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ARCHIT
FÜR
NATURGESCHICHTE
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON W. F. ERICHSON.
IN VE 11 BINDUNG MIT
PROF. Dr. L EUG KART IN GIESSEN.
HERAUSGEGEBEN
VON
Db. f. h. troscbei.,
PROFESSOR AN DBR FRIEDRICH-WILHKLMS-UNIVERSITÄT ZU BONN.
VIER UND ZWANZIGSTER JAHRGANG.
Zweiter Band.
Berlin,
N i c 0 1 a i s c h e Ve r 1 ag s b u c h h n ii dl ii n g,
(G, Parthey,)
1858. /
riii >»!#
MTHOIH )i^:^OHJT/.]/l
■:2L a e
Inhalt des zweiten Bandes.
Seite
Bericht über die Leistungen in der Katurgeschichte der Vögel
während des Jahres 1857. Von Dr. G, Hartlaub . 1
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Säuge-
thiere während des Jahres 1857. Vom Herausgeber . 30
Bericht über die Leistungen in der Herpetologie während des
Jahres 1857. Vom Herausgeber . . . . 58
Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie während des
Jahres 1857. Vom Herausgeber . . . . 70
Bericht über die Leistungen in der IS'aturgeschichte der niedcrn
Thiere während des Jahres 1857. Von Prof. Leucliart 93
Vermes 96
Chaetopodes 98
Nematodes 103
Acanthocephala 108
Hirudinei . 110
Trematodes 110
Cestodes 123
Turbellarii 129
Rotiferi 138
Bryozoa 140
Echinodermata 146
Coelenterata 153
Ctenophora 154
Hydrasmedusae ....... 155
Polypi 164
Porifera 175
Protozoa . 178
Infusoria 181
Rhizopoda . . . . . . 190
Gregarinae 199
IV Inhalt.
Seite
Deiicht über die wissenschaftlichen Leistungen im Gebiete der
Entomologie während des Jahres 1857. Von Dr. A. Ger-
s t a e c k e r.
Insekten 193
Myriapoden ....... 443
Crustaceen 443
Arachniden 473
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der 31oI-
lusken während des Jahres 1857. Vom Herausgeber 481
Cephalopoden 498
Cephalophoren ....... 500
Acephalen 525
Bericht über die E<ei§tuiäg^eii in der JVatiir'
g^escliichte der TögcJ wäiireud des
Jahres 1$5T.
Voll
Itr« €a» Hartlaub
in
IJ rem eil.
In die kleine alier slaHliche Phalanx der Männer, wel-
che uns seit einer Reihe von Jahren gerechte Würdigung
und Gewohnheit als die Zierden und Säulen des ornilholoffi-
sehen Forums zu verehren gelehrt hahen, hat seil Abfassung
unseres letzten Jahresberichtes der unerbittliche Tod Lücken
gerissen , welche auszufüllen wohl noch lange der fromme
Wunsch der Nachgeborenen bleiben wird. B o n a p a r t e ,
L i c h t e n stein, Naumann, T e m m i n k ! Scheint es nicht,
als knüpfte sich an diese vier Namen die ganze neuere Ent-
wickelungsgeschichte der Ornithologie, als schliesse mit ih-
nen eine grosse und glänzende, vielleicht die grosseste und
glänzendste Epoche derselben ab? Wohl ist hier nicht der
Ort , auch nur einigermaassen erschöpfend alles dessen zu
gedenken, was diese Forscher, jeder in seiner W^eise und
nach sehr verschiedenem Maasstabe zur Förderung unserer
Wissenschaft beigetragen haben. Noch weniger kann es in
unserer Absicht liegen, die Erinnerung an ihre Namen durch
ein sogenanntes „Eloge" zu verunglimpfen. W'ohl aber ist
es eine der Aufgaben , welche sich dieser Jahresbericht ge-
slellt hat, uiit einigen Worten der Anerkennung die Dahin-
geschiedenen zu ehren, Avelchen es zu irgend einer Zeit ih-
res Lebens um die Förderung der Ornithologie Ernst gewe-
sen ist,
Archiv f. Naiiiriesth. XXIV' Jdbr;. 2. Bd. \
2 narflaiib: BoricliI über die LeisUingcn in (I(>r IVaiiirgTsrhicliIe
N a II ni a n iVs grossai lige Slclluno- zu der vaterländi-
schen Yög-elkunde allseitig und ihrem vollen Gewichte nach
zu beleuchten , überlasse ich g-eübleren und berechtioteren
Federn , als es die nieinige ist. Aber etwas rein menschli-
ches mag ich nicht zurückhalten, dass nändich mir, wie
wohl Jedem, der das Glück halte, Naumann persönlich zu
kennen, die Erscheinung dieses acht deutschen und bei al-
ler Tüchtigkeit so anspruchlosen Gelehrten unvergesslich
bleiben wird. — Li c h t en s tein's Verdienste um die Orni-
thologie scheinen mir der Hauptsache nach darin zu liegen,
dass er zu einer Zeit, wo der famose Slossseufzer Tem-
mink's „tout le monde s'en melc" noch keine Geltung halte,
eifrig und erfolgreich schriftstellerisch für dieselbe Ihätig
war; dass er Azara's ausgezeichnetes Werk über die Vögel
Paraguay's zuerst nach Verdienst gewürdigt und wissenschaft-
lich ausgebeutet hat ; dass er ferner das fast in Vergessen-
heit gerathene und doch so wichtige Manuscript der beiden
Forster über die von ihnen während ihrer AYeltfahrt mit
Cook beobachteten Thiere in geeigneter Form zur VeröIFen!-
Jichung brachte ; mehr noch aber darin, dass er viele Jahre
hindurch vom Lehrstuhle herab durch gehallvolle und anzie-
hende Vorträge Theilnahmc für das Studium der Vögel zu
erwecken gewussl hat , und endlich darin , dass die unver-
gleichliche Sammlung, welche wir heutzutage in Berlin be-
wundern , einen grossen Theil ihres Glanzes seinem Eifer,
seiner Sachkenntniss , seiner umsichtigen Leitung verdankt.
Bleibt nun auch die Summe dessen, was Lichten st ein
schriftstellerisch für die Ornithologie gclhan, sehr gering ge-
genüber der reichen Fülle unverarbeiteten Materials, welche
ihn umgab , so hat doch derselbe diese Unterlassungssünde
dadurch abzubüssen gesucht , dass er die Benutzung jener
Schätze Anderen mit grösster Liberalität gestattete , ja die-
selbe in jeder Weise zu erleichtern suchte. — Tcmmink's
Verdienste um die exotische Vögelkunde sind so unbestritten,
so ganz allgemein anerkannt, dass es hier eben nur der Hin-
deutung auf dieselben bedarf. Aber seine grosseste That war
und bleibt das „Manuel d'Ornilhologie ," und dieses Buch ist
(^, welches den ?S'amen seines Verfassers über die bewohnte
Erde getragen , und in beispiellos seltenem Grade populär
der Vögel während des Jahres 1857. 3
gemacht hol. Uiul floch war die Gestall des alten reichen
und vornehmen Mynheer selbst so wenig- populär! Mit auto-
kralischcr Willkühr beherrschte er das o^rossartiffe unter sei-
ne Leitung gestellte Institut, das Reichsmnseum zu Leiden,
und wollt mochte einer von Glück sagen , wenn es ihm ge-
lungen , die während mehrerer Monate im Jahre hermetisch
verschlossenen Schränke für seine Zwecke geöfFnet zu er-
halten! Obgleich mit eifersüchtiger Strenge über dem Mein
und Dein in liderarischen Beziehungen wachend, und des
eigenen Werlhes sich nur zu wohl bewusst, war T e m m i n k
doch jeder Zeit willig und gerechtluhlend genug , fremdes
Verdienst anzuerkennen , eine Wahrheit , mit welcher die
von ihm so bekannt gewordene atrabiläre Aeusserung, es mi-
sche sich heutigen Tages ein Jeder darein, nur scheinbar in
Widerspruch steh!. Hochgeehrt und den Besten beigezählt
bleibe der Name eines Mannes , dessen nahezu 40jähriger
schriftstellerischer Thätiorkeit neben anderen Zweig-en des
Wissens die Ornilhologie einen Theil ihrer schönsten Erfolge
dankt. — Schwer ist es, für die Beurtheilung einer so aus-
serordentlich angelegten Persönlichkeit, wie dieB o n a p a r t e's
es war, den richtigen Maasstab zu finden. Uns hier nolh-
gedrungen darauf beschränliend, seiner als Ornithologen zu
gedenken, möchten vAy sagen, dass Bon aparte in dieser
Hinsicht gcleislet hat , was ein unablässiges enthusiaslisches
Interesse für die Sache , eine Arbeitslust und Arbeitskraft
sonder Gleichen, die ungewöhnlichste und umfassendste Spe-
cialkenntniss und ein hervorragendes Talent für Systematik,
dies Alles aber im Verein mit den Vorzügen der reichsten
geistigen Ausstattung sowohl als auch glänzender äusserer
Verhältnisse, wahrend eines Zeilraums von länger als 30 Jah-
ren eben nur zu leisten vermochten. Das heisst viel — ist
aber niclit zu viel gesagt. Vor der Grösse oder den Schwie-
rigkeiten einer wissenschaftlichen Arbeit zurück zu schrek-
ken , lag nicht in Bonap arte's Character , mochten diese
immerhin jedem Andern unüberwindlich erscheinen. Und so
konnte denn auch nur von ihm ausgehen, was längst in Aller
Wünschen gelegen, ein kritisches Specialwerk über sämml-
liche bekannte Vögelarten. Dieses W^erk, mehr bescheiden
als zutreffend, „Conspeclus gen er um nvinm« betitelt, bildet,
4 II ;u' I I ;i II I) : BcMidit iiKcr die I>c'istiiii;i»('ii in (ior l\aliir<i(\s<liichk!
wenngleich nicht frei von zuhheichen Irrlhümern und die er-
strebte A'oiisländigkeit nicht völlig erreichend , doch ganz
eigentlich den Giplelpunlxt von Bo na p arte's lillerarischer
Thätiokeif, Dass es ihm nicht vergönnt gewesen, dasselbe
zn vollenden, ist nm so mehr zu beklagen , als gerade die
jüngsten Abschnitte des Werkes jene gleichartig sichere Be-
handlung und Durchführung zeigen, deren Mangel dein ersten
Theüe desselben wcsenilichen Abbruch thut. Der Vorwurf
der Flüchtigkeit, von welchem die späteren Arbeiten Bona-
p arte's nicht freizusprechen sind, findet seine Erklärung
zum Theil wenigstens in der Natur der furchtbaren Krank-
heit, welcher dieser riesige Organismus erlag. Sic Hess ihr
Opfer während der letzten Lebensjahre zu keiner Ruhe, we-
der körperlicher noch geistiger mehr gelangen; mit unheim-
licher Hast von kaum begonnenen Arbeiten ab zu anderen
treibend , hetzte sie dasselbe trotz colossalen Widerslandes
qualvoll zu Tode. „Je mehr ich aufzuhalten habe , desto
mehr arbeite ich," sagte B o na pa rte , als ich ihn bei einen»
meiner letzten Besuche im Bade schreibend antraf.
Eine nicht geringe Anzahl nützlicher Beiträge bezeich-
net im verflossenen Jahre den fortschreitenden Entwickelungs-
gang der Ornithologie. Als von hervorragender Wichtigkeil
heben wir hervor die stetig weiter geführten Arbeiten F. L.
Sclater's über die Vögel Südamerika's; Arbeiten, welche
schon jetzt einen so imposanten Umfang gewonnen haben,
dass sie die Ilofl'nung auf ein kritisches Gcsammtwerk über
die Ornithologie dieses so ausgedehnten Theiles unserer
Erde zu rechtfertigen scheinen. Dass ein solches in der be-
stimmlen Absiclil Sclater's liegt, ja, dass der Zeitpunkt des
Zustandekommens desselben keineswegs in Aveiler Ferne zu
suchen, können wir unsern Lesern als gewiss mittheilen. Von
ungewöhnlichem Inleresse sind ferner die zoologischen For-
schungen des geübten und sehr befähigten englischen Rei-
senden Wallace in Neuguinea und auf den benachbarten
Gruppen der Ke- und Arruinselu. Iloflentlich wird es die-
sem gelingen , das noch von keines Europäers Fnsse betre-
tene Innere des Papualandt^s zu erreichen. Seine Absicht
r|(M- Vöjjol wälnrnd des Jahirs l'"»57. 5
gellt dahin, volle drei Jahre auf die Bereisiing- desselheii z\i
.verwenden. Was bis jelzl von Wallace's Sammlungen naeh
Europa gelangt ist, berechtigt zu ilcn grösslen Erv/artungen.
Ref. versuchte die Ergebnisse seiner Studien über die
Ornithologie Westafrika's , d. h. Senegambiens und Guinea's
im älteren und weitesten Sinne des Wortes, in einem Spe-
eialwerkc zusammengelasst, zum Abschlusä zu bringen. Noch
immer giebt es Ornithologen, welche auf neue systematische
Versuche 7.eil verwenden.
Von L. R e i c h c n b a c h s „Handbuch der Ornithologie-
erschienen zahlreiche Tafeln , Trochiliden abbildend , und
eine die Spechte behandelnde Abtheilung (\es Textes. Der
Verleger verspricht rasche Förderung diesem grossartigen und
im hohen Grade verdienstlichen Unternehmens. Die grosso
Mehrzahl der Abbildungen verdient in sofern Lob , als sich
ein Vogel danach leicht und mit Sicherheit bestimmen lässt :
der Text ist mit einer gewissenhaften Ausführlichkeit behan-
delt, und verdient der Flüchtio^keit ähnlicher Arbeiten oeoen-
' O DO
Über besondere Anerkennung. Möchte doch das zoologische
Publikum den ebenso gelehrten als unermüdlich lleissigen Ver-
fasser zur Forlsetzung des so nützlichen und doch so wenig
kostspieligen Werkes erinuthigen !
J. Cabanis .Journal f/ir Orniihologie" wurde ohne
erhebliche Unterl)rechung weiter gefördert.
Es eiilliäU von liier /ii ]"Ii',\äliiit'ii<Ieni : 1) Sy>lciii'<ilisc!ics vf)ii
fv. J] o i c. "i) Ziii- ?N;iliriiii<»sniillellelire i]er Vögel, voj» rf'aner F. H.
S iie 1 1 , |>.]6J. o) D;is Wandernder \'ö^e] über ^^'asser, von C. G ! o-
2 e r. Ivs seien alleidinjrs lange \\ anderlingen möglich, dn ja dei' Vo-
jjel anl" dem Meere ruhen, nnler gewissen L'nisfiitiden eine Menn
anch ktirze "Zeit .seh^^ inunen tmd sich "a-, ieder erheben kTnne. >\ir
möchten auch glauben, (la.s< es so ist. 4) Ueber P. 11. G. 3löli-
rings Vogelnajnen in ..A\iuin genera" von C. Sunde vall. Sehr
interessante lateinisch geschriebene Arbeit ües gelehrten Verfassers
p. 24'?. 5) üeber das periodisclie ^ ersclnvinden ^ieler Vögel zur
llerbst/.eit von Dr. II i e r o n y ni ii s in Treysti [>. o.'^f». tn dieser hüji*-
schen Arbeit des leider vers!orl)enen Verfassers Averden alle 3Ioli\e
jener noch immer nicht vollständig erklärten Erscheinung schoifsin-
nig belenchlet und wird schliesslich <\c\- Wäinie die üauptiolle dabei
6 Hartlanl): Bcriclit ü))er die Lcisliinjrcn in der Natdigescliichte
eingeräumt. 6) .,I)as Leben der Vögel'' von A. Brehni. Auszug
daraus: Liehe und Ehe.
Auch unser zweites vaterländisches Organ für Ornitho-
logie, die „Naumamiia'S hält sich in gutem Gedeihen und
bringt vverth volle Beiträge. Als solche heben ^vir hervor von
hierher Gehörigem :
1) Ba Idamus „lieber die Präparalion der Vogeieier und über
die Einrichtung von Eiersammlungen." 2} Leon 0 1 p h - G a i 1 1 ar d
„Versuch eines nalürlichen Systems der Vögel." Der Verfasser möchte,
von der Ansicht ausgehend , dass die weniger voHkommenen Wesen
zuerst. erschalFen wurden , mit den SchSvinini vögeln ])eginn(ii. Aus-
führliche Arbeit. 3) J. H. Blasius „Aphorismen über den Bau des
Vogelflügels" p. 266-— 305. 4) J. Ho ff mann ..lieber fossile Eier"
p. 305.
P. L. Sclater „Notes on the birds in ihe Museum of
Ihe Academy of Natural Sciences at Philadelphia and olhcr
collections of the United statcs. Proc. Z. S. 1817, p. 1.«
Sclater belichtet hier über seinen ornilhologischen Ausflug
nach Nordamerika, und gie])t kritische Bemerkungen über verschie-
dene seltnere Arten. Sein Thryolhorus ajbigularis sei T. fascialiven-
tris Lafr. ; Turdus nacvius sei keines\A egs den Taeniopterinen bei-
zuzählen , sondern gehöre als ächte Drossel neben T. migratorius;
Audubon's Alauda Spraguei sei Typus einer eigenen (lattung : iXeo-
corys; Pastor nigrocinctus , Cass. sei gleich Sericulus anais, ]>ess. ;
Eniberiza Bellii und bilineafa Cass. seien beide Poospizae ; Sti-uthus
caniceps Woodh. sei gleich Wagler 's Junco cinereus ; St. atri-
mentalis, Couch, sei = Spiiiites atrigularis, Cab.; (jrus hoyiana sei
eine gute Art. (v> as ich nach wie vor auf das entschiedenste be-
zweifle) u. s. \\ .
E. Crisp „IJeher das Vorhandensein oder Nichtvor-
handensein von Luft in den Vogellinochen." Proc. Zool. Soc.
p. 9 und 215. Nur wenige Knochen enthalten Luft, die mei-
sten , von denen dies angenommen wurde , Mark. Bei den
meisten brittischen Vögeln seien keine Luflbehälter mit den
Lungen in Verbindung. Selbst bei den weitest ilicg enden
Vögeln sei das Vorhandensein von Luft in den Knochen niclil
erforderlich. Die einzigen Knochen, in welchen Crisp über-
haupt Luft fand, waren humerus und femur.
M. T. Hardy „Note sur la forme des oeufs des oi-
seaux.« Rev. et Mag. de Zool. p. 253. Die Alten berück-
sichtigten die Form der Eier fast mehr als die Neueren. Der
flrr Vögel während fies Jahres 1857. 7
Verfasser gehl die verschiedenen Klassen der Vögel in Be-
zug auf sein Thema durch, und gelangt zu dem Schlusssatze:
La posilion de l'oiseau dans Ic repos ou dans l'action de-
termine, avant touf, la forme de son ocuf. Was sagen dazu
unsere Oologen ?
. E. Blanchard „De la determination de quelques oi-
seaux fossiles et des characteres osteologiques des Gallina-
cees.'^ Acad. des Sc. natur. Juli 27. Wichtig, aber keines
Auszugs fähig.
Georg Buist ia Bombay sprach in der Boyal Society
über die Ursachen und Erscheinungen der Repulsion des Was-
sers von den Federn der Wasservögel und den Blättern der
rflanzen: Ann. and Mag. Nat. Hist. p. 148. Man schreibe dies
mit Unrecht der Anwesenheit von Fett oder Oel in den Fe-
dern zu. Wie bei gewissen AVasserpllanzen, so sei es beim
Vogel eine dünne Luftschicht, welche das Wasser so zurück-
halte oder abstosse , dass es gar nicht mit den Federn in
Berührung konmie. Das Ordnen und Putzen des Gefieders,
wie man es bei Wasservögeln bemerke, geschehe vcnnulh-
lich in der Absicht, durch die Application von Oel oder Fett
die kleinen Fibern der Federn geschickt zu machen „to
entangle the air."
A. Bogdan off „Note sur le pigment des plumes d'oi-
seaux." Bullet. Soc. J. Nat. Mose. Tome 29, p. 459—62.
C. Giebel „Ueber den Sclerotikalring, den Fächer und
die Hardersche Drüse im Auge der Vögel.'- Zeilschr. für die
gesammlen Nalurwisscnschaften, 1857, p. 388. mit zahlreichen
Abbildungen auf Tafel 7—12. Sehr fleissige ausführliche Ar-
beit, aber keines Auszugs fähig. Giebel untersuchte zahl-
reiche Arten aus allen Ordnungen. Es scheint , dass die
Functionen dieser drei Theile physiologisch noch keineswegs
völlig aufgehellt sind.
Victor Chat cl ..Nouvelles observalions sur Tuülite
de la conservation des oiseaux dans Finteret de l'agriculture.
8. Brochüre von 8 Seiten. Paris."
Gh. Joubert „La chasse aux oiseaux. Manuel de
I'oiseleur ou l'art de prendre , d'elever , d'instruire les oi-
seaux, soit en vollere , en cage ou en liberle , suivi de l'art
8 Hartlaub: Bericht libcr die JiCi.stnnn:en in der INatnrfrcschirhle
d'enipailler les oiseaux el de la loi siir la chasse. Paris. 16."
Mit Kupfern.
J.Michelel „l'Oiscau." Drille veriuehrlc und verbes-
serle Ausgabe. Paris. 331 S. (ins Hclläüdische und Dculsche
übersetzl).
Mss. Wriglil „Whal is a bird ? Ihc torms of birds,
Iheir inslincis and use in crealion considered. London. 18."
320 S.
L. Brehm „lieber den Inslincl der Vögel." Millheilun-
gen aus der Werksläüe der Natur. 1. p. 26.
Cassell „Natural Hislory of Ihe fealhered Iribes. With
woodcuts. London.^^ Selbstverlag. Kenne ich nicht.
Ch. Giraud „Eludes ornithologiques. Angers. IH.«
214 S.
„Scriplure Birds containing a descriplion of the Birds
mentioned in IheBible. With col. illustralions.Lünt]on.l6.**62S.
Euro \) a.
C a h a n i s „Journal für Ornithologie" bringt : 1) W i c s e
„Beiträge zur Ornilhologio Pommerns." 2) „Uebersichl der
europaischen Vögel in Bezug auf ihr Herbst- und Frühlings-
kleid, von Pasl. L. Brehm." 3) W. Hintz „Tabellarische
Uebersicht der Ankunft und des W^egzuges der Vögel Pom-
merns." 4) „Beobachtungen über ziehende und brütende Vö-
gel in Anhalt im Frühjahr 1857'' von W. Pässler.
Und die „Naumannia": 1) W. Hinlz „Beobachtungen
über den Wegzug der Zugvögel im Jahre 1855." .2) Dr.
Th. Krüper „Der Myvaln und seine Umgehung" (Island)-
Sehr hübsche auslührliche Arbeit, mit zahlreichen und wich-
tigen Bemerkungen über Lebensweise und Verbreitung der
einzelnen Arien. 3j Dr. Bohnert „Notizen über südeuro-
päische Vögel." 4) A. Thiele „Nidologischc und oologi-
sehe Beobachtungen." 5) Th. Holland „Vögelfauna der
Umgegend Stettins." 6) A. Rafn „Brulvögel der Insel Sylt."
7) V. Preen „Beobachtungen über den Zug der Vögel in
der Umgegend Schwerins.'* 8) Guido v. Gonzenbach
„Auszüge aus meinem ornithologischen Tagebuche." 9) C.
F. Wiepken „Notizen über den Herbst- und Frühlingszug
der Vö<jcl ^\ä!l|•e•ll(I des Jahres J857. 9
der Zugvögel in Oldcnbiirg." 10) v. Müncli hausen „Ex-
cursion auf die x^leklenburglschon ßinnenwässcr.* 11) Luigi
Allliammer „Vögel Tyrols." u. s. w,
„Catalogue des oiseaiix d"Europe ofTert en 1856 aux
Ornilhologisles par M. E. Parziidaki, siiivie d"unc enume-
nieration siipplemenlaire des especes algeriennes, noii eiiro-
peennes, d'une lisle des espeees aecliinatees , et d"une aulre
de Celles donnees a lort comine d'Europc ; redige apres la
derniere Classification de S. A. le Prince Ch. Bonaparte."
Rev. et Mag. de Zool. p. 117. Auch separat erschienen, ^'ütz-
liche Zusammenstellung.
C. T. Keitel „Yerzeichniss der europäischen Vögel
nach den neuesten Ermittelungen und Prüfungen mit Anga-
ben der wichtigsten Synonymen und deutschen tarnen." Ber-
lin. Brochürc von 16 Seiten. Ebenfalls ganz brauchbar, aber
ziemlich überflüssig.
„Oiseaux d'Europe et d'Algerie , par le Prince C h. L.
B 0 n a p a r le." Rev. et Mag. de Zool. p. 55. Critische Bemer-
kungen über zahlreiche Arten.
L. Brehm „ Characlcrbilder europäischer Vögel" in
Mittheil, aus der Werkstätte der Natur. 1. p. 24.
M 0 q u i n T a n d o n „Notes ornifhologiques." Rev. et
Mag. de Zool. p. 489. Eine interessante, namentlich die
Eier lind Nester der Vögel Südfrankreichs behandelnde
ausführliche Arbeit. Mit Vergnügen werden unsere Oologen
lesen , was über Neophron percnopterus, Circaetos gallicus,
Accipiter nisus, Strix llammea und Scops europaeus beige-
bracht ist. Hoffentlich wird die Arbeit fortgesetzt.
Anatole D o et eur „Catalogue des Oiseaux du depar-
lement de ia Gironde.'- Bordeaux. 47 S. (Aus den Actes de
la Soc. Linneenne de Bordeaux abgedruckt.)
British Land Birds „Religious Iracl. Society.- London.
282 S. 12.
H. G. Adams ..Nesis and Eggs of familiär British
Birds , described and illustralcd , with an account of Ihe
haunts and habits of the feathered architects etc. , second
series.'' 16. 60 S. (Young naturalisl\s library).
R. Laishley ,,A populär history of British Birds
Eggs." 16. London. 3lOS.
10 Haitlaiil): Bericht über die Leisttinp;«'!! in der iVahi ij^cscliichte
J. G. Wood „My fcalhercd fricnils.« London. 12. 400 S.
Blas ins Hanf „Yorzcichniss der in der Unigcbnnfr
des b'nrltciches bei MariaholF in Obersleiermark vorkommen-
den Vögel , mit Bemerkungen über die Lebensweise , Forl-
pflanzung und Jagd derseliien." Verband!, des zool. botan.
Vereins in Wien, Band 6, p. 671—700.
G. A. Komb üb er „Die Vögel Ungarns in systemali-
scher Uebersicbt , nebst kurzen Angaben über ibre unter-
scheidenden Cbaraktere." Ein Beitrag zu einer künfligen
ornithologiscben Fauna des Landes. Presburg 1856. 36 S.
H. Schlegel „Fauna van Nederland. Vogels." Leiden.
Von diesem hübschen Kupferwerke erschienen zahlreiche neue
Lieferungen, und es unterliegt kaum einem Zweifel , dass
dasselbe in ununterbrochener Folge zum Schlüsse gelangen
wird. Auch der Text, leider holländisch, schreilet fort.
C. Sundevall „Svenska Foglarna« med Text. Stock-
holm. Querfolio. Erste Lieferung. Die von Akeriund gezeich-
neten und in Farbendruck recht gut colorirlen Abbildungen
zählen jedenfalls zu den gelungenen , wenigstens die grosse
Mehrzahl derselben. Der Text ist populär , aber doch nicht
unwissenschaftlich gehalten. Die Figuren sind häufig in Le-
bensgrösse. Die erste uns vorliegende Lieferung enthält Frin-
gilliden , und zwar fünf bis sechs Figuren auf einer Tafel.
Wir meinen , dieses neue Werk des berühmten Verfassers
verdiene die volle Aufmerksamkeit der Sachkundigen.
T. 11 a m m a r g r e n „Bejuerkui^gen über Wermlands Vo-
gelfauna." Naum. p. 221- 'i8.
J. F. Brandt „Bemerkungen über die Wirbellhiere des
nördlichen europäischen Busslands, besonders des nördlichen
Ural" in dem Werke : Der nördliche Ural und das Küsten-
gebirge Pai-Choi, uniersucht und beschrieben von einer in
1847 — 50 durch die Kaiser!, geograph. Gesellschaft ausge-
rüsteten Expedition. 2 vol. 4. — Jedenfalls einer der wich-
tigeren Beiträge, deren dieser Jahresbericht zu gedenken hat.
A. Mejakoff „Catalogue des oiseaux observcs dans
le gouveniement de Wologda." in Bullel. Soc. Imp. Naiur.
Mose, lome 29, p. 625 35.
j.Calalogue raisonne de la collection d'Oiseaux d'Europc
flrr Vöj>rl wiihrnifl des Jahres 1857. 11
(Ic Ma quct-Degia 11 (1, arqüisc par la villc i\c LÜlr.'' avcc
5 pl. Lille 8. 390 S.
Capt. Wafkins „The Birds olAndalusia," in: The Zoo-
logist, Nov. 1856 — 57.
LieiiL Thomas B 1 a c k i s t o n ,,.Biids of Crinica" in:
The Zoologist 1857, p. 5348 ii. s. w.
LieiiL L. H. Irby „Lisi of Birds observed in the Cri-
^ mca", ib. p. 5353 u. s. w.
A s i c n.
Von G Olli d's ., The Birds of Asia" erschien das 9. Heft.
Es ciitluilt die soliöiieii AubüdiiiifjtMi xoii IMiasianus ^ «.'isicoloi',
I'crdix llodg.-^()iiia<' . l'ei'icrocolus spcriosiis , 1'. nanimt'iis , P. pcic^ii-
iiiis, V. roseii.s , 1*. cinerciis, Ci.*sa vtnatoria, XiphorliaiHphus supei-
ciliaris, Piciis Cahanisii, Palaeoinis Liiciaui , P. taniccps, P, iiicoba-
licus, Parus xan[lio;^eiiys. P. spilonofus, P. Jerdoiii. — Es ist wahrhalt
zu bedauern, dass das Foi'tseiireiten dieses irrossartigen Piachtx^oikes
ein so laliifsailics ist.
Rcv. T. Phillips „Notes on Ihe liabits of sonie birds
observed in the plains of Northern india.« Proceed. ZooL
Soc. p. 85.
Diese a on F r e d e r i k xAI o o i' e mitgetheiite x\rbeit bcreicheit in
anziehender Meise unsere keiinlniss \ on den Sitten indischer >ö^el.
Ausführlicher >\ird von Ilalcjon siiiyrnensis . Dieruriis njacroceieus,
Lanius lahlora , Malacoeercus candatus, Pycnonotus pygaeiis, Plo-
eens baja. CorNUs splendens , Endynaniis Orientalis etc. berichtet.
Zahlreiche Angaben des Verfasser^ sind neu . und veiralhen den ge-
übten Beo])achter.
Capt. H. W. liadficld „Notes and reinarks on a few
Birds , in Sonthern India" in Tlie Zoologist. 1857 , p. 5745.
AVeniger ^v ich (ig.
C. Blyth '„British Birds in India" in Calcutta Review
Nr. 55, p. 129. Ohne \Yidersprnch eine der besten Arbeilen,
deren dieser Bericht zu gedenken lia(, und sicher auch eine
der besten aus der Feder des um die Ornithologie Indiens
so hochverdienten Verfassers»
Es lehnt sich dieselbe au den (.'iilalog britischer Vögel in der
dritten Ausgabe von Yarrells tlistoiy of P»ritish Bird , indem jede
12 Ilartlaiih: Boricht i'ihcv die, J>oi.sliingrn in der >';ifiiiü;rsoliiclilc
Alt bcsttnders aiif<>of'iilirl und mit IJenierkiinücMi üIkt ilir Voikoiiinicn
oder i!ii(> Verl)rc'itnno- in Indien und den smgrenzcndeu Jviindein aus-
gestattcf \\\n]. Eine nicht oanz geiiiij^e Anzalil Lrillischer Vögel
ist östlich bis Afganistan vcibrcitet, aber nicht darüber hinans , oder
höchstens noch bis zum Thale von l'eshawnr und dessen Uingcbnng_
Dies gilt z. B. von Corvus coinix nnd corone , Aon Monedula tur-
rinm. von Typselus apus. Coraeias garrnla und Morops apiaster (beide
in Sindh nnd dem ]*nnjal)), von Tferocles alcliata , von Ballus aqua-
ticns, von Stuinus vnlgaris etc. Der Versnch, eine statistische Ueber-
sicht der znglei(h i)i Enropa nnd Indien vorkommenden Arten zu
geben, ^^ird inr jetzt dadurch f'asl unmöglich, dass über die Feststel-
lung der Begriffs der Art noch immer die \\ idersprechcndslen An-
sichtcJi bestehen. Biyth unterscheidet hier scharf die bestrittene
und die allgenjein angenommene (Jleicharligheit. >>ir mnssten dabei
der Thal Sache gedenken, dass kaum eine Vogelart dcv brittischen
Inseln, den Sperling nicht ausgenommen, in der Färbung mit Conti-
nentalcn ganz übereinstimmt. Blyth stimmt übrigens sehr entschie-
den mit <ler angenblicklicl» \nn Blas ins so siegreich ^ erfheidigten
Ansicht \ on einer weiter zu umgrenzenden Fassung- der Art über-
ein.— Dann benihrt aber diese Aibt"«it von I> 1 > f li eine JVIeniro ande-
rer auf die Ornithologie Indiens bezüglicher Fragen . so die ausser-
ordentliche vertikalem Verbreitujig mancher Arten, die Brütcolonien
\ (»n firus antigone . und zahllosen AVasseivögelu auf di^u Höhen des
Tibet, di-n (iesang der indischen Vögel, das >\'andern und Sti-eichen
derselben, die Falknerei der a-iatischen Ilöfe u. s. w . Wie bei uns
Schwalben, so sieht man in Indien Coraeias indica und Edolius ma-
crocercns auf den Drähten der electrischen Telegraphen hocken.
E. Eversiiiaisn „Kurze Beiiierkiingen über (hs Vor-
kommen und die Verbreitung einiger Süiigthiere und Vögel
in den wolgo-iiralisclien Gegenden, und den Steppen der Kir-
gisen jenseits des Uralflus.'^es." Mem. Soe. Iinper. Natur. Mose,
tome X, p. 265—81.
A r r i k ti.
T li. V. lleuglin's „Reis(.'n in Nordoslatriko. Tage])n(li
einer Reise von Cliarluni naeh Abyssinien mit besonderer
Rücksicht auf Zoologie und Geograpliie." 1. B. Gotha. Der
liekannte Verfasser zählt in diesem Werkehen die Vögel auf,
welche er an den verschiedenen Hauplstationen seiner Reise
erlegte. An Mitlheilin)gen über die Lebensweise derselben
fehlt es leider gänzlich. Nur für die geographische Ver-
breitung der einzelnen Arten ist durch diese Arbeit etwas
(icr Vög-cl Mj'iliioiul (Irs Jalnes 1857. lo
gowoiiiien, indem luehrere der berührten Lokalilälen bis ielzl
zoolog-isch iinaiisoebeiitet waren.
Dr. L. Buvry's „Slreifzüge in Algerien" in briefli-
chen Mit (heillingen on C. C'al)anis. Joiirn. f. ürnilh. p. 62
und 120.
Die erste (leisell)en heiiandeU in der aiizieheiulsteii Weise eine
wisseiischafllielie Exciirsiüii des Verfassers auf das höchst aufsreigeiide
(iebirge der Trovinz Conslantiiie , den Djebel Ediigh , und insbeson-
dere die Thierwelt dieses reichen Gel)ieles. die zweite, eben so an-
sprechend geschrie])en , den Fetzarasee in derselben Provinz. Trotz
der ausserordentlichen Hindernisse, welche dem Jäger in jenen Ge-
genden das Vordringen erschAveren, gelang es Buvry doch, manche
liübsche Beobachtung zu sammeln, so über Merops apiaster. Ibis fal-
<:inellus. Cygnus olor und nnisicus, Erisnialura mersa , Glareola tor-
quata, Carbo pygmaeus u. s. \\ . Wir sehen mit Ungeduld den ver-
sprochenen weiteren 31ittheilungen des Verlassers über seine Jagden
im alten Lambessa entgegen.
Auch die „Millheilungen aus Algerien'' desselben Ver-
fassers in der Zeitschrift für allgemeine Erdkunde, April 1857,
p. 308 sind ornithologisch wichtig.
Es wird eine Uebersicht der Vögel der algerischen Sahara ge-
geben. Sehr zahlreich an Individuen sind gewisse Gallinacecn. 3lan
trilft Ketten von 3 — 400 Stück. Von Saxicolen werden namhaft ge-
macht: oenanthe. stapazina . leiicnra. saltatri.x. monacha, lugens und
gutturalis.
A. Brehurs ornilliologisches Tagebuch wird in Caba-
nis Journal für Ornithologie in weiteren Auszügen mitge-
Iheilt. Wir bedauern , dass es nicht möglich gev«'orden ist,
die zoologischen Früchte seiner Reisen im nordöstlichen
Afrika, also die Arbeiten 13 r eh nrs, Yierlhalefs und von
Mülier's in einem Gesammtwerke vor das Fublikum zu
bringen,
„Calalogue of Birds colleclcd at Cap Lopez in We-
stern Africa , by B. D. du Chailkr, wilh notes and descrip-
tions of new species by J. Cassin." Proceed. Acad. Nat.
Sc. of rhilad.
Dieses ^ crzcichniss ist schon dämm bci-ondcrs zu beachten,
weil es über die oruithologische Ausbeute auf einem bisher uner-
forschten Terrain bericlitel. Ausser verschiedenen ncui n Arten be-
gegnen \\ ii- darin manchen bekanntei! . deren \ Orkommen hiei' unter
dem Aequator befremdlich genug erscheint, so z. B. unserem Aaihl-
14 ITartlaiib: IkMicht ühvv die J.cislnngon in dor l\tit(ir<>cschithfe
roilier, (Irr iinv(Iöslli( licii Syhirila iiiicioiira , dein siidliclieii Merops
hiillorkioidcs , (\i'\- iiidisclicu Cislicola ciiisilans , der V'iiiijrillaria ta-
hapi.si, II. s. >\ .
Li V in gs t onc's lierühmles Werk „Missionaiy Iraveis
in South - Aliica'' enlhält ornilhologische BiMnerkuni^cn von
orosseni Interesse eingestreut,
Als solche inöehlen ]u'i'\ orziiliehen sein die Ai)gal>eii ü])er das
Brüten des KorAve-Voijels (liticeros crythrvrfiijnci'iysj., über die aus-
serordentliche jManni<>raltiiTkeit der befiederten Be\vobner des Zani-
l)ese; ül»er den Gesang der südafrikanischen Vögel, an verschiedenen
Stellen des Werkes; über den Straiiss in sehr ausführlicher AVeisc ;
über ein ^^u]1derbar kiinsivoil gearbeileles Nest, u. s. \> .
Dr. G. Hart) au b „System der Ornilliologie Westafri-
ka's^^ 1. B. 8, Bremen. Ref. liofl't in diesem Buche, zu des-
sen Herausgabe ilm mebrjährigc Vorarbeiten und Studien
ermutbigcn konnten, die Summe unserer Kenntnisse von den
Vögeln des westliebcn Afrika, d. h. des Küstengebietes von
Senegal bis Benguela, gehoben zu haben. Die Zahl der be-
schriebenen Arten beträgt 758, mit wenigen Ausnahmen von
uns selbst untersucht, beschrieben und gemessen. Mit beson-
derer Vorliebe wurde der die geographische Verbreitung be-
handelnde Theil des Werkes gearbeitet. An 80 Arten euro-
päischer Vögel kommen häufiger oder seltener auch in West-
afrika vor. Tabellarische Zusammenstellungen erläutern das
Verhältniss der westlichen Arifauna zu der Südafrika's und
der nordöstlichen Provinzen. Der synonymische Theil der
Arbeit ist eclectisch behandelt. Zu einer Ueberarbeilung des
Buches liegen bereits zahlreiche und wichtige Materialien vor.
Dr. C. Bolle ,.Mein zweiter Beitrag zur Vogelkunde
der canarischen Inseln" in Caban. Journ. für Ornithol. p. 258
und 305. Nicht minder anziehend geschrieben, als die frü-
her besprochenen Mitlheilungen des Verfassers über densel-
ben Gegenstand, enthält dieser zweite Beilrag zahlreiche Zu-
sätze und Berichtigungen von grossem Interesse. Wir wünsch-
ten sehr diese schönen Arbeilen Bolle's in zusammenhän-
gender Gestalt zu besitzen, und gedenken gern nochmals des
Vergnügens, nnt welchem wir dieselben gelesen haben.
„Verzeichniss cenlralaiVikanischer und nordal'rikanischer
Vögel, abgebildet in des Herzog Paul Wilh. von Würtemberg's
' der Vögel während (]€?■ Jahres 1857. 15
Iconcs incdilac und im Jahre 184^2 aufgcslelll." Bald. Nauni.
1857. Heft 6, p. 432—35. 73 Arien mit grösstendieils impu-
blicirten neuen Namen, aber sämmllicli inzwischen beschrie-
ben von Anderen und nalürlich unter anderen jetzt allein
gülligen Namen. Es war in der That eine höchst unglück-
liche Idee, dieses uns seit langer Zeit wohlbekannte ziem-
lich werthlos g-ewordene Verzeichniss zu publiciren, und wir
möchten dem Herausgeber der Naumannia den wohlgemein-
ten Ralh erlheilen , in solchen Fällen eigener hicompetenz
Sachverständige zu consultiren.
A m e r i k a.
„Nalurhisloriske Bidrag til en Beskrivelse af Grönland."
Besonders abgedruckt aus Rink's Werk über Grönland. Darin
die Vögel von J. Reinhardt. 1 Vol. Kopenhagen 1857. Ein
Namenscatalog mit Anmerkung-en zu einzelnen Arten. Rein-
hardt kennt 111 Vögel als in Grönland erleg-t: unter ihnen
ist etwa der 4le Theil amerikanisch. Jedenfalls ein wichtiger
Beitrag-.
„Liste complele des especes d'oiscanx recueillies par
Texpedition du Prince N apoleon Bon aparte vers les re-
gions exiremes du nord de TEurope , par E. Fairmaire.
Edinb. new Phil. Journ. 6, p. 191. Nur die bekannten Arten.
Dr. T. jM. Brewer yNorth American Oology" Jjeing
an account of Ihe geograijhical distribution of the birds of
North America, during their breading season, wilh iigures
and descriptions of their eggs. Part 1. Kapaces and Fissiros-
tres. 1 vol. 4. Ein treffliches Originalwerk, höchst wissen-
schaftlich und ausführlich behandelt, und, wie zu erw^arlen
stand, des Neuen viel bietend. Kupfertafeln sahen wir noch
nicht. DieSmilhsonische Institution in Vt'ashington giebt die-
ses Werk heraus, welches sich in würdigster Weise an Baird's
umfassende Arbeit über die Vögel Nordamerika's schliessl.
Dr. R u f u s H a y m o n d „Birds of South-easlern Indiana.^
Proceed. Acad. Nat. Sc. of Philadelphia, 1856, p. 286. Ganz
angemessen aber kurz behandelt.
s Fr. Brendel „Vögel der Umgegend Peoria's in Illi-
nois« in Giebel Zeitschr. für Nalurk. p. 420. Mit Messungen
J(! II ;i r I I a n I) : llericlit über die Lcisliuigcii in drv i\jitiii'<^('sr]iiclilt*
an frischen Exemplaren. Von Grus cinerea will der Verlas-
ser Männchen und Weibchen erlegt haben ! ! Kein amerika-
nischer Autor erwähnt dieses Voniels.
Dr. F. A. L. Thienemann „Ueber die von Dr. Gund-
lach eingesendeten Eier und Nesler cubanischer Vögel.- Ca-
ban. Journ. f. Ornith.
Dr. Gundlach"s „Beilräge zur Ornithologie Cuba's,
mitgelheill und mit Anmerkungen von Dr. J. Cabanis."
Journ. für Ornithol. Es werden in dieser ungemein wich-
tigen Arbeit nicht weniger als 251 Arien kritisch behandelt.
Natürlich ist der die Feststellung der Art umfassende syste-
matische Theil Cabanis Vcrdiensl ; aber zahlreiche und
zumTheil sehr interessante Beobachtungen Gundlach\s über
das Leben der Vögel Cuba's verleihen dieser Zusammenstel-
lung besonderen Reiz. Jedenfalls zu den besten Documenten
über westindische Ornithologie zählend.
Dr. G. Hartlaub „Zur Ornilhologie Südamerika's" in
Cabanis Journ. p. 36. Diese Zusammenstellung stützt sich
zunächst auf ßurmeisler's Werk über die Vögel Brasi-
liens, auf Gassi n's Bearbeitung des ornithologischen Theils
der Chileexpedition der vereinigten Staaten, auf Desniur's
Bearbeitung der Vögel C a s t cl n a u's und auf P. L. S c I a-
ter's immer mächtiger anwachsende Arbeilen über die Vö-
gel Südamerika's.
P. L. Sclaler fährt fort uns mit wichtigen Beiträgen
zu unserer Kenntniss der Vögel Südamerika's zu beschen-
ken. Sein Verzeichniss der Vögel St. Fe de Bogota's erfährt
fortwährend Nachträge und Berichtigungen und ist jetzt auf
510 Arten angewachsen; unter diesen figuriren die Colibri's
mit mehr als 70 Arien. Procced. Zooi. Soc. p. 15.
P. L. Sclaler ,.List of Birds coUecled by Th. Brid-
ges in the Valley of St. Jose in California." Procced. Zool.
Soc. p. 121.
Es weiden liier .');) Allen ;tiirii(-|Thirt . unter diesen («lanridiiiin
rnlifornieiMn Sei. (inriisealnni Cass.). Lanins e\enl)itorides , Toxostonia
redivivnin, Silla aeiiUala Cass.. Pipilo orei>onns, Pieiis (lairdneri. l*i-
cLis Nulaliii (Wilsoni, IMaili.). Caliiijepla pieta u. s. \\ .
P. L. Sclaler „List of additional species of Mexican
.1(M- Vüijol wähiTMul i\v^ Jühres 1857. 17
ßirtls, oblained by A. Salle from the environs of Jalappa
and St. Andres Tuxtla.« Troceed, p. 201.
Noch 22 Alten. JXcii isl nur Compfosoma imherle mit fig. cap.
(Unserem Ornithion incrme \er\van(lt, w\q es scheint). Auch der von
C. pumilio ganz verschiedene Cyanvcorax namis ist da])ci.
P. L. S c 1 a t e r „On a collection of ßirds made by Si-
gnor Malteo Botteri in Ihe vicinity of Orizaba in Soulh
Mexico.« Proc. Zool. Soc. p. 210.
Zählt 38 Arten auf, darunter den sehr seltenen Vireolaniiw? me-
lilophrys , Spiza versicolor, Picus lardinei , Cotyle flavigaster, Neo-
chJoe rußpennis n. sp., Zonotrichia Botterii u. s. w.
P. L. Sclater „On a collection of Birds received by
M. Salle from Soulhern Mexico« ib. p. 226.
Behandelt 80 von Ad. Boncard gesammelte Arten. Unter die-
sen erscheint zum ersten Male als niexicanisch Sarcorhamphus papa;
i'erner Ciccaba torquata, Buteo Ghiesbrechtii, Attila cltreopygia, Ocya-
1ns Waglerii, Goniaphea concrela , Enphone Gouldii , Diplopterus ex-
cellcns n. sp. , Comtriis Petzii , Cancroma cochharla von Cateman
u. s. w.
P. L. Sclater „On a collection of Birds Iransmitted
by Mr. H. W. Bat es from the Upper Amazon." Proceed.
p. 261.
Die 3Iehrzahl dieser Vögel wurde am Rio Javairi gesammelt,
so Chiroxiphia regina , Jodopleura Isabella , Eubucco aurantiicollis
n. s. w. Das Gebiet des oberen Amazonenflusses zahlt, ornitholo-
gisch betrachtet, zu den reichsten der Erde.
A. Salle „Liste des Oiseaux rapportes et observes
dans la republique Dominicaine (ancienne partie espagnole
de nie St. Domingo).« Proceed. p. 230.
Die grosse Mehrzahl dieser namhaft gemachten 61 Arten be-
wohnt zugleich Nordamerika. Spindalis multicolor ist selten, ebenso
Loxigilla violacea (sehr verschieden von L. portoricensis). Numida
meleagris wird als völlig verwildert mit aufgeführt. Sehr werthvoUe
Beobachtungen über die Lebensweise einzelner Arten, so über Todus
dominicensis , welchen Salle für gleichartig mit subulatus und an-
gustirostris hält, über Co-lumba leucocephala und Geotrygon montana ;
über Trogon roseigaster, Conurus chloropterus u. s. w.
Ch. L. Bon aparte „Catalogue des Oiseaux recueillis
ä Cajenne par M. Desplanches.«
In dieser namentlich in Hinsicht auf geographische Verbrei-
tung und Sicherheit des Fundortes wichtigen Arbeit werden 130 Ar-
Archiv f. Naturgescb, XXlV. .lahrg. 2. Bd. ß
i^ Hartlaub: Bericht iiber die Leisstnngen in der TMaturgeschichle
ten aufgezählt, unter ihnen Accipiter tinus, Stjkicola chryseola n. sp.
von Bon aparte als specilisch verschieden von der aesliva Nord-
america's betrachtet, Planchesia fuliginosa (Gm.), Orlygometra Schom-
burgkii u. s. \v. — Von allen Abhandlungen Bonapurte's im Sepu-
ratabdruck die seltenste!
A 11 s l r a 1 i e n.
M. Elsey „Brief iin Gouhl vorn Vicloriaflusso in Nord-
austvalien datiri und viel Interessantes enthaltend.'' Proceed,
Zool. See. p. '23. Hübsch über die Lebensweise von Plotus.
Samuel H a n n a f o r d „Joltings in Australia or notes
on the Flora and Fauna of Victoria.^' 1 vol. in 8. 100 S.
Melbourne 1856. Hauptsächlich botanisch, aber mit eingestreu-
ten Bemerkungen über einzelne Vögel , so über Petroica
multicolor, über Malurus cyaneus, über den Fairy Martin
u. s. vv. Ziemlich unbedeutendes Büchlein von einem frommen
und gefühlvollen Naturfreunde geschrieben.
H. Wallacc ^On Ihe Natural History of Ihe Aru-is~
lands." Ann. and Mag. of Nat. Hist. p, 475. Wir machten
bereits aufmerksam auf die hervorragende Wiclitigkeit der
endlichen naturwissenschaftlichen Durchforschung der Papua-
länder durch einen Reisenden von so bewährter Tüchtigkeit,
als Wallace es ist.
Von Macassar aus erreichte dieser als erste Station seiner lin-
ternehmung, die Gruppe der kleinen Ke-Inseln , wo ihn» bereits die
Gattungen 3Iegapodius, Carpophaga. Pfilinopus, 31acropygia, Dicru-
rus , Tropidorhynchus . Zosterops . ^'ectarinia. Rhipidura und Lorius
begegnen. Aber eine ungleich reichere ornithologische Fauna er-
wartete ihn auf den grösseren Arn -Inseln. liier wurden 216 Arten
gesammelt, nämlich 11 Alcediniden, 13 Muscicapiden, 10 Psittaciden.
9 Meliphagiden, 2 Paiadiseae und l'i Tauben. AVeder Piciden noch
Bucerotiden. Viele Arien nicht verschieden von schon bekannten ^qw-
guinea's. Eurylaimiden und 3leropiden scheinen ebenfalls zu fehlen.
Der Casuar ist häufig. Phonygama wurde beobachtet. Ein Rabe mit
blauer Iris wird neu sein. Von interessanten Neuguinea- Vögeln fand
Wallace auf den Arn -Inseln z, B. noch Microglossus aterrimus,
Arsea chrysomela und telescophthalma.
.%Gcipitres.
CJeier« ^Nitzsch „Beobachtungen zur Naturgeschichte des
der Vögel während des Jahres 1857. 19
fahlen Geiers" (Vultu.i fulvus) in Giebel Zeitschr. für die ges. Na-
turk. 1857. p. 364.
Dr. C. Bolle yDer californische Condor/' nach Taylor aus
dem Zoologist übersetzt. Ein prachtvolles Weibchen wurde am Strande
bei Monterey erlegt. Bei dieser Art ist das Weibchen entschieden
kleiner als das Männchen.
P. L. S cl a te r erklärt sich für die specifisrhe Verschiedenheit
von Cülhartes bunrotvianus. Proceed. Z. S. p. 3.
F'alken. Ueber die Archibuteo-ArtenKordamerika's schreibt
ausführlich J. Cassin: Proceed. Acad. iV. Sc. Philad. p.211. A. lago-
pus und A. St. lohannis sind östliche Arten, während A. ferrugineus
der Westküste angehört.
..Aphorismen über Falken." von J. H. Blas ins. Naum. p. 266
-305.
J. H. Blasius ..Die Weihen Europa's." Naum. p. 807 — 324.
Ausführlich über Aster palumbarius Pfarrer Snell. Jahrb. des
Vereins für Naturk. im Herzogth. Nassau. Heft 12.
..Der Jagdfalke und die F'alkenbeize'" von Baron v. Müller.
Cab. Journ. für Ornith. V. p. 1G9.
Leber Buteo rnfirius schreibt A. v. Pelze In. Sitzungsber. ma-
them.-naturw. Klass. Wien. Acad. Wissensch. Bd. 24. p. 380.
P. L. Sclater erklärt Cymindis Wilsoni , nach Untersuchung
des Originalexemplars für eine gute von uncinata specifisch verschie-
dene An. G und lach soll kürzlich neue Exen)plare erhalten haben.
Pioceed. Z. S. p. 3.
Neue Arten: Spilo/us rußpecU/s Gould. Von Wallacc aus
t'elebes eingesandt. Proceed. Z. S. p. 222. — Aqnila Desmurii, Verr.
Ilartl. Syst. Westafr. p. 4. Bissao. — Circaetos mehtnolis, Verr. Hart!,
ib. p. 7. Bissao. — iSisus Harflattbii. Verr. ib. p, 16. Casamanse.
Killen* John Wolley über Nest und Eier von Strix lap-
poniba in Lappland. Proceed. Z. S. p. 56.
Für die kleine, unserer passcrina ähnliche, von Cassin irr-
Ihümlich für Tcmmink's Str. infuscata gehaltene Eule Californiens
schlägt S c ! a l e r den Namen Glmicidhtm californicvm vor. Proceed. p. 4,
Passeres.
„Obscvvations sur /les Passereanx^ par Mons. Pucho-
ran. Extr. du Bullet. Soc. philom. de Paris. 1856. p.40.
Nicht unwichtige kritische Berichtigungen über Pachyrhamphus
Spixii Sm.j über Dryocopus cburneirostris, welchen Pucheran für
nicht gleichartig mit Xiphorh. flavigaster Sw. hält: ferner über Nyc-
tibius leucopterus. welches der Urutau Azara's , also N. cornntus
20 Hiirllaiih: iH-richf iil»ci' die Lcisliiujrcii in der A'adiii^eschiehle
Vieill. sein soll: liber Azimis Jbijoii , der mit iVyetJdroiuiis ifrallariiis
oleiehaitii>- erklärt ^^ird: Caprimiilgns oecllalus Tsehudi's sei gleicli
C. brasilianus Pr. Wied ii. s. w. Cassiii's Ansichten über die ge-
nannten Caprinmloiden lauten bekanntlich abweichend.
C. L, Bonapartc „Parallelismo fra la tribu dei can-
lori fissirostri e quella dei volucri hianti e dei iioUnrni o
vcro insidenti." (Estrallo dalle Rivista Contemporanea. Febr.
1857). Fleissige Arbeil, wie wir deren verschiedene ähn-
liche des Verfassers besitzen.
Dr. Th. Förster ,.0n tlie irregularity of the return
of swallows and olher vernal migratory tribes in 1857.« Journ.
Linn. Soc. Proceed. vol. I. p. 40.
Capriniulg-idae« Nen ist: Caprimvhjus Fossil . Verr. von
Gabon. Ilartl. Syst. Westafr. p. 23.
Cypselidae« W. A. Bernstein ..Beiträge znr Kenntniss
der Gattung Collocalia.'-' Separatabdruck aus den Verh. Kais. Leo-
pold. Acad. INaturf. 21 S. Behandelt Collocalia esculenta und ! nidilica.
Zur Anatomie der iMauerschwalbe (Cypselus apus). Nach C h r.
L, Nitzsch Untej'suchunffen. (lieb, Zeitschr. für die ges. l\afur\\.
1857. p. 237.
Nen ist : Ci/pselus horealis Kennerly. Proc. Ac. N. Sc. Philad.
1857. p. 202 von Puget Sound. Auch C. Vavxi wurde dort erlegt.
Hirundinidae» Uirundo ciris Pall. wurde nach Brandt
am Amur wiedergefunden.
Pässler berichtet über Nest nnd Eier von Ilirnndo rufula,
welche Sehr ade r in Griechenland beobachtete, nnd zwar in den
Gebirgen um Missolounghi. Das Nest ist gefonnt wie bei Silta syriaca.
l^^ier schnccweiss. Caban. .lourn. f. Ornith. p. HG.
Nen ist : Alticnrn 7iifens Cass. l'roc. Ac. Philad. p. 28. iMuuifluss.
Coraciadae« Zur Anatomie der Blauracke (Coracias gar-
riila). Nach Chr. L. Nitzsch Unt<'rsuchungen in Gieb. Zeitschr. gcs.
Naturw. 1857. p. 318. Taf. 3.
Trogonidae» Neu: Trofion Eijloni. Fräs. Proc Zool. Soc.
p.3G8. Vielleicht nur Varietät von Tr. collaris.
iUeropidac* Neu ist Mcropisnts Mnlleri Cnsa. J*roc. Ac. Phi-
lad. p. 37. Munifluss.
Jtlcedinidae* Neu : Halcjjnn fulyidus Gould. Insel Lom-
bock. Proc. Z.Soc. 1807. |). Gfi. — Upidiva r*///cr;).s ITartl. Syst. Westafr.
}). 2G2. Aguapim.
JHoinotidae» Sclaler gab eine sehr hübsche, monographi-
sche Uebersicht der bis jet/l bekannten Arten dieser Familie in den
Proceed. Zo(»l. Soc. p. 248. Fr unterscheidet die (Gattungen Momotus
(Ivv Vöjjrl \\ähi('n<I des .jalirrs 1857. 21
mit den 12 Arien hrasiliensis. aeqiiatorialis. niierosfephaniis. IVaKeieri,
snbruf'escens , bahamensis, Lessonii , caeriileiceps , nievieanns, easta-
ncieeps, semirnfus und cyanogaster ; dann die (ialtung Hylomanes nüt
i]en Arten nioniotiiia und «•iilaris; ferner die (Jaftnnjj Prioüt-hijtichns
mit den Arten platyrhynclins nnd carinalns , und endlich die Gattung-
Eumomofa mit der schönen Art snperciliaris. — Levaillant's Mol-
mol Domhe hält Scialer l'ür nicht wissenschaftlich begründet, und
M. psalunis Pucher. für wahrscheinlich gleichartig mit Lessonii. Eine
beigefügte tabellarische Ue])ersicht erläuteit die geographische Ver-
breitung dieser speciflsch südamerikanischen Form. Proc. Zool. Soc.
p. 248.
Neu sind : Momolus aequaloriaUs Gould. Pioc. Z. Soc. p. 223.
Rio Napo. — M. semivnfus Jardine. Edinb. New Philos. Journ. V.
p. 256. Quito. — M. microslephaiiGs Sclat. 1. c. Neugranada. — M.
Äaltererl Sclal. 1. c. Yungas-Gojaz in Brasilien.
Abgebildet: Pviotiivhynchns carinains in Proc. Zool. Soc. 1857,
pl. 128.
Bucconidae« Ueber die Lebensweise von Telraoonops rham-
}ili((sltnus Acrgl. Jardine nach Jameson Edinb. N. Ph. Journ. p. 255.
Rliampliasfidae. Neu ist: Selenidcra spccfabilisCnss. Proc.
Ac. Philad. 1857. p. 21L. Cocujos de Veragua.
Teiiiiirostres.
Upiipitlae« C. (liebel zur Anatomie von Lpupa epops.
nach Chr. L. Nitzsch Untersuchungen mitgetheilt. Zeilschr. f. ges.
Nafurwiss. p. 23(5.
jVectariniadac. Neu : N. Jardinei Verr. Ilartl. Syst. Westafr.
p. 47. (jabon. — N. ilarllauhii Verr. ib. p. 50. Angola. — N. Beichen-
liftchii Harll. il). Gabon.
Trocliilidae* Ueber das Nest von Trochilns (jirjas schreibt
Sir >V. Jardine. New Edinb. Phil. Journ. ]). 257.
Neu sind : Pkaelornis v'nidicaudala Gould. Proc. Z. S. p. 14.
Uio Janeiro. — Vh. episropus G. ib. Demerara. — Fft. obscvra G.
Ilio de Janeiro.
Goiild's Prachtwerk über dieColibris nimmt einen A\enn auch
langsamen Fortgang.
Certliidäe« Oratio Antinori „Ueber das Nest von Sitla
sjiriaca. Naum. p. 429.
Eine monographische Notiz über Campylotltynchus giebt P. L.
Sclat er. Proc. Ac. Phil. 5G. p. 2G3. Er kennt 13 Arten.
Neu sind: Camptjforliyncltus humllis Sei. Mazatlan. — C. slria-
22 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in rfer IVaturireschichte
icollis Sei. Neugranada. — C. pardus Sei. ib. Froe. Zool. Soc. pl.
130. St. Martha. — A. guliulalus Sei. Proc, Zool. Soe. pl. J^iO.
Weitere Beiträge xur Fortpfhinzungsgeschichle a on Mtwimro sa-
perba giebt L. Bce. ker in 31elboiirne. Cab. Journ. V. p. i:'9o. McsL
Ei und Jung^e werden besehrieben. Das Ei ist von der (iiösse des
Entenei's. heüaschgrjiu tnil .schwach hräunliehei- F!eekuri«f.
I^asciniaclae* Die Sylvien der Insel Sardinien von A. Hau. s-
mann. Aauni. p. 404 — 420. Sehr instrnefiv und aii7.iehend geschrie-
ben. 25 Arten.
W. Passier schreibt selir inslriieli\ über INest und Eier \(>n
Sylvia cisticola. Caban. Journ. Ornith. p. 1J5. Die Farbe der Eici-
scheint merkA\ürdig wechselnd zu sein.
Pastor L. Brehni „Die iMauser und die darau-s hervorgehemie
Verfärbung der Bach- und Sehaafslelzen.'' Cab. Jouin. p. 25.
C. Käsermann ..Einige Beobachtungen über Anthus oqu.'it!-
cus." Naum.
Ueber Farns nieridiottalis schreibt S c ! a te r Proccied. Zool. Soc.
p. 421. El Jacnle. Die Art isl unzweirelhafi \ersehieden ^()n P. atri-
capillus Nordamerikas.
Neu sind: Orthotomus Hüyelil. v. F elzein Sitzungsbei . \^ icn.
Acad. Wissensch. NXIV. p. 369. Steht 0. flarovirldis zunächst. —
Prinia slriolula v. Pelzein ib. Caschmir. — Dvymoeca traerin nob.
Syst. Ornith. A> estafr. p. 56. Senegal. — D. cryihrops not». I.e. p. 5S.
Calabar. — Eremornela pusilla nob. ib. Senegambien, — E. ciridi-
flata nob, ib. Senegambien. — Cldoropela moesfa nob, ib. Gabon.
Bradyornis ntfucnida Verr. Ilartl. Syst. Westafr. p. CG. Gabpn. -
Parinia Icucophaen nob, ib. p, 71. (i»h(m. — Mahfrus coronaltis ^^^)^\\<\.
Proceed. Z. Soc. p. 221. Vietoriafluss in Nordaustralien.
Tiirflidac. Monographisch bearbeiteten die (jalliing. Oreo-
cincla Prinz C. L. Bonaparte Guer. Rev. et Mag. Zool. p. 204 und
C. Sundevall Cab. Journ, p. 157. Ersterer unierscheidet als Ar-
ten: 1) 0. aurea Bp. Nordasien, Europa. 2) 0. Horsßeldii Bp. Java.
3) 0. lunulata Gould, Australien. 4) 0. Ileinel Cab. Japan. 5) 0.
dauma Bl. Centralasien. 6) 0. molfissima Centralasjen und 7) 0.
spiloptera BI. Ceylon. Letzterer dagegen 1) zaria Fall. 2) dai/ituf,
3) malajarta Sund, (llorrifieldii Bp.) 4) Ivnvhtla Lalh.
Als neu wurden beschrieben: Pitla c'>nc?«;m Gould. Insel Loiü-
bock (Wallace) (= P. malhihlae J. Verr. Bev. et Alaff. de Zool. p.
303. pl. 2. (ig. med.) — Titrdus f-ulrivenln's SchU. Proceed. Zool. Soe.
p. 273. Neugranada. — T. iynohilis Sei. ib. Neugranada. — Cinclus
leuconotus Sd, ib. Ecuador. Neugranada. — Melanoptila ylabrivostris
der Vögel während des Jahres 1857. 23
Sei. ib. 275. Honduras c. fig. cap. Höchst inJeressanfe neue Form.
Ganz .srhwarz. -- Crafeiopus apicalis (Lieht) Seneiral Hartl. Syst.
Wesfafr. {1.70. - Cossypha pijrrhopyffia Ilarfl. Westafr, 1. r. p. 7S.
- Oriolus crasshoslrh noh. ih. p. V(J(I. IiLStel iSt. Thome. - Tricko-
phorus canicapillus no!'. ib. p. b-i. — Xeriucichla pallesceus nob. ib.
p. >^(). (iaiubia — Trichoph. Iricolor Cass.^ ib. 265. Mtmillus.s. — An-
dvopadus tirens Ca.ss. i'roceed. Ac. Philad. 57. p. 'U. Muniflus.>. —
Kern er :
(F u r tu i ca r i i n a e. ) Formicariiis triciltutus Sei. Proceed.
Z. Soc. p. [^. Amazonas. — Grallaria ferrugincipcclns Sei. ib. p.
r2G. pl. 126. Venezuela. — G. lorivata Sei. ib. Caraeeas. — Co-
uopopkaga casfanivcps Sei. ib. iVeugran da. Ostperu (ardesiaea Tseh.)
— Uypocuemis ch-gans Sei. ib. Bogota. - //. melanopogou Sei. ib.
Chamieurris. — Mijrmecha hemimehiena Sri. ib. Bolivien. — Formi-
civora haemalunota Sil. ib. Chaniieuros. — F. melaena Sei. ib. Aeu-
ffranada. — F. urosticta Sei. ib. pl. 126. flg. 1. Oestliehes Brasilien.
F. HoAcxiccllii Sei. ib. p. 131. pl. 126. flg. 2. — F. cincrascctts Sei.
ib. Chantieuro«. — - llcrpsilochvtxs pcclorolis Sei. ib. Patria ? — - Thoxi-
mophilus mdanollwrax Sei. ib.
Vergleiche ebendas. Selater über Dastjlhamnus xonihoplc-
ru$ Burnieist. Vög. Bras. IM. p. SJ . und über Thanniopkilus nfcfarw-
ceps Spiv.
Tyrannidae« Die beste Arbeit, deren Avir unter dieser Ru-
brik z!i gedenken haben, ist S c 1 a t e r's „Review ol' thc species of
South American subfamily Tityrinae." Proeeed. Zool. Soc. p. 67 — 80.
Selater VAill die Tityrinen im System zwischen den Tyranniden und
Cotingiden gestellt wissen. Er unterscheidet die Gattungen Tilxjra mit
6 Arten «ind rachyi-hamplins mit IG Arten , welche in die Subgenera
Platypsaris, Pachyrhamphus, Callopsaris und Bathinidurus vertheilt wer-
den. Ein angehängtes Schema erläutert sehr zvvcckmässig die geo-
graphische Verbreitunjj.
Als neu wurden beschrieben: Paclafifmmpkus albo - griseus
Sclat. Proc. Z. Soc. p. 76. IVeugranada. — Tyraunus atrifrous Sclat.
ib. p. 274. Ecuador. — Camplostoma imbcrbe Sei. ib. p, 203. fig. ca-
pit. Sieht meiner Form Ornirhion nahe. — JSeocIdoe rnftpcnnis Sei.
ib. p. 213. Orizaba (ob den Vireoninen beizuzählen?) — Todiroslruin
caloplert/m Sei. Proc. p. b'l. pl. 125. Ilg. 1. Rio IVopo. — T. capilale
Sei. ib. fig. 2. Rio IVapo. — T. exile Sei. ib. fig. 3. IVeugranada.
Selater giebt dann eine Uebersicht der 22 ihm bekannten Todiro-
struni- Arten.
JVIuscicapidav* Neue Arten: Pctroicd cerciiiiventrisGould.
Proeeed. Z. Soc. p. 221. Victorialluss in IVordaustralien. — Scktca-
»crin caerulcata Bp. Re\ . et Mag. de Zool. p. 49. pl. 5. — Myiagra
caledonica ßonap. ib. Neucaledonien. — Tchitrea melampyra Verr.
24 11 a r ( I ;ni b : Bniclit ührv die f.ristiinjren in rlrr IVatiirgoschichte
Ilartl. SysL Oni. Weslafr. p. 90 Gabon. — Myiophila concreia Teniin.
llarU. ib. p. 05. Guinea. — 3Inscicapa Riisii Haiti, ib. Ü6. Aguapim
— M. modesta nob. ib. 00. (iaboii. — M. comitala Cass. Troc. Ac.
rhilad. März 1857. 3Innifliiss.
Bonapartc über Moqtdnus albicaudus (Strickl.) Rev. zool.
p.40. pl. 5. fiij. J)on.
Jkmpelitlae* Uebcr Nest und Eier von Bonibycilla garrula
schrieb sehr instructiv John Wolley. Froceed. Zool. Soc. p. 05.
pl. 122. Er beobachtete die Fortpflanzung dieses Vogels in Lappland.
IVeue Arten: Cofinga amahilis Gould. Froceed, Z. Soc. p, 61.
j)I. 123. Guatemala. — LipaKrjcs rtifescens Sei. ib. p. 27G. Col)an.
lianiadae. John C assin schreibt über die l^anius -Arten
Piordanierika's. Trocced. Ac. IVat. Sc. of Philad. p. 212. Er unter-
scheidet 1) L. borcalis Vieill. Nördl. und Westl. 2) septentriorudis
Gm. Mittlere und nöidl. Staaten, o) htdoviciamis L. Südl. Staaten.
4) excubitoridcs Sw. Westliche und nöidl. Staaten. 5) elegans Sw.
Westlich und Nord westl.
Als neu aa urden l)eschrieben : Fraseria cinerascots (Temm.)
Harll. Syst. Ornith. Weslafr. p. 102. Ashantee. — Dryoscopus cucul-
latns (Temm.) Ilartl. ib. p. 111. Senegal. — D. bicolor Verr. Ilartl.
ib. p. 112. Gabon. — Sigelus soiefjohnsis nob. ib. p. 112.
Coiilrostres«
Corvidaet IVeu ist : Gavndvs minor J. Verr. Hev. et 3Iag.
de Zool. p.439. pl. 14. hg. bon. ist G. obscnrns A. Brehm. Algerien.
Spanien. Allerdings kleiner und dunkler gefärbt als unstr Heher.
Im übrigen kaum verschieden ((^ und ^ in der Bremer Sammlung).
Pars&diseidae* A. Wa 1 1 a c e schreibt ungemein interes-
sant ül)er den grossen Paradiesvogel der Arru-Inseln (Paradisea apoda).
Ann. and Mag. ISat. llist. p. 411. Er ist der Burong-niati der Ma-
layen, der Fanehan der Arru-Bewohner. Am piachtAollsten erscheint
der Vogel bei vcrticaler Ausbreitung der Federzier über dem Rücken-
Wir hatten übrigens von dieser ausserordentlichen sonnenartigen Um-
hüll.ing des Vogels bereits Kenntniss durch eine Mittheilung Lji-
i" r e n ay es.
Sturnidac. I\en : luida Eyloin Fräser. Proceed. Zool. Soc.
p. o68. Nordostafrika. — LamprocoUus cupveocauda (Temm.) llarll.
Syst. Ornith. AVesfafr. p. 110.
l^^riiigillidae* Neu sind : Ptjtrhida aurcudiaca Gould. J'ro-
cecd. Zool. Soc. 1857. p.222. Gebirge westlich von Cashmir. — Zu-
notrichia Bolleri Sclat. ib. p. 214. Orizaba. — Sycobius Rachelliac
Cass. Proc. Acad. Philad. 1857. p.3G. Munifluss (Du Chaillu). — //«/-
phanlornis magnlrostris Verr. Ilartl. Weslafr. p. 127. — Estrelda vi-
(\vr Vöfjel während dos Jahips 1857. 25
naceaUmW. WcsfaCr. p. Mo. C'AiiAmmse. — Orlufiospiza lunulatail'vmm.)
Haiti. Westafr. p. 148. Senegal.
KachSclafcr fällt B o na p a r l e\s Fassercnlus xonarins niil
Feucaea Lincolni -- und Coli/nnculi/s Hefisloicii mit (\ passerittns
zusammen.
C. Gloger ..l'eber Sclinabelahweichungen hei KömeifVessern."
Cal). Jonrn.
Alandinae* IVeu (lürfle sein : Mefialophdnfts occidcnlalis
Haiti. WestalV. j». 153. (Jabon.
KmberiKinae. Ueber versehiedene Ammern änsseit sich
Tiinz C. L. Bonaparte in Rev. et Mag. de Zool. p. 160. Plcctro-
ph(/nes Macow7iii . Lawrence, aus dem westlichen Texas wird für der
(iruppe der 3Iontifringillen verwandt und Rhodopechys phoenicoptera
nahe stehend erklärt. Emhcriza alhida Blyth sei ein junger Vogel
von E. pithyornis und E. scolata Bononi , abgeb. pl. 7 , sei ein jün-
geres Männchen derselben Art (? wäre ein sehr ungewöhnliches Far-
benkleid). Die Vermuthung , dass Strickl an d"s Emh. cinerea
(Smyrna) ein junger Hypocentor sei, scheint uns gänzlich falsch.
IVeu ist A^ohl : Emberiza Buchauani Blyth. Rev. et Mag. de
Zool. p. 163. Himalaja. Bonaparte vertheilt die ächten Ammern in
die (jattungen Synchramiis. IMectrophancs, Centrophanes, Onychospina.
Hypocentor, Fringillaria, Hortnlanus . Schoenicola , Emberiza und
Buscarla.
Tanagridae« Von P. L. Sclater's ,.Monograph o( the
Birds forming the genus Calliste" erschien part 2 , enthaltend die
grösstentheils Avohlgelungenen Abbildungen von Calliste pulchra, C.
Arthusi, C. vitriolina, C, cajana. C. flava, C. preliosa, C. cyanoptera,
C. Desmarestii, C.Schrankii. C. guttata. C. punctata und C. graminea.
])as Werk zählt, w\e schon gesagt, zu den besten und gelungensten
in seiner Art, und der Frcis wurde so gestellt, dass dasselbe nicht bloss
den grossen Bibliotheken zugänglich ist.
IVeu : Enphotiia Gouhli Sclat. Proceed. Zool. »Soc. 1857. p. 66.
pi. 124 ^ $. (Wir wollen hier bemerken, dass das Roth der Stirn
in der Abbildung entschieden zu decidirt roSh gerathen ist. Es ist
vielmehr nur ein lebhaftes brannroth). Guatemala.
^caiisores«
Riiccrotidae« Aeu isl : Tochus caimirus Cass. Proceed.
Acad. A'at. Sc. Philad. Üec. 1856. Cap Lopez. Ich sah diese kleinste
Art der ?>'ashorTivögel kürzlich in London.
Psittacidae« Charles de Souance „Iconographie des
Perroquets non figures dans les publications deLevaillant et de Bour-
jot St. Hilaire. avec la Cooperation de s. A. le Prince Ch. L. Bo-
26 Haitlanb. Bericht über die Leishinjren in der Naturgeschichte
naparte el de .>f. E. ßlaiichard. livr. 1 — 5. 4to maj. Paris, (livr.
ä }(^ fr. ) Was Avir bis jetzt von diesem Werke «fcsehen haben, .scheint
uns im hohen (irade I.ob zu Aerdienei».
„Des characleres o.sleolop:iques ehe/ les oisean.x de la famillf
de Fsittaeidae, par K. Ulan c h a r d .' und
„Remarques ä propos des obscrvations de M. E. BlaFichard.
.sur les char. osteol. eht'z les Psitlaeidae et fableau des ^enres des
Perroquets etc. par s. A. le Princc ("h. L. Bonaparte. Aead. des
Sc. de Paris. Mars 1(J. Iu'\. el Mag. de Zool. 1857. p. 113. — In
der Sitzung der Academie vom 23. März legte Bon aparte ein „Ta-
Meau des genres de Peiroquets dispose en series paralleles" vor.
Sehr ausrührlich um] instructiv schreibt Prinz Max zu i\eu-
wied über {\vn einzigen Pa|>ageien iNordainerikas Connvus caroUncn-
sis. Caban. Journ. lür U)nitii. p. 1>8.
P. S. Sclatej- verbleitet sieh kritisch über verschiedene Pa-
pageien. Proeeed. Z. S. p. 224. Mit grossem Hechte, wie uns scheint.
wird der weissslirnige Papagei Domingos unter dem Aanien Ckryso-
tis Sallaci von dem ähnlichen Vogel Cuba's (C lencocephalaj ge-
trennt. Cuba eigenthünWich ist: Chr. leiuocephaln und Conurns gu-
Janensis, Jamaica besitzt Ckr. rinaccicullis und Con. ntiniis. Portorico
Chr. villalu und Cuit. Maiajaei und Domingo Ckrys. Sallaci und Con.
chloiopterus. (iewiss ein interessantes Verhältniss. — Bon apartes
Bolborkynchus calhavina sei M. lineola Cass. — Für die ächten grü-
nen Lori's (sinensis, intermedius und Weslermanni) schlägt Sclater
die generische Benennung Polychlorus vor.
iVeu sind : rscpkoitts chrysoplevifffins (jould. Proc. Zool. See.
p. 220. Vicloriiilluss in iVordaustralien. — Cuimrus asfec de Souancc.
Rev. et Mag. Zool. p. 97. 3Iexicu. — Pyrrktna Imemalolis Id. ib.
p. i^'6. Venezuela. - Ciianorhamphus Malhcrhii Id. ib. Vaterland ? (im
Museum zu Metz).
Abgeb. PsiUacodis Wcsiermatmi. llluslr. Proeeed. Zool. Soc.
pl. 127. flg. opt.
PiCiflBe» Beichenbach beschreibt als neu: Campephi-
Ins leucopterylus. Picid. p. 392. fig. 4319—20. Mexico. — C. leuco-
rkamphus ib. p.393. fig. 4527 — 28. Mexico. — C.mcsoleucus (Licbtst.)
ib. fig. 4329—30. Foem. Columbien. — C. regius (Lichlst.) ib. fig.
4331—32. Mexico. ■— Brachyplemus slriaticeps R. fig. 4351. p. 398.
Centralasien. - CkrysocoUtptes boclia W. fig. 4353—54. p. 399. Cen-
fralasien. — Hcmicercvs coccomctopus K. fig. 4664—65. p. 401. Cele-
bes, Sumatra. — Meiylypte^ snrdiclns R. p. 402. Tenasserim. — K
loricalHS R. fig. 4495—90. Pegu. - Celeus seviicinnamomens R. fig.
4397. p. 407. Südamerika. — Cenlunts sulfurirenter R. fig. 4411—12.
Mexico. — ColapUs cincreicapillus R. iig.4489— 90. p. 416. Peru. -
Chrysoptilus peruvianus R. fig. 4493—94. p. 419. ist atricollis Malh.
Her Vöcfel während dfs Jahres 1857. 27
Chr. guttifer R. p. 420. Mexico. — Chloronerpes WarseiciczU R. fig.
1491—92. Peru. -- Cumpepkilus atbifrenalus K. p. 431. INeugranada.
Mal herbe wird diese sänimtlichen Arten einer näheren Cri-
lik unterwerfen. .Schwerlich wiid ihr Bestehen unangefochten bleiben.
Der in meinem System der Ornithologie WestafrilHi's als neu
beschriebene Dendromus Meiiuni hat sich Mnlh erbe's Kenner-
blick als Artefact erwiesen, und Z>. nifiri(ju(lafus ist nach ihm foem.
von fjabonensis.
Cucalidae* Nach (iraeMs legt Oxylophus, rjlandarius in
Spanien in die bester von Fica caudala und die Eier beider Vögel
zeigen in der Färbung auffallende Uebereinstimmimg.
jflusoplia^^idae« K. Blanchard über die Osleologie der
Musophagidcn. Kcv, et Mag. deZool. p. 458. Deutliche Verwandtschaft
/.u den Trogonidcii und (iallinaccen. Familie ganz für sich.
Coluitibae.
R e i c h e 11 b a c h\s „Handbuch der speciellen Ornilho-
lügie.« behandelt yiif Seite 1-64 (V^m Anfang des den Tau-
ben gewidmeten Theils.
C. L. Bona parle „konographie des Pigeons nun
figures par Madame Knip (de Courcelles) dans les deiix vo-
lumes de Mss. Temmink et Fl. Prevost." 1 — 7 livr. fol. (ä
20 fr.). Habe ich noch nicht gesehen.
E. Blyth „Bemerkunifen über die Columbiden mit Beschreibung
einer neuen indischen Taube." Journ. Asiat. Soc. of Bengal , IVr. 3.
1857. Die neue Art ist Cohcmha oenicupilla Blyth (ob Eversmanni
Bp. ?). Gute Beschreibungen ver.«chiedener indischer Tauben. Schliess-
lich über die giüiien Tauben Ceylons. Interessante Arbeit.
Chr. L. Brchm ..Die IVaturgeschichte und Zucht der Tauben."
n, s. w. Weimar. 177 S. (für Taubenzüchter und Ornifhologen.)
^allfiiae.
Neu sind, Cereorms Caboti Gould. Proceed. Zool. Soc. p. 161.
und Ann. and Mag. ?>\ Hist. p. 521. China. Gute Art. — Odonto-
phorus hyperythrus Gould. 1. c. 223. St. Fe de Bogota. — Tinamus
castanet(s Sdat, Proceed. Z. S. p., |J7?. Keugranada.
^Observations on the wild Turkey or Gallopavo sylvestris" by
John Leconte. Unser zahmer Futer stamme keineswegs vom
wilden ab. Dieser letztere sei niemals gezähmt worden.
Domink Geyer „Die Auerhahnsbalz.« Wien 1856.8.
28 H a r 1 1 a II I) : Ijeiicht üJxm- rlic Leisfiinj;;en in der Vatuif^eschichle
J. Baily „Pheasant and Plieasantries,« London 18.
290 S.
Martin Doyle „The illustrated book of domestic
poultry.« new edit. Routledge. 8. 100 S.
F. Drcessler „Nachrichten aus deirt Verein für Hüh-
nerzucht. Dresden. Mit 20 color. Abbild. 1 f.
H. L i c h t e n s t e i n und E. W i n k 1 e r „Die veredelte
Hühnerzucht. Anleitung znr Behandlung u. s. w. nach den
im zoologischen Garten gemachten Erfahrungen.« Heft I.Berlin.
Carl Löffle r ^Die Zucht der ausländischen Hühner
in Deutschland.^^ Berlin. 128 S. mit 25 Abbild, color.
Baron E. Peers .,Oiseaux de Basse-cour." Les pou-
Ics. avec 20 planches. Bruxelles.
Don Ramon Adame „Tratado de los gallos ingle-
ses." Madrid. 8. 24 S.
W. Hamm „Die rationelle Zucht der Hühner u. s. w."
Leipzig. 148 S. Mit vielen Holzschnitten.
C. F. AViepken „Ein brütendes Männchen von Caili-
pepla californica." in ßaldam. Naum. p. 324 — 26.
HtvutMones,
Eine neue Art Casuar von der insel iVeuiiland (C. Bcnneflii)
beschreibt G'ould Proceed. Zool. Soe. Lond. p. 268. pl. 129. fig. opf.
Diesen merkwürdigen Moruck genannten Vogel habe ich kürzlich
lebend im zoologischen Garten in London gesehen und kann sonjit
nach eigener Untersuchung dessen specifisciie Veischiedenheit beslä-
tigen. Auch die Farbe des Ei's weicht wesentlich von der des ge-
wöhnlichen Casuar ab. — Auch der neuhollandisehe Casuar vonCap
York scheint eine gute Art zu sein. C. auslralis Gould.
Man vergleiche über den afrikanisclien Strauss Livingstone
Miss. Trav. in Soiilh Afr. pag. 153— 5G. und Andersson Heise See
Agami L p. 272 bis 288.
Wallacc traf Casuariits (jalvalus zahlreich aul' den Arm-
Inseln.
Orallacs
Ardeidae* Zwei neue Psophia-Aricn beschreijjt A. v. l'el-
zeln nach Exemplaren der Wiener Sammlung. Sitzung.sber. der Wie-
ner Acad. Wissensch. I3d. 21. p. 371. Psophia ochroplera J. Natterer.
ficr Vögi'l ^^;!l1^rn(l des Jahres 1857. 29
Rio .Xc^io, und Ps. obscura A'allor. ib. i).374. Innores Brasilien. Mit
luindschr. Aiinierkun«?en \on J o ii a ii n iXattercr.
Scolopacidae. v. Benbcrg- „Die Waldschnepfe und
^ihre Jagd.« 8. 131 S. Berlin.
xVc'ii ist: Ä'inn('}ii)is /tacsilalus. Ilartl. S;yst. McstalV. Orn. p. 233.
J. Jückcl Leber das Meckern der Bekassine in INaurnannia.
1857. Heft 1. Sehr ausführliche .Millheiliiiio-. Aach ihm Nvären es die
Fliioel, ^^elche den sonderbaren Laut hervorbringen.
Rallidae« Neue Arten wären : Zapornia umbrala Cass. Pro-
ceed. Acad. Nat. Sc. Philad. Oct. 1856. Fejce-Inseln. — Porzmia
marginalis ILirtL Syst. Ornith. Westafr. p. 241. Gaben. — Covethrura
Bonaparlei Harll. L c. p. 242. Gabon.
unseres.
Anas (jaJerivnlata soll in wilden» Zustande am Amur gefunden
sein. Brandt.
P. L. Sclater „Note on the Upland Goose" in Procecd. ZooL
Soc. paff. 128. Synonymische Auseinandersetzung von Chloephaga
magellan'ua (Gm.) und ChJ. poliocepliala G. R. Giay (oder inornata).
Diese beide sowie Bertncla aniarctica und J5. melanopleva befinden
sich lebend im zoologischen Garten in London.
Leon 0 1 p h -G a i 1 1 a r d üeber Fnligula Homeyeri gegen Glo-
ger u. s. \Y. Naumannifi 1857. Heft 1. — Unbegreiflich, wie man nur
daran denken konnte, diesen Vogel für eine selbständige Art aus-
zugeben.
Y^aridae* Einen iS^nchtrag zu seiner Revision der Lariden
giebt Bruch Caban. Journ. für Ornithol. p. 23. Larus coUimhhms
hält B r u c h für eine neue Art. Ein zweiter Nachtrag steht auf
Seite 113.
Pelecanidae« Sehr ausführlich und instrucliv schreibt C.
Gloger über Ualieus Desniarestii Payraud. und //. Jeucogasler Cara.
Caban. Journ. .57. p. 4. Gloger liefert den Beweis, dass //. Des-
)iu(ieslil eine Mirklich gute Art sei. Ob auch H. leucogaslev , bleibt
zunächst dahingestellt, da Gloger nicht selbst Exemplare ujilersu-
chen konnte. Ist indessen gar nicht unwahrscheinlich. Das Ganze
ist eine sehr dankenswerthe kritische Erörterung.
Bericht iiber die E<eis(uiigeii In der IVatiir«
gescliiclite der l^äugethiere i;vlilireiid des
Jahres I§5^.
Vom
> H • r a ift § s^ e b e r.
Beim Eingange in meinen diesjäiirigen ßericlil will ich
nicht versäumen eines grossarligen Unternehnjens Erwähnung
zu !hun , welches Agassiz, zwar ohne Jahreszahl, aber
wenn ich nicht sehr irre, im Jahre 1857, begonnen hat:
„Contributions to Ihe natural hislory of the united states oF
North-America." Von diesem Werke , das aus 12 Bänden
bestehen wird, ist mir bisher nur der erste Theil des ersten
Bandes bekannt geworden, der eine Einleitung enthält, und
sich mit der Classification der Thiere im Allgemeinen be-
schäftigt. Ich enthalte mich eines näheren Eingehens , da
bereits Leuckart im vorjährigen Bericht p. 167 Mitlheilun-
gen darüber gemacht hat.
Von Dahlboms „Zoologiska Studier** (vergl. vor. Be-
richt p. 2) erschienen Lund 1857 Heft 2 und 3 und das erste
Heft eines Atlas. Darin werden die Affen abgehandelt, und
Avir werden unten darauf zurückkommen.
