mit allen Requisiten eines solchen
Gebildes, mit umhüllender Membran, mit Kern und Kernkör-
perchen. Die auffallendste Eigenschaft dieser Zellen besteht
in der Fähigkeit einer amöbenartigen Bewegung, die ihnen
in exquisiter Weise zukommt, so dass man die Zellen sogar
für selbstständige Rhizopoden halten könnte. Der Inhalt die-
ser Zellen hat ein etwas verschiedenes Aussehen; die mei-
sten umschliessen jedoch eine helle Masse mit Körnern.
Einige Male wurden auch fremde Körper, wie Bacillarien, Kar-
minkörnchen (nach künstlicher Fütterung) im Innern dersel-
ben angetroffen. An bestimmten, vom Verf. noch nicht nä-
her erkannten Stellen, tragen diese Schwammzellen lange Wim-
percilien. Die Stütze dieser contraclilen Zellen bildet be-
kanntlich ein Gerüst von Kieselnadeln , die in Strängen und
Bündeln nach verschiedener Richtung zusammenliegen und
ursprünglich, wie Verf. nachweist, einzeln in den Zellen ge-
bildet werden. Die Zellenmasse , die dieses Gerüst in sich
einschliesst, ist übrigens keineswegs in einem Zustande der
Ruhe befindlich ; sie ist im Gegentheile in einer beständigen,
zum Theil schon mit blossem Auge wahrnehmbaren Verschie-
bung begriffen. Der Schwamm gleicht gewissermassen einer
kolossalen Amoebe und bildet bald hier, ba! j dort einen Aus-
:;'!i ! der niederen Thiere während des Jahres 1856, 253
läufer, resp. Fortsalz , der nach kürzerer oder längerer Zeit
wieder schwindet; er verlässt sogar (in der Jugend, so lange
er noch klein ist) seinen Standort, um einen anderen be-
nachbarten Fixationspunkt aufzusuchen. Auch sind die Zwi-
schenräume zwischen den Kieselnadeln nicht etwa dicht und
ordnungslos von den Schwanimzellen ausgelüllt. Kichl bloss
dass man an dem Schwämme eine äussere iielle, hier und
da — nach neueren Untersuchungen fast im ganzen Um-
fange — abstehende Umhüllungshaut bemerkt, man sieht auch
im Innern eine Menge von hellen Hohlräumen, die durch
Kanäle unter sich zusammenzuhängen scheinen. Jedenfalls
besitzen die Spongillen eine weite (grössere Exemplare auch
mehrere), auf dem Gipfel eines hellen und konischen Zapfens
gelegene OefTnung, durch die ein beständiger Strom von Flüssig-
keiten hervortritt und einige kleinere OelTnungen, durch die
man unsere Thiere in kurzer Zeit mit gefärbten Flüssigkeilen
vollständig imprägniren kann. Einige Stunden nach dem Ver-
suche sieht man die Farbestoffe durch die AuswurfsöiTnung
wieder hervorslrömen. Uebrigens ist diese AuswurfsöiTnung
eben so wenig stabil, wie die Form unseres Schwammes ;
dieselbe geht gelegentlich, mitsammt dem Zapfen, dem sie
autsitzt, durch Einziehen verloren, um dann an einer anderen
Stelle wieder aufzubrechen.
Die Fortpflanzung unserer Süsswasserschwämme ist eine
mehrfache; sie wird bald durch sog. Gemmulae, bald durch
sog. Schwärmsporen vermittelt. Die ersteren sind runde,
von einer festen Schale umgebene Gebilde , die eine Anzahl
grobkörniger (fetterfüllter?) Schwammzellen in sich einschlies-
sen und durch Anwesenheit einer mikropylartigen OefTnung,
wie auch meist durch einen eigenthümlichen Besatz von
mannichfach gestalteten Kieselkörpert'hen (Amphidiscen oder
Stäbchen) sich auszeichnen. Die Bildung dieser Gemmulae ge-
schieht in einfacher Weise durch Metamorphose gewöhnlicher
Parenchymzellen, die sich zusammenballen und mit einer
Schale umgeben ; man beobachtet sogar gelegentlich, beson-
ders im Herbste, d«nss sich die gesammte Zellenmasse eines
Schwammes in Gemujulae verwandelt und eine längere Zeil
(etwa den ganzen Winter) in diesem Zustande verharrt. Die
Keimung geschieht dadurch, dass sich die Zellen im Innern
254 Leuckart, Bericht üb. d. Leistungen in d. IVaturgeschichte
aufhellen und aus dem Porus hervorwuchern, bis die Schalen
schliesslich entleert sind. Schon nach einigen Tagen ent-
deckte der Verf. im Innern des so frei gewordenen Zellen-
haufens die bekannten Kieselnadeln , doch gelang es nicht,
die weitere Entwickelung zu einem Schwämme zu verfolgen.
Auch die Schwärmsporen entstehen durch Zusammen-
ballen und Inhaltsveränderung aus den gewöhnlichen Schwamm-
zellen, und sind die unler dem Namen der Keimkörnercon-
glomerate früher beschriebenen Bildungen nichts Anderes,
als unvollständig entwickelte Schwärmsporen. An den aus-
gebildeten Schwärmsporen unterscheidet man ausser dem
Wimperepithelium eine strukturlose, gallertartige Corlical-
schicht und eine Medullarsubstanz , deren Bau je nach dem
Entwickelungsgrade Verschiedenheiten darbietet. In der Re-
gel besteht dieselbe aus einer (durch Zerfallen der sog. Keim-
körner gebildeten) sulzigen Masse mit eingestreuten Körnern,
doch enthalten ältere Schwärmsporen auch bereits Schwamm-
zellen und Kieselnadeln, die sich freilich später, nach dem
Festsetzen, noch weit massenhafter entwickeln. Schon am
fünften Tage besitzt der junge, aus Schwärmsporen entwik-
kelte Schwamm sein Kanalsystem mit Auswurfsröhre.
Einige Male kamen kleine Keimkörnchenconglomerate
vor, die ausser den gewöhnlichen Theilen noch einen Nu-
cleus mit Nucleolus enthielten; Verf. ist geneigt, dieselben
für die Eier der Spongillen zu hallen und nimmt an, dass sie
durch die Spermatozoiden befruchtet wurden. Diese letzleren
besitzen einen rundlichen Kopf — die von Carter beschrie-
benen Spermatozoiden der Spongillen erklärt Verf. für Infu-
sorien — und entstehen im Innern besonderer Kapseln auf eine
vom Verf. genau beschriebene Weise, die uns ein neues Bei-
spiel knospender Zellen vorführt.
Die früher von verschiedenen Seiten ausgesprochene
Vermulhung, dass die einzelnen Schwammzellen als selbst-
sländige rhizopodenartige Thiere , der ganze Schwamm also
als Colonie zu betrachten sei , ist nach der Ansicht des
Verf. kaum zu verlheidigen ; es scheint demselben (und ge-
wiss mit Recht) viel natürlicher , das Entwickelungsprodukt
der Gemmulae und Schwärmsporen oder, was dasselbe heisst,
den jungen Schwamm mit allen seinen Theilen als Individuum
der niederen thiere während de? Jahres 1856. 5i55
aufzufassen und zwar als ein Thier, dessen Zellen sich nicht
zu verschiedenen Geweben difl'erenzirt haben, lieber die
systematische Stellung der Poriferen spricht sich Verf. nicht
aus; wir lassen dieselben einstweilen noch als Anhangsgruppe
den Coelenteralen folgen, obwohl es ersichtlich ist, dass sie
sich in vieler Beziehung an die einfacheren Formen der Pro-
tozoen anschliessen. Jedenfalls ist diese Stellung wohl eben
so berechtigt, wie etwa die Vereinigung der Infusorien mit
den Würmern.
Die Angaben, die Carter in seiner Abhandlung über
die Infusorien, die wir später noch besonders zu berücksich-
tigen haben (Ann. nat. hisl. Vol. XVIII. p. 115 und 221), be-
züglich der Spongillen macht, sind mehrfach abweichend;
jedoch scheint es, als wenn dieselben an Genauigkeit durch-
weg hinter den L i e b e r k ü h n'schen Untersuchungen zurück-
blieben. Verf. sucht die einzelnen Zellen der Spongillen in
jeder Beziehung den Rhizopoden zu parallelisiren ; er will bei
denselben auch contraclile Bläschen gefunden haben (p. 132)
und vermuthet sogar einen Zusammenhang zwischen der Was-
serströmung im Innern des Spongillenkörpers und den Actio-
non dieser Bläschen. Die Forlpflanzung der Spongillen wird
durch Eier (und Spermatozoen) vermittelt, wie sie Verf. auch
bei gewissen Infusorien gefunden haben will. .
Bowerbank publicirt gleichfalls Beobachtungen über
Schwämme „on the vilal powers of the Spongiadae" (Rep.
br. Assoc. hell 1856. p. 438 — 451), die freilich weniger
die Anatomie und Histologie betreffen, als vielmehr experi-
menteller Art sind. Dieselben beziehen sich auf eine Anzahl
von marinen Formen und haben vorzugsweise den Zweck,
den freiwilligen Verschluss und die eben so freiwillige Oeff-
nung der Oscula ausser Zweifel zu stellen. Für die Einzeln-
heiten der Experimente verweisen wir auf das Original; es
genügt uns hier die Thatsache , dass dem Verf. der beab-
sichtigte Nachweis auf das Vollständigste gelungen ist. Wei-
ter erwähnen wir hier die Beobachtung, dass zwei oder meh-
rere Exemplare von Schwämmen derselben Art, die neben
einander befestigt werden, sehr bald zu einer gemeinschaft-
lichen Masse zusammenfliessen , während solches bei Exem-
plaren verschiedener Art nicht der Fall ist. Ebenso ent-
256 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
wickeln sich auch die Theilslücke eines Schwammes durch
Vernarbung- der Schnillfläche und Neubildung- von Oscula zu
selbstsländigen Geschöpfen. Die Nahrungsaufnahme geschieht,
wie bei Aclinophrys sol , und zwar vermittelst einer Sarko-
deschicht, die das Kanalsystem der Spongiaden auskleidet.
(Auf wesentlich gleiche Weise soll übrigens auch bei den
höheren Thieren, selbst Wirbellhieren, die Nahrungsaufnahme
vor sich gehen, wie denn nach Verf. überhaupt die gesammle.
Darmschleimhaut beständig aus Sarcode besteht.) r^'.'iiW na!,.
lieber die „Arten der Spongillen" handelt Lieb er-
kühn a. a. 0. S. 5U9.
Verf. unterscheidet deren fünf, zwei Arten mit höckrigen Ka^
dein: Sp. erinaceus Ehrbg. (Gemmulae mit ganzrandigen Ampliidiscen)
und Sp. Mülleri n. sp. (Gemmulae mit gezackten Amphidiscen), so wie
drei Arten mit glatten Nadeln: Sp. ßuviatilis (Gemmulae mit gezack-
ten Amphidiscen), Sp. lacustris (Gemmulae mit glatten Schalen) und
eine fünfte noch unbenannte Art, deren Gemmulae mit höckrigen Na-
deln besetzt sind.
IV* Protozoa.
Agassiz wiederholt die schon früher von ihm ausge-
sprochene Ansicht von derNalurvvidrigkeit einer eigenen Pro^»
tozoengruppe. Viele der dahin gerechneten Geschöpfe (Des-
midiaceen , Volvocinen, ja vielleicht sogar die Rhizopoden)
seien dem Pflanzenreiche zu überweisen, während die übrig-
bleibenden Formen theils zu den Mollusken (Vorticellinae),
Iheils auch zu den Würmern gerechnet werden müsslen. Con-
tributions etc. p. 182. Dass die Gregarinen ausgebildete
Thiere seien, wird für sehr zweifelhaft gehallen. Ibid. p. 77.
Anders urlheilt dagegen Huxley, der in der geringen
oder vielmehr ganz unvollständigen morphologischen und
functionellen Diflferenzirung des Protozoenkörpers Grund ge-
nug findet, die betrefTenden Geschöpfe als Repräsentanten
einer eigenen grossen Hauptabiheilung zu betrachten. (Le-
cture 111. 1. c. T. XIl. p. 507). Diese Abtheilung zerfällt nach
Verf. in zwei Gruppen, die der mundlosen Protozoen mit den
Gregarinen, Rhizopoden, Spongiaden und Thalassicollen und
die der Stomatoda mit den echten Infusorien (ohne Mona-
der niederen Thiere während des Jahreä 1856.' ; o ' ^75
den, Vibrionen, Volvocinen und ßaciilarien) und den Nocli-
luciden.
Carter piiblicirt eine ausführliche Abhandlung über
den Bau der Infusorien, mit Einschluss der Spongilien und
Rhizopoden. Notes on the fresh-water Infusoria of Ihe island
of Bombay. No. 1. Organisation, in den Ann. and Mag. nat.
hist. Vol. XVIII. p. 115—132 und 221—249. Tab. VI und VII
(im Auszuge ebendas. Vol. XVII. p. 356 oder Proc. Roy. Asiat.
Soc. 18560.
Die Infusorien oder vielmehr Protozoen sind nach Carter
einzellige Geschöpfe, deren Organisalionstypus sich auf den Bau einer
einfachen Pflanzenzelle reduciren lässt. Verf. unterscheidet bei den-
selben eine helle und strukturlose , contraktile Rindenschicht (dia-
phane), deren äussere Begrenzung eine zarte, mitunter aber sehr deut-
liche Oberhaut (pellicula) darstelle , und im Innern der Rindenschicht
eine von IMolecülen , Körnchen und anderen Gebilden durchsetzte
schleimige blasse, die in vielen Fällen eine beständige Rotation zeigt
und die Verf. ausschliesslich als Sarcode (oder Bauchschleim, abdominal
mucus) bezeichnet wissen will. Gewisse, bei Otostoma (n. gen.) u. a.
in der centralen Körpersubstanz beobachtete sphärische Zellen mit
Tochterblasen werden als Leberzellen gedeutet. Die contractile Blase
mit ihren Gefässen (die Verf. freilich viel weniger vollständig er-
kannte, als Lachmann und Li eb e rkühn), betrachtet Verf. ^Is Ex-
cretionsorgane, die sich nach Aussen oder (Vorticella) in die Mundhöhle
öffnen. Arcella und Diffluglia sollen in der Peripherie des Leibes
eine grosse Menge solcher Bläschen besitzen. Den Kern beschreibt Verf.
als ein hohles Bläschen, dessen Inhalt sich durch fortgesetzte Thei-
lung mitunter in einen Haufen granulirter Körperchen verwandele
(Amoeba, Euglypha), die eine selbstständige Beweglichkeit besitzen
und bisweilen auch frei im Körperparenchym angetroffen wurden.
Verf. nimmt diese Körperchen als Spermatozoen in Anspruch. Auch
Eier beschreibt Verf., und zwar unter der Form kleiner rundlicher ode
plattgedrückter Kern -Zellen, die zu gewissen Zeiten (Amoeba, Eu-
glypha, Difflugia, Aslasia , Euglena) in der Leibessubslanz verbreitet
seien und sich zu amoebenartigen Sprösslingen entwickelten. Die Bil-
dung und Geburt von Schwärmsprösslingen scheint nicht beobachtet
zu sein, wohl aber sah Verf. nicht selten eine Copulation von zwei
und mehr Individuen (Actinophrys, Amoeba, Euglypha und Euglena),
nur dass sich diese meist wieder nach einiger Zeit von einander
trennten.
Leydig bekämpft (vergl. Histologie S. 16) die Lehre
von der Einzelligkeit der Protozoen, wenigstens der entschied-
Archiv f. Natur^esch. XXUl. Jahrg. 2. Bd. {^
258 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Jen thierischen Infusorien und Rhizopoden, und glaubt sogar
die Existenz einer unge formten contractilen Substanz
(Sarcode) in Abrede stellen zu dürfen. Was man mit die-
sem Namen bezeichnet hat, soll, ganz wie, ^as Gewebe, der
höheren Thiere , aus Zellen bestehen , nur aus sehr kleinen
Zellen, die durch unsere gegenwärtigen optischen Hülfsmiltel
mit Sicherheit weder erkannt , noch analysirt werden könn-
ten. (Ref. möchte es übrigens fast bedünken, als wenn Verf.
in seinen Behauptungen, besonders für die Rhizopoden, etwas
zu weit ginge.)
Cienkowsky glaubt durch unmittelbare Beobachtung
die Urerzeugung ausser Zweifel gestellt zu haben „zur Ge-
nese eines einzelligen Organismus", Bull. pbys. niath. Acad.
St. Petersbourg T, IL p. 359. Avec 2 tabL
Lässt man Kartoffelknollen eine Zeit lang unter Wasser faulen,
so entsteht — unter gewissen, noch nicht näher beliannten Verhält-
nissen — durch Umwandlung der Amyluniliörnchcn ein zellenförmiges
Gebilde, in dessen Innerm sich eine Anzahl von schlanken und band,
förmigen, stark contraktilen Fäden bilden. Verf. hält die Mutterzelle
für ein Pilz, die Fäden für Schwärmsporen, ohne jedoch deren wei-
tere Entwiclielung beobachten zu können.
Eine andere Deutung findet diese seither auch von an-
derer Seite bestätigte Beobachtung durch Cohn, der die-
selbe mit anderen ähnlichen Ano;aben in einem eig^enen Auf-
Satze 034. Ber. der schles. Gesellschaft für valerl. Cullur 1856.
S. 37) zusammenstellt und der Ansicht ist, dass es sich hier
keineswegs um einen selbstsländigen Organismus bandele,
sondern nur um eine abnorme oder krankhafte Veränderung
des Zelleninhalles, wie sie auch sonst gelegentlich in thieri*-
schen und pflanzlichen Zellen vorkomme und namentlich
auch den monadenartigen sog. Pseudogonidien gewisser Al-
genzellen ihren Ursprung gebe. Von solchen Pseudoorga-
nismen , deren Existenz an ihre Multerzellen gebunden ist,
wohl zu unterscheiden sind die wirklichen Thiere oder
Pflanzen , die man bisweilen als Parasiten in geschlossenen,
scheinbar unverletzten Zellen antrifft , die aber Avohl un-
zweifelhaft von Aussen eingedrungen sind. Hieher z. B. das
Vorkommen von Trachelius trichopborus in absterbenden Ai-
genzellen u. a. * ■ /
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 259
Auch Carter hebt den Parasitismus gewisser Infuso-
rien hervor und schildert namentlich die Lebensgeschichle
eines nassulaartigen Infusoriums ;Olostoma (n. gen.), das in
die Intenodien einer bei Bombay vorkommenden Nitella ein-
dringe, sich hier einkapsele und in der Cyste durch Theiiung
vermehre. L. c. VoL XVII. p. 117.
Ebenso sollen auch nach demselben Beolxae4ter (1. c.
p. 116) die Keime von Amöben in Euglenen und andere
niedere Organismen eindringen und hier sich entwickeln.
Ehrenberg berichtet über die von B a i 1 e y aus Grund-
gruben von 16,200 Fuss Tiefe (Kamschalka) aufgefundenen
Ueberreste mikroskopischer Meeresorganismen ; ßerl. Mo-
natsber. 1856. S. 167—200 (vgl. Bailey Amer. Journ. 1856.
XXI. p. 284. Ibid. XXII. p. 1—6).
Derselbe „über das mikroskopische Leben der cen-
tralen Landflächen xMitlelafrikas.« (Ebendas. S. 323—338 C.
ab.) so wie „über zwei neue südamerikanische Gebirgsmas-
sen aus mikroskopischen Organismen, eine aus Meeresorga-
nismen in Chile und eine als mit gefriltetcn Süsswasseror-
ganismen gemischten vulkanischen essbaren Tuff aus Hondu-
ras in Central-Amerika." (Ebendas. S. 425 — 431.) Betreffen
meist vegetabilische Organismen aus der Gruppe der Dia-
tomeen.
Von A. Schulz erhielten wir „Beiträge zur Kennlniss
der Infusorien des Herzoglhums Nassau« (Jahrb. des Vereins
für Naturkunde im Herzogth. Nassau 1856. S. 1 — 13. Taf. I),
in denen 146 Arten (6 ßhizopoden, 109 Infusorien — mit
Monadinen und Vibrionen — 37 Phylozoidien) aufgezählt und
einige als neu beschrieben werden.
JL. Infusoria.
Lachmann's Abhandlung „über die Organisation der
Infusorien , besonders der Vorticellen" (Müller's Arch. für
Anat. und PhysioL 1856. S. 340. Tab. Xlll und XIV) ist eine
Bearbeitung der schon .Jahrs zuvor erschienenen vorlreltlichen
Inauguraldisserlation : de Infusoriorum imprimis vorlicellino-
rum struclura" und (mitsammt den Zusätzen) bereits im lelz^^
ten Jahresberichte von uns berücksichtigt. '
260 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
cm ata. Lieb erkühn liefert „Beiträge zur Anatomie
der Infusorien« (Müller's Archiv fürAnat. u. Physiologie 1856.
S. QO— 37. Ann. and Mag. nat. hist. Vol. XVIII. p. 319), mit
Beobachtungen über einzelne Organisalionsverhältnisse von
Ophryoglena, Bursaria und Paramaecium , aus denen wir Fol-
gendes hervorheben:
Ophryoglena flavicans besitzt neben dem Pigmentflecke ein
sehr eigenthümliches „uhrglasförniiges« Organ von fester und durch-
sichtiger Beschaffenheit , das auch bei der pigmentlosen Bursaria flava
vorkommt, in anderen Fällen aber trotz Anwesenheit sog. Augen-
flecke (auch bei Ophryoglena atra) fehlt. Die sog. contractile Blase
ist — wie auch Lach mann gefunden hat, vgl. J. B, XXH. S. 432 —
Centraltheil eines sehr entwickelten Gefässsystemes, das sich vorzugs-
weise unter den Körperhüllen ausbreitet und nach unserem Verf. ein
ßlutgefässsystem darstellt. Was man bei den Paramaecien u. s. w. schon
seit Ehrenberg als sternförmige Ausläufer der contractilen Blase
kannte, sind die ersten Anfänge dieses Gefässsystemes, die sich übri-
gens bei Systole und Diostole in etwas verschiedener Weise verhal-
ten. Auffallend ist übrigens, dass diese Gefässe nur als Zuleitungs-
röhren fungiren ; die Entleerung der contractilen Blase geschieht
auf anderen , freilich noch unbekannten Wegen. Eine Beobachtung
bei Bursaria vorticella scheint jedoch dafür zu sprechen, dass der
Inhalt der contractilen Blase wieder in das Körperparenchym zu-
rückkehre. Eine Ausmündung der contractilen Blase nach Aussen,
wie sie 0. Schmidt behauptete (J. B. XXL S. 94) , konnte nicht
nachgewiesen werden, wie denn Verf. überhaupt die Beweiskraft der
Schmidl'schen Angabe in Zweifel stellt.
Weitere Beobachtungen desselben Forschers (Zeilschr.
für wiss. Zool. VIII. S. 307) beziehen sich auf die Vorgänge
der Schwärmsprossbildong und Conjugation. In Betreff des
erstem Vorganges bemerkt unser Verf., dass sich derSchwärm-
sprössling (von Acineta) nicht im Umkreise eines Theilstückes
des mütterlichen Kernes entwickele, wie man wohl angege-
ben hat, sondern aus einem solchen Theilstücke selbst ent-
stehe und zwar oftmals zu einer Zeit, in der dieses Stück
noch mit dem Nucleus des Mutterlhieres zusammenhänge. Nach
der Copulation von Actinophrys (vgl. hierüber auch Müller's
Arch. 1856. S. 505) sah Verf. die contractilen Blasen der
copulirten Individuen nicht nur beständig persisliren; er beob-
achtete auch, wie die betreffenden Individuen sich nach eini-»
gen Stunden wieder vollständig trennten.
der niederen Tliiere während des Jahre« 1856. 261
Auch J Müller publicirt »einige Beobachtungen an
Infusorien« Monatsber. der Berl. Akari. 1856. S. 389. Zu-
nächst macht derselbe darauf aufmerksam, dass bei einem
Iheils mit Loxodes rostrum, theils mit Trachelius meleagris
übereinslimmenden Infusorium eine Längsreihe blasenförmiger
nicht contractiler Organe vorkomme , von denen ein jedes
einen runden, das Licht slark brechenden Körper in sich ein-
schliesse. Sodann wird hervorgehoben , dass sich bei Pa-
ramaecium Aurelia und einigen verwandten Formen mitunter
im Innern des sog. Kernes „der doch wohl mehr sein müsse,
als der Kern einer Zelle^^ eine Menge meist lockenförmig zu-
sammengruppirter , bewegungsloser Fäden entwickele, die
auch von Lieberkühn, Lach mann und Claparede
gesehen seien, einstweilen aber noch keinerlei sichere Deu-
tung zuliessen. (J, M. sagt: „es ist unnölhig und vorzeitig,
für jetzt weitere Schlussfolgerungen aus diesen Beobachtun-
gen zu ziehen**, erinnert aber zugleich daran, dass jener sog.
Kern von Ehrenberg als „Samendrüse** bezeichnet sei —
wer denkt dabei nicht an Samenfäden?) Ob gewisse be-
wegliche Fäden, die sich, nahe der contractilen Blase, in eige-
nen kleinen Hohlräumen bei Stentoren eingeschlossen fanden,
irgend eine Beziehung zu den eben erwähnten fadenförmigen
Bildungen hatten und nicht vielleicht verschluckte Vibrionen
waren, Hess sich nicht entscheiden. Schliesslich macht Verf.
weiter darauf aufmerksam, dass sich bei dem (von Li eber-
kühn so genau beschriebenen) Spiele der contractilen Or-
gane von Paramaecium aurelia nicht bloss eine Systole der
Blase , sondern auch eine solche der birnförmigen Erweite-
rungen der Sternstrahlen unterscheiden lasse, und dass durch
letztere der Inhalt der Strahlen in die wohl von eigenen Wan-
dungen umgebene Blase entleert werde.
Leydig glaubt den Infusorien einen förmlichen Darm-
kanal vindiciren zu müssen, eine „kanalartige Lücke** in der
Leibessubslanz , deren Begrenzung jedoch so fein sei, dass
sie sich nicht als besondere Linie von der Umgebung absetze.
Vergl. Histologie S. 329 und 345. Die contractile Blase wird
mit den davon ausgehenden Kanälen trotz der gegenüberste-
henden Ansicht der Berliner Mikroskopiker für ein Excrc-
tionsorgan gehalten und (wie das zuerst vom Ref. geschehen
262 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
ist) dem sog-. Wassergefässsystem der Turbellarien und an-
derer Würmer verglichen. Bei Vorticella glaubt sich Verf.
— wie Carter^ s. o. — davon überzeugt zu haben, dass
dieselbe in den für Mund und After gemeinschaftlichen Cloak-
raum ausmünde. Vergl. Histologie S. 395.
Nach J. Samueison sollen die verschiedenen, von
Ehrenberg und Pouch et einerseits, von v. Siebold
und Cohn andererseits vertretenen Ansichten über die Bil-
dung des Verdauungsapparales für bestimmte Formen beide
gleich berechtigt sein. Bei Glaucoma scintilians will der-
selbe eine Anzahl fester Magensäcke (ohne Darm) , bei Chi-
lodon aureus (und Slentor) die von Cohn bei Loxodes be-
schriebene Rotation des Körperinhaltes beobachtet haben.
Journ. micr. Science 1856. IV. p. 165—167.
Weitere Millheiiungen desselben Verf. über Glaucoma
scintilians Ibid. V. p. 18.
Wilson macht einige Beobachtungen über die Nah-
rungsaufnahme der Vorticellinen und glaubt sich dadurch zu
dem Schlüsse berechtigt, dass auch die Infusorien mit üe-
berlegung handelten. Ibid. V. p. 17.
Stein giebt einige kurze Notizen ^über Acinetenbil-
dung" (Tageblatt der Wiener Naturforscher- Versammlung
S. 53). Derselbe bestätigt, dass der Schwärmsprössling
der Acinelen selbst wiederum zu einer Acinete werde , will
aber weiter beobachtet haben, dass auch dieSchwärmspröss-
linge von Loxodes Bursaria, Stylonychia mylilus, Urostylis
grandis und Bursaria truncatella sich in Acinelen umbildeten.
Bei ersterer zerfallt die Sprösslingsanlage in zwei Hälften,
die sich nach .der ILJmwaudlung in eine Acinete abtrennen.
Die äussere Hälfte bekommt Wimpern und schwärmt , wäh-
rend die untere d^n Acinetenlypus behält , unter Umständen
9^ßv. auch, ^ich encystirt. Die Acinetenform der Teichlinse
bildet im Innern mitunter zahlreiche, äusserst kleine Körper-
chen, die durch eine schlaucharlige Körperverlängerung her-
vortreten und nach der Vermuthunff des Verf. möglicher
Weise zu dem Befruchtungsprocesse eine Beziehung haben.
Carl er behauptet, wie Stein, sich von der Meta-
morphose gewisser Vorticellen in Acinelen und Amöben über-
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 263
zeugt ZU haben und glaubt solche Umwandlungen für sehr
allgemein unter den Infusorien ansehen zu dürfen. AuchEu-
glenen und monadenarlige Geschöpfe sollen sich nach ihm
gelegentlich in Amöben (rhizopodous forms) umwandeln.
L. c. Vol. XVIII. p. 236, 122 u. a. a. 0.
Die Schmid t'sche Entdeckung von der Existenz der
Angelorgane bei gewissen planarienartigen Infusorien (J. B.
XXI. S. 93) findet durch Stein (a. a. 0.) und auch durch
Carter (1. c. p. 128) eine neue Bestätigung.
Weisse führt an, dass gewisse Infusorienformen (Nas-
sula ambigua, Stylonychia puslulata u. a.) auch nach jahre-
langem Aufirocknen durch Begiessen mit Wasser wieder in's
Leben zurückgerufen werden und empfiehlt das Auftrocknen
infusorienhaldgen Schlammes als Mittel, diese Thiere- aufzu-
bewahren. Müller's Arch. 1S56. S.I64.
Lieberkühn handelt gelegentlich (ebendas. S. 3) über die
in Schwämmen parasitisch lebende Infusorienfauna.
Györy macht auf das 'liäufige Vorkommen einer (wahrschein-
lich neuen) Bursaria im Dickdarme von Hydrophilus piceus aufmerk-
sam. Wiener Sitzungsbr. III. S. 331. Älit Abbild.
Die Leucophiys cochleariformis Leidy (Journ. Acad. Phil. III.
P. 2. p. 144) aus dem Darmkanale von Lumbriculus tenuis ist äugen,
scheinlicher Weise eine Opalina. Gleiches gilt wohl auch von der
schon früher beschriebenen L. clavala desselben Verf. (J. B.XXI. S 100)
aus der Leibeshöhle jenes Thieres.
Das schon mehrfach erwähnte Carter'sche Genus n. 0 tostoma
(1. c.) trägt folgende Charaktere: Body ovoid, of a light brown
colour , covered with longitudinal lines of cilia. Älouth ear-shaped,
in a depression situated about the junction of the anterior with the
middle third of the infusorium ; buccal cavity broad, short, curved
downwards , and a Utile upon ilself outwards , plicated longitudinal
in parallel lines. Anus terminal; gland or nucleus long, fusiform,
situated belween the buccal cavity and the contracting vesicles, which
are double, and connected with a set of vessels, something like those
of Paramaecium Aurelia.
Schulz beschreibt in seinen „Beiträgen zur Infusorienkunde
des Grossherzogthums Nassau" als neu: Paramaecium piano convexum,
Trachelocera linguifera Perty Var. rugosa , Cyclidium nigricans , Tri.
choda striata.
F lag eil ata. Nach Cohn's Beobachtungen findet sich bei
den Volvocineu und namentlich bei Volvox globaler nicht bloss
264 Leuctarl: Bericht üb. d. Leistungen in dT^ Naturgeschichte
die seit Ehrenberg bekannte Forlpflanzung durch Thoi-
lung , sondern auch eine geschlechtliche Forlpflanzung , die
sich im Wesentlichen an die seit einigen Jahren bekannten,
entsprechenden Vorgänge bei den höheren Algen anschlies-
sen. Annales des sc. naiur. 1856. Bolan. p. 323 — 332. (Eine
kurze Notiz über diese Verhältnisse findet man auch in dem
während der Wiener Naturforscherversammlung ausgegebenen
Tageblatte, so wie Cpt. rend. 1856. 11. No. 22.)
Die Entdeckung Cohn's ist namentlich desshalb in-
teressant und wichtig, weil sie einen Organismus betrifft, der
noch immer von vielen Seiten für ein Thier gehaKen wird
und auch in unverkennbarer Weise den unzweifelhaften thie-
rischen Infusorien nahe steht. Dass letztere sich in Betreff"
ihrer Fortpflanzungsverhaltnisse ähnlich verhallen dürften, ist
eine Vermulhung, die sich nach derartigen Erfahrungen dem
Zoologen immer wieder von Neuem aufdrängen muss. Un-
ter solchen Umständen scheint es Ref. denn auch gerecht-
fertigt , hier auf C o h n's Beobachtungen etwas ausführ-
licher einzugehen. Es mag die Darstellung dieser Verhältnisse
zugleich ein Beispiel für die Vorgänge der geschlechtlichen
Fortpflanzung bei den niederen Pflanzen überhaupt sein, für
Erscheinungen, die trotz dem hohen wissenschaftlichen Inte-
resse, das sie besitzen, und namentlich auch für den Zoologen
besitzen, der sich mit den Lebensverhältnissen der niederen
Thiere beschäftigt, dem gegenständlichen Inhalte unserer
Referate zu ferne liegen , als dass sie hier weiter erörtert
werden könnten. (Wer sich für diese Verhältnisse specieller
interessirt , den verweisen wir hier besonders auf Prings-
heim's und Cohn's Untersuchungen in den Berl. Monatsbe-
richten 1855, 1856, 1857 und auf das erste Heft von Prings-
heim's Jahrbüchern für wissenschaftliche Botanik 1857.)
Nach einer gedrängten Uebersicht über die Organisation
der Volvocinen im Allgemeinen schildert Verf. zunächst die
ungeschlechtliche Fortpflanzung von Volvox globaler, den
Verf. natürlich mit allem Rechte als einen zu gemeinschaft-
lichen Schwärmcolonieen vereinigten, einzelligen Organismus
in Anspruch nimmt. Die ungeschlechtliche Vermehrung wird
trotz der morphologischen Gleichartigkeit der Einzelzellen in
einer solchen Colonie — und gleiches gilt auch von der ge-
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 265
schlechllichen F'oripflanzung — immer nur von einzelnen we-
nigen Individuen vermittelt, meist nur von etwa acht, wäh-
rend die Gesammizahl der Individuen in einer Colonie nicht
seilen 1500 beträgt und gelegentlich selbst bis auf 12000
heranwächst. Die Veränderungen der betreffenden Zellen
bestehen darin, dass dieselben um ein Beträchtliches wachsen
und ihr Inhalt dabei einem fortschreitenden Theilungsprocesse
unterliegt, Gleichzeitig hat sich der frühere Kern (? Ref.) in eine
Vacuole verwandelt , die ebenfalls an Grösse zunimmt , so
dass die Produkte der Theilung^ die im Umkreise der Vacuole
liegen, sich schliesslich in einer kugelförmig gekrümmten
Ebene neben einander ausbreiten. Aus räumlichen Gründen
springt dieser Zellenballen mit zunehmender Vergrösserung
immer mehr nach Innen, in den mit einer schleimigen Flüs-
sigkeit gefüllten Centralraum der Muttercolonie vor, bis er
sich schliesslich nach dem Schwunde der umgebenden frü-
heren Zellenmembran ablöst und in diesen Innenraum hin-
einfällt, um sich hier mit den inzwischen gebildeten Flimmer-
haaren frei umherzubewegen, bis er schliesslich bei irgend
einer Gelegenheit nach Ruptur der umgebenden Wandungen
nach Aussen hervortritt.
Die geschlechtliche Fortpflanzung geschieht meist zu
einer Zeit, in der die eben geschilderte Vermehrung nicht
beobachtet wird. Auch sie äussert sich anfangs als eine
einfache Vergrösserung gewisser Zellen, die dabei gleichfalls,
besonders nach Innen, wachsen und eine fast flaschenförmige
Gestalt annehmen. Die einen dieser Zellen verhalten sich als
männliche, die anderen als weibliche. Bei den erstem geht, wie
bei der ungeschlechtlichen Vermehrung, eine fortgesetzte
Theilung vor sich, aber die Theilungskugeln ordnen sich hier
in eine Scheibe zusammen (nicht in eine Hohlkugel) und
verwandeln sich einzeln in einen höchst beweglichen Samen-
faden. An letzterm unterscheidet man einen stabförmigcn Kör-
per, der in einen contractilen schwanzartigen Schnabel aus-
läuft und an der Basis dieses Anhangs zwei wimpernde
Cilien trägt. Sind diese Samenfäden (also durch Umwandlung
des gesammten Körperparenchyms eines Volvox-lndividuums)
völlig ausgebildet, so durchbrechen sie ihre Umhüllung und
fallen in den Innenraum der Coioiiie^ wo sie sich dann als-
266 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
bald irn Umkreise der inzwischen ganz unverändert geblie-
benen weiblichen Zellen (oder Individuen) ansammeln. Auf
eine noch nicht völlig genau erkannte Weise dringt sodann
eine Anzahl dieser beweglichen Fäden in das Innere der
weiblichen Zelle — es erfolgt eine Befruchtung, die sich zu-
nächst dadurch äussert , dass sich der Inhalt dieser Zelle
durch Umbildung einer neuen , zuletzt sich sternförmig in
Zapfen erhebenden Membran in eine ruhende sog. Spore ver-
wandelt. Der ruhende Zustand von Volvox ist also das Pro-
dukt einer geschlechtlichen Forlpflanzung, er ist gewisser-
massen ein Ei, in das sich der gesanimte Inhalt des mütter-
lichen Körpers verwandelt hat, wie der des männlichen Orga-
nismus in Samenfäden.
In Ehrenberg's grossem Infusorienwerke sind übri-
gens alle die hier geschilderten Zustände beseits abgebildet.
So ist Sphaerosira volvox Ehrbg. der geschlechtliche Zustand,
Volvox aureus und V. slellatus der Zustand einer Colonie mit
unreifen und reifen Sporen.
Der von Stein unterschiedene kleine Volvox minor
(J. B. XXII. S. 438) scheint wirklich eine selbstständige Art
zu sein, da seine Sporen beständig glatt bleiben und männ-
liche, wie weibliche Zellen beständig auf verschiedene Co-
lonien vertheilt zu sein scheinen.
Weisse schildert in „einer kleinen Zugabe zu A.
Schneider's Beifräffen zur Naturgeschichte der Infusorien"
(Müller's Arch. 1856. S. 160— 164) die Bildung und Geburt
der vier Schwärmsporen bei den ruhenden Formen von Chlo-
rogorium euchlorum.
Ueber Pandorina morum vergl. Henfrey in den Quart.
Journ. micr. Sc. 1856. p. 49. PI. IV. (on some fresh- water
confervoid algae).
Auch Fresenius handelt „über die Algengattungen
Pandorina, Gonium und Rhaphidium.'^ Abb. der Senkenb. na-
lurf. Gesellsch. 1856. III. S. 187.
S chaaf f haus e n beobachtete bei Bonn die Monas Okenii
Ehbg. Vorhandlungen des naturhist. Vereins der Uheinlande 1856.
XIII. S. LXVII.
Monas cylindrica n. sp., Astasia rtibescens n. sp., TrachelomOm
nas aq^minata n. sp., Schulz a. a. 0. S. 9 und 10.
der niederen Thiere während des Jahres 1856. 267
Das Genus Astasia hat nach Carter's Beobachtungen (1. c.
p. 116 Kote) einen deutlichen Mund und einen ziemlich complicirten
Beissapparat , also Charaktere, die es von den Euglenen unterschei-
den und den höheren Infusorien annähern.
Wohin der von Leydig in dem Magen einiger hlutsaugenden
Wirbellosen (Piscicola, Pontobdella , Ixodes) aufgefundene längliche
Parasit mit undalirender Membran gehöre, dürfte wohl sehr zweifel-
haft sein. Verf. vermuthet, dass derselbe mit dem Blute der Fische
und Schildkröten eingewandert sei , da derselbe einmal auch in dem
Blute der Frösche beobachtet wurde. Vergl. Histologie S. 346.
(Möglicher Weise dürfte dieses Gebilde mit den von Siebold im
Blute der Fische und Frösche beobachteten Pscudoparasiten identisch
sein. Vgl. Zeitschrift für wiss. Zool. II. S. 363).
8. Rliizopoda*
W es ton macht Mittheilungen über Actinophrys sol und
beschreibt namentlich den Frocess der Nahrungsaufnahme und
der Theilung in einer mit Cl aparede im Wesentlichen
übereinstimmenden Weise. Das Spiel der contractilen Blase
wird als Bewegung eines Klappenapparates gedeutet, und der
Austritt von Sarkodetröpfchen aus dem Körper mit dem Fort-
pflanzungsgeschäfte in Zusammenhang gebracht. Die Beob-
achtungen des Verf. sind in Indien angestellt. Quarterly
Journ. micr. Sc. 1856. p. 117—123.
Carpenter's Untersuchungen über den Bau der Fora-
miniferen, über die wir im letzten Jahresberichte erst nach
einer vorläufigen Mitlheilung referiren konnten, liegen jetzt
in ausführlichen, mit schönen Abbildungen illustrirten Publi-
kationen vor. Besearches on the Foraminilera; Part. I. con-
tainig general introduclion and monograph of the genus ür-
hitolites, Phil. Transact. roy. Soc. 1856. p. 181^236. Tab. iV
— IX; Part. U. on the genera Orbicidina, AlveoUna ^ Cyclo-
clypeus and Reterostegina ^ ibid. p. B47 — 569. Tab. XXVIII
— XXXII (im Auszuge und ohne Abbildungen in den Proc.
roy. Soc. 1855. June oder Ann. and Mag. nat. bist. XVIII.
p. 334.)
Wie in der ersten Abhandlung über Orbitolites (für die wir auf
unseren früheren Bericht verweisen) , so ist es auch in der zweiten,
und hier noch ausschliesslicher, der Bau der festen Schale, der den
Untersuchungen unseres Verf. zu Grunde liegt und in sorgfältiger Weise
von demselben beschrieben wird. — Was jsunächst das Gen, Orbicu«
268 Leuckart: Bericlit üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
lina betrifft i so ist dieses trotz seiner meist (besonders in der Ju-
gend) ppiraligen Form mit Orbitolites so nahe verwandt, dass man
dasselbe vielleicht nicht einmal generisch davon abirennen Kann.
Die Beziehungen der einzelnen Zellen sind genau dieselben; nur
ist in der Regel die Bildung der Centralzelle etwas verschieden.
Auch Alveolina zeigt in dieser Hinsicht eine grosse Uebereinstim-
mung mit Orbitolites ; jedoch sind hier die einzelnen Ringe oder Spi-
raltouren zu flächenhaft entwickelten Lagen ausgewachsen , so dass
die Gesammtrorm keine Scheibe, sondern ein mehr oder minder ge-
strecktes Sphäroid ist. Sehr abweichend dagegen ist der Bau von
Cycloclypeus, obwohl dieser sich durch seine äussere Form unmittel-
bar an Orbitolites anschliesst. Die Zellen , die hier meist in einfa-
cher Lage entwickelt sind , stehen zunächst nur durch radiäre Ver-
bindungskanäle in Zusammenhang. Einfache concenlrische Kanäle
fehlen; statt ihrer findet sich ein complicirtes System von Intersep-
talkanälen, das die von besonderen Wandungen umschlossenen Zellen
umspinnt und nicht bloss dazu dient, entlegene Zellen unter sich in
Communicalion zu setzen, sondern auch verschiedentlich an den bei-
den Flächen der gemeinschaftlichen Schale ausmündet. Diese Flächen
tragen übrigens einen dicken Ueberzug von einer eigenen tubulösen
und geschichteten, festen Schalensubstanz. Ganz ähnlich verhält sich
die freilich dem Aeussern nach sehr abweichende Heterostegina (auch
Nummulites), deren Verschiedenheiten sich auf gewisse Differenzen in
den Vegetatiousverhältnissen resp. der Vermehrungsart der Zellen zu-
rückführen lassen.
Verf. zieht aus seinen Untersuchungen den gewiss ganz richti-
gen Schluss, dass die von der äusseren Form und dem Wachslhume
der Foraminiferenschale hergeleiteten Eintheilungsprincipien (d'Orbig-
ny's, theilweise auch Schultze's) keineswegs haltbar seien.
Max Schultze's „Beobachtungen über die Fortpflan-
zung der Polythalainien" (Müller's Arch. für Anat. und Phy-
siol. 1856. S. 165. Tab. VI B) sind nach einer früheren Mit-
theilung bereits im vorigen Jahresberichte (S. 443) von uns
berücksichtigt worden.
Die schon im letzten J. ß. (S. 443) erwähnten Unter-
suchungen Ehrenberg's „über den Grünsand und seine
Erläuterung des organischen Lebens" sind jetzt auch in den
Abhandlungen der k. Akad. der Wissensch. zu Berlin 1855
(Berlin 1856) erschienen und durch sieben schöne Kupfer-
tafeln erläutert.
Unter den ans centralafrikanischen Erdproben aufgefundenen
organischen Ueberreste erwähnt Ehrenberg die Schale einer Arm
cella nigrilaium n. sp., Berl. Mönatsbr. 1836. S. 337, Fig. 5.
der niederen Thiere wälirehd des Jahres 1856. 269
Ebenso beschreibt Bailey nach den mit Grundproben des Kam-
schadalischen Meeres emporgehobenen Schalen als neu Difßugia (?)
marina und Cadium (n. gen.) marinum, letzteres nach einer ovalen
einzelligen Kieselschale mit rundlicher üeffnung. Aiiier. Journ. of
Arts and Sc. XXII. p. 2.
Je weniger Neues wir dieses Mal über die echten Rhizo-
poden zu berichlen haben, desto umfassender sind die Be-
reicherungen unserer zoologischen Kenntnisse über die den
Rhizopoden so nahe stehenden Formen der Thalassicol-
len, Polycystinen und Akanthometren, über die
eine neue und wichtige Abhandlung von J. Müller vorliegt
(„über die Thalassicollen, Polycystinen und Akanthomelren des
Mittelmeeres^ Monatsber. der ßerl. Akad. 1856. S. 474—503}.
Zunächst stellt sich durch die Untersuchungen von J.
Müller heraus, dass alle diese Thierformen, auch die Tha-
lassicollen , auf ihrer äusseren Fläche mit zarten und strah-
ligen Fäden besetzt sind, an denen dieselbe eigenlhümliche
Bewegung strömender Körnchen zu beobachten ist, die ntian
schon seit längerer Zeit an den Pseudopodien der echten
Rhizopoden kennt. Eine Bewegung der Fäden selbst ist frei-
lich nur selten und keineswegs bei allen Formen nachzuwei-
sen , allein die animalische Natur der betreffenden Geschöpfe
dürfte doch jetzt kaum noch länger bezweifelt werden kön-
nen. Mittelst dieser Strahlen nehmen unsere Thiere wahr-
scheinlicher Weise auch die Nahrung auf, obwohl eine direkte
Beobachtung hierüber nicht vorliegt und auch der Zusam-
menhang jener Gebilde mit dem eigentlichen Körperparenchym
noch keineswegs ausser Zweifel ist. (J. Müller konnte die
Strahlen weder bei den Thalassicollen, noch den Polycystinen
über die ziemlich derbe und kapselartig entwickelte Haulbe-
deckung nach Innen verfolgen.) Die bei einigen Arten be-
obachtete, äusserst langsame Ortsbewegung spricht sich durch
Wanken und Drehungen nach verschiedenen Seiten aus. Das
Körperparenchym zeigt Körner, gelbe Zellen und helle Bläs-
chen (Alveolen) in verschiedener Anordnung und Beschaffen-
heit. Ein Mal sah M. im Innern einer Akanthometra ein
Gewimmel kleiner infusorienarliger Wesen, die freilich nicht
näher untersucht werden konnten, möglicherweise aber doch
als Embryonen oder Schwärmsprösslinge betrachtet werden
dürften.
270 Leuckarl: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Nachdem die Thierheit der Thalassicollen jetzt festgestellt ist,
möchte Verf. für die zusammengesetzten Arten mit einzelnen Kiesel-
nadeln den alten Meyenschen Kamen Sphaejozoum resUtuirt wissen,
und den Genusnameu ThalassicoUn auf diejenigen i^'ormeji beschrän-
ken, die den Sphaerozoen und Collosphaeren gegen;über (J. B. XXH.
S. 449) als einfache, solitäre Arten sich betrachten lassen und der
Kieselgebilde entbehren , sich dadurch also von den gleichfalls soli-
tären Polycystinen (mit Kieselschalen) und Akanthometren (mit Kie-
selstacheln) unterscheiden.
Beobachtet und beschrieben sind von unserem Verfasser:
von Thalassicollen:
ThalassicoUn nucleata Huxl. , Th. morum n. sp. , Sphaerozovm
acuferum n. sp., Sph. spinulosum n. sp. , ausserdem Sphärozoen ohne
Spicula, von denen es aber Verf. zweifelhaft lässt, ob sie eine eigene
Art (^Sph. inerme^ oder gar mehrere eigene Arten bilden, wie man fast
nach den — schwerlich als Enlwickelungsstadien zu deutenden —
Verschiedenheiten in der Bildung der einzelnen Körper (Nester) ver-
muthen sollte. Die Anwesenheit von kleinen und sehr kleinen Ne-
stern neben den grösseren, lässt auf eine Proliücalion derselben zu-
rückschliessen. Vielleicht giebt es auch solitäre Individuen von Sphae-
rozoum , die sich erst allmählich in die späteren Colonieen ver-
wandeln.
Collosphaera Huxleyi M. mit blauen Körnchen und grossen Kry-
stallen im Innern der von der Gitterschale umschlossenen Kapsel, und
eine zweite Form mit farblosem Inhalte ohne Krystalle , aber mit
gleicher Gitterschale (ob Varietät oder n. sp., bleibt ungewiss). Die
Gitterschale hat die grosseste Aehnlichkeit mit der von Ehrenberg
als Cenosphaera Plutonis beschriebenen Polycystine.
von P 0 1 y cy s tin en :
a) mit äusserem Skelcte.
Lithocircus n. gen. mit einem Gehäuse, das aus einem oder
mehreren verwachsenen Reifen besteht, die den weichen Leib umspan-
nen und nach Aussen unregelmässige Zacken oder Aeste abgeben.
L. vinculalus n. sp., L. annularis n. sp.
b) mit innerem Skelete (nucleus).
Cladococcus n. gen. Statt der äusseren Schale ein gegit-
tertes sphärisches Kerngehäuse, von welchem einige lange, dünne,
ästige, nicht hohle Stacheln unregelmässig nach verschiedenen Rich-
tungen radial ausgehen. Cl arborescens n. sp.
Acantho desmia n. gen. Schale ähnliüh, nur mitiKieselarca-
den zwischen den radialen Stacheln oberhalb der thierischen KapsQ^.;
Hieher eine nicht ganz vollständig beobachtete Art.
' , c) mit äusserem und innerem Skelete.
Dictyosoma n, gen, (der Ehrenberg'schen Genera SpoqgQ«.
der niederen Thiere während des JaHres 1856. 271
sphaera und Lithocyclia verwandt) mit ein^m massigen und locke-
ren Kieselnetzwerk als äusserer Schale und einer gegitterten Kern^
schale ohne Radien, beide durch unregelmässig verästelte Zweige
im Zusammenhange. D. spongiosum n. sp., D. angularc. n. sp.
Spongosphaera Ehrhg.f wohin Müller aber aucii die vielstach-
ligen Formen mit spougiöser Rinde rechnet: Sp. polya^cnntha n. sp.
Haliomtna Ehibg. mit sphärischer, äusserer Gittcrschale und
*) regelmässig entgegengesetzten Stacheln, die wie bei den
Acanthometra in Fäden verlängert sind. //. hexacayilhum Müll. , H»
liguriniim n. sp. , H. echinoides n. sp. , //. kystrix n. sp. , H, tabula^
tum n. sp., H. longispinum n. sp., H. lenuispinum n. sp.
**) vielen unsymmetrischen Stacheln. //. spinulosum n. sp. und
eine zweite unbestimmte Art.
SlUocyclia arachnia n. sp. , Eucyrtidiiim zanclaeum Müll, und
Podocystis charybdea Müll, (vielleicht identisch mit dem von Bailey
in Silliman's Journ. 1. c. beschriebenen und abgebildeten Dictyophi-
mus? gracilipes aus tieferem Seegrunde bei Kamschalka.)
von Acan th 0 me Iren :
Acanlhomelra Müll, Ohne zusammenhängende Gilterschale, da-
für aber mit Stacheln , deren innere freie Enden sich in» Centrum
des Körpers zusammenlegen. Die Fäden sind verhältnissmässig spar-
sam und bilden einen regelmässigen einzeiligen Kranz um jedes Sta-
chelende. In manchen Formen entwickelt sich in der Oberfläche des
Körpers durch besondere F'ortsälze der Stacheln eine Art unvollstän-
digen Gitterwerkes, dessen Anwesenheit die betreffenden Thiere den
Haliommaarlen in einer Weise annähert, die eine tiefere Scheidung
der Acanthometren von den Folycystinen als „fast unnatürlich" er-
scheinen lässt. Von den gestachelten Haliomma unterscheiden sich
diese gepanzerten Acanthomatren nur durch den Mangel des Kucleus,
so wie dadurch, dass ihr Panzer aus Stücken besteht.
*J Arten ohne besondere Stachel-Fortsätze: Je. m;Y//is/7tnriMüll.,
A. telracopa n. sp., A. pellucida n. sip., A. fusca n. sp., A. ovata n.sp.,
A. elongata n. sp.
**} Gepanzerte Arten: A. alala n.-sp., A. quadridenlaia n. sp,,
A. peplinata n. sp., A. coslata n. sp, , A. calaphracta n. sp. , A. mit-
cronala n. sp.
***) Panzerlose Arten mit gegabelten Stacheln: A. furcata n.
sp., A. dichotoma n. sp.
Die Ac. arachnoides Clap. (J. B. XXII. p. 450), bei der die cen-
tralen Enden der Stacheln nicht auf einander stossen, bildet den Typus
eines eigenen neuen Genus Plagiacanlha CK, der gewissermassen
zwischen den gewöhnlichen Acanthometren und den Folycystinen in
der Mitte steht.
272 Leuckart: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte etc
In der gelegentlich schon im Voranstehenden erwähnten Abhand-
lung von Bailey über mikroskopische Organismen des Kamschada-i
lischen Meeres (Amer. Journ. of Arts and Sc, 1856. XXII. p. 1) wer-
den folgende neue Polycystinen charakterisirt und abgebildet: Cera-
tosjnjris (?) borealis j CornuleUa annulala , Diclyophimus (?) gracüipeSf
Eucyrlidium aquilonaris, E. cuspidatum, Halle alyplra [i j cornula, Ha^
liomma (?) pyriformis , Lilhobolrys inflalum , Perichlamidium venusluiiif
Slylodiclya steUala, Eucyrlidium hyperboreum, JE. turgidulum.
3« Oreg^ärinae«
Lieberkuhn entdeckte auf den Kiemenfäden mancher
Phryganeeniarven und den dort vorkommenden Epistylisslöcken
cylindrische, bewegungslose Schläuche, die bald grössere
und kleinere Kugeln^ bald auch psorospermienartige Spin-
delkörper enthalten. Nach der Isolation theilt sich in der
Regel der Inhalt dieser Körperchen in zwei bis fünf Stücke,
die sich alsbald nach Airiöbenart zu bewegen anfangen, den
Behälter verlassen und mit grosser Behendigkeit fortkriechen.
Monatsber. der K. Akad. zu ßerl. 1856. S. 220 oder Müller's
Arch. 1856. S. 494. Tab.XVlII.
Leidy erwähnt eine Gregarina aus dem Darmkanale von Ne-
reis denticulata, Journ. Acad. Phil. III. P. 2. p. 144.
Bericht über die wissenscliaftliclien liei-
stuiigcn im Gieblete der ülnloitiologie Avali-
rend des Jahres 1$*^6.
Von
Dr- A* CMerstaecker«
Privatdocent an der Universität zu Berlin.
I. Insekten.
Nalurforschung und kirchliches Dogma ^ welche, wie
es sich u.a. an Galilei und Vesal gezeigt hat, in einem
aus der Verschiedenheit ihrer Principien entspringenden und
lange Zeit andauernden Conflikt verflochten waren , haben
wohl selten unwillkührlich eine so innige Verbrüderung ge-
friert, als sie neuerdings durch die von beiden Seiten fast
gleichzeitig anerkannte Par t h en og enesis zu Stande ge-
kommen ist. In der Naturforschung musste eine auf unfehlbaren
Thatsachen fussende Feststellung derselben um so mehr
Epoche machen, als die bisherige Erfahrung, dass sich männ-
liche oder weibliche Individuen einer Art nur dann aus dem
Ei entwickeln konnten, wenn dasselbe durch die Samenflüs-
sigkeit belruchlet worden war, — obwohl durch mehrfache
ihr scheinbar widersprechende Beobachtungen angegriffen
dennoch keineswegs in einigerinassen sicherer und entschei-
dender Weise widerlegt worden war. Es bildet daher die
Schrift , in welcher der Nachweis einer in gewissen Fällen
vorkommenden Entwicklungsfähigkeit jungfräulicher Eier o^e-
liefert worden ist, nämlich v. Siebold's „Wahre Partheno-
genesis bei Schmetterlingen und Bienen, ein Beifrag zur
Fortpflanzungsgeschichte der Thiere." (Leipzig 1856.8. l44p.
c. tab. 1) einen der Glanzpunkte in der neueren Literatur
der Zoologie, und zwar um so mehr, als die darin enthalle-
Arcbiv f, Naturgescb. XXIII, Jahrg. 2, Bd. g
274 Gerstaecker: ßericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
nen wissenschafllichen Ergebnisse zugleich von hoiier Bedeu-
tung für praktische Fächer, wie Bienenzucht und Seidenkul-
tiir sind. Unler Parlhenogenesis versieht v. Siehoid nicht
wie Owen die Foripflanzung durch geschlechtslose aninten-
arlige Wesen (Aphiden), sondern die durch jungfräuliche
VVeilx hen, welche mit voiikomnienen Geschicchlsorganen aus-
gestallel sind und ohne vorhergeganj^HMie Befruchtung entwick-
lungsfälnge Eier hervorl)rinoen. Eine solche Parlhenogenesis
findet statt: I) bei gewissen sackiragenden Tineen, Solenobia
triquetreila und lichenella, deren "Weibchen in abgeschlosse-
nen Behältern aus der Raupe erzogen wurden und bald nach
dem Ausschlüpfen aus der Puppe zahlreiche Eier ablegten, aus
denen sich Räupchen entwickelten. Die früher von v. Sie-
bold vertretene Ansicht, dass diese Weibi hen Ammen seien,
hat sich jetzt durch die Untersuchung derselben widerlegt,
indem sich an ihnen eine zweite äussere GeschlechtsöfTnung,
eine Bursa copulatrix und ein Beceptaculuni seminis (die bei-
den letzteren natürlich in leerem Zustande) nachweisen Wess
und die Eierstöcke keine Unterschiede von der denselben
gewöhnlich zukommenden Bildung zeigten. 2j Bei der merk-
würdigen Psyche helix, von der das Männchen bisher sogar
noch nicht einmal mit Sicherheit bekannt ist; die wie bei
allen Psychiden madenförmigen Weibchen dieser Art setzen
ihre Eier in die Puppenhülse, welche im Raupensacke zu-
rückbleibt, ab und aus dieser entwickeln sich irn Spälherbsfe
die jungen Raupen. 3) Bei der Honigbiene, welche (siehe
d. vorig. Jahresbericht p. 4 ff) nur die Arbeiter- und Köni-
ginnen-Eier durch den im Receptaculum seminis befindlichen
Samen befruchten lässt, während die Drohnen-Eier stets un-
befruchtet bleiben; aus diesem Grunde können letztere auch
unter gewissen Bedingungen von den geschlechtslosen Ar-
beitern hervorgebracht werden, bei denen eine Begattung
gar nicht möglich ist. 4) Beim Seidenspinner und wahrschein-
lich überhaupt bei den Bombyciden in weilerer Ausdehnung,
nach einer Beobachtung auch bei einem spinnerartigen Sphin-
gidcn (Smerinthus). — Stellt man die Produkte, welche aus
den verschiedenen bis jelzl bekannt gewordenen Fallen von
Parlhenogenesis entspringen, mit einander in Vj-rgleich , so
lassen dieselben keineswegs eine vielleicht a priori zu ver-»
während des Jahres 1856. 275
mulhende Gesefzmässijrkeit erkennen; denn während die unbe-
fruchlolen Eier der Bienen nur Männchen liefern, entwickeln
sich aus denen der sacktragentUn Tineen und der Psyche
hclix nur Weibchen, aus denen von Bombyx rnori endlich
aber beide Geschlechter in unoleichen Verhältnissen.
Eine wie weile Verl)reitung die Parlhcnogenesis unter den Arthro-
poden hat, lässt sich zur Zeit noch nicht ühersehen und es möchte
die Annalime, dass sie bei den Lepidopleren , für welche die meisten
bis jetzt beobachteten Fälle vorliegen, am häuGgsten sei, wohl liaum
gerechtfertigt erscheinen , da diese von allen Insekten am längsten
und sorgfälligsten sludirt worden sind, während sich hei den meisten
anderen Ordnungen Gelegenheit zu derartigen Wahrnehmungen schwe-
rer und seltener darbietet. Ueberdem sind, wie v. Siebold in einem
seine Beobachtungen einleitenden Capilel des Werkes, worin er eine
Betrachtung der bisher für Parlhcnogenesis ausgegebenen Fälle vor-
ninmit, nachweist, besonders die älteren Angaben über die Entwich,
lung von Raupen aus unbefruchteten Schmetterlingseiern mit grosser
Behutsamkeit hier heranzuziehen, da sie keine vollständige Sicherheit
darüber gewähren, dass nicht dabei doch unbemerkt eine Begattung
des Weibchens stallgefunden habe; die Erfahrung, dass gerade die
Bombyciden, an denen die meisten jener Beobachtungen angestellt
worden sind, ein sehr scharfes Witlerungsvermögen besitzen, bestärkt
einen solchen Zweifel um so mehr und es werden hierauf bezüsliche
Fälle auch von v. Siebold als gegenbeweisend angeführt. Ohne
Zweifel werden unter den Insekten es ganz besonders die Hymeno-
pteren, und unter diesen wieder vorzugsweise die in Staaten leben-
den sein, welche der Forschung über das Vorkommen der Fartheno.
genesis die reichhaltigsten und interessantesten Stoffe darbieten wer-
den. V. Siebold macht auch noch auf andere bis jetzt im Dunkel
liegende Thatsachen , z. B. auf das alleinige Bekanntsein einzelner
Geschlechter von Gallwespen aufmerksam und glaubt, dass vielleicht
hier ein ähnliches Verhalten in Bezug auf die Fortpflanzung vor-
liege; unter den Enlomoslraceen würden die bis jetzt unbekannten
Männchen verliällnissmässig grosser Formen wie Apus, Limnadia u. a.
vielleicht ebenfalls durch Aufklärung jener Verhälinisse zur Kennt,
niss kommen. —Die reichhaltigen und wichtigen Erläuterungen, wel-
che das vorliegende Werk in Bezug auf das Slaatenleben der Bienen
enthält, lassen sich in einem Auszuge nicht wiedergeben und sind
daher, so weit sie nicht schon im vorigen Jahresberichte bei der Be-
sprechung der Fortpflanzungsweise dieser Insekten berührt worden
sind, in der v. Siebold'schen Schrift selbst zu sludiren. Dieselbe
enlhält im Anhange ausserdem noch Beiträge zur Kennlniss einiger
hier speciell behandelten Insekten, z.B. der Psyche helix und einer
ihr verwandten Art, deren Uaupengehäuse, Larven und maden-
276 Gerstaecker: Bericht fib. d. Leistungen in d. Entomologie
förmige Weibchen auf einer beigegebenen Tafel abgebildet werden;
auch eine in letzteren parasitisch lebende Chalcis wird beschrieben
und ein Verzeichniss der aus Psychiden- Raupen überhaupt gezoge.
nen Ichneumoniden gegeben.
Für die Kenntniss der sexuellen Verhältnisse der Insek-
ten und besonders der in Staaten vereinigt lebenden sind
auch die vonLespes angestellten Untersuchungen über den
inneren Bau der Termiten von grosser Bedeutung. Die hier-
auf bezügliche Abhandlung ist in den Annales des sciences
naturelles V. p. 227—282 (nebst pl. 5—7) unter dem Titel:
„Recherches sur l'organisalion et les rnoeurs du Termite luci-
fuge" erschienen und im Auszuge ausserdem in den Comptes
rendus, 25. Aoijt und in der Revue etMagas. de Zoologie YIII.
p. 439 ff. milgetheill. Als von besonderer Wichtigkeit sind
folgende Ergebnisse der Untersuchungen des Verf. hervorzu-
heben: 1) Die Arbeiter und Soldaten sind nicht, wie man
bisher angenommen hat, völlig geschlechtslos, sondern soge-
nannte Neutra ; ein Unterschied von den Neuiris der gesel-
ligen Hymenopteren besteht darin, dass nicht nur Individuen
mit verkümmerten weiblichen Geschlechtsorganen , sondern
auch solche mit entsprechenden männlichen vorkommen. Les-
pes hat bei den einen rudimentäre Ovarien, bei den anderen
eben solche Hoden beobachtet und abgebildet, 2)
Arbeiter und Soldaten haben niemals, die foitpllanzungs-
fähigen Termiten (Männchen sowohl wie Weibchen) aber
stets ursprünglich Flügel, wenn dieselben auch bei letzle-
ren zu einer gewissen Periode oft abgeworfen werden. 3)
Die Larven sowohl der Arbeiter als Soldaten unterscheiden
sich von denen der geschlechtlichen Termiten daher gleich
von Jugend auf durch jeden Mangel von Flügelrudimenten,
ausserdem durch geringere Grösse; die Larven der Arbeiter
und Soldaten sind in ihrer ganzen Lebensdauer und selbst
im Nymphenzustande nicht von einander zu unterscheiden,
sondern der Unterschied beider Formen tritt erst bei den
entwickelten Imagines hervor; dass letztere ihre vollständige
Entvvickelung erreicht haben, zeigt die vorhergehende Meta-
morphose deutlich. 4) Die Larven der geschlechtlichen Ter-
miten geben sich von Jugend an durch die deutlich vorhan-
denen, wenn auch zu Anfang sehr kleinen Flügelansälze zu
während des Jahres 1856. 277
erkennen ; schon bei ihnen lassen sich zwei Formen unter-
scheiden, die nachher im Nymphenzuslande in ihren Unter-
schieden deutlicher hervortreten. Bei den einen sind näm-
lich die Fhigelrudijnente deutlich länger und aus diesen ent-
wiclieln sich lebhaftere, schlanker gebaute Nymphen mit gros-
sen, dem Rücken aufliegenden Flügelscheiden; bei den an-
deren sind die Flügelrudimente kürzer und diese liefern
plumpere und trägere Nymphen mit kleinen , seitlich zu-
rückgeschlagenen Flügelsciieiden. 5) Aus diesen zwei Nym-
phenforuien entwickeln sich zwei verschiedene Formen forl-
pflanzungsfähiger Termiten und zwar jede derselben in beiden
Geschlechtern ; die sogenannten „petils rois et petites reines%
welche das Produkt der schlankeren Nymphen mit grossen
Flügelscheiden sind, entwickeln sich im Mai (in welchem Monat
sie auch schwärmen) und haben viel schwächer entwickelte
Geschlechtsorgane als die wirklichen „rois et reines,'' welche
der zweiten Nymphenform entspringen und sich erst im Au-
gust entwickeln. Die Nymphen dieser „rois et reines,'« an
und für sich schon viel seltener als die der anderen Form,
werden dies immer mehr, je näher die Zeit der Entwick-
lung der Imagines heranrückt. — Es würden sich dem-
nach in einem Termitenslaate acht verschiedene Formen
von Imagines entwickeln, nämlich: f) männliche und weib-
liche Arbeiter, 2) männliche und weibliche Soldaten, 3r)
pelits rois et petites reines, 4) rois et reines; von diesen sind
1 und 2 nicht forlpflanzungsfähig, 3 und 4 erzeugen dagegen
neue Brut.
Wenn man die Resultate der Untersuchungen von Lespcs mit
den bisherigen Ansichten über die sexuellen Verhältnisse der Termi-
ten vergleicht, so ist ein bedeutender Fortschritt für die Kenntniss
derselben gewiss nicht zu verkennen , wenn auch keineswegs zuzu-
gehen ist, dass der Verf. , wie er es selbst prätendirt, hier voUstän.
diges Licht geschaffen hat. Diejenigen, welchen die hier mitgetheilten
Ergebnisse unwahrscheinlich und den bisherigen Erfahrungen wider-
sprechend vorkommen, — und deren sind gewiss nicht wenige —
könnten zuvörderst die Richtigkeit der Untersuchungen L.'s in Zweifel
ziehen, und zwar besonders die Existenz von rudimentären Hoden und
Ovarien bei den Arbeitern und Soldaten. L. giebt selbst die gros,
sen Schwierigkeiten, mit denen die Untersuchung dieser Organe ver-
bunden ist, zu, versichert aber ausdrücklich, dass er nur das be-
schrie||Q^. und,gezei,cbrxet habe,,\ya^ er nach wieiie,rhplten yntersu^
278 Gerslaeckcr: Bericht üb, d. Leistungen in d. Entomologie
chungen deutlich erkannt; ansserdem weist er aber selbst einen
Vergleich mit den sexuellen Verhältnissen der sociaUn llymrnopte-
ren von vorn herein zurück und glaubt, dass ein Schluss von jenen
auf die Neutra der Termiten nicht slallhaft sei. Ja er hält es nicht
einmal für vollkommen ausgemacht, dass bei jenen Hymenopleren die
Keutra ausschliesslich verkümmerte AVeihchen seien, sondern stellt es
als möglich hin; dass unter ihnen ehenfalls ülännchen vorgeftinden
werden könnten. (Wenn L. (p. 267) die Honigbiene hier heranzieht,
so durfte wohl ein Hinweis auf die äusseren Unterschiede der Droh-
nen, besonders des Kopfes, der Augen, der Kühler u. s. w. genügen,
um ihn von einer solchen Hypothese zurückzubringen. Ref.) ISach
den Abbildungen, welche der Verf. von den Ovarien und Teslikiln der
Arbeiter und Soldaten giebt , bieten diese in der That die entschie-
denste Uebereinstimmung in der Form mit denen der sexuellen Ter-
miten dar, und wenn man, wozu kein Grund vorliegt, nicht a priori
an ihrer Treue zweifelt, kann das Vorhandensein beider (ieschlech-
ter unter ihnen nicht beanstandet werden. Dass hier übrigens die
Neutra der socialen Ilymenopteren wirklich keinen genügenden .An-
halt liefern, um letzteren Funkt in Frage zu ziehen, glaubt Ref.
ebenfalls zugeben zu müssen, da, allerdings wohl mit durch die un-
vollkommene Verwandlung der Termiten« bedingt , der Unterschied
z^vischen den verschiedenen Mitgliedern des Staates hier schon wäh-
rend der Periode des Larvenlebens ein in viel höherem Grade ausge.
äprochener ist, als bei jenen; schon nach der ersten Häutung der
Larve treten nämlich die Unterschiede zwischen den sexuellen Termi-
ten und den beiden Formen der Neutra deutlich zu Tage. — Geht
man ferner auf die Rolle ein, welche die verschiedenen Termiten-
formen im Staate zu spielen bestimmt sind, so würde es auch kei-
neswegs im Widerspruche mit der ßeschäfti::ung der Arbeiter und Sol-
daten stehen , dass unter ihnen beide Geschlechter in verkümmerter
Form existiren ; dagegen ist es nach meiner Ansicht durchaus unklar
— und dies ist auch derjenige Punkt, den Lespes ganz mit Still-
schweigen übergeht — in welchem Verhältnisse die beiden sexuellen
Formen zu einander stehen. Nach den noch sehr zu vervollständigen-
den Beobachtungen des Verf. über dieselben , scheinen die „petiles
reines" bald nach ihrer Entwicklung im Sommer begattet zu wer-
den und Eier abzulegen; die eigentlichen Königinnen, die erst spä-
ter im August auftreten, setzen dagegen dieselben erst im Sommer
des folgenden Jahres ab. Sollten sich aus den Eiern der ersteren
etwa nur Neutra, aus denen der letzteren dagegen nur forlpflanzungs-
fähige Thiere (oder auch beide Formen) entwickeln? Dies wäre
äusserst interessant und vielleicht die einzige Hypothese, die zur Be-
gründung dieses in der Insektenwclt bis jetzt vereinzelt dastehenden
Vorkommens zweier gleichzeitig nebeneinander bestehenden forlpflan-
suDgsfähigea Formen dessulbeo Ibieres aufgestellt werdeo KOunte.
während des Jahres 1856. 279
Fahre hat seine vortrefflichen Beobachtungen über die
Natiirgeschichle der grabenden Hymenopleren, welche im vo-
rigen Jahresberichte (p.TfT) auslührüch besprochen wurden,
mit einer neuen Abhandlung „Etüde sur l'inslinct et les me-
tamorphoses des Spliegiens'' (Annales des sciences naturel-
les, 4. ser. VI. p. 137—183) fortgesetzt, welche sich nicht
nur durch den Reichthuin an neuen Thalsachen für die Bio-
logie dieser Thiere so wie Jurch eine ausserordenilich le-
bendige und interessante Darslellungsweise auszeichnet, son-
dern auch abermals wichtige piiysiologische Notizen in Be-
zug auf die Funktion des Nervensystems der Insekten ent-
hält. Unter Anderem wird auch die vom Bef. (a. a. 0. p. 10)
aufgeworfene Frage, wie die durch den Stich der Hymeno-
plera fossoria bewirkte Paralysirung der Nervcnlhätigkeit bei
solchen Insekten ausgeführt werde, deren Ganglien nicht zu
einem gemeinsamen Knoten im Thorax verbunden seien, auf
das Befriedigendste gelöst. Fahre hat nämlich in der vor-
liegenden Abhandlung seine Beobachtungen über Sphex fla-
vipennis und albisecia , welche Gryllen und Acridier (Oedi-
poda), und über zwei Ammophila-Arlen , welche Lepidopte-
ren-Raupcn eintragen , veiöfTenllicht und giebt uns genaue
Nachlicht darüber, wie diese zur Nahrung für die Hymeno-
pleren-Larven bestimmten Insekten ihrer animalen Funktionen
beraubt, ohne dass die vegetativen, wenigstens für einen
Bestimmten Zeitraum , dabei sistirt werden. Die kräftigen
Gryllen werden nämlich durch zwei (oder vielleicht durch
drei) Stiche der Sphex , von denen der eine in den Hals ,
d. h. zwischen Kopf und Prothorax, der andere in die Ver-
bindungsslelle zwischen Pro- und Mesolhorax geführt wird,
unschädlich gemacht, während die beobachteten Baupen stelsam
fünften oder sechsten Bauchsegmente,.vvelche keine Füsse besit-
zen und gerade den drei vorderen und den vier hinteren Fuss-
paaren mitten inne liegen, verwundet werden. — Dass bei den
Gryllen auch noch ein dritter Such zur Paralysirung des dritten
Fusspaares geführt werde, niöchle man bei der besonders kräf-
tigen Enlwitkelung des letzleren von vornherein vermulhen, mit
Bi^stimmtheit beonachtel hat ihn F. jedoch nicht; die Wirkung
des Stil h(^s in die initiieren Körpersegmente der Raupen er-
klärt der Verf. dadurch , dass vom Cenirum aus der Torpor
S80 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
nach beiden Seiten ausstrahle, was zugleich dadurch be-
wiesen wird , dass eine von der Ammophila gestochene
Raupe desto lebhaftere Bewegungen auf einen äusserlich an-
gebrachten Reiz zeigt, je näher derselbe den beiden Körper-
Enden ausgeübt wird, während ein Stich in das verwundete
fünfte und sechste Segment vollkommen wirkungslos ist.
Eine Einflössung von kaustischem Ammoniak an den vor den
Sphegiden zum Stiche gewählten Körperstellen bringt die-
selben Wirkungen , wie dieser selbst hervor. Die vegetati-
ven Funktionen dauern nach der Paralysirung des Thieres,
wie es der Verf. schon in seiner vorjährigen Arbeit nach-
gewiesen hat , längere Zeit fort. Der Darmkanal leert sich
so lange aus, als noch abzusondernde Massen in ihm vor-
handen sind und F. glaubt , dass mit seiner vollständigen
Entleerung der wirkliche Tod des Thieres erfolgt; wenig-
stens trat derselbe bei Individuen mit leerem Leib viel frü-
her ein als umgekehrt. Ferner wurde auch durch Versuche
festgestellt , dass das vollständige Absterben dieser Schein-
leichen durch schnelle Verdunstung befördert wird, während
solche, die in fest verschlossenen Glasröhren aufbewahrt
wurden, 172 Monat in vollständiger Frische erhalten wurden;
ein ähnlicher Abschluss gegen schnelles Vertrocknen wird
natürlich auch in den Brutzellen der Sphegiden erzielt.
Die biologischen Beobachtungen von Fahre über die graben-
den Hymenopteren, denen die erwähnten physiologischen Thatsachen
entnommen sind, bieten zum Theil ein besonderes Interesse dar. Sphex
flavipennis hat z. B. die eigenlhümliche Gewohnheit, jedesmal, wenn
sie mit einem erbeuteten Gryllus zur Brulhöhle zurückkehrt, den Raub
vor dem Eingange zu derselben zuerst niederzulegen und bevor sie ihn
dort einbringt, die Bäume ihrer Wohnung zu uniersuchen , ob nicht
irgend ein Feind während ihrer Abwesenheit eingedrungen ist. F.
hat an einem und demselben Thiere 40mal die vor die Oeffnung nieder-
gelegte Beute weggenommen und dieselbe in einiger Entfernung von
derselben niedergelegt; das Thier holte dieselbe jedesmal wieder,
kehrte aber auch jedesmal, bevor sie den Cadaver hineinziehen wollte,
zuerst wieder behufs einer Untersuchung in seine Brutstätte zurück.
Um zu beobachten, wie die Sphex einen Gryllus überwältigte, wurde
ein lebendiger, dem die Hinterschienen ausgerissen waren, mit dem
vor dicOelTnung derHöhle hingelegten Cadaver vertauscht; die Sphex
stürzte sich sogleich auf ihn und suchte nach mehrfachem Herum-
balgen, mit demselben seine Hauchseite zu gewinnen, welche sie \xf
während des Jahres 1856. 281
entgegengesetzter Richtung, d. h. so, dass ihr Kopf gegen den After
des Gryllus gerichtet war, occupirte. Indem sie die Schwanzfäden
des Gryllus mit den Älandibeln fasste , auf seine Uinterschenkel ihre
Vorderlüsse setzte und ihre Uinterschenkel gegen seinen Kopf stemmte,
um diesen rückw ärts zu beugen, wandle ?ie ihren Hinterleib in senk-
rechter Richtung, um nicht von den Mandibeln des Gryllus erfasst
zu werden, gegen den Hals des letzteren, und senkte in diesen zuerst
ihren Stachel ein. Sphex flavipennis versorgt gewöhnlich ihre Brut-
zellen mit vierGryllen; seltener nur mit dreien oder zweien, Sphex
albisecta jagt nur nach Oedipoda-Arten. Sonderbar ist es, dass nach
F. 's Beobachtungen Tachytes nigra ebenlalls nur Gryllen, und Tachy-
' tes obsoleta ebenfalls nur Oedipoden zur ISahrung für seine Larven
jagt und es scheint fast, als legten die beiden letzteren zuweilen
ihre Eier in die Brutstättender beiden Sphex, wenn dieselben schon
mit Cadavern versehen sind; daraus würde sich die Thatsache erklä-
ren, das Sphex flavipennis stets ihre Höhle vor der Einführung der
Beute erst visitirt. Die Ammophila-Arten versorgen ihre Zellen mit
S'hmetterlingsraupen und zwar A. holosericea jede derselben mit vier
bis fünf, A. sabulosa und argentata dagegen nur mit einer, die aber
gross ist und zuweilen das fünfzehnfache Gewicht der Ammophila
selbst hat.
Von besonderer Wichtigkeit sind ferner die Beobach-
tungen Fabre's (in derselben Abhandlung p. 167 ff.) über
die Beziehungen des Fettkörpers zur Harnabsonderung bei
den Larven der grabenden Hymenopleren , bei welchen be-
kanntlich während ihres ganzen VVachslhums keine Abson-
derung von Excrementen aus dem Darm stallfindet. Schon
äusserlich machen sich unter der durchscheinenden Haut der
Sphex-Larve zahlreiche weisse Pünktchen bemerklich, welche
sich bei der anatomischen Untersuchung als kleine Bläschen,
die mit dem Feltkörper in enger Verbindung sieben (oder
nach F. sogar einen inlegrirenden Theil desselben ausma-
chen) zu erkennen geben; sie unterscheiden sich von den
ebenso zahlreichen eigentlichen Fettbfäschen, welche in ihrem
Inneren flüssiges Fett enthalten und gelblich gefärbt sind,
durch reineres Weiss und durch den Inhalt, der sich bei der
Behandlung mit Salpetersäure und Ammoniak (durcH Bildung
von AJurexid) als Harnsäure darstellt. Die Menge der in dem
ganzen Fettkörper enthaltenen Harnsäure ist eine sehr be-
trächtliche; denn die Reaktion von Salpetersäure auf die von
mehreren Larven entnommene Feltmasse zeigte sich in einem
starken Aufbrausen, Bei Larven , welche während ihres
282 GerstaecUer: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Warhslhuines Excromente absondern , fehlt eine solche Re-
aktion ganz; dagegen zeigt sie sich in gleicher Weise bei
dem Fellkörper aller ^ylIlphen von Insekten , gleichviel ob
ihre Larven sich von Vegelabiüen oder Aniinalien nähren, ob
sie nach Art der Sphegiden oder auf die gewöhnliche Art
wachsen. Die Erklärung (ür diesen Umstand liegt auf der
Hand: die Harnsäure sammelt sich nämlich bei den Sphex-
Larven und im Nymphenzuslande im Körper an, wird dage-
gen bei der gewöhnlichen Verdauungsweise durch den Darm
abgesondert. — Was wird nun aus dieser im Fellkörper ent-
haltenen Harnsäure? Hier findet sich eine Lücke in der
Darstellung des Verf., die noch auszufüllen ist. Die weissen
Bläsehen mehren sich nach der Umwandlung zur Nymphe,
welche bekanntlich (Grube in Müiler's Archiv 1849) eine
Entleerung des ganzen Magen - Inhalls der Larve durch den
Mund vorausgeht; auch dus aus der Nymphenhaut hervorge-
hende Insekt lässt die weissen Körnchen noch deutlich er-
kennen , obwohl dieselben sich ganz auf den Hinlerleib zu-
rückgezogen haben. Ausserdem zeigt dieses aber den gan-
zen Magen (der beim Beginne des JXymphenzusiandes voll-
ständig leer wurde) so mit Harnsäure angefüllt, dass er durch
dieses Contenlum aulfallig ausgedehnt erscheint; der Nach-
weis des Murexids wird an demselben durch die angegebe-
nen Reagentien in ganz gleicher Weise geliefert wie bei dem
Feltkörper. Dagegen enthalten zu dieser Periode der Darm
sowohl wie die Malpighischen Gelasse keine Harnsäure und
die bei dem Ausschlüpfen des Insektes aus dem After abge-
sonderte Flüssigkeil stammt nach F. nicht aus jenen Gelas-
sen, sondern allein aus dem Magen.
Dass die Untersuchungen der Verf., ein so verschiedenes Re-
sultat sie auch gegenüber den bisherigen Ansichten über die Natur
der Malpighi'schen Getässe ergeben, mit grosser Umsicht und Gewis.
senhafligkeit angestellt sind, lässt sich nach seiner Darstellung gar
nicht bezweifeln ; er selbst erhebt Bedenken gegen die Uichtigkeit
derselben und widerlegt sie gleich darauf durch die schlagendsten
Thatsachen. Unbeantwortet lässt er freilich die Frage: wie kommt
die Harnsäure in den Magen des eben ausschlüplcnden Insektes, wäh-
rend derselbe beim Beginne des ^ymph^n^nslandes vollsländig leer
war? Ist sie durch Besorplion aus den Bläschen des Fellkörpers in
denselben gelangt? -- Pics wäre der einzige denkbare Fall. J^ichi
während des Jahres 1856. 283
genu^ bogründel scheint mir den bisherigen Erfahrungen gegenüber
die Behauptung, welche F. am Seltlusse der Untersuchung (p. 170)
aufstellt, dass die Rlalpighi'schen (iefässe Galle absondernde Organe
sind, in denen nur nebenher eine Urin-Absondernng slallfinden könne.
Dass «iieselben bei der Imago in der Thal Harnsäure enthalten, ist
gewiss sicher festgestellt worden und es wäre ja wohl denUbar, dass
sie bei der in mehrfacher Hinsicht veränderten Organisation des aus-
gebildeten Insektes eine verschiedene Funktion von derjenigen des
Larvenzustandes versähen; dasselbe würde ja auch mit dem lülagen
der Fall sein , welcher nach der Elimination der beim Ausschlüpfen
des Insektes in ihm enthaltenen Harnsäure doch entschieden der Ver-
dauung gewidmet ist. Jedenfalls sind die Untersuchungen des Verf.
in hohem Grade für die fernere Verfolgung dieser sehr wichtigen
physiologischen Verhältnisse anregend und stellen ausser Zweifel,
dnss hier der Forschung noch ein weites Feld offen liegt; als rein
objective Beobachtungen , die nicht durch die anderer Autoren be-
einflusst sind, verdienen sie ebenso grosse Anerkennung, als sie für
fernere Untersuchungen eine sichere Basis abgeben.
Eine drille sehr interessante lieobachlung desselben
Verf. (Notes sur quelques points de riiisloire des Cerceris,
Silaris etc., a. a. 0. p. 187 fl'.) belrilTl die verschiedenen
Lebensslüdien und die Verwandlungs-Vorgänge bei der Larve
von Silaris hunieralis, einem schon seil längerer Zeil als Pa-
rasiten von Anlliophora bekannten lnsel\te. Dein Verf. sind
zwei Altersstufen dieser Larve bekannt geworden, welche,
wenn sie sich als solche bestätigen sollten , eine deutliche
Analogie mit denen von IVIeloe und den Sirepsiptcren dar-
bieten würden. Aus dem Eie rntwickell si(h eine kleine
Larve, welcher eine Formähnlichkeil mit derjenigen von
Silpha zugeschrieben wird (die also wohl der von Wesl-
wood Introd. L p. 296 abgebildeten entsprichl); was aus
dieser Larve wird , ist dem Verf. bisher unbekannt geblie-
ben. Als den Alterszusland der Sitaris-Larve betrachtel F.
eine weiche, plumpe, mit rudimentären Füssen versehene,
welche sich in den Zellen von Anthophora vorfindet. An
dieser Larve hebt sich , wenn sie ihr Wachsthum vollendet
hat, die Obcrhaul vom inneren Körper ab und troc knel zu-
sammen, ohne jedoch aufzubersten ; sobald dies geschehen
ist, zeigt sich innerhalb derselben eine rolhbraune Puppe von
horniger Cousislenz, an (\cv sich zwei Reihen Stigmen, Kopf-
und Afterpol so wie sechs knopfarlige Erhöhungen, den Füs-
284 Gcrstaecker: ßericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
sen der Larve entsprechend, erkennen lassen, und welche in
der Larvenhaul wie in einem zarten Cocon eingeschlossen
liegt. Diese rothbraune Puppenhüise umschliesst nun abermals
eine frei in ihr liegende Larve, welche sich später in eine
Puppe verwandelt, aus der die Silaris hervorgeht; der Kopf
dieser Larve ist nicht immer nach dem Kopfpole der brau-
nen Puppenhülle hin gerichtet, sondern zuweilen auch nach
deren Schwänzende. Bei Meloe cicntricosus, welcher eben-
falls ein Parasit der Anthophora pilipes ist, hat F. ganz die-
selben Fiikta beobachtet und glaubt, dass bei beiden Thieren
ein Generationswechsel, wie er von Filippi an einem Ple-
romalinen der Khynchites - Eier nachgewiesen worden ist,
glallfinde. — Uebrigens sind diese Angaben des Verf. nur
vorläufige, welche er bald durch fortgesetzte Beobachtungen
vervollständigen will.
Aus den Angaben des Verf. geht hervor , dass er die weiche
in den Anthophora-Zcllen vorgefundene Larve für die letzte Alters-
stufe der Sitaris-Larve hält, und dass er die in ihr vorgehenden Ver-
änderungen als von ihr selbst ausgehend betrachtet. Es kann aber
wohl keinem Zweifel unterliegen, dass hier ein ganz anderes Ver-
bältniss stattfindet, was am leichtesten dann klar wird, wenn man
die in einandergeschachtelten Organismen in umgekehrter Reihe be-
trachtet. Zu innerst liegt die Larve, welche nach Abstreifung der
Haut zur Puppe wird und sich aus dieser zum Insekte (Sitaris) aus-
bildet; hiermit ist sogleich festgestellt, dass die braune Puppenhülle,
welche diese Larve umschliesst, ihr gar nicht angehört, und noch
weniger, dass die ursprüngliche Larve, in deren Körper sich jene
Puppenhülle ausgebildet hat, die Larve der Silaris sein kann. Da die
zuerst vorhandene Larve (nach F. der Allerszustand der Sitaris-Larve)
nicht näher charakterisirt ist, kann vorläufig über ihre wahre Natur
nichts Bestimmtes gemuthmasst werden; ist die in ihrem Innern zunächst
folgende Puppe von tonneiiartiger Form, so könnte man vielleicht
eine parasitische Tachine oder dergl. in ihr vermuthen, in welcher
die Silaris abermals parasilirt. Dass die innerste (d. h. die wirkliche)
Sitaris-Larve ein fremder Organismus in der festen Puppenhülle und
somit auch in der ursprünglichen Larve ist, beweist wohl am be-
sten ihre verschiedene Lage in Bezug auf das Kopfende der beiden
letzteren. Jedenfalls werden die so scharfsinnigen Beobachtungen
des Verf. diese höchst sonderbaren Verhältnisse hoffentlich sehr bald
in's Klare bringen.
lieber die Funktionen des Nervensystems bei den Glie-
derlhieren hat auch Yers in. Untersuchungen angestellt und
während des Jahres 1856. 285
die Resultate derselben im Bulletin de la soc. Vaudoise des
scienc. nalur. V. No. 39 („Rccherthes sur les l'onclions du
Systeme nerveux dans les aniinaux articules") kurz mitgelheilt.