Es ist mir bisher nicht möglich gewesen., auf die Bul-
letins, welche die Sociele zoologique d'acclimation seit 1854
herausgiebt , Rücksicht zu nehmen. Freilich ist der Inhalt
nicht dazu bestimmt, von den Thieren, die darin besprochen
werden, die wissenschaflliche Kunde zu vermehren, sondern
er bezieht sich auf die Domesticirung und den Nutzen, den
sie dem Menschen zu gewähren vermögen; indessen finden
sich in den bisher vorliegenden Jahrgängen doch Schilde-
rungen einzelner Arten oder Rassen vor , die wir als eine
Troschel: Bericht über die Keisdingen in der Naturgeschichte elc. 31
Bereicherung der Wissenschaft begrüsscn müssen , und auf
die in diesem Berichte wenigstens kurz hingewiesen wer-
den solh
Im zweiten Bande 1855 sind es von Säugethieren besonders die
Angora-Ziege und der Halbesel (Etfuiis heniionus), Avelche geschil-
dert wurden, der zahlreichen kleineren Besprechungen nicht zu ge-
denken. — Im 3ten Bande 1856 möchte eine Arbeit von Sacc über
die Ziegen hervorzuheben sein. — Im vierten Bande 1857 ist die
letztere fortgesetzt; Dareste handelt über die projeclirte Einführung
des Dromedars in Brasilien; Davin über die Verwendung der Ka-
meelhaare; Dutrone über das normannische Rind ohne Hörner; Ri-
chard über die Pferde, Esel und Schweine Algeriens; Albert
Geoffroy S ai n t-H il a i re über die Schafe und Ziegen Algeriens:
Daveioui.s über den Büffel; Bourlier über die Angora-Ziege.
Owen hat seine Grundsälze für die Eintheilung der
Klasse der Säugethiore auseinandergesetzt : Journal of Ihe
proceedings of Ihe Linitean soriety of London. IL No, 5.
p. 1-37.
Für den Charakter ersten Banges nimmt Verf. das (jchirn. und
unterscheidet darnach vier Unterklassen, die donn wieder in Ord-
nungen zerfallen, deren ISamen bereits bekannt sind.
I. E<yeucepliala< Die unterste Gruppe, wo die Hemi-
sphären so liegen, dass sie die olfactorischen Ganglien, das kleine
Gehirn , und mehr oder weniger die optischen Lappen unbedeckt
lassen ; ihre Oberfläche ist im Allgemeinen fflatf . die Windun&en.
wenn vorhanden, sind Avenige und einfach.
II. liisseucepliala. Das Corpus callosum ist vorhanden,
aber verbindet die Hemisphären so wenig massig entwickelt, dass
es kaum zu einem äusserlichen Charakter wird: das Gehirn lässt die
olfactorischen Lappen und das Cerebellum unbedeckt und ist im All-
gemeinen glatt oder mit wenigen und einfachen Windungen.
III. Oyrencepliala» Das Gehirn ist so gross, dass es sich
mehr oder weniger über das Cerebellum und die olfactorischen Lap-
pen erstreckt. Mit Ausnahuje der kleineren Formen von Quadruma-
nen sind mehr oder weniger zahlreiche Windungen vorhanden.
IV. Arcliencepliala. Hier bedecken die Hemisphären
nicht nur die olfactorischen Lappen und das kleine Gehirn, sondern
sie überragen dieselben sogar : die Windungo:i sind aufs Höchste ent-
wickelt.
Durch die Einreihung der Ordnungen in diese höheren Grup-
pen ergiebt sich dann das folgende Schema.
iVi Tro.soUel: Bericht über die J/eisUniiieii in der IXaturü'e.^chichie
Subclassis
Arcliencepliala
Ordo
Bimunu
IQuadrimiaiui
Unguiciilata i
Oyren- / Unirnlal;
cepliala
Mntilali
Iiis§enci>pliala . ■
liyeuceiiliala
Carnivora
/Artiodaetyla
' Perissodactyla
Proboseidia
Toxodontia
:Sireiiia
Celaeea
Brula
[Clieiroptera
Inseeli\ ora
iiudeiiiia
Marsiijiialia
xMoiiotreinata
Homo
Calarrhina
Platyrrhina
Sfrcpsirhina
Digitigrada
Plantigrada
Pinnigrada
Oinnivora
Rinninantia
(Solidungiila
fiMullungiila
Eleplias
Dinollieritim
jToxodoji
riXcsodoii
jManatiis
fJIalicore
jDelphinidae
f Balaenidae
• Bradypodidac
/Dasypodidae
(Edcntula
IKriigivora
Insectivora
Talpidae
IKriiiaceidac
Sorieida«;
(Xon - elavicülala
rCIaviculala
Rhizophaga
Poephaga
Carpophaga
fEntomopliaga
Ecliidna
OrnitliürliA'nchus
der Säugethiere während des Jahres 1857. 33
Nachträglich zu erwähnen sind:
Principes d'Osteologie coniparec ou recherches sur l'Ar-
chetype et les homologies du squelette vcrtebre. Par Ri-
chard Owen. Avec 15 planches et 3 tableaux. Paris
1855. 8.
The principal forms of the skeleton and the teeth as
the basis for a System of natural history and comparative
anatomy by Professor Owen. London 1855. Mit in den
Text gedruckten Holzschnitten.
Huzard sucht durch Beispiele an Schafen, Rindern,
Pferden , Schweinen und andern Hausthieren nachzuweisen,
dass dieselben durch Befruchtungen in nächster Verwandt-
schaft keinesweges degeneriren, sondern dass dies das beste
Mittel sei , die Rassen mit ihren Qualitäten und Formen zu
erhalten , vorausgesetzt , dass man eine strenge Wahl treffe,
und die Individuen von schwächlicher Constitution , und die
von den gewünschten Qualitäten abweichen, entferne; so wie
dass eine gute Gesundheitspflege gehandhabt werde. Ueberall
dagegen, wo Sorgfalt fehlt, oder eine ungesunde oder unzu-
reichende Nahrung , schlechte Wohnung oder übermässige
Arbeiten stattfinden, sei Degeneration zu befürchten , oder
es sei doch eine Amelioration unmöglich. Rev. et Mag. de
Zool. 1857. p. 145.
Martin St. Ange hat seine Studien über den Ge-
schlechtsapparat in den 5 Klassen der Wirbelthiere veröffent-
licht. Mem. presentes par divers savants. Paris. 1856. p. 1.
Mit 16 Tafeln Abbildungen.
Im ersten Ka|3itel beschreibt Verf. diese Organe vom Kanin-
chen, der Beutelratte, der Taube, der grünen Eidechse, der Natter, dem
Wassermolch, dem Karpfen, dem Hai, der Lamprete und von Myxine.
— Im zw^eiten Kapitel bespricht er die Analogie der Theile , welche
die Geschlechtsorgane beider Geschlechter bei den Wirbelthieren zei-
gen , und zieht eine Parallele zwischen den männlichen und weibli-
chen Reproductionsapparaten , und den Gang ihrer Degradation. —
Das dritte Kapitel ist überschrieben : Deductions anatomiques, physio-
logiques et zoologiques que l'on peut tirer de letude de l'appareil
reproducteur dans les 5 classes d'animaux vertebres.
Martins betrachtet den Humerus der Wirbelthiere als
einen um seine Axe gedrehten Knochen, der beim Menschen,
Archiv, f. Nnturgesch. XXIV. Jahrg. 2.nd Q
34 Troschel: Bericht über die ficistungen in der Katurrreschiohte
den Quadrumanen , den Qnadrupcden und Cetaceen um 180^,
bei den Chiropteren , Vögeln und Reptilien nur um 90" ge-
dreht ist (Coniptes rendus XLIV. p. 144). Jn Verfolgung die-
ses Gegenstandes ist derselbe Verf. zu dem Resultate ge-
kommen , dass der Anblick der Schulter und des Humerus
eines Thieres über die Art seiner Bewegung und seine Stel-
lung im System entscheiden könne, (ib. p. 1027). — ■ Ebenda
findet sich XLV. p. 65 eine Notiz : De la coalescence des
teles du radius et du cubitus pour former le chapiteau du
tibia dans les Mammiferes monodelphes. — Die ausführliche
Abhandlung steht Annales des scieaces nat. VIII. p. 45.
Hannover gab eine Uebersicht über seine Untersu-
chungen in Betreff der Enlwickelung und den Bau der Zähne
bei den Säugethieren mit in den Text eingedruckten Holz-
schnitten. Oversigt over det kongelige danske Videnskaber-
nes SelskabsForhandlinger i Aaret 1856. p. 53-88. Er be-
handelt im ersten Abschnitte die histologische Entwickelungs-
geschichle der Säugethierzähne , im zweiten die Histologie
derselben.
Mit Beziehung auf frühere Mitlheilungen im 7. und 9.
Jahrgange der Würtembergischen naturwissenschaftlichen Jah-
reshefte machte v. Jaeger Bemerkungen über die Verän-
derung der Zähne von Säugethieren im Laufe ihrer Entwicke-
lung , namentlich bei dem Narwhal (Monodon monoceros),
und dem Cachalot (Physeter macrocephalus). Bulletin de la
SOG. imp. des naturalistes de Moscou 1857 p. 571.
Valenciennes und Fremy haben sich mit der Un-
tersuchung der chemischen Zusammensetzung der Krystall-
linse bei den Thieren beschäftigt, und ihre Resultate der
Pariser Academie am 1. Juni 1857 vorgetragen (Comptes
rendus XLIV. p. 1122; Rev. et Mag. de Zool. 1857. p. 284;
Atlantis I. p. 229).
W^ y m a n hatte eine Maus durch den Biss einer Klap-
perschlange tödten lassen. Der Tod erfolgte nach 2 Miimlen.
Bei der Seclion fand sich, dass es ein hochträchtiges Weib-
chen war, und dass die Jungen noch 14 Minuten nach dem
Biss lebten. Proc. Boston soc. VI. p. 56.
Sonnenburg hat zoologisch -kritische Bemerkungen
der Säugethiere während des Jahres 1857. 35
ZU Aristoteles Thiergeschichte in dem Prograrnm des Gym-
nasiums zu Bonn geliefert. Er behauptet , dass in den Fäl-
len, wo Aristoteles Falsches oder Unsinniges sagt, entweder
eine Verfälschung des Textes vorliegt, meist aber ein blosses
Missverstehen unsererseits. Um das Letztere zu beweisen
erklärt er einige Stellen in sinnreicher und unzweifelhajt rich-
tiger Weise ; z. B. dass der Hinterkopf hohl und leer sei,
wird auf die äussere Form des Nackens bezogen ; dass die
Zehen nur ein Gelenk haben, wird so gedeutet, dass sie alle
gleichmässige Beugung haben , im Gegensatz zu den Fin-
gern, unter denen der Daumen eine eigenthümliche Beugung
hat u. s. w.
In Betreff der einzelnen Faunen sind die folgenden
Schriften zu erwähnen.
Europa. Als erster Band der Fauna der Wirbelthiere
Deutschlands erschien vonBlasius die Naturgeschichte der
Säugethiere Deutschlands und der angrenzenden Länder von
Mitteleuropa ; mit 200 Abbildungen im Texte. Braunschweig
1857. 8. Wir erhielten durch dasselbe eine auf gründlich-
ster Sachkenntniss gestützte Bearbeitung der einheimischen
Thiere. Dr. v. Martens hat bereits in unserem Archiv 1858
L p. 111 sich ausführlich über dieses Werk geäussert, na-
mentlich in Beziehung auf die geographische Begrenzung
dieser Fauna. Ich will mich also hier darauf beschränken,
hervorzuheben, dass durch dasselbe die sichere Unterschei-
dung der Arten gefördert ist und dass demjenigen, welcher
die deutschen Säugethiere kennen lernen will, kein besseres
Buch empfohlen werden kann.
Die Zalil der aligeliaiidcltcn Arten l)eläuft sicli auf 123. Es
sind 4 Rliinoloplius, 1 Plecotus, 1 Synotus , 1 Miniopterus , 9 Vespe-
rugo, 8 Vespertilio, zusammen 24 Fledermäuse; — 2 Talpa, 1 Cros-
sopus , 3 Sorex, 3 Crocidura, 1 Erinaceus, zusammen 10 Insecti-
voren ; — 3 Felis, 4 Canis , 1 Ursus , 1 Äleles , 1 Gulo , 2 Mustela^
5 Foetorius, 1 Lutra, zusammen 18 Carnivoren ; — 1 Pelagius, 3
Phoca, 1 Halichoerus, 1 Cystophora , 1 Trichechus, zusammen 7 Pin-
nipedia ; — 1 l'teromys, 1 Sciurus , 1 Spermopfulus , 2 Arctomys,
4 Myoxus, 1 Sminthus, 1 Cricetus, 7 Mus, 9Arvic<>hi, 1 Spalax, 1 Ca-
slor, 3 Lepus. 1 Cavia , zusammen 33 IXagcr; — 1 Alees, 2 Ccrvus,
1 Capreolus, 1 Ovis, 2 Capra, 1 Capella, 3 Bos , zusammen 11 Wie-
derliäuer; — 2 Einhufer; — 1 Vielliufer; — 4 Delpliiiius , 5 Pho-
36 Trus('hcl: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
caena, 1 Ceralodon. 2 Hyperoodon, 1 Fhyseter, 3 Balaenoptera, 1 Ba-
laena, zusannnen 17 Walle.
Guido Sand berger hat in denVerhandl. des natur-
hisL Vereins der preuss. Rheinlande und Westphalens XIY.
p. 69 über die Säugethiere und Vögel des Herzogthums Nas-
sau geschrieben : „Vergleichender Beitrag zur Fauna der
warmblütigen Wirbelthiere des Mittelrheins."
Nach ihm finden sich mit Ausschluss der Ilausthiere im Herzog-
thum Nassau mindestens 41 Säugetiiiere in 18 Gattungen , welche
in sechs Ordnungen vertheilt sind, nämlich 10 Fledermäuse, 5 Insec-
tivoren, 10 Carnivoren, 14 Nagethiere, 1 Dickhäuter, 2 Wiederkäuer.
Als Säugethiere, welche auf Gottland vorkommen, wer-
den von Mewes, Öfversigt af kongl. Vetenskaps acad. För-
handl. Jahrg. 1856 p. 282 die folgenden angegeben :
Vespertilio auritus L, , V. pipistrellus Daub. , Canis vulpes L.,
Muslela erminea L. , Phoca vitulina L. , Halichoerus grypus Nills.
Fabr., Erinaceus europaeus L., eine Art Sorex, Lepus canescens Nills.,
Sciurus vulgaris L., Mus decumanus Fall., Mus musculus L.
Assmuss schrieb Beobachtungen über die Mammife-
ren einiger Provinzen Russlands , namentlich der Gouverne-
ments Moskau, Kaluga und Tambow. Allg. deutsche natur-
hist. Zeitung III. p. 180.
Das Verzeichniss enthält 2 Hippocrepis , 3 Vesperugo , 1 Ves-
pertilio, 1 Plecotus, 1 Synotus, — 1 Erinacens, 4 Sorex. 1 Talpa, —
1 Ursus, 1 Meles, 2 Mustela, 4 Futorius, 1 Lutra, 2 Canis, 1 Felis,
1 Sciurus, 1 Spermophilus, G Mus (wovon Mus rattus seit 5 Jahren
verschwunden), 1 Cricetus, 3 llypudaeus, 1 Cavia, 3 Lepus, 1 Equus
(asinus), 1 Cervus (Alces).
Eversmann hat, wie hier nachträglich zu bemerken
ist, in den Nouveaux memoires de la soc. imp. des Natura-
listes de Moscou Vol. X. 1855 p. 267 „kurze Bemerkungen
über das Vorkommen und dieVerbreitung einiger Säugethiere
und Vögel in den Volgo-uralischen Gegenden und den Step-
pen der Kirgisen jenseit des Uralflusses" geliefert.
Soweit sie die Klasse der Säugethiere betreffen, werden daselbst
zur Sprache gebracht: die Katzenarten, wilde Schweine, Wolf, Canis
melanotus, Corsac und aureus, Dachs, Erinaceus europaeus, einige
Fledermäuse, Hamster, Maulwurf, AVanderratte (Mus rattus in den Wol-
gagegenden nicht mehr zu finden), Mus minutus, Arvicola amphibius,
arvalis, Glareola und obscura, Lenimus lulens Eversni. (wird als ver-
schieden \^n L. obensis festgehalten), Myodes lagurus Fall., Chfho-
der Säu^ethiere während des Jahres 1857. 37
noergus talpinus PalL, Spalax Typhliis Pall.,Dipiis Jacnlus, Acontion,
sagitla , lagopiis und platnriis Licht, (dessen Schwanz nicht platt lan-
zettförmig , sondern rnnd kolhig ist) , Lepus variahilis und tiniidus,
Lagoniys pusillus,
Africa. Mar es hat im Süden der Provinz Oran fol-
gende Säugelhiere beobachtet: Antilope addax, die in Nubien
lebt, Lepus isabellinus bisher nur in der Egyptischen Sahara
bekannt, Vulpes fennecus und Musimon musmon. Rev. et mag.
de zool. 1857. p. 330.
Brehm schilderte die Säugethierfauna der tropischen
Wälder von Nordost-Africa in der Allg. deutschen naturh.
Zeitung I. 1855. p. 234.
J. Th. V. Heuglin's Reisen in Nordost-Africa, Gotha
1857 ist p.74 ein systematisches Yerzeichniss der in Simen
beobachteten Säugethiere und Vögel enthalten.
Von ersteren sind aufgeführt : Macacus Gelada Kupp., Antilope
niontana Rüpp. (wahrscheinlich auch A. Üreotragus , 3Iedoqua und
andere Arten), Ibex Waalia Rüpp., Rhizomys splendens Rüpp., Canis
simensis Rüpp. , eine nicht näher bestimmte Hundeart , Hyaena Cro-
cuta, eine kleine Katzenart, eine Ratte mit stachelähnlicher Bedeckung,
eine kleine Fledermaus.
Reisen in Südwesl-Afrika bis zum See Ngami in den
Jahren 1850— 54 von Anderson. Aus dem Schwedischen
übersetzt von Lotze 2 Bände. Leipzig 1858. Dieses Werk
darf hier genannt werden , weil Manches darin geschildert
wird , was sich auf die Thierwelt Africa's bezieht. Lebens-
weise, Jagd und dergl. ist, wenn gleich nicht in streng wis-
senschaftlicher Weise, doch lebendig und belehrend in den
Text eingestreut.
In L i v i n g s 1 0 n e's Missionary travels and researches
in south Africa London 1857. 8. sind manche auf Thier-
schilderung bezügliche Stellen enthalten, so über die Thiere
von Kalahari p. 101, über den Löwen p. 137 , über Schlan-
gen p. 143, den Strau&D p. 153, das Nilpferd p. 241, den Ele-
phanten p. 560, das Rhinoceros p. 611 und viele andere.
Natürlich kann hier nur darauf im Allgemeinen hingewiesen
werden.
Asien. Horsfield lieferte ein Yerzeichniss der
Säugethiere von Nepal , Sikim und Tibet, welche von Hodg-
38 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naiurgeschichte
son (1er Ostindischen Compagnie eingesandt waren. Proc.
zool. soc. 1856. p.393.
Es enthält lOo Arten, nämlich 2 Affen, lo Fledermäuse, 34
Raubthiere, 9 Insectenfresser, 23 Kager, 18 Wiederkäuer, 1 Einhufer,
2 Schweine und 1 Manis.
Rosenberg fordert auf, die Frage mit Sicherheit zu
enischeiden , ob Eiephanten und Tiger auf Borneo vorkom-
men. Natuurk. Tydschr. voorNederlandsch Indie Xlll. p. 469.
Australien. Von Gould's The Mammals of Austra-
lia erschien 1857 Part IX. Derselbe enthält in meisterhaf-
ter Ausführung die folgenden Arten abgebildet : Macropus
major Shaw., Halmaturus ualabatus (Kangurus ualabatus Less.
Garn.), Halmaturus agilis Gould, Halmaturus dorsalis Gray,
Halmaturus Thetidis F. Cuv. et Geoffr. , Petrogale lateralis
Gould, Hapalotis hirsutus Gould, Mus lineolatus Gould, Scoto-
philus pumilus Gray.
Tancred, welcher in Jameson New Edinburgh Jour-
nal 60 p. 5 Nachrichten über die Naturgeschichte der Pro-
vinz Canterbury in der Mittel-Insel von Neu -Seeland veröf-
fentlicht hat, hebt p. 13 hervor, dass von Land-Säugethieren
nur eine kleine Ratte vorkomme, die von der durch Schiffe
eingeführten Norwegischen Ratte (Norway rat) verdrängt
wird. Kiima und Vegetation seien der Einführung von Wie-
derkäuern, Pferden, Hunden, Hasen u. s. w. günstig. Als
Cook diese Insel entdeckte, waren die Einwohner bereits in
Besitz von Hunden ; Schweine hat er eingeführt.
Amerika. Spencer B a i r d hat einen Catalogue of
North american mammals, chiefly in the museum of the
Smithsonian Institution. W^ashington 1857. 4. veröffentlicht,
in welchem 256 Arten verzeichnet sind , die sich in 56 Ge-
nera verlheilen.
Im „Naturhistoriske Bidrag til en Beskrivelse af Grön-
land af Reinhardt, Schiödte, Mörch, Lütken,
Lange, R i n k" , besonderer Abdruck des Anhanges zu
„Grönland , geographisch und statistisch beschrieben von
Rink'* Kjöbenhavn 1857 iindet sich p. 3 ein Verzeichniss
der Säugethiere von Reinhardt.
Es enthält füllende 27 Arten : ürsus niaritimus L.. Gulo borea-
der Saugethiere während des Jahres 1857. 39
lis Retz, Canis fjirniliaris L., C. lagopns L. , Tiichechus rosmarus L.
Cystophora cristata Fabr. , Phoca barbata Fabr., Ph. vitiilina L. , Ph.
groenlandica iMüll., Ph. hispida Erxl. , llypiidat'us groeiilaiidicns Tr.,
Lepiis glacialis Leach, Cervus taraiidus L. , Balaenoptera imisculus
F. Cuv., B. gigas Eschr. , B. rostrata Fabr., B. boops Fabr., Balaena
mysticetiis L., Physeter iiiacrorephahis L., Chaenocetiis rostratus Müll.,
Monodon monoceros L. , Delphiiiapterus leucas Pall., Delphinus glo-
biceps Cuv., 1). phoiaena L., J). orca L., D. albirostris Gray, D. Hol-
böllii Eschr. — also 4 Carnivora, 6 Pinnipedia, 2 Nager, 1 Wieder-
käuer , 14 Cetaceen. Hierzu kommen noch Felis domcstica , Mus
decumanus, 31. musculus , Sus scrofa, Capra hircus, Ovis aries und
Bos taurus als eingeführte Hausthiere.
duadruinana.
Dahlboni hat im 2. iiiul 3. Hefte seiner Zoologiska
studier die Ordnung der Affen bearbeitet , denen er auch
die Gattung Daubentonia Geoffr. ^Chiromys Cuv.) als beson-
dere dritte Unterordnung zuzählt. Ein Heft eines Atlasses
mit 13 Tafeln gehört zu dieser Ordnung. Die Eintheilung
des Verf. gründet sich theils auf die bekannten Charaktere,
theils werden weniger gebräuchliche Merkmale herbeigezo-
gen, um die ganze Ordnung in 12 Familien zu zerfallen.
Diese sind unter den Affen der alten Welt : Anthropomor-
phae (5 Arten), Hylobatae (8 Arten), Seninopithecae (21 Arten),
Pithecae (32 Arten) , Cynocephalae (9 Arten) ; unter den Affen der
neuen Welt : Prensilicaudae (44 Arten) , Pitheciformes (8 Arten),
Arctopithecae (24 Arten) ; unter den Halbaffen Brachytarsae (3 Ar-
tenj, Isotarsae (24 Arten), Macrotarsae (6 Arten). Die 12te Familie
Glirisimiae bildet endlich die Gattung Chiromys mit 1 Art. — So hat
Verf. die sämmtlichen Affen des Pariser Museums bearbeitet , zum
Theil beschrieben , zum Thnil nur kurz charakterisirt. Es sind im
Ganzen 186 Arten.
Bemerkt mag noch werden, dass Hylobatcs hoolok Mus. par.
vom Verf. p. 76 als neue Art aufgeführt wird ; — dass der Nasen-
affe unter dem INamen Rhynchop ithecns lartatus als eigene Gat-
tung behandelt wird, und tab. IV. abgebildet ist; — dass Ceropilhe-
cus £ra;/eÄem Dahlb. et Pucheran ausführlich beschrieben und tab. V.
colorirt abgebildet ist. — Ferner trennt Verf. den Galago Demidoffii
als eigene Galtung ab, die er Hemignlago nennt. Dieselbe wür-
de sich von Galago durch kleinere Gestalt, sehr langen Schwanz,
conische Schnauze, zarte Finger; von Microcebus durch grössere ab-
40 T 10 sc hei: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
stehende Ohren und sparsam mit abstehenden Haaren behaarten Schwanz
unterscheiden.
Wie im vorigen Jahre über die Delphine, so hat Pu-
cheran im Jahre 1857 in der Revue etMag. de zool. p. 193,
241, 289, 337 Bemerkifngen über die Affen des Pariser Mu-
seums veröffentlicht. Er hat seine Aufmerksamkeit den ver-
schiedenen Typen zugewendet , welche , neuerlich seiner
Prüfung zugänglich, zum Theil die Zweifel beseitigen möch-
ten , welche bei den Zoologen in Betreff der Artgültigkeit
auftauchen könnten.
Von AfFen der alten Welt beziehen sich die ßemerkungen auf
folgende Arten : 1) Colobus Satanas Waterh. 2) Miopithecus tala-
poin [GeolFr. 3) Cercopithecus cephus Erxl. Ein junges Exemplar
hatte einen regelmässig dreieckigen weissen Nasenfleck. 4) C. sa-
mango Wahlb. ist synonym mit C, labiatus Geoffr. 5) C. Erxlebenii
Dahlbom et Puch. ist in zoologiska Studier des ersteren s. oben
ausführlich beschrieben und abgebildet. 6) C. pygerythrus Geoffr. Ein
neues Exemplar der Menagerie hält die Mitte zwischen C. rufo-viri-
dis und C. pygerythrus, und Verf. stellt die Möglichkeit auf, dass
diese beiden Arten Altersverschiedenheiten seien. 7) Cercocebus al-
bigena Puch. Gray 's Presbytes albigena konnte an einem jungen Ex-
emplare untersucht werden, und wird wegen des einfachen Magens
und der Schädelform zu Cercocebus gestellt. 8) Cercocebus collaris
Gr. lebt jetzt in der Menagerie. 9) luuus pithecus GeofFr. Pseudo-
Albino. 10) Theropithecus senex Schimp. eine für neu gehaltene Art
aus Abyssinien. 11) Cynocephalus anubis Fr. Cuv. , gewöhnlich für
Var. von C. babouin genommen , scheint doch selbstständige Art zu
sein, wie an Färbung und Schädel gezeigt wird. 12) Cynocephalus
Doguera Puch. et Schimp. (vergl. vor. Ber. p.lO) ist näher beschrie-
ben und wird mit C, porcarius verglichen.
Die Unterscheidung der Arten unter den Aflen der neuen Welt
findet Verf. noch schwieriger als die der alten Welt, wofür die un-
sicheren Angaben über die Fundorte, so wie der oft schlechte Con-
servationszustand in den Sammlungen als Grund angegeben werden.
— Unter den zehn Exemplaren der Gattung Lagothrix des Pariser
Museums unterscheidet Verf. vier Arten : 1) L. canus Geoffr. von
Brasilien, kurzhaarig, olivengrau mit röthlichgrauem Kopf und Hän-
den; 2) L. llumboldtii GeofFr. von Neugranada, langhaarig, grau mit
schwarzen Ilaarspitzen ; o) L. Tschudii Puch. von Peru , grau mit
schwarzen Händen, und 4) L. Geoffroyi Puchev. von Cayenne , kurz-
haarig, rothbraun, weiss gesprenkelt mit schwärzlichen Händen. —
Von der Galtung Cebus Erxl. werden 7 Arten näher besprochen. —
Eine neue Art Nyctipithecus Spixii wird beschrieben. Sie unter-
der Sängethiere während des Jahres 1857. 41
scheidet sich Aon N. trivirgafns dadurch , dass der Schwanz auf der
unteren Endhälfte schwarz ist, und dass die seitlichen Kopfhinden ge-
gen die mittlere convergiren ; von Oseryi unterscheidet sie sich durch
die graue Farbe. Das nähere Vaterland ist unbekannt. — Ueber die
Lemuriden wird nur kurz bemerkt , dass das Pariser Museum Pero-
dicticus Potto , Galago Alleni und Otolicnus Peli von Gabon erhal-
ten habe.
Owen lieferte einen fünften osteologischen Beitrag- zur
Naturgeschichte des Chirnpanse (Troglodytes) und des Orangs
(Pithecus), indem er eine Vergleichung des Unterkiefers und
der Wirbelsäule von Troglodytes Gorilla , Troglodytes niger,
Pithecus Satyrus und verschiedene Rassen des Menschen an-
stellte. Transactions of the zoological society of London Vol.
IV. p.89— 115 mit Tafel 31—36. Gelesen war die Abhand-
lung bereits im Jahre 1851.
Leconte beschrieb kurz in Proc. Philadelphia 1857
p. 10 folgende drei Affen aus Westafrika als neu :
Senuhopithecns anthracinKs. Ganz schwarz, Haar etwas glän-
zend, 2 bis 3 Zoll lang, über den Augen und am Scheitel grob und
borstig. Tragus breit. Daumen an den Vorderhänden bloss ein läng-
licher Höcker. Nägel, mit Ausnahme des hintern Daumens lang und
schmal. Schwanz sehr lang , gegen die Spitze ein wenig verschmä-
lert. Länge 2' 2", Schwanz 2' 7". Gleicht Golobus satanas Wat.
Cercopithecus huccalis. Haar oben und an den Seiten dunkel-
grau , unten rothbraun geringelt, und an den inneren Theilen der
Schenkel grau; am Kopfe schwarz, geringelt. "VVangen mit grossem
gelben Fleck, der sich bis hinter das Ohr erstreckt; hinter dem Auge
erscheint dieser Fleck oben schwarz begrenzt. Arme und Hände
schwarz, die Haare mehr oder weniger mit röthlichen Spitzen ; unter-
halb, ausser an den Händen sind sie grau. Schwanz auf ein Drittel
seiner Länge oben wie der Rücken gefärbt, unten grau; der Rest des
Schwanzes ist oben und unten hell rothbraun, nach dem Ende greller
werdend. Nägel lang, schmal und comprimirt. (Wenn no callosities
on the rump heissen soll, keine Gefässschwielen, so ist diese Angabe
jedenfalls irrthümlich) Länge 1' 8"; Schwanz 2' 5".
Microcebus elegantulus. Haar weich, dunkelgrau, mit rothbrau-
nem Gipfel , unten weisslichgrau ; die letztere Farbe erstreckt sich
etwas gegen den Rücken von den Achseln und den VTeichen , und
nach dem Vorderrande der Schenkel ; Schwanz länger als der Kwper,
cylindrisch, buschig, das Haar mit grauen Spitzen , und an der Wur-
zel etwa einen Zoll lang röthlich. Nase ziemlich spitz. Ohren gross,
42 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
länglich, mit Ansnahnic der Basis nackt; untere Vorderzähne fast ho-
rizontal; Nägel der Vorderhände rund mit einer Zuspitzung, an den
hintern Daumen flach, an dem ersten Finger krallenartig und scharf;
an den anderen Fingern gleich denen der Vorderhände. Länge 8"
Schwanz 12". ,
Pycheran bezeichnet eine neue Art Nyclipilhecus Spixii,
welche in der Pariser Menagerie gelebt hat, durch folgende Diagnose:
Simillimus N. Oseryi, sed pilis lalerum griseo-argcnteis. Rev. et mag.
de zool. 1857 p.335.
Tolitaiitia.
Kolenati hat sich der Bearbeitung der Europäischen
Chiropteren hingegeben. Allg. deutsche Naturhistorische Zei-
tung II. 185Ö p. 121-133 und 161—192.
Den ersten Abschnitt nennt Verf. Synopsis der Europäischen
Chiroptern. Es wird zunächst angegeben, dass Europa 27 (davon
Deutschland 18), Astien 71, Afrika 45, Nordamerika 11, Südamerika
72 und Neuholland 5 wahrhaft constatirte Arten besitze , was eine
Summe von 231 Arten ergiebt. Nach einem alphabetischen Verzeich-
nisse der Schriften über Fledermäuse , worin natürlich die neuesten
Werke, z. B, Castelnau's Reise noch fehlen , werden dann die Euro-
päischen 27 Arten in einer synoptischen Tabelle zusammengestellt,
und die durchschnittlichen Maasse (Körperlänge , Schwanzlänge und
Flugweite) von denselben angegeben. — In dem zweiten Abschnitte
werden dann die 27 Arten beschrieben. — Die Gattung Vesperus wird
vom Verf. in zwni Untergattungen getheilt, je nachdem der Ohrdeckel
die grösste Breite unter der Mitte des Aussenrandes erreicht Cateo-
rus Kol. (V. serotinus) , oder über der Mitte des Aussenrandes M e-
teorus Kol. (V. Nilssonii, discolor, Savii, Leucippe, Aristippe). —
Die Gattung Vesperugo zerfällt in drei Untergattungen ; das Plagio-
potagium reicht bis zur Zehenwurzel , und dann erreicht der Tragus
die grösste Breite in der Mitte Hypsngo Kol. (V. Maurus) oder
unter der Mitte Nannugo Kol. (V. Nathusii, pipistrellus, Kuhlii)
oder das Plagiopotagium reicht bis zur Fusswurzel und der Tragus
erreicht die grösste Breite über der Mitte Panugo Kol. (V. Leisleri
und Noctula). — Auch die Gattung Vespertilio wird in drei Unter-
gattungen zerlegt; die Ohren sind kürzer als der Kopf Brachyo-
tns Kol. (V. mystacinus, Daubentonii , Dasycnemus), oder ebensolang
wie der Kopf Isotns Kol. (V. Natlereri , ciliatus), oder länger als
der Kopf if/y 0 M/s Gray (V. Bechsteinii, murinus). — Die übrigen
Gattungen werden nicht weiter gespalten. Miniopterus Schreibersii,
Plecotus auritus , Dysopes Cestonii, Synotus barbastellus und Rhino-
der Sängethiere während des Jahres 1857. 43
lophus clivosus, Euryale, hippocrepis und ferinni equiiinni sind die
beschriebenen Arten. Die andersnamigen Arten verschiedener Schrift-
steller sind als Synonyme untergebracht. — Bei den einzelnen Ar-
ten sind auch die Eingeweidewürmer und die Schmarotzer namhaft
gemacht.
Im III. Bande der Allg-emeinen deutschen Naturhistori-
schen Zeitung p. 1— 24 und p. 41— 68 hat Kolenati unter
dem Titel : Beiträge zur Naturgeschichte der europäischen
Chiropteren, den allgemeinen Theil der Naturgeschichte die-
ser Thiere, d. h. ihre Anatomie, Lebensweise und dergl. be-
handelt. Auf sechs Taieln sind Skelet , Musculatur, Haare
und Zähne abgebildet.
Ein Auszug der bereits im vorigen Berichte p. 11 be-
sprochenen Arbeit von Gervais über die südamerikanischen
Fledermäuse findet sich in den Memoires de l'acad. de Mont-
pellier III. p. 143—162.
Fairholme machte Bemerkungen über den Pteropus
von Australien. Proc. zool. soc. 1856. p. 311; vergl. auch
Annais nat. bist. XIX. p.346, dessen Lebensweise er in der
Gegend von Moreton Bay an der Südküste von Australien
beobachtet hatte.
M;in bemerkt sie beim SchA^inden des Tageslichts an dem
sch^^ erfällig klappenden Geräusch ihrer Flügel, wenn sie in grossen
Schaaren alle nach derselben Richtung hinfliegen. -Diese Züge dauern
oft stundenlang, und richten sich nach den Fressplätzen an den Fluss-
ufern, wo die unter dem Kameh Flooded-gum bekannten Bäume wach-
sen, von deren Blättern sie sich nähren. Während der Tageshitze bringen
sie alle miteinander zu. Verf. kannte zwei solche Sammelplätze. Der
eine bestand aus Gestrüpp , überragt von riesigen Araucaria Cun-
ninghami. An den Zweigen derselben, sowie im niedrigen Gestrüpp
hingen die fliegenden Füchse in gewaltigen Mengen, die Köpfe nach
abwärts gerichtet; ihr Geschrei wird dem junger Krähen verglichen^
Alle die sich nicht verwickelt hatten und um Platz kämpften, fächel-
ten sich mit halbausgebreiteten Flügeln. Bei der Annäherung flohen
sie von Baum zu Baum. j\ach einem Schuss wuchs das Getöse , und
Verf. war froh, als er für die Eingebornen genug erlegt hatte, den
Platz verlassen zu können. Diese Flucht kommt einige Tage auf den-
selben Platz, und verschwindet dann. Das Fleisch hat das Ansehen
von Kaninchenfleisch. In den kälteren Monaten wandern sie in die
tropischen Breiten.
Die bereits im vorigen Berichte p. 14 erwähnte Abhand-
44 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
lung von Peters über Mormops ist mit Abbildungen in den
Abh. der Acad. zu Berlin p.287 erschienen.
Eine neue Art Vampynis auritus ist daselbst beschrieben und
abgebildet. Sie hat folgende Diagnose : V. maxinius , cauda bre-
vissima , proslhemate auriculisque longissiniis ; dentibus molaribus
3.2 2-3
w-—^ ^ — 3~' spurio inferiore secundo minutulo ; patagiis lunibali-
bus digitoruni basi affixis ; supra fuscobrunneus , subtus cinereus.
Long, corp. tot, 0,12; caudae 0,009 ; antibrachii 0,08; auriculae
0,042; prostheniaiis 0,018; expans. alar. 0,55. —Hab. Mexico et
Guiana.
Tom es hat Proc. zool. 1857 p. 34 , Annais nat. hist.
XX. p. 215 die Arten der Gattung Lasiurus mit ihrer Syno-
nymie auseinandergesetzt.
Er unterscheidet: 1) L. noreboracensis Erxl. mit zahlreichen
Synonymen und drei Varietäten, deren zwei Nordamerika, eine Süd-
amerika angehören; 2) L. pntinosns Say; 3) L. Grayi n. sp. Nahe
verwandt mit pruinosus , aber kleiner und durch einige andere Cha-
raktere unterschieden , namentlich erstrecken sich die Flughäute et-
was über das Ende der Tibia, aber erreichen nicht die Hälfte der
Fusslänge. Chili. 4) L. candatus n. sp. Durch den sehr langen
Schwanz, der Kopf und Körper übertrifft, und durch die beträchtliche
Länge der Hinterbeine ansgezeichnet. Fernambuco und Chili. 5) L.
Aga, Nycticejus Aga Gerv. vom Amazonenstrom bei Ega. Schliess-
lich ist noch von einigen minder sicheren Arten die Rede.
T 0 m e s hat ferner vier neue Arten von Fledermäusen
beschrieben , und durch folgende Diagnosen unterschieden.
Proc. zool. soc. 1857 p. 50, Annais nat. hist. XX. p. 227.
1. Scotophiltis pachyomus , Schnauze ziemlich stumpf; Ohren
eiförmig; Tragus kurz, fast gleich breit und am Ende abgerundet.
Flughäute reichen bis zur Basis der Zehen. Haar zweifarbig. Etwas
grösser als S. noctula. Indien.
2. Scotopkilus pwniloides, Schnauze stumpf; Ohren klein, breit
eiförmig, nicht ausgerandet, mit den Spitzen etwas nach auswärts ge-
richtet; Tragus fast gleich breit, am Ende rund und einwärts ge-
krümmt; Flughäute reichen zur Basis der Zehen. China,
3. Vesperlilio chinensis , Scheitel des Kopfes sehr schwach
erhaben; Schnauze ziemlich dick; Ohren schmal, eiförmig; Tragns
schmal, fast gerade und spitz; Flughäute reichen bis zur Basis der
Zehen; Zehen länger als der übrige Theil des Fusses. China.
4. Vesperlilio Blylhii, Ohren eiförmig, etwas spitz, mit den
Enden etwas auswärts geneigt ; Tragus schmal , und zu einer ziem-
der Süugethiere wiihrend des Jahres 1857. 45
lieh spitzen Spitze verschmälert; Scheitel massig erhaben; Füsse
gross, ganz ausser der Flughaut. Nassenabad in Indien.
Ebenso hat T o in e s über drei Gattungen von Vesper-
tilioniden, Furipterus , Natalus und Hyonycteris (Proc. zool.
SOG. p. 172; Annais nat. bist. XIX. p. 333) eine Abhandlung
geliefert, und zwei neue Arten beschrieben.
Für die Gattung Furia F. Cuv. wird der vom Prinzen B o n a-
parte vorgeschlagene Name Furipterus angenommen. Nachdem* die
generiscben31erkmale festgestellt, wird neben F. horrens eine zweite
Art F. coendescens von St. Catharine in Brasilien beschrieben und
abgebildet, und die Maasse beider verglichen. Diese neue Art hat
einen sehr hohen Kopf, flaches, stark behaartes Gesicht, nur die Na-
senspitze und die Lippenränder nackt. Ohren so breit wie hoch,
rundlich mit winkligen Spitzen. Tragus kurz, gestützt auf einem
schmalen Stiele, dicht über welchem jederseits ein absteigender Fort-
satz ist; von da verschmälert er sich schnell zu einer schmalen aber
rundlichen Spitze, welche ein wenig nach innen gerichtet ist. Die
Behaarung ist überall lang und seidenartig; sie ist oberhalb schie-
ferblau an der Basis mit dunkelbraunen Spitzen; Kopf etwas heller,
Seiten dunkler und nicht so blau, Lippen aschfarbig , Kinn einförmig
graubraun, Brust blaugrau mit weisslich grauen Spitzen: Bauch weiss-
lichgrau. — Von Natalus Gray werden dife Charaktere angegeben und
N. stramineus beschrieben und abgebildet. — Von Hyonycteris Licht.
Pet. wird eine zweite Art H. ulhhenler vom River Napo bei Quito
beschrieben. Der Wirbel des Kopfes sehr hoch, Gesicht sehr con-
cav , Schnauze etwas verlängert; Ohren kaum so breit wie hoch,
Innenrand sehr gerundet, die Endspitze nach aussen geneigt; der
Aussenrand ist beträchtlich ausgehöhlt fast in ganzer Länge, aber mit
einem rundlichen Vorsprunge an der Basis; Gesicht sehr haarig, Ober-
lippe mit deutlichem Bart. Farbe oben rothbraun, unten rein weiss
mit röthlichem Anflug an Schultern und Kinn.
Tom es beschrieb (Proc. zool. soc. 1857. p. 134; An-
nais nat. bist. XX. p.388) auch zwei Neu-Seeländische Fle-
dermäuse ausführlich , die er als Scotophilus tuberculatus
Forster und Mystacina tuberculata Gray bestimmte.
Krauss fand hinter einer Fensterlade eines vermauer-
ten Fensters 300 Stück Speckmäuse, Vespertilio noctula, die
also gesellig zu leben scheinen, ohne andere Arten unter
sich zu leiden. Würtembergische naturw. Jahreshefte 1857.
p. 109.
Eine Notiz über Vespertilio Noctula Schrb. von Dehne
s. Allg. deutsche Naturh. Zeitung. I. 1855. p. 240. — Eben
46 Tioschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
SO Über Vesperlilio (Vesperus) discolor ib. p. 435, Vespe-
riigo Alcythoe Bonap. p. 4'M und Vesperiig-o Savii Bonap.
p. 438.
Leconte stellte Proc. Philadelphia 1857 p. 10 eine
neue Fledermaus von Westafrika auf.
Vesperlilio pusillns , schwarz, unten etwas mit grau gemischt.
Kopf liurz und klein. Vier obere Vorderzähne , paarweis getrennt,
einfach; unten sechs dreilappige; Nase nicht ausgerandet. Ohren
klein, oval, Ohrdeckel lanzettförmig und ziemlich stumpf. Schenkel-
flughaut mit Ausnahme der Basis nackt; Schwanz ein wenig die Haut
überragend. Länge 1, 3", Spannung 6, 9".
Iiisectivora.
Brandt hat Bemerkungen über die Verwandtschaften
der biologischen Haupttypen der Kerffresser (Mammalia in-
sectivora) und ihre Verbreitung , in besonderer Beziehung
auf die Fauna des Russischen Reiches im Bulletin de l'Acad.
de St. Petersbourg XVL p. 17 niedergelegt.
Indem wir die Leser auf diese kleine Abhandlung, die nicht
wohl eines kurzen Auszuges fähig ist, selbst ver^veisen, sei hier nur
bemerkt, dass Verf. in Europa nur 12 sichere Arten annimmt (Eri-
naceus europaeus und aurilus, Talpa europaea, Crocidura leucodon,
C. aranea, Pachyura etrusca, Sorex vulgaris, S. pygmaeus, S. alpinus,
Crossopus fodiens , Myogale moschata und JM. pyrenaica) , wogegen
Russland nur 11 haltbare Arten besitze, indem ihm von oben ge-
nannten Arten l'achyura etrusca , Sorex alpinus und Myogale pyrenaica
fehle, dagegen Diplomesodon pulchellus und Erinaceus hypomelas
eigenthümlich zukomme. Zum Schluss werden noch „einige Worte
über die Verbreitungsgrenzen der einzelnen Arten der Insektivoren
Russlands" beigefügt, Crossopus fodiens, Sorex vulgaiis und auch der
Maulwurf gehören zu den weitest verbreiteten Insektivoren , indem
sie sich vom Süden bis in den äussersten Osten erstrecken; den bei-
den Igeln Erinaceus europaeus und auritus , so ^\ ie Crocidura aranea
und leucodon wird nur eine mittlere Verbreitungssphäre zugeschrie-
ben ; Diplomesodon pulchellus und Erinaceus hypomelas endlich wer-
den als Thiere beschränkten Vorkomniens bezeichnet.
Sorex chrysothorax Dehne n. sp. Allg. Deutsche Naturh. Zei-
tung I. 1855 p. 241 hält Bei che nb ach ib. p. 242 für Crocidura
thoracica Bonap. Darüber hat sich Blasius in unserem Archiv 1856
I. p. 266 deutlich genug geäussert , und wird die vermeintliche Art
nach Ictztopenanntem Forscher zu S, leucodon zu ziehen sein.
der Säugethierc während des Jahres 1857. 47
Sorex ocloratus von Westaliika wurde von Leconte als neue
Art in Proc. Philadelphia 1857 p. 11 kurz beschrieben. Oben dunkel
graubraun ins kastanienbraune, unten wenig heller, Schnauze rüssel-
fürmig , an der Spitze tief ausgerandet, und an der Unterseite ge-
lur« lit. Ohren gross, nackt, mit zwei ziemlich grossen Lappen darin,
deren unterer der Antitragus zu sein scheint. Schwanz lang , drei-
eckig. Länge 5", Schwanz 2, G''. Riecht stark nach Moschus.
Dehne unterschied 5 Varietäten des Maulwurfs, Talpa euro-
paea L. Allg. deutsche IVaturh. Zeitung L 1855 p. 239.
Carnivora.
Severtzow gab in der Rev. et mag. de zool. 1857.
p. 387 und 433 (vergl. Comptes rendus XLIV. p. 707) den
Anfang eii;ier Notiz über die Classification der Carnivoren,
welche in einem noch nicht veröffentlichten Werke Recher-
ches sur la Classification naturelle et ses rapports avec la
dislribution geographique des Carnivores , specialement des
Felides, niedergelegt werden soll.
Verf. geht von dem Grundsatze aus , dass in den verschiede-
nen Erdgegenden analoge Reihen von Formen gefunden werden, wo-
von die Affen, Geier und Riesenschlangen der alten und neuen Welt
als schlagende Rcispiele angeführt werden, und dass eine gesetzmäs-
sige Beziehung zwischen der Organisation und der geographischen
Verbreitung statt finde. Er sieht hierin ein Mittel zur Controle , ob
die Classification eine natürliche sei oder nicht. In diesem Sinne
betrachtet er die Säugethiere, und zunächst die Carnivoren. Wir
müssen um so mehr unsere Leser auf die Abhandlung selbst verwei-
sen, die auch auf den Begriff der Species u. dgl. eingeht, als sie
theils nicht gut in der Kürze excerpirt werden kann , theils noch
nicht beendigt ist.
Von dem Prinzen Max von Wied erhielten wir in
Nova acta Acad. caes. Leopoldino-Carolinae naturae curio-
sorum XXVIl. I. p. 33 den Nachweis über die Selbstständig-
keit der Species des Ursus ferox D.esm. Er unterscheidet
sich von ü. arctos vornehmlich durch kürzere Ohren und
bogenförmige Krallen, die länger als an allen amerikanischen
und europäischen Bären sind. Mehrere Exemplare sind aus-
führlich beschrieben. Mayer hat die Schädel und Skelete
derselben untersucht und die Bemerkungen darüber ib. p. 52
bekannt gemacht. Es sind die Dimensionen des Schädels,
der Extremitäten und des Beckens verglichen; die Oeffnun-
48 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
gen am Schädel beschrieben , die Geschlechtsdifferenzen an
Schädel und Skelet hervorgehoben , so wie Beobachtungen
über den Innern Bau des Bären hinzugefügt. Ursus ferox ist
abgebildet ; ebenso Schädel und Penisknochen von U. ferox
und americanus.
Reinhardt hat das unter dem Namen Jaratataca in
den Provinzen Minas und Bahia vorkommende Stinkthier für
eine neue noch unbeschriebene Art , die wie alle bekannten
südamerikanischen Stinkthiere zu der Untergattung Thiosmus
gehört, erkannt. Verf. erhielt das Thier auf seiner Reise in
Brasilien zu Lagoa Santa im November 1854. Er verglich
den Gestank mit eine^ Mischung von ausserordentlich poten-
zirtem Knoblauchs- und Moschus- Geruch, der Kopfschmerz
erzeugte. Er giebt davon in Overs. over det kongelige danske
Yidensp. Selskabs Forhandl. i Aaret 1856 p. 271 folgende
Diagnose :
Mephilis ]Vesfenn(miii fusco- nigra, vittis duabus latis pallide
isabellinis ad caudani usque prodiictis, per dorsum Stria media angu-
stissima nigra sejunctis, in vertice et collo confliientibus ; cauda pal-
lide isabellina, basi subtus nigra. Longiludo corporis 332 Mm., can-
dae 310 Mm., stirpis caudae 200 Mm.
Hodgson stellte eine neue Art Mustela Temon aus
dem Norden von Sikim auf. Journ. of the Asiatic Soc. of
Bengal. Calcutta 1857. p. 207.
Sie ist 9*72 Zoll lang, der Schwanz ausserdem G'/i Zoll. Die
Behaarung ist kurz, weich, am Schwänze kaum länger als am Körper.
Farbe oben, seitlich und am ganzen Schwänze rehfarbig, unten ganz
blass rein gelb ; Unterseite des Kopfes , Rand der Oberlippen und
Schenkel weissgrau, letztere jedoch vorn und aussen mehr oder we-
niger mit einem bräunlichen Ton.
Nach Rainer ist der Nörz (Foetorius Lutreola L., Lu-
treola minor Erxl.) in den karpathischen Gewässern, wo er
sich sonst nicht selten fand, gänzlich ausgerottet. Verh. des
Vereins für Nalurk. zu Presburg 1856. Sitzungsberichte p. 100.
In der Revue et mag. de zool. 1857 p. 385 istvonLoche
eine neue Genettkalze von Algerien abgebildet und Genetta
Boiiaparti genannt. Sie soll am nächsten derG. afra stehen,
sich jedoch von ihr und den Verwandten durch die Zeich-
nung unterscheiden , welche aus Linien und nicht aus Flek-
ken besteht.
der Säiigethieve während des Jahres 1857. 49
Belke hat sich, Bulletin de la soc. imp. des Naturali-
stes de Moscou 1857 p.458, auf die Frage von der Abstam-
mung der Hauskatze eingelassen, als deren Stammeltern er
die Felis maniculata zwar annimmt, aber einige Varietäten
für anderen Ursprunges hält. So sei F. angorensis Briss. zu
F. Manul Fall., Temmink's Chat de Chypre oder Chat zebre
und F. hispanica Erxl. zu F. Catus gehörig. Demnach will
er natürlich die Felis domestica als specifische Bezeichnung
nicht mehr gelten lassen. Er spricht dann von dem Vorkom-
men der wilden Katzen in Russland , und beschreibt ein in
Podolien erlegtes Exemplar. Daselbst sollen wilde Katzen seit
undenklichen Zeiten nicht gesehen worden sein.
Ueber den Luchs und seine Jagd in Skandinavien fin-
den sich einige Angaben in „Blätter über Pferde und Jagd
1857 p. 187.^' Das Fleisch soll Aehnlichkeit mit Kalbfleisch
haben ; sie lassen sich leicht zähmen.
Marsupialia.
Gervais hat Didelphys derbiana Waterh. in den Me-
moires de Pacad. de Montpellier III. p. 249 abgebildet und
beschrieben. Die Art zeichnet sich durch die geringe Grösse
der Backenzähne und die eigenthümliche Gestalt des Schä-
dels aus, und ist identisch mit D. ornata Tschudi.
Roclentia.
Dehne schrieb in der Allg. deutschen naturhist. Zei-
tung I. 1855 p. 169 fg. über mehrere deutsche Nagethiere
und machte Mittheilungen über ihre Lebensweise.
Es sind : Mus decmuanus Fall., Mus -.niusculus L., Arvicola sub-
terraneus Selys , Myoxus speciosus n. sp. (= M. avellanarius nach
Blas ins in diesem Archiv 1856. I. p. 275) , Mus sylvaticus L. —
Ferner ib. p. "237 und III. p. 35. Micromys agilis (= Mus niinutus
nach Blasius in diesem Archiv 1856. I. p. 272). — Ferner ib. p. 443
über Mnscnhts mollissimifs n. sp. (nach Blasius dies Archiv 1856.
I. p.277 sehr wahrscheinlich eine weisse Hausmaus). — Ferner ib.
p. 476 über Crocidura aranea AVaol. und p. 478 Crossopus fodiens
Wagl.
Archiv f. Naturgesch. XXIV. Jahrg. 2. Ud. J)
50 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
J. E Gray beschrieb ein neues Eichhörnchen Sciurus
macrotis von Borneo , welches durch W a 11 a c e von Sara-
wak eingesandt war. Proc. zool. soc. 1856 p. 341 ; Annais
nat. bist. XIX. p. 411.
Es hat grosse Ohren mit langen Haarbüscheln; dunkel kasta-
nienbraun mit hellen Haarspitzen ; Steiss, Schenkel und Schwanzwur-
zel röthlicher ; Spitze der Schenkel hellbraun; Füsse schwärzlich;
oben an den Seiten ein breiter blasser Streifen; Wangen und Innen-
seite der Beine heller; Kinn, Kehle und Unterseite weiss; Schwanz
sehr breit mit sehr langen weissspitzigen Haaren. Länge des Kör-
pers 13, des Schwanzes 11 Zoll,
Von Leconte wurden drei Arten derselben Gattung
von Weslafrika, Proc. Philadelphia 1857 p. 11, aufgestellt.
Sciurus subviridescens , Oben schwarz, mit hellbraunen Haar-
spitzen, in gewisser Richtung grünlich ; unten hellgelblich grau;
Schwanz länger als der Körper; oben und unten von denselben Far-
ben, nicht zweireihig. Kopf klein. Ohren rundlich und sehr kurz
ohne Büschel. Länge 6, 7", Schwanz 7, 5".
Sciurus lemniscatus, Oben am Kopf, oberer Theil des Rückens
und Schenkel röthlich braun, dunkler und schwarz gemischt. Rücken
mit vier schwarzen Streifen von den Schultern zu den hinteren Kör-
pertheilen, und zwei gelbliche und ein rother Streifen unter der Mitte
des Rückens. Die Haare des Kopfes mit Schwarz geringelt, die der
Seiten dunkelgrau mit hellrothen Spitzen. Unterseite des Kopfes, des
Körpers und der Schenkel weiss. Kopf rundlich; Nase spitz; untere
Vorderzähne dünn; Ohren klein und rund. Schwanz zweizeilig. Länge
7, 5" ; Sch,wanz 6, 5".
Sciurus fumilio, Haare kurz r.nd weich, dunkelgrau, mit röth-
lichbraunen Spitzen , an Kehle uud Bauch viel heller. Kopf kurz,
rundlich; Ohren klein, Schwanz kürzer als der Körper; zweizeilig;
Haar röthlichbraun arii Grunde und an der Spitze , schwarz in der-
Mitte, scheint daher braun gerandet ; die vier Zehen an jedem Fuss
gleich. Länge 5, 4", Schwanz 2, 3".
Kor it huber beobachtete ein im Winterschlafe befind-
liches Murmelthier (Arctomys marmola Sehr.) und machte
darüber eine kurze Mittheilung. Verhandl. des Vereins für
Naturk. zu Presburg 1857. Sitzungsberichte p. 54.
Seh lenz ig veröffentlichle einige Actenstücke über
einen 1774 zu Lindenau gefundenen Rattenkönig von 16 Slük-
ken. AUg. deutsche naturhistorische Zeitung p. 453.
Gaskoin beschrieb eine Varietät von Mus musculus als Var.
der Säugethiere \vähicnd des Jahres 1857. 51
nudo-plicatus. Proc. zool. soc. 1856 p. 38; vergl. Annais nat. bist.
XIX. p. 93.
Peach schildert die Ernte-Mäuse (Mus messorius = M. minu-
tus Pall.) als sehr häufig in Cornwall vorkommend. Annais nat. hist.
XX. p.77.
lieber Arvicola neglectus Thompson vergl. Dehne in der Allg.
deutschen naturhistorischen Zeitung IL p. 222.
Dehne beschrieb ein lebendes Männchen von Psanimomys obe-
sus Büpp. Allg. deutsche Naturh. Zeitung I. 1855. p. J63. — Später
(p.432) fügte er Bemerkungen über die in der Gefangenschaft gebo-
renen Jungen hinzu. Vier Stunden nach der Geburt ging das Weib-
chen einen Coitus ein, wurde dann abgesperrt, und gebar nach 36
Tagen wieder fünf Junge. — Vergl. ferner ib. II. p. 224.
In Edinburgh new philos. Journal New Series III. p. 1 ist
der bereits im vorigen Berichte p.21 erwähnte Meriones acadicus von
Dawson auf Tafel 1. abgebildet und beschrieben.
Bartlett beschrieb ein Kaninchen vom Himalaya, welches
kleiner ist als das Hauskaninchen, und von weisser Farbe, mit Nase,
Ohren, Beinen und Schw^anz von dunkel braunschwarzer Farbe und
mit dunkelrothen Augen. Sie sind seit längerer Zeit im Pelzhandel
und gleichen sehr dem Hermelin. Für den Fall , dass die Untersu-
chung des Schädels eine specifische Differenz ergeben sollte, will ihr
Verf. den Namen Lepus nigripes beilegen. Proc. zool, soc. 1857. p.
159 ; Annais nat. hist. XX. p. 520.
Lagomys Cnrzoniae. ist eine neue Art von Hodgson. Journ.
of the Asiatic Soc. of Bengal. Calcutta 1857. p. 207 aus dem District
Chumbi im Norden von Sikim. 1*^/% Zoll von der Schnauze zum Af-
ter; mäusefarbig, blasser und grauweiss auf der Unterseite und an
den Extremitäten. Pelz ausserordentlich weich und voll, und zweier-
lei Art, wollig und haarig, aber beide seidenartig, innerlich schiefer-
blau, äusserlich rehfarbig, mehr oder weniger durch die innere Farbe
verdunkelt.
Kdentata.
Alessandrini hat Dasypus minimus Desm. anato-
misch untersucht: Cenni sull' anatoniia del Dasipo minimo
Desm., Dasypus sexcinctus et octodecim-cinctus Linn. Me-
morie della accademia delle scienze dell' istituto di Bologna
Tomo VII. 1856. p. 285— 340. Tav. 11-17. Eme schöne Ar-
beit, wovon ein Auszug hier nicht füglich gegeben werden
kann.
52 Troschel: Bericht über die Leistiiiigen in der Naturgeschichte
J. E. Gray hat das Becken von Chlamyphorus trun-
calus untersuchen können. Das hintere Schild ist vermittelst
zweier Paare hinterer Fortsätze und mitten durch die ver-
längerten Ränder des hintern Krcuzwirhels unbeweglich mit
dem Becken verwachsen. Proc. zool. soc. 1857. p. 8; An-
nais nat. hist. XIX. p.492. Mit Abbildung in Holzschnitt.
In den Transactions of the zoolog. soc. of London IV.
p. 117 — 140 erschien der Anfang der Anatomie des grossen
Ameisenbären cMyrmecophagnjubataL.) von Owen mit 4 Ta-
feln. Vergl. den Ber. über 1855 p. 54 und eine fernere Mit-
theilung Proc. zool. soc. 1857 p. 22 ; Annais nat. hist. XIX. p. 59.
Verf. hatte Gelegenheit ein weibliches und ein männliches
Exemplar zu untersuchen; über das erstere hat er schon 1854 berich-
tet. Hier werden die Ilautmuskeln , die allgemeine Lage der Einge-
weide, die Speicheldrüsen, die 3Iuskeln der Unterkiefer und der
Zunge, die Muskeln der Nase, der Ohren und der Lippen abgehandelt.
Ruitiliiaiitia.
Antinori erwähntßuUetin de la soc. d'acdimatation IIL 1856
p. 555, dass Camelus dromedarius in Anatolien von den Türken Loco
genannt wird, und dass man dort das Weibchen desselben mit C. bac-
trianus lireuzt, wodurch eine sehr grosse kräftige Rasse mit einem
Höcker, von den Türken Tuilhe genannt, erzeugt wird, die meist un-
fruchtbar ist. Diesen Bastard braucht man zum Transport im Winter,
und er würde nach des Verf. Meinung sich zur Einführung in Frank-
reich eignen.
Jaeger machte Bemerkungen über die Hörner und Epiphysen?
sowie über die Sinus des Schädels bei der Giraffe in Vergleichung
mit anderen Wiederkäuern, Nova acta Acad. Leop. Carol. XXVIL I.
p.l02. Ferner ib. p, 114 Bemerkungen über die Epiphysen und einige
Theile des Skelets , insbesondere den von Eichwald beschriebenen
Gesichtsknochen und den Uterus des Auers.
Nach einem alten Volksglauben soll die Ursache der einseiti-
gen Verkümmerung der Hirschgeweihe von der einseitigen Krankheit
eines Hoden oder einer TN'iere herrühren. Gray hat solche Fälle
untersucht und die genannten Organe völlig gesund gefunden, sodass
der alte Volksglaube unberechtigt sei. l'roc. zool, soc. 1856. p. 151.
Philipp i bemerkt in diesem Archiv 1857 p. 135, dass der
Gueniul des Älolina der Cervus chilensis von Gay und identisch mit
Cervus antisiensis d'Orb. sei. Him muss also der ältere d'Orbigny-
sche Name verbleiben.
der Säiijrethicic während des Jahres 1857. 53
Pucheiaii hat die Kenntniss des Cervus philippiniis H. Smith
(vergl. den Bericht über 1855 p. 56) vervollständigt nnd eine Abbil-
dung von ihm geliefert. Rev. et mag. de zool. 1857. p. 481. pl. 15.
Nach L i c h ten ste in (3Ionatsberichte der Berliner Academie
185G. p.617) sind Cerviis mexicanns und C. virginianus nicht speci-
fisch verschieden. Eine dritte Art , die nur dem äussersten Westen
des (icbietes der vereinigten Staaten angehört, nnd unter dem Kamen
„the blak-tailed deer" bekannt ist, wird als eigene Art anerkannt,
und wird nhC. Bichardsoiiii in den Verzeichnissen beizubehalten sein.
J. E. Gray hat in Proc. zool. soc. 1857. p. 157 pl. 55 eine
neue Antilope Oryx heatrix beschrieben, welche die geraden Hörner
von 0. gazella und die volle Färbung von A. leucoryx hat und sich
durch dunkle Schenkel und weisse Füsse von beiden unterscheidet.
— Ihre Hörner sind schlank, gerade oder nur sehr schwach an der
Spitze gekrümmt, weiss, mit einem Fleck mitten auf dem Gesicht,
einem kleineren Fleck zwischen der Basis derHöiner, einem grossen
Fleck an jeder Wange von den Augen bis u)iter die Kehle ; die Knie
und die Vorderseite der Vorder- und Hinterschenkel und ein grosser
Fleck an der Brust dunkel schwarzbraun; Ende des Schwanzes schwarz.
Fundort: Bombay, aber wahrscheinlich von den Küsten des rothen
31eeres.
Säcc hat im Bulletin de la soc. imp. d'acciimatation III.
1856. p. 513 und 561, IV. p. 3, 137 und 227 eine Art Monographie
der Ziegen geliefert, in welcher er diese Thicrgruppe lebendig
schildert , so wie die einzelnen Arten (7 Steinböcke und 2 Ziegen)
bespricht, und die verschiedenen Varietäten der Hausziege abhandelt
n. 8. w.
Betrachtungen über die Angora -Ziege wurden von de Tchi-
h atchef Bulletin de la soc. d'acciimatation II. 1855. p. 305 u. 411
veröiFentlicht.
Bartlett beschrieb die chinesischen Schafe, welche dem Prin-
zen Albert von Shangai durch den Viceconsul Alcock gesendet wor-
den sind. Proc. zool. soc. 1857. p. 104; Annais nat. bist. XX. p.386.
Diese Schafe haben keine äusseren Ohren , grobe mit langen Haa-
ren untermischte Wolle, keine Hörner, breiten kurzen an der
Spitze aufgekrümmten Schwanz , und zeichnen sich durch grosse
Fruchtbarkeit aus , denn sie werfen zweimal jährlich vier bis fünf
Junge. Wegen ihrer Fruchtbarkeit möchte es zweckmässig sein,
diese Varietät zu cultiviren und zu veredeln.
De Bray, welcher an der Expedition zur Auffindung von
Franklin unter Kapitain Kellet Thcil genommen , schilderte der Pari-
ser Academie den ßos moschatus als ein schönes und wildes Thier.
Comptes rendus XLV. p. 173 ; Rev. et mag. de zool. 1857. p. 362.
54 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Davelouis hat die Büffel zum Gegenstande einer lebendigen
Schilderung gewählt. Bulletin de la soc. d'acclimatation IV. 1857.
p. 461, 519.
l^iolidiiiigula.
Luigi Mucci berichtete über den Abortus einer Maulthier-
stute , welche von einem Esel belegt war, nach ömonatlicher Träch-
tigkeit. Annali civili del regno delle due sicilie. 1857 p. 63.
Eine Notiz über den Equus Heniionus von Dussumier fin-
det sich im Bulletin de la soc. d'acclimation II. 1855. p. 260.
Multung^ula.
Owen beschrieb die Fötalhäute und die Placenta des
Elephanten (Elephas indicus Cuv.) und machte Bemerkungen
über den Werth der Charaktere der Placenta für die Clas-
sification der Säugethiere./ Philosophical Trancactions of the
Royal Society of London for the Year 1857 Vol. 147. p. 347.
— Vergl. auch Proc. Royal soc. May 1857, und Annais nat.
bist. XX. p. 147.
Verf. hält die Combinatibn zweier Formen der Placenta beim
Elephanten, nämlich die ringförmige und die ausgebreitete (diffused),
welche bei den anderen Säugethieren auf verschiedene Arten be-
schränkt sind, für entscheidend, dass die Modificationen der Placenta
zur Charakterisirung der oberen Gruppen der Säugethiere nicht an-
wendbar seien.
Jaeg-er hat die Schneidezähne des Rhinoceros java-
nicus mit denen des fossilen Acerotherium incisivum Kaup
und den abortiven Schneidezähnen des Rhinoceros bicornis
vom Kap verglichen, sowie über die Ausdehnung der Sinus
des letztem und einiger anderer Säugethiere Bemerkungen
gemacht. Darauf folgen Bemerkungen über die Entwickelung
der Zähne des Hippopotamus amphibius. Nova acta acad.
Caes. Leop. Carol. XXVII. 1. p. 118—134.
ßataille giebt von dem amerikanischen Tapir an, dass sein
Fleisch gesund und von gutem Geschmacke sei, auch vielfach in den
Handel käme. Das junge Männchen folgt der Mutter bis es erwach-
sen ist, während die jungen Weibchen sich bald von ihr trennen.
Bulletin de la soc. imp. d'acclimatation IV. 1857. p. 1.
der Säugethiere während des Jahres 1857. 55
Pinnipedia.
Captain B e i c li e r gab eine kurze Notiz über das Wall-
ross , schilderte die Hülfe , welche die Jungen der verwun-
deten Mutter leisteten und die Art seiner Bewegung. Edin-
burgh new phil. Jaurn. New Series III. 1856. p. 360.
Cetacea.
Shaw theilte die Uebersetzung einer Beschreibung des
Ajuh, einer Art Walle, welche Dr. Vogel in dem Fluss
Benue oder Chadda in Centralafrika gefunden hatte, mit. Re-
port of the 26 meeting of the british association for the ad-
vancement of science held at Cheltenham p. 98.
Das Individuum war 5 Fuss lang, hatte an jeder Flosse 3 Nä-
gel , die Augen dicht hinter den halbmondförmigen Naslöchern; 5 sechs-
spitzige dreiwurzelige Backenzähne, keine Vorderzähne; Farbe oben
dunkelgrau, Bauch weisslich. Wird bis 10 Fuss lang. Owen urtheilt
aus dieser unvollständigen Beschreibung , dass das Thier nahe ver-
wandt mit Manatus senegalensis sei, sich jedoch von dieser Art, na-
mentlich durch die geringe Entfernung der Augen von den Naslö-
chern unterscheide, und nennt die Art Manatus Vogelii.
Von derselben Species vonThieren, die er übrigens Ayu schreibt,
untersuchte auch Balfour Baikie einen Schädel, und obgleich
er nicht zur Ueberzeugung gekommen , neigt er doch zur Owen'-
schen Ansicht, es möge eine eigene Art sein , und die drei nun be-
kannten Arten würden sich geographisch so verhalten, dass M. austra-
lis Tiles. in Westindien und an der NoVdostküste von Südamerika lebe,
M. senegalensis Desm. in den Afrikanischen Flüssen vom Senegal bis
Gambia, M. Vogelii Owen in den Flüssen, die sich in die Biafra-Bai
münden. Die Individuen, welche zuweilen an den britischen Küsten
sich gezeigt haben, glaubt er für M. australis halten zu müssen, die
quer durch den Ocean gekommen seien, zumal sie immer an der
Westküste beobachtet worden. Ueber die Artgültigkeit von M. nasu-
tus Wyman und M. latirostris Harl. enthält er sich desUrtheils. Proc.
zool. soc. 1857. p.29; Annais nat. bist. XX. p.66; vergl. auch Edin-
burgh new phil. Journ. N. S. IV. 1856. p.-345.
Derselbe Schädel veranlasste J.E.Gray (Proc. zool. soc. 1857.
p. 59 ; Annais nat. bist. XX. p. 312) die Schädel derManali's desBri-
tisch Museums zu vergleichen. Auch er kommt nicht zu einer de-
finitiven Entscheidung und will noch weitere Materialien erwarten,
ob M. australis von Cayenne und latiroshüs von Ostflorida , Jamaica
und Cuba, sowie M. Senegalensis Blainv. (nicht Cuv., welches austra-
lis sei) und M. Vogelii verschiedene Arten seien.
56 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Jaeger konnte vier Schädel des amerikanischen Manati und
das Skelet eines erwachsenen und eines jungen Thieres vergleichen.
An einem derselben fand er in der etwas erhöhteren Mitte der Stirn-
beine eine liiiscngrosse OelFnung. Eine solche Oeffnung fand Verf.
auch an dem Schädel eines jungen Dugong. Vergleichungshaibcr wird
denn auch eine solche üeffnung bei einer jungen Girall'e beschrie-
ben. Nova acta Acad. Leop. Carol. XXVII. I. p. 91.
V. Rapp machte anatomische Untersuchungen über Manatus
latirostris Ilari, in den Würtembergischen naturw. Jahresheften 1857
p. 87 bekannt. Die Unteisuchungen bc/iehen sich auf die Zunge,
Luftröhre, Lunge, Herz, Speiseröhre, Magen, Milz, weibliche Fort-
pflanzungswerkzeuge, Gehörknochen und Auge. Abgebildet sind Lunge,
Magen und Gehörknochen.
Nach Fairholme ist Ilalicore auslralis in Morelon Bay in
Südaustralien noch häufig , obgleich von den Eingeborenen auf sie
stark Jagd gemacht wird. Sie lieben das Fleisch sehr , und schrei-
ben dem Thran ähnliche Eigenschaften zi: , wie dem Lebcrthran.
Ihr Name ist Yungan. Sie wird 9 — 10 Fuss lang und hat 5 — 8 Gal-
lonen Thran. Sie frisst Seetang. Früher wurden "sie mit Netzen ge-
fangen, jetzt mit Harpunen. Proc. zool. soc. 1856. p. 353.
Jonathan Couch hat die Wallfisch - Arien bespro-
chen, welche an den Küsten von Cornwall beobachtet wor-
den sind. Annais nat. hist. XX. p.424.
Verf. schildert zunächst die Schwierigkeiten, welche die rich-
tige Bestimmung der Exemplare verhindern, giebt Rathschläge , auf
welche Punkte die Fischer achten, und die sie notiren möchten,
und zählt dann die einzelnen Arten auf: Balaenoptera musculus Flem.,
B. rostrata Gray, Megaptera lougimana Gray, Physeter macrocephalus
L., Ph. Tursio Flem., Hyperoodon rostratum Gray, Delphinus delphis
L., D. Tursio Bell, D. Mongitori Raf. ?, Phocaena Deductor Scoresby,
Ph. orca Bell, Ph. communis Bell, Ph. albicans, also im Ganzen 13
Arten.
He d die berichtete über einen Wallfisch der Gattung Physalus,
welcher an den Orkney - Inseln am 9. März 1856 strandete. Es war
ein Weibchen und 50 Fuss lang. Zu derselben Zeit strandete auch
ein anderes Exemplar, ein Männchen. Maasse sind genommen, und
manche Organe beschrieben. Verf. fand , dass diese Wallfische zwi-
schen Physalus boops und antiquorum ständen, beide Scctionen mit
einander verbindend, aber näher an boops. Proc. zool. soc. 1856.
p. 187.
Van Beneden beschrieb das Skelet des Wallfisches, welcher
im Jahre 1851 bei der Insel Vliclaud von F'ischern der Insel Urk todt
gefunden wurde, und welches nuniqehr im zoologischen Garten zu
der Sängclhicre während des Jahres 1857. 57
Antwerpen unter einem Zinkdach aufgestellt ist. A> ithrend der Wall-
fisch eine Länge von 22 Metres hatte , niisst das Skelet nur 21 Me-
tres, also ein Mctre weniger. Es besitzt Gl Wirbel und 14 Rippen-
paare. ^ elf. bestimmt dasselbe als den gemeinen Finnfisch Pteroba-
laena communis Eschricht, der an den Küsten von (Grönland und Is-
land lebt, und die Nordsee, den Kanal La blanche und das Mittelmeer
besucht. Hulletins de rAcademic royal de Belgique. 2 Serie L p. 390.
In der Revue et Mag. de Zoologie 1857 p. 94 wird noch
einmal auf die Frage über die Lage der Barten bei den
Wallfisch cn eingegangen (vergL den vor. Ber. p. 25) und
auch durch einen Brief Eschricht's zu Gunsten E. Rousseau's
entschieden.
Wyman hat das Auge des Kaschelots (Sperm whale)
untersucht. Proc. Boston Soc. VJ. p. 125.
Pro seh erklärte sich für das Ausspritzen wirklicher
Wassersäulen aus den Spritzlöchern bei den eigentlichen
Walltischen. Förhandlingar vid de skaiid. Naturf. sjette möte.
Stockholm 1855. p. 145. übersetzt von Creplin in der Zeit-
schrift für die allg. Naturw. von Giebel und Heintz.
Blericht über clielieistuiig;eii in der Herpeto-
log^ie ^rätireiid des Jahres 1S57.
Vom
erausg^eber.
In Emile Blanchard's Prachtwerke „rOrganisation
du regne animal" , von welchen seit 1852 bisher 23 Liefe-
rungen erschienen sind, die ich leider für unsere Berichte
bisher nicht benutzen konnte, sind sieben Lieferungen (3, 5,
8, 11, 14, 17, 19) den Reptilien gewidmet. Der Text in die-
sen Lieferungen enthält einen sehr ins Einzelne gehenden
historischen Bericht über die bisherigen Leistungen in der
Herpetologie , soweit sie sich auf die Organisationsverhält-
nisse beziehen. Der specielle Theil des Textes steht noch zu
erwarten.
Die bereits erschienenen Abbildungen stellen die Skelete und
osteologischen Details von Testudo ibera Fall., Alligator mississipen-
sis Daud, Chamaeleo africanus, Phrynosoma cornutuni, Varanus aegyp-
tius, Gecko mauritanicus, Stellio vulgaris, Iguana tuberculata und La-
certa viridis dar. Auf taf. 19 ist der Circulationsapparat von Stellio
vulgaris abgebildet.
Jan hat ein Verzeichniss der im Museum zu Mailand
aufbewahrten Reptilien veröffentlicht: Cenni sul Museo civico
di Milano ed indice sistimatico dei Rettili ed Anfibi espositi
nel medesimo. Milano 1857. 8. Obgleich ein blosses Namen-
verzeichniss mit Angabe der Fundorte lässt es uns doch
einen Blick in das System dieses Gelehrten, von dem wir
hoffentlich bald ein Werk über die Schlangen erwarten dür-
fen, thun. Im Ganzen der Anordnung von Dumeril und
Bibron folgend finden sich doch in der Begrenzung der
Familien einige Aenderungen.
T rose hei : Bericht über die Leistungen in der Herpetologie etc. 59
A. Diimeril machte eine kurze Anzeige von dem Ca-
taloge der Reptilien des Pariser Museums, den er beim An-
tritte seiner Professur als Nachfolger seines Vaters angefer-
tigt hat. Während 1790 von Lacepede 292 Arten, 1803
von Daudin 556 Arten, 1834 von Dum er il und Bibron
846 Arten, 1854 beim Schlüsse von deren Erpetologie generale
1310 Arten aufgezähh wurden, enthält der gegenwärtige
Catalog 1393 Arten; nämlich 126 Schildkröten, 504 Eidech-
sen, 523 Schlangen, 240 Batrachier. Rev. et mag. de Zoolo-
gie 1857. p. 188.
Nach einer Angabe desselben Verfassers ib. p. 470 be-
finden sich in der Menagerie des Pariser Museums 3012
Reptilien in 174 Arten, nämlich 45 Schildkröten, 38 Eidech-
sen, 59 Schlangen, 32 Batrachier, darunter auch Pipa ame-
ricana.
Als Amphibien , die der Fauna von Gottland angehö-
ren, führt Mewes in Öfversigt af kongl. vetenskaps-akade-
miens Förhandlingar Jahrg. 1856. p. -282 die folgenden an:
Lacerta vivipara Jacq. , Coluber natrix L. , Vipera berus L.,
Rnna temporaria L., Rana arvalis Nils., Pelobates fuscus Wagl. , Bufo
vulgaris Laur., Bufo variabilis Merr., Triton cristatus Laur.
Mij ako ff machte Bemerkungen über die Reptilien des
Gouvernement Wologda. Bulletin de la soc. imp. des natu-
ralistes de Moscau 1857 p. 581.
Während unter dem 40. Grade des südlichen Russland 3 Che-
lonier, 16 Saurier, 17 Ophidier und 4 Batrachier, also zusammen 40
Arten, unter dem 50. Grade 1 Chelonier, 6 Saurier, 6 Ophidier, 12
Batrachier, also zusammen 25 Arten vorkommen, leben nach der An-
gabe des Verf. unter dem 60. Grade, wo seine Untersuchungen ange-
stellt wurden, nur 1 Saurier, 1 Ophidier und 3 Batrachier, also zu-
sammen 5 Arten. Diese sind Lacerta vivipara Jacq. , Vipera berus,
Rana temporaria L., Bufo vulgaris Laur, «nd Triton taeniatus.
Ein Verzeichniss derjenigen Reptilien, welche Raben-
horst im Jahre 1847 in Italien gefunden hatte , lieferte
Dehne in der Allg. deutschen naturhistorischen Zeitung II.
p. 212.
In einer Schilderung der tropischen Wälder und ihrer
Fauna aus B r e h m's handschriftlichen Reiseskizzen aus Nordost-
60 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Hcrpctoloj?ie
afrika , Allg. deutsche natiirh. Zeitung- I. 1855 , finden sich
auch p. 220 Angaben über die Reptilien von Sudahn.
Hallo well machte Bemerkungen über eine Sammlung
Reptilien von Gaboon in Westafrika, welche durch Dr. Ford
der Academie zn Philadelphia geschenkt wurde. Am Schlüsse
ist ein Verzeichniss der Amphibien, welche von Liberia (18)
und von Gaboon (36) bekannt sind. Proc. Philadelphia 1857
p. 48.
V. Baer hat in seinen Kaspischen Studien, Bulletin de
PAcad. de St. Pctersbourg XV. p. 193. einen Blick auf die
Fauna der Naphtha-Insel geworfen, und erwähnt namentlich
einige Arten der Gattung Phrynocephalus, unter denen ihm
eine für die Caspische Fauna neu schien. Sie wird jedoch
nur erwähnt.
Der durch seine ichthyologischen Arbeiten berühmte
Bleeker in Batavia hat in diesem Jahre auch mehrere Bei-
träge über die Amphibien der Inseln des Indischen Archi-
pels geliefert, die in der Naturkuundig Tydschrift voor Ne-
derlandsch Indie abgedruckt sind.
Im 13. Bande dieser Zeitschrift p. 470 findet sich ein
Bericht über einige Reptilien von Sumatra, Borneo, Batjan
und Buru.
Das Verzeichniss der durch L ii d e k i n g von der Westküste
Suniatra's gesaniüielten Reptilien enthält 16 Arten, von Sumatra kennt
er im Ganzen 58 Arten, Eine kleine Sammlung von Batjan durch
Bernelot Moens bestand aus 9 Arten. Durch Hoedt erhielt er 4 Ar-
ien von Buru. Durch Roelandt erhielt er 19 Arten Schlangen von
der Westküste Borneo's , von welcher Insel er 55 Arten in seiner
Sammlung besitzt (2 Schildkröten , 10 Eidechsen, 37 Schlangen und
6 Frösche), während die Zahl der von Borneo bekannten Amphibien
etwa 78 betragen soll. Die neuen Arten sollen anderen Orts be-
schrieben werden.
Im 14. Bande derselben Zeitschrift, der mir noch nicht
zu Händen gekommen, aber auch 1857 erschienen sein muss,
sind höchst wahrscheinlich die folgenden mir in Separatab-
drücken vom Verf. gütigst übersandten Abhandlungen er-
schienen, da sie vom Jahre 1857 datirt sind.
1. ,,Aufzählunii der Reptilien, die bisher von der Insel Java
bekannt ffcworden sind." Die Zahl dieser Arten ist 173, nämlich
während des Jahres 1857. 61
12 Schildkröten, 34 Eidechsen, 102 Schlangen (63 giftlose, 18 ver-
dächtige und 24 giftige; von letzteren 13 Land- und 11 Seeschlan-
genj, 25 Batrachier.
2. „lieber einige Reptilien von der Insel Jianka." Hiernach
kommen dort 34 Arten vor, nämlich 14 Eidechsen, 17 Schlangen
und 3 Batrachier. Verf. vermnthet einen viel grösseren Reichthum.
3. „lieber einige Reptilien von Celebes." Von da sind 3 Schild-
kröten, 0 P^idechsen, 31 Schlangen und 5 Batrachier, zusammen 48
Arten bekannt,
4. „Aufzählung der bis jetzt von der Insel Sumatra bekannt
gewordenen Reptilien." Es enthält 12 Schildkröten, 27 Eidechsen,
61 Schlangen, 14 Batrachier, zusammen 114 Arten,
Tancrecl schildert die Amphibienfauna von der Pro-
vinz Canterbiiry in Neu- Seeland als beschränkt auf eine
kleine Eidechse, und preist es als ein Glück, dass auch
kaum schädliche Raubthiere dort vorkommen. Edinburgh New
phil. Journ. New Series III. 1856. p. 17.
Hallo well erstattete Bericht über eine Sammlung von
Reptilien von Kansas und Nebraska , welche der Academie
zu Philadelphia durch Hammond eingesendet war, begleitete
einige Arten mit Bemerkungen, und beschrieb eine neue
Gattung und mehrere neue Arten. Proc. Philadelphia VIII.
p. 238-255.
Ueber eine von He ermann in der Umgebung von
San-Antonio in Texas zusammengebrachte und an die Aca-
demie zu Philadelphia eingesandte Sammlung von Reptilien,
gab gleichfalls Hallo well Nachricht. Proc. Philadelphia
VIII. p. 306. Darunter befindet sich ein neuer Laubfrosch.
Obgleich Fabricius in der Fauna groenlandica Rana tera-
poraria als in Grönland vorkommend aufführt, zweifelt R e i n-
hard an dem Vorkommen eines Frosches in jenem Lande.
Rink's Groenland, Anhang p. 20.
Clielonia.
Von A g a s s i z grossartigem Werke Contributions to
Ihe natural history of the united states ist bereits der erste
und zweite Band erschienen , in denen die Schildkröten be-
handelt worden sind. Das Werk selbst ist mir noch nicht
zu Händen gekommen , daher theile ich hier den Auszug
62 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
einer Anzeige aus der Neuen Zeit, einer in New -York er-
scheinenden Zeitung mit , die von Dr. Weinland herrührt.
Der letztere steht mit der Arbeit über Schildkröten, wie dar-
aus hervorgeht, in sehr enger Beziehung. Es heisst daselbst:
In der Charakteristik der Ordnung der Schildkröten im Allge-
meinen, die grossentheils von dem Schreiber dieser Zeilen herrührt,
ist die vergleichende Anatomie der Schildkröten niedergelegt. Der
Anatom wird hier nicht wenige neue Thatsachen von Interesse auf-
gezeichnet finden, so in Beziehung auf den Bau der Haut der Schild-
kröten , der genau mikroskopisch verfolgt wurde , namentlich mit
Rücksicht auf die Scheidung der knöchernen Büchse dieser Thiere
in das Hautskelet und in das eigentliche animalische Skelet. In dem
Paragraphen über Respiration wird man genaue Messungen über die
Capacität der Lungen der verschiedenen Arten finden, namentlich hat
sich bei dieser Untersuchung herausgestellt, dass jene Capacität un-
endlich grösser ist hei den Landschildkröten als bei den Wasserschild-
kröten (Trionyx). Die amphibisch lebenden Sumpfschildkröten ste-
hen in der Mitte zwischen ihnen, — Hierauf folgen die Schilderun-
gen der verschiedenen Familien der nordamerikanischen Schildkröten,
in deren Ausarbeitung Ag as s i z namentlich von seinem Schüler Mi 1 Is
unterstützt wurde. Nordamerika zeigt sich als das eigentliche Schild-
krötenland , denn Agassi z zählt 51 Arten in 24 Gattungen. Eier
und Junge der meisten sind abgebildet. Viele Arten sind neu, einige
noch zweifelhaft. Ein schöner Artikel über die geographische Ver-
breitung der Schildkröten schliesst den ersten Band. Der zweite Band
enthält die Embryologie der Schildkröten, worin Ag assi z wesentlich
von einem zweiten Schüler, James Clark, unterstützt wurde. Die
schönen Zeichnungen rühren theils von dem Letzteren, theils von dem
Künstler Sonrel her; es sind 35 Tafeln. Das Ei der Schildkröten
entsteht als ein ausserordentlich kleines Bläschen im Eierstock, klei-
ner als die Zellen selbst , die das Gewebe des Eierstocks zusammen-
setzen. Wir finden in dem Werk eine vollständige Analyse des Dot-
ter-Inhaltes des reiferen Eis mit Abbildungen. Der Act der Befruch-
tung für jedes Ei findet bei den Schildkröten nicht einmal (?) , son-
dern mehreremal statt ; von der ersten Begattung bis zum Legen des
Eies verstreicht ein Zeitraum von nicht weniger als 4 Jahren, und
in diesem Zeitraum finden 8 Begattungen statt. Die Eier werden nur
einmal im Jahre gelegt; das ganze Ei, sagt Agassiz, ist der zu-
künftige Embryo , der ganze Entwickelungsprocess des Embryo ist
ein continuirlichei; jedoch unterscheidet Agas s i z der Uebersicht hal-
ber 31 Stufen der Entwickelung 'vom ersten Auftreten des Eies im
Eierstock bis zum Ausschlüpfen des Embryo.
C. Müller schilderte das Leben der Schildkröten im
während des Jahres 1857. 63
Nordosten der vereinigten Staaten und zählte 11 dort vor-
kommende Arten auf, denen Reichenbach einen Zusatz
widmete. Allg. deutsche naturh. Zeitung I. 1855 p. 82.
Mills hat die Familiencharaktere der Schildkröten ge-
prüft, und meint sieben Familien unter den Nordamerikani-
schen unterscheiden zu können, die in zwei natürliche Grup-
pen zerfallen, Seeschildkröten und Emyden; die ersteren
bewegen sich vermittelst der Vorderfüsse wie die Vögel, die
letzteren mittelst aller vier Gliedmassen, wie die Säugethiere.
Proc. zool. soc. VI. p. 64.
J. E. Gray gab Notizen über einige Indische Schildkröten, mit
Beschreibung einer neuen Art Testudo elongata Oldham. Proc. zool.
soc. 1856. p. 181; Annais nat. bist. XIX. p.342.