Die wesentlichsten Ergebnisse der Experimente des Verf. sind
folofende : 1) Die Durchschneidung der Nerven nahe an seiner Ursprungs-
stelle hat stets eine vollständige Paralyse des von ihm versorgten
ürganes zur Folge. 2) Die Durchschneidung der Längscommissuren
zwischen den Ganglien bewirkt eine Isolirung der Mervenfunlitionen
in beiden Körperhälften; wird z. B. die Coinmissur zwischen dem
zweiten und dritten Bruslganglion durchschnitten, so behält sowohl
der vordere wie der hintere Theil des Körpers seine Bewegung
und Empfindung, doch übt ein auf den vorderen Theil ausgeübter Reiz
keine Wirkung auf den hinteren aus, und umgekehrt. 3) Bei Insek.
ten mit unvollkommener Verwandlung setzt die Durrhschneidung der
Ganglienkette den später eintretenden Häutungen oder Verwandlun-
gen nicht unbedingt Schranken. 4j Die Wirkungen, welche die aus-
schliessliche Durchschneidung der einen der beiden Längskommissuren
zur Folge hat, sind schwer als gemeingültig festzustellen; die Glieder
der durchschnittenen Seile, welche zwischen der verletzten Stelle
und dem Hinterende des Körpers ihren Ursprung nehmen, verlieren
oft an Empfindung und freier Bewegung; zuweilen tritt ein Mangel
an Gleichgewicht ein , so dass das Insekt sich im Kreise herumdreht.
Längere Zeit nach der Operation verwischen sich diese Erscheinun.
gen wieder mehr und die Bewegungen der Glieder auf der verletz-
ten Seite sind nur noch etwas genirt. 5) Auf die Ernährung scheint
die Durchschneidung der Ganglien - Commissuren keinen besonderen
Einfluss zu haben, wohl aber auf die Fortpllanzungsfähigkeit ; das
Alännchen macht zwar noch Begattungsversuche, ohne jedoch zum
Ziele zu gelangen, das \Veibchen kann sich begatten lassen, aber
keine Eier legen. 6) Die Verletzung eines Ganglion (des Kopfes
oder Thorax) selbst hat augenblicklich einen Torpor zur Folge, der
später in ein convulsivisches Zittern übergeht, welches entweder den
ganzen Körper oder nur einzelne , von dem betreffenden Ganglion
versorgte Theile betrifft. 7) Eine Verletzung des Ganglion supraoe-
sophageum bewirkt fast immer eine Aufhebung des Gleichgewichts in
den Bewegungen und das Insekt bewegt sich (wie oben) im Kreise;
eine Libelle oder Fliege, bei welcher eine solche Verletzung ange-
bracht wird, beschreibt auch im Fluge einen Kreis oder eine Spirale.
8) Die Verletzung eines Thoraxganglions ist stets von einer momen.
tanen Paralyse eines oder aller Organe, welche davon ihre Nerven
erhalten , begleitet; nach längerer oder kürzerer Zeit stellen sich
jedoch die Funktionen in denselben wieder her. Zuweilen tritt auch
hier eine Aufhebung des Gleichgewichts in den Bewegungen ein und
das Insekt beschreibt dann ebenfalls Kreise beim Gehen. 9) Endlich
286 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
leiden bei den Verletzungen der Ganglien aucli die Willenskraft, die
Intelligenz und der Instinkt der Insekten.
Observations of the respiralory movemenis of Insects,
by the lalc W. F. Barlow, arrangod and cominunicaled
by Paget. (Philosoph. Transacl. of (he Royal sociely of Lon-
don, Vol. 145. p. 1J9 (F.). — Der Verf. hat seine Unlersa-
chunjjen über die Alhinungsbewefrunjren der Insekten an
Libellen angpslellt und beschreibl dieselben wie er sie 1)
bei lebhafter Bewegung des Insektes, kurz iiaeh dem Fluge,
2) bei vollsländiger Ruhe desselben, 3) bei aufizehobener
Integrität des Organismus, also bei Individuen, denen der
Kopf oder andere Körperlheile abgerissen worden waren, 4)
aueh an einzelnen vom Körper abgelösten Theilen und 5)
unter Eiufluss von Galvanismus, von erhöhter oder erniedrig-
ter Temperatur u. s. w. beobachtet hat.
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sctiliessen sieh den Er-
fahrungen über die respiratorisehin Bewegungen der I liiere im Ali-
gemeinen eng an: durch Bewegung des Körpers, erhöhte Temperatur,
Galvanismus und meelianische Reize steigt die Zahl der Athmungsbe-
wegungen je nach dem Grade , in welchem diese Operation auf den
Organismus einwirken. Bei einer Libelle , die während der Hube
und b« i geipässigler Temperatur 45nial in der Alinute geathmet hatte,
stieg die Zahl der Respirationsbewegungen auf 110, nachdem sie in
"Wasser von 100'* Fahr, gesetzt worden war. Durch Galvanismus wurde
eine Beschleunigung von 30 bis auf 150 in der Minute (die höchste
Zahl , die erreicht wurde) bewirkt. — Der speeiellen Organisation
der Gliederlhiere entsprechen folgende Uesullate: Eine Wegnahme
des Kopfes veranlasst nicht ein Aufhören der respiratorischen Bewe-
gungen, vermindert aber ihre Häufigkeit und Stärke ; gewaltsame Zer-
quitschung des Kopfes oder eines Theils des Hinterleibs sistirte in der
Regel alle Alhmungsbewegiingen für eine gewisse Zeit und schwächte
dieselben für die Dauer der übrigen Lebenszeit. In einzelnen Kör-
persegmenten sind die respiratorischen Bewegungen in gewissem Grade
von den übrigen unabhängig.
Newman will (Proceedings of the entomol. soc. of
London p. 117 ff.) die Ansicht Newport's , dass die Fühler
der Gliederlhiere Geliörorgane seien, durch Beobachtungen
an lebenden Palacmonen widerlegen ; er glaubt aus den Be-
wegungen, welrhe letztere bei Anniihrung von Frass mit den
Fühlern machen, nur Tast- oder Geruchsorgane in letzteren
9U erkennen und weist die Möglichkeit zurück , dass durch
während des Jahres 1856. 287
die Berührung des Frasses mit dorn NVasser ein Schall ent-
slehcn Könne , welcher eine Bewegung der Fühler veranlas-
sen sollle.
Es braucht kaum erwähnt zu werden, dass den Deduktionen des
Verf. eine wissenschaftliuhe Empirie nicht zu Grunde liegt, und dass
er sich rein auf dem Gehiele des Uaisonocmenls bewegt. Wie un-
kritisch er aber auch hier zu Werke gehl, zeigt seine Annahme von
acht Fühlern bei Palaemon , indem er die drei Üeisseln der innern,
die bekannllich je iiach den Galtungen an Zahl variiren, einzeln als
selbständige Fühler ansieht. Dass diese unter einander von gleicher
Struktur sind, ist ganz richtig; der Verf. hätte aber doch wissen müs-
sen, dass das Gehörorgan bei den Cruslaceen von Kieuianden in die-
sen Anhängen des Fühlers, sondern im üasalslüeke desselben gesucht
und gefunden worden ist und da er nur aus den I3ew»'gnngen der
Anhänge seine Schlüsse zieht, so ergiebt sich deren Wichtigkeit von
selbst Schliesslich ist noch zu bemerken, dass in Bezug iauf die Lage
des Gehörorgans von den Crustaceen gar kein Schluss auf die eigent-
lichen Insekten gemacht werden kann, da die Analogie dieser Organe
in beiden Classen keineswegs sicher gestellt ist; die Fühler können
daher auch gewiss bei vielen Insekten, wie es von Erichson an-
genommen worden ist, als Geruchsorgane betrachtet werden, während
der Sitz des Gehörorgans in den Fühlern der Cruslaceen wenigstens
für gewisse Formen neuerdings unzweifelhaft festgestellt worden ist.
Jacquelin du Val hat der 'Akademie der Wissen-
schaften zu Paris eine Arbeit über den äusseren Skeiellbaii
der Insekten vorgelegt und in den Coinples rendus de l'acad.
d. srienc. T. XLlll. p. 999 ff. unter den» Tilel: „Note sur
Forganisation du squeletle exlerieur des insectes et les lois
fixes qui la regissenl'' eine kurze Zusantn»enlassung deijeni-
gen Punkte, welche er selbst lür die wichtigsten und zum
Theil auch lür ganz neu hält, gegeben. Was die Neuheit der
vom Verf. hervorüchobenen Resultate seiner Untersuchungen
betrifft, so lässl sich dieselbe aus den bisher gegebenen Da-
ten freilich nicht ersehen und es müsste hierzu erst die in
Aussicht gestellle ausführliche Abhandlung abgewartet wer-
den; dass jedoch viele seiner Behauptungen auf sehr irrigen
Voraussetzungen beruhen, zeigt schon das im Vorliegenden
gegebene Uesume deutlich.
Der Verf. will z B. gefunden haben, dass jedes Körpersegment
der Insekten (denn er im Ganzen 18 »nninin t, von d< nen 4 auf den
Kopf koutmenj ursprünglich aus lö Stücken und ausserdem aus 4 Ap-
pendicts besteht; je acht dieser Stücke bilden einen halben ftingi
iSS Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
nämlich einen oberen (d. h. Dorsal-) und einen unteren (d.h. Ven-
tral.) Uing und sind auf jedem derselben symmetrisch angeordnet,
nämlich vier zu jeder Seite der öliltellinie des Körpers. Das zweite
Stücii jeder Seite (beider Halbringe) ist das wichtigste und bestän-
digste und trägt jedesmal den Appendix, während das erste und vierte
am häufigsten eingehen (d. h. verdrängt oder modificirt werden). Als
Theile des Insektenkörpers, die bisher übersehen worden sind, nennt
er die von ihi» nachgewiesenen „protocräne, antesternum, prolergite'%
welche vorläufig jedoch nur namhaft gemacht worden sind. Uebcr
die vier Ringe, welche nach seiner Untersuchung den Kopi" zusam-
mensetzen, lässt sich der Verf. schon näher aus; das erste Segment
bildet die Schädelhöhle (boite cränicnne , das zweite die Alandibeln
(oberer Halbring) und die Älaxillen (unterer Halbring), das dritte die
Ober- und Unterlippe (in entsprechender Weise), das vierte der Epi-
pharynx und Hypopharynx, -— Als neu sieht der Verf. u. a. auch
den Nachweis an, dass die Halteren der Diptera die Analoga der Hin-
tertlügel seien. — Wenn der Verf. nur einigermassen eine Vorstel-
lung davon gehabt hätte, wie eingehende und zahlreiche Untersu-
chungen über diese Verhältnisse in den letzten zwanzig Jahren an-
gestellt worden sincK, so würde er wohl beanstandet haben , die
seinigen ül)erhaupt der üeffentlichUeit preiszugeben und noch mehr,
etwas als neu anzupreisen, was sich als von vornherein unhaltbar
erweisen muss. Wie sollen wohl die Oberlippe und die Alandibeln
den oberen Halbring eines Körpersegments darstellen und besonders
im Vereine mit den Alaxillen und der Unteilippe, die seit langer Zeit
als Gliedmassen anerkannt sind? Und welches sind die acht Stücke
und die Appendices des Pronolum und der Hinterleibsringe der In-
sekten, wenn man wirklich bei Äleso- und Metathorax die l^Mügel
als letzlere annehmen wollte? In Deutschland ist es wohl nach
gerade anerkannt , dass die Bedeutung dieser Körpertheile nur durch
die Verfolgung ihrer Entwickluui^ beim Embryo festgestellt werden
kann, und dass eine willkührliche Deutung derselben wenigstens für
die Wissenschaft ohne Belang ist.
ÜL'ber die Anhangsgebilde der Arlhropoden-Haut, Bau
und Inserllon der haar - und dornähnlichen Anhänge und
der eigenllichen Haare von A. Menzel (Enlomol. Zeit. p.
Il7 — 127). Der Verf. ist durch seine Untersuchungen über
diesen Gegenstand zu demselben Resultat wie Hoilard ge-
langt, dass nämlich die Haare der Gliederthiere als selbst-
sländige, mit einer Wurzel versehene und in eine sackartige
Einstülpung der Haut eingesenkte Gebilde eine vvescniliche
Uebereinstimmung mit den entsprechenden der Säugethiere
zeigen. Während jedoch Hoiiard diese Aehnlichkcit als
während des Jahres 1856. 289
eine allgemein durchgehende ansieht und eine Verwandt-
schaft der Gliederlhier-Haare mit denen der Pflanzen -Ober-
fläche ganz in Abrede stellt, will Menzel in einigen Fäl-
len die letzlere nicht von der Hand weisen , indem er z. B.
die starken Dornfortsälze an den Kiefern der Myrmeleon-Larve
als den Pflanzendornen verwandte Gebilde ansieht. (Es sind
jedoch die Dornen der Pflanzen als Axengebilde wesentliche
Theile des Organismus, die Zähne an den Kiefern von Myr-
meleon aber äusseriichc und zufällige Bildungen, bei denen
nur eine oberflächliche Form-Aehnlichkeit aufzufinden ist. Ref.)
— Für die in die Haut eingesenkten Haare, z. B. für die
an den Kiefern der Myrmeleon-Larve befindlichen weist Men-
zel die wesenllichen ßestandtheile des Haarbalges, welcher
durch Einstülpung der beiden Lagen der Chilinhaut gebildet
wird, nach ; wird das Haar selbst aus der OefTnung dessel-
ben entfernt , so ragt aus dieser ein zapfenartiges Gebilde,
welches von weicher Consistenz und daher gegen Druck
nachgiebig ist, hervor: dieses wird vom Verf. als Analogon
der Pulpa des Säugelhier-Haares angesehen.
Aus letzterer Annahme würde zu folgern sein, dass die Haare
der Arthropoden wie die der Säugethiere wachsen , da bei diesen
die Pulpa des Haares die Absetzung neuer Bildungstheile zum Zwecke
hat. Dass die Haare aber bei den Insekten wenigstens nicht wach-
sen, ist wohl nach verschiedenen Thatsachen mehr als wahrschein-
lich; es wäre dann wenigstens viel natürlicher, dass z. B. langhaa-
rige Raupen (Euprepia, Acronycta aceris, leporina u. a.) nach der
Häutung kurze Haare mitbrächten , während dieselben schon gleich
bei Berstung der alten Haut in ihrer ganzen Länge dem Körper dicht
anliegen: woraus zugleich hervorgeht, dass sie ganz neue Gebilde
sind, die mit den Haaren der abgeworfenen Haut in keiner Beziehung
stehen. An ausgebildeten Insekten ist ferner ein Nachwachsen von
Haaren bis jetzt nicht nachgewiesen worden, vielmehr die Abnutzung
der einmal vorhandenen und das Kahlwerden der Körper- Oberfläche
nach längerer Lebensdauer eine tägliche Erfahrung. (Haarförmige
Ausschwitzungen, wie sie sich bei Lixus, Lystra, Dorthesia u. a. vor-
finden, und die sich von Neuem erzeugen sollen, gehören nicht in
diese Kategorie). Es möchte daher das von Menzel als Haarpulpa
angesprochene zapfenarlige Gebilde in seiner Bedeutung wohl noch
etwas zweifelhaft sein.
Eine Schrift von VV ollas ton „On the Variation of the
Spccies, with especial reference to the Insecia, followed by
Archiv f, Naturgesdu XXIII. Jahrg. 8. Bd. 'f
290 G er sta ecker: Bericht ob. d. Leistungen in d. Entomologie
an inqtiiry into the naiure of Genera," London 1856. 8., über
welche sich in der Natural hislory review XI. p. 43 ein kur-
zer Bericht findet, ist dem Ref. nicht zugekommen.
Für die bereits mehrfach festgestellte Thatsache^, dass
auch unter den Insekten nicht selten eine Copuiation zwi-
schen verschiedenen aber ähnlichen Arten stattfindet, liegen
in diesem Jahre gleichzeitig zwei Beobachtungen vor , wel-
che in mehr als einer Beziehung interessant und wichtig sind.
Der eine von Guillemot (Annales de la soc. entomol. IV.
p.29 ff.) milgetheilte Fall betrifft eine ßastardirung zwischen
Dicranura vinula und erminea, zweier in ähnlichem Verhält-
nisse zu einander stehenden Arten wie Saturnia spini und
carpini, von denen Bastarde seit langer Zeit bekannt sind.
Dieser Fall gewährt dadurch ein besonderes Interesse, dass
nicht nur die Copuiation der beiden genannten Arten, son-
dern auch die Entwicklung der daraus entsprungenen Pro-
dukte durch alle Stadien der Verwandlung verfolgt worden
ist. Von etwa hundert Eiern, welche das Weibchen nach der
Begattung ablegte, entwickelten sich nur zehn zu Raupen,
welche in ihrer äusseren Erscheinung zwischen denen der
beiden Arten die Mitte hielten und sich nach 40 bis 50 Ta-
gen verpuppten; die Puppe glich durch die dunkle Farbe
mehr derjenigen von D. vinula. Die zehn aus diesen Puppen
ausgeschlüpften Bastarde vereinigten ebenfalls die Charaktere
beider Arten mit einander, wie dies auch die Abbildung eines
männlichen Individuums (auf Taf. 1. Fig. II) erkennen lässt;
auf neun männliche Bastarde kam nur ein einzelner weibli-
cher , bei dessen anatomischer Untersuchung sich nur 22
kleine, atrophirle Eier im Ovarium vorfanden. — Die zweite
Beobachtung von Boheman („Om parning emelian olika
insekt-arter", Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl.
1856. p. 229) beschränkt sich zwar nur auf die Feststellung
der Copuiation zweier Arten, ist aber einerseits in Röcksicht
auf die generische Verschiedenheit, andererseits auf die grosse
Aehnlichkeit in Grösse , Form und Färbung der gepaarten
Species fast noch bemerkenswerther ; es wurde nämlich von
B. ein Männchen von Slrophosomus coryli mit einem Weib-
chen von Sciaphilus muricatus in Begattung angetroffen und
längere Zeit darin verharrend gesehen.
während des Jahres 1856. 291
Ueber Endoparasiten von Insekten sind folgende Mit-
theilungen gemacht worden :
Lespes^ Note sur un Nemaloide parasile des Termites
(Annales des sciences naturelles V. p. 335. pl. 8) fand in
einigen Termiten-Nestern^ deren Boden sehr feucht war, in
grosser Menge einen Wurm aus der Familie der Gordiaceen,
den er als neue Galtung und Art unter dem Namen Isakis
migrans beschrieb und abbildete. Die Naturgeschichte die-
ses Wurmes scheint ganz mit der von Gordius und Mermis
übereinzustimmen, indem die erwachsenen Thiere mit entwik-
kelten Reproduktionsorganen sich in der feuchten Erde des
Termiten-Nestes aufhallen, die Jungen dagegen in der Lei-
beshöhle der Termiten schmarotzen. Lespes fand die letz-
teren im Umkreise des Darmes, und zwar ein bis sechs In-
dividuen in demselben Thiere, jedoch nur in solchen, die in
der Entwickelung schon weiter vorgeschritten waren, nämlich
in Arbeitern, Soldaten und Nymphen. Die vom Wurme affi-
cirten Termiten gehen zuletzt an demselben zu Grunde und
jener verlässt vollkommen herangereift den in Verwesung
übergehenden Körper derselben; über die Zeit, zu welcher
sich der junge Wurm in den Termiten-Körper einbohrt, lie-
gen keine Beobachtungen vor.
Auch für zwei Coleopteren wurden abermals Beobach-
tungen über das Vorkommen von Eingeweidewürmern mifge-
theilt. Die eine wurde von Györy (Sitzungsberichte der
math. naturw. Classe der Akad. d. Wissensch. zu Wien XXI.
p. 327) an Hydrophilus piceus gemacht, in dessen Darm sich
bei 18 — 20 Individuen constant ein Entozoe vorfand, der un-
ter dem Namen Oxyuris spirotheca als neue Art beschrieben
und abgebildet wird. — Der zweite Fall ist von Mahler
(Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins in Wien, Sitzungsberichte
p. 11) bekannt gemacht worden, welcher aus drei Dytiscus
marginalis, die aus einem kurz zuvor trockengelegten Teiche
herstammten, im Ganzen acht Exemplare des Gordius aqua-
ticus erhielt; die längsten derselben maassen über 13 Zoll
und zwar waren vier von ihnen dem einen der Dytisci allein
abgegangen.
Eine andere Art von äusserlichem Parasitismus, der
jedoch zu den davon betroffenen Insekten vielleicht in gar kei-
292 Gerstaecker: ßericht ab. d. Leistungen in d. Entomologie
ner Beziehung steht, ist von Li eberküh n („lieber parasi-
tische Schläuche auf einigen Insektenlarven") in den Monats-
berichten der Berliner Akademie der Wissenschaften, April
1856 und Müller's Archiv f. Anat. und Physiol. 1856. p. 494
beliannt gemacht worden.
L. hat an den Kiemenfäden von Phryganeen- Larven kleine
Schläuche von y^ — Vso"' Länge beobachtet, welche zum Theil eine
farblose, durchsichtige Substanz, mit zahlreichen lichtbrechenden
Körnchen untermengt , enthielten, theils mit kleinen spindelförmigen
Körperchen , ähnlich Psorospermien angefüllt waren. Diese Spindeln
wurden zuweilen mit einer heftigen Bewegung aus den Schläuchen
herausgeworfen, platzten und es entwickelten sich aus ihnen kleine
Amöben-arlige Thierchen. Die Schläuche , die in ihnen enthaltenen
Spindeln und die daraus hervorgehenden Wesen sind auf Taf. XVIII
in Älüller's Archiv abgebildet; was aus letzteren wird, ist bis jetzt
nicht beobachtet worden.
Von wie verschiedenartigen parasitischen Insekten die
Wiederkäuer auch an ihren äusseren Körpertheilen beeinlräch-
tigt werden, lehrt ein merkwürdiger von Haliday (Nalural
history review X. p. 23) mifgetheilter Fall, in welchem die
Hörner frisch getödteter Antilopen (vom Gambia) von Lar-
ven angebohrt gefunden wurden. Eine nähere Untersuchung
ergab das Vorhandensein von Raupen im Innern der Hörner,
welche den Tineen- Raupen an Form glichen und in einem
cylindrischen Gespinnst, welches am Ausgangsloche mit einem
Deckel verschlossen war, steckten. Die grössten dieser Ge-
spinnsle, zu deren Anfertigung die Fasern der Hörner benutzt
zu sein schienen, maassen zwei Zoll, die Larven, welche mit
dem Kopfe nach der äusseren Oeffnung zugekehrt waren, einen
Zoll. Der Augenschein lehrte, dass diese Larven durchaus
nicht nach dem Tode der Antilopen die Hörner angegriffen
haben konnten.
Eins der interessantesten Werke , die dem Ref. für den
diesjährigen Bericht vorgelegen haben, ist eine grössere Ab-
handlung von Asa Fitch über die in Nord -Amerika als
schädlich auftretenden Insekten, welche unter dem Titel:
„First and second report on the noxious, beneficial and olher
Insects of the State of New- York, by Asa Fitch, Albany
1856.« (8. 336 p. 4 tab. lith.) erschienen ist. Das Buch hat
zunächst einen praktischen Zweck, indem der Verf. von der
wälirend des Jahres 1856. 29S
Agricultural sociely in New -York damit beauftragt worden
war, über die der Landwirlhschafl , der Forst- und Garten-
kultur schädlichen Insekten jener Gegend, ihre Lebensweise,
den von ihnen verursachten Schaden und die zu ihrer Vertil-
gung anwendbaren Mittel einen ausführlichen Bericht abzu-
statten. Dieser Aufgal)e wird dadurch entsprochen, dass der
Verf. niciit, wie es in den meisten ähnlichen Werken der
Fall ist, die von ihm beobachteten schädlichen Insekten in
systematischer Reihenfolge aufzählt, sondern dass er von
den verschiedenen Pflanzen (meist Bäumen) ausgeht und bei
diesen über sämmtliche ihm bekannt gewordenen Feinde der-
selben Auskunft ertheilt. Eine derartige Anordnung empfiehlt
sich einerseits durch den praktischen Nutzen, den sie dar-
bietet und der darin besteht, dass den Laien das Auffinden
einzelner Arten sehr erleichtert wird ; andererseits war sie
durch den Umstand geboten, dass die Beobachtungen des
Verf. während eines Zeitraums von nur zwei Jahren ange-
stellt wurden und daher den Gegenstand bei weitem nicht
in seiner ganzen Ausdehnung erschöpfen konnten. Von
den Insekten, welche in dieser Weise ausführlich abgehan-
delt werden, kommen 17 auf den Apfelbaum, 2 auf den Kirsch-
baum, 5 auf die Nord-Amerikanische Wallnuss, je 1 auf die
Birne, die Pfirsich, die Pflaume, den Weinstock und die Sta-
chelbeere, 2 auf die Fichte, je 1 auf die Lärche, den Ahorn
und die Pappe!, 8 auf den Weizen, 5 auf den Mais und je 1
auf den Hopfen und den Kohl ; sie gehören zum grösseren
Theile den Lepidopteren , nächst diesen zumeist den Hemi-
pteren und Dipteren an, obwohl auch die übrigen Ordnungen
nicht fehlen. — Wenn dieser praktische Theil des Werkes
für Nord-Amerika ein ungleich grösseres Interesse darbieten
muss, als es für Europa der Fall sein kann, so ist den zahl-
reichen Exkursen, welche der Verf. bei jeder sich ihm dar-
bietenden Gelegenheit zur Erläuterung der Naturgeschichte
solcher Insekten macht, die zu jenen schädlichen in näherer
oder entfernterer Beziehung stehen, eine ganz allgemein wis-
senschaflliche Bedeutung beizulegen. Dass die Schilderungen,
welche vom Nord- Amerikanischen Insektenleben gegeben
werden, einerseits wegen der wesentlichen faunistischen üe-
bereinstimmung dieses Welttheiles mit dem unsrigen, ande-
294 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
rerseits in Rücksicht darauf, dass das Buch für einen wei-
teren Leserkreis bestimmt ist, viel Bekanntes enthalten, ver-
steht sich von selbst; es ist aber nicht nur die Lebendigkeit
der Darsteliungsweise an und für sich in hohem Grade
anziehend , sondern es finden sich auch so mannigfache
werthvolle Beobachtungen über Insekten der verschiedensten
Ordnungen in dem Werke vor, dass gewiss Niemand, der
sich in wissenschaftlicher Weise mit Entomologie beschäftigt,
dasselbe ohne Befriedigung lesen wird. Ausserdem erhält
aber auch die Artenkenntniss der Nord- Amerikanischen In-
sekten hier eine ziemlich ausgedehnte Bereicherung: abgese-
hen davon , dass schon von den als schädlich aufgeführten
Arten ein Theil neu ist und an diese oft eine Beschreibung
der zunächst verwandten angeschlossen wird , weiss der
Verf. stets in sehr geschickter Weise von denselben auf ein
anscheinend fernliegendes Thema überzugehen, welches er
dann ganz nach Gefallen ausbeutet. So knüpft er z. B. bei
den den Obstbäumen schädlichen Blattläusen an sämmtliche mit
ihnen im Krieg oder Frieden lebenden Insekten an, wie Amei-
sen, Dipteren (Tephritis), Hemerobius-, Chrysopa-, Cocci-
nella- und Syrphus- Larven, nimmt dann diese Gelegenheit
wahr, um z. B. eine Beschreibung sämmtlicher ihm bekannten
Chrysopen undHemerobien Nord-Amerika's zugeben, kommt
von solchen Insekten wieder auf ihre Schmarolzer u. s. w.
Zuweilen ist bei diesen Verknüpfungen verschiedenartiger
Gegenstände der Faden etwas locker und ein dem Verf. er-
wünschtes Thema oft ziemlich weit her geholt (wie z. B. die
Beschreibung der Porcellio- Arten , welche sich in den von
Larven ausgehöhlten Baumstämmen vorfinden); indessen wird
dadurch die Fülle des hier verarbeiteten Materials nur um so
grösser und das Interesse ein vielseitigeres.
Wenn der Verf. sich durch das vorliegende Werk ganz beson.
ders als einen vorzüglichen Beobachter dokumentirt, welcher überall
mit den eingehendsten Kenntnissen ausgerüstet, die noch bestehenden
Lücken unseres Wissens auf das Erfolgreichste anzugreifen weiss, so
tritt hiergegen keineswegs, wie so oft, die systematische Seite des
behandelten Gegenstandes in den Hintergrund, sondern wird mit glei-
chem Erfolge wie die Biologie gefördert. Bei allen vom Verf. be-
schriebenen neuen Arten werden eingehende Untersuchungen über
während des Jahres 1856. 295
ihre Verschiedenheit, resp. Identität mit den bereits bekannten an-
gestellt und ebenso die Bestimmung der Gattungen , denen sie an-
gehören , nach den darüber vorliegenden älteren und neueren Wer-
ken ermöglicht. Nur in wenigen Fällen , z. B. bei den Chryso-
pen und Hemerobien , bei mehreren Lepidopteren , sind dem Ver-
fasser frühere Publikationen entgangen, so dass hier eine Zurückfüh-
rung seiner Arten und Gattungen auf bereits beschriebene vorgenom-
men w^erden muss : da jedoch diese Arbeiten zum Theil wenigstens
solche sind, die der neuesten Zeit angehören, so ist die Unbekannt-
schaft mit denselben gar nicht einmal in Anrechnung zu bringen. —
In Betreff der Ausstattung des Werkes sei erwähnt, dass neben vier
Tafeln, welche einen Theil der als schädlich abgehandelten Insekten
im Steindruck darstellen, der Text mit zahlreichen Holzschnitten ver-
sehen ist, durch welche besonders die ersten Stände und die durch
sie bewirkten Veränderungen an den betreffenden Pflanzentheilen er-
läutert werden. — Da das Werk gegenwärtig wohl nur eine geringe
Verbreitung in Europa hat — obwohl eine sehr allgemeine in Hin-
sicht auf die wissenschaftliche Bedeutung desselben nur zu wünschen
ist —r- habe ich bei den einzelnen Ordnungen und Familien wenig-
stens das Neue, was darin enthalten ist, angemerkt , natürlich ohne
damit seinen Inhalt erschöpfen zu können.
Wenn das eben besprochene Werk neben seinem ursprung-
lich praktischen Zwecke auch das Interesse des wissenschaft-
lichen Forschers nacli allen Seilen hin in Anspruch nehmen
inussle, ist ein in Deutschland erschienenes, welches denselben
Gegenstand behandelt, fast ausschliesslich für den durch schäd-
liche Insekten besonders in Anspruch genommenen Theil des
Publikums, die Landwirlhe , berechnet. Es ist dies ein im
vorigen Jahresberichte (p. 17) nur dem Titel nach angezeig-
tes Werk von Nördlinger: „Die kleinen Feinde der Land-
wirthschaft,« (Stuttgart, Cotta 1855. 1 Vol. 8. 636 pag. mit
zahlreichen in den Text eingedruckten Holzschnitten), wel-
ches dem Ref. nachdem zur näheren Einsicht vorgelegen hat.
Dies Buch erfüllt seinen Zweck, dem Landwirlhe als Rath-
geber und ßelehrer über die ihm schädlichen Insekten (wel-
che den bei weitem grössten Theil seines Inhaltes ausmachen)
zu dienen, gewiss in der vollkommensten Weise , indem es
nicht nur letztere in fast erschöpfender Weise aufzählt, das
über ihre Naturgeschichte und schädlichen Eingriffe bereits
Bekannte auf das Befriedigendste und Angemessenste zusam^
meiistelltj dasselbe auch zum Tlieil durch eigene Beobachlun-
296 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
gen des Verf. erweitert, sondern auch — was besonders
rühmend hcrvorzulieben ist — dadurch, dass es sich in Be-
treff der Anrathung von Verlilgungsmitleln besonders kri-
tisch verhält und somit dem Laien als sicherer Anhalt in
diesem Punkte dienen kann.
Der Verf. hebt ganz mit Recht hervor , dass eine Aufzählung
von allerhand Verlilgungsmitteln , die zwar seit Jahren wiederholt
empfohlen sind , sich aber in keiner oder nur sehr ungenügender
Weise bewährt haben, in einem Lehrbuche nicht nur überCüssig, son-
dern sogar nachtheilig für den Landwirth ist , und dass in den Fäl-
len, wo genügende Mittel fehlen, dies, wie er es auch öfter thut,
besser offen gesagt wird. Ebenso zweckmässig ist es, dass der Verf.
zu wiederholten Malen auf diejenigen Vertilgungsmiltel als die besten
hinweist, welche die Natur selbst geschaffen hat, um üebergrifTc von
anderer Seite her zu beschränken; es scheint dem Ref. jedoch, als
träte diese Seite des Werkes, nämlich die Hinweisung auf nützliche
Insekten, im Verhältnisse zu ihrer grossen Wichtigkeit für den Land-
wirth doch gar zu sehr zurück , während sie gewiss mit Recht dar-
auf Anspruch machen könnte, in jedem praktischen Buche der
Art ganz in den Vordergrund gestellt zu werden. Die tägliche Er-
fahrung lehrt nämlich, dass Landwirlhe sowohl wie Forstmänner alle
Insekten für „Ungeziefer" ansehen , und dass sie durch unkritische
Vernichtung alles dessen, was ihnen davon vorkommt, sich selbst
viel mehr Schaden als Nutzen bringen. Es wäre in so fern gewiss
nicht überflüssig gewesen, auf den Nutzen der (nur kurz erwähnten)
Laufkäfer sowohl während ihres Larven- als Insektenzustandes und
auf den immensen Vortheil , welche eine Schonung derselben bei
Raupenfrass auf Feldern u. s. w. bringen kann, in recht ausführlicher
Weise einzugehen. Vielleicht würde es sich als zweckmässig erwei-
sen, wenn der Verf. seinem Werke, das in mehrfacher Beziehung
sich vor den ähnlichen früheren vortheilhaft hervorthut, noch ein
Anhangs-Heft folgen liesse, welches die für die Landvvirlhschaft nütz-
lichen Insekten in eingehender Weise behandelte. — Zu den Vorzü-
gen des Buches ist neben den schon erwähnten auch ganz besonders
seine aweckmässige Ausstattung zu rechnen, indem durch die in den
Text eingedruckten , durchweg recht charakteristischen Abbildungen
die Anschaulichkeit des Gegenstandes sehr gefördert wird und der
Landwirth sich bei Benutzung derselben wenigstens in vielen Fällen
leicht darüber belehren kann, mit welchen Feiaden er es zu thun hat.
Um demselben ein solches Bekanntwerden mit den ihn interessiren-
den verschiedenen Insektenformen zu ermöglichen , rcsp. zu erleich-
tern , hat dor Verf. zugleich als Einleitung zu seinem Werke eine
gedrängte Uebersicht über die verschiedenen Ordnungen, die Unter-
während des Jahres 1856. 297
schiede , welche sie in ihren verschiedenen Entwicklungsperioden
von einander darbieten, ihre äussere und innere Organisation u. s. w.
vorangeschickt ; ob dieselbe jedoch als dem vorliegenden Zwecke
durchweg entsprechend anzusehen ist, darüber könnten die Ansichten
wohl verschieden sein.
Derselbe Verf. hat seine schon im J. 184S veröffenl-
lichlen Nachfrage zu Ratzeburg's Forst- Insekten , durch
eine Reihe neuer Beobachtungen vermehrt, jetzt in einem
selbslsländigen AVerkchen herausgegeben: Nördlinger,
Nachträge zu Ratzeburg's Forst- Insekten, ein Programm
bei Gelegenheit der Jahresprüfung an der königl, land- und
forstwirthschaftlichen Akademie zu Hohenheim, Stuttgart 1856
(8. 81 pag., 1 lith. Taf.).
Der grösste Theil dieser Schrift ist den in Holz und unter
Rinde lebenden Coleopteren gewidmet und enthält besonders eine
Reihe sorgfältiger Beobachtungen über die Lebensweise und die Ka-
turgeschichte der Bestrichen, welche den von Ratzeburg gemach-
ten Angaben als Ergänzung dienen. Ausserdem sind auch mehrere
schädliche Lepidopteren von Neuem ausführlich behandelt und schliess-
lich noch einige Notizen über Hymenopteren beigefügt worden. In
zwei Anhängen beschreibt der Verf. 1) zwei neue ausländische Bo-
slrichen aus Venezuela und Neu -Holland (welche jedoch, da N. die
Erichson'sche Sonographie nicht gekannt hat , näher zu prüfen sind)
und 2) in sehr interessanter Weise noch einmal die Naturgeschichte
und besonders das Eierlegen des Rhynchites betuleti. Hervorzuheben
ist hier , dass N. jetzt sicher festgestellt zu haben glaubt, dass die
Individuen des Käfers ohne Dornen am Halsschilde die Weibchen sind,
indem stets solche beim Blätterwickeln und Eierlegen angetroffen
wurden. (Die Systematiker über Curculionen , z. B. Schönherr,
Redtenbacher u. a. sind bekanntlich der Ansicht, dass die dorn-
losen Individuen die Männchen seien, was um so weniger anzuneh-
men ist, als von ihnen für Rhynch. auratus das Umgekehrte angege-
ben wird.)
Von Ratzeburg's Werk: Die VValdverderber und ihre
Feinde , oder Beschreibung und Abbildung der schädlichen
Forstinsekten und der übrigen schädlichen Waldthiere, ein
Handbuch für Forstmänner, Oekonomen u. s. w. ist eine vierte,
gänzlich umgearbeitete und vermehrte Auflage erschienen.
Berlin, Nicolai 1856. (8. 112 pag. c. tab. 10.)
Ueber Insekten, welche einzelnen Cullurpflanzen schäd-
lich sind, handeln ferner :
^98 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Ö'
Insccts frequenting the Cotlon-plant, by Townend
Glover (Report of the Comissioner of Patents for t!ie year
1855. Agriculture. Washington 1856. p. 64— 115. c. tab. 5).
Es wird hier eine beträchtliche Anzahl von Inseliten verschie-
dener Ordnungen aufgezählt und abgebildet , welche sich auf der
Baumwollenstaude vorfinden und von deren Mehrzahl der Verfasser
glaubt, dass sie derselben schädlich seien. Es ist dies aber gewiss
nur von denen vorauszusetzen, welche an den jungen Pflanzentrie-
ben, den Blättern und Schösslingen leben (9 Lepidopteren - Raupen,
2 Hemipteren, 1 Aphide, 1 Homopteron, 1 Locustine, 1 Curculionide) ;
dagegen sind diejenigen, welche als auf den Blüthen vorkommend
bezeichnet werden, z. B. Cantharis , Chauliognathus, Trichius gewiss
nicht, einige Spanner -Raupen wenigstens sehr fraglich schädlich.
Ausserdem werden auch noch diejenigen Arten aufgeführt, welche
sich an den faulenden Stengeln der Pflanze vorfinden, nämlich meh-
rere Uemiptera, von Coleopteren die Gattungen Carpophilus, Colastus,
Silvanus, von Lepidopteren die Raupen zweier Heliothis-Arten; fer-
ner solche Arten, die zwar in den Baumwollenplantagen vorkommen,
aber nicht schädlich sind ; endlich solche, welche wegen ihrer Ver-
nichtung der schädlichen Insekten als nützlich anzusehen sind, wie
Megacephala uud Harpalus , Ichneumoniden , Syrphus-, Coccinella-
und Hemerobius-Larven u. s. w. — Die über die Lebensweise jener
Insekten und den Schaden derselben angestellten Beobachtungen wer-
den hier bei jeder Art mehr oder weniger ausführlich mitgetheilt,
doch fehlt für die meisten derselben eine genauere Bestimmung der
Art und oft selbst der Gattung; aus den im Holzschnitt beigegebenen
Abbildungen wird sich jedoch über die meisten derselben wenigstens
annähernd Auskunft erhalten lassen.
Insects injurious and beneficial to the Orange- Iree.
(ebenda p. 115—121.)
Die schädlichen Insekten der Orangen sind zwei (unbenannte)
Coccus-Arten, über deren Entwickelung und Lebensweise hier aus-
führliche Miltheilungen gemacht werden; ihre Feinde sind mehrere
parasitisch in ihnen lebende Hymenopteren, also vermuthlich Ichneu-
moniden.
D 0 1 e s c h a 1 1 (Natuurkundig Tijdschrift voor Nederlandsch
Indie, Deel Xil. p. 282 ff.) gab Nachricht über einige dem
Indigo-Bau schädliche Thiere. i
Er nennt: 1) den Sawang, eine kleine der Gattung Theridion
angehörende Arachnide ; 2) den Worm (Oelat der Javanesen), eine
8'" lange Larve mit braunem Kopfe, die im Marke der Stengel lebt
uod woraus ein 2'" langer Rüsselkäfer hervorgeht. Die Art ist mit einer
während des Jahres 1856. 299
Diagnose versehen, aber nicht benannt: „Rufo.fuscus, corpore gibboso,
longitudinaliter granulatim spinoso, niacula dorsali alba cruciformi;
rostro Caput longitudine superante , armato ; antennis rostri apicem
versus insertis , geniculalis , 9 articulatis, articulo primo longissimo,
ultimo ovali ; tibiis anticis in processum armatum prolongatis, articulo
tarsorum ultimo unguiformi. Long. lin. 2.« — 3) Nicht minder schäd-
lich ist die Larve eines Cerambycinen , die mit der vorigen in Ge-
meinschaft lebt. — 4) der ärgste Yerwüsler ist der Oeret, die Larve
einer Melolontha , 2 — 2'/i" lang, welche die Wurzeln abfrisst ; der
Käfer ist l'/j" lang, rothbraun von Farbe und dem Europäischen Mai-
käfer sehr ähnlich. — 5) Der Koepoe - Koepoe der Javanesen ; ein
weisser wolliger Ueberzug, von einem Insekte aus der Cicadcn-Fa-
milie herstammend. — 6j Einige Raupen von Vanessa und Polyom-
raatus leben auf der Indigo-Pflanze, sind aber nur in geringer Anzahl
vorhanden.
Robineau-Desvoidy, Memoires sur les gale-in-
sectes de TOlivicr, du Citronier, de I'Oranger, du Laurier-
Rose et sur les maladies, qu'ils y occasionnent dans la pro-
vince deNice et dans le departement duVar. (Rev. et Magas.
de Zoologie VIII. p. 121, 180, 277, 387 ff.) — Der Verf.
giebt eine historische Darstellung des Auftretens und der
allinähligen Verbreitung der Scliildläuse (Cocc. Hesperidum,
Adonidum, Oleae etc.) von Italien aus über Südfrankreich
und der Verwüstungen , welche sie gegenwärtig anrichten.
Ausser den genannten Bäumen, welche zuweilen von mehre-
ren Arten zugleich befallen werden, leiden in Südfrankreich
auch viele ursprünglich exotische Zierpflanzen durch die-
selben.
Schreiner, „die Feinde der Obstbäume« (Zeitschrift für die
gesammten Naturwissensch. VII. p. 513 — 520) zählt dreizehn Arten
von Lepidopteren auf, welche als garteuschädlich allgemein bekannt
sind und giebt eine Beschreibung der Raupen , ihrer Lebensweise,
des Schadens, den sie anrichten u. s. w. Der Aufsatz enthält nichts
Bemerkenswerthes.
Kraus s: „Ueber einige für die Landwirthschaft schädliche In-
sekten« (Jahreshefte des Vereins für vaterl. Naturk. in Würtemberg,
XII. p. 52 ff.) handelt über Geometra brumata, Tinea padella und Gryl-
lotalpa vulgaris.
Gehin, Notes pour servir ä l'histoire des insectes nuisibles
ä l'agriculture dans le departement de la Moselle, No. 1. broch. in 8.
und Lettre sur la galle des feuilles du poiricr, addressee ü la societe
d'horticulture de la Moselle, broch. in 8. sind dem Ref. beide nur
300 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
aus einer Anzeige im Bullet, de la soc. entomol. IV. p. CXIX. bekannt
geworden.
Ein Aufsatz von Keferslein, betitelt: „die ägyptischen Pla-
gen" (Zeitschrift f. d. gesammt. Nalurwiss. VII. p. 530 ff.) geht haupt.
sächlich auch auf die in grossen Schaaren auftretenden Insekten
Afrika's, welche dem Vieh und dem Menschen schädlich werden, ein
und sucht die in den Schriften des Alterlhums bezeichneten Arten auf
solche, deren Naturgeschichte neuerdings bekannt geworden ist, zu
deuten.
Die deutschen Phylophagen aus der Klasse der Insek-
ten, oder Versuch einer Zusammenstellung der auf Deutsch-
lands Pflanzen beobachteten Bewohner und deren Feinde,
von Kaltenbach (Verhandlungen des nalurhist. Vereins der
Preuss. Rheinlande und Weslphalen's Xiil, p. 165 — 265). —
Das Unternehmen des Verf. ist ein ganz ähnliches, wie das
kürzlich von Macquart erschienene Werk „les arbres etc."
und „les planles herbacees de TEurope et leurs Insectes," von
dem es sich jedoch sehr vortheilhaft in der Ausführung un-
terscheidet. Zunächst werden zweckmässiger V^eise nicht die
Bäume und Sträucher von den niederen Pflanzen geschieden,
sondern mit diesen vereint in alphabetischer Reihenfolge auf-
geführt, wodurch das Auffinden von Einzelnheilen natürlich
sehr erleichtert wird; als Bewohner dieser Pflanzen werden
auch nur solche aufgeführt, die sich nach direkten Beobach-
tungen von ihnen ernähren und nicht (wie bei Macquart)
auch solche, die in ganz zufälliger Beziehung zu ihnen ste-
hen. Den Beobachtungen des Verf. selbst sind die von an-
deren Forschern hinzugefügt und bei letzteren der literari-
sche Nachweis geliefert. Der bis jetzt vorliegende Theil der
Arbeit behandelt die Gattungen mit dem Anfangsbuchstaben
A, etwa 75 an Zahl, und zwar werden die einzelnen phyto-
phagen Insekten nur unter der Gattung vereinigt, was
schon aus dem Grunde nothwendig war, als die Pflanzen-
Art in sehr vielen Fällen von den Beobachtern nicht bekannt
gemacht worden ist. Die zahlreichsten Insekten ernähren
die Gattungen Acer 44, Achillea 34, Alnus 116, Amygdalus
12, Anchusa 12, Arclium 18, Artemisia 50, Arundo 26,
Astragalus 11, Atriplex 20. — Die Arbeit des Verf. verdient
wegen der äusserst interessanten Beziehungen der Insekten zur
Pflanzenwelt an sich, als auch wegen der praktischen Wich-
während des Jahres 1856. 301
tigkeit des Gegenstandes alle Anerkennung und es ist nur
zu wünschen, dass sie in gleicherweise forlgeführt werde.
Die Linsengallen der Oesterreichischen Eichen, ein Ver-
such zur vergleichenden Beschreibung der Gallengebide, von
G. Frauenfeld. (Bullelin de la soc. imp. des naluralisles
de Moscou 18oö. No. 1. p. 394—405. c. tab. iV.)
Die Linsengallen verdanken ihren gemeinsamen Namen nur der
Aehnlichkeit in Form und Grösse, sind aber — wenigstens die hier
behandelten der Eichen — ihrer Matur nach sehr verschieden, indem
sie sich auf alle drei von Frauen fei d angenommenen Gruppen der
Gallen, nämlich auf die umhüllenden, einschllessenden und geglieder-
ten verlheilen. Zu ersterer Gruppe gehört die Schlauchgalle der
Cerreiche, deren Erzeugerin wahrscheinlich Lasioptera cerris ist; zu
den cinschliessenden Gallen gehört die Linsengalle von Quercus pe-
dunculata (wahrscheinlich das Produkt einer Cynips) und die War-
zenflachgalle der Rotheiche (Erzeuger unbekannt); den gegliederten
Gallen fällt die Deckelgalle der Cerreiche zu , welche ebenfalls einer
Tipularie ihren Ursprung verdankt. Die letztere Galle ist von Kol-
lar ebenfalls der Lasioptera cerris zugeschrieben worden, wenigstens
mit der Schlauchgalle zusammen als Produkt derselben abgebildet
und beschrieben; jedenfalls gehören aber beide ganz verschiedenen
Thieren an. — Die erwähnten vier Linsengallen der Eichen werden
vom "Verf. näher charakterisirt und sind auf der beifolgenden Tafel
abgebildet.
Ueber periodisches massenhaftes Auftreten einzelner In-
sekten-Arten wurden mehrere Mitlheilungen gemacht, deren
Zusammenstellung hier Platz finden mag : 1) Dufour beob-
achtete Stenus rusticus zu vielen Tausenden auf Blättern dicht
aneinander gedrängt ^Bullet, de la soc. enlomol. p. XCl).
2) Nach Leinweber (Verhandi. d. zool. -botan. Vereins,
Sitzungsberichte p. 74) wurde Galleruca xanthomelaena durch
ungeheuere Individuenzahl sowohl im Larvenzustande als in
dem des entwickelten Insekts den Ulmen schädlich , die sie
zweimal im Jahre der Blätter durchweg beraubte. 3) In
ähnlicher Menge (raten nach Fuss (MittheiL d. Siebenbürg.
Vereins zu Hermannstadt VII. p. 104 ff.) die Raupe von Li-
paris morio und die Larve der Adimonia tanaceli auf; er-
stere verwüstete ganze Wiesen durch Abfressen des Grases.
4) Heer brachte (Vierteljahrsschrift d. naturf. Gcsellsch. in
Zürich I. p. 85) das schon von de Geer beobachtete Pbäno-
302 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
iiien des Auftretens grosser Massen von Telephorus- Larven
zur VVinterzeit auf frisch gefallenem Schnee zur Sprache, v\^el-
ches in der Schweiz neuerdings beobachtet wurde; die Zahl
der Larven wurde auf etwa 300,000 veranschlagt, welche
sich auf 25 bis 30,000 Quadralruthen vertheilten.
Von praktischer Wichtigkeil sind die Beobachtungen,
welche Frey und Lebert (Vierteljahrsschrift der nalurf.
Gesellsch. zu Zürich I. p. 374—389) über die gegenwärtig
im Maiiändischen herrschentl^e Krankheit der Seidenraupe,
der Puppe und des Schmetterlings veröffentlicht haben. Die
Krankheit, welche von der Muscardine verschieden ist und
gegenwärtig auch hier am Orte vielfach grassirt, zeigt sich
in einer Verkrüppelung des Schmetterlings, dessen Flügel
und Leib aufgedunsen und wässerig erscheinen; die afficir-
ten Individuen vollziehen entweder die Begattung gar nicht,
oder dieselbe hat keiti Ablegen von Eiern zur Folge. — Nach
den Untersuchungen der beiden Verf. zeigt sich bei den
kranken Insekten in allen inneren Theilen des Körpers und
auch auf der äusseren Oberfläche in grosser Anzahl eine
Alge, welche viel wahrscheinlicher die Ursache der Krank-
heit ist , als dass' sie für ein Produkt einer schon vorher
bestehenden Krankheit des Seidenwurns angesehen werden
könnte.
Von faunistischen Arbeiten, welche sich über alle oder
mehrere Ordnungen der Insekten erstrecken, sind im Jahre
1856 nur wenige erschienen und unter diesen nur eine von
grösserem Umfange und von Bedeutung, nämlich:
Die Thierc Andalusiens, nach dem Resultate einer Reise
zusammengestellt, nebst den Beschreibungen von 249 neuen
oder bis jetzt noch unbeschriebenen Galtungen und Arten
von Dr. W. G. Rosen hau er. Mit 3 Kupferlafeln. Erlangen
1856. 8. 429 S. — Das Werk, welches eine Darstellung der
Fauna Andalusiens im Ganzen zum Inhalt hat, indem es sich
auf fast alle Thierklassen erstreckt, ist von speziellem Inter-
esse für die Gliederlhiere, welche darin mit besonderer Vor-
liebe behandelt worden sind; unter letzteren sind es wieder
die Coleopteren, deren genaue Durcharbeitung der Verf. in
seiner bereits öfters bewährten, sehr umsichtigen Weise vor-
während des Jahres 1856. 303
genommen hat. Zu Grunde gelegt ist dieser Bearbeitung zu-
nächst eine sehr reichhaltige von Will in Andalusien veran-
staltete Sammlung von Insekten, welche auch die sehr zahl-
reichen, hier beschriebenen neuen Arten enthielt; ausserdem
hat der Verf. aber mit grossem Fleiss sämmlliche Thiere,
welche van anderen Reisenden in Andalusien aufgefunden
(besonders Rambur undWaltl), sowie diejenigen, welche
von verschiedenen Autoren , als von dort herstammend be-
zeichnet worden sind, wenigstens durch Anführung des Na-
mens seiner Arbeit einverleibt, so dass dieselbe ein voll-
sländiges Bild unserer gegenwärtigen Kenntniss der dortigen
Fauna liefert. Dass dieselbe vorwiegend den Character der
Mittelmeer -Fauna zeigen würde, Hess sich von vorn herein
vermuthen: sie bietet jedoch trotzdem vielfache Abweichun-
gen von den beiden übrigen Süd -Europäischen Halbinseln,
dagegen eine wesentliche Uebereinstimmung mit dem gegen-
überlieo-enden Theile Afrika's dar. Hinsichtlich der einzelnen
Ordnungen, so sind die Coleopteren, wie gesagt, bei wei-
tem am reichsten vertreten, nämlich durch 1692 aufgeführte
Arten; von diesen sind die bereits beschriebenen mit Bemer-
kungen über Fundort, Lebensweise u. s. w., so wie öfter auch
mit synonymischen Notizen versehen , die neuen mit beson-
derer Sorgfalt und Schärfe, stets auch mit gehöriger Berück-
sichtigung der zunächst verwandten Arten charakterisirl wor-
den. Während sich zur Aufstellung neuer Gattungen dem
Verf. nur selten Gelegenheit darbot, hat er für eine Anzahl
von Dejean bisher nur benannter Formen eine gründliche
Beschreibung nachgeliefert und diese somit erst in die Wis-
senschaft wirklich eingeführt. — Die übrigen Ordnungen und
Classen der Gliederlhiere sind an neuen Arten im Ganzen
ärmer und es ist hier der Verf. in der Beschreibung dersel-
ben von anderen Autoren unterstützt worden, wie von H ar-
tig (einige Cynipiden), Loew (einige Dipteren) und Koch
(Arachniden, Alyiiapoden und Crustaceen). Uebrigens ist
auch bei diesen das Verzeichniss der aufgeführten Arten im
Ganzen als ein reichhaltiges zu bezeichnen, wie sich aus fol-
genden Zahlenangaben ergiebt: Orlhoptera 88 (ß> Labiduroi-
den, 63 Orlhoptera genuina, 17 Pseudoneuroptera) , Neuro-
ptera 26, Hymenoptera 128 (7 Tenthredinetae, 1 Urocerata,
304 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
6 Ichneumonidae, 10 Formicariae, 47 Apiariae, 4 Vespariae
(indem Rhynchium hierher und nicht zu den Bienen gehört),
13 Heterogyna (mit Einschluss vonScoIia), 19 Crabronites,
8 Sphegiden und Pompiliden, 5 Cynipidae, 8 Chalcidiae, Chry-
sididae etc.)) Diptera 125 (besonders artenreich die Bomby-
lier und Asiliden), Lepidoptera 155 (70 Rhopalocera, 5 Sphin-
gides, 31 Bombycidae und Chelonariae, 19Nocluinae^ 30 aus
den übrigen Familien), Hemiplera 180 (164 Heteroptera, 16
Homoptera), Arachnoidea 20, Myriapoda 7, Crustacea 14. —
Von den drei beifolgenden Tafeln ist eine der Darstellung
einiger neuen Coleopteren-Gattungen gewidmet.
Einen Beitrag zur Insektenfauna Dalmaliens lieferte
Frauenfeld (Yerhandl. d. zooIog. botan. Vereins in Wien
VI, p. 431—445) durch Aufzählung der von ihm daselbst ge-
sammelten Dipteren, Neuropteren , Hemipteren und Ameisen;
derselbe ist von um so grösseren Interesse, als er gleich-
sam ein Supplement zu der von Ger mar in seiner Reise
nach Dalmatien veröffentlichten Fauna (zum grössten Theil
Coleopteren) abgiebl.
Die Heise des Verf. fiel in die Zeit des Frühsommers und daher
bietet das Yerzeichniss der gesammelten Arien einen besonderen Reich-
thum an solchen dar, welche dieser Jahreszeit eigen sind: unter den
Dipteren sind z. B. besonders die Tabaniden, Bombyiier und Stratiomy-
iden zahlreich vertreten , unter den Acalypteren die Trypeten mit
Vorliebe gesammelt. Von Neuropteren sind 14, von Ameisen 15 Ar-
ten aufgeführt, von Hemipteren besonders die Geocorisen berücksich-
tigt worden. Bei den interessanteren Arten sind Angaben über ihr
Vorkommen, ihre Lebensweise u. s. w. hinzugefügt.
Costa hat in einem Neapolitanischen Journal „L'Iride«
Anno 1. No. 11 einige Miltheilungen über die Insektenfauna
der Insel Ischia gemacht, denen auch die Beschreibung eini-
ger neuen Arten beigefügt ist. Der Aulsatz ist dem Ref.
im Separat- Abdrucke unter d^m Titel: „AIcune Nplizie suU'
Entomologia dell' Isola d'Ischia" (August 1Ö56) zugekommen.
Lucas beabsichtigt, unter dem Titel: „Melanges d'en-
tomologie Algerienne" in den Annales de la soc. enlomol.
einen Nachtrag zu seiner Bearbeitung der Gliederlhiere Al-
gier's durch Beschreibung derjenigen Arten, welche nach der
VeröfFentlichung der Exploration scientifique de l'Algerie von
oi^ofomoJnH .f) «! während des Jahres 1856. 305
ihm auf dem Plateau von Medeah und ßoghar aufgefunden
worden sind, zu liefern. Diese Publikalionen sollen nicht in
systematrscher Reihenfolge , sondern je nachdem sich das
Material dazu darbietet, vor sich gehen; der Anfang ist in
diesem Jähre mit einer Anzahl von Melasomen gemacht
worden.
Derselbe machte im Bullet, de la soc. entomol. IV. mehrere
Mittheilungen über das Vorkommen Europäischer Insekten in Algier,
z. B. von Zuphium olens, Fapilio Machaon und Podalirius, Smerinthus
"ocellatüs, Polia rufocincta, Sesamia nonagrioides u. a.
/ . ! Lesenswerlh sind die Mittheilungen, welche Bate's
'(Zoölogist p. 5012 ff.) über die Insektenfauna des inneren
Brasilien's längs des Amazonenstromes gemacht hat; sie be-
schränken sich vorläufig auf die Ordnungen der Coleoptera
und Lepidoptera, unter denen eine Anzahl seltener, neu ent-
deckter Formen hervorgehoben werden. Von Coleopleren
ist neuerdings der merkwürdige Gnostus formicicola Westw.
In Mehrzahl unter Ameisen aufgefunden worden.
Ueber die Fauna der Mährischen Höhlen gab Wankel
"(Verhandl. d. zoolog. botan. Vereins in Wien VI, p. 4ö7ff.)
Nachricht. Es findet sich in denselben eine grössere An-
zahl von Gliederlhieren, die schon aus den Krainer Höhlen
bekannt geworden sind , «um Theil jedoch auch solche,
die, wenngleich jenen nahe verwandt, selbstständige Arten
bilden. Eine Bekanntmachung derselben wird in Aussicht
gestellt.
Ohne wissenschaftliches Interesse sind die vonBrehm gemach-
ten Mittheilungen über die Insekten des nordöstlichen Afrikas, wel-
che einen Theil seiner Schilderung der „tropischen Wälder und ihrer
Fauna" (Allgem. Deutsche ISaturhist. Zeitung I. p. 216 fl\) ausflj^ch.^n.
Es fehlt denselben die nöthige Sachkenntniss. ., .
Douglas, the world of insects, a guide to ils won-
ders. London 1856. (ß. 244 p.).
Die Schilderung des Insektenlebens im Allgemeinen , welche
den Inhalt dieses Buches bildet , legt ein ebenso günstiges Zeugniss
für das Beobachtungstalent des Verf. ab , als sie dem Leser mannig.
faches Interesse abgewinnt. Die Insekten werden nach ihren ver-
schiedenen Aufenthaltsorten, wie Haus, Blumen- und Obstgarten, Feld,
Wald, Ebene und Gebirge, Wasser, Seestrand u. s. w. in Betracht
gezogen, über ihre Lebensweise , ihre Beziehungen unter einander
Archiv f. Katurgesch. XXIII. Jahrg. 2 Bd. \J
306 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
und zu der sie umgebenden Kalur die Beobachtungen Anderer mit
des Verf. eigenen in geschickter und ansprecliender Weise verbunden
und auf diese Weise dem Anfänger ein kurzer Abriss des Wissens-
würdigsten auf diesem Felde gegeben.
„Die Mysterien der Europäischen Insektenwelt von Prof. Dr.
Job. Gistl, Kempten 1856" ist der Titel eines Buches, welches sei-
nem Inhalte nach keine nähere Berücksichtigung in dem vorliegenden
Berichte zu beanspruchen hat. (Siehe darüber Dohrn, Entomol. Zeit.
1856. p. 312 ff.)
Von Kirby und Spence's Inlroduclion to Enlomo-
logy ist eine siebente Auflage (London 1856) erschienen.
Nach einer Anzeige in den Annais of natural history XVIil,
p. 258 sind bis jetzt die beiden ersten Bände aüs'gegeben
worden.
Mulsant's Opuscules entomologiques sind jetzt bis
zum 7. Hefte (Paris 1856) fortgeschritten, weiches abermals
die Beschreibung einer grossen Anzahl meist einzelner neuer
Arten aus dem südlichen Frankreich (Coleoptera und He-
miptera), ausserdem aber auch eine zusammenhängende Ar-
beit systematischen Inhalts, sowie einzelne Beiträge zur Ent-
wickelungsgeschichte der Insekten enthält.
Stainton's Entomologisl's Annual (for 1856), wel-
ches über Englische Insekten handelt und v. Motschuls-
ky*s Etudes entomologiques werden jetzt mit jährlich erschei-
nenden ßändchen oder Lieferungen forlgesetzt, deren Inhalt,
so weit er wissenschaftliches Interesse darbietet, gehörigen
Orts berücksichtigt worden ist.
Die Verhandlungen der Niederländischen Entomologi-
schen Gesellschaft, deren Erscheinen Ref. bereils im Jahres-
bericht für 1854, p. 17 angezeigt hatte und von denen ge-
genwärtig zwei Hefte des ersten Bandes unter dem Titel:
Handelingen der Nederlandsche Entomologische Vereeniging,
1. Deel, 1. 2. Stuck (Leyden in 4., 1854 und 1856) vorlie-
gen, enthalten Berichte über die seit dem Jahre 1846 in ver-
schiedenen Städten des Landes abgehaltenen Versammlungen
de^ (also schon längere Zeit hindurch besiehenden) Gesell-
schaft. Die bei diesen Zusammenkünften gehaltenen und hier
im Auszuge milgelheillen Vorträge bestehen in MittheiLungen
Über meist inländische Insekten verschiedener Ordnungen
während des Jahres 1856. 307
und zwar in Bezugs auf Biologie, Verwandlungsgeschichte,
erste Stände, Parasiten, Synonymie u. s. w. ; um dieselben
im Inlande nach Gebühr zu verwerthen , müssle freilich die
Holländische Sprache, in der sie abgefasst sind, einem ein-
gehenderen Vorständniss unterworfen werden, als es bisher
der Fall ist. Grössere Abhandlungen sind in dieser Schrift
nicht abgedruckt, jedoch ist im Äugenblick auch für die Ver-
öffentlichung solcher bereits eine Niederländische Enlomolo-
gische Zeitschrift im Gange, über welche im nächsten Be-
richte Mittheiiungen gemacht werden sollen.
Die Kennlniss der fossilen Insekten ist in diesem Jahre
durch zwei bedeutende Arbeiten gefördert worden:
l) 0. Heer, Ueber die fossilen Insekten von Aix in
der Provence ( Vierteljahrsschrift der naturforschenden Ge-
sellschaft in Zürich, I. Jahrg. Zürich 1856, p. 1—40, Taf. 1 u. 2).
Zu den 30 bis jetzt durch Hope, Germar, Heer u. A.
bekannt gemachten fossilen Insekten von Aix werden in der
vorliegenden Abhandlung 30 neue hinzugefügt, welche dem
Verf. durch Murchison in London, Bl auch et in Lau-
sanne u. A. zur Ansicht milgelheilt worden sind. Diese In-
sekten gehören sämmtlich den Tertiärschichten an und lie-
gen zum grösslen Theil in einem sehr feinkörnigen Kalkmer-
gel, der in eine Menge ganz dünner Blätter zerfällt und das
Dach eines IVj Meter mächtigen Gypslagers bildet; an der
Sohle des letzteren liegt ein fester Kalk , der ebenfalls In-
sekten, obwohl viel vereinzeltere enthält. Die aus der Lage
jenes Kalkmergels (unter dem marinen Sande) resultirende
Vermuthung , dass er den unteren Lagen der miocenen For-
mation angehöre, wird sowohl durch die darin vorkommen-
den Pflanzen als Insekten bestätigt; von den 60 bekannt ge-
wordenen Arten der letzteren sind 4 zugleich in Oeningen
und 9 in Radoboj gefunden worden, und mehrere andere Ar-
ten der letzteren Lokalitäten sind denen von Aix sehr nahe
verwandt. Eine wesentliche üebereinstimmung zeigt die fos-
sile Insektenfauna von Aix mit denen von Oeningen und Ra-
doboj durch die Häufigkeit der Diptera nemocera , wogegen
die dort zahlreich vertretenen Formicarien hier selten sind
und die Buprestiden sogar ganz fehlen; reich ist Aix be-
sonders an Curculionen, wie alle übrigen Lokalitäten dage-
308 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
gen arm an Schmetterlingen, obwohl neben zwei Nachtfaltern
sogar ein prachtvoller Tagfalter von dort bekannt geworden
ist. Sehr interessant sind die Schlüsse, welche der Verf. aus
der Inseklenfauna für die ehemalige Terrain- Beschaffenheil
vori Aix zieht; wahrscheinlich hat hier ein Seebecken mit
morastigen Ufern bestanden, wie dies die Wasser- und Ufer-
Insekten vermulhen lassen und für die Mehrzahl (Limnobien,
Bibionen, Mycetophilen, Oostrichinen) erscheint die Annahme
ausgedehnter feuchter Wälder gerechtfertigt.
Die einzelnen Arten , welche sämmtlich sorgsam beschrieben
und a,uf zwei Tafeln abgebildet sind, verlheilen sich auf die verschie-
denen Ordnungen der Insekten folgendermassen : 1) ColeopttTa: l
Benibidiuni, 5 Staphylinen (Lilhocharis, Stenus , Xantholinus, Philen.
thus), l llydrobius, 1 Corticaria, 10 Curculionen, (Sitones, Cleonus,
Ilipporhinus, Phytonomus, Curculionites) , l Hylesinus, l Cassida, 1
Chrysoniela. 2) GyMinognatha: l Thrips , 1 Libellula. 3) Hymeno-
ptera: 3 Formica, l Pinipla, 1 Chalciles. 4) Lepidoptera : l Moctui.
tes , 1 Pyralites. 5) Diptera: 1 Limnobia, 3 Mycelophila, 1 Cecido-
myia , 4 Bibio, 6 Protomyia , l Xylophagus, 1 Hilarites. 6) Rhyn-
chota : 5 Pachymerus, 2 Heterogaster, l Pseudophana, 2 Aphrophora,
1 Bythoscopus, 1 Cicadellites und 1 Aphis. — Die Mehrzahl der
Insekten von Aix entspricht nach Heer's Angabe dem Charakter der
Mittelmcerfauna, doch finden sich auch Ausnahmen ; zu letzteren rech-
net der Verf. auch die als Hipporhinus beschriebenen Curculionen.
Nach den Abbildungen ist Uef. jedoch überzeugt, dass diese Arten
nicht zu dieser Schönhcrr'schen Gattung (die übrigens nur in Süd-
Afrika einheimisch ist, da der Cure, tribulus Fabr. aus Neu -Holland
zur Galtung Leplops Schönh. gehört) gebracht werden können.
2) G. C. Berendt, Die im Bernstein befindlichen or-
ganischen Reste der Vorwell. Zweiter Band. l.Abth. Die im
Bernstein befindlichen Hemipteren und Orthopteren der Vor-
welt. 2. Ahlh. Die im Bernstein befindlichen Neuropleren der
Vorwelt. Berlin 1856, fol. 125 p. Stab. — Die Bearbeiter die-
ses Bandes sind: Germar für die Hemipteren, Germar und
Berendt für die Orthopteren, P i c t e t und Hagen für die
Neuropteren und Pseudoneuropleren ; letzterem ist ausserdem
die Redaktion des ganzen Bandes zu danken. Die Germar'-
sche Bearbeitung der beiden ersten Ordnungen (Berendt
hat an den Orthopteren nur durch die frühere Beschreibung
einig<?r Blaltinen Antheil), welche schon im Jahre 1844 ab-
geschlossen wurde, ist in dieses Werk unverändert und durch
während des Jahres 1856. 309
keine späteren Zugänge vermehrt aufgenommen worden. Da-
gegen ist die ebenfalls schon im Jahre 18-J5 beendigte Ab-
theilung Pictet's über die Neuropleren von Hagen nicht
nur von Grund aus überarbeitet, sondern auch durch Hinzu-
ziehung eines zahlreichen neuen Materials sehr bedeutend
vermehrt worden : es ist dies in der Weise bewerlistellifft
worden, dass die Beschreibungen Pictet's in deutscher üe-
berselzung unverändert aufgenommen und, wo es durch den
Vergleich neuer und zahlreicher Stücke bedingt wurde, mit
Zusätzen und Bemerliungen von Hagen versehen, die da-
mals noch nicht gekannten Arten dagegen von lelzterem selbst-
ständig bearbeitet worden sind. — Eine wie grosse wissen-
schaftliche Bedeutung diesem Werk beizulegen ist, geht schon,
abgesehen von der anerkannten Tüchtigkeit seiner Bearbei-
ter, daraus hervor, dass es das ersle ist, in weichem die In-
sektenfauna des Bernsteins mit Zugrundelegung eines sehr
reichhaltigen Materials im Zusammenhang behandelt wird;
letzteres ist ebenso wichtig für die Schlussfolgerungen, wel-
che auf den Charakter der damals vorhandenen Thierschöpfung
zu ziehen sind , als es andererseits über die Bedingungen,
unter denen sich der Bernstein (in seiner gegenwärtigen
Form) gebildet hat, wenigstens annähernden Aufschluss er-
theilt. In ersterer Beziehung haben schon die Untersuchun-
gen Hagen's über die Neuropleren des Bernsteins (Jahres-
bericht für 1854, p. 96) festgestellt, dass keine in demselben
eingeschlossene Art der gegenwärtigen Thierschöpfung an-
gehört, wenn auch die Mehrzahl derselben in Grösse und
Form der mitteleuropäischen Fauna der Jetztzeit wesentlich
entspricht. Ein ganz analoges Resultat ergeben nun auch die
beiden anderen hier bearbeiteten Familien und zwar beson-
ders die (hier am meisten maassgebende) der Hemipteren,
welche nur sehr vereinzelte , den tropischen Arten der Ge-
genwart entsprechende Formen aufzuweisen hat, während
alle Species, die jetzt noch leben, ganz davon ausgeschlos-
sen sind.
Die Zahl der in dem vorliegenden Werke beschriebenen und im
vergrösserten Maassstabe auf acht Tafeln abgebildeten Arten beläuft
sich für die Hemipteren auf 60, für die Urlhopteren auf 8, für die
T^europteren (im ältereD Sinne) auf 87, Unter de« Hemipterca sind
510 G ersla eck er : Beiichl üb. d Leistungen in d. Ento inologie
die Homopteren (32) durch eine fast gleiche Artenzahl wie die He-
teropteren (28) vertreten, und zwar bilden unter erstercn die Fami-
lien der Cicadellinen und Fulgorellen die Hauptmasse (23) , während
sich die übrigen 9 auf die Scharlachläuse (3) und die Blattläuse (6)
beschränken ; die artenreichste Gattung ist Cixius (9). Während sich
bei den Homopteren sämmtliche Bernstein. Arten lebenden Gatlun.
gen unterordnen Hessen, gab unter den Heteropteren eine zur Fami-
lie der Hydrodromici gehörige Act zur Aufstellung einer eigenen
Gattung Limnacis Anlass; die Anzahl der Wasser- und Strandwanzen
(4 Arten) tritt hier gegen die der Landwanzen (24 A.) sehr zurück,
doch ist das Vorkommen der Wasserbewohner im Bernstein überhaupt
sehr interessant in Rücksicht auf die Lokalität, wo sich derselbe ge-
bildet haben muss. Unter den Landwanzen ist die Gattung Phytoco-
ris allein durch 14 Arten vertreten. — Von den 8 bekannten Ortho-
pteren gehören 5 den Blattinen, 2 den Phasmiden und 1 den Gryllen
an. — Am reichsten an Arten zeigen sich die Neuropteren, und zwar
kommen 36 auf diejenigen mit unvollständiger, 51 auf die mit voll-
ständiger Metamorphose ; auf die Familien sind die Arten in folgen-
der Weise vertheilt: Termiten 5, Embiden 1, Psociden 8, Perliden 14,
Ephemeren 6, Odonaten 2, Sembliden 2, Hemerobiden 7, Panorpen 3
und Phryganiden 39. Die Anzahl der Gattungen ist im Verhältnisse
zu derjenigen der Arten sehr gross , indem durchschnittlich auf jede
derselben nur zwei Species kommen (78 Arten, 44 Gattungen); auch
in dieser Familie sind dieselben mit den lebenden Gattungen zum
grössten Theile identisch , und nur vereinzelte , wie Amphientemum
und Empheria unter den Psociden und einige Untergattungen der Ter-
miten zeigten sich in der jetzigen Schöpfung nicht vertreten.
Einer zukünftigen kritischen Bearbeitung der bis jetzt
bekanntgewordenen fossilen Inseklenreste hat Giebel durch
den zweiten ßand seiner „Fauna der Vorwelt mit steter Be-
rücksichtigung der lebenden Thiere^ welcher (Leipzig 1856
erschienen) in seiner ersten Abiheilung die Insekten und Arach-
niden enthält, in sofern bedeutenden Vorschub geleistet, als
darin das gegenwärtig vorliegende literarische Material mit
grossem Fleiss zusammengebracht worden ist. Mit Hinzufü-
gung einer beträchtlichen Anzahl neuer Gattungen , und Ar-
ten, die hier zugleich eingeführt werden , beläuft sich die
Zahl der bis jetzt bekannt gewordenen Insekten auf mehr
denn 2000, die der Arachniden auf etwa 240. — Einen Aus-
zug dieses Werkes bildet gleichsam die von demselben Verf.
CZeitschrift f. d. gcsammt. Nalurwissensch. VIII, p. 174 ff.)
veröiTenllichte „geologische Uebersicht der vorweltlich en In-
während des Jahres 1856. 311
Sekten«, in welcher die Arten nacli den verschiedenen Stra-
ten zusammengestellt sind. /^ ^^^■,.:
Ferner gab derselbe (ebenda VII. p. 384 ff.) einige No-
tizen über Insektenresle aus den Braunkohlensrhichlen bei
Eisleben und bildete dieselben auf Taf. 5 ab. Es sind: die
Flögeldecken einer Buprestide (Bupreslites Minnae Giebel), ein
Käfer-, Schaben- und Libellenflügel.
V. Hey.den, Reste von Insekten aus der Braunkohle
von Salzhausen und Westerburg (in Dunker und v. Meyer's
Palaeontographica IV. p. 198—201. Taf. 37 und 38).
Es werden hier beschrieben und abgebildet : Dicerca Tascheiy
Thereva carbonum^ Bibio antiquvsy ein Dipteron unbestimmter Gattung
und Gänge von Insektenlarven in Hölzern der Braunkohle von Sax-
hausen, welche vom Verf. als von einem Anobium , einem Prionus
und einer Buprestis herrührend gedeutet werden.
Coleoptera«
Von Lacordaire's „Genera des Coleopteres ou Ex-
pose melhodique et critique de lous les genres proposes
jusqu'ici dans cet ordre d'insectes« ist im Jahre 1856 der
dritte Theil erschienen, welcher die Lamellicornen im Sinne
ßurmeister's und Erichson's enthält. Der Verf. trennt
dieselben in Rücksicht auf die obwaltende Verschiedenheit
in der Fühlerbildung, dem Nervensystem und dem Baue der
Larven in zwei F'amilien , nämlich in Pcciiuicornia (Lu-
canini , Passalides) und Lamellicornia (alle übrigen Gruppen
einschliessend) , wie es auch schon von West wo od u. a.
-geschehen ist. Die Anlage dieses dritten Theiles ist im Gan-
zen eine den früheren entsprechende; lag hier gleich eine
neuere umfassende Bearbeitung d'cs g^rössten Theiles der be-
handelten Familien vor, so war der Verf. dadurch einer um-
sichtigen Kritik bei Benutzung derselben keineswegs über-
hoben und er hat diese besonders durch eine sehr einsichts-
volle Reducirung der grossen Anzahl von unhaltbaren Gal-
tungen geltend gemacht. Auch die Feststellung und Begrän-
zung der Gruppen hat liier und da eine Modifdiation erfahren,
z. B. bei den Lucaniden und Melitophilen , wo mehrere vom
Verf. vorgenommene Aenderungen der Sache nur zum Vor-
312 Gerslecker: Bericht üb, d. Leistungen in d. Entomologie
theil gereichen. — Am Schlüsse dieses dritten Bandes giebt
der Verf. seinem Plane gemäss Nachträge zu den schon frü-
her bearbeiteten Familien , so weit dieselben durch neuere
Arbeiten einen Zuwachs erhallen haben.
Bei der allgemeinen Verbreitung, welche sich dieses ^Yerk des
berühmten Verf. zu erfreuen hat, und bei seiner Ünentbehrüchkcit
für fernere wissenschaftliche Forschungen in dem darin befindlichen
Theile der systematischen Entomologie würde es überflüssig sein, auf
alle einzelne Gliederungen, auch soweit dieselben Neues darbieten,
hier näher einzugehen: nur einige Bemerkungen, welche Ref. bei
näherer Kenntnissnahme einzelner Abschnitte zu notiren Gelegenheit
nahm, mögen hier ihre Stelle finden. Die veränderte Feststellung der
Gruppen in der Lucaniden. Familie, welche von der Burmeister'schen
in mehreren Punkten wesentlich abweicht, ist aus einer so richtigen
Auß'assung der Verwandtschaften und Beziehungen der einzelnen Gat-
tungen zu einander hervorgegangen, dass eine Zusammenst^^llung der-
selben nach L aco r dai r e sogleich die Natürlichkeit seiner Anordnung
ausser Zweifel setzt. Dass der Verf. bei den eigentlichen Lucanen,
welche zur Aufstellung von ebenso zahlreichen als unhaltbaren Gat-
tungen Anlass gegeben haben, eine vollständige Beducirung der letz,
teren auf die beiden Gattungen Lucanus und Dorcus (denen sich Co.
lophon und Platycerus anschliessen) vornimmt, ist gewiss in gleicher
Weise als ein Fortschritt zu betrachten; soll aber die Galtung Dorcus
sich auf alle diejenigen Arten erstrecken, deren Weibchen sich durch
die mit einem hornigen Endhaken versehene innere Maxillarlade aus-
zeichnen, so muss Colophou Weslw. , bei dessen Weibchen (im hie-
sigen Museum) dieser Endhaken fast stärker als bei irgend einem
Dorcus entwickelt ist, ebenfalls damit verbunden werden. Wodurch
Lac. zu der Angabe veranlasst worden ist, dass diese innere Maxil-
larlade bei Colophon in beiden Geschlechtern einfach sei, weiss sich
Ref. nicht zu erklären ; übrigens zeigt diese Gattung auch im äusse-
ren Habitus eine augenscheinliche Annäherung an gewisse Dorcus.For-
men, besonders an den Chilenischen Scieropterus Darwinii llopc!, —
Von nicht geringerer Bedeutung sind die Abänderungen, welche der
Verf. in der Systematik der Melitophilen vorgenommen hat und die
hier in gleicher Weise sowohl den Umfang der Gruppen als der
Gattungen betreffen : in ersterer Beziehung ist das Ausscheiden der
Ischnostomiden und Schizorrhiniden aus der Gruppe der eigentlichen
Cetonien und die Annäherung der ersteren an die Goliathiden (von de-
nen Ischnoscelis abgetrennt wird) , die Verbindung der Lomapteriden
init den Gymnetiden, die Verweisung von Clerota zu den Macronoti-
den u. s. w. durchaus in der Natur begründet. In Bezug auf die
Einziehung und Aufrechterhaltung der einen oder anderen Gattung,
besonders unter den Goliathiden, würde sich Ref. allerdings in meh-
wahrend des Jahres 1856. 313
reren Fällen mit dem Verf. im Widerspruche befinden , doch lassen
sich hier über den systematischen Werth der einzelnen Charaktere so
verschiedenartige Ansichten aufstellen, dass es schwerhält, über Recht
und Unrecht zu entscheiden ; im Ganzen hat der Verf. sich bei der
Einziehung früher aufgestellter (ialtungen hier eher zu passiv als zu
activ verhalten, in manchen Fällen vielleicht nicht ganz consequent
(vergl. Narycius und Cyphonocephalus gegen die unter Ceratorrhina
vereinigten Formen). — Dass auch die übrigen Gruppen der Lamelli.
cornen in Bezug auf Einzelnheiten Abweichungen von den früheren
SystemaliUern da erkennen lassen, wo die eigenen Untersuchungen
des Verf. (die für den vorliegenden Theil in besonders ausgedehnter
Weise stattgefunden zu haben scheinen) ihn solche vorzunehmen ver-
anlassten, braucht nach den obigen Daten kaum erwähnt zu werden ;
ebenso ist derselbe in Betreff solcher Formen, über dessen Stellung
die Ansichten bisher getheilt waren , ganz seiner eigenen Ueberzeu-
gung gefolgt, indem er z. B. die Euchiridae den Älelolonthiden, die
Gattung Cryptodus dagegen den Dynastiden (abweichend von Erich-
son) unterordnet. In Betreff der Gattung Lasiopsis Er. (Melolonthi-
den) wird dem Verf. vielleicht die Bemerkung von Interesse sein,
dass dieselbe nach den Exemplaren des hiesigen Museums deutlich
Qgliedrige (nicht Sgliedrige, wie Lac. angiebt) Fühler, gerade wie es
von Erichs on angegeben wird, erkennen lässt. — Die Herbeischaf-
fung und kritische Sichtung des sehr ausgedehnten und zerstreuten
literarischen Materials, welche eines der Hauptverdienste dieses Wer-
kes bildet , ist von besonderer Wichtigkeit für diejenigen Lamelli-
cornen-Gruppen, welchen eine Gesammtbearbeitung noch. nicht zu Theil
geworden ist, nämlich für die Lamellicornia laparostictica ; einem zu-
künftigen Monographen dieser Abtheilung ist hierdurch einer der
schwierigsten Theile seiner Arbeit in bester Weise zugänglich ge-
macht worden. Das Werk, welches im rüstigsten Fortschreiten be-
griffen ist, indem schon der vierte Theil desselben seit längerer Zeit
vorliegt, wird auch für die folgenden Berichte einen der wichtigsten
Theile ihres Inhalts abgeben.
L. Im ho ff, Versuch einer Einführung in das Studium
der Coleopteren, in zwei Theilen und .einem 25 Tafeln lilho-
graphirler Abbildur'gen nebst Text enihallendem Anhano^e.
Auf Kosten des Verfassers. Basel 1856. (8. 114 und 272 pag.).
— Der Verf. hat beabsichtigt, mit diesem Werke eine ahn-
liche Einleitung in die specielle Insektenordnung der Coleo-
pteren zu geben, wie es durch Kirby und Spence, La-
cordaire u. a. in ihren bekannten Werken für die ijan/e
Cl«sse der Insekten geschehen ist; diese V^'erke, und zwar
ganz besonders das vortreffliche La cor daire's, haben daher
314 Geislaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
auch für das vorliegende als Muster gedient und es ist z. B.
die Anordnung des im allgemeinen Theile behandelten Materials
ganz nach dessen Vorgang angenommen worden. Neben diesem
allgemeinen Theile, welcher auf die Beziehungen derColeopte-
ren zu der sie umgebenden Natur (Thier- und Pflanzenreich),
eingeht, eine allgemeine Schilderung ihrer äusseren und in-
neren Organisation so wie ihrer physiologischen Verrichtun-
gen enthält und sich endlich mit ihren gegenseitigen Ver-
wandtschaften und der daraus abstrahirten systematischen Ein-
theilung im Grossen und Ganzen befasst , enthält die Arbeit
noch einen (dem Umfange nach grösseren) speciellen Theil, in
welchem der Verf. auf die einzelnen Familien, Gruppen und
Gattungen näher eingeht, um die Charaktere derselben we-
nigstens in so weit zu erörtern , als diese vom allgemeinen
Gesichtspunkte aus ein näheres Interesse beanspruchen. Dem
Zwecke des Werkes entsprechend sind auch die dasselbe be-
gleitenden Tafeln angelegt, indem sie eine Darstellung sol-
cher Formen (im Umrisse) enthalten, welche als geeignete
Repräsentanten für bestimmte Modifikationen der Körperbildung
im Allgemeinen so wie einzelner Theile dienen können.
Ein Werli, welches wie das vorliegende als wissenschaftlich
gehaltene Einleitung in einen sehr speciellen Gegenstand dienen soll,
hat dem Publikum gegenüber eine missliche Stellung und verdient
deshalb von der Kritik um so mehr anerkannt 2u werden. Die Samm-
ler und Liebhaber der darin behandelten Insektenordnung beschränken
sich zum grössten Theil auf inländische Arten und interessiren sich
überdem nur für Artenbeschreibungen, die ihnen zur Determinirung ihrer
Sammlung dienen können. Für diese ist also die Imhoff'sche Arbeit
nicht, indem sie die Coleopteren hauptsächlich als Ganzes und Ein-
zelnheiten nur von einem allgemeinen Gesichtspunkte aus betrachtet, sich
zweitens aber auf alle überhaupt bekannten typischen Formen, die
viel zahlreicheren ausländischen mit einbegritfen, erstreckt, wie dies
sich bei einem derartigen Werke von selbst versteht. Es bleibt da-
her nur die geringe Anzahl wissenschaftlicher Bearbeiter theils der hier
abgehandelten speciellen Ordnung , theils der Gliederhiere in weiterer
Ausdehnung übrig, denen das Buch Interesse abgewinnen kann, und
für diese ist es als „Einleitung" im Grunde nicht berechnet; trotzdem
kann es nach des Ref. Ansicht den letzteren mannigfache gute Dienste
leisten. Sollte es ausserdem seinen eigentlichen Zweck erfüllen,
nämlich in weiteren Kreisen ein wissenschaftlicheres Interesse an dem
Gegenstande zu erwecken, resp. zu fördern, so wäre die Verdienst-
während des Jahres 1856. 315
lichkeit des Unternehmens als eine um so grössere zu bezeichnen. -—
Was die Ausarbeitung des allgemeinen Theiles betrifft, so ist dieselbe
als eine im Ganzen durchweg gelungene zu bezeichnen; der Verf.
hat die hier einschlagende Literatur in ebenso umfassender als kriti-
scher Weise benutzt, was sich darin zeigt, dass er einerseits nichts
Wesentliches übergangen, andererseits das herangezogene Material
übersichtlich und zweckmässig verwerthet hat. Das Schema dazu
war ihm von seinen Vorgängern überkommen, den speciellen hier zu
verarbeitenden Stoff hat er selbst fleissig zusammengetragen ; beson-
ders gilt dies von den Capiteln, welche die Beziehungen der Käfer
zu der übrigen Natur, die Physiologie, Biologie u. s. w. behandeln.
Bei der Beschreibung der äusseren Skelettbildung wäre ein etwas
näheres Eingehen hin und wieder wohl wünschenswerth gewesen,
z. B. bei der Zusammensetzung der einzelnen Thoraxringe in Bezug
auf die Episternen und Epimeren, (wo eine Bezugnahme auf die In-
sekten im Allgemeinen um so weniger genügt, als diese Theile ge-
rade bei den Käfern mehrfache Abweichungen einerseits den anderen
Ordnungen gegenüber, andererseits auch untereinander darbieten), fer-
ner bei den Hinterflügeln, deren Geäder ganz mit Stillschweigen
übergangen wird, bei den Hüften in Betreff ihrer Einlenkung u. s. w. ;
jedenfalls sind diese ünvollständigkeiten aber so vereinzelt, dass man
schon danach suchen muss , um sie herauszußnden. — Die vorwie-
gend philosophische Richtung , welche der Verf. in der Systematik
des zweiten speciellen Theiles kundgegeben hat, kann ihm, trotzdem
der strenge Systematiker gewiss viele gerechte Einwendungen gegen
die Resultate derselben erheben könnte, gerade in dem vorliegenden
Werke am wenigsten verargt werden. Ob Pflanzen- oder Fleisch-
fresser absolut höher organisirte Wesen sind , lässt sich nicht fest-
stellen , wenn auch letzteren in der Regel der Vorrang zugestanden
wird: man kann also nichts dagegen haben, wenn der Verf. den La-
mellicornen die erste Stelle unter den Coleopteren einräumt. Ebenso
gerechtfertigt erscheint es, wenn die verschiedenen Familien (oder
vielmehr Familien-Complexe) , wo es sich thun lässt, auf Grund na-
türlicher Beziehungen und Verwandtschaften aneinander gereiht wer-
den ; nur ist der Verf. über letztere nicht seilen ungenau unterrichtet.
Wenn er seine Coleoptera Clavicornia als „rhypophag« bezeichnet,
so können doch gewiss die meisten der darunter vereinigten Familien
nicht dorthin gerechnet werden und zwar weder nach dem Larven,
zustande (Kilidularien, Trogositen zum Theil carnivor, Coccinellinen
theils carnivor, theils herbivor u. s. w.) noch nach dem der Imago
(die wenigsten der aufgeführten Familien leben im Auswurfe). Auch
kann es wohl nicht gebilligt werden , dass in Betreff der Tarsenbil-
dung das Kind mit dem Bade ausgeschüttet werde , denn so unnatür-
lich ein starres Festhalten daran in jedem einzelnen Falle auf di^
316 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Systematik einwirken wurde , so natürlich zeigen sich andere Fami-
lien durch dieses Merkmal abgegrenzt. Uebrigens betreffen diese
systematischen Abweichungen des Verf. nur seine grösseren Familien-
Gruppen , während die Familien selbst durchaus naturgemäss aufge-
fasst worden sind ; die sorgsamen Charakteristiken derselben, bei de-
nen stets zugleich auf die Larven Rücksicht genommen wird, und be-
sonders auch die recht vollständige Aufzählung der ihnen zugehörenden
Gattungen machen das Werk auch demjenigen brauchbar, dem es um
eine Einleitung in das Studium der Coleopteren nicht mehr be-
sonders zu thun ist, sondern der zur schnellen Orientirung in diesem
oder jenem Falle ein gutes Handbuch wünscht; und dieses Prädikat
kann Ref. dem Imhoff'schen Werke aus bester Ueberzeugung beilegen.
Vom Vorstande des British Museum in London sind in
diesem Jahre wieder zwti neue Cataloge, die Ordnung der
Coleopteren betreffend, veröffentlicht worden :
Calalogue of Coleopterous Inseels in the collection of
the British Museum. Part. IX. Cassididae, by C. Boheman.
London 1856. Printed by order of Ihe Trustees. (8. 225 pag.).
— Dieser Catalog enthält eine Aufzählung sämmtlicher bis
jetzt beschriebener Cassiden mit vollständiger Anführung ihrer
Synonymie und specieller Bezeichnung derjenigen Arten, wel-
che im British Museum vorhanden sind; ausserdem eine kurze
Charakteristik einer beträchtru hen Anzahl neuer Arten, die dem
Verf. nach Abschluss seiner Monographie nicl'.l nur vom
Bril. Mus., sondern auch aus anderen Sammlungen zugekom-
men sind.
Wach dem Citat: „Monograph. Cassid. Appendix«, welches den
Beschreibungen dieser neuen Arten wiederholt beigefügt ist, steht zu
erwarten, dass Boheman einen Supplement-Band zu seiner Cassi-
den-Monographie verölfentlichen wird, in welchem jene Arten ihre
ausführliche Charakteristik finden sollen ; und es ist daher der vor-
liegende Katalog, abgesehen von seinem Bezüge auf das British Mu-
seum, eigentlich nur als ein Vorläufer jenes Supplementes anzusehen.
Die zahlreichen neuen Arten, welche darin charakterisirt sind, gehö-
ren folgenden Gallungen an: Hoplionola 8, Prioptera 5,. Himalidium 1,
Calliaspis 1. Porpbyraspis 3, Spilophora 2, Tauroma 3, Desmonota 3,
Canistra 2, Dolicholoma 11, Callaspidea 3, Mesomphalia 37, Poecila-
spis 5, Elylrogona 1, Chlamyphora 8, ümaspides 2, Batonola 3, Phy-
sonola 3, Aspidomorpha 5, Cassida 25.
List of British Curculionidae with Synonyma , by J.
Walton. London 1856. Printed by order of tho Trustees.
während des Jahres 1856. 317
(8, 46 pag.). Das Verzeichniss enthält eine syslemalisclie
Uebersicht der in England einheimischen Curculionen mit
besonderer Berücksichtigung ihrer Synonyniie und ist als ein
Auszug der von Wal ton früher in den Annais of natural
hislory veröffentlichten Untersuchungen über diesen Gegen-
stand anzusehen, deren Zweck bekanntlich hauptsächlich der
war, die Benennungen der englischen und conlinentalen Au-
toren mit einander in Einklang zu bringen. Die kurze Zu-
sammenstellung dieser Ergebnisse in dem vorliegenden Ca-
taloge ist um so wünsrhenswerther, als die Englische Zeit-
schrift, in welcher der Verf. seine früheren Arbeiten stückweise
veröffenlücht hatte, im Ganzen Wenigen zuganglich ist. —
Für die Reihenfolire der Gattungen und Arten ist das Schön-
herr'sche Werk zum Vorbild genommen; die im British
Museum befindlichen Arten sind mit der üblichen Chiffer be-
zeichnet.
Die Englische Curculionen - Fauna ist der nördlichen Lage des
Britischen Reiches angemessen ziemlich arm und kaum der des nörd-
lichen Deutschlands gleich. Es sind im (lanzen 85 Gattungen \er-
zeichnet, von denen die artenreichsten folgende sind: Bruchus 9,
Ixhynrhites 17, Apion 71, Sitones 14, Polydrosus 9, Fhytonomus 14,
Phyllobius 9, ütiorhynchus 18, Erirhinus 21, ürchestes 12, Phylobius
8, Ceutorhynchus 34, Gymnetron 9.
Eine Anzahl neuer und zum Theil sehr ausgezeichne-
ter Coleopteren des Brilish Museum hat ausserdem A. White
^Descriplions of some Coleopterous Insects in Ihe colleclion
öf the British Museum , hilheilo apparenlly unnoticed^* (Pro-
ceedings of the zoological sociely of London XXIV. p. 8,
406 ff. pl. 40 und 41) beschrieben und abgebildet. Dieselben
gehören den Familien der Longicorncn und Melitophilen an.
Ebenso wurden von Thomson in der Rev. et Magasin
de Zoologie VIII. p. 112, 472 und 528 ff. so wie in den An-
nales de la SOG. enlomol. de France IV. p. 317 — 335 meist
seltene und interessante Arten aus verschiedenen Familien
der Coleopteren und aus verschiedenen Weillheüen herstam-
mend beschrieben und durch schöne Abbildungen dargestellt.
Einige derselben fallen jedoch theils der Gattung, theils der
Art nach mit schon bekannten zusammen , worüber bei den
^einzelnen Familien Nachricht gegeben worden isL
318 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Zur Kenntniss der Colcopleren- Fauna Ameriita's sind
folgende Beiträge geliefert worden:
Von Le Conte; Eine Uebersicht der Melolonlhiden der
Vereinigten Staaten (Journal of ttie academy of natural scienc.
of Philadelphia III. 3) , eine gleiche von den Cicindelen der
Vereinigten Staaten (Transactions of Ihe American philoso-
phical Society XI. 1); ferner von den Chlaenien, Mycelo-
phagiden und Phalacri Nord-Amerikas in den Proceedings of
ihe acad. of nat. scienc. of Philadelphia VIII. — In letzlerer
Zeilschrift hat auch Rogers eine Bearbeitung der Chryso-
melae genuinae Nord-Amerika's veröffentlicht.
Chevrolat machte einige Mexikanische Coleopteren
in der Rev. et Magas. de Zoologie VIII. p. 351 durch Dia-
gnosen bekannt; dieselben sind von S alle gesammelt worden
und gehören den Cicindelen und Carabicinen an.
Salle setzte seine Beschreibung neuer Coleopteren
von St. Domingo in den Annales de la soc. entomol. IV.
p. Ö87 ff. (pl. 20) fort.
Rojas machte wieder einige neue Arten aus Venezuela
in der Rev. et Magas. de Zoologie VIII. p. 565 bekannt und
gab eine ausführlichere Beschreibung und Abbildung der im
vorigen Jahre diagnosticirlen in den Annales de la soc. en-
tomol. IV. p. 693 ff. pl. 20.
Von Fairmai re finden sich mehrere von Germain
in Chile aufgefundene Arten verschiedener Familien in der
Rev. et Magas. de Zoologie VIII. p. 483 ff. beschrieben. (Co-
leoptera chilensia a Germain detecta et a L. Fairmaire
descripta).
Auch über die Fauna Asiens sind mehrere Mitlheilun-
gen gemacht worden , welche hier zusammengestellt werden
mögen :
Entomological papers, being descriptions of new Ceylon
Coleoptera with such observations on Iheir habils etc. as
appear in any way interesting; by J. Nietn er. Colombo,
Ceylon. No. I— IV. Juni — October 1856. — Der Verf., wel-
cher sich durch reichhaltige Sammlungen um die Kenntniss
der Inseklenfauna Ceylon's wohl verdient gemacht hat, lie-
fert in der genannten Schrift , deren einzelne Theile ausser-
während des Jahres 1856. 319
dem auch in den Annais of natural liislory 1857 abgedruckt
worden sind, einen Beilrag zur Käferfauna der Insel Ceylon,
welcher in Belracht der darauf verwandten Mühe alle Aner-
kennung verdient. Dass von den als neu beschriebenen Ar-
ten die eine oder die andere mit bereits bekannten zusam-
menfällt, wie dies der Vergleich typischer Exemplare des Verf.
mit der hiesigen Königl. Sammlung ergeben hat, erklärt sich
aus den beschränkten literarischen Hüllsmilteln in fernen Ge-
genden leicht; andererseits aber auch aus der irrigen Ansicht
des Verf., dass Arten, welche auf Ceylon selten sind, den mei-
sten Anspruch darauf haben, für neu gehalten zu werden.
Letzteres ist nun keineswegs der Fall ; vielmehr zeigen die
Nietner'schen Sendungen an die hiesige Sammlung, dass oft
in einzelnen Exemplaren aus Ceylon vorliegende Arten auf
dem Festlande Indien's gemein sind und ebenso umgekehrt.
Die meisten synonymischen Berichtigungen werden die von
Nietner beschriebenen Carabicinen (siehe diese Familie!)
bedürfen, indem hier einerseits die Feststellung vieler Gal-
tungen nach blossen Beschreibungen mit besonderen Schwie-
rigkeiten verbunden, andererseits die Literatur eine sehr
umfangreiche und zerstreute ist. Von besonderem Interesse
sind die Angaben, welche über die Lebensweise und das Vor-
kommen einzelner Arten gemacht sind.
hi,u i- Einige neue Arten von den Sunda-lnseln und aus Klein-
' Asien wurden von Chevrolat in der Rcv. et Magas. de
Zoologie VIIL p. 84—89 beschrieben.
Reiche und de Saulcy's Aufzählung der Coleople-
ren, welche von lelzterem während einer Reise im Orient
' gesammelt wurden, nebst Beschreibung der darunter befind-
lichen neuen Arten, ist in den Annale^s de la soc. entomol.
IV. p. 353— 42i mit den Familien derPalpicornia, Staphylinen,
Histeren, Parniden, Lamellicornen , ßuprestiden und Elateren
fortgesetzt worden. Die interessanteren derselben sind zu-
gleich auf zwei beifolgenden Tafeln abgebildet worden.
Descriplion de deux genres et de quatre especes de Co-
leopteres provenant d'Orieni; par M. Peyron. (Ebenda p.
0715—7250
Für Nord -Afrika gaben Fairmaire (Rev. et Magas.
de Zoologie VIII. p. 530 ff.) durch Beschreibung einiger Co*
320
Gerslaeck er: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
leopleren aus Marocco und Lucas (Annales de la soc. en-
tomol. IV. p. 697 ff.) aus Algier weitere Beiträge.
Die Europäische Fauna betreffen folgende Publikalionen:
Catalogus Coleopterorum Europae, herausgegeben vom
Enlomologischen Verein in Steltin. 6. Auflage. Stettin 1856.
(8. 92 pag. Index 14 ptig.) Diese neue Ausgabe ist aber-
mals von C. A. Do hm besorgt und gegen die vorherge-
hende mit den neu hinzugekommenen Entdeckungen be-
reichert.
Einen INachtrag zu diesem Cataloge lieferte Stelfahny (Enlo-
mol. Zeitung p. 52 iT. durch Aufzählung einer Anzahl neuerdings be-
schriebener Arten, nebst Hinzufügung von Synonymen u. s. w.
Catalogue des Coleopteres d'Europe , par M. de Mar-
seul. Paris"l856. (12. 200 pag.) — In diesem Cataloge sind
die einzelnen Arten mit Vaterlandsangaben und mit dem Cital
einer Beschreibung versehen.
Genera des Coleopteres d'Europe, comprenant leur Clas-
sification en iamilies naturelles , la description de tous les
genres etc., par Jacquelin du Val, et plus de treize
Cents types dessines et peints d'apres nature par J. Mi-
gneaux. Paris chez A. Deyrolle, gr. 8. — Vqu diesem Werke,
dessen Beginn (Lief. 1—6) im Jahresberichte für 1854. p. 25
angezeigt wurde, liegen gegenwärtig schon 53 Lieferungen
vor, von denen jedoch das letzte Dutzend etwa erst auf das
Jahr 1857 kommen würde. INach dem Abschluss der Familie
der Curculionen, welche den Anfang gemacht hatte, hat sich
der Verf. streng an die jetzt übliche Reihenfolge der Fami-
lien gehallen und mit derjenigen der Cicindelen auch eine
neue Paginirung des Werkes und eine entsprechende Nu-
merirung der Tafeln zur Herstellung des ersten Bandes be-
gonnen.'' Dieser liegt jetzt sowohl im Texte als in den Ta-
feln vollständig vor und umfasst die Familien der Cicindelen,
Carabicinen, Dytisciden, Gyriniden, Hydrophiliden, Süphiden,
Scydmaeniden, Psetaphiden und Paussiden. Vom zweiten Bande,
welcher mit den Slaphyiincn beginnt, ist ebenfalls schon eine
Reihe von Tafeln so wie ein Theil des Textes erschienen.
Die Charakteristik sämmtücher Gattungen ist auf wiederholte
selbstständige Untersuchung ihrer Merkmale gegründet und
enthält daher trotz der vielfach wiederholten Bearbeitungen
während des Jahres 1856. 321
dieses Theils der Coleopleren manche Verbesserungen und
Zusätze zu dem bereits Bekannten. Die Beschreibung einzelner
neuen Arten findet sich in der Familie der Curculionen (Fort-
setzung in Lief. 7 — 13) nocli mehrfach, in den übrigen sehr
sparsam und zum Theil gar nicht; jeder Familie wird aber
ein Verzeichniss der bis jetzt beschriebenen Europäischen Ar-
ten mit vollständiger Aufzählung ihrer Varietäten und Syno-
nyme und zugleich mit Angabe des Vaterlandes beigefügt.
Die von J. xMigneaux nach der Natur gestochenen und co-
lorirlen Tafeln zeichnen sich im Ganzen sowohl durch Ele-
ganz als Treue aus und nur wenige Figuren, wie z. B. An-
chomenus sexpunctatus (pl. 10), Taphria vivalis (pl.ll),
Dromius quadrimaculatus (pl. 23), Calops angustatus (pl. 34),
Gaslerocercus depressirostris (pl. 24) so wie mehrere andere
Curculionen sind im Habitus oder im Colorit auffallend ver-
fehlt. — Eine wesentliche Erweiterung hat der erste Band
noch durch eine „Introduction* erhalten , welche sich von
der 31. Lieferung an bis zum Beginne des zweiten Bandes
durch eine grössere Reihe von Heften hindurchzieht und eine
Art Einleitung in das Studium der Entomologie im Allgemei-
nen enthält, welche in das vorliegende Werk über Coleopteren
im Grunde nicht hineinpasst. Sie ist ebenfalls mit Tafeln
(15 an Zahl) ausgestattet, welche die Darstellung einzelner
Insekten aus anderen Ordnungen , der äusseren und inneren
Körperlheile derselben , so wie der Familien-Repräsentanten
von Coleopteren-Larven (Copieen nachChapuis und Can-
deze) enthalten.
Von der Einleitung verbreitet sich der erste Theil über den Pfüt-
zen der Entomologie und ihre Anwendung (p. I), wobei eine Ueber-
sichl der für Landwirlhschaft und Forstkultur besonders schädlichen
Käfer (p. X fl'.), sodann eine zweite über die in gleichen Fällen nütz-
lichen (p. XXXIll ff.) gegeben wird, denen sich auch eine Uebersicht
der aus Käfern erzogenen schmarotzenden Hymenopteren (nach Rat-
zeburg) anschliesst. Der zweite Theil ist einer sehr ins Einzelne
gehenden Schilderung des Insekten-Körpers im Allgemeinen und Spe-
ciellen gewidmet (p. XLVIU ff. ), geht bei den verschiedenen Körper-
theilen auf ihre wesentlichsten Modifikationen und dabei auch auf die
dafür gebräuchliche Terminologie ein und weist endlich die zwischen
den Kopf., Brust- und Hinterleibssegmenten nebst ihren Anhängen
bestehenden Analogieen nach. (Letztere sind schon oben besprochen
Archiv f Naturgcsch. XXIH .lahig; 2. Bd. y
'^2^ Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
worden ; der sie betreffende Auszug in den Comptes rendus de l'In-
stilut de France ist fast nur ein Abdruck der auf p. CXV— CXIX der
Einleitung zusammengestellten Resultate, welche der Verf. aus sei-
nen Untersuchungen über diese Theile des Insektenkörpers erlangt
hat). Eine kurze Erörterung der innern Anatomie so wie eine Cha-
rakteristik der Haupttypen der Coleopteren-Larven beschliesst diesen
allgemeinen Theil. — Die in der Familie der Curculionen und sodann
in denjenigen Familien, welche den ersten Band des Werkes ausfül-
len, aufgestellten neuen Arten und Gattungen sind folgende: 1) Cur-
culionides: Orckesles distinguendus und rhamphoides von Montpellier,
Oithothaeles erinaceus aus Frankreich, Rhinoncus coarclatus von ^\on\>.
pellier, Bagous frater und exilis ebendaher, Nanophyes sprelus eben*
daher, Plinlhus Chevrolalii von Saumur, Anbeonymvs putchellus von
Sicilien, nov. gen. et spec, zu den Uhynchaenen gehörend und nach
der Abbildung mit Tychius verwandt; von J. du Val wird seine nahe
Verwandtschaft mit Hypsomus Schh. hervorgehoben. Auf Oliorhyn-
chus fissirostris Walton wird ausserdem eine eigene Gattung Cata-
phorticus gegründet, die später als identisch mit Caepopsis Bach wie-
der eingezogen wird. (Die übrigen vom Verf. in Lief. 1 — 6 als neu
aufgestellten Curculionen sind schon im Jahresberichte für 1854 er-
wähnt worden.) — 2) Carabicini : Calalhns rotundatus aus Portugal,
Feronia reliculala aus Spanien, Dicheirotrichus n. g. auf Bradycellus
obsoletus Dej. gegründet und zu den Anisodactyliden gestellt, ßem6i-
dium flavoposlicatum (!) aus Süd. Spanien. — 3) Scydmaenides : Hier
wird die Gattung Eumicrus Lap. (Scydm. tarsatus) als wohlbegründet
wieder angenommen. — Was die systematische Durcharbeitung der
auf die Curculioniden folgenden Familien betrifft, so ist der Verf. hier
bei weitem gründlicher zu Werke gegangen als es bei jenen der Fall
war ; besonders lässt die Familie der Carabicinen mehrfache Aende-
rungen in der Anordnung der Gattungen und Gruppen erkennen, wel-
che der natürlichen Verwandtschaft derselben die richtige Anerkennung
zollen. Hierhin gehört z. ß, die Annäherung der Brosciden an die
Scaritinen, die der Bembidien an die Chlaeniiden, die Trennung der
Gattung Trechus von den Bembidien u. s. w. — Die Reichhaltigkeit
der Abbildungen von Arten innerhalb einer Gattung richtet sich ganz
zweckmässig nach ihrer Mannigfaltigkeit, resp. Einförmigkeit in der
äusseren Erscheinung und ihren wesentlichen Merkmalen; wo das
erstere staltündet, z. B. bei Bembidium, Feronia, Anchomentis, sind
die habituell verschiedensten Gruppen durch je eine charakteristische
Art vertreten, für andere dagegen mehrfach seltene oder weniger be-
kannte Arten herangezogen.
Uiiler ciemTiUjl: „Miscellanea cnlornologica" hat Fa Ir-
ma ire (Annales de la soc. enloinol. de France IV. p. 517
—548) eine grössere Anzahl meist südeuropäisch^r Coleopte-
> onivjJi! während des Jahres 1856» 323
ren verschiedener Familien bekannt gemacht, von denen einige
zugleich in der Revue el Äjagasin de Zoologie YIII. p. 179 ff",
diagnosticirl vvur<len. Dieselben sind unter den einzelnen
Familien besonders aufgeführt worden.
Für die Kenntniss der ersten Stände der einheimischen
Coleopteren und ihrer Lebensweise lieferle Perris (Annales
de la soc. enlomol. IV. p. 173, 245, 42.3 ff".) in den ferneren
Fortsetzungen seiner „Insectes du pin maritime" die schät-
zenswerlh^sten Beiträge. Nicht nur, dass die im Vorliegen-
den abgehandelten Familien der Bostrichen, Curculionen und
Cerambyclnen von besonderer Wichtigkeit in Bezug auf Forst-
wissenschaft sind, so gehen die Untersuchungen des Verf.
auch immer mehr darauf aus , eine eigentlich systematische
Kenntniss der Coleopteren - Larven , welche bis jetzt nur im
Anfange begriff'en war, zu begründen, indem er stets nach
Erörterung der Charaktere einzelner Arten und Gattungen
diejenigen, welche sich als der ganzen Familie eigenthümlich
erweisen, zusammenfasst und im Gegensalze zu verwandten
beleuchtet. (Das Nähere siehe bei den bezeichneten Fa-
milien !)
Ein systematisch -synonymisches Verzeichniss der bis-
her beobachteten und bekannt gemachten Larven Europäischer
Coleopteren wurde von Letz n er in der Zeitschrift für En-
tomologie, herausgegeben vom Verein f. Schlesische Insek-
tenkunde, 9. Jahrg. p. l — 77 zusammengestellt. — Die Arbeit
ist in der Hauptsache ein Auszug aus dem Werke von Cha-
puis und Candeze, welcher die Namen der im Larven-
zustande bekannten Arten und den Nachweis der darauf be-
züglichen Literatur enthält. Der selbstständige Antheil, den
der Verf. daran hat, besteht in der Vervollständigung der die
Europäischen Arten betreff'enden Literatur und zwar beson-
ders aus deutschen Werken , welche von den beiden Belgi-
schen Autoren nicht consultirt worden waren. Dadurch, dass
auch die nach der Veröff'entlichung jener Arbeit bekannt ge-
machten Arten aufgenommen worden sind , erhält das Ver-
zeichniss auch nach dieser Seite hin eine Erweiteruno-.
Einzelne Europäische Faunengebiete wurden in folgen-
den Werken speciell behandelt:
Histoire naturelle des Coleopteres de France par M. E.
1)24 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. l^ntomologte
Mulsant (Pectinipedes , Barbipalpes ^ Longipedes, Latipen-
nes.) Paris 1856. 8. — Es isl erfreulich, dass der Verf.
seine Bearbeitung der Coleopleren Frankreichs, nachdem die-
selbe vor dem Erscheinen des die Heteromeren behandeln-
den Theiles durch eine längere Pause unterbrochen worden
war, jetzt in rascher Folge zu veröffentlichen beabsichtigt:
und besonders wird es für die Liebhaber einheimischer Co-
leopleren angenehm sein, darin nicht die zu wiederholten
Malen bearbeiteten ersten Familien, sondern solche anzutref-
fen, über welche bis jelzt zusammenhängende Arbeiten ent-
weder nicht existirten oder in weniger zugänglichen Werken
enthalten sind. Da die Fauna Frankreichs eine sehr reich-
haltige ist und neben zahlreichen Arten des Millelmeer- Ge-
bietes die mitteleuropäischen Formen in grosser Vollständigkeit
in sich schliesst, so wird das Werk insbesondere auch den
deutschen Entomologen von vielem Nutzen sein und wenig-
stens über den bei weitem grössten Theil der ihnen vorkom-
menden Arten Aul'schluss geben können. Nach einer vor-
läufigen Anzeige ist bereits die Fortsetzung und der Schluss
der Heteromeren so wie die Familie der Curculioniden im
Drucke begriffen. In Betreff der vorliegenden Familien , so
sind unter den „Pectinipedes^^ C9ö pag.) die Cistelinen, unter
den „Barbipalpes« (115 pag. c. tab. 1) die JVIelandryaden,
unter den „Longipedes** (171 pag. c. tab. 1) die Mordellonen
und unter den „Latipennes" (44pag. ) die Lagriarien und
Pyrochroiden verstanden. Die äusserst sorgsame Untersu-
chungsweise des Verf., welche aus den früheren tBänden
hinlänglich bekannt ist, zeichnet die neu erschienenen Theile
in gleicher Weise aus; sie enthalten wie jene eine beträcht-
liche Anzahl neuer Arten und eine nach des Ref. Ansicht
zu grosse Zahl neuer Gattungen , welche an ihrem Orte nä-
her in Betracht gezogen werden sollen. Zu wünschen wäre
gewesen , dass bei der Al^gränzung der Gattungen sowohl
wie auch ganz besonders der Familien die exotischen For-
men mit in Betracht gezogen worden wären , in welchem
Falle sich Manches gewiss wesentlich anders gestaltet haben
würde. — Auf zwei beigegebenen Kupfertafeln sind einzelne
systematisch wichtige Körpertheile abgebildet. Ausserdem
enthält jeder Band einige Supplement-Blätter, auf denen nach-
während des Jahres 1856. 325
Iräirlich einzelne Arten aus den früher vom Verf. bearbeite-»
ten Familien, welche seitdem in FranHreich aufgefunden wor-
den sind, beschrieben werden.
Faune entomologique frangaise ou description des In-
sectes, qui se trouvent en France, par L. Fairmaire et A.
Laboulbene. Coleopteres. Tome I. Paris 1856. C>2. 665p.).
. — Von diesem Werke , dessen beide erste Lieferungen im
Jahre 1854 erschienen waren (angezeigt im Jahresberichte
1854. p. 30), liegt jetzt der erste, ziemlich starke Band voll-
sländig vor; er enthält ausser den damals erwähnten Fami-
lien jetzt auch die Bearbeitung der Staphylinen bis zu deren
Schlüsse. Die Verf. haben sich fast durchweg an die von
Erichson aufgestellten Gruppen und Galtungen gehalten,
die Zahl der Arten aber durch Aufnahme zahlreicher, seitdem
in Frankreich aufgefundener und von anderen Autoren be-
schriebener vervollständigt. — Als Einleitung für die Benut-
zung des Werkes ist eine kurze Auseinandersetzung der Ter-
minologie und eine Charakteristik der äusseren Körperbildung
so wie der einzelnen in Betracht kommenden Theile gegeben
worden.
Eine Fortsetzung der von Erichson begonnenen „Na-
turgeschichte der Insekten Deulschlands , 1. Abth. Coleo-
plera ," von welcher allein der als klassisch anerkannte
drille Theil zum Abschlüsse gekommen war, hat Schaum
in Verbindung mit v. K i es en weiter und Kr a atz unter-
nommen , und zwar in der Art , dass jedem der drei Verf.
die Bearbeitung eines besonderen Bandes übertrafen worden
ist. Den beiden ersten (dem Erichson'schen vorangehenden)
Theilen, von denen der erste (S c hau m) mit den Laufkäfern
beginnt, der zweite (Kraa tz) die Staphylinen umfassen soll,
wird sich zunächst der vierte (v. Ki ese n vv ette r) mit der
Bearbeitung der auf die Lamellicornen folgenden Familien
anschliessen. Im Jahre 1856 sind die Anfangs -Lieferungen
der beiden ersten Bände ausgegeben worden, welche eine
Bearbeitung der Cicindelen und Carabicinen mit geraden Vor-
derschienen (Bd. I. Lief. 1), und von den Staphylinen die
Gruppe der Aleocharinen (Bd. 11. Lief. 1. 2) enthalten. — Es
braucht auf die Bedeutung des Werkes, welches sich bereits
seit längerer Zeil in den Händen alier sich dafür inleressi-
326 Gerstaecker: Bericht üb. d. I.eistungeii in d. Entomologie
renden Liebhaber einheimischer Käfer befindet , hier nicht
näher eingegangen zu werden.
Von Bach's „Käferfaiina für Nord - und Mittel-Deutsch-^
Jand, mit besonderer Rüclisicht auf die Preussischen Rhein-
lande" ist im J. 1856 die erste Lieferung des dritten Bandes
(14Q pag.) erschienen, welche die Familien der Loiio^icornen
und Chrysomelinen, letztere jedoch noch nicht ganz voll-
ständig, enthält. Der Verf. hat darin die für die meisten
hier vorliegenden Abtheilungen bestehenden Arbeiten der
neueren Zeit in ganz zweckmässiger Weise zu verwertlien
gewusst und dem Sammler , welchem hauptsächlich an der
Bestimmung seiner Arten gelegen ist, diese sehr wesentlich
erleichtert. Neue Arten finden sich in diesem Theüe nur
wenige aufgestellt.
Zugleich gab Bach in der Enlomol. Zeitung p. 241 ff. Nach-
träge und Verbesserungen zu seiner Käferfauna, die früher erschiene-
nen Theile betreffend; dieselben enthalten u. a. auch die Beschrei-
bungen mehrerer neuen Arten. — Ebenda p. 179 ff. sind vonKraatz
Bemerkungen über die Identität einiger von Bach als neu beschrie-
benen Arten mit bereits bekannten gemacht worden.
Catalog der Schweizerischen Coleopteren, als Vorläufer
der Beiträge für Schweizerische Entomologie, von ßremi-
Wolf, Zürich 1856. (8. 78 pag.) — Nach diesem Cataloge
stellt sich die Zahl der in der Schweiz bisher aufgefundenen
Arten auf 3520, in 692 Gattungen; es sind in demselben
zahlreiche Synonyme, mit Namen belegte Varietäten und un-
beschriebene Arten, z. B. solche, die von Heer nur be-
nannt (seitdem aber zum Theil gewiss anderweitig beschrie-
ben) worden sind, aufgenommen.
Einen Nachtrag zur Käferfauna Siebenbürgens gab Fuss in
den Mittheilungen, des Siebenbürgischen Vereins f. Naturw. zu Her-
mannstadt YII. p. 35 ff.
Janson (Entomolpgisl's Annual for 1856. p. 82 — 92) zählte 28
für England neue Käfer auf, die im Verlaufe des vorhergehenden Jah-
res daselbst augefunden worden sind.
A Rearrangement of the nomenclature and synonymy of those
species of British Coleoptera, which are comprised under the sections
Geodephaga , Hydradephaga and part of Philhydrida, being the first
portion of a gcneral British Calalogue , by J. F. Dawsou and H.
Clarß, London 1856. (Nach einer Anzeige in den Annais of natural
während des Jahres 1856. 327
history XVII. p.4l9 besteht das unter diesem, langen Titel erschie-
nene Werk in einem Namerisverzeichnisse von 10 Druckseiten in 8.)
Lenz „Kugelann'sche Räthsel für Entomologen" (Neue Preus-
sische Provinzialblätter X. 1. 1856) hat aus einem Manuskripte Ku-
gelann's über Preussische Käfer eine Reihe von Diagnosen, bis jetzt
unentzifferter Käfer alxlrucken lassen , zu deren Eruirung er auffor.
dert. Dasselbe Manuskript enthielt ausserdem 37 benannte Arten,
deren Vorkommen in Preussen neuerdings nicht bekannt geworden
ist; sowohl diese als sechs andere neu entdeckte Arten werden nam.
haft gemacht.
V. Motschulsky setzte (Etudes entomol. V. p. 60 ff.) seine
Mittheilungen „sur les collections Coleopterologiques de Linne et de
Fabricius" mit den „Hydrocanthares" fort.
Synonymische Mittheilungen über einige von Dal man , Schön-
herr u. a. beschriebene Coleopteren, deren Typen sich im Stockhol-
mer Museum befinden, machte Fairmaire in den Annales de la soc.
entomol. IV. p. 546. — Andere neuerdings von verschiedenen Auto-
ren aufgestellte Arten führte Kraatz (Entomol. Zeitung p. 179 ff.)
auf bereits bekannte zurück.
lieber einige im Bernstein eingeschlossene Käfer, wel-
che sich in der Sammlung von Menge in Danzig befinden,
hat V. Motschulsky (Etudes entomol. V. p. 25 fT.) kurze
Notizen veröffentlicht, dieselben mit Namen belegt und auf
einer beifolgenden Tafel abgebildet; eine Beschreibung der-
selben ist aber nicht gegeben worden und daher haben die
Namen ebenfalls keine wissenschaftliche Geltung. Die Ab-
bildungen zeigen einige sehr interessante Formen , z. B. ein
Paussus- artiges Thier , welches sich aber durch die Bildung
der Fühler von jener Gattung entfernt, ferner einige mit
Phymaphora, Pselaphus und Ptilodactylus verwandte Gattungen.
C'icinilelt'tae. Le Conte, Revision of the Cicindelae of
the United States, Philadelphia 1856. 4. r- ü'e diesen Titel führende
Abhandlung ist im XI. Bande der Transactions of the American philo,
sophical society, deren erstes Heft erst im Jahre 1857 ausgegeben wor-
den ist, enthalten, mag aber, da sie auch im Separatabdruck mit der
Jahreszahl 1856 erschienen ist, im diesjährigen Berichte angezeigt
werden. — Der Verf. beschäftigt sich darin mit einer übersichtlichen
Aufzählung und einer naturgemässen Gruppirung der in Nord -Ame-
rika einheimischen Cicindelen, deren Zahl seit S a y's Bearbeitung
von 13 auf 65 gestiegen ist. Der bei weitem grösste Theil der hier
aufgeführten Arten ist bereits beschrieben und nur 9 derselben wer-
den zum Theii als wirklich neu eingeführt, zum Theil wenigstens mit
328 Gers laecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
neuen Namen belegt; die Arbeit ist aber in sofern sehr willkommen,
als sie einerseits das bisher zerstreute Material in ein Ganzes verei«
nigt, andererseits die Verwandtschaften und Beziehungen der einzel-
nen Arten zu einander erörtert. Bei der Gruppirung der ihm vor-
liegenden Arten hat der Verf. zweckmässiger Weise zugleich mit auf die
typischen Formen anderer Länder Rücksicht genommen und es haben
somit die von ihm aufgestellten Gruppen zugleich Bezug auf eine £in-
theilung der Gattung im Allgemeinen. Von den acht hier angenom-
menen Hauptabtheilungen fehlt nur eine , welche auf C. lugubris,
chinensis u. s. w. begründet ist, in Nord-Amerika; alle übrigen sind
durch eine grössere oder geringere Artenzahl repräsenlirt und zer-
fallen wiederum in 24 Unter - Gruppen. — Ferner ist auch die Sy-
nonymie der aufgeführten Arten von Neuem einer Revision unterwor-
fen und manche der früheren Benennungen geändert worden ; von
beschriebenen Arten Nord - Amerika's sind dem Verf. nur drei von
Say aufgestellte unbekannt geblieben. Die Namen der neu aufge-
stellten Arten .sind : C. prasina (obsoleta var. LeC), oregona aus
Californien, (jullifera von Neu-Mexiko, cijaneUa vom oberen Missouri,
media aus Georgien und Süd -Carolina, macra (blanda LeC.], sperala
vom Rio Grande , corvina aus Nord - Mexiko und cursilans von Fort
Riley. — Die Bestimmung wird durch eine beigegebene Tafel sehr
erleichtert, auf welcher die Flügeldecken sämmtlicher Arten in ver-
grösscrtem Maassstabe abgebildet sind.
Die Gattung Eurymorpha Hope wurde von F'alrmaire (An-
nales d. 1. soc. entomol. IV. p.QSff.) näher charakterisirt und mit
einer zweiten neuen Art: E. Moiifßeti von Cap Negro bereichert,
welche sich von E. cyanipes durch goldige Oberlippe und kupferfar-
bene Beine unterscheidet. (Dem hiesigen Museum wurde diese Art von
Chevrolat unter dem Namen Eur. aerea mitgetheilt.)
Das vor zwei Jahren von Chevrolat unter dem Namen Agrius
fallaciosus beschriebene Insekt wurde von v. iMo tsch u Is ky (Etudes
entomol. V. p. 32) noch einmal als Picnochüe Magellanica beschrie-
ben und abgebildet; M. rechnet die Gattung zur Gruppe der Mantico-
riden und glaubt darin ein Verbindungsglied zwischen Omus und Me-
gacephala zu erkennen.
In der Revue et Magas. de Zoologie VIII., 1856 wurden folgende
einzelne neue Arten bekannt gemacht: Von Chevrolat (p. 351):
Iresia Boucardii , Cicindela luteolineala und Procephalus maculicornis
aus Mexico, durch Diagnosen. — Von Thomson: Dislipsidera Sltiis"
zechii aus Neu-Caledonien (p. 112. pl. 5. fig. 1), Myrmecoptera Berlo-
lonii von Mossambique (p. 482) und Cicindela Craverii aus Mexiko
(p. 528).
In den Annales de la soc. entomol. IV. p. 326 und 331 beschrieb
Thomson: Cicindela ßammula aus Mexiko (auf pl. 8 abgebildet),
während des Jahres 1856. 329
welche mit C. luteolineata Chevrol. zusammenfällt und Cic. Walkem
riana von Costa Risa. — Auf eine neue Art von Rlossambique, wel-
che T. unter dem Kamen Evprosopus (?) Bionconii erhallen hat, er-
richtet er eine eigene Gattung Bostrichophorusy die zwischen Myrme-
coptera und Euprosopus in der Mitte stehen soll, deren Art aber nicht
charakterisirt wird. — Für Cicind. fatidica von Port Natal wird ein
neuer Gattungsname Prodotes aufgestellt.
Cartibicini* Alemoire sur la famille des Carabiques, par IVf.
de Chaudoir, 6. partie (Bulletin de la soc. des natural, de Moseou
1856. No. II. p. 187 — 291). Diese neue Abhandlung des geschätzten
"Verf. ist einer Bearbeitung der Gruppe der Chlaenil und in ihrem bis
jetzt vorliegenden Theile der eigentlichen Gattung Chlaenius gewid-
met , welche in der Art ihrer Abfassung nur mit Freude begrüsst
werden kann, da sie dem Unwesen der Gattungsmacherei in sehr um-
sichtiger Weise entgegentritt. Der Verf. weist in der Einleitung
nach, dass die Form der Palpen und des Kinnzahnes, auf welche
Laferte seine zahlreichen von Chlaenius abgezweigten Gattungen
gründete, von grosser Veränderlichkeit je nach den Arten seien und
deshalb ihnen ein genereller Werth nicht beigelegt werden könne;
dies beweisen schon die Verschiedenheiten in der Palpenform, wel-
che sich bei den Chlaenius - Arten mit rundem Fleck an der Flügel-
deckenspitze, deren nahe Verwandtschaft wohl auf der Hand liegt,
zeigen und ebenso ein Vergleich der Epomis , Eurydactylus u. s. w.
mit einander. In Gleichem geht die zweispitzige Form des Kinnzah-
nes so unmerklich in die einfache Form über, dass Grenzen zwischen
beiden nicht gezogen werden können; nach v. Chaudoir ist auf
denselben nur in zwei Fällen Gewicht zu legen, nämlich wo er ganz
fehlt (2 Amerikanische Arten) und wo er wie bei C. eximius eine
ganz ungewöhnliche Bildung zeigt. lilit zwei anderen von Laferte
als zur Abgränzung von Gattungen brauchbar angesehenen Charak.
teren, der Form der Überlippe (ausgerandet oder nicht) und der Dicke
der Fühler so wie dem Längsverhältnisse einzelner Glieder, verhält
es sich ebenso. Gattungen , welche auf solchen Charakteren basiren
und die demnach für v. Chaudoir keine Gültigkeit haben, sind:
Ocybatus, Vertagus , llomalolachnus, Barymorphus , Epomis, Eury-
dactylus, Dinodes, Dilobochilus, Alacus, Aleptocerus und Glyptoderus;
die übrigen (mit Ausnahme der dem Verf. unbekannten Gattung Am-
blygenius) werden als solche anerkannt. In Betreff der Abgränzung
der Gruppe hebt v. Ch. als unterscheidenden Charakter von den Pte-
rostichen, mit denen wenigstens die Weibchen oft eine grosse Ue-
bereiustimmung zeigen, die Aushöhlung der vorderen Fläche des Me-
sosternum hervor; in diesem Charakter mit den „Oodiens" überein.
stimmend , unterscheiden sich die Chlaenier von diesen durch den
von Le Conte angegebenen Charakter in der Streifung der Flügel-
330 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
decken, wonach Hololeius Laf. zu Chlaenius , Dercylus dagegen zu
Oodes gehört. Es reducirt sich demnach die Zahl der von v. Chau-
doir angenommenen Chlaenier- Gattungen auf acht, welche in einer
analytischen Ta!)elle zusammengestellt werden: Anomoglossvs , Ecco~
ptomenus (Hoplogenius Laf.), Asporinus ^ Harpostomus , Hololeius, Ce~
roglossus (vergebener Name!), Rhopalopnlpus ( vox hybrida!) und
Chlaenius. In der nun folgenden Bearbeitung der Gattung Chlaenius
Werden 208 dem Verf. aus eigener Anschauung bekannte Arten aufge-
führt und unter 17 Abtheilungen gebracht, denen die Form des Thorax
zu Grunde gelegt ist; zu einer weiteren Eintheilung sind die Unter-
schiede in der Fühler- und Mundbildung so wie besonders die Zeich-
nungen der Flügeldecken benutzt worden. Die hinreichend bekann-
ten Arten sind nur namentlich angeführt und mit synonymischen Be-
richtigungen sowie mit anderen Bemerkungen versehen; erwähnt sei
hierbei, dass zur Gruppe des Chlaenius notnla Fabr. auch der Carabus
xanthospilus Wied. (Germar Magazin) gehört, welcher dem Verf. nicht
bekannt gewesen zu sein scheint. Die Einführung einer grösseren
Anzahl neuer, hier treffend beschriebener Arten macht die Arbeit für
das Artenstudium der Familie so unentbehrlich , dass sie hier nicht
einzeln aufgeführt zu werden brauchen.
Gleichzeitig hat auch Le Conte eine Uebersicht über die
Chlaenius- Arten der Vereinigten Staaten gegeben („Analytical table
of the species of Chlaenius found in the United States" in den Pro-
ceed. of the acäd. of nat. scienc. of Philadelphia VIII. p. 25— 29),
welche 38 dem Verf. bekannte nebst 6 zweifelhaften Species nach-
weist. Erstere sind in einer analytischen Tabelle zusammengestellt
und nach der stärkeren oder kaum wahrnehmbaren Punktirung des
Kopfes zunächst in zWei Hauptgruppen getheilt; diese zerfallen Wie-
der nach der Form und Skulptur des Halsschildes , der Länge des
dritten Fühlergliedes u. s. w. in mehrere Unterabtheilungen. Sodann
erörtert der Verf. die Synonymie einer Anzahl von Arten und be-
schreibt als neu : Cht. Nebraskensis, glaucus und amplus.
Die von Nietner (Entomolog. papers) bekannt gemachteä
Arten Und Gattungen dieser Familie aus Ceylon sind folgende. In
No. I: Chlaenius cetjlanicus (ist C. nilidulus Dej., Gattung Hololeius
Laf.), Chi. hmaculaius (ist Car. xanthospilus V\ied., Germar Magaz. IV.
p. 115), pulcher, cnpricollis (ist limbatus Dej.), n/gulosus (mit apicalis
Wied. nahe verwandt), Scaritcs minor, Clivina rugosif'rons, elungatulä
maculata. — InNo. II : Anckistu n. g. aus der Lebia-Gruppe, zwischen
Cymindis und Calleida stehend, von letzterer Gattung durch stunipf
zugespitzte Ligula, das an der Spitze abgestutzte Endglied der 'Kie-
fertaster und queres Halsschild unterschieden, von Cymindis durch
tief zweilappigcs viertes Glied der Tarsen abweichend. Art: A. mo-,
flesla. — Elliotia n. g. , ebenfalls aus der Lebia-Gruppe, eine sehr
während des Jahres 1856. 331
»ierliche kleine Forrli, die durch breiten Kopf, hervorgequollene Au-
gen und queres Halsschild, das jederseits winklig erweitert und dort
mit einer starren Borste besetzt ist, sich auszeichnet. Art: E. paU
lipes fdas hiesige Museum besitzt eine zweite Art von Ceylon mit
denselben Charakteren). Ausserdem zwei Arten beschrieben: HarpO"
lus advolans und Oodes piceus (ist identisch mit dtr einen Form des
0. hispanicus Dej. aus Bengalen). — In No. IV: Cyclosomus dyticoi^
des (ist C. flexuosus Dej.). Ochthephilus n. g. (der Warne ist gleich-
zeitig voniMulsant für eine Staphylinen-Gattung gebraucht) aus der
Bembidien-Gruppe, von flachgedrücktem Körper, durch die Form der
Palpen ausgezeichnet; die Maxillarpalpen haben das dritte Glied in-
wendig, das zweite auswendig verdickt, die Labialpalpen das dritte
kräftig entwickelt und aussen verdickt. Art: O.Ceylanicus. — Crea*
gris n. g. gehört nicht zu den Lebiiden, sondern zu den Helluoniden
und fällt mit der Gattung Acanthogenius Reiche zusammen. Die Art
C. labrosa scheint neu zu sein, kann aber den Namen nicht beibe-
halten, da schon ein A. labrosus Dej. besteht. — Heleroglossa n. g.
(Galeritidae) mit drei Arten; die Gattung könnte nur vielleicht für
die erste der beschriebenen Arten H. elegnnSf die in einigen Punkten
abzuweichen scheint, festgehalten werden , indem die beiden anderen
H. rußcollis und himaculata zur Gattung Planetes M. Leay gehören.
Der Name der letzteren Art , die übrigens von Plan, bimaculatus M.
Leay durch rothen Kopf abweicht, muss geändert werden. — Oosoma
n. g (Cratoceridae) fällt mit Barysomus Dej. zusammen und von den
beiden Arten ist 0. arenaria gleich B. Gyllenhali Dej., 0. Gerstaeckeri
gleich B. semivitlatus Fabr. — Neue Arten: Chlaenius princeps (ist
C. Orientalis Dej.), maleolens (ist posticus Fabr.), Dokrnii (ist paral-
lelus Dej.), Harpalus senilis (ist ein Platymetopus) , rugosus (gehört
zu derselben Galtung), Selenophorus Colombensis (ist kein Selenopho-
rus). Compsolepis n. g. (Harpalidae ?) , zuerst unter dem Namen Lepi'
thrix beschrieben, fällt mit Stenolophus zusammen; die Art C. fo~
liolosa ist wahrscheinlich mit dem Afrikanischen St. alacer Dej. iden-
tisch oder diesem wenigstens äusserst ähnlich.
Rosen hauer (Thiere Andalusiens p. 22) begründete eine neue
Gattung Pseudotrechus auf eine merkwürdige kleine Carabicinen-Form,
welche sich durch kurzes, stark herzförmig verengtes Ilalsschild und
breite, aufgeschwollene Flügeldecken, welche den Hinterleib nicht
ganz bedecken, auszeichnet. Die Zunge ist an den Seiten ganz mit
den Nebenzungen verwachsen und wird von letzteren wie von einer
häutigen Älembran rings umfasst, aus welchem Grunde die Gattung
der Brachinen-Gruppe eingereiht wird; von Dromius ist sie abgese-
hen von den Nebenzungen durch die Klauen unterschieden, weicht)
nur mit einem Paar sehr undeutlicher Zäbnchen besetzt sind. Art ;
Ps» mulHati4s (auf Taf. 3 abgebildet). — Als neue Arteu wurden von
332 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
demselben ferner beschrieben: Cymindis singiilaris, prolensa, Chlaenins
p$etiosus , Plerostichns alramentarius ^ Amara gravidula ^ Harpalus hes-
fiericusy Treclius planipennis, Bembidinm excellens, distans.
Eine eigene Gattung Phloeozelaetis will Peyron (Annales de
la soc. entomol- IV. p. 715) auf Coptodera plagiata Reiche errichten,
indem diese Art von Singilis Ranibur, womit sie in nächster Verwandt-
schaft steht, sich durch mehr verlängerte Oberlippe, schwächeren und
zweispitzigen Kinnzahn, kürzeres zweites Fühlerglied , hervorsprin-
gende Augen u. s. w. unterscheiden soll. — Eine zweite neue Gattung
wird unter dem Namen Orlholrichus für Anchomenus cymindoides Dej.
aus Aegypten errichtet, welche sich von den übrigen Anchomenus-
Arten durch die Form des Kinns und der Zunge so wie durch zahl-
reiche andere Charaktere unterscheiden soll. (Von den eigentlichen
Anchomenus-Arlen, z. D. A. livens, uliginosus u. a. weicht aber die
genannte Art aus Aegypten in keiner Weise, oder höchstens durch
die punktirten Flügeldecken ab und es wird daher die neue Gattung
auf sich beruhen können. Ref) — Zwei neue ebenda beschriebene
Arten sind ausserdem: Cymindis Oüridis^ eine ausgezeichnete Art aus
der Gruppe der G. Faminii, von Cairo und Feronia Jokannis von Rhodus.
Eine Anzahl einzelner und zum Theil ausgezeichneter neuer
Arten wurden von verschiedenen Autoren bekannt gemacht:
Von Thomson: Caraius Elysii und fidiiciarius aus Kord-China
(Annales d. 1. soc. entomol. IV. p. 337. pl. 9) ; erstere Art ist mit C.
coelestis und smaragdinus nahe verwandt, letztere scheint zur Gruppe
des C. arvensis zu gehören. Mit ihnen zugleich ist Car. Adonis Hampc
abgebildet worden. — Ferner (ebenda p. 32ö. pl. 8) Tefßus Ihomsonii
aus Mossambique (von Bertoloni so benannt), ist mit Tefflus cari-
natus Klug identisch. — Ozaena cyanoplera (ebenda p. 330. pl. 8j an-
geblich aus Mexiko, ist nach Chevrolat (Bullet, d. 1. soc. cnlom.
p. CV) identisch mit Ozaena cyanipennis Chaudoir. — Endlich: Cras~
pedophorus aequatitas von Port Natal (Rev. et Magas. d. Zool. VIII.
p. 481. pl. 24. flg. 8j.
Von INewman (Proceed. of the entomol. soc. p. 127 ff.) drei
Fseudomorphinen-Arten aus Waterhouse's Sammlung: Fseudomorpha
amaroides ^ Adelotopus ephippialus und rubiginosus , vermuthlich alle
drei aus Neu-Holland (der Fundort ist nicht angegeben).
Von Chevrolat (Revue et Magas. de Zoologie VIII. ,p. 351) :
Agra dinndiala, virgaia und fada aus Mexiko, durch Diagnosen fest-
gestellt.
Von Fairmaire (Annales de la soc. entomol. IV. p. 517 ff.):
Prislonychus hypogeus aus der Grotte von Isturitz in den Pyrenäen,
Argulor Nicaeensis von den Seealpen, Sleropus laticornis von Con-
stanlioopel und Caramanien, Abax curlvlns von den Seealpen, Amara
BarnevUlci von Paris > inierslüialis von Siciiien, Harpalus Janus aus
während des Jahres 1856. 333
den Pyrenäen. — Die eine dieser Arten, Feronia curlida ist auch in
der Rev, et Magas. de Zoologie VIII. p 179 beschrieben worden.
Von Dawson (Enlomologist's Aiinual 1856. p. 72) üyschirius
elongattdus aus England; zugleich giebt der Verf. (ebenda p öj — 81)
nachträgliche Bemerkungen über eine Anzahl in England einheinDischer
Carabicinen als Supplement zu seinen „Geodephaga Britannica."
Bates besprach (Proceed. of ihe entomol. soc IV. p. 10) die
Geschlechtsunterschiede von Agra, von welcher er in Brasilien eine
Art in copula fing. Das ]\lännchen zeigt oft eine verschiedene Be-
haarung der Unterseite : zuweilen ist das Älelasternum und alle Hin-
terleibssegmente dicht wollig behaart , bei anderen das Metasternum
und der erste Hinterleibsring mit aufrechten Haaren besetzt. Auch
in der Dicke der Schenkel, der Form des Analsegments und der Aus-
randung der Flügeldeckenspitze sind Unterschiede aufzufinden. (Die
Männchen, welche bedeutend seltener zu sein scheinen, zeichnen
sich ausserdem auch durch kürzere und etwas breitere Vordertarsen
aus Ref.)
Pelouze las in der Akademie der Wissenschaften zu Paris
(Comples rendus, Juiliet 1856 und Kev. et Magas. de Zoologie Vlil.
p. 350) über die Zusammensetzung der von den Carabus - Arten aus-
gespritzten braunen Flüssigkeit; dieselbe enthält einen bedeutenden
Anlheil an Buttersäure, welche ihr auch den charakteristischen Ge-
ruch verleiht.
Suffrian erörterte (Entomol. Zeitung p. 91 — 103) in ausführ-
licher Weise die Varietäten des Carabus monilis Fab. und die auf sie zu
beziehenden Beschreibungen der älteren und neueren Autoren; auch
auf die geographische Verbreitung der Art wird näher eingegangen.
Dohrn, Beiträge zur Stettiner Käferfauna, (Entomol. Zeitung
p, 188 ff.) berichtete über das zahlreiche Vorkommen von Miscodera
arctica Payk. im Frühjahre und Herbst unter Moos; mit ihr zugleich
finden sich die seltenen Chlaenius-Arten, wie Chi. 4sulcatus, sulcicol-
lis, caelatus.
Nach Hislop (Zoologist, p. 4956) kommt Miscodera arctica auch
in Schottland vor und ebenso nebst mehreren vorzüglich 'als lapp-
ländisch bekannten Arten Elaphrus lapponicus.
Dinodes Maillei Dej. ist in einem Exemplar auf der Insel Wight
im Süden Englands aufgefunden worden (Proceed. of the entomol,
sdc. p. 108); Dawson glaubt gewiss mit Recht, dass hier nur eine
üebersiedelung durch Schiffe aus Griechenland staltgefunden habe.
Dytisctdae. Thomson, Öfversigl af de arter inom famil-
jen Dytisci, som blifvit anträffade p° Skandinaviska haifön (Kongl.
Vetensk. Akad. Handling. för ar 1854, Stockholm 1856. p. 179-237).
In dieser Uebersicht der Skandinavischen Dytisciden sind die einzel-
334 Gerstaecker: Bericht ob. d. Leislyngefi in d. Enloinologie
nen Arten mit lateinischen Diagnosen und den Hinweis auf die ver-
breitetslen Beschreibungen versehen und ausserdem zum Theil mit
einer Auseinandersetzung der Unterschiede von den zunächst verwand-
ten begleitet worden. Dieselben vcrtheilen sich folgendermasstn auf
die einzelnen Gattungen: Haliplus 11, Cnemidotes 1, Hydroporus 54,
Hyphydrus 1, Noterus 2, Laccophilus 2, Agabus 26, Ilybius 10, Co-
lymbetes 11, Dytiscus 6, Hydaticus 6 und Acilius 2. (Die Gattung
Cybister scheint demnach in Schweden zu fehlen). Abgesehen von
einer Anzahl neuer Arten, welche unter den Namen Haliplus Lappo^
num (ferrugineus Zett.j, Hydroporus Bohemani, geniculalus und acut-
angulus (tristis Zett.) , Agabus Zelterstedtii (Sturmii var. et fem. Gyll.
Zett.), Ilybius crassus (fenestratus var. Gyll. Zett.) und sitnjlis genau
beschrieben und in ihren wesentlichen Charakteren auseinandergesetzt
werden, verdient die Arbeit auch deshalb eine besondere Beachtung,
weil sie zur näheren Kenntniss der von den Schwedischen Autoren
und von Schioedte beschriebenen Arten viele schätzbare Beiträge
liefert. Es wird z. B. Agabus melanarius Aube als synonym zu Ag.
tarsatus Zett., Dytiscus fenestratus Zelt, zu Ilybius subaeneus Er.,
Hydroporus piceus Aube zu Hydr. Gyllenhali Schiödte gebracht; an-
dere Arten, deren Identität mit bereits beschriebenen zweifelhaft ist,
z. B. Agabus opacus Mannerh. (Dyt. chalconolus var. Zett., ob gleich
A. opacus Aube?) werden ebenfalls gründlich charakterisirt , so dass
sie in Zukunft mit Sicherheit beurtheilt werden können.
Neue Arten sind : Dytiscus Iberipus , Hydroporus Hispanicus und
depressicollis Uosenhauer (Thiere Andalusiens p. 47 tf.) ; Cybister Ae^
gypliacus Peyron (Annales de la soc. entomol. p. 722], welcher nach
der Beschreibung jedoch auf Cyb. lateralis t'ab., der ebenfalls in Ae-
gypten vorkommt, passt.
Nach Hislop (Zoologist p. 4965) kommen Agabus serricornis
und congener in Schottland vor; ebenda (p. 5003) wird auch über
das Vorkommen anderer seltenerer Dytisciden in England und Schott-
land Nachricht gegeben.
Palpicornia* Als neue Arten wurden beschrieben :
^ ,, ,.| Von Nietner (Entomol. papers II. p. l4ff,): Hydrockus lacu-
slriSf Hydrous rußventris und inconspicuus von Ceylon,
Von Reiche und de Saulcy (Annales de la soc. entom.IV.
p. 353 ff.): Ocfuhebius lanuginosus von Athen, Berosus dispar y bispina
und Helochares parvulus von Beirut.
Von Rosenhauer (Thiere Andalusiens p. 53ff.): Ochthebius
corrugotusy serraiusj notabiliSf Hydrobius scutellaris aus Spanien.
Von Peyron (Annales de la soc. entom. IV. p. 723): Hydro-
philus AegypliacuSf welcher jedoch mit Hydr. spinipennis Gory zu-
sammenfällt. Feyron hebt an dieser Art mit Recht eine eigen-
während des Jahres 1856. 335
thümliche Bildung des Prosternum hervor, welches am vorderen Ende
<ler Furche einen hakenförmigen Fortsatz zeigt; eine sehr hervortre-
tende Eigenthümiichkeit, die von Gory übersehen worden ist.
Von Bach (Entomol. Zeitung p. 246) : IhjdrofhUus smaragdinus
als fragliche neue Art, vom Rhein.
Von Mulsant (Hist. nat. d. Coleopt. de France, Supplement):
Helophorus alpinus aus Süd-Frankreich.
' Derselbe (Opusc. entomol, VII. p 166 ff.) in seinen „Addi-
tions et ohservations relatives ä la monographie des Palpicornes«
theilt mit, dass Tropisteruus apicipalpis Chevrol. aus Mexiko zu zvve
F!xemplaren in einem Gebirgsbache des südlichen Frankreichs gefun-
den worden sei und beschreibt sowohl die Gattung als Art nochmals
als der französischen Fauna angehörig. Als Eigenthümiichkeit der
(Ballung wird hervorgehoben, dass der fünfte Hinterleibsring mit einem
Oorne bewaffnet ist, der von den früheren Autoren übersehen wurde.
— Ferner wird die Gattung Helobius iMuls. mit Sternolophus Sol.
identificirt und Sternol. noticollis Muls. und rufipes Fab. aus Ostindien
nochmals beschrieben.
Silplfiaies« A. Murray, Monograph of the genus Catops
(Annais of natural history XVIll. p. 1, 133, 302, 39l und 475 ff.)
ausserdem auch im Separat-Abdrucke (London !856) erschienen. Der
Verf. hat in dieser mit grosser Sorgfalt behandelten Arbeit eine voll-
ständige Monographie der bis jetzt bekannt gemachten Europäischen
sowohl als ausländischen Arten geliefert und die Zahl derselben
durch Beschreibung einer Anzahl neuer vermehrt In synonymischer
ilinsicht sind von Wichtigkeil die Bemerkungen , welche der Verf.
über die von Spence und Stephens beschriebenen Arten giebt,
indem dieselben zum Theil von deutschen Entomologen unter ande-
ren Kamen beschrieben worden sind (z. B. C. fumatus Erichs. = C.
Watsoni Spence, praecox Er. = Wilkinii Spence) ; mit diesen zugleich
wird eine Uebersicht sämmtlicher bisher beschriebener Arten , von
kritischen Bemerkungen begleitet, gegeben. Der speciell systemati-
sche Theil der Arbeit erstreckt sich auf drei Gattungen (ausser Cat-
ops noch eine neue hier aufgestellte und Catopsimorphus Aube) und
im Ganzen auf 65 Arten. Die Eintheilun^ der Catops -Arten wird
nach den von Erichson angegebenen Merkmalen, besonders nach
der Bildung des Mesosternum gegeben; die schlanken Formen der
ersten Gruppe (0. angustatus u. s. w.j sind als Subgenus Choleva ab-
gezweigt. In Betreff der Feststellung einer Anzahl Europäischer Ar-
ten weicht der Verf. von der in früheren Arbeiten angenommenen
zum Theil wesentlich ab; so werden z.B. C. angustatus, intermedius
und cisteloides im Erichson'schen Sinne als Varietäten derselben Art
angenommen , mit C. tristis Panz. als Abänderungen C abdominalis
Rosenh., longulus Kellner, montivagus Heer, grandicollis Er. und ro-
336 Gerstaecker: Bericht fib. d. Leistungen in d. Entomologie
tundicollis Kellner vereinigt, — Als neue Arten werden beschrie-
ben: C. vestil^^s aus Ostindien, depressus aus Europa (?), unbek. Fund-
orts, tronsversosirialus (Dej.) aus Portugal, monilis und spinipes aus
Caracas, suturalis (Motsch.) aus der Älongoley (?) und ascuiellaris
aus Caracas. — Die neue Gattung Catoptrichiis zeichnet sich durch die
Fühler, an denen die acht letzten Glieder beim Männchen stark gesägt,
die drei ersten schlank und schmal sind, aus; sie ist aufCatops Fran-
kenhaeuseri 31annerh. gegründet. Am Schlüsse giebt der Verf. noch
eine Revision der Catops-Arten der Dcjean'schen Sammlung, so wie
eine analytische Tabelle zur Bestimmung der Europäischen Arten. —
Im Texte finden sich Holzschnitte eingedruckt, welche die charakte-
ristische Form der einzelnen Arten im Umrisse darstellen.
Der Reichthum, welchen die unterirdischen Höhlen an Silphen-
Formen darbieten, wird durch die gleichzeitige Entdeckung und Be-
kanntmachung dreier neuen Gattungen , denen sämmtlich die Augen
fehlen, recht auffallend in's Licht gesetzt; dieselben bieten zugleich
ein systematisches Interesse dar, indem sie sich als allmählige Ueber-
gänge zwischen der Catops- und Leptoderus-F'orm hinstellen und letz-
terer Gattung ihre naturgemässe Stellung unter den Silphalen anwei-
sen. Alle drei Gattungen sind in den Verhandlungen des zoolog.-
botan. Vereins in Wien VI. p. 462, 627 und 635 beschrieben und ab-
gebildet worden, und zwar Pholeuon von Hampe, Oryolus und Dri~
meotus von Miller; sie sind sämmtlich von schlanker Catops-Form
mit verhältnissmässig kleinem Prothorax und durch langgestreckte,
dünne Fühler und Beine ausgezeichnet, das Schildchen bei allen deut-
lich. Die Gattung l'holeuon, deren Charaktere schärfer hätten hervorgeho-
ben werden können, hat an den Fühlern vier schwach verdickte und
den vorhergehenden an Länge nachstehende Endglieder, weit ausein-
anderslehende llinterhüften, die Vorder- und Wittelbrust gekielt. Art:
Ph. angitslicolle aus Ungarn. — Die beiden anderen Gattungen sind
von Miller sehr genau untersucht und die Mundtheile durch Abbil-
dungen erläutert worden. Oryolus ist sehr ausgezeichnet durch vier-
gliedrige Vordertarsen in beiden Geschlechtern und besonders beim
Männchen durch das grosse und dick angeschwollene erste Glied der-
selben; die Mandibeln mit vierzähniger Spitze, das vierte Glied der
Kiefertaster zugespitzt, das dritte der Lippentaster verkürzt ; Körper-
form wie die Beine und Fühler sehr schlank, der Thorax vorn stark
gerundet, hinten tief ausgebuchtet, die Hinterwinkel sehr spitz. Art:
0. Schmidlii aus Krain. Bei Drimeotus hat das Männchen fünf-, das
Weibchen viergliedrige Vordertarsen, bei ersterem sind das erste bis
dritte Glied kurz und leicht erweitert, die beiden letzten lang und
dünn. Die Mundtheile ähnlich wie bei der vorhergehenden Gattung,
das Endglied der Lippentaster aber verlängert. Art: Dr. Kowacsii
pus Ungarn. (Abbildungen auf Taf. 7 und 8.)
während des Jahres 1856. 337
Einzelne neue Arten sind: Colon emarginalus und Caiops tenui~
cornis Rosenhauer (Thiere Andalusiens p. 55 ff.), Adelops grandis aus
der Grotte von Isturitz in den Pyrenäen und Anisotoma dislinguenda
aus der Pariser Gegend von Fairmaire (Annales de la soc. entom.
IV, p. 525 ff.), Catops nilidicollis von Paris und nivalis aus dem Rie-
sengebirge von Kraatz (Entomol. Zeit. p. 238).
ScydBTsaenSdes. Nietn er (Entomol. papers III) hat eine
Arbeit über die von ihm auf Ceylon gesammelten Scydmaenen gelie-
fert, in welcher er sich zueist über die Angabe L a cor d a i r e's,
dass diese Gattung keine Flügel und verwachsene Flügeldecken habe,
dahin äussert, dass eine Anzahl der von ihm beobachteten Arien fliege
und wohl entwickelte Hinterflügel besitze. (Dass die Angabe La-
cordaire's in Bezug auf die Gattung im Allgemeinen irrig und nur
für gewisse Arten derselben Geltung habe, hat Ref. bereits im Jahres-
berichte für 1854. p. 23, 24 bemerkt und die Beobachtung von K u n z e
und Reichenbach über das Vorhandensein der Hinterflügel ange-
führt). Die dreizehn beschriebenen Arten von Ceylon besitzen sämmt-
lich viergliedrige Maxillartaster und werden nach den von Schaum
angegebenen Charakteren, welche der Form des Halses, des Thorax,
der Bildung des Mesosternum u. s. w. entnommen sind , eingetheilt.
Es sind folgende: Scydm. alatus y femoralis , Ceylanicus , intermcdiusy
pselaphoides mit nicht zugespitztem Endglied der Kiefertaster, advolans,
pubescensy pygmaeus, glandiiliferics, graminicola, pyriformis, angusliceps
mit zugespitztem Endgliede derselben, ovalus ohne deutlichen Hals.
Von Fairmaire wurde (Rev. et Magas. de Zoologie VIII.
p. 179 «nd Annales de la soc. entomol. IV. p. 526 ff.) unter dem Na-
men Pylades Coqiierelii eine ausgezeichnete neue Gattung und Art vom
Bosporus bekannt gemacht, welche mit Leplomastax Piraz. -vielleicht
generisch zusammenfällt oder dieser Gattung wenigstens äusserst nahe
steht. Als unterscheidende Merkmale könnten die mehr perlschnur-
artigen Fühler, die seitlichen Erweiterungen des Kopfes an der Basis
der Mandibeln und das kürzere erste Tarsenglied angesehen werden;
die eigenthümliche Form der Mandibeln, der Mangel der Augen und
der ganze Körperhabitus sind dieselben wie bei Leptomaslax. Die
Gattung schliesst sich, wie der Verf. mit Hecht bemerkt, an Clidicus
Lap. eng an, welche hier zugleich näher charakterisirt wird. Auf
einer beifolgenden Tafel sind sowohl Pylades als Leptomastax nebst
einzelnen Körpertheilen vergrössert dargestellt.
Pseisipliidai:^. Descriptions of various species of the Co-
leoplerous family Pselaphidae, natives of New Soulh-Wales and South-
America, by J. ü. West wo od. (Transact. of the entomol. soc. III.
p. 268 — 280. pl. IG und 17). Der Verf. macht uns hier mit einer
Reihe ganz ausgezeichneter neuer Pselaphiden-Formen aus Neu-Hol-
land und Brasilien bekannt, von denen besonders die merkwürdigen
Archiv f. Naturgesch. XXIli, Jahrg. 2. Bd. \y
338 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Gattungen Articerus Dalm. und Metopias Gory, die hier auf einmal
einen bedeutenden Zuwachs erhalten, hervorgehoben zu werden ver-
dienen, a) von Melbourne in Neu-Holland : Bryaxis slrigicoUiSf qua^
(IricepSf alrivenlriSf Tyrus spinosus, huineralis, Batrisus angulatus, Pse~
taphus geminalus, Anlipodumf Arlicerus curticornis, angusticollis, dila~
ticornis , selipes , sämmtlich in Ameisenhaufen aufgefunden, b) aus
Brasilien: Articerus Brasiliensis ^ Metopias bellicosus und pacißcus.
Sämmtliche beschriebene Arten sind von der kunstfertigen Hand des
Verf. stark vergrössert und sehr hübsch auf zwei Tafeln abgebildet;
zum Vergleiche mit den beiden letzten Arten ist auch eine Zeichnung
von Metopias curculionoides Gory beigefügt.
Eine neue Art aus Spanien wurde ferner von Rosenhauer
(Thiere Andalusiens p. 62 ff.) beschrieben : Clenisles Anbei.
Paussidaee Eine von Plant bei Port Natal gemachte Beob-
achtung, welche in den Proceedings of the entomol. soc. p. 121 mit-
getheilt wird, widerlegt die weit verbreitete Ansicht, dass die Paus-
sus-Arten die Ameisennesjler zu ihrem Wohnorte aufsuchen. Plant
sah vielmehr, dass sie selbst von den Ameisen aufgesucht und von
etwa sechs derselben gewaltsam in ihren Bau getragen werden; die
Käfer leben einzeln unter Grasbüscheln verborgen und suchen sich,
wenn sie von den Ameisen gepackt werden , durch Herumschlagen
mit den Beinen zu befreien. Sobald sie in das Ameisennest einge-
tragen worden sind, werden sie eifrig bewacht, damit sie nicht ent-
wischen ; über ihre sonstigen Beziehungen zu den Ameisen ist dem
Beobachter nichts bekannt geworden.
Paussus Olvesii wurde als neue Art aus Marocco von Fair-
maire (Rev. et Magas. de Zoologie VIII. p. 530) diagnosticirt.
Staplaylini* Eine systematische Uebersicht der Aleochari-
nen-Gattungen ist von Kraatz in der Linnaea entomol. XI. p. 1 — 41
gegeben worden. („Genera Aleocharinarum illuslrata.«) Die Arbeit
ist ein Auszug der in den „Insekten Deutschlands , Th. 2" gegebenen
Bearbeitung dieser Gruppe, der sich aber auch auf die ausländischen
Gattungen erstreckt und diese durch eine Anzahl neuer vermehrt. Im
Ganzen stellt sich die Zahl der hier aufgeführten Gattungen auf 55,
von denen folgende als neu hervorzuheben sind: 1) Hoplandria auf
die Amerikanische Homalola terminata Er. gegründet, mit einer neuen
Columbischen und zwei gleichfalls neuen Nord-Amerikanischen Ar-
ten. 2) riiilotermes mit Euryusa zunächst verwandt, drei Kord-Ame-
rikanische in Termitennestern lebende Arten umfassend. 3) Oxysoma
der Gattung Dinarda zunächst stehend , im Habitus an Hypocyptus
erinnernd, mit einer Art aus Aegypten. 4) Schislogeniu zwischen Pe-
liusa und Silusa Er. eingeschaltet, mit einer auf Ceylon in Termiten-
nestern wohnenden Art, 5) Myrmecochara neben Philotermes , auf
eine ebenfalls unter Termiten in Nord -Amerika lebende Art begrün-
während des Jahres 1856. 330
det. — Ausserdem ist auch die Beschreibung einiger neuen Arten aus
schon bekannten Galtungen hinzugefügt. Zwei beifolgende Tafeln
erläutern die Mundtheile der Aleocharinen- Gattungen und enthalten
Figuren der als neu aufgestellten Formen im Umrisse.
Derselbe (ebenda p. 44 — 56) lieferte „Beiträge zur Kenntniss
der Termitophilen'* durch eine Uebersicht über die bis jetzt in Ter-
mitennestern aufgefundenen Staphylinen, von denen die neuen Galtun-
gen und Arten beschrieben werden. Im Ganzen sind 22 Arten auf-
gezählt; unter diesen werden 9 neue Myl-medonia -Arten aus Ceylon
und ausserdem 3 neue Gattungen unter dem Namen Coenonica, Telra^
sticta und Pelioptera charakterisirt , die beiden ersten mit je einer,
die letzte mit zwei Arten von Ceylon. Die Gattung Coenonica steht
durch die Mundtheile in nächster Verwandtschaft mit Bolitochara und
zeigt im Habitus Aehnlichkeit mit Homalota incana ; Tetrasticta
schliesst sich im Körperbau an JMyrmedonia, durch die Mundtheile an
Aleochara an, Folioptera durch letztere an Phloeopora.
Mulsant und Key (Opuscules entomol. VII. p. 1) gründeten
eine Gattung Ocklhephilus auf Trogophloeus omaiinus und angusta-
tus Er. , welche sich durch deutliches Skutellum und konisch zuge-
spitztes Endglied der Kiefertaster von den übrigen Arten absondern;
als neue französische Art dieser Gattung wird 0. ßexuosus beschrie-
ben und auf einer beifolgenden Tafel abgebildet — Eine zweite, sehr
ausgezeichnete neue Gattung derselben Verf. (ebenda p. 7 ff.) ist Pho-
lidus insignis von Hyeres; mit Pseudopsis durch die Form des Kopfes
und des letzten Gliedes der Kiefertaster nahe verwandt, unterscheidet
sie sich sehr auffallend durch die langen, schlanken Fühler, an denen
das erste Glied eiförmig verdickt ist, durch das vorn tief dreilappige,
hinten stark zusammengeschnürte Halsschild und durch die mit Schup-
pen bedeckte Oberfläche des Körpers.
Die schöne Abhandlung von Schiödte über Corotoca und
Spirachlha ist in den Annales des sciences naturelles, T. V. in fran-
zösischer üebersetzung erschienen und die dieselben begleitenden
Abbildungen hier ebenfalls copirt worden. Da die Dänischen Gesell-
schaftsschriften im Ganzen wenig verbreitet sind, kann eine derartige
Vervielfältigung der Arbei nur erwünscht sein.
Thomson, „Nägra nya arter af Insekt- slägtet Homalota«
(Öfversigt af Kongl. Velensk. Akad. Förhandl. 1856. p. 91—107) hat
zu seiner im J. 1852 veröffentlichten Arbeit über die Schwedischen
Arten der Galtung Homalota einen Nachtrag geliefert, welcher eine
Aufzählung von 38 seitdem aufgefundenen Arten enthält: mit Ein-
schluss dieser stellt sich demnach die Zahl der überhaupt aus Schwe-
den bekannt gewordenen Arten auf etwa hundert. Die in der vor-
liegenden Abhandlung verzeichneten Arten sind sämmtlich (in latei-
nischer Sprache) genau beschrieben, so dass auch diejenigen, welche
340 Gersta ecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
der Verf. für bereits bekannt ansieht, sicher beurtheilt werden kön-
nen; die grössere Zahl derselben wird als neu angesehen, bei eini-
gen, welche neue Kamen erhalten haben, werden Alten früherer
Autoren mit Zweifel citirt. Zu letzteren beiden Categorieen gehören
folgende: a) Mit quadratischem Thorax und linearem Hinterleib: //.
nüidula (Märkel), arclica, Hssonura (pavens Er.?), inseciaf kygrobiay
Gyllenhali (Aleochara terminales Gyll.), tuelanocera, gregaria (Tachyusa
immunita Er.}, jialiislris Kiesw. (elongatula var. Er.). — b) Mit que-
rem Thorax und linearem Hinterleibe: H. boletobia , xanlhopus , com~
pressicollis (conformis Muis.?), bolelophila (foveola Muls.?J, pallidi^
cornis, nigriventris , picipes, nndiuscula, anguslicoUis^ coivina, sericea
(sericea Muls.?), funehris (clancula Er. ?j , nigripes , aeneipennis, Zo-
slerae, cyrionola, laliceps. — c) Mit querem Thorax und nach der
Spitze hin leicht verschmälertem Hinterleibe: H. citmamoplera, ma-
crocera und pilosiventris.
Derselbe, „Arter af slägtet Omalium, funna i Sverige" (Öf-
versigt af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl. 1856. p. 223 — 228) gab
eine Aufzählung der in Schweden einheimischen Omalium-Arten, de-
ren Zahl sich auf 25 stellt. Die einzelnen Arten sind mit lateinischen
Diagnosen versehen und von Bemerkungen über ihr Vorkommen be-
gleitet; drei derselben, welche neu sind, werden ausführlich be-
schrieben: 0. seplentrionis (rivulare Zett. nee Payk.) , ripariiun und
pineti (planum Zett. nee Payk., üxylelus lapponicus Zett.).
Ein in den Höhlen Krains aufgefundenes, augenloses Lalhrobium
wurde von H. Müller (Entomol. Zeitung p. 308) als neue Gattung
unter dem Kamen Gtyplomerus caticola, und gleichzeitig von Kraatz
(Verhandl. d. zoolog.-bolan. Vereins zu Wien VI, p. Ö25) als Typhlo-
bium stagophihim bekannt gemacht. Ersterer stellt die Art, obwohl
er ihre Aehnlichkeit mit Xantholinus anerkennt, irriger Weise zu den
Oxyporinen; letzterer weist ihr die richtige Stellung bei Lalhrobium'
an und erwähnt einer kleinen stigmaföniiigen Spalte zu jeder Seite
des Kopfes, die er als Rudiment von Augen ansieht.
Keue Arten aus Spanien, von Rosen hau er (Thiere Andalu-
»iens p. 64 ff.) beschrieben sind: Falagria formosa, Aleochara pulica~.
riOf Dinarda tiigrita, Hypocyplus unicolor , Siitmis latus , Stenus canes-
cens, elegans , Bledius corniger , monoceros, Muhanli^ Oxylelns plagia~.
tuSf scaber , Trogophloeus venustulus ^ aberrans , Omalium tiigrivenlref
Anthobium pumilio und difßcile. —Anhangsweise beschrieben: Slenus
Kiesenwelleri aus der Gegend von Erlangen.
Von Reiche und de Saulcy (Annales de la soc. entomol. IV.
p. 359 ff.) : Tachyporus discus und eleganlulus von Beirut, Flalyproso^
pus hierichonlicus und Xantholinus hebraicus aus Palaestina , Ocypns
erosicoUis von Beirut, ruhrlpennis vom Jordan, Lathrobium melanoce"
phaltim aus dem Peloponnes,
während des Jahres 1856. 341
Von Nietner (Entoniolog. papers No. I und II): Oedichirus
alaiuSf Stenus barbatus und lacertoides von Ceylon.
Lctzner gab eine ausführliche Beschreibung der Larve und
Puppe von Xantholiuus lentus Grav. ; erstere findet sich unter Fich-
tenrinde, der Käfer entwickelt sich aus der Puppe nach 16 Tagen.
Synonymische Bemerkungen über eine Reihe von Staphylinen
wurden von Kraatz (Entoniol. Zeitung p. 177 ff.) mitgetheilt. —
Wach Fairmaire (Annales d. 1. soc. entom. IV. p. 530) ist Ache-
nium distinctuni Lucas (Algier) gleich A. striatum Latr.
fSistepini* Die monographische Bearbeitung dieser Familie,
welche de Marseul in den Annales de la soc. entom. de France v.
J, 1853 an unternommen hat, ist in dem diesjährigen 4. Bande mit
drei neuen Fortsetzungen (p. 97, 259 und 549 ff.) weiter geführt und
für den systematischen Theil beendigt worden. Sie ist eine der
werthvollsten Arbeilen , welche uns die lange Bändereihe dieser
Zeitschrift geliefert hat; der Verf. hat nicht nur ein sehr bedeuten-
des Material unter Händen gehabt und dasselbe mit grosser Sorgsam-
lieit untersucht, sondern auch die Literatur, für die er freilich durch
zwei für ihre Zeit gleich vortreffliche Monographieen unterstützt war,
kritisch und fast erschöpfend verwerlhet. Die Abbildungen, welche
sich , wie schon früher erwähnt , auf alle vom Verf. beschriebenen
Arten erstrecken , sind grösstenlheils von solcher Genauigkeit, dass
man in vielen Fällen schon nach ihnen allein sicher bestimmen kann,
und ebenso sind die zahlreichen Details, durch welche die Gattungs-
merkmale erläutert sind, für die Erkennung dieser von grossem
Werthe. — Die im diesjährigen Theile der Arbeit abgehandelten Gat-
tungen sind folgende : 1) Pachylopus Er. 4 Arten. 2) Trypanaeus
Eschsch. mit 21 sämmtlich süd - und mittel-amerikanischen Arten, von
denen T. prolixus des Verf. = T. denticollis Gray ist. (Das hiesige
Museum besitzt auch eine Art aus Ostindien.) 3) Teretrius Er. mit
7 Arten aus Europa, Süd - Afrika und Süd - Amerika ; zu letzteren
kommt jedoch noch T. Peruanus Er. , der dem Verf. entgangen zu
sein scheint. Uebrigens ist die Gattung nach dem hiesigen Museum
auch in Ostindien und INeu-HoUand vertreten. 4) Xiphonolus n. gen.
eine ausgezeichnete Form, bei der das Halsschild wie bei Cossyphus
über den Kopf hinaus verlängert ist; eine Art: X Chevrolalü vom
Cap. 5) Plegaderus Er. mit 10 Arten ; die Larve von PI. discisus
wird anhangsweise von Perris beschrieben und nebst den dazuge-
hörigen Details abgebildet. 6) Glymma n. g. , eine äusserst zierliche
Gattung, die in der Form mehr mit Plegaderus, in der Skulptur da-
gegen mit Onthophilus übereinstimmt; die einzige Art: Gl. Candezei
wurde von Candeze bei Liege in Melonenbeetcn gefunden. 7) On-
thophilus Leach mit 10 Arten. 8) BacanJus Le C. 6 Arten. 9) Abraeus
Leach mit 12 Arten. 10} Acrilus Le C. 32 Arten.
342 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Einzelne als neu aufgestellte Arten sind:
Von Rosenhau e r \Thiere Andalusiens p. S9ff.): Hetaerius
Uispanus und Saprinus elongalulus aus Spanien, Paromalus Rolkii aus
Griechenland.
Von Mulsant und Key (Opusc. entom. VII. p.5): Plegaderus
hispidulus aus Frankreich.
Von Bach (Entomol. Zeitung p. 245) : Saprinus specularis aus
Nord-Deutschland.
Von Peyron (Annales d. 1. soc. entom. IV. p. 727} : Hister
praetermissus aus Frankreich.
Plialacrides* Synopsis of the Phalacridae of the United
States by J. Le Conte (Proceed. of the acad. of nat. scienc. of
Philadelphia VIII. p. 15 — 17). Von den vier von Erichson ange-
nommenen Gattungen kommen drei in Nord -Amerika vor, nämlich
Phalacrus mit 7 , Olibrus mit 10 und Litochrus mit 1 Art ; die
Gattung Tolyphus dagegen fehlt. — Von Phalacrus sind 3 Arten (Ph.
penicillatus und pallipes Say, politus Melsh.) bereits bekannt, seriatus
von Kansas, ovalis aus Californien, pumilio aus Georgien und simplex
aus Kansas neu. (Die dem Verf. unbekannte Art: Ph. pallipes Say ist
ein Olibrus, der in der Färbung und Grösse mit ülibr. semistriatus Le
Conte übereinstimmt, aber durch die Slreifung der Flügeldecken ab-
zuweichen scheint.) — Unter Olibrus gehören zur ersten Erichson'-
schen Abtheilung: der Europäische 0. bicolor Gyll., strialulus n. sp.
Mittelstaaten, rvfipes n. sp. Oregon, serristriattis n. sp. Kansas, rubens
n. sp. Georgien; zur zweiten Er. 'sehen Abtheilung: 0. obtusus n.sp.
Californien, apicalis Melsh., nitidus Melsh., aqualilis n. sp. Californien
und pusillus n. sp. Mittel- und Südstaaten. Von Litochrus ist die
einzige bekannte Art: L. pulcheUus aus Louisiana ebenfalls neu.
ToUjphus ptmctulatus Rosenhauer n. A. aus Spanien (Thiere An-
dalusiens p. 94.)
Tricliopteryg^i». Nietner (Entomol. papers II. p. 5 ff.)
beschrieb Trichopteryx cursitans, immatura , invisibilis^ Ptilium subqua^
dralmn, Ptenidium macrocephalinn als neue Arten von Ceylon.
;rVi(icBiilariae» Eine ausgezeichnete neue Form ist Ips xaca»
rilla Thomson (Rev. et Magas. de Zoologie VIII. p. 475, pl. 23. fig. 5)
aus Chile, welche mit mehreren ähnlichen Arten desselben Landes, die
zuweilen in der Form der Mandibeln und dem Habitus des .Körpers an
kleine Lucaniden - Formen erinnern, eine eigene von Ips ganz ver-
schiedene Gattung bilden muss; Mundtheile, Fühler und die den Kör-
per bis zur Spitze bedeckenden Flügeldecken bieten wesentliche Ab-
weichungen von jener Gattung dar, scheinen jedoch auf Paromia
W^estw. zu passen.
Zur Gattung Meligelhes kommen lolgcnde neue Arten : M, nie-
taUicusy clongaiusf nig^nmuS) opätus, UrAÜ und muiabiUs Koscuhauer
während des Jahres 1856. 343
(Thiere Andalusiens p. 96 if.) und M. Orientalis PJietner (Entomol. pa-
pers II. p. 11) von Ceylon.
liatSiridiit Corlicaria <pi!osuta , inflala , Lathridius prodttctns
Merophijsia carimilala, Cholovocera formicetioola wurden als neue Ar-
ten von Rosen hauer (Thiere Andalusiens p. 349 fF.) beschrieben.
Die Gattung Cholovocera Motsch. wird zugleich genau charakterisirt.
Colydi!« Die vorläufig dieser Familie beigezählte Gattung
Pleganophorus Hampe (siehe vorig. Jahresbericht p. 50) wurde von
diesem (Mittheilungen des Siebenbürgischen Vereins für Naturw. zu
Hermannstadt VII. p. 35 ff.) jetzt auch im männlichen Geschlechte be-
kannt gemaclit. Das neu entdeckte Männchen weicht vom Weibchen
durch die Fühlerbildung ab; es sind zwar wie dort vier Glieder an
den Fühlern vorhanden, doch ist das dritte dreieckig und in einen
Ausschnitt des grossen vierten (an dessen Basis) eingepassl ; letzte-
res ist dick eiförmig und besteht gleichsam aus zwei aufeinanderlie-
genden Blättern. (Diese Bildung ist ganz übereinstimmend mit der-
jenigen, wie sie die Fühler des Männchens bei der Endomychiden-
Gattung Trochoideus Westw. zeigen.) Die männliche Fühlerbildung
von Pleganophorus ist im Holzschnitt dargestellt worden.
Cncnjides» Silvanus filiforniis ist eine neue Art, von Ro-
senhauer (Thiere Andalusiens p. 104) beschrieben.
Cryptopliag-icies. Bold (Zoologist p. 5003) giebt durch
eine Beobachtung Aufklärung darüber, aufweiche Weise die Anthe-
rophagus-Arten in die Nester der Bienen kommen, in denen bekannt-
lich die Larven leben. Er wurde auf einen Bombus aufmerksam, der
auf einer Distel sitzend , die Beine nach allen Seiten hin reckte und
drehte; an einem Tarsus der Hinterbeine halte sich ein Antheropha-
gus nigricornis festgeklammert, den die Hummel abzustreifen suchte.
Derselbe hielt sich aber mit seinen Klauen so fest, dass er erst nach
Tödtung der Hummel und als er selbst erstickt werden war, losge-
macht werden konnte.
Cryptophagus grandis von den Norddeutschen Dünen , validus
und subfumalus ebenfalls aus Deutschland wurden von Kraatz (En-
tomol. Zeitung p. 239 ff.) als neue Arten- beschrieben.
jflycetopliagidae* Die in Nord - Amerika vorkommenden
Arten dieser Familie verzeichnete Le Conte in einer j. Synopsis of
the Mycetophagidao of the United States« (Proceed. of the acad. of
nat. scienc. of Philadelphia VIII. p. 12 — 15). Von den bekannten Gat-
tungen der Familie fehlt in Nord-Amerika nach Le Conte nur Tri-
phyllus (von welcher jedoch das hiesige Museum ebenfalls eine Art
aus Tenessee besitzt, die dem Europäischen Tr. suturalis sehr ähnlich
ist); Mycetophagus ist durch 9, Litargus durch 7 und Typhaea durch
1 (die Europäische T. fumata) Art Yertretsu. Von Diphylius, weiche
344 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Gattung der Verf. hierher zählt, sind ebenfalls 2 Arten bekannt, aber
in die vorliegende Arbeit nicht aufgenommen. Von den Mycetopha-
gus-Arten gehören zur ersten Erichson'schen Abtheilung: 1) M. pun-
ctatus Say. 2) M. flexuosus Say. 3) M. plurigullalus n. sp. Califor-
nien. 4) M. Melsheimeri Le C. (bimaculatus Melsh.). 5) M. obscurus
n. sp. Georgien. — Zur zweiten Er. 'sehen Abtheilung: 6) M. pluri-
punclatus n. sp. aus den Mittel- und Südstaaten, (neben dieser besitzt
das hiesige Museum noch eine ähnliche neue Art aus Pensylvanien).
7) M. pini Ziegl. (ist M. concolor des Dejean'schen Catalogs). — Zur
dritten Er.'schen Abtheilung: 8) M. obsoletus Melsh. (Tetratoma) und
9) bipustulatus Melsh. — Unter Litargus kommen zu zwei von Say
beschriebenen Arten (Mycetoph. 6punctatus und didesmus) fünf neue:
L. telraspilotus aus den Süd- und Weststaaten, infulalus von Illinois,
nebulosus von Maryland (im hiesigen iMuseum häufig aus Pensylva-
nien), transversus und ballealus aus Californien.
"Rosenhauer (Thiere Andalusiens p. 105 ff.) beschrieb Lilar^
gus colomtus und Typhaea angusta als neue Arten.
If erinestini« Derselbe beschrieb (ebenda p. 108 ff.) Allagen
nus lobatuSf hirlulus und Anlhrenus fesiivus (Er. i. lit.).
G}eorys§it Zwei neue Arten sind: Georyssus carinalus llo-
senhauer (a. a. 0. p. 112) aus Andalusien und G. (/emmct Nietner (En-
tomol. papers II. p. 13) aus Ceylon; letztere Art zeichnet sich durch
vollkommen ausgebildete Flügel aus , scheint aber in Bezug auf die
Gattung noch näher untersucht werden zu müssen, da sie habituell
von den Europäischen Arten abweicht.
Parniilae* Limnius rivularis Rosenhauer (a. a. 0. p. 113)
ist eine neue Art aus Andalusien, Parnus pubcrulus Reiche et Saulcy
(Annales d. 1. soc. entomol. IV. p. 368) vom Jordan.
Heteroccridae. Zwei neue Arten von Rosen hauer
(Thiere Andalusiens p. 1 14 ff.) sind: Heleroccrus holosariceus und cur-
tus aus Spanien.