Miram hat im Bulletin de la soc. inip. des Naturalistes de
Moscou 1857. p. 482 Beiträge zur Naturgeschichte der Sumpfschild-
kröte (Emys europaea) geliefert, und namentlich nach eigenen Beob-
achtungen die Art und Weise geschildert, wie diese Thiere ihre Eier
legen und in die Erde einscharren. Er hat auch die eben ausgekro-
chenen Jungen drei Monate lang lebend erhalten, und findet, dass sie
sehr langsam wachsen.
J. E. Gray stellte eine neue Chelodina expansa von Austra-
lien auf. Proc. zool. soc. 1856. p. 369 pl.XII; Annais nat. bist. XIX.
p. 485.
Brandt unterscheidet zwei nahe verwandte Arten von Trio-
nyx javanicus Geoffr. als T. Maachii n. sp. aus dem Amur und T.
Schlegeln (Trionyx stellatus seu javanicus Var. japonica Schlegel
Fauna jap.) aus dem nördlichen China und Japan. Bulletin de Tacad.
de St. Petersbourg XVI. p. 110. ;
ISaurli.
Crocodilini* BalfourBaikie beschrieb einen Schädel
von Mecistops aus den Flüssen Binue und Tsadda in Centralafrika,
den er für M. cataphractus hält. Das Thter soll dort äusserst selten
sein , und Verf. hält es für einen Repräsentanten der Gaviale in
Afrika. Proc. zool. soc. 1857. p. 57 ; Annais nat. bist. XX. p. 312.
Derselbe hat aus dem Niger und Tsadda mehrere Krokodil-
schädel mitgebracht , die ihm von C. vulgaris und marginatus ver-
schieden scheinen, und die er für den Fall, dass die Thiere sich als
neu ergeben sollten, Crocodilus binnensis nennt. Proc. zool. soc. 1857
p. 48; Annais nat. bist. XX. p. 380.
64 Troscliel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
Greckones« Ifemidaclylus praesigtiis Hallowel!. Proo, Phila-
delphia VIII. p. 222 von Jamaica.
I^nanini« II ai I o w el 1 beschrieb Proc.PhiladelphiaVIII. p. 222
folgende neue Arten dieser Familie: Morofs macrodaclylns von Neu-
granada, Aiiolis (I)raconura) tropidoyasler von Neugranada , A. pun-
ctalissimus von Jamaica, A. leucocephalvs (^=V\acops\s ocellala Gosse)
ebendaher, A. sericens aus Mexico, A. acutvs , angnsliceps und hete-
rolepis von Cuba, Brachysanrus (n. gen.) erythroyaslei- von T^eu-
Granada, Proctotretns niger von Quinquina Island. Schliesslich stellt
Verf. die auf Cuba, Jamaica und Martinique vorkommenden Arten
nach Dumeril und Bibron, Gray und Gosse zusammen, woraus
eine grosse Verschiedenheit der Amphibienfauna dieser drei Inseln
ersichtlich wird. (Vergl. auch Silliman Amer. Journ. XXVIII. p. 282).
liacertini. Die schwarze Varietät von Zootoca vivipara ist
bei Eastbourn in Sussex von Mackay gefunden worden, wo sie bis-
her nicht bekannt war. Annais nat. bist. XIX. p. 107.
Paulus hat Beobachtungen über die Verbreitung der Lacerta
muralis in Würtemberg angestellt. Würtembergische naturw. Jahres-
hefte 1857 p.54.
Tachydromus Fordii Hallowell von Gaboon. Proc. Philadelphia
1857 p.48.
Ptycliopleuri» Gerrhosaurus nigrolinealns Hallowell von
Gaboon. Proc. Philadelphia 1857. p. 49.
Seiucoidei, Notice of sonie new and rare species of
Scincidae in the collection of the acaden^y of natural scien-
ces of Philadelphia. By Edward Hallowell Transactions of the
Amer. phil. sog. held at Philadelphia for promoting iiseful
knowledge. Vol. XI. Part. I. p. 71.
In diesem Aufsatze sind folgende Arten beschrieben ; Eumeces
quadrilineatus Hallow. , Euprepis striata Hallow. , Euprepis Harlani
(Plestiodon Harlani Hall.) , Euprepis Blandigii Hallow. , Euprepis
longicaudata n. sp. von Slam , Euprepis dissimilis n. sp. von Benga-
len, Euprepis microcephalus Hall. (Scincus ventralis Peale et Green),
Euprepis surimanensis n. sp. von Surinam, Plestiodon sinense Dum.
Bibr. — Euprepis striata und Harlani sind abgebildet,
Plestiodon vitligernm Hallowell. Proc. Philadelphia VIII. p. 310
aus Michigan.
Euprepis frenalus von Liberia und albilahrts Hallowell von
Gaboon. Proc. Philadelphia 1857. p. 50.
Ranken schilderte den Bau und die Lebensweise der Blind-
schleiche (Anguis fragilis} in Edinburgh new phil. Journ. N. S. V. 1857.
während des Jahres 1857. 65
p. 10-2 — 117. Namentlich wird die Form , die Faibe, die Hautbedek-
kung und ihre Häutung beschrieben. Ferner wird über ihre Zer-
brechlichkeit und die Reproduction des abgebrochenen Schwanzes
gehandelt. Wirbel werden nicht reproducirt. Die Tragezeit M'ird auf
4 Monate angenommen ; über den Winterschlaf konnten keine Beob-
achtungen angestellt werden u. s. w.
In den Proc. Philadelphia 1857 p. 51 erklärt Hallowell die
früher von ihm ib. VI. p. 616 beschriebene Art Acontias elegans für
generisch verschieden, und schlägt für sie den Gattungsnamen Sp/i e-
norhina vor.
Ophldia.
Opoterodonta. Peters stellte vier neue amerikanische
Schlangen aus der Familie der Typhlopinen auf, und las in der Aca-
demie über dieselben. Monatsberichte der Berliner Academie 1857.
p. 402 und 508. Die vier neuen Arten heissen : Rhino typhi o p s
alhirostris n. gen. von Veragua , Typhlops flavoterminatus von Cara-
cas, Stenostoma macrolepis ebendaher und Steiiostoma faUax von La-
guayra. — Von der neuen Gattung wird später p. 509 angegeben, der
Unterschied von Typhlops bestehe nur in dem Vorhandensein dop-
pelter Nasenschildchen, und T. flavoterminatus gehöre ebenfalls dahin.
Gervais bildete die Köpfe einiger Schlangen von Algier,
welche von Paul Marcs eingesendet waren , ab. Mem. de Tacad. de
Montpellier III. p.511 pl. V. Die abgebildeten Arten sind : Hetero-
don diadema Dum. , Lycognathus cucullatus Dum., Psammophis puncta-
tus Dum. , Zamenis ilorulentus Dum., und eine neue Art Coelopeltis
prodnchis , welche zuerst in den Comptes rendus Juillet 1857 vom
Verf. aufgestellt war.
lieber die Structur der Knochen von Python hat Green Proc.
Boston soc. VI. p. 55 eine Bemerkung gemacht.
Dehne beschrieb Chilobothrus inornatus Dum. Bibr. , welche
in der Höhlung eines Stückes Bauholz aus Valparaiso beim Durch-
sägen gefunden war. Allg. deutsche Naturh. Zeitung II. p.221.
Im Verfolg seiner Beobachtungen über Zamenis Aesculapii (vgl.
vor. Ber. p. 72) setzte Erb er das Verzeichniss der Mahlzeiten sei-
ner Thiere fort. Ein Exemplar hat 14 Monate hindurch keine Nah-
rung zu sich genommen , ohne besonders abgemagert zu sein . frass
dann zwei Mäuse mit ihren sieben Jungen , später noch acht andere
Mäuse, ist aber dann gestorben.
W4r haben hier ferner eine ganze Reihe von neuen
Gattung-en und Arten zu erwähnen, welche Hall o well auf-
geslellt hal. Da jedoch diese grössere Anzahl neuer Gatlun-
Arcliiv f. Naturgesch. XXIV. Jahr«. 2. Bd. K
66 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
gen wohl noch der Sichtung bedürfen wird, die den spe-
ciellen Studien eines Ophiologen zu überlassen ist , so ver-
zichte ich auf die Angabe der meist längeren Galtungs-
Diagnosen.
In der Familie Doidae ist No t ophis bicarinatiis von Cuba
aufgestellt, Transactions of the Aineritan philosopljical society, held
at Philadelphia for pronioting iisefiil Knowledge Vol. XI. Part I. p. 65.
Die Familie Calamaridae bereicherte er Proc. Philadelphia VIII,
p. 240 um eine neue Galtung Microps lineatus vonKansas, die sich
von llomalosoma durch die gekielten Schuppen, die spitze Schnauze
und die Form des Stirnschildes unterscheiden soll.
Aus Rhinostoma occipitale wird ib. p.310 eine neue Gattung
Lamprosoma gebildet, die nahe nnt Simotes verwandt sei, sich
aber durch die Lage der Naslöcher in einer Platte und die gerun-
dete Schnauze von ihr unterscheide; die Art lebt in Californien.
Tropidonotus ohUquns wird ib. p. 248 als eine neue Art be-
schrieben.
Chi or ophis helerodcrmus von Gaboon wird als Typus einer
neuen Gattung angesehen. Proc. Philadelphia 1857 p. 53.
Ebenso gründet derselbe auf seine Dendrophis flavigularis eine
neue Gattung Thrasops ib. p. 67. Desgleichen auf Coronella trian-
gularis die Gattung H et er onotns.
In der Familie Lycodonta stellte Hallo well zwei neue Arten
und eine neue Gattung auf, Proc. Philadelphia 1857. p. 54 ; Boaedon
quadrivittatnm von der Insel de Los. Die früher vom Verf. beschrie-
bene Coelopeltis virgala wird zur Gattung Boaedon gezogen. — Hor-
monotus n. gen. soll sich durch die Gestalt des Kopfes, die ver-
scliiedenen Verhältnisse der Internasalia und Praefrontalia, sowie die
Form des Frontale von Lycognathus unterscheiden. Die Art heisst
H. midax von Gaboon. — Lycophidion laterale von Gaboon.
Opistliog^lyplia* l'etcrs gründete auf Calamaria micro-
phthalma Bianconi eine neue Schlangen-dlattung Ambly odips as in
der Ordnung Opisthoglypha, die ein Bindeglied zwischen den Familien
Stenocephali und Platyrhini bilden soll. Maxillae superiores subbre-
ves, apice iutrorsum curvatae; dentes maxillares pauci laeves , recur-
vati , retrorsum longitudinc crescentes , diastematc a denlibus duobus
posticis juxtapositis sulcatis scjuncti. Dentes palatini recurvati, lon-
gitudinc fere aequales, pterygoidei minores; dentes mandibulares re-
curvati, primores discreti, versus medium longitudinc sensim crescen-
tes; corpus teres; cauda brevis . conica ; caput depressuni , rostro
brevi, obtuso ; oculi minimi, superi ; nares ininimae, anticae, utrinque
in scutelli nasalis mcdio apertac ; scutella praefrontalia labialia tan-
gentia ; frenalia, internasalia et anteorbitalia nulla; postorbitalia sim-
wählend des Jahres 1857. 67
plicia; scuta abdoniinalia snbangusta subcaudalia divisa : squaniae
laevissimae. A. niicrophthalnia (Calainaria iiiirrophthalma Biaiifoni).
von Inhanihaiie. Monats-Berichte der ßcrliner Acadeiuio ]<'^5ß p. 593.
Hallo well erklärt Froc. Philadelphia 1857. p. 50 Oxybelis
liecoinptei Dum. Bibr, für identisch mit seiner Leptophis Kirtlandii,
die daher Oxybelis Kirtlandii heissen müsse. — Derselbe gründet
daselbst auf Dipsas Blandingii eine neue (Jattung T oxic o d r y a s ,
die nur einen grossen Furchenzahn hinten im Oberkiefer hat , und
dadurch von Triglyphodon nnterschieden ist.
Batrachia.
Ueber Entwickeliing der Muskelfasern der Batrachier
vergl. Kölliker in der Zeitschr. für wissensch. Zoologie
IX. p. 141.
Stricker, Untersuchungen über die Papillen in der
Mundhöhle der Froschlarven. Mit 1 Tafel. Sitzungsberichte
der Wiener Academie XXVI. p. 3.
Nachdem Oscar Schmidt in den Sitzungsberichten
der Wiener Academie XXIV. p. 10 die Diagnosen von 17
neuen ungeschwänzten Batrachiern, die er, von Warszewicz
in Neugranada und Bolivia gesammelt , für das Museum zu
Krakau erworben , veröffentlicht hatte , ist die Abhandlung
über denselben Gegenstand in den Denkschriften derselben
Academie XIV. p.237 unter dem Titel: „Deliciae herpetolo-
gicae Musei zoologici Cracoviensis'* erschienen. Dazu ge-
hören drei Tafeln mit Abbildungen.
Die meisten dieser F'rösclie leben in bedeutenden Höhen, bis
8000 Fuss in milder und feuchter Temperatur. üeber die Benutzung
der Schwimmhäute und der Gaumenzähne zur Charakteristik hat sich
Verf. in der Einleitung geäussert. Die neuen Arten sowie die zwei
neuen (Gattungen sind unten näher bezeichnet; ich citire dort bloss *
die Abhandlung in den Denkschriften.
Ranae. Schiess Versuch einer speciellen Neurolo-
gie der Rana esculenta mit 4 Tafeln 4. ist mir nicht zu Ge-
sicht gekommen.
Hallo well stellte eine neue Gattung Proc. Philadelphia VIII
p. 298 auf, welche mit Ceratophrys zunächst verAAandt ist: Triqo-
nophrys, Kopf sehr gross , depiimirt , oberes Augenlied dreieckig;
Zunge gross, rundlich, vorn und hinten eingeschnitten, vorn ange-
heftet, seitlich und in der hintern Hälfte frei; obere Kieferzähne gross.
68 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
konisch, gekrümmt, scharfspifzig; zwei Gruppen Vonierzähne in einer
Linie mit dem vorderen Rande der hinteren Naslöcher, näher diesen
als einander; die hinteren Naslöcher gross, rundlich, die eustachischen
Oeffnungen massig, ziemlich gross; keine Stimmblasen; Trommelfell
nicht sichtbar; vier völlig freie Finger; Zehen nur an der Basis mit
Schwimmhäuten; das erste 0.> cuneiforme bildet einen äusseren Vor-
spruug ; die Querfortsätze der Heiligen- Wirbel nicht erweitert. Die
neue Art T. rugiceps lebt am Flusse Parana.
Desgleichen ib. 1857 p. 64 die Gattung Heteroglossa. Sie
hat keine Gaumenzähne, und eine Zunge, die hinten tief eingeschnit-
ten, und mittelst eines cylindrischen Stieles in der Mitte angeheftet
und vorne in der Mittellinie durch Zellgewebe befestigt ist. H. afri-
cann n. sp. von Gaboon.
Leiuperus sagittifer 0. Schmidt von Neugranada. Wiener Denk-
schriften XIV. p. 240.
Sflylae« Oscar Schmidt stellte ib. p. 241 folgende neue
Arten aus dieser Familie auf: IxalusWarschewitschii Taf. l. Fig. 1 — 4
aus der Nähe des Vulkans Chiriqui zwischen 6000' und 7000' Höhe;
Hyla pugnax Taf. L Fig. 5 — 6, //. splendens ib. fig. 7, H. molitor
flg. 8. 9, H. molitor Var. marmorata an nov. spec. Alle vier vom
Chiriqui-Flusse unweit Bocca del toro ; Hylodes Fitzingeri fig. 10 von
den Cordilleren Neugranada's in einer Höhe von gegen 4000'.
Htjla semifasciata Hallowell Proc. Philadelphia VIIL p. 307.
Dufones. Unter den Kröten sind von Oscar Schmidt 10
neue Arten in den Wiener Denkschriften XIV. p. 248 beschrieben
worden, unter denen 3 zwei neuen Gattungen angehören : Dendroba-
tes speciosus Taf. l. Fig. 11, Taf. II. Fig. 12, D. pumilio Fig. 13, D.
luguhris Fig. 14, alle drei auf Blättern und Blumen der immergrünen
Regionen zwischen 5000 und 6000' Höhe auf dem Grenzgebiet zwi-
schen Neu-Granada und Costa rica; liufo margaritifer Daud. ? (Bufo
nasutus Sehn, (an nova species?) Taf. II. Fig. 15. 16 auf dem Grenz-
gebiet von Bolivia gegen Peru in 3000' Höhe ; Bufo pleuropterus Taf.
II. Fig. 17. 18. 19, lebt mit dem Vorigen; Bufo veraguensis Taf. IL
Fig. 20, Taf. III. Fig. 21. Provinz Veragua ; Bufo simus Fig. 23. in
Mengen an seichten Stellen des Chiriquiflusses ; Hy la em orphiis
Dnmerilii Fig. 23. 24 Provinz Veragua bis gegen 8000', Hylaemor-
plms Bihronü Fig. 25 unweit Panama zwischen 2000 und 3000',
Phirix pachydermus Fig. 26. im Westen von Neu-Granada, bei Bo-
naventura in einer Höhe von 5000'. — Die beiden neuen Gattungen
haben folgende Diagnosen :
Hylaemo rp hns. Fitzinger. Habitus corporis gracilior et
qualis esse solet Hylarum ; lingua elongata, angusta , integra, dimidia
parte libera; dentes palatini nulli ; tynipanum non visibile ; parotides
nullae, digiti pedum anticorum fissi, posticorum semipalmati ; planta
während des Jahres 1857. 69
latior; protiiberaiitiae in tarso nuUac aut vix visibiles; processus
transversi vertebrae sacralis dilatati. Dahin ausser den beiden oben-
genannten Arten, eine ghjichfalls neue des Wiener Museums, die Kit-
zinger H. Pluto genannt hat.
Phirix. Habitus corporis robustns et qualis reperitur in Bu-
fonibus; lingua, dentes palatini,jnenibrana tynipani, parotides, proces-
sus transversi vertebrae sacralis ut in Mylaeniorpho ; digili pedum an-
ticorum fissi , posticoruni seniipalniati et quideni corijuncti nienibrana
crassa, quae a reliqui corporis integumentis non differt, qui fit ut
plantae latiores reddantur et minus flexiles, quam solent esse in cete-
ris Batrachiis ecaudatis ; tubercula pauluni elata et in carpo et in tarso
übvia. Nur die eine obengenannte Art.
Engystoma olivaceum. Hallow^ell n. sp. Proc. Philadelphia VIII.
p. 252.
Caudata« Matthes handelte in der Allg. deutschen natur-
hist. Zeitung I. 1855. p. 249 — 280 über die Hemibatrachier (Salaman-
drinen) im Allgemeinen, und beschrieb als in Nordamerika vorkom-
mend 21 Arten Salamandra, unter denen S. Texana vom Rio Colorado
und S. phoca von Kentucky als neu bezeichnet werden , und 4 Arten
Triton.
Kneeland beschrieb als neue Ait Siredun hyemulis aus dem
Ober-See. Proc. Boston soc. VI. p. 152. Dieselbe soll sich nur wäh-
rend des Winters zeigen, und ist durch Pumpen aufgesogen worden.
Bericht über die lieisCungfen in der Icfitiiyo«
log^ie während des Jahres ll$57.
Vom
Herausg-eber.
Dumeril hat im XXVII. Bande der Memoires de raca-
demie des sciences Paris 1856 eine „Ichthyologie anaiytique
ou essai d'une Classification naturelle des poissons , a l'aide
de tableaux synoptiques" veröffentlicht. Diese grosse Arbeit
nimmt den ganzen Band ein und umfasst 507 Seiten.
Verf. hat versucht seine analytische Älethodc auf die ganze
Klasse der Fische auszudehnen, und beabsichtigt dadurch den Zweck
zu erreichen, mit Leichtigkeit die Genera zu bestimmen, Ob dieser
Zweck erreicht ist, darüber wird man erst urtheilen können, wenn
man das Buch mehrfach für diesen Zweck versucht hat. Gegen die
Katüriichlieit der Familien möchte sich hervorheben lassen , dass die
anerkannt wichtigen Untersuchungen J. M ü 1 1 e r's kaum berücksich-
tigt sind. So sind , um nur ein Beispiel anzuführen , in der Familie
der Pomacentriden, die Gaumenzähne besitzen sollen, die Sciaenoiden
mit einer Rückenflosse mit den Labroidei ctenoidei vereinigt. Verf.
erkennt freilich selbst an, dass nur wegen der Leichtigkeit, die
Cuvier'schen Gattungen zu unterscheiden , die Familie so aufgefasst
sei. Ueberhaupt scheint das aufgestellte System, welches eine Menge
neue Namen für die Ordnungen , Familien u. s. w. anführt, weniger
dazu bestimmt, einen Ausdruck der Organisationsverhältnisse zu lie-
fern , sondern ein Mittel zur leichten Bestiunnung zu bieten. Da es
nicht möglich ist, in diesem Berichte die Ansichten des Verf. bis ins
Einzelne wiederzugeben , so begnüge ich mich mit der Angabe der
Hauptabtheilungen.
I. Zahlreiche Kienjenlöcher, ohne Kiemendeckel, Po Ty c /« r/ e s. 1.
UnlerkhxssG Ch ond ric hlh es oder Trematopnes (Fam. Endo-
tremes, Exotremes, Jlypotremes, Fleurotremes).
n. Zwei Kiemenlöcher, Kiemendeckel Dlclid es.
A. Skelett fibro-*bartilaginös. 2. Unterklasse Chond v o slichthes
oder Chondrrostes. Fam. Hypostomates (Störe); Gymnogna-
Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie etc. 71
thes, Fteropodes (Gobiesox, Lepadogaster, Cyclopterus und Cu-
vier's Pediculati) , J.ophobranches , Sclerodernjes,
Zwischen diese und die folgende Unterklasse wird Lepi-
dosiren gestellt.
B. Skelett knöchern. S.Unterklasse 0 s tic li thes oder J c ht hy o s t es.
a. Bauchflossen fehlen oder sind veikünimert. 1. Ordnung
Apodes oder Acalopes. Fani. Ophichtes, Pteropteres, Pan-
topteres.
b. Bauchflossen an der Kehle. 2. Ordnung Propodes oder
Änteropes. Farn. Gadoides, Blennoides, Trachinoides.
c. Bauchflossen unter den Brustflossen. 3. Ordnung Hemi-
sopodes oder Mediopodes, diese zerfallen in 4 Gruppen.
«. Glyphoponies. Körper dick von gewöhnlicher Form
mit gezähntem Kiemendeckel. Farn. Percoides , An-
thiadides. Pomacentrides, Sciaenoides, Ilolocentrides.
ß. Leiopomes. Ebenso aber mit glattem Kiemendeckel.
Fain. Sarcodontes (Labroiden) , Gymnodontes (Spa-
roiden), Osteodontes (Scarus).
y. Omalotes. Körper sehr zusammengedrückt. Fam^
Petalosomes (ßandfische). Leptosomes (Squamipennes,
Teuthyes , Scomberoiden z. Th.) und Heterosomes
(Schollen),
tf. Idiomorphes. Körper dick von absonderlicher Form
oder eigenthümlichen Organen. Fam. Gongylosomes
(Gobioiden ) , Atractosomes (Scomberoiden z. Th.),
Lophionotes (z. B. Coryphaena, Agriopus), Hydrota-
mies (Labyrinthflsche), Dactyles (Trigla), Cephalotes
(Cottus, Scorpaena ct.).
d. Bauchflossen hinter den Brustflossen. 4. Ordnung Opi-
sthopeodes oder Posferopes. Fam. Cyprinoides , Clupeides,
Pogonophores (Gyprinoiden z. Th.) , Opisthopteres (Lepi-
dosteus , Belone , Esox , Sphyraena ct.), Lepidopomes
(Mugil. Exocoetus, Polynemus , Hydrargyra ct.), Salmo-
nides , Characins , Siluroides . Dipteronotes (Siluroiden
z. Th.), Scutocephales (Amia , Erythrinus, Osteoglossum,
Butirinus , Mormyrus) , Aphyostomes (Aulostoma, Fistu-
laria, Centriscus ct.).
Dieser Auszug wird genügen, um die wunderliche Zusammen-
setzung der Familien nach künstlichen Charakteren zu zeigen.
A. Dumeril gab in der Rev. et mag. de zool. 1858.
p. 370 Nachricht von dem Stande der Pariser ichthyologi-
schen Sammlung beim Abtritte seines Vaters , der die Di-
rection der Amphibien und Fische hatte. Hiernach besteht
dieselbe aus 41 45 Species.
72 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Eine sehr gelehrte Abhandlung über die Fische, wel-
che Töne von sich geben, und die Entstehung dieser Töne
schrieb J.Müller, dessen zu frühen Verlust wir zu bewei-
nen haben, in seinem Archiv lür Anatomie 1857. p. 249.
Nach einer Aufzählung der aus dem Alterthum bekannten Pi-
sces vocales, und einem Versuche, dieselben zu bestimmen, folgt eine
systematische Uebersicht der bis jetzt bekannten Pisces vocales, deren
Zahl eine ziemlich grosse ist. Die hier aufgezählten Arten gehören
den Familien Cataphracti, Sciaenoidei, Scomberoidei, Pediculati, Gym-
nodontes , Sclerodermi , Siluroidei , Cyprinoidei an. Eine Beobach-
tung von Richard Schomburgk über Töne, welche von Hypo-
stoma in der Tiefe des Wassers ausgehen, ist vergessen worden, ob-
gleich sie in dessen Reisen in Britisch Guiana in dem vom Verfasser
selbst in Verbindung mit dem Ref. gearbeiteten Abschnitte über die
Fische vorkommt. — Endlich wird die Entstehung der Töne weiter
erörtert , und in den meisten Fällen einem vibrirenden Reiben der
Gelenkflächen der festen Kiemendeckelstücke oder Flossenstacheln
zugeschrieben.
Nardo hat bereits 1844 eine Abhandlung über die
Haut der Fische im Istituto Veneto gelesen; dieselbe ist im
5ten Bande der Memorie dell' J. R. Istituto Yeneto di scienze,
lettere ed arti, Venezia 1855. p. 243 — 276 erschienen : Sunto
di alcune osservazioni anatomiche suH' intima struttura della
cute de' pesci comparativamente considerata e sulle cause
fisiologiche e iisico-chimiche della loro colorazione e deco-
lorazione.
K ö 1 1 ik e r veröffentlichte Untersuchungen zur verglei-
chenden Gewebelehre in den Verhandl. der phys. med. Ge-
sellsch. in Würzburg VIII. p. 1 und handelt darin , so weit
es die Klasse der Fische betrifft:
1. j.Ueber die Endigungen der Nerven im elektrischen Organe
der Zitterrochen." 2. „Ueber das Schwanzorgan der gewöhnlichen
Rochen ," dessen physiologische Bedeutung er zwar noch nicht für
sicher entscheidbar hält, das er jedoch für ein electrisches Organ zu
deuten geneigt ist. 3. „Ueber das Schwanzorgan der Zitterrochen,"
welches dem Schwanzorgane der gewöhnlichen Rochen nicht paial-
lelisirt werden könne. 4. „Savi's appareil folliculaire nerveux," den
er für ein Sinnesorgan betrachtet , dessen Function wahrscheinlich
dem Tastsinne (Drucksinne) am nächsten verwandt sei. 5. „Nerven-
körperchen in der Haut von Stomias barbatus ," die sich an die vom
Verf. beschriebenen Körperchen von Chauliodus anschliessen, und die
er unter die so mannichfachen Sinnesapparate der Haut einreiht.
wählend des Jahres 1857. - 73
6. „Ausbreitung der ]\er^■en in der (leruchsschleinihaut von Plagio-
stomen." — Ferner bezieht sich auch in der folgenden Abhandlung
„über secundäre Zellmembranen, Cnticularbildungen und Porenkanäle
in Zellmembranen'' ein Absc'hnitt p. 38 auf die Zellenausscheidungen
und Cnticularbildungen im Darme der Fische. — Endlich p. 80 „über
die porösen Eihüllen der Fische." Verf. bestätigt die Beobachtungen
der Eier der Scomberesoces von Haeckel, zeigt aber, dass die
Fasern nicht von der Innenfläche der Dotterhaut ausgehen, sondern
aussen auf derselben sitzen. "Es werden dann die Untersuchungen an
den Eiern zahlreicher Süsswasserfische mitgetheilt.
H y r 1 1 schrieb über den Amphibienkreislaiif von Am-
phipnous und Monoplerus eine Abhandlung, welche in den
Schriften der Wiener Academie zu erscheinen bestimmt ist
Eine vorläufige Anzeige des Inhalts findet sich Sitzungsbe-
richte XXIV. p. 118.
John Davy hat Untersuchungen über die Harnabson-
derung der Fische mit einigen Bemerkungen über diese Ab-
sonderung bei anderen Thierklassen veröfTentlicht. Trans-
aclions of the Royal society of Edinburgh XXI. p. 543; Edin-
burgh New phil. Journ. N. S. VI. 1857. p. 152.
In dem Bulletin mensuel de la soc. imp. zoologique
d'acclimatation finden sich ziemlich zahlreiche Artikel, die auf
Fischzucht Bezug haben. Da ein Auszug derselben hier
nicht gegeben werden kann, so erscheint es auch überflüs-
sig, die besonderen Citate in den einzelnen Bänden aufzu-
zählen.
Jardine, Fleming und Ashworth berichteten
über die Experimente, welche bei Stormontfield bei Perth für
die künstliche Befruchtung der Lachse angestellt wurden.
Report of the 26. meeting of the British association held at
Cheltenham p. 451.
B a i r d sieht als eine hauptsächliche Nahrung der Süss-
wasserfische, namentlich der Vendace und der Forelle kleine
Entomostraceen an. Edinburgh new phil. Journ. N. S. VI.
1857. p. 17.
In Betreff der einzelnen Faunen sind die folgenden
Schriften zu erwähnen :
De Filippi und Verany haben eine Anzahl neuer
oder wenig bekannter Fische des Mittelmeeres beschrieben.
Sopra alcuni pesci nuovi o poco noti del Mediterraneo.
74 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Memorie della R. Accademia delle scienze di Torino serie II.
tom. XVIII.
Sic gehören den (Gattungen Notacanthus, Novarchus n, gen. aus
der Familie der Sconiberoiden , Clinus , Scylliuni , Pelaniys, Exocetus,
Pteridiuni an und sind meist abgebildet. Die einzelnen sind unten
namhaft geiiiacht.
E. V. Martens schrieb in unserem Archiv p. 149 über
einige Fische und Crustaceen der süssen Gewässer Italiens.
Diese Abhandlung gewährt theils in geographischer Bezie-
hung, theils für die Sicherstellung der Species ein Interesse.
Wir enthalten uns des näheren Eingehens auf dieselbe, weil
sie allen unseren Lesern vorliegt.
Die Süsswasserfische der österreichischen Monarchie mit
Rücksicht auf die angrenzenden Länder bearbeitet von Ja-
cob Heckel und Rudolf Kner. Mit 204 Holzschnitten.
Leipzig 1858. 8.
Die beiden Verf. , von denen der erstere das Erscheinen des
vorliegenden Werkes leider nicht erlebt hat, haben mit langjährigem
Fleisse die Fische des österreichischen Staates untersucht , und nun
ein, wie es scheint, vollständiges Verzeichniss geliefert. Hervorzu-
heben ist, dass die Gattung Abramis dem Süden der Monarchie fehlt,
während die Gattung Leucos nur diesem angehört. Barbus, Scardi-
nius, Squalius sind zwar nord - und südwärts der Alpen, aber durch
verschiedene Arten vertreten. Salmo hncho und Pelecus cultratus
finden sich nur im Donaugebiete, dem wieder Anguilla fluviatilis und
Gasterosteus fehlen. Umbra Crameri und Coregonus acronius sind
auf bestimmte Localitäten beschränkt. Besonders interessant ist Dal-
matien , welches eigenthümliclie Arten , die jenseits der Bosnischen
Grenze sich fortsetzend , nach Osten an Syrische Formen sich an-
schliessen, und durch diese den vermittelnden Uebergang zu den in-
dischen finden. — Fast alle Arten sind in sehr hübschen Holzschnit-
ten abgebildet, ausführlich beschrieben mit Angaben über Verbreitung,
Lebensweise, Fang u. dgl. Vertreten sind unter den Acanthopteri die
Familien I'ercoidei mit 1 l'erca , 2 Lucioperca, 2 Aspro, 2 Acerina,
1 Percarina, — die Familie Cataphracti durch 4 Cottus mit einer neuen
Art, — die Gattung Gasterosteus, vertreten durch 2 Arten, wird hier
den Sconiberoiden zugezählt, wobei namentlich die Schilder an der Sei-
tenlinie, die sonst keiner Familie zukommen, hervorgehoben werden,
— die Blennioiden durch IBlennius, die Gobioiden durch 1 Gobius.
— Viel reicher vertreten sind die Malacopteri : die Cyprinoidei durch
4 Cypriuus , 1 Carpio . 4 Carassius , 1 Tinea, 5 Barbus, 2 Gobio , 1
Aulopyge , 1 Rhodeus , 7 Abramis, 2 Blicca , 1 Pelecus, 6 Alburnus,
1 Aspius, 1 Leucaspius, 2 Idus, 5 Scardinius, 4 Leucos, 5 Leuciscus,
während des Jahres 1857. 75
15 Squalins, 2 Telestes, 1 Phoxinus, 1 Phoxinelliis. 5 Chondrostomiis,
— die Clupeoidei durch 1 Alausa , indem die Verf. fälschlich noch
immer Alausa vulj^aris und finta nur für Altersunterschiede halten, —
die Salmonoidei durch 3 Coregonus , 1 Thymallus , 7 Salar , 2 Fario,
5 Salmo , — die Esocini durch 1 Esox , 1 Umbra, — die Acantho-
psides, eine auf Cobitis gegründete eigene Familie (s. unten) durch
4 Cobitis, — die Sihiroidei durch 1 Silurus , — die Gadoidei durch
1 Lota , — die 3luraenoidei durcii 2 Anguilla. — Ans der Ordnung
Ganoidei kommen 12 Acipenser vor. — Von Cyclostomi endlich sind
3 Petromyzon und 1 Ammocoetes aufgezählt.
Nach einer kurzen Notiz von Glatz, Verhandl. des
Vereins für Naturkunde in Presburg 1857. Sitzungsberichte
p. 47, sollen in Ungarn 65 Gattungen Süsswasserfische vor-
kommen. Von Knorpelfischen 2 Gattungen, Petromyzon in
2 Arten und Acipenser iu 5 Arten. Von Grätenfischen er-
scheinen 63 Gattungen, unter denen Salmo mit 12 und Cy-
prinus mit 30 Arten. (Was Verf. hier Gattung nennt, wird
wohl aus den zu erwartenden weiteren Mittheilungen klar
werden). Aufmerksam gemacht wird noch darauf, dass das
Männchen von Cyprinus Brama in der Laichzeit porenar-
tige Auswüchse besitze , die sich vom Schwänze zu beiden
Seiten bis zum Kopfe hinziehen, wo sie sich am Schädel zu
einem kleinen Kranze vereinigen.
Kessler lieferte Bullet. deMoscou 1857. p. 453 Nach-
träge zur Ichthyologie des südwestlichen Russlands.
Verf. hat das Ünjestr-Gebiet untersucht, welches von dem des
Dnjepr in mehrfacher Beziehung abweicht . namentlich darin, dass
nirgends die Anschwemmung eines flachen Thalgrnndes gestattet
war , und keine Seen sich bilden konnten. So müssen Fische, die
ruhige und klare Gewässer , oder schlammigen Boden lieben , den
Dnjestr meiden. Barsche, Schleyen . Karauschen, Rothaugen, Roth-
federn . Brachsen und Hechte sind daher nur spärlich vertreten oder
fehlen ganz , wogegen der Döbel , Barbe und Sterlett in 3Ienge im
Dnjestr vorkommen. — Es werden dann 52 Arten aufgezählt mit
Bemerkungen über das Vorkommen. Es sind 1 Perca , 1 Aspro,
2 Lucioperca , 2 Acerina, 1 Cottus , 5 Gobius unter denen zwei neu,
1 Lota, 1 Silurus, 3 Cobitis, 2 Gobio , 1 Barbus, 1 Tinea, 4 Cypri-
nus, 1 Rhodeus , 1 Chondrostoma, 5 Leuciscus, 4 Aspius, 1 Pelecus,
6 Abramis , 1 Salai- , 1 Esox, 1 Clupea, 1 Anguilla. 5 Acipenser. —
Zweitens werden zur Vervollständigung des Verzeichnisses des Dnjepr
31 Fische aufgezählt mit Angaben über die Verbieitung, Laichzeit
und Grösse.
76 T r ü s c h c 1 : Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Czernay machte auf das Variiren der Artkennzei-
chen der Süsswasserfische in der Umg-egend von Chal-kow
aufmerksam, und führt namentlich die Verschiedenheiten in
der Zahl der Flossenstrahlen, und in der Zahl der Schuppen
in Tabellen-Form von 17 Arten der Karpfenfamilie aus. Er
glaubt dadurch die sich ^widersprechenden Angaben der
Ichthyologen erklären zu können. Bulletin de la soc. imp.
de Moscou 1857. 1. p. 227.
Richardson schrieb Proc. zool. soc. 1856. p. 37 ;
Annais nat. hist. XIX. p. 486 über einige Fische aus Klein-
asien und Palästina. Daselbst ist von Cyprinodon Hammonis
die Rede und ausserdem werden drei neue Cyprinoiden be-
schrieben.
Von Basilewsky erschien bereits im Jahre 1855
eine Ichthyographia Chinae borealis im Tome X. der Nou-
veaux Memoires de la soc. imp. des Naturalistes de Moscou
p. 215— 263. Mit 9 Tafeln.
Zunächst werden 56 Fische verschiedener Familien beschrie-
ben, von denen Verf. die meisten als neu anzusehen scheint. Dann
folgt ein Verzeichniss der Fische aus einem chinesischen Werke
Ben-zao-gan-mu ; worin 31 Arten schuppige, 28 Arten nackte Fische
beschrieben sind. Zu den nackten Fischen rechnen die Chinesen
die Cetaceen, Crustaceen und Mollusken. In vorliegendem Verzeich-
sisse sind 10 Schuppenfische und 7 nackte Fische erwähnt, von de-
nen einige auf die oben beschriebenen Fische zurückgeführt sind.
— In einem Anhange endlich werden noch acht Fische beschrieben,
wodurch sich die ganze Zahl auf 64 erhöht.
ßleeker setzte auch im Jahre 1857 seine ichthyolo-
gischen Studien mit Eifer fort. Von ihm erschienen in Na-
tuurkundig Tijdschrift voor Nederlandsch Indie uitgegeven
door de natuurkundig vereeniging in nederlandsch Indie die
folgenden Abhandlungen :
Deel XII. p. 291: Nieuwe Bijdrage tot de kennis der
ichthyologische Fauna van Bali.
Nachdem Verf. die 29 Arten eines früheren Beitrages zur Fauna
dieser Insel auf die seitdem von ihm angenommenen Kamen zurück-
geführt hat, folgt ein Verzeichniss von 78 Arten , die ihm neuerlich
von dortdurciiVan Bl o em en Waa nd e rs gesandt waren, wodurch
die Zahl der von Bali bekannten Arten auf 106 stieg. Hierdurch
wurde auch das erste Licht auf die Süsswasserfauna von Bali gewor-
fen. Bisher w^ar von den Inseln , welche östlich von den drei gros-
während des Jahres 1857. 77
sen Siindainseln gelegen sind, noch keine einzige Karpfenart bekannt
geworden, selbst nicht von Celebes, wo doch Flüsse von ansehnlicher
Grösse vorhanden sind. Es finden sich nnn zwei Cyprinoiden in der
Saninilimg von Bali, die auf Java sehr gemein sind ; dadurch ist die
Grenze der Cyprinoiden ein wenig mehr nach Osten gesclioben. Es
bleibt nun noch IVaglicii, ob auch auf Lombok, Sumbawa , Flores ct.
dergleichen vorkommen. Einige neue Arten und eine neue Gattung
sind unten namhaft gemacht.
Deel XII. p. 508: Berichi über einige Fische, die neu
für die Keiiiitniss der Fauna von der Insel Ceram sind. 22
Arten, wodurch die ganze Zahl auf 208 gebracht ist.
Deel XIII. p. 55. Tweede Bijdrage tot de kennis der
ichthyologische Fauna van Boero.
Durch eine neue Zusendung wurde die Zahl der von Büro be-
kannten Fische auf 238 eihöht. Die darunter befindlichen 8 neuen
Arten sind unten genannt.
Deel XIII. p. 283: Ueber einige Fische, die neu für die
Fauna von Biliton sind. Die Zahl der Arten erhöht sich
dadurch auf 61.
Deel XIII. p. 322 : Descriptiones specierum piscium Ja-
vanensium novarum vel minus cognitarum diagnosticae. Aus-
ser einer grösseren Zahl von Arten, welche bereits von an-
deren Ichthyologen aufgestellt, hier nochmals beschrieben
werden, sind unten 18 neue Arten zu vermerken.
Deel XIII. p. 369: Bijdrage tot de kennis der ichlhyolo-
gische Fauna van de Sangi-Eilanden.
Verf. erhielt von Jansen eine Sammlung von Fischen von
den Sangi - Inseln , die sich im Norden von Celebes , zwischen dem
2ten und 4ten Grade nördlicher Breite erstrecken , und also zu den
nördlichsten niederländischen Besitzungen gehören. Bisher war von
der Fauna dieser Inseln noch nichts bekannt. Das Verzeichniss ent-
hält 133 Arten, unter denen drei neue.
Deel XIII. p. 381. Bericht über eine neue Sammlung
Fische von Batjan, die durch Moejis eingesendet wurden.
113 Arten, so dass nunmehr von Batjan 218 Arten bekannt
sind. Darunter keine neue.
Deel XIII. p, 387. Bericht über einige Fische von Ti-
mor-Koepang und Timor-Delhi. Verf. kennt nun von Timor
126 Arten. Keine neu.
Deel XIII, p. 475 : Ueber einige Fischsammlungen von
verschiedenen Theilcn Java's.
7H Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Es sind hier verzeichnet: 1) 27 Süsswasserfische von Lebak,
2) 14 Süsswasserfische von Bantani , 3) 11 Süsswasserfische von Bui-
tenzorg, 4) 6 Süsswasserfische von Tjikoppo, 5) 19 Süsswasserfische
von Tjipannas, G) 27 Süsswasserfische von Tjiandjoer . 7) 19 See-
fische von Karangbollong an der Südküste, 8) 60 Fische ebendaher,
9) 73 Seefische von Prigi an der Südküste.
Im II. Bande der Acta societatis scientiaruni Indo-
Neerlandicae 1857 sind ferner die folgenden ichthyologischen
Abhandlungen von Bleeker enthalten:
1. Conspectus specierum piscium Molluccensium hucus-
que cognitarum.
Von 906 hier aiifgezälten Arten sind 44 ohne nähere Fundorts-
angabe; 87 sind von Halniaheira , 283 von Ternate , 146 von Batjan,
30 von Übi, 182 von Büro, 191 von Cerani , 639 von Amboina , 18
von Saparna, 172 von Banda , 55 von Wagen, 10 von Rawak be-
kannt, endlich kommen 746 auch ausserhalb des molukkischen Ar-
chipels vor.
2. Tiende Bijdrage tot de kennis der ichthyologische
Fauna van Borneo. Visschen van de Rivieren Barito, Kaha-
jan en Kapoeas.
Verf. erhielt Zusendungen aus dem Kapuas bei Sintang und bei
Pontianak , ^ns dem Barito bei Bandjerniasin und aus dem Kahajan.
Dadurch sind jetzt von Borneo 258 Arten bekannt; davon sind 14
ohne näher bezeichneten Fundort, 65 von Sambas, 30 von Pamangkat,
73 von Pontianak, 11 von Sintang, 36 von Sampit, 8 von Kahajan,
126 von Bandjerniasin, 23 von Pengaron und 10 von Prabukarta.
Einige neue Arten s. unten.
3. Achtste Bijdrage tot de kennis der Vischfauna van
Amboina. ' .
Die Zahl dci- Arten von Amboina ist durch diesen Beitrag auf
782 gestiegen; darunter befinden sich 41 neue Arten, die unten ver-
zeichnet sind.
Essai sur la faune de l'ile de V\^oodlark ou Maiou par
le P. Montrouzier, missionnaire. Partie ichthyologique,
revue par M. Thio liiere. 8. Lyon. Extrait de la soc.
d'agriculture et d'histoire nat. de Lyon — ist mir noch nicht
vor Augen gekommen.
Tancred bezeichnet (Edinburgh new phiL Journal
New Series III. 1856. p. 17) die Fischfauna der süssen Ge-
wässer von der Provinz Canterbury in Neu -Seeland als wenig
zahlreich und erklärt dies durch die reissenden Ströme, in denen
wählend des Jahres 1857. 78
weder Fische noch Nahrung für sie gedeihen können. In
anderen Flüssen, die tiefer sind, giebt es viele Aale bis 20
Pfund schwer , welche von den Eingebornen gefangen und
für den Winter getrocknet werden. Einge andere Fische
werden nach ihren englischen Benennungen genannt.
Von Holbrook ist bereits seit dem Jahre 1855 eine
„Ichthyology of South-Carolina^* erschienen. Ausser den be-
reits vorliegenden 10 Lieferungen von je drei^chön illumi-
nirten Tafeln und einigen Bogen Text , dürfen wir keine
fernere mehr erwarten, da der Verfasser gestorben ist.
Bei den einzelnen Arten ist zuerst eine Diagnose gegeben,
dann folgen die Synonyme, die weitere Beschreibung, Farbe, Dimen-
sionen. Bemerkungen über die Eingeweide , Lebensweise, geographi-
sche Verbreitung und allgemeine Bemerkungen. Es ist dadurch die
Kenntniss der besprochenen Arten wesentlich gefördert. Aufgeführt
sind: 14 Percoiden , 3 Sparoiden, 11 Scomberoiden , 1 Echeneis, die
Verf. zu den Sconiberoiden zählt, 2 Squamipennen , 18 Sciaenoiden,
1 Elops. Mehrere neue Gattungen und Arten sind unten näher be-
zeichnet.
Richarson hat eine kleine Sammlung von Fischen be-
schrieben, welche von Wellington Sound durch Capt. Bel-
eb er, heimgebracht worden sind. The last of the arctic
voyages , being a narative of the expedition in H. M. S. As-
sistance unter Captain Sir Edward Bei eher in search of
Sir John Franklin during the years 1852 — 54. Vob II. 1855.
p. 347 — 376. Es sind 9 Arten , von denen acht abgebildet
sind. Die 4 darunter befindlichen neuen Arten sind unten
namhaft gemacht.
Eine Aufzählung der grönländischen Fische von Rein-
hardt in Rink's Groenland enthält 69 Arten.
Dipiioi«
Die Schilderung eines lebenden afrikanischen Lepidosiren,
welcher im Krystallpalaste ausgestellt ist, von J. E. G r a y Proc.
zool. soc. 1856. p.342, Annais nat. bist. XIX. p. 412, ist in unse-
rem Archiv 1857. I. p. 330 in der Uebersetzung mitgetheilt,
obgleich ich die Gründe des Verf., dieses Thier den Amphibien
zuzuzählen, nicht ausreichend finde.
80 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Teleostei.
Ä canthopteri.
Percoidei« Auf Serranus fasciolaris hat Holbrook Ich-
thyology of South-Carolina p, 32 eine eigene (Jattung Diplectroji
gegründet, die er so charakterisirt : Vordeckel mit zwei abgerundeten
Gruppen strahliger Dornen , Suboperciilum hinten ?nit häutiger Ver-
längerung, Kiefern ohne Schuppen, Kiefer-, Zvvischenkiefer - , Gau-
men- und Vomerzähne klein und sammetartig, einige grössere Zähne
im Unter- und Zwischenkiefer, Körper langstreckig, comprimirt,
eine sehr lange Rückenflosse, sieben Kiemenhautstrahlen.
Derselbe beschrieb ib. als neue Arten : Serranus nigritns p. 173
und Rypticns maculatus p. 39.
Basilewski beschrieb 1. c. Percu Chna-tsi tab. 1. fig. 1 und
Perca Chuan-tsi tab. 2. fig. 1, die beide offenbar der Gattung Serra-
nus angehören, ferner Lahrax Ly-iiiy.
Bleeker stellte aus dieser Familie folgende neue Arten auf:
Äpogon sangiensis Watuurk. Tijdschr. Ked. Indie XIII. p. 375 von
den Sangi-Inseln ; Bogoda macrolepis Bovneo 10. 1. c. aus dem Flusse
Kapuas ; Serranus lansenii Natuurk. Tijdschr. Ned. Indie XIII. p. 376
von den Sangi-Inseln : Serranus amblycephalus und melanotaenia Am-
boina 8. 1. c. p.32; Anthias pleurotaenia , cheirosjnlos , lepiclolepis
und Huchtii ib. p. 34.
Bleeker sieht die Gattungen Cirrhites, Cirrhitichthys und
Cheilodactylus als besondere Familie Cir rhit e oid ei an, die sich durch
die unverzweigten unteren Brustflossenstrahlen, die hinter den Brust-
flossen angefügten Bauchflossen, die Cycloidschuppen u. s. w. unter-
scheiden, und fügt ihnen Amboina 8. 1. c. p. 39 eine neue Gattung
Oxy cirrhites mit folgender Diagnose hinzu: Ossa intermaxillaria
maxime evoluta, longo ante rostruui producta, ramis descendente et
adscendente dentata; os quasi in tubum productum; dentes maxillis
pluriseriati serie externa aequales seriebus ceteris maiores, vomerini
pluriseriati in vittam semilunarem dispositi, palatini nulli ; praeoper-
culum dentatum ; operculum spina plana armatum ; pseudobranchiae ;
membrana branchiostega radiis G; Spinae dorsi 10. 0. typus von
Amboina.
Cirrhites amblycephalus Bleeker Katuurk. Tijdschr. Ned. Indie
XIII. p. 378 voij den Sangi-Inseln.
Catstpliracti. Von Richardson wurden Cottus glacialis
und Gasferosteus insculplus I.e. als neue Arten von Wellington Sound
beschrieben.
Cottus ferruginens n. sp. Ileckel und Kner 1. c. aus dem Gar-
dasee, Mailand, Treviso, Dalmatien.
während des Jahres 1857. 81
Pseudocliromides* Fsevdochroinis cyanulaenia Bleeker
Natuurk. Tijdsthr. XIII. p. 72.
Sciaenoidei* Bei ß a s i l e w s k i in der Ichthyographia Chi-
nae borealis finden sich folgende Arten beschrieben: Sciaena ten-lo
tab. 1. fig. 3, Sc. arcuata, Mi-iuy, Chuan-chua, Mey-giin.
In der Sciaenoiden-Familie stellte Holbrook Ichthyology of
South - Carolina p. 168 eine neue Gattung Homoprion auf, die
nahe verwandt mit Micropogon ist, aber sich von ihr durch den
Mangel der Bartfäden am Kinn unterscheidet. Ihre Charaktere lau-
ten: kleine hechelförniige Zähne in beiden Kiefern, im Oberkiefer
eine Reihe grösserer, konischer, spitzer Zähne, Schlundzähne nicht
pflasterartig; Vordeckel mit grossen strahligen Dornen am Winkel;
sieben Strahlen in der Kiemenhaut, Dahin Leiostomus xanthurus und
eine neue Art H. lanceolatus.
Derselbe stellte ib. einige neue Arten auf: OlolUhus thalassi-
nus p. 132, 0. 7iothus p. 134 , Umbrina littoralis p. 142, Larimus fa-
sciatns p. 153.
üparoidei* Sargus rhomboides und unimaculatus trennte
Holbrook Ichthyology of South-Carolina p. 56 als neue Gattung
Lagodon von Sargus ab, weil sie ein vorstreckbares Maul besitzen.
Basilew^ski bildete 1. c. tab. 3. fig. 1 einen Fisch unter dem
Namen Fagvus macrocephalns ab; die Beschreibung passt nicht zur
Abbildung, welche letztere gar keinen Sparoiden , eher einen Sciae-
noiden darstellt.
Dentex nemuriis und metopias Bleeker Amboina 8. 1. c. p. 49
und 51.
Squamipennes. Neue Arten von Bleeker Amboina 8.
1. c. p.53: Chaetodon xanthurtis und polylepis , Holacanthus melano-
spilos und diacanthus.
liabyrintliici* Anabas microcephalus Bleeker n. sp. Am-
boina 8. 1. c. p. 58.
Ophicephalus Pekinensis Basilewski ist 1. c. tab. 9. fig. 3 abgebildet.
Scomberoidei* Cybium Bonaparte Verany ist von 1) e
Filippi et Verany Mem. Accad. di Torino XVIII. als Pelamys
Bonaparte beschrieben und abgebildet.
Basilewski beschrieb I.e. Stromateus echinogaster, Trichin-
rus lepturus L. und Scomber Pa-iuy.
Carangoides plagiotaenia Bleeker Amboina 8. 1. c. p, 59.
Aus Trachinotus pampanus bildete Holbrook Ichthyology of
South-Carolina p. 80 eine eigene neue Gattung B o thr olae mtts y
die sich von Lichla und Trachinotus durch völligen Mangel der Zähne
unterscheidet.
Derselbe beschrieb ib. als neu : Seriola carolinensis p. 70, Ca-
ranx falcatus p. 92 und Caranx Richardi p. 94.
Archiv f. Naturgesch. XXIV. Jahr«. 2. Bd. F
82 Tiüschel: Bericht über die Leistungen in der leiithyologie
Novarchus nov. gen. De Filippi et Verany Meni. Accad. di
Torino 1. c. Habitus Seriolae ; caput undique squamosnin, poris non-
niillis in regione nasali ; dentes inteiniaxillaies et mandibulares gra-
ciles, elongati, serie unica pectinatim dispositi ; palatini et linguales
niinimi, conferti ; pinna dorsalis radiis spinosis numerosis, pectorales
elongatae, caudalis a basi perfecte divisa, lobis aequalibus. N. sulca-
tus n. &p. Mittelmeer.
M^«»iacantAiini« Kach De Filippi und Verany Mem.
Acad. di Torino 1. c. besteht jetzt die Gattung Notacanthus aus 5 Spe-
cies , nämlich K. Nasus Bloch, sexpinnis Richard., mediferranens n.
sp,, Bonaparte Risso und liissoamts n. sp.
Teiitliyes. Äcantkwus ckrysucoina Bleeker Natuurk. Tijd-
schr. Ned. Indie XIII. p. 67 von Büro.
Hug'iloidei« Neue Arten : Mngil So-iuy Basilewski 1. c
tab. 4. flg. 3; — Mugil belanak Bleeker Natuurk. Tijdschr. Ned. In-
die XIII. p.337 von Batavia.
Ooliioidei* Neue Arten von Bleeker : Sicydinm z-osteropho-
rnm und 6rt/mewseNat. Tijdschr. Ned. Indie XII. p. 296 von Boleling im
nördlichen Bali ; Eleotris taenionotopteriis ib. p. 298 in süssem Wasser
bei Boleling; Culius macrocephahis ib. XIII. p. 70.
Bleeker erhebt ib. XII. p. 300 Eleotris belobrancha Cuv. Val.
zu einer eigenen Gattung, indem er sie B el ob r aiichu s Qnoyi
nennt, und ihr eine neue Art B. taenioplerus aus dem süssen Wasser
von Bali hinzufügt. Die Gattungscharaktere lauten : Pinnae dorsales
2 ; dentes maxillares pluriseriati ; palatum totum edentulum ; nares
oculo approximatae, anteriores tubulatae; praeoperculum anacanthum ;
radiis membrana branchiostega 6 , quorum 1 vel plures spina antror-
sum spectante.
Echeneis lineata Ilolbrook I.e. p. 101. Diese Gattung wird von
dem Verf. zu den Scomberoiden gestellt.
Murray hat Edinburgh newphilos. Journ. New Series IV. 1856
p. 287 eine neue Art der Gattung Echeneis beschrieben (vergl. auch
Bibl. univers. de Geneve T. 33. p. 247), wobei er Bemerkungen über
die Lebensweise der Schiffshalter überhaupt mittheilte. Namentlich
hat er versucht, die Art, wie diese Fische sich an bewegten Gegen-
ständen befestigen , zu erklären. Der Saugapparat besteht aus einem
freien fleischigen Rande, der geeignet ist als Saugnapf zu wirken
und aus zwei Reihen knorpliger Querplatteil, die mit drei Reihen
von Zähnen besetzt sind, welche sich nach hinten niederlegen. Verf.
meint nun, wenn ein Wallfisch oder Haifisch über diesen Apparat von
hinten her fortschwimme . so müsse er den Schiffshalter mitziehen,
und er könne sich nun festsaugen. Um sich wieder los zu machen,
müsse er schneller nach vorn schwimmen , als sein Träger. Die Art,
während des Jahres 1857. 83
Echeneis tropictjs, hat nur 17 Platten in der Kopfscheibe, welche
hinten nicht breiter ist als vorn ; der Körper verschmälert sich nach
hinten allmählicher als bei remora, auch schien dem Verf. die Haut
weicher als bei der genannten Art.
Blennioidei. Richardson beschrieb 1. c. zwei neue Ar-
ten von Wellington Sound : Lwnpemis nvhihis und Lycodes mvcosus.
Bleeker verdanken wir folgende neue Arten : Salarias intev-
ruptus und diproklopterus Nat. Tydschr. Ned. Indie XIII. p. G8 von
Büro; Climis xanthosovia ib. p.340 vom südlichen Java; Petroshir-
tes amblyvhynchus und tapeinosoma Amboina 8. 1. c. p. 64 ; Salarias
heteropterus^ chrysospilos und amboinensis ib. p. 65.
Clinvs Veraiiyi De Filippi Mem. Acad. di Torino 1. c. aus de?n
Golf von Cagliari.
Genypterus wird von Philippi als neue Gattung der Blen-
nioiden in unserem Archiv p. 268 aufgestellt. G. 7iigricans ist Gay's
Conger chilensis, der also die Stellung dieses Fisches arg verkannte.
Pediculati. Neue Arten von Bleeker: Antennarins le-
prosiis, phymatodes, melas, oligospilos Amboina 8. 1. c. p.68.
Anacanthini.
Oadoidei. De Filippi und Verany haben Pteridium
atrum Swains. (Oligopus ater et niger Risso , Gadopsis De Filippi),
namentlich auch die Schwimmblase näher beschrieben, und sind der
Ansicht, dass dieser Fisch die Verbindung der Gadidi und Ophidini
bilde, und eine Vereinigung beider genannten Familien fordere. Mem.
Accad. di Torino XVIII. 1. c. (Vergl. den Bericht über 1855 p. 79).
Opliidini. Bei Basilewski 1. c. findet sich ein Ophidinm
aculeatnm beschrieben.
Pleiironectae. Basilewski beschreibt ib. ferner P/«-
tessa percocephala und Achirus Plagnsia , so wie ib. im Anhange
Platessa hicolorata, Solea fasciata und anomjma.
Pharyngognathi.
liabroidei cycloidei. Neue Arten von Bleeker: Julis
(Julis) oxyrhynchos Nat. Tijdschr. Ned. Indie XIII. p. 74 von Büro;
Jnlis (Halichoeres) jaianicus ib. p. 341 vom südlichen Java; Scarvs
hataviensis ib. p. 342 von Batavia ; — ferner Amboina 8. 1. c. p. 75sq. :
Cossyphus zosterophorns, Julis (JnlisJ melanochir , Julis (Halichoe-
res) heteropterns. Anampses melunurus , amboinensis pterophthalmus,
Novacula melanopus, spilonotus, Cheilinus hexataenia.
liabroidei cfenoidei. Glypkisodon nemurns Bleeker Nat.
Tijdschr. Ned. Indie XIII. p. 73 von Büro; Gl. amboinensis Bleeker
Amboina 8. 1. c. p.72.
84 Troscliel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Cliromicles. Peters stellte Monatsber. der Berliner Acad.
1857 p. 403 eine neue Gattung der Chromiden auf , die sich durch
cycloidische Schuppen und einfache conische Zähne unterscheiden
soll. H emichr om i s. Genae operculaque glabra squaniata; squa-
mae cycloideae, linea lateralis interrupta; radii branchiostegi quin-
que , branchiae quatuor ; nares siinplices ; os protractile ; dentes co-
nici, apice nigri, in mandibula uniseriales, in osse interniaxillari bi-
seriales, seriebus divaricatis. H. fasciafns von Guinea.
Scomberesoces. Bei Basilewski 1. c. finden sich im
Anhange Belone esocina und microstoma beschrieben.
Exocetus (Cyprilurus) procne De Filippi et Verany Meni. Ac-
cad. di Torino XVIII. 1. c. von Nizza.
PhysostomL
Siluroidei. K 11 e r hat in den Wiener Sitzungsberich-
ten XXVI p. 373-448. tab. I— IX. „Iclithyologische Beiträge
II. Abth." geliefert. Dieselben beziehen sich auf diejenigen
Südamerikanischen Welse , die in seinen früheren Arbeiten
nicht berücksichtigt waren. Verf. behält sich eine natürliche
Gruppirung der Familie noch vor, bis er reicheres Material
auch aus Asien und Afrika wird bearbeiten können , und
geht für jetzt nur darauf aus, die Kenntniss der Gattungen
und Species zu fördern. Im Allgemeinen schliesst er sich
an die Valenciennes'schen Gattungen ohne sie gut zu heis-
sen, und spöttelt über die von J. Müller und Referenten in-
nerhalb der grossen Gattung Bagrus gebildeten Untergattun-
gen. Er spricht sich überhaupt gegen die Einführung soge-
nannter Untergattungen aus. Referenten scheint es bei dem
gegenwärtigen Stande unserer Wissenschaft nicht möglich,
mit den Begriffen Klasse , Ordnung , Familie , Gattung und
Art auszureichen. Man ist oft gezwungen , der leichtern
Uebersicht wegen, in der Gattung zu theilen und naturge-
mäss zu unterscheiden , ohne dass diese entstandenen Grup-
pen als Gattungen aufzufassen wären , dann wird man sie
Untergattungen nennen können. Als ich mit meinem ver-
ewigten Freunde die Horae ichlhyologicae ausarbeitete, wa-
ren wir der Ansicht, dass Bagrus im weiteren Sinne ein
bestimmt zu charakterisirender Begriff sei , während Arius
Bagrus s. Str., Galeichthys, Platystoma und dergl. zwar ver-
schieden sind, aber nach verschiedener Definition theils ver-
während des Jahres 1857. 85
schieden begrenzt worden sind, theils bei consequenter An-
wendung- der Charaktere sich noch stark mehren werden.
Deshalb nahmen wir Bagrus als Gattung, die anderen ge-
nannten als Untergattungen. Der Begriff Gattung (Genus)
hat freilich seit Linne sich sehr geändert, und wird auch
heute noch sehr verschieden aufgefasst. Verf. wird wenig-
stens zugeben müssen, dass in unserem Falle durch Einfüh-
rung von Untergattungen einige Uebersicht in die Fülle von
Arten komme. — Es folgen hier die vom Verf. vorgeschla-
genen neuen Arten und Gattungen :
Bcif/rus reticulatns aus dem Araguay, B. Goliath Heck. Ms. eben-
daher, B. putictulaftis aus dem Rio Guapore und Rio branco, B. pi-
ramnta aus dem Rio negro und Rio Madeira.
Platystoma stvrio von Rio branco nebst Beschreibungen von 5
bereits bekanuten Arten dieser Gattung.
Äsferophysus n. gen. Kopf nackthäutig , gleich breit und
lang, Unterkiefer vorstehend , Mundspalte sehr weit , breite Binden
grober Sammtzähne in den Kiefern und an der ganzen Länge der
Gaumeubeine, Vomerplatte zahnlos; 6 Barteln, Dorsale nackenständig,
Fettflosse klein, Zahl der Kiemenstrahlen gering (4 — 5), Kienienspalte
nur bis an die Basis der Brustflossen offen; die Urogenitalmündung
bei Männchen an der Spitze des ersten Analstrahles ; die rundliche
Schwimmblase ringsum mit fast gleichlangen Blinddärmchen behängt.
A. batrachus von Marabitanos.
Cetopsis gohioides von Irisanga.
Pimelodtis ornatus von Surinam, Rio »negro und Cujaba ; P.
nmltiradiatus aus dem Rio Madeira und Rio Facutu ; P. hreviceps
von Marabitanos ; P. laticandvs Heck. Ms. aus dem Cujabafluss.
Auchenipterus thoracatiis aus dem Rio Guapore, A. ceratophy-
sus aus dem Rio Guapore, Rio branco und Rio negro.
C entr omoch In s n. gen. Mit freiem körnigen Helme, vier
sehr kurzen Kehlbarteln, kleiner Fettflosse und wenig strahliger Anale,
einfache, nicht zellige Schwimmblase mit Muskelbeleg ; — sonst sehr
ähnlich mit Auchenipterus. C. megalops aus" Bogota. C. milopygius
aus dem Guapore.
Trachelyoplenis taeniatns aus dem Rio Guapore.
Ayeneiosus dentatus aus Surinam, A. qnadrifilis aus dem Rio
Guapore.
Hypophthalmns fimbriatns aus dem Rio negro.
Bei Basilewski sind 1. c. Silurus Arotus Linn. tab. 3. flg. 4.
und Silurtis Caharius tab. 9., der ein Pimelodus ist, abgebildet.
Ciarias Teijsmanni ist von Bleeker aufgestellt Katuurk. Tijd-
86 T r 0 s c h e 1 : Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
sehr. Ned. Indie XIII. p. 344 von Tijkoppo, Provinz ßuitenzorg in
Java, 900 Metres über dem Meere.
Hyrtl hat Ciarotes Heuglini anatomisch untersucht, und weist
ihm seine Stellung im System zwischen Pimelodus und Synodus an.
Sitzungsberichte der Wiener Academie XXVI. p. 371. Die Abhand-
lung wird in den Denkschriften erscheinen.
Bilharz hat nun seine Beobachtungen über „Das elec-
trische Organ des Zitterwelses" in einer besondern Schrift
Leipzig 1857 fol. veröffentlicht, über die schon früher ein-
zehie Berichte bekannt geworden waren. Die Abhandlung
ist von vier Tafeln begleitet.
Nach einer historischen Einleitung wird zunächst das osteolo-
gische Verhalten, dann die Bauchliöhle, ferner das Gehirn und Rük-
kenmark beschrieben. Darauf folgt die Schilderung des electrischen
Kerven und des electrischen Organes als Haupttheil des Werkes. Den
Schluss macht eine vergleichende Beschreibung der electrischen Or-
gane des Zitteraales und des Zitterrochen.
Waddell beobachtete das Verhalten eines electrischen
Fisches, Malapterurus Beninensis Murr, gegen andere Fische.
Edinburgh new phii. Journ. New Series IV. 1856. p. 164.
Du Bois-Reymond konnte zu Berlin Versuche an
einem lebenden Exemplare von Malapterurus Beninensis an-
stellen. Berliner Monatsber. 1857. p. 424.
Cypriooidei* Diese artenreiche Familie ist wiederum durch
zahlreiche neue Arten bereichert worden.
Basilewski hat 1. c. folgende Arten beschrieben, die er we-
nigstens zum Theil als neu ansieht : Cyprinus chinensis tab. 2. fig. 3,
C. obesus tab. 1. fig. 2, Carassins Pekinensis tab. 3. fig. 3, C coe-
ruleus tab. 9 fig. 2, C. discolor; Cyprinus auratusVmw. tab. 5. fig. 4.
(Dazu gehören als Varietäten C. macrophthalmus Bl., C. quadriloba-
tus tab. 5. fig. 5 , und ferner die Abbildungen tab. 5. fig. 1—3} ;
Gobio rivnlaris; Lencisciis argenlciis , tere.tiusciiUis tab. 4. fig. 1,
Tschiliensis, Aethiops tab. 6. fig. 1; Nasus dahtiricus tab. 7. fig. 1
(hat keine Aehnlichkeit mit Cypr. nasus Linn.) ; Leptocephalus mon-
golicus tab. 4. fig. 2 ; Cephalns manlschuricus tab. 7. fig. 3, Cnller
alburnus tab, 8. fig. 3, erylhropterns tab. 8. fig. 1, mongolicus, Pe-
kinensis, exiguus , teucisculus ; Abramis Pekinensis tab. 6. fig. 2, m«/?-
tschuricus; Cobitis decemcirrosus tab. 7. fig. 2.
Bleeker hat folgende Cyprinoiden aufgestellt: Barbus koi-
lometopon Nat. Tjidschr. Ned. ladie XIll. p. 347 von Batavia, B. bun-
ter ib. p. 350 aus dem Fluss Tjidani in Westjava, B. polyspilos ib.
p.351 aus der Provinz Bantam in Westjava, ß. Hasselti ib. p. 355
während des Jahres 1857. 87
nach einer Zeichnung von Kühl und van Hasselt; Labcobarhns tam-
hra (Barbus tanibra C. V.) ib. p. 356 von Java; Gobio microcephalns
\\m\ javanicKs ib. p. 357 von Batavia; Rohita hoilogeneion ib. p. 359
von Batavia ; Lobocheilos lucas und rohitoides ib. p. 362 von Bata-
via. — Derselbe stellte ferner Borneo 10 1. c. auf: Barhns tetrazona
aus dem Kchajan im südlichen Borneo , Leuciscns Helfrichii ebenda-
her, Bohita borneensis und Kappenii aus dem Kapuas, /?. kahajanen-
sis aus dem Kaluijan.
Richardson beschrieb Proc. zool. soc. 1856 p. 371 , Annais
nat. bist. XIX. p. 486 drei Arten als neu : Cypn'tms hifkynicns und
Leuciscns Äpollinitis aus dem See Apollinitis. Lenciscus Cii aus dem
Gemlek, dem Cius der Alten.
G'ünther hat Abramis dobnloides aus dem Kechar als neue
Art erkannt und beschrieben . Würtembergische Katurw. Jahreshefte
1857 p. 50.
Hecke 1 und Kner haben in „Süsswasserfische der Oestrei-
chischen Monarchie" auch eine Anzahl neuer Cyprinoiden beschrie-
ben : Ctjprinns acnminatns Donau. Neusiedler- und Plattensee, Caras-
sius oblongiis ans Galizien, Alburnvs breviceps. Älburmts fracchia aus
Treviso, Iihs miniatus im Teiche des Kais. Hofgartens der Burg in
Wien, Hcardinius dergle aus Dalmatien und Bosnien, Sc. plotiz-za aus
Dalmatien , -SV. macrophthahnns aus Tirol , Squalivs illyricns und
svallize aus Dalmatien.
Dieselben gründeten ib. p.l45 auch eine neue Gattung Leu-
caspius. Schlundzähne mit compressen , gekerbten Kronen (Drück-
zähne, dentes contusorii), jederseits 5 in einfacher Reihe, Unterkie-
fer vorstehend, Bauch wie beiAlburnus gekielt, Analbäsis verlängert;
Schuppen gross, leicht abfallend , ohne Radien. Steht in Bezug auf
die Schlundzähne der Gattung Leucos zunächst , schliesst sich aber
in allen übrigen Eigenthümlichkeiten den Alburnus-Arten an. L. ab-
riiptns n. sp. aus der Umgebung von Lemberg.
Unter dem Namen Acant hopsi d es sehen He ekel und Kner
ib. p. 296 die Gattung Cobitis nebst Verwandten als besondere zwi-
schen Cyprinoi(fen und Siluroiden stehende Familie an, der aus der
Valenciennes'schen Siluroidenfamilie auch die Gattungen Cetopsis,
Pareiodon und Trichomycterus einzuverleiben seien. Als Charaktere
dieser Familie werden folgende gesetzt : Totalgestalt lang gestreckt,
Kopf klein, bis zur engen Kiemenspalte überhäutet; der Suborbital-
ring und öfters auch die Deckelstücke in einen oder mehrere Dor-
nen auslaufend, Mund von Sauglippen und Barteln umgeben, die
kurze Rückenflosse ohne Knochenstrahl , über den Bauchflossen ste-
hend ; Rumpf klein beschuppt.
Eine neue Art Cobitis elotitjata aus der Sala bei Idria in Krain
ist ib. p. 305 beschrieben.
88 Troschel: Bericht ül)er die Leistungen in der Ichthyologie
Cham ein hat die Pariser Acadeniic darauf aufmerksam ge-
macht, dass J'hoxiuus laevis sehr begierig die Eier anderer Fische
frisst, und dadurch der Fischzucht sehr uachtheilig wird. Rev. et
mag. de Zoologie 1857 p. 234,
Cyprinodontes. Bellotti giebt an , Cyprinodon calari-
tanus und C. fasciatus Val. gehören derselben Species an, von der
ersterer das Weibchen , letzterer das Männchen sei. Ebenso sei Hy-
drargyra hispanica Val. das Weibchen von Cyprinodon iberus Val,
Gazzetta Piemontese del 1857 No. 280,
Salmones* Salar tjenivitlahis II e ekel und Kner Süss-
wasserfische der Oestreich. Monarchie p.260, aus der Sala , Neben-
fluss des Isonzo.
Eperlamis chinensis Basilewski Ichthyographia Chinae bor.
Clupeacei. Aus dieser Familie sind nur Clnpea inermis,
Pristigasler chinensis und Osteoglossum prionostoma bei Basilewski
1. c. zu erwähnen.
Jfforniyri* Ueber die Nerven - Endigungen im electrischen
Organ der Mormyri schrieb E cker, Untersuchungen zur Ichthyologie,
Jubelschrift der Universität Freiburg in B, 1857. p. 29.
Heteropyg-ki. Wyman hat Beobachtungen an dem blinden
Fisch der Mammoulh-Höhle angestellt. Er fand, dass die Streifen am
Kopfe aus einer Reihe ^on Papillen bestehen, die eng aneinander liegen,
und unter ihnen einen Zweig des fünften IVervenpaares, der kleineie
Zweige zu den Papillen sendet. Die grösseren Fische zeigen dieselben
Streifen mit derselben Structur längs dem Körper zwischen Kopf und
Schwanz. Er fand auch die rudimentären Augen und Muskelbündel
an jeder Seite des Auges. Der Magen enthielt einen Fisch mit gros-
sen Augen, das erste Beispiel eines Fisches mit Äugen aus der Höhle-
Proc. Boston soc. VI. p. 72.
]IIuraenacei. AnciuUla enrxjstoma Heckel und Kner 1. c.
p, 325 aus Dalniatien.
Bleeker beschrieb Mvraena buroensis Natuurk. Tijdschr. Ned.
jndie XIII. p, 79 von Büro und Cotigev Noordziekii Amboina 8. 1. c,
p, 86 als neu.
Basilewski 1. c. beschrieb Muraena Pekinensis, Apterijgia
saccogularii, tab. 8. fig. 2. und A. nigromaculata tab. 2. fig. 2.
Opliissiridae. Bellotli hat eine neue Art Ophisurus lii-
spanus von Barcelona beschrieben. Accademia fisico-niedico- stafistica
di iMilano 23. dicembre 1857.
Bleeker desgleichen: Muraeiiiehthys Schnltzii Nat. Tijdschr.
Ned. Indie XIII. p. 366 >on Süd-Ja\a; Ophisurus cirrocheilos Am-
boina 8. I.e. p.89; Muraenichlligs ggmnolus und macropt erus ih. p. 90.
Oytimotini. In den Nachrichten von der Universität
und der Königl. Ges. der Wissensch. zu Göttingen 1857 No. 19
während des Jahres 1857. 89
haben Kupfer und Keferstein „über den feineren Bau
des elektrischen Organs beim Zitter-Aal (Gymnotus electri-
cus) mit Rücksicht auf den Bau bei andern elektrischen Fi-
schen, insbesondere bei Mormyrus oxyrhynchus" geschrie-
ben, wozu Rud. Wagner nachträgliche Bemerkungen über
die Endigungen der Nerven im Allgemeinen hinzufügte.
Plectognathi.
OstrHcioniclae. Von Hollard erschien eine Mono-
graphie der Familie der Ostracioniden in den Annales des
sc. nat. VII. p. 121 170, mit einer Tafel, auf welcher die
Struktur der Schuppen dargestellt ist.
* Verf. stellt die allgemeinen Charaktere auf, und beschreibt dann
die Maiitbedeckung und das Skelett. Die Schuppen der Ostracioniden sind
polygonale Platten, die durch Eingreifen von Zahnvorsprüngen verei-
nigt sind, und die auf einer Schicht von Faserge^^'ebe ruhen, wel-
ches in die Verbindungslinien eindringt, und so einige Ausdehnbar-
lieit möglich ^niacht. Die einzelnen Platten sind aussen convex, in-
nen concav und zeigen hier in der Mitte einen Raum, in welchem
mehrere kleine l^öcher sichtbar sind, durch welche dieGefässe in die
Platte eindringen. Von dem mittleren Raum ziehen sich Linien nach
den Ecken der Platte und theilen so die Unterseite in Dreiecke, welche
parallel dem Platterrande gestreift sind. Ein näheres Eingehen auf
die interessante Darstellung der feineren Organisation der Schuppen
gestattet uns leider der Raum nicht. — Verf. nimmt nur zwei Gat-
tungen an , nämlich Aracana Gray mit 3 Arten und Ostracion Gray
mit 16 Arten, die alle charakterisirt und beschrieben sind.
Ostracion fcnlacünthvs ist eine neue Art von Bleelier Ani-
boina 8. 1. c. p. 98.
c^ymnodontes. Hollard hat sich nunmehr auch mit
der Familie der Gymnodonten beschäftigt und findet sie in
Betreff der Körperbedeckung weniger von den Batistes und
Ortracion entfernt, als man bisher geglaubt hat. Das Skelett
bietet dem Verf. Grund, die Gymnodonten in zwei Familien
zu spalten: Spherosomes und Ellipsosomes (Orthragoriscus).
Erstere zerfällt wieder in zwei Tribus , Tetrodoniens und
Diodoniens, unter deren ersterer sich osteologisch vier Gat-
tungen begründen lassen : Rhynchosus , Xenopterus , Tetro-
don und Batrachops. Comptes rendus XLV. p. 796; Rev. et
mag. de Zoologie 1857. p. 517.
90 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
In der über diesen Gegenstand veröffentlichten vollstän-
digen Abhandlung von Hollard Annales des sc. nat. VIII.
p.275 — 328, „Etudes sur les Gymnodontes et en particulier
sur leur osteologie et sur les indications qu'elle pcut four-
nir pour leur Classification«, ist das Skelett in ausführlicher
Weise beschrieben , und in seinen einzelnen Theilen abofe-
bildet. Die Eintheilung vv^eicht etwas von der vorhin erwähn-
ten ab. Hier zerfällt die Ordnung der Gymnodonten in drei
Familien: Lo ganiasomes (lx\oi\o\\)^ Spherosomes und
Ellip soÄomes(Orthagoriscus). Zu den Spherosomes gehören
die beiden Tribus Tetrodoniens und Diodoniens. Die erstere
derselben enthält die Gattungen Rhynchotus Bibr. , Xenopte-
rus ßibr., Batrachops Bibr., Apsicephalus Hollard, Brachyce-
phalus Hollard, Monotreta Bibr. Die Species sind nicht auf-
gezählt.
'Tetrodon Basilewskianus bei Basilewski 1. c. im Anhange,
von China.
Bnlistini. ßalistes unicornn Basilewski ib. im Anhange,
von China.
Monacmithus isogramma Bleeker Nat. Tijdschr. Ned. Indie
XIII. p.367 von ßatavia.
Lophobranchii.
Neue Arten : Syngnathus hicoarctatns Bleeker Amboina 8. 1. c.
p. 99. — Hippocumpns chinensis Basilewski Ichthyogr. Chinae borealis.
Oaiioidei.
Agassiz machte eine Bemerkung über die Jungen des
Lepidosteus aus dem Ontario-See. Bei ihnen war die Ver-
längerung der Wirbelsäule in Form eines fleischigen Fadens
deutlich von der Schwanzflosse getrennt. Proc. Boston Soc.
Vi. p. 47.
Derselbe fand ib. p. 63 eine Aehnlichkeit zwischen den
Stören und Lepidosteus in der Entwickelung der Schuppen.
Der jüngste von ihm beobachtete Lepidosteus hatte eine Reihe
Schuppen längs der Mittellinie des Körpers ; bei einem etwas
älteren fand sich auch eine Schuppenreihe über und unter
der Mittellinie; gegen den Schwanz waren die Schuppen zu-
sammengedrängt und von rhombischer Form. Aehnlich ist
während des Jahres 1857. &1
es beim Stör. Er erwartet bei den Embryonen von Lepido-
steus den Mund unterhalb der Schnauze zu finden,
Golowatscho w hat, Bulletin de la so( . imp. des
naturalistes de Moscou 1857 p. 530 die Arten der russischen
Störe kritisch untersucht.
Er ist der Ansicht, dass die Altersverschiedenheiten, die Local-
varietäten und die individuellen Abweichungen , so wie die Bastard-
fornien bisher nicht hinlängliche Berücksichtigung gefunden haben.
Er hält Gül d ens t ä d fs Acipeuser Schipa für gute Art, A, Ileckeli
Fitz, identisch mit A. Güldenstädtii Brandt, A. glaber Heck, für glatte
Varietät von A. Schipa , und A. Gmelini Fitz für Varietät von A.
Ruthenus ct.
Acipeuser Mantschuricns Basilewski 1. c. aus China.
Ich will nicht unterlassen auf die gründliche Auseinanderset-
zung der europäischen Störe in He ekel und Kner's mehrerwähn-
tem Buche „Süsswasserfische der östreichischen Monarchie" aufmerk-
sam zu machen. Daselbst sind 12 Arten beschrieben und nebst De-
tail der Köpfe abgebildet. Die Eintheiliing der Gattung von F i t-
zinger und Heckel in den Wiener Annalen I. in sechs Gruppen,
die sich besonders auf die Beschiippung , die Bartfäden und die
Unterlippe stützt,! ist beibehalten. Danach vertheilen sich die be-
schriebenen Arten folgendermassen : I. L i o ni sei; 1, Ac. glaber Heck.
IL Äcipetis er es: 2, A. ruthenus L., 3, A. Gmelini Fitz. III. H e-
lopes: 4, A. stellatus Fall. IV. Antacei: 5, A. schypa Güld..
6, A. Güldenslaedtii Brandt, 7, A. Naccarii Bonap., 8, A. Nardoi Heck.
9, A. Heckelii Fitz., 10, A. nasus Heck, V. Sturiones: 11, A.
Sturio Linn. VI. Husones: 12, A. huso Linn.
ISelachil.
Squali. Scyllinm acanthonotum de F'ilippi und Verany ist
3Iem. Accad. di Torino XVIII. Fig. 2. abgebildet worden.-
Rajae. Hyrtl gab vorläufige Kenntniss von einer
für die Denkschriften bestimmten Abhandluno- über das ar-
terielle Gefäss - System der Rochen in den Wiener Sitzungs-
berichten XXV. p. 236.
Green beobachtete am iMundrande von Fristis sagittala Zähne
unmittelbar neben den Placoidschuppeu , welche den Körper des Fi-
sches bedecken. Beide waren sehr ähnlich gebildet, nur dass die
Zähne zwei- bis dreimal grösser und dreieckig sind. Proc. Boston
Soc. VI. p. 67.
31alm beschrieb Baja circularis Couch als neu für die Skan-
dinavische Fauna sehr ausführlich. Öfversigt af kongl. Vetenskaps-
akad. förhandlingar. Ib57. p. 187.
92 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie etc.
Indem Philipp! in unserem Archive p, 270 die Identität von
(jlay's Raja chilensis mit Poeppig's Raja lima hervorhebt, beschreibt
er zugleich eine neue Art Raja scobina von der Küste der Provinz
Valparaiso, die in die Abtheilung Uraptera gehört,
Raja chinensis Basilewski 1. c.
Rhynchob a l i s ist der Name , welchen P h i 1 i p p i einer
neuen Rochengattung ntit langem linealischen platten Schnabel giebt
Archiv für Naturgesch. p. 271.
Cyclostoitii«
Hubert Reich untersuchte den feinern Bau des Ge-
hörorgans von Petromyzon und Ammocoetes. Untersuchun-
gen zur Ichthyologie, Jubelschrift der Universität Freiburg im
Br. 1857.
Van Beneden bestätigt die interessante Entdeckung von Aug.
Müller von der Verwandlung der Petromyzon vollkommen und be-
schreibt als neue Art Petromyzon Omalii, die sich durch ihre J^änge,
und durch die Anordnung der Zähne von P. Planeri unterscheidet.
Ist abgebildet. Bulletin de Tacad. de Belgique 2. Serie. II. p. .549.
Es verdient erwähnt zu werden, dass He ekel und Kner in
ihrem schönen Werke „Die Süsswasserfische der Oestreichischen Mo-
narchie" die Beobachtungen Aug. Müller's , Ammocoetes sei der Ju-
gendzustand von Petromyzon Planeri , noch nicht für abgeschlossen
halten, sondern vermuthen , der Larvenzusland von P. Planeri möge
nur Aehnlichkeit mit Ammocoetes haben. Sie berufen sich vorzüg-
lich auf die Angabe A. Müller's, dass Ammocoetes durchsichtige Eier
habe, die doch bei einer Larve nicht vorkommen könnten. Natürlich
sind die Eierstocks-Eier gemeint.
Die Beschreibung von Velasia chilensis Gray von Philippi s.
in diesem Archiv p. 266.
lieiitocardii.
Lindsay berichtet, dass im August in der Nähe von Portin-
cross an der Küste von Ayrshire eine grössere Anzahl Exemplare von
Amphioxus lanceolatus mit dem Schleppnetz gefangen sei. Er lobt
(Jlycerin als eine gute Conservations- Flüssigkeit. Annais nat. bist.
XX. p. 339.
Bericilt über die lieistung^eii in der IVatur-
g^esciiiclite der iiiederii Thiere während des
Jaiires 1S57.
Von
■fr. Rud. Ijeuckart,
Professor in Giessen.
Allgemeines.
Dana publicirt (Silliman's Amer. Journ. 1857. Vol. XXIV.
p. 303— 316, Annais and Mag-, nat. bist. Vol. XX. p. 485)
„Thoiights on species" und behandelt darin die Fragen nach
der Natur, der Stabilität und den Abänderungen der Art von
einem allgemein naturwissenschaftlichen Standpunkte.
Jäger unterwirft die Symmetrie und Regularität der
Thierformen einer schärferen mathematischen Betrachtung
und glaubt den Nachweis liefern zu können, dass die sym-
metrischen („zweiachsigen") und radiären („einachsigen")
Thiere zweien principiell verschiedenen Bildungstypen ange-
hören. Daraufhin wird eine Eintheihing des Thierreichs in
axenlose (Protozoen), einachsige und zweiachsige Formen
als natürlich empfohlen.
Die von V. C a r u s herausgegebenen , in erster Hälfte
(Tab. 1 — XXlIi) vorliegenden Icones zootomicae, Leipz. .1857
enthalten zahlreiche Originalbeiträge von Allmann, Ge-
genbaur, Huxley, Kölliker, H. Müller, Schnitze,
V. Siebold und Stein und liefern durch eine grosse Menge
trefflich ausgeführter Zeichnungen eine ziemlich vollständige
üebersicht über unsere heutigen Kenntnisse von den Organi-
sationsverhältnissen der wirbellosen Thiere. Format und Aus-
führung erinnert, wie auch der Titel, in unverkennbarer
Weise an R. W a g n e r's vortrefflichen, für die niedern Thiere
freilich meist veralteten Handatlas, der unserem Verf. off'en-
94 J^euckart: Bericht über die Leistungen in der Naturofeschichte
bar zum Vorbilde gedient hat. Wir werden später noch
mehrfache Gelegenheit haben, auf dieses zeitgemässe Unter-
nehmen zurückzukommen und erwähnen hier nur noch so
viel, dass Verf. in den den Tafeln vorausgehenden „einleiten-
den Bemerkungen" die verschiedenen Haupltypen des Thier-
reiches bespricht und derei) Bau durch schematische Zeich-
nungen erläutert. Verf. unterscheidet dieselben sieben Haupt-
abtheilungen des Thierreiches, die zuerst Ref. aufgestellt hat
— Verf. verweist dabei freilich nur auf seine eigene Mor-
phologie undHuxley's Lectures — :Protozoa, Coelenterata,
Echinodermata, Vermes , Arthropoda , Mollusca , Vertebrata,
und schildert deren gegenseitige Beziehungen in folgenden
Worten: „Den Anfang der ganzen Reihe bilden einzellige
Wesen mit kaum beginnender Organisation (Protozoa) und
solche, welche ohne einen von der Leibeshöhle durch be-
sondere Membranen getrennten Darm zu besitzen, einen
strahligen, einfach von Hohlräumen durchzogenen Körper
haben (Coelenterata). Mit dem Auftreten eines Darmes und
des damit nothwendigen Gefässsystemes spalten sich die For-
men in zwei Reihen , deren eine dadurch ausgezeichnet ist,
dass sich bei gestreckter Körperform (zuerst noch in An-
schluss an den strahligen Bau) alle Organensysteme allmäh-
lich in zunächst gleichwerthige hinter einander liegende
Abschnitte sondern (Echinodermata, Vermes, Arthropoda),
während in der andern die Form des Körpers von einer
räumlichen Trennung der Organe nach ihrer physiologischen
Bedeutung abhängt (Mollusca). Das Endglied der ganzen
Reihe bilden Thiere, welche neben der Anordnung der Or-
gane in dem letzteren Sinne noch eine Anordnung der ani-
malischen Thierhälfte in hinter einander liegende Abschnitte
aufweisen (Vertebrata).«
K ö 11 i k e r's „Untersuchungen zur vergleichenden Ge-
webslehre^' (aus den Verhandl. des med. physik. Vereins zu
Würzburg vom Jahre 1857 bes. abgedruckt, 125 Seiten mit
2 Tafeln) machen uns mit zahlreichen neuen Strukturver-
hältnissen höherer und niederer Thiere bekannt und behan-
deln namentlich in dem Abschnitte über secundäre Zellen-
membranen und Cuticularbildungen (S. 37—109) einen Ge-
genstand, der für die richtige Auffassung der bei den Wir-
der niedcien ThitMc führend des Jahres 1857. 95
bellosen so häufigen äusseren Skeletbildungen von höchster
Wichtigkeit ist. Die meisten dieser Bildungen lernen wir hier
als Zellenabscheidungen kennen, die an sich structurlos sind,
durch Abinodelliren der darunter liegenden Zellen nnd an-
dere Vorgänge aber nicht selten ein zierliches Ansehen ge-
winnen. Eine sehr häufige Auszeichnung dieser sog. Cuticu-
larschichlen sind mehr oder minder feine und zahlreiche,
senkrecht stehende Poren. Ebendas. macht Verf. (S. 109 —
113) auf die grosse Verbreitung der contractilen Faserzellen
bei den Wirbellosen (Scheibenquallen , Schalthieren, Mollus-
ken) aufmerksam , so wie weiter darauf, dass diese Gebilde
an gewissen Stellen eine Structur darbieten (Querstreifen,
reihenweis gestellte interstitielle Körnchen, ungemeine Länge,
bedeutende Breite, eine besondere Hülle), welche derjenigen
der quergestreiften Fasern der Wirbelthiere sehr nahe steht.
Williams tritt mit einer Anzahl aphoristischer Sätze
der Annahme von der Existenz eines sog. Wassergefässsy-
stemes entgegen und sucht die verschiedenen , mit diesem
Namen bezeichneten Organe in anderweitiger Weise zu deu-
ten. (Annal. and Mag. nat. bist. Vol. XIX. p. 133.) Verf.
verspricht seine darauf bezüglichen Beobachtungen in einer
besondern Monographie der Respirationsorgane ausführlich zu
publiciren, so dass es billig erscheint, etwaige weitere Be-
merkungen über die vorliegenden Notizen bis dahin zu ver-
schieben. Ref. kann übrigens die Bemerkung nicht unter-
lassen, dass er in der Hauptsache mit Williams derselben
Ansicht ist und solches auch schon vor längerer Zeit (B e r g-
mann und Leuckart vergl. Physiol. S. 284) öffentlich
dargelegt hat.
Lancaster hält in der British Assoc. 1857 einen
Vortrag über die Fortpflanzung der organischen Wesen und
sucht die verschiedenen Formen derselben , mit Einschluss
des Generationswechsels und der Parlhenogenesis , unter
gewisse gemeinschaftliche Gesichtspunkte zusammenzufassen.
(Der kurze Bericht in l'lnstit. 1858. p. 140, der Ref. bis jetzt
allein vorliegt, lässt keine weitere Mittheilung über den Inhalt
des Vortrages zu.)
Von Sars erhielten wir den zweiten Theil seines „Bi-
drag til kundskaben om Middelhavets Littoral-Fauna, Reise-
96 Leiickart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
bemaerkingen fra Italien", Nyt Mag. for Naturvidensk. X.
p. 59— 155 (c. 2 tabb.) mit Beobachtungen über Akalephen
und Echinodernien , die später noch besonders anzuzie-
hen sind.
Der Prodromus descriptionis aniinalium evertebratoruin,
quae in expedit. ad oceanum septenlr. Joh. Rodgers duce
observ. et descrips. Stimpson (Proc. Ac. nat. sc. Philad.
1857) bezieht sich , soweit er hier zu berücksichtigen ist
(Pars 1 u. 2) , ausschliesslich auf die Gruppe der Turbella-
rien, auf die wir hier hinweisen.
1. V e r in e s.
0. Schmidt publicirt einen zweiten Beitrag „zur Kennt-
niss der Turbellaria rhabdocoela und einiger anderer Wür-
mer des Mitlelmeeres« Wien 1857, mit 5 Tafeln (Sitzungsber.
der k. k. Akad. der Wissenschaften Bd. XXIII. S. 347 IT.).
Die Beobachtungen des Verf. werden an der betreffenden
Stelle von uns berücksichtigt werden.
Die „Beiträge zur Entwickelungsgeschichte der Eingewei-
dewürmer"*-*^) von G.Wagen er, eine von der holländischen
Societät der Wissenschaften zu Hartem im Jahre 1855 ffe-
krönte und in dem 13. Bande der Naturkundig-e Verbände-
lingen 1857 veröffentlichte Preisschrift, sind in gleicher
Weise durch den Reichthum an Beobachtungen, wie durch
die vollendete Schönheit der vom Verf. selbst entworfenen
Abbildungen (27 Tafeln in Quart) ausgezeichnet. Sie bilden
eine besondere Zierde unserer helminthologischen Litteratur
""■) Ref. benutzt diese Gelegenheit, einen Irrthuni des vergange-
genen Jahresberichles zu verbessern. Die auf S. 172 citirteJVote von
Retzius, die Ref. nach einem nordanierikanischen Journal noch
nachträglich, nachdem er die betreffenden Reports nicht mehr zu Hän-
den hatte, seinem Berichte hinzufügte, handelt nicht, wie angeführt
„über die Entvvickelung von Würmern in dem Gehirne eines Alba-
tros," sondern vielmehr über die Entwickelung des Wurmes (vermis
cerebelli) im Hirne des Albatros, also über einen Gegenstand, der
unserem Berichte ganz fern liegt.
der niederen Thiere während des Jahres 1857. >.97
und werden später , besonders bei den Trematoden , noch
ausführlich von uns angezogen werden.
Die hauptsächlichsten Resultate dieser Beobachtungen
sind mit einigen anderen vom Verf. in einem Sendschreiben
an C. Th. v. Siebold zusammengestellt und durch zwei
Tafeln neuer, nicht minder schöner Abbildungen erläutert,
Zeitschr. für wissensch. Zoologie IX. S. 73—90. Taf. V. u. VI.
„helminthologische Bemerkungen."
Virchow's „helminthologische Notizen" (Arch. für
pathol. Anat. XI. S. 79 — 86) handeln über Verbreitung der
Entozoen und über die Kalkkörperchen der Tänioiden.
In dem ersten Aufsatze hebt der Verf. die Verschiedenheiten
in der Häiififflieit des Vorlcommens gewisser Parasiten an verschiede-
nen Löcalitäten hervor. So finden sich z. ß. Tänien und Cysticercen
bei dem 3Ienschen ungleich häufiger in Berlin (Norddeutschland),
al^ in Würzburg (Franken). Ebenso auch eingekapselte Pentastomen,
während in Betreff der Rundwürmer das umgekehrte Verhältniss ob-
waltet. Wenn Verf. zur Erklärung dieser Verschiedenheiten auf die
Eigenthümlichheiten der Nahrung und Lebensweise hindeutet, ist der-
selbe gewiss in vollem Rechte ; dass dabei aber der Genuss von Wür-
sten und Schinken in der vom Verf. hervorgehobenen Weise in Be-
tracht komme, ist für Ref. im höchsten Grade unwahrscheinlich, da
diese Substanzen gekocht oder geräuchert, wie sie allein gegessen
werden , bestimmt niemals lebendige oder lebensfähige Helminthen
enthalten.
Für Willshire's „klinische Vorlesungen über Hel-
minthiasis" (Lancet 1856. I. 14) verweisen wir auf das Re-
ferat in Schmidt's Jahrbüchern 1858. No. 7.
G i e b e 1 macht (Zlschr. f. die ges. Naturwiss. Bd. IX. S.264
— 269) nach den in seinen Händen befindlichen Collectanen
Nitzsch's einige Mittheilungen über die helminthologischen
Untersuchungen dieses ausgezeichneten Forschers und ver-
öffentlicht namentlich eine Uebersicht der von demselben un-
tersuchten (189) Eingeweidewürmer , unter denen zahlrei-
che, zum Theil auch wohl jetzt noch unbekannte Formen
vorkommen. Auch für die Kenntniss der Helminthenwirlhe
enthält die vorliegende Mittheilung manche interessante
Angabe.
.■\rchiv f. Naturgesch. XXIV. Jahrg. 2. Bd. ß
98 L e n c k a r t : Bericht über die Leislungeii in der INaturgeschichte
1* Annelides.
Cliaetopudftfs. ^
Von Lockhart Clarke erhiellen wir eine sehr de-
taillirte Darstelhing von dem anatomischen Baue und dem
histologischen Verhalten des Nervensystems bei Lumbricus
terrestris, aus der wir hier nur so viel hervorheben, dass der
sehr zierlich entwickelte Nervus sympalhicus jederseits mit vier
Wurzeln aus den Commissuren des Nervenhalsbandes ent-
springt und auf dem Pharynx ein reiches Netzwerk mit deut-
lichen Ganglien bildet. Gelegentlich erwähnt Verf. auch die
Anwesenheit von zwei oder drei Gruppen Speicheldrüsen,
die aus zusammengewundenen Röhren bestehen und in die
Seitentheile des Mundes und Pharynx einmünden. Proc. roy.
Soc. 1857. Jan. oder Annal. and Mag. nat. bist. T. XIX.
p. 250—257.
Meissner giebt an (Zeitschr. für rat. Medicin 1857.
S. 633 Anm.), dass die Gehörbläschen von Arenicola durch
einen dünnen Canal auf der Hautoberfläche ausmünden, dass
also hier dieselbe Communication mit der Aussenwelt besteht,
die neuerdings von mehreren Seiten für die Gehörkapseln
der Schnecken nachgewiesen wurde,
Grube spricht auf der Bonner Naturforscherversamm-
lung (Tageblatt S. 52) über die Lage des Afters bei den
Anneliden und hebt ein Paar Fälle hervor, in denen derselbe
von dem hinteren Leibesende auf den Rücken emporrücke
(einige Sabellen, Notopygos Gr.), so dass dadurch eine An-
knüpfung zu den Sipunculiden gegeben werde.
KöUiker fand im Darme von Arenicola einen massig
verdickten Epithelsaum ohne wahrnehmbare Streifen, bei Si-
punculus ausserdem auch noch kurze Flinnnerhaare. Bei
Cirratulus wurden merkwürdige keulenförmige W^imperorgane
im Darme gesehen. Unters, zur vergl. Gewebslehre S. 57.
Die cylindrischen oder pflasterförmigen Epidermoidalzellen
der Chaetopoden sind constant mit einer Cuticularschicht be-
deckt , die in manchen Fällen ganz homogen ist , aber ge-
wöhnlich — wie das übrigens von Ref. in Wagner's Zoo-
lomie II. S. 270 schon längst hervorgehoben wurde — durch
der niederen Tliieie während des Jahres 1857. 99
kreuzende Streifen wie gegittert aussieht. Bei Hermione hy-
strix ist die Cuticula mosaikartig gezeichnet. Porenkanäle
sind häufig vorhanden. Bei Cirratuhis wurde in einem Falle
die merkwürdige Beobachtung gemacht , dass der Cuticular-
saum nach Kalizusatz in flimmernde Härchen zerfiel. Kol-
li k er , ebendas. S. 66.
Wright untersucht die Tentakel von Spio seticornis
und findet die Oberfläche derselben mit zahlreichen kleinen
Fühlpapillen besetzt , die in eine Spitze auslaufen und einen
Sack im Innern einschiiessen, dessen Inhalt aus zahllosen
kleinen nadeiförmigen Körperchen besteht. Verf. vergleicht
diese Kapseln mit Nesselfäden. Edinb. new phil. Journ. VI.
p. 90.
K ö 1 1 i k e r liefert eine detaillirte Beschreibung von dem
festen Kiemengerüste der Sabellen und nimmt dasselbe (was
freilich auch schon von anderer Seite geschehen ist) als ein
Knorpelskelet in Anspruch. Nach den Beobachtungen des
Verf. (Untersuchungen zur vergl. Gewebslehre S. 113—119)
steckt im Kopfe dieser Thiere ein fest geschlossener, ziem-
lich dicker Ring von Knorpelsubstanz, der in der Höhe des
Halskragens sich mit verdünntem Rande in die Muskelmasse
hinein verliert, vorn aber in zwei grosse dünnere Knor-
pelblätter sich fortsetzt, die sich vielfach spalten und in
dünne, den einzelnen Kiemenfäden zur Stülze dienende Stäbe
auflösen.
Williams lenkt die Aufmerksamkeit der Zoologen auf
die in den Seitentheilen der einzelnen Segmente bei den Rin-
gelwürmern gelegenen schlauchförmigen Organe (segmental
Organs), die, seiner Meinung nach, dazu dienen , theils den
Inhalt der Leibeshöhle nach Aussen zu entleeren, theils auch
die Samenkörperchen und Eier abzusondern. Verf. glaubt,
dass analoge Gebilde sehr weit unter den niederen Thieren
verbreitet seien und vindicirt dieselben namentlich auch den
Rotiferen, Echinodermen und Actinien (Mesenterialfilamente).
Proc. roy. Soc. 1857. Febr. oder Ann. and Mag. nat. hist.
T. XIX. p. 392.
Für die Einzelnheiten verweist Ref. auf die Arbeit selbst, doch
muss derselbe gestehen, dass ihm, wie in den früheren Arbeiten
des Verf. , so auch hier , zahlreiche Irrthüuier untergelaufen schei-
100 Le II c k ;i r t : Bericht über die Leisliingeii in der Naturgeschichte
nen. So sollen z. B. die Geschlechtsstoffe nur bei Arenicola und
Terebella frei in der Leibeshöhle getroffen werden, in die sie zu-
nächst aus den „segniental organs" gelangten ; Glycera , Cirratulus
und die Aphroditen sollen Hermaphroditen sein, dabei auch des Blut-
gefässsystemes völlig entbehren u. s. w.
In einer zweiten Mittheilung desselben Verf. (26. Meet.
Br. Assoc, rinslit. 1857. p. 61) wird wiederholt, dass in der
Familie der Aphroditeen das Blutgefässsystem fehle. Auch
sollen die betreffenden Thiere die grosseste Verwandtschaft
mit den Kchinodermen haben.
ij;. Hering theilt einen Querschnitt durch den Körper
Ton Lumbricus und den Bau der Geschlechtsorgane dessel-
ben in einer Abbildung mit. Carus, Icon. zoot. Tab. IX.
Fig. 5 u. 24.
Die bekannten, um eine grössere Centralkugel gruppirlen
Zellenagglomerate aus dem Hoden der Regenwürmer und an-
derer Anneliden entstehen nach Meissner (Zeitschr. für
rationelle Medicinl857. S. 622) durch Kospung aus der cen-
tralen Mutterzelle. Die Samenfäden entwickeln sich durch
Metamorphose des Kernes.
Van Beneden macht die Oersted'sche Lumbriconais
marina (Capitella capitata v. B.) zum Gegenstande einer be-
sonderen anatomischen und embryologischen Untersuchung
und gewinnt dabei dieUeberzeugung, dass dieses Thier nicht
zu den Lumbricinen , sonden, (trotz der Abwesenheit beson-
derer Kiemen ) zu den Kiemenwürmern zu rechnen sei.
Aus den vorläufigen Mittheilungen unseres Verf. ( Bullet.
Acad. Belg. 1857. Oct. , Unst. 1857. p. 443} heben wir her-
vor, dass die betreffenden Würmer nicht bloss , wie schon
früher bekannt war, getrennten Geschlechts sind, sondern auch,
wie die Kiemenwürmer, durch eine Metamorphose sich ent-
wickeln. Die neugeborenen Larven tragen Augen und zwei
Flimmerkränze. Die männliche Geschlechtsöffnung liegt im
vordem Körperdrittlheil und ist von einem Borstenkranze
umgeben. Ein Blutgefässsystem fehlt, dafür aber ist in der
Leibeshöhle eine Flüssigkeit mit grossen rothen Blutkör-
perchen vorhanden. Eine zweite von d'Ukedem entdeckte
Art ist seitlich und hinten am Körper mit Zotten besetzt :
C. fimbriata n. sp.
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 101
Krohn spricht in der Bonner Naturforscherversainm-
lung über Actinotrocha und hebt hervor, dass sich dieselbe
nach Verlust des Schirmes zu einem wahrscheinlich den Tu-
bicolen zugehörenden Wurme entwickle. Tageblatt der Bon-
ner Naturforscherversammlung S. 52.
Von Kinberg erhielten wir die Fortsetzung seiner
„neuen Gattungen und Arten von Annulaten'^ (Öfvers. af k.
Vet. Akad. Förhandling. Aarg. XIV. p. 11 — 14) mit Beschrei-
bungen folgender Arten:
Farn. Ämphinomea. Trib, 1. Amphinoniacea : Chloeia Candida
n. sp, St. Thomas; Notopygus crinitus Gr. St. Helena, Lirione (n.
gen.) tnaculata n. sp. Panama; Amphinome rostrata Fall., A. vagans
Sav. , A. Luzoniae n. sp. Luzon , Hermodice ( n. gen.) caruncu-
lata Fall., H. striata n. sp. Stiller Ocean , Eurythoe ( n. gen.)
Hedeborgi n. sp. hab. ? , E. syriaca n. s^. syr. Küste; E. c/ii7e??srs n. sp.
Valparaiso; E. capensis n. sp. Cap b. sp., E. pacifica n. sp. Südsee;
E. corallina n. sp. ebendah. ; Trib. 2. Enphrosynea: Euphrosyne ca-
pensis n. sp. Cap b. sp. (Die Diagnosen der neuen Arten sollen
nachgeliefert werden.)
Ebenso publicirt Grube die Fortsetzung seiner „An-
nulata Oerstediana", denen jetzt auch die Beschreibung eini-
ger von Kroyer in Centralamerika gesammelten Arten zu-
gefügt ist. (Vidensk. Meddel. for 1857. p. 158—186.)
Die beschriebenen Arten gehören zu den Familien derEuniceen,
Lycorideen, Nephthydeen, Fhyllodoceen, Glycereen und Syllideen, und
sind wiederum sämmtlich neu :
Lumhriconertis longissima Valparaiso, L. hrasiliensis Rio -Ja-
neiro, iYe/ej5 tallala Valpar. , JS. marginata St, Jean, N. Krebsii St.
Croix, A. rigida Funtarenas, A. Riisei St. Croix, N. puncttiratoi hab. ?,
JV. dehilis hab.?, A. (Nereilepas Blainv.) variegata Callao , A^. Cal-
laona ibid., A'^. (Heteronereis Oerst.) caudipuncfata St. Croix, A'. pari-
nosa Callao, JSephthys imbricata Valparaiso, Pkyllodoce macrophthalma
Realejo, Ph. Fiintarenae Funtarenas, Th. Callaona Callao, Ph. longicor-
nis Real ejo, Ph. flavescens Funtaren., Oxydromtis longisetis St. Croix,
0. flaccidus ibid., Pisione (n. gen.), Oers?e(/ü' Valpar., Glycera cir-
rata Rio-Jan. , Gl. papillosa Valpar., Gl. simplex Valpar., Syllis lati-
frons Callao. 8. brachycirris St. Croix, .S. breviarticulatu ibid., S.
rubra ibid., .S. obscura ibid., S. streptocephala ibid. , S. zonata ibid.,
S. valida Valpar. . S. longesegmentata St. Croix , 8. macroceras ibid..
Amblyosyllis (n. gen.) rhumheata St. Croix.
Char. gen. n. Pisione Gr. Corpus vermiforme, segraentis
numerosis. Lobus capitalis ovalis tentaculis frontalibus utrimque
duobus, oculis duobus. Segnientum buccale supra brevissimum vel vi\
102 L e u c k a rt : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
distinguenduni , cirro tentaculari utriinque uno laterali pinnaque ad-
urnbrata numitum ; pharynx exsertilis longa, cylindrata, Corona papil-
laruni maxillisque quatuor uiKcinatis aiinata , superioribus inferioribus
adversis. Segnientum secunduni cirro dorsali pinnaque siniilibus in-
structum. Pinnae segmentoruni caeteroruni paulo productae, in lobulos
exeuntes , cirro dorsali et ventrali btisilaribus , cirroque altero cen-
trali sub apice nuinitae ; setae compositae, Cirri ani nulji. Pisione
genus a Phyllodoceis ad Glycerea transiens cum illis lobi capitalis
conforinatione , cum his pharyngis armatura consentit ; pinnae singu-
lares ab utrisque difFerentes.
Char. gen. n. Amb ly o s y llis Gr. Corpus, pinnae, cirri,
setae Syllidis generis, lobus capitalis cum segmento buccali coalitus;
toris frontalibus nullis. Tentacula tria, cirri tentaculares duo, oculi duo.
Die Beschreibung des von Fr. Müller in Brasilien
entdeckten Liimbricus corethrurus , dessen wir bereits im
letzten Jahresberichte (S. 180) Erwähnung thaten, ist jetzt
auch in dieses Arch. 1857. S. 113, so wie in die Ann. and
Mag. nat. bist. 1857. T. XX. p. 13 übergegangen.
0. Schmidt entdeckte im Mittelmeere eine neue pro-
liferirende Naide: Pai-thenope (n. gen.) serrata, die sich
besonders durch einen tonneuförmigen, vorstülpbaren Schlund,
Mangel der Augen und Zähnelung der Borsten auszeichnet.
Sitzungsber. der Wiener Akad. Bd. XXIII. S. 363. Tab. V.
Fig. 13.
Ob die ebend. S.361. Fig. 12 beschriebenen Thysanoplea
(n. gen.) luctuosa gleichfalls den Naiden zugehöre, müssen wir
unentschieden lassen; Verf. hebt mit Recht hervor, dass der
mit diesem Namen bezeichnete kleine Borstenwurm, der in
Neapel nicht selten in Gesellschaft von Turbellarien gefun-
den wurde, ein seltsames Aussehen besitze und von allen be-
kannten Gattungen abweiche. Der Körper ist im hohen Grade
contractu^ fast ohne Spuren einer Segmentirung und in gan-
zer Ausdehnung mit Hautpapillen bedeckt. Am Yorderende
ein Paar Fühler und zwei Augen. 16 Paar schwache, li-
neare Borstenbüschel , von denen jedes in einer grösseren,
am Bauche befindlichen Papille steckt , die mit einigen klei-
neren Papillen besetzt ist. Geschlechtsorgane einfach, wie
bei den Polychaeten. Ein Gefässsystem wurde nicht be-
obachtet.
Nicht minder merkwürdig ist das von Wright Edinb. new
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 103
philos. Journ. T.V. Oct. entdeckte Gen. r\,Phoro nis, das durch
die Abwesenheit von Borsten und Segmenten an die Sipunculiden
sich anschliesst und auch durch Aufenthalt in Felsspalten diesen
Thieren verwandt scheint. Die wesentlichste Auszeichnung der
beobachteten Art (P/i. hippocrepia n. sp.) besteht in der An-
wesenheit eines hufeisenförmigen Tentakelapparates, wie er
sonst nur bei den Süsswasserbryozoen vorkommt.
AuchAUman beobachtet dieses interessante Thierchen
und liefert gleichfalls davon eine ßescheibung und Abbildung.
A monograph of Ihe fresh-water Polyzoa p. 55. Note.
Körper ohne Ringelung und Ftisshöckein , ein einfacher Cy-
Jinder. dessen vorderes Ende mit einem zweischenklichen , tentaltel-
tragenden Kopfschirme versehen ist. Mund von einer Oherlippe über-
deckt. After dicht neben dem Munde, in dem Ausschnitte des Kopf-
schirmes. Im Innern ein Darm mit ansehnlich entwickelten pulsiren-
den Gefässen, die ein rothes Blut führen. Eine Leibeshöhle fehlt.
Die von Trask (Proc. Calif. Acad. Volll. p.99. Fl. VI)
unter dem Genusnamen Leptosiagon beschriebenen mikrosko-
pischen Organismen, von denen Verf. es ungewiss lässt, ob
sie den Krebsen , ob den Zoophyten oder Diatomeen zuge-
hören, sind nach dem Berichterstatter in Silliman's Am. Journ.
1858. T. XXVI. p. 295 —Ref. ist das Vol. II der betr. Proc.
noch nicht zugekommen - Nichts als Annelidborsten.
]!lieniatOf1e§.
Nach den Beobachtungen von G. Wagener sieht man
bei Stiongylus auricularis und anderen Nematoden nach dem
Zerdrücken neben den in etwas körnige Masse eingehüll-
ten , glatten und hohlen Bändern der beiden Seitenlinien zwei
helle, leicht geschlängelte Streifen, welche mit eigenen Wan-
dungen versehen sind und in sehr weiten Abständen hier und
da einen gefässartig verlaufenden Zweig aufnehmen, der sich
in den benachbarten Geweben bald den Blicken entzieht. Ar-
chiv für Anat. und Physiol. 1857. S. 363.
Williams betrachtet die bekannten, in der Leibes-
höhle der Ascariden gelegenen drüsenartigen Beutel als Ab-
sorptionsapparate und lässt sie an der äussern Körperfläche
sich öffnen. Wasser- und Blutgefässe werden dagegen in
Abrede gestellt. Rep. br. Assoc. 26. Meet. p. 101. Plnst. 1857.
p. 82.
I
104 L e u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Nach Kölliker besitzen die Ascariden im Darme
einen mehr oder minder dicken Epithelialsaum mit einer, bei
den grösseren Arten deutlichen Streifung. Die Epithelialzellen,
die diesen Saum tragen, sind cylindrisch und werden von
einer äusseren dielten Darmhaut umhüllt, die keine Spur eines
besonderen Baues zeigt. Unters, zur vgl. Gewebslehre S. 42.
(Bei Asc. lumbricoides zeigt diese äussere dicke Darmhaut
deutliche Porenkanäle. Ref.)
Auch die äussere elastische Haut der Nematoden ist
nach Kölliker (ebendas. S.60) eine Cuticula, jedoch liess
sich das zur Abscheidung dienende Epithelium nur unvoll-
ständig und immer nur in Spuren nachweisen.
Claparede handelt (Zeitschr. für wissensch. Zoologie
IX. S. 106 — 128} ".„über Eibildung und Befruchtung bei den
Nematoden" und sucht dabei die widersprechenden Angaben
früherer Forscher zur Einigung zu bringen.
Die Bischoffschen Epithelialzäpfcheu sind nach unserem Verf.
die wirklichen Sanienkörperchen , die in manchen Fäilen, wie z. B.
bei Ascaris suilla bereits in den männlichen Organen ihre spätere ke-
gelförmige Bildung annehmen. Dass diese debilde in vielen Nema-
toden eine sehr eigenthümliche amoebenartige Bewegung besitzen, ist
bereits von Schneider (J. B. XXIII. S. 187) beobachtet, und dürfte
für den Befruchtungsprocess nicht ohne Bedeutung sein. Ein Ein-
dringen der Sanienkörperchen in die Eier, wie Meissner es be-
hauptet, konnte nicht beobachtet werden. Eben so wird die An-
gabe dieses Forschers über die Fettmetamorphose der erstem in Zwei-
fel gezogen. Fetttropfen, wie sie Meissner von den eingedrunge-
nen Samenkörperchen ableitet , finden sich ganz in derselben Weise
auch in den Eiern unbefruchteter Weibchen. Eine Micropyle fehlt
den Nematodeneiern ; die desfallsigen Angaben Meissner's beruhen
auf einem Irrthume , wie das auch von Ref. immer behauptet ist.
Ebenso fehlt zur Zeit der Befruchtung eine eigentliche Eihaut, wäh-
rend die Rhachis dafür eine wirkliche Rhachis ist. Die Entwickelung
der Eier geht ganz auf dem gewöhnlichen Wege durch allmähliche
Umlagerung von Dotter um das Keimbläschen vor sich.
lieber die Vorgänge der Ei- und Spermatozoenbildung
bei den Nematoden vergl. man auch V. Carus, Icon. zoot.
Tab. VIII. Fig. 1—3, wo dieselben durch M. Schnitze und
V. S i e b 0 1 d bei verschiedenen Arten bildlich dargestellt sind.
Die Samenkörperchen entwickeln sich nach den hier mitge-
der niederen Thiere wahrend des Jahres 1857. 105
theilten Beobachtungen durch eine Art Furchung aus den
männlichen Keimzellen.
Weiter findet sich daselbst von Max Schnitze eine
Abbildung \on Dipl ogast er micans r\, gen. et n. sp. J" und
Rhabditis oculata n. sp. $ mit vollständiger Anatomie, so wie
die der vordem Körperhälfte eines Enoplus n. sp. aus Triest.
Die schon im Jahresberichte für 1855 (Bd. XXII. S. 353)
erwähnten und ausgezogenen Untersuchungen von Davaine
über Vibrio tritici sind inzwischen in einem selbstständigen
Werke erschienen: Rech, sur ranguillule du ble nielle. Paris
1857. Avec 3 pl.
Nach den Beobachtungen Kühn's ist auch die sg. Kern-
taule der Weberkarde durch den Parasitismus einer Anguillula
bedingt, die theils in den Körnern und dem Pappus, theils
auch am Fruchtboden und im Marke des Blüthenkopfes haust,
und in ganz ähnlicher Weise, wie A. tritici, an erster Stelle
eine abnorme Bildung, an letzterer ein allmähliches Absterben
und Braunwerden des Gewebes zur Folge hat. Die Lebens-
geschichle dieser A. dipsaci n. sp. scheint überhaupt die
grösste Aehnlichkeit mit der von A. tritici zu besitzen , mit
welcher Art dieselbe auch die Fähigkeit des Austrocknens
und Wiederauflebens nach Wasserzusatz theilt. Männliche
und weibliche Oeffnung liegt im hintern Körperende, die
letztere etwas höher, aber doch noch weit von der Mitte
entfernt, wo die weibliche Oeffnung bei den frei lebenden
viviparen Anguilluliden gefunden wird. Das Männchen hat
neben der Geschlechtsöflfnung bis zur Schwanzspitze eine
senkrechte Hautfalte.
Krabbe fand in der Leber von Triton cristatus fast
bei allen Individuen (Mai, Juni) zahlreiche freie Exemplare
eines weiblichen Trichosomum, zum Theil so vollständig mit
Eiern gefüllt , dass sie einem einfachen Eierschlauche gli-
chen. Ausser diesen Parasiten enthielt die Leber noch eine
Menge eingekapselter Eierhaufen, meist schon mit Embryonen,
die von jenen Trichosomen abstammten. In einigen Kapseln
waren die Körperwandungen des abgestorbenen Wurmes
noch deutlich zu erkennen, in anderen war derselbe zer-
fallen , so dass die Eier dann frei in der Kapsel zu liegen
schienen. Mitunter wurden zugleich im Darme Trichosomen
106 L e u c k a rt : Bericht über die Leistungen in der JVatnrfifeschichte
gefunden, aber fast immer nur unreife Exemplare. Auch die
Muskeln der Bauchwand enthielten hie und da freie Nema-
toden von sehr unbedeutender Grösse (Sitzung-sber. der k. k,
Akad. zu Wien, Bd. XXV. S. 520-523).
Micscher's Filaria piscium ist nach G. Wagen er
(Beitr. zur Entvvickelungsgescli. der Eingeweidevv. S. 4) keine
Filaria, noch viel weniger aber der Jugendzustand eines Te-
trarhynchus, sondern vielmehr eine Collectivbenennung ver-
schiedener junger Ascarisarten, die alle drei Lippen tragen,
von denen die eine gewöhnlich mit einem geflügelten Häk-
chen versehen iist. Die Gestalt des Häkchens richtet sich
nach der Art, zu der die betreffende Form gehört. Uebrigens
geht dasselbe späterhin verloren.
Ebendaselbst giebt Verf. eine Beschreibung der Filaria
globiceps Rud., die im Ovarium (nicht Peritonäum) vom Ura-
noscopus scaber lebt. Interessant ist der gewaltige Grössen-
unterschied von Mann (6Lin.) und Weib (200 Lin.), der auf
ähnliche Verhältnisse bei Fil. medinensis zurückschliessen
lässt, mit welcher unsere Art überhaupt eine gewisse Aehn-
lichkeit hat. Ein After wurde nicht gefunden. Der einfache
Penis liegt in der Mitte des abgerundeten Schwanzendes.
Das Junge, das in den Geschlechtsorganen der Mutter zur
vollen Entwickelung kommt, unterscheidet sich von seinen
Eltern durch den feinen, langen Schwanz, der sich allmählich
in eine scharfe Spitze auszieht, während beide Geschlechter im
erwachsenen Zustande einen kurz abgerundeten Schwanz haben.
Ueber den inneren Bau von Filaria horrida berichtet
Diesing, sechszehn Arten Nematoden in den Denkschriften
der Wiener Akad. 1857 S. 19. Tab. IV.
Die eben citirte Abhandlung, die vierte der von unse-
rem Wiener Helminthologen herausgegebenen und den Denk-
schriften der k. k. Akad. (1857. S. 6— 23 mit 4 Tafeln) ein-
verleibten Monographien handelt über :
Oxynris obesa aus dem Blinddarm von Hydrochoerus Capybara
Ascaris heteroptera aus verschiedenen Uiisarten, A. lonchoptera aus
den Gallengängen und dem Darm von Elephas indicus. A. macroptera
aus dem Magen von Champsa nigra, A. hystrix aus dem Mastdarm von
Podocneniis crythrocephala, Spiroptera hamulosa aus der Magenwand
von Phasianus gallus, Sp. serpentulus aus den Sehnensclieiden der
der niederen Thiere während des Jahres 1857 107
Extremitäten bei verschiedenen Brasilianischen Falken, Sp. echinata
ans dem Oesophagus >on Mergus albelhis . Physaloptera mncronata
aus dem Magen > on Champsa nigra , Ophiostonunn aniphiacanthum
aus dem Dünndarm von Lemnus dasytrichus , Trichocephalus subspt-
ralis aus dem Blinddarm verschiedener Dasypnsarten , Filaria bispi-
nosa aus der Leibeshöhle verschiedener Brasilianischer Schlangen,
¥. horrida aus der Biusthühle von Rhea aniericana, Sclerostomum
dispar aus der Luftruiire von Felis concolor. Sc. monostichum aus
dem Blinddarm von Tapirus americanus , Strongylus longevaginatus
(Filaria hominis bronchialis Rud.?) aus den Lungen des Menschen.
Der letzte, durch die besondere Länge der Penisscheide so ausge-
zeichnete Rundwurm wurde bis jetzt nur einmal (zu Klausenburg)
in der Lungensubstanz der Leiche eines sechsjährigen Knaben in vie-
len Exemplaren angetroüen. Die übrigen Arten sind grösstentheils
aus Brasilien, wo sie von JNattner gesammelt Avurden. Bei dem
besonderen Interesse, das der Str. longevaginatus in Anspruch nimmt,
lassen wir hier die von unserem Verf. entworfene Diagnose folgen:
Caput truncato conicum, haud alatum ; oris limbo papillis 4 — 6
cincto. Corpus subaeqnale rectum, albo-fuscum , maris antrorsum,
feminae utrimque parum attenuatum , extremitate caudali maris in-
flexa ; biasa subcampanulata biloba, lobo singulo triradiato, radiis
externis simplicibiis, medianis interdum bipartitis ; vaginae penis pe-
talis longissimis linearibus, diuiidiae fere corporis longitudinis , au-
rantiacis , transverse tenuissime striatis ; feminae apice mncronata,
apertura genitali supra caudae apiceni. Viviparus. Long, maris 6 — 7"',
crassitudo ^/V", fem. ad 1", crassit. V3'".
Auch Leidy beschreibt (Proc.Acad. Phil. 1856, VIII p. 49 ~ wie
schon früher ibid. V p. 102) eine Anzahl neuer Rundwürmer: Än-
gvillnia socialis aus Acheta abbreviata, Ascaris columnaris aus Me-
phitis Chinga, A. laevis aus Arctomys monax , A. longa aus Tan-
talus loculator, A. entomelas aus Rana lialecina, A. nuda aus Crotalus
adamanteus, A. kumilis aus Tropidonotiis sirtalis, A. neglecta aus
Diodou maculo-striatus, Oxyuris compar aus Felis Catus, Oxynris (?)
dubia aus Bufo americana und Salamandra rubra. Physaloptera turgida
aus Didelphys virginiana , Ph. limbata aus Scalops canadensis, Ph.
objecta aus Psaramophis flagelliforniis, Ph. constricta aus Tropidonotus
sipedon, Ph. contorta aus verschiedenen nordamerikauischen Schild-
kröten , Filaria immitis aus Canis familiaris , Filaria (?) dubia aus
Dioniedea exulans, F. solitaria aus Emys serrata, F. Cistudinis Caro-
lina e , F. nitida aus Rana pipiens, F. Amphiumae meantis, F. rubra
aus Labrax lineatus, F. quinqne tuberculata aus Anguilla vulgaris.
Diesing hält die von Györy (J. B. XXIII. S. 185) aufge-
fundene Oxyuris spirotheca für den Repräsentanten eines eignen
Genus und schlägt dafür den Gattungsnauien Pseudonyinus vor
108 L e u c k a it : Bericht über die lieistungen in der Naturgeschichte
(Sechszehn Arten von Nematoden a. a. 0. S. 10. Anm.), Der Gat-
tungscharakter stellt sich nach Verf. folgendermaassen heraus :
Corpus cylindricum, antrorsum limbo lato reflexo cinctuni. Ca-
put subglobosuni antice plicis quinque e centro radiantibus. Os in
plicarum centro. Extreniitas caudalis niaris obtusa niucrone terniiiiali,
pene seliformi infra apiceni caudalem ; feniina subulata ; apertura
genitalis in postica tertia corporis parte ; Uterus bicornis (?). Vivipara.
In coleopteroruni intestino recto endoparasita.
Kolenati's Nematoideum miniopteri (Parasiten der Chiropteren
1857) ist nicht zu entziffern.
Marcel beschreibt einen neuen 5 — 10'" langen Spuhiwurjn
aus dem Darme des Ouistiti , mit Hautfalte am Kopfende (wie bei
Asc. mystax) und zwei ungleich entwickelte Spiculis, Bull. Soc. Vaud.
des sc. nat. 1857. V. p. 340.
Frestel berichtet (Allgem. deutsche naturh. Ztg. 1857. III.
S. 353) von einer Taube, deren Tractus intestinalis mit zahllosen
Exemplaren von Ascaris teres so vollständig erfüllt war, „dass kein
fremder Gegenstand noch Platz neben ihnen finden konnte."
Assniu s beobachtete an den Drohnen seiner Bienenstöcke (Gou-
vernement Moscau bei Podolsk) eine Epidemie, die durch den Para-
sitismus von Mermis albicans bedingt war. Allgem. deutsche natur-
hist. Ztg. 1857. III. S. 353.
Leidy's Notes ou Gordius (Proc. Acad. Philad. 1857. p. 205)
sind Ref. bis jetzt noch nicht zu Gesicht gekommen.
< ücantliocepiiala.
In den „Beiträgen zur Entwickelungsgeschichte der Ein-
geweidewürmer" von G. Wagen er (S. 79—84) und de-
taillirter in dessen „helminthologischen Bemerkungen" (a. a. 0.
S. 77—83. Tab. VI) findet sich eine Darstellung von Embryo-
nen verschiedener Echinorhynchen mit Beobachtungen über
Entwickelung derselben und Bildung der Eier, denen an letz-
terem Orte auch eine vortreffliche Abbildung der ausführen-
den weiblichen Organe, des Rüssels mit Rüsselscheide u. s. w.
zugefügt ist. Wir heben daraus folgende Angaben hervor:
Die schon im Ei sich bewegenden jungen Echinorhynchen haben
bei allen Species dieselbe Gestalt und zeigen eine unverkennbare äus-
sere Aehnlichkeit mit ihren Eltern. Am Kopfende besitzen dieselben
eine schlitzförmige Grube, die mit einem daran sich anschliessenden
Sacke in Verbindung zu stehen scheint. Der ganze Leib ist mit rück-
wärts gerichteten Stacheln bekleidet . die nach dem Kopfe zu meist
grösser werden, sonst aber mancherlei Unterschiede in Stärke u, s. w.
besjtzen. Oftmals gesellen sich zu diesen grösseren Kopfstachelu noch
der niederen Thieic während des Jahres 1857. 109
besondere Haken, bald zwei Paar, bald deren nur eins. Die Eier
nnsrer Ecliinorhynchen sind bekanntlich Anfangs zu scheibenförmigen
Ballen zusaininengehäuft und frei (als sg. lose Ovarien) in dev Lei-
beshöhle enthalten. Verf. beobachtete nun, dass diese Ballen sich ans
Zellen entwickeln, die einzeln in dem sg. Lig. Suspensorium einge-
bettet sind , sich aber nach einiger Zeit mit körnigem Inhalt füllen
und dann statt des früher einfachen Kernes eine grosse Menge von
Kernen erkennen lassen. In diesem Zustande lösen sich die Körner-
haufen aus dein Verbände mit dem Ligamentum Suspensorium, einer
nach dem andern, bis letzteres ganz zerfetzt ist und schliesslich in eine
schleimige Masse sich auflöst. Die Körnerhaufen unterliegen nun von
ihrer Peripherie her einer Klüftung; die einzelnen Klüftungskugeln
isoliren sich, umgeben sich mit einer Haut und stellen dann Eier dar,
in denen man mitunter einen deutlichen Kern mit Kernkörperchen
unterscheiden kann. (Ref. erinnert diese Darstellung an einen Vor-
gang der Eibildung, den er in Gemeinschaft mit Dr. Pag e n ste eh er
jüngst bei Tomopteris beobachtet hat. Bei diesem Wurme entstehen
durch Knospung an der Innenwand der hohlen Fusshöker Zellen, die
durch Theilung des Inhaltes meist vier Tochterzellen bilden und sich
dann ablösen, um frei in der Leibeshöhle umherzutreiben. Die Toch-
terzellen gelangen eine nach der andern zu einer stärkern Entwick-
lung und schliesslich zur Isolation, und erscheinen dann als unver-
kennbare Eier mit Dotter, Keimbläschen und Keimfleck). Die Em-
bryonalentwicklung geschieht unter beständiger Grössenzunahme des Eies,
nach vorhergegangener Dotterklüftung. Die Eihaut ist Anfangs ein-
fach, während der Entwicklung werden aber auf der Oberfläche des
Dotters noch zwei oder drei andere, festere Häute abgeschieden. Die
Organisation der weiblichen Ausführungsgänge ist ziemlich zusam-
mengesetzt, und finden sich namentlich an den Enden des muskulösen
Geschlechtsganges, wo dieser in den glockenförmigen Schluckapparat
übergeht und nach aussen ausmündet, eine Anzahl kugliger, zum Theil
einfach zelliger Anhangsgebilde von unbekannter Bedeutung. Haut
(unterhalb der Chitindecken) und Lemnisken bestehen in wesentlich
übereinstimmender Weise aus einer blasig zelligen 3Iasse , in die
hie und da eigenthümliche zellenartige Körper eingelagert sind. Von
den im Grunde der Rüsselscheide gelegenen Ganglion entspringen
jederseits ein Paar Fäden, die in der anliegenden iMuskelschicht
hinlaufen.
Stein liefert (in Car US, Icon. zoot. Tab.VII.Fig.2— 10)
eine Reihe von Originalabbildungen über den Bau der Echi-
norhynchen, auch über den weiblichen Geschlechtsapparat,
doch bleiben dieselben an Schönheit und Detailzeichnung weit
hinter den eben erwähnten Abbildungen Wagen er's zurück.
110 L e u (' U a r l : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
3. Piatodes.
Hirudinei.
Leconte et Faivre publiciren Etudes sur la Consti-
tution chimique des elements et des tissus nerveux chez le
sangsue medicale, Arch. gener. de Medecine 1857. p. ö66 sq.,
Cpt. rend. 1857.
Nach Stölter geniesst der medicinische Blutegel aus-
schliesslich Blut und niemals Infusorien oder dergl. Im freien
Zustande ernährt er sich vorzugsweise von nackten Am-
phibien, deren Blut ihn aber nur langsam wachsen macht,
während das Blut der Warmblüter weit nahrhafter ist und
so lange vorhält, dassman noch zwei Jahre nach dem Saugen
die unverdauten Reste desselben im Magen vorfindet. Schwei-
zerische Zeitschrift für Pharmacie 1857. S. 152.
Trematodes«
P a g e n s t e c h e r publicirl eine Abhandlung über „Tre-
matodenlarven und Trematoden; ein helminthologischer Bei-
trag« 56 Seiten mit 6 Tafeln in Farbendruck, Heidelberg 1857.
Der Geschichte unserer Kenntnisse von den Trematodenlarven (S.l —
12) folgt eine Beschreibung von Cercaria ornata, C. arniata, C. sub-
ulo n. sp. aus Paludina vivipara, C. pugnax (= C. microcolylea de
Fil.), C. vesiculosa, C. magna, C. fallax, C. epheinera, C. diplocotyiea,
Bucephalus polymorphus , Distonia duplicatuni , D. echiniferuni Palu-
dinae, D. echinatoides Anodontae n. sp., Tetracotyle Lymnaei, Distoma
luteum, D. ßarescens n. sp. aus Bulimus radiatus , Aspidogaster con-
chicola, sämmtlich aus Mollusken und mit Ausnahme von Aspidogaster
unreif, so wie ferner eine Beschreibung von Tylodelphis rhachidis,
Distoma crystallinum, D. clavigerum, D. endolobum n. sp., D. varie-
gatuni, D. cylindraceum, D. cygnoides, Polystoma integcrrimum, Am-
phistoma subclavalum, sämmtlich aus Fröschen und mit Ausnahme der
zwei ersten in Geschlechtsreife. Zahlreiche zum 'fheil sehr schöne
Abbildungen erläutern die Angaben des Verf., die uns mit mancherlei
neuen Beobachtungen über Anatomie und Entwicklung bekanntmachen,
auch die Unterscheidung einzelner Arten, z. B. der bestachelten Cer-
carien durch Berücksichtigung der Stachelform, auf eine sichere Grund-
lage zurückführen. Uns können natürlich hier zunächst nur die all-
gemeinen Besultale der vorliegenden Arbeit interessiren und aus
diesen heben wir Folgendes hervor. Wahrend man gewöhnlich an-
nimmt, dass die einzelnen Arten entweder nur durch Sporocysten
oder durch Redien sich fortpflanzen, glaubt Verf. bei manchen Arten
der niederen Thieie ^vährend des Jahres 1857. 111
(z.B. C. ornata,arraata) beiderlei Animenfornien nebeneinander gefunden,
hie und da auch Sporocysten mit Spuren einer höheren Organisation
beobachtet zu haben. Ebenso sind nach unserni Verf. die Grenzen
zwischen den Cercarien und Redien nicht so gar scJirofF; Verf. be-
schreibt nicht bloss Redien mit gespaltenem Darme (C. ornata , C.
ephemeraj, sondern lässt auch Cercarien, deren Entwicklung eine be-
stimmte Stufe noch nicht überschritten hat (C. pugnax), unter gewis-
sen Verhältnissen durch Production von Keimen sich in Redien ver-
wandeln. Bei Bucephalus beobachtete derselbe die I\eu])ilcjung von
Keimen in den sich allmählich abtrennenden Schwänzen, mit andern
Worten also eine Umwandlung der Schwänze in Keimschläuche. Dasselbe
sucht unser Verf. auch für D. duplicatum und andere Cercarien glaublich
zu machen. Die Flimmergefässe der Amme und die von de la Va-
lette entdeckten seitlichen Ücffnungeu zum Durchtritt der in den
Redien sich entwickelnden Cercarien sind nicht beobachtet; der
Durchtritt der letztern soll am Ilinterleibsende erfolgen. Von beson-
derem Werthe sind die von unserm Verf. angestellten zahlreichen
Fütterungsversuche, nach deren Resultaten die bewaffneten Cercarien
als Larven bestachelter Amphibiendistomen erscheinen. So gelang es
namentlicb mit ziemlicher Bestimmtheit die C. ornata als Larve von
Distomum clavigerum, die C. armata als solche zu D. endolobum n. sp.
nachzuweisen, wie denn auch die Versuche mit C. diplocotylea für
die de Filippi'sche Ansicht der Identität mit Amphistomum clava-
tum sprachen. Auch Dist. duplicatum lebt nach abgeworfenem Schwanz
eine Zeitlang im Froschdarmc, doch dürfte die Vermuthung, dass
sich dasselbe zu D. cygnoides entwickle, durch Wagen er's Beob-
achtungen (s. u.) ihre Widerlegung linden. Interessant ist die wei-
tere Bemerkung, dass sich bei den jungen Trematoden nach ihrer
Uebersiedelung an den rechten Ort zunächst die männlichen Organe
mit ihren Producten entwickeln, dass also auch hier (wie es Ref.
in ganz übereinstimmender Weise für gewisse Cestoden nachgewiesen
hat) die männliche Reife vorausgeht. Die Production von Eiern
beginnt erst später, nimmt dann aber allmählich in solchem Ueber-
maasse zu, dass Form und Organisation des Thieres darüber schliess-
lich zu Grunde geht.
Ein weiterer Aufsatz desselben Verf. „über Erziehung
von Distomum echinatum durch Fütterung" (Archiv für Na-
turgesch. 1857. I. S. 246) , und zwar durch Fütterung mit
dem eingekapselten Dist. echiniferum Paludinae bildet gewis-
sermassen eine Ergänzung der voranstehenden Abhandlung.
Zwei junge zahme Enten wurden mit etwa 8 — 10,000 Stück
Distomenkapseln gefüttert und enthielten 15 resp. 18 Tage nach Füt-
terung die eine etwa 50, die andere etwa 200 geschlechtsreife Di-
stomen von 4 — 5 Mm. , die vorzugsweise an der Insertionsstelle der
112 L e u c k a r t : Bericht über die Jieistiin|;ren in der Naturgeschichte
Blinddärme ansassen. (Kef. , der durch die Freundlichkeit P. 's mit
den hier fehlenden Paludinen versorgt wurde, hat den Versuch gleich-
falls mit zwei zahmen Enten wiederholt. Das eine Versuchsthier, das
14 Tage nach der Fütterung untersucht wurde, zeigte vielleicht 25
Exemplare von 3 — 4 Mm., die nur zum Theil mit reifen Eiern ver-
sehen waren ; das andere, dessen Untersuchung erst nach einem Mo-
nate vorgenommen wurde, enthielt deren nur zwei von mehr als
1 Cm. Länge. Dabei darf wohl bemerkt werden, dass D. echi-
natum hierin bisher von Ref. nur selten, und bei zahmen Enten noch
niemals gefunden ist.) Gleichzeitig macht Verfasser darauf aufmerk-
sam, dass bei den behufs der Encystirung von den Cercarien vorge-
nommenen Wanderungen eine grössere Fieiheit herrsche, als auf an-
deren Entwicklungsstufen der Trematoden. Er erwähnt zum Belege
dieser Annahme, dass er z. B. Cysten von Cercaria ornata in Hy-
drachna concharum, sowie Tetracotylecysten nicht nur in verschiede-
nen Mollusken, sondern auch in den Halsmuskeln der wilden Ente
und den Darmhäuten verschiedener Fische gefunden habe.
Die Mittheilungen, die uns Wagen er (Beiträge zur
Entwickelungsgeschichte der Eingeweidewürmer S. 19—76
Tab. IX — XXVI, sowie helminthologische Bemerkungen a. a. 0.
S. 83—90 Tab. V) über Trematoden macht, zerfallen in
zwei Rubriken, über Distomeen, besonders Entwicklung von
D. cygnoides Ranae, und über Gyrodactylus. Wir berück-
sichtigen hier zunächst die auf ersteren Punkt sich beziehen-
den Untersuchungen, deren Hauptresultate schon bei einer
früheren Gelegenheit (J. B. XXII. S. 366} von uns hervor-
gehoben wurden.
Die bis jetzt aufgefundenen Distomeenembryonen (10 Spec,
von denen 4 zum ersten Male vom Verf. beschrieben sind) zerfallen
in zwei Klassen, in bewimperte und unbewimperte Formen. Die er-
steren sind sehr einfach gebaut und nur am Kopfende mit gewissen
Auszeichnungen, mitunter mit Stacheln versehen ; sie verwandeln sich
durch einfache Vergrösserung (D. duplicatum, wahrscheinlich = I).
tereticoUe), selten auch durch gleichzeitige Verästelung (Bucephalus,
wahrscheinlich = (jastcroslomum fiinbriatum) in eine Amme. Die be-
wimperten Embryonen cnihallen Fliinmercanäle im Innern, öfters auch
eine Mundöffnung mit blind geendigtem Magensacke (Amphistomum
subclavatum, 3Ionostomum capitellum) und mitunter selbst schon die
für das Ausschlüpfen der später gebildeten Keime bestimmte Oeffnung.
Noch complicirter ist der Bau bei den wimpernden Embryonen von
Monostomum mutabile und M. llavum, die nicht bloss einen mit bre-
chenden Medien versehenen Augenlleck tragen, sondern namentlich
auch statt des Magensackes einen mit selbstständigem Darmapparat und
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 113
Flimmergefässen versehenen Thierkörper in sich einschliesscn, der
nach dem Abstreifen der nnigebenden Embryonalhülle als Amme zu
fimgiren hat. Steenstrup betrachtet diese Amme bekanntlich als
Abkömmling des flimmernden Embryo, doch ist dabei zu bemerken,
dass Amme und Embryo zu gleicher Zeit sich bilden und stets im
gleichen Stadium der Entwicklung stehen. Bei den übrigen Flimmer-
embryonen geht während der Umwandlung in die Amme nur das
Wimperepithelium verloren, so dass der Embryonalkörper selbst als
Amme zu betrachten ist (D. cygnoides). Die Bildung des Embryonal-
körpers geht von dem Keimbläschen aus, indem dieses, ohne directe
Theilnahme des körnigen Dotters, durch fortgesetzte Theilung die
Embryonalzellen liefert. Ebenso entstehen auch die Zeugungspro-
ducte der Ammen durch fortgesetzte Theilung der einzelnen hie und
da in den körnigen Belag der Innern Körperfläche eingesprengten
Keimzellen.
Die Entwicklungsgeschichte von D. cygnoides konnte von un-
serm Verf. Schritt für Schritt bis zur Auswanderung der Cercarien
(C. macrocerca de Fil.) verfolgt werden, nachdem der Verf., geleitet
durch die Aehnlichkeit der in Cyclas und Pisidium aufgefundenen Cer-
carien mit dem betreffenden Distomum, eine Anzahl dieser Bivalven
mit reifen Eiern und ausgeschlüpften Embryonen von D. cygnoides
in demselben Gefässe zusammengebracht hatte. Die bewimperten
(magenlosen) Embryonen, setzten sich mit ihrem beweglichen Kopf-
ende an den Kiemen der Muscheln fest, verloren ihre Wimpern und
wurden zu Ammen, die Gefässe mit AVimpern enthielten, sonst aber
einfach schlauchartig waren. In diesen Ammen entstanden neue Am-
men, die den Mutterthieren ähnlich waren, aber — wie die aus un-
bewimperten Embryonen hervorgehenden Ammen — der Gefässe zu
entbehren schienen und statt der Ammen Cercarien producirten. Eine
Einkapselung wurde bei diesen Cercarien niemals beobachtet ; Verf.
vermuthet, dass dieselben direct in den After des Frosches einwan-
dern und in die Harnblase gelangen, obwohl die hier aufgefundenen
Distomen, selbst die kleinsten, die kaum grösser waren, als die Cer-
carienkörper, beständig schwanzlos erschienen.
In Betreff des Cercarienbaues wollen wir noch soviel hervor-
heben, dass in der Art, wie das Gefässsystem derselben nach aussen
ausmündet — bei den Ammen mit Wimpergefässen konnte bisjetzt
noch keine Ausmündung nachgewiesen werden — mancherlei Diffe-
renzen stattfinden. Bei vielen Cercarien mündet dasselbe nach vor-
hergegangener Spaltung zu beiden Seiten des Schwanzes, entweder
an der Spitze oder nicht weit von der Schwanzwurzel aus. Bei an-
dern scheint der dem spätem Porus excretorius aufsitzende und von
besondern Zellen ausgekleidete Centralkanal des Schwanzes die Stelle
einer Ausmündung nach Aussen zu vertreten.
Archiv f. Nalurgesch.XXlV. Jabrg. 2. ßj H
114 L e u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Unter den sehr zahlreichen, mit bekannter Meisterschaft aus-
geführten Abbildungen erwähnen wir — ausser den zu Dist. cygnoi-
des gehörenden — noch besonders die Zeichnungen von Aspidogaster
conchicola Embryo , von Amphistomum subclavatum (Tab. XVI) mit
Cercaria (Diplodiscus de Fil. Tab. XVIII), Amme (Tab. XIX) und Em-
bryo (Tab. XVII), von Distomum Conus Crepl., D. xanthosomum Cr.?
(Tab. XXII) , Gasterostomum fimbriatum v. Sieb. (Tab. XXIV) , Cer-
caria echinifera (Tab. XVIII), eine sehr auffallende furcocerce Cer-
caria aus Planorbis marginatus (Tab. XXX), C. Leucochloridii (wohl
zu Dist. holostomum gehörig, Tab. XXXIII) , Dist. duplicatum (Tab.
XXXIV), Amme mit Dist. Lymnaei auricularis de Fil. (Tab. XXXVI).
Dazu in den helminthologischen Bemerkungen (a. a. 0. Tab. V)
noch die Embryonen und Ammen von Monostomum flavum, sowie ein
sehr merkwürdiges hammerförmiges Ei mit wimperndem Embryo von
unbekannter Herkunft (aus Anas boschas).
Von de Filippi erhielten vvir eine dritte Abhandlung"
über die Entwickerung der Treniatoden (troisieme memoire
pour servir ä Thistoire genetique des Trematodes, 34 S. in
Quart, 3 Kupfertafeln, aus dem XVIII. Bande der Mem. de
l'Aead. des scienc. de Turin 1857), in der die schon früher
im letzten J. B. XXIII S. 195 nach einer vorläufigen Mit-
Iheilung unseres Verf. angezogenen, neuerdings auch in die
Ann. and Mag. nat. bist. XX. p. 129 übergegangenen Beob-
achtungen mit andern neueren zusammengestellt worden sind.
Die Arbeit handelt über Cercaria triloba n. sp. aus Lymnaeus
stagnalis, C. aqilis n. sp. ebendaher, C. lophocerca n. sp. (Larve eines
Monostomum) aus Paludina impura, C. micrura n. sp. ebendaher,
C. virgula ebendaher, C. cristata aus verschiedenen Schneckenarten,
C. tuherculata n. sp. aus Paludina impura, Distoma (Cercaria) Palu^
dinae impurae inerme et armatum n. sp., D. (Cerc.) planorbis cari-
nati, Cercaria (?) Coni mediteranei n. sp., C. vesiculosa aus Palu-
dina vivipara und achatina, sowie schliesslich über Tetracotyle. Die
schwanzlose C. arinata Paludinae wird in einer Redia aufgenannt —
die erste dem Verf. bekannte Ausnahme von dem Gesetze, dass die
bewaffneten Cercarien in Sporocysten ihren Ursprung nehmen. Für
die Beschreibung der einzelnen Formen von Cercarien und Ammen
(Sporocysten, Redien und Sporocystophoren) verweisen wir auf das
Original, das, wie die vorhergehenden zwei Abhandlungen, des
Interessanten viel enthält. Wir heben hier nur hervor, dass Verf. bei
den Sporocysten von C. virgula, wie früher bei denen von C. micro-
cotyla, in einzelnen Fällen eine Quertheilung beobachtete. Die schwanz-
losen Cercarien der Pal. impura scheinen nicht zu schwärmen ; Verf.
sah wenigstens (p. 10) , dass dieselben unmittelbar im Körper ihres
der niedeien Ihiere während des Jahre» 1857. 115
Wirthes sich einkapselten und im encystirten Zustande vielfach aus-
geworfen wurden. Fütterungsversuche, die Verf. mit solchen Cysten
vornahm, schienen dafür zu sprechen, dass die betreffenden Parasiten
in Fischen zur Reife kommen, die bewaffnete Form in der Forelle, die
unbewaffnete in der Schleihe. Die letztere düifte wahrscheinlich mit
D. perlatum identisch sein. Die Redien, in denen diese Cercarien sich
entwickeln, beginnen die Keimbildung bereits vor ihrer vollkommenen
Ausbildung, zu einer Zeit, in der dieselben noch nicht einmal mit
völlig entwickeltem Tractus versehen sind.
In Betreff der Tetracotyle (p. 15) verharrt Verf. bei seiner frü-
heren Ansicht, nach der dieser merkwürdige Schmarotzer ein directer
Abkömmling verschiedener Sporocysten sei. Er glaubt diese Ansicht
jetzt sogar beweisen zu können und schildert die allmähliche Ent-
wicklung derselben aus einer Spore der Sporocystis Cerc. vesicu-
losae. Die Cyste, in welche die Tetracotyle nach ihrer Entwicklung
sich einschliesst, zeigt an den Saugnäpfen und der Excretionsöffnung
Löcher. (Nach G. Wagen er und Pagenstecher ist diese Cyste,
wie bei Dist. Leucochloridii, die abgestossene Körperhaut selbst.)
Ganz anders urtheilt Pagenstecher (a. a. 0. S. 32) und
Claparede (Zeitschrift für wiss. Zool. IX. S. 103), die beide, wie
Moulinie, die Tetracotyle für einen zufälligen Insassen der
Cercarienammen halten. Letzterer möchte die entsprechenden reifen
Zustände, wie auch die der Diplostomen, unter den Holostomeen su-
chen und macht darauf aufmerksam, dass die in verschiedenen Wohn-
thieren lebenden Tetracotylen wahrscheinliclter Weise auch verschie-
denen Arten angehören.
G. Wagen er nennt die Tetracotyle geradezu Holostomum und
glaubt die in Schnecken vorkommende Form auf H. macrocephalum
beziehen zu dürfen (helminthol. Beiträge a. a. 0. S. 90 mit Berich-
tigung S. 306).
Auch Lespes liefert einen Beitrag zur Kenntniss der
Cercarien und deren Entwickelungsgeschichte (Annales des
sc. natur. 1857. T. VII. p. 113-118). Seine Beobachtungen
sind um so interessanter, als sie an Seemollusken angestellt
sind, die bisher noch so wenig auf Helminthen untersucht
wurden, im Ganzen aber auch sehr viel ärmer daran zu sein
scheinen, als unsere Süsswasserschnecken.
Die untersuchten Arten sind vom Verf. unter folgenden provi-
sorischen Namen beschrieben und abgebildet : Cercaria sagittata aus
Nassa reticulata, C. lata aus Venus decussata, C. proxima aus Littorina
littorea , Cerc. brachyuta auR Tiochus cinereus, C. linearis aus Lit-
torina littorea. Die erste und dritte Form entwickeln sich in einer
Redia, die übrigen in Sporocysten, doch entbehrt die zweite trotz-
116 L e u c k a r t : ßericlit über die Leistungen in der Naturgeschichte
dem der Stacheln und der Speicheldrüsen. Die drei ersten Formen
tragen an ihrem Schwänze einen Seitenkamm, die zweite auch noch
jederseits eine Reihe gekrümmter Häkchen, während die zwei letzten
Arten einen kurzen und unbeweglichen , stummelförmigen Schwanz
besitzen, wie die von Mulinie bei J<imax entdeckte Form (J. B.
XXIII. S. 194) und C. micrura de Fil. Das Excretionsorgan durch-
bohrt bei C. lata den Schwanz, um auf der Spitze desselben auszu-
münden. Auch in Buccinum wurde eine Redia mit grossen Cercarien
aufgefunden, deren Schwanz tief gespalten war.
Die „anatomischen Beobachtungen über Trematoden von
AVedl« (Sitzungber. der Wiener Akad. 1857. Bd. XXVI.
S. 241 — 278 mit 4 Taf.) enthalten Bemerkungen über den
Innern und äussern Bau von Distoma ovatum Rud., D. anri-
culatum n. sp. aus Acipenser Rulhenus, D. campanula Duj.
(nach Beschreibung und Abbildung wohl = Gastrostomum
fimbriatinn) , D. crassiusculum Rud. , D. echinatum Zed. aus
Haliaeus Garbo, D. bilobum Rud., D. sp. ? (geschlechtlich un-
reif, in Gysten am Oesophagus von Ardea purpurea) , Mo-
nostoma verrucosum Zed, , M. lanceolalum n. sp. aus der
Bauchhöhle von Himantopus rubropterus , Holostoma varia-
bile Nitzsch, H. cornu Nitzsch, H. trilobum Dies., Hemistoma
spathula Dies. , so wie ferner Untersuchungen über Gyro-
dactylus, welche letztere später noch unser besonderes In-
teresse in Anspruch nehmen werden. Von Wichtigkeit für
die Kenntniss der Helminthen sind aus dem ersten Theile
dieser Beobachtungen namentlich die Angaben über D. bilo-
bum, Monostomum verrucosum und Hemistomum (H. spatula
besonders in Vergleich mit Tetracotyle).
Stein liefert in der Icon. zoot. von Garus Tab. VII.
Fig. 23 eine Zeichnung von Distoma polymorphum mit einer
Darstellung der Genitalien, des Darmes und des Porus ex-
cretorius. Die sog. hintere Samenblase empfängt ihren In-
halt von der Vagina und steht keineswegs mit dem Hoden
in Zusammenhang. (Da dieses Receptaculum bei dem aus-
gewachsenen Thiere wegen der bedeutenden Länge des über-
diess mit zahllosen Eiern angefüllten Uterus kaum zugäng-
lich sein dürfte, so liegt die Vermuthung nahe, dass die Fül-
lung desselben — wie das Ref. auch für die Gestoden und
Pentastomen direct beobachtet hat — vor dem Eintritte der
weiblichen Geschlechtsreife geschehe.)
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 117
Nach den Untersuchung-en von Claparedc sind die
bei manchen Trematoden (Diplostomnm , Tctracotyie Percae
et Acerinae) zerstreut im Leibe vorkonnnenden Kalkkörper
nicht, wie man früher annahm, frei im Körperparenchym ge-
legen, sondern in die kolbenförmig erweiterten Endigungen
des verästelten Excretionsorganes eingelagert, demnach also
denjenigen Kalkkörperchen vollkommen vergleichbar, die bei
vielen Cercarien und gewissen Distomeen in den Hanptr-
stämmen des Excretionsapparates gefunden werden. Die
chemische Zusammensetzung dieser Kalkkörper ist übrigens
noch ziemlich dunkel und scheint bei den einzelnen Arten
auch manche Verschiedenheit zu bieten, vvie schon das Ver-
halten gegen Säuren , bei deren Zusatz sie bald brausen,
bald auch nicht — ganz wie die Kalkkörperchen der Cesto-
den — zur Genüge beweist. Zeitschr. für wissensch. Zool.
IX. S. 98. Tab. VIII.
Ref. hat schon im letzten Jahresberichte (S. 198) als
Resultat seiner eigenen , in extenso freilich nicht veröffent-
lichten Untersuchungen hervorgehoben, dass das Gen. Gyro-
dactylus keineswegs, wie v. Siebold behauptete, aus ge-
schlechtslosen Thieren bestehe, „deren geschlechtlich ent-
wickelte Formen unter den Polystomeen, Octobothrien oder
ähnlichen Trematoden zu suchen seien", sondern ein selbst-
ständiges Genus repräsentire, das ausser Gyr. elegans auch eine
ganze Anzahl ausgebildeter Geschlechtsthiere mit zwitter-
haften Genitalien enthalte. Zu ganz denselben Resultaten
sind, unabhängig von einander, wie von Ref., aucJi noch zwei
andere Helminthologen gelangt, G. W^a gener und Wedl,
aus deren Untersuchungen wir Nachstehendes hervorheben.
G. Wag euer, dem wir die umfassendsten und detail-
lirtesten Angaben über diese Thiere verdanken (Beiträge zur
Entwickelungsgeschichte der Eingeweidewürmer S. 49 — 96.
Tab. XI— XVI, auch helminthologische Bemerkungen a. a. 0.
S. 83, 84) kennt ausser Gyrod. elegans , für den er die be-
kannten V. Siebold'schen Ano^aben vollkommen bestätiofen
konnte, noch 14 andere Species, die alle geschlechtsreif sind
und sich ausserdem noch dadurch von Gyr. elegans unter-
scheiden, dass die grossen Haken ihrer Schwanzscheibe nicht
nach dem Bauche , sondern nach dem Rücken zu sehen.
118 L e u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Verf. glaubt desshalb auch berechtigt zu sein, diese letztem
generisch von Gyr. elegans zu trennen und bedient sich zu
ihrer Bezeichnung , wie D i e s i n g , des Genusnamens Da-
ctylogyrus.
Die Species unseres Verf. sind theils von Süsswasserfischen, theils
aber auch von Seefischen abgelesen und unterscheiden sich vorzugsweise
durch die Bewaffnung der Schwanzscheibe, so wie weiter durch die
Bildung der mit den Geschlechtsorganen in Zusammenhang stehenden
ßauchhaken (Legscheidev. Sieb. = Penis). Ihre Kamen sind folgende : D.
monenteron n. sp. vom Hecht, D. nncinalvs von Perca fluviatilis, D.
crucifer n. sp. von Cyprinus erythrophthalmus , D. minor n. sp. von
Cypr. alburnus, D. megastoma n. sp. von Cypr. amarus , D. difformis
n. sp. von Cypr. erythrophthalmus, D. anchoratus Duj. (= D. auricu-
latus Nordm.?), D. major n. sp. von Gobio fluviatilis, D. Irigono-
sloma n. sp. von Cypr. rutilus, D. amphibolhrimn von Acerina cernua,
D. pcdatus n. sp. von Julis?, J). echeneis n. sp. von Chrysophrys
aurata, D. aequans n. sp. von Labrax lupus. Die sieben ersten Spe-
cies hat Verf. durch Abbildung der unterscheidenden Hautgebilde
zur Genüge charakterisirt , die übrigen Arten jedoch nur namentlich
angeführt, obwohl einzelne gelegentliche Angaben (besonders in deft
„helminthologischen Bemerkungen-') die eine oder andere derselben
kenntlich machen , die Flaken der Schwanzscheibe bestehen aus
zw^eierlei durch Grösse und Form, besonders auch Entwickelung der
Wurzelfortsätze verschiedenen Gebilden. Die kleinen sind zum gröss-
len Theile (meist zu 10) an der Peripherie der Schwanzscheibe ein-
gepflanzt, zum kleinern aber auch auf der Fläche der Scheibe befe-
stigt. Zwischen ihnen findet sich oftmals noch, im Centrum der
Scheibe, ein sehr verschieden entwickelter stäbchenförmiger Hornap-
parat (Gerüst der Centralscheibe , das Yerf. freilich nur bei drei Spe-
cies auffand , das nach den Beobachtungen des Ref. jedoch viel häu-
figer vorkommt, wenngleich bisweilen nur in minimaler Entwicke-
lung). Von grossen Haken findet sich in der Regel nur ein einziges
Paar, zwischen deren zweischenklichen Wurzelfortsätzen ein balken-
förmiges Querstück (Klammer Verf. , Schloss Wedl) sich ausspannt.
Mitunter sind die grossen Haken aber auch in zwei Paaren vorhan-
den , die in verschiedener Weise beim Festhalten zusammenwirken.
So namentlich bei D. monenteron und D. uncinatus (denen Ref. noch
eine von ihm beobachtete neue Species ü. forceps von Cypr. nasus
und C. dobula anreiht, bei dem freilich der eine dieser grösseien Ha-
ken nur eine einfache Wurzel hat). Bei den oceanischen Formen
scheint die Bildung dieser Klamuienipparate noch mannichfaltiger zu
sein. D. echeneis hat auf der Innenfläche der Schwanzscheibe eine
rosettenartig in Falten gelegte, feste Haut, während D. aequans und
D. pedatus statt einer Schwanzscheibe deren sogar zwei besitzen, die
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 119
durch einen besondern, den zwei grossen Hakenpaaren anhängenden,
dreigliedrigen Apparat getrennt und auf der Innenfläche mit concen-
trisch angeordneten Stäbchen bekleidet sind.
Das Körperparenchym unserer Thiere besteht aus einer weichen,
sarkodeartigen Masse, in der man nur hier und da, besonders gegen
die Schwanzscheibe zu , einzelne muskulöse Faserzüge unterscheidet.
In den sehr beweglichen Kopfspitzen finden sich eigenthümliche braun-
gefärbte Canäle, die Verf. als Drüsen ansehen möchte, deren Sekret
möglicher Weise zum Festhalten und Fadenspinnen diene. (Ref. sah bei
einer vielleicht mit Gyr. tenuisWedl übereinstimmenden Art aus der Spitze
der stark, zu fingerförmigen Forlsätzen ausgestreckten und tastenden
Kopfzipfel den Inhalt der betreffenden Schläuche in Tropfenform her-
vortreten.) Der Darmapparat besteht aus einem fast kugligen, pro-
tractilen Schlundkopfe und einem meist zweischenklichen nur bei D.
monenteron einfachen Magen ohne After. (Ref. glaubt einige Male
bei der oben erwähnten G. teruis u. a. eine schlingenförmige Verei-
nigung der beiden Darmschenkel beobachtet zu haben.) Die hier und
da flimmernden Gefässe entspringen aus vier durch Queranastomosen
verbundenen Längsstämmen, die sich zu einem kurzen Stamme verei-
nigen und dicht über der Schwanzscheibe auf dem Rücken ausmün-
den. In den vier Augenflecken wurde bei D. monenteron ein lin-
senartiger heller Körper gefunden. (Ref. hat bei D. forceps gleich-
falls eine solche Linse aufgefunden, in anderen Arten aber vergebens
darnach gesucht.) Als Nervensystem möchte Verf. ein schmales Quer-
band in Anspruch nehmen, das er dem Anfangstheile des Darmes auf-
liegen sah (während Ref. glaubt, dasselbe in Form einer zweilappi-
gen Ganglienmasse unterhalb der Augenflecke aufgefunden zu^haben).
Die weiblichen Geschlechtsorgane zerfallen in Dotterstock, Keimstock
und Eiergang. Die ersten sind von sehr ansehnlicher Entwickelung
und umhüllen im ausgewachsenen Thiere fast sämmtliche übrigen
Organe. Siebestehen aus zweien unregelmässig ausgebuchteten Schläu-
chen, die sich jederseits am Rücken und Rauche wiederholen, später
aber so zusammenfliessen , dass überhaupt nur ein rechter und ein
linker Schlauch zu unterscheiden ist. Die Ausführungsgänge verlau-
fen quer und treffen am vordem Ende des einfachen sackförmigen
Keimstockes, etwas vor der Körpermitte ,.. auf einander. An dieser
Stelle entspringt der Eiergang, der sich nach vorn verfolgen lässt
und auf der Rauchseite, nicht weit vom Munde, nach Aussen öffnet.
Es bildet sich immer nur, und zv/ar im untern Ende des Eierganges,
ein Ei , das bei den oceanischen Formen mit einem längern Stiele
versehen ist. Der Hoden liegt dicht hinter dem Keim- oder Eier-
stocke und ist einfach , wie dieser. Ein Ausführungsgang desselben
verläuft an der Rückenfläche bis zu den Bauchhaken und steht mit
einer ovalen Vesicula seminalis in Verbindung. Ein zweiter Aus-
120 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
I'ührungsgang mündet, gleichfalls mittelst einer, freilich nicht immer
deutlichen Ves. seminalis neben den Dotter- und Keiuigängen in den
Anfang des Fruchthälters. IN'eben der Ves. seminalis externa liegen
an der Basis der Bauchhaken noch zwei sackförmige Anhangsorgane,
die mit brauner zäher Masse gefüllt sind und ganz in derselben Weise
auch bei andern verwandten Arten (Tristomum , Polystomum) vor-
kommen. Bei D. monenteron scheinen dieselben zu fehlen. Der ßauch-
hakenapparat ist schwer zu verstehen , doch scheint seine Grundform
die eines Doppelhakens zu sein. (Nach den Untersuchungen des Ref.
besteht dieser Apparat dnrchgehends aus einer hohlsondenartigen,
theilweise geschlossenen Scheide und einem dünnen Cirrus, dessen
unteres Ende in ein plattes Basalstück ausläuft und den Ausführungs-
gang der vordem Ves. seminalis aufnimmt. Zwischen dem Basal-
stücke des Cirrus und der sehr verschieden gestalteten, meist mit
Fortsätzen versehenen Scheide sind Muskeln ausgespannt, durch deren
Thätigkeit der Cirrus in der Scheide auf- und absteigt. Bei man-
chen Arten konnte auch das Hervortreten des Cirrus aus dem Körper
deutlich gesehen werden. Ref. trägt kein Bedenken , den Cirrus als
Penis zu beanspruchen und glaubt , dass zur Aufnahme dieses Cirrus
eine kleine OefFnung diene , die oberhalb des Keimstockes zur Lin-
ken der Medianlinie vorkommt und von einem kleinen, aber ver-
schiedien gestalteten hornigen Mundstücke umgeben ist. Die Oeffnung
führt in einen ziemlich weiten Hohlraum, der mit demunteren Theile
des Fruchthälters zusammeozuhängen scheint und bei D. fallax wahr-
scheinlich auch, mit Samenfäden gefüllt, vom Verf. gesehen wurde.)
Die Entwickelung der an Fischkiemen abgelegten Eier geht ohne
Dotterfurchung vor sich und liefert einen Embryo, der im Wesent-
lichen den Mutterthieren gleicht , d. h. wie diese flimmerlos ist
und bereits die mit Hakenanfängen besetzte Saugscheibe, so wie die
Anlagen der Bauchhaken erkennen lässt. Von Innern Organen ist
besonders der Schlundkopf und eine Reihe von Excretkörnern in
seitlichen Schläuchen deutlich. Welche Beziehungen der Gyr. elegans
zu Dactyglogyrus habe, muss einstweilen noch unentschieden bleiben,
ebenso die Frage, ob unter ersterem Namen sich vielleicht mehrere
verschiedene Formen verstecken.
Die Allgaben vonWecll (Anatomische Untersuchungen
über Trematoden a. a. 0. S. 258 — 278) sind im Wesentlichen
mit den Untersuclmngcn Wagener's übereinstimmend und
auch da, wo sie, wie mitunter in Einzelnheiten, abweichen,
mit ihnen leicht zu vereinigen.
Ausser dem von unseren» Vcjf. wieder aufgefundenen, wahr-
scheinlich echten Gyrodactylus auricularis Nordm. — bei dem unser
Verf. auch die oben erwähnte Lage der grossen Scheibenliaken auf
der Rückenlläche sah und zeichnete — wurden noch sechs andere
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 121
neue Arten beobachtet, die aber zum Theil mit ,Wageher'schen Arten
zusannnenfallen : G. Cochlea n. sp. vom Hechte (= I>. nionenteron G.
Wag.), G. ciassiuscidus n. sp. von Lucioperca Sandra (= D. uncinatus
G. W.), G. tenuis n. sp. von Perca fluviatilis, G. cvvcialiis n. sp. von
Cobitis, G. falcafvs n. sp. von Cyprinus sp. ? (= ü. niegastonia G.W.)
itnd G. viollis n. sp. von Cyprinus Carpio (=• D. crucifer G. W.).
Bei G. crassiusciilus wurden die kleinen Häkchen übersehen, ebenso
auch wahrscheinlicher Weise bei dem gleichfalls mit zwei grossen
Hakenpaaren versehenen G. cruciatus. Der Magensack wird nach
Analogie von G. nionenteron überall für einfach gehalten , doch be-
merkt Verf. ausdrücklich , dass er sich davon nirgends mit gleicher
Bestimmtheit überzeugt habe. ' Der Zusammenhang der vorderen Sa-
menblase mit dem Penis wurde auch vom Verf. beobachtet, indessen
scheint es, dass derselbe die Penisscheidc allein als Penis betrachtet,
während er den wahren Penis als eine Art Fang- oder Adhäsionsor-
gan für die Vagina deuten möchte. Ein Hoden wurde nicht mit
Bestimmtheit nachgewiesen , obwohl Samenfäden deutlich erkannt
werden konnten.
Heller beschreibt ein interessantes Exemplar von Di-
plozoon paradoxum , bei dem die Verwachsung der beiden
Diporpen sich über die ganze vordere Körperhälfte ausge-
dehnt hatte. Gleichzeitig macht derselbe einige Angaben
über den Gefässverlauf der Diplozoen. Sitzungsber. der k.
Akad. in Wien XXV. S. 109. Mit Abbild.
Ueber das merkwürdige, seiner systematischen Stellung
nach immer noch ziemlich problematische Schmarotzergenus
Myzostomum Lt. haben wir im Laufe des vergangenen Jah-
res gleichfalls zwei Mittheihingen erhalten, von Semper
(zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Gattung
Myzostoma , Zeitschrift für wissensch. Zool. IX. S. 48—64
mit 2 Tafeln) und von 0. Schmidt (über die Schm.aro-
tzergattung Myzostoma in den Sitzungsber. der Wiener Akad.
XXin. S. 15—17). Beide untersuchten ausser dem besonders
durch Thomson bekannt gewordenen M. cirriferum Lt.
noch eine zweite Art, Schmidt das M. glabrum Lt., Sem-
per das an seinen 20 Randpapillen und seinen zahlreichen
gelb pigmenlirten Rückentuberkeln leicht zu unterscheidende
M, tuherculosnm Y], s^, (wohl identisch mit Max Schultzens
M. glabrum) , das fast ausschliesslich auf der gesprenkelten
Varietät von Comatula mediterranea lebt. Besonders wichtig
sind die Angaben Semper's, der eine fast vollständige
122 L e u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Anatomie liefert, während die Mittheilungen von Schmidt
sich mehr auf einzelne Notizen beschränken. Im Wesentli-
chen enthält Semper's Darstellung übrigens nur eine Be-
stätigung der Untersuchungen, die schon im Jahre 1853 von
M. Schnitze publicirt sind (J. B. XXII. S. 356), unserem
Verf. jedoch bei Abfassung seiner Arbeit unbekannt waren.
Die Wimpern der Epidermis stehen, wie schon Schnitze
fand, in unregelmässigen Büscheln, Das Nervensystem, das Schultze
vermisste 5 ist ganz in der von Loven beschriebenen Weise vorhan-
den. Es liegt auf der Bauchseite des Thiers zw^ischen Magen und
centralem Muskelsystem , das Seh. irrthümlich an den Rücken ver-
legte. Die peripherischen Muskeln treten an die Haken, deren Bildung
und Bewegung Verf. genau erörtert. Der Darmapparat ist von Loven
sehr richtig beschrieben, mit verästelten Anhangsschläuchen, die trotz
der Abwesenheit einer Muskelhaut eine selbstständige Contractilität
besitzen, so wie mit Mastdarm und After, welcher letzterer aber auch
zugleich weibliche Geschlechtsöffnung ist (wodurch sich die Angaben
von Schultze und Schmidt, von denen der eine wohl den After,
aber keine Vulva, der andere jedoch umgekehrt eine weibliche Oeff-
nung, aber keinen After fand, gegenseitig ausgleichen). Eine Leibes-
höhle fehlt; die männlichen und weiblichen Keimdrüsen, die in jedem
Individuum neben einander vorkommen, sind mit den Blindschläuchen
des Magens so dicht verpackt und verschlungen, dass es sehr schwer
ist, über das Verhältniss derselben eine überzeugende Ansicht zu
gewinnen. 'Bei M. tuberculosum lassen sich zahlreiche längliche
Hodenfollikel entdecken, die den Verästelungen des Samenleiter auf-
sitzen. Der letztere mündet jederseits zwischen dem 3. und 4.
Fusspaare auf einer kleinen Papille nach Aussen und theilt sich sehr
bald (Schmidt lässt ihn einfach bleiben) in einen doppelten, vor-
dem und hintern Canai. Bei M. cirriferum sollen eigentliche Ho-
denvollikel fehlen ; Verf. vermuthet , dass die Hoden hier nach
dem Typus der sog. einzelligen Drüsen entwickelt seien, und lässt diese
je mit einem besondern Ausführungsgange in die blasig erweiterten
Enden des Samenleiters einmünden. Auch die Eier scheinen sich nicht
eigentlich in Follikeln zu entwickeln. Trotzdem aber gelangen diesel-
ben gleichfalls in einen deutlichen Eileiter, die beide sich in die
Cloake inseriren. Die Begattung wurde nicht beobachtet ; jedoch sah
Verf. einmal eine Anzahl zusammengeballter Samenfäden in der
Cloake. Die männliche Brunst scheint , nach einer Beobachtung des
Verf. zu schliessen, früher, als die weibliche einzutreten. Ein paar
Junge von y,5 — '/lo'"- die Verf. einmal auf einem grossen M. tuber-
culatum in der Nähe des Schlundes sitzen sah, glichen im äussern Aus-
sehen bereits ganz den alten, hatten jedoch weder Magenanhänge, noch
Geschlechtsorgane ; auch waren bei ihnen die Haken der Fusshöcker
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 123
nur etwa Vg so gross, als bei den ausgewachsenen Exemplaren, In-
teressanter durch die abweichende äussere Form war ein Junges,
welche Verf. auf einem ausgewachsenen M. cirriferum sitzend fand.
Dasselbe hatte (Vso"') eine längliche, vorn etwas schmälere, hinten
abgerundete Gestalt und besass nur vier Beine, die weit prominirten
und bereits mit Krallen versehen waren. Das Thierchen glich eher
einem Tardigraden , als einem Myzostomum , liess sich aber doch an
Fusshaken und Rüssel mit Bestimmtheit als solches erkennen. Welche
Zwischenstufen zwischen dem Ei und dieser Form liegen , musste
Verf. leider unbekannt lassen ; wir bedauern das um so mehr, als die-
selben möglicher Weise ein bestimmteres Licht auf die Verwandtschafts-
verhältnisse unserer merkwürdigen Schmarotzer würden geworfen haben.
Cestodes.
Carus, Icon. zoot. Tab. VII. Fig- 11 enthält eine sehr
instructive Zeichnung von Caryophyllaeus mit vollständig
analysirtem Geschlechtsapparate und (Fig. 12) Ausmündung
der acht Längskanälo am hinteren Körperende , die , wie
Fig. 13, das hintere Leibesende von Taenia ocellata juv. mit
contractiler Blase, von M. Schnitze mitgetheilt sind. Ei-
nige weitere Originalien von Stein und v. Siebold er-
läutern den Bau der Eier mit dem sechshakigen Embryo,
sind aber theilweise (so weit sie Taenia Solium betreffen)
als ziemlich misslungen zu bezeichnen.
Virchow schildert die Entwickelungsgeschichte der
Kalkkörperchen bei den Cestoden und nimmt dieselben als
verkalkte Zellgewebskörperchen in Anspruch. Arch. für path.
Anat. XI. S. 82. Mit Abbild.
Die oben erwähnten Untersuchungen Claparede's
über die Kalkkörperchen der Trematoden machen es sehr
glaublich, dass diese Gebilde bei den; Cestoden die glei-
chen Beziehungen zu den Excretionsorganen haben, obwohl
die Untersuchungen, die Cl. zur Unterscheidung dieser Frage
bei Echinococcus anstellte, bisher noch kein positives Re-
sultat geliefert haben. A. a. 0. S. 104 (Ref. darf wohl
hinzufügen, dass es ihm und Dr. Pagens techer bei ge-
meinschaftlicher Untersuchung des Cysticercus Echinobothrii
seitdem gelungen ist, sich von der Richtigkeit dieser Ver-
muthung zu überzeugen.)
Kölliker bestätigt — wie das früher auch schon Ref.
124 Leuckart: Bericht üljer die Leistungen in der Naturgeschichte
gethan hatte, Blasenbandwürmer S. 134 — die Existenz der
von Wagen er beschriebenen seitlichen Ausmündungen am
Gefässsysteme der Cestoden (Zeitschrift für wiss. Zool. IX.
S. 139). Bei einem unbewaffneten Scolex wurden jederseits
viellicht 30—33 Oeffnungen gezählt , die durch kurze Quer-
zweige mit den Längsgefässen communicirten. Die letztern
standen ausserdem noch durch den pulsirenden Endschlauch
mit der Aussenwelt in Verbindung.
G. Wagen er liefert (in seinen Beiträgen a. a. 0. S.
5 — 17) eine Uebersicht über dieEntwickelungsgeschichte der
Cestoden nach seinen bereits früher publicirten zahlreichen
Beobachtungen (J. B. XXII. S. 379) und erfäutert dieselben
durch eine Reihe von Abbildungen, die zum Theil schema-
tischer Natur sind.
Der Embryo entsteht, wie es scheint durchgehends, durch Thei-
lung des Keimbläschens schon im Bandwurmglicde und stellt , im
ausgebildeten Zustande, eine überaus contractile Kugel mit drei, sel-
tener zwei Paar Haken dar. Nach der Uebeftragung der Eier in einen
Wirth schlüpft der Embryo aus , um sodann an einem zusagenden
Orte eine structuriose , mitunter von kleinen Stacheln oder Häichen
besetzte Haut zu bekommen und im Innern ein (iefässsystem mit Flim-
merläppchen und pulsirendem Endschlauch zu entwickeln. Bis da-
hin scheinen sich alle Cestoden mit unwesentlichen Diirerenzen gleich
zu verhalten — später aber weichen dieselben nach sechs verschie-
denen Typen aus einander.