Eiainellicornia. Dynastida e, — Westwood, Descri-
ptions of the species of the Australian Lamellicorn Genus Cryptodus
(Transact. of the entomol. soc. IV. p. 1-7. pl. 1). — Der Verf. fügt
den fünf bis jetzt bekannten Arien der Gattung Cryptodus zwei neue
hinzu und liefert zugleich von den früheren neue Beschreibungen;
die beifolgende Tafel giebt Abbildungen aller bekannten Arten. Die-
selben lassen sich in drei Abiheilungen bringen: a) Fühler neunglie-
drig, Klauen der Vorderfüsse beim Männchen einfach und untereinan.
der gleich: 1) C. paradoxus M. Leay. 2) varioiosus White. 3) pi-
ceus Germ. — b) Fühler zehngliedrig , Klauen der Vorderfüsse beim
Männchen ungleich, diu eine innen zweizähnig (Subgen. Cryptodinus
Weslw.}: 4) Xa^maniaüus Wegtw. (autiiracinus iür.). 5) polüus ».
während des Jahres 1856. 345
sp. C) passaloides Germ. — c) Prothorax in der Mitte des Vorder-
randes mit einem Höcker, Flügeldecken mit zahlreichen Furchen und
scharf erhabenen Zwischenräumen: 7) Cr. caviceps n. sp. (Das hie-
sige Museum besitzt ausserdem noch eine achte, neue Art.)
Von Le Conte („Notice of three genera of Scarabaeidae found
in the United States", Proceed. of Ihe acad. of nat. scienc. of Phila-
delphia VIII. p. 19 — 24) sind die kleineren Dynastiden Word -Ameri-
kas, welche auf die Burmeister'schen Gattungen Podalgus, Heterony-
chus und Ligyrus verheilt sind , einer nähern Prüfung unterworfen
worden und gefunden , dass dieselben nur zwei Gattungen, nämlich
Ligyrus Burm. und einer neuen , welche Aphonus Le C. genannt ist
und sich von jener nur durch den Mangel von Stridulationsorganen
an der Innenseite der Flügeldecken unterscheidet, angehören. Von
Ligyrus ßurm. sind sechs Arten bekannt: L. morio Le C. , gibbosus
de Geer (variolosus Burm), juvencus Fabr. (Bothynus neglcctus LcC.),
ruginasus n. sp. aus Texas , relictus Say (Heteronychus id. Burm.)
und rugiceps n. sp. aus Georgien. — Zu Aphonus Le C. gehören eben-
falls sechs Arten : A. pyriformis Le C- , tridenlatus Say, fraler n. sp.
von New -Jersey, hydropicus Le G. (variolosus Le C. anlea) , casta-
neus Melsh. (Podalgus obesus Burm.) und clunalis n. sp. von der Me-
xikanischen Gränze. — Ausserdem charakterisirt Le C. eine neue GdiX^
Inng Potijvioechus i die er auf Lacordaire's Rath zu den Cycloce-
phaliden und zwar neben Pachylus stellt; sie nähert sich durch die
Form des Kopfes , der Augen , der Fühler und Tarsen den Melolon-
thiden, steht im Habitus diesen ebenso nahe als den Dynastiden, ge-
hört aber letzteren nach den Mandibeln , dem Clypxius und Kinn so
wie nach der Lage der letzten Abdominalstigmen an. Eine Art : F.
brevipcs aus Pensylvanien u. s. w. — Eine vierte hier aufgeführte
neue Gattung, über deren Stellung der Verf. in Ungewissheit schwebt,
wird unter dem Namen f/eocoma Le G. charakterisirt; sie zeigt ebenso
viel Verwandtschaft mit den Geotrupiden (Athyreus) als mit den Dy-
nastiden (Syrichthus) und weicht andererseits, von beiden durch die
F'ühlerbildung ab. Die Fühler sind elfgliedrig mit vierblättriger Keule,
das Prosternum ist wie bei Athyreus gebildet, die unregelmässige Punk-
tirung der Flügeldecken dagegen von dieser Gruppe sehr abweichend.
— Art: P. fiiiibriala aus Californien.
Neue Arten sind ferner: Temnorhynckus Baal Reiche et Saulcy
(Annales de la soc. entomol. IV. p. 369) von Nablus und Onjcloinor-
phus parumstrialusVe^irmaiTe (Rev. et Magas. de Zoologie VIII. p. -iS3j
aus Chile, letztere Art nur diagnosticirt.
Cetoniadae. — Thomson gab (Annales de la soc. entomol.
IV. p. 3 19 ff.) nochmalige Beschreibungen von Goliathus Fornasini
Berlol. und Banzania splendens Bertol, und sehr schöne colorirte Ab-
bildungen von beiden Arten (letztere in beiden Geschkciilcyn) auf
346 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Taf. 7. — Für Ranzania splendens muss der früher publicirte Name
Ramphorrhina Petersiana Klug eintreten.
Eine Anzahl neuer Arten hat White (Proceedings of the zoo^
logical Society of London 18j6. XXIV. p. 14 ff.) beschrieben und ab-
gebildet. (Die Abbildungen dieser Proceedings gelangen nicht an die
hiesigen Bibliotheken, obwohl im Texte stets auf dieselben verwiesen
wird.) Die Namen der beschriebenen Arten sind: Trigonophorus Hoo~
heri vom Ostindischen Hochlande, Stelhodesma Servülei von Pt. Natal,
Schhorrhina Emilia von den Neuen Hebriden , Sckizorrhina Idne von
Ceram, Protaetia procera von den Philippinen, Schan7nii von Celebes.
Als selbstständige Arten erhält der Verf. ferner aufrecht (diese auch
abgebildet) : Clinteria ducalis, HofPmeisteri und Schizorrhina Bassii.
Einige neue Arten aus dem Orient wurden ferner von Reiche
und de Saulcy (Annales d. 1. soc. entom. IV. p. 371 ff.) beschrieben
und abgebildet : Oxythyrea Noeiiii von Nablus , Abigail und Tropinola
vitlula von Beirut ; letztere Art, auch im hiesigen Museum aus Klein.
Asien, ist eine Epicometis Burm.
Melolonthidae. — Eine wichtige Arbeit über die Nord-
Amerikanischen Arten dieser Gruppe hat Le Conte im Journal of
the academy of natural sciences of Philadelphia Vol. III. Pt. 3 (1856)
p. 225— 288 unter dem Titel: „Synopsis of the Melolonthidae of the
United States" geliefert. Zunächst sind die Bemerkungen des Verf.
über die natürliche Abgränzung der Gruppe zugleich von Bedeutung
für die Systematik der Lamellicornen im Allgemeinen, indem er die
Melolonthiden als eine den Laparoslicti und Pleurosticti gleichartige
dritte Abtheilung der Familie annimmt, welche gleichsam zwischen
jenen beiden die Mitte hält; hierzu wird er einerseits durch die Er-
fahrung geführt, dass die Lage der Hinterleibsstigmen bei den eigent-
lichen Melolonthiden sehr schwankend ist und zweitens durch die An-
näherung der Glaphyriden an dieselben, welche Erichson bekannt-
lich sogar als erste Gruppe der Pleurosticti ansah. Nach Le Conte
zerfallen die LameHicornen demnach in drei Sektionen: 1) Laparo-
sticli ; die Hinterleibsstigmen liegen auf den Bauchplatten, divergiren
nach hinten stark, die letzten sind sichtbar. 2) Melolonthidae; die
llinterleibsstigmen wenig divergirend, veränderlich, niemals auf der
Verbindungshaut liegend, die letzten oft sichtbar. 3) Pleurosticti; die
Hinterleibsstigmen liegen auf der Verbindungshaut (der Dorsal- und
Ventralplatten) , die letzten sind bedeckt. — Die Melolonthiden zer-
fällt LeC. in 10 Unlerabtheilungen, von denen die 9 ersten die Man-
dibeln vom Clypeus bedeckt, die lOte (Glaphyri) dieselben . vor dem
Clypeus hervortretend zeigt. Von jenen haben die Maerophyllae,
Melolonthae und Rhizotrogi quere, nicht hervorragende Vorderhüften,
die beiden ersten breite, die letzteren schmale Parapleuren. Bei den
sechs übrigen Üfiterabthd! acgea: Diplolaxes, Ssricae , MacrodacJyli,
während des Jahres 1856. 347
Dichelonychae, Lasiopodes und Hopliae sind die Vorderhüften konisch
und hervorragend, die Parapleuren nur bei den Hopliae gross, bei
den übrigen schmal oder massig entwickelt. — Die in Nord-Amerika
vertretenen Gattungen der einzelnen Unter - Abtheilungen sind fol-
gende : 1) Macrophyllae mit nur einer (neuen) Gattung Phobetus LeC,
welche wie Tryssus Er. neungliedrige Fühler hat und dieser Gattung
nahe verwandt zu sein scheint. — Eine Art: P. comatus aus Califor-
nien. — 2) Melolonthae: Polyphylla Harr, mit 6 und T/ij/ce Le C., n. g.
mit einer Art, T. squamicollis von Neu-Mexiko, letztere Gattung ist
durch das nicht verlängerte dritte Fühlerglied und die kleine (Weib-
chen) dreigliedrige Keule von Polyphylla unterschieden. — 3) Rhizo»
trogi: Eugastra LeC. mit 2 Arten, Endrosa LeC. n. g., auf Melolon-
tha quercus Knoch gegründet, mit 2 Arten ; Lachnosterna Hope (An-
cylonycha auct.) mit 55 Arten, die auf 15 Gruppen vertheilt sind und
denen die Trichesthes - Arten Erichson's und Bur m eist er's, je-
doch kaum mit Recht beigezählt sind; Gijnnis LeC. eine neue Gat-
tung, die von der vorhergehenden durch concave und nicht zweilap-
pige Oberlippe abweicht, mit einer Art: G. delilis von Philadelphia;
Listrochelus Blanch. 6 Arten. — 4) Diplotaxes mit drei Gattungen:
Orsomjx n. g. , nur die hinteren Klauen gespalten, die vorderen mit
wenig hervortrendem Zahne an der Spitze; eine Art: 0. anxius von
der Mexikanischen Gränze ; Diplotaxis Kirby mit 29 Arten und Alobus
H. g., Klauen wie bei Diplotaxis, das letzte Glied der Maxillartaster
aber verlängert, cylindrisch; eine Art: Ä. fulvus von Neu-York. —
5) Sericae : Serica öl. Leay mit 15 Arten. — 6) Macrodactyli: Ma-
crodactylus Latr. mit 3 Arten. — 7) Dichelonychae: Dichelonycha Kirby
mit 13 Arten. — 8) Lasiopodes: Zwei neue Gattungen mit fest ver-
wachsenen Hintcrleibsringen , von denen die eine Lasiopus (Art: L.
ferruginens aus Texas) einen gerundeten, stark concaven, vorn leicht
ausgerandeten Clypeus, ein kleines, lineares Kinn, verdickte Hinter-
beine und einfache, verlängerte Klauen, die andere Oncerus (Art: 0.
floralis aus Californien) einen doppelten Clypeus, ein trapezoidales,
gehärtetes Kinn , ebenfalls verdickte Hinterbeine , aber gespaltene
Klauen besitzt. — 9) Hopliae: Hoplia Hlig. mit 11 Arten. — 10)
Glaphyri: Lichnanthe Burm. mit 2 Arten.,, — Die Zahl der in der vor-
liegenden Arbeit beschriebenen neuen Arten ist sehr beträchtlich und
wird mindestens derjenigen der früher bekannten gleichkommen.
Von Reiche und de Saulcy (Annales d. 1. soc. entomol. IV.
p. 376 ff.) wurden Pachydema Delesserti und Saulcyi aus Palästina be-
schrieben und eine neue Gattung unter dem Namen Gnaphatostetka
aufgestellt, welche mit Rhizotrogus und Schizonycha nahe verwandt
ist, sich von ersterem durch gespaltene Klanen , von letzterer durch
den Mangel der Stirnleiste und neungliedrige Fühler unterscheidet.
Arts G. ßonvoisini vom Jordan. — Ueber die Arien der Gatiung Pa=
S48 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
o
chydema gab Reiche ausserdem werth volle synonymische Berich-
tigungen.
Rosenhauer (Thiere Andalusiens p. 119 ff.) beschrieb: Rhi-
zolrogus granulifer , anackoreta , parvvlus und Hymenoplia cinerascens
als neue Spanische Arten.
Mulsant und May et „IVotes pour scrvir ä l'histoire de l'Ani-
phimallus marginatus" (Opusc. entomol. VII. p. 100 ff.) beschrieben
die Larve und IVymphe der genannton Art; erstere wurde im Herbst
gefunden und den Winter über in massig feuchter Erde gehalten, wo
sie sich von Gerste- Wurzeln nährte. Im Juli des folgenden Jahres
verfertigte sie sich ein Gehäuse in der Erde und verpuppte sich.
Coprides. — Reiche beschrieb (Rev. et Magas, de Zoolo-
gie VIIL p. 118) unter dem Namen Onitis Osiridis eine neue mit 0.
furcifer verwandte Art aus Aegypten und Arabien, welche sich im
männlichen Geschlechte durch den senkrechten Zahn an der Spitze
der Vorderschenkel auszeichnet. Zugleich gab derselbe ein syno-
nymisches Verzeichniss der um das INlittelländische Meer vorkommen-
den Onitis-Arten, deren Zahl sich auf 14 stellt. — Fernere neue Ar-
ien desselben (Annales d. 1. soc. enlom. IV. p. 388 ff.) sind: Onlhu^
phagus excisus aus dem Peloponnes und Onilis Ezechias von Damaskus.
— Synonymische Bemerkungen sind: Onthophagus nitidicollis Brülle
ist = lucidusFab. ^, morio Brülle = taurusLin. ^, sulurellus Brülle
= maki Ulig. Q, centromaculatus Redtenb. = cruciatus Menetr. ^;
über andere Arten finden sich Miltheilungen im Bulletin de la soc.
entom. p. XXIL
Geotrupini. — Bolboceras lubericeps und /aesicoZ/is Fairmaire
sind zwei neue Arten aus Chile, Geotrvpes Iloffmannseggii Fairm. aus
Marocco. (Rev. et Magas. de Zoologie VllL p. 483 und 530.)
Aphodiidae. — Neue Arten von Reiche und de Saulcy
(Annales d. 1. soc. entom. iV. p. 392 ff.) sind : Aphodius linearis und
fimicola von Nablus, dilalalus aus dem Peloponnes; ausserdem werden
beschrieben: Aphod. cribrarius Brülle, fimbriolalusMann., suarius Fald.,
cylindricus (Dej.) aus Spanien und Frankreich. Synonymische Notizen
sind: Aph. camiriarius Fald. = depressus Kug. , asiaticus Fald. ==
obscurus Fab., deplanatus Fald. = luridus Fab. var. , rapax Fald. =
prodromus Br., equinus Fald. = pccari Fab. var., bubulcus Fahl. =
obscurus Fab , elongatus Menelr. = granarius Lin.
Rosenhauer (Thiere Andalusiens p. 130) beschrieb: Apho-
dius tersus Er. (suturalis Luc).
Trogidae. — Trox vcrrvcosiis aus Syrien und tratisversus von
Beirut sind zwei neue Arten von Reiche und de Saulcy (Anr.a-
les d. 1. soc. entom. IV. p. 404 ff.).
Pectin ico rnia. -- Von Thomson (P.qv. et Magas. de Zoo=,
während des Jahres 1836. 349
logie VIII. p. 5l6fF.) wurden vier neue Lucaniden beschrieben: Cyclo-,
jihthalmus Mniszechü von Born co, Dorcus fCIadognalhusJ forßcula aus
Kord-China, Äerjus malaccus von Borneo und 31alacca, myrmidon von
Malacca. Anhangsweise ist das Hope'sche Verzeichniss seiner Luca-
nen-Sanimlung, welches nicht in den Buchhandel gelangt ist, abgedruckt
worden.
„Wouvelle espece du genre Lucanus" par L. Reiche (ebenda
p. 80). Durch Reiche's Beschreibung bestätigt sich die Selbststän-
digkeit der aus Südfrankreich stammenden Art mit fünfblättriffer Füh-
lerkeule, welche Ref. im vorigen Jahresberichte (p. 58) nach der
Mulsant'schen Beschreibung bezweifelte ; dieselbe hat aber nach
Reiche's Angabe, der sie auch deshalb L. pentaphyllus nennt, stets
6ine fünfgliedrige Keule, während von Mulsant, welcher L. Cervus
damit vermengte, angegeben wurde, dass sie bald mit vier-, bald mit
fünfblättriger Keule vorkäme. Eine Diagnose der Art ist ausserdem
p. 47 veröffentlicht.
Dorcus Peyronis Reiche und de Saulcy (Annales d. 1. soc. en-
tomol. IV. p. 407) n. A. aus Syrien.
iSciprestifiesi Als neue Arten sind zu erwähnen :
Von Thomson (Annales de la soc. entom. IV. p. 327. pl. 8) :
Hyperanlha f FoecilonolaJ Ckabrillacii aus Brasilien und Psüoplera
Guerinii vom Caffcrnlande. — (Rev. et Magas. de Zoologie VIII.
p. 115): Psiloptera presidens von Panama, Stigmodera capucina von
Neu-Holland, Cotiognatha navarvhis von Van-Diemensland und Capno^
dis Saroltae vom Cap. (Letztere Art gehört zur Gattung Lampetis
und ist jedenfalls mit L. Westermanni Lap. Gory identisch. Ref.) Eine
Abbildung der Arten ist auf pl. 6. fig. 1—4 gegeben.
Von Reiche und de Saulcy (Annales d. 1. soc. entom. IV.
p. 410 ff.) : Äcmaeodera ftxraiosa, Sphenopleru trisulcala und Anthaxia
Corinlhia von Beirut, Anthaxia divina von Jaffa. (Letztere Art scheint
gleich A. diadema Fisch, zu sein.)
Von Rosenhauer (Thiere Andalusiens p. 133): Äcmaeodera
alboselosa.
Von Fairmaire (Rev. et JMagas. de Zoologie VIII. p. 483 ff.) :
Polycesta rubropicla, Pithiscus sagiUarius, Conognalha splendidicoUis und
Latipalpis metallica aus Chile und (ebenda p. 530) Ancylochira flava-
angulala aus Älarocco.
Von Rojas (Rev. et Magas. de Zoologie VIH. p. 565): Colo-
bogasler Acoslae aus Venezuela; derselbe gab auch (Annales de la
soc. entomol. IV. p. 693. pl. 20) eine ausführliche Beschreibung und
Abbildung von Hyperanlha Sallei aus Venezuela.
Reiche (Bulletin d. 1. soc. entom. IV. p. LXXI) bemerkt, dass
in dei' Gattung Äcmaeodera die Flügeldecken an der Naht verwach-
350 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Enlomologie
sen, dass aber trotzdem vollständig entwickelte Flügel vorhanden
seien; wie bei Cetonia, Gymnopleurus u. s. w. sind die Flügeldecken
aussen an der Basis ausgeschnitten , so dass die Ilinterflügel beim
Fluge entfaltet werden können.
Asa Fitch (Report on the noxious Insects p. 25 IT.) beschrieb
die Naturgeschichte und die ersten Stände von Chrysobothrys femo-
rata Fab., deren Larve unter der Rinde und im Holze der Apfelbäu-
me lebt.
Slucneiiiides« Von besonderem Interesse ist die Kenntniss der
Larve von Fornax Madagascariensis Lap. , welche Coquerel (AnnaL
dj. 1. soc. entom. IV. p. 511. pl. 15) beschrieben und abgebildet hat. Der
Körper derselben ist langgestreckt, sehr flachgedrückt , die einzelnen
(12) Segmente stark von einander abgeschnürt, das letzte breiter als
die übrigen und ganz kreisrund ; Beine fehlen gänzlich, ebenso alle
Anhängsel. Am Kopfe soll weder eine Spur von Ocellen noch von
Fühlern vorhanden sein; Unterlippe, Maxillen und Palpen sollen ganz
fehlen, die sonderbar geformte Oberseite des Kopfes vorn aus drei
mit einander verwachsenen Stücken , einem mittleren und zwei seit-
lichen bestehen, welche als modificirte Oberlippe und Älandibeln an-
gesehen werden. — Auf der beifolgenden Tafel ist neben der Larve
auch das ausgebildete Insekt nebst Alundtheilen, Fühlern, Tarsen u, s. w.
abgebildet.
Neue Arten dieser Familie sind Galba funcbris und sericata von
Borneo, albivcnlris von Java, in der Rev. et Magas. de Zoologie VIII.
p. 84 vonChevrolat beschrieben, Eticnemis Heydenii Bach (E. cur-
rax V. Heyden i. lit.) aus Deutschland (Entomol. Zeitung p. 247) und
Microrhagns Manueli Fairmaire aus Savoyen (Annales d. 1. soc. ento-
mol. IV. p. 530.)
Klateride*}* Thomson beschrieb als neue Arten: Iphis
morluus und lymphaticus von Borneo und Elater ChabrÜlacü aus Bra-
silien, welche auf pl. 23 der Rev. et Magas. de Zoologie VIII. (p. 473)
abgebildet sind. Es ist jedoch Iphis lymphaticus der Elater lacteus
Fabr. und Elater Chabrillacii schon von ßlanchard unter dem Na-
men Cyathodera longicornis charakterisirt worden.
Mulsant etGuillebeau, Description de quelques Elateri-
des nouveaux ou peu connus (Opusc. entomol. VII. p, 60 — ^^99). Die
hier beschriebenen Arten stammen meist aus Südfrankreich und haben
folgende Namen: Alhous tUanus y Dejeanii ^ fuscicornis, escorialensis
(Spanien), Godartif vestitus , cylindricoUis, sublruncalus , analis, Olbien^
siSf Cardiophorus versicolor und Diacanlhus aeralus, — Ebenda (p. l87)
wurde von denselben Autoren auch die Larve des Ludius ferrugineus
Lin. beschrieben, welche übrigens schon durch Blisson (Annal. soc.
entom. 184ö) bekannt gemacht worden ist.
während des Jahres 1856. 351
Cryplohypmts ielratoma aus Spanien und Corymbites Zenit von
Roveredo sind zwei neue Arten von Rosen Hauer (Thiere Andalu-
siens p. 136 ff.).
Von Reiche und de Saulcy (Annales d. 1. soc. entom. IV.
p. 4l6fl'.) wurden beschrieben: Cratotrjckus i"^) dimidiatipennis aus dem
Peloponnes , Agrypnus judaicus von Jerusalem, Cardiophorus maculi^
collis von Athen, tenellus von Beirut.
Semiotus Caracasanus wurde von Rojas in den Annales de
la soc. entomol. IV. p. 69-1 ausführlich charakterisirt und auf pl. 20
abgebildet.
Celirionites. Cebrio maculicollis Fairmaire (Rev. et Magas.
de Zoologie VIII. p. 530) ist eine neue Art aus Marocco.
üfffalacodermata. Lycides. — Fairmaire beschrieb
(Annales de la soc. entom. IV. p. 530) Diclyopterus alternatus als neue
Art aus den Pyrenäen.
Lampyrides. — VVaga, sur les larves des Lampyrides
(Etudes entomol, V. p, 40) machte Miltheilungen über die Form-Ver-
schiedenheiten der männlichen und weiblichen Lampyris-Larven.
„De la production de la lumiere chez les Lampyres ", par R.
Blanchet (Biblioth. univ. de Geneve, scienc. math. etphys.XXXI.
p. 213 ff.). Der Verf. bestreitet gegen Seh netzler das Vorhanden-
sein von Phosphor in der leuchtenden Masse der Lampyren, sondern
glaubt in Rücksicht auf die Construktion des Organs, welches eine von
starken Tracheenstämmen durchzogene weiche Fettmasse darstellt, dass
das Leuchten ein Produkt der Respiration sei, — Schnetzler erwi-
dert darauf (ebenda p. 215 ff.), dass er nicht behauptet habe, es finde
sich freier Phosphor in der Tracheenmasse, sondern dass derselbe mit
der Fettmasse verbunden sei, die er deshalb als „graisse phosphoree«
bezeichnet habe ; er habe die Phosphorsäure erst nachgewiesen, nach-
dem die Fettmasse durch eine stark oxydirende Substanz, concentrirte
Azotsäure, calcinirt worden sei.
Telephorides. — Neue Arten von Rosenhauer (Thiere
Andalusiens p. 140 ff.) sind: Podabrus tarians ^ gilcipennis , Cantharis
eremila, lihagonycha nolaticoUis, Mallhinus scutellaris, ornaluSf Maltho^
des Ibericus.
Suff rian „zur Critik einiger Käfer-Arten nach Vergleich mit
Fabricius'schen Typen" (Entomol. Zeitung p. 248 ff.) machte werthvolle
Mittheilungen über eine Reihe von Cantharis- (Telephorus) Arten,
welche von Fabricius beschrieben und deren Original -Exemplare
ihm zum Vergleiche vorgelegen haben; einige dieser Arten gehören
anderen Gallungen an, z. B. Phryganophilus, Kacerdes, Silis; die übri-
gen werden auf die allgemein gültigen Bestimmungen der späteren
Autoren zurückgeführt.
352 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Me3yricle§* Neue Spanische Arten, von Rosenhauer
(Thiere Andalusiens p. l49ff.) aufgestellt, sind: Malachius laticollis,
hilarisy Ebaeus cyaneus, Dasyles incanus, moniivagus^ consobrimis^ An~
dalusicus, rugiilosus, coetulealus , brevls, dolens, Etiicopus tibiellus und
senex. Eine neue , im Anhange beschriebene Art von Sardinien ist
ferner: Dasyles Sardous.
Clerii. Descriplions of some new species of Cleridae , col-
lected at Singapore by Mr. Wallace; by J. 0. West wo od (Pro-
ceed. of the zoolog. soc. of London XXIII. p. 19—26. pl. 38). Die
hier beschriebenen und abgebildeten neuen Arten sind : Stigmatium
ignavum, torutenlumj (ervidum, granulosiim, cylindrinum, ambulator^ Cur-
sor, Omadius cienostomoides , fasviipes, vigilans, selicornis (eine durch
die Behaarung der Fühler merkwürdige Art, im hiesigen Museum von
Pulo Penang) und clytiformis.
Zwei neue Arten der Galtung Erymanlhus hat ferner Thom-
son (Rev. et Magas. de Zoologie VIII. p. 113. pl. 5) beschrieben und
abgebildet: Erymanlhus ße/ieiwi/i aus Senegambien und vesuvioides von
Grand ßassam (letztere Art im hiesigen Museum aus Guinea).
l^tSniores. Die monographische Bearbeitung eines Theiles
dieser Familie von M. ßoieldieu, welche schon im Jahresberichte
für 1854 angezeigt wurde, ist jetzt im IV. Bande der Annales de la
soc, entomol. p. 285, 487 und 629 fl*. vollständig erschienen. Es sind
darin die Gattungen Hedobia mit 3, Ptinus mit 54, Niplus n. g. mit 3,
Trigonogenius Sol. mit 6, Mezium mit 3 und Gibbium mit 3 Arten ab-
gehandelt, denen dann noch die Aufzählung derjenigen folgt, die dem
Verf. unbekannt geblieben sind (15). Die neue Gattung Niphts , auf
Pt. hololeucus Fald. gegründet, wird von Ptinus durch Unterschiede
in den Mundtheilen abgetrennt ; die Zähne des Kinns werden als an
der Spitze abgerundet und die Oberlippe als ausgerandet angegeben.
— Die Abhandlung ist mit 5 colorirten Tafeln ausgestattet, auf denen
eine Anzahl der beschriebenen Arten stark vergrössert dargestellt ist;
so gefällig diese Abbildungen jedoch aussehen, erfüllen sie ihren
Zweck nur wenig , da sie zu einer sicheren Bestimmung der meist
schwierigen Arten keineswegs genau genug sind. — Was die Be-
handlung des Gegenstandes betrifft, so ist die Beschreibung der Ar-
ten, auf welche sich der Verf. ausschliesslich beschränkt hat, fleissig
und sorgsam , in der Galtung Ptinus jedoch trotzdem nicht von der
Art, dass sie als zur sicheren Erkennung derselben genügend bezeich-
net werden könnte; es liegt dies hauptsächlich daran, dass der Verf.
gerade über diejenigen Charaktere , welche eine hauptsächliche Be-
rücksichtigung verdient halten, kurz hinweggeht, während er die
allen gemeinsamen in der Regel wiederholt. So bietet z. B. die Form
und Lage der glatten Schwielenflecke des lialsschildes für diejenigen
Arten, wo solche vorhanden sind, einen guten Anhalt zur Unterschei»
während des Jahres 1856. 35^
düng dar, ohne dass auf dieselben näher eingegangen worden ist ;
man vergleiche hierüber z. B. Ft. dilophus Illig. und irroratus Kies,
mit Pt. lusitanicus lUig. Als schwach muss geradezu der literarische
Theil der Arbeit bezeichnet werden; die Synonymie ist äusserst dürf-
tig und selbst Autoren wie Illig er (Käfer Preussens), PaykuU,
Gyllenhal, Marsham sind entweder gar nicht, oder wie die bei-
den letzteren nur in einzelnen Fällen citirt worden. Wenn bei Ptinus
rufipes Fab. selbst das Citat für das Weibchen: Pt. elegans Illig. fehlt,
so ist diese Sparsamkeit gewiss als unzweckmässig zu bezeichnen;
bei Pt. dubius Sturm wäre z. B. crenatus Payk. , bei crenatus Fabr.
dagegen globulus Ahr. und Cerevisiae Marsh, zu citiren gewesen.
Als irrige Synonyma sind hervorzuheben: Pt. dilophus Illig. ist von
der gleichnamigen Art des Verf. sicher verschieden ; ersterer hat viel
längere und spitzere Dornen am Halsschilde und ist kaum merklich
grösser als Pt. irroratus Kies. — Pt. sycophanta Illig. hat keine Haar-
tupfen auf dem Thorax und kann daher weder mitPt. bidens Ol. noch
mit raplor Stu^m identificirt werden. — Pt. globulus Illig. ist wahr-
scheinlich mit einer der Tipnus-Arten des Verf., aber keineswegs mit
seinem Wiplus globulus identisch ; die llliger'sche Art ist, wie auch im
Magaz. VI angegeben, nicht behaart , sondern nur mit Schuppen be-
deckt umd ohne alle Erhöhungen auf dem Thorax. — Der Pt. nobilis
Dej. (Isle de France) hat mit den Arten der Gattung Ptinus nichts ge-
mein ; nach der Tarsenbildung könnte er nur zu Hedobia gehören,
von der er jedoch ebenfalls durch die Form des Schildchens , die
kürzeren Fühler und auch besonders durch die verbreiterten Sterna,
durch welche die Hüften weit auseinandergedrängt werden, unter-
schieden ist; er würde eine eigene Gattung bilden müssen. — Wenn
Pt. hololeucus generisch abgetrennt werden soll , wofür das sehr
kleine , kaum sichtbare Schildchen , die kuglige Form der Flügel-
decken, die ganz kleinen Augen und die Breite der Stirn zwischen den
Fühlern sprechen würde, so müsste Pt. crenatus Fabr., bei dem diese
Charaktere übereinstimmend vorhanden sind, dieser Gattung ebenfalls
eingereiht werden. — Von den dem Verf. unbekannten Arten würde
Pt. humeralis Say aus Nord - Amerika zu Hedobia gehören. — Für
einen ersten Versuch ist übrigens die Bearbeitung der Gattung Ptinus
ein schwieriges Unternehmen, sowohl wegen des Mangels an Vorar-
beiten als auch besonders wegen der grossen Differenz der beiden
Geschlechter in der Mehrzahl der Arten ; jedenfalls bleibt dem Verf.
aber das Verdienst, eine beträchtliche Anzahl neuer Species bekannt
gemacht zu haben.
Eine neue Gattung , die dieser Familie eingereiht wird , (aber
dem Habitus nach kaum hierher zu gehören scheint) ist Leucohima^
tium Rosenhauer (Thiere Andalusiens p. 179) von länglicher, gleich-
breiter Körperform wie Lyctus , von diesem durch die Bildung der
Archiv f. Nftturgesch. XXIIL Jahrg. 3. Bd X
354 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Tarsen, Jängeren Kopf, die drei verdickten Endglieder der Fühler,
jdiß nicjtit ausgerandete Oberlippe und andere Abweichungen in den
M.undtheilen unterschieden. Art: L. angustum. Keue Arten dessel-
ben aus Andalusien sind ferner: Ptinus solitarius j agricullor^ ruber,
carbonariuSf Anobium paradoxum. Ausserdem im Anhange beschrie-
ben: Dorcatoma Dommeri und Ptinus formosus von den Hyerischen
Inseln.
Von Fuss (Mittheilungen des Siebenbürgischen Vereins für IN a-
turwiss. zu Ilermannstadt VII. p. 35 ff.) wurde die Entwicklungsge-
schichte und die ersten Stände der Apate substriata bekannt gejnacht.
Nach Fairmaire (Annales d. 1. soc. entomol. IV. p. 53'i) ist
Psoa italica Küst. mit Dermestes dubius Rossi identisch und muss da-
her Psoa dubia heissen.
Jflelasonia* Rosenhauer (Thiere Andalusiens p. 183 ff.)
charakterisirte die Dejean'schen Gattungen Nephodes , Sclerum und
Lichenum und beschrieb folgende neue Arten aus Spanien : Pachy-
phila i7icrassala, bifida, Tenlyria sinuatocolUs , Gadilana , frolixa , mo'
desta, corrugala, Pimelia inlegra, monlicola , Asida lucluosa, inquinata,
cinctOf marginicollis, pygmaea (alle fünf von Rambur abgebildet, aber
nicht beschrieben) , Asida hebes, Tagenia andalusicay Misolampus sub-
glaber, Opalroides thoracicus , Opalrum baeticum , gregarium, Crypticus
pusillus , Animobius rugosns , Calcar procerus und ^ephodes villiger
(Hffsgg.), letztere Art von M. melallescens Küst. unterschieden.
Von Mulsant und Perroud (Opusc. entomol. VIT. p. 160)
wurde eine neue Gattung Melasia aufgestellt, weiche mit Uloma au-
nächst verwandt, sich durch weniger langgestreckten Körper, quer
ovales Kinn und die Form des sechsten bis zehnten Fühlergliedes,
welche fast quer viereckig und nicht in spitze Winkel ausgezogen
gind, unterscheidet. Zwei Arten : M. gagalina aus Sicilien und iarsalis
vom Senegal.
Eine fernere neue Gattung von Mulsant (Hist. nat. d. Coleopt.
de France, Supplement) ist Pygidiphorus , welche den üebergang von
Alphitobius zu Cataphronetis zu vermitteln scheint; die Art: P. Caroli
ist in der Gegend von Bordeaux aufgefunden worden.
Derselbe (Opusc. entomol. VII. p. 133 ff.) beschrieb die Larve
von Elenophorus coliaris; sie hält sich nach Art der Blaps- Larven
in der Erde verborgen und kommt nur mit dem vorderen Theile des
Körpers aus derselben hervor, um sich von verwesten animalen Sub-
stanzen zu ernähren ; sie ist von langgestreckter , halb cylindrischer
Körperform.
Lucas hat die sechs von ihm im vorigen Jahre durch Diagno-
sen bekannt gemachten Tentyrien aus Algier jetzt in den Annales de
la soc. entomol. iV. p. 697 ff. ausführlich beschrieben und auf pl. 21
während des Jahres 1856. 355
abgebildet; ebenso die schon im Jalire 1850 vorläufig bekannt ge-
machte Morica Jevinii aus Algier.
Eine neue Art von Costa ist Opalruni sHuUgerum von der
Insel Ischia ( Alcune notizie suU' entomologia dell' Isola d'Ischia
pag. 4).
Von Fairmai re ( Annaies de la soc. enlomol. IV. p. 533) :
Tlalydema subplumbea von Sicilien und Bhis tetraphyllus aus der Um-
gegend von Pisa.
Zur Helopier-Gruppe gehören folgende neue Arten :
Eucamplus flihusier Thomson (Rev. et Magas. de Zoologie Vill.
p. 475. pl. 23) von Costa Rica , eine ausgezeichnete zweite Art der
Gattung, die sich auch im hiesigen Museum von derselben Lokalität
befindet. Da die Gattung Eucamptus Dej. von de Castelnau unter
dem Kamen Hegemona beschrieben worden ist, muss die Art Hegemona
flibuster heissen.
Spheniscus Chevrolalii Rojas aus Venezuela, jetzt in den Anna-
les de la soc. enlomol. IV. p. 695. pl. 20) ausführlich beschrieben und
abgebildet.
Helops pellucidus Mulsant et Rey (Opusc. entomol. VII. p. 15)
aus Südfrankreich.
Cistelinae. Die inländischen Gattungen dieser Familie sind
von Mulsant in seiner Hisl. nat. d. Coleopt. de France, Pectinipe-
des gründlich untersucht und festgestellt worden. Die Abtrennung
von den nahe verwandten Helopiern ist nach der eigenthümlichen
kammförmigen Bildung der Fussklauen, welche allen Cistelinen eigen
ist, eine gewiss sehr begründete, zu>i)al auch die Brust- und Hüften-
bildung, mit welcher die sehr lebhafte Beweglichkeit dieser Thiere
im efngen Zusammenhange steht, Eigenthümlichkeiten darbietet. Mul-
sant theilt seine „Peclinipedes" zunächst in zwei Gruppen: 1) Ci-
steliens mit fünf Bauchringen , zweispilzigen Mandibeln, deutlich er-
weitertem Endgliede der Kiefertaster und fünf bis sechs (seltener
acht) Zähnen an den Fussklauen. 2) Omophliens meist mit sechs
lauchringen, ungetheilter Spitze der Mandibeln, wenig erweitertem
Endgliede der Kiefertaster und neun bis zwölf Zähnen an den Fuss-
klauen. — Die hier anjjegebenen Unterschiede in der Mandibel- und
Palpenbildung sind ganz durchgängig und für beide Gruppen daher
sehr bezeichnend; hinzuzufügen wäre noch, dass bei den Omophliens
Clypeus und Überlippe schmal und langgestreckt und die Mandibeln
seillich frei liegend, bei den Cisleliens Clypeus und Oberlippe kurz
und breit und die Mandibeln fast ganz bedeckt sind. — Die Cisleliens
zerfallen wieder in Mycetocharaires und Cistelaires; zu ersteren ge-
hören Mycetochares mit 5 franz. Arten und Uymenorus Muls. mit l
Art, zu letzteren Allecula und Cistela. Die Gattung Cistela hat der
356 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Verf. in eine Reihe von Gattungen aufgelöst, denen jedoch nur äus-
serst leichte und unwesentliche Unterschiede zu Grunde liegen, wel-
che besser zur Eintheilung der Arten in Gruppen zu benutzen wä-
ren ; sie bestehen in der Form des Halsschildes (dessen Basis zuwei-
len fast gejade abgeschnitten oder ausgebuchlet und mit hervortre-
tenden Hinterecken versehen ist), den Längsverhältnissen der Fühler-
glieder, dem einfachen oder mit einer häutigen Sohle versehenen vor-
letzten Gliede der Hintertarsen u. s. w. Die Namen der hierauf ge-
gründeten Gattungen sind: Gonodera (eine Benennung, die neben der
Gattung Goniodera Ferty besser zu vermeiden gewesen wäre) für
Cistela fulvipes F'abr., Cislela sens. strict. für Cist, ceramboides Fabr.,
Hymenalia für Cist. fusca lllig. , Isomira für Cist. antennata Panz,,
murina Lin. u, s. w. ; für die Gattung Prionychus Solier (Heiops ater
Fabr.) wird der frühere Käme Eryx Stephens wieder eingeführt. —
Die Omophliens zerfallen in vier Gattungen : Podonta Solier (für
Cist. nigrita Fabr.) 1 Art , Cteniopus Solier (Cist. sulphurea Lin.)
1 Art, Heliotaurus n. g. mit an der Spitze verdickten Fühlern (Cist.
nigripennis Fabr.) , 2 Arten und Omophlus Solier, 7 Arten.
An diese Bearbeitung der französischen Cistelinen schliesst sich
die Beschreibung einer Anzahl meist südeuropäischer und den zu-
nächst gelegenen Theilen Asien's und Afrika's angehörender Arten
an, welche Mulsant in den üpuscules entomol. YIL p. 17—59 un-
ter dem Titel: „Notes relatives ä quelques Insectes Coleopteres de la
Iribu des Pectinipedes" veröffentlicht hat. Auf Allecula aterrima Dej.
Küst. gründet der Verf. mit Recht eine eigene Gattung UpinellUf
welche sich von Allecula schon habituell durch das an der Basis
verengte Halsschild unterscheidet und in den Längsverhältnissen der
Fühlerglieder abweicht; das dritte Glied ist nämlich sehr bedeu-
tend länger als das vierte , fast doppelt so lang als das fünfte,
die drei letzten dagegen verkürzt, oval. (Die Art U. aterrima hat
eine weite Verbreitung und findet sich im hiesigen Museum auch
aus der Krim.) Zur Gattung Gonodera bringt M. auch die C. me-
tallica Küst. Neue Arten sind ferner: Hytnenorus rugicollis unbek.
Vaterl., (Cistela serrata Chevr. ist wohl nur eine Farben-Varietät von
C. ceramboides), Isomira corsica von Corsica, Eryx anlkracina nnbeli.
Vaterl., maurilanica aus Sicilien und Algier (von Da hl unter dem
Namen Heiops tristis versandt). Die Selbstständigkeit seiner Gattun-
gen Podonta und Cteniopus zieht der Verf. hier (p. 25) selbst wieder
in Zweifel , indem er zugiebt , dass sich zwischen den Charakteren
beider Uebergänge vorfinden , hält sie aber dennoch fest. Zur Gat-
tung Podonta werden ausser C. nigrita Fabr. noch C. lugubris Küst.
und als neue Arten : Pod. Aubei aus dem Orient und alpina aus dem
östlichen Kuropa gerechnet, letztere beiden beschrieben. Die fünf
angeführten Cteniopus sind sämmtlich bereits beschrieben. Heliotaurus
wahrend des Jahres 1856. 357
Muls. im Ganzen mit 12 Arten , theils mit kurz und dicht behaarten
Flügeldecken und verkürzten Fühlern, theils mit sparsam behaarten
oder glatten Flügeldecken und schlanken Fühlern. Neu sind: H, an-
ceps von Tanger, rerrondii aus Algier, ang^islicollis aus Aegypten und
Reichii aus Algier. (In Betreff der bereits beschriebenen Arten ist
zu bemerken, dass von H. rufiventris Waltl , von dem Mulsant nur
das Weibchen kennt , das Männchen durch schwarze Schenkel ab-
weicht; ferner dass H. coeruleus Fabr., gewöhnlich aus Algier, auch
in Spanien vorkommt.) Neue Arten der Gattung Omophlus sind: 0.
orienlalis aus Constantinopel und der Krim , sculellaris aus Aegypten,
syriacus (Dej.) aus Syrien.
Omophlus prodtictus und CisIeJa Granalensis Rosenhauer (Thiero
Andalusiens p. 220 ff.) sind zwei neue Arten aus Spanien.
]ffelandry»dae. Mulsant (Histoire naturelle des Coleop-
teres de France) nimmt in dieser Familie, welche er mit dem Namen
„Barbipalpes" bezeichnet, sieben Ünter-Abtheilungen (oder Gruppen)
an, nämlich: Tetratomiens , Orchesiens , Serropalpiens , Melandryens,
Mycetomiens, Conopalpiens und Osphyens. Während Scraptia als ein
natürliches Mitglied dieser Familie von derselben ausgeschlossen bleibt,
wird Tetraloma gewiss nicht recht passend damit vereinigt. In Be-
treff der übrigen Gruppen scheint es dem Verf. entgangen zu sein,
dass nach der Gesammtbildung des Körpers seine Orchesiens mit den
Serropalpiens und ebenso die Conopalpiens mit den Osphyens (letztere
trotz der verschiedenen Zahl der Fühlerglieder) in näherer Bezie-
hung zu einander stehen und besser je mit einander vereinigt wor-
den wären. Die erstere Gruppe ist auf Tetraloma mit 3 Arten be-
schränkt , die zweite umfasst Eustrophus und Orchesia , letztere mit
3 französischen Arten, ferner Ilallomenus, welche Gattung mit Unrecht
auf H. humeralis reducirt ist, während ihr H. fuscus Gyll. nach der
Bildung des Prosternum ebenfalls zugehört; Mulsant gründet auf
letztere Art eine eigene Gattung Drijala^ welche er unter die Serro-
palpiens , bei denen die Vorderhüften zusammenstossen sollen, (was
bei Hallom. fuscus nicht der Fall ist) setzt. Die Gruppe Serropal-
piens zerfällt in „Dirceaires" und „Serropalpaires," erstere wieder in
„Dryalalcs" und „Dirceates ;« unter den Dryalales stehen: Anisoxya,
n. g. (auf Dircaea tenuis Ros. gegründet) , Abdera mit 5 Arten , die
schon erwähnte Gattung Dryala (Hallomenus fuscus Gyll.) , Carida
n. g. auf Hallomenus affinis und flexuosus begründet; unter den Dir-
ceales : Dircaea 2 A. (und 1 ausserfranzösische D. Parreyssii, welche
nicht aus Ungarn, sondern aus der Krim stammt) ; die Serropalpaires
enthalten die Galtungen Phloiotrya Steph. mit 2 und Serropalpus mit
1 Art. Die Gruppe Melandryens umfasst folgende Gattungen : 7Alora
(wofür der Paykull'sche Gattungsname Xylita beizubehalten ist) 1 A ,
Hypulus 2 A. , Marolia n. g. auf Dircaea varicgata Fab. begründet,
358 Gerslaecker; Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Melandrya 3 A. Die Mycetomiens beschränken sich auf die Galtung
IMycetoma mit l A., ebenso die Conopalpiens auf Conopalpus mit 2A,
und die Osphyens auf Osphya mit l Art.
Als neue Art wurde ferner von M ul s an t undGodart (Opusc.
entomol. VII. p. 108) Orchesia maculata aus Sicilien beschrieben.
Nach Fairmaire (Annales de la soc. entomol, IV. p. 546) ist
die in Schweden vorkommende Dircaea 4gultata Fabr. von der süd-
französischen Art gleiches Namens specifisch verschieden; er nennt
letzlere D. australis.
Jlkntliicini. Mulsant und Rey „Notes pour servir ä l'hi-
stoire de l'Agnathus decoralus« (Opusc. entomol. VII. p. lUfi".) gaben
eine Beschreibung und Abbildung der Larve und Nymphe von Agna-
thus. Die Larve ist von schmalem, langgestreckten, wenig gewölb-
ten Körper, mit dreigliedrigen Fühlern, ohne Ocellen ; von den Abdo-
minalringen sind die drei letzten grösser als die sechs ersten , der
letzte am längsten, mit zwei rundlichen Gruben auf der Oberseile
und jederseils am Hinterrande mit einem starken, aufgebogenen Dorne.
Sie lebt am Rande von Bächen in alten Erlenslöcken, in der Gesell-
schaft von Rhizophagus coeruleus und Bostrichus alni, dessen Larven
sie wahrscheinlich nachstellt; wenigstens findet sie sich oft in deren
Galerieen.
Drei neue Arten sind: Antkicus vespertinus Rosenhauer (Thiere
Andalusiens p. 225) aus Spanien und Anlhicus formicarius und insula~
nus Nielner (Entomol. papers II. p. 10) von Ceylon.
S^^s^g^riariae« Slulsant (Hist. nal. d. Coleopt. de France)
vereinigte die Lagriarien und Pyrochroiden unter dem Namen „Lati-
pennes" und theilt dieser Familie als eine dritte, zwischen jenen bei-
den in der Mitte stehende Gruppe die „Pylhides" zu. Die Familie ist
in Frankreich mit 5 Lagria (darunter zwei neue Arten), 1 Pylho und
3 Pyrochroa vertreten ; unter letzterer Gattung führt der Verf. die
Pyrochroa rubens als P. satrapa Schrank, Herbst auf.
Lagria rugosula ist eine neue Spanische Art, von ilosenhauer
(Thiere Andalusiens p. 223) aufgestellt.
Mordellonae* Mulsant führt in seiner Histoire naturelle
des Coleopteres de France (Paris 1856) für diese Familie den Namen
„Longipedes" ein, eine Veränderung, welche wohl um so überflüssiger
ist, als die Benennung als durchaus trivial bezeichnet werden rauss.
Es werden darunter die Familien der „Mordellides« und „Rhipiphorides«
vereinigt, für deren Auseinanderhaltung die vom Ref. (siehe vori-
gen Jahresbericht p. 67) angegebenen Charaktere beibehalten werden.
Die „Mordellides" werden in drei Unter- Abiheilungen: Mordelliens,
Aaaspiens und Scraptiens zerfällt^ v/orüber jedoch zu bemerken, dass
die lelzteren nach allen natürlichen Charakteren gar nicht dieser Fa-
während des Jahres 1856. ■ 359
milie zugehören , sondern den Melandryaden beigezählt bleiben müs-
sen. Für die Bearbeitung der eigentlichen Mordellonen haben dem
Verf. typische Exemplare von Costa zum Vergleiche vorgelegen und
ist hierdurch die Sicherstellung der Synonymie sehr gefördert worden ;
die Beurtheilung der Costa'schen Arten stimmt mit derjenigen, welche
Ref. nach den Beschreibungen und Abbildungen der letzteren gege-
ben hat, durchweg überein , hat aber noch eine weitere Ausdehnung
erfahren. Sind hierbei zahlreiche Costa'sche Arten eingezogen wor-
den , so hat der Verf. dagegen die von jenem aufgestellten Gattun-
gen mit wenigen Ausnahmen beibehalten, für dieselben aber wenig-
stens charakteristische Merkmale festgestellt: dass diese Gattungen
jedoch auch so noch sehr in ihren Rechten zu beanstanden sind, liegt
auf der Hand, wenn man die geringe Bedeutung der ihnen beigemes-
senen Unterscheidungsmerkmale in Betracht zieht. Die von Mordella
abgezweigten Gattungen sind: Tomoxia Costa mit 1 Art, Mordella 6 A.,
(ausserdem sind noch einige ausserfranzösische beschrieben), Mordel-
listena Costa 13 A. und Stenalia n. g. auf M. testacea Fabr. gegrün-
det. Als ein sehr in die Augen springendes Merkmal für Mordellistena
hebt M Ulsan t mit Recht die Einkerbung der Hinterschienen und des
ersten Gliedes der Hintertarsen hervor, welche bei Tomoxia und Mor-
della fehlt; bei Stenalia findet sich nur eine solche schuppenartige
Einkerbung, bei Mordellistena dagegen mehrere. Uebrigens zeigt nach
des Ref. Ansicht die Mord, testacea Fabr. andererseits schon wieder eine
grosse Annäherung an Tomoxia, nicht nur im Habitus, sondern auch
in der Verlängerung der Mittelschienen. — Die bisher unter Anaspis
vereinigten Arten vertheilt Mulsant auf 3 Gattungen: Anaspis (11
Arten), Silaria (4 A.) und Penlaria (1 A.) ; als Unterschied zwischen
den beiden ersten wird nur hervorgehoben, dass sich der umgeschla-
gene Rand der Flügeldecken bei Anaspis bis zum Ende des dritten
Hinterleibsringes erstreckt , w^ährend er bei Silaria nur bis zu den
Hinterhüften reicht. Die Gattung Pentaria soll sich von den beiden
vorhergehenden durch geradlinigen Hinterrand des dritten Hüftenpaa-
res und längere Hinterschienen unterscheiden. (Die hier angeschlos-
senen „Scraptiens" belaufen sich auf 3 Scraptia und 1 Trotomma.) —
Die Rhipiphoriden sind durch die bekannten südeuropäischen Arten in
Frankreich vertreten: l Metoecus, 3 Rhipiphorus, 1 Myodites, 1 Pti-
lophorus. — Was die von Mulsant vorgenommene Feststellung der
Arten unter den Mordellonen und die ihnen zugewiesenen Synonyme
betrifft, so glaubt Ref., dass hier eine gründliche Revision noch man-
ches zu verbessern im Stande sein wird. Für Tomoxia bucephala
Costa (eine überall gemeine Art) ist der ältere Name Mord, biguttata
de Cast., Redtenb. einzuführen ; das Citat Mord, sericea Ziegl. ist bei
dieser Art zu streichen, indem es zu Mord, villosa Schrank gehört.
Mordella bipnnctata Germ, ist als Synonym von M. fasciata zu tilgen;
360 G ersta eclcer: Bericht üb. d Leistungen in d. Entomologie
dagegen fällt mit dieser sehr ausgezeichneten Art M. decora Chevr.
Muls. (perspicillata Costa) zusammen. Mordella brunnea Fabr. kann
nicht als Farbenvarietät der M. humeralis angesehen werden, sondern
ist eine durchaus selbstständige Art; eine "Vereinigung beider ist aber
um so weniger zulässig, da M. variegata als eigene Art von M Ul-
san t beibehalten wird, während dieselbe viel näher mit M. humera-
lis verwandt ist als M. brunnea. — Unter Rhipiphorus hat M. den
Rh. apicalis mit Rh. ruGpennis wohl mit Recht vereinigt; Ref. hat
sich nachträglich überzeugt, dass diese Art schon im Jahr 1830 von
Gebier als Rh. praeiistus beschrieben worden ist und daher diesen
Namen erhalten rauss ; als Rh. apicalis ist sie auch von Fischer
(1832) diagnoslicirt worden.
Nietner (Enlomol. papers I. p. 7) beschrieb Rhipiphorus tro'
picvs als neue Art von Ceylon , welche nach Ansicht des Original-
Exemplars auf ein Ideines Individuum von Rh. bipunctatus Fabr. ge-
gründet ist.
MordeUa extensa Rosenhauer (a. a. 0. p. 227) ist eine neue Art
aus Andalusien.
L e t z n e r beschrieb (34. Jahresbericht der Schlesisch. Gesellsch.
f. vaterl. Cullur p. 103) die Larve der Mordella guttata Payk., die er
in Schwämmen fand; auch der Käfer hält sich gewöhnlich in der Nähe
derselben auf.
Vesicantia« Mylabris suspiciosa und sculellala wurden als
neue Arten von Rosenhauer (Thiere Andalusiens p. 229 ff.) be-
schrieben.
llriiclietae* Derselbe charakterisirte (ebenda p. 235 ff):
Bruchus oblongus aus Sardinien und exiguus aus Andalusien.
Ciirculionides* Perris hat („Insectes du pin maritime,"
Annales de la soc. entomol. IV. p. 245 ff. und p. 423 ff.) die Naturge-
schichte und die ersten Stände einer Reihe von Curculionen , deren
Larven an Pinus maritima leben, erörtert. Es sind folgende: Dryo-
phthorus lymexylon , Rhyncolus porcatus und slrangulatus, Mesites
pallidipennis, Magdalinus carbonarius, Pissodes notatus, Hylobius abie-
tis und Diodyrrhynchus austriacus. Letztere Art, welche noch irr-
thüralicher Weise als das Weibchen des Rhinomacer attelaboides Fabr.
genommen wird, legt ihre Eier zur Zeit der Blüthe von Pinus mari-
tima in die jungen Zapfen , wo sich die Larve von den Staubgefäs-
sen, dem Pollen und auch von der Axe derselben ernährt; sobald sie
erwachsen ist, verlässt sie dieselben, fällt zur Erde und verpuppt
sich hier. Die übrigen Arten greifen sämmtlich nur kranke oder ge-
schlagene Bäume an, die Larve des Mesites nur solche Stämme, wel-
che vom Meerwasser durchdrungen und hierdurch erweicht worden
sind. Die Larve des Magdalinus carbonarius ernährt sich vom Marke
während des Jahres 1856. 361
dürrer Aeste, in welche das Weibchen seine Eier hineinlegt. — In-
dem Perris sich auf eine Charakteristik der Curculionen-Larven im
Allgemeinen cinlässt und ihre vollkommene Uebereinstimmung mit
denen der Bestrichen nachweist, schliesst er sich der Ansicht an,
dass letztere mit der Curculionen - Familie zu vereinigen seien. In
Bezug auf die Form der Larven ist dem gewiss nichts entgegenzu-
stellen , wohl aber in Betracht ihrer Lebensweise und zwar um so
mehr, als gerade diejenigen Curculionen-Gattungen, welche wieRhyn-
colus, Dryophthorus u.a. im Körperbau den Bostrichen am nächsten
treten , sich in der Lebensweise der Larve ebenso weit von ihnen
entfernen wie alle übrigen.
lieber die früheren Lebenszustände anderer Curculionen sind
folgende Mittheilungen gemacht worden:
Goureau (Bulletin de la soc. entomol. IV. p. CIV) erzog den
Balaninus villosus Fab. aus den Eichengallen der Cynips quercus ter-
minalis Fab. und beobachtete zugleich, dass das Käfer-Weibchen mit
seinem Rüssel diese Gallen anbohrte, um sein Ei hineinzulegen. Die
Larve, welche ganz derjenigen von Balaninus nucum gleicht, nährt
sich von der Pulpa der Galle , geht erwachsen aus derselben heraus
und verpuppt sich an der Erde.
Nach Doumerc (ebenda p. LXXXIV) lebt die Larve des Eri-
rhinus vorax Fab. in den Schoten von Cytisus Laburnum , deren Sa-
menkörner sie ausnagt ; wenn die Schoten bei der Reife platzen,
erscheint der Käfer, nachdem er acht bis zehn Tage im Nymphenzu-
stande zugebracht hat.
Laboulbene (Annales de la soc. entomol. IV. p. 145 ff.)
machte die Naturgeschichte und die ersten Stände eines Ceutorhyn-
chus bekannt, den er für neu hält und unter dem Namen C. Drabae
beschreibt. Die Larve bildet Gallen im Stengel von Draba verna,
unmittelbar über der Wurzel. Eine Abbildung des Käfers, der Larve
und der von ihr erzeugten Gallenbildung ist auf Taf. 4 gegeben. —
Der als neu angesehene Ceutorhynchus Drabae wird vom C. hirtulus
Schönh., dem er sehr nahe stehen soll, unterschieden, scheint jedoch
nach der Beschreibung mit diesem zusammenzufallen; es ist dies um
so wahrscheinlicher, als C. hirtulus in hfesiger Gegend ebenfalls auf
Draba verna lebt.
Letzner beschrieb (34. Jahresbericht d. Schlesisch. Gesellsch.
f. vaterl. Cultur p. 98 fF.) die Larve und Puppe von Orchestes popnli,
von denen erstere die Blätter von Salix fragilis und alba minirt. Die
ersten Stände dieses Orchestes werden oft von Larven einer kleinen
Schlupfwespe, welche mit Phagonia smaragdina Gurt. Aehnlichkeit hat,
angegriffen. — Ein ähnlicher Parasit lebt nach Letzner auch in
Baridius-Larven.
Die Nord^Amerikanische Gattung Lithodus Schönh..; welche bis=
362 Gers taecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
her nur durch eine einzelne Art vertreten war, hat LeConte (Pro-
ceed. of the acad. of the nat. scienc. of Philadelphia VIII. p. 18) mit
sechs neuen' bereichert, deren Charaktere kurz auseinandergesetzt wer-
den : L. recluSf afßiiis, rudis^ erosus, longior und ttwrbiUosus. Die Ar-
ten sind in Grösse, Färbung und Skulptur einander sehr ähnlich und
halten sich unter trocknem BülTelmist in den dürren Gegenden des Ar-
kansas-Thaies auf.
In Rosenhauer's „Thiere Andalusiens" ist die Familie der
Curculioncn besonders reich an neuen Arten; es werden (daselbst
p. 239 ff.) folgende sorgsam beschrieben : Apion hreviuscnlumy cretaceum,
minulissiimniif plumbeo-micatis, pineae, Tauymectts albicans, Silones fal~
laXf Cleonus senilis , Phijionomus obtusus, Rlnjtirkinus subfascialus, loti-
gulus , parvus , Otnias cinerascens , Otiorkynchus inlrusicelUs, Larinus
meridionalis f ßlirostris , Erirhinus rubidus , Tychins cuprinus , conspcr^
sus, farinosus, decoraius , rubriceps , Irimacula, scabricollis, scrobiciila-
tuSf Orchesles incanus, Baridias viridipennis, Acalles snbglaber, tubercu^
latus, Bagous cylindricus , perparvulus, Ceulorhynchus tenuirostris, leu-
corhamma , laelus, Gymnetron variabilis , Nanophyes rubricus, Vhloeo-
phagus gracilis. — Ausserdem werden anhangsweise folgende Arten
charakterisirt : Rhylirhinus angtislicollis von Barcelona , Omias haenia-
lopus aus Tyrol, Otiorkynchus Friwaldzshyi aus der Türkei, costipennis
von ßerchtesgaden, Mülleri vom Monte Baldo, picitarsis aus Steyermark
und Coeliodes impressns aus Tyrol.
Andere Europäische Arten sind ferner von Fairmaire (An-
nales de la soc. entomol. IV. p. 536 ff.) bekannt gemacht worden:
Brachycerus Pradieri aus der Bretagne, Stropliosomus subnudus, Bary~.
notus viridanus und auronubilits aus den Pyrenäen , Otiorkynchus Ghi~
lianii von Spezzia, planidorsis aus den Pyrenäen (auch in der Rev. et
Magas. de Zoologie VIII. p. 179 diagnosticirt) und Mcsiles cribralus
vom Bosporus.
Ferner von Bach (Entomol. Zeitung p. 242 ff.) : Ptochus qua^
drisignatus, Baridius resedae (die Larve lebt an den Wurzeln von Re-
seda luteola) , Phytonomus monlicola, Sciapkilus ptochioides (ist ein
Strophosomus aus der Verwandtschaft des Stroph. squamulatus Ilbst.
Ref.), alle aus Thüringen.
F. Schmidt (Jahresheft d. Vereins des Krainischen Landes-
]\]useums, Laybach 1836. p. 18) beschrieb Hylobius variegatus als neue
Art aus den Krainer Alpen, welche sich von Hyl. arcticus Payk. (der
jedoch zur Gattung Lepyrus Schönh. gehört , Ref.) durch geringere
Grösse so wie durch die verschiedene Stellung und Form der Flügel-
decken-Flecke unterscheiden soll.
Mahl er (Sitzungsberichte des zoolog.-botan. Vereins zu Wien
VI. p. 11) fand in der iVlagdalenen -Grotte bei Adelsberg einen Tro-
glorhynchus, der sich von Tr. anophthalmus Schmidt durch deutlich
während des Jahres 1856. 363
gezähnte Hinterschenkel unterscheidet. M. verinuthet darin eine se-
xuelle oder individuelle Abweichung von jener bekannten Art ; da
bei der nah verwandten Gattung ütiorhynchiis devuleichen Differen-
zen bei den Individuen einer Art nicht obwalten, möchte auch wohl
im vorliegenden Falle eine specifische Verschiedenheit sich heraus-
stellen, besonders da dieThiere Bewohner verschiedener Höhlen sind.
Auf das von Walton herausgegebene Verzeichniss der Briti-
schen Curculioniden ist schon oben (siehe Coleopteralj aufmerksam
gemacht worden.
Suffrian besprach (Entomol. Zeitung p. 250 ff.) die Schienen-
bildung bei den Gattungen Acalles und Scleropterus Schönh. und wies
an Acalles Camelus Schh. nach, dass das ^lännchen dieser Art ganz
dieselben Abweichungen in der Bildung der Yorderschienen von de-
nen des Weibchens darbietet, wie sie Schönherr als charakteri»
stisch für Scleropterus hervorhebt; er will deshalb Scleropterus als
Untergattung mit Acalles vereinigt wissen. — Wenn das üeberein-
stimmende in der Schienenbildung beider Gattungen nicht zu verken-
nen ist, glaubt sich Kef. doch aus anderen Gründen gegen eine Ver-
einigung derselben erklären zu müssen; Acalles hat abgesehen von
der verschiedenen Uüssel - und Brustfurchenbildung, eine siebenglie-
drige und sehr derbe, Scleropterus dagegen eine sechsgliedrige und
dünne Fühlergeissel, an der die drei ersten Glieder langgestreckt sind,
während bei Acalles nur das erste und zweite länglich erscheinen.
Dagegen stimmt Scleropterus mit Bhytidosomus Schh. generisch über-
ein, welche Gattungen beide eine übereinstimmend gebildete, sechs-
gliedrige Geissei haben; die Angabe Schönherr's, dass dieselbe
bei Scleropterus siebengliedrig sei, ist irrig.
Nach Stierlin (Entomol. Zeitung p. 361) ist Polydrosus pen-
ninus Bremi mit P. fulvicornis Schönh. identisch (wie dies aus der
Beschreibung schon zu vermuthen war), Rhytirhinus alpinus Bremi =
Dichotrachelus Rudenii Stierl.
Jekel, Bemerkungen über Platytarsus setiger und aurosus,
siehe Bullet, d. 1. soc. entomol. IV. p. LXXII. — Nach demselben
(ebenda) ist Mitomermus hystrix Jacq. du Val identisch mit Cathor-
miocerus variegatus Küst. , welche Art ihrerseits wahrscheinlich mit
Cat. horrens Schh. (nach abgeriebenen Exemplaren beschrieben) zu-
sammenfällt.
Von Jekel's Fabricia Entomologica (vergl. Jahresbericht für
1854. p. 17 und 75) ist dem Uef. in diesem Jahre ein zweiter Ali-
druck zugekommen, welcher mit einer Einleitung in die schon damals
gelieferte Bearbeitung der Gattung Lordops Schh. vermehrt ist. In
dieser Einleitung betrachtet der Verf. die ehemalige Gattung Hypso-
notus Germ, (von welcher später Lordops abgezweigt worden ist) als
einen Complex einer grossen Anzahl von Gattungen, die nach ihm
364 Gerslaccker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
eine eigene Abtheilung „Hypsonoti« der Cl eonen-Gruppe ausmachen.
Diese Gallungen, 28 an Zahl und sämmtlich mit Kamen belegt, sind
aus den Schönherr'schen Galtungen Hypsonolus, Lordops und Eurylo-
bus gemacht worden und haben natürlich keine wissenschaftliche Be-
deutung, da si e auf leichten habituellen Unterschieden beruhen, deren
Berücksichtigung zuletzt dahin führen würde , jede einzelne Art zu
einer Gattung zu erheben. Diese Gattungen fallen, obwohl sie selbst
nur eine Unter -Gruppe ausmachen, innerhalb dieser abermals sieben
Sektionen zu, welche Lordopi, Alocorhini, Merodonti , Hypsonoti,
Tomorrhini , Elytroxysi und Eurylobi genannt werden ; die 28 Gat-
tungen selbst, welche hier nicht namhaft gemacht zu werden brau-
chen, sind unter eine grosse analytische Tabelle (in Folio) gebracht
worden.
Rosfricliiiii« Die äusserst sorgfälligen Beobachtungen über
die Naturgeschichte der in Pinus maritima lebenden Arten dieser Fa-
milie , welche von Perris in den Annales de la soc. entomol. IV.
p. 173 ff. bekannt gemacht worden sind, fördern unsere Kenntnisse
über die Lebensweise dieser Thierc in hohem Grade und sind somit
auch für die Forstwissenschaft von besonderer Bedeutung. Das wich-
tigste Resultat der mehrjährigen und oft wiederholten Beobachtungen
des Verf. ist, dass er sich der Ansicht derjenigen anschliesst, welche
glauben, dass die Bostrichen vorzüglich krankhafte Bäume angreifen,
wenn er auch nicht geradezu bestreiten will , dass ausnahmsweise
auch gesunde von ihnen angegangen werden. Ferner hat er es sich
besonders angelegen sein lassen , die Anzahl der jährlichen Genera-
tionen für die verschiedenen Arten festzustellen und er steht auch in
diesem Punkte Ralzeburg entgegen, welcher das Vorkommen von
drei Generationen bestreitet (vielleicht aber nicht mit Unrecht , da
eine dritte Generation sehr wohl im Norden mangeln kann , während
sie im Süden vorkommt). Mit ziemlicher Gewissheit nimmt Perris
drei Generationen für Bostrichus stenographus an, sicher beobachtet
hat er sie bei B. laricis; für B. bidens und ramulorum und Cryplur-
gus pusillus giebt er an , dass bei ihnen „wenigstens zwei Genera,
lionen,« also ebenfalls vielleicht drei stattfinden. Eine einzige ist
dagegen für B. eurygraphus , Hylurgus ligniperda und auch für Hy-
lurgus piniperda, wo dieser Punkt besonders zweifelhaft und bestrit-
ten war, von ihm festgestellt worden. — Die Arten, welche von
Perris in allen ihren verschiedenen Entwicklungsstufen ausführlich
beschrieben und in ihrer Lebensweise erörtert werden, sind: Bostri-
chus stenographus Duft. , laricis Fab., bidens Fab., ramulorum Perris,
n. sp. , eurygraphus Er. , Crypturgus pusillus Gyll. , Hylurgus ligni-
perda Fab., piniperda Lin. , minor Hart., Hylasles ater Payk., pallia-
lus Gyll., angustatus Hbst., attenuatus Er. und variolosus Perr. — Am
Schlüsse giebt der Verf. eine Eintheiluug der ihm überhaupt bekann.
während des Jahres 1856. 365
teil Boslrichen nach der Anlage ihrer Galerieen , wohei sowohl auf
die Brutstätten als auf die Gänge der Larven Rücksicht genommen ist.
Von Georg (Entomol. Zeitung p. 59) und von Mulsant und
Rey (Opusc. entomol. VII. p. 111) wurde eine neue Art unter dem
Namen Boslrichus alni beschrieben ; ersterer fand seine Art in Deutsch-
land, letztere die iiirige bei Lyon; vielleicht sind beide identisch.
Bostrichus Delphinii Rosenhauer (a. a. 0. p.302) ist eine neue
Art aus Andalusien.
Zwei ausländische Arten , welche in Bezug auf ihre etwaige
Identität mit früher beschriebenen jedoch noch näher zu untersuchen
sind, wurden von N ö r dl in g er (Nachträge zu Ratzeburg's Forst-
insekten p. 74 f.) unter dem Namen Bostrichus plumeriae (Venezuela)
und Sidneyanus (Neu-UollandJ beschrieben.
BrentUides. v. M o t sc hui s ky gab (Etudes entomol. V.
p. 41) die Beschreibung einer Brenthus - Larve (Arrhenodes) aus Ve-
nezuela und bildete dieselbe auf einer beifolgenden Tafel ab ; sie ist
von sehr eigenthümlicher Form, langgestreckt, der Kopf länglich und
beträchtlich schmaler als die Körpersegmente , deren eilf existiren,
und welche seitlich in einem Winkel hervortreten, so dass die Sei-
tenlinien des Körpers sägeartig eingeschnitten erscheinen; jedes Seg-
ment zeigt auf der Überseite zwei schräge, seitliche Furchen und ist
an seinen winkligen Hervorragungen mit einer langen, steifen Borste
besetzt.
liOngicornia* Perris hat („Insectes du pin maritime,"
Annales de la soc. entomol. IV. p. 440 ff.) die Naturgeschichte und
die früheren Stände der in Pinus maritima lebenden Cerambycinen in
sehr eingehender Weise erörtert und die Larven durch zahlreiche
Abbildungen auf Taf. 5 und G bekannt gemacht. Die von ihm beob-
achteten Arten sind: Spondylis buprestoides, Ergates faber, Crioce-
phalus rusticus, Hylotrupes bajulus, Astynomus aedilis und griseus,
Monohammus galloprovincialis , Rhagium indagator und Leptura ru-
brotestacea. Die Larven von Criocephalus rusticus und Hylotrupes
bajulus sind derjenigen von Spondylis buprestoides so ähnlich, dass
P. sie erst beim Vergleiche zahlreicher Exemplare sicher unterschei-
den konnte; während bei der so auffälligen Verschiedenheit der aus-
gebildeten Insekten eine derartige üebereinstiramung sehr eigenthüm-
lich erscheinen muss , lässt sich eine grosse Aehnlichkeit , wie sie
zwischen den Larven zweier Arten derselben Gattung, z. B. Astyno-
mus griseus und aedilis existirt , von vorn herein erwarten. — Von
besonderem Interesse ist die Charakteristik, welche der Verf. von den
Longicornen-Larven im Allgemeinen und im Gegensatze zu denen der
Buprestiden , mit denen sie eine gewisse Analogie darbieten, giebt
und ebenso seine Beobachtungen über die Lebensdauer dieser Lar^»
366 Gerstaecker: Berichl' üb, d. Leistungen in d. Entomologie
ven ; von den beobachteten Arten braucht allein Ergates faber zwei
Jahre zur Entwicklung, alle übrigen nur ein Jahr oder noch weniger.
Der Zustand der Larven vor ihrer Verw^andlung zur INymphe und die
Veränderungen, die sie in dieser Periode erkennen lassen, bieten
nach der Schilderung, die der Verf. davon giebt, eine entschiedene
Uebereinstimmung mit dem gleichen Stadium der Lepldopteren -Lar-
ven dar; die Veränderung der Farbe und Form, das Durchscheinen
der Puppengestalt durch die immer durchsichtiger werdende äussere
Hülle sind ganz dieselben Erscheinungen wie bei den Schmetterlin-
gen. Schädlich sind die in Rede stehenden Longicornen-Larven den
Waldungen nicht, denn sie greifen nur kranke Bäume und die Stümpfe
abgehauener Stämme an und selbst die kranken führen sie dem Aus-
sterben nur sehr langsam entgegen ; dagegen sind sie von grossem
Schaden für alles Nutzholz.
Descriptions of new genera and species of Asiatic Longicorn
Coleoptera, by F. Pascoe (Transact. of the entoraol. soc. IV. p. 42
— 50. pl. 16). Die meisten der hier beschriebenen , zum Theil recht
interessanten Formen stammen von Malacca und Borneo, wo sie von
Wallace gesammelt worden sind, einige ausserdem aus dem nördli-
chen China. Die Charakteristiken des Verf. und zwar besonders die
der neuen Gattungen sind aber viel zu oberflächlich und aphoristisch,
als dass eine Bestimmung darnach auch nur in annähernder Weise
möglich wäre; nur die von einigen gegebenen Abbildungen können
hierfür einen Anhalt liefern.
White (Procecd. of the zoolog. soc. of London XXIV. p.Sif.)
hat eine Anzahl neuer im British Museum vorhandener Arten beschrie-
ben und abgebildet, und
Chevrolat (Uev. et Mag. de Zoologie YIII. p. 340, 436, 485,
531 und 566 ff.) setzte seine im vorigen Jahre begonnene Charakte-
ristik der Longicornen von Old-Calabar in Guinea fort.
Prionii. — White (Proceed. of the zoolog. soc. p. 8 ff,) be-
sprach noch einmal die Gattungen Triclenotoma und Hypocephalus in
Bezug auf ihre Stellung unter den Prioniern und hob in Betreff der
heteromerischen Tarsenbildung der ersteren Gattung hervor, dass Par-
andra und Dorx penlamera als entschiedene Longicornen fünf Tar-
senglieder haben, und dass mithin die (Jliederzahl der Füsse in der
gegenwärtigen Familie nicht von Belang sei. (Es sind jedoch be-
kanntlich alle Longicornen im Grunde pentamerisch, die meisten freilich
cryptopentamerisch, und es ist also die heteromerische Tarsenbildung
von Trictenotoma immer noch eine ungewöhnliche und einzeln daste-
hende Erscheinung, welche die Stellung der Gattung jedenfalls zwei-
felhaft erscheinen lässt. Ref.) — Hieran reiht der Verf. die Beschrei-
bung einer ausgezeichneten neuen Prionier - Gattung PsaUdocoptuSf
welche er in nähere Beziehung mit Psalidognathus bringt , die aber
während des Jahres 1856. 367
nach der kurzen und breiten Form der Mandibeln, der Bildung; des
Kopfes, der sehr Ivräftigen, breilgedrückten Beine und der Form der
Tarsen jedenfalls in einer viel näheren Verwandtschaft mit Mallaspis
steht. Die drei ersten Fühlerglieder sind sehr dick, das dritte beson-
ders lang, die folgenden viel dünner und kürzer, fast von gleicher
Länge, die Palpen sehr kurz. Auch die Körperform ähnelt der von
Mallaspis, das Halsschild ist aber vorn, in der Mitte und an den Hin-
terecken gezähnt, das Schildchen kleiner, kurz dreieckig, die Flügel-
decken an der Naht verwachsen, hinten abgeschnitten und mit einem
langen Aussenzahne bewaffnet, die Flügel fehlen. Die Art: Ps. sca-
ber ist einfarbig schwarzbraun, eine der grössten der ganzen Familie
und stammt von den Neuen Hebriden; sie ist im Holzschnitte dar-
gestellt.
de Marseul (llev. et Magas. de Zoologie Vlll. p. 47) machte
Prionus Lefebvrei und Prinobins cedri, zwei neue Arten aus Syrien
und Xenodorum Bonvoiiloiri , aus ausländischen Hölzern in Paris er-
zogen, vorläufig durch Diagnosen bekannt. (Ref. ist darüber im
Zweifel, ob letztere Gattung, die ihm unbekannt ist, den Prioniern
angehört.)
Nach Coquerel (Annales de la soc. enlomol. IV. p. 509) dient
die Larve des Macrotoma corlicinum den Madagascaresen als Nahrung;
sie wird mit Reis gekocht und soll sehr wohlschmeckend sein.
Cerambyces genuin i. — Neue Gattungen, von Pascoe
(a. a. 0.) aufgestellt sind: 1) ß/emmya, der Abbildung nach zur Cal-
lichroma - Gruppe gehörig, von kurzem, gedrungenen Baue und mit
vom sechsten Gliede an dreieckig erweiterten Fühlergliedern ; Thorax
quer, seitlich gerundet, Flügeldecken plattgedrückt. Arten: B. Whi-
tei und bifasciata von Borneo. 2) Prolhema nach den schlanken und
verlängerten Hinterbeinen von Clytus - ähnlichem Ansehn, Fühler
von Körperlänge, die Glieder vom sechsten an gegen die Spitze hin
beiderseits etwas erweitert, Thorax abgerundet, Flügeldecken flach-
gedrückt. Zwei Arten : Pr. signata und funerea aus Nord-China. 3)
Acrocyrta ebenfalls von der Form eines Clytus, beträchtlich schlan-
ker und langbeiniger als die vorige Gattung, mit länglichem, cylin-
drischen Thorax, schmalen, an der Spitze gedornten Flügeldecken
und Fühlern von mehr denn halber Körperlänge , deren Glieder an
der Spitze gestachelt sind. Art : A. clytoides von Borneo. 4) Dia~
leges eine kleine Hammalicherus-Form, die sich von den eigentlichen
Arten dieser Galtung durch ganz gelheille Augen, ungeebneten Thorax
und gewimperte Antennen unterscheidet. Art: D. pauper von Borneo.
(Bei einer sehr übereinstimmenden Art der hiesigen Sammlung sind
die Fühler ganz wimperlos und dieser Charakter also wohl nur spe-
cifisch ; überhaupt scheint mir die Abtrennung von Hammaticherus
kaum genug begründet.)
368 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Neue Arten dieser Gruppe sind :
Von Salle (Annales de la soc. enlomol. IV. p. 687 (T. pl. 20):
Mallosoma bicolor , Callidium bigullaiwiiy Pleclrocerum cribralum von
St. Domingo.
Von Chevrolat (Rev. et Magas. de Zoologie VIII. p 340 und
566 fF.) : Pachydissus femorellus, Callichroma calcaratum y sinmlatunif
episcopale, LUopus cinereipeSf Hammaliclierus chloroplerus , Pachydissus
dilatalus , Ceropogon (Cerasphorus Serv.) murinum , Helerogaster (?)
semifemoralus f Obrium fuscatum und Euporus disparilis von Old-
Calabar.
Von Demselben (ebenda p. 435): Caltidimn Dellili von Fon-
tainebleau.
Von Fairmaire (ebenda p. 530): Clyltis nigrosignalus aus
Marocco.
Von Thomson (ebenda p. 482): Phaedinus Coemelerii aus
Chile.
Von White (Proceed. zoolog, soc. p. 408): Phaedinus xantho.
melas (ob dieser Gattung angehörend ?) von Villa Nova in Brasilien.
Lamiariae. — Als neue Gattungen wurden von Pascoe
(a. a. 0.) aufgestellt: 1) Serta^ta aus der nächsten Verwandtsciiaft von
Astathes Newm., die Fühler jedoch länger als der Körper, ihr erstes,
drittes und viertes Glied fast gleich lang, aussen gevs^impert, an der
Spitze leicht gedornt. Arten : S. apicalis von Malacca und modesla von
Borneo. 2) Neoa^flnfī ebenfalls mit Astathes nahe verwandt, aber durch
nierenförmige, ungelheilteAugen und gekeulte Maxillartasterabweichend.
Art: iV. amicla aus Nord-China. — Neue Arten sind ferner: Aslalhes
simulatory Entelopes Wallacei (nachträglich aufE. glauca Buq. zurück-
geführt), Triammalus Chevrolatii, Monohammus blalloides und Golsinda
tessellala von Borneo, Monohammus luridus, infelix , diophlhalmus und
anguslus aus Nord-China und adspersus von Malacca.
Eine neue Europäische Galtung und Art wurde ferner von M Ul-
san t (Opuscules entomol. VII. p. 157} unter dem Namen iUenesm JPer-
risii aus Südfrankreich charakterisirt ; sie ähnelt in der Kleinheit und
der Form des Körpers der Gattung Anaetia, mit der sie auch in der
Fühlerbildung (das dritte und vierte Glied fast von gleicher Länge)
übereinstimmt, von der sie sich aber durch ungetheilte Augen unter-
scheidet. Die Art muss nach der Beschreibung eine grosse Aehnlich-
keit mit Phytoecia bipunctala Zoubk. haben, von der sie sich nach
Mulsant durch ungetheilte Augen unterscheiden soll; dies ist aber
insofern nicht möglich , als bei der genannten Art die Augen eben-
falls ungetheilt sind.
Neue Europäische Arten sind ferner: Pogonocents acccntifer Fair-
maire (Annales d. 1. soc. entomol. IV. p. 5^3) von Beziers , Exocen.
trus puncUpennis Mulsant et Guillebeau (Opusc. entomol. VII. p. 103)
# während des Jahres 1856. 369
von Lyon , zugleich mit Beschreibung der ersten Stände , Dorcadion
mus Rosenhauer (Thiere Andalusiens p. 304} , Dorcadion Amorii de
Marseul (Rev. et Magas. de Zoologie VIII. p. 48) aus Spanien, Dorca-
dion alpinum aus den Basses- Alpes , Oberea Mairii von Orleans, pe-
demontana aus Piemont, von Chevrolat (ebenda p. 435).
Neue ausländische Arten wurden beschrieben:
Von White (Proceed. zoolog. soc. p. 12fF.): Sechs Arten der
Gattung Tragocephala, nämlich Tr. comilessa von Port Katal , der Tr.
formosa äusserst ähnlich, aber auch nach des Ref. Ansicht speciflsch
verschieden, Chevrolatii und ducalis ebenfalls von Port Natal (beide
kürzlich, im J. 1857 von Thomson, Archives entomol. I. unter dem
Kamen T. Botcringii und Boerensis bekannt gemacht), gemmaria von
Sierra Leona, Guerinii von Congo und Buqueiiana von Sierra Leona.
— Ferner (ebenda p. 406 ff.) : Deucaliun Wollaslonii von Lord Howe-
Island, ßloneilema albopiclum und laevidorsale aus MexikOf Moneilema[l)
longipes aus China; abgebildet wurden ausserdem drei schon im Ca-
talogue of Coleopt. Insects 1855 beschriebene Arten : Anisocerus
Onca, capucinus und dulcissimus White. — (Ebenda p. 408 ff.) : Fhoebe
concinna vom Amazonenstrome, Agelasla callizona, Wallacei, amica,
pohjtiesus und JSewmani von Sarawak auf ßorneo.
Von SaUe (Annales de la soc. entomol. IV. p. 691. pl. 20):
Sleirasloma aculipenne von St. Domingo (im hiesigen Museum auch
von Cuba).
Von Thomson (Rev. et Magas. de Zoologie VIII, p. 477. pl. 24):
Plychodes Le Contei von Costa Rica und Amphionycha Knoicnothing
ebendaher, welche letztere Art jedoch nach Chevrolat (Bullet, de
la soc. entomol.) der Cerambyx spectabilis Drury ist. — (Ebenda
p. 529) : Cerosterna voluptuosa aus Nord - China und Balocera Viclo-
riana von ßorneo. — Ferner (Annales d. 1. soc. entomol. IV. p. 324.
pl.8): Hammoderiis Buquetii aus Mexiko, eine Art, die nach den
Exemplaren des hiesigen Museums in der Zeichnung des Thorax mehr-
fach variirt; sie gehört zur Gattung Taeniotes Serv. , in welcher der
Name T. Buquetii schon an eine andere Mexikanische Art verge-
ben ist.
Von Rojas (Rev. et Magas. de Zoologie VIII. p. 565) : TaeniO"
tes Pazii aus Venezuela.
Von de Marseul (ebenda p. 48) : Triammalus Saundersii (Che-
vrol.) von Borneo, diagnosticirt.
Von Chevrolat (ebenda p. 87) : Leprodera fimbriata von Bor-
neo und Irimaculata Dej. Cat. von Java, Dorcadion Bithyniense aus
Klein-Asien.
Von demselben (ebenda p. 485 und 531 ff.) ausOld-Calabar :
Temnoscelis biemarginata , fuscicornis , Pterotragus neue Gattung, vom
Archiv f Naturgesch, XXII I. Jahr^ 2. Bd. Y
370 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Ansehn einer Tragomorpha , nach Ch evro lat neben Mesosa zu stel-
len, mit l Art: Pt. lugens; Aslynomns lineolalus , Monohammus oculU
frons und cordifer , Pachyslola [^) decussata , Phyma&lerna (?) flavosi-
gnala, Crossolus coUarisy Apomecyna parump2inclala.
Asa Fitch (First and second report on the noxious Insects of
New- York p. 11 und 146 ff.) erörterte die Katurgeschichte und die
Lebensweise der ersten Stände von Saperda bivittala Say und von
Monohammus tigrinus de Geer. Die Larve der ersten Art lebt im
Stamme der Apfelbäume und richtet durch ihre Häufigkeit grossen
Schaden an ; der Käfer erscheint im Juni , legt in diesem und dem
folgenden Monat seine Eier in das Splintholz ab und die junge Larve,
welche hierin lebt, bewirkt oft das Absterben der Bäume. Die Larve
des Monohammus lebt in den Stämmen des Nord- Amerikanischen
Wallnussbaumes. Von beiden Arten werden sowohl die Larven als
die Käfer genau beschrieben.
Lepturetae. — Slrangalia approximans ßosenhauer (Thiere
Andalusiens p, 305) ist eine neue Art aus Spanien.
Clirysoiiielinae* Clythridae. — Clylhra opaca wurde
als neue Art von Rosenhauer (Thiere Andalusiens p. 308) auf-
gestellt.
Die Puppe der Labidostomis tridentata beschrieb Fuss (Mit-
theilungen des Siebenbürgischen Vereins f. INalurw. zu Hermannstadt
Vn. p. 35 ff.) ; die Larvensäcke der Clylhra scopolina schilderte Letz-
ner (Zeitschrift f. Entomol. d. Ver. f. Schlesische Insektenkunde IX.
p. 78).
Crypto c eph al ida e. — Von Suffrian ist eine Bearbei-
tung der Afrikanischen Cryptocephalen im XL Bande der Linnaea en-
tomologica p. 57 — 260 geliefert worden, welche in der Art der Be-
handlung den früheren Arbeiten des Verf. genau entspricht und sich
besonders denen über die Europäischen und Asiatischen Arten eng
anschliesst. Letzteres ist besonders deshalb der Fall, weil Afrika in
seinem nördlichen Theile fast ausschliesslich südeuropäische Formen
darbietet, d. h. solche Arten, die entweder zugleich im Mittelmeerge-
biete Europa's vorkommen oder sich ihnen wenigstens als nahe ver-
wandt kundgeben ; eine Verwandtschaft mit der Asiatischen Fauna
zeigen fast alle Arten der Westküste Afrika's so wie ein grosser
Theil der am Cap und an der Südostküste vorkommenden , ohne dass
hier Europäische Formen ganz ausgeschlossen wären. Was von der
Europäischen und Asiatischen Fauna merklich abweicht und daher als
eigenthümlich afrikanisch angesehen werden kann , ist der Artenzahl
nach gering; solche Formen finden sich vereinzelt an der Westküste,
am Cap und auf Madagascar (Cryptocephalus) und ihnen schliessen
sich die Galtungen Coenobius und Achaenops (mit Monachus ver-
wandt) so wie Acolaslus aus der Pachybrachys-Gruppe als specifisch
wallrend des Jahres 1856. 371
afrikanisch an. — Die Zahl der durch die vorliegende Arbeit be-
kannt gewordenen Afrikanischen Cryptocephalen beläuft steh im Gan-
zen auf 109, welche sich auf 6 Gattungen vertheilen , nämlich: Coe-
nobius 4, Cryplocephalus 92, Achaenops 1, Acolastus 4, Pachybra-
chys 1 und Stylosomus 1 ; sechs früher beschriebene Arten sind dem
Verf. unbekannt geblieben. Von den beiden neu aufgestellten Gat-
tungen steht Coenohius durch die undeutlich fadenförmigen Fühler mit
abgesetzter sechsgliedriger Keule in naher Verwandtschaft mit Mona-
chus , von welcher Gattung sie sich durch die auf der Stirn zusam-
menstossenden Augen unterscheidet 5 sie umfasst vier sehr winzige
(y3 — y^ Linien lange) Arten aus dem Kaffernlande. Die zweite neue
Gattung Achaenops bildet gleichsam ein üebergangsglied zwischen den
Cryptocephalus - und Pachybrachys-Formen ; ihre Uückentheile schlies-
sen schwach zusammen, die ßlittelfläche der Vorderbrust ist länger
als breit, hinten erweitert und breit zugerundet , das Schildchen vor-
handen, die Augen kaum ausgerandet, die Fühler wie bei Monachus.
Sie ist auf eine ebenfalls sehr kleine {y^ — Yj Linie lange) Art ge-
gründet. — Auf die Vorzüglichkeit der Durcharbeitung des dem Verf.
in grosser Reichhaltigkeit zugeflossenen Materials braucht hier nicht
weiter hingewiesen zu werden, da sie aus seinen früheren Arbeiten
hinlänglich bekannt ist. Zu bemerken wäre, dass der Cryptocephalus
oblitus (p. 117), wie Ref. neuerdings zufällig gesehen hat, von Eric h-
son in einem Doubletten-Verzeichniss des Berliner Museum vom Jahr
1842 durch eine ausführliche Diagnose beschrieben worden ist, deren
Citat also nachzutragen wäre.
Letzner (Zeitschrift f. Entomol. d. Vereins f. Schlesische In-
sektenkunde, 9. Jahrg. p. 78 ff.) gab eine Beschreibung der Larven-
säcke des Cryptocephalus pini und janthinus.
Eumolpidae. — Von Thomson (Annales de la soc. ento-
mol. IV. p. 329) wurde eine neue Gattung Arachnospkaerus mit einer
von Mossambique stammenden Art, welche auf Taf. 8 abgebildet und
Ä. megacephalus genannt ist, beschrieben. Diese Gattung soll nach
Th. von Euryope Dalm. verschieden sein, stimmt aber in allen Cha-
rakteren mit derselben übercin und die Art .wird daher Euryope me-
gacephala zu benennen sein.