Bei den Ligulaarten und Caryophyllaeus scheint die Metamor-
phose schon auf dieser Stufe beendigt. Die SchwanzöfTnung des Ge-
fässsystemes bleibt und das Kopfende erleidet nur geringe oder gar
keine Modifikationen,
Triaenophorus entwickelt am Kopfende des Embryo Haken und
zwei flache Gruben , während das Schwanzende mit dem l'orus ex-
oretorius abgeworfen wird (vielleicht aber auch in einigen Fällen
nach Oblitteration des pulsiienden Sclilauches persistirt).
Bei der Taeniac inern)es soll sich das eingezogene Kopfende
des Embryo ganz einfach mit Saugnäpfen und Rüsseln versehn, worauf
dann durch' Abschuürung am Halsende sogleich die Gliederbildung
beginnt. Das Schwänzende des Embryo mit dem Porus erscheint
demnach als letztes Glied, das zuerst abgeworfen wird. (Nach An-
sicht des Ref. dürften sich die T. inermes trotz diesen Angaben im
Wesentlichen wie die T. armatae verhalten, zumal bei diesen ja bis-
weilen gleichfalls, z. B. bei T. crassicollis — auch nach Beobach-
der niederen Thiere wiilirend des Jahres 1857. 125
tungen von Pagenstecher und Ref. bei Echinohothrinm — die
(iliederbildung vor Abstossung der Schwanzblase vor sich geht.)
Der Embryo der Tetrabothrien erliält an seinem vorderen Ende
vier Gruben oder Saugnäpfe mit einem Stirnnapfe (Scolex Rud.);
die vier Gruben Vergrössern sich , oftmals nach vorhergegangener
Einziehung, sie theilen sich nicht selten auch in dieser oder jener
Richtung, bis sich schliesslich, nach Ausbildung des Kopfes, das Schwanz-
ende mit seinem pulsirenden Schlauche abtrennt und zu Grunde geht.
Die Taeniae armatae bilden den Kopf in der Weise , dass sich
das meist sehr durchsichtige und mit einer dünnen structurloscn
Haut überzogene Kopfende der embryonalen Cestodenblase einzieht.
Der Boden des Kopfsackes hebt sich; die Seitenwände bauchen sich
aus und bilden die Saugnäpfe, die allmählich auf den sich immer höher
hebenden Grund des Sackes , den späteren Kopf, übergehen. (Ref.
glaubt bei seinen Untersuchungen zu der Ueberzeugung gekommen
zu sein, dass die Bildung des^ Kopfes bei den Blasenbandwürmern
ohne Erhebung des Bodens dadurch vor sich gehe, dass die
Wände des Kopfsackes sich unmittelbar in die Wände des völlig ein-
gestülpten Kopfes metamorphosirten. Die Möglichkeit einer secun-
dären Erhebung ist dabei nicht ausgeschlossen, vielmehr direkt zu-
gestanden, und somit ist denn der Unterschied zwischen den beiderlei
Auffassungen nicht eben allzu bedeutend. Ob das freilich zu der
Behauptung genügt, dass die vom Ref. gegebene Darstellung sich be-
reits beim Verf. — in dem grossen , oben erwähnten Cestodenw^erke
— vorfinde (helniinthol. JJemerkungen a. a. 0. S. 77) , will Ref.
hier nicht weiter erörtern. Der Rückblick auf Steinbuch kann
dabei nichts entscheiden, schon desshalb nicht, weil es. sich bei die-
sem überhaupt nicht um Entwicklungsvorgänge handelt. Ueberdiess
giebt St. ausdrücklich an, dass das rüsseltragende Vorderende auch
bei zurückgezogenem Kopfe „nicht umgestülpt" sei,, obgleich dasselbe
doch gleichfalls „im umgestülpten Zustande" seinen Ursprung nimmt.
Der Vergleich des retractilen Cysticercuskopfes mit den Tentakeln der
Schnecken ist übrigens schon älter und schon von Malpighi in An-
wendung gezogen.)
Ganz eben so verhält sich eine Anzahl von Tetrarhynchen,
w ährend andere dieser Thiere, wie auch eiiiige Dibothrien, in sofern
abweichen, als sich bei ihnen der emporgehobene Kopf nach vöHiger
Ausbildung von seiner Blase ablöst und dann frei im Innern dersel-
ben gelegen ist.
In den beiden letzten Fällen erreicht die Cestodenblase offen-
bar ihre höchste Entwickelung ; sie erscheint als ein mit deutlichen
Organen versehenes Thicr , das den späteren Kopf als Knospe her-
vortreibt.
Die V. Siebold'sche Annahme von der Verirrung und llydropsie
126 L e u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der IVaturgeschichte
der sog. Blasenwürnier wird als eine jetzt genügend widerlegte und
erledigte Hypothese bezeichnet.
Unter den beigegebenen Abbildungen heben war besonders die
schöne Zeichnung von Gyporhynchus pusillus Norm. (Tab. VI) hervor,
so wie die Abbildung des bei Tetrarhynchus gefundenen niuthmass-
lichen Nervensystems (Tab. IV. u. V).
In den „helminthologischen Bemerkungen" (a. a. 0. S. 74) wird
hervorgehoben, dass Verf. in der Leibeshöhle von Nais elinguis einst
einen noch mit seinen Embryonalhaken versehenen Cestodenembryo
fand ; es wird dann ferner der Embryo von Dibothrium rugosum mit
und ohne Eihüllen durch treffliche Abbildungen erläutert und schliess-
lich die schon oben erwähnte Prioritätsfrage in Betreff der Kopfent-
wickelung bei den Blasenbandwürmern erörtert. (Wenn Ref. hier
auf diese Angelegenheit nochmals zurückkam, so geschah das nicht
in der Absicht , mit dem so hoch geehrten Forscher um persönliche
Ansprüche zu mäkeln, sondern lediglich aus dem Wunsche, sich von
dem Verdachte zu rechtfertigen, als habe er wissentlich die Verdienste
desselben um unsere Kenntnisse von der Entwickelungsgeschichle der
Cestoden schmälern wollen.)
Nach den Mittheilungen von Verloren bezieht sich
die bekannte (aber mehrfach bezweifelte Beobachtung) Schu-
bart's von dem Vorkommen eines Flimmerüberzuges bei
Cestodenembryonen auf Bothriocephalus latus. Verloren
legte in der Bonner Naturforscherversammlung die darauf
bezüglichen Abbildungen Schubart's vor, und aus diesen
geht hervor, dass die sechshakigen Embryonen des genann-
ten Bandwurmes von einer eigenen, locker anliegenden Flim-
merhülle umgeben sind, wie etwa die Ammen von Monosto-
mum mutabile. Tageblatt der Naturf. und Aerzte 1857. S.19.
Lespes fand in der Leber vonNassa reticulata einige
Male einen Cysticercus, der dem Gen. Echinobothrium zuge-
hörte und wegen der Abwesenheit der Halsstacheln als E.
levicolle n. sp. beschrieben wurde (Ann. des sc. nat. 1857.
T. VII. p. 118). Die Benennung ist unpassend, denn nach
den Beobachtungen von Ref. und Dr. Pagenstecher ent-
wickelt auch das Echin. typus seine Halsstacheln erst nach
dem Freiwerden aus der Cysticercusblase. Der Cysticercus
der letzten Art lebt in Krebsen und wird nicht selten im
Magen verschiedener nordischer Rochen zwischen den Ue-
berresten seiner früheren Wirthe angetroffen. Ob übrigens
die von L. beobachtete Art von E. typus wirklich verschie-
der niederen Thiere v\ährend des Jahres 1857. 127
den ist, dürfte schwer zu entscheiden sein, zumal auch der am
Ende der Schwanzblase vom Verf. beschriebene bewegliche
Saugnapf, der bei E. typus nicht aufgefunden wurde, möglicher
Weise nichts Anderes, als die Einstülpungsstelle der Cysti-
cercusblase darstellt.
Nachträglich mag hier auch noch bemerkt sein , dass
Gegenbau r schon vor einigen Jahren (Unters, über Pe-
teropoden und Heteropoden 1855. S. 59. Anm.) in dem die
Schale überziehenden Manteltheile von Tiedemannia fast con-
stant eine Anzahl „encystirter Tänienammen" auffand, die
„ganz nach der durch v. Siebold, Stein und Meissner
beschriebenen Weise" beschaffen waren. Die Embryonal-
häkchen werden vom Verf. nicht erwähnt, dagegen am vor-
deren Pole des Tänienkopfs ein dichter Kranz kleiner Häkchen.
Die schon im letzten Jahresberichte (S. 205) nach einer
verläufigen Mittheilung erwähnten Untersuchungen von Rai-
ney „on the structure and developement of the Cysticercus
cellulosae'* liegen jetzt ausführlich, in den Transact. roy. soc.
1857. I. p. 111—127 mit zwei Abbildungen, vor.
Ref. kann das damals ansgesprochene Urtheil über diese Ab-
handlung nur wiederholen. Es unterliegt für ihn keinem Zweifel,
dass sich Verf. über die ersten Zustände des Cysticercus völlig ge-
täuscht, und auch in seinen weiteren Beobachtungen nicht bloss man-
che Lücke gelassen, sondern auch manchen Fehlgriff gethan hat. Was
Verf. als die ersten Anfänge des Cysticercus beschreibt, gehört offen-
bar in die Reihe jener sonderbaren parasitischen Bildungen, von de-
ren Vorkommen wir Zuerst durch M i e s c h e r's Untersuchungen in den
Muskelfasern der Hausmaus Kenntniss bekommen haben , die mit der
Entwickelungsgeschichte der Cestoden aber bestimmt in keinerlei
Zusammenhang stehen.
Ueber das Vorkommen des Cysticercus cellulosae am und
im Auge des lebenden Menschen vergleiche man die zahlreichen
Beobachtungen , von v. Graefe in Zeitschr. für Ophthalmo-
logie, bes. 1857. S. 308, so wie Berthold, de Cysticercis
cellulosae in oculo hom. Dissert. Berol. 1857 und Nagel,
med. Zeitung des Vereins für Heilk. in Preussen 1858. No. 29.
Nach den Mittheilungen von Dr. Anderson und Dr.
Gordon ist der Bandwurm in Indien so häufig, dass in ge-
wissen Gegenden jeder dritte Soldat daran leidet. Ausge-
nommen sind diejenigen Nativ- Regimenter und Diener, die
128 L e u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
sich ausschliesslich von Pflanzenkost nähren, wie denn über-
haupt der Fleischgenuss, je nachdem er mehr oder minder
vorwaltend ist, ein Maass für die Häufigkeit des Bandwurms
abgiebt. Med. Times and Gaz. 1857. No. 357. Mai. (Phar-
maceutical Journ. and Transact. 1858. Vol. XVII. p. 409.)
Delafond in Alfort beobachtete das (bekanntlich sehr
seltene) Vorkommen eines Coenurus im Rückenmarke eines
Lammes und schildert die dadurch bedingten krankhaften
Erscheinungen (Cpt= rend. Vol. XLV. p. 452). Der Blasen-
wurm lag in der Gegend des dritten Lendenwirbels. Gleich-
zeitig fand sich auch ein zweiter Coenurus im Hirne.
Kreuder berichtet in der Zeitschrift für die land-
wirthschaftl. Vereine des Grossherz. Hessen 1857. No. 35
über einige vom Ref. in seinen Vorlesungen zur Aufklärung
über die Natur der Drehkrankheit vorgenommene Experi-
mente und hebt dabei namentlich einen Fall hervor, in dem
sich die (freilich auch sehr grossen) Scoleces Coenuri inner-
halb 10 Tagen zu völlig ausgebildeten, infectionsfähigen Band-
würmern entwickelt hatten.
van ßeneden verfütterte Echinococcen an zwei neu-
geborene Hunde und fand nach drei resp. vier Wochen
Hunderte von reifen Taenia Echinococcus. l'Inst. 1857. p. 287.
L e V i s 0 n macht uns mit einem Falle von Echinococ-
cus hominis aus der Milz bekannt , der durch seinen Bau
(Anwesenheit von Tochterblasen) an den Küchenmeister'schen
E. altricipariens sich anschliesst, durch Form, Grösse und Zahl
der Haken aber die Charaktere des E. scolecipariens Küchm.
besitzt. Eine zweite Echinococcusblase war ohne ausgebildete
Tochterblase und Tänien — eine sog. Acephalocystis. Ver-
suche, im Darmkanale des Hundes die Tänienköpfe der er-
sten Blase zur Entwickelung zu bringen schlugen fehl, eben
so auch — was freilich vorauszusetzen war — die mit T.
cucumerina bei Kaninchen angestellten Fütterungsversuche.
Disquisit. nonnullae de Echinococcis Dissert. inaug. Gryph.
1857. (Ob die Untersuchungen des Verf. zu dem Resultate
berechtigen, dass die Echinococcen überhaupt nur eine ein-
zige Species bildeten, steht dahin. Man könnte darin eben
so gut auch einen Grund für die Annahme einer noch grös-
seren Menge von Arten finden. Die Entscheidung über diese
dei' niederen Thieie während des Jahres 1857. 129
Frage bleibt späteren genaueren Untersuchungen und nament-
lich auch dem Experimente vorbehalten.)
Steenstrup brachte eine Reihe von Beobachtungen,
aus denen hervorgeht , dass der Schistocephalus solidus re-
gelmässig auf einer bestimmten Entwickelungsstufe und zu
bestimmter Zeit (Juni — August) die Leibeshöhle der Stich-
linge, die er anfangs bewohnt, nach Durchbohrung der Kör-
perwandung verlässt und in das Wasser auswandert. Der
Stichling geht durch die Verletzung des auswandernden Band-
wurmes zu Grunde, während der letztere eine längere Zeit
(wie schon Linne wusste und v. Bäer bestätigte) frei im
Wasser lebt und in der Mehrzahl der Fälle auch wohl erst
von da in den Darmkanal der Wasservögel gelangt. Die
von A b i 1 g a a r d schon im vergangenen Jahrhundert expe-
rimentell festgestellte Einwanderung des Schistocephalus mit-
sammt seinem Wirthe scheint weit seltener zu sein. Nach
einigen, zum Theil schon von Götze herrührenden Beob-
achtungen ist es Verf. wahrscheinlich, dass auch die Ligu-
laarten in activer Weise durch die Körperwandungen der sie
beherbergenden Fische auswandern. Overs. kongl. danske
Videnskab. Selsk. Forhandl. 1857. p. 186—196.
Kolenati erwähnt in seiner Abhandlung über die Pa-
rasiten der Chiropteren (Wien 1857) eines Cysticercus mi-
niopteri, vielleicht C. fasciolaris.
Turbellarii»
Pharyngocoela. M. Schnitze veröffentlicht in den Icon.
zoot. von Carus Tab. VIII. Fig. 18 eine Abbildung von Pla-
naria torva, die zur Erläuterung der schon früher von un-
serem Verf. (J. B. XX. S.343) gegebenen Darstellung der
Geschlechtsorgane dient. Die Keimstöcke sind doppelt, sehr
weit nach vorn gelegen, die Hoden zur Zeit der Geschlechts-
reife durch den ganzen Körper verbreitet. Der Samen wird
in eine Spermatophore eingeschlossen und in dieser Form
in die kurze Vagina eingeführt. Neben der Vagina noch ein
ovales Säckchen von unbekannter Bedeutung.
Ebenso auch eine Abbildung von Prostomum lineare
mit vollständiger innerer Organisation. Ebendas. Tab. VIII.
Fig. 16.
Archiv f. Naturgesch. XXIV. Jahrg. 2 Bd. [
130 Leuekart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
0. Schmidt giebt eine vorläufige Uebersicht über die
„Ergebnisse der Untersuchung der bei Krakau vorkommen-
den Turbellarien,* Sitzungsber. der Wiener Akad. Bd. XXV.
S. 87, auf die wir bei einer späteren Gelegenheit, nach Ver-
öffentlichung der ausführlichen , in den Denkschriften der
Akademie abgedruckten Arbeit, zurückkommen werden. Wir
beschränken uns hier auf die Bemerkung, dass die Unter-
suchungen des Verf.'s sich besonders auf Vortex , Mesosto-
mum und Proporus beziehen und manche interessante ana-
tomische Thatsache theils neu feststellten, theils bestätigten.
Von neuen Arten (unter 20) werden aufgeführt: Vortex sco-
parius^ V, coronarius , Derostomum galizianum, Mesostomum
Craci, M. cyathus , M. Wandae, M. fallax, M. trunculum,
M. hirudo, Prostomum furiosum.
Unsere Kenntnisse über die Systematik und die einzel-
nen Formen der Dendrocolen sind im Laufe des verflossenen
Jahres besonders durch St impson gefördert worden, der in
dem ersten Theile seines Prodromus (Proc. Acad.Philad. 1857.
p. 19 sq.) nicht bloss eine Uebersicht über die bei Weitem
grössere Mehrzahl der bisher beschriebenen Thiere dieser
Gruppe giebt, sondern auch noch 52 neue Arten, die er in
dem stillen Oceane sammelte, denselben hinzufügt. Genera
und Familien sind dabei nach eigener Untersuchung kurz
charakterisirt worden. Wir tragen die neuen Arten in die
folgende Synopsis ein.
Subtrib. I. Digonopora. Aperturae genitales duae.
Farn. Euryleptidae. Corpus planum, dilatatum laeve vel papil-
losum. Caput plicis tentacularibus duabus frontalibus, Os ante me-
dium situm. Ocelii numerosi prope extremilateni anteriorem siti.
Maricolae.
Thysanozoon Grube. Corpus supra 'papillis ubique obsessuni.
Caput discretum , tentaculis mediocribus. Ocelii frontales aut cervi-
cales. Os subcentrale. Apertura genitalis niascula subcentralis, femi-
nea retrorsum sita. 6 Species, unter denen neu : Th. australe.
PI ane olis (n. gen.y Corpus papillis sparsis , seriebus dua-
bus lateralibus dispositis. Caput grande, discretum, tentaculis magnis.
Ocelii capitales et tentaculares. Os subcentrale. Sp. P. Pauormus
Quatref.
Proceros Quatref. Corpus laeve, caput subdiscretum, tentaculis
subdistantibus, Ocelii cervicales vel tentaculares. Os subterminale;
aperturae genitales retrorsum sitae. 3 sp. unter denen P. albicornis neu.
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 131
Eurylepta Hempr. et Ehrbg. Corpus laeve, tenue. Caput vix
subdiscretum. Plicae tentaculares marginales approxiniatae. Ocelli in
acervum niinutuni cervicaleiii. Os ab apice circiter quartam corpo-
ris parteni reniotuni. Apertura genitalis mascula ante , feniinea post
05 sita (an seniper?). N, sp. : E. fulminata , E. nigra, E. interrvpta,
E. (ßittatomarijinata , E. japonica und E. coccinea. Ausserdem noch
6 bereits bekannte Species.
Fam. Kantiloplafiidac. Corpus planum, hyalinuni. Caput par-
vum, discretum , auriculis duabus. Ocelli nulli. Os post-mediale,
oesophago protractili multilobo. Aperturae genitales antrorsum sitae.
Pelagicae.
Nautiloplana gen. n. unic. mit 1 Art : Planaria (Eurylepta)
oceanica Darv.
Fam. Cephaloleptidae. Corpus planum dilatatum. Caput discre-
tum, extremitate acetabuliformi. Ocelli duo. Os subcentrale, oeso-
phago valde protractili. Aperturae genitales ante os sitae. Aquaruni
subsalinarum incolae.
Cephaloptera Dies. Gen. unicum. Sp. E. macrostoma Darv
Fam. TypJdoleptidae. Corpus planum v. depressum, capite con-
tinuo, tentaculis nuUis. Ocelli nulli. Os subcentrale, ante vel post me-
dium situm. Aperturae genitales retrorsum sitae (an semper?). Ma-
ricolae.
Typhlolepta Oerst. Corpus plano-depressum , oblongum, dilata-
tum. Os pone medium situm. „Penis absque stylo calcareo." 3 sp.
Cryptocoelum (n. gen.). Corpus planum, crassiusculum,
latum, utrimque rotundatum. Os ante medium situm. Parasiticae. Sp.
n, Cr. opacvvi. Schmarotzt auf einem Echinarachnius.
Typhlocolax (n. gen.). Corpus oblongum, depressum, utrim-
que attenuatum. ( s post medium situm. Parasiticae. T. acuminatus
sp. n. von einer Chirodota, T. (Typhlolepta) acutus Gir., T. (Typhlo-
plana) marinus Oerst. ?
Fam. Leptoplanidae. Corpus planum, dilatatum, laeve, saepius
tenerrimum. Caput continuum, tentaculis nullis. Ocelli plus minusve
numerosi , occipitales v. occipitales et marginales , Os ante medium
situm. Aperturae genitales pone os, saepius pone medium sitae. Ma-
ricolae.
Centrostomum Dies. Ocelli in acervos duos parallelos dispo-
siti. Os centrale, oesophago protractili, multilobo. Aperturae genita-
les retrorsum sitae. C. lichenoides Mert.
Elasmodes Le Conte. Corpus oblongum, tenerrimum. Ocelli oc-
cipitales in acervos duos saepius lineares et parallelos dispositi. Os
ante medium situm. Apertura mascula centralis, feminca retrorsum
Sita. 8, früher zum Thell andern Genera (Polycells s. s. w.) zuge-
rechnete Species. worunter 2 neue : E. acutus und E. tenellvs.
132 L e u c k a r l : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Leptoplana Hempr. etEhrbg. Corpus planum, dilatatum, tener-
rimum. Ocelli omnes occipitales, formarum duarum : primarii maio-
res, angulares, nigri, conferti , in acervos duos saepius in umbonibus
aggregati ; secundarii minuti in acervos nebuliformes dispositi. Os
subcentrale, ante medium. Aperturae genitales retrorsum sitae. 6
bekannte, 9 neue Species: L. humilis , L. oblonga, L. delicatula, L.
maculosa, L. patellarnm, L. punctata, L. Schoenbornii, L. trullaefor-
niis, L. fusca.
Dioncus Stimps. Corpus planum, dilatatum. Ocelli in umbones
duos subdistantes , occipitales dispositi, Ocelli marginales nulli. Os
subcentrale. 2 Sp.
P a chyplana (n. gen.). Corpus latum, crassiusculum. Ocelli
Primarii in umbones duos parvos occipitales aggregati ; secundarii in
margine anteriore dispositi. Os subcentrale. Sp. n. P. lactea.
Prothiostomum Quatref. Corpus oblongum. Ocelli numerosi,
quidani in acervum unicum saepe bipartitum occipitalem, reliqui
anteriores, marginales aut submarginales, arcuatim dipositi. Apertu-
rae genitales subcentrales. 11 Species, von denen neu: P. affine, P.
tenehrosum, P. constipatum, P. crihrarium, P. crassiusculum, P. spar-
stim, P. grajide, P. collare, P. obscurum.
D ipl onchus (n. gen.). Corpus oblongum, crassiusculum et
maculatum ut in Stylochis. Caput papilla occipitali, bilobata ocelli-
fera instruclum. Ocelli numerosi , minuti, ad papillam etiam saepe
ad eiusdem basin dispositi. Ocelli marginales nulli. Sp. n. D.marmoratus.
Farn. Stylochidae. Corpus planum, saepius crassiusculum. Ten-
tacula duo parva , brevia , occipitalia. Ocelli numerosi ad tentacula,
vel in acervos capitales aggregati. Os subcentrale. Aperturae geni-
tales approximatae, retrorsum sitae. Maricolae.
Stylochus Hempa et Ehrbg. Corpus laeve. Tentacula subdi-
stantia. Ocelli numerosi, minuti, conferti in tentaculorum superficie,
marginales nulli. 3 Arten mit 2 neuen: St. corniculatus u. obscurus.
Stylochoplana (n. gen.)- Corpus laeve, Tentacula sub-
approximata. Ocelli ad basin tentaculorum v. in acervos vicinos ag-
gregati; marginales nulli. Ausser St. folium Gr. und St. maculata
Quatrf. noch St. reticulata und St. tenuis nn. sp.
C all io plana (n. gen.). Corpus tenue , laeve. Tentacula
elongato-conica, gracilia, approximata in areola alba. Ocelli ad ten-
tacula et in areola inter tentacula ; marginales nulli. Sp. n. C. marginata.
Trachy plana (n. gen.). Corpus crassiusculum, supra tuber-
culatum. Tentacula parva, inconspicua, hyalina. Ocelli ad tentacula;
marginales nulli. Sp. n. Tr. tuberculosa.
Stylochopsis (n. gen.). Corpus subcrassum , iiiolle, Ten-
tacula distantia, obtusa. Ocelli magni ad tentacula et minuti ad mar-
ginem anteriorem; interdum quoque in acervum occipitalem. Sp. nn.
St. limosus und St. conglomeratus.
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 133
Imogine Gir. Corpus laeve. Tentacula brevia, Ocelli duo ma-
gni , ad apicem tentaciiloruni , et numerosi niinuti in corporis niargine.
I. ociilifera Gir.
¥Rm. Planoceridae. Corpus planum, latuni, laeve. Tentacula duo
elongata, subfiliforniia, retractilia. Ocelli nulli. Os subccntrale. Aper-
turae genitales retrorsum sitae. Maricolae.
Planocera Blainv. Gen. un. mit 2 Sp.
Subtr. II. Monogonopora. Apertura genitalis unica.
Fani. Planariadae. Corpus oblongum, depressum v. subplanum,
antice auriculatum v. subauriculatum, capite raro tentaculato. Ocelli
duo globulis vitreis instructi ; rarissime plures vel nulli. Os post
medium situm , interdum centrale. Stomachus amplus, postmedialis.
Apertura genitalis pone os. Aquarium dulcium vel marinarum incolae.
Procotyla Leidy (n. gen.). Corpus elongatum, antice vix
auriculatum. Caput absque tentaculis. Fron» disco evertibili aceta-
buliformi praedita. Ocelli duo distantes. Tubus cibarius ramis parum
divisis. Fluviatiles. P. fluviatilis Leidy (= üendrocoelum superbumL.).
G al eocephala (n. gen.). Corpus oblongum, antice subau-
riculatum ; tentaculis ab auriculis distinctis. Ocelli duo subdistantes.
Os postmediale. Tubus cibarius ramis arbusculiformibus. G. superba
Gir. und G.(?) tentaculata Müll.
Dendrocoelum Oerst. Corpus antice aur^-ulatum, auriculis ten-
taculiformibus. Caput antice excavatum v. bilabiatum, absque tentaculiä.
Ocelli duo. Os subcentrale, oesophago protractili cylindrico. Tubus
cibarius ramis arbusculiformibus. Fluviatiles. 3 sp.
Planaria Müll. (= Dugesia Gir.). Corpus depressum. oblongum,
capite saepius subdiscreto. triangulari, nee labiis, nee acetabulö prae-
dito. Ocelli duo subapproximati. Os subcentrale, oesophago pro-
tractili cylindrico. Fluviatiles. Ausser zahlreichen bekannten Arten
neu: PI. sinensis aus Hong-kong. PL cinerea aus Ousima und PL
radia aus Loo Choo.
Phagocata Leidy. Corpus antice subauriculatum. tentaculis nul-
lis. Ocelli duo. Os post medium situm, oesophago protractili multi-
partito. Fluviatiles. PI. gracilis Leidy.
Procerodes Gir. Corpus depressum, antice fruncatum, tentaculis
auricularibus duobus. Ocelli duo distantes. „Tubi cibarii rami indi-
visi". Maricolae. Pr. ulvae Oerst., Pr. AVheatlandii Gir., Pr. frequens Leidy.
Fovia Gir. Corpus depressum, antice subtruncatum ; fronte sae-
pius in medio producta v. acuta. Ocelli duo subapproximati. Tubus
cibarius ramis indivisis. Maricolae. Ausser F. littoralis Oerst. , F.
affinis Oerst.. F. Warrenii Gir. als neu : F. gracilipes und F. triJobata.
Bdelloura Leidy. Corpus depressum, antice acutum v. subacu-
tum, cauda subdiscreta, dilatata. Ocelli duo. Os centrale, oesophago
cylindrico. Stomachus latus. Coeca indivisa. Apertura genitalis .. .
Maricolae. 3 sp.
134 L e II c k a r t : Bericht über die lieistungen in der Naturgeschichte
Anocelis (n. gen.)- Corpus depressum, elongato-ovale, saepe
antice truncatuni. üs post medium, subcentrale. Ocelli nulli. Flu-
viatiles. A. coeca Duj. und A. fuliginosa Leidy.
Oligocelis (n. gen.). Corpus oblongum, depressum, antice
auricuiatum. Ocelli sex in acervos duos parallelos subterminales dis-
positi. Os post medium, subcentrale. Tubus cibarius ramis arbu-
sculiformibus. Fluviatiles. 0. pulcherrima (jlir.
Kam. Polycelidae. Corpus oblongum, planum, dilatatum. Ocelli
numerosi marginales. Os post medium subcentrale, oesophago cylin-
drico, longe prolractili. Apertura genitalis retrorsum sita. Fluviatiles.
Polycelis Hempr. et Ehrbg. Gen. unic. P. nigra Müll., F. brun-
nea Müll., P. Viganensis Duj.
Fam. Geoplanidae. Corpus elongatum, depressum v. depressiu-
sculuni, subtus pede sat distincto. Caput continuum v. discretum. Ocelli
duo v. plurimi, in capite dispositi. Os postmediale. Oesophagus pio-
tractilis campanulatus , margine saepius sinuoso. Apertura genitalis
pone os. Terricolac.
Geo plana (n. gen.). Corpus depressum v. depressiusculum,
elongatum v. lineare, capite continuo. Ocelli numerosi marginales
vel in acervos submarginales, in capite dispositi. 7 sp., unter denen
eine neue : G. lapidicola aus Loo Choo.
Bipalitim (n.^en.). Corpus lineare, depressiusculum. Ca-
put discretum, lunatum, transversum, auriculis sat longis retrorsum
tendentibus. Ocelli numerosi, minuli , in capite, plerumque in eins
margine dispositi. Os centrale vel postcentrale. Apertura genitalis
inter os et extremitatem posteriorem, saepius ad dimidium distantiae.
Sp.nn. B. macnlatum Ousima, B. fnscatnm Japan, B. trilineahim Jesso,
B. virgatiau Loo Choo.
Rhynchodesmus Leidy. Corpus elongatum, subdepressum , an-
Irorsum attenuatum, utrimque obtusum. Ocelli duo subterminales. 2sp.
Fam. Polycladidne. Corpus planum v. depressum , oblongum,
dilatatum, capite continuo. Ocelli nulli. Os subcentrale. Apertura
genitalis ante os (?Ref.). Terricolae.
Polycladns Blanch. Gen. un. Hieher ausser PI. Gayi Bl. noch
3 Darwinsche Species P. maculatus, P. semilineatus und P. elongatus.
Die Annals and Mag. of nat. bist. T. XX. p. 1 sq. pu-
bliciren eine Ueln^rselziing der schon im letzten Jahresbe-
richte (Bd. XXIII, S. 209) von uns berücksichtigten Arbeit
von M. S. Schnitze über Landplanarien.
0. Schmidt liefert in seinen Beiträgen zur Kenntniss
der Turbellaria rhabdocoela (Sitzungsber. der Wiener Akad.
XXIIl. S- 351 ff.) Beschreibung und Abbildung einiger nea-
politanischer Arten :
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 135
Vortex Girardi n. sp.. V. penicillatns n. sp. , V. reticulatus
Schmidt (?), Mesostomvin solea n. sp. , j¥. (?) chlorosfichnm n. sp.,
Prostomum imimindum n. sp. . Spiroclytus (n. gen.) Nisus n. sp.,
Monocelis anguilla n. sp. , die letztere durch Anwesenheit zweier
Augenflecke vor der Gehörkapsel von den übrigen Arten der Gen.
Monocelis verschieden. Das neue Gen. Spiroclytus ist mit dem
früher nach einem irrthümlich angenommenen Charakter von dems.
Verf. aufgestellten Gen. Trigonostomum (J. B. XX. S. 348, Trigonosto-
nuun setigerum = Sp.Euryalus Schm.) identisch und dürfte nach den
gegenwärtigen Untersuchungen folgende Charaktere besitzen. „Die
hellere Grundfarbe ist an keine wahrnehmbaren Pigmentkörner
gebunden, während längs des Rückens dieselbe Farbe in einem weit
intensiveren Tone in einem unregelmässigen Maschenwerke von Pig-
ment sich ausbreitet. Das Kopfende trägt eine Anzahl steifer und
langer Wimpern (kann wohl kaum als Genuscharakter angeführt
werden, da solche steife Borsten sehr weit unter den Turbellarien,
auch bei Dendrocoelen , wie Prothiostomuni arctum , und überhaupt
den frei lebenden Würmern verbreitet sind Ref.). Die Generationsorgane
sind durch einen merkwürdigen penisartigen Theil von horniger Be-
schaffenheit ausgezeichnet, der inmehrere Spiralwindungen und ein
gerades Endstück zerfällt."
Eine neue von Schmidt (ebendas. S. 348) entdeckte
Art des Gen. Dinophilus (J. B. XX. S. 351) ist durch eine
grössere Anzahl von Wimperkränzen ausgezeichnet. Der sg.
Schlund liegt wahrscheinlicher Weise oberhalb des Oeso-
phagus, wie der Rüssel der Nemertinen und der vordere sg.
Pharynx der Prostomeen, den Verf. jetzt gleichfalls als Ana-
iogon des Nemertinenrüssels erkannt hat (a. a. 0. S. 356, eben-
das. XXV. S. 88).
Rhynchocoela. Aus der schönen von M. Schnitze in
Carus, Icon. zoot. Tab. VIII. Fig. 10 veröffentlichten Abbil-
dung von Tetrastemma obscurum ersehen wir, dass dieser
Forscher sich jetzt auch von der Anwesenheit eines beson-
dern, geschlossenen Blutgefässsystem^s bei den Nemertinen
überzeugt hat. Dasselbe besteht aus einem Rücken- und
zwei Seitengefässen, die schlingenförmig in einander über-
gehen und sich abwechselnd contrahiren. (Die Anwesen-
heit eines contractilen Rückengefässes ist auch Ref. schon
seit längerer Zeit bekannt gewesen.) Das Wassergefäss-
system ist ohne Zusammenhang mit diesen Längsstämmen
und bei der betr. Art in der Mitte des Körpers nach Aussen
136 Leuckart : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
geöffnet. Andere Originalzeichnungen desselben Verf. be-
handeln den Bau des Stachelapparates , der Geschlechts-
organe und Flimmerläppchen in den peripherischen Verbrei-
tungen des Wassergefässsystemes.
Eine Abbildung von Nemertes olivacea mit Eierschlauch
im Umkreis des Körpers, ebendas. Fig. 14, gleichfalls von
M. Schultze.
Der zweite Theil des Prodromus descriptionis aniraa-
lium, qiiae observ. St im p so n (1. c.) handelt über Nemer-
tinen, deren Verf. — mit Einschluss der schon J. B. XXII.
S. 389 erwähnten Arten — 33 neue Species (aus 17 Genera)
beobachtete.
A. Apertura ventralis (os Ref.) infra caput v. cervicem sita. Ocelli
niilli (ob immer? Ref.)
a. Fissurae laterales in capitis marginibus.
1. Corpus normale.
Lineus Sowerby. Corpus depressum, lineare, longissimum. Ca-
put vix subdiscretum, quadratum, antice late truncatum, apertura pro-
boscidis terniinali anipla. Apertura ventralis ante fissurarum finem
posteriorem sita. saepius subterminalis. L, piperatus St. Japan (auch
L. longissimus Sow. = Meckelia Rorlasii Dies.)
Cerebratulus Ren. (= 3Ieckelia p. p.) Corpus depressum v.
teretiusculum, postice saepius plus minusve dilatatum , longiludine
mediocre. Caput corpori continuum v. subdiscretum , oblongum v.
elongatum ; apertura proboscidis terniinali niinuta. Apertura ventralis sae-
pius minor et fine posteriore fissurarum lateralium opposita. Fissurae ad
cervicem productae. Species errantes. non fossores. Sp, nn. C. j'mprcss?/s
Berings Str. , C. paludicosus Canton, C. oleaginns Cap der guten Hoff-
nung, C.albo-rittatus Loo Choo, C.cinguhitus Hong-kong, C. fasciatus
Jeddo, C.bellus ibid., C. ?iiger Hong-kong, C. sinensis ibid., C.riigro-
ftiscus Ousima.
Meckelia Auct. limit. Corpus depressum, retrorsum dilatatum, in-
terdum subplanum , marginibus acutis. Caput lanceolatum , apertura
proboscidis terminali minuta. Apertura ventralis ampla, saepius paulo
post finem fissurarum lateraliuni sita. Fossores in limo vel arena ma-
rina. Sp. nn. M. snbacvta Loo Choo. M. albiila China, M. ausfralis
Port Jackson.
Serpentaria (ioods. Meckeliae affinis, sed apertura ventrali ma-
iore , infra caput et ante cervicem sita. Fossores. 8. rubella n. sp.
Hong-kong.
2. Corpus lateribus involutis.
Diplopleura (n. gen.). Corpus elongatum, dilata'um , late-
ribus (pone caput) supra involutis, marginibus in iinea dorsali me-
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 137
diana vix convenientibiis. Caput subdiscretum , trianguläre vel sub-
cordatuni , fissura longitudinali in utroque niargine ad cervicem pro-
ducta. Apertura proboscidis terininalis niinuta. Apertura ventralis
parvula, infra corpus, post cervicem sita. subdistans. Ocelli nulli.
3Iaricolae. Sp, n. D. Japonica.
b. Fissurae laterales nullae.
1. Apertura proboscidis terminalis.
Tasniosoma (u. gen.). Corpus graude longissinium, lineare,
depressum, ut plurimuni supra infraque lineatuni. Caput vix discre-
tuni, breve , sulco indistincto (rinia obsoleta v. linea impressa inco-
lorata) longitudinali in utroque niargine. Apertura ventralis parvula
postcervicalis. Species in maribus orientalibus habitantes. Sp, nn.
r. septemlineatum Strasse Caspar, T. aeqvale Ousima.
2. Apertura proboscidis infra caput.
Valencinia Quatref. Sp. n. V. armulata Cap d. g. HofiFnung.
B. Apertura ventralis nnlla (? paruni conspicua ? Ref.). Ocelli duo
vel plurimi.
a. Fissurae v. foveae in capitis marginibus.
Dichilus (n. gen.). Corpus lineare, depressum, longitudine
mediocre. Caput corpori continuum, subquadratuni, plica transversa
terminali bilabiatum, labio inferiore eniarginato. Ocelli duo subter-
minales. Cervix supra rimis obsoletis (pseudorimis) impressa. Mari-
colae. Sp. n. D. obscurus Ousima.
Tetrastemma Hempr. et Ehrbg. Corpus filiforme teretiusculum
V. lineare depressum ; longitudine mediocre. Caput discretum v. sub-
discretum, fovea transversa in medio utriusque lateris ; fronte truncata ;
apertura proboscidis in rima transversa terminali. Ocelli qnatuor. duo
post frontales ante foveas, duo occipitales. Maricolae. Sp. nn. T. sti-
gintfum Jesso, T. incisnm Cap b. sp.
C ephal on ema (n. gen.). Corpus teretiusculum filiforme.
Caput rhomboidale, anlrorsum subconicum; strictura discretum; fovea
transversa in utroque latere. Apertura proboscidis teiminalis. Ocelli
duo occipitales. Maricolae. Sp. n. C. hrttnnice'ps Hong-kong.
Emplectonema (n. gen.). Corpus longissinium, subfiliforme,
depressum, protenm. Caput subdiscretum, slricturis nullis ; fovea longi-
tudinali in utroque niargine antero-laterali. Ocelli plurimi. Maricolae.
K. sp. E. riride San Francisco.
b. Foveis nullis.
"" Ocelli duo.
Diplomma (n. gen.). Corpus depressiusculum. Caput dis-
cretum, fronte emarginata, apertura proboscidis terminali. Fissurae
laterales nullae. Ocelli duo; singulus bilobatus, quasi ex duobus
compositus. (Cerebella cervicalia, valde remota. Cavum intestinale
angustius ; cava genitalia anipla.) Maricolae. Sp. n. Z>. serpentina
Loo Choo.
138 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Dicelis (n, gen.)- Corpus lineare, depressinsculum , utrini-
que obtusum. Caput continuum v. suodiscretum , fronte emarginata,
apertura proboscidis terniinali. Ocelli duo siniplices, rotundati , sub-
terminales. Maricolae. Sp. n. D.rnbra Japan.
■"'■"" Ocelli plurimi.
Polysteninia Hempr. et Ehrbg. Caput stricfura a corpore dis-
cretum, parte anteriore subcontracta, valde extensibili, extreniitate ob-
tusa , apertura proboscidis terminal!. (Cauda saepius non dilatata.)
Sp. n. P. sinnosnm Hong-kong.
Polina (n. gen.). Corpus valde contractile, depressinsculum,
longitudine mediocre. Caput discretum v. subdiscretum, strictura nulla ;
apertura proboscidis terminali in margine frontali inferiore. Pro-
boscis laevis. Ocelli in acervos ([uatuor aggregati. 3Iaricolae. Sp. nn.
F. rhomboidalis Port Jackson, P. gi-isea Norfolk, P. cervicalis Japan.
Tatsiioshia (n. gen.). Corpus depressum. Caput subdiscre-
tum. Apertura proboscidis terminalis cruciata. Ocelli in acervos duos
lineares, antice convergentes ; posteriores usque maiores. Maricolae.
Sp. n. T. depressa Jesso.
C 0 sm oc ephal a (n. gen.). Caput depressum, longitudine me-
diocre, minus contractile. Caput continuum vel subdiscretum, macu-
lis angularibus v. fasciis saepius ornatum. Apertura proboscidis in
margine frontali inferiore sita. Proboscis laevis. Cervix utrimque
pseudorimis inconspicuis (lineis impressis incoloratis) instructus. Ocelli
minus conspicui, ut plurimum in margine capitis antero - laterali dis-
positi. Species maricolae, maxima ex parte boreales. Sp. nn. C. Be-
ringiatia, C. Japanica.
3. Ciliati.
Rotiferi.
Gosse's Abhandlung „on the clioecioiis character of
the Rotifera« (Transact. roy. Soc. 1857. II. p. 313—325, mit
2 Tafeln) enthält die schon im letzten Jahresberichte (S. 212)
erwähnten Beobachtungen unsers Verf.'s über die Zwergmänn-
chen zahlreicher Rotiferen.
Wir ersehen daraus u. a., dass auch die von Leydig als Ju-
gendzustände einiger Brachionusarten (B. rubens und Backeri) be-
schriebenen Individuen, wie schon Cohn friilier vermuthet hatte,
solche männliche Thiere darstellen (eine Thatsache , die wir um so
mehr hervorheben müssen, als die betr. Abbildungen Leydig's mit
ihrer Interpretation auch in V. Carus, Icon. zoot. Tab. VIII. Fig. 33
übergegangen sind). Es scheint übrigens, als wenn die Männchen
von Brachionus — und Gleiches gilt auch von einigen andern For-
men — sehr wenig vollständig organisirt wären, und namentlich auch
der Flimmergefässe entbehrten. Eine besondere Auszeichnung der
männlichen Botiferen besteht in der stärkeren Entwickelung des
der niederen Thiere wahrend des Jahres 1857. 139
Räderorganes : auch die Bewegungen derselben sind schneller und
ungestümer, als die der Weibchen. Die Thatsache, dass bei den mit
anhängenden Eiern versehenen AVeibchen entweder nur männliche
oder nur weibliche Eier gefunden werden, findet auch bei unserm
Verf. ihre Bestätigung, doch lässt es derselbe unentschieden, ob diese
beiderlei Eier immer nur von verschiedenen Individuen gelegt wer-
den. Es sei ja auch möglich, dass die Begattung auf die Natur der
Eier influire. Die meisten der vom Verf. beobachteten 31ännchen
wurden aus solchen, den A>'eibchen anhängenden Eiern erzogen ; auch
wurde bei einigen Formen, wie schon früher, der Coitus beobachtet.
Unter den beschriebenen und abgebildeten männlichen Formen gehört
eine zu einer neuen Art desGen. Brachionus, Br. angularis Gosse. Die
IVotonimala Sieboldii Leyd. rechnet Verf. zu seinem Gen. Asplanchna
(J. B. XXII. S. 364). Ebenso wird gelegentlich die Identität des
Gen. Sacculus Gosse (ibid.) mit Ascomorpiia l'erty • (ibid.) hervor-
gehoben.
Leydig pubiicirt (Archiv für Anat. u. Physiol. 1857.
S. 404, Taf. XVI, Ann. and Mag-, nat bist. T. XX. p. 288)
einen Aufsatz „über Hydatina senta und deren Männchen
(Enteroplea hydatina) mit Bemerkungen über die äussere
und innere Organisation dieser Thiere", durch welche die
Angaben von Cohn (J. B. XXII. S. 392) in manchen Ein-
zelnheiten berichtigt werden.
Besonders hervorzuheben sind die Bemerkungen Verf.'s über
den Bau des Räderorganes und die männlichen Organe. Den schon
von Cohn beschriebenen Suspensor testis, der sich bis zur Stirnwand
fortsetzt, nimmt Verf. — und allem Anschein nach mit Recht — als
Rudiment des Darmkanals in Anspruch. Die „Ilarnconcremente" liegen
im Innern dieses strangförmigen Rudinientes, dem der Hoden ange-
wachsen ist, und keinesweges in einem besonderen sackförmigen Be-
hälter; eine Thatsache, die wohl geeignet erscheint, denselben die
Bedeutung von Excretionsstoft'en zu sichern.
Ehrenberg fand in den von Gebr. Schlagintweit
auf der Höhe des Himalaya (18000') gesammelten Erdspuren
u. a. auch augenlose Callidien , die mit denen der Monte-
Rosa-Spitzen meist identisch zu sein scheinen. Berl.Monals-
ber. 1857. S 585.
Lei d y giebt eine kurze Notiz über ein eigenthümliches
C/b'" grosses) Thierchen , Dictyophora (n. gen.) vorax
n. sp. , das durch die Bildung und die beständige Bewegung
seiner Schlundkiefer, wie durch andere Charaktere den Ro-
tiferen verwandt scheint, statt des Räderorganes jedoch am
140 L e u c k ar t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
abgestutzten Vorderleibsende ein becherförmiges Greiforgan
trägt, das nach hinten in die MundöfTnung hineinführt und
in den Körper zurückgezogen werden kann. Es lebt im flies-
senden Süsswasser Nord -Amerikas (Delaware) und ist an
Steinen und abgestorbenen Stämmen befestigt. Proc. Acad.
Philad. 1857. p. 204.
Nach einer vorläufigen Mittheilung von Semper ist
der von Ehrenberg als Rotifere beschriebene Cyphonau-
tes compressus die Larve einer Lamellibranchiate . Bull. Ac.
de Belg. 1857. Dec. (l'Inst. 1858. p. 98). Ref. hatte in Hel-
goland Gelegenheit, dieses Thier gleichfalls zu beobachten
und kann wenigstens so viel bestätigen, dass es mit einem
Räderthiere nicht das Geringste gemein hat. Der Körper ist
von einer förmlichen Schale bedeckt, die bei Druck leicht
in ihre zwei Seiten theile zerfällt und nach Aussehen und
Festigkeit an einen Kieselpanzer erinnert.
Bryozoa»
Die schon im letzten Jahresberichte beiläufig erwähnte
Abhandlung von Allman, a monograph of the fresh-water
Polyzoa. London 1856 (119 Seiten in Fol. mit U Tafeln)
liefert nicht bloss eine sorgfältige, auf langjährige eigne
Untersuchungen basirte Beschreibung aller bis jetzt bekannt
gewordenen Arten dieser interessanten Thiergruppe, sondern
behandelt auch in möglichst vollständiger Darstellung deren
Organisation, Fortpflanzung, Lebensweise u. s. w. (Für die
früheren Mittheilungen unsers Verf. über denselben Gegen-
stand verweist Ref. auf J. B. Bd. XX. S. 366.) Die Ray
Society hat sich durch Publication dieses classischen Werkes
ein ganz besonderes Verdienst erworben.
Die Körperwand der Süssvvasser-lJryozoen besteht überall , mit
Ausnahme der frei beweglichen Cristatella, aus zwei über einander
liegenden Schichten, einer äussern, meist erhärteten (nur bei Lopho-
pus gallertartigen) Chitinsthicht und einer zelligen, von Muskelfa-
sern (?) durchsetzten Innenlage, die an manchen Stellen, wie nament-
lich im vordem Körperende, vielleicht selbst in ganzer Ausdehnung,
mit Flimmerhaaren versehen ist. Scheidewände zwischen den ein-
zelnen Thierzellen sind nicht bloss bei Paludicella, sondern auch sonst
nicht selten nachzuweisen, nur erscheinen dieselben meist viel weni-
ger regelmässig und vollständig. Ein Pharynx findet sich unter den
Süsswasserbryozoen nur bei Paludicella, bei der auch das Pylorialende
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 141
des Magens flimmert, während sonst die Winiperung nur auf den
Mund und den anliegenden Theil des Oesophagus beschränkt ist.
Paludicella (und Urnatella?) ist auch die einzige Süsswasserart, bei
der die Mundklappe (episton;e) und die bilaterale Bildung des Ten-
takelapparates, die auch bei Fredericella noch deutlich nachweisbar
ist, vermisst wird. Die Tentakel, deren Wimperhaare bekanntlich nur
in einer einzigen Reihe stehen, sind hohl und enthalten eine Flüs-
sigkeit, die von der Leibeshöhle in dieselbe übertritt und wohl als
Blutflüssigkeit gedeutet werden muss. Eine OelFnung der Leibeshöhle
nach Aussen, wie sie von andern Forschern angenommen worden,
konnte nicht nachgewiesen werden. Die Muskeln dienen vorzugs-
weise zum Verstössen und Zurückziehen des Kopfendes. Sie sind
kräftig entwickelt, zum Theil selbst mit quergestreiften Fasern ver-
sehen. Paludicella, die sich durch Zahl und Verlauf der Muskeln
mehrfach von den übrigen Arten unterscheidet, differirt von denselben
auch durch die Invagination des Kopfendes. Das Ganglion ist ein-
fach oder gelappt. Es entsendet jederseits einen deutlichen Nerven
an die hufeisenföimige Kopfscheibe mit zahlreichen Zweigen für die
einzelnen Tentakel und ausserdem noch einen Nerven an den Oeso-
phagus, Männliche und weibliche (jeschlechtsorgane sind (Alcyonella
und Paludicella) in derselben Zelle mit einander vereinigt; unsere
Süsswasserbryozoen sind also Hermaphroditen. Die mit zahlreichen
Eikeimen erfüllten Ovarien sind an der Innenfläche der vorderen Kör-
perwand befestigt, wählend die Hoden mit ihren Samenkapseln ent-
weder auf einem von dem Magengrunde abgehenden Bande aufsitzen
(Alcyonella) 'oder sich an der Insertionsstelle dieses Bandes gleich-
falls der inneren Körperfläche anheften. Im letzten Falle (Paludicella)
geht auch von dem Ovarium ein strangförmiges Ligament an den Car-
diacaltheil des 3Iagens. Samenfäden und Eier gelangen nach ihrer
Reife in die Leibeshöhle, wo auch (Alcyonella fungosa) die Befruch-
tung und Entwicklung vor sich geht. Das befruchtete Ei unterliegt
dem Furchungsprocesse und verwandelt sich in einen flimmernden Em-
bryo , der noch eine längere Zeit von der ursprünglichen Dotterhaut
umhüllt bleibt. Nach der Entwickelung der Flimmerhaare entsteht im
Innern des ovalen Embryo ein lichter Hohlraum, der an dem einen
Pole nach Aussen hindurchbricht. Die innere Auskleidung dieses
Hohlraums erhebt sich sodann in Form eines ansehnlichen Zapfens,
der aus der Oeff'nung des flimmernden Körpers hervorwächst, Anfangs
aber auch gelegentlich wieder in denselben zurückgezogen wird und
schliesslich in seinem vordem Ende durch eine Art Knospung das
eigentliche Thier (polypide) mit Tentakelapparat und Darmkanal ent-
wickelt. Gewöhnlich folgt der Entwicklung dieses einen Thieres als-
bald auch noch die eines zweiten, das dann neben dem ersten in den
Innenraum des Zapfens hineinhängt, ganz wie der gewöhnliche Knos-
142 L e 11 c Iv a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichle
penspiössling in seine Zelle, die vor ihm aus dem gemeinschaftlichen
Stamm (coenoecium) hervorkam. Ueberhaupt scheint die Bildung dieser
beiderlei Sprösslinge in einer wesentlich übereinstimmenden Weise
zu geschehen und zuar durch Verdickung und Metamorphose der
zelligen innern Leibesvvand (endocyst).
Die sog. hartschaligen Eier (statoblasts) hält Verf. für abfal-
lende Knospen, die keiner Befruchtung bedürften (p. 57). Sie ent-
stehen zu gewissen Zeiten an dem von dem Msigenblindsacke abge-
henden Strange und erscheinen von Anfang an als Zellenhaufen ohne
Keimfleck und Keimbläschen, die man an den wahren, erst von Verf.
entdeckten Eiern mit Bestimmtheit nachweisen kann. Eine Dotter-
klüftung scheint bei diesen Fortpflanzungskörpern nicht vorzukom-
men, wie denn auch weiter die jungen Thiere , die aus den klafl^en-
den Schalen derselben hervorbrechen, bekanntlich gleich von Anfang
an ihre spätere Bildung haben. Bei einigen Arten findet sich ausser
den gewöhnlichen , frei in der Leibeshöhle enthaltenen Statoblasten
auch noch eine zweite Form dieser Körper an der Innenfläche der
Körperwand befestigt.
Wenn Verf. aus seinen Beobachtungen über die Entwickelung
der Bryozoen den Schluss zieht, dass diese Thiere (p. 41) keine so
einfache morphologische Individualität besitzen, wie man gewöhnlich
annahm, so ist er dazu gewiss vollkommen berechtigt. Aus dem be-
fruchteten Ei entsteht zunächst nur der flimmernde Embryo, der sich
durch Ausscheidung einer äusseren Chitindecke in die Thierzelle ver-
wandelt und erst durch Knospung in seinem Innern das Folypid d. h.
das tentakeltragende Thier mit Verdauungsapparat ent\t'ickelt. Es
sind also zwei Generationen polymorpher Individuen, die das Bryozoon
im gewöhnlichen Sinne des Wortes zusammensetzen, ganz ähnliche
Verhältnisse also, wie sie auch bei den Blasenwürmern vorkommen.
(Verf. hätte zur Unterstützung seiner Ansicht hier auch auf die sog.
Avicularien verweisen können , deren individuelle Natur an einem
anderen Orte, S. 54 ausdrücklich anerkannt wird.) Aber Verf. bleibi
dabei nicht stehen. Er glaubt sich berechtigt, auch das Ovarium;
das in einer dem Folypiden wesentlich gleichen Weise an dem En-
docyst entsteht , als eine individuelle Bildung in Anspruch zu neh-
men und möchte dieselbe Auflassung sogar auf den Hoden übertragen
obwohl dieser nicht an der Thierzelle, sondern vielmehr am Folypi-
den hervorknospet.
Was die systematischen Beziehungen der Bryozoen betrift't, sc
entscheidet sich Verf. mit aller Bestimmtheit für die Molluskenna-
tur derselben. Er legt dabei das Hauptgewicht auf die Aehnlichkei
der Bryozoen mit den Ascidien und glaubt eine vollständige Homo
logie beider (Gruppen nachweisen zu können (p. 43sq.), wie er da
audi schon früher (J. B. XX. S. 356) versucht hat.
der niederen Thiere wahrend des Jahres 1857. 143
Eine besondere eingehende Behandlung findet aucli die Ge-
schichte unserer Kennlnisse über die Süsswasserbryozoen (p.56 — 75).
Die Mittheilimgen desselben Verf's. „on the signifi-
cation of the so called ova of the hippocrepian Polyzoa
and on the development of the proper Embryo in these ani-
mals" (Rep. br. Assoc. at Glascov. Lond. 1856. p. 118} enthal-
ten, den vorstehenden Beobachtungen gegenüber, nichts Neues.
In Carus, Icon. zoot. Tab. XVII. Fig. 1 — 6 sind gleich-
falls von demselben Verf. einige Abbildungen über ßryo-
zoen publicirt , von denen wir namentlich die Fig. 1 , Plu-
matella repens in ihrer Zelle , als eben so gelungen , wie
instructiv hervorheben.
A 1 1 m a n liefert auch einige Notizen über den Bau von
Pedicellina und macht darauf aufmerksam, dass sich dieselbe
durch den Bau des Tentakelapparats, durch Anwesenheit der
Mundklappe und Mangel des Pharynx weit mehr den Süss-
wasserbryozoen mit hufeisenförmiger Kopfscheibe , als den
übrigen marinen Formen anschliesse. Der Bau des Ten-
takelapparates ist aber insofern eigenthümlich, als die bei-
den Schenkel des Hufeisens hier den After umfassen, und
dieser dadurch auf die Kopfscheibe zu liegen kommt. Der
Leberbelag des Magens ist in der kleinen Curvatur zu einer
ansehnlichen Drüsenmasse entwickelt. Zwischen Oesophagus
und Ganglion öffnet sich ein Flimmerkanal, dessen weiterer
Verlauf nicht verfolgt werden konnte , vielleicht der Stamm
eines Wassergefässsystems. A monograph etc. p. 19 sq. Note
Coder Edinb. new phil. Journ. VI. p. 155; Proc. Edinb.
Soc. 1857).
Redfern hält auf der Brittischen Naturforscherver-
sammlung in Dublin einen Vortrag über den Bau von Fru-
strelia, ohne seine Beobachtungen jedoch in detaillirter V^^eise
zu publiciren. Journ. micr. Sc. VI. p. 79.
All man proponirt in der oben schon angezogenen Monogra-
phie (p. 10) folgende Eintheilnng der Bryozoen :
A. Fhijlaclolaemata. (llippocrepia Gerv. p. p.) Lophophore bila-
teral; mouth with an epistonie.
1. Lophopea. Arms of lophophore free or obsolete.
2. Pedicellinea. Arms of lophophore united at the extremities.
B. Gymnolaemata. (Infundibulata Gerv. p. p.).
3. Urnatellea. Polypide only partially retractile?
144 L e u c k a r t : Bciicht über die Leistungen in der Nafuigeschichte
4. Paludicellea. Polypide completely retractile ; evagination of
tentacular sheath imperfect.
5. Cyclostomata. Polypide completely retractile; evagination
perfect; orifice of cell destitute of moveable appendage.
(Adde: Position of the orifice of the cell terminal. Cells
arise by gemmation one from the other.)
6. Ctenostomata. Polypide completely retractile ; evagination
perfect; a cirde of setae attached to the invertible por-
tion and acting as an operculum in the letracted state.
(Adde: orifice terminal. Cells arise each separately from
a common tubulär stam, with whose cavity that of the cells
conimunicates.)
7. Cheilostomata. Polypide completely retractile ; evagination
perfect; orifice of the cell with a moveable lip. (Adde:
Position of the orifice of the cell sub-terminal. Cells arise
by gemmation one from another.)
(Die Zusätze sind nach den Bemerkungen des Recensenten in
dem Journ. micr. Sc. VI. p. 36 hinzugefügt.)
Die Süsswasserformen vertheilen sich dabei folgendermaassen :
L 0 phop e a:
Fam. Cristatellidae. Conoecium free, locomotive.
Gen. Cristatella Cuv. Conoecium sacciform, hyaline, with
a common flattened disc adapted for locomotion ; orifices placed on
the surface opposide to the disc, and arranged in several concentric
marginal series. Statoblasts orbicular, with an annulus and marginal
spines.
Sp. Cr. mucedo Cuv. (= Cr. mirabilis Dal.)
Fam. Plumatellidae. Conoecium rooted.
Gen. Pectinatella Leidy. Lophophore with two long arnis.
Conoecium massive; ectocyst gelatinoid ; statoblast orbicular, with
marginal spines.
Sp. P. magnifica Leidy.
Gen. Lo phop US Dum. Lophophoie with two long arms.
Conoecium sacciform; ectocyst gelatinoid; statoblasts oval, destitute
of spines. '»'" .-«ii'»'''''
Sp. L. crystallinus Pall.
Gen. Alcyonella Lam. Lophophore with two long arms.
Conoecium tubulär, tubes united ; ectocyst pergamentaceous.
Sp. Ale. fungosa Pall. , Ale. Benedeni Allm. , Ale. flabellum
van Ben.
Gen. Plumatella Lam. Lophophore with two long arms.
Conoecium tubulär, tubes distinct; ectocyst pergamentaceous.
Sp. PI. repens Linn. (= PI. nitida Leidy ?) PI. stricta Allm.
(= PI. repens van Ben.), PI. punctata Hank., PL vesicularis Leidy,
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 145
PI. fruticosa Allm. , PI. coralloides Allm. , PI. emar.inata All«, P]
•»'«usa Leuly, PI. Allmanni Hank. , FI. eWans Allrn^ PI n \ •
Allm., PI. jugalis Allm. "^ '" "' ^^"'"«''t'^"
Gen. Fredericella Gerv. Arms oMophophore obsolete.
»p. rr. sultana Bluiiicnl).
Ur nalell ea.
Kam. Vrnatellidae.
Gen. Uinatella Leidy (.1. B. XXII. p. 405).
Sp. ü. gracilis Leidy.
Palv dicellea.
Fam. Paludicellitlae.
Cen. Paludi.elU Gerv. Conoenum membrano -comeous
branched; branches composed of a series of clavifo™, Celles plaoed
end t„ e„d a„d .epara.ed f.c,, „„e ano.her by comple.s 'ep.a
o fices tubula.., la.eral, placed „ea.- ,he wide L,re,„Uy „f laeh
obsene Sp. P. th.enl.ergi van Bened. (= P. procnnbens Hank.?).
Alle 21 Arten s,„d auf der nördlichen Halbkugel zu Hause.
AI der beschreibt in den, Ouarterly Journ. mier. Sc. V p 247
lolgende Bryozoen der engl, Küste:
fe.» ,f";''™";P''™ "'«'"k™-eea Linn. , M. lineata Linn.. M. spini-
era Johnst. , M. craticuU n. sp. , M. P„„i|,e,ii Aud. , M „„icorn s
Hen, BugulafastigataFab., Salicornia sinuosa Hass , ^, '3 Z
««>..»«,„« n. sp., A. aimu.. n. sp., Far.Ua ..dMUu, n.Tp (D
dre, letzten Speces sind - „ach AI der - schon früher von B usk
beschneben. Ibid. p. 24., J, B. XXIII. S. 213). <">B„sk
Derselbe liefert ferner Beschreibung und Abbildung einer
neuen Art des Gen. Bngula, B. iu,hinaia Aid. Ibid. p. 174
hrittiscbet' "'"'" ':'"'f^""'"'" Beobachtungen über einige neue
..sehe Bryozoen : ,Sc„„„,.,-„ c/„.„,„ ..A AU.onUiun. keL,onn,n.
van B^neT): iMltm "^™ ""^- ''-''' ''^^''^ ^«-"^""-'^ ^••
V u n9Tn "r "'■"""^ """'™ "" ''''''' beschrieben (ibid.
ebendale!.^ ' '""" ""'" '^■-' -«-'-'" ' -t^/'"'.« <%-.„,/,„,•„
M a c d o n a I d handelt (Ann. and Mag. „at. bist. T. XIX „ 3901
über e,n ,„it Vesiciaria und Bovvcrbankia verwandtes neu s^B^yo
Mon der Australischen Küste. '
vn,, '^'''v l"'^"'"^"'"' '><■•■ ="' <1«- Küste von Korthumberland
0 k„,„„ enden 86 Bryozoen (Transact. Tyne.ide Natur. Field C b
866.') ,s, Ref. nicht z„ Gesicht gekomn.cn. Ebenso ,veni. TraH
über Cahfornische Bryozoen Proc. Cal. Acad. Vol II '' ""^^^
Archiv f. Natutjesch. XXIV. Jahij 2 Bd tr
146 Leuckait: Bericht über die lieistimgen in der rSatiirgesciiichte
II« ficilinoder itiata.
Nach den Beobachtungen K ö 1 1 i k e r's (Untersuch, zur
vergl. Gewebslehre S. 40) tragen die Cylinderzellen des Tra-
ctus intestinalis bei den Echinodermen mehr oder minder
stark verdickte Epithelialsäume und Flimmerhaare, doch scheint
es , dass diese Bildungen mitunter auf verschiedene Zellen
vertheilt sind. (Bei Holothuria tubulosa konnte keine Flim-
merung gefunden werden.) Ganz ebenso verhalten sich auch
die Epithelialzellen der Magenanhänge bei den Asteriden.
Auch auf der äusseren Körperhaut der Echinodermen
Hess sich an vielen Stellen, besonders den Füsschen und Pe-
dicellarien, eine zarte Cuticula nachweisen. Ebendas. S.59.
Williams überzeugt sich durch Beobachtungen und
Experimente davon , dass der Madreporenkanal der Echino-
dermen nicht, wie man bisher annahm, zur Wassereinfuhr,
sondern vielmehr zur Ausscheidung diene. Ann. and Mag.
nat. bist. T. XIX. p.55.
Verf. brachte einen lebenskräftigen Seestern in ein Gefäss, das
er sodann bis an die Madreporenplatte mit Wasser füllte und sah nun,
wie die Oberfläche des Wassers von Zeit zu Zeit durch Wellen, die
von der Madreporenplatte ausgingen, in Bew^egung gerieth. Ein Ein-
strömen des Wassers konnte nicht beobachtet werden. (Auch bei den
Nemertinen soll durch die seitlichen Spaltölfnungen das Wasser aus-
treten und keineswegs einströmen.)
Lütken publicirt (Separa'.abdruck aus den Vedenskab.
Meddelelser for 1857. p. I ff.) „Oversigt over Grönlands Echi-
nodermata samt over denne Dyreklasses geographiske og ba-
thymetriske Udbredningsforhold i de nordiskeHave«, Kjöben-
havn 1857 (109 Seiten in 8. mit 1 Karte}, und liefert darin
ausser einer sorgfältigen, mit zahlreichen kritischen Bemer-
kungen durchwebten Beschreibung der bisher an der Grön-
ländischen Küste beobachteten Echinodermen (p. 1—56) eine
Abhandlung über die geographische (p. 56—99) un^ bathy-
metrische Verbreitung dieser Geschöpfe, die in vielfacher
Beziehung, nicht bloss als Beitrag zur Kenntniss der nordi-
schen Fauna, unser Interesse in Anspruch nimmt.
Wir heben daraus die Bemerkung hervor, dass die Seestern©
(Ophiuren und Asteriden) das arctische Clima besser ertragen, als die
der niederen Thieie während des Jahres 1857. 147
Seeigel und Holothurien und einen weit grösseren Theil der nordischen
Fauna ausmachen, als das in den tropischen Gewässern der Fall ist.
Die grösste geographische Ausbreitung besitzen : Cucuniaria frondosa,
Psolus phantopus, Echinus dröbachiensis, Cribrella sanguinolenta, So-
laster endeca, S. papposus und üphiopholis acnleata , von denen
einige sogar circunipolar sind , während die mehr südlich vorkom-
menden Arten entweder nur der westlichen oder der östlichen Hemi-
sphäre angehören. Die genannten Arten leben alle in einer nur we-
nig beträchtlichen Tiefe , wie denn Verf. überhaupt der Ansicht ist,
dass die Bewohner der grösseren Meerestiefen eine geringere geo-
graphische Verbreitung besitzen, als die mit Temperaturdifferenzen
mehr vertrauten höher lebenden Arten.
Philipp! g^iebt ein Verzeichniss der bis jetzt von Chili
bekannten (9) Seeigel und (7) Seesterne und beschreibt dabei
zugleich „vier neue Echinoderuien des Chilesischen Meeres."
Dieses Archiv 1857. I. S. 130.
Ebenso M'Andrew und Barrett über die von ihnen
zwischen Drontheim und dem Nordkap mittelst des Schlepp-
netzes gefischten Echinodermen: 6 Holothurien, 8 Seeigel,
12 Ästenden und 7 Ophiuren. Die neuen Arten (1 Holo-
thurie und SAsteriden) sind von Ba rrett beschrieben. Ann.
and Mag. nat. bist. T. XX. p. 43 ff. Tab. IV.
Stimpson zählt in „the Crustacea and Echinodermata
of the pacific shores of North America." Cambridge (92 S. mit
6 Tafeln , Separatabdruck aus Journ. ßost. Soc. nat. bist.
Vol. VI) 12 Holothurien, 9 Seeigel und 10 Ästenden auf,
unter denen mehrere neue Arten , für die wir auf die ein-
zelnen Gruppen verweisen. Zwei Ophiurenarten , die dersel-
ben Fauna angehören, konnten nicht näher bestimmt werden.
1. Scytoderannta* •
Kölliker beschreibt eigenthümliche runde Körper-
chen von Vö'", die an den Darm- und Lungengefässen der
Holothuria tubulosa ansitzen und je zwei keimbläschenartige
Gebilde in sich einschliessen. (Sind nach neueren Untersu-
chungen Gregarinen.) Zeitschrift für wissensch. Zoologie IX.
S. 138.
Derselbe berichtet (Unters, zur Gewebslehre S. 78)
über die Eier dieses Thiers und giebt an, dass die Micropyle
148 LtMickait: Bericht über die J.eistiiDgen in der INalurgeschichte
hier nicht durch Abschnüriing der Eikapsel entstehe, son-
dern sich oftmals an dem der Anheftungsstelle gegenüberlie-
genden Pole bilde.
Von Held erhielten wir eine genaue Beschreibung und
Abbildung der in der Haut der Synapten vorkommenden
Kalkkörperchen. Nach Untersuchungen an S. Duvernaea, S. di-
gitata, S. Rappardi, S. Zebrina, S. Raynaldi, S. intestinalis,
S. Besebi und S. Astrolabi , die in mancherlei Weise durch
Grösse und Form des Ankers, wie durch die Bildung der
Platte mit ihrem Bügel von einander abweichen. (Viertel-
jahresheft der naturf. Gesellsch. in Zürich 1857. S. 243—272.
Tab. HO
^Sars liefert cMiddelh. Litt. Fauna 1. c. p. 120--155.
Tab. 1 u. 2.) eine sorgfällige, auf genaue Untersuchung und
Vergleichung mit verwandten Arten gegründete Beschreibung
folgender Miltelmeerischen Holothurien :
Cucunmria doliohmi (iriibe, C. syracusana Gr., C. Dicquemarii
Cuv., C. tergestina ii. sp. , C. cucumis Risso ? , C. eloiigata Dub. et
Kor. , Thyone fusus Müll. , Phyllophorus urna Gr. (=■ Hol. penicillus
delle Ch.), Ph. granulalus Gr., Holothuria tubulosa Gmel., H, regalis
Cuv., Synapta digitata Mont. Eine besondere Berücksichtigung finden
dabei die für unsere Thiere so charakteristischen Kalkkörperchen, die
bei jeder Art untersucht und abgebildet wurden. Der Beschriebuiig
folgt fast überall eine in lateinischer Sprache abgefasste Diagnose,
die, nach des Verfs Untersuchungen, hier auch von JXeueni, und zw ar
in folgender Weise, für das Grube'sche Gen. Phyllophorus aufge-
stellt wird ;
Gen. Phyllophorus Gr. Corpus elongatum subcylindricuni vel
fusifornie , pedibus per totani superficieni sparsis. Tentacula 12 — 16,
frondoso-raniosa, saepius inaequalia, et intra ea circulus tentaculorum
5 — 6 (saepissinie 5) longe niinoruni. Anniilus calcareus oris obconi-
cus , e laminis 10 constans, quaruni 5 , alternantes latiores deorsuni
appendicibus duabus longis ornatae sunt. In cute corporis et lateruni
pedum laniinae calcareae aut rarae, sparsae , saepius fere nullae, aut
in lateribus pedum dense accuniulatae ; in apice peduni seniper discus
calcareus reticulatus , in tentaculis aciculae sparsae occurrunt. Tubi
genitales simplices; apertura genitalis in papilla cohica in medio collo.
Ebenso beschreibt Lütken in seiner systematischen
Uebersicht der Grönländischen Echinodermen folgende Holo-
thurien (p. 1—24):
Cucuniaria frondosa Gunn. (= Holothuria pentactes Fabr.), C.
Korenii n. sp., C. niinuta Fabr. (= Ocnus Ayresii Stinips. J. B. XXIII.
der niederen Thiere wälircnd des Jahres 1857. 149
S.405). Orciila Barlhii Trosch., Psolus phantapus Fabr., Ps. Fabricii
Dub. et Kor. (= Cuvieria squainata Auct.) , Chirodota laevis Fabr.,
Myriotrochus Kinkii Steenstr. , Eupyrgus scaher n. gen. et n. sp.
Das letzte neue Genus charakterisirt sich durch seinen keulenförmi-
gen, fusslosen Körper , dessen vorderes Ende mit einem Kranze unver-
ästelter^Fühler besetzt ist. In der Haut eine dichte Lage durchlöcher-
ter Kalkplatten, deren Ränder sich in eine kegelförmige rauhe Spitze
erheben. Bei Cucumaria minuta und Chirodota laevis sind die in
Kopenhagen vorhandenen Handzeichnungen von 0. Fabricius in
Holzschnitt niedergegeben.
In einer Fachschrift (Vidensk. Meddel. p. 338) wird hervorge-
hoben, dass Chirodota discolor Eschsch. nicht, wie Verf. ursprünglich
vermuthet hatte, mit Ch. laevis identisch sei. und sich besonders durch
die beträchtlichen Grössenunterschiede der Kalkrädchen als selbststän-
dige Species erweise.
Ayres macht einige Bemerkungen über mehrere früher von
ihm beschriebene Holothurien (J. B. Bd. XX. S. 389) und erklärt ßo-
thryodactyla grandis jetzt für identisch mit Pentacta frondosa, so wie
Sclerodactyla briareiis für identisch mit Anaperus carolinus Troschl.
Duasmodactyla Ayr. soll nicht mit Thyonidium , sondern zumeist mit
Orcula Troschl. übereinkommen, ohne Veränderung der Charakteristik
damit aber nicht vereinigt werden können. Proceed. Califormian Acad.
nat. sc. Vol.I. (1854 u. 1855) p. 98.
Von neuen Arten ist weiter noch zu erwähnen :
Cuvieria antaictica Philippi, a. a. 0. S. 133.
Holotkuria califovmica und Liosoma arenicola Stimpson,
1. c. p.84.
Enpyrgiis hispidus von Norwegen, Barrett, Annais and Mag.
nat. bist. T. XX. p. 46.
3* ;t et i n o zo a.
ICcIiinicla»
M. de Serres überzeugt sich, dass Echinus lividus
auch im Mlttehneere mitunter, freilich nur selten, Höhlen im
Gesteine bildet und glaubt, wie Cailliaud, dass solches
mittelst des Zahnapparates geschehe. Cpt. rend. T. XLIV.
p. 72 (vgl. J. B. Bd. XXXIII. S. 218.)
Aus den weiteren Berichten von Cailliaud (ibid.
T. XLV. p. 474) scheint in der That hervorzugehen , dass
diese Bohrfähigkeit sehr allgemein unter den Echinen ver-
breitet sei. So namentlich bei Echinus Dalandii und E.
Blanchardii Mus. Par. vom Cap und aus Neu-Holland, E. tri-
150 Leu cU art: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
gonarius von Isle Maiir. , Helicocidaris mexicana und Dia-
dema turcariim.
Für die Kenntniss der mittelmeerischen Echiniden und
deren Unterscheidung von verwandten Arten besonders wich-
tig sind die Bemerkungen von Sars in dem Nyt Mag. for
Naturvidenskab. 1. c. p. 109—120.
Verf. beobachtete während eines längern Aufenthaltes in Triest,
Messina und Neapel folgende Arten : Cidaris hystrix Lamk. (von der
nordischen C. papillata Fleni. wohl zu unterscheiden), C. affinis Phil.
(= C. Stokesii Ag.), Echinocidaris aequituberculatus (= E. neapoli-
tanus delle Ch.) , Echinus melo Lamk. (von dem nordischen E. escu-
lentus L. = C. melo Müll, verschieden), E. Flemingii Forb., E. bre-
vispinosus Risso (dem E. granularis Lamk. nur mit Unrecht als Va-
rietät zngeiechnet wird), Echinus lividus Lam. Forb. (keineswegs
mit dem nordischen E. dröbachiensis Müll. = E. neglectus Lamk.
identisch), E. microtuberculatus Jil. (von dem nordischen E. miliaris
verschieden), Echihocyamus pusillus Müll., Brissus Scillae Ag. (=
Spatangus carinatus Gr.), Anjphidotus mediterraneus Forb. (nicht =
dem nordischen A. cordatus Penn.), Schizaster canaliferus Lamk.,
Spatangus meridionalis Risso (von dem nordischen S. purpureus Müll,
verschieden).
lieber Echinus dröbachiensis Müll, und dessen Vorkommen in
Grönland vejgl. Lütken, Oversicht over Grönl. Echinod. p. 24.
Echinus purpuratiis n. ap. San Franzisko, Stimpson, 1. c. p. 86.
Echinus magellanicus n. sp. ujid Arhacia (Echinocidaris) Schy-
ihei n. sp. beide aus der Magallans-Str., Philippi, a. a. 0. S. 131.
Ebendas. Bemerkungen über Echinocidaris spathuliger Gay.
Barrett veröffentlicht einige Notizen übei- Amphidotus gibbo-
sus Ag. Ann. and Mag. nat. bist. T. XIX. p. 33. PI. VII. Fig. 2.
Grube über Brissus panis n. sp., dieses Arch. 1857. I. S. 344.
Nach Krohn geht bei den unter dem Namen Brachio-
laria und Bipinnaria (von Triest und Marseille) bekannten
Asteridenlarven der Larvenrest durch allmähliche Resorption
und nicht durch Abstossung verloren. Archiv für Anat. und
Physiolog. 1857. S. 374. Anm.
Mad. Power berichtet über die Nahrungsaufnahme der
Asterias aurantiaca und giebt an , dass dieselbe grosse Quan-
tiläten von Gasteropoden verzehre. Ann. and Mag. nat. bist.
T.XX. p. 335.
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 151
Nach den Untersuchungen von Williams sollen die
sog. Tracheen der Ästenden in gleicher Weise, wie die im
Umkreise des Mundes bei den Echinen stehenden sog. Kiemen,
trotz den widersprechenden Angaben anderer Beobachter,
als Respirationsorgane dienen. Rep. br. Assoc. 26. Meet.
p. 101, rinstit. 1857. p. 62.
S a r s liefert ein Verzeichniss der von ihm im Mittel-
meere beobachteten Arten und macht dabei zahlreiche Be-
merkungen kritischer und diagnostischer Natur cMiddelh. Lit-
tor. Fauna l. c. p. lOO -109).
So besonders über Luidia Savignyi M. etTr. und die nahe ver-
wandte nordische L. Sarsii Dub. et Kor. , über Astropecten bispinosus
M. et Tr. , A. spinulosus M. et Tr. , A. pentacanthus M. et Tr. , A.
subinermis M. et T. , Ophidiaster ophidianus M, et Tr., Asteracanthion
tenuispinus M. et Ti-.
In ähnlicher Weise handelt Lütken über folgende
Grönländische Seesterne:
Asteracanthion polaris M. et Tr. , A. grönlandicus Steenst., A.
problema Steenstr., Cribrella sangninolenta Müll. (= Echinaster Sarsii
M. et Tr. mit zahlreichen Synonymen), Solaster endeca L., S. pappo-
sus L.. Pteraster militaris Müll., Ctenodiscus crispatus Retz. (= Ct.
polaris et pygmaeus M. et Tr.), Qvers. over Grönlands Echinod.
p.27— 48.•
Stimpson beschreibt vier neue Asteriden aus Californien:
Ästerias (Asteracanthion 31. et Tr.) breiispina , A. (jigantea, Linckia
leviuscvla und Media st er (n. gen.) aequalis. L. c. p. 87 ff. (Das
neue Gen. Mediaster, das übrigens nicht näher charakterisirt wird,
scheint zunächst mit Ophidiaster Ag. verwandt zu sein und dürfte sich
davon vielleicht nicht einmal generisch abtrennen lassen.)
Grube diagnosticirt (Archiv für Naturgesch. 1857. I. S. 340)
folgende neue Asteriden: Astropecten ciliatus Gr. von Puerto Cabello,
Ästeropsis imhricata Gr. von Sitcha , Scytaster cancellatns Asm. Gr.,
Eckinaster deplanatus Asm. Gr., Ech. rigidus Asm. Gr., Eck. laciino-
sus Gr. , Oveaster lapidarius Gr. , die fünf letzten von unbekanntem
Fundorte.
Ebenso ß ar r e tt (Ann. and Mag. nat. bist. T. XX. p. 46. Tab. IV)
Astropecten Lutheni. Astrogonium aculeatnm und A. horeale^ alle drei
von der Norwegischen Küste.
Goniodiscus verrucosus n. sp. Philippi, a. a. 0. S. 132.
Ophinrida.
Nach Krohn's interessanter Entdeckung (über einen
152 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
neuen Entwickelungsmodiis der Ophiuren , Archiv für Anat.
und Physiol. 1857. S. 369. Taf. XIV) giebt es Ophiuren, die
sich in einer dem Gen. Asteracanthion und Echinaster ganz
analogen Weise entwickeln.
Verf. beobachtete diese iEntwickeliingsweise bei zwei Arten,
derei flimmernde Embryonen auf hoher See bei Madeira gefangen
wurden. Der Embryo ist bei beiden Arten keulenförmig, gegen das
eine Ende hin verschmächtigt und abgerundet , an dem andern ent-
gegengesetzten Ende abgestutzt. Der hintere massige JiCibesabschnitt
wird immer grösser und verwandelt sich in den Seestern, dem dann
das vordere Ende zapfenartig zwischen zweien Ecken aufsitzt. See-
stern und Zapfen liegen übrigens nicht in derselben Ebene; sie ste-
hen vielmehr unter einem bestimmten Winkel auf einander und zwar
so, dass der Zapfen der Rückentläche aufsitzt. Hei der einen Art
wächst dieser Zapfen noch eine Strecke weit über die Anlage des
Seesterns hinaus, so dass man denselben noch in einer späteren
Zeit in Gestalt zweier ungleich langer Anhänge über den Rand des
Pentagons hervorragen sieht. Die Mundöffnung entsteht sehr frühe,
noch vor Abflachung des Sternes, am hinteren Ende des Embryo. Die
Zapfen schwinden bei weiterer Ausbildung des Sterns und werden
keineswegs abgeworfen.
Für die von J. Müller beobachtete „wurmförmige Asteriden-
larve" (J. ß. .XX. S.397) vermuthet Verf., trotz der abweichenden
Körperform, dieselbe Entwickelungsweise und ein gleiches Endziel
der Metamorphose.
Sars liefert eine Reihe systematisch wichtiger Bemer-
kungen über die von ihm imMittehneere aufgefundenen Ophiu-
riden und beschreibt dabei zugleich einige neue Arten (Mid-
delhav. Littor. Fauna 1. c. p. 74—100. Mit Abbild.).
Die beobachteten x\rten sind folgende : Astrophyton arborescens
Müll, et Tr., Üphiothrix fragilis 0. Fr. Müll, mit Var. (0. tenuispina
Sars) , Ophiacantha scabra n. sp. (mit 0. setosa M. et Tr. nahe ver-
wandt) , Ophianoplus antmlosns u. gen. et n. sp. , 0. marmoreus
n. sp. von Tanger , Ophiolepis squjunata delle Ch. (= 0. neglecta
Forb.) , Amphiura filiformis 0. Fr. Müll., A. Chiajae Forb. (von der
nahe verwandten A. Sundevallii M. et Tr. = A. Holböllii Lütk. spe-
cifisch verschieden) , A. (Ophi^clis Lütk.) neapoUtana n. sp. , A.
(Ophiactis) virens Sars = Ophiolepis Ballii M. et Tr. (nicht Tomp-
son, dessen 0. Ballii eine andere, selbstständige Art ist), Ophiura
ciliata Retz. , 0. albida Forb. und Ophioderma longicauda M. et Tr.
Den vom Verf. schärfer unterschiedenen Arten» sind lateinische Dia-
gnosen beigefügt. Ebenso dem neuen Gt'u. Ophianoplus, das folgen-
dermaassen charakterisirt ist.
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 153
Gen. n. Ofhianoplns Sars. Rimae genitales inter brachia
binae Fissiirae orales ad parteni aboralem papillis duris instriictae ;
accrvus papillariini dentaliuni siib coluninis dentiuni. Disciis omnino
nudus et cute molli tectus , absque seutis radialibus. Brachia scutata,
absque omni n)olliore integumento, spinis lateralibiis laevibus. Pa-
pulae spiniformes ad porös tentaciilares.
Für die Grönländischen Ophiuren verweisen wir auf
L ü t k e n, der diese Thiere schon früher einmal ( J.B.XXII.S.409)
untersuchte, jetzt aber weitere Bemerkungen miltheilt über:
Ophiura Sarsii Lütk. (dazu auch 0. coriacea Lütk.) , 0. squa-
mosa Lütk., 0. nodosa Lütk., 0. Stvirilt-ii n. sp. , Ophiocten Kroyeri
Lütk., Amphiura Molbölli Lütk., Ophiopholis aculeafa Müll. (= Oph.
scolopendrica M. et Tr.) , Ophiacantha spinulosa 3Iüll. et Tr. (syno-
nym mit 0. grönlandica und 0. arctica 3L et Ti.), Ophioscolex sp.,
Astrophyton eucnemisM. et Tr. Overs. over Grönl. Echinod. p.48 — 54.
Weitere neue Arten beschreibt Grube (dieses Arch. 1857. I.
S.34o): Ophiocoma variahilis von Woahu, Ophiolepis limhala von
Rio Janeiro, 0. sexradia von Honolulu, Ophiothrix alba aus der Südsee.
3* Crinoiciea.
Beyrich handelt „über die Crinoideen des Muschel-
kalkes« (Abh. derBerl. Akad. aus dem Jahre 1857. S. 1—51,
mit 2 Taf.) und liefert dabei eine sehr detaillirte Beschrei-
bung des Encrinus liliiformis.
Barrett beschreibt eine neue schöne und grosse Co-
matula : C. Woodwardii n. sp. Englische Küste. Ann. and
Mag. nat. bist. T. XIX. p. 3.3. PI. VII. fig. 1.
lieber Comatula europaea Leach (C. mediterranea Lam.)
und besonders deren Unterschiede von der nahe verwandten
nordischen C. petasus Düb. et Kor. vgl. Sars, Middelh. Litt.
Fauna 1. c. p. 73.
Lütken giebt einige Notizen über die Grönländische
Alecto Eschrichtii Müll. Overs. over Grönl. Echin. p. 55.
III. Coeleiiterata.
Schon der letzte Jahresbericht hat den Beweis gelie-
fert , dass die natürliche Verwandtschaft der Akalephen und
Polypen in immer weiteren Kreisen Würdigung und Aner-
154 L e 11 c k a r l : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
kennung findet. Wir freuen uns, dieses Mal ein Gleiches be-
richten zu können.
Sars spricht (Middelhavets Littoral Fauna 1. c. p. 72)
von einem Kreise der Coelenteraten und der Echinodermen als
natürlichen grossen Abtheikino en und Milne Edwards
(bist, natur. des Coralliaires 1. p. 4) unterscheidet in ähnli-
cher Weise Echinodermen und Coelenteraten als Unterabthei-
lungen der Radialen, die ihrerseits mit der „Sarcodaires"
(den Spongien und Rbizopoden) zusammen die Gruppe der
Zoophyten'' ausmachten. Die Coelenteraten zerfallen nach
Milne Edwards am natürlichsten in zwei Gruppen: l) die
Akalephen mit den Classen der Medusen, Siphonophoren und
Hydren, welche letztere von den hydroiden Medusenammen
wohl zu trennen sind — wo die Ctenophoren oder Acale-
phes ciliogrades M. Edw. bleiben, ist nicht gesagt — und
2) die Corallen oder Polypen , welchen letzten Namen Verf.
jedoch verwirft oder vielmehr nur in einem anderen Sinne,
zur Bezeichnung der Weichtheile (Köpfchen) bei den Bryo-
zoen, Hydroiden, Corallen, kurz allen früheren sog. „Poly-
pen*, gebraucht wissen will.
V. Carus unterscheidet in der Abtheilung der Coelen-
teraten, jetzt gleichfalls, wie Ref., als Gruppen die Hydrome-
dusen, Anthozoen und Ctenophoren, staluirt aber wegen des
— freilich keineswegs constant vorhandenen - Magen-
schlauches zwischen den beiden letztern eine engere Bezie-
hung. Icones zootomicae, einleitende Bemerkungen.
In Betreff der äusseren Bedeckungen der Coelenteraten
ist die Bemerkung von Kölliker (Unters, zur vergl. Qe-
webslehre S. 80) hervorzuheben, dass die meisten dieser
Thiere im ausgebildeten Zustande (Akalephen, Polypen) der
Cuticula entbehrten und ein einfaches Epithel trügen, das
nur bei den Quallenpolypen eine dicke und feste, geschich-
tete Cuticula absondere. (Auch das Achsenskelt der Gor-
goniden dürfte wohl hieher gehören Ref.)
1. Ctenopliora.
Kölliker liefert eine Abbildung der von ihm schon
bei früherer Gelegenheit beschriebenen jungen Rippenquallen,
Icon Zoot. von Carus, Tab. IV. Fig. 27 -29.
der niederen Thicre wührend des Jahres 1857. 155
M i 1 n e Edwards handelt über den Gastro-Vascnlar-
apparat der Ctenoplioren, besonders der Chiaja Palermitana
n. sp., Cestum Veneris und Cydippe sp. , deren Gefässsystem
ausfuhrlich beschrieben und durch vorlreffliche Abbildungen
erläutert wird. (Ref. , der über denselben Gegenstand spe-
cielle Studien gemacht hat , sieht sich im Stande, den An-
gaben des Verf. fast bis in's Detail hinein beistimmen zu
können.) Verf. erklärt den belreffenden Apparal, wohl in
Uebereinstimmung mit der grössten Mehrzahl der Anatomen,
für ein Blutgefässsystem und sucht die entgegenstehenden
Angaben von Will — wie das übrigens nicht Forbes,
sondern Ref. zuerst gethan hatte — als irrtliümlich nach-
zuweisen. Bei Cestum soll übrigens neben den oberen Rip-
pengefässen in Wirklichkeit ein Canal vorkommen, der sich
von Zeit zu Zeit durch einen Seitenast nach Aussen öffne,
jedoch wird dieser Canal als ein Excretionsorgan in An-
spruch genommen. Annal. des sc. nat. 1(S57. T. VII. p. 285
—298. Tab. 14—16.
Ebendas. spricht Milne Edwards gelegentlich über
das Gen. Chiaja Less. (= Leucothoe Mert.) und dessen drei
bis jetzt bekannte Arten: Ch. papulosa delle Chiaje , Ch.
ipulticornis Will und Ch. Palermitana n. sp. 1. c. p. 286.
..V. Sars berichtet über die von ihm in Messina beobach-
leten Ctenophoren (Middelhav. Litt. Fauna 1. c. p. 70} und
beschreibt als neu: Mnemia elegans (== Eurhamphaea vexilli-
gera Gegenb. J. ß. XXIV. S. 229j und Cydippe plumosa (=
C. hemiphora Gegenb.}.
3i Hydrasinedusae.
Gegenbau r liefert in den einleitenden Bemerkungen
zu V. Carus, Icon. zoot. eine sehr übersichtliche schema-
tische Darstellung der Morphologie und des Generationswech^
sels bei den Hydrasmedusen. Wir empfehlen diese Darstel-
lung namentlich denjenigen , die noch immer an der mor-
phologischen Identität der sg. Geschlechtskapseln mit den sehr
hoch organisirten, selbstständigen Medusen zweifeln. Auch die
über Hydrasmedusen handelnden Tafeln (11 und HI) sind, mit
Ausnahme weniger Figuren , nach Gegen baur'schen, theil-
weise noch unedirten Zeichnungen zusammengestellt.
156 L c u c k a r t : Bericht über die I-eistiingen in rler Naturgeschichte
Jicalepliae.
Nach den Beobachtungen Kölliker's zeigen die in
der Gallertscheibe von Cassiopeia borbonica vorkommen-
den Bindegewebskörperchen deutliche, aber nur langsame
Contractionserscheinungen. Unters, zur vergl. Gewebslehre
S. 121. Dasselbe sah Huxley auch an den Bindegewebs-
körperchen von Cyanea (engl. Uebersetzung von KöUik er's
mikr. Anat. I. p. 46. Anm.).
Gegen bau r liefert auf Tab. IL Fig. 17 der Icones
zoot. von Carus eine Abbildung von Nausithoe albida Ggbr.
C 0 r b e 1 1 erklärt die Geschlechtsorgane der phanerocarpen
Medusen für Respirationsorgane und behauptet, dass diesel-
ben durch besondere centripetale Gefässe versorgt würden.
Rep. br. Assoc. 26. Meet. p. 91.
Sars bespricht in der Versammlung der skandinavischen
Naturforscher in Chrisliania (dieses Archiv 1857. 1. S. 117,
Nyt Mag. for Naturvidensk. IX. p. 334) die zwischen D e-
sor und ihm in Betreff der Medusenentwicklung (Strobila-
Scyphistoma) obwaltenden Differenzen und findet den Grund
derselben, wie Gegenbaur (J. B. XXIll. S. 234) und
auch früher schon Ref. (J. B. XXII. S. 417), in dem Um-
stände, dass Desor nur ältere Enlwickelungsstadien mit be-
reits abgelösten oberen Medusenscheiben vor Augen ge-
habt habe.
Sars giebt ein Verzeichniss der von ihm in Messina
beobachteten Medusen (Middelhavet's Littoral-Fauna 1. c. p. 57)
und macht dabei auf das zwischen bestimmten kleinen Fischen
und gewissen Medusenarten stattfindende Verhältniss aufmerk-
sam, das er als eine Art Parasitismus auffassen möchte. Er
fand unter der Scheibe von Cassiopeia borbonica drei Mal
ein Paar kleine Fischchen, die als Schedophilus medusophagus
Cocco erkannt wurden und bemerkt, dass Malm schon bei
früherer Gelegenheit das Vorkommen junger Individuen von
Caranx trachurus unter Cyanea capillata beobachtet habe.
(Ebenso Peach, J. B. XXII. S. 412, der dieses Verhältniss
freilich in etwas andrer Weise deutet. Ref. hat während
seines letzten Aufenthaltes in Helgoland dieselbe Beobachtung
gemacht und unter den grössern Exemplaren von Chrysaora
isOFcela fast regelmässig einige kleine Fische gefunden),
der niederen Thiere während des Jahres 1857, 157
die nach TroscheTs Untersuchung- gleichfalls junge Indi-
viduen von Caranx trachurus sein dürften.
Hy dr o ideae.
Proles medusiformis. S a r s beobachtete bei Geryonia pro-
boscidalis die von G e g e n b a u r entdeckten centripelalen Gefäs-
sanhänge des Ringkanales (J.B. XXIIII S. 239) und giebt an, dass
die Zahl derselben mit dem Alter — zwischen je 2Radialgefässen
— von Ibis auf 5 steige. Middelhav. Littor. Fauna I. c. p.58.
Bei einer frühern Gelegenheit hat Gegenbau r be-
hauptet, dass der Stiel der Geryonia von einem einfachen
canalförmigen Hohlraum durchzogen sei (J. B. XXIII S. 240);
gegenwärtig publicirt derselbe dagegen eine Abbildung (in
den Icon. zoot. von V. Carus Tab. II. Fig. 9), in welcher
der Verlauf der aus dem Magengrunde entspringenden sechs
Stielgefässe richtig angegeben ist. Auch die oben erwähnten cen-
tripelalen Gefässanhänger des Ringkanals sind deutlich zu sehen.
Ebendas. liefert Gegen baur (Yig. 6, 7) auch eine
Abbildung von Cunina globosa Eschsch.
Cobbold liefert Beschreibung und Abbildung einer
neuen Thaumantiasart (Eucope Gegenb. Phialidium Lt) : Th.
achroa Cobb. mit 5 Otolithen in jedem Randbläschen. Journ.
micr. Sc. VI. p. 1—5. PI. I.
Uebcr die gleichfalls dem Gen. Eucope zugehörenden
Medusensprösslinge von Laomodea acuminata und Campanu-
laria Johnstoni vergl. die weiter unten ausgezogenen Beob-
achtungen von Wright.
Proles hydriformis. Schon in einem frühern Berichte
haben wir (Bd. XX. S. 431) der von AI Im an über die Fort-
pflanzungsverhältnisse der Hydraspolypen publicirten Arbeiten
Erwähnung gethan und hervorgehoben, dass derselbe einer
der ersten Zoologen gewesen sei, welche die morphologische
Uebereinstimmung der bei vielen dieser Thiere vorkommen-
den sg. Geschlechtskapseln mit den sonst von denselben auf-
geammten Medusen erkannt haben. Eine neue Arbeit unseres
Verf. ist demselben Gegenstande gewidmet: on the repro-
ductive Organs in certain hydroid polypes, new Edinb. phil.
Journ. Vol. VII. p. 294—303.
Verf. sucht zunächst den neu gewonnenen Anschauungen eine
neue Terminologie zu substituiren ; er benennt die Ceschlechtsknospen
158 Leu c k a I l : Bericht über die Leistungen in der iXatnlgeschichte
der Hydraspolypen, ganz abgeseheu von deren specifischer Entwick-
lung, als Gonophoren und unterscheidet dieselben bald als Sporosacs
(Geschlechtskapseln, sessile Geschlechtsthiere), bald alsMedusen (freie
Geschlechtsthiere). Wo diese Geschlechtsknospen einzeln vorkoni-
men, da spricht er von einer Gonophora siniplex, wo sie aber in
grösserer Anzahl einem gemeinschaftlichen Stamme („blastostyle-') an-
hängen, von einer Gonoph. composita. Der letztere ist bald nackt,
wie z. ß. bei Tubularia, bald auch von einer besondren Kapsel uirt-
schlossen, z. B. bei Campanularia, (Verf. scheint hier zu übersehen,
dass beiderlei Bildungen in morphologischer Beziehung schwerlich
übereinstimmen, indem die von einer Kapsel umgebene Säule einem
Polypenleibe entspricht, wählend der nackte Stiel an der Geschlechts-
knospe der Tubularien nui eine strangartige Verlängerung an der
Insertionsstelle des Geschlechtsthieres darstellt. Auch Gegenbau r's
„monomere Kapseln" sind in moiphologischer Hinsicht vom Verf.
nicht gehörig gewürdigt.) Für den sg. Mundstiel dei' Medusen und
das entsprechende Achsenorgan vieler Geschlechtskapseln schlägt Verf.
die Bezeichnung Manubrium vor. — INacli diesen Präliminarien schil-
dert Verf. die Fortpflanzungskörper \on llydrac^tinia echinata, Coryne
ramosa, Clava multicornis, Tubularia coronata, Laomedea flexuosa,
Antennularia antennina , Campanularia caliculata, Plumularia pinnata
und Plumularia cristata, worauf er sodann die Resultate seiner Beob-
achtungen in folgenden Sätzen zusammenfasst. Die Gonophoren der
beobachteten Arten zeigen einen dreifachen Typus; sie sind 1) ein-
fach (Hydractinia , Cordylophora u. s. w.), 2) zusammengesetzt mit
nacktem Stamm (Tubularia und Clava) und 3) zusammengesetzt mit
eingekapseltem Stamm (Campanularia , J.aomedea u. s. w.). Bei Plu-
mularia crisiata sind die einfachen Gonophoren in grösserer Menge
zusammengruppirt und von einer gemeinschaftlichen durch Zweigme-
lamorphose entstandenen Kapsel eingeschlossen. Das 3Ianubrium der
Sporosacs erscheint unter vierfacher Form : 1) als einfaches Divertikel
(Hydractinia, Laomedea u. s. w.) , 2) unregelmässig gelappt (Plumu-
laria pinnata), 3) mit vollständigen Gastovascularcanälen (Cordylo-
phora), 4) als Gastovascularapparat ohne Centraltheil (Campanularia
caliculata). Bei Tubularia soll die Entwicklung des Embryo nicht
von dem ganzen Ei , sondern nur von einem Theilc des Dotters aus-
gehen ; doch dürfte es sehr zweifelhaft sein, ob Verf. nicht den iM
Umkreis des Manubrium gelegenen Eierstock für Dottermasse ge-
halten hat. (Beiläufig will Ref. auch bemerken, dass Tnb. coronata*
van Ben. nach seinen Untersuchungen sich durch Bildung der männ'^
liehen und weiblichen Kapseln genau an die von Gegenbau r be-
schriebene Tubularia anschliesst. Vergl. Gegenbau r. Zur Lehre
vom Generationswechsel u. s. w. S. 33. Die Embryonen entstehen
einzeln, liegen aber doch nicht selten zu zweien oder dreien neben
der niederen Thiere \\;thrend des Jahres 1857. 159
einander in derselben Kapsel , dann aber immer von > erschiedener
Entwicklung und Grösse.)
Van Ben eden schliessl sich jetzt gleichfalls der An-
sicht an, dass die Geschlechtskapseln der Hydraspolypen und
die Hydrasmedusen morphologische Aeqiüvalente sind. Tage-
blatt der Bonner Naturforscherversamnilung. S. 43.
Von Wright erhielten wir eine sehr genaue und aus-
führliche Darstellung von dem Bau der Hydractinia echinata
(Edinb. new philos. Journ. V. p. 299 — 313 c. tab.) , durch
die unsere Kenntnisse über dieses Thier in mehrfacher Be-
ziehung beträchtlich erweitert werden.
Besonders interessant sind des Verf.'s Anoaben über die dem
gemeinschaftlichen 3Iautel aufsitzenden Anhänge, die eine viel grössere
Mannichfaltigkeit darbieten, als man früher wusste, und nach den hier
vorliegenden Untersuchungen aus fünf verschiedenen Formen sich
zusammensetzen : 1) aus den bekannten sterilen Polypenköpfen mit
Mund und ausgebildeten Tentakeln (alimentary polyps), 2) den proli-
ferirenden Polypen ohne Mund und ausgebildete Tentakel, aber mit
männlichen und weiblichen Geschlechtsknospen (reproductive polyps),
3) aus besondern sessilen männlichen oder weiblichen Geschlechts-
knospen , die ohne Weiteres auf dem gemeinschaftlichen Mantel auf-
sitzen , 4) aus cylindrischen langen Polypen ohne Mund und ausge-
bildete Tentakel, die wahrscheinlich zur Vertheidigung dienen und
sich bei Berührung in Spiraltouren zusammenlegen (ophidian or spi-
ral polyps) und 5) aus noch längeren, einfach cylindrischen Tenta-
keln (tentacular polyps). Die beiden letztern Formen haben eine
beschränktere Verbreitung , als die übrigen, denn die Spiralpolypen
finden sich nur in der Nähe der Schalenöffnung, an der unsere Hy-
dractinien bekanntlich am liebsten ihren Wohnsitz aufschlagen, und
ebenso die Tentakelanhänge nur an der Peripherie des Mantels.
Dieser letztere wird in einer wesentlich mit Krohn übereinstimmen-
den Weise beschrieben , obwohl dem Verf. die Untersuchungen
dieses Forschers (dies. Arch. 1851. I. S. 263) unbekannt geblieben
sind. In histologischer Beziehung unterscheidet Verf. mit AI Im an,
Iluxley U.A. bei den einzelnen Theilen der Hydractinen ein Endo-
derm und ein Ectoderm , zwischen welche beide Schichten sich in
vielen Fällen noch eine Lage glatter Muskelfasern einschiebt. Der
hornige Polypenstiel bildet nur eine Ausscheidung des Ectoderm.
Einen Zellenbau konnte Verf. übrigens nirgends auffinden , er glaubt
die Gewebe unseres Thieres als Sarcode bezeichnen zu dürfen. Aus
den Eiern entwickelt sich, nachdem dieselben ihre Eikapseln ver-
lassen haben, zunächst ein flimmernder Embryo, der bereits die spä-
teren zwei Parenchymlagen erkennen lässt, auch eine Leibeshöhle im
160 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Innern einschliesst. Wie es auch von andern Hyderoiden bekannt ist, ver-
wandelt sich dieser Embryo sodann in einen Polypen mit Mundöffnung
und (vier) Tentakeln, dessen unteres basales Ende durch Stolonenbil-
dung sich zu dem sg. Mantel entwickelt. Trotz allen diesen That-
sachen trägt Verf. übrigens kein Bedenken, die ausgewachsene Hy-
dractiniencolonie als ein einziges Individuum in Anspruch zu nehmen,
dessen Körper durch den gemeinschaftlichen Mantel repräsentirt werde
und mit besonderen Organen für Ernährung, Fortpflanzung, Verthei-
digung und Fang versehen sei. Die Richtigkeit dieser Auffassung
sucht Verf. noch dadurch besonders zu beweisen, dass er unsre Hy-
droidcolonie mit einer Scheibenqualle vergleicht, und hervorhebt,
dass bei dieser der Schirm ja gleichfalls einen Manlel darstelle, dem
ein Ernährungsorgan (iMundstiel), Geschlechtskapsel und Tentakel in
ähnlicher Weise aufsitze. (Eine noch weitere Ausführung dieser An-
sichten giebt Verf. an einer spätem Stelle : 1. c. VI. p. 87.)
Derselbe liefert auch eine Reihe von Beobachtungen
über Brittische Zoophyten („observations on british Zoophy-
tes"). Die ersten dieser Beobachtungen handein über Clava
und Eudendrium und enthalten die Beschreibungen einiger
neuer Arten mit besonderer Berücksichtigung der Fortpflan-
zungsverhältnisse (Edinb. new phil. Journ. YI. p. 79 sq.
Tab. II u. III).
Von Clava (Coryne) beschreibt der Verf. drei neue Arten: Cl.
repens, CL membranacea und Cl. Cornea, die alle drei einen gemein-
schaftlichen hornigen Folypenstiel besitzen, der auf Steinen oder Fu-
coiden hinkriecht, in seiner speciellen Bildung jedoch mancherlei
Verschiedenheiten zeigt. Ihre Geschlechtskapseln stehen in grösseren
Gruppen neben einander und enthalten meist je zwei Eier im Innern,
die noch an ihrer Bildungsstätte in flimmernde Embryonen (planulae)
sich verwandeln. Zwei kleine und unscheinbare neue Arten des Gen,
Eudendrium, E. pusillum und E. sessile, beide mit einem kriechenden
Stamme, produciren frei schwimmende Akalephen, die Verf. übrigens
nicht als besondere Individuen und Nachkömmlinge des Polypenstocks,
sondern blos als besondere Entwicklungen desselben („as a free and
independent extcnsion of the polypary part of Eudendrium") betrachtet
wissen will.
Eine zweite Mittheilung (Ibid. T. VII. p. 108-117. PI.
I — III) handelt über Laomedea acuminata Aid., Tricthydra
pudica (n. gen. et n. sp.) und Tubularia indivisa.
Die proliferirendcn Kapseln von Laomedea enthalten stets nur
einen einzigen Sprössling, der als Meduse (Eucope) mit zwei langen
und zwei stummeiförmigen Tentakeln vor Auftreten der Geschlechts-
organe geboren wird. Während der Entwicklung dieser Meduse gehti
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 161
der Achsenkanal der Kapsel, an dem die Knospung geschieht, all-
mählich durch Resorption verloren (wie es wahrscheinlich bei allen
„monomeren Kapseln^' tJegenbaur's der Fall ist). Dabei ist die
proliferirende Amme von Anfang an ohne Arme und iMundöffnung. —
Trichydra pudica ist ein kleiner und zierlicher Corynoidpolyp mit
kriechendem Stamme, dem von Zeit zu Zeit Becherchen aufsitzen, in
die sich die mit 4-12 Tentakeln versehenen sehr dehnbaren Thier-
chen zurückziehen können. Ueber die Fortpflanzungsverhältnisse
konnte nichts eruirt werden. - Die Stiele von Tubularia sind nicht,
wie man bisher ganz allgemein annahm, von einem einfachen Kanäle
durchsetzt, sondern von acht Kanälen, die in radiärer Anordnung neben
einander stehen und in die Höhle der Polypenköpfchen ausmünden.
Die zwischen den beiden Tentakelkränzen gelegene Mundpapille zeigt
bei lebenskräftigen Individuen ziemlich regelmässige Contractionen,
die auf die Bewegung der Flüssigkeit im Innern dieses Röhrensystems
nicht ohne Einfluss sind. In der Gefangenschaft gehen die Köpfchen
meist verloren, aber nur, um sich nach vier oder fünf Tagen von Neuem
zu bilden, wobei sich der Stiel zugleich um ein deutlich abgesetztes
Stückchen verlängert. Männliche und weibliche Kapseln finden sich
beständig an verschiedenen Stämmen, wie schon früher bekannt war.
In einer dritten Abhandlung über Brittische Zoophyten
(Ibid. p. 281-287. PI. VII) beschreibt Verf. Corvue gravata
n. sp. , Stauridia producta n. sp. und die Medusenbrut von
Campanularia Johnstoni.
Die erste hat durch Bau und Bildung der Medusensprösslinge
eine auffallende Aehnlichkeit mit Loven's Syncoryne ramosa , unte'r-
scheidet sich von dieser aber durch die Glätte ihres Stammes. Die
Medusen, die immer nur in einfacher Anzahl vorhanden sind, erschei-
nen (^) völlig geschlechtsreif und bleiben vielleicht, trotz Anwesen-
heit einer eignen Mundöffnung, beständig mit dem Mutterthier in
Zusammenhang, wie Verf. daraus erschliesst, dass letzteres nicht
selten einem vollständigen Resorptionsprocesse unterliegt. — Für
Stauridia stellt Verf. nach seinen Beobachtungen folgende" Charakte-
ristik auf: Polypary sheathed in a tubulär corallum or polypidom
(branched, the apices of the branches) bearing polyps furnished with
two or more whorls of dissimilar tentacles ; the upper whorl or whorls
capitate, the lower whorl filiform, four in number. Thread-cells very
large, many-barbed. Die Tentakel sind mit langen und feinen Sta-
cheln versehen, die einem rundlichen weichen Körper aufsitzen und
vom Verf. für Gefühlswerkzeuge (palpocils) gehalten werden. Die End-
anschwellung der oberen Fühler, die bei St. producta in zwei oder drei
Kreisen stehen, sind gleichfalls stachlig, aber die Stacheln sind hier
kürzer und dicker und je mit einem Angelorgan in Verbindung. Verf.
Archiv f. NaiiiifiescJi.XXIV. .lahrg. 2. Bd. f
162 L e u c k a r t : Bericht über die Leistunj^cn in der Naturgeschichte
betrachtet dieselben als Greifapparate, — Die dem Gen. Eucope
(iegenb. angehörenden Medusensprösslinge von Canipanularia John-
stoni zeigen in alternirender Reihenfolge vier grosse und vier kleine
stuninielförniige Tentakel , sowie acht Gehürkapseln. Sie sind schon
bei ihrer Geburt mit Geschlechtsorganen versehen , deren Producte
sich nach acht Tagen zu einer Campanularia entwickeln.
Gosse beschreibt (Transact. Linn. Soc. 1857. Vol.
XXII. Part 2. p. 113—116 cum Tab.) unter dem neuen Ge-
nusnamen Lar einen interessanten kleinen Corynoidpolypen
mit zwei Armen und einem saugnapfartig sich entfaltenden
Köpfchen, der durch Form und Bewegung an einen gesticu-
lirenden Menschen erinnert. Der Stamm bildet ein kriechen-
des Netzwerk und wurde auf dem Gehäuse einer Sabella
beobachtet.
Diagn. gen. n. Lar Gosse. Zoophytiun e familia Corynidarum
nudum , associatum sed seiunctum, erectum , e filo radicali repente
retiformi saliens, tentaculis duobus simplicibus filiformibus instructum.
Sp. n. Lar Sabellariim Gosse. (Scheint zunächst mit der oben erwähn-
ten TrichydraWright verwandt und vorzugsweise nur durch die gerin-
gere Zahl der Tentakel verschieden.)
Eine Abbildung von Eudendrium ramosum mit Medu-
senköpfen s. Ge genbau r in Carus, Icon. zoot. Tab. II.
Fig. 3. Ebendas. Fig. 1 auch die schon früher — ungenü-
gend ■ — publicirte Abbildung einer neuen Campanularia mit
polymeren Medusenkapseln und Thaumantiasartigem Ab-
kömmling.
AI der liefert ein Verzeirhniss der an der Küste von
Norlhumberland und Durham vorkommenden Zoophyten
(Transact. of the Tyneside Naturalist's Field Club) mit 65 Hy-
droiden, unter denen als neu beschrieben werden (vgl. Journ.
micr. Sc. T. V. p. 245 ff.) :
Vorticlava humilis, Eudendrium confertum, E. capillare, Tnhu-
laria implexa, Serttdaria tricuspidata, S. tenella, Laomedea neglecta,
L. acuminata, Campanularia Johnstoni , C. Hincksii, C. gracillima,
Grammaria ramosa.
Cryptolaria (n. gen.) prima n. sp, B u s k, Quarterly Journ.
univ. Sc. V. p, 173 c. Tab.
Char. gen. n. Cryptolaria e fam. Sertular. Cells conipletely
immersed in a cylindrical polypidom, composed of numerous tubes.
Sp. Cr. prima Busk. Neu Seeland.
Die in den Proc. Cal. Soc. Vol. II. enthaltene Abband-
der niederen Thiere während des Jaliies 1857. 163
lung- von Trask über Californische Sertuluriaden ist Ref.
noch nicht zu Gesicht gekommen.
Siplionopliorae*
Sars macht einige Millheilungen über die von ihm
bei Neapel und Messina beobachteten Siphonophoren , beson-
ders über Physophora hydrostatica, Athorybia rosacea, Rhi-
zophysa filiformis , Diphyes quadrivalvis. Bei der ersteren
fand er an den Tastern fadenförmige, eben nicht lange Ten-
takel , die bisher übersehen .waren. Auch möchte er den
Stamm derselben nicht als Blase, sondern, mit Vogt, als
einen horizontal gewundenen kurzen und dicken Cylinder
betrachtet wissen. Die von Kölliker bei Athorybia be-
schriebene zweite Form von Nesselknöpfen wurde mitunter
vermisst, wie denn auch bei Physophora nur zwei Formen
dieser Anhänge aufgefunden werden konnten. Kölliker's
Forskalia Edwardsii hält Verf. für identisch mit F. ophiura Lt.
(was freilich die Annahme in sich schliesst, dass Kölliker
manche Organisationsverhältnisse, z. B. die Schuppenbildung
an den Polypenslielen , irrthümlich dargestellt hat). Der vom
Ref. beschriebene Zusammenhang der beiden Schwimm-
glocken bei Diphyes quadrivalvis wird bestätigt, doch glaubt
Verf., dass dieser Umstand zur Aufstellung eines besondern
Gen. (Galeolaria) nicht ausreiche. Middelh. Littor. Fauna
1. c. p. 60-69.
Unter den von Gegen baur in Carus, Icon. zoot.
Tab. III. publicirten Siphonophorenzeichnungen heben wir
hervor : Fig. 2 Abbildung von Agalma rubrum , Fig. 3 von
Praya diphyes, deren specifische Differenz von Pr. maxima
Gegenb. für Ref. noch immer etwas problematisch ist.
(Auch Sars scheint Pr. diphyes als eigene Species nicht
anzuerkennen.) Die übrigen Abbildungen betreffen, so weit
sie Originalien sind, die Bildung der einzelnen Anhänge des
Siphonophorenstockes, ohne für diese jedoch Neues zu bie-
ten. Bei Fig. 13 sind die Nesselknöpfe von Agalma rubrum
irrthümlich als Fangfäden gedeutet und mit viel zu zahlrei-
chen Windungen abgebildet. Ebenso fehlt bei den Nessel-
linöpfen von Agalma Sarsii (Fig. 10) die für diese Art cha-
rakteristische mantelförmige Umhüllung des Nesselfadens.
164 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der iNatuigeschichte
Nach neueren Untersuchungen von K ö 1 1 i ke r (Zeitschr.
für wissenschaftl. Zoologie IX. S. 138) entspringen die Luft-
gefässe von Velella entschieden nicht bloss aus der Central-
kanuner der Schale , sondern aus mehreren Kammern. Die
Ursprungsstämmchen , deren Zahl bis 16 erreichen kann,
verästeln sich Iheils nahe an ihrem Anfange , theils später
1, 2, 3 Mal, so dass schliesslich einige 60 Kanälchen ent-
stehen , die mit freien Oeffnungen am Rande und an der
untern Fläche der Leber zwischen den kleinen Polypen aus-
münden.
3. Polypi.
Von Milne Edwards erhielten wir die beiden ersten
Bände eines umfangreichen Werkes über die Naturgeschichte
der Polypen : bist. nat. des Coralliaires ou Polypös proprement
dits Paris 1857 (XXXVI. 326 und 633 Seiten in Octav mit
Atlas). Dasselbe bildet einen Theil der bekannten Suites ä
Buffon und ist in wesentlich derselben Weise abgefasst, wie
die gleichfalls demselben Unternehmen zugehörende bist,
natur. des Cruslacees unseres Verf. Ein dritter und letzter
Band steht in nächster Zeit zu erwarten. Die vorliegenden
Bände enthalten ausser einer sehr sorgfältig gearbeiteten
historischen Einleitung und einer Darstellung vom äusseren
und inneren Baue der Polypen und des Polypenstockes, die Clas-
sifikation und Beschreibung sämmtlicher bis jetzt bekannt ge-
wordenen Arten aus den Gruppen der Alcyonaires (Octectinien),
Zoanthaires malacodermas (Actinien und Verwandte), Zoan-
thaires sclerobasiques (Antipahinen) und den zu der Gruppe der
Zoanthaires sclerodermes cMadreporinen) gehörenden Familien
der Turbinoliden, Dasmiden, Oculiniden und Astreiden. Der
wesentliche Charakter des Buches ist compilatorisch , und
sind dabei vorzugsweise die eigenen anatomischen und zoo-
logischen Arbeiten des Verf's, so wie die mit J. Haime ge-
meinschaftlich publicirten Monographieen (vergl. J. ß. XX.
S. 257, 465 ft.) zu Grunde gelegt. Uebrigens ist der Letz-
tere auch bei dem vorliegenden Unternehmen vielfach thätig
gewesen, bis der Tod ihn übereilte ; die historische Einlei-
tung, so wie der ganze zweite Band, die Madreporen enthal-
tend , ist wohl vorzugsweise das Werk dieses jungen , für
der niedeien Tliicre \ARliipnd des Jahres 1857. 165
die Wissenschaft viel zu früh verstorbenen Forschers. Wir
werden später noch Gelegenheit haben, auf dieses, für die
Kenntniss und Bestimmung- der Arten gewiss sehr wichtige
Werk zurückzukommen und begnügen uns desshalb hier mit
einigen wenigen Bemerkungen.
Den Hauptcharakter der Polypen oder, wie Mi Ine
Edwards lieber will, der Corallen, sucht Verf. theils in
der sessilen Lebensweise der von Anwesenheit und Tenta-
keln im Umkreise des Mundes , theils auch in der Lage der
Geschlechtsorgane im Innern der Leibeshöhle, durch welchen
letztern Charakter sich dieselben von allen übrigen Coelen-
teraten unterscheiden sollefi.
Die Darstellung des Innern Baues repräsentirt im We-
sentlichen den Zustand unserer heutigen Kenntnisse über
diese Verhältnisse, bietet aber, bis auf einzelne wenige Be-
merkungen (über Nesselorgane, Hautbedeckung u. s.w.) kaum
etwas Neues. Die Mesenterialfilamente (cordons pelotonnes)
werden als Anhangsorgane des Magens von unbekannter Be-
deutung beschrieben und ebenso die sog. Pigmenthöcker
gewisser Actinien als Hautdrüsen. Die Taschen der Lei-
beshöhle sollen mit einem Systeme capillärer Lacunen oder
Gänge in Verbindung stehen , die in den Wandungen des
Körpers sich verzweigen und oftmals zu zierlichen Netzen
zusammentreten. Was Verf. über den Skeletbau und die
typischen Wachsthumsverhältnisse der Lamellen bei denMa-
droporen mittheilt, ist eine ausführliche Wiederholung seiner
älteren Darstellungen.
Verf. theilt die Klasse der Polypen, wie Ref., in zwei Un-
terklassen , die Lucernarien und Anthozoen , nur dass diese
hier als Podactiniaires und Cnidaires bezeichnet und — wie
es Ref. scheint, in unzulänglicher und unrichtiger Weise —
also unterschieden werden:
Cnidaires, ayant les tentacules tubulaires, disposes en
couronne et communiquant librement avec la chambre vis-
cerale;
Podactiniaires, ayant les tentacules non tubulaires (?),
disposes par groupes isoles et ne communiquant pas librement
avec la chambre viscerale (?) (p. 94).
166 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Katurgeschichte
Calycozoa.
Der dem ersten Bande von Milne Edwards bist,
nat. des Coralliaires beigegebene Atlas enthält auf PI. A. 6.
eine Anzahl von Abbildungen zur Anatomie der Lucerna-
rien , die von J. Haime gezeichnet sind. Die Hauptfigur
(L. quadricornis) zeigt eine Ansicht , die mit den älteren
Darstellungen von S ars und Ref. völlig übereinstimmt. (Die
abweichende Darstellung, die Owen von der Innern Orga-
nisation der Luc. inauriculata gab, vergl. J. B. XXII. S. 421,
ist übrigens nicht minder begründet, wie Ref. sich neuer-
lich durch Untersuchungen lebender Exemplare dieser Art
überzeugt hat. Die verschiedenen Arten des Gen. Lucer-
naria sind auffallender Weise nach zweien verschiedenen
Typen organisirt, einem einfachem und einem zusammenge-
setztem, von denen der erstere sich an den Bau der Schei-
benquallen , der andere sich mehr an den der Anlhozoen
anschliesst. Ref. wird darauf an einem andern Orte zurück-
kommen.)
Eine sehr ähnliche Durchschnittszeichnung von Lucer-
naria quadricornis findet sich bei C a r u s , Icon. zoot. Tab. IV.
flg. 2.
Antliozoa,
Der Atlas von Milne Edwards, bist. nat. des Co-
ralliaires enthält von der Hand J. Haime's einige Abbil-
dungen zur Anatomie von Saccanihus n. gen. (PI. A. 3)
und Cladocora cespitosa (PL A.4). Die erste Form schüesst
sich in ihrem Innern Baue an den sehr nahe verwandten
Cerianthus an (J. B. XX. S. 422) , unterscheidet sich von
demselben aber durch Abwesenheit der Magenwülste und die
gleichmässige Entwickelung aller Mesenterialfalten ( T. L
p. 310). Die Abl)ildiingen von Cladocora beziehen sich vor-
zugsweise auf die Organisation der äusseren Bedeckungen
mit ihren Angelorganen, doch findet sich im Texte (1. c. IL
p. 589) eine ziemlich vollständige Beschreibung dieses Thie-
res, aus der wir hier so viel hervorheben , dass die Tenta-
kel an der Spitze von einer weiten Oeffnung durchbohrt
sind , dass ferner der Magen ganz ausserordentlich kurz und
der niederen Thiere wahrend des Jahres 1857. 167
kaum von dem Lippensaume zu unterscheiden ist. Die Me-
senterialfilamente sind von sehr einfacher Bildung und wie
bei den Actinien fast ausschliesslich von Angelorganen zu-
sammengesetzt.
Hogg macht die Beobachtung, dass isolirte Stücke vom
Fusse der Actinia dianthus zu neuen Actinien auswachsen.
Quarterly Journ. niicrosp. Sc. V. p. 238.
M'Donnell glaubt nach seinen Beobachtungen und
nach Experimenten mit dem galvanoscopischen,Froschschenkel
den Actinien den Besitz elektrischer Kräfte vindiciren zu dür-
fen. New Edinb. phil. Journ. Yll. p. 328.
Aid er liefert ein Verzeichniss der an der Küste von
Northumberland und Durham vorkommenden 14 Anthozoen
(Transact. of the Thyneside Naturalist's field Club 1856?).
Polyactinia. Milne Edwards stellt nach dem Vor-
gange von Dana die bisher den Gorgoniden zugerechneten
Antipalhesarten mit ihren sechs cylindrischen Tentakeln zu
den sog. Polyactinien oder „Zoanthaires" und unterschei-
det in der Abtheilung dieser Polypen drei Hauptgruppen (bist,
nat. des Corall. I. p.224) :
Tjoanlhaires malacodennes oii Actiniaires . dont les tegunients
coinniiins conservent toujours jeur mollesse primitive et ne se
transforment jamais en nn polypier soit sclerencliymateux soif epi-
thelique.
Tjoanthaives scoleruhasiques ou Antipathaires . dont le scleren-
chyme ne se solidifie pas et constitue seulement un tissu coriace par-
seme de spicules ou de filaments mineraux epars , mais donne nais-
sance ä un tissu sclerobasique qui se superpos« par couche et forme
une tige solide dans Faxe du polypieroide , constitue par le coe-
nenohyme.
ZoanUiaires sclerodermes ou Madreporaires, dont 1 appareil te-
gumentaire se solidifie de manicre ä donner naissance ä un polypier
proprement dit.
Holosarca Burm. (Actiniaires M. Edw.) die Gruppe der
Fleischpolypen trennt Milne Edwards 0- c. p. 225) nach
der Stellung der Fühler in zwei Familien:
Actinidae, dont les tentacules de differents cycles alternent
entre eux et correspondent chaciin ä une löge pcrigastrique par-
ticuliere.
Cer i a n th i d a e , dont les tentacules sont disposes d'une
168 L e u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
maniere opposee , sur deux cercles concentriques , et naissent ainsi
au nombrede deux (un interne et un externe) sur chaque löge pe-
rigastrique.
Zu der letztern Familie gehören nur zwei Geschlech-
ter: Cerianthus und Saccanthus n. gen., während die er-
stere in fünf Unterfamilien (Myniadinae, Aclininae, Tha-
lassianthinae , Phyllactinae und Zoanthinae) zerfällt und eine
sehr beträchtliche Menge von Genera einschliesst. Nur die
eine Unterfamilie der Actininen, allerdings von allen die um-
fangreichste , enthält deren 23 , die von unserem Verf. theils
neu aufgestellt, theils auch neu umgrenzt sind. Wir geben
im Folgenden eine Uebersicht dieser Genera.
Subfani. Myniadinae, mit blasig aufgetriebenem, hydrostati-
schem Fusse.
Gen. Mynias Cuv. Tentakel einfach, Leib warzig (2 Arten).
Gen. Plotactih M. Edw. Tentakel einfach , Leib glatt (F.
flava Les.).
Gen. Nautuctis M. Edw. Tentakel kurz , mit Auswüchsen be-
setzt (N. olivacea Les.).
Subfam. Actininae, mit scheibenförmigem, mitunter rudi-
mentairem Fusse und einfachen Tentakeln.
1. Fuss scheibenförmig, zur Befestigung dienend.
A. Seitliche Körperwände ohne Poren
%. und glatt;
a. Tentakel nicht zurückziehbar und
«. verlängert.
f Kand der Kopfscheibe mit Pigmenthöckern;
* Tentakel konisch . . Anemonia Risso (6Sp.)
** Tentakel spindelförmig . Eumenides Less. (ISp.)
ff Rand der Kopfscheibe ohne Pigmenthöcker.
* Körper kurz und cylindrisch Comacfis Edw. (2 Sp.)
(In die Kähe von Comactis
auch Siphonactinia Kor. Dan.)
** Körper lang und konisch CeratactisFAw\(2S\i.)
ß. sehr kurz und papillenförmig,
f ungleichartig ; Kopfscheibe
gelappt Metridium ük. (7 Sp.)
ff gleichartig; Kopfscheibe
einfach Discosoma Lt. (8 Sp.)
b. Tentakel zurückziehbar ,
«.. zugespitzt und
f ziemlich gleichartig,
* Körper nackt.
der niederen Thiere während des Jahres 1857.
169
Paractis Edw. (15 Sp.)
Capnea Forb. (ISp.)
Dysactls Edw. (-4 Sp.)
Melaclis Edw. (2 Sp.)
Corynactis Allm. (5 Sp.)
Kopfscheibe mit Piginent-
höckern Actinia L. (26 Sp.)
Kopfscheibe ohne Tig-
nienthöcker
** Körper incrustirt .
ff sehr ungleichartig .
ß. ohne zugespitztes Ende,
f mit Köpfchen versehen
* Mund ^orspringend .
*« 31und eingezogen . .
ff geringelt i/e<e/Y/c<e5 Edw. (2 Sp.)
^. lind uneben,
a. warzig ;
«. Ropfschsibenrand ohne Fig-
höcker Cereus Ok. (30 Sp.)
ß. Kopfscheibenrand mit Pig-
menthöckern ....
b. mittentakelartigen Anhängen, die
«. an der obern Körperhälfte
konisch, unten gerundet sind
/5, in ganzer Ausdehnung auf-
getrieben erscheinen . . .
B. Seitenwände mit Oeffnungen zum
Durchtritt von Kesselfäden:
%i. an der obern Körperfläche .
^. an dem Basilartheile AdamsiaForb. (9 Sp.)
2. Ftiss rudimentär, frei.
A. Ohne OefTnung am Körperende.
3{. Aeussere Bedeckungen gleichmäs-
sig entwickelt.
a. Körper hinten verjüngt . , . Ilyanthus Forb. (3 Sp.)
b. Körper hinten zusammenge-
gedrückt Spenopus Stnstrp. (1 Sp.)
-B. Aeussere Bedeckungen in der obern
Körperhälfte lederartig .... Edwardsia Qtrf. (4 Sp.)
B. Mit OefFnung am hintern Körperende Peachia Gosse (2 Sp.)
Neu unter den hier aufgezählten Arten sind folgende: Cera-
tactis clatata von Bombay (p. 238), Cysfiactis Eydouxi von Chili,
C. Gandichaudi von Rio, C Reynaudi vom Cap d. g. H. (p. 276).
Subfam. Phyllactinae. mit einfachen und zusammengesetz-
ten Tentakeln.
Gen. Phyllactis Edw. Zusammengesetzte Tentakel am Rande
der Kopfscheibe, Körperbedeckung glatt (Ph. praetexta Dana).
Gen. Oulactis Edw. Ebenso, aber mit warziger Haut (4 Sp.).
Fhymactis Edw. (7 Sp.)
Ecliinactis Edw. (2 Sp.)
Cystiaclis Edw. (3 Sp.)
Aemacfis Edw. (3 Sp.)
170 L e II c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Gen. lihodactis Edw. Zusammengesetzte Tentakel zwischen
zwei einfachen Tenlakelkränzen (Rh. rhodostoma Ehrbg.).
Subiam. Thalassianthinae, ausschliesslich mit zusammen-
gesetzten, verästelten oder papilliferen Tentakeln.
A. Tentakel gleichartig,
2(. verzweigt ,
a. Zweige schlank und vierfach ge-
fiedert ThassianthusLt. (ISp.)
ß. Zweige verdickt, mit zerstreuten
Papillen besetzt . . . Actinodendron ßlainv. (2 Sp.)
93. unverzweigt ,
«. besetzt mit isolirt stehenden, ver-
ästelten Fäden Actineria Bl. (1 Sp.)
ß. mit abgerundeten, haufenweis zu-
sammengruppirten Papillen . . Phymanthus Edw.
(Ph. loligo Ehbg.)
B, Tentakel von zweierlei Art,
%. dio innern mit rundlichen Papillen
besetzt, die äussern gezackt SarcophianthusLess. (1. Sp.)
33. die innern gezackt, die äussern mit
Höckern . Heterodactyla Ehbg. (1 Sj).)
Subfam. Zoanthinae, in Kolonieen lebend, mit lederartigem
Skelet.
Gen. Zoanthus Cuv. mit isolirten Stolonen (4 Sp.).
Gen. Palythoa Lamour. mit flächenhaft entwickeltem Polypen-
stocke (12 Sp.).
Das schon oben erwähnte neue Gen. S acc anthns unterschei-
det sich von Cerianthus theils durch die Abwesenheit des hintern
Porus und gewisse anatomische Charaktere, theils auch durch eine
kürzere und gedrungene Gestalt. Sp. n. S. purpurascens von Nizza
(p. 309).
Gosse's history of the british Sea-Anemones and Ma-
drepores , deren erster Theil London 1857 erschienen , ist
Ref. unbekannt geblieben.
Madreporaria. Nach dem Systeme von Mi Ine Ed-
wards und Jules Haime (Hist. nat. des Corall. II. p. 5}
zerfallen die hieher gehörenden Formen zunächst in fünf
Sectionen:
M. apores , dont la chambre viscerale est libre ou subdivisee
transversalement par des traverses irregulicres ; apparcil cloisonnaire
bien developpe ; sclerenchyme compacte.
M. perfores, dont la chambre bien developpe;
sclerenchyme perfore.
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 171
jl/. ttibuUs . dont la chanibre appareil cloisonnaire
rudinientaire.
M. tabules, dont la chanibre ^iscerale est subdivisee en etages
pai- des planchers ; appaieii cloisonnaire rndiinentaire et appartenant
an type hexanieral.
M. rugeux. dont la chanibre appareil cloisonnaire bien
devcloppe et appartenant an type tetranieral.
Die erste dieser Grnppen. die einzige, die bisher (1. c. T. II)
zur Untersuchung kam, zerfällt nach folgendem Schema in Familien:
A, Loges cntierement libres ;
a. Cloisons iudependantes Tnrbinolides.
!>. Cloisons trigcminees Dasniides.
B. Loges plns ou nioins divisees transversalement ;
a. divisees par des traverses lamelleuses ;
a. cavitc viscerale s'obliterant de'bas en haut Oculinides.
ß. cavite viscerale ne s'obliterant pas niais
se subdivisant senlement;
f coelenchynie bien distinct forniant une
niasse enipatante Stylophorines.
•j-Y coelenchyme bien distinct forniant un
plateau basilaire foliace Echinoporines.
fff pas de coelenchyme;
* murailles imperforees Astreides.
** murailles perfores Merulinacees.
b. divisees par des synapticules Fongides.
(So nach der synoptischen Uebersicht unseres Verfs. Später, in
der speciellen Ausführung, wird die kleine Gruppe der. Stylopho-
riens als Unterfamilie den Oculiniden und die ebenfalls nur kleine
Gruppe der Echinoporiens und Merulinacees als Unterfamilie den
Astreiden zugerechnet.) Man sieht, dass sich diese Gruppirung in
mehrfacher Beziehung von dem früheren Systeme unseres Forschers
(.), B. XX. S. 4G5) unterscheidet. Auch in der weiteren Eintheilung
finden sich solche Difl'erenzen ; selbst die Genera sind hier und da
anders umgrenzt, alte zusammengezogen, neue aufgestellt. Es würde
uns jedoch zu weit führen, wenn wir hier auf alle diese Verände-
rungen specicller eingehen wollten; dieselbe^ mögen im Originale,
das bei dem spcciellern Studium der Madreporinen nicht zu entbehren
ist, selbst nachgesehen werden. Wir fügen nur noch hinzu, dass der
Inhalt an einzelnen Arten so ziemlich derselbe geblieben und nur
hier und da mit einer neuen lebenden oder fossilen Form berei-
chert ist.
Die in den Proc. Bost. Soc. Vol. VI enthaltenen Aufsätze
über Corallen sollen im ^nächsten JahrcsberiGhte noch nach-
träglich besprochen werden.
172 1j e II c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Antipatharia Edw. Nach den Untersuchungen von Gray
sind die harten Einlagerungen in das Rindenslielet von Anti-
pathes (A. spiralis ?) durch Gestalt und chemische Reactionen
von den gewöhnlichen Kalknadeln der Gorgoniden auffallend
verschieden. Wie Verf. vermuthet, dürften dieselben aus
Kieselsäure bestehen. Ann. and Mag. nat. hist. T. XX. p.
460 od. Proc. Zool. Soc. 1857. May. cBekanntlich hat schon
H a i m e die Kieselsäure als Hauptbestandtheil des Rindenske-
lets bei einem Antipathes nachgewiesen, J. B. XXil. S. 460.)
Milne Edwards unterscheidet in dieser Gruppe der
Antipatharier 6 Genera , von denen 3 neu sind :
Ar a chti 0 pathes mit biischarlig verschmolzenen Zweigen
(Ant, ericoides ii. A. clathrafa Auct.), Rh i pidi p a the s mit fächer-
förmig verschmolzenen Zweigen (A. flabellnni u. A. reticulata Auct.),
Hyalopathes mit halbdurchsichtigem, glasartigem Achsenskelat (A.
pyramidata Auct. u. a.)
In die Gruppe der Edwardsischen Zoanthaires sclerodermes ge-
hört sonder Zweifel auch das Gray'sche Gen. Ilyalonema, dessen Ach-
senskelet aus feinen Kieselnadeln besteht, so wie das nahe verwandte,
vielleicht damit identische Gen. n. Hy al ochae.t a Brdt., das gleich-
falls ein aus Kieselfasern zusammengesetztes Achsenskelet hat und
mit grossen zwölfarmigen Polypen besetzt ist. Die von Brandt
beobachtete Art trägt den Namen H. Possieli (ohne Charakteristik)
und ist an der Japanischen Küste gefischt. Melang. biol. Acad. St.
Petersbg. 1857. T. II. Mai. (Extr. d'un mem. ayant le titre : de nova
polyporum classis familia Hyalochaetidum nomine designanda.)
Octactinia. Die achtarmigen Polypen (Alcyonaires) zer-
fallen bei Milne Edwards (1. c. I. p. 102) in 3 Familien:
Alcy onides , ä polypieroide adherant sans axe epithelique,
Gorgonides, ä polypieroide adherant, muni d'un axe epi-
thelique corne ou calcaire,
P ennatulid es , ä polypieroide libre, creuse d'une cavite cen-
trale , qui renferme presque toujours un axe forme par
du tissu epithelique,
und diese wieder in eine grössere Anzahl von Unterfamilien, für die
wir auf das Original selbst verweisen müssen. Von neuen Arten
werden aufgezählt : aus der Familie der Alcyoniden die zunächst mit
Cornularia verwandte, solitäre Heimeia (n, gen.) fnnehris von der
Algerischen Küste, (p.l04), aus der Familie der Gorgoniden Primnoa
plnmalilis von Isle Bourbou und Pr. gracilis von den Antillen (p. 141),
Muricea echinata Val. von Panama, M. fwigifera Val. von Neu Hol-
land (p. 143) , Eunicea intermedia und E. Caslelnandi von ßahia,
der niederen Thlere während des Jahres 1857. 173
Eunicea crassa Lam. von unbekanntem Fundort (p. 148) , E. aspe-
rula Val. von Martinique, C. Rousseaui ebendah., Plexaura racemosa
Val. von den canarischen Inseln (p. 153), PI. salicornoides von Mar-
tinique, PL ßexuosa Val. von Guadeloupe, PL rhipidalis Val. von den
Antillen, PL friabilis ebendah. ; Gorgoma vatricosa Val. vom Archi-
pel Bizagos (p. 158), G. arida Val. von Neu Holland, G. miniata
Val. von den Antillen, G. pumicea Val. von Brasilien, G. raniulus
Val. von Panama, G. discolor Val. von Java, G. papHlifera Val. von
Archipel Bizagos, G. citrina Val. ebendah.; Leplogorgin cauUctdvs
Val. Algier (p. 163), L. porosissima von unbek. Fundort, L. auran-
tiaca Val. von Calloa, L. Boryatia Val. von Isle Bourbon, L. virgea
Val. von den Antillen, Pterogorgia Ellisiana von Guadeloupe (== Gorg.
pinnata Ell. et Sol.), Pt. hetidina Val. von Senegal (p. 171), Rhipi-
digorgia occatoria Val. von Guadeloupe (p. 175), Rh. plagalis , Rh.
coarctata Val. von Isle Bourbon, Phyllogorgia foliala Val. von Gua-
deloupe (p. 181), Govgonella verriculata von Isle de France (p. 183),
Verrucella gemmacea vom Rothen Meere (p. 185) , Juncella hysfrix
Val. von Bahia (p. 196) ; Coelogorgia (n. gen.) palmosa yonTian-
quebar (p. 191) ; Iris coralloides aus der Südsee (p. 195) , aus der
Familie der Pennatuliden das neue Gen. LifM« rirt mit L. phalloides
Fall, und Cavernnlaria (n. gen.) obesa aus Indien (p. 219.)
Zur Charakteristik der neuen Genera mag folgende Diagnose
dienen :
Haimeia M. Edw. Coralliaire ä polypieroide cylindrique , fixe
par sa base et ne donnant naissance ni ä des stolons, ni ä des ex-
pansions encroütantes, ni ä des bourgeons quelconques.
Coelogorgia M. Edw. Polypieroide arborescent, dont Faxe est
occupe par une cavite cylindrique commune au lieu d'une tige scle-
robasique , comme si le tissu epithelique etait avorte. Gehört zu
der kleinen Gruppe der mit unvollständigem Achsenskelet versehenen
Gorgoniden, zu den Gen. Briareum Blainv. Solanderia Duchassain et
Michelin und Para gorg ia iM. Edw. , das letztere aus dem alten Alcyo-
nium arboreum Lin. gebildet und folgendermaassen cliarakterisirt :
Paragorgia M. Edw. Polypieroide aiborescent, compose d'une
couche sclerenchymateuse corticale, mince et djstincte, dans l'epaisseur
de laquelle se trouve limitee la cavite viscerale des polypes et d'un
axe fistuleux tres-gros , forme d'un tissu spongieux , tres-riche en
spicules calcaires. Polypes reunis par groupes a l'extremite des bran-
ches, ou sur des tubercules lateraux tres-ecartes entre eux et disposes
ir regulieren! ent.
Litnaria M. Edw. Polypieroide presque cylindrique , gros et
court, avec les polypes disposes irregulierement tout autour de la
portion moyenne et superieure ; la portion basilaire nue. Axe sclero-
174 L c II e k a r t : liericht über die Leistunjien in der Naturgeschichte
hasiqiie tres-develloppe. (Sehr nahe verwandt dem Gen. Kophobeleni-
non, .). B. XXIII. S. 250.)
Carenmlaria 31. Edw. Pennatuliens qui ressemblent aux Vere-
tilles, niais qui nianquent conipletenient da\e sclerobasique et ont le
centre du polypieroide occupe par un large tube fistuleux divise
longitudinalement en quatre cavites.
Unter den der Familie der Gorgoniden zugehörenden neuen
Arten sind viele schon von Valenciennes (J. B. XXII. S. 427)
unterschieden, bis jetzt aber noch unbeschrieben geblieben.
Auch Gray charakterisirt einige neue Genera aus der
Familie der Gorgoniden :
Acanthogorqia. Coral branchy ; branches free , cylindrical,
slender, both of them alniost entirely composed of transparent spicula ;
cells elegantly bell-shaped, contracted at the bottom, and less so rather
below the aperture, spinulose, with eight equidistant lines of two or
three series of diverging short spines ; the niouth of the cell snrroun-
ded with numerous diverging, very slender, transparent, elongate
spines, nearly as long as the cell. . Axis horny, black, niore slender
and brown near the tips.
Sp. n. A. hirsvta. Gray, Ann. and Mag. nat. bist. P. XX.
p. 4ßl. (Troc. Zool. Soc. 1857. Jnne.)
Havco(jorgia. The coral rather irregularly furcately branched
on a Single plane. The axis black, cylindrical, thick at the base,
with slender flexible branchlets. The bark üeshy; in the dry State
thin, like a continuous skin, smooth, without spicula, with rather close,
more or less raised cells, strengthened with a quantity of sandlike,
granulär spicula.
Sp. n. 8. Phidippus. Gray.
Subergorgia. Coral furcately branched, rather compressed, with
a continued sunken groove up the middle of each side. Cells rather
prominent convex , in two or three somewhat irregulär iSeries up
each edge. Axis pale brown, wart-like, formed of rather loosely con-
centrlc librous laminae , containing a large quantity of calcareous
matter and effervescing with muriatic acid. The bark when dry is
rather thin, smooth, hard and granulär within.
Sp. n. S. suheroscf. (nay, ibid. p. 519. Alle drei von unbe-
kanntem Fundort.
Ebenso erhielten wir auch von M a c d o n a 1 d eine Mit-
theilung über einen neuen Polypen aus der Familie der Al-
cyoniden, der sich durch einen dichotomisch verästelten Stammi
auszeichnet und zunächst mit Sarcodyction verwandt zu seini
scheint. Ann. and Mag. nat. hist. Vol. XIX. p. 391.
der niederen Thiere vviilirend des Jahres 1857. 175
Porifera.
Lieberkühn's „Beiträge zur Anatomie der Spongien*
(Archiv für Anat. und Physiol. 1857. S. 376—403 Taf^XV)
enthalten die Fortsetzung der Untersuchungen unseres Verfs
über den Bau der Spongillen mit einer kritischen Analyse der
Angaben älterer Forscher, besonders von L a urent (Voy.
autour du monde 1844), sowie einige Bemerkungen über
Spongia limbosa, die trotz ihrer Unvollständigkeit doch we-
nigstens so viel beweisen, dass die Spongillen und Spongien
in den wesentlichsten Organisationsverhältnissen mit einander
übereinstimmen, dass die Spongillen, mit den Worten unsers
Verfs, Spongien sind. Nach diesen neuen Untersuchungen
ist der gesammte Leib der Spongillen von einer abstehenden
äusseren Haut bekleidet, die von den Spitzen des Nadelge-
rüstes getragen wird und nur an den kegelfönnig vorsprin-
genden Osculis mit dem Körperparenchym zusammenhängt.
Die histologischen Elemente dieser Umhüllungshaut sind die
gewöhnlichen contractilen Zellen, wie denn überhaupt die
ganze Masse des Spongillenkörpers denselben Zellenbau be-
sitzt. Zwischen den Zellen der Haut bleiben feine, bald dichte,
bald auch in grösseren Zwischenräumen stehende Poren,
durch die das Wasser zunächst in die zwischen Körperhaut
und Parenchym gelegene weite und sackförmige Höhlung
hineinlritt. Aus dieser gelangt das Wasser sodann erst in
das Canalsystem der Spongille und zwar wiederum durch
eine Anzahl kleiner Poren, die im ganzen Umfange des Kör-
pers angebracht sind. In grösserer oder geringerer Entfer-
nung von diesen Poren sind die Canäle mit besolideren Wim-
perorganen versehen, deren Thätigkeit die Strömung des
Wassers unterhält. Es sind das besondere, den Canälen an-
hängende kuglige Räume, deren Innenfläche mit dichtstehenden
Cilien besetzt ist. Die fremden Körper, die durch die Was-
serströmung mit fortgerissen werden, bleiben eine Zeitlang
in diesen Wimperräuinen stecken, um dann von da entweder
wieder in die gewöhnliche Strömung überzutreten und durch
die röhrenförmigen Zapfen schliesslich ausgeführt zu wer-
den ; oder sie gelangen in das Zellenparenchym des Körpers,
wo sie dann, von allen Seilen eng umschlossen, eine lange
176 Leuckart: Bericht über die Leistungen in derNaturgeschichte
Zeit verweilen. Zuweilen wurden auch Infusorien durch die
Poren in den Körper eingeführt ; sie geriethen, nachdem sie
eine Weile in der sackförmigen Höhle umhergeschwommen
waren, gleichfalls zwischen die Zellen des Körperparenchyms.
Noch etwa eine halbe Stunde lang sah man hier das Spiel
der contractilen Blase ; einige Stunden später war das In-
fusorium so vollständig zerfallen, dass sich nichts mehr von
ihm wahrnehmen Hess. „Der Vorgang sieht in jeder Be-
ziehung so aus, wie wenn ein Actinophrys sol ein Infuso-
rium gefressen hat." Uebrigens ist das Canalsystem kein
System von Gelassen mit eigenthümlichcm Bau, sondern nur
durch eine eigenthümliche Lagerung des gewöhnlichen
Körperparenchyms gebildet. Die schon früher von Bower-
bank (J. B. XXIU. S. 255) beschriebene Verschmelzung
zweier oder mehrer Exemplare ist jetzt auch von unserm
Verf. heobachtet ; es bleibt vielleicht nur noch zu bemerken,
dass dabei nicht selten eine Reduction in der Zahl der Aus-
fuhröffnungen stattfindet, dass letztere also keineswegs etwa
für die Zahl der in einer Colonie vereinigten Individuen
maassgebend ist. Bei Spongia limbosa Hessen sich zwischen
den contactilen Parenchymzellen gleichfalls die kugligen Wim-
perapparate an den Canälen, und zweierlei, bewimperte und
unbewimperte Fortpllanzungskörper unterscheiden.
Die Beobachtungen von Lieberkühn finden in fast
allen Punkten eine Bestätigung durch die neuesten Unter-
suchungen von Carter, der uns in seiner Abhandlung „on
the ultimate structure of Spongilla" (Ann. and Mag. nat. bist.
Tome XX. p. 21 sq. Tab. 1) eine vollständige Anatomie der
Sp. alba n. sp. aus Bombay geliefert hat. Verf. beschreibt
die Umhüllungshaut mit ihren Poren und dem darunter lie-
genden Hohlraum, die Entwicklung der Kieselnadeln im In-
nern der ZeHen, das Canalsystem des Körperparenchyms mit
den Wimperorganen. Die einzige wichtigere Differenz zwi-
schen ihm und Li eher kühn besteht darin, dass er den
Canalapparat des Spongillenkörpers in zwei Systeme zerfällt,
in das System der einführenden und das der ausführenden
Canäle, die beide keinen directen Zusammenhang besässen.
Die einführenden Canäle sollen in die Wimperorgane
hineinleiten und hier endigen, während die ausführenden im
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 177
Umkreise dieser Gebilde seibstständig ihren Ursprung neh-
men. Die VVimperorgane betrachtet Verf. als Mägen oder
vielmehr als Thiere, die nach Art der Polypen in eine ge-
meinschaftliche Leibessubstanz eingesenkt wären. Er o-laubt
auch beobachtet zu haben , dass dieselben durch Metamor-
phose einer einzigen Zelle ihren Ursprung nehmen und will
diese Metamorphose mitunter selbst an isolirten Schwamm-
zellen gesehen haben. Ebenso giebt er an, dass diese Ge-
bilde nach ihrer zufälligen Trennung von dem Schwamm-
körper allmählich zu einem amöbenartigen Wesen sich ent-
wickelt hätten. (Bedeutet wohl nur so viel, dass Verf. die
amöbenartigen Bewegungen isolirter Schwammzellen beobach-
tete.) Die Einfuhr des mit NahrungsstofTen imprägnirten
Wassers geschieht nach Verf. durch die Thätigkeit der
Flimmerhaare, die je einzeln einer Zelle aufsitzen, während
der Uebertritt in das ausführende Kanalsystem durch die ge-
meinschaftliche Action der von ihm in den cilientragenden
Zellen entdeckten pulsirenden Bläschen bedingt sein soll. Die
NahrungsstofFe gelangen in das Innere der einzelnen Zellen
hinein, wie in das Innere eines Rhizopodenkörpers. Sind
die Wimpersäcke mit Nahrung angefüllt , so schliesst die
Spongille für einige Zeit die Oscula , so wie die Oeffnungen
der Umhüllungshaut , die gleichzeitig dicht auf das Körper-
parenchym zurückgezogen wird. Von Fortpflanzungskörpern
wurden nur die Gemmulae beobachtet, die nach Verf. gleich-
falls das Entwickelungsprodukt einer einzigen Zelle sind.
Die Untersuchungen vonßowerbank „on the anatomy
^nd physiology of the spongiadae« liegen einstweilen bloss
im Auszuge vor, Ann. and Mag. nat. bist. Vol. XX. p. 298—
301 (Proc. Roy. Soc. 1857. June). Verf. hebt darin na-
mentlich hervor, dass eine sichere Diagnostik und Systematik
der Spongiaden nur durch genaue Berücksichtigung der Ske-
letbildung (der bald hornigen, bald auch aus Kieselsäure be-
stehenden Fasern , so wie der Kieselnadeln) ermöglicht werde,
so wie ferner den Umstand, dass die Kieselnadeln an den
verschiedenen Stellen des Körpers auch bei derselben Spe-
cies sehr allgemein die verschiedensten Formen besitzen.
Tethea, Geodia und Dysidea hält Verf. fast für die einzigen
natürlichen Genera unter den bis jetzt aufgestellten. Die
Archiv f. Naturgesch. XXIV. Jahrg. 2 Bd. jjJU
178 Leu ckart : Bericht über die JiCistungen in der Naturjjescliichte
Kieselnadeln verlheilt Verf. nach ihrer Bildung in sechs Grup-
pen; Spicula of the sceleton , connecting spicula, defensive
spicula , spicula of the membranes , spicula of the sarcode
und spicula of the gemmules, die alle sechs einzeln beschrie-
ben werden.
Meissner giebt an, dass er an einer kleinen Helgo-
ländisch en Spongie auf mechanische Reize oftmals entschie-
dene Zusammenziehungen bemerkt habe. Zeitschrift für rat.
Med. 1857. I. S. 612. Anm.
Leidy beobachtete (Proc. Acad. nat. sc. Philad. YIII.
p. 162 oder Silliman's Journ. Vol. XXIII. p. 281) einen dem
Gen. Clione zugehörigen Bohrschwamm, der die Schalen von
Ostrea virginiana und Venus mercenaria zwischen äusserer
und innerer Fläche nach verschiedenen Richtunoren durch-
setzt, und letztere an einzelnen Stellen mit seinen Fortsätzen
durchbricht. Diese Fortsätze sind zweierlei Art, die einen
zum Eintritte, die andern zum Austritte des Wassers bestimmt,
beide in auffiülender Weise contractu.
Owen beschreibt eine neue, sehr eigenthümliche Art
des schon früher (1841, Transact. Zool. Soc. III. p. 205) von
ihm aufgestellten Spongiadengenus Euplectella, E. cucumer,
und definirt das betreffende Gen. jelzt folgendermaassen:
Körper cylindrisch , hohl, an dem einen weiteren Ende mit
einem unregelmässigcn Netzwerk verschlossen, an dem an-
dern dünnern Ende mittelst eines Schopfes seidenartiger
dünner Fäden , in welche die Fasern der Seitenwände sich
auflösen, an fremden Gegenständen befestigt. Transact. Linn.
Soc. Vol. XXII. P. 2. p. 117— 123 cum tab. (Die alte Art
trägt den Namen E. aspergillum und stammt von den Phi-
lippinen, während E. cucumer ein Geschenk des Königs der
Seychellen an einen englischen SchifFscapitain ist.)
IV. Protozoa.
Cienkowsky's Abhandlung sur les algues inferieures
et les Infusoires (Petersbg. 1856. Avec planches) behandelt
ausser den Conferven und einzelligen Algen auch den Bau
der niederen Thiere wjihrend des Jahres 1857. 179
und die Entwickelungsgeschichte der echten Infusorien und
Rhizopoden. Verf. hebt mit besonderem Nachdruck die Ana-
logie in den Lebenserscheinung-en dieser beiderlei Organis-
men hervor und kommt schliesslich zu dem Resultate, dass
eine feste Grenze zwischen Thier und Pflanze überhaupt
nicht existire. Die eingekapselten Zustände der Infusorien
werden den Algensporen parellelisirt. (Ref. bedauert, diese
in ihren Einzelnheilen gewiss recht interessante Abhandlung
bis jetzt nur nach einem der Petersburger Akademie erstat-
teten Rerichte zu kennen.)
Carter's Zusätze zu der im vorhergehenden Jahres-
berichte (S. 275) angezogenen Abhandlung über die Süss-
wasserinfusorien von Bombay handeln vorzugsweise über die
contractile Blase und die sg. Ovula von Euglena. In den letzten
sah Verf. (wie auch früher schon Itzigson, Bot. Zeitung
1853. S. 879) die Entwickelung eines spiraligen Fadens, den
er für eine junge Euglena zu halten geneigt ist. Die Schwärm-
sprösslinge von Acineten sah Verf., wie Lachmann und
Cienkowsky (J. B. XXII. S. 432) immer nur wieder zu
Acineten werden ; nichts destoweniger hält derselbe einst-
weilen noch Stein's Acinetentheorie für wohl berechtigt.
Ann. and Mag. nat. bist. T. XX. p. 34—38.
Wir haben schon im vorigen Jahresberichte (Bd. XXIIl.
S. 258) auf eine Reihe von Beobachtungen aufmerksam ge-
macht , nach denen sich im Innern gewissen Pflanzen und
Pflanzenzellen infusorienartige Gebilde entwickeln. Die Er-
klärung dieser Erscheinung war eine verschiedene. Bald
sollte hier eine abnorme Metamorphose des Zelleninhaltes
stattgefunden haben , bald auch der infusorienartige Körper
das Entwickelungsprodukt eines fremden Eindringlings sein.
Die Beobachtungen dieser merkwürdigen Erscheinung haben
sich gemehrt; der Zwiespalt ist derselbe geblieben. Cien-
kowsky, der hier vielleicht als bedeutendste Autorität an-
zusehen sein dürfte, glaubt die ganze Entwickelungsgeschichte
dieser sonderbaren Wesen erkannt zu haben und steht nicht
an, die belreff*enden Bildungen für selbstständige, parasiti-
sche Geschöpfe zu halten. Derselbe beobachtete (Bot. Ztg.
1857. S. 787; vergl. auch Pringsheim's Jahrbücher für
wiss..> Botanik I. S. 371 ff.) , wie monadenartige Geschöpfe
180 L e u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
mit Durchbohrung" der Zellwand m das Innere von Spiro-
gyren eindrangen, hier amöbenartig- umherkrochen, auch Chlo-
rophyll aufnahmen und sich schliesslich einkapselten. Die ein-
gekapselte Monade bildet sodann Schwärmsprösslinge, die
bis auf ihre Grösse der Mutter gleichen (sog. Pseudogoni-
dien) , nach ihrer Entwickelung auskriechen und durch die
Wand der Spirogyra hindurch in's Freie gelangen.
Ganz anders dagegen Carter (Ann. nat. bist. Vol. XIX.
p. 259}, der früher allerdings gleichfalls an eine Einwande-
rung dachte , neuerdings sich aber — und zwar wiederum
bei Spirogyra — auf das Bestimmteste von der Umwande-
lung des Protoplasma in Rhizopoden überzeugt haben will.
Die Schicksale dieser Rhizopoden sollen nach den Umstän-
den verschieden sein; nur bei einem Theile derselben wurde
eine Forlpflanzung durch amöbenartige Schwärmsprösslinge
beobachtet. Diese letzteren sollen sich nach dem Ausschlü-
pfen in Actinophrys sol verwandeln.
Hoffmann hat nach dem Berichte der Bot. Ztg. 1857.
S. 762 gleichfalls eine Umwandelung des aus Pilzsporen her-
vorquellenden Inhaltes in amöbenartige Gelilde beobachtet.
Uebrigens lässt es derselbe zur Zeit unentschieden, ob die-
selben nicht etwa auf absterbende Infusorien zurückzuführen
seien. Dieselben kommen in mehreren verschiedenen Grös-
sen und bei Pilzen ganz verschiedener Abtheilungen vor, so
bei Uredo Caricis u. s. w. Durch Zerdrücken der Sporen
kann man zwar das Sporenplasiiia, wenn auch nicht ganz
unversehrt , austreten machen ; in diesem Falle aber treten
nur sehr schwache Bewegungen von amöbenartigem Cha-
rakter ein.
Ehren borg setzt seine Untersuchungen von Erd - und
Meeresgrundproben fort und überzeugt sich von Neuem, dass
letztere vorherrschend aus organischen , hauptsächlich ani-
malischen Substanzen bestehen. Unter den hier aufgefunde-
nen, mitunter noch mit ihren Weichtheilen sehr wohl erhal-
tenen Schalen und Skeleltheilen befinden sich zahlreiche neue
Formen, besonders aus den Gruppen der Polythalamien, Poly-
cystinen und Poriferen , die Verf. grösstentheils als Reprä-
sentanten einer besondern Fauna der Meerestiefe in An-
spruch nimmt. Wir verweisen in dieser Beziehung nament-
der niederen Thieie wahrend des Jahres 1857. 181
lieh auf die Mittheilungen unseres Verf's in den Berliner Mo-
natsberichten von 1857. S; 142 und 538 ff.
Infiisoria*
Lachniann's vortreffliche Abhandlung- über die Orga-
nisation der Infusorien (J. B. XXII. S. 431) ist in's Englische
übersetzt. Ann. and Mag. nat. bist. T. XIX. p. 1 13 fF.
Zwei andere grössere Arbeiten über denselben Gegen-
stand , die eine von Claparede und Lach mann, die
andere von Lieberkühn sind von der französischen Aka-
demie, der sie seit Ende 1855 vorlagen, mit dem grossen
Preise für Naturwissenschaften gekrönt worden (Cpt. rend.
T. XLVL p. 279) und werden sobald, als der Stich der zahl-
reichen Tafeln es zulässt , publicirt werden. Da hierüber
jedoch noch eine längere Zeit vergehen dürfte, so ist es
doppelt erfreulich , dass Claparede und L a c h m a n n uns
bereits jetzt mit einer Uebersicht über die hauptsächlichsten
Resultate ihrer Untersuchungen, so w^eit diese die Fortpflan-
zung der Infusorien betreffen, bekannt machen. Note sur la
reproduction des Infusoires , Ann. des sc. natur. T. Vlll.
p. 221—244.
Besonders zahlreich und wichtig sind die Untersuchungen unserer
Verff. über Acinetinen , die (nach einer Kritik der bekannten Stein'-
schen Theorie) als selbstständige Formen in Anspruch genommen
werden. Schwärmsprösslinge wurden bei eilf Arten beobachtet. Die-
selben sind bei den einzelnen Species keineswegs übereinstimmend
gebaut , bald nur mit einem einfachen Flimmerstreifen oder einer
Wimperkappe versehen , bald auch in ganzer Ausdehnung mit Cilien
bekleidet. Bei Podophrya quadripartita Hess der Embryo nach sei-
ner Befestigung auf den Stielen von Epistylis plicatilis von vorn
herein die spätem Saugarme erkennen . wenn auch anfangs nur in
starker Verkürznug ; ja ein Wal beobachtete man bereits im Leibe
der Mutter statt eines Schwärnisprösslings eine förmliche kleine, ge-
stielte Podophrya. .Die Cysten der Epistylis plicatilis, die Stein in
Acineten übergehen lässt , enthalten bald blosse eingekapselte Köpf-
chen, die unter gewissen Verhältnissen nach Aussen wieder durchbre-
chen und dann aus der Tiefe der Cyste ein neues Stielchen trei-
ben, bald aber auch einen über und über flimmernden Amphileptus
(= Trachelius Meleagris Ehrbg. ?) , der auf den Stöcken dieser In-
fusorien lebt und sich einkapselt, sobald er die noch auf ihren Stie-
len befestigten Köpfchen durch seine gewaltige Mundöffnung ver-
182 L e u c k a !■ t : Bericht über die Leislungeii in der Naturgeschichte
schluckt hat. Uebrigens Avurdc auch bei Epistylis und zahlreichen
andern freischwimmenden Infusorien (Stentor, Faramaecium u. s. w.)
eine Keimbildung ])cobachtet. In allen Fällen geht dieser Vorgang
von dem Kerne aus , von dem sich ein Stückchen abschnürt , das
dann entweder selbst zum Embryo wird oder auch eine grössere
Menge kleinerer Embryonen in sich erzeugt. Auch bei der Theilung
geht eine Abschürung des Kerns voi' sich, während bei der Knospen-
bildung, die jedoch sonst nur durch unwesentliche Merkmale von der
Theilung verschieden ist, der Kern der Knospe durch Neubildung
entstehen dürfte. Uebrigens scheint es, als wenn ein bestimmter
Wechsel in diesen verschiedenen FortpHanzungsarten stattfände, indem
Theilung (oder Knospenbildung) mehr den jungen Individuen, Keim-
bildung dagegen mehr den älteren zukommt. Verfasser halten es auch
nicht für unmöglich, dass die letztere erst Folge einer geschlecht-
lichen Entwickelung sei, müssen diese Frage jedoch einstweilen
noch aus Mangel entscheidender Beobachtungen offen lassen. Ebenso
wenig lässt sich schon jetzt mit Bestimmtheit darüber entscheiden,
ob die von uusern Verff. mehrfach , auch bei Carchesiuni , beobach-
tete Copulation zweier und mehrerer Individuen mit der Fortpflanzung
irgendwie einen direkten Zusammenhang habe.
In einer Nachschrift (aus dem Frühlinge 1857) heben die Veiff.
hervor, dass sie, wie J.Müller (J.B. XXIII. S. 261), und zum Theil
schon vor den)selben, bei einigen Infusorien, besonders Chilodon und
Faramaecium , im Innern des Kernes zahlreiche Stäbchen oder Fäden»
gesehen hätten , die trotz ihrer Bewegungslosigkeit möglicher Weise
Samenfäden sein könnten. Aehnliche Fäden wurden auch bei Sten-
tor gesehen und zwar beweglich , doch blieb deren Beziehung zum
Thiere unbekannt, da dieselben, wie es schien, frei im Innern lagen.
Uebrigens kommen auch Faraniaecien vor, bei denen die Fäden ent-
wedei alle , oder theilweise gleichfalls in der Leibeshöhle gefun-
den werden. Lieb erkühn, der dieselbe Beobachtung machte,
glaubt diese Fäden bei Faramaecium auch im Innern des sog. Nu-
cleolus gesehen zu haben.
Auch von d'üdekem erhielten wir eine Abhandlung
über die Entwickeking der Infusorien, gleichfalls vorzugs-
weise nach Beobachtungen an Epistylis plicatilis (Rech, sur
le developpement des Infusoires in den Mem. de l'Acad.
roy. de Belg. T. XXX. 1857.) Ref. kennt dieselbe bis jetzt
nur aus dem von der Belgischen Akademie darüber abo^e-
statteten Berichte, Bull. Acad. Belg. 1856. Aoüt; l'Inslit. 1857.
p. 99.
Verf. glaubt auf das Bestimmteste sich von der Richfigkeit der
Steinschen Angabe über die genetischen Beziehuns^en zwischen
der niederen Thieie während des Jahres 1857. 183
Vorticellinen und Acinelen liberzeugt zu haben, lässt aber die letz-
tern nicht direkt aus den erstem hervorgehen, sondern schiebt zwi-
schen beide noch ein Mittelglied ein, ein llimnierndes Infusoriuni, das
einer Opalina verglichen wird. Diese Opalina soll aus den auf ihren
Stielen sich einkapselnden Epistilisköpfchen sich bilden , nach ihrer
Bildung ausschwärmen und später nach Verlust ihrer Cilien in eine
Acinete auswachsen. (Es scheint Ref., dass denj ersten Theile dieser
Angabe jene Thatsachen zu Grunde liegen, die durch die Beobachtun-
gen A on Lach mann und Claparede ihre Erledigung gefunden
haben.) Die Schwärmsprösslinge der Acineten entstehen nach Verf.
durch Umwandlung des Kerns, geben aber, wie das auch von ande-
ren Seiten constatirt ist, keine Vorticellinen, sondern neue Actineten.
Die dem Joiirn. de Med. de Bruxelles 1857. Oct. inse-
rirte Abhandlung desselben Verf. über die Metamor-
phosen der Vorticellinen ist Ref. eben so wenig zu Gesicht
gekommen , dürfte aber vielleicht bloss eine Wiederholung
der Yoranstehenden Mittheilungen sein.
Die Infusorien auf der Protozoentafel (Tab. 1) der Ico-
nes zootomicae von Carus sind theils Copien des bekann-
ten S tein'schen Werkes, theils auch nach Originalien dieses
Forschers bearbeitet. Unter den letztern erwähnen wir die
Abbildungen von Prorodon leres mit Kern und ansitzendem
Kernkörperchen, Stylonychia mylilus, von Vorticella micro-
stoma in verschiedenen Entvvickelungszuständen , von Vagi-
nicola crystallina, Opercularia articulata und deren vermeint-
lichen Acinetenzuständen. Als neu erscheint dabei die An-
gabe , dass der Schlundtrichter von Prorodon eine längsge-
faltete Röhre darstelle und keineswegs aus getrennten Stäb-
chen zusammengesetzt sei.
Cohn macht einige Mittheilungen über Nassuia elegans,
besonders die bei derselben vorkommenden Pigmentanhäu-
fungen (die nach dem Verf. aus Phykochrom bestehen und
wahrscheinlich von den gefressenen Oscillatorien herrühren)
und die Fortpflanzung. Letztere wird durch einen oder zwei
Sprösslinge vermittelt, die im Innern einer nach Aussen of-
fenen Höhle liegen , statt der Wimpern aber bloss einige
strahlenartige Fortsätze tragen. Verf. erinnert dabei an die
Behauptung von Stein (J. B. XXllI. S. 362) , dass die
Schwärmsprösslinge verwandter Formen sich in Acineten
184 Leuckait: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
verwandelten. Zeitschr. für Wissenschaft!. Zoologie IX. S. 143.
Mit Abbild.
Nach den Beobachtungen von Lieberkühn (Arch.
für Anat. und Phys. 1857. S. 403) findet sich bei den Sten-
toren unterhalb der eigenthümlich gestreifen äusseren Be-
deckung ein System scharf contourirter körnchenfreier Fa-
sern , die sich in der Längsrichtung des Körpers zwischen
der Wimperscheibe und dem Saugnapfe ausspannen und ihrer
physiologischen Action nach als Muskelfasern gedeutet wer-
den müssen.
Gegenbaur macht einige Mittheilungen über den Bau
von Trachelius ovum (Archiv für Anat. und Physiolog. 1857.
S. 309, Ann. and Mag. nat. bist. T. XX. p. 201) die, so weit sie
den sog. Darm und die contractilen Blasen betreffen, genau
mit den — ■ dem Verf., wie es scheint, unbekannt gebliebenen —
Angaben von C o h n (Ztschr. für wissenschaftl. Zool. IV. S. 266,
Jahresbr. XXI. S. 94) übereinstimmen. Der sg.Darm besteht
aus feinkörnigen Strängen oder Fäden, die Cohn sehr rich-
tig mit den Plasmafäden in den Zellen der Tradeskantienhaare
vergleicht, also aus einer soliden Masse, in die sich die ge-
nossene Nahrung aus der Mundöffnung hineindrückt. (Lach-
mann ist geneigt, diesen Apparat als einen verzweigten
Darmkanal anzusehen; Müller's Arch. 1856. S. 360 ; eine
Annahme, die wohl eben so irrig ist, wie die im letz-
ten Jahresberichte S. 435 erwähnte Beschreibung von dem
Darmkanale der Noctiluca, der sich nach den Untersuchun-
gen des Ref. genau so verhält, wie bei Trachelius.) Der
Zwischenraum zwischen diesen Sarcodesträngen ist nach
Gegenbaur von Wasser erfüllt, das wahrscheinlicher Weise
durch eine besondere, vor dem Munde gelegene Flimmer-
öffnung eintritt und gelegentlich auch, bei einer kräftigen
Contraction der Körperwände, nach aussen entleert wird. "
J. S a m u el s 0 n hat sich jetzt (vgl. J. B. XXIU. S. 262)
davon überzeugt, dass auch bei Glaucoma u. a. Infusorien
eine Rotation der Nahrungsballen vorkommt, die freilich
sehr viel langsamer sei als bei Nassula u. s. w. Gleichzei-
tig bestätigt derselbe die Anwesenheit eines mit der con-
tractilen Blase zusammenhängenden Gefässsystems, das be-
sonders bei Amphileptus sehr deutlich sei. Bei Glaucoma
der niederen Thieie wahrend des Jahres 1857. 185
bilden sich nach der Entleerung der ( überall ) sehr ober-
flächlich gebogenen Blase in der Tiefe des Körpers mehrere
kleinere Hülfsbläschen (anxiliary vesicles). Quarterly Journ. V.
p. 104—106.
Derselbe glaubt behaupten zu dürfen, dass Kerone
eine höhere Enlvvickelungsforni von Glaucoma darstelle und
sich in encystirten Glaucomen ausbilde. Zugleich hebt der-
selbe hervor , dass der Einfluss gefärbter Lichtstrahlen auf
das infusorielle Leben ein sehr verschiedener sei , dass na-
mentlich blaue und rothe Strahlen dasselbe heben , gelbe
Strahlen aber herabdrücken. Rep. br. Assoc. 26. Meet. p. 98.
ß r igt well publicirt Beobachtungen des Lieutenant
Colonel Baddeley, durch welche die x\nnahme, dass sich
Noctiluca durch Theilung vermehre , bestätigt und bewiesen
wird. Aller Wahrscheinlichkeit nach geht die Theilung zu-
nächst von dem Kerne aus. In einem Anhange von Tuffen
West wird das Bewegungsorgan der Noctilucen als eine
quergestreifte Muskelfaser in Anspruch genonmien. Quarterly
Journ. micr. Sc.V. p. 185— 191.
G. Wagener liefert (Beiträge zur Entwickelungsge-
schichte der Eingeweidewürmer Tab. XXY) eine ausgezeich-
nete Abbidung von dem in Anodonta schmarotzenden Pa-
ramaecium compressum Ehrbg. ? und macht darauf aufmerk-
sam, dass dieses und andere schmarotzende Infusorien, auch
d^e Opalinen, durch Anwesenheit von contractilen Räumen
und den in ihnen vorkommenden Infusorienkern von den
wimpernden Trematodenembryonen wesentlich verschieden
seien (helminthologische Bemerkungen a. a. 0. S. 89).
In Betreff der Bursarien des Froschdarmes hält es da-
gegen Pagen Stecher (Trematoden und Trematodenlarven
S. 37) für wahrscheinlich , dass sie der Entwickelungsreihe
gewisser Trematoden zugehören.
Ebendaselbst handelt Pagen siecher auch über an-
dere parasitische Infusorien des Frosches, besonders über
Amöben und stiellose Vorticellen (d. h. Trichodinen).
Durch Malmsten's Beobachtungen wird der Nachweis
geliefert, dass bei gewissen pathologischen Zuständen, bei
chronischen Diarrhöen mit Ulceration der Schleimhaut, in dem
Dickdarme des Menschen mitunter ungeheure Mengen von
186 L e u c k a 1 t : Bericht über die Leistungen in der IVaturgeschichle
unzweifelhaft echten Infusorien auftreten. Verf. bezeichnet die
Form als Paramaecüun (?) coli; nach den beigegebenen Abbil-
dungen dürfte man darin wohl eine Bursaria oder Leucophrys
erkennen, deren Arten bekanntlich auch sonst als Darmschmaro-
tzer leben. In dem entleerten Kothe gehen die Thiere schon
nach wenigen Stunden zu Grunde, wie denn überhaupt der
Darmkanal der genuine Aufenthallsort unserer Thierchen zu
sein scheint. Verf. vermuthet sogar eine causale Beziehung
zwischen ihnen und den begleitenden Krankheitserscheinun-
gen. Virchow's Arch. für palhol. Anat. XII. S. 302. Mit Ab-
bild. (Aus schwedischen Mittheilungen auch im Auszuge
übergegangen in Bibl. univ. de Geneve T.XXXIV. p. 371.)
Claparede und Lach mann erwähnen in der oben
bereits angezogenen Mittheilung über die Forlpflanzung der
Infusorien (1. c.) eine ganze Anzahl neuer und doch wenig-
stens noch unbenannter Arten, besonders aus den Gen. Po-
dophrya und Acineta,
Podophrya cyclopum, P. carchesii, P. fjnadripartita (= Acineta
Epistjlidis St.), P. pijnim, P. cothiirnata (= diademartige Acinete St.),
P. Tvold , A. patula und A. cncidlus, die drei letzten Arten von der
INorwegischen Küste. Die genannten Genera, die früher nur unvoll-
ständig charakterisirt wurden, unterscheiden sich nach unsern VerfF.
durch die Anwesenheit (Acineta) oder den Mangel eines Panzers
(coque). Ein drittes verwandtes Genus wird von unsern VerlF. als
0 phry 0 (I e tidr flji neu aufgestellt, 0. abietimtm n. sp. auf Campa-
nularien der norwegischen Küste. Ebenso Paramaecinm ptitridiim n. sp.
Dieselben Beobachter machen darauf aufmerksam (ibid.
p. 233), dass die von Ehrenberg zur Unterscheidung der
Stentorarfen hervorgehobenen Charaktere — Farbe, Bildung
des Nucleus und Anwesenheit oder Mangel des wimpernden
Längskammes — keineswegs beständig seien und nach dem
Entwicklungszustande derselben Individuen vielfach wechseln.
Auch von W r i gh t erhielten wir Beschreibungen einiger
neuer mariner Infusorien: Lagotia (n. gen.) mridis, L.
hyalina, L, atro-purpurea, Vaginicola valvaia , Ephelota
(n. gen.) coronata. Edinb. new phil. Journ. Vol. VIII. p. 277
c. tab.
Die erste vom Verf. den Ophrydinen zugerechnete Form —
Ref. möciite dieselhe wegen Anwesenheit eines uniformen Flimmer-
kleides eher den Stentoren anreihen — zeichnet sich namentlich durch
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 187
Anwesenheit eines hufeisenförmig entwickelten Flinimerapparates aus,
und bietet dadurcli ein interessantes Gegenstück zu der oben (S. 103)
erwähnten Annelidforni Phoronis, Der überall flininjernde Körper steckt
in einem retortenfürniig gekrümmten hellen Gehäuse und ist mittelst
des letzteren auf Muschelschalen befestigt.
Vaginicola valvata trägt hinter der ()ennung des Gehäuses einen
klappenartig beweglichen, an der Wand befestigten Deckel, der beim
Hervorstrecken des Thieres sich aufhebt, beim Zurückziehen aber den
untern Raum des Gehäuses mit dem Insassen abschliesst.
Ephelota ist schon früher von AI der beobachtet und (Ann.
nat, bist. 1851) mit einigen andern verwandten, theils auf Sertularia,
theils auf Paludicella lebenden Arten (Podophrya ovata und pyrifor-
mis) beschrieben, auch von Prichard später mit einem neuen, aber
bereits vergebenen Genusnamen (Alderia apiculosa) in die zweite Auf-
lage seines Infusorienwerkes aufgenommen. Ephelota coronata hat
eine becherförmige Gestalt und ist mittelst eines langen und dicken,
glashellen Stieles an fremden Körpern (in der OefFnung der von Pa-
gurus bewohnten Schneckenschalen) befestigt. Der vordere Körper-
raum trägt einen Kranz von dicken und spitzen Tentakeln, die ein
Bündel fester Haarfäden in sich einschliessen und eine nur geringe
Beweglichkeit besitzen.
Hiixley beschreibt unter dem Namen Dysderia
(n. gen.) armata ein sehr ausgezeichnetes mit Euplotes (bes.
0. macrostylus Ehbg.) und Chlamidodon verwandtes pelagisches
Infusorium, dessen wesentlichster Charakter in dem Besitze
eines zweililappigen, aber unsymmetrisch entwickelten Scha-
lenapparates, eines zapfenförmigen, von der Bauchfläche ab-
gehenden Fusses und eines sehr mächtigen und complicirten
Masticationsapparats besteht. Ein Nucleus konnte nicht auf-
gefunden werden , dagegen sah Verf. ein Mal ein Exemplar
im Zustande der Zweitheilung (wobei der Masticationsapparat
verschwunden war). Quarterly Journ. micr. Sc. V. p. 78
—82. c. tab.