Pachnephorus impressus Rosenhauer (Thiere Andalusiens p.310)
ist eine neue Art aus Spanien.
Chrysomelae genuin ae. — Baly hat seine Bearbeitung
der Chrysomelen Australien's (Monograph of the Australian species of
Chrysomela , Phyllocharis and allied genera) in den Transact. of the
entomol. soc. 111. p, 241 — 264 fortgesetzt und beendigt. Der Verf. cha-
rakterisirt hier zunächst die Dejean'sche Gattung Australica (Calomela
Hopc) ausführlich und zerfällt dieselbe in mehrere Subgenera , die
übrigens zum Theil wenigstens auf den Rang von Gattungen Anspruch
372 Ger staecke r: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
machen dürfen, wie z. B. Stetliomela und Augomela. Diese Unter-
galtungen sind: 1) Platymela mit leicht gekeulten Fühlern von we-
niger als halber Körperlänge, an denen das 2. bis 4. Glied schlank, die
übrigen an der Spitze zusammengedrückt sind, gekieltem und vorn vor-
springenden Proslernum und länglichem, leicht gewölbten Körper. 2
Arten. 2) Auslralica sens. strict. mit 14 Arien. (A. Mac Leayi Boisd.
und colorata Germ., welche der Verf. als synonym vereinigt, sind zwei
verschiedene Arten, von denen die erstere ein gelbes, die letztere
ein grünes Skulellum hat; die Art, welche B. als A. Mac Leayi be-
schreibt, ist die ächte A. colorata Germ.). 3) Stethomela mit ver-
dickten Fühlern von halber Körperlänge und länglichen Gliedern,
stark gekieltem, vorn abgestutzten, an der Basis zweilappigen Prosler-
num, kräftigem, gewölbten Körperbau und beim Männchen erweiter-
ten ersten Tarsengliede. 3 Arten. 4) Augomela. Fühler leicht gekerbl,
kürzer als der halbe Körper , ihr 2. bis 4. Glied fadenförmig , die
übrigen an der Spitze zunehmend verdickt und zusammengedrückt;
Proslernum gekielt, an der Basis zweilappig, vorn stumpf abgeschnit-
ten oder in einen stumpfen Zahn ausgezogen; Körper gewölbt, eiför-
mig, Basalglied der Tarsen beim Männchen erweitert. 5 Arten, z, B.
Chrys. hypochalcea Germ. — Hierauf folgen noch zwei neue Gattun-
gen Cyclomela mit 1 und Chalcomela mit 4 sämmtlich neuen Arten ;
beide von rundem, kugligen Körper, ungezähnten Klauen, leicht ge-
keulten Fühlern, deren Glieder nach der Spitze hin flach gedrückt
sind ; bei ersterer ist das Endglied der Maxillartasler kürzer, bei letz-
terer ebenso lang als das vorhergehende. — Endlich folgt noch eine
einzelne Art, welche der Verf. der Gattung Chrysomela zurechnet,
für die er aber wegen habitueller Abweichung eine eigene Untergat-
tung Micromela errichtet. Anhangsweise wird auch noch eine neue
Lamprolina beschrieben. (Chrysom. luteicornis Er., die dem Verf. un-
bekannt geblieben ist, gehört zur Gattung Chalcolampra , Chrys. or-
phana Er. ist mit den Europäischen Phaedon-Arten nahe verwandt.)
— Mehrere der beschriebenen Arten, besonders Galtungs -Repräsen-
tanten sind auf einer beifolgenden Tafel abgebildet; die Arbeit zeich-
net sich durch sehr sorgfällige und treffende Beschreibungen aus, nach
denen sich vortrefflich bestimmen lässt.
Eine ähnliche Arbeit über die Chrysomelen der Vereinigten
Staaten hat T. Rogers („Synopsis of species of Chrysomela and al-
lied genera inhabiling the Uniled Stades") in den Proceedings of the
acad. of nat. scienc. of Philadelphia VllL p. 29 — 39 mit Taf. I geliefert.
Der Verf. theill die INord-Amerikanischen Chrysomelae genuinae vier
Gattungen zu, deren Namen jedoch zum Theil werden geändert wer-
den müssen. Eine neue Gattung Blepharida ist auf Chrysomela rhois
Forst, (stolida Fabr.) gegründet, welche zugleich nur diese eine Art
enthält. Den Namen Doryphora wendet der Verf. auf mehrere Arten,
während des Jahres 1856. 373
welche Dejean's Gattung Polygramina ausmachen (z.B. Chr. juncla
Germ,, lOlineata Say) und die von Doryphora gewiss abgetrennt zu
werden verdienen, an; unter den fünf hier aufgeführten Arten, von
denen zwei neu sind, findet sich auch Chrys. trimaculata Lin. —
Auf Timarcha mit einer bekannten Art folgt dann die Gattung Chry-
somela, welche ebenfalls ein Complex einer Anzahl Dejean'scher Gat-
tungen ist und im Ganzen 40 Arten enthält, von denen die grosse
Mehrzahl hier zum ersten Male charakterisirt wird. Ein Theil der
beschriebenen Arten ist auf einer beifolgenden Tafel im vergrösser-
ten Maasstabe abgebildet, was bei der Aehnlichkeit in der Färbung
und Zeichnung vieler sehr erwünscht ist. Da von Suffrian mit
Nächstem eine Uebersetzung und Ueberarbeitung dcj- Abhandlung zu
erwarten steht, beschränkt sich Ref. auf die vorstehenden kurzen No-
tizen über deren Inhalt, zumal da ihm das Material der hiesigen
Sammlung im Augenblicke nicht vollständig vorliegt; jedenfalls glaubt
er sich aber nicht mit der Einziehung der meist sehr charakteristi.
sehen Dejean'schcn Gattungen, wie sie auch schon von Suffrian
provisorisch vorgenommen worden ist, einverstanden erklären zu
können, indem hiergegen die auffallenden Verschiedenheiten der Lar-
ven dieser Gattungen deutlich genug sprechen.
Als neue Arten wurden ferner beschrieben:
Von R OS en h a u e r (Thiere Andalusiens p. 314 ff.) : Cyrlonus gra~
liostis , Fairmaireif Timarcha gravis ^ marginicoUis , insparsaj lugens,
parvicoUis, rugosula^ Uellodes liligiosa.
Von Fairmaire (Annales de la soc. entomol. IV. p. 545) :
Oreina nigriceps aus den Pyrenäen.
Von Mulsant (Opusc. entomol. VII. p. 12) : Chrysomela Lu~
dovicae ebenfalls aus den Pyrenäen, und nach der Abbildung ebenfalls
eine Üreina.
Fuss (Miltheilungen d. Siebenbürgischen Vereins f. Naturwiss.
zu Hermannsladt VII. p. 25 ff.) gab eine üebersicht der Siebenbürgi-
schen Chrysonielen und Oreinen ; die Zahl der aufgeführten und nach
Suffrian bestimmten Arten beträgt im Ganzen 34, unter denen eine
unter dem Namen Chrys. carpathica neu undvonßielz mit einer Dia-
gnose versehen worden ist; sie lebt 700O hoch.
Letzner (34. Jahresbericht d. Schlesischen Gesellsch. f. va-
terl. Cultur p. 104 ff.) beschrieb die ersten Stände der Gastrophysa
polygoni und Chrysomela Cacaliae; die Larve der ersteren lebt auf
Polygonum aviculare und hat vielleicht drei Generationen während
des Sommers , die der letzteren im Gebirge auf Cacalia albifrons und
Senecio nemorensis.
Gallerucariae. — Rosenhauer (Thiere Andalusiens p.
324 ff.) charaklcrisirte die vonDejcan nur namentlich errichteten Gat-
tungen Rkaphidopalpai Malacosoma und Lithonofna und beschrieb eine
374 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leislungen in d. Entomologie
Reihe neuer Andalusischer Arten dieser Gruppe : Adimo7iia artemi-
siae , Calomicrus foveolalus , Lupervs abdominalis , flavus , Monolepta
terrestrisj Lilhonoma Atidalusica, Haltica carhonaria, Longitarsus- lale-
ripunctalusy Psylliodes pallidipennis, punclicolliSf obscuro.aenea und pro-'
cerula. — In Betreff der Rhaphidopalpa foveicollis Küster ist zu be-
merken , dass diese Art mit Galleruca abdominalis Fabr. zusammen-
fällt, welche ausser in Süd-Europa auch über grosse Strecken Asiens
und Afrika's verbreitet ist.
Crepidodcra alpicola (Ullrich i. lit.) , eine neue auf den Krai-
ner Alpen an Aconitum lebende Art, wurde von F. Schmidt (Jah-
resheft d. Vereins des Krainischen Landesmuseum p. 29) beschrieben;
Haltica nigriventris aus Thüringen, von Bach (Entomol. Zeitung
p. 245).
Hispidae. - Einige ausgezeichnetere neue Arten dieser Gruppe
wurden von Thomson (Rev. et Magas. de Zoologie VIII. p. 117 u.
478 ff.) beschrieben und abgebildet: Promecolheca Trilbrji aus China
und scorpio von den Philippinen (letztere im hiesigen Museum von
Cumming), Alurnus cupido vom Amazonenstrome. (Abbildung pl, 5 u. 6).
— Sceloenopla aristocralica von Cayenne , Acenlroplera basilica und
alapisla aus Brasilien (zwei Arten, die nach den Exemplaren des hie-
sigen Museums sehr in Farbe und Zeichnung variiren) , Octocladiscus
ßabellatus aus Cayenne, Alurnus elysiamis vom Amazonenstrome (letz-
tere auch im hiesigen Museum). Die Gattung Octocladiscus ist Cla-
dophora Dej. , deren Namen der Verf. geändert hat und die er hier
gleichzeitig charakterisirt. (Abbildungen auf pl. 24. fig. 3 — 7.)
Cassidariae. — Zahlreiche neue Arten wurden von B o h e-
man (Catalogue of Coleopterous Insects IX. Cassididae) beschrieben,
über welche oben zu vergleichen ist. — Ausserdem ist zu erwähnen:
Cassida limbalicollis Fairmaire (Rev. et Magas. de Zoologie VIII. p. 530)
aus Marocco.
Letzner (Zeitschrift f. Entomologie d. Vereins f. Schlesische
Insektenkunde p. SO ff.) beschrieb die ersten Stände der Cassida lineola,
deren Larve auf Artemisia campestris lebt; auch die Varietäten des
Käfers werden ausführlich besprochen.
Krotylenae. Von Thomson wurden (Annales de la soc.
entomol. IV. p. 321fr.) zwei neue Gattungen aus der Gruppe der Tri-
placinae' aufgestellt , von denen die eine, Plagiopislhen genannt, zu-
nächst an Dacne Latr. sich anreiht und durch eiförmiges Endglied der
Maxillartaster , breit abgestutztes Endglied der Fühler und stärker
entwickelten Thorax unterschieden ist. Art: VI. paradoxus von Mos-
sambique, schwarz mit vier rothen Flecken auf den Flügeldecken. —
Die zweite Gattung Panlkeroplerus j w^elche der Verf. mit Episcapha
in Vergleich stellt , weicht von dieser allerdings ab , fällt dagegen
mit Triplatoma Westw. unbedingt zusammen. Die Art: P. Vfeifferii
während des Jahres 1856. 375
von ßorneo ist in Grösse und Zeichnung der Triplatoma picla Perty
zunächst verwandt.
Derselbe (Rev. et Magas. de Zoologie VIII. p. 476) beschrieb
Erolytus spectnim als neue Art vom Ainazonenstrome ; Abbildung auf
Taf. 23.
EndomycSiidae. Eumorphus salanas Thomson ( Kev. et
Magas. de Zoologie YIII. p. 476. pl.23) ist eine ausgezeichnete neue
Art von Dorneo, welche in Germar's Gattung Amphisternus unterzu.
bringen ist.
Coccinellins&e* Mulsant (Opuscules enlomol. YII. p. 135
— 156) hat Kachträge und Berichtigungen zu seiner Monographie die-
ser Familie geliefert: „Ädditions et rectificalions au catalogue des
Coccinellides." Die neuen, hier beschriebenen Arten sind: Hippoda-
mia Icporina Californien, Anisosticta Dohrniana aus Ungarn, Adonia
i7tterroga7is China , Harmonia dionea China , CoccincUa Juliana Cali-
fornien , Anatis Circe China, Cleis Licia China, Propylea conglobata
China, Leis Calypso China, Coelopkora symbolica China, Chilocorus
monachus China, Orcus Cerberus China, Epilachna serva Quito, Aspi-
dimerus (?) slellaris China (?). Die synonymischen Berichtigungen
und einige Zusätze beziehen sich fast ausschliesslich auf mehrere
von Kord-Amerikanischen Autoren beschriebene Arten; in einzelnen
Fällen sind auch die Kamen nach der Priorität geändert worden.
Sericodenis humilis, Moronillus discolor und Lilhophilus cordalus
Rosenhauer ( a. a. 0. p. 347 ff. und 213) sind neue Arten aus An-
dalusien.
Letzner (34. Jahresbericht d. Schlesisch. Gesellsch. f. vaterl.
Cultur p. 108) beschrieb die ersten Stände der Coccinella mutabilis;
die Larve lebt von den Blattläusen des Chenopodium album und Ka-
sturtium amphibium.
Ortlioptera.
Eine Anzahl neuer Orthopteren vom Caffernlande aus
den Familien der Blaltina, iManlodea^und Locustina hat Stäl
„Orlhoptera cursoria och Locustina fran CafFerlandel" in der
Öfversigt af Kongl. Vcteiisk. Akad. Förhandl. 1856. p. 165 —
170 durch kurze lateinische Beschreibungen bekannt gemacht
und auf mehrere derselben zugleich neue Gattungen begrün-
det. Es wäre zu wünschen, dass die Charakteristiken vom
Verf. gerade in dieser Ordnung, wo die Arten einander oft
sehr aimlich und sollen durch aulTallende Färbunsf u. dergr],
ausgezeichnet sind, in etwas ausführlicherer Weise gegeben
376 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
und besonders mit Bezug auf die bereits bekannten Species
abgefasst würden ; bei den vorliegenden müssen oft Zwei-
fel aufsteigen, ob man die beschriebene Art vor sich hat
oder nicht.
Zeller hat (Enlomol. Zeitung p. 18—27) das Fischer'-
sche Werk über die Europäischen Orthopteren einer Bespre-
chung unterworfen , die sich zum Theil auf die allgemeine
Anlage desselben bezieht, zum Theil aber auch auf Specialien
eingeht. In letzterer Hinsicht macht er über mehrere von
ihm selbst beobachtete Arten berichtigende und ergänzende
Mittheilungen und beschreibt u. a. anhangsweise eine neue
Art aus der Familie der Gryllodea.
Von Bemerkungen über einzelne Arten sind hervorzuheben:
Forficula pubescens kommt bei Messina vor. — Oedipoda coerulans
und cyanoptera bieten keine specifischen Unterschiede dar. — Unter
Oedipoda fasciata hat Fischer verschiedene Arten vermengt, näm-
lich die constant von einander abweichende Oedipoda miniata und sa-
lina, ferner auch den Gryllus coerulescens . der , wenn er auch der
Oedipoda miniata sehr nahe steht, sich doch stets durch die Färbung
unterscheidet; für seine Ansicht über diese Artverschiedenheiten zieht
Zell er u. a. auch die geographische Verbreitung heran. — Tcttix
Schrankii ist keine selbstständige Art, sondern gehört zu T. depressa.
y er sin (Annales de la soc, entomol. iV. p. 737 — 748)
hat in einem Briefe an Brisout de Barneville über die
in der Umgegend von Hyeres vorkommenden Orthopteren
ausführliche Mittheilungen gemacht ; er verbreitet sich darin
besonders über die Eigenthümlichkeiten des Gesanges der
einzelnen Arten. Der Aufsalz enthält auch einige synony-
mische Bemerkungen , so wie interessante Notizen über die
Lebensweise und das Vorkommen einzelner Arten.
Brisou t de Barneville zählte (ebenda p. 27) sieben in den
ßasses-Alpes gesammelte Orthopteren auf.
Für die Abtheilung der Pseudo- Neuroplcren ist zu er-
wähnen das Verzeichniss der im Kaiserthum Oeslerreich auf-
gefundenen Odonaten und Pcrlidon, welches F. Brauer in
den Verhandlungen des zoolog.-botan. Vereins VI, p. 229 — 234
veröffentlicht hat.
Die Bestimmung der aufgezählten Arten ist in der Familie der
Odonaten nach Sely's und H a g e n's Revue des Odonates , in derje-
nigen dcrPcrlJdcn nach Pictcl's Werk über dieselben vorgenommen
während des Jahres 1856. 377
worden; Angaben über die Fundorte und über die Häufigkeit sind
denselben beiffefügt. Von Odonaten kommen in Oesterreich vor: 22
Libellula , 1 Epitheca , 4 Cordulia , 5 Gomphus , 2 Cordulcgaster , 2
Anax, 8 Aeschna, 2 Calopteryx, 6 Lestes, 1 Plalycnerais, 12 Agrion.
— Von Perliden: 3 Diclyopteryx, 6 Perla, 4 Chloroperla, 2 Isopteryx,
1 Capnia, 4 Taeniopteryx, 5 Leuctra, 5 Nemoura.
Olattina« Von Stal wurde (Öfversigt af Kongl, Vetensk.
Akad. Förhandl. p. 165 ff) eine Anzahl neuer Arten dieser Familie,
von Port rfatal stammend, kurz beschrieben und auf eine derselben
eine neue Gattung Homalodemas gegründet, welche sich durch die Bil-
dung des Thorax und der Beine besonders auszeichnen soll. Der Tho-
rax ist oben beiderseits der Länge nach mit einem tiefen, schrägen
Eindrucke versehen und seine Seitenränder verdickt; die Beine sind
kurz und kräftig, die Schenkel unbewehrt, die Schienen stachlig.
Art: H. exarata. Die übrigen neuen Arten sind: Heterogamia pilifera,
Ischnoplera gibbicollis, macra , Blatla amfla, proterva, tencllaf tinula^
misella, Periplanela caffra, Wahlbergi, albilateraj dilula, orba und Pan-
chlora caffrorum.
Slantodea« Coquerel (Annales de la soc. entomol. IV.
p. 506) beobachtete an der auf Isle Bourbon lebenden Mantis pustu-
lata die Bildung der Eierkapsel, welche gerade so vor sich geht, wie
sie die Construktion der die Eier umhüllenden Masse vemiuthen lässt.
Der während ^des Eierlegens aus der GenitalölTnung abgesonderte
Schleim ist zähe und lässt sich zu Fäden ausziehen; er wird durch
eine fortwährend rotirende Bewegung des Hinterleibs an die Eier-
masse gerade so um dieselbe herumgewickelt wie der Faden um einen
Knäuel. — Von Interesse ist ferner die Beobachtung Coquerel's,
dass die genannte Mantis-Art einen kleinen Chalcidier, welcher sich
oft aus den Eiern derselben entwickelt , auf ihren Hinterflügeln un-
ter den Flügeldecken beherbergt. Wahrscheinlich legen diese Chal-
cidier-Weibchen ihre Eier in die der Mantis während des Ablcgens
der letzteren, wo die sie umgebende Hülle noch weich ist; wenig-
stens sind äusserlich an der Eierkapsel keine Stiche von Parasiten
zu bemerken und ausserdem die Hülle zu hart, als dass sie von dem
Legestachel der Parasiten durchbohrt werden könnte.
Stäl hat (a. a. 0. p. 167 ff.) die zahlreichen Gattungen dieser
Famile , welche wohl eher einer gründlichen Critik bedurft hätten,
durch einige neue vermehrt: 1) Sihylla n. g. soll, mit Vates ver-
wandt, von diesem aber durch den Kopf und die Beine abweichen;
ersterer ist von oben gesehen quer, hinten beiderseits mit einem
Höcker verschen, der Scheitel mit einem Hörne, das an der Spitze
und in der Mille beiderseits gelappt ist; die hinteren Schenkel an
der Basis und Spitze rückwärts mit einem blattartigen Anhange
(dies ist jedoch gerade für Valcs charakteristisch!; Arten: S. pre-
378 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
tiosa und fuscosparsa von Port Katal. — 2) Popa n. g. von Mantis
durch kürzere, kräftigere Beine mit fast dreieckigen Vorderhüftcn und
die Form des Kopfes abweichend; an letzterem ist der Scheitel in
der Mitte dreihöckerig, zu beiden Seiten und hinten mit zwei fast
kegelförmigen Höckern versehen. Art: P. spurca von Port Natal. —
3) Daniiria n. g. von Mantis durch den Kopf, der an der Basis bei-
derseits nahe den Augen mit einem kegelförmigen Höcker verschen ist,
so wie durch die Bildung der Vorderhüftcn unterschieden; diese sind
dreieckig, gegen die Spitze hin oberhalb erweitert, die Beine ziem-
lich lang und zart. Art: D. Tlmiibergi von Port Natal, — Die übrigen
neuen Arten von derselben Lokalität sind : Vales Wahtbergii (scheint
nach der Beschreibung mit Enipusa capensis Burm. identisch zu sein),
Chiropacha maura (der Ch. diaphana Charp. jedenfalls sehr nahe
verwandt, oder wohl selbst nach einem kurzflügligen Exemplare der-
selben beschrieben), Mantis fatiloqua, nalalensis , orba, macra, vidua.
Pfiasniodea. A. Murray, Kotice of the Leaf-Insect (Phyl-
lium Scythe), lalely bred in the Royal ßotanic (larden of Edinburgh,
wilh remarks on ils metaroorphoscs and grows. (Edinburgh new phi-
losoph. Journal IIL 1856. p. 96-111. pl. VI — Ylll.) _ Der Verf.
macht hier die sehr interessante Mittheilung, dass ein Exemplar von
Phyllium (Ph. Scythe Gray) während 18 Monaten lebend in den Treib-
häusern des botanischen Gartens zu Edinburgh erhalten worden sei.
Das Thier stammte von einer Sendung Phasma-Eier aus Assam, aus denen
sich in England die Jungen entwickelten; sie schlüpften vom lOten
Mai bis Anfangs Juni aus, machten dann ihre drei Häutungen, die erste
nach 10, die zweite nach abermals 3, die letzte endlich nach wieder
2 Monaten durch und frassen Myrthe. Murray giebt eine genaue
Beschreibung der Eier , der verschiedenen Entwicklungsstadien der
Larven so wie der einzelnen Organe während dieser Perioden , wel-
che zugleich durch Abbildungen auf den Tafeln erläutert werden;
es ist hier die ganze Reihe der allmähligen Entwicklungsstufen bis
zum ausgebildeten Insekte beiderlei Geschlechts dargestellt. Von be-
sonderem Interesse ist die Ausbildung der langen Fühler des Männ-
chens, die sich so auffallend von denen des Weibchens unterscheiden.
Während nach dem Auskriechen der Larve aus dem Eie die Fühler
beider Geschlechter kaum zu unterscheiden sind, verlängern sich nach
den späteren Häutungen die beiden letzten Glieder des .Männchens
immer mehr und zeigen jedes eine Theilung zuerst in sechs und dann
in elf Rinse: dabei sind sie aber immer noch kurz und dick, errei-
chen dagegen erst ihre ganze Länge und Schlankheil bei dem Aus-
schlüpfen der ujännlichen Image aus der Puppenhülle.
GrrylloileH. Z e 1 1 e r beschrieb (Enlomol. Zeitung p. 23)
Gryllvs liermsdorfensis als neue Art aus der Umgegend von Glogau ; er
während des Jahres 1856. 379
unterscheidet ihn von Gr. frontalis und Burdigalensis durch die Fär-
bung der Hinterschenkel und die Länge der Flügeldecken.
3Iogoplistes lalilrus wurde als neue Art von der Insel Ischia
von Costa (Alcune notizie sull' entomologia delT Isola d'Ischia p. 4)
beschrieben.
9jOci8$<i4ariae* Phylloplera Cereris von Port Nalal (im hie-
sigen Museum auch vom Cap) , Phaueroplera spnrsa , (jraUaloria und
Cymalomera Scfiaumii ebenfalls von Fort Natal wurden von Stäl
(Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl. p. 170) als neue Arten
aufgestellt.
F. Schmidt (Jahresheft d. Vereins des Krainischen Landes-
Bluseums p. 28) beschrieb eine von ihm für neu gehaltene Art von den
Krainer Alpen unter dem Namen Epkippigera ornala.
JLcridiocSea* Lucas (Bulletin d. 1. soc. entomol. IV. p.
XXXVII) setzte die specifischen Unterschiede von Oedipoda azurescens
Ramb. und coerulans Lin., welche Fischer irriger Weise als syno-
nym betrachtete, auseinander; erstere Art, von der Uambur nur
ein einzelnes Männchen vor sich hatte , ist in Algier in beiden Ge-
schlechtern aufgefunden worden und von P. coerulans durch ca-
rinirten Thorax so wie durch schwarze Binde der Hinterflügel ver-
schieden.
, „Les sauterelles dans la Russie meridionale" par M. Jean D e-
mole, consul suisse ä Odessa (Bibliotheque universelle de Geneve,
Scienc. math. et phys.XXXI. p. 218—229). — Ein ausführlicher Be-
richt über das massenhafte Auftreten, die Verwüstungen u. s. w. der
Heuschrecken im südlichen Russland.
'Fermitiusi* Auf die wichtige von L es p es in den Annales
des Sciences naturelles V. p. 227— 282. pl. 5 — 7 erschienene Arbeit
„Recherches sur I'organisation et les moeurs du Termite lucifuge" ist
schon im allgemeinen Theile dieses Berichtes näher eingegangen wor-
den und es wird eine ausführlichere Auseinandersetzung des speci-
elleren, dort nicht berührten Inhalts hier um so weniger nöthig sein,
als die Arbeit in dem bereits vorliegenden zweiten Theile von Ha-
ge n's vortrefflicher Monographie der Termiten (Linnaea entomologica
XII) genau in allen ihren wesentlichen Theilen durchgegangen ist.
Die anatomischen Untersuchungen des Verf. erstrecken sich auf die
verschiedenen Organe bei allen in einem Termitenbaue vorkommenden
Altersstufen und ausgebildeten Formen, von der jungen Larve bis zur
trächtigen Königinn ; ausser den verschiedenen Entwicklungsformen
der inneren Geschlechtsorgane ist auch das Nervensystem durch Ab-
bildungen erläutert, so wie die verschiedenen Lebensalter und Stände
des Thieres selbst in stark vergrössertem Maasstabe dargestellt. Die
am Schlüsse gegebene Darstellung der Lebensweise der Termiten
380 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
(p. 269 fF.) enthält zahlreiche äusserst interessante Daten, die künf-
tigen ßeobacbtern gewiss reichen Anhalt gewähren werden ; zugleich
lüsst sie aber noch manche Lücke erkennen, welche auszufüllen frei-
lich eine weit länger andauernde Beobachlungszeit nothwendig sein
wird, als sie von L. der Sache zugewandt werden konnte.
fiibellu&iiiae. Hagen (Entomol, Zeit. p. 363—381) machte
ausführliche Miltheilungen über „die Odonaten-Fauna des Russischen
Reiches." Das dem "Verf. aus den verschiedensten Gegenden Russ-
lands (ausser dem Europäischen auch aus dem Caucasus, ganz Sibi-
rien und den Nord-Amerikanischen Besitzungen) bis jetzt vorliegende
Älaterial ergicbt im Ganzen 41. Arten, von denen 18 für die Russi-
sche Fauna und 9 überhaupt neu sind; diese Zahl wird als ein Bruch-
theil der mit Wahrscheinlichkeit im Russischen Reiche existirenden
angesehen und letztere auf 85 bis 89 geschätzt. Als Einleitung zu
seiner Abhandlung giebt Hagen eine Uebersicht derjenigen Werke,
in welchen Russische Odonaten bisher bekannt gemacht worden sind ;
sodann stellt er ein Yerzeichniss der ihm zugekommenen Arten nach
den einzelnen Lokalitäten (Archangel, Petersburg, Caucasus, Sibirien,
Kamtschatka, Kirgisensteppe, Kurilische Inseln,* Ajan und den Ameri-
kanischen Besitzungen) zusanun,en und llsst hierauf Bemerkungen
über einzelne Arten folgen ; die darunter befindlichen neuen sollen
später in der Monographie der Odonaten beschrieben werden. Als be-
^sonders weit verbreitete Arten werden von den in Russland vorkom-
menden Lib. flavescens, Aeshna juncea u. a. hervorgehoben. Am
Schlüsse geht der Verf. näher auf den Charakter der Odonaten-Fauna,
welche die einzelnen Theile des Russischen Reiches darbieten, ein:
von Interesse ist, dass das ganze Europäische Russland bis jetzt keine
Art enthält, die nicht auch im übrigen Europa vorkommt, dass seine
Odonaten-Fauna ferner rein europäisch ist, und dass derselben sämmt-
liche Formen des Mittelmeergebietes fehlen. Theilt man das Euro-
päische Russland in drei Gebiete nach der geographischen Breite , so
bildet das nördlichste, oberhalb des 60* gelegene eine entschiedene
Analogie in seiner Odonaten-Fauna mit Lappland und Schweden dar,
indem von 26 dort vorkommenden Arten 20 in Russland nachgewie-
sen sind. Das zweite Gebiet zwischen dem 60° und 50° trägt den
Charakter von Mittel- Europa und der norddeutschen Ebene und ist
reich an Arien (57) ; das dritte unterhalb des 50^ gelegene ist dage-
gen bis jetzt arm (nur 14 bekannte Arten) , wiewohl ein Vergleich
der Fauna von Ungarn, Sleyermark, Krain, der Türkei und Klein-
Asiens (über welche hier zahlreiche Ergänzungen beigebracht wer-
den), einen ziemlichen Reichlhum an wirklich existirenden Arten, nach
II. Annahme etwa 60, vermulhen Ijissl. — Die Odonaten Transcauca-
sien's sind zur Hälfte, vielleicht sogar zu 2/4 europäisch; die des
nördlichen Sibirien scheinen mit denen des nördlichsten Gebietes im
während des Jalires 1856. 381
Europäischen Russland übereinzustimmen, die des südlichen mit der
Fauna der Volga, des Ural und des Caspischen Meeres. (Ein kurzes
Resume der Arbeit ist auch in M o tsc h ul sk y's Etud. enlomol. V.
p. 52 ff. unter dem Titel: „Odonates de la Russic" par le Dr. Hagen
enthalten.)
Von Kolenati, Meletemata entomologica VI. p.Slff. wurden
als neue Arten beschrieben : Acslina lunala , Agrion Lehmanni und
syeclrum aus den Kirgisen-Steppen. (Bullet, d. 1. soc. imp. d, natur.
de Moscou 1856. IV.)
JVeupoiitcra.
ffienieroliini* F. Brauer, Rückblick auf die im Jahre 1850
beschrieUenen üestcrreichischen Arten der Galtung Chrysopa Leach,
nebst Beschreibung der Chrysopa tricolor n.sp. (Verhandl. d. zooloo-,
botan. Vereins zu ^Vien VI. p. 703 ff. Taf. 10). Der Verf., weicher
bei seiner im J. 1850 vorgenommenen Bearbeitung der Oesterreichi-
schen Arten der Gattung Chrysopa W es m a e l's Abhandlung über die
Belgischen Hemerobiden nicht gekannt hatte , vergleicht im Vorlie-
genden die Arten beider Schriften mit einander , so wie auch zu-
gleich mit den von Schneider (Symbol, ad nionogr. gen. Chryso-
pae) aufgestellten. Es ist darnach Chrys. perla (Lin.) Br. = vulga-
ris Schneid., tenella und pusilla Br. = phijllochroma Wesm. , alba
(Lin.) Br. = tillala Wesm., nigricostata Br. = Heydenii Schneid.,
coerulea Br. = prasina Burm. , nobilis Br. = seplempunctala Wesm.,
formosa Br. = Burmeisteri Schneid., reticulata (Leach) Br. = perla
Lin. Schneid. — Zu den 13 früher vom Verf. gekannten Oesterreichi-
schen Arten werden jetzt 8 fernere hinzugefügt. Die neue Chrysopa
Iricolor aus der Brühl bei Wien ist im Farbendrucke auf Taf. 10 ver-
grössert dargestellt.
Asa Fitch (First Report etc. p. 82— 96) hat uns mit einer
grösseren Anzahl Nord-Amerikanischer Arten der Gattungen Chrysopa
und Hemerobius bekannt gemacht und ausserdem eine neue Gattuno-
Meleoma aufgestellt, welche sich von Chrysopa durch die an der
Basis getrennten Fühler und eine zwischen dieselben hervortre-
tende cylindrische Hervorragung der Stirn unterscheidet. Die ein-
zige bis jetzt bekannte Art dieser Gattung wird unter dem Namen
M. Signorelii beschrieben. — Die 22 neuen Arten der Gattung Chry-
sopa werden in einer analytischen Tabelle aufgeführt und unter
folgenden Namen beschrieben: Chr. albicornis j illepida , omicron ,
xanlhocephala, fulvibucca, MissisippensiSf Chi, Ypsilon, bipunctata, colon,
emuncla, Roberlsonii, plorabunda, pseudographa , sulphurea, Sichelii
NovaeboracensiSf Harrisii , Virginica , linealicornis , puncticornis , ta-
hida. — Von Hemerobius werden ausser H. irroratus Say noch 10
neue Arten beschrieben: //. alUrnalus, stigmaterus , Caslaneae, tuta-.
382 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Irix, conjunclus, Pinidumus^ htjalhialuSf amiculus, occidentaUs und dc/i-
catulus. Bei Aufstellung dieser Arten sind jedoch vom Verf. nicht
die 11 von Burmeister, Schneider und Walker beschriebe-
nen Kord -Amerikanischen Chrysopen und die 8 von Walker be-
schriebenen Hemerobien berücksichtigt worden, und es werden daher
beim Vergleiche derselben mit den von A. Fitch aufgestellten man-
che der letzteren ohne Frage einzuziehen sein.
Ferner reiht derselbe (ebenda p. 97) der unter den Hemerobi-
den recht fremd dastehenden Galtung Coniopteryx eine neue ver-
wandte unter dem Namen Ateuronia an, welche durch folgende Merk-
male abweicht: Die Flügeladern sind durch weniger Anastomosen
verbunden, indem sich nur eine solche auf der Scheibe des Flügels
und drei an der Basis befinden , welche eine ununterbrochene Linie
bilden; statt drei geschlossener Discoidalzellen ist nur eine vorhanden ;
auf den Hinterflügeln ist nur eine Ader gegabelt und die Verbindungs-
adern fehlen; die Augen sind nierenförmig ausgerandet. Eine Art;
A. Westwoodii.
Sehr interessant sind die ausführlichen Mittheilungen, welche A.
Fitch (p. 70 — 78) über die Lebensweise und die Wahrung der Chry-
sopa-Larven macht. Die Nord-Amerikanischen Arten leben nicht aus-
schliesslich von Blattläusen, wie man dies bisher geglaubt hat. Fitch
fand zahlreiche Eier auf Bäumen, die weit und breit keine Blattläuse
beherbergten und als solche den ausgeschlüpften Larven vorgelegt
wurden, rührten sie dieselben nicht an. Eine Art (Chr. ISovaebora-
censis) verzehrte in ihrer Jugend die Eier, später zolllange Raupen
einer Geometra-Art. Eine Larve, welche sich in Spinnen -Eiern und
jungen Spinnen saltgefressen halle, wurde von einer jüngeren, die
sich mit ihr in demselben Behälter befand, ohne Widersland verzehrt.
Auch den Grund, weshalb die Chrysopen-Eier auf Stielen sitzen, er-
klärt der Verf. vollständig durch eine Beobachtung; er sperrte eine
Larve zu solchen Eiern, von denen eins mildem Stiele vom Blatte
losgelöst und flach hingelegt wurde; dies frass die Larve sogleich
aus, während die anderen auf dem Stiele sitzenden unversehrt blieben.
Es ist also ein Schulz der Eier gegen die Larven ihres eigenen Ge-
schlechts der Grund. Einer anderen Chrysopa - Larve wurden Gallen
von Cecidomyien vorgelegt, die sie sogleich öffnete und die darin
befindlichen Larven verzehrte.
Myrmeleon conspurcalum Koleuali ist eine neue Art aus den
Kirgisen-Steppen (Melet. entomol. VI. p. 84).
Sialidae. Brauer (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu
WienVL p. 397) gab eine vergleichende Beschreibung von Sialis fu-
liginosa Fict. (?) Burm. und lularia Lin. ; ausser der Färbung der Flü-
gelwurzel und der Costa, welche bei beiden Arten verschieden ist,
während des Jahtes 1856. 383
zeigen sich Differenzen in der Form des letzten männlichen Hinter-
leibsringes.
TTricliojJtera. Eine neue Üesterreichische Phryganea wurde
von Kolenati (Vcrhandl. d. zoolog.-botan. Vereins VI. p. 165. Taf. 1)
unter dem Kamen Slenopliylax arealus beschrieben und abgebildet.
Sie stammt aus Krain und ist mit St. pantherinus Pict. , mit welchem
sie K. auch früher identificirt hatte, zunächst verwandt.
Asa Fitch (Report on Ihe noxious Insects of the State of
New-York p. 102 und 304 ff.) machte drei Nord- Amerikanische Arten
dieser Ordnung bekannt, welche den Culturgewächsen in hohem Grade
schädlich sind. Die eine derselben Fhloeolhrips mali n. sp. lebt auf
Apfelbäumen und frisst runde Höhlungen in die Spitze der jungen
Aepfel ; die beiden anderen Tlirips Iritici und Coleothrips trifasciata
finden sich am Weizen , saugen dessen Säfte aus und bewirken da-
durch ein Zusammenschrumpfen der Körner. ( Thrips tritici Fitch
scheint auch schon Harris bekannt gewesen zu sein, der ihn jedoch
für den Europäischen Thrips cerealium, von dem er im Larvenzustande
durch ganz orangegelben Körper abweicht, hielt.)
Von New man (Transact. of the entomol. soc. III. p. 264 ff.)
wurden zwei bei Mysore in Ostindien aufgefundene neue Arten: /rfo-
lollirips Halidayi und Fhloeolhrips Anacardii beschrieben, welche von
den Blättern einer Anacardium-Ärt leben.
ThysaBftura.
l^odcarelilae* Wanke 1 (Verhandlungen des zoolog.-botan.
Vereins in Wien VI. p. 470) beschrieb eine neue augenlose Podure
aus den Älährischen Höhlen, ohne ihr jedoch einen Kamen beizule-
gen ; dieselbe soll auf den ersten Blick der Gattung Tritomurus Frau-
enfeld sehr ähnlich sein.
Einen lehrreichen Vortrag: über das massenhafte Erscheinen von
Poduren zur Winterzeit auf der Oberfläche des Schnees hielt Elditt
in der pliysikalisch-ökonomischen Gesellschaft zu Königsberg. Der-
selbe ist unter dem Titel : „Die Schneewürmer und Schneeflöhe« auch
im Separatabdrucke erschienen.
iIyiaieB£0|)tera.
Die Verzeichnisse der Hymenopteren des ßrilish Museum
sind mit einem neuen Theile forlgesetzt worden : Calalogue
of Hymenopterous Insects in the collection of the Brilish
Museum, by F. Smith. Part. IV. Sphegidae, Larridae and
Crabronidac. London, prinled by order of theTruslees, 1856.
384 Gers laeckev: Bericht üb. d. Leislungen in d. Entomologie
(8. p. 207- 497. pl. VI-XI.) — Unter den vom Vorstande des
British Museum veröfTenllichten. Cataloffen , so weit sie die
Classe der Insekten betreffen, sind die von F. Smith bear-
beiteten bei weitem die brauchbarsten , indem ihnen wenig-
stens die nölhige Sachkennfniss zu Grunde liegt; dies lässt
sich aus der Charakterislik der neuen Arten, welche zu einer
sicheren Determinirung in den meisten Fällen ausreicht, er-
sehen. Der Reichthum an letzteren, besonders aus den Tro-
pengegenden der alten Welt (während Süd-Amerika im hie-
sigen Museum durchweg viel zahlreicher vertreten ist) macht
diese Cataloge für spälere Arbeiten , welche sich mit einer
eingehenderen Systematik der behandelten Familien abgeben
sollten, sehr wichtig, ohne dass solche jedoch dadurch über-
flüssig gemacht würden. Yielmehr ist es späteren Bearbei-
tern noch vorbehalten, einerseits die Synonymie der bereits
bekannten Arten (besonders der von älteren Autoren , wie
Fabricius u. a. aufgestellten), andererseits die Berechti-
gung der neu aufgestellten so wie die Abgränzung der bereits
bestehenden Gattungen einer genaueren Prüfung zu unterwer-
fen. Wenn der Verf. in einigen Fällen , wie z. B. bei der
Gattung Crabro, sich einer Annahme der zahlreichen unhalt-
baren Gattungen, wie sie von Lep eilet ier und Dahlbom
aufgestellt worden sind, durchaus mit Grund entgegenstemmt,
lässt er sich bei anderen Gelegenheiten auf ein gleiches Ver-
fahren ein, indem er z. B. die Galtungen Harpactopus, Prio-
nonyx und Parasphex (Enodia Dahlb.), welche sich durch die
übrigens sehr wandelbare) Zahnung der Fussklauen allein
von Enodia abtrennen lassen, aufrecht erhält und zum Theil
selbst aufstellt. Gewiss wäre es dem Zwecke eines Cataloges
angemessen , mit der Aufstellung neuer Gattungen und der
Annahme solcher, die nicht auf sehr entschiedenen Charak-
teren begründet sind, möglichst rückhaltend zu Werke zu
gehen , da eine vollständige Durcharbeitung des Materials,
welche hierzu erforderlich wäre, in der vorliegenden Ar-
beit nicht erwartet wird, oder wenigstens nicht zu finden ist.
Uebrigens bot sich zur Errichtung neuer Gattungen in den
gegenwärtig calalogisirten Familien im Ganzen weniger Ge-
legenheit dar, als es in früheren der Fall war, was einer-
seits an der grossen Gleichförmigkeit der oft sehr zahlrei-
während des Jahres 1856. 385
chen Arten der Gaüungen, andererseits daran lag, dass dies
Feld gerade schon mehrfach systematisch bearbeitet worden
war. — Was den Inhalt des vorliegenden Theiles betrifft, so
erstreckt sich derselbe nicht nur auf die im Titel genannten
Familien, sondern auch auf die Bembecidae und Nyssonidae,
welche übrigens mit den Larratae und Crabronites zusammen
eine in sich abgeschlossene Gruppe bilden, die sich den übri-
gen grabenden Hymenopteren-Familien gegenüberstellen Hesse;
es liegen also mit diesem Bändchen, welches die Fortsetzung
des im vorigen Jahresberichte (p. lOl) erwähnten Part. III
bildet und auch ein sich zugleich auf jenen beziehendes Na-
mensverzeichniss enthält, die grabenden Hymenopteren des
British Museum vollständig verzeichnet vor. Die beifolgen-
den Tafeln geben wie früher eine Darstellung eines oder
mehrerer Repräsentanten der verschiedenen Gattungen so wie
Erläuterungen ihrer wesentlichsten Merkmale. (Näheres siehe
bei den genannten Familien!)
Ein zweiter Catalog des British Museum , der sich je-
doch nur auf einheimische Arten erstreckt, ist: Cafalogue
of British Ichneumonidae in the British Museum, by Th. Des-
vignes. Printed by order of the Trustees. London 1856.
(8. 120 pag.) Abgesehen von dem faunistischen Interesse,
welches dieses Verzeichniss darbietet, ist es auch für die
Artenkennlniss der einheimischen Ichneumoniden von Bedeu-
tung, indem eine beträchtliche Anzahl von Species, die der
Yerf. als neu erkannt zu haben glaubt, darin beschrieben
ist. Die Aufzählung und Aneinanderreihung der Gattungen
und Arten ist nach Gr a v en h orst's System vorgenonunen
und ausser diesem Wesmael's neuere Arbeiten zur Bestim-
mung benutzt worden ; die (in verhällnissmässig geringer An-
zahl} von Englischen Autoren aufgestellten Arten sind fast
durchweg als selbstständige aufgeführt worden, lieber den
specielleren Inhalt des Verzeichnisses ist am betreffenden Orte
(Ichneumonidae) Nachricht gegeben worden, wo auch eine
gleichzeitig erschienene grössere Arbeit über Schwedische
Ichneumonen, welche ebenfalls die Beschreibung zahlreicher
neuer Arten enthält, angeführt ist.
„Entomologische Bemerkungen" von 1). Reinhard
(EnlomoL Zeitung p. 103—110} enthalten neben einigen Nu-
Archiv f, Naturgesch. XXHI. Jahrg. 3. Bd 2
386 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
lizen über die Lebensweise verschiedener Arten auch beson-
ders zahlreiche und werihvolle Beiträge über parasilische
Hymenopteren (Ichneumoniden, Braconiden, Chalcidier u. s. vv.)
und über die Woiinthiere , aus denen sie erzogen worden
sind. Besonders sind es die Parasiten der Gallen , welche
die Aufmerksamkeit des Verf. auf sich gelenkt haben, und
die hauptsächlich den Gattungen Torymus Dalm. , Pleromalus
Swed. und Eulophus GeoflV. angehören. Die Gallen von Te-
ras lerminalis lieferten ihm allein 14, die vonRhodites rosae
ö, von Andricus curvator 8 verschiedene Parasiten.
Giraud, Observations sur quelques especes d'Hyme-
nopteres rares ou peu connues , Irouvees dans les environs
de Vienne. (Verhandlungen des zoolog. - botan. Vereins in
Wien VI. p. 179 — 188). Wichtig ist darin der Nachweis des
Zusammenfallens zweier Heterogynen-Gattungen als Mann und
Weib ; ausserdem sind einige Beobachtungen über ilie Le-
bensweise und Bemerkungen über die Synonymie mehrerer
Arten gegeben.
Smith (Entomologist's Annual for 1856. p. 93 fF.) gab
Notizen über eine Anzahl Hymenoplera aculeala, die sich be-
sonders auf das Vorkommen derselben in England beziehen.
Eine sehr merkwürdige und besonders vollkommene
Zwitterbildung bei einer Mulilla ist in der Öfversigt af Finska
Vetenskaps-Societätens Förhandlinger III. 1855 — 56 bekannt
gemacht und abgebildet worden. (Soviel sich Ref., der diese
Zeitschrift vor längerer Zeit durchgesehen , aber neuerdings
nicht wieder zur Ansicht bekommen hat, erinnert, gehörte
dieser Zwitter der Mulilla europaea an.)
Einige Unregelmässigkeiten in der Zellenbildung der
Flügel bei Hymenopteren wurden von Schenck inWeilburg
(Jahrbücher i\es Vereins für Naturkunde im Herzogthum Nas-
sau XI. p. 95j zur Sprache gebracht.
Diese Unregelmässigkeiten betreffen hauptsäclilich die Cubital-
zellen (bei Andrena I^isterella, Psammophila hirsuta , Nysson macula-
tus) und zwar sowohl ihre Form als das gänzliche Ausbleiben der
einen, und zwar gewöhnlich der mittleren. — Nach des Ref. Erfah-
rung kommen dergleichen ünregelmässiglieiten in der Ausbildung der
Cubitalzellen besonders mehrfach bei den Apiarien vor, wo sie um
so interessanter sind, als hier das Vorhandensein von zwei resp. drei
während des Jahres 1856. 387
Cubitalzellen mit zur generischen Unterscheidung benutzt worden ist.
Es wird durch dieselben gieichsam mit auf den geringen systemati.
sehen Werth, welchen die Zahl dieser Zellen in gewissen Fällen ha-
ben kann , hingewiesen , wie denn auch bei einzelnen durch andere
Charaktere ausgezeichneten Gattungen, z. ß. Eucera, beide Bildungen
nebeneinander vorkommen ; (die Arten mit drei Cubitalzellen bilden
hier die Untergattung Macrocera). Während die Arten der Galtung
Melecta regelrecht stets drei Cubitalzellen haben , besitzt Ref. zwei
besonders interessante Exemplare der Melecta punctata, von denen das
eine im rechten Flügel die zweite Cubitalzelle nur halb geschlossen
zeigt, das andere in beiden Flügeln überhaupt nur zwei solche Zel-
len hat, von denen die äussere durch Zusammenfluss der zweiten und
dritten entstanden ist; im rechten Flügel ist jedoch noch eine schwa-
che Spur eines beginnenden Theilungsnerven sichtbar.
iipiar!ae* Kylander, Genus familiae Apidarum Heriades,
quod synopsi monographica exponit — (Memoires de la soc. imp. des
seienc. natur. de Cherbourg IV. 1856. p. 105 — 112). Der Verf. gicbt
hier eine Aufzählung und Beschreibung von neun ihm bekannt ge-
wordenen Europäischen Heriades-Arten, denen er die Gattung Chelo-
sloma Latr. als nicht wesentlich verschieden beigesellt. Die Arten
sind: a) mit verlängerten Mandibeln : H. grandis Kyl. und maxillosa Lin.
b) mit massig entwickelten Mandibeln: H. nigricornis Nyl., emargi^
nala n. sp. aus Südfrankreich, robusta Kyl., truncorum Lin., crenu^
lala n. sp. von Paris, breviuscula Nyl. und campanularum Kirby.
Sichel (Annales d. 1. soc. entomol. , Bullet, p. XIX) gab die
Diagnose einer neuen Art: Anthophoia Passerinii aus Florenz und
Sicilien.
Fahre (Annales des seienc. natur. VI. p. 186) beobachtete, dass
Osniia tricornis ihre Zellen in den verlassenen Gängen von Anlho-
phora pilipes anlegt, so dass beide Arten dieselbe Wohnung inne
haben, üsmia mehr an der Oberfläche, Anthophora dagegen in der
Tiefe. Clerus octopunctatus beraubt die Zellen beider. (In hiesiger
Gegend fliegt Osniia bicornis in der Regel mit Anthophora pilipes zu
gleicher Zeit und an gleichen Orten und es scheint daher zwischen
diesen beiden Arten eine ähnliche Beziehifng obzuwalten. Ref.)
Jenzsch, „TVotiz über die Nester der Anthophora retusa Latr.
oder A. pilipes Fabr. im Trachyttuffe des Kehlsbrunnen im Sicbeno-e-
birge und im Pariser Becken«. (Allgemeine Deutsclie Katurhist. Zei-
tung II. p. 73.) — Der Verf. hält irriger Weise die beiden genannten
Arten für identisch; dass Anthoph. retusa Latr. von ihm gemeint sei,
geht daraus hervor, dass diese Art constant in Felsen baut, während
A. pilipes sandiges Terrain liebt.
Xylocopa violacea ist neuerdings in einem einzelnen Exemplare
in England gefangen worden (Proceed. of the entomol. soc. p. 108).
388 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Newman meint, dass vielleicht der starke Import von Orangenbäu-
men bei Gelegenheit der Industrie-Ausstellung der Anlass dieser Er-
scheinung sei.
Reichenbach, das Schwärmen der Bienen vom polizeili-
chen Standpunkte aus betrachtet. (Allgem. Deutsche IXaturhist. Zei-
tung 1. p. 194.)
Tesgiariae« Der im vorigen Jahresberichte erwähnten Ar-
beit de Saussure's über die Wespenbauten schliesst sich eine im
Jahre 1856 erschienene Abhandlung von K. Moebius: „Die Nester
der geselligen Wespen , Beschreibungen neuer Nester und einiger
neuen Wespen -Arten des Naturhistorischen Museums zu Hamburg,
nebst Betrachtungen über den Nesterbau im Allgemeinen" an. Die-
selbe ist im oten Bande der Abhandlungen des naturwissenschaftlichen
Vereins in Hambung p. 121 — 17t enthalten, unter obigem Titel jedoch
auch im Separatdruck erschienen (Hamburg 1856. 4. l9 color. Taf.).
-— Der Verf. beginnt diese manches Interessante enthaltende Abhand-
lung mit der Beschreibung einer Anzahl Nester, deren Verfertiger
ihm mit Sicherheit bekannt waren, nämlich von Synoeca cyaneaFab.,
Polybia sedula Sauss., sericea Oliv., rejecla Fab., Cayennensis Fab.,
ampnllaria n. sp. , catilUfex n. sp. , pygmaea Fab., pediculata Sauss.,
Chartergus colobopterus Web., apicalis Fab., frontalis Fab., scutellaris
Fab., sericcus Fab. und Leipomeles lamellaria nov. gen.etspec. Alle
diese Nester sind zugleich abgebildet, ihr innerer Bau durch Durch-
schniltszeichnungen u. dergl. erläutert, auch die Arten und Gattungen
ihrer Bewohner, so weit sie bisher noch unbekannt waren, beschrie-
ben. Dieser specielle Theil liefert den Stoff zu den allgemeinen Be-
trachtungen des Verf. über den Bau der Wespennester, welche den
zweiten Theil der Arbeit ausmachen. In diesem geht er nämlich auf
die äussere Form und Befestigung der Nester, auf ihre Grösse, auf
die Entwicklung und Verwandtschaft ihrer Bauslyle , auf die Flug-
und Fahrlöcher, die Waben und Zellen , auf die Baustoffe aus denen
sie angefertigt und endlich auf die physikalischen Gesetze, welche
bei ihrer Anlegung befolgt werden, ein. — Was die verschiedenen
ßaustyle der Wespennester betrifft, so hat der Verf. einen sehr gelun-
genen Versuch gemacht, die anscheinend verschiedensten Formen durch
den Nachweis der sie vermittelnden Zwischenstufen auseinander her-
zuleiten; er geht dabei von den einfachsten Nestern aus, welche ohne
äussere Hülle frei aufgehängte Waben darstellen, reiht hieran dieje-
nigen Formen, deren äussere Hülle durch die Seitenwände der Waben
selbst gebildet werden und orduet die verschiedenen Modifikationen,
welche die Nester mit selbstständiger Hülle darstellen, so aneinander,
dass die Idee, welche allen zu Grunde liegt, leicht herauszuerkennen
ist. Von letzteren nehmen die niedrigste Stufe Chartergus colobopte-
rus und apicalis , deren Wabenpfeiler randständig sind und deren
während des Jahres 1856. 389
Nesthülle ganz von der Form des Trägers (einem Zweige), an dem
sie seitlich angebracht ist, abhängt. Eine höhere Stufe nimmt Leipo-
meles lamcllaria ein, deren Waben schon auf mittelständigen Pfeilern
ruhen, während die am jMittelnerv eines Blattes befestigte Hülle von
diesem noch in gleichem Grade abhängig ist. Bei Polybia ampullaria
richtet sich die Hülle schon nicht mehr nach der Form des Trägers,
sondern setzt sich ringförmig auf die breite Basis 'von Blättern; die
Waben hängen unter einander an Pfeilern , die oberste durch gleiche
am Träger befestigt. Diese Form bildet den direkten Uebergang zu
den Nestern mit frei entwickelter Hülle , wie sie von Vespa crabro,
germanica u. s. w. bekannt sind, — Dass die Nester mit ungeschlos-
sener Hülle und diejenigen mit geschlossener nicht bestimmten Gat-
tungen der Wespen entsprechen, wie dies de Saussure glaubt,
weist der Verf. durch eine Tabelle , in welcher die Formen der Ne-
ster und ihre Verferliger gegenübergestellt werden', nach ; fünf Po-
lybia- und drei Chartergus-Arten bauen Nester mit ungeschlossener
Hülle, zwei andere Polybia und drei Chartergus solche mit geschlos-
sener. Dagegen sind die Nester ohne und mit Hülle nach den bis-
herigen Erfahrungen auf besondere Gattungen beschränkt; erstere
kommen Apoica, Icari'ä, Polistes, Ischnogaster und Mischocyttarus, letz-
tere Polybia, Chartergir's, Tatua, Synoeca, Leipomeles und Vespa zu.
— Von weiterem Interesse sind die Untersuchungen, welche der Verf.
über die zum Baue der Nester verwendeten Stoße angestellt hat; nur
eine Art (Polybia sedula) baut dieselbe aus Lehm, die übrigen aus
verschiedenartigen PflanzenstoiTen, wie aus Rinde, Bast, Holz, Haar-
zellen, Blatttheilen, Pilzfäden, Flechten und Algen. Von diesen Bau-
stoffen hängt die Farbe der Nester ab; sie sind bleich, wenn sie aus
wasserhellen Bast- oder Haarzellen, dunkelroth oder braun, wenn
sie aus der Rinde verfertigt sind , gefleckte oder gestreifte Nester
bestehen aus verschiedenen Stoffen. Die Pflanzenbestandtheile werden
durch eine Art Kitt miteinander verbunden, welche die Eigenschaften
des Chitins zeigt.
Die von Moebius aufgestellte Gattung Leipomeles (p. 145.
Taf. 14) steht Polybia zunächst, von der sie sich durch dreigliedrige
Lippen- und fünfgliedrige Kiefertaster unterscheidet. Die Art: L.
lamellaria stammt aus Brasilien; ebendaher auch die beiden als neu
beschriebenen Polybia-Arten.
Unter dem Titel : „Vergleichende Beobachtungen über die Ne-
ster der geselligen Wespen" hat Moebius einen Auszug seiner eben
erwähnten Abhandlung im XXIL Jahrgang des Archiv's für Naturge-
schichte p. 321—332 mitgetheilt.
Crabroniies« Ueber das Eintragen mehrerer Arten dieser
Familie von Nahrung für ihre Larven gab Fahre „Notes sur quel-
ques points de Thistoire des Cerceris, Berabex etc.« (Annales des
390 Gerstaeckcr: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
sciences naturelles VI. p. 183 tf.) Nachricht. Cerceris Ferreri trägt 5
verschiedene Curculionen - Arten ein und zwar finden sich dieselben
meist in jeder Zelle vermischt vor ; ebenso viele Arten , aber zum
Theil andere , enthalten die Zellen der Cerceris arenaria. Cerceris
quadricincta sammelt hauptsächlich Apion gravidum und zwar versorgt
sie die einzelnen Zellen je mit etwa 30 Exemplaren. Andere Arten,
z. B. Cerceris 4fasciata Dahlb. jagen kleine llymenopteren, wie Aly-
son , Microgaster, Bracon, Diplolepis u. s. \v. — Sehr abweichend
von den übrigen Gattungen ist die Art, in welcher Bembex vidua
ihre Larven versorgt; sie raubt verschiedene Dipteren (Bombylius,
Eristalis, llelophilus u. s. w.), welche sie aber nicht durch einen
Stich paralysirt, sondern welche sie durch Risse in den Kopf lödtet.
Eine Frisch - Erhaltung der Beute für die Larve ist hier nicht nöthig,
da letzlere täglich und ununterbrochen damit von dem Mutter-Insekt
versorgt wird; die Larve fand F. am Ende eines wenig tiefen Erd-
ganges und zwar nicht in Mehrzahl und in vollständig versorgten
Zellen, sondern einzeln und damit beschäftigt, ein kurz zuvor erhal-
tenes Dipteren zu verzehren ; um sie herum lagen zahlreiche Ueber-
bleibsel von gleicher Beute. Diese Larve war schon sehr weit in
der Entwicklung vorgeschritten und von beträchtlichem Umfange;
doch hat F. auch die Entwicklung derselben a.us dem Eie beobachtet,
welches an das Abdomen eines Syrphiden (meist Sphaerophoria scri-
pta) gelegt wird, nachdem dieser getödtet und in die Brutstätte ein-
getragen worden ist. (Bembex liefert demnach eins der interessante-
sten Beispiele von wechselseitigem Parasitismus in der Insektenge-
schichte, nämlich in Betracht, dass sich aus der Imago derselben
wieder parasitische Dipteren, wie Conops und Myopa entwickeln. Ref.)
— In Betreff von Astata boops bestätigt F. die schon mehrfach ge-
machte Beobachtung, dass sie ihre Zellsn mit den Larven von Penta-
toma (P. albomarginella) versorgt.
Für die Artenkennlniss dieser Familie ist von besonderer Wich-
tigkeit der von F. Smith bearbeitete Catalogue of Hymenopterous
Insects in the collection of the British Museum Part. IV, in welchem
neben der Aufzählung der bereits bekannten Arten eine grosse An-
zahl neuer beschrieben werden. Dieselben vertheilen sich auf die
einzelnen Gruppen und Gattungen folgendermassen: 1) Larratae : Lar~
rada n. g. (für diejenigen Lana -Arten Fabricius' errichtet, bei
welchen die Marginalzelle an der Spitze abgestutzt und mit einem
Appendix versehen ist und wo drei Submarginalzellen vorhanden sind,
von denen die erste so lang aU die beiden folgenden ist, die zweite
beide Kervi recurrentes aufnimmt, z. B. Larra ichneunioniformis Fab.,
Sphcx anathema Rossi) 41 n. A. , Morphola n. g. von Larrada durch
d^a Geäder der Flügel , indem die erste Sul,>uiarginalzelle länger als
die beiden folgenden ist, und durch das Vorhaqdensein dreier deut*
während des Jahres 1856. 391
liehen Ocellen abweichend; 3 n. A. aus Brasilien. — Tachytes 19 n.
A., Astala 2, Pison 8. — 2) Uembecidae: Bembex 14, Monedula 4.
3) Nyssonidae: Stizus 1, Larra 23, Nysson 3, Sericophorus 1, Helio-
ryctes n. g. , neben Paiarus stehend, von kürzerem, mehr gedrunge-
nem Körperbauc, durch queren Kopf mit breiter Stirn, kurzen, eiför-
migen Hinterleib und vorn gestielte zweite Submarginalzelle abwei-
chend ; 1 n. A. vom Gambia. — Gorytes 15 n. A., Harpactus 1. —
4) Crabronites : Trypoxylon U, üxybelusS, Crabro 20, Passaloecus 1,
Mimesa 2, Psen 1, Cerceris 49, Philanthus 13.
Nach Goureau (Bulletin de la soc. enlomol. IV. p. CIX) legt
Celia troglodytes ihre Brutgänge in trockenem Holze an und trägt
sehr junge Larven von Coccus vitis ein. G. hat diese Gattung in
ihrem Treiben mehrere Sommer hinter einander mit Müsse beobachten
können, indem sie ihre Gänge in einen Tisch einnagte, auf dem wäh-
rend seines Aufenthalts auf dem Lande seine Raupenbehälter standen;
die Thiere arbeiteten im Juli täglich mit grossem Eifer von zwölf bis
zwei Uhr Mittags an ihren Gängen.
Spiie^idae. Von Fahre wurde in seinem schon oben er-
wähnten Aufsatze „Etüde sur l'instinct et les metamorphoses des
Sphegiens« (Annales des sciences naturelles VL p. 137—183) eine
höchst interessante Schilderung der Lebensweise und der vollständigen
Entwicklungsgeschichte von Sphex flavipennis geliefert, welche über
die Biologie der grabenden Hymenopteren überhaupt mannigfache
Aufschlüsse giebt und daher der Beachtung sehr zu empfehlen ist.
Neben einigen Punkten, die schon oben berührt worden sind, bietet
besonderes Interesse die Entwicklung der Larven dar, welche der
Verf. vom Eie bis zur Nymphe genau verfolgt hat, was dadurch er-
möglicht wurde , dass er sie in Glascylindern erzog. Das Ei wird
zwischen das erste und zweite Fusspaar eines paralysirten Gryllus
gelegt und diese Stelle ist es auch, in welche sich die junge Larve
zunächst einfrisst; in 6 bis 7 Tagen ist diese erste Leiche bis auf die
äussere Bedeckung, die fast unversehrt bleibt, vollständig ausgefres-
sen und die Larve, jetzt 13 Mill. lang, verlässt dieselbe durch die
nämliche Oeffnung, in welche sie zuerst einging. Nun wird der
zweite Gryllus und zwar meist zuerst bei dem saftreichen Hinlerleibe
angegriffen, bald darauf der dritte und endlich auch der vierte, wel-
cher etwa in einem Zeiträume von 10 Stunden verzehrt ist. Sodann
ist der Wachsthum der Larve vollendet und sie misst jetzt 25 bis
30 Mill. (eine Abbildung derselben in dieser Periode wird auf Taf. 5
gegeben); sie geht nun daran, ihr Gespinnst zu verfertigen, welches
in zweimal 24 Stunden vollendet ist, und welches im Innern mit dem
ausgeworfenen Mageninhalte gleichsam wie mit einem Firnisse über-
zogen wird; letzlerer giebt dem Gespinnste eine solche Dichtigkeit,
dass es selbst auf lange Zeit in Wasser eingetaucht , nicht die ge-
592 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Tingste Feuchtigkeit durchlässt. Die Larve liegt im Gespinnste re-
gungslos vom September bis «u Anfang Juli des folgenden Jahres,
wo sie sich zur Nymphe umwandelt und aus dieser entwickelt sich
nach kurzer Zeit die Imago ; die allmählige Färbung der Nymphe so
wie das Auskriechen des Insektes werden vom Verf. ausführlich ge-
schildert und bieten wieder interessante Einzelnheiten dar. Auch auf
die anatomischen Verhältnisse der Larve geht F". näher ein und giebt
besonders über die sehr entwickelten Spinnorgane (Taf. 6 Abbildung)
Nachricht.
Zahlreiche neue Arten dieser Familie wurden von Smith
(Catalogue of Hymenopterous Insects IV) beschrieben , welche sich
auf die einzelnen Gattungen folgendermassen vertheilen : Ammophila
21, Miscus 1, Coloptera 1, Pelopoeus 8, Podium 5, Chlorion 2, Pro-
naeus 2, Sphex 36, Harpactopus n. g. 4 , Priononyx 1, Varasphcx
(Enodia Dahlb.) 1 , Ampulex 6. Die neue Gattung Uarpaclopus un-
terscheidet sich von Sphex dadurch, dass die zweite Submarginalzelle
gegen die Slarginalzellc hin verschmälert ist und den ersten Nervus
recurrens nahe an ihrer Basis aufnimmt; die Beine sind verlängert,
die Tarsen stachlig, die Klauen zweizähnig; das vorderste Paar ist an
der Aussenseite mit langen Haaren besetzt. (Die Behaarung der Vor-
derbeine ist jedoch nur dem Weibchen eigen, während sie dem Mann,
eben fehlt; so zeigt es wenigstens die dieser Galtung angehörige
Pepsis hirtipes Fabr., welche Smith nicht gekannt hat. Ref.). — Den
Namen Parasphex führt der Verf. für Enodia Dahlb. ein, weil letzte-
rer Name schon von Hübner bei den Lepidopteren vergeben ist;
eine solche Acnderung ist aber nicht nölhig, da Enodia Hübn. weder
charakterisirt noch in Gebrauch gekommen ist. Die Trennung von
Enodia mit 3, Priononyx mit 4 und Harpactopus mit 2 Zähnen an den
Klauen ist bei Uebereinstimmung der übrigen Charaktere kaum ralh-
sam ; übrigens ist zu bemerken, dass bei Priononyx nicht wie Dahl-
bom und Smith angeben, 4 sondern im Grunde 5 Kerbzähne an
den Klauen wahrzunehmen sind.
l^ompilidae* Dahlbom gab (Annales de la soc. enlom.
IV. p. 345 ff.) eine Beschreibung des von ihm in den Hymenopt. Eu-
rop. L mit dem Namen Clenocerus Klugii bezeichneten Insektes, wel-
che jedoch in Bezug auf die generischen Charaktere durchaus unzu-
länglich ist. — Lucas (ebenda p. 349) suchte in einer „Note sur les
caracteres qui differentient le genre Clavelia Luc. de celui de Cleno-
cerus Dahlb." mit Bezug auf die Dahlbom'sche Beschreibung die An-
sicht geltend zu machen, dass beide Gattungen verschieden seien,
irrt sich jedoch hierin. Die beiden Exemplare des hiesigen Museums,
welche der Art nach von der Lucas'schen Clavelia pompiliformis ver-
schieden sind, gehören entschieden derselben Gattung an, und sind
fortan als Clavelia Klugii zu bezeichnen. Die zweite und dritte Sub-
während des Jalires 1856. 393
raarginalzelle der Vorderflügel sind zwar etwas länglicher als in der
Lucas'schen Abbildung, sonst aber nicht wesentlich abweichend; die
Maxillar - und Labialpalpen, welche deutlich zu Tage liegen, stimmen
sogar mit der Lucas'schen Zeichnung genau überein; die Fühlerglie-
der sind vom dritten bis zwölften (in der Lucas'schen Abbildung
fehlt das kurze zweite Glied, welches allen Pompiliden zukommt und
bei der vorliegenden Gattung ebenfalls vorhanden ist) wie dort zwei™
ästig, nur die äusseren Aeste merklich länger als die inneren; die-
ser Unterschied muss aber um so mehr als ein specifischer angese-
hen werden , als die Fühlerglieder der hiesigen Capensischen Art
gerade, wie sie Lucas bezeichnet, „contournes" sind. Die Kürze des
Hinterleibs , die gegen die Lucas'sche Figur nicht einmal auiTäliig
absticht, kann allein keinen Grund zur generischen Abtrennung ge-
ben; die Flügel bei Ctenocerus sind nicht länger als bei Clavelia.
Bleterog'yna« Sehr interessant ist die Beobachtung von
Giraud (Verhandlungen d. zoolog. - botan. Vereins VL p. 180}, dass
Scleroderma domestica Latr. als Weibchen zu Pristocera depressa Klug
gehört; beide wurden bei Wien in Begattung gefangen. Es ßndet
also hier ein gleiches Grössen - und Formverhältniss wie bei Ale-
thoca, Thynnus und auch wie bei Myzine (wo das Weibchen Meria
nur geflügelt ist) statt, und es sind nunmehr bis auf Theocolax Weslw.,
wo das Männchen noch unbekannt ist, die auQ'allendsten Heterogy-
nen-Forraen nach beiden Geschlechtern festgestellt.
Derselbe (ebenda p. 182) glaubt Bethylus ruficornis Klug für
identisch mit Ephyris niger Westw. halten zu dürfen ; letztere Gat-
tung und Art hat jedoch ihre Stellung unter den Pröctotrupiern und
Bethylus ruficornis Klug gehört entschieden nicht dazu, da er eine
Tiphia und gleich Tiphia ruficornis Lepell. ist. — Derselbe (p. 183)
fand Myrmosa nigra Lepell. (atra Panz.) an gleichen Orten mit M.
brunnipes Lepell. und hält sie daher für Mann und Weib. (Dies ist
bei dem gemeinsamen Vorkommen beider Arten in vielen Gegenden
wohl nicht mehr zweifelhaft und auch schon von Smith so ano-e-
nommen ; der Name der Art ist aber zu ändern, da sich die Tiphia
villosa Fabr. nach Vergleich, des Original - Exemplars als identisch
mit Myrmosa atra Panz. herausgestellt ha^ und daher die Benennung
Myrmosa villosa Fabr. (^ atra Panz., nigra Latr., ^ melanocephala
Latr., brunnipes Lepell.) einzuführen ist.) — Demzufolge ist die An-
nahme .von] Giraud (ebenda p. 183) , däss Tiphia villosa Fab. das
ölännchen der Tiphia femorata Fab. sei, ebenso irrig wie die gleiche
von Shuckard; auch Bethylus ater Klug gehört nicht als Männ-
chen zu Tiphia femorata, sondern tritt der Tiphia morio Fab. sehr
nahe, mit der sie vielleicht zusammenfällt. Dem Bef. liegen von
Tiphia femorata Männchen und Weibchen mit rothgefärbten Mittel -
und Uiüterschenkeln vor. — In Betreff von Myrmosa mag noch er-
394 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
wähnt sein, dass als zweite Art zu derselben der Hylaeus thoracicus
Fabr. aus Italien , nur irn männlichen Geschlechte bekannt und nach
dem Fabricius'schen Originalexemplare verglichen , gehört.
Formicariaft*. Die schon im vorigen Jahresberichte (p. 109)
beiläufig erwähnte Arbeit Kyl and er's über die französischen Arten
dieser Familie ist in den Annales des sciences naturelles V. p. 51 —
109. pl. 3 unter dem Titel : „Synopsis des Formicides de France et
d'Algerie" erschienen. Der Verf. glaubt geringfügigere Unterschiede
in der Körpcrbildung, wie sie von Förster, Curtis und Mayr zur
Aufstellung von Gattungen benutzt worden sind, passender als Gruppen-
Charaktere verwerthen zu können und schränkt daher die Zahl der
ersteren seinen Vorgängern gegenüber wieder sehr ein ; es werden
z. B. Tapinoma Foerst. und Hypoclinea Foerst. wieder mit Formica
vereinigt und die von Curtis und Mayr auf Kosten von Myrniica
errichteten Gattungen eingezogen. Die Beschreibungen der Arten hat
der Verf. kurz, fast diagnosen-artig gehalten, ohne ihnen jedoch da-
durch etwas von ihrer Brauchbarkeit beim Bestimmen zu raubeii,
indem die wesentlichen Charaktere stets sehr scharf und präcis darin
hervorgehoben sind; eine weitläuhge Beschreibung war übrigens um
so weniger geboten , als einerseits der grösste Theil der Arten be-
reits bekannt war, andererseits die zunächst verwandten zu einer
Anzahl von Gruppen vereinigt worden sind, deren natürliche Cha-
raktere noch besonders auseinandergesetzt werden. Eine beifolgende
Tafel erläutert ausserdem durch zahlreiche Abbildungen die Eigen-
thümlichkeiten in der Bildung der Fühler, der Mundtheile und Flügel.
Es sind nach Nylander folgende Gattungen in Frankreich und Al-
gier vertreten : 1) Formica durch 35 Arten , davon neu : F. opaca
(Savigny, Atlas) aus Süd-F^rankreich und Algier, micans aus Algier,
fallax von Montpellier, nassula aus Süd - Frankreich , nigerrima von
Montpellier und gracilescens in den Treibhäusern des Jardin des plan-
les (also eingeführt). — 2) Polyergus 1 Art. — 3) Ponera 1 Art
4) Typhlopona l Art (Algier). — 5) Myrmica 29 Arten, davon neu:
M. scnlplurata aus Algier , angushila aus Süd-Frankreich , simplicius^
cula aus der Umgegend von Paris, recedetis aus Süd- Frankreich. An-
hangsweise wird Myrmica rusmla als neue Art von St. Domingo be-
schrieben). — 6) Strongylognathus 1 Art. — Weben den als neu be-
schriebenen Arten machen auch die zahlreichen kritischen und syno-
nymischen Bemerkungen des Verf. , von denen seine Beschreibungen
begleitet sind, die Arbeit für das Artenstudium der Familie wichtig;
auch das Heranziehen der Algerischen Arten hat sich in sofern von
Nutzen erwiesen, als mehrere der aus Süd-Europa beschriebenen mit
ihnen zusammenfallen. In Betreff der letzteren hat Nylander
jedoch ebenso wie Mayr (Formicina austriaca) eine kleine Arbeit
von Leacb au beachten versäumt, welche (in Vigors ZoologicalJour-
während des Jahres 1856. 395
nal Vol. II enthalten) eine Beschreibung von dreizehn bei Kixza vor-
kommenden Ameisen enthält, und in welcher vielleicht schon man-
che der von beiden Verf. als neu beschriebenen Arten anders benannt
sein mag.
31 a y r (Verhandlungen des zoolog.-lDOtan. Vereins in Wien VI.
p. 178) zählte 21 aus Ungarn bekannt gewordene Ameisen auf: 15
Formica, 1 Tapinoma, l Hypoclinea, I Ponera, 1 Myrmica, 1 Lepto-
thorax, l Diphiorhoptrum. Die südlichen iwei Driltlheile Ungarn's
schliessen sich in Bezug auf die Ameisen der südeuropäischen
Fauna an.
Sehen ck (Jahrbücher des Vereins f. Naturk. im Herzoglhum
Nassau XI. p. 90 ff.) gab eine systematische Uebersicht der früher
von ihm zusammengestellten Nassauischen Ameisen nach der Mayr*-
schen Eintheilung in Gattungen und berichtigte die Synonymie nach
Vergleich von Originalexemplarcn. Es kommen hiernach im Herzog-
lhum Nassau vor: 19 Form.ica , 2 Tapinoma, 1 Polyergus, 1 i'onera,
5 Myrmica, l Myrmecina, 2 Tetramorium, 8 Leptothorax, 1 Diplorho-
plrum, 2 Atta, 1 Strongyiognathus.
Nylander (Bullet, d. I. soc. enlomol. p. LXXVllI) gab eine
Uebersicht der auf dem Mont-Dor von ihm beobachteten Formicinen ;
CS sind 7 Formica und 7 Myrmica-Arten.
Derselbe (ebenda p. XXVIli) diagnosticirte als neue Art:
Formica fTapinomaJ gracilescens ^ welche in den Treibhäusern des
Jardin des plantes zu Paris lebt. Zugleich giebt er die Notiz, dass
Calagliphis Fairmairei Forst, das ülännchen von Formica viatica Fab.,
so wie dass Aphaenogaster senilis Mayr mit JMyrmica testaceo - pilosa
Lucas identisch sei. In Bezug auf letztere Art stimmt auch Lucas
(ebenda p. XXXIV) der Ansicht Nylander's bei.
Nach Leon Dufour (Annales d.i. soc. entomol. IV. p. 341 ff.)
ist Atta capitata Latr. mit Formica barbara Lin. identisch; nach Lu-
cas (Bulletin d. 1. soc. entomol. p. XXj ist Myrmica Algerica Luc.
gleich Crematogasler scutellaris Oliv ; nach Sichel (ebenda p. XXXI)
ist Formica aliena Forst, nur eine Varietät von F'orm. flava Fabr.,
welche beide Arten am selbigen Tage in grosser Menge gemeinschaft-
lich flogen.
Einige neue Nord - Amerikanische Ameisen wurden von Asa
Fitch (Report on the noxious Insects of the State of New- York
p. G2, 151, 130 ff.) beschrieben: Formica ISovaeboracensis nur in Ar-
beitern bekannt, der F. herculeana nahestehend; Formica Canjae, mit
F. subsericea Say verwandt, in allen drei Geschlechtern beschrieben,
gräbt Gallerien im Nord- Amerikanischen Wallnussbaum , Myrmica
Cerasif in Neutris beschrieben, lebt in Gesellschaft der Aphis Cerasi
auf Kirschbäumen.
Cltrysididae* Schenck, ßeschreibung der in Nassau auf<*
596 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
gefundenen Goldwespen (Chrysidida) nebst einer Einleitung über die
Familie im Allgemeinen und einer liurzen Beschreibung der übrigen
deutschen Arten. (Jahrbücher des Vereins für Naturkunde im Her-
zogthum Nassau XI. p. 13 — 89.) — Der Verf. geht zunächst auf eine
ausführliche Schilderung des äusseren Körperbaues der Familie im
Allgemeinen ein, stellt die bisher über die Lebensweise der ersten
Stände gemachten Beobachtungen zusammen, analysirt die von Klug
und Dahlbom aufgestellten systematischen Eintheilungen der Chry-
siden, führt einige von letzteren aufgestellte Gattungen auf die zuvor
von Förster begründeten zurück und bringt zuletzt die von ihm
selbst angenommenen unter eine analytische Tabelle. Letztere sind:
Chrysis, Hedychrum, Holopyga, Ellampus (Ümalus et EUampus Dahlb.),
Kotozus (Ellampus pars Dahlb.) und Cleptes. Sodann folgt die aus-
führliche Beschreibung der in Nassau aufgefundenen Arten dieser
Gattungen, deren Zahl sich nach dem Verf. auf 40 stellt, jedoch in
Betracht, dass mehrfach unbedeutende Abänderungen in Sculptur und
Färbung als eigene Species (deren Berechtigung der Verf. meist selbst
nach der Beschreibung bezweifelt) aufgestellt worden sind, bedeutend
zu reduciren sein würde. In keiner Familie der Hymenopteren ist
die Aufstellung neuer Arten nach einzelnen Exemplaren so zu ver-
meiden, wie in der vorliegenden, da fast alle in Grösse, Färbung und
Skulptur sehr beträchtlichen Verschiedenheiten unterworfen sind, die
sich bei Vergleich grösserer Reihen leicht als individuelle ergeben.
— Chrysis 18 A, {Chr. vüripennis , impressa , ^racilis , brevidentataf
inarginalis j ornala als neu beschrieben), Hedychrum 4, Holopyga 4
(W. splendidula und varia neu), Ellampus 5 {E. pygmaeus neu), Noto-
zus 7 (iV. affinis, elongatus ^ pulchellus und minutulus neu), Cleptes 2.
— Zum Schlüsse führt der Verf. noch die deutschen Chrysiden in
einer analytischen Tabelle auf: 32 Chrysis, 1 Chrysogona, 2 Stilbum,
I Euchroeus, 1 Farnopes, 11 Hedychrum, 5 Holopyga, 7 Ellampus,
II Notozus, 2 Cleptes. — Unter den von Schenck als neu aufge-
stellten Arten lassen sich Ckrysis vüripennis, impressa^ gracilis, angu-
slula und bretidentala nach den Beschreibungen mit Sicherheit als
Abänderungen der Chrys. ignita Lin. erkennen, Chrys. marginalis ist
analis Spin, und ornata mit splendidula Rossi (rutilans Encycl.) iden-
tisch. Notozus affinis und pulchellus sind jedenfalls nicht von Ellam-
pus Panzeri Latr. verschieden ; von mehreren anderen Arten ist eine
Identität mit bereits bekannten zu vermuthen, w^enn auch nach den Be-
schreibungen nicht festzustellen.
Fahre (Annales d. scienc. natur. VI. p. 188) erhielt aus den
Cocons eines Anthidium und aus denen derTachylcs tarsina ein klei-
nes Hedychrum und schliesst hieraus, dass die Chrysiden ihre Eier
in den Körper anderer Hymenopteren- Larven legen, was bisher be-
stritten worden ist. (?)
während des Jahres 1856. 397
Clialcidiae« Coquebert, „Sur un Chalcidite parasite
d'une Mante de l'ile Bourbon« (Annales de la soc. entomol. IV.
p. 505 fF. pl. 15. fig. 1 a) gab eine Beschreibung und Abbildung einer
neuen Art Priomerus insidiosiis , welche parasitisch in den Eiern der
auf Isle Bourbon einheimischen Mantis pustulata lebt. Die Weibchen
dieser Art verbergen sich unter den Flügeldecken der Mantis zwi-
schen den Hinterflügeln und kommen während des Eierlegens hervor,
um in die noch weiche Eierkapsel ihre eigenen Eier abzusetzen. (Die
von Coquerel beschriebene und abgebildete Art würde zur Gat-
tung Palmon Dalm. gehören, deren 10 von Westwood bekannt
gemachte Arten sämmtlich in den Eiern von Mantis - Arten parasiti-
ren. Der Verf. scheint von der Westwood'schen Arbeit niclits zu
wissen, indem er die in der Introduct. mod. classif. erwähnten Arten
von Isle de France als nicht beschrieben bezeichnet; ein Vergleich
der Coquerel'schen Art mit den beiden von Westwood beschrie-
benen ergiebt übrigens die Selbstständigkeit der ersteren. Ref.)
Einige neue Kord-Amerikanische Arten wurden von Asa Fitch
(Report on the noxious Insects of the State of New -York p. 200)
beschrieben : Cleonymus Clisiocampae lebt parasitisch in den Raupen
von Clisiocampa sylvalica Harris; Trichogramma (?) orgyiae aus der
Raupe von Orgyia leucostigma Abbot erzogen und Trick, fraleitia;
die beiden letzteren sind vom Verf. schon früher in einer Nord-Ame-
rikanischen landwirthschaftlichen Zeitschrift „The Country Gentleman"
beschrieben worden , ihre Beschreibung aber hier nochmals wieder-
gegeben.
Nees V. Esenbeck (Jahresheft d. Krainischen Landesmuseum,
Laybach 1856. p. 31) lieferte die Beschreibung einer neuen Art: Si~
fhonura Schmidtii, welche von F. Schmidt aus hrainer Gallen er-
zogen wurde, in denen sie wahrscheinlich parasitisch von Cynips-Lar-
ven lebt. (Dass die Larve der Siphonura, wie hier gemuthmasst wird,
sich von der Gallensubstanz nährt, ist gewiss nicht anzunehmen.)
Chalcis rufofemorata wurde als fragliche neue Art von Ro-
senhauer (Thiere Andalusiens p. 375) diagnosticirt.
Von Giraud (Verhandl. d» zoolog.-botan. Vereins in Wien Vf.
p. 185) wurde eine zweite Art der Gattung Elasmus Weslw. unter
dem Namen Elasmus Weslwoodii beschrieben; sie stammt aus der Um-
gegend von Wien und wurde aus kleinen Gallen von Populus tre-
mula, deren Erzeuger unbekannt ist, erzogen.
In Bezug auf den im vorigen Jahresberichte (p. 115) erwähnten
Dicelloceras vibrans Menz. (Encyrtus platycerus Dalm.) sind die von
Ruthe und Reinhard (Entomol. Zeitung p. 46 und 107) bekannt
gemachten Beschreibungen derselben oder einer wenigstens nahe ver-
wandten Art derselben Gattung zu vergleichen. Reinhard giebt qj^
398 Gerslaecker: Bericht üb, d. Leistungen in d. Entomologie
der ihm vorliegenden Art einige Abweichungen von der Menzel'schen
Beschreibung an und rechnet sie zur Gattung Eupelmus Dalm.
Nach Reinhard (Entomol. Zeitung p. 107) ist Pteromalus fas-
ciculatus Forst, mit Mesopolobus fasciiventris Westw. identisch.
Cynipädae* Neue Arten aus Andalusien sind: Cynips His-
panica j Rosenhaueri , picla und Synergus scaber Hartig (in Rosen-
hauer's Thiere Andalusiens p. 373 iF. beschrieben).
Nach Giraud (Verhandl. d. zoolog.-bolan, Vereins in Wien VI.
p. 186) ist Onychia bicolor Eonsc. Dahlb. schon von de Vi Hers als
ienlhredo scutellata beschrieben worden und muss daher Onychia
scutcUata heisscn ; Onychia aculeata Dahlb. hält er für identisch mit
Figites spinosa F"onscol.
F. Schmidt erzog aus Gallen von Cynips lignicola ausser
dieser /^rt noch folgende darin parasitisch lebende Insekten, deren
Larven sich theils von der Gallensubstanz , theils von der Cynips-
Larve ernähren möchten: Syuergus Uaineanus Ratz., Eurytoma si-
gnata Nees, Istriana Koll,, Siphonura Schmidtii Nees, Pteromalus dila.
latus Koll., Torymus puparum Nees und einen Tortrix: Carpocapsa
Kokeilana Freyer.
Iciineuinonidae« Ho Imgren hat in einer Abhandlung
„Entomologiska anteckningar under en resa i södra Sverige ar 1854"
(Kongl. Vetensk. Akad. llandling. för 5r 1854 , Stockholm 1856. p. 1
— 104) eine Uebersicht der im südlichen Schweden vorkommenden
Ichneumoniden gegeben und sämmtliche von ihm aufgefundenen Ar-
ten, gleichviel ob bereits beschrieben oder neu , durch kurze lateini-
sche Beschreibungen charakterisirt; letzteren folgt ausserdem noch
eine Auseinandersetzung der Unterschiede von den zunächst verwand-
ten, in schwedischer Sprache. Der Inhalt der Arbeit ist folgender:
1) Compressiventres : Campoplex 35 Arten, davon neu: C. areolalor,
nilidulalor^ validicornis, fallax, fumipenniSy antennalor, minutus, pectOm
raliSf sericeus, juniperinus, fuscipes, incrassalor^ lUoralis und stagnaliSf
Paniscus 2 A., Cremaslus 2, Porizon 3, Ophion 2, Trachynotus J,
Anomalon 4 (/l. Wesmaeli neu), Pachymerus 1, Exetastes 4, Banchus 2.
2) Ichneumonides (die Gattungen sind hier nach Wesmael ange-
nommen und aufgeführt): Ichneumon 28, neu: /. cvrvineivis, Hoplis-
menus 1, Amblyteles 10, Hepiopelmus 1, Trogus l, Platylabus 2,
Herpestomus 1, Colpognathus 1, Centeterus 1, Phaeogenes 7, Aethe-
cerus 1, Dladromus 2, Alomya 1. — 3) Crypti: Macrohalus n. g. auf
Cryptus macrohalus Grav. gegründet, dessen Namen in M. clavalor
umgeändert wird; Cryptus l7 (C. Bohemani neu), Phygadeuon 6,
Ilemileles 7 (/V. nasulus neu) , Mesochrous 3 (if/. gibbulus neu), Ple-
ctiscus 2, Pezomachus 1. — 4) Tryphonides: Perilissus 1, Priopoda
n. g. , auf Mesoleptus sticticus und xanthospanus Grav. gegründet,
während des Jahres 1856. 399
Mesoleplus 15, davon neu : M. foveolalor {Mes. nemoralis var. 3. Grav.),
afßniSf gracilis , paludicola (Mes. typhae var. 5. Grav.) und macroda^
cftjlus; Lasiops n. ff. auf Tryphon pilosellus Grav. gegründet, Meso-
leius n. g. auf mehrere Gravenhorst'sche Tryphonen , z. B. Tr. nigri-
coUis, erythroeerus u. s. w. gegründet , mit 8 Arten, wovon 31. mc^
ridionalis neu: Exenterus 4 {E. bimaculalus und limbalus neu), Exy-
ston 1, Polyblastus 6 (P. caudalus, laevigalus neu) , Tryphon 10 (7r.
hicormttus, confinis, trisculplus^ fuscicornis neu), Exochus 4 (E. flovo~
marginalus neu), Colpolrochia n. g. , auf lehn, elegantulus Schrank
gegründet, Moiiopleclron n. g. mit einer neuen Art: M. zygaenalor^
Bassus 12 (ß. arcoialus neu). — 5) Pimplariae: Ephialles 2, Pim-
pla 12 (P. variabilis neu), Polysphincla 3, Phytodiaetus 2 (Vh. albipes
neu), Cylloceria 2, Lissonota 12 (L. dubia neu), Clislopyga 2 (C. ru-
falor neu , Glypta 6 (Gl. albifrons neu).
Derselbe lieferte (Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad. För-
handl. 1856. p. 69 ff.) neben einer Charakteristik der Gattung Schizo-
pyga Grav. die Beschreibung von vier in Schweden vorkommenden
Arten derselben: Seh. podagrica und analis Grav. mit schwarzem Ge-
sichte beim Weibchen, varipes und flavifrons als neue Arten mit gel-
bem Gesichte in beiden Geschlechtern.