Gosse, der dasselbe Thier beobachtete und es mög-
licherweise für identisch mit Ehrenberg's Chlamidodon
Mnemosyne hält, stellt dessen Infusoriennatur in Abrede und
glaubt es den Rotatorien überweisen zu müssen. Dabei giebt
er dem Gen. Dysderia folgende Diagnose :
Lorica bivalvis, inaequalis, fere tota margine hiante. Corporis
facies capitales et ventrales ciliatae. Apparalus masticatorius valde
elongatus, in mastace diagnoscenda non inclusus. (Cavitas digestiva
188 L e u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
amplissima, Simplex?) Pes inarticulatus, indivisus, spathulatus, coni-
pressus. Ibid. p. 138.
Anhangsweise erwähnen wir hier auch die merkwür-
digen, in früherer Zeit mehrfach , besonders von E r d 1 und
Kolli ker, untersuchten Parasiten an den Venenanhängen der
Cephalopoden, Dicyema Köll. , die vielleicht am besten den
Infusorien angereiht werden können und von G. Wagener
(Archiv für Anat. u. Physiol. 1857. S. 354—368 mit Abbild.)
sehr sorgfältig beschrieben sind.
Die Dicyenien sind bekanntlich langgestreckte, flimmernde
Schläuche mit einem deutlich abgesetzten, zur Befestigung an den
Venenanhangen dienenden Kopfende. Die Leibeshöhle enthält zweier-
lei Keime, bald „infusorienartige Embryonen", bald auch wurmförmige,
den Mutterthieren identische Junge, die aber niemals beide zusam-
men, sondern immer nur jede Art für sich, in besonderen Individuen
zu treffen sind (Köiliker). Verf. beobachtete zwei Formen dieser
merkwürdigen Thiere, die eine, D.Eledones (= D. paradoxum Köll. ?)
aus Eledone moschata, die andre, D. gracile n. sp. aus Sepia offi-
cinalis, beide durch eine abweichende Bildung ihres Kopfendes und
die Gestalt ihrer infusorienartigen Embryonen leicht von einander zu
unterscheiden. Die äussere Körperwand derselben besteht aus drei
von einander verschiedenen Schichten, zweien, wie es scheint, stru-
cturlosen Grenzschichten und einer dazwischen liegenden Körner- oder
Zellenschicht, die freilich bei den einzelnen Individuen eine sehr
verschiedene Dicke hat. Die Körnermasse dieser letzten Schicht
sammelt sich nicht selten, besonders bei 1). Eledones , an einzelnen
Stellen zu warzenförmigen Ilcrvorragungen an, die leicht abfal-
len und sich dann schnell auflösen (Knospen Köll.) In den Sei-
tentheilen des Leibes bemerkt man zwei helle und durchsichtige
Streifen, die sich an den Körperenden verlieren und weder Verbin-
dungen mit einander, noch Contractionen erkennen lassen. Bei den
Jüngern, besonders den noch im Mutterleibe befindlichen Dicyenien,
den sg. wurmförmigen Embryonen, ist der Körper völlig solide. Die
Leibeshöhle w^rd hier von einem eigenthümlichen „Kerne" ausge-
füllt, einem festen, von Qnerscheidewiinden durchsetzten Gebilde. Spä-
ter lösen sich die beiden Enden dieses Kernes in einen traubig verbunde-
nen Haufen von Kugeln auf, die aus einander fallen und sich sodann durch
Furchung und eine weitere, daran sich anschliessende Metamorphose
in die beiderlei Keime verwandeln. Die infusorienartigen Embryonen
zeigen einen Kopf und einen kurzen stummelförinigen Hinterleib, von
denen bei D. Eledones (wie D. paradoxum) nur der letztere flimmert,
während bei D. gracile die ganze Oberfläche mit Cilien besetzt ist.
Dafür aber enthält der Kopf bei D, Eledones (wie D. paradoxum) im
der niederen Tliiere während des Jahres 1857. 189
Innern ein sehr eigenthümliches schaleuartiges Organ (Blase Köll.),
dessen Concavität nach dem Bauche zu gekehrt ist, und oberhalb des-
selben, dem Rücken zugewandt, zwei (oder mehrere) scharf contourirte
Kalkkörperchen. Die völlig ausgebildeten Embryonen bohren sich ein-
zeln durch die Leibeswand der Mutter hindurch, ohne dass diese da-
durch in merklicher Weise verändert wird.
Eine dritte Form von Dicyema, D. Miillevi n. sp. , wurde von
C! aparede an den Venenanhängen von Eledone cirrosa beobachtet
und in einem Zusätze zu der voranstehenden Abhandlung mit ihren
Embryonen beschrieben. A. a. 0. S. 364.
Von einem Kern wurde nichts wahrgenommen ; das schalen-
artige Organ der infusorienförmig , wie bei D. Eledones gestalteten
Embryonen als ein von durchsichtiger Hülle umgebenes rundes Ge-
bilde gedeutet. Statt zweier Kalkkörper findet sich ein ganzer Hau-
fen runder stark lichtbrechender Körner. Die wurmförmigen Embryo-
nen erschienen vollkommen starr und unbeweglich und niemals be-
wimpert, auch von etwas abweichender, zugespitzter Glestalt und mit
gleichmässigem Inhalt.
In der Leibeshöhle von Hydatina beobachtete Leydig-
einen mit Distigma tenax verwandten Parasiten, der fast
keinem einzigen Exemplare fehlte. Im Innern des gallert-
artigen weichen Körpers fanden sich viele fettartig glänzende
Kugeln, die nach Druck mit dem Deckgläschen eine ziemlich
intensive indigoblaue Färbung annahmen, ausserdem im Vor-
derende ein oder zwei helle kernartige Körper und ganz vorn
endlich ein röthlicher Augenlleck. Die Bewegungen waren
sehr lebhaft, doch Hess sich kein Fiimmerhaar entdecken.
Müller's Arch. für Anat. u. Physiol. 1857. S. 415 (Ob die
im Monat März nicht selten gleichfalls bei Hydatinen beob-
achteten parasitischen Bildungen, deren Verf., a.a.O. S.410,
als „scharf contourirte kuglige Körper mit feinem Haarbesatze"
Erwähnung thut, vielleicht in den Entwicklungskreis dieser
Geschöpfe gehören?)
Ciliata. Cohn handelt über Keimung und Entwicklung
der Volvocinen (Bot. Ztg. 1857. S. 764) und beruft sich dabei
auf Beobachtungen über Stephanosphaera pluvialis, die seit-
dem in den Verhandl. der K. Leopold. Carol. Akademie Vol.
XXVI. F. 1 ausführlich veröffentlicht sind. Wir heben daraus
Folgendes hervor :
Es folgen bei Stephanosphaera immer mehrere Generationen
beweglicher Familien, bevor eine ruhende Generation eintritt. Diese
190 Leiickart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
entsteht, indem die einzelnen Triniordialzellen ihre flimmernden Fäden
verlieren und sich mit einer derben, dicht anliegenden Cellulosemem-
bran umgeben, so dass sie dann den gewöhnlichen Protococcuszellen
gleichen. In diesem Zustande der Ruhe sind die Zellen auch eines
bedeutenden Wachsthums fähig. Sind dieselben ausgewachsen, wobei
sich ihre grüne Farbe gewöhnlich in Roth umwandelt, so entwickeln
sie sich nicht weiter, es müsste denn sein, dass sie durch Verdun-
stung des umgebenden Wassers einem völligen Austrocknen unter-
lägen. Geschieht letzteres und werden die Zellen dann auf's Neue
mit Wasser Übergossen, so beginnt in ihnen nach wenigen Stunden
die Entwickelung beweglicher Generationen. Der Inhalt der ruhen-
den Zellen theilt sich nämlich successiv nach bestimmten Richtungen
in 2, 4, wohl auch in 8 Portionen, während die Membran sich auf-
löst. Die einzelnen Abtheilungen werden frei und bewegen sich mit
Hülfe von zwei Flimmerfäden , umgeben sich sodann mit einer zarten
Cellulosemembran und verwandeln sich durch Theilung des Inhalts
schliesslich in die bekannten achtzelligen Familien.
Stein giebt Abbildungen von Euglena viridis im freien
und eingekapselten Zustand, in letzterm auch mit Zwei- und
Yiertheilung. Carus, Icon. zoot. Tab. I. Fig. 11—16.
Rhizopoda*
Pick liefert (Verh. des zoolog. bot. Vereins in Wien
VII. S. 35—38) „einige Mittheilungen über die lebenden Rhi-
zopoden Wiens" und schildert dabei den seit Rösel nicht
wieder gesehenen Theilungsprocess von Amoeba diffluens,
der Verf. übrigens auch die A. princeps und A. verrucosa
Ehrbg.'s anreihen möchte.
L a c h m a n n und C 1 a p a r e d e beobachteten bei einem
zu den Rhizopoden gehörenden neuen Thiere, das als Parasit
auf Epistylis plicatilis lebt, Urnula Epistylidis^ dieselbe Keim-
bildung aus dem Kern, wie bei den echten Infusorien. L. c.
p. 233. Auch Theilung findet sich bei Urnula , aber dieser
Vorgang ist dadurch ausgezeichnet, dass sich das eine Theil-
stück dabei (was auch fürAcineta mystacina gilt) mit Wim-
perhaaren bedeckt. Ibid. p. 235 Note.
Carus theilt auf Tab, l seiner Icones zootomicae zwei
von Stein gezeichnete Abbildungen von Arcella vulgaris und
Difflugia oblonga mit (Fig. 57 u. 58). in beiden ist ein Kern,
bei ersterer sogar constant ein doppeller Kern mit zahlreichen
contractilen Blasen vorhanden.
der niedcien Tlueie wälirend fltM^ Jahres 1857. 191
Macdonald liefert auf zwei Tafeln die Abbildungen
der von ihm bei den Fet^ee-Inseln aus Grundproben (Tiefe
von 1020 und resp. 440 Faden) zusammengelesenen Polythala-
mien und beschreibt bei einigen lebend von ihm beobach-
teten Operculinen und Nummulinen einen förmlichen Stiel,
mittelst dessen Hülfe dieselben (wie schon früher einmal von
Clark behauptet ist, J. B. XXI. S. 106) bewegungslos auf
fremden Gegenständen befestigt seien. Der Stiel soll in man-
chen Fällen durch Farbe und Aussehen dem Stiele junger
Lepaden gleichen, öfters aber auch nur kurz und mit Kalk-
körnchen durchsetzt sein. Ann. and Mag. nat. bist. XX. p. 193.
An einer andern Stelle (Ibid. p. 266) bemerkt der-
selbe Verfasser, dass er niemals bei einer Polythalamie
die nach Aussen hervorgestreckten sg. Pseudopodien, noch
eine Ortsbewegung beobachtet habe, wogegen jedoch Gosse
(ibid. p. 365) mit Recht hervorhebt, dass bei der grössern Mehr-
zahl der betrefrenden Thiere die Existenz sowohl einer Orls-
bewegung wie auch der Pseudopodien nicht bezweifelt wer-
den könne.
Von Parker und R. Jones erhielten wir Beschrei-
bungen und Abbildungen zahlreicher norwegischer Polytha-
lamien, die, nach den Bestimmungen unserer Verff. , zum
Theil mit fossilen Formen identisch sind (Ann. and Mag. nat.
bist. T. XIX. p. 273—304. Tab. X u. XI). Die beschriebe-
nen Arten sind folgende :
Lageiia laevis Walk, und Mont. , Entosalenia globosa Mont. (in
4 Varietäten), Nodosaria laevigata dOrb., i\. coninmnis d'Orb., Poly-
morphina communis dÜrb., Spirillina vivipara Ehrbg. (= Corniispira
perforata Schnitze), Operculina complanata Basterot, Nonionina crassula
Mont, , N. communis d'Orb. , N. bulloides d'Orb., i\. asterisans Ficftite
u. 3Iol], TS', striato-punctata Fichte u. Moll, Polystomella crispa Linn.,
Cristellaria calcar Linn., Globigerina bulloides dOrb., Rosalina vesi-
cularis Lani., Truncatulina lobatula d'Orb., Anomalina coronata n.sp.,
Valvulina triangularis d'Orb., Bulimina marginata dOrb. , Uvigerina
pygniaea d'Orb., Textularia sagittula Sold.. Biloculina ringens Lam.,
Ouinqueloculina seminiihini Linn.. Trilocnlina (?) oblonga Mont., Pla-
copsilina canariensis d'Orb.
Ehrenberg entdeckt in mittelmeerischen , aus bedeu-
tender Tiefe aufgehobenen Grundproben 101 verschiedene
Polythalamienformen , von denen etwa die Hälfte neu ist,
192 L e u c k a r t : Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte etc.
einstweilen aber bloss dem Namen nach aufgeführt wird.
Monatsber. der Berl. Akad. 1857. S. 555.
Ebenso 36 verschiedene Polycystinen mit 12 Sp. n.
Ebendas. S. 559.
Auch die von B ai ley vorgenommenen mikroscopischen
Untersuchungen bestätigen das häufige , zum Theil selbst
massenhafte Vorkonsmen von Polythalamien und Polycystinen
in Grundproben. SiUiman's Journ. Art. and Sc. 1857. Vol.
XXIII. p. 153—157.
Macdonald untersucht den Darminhalt der Salpen
und findet darin eine Menge von Thier- und Pflanzengerüsten,
die sich nach den beigegebenen Abbildungen zum Theil auf
Polythalamien (Globigerina) und Polycystinen (Eucyrtidium,
Acanthometra u. s. w.) zurückführen lassen. Annais and Mag.
nat. bist. T. XX. p. 264. Tab. Vlll.
Grreg'Hrina.e*
Stein liefert in Carus, Icon. zoot. Tab. I. Fig. 1 — 4
vier Abbildungen von Didymophyes gigantea St., Monocystis
agilis St., Stylorhynchus oligacanthus v. Sieb., Didymophyes
paradoxa St.
Die von KöUiker an den Darm- und Lungengefässen
von Holothuria tubulosa aufgefundenen parasitischen Bildungen
(Ztschr. für wiss. Zool. IX. S. 138) sind nach Schnei der's
Untersuchungen Gregarinen mit zwei Kernen, die in beson-
deren Aussackungen der Gefässe liegen.
Bericht über die Avissensciiaftliciien liei-
stung^eii im Glebicte der Kiitoanolog^ie ii^äli-
rend des Jaiires lSd7.
Von
Dr. A* ^erstaecker ,
Privatdocenten an der Universität in Berlin.
Iiiseiiteu.
Die Entwickelungsgeschichte der Insekten mit vollkom-
mener Metamorphose bot während der verschiedenen Perio-
den des Eies , der Larve und Puppe nach den bisherigen
Erfahrungen mit wenigen Ausnahmen (Pupiparen) eine so
vollständige Uebereinstimmung und Gleichförmigkeit dar, dass
ein so paradoxer Vorgang, wie er von Fahre (Memoire
sur l'hypermetamorphose et les moeurs des Meloides , Anna-
les des Sciences naturelles, 4. ser. Vif. p. 299 — 365) in der
Entwickelung der Larven von Sitaris und Meloe beobachtet
und in äusserst scharfsinniger Weise erläutert worden ist, die
grösste Beachtung verdient. Zwar waren schon von New-
port in seiner Entwickelungsgeschichte des Meloe cicatri-
cosus (Transact. Linnean soc. Vol. XX) einige Andeutungen
über die hier obwaltenden Verhältnisse gegeben worden,
indem durch ihn festgestellt wurde , dass die junge Larve,
wie sie aus dem Ei schlüpfe, eine von der erwachsenen durch-
aus verschiedene Form darbiete; dagegen war einerseits der
Uebergang dieser ersten Form in die spätere , andererseits
die verschiedenen Metamorphosen, welche der letzteren vor-
behalten sind, völlig unbekannt geblieben. Fahre hat da-
gegen die ganze Entwickelungsgeschichte der Sitaris hume-
ralis vom Ei bis zum Ausschlüpfen des Insektes und in fast
ebenso erschöpfender Weise die von Meloe beobachtet und
dargestellt. Aus dem Ei der Sitaris humeralis schlüpft die
Archiv f. Naturgesch. XXIV. Jahrg. 2. Bd. N
194 Gerstae ck er : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
erste Form der Larve (larve primitive), ein kleines, schlan-
kes, horniges, mit sechs schlanken Beinen, langen, fadenför-
migen Fühlern und vier Ocellen versehenes Insekt , welches
der bekannten jungen Meloe - Larve (Pediculus apis Lin.)
gleicht. Dieselbe kriecht im Herbst aus, überwintert ohne
Nahrung zu sich zu nehmen , klammert sich im Frühjahre
an die Haare des Halsschildes der Männchen von Anthophora
pilipes fest , geht bei der Begattung dieser Biene auf den
Körper des Weibchens über , lässt sich von diesem in eine
seiner Zellen tragen und setzt sich in dem Augenblicke, wo
das Bienen-Weibchen die Zelle mit einem Ei belegt, auf die-
sem fest. Nachdem die Biene die Zelle verschlossen hat,
beisst sich die junge Larve in das Bienen-Ei ein, saugt sei-
nen Inhalt aus, schwimmt nach einiger Zeit auf der dem Honig
aufliegenden Eihaut und verwandelt sich sodann nach Ber-
stung ihrer hornigen Körperbedeckung in eine weiche, plumpe
Made, welche eine von der ersten ganz verschiedene Körperform
zeigt; die Fühler und Fusspaare sind ganz kurz, stummel-
artig, die Augen fehlen. Während '^der ersten Larve jede
Berührung mit dem in der ßienenzelle angesammelten Honig
tödtlich ist, nährt sich die jetzt entstandene einzig und allein
von demselben und erreicht durch Aufnahme desselben in
ihren Körper ihr vollendetes Wachsthum; Fahre nennt diese
Entwickelungsstufe „seconde larve." Nach kurzer Zeit hebt
sich von dieser Larve die sehr dünne Körperhaut , ohne
jedoch zu bersten , ab und in ihrem Innern zeigt sich eine
hornige, puppenartige Form, welche mit der vorhergehenden
Larve zwar Aehnlichkeit hat, sich aber dadurch unterschei-
det, dass an der Stelle der drei Fusspaare nur warzenartige
Erhöhungen , an der des Kopfes nur ein kleiner , kugliger
Wulst übrig bleibt : diese Form (pseudo-chrysalide) ist voll-
kommen unbeweglich. Auch die Hülle dieser Enlwickelungs-
form hebt sich von ihrem Inhalte als hornige Kapsel ab und
umschliesst nunmehr abermals eine Larve (troisieme larve)^
welche der „seconde larve" fast in jeder Beziehung , mit
Ausnahme der abgeflachten Bauchseite, ähnlich ist. Diese
letzte Form der Larve verwandelt sich in gewohnter Weise
in eine Puppe, welche den Coleopteren-Puppen ganz analog
ist und das vollkommene Insekt liefert.
im (iebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 195
Zur richtigen AiitFassung dieser sonderbaren Vorgänge ist zu-
vörderst eines Umstandes zu erwähnen, welcher schon in der vor-
jährigen Notiz des Verf. (vergl. Jahresbericht 1856. p. 12) von ihm
angedeutet, aber in irreleitender Weise aufgefasst worden ist; Fa-
hre fand nämlich die dritte Form der Larve bald mit dem Kopf-,
bald mit dem After-Ende gegen den Kopfpol der ..pseudo-chrysalide"
hin gewendet, was den Ref. verleitete, in ihr einen der zweiten
Larve fremden Organismus zu verniuthen. Dieses Räthsel hat sich nun
aber durch fernere Untersuchungen des Verf. dahin aufgelöst, dass bei
regelrechter Lage der „pseudo-chrysalide" in den Zellen der Antho-
phora eine solche verschiedenartige Einbettung der „troisieme larve"
niemals vorkommt, sondern dass sie nur durch Umdrehung der Larve
um ihre eigene Achse in solchen „pseudo - chrysalides" bewirkt
wurde , welche zur Beobachtung vom Verf. aus den Bienenzellen
herausgenommen und zufällig auf ihrem Kopfende zu stehen gekom-
men waren. Trotzdem bleibt aber die Verwandelung der ausgewach-
senen Larve in eine tonnenartige Puppe und die Bildung einer drit-
ten, der vorhergehenden ähnlichen Larve innerhalb dieser Puppe eine
so paradoxe Erscheinung , dass eine Erklärung aus der Analogie
gänzlich wegfallen muss, vielmehr nur aus den speziellen hier ob-
waltenden Verhältnissen vorgenommen werden kann. Zuerst glaubte
Fahre dabei an eine Metagenese, besonders durch die früher irrig
aufgefasste Lage der dritten Larve in der „pseudo-chrysalide" veran-
lasst; er wollte für die Dauer der Entwickelung vom Ei bis zum
ausgebildeten Insekte zwei Individualitäten annehmen, eine unge-
schlechtliche, welche mit der „ pseudo -chrysalide " abgeschlossen
wäre und eine darauf folgende geschlechtliche, die durch Keimung
innerhalb der Puppe entstände und durch die „troisieme larve" re-
präsentirt würde. Einer solchen Annahme widersprach jedoch die
Untersuchung der anatomischen Veihältnisse der „pseudo-chrysalide,"
welche sich in Betreff des Mangels von Geschlechtsorganen als ganz
übereinstimmend sowohl mit der zweiten als dritten Larvenform zu
erkennen gab. Es blieb daher nur übrig, die verschiedenen Ver-
wandlungen, welche die Meloiden-Larven durchmachen, mit den ge-
wöhnlichen Häutungen der Insekten-Larven in Vergleich zu bringen
und die sehr beträchtlichen Form -Verschiedenheiten der ersten und
zweiten Altersstufe als nothwendige Folge von den sehr heterogenen
äusseren Lebensbedingungen (auf dem Bienenkörper und nachher in
der mit Honig gefüllten Zelle) anzusehen ; freilich bleibt dabei der
Zweck der ,.pseudo - chrysalide" und der daraus entstehenden dritten
Larvenform unerklärt, denn man kann wohl nicht annehmen, dass so
wesentliche Veränderungen der K örp er b e d e c k u ng unbedingt
nothwendig seien, um so geringe Unterschiede in der Kör p er f o r m,
wie sie die zweite und dritte Larvenform darbieten, hervorzubringen.
]96 Gerstaecker: ßericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Wenn mau also auch die Häutung der zweiten Larvenforni und das
Abheben der Puppenhülle von der dritten als die Analoga der spä-
teren Häutungen bei den regulären Insekten - Larven ansehen wollte,
so könnte dies eben nur in betreff der Aufeinanderfolge, aber nicht
in Rücksicht auf den dadiirr^h erzielten Zweck geschehen, da das bei
der regulären Larven- Häutung zu Grunde liegende Wachsthuni im
gegenwärtigen Falle maugelt. Bei Meloe , deren Entwickelungsge-
schichte von Fahre (a. a. 0. p. 344) ebenfalls in den Hauptstadien
genau verfolgt worden ist , zeigen sich übrigens die bei Sitaris be-
obachteten Erscheinungen schon etwas modificirt, indem hier sowohl
die Larvenhaut der „deuxieme larve'' beim Uebergange zu der „pseu-
do-chrysalide," als auch die Kapsel der letzteren bei dem Erscheinen
der eigentlichen Käferpuppe bersten und ihren neu gebildeten Inhalt
zum grossen Theile frei hervortreten lassen. Zu bemerken ist hierbei,
dass das, was Newport die Pseudolarve von Meloe nennt, die
Pseudo - chrysalide F a b r e's ist, während ersterer die eigentliche
(zweite) Larve gar nicht gekannt hat; die „troisieme larve" von
Meloe ist keinem von beiden Autoren bekannt geworden, doch hat
Fahre aus ihrer der Puppe noch ansitzenden Haut erkennen können,
dass sie wie bei Sitaris der zweiten Form im Wesentlichen ähnlich
ist. (Näheres über die Meloe-Larven siehe unter Vesicantia.) — Die
verschiedenen Entwickelungsstufen der Sitaris- und Meloe-Larven
sind auf der die Fabre'sche Abhandlung begleitenden pl. 17. fig. 2 — 9
abgebildet.
Dass die v. Siebold'sche Arbeit über Parthenogenesis
bei den Insekten das Interesse der Forscher in hohem Grade
in Anspruch nehmen würde , Hess sich bei der Wichtig^keit
des Gegenstandes von vorn herein erwarten; wie sehr die-
selbe die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat,
ergiebt sich nicht nur aus den zaiilreichen Auszügen, welche
das Werk in allen wissenschaftlichen Journalen des Auslan-
des erfahren hat, und aus einer llebersetzung ins Englische
„On a true Parthenogenesis in moths and bees, a contribution
to the history of reproduction in animals, by C. v. Sie-
bold, translated by W. S. Dallas." (London, van Voorst
1857. 8) , sondern auch aus dem Umstände, dass von ver-
schiedenen Seiten Mittheilungen über ähnliche Fälle unge-
schlechtlicher Fortpflanzung oder über Insekten , wo eine
solche zu vermuthen steht, gemacht worden sind. Von ver-
schiedenen Mitgliedern der Entomological society in London
wurden z. B. mehrere Lepidopteren , wie Lasiocampa quer-
cus, Orgyia antiqua , Psyche fusca , Fumea nitidella, Arctia
im Gebiete der Entomologie wählend des Jahres 1857. 197
Caja, Liparis dispar als solche bezeichnet, bei denen man
aus unbefruchteten Eiern sich Raupen entwickeln sah (Pro-
ceed. entom. soc. IV. p. 37) und Hau da y nahm Gelegen-
heit, in der Natural history review (Vol. IV. Proceed. of soc.
p. 166 ff.) auf die eigenthümliche Bildung der weiblichen
Geschlechtsorgane bei der Diapriden -Gattung Labolips, von
der ihm überdies nur weibliche Individuen bekannt gewor-
den sind, als solche hinzuweisen , welche eine Fortpflanzung
auf ungeschlechtlichem Wege mit Wahrscheinlichkeit vermu-
then lasse. Die Eierstöcke zeigen nämlich bei dieser Gal-
tung eine eigenthümliche sphärische Form , enthalten eine
grosse Anzahl mit einem Kern versehener , gleich grosser
Bläschen (Eier?), welche ihrer Oberfläche ein körniges An-
sehn verleihen und ein 'Receptaculum seminis wird an dem
gemeinschaftlichen Ausführungsgang vermisst.
Als Beitrag zur Parthenogenesis der Psychiden mag auch
noch ein Aufsatz von Milliere „Creation d'un genre nou-
veau Apterona et histoire des Insectes , qui le composent"
(Annales de la soc. Linneenne de Lyon IV. 1857. p. 181 ff.)
erwähnt werden , der , wenn er auch sonst sich keineswegs
dem Standpunkte der Wissenschaft in dieser Frage anpasst,
doch eine interessante Beobachtung enthält, nämlich die,
dass Psyche helicinella, von welcher der Verf. ebenfalls nur
W^eiber gekannt und diese in der Regel zahlreiche Eier hat
ablegen gesehen, ausnahmsweise auch lebendige Larven ge-
bären kann.
Von zahlreichen Puppen -Gespinnsten der genannten und einer
zweiten Art (Apterona pinastrella Mill.) , die behufs genauer Beob-
achtung in einzelne Glasbehälter vertheilt woiden waren , blieben
einige zurück, ohne dass das Weibchen daraus hervorkam ; die Ge-
spinnste wurden aufgeschnitten, darin das entwickelte Weibchen vor-
gefunden und bei der Sektion desselben zahlreiche lebende Larven
in seinem Abdomen angetroffen. — Wenn der Verf. aus seinen Be-
obachtungen, die mit den seit längerer Zeit bekannten über das Ab-
legen unbefiuchteter , ^aber entwickelungsfähiger Eier bei den Psy-
chiden genau übereinkommen, den Schluss ziehen will, dass hier ein
Hermaphroditismus vorliege , so braucht auf das Unzureichende
dieser Folgerung nach der über die sexuellen Verhältnisse der I^sy-
chiden durch wissenschaftliche^Untersiichungen festgestellten Thatsachen
nicht weiter hingewiesen zu werden ; wie bei vielen anderen Arten
198 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
wird wahrscheinlich auch Lei Psyche helicinella das Männchen einen
sehr verschicdengeforniten Sack haben und daher der Beobachtung
bisher entgangen sein. In sofern ist auch natürlich die Begründung
einer eigenen Gattung auf drei Psyche -Arten, die der Verf. für her-
niaphroditisch oder nur in einem Geschlechte existirend ansieht, durch-
aus unbegründet.
Als Beitrag zur Foriptlanzungsgeschiche der Blattläuse
erwähnte C. von Heyden (Entomol. Zeitung p. 83 f.) eine
interessante Beobachtung, die auf den ersten Bück die Ue-
berzeugung gewähren könnte, dass dasselbe Individuum,
welches eine Zeit lang als Amme lebendige Junge zur Welt
gebracht hat , im Herbste sich zum wirklichen Weibchen,
welches Eier legt , umwandeln kann. Der Verf. fand im
Oktober unter Eichenrinde eine 20 Individuen starke Colonie
von Lachnus quercus , sämmtlich Weibchen; eins derselben
gebar im Beisein des Beobachters ein kleines (ebenfalls un-
geflügeltes) Männchen, während die übrigen ein eben sol-
ches Männchen , mit dem sie in Begattung waren, auf dem
Rücken trugen; letztere legten während der Begattung Eier
ab , deren Enlwickelung aber nicht abgewartet wurde. Aus
dieser Beobachtung zieht v. Heyden den allerdings sehr
nahe liegenden Schluss, dass die Männchen, welche mit den
Weibchen in Begattung gefunden wurden, von diesen selbst
geboren worden seien, oder, was dasselbe ist, dass das von
dem einzelnen Weibchen geborene Männchen sich ohne Zwei-
fel später mit seiner eigenen Mutter begattet haben würde,
wie es die übrigen thaten.
So täuschend diese Beobachtung erscheinen mag und so sehr sie
für das Zusammenfallen des Ammengebärens und Eierlegens bei einem
und demselben Individuum sprechen könnte, ist sie doch keineswegs
geeignet, ein solches Faktum sicher hinzustellen; denn es fehlt die
direkte Beobachtung , dass das a om Weibchen geborene Männchen
sich mit ersterem begattet habe und ebenso , dass die mit den Weib-
chen in Begattung gefundenen Männchen von diesen geboren worden
seien. Vielmehr liegt die Vermuthung nahe, dass die in Copula be-
troüenen Individuen die geschlechtlich entwickelte Nachkommenschaft
einer Amme seien , und dass andererseits als Amme das Weibchen
anzusehen sei , welches unter den Augen des Beobachters das ein-
zelne Männchen gebar. Die äussere Uebereinstimmung im Körperbau
zwischen dem einzelnen Weibchen (der muthmasslichen Amme) und
den geschlechtlichen (in Copula getroffenen) Weibchen kommt hier
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 199
nicht weiter in Betracht, da beide nach Burnett (vergl. Jahresbe-
richt 1854. p. 1«)0) bei gewissen Blattläusen keine in die Augen fal-
lenden Unterschiede zeigen. Dass aber eine Blattlaus- Amme sich
mit der Zeit in ein eierlegendes Weibchen verwandle , ist nach den
von V. Siebold und Leydig nachgewiesenen Unterschieden in der
Bildung der Genitalapparate beider Formen nicht gut denkbar. Ref.
lieber die Copiilation verschiedener aber nahe ver-
wandter Insekten - Arten einer und derselben Gattung , wie
sie schon vielfach bekannt geworden ist, wurden auch in
diesem Jahre verschiedene Mittheilungen gemacht, und zwar
betreffen zwei derselben die fruchtbare Vermischung von
Smerinthus populi und ocellatus. In einem Falle (Th. Hagnc
in »The Entomologist^s weekly intelligencer for 1857," Vol. II.
p. 188 und 197) ergab die Zucht der daraus entsprungenen
Raupen eine Anzahl von Bastarden, welche die verschiedenen
Form - und Färbungsverhältnisse beider Arten in allen mög-
lichen Combinationen und Abstufungen zeigten, in dem an-
deren Falle, (Von A. de Roo van West m aas „Eene hy-
bride sort uit het genus Smerinthus« (Memoires d'entomolo-
gie, publies par la soc. entom. des Pays-ßas I. p. 154 ff.)
mitgetheilt, fand zwar nach der Begattung eines Männchens
von Smer. ocellatus mit einem Weibchen von Smer. populi
ebenfalls ein Ablegen von zahlreichen Eiern, so wie die Zucht
einer Anzahl von Raupen bis zur Verpuppung statt, indessen
kamen aus den Puppen, welche denen von Smer. populi gli-
chen, keine Schmetterlinge zum Vorschein; beim Oeffnen der-
selben fanden sich darin die Imagi.ies vollständig entwickelt
aber todt vor, stimmten übrigens dem Anscheine nach voll-
kommen mit der Mutter (Sm. populi) überein.
Eine Copulation, die zu den aussergewöhnlicheren ge-
hört, wurde zwischen einer Eule, Noctua vaccinii, und einem
Spanner, Hibernia progemmaria, beobachtet und im Bulletin
de la soc. entomol. V. p. XLI zur Sprache gebracht. Bei der
Trennung beider Arten blieb das männliche Begattungsorgan
im Abdomen des Weibchens zurück, ein Ablegen von Eiern
erfolgte nicht. — Diese Mittheilung gab (ebenda) zur Er-
wähnung ähnlicher Fälle Veranlassung: Bombyx dispar wurde
mit Pieris brassicae , ein Elater mit einem Telephorus,
Oliorhynchus unicolor mit Oreina senecionis in coitu an-
getroffen.
200 G e IS tae ck e r : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Eine gewiss seltene Zwitterbildung hat Ruthe (Ento-
mol. Zeitung p. 160) bei einem Braconiden, dem Blacus ma-
culipes Wcsm. beobachtet und Notizen darüber mitgetheilt;
das Thier ist nach der Bildung der Fühler, Flügel und des
Körpers auf der linken Seite männlich , auf der rechten
weiblich.
Eine andere Abnormität legte Smith (Proceed. of the
entomol. society IV. p.34) der Entomologischen Gesellschaft
zu London in einem Exemplar von Cybister limbatus vor,
welches einen Larven -Kopf hatte und mit diesem lebendig
bei Hongkong schwimmend gefangen wurde. Westwood
bemerkte hierzu, dass dieser Fall bei den Coleopteren bisher
nicht bekannt geworden sei, dagegen wäre von Schmetter-
lingen schon eine Nymphalis populi vorgekommen, welche
ebenfalls den Kopf einer Raupe gehabt hätte.
Y er sin hat seine im vorigen Jahresberichte p. 13 er-
wähnten Untersuchungen über die Funktionen des Nerven-
systems bei den Gliederlhieren weiter fortgesetzt und die
Resultate derselben jetzt in ausführlicherer Weise im Bulletin
de la societe Vaudoise des sciences naturelles No. 41 Cin^
Separat-Abdruck 23 pag. in 8.) mitgetheilt.
Der Verf. bringt die von ihm angestellten Versuche unter vier
Categorieen und beschreibt darunter die dabei erhaltenen Resultate:
1) Eine einzelne Durchschneidung beider Nervenstränge in gleicher
Höhe und zwar a) eine einzelne Durchschneidung, wodurch die Gang-
lienkette nur in zwei Theile getrennt wird (hierunter «) Durchschnei-
dung ZAvischen dem Ganglion supra- und suboesophageum , ß) zwi-
schen dem zweiten Kopf- und dem ersten Thoraxganglion, y) zwi-
schen den Ganglien des Thorax oder denen des Hinterleibs). — b)
Zwei Schnitte durch beide Stränge auf einmal, um ein Ganglion voll-
ständig von der übrigen Kette zu isoliren (das letzte Hinterleibs-
ganglion, das Ganglion suboesophageum, die Thoraxganglien werden
isolirt). — c) Durchschneidungen der beiden Stränge in der Art,
dass zwei oder mehrere Ganglien zugleich von der übrigen Kette
isolirt werden. 2) Verletzung der Kopfganglien. 3) Durchschneidung
eines einzelnen Stranges an einer einzigen Stelle der Ganglienkette
(zwischen den Kopfganglien, zwischen Kopf und Thorax, zwischen
Pro- und Mesothorax , zwischen Meso - und Metathorax, zwischen
Metathorax und Hinterleib). 4) Vereinigungen von Schnitten durch
einen einzelnen und durch beide Stränge , in verschiedener Weise
angestellt.
im Gebiete Her Entomologie während des Jahres 1857. 201
Auch Faivre legte der Akademie der Wissenschaften
zu Paris (Comptes rendus, 6. Avril 1857, Rev. et Magas. de
Zoologie IX. p. 185) eine Notiz über das Gehirn der Dyti-
scen , in Bezug auf die Ortsbewegung betrachtet , vor. Die
Ganglia supra- und suboesophagea und die sie verbindenden
Stränge repräsentiren nach ihm das Gehirn und üben einen
deutlichen Einfluss auf die Ortsbewegung aus ; der über dem
Oesophagus liegende Theil des Gehirns soll der Sitz des Wil-
lens und der ßestimmung der Bewegungen sein , der unter
demselben liegende der Sitz der erregenden Ursache und der
coordinirenden Kraft.
Ein vortreffliches Handbuch der vergleichenden Physiologie
und Anatomie des Menschen und der Thiere hat Mi Ine Ed-
wards unter dem Titel: „Legons sur la physiologie et l'anato-
mie comparee de Thomme et des animaux" (Paris, Masson 1857.
8.) begonnen. Dasselbe hat zum Zweck, den gegenwärtigen Um-
fang unserer Kenntnisse auf diesem Gebiete, welches dem Verf.
selbst zahlreiche und wichtige Beiträge zu verdanken hat, hin-
zustellen und erfüllt denselben in der vollständigsten und ein-
gehendsten Weise. Wie sich aus den bis jetzt vorliegenden
Abschnitten des Werkes, von dem im J. 1857 der erste und
zweite, im J. 1858 der dritte Theil erschienen ist, ersehen lässt,
ist dasselbe auf eine grössere Anzahl von Bänden berechnet,
als man gewöhnlich an Handbüchern gewohnt ist. Was die
Hauptanlage desselben betrifft, ,so geht der Verf. von den
einzelnen physiologischen und anatomischen Organsystemen,
also dem der Cirkulation, Respiration u. s. w. als den Haupt-
abschnitten aus und handelt unter diesen jedesmal nach den
allgemeinen Eigenschaften und Funktionen diejenigen der
einzelnen Thierklassen und Gruppen ab. Dass unter letzte-
ren gerade den Artikulaten eine besondere Aufmerksamkeit
geschenkt ist , braucht bei den bekannten Forschungen des
Verf. im Bereiche der Crustaceen kaum erwähnt zu werden
und es sind die den Artikulaten gewidmeten Abschnitte des
Werkes für den wissenschaftlichen Entomologen von ebenso
grosser Wichtigkeit , wie das Ganze dem Zoologen unent-
behrlich ist. - Der erste Band handelt von der histologi-
schen und chemischen Zusammensetzung des Blutes, seiner
quantitativen Analyse und der Blutmenge im Körper, ferner
202 (iersta ecker : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
vom Processe der Respiration und den dazu dienenden Or-
ganen im Allgemeinen; der zweite Band geht auf die Art
der Respiration bei den einzelnen Thierklassen und die Struk-
tur der Athmungswerkzeuge derselben ein und zwar ist in
demselben die 11. und 12. Vorlesung (p. 116—198) den
Crustaceen, Arachniden, Insekten und Myriapoden gewidmet;
der dritte endlich beschäftigt sich mit der Circulation des
Blutes, zuerst im Allgemeinen, dann bei den einzelnen Thier-
klassen und hier ist es die 23. und 24. Vorlesung (p. 178 —
232), welche auf den Kreislauf der Arthropoden eingeht.
Die von V. Carus in Verbindung mit anderen nam-
haften Zootomen herausgegebenen icones zootomicae enthal-
ten in ihrem ersten , den wirbellosen Thieren gewidmeten
Theile (Leipzig, Engelmann 1857. fol , 23 tab.) zahlreiche
Erläuterungen des inneren und äusseren Baues der Arthro-
poden auf Taf. X— XVI. Für die Crustaceen sind 2, für die
Myriapoden und Arachniden ebenfalls 2 , für die Hexapoden
3 Tafeln verwandt; die Abbildungen sind zum grösstenTheil
den besten Spezial- Arbeiten früherer Autoren entlehnt und
mit Einsicht ausgewählt, eine kleinere Anzahl ist jedoch auch
nach Originalzeichnungen von Stein angefertigt. Zu letz-
teren gehören u. a. die Mundtheiie der Myriapoden und Co-
leopteren und ganz besonders die Darstellung der Genital-
apparate beider Geschlechter von Insekten der verschieden-
sten Ordnungen, letztere gleichsam als Supplement zu der
bekannten Arbeit des Verf. über die weiblichen Genitalien
der Käfer. — im Verhältnisse zu anderen Systemen scheint
dem Ref. die Darstellung des Hautskelettes der Insekten, be-
sonders aber des Thorax und der Mundtheiie der saugenden
Insekten etwas gar zu dürftig ausgefallen zu sein; für letz-
tere wären genau angefertigte Abbildungen um so zweck-
mässiger gewesen , als deren in fast allen Lehrbüchern ein
grosser Mangel ist und besonders erscheint die Copie von
so wenig instruktiven und noch dazu unrichtigen, wie z. B.
die Newport'sche von Eristalis (Tab. XIV. fig. 40) ist, un-
zweckmässig. — Die Ausstattung des Werkes und die Aus-
führung der Tafeln sind in jeder Beziehung vortrefflich und
sorgsam.
Durch F. Leydig's „Lehrbuch der Histologie desMen-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 203
sehen und der Thiere^^ (Frankfurt a. M. , Meidinger 1857.
gr. 8., 551 pag. mit zahlreichen in den Text eingedruckten
Holzschnitten) ist eine der wesentlichsten Lücken in der wis-
senschaftlichen Zoologie, die in dem Mangel einer übersicht-
lich abgefassten Darstellung der vergleichenden Gewebelehre
bestand , in ausgezeichneter Weise beseitigt worden , indem
anerkannter Maassen wohl Niemand zu einem solchen Unter-
nehmen in gleicher Weise befähigt war, wie der durch seine
zahlreichen in dieses Feld einschlagenden Arbeilen bewährte
Verfasser. Was das Werk besonders werthvoU macht und
wodurch es sich von zahlreichen Handbüchern über ver-
wandten Zweige der Wissenschaft unterscheidet, ist, dass der
Verf. sich nicht auf die Beobachtungen früherer Autoren
stützt, sondern fast durchweg seine eigenen Untersuchungen
vorlegt und zwar neben denjenigen , die schon in speziellen
Abhandlungen von ihm bekannt gemacht worden sind, auch
sehr zahlreiche , zur Herausgabe des vorliegenden Werkes
eigens angestellte neue. Das Buch zerfällt in einen allge-
meinen und einen speziellen Theil, von denen der erstere sich
mit der Untersuchung der Zelle und der Gewebe im Allge-
meinen beschäftigt , der letztere auf die einzelnen Organe
und Organsysteme eingeht und deren histologische Zusam-
mensetzung bei den verschiedenen Thierklassen darstellt.
Als besonders zweckmässig ist die Einrichtung zu rühmen,
dass die Darstellung des Gegenstandes nirgends durch An-
merkungen und Citate unterbrochen wird, diese vielmehr an
das Ende eines jeden Abschnittes verwiesen sind, wo sie
sich gleich durch abweichenden Schriftsatz kenntlich ma-
chen ; überhaupt ist die Ausstattung des Werkes und beson-
ders die Erläuterung des Dargestellten durch zahlreiche, vor-
trefflich ausgeführte Holzschnitte nur zu rühmen. — Natür-
lich muss Ref. darauf verzichten ;, die zahlreichen Beobach-
tungen des Verf. im Bereiche der Arthropoden hier vollstän-
dig anzuführen , kann sich indessen nicht versagen , auf
einzelne besonders interessante Einzelnheiten , die ihm bei
Durchsicht des Werkes auiüelen , in Kurzem hinzuweisen.
Zu diesen gehören z. ß. die Untersuchungen Leydig's über
die sogenannten „Rektaldrüsen" im Mastdarme der Insekten (p. 337 ff.),
welche er an einer Reihe von Insekten verschiedener Ordnungen an-
204 Gers tae cke r : Bericht ühvv die wissenschaftlichen Leistungen
gestellt hat; der Verf. hält dieselben nicht für Drüsen, sondern für
eigenthümlich gebildete I'apillen und Falten des Darms , indem sie
sich mit Bestimmtheit als Einstülpungen des Darmrohrs nach innen
herausstellen. Besonders in den Fällen, wo sie, wie bei Gryllus,
Locusta u. a. , länglich gestaltet sind , lässt sich ihre Analogie mit
den auch sonst vorkommenden Längsfalten des Dickdarmes erkennen;
dagegen spricht gegen ihre Drüsennatur nicht nur der Mangel einer
OefFnung auf ihrer Oberfläche , sondern auch das Faktum , dass sie
durch Einstülpung der Darmwand hervorgebracht sind , was bei Drü-
sen nie der Fall ist, — endlich auch die Anwesenheit eines im Hohl-
räume der Einstülpung gelegenen Zapfens, der nur aus Bindesubstanz
und einem dichten Tracheen-lXetze besteht. Einen besonders glücklichen
Wurf für die Aufklärung der Natur jener Bektalgebilde hat der Verf.
aber jedenfalls durch die Untersuchung ihrer Struktur bei Phryganea
gemacht, indem dieselben hier eine Art Uebergang zu den Mastdarm-
Kiemen der Libellenlarven erkennen lassen; sie sind nämlich von
bedeutendem Umfange und länglicher Gestalt, zeigen regelmässig ge-
stellte häutige Septen, die von beiden Seiten her in das Innere her-
vorspringen und zum Tragen von Tracheenausbreitungen dienen. Es
ist daher, wie dies schon die Analogie der Lage und oft auch der
Form muthmassen lässt, sehr wahrscheinlich, dass die sogenannten
Kektaldrüsen mit der Bespiration durch die Darmfläche in naher Be-
ziehung stehen. — Die bisherigen Angaben über die Zusammenset-
zung der Tracheen aus einer äusseren Peritonealhülle , einer inneren
Schleimhaut und dem zwischen beiden liegenden Spiralfaden weist L.
als unrichtig nach; es existiren nur zwei Häute, eine äussere, die
durch das Verwachsen derselben Zellen , welche den Fettkörper bil-
den, entstanden ist und einer inneren, einer homogenen Chitinhaut,
die den Spiralfaden ihrerseits erzeugt, so dass er nicht als selbststän-
diges Gebilde zu betrachten ist; diese Chitinhaut ist irriger Weise
als eine aus Pflasterepithelium bestehende Schleimhaut angesehen und
die auf ihr zuweilen voikommenden Stachelborsten , welche wie die
Spirale nur Auswüchse und Verdickungen der Chitinhaut sind , sogar
als Flimmer-Organe angesprochen worden. Wenn bei den Arachni-
den-Tracheen der Spiralfaden, bisher geleugnet worden ist, so existirt
doch wenigstens ein Analogen desselben darin, dass die Chitinmem-
bran innerhalb ringförmig vorspringende Leisten bildet, zwischen
denen sich abermals feine Plättchen erheben, (p. 386 ff.) — Von ganz
besonderer Wichtigkeit scheint mir in Bücksicht auf die divergiren-
den Ansichten, welche noch immer über die Natur der Vasa Malpighi
obwalten , die Entdeckung des Verf. zu sein , dass unter denselben
zwei heterogene Elemente vorkommen, von denen die einen als Harn-
gefässe, die anderen als Gallengefässe anzusehen sind (P- 472). Er-
stere sind weisslich , bei Gryllotalpa in Minderzahl vorhanden , und
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 205
lassen in ihrem Lumen ziemlich grosse Concretionen erkennen, die ge-
gen die 3Iündung hin an Umfang zunehmen; letztere sind gelblich,
bei Gryllotalpa an Zahl sehr überwiegend, bei Melolontha gefiedert mit
gabiigen Seitenästen, ihre Sekretionszellen schliessen einen gelbkör-
nigen Inhalt ein, es fehlt jede Spur von Concretionen im Lumen. Bei
der Raupe einer Gastropacha hat Verf. die beiderlei Canüle in Con-
tinuität mit einander gesehen , bei Carabus überhaupt nur eine Art
Malpighi'scher Gefässe beobachtet, in denen jedoch ganz deutlich zwei-
erlei Sekrete, ein röthlich braunes und ein aus schwarzen Körnchen
bestehendes, zu erkennen waren.
lieber die Leuchtorgane der Lampyriden machte K Ol-
li ker (Monatsberichte der Akad. der Wissensch. zu Berlin
p. 392) die Bemerkung , dass sich Nerven in dieselben er-
strecken und dass das Leuchten derselben ganz unter dem
Einflüsse des Willens und des Nervensystems stehe; alle
Nervenreize brächten nämlich helles Leuchten zu Wege,
Narcotica dagegen machten es verschwinden. Es sei also
kein Leuchtstoff vorhanden, der chemisch das Leuchten erzeuge.
Die Leuchtorgane sind nach K. zartwandige Kapseln , welche
mit polygonalen Zellen ausgefüllt sind, von denen die einen, welche
leuchten, durchsichtig, blass und mit feiner Molekulaimasse ange-
füllt, die anderen mit weissen Körnchen vollgepfropft erscheinen;
zwischen ihnen verästeln sich zahlreiche Tracheen. Der Fettkörper
der Lampyriden leuchtet nicht und die in demselben beschriebenen
Leuchtkörner (Leydig) sind nicht Phosphor, sondern harnsaures
Ammoniak.
H i c k s hat in den Halteren der Dipteren ein eigenthümli-
ches Organ aufgefunden, von dem er vermuthet, dass es dem
Geruchssinne als Substrat diene. („On a new organ in Insects«
by John Braxton Hicks, Journ. of the Procedings of the
Linnean society, ZoologyL p. 136 ff. pl. 5.) Bei Rhingia ro-
strata beobachtete der Verf. zuerst an der Basis der Halte-
ren jederseits ein an einer Erhabenheit liegendes längliches
Organ, welches aus etwa zwanzig Reihen kleiner Bläschen,
die nur durch geringe Zwischenräume und feine Borstenhaare
getrennt waren, bestand; die Bläschen -Reihen verlaufen in
querer Richtung gegen die Längsaxe der Halteren, die Bläs-
chen selbst sind durchsichtig, häutig und die zwischen ihnen
stehenden Häärchen so angeordnet, dass je zwei einem der
Bläschen entsprechen. Eine gleiche oder nahe übereinstim-
mende Bildung zeigte sich an den Halteren anderer Dipteren
206 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
der verschiedensten Familien ; ähnliche Bläschen , obwohl
nicht in derselben Weise angeordnet, sondern viel verein-
zelter zeigten sich ferner in den Vordeiflügeln der Dipte-
ren, nahe der Basis der Subcostal-Vene und ebenso an der
Basis der Flügel bei den übrigen Insekten - Ordnungen, be-
sonders deutlich bei Bombyciden und Noctuen. Auf der
beifolgenden Tafel sind die bezeichneten Bildungen, wie sie
sich bei verschiedenen Dipteren und anderen Insekten gezeigt
haben, stark vergrössert dargestellt.
Was die von Hicks aufgefundenen Organe selbst betrifft, so
lassen sie sich z. B. bei Rhingia canipestris, welche Ref. darauf zu
untersuchen {Gelegenheit nahm, an der Basis der Halteren sehr deutlich
und leicht erkennen ; sie liegen übrigens nicht, wie aus der H. 'sehen
Beschreibung hervorzugehen scheint, frei auf der Oberflache der Hal-
teren, sondern von der Lederhaut derselben bedeckt und dieser schei-
nen auch die oben erwähnten Borstenhaare anzugehören , welche bei
Zerreissisng der Haut an den freigelegten Bläschen - Reihen nicht zu
bemerken sind. Dass die an der Basis der Yordcrflügel von Rhingia
sichtbaren Bläschen mit denen der Halteren - Organe irgend welche
Analogie erkennen Hessen . glaubt Ref. bestreiten zu müssen ; weder
ihre Form noch ganz besonders ihre Anordnung bieten nur die ge-
ringste Aehnlichkeit mit jenen dar. — Für die Annahme, jene Bläs-
ehengruppen der Halteren seien Geruchsorgane, bringt der Verf. wohl
nicht einen einzigen genügenden Grund vor: sein Schluss , dass der
aus dem Thoraxganglion zu den Halteren verlaufende starke Nerv ein
sensitivei- und kein motorischer sein könne, da die Halteren keine
Muskeln besässen , ist gewiss nicht zutreffend, denn wie sollten die
Halteren ohne Muskeln ihre äusserst schnellen Schwingungen ausfüh-
ren können. Dass der Halteren-INerv zu dem beschriebenen Organe
in irgend welcher Beziehung stehe , ist nicht nachgewiesen und es
ist eine solche auch nicht in die Augen fallend. Dass die Halteren
bei ihren lebhaften Bewegungen sehr geeignet für die Aufnahme von
Gerüchen seien, mag wohl ziigegeben werden können; es würden
indessen dann eigenlhümliche Bildungen auf der Oberfläche des
Schwingerkolbens , von welchen der Verf. nichts erwähnt , die aber
bei Rhingia canipestris sehr deutlich wahzunehmen sind, sowohl ihrer
Struktur als Lage nach sich weit eher als Geruchsorgane anpreisen
lassen. Es zeigen sich nämlich auf den Kolben der Halteren in
ziemlich weiten Zwischenräumen grosse Poren, die von einem erha-
benen, hornigen Ringe eingefasst sind, an dessen Aussenrand jedes-
mal eine starke, dornähnliche Borste entspringt. Ref.
Weitere Beobachtungen über diesen Gegenstand hat
derselbe Verf. in den Transactions of the Linnean society of
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 207
London, Vol. XXII. pt. 2. p. 14 1 ff. c. tab. 17. 18- („Further
remarks on the organs foiind on the bases of the halteres
and wings of Insects," by J. B. Hicks) mitgetheilt. Er geht
hier nur auf die Bläschen an der Basis der Flügel verschie-
dener Insekten (Strangalia , Melolontha , Carabus, Ophion,
Tenthredo) ein , welche er stark vergrössert darstellt und
durch einen Nerv mit feinen Aestchen versehen lässt. Die
Flügel sind mit Terpentinspiritus und Canada-Balsam behan-
delt, wodurch die Verästelungen des Nerven an die bewuss-
ten Bläschen deutlich hervortreten sollen.
Auch an den Fühlern der Insekten will Hicks eine
angeblich neue Struktur aufgefunden haben. („On a new
structure in the antennae of Insects ," Transact. Linn. soc.
of London XXII. pt. 2. p. 147 ff. c. tab. 29, 30.) Er beschreibt
an einer Reihe von Insekten verschiedener Ordnungen die
schon vor zehn Jahren von Erichson (de fabrica et usu
antennarum) nachgewiesenen, von einem Ringe eingefassten
und mit einer zarten Membran bedeckten Poren an den End-
gliedern der Insektenfühler , will aber ausserdem gefunden
haben , dass sich im Innern des Fühlers an jede solche
Pore ein rückwärts erweiterter Sack anschliesst, an den der
Fühlernerv jedesmal ein Aestchen abgiebt, und der mit Flüs-
sigkeit angefüllt ist. Der Verf. muthmasst in diesen Organen
ein Analogon der Gehörwerkzeuge der Crustaceen und glaubt
ihnen daher vorläufig ebenfalls die Function des Hörens zu-
sprechen zu können. Von Interesse sind die Abbildungen,
die der Verf. von diesen angeblichen Gehörwerkzeugen bei
einer grösseren Anzahl verschiedener Insekten giebt^, und
besonders ist auch die Mannichfaltigkeit^ welche nach seinen
Zeichnungen die Form der hinter den Poren liegenden Säck-
chen darbietet, bemerkenswerth; überhaupt würden seine
Beobachtungen die früheren von Erichson in mehrfacher
Beziehung vervollständigen.
M u r r a y gab in einer Abhandlung „On Insect-visipn and
blind Insects" (Edinburgh new philosoph. Journal, new ser. VI.
p. 120 — 138) eine durch in den Text eingedruckte Holz-
schnitte erläuterte Darstellung der verschiedenen Modifikatio-
nen des Insekten - Auges nach den Beobachtungen früherer
Autoren und ging dabei zugleich auf die in den unterirdi-
208 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
sehen Höhlen lebenden augenlosen Insekten ein , von denen
er eine (übrigens unvollständige) Aufzählung liefert. Um fest-
zustellen, ob nicht bei diesen augenlosen Thieren diejenigen
Stellen des Kopfes, w^elche sonst die Augen einnehmen, eine
Struktur zeigten, welche auf die Möglichkeit einer Lichtem-
pfindung hinwiesen, hat der Verf. vorzugsweise die Chitin-
bedeckung der Kopfseiten und des Thorax von Anophthalmus
untersucht und ihre Struktur im Holzschnitte dargestellt. Die
hexagonalen Zellen erscheinen auf dem Thorax und der Mitte
des Kopfes sehr in die Quere gezogen, je näher aber dem
Centrum der Augenwülste , desto mehr nehmen sie die re-
gelmässige , hexagonale Form der Cornea-Facetten an ; ob
dies nur von der stärkeren Wölbung der Augenwülste ab-
hängt, oder auf ein atrophirtes Gesichtsorgan hindeutet, bleibt
dahingestellt. Die inneren Theile des Kopfes konnten nicht un-
tersucht werden, da dem Verf. nur ein ausgetrocknetes Ex-
emplar zur Untersuchung vorlag.
Ein Artikel von L u b b o c k „How Insects breathe« (En-
tomologist's Annual for 1857. p. 135-153) liefert eine kurz
gefasste Darstellung der verschiedenen Respirations-Modi bei
den Insekten und der ihnen zu Grunde liegenden Organe,
wie sie durch die bisherigen Untersuchungen bekannt ge-
worden sind; Neues ist darin nicht enthalten.
Dasselbe ist mit einem Aufsatze von Westwood
„Notes on the wingveins of Insects" (Transact. of the ento-
niol. soc. 111. p. 225 ff.) der Fall, dessen Zweck nur ist, die
von Newman vertretenen Ansichten über die Bedeutung
und das Wesen der Flügeladern der Insekten zu widerlegen.
Mikroskopische Untersuchungen über die Struktur der
Insektenhaut hat Maslowsky im Bulletin de la soc. imp.
des naturalistes de Moscou 1857. III. p. 161— 173. Tab. IV
veröffentlicht; dieselben enthalten ergänzende Beobachtungen
zu den früheren Arbeiten von Meyer, Leuckart,Ley-
d i g u. a. über denselben Gegenstand und betreffen die ver-
schiedenen Schichten der Insektenhaut (Epidermis, Cutis,
innerste Schicht) nebst ihren Anhängen (Haare, Schuppen).
In der Struktur der Epidermis hat der Verf. zehn verschiedene
Modifikationen angetroffen, die übrigens zum Theil mit einander sehr
nahe verwandt sind und sich unter folgende Categorieen bringen
im Gebiete der Entomologie Avährend des Jahres 1857. 209
lassen: a) Die Epidermis besteht aus einer Schicht platter, aneinan-
derliegender, polygonaler Zellen, in denen entweder undeutliche Kerne
vorhanden sind , oder in denen solche fehlen. (Ko, 1 u. 2 des Verf.)
b) Die Zellen der Epidermis liegen nicht aneinander, sondern in Reihen
dachziegelartig übereinander und sind entweder von einander getrennt
(No. 3, 6, 7 des Verf.) oder fliessen zu Längsreihen zusammen (No. 4,
5 u. 8). c) Die Epidermis erscheint amorph , ist jedoch in diesem
Falle noch zuAveilen mit hei vorragenden Papillen besetzt (]\o. 9 u. 10
des Verf.). Diese verschiedenen Modifikationen der Epidermis bilden
allmählige Uebergänge an demselben Insekte und zeigen daher, dass
die Überhaut im Allgemeinen aus Zellen entsteht; für die Mehrzahl
der Fälle nimmt der Verf. an , dass dieselbe chilinisirtes Epithelium
sei, wogegen sie nur seifen als Cuticula , d. h. als ein Produkt der
unter ihr liegenden Hautschicht, anzusehen ist. — Dei der Cutis er-
örtert der Verf. die verschiedenen Modifikationen, welche sich in der
gegenseitigen Lagerung der sie zusammensetzenden Schichten und fer-
ner in der Lagerung der diese Schichten bildenden Prismen kund-
geben und stellt die merkwürdigsten dieser Bildungen auf Taf. IV.
Fig. 9 — 14 dar. An den oberen Schichten der Cutis von Cleonus
kreuzen sich die Prismen, welche je in Mehrzahl zu Bändern ver-
einigt sind, in den verschiedenartigsten Richtungen; nicht selten
liegen die Schichten nicht dicht aneinander, sondern lassen zwischen
sich Höhlungen frei, in welchen oft hohle Körper, die ans mehreren
concentrischen Schichten zusammengesetzt sind, liegen (Fig. 12, INepa).
Die Canäle , welche die Cutis durchsetzen, öffnen sich auf den Flü-
geldecken nur an ihrer obeien Flache, erreichen auch zuweilen (Le-
thrus) nicht ihre Aussenfläche ; bei Anwesenheit von Haaren öffnen
sich die Canäle nicht immer an deren Basis. Auch über die Anheftung
der Haare und Schuppen macht der Verf. einige Bemerkungen.
Sehr interessante Beobachtungen über die Bildung- der
Flügel, Schuppen und Haare bei den Lepidopteren hat C.
Sem per (Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie VIII.
p. 326 ff. Taf. XV) bekannt gemacht. Der Verf. hat seine
Untersuchungen an Puppen von Saturnia carpini und Sphinx
pinastri angestellt; indem es hauptsächlich sein Zweck war,
das Verhältniss der verschiedenen äusseren Anhänge (Flü-
gel, Schuppen, Haare) zu der Epidermis festzustellen, musste
eine Untersuchung der ersten Anfänge dieser Gebilde wäh-
rend der Ausbildung des Schmetterlings in der Puppe vor-
genommen werden. Die Flügel selbst entslehen in einem
Hohlräume , der sich zwischen den beiden Flügelscheiden,
welche aus einer äusseren ;, nicht chitinisirten, einer inneren
Archiv ( Naturgesch. WIV. Jahrg. 2. Bd. Q
210 Gers t a e ck c r : Bericht übei- die wisseiischal'tlicheii Leistungen
chitinisirten Lage und aus einer der letzteren nach innen
anliegenden Zellenlage zusammengeselzt sind , befindet. In
diesem Hohlräume befinden sich Fettkörper, Nerven und
Tracheen ; der Fettkörper wird durch einzelne, grosse Zel-
len repräsentirt, aus denen allmählig das Fett verschwindet^
die sich durch Theilung vermehren und dann einen homo-
genen , durchsichtigen Inhalt haben. Durch die Verbindung
solcher Zellen zu soliden Strängen , welche allmählig hohl
werden, entstehen die grossen ^Tracheenstämme , welche die
Grundlage für das Flügelgeäder abgeben. Der erste An-
fang zur Bildung des Flügels selbst zeigt sich in der Ent-
stehung einer Membran , welche alle Nerven , Tracheen und
Bildungszellen einschliesst und dadurch von Wichtigkeit ist,
dass sie später der Epidermis als Stütze dient ; diese hebt
sich nämlich, nachdem jene Membran durch allmählig dich-
tere Verstrickung ihrer ursprünglichen Zellen homogen ge-
worden ist^ von der inneren Flügelscheide ab und legt sich
derselben fest an. Zu dieser Zeit zeigen sich auch die er-
sten Anfänge der Rippen, welche im Anfange weite Röhren,
aus einer einzigen Lage platter, polygonaler Zellen beste-
hend, darstellen und in ihrem Lumen einen feinen Strang,
der offenbar ein Nerv ist, erkennen lassen; diese Rippen
legen sich stets äusserlich an die grossen Tracheenstämme,
welche ihren Verlauf bestimmen , an. Nachdem sich die
Grundmembran mit der Epidermis, deren Zellen sich zu gros-
sen Cylinderzellen ausgebildet haben, vereinigt hat , zieht
sie sich später wieder von ihr zurück und es entsteht so
zwischen beiden ein Hohlraum^ in dem sich grosse Kernzel-
len vorfinden ; diese setzen sich in einen feinen , langen Stiel
fort, der sich durch die Epidermiszellen hindurchdrängt und
ausserhalb in eine grosse Blase endigt, welche die Grundlage
der späteren Schuppen abgiebt. Letztere bilden sich aus die-
ser Blase durch Zerschlitzen des Vorderrandes derselben
und durch Verkürzung des Stieles , welcher zwischen den
Epidermis-Zellen eingefügt bleibt. Ganz analog ist die Bil-
dung der Haare, welche der Verf. z. B. an den männlichen
Fühlern von Saturnia carpini beobachtet und dargestellt hat;
durch! Ausscheidung der Cuticula an ihrer Oberfläche und
zugleich an derjenigen der Epidermis gewinnen dieselben
im Gebiete der Entomologie wühiend des Jahres 1857. 211
nach ihrer Entstehung an Festigkeit der Verbindung mit
letzterer. — Die Bildung der beiden Chitinmeinbranen des
Flügels , welche von der Epidermis ausgeschieden werden,
erfolgt erst zu der Zeit, wo die Schuppen schon ihre blei-
bende Form erlangt haben; sie legt sich wegen Mangel an
Raum in der Flügolscheide in zahlreiche Falten, die beim
Auskriechen sich allmählig verwischen. Mit der Abschei-
dung der Chitinhäute geht zugleich die fernere Ausbildung
der Flügelrippen vor sich , indem die Zellen, aus denen ihre
Wand besteht, auswendig mit den Epitelzellen der sie begleiten-
den Tracheen verschmelzen und inwendig eine Cuticula aus-
scheiden. Das schnelle Wachsthum der Flügel nach dem Aus-
schlüpfen des Schmetterlings wird zugleich durch den Ein-
tritt des Blutes in die Gefässe und der Luft in die Tracheen
bewirkt.
Als von besonderem Interesse sind noch folgende Einzelnhei-
ten aus der Abhandlung des Verf. hervorzuheben: Was den Schniet-
terlingspuppen die dunkelbraune oder schwärzliche Färbung giebt
(der Verf. hat die Sphingiden, Bombyciden u. s. w. im Sinne), ist ein
eigenthümlicher Stoff, der erst nach dem Abstreifen der Raupenhaut
ausgeschieden wird und zuerst farblos und weich erscheint; er zeigt
in seiner Ausbildung ein ganz verschiedenes Verhalten gegen Reagen-
tien vom Chitin, indem er sich beim Kochen in Schwefel- und Sal-
petersäure auflöst und dieselben färbt, dagegen in Salzsäure durch Ko-
chen vollständig unlöslich ist, — Eigenthümliche Bildungen zeigen
die feinsten Tracheenzweige während der ersten Anlage des Schmet-
terlingsflügels, indem sie zu Knäueln zusammengeschlungen und von
einer feinen, ."-trukturlosen 31enibian umgeben sind; wahrscheinlich
werden sie erst bei der Entfaltung des Flügels durch den Eintritt der
Luft vollständig nach ihrer ganzen Länge ausgedehnt; auch bei eini-
gen Raupen (Bomb, chrysorrhoea) kommen solche Rnotenbildungen
am Ende der Tracheenäste vor, doch fehlt hier die umhüllende Mem-
bran. — Am Schlüsse seiner Abhandlung unterwirft der Verf. noch
die von Newport, Hollard und Menzel veröffentlichten Unter-
suchungen übei- die Flpidermoidalgebilde einer Beurtheilung und weist
die von ihnen begangenen Irrthümei- nach.
Ein Verzeichniss der Thiere, auf welchen Schmarotzer-
Insekten leben, stellte Gurlt (dies. Archiv f. Naturgesch.
XXin. 1. p. 276— 311) zusammen; Vervollständigungen er-
hielt dasselbe ausserdem durch Schilling. — Dies Ver-
zeichniss erstreckt sich vorläufig nur auf die Galtungen und
"212 G e isla ec k e r : ßeiichl über die wisseiiscliaftliclien Leistungen
Arten der Säugethierc und Vögel, welclie in alphabetischer
Ordnung aufgeführt und unter denen jedesmal die betreffen-
den Parasiten verzeichnet sind. Am Schlüsse ist ein alpha-
betisches Register der Schmarotzer selbst nach den Gattun-
gen gegeben.
So nützlich nnd (huikensvvertli (lese Zusanimenstelhing der
Schmarotzer-Insekten ist, ennanoclt sie doch in vielen Theilen der
Vollständigkeif. Im Grunde sind nur die'Tediculinen , Philopteriden.
Liotheiden und Vuliciden in Betracht gezogen, die parasitischen Di-
pteren dagegen mit einigen Ausnahmen ganz unberücksichtigt geblie-
ben. Als von Oestraceen bewohnt hätten z.B. Cervns Tarandus (Ce-
phenemyia trompe, Oedemagena larandi), die Amerikanischen Hasen
und Kaninchen (Cuterebiae spec.) angeführt werden müssen ; auch
lehlen die Oestraceen des Edelhirsches (Cephenemyia auribarbis, picta,
Üestrus lineatus) u. s. w. Von Coriaceen ist z. B. die Gattung Mip-
pobosca (verschiedene Arten auf Einhufern) ganz weggeblieben, die
Ornithomyien und Nycteribien (von letzteren sind zahlreiche Arten
durch West wo od bekannt gemacht worden) sehr dürftig vertreten;
die Gattungen Strebla, Raymondia, Camus u. a. wären ebenfalls nach-
zutragen. — Es wird demnach der duich Troschel ergangenen
Aufforderung, das Verzeichniss durch Nachträge zu vervollständigen,
leicht nachgekommen werden können.
Die auf Fiedermäusen parasilisch lebenden Arthropoden
hat Kolenati in einem selbstsländigen Werkchen , betitelt:
„Die Parasiten der Chiropteren von Prof. Dr. Kolenati,
nebst 4 Tafeln. Dresden 1857." 8. 51 pag. zusammengestellt
und beschrieben. Der Verf. erstreckt sich in seinen Unter-
suchungen auf sännntliche in und am Körper der Fledermäuse
lebenden Parasiten, daher ausser den Insekten und Arach-
niden auch auf die Eingeweidewürmer. Was die Insekten
betrifft, so gehören sie mit Ausnahme eines Hemipteron
(Acanthia pipistrelli Jenyns) sämmtlich den Dipteren und
zwar den Familien der Coriaceen und Aphanipteren an ; die
parasitischen Arachniden fallen sämmtlich der Ordnung Aca-
rina zu. Auffallend ist das gänzliche Fehlen der Anopluren
bei den Fiedermäusen. Wie bekanntlich unter den Coriaceen
die Gattung Nycleribia ausschliesslich auf die Fledermäuse
beschränkt ist, so ist es in Gleichem unter den Acarinen mit
der Gattung Pteroptus der Fall; während erstere den Pelz
bewohnen, beschränken sich letztere auf die Flughäute, und
beide Gattungen machen ihre ganze Metamorphose an den
im Gebiete der Entomologie während (]e?' Jahren 1857. 213
von ihnen bewohnten Chiropteren durch , welchen sie dem
Verf. zufolg^e Lymphe , Blut und das Excret der Hautbälge
absaugen.
Was die Yerllieiliing der einzelnen i'arasifen-lJattungen auT die
VVohnthiere betrifft, so finden sich die l'teroptiis - Arten an den mei-
sten Chiropteren, Ancystropus nur an Rhinoponia, Ixodes an Rhinolo-
phns, Nycteribia an Vespertiiio, Rhinolophiis. Khinopoma u. a. , auch
an Pteropus, die Aphanipteren an den meisten Yespertilionen. — Die
Zahl der von Chiropteren bekannt gewordenen parasitischen Insekten
und Arachniden ist sehr bedeutend, von ersteren nämlich 2b. von lelz-
{eren 44; N'senn unter den Coriaceen es an unbekannten und neu zu
beschreibenden Formen nicht fehlte, so boten die Aphanipteren und
Acarinen einen so grossen Reichthum, dass das frühei- Bekannte unter
dem neu Entdeckten fast verschwindet. Bei den betrefTenden Familien
ist auf dasselbe näher eingegangen worden. — Die vier beifolgenden
lithographirten Tafeln geben eine Darstellung einiger Hauptformen
von Fledermaus-Parasiten.
Während die Nycteribien ausschliesslich eine parasiti-
rende Lebensweise führen , sind sie ihrerseits ebenfalls von
Parasiten heimgesucht. Kolenati (Wiener Entomol. Mo-
natsschrift L p. 66) fand am Thorax derselben kleine Ein-
geweidewürmer haften, welche er als neue Gattung der Acan-
thocephalen unter dem Namen Arthrorhynchus beschreibt; er
unterscheidet deren zwei Arten: A. VVestrumbii (an Nyct.
Westwoodii) und Diesingi (an Nyct. Montagui). Ob sich
diese Würmer in die Nycteribien selbst einbohren , ist dem
Verf. nicht bekannt geworden.
Auch in der Entomologischen Gesellschaft zu Paris wur-
den einige Fälle, wo Eingeweidewürmer (Filarienj in voll-
kommen entwickelten Insekten beobachtet wurden , mitge-
theilt (Bulletin de la soc. entomol. p. CXLII fT.). Rattet er-
hielt eine Filaria aus Vanessa prorsa , var. porima (der Fall
ist in seiner Richtigkeit jedoch zu beanstanden, da der Wurm
an einem seit langer Zeit getrockneten Exemplare, das wahr-
scheinlich auf feuchtem Sande aufgeweicht wurde, vorkam),
Boisduval aus Noctua Desyllesi, Migneaux aus einem
Harpalus , Guerin aus Melolontha vulgaris, Laboulbene
fünf Mermis aus Asilus crabroniformis ; letzterer fand auch
kleine fadenförmige Würmer im Innern des Darmkanals von
Geotrupes.
214 G eis ta e cke r: Bericht übei die wissenschaftlichen Leistungen
Die Erforschung derjenigen pflanzlichen Parasiten, wel-
che bei Krankheiten des Thier- Und Pllanzenreichs eine Rolle
spielen, sei es, dass sie zi^r Erzeugung derselben beitragen
oder als Produkt derselben auftreten, hat in neuerer Zeit
die Naturforscher vielfach beschäftigt und es wurde bereits
im vorigen Jahresbericht p. 30 und.p. 136 der Untersuchun-
gen von Frey und Lebert über die Krankheit der Seiden-
raupe und der von Cohn über die Pilzbildungen bei der
Stubenfliege erwähnt. Eine Abhandlung , die ebenfalls auf
diese beiden Krankheiten näher eingeht und zugleich eine
Uebersicht der an Insekten bekannt gewordenen Pilzbildun-
gen enthält, ist von Lebert in Virchow's Archiv für pa-
/thologische Anatomie und Physiologie XII. p. 69—79 und
p. 144— 171. c. tab. VI unter dem Titel: „Ueber die Pilz-
krankheit der Fliegen und die neueste in Oberitalien herr-
schende Krankheit der Seidenraupen mit Parasitenbildung,
nebst einer Zusammenstellung der wichtigsten pflanzlich-pa-
rasitischen Krankheiten, welche von Insekten und Myriapoden
bekannt sind" veröffentlicht worden. Die Pilzkrankheit der
Fliegen hat derselbe Verf. ausserdem noch in einer ausführ-
licheren Arbeit, welche hier nur im Auszuge mitgetheilt ist,
in den Denkschriften der allgemeinen Schweizerischen Ge-
sellschaft für Naturwissenschaften, deren neuester Band dem
Ref. noch nicht zur Einsicht vorliegt, abgehandelt; der die-
selbe erzeugende Pilz, von Cohn als Empusa Muscae be-
zeichnet, wird von Lebert mit dem Namen Myiophyton
Cohnii belegt. Die übrigen bekannt gewordenen Pilzkrank-
heiten der Insekten , welche der Verf. mit denjenigen der
Stubenfliege in Vergleich stellt, sondert er in Ectophylen und
Entophyten lebender Insekten ; ein näheres Eingehen auf die-
selben ist hier nicht am Orte, da der Gegenstand nicht in
das Bereich der Entomologie gehört.
Ueber die Krankheit dei- Seidenraupe handelte derselbe Verf.
zugleich in einem Aufsatze „Esquisse de la vie du ver ä soie et l'hi-
stoire de la sericiculture" (BibJioth. univers. de Geneve XXXV. p, 221
— 248), in welchem zugleich von der Entwickelung der Seidenraupe,
der Bildung der Seide und der Geschichte der Seidenkultur die
Rede ist.
Ueberhaupt beschäftigt die jetzt weit verbreitete Krank-
im Gebiete der Entomologie wälirend des Jahres 1857. 215
heit der Seidenraupe sowohl die Praktiker als die Naturfor-
scher in allen Ländern und besonders ist man in Frankreich
mit verschiedenen Vorschläcren zur Abwehr des Uebels und
zur Verbesserung der Seidenzucht hervorgetreten. Besonders
viel hierauf Bezügliches findet sich in den Comptes rendus
de Tacad. imper. de l'Institut de France v. J. 1857 und in
Guerin's Revue et Magas. de Zoologie IX. p. 109 ff. Mar-
t i n schlägt hier die Zucht im Freien auf Maulbeerbäumen,
die mit o^rossmaschigem , dünnen Zeuge zu umspannen seien,
vor; im Departement de l'Herault wenigstens hätten die Rau-
pen jeden Witterungswechsel gut ertragen, die Schmetterlinge
seien besonders lebhaft gewesen und die Graines vorzüglich
ausgefallen (Rev. et Magas. p. 109}. Barthelemy räth
an, die Erziehung der Schmetterlinge in den Herbst zu ver-
legen , indem zu dieser Zeit die Männchen zahlreicher und
kräftiger entwickelt aufträten und die Lebensdauer beider
Geschlechter eine längere sei (ebenda p. 459 u. 585 ff.); auch
Quatrefages setzt die Vortheile einer beschleunigten Zucht
auseinander.
In der Abhandlung von Barthelemy .,Observations et expe-
riences snr l'educations du Ver ä soie et siir la conservation de la
graine par les educations d'antomne" findet sich die Bemerkung, dass
der Grund , weshalb die Anzahl der Männchen im Herbste eine be-
deutend grössere sei. darin liege, dass nur im Sommer eine Fortpflan-
zung durch Parthenogenesis erfolge , im Herbste hingegen die Be-
fruchtung durch das Männchen stets nothwendJg sei , um Baupen aus
den abgelegten Eiern zu erhalten ; er nimmt also als eine Thatsache
an, was nach v. Siebold noch keineswegs festgestellt ist, dass die
im Sommer ausschlüpfenden männlichen ßaupen , welche die Herbst-
generation liefern, aus unbefruchteten Eiern hervorgegangen sind und
bringt die Häufigkeit der männlichen Individuen im Herbste mit der
analogen Erscheinung bei den Daphnien in Vergleich.
Andere Abhandlungen, welche sich mit demselben Ge-
genstande beschäftigen, sind: Dumas, Remarques sur la com-
position et la temperature de fair des chambres et des li-
tieres pendant l'education des vers ä soie (Rev. et Magas. de
Zool. p. 412). — Dumas, Second rapport sur la maladie
des Vers ä soie (Comptes rendus, 20. Avril., Rev. et Magas.
p. 186). — Quatrefages, Resultats d'une education hä-
tive des vers ä soie (Rev. et Magas. p. 584). — Guerin,
216 (i e rstae cker : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Note sur les educations pour graine qu'il conviendrait de faire
aiijourd'hui pour attenuer les desaslreux efFets de l'epizootic
des vers ä soie (ebenda p. 172 IF.). — Guerin, Note sur
les educations des vers ä soie destinees ä la confection de
la graine faite en 1857 dans la Suisse , les inontagnes des
Basses -Alpes et d'autres localites, oü l'epidemie n'a pas
paru (ebenda p. 325 ff.).
Wenn man immer mehr darnach trachtet, neben der
Cultur der Bombyx mori noch die einiger Asiatischen Satur-
nien in Europa einzuführen, so liegt diesem Beginnen gewiss
nicht allein die Sucht nach Neuerungen , sondern zum Theil
wenigstens auch die Befürchtung zu Grunde , es möchte die
alte Seidenwurm-Race, welche das cultivirtc Kuropa so lange
Zeit mit seinem Produkte versehen hat, durch die unter dersel-
ben grassirendcn Epidemieen allmählig ihrem Verderben ent-
gegengeführt werden. Besonders ist es die unter dem Na-
men iJombyx ricini bekannt gewordene Art , deren Zucht
gegenwärtig von vielen Privatmännern und den zahlreichen
Acclimatisalionsvereinen, welche die neuere Zeit hervorge-
rufen hat, eifrig betrieben wird. Isid. Geoffroy St. Hi-
laire stattete der Pariser Akademie der Wissenschaften
(Comptes rendus, 19. Octbrc, Revue et Magasin de Zoologie
IX. p. 453 ff.) einen Bericht über die Fortschritte ab, welche
die Zucht dieser Art in den verschiedenen Ländern gemacht
hat; ausser in verschiedenen Theilen (besonders des südli-
chen) Europa's wird die Cultur der Raupe auch in Algier,
Aegypten und sogar in Brasilien, wohin sie aus Europa ein-
geführt worden ist, mit Erfolg betrieben. Die Cocons sind
leicht zu bearbeiten , der Faden ist glatt , weiss , glänzend,
stark und geschmeidig, die Seide wird ohne Zweifel allen
Färbungsversuchen entsprechen. — Guerin (Comptes ren-
dus, 16. Novbre, Rev. et Magas. de Zoologie IX. p. 521 ff.)
theille auch die Resultate seiner Untersuchungen über den
Seidengehall der Cocons der Bomb, ricini mit : Auf ein Ki-
logramm kommen durchschnittlich 700 Cocons (von Bomb,
mori etwa 600); das Cocon enthält circa 9,4 Proc. Seiden-
stoff, bei B. mori 11 — 14 Proc. Die einzelnen Cocons wiegen
bei der ersteren Art etwa ly^ Centigramm, bei B. mori ly,.
(Yergl. auch Bulletin de la soc. entomol. p. CXXXVill).
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 217
l'ebrigens ist nach Guerin (ebenda p. CXVII) die Saturnia
Cynthia aus China xon derjenigen aus Bengalen wahrscheinlich spe-
zifisch verschieden ; die Raupe frisst nicht Ricinus - Blatter , sondern
Aylanthus glandulosa, womit sie in Turin gefüttert worden ist; auch
die Coccons zeigen Unterschiede in der Farbe. Die Chinesische Art
hält G. für die wirkliche Sat. Cynthia der Autoren, wogegen die aus
Bengalen stammende den von Milne Edwards gegebenen Kamen
Sat. Arrindia erhallen soll.
Ueber die Seidenzucht in China machten endlich noch
G a s c h k e w i t s c h und v. M o t s c h u 1 s k y in den Etudes
entomologiques VI. p. 82 ff. („Sur la sericicullure en Chine'^j
Mittheiiungen.
Vi riet d'Aoust und Guerin haben in der Akademie
der Wissenschaften zu Paris Mittheilungen über massenhafte
Ablagerungen von Corisa- Eiern in Mexiko gemacht, welche
dort von den Eino;ebornen als Nahrung-smittel benutzt werden
und die nach deiu ersten der beiden Verf. zur Oolithen-
Bildung in den Kalklagern der Sümpfe Mexiko's Anlass ge-
geben haben. (Comptes rendus de l'acad. de Tlnstilut de
France, 23. Novbre et 7. Decbre. Revue et Magasin de
Zoologie IX. p. 522 ff. u. 582. Bulletin de la soc. entomol.
p. CXLVIIlff. Annales des scienc. natur. 4. ser. VII. p. 366.)
Es sind zwei Corisa-Arten, welche ihre Eier in stehenden Ge-
wässern auf einer Binsen-Art, die von den Mexikanern „Toule'' genannt
wird , in grosser Menge ablegen ; die eine ist Corisa mercenaria Say,
die andere eine neue Art, welche von Guerin als Corisa femo-
rata bezeichnet wird. Mit ihnen zugleich legt auch eine Kotonecta-
Art (Not. unifasciata Guer. nov. spec.) ibie bei weitem grösseren Eier
ab. Die Insekten selbst heissen bei den Mexikanern „Moschitos," wer-
den getrocknet und als Vogelfutter benutzt; die mit Eier belegten
Binsen werden gesammelt, getrocknet und geklopft, um die Eier da-
von abzulösen. Letztere reinigt und siebt man aus, thut sie in Beu-
tel und verkauft sie an das Volk, welches sieh davon Kuchen, welche
„hantle'" genannt werden, backt; dieselben sollen wohlschmeckend
sein, übrigens eine Art Fisch-Geschmack haben.
Als ein in therapeutischer Beziehung wichtiges Insekt
pries Guerin der Akademie der Wissenschaften in Paris
die Cetonia aurata an, welche er nach mehreren ihm mitge-
theillen Fällen als ein ausserordentlich wirksames Mittel ge-
gen die Hundswuth ansieht. (Comptes rendus, 24. Aoüt et
9. Novbre. Revue et Magas. de Zool. IX. p. 367 u. 473 ff.)
218 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Die Mitlheilungen, welche Guerin über die spezifische Wirksam-
keit der Cetonien gegen Rabies canina erhalten hat, beschränken sich
darauf, dass Jagdliebhaber in Russland ihren Hunden als Präservativ
gegen die Krankheit zuweilen eine halbe Cetonia, zu Pulver zerstossen
und mit Wein oder Brod vermengt, eingeben und ferner, dass ein Mensch
in einem Falle von Ilundswuth mit Pillen geheilt worden sei, die aus
Pflanzen und einem Pulver, das wahrscheinlich (I) das einer
zerstossenen Cetonia gewesen , bestanden haben. Dass die Akademie
auf die eindringlichen Vorstellungen Guerin's, über die Wirksam-
keit dieses für das Wohl der Menschheit so wichtigen Mittels Ver-
suche anzustellen, nicht hat eingehen wollen, wie dies aus der Be-
richterstattung Dumeril's (Comptes rendus, 9. Octbre, Rev. et Magas.
de Zool. IX. p. 457) hervorgeht, ist in Rücksicht auf die von G. an-
geführten, für die Wirkung des Mittels nichts beweisenden Fälle wohl
mehr als begreillich. Dergleichen mittelalterliche Spezifika sind dem
heutigen rationellen Standpunkte der Therapie nicht mehr angemessen
und überdies kann das Mittel nicht einmal als neu angesehen werden,
da die Canthariden längst gegen die Hundswuth angewendet werden,
diese aber das Cantharidiu, welches in den Cetonien allein wirksam
sein kann, bekanntlich in viel grösserer Menge enthalten.
Ueber die Erzeuger der Harzgallen an Piniis picea und
sylvestris und ihre Schmarotzer machte L. Kirchner (Lo-
tos, 6. Jahrg. p. 9 ff.) Mittheilungen; der Aufsatz ist betitelt:
^Die Harzgallen der Nadelhölzer uin Kaplitz."
Die Erzeuger der Ilarzgallen sind Tortrix resinana und cosnio-
phorana und Cecidomyia pini : bemerkenswerth ist die Gesetzmässig-
keit, nach welcher die von ihnen gebildeten Gallen durch Parasiten
angegangen werden, indem, so lange sie noch klein sind, nur kleine
Schmarotzer, wie Platygaster , Pteromalus , Entedon dieselben anste-
chen; bei forschreitender Grösse geschieht dies von Campoplex, Aphi-
dius und Rogas, bei vollkommener Ausbildung von grossen Schlupf-
wespen, wie Pinipla , Lissonotus und Glypta. Aus den Gallen der
Tortiix resinana eizog der Verf. während ihrer verchiedenen Ent-
wickelungsstufen 18 verschiedene Schmarotzer, aus denen der Tortrix
cosmophorana 2 , aus denen der Cecidomyia pini ebensoviele ; diese
Schmarotzer werden einzeln namhaft gemacht.
Eine Beobachtung über massenhaftes Auftreten von Ei-
chengallen bei Elberfeld, zuweilen 17—20 auf einem Blatte,
theilte Cornelius (Entomol. Zeitung p.4l0) mit.
Sehr interessante Mitlheilungen über springende Cynips-
Gallen von Quercus Cerris machte Kollar in den Verhand-
lungen des zoolog. - botan. Vereins in Wien VH. p. 513 ff.
Die Gallen sind kaum über eine Linie lang, oval, beiderseits
im Gebiete der Entomologie waiireiid des Jahres 1857. 219
zugespitzt und sitzen an der Unterseite der Mittelrippe des
Blattes fest; sind sie vollkommen ausgebildet, so trennen sie
sich selbst und zwar mit ziemlicher Gewalt von ihrer An-
satzstelle, indem sie einen förmlichen Sprung in die Höhe
und zur Seite des Blattes machen. Abgelöste Gallen beweg-
ten sich auf einem Tische theils durch Rollen, Iheils durch
Sprünge von 1 Zoll Weite und 3 Linien Höhe weiter, bis
sie sich vom Rande der Tischplatte auf die Erde schnellten.
Die darin enthaltene Cynips -Larve liegt kreisförmig zusam-
mengerollt und äussert, von ihrer Hülle befreit, nicht die
geringste Bewegung; das vollkommene Insekt ist vorläufig
nicht bekannt, doch schlägt K. dafür den Namen Cynips sa-
liens vor. Eine Abbildung der Gallen und der Larve ist
auf Taf. XI gegeben.