Die in England vorkommenden Ichneumoniden sind von Des-
vignes im Catalogue of British Ichneumonidae in the collection of
the British Museum (siehe oben!) verzeichnet worden und die vom
Verf. als neu angesehenen Arten beschrieben. Die einzelnen Gat-
tungen sind in England folgendermassen vertreten : I<:hneumon 167
Arten (davon neu: I. maculwenlris, obalor, crassoriusy relucenSf lenla..
toriuSf ßavocinctuSf minutorius, binotatus, nivcaltis, rubedinisjj Pristice«
ros 1, Ischnus 3, Slilpnus 5, Brachypterus !, Mesoleplus 48 (i>/. un~
decininolalus neu) , Tryphon 6l (Tr. Scolicus und bimaculalus neu',
Cteniscus 10, Exochus 17, Scolobates 2, Chyronomon J, Sphinctus 1,
Trogus 4, Plalylabus 2, Apacleticus 1, Alomya 1, Hopiismenus 7 (//.
semirnfus neu), Cryptus 58 {Cr. rußceps, tumidus, elegatis, sanguinalor
und rufoniger neu), Phygadeuon 25, Mesostenus 3, llemiteles 15,
Agriotypus 1, Pezomachus 23, Phytodiaetus.il [Ph. obscurus und or-
nalus neu), Isehnoceros 1, Mesochrous 15, Plectiscus 3, Helictes 4,
Glypta 18 (G/. femoralor ^ bicornis , pedala, nigrinay ßavipes^ rußceps^
lineala neu), Lamproiiota 25 (L. fulvipes, frontalis, notabilis, scmirufa^
varipes neu), Polysphincta 3, Schizopyga 3, Clistopyga 3, Pimpla 18,
Ephialtes il (E. rußcolUs neu), Rhyssa 1, Melopius 3, Bassus 19
(ß. compressus neu), Orthocentrus 3, Euceros 3, Banchus 4, Exeta-
stes 12 (£. femoralor, mai^rus, facialis neu), Aroles 1, Macrocoleus 1,
Campoplex 44 (C placidus^ Henaultii, myrlillus , tomentosus neu), Pa-
niscus 4, Anomalen 18 (A. capilalum , mirabile , inlerrupliwi neu"),
Ophion 9, Trachynolus 1, Pachymerus 1, Pristomerus 1, Cremaslus 5,
400 Gerslaecker: Bericht üb. d Lcisluogen in d. Entomologie
Porizon 9, Atractodes 2, Acoenites 1, Xylonomus 4 (X ruslicus neu\
Xorides 3 (A'. scutellaris neu), Eclhrus 1.
Von Asa Fi ich (Report on the noxious Insects of New-York
p, 269) wurde Phygadeuon Planosae als neue Art aus Nord - Amerika
beschrieben; sie lebt parasitisch in der Raupe von Planosa Laricis.
Nach Sichel (Bulletin de la soc. entomol. p. LXXYII) sind
Lissonota insignita Grav. und verberans Grav. Männchen und Weib-
chen derselben Art, ebenso ßanchus ornatus Grav. das Männchen zu
B. rufipes Grav. (Fem.) ; letztere beide wurden in Begattung ge-
funden.
Azambre (Bulletin de la soc. entomol. p. XXV) hat Ichneumon
rußnus Grav. aus den Puppen von Ophiusa illunaris (Raupe auf Ta-
niarix in Italien lebend) erzogen.
ISraconitles. Prodromus einer Monographie der Gattung
Microctonus W'esmael von J. Ruthe (Entomol. Zeitung p. 289— 308j.
Der Verf. liefert hier eine sehr sorgfältige Beschreibung von 33 in
der Berliner Umgegend von ihm aufgefundenen Microctonus-Arten,
von denen nur 9 von Wesmael und Nees v. Esenbeck bereits
beschrieben waren, alle übrigen dagegen neu sind. Nach einer Fest-
stellung der Gattungs - Charaktere reiht der Verf. die Arten in einer
analytischen Tabelle aneinander, welcher in erster Instanz die Ver-
schiedenheiten im Fiügelgeäder zu Grunde gelegt sind ; die Arten
zerfallen nämlich 1) in solche , wo die erste Cubital - und die äus-
sere DisUoidalzelle durch keinen Nerv getrennt sind und also in ein-
ander münden (iS Arten) und 2) in solche, wo die erste Cubitalzelle
durch deutliche Nerven von der äusseren Diskoidalzelle geschieden
ist (i5 Arten). Eine weitere Eintheilung der Arten wird nach dem
Verlaufe und der Länge des Radius u. s. w. vorgenommen. — Die
Arbeit giebt nicht nur von der Reichhaltigkeit der Sammlung des
Verf. in dieser Abtheilung der Hymenopteren, sondern auch für seine
vorzügliche Befähigung für dergleichen Arbeiten das beste Zeugniss.
Einige neue Arten aus Nord-Amerika wurden von Asa Fitch
(Report on the noxious Insects of New-York p. 136 ft".) bekannt ge-
macht: Aphidius LactucaphiSf Praon PulygonaphiSf Viburnaphis f Trioxijs
Salicaphis , Populaphis und Cerasaphis , alle aus Blattläusen erzogen,
deren Nahrungspflanze durch den Namen der Schmarotzer bezeich-
net wird.
Coquerel, Parasites de la larve du Macrotoma corticinum
(Annales de la soc. entomol. IV. p. 508 ff.) beschrieb als neue Art:
Agalkis crudelis von Madagascar und bildete dieselbe nebst ihrer
Larve auf pl. 15. fig. 2 und 3 ab ; dieselbe lebt parasitisch in der
Larve von Macrotoma corticinum,
l^eittUf-eflijaeifie. Sichel (Bulletin de la §qc. entomol.
während des Jahres 1856. 401
p. LXXYII) diagnosticirte Abia aurulenla als neue Art aus Piemont nach
beiden Geschlechtern; das Männchen hat keine schwarze Sammetbinde
des Hinlerleibs.
Giraud (Verhandlungen des zoolog. -bolan. Vereins in Wien
VI. p. 187) setzte die Synonymic von Nematus abdominalis und Mo-
nophadnus abdominalis auseinander. Zu ersterer Art gehören : Tenthr.
abdominalis Panz , Nemat. fuscipennis Lepell., Wem, ventralis Hartig;
zu letzlerer: Hyloloma abdominalis Fab. , Tenthr. ventralis Panz.,
Athalia abdominalis Lepell. und vielleicht Tenthr. croceiventris Klug.
I>iptera.
Von Bigol's ^Essai d'une Classification generale et
synoptique de Tordre des Insectes Dipteres" ist in den An-
nales de la SOG. entomol. de France IV. p. 51 — 91 eine vierte
Abtheilung erschienen, in welcher eine analytische Ueber-
sicht der Gallungen gegeben wird, welche die P'amilien „Ta-
banidii, Nemesirinidii, Cyrlidil et Leptidii" des Verf. zusam-
mensetzen. Dieser Uebersicht wird eine Verlheidigung ge-
gen die von Loew (Jahresbericht 1852) geüble Kritik, vvel-/
che die systematischen Versuche des Verf. betrifft, voraus-
geschickt, aus der aber nur hervorgeht, dass ßigot durch
seine dipterologischen Studien noch keineswegs zu der Ue-
berzeugung geliommen ist, dass eine natürliche Systematik
die allein anzustrebende sein muss. Dies geht z. B. aus der
von ihm ausgesprochenen Ansicht hervor, dass eine rudimen-
täre oder modificirte mittlere Pelotte für ihn keine wirkliche
ist, und dass er sich durchaus im Recht glaubt, wenn er das
Vorhandensein von zwei resp. drei ausgebildeten Pelolten
zur Aufstellung und Abgränzung grösserer Abtheilungen be-
nutzt. Gegen solche künstliche Systeme wird übrigens gewiss
Niemand etwas einzuwenden haben, wenn sich der Verfasser
selbst durch dieselben befriedigt fühlt; aber freilich müsste
er dann nicht (p. 52) von seiner Eintheilung rühmen, dass
sie nicht künstlicher sei als die von Latreille, und dass
sich nach derselben eine Bestimmung der Gattungen leichler
und sicherer bewerkstelligen lasse als nach irgend einer
früheren ; denn dass in seinen analytischen Tabellen mehr
Gattungen enthalten sind, als in früheren Arbeiten , ist doch
wahrlich nicht sein Verdienst und überdem fehlen in densel-
Archiv f. Naturgesch. XXIII. Jahrg. 2. Bd. J^^
40!l Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
ben noch gerade hinreichend viele der bekannten. Die Neue-
rungen, welche der Verf. macht, beruhen zujn Theil auf den
gröbsten Missgriffen und 'Beobachtungsfehlern und sind gröss-
tentlieils ohne irgend welche Berechtigung, wie dies die
gleich zu erörternden speciellen P'älle zeigen werden. Die
Zusammenstellung der analytischen Uebersichten, welche frei-
lich nur die dem Verf. bekannten Gattungen enthalten — die
ihm unbekannten werden oft sehr eigenthümlich beurtheilt —
kann Fleiss und guter Wille nur zuerkannt werden, jedoch
man ersieht daraus keinen rechten Zweck, da die bereits
bekannten Gattungen sich nach den Beschreibungen der frü-
heren Autoren viel besser beurtheilen lassen : die wenigen
neuen hätten aber auch ohne jene Zuthal beschrieben wer-
den können, nur müssten sie besser begründet sein, als es
hier geschehen ist.
Eine der sonderbarsten Ansichten Bigot's ist die, dnss die
Henopier-Gattung Philopota nur zwei Pelotten hat (während drei sehr
deutliche vorhanden sind) und dass er sie aus diesem Grunde aus
jener Familie zu entfernen und sie den „Empiden oder Bombyliern" (!)
beizuordnen gesonnen ist (p. 65). — In derselben Familie glaubt er
auf den Panops ocelliger Wied. eine eigene Gattung Vertexistemma
(horribile dictu !) begründen zu müssen, weil diese Art Ocellen habe
und die Fühler bei ihr dicht über der Mundöffnung eingelenkt seien:
als wenn beide Merkmale nicht den übrigen Arten der Gattung (La-
sia Er.) ebenfalls zukämen, nur dass die ücellen bei diesen kleiner
sind und nicht erhaben liegen (p. 65). — Die Gattung Chauna Loew
wird als zu den Leptiden gehörig angesehen ! (p. 66) — Von Atherix
will der Verf. gewisse Arten (welche?, wird nicht gesagt) als eigene
Gattung Pe/ecÄoif/ocero (gewiss eine sehr mysteriöse Benennung!) ab-
trennen , weil bei ihnen das letzte Fühlerglied nach unten „sehr
merkwürdig erweitert" ist ; bei den Meigen'schen Arten ist es aber
durchweg nach unten erweitert (p. 66). — Die Odontomyien mit un-
bewaffnetem Schildchen will er als eigene Gattung Inermyia (!) ab-
trennen und zwar wird als Beispiel 0. edentula ^Yied. angeführt, die
jedoch zu Cyclogaster Macq. gehört; ander», wie 0. inermis Wied.
lassen sich aber auf dieses Merkmal hin nicht von ihren Verwandten
(0. 41ineata, pulchra , fenestrata u. s. w.) trennen (p. 62). — Die
Gattung Xenomorpha Macq. , über w^elche Ref. dem Verf. mittheiien
kann, dass sie mit Chiromyza Wied. zusammenfällt , soll zu den Xy-
lophagen gehören, von denen sie aber durch die bei der Flügelspitze
aufhörende Randader und überhaupt durch das Flügelgeäder sehr ab-
weicht (p. 62). ~ Die einzige begründete von den neuen Gattungen
während des Jahres 1856. 403
des Verf. ist Tahanocella (p. 62), für Silvias dentlcornis Wied. errich-
tet, mit welcher Art , beiläufig bemerkt , Dichelacera binotala Macq.
identisch ist. — Zwei andere angezeigte Gattungen, Heleroxycera und
PediceUa, erstere eine Abzweigung von Oxycera, letztere von Sargus
(p. 63) sind nicht näher erörtert und für dieselben nicht einmal be-
stimmte Arten angegeben. — Nach diesen unglücklichen Versuchen
scheint der Verf. wohl schwerlich zum Reformator der dipterologi-
schen Systematik berufen zu sein.
Insecta ßrilannica. Dipfera Vol. 111, by Francis Wal-
ker, London 1856. (8. 352 pag. , pl. XXI— XXX.) — Der
vorliegende dritte Band der Englischen Dipteren, welcher den
Schluss des Werkes bildet, enthält die Familie der Pulicidae
und die grosse Abtheilung der Nemocera in umfassender Be-
arbeitung und ist in Betreff der Artenkenntniss der inländi-
schen Tipularien, deren eine beträchtliche Anzahl neuer cha-
rakterisirt wird, für die Dipterologen von grosser Wichtig-
keit. Die Arienbeschreibungen sind wie in den beiden früheren
Bänden meist von Walker verfasst , die allgemeinen Be-
merkungen über Gattungen und Familien dagegen eine Zu-
gabe H a 1 i d a y's, der zugleich eine Reihe von Verbesserungen
und Zusätzen zu den beiden ersten Theilen geliefert hat. Die
für diesen dritten Band zugesagte Einleitung in das Studium
der Englischen Dipteren ist in der Aussicht auf einen Sup-
plementband weggelassen worden. Zehn sehr schön von
W est wo od auf Stein gezeichnete Tafeln bilden eine beson-
dere Zierde des Werkes; sie enthalten die Hauptrepräsentan-
ten der einzelnen Gruppen und Gattungen sehr charakteri-
stisch abgebildet und geben ausserdem zahlreiche Darstellungen
einzelner wichtiger Körpertheile. — Was die Behandlung des
Stoffes vonseiten des Verf. betrifft, so ist dieselbe je nach der
grösseren oder geringeren Schwierigkert der einzelnen Grup-
pen und Gattungen eine sehr verschiedene. Unter der Gat-
tung ChiroHomus, welche 195 Englische Arten umfasst, wer-
den allein 99 als neu hingestellt, jedoch nur mit kurzen,
dreireihigen Diagnosen versehen, welche in Betracht der
Aehnlichkeit und Schwierigkeit der Unterscheidung, wie sie
unter den zahllosen Arten dieser Gattuncr Statt hat, wirklich
einen lächerlichen Eindruck machen müssen; und dabei ist
dem Verf. eine grosse Anzahl beschriebener Arien, die als
in England vorkommend bezeichnet worden sind, unbekannt
404 Gerstaecker; Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie ~
oder zweifelhaft geblieben ! Was unter den Gattungen Ce-
ratopogon und Cecidoniyia die Ueberselzung der Winnertz'-
schen Beschreibungen von Arten, deren Vorkommen in Eng-
land nicht festgestellt worden ist, in einem Werke über Eng-
lische Dipteren zu Ihun hat, ist dem Ref. nicht klar gewor-
den ; die neben jenen beschriebenen zahlreichen neuen Arten
beider Gattungen erregen dadurch von selbst den Verdacht
eines Mangels an Selbstständigkeit und gehöriger Begründung.
Eine Anzahl neuer Arten verschiedener Gattungen sind von
Haliday beschrieben und deren Charakteristik aus den
Manuskripten dieses bewährten Kenners unverändert aufge-
nommen worden ; während sich diese durch ihre Schärfe und
Klarheit von selbst empfehlen, wird die Bestimmung zahlrei-
cher neuer Arten, welche von Walker in verschiedenen
leichter zu bestimmenden Gattungen aufgestellt worden sind,
je nach der Prägnanz der ihnen eigenen Merkmale mit mehr
oder weniger Sicherheit bewerkstelligt werden können, und
es wird sich eine grössere Anzahl derselben schon deshalb
als neu herausstellen , weil des unbeschriebenen Materials
unter den Nemoceren noch die Fülle vorhanden ist. Da eine
eingehende Besprechung des Werkes von Loew in der Na-
tural hislory review XII. p. 67 — 97 geliefert worden ist, wel-
che auf alle drei Bände ausgedehnt ist, beschränkt sich Ref.
darauf, eine kurze Uebersicht über das in dem vorliegenden
Theile enthaltene Material zu geben. (Siehe Tipulariae!)
C. Rondani hat in den Nuovi Annali delle Scienze
Naturali di Bologna (wahrscheinlich vom J. 1855; der dem
Ref. vorliegende Separalabdruck führt keine Jahreszahl) un-
ter dem Titel : „Ordinamento sistematico dei generi Italiani
degli Insetti Ditteri** eine systematische Uebersicht der in
Italien einheimischen Dipteren-Gattungen zu geben begonnen,
welche jedoch mitten inne abgebrochen wird^ indem sie, wie
der Verf. angiebt, durch die Herausgabe eines grösseren
Werkes, von dem der erste Theil bereits im J. 1856 erschie-
nen ist (Dipterologiae Italicae prodromus Vol. I) überflüssig
gemacht wird. Nachdem der Verf. in einer Einleitung seine
Ansichten über Systematik, systematische Merkmale, über Gat-
tungs- und Artnamen und endlich eine Terminologie des
Flügelgeäders gegeben hat, geht er auf eine Zergliederung
während des Jahres 1856. 405
seiner grossen Abtheilung der Muscidae (Alhericera auct.)
ein und behandelt hier die Familien der Oestraceen und einen
Theil der Syrphici. Letzlere zerfallen nach ihm in Serico-
myellae, Helophilellae, Milesiellae, Syr'phellae, Chrysotoxellae,
Microdonellae, Callicerellae und Ceriellae. Die Charaktere
der einzelnen Galtungen werden in einer 'Tabelle analysirt
und jeder einzelnen als Typus eine bekannte Art beigesellt.
— Das genannte grössere Werk des Verf. hat dem Ref.
bisher noch nicht zur näheren Einsicht vorgelegen, daher
er den Bericht darüber bis zum nächsten Jahre ausset-
zen muss.
Zur Kenntniss der Dipteren-Fauna des tropischen Asiens
sind in diesem Jahre zwei Beiträge geliefert worden :
1) Eerste Bijdrage tot de Kennis der Dipterologische
Fauna van Nederlandsch Indie door C. L. D oleschall.
(Natuurkundig Tijdschrift voor Nederlandsch Indie , uitge-
geven door de Natuurkundig Vereeniging in Nederlandsch
Indie X. 1856. p. 403— 414. 12 lith. Taf.) — Der Verf. giebt
hier eine Aufzählung von 43 Dipteren verschiedener Fami-
lien, sämmtlich auf Java gesammelt und beobachtet, von de-
nen er die meisten (35) als neu ansieht und durch lateinische
Diagnosen charakterisirt ; die übrigen acht sind nach Wie-
demann und Macquart bestimmt. Die Diagnosen der
neuen Arten sind kurz und beschränken sich auf Angabe
der Färbung der einzelnen Körpertheile; obwohl sämmtliche
Arten auf 12 beifolgenden lithographirten Tafeln in vergrös-
sertem Maasse dargestellt und noch durch Detailzeichnungen
erläutert sind, so können ihre Diagnosen als zur Bestimmung
nicht ausreichend erachtet werden. Um sich darüber zu ver-
gewissern , dass die beschriebenen Arten wirklich als neu
anzusehen sind , müsste ein Vergleich^ derselben mit den in
den letzten Bänden von Macquart's Dipteres exotiques und
in den neueren Englischen Arbeiten veröffentlichten vorge-
nommen werden, welche der Verf. nicht gekannt zu haben
scheint; einige derselben Hessen sich jedoch schon auf Wie-
demann'sche Arten zurückführen^ worüber bei den einzelnen
Familien das Nähere mitgetheilt worden ist.
2) Catalogue of the Dipterous Insects collected ad Sin-
gapore and Malacca by Mr. A. R. Wallace, with descri-
406 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
ptions of new species. By F. Walker. (Journal of Ihe
Procoedings of the Lirinean society Vol.I. p. 4 — 39, mit Taf.
1 und 2.) — Eine Aufzählung von 123 Arten von Dipteren,
welche an den genannten Lokalitäten von Wallace ge-
sammelt wurden; ein grosser Thcil derselben ist neu und
hier in Walker's bekannter Art beschrieben. Von den neu
errichteten Gattungen gehört eine den Straliomyiden , alle
übrigen den Muscarien an; das Erkennen derselben, welches
nach den Beschreibungen des Verf. wohl mit einigen Schwie-
rigkeiten verbunden sein möchte, wird durchzwei vonW^est-
wood gezeichnete Tafeln ermöglicht.
Als Vorläufer einer grösseren Arbeit über Afrikanische
Dipteren ist von Loew ein „Bidrag tili kännedomen om
Afrikas Diptera" in der Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad.
Förhandlingar 1856. p. 255 — 264 veröffentlicht worden, in
welchem der Verf. sich über die numerischen Verhältnisse
der bis jetzt aus Afrika bekannt gewordenen Arten verbreitet
und eine Anzahl von Faunengebieten , wie sie sich aus dem
gegenwärtig vorliegenden Material für diesen Wclttheil er-
geben, abgränzt. Als solche durch den Charakter der Dipte-
ren-Fauna bestimmte Distrikte werden hingestellt: 1) der
nordöstliche (Aegypten, Nubien, Abyssinien) mit 157 bis jetzt
bekannten Arten, 2) der nördliche, welcher die ganze Küste
von Tripolis bis Marokko umfasst, und bis jetzt 172 Arten
enthält , 3) der Distrikt der westlichen Inselgruppen mit 49
Arten, 4) der westliche (Senegambien bis Benguela) mit 194
Arten, 5) der südliche des Caplandes mit der bedeutenden
Zahl von 471 Arten, 6) der östliche Inseldislrikt (Madagas-
car u. s. w.) mit 90 und 7) der Distrikt der Ostküste (Mos-
sambique bis Bab el Mandeb) mit nur 37 Arten. — Der
Verf. beabsichtigt, nicht nur die von Wahlberg im Caf-
fernlande gesammelten Arten, sondern auch andere ihm aus
den übrigen Theilen Afrika's zugekommene in seine Arbeit
aufzunehmen; da die Publikation derselben noch nicht in na-
her Aussicht stellt^ will er vorläufig die neuen Arten fami-
lienweise durch Diagnosen bekannt machen; im vorliegen-
den Tlieile ist ndt den Straliomyiden der Anfang gemacht
, worden.
Desselben ;jNeue Beiträge zur Kenntniss der Dipte-
während des Jahres 1856. 407
ren^ sind mit einem vierten Beitrage (Berlin 1856. 4. ööpag.)
forlgeselzt worden , in welchem der Verf. über die von
Frauenfeld in Aegypten und von Mann* in Corsica ge-
sammelten Dipteren Mittheilungen macht und die auf einigen
nach dem Neusiedler See bei Wien, nach Steyermark und
Kärnlhen unternommenen Excursionen gesammelten und be-
obachteten Dipteren, so weit sie näheres Interesse in Betreff
auf geographische Verbreitung, Synonymie u. s. w. darboten,
sehr eingehend und interessant erörtert. Die in diesem allge-
meinen Theile der Arbeit erwähnten neuen Arten , 69 an
Zahl und zum grössten Theile den genannten Lokalitäten an-
gehörig, werden im Anhange ausführlich beschrieben. Sie
gehören den verschiedensten Familien an und sind unter die-
sen einzeln namhaft gemacht worden; dagegen muss Ref. in
Betreff der zahlreichen und zum Theil in systematischer Hin-
sicht wichtigen Bemerkungen über bereits bekannte Arten,
welche in dem allgemeinen Theile der Arbeit enthalten sind,
auf diese selbst verweisen.
Zur Kenntniss der österreichischen Dipteren-Fauna lieferte
ferner Egg er (Verhandlungen des zoolog. -botan. Vereins
in Wien VI. p. 383 — 392) Beschreibungen neuer Galtungen und
Arten aus den Familien der Tachinarien und Dexiarien, denen
auch noch Bemerkungen über einige unvollständig bekannte
Arten verschiedener Familien angereiht sind. Die neu auf-
gestellten Arten stammen aus der Umgegend Wien's und von
Triest. .
Von besonderem Interesse sind ferner die schätzens-
werthen Beobachtungen Heeger's über die Metamorphosen
einiger Oesterreichischen Dipteren , welche in den Sitzungs-
berichten der mathem. nalurwiss. Classe der Akad. d. Wis-
sensch. zu Wien XX. p. 335 — 350 veröffentlicht sind. Die
Miltheilungen des Verf., welche sich wie die früheren auf
eine sorgsame Beschreibung und Abbildung der ersten Stände
einlassen und die Entwicklungsgeschichte vom Eie bis zum
ausgebildeten Insekte darlegen , beziehen sich diesmal auf
2 Tipularien , 2 Stratiomyiden (Oxycera) und 2 Muscarien.
Näheres bei den einzelnen Familien.
Einige Anmerkungen zu Frauen fei d's Beitrag zur In-
sektengeschichte (siehe Jahrsbericht 1855. p. 15) , so weit
408 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
sich derselbe auf Dipteren bezieht, machte Schiner in den
Verhandlungen des zoolog.-botan. Vereins in Wien VI. 215—
224. Die von Frauen fei d beobachteten und gesammelten
Arten, deren in jenem Aufsatze Erwähnung geschieht, werden
bestimmt und einige darunter befindliche neue beschrieben.
Derselbe hat unter dem Titel: „Scriptores austriaci
rerum dipterologicarum" eine Revision der von Oesterreichi-
schen Entomologen aufgeführten Dipteren begonnen. (Ver-
handlungen des zoolog.-botan. Vereins in Wien VI. p. 399 —
424.) Es werden hier die Arten, welche in Poda's Insecta
Musei Graecensis und in Scopoli's Entomologia Carniolica
enthalten und beschrieben sind , der Reihe nach besprochen
und eine Deutung derselben versucht; eine annähernd sichere
Eruirung der Species war in den wenigsten Fällen möglich.
Empusa Muscae und die Krankheit der Stubenfliegen,
ein Beitrag zur Lehre von den durch parasitische Pilze cha-
rakterisirten Epidemieen, von Dr. F. Cohn. (Nova Acta Acad.
Caes. Leopold. XXV. 1. p. 301— 3(30. c. tab. 3.) Diese Ab-
handlung ist eigentlich nicht entomologischen Inhalts, son-
dern beschäftigt sich mit der Pilzbildung in erkrankten Flie-
gen, welche übrigens auch in der Natur an vielen anderen
Dipteren - Species verschiedener Familien beobachtet wer-
den kann.
Denselben Gegenstand behandelt auch: Raben hörst,
die tödtliche Krankheit der Slubcnfliege und einiger anderen
Dipteren. (Allgemeine Deutsche Naturhist. Zeitung I. p. 377.)
'Fipulariae* Die Bearbeitung der Englischen Arten dieser
Familie, welche den dritten Band \on F. W a 1 k e r's Insecta Britan-
nica, Diptera (London 1856) ausmacht, mag hier durch Aufzählung
der Gruppen und Galtungen nebst Zahlenangabe der darunter beschrie-
benen Arten, wenigstens ihrem Umfange nach, dargelegt werden; die
in Klammern eingeschlossenen Ziffern bedeuten die Anzahl der als
neu aufgestellten Species. — Fani. Mycetophilidae : Älycetophila 41
(11), Cordyla 3 (1), Azana n. g. mit Älycelophila nahe verwandt, die
Fühler aber kräftig, fadenförmig, nicht länger als der Thorax, die
Flügel mit einfacher Vena subapicalis und subanalis, welche zugleich
nicht deutlich ausgeprägt sind , der Hinterleib zusammengedrückt.
Eine Art: A. scatopsoides. — Leia 17 (8), Boletina 5 (!) , Sciophila
26(7), Tetragoneura 3 (1), Asindulum 1, Lcptomorphus 1, Diadocidia 1,
während des Jahres 1856. 409
Mycetobia 1 , Sciara 24 (1), Epidapus l, Zygoneura 1, Lestremia 2,
Cecidogona 1 , Catocha 2, Anarele 1, Campylomyza 5 (1), Ditomyia
3 (l), Platyura 14 (6), Macrocera 7, Bolitophila 2. — Farn. Cecido-
myzidae : Cecidomyia 162 (58) , Lasioptera 3. — Farn. Bibionidae :
Bibio 12, Dilophus 2, Scalopse 14(4^, Aspistes 1 fAsp. piillus n. sp.).
— Farn. Simulidae: Simulium 5. — Farn. Chironomidae : Chironomus
195 (99). — Die grössere Zahl dieser neuen Arten ist nur durch
kurze Diagnosen festgestellt, nur wenige vonHaliday ausführlicher
beschrieben, die meisten bekannten Arten aber mit einem Fragezei-
chen versehen 5 so dass das Labyrinth nicht zu entziffernder Arten
durch diesen Theil der Walker'schen Arbeit abermals bis in's Un-
endliche vermehrt worden ist. — Tanypus 17, Corynoneura 2, Cera-
topogon 82 (2), Clunio 1. — Fam. Culicidae: Culex 9, Anopheles 2,
Corelhra 3, Mochlonyx 1 fBl. effoetus n. sp.). — Fam. Phlebotomi-
dae: Psychoda 2, Pericoma 11 (4) , Ulomyia 1, Trichomyia 1, Syco-
rax 1. — Fam. Heteroclilae : ürphnephila l, Dixa 4. — Fam. Tipu-
lidae: Trichocera 3, Anisomera 2, Erioptera 16, Symplecta 2, Lim-
nobia 53 (8), Dicranota 3, üla 1, Rhamphidia 2 (1), Geranomyia 1,
Rhipidia 1 , Cylindrotoma 2 (1), Pedicia 1 , Dolichopeza 1 , Nephro-
toma 1, Tipula 37 (1), Ctenophora 6, Ptychoptera 5. — Fam. Rhy-
phidae : Rhyphus 2.
Schiner (Verhandl. d. zoolog. - bolan. Vereins in Wien VI.
p. 216 ff.) beschrieb unter dem ISamen Thalassomyia Frauenfeldi eine
mit Chironomus zunächst verwandte Gattung und Art von der Dalma.
tinischen Küste, welche sich durch sehr kurzes, umgekehrt herzförmi-
ges viertes Tarsenglied und das Flügelgeäder von Chironomus unter-
scheidet: die Randader erreicht die Flügelspilze nicht, die dritte
Längsader liegt ganz nahe am Flügelrande und am oberen Aste der
folgenden gegabelten Längsader, so dass beide mit einander verwach-
sen erscheinen. Die Art ist nur im weiblichen Geschlechte bekannt
und die Galtung Thalassomyia daher mit Vorbehalt aufgestellt. Zwei
andere neue Arten sind Cluneo (die Gattung heisst Clunio) adriaticus
ebenfalls aus Dalmatien, unter dem Wasser auf Gruppen von Mytilus
lebend, (sie ist mit Gl. marinus Hai. in Bezug auf ihre Selbstständig-
keit noch näher zu vergleichen) und Asphondyla scrophularia, aus Scro-
phularia canina erzogen, ebenfalls aus Dalmatien.
Ceratopogon candidatus vom Neusiedler See , Limnohia ptdchri-
petviis ebendaher unA dilaiata ausCroatien sind neue Arten von L o ew
(Neue Beiträge zur Kenntniss der Dipteren IV. p. 23 fr.).
Plecia dorsaliSf Culex annulipes, Lirnnobia leucotelus , plecioides
und dichroof Ctenophora chrysopila W?k\ker neue Arten von Singapore
(Journal of proceed. of the Linnean soc. L p. 5 f.).
Culex cingulatus , Chironomui cubiculorum , Tamjpus pardalisy
melanurus, cyanomaculatus , nigrocinctus , Ctenophora Javanica , Tipula
410 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Javensis und Scalopse pusilla von Dol esc hall (Natuurk. Tijdschrift
X. p. 405 ff.).
Asa Fitch (Report on the noxious Insects of New -York
p. 176) beschrieb Cecidomyia Grossulariae als neue Art aus Nord-
Amerika, deren Larve in den jungen Frücliten der Stachelbeere lebt.
— Ebenda p. 252 ff. werden beschrieben: Molobrus (d. h. Sciara Meig.)
malt, vulgaris, fuligmosus und inconstans ebenfalls aus Kord-Amerika.
Die Larve dns Mol. mali lebt gesellig im Innern von Aepfeln, deren
Fleisch sie verzehrt; während der Apfel mit Ausnahme der ange-
stochenen Stelle äusserlich ganz gesund aussieht , ist sein Inneres
ganz und gar in eine dunkelgelbe, schwammige Masse umgewandelt,
in deren Mitte sich eine grosse Aushöhlung mit den Larven und Pup-
pen der Fliege befindet.
Heeger (Sitzungsberichte der math.-naturw. Classe der Akad.
d. Wissensch. zu Wien XX. p. 335) beschrieb die ersten Stände und
die Entwicklungsgeschichte von Lasioptera arundinis Schin. und Ce-
ratopogon varius Winn. Die Larve der ersteren lebt in vorjährigen
Stengeln von Phragmitis communis im April und die Fliege entwickelt
sich aus ihr im Mai. (Hier trägt der Verf. die ausserdem noch be-
kannt gemachten Angaben über die ersten Stände anderer Lasioptera-
Arten zusammen.) — Die Larven .des Ceratopogon varius fand H.
während des Winters in den Spalten von geschlagenem Rothbuchen-
holz, wo sie bei 6° Kälte noch munter waren; die Puppen lagen in
kleinen weissen Cocons, die am Holze angeklebt waren ; die Fliegen
entwickeln sich nach 10 bis 14 Tagen. (Auch hier werden die Anga-
ben über andere Ceratopogon-Larven zusammengestellt.) Beide Ar-
ten sind in ihren verschiedenen Ständen auf Taf. 1 dargestellt.
Haliday (Natural hislory review XII. pl. 2) erläuterte die in-
nere Anatomie der systematisch fraglichen Gattung Orphnephila te-
stacea durch Abbildungen und eine Erklärung derselben.
Amblard (Annales de la soc. entomol. IV. p. 168) beschrieb
eine Galle an den Stengeln von Tamarix brachystylis, welche sich
in Algier vorfindet ; eine darin enthaltene Puppe gehört einer Tipu-
larie und zwar wie der Verf. (nach der Abbildung pl. 4 zu urthei-
len) mit Recht vermulhet, einer Cecidomyia an.
Bazin, ISolice sur un insecte (Cecidomyia tritici), qui a cause
les plus grands ravages dans nos derniers recoltes de bles sur pied
(S. fig. col.) ist dem Ref. nur aus einer Anzeige im Bulletin de la
soc. cnlomol. IV. p. CXVII bekannt geworden.
Asiiici« Loew (Neue Beiträge IV. p. 37 ff.) errichtete wie-
der zwei neue Galtungen unter den Dasypogonen, beide für Aegypti-
sche Arten: 1) lihadinus n. g. mit Stichopogon im Habitus, im Baue
des Kopfes und der Füsse übereinstimmend, durch den bis gegen die
Fühler hinaufreichenden Bart , viel schlankeres Endglied der Fühler,
während des Jahres 1856. 411
den gänzlichen Mangel der Pulvillen und geschlossene vierte Hinter-
randszelle unterschieden. Zwei Arten : Rh. unguUnus und megalonyx,
2) Sisyrnodytes n. g. , mit Acnephalum und Crobilocerus zunächst
verwandt, ebenfalls bucklig und plump gebaut, aber weniger breit,
durch schwach vertiefte Stirn, sehr schlanke Fühler, dichten und das
ganze Untergesicht bedeckenden, mit der Stirnbehaarung zusammen-
fliessenden Bart, den ölangel der Pulvillen und das Flügelgeäder un-
terschieden; die erste und zweite Ilinlerrandszelle sind besonders
weit vom Flügelrande geschlossen , letztere zugleich sehr klein und
schmal; alle nach dem Hinterrande auslaufenden Adern erreichen die-
sen nicht ganz. Art: S. floccus, wie die vorigen aus Aegypten.
Neue Arten sind ferner: Dioctria valida von Beirut, Slichopogo7i con~.
gener und albellus aus Aegypten, Epilriplus cervinus f Mochlherus lon^
giludinaliSf Apoclea conicera und micracanlha aus Aegypten.
Derselbe (Rosenhauer Thiere Andalusiens p. 381 ff.) beschrieb
Dasypogon denudatuSf ienuibarbis , claripennis und favillaceus als neue
Spanische Arten.
Discocephala dorsalis, Laphria notabilisy Orcus , basifera , radi-
caliSf inaurea, basigutta, fusiferä , sobria, plana, imbellis, Asilus fusi^
formis, lineosus , debilis , latifascia, Ommalius graciUs sind neue Arten
von Walker (Journal of proceed. of the Linnean soc. I. p. 6 ff.)
von Singapore.
Dasypogon imberbis und Asilus melanurus Dol eschall n. A. von
Java (Natuurk. Tijdschr. X. p. 408].
Nachträge zum Verzeichnisse der Oesterreichischen Asiliden
(vergl. Jahresbericht 1854. p. 122) lieferte Schiner in den Verhand-
lungen des zoolog.-botan. Vereins zu Wien VI. p. 167— 174. Diesel-
ben bestehen l) in einer Aufzählung der neuerlich in Oesterreich
aufgefundenen Arten nebst synonymischen und anderen Bemerkungen ;
2) in der Angabe neuer Fundorte für seltnere Arten der Wiener Ge-
gend; 3) in einer Vervollständigung des Verzeichnisses der Europäi-
schen Asiliden mit theils in letzter Zeit beschriebenen, theils im er-
sten Verzeichnisse übergangenen Arten. Die veränderte Artenzahl
der einzelnen Gattungen für Europa ist demnach folgende: Dioctria21,
Dasypogon 92 (in Oesterreich 32), Laphria "40, Asilis 119 (in Oester-
reich 52).
Egg er (ebenda p. 392) theilt mit, dass Laphria fimbriata Meig.
(nur Männchen bekannt) mit L. proboscidea Loew (nur Weibchen) von
Brauer in Copula gefangen worden sei; die Art muss demnach La-
phria fimbriata Meig. heissen.
Eonpides. Neue Arten von Lo ew (Neue Beiträge IV. p. 34 ff.)
beschrieben, sind : Empis gravipes, discolor, ßorisomna und Rhampho..
myia serpenlata aus Kärnthen , Gloma basalis aus Steyermark und
Schlesien, Brachysloma obscuripes aus Sardinien. — Ausserdem wurde
412 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Empis hispanica aus Andalusien in Rosenhauer's Thiere Andalu-
siens p. 385 beschrieben.
Ijeptides. Leplis cingulala Loew aus Kärnthen und lalipen^
ms desselben aus Schlesien und dem Harz n. A. (Neue Beiträge IV.
p. 28.)
Leplis decisa Walker (Journal of proceed. of the Linn. soc. I.
p. 15) n. A. von Singapore.
Dolicliupodide». Neue Arten sind: Campsienemus umbri-
pennis aus Oesterreich und Psilopus glaucescens aus Aegypten , von
Loevv^ (Neue Beiträge IV. p.47f.).
Diapliora aenea , Psilopus pusilluSf leiopus , Argyra spinipes Do-
leschall von Java. (Natuurk. Tijdschr. voor Nederl. IndieX. p. 409.)
Psilopus clarus f robustus, subnotalus , posticus und tenebrosus
W^alker von Singapore ( Journal of proceed. of the Linn. soc. L
p. 16 ff.).
X'yloioinsie* Thereva laticornis aus Ungarn, Frauenfeldii aus
Aegypten, nuda und melauosloma ebendaher n. A. von Loew (Neue
Beiträge IV. p. 32 ff.).
ISoafibyliarii* Loew (Neue Beiträge IV. p. 29 ff) stellte
eine neue Gattung Anlonia auf, welche in der Gestalt mit Thlipso-
myza am nächsten verwandt ist, aber durch den Mangel der Ocellen,
kürzeren Rüssel , den Mangel aller Borsten auf Thorax und Hinter-
leib und eine Unterrandszelle weniger unterschieden ist; der Kopf ist
gross, die Augen des Männchens fast zusammenstossend, die Fühler-
gegend tief eingedrückt, die Fühler ziemlich genähert , kurz, ihr er-
stes Glied becherförmig, das zweite kurz cylindrisch, das dritte zwie-
belförmig, in einen langen, dünnen Griffel verlängert, der am Ende
ein kurzes Börstchen trägt. Eine Art: A. suavissima aus Aegypten.
— Andere neue Arten aus Aegypten sind: Anthrax inconspicua, Exo-
prosopa lephroleuca und Platijpygus melleus.
Usia grata Loew ist eine neue Art aus Andalusien. (Bösen,
hauer, Thiere Andalusiens p. 380.)
Anthrax degenera Walker n. A. von Singapore (Journal of pro-
ceed. of the Linn. soc. L p. 15).
Iflenopii« Ref. (Beilrag zur Kennlniss der Henopier , En-
tomol. Zeit. p. 339 — 361) machte Millheilungen über den Aufenthalt
und die Lebensweise dieser merkwürdigen Dipteren, welche'sich durch
ein ungemein träges Wesen etwa nach Art der Bombyciden unter den
Schmetterlingen auszeichnen; sie sitzen in der Mitlagshitze still an
der Unterseite dürrer Zweige auf feuchten Wiesen und fliegen, selbst
wenn man sie berührt, gar nicht oder nur auf kurze Strecken fort.
Durch Beobachtung in der Natur wurde ferner festgestellt, dass unter
den einheimischen Henopiern bisher Männchen und Weibchen als
verschiedene Arten angesehen worden sind. Die Männchen zeichnen
während des Jahres 1850. 413
sich stets durch grösseren Kopf, längeren und mehr walzenförmigen
Hinterleib und kürzere^ Flügel aus, während dem Weibchen ein viel
Kleinerer Kopf, ein kürzerer und breiterer Hinterleib und längere
Flügel zukommen; ausserdem ist das 31ännchen stets von beträchtlich
hellerer Färbung (besonders am Hinlerleibej als das ^Yeibchen. Von
Ogcodes zonatus Er. wurden beide Geschlechter in Begattung gefan-
gen und hieraus nach der Analogie geschlossen, dass Ugcodes cingu-
latus Er. das Weibchen von ü. gibbosus Lin., so wie dass 0. fuli-
ginosus Er. das Weibchen von 0. varius Lalr. sein müsse. (Die letz-
tere Hypothese hat sich seitdem bewahrheitet, indem beide Arten im
vorigen Sommer mehrfach in Copula gefangen worden sind.) Als
Unterschied der Gattung Acrocera von Ogcodes wurde ausser den von
früheren Autoren hervorgehobenen Charakteren die Bildung des Hin-
terleibs bemerklich gemacht ; derselbe besteht bei ersterer Gattung
nur aus fünf, bei letzterer dagegen aus sechs Segmenten. Die bei
Berlin vorkommenden Arten: Acrocera globulus, Ugcodes gibbosus,
zonatus und varius wurden nach beiden Geschlechtern , ausserdem
Acrocera laeta als neue Art von Sardinien im männlichen Geschlechte
beschrieben, — Eine neue ausländische Gattung ist ferner : Eidon^
chus n. g. mit langgestrecktem Rüssel wie bei Lasia Wied , von die-
ser durch schlanker gebauten Körper , verschiedene Einlenkung der
F'ühler (in der Älilte der Stirnhöhe), verlängertes und zugespitz-
tes drittes Fühlerglied, so wie durch die Flügel - Aderung unter-
schieden; diese Galtung lässt auch deutliche lineare, eingliedrige
Palpen erkennen , welche bisher der Familie abgesprochen wurden.
Art: E. smara^tiimis aus Californien. — Als neue Art wurde ausserdem
beschrieben: Ocnaea lugubris von Bahia.
Eine andere neue Gattung wurde von Costa (Rendiconlo della
Societä Reale Borbonica , Accademia delle scienze , anno V. Napoli
1856. p. 20) unter dem Kamen Opsebius folgendermassen charakteri-
sirt : „Froboscis fere nulla. Antennae vertici insertae , biarticnlatae,
setaque longa apicali terminatae. Oculi sub antennarum insertione
longe conligui, dense villosi. Ocelli duo satis conspicui. Protliora-
cis lobi laterales distanles. Alae longae, nervis pluribus longitudina-
libus, fere omnibus a nervis transversis coniunctis, cellulis posteriori-
bus quinque." Eine Art: 0. perspicillalus aus Neapel, 2 Lin. lang,
schwarz mit gelber Fleckung des Thorax und eben solcher Binden-
und Punktzeichnung des Hinterleibs, die Flügel bräunlich. (Dieselbe
Gattuno- ist nachdem von Loew im J. 1857 unter dem Namen Pi-
thogaster charakterisirt worden.)
Tabanii* Neue Arten von Loew (Neue Beitiäge iV. p.
24 ff.) : Chrysops puncUfer von Beirut, perspicillaris aus Ungarn, nU
gritenlris aus Klein -Asien , Tabanus unicinclus und albifacies aus
Aegypten.
4l4 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Tabanus partilus Walker n. A. von Singapore (Journ. of pro-
ceed. of the Linn. soc. I. p. 6).
Tabanus bubali und Haematopota pungens Doleschall n. A. von
Java. (ISatuurk. Tijdschr. voor Nederl. Indie X. p. 407.)
Stratiomystta^e. Eine neue Ostindische Gattung und Art ist
Alassicyta tricolor Walker (Journal of the Proceed. of the Linn. soc.
L p. 8), mit Acrochaeta Wied. durch den schlanken Körperbau und
den fast gestielten Hinterleib, wie es scheint, zunächst verwandt.
An den Fühlern sind nach der auf Taf. 1 gegebenen Figur (die Be-
schreibung passt dazu wie die Faust auf's Auge) die beiden ersten
Glieder kurz , das dritte undeutlich achtringlig, die 7 ersten Ringe
kurz, perlschnurartig aneinandergereiht, der letzte dagegen sehr
gross, keulenförmig, so lang wie der ganze übrige Fühler. — Ebenda
beschriebene neue Arten sind ferner: Clitellaria ßavicepSf Cyclogaster
radians, Phyllophora angtistOf Sargus luridus.
Ref. lieferte einen „Beitrag zur Kenntniss exotischer Stra-
tiomyiden« (Linnaea entomol. XL p. 261—350. Taf. 3), in welchem
er neben einer monographischen Bearbeitung der Gattung Cyphomyia
Wied. eine Anzahl neuer Arten und Gattungen, welche besonderes
systematisches Interesse darboten , bekannt machte und zugleich An-
deutungen zu einer Eintheilung der Familie in Gruppen gab. Die
Gattung Cyphomyia , deren Charaktere ausführlich geschildert wer-
den und von der auch die Larve , welche mit derjenigen von Clitel-
laria und den Xylophagen sehr übereinstimmt, charakterisirt wird,
enthält nach Ausscheidung einiger von Wiedemanu darunter ver-
einigten fremdartigen Elemente 24 Arten, welche sämmtlich aus Süd-
und Central -Amerika stammen. Sie zerfallen in zwei Gruppen, je
nachdem der Hinterleib mit dicht behaarten seitlichen Silberflecken
(beim Männchen 4, beim Weibchen 6) besetzt ist, oder deren ganz
ermangelt, resp. nur undeutliche zeigt. Ausser den von Fabricius
und Wiedemann beschriebenen Arten, die dem Verf. sämmtlich in
Original-Exemplaren vorgelegen haben, und deren Synonymie berich-
tigt wird, werden zwölf neue beschrieben : Cyphomyia cyanocephala
aus Süd-Amerika, varipes aus Mexiko und Costarica, verticalis (cyaneä
Wied. nee Fabr.) aus Surinam, afßnis aus Venezuela, geniculala aus
Neu-Granada, flavimana aus Brasilien (?j , pilosissima aus Mexiko, to-
menlosa ebendaher, gracilicornis und lanuginosa aus Brasilien, hybrida
von Rio Janeiro und pulchella (maculata Wied. pro parte) aus Bra-
silien. Einige von Macquart und Walker aufgestellte Arten,
die dem Verf. nicht vorgelegen haben, werden nach deren Beschrei-
bung angeführt. — Auf Cyphomyia inermis Wied. wurde eine eigene
Gattung Chordonota , auf Cyph. elegans Wied. eine gleiche Namens
Euparypkus gegründet; erstere unterscheidet sich von Cyphomyia durch
unbewaffnetes Schildchen und dadurch, dass an dem achtringligen
während des Jahres 1856. 415
dritten Fühlergliede der Endring verlängert ist; bei letzteret ist das
dritte Fühlerglied nur sechsringlig, und die beiden letzten Ringe
deutlich verlängert, ausserdem auch die Stirn und Augenhöhlen ab-
weichend gebildet. — Bei der Gattung Slratiomys wird auf die Un-
terschiede, welche das Flugelgeäder bei den verschiedenen Arten dar-
bietet, eingegangen und zwei Arten: Strat. splendens Fabr. aus Por-
tugal und auriflua Er. aus Algier als eigene Gattung Vycnomallu ab-
gesondert, indem bei ihnen der vierte Hinterrandsnerv nicht mehr
aus der Diskoidalzclie, sondern aus der zweiten Basalzelle entspringt.
Zwei neue typische Arten sind: Slratiomys princeps aus Surinam und
Odontomyia uarnifex vom Cap ; ferner Amerikanische Arten aus der
Gruppe der Stratiomys pulclira Wied.: Strat. bucephala von Montevi-
deo, fenestrala und euchlora aus Mexiko. — Neue Arten aus anderen
Gattungen sind : Plilocera fastuosa aus Ceylon, Pt. Natalensis aus Süd-
afrika (scheint als Männchen zu Strat. quadrilineata Fabr. zu gehö-
ren, Ref.) , Acanthina aziirea von Ceylon , marmorala aus Brasilien,
Chauna ferruginea von Cuba. Endlich werden drei neue Gattungen,
welche mit Chauna in der tiefen Einlenkung der Fühler dicht über
der MundöfTnung übereinkommen, aufgestellt: 1) Blaslocera n. g. mit
gabiig gespaltenem Endgliede der Fühler, dessen oberer Ast in einen
lilauenartigen Fortsatz endigt; Art: Bl. speciosa aus Brasilien. 2)
Spyridopa n. g. mit einfachem , länglich eiförmigen Endgliede der
F"ühler , das an seiner Spitze mit einem Griflelfortsatz mit langer und
dicker Endborste versehen ist; Art: Sp. tarsalis aus Brasilien. 3)
Panacris n. g. von der vorigen Gattung durch kleinen Kopf, dicht
behaarte und fein facettirte Augen, so wie durch die Form des End-
gliedes der Fühler, welches kurz eiförmig ist und an der Spitze nur
eine einfache Borste trägt, unterschieden; Art: P. lucida aus Ca-
yenne. Diese drei Gattungen werden mit Acanthina und Chauna zu-
sammen als eine eigene Gruppe Acanthinidae aufgefassl.
Eine neue Gattung Sternobritkes wurde ferner von Loew
(Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl. 1856. p. 263 ff.) er-
richtet; die Augen sind ungerandet , die zwei ersten Fühlerglieder
klein, das dritte schmal, sechsgliedrig mit zweigliedrigem Endgriffel ;
der Thorax breit, geschwollen, das Schildchen sehr gross, geschwol-
len, unbewaffnet, scharfrandig, der Hinterleib kurz, geschwollen,
mit verwachsenen hinteren Ringen, die Beine kurz. — Art: St. lu-
midus aus dem Cauernlande und Guinea. — Neue Afrikanische Ar-
ten, durch Diagnosen festgestellt, sind ferner: Ckrysonolus ßavomargi^
flatus von der Insel Mauritius, Ckrysomijia bella vom Cap, Microchrysa
circumscripia und scutellaris aus dem Caffernlande, Odontomyia quadri-
notala von Mossambique, adusta vom Caffernlande, Nemolelus dissimi^
lis, haemorrkousf Oxycera nubifera ebendaher, und Ephippium maculi.
penne von Guinea.
416 Gerstaecker; Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Nemolelus alriceps Loew n. A. aus Andalusien (Rosenhauer
Thiere Andalusiens p. 384).
Eiihippium spinigerum und Chrysochlora vilripennis Doleschall
n. A. von Java (Katuurk. Tijdschr. voor INederl. Indie X. p. 407). —
Die Beschreibung und Abbildung des Ephippium spinigerum lassen
seine Identität mit Clitellaria bilineata Fabr. vermuthen , obwohl in
beiden die langen Dornen des Skutellum nicht angegeben sind.
Besonders werthvoll sind die Kachrichten, welche Heeger
(Sitzungsberichte der mathemat. - naturw. Classe der AUad. d. Wis-
sensch. zu Wien XX. p. 345 ff.) über die Larven von Oxycera trili-
neata und Meigenii gegeben hat. Dieselben sind denen von Stratio-
mys sehr ähnlich, leben in kleinen Bächen im Schlamme verborgen,
kommen aber bei warmer Witterung hervor und verweilen an der
Oberfläche. (Ref. hat dieselben ebenfalls zusammen mit Brauer
bei Wien an der Unterseite von Steinen, die im Schlamme eingesenkt
lagen , in Mehrzahl gefunden.) In der Gefangenschaft frassen sie
Pilanzenwurzeln, ßrodkrümchen und todte Regenwürmer, häuteten sich
je nach der Witterung in kürzeren oder längeren Pausen und such-
ten sich zur Yerpuppung trockene Stellen auf; im Freien findet die
Verwandlung weit vom Wasser entfernt unter Steinen oder in Älauer-
rissen statt. Die Larven sind ausführlich beschrieben und nebst ihren
einzelnen Theilen genau abgebildet ; ihre Gestalt ist kürzer und brei-
ter als die von Stratiomys, ihr hinteres Ende stumpfer, die dicht ge-
fiederten Athmungsborsten sehr zahlreich und einen Büschel bildend.
Egger (^Verhandlungen des zoolog.-botan. Vereins in Wien VL
p.392) hat durch zahlreiche Exemplare von Odonlomyia viridula,
welche er im Freien beobachtete, die Ueberzeugung gewonnen, dass
0. subviltata Meig., interrupta Loew und jejuna Schrank nur Farben-
varietäten einer und derselben Art sind.
Slyrpliici. Loew, Ueber die Fliegengattungen Microdon und
Chrysotoxum. (Verhandlungen des zoolog.-botan. Vereins in WienVL
p. 599 — 622). — Von IMicrodon unterscheidet der Verf. drei deutsche
Arten, deren Merkmale und Synonyme er auseinandersetzt: 1) M.
apiformis Degeer (Musca mulabilis Lin , Aphritis apiaria Latr., Musca
nova Schrank, Aphritis auro -pubescens Latr., Microdon scutellatus
Schummel). 2) M. devius Lin. (Stratiomys pigra Schrank , Microdon
micans et anthinus Meig. , Microdon fuscilarsis Schumm. j apiformis
Curt. Zett. 3) M. latifrons n. sp. , auf welche der Verf. keine der
bisherigen Beschreibungen beziehen zu können glaubt. — Die Zahl
der beschriebenen Europäischen Chrysotoxum-Arten, bei M ei gen 9,
ist durch Macquart, Curtis, Loew, Schummel, Rondani
und Walker auf 20 angewachsen, welche jedoch nach dem Verf. zum
Theil als synonym zusammenfallen und sich auf 13 oder 14 reduciren
lassen. Die Nomenklatur und Synonymie derselben ist in grosser Ver-
während des Jahres 1856. 4l7
wirrung. L. macht zunächst auf die wichtigsten Merkmale zur Un-
terscheidung der Arten aufmerksam, welche besonders in der relativen
Länge der Fühlerglieder bestehen (wobei jedoch zu bemerken, dass
sowohl die beiden Geschlechter einer Art als auch die Individuen
desselben Geschlechtes oft geringere Verschiedenheiten in dieser Be-
ziehung darbieten); die Behaarung des Hinterleibs, seine Zeichnung
so wie die Färbung der Flügel geben dann weitere Merkmale an die
Hand. — Die beiden ersten Fühlerglieder sind zusammen kürzer als
das dritte oder ungefähr so lang als dieses bei Chr. sylvarum Meig.,
fasciolatum Deg., arcuatum Lin. , intermedium Meig. und cisalpinum
Rond., dagegen bedeutend länger als das dritte bei Chr. lineare Zelt.,
sibiricum Loevv, festivum Lin., vernale Loew, octomaculatum Curt,,
elegans I^oew, parmense Bond, und bicinctum Lin. Diese vom Verf.
als selbstständig anerkannte Arten werden unter einer analytischen
Tabelle zusammengestellt und dann ausführlich charakterisirt , zu-
gleich auch ihre geographische Verbreitung erörtert. Hierauf folgt
eine Critik der von den verschiedenen Autoren beschriebenen und be-
nannten Arten, welche zum Theil anders, als es bisher geschehen ist,
gedeutet werden. Zuletzt werden die Synonyme der einzelnen Arten
folgendermassen zusammengestellt: l) Chr. bicinctum Lin. (Syrphus,
Mulio et Chrysotoxum bicinctum auct. , Chr. tricinctum Rond. als Va-
rietät). 2) Chr. festivum Lin. (Musca festiva Lin. , früher auf eine
Doros-Art gedeutet, Chrysot. arcuatum auct.). 3) Chr. arcuatum Lin.
(hortense Meig., fasciolatum Zett.). 4) Chr. fasciolatum Deg. (Syrphus
et Milesia vespiformis Fabr., Mulio fasciolatus Fall., Chr. marginatum
Meig., Schumm., Zett., Walk., Chr. costale Meig.). 5) Chr. lineare
Zett. ;Mulio linearis Fall., Chrysotoxum lineare Meig.). 6) Chr. in-
termedium Meig. (scutellatum Loew, monticola Schumm., italicum
Rond., graecum Walk.). 7) Chr. sylvarum Meig. (fasciolatum Meig.,
Rond., arcuatum Walk., scutellatum Macq.). 8) Chr. octomaculatum
Curt. (Mulio arcuatus var. Fall., Chrys, intermedium Zett., chrysopo-
lila Rond.). 9) Chr. vernale Loew. 10) Chr. elegans Loew (Musca
arcuata Schrank., Chrys. intermedium Walk). 11) Chr. parmense
Rond. 12) Chr. cisalpinum Rond. 12) Chr. sibiricum Loew, n. sp.,
hier zuerst beschrieben.
Derselbe (Keue Beiträge IV. p. 43 ff.) beschrieb als neue
Arten: Mallola eristaloides aus Schweden , Deutschland und Italien,
Plalycheirus eiliger aus Steyermark, fasciculalus aus üesterreich, melü'
nopsis aus Kärnthen, Pelecocera latifrons aus Beirut.
Ei'islalis singularis^ Helofhilus insignis , Xylota conformis, Mile~
sia vespoides , Syrphus conseqiiens , duplex und Iriligalvs Walker sind
neue Arten von Singapore (Journal of ihe proceed. of the Linnean
soc. I. p. 16ff.). '
Erislalis Macquarliif Syrphus splendens, Senogaster lutescens und
Archiv f. Naturgescb. XXIH. Jahrg. 2. Bd. ßß
418 Gerstaecker: Beriebt üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Baccha pedicellata Doleschall n. A. von Java (Natuurk. Tijdschr. voor
Wederl. Indie X. p. 4l0 f.) — Von diesen Arten ist Eristalis Macquartii
augenscheinlich mit Eristalis errans Fab. identisch , Senogaster lute-
scens nicht zu dieser Gattung gehörig, sondern eine Syritta mit ver-
längertem Rüssel.
Egg er (Verhandl. des zoolog. - botan. Vereins in Wien VI.
p. 391) gab Nachricht über die bisher unbekannten Männchen der
Cheilosia flavipes Panz. und gilvipes Zett. , deren Unterschiede von
ihren Weibchen er darlegt. Ferner fing er Criorrhina ruficauda Deg.
und ranunculi Panz. in grosser Anzahl beisammen und mit einander
in Begattung, so dass sie sich nur als Farbenvarietäten derselben Art
darstellen.
Letz n er (34. Jahresbericht d. Schlesisch. Gesellsch. für va-
terl, Cultur p. 117 ff.) gab eine Beschreibung der Larve und Puppe
von Eristalis tenax; erstere soll im Trockenen leben, was unrich-
tig ist.
Conopidae« Doleschall (Natuurk. Tijdschr. voor Nederl.
Indie X. p. 409) beschrieb und bildete ab : Conops Javanica als neue
Art von Java.
Oe§<racea* C. F. Hennig, lieber Oestrus equi Lin., Ovis
Lin. (Cephalemyia ovis Latr.) und Oestrus Cervi Capreoli. (Allge-
meine Deutsche Naturhist. Zeitung I. p. 297—307. Taf. 1 und 2.) —
Der Aufsatz handelt vorzugsweise über die äussere und innere Ana-
tomie der Larven der drei genannten Arten , von denen die beiden
ersten, wie sich aus der Beschreibung der Fliegen ersehen lässt,
richtig bestimmt, die dritte nach einer Anmerkung R eic h enbach's
gleich Oestrus pictus Äleig. ist. (Reichenbach giebt an, dass er
mit Oestrus pictus zusammen im Hirschgarten zu Dresden auch Oe-
demagena tarandi , mit welcher Oestr. stimulator Clark , nasalis Lin.
und trompe Lin. identisch sein soll , gefangen habe. Beides ist un-
richtig : die genannten Arten sind sämmtlich sowohl von 0. tarandi
als unter einander verschieden und der bei Dresden am Rothwilde
lebende Oestrus ist Cephenemyia auribarbis (auribarbis und rufibarbis
Meig.), während sowohl 0. tarandi als trompe nur am Rennthier und
in Deutschland überhaupt nicht vorkommen. — Der Verf. beschreibt
ohne Rücksichtsnahme auf die frühere Literatur über den Gegenstand
an den Larven Alles, was ihm wissenswerth vorkommt und was seine
Aufmerksamkeit erregt hat. In die acht Oeffnungen am hinteren Kör-
perende , welche um die beiden Trachealmündungen im Kreise her-
umliegen , münden ebenso viele eiförmige, röthlichweisse Körper,
welche er für „die Lungen der Larven" hält. An der im Innern des
Körpers zwischen den beiden Haupt- Tracheenstämmen verlaufenden
Speiseröhre will er eine gleiche Spirale, die sich abwickeln lässt,
wie an jenen selbst beobachtet haben. — Während bei Gastrus equi.
während des Jahres 1856. 419
dessen Larve am ausführlichsten geschildert und durch zahlreiche
(übrigens ziemlich mittelrnässige) Abbildungen erläutert ist, die bei-
den Tracheenstänime nur einfache Längsröhren sind, von denen sehr
zarte Nebenästchen abgehen, theilen sich dieselben bei Cepheneinyia
Ovis in zahlreiche starke Aeste mit vielen Verzweigungen und bilden
so jederseits einen starken Büschel von Tracheen; dieselben sind, wie
der Verf. fortfährt, „mit einer zusammenhangenden Zellenschieht, wo
jede Zelle einen dunklen Punkt mit körnigem Inhalt besitzt, umge-
ben; diese Zellen theilen sich später in perlschnurartige Bänder."
Diese und andere Bemerkungen des Verf. geben kein besonderes Zeug-
niss von seinem Vertrautsein mit dem behandelten Gegenstande ab.
A. Keferstein: „üeber üeslrus hominis" (Verhandlungen des
zoologisch -botanischen Vereins in Wien VL p. 637 — 652) hat sich
abermals mit der Frage beschäftigt, ob es eine ausschliesslich in der
Haut des Menschen lebende Bremse gebe. Er stellt diejenigen Fälle,
welche darauf hindeuten könnten , die jedoch zum Theil auf Sarco-
phaga und andere Äluscarien, welche ihre Eier in eiternde Geschwüre
der menschlichen Haut zu legen pflegen , zu deuten sind, zusammen
und geht besonders auf die Berichte verschiedener Süd-Amerikanischer
Reisender ein, welche fast alle darin übereinstimmen, dass ein zur
Oestrus-Familie gehörendes Dipteron häufig seine Eier in die Haut
des Menschen lege. Der einzige Schriftsteller, welcher diese Sache
eingehend behandelt, ist Goudot, dessen bekannter Bericht über
Cuterebra noxialis hier vollständig in der Uebersetzung wiedergege-
ben wird. Als neu wird ausserdem noch eine brieflliche Mittheilung
von Dr. Friedrich Müller, aus Brasilien an den Verfasser ge-
richtet, abgedruckt, welche mit den von G o u d o t bekannt gemachten
Thatsachen im Wesentlichen übereinstimmt: die Oestrus-Larven , die
„bicho da perna" der Brasilianer, sind dort zu Lande eine der häu-
figsten Plagen verschiedener Säugethiere und eine nicht seltene des
Menschen. Müller selbst hat mehrfach solche Larven in seiner Haut
stecken gehabt, einmal sogar acht zu gleicher Zeit an verschiedenen
Körpertheilen. Da jedoch weder Larven bisher eingeschickt, noch
die Fliege dem Beobachter selbst bekannt gjeworden ist , lässt sich
über ihre Identität mit der von Goudot erwähnten Art nichts sa-
gen. Zur Genüge geht aus dem Müller'schen Berichte abermals her-
vor, dass es keinen specifischen Oestrus hominis giebt , sondern dass
nur eine ursprünglich in der Haut von Thieren lebende Art sich zu-
weilen zum Menschen verirrt.
]71siscarisie« Von Walker wurden (Journal of theProcee-
dings of the Linnean society I. p.21u. ff.) folgende neue, auf Ostin.
dische Arten begründete Gattungen charakterisirt: l) Z>ainbesa n. g.
(Tachinariae) von schmaler, langgestreckter Form, mit vertikalem,
etwas zurückgezogenen Untergesicht; das dritte Fühlerglied langge-
420 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leislungen in d. Entomologie
streckt, sechsmal länf^er als das zweite, mit gegliederter, nackter
Borste; Augen ebenfalls nackt; Hinterleib linear, viel länger als der
Thorax. Art: Z. ocypteroides. — 2) Xarnula n. g. (Helomyzides),
mit Helomyza verwandt, doch von breiterem Körperbaue, das dritte
Fühlerglied langgestreckt, mit gefiederter Borste; Yorderschenkel
unten mit feinen Dornen; Flügel ziemlich breit. Bei der Art: A'.
leucotelus sind die Flügel zum grössten Theile tief schwarzbraun. —
3) Xangelina n. g. (ürtalides) von kurzem, gedränoten Bau, mit brei-
ter Stirn, kurzen Fühlern , an denen das dritte Glied länglich eiför-
mig, unten zugespitzt ist; Borste gefiedert; Abdomen kurz eiförmig,
kaum so lang als der Thorax Art: X. basigulta. — 4) Themara n. g.
(Ortalides) Körper ziemlich breit, borstig, Kopf etwas schmaler als
der Thorax; drittes Fühlerglied länglich, stumpf lanzettlich, Borste
breit gefiedert ; Abdomen elliptisch , nicht länger als der Thorax.
Zweite und dritte Längsader der Flügel wellig geschwungen, Flügel
dunkel mit hellen Flecken. Art: Tk. ampla. — 5) Slmmela n. g.
(ürtalides) Körper behaart, kaum borstig; Hinterleib kurz eiförmig,
etwas breiter und länger als der Thorax ; Flügel mit dunkelen Quer-
binden. Art: Sir. conformis. — 6) Valonia n. g. Körper ziemlich
schmal, behaart, Kopf vorn etwas erweitert ; Fühler kurz, letztes Glied
eiförmig mit gefiederter Borste; Hinterleib spindelförmig, etwas län-
ger als der Thorax; leine kräftig, Flügel schmal, dunkel gegittert.
Art: Val. complicata. — 7) Sophira n, g. Körper schlank, behaart;
Kopf etwas schmaler als der Thorax; drittes Fühlerglied länglich,
stumpf lanzetllich, mit gefiederter Borste; Hinterleib kurz spindelför-
mig, F'üsse zierlich, Längsadern der Flügel dunkel gestreift. Art: S.
venusla. — 8) Rioxa n, g. Körper schlank, behaart, Kopf klein, be-
trächtlich schmaler als der Thorax; letztes Fühlerglied länglich oval
mit sparsam gefiederter Borste ; Thorax länglich eiförmig, längsstreifig,
Hinterleib spindelförmig, schmaler als der Thorax und kaum länger;
Füsse schlank, die vorderen kurz, Flügel schwarz mit weissen Fleck-
chen. Art: R. lanceolnla. — 9) Xiria n. g. Körper metallfarben,
borstig, Kopf breit, Fühler kurz, drittes Glied fast linear mit lang
gefiederter Borste; Thorax breit, kräftig, Hinterleib sehr schmal, etwas
länger als jener; Beine lang und derbe. Art: X. anlica. — Diese
Galtungen gehören ebenfalls noch zu den Ürtaliden. . — 10) Texara
n. g. (Psilides) von sehr schlankem , langgestreckten Körper, vortre-
tendem Kopf mit kurzem Gesicht, kurzen Fühlern, deren drittes Glied
kurz und dick, fast quadratisch ist und eine gegliederte Borste trägt;
Hinterleib doppelt so lang als der Thorax, zugespitzt lanzeltlich;
Hinterschenkel verdickt. Art: T compressa, — Als neue Arten wer-
den ferner daselbst beschrieben: Echinomyia bretipennis, Tachina
ophirica , Masicera vicaria , Eurygaster muscoides , Dexia divergenSf
Sarcophaga reciproca , aliena , Idia tenebrosa^ bicolor, AJusca chrysoi-
während* des Jahres 1856. 421
des, porphyrina , trila , defira , reßec'ens , ivßxa, fumipennis , dolalOf
difßdens , conßxn ^ reßxa , perßxa, ctfßxa ^ Aricia argenlola ^ palula,
Hydrotaea solennis , Helomyzi. intereuns (sie!!), exeuns (sie!!), Lau-
xania eucera, delereuns (! !) , Lamprocjasler zonala, glabrn, tranaversaf
villata, guttata, truncalula, Plalysloma rigida, slellala, Diopsis ögullala^
4gultalaj Calobala conßnis^ immixla^ Micropeza fragiiis.
Die Gruppen der Tachinarien und Dexiarien bereieherte Eg-
ger (Verhandlungen des zoologisch-botanischen Vereins in Wien VI.
p. 383 fF.) mit folgenden neuen inländischen Gattungen und Arten: 1)
Halydaia n. g. (scr. Halidaya) neben Miltogramma, mit nackten Au-
gen und offener Zelle; eine sehr ausgezeichnete Form von eigenlhüm-
licher Kopfbildung, indem der Kopf fast halbkuglig , die Stirn breit,
gegen die Insertion der Fühler etwas verengt, flach gewölbt, sehr
weit herabreichend, das Untergesicht sehr kurz , nicht unter die Au-
gen herabgehend ist; Gesichtslcisten ohne Borsten, die Fühler anlie-
gend , so kurz wie das Uniergesicht , ihr drittes Glied doppelt so
lang als das zweite, mit zweigliedriger Borste. — Zwei Arten: H.
aurea und argentea , beide aus der Wiener Gegend, selten. 2) Zel~
leria n, g. (vergebener Name!) ebenfalls mit nackten Augen und
offener, an der Flügelspitze mündender Zelle, mit 3Iyobia zunächst
verwandt; durch eingedrücktes Untergesicht, etwas aufgebogenen
Mundrand, breitere Stirn des Männchens, nackte Fühlerborste und
verkürzten ersten Hinterieibsring unterschieden. Art: Z. longitnana
bei Triest. 3) Loewia n. g. mit haarigen Augen und langgeslielter
Mitlel/elle, neben Panzeria zu stellen; von dieser Gattung und Wie-
demannia durch die Fühler, welche kürzer als das Untergesicht sind
und deren drittes Glied so lang als das zweite ist, unterschieden;
Augen beim Männchen eng zusammenstosscud , Gesichtslcisten ohne
Wimpern, erster Hinterleibsring verkürzt. Art: L. setibarba bei Wien.
— Neue Arten : Macquarlia monlicola vom Schneeberg, Tachina cognata
und Fallenia fasciala von Wien, Clista atra von Triest, Nemurea les^
sellala von Wien, Dexia erythraca von Triest, lala von W^ien. — üe-
ber die Gattung Micropalpus Macq. bemerkt der Verf. (ebenda p. 390)
sehr richtig, dass derselben auch Arten mit nackten Augen und länge-
rem zweiten Fühlergliede, wie es z. B. hei Microp. ruficornis Macq.
der Fall ist, beigezählt werden müssen, und dass demnach die Cha-
raktere, welche Macquart und M eigen dafür angeno.nmen haben,
zu erweitern seien. (Diese Nothwendigkeit lässt sich aus den zahl-
reichen Süd _ Amerikanischen Arten der Gattung mit nackten Augen
leicht nachweisen. Ref.)
Hier mag gleich der von Reissig gegebenen Notiz: „Ueber
das Herauskommen der Tachinen aus ihren Tönnchen und aus dicht
verschlossenen Orten, an welchen dieselben sich oft befinden" (in
diesem Archiv f. Naturgesch. XXI. p. 189 fl") erwähnl werden. Das
422 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Ausschlüpfen dieser Fliegen wird nach dem Verf. „nicht durch eine
Flüssigkeit, welche den Deckel erweichen soll, sondern dadurch, dass
die ausgehende Fliege ihren Kopf zu einem Apparate, der nach Art
der hydraulischen Presse wirkt, umgestalten und damit nicht nur die
Tönnchenhülle sprengen , sondern auch sonstige Hindernisse aus dem
Wege räumen kann." Der Vorgang ist vom Verf. gepau beschrieben
und in seinen einzelnen Erscheinungen erörtert ; zu bemerken ist,
dass er nicht nur bei den Tachinarien , sondern in ganz besonders
auffallender Weise auch bei den Oestraceen beobachtet werden kann,
ferner auch bei den Syrphiden, Conopiden u. a.
Eine Anzahl neuer Arten aus den Gruppen der Muscarien, An-
thomyziden und besonders der Acalypteren , aus Aegypten und Eu-
ropa stammend, beschrieb Loew (Neue Beiträge IV. p. 48 ff.) : Cyr-
toneura Incidula , nilolica , Idia callopis, Lispe cilüarsis , leiicocephala
aus Aepygten , Orlalis grata aus Dalmatien , Plaiysloma nrcuala von
Beirut, Trypeta Scimeideri aus Schlesien, Schineriy Eriolepidis, nigri^
cauda, Doronici aus Kärnthen und Oesterreich, dioscurea aus Corsica
und Ungarn , Pachycerina signalipes aus Ungarn , PsUa obscuritarsis
aus Ungarn, Sciojnyza brevipes, Vrosopomyia pallida aus Aejiypten und
Sicilien, Ephydra opaca aus Aeijypten und Noliphila venusta aus Un-
garn. — Die neue Gattung Vrosopomyia ist vom Habitus, der Bein-
und Flügelbildung der Gattung Sapromyza, aber mit grösserem Thorax
und ganz abweichender Kopfbildung : die Stirn ansehnlich und gleich-
massig breit, ohne Mittelstrieme und Seitenleisten und ohne abge-
grenztes Ocellen-Dreieck, jederseils mit drei rückwärts gekrümmten
Borsten und einer gleichen hinter der oberen Augenecke ; Ücellen
klein, Augen länger als breit, Fühler kurz , ihr zweites Glied oben
und unten mit einem längeren schwarzen Haare besetzt; Untergesicht
lang mit sehr breiten Seitenleisten, die innen bis über die Mitte hin-
auf mit zarten Häärchen eingefasst sind, der Milteltheil ohne Spur
von Fühlergruben, gewölbt, gegen den Mundrand hin deutlich zu-
rückgehend.
Derselbe beschrieb Leucopis magnicornis als neue Art aus
Andalusien (Rosen ha uer, Thiere Andalusiens p. 386).
Mehrere Javanische Arten wurden von D oleschall (Natuurk.
Tijdschr. voor Nederl. Indie X. p. 4llff.) beschrieben und abgebildet;
sie gehören mit Ausnahme einer Tachinarie zu den Acalypteren:
Jilyohia nigripes , Nerius strialus ^ Bactroceia fascialipennis (ist wohl
ohne Fraf^e Dacus fascipennis Wied.), Baclrocera macuUpenni& (ist
Dacus caudatus Fab. Wied.), Ensina reticulata , Tepkrilis paritii, Dio^
psis attenuala, apicalis , Taenioptera albimana und Michogasler bam~
busariim.
Von Asa Fitch (Ftcport on the noxious Insects ofNew-York)
ist eine Reihe Nord-Amerikanischer Arten aus den Gruppen der Aca-
während des Jahres 1856. 423
lypteren und Anthomyziden bekannt gemacht worden, zugleich mit
näheren Angaben über ihre Lebensweise, ersten Stände, Entwicklung,
den Schaden den sie^ anrichten u. s. w. — (p.65ff.): Tephrilis mel-
liginis und tabellaria ^ Acinia Solidaginis (bildet Gallen an den Sten-
geln von Solidago) und Novaeboraceiisis, Telanocera Saralogensis und
Sphyracephata subbifasciala. Die Gattung Sphyracephala Say, welche
von Wiedemann und Macquart eingezogen und mit Diopsis ver-
einigt wird, hält Asa Fitch wohl mit Grund aufrecht; die kurzen
Augenstiele und eine Anastomose zwischen der Vena marginalis und
submarginalis geben dazu Anhalt. — (p. 297 ff.) : Meromyza Ameri~
cana y Siphonella o-besa , Chlorops vulgaris, aniennalis, Oscinis tibialis,
coxendiXf crassifemoris, Agromyza tritici, Hyleinyia deceptiva und simi^
lis. Ein Theil der Arten ist auf Taf. l und 2 abgebildet. Die Chlo-
rops- und Oscinis-Larven sind wie in Europa dem Weizen sehr schäd-
lich, in dessen Halmen sie leben; der Verf. hält die Arten für nicht
importirt, da sie sich mit keiner der Europäischen haben identificiren
lassen. Agromyza tritici zeigte sich im Larvenzustande myriadenweise
auf dem in Scheunen eingebrachten, gemähten Weizen.
Smith (Proceed. of the entomol. soc. p. 108) traf Chlorops
(Elachiptera) brevipennis auf dem Rücken von Nabis subaptera an,
unter deren Flügeldecken sie ihre Legeröhre einschob, wahrschein-
lich, um dort ihre Eier abzusetzen.
Von Heeger (Sitzungsberichte der mathem.-naturwiss, Classe
der Akad d. Wissensch. zu Wien XX. p. 342 ff.) wurden die ersten
Stände von Lipara lucens und similis , die auch in den Larven be-
stimmte Unterschiede darbieten, bekannt gemacht und durch Abbildun-
gen erläutert ; die Larven leben in Rohrstengeln.
Coriacea. Eine neue Mährische Nycteribia aus der Slauper
Höhle, welche auf Vespertilio murinus gefunden wurde, beschrieb
Kolenati (Verhandlungen des zoolog.-botan. Vereins in Wien VL
p. 189) unter dem Namen Nycleribia Frauenfeldii und bildete sie auf
Taf, I ab. Sie ist eine der grössten bekannten Arten. Nach Ver-
gleich von acht verschiedenen Nycteribia- Arten stellt der Verf. zu-
gleich von Neuem eine Charakteristik der Gattung auf.
Pulicidae« Walker (Insecta Brijtannica, Diptera HL p. 2ff.)
zählte 14 Pulex- Arten als in England bis jetzt beobachtet auf und
beschrieb zwei : P. fringillae (Steph. i. lit.) und melis (Leach i, lit.)
als neu.
liepidoptera«
Die Calaloge der im British Museum vorhandenen Le-
pidopteren sind auch in diesem Jahre mit mehreren neuen
Theilen fortgesetzt worden , welche abermals die Verarbei-
tung eines sehr reichhaltigen Materials enthalten^ aber leider
424 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
iiiuner noch in Betreff der wissenschaftlichen ßehandlunff
desselben Vifel zu wünschen übrig lassen. Es sind folgende:
l) List of the specimens of Lepidopterous Insects in
Ihe colleclion of the Brilish Museum, by F. Walker. Part.
VII, Lepidoptera Helerocera. Printed by order of the Tru-
stees, London 1856. (8. p. 1509— iSOS.) — Dieser Theil,
welcher die Bombyciden der älteren Autoren abschliesst,
bringt eine Beschreibung der Galtungen und Arten der Cos-
sinen und Hepialiden und in einem zweiten, dem Umfange
nach viel grösseren Abschnitt zahlreiche Nacliträge zu den
vorhergehenden sechs Bänden. In diesen Nachträgen be-
schreibt der Verf. abermals eine beträchtliche Anzahl neuer
Gallungen und Arien aus den meisten der früher catalogi-
sirlen Familien und ordnet den ersteren sowohl die von ihm
übergangenen Arten älterer Autoren als auch die in jüngster
Zeit von anderer Seite publicirten unter. Von besonderer
Wichligkeit in synonymischer Hinsicht ist es, dass der Verf.
die von H erri ch - S ch ä f fer in seinen „Lepidopterorum
exolicorum species novae" durch Abbildungen bekannt gemach-
ten Arten, welche bisher von ihm übergangen worden wa-
ren, in den von ihm begründeten Gattungen untergebracht
und, so weit sie njit den von ihm selbst beschriebenen zu-
sammenfielen, mit diesen identificirt hat. Erstaunlich ist es
dabei, wie viele der Herrich -Schaffer'schen Arten als selbst-
ständige anerkannt worden sind; die Zahl derjenigen, welche
mit den aus dem British Museum beschriebenen Arten zusam-
menfallen, ist verhältnissmässig sehr gering, so dass die Aus-
dehnung des hier noch unentdecklen Materials dadurch recht
klar wird. — Die Bearbeitung der Cossini und Hepialidae
nimmt ebenfalls auf die Herrich -Schäffer'schen Abbildungen
und die ihnen beigelegten Namen Rücksicht, führt dieselben
aber mehrfach auf allere, vorzüglich Englische Beschreibun-
gen zurück.
Unter den Cossinen nimmt Walker 9 Gattungen an: Cossus
auct., Endagria Boisd., Culama n. g. auf eine Neu - Holländische Art
mit vorstehenden, langgestreckten Palpen, welche den Kopf weit
überragen, gegründet, Cossodes White (Turoma Bsd. , Herrich-Sch),
Givira n, g. auf eine einzelne Art unbekannten Fundorts gegründet,
Langsdorfia ilübn., Zeuzcra Latr., Phragmataecia Newm. und Morpheis
während des Jahres 1856. 425
Hübn. — In der Beurtheilung der Arten früherer Autoren und der
ünterordnun£f unter die von ihm angenommenen Gattungen ist der
Verf. mehrfach in Irrthüraer verfallen; so ist Phalaena -Noctua Slrix
Lin. Cram., die unter Cossus steht, eine Zeuzera, vielleicht sojjar mit
einer der Ostindischen neuen Arten des Verf. identisch (worüber die
Beschreibungen jedoch keinen genügenden Aufschluss geben) , Zeu-
zera palmarum ßsd, , Herr. - Seh. (putrida Walk) nur das Weibchen
von Sph. Pyracmon Cram. (nias.) , aber keine davon verschiedene
Art. Cossus mucoreus Bsd. , auf welchen Herr. - Schäffer mit Recht
eine eigene Gattung Cryptobia gegründet hat , ist von Cossus in der
Flügelbildung, dem Geäder, den Fühlern, der ganzen Form und Be-
schuppung des Körpers so auffallend verschieden, dass sie nicht unter
dieser Gattung stehen kann, wie dies schon die für letztere von
Walker aufgestellten Charaktere erkennen lassen. Die Zusammen-
tragung der bisher bekannt gemachten Arten ist bis auf wenige feh-
lende, z. B. Cossus Ä'acmurtrei Guer. Iconogr., recht vollständig.
Die Hepialiden, deren Charakteristik mit der sonderbaren An-
gabe „Habitus non geometriformis« beginnt, zerfallen in 14 Galtun-
gen: Hepialus auct. , Oncopera n. g. durch einen sehr starken und
dichten Haarbüschel der Hinlerschienen des Männchens, so wie durch
einfache , derbe , die Kopflänge kaum erreichende Fühler aus^gezeich-
net, mit einer Keuholländischen (sehr bekannten) Art; Dalaca n. g.
(Epialus exul, exdamans und epigramma Herr. -Seh.), Elhamma n. g.
(z ß. Epialus anlipoda Herr. -Seh. j, Fraüs n. g. (Epialus nanus Herr.-
Sch.?j, Gorgopis Hübn,, Phassus n. g. (auf Epialus giganteus Herr.-
Sch. aus Brasilien , eine bekannte Mexikanische Art Ph. argentife-
rus u. s. w. begründet) , Charagia n. g. (enthält nur Australische
Arten, wie Hepialus virescens Doubl., lignivorus Lew. u. a.) , Lelo
Hübn., Dolecta Herr.-Sch., Porina n, g. mit einer Art von Neu-See-
land, Oxycanus n. g. ebenfalls ausschliesslich mit Australischen Arten,
Ptelus n. g. (welcher Gattung Abantiades Herr. - Seh. entsprechen
würde) mit Neuholländischen Arten, wie Cossus labyrinthicus Donov.
u. a., Draconia Hübn.
Die im Nachtrage zu den früheren sechs Bänden charakterisir-
ten neuen Gattungen hier einzeln namhaft zu machen, verbietet der
Umstand, dass einerseits ihre Anzahl sehr gross, andererseits ihre
Beschreibungen nicht der Art abgefasst sind, dass sieh das Wesentliche
daraus excerpiren Hesse. Dagegen erseheint es zweckmässig, auf die
Beurlheilung , welche die von Herr. - Schälfer benannten Gattungen
und Arten durch Walker erfahren haben, in Kurzem einzugehen.
Mit Castnia verbindet W. die Gattungen ürthia und Gazera und giebt
Orlhia Augias Herr.-Sch. als idenlisch mit Castnia Pelasgus Walk.,
Gazera Heliconoides als identisch mit Castnia Linus Walk. an.
Aegocera Lalreillei Herr.-Sch. ist = Acg. magna Walk., Laemocharis
426 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Herr. - Seh. = Pseudomya VV. (L. stulta H. - S, = dolens W. , L.
Zantes H.-S. = haematica W.), ferner auch zum Theil den Gattungen
Isanthrene , Poecilosonia, Lagaria, Erruca , Gosmosoma und Calonota
AValk. entsprechend , Trichela H -S. = Enope W. , Eupyra II. -S. =
Chrysocale W. , Charidea H.-S. = Autoniolis W. , Histioca W. und
Hippola W., Gynaulocera H.-S. (pars) = Histia W., (Gynaut. libel-
luloides mas. et fem. Herr. -Seh. = Hist. Selene und vacillans W.),
Heterusia H.-S. = Pompelon W. (H. acrocyama H.-S. = P. margi-
nata W.), Epyrgis und Milleria H.-S. = Cyclosia, Chalcosia und Lau-
ria Walk., (Epyrgis euploeoides H.-S. = Cyclosia Kamouna W.,
Milleria virginalis H,.S. = Cycl. subcyanescens W. , Epyrgis idaeoi-
des H.-S. = Chalcosia pectinicornis \V. , Epyrgis Midania und Hor-
menia H.-S. = Chalcosia venosa W. mas. et fem. , Milleria corrusca
H. - S. = Chalcosia Zuleika , Milleria Circe H.-S. = Lauria metal-
lica W.). Der Verf. hat hier bald seine eigenen , bald die Herrich-
Schäffer'schen Art-Namen beibehalten, und also dort letztere zu er-
steren, hier erstere zu letzteren als Synonyme gestezt.
^2) List of the speclmens of Lepidoplerous Insects in llie
colleclion of the British Museum, by F. Wa liier. Part. VIII.
Spliingidae. London 1856. 8. 265 pag. — Der Verf. hat sich
durch diese Arbeit das Verdienst erworben, die zahlreichen
und schönen Sphingiden-Arlen, welche in den älteren Wer-
ken von Gramer, Drury, Linne, Fabricius u. s. w.
nicht enthalten sind, und welche sich in dieser Familie, die
seit jener Zeit in Bezug- auf die Exoten fast ganz unbear-
beitet geblieben ist, sehr beträchtlich angehäuft haben, durch
Beschreibungen bekannt zu machen; auch sind diese Be-
schreibungen , wie sich Ref. durch Benutzung derselben bei
der Bestimmung eines Theiles der im hiesigen Museum be-
findliclien Arten überzeugt hat , wenigstens für die meisten
Fälle als zweckentsprechend zu bezeichnen. Dies ist aber
auch das einzige Lob, welches man selbst beiden massig-
sten Anforderungen an wissenschafiliche Leistungen, dem
Werke zollen kann. Allerdings sind die zahlreichen Gattun-
gen, welche W. theils nach Hübner und ßoisduval (die
des letzteren nur i. lit. bekannt) angenommen , theils selbst
geschaffen hat, stets mit einer Heihe von Charakteren verse-
hen worden ; indessen ist der Verf. einerseiis vollständig un-
bekümmert um die Bedeutung dieser Charaktere geblieben,
>vie dies der Leser durch eine Gegenüberstellung derselben
währenJ des Jalires 1856. 427
bei mehreren Gatlungen leichl erkennen kann, andererseits
legt er auch selbst keinen Werth auf dieselben, was daraus
hervorgeht, dass er oft die verschiedenarligslen Elemente
unter derselben Gallung vereinigt: so dass man oft in Zweifel
geräth, auf welche diesir heterogenen Arien die Gallung
eigentlich begiründet sein soll. Anzuerkennen ist in Betreff
der Literatur wenigstens die selir reichhallige Anführung der-
selben, nicht in gleichem Masse aber die kritische Behand-
lung, in der sich öfter sogar aufFallende Missgriffe nachwei-
sen liessen; von bereits beschriebenen Arten sind dem Verf.
im Verhältnisse nur wenige entgangen, einige derselben unter
neuen Namen beschrieben worden.
Die Sphingiden betrachtet W. als aus zwei Tribus zusammen-
gesetzt, welche er „Sesii" und „Sphingii" nennt; die erstere thcilt
er in zwei Familien : Stygiidae (nur Stygia , Chimaera und eine aus-
ländische Gattung umfassend) und Aegeriidae, welche aus den eigent-
lichen Sesiarien mit Einschluss der Gattung Thyris zusammengesetzt
ist — Was der Verf. über die Sesien, und zwar besonders über die
Europäischen Arten, geschrieben hat, ist ihm insofern nicht zuzurech-
nen, als die meisten derselben ihm nicht bekannt gewesen sind (wie
dies die im Cataloge üblichen Bezeichnungen erkennen lassen) und
die Slaudinger'sche Abhandlung (1854), welche wenigstens über die
Galtungen, denen die auffallendsten Arten beizuzählen sind, hätte Auf-
klärung geben können, nicht in Betracht gezogen worden ist. Aber auch
ohne diese Bekanntschaft hätte w^ohl die Vereinigung so verschiede-
ner Formen, wie S. asiliformis, laphriaeformis und tineiformis, welche
bei VV. die Gattung Paranthrene bilden, leicht vermieden werden kön-
nen, wenn man bedenkt, dass gerade diese drei Arten ebenso vielen
Gattungen angehören, welche die aller handgreiflichsten Unterschiede
darbieten. Die Wieder- Einführung des Kamens Aegeria Fabr. für
Sesia ist in keiner Weise motivirt, denn erstere Gattung ist erst 1807
in llliger's Magazin VI für die hierher gehörigen Arten aufgestellt
worden, während Laspeyres schon 1801 seine Gattung Sesia (nach
Fabricius Entom. syst.) darauf begründete und in ausgezeichneter
Weise charakterisirte. Wenn aber Walker den Kamen Sesia Fabr.
für ölacroglossa in Anwendung bringt (welche Gattung unter seinen
Sphingii steht\ so ist die Anwendung des Gruppen-Wamens Sesii doch
gewiss vollständig sinnlos für eine Abtheilung, in der die Gattung
Sesia gar nicht enthalten ist. Für die Gattung Sphecia (zu der S.
laphriaeformis gehören müsste^\ hätte der Name Trochilium Scop. als
der ältere und zugleich als der wissenschaftlich begründete ange-
nommen werden müssen. Die zahlreichen als neu beschriebenen aus-
428 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
ländisciien Arten der Gruppe sind vom Verf. in mehrere neue Gat-
tungen vertheilt worden , die mir nach den Beschreibungen allein
vollständig unenträthsclbar geblieben sind, daher ich über die Be-
rechtigung derselben nichts sagen kann. — Unter den eigentlichen
Sphingiden wird, wie schon erwähnt, ein gründlicheres Studium der
sehr zahlreichen und im Habitus sich oft nach verschiedenen Rich-
tungen hin mit einander vereinigenden Formen nothwendig sein, um
die von W. angenommenen Gattungen , deren Zahl sich im Ganzen
auf 39 beläuft , in veränderter Weise festzustellen ; was hier davon
vorliegt, entbehrt jeder tieferen Begründung. Untersucht man z. B.
die Bestandtheile der Gattung Darapsa (p. 182), welche zwischen Phil-
ampelus Harr, und Daphnis Hübn. steht, so erkennt man leicht, dass
die beiden ersten Arten derselben (Sph. Chaerilus Cram. und Älyron
Cram.) nach der Bildung der Fühler, an denen die Spitze nicht dünn
abgesetzt ist, nach den Beinen und dem Flügelschnitte in nächster
Verwandtschaft mit Smerinthus und also mit der vorhergehenden und
folgenden Gattung in gar keiner Beziehung steht. Eine dritte Art
von Darapsa, die Sph. Hypolhous Cram., welche der Sph. Nerii zum
Verwechseln ähnlich ist, gehört mit dieser zur Galtung Daphnis Hübn. ;
eine vierte Art endlich, Darapsa Bulus Cram. ist eine ächte Deile-
phila. Auf welche Art ist nun die Gattung Darapsa begründet wor-
den?— Andere Gattungen, deren Umfang nicht gut zu verkennen war,
wie z.B. Macroglossa, bedürfen einer gründlichen Revision in Betreff
der Feststellung der Arten: M. volucris Walk. (p. 94) ist schon von
Kollar als M. nycteris beschrieben worden, M. Gilia (p. 93) ist
gleich M. Pandora F'abr. (Passalus Drury , ßelis Cram.), wogegen
]\I. Faro Cram, von letzterer Art verschieden ist; ebenso sind M. Tan-
talus Cram. und Titan Cram., die VV. als synonym vereinigt, zwei so
verschiedene Arten , wie sie nur überhaupt existiren können. Unter
Smerinthus fehlt z. B. Sm. Eversmanni Popoff (1854) aus Sibirien;
die schöne von Walker beschriebene Art Sm. princeps, deren Va-
terland ihm unbekannt ist, stammt aus Texas.
3) List of the specirrtens of Lepidoplerous Insecfs in
the colleclion of the British Museum, by F. Walker. Part.
IX and X. Nociuidae. London 1856. 2 Vol. 8. 491 pag. —
Bei der Aufzählung der im British Museum vorhandenen Noc-
tuen, welche den Inhalt der beiden vorliegenden Bändchen
bildet (in denen jedoch nur ein Theil der Familie abgehan-
delt wird), hat sich der Verf. genau an das vor einigen Jah-
ren von Guenee erschienene Werk gehalU^n, das ihm vor-
liegende Material danach bestimmt und die nicht darin ent-
haltenen Arten beschrieben. Letztere sind begreiflich in
dieser Familie viel weniger zahlreich, als dies bei den vom
während des Jahres 1856. 4^9
Verf. zuletzt bearbeiteten der Fall war, obwohl sich des
Neuen iinmer noch genug vorfindet; auf eine Anzahl solcher
neuen Arten sind auch eigene Gattungen begründet worden,
über deren Berechligung Ref. kein Urtheil abgeben kann, da
er bis jetzt nicht Zeit gefunden hat, sich näher mit der
Arbeit bekannt zu machen. In den beiden bis jetzt vorlie-
genden ßändchen (denen sich bereits ein drittes im Jahre
1857 erschienenes anschliessl) ist die Guenee'sche Gruppe
der Trifidae bombyciformes und von den Trifidae genuinae
die Leucanidae, Glottulidae, Apamidae, Caradrinidae, Noctui-
dae, Orthosidae und Cosmidae abgehandelt worden, lieber
die vom Verf. neu aufgestellten Gattungen sind am gehörigen
Orte einige kurze Notizen gegeben worden.
4) List of the specimens of Lepidopterous Insecls in the
collection of the British Museum by G. R. Gray. Part. I.
Papilionidae. London 1856. — Nach dem Vorworte von J.
E. Gray, welches diesem Bändchen (^. 106 pag.) vorher-
geht, wird beabsichtigt, ein vollständiges Verzeichniss von
allen Gattungen und Arten der Lepidopteren, welche bis jelzt
bekannt geworden sind, herauszugeben, in welchem die im
British Museum gegenwärtig vorhandenen besonders ange-
merkt sind. Der in Rede stehende erste Theil erstreckt sich
auf die erste Gruppe der Rhopaloceren , die sogenannten
Equiles, deren Zahl sich hiernach auf 388 stellt; sie sind
auf 8 Galtungen: Papilio (womit Ornilhoptera Bsd. vereinigt
ist), Leptocircus, Eurycus, Parnassius, Mesapia, Doritis, Seri-
cinus, Thais und Teinopalpus vertheilt. Neue Arten sind
darin nicht beschrieben worden, alle bekannten aber mit aus-
führlicher Synonymie und Vaterlands-Angaben versehen.
5) List of the specimens of British Animals in the col-
lection of the British Museum. Part. V. Lepidoptera, by J. F.
Stephens. London 1856. 1 Vol. 8. 224 pag. — Der Zweck
dieses Cataloges ist nach J. E. Gray's Vorwort, ein voll-
ständiges Verzeichniss aller Lepidopteren , die bis jetzt in
England aufgefunden worden sind , zu geben und zugleich
diejenigen, welche im British Museum vorhanden sind, be-
sonders zu vermerken ; letzteres enthält sämmlliche Typen
der von Stephens beschriebenen Arten. Das Verzeichniss
ist von Stainton und Sheppard sorgfällig revidirt und
4.30 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
nach dem gegenwärtigen Standpunkte der Wissenschaft um-
geändert worden. — Den aufgezählten Arten, welche ücn
Familien der Rhopalocera, Sphingides, Bombycides, Noctaae,
Geometrae und Pyralidcs angeliören , ist eine vollständige
Literatur beigefügt.
Wienker hat ein zweites Heft „Neuer oder weniger
bekannter Schmetterlinge der Insekten-Sammlung des Königl.
Zoologischen Museums der Universität zu Berlin^ (das erste
war im Jahre 1836 mit Beschreibungen von Klug erschie-
nen) herausgegeben (Berlin 1856, beim Herausgeber, 4. 5 tab.
color., 8 pag. Text); die Beschreibungen der Arten sind von
Hopffer abgefasst, dem zugleich die Auswahl der letzteren,
zu verdanken ist. Die Ausführung der Abbildungen ist so-
wohl in der Zeichnung, als im Stich und Colorit meisterhaft,
ihre Treue bis auf das kleinste Detail unübertroffen. Die be-
kannt gemachten neuen Arten sind durchweg ausgezeichnete
exotische Formen, zum grössten Theile den Heteroceren an-
gehörig.
Das schöne Werk von W. C. Hewitson „Illustrations
of new species of Exotic Butterflies, selected chiefiy from the
collections of W.Sau n de rs and W. Hewitson« wird un-
unterbrochen mit vier jährlichen Lieferungen fortgesetzt und
es ist gegenwärtig mit dem zwanzigsten Hefte der erste Band
desselben abgeschlossen worden. (Vol. L London, J. van
Voorst, 1856). Derselbe enthalt 60 Tafeln Abbildungen
und ebenso viele Blätter Text in 4. Obwohl die Abbildungen
in Steindruck ausgeführt sind, zeichnen sie sich durch eine
Sauberkeit und besonders auch durch eine Feinheit und Treue
im Colorit aus , wie sie bisher nur in wenigen ähnlichen
Werken angetroffen wird. Ausserdem bietet das Werk durch
den ausserordentlichen Reichthum an ausgezeichneten neuen
Arten für die Bearbeiter dieser Insekten-Ordnung besonderes
Interesse dar. Von den im J. 1856 ausgegebenen vier Hef-
ten (17. bis 20.) enthält das letzte einen General-Index für
den ersten Band , in welchem die Tafeln systematisch ange-
ordnet sind; von denselben sind 2 den Papilioniden , 3 den
Pieriden, 23 den Heliconiden, I den Acraeiden, 17 den Nym-
phaliden, l den Morphiden , l den Lycaeniden und 12 den
Eryciniden gewidmet. Eine besondere Bereicherung haben
während des Jahres 1856. 431
die Gattungen Itliomia (19 Tafeln), Catagramnia (5) und Eu-
rygona (7) erfahren; von ersterer sind allein 98 neue Arten
bekannt gemaclit worden , der sprechendste Beweis für den
besonderen Reichlhum Süd- Ainerika's an diesen zierlichen
Faltern.
Das ebenfalLs mit vortrefflichen Abbildungen ausgestal-
tete Unternehmen H err i ch- S ch ä f fer's „Lepidopterorum
exoticorum species novae aut minus cognilae" ist in gleicher
Weise mit ferneren Lieferungen fortgesetzt worden, von de-
nen eine (Ser. II. Lief. 5) wieder Rhopaloceren, drei andere
(Ser. I. Lief. 23 — 25) Heteroceren enthalten. Den letzteren,
welche zusammen 15 Tafeln enthalten, ist auch jetzt der An-
fang eines Textes beigegeben worden (52 pag.), in welchem
der Verf. versucht hat, die gesammten Lepidopteren mit be-
sonderer Berücksichtigung der exotischen Formen in Fami-
lien einzutheilen. Diese Eintheilung ist nach dem sogenann-
ten dichotomischen Systeme vorgenommen worden^ in erster
Instanz auf die Verschiedenheiten des Flügelgeäders gegrün-
det , für dieselbe aber im Ferneren auch die Unterschiede,
welche alle übrigen wichtigeren Körpertheile darbieten, wie
die Form der Fühler , das Vorhandensein oder Fehlen der
Ocellen, die geringere oder stärkere Entwicklung der Zunge
u. s. w. benutzt worden. Bei dieser Eintheilung gelangt der
Verf. zu 34 Fam.ilien , für welche er jedoch weder Gleich-
werthigkeit, noch eine nähere Verwandtschaft der auf einan-
der folgenden in allen Fällen beansprucht; als die beiden
Endpunkte seiner Familienreihe sieht er die Epialiden (erste
Familie) und die Micropterygina (letzte) an. An diese ta-
bellarische Uebersicht der Familien reiht der Verf. eine grosse
Zahl von Anmerkungen ;, in welchen er auf diejenigen Ei-
genlhümlichkeiten der einzelnen Gruppen, welche in die Ta-
belle nicht aufgenommen werden konnten, näher eingeht und
ihre verschiedenen Verwandtschaften erörtert; ausserdem wer-
den für die meisten jener Familien die von ihm angenomme-
nen exotischen Galtungen namentlich aufgeführt, mit dem ein-
fachen Hinweis auf eine dazugehörige Art, welche auf einer
der früher herausgegebenen Tafeln abgebildet und benannt
worden isl. Bei einigen Familien (Arclioiden, Lipariden,
Lithosinen, Syntomoiden und Geomelrinen) dagegen werden
432 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
die einzelnen Gattungen auch näher begründet, d. h. ihre
Charalitere werden in einer analytischen Tabelle entwickelt.
Die von H er ri c h - S ch ä f f e r angenommenen Familien der
Lepidopteren sind folgende : a) Alle Flügel von gleicher Bildung,
die hinteren wenig lileiner, mit zwölf Rippen , einer eingeschobenen
Zelle zwischen Rippe 4. und 5.; Rippe 9. und 10. auf gemeinschaft-
lichem Stiele; keine ITaftborste und Nebenaugen. 1) Epialoidea. b)
Die Flügel ungleich, die hinteren kürzer, mit geringerer Anzahl von
Rippen, höchstens acht: 2) —32) Rhopalocera , Castniaria, Sesioidea,
Pyromorphina, Zygaenoidea, Cossina , Oeceticina, Animulina , Psy-
china, Megalopygina , Sphingina, Endromoidea, Lasiocampina , Bom-
bycoidea, Cilicina, Saturniina, Uranida, Phytometrina , Dendrometrina,
Drepanulina, INotodontina , Cymatophorina , Noctuina, Nycteolina, Li-
thosina, Liparidina , Arctioidea, Syntomoidea , Microlepidoptera und
Pterophorina c) Jeder Flügel in sechs ziemlich gleiche Federn ge-
theill: 33) Alucitina. d) Die Flügel ziemlich gleich gebildet und ge-
rippt, alle mit mehr als acht Rippen, Kebenaugen vorhanden : 34) Mi-
cropterygina. (Man ersieht leicht, dass dies System ein rein künst-
liches ist, wie es stets die Folge einer derartigen Eintheilung sein
muss ; in einem natürlichen würden die Epialiden trotz des ganz abwei-
chenden Flügelgeäders neben ihren natürlichen Verwandten, den Cos-
sincn zu stehen kommen. Ref.). Von den einzelnen Familien, welche
der Verf. weiter analysirt hat, zerfallen die Arctioiden nach ihm l)
in Arctioidea vera, die plumperen, haarigeren Arten umfassend, 2) in
Arctioidea geometriformia mit schlankerem , anliegend beschuppten
Körper, grossen breiten Flügeln von gleicher Farbe und Zeichnung,
Vorderschienen ohne Kralle, Hinterschienen mit Mittelspornen , Vor-
derflügel mit zwölf und Hinlerflügel mit acht Rippen ; 3) in Arcti-
oidea lithosiaeformia , durch schlanken Bau, nicht haarigen Körper,
schmale Vorder - und breite Hinterflügel ausgezeichnet und 4) in Arc-
tioidea syntomidiformia, durch kleine Ilinterflügel bei ziemlich plum-
pen, kräftigem Körper bezeichnet. Sie umfassen im (lanzen 30 Gat-
tungen. Die Lipariden sind in 14, die Lithosiiden in 24, die Synto-
moiden in 23 Galtungen aufgelöst; unter den Geometrinen im Sinne
der älteren Autoren kommen den Dendrometrinen 120, den Phytome-
trinen 22 Gallungen zu, deren nähere Begründung den grössten Theil
des bis jetzt vorliegenden Textes (p. 24—52) ausfüllt.
Aus der kurzen Uebersicht, welche Ref. von dem Inhalte des bis
jetzt vorliegenden Textes des Herr.-Schäfl'er'schen Werkes gegeben hat,
lässt sich ersehen, dass derselbe nur ein fragmentarischer ist, indem
darin einzelne aus dem Zusammenhange gerissene Gruppen oder Fami.
lien eingehend behandelt , die übrigen nur im allgemeinen Umrisse
hingestellt werden; wahrscheinlich hing diese verschiedene Behand-
lungsweiseje von der Reichhaltigkeit oder Beschränktheit des Materials
während des Jahres 1856. 433
ab, welches dem Verf. gerade zu Gebole stand. Was die nur nament-
lich angeführten Gattungen eines Theils der Familien betrifft, so ent-
behren sie bis jetzt einer näheren Begründung und fallen daher in
Betreff der Annahme oder Verwerfung dem Belieben späterer Autoren
anheim. Wo eine Analysirung der Gattungscharaktere stattgefunden
hat, wie bei den Arctioiden, Syntomiden, Lithosiiden u. s. w. , wird
eine Zurückführung auf die früher von Walker (1854 und 55) auf-
gestellten Gattungen nothwendig, wie sie von letzterem gegenwärtig
auch schon in seinem Supplement zu den Arctioiden und ßombyciden
vorgenommen worden ist. In Rücksicht auf die schönen Abbildungen
ist es wirklich zu bedauern, dass der Verf. nicht gleich von vorn
herein mit denselben gleichzeitig einen beschreibenden Text heraus-
gegeben hat, welcher, da hier Vollständigkeit weder bezweckt wurde
noch zu erreichen war, ja gar nicht auf die Systematik näher einzu-
gehen, sondern nur gründliche Beschreibungen derGattungs- und Art-
charaktere zu enthalten brauchte ; in der Ait der Publicirung verdient
das Hewitson'sche Werk gewiss nur Nachahmung.
Ein neues Unlei nehmen von H erri t h-S chä ffer, von
dem bis jetzt nur ein einzelnes Heft vorliegt, ist betitelt:
Neue Schmetterlinge aus Europa und den angränzendeu Län-
dern. 1. Heft, mit 9 ilhiminirten Kupfertafeln. Regensburg, J.
Manz, 1856. — Von den Tafeln sind acht der Darstellung
neuer oder unvollständig bekannter Arten von Lepidopteren
aus den verschiedensten Familien (zur Hälfte den Microlepi-
dopteren angehörig) gewidmet, die neunte bringt Abbildun-
gen von Raupen und Raupensäcken von Euprepia, Psyche
und Fumea. Die Abbildungen sind mit der aus den frühe-
ren Werken des Verf. bekannten Sorgsamkeit und Eleganz
ausgeführt. Der beifolgende Bogen Text enthält Anmerkun^
gen zu den schon bekannten und eine Beschreibung der
neuen Arten; letztere sind an ihrem Orte einzeln namhaft
gemacht worden.
Das durch seine vorzüglichen Abbildungen berühmte
Werk von S. C. Sepp „Beschouwing der Wonderen Gods
in de minstgeachlete Schepzelen of Nederlandsche Insekten«,
welches gegenwärtig durch Snellen vanVollenhoven
weitergeführt wird, liegt jetzt bis zum Schlüsse des siebenten
Bandes fertig vor. Von dem im J. 1855 begonnenen achten
Theile sind dem Ref. vier Lieferungen mit zehn Nummern
zur Ansicht zugegangen. Jede Nummer behandelt wie früher
Archiv f. Naturgesch. XXIII, Jahrg, 2. Bd. QQ
434 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
die Naturgeschichte einer Art durch alle Entwicklungsslufen
hindurch, welche zugleich auf einer beifolgenden Tafel in
ganz besonders kunstvoll ausgeführten Abbildungen darge-
stellt werden. Die in Rede stehenden Lieferungen des ach-
ten Bandes enlhallen mit Ausnahme einer Hesperia und eines
Tortrix ausschliesslich Noctuen , sämmtlich bereits bekannte
Arten.
Freyer's „Neuere Beiträge zur Schmetterlingskunde«
sind im Jahre 1856 mit fünf neuen Heften (Heft 111 bis 115)
fortgesetzt worden; dieselben enthalten fast ausschliesslich
Beschreibungen und Abbildungen bereits bekannter Arten,
zunj Theil in Verbindung mit den früheren Ständen ; bemer-
kenswerlh sind einige Aberrationen von ausgezeichneter
Schönheit.
Die abgebildeten und beschriebenen Arten sind nach den ein-
zelnen Heften, in denen sie enthalten, folgende: (Heftill) Lycaena
Argiolus, Icarus, Euprepia villica, Psyche pulla , calvella, Cidaria ri-
varia, alchemillaria, affinitaria und turbaria. — (Heft 112.) I.ycaena
Optilete, Argynnis Amathusia (Aberration), Xanthia ochroleuca, Era-
stria paulla, Idaea scutularia, Larentia sororiaria und trisignaria, Alu-
cita galactodactyla und ptilodactyla. — (Heft 113.) Colias Phicomone,
Lithosia Irrorea, Psyche viciella, villosella und opacella, Boarmia
extersaria und perversaria , Larentia Musauria n. sp. von der Mas-
sauer Alpe, Alucita trichodactyla und hieracii. — (Heft 114.) Argyn-
nis Pales, Psyche nitidella, apiformis und bombycella, Acronycta me-
nyanthidis, Larentia inturbaria, Begrandaria, Asopia farinalis, lienigia-
lis und Botys forficalis. — (Heft 115.) Argynnis Latonia (Aberration),
Euprepia flavia , Xanthia Cerago, Zerene grossulariata (Aberration),
Acidalia boreata, Alucita mictodactyla und pilosellae.
Eine Anzahl neuer Lepidopteren verschiedener Familien
aus dem Süd-Osten Australiens (Provinz Victoria) hat Nevv-
man in den Transactions of the enlomol. society 111.281 —
390. pl. 18 beschrieben und zum Theil abgebildet. („Chara-
cteis of a few Australian Lepidoptera , collecled by Th.
Oxley.«)
Bremer gab eine Aufzählung der von v. Motschul-
sky in Nord-Amerika gesammelten Lepidopteren, deren Zahl
sich auf etwa 150 beläuft. (Etudes entomol. V. p. 50.)
Die Europäische Lepidopteren -Fauna behandeln wieder
zahlreiche Beiträge, in der Aufzählung der an einzelnen Lo-
während des Jahres 1856 435
kalitäten vorkommenden Arten bestehend. Unter den Deut-
sclien Faunen verdient wegen ihrer Reichhaltigkeit und der
Sorgsamkeit der Bearbeitung in erster Stelle Erw^ähnung:
G. Koch, die Schmetterlinge des südwestlichen Deutsch-
lands, insbesonders der Umgegend von Frankfurt, Nassau und
der Hessischen Staaten, nebst Angabe der Fundorte und Flug-
plätze u. s. w. (Cassel , Theodor Fischer 1856. 8. 498 pag.
2 Taf. Abbildungen.) — Die Arbeit ist das Resultat 25jäh-
riger Beobachtungen des Verf. und hat dadurch eine Voll-
ständigkeit erlangt, wie sie bis jetzt nur wenige deutsche
Faunen darbieten möchten. Das Vcrzeichniss erstreckt sich
über sämmtliche Familien der Lepidopleren und enthält im Gan-
zen 1742 Arten (in Europa überhaupt kommen 4927, in
Deutschland 2840 Arten vor); dieselben vertheilen sich auf
die einzelnen Familien folgendermassen: Rhopalocera 120,
Sphingidae46, Bombycidae 115, Noctuae 300, Geometrae 250,
Pyralides 78, Tortricides 262, Tineidae 480, Pterophoridae27.
— Bei jeder Art citirt der Verf. die besten und gangbarsten
Beschreibungen und Abbildungen, giebt Nachricht über die
Erscheinungszeit der Raupe und des Schmetterlings, über die
Nahrungspflanzen und Verwandlungsart der ersteren so wie
über die speciellen Lokalitäten, an denen er selbst den letz-
teren angetroffen hat. Für die Aneinanderreihung und Um-
grenzung der Gattungen ist das Heydenreich'sche Vcrzeich-
niss zum Vorbild genommen, was der sonst ungemein fleis-
sigen Arbeit nicht immer („Sesiidae« und „Zygaenidae" wer-
den wie bei Heydenreich als Gattungsnamen genommen)
zum Vortheile gereicht. Die eine der beifolgenden Tafeln
liefert eine colorirte Abbildung der seltenen Varietät von
Smerinthus populi , die unter dem Namen Sm. tremulae be-
kannt ist. Von Interesse ist auch die vom Verf. als Anhang
gegebene „statistische vergleichende Uebersichtstabelle der
gegenwärtig bekannten Faunen«, in welcher die Artenzahlen
der beschriebenen deutschen Schmetterlingsfaunen nach Fa-
milien einander gegenübergestellt werden.
St au ding er setzte (Entomol. Zeit. p. 37 — 46) seinen
„Beilrag zur Lepidopteren- Fauna von Ober-Kärnthen« mit
einem Berichte über die von ihm auf dem Glockner-Gebirge
gesammelten und beobachteten Arten aus den Familien der
436 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Sphingiden , Bombyciden , Nocluiden, Geometriden und der
Microlepidopleren fori. Die fleissigen Beobachtungen des
Verf. über die vertikale Verbreitung mancher Arten sind ne-
ben dem Interesse, welches letztere an und für sich gewährt,
auch nicht selten in synonymischer Hinsicht von Belang,
indem dadurch z. B. mehrere Zygaeniden und Lithosien sich
als alpine Varietäten anderer Arten herausgestellt haben.
Als eine besonders interessante Entdeckung ist die bisher
unbekannte Raupe der Euprepia Quenselii Payk. anzusehen,
welche in einer Erhebunof von 7000 — 8000' auf niederen
Alpenpflanzen lebt und hier zuerst genau beschrieben wird.
VV. Schleicher, Verzeichniss der Lepidopteren des
Kreises ober dem Wienerwalde. (Verhandl. d. zoolog.-bo-
tan. Vereins in Wien VI. p. 653 — 670.) — Der genannte Kreis
gehört zu Nieder- Oeslerreich und reicht von der Donau bis
zur Alpenkette von Steyermark; das Verzeichniss der in ihm
vorkommenden Lepidopteren erstreckt sich über sämmtliche
Familien und zählt im Ganzen 1060 Arten auf: 106 Rhopa-
locera , 32 Sphingidae, 73 Bojnbycides , l42 Noctuae , 195
Geometrae, 57 Pyralidae, 171 Tortrices, 265 Tineae, 19 Pte-
rophoridae. Die Namen der einzelnen Arten sind mit Chiffern
versehen, welche ihre Häufigkeit, ihr Vorkommen in vertika-
ler Richtung u. s. w. bezeichnen.
üeber die Schlesische Lepidopteren-Fauna handeln: 1)
F. Wocke, Zweiter Nachtrag zur Schlesischen Lepidopte-
ren-Fauna (Breslauer Zeitschrift für die Entomologie, lOter
Jahrg. 1856. p. 1—8}. 2) A. Neustadt, Beitrag zu den
im Monat Juli um Gräfenberg und am Altvater vorkommen-
den Fallerarten (ebenda, 9. Jahrg. 1855. p. 29— 36). 3) v.
Prittwitz besprach einige für Schlesien neue Lepidopteren-
Arten und gab über ihre Fundorte Nachricht.
Die Zusammenstellung Wocke's der seit der Abfassung des
Schlesischen Lepidopteren - Catalogs aufgefundenen Arten' umfassl: l
Sphingide, 3 Bombyciden, 12 Noctuen, 7 Geometriden, 5 Crambiden,
16 Tortrices, 82 Tineen, 1 Pterophoride ; eine Tineide ist als neu be-
schrieben. — Die von Neustadt gegebene Aufzählung , bei der be-
sonders auf die vertikale Verbreitung der Arten Rücksicht genommen
wird, umfasst: 39 Rhopalocera , 6 Sphingiden, 20 Bombyciden, 40
Noctuen, 59 Geometrae, 23 Crambiden, 3 Pyraliden, 29 Tortrices, 19
Tineiden, 2 Pterophoriden.
während des Jahres 1856. 437
Schreiner, Bemerkungen über das Tessien 'sehe Verzeichniss
der um Altena und Hamburg gefundenen Schmetterlinge (Entomol.
Zeit, p 110 — 117). — Dieselben bestehen in Berichtigungen und Zu.
Sätzen, besonders in Betreff der Lebensweise und der Nahrungspflan-
zen von Raupen, so wie der Flugzeit einiger Falter nach des Verf.
eigenen Beobachtungen.
Ünger, Dritter Nachtrag zur Uebersicht der Meklenburgischen
Lepidopteren (Archiv des Vereins der Freunde der Naturgesch. in
Meklenburg X, 1. p. 63). Es werden darin 16 neue Arten aus den Fa-
milien der Macrolepidopteren aufgezählt.
Derselbe, „Zum Verständnisse der in der Lepidopterologie
gebräuchlichen Namen" (ebenda p..53ff.) sucht Gattungs. und Art-
Namen zu erklären und falsch gebildete zu verbessern.
Walleng ren, „Bidrag tili Sverges Lepidopterfnuna"
(Ötversigl af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl. 1856. p. 213 —
222) zählte 51 bisher nicht als Bewohner Schwedens bekannt
gewordene Lepidopteren-Arlen auf; sie gehören den Nocliien,
Geoinetriden und den Microlepidopteren an und sind sämmt-
lich mit lateinischen Diagnosen so wie mit Citaten versehen;
eine Noclua wird als neu angesehen und beschrieben.
„Schmetterlinge im Gouvernement von St. Petersburg
bis März 1856, zusammengestellt von J. C. Sievers.^* (Hel-
singfors 1856.8. 21 pag.) — Das unter diesem Titel erschie-
nene Verzeichniss ist als eine zweite Auflage des im J. 1852
von demselben Verf. herausgegebenen zu betrachten, gegen
welches es beträchtlich vermehrt erscheint; während jenes
837 Arten enthielt , ist die Zahl derselben im vorliegenden
auf 1054 gestiegen.
Obwohl von einer annähernden Vollständigkeit gewiss noch
weit entfernt, giebt das Verzeichniss ein nicht uninteressantes Bild
von der St. Petersburger Lepidoptercn-Fauna ; die Abnahme der Tag-
falter-Zahl, welche den Norden charakterisiert, tritt darin schon deut-
lich hervor, besonders in den Gattungen Alelitaea (3 A.), Limenitis und
Papilio (je 1 A.), Apatura (fehlt ganz), wogegen die specifisch nor-
dischen Argynnis - und Hipparchia-Arten schon auftreten. Von Russ-
land eigenthümlichen und besonders gesuchten Arten finden sich darin
u. a. Fygaera Timon und Catocala pacta; ferner auch zwei als neu
aufgeführte Arten, welche von Menetries in den Etudes entomolo-
giques V beschrieben worden sind. Das Verzeichniss erstreclit sich auf
sämmtliche Familien der Lepidopteren. ^
„Lepidopterologische Notizen« von 0. Bremer (Correspon-
438 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
denzblalt d. zoolog.-mineralog. Vereins zu Regensburg X. 1856. p. 77 ff.)
enthalten ebenfalls einige Bemerkungen über SchmetterliDge aus der
Umgegend von St. Petersburg.
Franz en au, Beitrag zur Lepidopleren-Fauna Siebenbürgens.
(Millheilungen des Siebenbürg. Ver. f. Naturwiss. in HermannsladtVII.
1856. p. 20ff.).
Französische Lokallaunen werden erörtert in: Bellier
de la Chavignerie, Observalions sur les Lepidopteres des
Basses-Alpes. (Annales de la soc. entomol. IV. p. 5— 26.) —
Guillemot, Observalions sur \cs Lepidopteres du prin-
temps des environs de Hyeres, coinpares ä ceiix de l'Auvergne,
- Derselbe, Vingt-cinq jours de chasses aux Lepidopte-
res ä Barcelonelle et ä l'Arche (Basses-Alpes); die beiden
letzleren Brochüren sind dem Ret', nur aus einer Anzeige im
Bulletin de la soc. entomol. IV. p. CXIX bekannt geworden.
Die in England neu aufgefundenen Arten hat Stain-
lon (Entomologist's Annual for 1856. p. 26—45) namhaft ge-
macht; es sind 2 Sesien, 2 Noctuen und eine grössere An-
zahl von Microlepidopleren , deren mehrere auch aU neue
Arten beschrieben und zum Theil abgebildet werden.
Im Zoologist 1856. p. 4999 ist von Asworth ein
Verzeichniss von Schmetterlingen mitgetheilt worden, die neu-
erdings in Wales aufgefunden worden sind. Dasselbe Blatt
enthält ausserdem eine Menge kleinerer Mitlheilungen über
einzelne Englische Arten, deren Erwähnung hier nicht an»
Orte ist. Von Interesse möchte das Vorkommen des Parnas-
sius Apollo bei Dover sein.
Notizen über die verschiedenen EntvVicklungsperioden
einiger Schmetterlingsarten von 0. Schreiner (Zeitschrift
f. d. gesammten Nalurwiss. VII. p. 242 ff.). — Der Verf. zählt
eine Reihe von Sphingiden, Bombyciden, Noctuiden undGeo-
metriden auf, welche sich zu ungewöhnlichen Jahreszeiten
aus der Puppe entwickelt haben und knüpft an dieselben
kurze Bemerkungen.
A. Speyer, Deutsche Schmetterlingskunde für Anfän-
ger, nebst einer Anleitung zum Sammeln. Als zweite, gänz-
lich umgearbeitete und vermehrte Auflage von Dr. Sehen-
ckel's Schmetlerlingssammler. Mainz 1856. (8. 271 pag. mit
34 color. Tafeln).
während des Jahres 1856. 439
Unter den zahlreichen mit ähnlichen Titeln erscheinenden Wer-
ken verdient das vorliegende hier erwähnt zu werden, indem es eine
wissenschaftlich gehaltene Einleitung in das Studium der
Schmetterlingskunde liefert. In dem vorangeschickten allgemeinen
Theile giebt der Verf. eine gedrängte, aber durchaus zweckentspre-
chend gehaltene Darstellung des äusseren und inneren Baues der Le-
pidopteren, der ersten Stände und ihrer Verwandlungsgeschichte, fer-
ner Nachrichten über ihre Lebensweise , Nahrung und Aufenthalt,
endlich Anweisungen zum Sammeln und Aufbewahren. Der zweite
specielle Theil ist ein kurzer und übersichtlich gearbeiteter Abriss
der gegenwärtig angenommenen systematischen Eintheilung nach H er-
r i c h - Seh äf f er's undZeller's Arbeiten, deren Familien, Gruppen
und Gattungen sämmtlich darin aufgenommen sind. Die deutschen
Arten sind zwar nicht ganz vollzählig beschrieben , werden aber
wenigstens überall durch die allgemeiner verbreiteten repräsentirt ;
ausserdem sind auch die übrigen, nur namentlich aufgeführten mit
Notizen versehen, die für das Bestimmen einigen Anhalt liefern. Die
Charakteristik der Arten sowohl wie der Gallungen und Familien ist
diagnostisch , d. h. sie beschränkt sich überall auf die wesentlichen,
unterscheidenden Merkmale, daher das Buch schon einige Anforde-
rungen an den Sammler macht. Die dasselbe begleitenden Tafeln
enthalten Abbildungen von Repräsentanten der verschiedensten Fami-
lien, deren Auswahl als zweckmässig zu bezeichnen ist.
Für Enoland hat Stainton ein ähnliches Handbuch
unter dem Titel; „A manual of British butterflies and nioths"
(London, J. van Voorst 1856. No. 1. 24 pag^. in 8.) be-
gonnen. Die in England vorkommenden Gattungen und Ar-
ten werden darin kurz beschriel)en und von letzteren je eine
als Repräsentant treffend im Holzschnitte (in den Text ein-
gedruckt) abgebildet,
RliopalocerH« Hewitson, Exotic Butterflies mit Part. 17
— 20. (London 1856) fortgesetzt.
Her ri ch-S chäf f er, Lepidopterorum exoticorum species no-
vae (Regensburg 1856). Ser. U. Lief. 5.
Stand fuss, Bemerkungen über einige an den Küsten Spaniens
und Siciliens fliegende Falter (Entomol. Zeit. p. 48 ff.). Forlsetzung
der im vorigen Jahresberichte p. 154 erwähnten Arbeit; handelt über
einige Lycaeniden.
E q u i t e s. — Von Gray (Proceedings of the zoolog. soc. of
London XXIV. p. 7 und Annais of nat. bist. XVIH. p. 486) wurde eine
neue Art der Gattung Ornithoptera unter dem Namen 0. Victoriae
bcschriebsn und auf Taf, 39 abgebildet; sie stammt von einem der
440 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Archipele des stillen Oceans und ist bis jetzt nur im weiblichen Ge-
schlechte bekannt.
Andere neue Arten sind : Papilio Abderus aus Mexiko und Nn~
micus aus Cuba , von Hop ff er (Nene Schmetterlinge des Berliner
Mus. II) , Papilio DioT-ipfus und EnryJeoii Hewitson (Exotic Butterflies
Pt. 17) aus Neu-Granada (hier wird zugleich Pap. Leucaspis God. ab-
gebildet).
A t kin son berichtet aus Calcutta fProceed. entomol. soc. p.l09),
dass Papilio Pammon und Polytes nicht, wie Boisduval glaubt,
Männchen und Weibchen derselben Art seien; ersterer sei eine der
gemeinsten Arten bei Calcutta und er selber habe mehrere Weibchen
derselben gesehen. — Westwood erwidert darauf, dass beide Ar-
ten mit einander in Copula gefangen worden seien.
G. Sandberger gab (Jahrbücher des Vereins für Naturkunde
im Herzogthum Nassau XI. p. 97) eine Notiz über eine in Nassau ge-
fangene ausgezeichnete Aberration des Papilio Podalirius und bildete
dieselbe auf Taf. 2 nebst der Stammform ab.
Pieridae. — Von H e r ri c h - Sc hä f f e r (a. a. 0.) wurden
Abbildungen von Euterpe Sebennica ßsdv. und Teutile Doubl, aus
Mexiko gegeben.
II e li CO n i dae. — Neue Arten von Hewitson abgebildet
und beschrieben sind: (Part. 17) Mechanilis Menapis, Menophilus und
Messatis von Neu-Granada, Mnasias vom Amazonenstrome. — (Pt. 18)
Ithomia Hyala von Guayaquil , Lngusa aus Neu - Granada , Larina,
ZerlinOf Julaia, Gephiva und Gonussu ebendaher; ausserdem nochma-
lige Abbildungen von Ithomia Iphianassa und Ocalea Doubl. Hewits.
— (Pt. 19) Ithomia Uliila aus Neu-Granada, ferner Ithomia Phenomoe
Doubl, und Makrena Hewits. in verschiedenen Varietäten. — (Pt. 20)
Ithomia Lilla von Guayaquil, Sao Hübn., Virginiana (Virginia Boisd.
i. lit.) , Zelica , Zibia und Zemira von Guayaquil und Neu-Granada,
Yanina Drury, Euritea Gramer und Sylvo Hübn.
Nymphalidae. — Pophia Electra (Westw. Hewits.) und Pa-
nariste aus Neu-Granada wurden von Hewitson (Pt. 20), Diadema
Beckeri aus West-Afrika von Herrich-Schäffer (ser. II. Lief. 5)
abgebildet.
A SS mann (Breslauer Zeitschr. f. d. Entomol. 9. Jahrg. p. 5 ff.)
versucht noch einmal die Art - Unterschiede zwischen Argynnis Pales
und Arsilache auseinanderzusetzen, ohne etwas Neues und Entschei-
dendes beizubringen , was zur Auseinanderhaltung dieser beiden Va-
rietäten dienen könnte.
Morphidae. — Dynastor Napoleoti (Bsd. i. lit.) aus Süd-Ame-
rika, n. A. von H tirr i c h - S ch ä f f e r (Lief. 5) , Moipho Cypris He-
witson (Pt. 20j, prachtvolle neue Art aus Neu»Granada, hier im weib-
wählend des Jahres 1856. 441
liehen Geschlecht abgebildet; ausserdem wird eine Abbildung von
Morpho Sulkowskyi Koll. (Ganymede Westw.) gegeben.
Satyridae, — Von H er r i ch - S ch ä f f e r (Lief. 5) abgebil-
det: Corades Auriga und Ichlbyn (Moritz i. lit ) aus Venezuela , Pro-
nophila Irmina Doubl, und Zapatoca Westw. ebendaher.
Asmuss (Breslauer Zeitschr. f. d. Entomol. X. p. 9) beschrieb
unter dem Kamen Coenonymplta Anaxogoras eine merkwürdige Varietät
der Coenon. Iphis, die in Russland aul'gefunden worden ist.
Erycinidae. — Neue Arten vonHewitson abgebildet und
beschrieben sind: (Pt.l8) Emygona Etiodias, Eulychus (Ovülsi Cram.'i),
Eulione und Euryone vom Amazonenslrome : lerner von bekannten:
Eurygona Phedica Bsd., Orfita Cram., Mys Bsd., Herr. -Seh., letztere
in fünf Varietäten abgebildet. — (Pt. 19) Eurygona Eugeon, Eurypus^
Eubotes , Eubages , Euromus ^ Clesa und Euhemerus vom Amazonen-
strome.
Boisduval (Bullet, d. 1. soc. entomol. p. XGIX) theilte Bar's
Beobachtungen über einige Eryciniden aus Guyana mit; die Raupe
von Meliboeus hat das Ansehn einer Liparis-Raupe, die von Eurygona
lebt gesellig nach Art des Prozessionsspinners. Die Falter sind in
der Lebensweise sehr verschieden; einige fliegen in der Dämmerung
(Helicopis, Limnas); andere bei Tage (Eurygona), andere (Erycina)
setzen sich mit ausgebreiteten Flügeln nach Art der Spanner an die
Unterseite der Blätter.
Lycaenidae. — H errich -S c hä ff e r (Neue Schmetterlinge
aus Europa und den angränzenden Ländern, 1. Heft.) gab Abbil-
dungen von Lycaena Elvira Eversm. und Polyommatus Athamantis
Eversm. ,
Cststnia.ria.e« Neue Arten sind: Caslnia Julurna , Galin-
thias, Dionaea und Medürina aus Brasilien, Chelone aus Mexiko, von
Hopffer (Neue Schmetterl. des Berl. Mus. II) aufgestellt;, zugleich
wird hier Castnia Inka Walker abgebildet.
Caslnia Ciela Bsd. und abermals C. Inca Bsd. wurden von
Herrich -Seh äffer (Lepidopt. exotic. spec. nov. ser. II) ab-
gebildet.
Spliing-ides. Sesiariae. — Beitrag zur Feststellung der
bisher bekannten Sesien-Arten Europa's und des angränzenden Asiens
von 0. Staudinger (Steltiner Entomol. Zeit. p. 145, 193, 257 und
.323 fr.). Der Verf. schickt seiner Arbeit ein Verzeichniss der in der-
selben abgehandelten Arten voran, welches eine Zahl von 56 für
Europa (und den angränzenden Theil Klein _ Asiens) nachweist; es
kommen davon 3 auf die Gattung Trochilium , 5 auf Sciapteron , 45
auf Sesia, 1 auf Bembecia und 1 auf Paranthrene. Die Arbeit selbst
beginnt mit einer Uebersicht über die einschlagende Literatur von den
442 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
älteren Autoren an und einer Critik der in den verschiedenen Werken
beschriebenen und abgebildeten Arten (p. 149 — 172); sodann verbreitet
sich der Verf. über die für die Unterscheidung der Species, von de-
nen manche eine grosse Veränderlichkeit in Grösse und Färbung, oft
auch nach den beiden Geschlechtern namhafte Verschiedenheilen dar-
bieten, brauchbaren Merkmale und zeigt, dass eine beträchtliche An-
zahl von Arten der früheren Autoren auf individuellen Abweichungen
bereits bekannter beruhen. Der übrige Theil der Arbeit ist einer sehr
gründlichen und fleissigen Auseinandersetzung der Arten gewidmet, von
denen die hinreichend bekannten nur mit Diagnosen und vollständi-
ger Anführung der Literatur , so wie , wo es nölhig war , mit kriti-
schen Bemerkungen über die Synonyma der früheren Autoren verse-
hen worden sind; dagegen sind alle diejenigen, deren Unterscheidung
von nahe verwandten Arten Schwierigkeiten darbietet (und dies sind
bei weitem die zahlreicheren), ferner auch besonders solche, welche
zahlreichen Abänderungen unterworfen sind , durch ausführliche Be-
schreibungen kenntlich gemacht worden und die diagnostischen Merk,
male derselben scharf hervorgehoben. Zur Feststellung der Synony-
mie haben dem Verf. zahlreiche typische Exemplare besonders für
die von neueren Autoren aufgestellten Arten zu Gebote gestanden,
wie überhaupt der Arbeit ein sehr bedeutendes Material, das hier be-
sonders wünschenswerth war, zu Grunde gelegen hat. Als neu be-
schriebene Arten finden sich nur wenige vor: Sciapleron Gruneri von
Amasia und Sesia chalcocnemis von Montpellier; ausserdem sind aber
mehrere Arten , welche von den Autoren irriger Weise auf früher
bekannt gemachte bezogen worden sind, vom Verf. mit neuen Namen
belegt worden.
Asa Fitch (Report on the noxious Insects ef New -York,
p. 108 ff.) beschrieb die ersten Stände von Aegeria exitiosa Say und
ihre Lebensweise ; die weissliche Uaupe greift die Wurzeln der Pfirsich-
bäume an und bewirkt einen starken Auslluss von Harz aus den-
selben.
Sphinges gcnuinae. — Für die Kennlniss der ausländi-
schen Arten sowohl dieser als der vorigen Abiheilung der Sphingi-
den ist der oben erwähnte Catalog der Sphingiden des British Mu-
seum, von F. Walker bearbeitet, von Wichtigkeit; es ist darin eine
beträchtliche Anzahl neuer Gattungen errichtet so wie zahlreiche neue
Arten beschrieben.
Einige neue Arten wurden auch von H er rieh - Seh äff er
(Lcpidopt. exot, ser. II) abgebildet: Sphinx aper ßsd. aus Venezuela,
Phoenix Bsd. aus Java, Thyreus eleganlulus aus SüJ-Amerika (?j.
Burmeister hat (Abhandlungen d. naturf. Gesellsch. zu Halle
111. Sitzungsberichte p. 58 ff.) eine „ systematische Uebersicht der
Sphingiden Brasiliens" gegeben, in v/cicher er versucht hat, sowohl
während des Jahres 1856. 443
nach den Kennzeichen der Raupen, deren mehrere von ihm in na-
tura beobachtet worden sind, als nach denen der Imagines eine Ein-
theilung in Gattungen vorzunehmen. Da die Arbeit in dasselbe Jahr
mit dem Erscheinen von W a 1 k e r's Catalog der Sphingiden des British
Museum fällt, so sind dieselben Gattungen von beiden Autoren unter
verschiedenen Namen aufgestellt worden, wie dies die im Folgenden
beigefügten Notizen nachweisen. Die Brasilianischen Sphingiden zer-
fallen nach Burmeister in 10 Galtungen : 1) Philampelus Harr, mit
4 Arten : Labruscae Lin. , Satellitia Lin. , Vitis Lin. und Tersa Lin.
Die letzte Art weicht nach Burm. von den drei ersten darin ab, dass
die Raupe ihr Hörn bis zur Verpuppung behält , während jene es
schon nach der ersten oder zweiten Häutung verlieren. (Der Schmet-
terling ist ebenfalls durchaus abweichend und muss einer eigenen
Gattung Chaerocampa Bsd. Walk, zugetheilt werden.) 2) Deilephila
Ochsenh. mit einer Art D. ficus Lin. (Diese Art weicht von den
inländischen Deilephilen sehr ab und gehört zur Gattung Pachylia Bsd.
Walk.) 3) Protoparce n. g. auf Sph. rustica Fabr. gegründet, und 4)
Pseudosphinx n. g. (Sph. tetrio Lin.) entsprechen beide zusammen der
Gattung Macrosila Walk. 5) Sphinx mit 7 Arten, wovon Spk. Li-
chenea als neu beschrieben wird (von Walker unter demselben Na-
men charakterisirt). 6) Dilopkonola n. g. ist gleich Anceryx Bsd.
W^alk., darunter 3 bekannte Arten beschrieben und 2 andere namentlich
aufgeführt. 7) Ambutyx Bsd. i. lit. (gleicher Name bei Walker)
mit 2 Arten. 8) Smerinthus Ochsenh. (in Brasilien nicht vertreten).
9) Plerogon auf Sph. lugubris Lin, und Danum Cram. begründet; der
Gattungsname ist jedoch von Boisduval für Sph. oenotherae u. s. w.
aufgestellt und ist daher für die hier genannten Arten die Benennung
Enyo Hübr. Walk, einzuführen. 10) Macroglossa Ochsenh. mit 4 Ar-
ten: Sph. Tantalus Lin., Sistjphus n. sp. , Titan Cram. und Ceculus
Cram. Von besonderem Interesse sind die Beschreibungen der Kau-
pen einer grösseren Anzahl von Arten, welche B. gegeben hat, so
wie die Nachrichten über ihre Futterpflanzen; die Kenntniss derselben
so wie auch die der Puppen ist um so Wünschenswerther, als sie
zur Abgränzung von Gattungen zum Theil wesentlichere und präg-
nantere Charaktere darbieten als die Imagines. Eine Beschreibung
der Arten ist nur in einzelnen Fällen, wo es einer solchen bedurfte,
gegeben; die meisten sind nur mit Diagnosen versehen. Als irrig zu
bezeichnen ist die Angabe des Verf., dass bei der Gattung Smerinthus
die beiden Dornenpaare an den Hinterschienen fehlen ; sie sind durch-
aus deutlich vorhanden, auch gar nicht einmal klein, sondern nur
unter den dichten wolligen Haaren bei wohlerhaltenen Exemplaren
versleckt.
Boisduval (Bullet d. 1. soc. entomol. IV. p. LXXXVII) fand
die Raupen von Deilephila Elpenor und Lineata io Pariser Gärten auf
444 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Fuchsia, die der Deilephila Galii auf Escalonia, von welchen Pflan-
zen sie sich hier nährten.
Sur les Premiers etats du Calliomma Pluto, par le Dr. A. Cha-
V a n n e s Bullet, de la soc. Vaudoise des scienc. natur. , Decbr. 1854). —
Die Raupe der Sphinx Pluto Cram. , welche hier beschrieben wird,
ist von eigenthümlichem, spannerartigen Habitus, in der Jugend ge-
schwänzt; sie verpuppt sich nicht unter der Erde, sondern in einem
losen Gespinnste frei an Baumstämmen.
CJiel«>nariae. Eine Anzahl neuer Arten wurde von Her-
rich - S c h äff er (Lepidopt. exolic. ser. II. Lief. 23 — 25) abgebildet:
Plereles guttata Bsd. aus Californien, Trichromia admirabilis Cram.,
Crealonotus appendiciilalus von Rio Janeiro, Aganopis subquadrala aus
Silhet , Crealonotus lobifer aus Süd-Amerika, Idioctetus leucanioides,
Arclia funeralis ebendaher, Phegoptera eleganlissima aus Mexiko, Lich~
noptera gulo Mor. i. lit. aus Venezuela , moesta Mor. i. lit. ebendaher,
Macrobrochis inlerslilialis aus Ostindien, Coryphyala orbigera aus Bra-
silien und Tigridoplera exul aus Ostindien.
Von Newman (Transact. entomol. soc. III. p. 285 f.) : Ter.
messa Shepherdi und Oenosandra Boisduvalii aus Neu. Holland; erstere
auf Taf. 18 abgebildet.
Zygaena Trüchmena Eversm. wurde von H err ich- Schaf f er
(Neue Schmetterlinge aus Europa, 1. Lief.) abgebildet.
Callimorpha Hera ist neuerdings zu mehreren Exemplaren in
England aufgefunden worden. (Proceed. entomol. soc. III. p. 125).
Staudinger (Entomol. Zeit. p. 39) gab eine ausführliche
Beschreibung der Raupe von Euprepia Quenselii Payk. ; sie ist schwarz,
mit hellerer Rückenlinie und gelben Warzen längs den Seiten, wäh-
rend alle übrigen die Körperfarbe zeigen. Die Raupe lebt im Juli
7000 — 8000' hoch im Gross - Glockner Gebirge. Die Entwicklung
eines Exemplares aus der Puppe erfolgte nach 14 Tagen. — Gleich,
zeitig wurde die Raupe auch von v. Hey den (ebenda p. 184 ff.)
beschrieben.
Asa Eitch (Report on the noxious Insects of New - York
p. 159 ff.) beschrieb die ersten Stände und deren Lebensweise von
Lophocampa Caryae Harris; die Raupe verzehrte die Blätter des Nord-
Amerikanischen Wallnussbaumes und ist mit gleichen Haarbüscheln
wie unsere einheimischen Orgyia-Arten versehen.
Ag'aristariae* Darcela hesperica (Bsd. i. lit.) aus dem In-
nern ßrasilien's wurde von H erric h - Sc hä ff er (Lepidopt. exot.
ser. II.) als neue Art abgebildet.
Cossinie Newman machte (Transact. entomol, soc. III. p, 282)
eine neue Art: Zemera Duponchelii aus Neu-Holland bekannt.
Tirema (iampicola Eversm., Endagria salicicola Eversm. und Aty-
während des Jahres 1856. 445
chia exilis Eversm. (Chimaera) wurden von Herrich - Schaff er
(Neue Schmetterl. aus Europa, 1. Heft) abgebildet.
Eine neue Art aus der Hepialiden - Gruppe ist Epialus pretiosits
Herrich-Schäffer (Lepidopt. exot. spec. nov. ser. II.) aus Brasilien.
Bonihycides* Eine grössere Anzahl neuer Arten wurde
von Herrich -Seh äff er (l'.epidopt. exot. sp. nov. ser. II. Lief. 23 —
25) durch Abbildungen bekannt gemacht: Ftilophora (Ji ) insignis aus
Neu-Holland , Cnethocampa ochroguttata ebendaher, Fsycharium pellu-
cens aus Afrika (?;, Plegopteryx anomalus von Sierra-Leona, Mimnllo
trilunula aus Brasilien, Hygrochroa ficus (Mor. i. lit.) und Zelica lbalas~
sina aus Süd-Amerika, Cnethocampa lugens aus Neu-Holland, Ocneria
violascens aus Brasilien, Cilix americana aus Kord-Amerika, Gastropa"
cha obtusa aus Süd- Amerika, prolracta aus Afrika (?) , Orgyia tri^
color aus Afrika, Ja Beckeri aus Süd- Amerika, Hylosia dissimilis Bsd.
aus Brasilien, Nolodonla trancata ^ Drymonia ochromixta , Trogoptera
erosa^ Enclea scissa, diazonalis und tiaiia aus Süd-Amerika, Ommalo~
ptera telrophthnlma und diophlkalma aus Van - Diemensland, Datcera
palpigera aus Ostindien, Thaumatoptera Levinii aus Neu-Holland,
Xenarchus osorius aus Brasilien , Limacodes dimidiatus ebendaher,
Drymonia mucorea^ dimidiata und Ochrosoma apicale aus Süd-Amerika,
Oeceticus fulgurator aus Neu-Holland, Animula dichroa aus Venezuela,
Echedorus mexicanus aus Mexiko und Olenoptera flavilimbata aus
Brasilien.
New man beschrieb (Transact. entomol. soc. III. p. 283 ff.)
Teara denticulata, Gvenei und Edwardsii aus Neu - Holland, letztere
beide auf Taf. 18 abgebildet,
Salle (Bullet, d. 1. soc. entomol. IV. p. XCII) gab eine kurze
Charakteristik einer neuen Art: Saiurnia Montezuma, mit der Nord-
Amerikanischen Sat. Polyphemus nahe verwandt, von Orizaba in Me-
xiko; die Raupe lebt auf Platanus occidentalis.
Ueber mehrere Nord-Amerikanische Bombyciden hat A s a Fitch
(Report on the noxious Insects of New - York p. 241, 263, 274 ff.)
nähere Mittheilungen gemacht. Die Raupe der Fhalaena ministra
Drury, welche unserer einheimischen Pygaera bucephala in der
Form sehr ähnlich ist, lebt in Nord -Amerika vorzüglich auf dem
Apfelbaum und wird demselben sehr schädlich. Asa Fitch meint,
der Schmetterling gehöre nicht zur Gattung Pygaera, wohin ihn Har-
ris gebracht, noch zu Petasia (nach Westwoodj, sondern er will
ihn einer besonderen Gattung Eiimelopona unterordnen. Indessen es
ist schon auf diese Art von Guerin (Iconogr. d. regne animalj die
Gattung Sericaria (Bsdv. i. lit.) gegründet worden, mit welcher auch
Datana Walker (Brit. Mus. Catal.) zusammenfällt. — Auf der Lärche
lebt in Nord - Amerika und richtet in den Wäldern grossen Schaden
446 Gersta ecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
an, eine neue Art: Flanosa laricAs (Abbildung auf pl. 2. fig. 5. 6),
welche in ihren verschiedenen Ständen ausführlich geschildert wird;
die Gattung Planosa gehört zur Gaslropacha-Gruppe, umfasst zugleich
die Bomb. Velleda Sloll und unterscheidet sich von Gastropacha sens.
strict. durch abweichendes Geäder der Vorderflügel. (Sie würde mit
Caeculia Herr. -Seh., Walker, welche auf Bomb. Velleda gegründet
ist, zusammenfallen. Ref.). — Closlera albosigma ist eine neue Art
(auf pl. 2. lig. 4 abgebildet) , deren Raupe auf Pappeln lebt.
Von Menetries (Etudes entomol. V. p. 42) wurde ISotodonta
Sieversii als neue Art von St. Petersburg aufgestellt.
Note sur les vers ä soie sauvages de la Chine, par le Dr.
Chavannes (Bullet, de la soc. imp, zoologique d'acclimatation, Mars
1855). Der Verf. giebt 4 Saturnia-Arten , die in China vorkommen,
als zur Gewinnung von Seide brauchbar an: Sat. Atlas, welche die
beste Seide liefert und die grösste aller Arten ist, Sat. Cynthia,
welche die Bengalische Eria-Seide liefert, Sat. Mylitla, die Erzeuge-
rinn der Tussah-Seide ; letztere scheint mit einer vierten Art, welche
auf der Eiche lebt und vielleicht mit Sat. Assamensis Helf. identisch
ist, vermengt worden zu sein. Beide liefern den Chinesischen Sei-
denstoff Ta-kien , welcher der am mindesten geachtete ist. Bemer-
kensvverth ist, dass diese Arten eine grössere Verbreitung bis Ben-
galen und Assam (eine bis nach Afrika) haben und in den verschie-
denen Ländern oft verschiedene Pflanzen fressen; letzterer Umstand
erleichtert ihre Zucht in entfernten Gegenden und ihre Acclimatisation
wesentlich.
Kotice sur ks Saturnies sericigenes et sur leur introduction en
Europe, par le Dr. Chavannes (Bulletin de la soc. Vaudoise des
scienc. nalur., Janvier 1SS5). — In dieser Abhandlung giebt derVerf.
eine Aufzählung der Saturnien aller Welttheile, deren Gespinnste zur
Gewinnung von Seide brauchbar und zum Theil bereits angewandt
worden sind. Asiatische Arten sind: Sat. Atlas Lin., Cynthia, Mylitta
Fab., Pernyi Guer. , Assamensis Helf. , Perroteti Guer. , Selene Fab.,
Leto Doubl. — Von Afrikanischen Arten würden besonders Sat. Co-
metes und Mimosae Bsd. und Sat. Bauhiniae nutzbar zu machen sein.
— Aus Süd-Amerika: Sat. Aurota Fab., Ethra Fab., Speculum Bsd.,
Augias Bsd. und Encelades Bsd., aus Mexiko: Sat. Urbignyana Guer.,
aus Nord-Amerika: Sat. Cecropia Fab., Polyphemus Fab. und Luna
Lin. — Die Cocons der Australischen Arten sind nicht bekannt, die
der Europäischen zur Gewinnung von Seide nicht anwendbar.
ill^octuaes Von Walker (List of the specimens of Lepido-
pterous Insects, Noctuidae) wurden neben einer beträchtlichen An-
zahl neuer ausländischer Arten auch mehrere neue Gattungen be-
schrieben, deren namentliche Aufführung nebst der Angabe über ihre
whärend des Jahres 1856. 447
Stellung zu dem Guenee'schen Systeme der Familie vielleicht nicht
ohne Interesse sein wird. Es sind folgende: 1) Corula mit einer Art:
C. geometroides von Sidney, zur Gruppe Cymatophorides gehörend,
zwischen Leptina und Cymatophora stehend. — In der Gruppe Leu-
canides: 2) Cartanca mit einer Art: C. trisecla aus Neu-Schottland,
zwischen Coenobia und Nonagria. 3) Aileta (Art: A. musculina von
den Philippinen) zwischen Nonagria und Proxenus. 5) Timora^ auf
Nonagria Senegalensis Guenee gegründet. 6) Eschala neben der vo-
rigen mit einer Art: E. geiida aus Ostindien. 7) Conlrebia^ 8) Obrima
und 9) Deinopa mit einzelnen südamerikanischen Arten , sich den vo-
rigen Gattungen anschliessend. — In der Gruppe Glottulidae: 10) Fra^
cara für Koct. viridata Cram. 11) Chasmina mit zwei Arten von
Ostindien und Ceylon. 12) Baeciila mit zwei Süd - Amerikanischen
Arten, worunter Phal. Cupentia Cram, 13) Dandaca mit einer Ostin-
dischen Art. 14) Cubena für Phal. Polydamia Cram. 15) Betusa mit
einer Art: B. Phasianus von Parä. 16) Cissusa für Phal. Spadix
Cram. — In der Gruppe Gortynides : 17) Marihula mit einer Art : M.
quadrata von Parä. — In der Gruppe Xylophasides : 18) — 20) Chi.
ripha, Dargida und Fellia, je mit einer Art, sich an Neuria Guen. an-
schliessend. — In der Gruppe Apamides : 21) Condica , neben Mame.
stra und Dasygaster Guen. , mit einer Art, — In der Gruppe Ortho,
sidae : 22) — 26) Carea, Episparis, Amarna , Epilavsa und Dabarila
je mit einer Art, stehen am Ende dieser Gruppe. — In den Gruppen
der Noctuidae und Cosmidae sind keine neuen Gattungen errichtet
worden.
Eversmann hat seine unter dem Titel: „Les Noctuelites de
la Russie" begonnene Aufzählung und Beschreibung der in Uussland
einheimischen Arten dieser Familie mit mehreren Folgen im Bulletin
de la SOG. des natural, de Jloscou 1S55. No. IV. p. 313 — 427- und 1856.
No. II. p. 161—233. No. III. p. 1-120 fortgeführt. Die hier abgehan-
delten Gruppen sind: Orthosides: Caradrina 19 Arten, Orthosia 30,
Tethea 3, Xanthia 14 (davon X velerina vom Altai neu), Cosmia 13,
Gortyna 5. — Noctuides: Triphaena 6, Noctua27, Agrotis 61 (/4. ro-
busla Kind. i. lit. vom Altai, Kirghisa aus den südlichen Steppen,
Armena aus dem Russischen Armenien sind' neu) , Amphipyra 8. —
Hadenides : Hadcna 34, Apamea 0, Polia 48 (/\ Vesperugo von Ir-
kutsk , obvia von Kasan sind neu), Dianthoecia 19 (i>. aberrans von
Kiachtha neu), Neuria 5, IMania 2, Piacodes 3, Eriopus 1, Eurhipia l.
— Der Abhandlung sind drei Tafeln beigefügt, von denen die eine
zum Theil colorirt, die übrigen schwarz sind ; sie geben die Darstel-
lung von 25 Arten, welche zum Theil in der vorliegenden, zum
Theil in früheren Abhandlungen von Eversmann beschrieben wor-
den sind.
Von Herrich-Scbäffer (Neue Schmetterlinge aus Europa,
448 Gerstaecker: Bericht üb, d. Leistungen in d. Entomologie
1. Heft) wurden beschrieben und abgebildet: Orlhosia porosaEversm.,
Leucania albiradiosa, Agrotis fallax, scripturosa, acurainifera, A'pnme.a
onychina n. sp. von Korderney und Polin acessa n. sp. von Amberg.
Von demselben (Lepidopt. exot. ser. II) wurde Ophiusa (?)
serra (Mor. i. lil.) als n. A. aus Venezuela abgebildet.
Eugraphc Glossemalis Wallengren n. A. aus Schweden (Öfvers.
af Kongl. Yetensk. Akad. Förhandl. p. 213) , Calocala aduUera Me-
netries n. A. von St. Petersburg (Etudes entomol. V. p. 47).
Assmann (Breslauer Zeitschrift f. d. Entomologie, 9. Jahrg.
p. 15 ff.) beschrieb die ersten Stände und einen Zwitter der Koctua
Conflua. Die Raupe lebt auf Polygonum bistorta auf dem Altvater in
Schlesien und zwar vom August bis Anfang Julius des folgenden
Jahres, wo sie erwachsen ist Auf einer beifolgenden Tafel sind die
ersten Stände, der Zwitter und mehrere Varietäten der Eule abgebil-
det. (Der Zwitter einer Eule ist eine besondere Seltenheit und bis
jetzt kaum zur Kenntniss gekommen ; das hiesige Museum erhielt
neuerdings einen solchen von Noctua tenebrosa mit vollständiger Son-
derung der beiden Geschlechter zur Seite der Mittellinie. Ref.)
Uranidiie. Eine Anzahl sehr ausgezeichneter neuer und
wenig bekannter Arten dieser Familie machte H o p f f e r (Neue
Schmetterlinge des Berliner Museum , Heft II) durch Beschreibungen
und Abbildungen bekannt: Nyclalemon Metaurus vom Australischen
Archipel, eine von N. Orontes Lin. verschiedene aber bisher damit
vereinigte Art; iV. Mcnoetius aus Manila, mit N. Patroclus Lin. von
Drury und Gramer zusammengeworfen, aber davon specifisch ver-
schieden; Coronis Hypkasis aus Mexiko, Hysudrus aus Brasilien und
M,exiko, Canace aus Brasilien und Echenais aus Mexiko.
Creoiiietrsae» Neue ausländische Arten, von Herrich-
Schäffer (Lepidoptjj exot. spec. nov., Ser. 11) abgebildet, sind: //e-
mioplisis drepanularia, Acrosemia decurtaria , Microsemia latislrigaria
aus Süd- Amerika, Cratoptera recurvaria aus Venezuela, Folla costi-
punclaria aus Brasilien, Feielia medardaria aus Ostindien, Comibaena
trogonaria und Tliysanopyga apicilruncaria aus Brasilien , Plalaea Ca-
liforniania aus Californien, Melanopliloii timidaria und Diplochroa bi~
cenlraria aus Columbien.
Zwei neue Europäische Arten sind : Fidonia psychinaria Rosen-
hauer (Thiere Andalusiens p. 397) und Geomelra Magdalenaria Bel-
iier d. 1. Chavignerie von den Basses-Alpes (Annales d. 1. soc ento-
mol. IV. p. 23. pl. i. fig. I). Letztere Art ist gleichzeitig von Guil-
lemot unter dem Namen Geomelra Pierrelaria beschrieben worden
(IJulletin d. 1. soc. entomol. IV. p. LH und p. LV).
Ueber die ersten Stände und die Naturgeschichte einiget Arten
dieser Eamilie wurden Mittheilungen gemacht: Von v. Hornig (Ver-
während des Jahres 1856. 449
handl. d. zoolog.-botan. Vereins in Wien VI. p. 2111.) über die Raupe
von Cidaria caesiata ; sie lebt in der subalpinen Region der Steyeri-
schen Gebirge auf Erica carnea und verwandelt sich Mitte Juni in
einem lockeren Gewebe in der Erde. — Von Schedl (ebenda p. 163)
über die Raupe von Eupithecia Maycri Mann; sie lebt auf Kalkbergcn
bei Wien auf Alsine verna im Juli und August, verwandelt sich in
einem losen Gewebe an der Erde und liefert den Schmetterling im
Juli des folgenden Jahres. — Von Assmuss (Hresiauer Zeitschrift
f. d. Entomologie 10. Jahrg. p. 10) über die ersten Stände der La-
rentia pyropala Hübn. ; die Raupe lebt in Uussland auf Ribes grossu-
laria im August und September ; der SchmeUerling findet sich beson-
ders häufig in Gärten.
Schneider (34. Jahresbericht d Schlesisch. Gesellsch. f. va-
lerl. Cultur p. llOff.) machte fernere Mittheilungen über die in Schle.
sien einheimischen Geometriden ; die aufgezählten Arten gehören den
Gattungen Rhyparia , Zerene, Bapta, Cabera , Numeria, Ellopia und
Metrocampa an.
Pyralifles, Asa Fitch (Report on the noxious Insects of
]\ew-York p. 323) berichtete über den Schaden, welchen Hypena Hu-
muli Harris am Hopfen anrichtet, dessen Blätter die Raupen fressen
und beschrieb Hypena elegantalis als neue Art aus Word - Amerika.
Beide Arten sind auf pl. 1. fig. 1 u. 2 abgebildet.
Notice of the „Borer", a Caterpillar very injurious to the Su-
gar-Cane, by J 0. West wo od (Journal of the proeeed. of the Lin-
nean soc. , Zoology I. p. 102}. — Der Verf. giebt Nachricht über
eine Raupe, die auf der Insel Mauritius grossen Schaden im Zucker-
rohre anrichtet; ein Vergleich hat ihre Identität mit Phalaena sac-
charalis Fabr. aus West-Indien ergeben, so dass sie augenscheinlich
von dorther importirt ist.
Tortrices. H e r r i c h - Sc h ä f f er (Neue Schmetterlinge aus
Europa, Heft I) gab Beschreibungen und Abbildungen von folgenden
neuen Arten: Cochylis Valdensiana von Wallis, liihilenlana aus den
Alpen, Tortrix perochreana aus Frankreich, Loxotaenia Lorquiniana
(Dup. i. lit.) von Frankfurt a. M
Eine neue Englische Art ist Mlxodia Hawkerana Stainton (En-
tomologist's Annual 1856. p. 33.)
Asa Fitch (Report on the noxious Insects of New- York p. 241
und 244 ff.) beschrieb: Brackylaenia nialana n. sp., in Nord-Amerika
dem Apfelbaume schädlich (auf pl. 3. fig. 5 abgebildet) und Brachy.
laenia triquetrana ebenda in Wäldern.
Tortrix Asioorlhana und Standislana Newman (Transact. entomol.
soc. III. p. 286 ff) sind zwei neue Arten aus Neu-HoUand.
V. Hornig beschrieb die Raupe von Grapholitha conterminana
Archiv f Nahirgescb. XXII I. Jahrg. 2. Bd. [)£)
450 Gerstaecker: BöHcht «b. d. Leistungen in d. Entomologie
Herr.. Seh. (\erhandl. d. zoolog.-botan. Vereins in Wien VI. p. 23 f.").
Sie lebt im September auf Lactuca scariolea in der Umgegend Wien's,
frisst sich in ihrer Jugend ganz, im Alter wenigstens bis zur Hallte
des Körpers in die Blütbcnköpfe «jerselben ein und verwandelt sich
in der Erde; der Schmelterling erscheint zu Ende des Juli.
Von Perris (Annales d. 1. soc. entomol. iV. p. 33 fF.) wurden
die ersten Stände von Cochylis hilarana Herr. -Seh. beschrieben und
ihre Lebensweise geschildert ; die liaupe lebt im Marke der Stengel
von Artemisia campeslris, an denen sie Gallen bildet. Alle drei Stände
der Art sind auf 'laf. 1. fig. III abgebildet.
Älilliere beschrieb die ersten Stände von Choreutis dolosana
F. V, R. und bildete dieselben nebst dem Schmetterlinge (ebenda
p. 39 ff., Taf. 1. flg. IV) ab. Die Raupe lebt bei Lyon auf Aristolo-
chia Cleniatitis , deren Matter sie minirt. Wach dieser Lebensweise
der Raupe glaubt der Verf. die Art nach H erri c h - S c h ä f f e r's Vor-
gang zu den Tineinen rechnen zu müssen.
Vineina» Newman hat (Transact. of the entomol. soc. III.
p. 288 ff.) eine Anzahl Australischer Arten dieser Familie bekannt ge-
macht, von denen einige sich als Repräsentanten neuer Gattungen
erweisen. Letztere sind: i) Bondia n. g. ,, Caput raediocre rotunda-
tum, fronte laevigato (!). Antennae setaceae, valde pilosae; labipalpi
mediocres, articulo basali inviso (!) , secundo incrassato, pyrilormi,
tertio brevi , erecto, parvo, obtuso. Alae anticae vix latae, fere li-
neares, angulo anali nuUo modo producto, ciliis mediocribus ; posticae
basi ampiae, apice acutae, ante apicem paullulo emarginatae." Mit
Gelechia verwandt, doch durch die Palpen abweichend. Art: B. ni-
gella. 2) tloydia n. g. „Caput mediocre, rotundalum, fronte laevi-
gato (!) ; antennae elongatae, setaceae, nullo modo ciliatae; labipalpi
mediocres, Iriarticulati , articulo basali brevi, scite cyathiformi, se-
cundo elongato, crasso , apice truncato , tertio apicali , gracili , brevi,
nudo , peracuto, paullulum recurvo ; alae anticae elongatae, margini-
bus parallelis, disco longitudinaliter profunde unisulcato ; posticae
ampiae, insecti qüiescentis ultra anticos protrusae , margine costali
fimbria longissima venuste ornatae." Art : B. criniferella. 3) Tortri-
cojjsis n. g. „Caput rotundatum fronte laevigato (!); antennae corpore
longiores, setaceae, simplices, nullo modo armatae; maxillae elonga-
tae; labipalpi majores, porrecti, apice recurvi, articulo basali inviso (!),
secundo magno, deltoideo*, angulo basali ad orem extenso , producto,
porrecto, subacuto, apicali obtuso, articulum tertium erectum, paullulo
recurvum, gracilem, elongatum emittentc ; alae anticae latae, ampiae,
basin versus arcuatae , apice paullo falcatae, margine externo fere
quadrato ; alae posticae latae, cilia brevia." Art: T. Rosabella auf
'iaf. 18 abgebildet. — Die neuen Arten sind ferner : Ckimabacche
Cinderellay Tinea Elhelella, Adela Laurella, Anesychia Stella, Depres^
während des Jahres 1856. 451
saria Melesella, Lewinellay Oecophora Marionella, bimaculellaj IsabeUa,
ElleneUUf Arabella, Zitella, PauUnella, Agnesellaj Sernelella, Hecatelia,
Glyphipteryx Sabella und LitkocoUeiis Lalagella. Von letzteren Arten
sind einige ebenfalls auf Tafel 18 abgebildet worden.
Stainton, Descriptions of thr«e species of Indian Microlepi-
doptera (ebenda p. 301 ff.) beschrieb: Corisciwn Orientale, Fhyllocni-
slis Cilrella und LitkocoUeiis Bauhiniac als neue Arten von Calcutta.
H. Frey, Die Tineen und Pterophoren der Schweiz, Zürich
1856. (8. 430 pag.). Es liefert dies vorzüglich gearbeitete Werk eine
vollständige systematische Beschreibung der in der Schweiz sehr reich-
haltig vertretenen Tineiden und Pterophoriden. Es ergiebt sich so-
wohl aus den ihm kürzlich vorangegangenen umfassenden Arbeiten
von Zeller, Herrich - Seh äffer und Stainton als auch aus
dem Umstände, dass die den genannten Familien angehörenden Arten
eine weit allgemeinere Verbreitung in Europa haben , als dies bei
denen der höheren Familien der Fall ist, dass die Zahl der neuen
Arten , welche in der vorliegenden Fauna enthalten sind , nur eine
geringe sein kann. Es boten aber hier auch die bereits bekannten
Formen der Forschung besonders in Bezug auf die Lebensweise und
die Kenntniss der ersten Stände noch ein so weites Feld dar, dass
eine aus selbstständigen und sorgsamen Beobachtungen resultirende
Arbeit, wie die vorliegende, nur als eine ergiebige für diesen Zweig
der Wissenschaft angesehen werden kann. In Bezug auf die Syste-
matik ist der Verf. zwar zum grössten Theile — so weit nämlich
seine auch hierauf gerichteten Untersucbungen es zuliessen — der
von Stainton begründeten Eintheilung in Gruppen gefolgt, hat aber
auch hierin einige Umgestaltungen vornehmen zu müssen geglaubt.
Zu diesen gehört u. a. die Aufnahme der Gruppe Micropterygides
(nach Her rieh - Schaff er), welche auf die von Stainton den
eigentlichen Tineiden beigezählte Gattung Micropteryx beschränkt ist;
ferner die Unterordnung der Gattung Semioscopis unter die Exapati-
den, während Stainton dieselbe den Gelechiden beizählte, u. s.w.
Eine erneute Charakteristik der Gruppen und Gattungen ist vom Verf.
nicht nur in den eben bezeichneten Fällen , wo sie die Natur der
Sache bedingt , sondern auch in allen übrigen vorgenommen worden,
wo die früheren Untersuchungen Aenderungen oder Zusätze forderten.
Für die sichere Determinirung der Arten haben dem Verf. zahlreiche
typische Exemplare der früheren Autoren zu Gebote gestanden ; eine
Aufzählung der als neu beschriebenen wird hier um so eher umgangen
werden können, als das Werk sich dem für den Gegenstand interes-
sirten Publikum als unentbehrlich hinstellt.
Derselbe hat (Linnaea entomologica XI. p. 351— 446) eine
„Revision der Wepticulen« unternommen. Nach einer eingehenden
Schilderung der Gattungscharaktere von Nepticula, so wie der ersten
452 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
Stände derselben macht der Verf. besonders ausführliche Mittheilun-
gen über die Lebensweise der Raupen und die zweckmässigste Er-
ziehung derselben in der Gefangenschaft; von Interesse ist die kurze
Lebensdauer der Raupe, welche in 3 bis 4 Tagen sich von einer sehr
geringen Grösse zum vollendeten Wachsthume heranfrisst. Das Aus-
schlüpfen aus dem Ei und die ersten Spuren des Minirens der jungen
Raupe sind noch unbekannt; von dem Stadium an, wo sie bemerkbar
ist, macht sie keine Häutung durch , sondern frisst Tag und IS'acht
ununterbrochen; der Gang, den sie in dieser Zeit ausarbeitet, misst
nur 10 bis 15 Linien. — Die Zahl der bis jetzt bekannten (ausschliess-
lich) Europäischen Arten beläuft sich gegenwärtig auf etwa 60, wel-
che mit 3 Ausnahmen dem Verf. sämmtlich bekannt und hier, so weit
sie nicht zu den allerverbreitetsten gehören , besonders in Betreff
der Larven und deren Lebensweise, ausführlich erörtert werden. Die
Imagines werden in zwei Hauptgruppen getheilt, je nachdem die Flü-
gel eine deutliche Binde oder keine solche zeigen; jede dieser Abthei-
lungen enthält gleichviel Arten (29). Als neu beschrieben sind fol-
gende : iV. aucupariae (Raupe auf Sorbus), lonicerarum (Raupe auf
Lonicera xylosteuraj , aceris (Raupe auf Acer campestris und pseudo-
platanus).
Die in Schlesien vorkommenden Nepticula -Arten verzeichnete
Wocke im 34. Jahresbericht d. Schlesisch. Gesellsch. f. vaterl- Cul-
tur p. llötf. ; es werden daselbst im Ganzen 32 Arten aufgezählt.
Ausserdem machte derselbe Mittheilungen über eine Anzahl seltener
und für Schlesien neuer Mikrolepidopteren , die zum grössten Theile
den Tineen (einige auch den Tortriciden) angehören (ebenda p. 1 13 ff.).
INeue Europäische Arten wurden bekannt gemacht:
Von H e r ric h - S c h ä f f e r (Neue Schmetterlinge aus Europa,
L Heft): Mesophleps irinoteUa und Corsicella aus Corsika, Änchinia
insolatella aus dem Engadin, Gelechia luctiferella und Lamprus enga-
dinella ebendaher ; ausserdem werden mehrere schon bekannte Arten
abgebildet.
Von Wocke (Breslauer Zeitschrift f. d. Entomologie, 10. Jahrg.
p. 5): Gelechia pudorma aus Schlesien.
Von Stainton (Entomologist's Annual 1856. p. 33 ff.) : Chilo
obtusellus , Coleophora squamosella^ siccifolia^ Asychna profugella, Ela~
chista flavicomella, Nepticula cryptella, betulicola ^ conlinueUa und AU
netella aus England, (ebenda p. 124) Tinea Krösmanni aus Deutschland.
Ueber eine Reihe Nord-Amerikanischer Arten hat Asa Fitch
(Report on the noxious Insects of New -York) nähere Mittheilungen
gemacht , den Schaden , welchen die in Menge auftretenden anrich-
ten , erörtert und die verschiedenen Stände derselben beschrieben.
Cerosloma Brassiceila n. sp. frisst die Blätter des Kohles ab und
richtet oft grosse Verwüstungen an (p. 170 ff.). — Chaetochilus po-
während des Jahres 1856. 453
metellus Harr, ist dem Apfelbaume schädlich; verwandte neue Arten
sind: Chaetochilus ßlalifoliellus, conlubernatelluSf trimaculellus und veit"
trellus (p. 221 ff.). — Ornix Acerifoliella n. sp. , die Raupe minirt die
Blätter des Ahorns (p. 269 ff. pl. 4. fig. 5). — Tinea Zeae n. sp., die
Larven halten sich in Vorrathskammern auf, nähren sich von Mais.
Mehl, Kuchen u. s. w. (p. 320 ff. pl. 4. fig. 1.).
Staintpn, Obseryations on British Tineina (Entomologist's
Annual 1856. p.49 — 60) giebt nachträgliche Bemerkungen über Fut-
terpflanzen der Larven, Fundorte und Lebensweise einer grösseren
Reihe Britischer Tineiden ; der Aufsatz dient als Supplement zu des
Verf. „Insecta Britannica, Tineina." — Derselbe, Quelques mots sur
les moeurs des chenilles des Tineites , pour servir d'introduction ä
l'etude des lepidopteres de cette tribu et pour faciliter leur chasse
(Annales d. 1. soc. entomol. IV. p. 749 — 760). — Desselben „En-
tomological botany" mit besonderem Bezüge auf die von Tineen-Rau-
pen bewohnten Pflanzen, wurde im Zoologist p. 5009 ff. fortgesetzt.
l*terop]turi(lae« Asa Fitch (Report on the noxious In.
sects of New-York p. 139 ff.) beschrieb eine neue Art: Vlerophorus
periscelidaclyhis nebst ihren Ständen; die Raupe lebt auf den Blättern
des Weinstockes, dem sie oft sehr schädlich wird. Andere neue
Nord - Amerikanische Arten sind (p. 143 ff.) : Pterophorus lobidaclylus,
tenuidactylus, cineridaclylus, marginidactylus , nebulaedactylusy naevosi-
dactylus und cretidaclylus.
Eine neue Australische Art ist ferner: Pterophorus tinclidacty'
lus Newraan (Transact. of the entomol. soc. III. p. 300).
Heitiiptera.
Släl hat (Öfversigt af Kongl. Velensk. Akad, Förhandl.
1856. p. 51 — 68) zweckmässiger Weise eine Anzahl der von
ihm während der beiden letzten Jahre durch Diagnosen be-
kannt gemachten Arten jetzt mit eingehenderen Beschreibun-
gen versehen , wodurch es ermöglicht wird , sich ein be-
stimmteres Urtheil über dieselben zu bilden. Einige dieser
Arten, welche den Familien der Pentalomidae , Reduvini und
Nepini angehören (ausserdem sind auch einige Homoptera
beigefügt), sind zugleich auf einer beifolgenden Tafel im
Umrisse dargestellt worden.
Aus der auf der beifolgenden Tafel gegebenen Abbildung der
Gattung Borborotrephes Stäl ergiebt sich, was früher schon nach der
Charakteristik zu vermuthen war, dass diese Gattung nicht neu, son-
dern mit Limnogetoa Mayr (Verbandl. d. zoolog.-botan. Vereins 1853)
454 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
identisch ist: die Art B. Hedenborgi, welche sieh auch im hiesigen
Museum aus Aegypten befindet, scheint jedoch von der Mayr'schen
(aus Kordofan) verschieden zu sein — Die Gattung Telmatolrephcs
Stal möchte sich trotz ihrer nahen Verwandtschaft mit Nepa wohl
aufrecht erhalten lassen. — Stenocotis vittata , eine Keuholländische
Form, welche in vieler Beziehung der Gattung Ledra nahe tritt,
kommt nach dem hiesigen Museum auch auf Vandiemensland vor.
Ders(3lbe gab (ebenda p. 193 — 199) eine Aufzählung
von sechszig im Caplande gesammelten Hemipleren und cha-
laktcrisirte die darunter befindlichen neuen Arten ; letztere
gehören <len Familien der Pentatomidae, Coreodes, Lygaeodes,
Nepini, Stridulantia und Cicadellina an.
Meletemata enlomologica Hemipterorum heteropterorum
Caucasi, Harpagocorisae, monographice dispositae, auctore
F. A. Kol ena t i. (Bulletin de la soc. imp. des naluralistes de
Moseou 1856. IV. p. 4l9 — 502.) Die Arbeit ist unter obigem
Tilel (Mosquae 1857. 8. 84 pag. c. tabo 1 color.) auch im
Separat-Abdrucke erschienen. — Dieser sechste nach zehn-
jähriger Unterbrechung des Werkes erschienene Fascikel ent-
hält eine Forlsetzung der Aufzählung und Beschreibung der
im Caucasus vorkommenden Hemipleren, und zwar derjeni-
gen , welche den Burmeister'schen Familien der Lygaeodes,
Membranacei , Rediivini, Riparii, Ploteres und Nepini ange-
hören. Es sind nicht nur die neuen Arten , sondern auch
die bereits bekannten so wie die Gattungen noch einmal
charakterisirt , die Literatur reichhaltig zusammengetragen
worden. — Ein Anhang liefert Nachträge zu den früher er-
schienenen Heften, in denen zugleich einige neue Neuroptera
beschrieben sind.
Catalogue of llie Homopterous Insects collected at Sin-
gapore and Malacca by A. R. Wallace, with descriplions
of new species. By F. Walker. (Journal of the proceed.
of the Linnean society , Zoology Lp. 82 — 100. pL 3, 4.) —
Die Zahl der hier aufgeführten, von Wallace gesammelten
Arten aus den verschiedenen Familien der Homopteren be-
läuft sich auf 73, und zwar wird der grössere Theil dersel-
ben als neu angesehn und (wenngleich ziemlich oberfläch-
lich) beschrieben. Eine Reihe ausgezeichneter Arten gab
auch zur Aufstellung neuer Gattungen Anlass , welche au f
während des Jahres 1856. 455
zwei beifolgenden Tafeln von W e s t w o o d sehr gut im
Sieindrucke dargesteilt sind. Das Nähere über dieselben bei
den einzelnen Familien,
Mulsant et Rey, Descrintion de quelques Hemipte-
res heleropteres nouveaux ou peu connus. (Opuscules ento-
moloi^iques VII. p. 119 — 132.) — Es werden hier fünf neue
Arten aus Südfrankreich besclirieiten , welche den Familien
der Pentatomiden und Capsini angehören und von denen
zwei zugleich neue Gattungen bilden.
£*etitatOBnl4lae» Von Mulsant und Rey wurden (Opus-
cules entomol. VII. p. 119 fF.) zwei neue Gattungen auf ebenso viele
südfranzösische Arten begründet : 1) Stemodontus n.g. „Corpus breve,
scutiforme, caput elongatum, rostrum mediocre, oculi minuti, globosi,
ocelli postici, distantes, antennae subgraciles, articulo tertio sequenti
duplo breviore : prothorax transversus, angulis posticis rotundato-dila-
tatis, scutellum oblongum, postice rotundatum, prosternum apice bispino-
sum : pedes sat validi, spinulosi.« Von Ancyrosoma Am. Serv. durch
kürzere, stachligere Beine und besonders durch das vorn zweizähnige
Prosternum unterschieden. Art: St. obtusus von Marseille. 2) />e-
rula n. g. „Corpus breve, postice rotundatum, caput oblongum, ro-
strum mediocre, oculi minuti, prominuli, subglobosi, ocelli postici,
distantes, antennae subgraciles, articulis 2. — 4. subaequalibus: pro-
thorax transversus, brevis , biplagiatus , scutellum magnum , postice
rotundatum, prosternum antice simplex, nee dentatum, nee laminatum :
pedes brcves, sat validi, spinosuli." Von den übrigen Gattungen der
Orbiscuti Am. Serv. durch das gleich lange 2. bis 4. Fühlerglied ab-
weichend. Art : D. flavogullata von Marseille. — Eine neue Art ist
ferner : Sciocoris aurilus ebendaher.
Cydnus cruralis und Penlatoma Victorini vom Cap sind zwei
neue Arten von Stäl (Öfvers. af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl.
1856. p. 194), Odoniotai'sus noloceras aus dem Caucasus und der Krim
und OdoTiloscelis dorsalis aus den Kirgisensteppen und Turcomanien
von Kolenati (Meletem. entomol. VI. p. 79 ff. Taf. III.)
Rhynchotorum Livonicorum descriptio. Farn. I. Longiscuti Am. et
Serv. (Scutati Burm.j. Dissert. inaug. Äuctore G. Flor, üorpat 1856.
(8. 76 pag.). — Eine fleissige Arbeit, die eine Charakteristik der Fa-
milie, eine Analyse der Gattungen und ausführliche Beschreibungen der
in Lievland einheimischen Schildwanzen enthält. Die 37 aufgezählten
Arten verthcilen sich auf die 14 lievländischen Gattungen folgender-
massen : Asopus 5, Coptosoma i, Podops 1, Phimodcra 2, Euryga-
ster 1, Acanthosoma 4, Cimex 1, Sciocoris 1, Aelia 4, Pentatoma 6,
Eurydema 2, Cydnus 7, Coreomelas l , Odontoscelis 1. — Mit Recht
456 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
hat der Verf. mehrere der unhaltbaren Amyot'schen Gattungen ein-
gezogen ; unter den aufgeführten Arten ist Penlatoma Uahnii neu be-
nannt und als selbstständige Art von Pent. nigricorne Fabr., mit der
sie Hahn u. a. vereinigte, abgesondert worden.
CoreocleSä Gonocerus spissicornis Stal (Ofvers. Kongl. Ve-
tensk. Akad. Förhandl. p. 195) ist eine neue Art vom Cap , Centro.
coris Lehmanni Kolenati (Syromastes corallinus Mus. Berol.) aus den
Kirgisensteppen (Melelem. entomol. VI. p. 78).
liVg^aeodes» Nysius punctipes und Oxycaraenus cruralis Stal
(a. a. 0. p. 196) n. A. vom Cap, Anlhocoris Caucasict/s Kolenati (Me-
let. entom. VI. p. 28) aus dem Caucasus,
Asa Fitch (Report on the noxious Insects of New-York p. 277)
gab einen ausluhrliciien Bericht über den bedeutenden Schaden, wel-
chen Micropus leucopterus Say dem Waizen in Nord-Amerika zufügt.
Eine neue, übrigens in Nord-Amerika sehr häufige Art ist: Anlhoco-
ris pseudo'-chinche f ebenda beschrieben.
Capsini« Capsus Yersini und Foreli sind zwei neue Arten
aus Südfrankreich, von Mulsant und Rey (Opusc. entom. VII. p. 129)
beschrieben.
7Iem1>ranacei. Kolenati (Meletem. entomol. VI. p. 5 ff.)
beschrieb folgende neue Arten: Zosmenus Laportei aus dem Caucasus,
Dictyonota Oberli (Tingis cristata Cuvier, Regne animal) aus Liev-
land, Aratlvs Caucasicus, armatus und Gebleri aus dem Caucasus, letz-
tere Art zugleich aus Sibirien.
KediJiVBni. Cleptria rußpes Stäl (Ofvers. af Kongl. Vetensk.
Akad. Förhandl. p l97j ist eine neue Art vom Cap; Zelus Goedelii
aus Föntus, Zelus Renardi aus Californien , Rhinocoris morio, Cauca-
sicus, Pygolninpis spinosissima (bifurcata Germ.?) und Nabis Lhesgicus
aus dem Caucasus sind neue Arten, von Kolenati (Meletem. entom,
VI. p.4l (1.) aufgestellt.
Ploteres» Hebrus montanus Kolenati (a. a. 0. p. 56) ist eine
neue Art aus Transcaucasien.
Mepini. ISaucoris spurcus Stal (Ofvers. af Kongl. Vetensk.
Akad. Förhandl. p. 197} n. A. vom Cap.
S»tridulatitia* Hagen hat seine Arbeit über „die Singcica.
den Europa's« im Jahrgange XVII der Entomol. Zeitung p. 27, 66 und
131 ff. fortgesetzt und beendet. Es werden hier im Ganzen 18 Arten
für Europa aufgeführt, von denen jedoch drei bis vier schon wesent-
lich dem westlichen Asien angehören und die Gränzen Europas nur
eben berühren. Der diesjährige Theil der Arbeit beginnt mit der
dritten der vom Verf. angenommenen fünf Gruppen und enthält die
ausführliche Beschreibung folgender Arten, o. Gruppe: C. Orui Lin.
während des Jahres 1856. 457
(Tettigonia punctata Fab.), querula Fall (hauptsächlich asiatisch,
jedoch auch im südlichen Russland), hyalina Fabr. (mit gleicher Ver-
breitung wie die vorige), lineola n. sp. (im westlichen Asien), atra
Oliv. (C. concinna Germ,, cantans Fabr., transversa Germ., Tib. vi-
treus et hyalinatus Brülle). — 4. Gruppe : C. uiontana Scop. (hae-
matodes Lin., dimidiata Fabr., sanguinea et orni Panz. , Schaefferi
Gmel., tibialis Latr. , anglica Leach, concinna Germ.), prasina Fall,
(asiatisch, auch bei Sarepta), tibialis Fanz. , annulata Brülle, flaveola
Brülle (virens Herr. -Seh , undulata Fanz.), argentala Oliv, (scricaus
Herr.-Sch.), dimissa n. sp. vom Balkan, picta Germ. , aestuans Fabr.
(Algira Fabr.) vielleicht nur aus Algier. — 5. Gruppe : C. violacea
Lin. — Auf einer beifolgenden Tafel hat der Verf. eine Darstellung
der für die Feststellung der Arten wichtigsten Körpertheile und zwar
für alle in der Abhandlung aufgeführten Species gegeben ; es sind
dies: der Stimmdeckel und die Trochanter - Klappe, der Fenis, der
Vorderschenkel , die letzten Bauchsegmente des Männchens und der
Seitenrand des Frothorax. Durch die schematische Anordnung die-
ser Zeichnungen wird die Bestimmung der Arten nach denselben sehr
erleichtert.
Asa Fitch (Report on the noxious Insects of New . York
p. 41 ff.) beschrieb Cicada superba und Robertsonii als neue Arten
aus Nord-Amerika und machte ausführliche Mittheilungen über Cicada
septemdecim Lin., welche besonders den Eichen und Apfelbäumen /
dadurch schädlich wird, dass das Weibchen in die Zweige derselben
tiefe Furchen einschneidet, um seine Eier, etwa je zwanzig in zwei
regelmässigen Reihen angeordnet, hineinzulegen; durch diese Ver-
wundungen wird ein starker Ausfluss von Saft bewirkt, der die Bäume
sehr entkräftet. Sobald die Larve das Ei verlassen hat, gräbt sie
sich tief in die Erde hinein , wo sie sich bis zur Verwandlung er-
nährt. Fitch ist ebenfalls der Ansicht, dass dieselbe wirklich einen
Zeitraum von 17 Jahren zu ihrer vollständigen Entwicklung gebraucht.
Er weist die siebenzehnjährige Erscheinungsperiode für mehrere Lo-
kalitäten als genau wiederkehrend nach und setzt für andere das näch-
ste Auftreten der Art fest. In verschiedenen Distrikten ist das Auf-
treten verschieden , so dass für gewisse Bauten eine bestimmte Ver-
breitung angenommen werden muss.
Cicada Holmgreni und rußcollis Stal sind zwei neue Arten vom
Cap. (Öfvers. af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl. p. 198).
Dundubia gxiUigera^ albigulla, inlemerata und Cicada virgunculo
Walker sind neue Arten von Malacca (Journal of the proceed. of the
Linnean soc, Zoology i. p. 83 f.).
l>^ulgorella,e. Eine Anzahl neuer Gattungen aus verschie-
denen Gruppen dieser Familie wurde von Walker (Journal of pro-
ceed. of the Lioneau soc.» Zoology L p. 84ff) auf verschiedene Ost.
458 Gerstaecker: Bericht ob. ({.Leistungen in d. Entomologie
indische Arten begründet; dieselben sind aber einerseits sehr unbe-
stimmt charakterisirt, so dass sie fast nur aus den beifolgenden Ab-
bildungen zu entziffern sind, andererseits ihre nähere Verwandtschaf-
ten zu den bestehenden Galtungen und Gruppen oft sehr verkannt
worden. 1) Cromna n. g. fp. 85. Taf. III. fig.4) vom Verf. als mit
Dictyophora Germ zunächst verwandt bezeichnet, aber jedenfalls zu
Colobesthes und Poeciloptera gehörend. üie Charaktere sind fol-
gende : „Caput supra conicum, subascendens, frons lanceolata, subca-
rinata, marginibus vix elevatis. Antennae breves, articulus primus
secundo multo brevior, Thorax subcarinatus , prothorax subarcuatus.
Pedes breves. Alae latae, anticae areolis costalibus et marginalibus
ordinariis areolisque pliiriniis minulis discalibus abnormibus, costa
subconvexa , margine exteriore subquadrato, an gulo interiore per-
aouto." — Art: Cr. ctrulipennis von Malacca. 2) Daradax n, g, mit
der vorigen Gattung zur Fulgoriden-Gruppe gebracht , ^p. 85. Taf. IV.
fig. 5), folgendermassen festgestellt: „Caput lanceolatum , ascendens,
lateribus elevatis, frons lanceolata, carinata. Antennae globosae, mi-
nimae. Prothorax valde arcuatus, carinatus, mesothorax quadricarina-
tus. Alae anticae fusiformes , areolis costalibus et marginalibus plu-
rimis ordinariis, discalibus longis." — Art: Z). fttsipcnnis von Malacca,
3) Elica n. g. (p. 86. Taf. IV. 6g. 4), mit der vorigen Gattung nach
der Abbildung nahe verwandt, durch die Kopfbildung und das Flü-
gelgeäder abweichend. ,,C»put conicum, subascendens, supra tricari-
natum, frons lanceolata, tetragona, tricarinata, lateribus elevatis. An-
tennae breves. Prothorax brevissimus, mesothorax tricarinatus. Alae
anticae latae, venulis plurimis transversis costalibus, areolis discali-
bus basalibus elongatis , exterioribus abbreviatis , saepissime hexago-
nis." — Art: E. lalipenjih vonMalacca. 4) Enria n. g. (p. 87. Taf. IV.
fig. 6), der Gruppe der Cixioiden untergeordnet: „Caput brevissimum,
supra arcuatum, frons longa, subfusiformis, carinata. Antennae glo-
bosae. Thorax brevissimus, carinatus , lateribus elevatis. Alae anti-
cae mediocriter latae , venis costalibus plurimis ordinariis, marginali-
bus multis saepissime furcatis, discalibus nonnullis, basalibus paucis.«
— Art: E. Ivricia von Singapore. 5^ Bidis n. g. (p. 88. Taf. IV.
fig. 2) scheint nach der Fühlerbildung mit Asiraca nahe verwandt zu
sein. Die Charaktere lauten: „Caput conicum, vix ascendens, vertice
carinato , fronte perangusta , carinata, lateribus elevatis Antennae
filiformes, articulus secundus primo paullo longior, seta longissima.
Prothorax arcuatus, brevissimus, mesothorax tricarinatus. Alae anti-
cae sat anguslae ; areolis nonnullis apud costae apicem et apud mar-
ginem exteriorem ; areolae basales longissimae , discales elongatae."
— .\rt: ß. nolivena von Singapore und Malacca. 6) Conna n. g. '
(p. 89. Taf. IV. fig. 3), zu den Flatoiden neben Ricania gestellt. „Cor-
pus sublineare. Caput thorace vix angustius, fronte depressa, elongata,
während des Jahres 1856. 459
carinula media, lateribus subelevatis. Prothorax arcuatus, carinatus,
verticetn posticu m superans; mesothorax tricarinatus. Pedes brevius-
culi, sat validi. Alae latae, apice rolundatae, anticae areolis costali-
bus ordinariis, discalibus plurimis abnormibus.« — Art: C. gvtlifera
von Malacca. 7) Benna n. g. neben der vorigen Galtung und eben-
falls den Flatoiden beigezählt (p. PO. Taf. 111. fig. 5). „Corpus sat
gracile. Caput carinatuni , thorace paullo angustius, lateribus eleva-
lis, fronte conipressa, elongato-subfusilornii Antennae breviusculae.
Thorax tricarinatus, prothorax brevissimus. Abdomen basi halteribus
duobus capitatis, oviductu longo, arcuato. Pedes longiusculi, sat gra-
ciles. Alae latae, apice rotundatae ; anticae areolis discalibus bre-
vioribus, basalibus et marginalibus longioribus." — Art B. capilulata
von Singapore. 8) Eupilis n. g. (p. 93. Taf. 111. fig. 1) steht unter
den Flatoiden hinter Colobesthes und Poeciloptera, womit diese {Hal-
tung in keiner Verwandtschaft steht. „Corpus subfusiforme ; capnt
breve, antice rotundatum , thorace angustius, vertex depressus, bica-
rinatus, frons convexa , laevis , facies lanceolata, vix carinata. An-
tennae globosae. üviductus longus, arcuatus, lanceolatus. Alae sat
angustae, anticae apice rotundatae, venulis quatuor transversis costa-
libus venulisque quatuor discalibus." — Art : E. albilineola von Sin-
gapore. — Ausserdem werden folgende neue Arien beschrieben: Di~
ctyophora speilinea^ Ellidiplera smaragdilinect, Cixius pustulalus , albi-
striga und efferatus , Eurybrachys mullicolor und rubresccns^ Flaloides
discalis und emarginatus, Pockazia inlerrnpla. coslimacvla und gradietis,
Colobesthes albiplana und marginata , Poeciloptera Intcimargo und
niveina.
Stal „Om Derbides med tre oceller" (Öfversigt af Kongl. Ye-
tensk. Akad. Förhandl, 1856. p. 161 — 164) hat die von ihm neuerdings
beschriebenen Derbe -Arten (vorig. Jahresbericht p. 176) den von
Westwood aufgestellten Gattungen unterzuordnen versucht und
dabei gefunden , dass eine derselben , D. natalicola sich durch das
Vorhandensein von drei Ocellen auszeichnete; ausser den beiden
gewöhnlichen , welche auf den Wangen am Vorderrande der Augen
liegen, fand sich ein drittes an der Spitze der Stirn, nahe der Ober-
lippe. Er gründet auf diese Art eine eigene Gattung Brixia, welche
Hl der Kopfbildung mit Phenice Westw. , in der F'orm der Flügel-
decken mit Mysidia Westw. zunächst verwandt ist. Eine zweite neue
Gattung, die ebenfalls drei auf gleiche Weise vertheilte Ocellen hat,
und sich von der vorigen durch kürzere und an der Spitze schief
abgerundete Flügeldecken so wie durch die Form des Kopfes und der
Augen unterscheidet, wird Adana genannt und ist auf eine Mexika-
nische Art: Ä. Weslwoodii gegründet. — Derbe furcato - vitlata St.
wird zur Gattung Phenice Westw., D, albicans St, zu Mysidia Westw.
gebracht. Sowohl diese beiden als eine fernere neue Gattung Phry^
460 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
gia besitzen nur zwei Ocellen ; die letztere ist auf eine neue Brasil
lianische Art: Fk. fuscala gegründet. Endlich wird auf Derbe Wahl-
bergii St., welche keine Ocellen hat, eine eigene Gattung Helcita
basirt , welche mit Thracia in der Form des Kopfes übereinstimmt,
sich aber durch eine nasenförmige Verlängerung derselben auszeichnet.
Jfleinbracina* Eine neue mit Centrotus verwandte Gattung
Micreune wurde von Walker (Journ. of proceed. of the Linnean
soc, Zoology I. p. 94. pl. lll. fig. 2) beschrieben und abgebildet; der
Thorax ist vorn lanzettlich zugespitzt, das Hörn den Kopf weit über-
ragend, an der Spitze mit zwei langen aufrechten, etwas gebogenen
Aeslen besetzt; das hintere Hörn kaum kürzer als der halbe Hinter-
leib. — Art: M. formidanda von Singapore. — Die ebenda beschrie-
benen neuen Arten sind: Cenlrohis laminifer ^ caliginosus, semivitreuSf
semifascia.
Cicafletliiia> Wal ker (Journ. of proceed. of the Linnean
soc, Zoology L p. 9ö. pl. IV. fig 1) charakterisirte eine neue Gat-
tung Co/sa folgendermassen : „Corpus subfusiforme. Caput sat magnum,
thorace pauUo angustius, Vertex depressus, frons convexa, facies b^-e-
vi-conica, lateribus impressis. Antennae brevissimae, seta brevis.
Prothorax brevis, antice anguslior. Mesothorax subpunctatus , scutel-
lum excavatum. Alae anguslae , apice rotundatae, anticae venulis
nonnullis costalibus apicalibus venisque qualuor longitudinalibus,
prima secundaque furcatis. — Art: C. costaestriga von Malacca. —
Andere neue Arten sind: Cercopis rugidosa , dislocata ^ unifascia, dis^
crepans , Plyelus bipars ^ immutatus ^ Teltigonia tripars, suavissima , jo^
cosa, Ledra cttllellifera, cotiifera, nigrilinea , Penthitnia caslanea^ Coe-
lidia guttivena und punctivena.
Stäl (Ofversigt af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl. p. 199) be-
schrieb: Rhinaulax sericatis, Plyelus patruelis und callifer vom Cap.
Apiiidinsi* Ueber den Schaden , welchen mehrere Nord-
Amerikanische ßlatllänse an Obstbäumen anrichten , und über ihre
ISaturgeschichte hat Asa Fitch (First report on the noxious etc.
Insects) ausführliche Nachricht gegeben. Zwei derselben sind zu-
gleich in Europa einheimisch und wahrscheinlich mit den Pflanzen
eingeschleppt , nämlich Aphis mali Fabr. (p. 49) und cerasi Fabr.
(p. 125) ; sie sind in Nord-Amerika mit die häufigsten Blattläuse und
richten an den betreffenden Nahrungsbäumen oft sehr beträchtlichen
Schaden an. Als neue Arten werden ferner beschrieben und zum
Theil in Betreff ihrer Naturgeschichte ausführlich abgehandelt: Aphis
inalifoliae^ wie B. mali auf Apfelbäumen, aber weniger häufig (p. 56),
A. prunifoliae auf Pflaumenbäumen (p. 122 , A. cerasi foliae auf einer wil-
den Kirschenart, choke-cherry (p. 131), A. caryella, punclatella, ma-
culella, fumipenella und marginella auf den Blättern der Nord-Ameri-
kanischen weissen Wallnuss (p. 165^ Pemphigus CaryaecauliSf weiche
während des Jahres 1856. 461
kuglige Gallen an den Zweigen desselben Baumes bildet, endlich auch
noch der schon früher vom Verf. bekannt gemachte Pemphigus pyri,
welcher auf Apfelbäumen auftritt und an den Wurzeln warzenartige
Auswüchse hervorbringt. — Aphis Maidis n. sp. (p. 318 ff.) ist durch
grosse Menge dem Mais schädlich, dessen Stengel die Blattläuse durch
ihre Masse oft ganz bedecken.
G. Passerini, „GH insetti autori delle galle del Terebinto e
del Lentisco insieme ad alcune specie congeneri." (Ein Auszug aus
dem in Parma erscheinenden Journal J Gardini , fasc. VI. Decbr. Ib56.
8 pag. in 8) — Der Verf. beschreibt folgende sieben Blattläuse, wel-
che verschieden geformte Gallen an Pistacia Terebinthus und P. Len-
tiscus bilden : Pemphigus utricularius und semilunarius , beide schon
von Reaumur gekannt, P. cornicularius , Boyeri (Aphis radicum
Fonscol. pro parte), caerulescens^ lachicarius und Telraneura lentisci.
Die Aphis Pistaciae Lin. ist eine Collektiv-Art, welche wahrscheinlich
mehrere der genannten in sich vereinigt, daher auch ihr Name unter,
drückt werden mussle.
Von C. L Koch's „die Pflanzenläuse, Aphiden , getreu nach
dem Leben abgebildet und beschrieben" sind im Jahre 1856 das achte
und die folgenden Hefte erschienen und das Werk liegt gegenwärtig
bereits beendigt vor. Da der hiesigen Bibliothek die letzten Hefte
bis jetzt noch nicht zugegangen sind, muss Ref. den Bericht über
den Schluss der Arbeit bis zum nächsten Jahre aussetzen.
Coccina. Asa Fitch erörterte (a. a. 0.) die Naturge-
schichte von Aspidiotus conchiformis Gmel., welcher in Nordamerika
den Apfelbäumen schädlich wird (p. 31) , ferner von Lecanium Pyri
Schrank auf Birnbäumen (p. 104) und beschrieb als neue Arten: Coc~
cus pinicoriicis häufig an jungen Weissföhren (p. 167) und Aspidiolus
pinifoliae n. sp. , eine Art, welche auf den Nadeln von Pinus lebt,
und diese aussaugt; das Insekt ist äusserst schädlich, indem die Bäume
nicht nur der Nadeln, welche darnach abfallen, beraubt werden,
sondern weil auch dabei die jungen Triebe absterben. Der Schaden,
den diese Scharlachlaus verursachen kann, wird dadurch vermindert,
dass die Larven von Chilocorus stigma Say (bivulnerus Muls.) grosse
Mengen derselben verzehren.
Newman hat an einem Weibchen von Dorthesia Gharacias
beobachtet, dass diese Art lebendige Junge zur Welt bringt. (Pro-
ceed. of the entom. soc. of London IV. p. 5 ff. „ün the parturition
of Dorthesia Characias.") Er sah letztere aus der in der Mitte des
Rückens liegenden Genitalölfnung des Weibchens eins nach dem an-
deren hervorkommen und sich hurtig auf dem Rücken der Mutter
herumbewegen. Die Larven sollen nach Angabe des Verf. kleinen
Acariden sehr ähnlich sehen; ihr Körper ist pechbraun, kreisrund,
mit Unebenheiten besetzt und mit kleinen flachen Fortsätzen von
462 Gerstaecker: Bericht ob. d. Leistungen in d. Entomologie
schneeweisser Farbe, gleich Schneeflocken versehen. Aus der An-
gabe, dass die Beine besonders lang , nämlich um die Hälfte länger
als der ganze Körper waren, könnte man nach der Analogie mit den
Jungen verwandter Gattungen schliessen, dass diese Larven weibliche
gewesen seien. Die Beobachtung zeigt übrigens, dass das Gebären
lebendiger Jungen in dieser Familie nicht ausschliesslich bei Coccus
cacti, wie Westwood glaubte, vorkommt, sondern möglicherweise
eine allgemeinere Verbreitung hat.
Notice of a specimen of Insect-wax from China, by Daniel
Hanbury und Note on Insects producing Wax from Port iS'atal and
China, by J. 0. Westwood (Journal of the proceed. of the Linnean
soc, Zoology L p. 103 ff.;. — Erstere Kotiz von Hanbury enthält
einige Bemerkungen über das Vorkommen des China -Wachses und
des dasselbe erzeugenden Insektes, Coccus Pe-la Westw. (C. sinen-
sis Westw.). Die Erzeugerinn des Insektenwachses von Port Natal
ist nach Westwood das Weibchen einer grossen Coccus- Art, wel-
che mit C. ceriferus verwandt ist und die Grösse einer Erbse
erreicht.
^. Mypiapofleu.
Calalogue of the Myriapoda in the collection of the
British Museum, by G. Newport. Part. I. Chilopoda. Lon-
don, printed by order of theTrustees, 1856. (8. 96 pag.) —
Dieser Calalog ist im Grunde nur ein nochmaliger Abdruck
der Nevvporl'schen Monographie der Chilopoden, welche im
19. Bande der Transactions of the Linnean society erschie-
nen ist und von der überdem schon im Jahre 1844 ein Na-
mensverzeichniss unter dem Titel: „List of Myriapoda in the
collection of the British Museum" herausgegeben wurde. Eine
Ueberarbeitung des von Newport angelegten Cataloges ist
nach seinem Tode von A. White vorgenommen worden
und zwar, wie J. E. Gray in dem Vorworte angiebt , be-
sonders mit Rücksicht auf das Gervais'sche Werk , dessen
Arten darin aufgenommen worden sind. Im Uebrigen ist der
Cataiog, welcher alle bis jetzt beschriebenen Arten enthalten
soll, keineswegs vollständig, indem viele seit der Newport'-
schen Arbeit bekannt gemachte, z. B. mehrere von Koch,
Lucas, Heer, Girard, Gay u. a. aufgestellte darin
fehlen.
wahrend des Jahres 1856. 463
Die Gruppen und Galtungen sind in dem vorliegenden Catalog
mit lateinischen Diagnosen, die von ISewport beschriebenen Arien
ausserdem mit dessen vollständigen Charakteristiken versehen ; den im
British Museum vorhandenen Arten ist die übliche ChifFer beigesetzt.
Die von anderen Autoren publicirten Arten, falls sie sich nicht als
Synonyma herausgestellt haben, sind nur namentlich mit Hinzufügung
des Citats aufgeführt. Die Anzahl der Arten ist nach den einzelnen
Gattungen folgende: Cermatia 22, Lithobius 21, Henicops 3, Scolo-
pendrella 2, Scolopendra 59, Scolopocryptops 4, Kewportia 3, Cry-
plops 7, Theatops 1, Branchiostoma 4, Eucorybas 1 , Heterostoma 13,
Scolopendropsis 1, Cormocephalus 13, Rhombocephalus , Mecistoce-
phalus 6, Arthronomalus 7, Gonibregmatus i, Geophilus25. Neue Ar-
ten sind nicht beschrieben worden.
Die in der Umgegend von Trier vorkommenden Myria-
poden zäiille Schnur (Jaliresbericht der Gesellsch. f. nütz-
liche Forschungen zu Trier v. J. 1856. p. 53 ff.) auf.
Es sind im Ganzen 18 Arten: 2 Glomeris, 4 Julus, l Follyxe-
nus , 1 Polydesmus, 1 Scutigera, 1 Lithobius, 2 Scolopendra (d. h.
Cryptops) und 6 Geophilus.
CJiälog^natlaa* Von Koch (in Rosenhauer's Thiere Anda-
lusiens p. 413 ff.) wurden Julus sulcicollis und Tropisoma politum als
neue Spanische Arten beschrieben.
Aus der Craspedosoma - Gruppe stellte A. Sag er (Froceed. of
the acad. of nat. scienc. of Philadelphia VIII. p. 109) Reasia (?) chi-
nosay Stenonia kispida und Slrigamia fulva als neue Arten aus Nord-
Amerika auf.
Clftilopoda* Lilkobius inermis, Scolopendra veneßca^ chlorO'.
tes und Himanlariwn Gabrielis wurden als neue Arten aus Spanien
von Koch (in Rosenhauer's Thiere Andalusiens p. 415 ff.) be-
schrieben.
S. Cx*u§taceeift.
Der Schluss der Dana'schen Abhandlung über die geo-
graphische Verbreitung der Crustaceen, welcher über die
Bedingungen, welciie hierbei obwalten, handelt, ist in den
Annais of natural iiistory, Vol. XVII. p. 42ff. mitgetheilt wor-
den. Dieser Abschnitt ist von besonderem Interesse und
verdient hier nach den Hauptsachen mitgetheilt zu werden.
Der Verf. wirft die Fragen auf: Haben ursprünglich Schöpfungs-
Mittelpunlile bestanden , von denen aus Gruppen von Arten
464 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
eine Wanderung angetrelen haben ? — sind nur Gallungen
oder auch Species in weit auseinander liegenden Gegenden
wiederholt geschaffen worden? — und welche klimatische
oder andere physikalische Bedingungen geben Anhalt für das
Auftreten specifischer Gattungen und Arten? — Der Ver-
fasser neigt sich auf Grund vorliegender Thatsachen sowohl
der Annahme einer Ausbreitung gewisser Arten durch VVan-
xlerung und durch Verschleppung, als der ursprünglichen
Schöpfung analoger Arien an verschiedenen Lokalitäten zu
— und gewiss mit dem vollkommensten Rechte. Für letztere
Annahme spricht z. B die Uebereinstimmung der Crustaceen,
welche an den Küsten England's und Neu-Seeland's vorkom-
men , da beide Länder fast die Endpunkte eines Erddurch-
messers bilden. Der Verbreitung durch V^anderung wird
z. B. dadurch das Wort geredet, dass gerade im Stillen Ocean
und im Ostindischen Archipel, wo durch die zahlreichen In-
sel-Gruppen nur kleinere Distancen gegeben sind, zahlreiche
Arien weit verbreitet sind , und unter diesen besonders
schwimmende (Thalamita), während die Arten der Tiefe
(Majacea) lokal sind. Auch die weite Verbreitung der nor-
dischen Arten macht die Annahme wahrscheinlich, dass Mee-
resslrömungren viel zur weiteren Ausbreilunff einer und der-
selben Art beitragen; andererseits setzen diese aber auch
Hindernisse entgegen, indem z. B. tropische Arten weit nach
Norden geführt, dort ohne Frage umkommen müssten.
Couch theilte (Zoologist p. 4972) Bemerkungen über
die Häutung und das Ansetzen neuer Gliedmassen bei den
Krabben mit. Neue Scheeren setzen dieselben nur dann an,
wenn die alten dicht am Körper abgerissen werden , indem
dann der Blutverlust gering ist und die Wunde sich bald mit
einer dünnen Haut überzieht , unter welcher sich zunächst
eine Erhöhung als das erste Rudiment einer neuen Scheere
bildet. Wird die Scheere dagegen weiter nach der Spitze
hin verletzt, so gehen die Krabben an Blutverlust zu Grunde.
Von-Wichligkeit ist eine kleine Abhandlung von S p e n c e
Bäte „On Ihe British Diastylidae« (Annais of natural history
XVII. p. 449— 4Ö5), in welcher neben einer Bearbeitung der
bei England vorkommenden Cumaceen der Nachweis enthal-
ten ist, dass diese eigenthümlichen kleinen Crustaceen nicht,
während des Jahres 1856. 465
wie neuerlich von Agassiz behauptet worden ist, Jugend-
zustände gewisser Macrouren (Crangon, Palaemon, Hippolyte)
sind, sondern eine eigene Familie bilden , welche einerseits
die grössten Analogieen mit den Macrouren und Slomatopo-
den darbietet, durch gewisse Charaktere, wie die ungestiel-
ten Augen , die Form der Mandibeln u. s. w., aber sich den
Amphipoden nähert. Dass die Cumaceen nicht die Larven
anderer Krebse, sondern selbstsländige Formen sind, kann
nach der Beobachtung von Goodsir und Bäte, dass die
Weibchen Eier und selbst Junge bei sich tragen, gar nicht
mehr bezweifelt werden ; die Larven von einer Diastylis-Art
zeigten sich ganz gleich geforn»t mit dem erwachsenen Thiere,
während die Larve einer Hippolyte, welche Vergleichs hal-
ber ebenfalls vom Verf. beschrieben und abgebildet wird,
durch die sehr grossen, fast sitzenden Augen, die geringere
Anzahl der Beinpaare , die Form des Hinterleibs sehr we-
sentliche Abweichungen von der ausgewachsenen Form dar-
bietet. Ausserdem zeigen auch die beiden Geschlechter von
Diastylis im erwachsenen Zustande deutliche Unterschiede,
die schon von vorn herein dagegen sprechen, dass diese
Thiere Jugendzustände anderer sein sollen; während das
Weibchen an zwei Beinpaaren vier Platten trägt, welche sich
gegenseitig zur Einhüllung der Eier und Jungen aneinander
legen, zeichnet sich das Männchen durch zwei Paar kurzer,
stielförmiger Fortsätze an den beiden ersten Hinterleibsseg-
menten aus. — » In Betreff der systematischen Stellung der
Cumaceen, welche der Verf. diskutirt, gelangt er zu dem
Resultate, dass sie den Slomatopoden angehören und sich den
Mysiden (Caridiodea M. Edw.) als unterste Stufe der Familie
anschliessen. Da letztere jedoch neuerdings von Mi Ine
Edwards, und wohl mit Recht den Macrouren beigezählt
werden, so könnten die Cumaceen, wenn sie wirklich mit
den Mysiden am nächsten verwandt sind, ebenfalls jenen un-
tergeordnet werden. Jedenfalls ist ihre Verwandtschaft eine
sehr getheilte, wie dies schon aus der Bildung der Augen,
welche von Bäte mit Recht als sehr abweichend hervorge-
hoben wird, hervorgeht; ein anderer und mindestens ebenso
wichtiger Charakter, der dem Verf. entgangen zu sein scheint,
ist aber ausserdem die Anlage des Cephalolhorax, welcher wie
Archiv f. Nnturgesch. XXIII. Jahrg. 2. Bd. _£ß
466 Geist acckcr: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
bei Squilla die hintere» Bruslringe ganz frei hervortreten
lässt, eine Bildung, welche weder den Macrouren, noeh den
Mysiden (wenn diese auch Stomatopoden wären) zukommt,
(lieber den speciell systematischen Inhalt der Arbeit siehe
unter: Cumacea.)
Agassiz hat mit Bezug auf diese Arbeit von Bäte in
einem Briefe an Dana (Silliman's American Journal, Sept.
1856) bemerkt, dass trotz der Beobachtung von Eiern und
Jungen bei Diastylis dennoch gewisse Cumaceen Larven von
Macrouren seien. In Rücksicht auf die von Bäte beschrie-
benen und abgebildeten Formen ist diese Behauptung aber
jedenfalls unbegründet, da dieselben durchweg eine sehr
analoge Körperbildung zeigen, die mit Macrouren- Larven
nichts gemein hat.
Ref. hat im XXII. Jahrgange dieses Archivs (1. Band
p. 101 — 162. Taf. IV — VI) „Carcinologische Beilräge^^ veröf-
fentlicht, in welchen er besonders über eine Reihe von Herbst
beschriebener Arten, die späteren Autoren entweder unbe-
kannt geblieben oder von ihnen verkannt worden waren,
nähere Auskunft giebl. Ferner werden mehrere Arten nach
ihren verschiedenen Altersstufen in Betracht gezogen und die
Veränderungen, welche sich an grösseren Reihen von Exem-
plaren wahrnehmen lassen, dargelegt; hieran auch zugleich
eine Crilik der von verschiedenen Autoren aufgestellten Ar-
ten, welche auf solche Entwicklungsstufen begründet sind,
geknöpft. Neue Gattungen und Arten sind aus den Familien
der Brachyuren, Aslacinen und Isopoden beschrieben; die
der letzteren Familie angehörende Form stammt aus den
Höhlen Krains und ist augenlos.
Heller hat in den Verhandlungen des zoolog.-botan.
Vereins zu Wien VI, p. 629 und 717 ff. „Beiträge zur Fauna
der Adria^^ veröffentlicht, in welcher er einige neue Meer-
Cruslaceen, zur Ordnung der Decapoden gehörend, beschreibt.
Abbildungen auf Taf. IX.
Schnur, Systematische Aufzählung der Crustaceen,
Arachniden und Myriapoden in der Umgegend von Trier.
(Jahresbericht der Gesellschaft für nützliche Forschungen zu
Trier v. J. 1856. p. 53 ff.) — Von Crustaceen werden im Gan-
während des Jahres 1856. 467
zen 23 Arien aufgezählt: 1 Decapode, 1 Amphipode, 7 Iso-
poden und 14 Entomostraceen.
Die von Sulherland während einer Reise von Eng-
land nach Port Natal auf dem Atlantischen Ocean gesam-
melten Entomosiraceen hat Lubbock einer Prüfung unter-
worfen und die darunter befindlichen neuen Arten, deren
Zahl sich auf 23 beläuft (22 Copepoden und 1 Ostracode) in
denTransact. of the entomol. soc. of London IV. p. 8 — 35 be-
schrieben. Die Abhandlung wird von elf Tafeln begleitet,
welche die meisten dieser Arten oder einzelne Theile der-
selben in Umrissen darstellen.
Von fossilen Crustaceen sind einige besonders interes-
sante neue Formen durch J. VV. S a 1 t e r „On some new
Crustacea from the Uppermosl Silurian Rocks" (Quarterly
Journal of the geolog. soc. of London XIL p. 26 ff.) zur
Kennlniss gekommen. Sie gehören in die nächste Verwandt-
schaft von Eurypterus, jener systematisch zweifelhaften Form,
welche von Burmeister zu den Palaeaden, von Römer
und M'Coy in die Nähe der Limulus- Arten gebracht wurde,
bilden aber eine von dieser verschiedene Gattung Himanto-
pterus , von welcher hier gleichzeitig sechs Arten von be-
trächtlicher Grösse bekannt gemacht werden, —r Von Inter-
esse ist ferner das Aufiiuden vollständiger Exemplare von
Ceratiocaris, von der bisher nur der Cephalothorax bekannt
war, während die ihr zugehörenden Schwanzstacheln einer
besonderen Gattung Leptocheles zugeschrieben wurden; beide
Theile sind jetzt mit den sie verbindenden Abdominalringen
zusammen aufgefunden worden und das Thier bietet in sol-
cher Continuität eine entschiedene Form-Aehnlichkeit mit den
Phyllopoden (Apus) dar.
Die von Salt er beschriebene Gattung Himantopterus (auf p. 28'
im Holzschnitte dargestellt) unterscheidet sich von Eurypterus zu-
nächst durch die Stellung der Augen , welche nicht auf der Ober-
fläche , sondern an den vorderen Seitenwinkeln des Cephalothorax
(doch wohl nicht des Kopfes, wie der Verf. angiebt) liegen und fer-
ner durch die mehr lineare Form der Schwimmfüsse. Das einzige
sichtbare Antennenpaar ist schmächtiger als die Füsse, besteht aus
weniger Gliedern und endigt in eine lange, didactyle Scheere. Die
sechs bekannten Arten der Gattung, welche hier ausführlich beschrie-
ben werden und von denen einzelne Theile abgebildet sind, heissen :
46S Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
H. acuminalus, maximus ^ bilobuSf perornalits, lanceolalus und Banhsii.
Von der Gattung Ceratiocaris M'Coy wird auf p. 33 ebenfalls eine
Abbildung nach einem vollständigen Exemplare gegeben , welches
zwischen dem Cephalothorax und dem Schwanzsegmente fünf nach
hinten an Länge zunehmende Abdominalsegmenle zeigt. — In einem
Anhange zu dieser Arbeit hat Huxley („Observalions on the stru-
clure and affinilies of Himantopterus« j sich über die systematische
Stellung dieser Gattung, so wie der ihr zunächst verwandten ausge-
sprochen. Er erkennt zwar ihre Analogieen mit den Phyllopoden
und Limuliden an , glaubt aber einerseits grössere Abweichungen als
Verwandtschaften mit diesen vorzufinden , andererseits scheinen ihm
wesentlichere Uebereinstimmungen mit den Cumaceen vorhanden zu
sein; nur seien die fossilen Formen gleichsam Cumaceen im Larven-
zuslande , indem ihre Gliedmassen mit denen der Macrouren -Larven
Analogieen darböten.
Decapoda.
Rracliyura« Oxyrrhyncha. — Ref. (Carcinolog. Bei-
träge) machte über mehrere Gattungen und Arten dieser Gruppe kri-
tische Bemerkungen. Die Gattungen Paramicippe und Criocarcinus
M. Edw. werden als unhaltbare nachgewiesen, indem die ihnen an-
gehörenden Arten alle wesentlichen Charaktere mit Micippe Leach
gemein haben, dagegen in der Bildung der Augenhöhlen , der Fühler
und der Länge der Beine mehrfache specifische Abweichungen unter
einander darbieten, bei deren Berücksichtigung jede Art eine eigene
Gattung bilden müsste. Ausser Micipjie miliaris n. sp. aus dem rothen
Meere wird Micippe (Cancer) Thalia Herbst, eine den späteren Autoren
unbekannte Art, näher charakterisirt. — Der Cancer ursus Hbst., hier
ebenfalls beschrieben, gehört zur Galtung Paramithrax JVl. Edw. und
ist von Mithrax ursus Bell verschieden. — Othonia sexdentata und
quinquedenlata Bell sind Abänderungen einer und derselben Art und
mit dem Cancer mirabilis Herbst synonym. — Der Cancer hirticornis
Herbst ist gleich Pisa corallina Kisso; der Cancer Pleione Herbst ge-
hört nicht zu Pisa, wohin ihnMilne Edwards bringt, sondern zur
Gattung Piaxia. — Lambrus carenatus M. Edw. ist der Cancer pran-
sor Herbst (Parthenope regina F'abr.) , dagegen Lambrus prensor M.
Edw. eine von der Herbst'schen ganz verschiedene Art. — Eine un-
ter dem Namen Peloplaslus Pullasii beschriebene und abgebildete, mit
Doclea zunächst verwandte Form , von dieser hauptsächlich durch
niedergedrückten Cephalothorax und verbreiterte, plattgedrückte Beine
unterschieden, ist nach einer brieflichen Mittheilung von Steen-
strup schon früher von Kr o ye r als Chionoeceles charakterisirt wor-
den und slamint aus dem Polarmeere (Grönland).
während des Jahres 1856. 469
Heller (Verhandl. d. zoolog. -botan. Vereins VI. p. 719) be-
schrieb Stenorhyrichus inennis als neue Art von der Dalmatinischen
Küste, von Frauenfeld daselbst aufgefunden; sie ist zunächst mit
Sten. longirostris M. Kdw. verwandt, von der hier eine nochmalige
vergleichende Charakteristik gegeben wird.
Cyclometopa. — Ref. (a. a. 0. p. 117 ff.) errichtete auf den
Cancer trispinosus Herbst eine eigene Galtung Chalaepus, welche mit
Galene de Haan in nächster Verwandtschaft steht, sich aber durch
die Bildung der Augenhöhlen und des Hinterleibs unterscheidet; er-
stere sind von zwei Dritttheilen der Stirnbreite, ringsum geschlossen,
ihr Unterrand tief ausgeschnitten und nach innen in einen scharfen,
gerade nach vorn gerichteten Zahn endigend ; an letzterem sind alle
sieben Ringe vollständig von einander getrennt, der letzte sehr
schmal, lanzettlich zugespitzt. — Auf den Cancer ochthodes Herbst
wird eine neue Gattung Vohjcreniuns gegründet , welche zur Xantho-
Gruppe gehört und in nächster Verwandtschaft zu Halimede de Haan
steht, von der sie durch die Form des Cephalothorax, die noch wei-
ter hervorgezogene , sehr schmale, aus zwei seitlichen Wülsten be-
stehende Stirn u. s. w. abweicht. — Aus der Gattung Trapezia wer-
den die beiden mehrfach verkannten Herbst'schen Arten Tr. rufopun-
ctala und Cymodoce und ausserdem zwei neue: Trapeüa corallina
von Veragua und suhtenlala aus dem Rothen Meere beschrieben. —
Zur Thalamiten-Gruppe kommen folgende neue Arten: Liipea exaspe~
rata von Puerto Cabello , pudica von der Küste Brasiliens , Euctenola
n. g. mit einer Mexikanischen Art: Euct. mexicana, von Lupea durch
die schmale Stirn, welche nicht mit vier, sondern nur mit zwei Zäh-
nen bewaffnet ist, ferner durch die Bildung der Augenhöhlen, an
denen die Spalten des oberen Randes nicht einfache Schlitze sind, son-
dern deutlich klaffen, unterschieden.
Catometopa. — Ref. (a. a. 0. p. 132 ff.) machte darauf
aufmerksam , dass in der Gattung Ocypode bei den einzelnen Arten
die Länge der Augengriffel nach den Individuen starken Schwankun-
gen unterworfen sei und daher nicht zur specifischen Unterscheidung
angewandt werden könne: Ocypode d'Urvillei Guer. und brevicornis
M. Edw. scheinen nach Exemplaren der O. ceratophthalma mit kur-
zem Griffel aufgestellt zu sein. Von letzterer Art ist specifisch ver-
schieden: Ocypode aegypliaca n. st^., hier ausführlich beschrieben. Von
Ocypode arenaria werden die Jugendzustände charakterisirt. — Von
der Gattung Acanthoplax M- Edw. wird nachgewiesen , dass sie von
den Gelasimus-Arten mit schmaler Stirne (Gel. Maracoani) nicht ge-
nerisch verschieden sei; als neue Art wird beschrieben: Gelasimus
( AcanlhoplaxJ excellens von Veragua. — Eine neue Gattung ist Ä/m-
conohis (Taf. V. fig, 5 abgebildet), zur Gruppe der Sesarmacea M. Edw.
gehörig, von allen bisher bekannten Formen durch die schmale Stirn
470 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
und die ungewöhnliche Länge der Beine unterschieden; in der ei-
genthümlichen Form der Scheeren und im Habitus bietet sie Aehn-
lichkeit mit Gonoplax dar. — Art: Rliaconotus crenulaius unbekann-
ten Vaterlandes. — üca laevis M. Edw. wird als Männchen der üca
una Marcgr. nachgewiesen, von Gecarcinus lateralis Edw. und Boscia
dentata Edw. die verschiedenen Altersstufen und Abänderungen be-
schrieben. — Dilocarcinus Castelnaui M. Edw. wird als synonym mit
dem Cancer septemdentatus Gronov. , Herbst, hingestellt, Dilocarci-
nus pardalinus als neue Art aus Süd -Amerika beschrieben. — Der
Cancer hydrodromus und aurantius Hbst. gehören zur Gattung Tel-
phusa ; mit ersterem ist wahrscheinlich Telph. grapsoides M. Edw.,
mit letzterem Telph. Leschenaultii M. Edw. identisch. Telphusa sub-
quadrala wird als neue Art von den Philippinen beschrieben , die
beiden Herbst'schen Arten ebenfalls genau charaUterisirt.
llVotopoda* Die im vorigen Jahresberichte (p. 188) erwähnte
neue CalifornischeLithodes-Art, L. fPetalocerusJ Bellianiis wuT(\e von
Withe (Proceedings of the zoological society 1856. p. 134fr.) aus-
führlich beschrieben und auf pl. 42 abgebildet. Zugleich giebt der
Verf. ebenda eine Aufzählung der bis jetzt beschriebenen Arten der
Gattung Lithodes, wobei ihm jedoch die wichtige Abhandlung von
Brandt im Bullet, de l'Acad. de St. Petersbourg VIL 1849 entgan«
gen ist.
Astacini« Ref. (Carcinologische Beiträge p. 154 ff. Taf. VL
fig. 1—4) gab eine Beschreibung und Abbildung einer neuen zur
Gruppe der Thalassinier gehörigen Gattung Scijloleptus mit einer Art:
Scyt. serripes aus Süd-Afrika. Die Gattung gehört durch den Mangel
der respiratorischen Anhänge an der Unterseite des Abdomens zu den
Thalassiniens Cryptobranchides M. Edw. und zwar zu denjenigen,
welche innere Fühler mit langen Geissein besitzen. Sie unterschei-
det sich von Callianassa, mit der sie eine grosse Aehnlichkeit in der
Körperform hat, durch den nicht erweiterten Tarsus des dritten Fuss-
paares und durch consistentere Körperbedeckung, von Axia durch
den Mangel des beweglichen kleinen Domes am Basnltheile der äus-
seren Fühler. — Die auf Taf. VI gegebene Abbildung des Krebses
ist durch den Kupferstecher verzeichnet worden , so dass der Ansatz
des ersten grossen Scheerenfusspaares nicht daraus klar wird ; der
kleine Scheerenfuss ist der Reihe nach der zweite.
Carides* Kroyer hat in der Oversigt af dol Kougl. Danske
Vidensk. Selsk. Forhandl. i aaret 1855 einen Beitrag zur Kenntniss
der Gattung Sergestes M. Edw. gegeben, welcher dem Ref. jedoch bis
jetzt nur nach einer Uebersetzung von Creplin (Zeitschrift f. die
gesammt. Naturwiss. VIH. p. 413 ff.) bekannt geworden ist. Der Verf.
geht hiernach zunächst auf mehrere Eigenthümlichkeiten dieser bis-
vrShrend des Jahres 1856. 471
her nur in einer einzelnen Art bekannt gewordenen Gattung ein, wel-
che 1) in der Bildung der Kiemen, deren einzelne Blättchen je ein
ganzes Kiemensystem ausmachen, wie es auch bei Thysanopoda (hier
aber in weiterer Ausbildung) der Fall ist ; 2) in dem deutlichen Vor-
handensein von Gehörorganen im VVurzeltheile der oberen Fühler, 3)
in cigenthümlichen Geschlechtsmerkmalen des Männchens an den F'üh-
Icrn und den beiden ersten Paaren der Bauchfüsse bestehen. Sodann
geht der Verf. auf die geographische Verbreitung der Gattung ein,
von welcher ihm elf Arten vorliegen; zwei derselben gehören der
arktischen Region an (S. arcticus undRinkii), eine (S. atlanticus Edw.)
wurde unter dem 40° n. Br. gefangen, die übrigen sind tropisch und
wurden auf einem Fahrzeuge alle fast an derselben Stelle des Oceans
erbeutet. Die Namen der Arten , welche vorläufig durch Diagnosen
festgestellt werden, sind : Sergestes FrtesiV, arcticus, oculatus, Edward-
sii^ cornulus , corniciihtm y tenuiremus , obesus, armalus , ancylops und
Rinkii ; dieselben sind in einer analytischen Tabelle zusammengestellt
worden.
In der Alpheiden-Gruppe errichtete Heller (Beitrag zur Fauna
der Adria, Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins in Wien VI. p. 629 ff.
Taf. IX) eine neue Gattung Pontonella auf eine an der Küste von Zara
aufgefundene Art: Pont, glabra. Der Krebs ist mit Pontonia und Au-
tonomea zunächst verwandt, hat mit ersterer Gattang die grossen,
beiderseits ungleich entwickelten Scheerenfüsse am zweiten Paare
gemein, unterscheidet sich aber von derselben durch den Mangel einer
Deckschuppe an den äusseren Antennen und die cylindrische Form
des Basalgliedes der innern Fühler. Mit Autonomea durch den Man-
gel der Deckschuppe übereinstimmend , weicht er davon durch das
scheerenförmige zweite ßeinpaar ab. Die Art misst 10 bis 12 Linien
in der Länge.
Spence Bäte (Annais of natural history XVII. p. 461 ff. pl. XV)
gab eine ausführliche Beschreibung nebst Abbildung der jungen Larve
von Hippolyte varians, Sie ist beim Ausschlüpfen aus dem Eie yig
Zoll lang und von sehr abweichender Form; die Augen sind von
auffallender Grösse, die Fühler sehr kurz, die Ä^andibeln und Maxillen
deutlich sichtbar; letzteren folgen nach hinten sechs Paare fussarti-
ger Anhänge, je zu zweien an der Basis vereinigt. Der Hinterleib
ist sehr schmal, ohne Anhängsel, an der Spitze dreieckig verbreitert
und zweilappig.
Remarks on Wika edulis Risso, by W. Thompson (Proceed.
oF the zoolog. soc. of London 1856. p. 102 ff. , Annais of nat. bist.
XVIII. p. 493). — Die hier gegebenen Notizen enthalten interessante
Beobachtungen über ein längere Zeit hindurch am Leben erhaltenes
Exemplar der genannten Gattung und zwar besonders über die Art
und Weise, wie sich das Thier in den Sand eingräbt. Der Verfasser
472 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
glaubt, dass letzteres von demselben nur geschieht, um sich seinen
Feinden zu entziehen, nicht aber um sich unter dem Sande Nahrung
zu suchen; das Eingraben wurde nur bei Tage beobachtet.
Cumacea* Ueber die an den Küsten Englands vorkommen-
den Galtungen und Arten dieser Familie hat Speuce Bäte in einer
Abhandlung „On the British Diastylidae" (Annais of natural history
XVII. p. 449—465. pl. XIII— XV) Nachricht gegeben. Der Verfasser
nimmt anstatt des allgemein gebräuchlichen Namens Cumacea für die
Familie die Benennung „Diastylidae" an , indem die erste hierher
gehörige Galtung von Say unter dem Namen Diastylis beschrieben
wurde. Von dieser Gattung , mit welcher Alauna Goodsir identisch
ist, und welche in England durch eine Art, D. Ralhkii Kroyer reprä-
sentirt wird, giebt Bäte eine ausführliche Schilderung in Betreff
des ganzen Körperbaues. Die zweite Gattung Cuma M. Edw. ist durch
zwei Arten vertreten: C. scorpioides Alontagu (C. Audouini M. Edw.,
C. Edwardsii Goods.) und C. Ewardsii Kroyer. Eine dritte Galtung
Eudora ist neu und unterscheidet sich von Cuma durch nicht sicht-
bare obere Antennen (der Körperbau ist sonst mit Cuma ganz analog);
eine Art: E. Iruncatula von Plymouth. Ferner wird eine eigene
Gattung Halia auf Cuma trispinosa Goods. gegründet; bei dieser ist
der Cephalothorax nach hinten verlängert, so dass er nur die drei
hinteren Segmente freilässt; die vier hinteren Beine des Thorax ohne
Falp, die oberen Antennen hervorragend, die unteren häutig. An die
Gattung ßodotria Goods. (mit einer Art) schliesst sich endlich noch
eine neue Form: Venilia n. g. an, bei welcher die Scitenwinkel des
Cephalothorax über das Antennensegment hervortreten, beide Fühler-
paare deutlich entwickelt sind, fünf Thoraxringe hinter dem Cephalo-
thorax frei zu Tage liegen und die fünf ersten Hinterleibsringe je
ein Paar Schwimmfüsse tragen. Eine Art: V. gracilis. — Sämmt-
liche beschriebene Arten sind auf drei Tafeln stark vergrössert dar-
gestellt und zahlreiche anatomische Details hinzugefügt. — In einer
Nachschrift (Annais of nat. bist. XVIII. p. 187} ändert Bäte die Na-
men der Gattungen Halia und Venilia (beide bereits vergeben) in
Iphinoe und Cyrianassa um.
/tmphipoda*
Eine umfangreiche und sehr gehaltvolle Arbeit über die
Organisation der Amphipoden im Allgemeinen ist von C.
Spence ßate unter dem Titel: ^On the Ciilish Edrioph-
thalma Part. 1. The Amphipoda" im Report of (he twenty-fiflh
meeting of the British Association for the advancement of
science, held at Glasgow in September 1855. (London 185()).
p. 18—62. pL XU— XXII erschienen. — Der Verf. beabsich-
während des Jahres 1856. 473
tigt, in Gemeinschaft mit West wo od ein Werk „On the
British sessil-eyed Crustacea" herauszugeben, zu welchem
die vorliegende Arbeit eine Vorstudie zu sein scheint. In
derselben wird zunächst der Umfang der Ordnung der Am-
phipoden in Erwägung gezogen und gegen Dana die bei
den früheren Autoren übliche Sonderung derselben von den
Isopoden festgehalten ; die Laemodipoden werden als aberri-
rende Formen der Amphipoden an das Ende der Ordnung
gestellt und vermitleln so gleichsam den üebergang zu den
Isopoden. (Hier folgt eine systematische Uebersicht der in
England einheimischen Amphipoden- Familien , Gruppen und
Gallungen.) Sodann geht der Verf. auf die gesammfe äus-
sere Körperbildung der Amphipoden näher ein, betrachtet die
einzelnen Körper - Abschnitte , Gliedmassen , Sinnesorgane
u. s. w. nicht nur in ihren verschiedenen Modifiliationen, wie
sie sich bei einer Anzahl von typischen Formen vorfinden,
sondern auch ganz besonders im Verhältnisse zu den Podoph-
thalmen und sucht stets die zwischen beiden Ordnungen be-
stehenden Analogieen und Homologieen nachzuweisen und
näher zu erörtern. In einem folgenden Abschnitte wird die
mikroskopische Struktur des Chitinskeletts nebst seinen ver-
schiedenen Anhangsgebilden, wie Haare, Dornen u. s. w.
auslührlich abgehandelt, auch zugleich auf die Neubildung
verlorener Gliedmassen eingegangen. Bei der Beschreibung
der anatomischen Verhältnisse werden alle verschiedenen Sy-
steme genau durchgegangen und besonders auch Untersuchun-
gen über das Vorhandensein von Gehör- und Geruchsorga-
nen angestellt; die Entwicklung des jungen Thieres schliessl
sich den Abschnitten über die Struktur der männlichen und
weiblichen Foripflanzungsorgane an. — Den Schluss der Ar-
beit bildet eineAufzählung der England eigenthümlichen Am-
phipoden, deren Zahl fast 100 erreicht; die zahlreichen neuen
Gattungen und Arten sind hier vorläufig nur namentlich auf-
geführt und werden wahrscheinlich in dem erwähnten pro-
jectirten Werke des Verf. ihre nähere Beschreibung finden.
— Die zahlreichen der Abhandlung beigegebenen Tafeln sind
von Westwood gezeichnet und erläutern in sehr reich-
haltiger Weise die äusseren und inneren anatomischen Ver-
hältnisse der Amphipoden.
474 Gerstaecker: Bericht üb. d Leistungen in d. Entomologie
Da die Organisation der Amphipoden im Allgemeinen die Auf-
merksamkeit der Forscher bisher im Ganzen wenig beschäftigt hat,
so fand der Yerf. für seine sehr eingehenden und sorgsamen Unter-
suchungen hier ein besonders fruchtbares Feld vor. Die Ausdehnung
der Arbeit verbietet von selbst ein näheres Eingehen auf alle bemer-
kenswerthen Einzelnheiten , von denen nur einige hier eine kurze
Erwähnung finden mögen. Den Kopfring der Amphipoden sucht der
Yerf. als Analogen des Cephalothorax der Podophthalmen nachzuwei-
sen, einerseits dadurch, dass die beiden Segmente, welche ihn zu-
sammensetzen, das Mandibular- und Fühlersegment bei beiden in
entsprechender Weise, wenn auch in sehr verschiedener Grössen-
Entwicklung vorhanden sind, andererseits durch Nachweis von all-
mähligen üebergängen in Betreff des allmähligen Zurücktretens des
Cephalothorax von den Thoraxringen, wie sie manche Cumaceen und
Stomatopoden zeigen (p. 25 (f.). — Die Epimeren der Thoraxringe bei
den Amphipoden hält B. für die Analoga der Hüften der Podophthal-
men und zwar weil sie bei einer Zählung der einzelnen Glieder von
der Spitze des Beines an wie dort die siebente Stelle einnehmen.
(Da z. B. bei den Brachyuren und Astacinen stets der Tarsus aus zwei
Gliedern besteht und auf diese die deutlich erkennbaren Schienen und
Schenkel folgen, niüsste ein doppelter Trochanter zwischen Hüfte und
Schenkel angenommen werden. Bef.) Andere Gründe , welche der
Verf. für seine Ansicht beibringt sind , dass die Kieme normal ein
Anhang der Hüfte ist, dass die Beweglichkeit der Hüfte selbst am
Körperskelette eine viel geringere ist als die des Trochanters an der
Hüfte, dass lieine Epimeren vorhanden sind, wo Beine fehlen u. s. w.
(p. 36). — Die mikroskopische Struktur des Chitinskeletts erweist sich
in manchen Fällen nützlich zur sicheren Unterscheidung nahe ver-
wandter Arten, bei denen sie auffallende Verschiedenheiten erkennen
lässt; andererseits bieten Arten verschiedener Gattungen nicht selten
eine überraschende Gleichförmigkeit in den feineren Strukturverhältnis-
sen der Oberfläche dar. Die Form und Struktur der Anhangsgebilde des
Skeletts, z. B. der Haare variirt nicht allein nach den Arten, sondern
auch nach den einzelnen 'i heilen desselben Thieres, wie z. B. bei
Sulcator arenarius sich zwölf verschiedene Haartypen (fadenförmige,
gekeulte, gesägte, gewimperte u. a.) nachweisen lassen (p. 40). —
Als Gehörorgane sieht B. die Wimperhaare der oberen Fühler, welche
ausschliesslich auf die Hauptgeissel derselben beschränkt sind , an;
diese Wimpern (auditory cilia genannt) sind häutig, biegsam, flachge-
drückt, an Form und Menge variirend. Innere Gehörorgane sind in
den oberen Fühlern nicht bemerkbar, doch schein; n bei Aegina und
Amphithoe Nervenzweige von einem Hauptstamme zu den einzelnen
Wimpern zu gehen (p. 44) — Als Geruchsorgan wird ein dornförmi-
ger Fortsatz am Basalgliede der unteren Fühler nngenommen , wel-
während des Jahres 1856. 475
eher aus einer blasenartigen Anschwellung hervorgeht, an der Spitze
offen ist und aus welchem eine cylindrische Röhre hervorragt, die
von innen her einen Nervenfaden aufnimmt (p.46).
Die in Gemeinschaft mit Westwood vom Verf. zusammenge-
stellte systematische Uebcrsicht der Englischen Amphipoden-Gatlun-
gen (p. 21) ist folgende: die Ordnung zerfällt in Amphipoda norma-
lia und aherrantia ; während die letztere Abtheilung sich auf die Fa-
milie der Caprellidae (mit der einzigen Gattung Caprella) beschränkt,
zerfallen die Amph. normalia zunächst in Gamraarina und Hyperina,
die Gammarina wieder in Yagantia und Domicola. Zu den Vaganlia
gehören die Familien der Orchestidae (Gattung Orchestia) und der
Gammaridae (Gattungen Montagua , Lysianassa, Tetromatus , Sulcator,
Gammarus, Leucothoe , zu den Domicola die Familien der Corophii-
dae (Gattungen Podocerus, Siphonocetus und Corophium) und derChe-
luridae (Gattung Chelura). Die Hyperina umfassen die Familien der
Hyperidae (Hyperia), Phronomidae (Phronoma) und Typhidae (Typhis).
Die schon im Jahresberichte v. J. 1854 (p. 185) ange-
zeigte Arbeit von A. Costa „Ricerche sui Crostacei Amfipo
di del regno di Napoli" ist jetzt in den ftJemorie della Reale
Accademia delle scienze (da! 1852 in avanli), Vol. L Napoli
1856. p. 165 235 (mit 4 Tafeln in 4.) vollständig erschie-
nen. Während in dem damals veröffentlichten Auszuge nur
eine kurze Charakteristik der neuen Gattungen und Arten ge-
geben worden war, geht der Verf. in der vorliegenden Ab-
handlung zunächst auf eine systematische Einlheilung der bei
Neapel vorkommenden Amphipoden ein, deren Abtheilungeu
und Gattungen er unter eine analytische Tabelle bringt. Die
beiden Hauptgruppen werden Gammaridei und Podoceridei
genannt; erstere umfasst die Unterfamilien Ampeliscini , Ta-
litrini, Lysianassini, Gammarini und Leucolhoini, letzlere die
Podocerini, Unciolini und Corophiini. Die im Berichte vom
J. 1854 angeführten Gattungen und- Arten sind sämmtlich
ausführlich beschrieben und zum grössten Theile auf den
vier beifolgenden Tafeln abgebildet; letztere enthalten zu-
gleich reichliche Details - Darstellungen , besonders die cha-
rakteristischen Fuss- und Fühlerbildungen der einzelnen Gat-
tungen. — Die Kenntniss der Europäischen Amphipoden er-
hält durch diese sehr sorgsam ausgeführte Arbeit eine we-
sentliche Bereicherung.
476 Gerstaecker: Bericht üb. ({.Leistungen in d. Entomologie
Isoporla.
Spliaeroniidae» Eine interessante neue Form dieser Fa-
milie, aus den unterirdischen Höhlen Krains stammend ist Monolislra
coeca des Ref. (Carcinologische Beiträge p. 159 fF. Taf. VI. fig. 5 — 14),
wie die meisten übrigen Höhlenthiere durch gänzlichen Mangel der
Augen ausgezeichnet. Die Gattung gehört zu der Abtheilung der
Sphaeromidae cheliferae M. Edw., unterscheidet sich jedoch von der
einzigen hierher gerechneten Gattung Anceus dadurch , dass nur das
zweite Fusspaar in eine Scheere verwandelt, während das erste mit
einem gewöhnlichen Nagel versehen ist. Von den Fühlern hat das
obere (innere) Paar drei an Dicke abnehmende , das untere vier
schnjalere Basalglieder, letzteres eine beträchtlich längere Geissei als
jenes. Der Mangel der Augen scheint durch eine auffallende Palpen-
bildung an den MaxillarfüsSen ersetzt zu werden, indem die einzelnen
Glieder derselben gross, nach innen in Aeste erweitert und lang ge-
wimpert sind. Von den zwei Hinterleibssegmenten trägt das letzte,
sehr grosse und schildförmige ein schmales, sichelförmiges letztes
Abdominalfusspaar, welches jederseits durch ein kurzes Basalglied ein-
gelenkt ist.
Oaiscoclea. Eine neue Gattung wurde von Koch (in Ro-
senhauer's Thiere Andalusiens p. 422) unter dem Namen HArtcorfes auf-
gestellt ; sie hat neungliedrige Fühler mit viergliedriger Geissei, einen
dreieckige», mit der Spitze nach oben gerichteten Kopfvorsprung
zwischen den Fühlern und die Seitenfortsätze des zweiten bis sie-
benten Körpergürtels als bewegliche Lappen eingelenkt. Die Anhäng-
sel des letzten Ringes (das letzte Abdominalfusspaar), von der Form
gebogener Leistchen, verbinden sich mit dem Hinterrande desselben
und bilden einen vorstehenden Saum an diesem. Art : Rh. inscriplusj
ö'/i Lin. aus Andalusien. — Als neue Arten von derselben Lokalität
werden ferner (p. 418 ff.) von Koch beschrieben: Povcellio fornica~
tus, coronatus, conifer, glaber, Armadillo kirsulus.
Asa Fitch (Report on the noxious Insects of New-York p.
119 ff.) beschrieb als neue Kord-Amerikanische Arten: Forcellio gla~
her, imtnaculatus , viilalus , mixlus und linialiis, letztere Art mit zahl,
reichen Farben-Varietäten.
ISraiicIiiopoda.
Cladocera. Nachträglich ist einer schon im J. 1854 im
VIL Bande der Memoires presenles ä l'academie imperiale des scien-
ces de St. Petersbourg par divers savans (welcher den hiesigen Bi-
bliütht'ken erst in letzter Zeit zugekommen ist) p. 1 — 14. c. tab. I — HL
erschienenen Arbeit von Seb. Fischer „Ergänzungen, Berichtigungen
während des Jahres 1856. 477
und Fortsetzung zu der Abhandlung über die in der Umgebung von
St. Petersburg vorkommenden Crustaceen aus der Ordnung der Bran-
chiopoden und Entomostraceen" zu erwähnen, über welche im Jahres,
berichte 1849 — 51. p. 429 nur eine vorläufige ISotiz gegeben worden
ist. Eine früher vom Verf. als Sidaea crystallina angesehene Art hat
sich als neu herausgestellt und bildet eine eigene Gattung Diapkano-
soma Leuchlenhergianum; eine zweite Art derselben wird als D Brand-
lionuin beschrieben. Die Ruderfüsse dieser Galtung bestehen aus
einem sehr starken, dicken, konischen Basalglied und zwei Aesten ;
der kürzere untere besieht aus drei Gliedern, deren erstes kurz, das
zweite lang und mit einer zweigliedrigen Borste versehen, das dritte
wieder kurz und dick und mit vier Borsten besetzt ist; der obere
längere Ast besteht aus zwei zusammengedrückten Gliedern , welche
zusammen 12 Borsten tragen. — ■ Die weibliche Sidaea crystallina,
welche jetzt ebenfalls bei St Petersburg aufgefunden ist, wird in
ihrem äusseren und inneren Baue ausführlich beschrieben, ebenso der
Lynceus leucocephalus Koch; zu anderen früher beschriebenen Arten
giebt der Verf. berichtigende und ergänzende Bemerkungen.
Pltyllopodü* „Branchipus Oudneyi, der Fezzan-Wurm oder
Dud, Baird's Artemia Oudneyi", von Dr. Lievin. (Neueste Schriften
der naturforschenden Gesellschaft zu Danzig V. Band 4. Heft 185Ö). —
Das Thier , welches von Vogel auf seiner Reise durch das Innere
Afrika's in den Natronseeen Fezzan's in grosser Menge gefunden
worden ist, wird von Lievin in seinem äusseren Körperbaue aus-
führlich nach beiden Geschlechtern beschrieben und nebst einzelnen
Theilen auf einer beigegebenen Tafel abgebildet. Der Verf. ist ge-
neigt, die Art für identisch mit Joly's Artemia salina zu halten, wäh-
rend Leidig's Artemia salina vielleicht mit Art. arietina Fisch, zusam-
menfällt. Mit Grube stimmt Lievin darin überein, dass die Gattung
Artemia nicht generisch von Branchipus verschieden sei.
Jones hat in einem dritten Abschnitte seiner „Notes on the
palaeozoic bivalved Entomostraca" (Aunals of natural history XVIL
p. 81 — lOl) die Galtung Leperditia Rouault bearbeitet und die Arten
durch zahlreiche Abbildungen auf pl. VI und VII erläutert. Von be-
reits bekannten Arten werden angeführt und beschrieben : Leperditia
ßallhica Hisinger, arctica Jones, alla Conrad, Britannica Uouault,
marginata Keyserling. Zwei neue Arten sind : L. gibbera aus dem
Oberen Silurischen Kalk von Buchey-Island und L. sohensis aus dem
Unteren Silurischen Schiefer in Süd-Wales.
fiOpliypopocIa«
Copefioda* Lubbock hat (Transact. of the entomol. soc.
IV. p. 8 — 35j eine Anzahl neuer Arten, welche aus dem Atlantischen
Ocean stammen, ausführlich beschrieben und auf Taf. 2 — 12 abgebil-
478 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie/
det. Es sind folgende : Calanus inconspicnus, peniciUatus (durch einen
dichten Haarbüschel an der Spitze der vorderen Antennen ausge-
zeichnetj , latus, mirabilis ^ brevicornis, Euchaeta Allanlica^ Sulherlan-
dii , Undina Danae ^ lotigipes, plumosa, HelenaCf pulchra ^ Diaplomus
dubius , abdominalis, Vonlella setosa , Clylemnestra Atlantica, Corycaeus
Sulkerlandii, styliferus^ Copilia Ällanlica, Sapphirina Danae, opaca und
siylifera. Uebcr Calanus communis Dana, Uhincalanus cornutus Dana
und Candace pachydaclyla Dana , oder vielmehr über Arten, die mit
Wahrscheinlichkeit auf diese zu beziehen sind , giebt der Verf. aus-
serdem noch ergänzende Anmerkungen. Den Beschreibungen werden
mehrfache treffende Bemerkungen über den generischen oder specifi-
schcn Werth gewisser Körpertheile , wie Fühler, IVIaxillar- und
Schwimmfüsse vorangeschick tund die Unhaltbarkeit einiger auf solche
Merkmale gegründeten Galtungen nachgewiesen ; da diese Theile ge-
rade bei Männchen und Weibchen derselben Art oft sehr verschieden
gebildet sind, muss mit der Errichtung von Gattungen um so rück-
haltender verfahren werden, wenn nur eins der beiden Geschlechter
bekannt ist. — Die Beschreibungen des Verf. sind sorgsam behandelt
und durch Darstellung der charakteristischen Körpertheile wesentlich
unterstützt.
Cypridina* Lubbock (Transact. of the entomol. soc. IV.
p. 34) beschrieb Halocypris AUanlica als neue Art aus dem Atlanti-
schen Ocean ; Abbildung auf Taf. XII.
Seb. Fischer, Abhandlung über das Genus Cypris und des-
sen in der Umgegend von St. Petersburg und von Fall bei Reval
vorkommenden Arten (Memoires presenles ä l'acad. des sciences de
St. Petersbourg par divers savans, VII. p. 129 — 167, mit 11 lithogr.
Tafeln). — Diese Arbeit datirt wie die oben angezeigte von Fischer
ebenfalls vom J. 1854, und ist hier nachträglich aufzuführen ; in der-
selben wird von p. 129 — 142 der äussere und innere anatomische Bau
der Gattung erörtert, im Folgenden eine Aufzählung und Beschrei-
bung der bei St. Petersburg aufgefundenen Arten gegeben. Auf die
Resultate der anatomischen Untersr.chungen des Verf. hier näher ein-
zugehen, ist um so eher erlässlich , als die gleichzeitige Arbeit von
Zenker denselben Gegenstand in viel ausführlicherer Weise behan-
delt hat ; beide Arbeiten stimmen übrigens in mehreren wesentlichen
Punkten überein und können leicht mit einander verglichen werden.
Die Zahl der bei St. Petersburg vorkommenden Arten beläuft sich auf
22; wie die meisten früheren Autoren so ist auch F. oft bei der
Bestimmung der ihm vorliegenden Species in Zweifel über die Iden-
tität mit früher beschriebenen gerathen und es ist daher eine grös-
sere Anzahl noch vorläufig mit neuen Namen versehen worden ; die
von Zenker bemerkbar gemachte Wandelbarkeit in der Form nach
dem Alter wird auch hier der Grund gewesen sein, dass die Arten
während des Jahres 1856. 479
älterer Autoren öfter nur mit Zweifel citirt werden konnten Die auf-
geführten Arten sind : C dispar Fisch, (marginala Straus ?), compressa
Koch, fabaeformis Fisch, (detecta Müli.?J, monacha AiüU. , acuminata
n. sp. , pellucida Koch, biplicata Koch, fasciata Müll., Jurinei Zadd ,
dromedarius n. sp. , pubera Älüli. , fusca Straus, ornata Müll., ]ngra
Fisch. (Candida Müll.?), tessellata Fisch, (reticulata Zadd.?), kirsula
Fisch, (strigata Müll.?), affinis n. sp., eleganlula Fisch, (punctata Koch
nee Jurine), semilimaris n. sp., vidua Müll., scutigera n. sp. und pan-
therina Fisch, (vulgaris Zadd. ^ — Die 11 beifolgenden Tafeln ent-
halten neben zahlreichen anatomischen Darstellungen auch stark ver-
grösserte Abbildungen der Arten.
!§iphono§tosi3ata.
Ijernaeaticie. lieber Pachybdella , Peltogasler und Sylon
(letztere eine neue, mit den beiden ersten verwandte Gattung) hat
Kroyer in der Zusammenkunft der Gesellschaft der Wissenschaften
zu Copenhagcn (Oversigt Kongl. Danske Vidensk. Selsk. Forhandl.
1855. p. 127, in einer Uebersetzung von Creplin mitgetheilt in der
Zeitschr. f. d. gesammt. Naturwissensch. VIII. p. 419 ff.) eine vorläu-
fige Mittheilung gemacht, wonach die Jugendzustände der Gattungen
Peltogaster (von Fachybdeila generisch abgetrennt, da Rathke ver-
schiedene Formen unter derselben vereinigt hat) und Sylon grosse
Verschiedenheiten untereinander darbieten, indem die Jungen der einen
Peltogaster - Art mit den von Cavolini abgebildeten nahe überein-
stimmen, die einer zweiten jedoch so wie auch die von Sylon gleich-
sam einer weiter fortgeschrittenen Entwicklungsperiode angehören.
Von Peltogaster glaubt Kroyer vier bis fünf, von Pachybdella zwei
Arten ucterscheiden zu können , während ihm von Sylon nur eine,
die aber in bedeutenden Formverschiedenheiten auftritt, bekannt ge-
worden ist. Die anatomische Untersuchung der ausgebildeten For-
men hat ihn nur von dem Vorhandensein eines Eierstocks und eines
drüsenartigen Körpers (Hoden nach Rathke) überzeugt, während
Mund, Darm, Muskeln und Nerven vermisst wurden; Männchen sind
ihm ebenfalls nicht vorgekommen, doch bezweifelt er den von Rathke
angenommenen Hermaphroditismus der Thiere, da in der Drüse (dem
fraglichen Hoden) keine Spermatozoen aufgefunden wurden.
Murray beschrieb (Edinburgh new philosophical Journal IV.
1856. p, 299 fr.) eine neue Art der Galtung Penella, welche sich in
den Kopf von Echem is remora einbohrt, unter dem Namen Penella
remorae; sie stimmt nach der Kopfbilduug mit keiner der beiden von
Milne Edwards angenommenen Abtheilungen überein.
480 Gerstaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
4« ;%raeliMic1o£i.
Schnur gab eine systematische Aufzählung der in der
Umgegend von Trier vorliommendtn Arachniden. (Jahres-
bericht der Gesellschaft für nützliche Forschungen zu Trier.
V. J. 1856. p. 53 ffo
Die 108 hier aufgreführten Arten vertheilen sich auf die einzeU
nen Gattungen folgendermassen : Atypus 1 , Dysdera 1 , Drassus 5,
Segestria 2, Clubiona 9, Tegenaria 3, Aranea 1, Epeira 18, Argyroneta
1, Theridiou 12, Pholcus l, Linyphia 1, Tetragnatha 1, Micrommata 1,
Philodromus 4, Thomisus 7, Salticus 4, Doloniedes 2, Lycosa 4, Scy-
todes 1, Chelifcr2, Obisium 2, Phalangium 4, Trogulus 1, Trombi-
dium 1, Garamasus 5, Cheyletus 1, Oribata 1, Uropoda 1, Acarus 3,
Bdella 2, Scirus !, Ixodes 4.
Die in Andalusien von Will gesammelten Arachniden
wurden von Rosenhauer (Thiere Andalusiens p. 406 ff.)
aufgezählt und die darunter befindlichen neuen Arten von
Koch ausführlich beschrieben. Die Anzahl der aufgeführten
Species beträgt 21.
Araiieiflea.
Doleschall (Natuurk. Tijdsehr. voorNederl. Indie XII. p. 507}
beobachtete eine Mygale Javanica, welche er einem ausgewachsenen
Reisvogel (rijstvogelj in den Käfig setzte. Fast augenblicklich sprang
die Spinne auf ihre Beute, umfasste sie mit den Füssen und schlug
ihre Giflhaken tief in der Nähe der Wirbelsäule ein. Der Vogel
starb binnen 30 Sekunden unter tetanischen Erscheinungen. Bei der
Sektion fanden sich die Herzkammern leer, die Atria mit coagulir-
tem Blute erfüllt, ausserdem Hyperämie der Muskeln und des Rük-
kenmarks.
White (Proceedings of the zoological socicty of London 1856.
p. 183. pl. 43) gab eine Beschreibung und Abbildung einer neuen My-
gale-Art unter dem Namen M. Emüia von Panama, welche sich durch
besonders schöne und lebhafte Färbung auszeichnet. Zugleich ver-
öffentlicht derselbe Beobachtungen von Bat es in Brasilien über die
Lebensweise der Älygale - Arten. Sie finden sich zu Hunderten auf
den sandigen Campos von Santarem , wo ein gänzlicher Mangel an
Insekten herrscht, wo aber zahlreiche Emberiza, Caprimulgus und
Tauben in der Erde nisten. Bates glaubt, dass die Spinnen bei Nacht
diesen Vögeln und ihren Eiern nachjagen.
während des Jahres 1856 481
Im Journal of the Proceedings of the Linnean society, Zoology
I. p. 1 findet sich eine briefliche Mittheilung von T h. Shearman
Ralph aus Neu-Seeland über eine daselbst vorkommende Spinne, die
bei den Eingebornen als giftig verschrieen ist. Sie wird von diesen
mit dem Kamen „Katepo" bezeichnet und lebt unter niedrigen Sträu-
chern auf Sandhügeln längs der Meeresküste ; dort baut sie ihr Nest,
in welches sie 50 bis 60 Eier legt. Sie scheint von Insekten , haupt-
sächlich von Käfern zu leben, ist im Alter tief schwari mit einem
orangefarbenen Bande über den Rücken , in der Jugend dagegen
weiss mit schwarzen Flecken. Eine Maus, die mit einer solchen
Spinne zusammengesperrt und an zwei Stellen von ihr gebissen
wurde, starb nach 18 Stunden.
Ebenda p. 2 theilteBell erneuerte Beobachtungen über die Le-
bensweise und den Zellenbau von Argyroneta aquatica mit. — Aus-
führliche Notizen über die Lebensweise des Atypus Sulzeri (auch in
Süd-England einheimisch) lieferte Newman im Zoologist p. 5021 ff.
„Travaux des araignees en rapport avec Telat present ou pro-
chain de l'atmosphere" par M.Caraguel (Comptes rendus de l'aca-
demie des sciences XLU. p. 457). Der Verf. bemerkt , dass die Spinnen
beim Herannahen von Regen und Wind ihre Fäden, an denen das Ge-
spinnst aufgehängt ist, sehr verkürzen; verlängern sie dieselben, so
tritt schönes Welter ein. — Eine bei den Landleuten allgemein be-
kannte Thatsache.
J. Black wall, Descriptions of three newly discovered species
of Araneidea (Annais of natural history XVIL p. 233 ff.). Die neuen
in England aufgefundenen Arten werden als perlene cornigera^ niora.
lana und Walkenaera vafra beschrieben.
Neue Arten aus Andalusien, von Koch (in Rosenhauer's Thiere
Andalusiens p. 407 ff.) beschrieben sind: Lycosa ochracea, Dendryphan-
tes jugatus, Eitoplirys Rosetihaueri.
Von Schmidt (Jahresheft des Krainischen Landesmuseums,
p. 37 ) wurde Drassus quinquegullatus als neue Art aus Krain be-
schrieben.
Von Asa Fitch (Report on the noxious Insects of New-York
p. 219) Epeira decipiens ü\s neue Art aus Nord-Amerika.
Plialangita.
Lucas (Bulletin de la soc. entomol. IV. p. CXI) machte einige
Angaben über eine neue Art der Gattung Homalonotus Koch, welche
bei l'aris aufgefunden worden ist und die er mit dem Namen Homal,
bispinosus belegt. Sie gleicht am meisten dem H. quadridentatus Fab,
Archiv f. Natuii;egcb= XXIIL Jftbrg. 2. ffd. PP
482 Gersla ec ker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie
und monoceros Koch, deren Unterschiede von der neuen Art ausein»
andergesetzt werden.
Von Koch (in Rosenhauer's Thiere Andalusiens p. Hl) wurde
Trogulus pulvcrulentus als neue Art beschrieben.
Phnlancfinm cancroides wurde als neue Art aus Krain von F.
Schmidt (Jahresheft des Krainischen Landesmuseums p. 38 charak-
terisirt ; sie ist durch besonders lange, in eine Krebsscheere endi-
gende Fangfüsse ausgezeichnet und mit Ph. Hellwigii zunächst ver-
wandt.
Solifugae.
Gluvia minima Koch ist eine neue Art aus Andalusien (Rosen-
hauer's Thiere Andalusiens p. 410).
Pedipalpi.
Histoire anatomique et physiologiquc des Scorpions par
Leon Dufour (Memoires presentes par divers savanls a
l'academle des Sciences de l'Institut de France, Scienc. malh.
et phys. ^IV. 1856. p. 561 — 656. avec 4 pl.) — Den von
Meckel, Cuvier, Treviranus, J. Müller, New-
port und ihm selbst verfasslen Arbeiten über die Anatomie
des Skorpions reiiit der Verf. hier eine auf vielfach wieder-
holten Untersuchungen begründete neue an, in welcher die
verschiedenen Organsystemc mehr oder weniger vollstämiig,
je nachdem sich bei den früheren Autoren Lücken oder Un-
richtigkeiten nachweisen liessen , abgehandelt werden. Be-
sonders ist es die Darstellung Newport's, welche in vieler
Beziehung als incorrekt nachgewiesen und durch die Unter-
suchungen Dufour's berichtigt wird. Der Verf. hat seine
Dissektionen hauptsächlich an zahlreichen sowohl lebenden
als in Alkohol aufbewahrten Exemplaren des Scorpio occi-
tanus, ausserdem aber auch an einer Anzahl grosser tropi-
scher Arten angestellt ; die Untersuchung der lebenden In-
dividuen hat sich als besonders wichtig erwiesen, da sie
zeigle, dass viele von früheren Autoren gemachte Angaben
(nach Spiritus -Exemplaren) auf Veränderungen nach dem
Tode beruhen und daher zu falschen Schlüssen Anlass gege-
ben hatten. Besonders gilt dies von dem Herzen, welches
während dts Jahres 1856. 483
durch Contraklionen der Muskeln nach dem Tode ein so ver-
änderles Ansehn erhält, dass Nevvport eine Theiluna des-
selben in acht Kammern, die in Wirklichkeit nicht existiren,
angab. — Das erste Capilel (p. 575 — 594) behandelt das Ner-
vensystem, das zweite (p. 59-1 — 609) das Circulalionssystem,
das dritte (p. 60P — 614) den Äluskelapparat und das Skelett
der Eingeweidehühlen , das vierte (p. 014 ff.) die Respira-
tionsorgane, das fünfte (p. 620 ff.) das Verdauungssystem,
das sechste (p. 634) den Genitalnpparat und das siebente
(p. 650 ff.) die giftabsondernden Organe. Die vier beifolgen-
den Tafeln enthalten zahlreiche erläuternde Darstellungen der
Form und Struktur der verschiedenen Organsystemc.
Die wesentliclisten Punkte, in denen der Verf. von seinen Vor-
gängern abweicht, und mit welchen er die Kenntniss über die anato-
mischen Verhältnisse des Skorpions erweitert hat, bestehen in Fol-
gendem : Das Gehirnganglion besteht nicht aus zwei deutlich geschie-
denen Hemisphären , sondern ist nur am Vorderrande in geringem
Grade zweilappig, eine Abweichung, welche Duf. mit dem Slangel
eines Koples in Beziehung bringt. "Aus dem Gehirne entspringen nur
die Nerven für die grossen und kleinen ücellen, nicht, wie v. Sie-
bold angebe, auch diejenigen für die Scheerenpalpen und Alandibeln,
welche aus dem grossen Thoraxganglion hervorgehen; deshalb sei
auch die Annahme einer Analogie zwischen den Scheerenpalpen des
Skorpions und den Fühlern der Insekten eine irrige. (v. Siebold
giebt nur an, dass die Mandibeln , die er übrigens nicht als „MaxiU
larpalpen", wie Duf. angiebl, sondern als „Kieferfühler" bezeichnet,
ihre Nerven aus dem Kopfganglion erhalten , während er die Nerven
der Scheerenpalpen aus dem Thoraxganglion herleitet; ferner deutet
V. Siebold nicht die Scheeren , sondern die Jlandibeln als Analoga
der Insektenfühler. Ref.) Von Bauchganglien existiren nicht drei, wie
bisher angenommen worden ist, sondern vier ; das erste liegt unmit-
telbar am hinteren Ende des Thoraxganglions, mit dem es fast ver-
wachsen ist und giebt, wie die übrigen drei, die Nerven für die Lun-
gen ab; da vier Lungenpaare existiren, so wird ein jedes derselben
von dem ihm in der Lage entsprechenden Bauchgangiion versehen.
Die Längscommissuren zwischen den Bauchganglien werden nicht,
wie bei Newport, durch einfache Fäden gebildet, sondern bestehen
deutlich aus doppelten Strängen; einen von Joh. Müller bezeich-
neten dritten Faden (Medulla oblongata"), der sich in weiter Ausdeh-
nung neben den Längscommissuren entlang zieht, spricht Duf, für
einen dünnen, fadenförmigen Kettstrang an , deren sich in jener Ge-
gend gewöhnlich mehrere vorlinden. — Dass vom Gehirne zwei Ner-
484 Gerstaecker: Bericht üh. d. Lcistangen in d. Entomologie
venäsle für die beiden mittleren g^rossen Ocellen und je einer für die
drei kleinen zu jeder Seite ausgehen, welcher letztere sich erst spä-
ter in drei Zweige theilt, war bereits bekannt; von besonderem In-
teresse ist aber der ISachweis Duf.'s , dass das Vorhandensein dreier
seillichen Ocellen und dreier ihnen entsprechenden Nervenfäden viel
constanter ist, als man nach den Angaben der Autoren über die ver-
schiedene Anzahl der Ocellen vermutlien sollte. In der Galtung An-
droctonus Ehrbg. (Sc. occitauus und aiislralis), welche jederseits fünf
Ocellen haben soll, sind nur drei Ocellen, und auch nur drei Nerven-
fäden für dieselben vorhanden; was man ausserdem für Ocellen an-
gesehen hat, sind Granulationen der Oberfläche. Bei Scorpius Ehrbg.
(Sc. europaeus) sind allein im erwachsenen Zustande jederseits nur
zwei Ocellen vorhanden, beim Foclus dagegen ganz deutlich drei und
ihnen entsprechend ebenso viele Nervenfäden ; bei Bulbus Ehrbg.
(Sc. afer, palmatus, biaculealus, leioderma und longicauda) sind stels
drei Ocellen und drei Nervenfäden nachzuweisen. Diese Ueberein-
stimmung in der Ocellenbildung veranlasst den Verf. sich gegen eine
Abgränzung von Gallungen, die auch in der That völlig unhaltbar
sind, auszusprechen. An den beiden grossen Miltel-Ocellen weist
Duf. eine auffallende Aehnlichkeit mit dem Auge der höheren Thiere
nach ; ein pyramidaler üiluskel , welcher vom hinteren Theile jedes
Augapfels entspringt, heftet sich wahrscheinlich im Innern des Ce-
phalolhorax fest und vielleicht exislirt ausserdem noch ein Antagonist
desselben. Der vordere Abschnitt des Auges, welcher von der Cor-
nea bedeckt wird, ist an seiner Basis von einem festen Kinge umge-
ben, in dessen Rinne die Cornea wie ein Uhrglas eingefalzt ist ; im
Centrum dieses Ringes will der Verf. eine Art Pupille beobachtet
hallen, die jedoch nur im Halbdunkel zu erkennen war, während sie
bei auffallendem hellen Lichte sogleich verschwand. — In Betreff
des Herzens bestreitet Duf. die Angabe Newport's, dass dasselbe
in Kammern gelheilt sei; das Herz ist nach ihm ein einfaches, unge-
tbeiltes Gefäss, das nur auf der Rückenseite eine Anzahl querer Ein-
drücke, die von der Segnientation der Körperbedeckung des Abdomens
herrühren, zeigt, während seine Unterseite und sein Lumen durchaus -
ungetheilt erscheinen. Dass dies der normale Zustand des Herzens
sei, zeigen alle Vivisektionen ; dagegen werden durch das Tödten der
Scorpione in Alkohol künstliche Einschnürungen des Herzgefässes
hervorgebracht, welche Newport zur Annahme von Herzkammern
veranlasst haben , deren Unbeständigkeit in der Zahl (sie schwanken
zwischen sieben und zehn) aber schon gegen ihre Existenz spricht.
Von den mit dem Herzen im Zusammenhang stehenden Gefässen sind
dem Verf. die Syslemic arteries Newport's nicht bekannt geworden;
die paarweise daraus entspringenden grösseren Blutgefässe entsprechen
der Zahl der Hinterleibsringe, also sieben jederseits und' zwar ver»
während des Jahres 1856- 485
theilen sich vier derselben, das dritte bis sechste, besonders an die
Lungen, während die übrigen zu diesen in keiner Beziehung stehen. — •
Die durch Duplikaturen der Haut des Lungensackes gebildeten senk-
recht stehenden Lungenplalten , deren Zahl von Meckel auf unge-
fähr zwanzig angegeben wird, erreichen nach Duf. bei Scorp. occi-
tanus die Zahl von 60 bis 70, bei Sc. afer sogar 100. — Kür die
sogenannten Speicheldrüsen bestätigt der Verf. die Beobachtung J.
Müllers, dass ihr Ausführungsgang sich in mehrere bandartige Ne-
benäste auflöse, ohne in den Oesophagus zu münden, mit welchem v.
Siebold ihnen einen Zusammenhang zuschreibt. — Die Zeil für die
Entwicklung der Eier von der Begattung bis zum Ausschlüpfen des
Embryo schlägt der Verf. auf 15 bis 16 Monate an; ein im April be-
fruchtetes Weibchen, das im October starb, zeigte zwar schon sehr
grosse Eier, jedoch ohne dass eine Entwicklung des Embryo in den-
selben zu erkennen war; da die jungen Skorpione erst im September
zur Welt kommen, schliesst Duf., dass die Eier jenes Weibchens fast
noch ein volles Jahr zur vollständigen Ausbildung gebraucht hätten.
Weder die Begattung der Skorpione noch die Geburt der Jungen ist
von Duf. selbst beobachtet worden.
Einige der von ihm untersuchten Arten stellt der Verf. auf
p. 570 durch Diagnosen fest; es sind: Scorpio nigrolineatus n. sp. aus
Ostindien, leioderma n. sp. von Alalabar, biaculeatus Latr. und longi.
cauda Latr. aus Guyana.
^cariiia*
„Sur un nouvel Acarus du cheval , pouvanl transmettre la gale
de ce solipede ä Thomme", par Bourguignon et Deiafond.
(Comptes rendus de l'acad. d. sciences XLIL p. 241 und Guerin's
Rev. et Magas. de Zoologie, 1856. p. 91.) Die beiden Verf. haben
neben dem bereits bekannten Acarus des Pferdes , welcher keine
Gänge in der Haut anlegt, und daher auch kein Contagium beim Men-
schen verursachen kann, eine zweite neue Art aufgefunden, welche
Gänge macht und auf den Menschen übergehen kann ; sie soll mit der
Krätzmilbe der Carnivoren identisch sein. (?)
Rhyncholophus plumipes und Ixodes reticulalus wurden als neue
Arten aus Andalusien von Koch (in ßosenhauer's Thiere Andalusiens
p. 413) beschrieben.
Asa Fitch (Report on the noxious Insects of New-York p. 153)
beschrieb Uropoda forrncae als neue Art aus Kord -Amerika; sie lebt
auf einer ebenfalls neuen Ameise, welche Kormica Caryae ge-
nannt ist.
„Ueber die Spinnmilbe, Tetranychus telarius Duges, nebst Be.
486 Gerslaecker: Bericht üb. d. Leistungen in d. Entomologie etc.
nierkungen ül'or die Millton überhaupt" vom Kegiinentsarzt ür. W e -
l) e r in Karlsruhe (2'J. JahresbtMicht dos Älannhoimor Vereins f. Na-
turkunde p. '20 — M. c. lab. 1). — Die kleine Abhandlung enthält eine
sorgfältige Besehreibung der Organisation und Lebensweise derSpinn-
niilhe nach eigenen Untersuchungen, denen die der früheren Beob-
achter angereiht werden; zum näheren Versländnisse wird zugleich
auf die Naturgeschichte der Milben im Allgemeinen eingeganj^en.
Bonn, Druck von Carl Georgi.