A. Costa hat eine grössere Abhandlung über die Ita-
lienischen Insekten, welche dem Olivenbaum, den Obstbäu-
men, dem Weinstock, den Hülsenfrüchten und dem Getreide
schädlich werden, unter folgendem Titel veröffentlicht : Degl'
Insetli che attaccano l'albero ed il frutto dell' Olivo, del Ci-
liegio , del Pero , del Melo , del Castagno e della Vite e le
semenze del Pisello, della Lenticchia, della Fava e del Grano,
loro descrizione e biologia, danni che arrecano e mezzi per
distruggerli, per Achille Costa. Opera coronata. Napoli
1857. (4. 197 pag. c. tab. X color.) — Der Verf handelt in
dieser mit vielem Fleisse abgefassten und durch zahlreiche
Abbildimgen sehr instruktiven Arbeit die einzelnen Insek-
ten-Arten nach den Gewächsen, welche sie zerstören, ab,
giebt eine Darstellung ihrer Lebensweise in den verschiede-
nen Entwickelungsperioden, geht auf die Merkmale ein, wel-
che die Pflanzen als Zeichen der Anwesenheit jener Insekten
darbieten und verbreitet sich endlich äiber die Mittel und
Wege, um die Pflanzen von ihnen zu befreien. Die Tafeln
gehen in allen diesen Beziehungen mit dem Texte Hand in
Hand , indem sie die verschiedenen Lebenszustände der In-
sekten vom Ei bis zum ausgebildeten Thier in stark ver-
grösserfem Massstabe und ausserdem die von ihnen abge-
fressenen Theile der Pflanzen darstellen. — ■ Wenn die Ar-
beit auch im Ganzen wenig Neues enthält , so ist sie doch
schon wegen der Zusammenstellung der im Süden Europa's
220 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
als schädlich auftretenden Arten von Interesse und verdient
wegen der darauf verwandten Mühe Anerkennung; die darin
abgehandelten Insekten sind , nach ihren Na'hrungsptlanzen
aneinandergereiht, folgende:
Auf dem Oelbauni : Phloeotribus oleae Fab., Hylesinns oleiperda
Fab., Psylla oleae Fonsc. . oecophora oleaella Fab., Dacns oleae 1^'ab.,
Coccus oleae Oliv.. Coccns Pollini, Thrips oleae. — Auf dem Kirsch-
baum : Trypela cerasi Lin. — Auf Biin- und Aepfelbäunien : Ilypono-
meuta malinelia Zell., Carpocapsa pomonana Tr. , Tingis pyri Lin. —
Auf der Kastanie: Ein Curculionide, nur im Larvenzustande bekannt;
Carpocapsa splendana Hübn. — Auf dem Weinstock: Rhynchites be-
tuleti Fab., Trocris ampelophaga Hübn., Sinoxylon nuiricatum Fab. —
Anf Hülsenfrüchten: Bruchus pisi Lin.. Bruchus signaticornis Schh.,
Bruchus riifimanus Schh. — Auf dem Getreide : Bruchus granarius
Lin., Sitophilus granarius Lin., Sitophilus oryzae Lin., Trogosita
mauritanica Lin. , Sylvanus frumentarius Fab. , Anacampsis cerealella
Oliv., Tinea granella Lin,
Notes pour servir ä l'histoire des Insectes nuisibles a
Tagriculture dans le departement de la Moselle , par J. B.
Geh in. No. 2. Insectes qui attaquent les bles. Metz 1857.
(ß. 35 pag.). — Die Schrift handelt in ausführlicher Weise
über den beträchtlichen Schaden, welche eine Cecidomyien-
Art, die der Verf. für verschieden von Cecid. triciti hält und
in Ermangelung einer sicheren Bestimmung vorläufig mit
dem Namen Cecidomyia inosellana belegt, im Departement
de la Moselle dem Getreide auf den Feldern zugefügt hat.
Vorausgeschickt wird eine Zusammenstellung von 44 Insek-
ten von verschiedenen Ordnungen, welche nach Angabe ver-
schiedener Autoren dem Getreide auf dem Felde und in Ma-
gazinen schädlich sind. (In einer dritten erschienenen Num-
mer , ebenfalls v. J. 1857 , die dem Ref. nicht vorliegt, be-
handelt der Verf. die dem Birnbäume schädlichen Käfer,
deren Verzeichniss im Thomson's Archives entomologiques L
p. 389 iL abgedruckt ist ; die Zahl der dort angeführten Ar-
ten beläuft sich auf 52.)
Auch Goureau (Bulletin de la soc. entomol. V. p. Xll)
erwähnt einer Cecidomyia , nach ihm Cecid. tritici , welche
drei Jahre lang in verschiedenen Gegenden Frankreichs in
solcher Menge auftrat , dass ein Vierttheil bis ein Dritttheil
der Erndte an Getreide verloren ging; im letzte^n Jahre wurde
im Gebiete der Entomologie wahrend des Jahres 1857. 221
eine Verminderung ihrer Schädlicbkeit dadurch bewirkt, dass
die Larven der Fliege von zahlreichen Parasiten heimgesucht
wurden.
Die Parasiten der Cecidomyien- Larven waren besonders Platy-
^aster sciitellaris JVees (fem. P. muticus Nees ) oder auch andere
Arten derselben Gattung, wie Plat. punctiger Nees, deren Larven nur
jedesmal eine Cecidomyia-Larve verzehren ; ausserdem eine von G^' a-
venhorst nicht beschriebene Ait seiner Gattung Colocentius , wel-
che thätiger eingrilT, inden» ihren Larven je circa 20 Larven der Ce-
cidomyia zur Nahrung dienten. — Ucber das Verhältniss der Parasi-
ten- und Cecidomyien- Larven zu einander bemerkte Aube (ebenda
p. XIV), dass die Platygaster-Arten nicht ihre Eier in die Larven der
Cecidomyien legten , sondern dass die Eier beider in die Pflanze ab-
gelegt würden ; die früher sich entwickelnde Cecidonjyia-Larve wird
^ou der später ausschlüpfenden der Parasiten angegriffen.
Goureau machte ferner (ebenda p. XXVIII) Mitlhei-
kmgen über die Verwüstungen, welche Hylotoma enodei an
Berberis vulgaris und Nemalus ribis an Ribes grossularia
anrichteten, deren Blätter von den Larven derselben in einem
Jahre zweimal gänzlich abgeweidet wurden.
Während erstere Art sich in zwei aufeinanderfolgenden Jahren
in gleicher 3Ienge zeigte, verschwand letztere im zweiten Jahre gänz-
lich; sie wurde durch drei Parasiten: Tryphon armillatorius Grav.,
Pigostolus sticticus Ilalid. und Degeeria flavicans G. vollständig be-
seitigt.
W a g a (Bullet, de la soc. entomoL p. CXXVl ff. )
tiieilte Beobachtungen über einige in Polen als schädlich auf-
tretende Insekten mit; es sind Jassus 6-notatus Herr. -Seh.
für Hafer und Gerste, Agrotis tritici für Weizen, Noctua
gilvago Lin. für Kartoffeln, letztere in den Stengeln der
Pflanze lebend und durch ihre Menge eine vollständige Ver-
nichtung der Erndte in einigen Gegenden bewirkend. Be-
sonders grosser Schaden wurde auch Am J. 1850 durch das
massenhafte Auftreten von Pezotetlix pedestris Fisch, an-
o^erichtet.
In Betreff der beiden erwähnten Noctuen machte Boisdnval
(ebenda p. CXXIX) die Bemerkung, dass die dem \Aeizen schädliche
nicht Agrotis tritici. sondern A. basilinea, infesta oder eine diesen
> erwandte Art sei; ebenso sei die den Kartoffeln schädliche Art nicht
N. gilvago, sondern ^. flavago . deren Raupe im Stengel sehr ver-
schiedener Pflanzen lebe.
222 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Zur Vertilgung- der unter der Erde lebenden, dem Ge-
treide und den FeldFrüchten schädlichen Raupen und Larven
schlug M 0 c qu e r y s (ebenda, p. LXXl) eine Verbreitung der
Maulwürfe vor.
Als schädlich für Kartoffel- und Maisfelder erwies sich
in der Gegend von Presburg auch Epicauta dubia, indem sie
durch Abfressen der Blätter den grössten Theil der Erndte
vernichtete. (Verhandl. d. Vereins für Naturkunde zu Pres-
burg II. Jahrg. 2. Heft p. 24.)
Ueber den Schaden, welchen Cylas turcipennis Schh.
und andere Insekten in den Ptlanzungen von Ceylon anrich-
ten, machte J. Nietner (Entomol. Zeitung XVIII. p. 36 ff.)
nähere Mittheilungen.
]N. beobachtete den Cylas turcipennis als den Verwüster aus-
gedehnter Felder von Batatas edulis, deren Knollen von den Larven
des Käfers in grosser Anzahl bewohnt und im Innern gänzlich zer-
stört wurden; der Verlust, welchen dies Insekt an der Erndte verur-
sachte, betrug 'Vio' — ßie Reisfelder in Ceylon wurden durch ge-
wisse Hemipteren aus der Familie Coreodes , eine andere Getreide-
Art, Eleysine Caracana durch schwarze Aphiden angegriffen; Calandra
oryzae findet sich häufig im aufgespeicherten Getreide aller Art. Phy-
matea punctata zerstörte gelegentlich den Tabak und frass einmal die
gigantischen Blätter des Cocos-Baums, die sich unter ihrer Last neig-
ten, bis auf die Hippen gänzlich ab; die schlimmsten Feinde dieses
Baumes sind aber die Larven des Sphenophorus planipennis Schh.
und Oryctes Rhinoceros, unter deren Angriften ziemlich fünf Procent
der Bäume zu Grunde gehen. — Der Schaden, welcher durch alle
diese Insekten hervorgerufen wird, ist übrigens gering gegen den,
welchen eine Coccus-Art „CofTeebug" (von J\. sonderbarer Weise als
„Filzlaus" bezeichnet) den Kaffeeplantagen zufügt; durch Aussaugen
der Säfte schwächt das Insekt den Strauch und giebt zugleich zur
Bildung eines schwarzen Pilzes Veranlassung , an dem ganze Felder
zu Grunde gehen: aus diesen Coccus entwickelten sich kleine Chal-
cidier.
V. Motschulsky machte in einem Artikel „Entomo-
gie appliquee, Insectes utiles et nuisibles" (Etudes entomol.VI.
p. 76 ff.) Bemerkungen über die Nützlichkeit und Schädlich-
keit folgender Insekten:
Anisoplia austriaca, fruticola, Euphoria luelancholica (Neu-Or-
leans) , Leucoscelis stictica, Epicauta erythrocephala , ambusta. lem-
niscata (Nord-Amerika), Xyletinus chinensis, Anobium paniceum, Apate
frumentaria, Anthrenus museorum, Cassida nebulosa, Oedipoda niigra-
im Gebiete der Entoniologii' während des Jahres 1857. 223
toria , Agrotis valligera, Ennoinos subsignaria (Neu - York) , Hypono-
iiieuta cognatella und padella, Tortrix Berginanniana, Butalis Zea-Mais,
Coccus ceriferus, Phoia spec. (aus Polyphylla fullo erzogen).
Leon Dufour gab (Annales de ia soc. entomol. V.
p. 49) eine Aufzählung der Insekten , welche im Innern der
Blülhenköpfe von Centaurea nigra leben: es sind theils sol-
che, welche sich von den Blülhentheilen selbst nähren^ theils
solche, die in letzteren parasitiren, im Ganzen 17 Arten:
Rhinocyllus latirostris, Tephritis jaceae, Urophora quadrifasciata,
Ac'iuia laticauda, eluta , Tinea spec., Diplolepis spec., Chirocera ab-
rotani, Misocampus saphyrinus Walk. , Cynips acutiventris und brevis
üuf. , Eurytonia (?) exilis und pubicornis Duf. , Bracon 2 spec, Ho-
maUira tarsata (?) Meig. und Thrips spec.
Laboulbene, „Note sur les siliques de Colza, atta-
(jLiees par des insectes" (Annales de la soc. entomol. V. p. 791
— 797) beobachtete vier verschiedene Insekten in den Scho-
ten von Brassica campestris.
1) Eine dicke , weissliche Curculionen-Larve, welche das In-
nere der Körner ausfrisst und an der dem Korne entsprechenden
Stelle die Schote durchbohrt; der Käfer ist nicht genau bekannt, doch
glaubt der Verf. nicht, dass es Ceutorhynchus assimilis sei. 2) Eine
grüne Raupe mit schwarzen Haaren , welche fast die ganzen Körner
mit der Epidermis auffrisst und oft an einer anderen Stelle, als wo
sie gelebt, herausgeht; es entwickelte sich daraus Tinea xylostella
Lin. 3) Eine weisse Dipteren-Larve, welche ein Extravasat des Saf-
tes hervorruft und die Körner verhindert, sich zu entwickeln; es ist
die Larve der Cecidomyia brassicae Winn. 4) Insekten, welche die
Cuticula und das äussere Pareuchym der Schoten annagen , sind ver-
schiedene Haltica-Arten.
Der Bericht, welchen Guerin der Societe imperiale
et centrale d'agriculture im Namen der Sektion für land-
wirthschaftliche Naturgeschichte über die Arbeiten entomo-
logischen Inhalts, die während der Jahre 1856 — 57 einge-
sandt worden sind, abstattete, enthält zum Theil ebenfalls
Beobachtungen über schädliche Insekten und die von ihnen
angerichteten Verwüstungen ; derselbe ist in der Revue et
Magasin de Zoologie IX. p. 3L7— 325 abgedruckL
Die erste Arbeit ..Rapport sur le Taraudeur den cannes," von
Bojer und Fropier, betrifl't die Verwüstungen, welche der soge-
nannte „ßorer" in den Zuckerplantagen auf der Insel Mauritius an-
richtet und giebt die Mittel zu seiner Vertilgung an die Hand. Der
Schmetterling, der sich aus dieser Raupe entwickelt, ist nach Bojer
224 (i erstaecker : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
eine Art der Gattung Proceras Hübn. (Proceras sacchariphagus Bojei)
— wurde jedoch nach W e stw o od (siehe Jahresbericht 1856. p. 177)
schon von Fabricius als Phalaena saccharalis beschrieben, lief.
Der Schaden, den diese Art auf der Insel Mauritius angerichtet hat,
ist so gross, dass an einigen Orten zwei Dritttheile der Erndte durch
sie verloren gegangen sind, und dass der Gouverneur der Insel einen
Preis von 50,000 Francs für ein wirksames Mittel gegen diese Plage
ausgesetzt hat. — Eine zweite Arbeit von Th. Bruand „Notice sur
une chenille de Tineide , qui devaste le niais dans le canton d'Audeux
(Douhs)'* giebt Ncichricht von den Verwüstungen, welche eine Schniet-
terlingsraupe durch das Durchbohren und Ausfressen der Stengel
und Trauben des Mais anrichtet; sie hat ebenfnlls an einigen Orten
die Erndle his auf ein Dritttheil der früheren Jahre herabgedrückt.
Der Schmetterling ist von Bruand bis jetzt nicht gezogen worden,
doch glaubt er, dass derselbe zu den Crambiden gehören wird , da
die Raupe viele Aehnlichkeit mit der von Myelophila pusilla hat.
Sollte die Raupe mit derjenigen, welche in Italien den Mais verwü-
stet hat. identisch sein, so würde sie zu Botys silacealis (nach Pas-
se rini) gehören. — Von A. Bernede ist eine dritte Abhandlung
„Notice sur les papillons diurnes , Pieris brassicae et minor (letztere
ist Pieris napi) et sur les ravages que les chenilles de ces lepido-
pteres ont excerces en 1855 et 56 sur les choux dans les departe-
ments de l'Ouest. — Die vierte Arbeit ist von Antoine in Rheims
über das Eingraben der Bienenstöcke zur Ueberwinterung der Bie-
nen ; der Verf. hat festgestellt , dass bei Ausübung dieses Verfahrens
wenigstens im Norden Frankreichs man sehr wenig Bienen verliert,
dass sie weniger verzehren und dass die Königin früher mit der
Brutablegung beginnt. (lieber dieses Verfahren hat auch Guerin
in den Annales de la societe entomol. V. p. 33 ff. eine „Note sur le
procede d'enfouissement des ruches, pratique depuis plusieures annees
par M. Antoine pour Ihibernation des Abeilles" veröffentlicht.)
Als schädliche Insekten sind während des Russischen
Feldzuges in der Krim gewissermassen auch Sirex- Larven
aufgetreten, indem dieselben in Kartätschen -Schüssen und
Kugeln eingebohrt gefunden wurden. Der Marschall V a i 1 1 a n l
zeigte eine Kugel mit darin befindlichen Insektenlarven in
der Akademie der Wissenschaften zu Paris vor und zugleich
die Imagines, welche sich daraus entwickelt hatten; Dume-
ril wies letztere in seinem über diesen Fall abgestatteten
Bericht als eine Art der Gattung Urocerus nach. (Comptes
rendus, 7. et 14. Septbre , Ilev. et Magas. de Zoologie IX.
p.4l6— 420).
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 225
Nach dem von Guerin (Kev. et Magas. p. 418) gegebenen
ßericht scheint es, als sei Dumeril der Ansicht, diese Jnsekten ha-
ben das Blei der Kugeln mit ihrer Legeröhre angebohrt und auf diese
Art seien aus den hineingelegten Eiern die Larven in di(^ Kugeln
gekommen. Dass diese Erklärung alle Wahrscheinlichkeit wider sich
habe, hebt Guerin ganz richtig hervor und vermuthet seinerseits,
dass in den Wänden der Holzkisten, welche die Kugeln enthielten,
sich schon Urocerus- Larven befunden haben, die sich nur nach in-
nen durchgefressen hätten und so in die Kugeln gelangt seien.
Einen analogen Fall, wo die Larven von Sirex gigas
Bleiplatten von IV: Zoll Dicke durchbohrten, theilte Kollar
(Sitzungberichte des zoolog. - botan. Vereins in Wien VlI.
p. 155) mit.
Dass sich Insektenlarven übrigens ausnahmsweise in
Substanzen und Organismen begeben, welche ihnen ursprüng-
lich nicht zum Wohnorte und zur Nahrung dienen, ist schon
in mehreren Fällen nachgewiesen worden; es gehören dazu
auch diejenigen, wo Larven als Eindringlinge in den gesun-
den oder kranken menschlichen Organismus beobachtet wur-
den. In Paris sind neuerduigs wieder zwei solche Fälle
zur Kenntniss gekommen: Sichel (Bullet, de la soc. ento-
mol. V. p. XLIX) berichtete über eine Fliegenmade, wahr-
scheinlich der Sarcophaga carnaria angehörig, welche aus
der Conjunctiva eines menschlichen Auges herausgezogen
wurde und L egr an d du Saulle (Comptes rendus de l'acad.
de France, 19. Octbre , Revue et Magas. de Zoologie IX.
p. 458) theilte eine „Observation de larves Vivantes dans les
Sinus frontaux d'une jeune liile de neuf ans" mit.
Der letztere Fall zeigte folgenden Verlauf: Nach mehreren
Wochen heftigen Stirnschmerzes entleerte ein junges Mädchen durch
Schnauben aus der JVase mehrere Insektenlarven und wiedeiholte das-
selbe nach einigen Monaten. Abermals nach drei Monaten traten erneu-
ter heftiger Kopfschmerz , Besinnungslosigkeit und epileptische Zufälle
ein und unter Erscheinungen von Wahnsinn wurden zum dritten Male
Larven ausgeleert. Durch die Anwendung arsenicirter Cigarren, deren
Rauch durch die Nase getrieben werden musste . gingen schliesslich
die übrigen Larven todt mit dem Nasenschleime ab und es trat völ-
lige Genesung ein.
Eine lesenswerthe Abhandlung vonMaeklin ist dessen
„Beilrag zur Kenntniss der geographischen Verbreitung der
Insekten im Norden , mit besonderer Berücksichtigung der
Archiv f Naturgesch. XXIV. Jahig. 2. Bd p
226 (i er s ta e ck e r : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Fauna Skandinaviens und Finlands," welche ursprünglich in
schwedischer Sprache (Helsingfors 1853) geschrieben, ge-
genwärtig in deutscher Uebersetzung von v. Osten-Sa-
cke n in der Entomolog. Zeitung p. 171 — 192 abgedruckt
worden ist. Der Verf. entwickelt darin zuvörderst die Gründe
für die bekannte Thatsache , dass die geographische Ver-
breitung der Thiere im Norden allgemein eine weit grös-
sere sei als in den wärmeren Strichen der Erdoberfläche;
sie lassen sich in der grösseren Gleichförmigkeit des Ter-
rains, in der geringeren Mannigfaltigkeit der Vegetation und
endlich auch darin suchen , dass die Ländermassen hier
mehr zusammenhängende Strecken (der Breite nach) bilden,
als dies gegen den Aequator hin der Fall ist. Daher ist in
den Polargegenden die Verbreitung einer und derselben Art
von Island , Skandinavien oder Lappland über ganz Sibirien
bis Grönland, Canada und Labrador nichts Ungewöhnliches;
und zwar sind es einerseits spezifisch nordische Thierformen,
welche sich in dieser Art ausbreiten, andererseits aber auch
solche, die eine bedeutende Verbreitung bis gegen den südli-
chen Theil Europa's erkennen lassen. Der Verf. weist die
Allgemeinheit dieser Thatsache im Vorübergehen an einigen
Beispielen aus den Wirbelthieren , den Mollusken und Cru-
staceen nach und geht sodann ausführlicher auf die Insekten
ein, für deren Verbreitung im Norden ihm ein werthvoUes
und ausgedehntes Material zu Gebote steht. In Betreff der
Fauna Skandinaviens kommt die vonNilsson angeregte
Frage in Betracht, ob der südliche Theil dieses Landes be-
reits nach der Zerstörungsperiode , welche diese Halbinsel
heimsuchte , mit Norddeutschland verbunden war und von
dort seine jetzige Fauna erhalten hatte , während der nörd-
liche Theil damals nicht von lebenden Wesen bewohnt sein
konnte , sondern diese erst in einer späteren Periode aus
Russland und Sibirien durch Einwanderung erhalten habe.
Der Umstand, dass sich gerade in den nördlichen Theilen
Skandinaviens und Finlands eine grosse Anzahl von Insekten
nachweisen lässt , welche über Russland und Sibirien weit
verbreitet sind, erhebt diese Annahme zur grössten Wahr-
scheinlichkeit; diese Arten sind gerade solche, welche frü-
her als spezifisch Skandinavische , d. h. dem mittleren
im Gebiete der Entoniolügit- wiUirencI des Jahres 1857. 227
Europa fremde angesehen wurden. Auf der anderen Seite ist
hervorzuheben, dass sich von denjenigen Europäischen Ar-
ten, welche im nördlichen Skandinavien , Flnland und Lapp-
land fehlen, äusserst wenige bis nach dem nördlichen Sibi-
rien hinein erstrecken. Nachdem der Verf. die Insekten-
Fauna Skandinaviens und Finlands einerseits in ihren Eigen-
thümlichkeiten , andererseits in ihren Uebereinstimmungen
sowohl mit Europäischen als Asiatischen Verbreitungsbezir-
ken durch Anführung der auffallendsten Arten charakterisirt
hat, geht er dazu über, diejenigen Insekten aufzuzählen, wel-
che für Lappland oder Finland und zugleich für Nord- Ame-
rika als gemeinschaftlich festgestellt worden sind. Es sind
dies 79 Coleoptera , 16 Lepidoptera , 2 Neuroptera, mehrere
Hymenoptera, 15 Diptera (nach Z e t te rste dt). Hierauf
folgt noch ein sehr ausgedehntes Verzeichniss von Coleo-
pteren, welche von Nord-Europa bis in das östliche Sibirien
(Irkutsk, Kiachta) sich hineinerstrecken, und dieses wird
abermals noch mit ungefähr 300 solchen Arten vermehrt,
welche sich nur bis in das westliche Sibirien hinein aus-
dehnen.
Eine zweite Abhandlung desselben Verfassers, „Beitrag
zur Kenntniss der sogenannten vicariirenden Formen unter
den Coleopteren des Nordens" v. J. 1855 (ebenda p. 321 —
348 in deutscher Uebersetzung von v. Osten -Sacken
mitgetheill) bildet gleichsam eine Fortsetzung der vorigen
und kann hier um so melir gleich mit in Betracht gezogen
werden , als auch in jener die Coleopteren das hauptsäch-
lichste Material für die Betrachtungen des Verf. abgeben. —
Unter vicariirenden Formen versteht der Verf. nur solche
Arten, welche wie z. B. manche Sibirische und Nord-Ame-
rikanische einzelnen Europäischen Arteiv auf den ersten Blick
täuschend ähnlich sehen, sich aber bei genauer Betrachtung
als in mehreren Punkten verschieden herausstellen. Inter-
essant ist das Verhältniss dieser vicariirenden Formen zu
der geographischen Verbreitung der einzelnen Arten , indem
im westlichen Sibirien, wo noch zahlreiche Europäische Ar-
ten unverändert vorkommen , die vicariirenden Formen sel-
ten sind , indem ihre Zahl im östlichen Sibirien schon be-
trächtlich zunimmt und indem in Nord-Amerika, wo die Zahl
228 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
der Europäischen Arten schon eine viel geringere ist, die
der vicariirenden sich in demselben Maasse steigert. Es bil-
den daher in dem speciellen Theil der Arbeit, in welchem
der Verfasser die einzelnen Arten, welche er als vicariirende
Formen ansieht, aufzählt und bespricht, auch vorzüglich die
des östlichen Sibiriens und Nordamerika's im Vergleich mit
den Europäischen den Gegenstand der Betrachtung und zwar
ist es ganz besonders die Familie der Carabicinen, welche
der Verf. in recht ausführlicher und eingehender Weise
behandelt. Die zahlreichen Notizen, welche der Verf. hier-
bei über viele Sibirische Arien, die zum Theil wegen
der ungenügenden Beschreibungen den Deutschen Ento-
mologen wenig bekannt sind, einflicht, sind von um so
grösseren Interesse, als sie keineswegs dem Verfahren
derjenigen, welche ähnliche und schwer zu unterscheidende
Arten als unbedeutende Local-Varietäten abzufertigen suchen,
das W^ort reden.
Dass bei der Besprechung vicariirender Formen vor Allem eine
sichere Feststellung von Arten und Varietäten nöthig ist, versteht sich
von selbst, da eine solche der ganzen Betrachtung zur Grundlage
dienen muss; daher spricht sich denn der Verf. auch ganz besonders
gegen die Leichtfertigkeit, mit der heut zu Tage selbstständige Arten
zu lokalen Abänderungen degradirt werden, aus. „Man vermengt oft
vollkommen verschiedene und unähnliche 'Thierarten , um den Grund
ihrer Unähnlichkeit in der Verschiedenheit ihrer Wohnplätze nachzu-
weisen." — ■ „Ueberhaupt wird mit den sogenannten geographischen
Varietäten und lokalen Artveränderunijen oft Unfug getrieben." — „Die
meisten nordeuropäischen Thierarten, welche bis zum Baikal-See, bis
Kamtschatka und noch weiter vordringen, zeigen nämlich überhaupt
keine Formveränderung, weder unter verschiedenen Breitegraden,
noch an physisch ungleichen Wohnorten; es wäre demnach etwas ganz
Besonderes, wenn gerade der Baikal -See odei- die ziemlich schmale
Behrings-Strassc das Vermögen besässen, die Form einer Thierart auf
einmal wesentlich zu ändern , nachdem dieselbe ihre eigenthümliche
Beschallenheit in ihrer Ausbreitung von dem nördlichen Theile Schott-
lands oder Skandinavien? bis zum östlichen Sibirien behalten hatte.
Ich habe Gelegenheit gehabt, manche Amerikanische Repräsentanten
von entsprechenden Europäischen Arten in mehreren Hunderten von
Exemplaren aus verschiedenen Lokalitäten der Russischen Besitzungen
in Nordamerika zu untersuchen und zu vergleichen, ohne dabei die
geringste Andeutung eines Uebergangs von einer Europäischen zu
einer Asiatischen oder Amerikanischen Form finden zu können." —
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 229
„Wimnit man dagegen an, dass diese den nordeiiropäischen Thierarten
verwandten Repräsentanten in den nördlichen Theilen von Asien und
Amerika keine geographischen Varietäten, sondern ursprünglich be-
sondere in verschiedenen Welttheileu , aber unter ziemlich gleichen
klimatischen und anderen äusseren rsaturverhältnissen entstandene Arten
sind , so braucht man keine dem bekannten Vorhalten in der JNatur
widerstreitende Hypothese zu Hülfe zu nehmen." — Diese und zahl-
reiche andre Stellen ans der äusserst gediegenen Abhandlung des
Verf. möchten dem unbefangenen Beurtheiler wohl jedenfalls licht-
voller erscheinen, als diejenigen, auf welche in derselben Zeitschrift
p. 308 fr. durch renommistische ..Eingesandts" zu wiederholten Malen
hingewiesen wird.
lieber das schaarenweise Ziehen von Insekten und die
dasselbe bedingenden oder begünstigenden Unislände hat
van Bemmelen cHandelingen der Nederlandsche Entomo-
logische Vereeniging I. Deel, 3. Stuk, Leyden 1857, p. 1 — 23)
unter dem Titel „Waarnemingen over het trekken van Insek-
ten'' Älittheilungen gemacht. Der Verf. beschreibt mehrere
Fälle , wo Libellula quadrimaculata in Holland zu grossen
Schwärmen und zwar zuweilen über das Meer hin Züge un-
ternommen habe , und reiht hieran eine Zusammenstellung
der Beobachtungen früherer Autoren, welche dasselbe Phä-
nomen theils ebenfalls an Libellen, theils an anderen Insekten
und zwar besonders Schmetterlingen (Pieris brassicae, Va-
nessa cardui u. a. ) wahrgenommen. Beim Vergleich der
Jahreszahlen , die für dergleichen Erscheinungen bisher an-
gemerkt worden waren , stellte sich eine etwaige Perio-
dicität für solche Insektenzüge nicht heraus, nur kam mehr-
mals der Fall vor, dass sie in zwei aufeinander folgenden
Jahren stattgefunden hatten. Dagegen stimmten alle Be-
obachtungen , welche mit einiger Genauigkeit und mit Be-
rücksichtigung der Witterungsverhällnisse angestellt worden
waren, darin überein, dass die Richtung der Schwärme
stets mit der augenblicklichen Windrichtung correspon-
dirte ; auch wurden die meisten Libellen-Züge im Monat Juni
beobachtet.
Doengking erörterte in einer „Uebersicht periodi-
scher Erscheinungen aus dem Thierreiche der Umgegend
Kischinew's (Bullet, de la soc. des natur. de Moscou 1857, IIL
p. 249 ff.) auch das Auftreten einiger Insekten während der
230 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Jahre 1845 — 56. Es sind: Cetonia hirta, Gryllus migra-
torius, Lethrus cephalotes, Lylta vesicatoria und Melolontha
vulgaris.
J. Thomson hat unter dem Titel „Archives entomo-
logiques, ou recueil contenant des illustrations d'insectes nou-
veaux ou rares^* (Paris 1857, gr. 8. planch. color.) ein Pracht-
werk begonnen , welches vorzüglich zur Bekanntmachung
ausgezeichneter neuer exotischer Insekten, unter denen die
Käfer eine besonders ausgedehnte Berücksichtigung erfahren
haben, bestimmt ist. Das Werk ist wie die Westwood'schen
Arcana entomologica auf zwei starke Bände berechnet, welche
in Lieferungen von zwei bis drei Bogen Text und einigen
Kupfertafeln erscheinen. Von dem ersten Bande , welcher
die Jahreszahl 1857 trägt, ist die Hälfte des Textes übrigens
erst im folgenden Jahre und die dazu gehörigen Kupfertafeln
sogar bis jetzt noch nicht vollständig herausgegeben. Wenn
die Publicationen des Herausgebers, der sich nnt besonderer
Vorliebe der Familie der Cerambycinen zugewandt hat, gleich
den grössten Theil des Werkes in Anspruch nehmen, so sind
doch andre Pariser Entomologen nicht ganz ohne Theihiahme
an demselben geblieben, und ausser Beschreibungen einzelner
neuer Arten durch ßuquet, Chabrillac, Chevrolat, /
Guerin u. s.w. finden sich darin sogar einige anatomische
Darstellungen von Laboulbene und L. Dufour. In Be-
treff der Fülle des darin bekannt gemachten Materials und
in Rücksicht auf den Reichthum an ausgezeichneten und sel-
tenen neuen Formen, die in ihm enthalten sind, wird sich
das W^erk nothwendig als eine reiche Fundgrube bei der
Determination grösserer Sammlungen herausstellen und diesen
daher unentbehrlich werden ; auch stellen es seine vorzüglich
schön ausgeführten Abbildungen ohne Frage in die Reihe
der iconographischen Werke ersten Ranges , a sogar über
die meisten bisher erschienenen. Wie es aber vielen Wer-
ken der Art eigen ist , dass nämlich in Rücksicht auf die
Hülfe, welche die Abbildungen beim Beslimmen gewähren
können, die Beschreibungen nur nebenbei und damit sie nicht
fehlen , entworfen sind , so hat auch bei dem vorliegenden
unter der glänzenden Ausstattung der Tafeln die Brauchbar-
keit des Textes gelitten und bei Bestimmung von Arten,
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 231
welche nur durch Beschreibungen bekannt gemacht sind, wird
man nicht seilen in Ungewissheit über dieselben bleiben. Ref.,
der in dem vorliegenden Jahresbericht den ersten, im Text
vollständigen Theil des Werkes berücksichtigt, und die ein-
zelnen Abhandlungen desselben gehörigen Orts näher be-
sprochen hat, nahm hierbei Veranlassung, die als neu be-
schriebenen Gattungen und Arten des Verf. auf die hiesige
Königl. Sammlung zu prüfen; in manchen Fällen stellte sich
eine Identität mit bereits bekannten heraus, in viel zahlrei-
cheren aber die Unmöglichkeit, nach den Beschreibungen des
Verf. eine sichere Bestimmung zu treffen, so dass man ihm
fast rathen möchte, alle seine Publicationen durch so zahl-
reiche und schöne Abbildungen, wie er sie z. B. bei Tra^
gocephala, Anacolus und Compsosoma gegeben hat, zu illu-
striren. Das Werk gewährt übrigens noch dadurch ein
besonderes Interesse, dass es die interessantesten und neuesten
Entdeckungen verschiedener Englischer und Französischer
Reisenden, wie W a 1 1 a c e, F o r t u n e, B a t e s, D e y r o 1 1 e u. a.,
deren beste Ausbeute der Verf. stets zu acquiriren scheint,
in verhältnissmässig kurzer Zeit zur Kenntniss bringt.
Eine zweite periodische Publication, welche u. a. die
Bekanntmachung der reichen Entomologischen Schätze des
Leydener Museums in Aussicht stellt, ist unter dem Titel:
Memoires d'Entomologie, publies par la societe entomologique
des Pays-Bas sous la direction de J. van der Hoeven,
C. Verloren et S n e 1 1 e n van V o 1 1 e n h o v e n (I. Vol.
La Haye 1857, 8^, 194 pag. c. tab. 12 color.) erschienen.
Der erste vorliegende Band enthält ausser der Beschreibung
und Darstellung interessanter exotischer Insektenformen, die
meist den Niederländischen Besitzungen auf den Sunda-lnseln
angehören, auch mehrfache -werthvoUe Beiträge zur Biologie
und Metamorphose , einem Felde , welches von den IVieder-
ländischen Entomologen von je her mit Glück cultivirt wor-
den ist. Die Zeitschrift beschränkt sich nicht nur auf die
eigentlichen Insekten, sondern nimmt auch Arbeiten im Bereich
der übrigen Arlhropoden-Classen auf.
Ausserdem haben sich auch in Brüssel, Berlin und Wien
Liebhaber und Sammler inländischer Insekten dazu vereinigt,
durch Herausgabe periodischer Schriften ^die Wissenschaft
232 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
ZU fördern.^^ Zusammeiistelliingen von Lokalfaimen, Beschrei-
bungen einzelner neuer Arten und Gattungen, Uebersetzungen
und Auszüge aus ausländischen Publicationen, Referate über
einzelne Werke und Zeitschriften machen ihren Inhalt aus.
Die Titel dieser Zeitschriften sind: Annales de la societe
entoinologique Beige (Tome I. Bruxelles 1857. 8^ 173 pag.).
— Berliner Entomologische Zeitschrift,, herausgegeben vom
Entomologischen Verein in Berlin. (1. Jahrg. 1857. Berlin, 8^
206 pag. 1 Taf.) - Wiener Entomologische Monatsschrift.
(1. Bd. Wien 1857. 8«. 194 pag. 1 Taf.)
Staudinger machte (Entomol. Zeit. p. 209 — 289)
ausführliche Mittheilungen über seine im Jahre 1856 zu en-
tomologischen Zwecken unternommene Reise nach Island,
welche in so fern die grösste Beachtung verdienen, als von
den Insekten Islands bis jetzt so gut wie Nichts bekannt war.
Aus den vom Verf. vorausgeschickten Bemerkungen über die
climatischen und geognostischen Verhältnisse des Landes ist
hervorzuheben , dass die zwischen dem 63° 35' und 66^ 30'
liegende Insel im Süden eine mittlere Temperatur von 4°, im
Norden von 0** R. besitzt, dass ihre Witterung im Allgemeinen
sowohl nach den Jahren als nach den einzelnen Lokalitäten
eine sehr veränderliche ist, dass der Sommer sich aber im
Ganzen durch ausserordentlich vielen Regen hervorthut; nicht
selten regnet es im Juni und Juli vier volle Wochen hinter-
einander, in manchen Jahren sogar den grössten Theil des
Sommers hindurch. Der Verf. selbst hat im Süden Islands
einen besonders milden und trocknen Sommer angetroffen,
aber trotzdem von Ende Mai bis Ende Juni jeden Tag Regen
gehabt; die Temperatur war im Mai und Juni des Morgens
4"— 6« und stieg im Laufe des Tages bis auf 10°; zu Ende
Juli's und im August zeigte das Thermometer im Schatten
15° — 16^ Der Aufenthaltsort des Verf. war Thingvellir,
acht Meilen im Innern von der an der Südküste gelegenen
Hauptstadt Reykjavik entfernt, an dem etwa 5 Meilen im
Umfang messenden See Thingvalla vatn gelegen; die Vege-
tation war hier reichhaltig, wie aus der Zusammenstellung,
welche der Verf. von den dort beobachteten Pflanzen giebt,
hervorgeht , bestand aber ausser zwei Birken- und einigen
Weidenarten nur aus einjährigen Gewächsen; sehr allgemein
iJii Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 233
verbreitet und oft ausschliesslich grosse Strecken des Bodens
bedeckend, sind die Laubmose (Sphagnum), aus denen sich
hin und wieder Gramineen hervorarbeiten. Weit ausgedehnte
Wiesen mit üppig^em Graswuchs und Torfmoore wechseln mit
blosliegendem vulkanischen Gestein, hin und wieder mit
Lagen gelben Lehmes bedeckt, ab; das Terrain ist durch
tiefe Klüfte eigenthümlich zerrissen und steigt allmählig bis
zur Höhe von 2500' 3000' an , wo auf den ausgebrannten
Vulkanen der Schnee erst im August schmilzt. ~ Die von
Staudinger (in Verbindung mit zwei gleichzeitig im Nor-
den der Insel reisenden Sammlern) auf Island gemachte en-
tomologische Ausbeute beläuft sich im Ganzen auf 312 In-
sekten-Arten der verschiedenen Ordnungen; dass diese Zahl,
wenn auch keine absolut vollständige, doch der in Wirklich-
keit existirenden wenigstens nahe kommt, ist aus zwei Grün-
den anzunehmen, indem 1) von S t. alle Insekten , die ihm
überhaupt vorkamen, mitgenommen worden sind, und 2) die
im Norden veranstalteten Sammlungen überhaupt nur 12 nicht
im Süden aufgefundene Arten enthielten , woraus hervorzu-
gehen scheint, dass die Fauna der Insel überall eine grosse
Gleichförmigkeit darbietet. Was die einzelnen Ordnungen
betrifft, so sind die Dipteren mit 110 Arten am zahlreichsten
vertreten; ihnen zunächst stehen die Coleopteren mit 81 Arten,
dann folgen die Hymenopteren mit 61, die Lepidopteren mit
33, die Neuropteren mit 9, die Hemipteren mit 8, die Para-
siten mit 6 , die Poduren mit 3 — 6 Arten ; die Orthopteren
fehlen gänzlich. Die grösste Anzahl der Arten ist zugleich
im nördlichen und mittleren Europa vertreten, einige stimmen
mit Grönländischen, Labradorischen und Lappländischen über-
ein , andre sind zugleich auf den hohen Gebirgen Mittel-
Europa's heimisch, der geringste TheiL endlich ist neu, viel-
leicht auch specifisch Isländisch. Charakteristisch ist für viele
Arten (besonders Lepidopteren und Dipteren) eine starke Ver-
änderlichkeit in Farbe und Zeichnung und vorzüglich eine sehr
hervortretende Neigung zur Melanose, wie denn überhaupt
eine düstere Färbung vorwaltet. Den climatischen Verhält-
nissen angemessen ist das vollständige Fehlen der Tagfalter
und Schwärmer (übrigens auch der Bombyciden) unter den
Lepidopteren.
234 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Nach diesen Vorbemerkungen über die Insektenfauna Islands
im Allgemeinen geht der Verf. (a. a. 0. p. 228 ff.) auf eine ausführliche
Beschreibung der von ihm daselbst aufgefundenen 33 Lepidopteren
ein. Von denselben gehören 9 zur Familie der Koctuen (Episema
graminis , Agrotis islandica n. sp., rava, Noctua conflua , Triphaena
pronuba, Iladena exulis, Sommeri , Mamestra pisi und Plusia interro-
gationis), 10 zur Familie der Ger metriden (Cidaria tnihcata, munitata.
propugnata, caesiata, thulearia, alchemillata, Eupithecia scoriata n. sp.,
satyrata und valerianata), 3 zu den Tortrices (Teras maccana, Tortrix
pratana und Fenthina betiiletana) , 9 zu den Tineiden (Crambus pa-
scuellus, extiticlellns n. sp., Pempelia carbonariella, Tinea rusticella,
Plutella cruciferarum, Dalella, septentriomim n. sp. , Gelcchia Thule-
ella n. sp., Endrosis lacteella) und 1 (Pterophorus Islandicus n. sp.)
zu den Pterophoriden. Neben der Charakteristik der neuen oder un-
vollständig bekannten Arten, so wie ihrer zahlreichen Farben-Abän-
derungen werden Notizen über ihr Vorkommen , die Zeit ihres Er-
scheinens, so wie über die ersten Stände mehrerer gegeben. — Sodann
folgt (pag. 282 ir.} eine Aufzählung der Coleopteren Islands mit An-
gaben über ihr Vorkommen; sie vertheilen sich auf die einzelnen
Familien folgendermassen : 11 Carabicinen, 3 Dytisciden, 3 Palpicornen,
1 Silphide, 35 Staphylinen, 6 Cryptophagen, 1 JMycetophagide (^Typhaea),
3 Byrrhii , 1 Lamellicornc (Aphodius), 1 Elateride (Cryptohypnus),
2 Malthinen, 1 Ptinus. 9 Curculionen, 2 Chrysomelinen, 2 Lathridier,
1 Mycetaea. Davon sind neu 3 Staphylinen, die hier charakterisirt
werden. — Ueber die Hemipteren ist p. 228 eine kurze Notiz gegeben;
es sind drei lleteropteren (Anthocoris, Salda, Corisa) und von Homo-
pteren 1 Jassus, 1 Dorthesia und einige Aphis-Arten. — Ueber die
ihm zur Ansicht vorliegenden Dipteren kann Ref. vorläufig mittheilen,
dass unter circa 40 Nemoceren die Gattungen Tipula , Limnobia,
Erioptera , Trichocera . Macrocera, Sciophila, Mycetophila, Tanypus,
Chironomus, Thaumalea , Scatop«e, Ceratopogon, Psychoda. Simulia.
Bibio und Sciara vertreten sind ; von den übrigen Familien kommen
auf die Empiden 3, Dolichopoden 2, Syrphiden 13, Muscarien 45,
Pupiparen 2 Arten. Von den einzelnen Gattungen sind am stärksten
Chironomus (12), Syrphus (10), Anthomyia (18 Arten) vertreten; unter
den Acalypteren sind besonders die Gattungen Coelopa und Ürygma
erwähnenswerth.
Hagen (Entomol. Zeit. p. 381) bemerkt zu der vorstehenden
Abhandlung über die Insekteufauna Islands, dass in Th. G 1 i e m an n's
„Geographische Beschreibung von Island", Altona 1824, 8°. ein Ver-
zeichniss dort lebender Insekten enthalten sei, welches 82 Arten ver-
schiedener Ordnungen enthält; dieselben werden von H. einzeln nam-
haft gemacht.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 235
Ueber die Insektenfauna der im Südosten von Neu-
Giiinea liegenden Insel Woodlark (westlich von den Salomons-
Inseln) hat der Missionär Montrouzier eine grössere Ab-
handlung „Essai sur la faune de l'ile de Woodlark ou Moiou"
in den Annales des sciences physiques et naturelles, publiees
par la sociele d'agriculture de Lyon VII, 1. p. 1 — 114 und
VIII. p. 393—411 veröffentlicht, deren bis jetzt vorliegender
Theil sich auf die Ordnungen der Coleopteren, Orthopteren,
Hemipteren, Lepidopleren und einige Hymenopteren erstreckt.
Der Verf liefert eine systematische Aufzählung sämmtlicher
von ihm auf der Insel Woodlark gesammelten Arten , eine
in einzelnen Fällen genügende, meist aber sehr kurze und
unzureichende Charakteristik derjenigen, welche er für neu
ansieht und ergänzende Bemerkungen zu einzelnen von Fa-
bricius und Boiduval beschriebenen Species. Da die
beiden genannten Auloren überhaupt fast die einzigen sind,
welche der Verf. bei der Prüfung der ihm vorliegenden Ar-
ten gekannt und berücksichtigt hat, so versteht es sich bei
den umfangreichen Publicationen der Neuzeit über die ento-
mologische Fauna der Inseln des stillen Oceans von selbst,
dass seine Arbeit auch nach der literarischen Seite hin viel
zu wünschen übrig lässt, und es lässt sich eine Identität der
von ihm als neu aufgestellten Arten mit bereits bekannten in
vielen Fällen um so eher vermuthen , als es durch die Er-
fahrung festgestellt ist, dass nicht nur jene Inseln unter sich,
sondern auch zum Theil mit dem Festiande Neu - Uolland's
eine grosse üebereinstimmung in ihrer Fauna darbieten. Mit
diesem Mangel an einer genügenden Durcharbeitung der
vorhandenen Literatur hängt auch die Nomenklatur des Verf.
zusammen, in welcher sich mehrfach Gattungs- und Arlnamen
nachweisen lassen, die schon anderweitig verwendet worden
sind. Es giebt kaum eine Fauna, die in entomologischer Be-
ziehung einer gründlicheren Bearbeitung bedürfte, als die
des stillen Oceans , da durch mehrere französische Werke,
welche dieselbe behandeln , schon ohnehin viel versehen
worden ist : und andrerseits ist kaum eine zweite in Rücksicht
auf die Reichhaltigkeit an interessanten und merkwürdigen
Formen einer gründlichen Bearbeitung so werth, als gerade
diese. Es kann daher nur bedauert werden, dass die hier
236 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
in Rede stehende Fauna der Insel Woodlark nicht eine ein-
gehendere Behandlung erfahren hat.
Wjis den Charakter der Insektenfauna der Insel Woodlark im
Allgemeinen betrifft, so giebt der Verf. darüber in einer Einleitung
einige Andeutungen. Die Insel ist klein, niedrig, die Vegetation im
Ganzen mager, die Regenmenge gering, die Temperatur massig, indem
sie selten auf 36** Cels. steigt; der Mangel an vierfüssigen Thieren
bedingt z. B. das Fehlen der meisten Insektenformen , welche von
Cadavern leben, und überhaupt ist die Fauna nicht als eine besonders
reichhaltige zu bezeichnen. Als besonders bemerkenswerth sind
einige ausgezeichnete Phasmoden- Formen (Euryacantha Boisd.) her-
vorzuheben; auch unter den Schmetterlingen kommen einige ausge-
zeichnete neue, besonders farbenprächtige Arten vor. Unter den
Coleopteren überwiegen an Menge ganz besonders die Curculionen,
und ihnen schliessen sich als die artenreichsten Familien die Lamelli-
cornen, Cerambyciden und Tenebrioniten an.
Einen kleineren Beitrag zurKenntniss der Australischen
Insektenfauna hat New man „Characters of a few apparently
undescribed insects collected by James Gibbon at More-
ton - Bay" (Transact. of the entomol. soc. IV. p. 51--57)
geliefert. Derselbe enthält Beschreibungen einer Anzahl
neuer Arten aus den Ordnungen der Coleopteren, Dipteren
und Lepidopteren.
Ferner machte P. Edward s (Edinburgh new philosoph.
Journ., new ser. V. p. 351 ff.) in einem Briefe an Jones
Mitlheilungen über die Insektenfauna von Melbourne in Neu-
HoUand. „Entomology of the vicinity of Melbourne, Australia;
communicated in a letter to Mr. Jones, by P. Edwards."
— Der Verf. giebl darin eine gedrängte Uebersicht der Haupt-
formen aus den verschiedenen Insekten -Ordnungen, die bei
Melbourne einheimisch sind: für die Coleopteren, die noch
am eingehendsten behandelt sind, ist bemerkenswerth, dass
die Zahl der Individuen, in der sie auftreten, zuweilen enorm
ist, wie z. B. für Schizorrhina punctata und Australasiae,
welche der Verl. zu Tausenden beisammen traf.
Zur Kenntniss der Japanischen Insekten-Fauna lieferte
V. Motschulsky (Etudes entomol. VI, p. 25— 41) Beiträge.
Von Coleopteren werden 24 neue Arten, die zum Theil auch
eignen Gattungen angehören, beschrieben, ausserdem eine
Anzahl schon bekannter namentlich aufgeführt; von Hymeno-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 237
pteren ist nur eine neue Vespa charakterisirt, von Lepido-
pteren werden 44 bereits bekannte Arten aufgezählt.
Der zoologische Theil von Ramon de laSagra's
Werk über die Insel Cuba, von dem bisher mehrere Bände,
welche die Wirbel- und Weichthiere enthalten, erschienen
waren, ist im Jahre 1857 mit dem 7. Bande, die Artikulaten
umfassend , fortgesetzt worden. Der Titel heisst : Historia
iisica, politica y natural de la Isla de Cuba, por D. Ramon
de la Sagra. Secunda Parte: Historia natural. Tomo Vil.
Crustaceos , Aragnirles e Insectos. Paris, en la libreria de
Arthus Bertrand. 1856. — Der vorliegende Folio-Band um-
fasst XXXII und 371 Seiten Text und 20 colorirte Tafeln; der
Text ist in Spanischer Sprache abgefasst, die Diagnosen der
bereits beschriebenen Arten sowohl als der neu aufg-estellten
jedoch lateinisch. Wie der Titel besagt, umfasst das Werk
nicht nur die Insecta hexapoda, sondern auch die übrigen
Arthropoden, nämlich die Crustaceen, Myriapoden und Arach-
niden. Ein Vorwort von Guerin-Men e ville benachrich-
tigt uns davon , dass ihm die Redaction dieses Theiles der
Zoologie vom Herausgeber des Werkes übertragen worden
sei, und eine Nachschrift des letzteren (Ramon de la Sagra),
vom September 1857 datirl, deutet darauf hin, dass das Er-
scheinen des Bandes nicht in das Jahr 1856, wie der Titel
angiebt, sondern in das folgende und zwar in das Ende desselben
fällt. An der Bearbeitung der einzelnen Classen und Ordnungen
der Gliederthiere haben sich ausser G u e r i n mehrere der
französischen Entomologen betheiligt, wie dies aus folgender
Uebersicht des Inhalts hervorgeht: pag. V—XXIII Crustaceen,
von Guerin; p. XXIV — XXXII Arachniden und Myriapoden
von Lucas; pag. 1—136 Coleoptera von Jacquelin du
Val; pag. 136— 148 Orthoptera von Guerin; pag. 149-182
Hemiptera von Guerin; pag. 183 — 201 Neuroptera (fast
ausschliesslich Libellulinen) von de S elys-L o n g cha mps;
pag. 202 — 313 Lepidoptera von Lucas (mit Benutzung eines
Manuscripts über Cubensische Schmetterlinge von L e f e b v r e,
dessen Beschreibungen darin aufgenommen sind); pag. 314 —
327 Hymenoptera von Lucas, die Vesparien jedoch von
de Saussure; pag. 328 — 349 Diptera vonBigot. ~ Was
das Material betrifft, welches der Ausarbeitung des Werkes zu
238 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Grunde gelegt worden ist, so ist ausser dem von dela Sagra
bei seiner Durchforschung der Insel Cuba zusammengebrachten
auch Manches von Pocy in Habana eingeschickt worden und
ausserdem haben mehrere der bedeutenderen Pariser Samm-
kingen das Ihrige zur Vermehrung beigetragen. Trotzdem
ist die Zahl der aufgeführten und beschriebenen Arten im
Verhältniss zu den aus Cuba bisher bekannten und z. B. auch
zu den in der hiesigen Königl. Sammlung befindlichen eine
sehr geringe, und während in letzterer die Zahl der unbe-
schriebenen Arten nicht unbeträchtlich die der bereits be-
kannten übertreffen möchte, bleibt sie in der vorliegenden
Fauna weit hinter den letzteren zurück. — Die beifolgenden
Tafeln sind sowohl in der Zeichnung als im Colorit gut
ausgeführt und enthalten neben der bildlichen Darstellung
der als neu beschriebenen Formen nebst den sie erläuternden
Detail - Zeichnungen auch zahlreiche schon früher bekannt
gemachte Arten; den Crustaceen sind 3, den Arachniden 2,
den Coleopteren 6, den Orthopteren und Hemipteren je 1,
den Lepidopteren 4, den Hymenopteren 2 und den Dipteren 1
gewidmet; die erste Hymenopteren - Tafel enthält zugleich
die Abbildung von 2 Agrioniden.
Um auf die einzelnen Theile des Werkes specieller einzugehen,
so beschränken sich die aufgeführten Crnstaceen fast ausschliesslich
auf die Abtheilung der Decapoden, indem ausser diesen nur 3 Stoma-
topoden , 1 Isopode und 1 Limulus die einzigen Vertreter der um-
fangreichen übrigen Ordnungen sind ; unter den Decapoden sind von
Interesse die schon früher von Guerin beschriebene Gattung Hypo-
concha und einige Larven- Formen von lirachyuren , die unter den
Galtungen Zoea und Zoeidcs beschriebt n und abgebildet werden. —
Unter den Arachniden befinden sich einige Scorpioniden und Solifugen,
die übrigen gehören der Abtheilung der Araneiden an. — Von My-
riapoden : 1 Spirobolus und 2 Scolopendren, sämnitlich bereits bekannt.
— Von Coleopteren sind nahe an 100 neue Arten beschrieben, welche
durchweg in bereits bekannten Gattungen untergebracht sind , wenn
auch zum Theil in solchen, die (wie mehrere der in D ej ean's Catalog
aufgeführten) noch nicht näher begründet wurden. Ueberhaupt hat
hier für den Verf. öfter der T) ej e an'sche Catalog als genügende Auto-
rität für Gattungen gegolten, die seitdem von Anderen charakterisirt
worden sind, so wie er sich auch öfter damit begnügt hat, Arten unter
unrichtigen Gattungen, denen sie zuertheilt worden sind, zu belassen;
2- ß. Eriphus Lanieri, dimidiatus und dimidiatipennis, welche alle drei
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 239
mit der Clattung Eriphus nichts gemein haben. — Unter den Ortho-
pteren sind 8 Arten aus den Forficiilarien und Blattinen als neu be-
schrieben, die übrigen bekannte. — Grösser ist die Zahl der neuen
Arten unter den Hemipteren, wo sie sich gegen 50 beläuft; bei weitem
die meisten derselben fallen den Heteropteren zu und auf einige in-
teressantere Formen derselben wurden auch neue Gattungen begründet-
(Coreodes, Capsini). — Die Neuroptcren (Pseudo-Keuropteren). sämmt-
lich Libellulinen . sind mit 14 neuen Arten bereichert; von ächten
Neuropteren sind nur 2 Ascalaphus-Arten angeführt. — Von besonderem
Interesse ist das Verzeichniss der Lepidopteren, welches durch Lucas'
Zusammenstellung recht reichhaltig erscheint; es sind in dasselbe die
zahlreichen Cubensischen Lepidopteren, welche von Foey in zwei
Werken (3Ieniorias sobre la historia natural de la Isla de Cuba I. und
Centurie des Lepidopteres de l'ile de Cuba, beide wenigstens in Deutsch-
land nicht ])ekannt geworden) beschrieben und abgebildet worden sind,
nach ihren Diagnosen aufgenommen, so dass dieselben jetzt zur all-
gemeinen Kenntniss kommen- Die Fülle an Rhopaloceren ist nach
dieser Aufzählung sehr gross und in faunistischer Hinsicht ist dieser
Theil des Werkes daher ohne Zweifel der interessanteste ; auch die
Zygaeniden und Sphingiden sind noch reichhaltig verlreten, die übri-
gen Familien dagegen sehr dürftig und die 3Iicrolepidopteren fehlen
gänzlich. Die als neu beschriebenen Arten, deren grösster Theil von
einem Manuscript Lefebvre's herrührt, belaufen sich auf 34; die mei-
sten gehören zu den Rhopaloceren, einige den Zygaeniden, 1 den
Sphingiden und 1 den ßombyciden an. — Die Hymenopteren sind
wieder schwach vertreten und mit Ausnahme zweier neuer Apiarien
bereits bekannt. Am dürftigsten sind jedoch sowohl in Betreff der
Artenzahl als in Rücksicht auf die ungenügende Beschreibung der
neuen die Dipteren davongekommen ; die Zahl der letzteren beträgt
23 und bei den bereits bekannten hat sich der Bearbeiter nicht einmal
die Mühe gegeben, die Bände, in welchen sie von Macquart und
Wiedemann beschrieben worden sind, anzuführen. — In Bezug auf
die Ausstattung des Werkes ist zu bedauern , dass der Text von den
gröbsten Druckfehlern förmlich wimmelt, besonders in einzelnen Thei-
len; auf p. 113 ist z. B. in einer Diagnose der Passus „altera ante
apicem magis obliqua" statt einmal dreimalnach einander gedruckt;
Citate von Autoren mit Auslassung der pag. oder tab. und fig.. wie
z. ß. auf p. 110 wiederholen sich ebenfalls öfter.
lieber einzelne Faunengebiete Europa's wurden folgende
kleinere Mitlheilungen, welche theils allgemeiner, theils spe-
cieller Natur sind, gemacht:
Dohrn (Entomol. Zeitung p. 355— 372) berichtete über
eine zu entomologischen Zwecken nach Italien bis Neapel
von ihm unternommene Reise; die Notizen, welche der Verf.
240 Gerstaeckor: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
giebt, betreffen einerseits die in verschiedenen Städten Italiens
befindlichen öffentlichen nnd Privatsamnihmgen, andrerseits
die Lebensweise und das Vorkommen einzelner interessanter
Insekten, besonders Coleopteren, welche er selbst zu sammeln
und zu beobachten Gelegenheit hatte.
A. Costa, Do quibusdam novis Insectorum generibus
descriptis iconibusque illustratis (Mcmorie della Reale Acca-
demia delle scienze di Napoli, Vol. II. p. 219—233, c. tab. I). —
Der Verf. liefert Beschreibungen und Abbildungen einiger
interessanter neuer Gattungen aus den Ordnungen der Co-
leopteren, Neuropteren, Hymenopteren, Hemipteren und Di-
pteren, sämmtlich aus dem Königreich Neapel stammend. Die-
selben sind gehörigen Orts einzeln aufgeführt worden.
Six erörterte in einem Aufsatze, betitelt: „Eene ento-
mologische wandeling in Auguslus in de omslreken van
Driebergen" (Memoires d'entomologie publ. p. 1. soc. entom.
des Pays - Bas 1. p. 14) die interessantesten Insekten der
Umgegend von Driebergen , welche er im August daselbst
gesammelt und beobachtet hat; besonders sind es die Ord-
nungen der Coleopteren , Dipteren und Hymenopteren , aus
denen die bemerkenswerlheren und seltneren Arten hervor-
gehoben und besprochen werden.
B 0 h e m a n (Oefversigt af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl.
XIV, p. 15 — 24} behandelte in gleicher Weise die von ihm
auf einer Reise nach Umeä- Lappmarken erbeuteten und be-
obachteten Insekten.
Pcrris hat (Annales de la soc. Linneenne de Lyon IV.
1857, p. 83—180) unter dem Titel: „Nouvelles excursions
dans les Grandes Landes" seinen früheren Mittheilungen über
die an jener Lokalität vorkommenden Insekten eine dritte
(in Briefform an Mulsant abgefasst) hinzugefügt, welche wie
die vorhergehenden ein interessantes Bild der dortigen In-
sektenfauna liefert und mannigfache werihvolle Beobachtungen
über Biologie einzelner Arten u. s. w. enthält. Der allge-
meinen Darstellung lässt der Verf. eine Ayfzählung der von
ihm gesamjuelten Insekten aus den Ordnungen der Coleopteren,
Orthopteren, Neuropteren, Hymenopteren, Hemipteren und
Dipteren nebst Bemerkungen über ihre Lebensweise und ihr
Vorkommen folgen (.von Lepidopteren sind nur wenige, sei-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 241
tenere Arten angeführt) ; von Coleopteren und Hemipteren
sind zugleich diejenigen, welche sich als neu ergeben haben,
beschrieben worden.
Fairmaire (Annales d. 1. soc. entom. V. p. 619 — 647)
machte Mitlheilungen über eine von derSociete entomologique
nach Montpellier unternommene Excursion und gab eine
Aufzählung der daselbst von mehreren Mitgliedern gesammelten
Insekten aus den Ordnungen der Coleopteren (567 Arten),
Hemipteren (28 A.) und Lepidopteren (97 A.); von Coleo-
pteren werden einige Arten zugleich als neu beschrieben.
„Entomological notes" by H. Haliday (Natural history
review, IV. Proceed. of societ. p. 31 fT.) enthalten Bemerkungen
über das Vorkommen und die Lebensweise der seltneren und
interessanteren Insekten verschiedener Ordnungen aus der
Umgegend von Dublin.
In ßielz's „Handbuch der Landeskunde Siebenbürgens,
eine physikalisch - statistisch - topographische Beschreibung
dieses Landes" (Hermannstadt 1857, S«.) findet sich p. 118 ff.
bei der Erörterung der Fauna Siebenbürgens auch eine Zu-
sammenstellung der seltneren und zum Theil dem Lande
eigenthümlichen Insekten, besonders aus den Ordnungen der
Coleopteren und Lepidopteren; die aufgeführten Arten sind
mit Angaben über ihre speciellen Fundorte versehen, bei
einzelnen (Carabus) die geographische Verbreitung erörtert.
S c h m i d 1 gab in seiner Beschreibung der Baradla-Höhle
in Ungarn auch Nachrichten über die in derselben vorkom-
menden Thiere (Sitzungsberichte der mathemat. naturwiss.
Classe der Akad. d. Wissensch. zu Wien XXII. p. 579 ff.j.
Von Gliederthieren (p. 592) werden 2 Dipteren, 1 Staphylin,
2 Acarinen und 1 Isopode, sämmtlich schon aus anderen Höhlen
bekannt und beschrieben, namhaft gemacht.
Von A. Becker ist im Bulletin de la soc. imp. des
naturalistes de Moscou 1857, I. p. 250—272 ein „Naturhisto-
rischer Bericht aus der Umgegend von Sarepta v. J. 1855
und einige Bemerkungen über das Tödten der Insekten^^ er-
schienen. Der Verf. giebt darin Nachricht über die Erschei-
nungszeit von Insekten aller Ordnungen und macht mannig-
fache Mittheilungen über ihr Vorkommen und ihre Lebens-
weise bei Sarepta ; auch die vorzüglichsten Raupenfeinde aus
Archiv f. Naturgesch. XXIV. Jahrg. 2. Bd. Q
242 Geistae ck e r: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
der Ordnung" der Hymenopteren werden besonders berücksich-
tigt. Der Aufsatz ist sehr inhaltreich und für die geographische
Verbreitung der Insekten von besonderem Interesse, voraus-
gesetzt, dass man sich auf die richtige Determination der
angeführten Arten verlassen darf.
Notizen über die Lebensweise verschiedener Insekten,
die zum Theil nicht ohne Interesse sind, lieferte von
Motschulsky (Etudes entomol. VI. p. 74 ff.).
Die erwähnten Arten sind: Ludius gernianus, Lanipyris splen-
didula , Serropalpus barbatiis, (libbiuni scotias , v^-cherontia atropos,
Harpyia vinula, Micana sparsana, Heliothis scutosa, Acariis lactucae.
Boie theilte (Entomol. Zeitung p. 192—200) Beobach-
tungen und Bemerkungen über die Lebensweise und Ent-
wicklungsgeschichte verschiedener Insekten mit, die an ihrem
Ort einzeln vermerkt worden sind.
Heeger setzte seine Beiträge zur Naturgeschichte der
Insekten (Sitzungsberichte der mathem. nalurwiss. Classe der
Akad. d.Wissensch. zu Wien XXIV, p 315-334, mit 6 Taf.)
mit einem 16. Theile fort, welcher sich diesmal auf die Ord-
nung der Coleopteren beschränkt; wie gewöhnlich sind darin
die ersten Stände und die Verwandlungsgeschichte von 6 Arten
erörtert.
Als Handbuch für das Anfänger-Studium der Entomo-
logie ist zu nennen : Elements of Entoinology, an outline of
the natural history and Classification of British Insects, by
W. Dallas. London, J. van Voorst 1857. (8«. 424 pag.).
Der Verf. beabsichtigt mit diesem Werk eine Lücke auszufüllen,
die darin bestehe, dass bisher kein Werk über Entomologie existire,
in welchem eine Uebersicht der Gruppen der eiuheimischen Insekten
in populärer Weise gegeben sei; mag dem sein, wie ihm will, so
ist die vorliegende Arbeit von Dallas jedenfalls eine sehr brauch-
bare, sei es um Anfänger in das wissenschaftliche Studium der Ento-
mologie einzuführen, sei es um dem Laien die nölhigsten Kenntnisse
auf diesem Felde zu verschaffen. Der Verf. beginnt mit einer ge-
drängten Darstellung des gesammten Körperbaues der Insekten und
ihrer Metamorphose (p. 1—50), lässt dann eine Eintheilung in Ord-
nungen, welche er in die Abtheilungen der Metabola , llemimetabola
und Anietabola bringt, folgen (p. 51 — 59). Unter der ersten Abthei-
lung begreift der Verf. sechs Ordnungen, nämlich ausser den Coleo-
pleren, Hymenopteren, Lepidopteren und Dipteren die als gleichwerthig
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 243
hingestellten Strepsipleren und Aphanipteren ; die Strepsipteren werden
als zunächst mit den Coleopteren verwandt neben diesen abgehandelt,
obwohl sie bei gründlicher Abwägung ihrer Charaktere unter allen
Insekten gerade mit diesen am wenigsten Verwandtschaft darbieten.
Unter die Hemimetabola rechnet der Verf. noch die gesammten Neu-
ropteren im Sinne der älteren Autoren, sowohl die mit vollkommener
als mit unvollkommener Metamorphose. — Bei den einzelnen Ord-
nungen geht der Verf. auf die Charaktere und die Naturgeschichte
der einheimischen Familien ein und erwähnt unter denselben jedes-
mal die bekannteren Gattungen und Arten.
In paläontographischer Beziehung sind zwei Libellen-
Reste aus dem lithographischen Schiefer von Solenhofen zu
erwähnen, welche von Giebel (Zeitschrift f. d, gesammt.
Nalurwiss. IX. p. 373 ff.) bekannt gemacht wurden. Der
eine besteht in einem vollständig erhaltenen Vorderflügel
einer Aeschna, welche Aeschna multicellulosa genannt, der
zweite in den noch am Körper haftenden vier Flügeln eines
Insektes, das als Calopieryx lithographica bezeichnet wird;
letzterer Abdruck ist nach der auf Taf. 5 gegebenen Abbildung
nur undeutlich und könnte wohl zu verschiedenen Deutungen
Anlass geben.
Von Wichtigkeit für die Entomologische Bibliographie
ist die von Hagen (Entomol. Zeitung XVIII. p. 5 — 12 und
p. 20Ö ff.) gelieferte Zusammenstellung der Entomologischen
Arbeiten T hu nb er g's, welche in den meisten Bibliotheken
fehlend , nur wenig Berücksichtigung von den ausserschwe-
dischen Autoren erfahren haben. Mit der Aufzählung der
zahlreichen AYerke Thunberg's, welche H. selbst zu
durchmustern Gelegenheit hatte, wird eine genaue An-
gabe des Inhalts bis auf die beschriebenen Arten herab
verbunden.
Thomson (Archives entomol. I. p. 91—104) schrieb
eine „Histoire d'Aristote et de ses oeuvres", in welcher er
die Insekten-Namen des Aristoteles aufzählt und bespricht.
Ueber die Enlomologischen Arbeiten v. J. 1853 — 54 hat
Boheman der Akademie der Wissenschaften zu Stockholm
einen Bericht abgestattet: Berättelse om framstegen i Insek-
ternas, Myriapodernas och Arachnidernas Naturalhistoria för
1853 och 1854 tili Kongl Yetenskaps Akademien afgifven äf
C. H. Boheman (Stockholm 1857, 8". 295 pag.).
244 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Coleoptera.
Leon Dufour hat in den Annales des sciences na-
turelles, 4. ser. VIII. p. 11—17 und p. 365-376, pl. I. und
Vlll. „Fragments d'anntomie enlomologique" veröffentlicht, in
denen er anatomische Untersuchungen über einzelne Organ-
systeme verschiedener Coleopleren mittheilt. Von ßrachyderes
lusitanicus ist das Nervensystem , w^elches nach der Auffas-
sung des Verf. mehrfache Eigenthümlichkeilen darbietet, er-
örtert (p. 11 ff.), von einigen Elateriden der weibliche Genital-
apparat (p. 365 ff.), von Melandrya serrata der Digestionsapparal
und ebenfalls die weiblichen Genitalien (p. 373), von Cebrio
Carrenoi der Digestionsapparat und die männlichen Geschlechts-
theile (p. 374 f.).
Das Nervensystem des Brachyderes lusitanicus zeigt, wie dies
bereits von anderen Curculionen bekannt geworden ist, die Eigen-
thümlichkeit, dass die Thorax- und Abdoniinal-Ganglien stark concentrirt
sind, ein Umstand, der dem Verf. nicht bekannt zu sein scheint
und der ihn zu unrichtigen Deutungen verleitet hat. Das erste auf das
Gehirn folgende Ganglion bezeichnet er als erstes Thoraxganglion (es
liegt nach ihm im Prothorax eingeschlossen), obwohl es augenscheinlich
als Ganglion infraoesophageum anzusprechen ist, was schon daraus
hervorgeht, dass es nicht die Nerven an das erste Beinpaar abgiebt.
Das zweite Thoraxganglion (nach Dnfour), in Wirklichkeit aber das
erste, ist in den Mesothorax gerückt, schickt jedoch zwei Schenkel-
nerven zum ersten Beinpaar ; das dritte und vierte, mit einander ver-
schmolzen und die Nerven zu den beiden hinteren Beinpaaren abgebend,
sind als zw^eites und drittes Thoraxganglion anzusehen und der ausser
den Beinnerven daraus entspringende Nerv, dessen Natur dem Verf.
unklar ist, gehört offenbar den Flügeldecken an. Sowohl diese beiden
verschmolzenen Ganglien , als zwei sich ihnen eng anschliessende
liegen nach Duf. im Metathorax ; die letzteren beiden sind, wie aus
der Zeichnung hervorgeht, d^ie nach vorn gerückten und verschmol-
zenen Abdominalganglien, welche also nicht, wie der Verf. es glauben
möchte, bei Brachyderes fehlen, sondern sich wie gewöhnlich bei den
Curculionen den Thoraxganglien nähern.
Die Elateriden, deren weiblichen Genitalapparat der Verf. beschreibt
und auf Taf. 8 abbildet, sind Elater sanguineus, J.udius ferrugineus und
Lacon murinus. Während bei letzterem die Ovarien je zwei gesonderte
Bündel von Eiröhren besitzen , haben die der ersteren sie zu einem
einzigen Bündel (wie gewöhnlich) vereinigt. (Bei der Beschreibung
der einzelnen Theile der Ovarien setzt der Verf. seine frühere Ter-
minologie v. J. 1824 auseinander, was wenigstens in sofern zweckmässig
ist, als sie sonst wenig verständlich wäre; die Vorzüge derselben vor
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 245
der von Stein und v. Siebold angewandten, die der Verf. als un-
zweckmässig bezeichnet, möchten wohl Niemanden als ihm selbst ein-
leuchten!).— Von besonderem Interesse sind die sehr eigenthiimlichen
Formen der Anhangsdrüse der Bursa copulatrix (Receptacuhini seminis ?)
bei den genannten drei Arten, welche untereinander sehr verschieden
sind; bei Elater sanguineus besteht diese Drüse aus zahlreichen, ein-
fach verästelten Schläuchen, welche alle dicht neben einander in das
äusserste Ende der „Bursa copulatrix" münden, bei Ludius ferrugineus
ist sie dreilappig, jeder Lappen mit kleinen J51inddärmchen wie ge-
franzt, und durch einen gemeinsamen Ausführungsgang mit der„Bursa
copulatrix" verbunden. Die ganz absonderliche Form derselben bei
Lacon murinus, schon aus den früheren Untersuchungen des Verf.
bekannt, wird hier nochmals erörtert und abgebildet.
Bei Melandrya serrata sind Speicheldrüsen in Form eines dünnen,
capillaren Gefässes jederseits vorhanden; der Oesophagus ist sehr kurz,
der Chylusmagen cylindrisch, fast gerade ; am Darm sind Intestinum,
Coecum und Rectum unterschieden, letztere beide von gleicher Länge ;
von Gallengefässen sind sechs vorhanden. — Die Ovarien sind ver-
hältnissmässig gross, aus sehr zahlreichen und viellappigen Eiröhren
bestehend; am Ovidukt sitzt linker Hand eine ovale Bursa copulatrix,
rechts eine gestielte „glande sebifique" (?) an. — Die Tracheen sind
durchweg röhrenförmig.
Bei Cebrio Carrenoi finden sich röhrenförmige Tracheen, drei
Thorax- und sechs Abdominal - Ganglien ; der Tractus intestinalis ist
etwa doppelt so lang als das Insekt, der Oesophagus kurz und dünn,
der Chylusmagen fast gerade, cylindrisch, der Darm capillarisch dünn
und schlingenförmig zurückgebogen ; nur vier Vasa Malpighi vorhan-
den. Die Mittheilungen über den männlichen Geschlechtsapparat sind
nur fragmentarisch ; zwei „vesiculae seminales", eine grössere , keu-
lenförmige, kürzere und dickere, eine zweite kleinere, nach hinten
gebogene, sind vorhanden; der Ductus ejaculatorius ist ziemlich dick,
cylindrisch und von massiger Länge.
Der vierte Band von Th. Lacordaire's „Genera des
Coleopteres" (Paris, Roret 1857) behandelt in der bei Gele-
genheit der früheren Theile näher bezeichneten Weise die
auf die Lamellicornen folgenden Familien der Buprestiden,
Throsciden, Eucnemiden, Elateriden, Cebrioniden, Cerophy-
tiden , Rhipiceriden , Dascylliden, Malacodermen, Cleriden,
Lymexylonen, Cupesiden, Ptinioren, Bostrichiden und Cissiden.
— Wenn sich schon bei den früheren Theilen des Werkes der
ungemeine Nutzen, welchen die systematische Kenntniss der
Coleopteren durch diese ebenso mühsame als in ihrer Aus-
führung vortreffliche Arbeit des Verf. erhält, genugsam her-
246 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
ausstellte, so wird derselbe erst in seiner vollen Bedeutung
an dem vorliegenden vierten Bande klar, in welchem der Verf.
sich zum grossen Theile solchen Familien zuwenden musste,
die entweder einer zusammenhängenden systematischen Be-
arbeitung noch ganz entbehrten oder durch vollständig un-
berufene Hände eine derartige erfahren hatten , welche, wie
z. B. die Laporte und Gory'sche der Buprestiden, noch viel
schlimmer als gar keine ist. Dergleichen dilettantische Ver-
suche in eine wissenschaftliche Form zu bringen, ist ent-
schieden der mühevollste, undankbarste und zeitraubendste
Theil eines Werkes, wie das vorliegende; um so höher ist
aber die Consequenz und Arbeitskraft seines Verf. anzuschlagen,
durch welche ein so glückliches Ueberwinden dieser Klippen
in so kurzer Zeit zu Stande gebracht werden konnte. Schon
aus den Namen der oben angeführten Familien, unter denen
einerseits mehrere bisher nicht als solche aufgestellte figu-
riren , andrerseits einige , die längere Zeit üblich gewesen
sind, fehlen , lässt sich zur Genüge ersehen , wie weit sich
der Verf. in das Studium des ihm für diesen Band vorlie-
genden Materials vertieft hat: ganz abgesehen davon, dass
innerhalb dieser Familien das systematische Skelett von den
Gattungen aufwärts fast ganz und gar seine Arbeit war, für
die ihm nur hier und da in früheren Werken einzelne
Bruchstücke vorlagen.
Um in Kurzem auf die Hauptzüge der Systematik des Verf. in
Betreff des Umfangs und der weiteren Gliederung der einzelnen Fa-
milien einzugehen, so sei bemerkt, dass er für die Eintheilung der
Buprestiden in sehr glücklicher Weise die von Er ich s o n zuerst her-
vorgehobenen Modificationen in der Porenbildung der Fühler (bekannt-
lich als Geruchsorganc angesprochen) verwerthet hat; es stellen sich
darnach drei Gruppen: Julodides, bei denen die Poren zerstreut und
durch eine eigenthümliche Pubescenz bedeckt sind, Chalcophorides,
bei denen dieselben ebenfalls zerstreut, aber an beiden Seiten der
Fühlerglieder deutlich sichtbar und wahre Buprestiden, bei denen die
Poren in einer Grube jedes Fühlergliedes concentrirt sind, heraus. Zu
den Julodiden gehören hiernach nur die Gattungen Sternocera und
Julodis, zu den Chalcophoriden die Gattungen Steraspis , Catoxantha,
Chrysochroa, Cyria (Untergruppe der Chrysochroiden), — Euchroma,
Chalcophora, Ilalecia, Pclecopselaphus, Chryseslhes (Untergruppe der
tigenllichcn Chalcophoriden), — Psiloptera, Latipalpis, Capnodis und
Cyphosonia (Untergruppe der Psilopteriden) , zu den eigentlichen Bu-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 247
prestiden endlich alle übrigen Gattungen. — Die Familie der Throsciden
hat der Verf. für die beiden Gattungen Throscus und Lissomus (wo-
mit Drapetes zusammenfällt) festgehalten. — Aus der Familie der
Eucnemiden schliesst der Verf. nach Latreille's Vorgang die Gat-
tung Cerophytuui, auf die er eine eigne Familie Cerophytides (zwischen
Cebrioniden und Rhipiceriden eingeschaltet) gründet, aus und theilt
dieselbe sodann in drei Gruppen: Melasides (Gattungen Melasis und
Tharops) , Eucnemides vrais (die übrigen der Familie angehörigen
Gattungen umschliessend) und Perothopides (für die Galtung Perothops
Esch., die bisher den Elateriden beigezählt wurde, errichtet). In
Betreff der Nomenklatur der Gattung Pterotarsus Esch. sei erwähnt,
dass auf sie der Name Ptilodactyla Illig. zu beziehen ist, indem die
Ptilodactyla elaterina Illig. nach Ausweis des hiesigen Musei mit der
Melasis tuberculata Dalm. zusamuienfällt ; mit der Gattung Ptilodactyla
Latr. hat, wie schon Erichson erwähnt, die Illigersche Gattung
gleiches Kamens nichts gemein. (Vgl. Lacordaire, Genera IV.
p. 279. Anmerkung.) — Durch lange fortgesetztes Studium der Ela-
teren - Fauiilie ist der Verf. zu dem Resultat gelangt, dass wesentliche
Charaktere zur Begründung einer rationellen Eintheilung derselben
nicht aufzufinden sind; er nimmt acht Gruppen an, welche von
Candeze in seiner Monographie dieser Familie (siehe Elaterides!)
festgehalten worden sind. — Die Cebiioniden trennt L. mit Recht
als Familie von den Elateriden ab, indem er die Gattung Physoda-
ctylus nach Latre i 1 1 es Vorgang dazu heranzieht. — Die Rhipiceriden
sind in dem von La p orte und Guerin festgestellten Umfang ge-
blieben. — Die Dascylliden zerfallen in 5 Gruppen: Artematopiden
(Gattung Artematopus), eigentliche Dascylliden, Ptilodactyliden, Euci-
netiden (Gatt. Eticinetus) und Eubriaden (Gatt. Eubria). — Unter dem
L a t r e i 1 1 e'schen Familiennamen Malacoderniata (mit Ausschluss einiger
fremden Elemente) vereinigt der Verf. die in Deutschland seit längerer
Zeit getrennten Familien der Lyciden, Lainpyriden, Telephoriden,
Driliden und Melyriden, indem er denselben nur den Rang von Grup-
pen einer und derselben Familie zuertheilt; ein wie grosses und un-
brauchbares literarisches Material der Verf. u. a. auch hier zu be-
wältigen hatte, ergiebt die Notiz, dass er die 64 von von M o t-
schulsky unter den Lampyriden aufgestellten Gattungen geprüft,
aber davon nur zwei als begründet befunden hat. — Für die Ein-
theilung derClerier in zwei Gruppen: eigentliche Clerier undEnopliiden
nimmt der Verf. das von Klug zuerst hervorgehobene Merkmal der
pentamerischen oder tetramerischen Tarsen an und zieht zur Begrün-
dung dieser Gruppen den von Spinola angegebenen Unterschied
in Bezug auf die mit dem Pronotum verwachsenen (Clerier) oder die
von demselben getrennten Pleuren (Enopliiden) heran. — Auf die
kleine Familie der Lyiuexylonen folgt (ebenfalls nach Latreille's
248 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Beispiel) die der Cupesiden, auch jetzt noch auf die einzige Gattung
Cupes beschränkt. — Die Ptiniores theilen sich nach der Einfügung
der Fühler auf der Stirn oder am Vorderrand der Augen in die Grup-
pen der Ftinides und Anobiides ; getrennt -werden von denselben als
eigne Familie unter dem Namen Bostrichides die mitApate verwandten
Gattungen; den Schluss des Bandes bildet die Familie der Cissiden.
Von monographischen Arbeiten über ganze Familien der
Coleopteren ist de Marseul's „Essai monographique sur la
famille des Histerides", welcher die letzten Jahrgänge der
Annales de la societe entomologique gefüllt hat, nunmehr im
5. Bande p. 109 nnd 397 fF. durch einen allgemeinen Theil
und nachträgliche Berichtigungen und Zusätze abgeschlossen
worden. Zugleich sind in diesem Jahre zwei andre ähnliche
Arbeilen begonnen worden, von denen
M. E. C a n d e z e's „Monographie des Elaterides« (Tome I.
Liege 1857, 8°. 400 pag. 7 tab. lith.) in durchaus wissen-
schaftlichem Sinne angelegt, sich den trefflichsten systema-
tischen Werken, besonders denen von Lacordaire über
die Phytophagen und Erotylenen würdig zur Seite stellt. Das
Werk ist in den Memoires de la soc. royale des sciences de
Liege (Tome XII.) publicirt, unter obigem Titel jedoch auch
selbstsländig erschienen; dasselbe wird mindestens drei Bände
füllen.
Die zweite Arbeit von J. Thomson, „Monographie
des Cicindelides ou expose methodique et critique des tribus,
genres et especes de cette famille" (Paris, gr. 4«. 1.--3.
Livr. 1857) ist ein iconographisches Prachtwerk, welches in
ähnlicher Weise wie die früheren Französischen von Lap orte
und Gory über die Buprestiden und Clytus, von Gory und
Percheron über die Melitophilen u. a. hauptsächlich eine
bildliche Darstellung der Arten zum Zweck hat, jene aber an
'Volkommenheit der Abbildungen weit überragt.
Jacquelin duVal „Note sur les familles des Cucujides,
Cryptophagides et suivantes"(Ann. d. 1. soc. entom. V. p. 100 f^,)
machte Bemerkungen über die Abgränzung der von ihm als
verwandte Familien angesehenen Passandriden , Cucujiden,
Brontiden , Silvaniden, Mycetaeiden, Mycetophagiden , La-
thridier und Cryptophagiden. Die Ansichten des Verf. über
den Umfang dieser Familien weichen von denen Erich s on's
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 249
in mehrfacher Beziehung wesentlich ab, sind aber keineswegs
der Art, dass sie durch ihre Abweichungen Beifall gewinnen
könnten, ganz abgesehen davon, dass nur auf die wenigen
inländischen Formen Rücksicht genommen worden ist.
Die Passandriden des Verf. beschränken sich auf die Gattung
Prostoniis , die Cucujiden auf Cucujus und Laeniophloeus; zu den
Brontiden wird ausser den bisher dazu gerechneten Formen Lyctus
gebracht: die Silvaniden umfassen ausser Sihanus und Psammoecus
die Gattungen Telmatophilus , Byturus, Diphyllus , Diplocoelus und
Orestia (Byturus gehört entschieden zu den Melyriden, Orestia ist eine
Chrysomeline. Ref.) ; die Mycetaeiden bestehen aus Mycetaea, Symbiotes,
Leiestes, Myrmechixenus und Lithophilus (die drei ersten Gattungen
sind Endomychiden , Lithophilus gehört zu den Coccinellinen. Ref.).
Die von der Regierung der Vereinigten Staaten veröf-
fentlichten „Reports of Explorations and Surveys for a Rail-
road route from the Missisippi River to the Pacific Ocean"
enthalten in ihrem 9. Bande (Vol. 9. printed in June, 1857j
einen von J. LeConte verfassten „Entomological Report on
route adjacent to 47th parallel.", der eigentlich nur die von
Dr. Cooper und Suckley auf der bezeichneten Expedition
in das Oregon -Gebiet gesammelten Arten enthalten sollte.
Der Verf. hat seine 72 pag. in gr. 4. umfassende und mit
2 Tafeln ausgestattete Arbeit, die gegenwärtig sich ausschliess-
lich auf die Ordnung der Coleopteren beschränkt, jedoch
hahin erweitert, dass er ein Verzeichniss der von der ganzen
"\Vestkuste Nord-Amerika's, von den Russischen Besitzungen
bis nach Californien hin, bekannt gewordenen Käfer zusam-
mengestellt hat und diesem dann die Beschreibung der neuen
Arten, die ihm sowohl aus dem Oregon-Gebiet als auch aus
verschiedenen Theilen Californiens zugekommen sind, folgen
lässt. Zur Feststellung vieler Arten haben dem Verf. zahl-
reiche typische Exemplare der vofl Mannerheim und
Eschscholtz aus dem Russischen Nord-Amerika und Ca-
lifornien beschriebenen Arten gedient und er hat diese einer-
seits zu synonymischen Berichtigungen, andrerseits zu einer
erneuten Beschreibung, wo diese nöthig war, benutzt. — In
einer Einleitung zu dieser Arbeit geht der Verf. noch einmal,
wie er es schon in den Procecd. of the American associat.
1851 gethan, auf die geographische Verbreitung der Arten
250 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
und Gattungen an der Westküste Nord - Amerika's ein und
erläutert dieselbe in 4 tabellarischen Uebersichten, in welchen
das Zahlenverhällniss der Amerikanischen Formen unter-
einander (in Russisch-Amerika, im Oregon-Gebiet und Cali-
fornien) und zweitens im Verg^leich zu den auf Amerika
übergehenden Arten der östlichen Hemisphäre dargestellt
wird.
Die Zahl der von der Westküste Nord - Amerika's bekannten
Coleoptercn belauft sich nach dem von Le Conte gegebenen Verzeich-
niss gegenwärtig auf 1168 Arten, welche auf die einzelnen Familien
folgenderniassen vertheilt sind: Cicindelidae 8, Carabicini 254, Amphi-
zoidae 1, Dytisci 46, Gyrini 2, Hydrophilidae 21, Silphales 39, Scyd-
maenidae 7, Pselaphidae 8, Staphylinidae 109, Trichopterygidae 6,
Scaphidii 1, Histerini 18, Phalacri 4, Nitidulariae 23, Trogositidae 6,
Colydii 2, Cucujides 8, Cryptophagides 17, Lathridii 24, 31ycetopha-
gidae 2, Dermestini 10, Byrrhii 9, Parnidae 1, Heteroceridae 1, La-
mellicornia 28, Buprestidael7, Elaterides 78, Atopidae 1, Cyphonidae2,
Lampyrides 2, Telephoridae 11, Lycides 2, Melyrides 8, Clerii 15,
Ptiniores 12, Tenebrionites 71, Alelandryadae 7, Pyrochroidae 2,
Mordellonae 5, Anthicini 13, Oedemeritae 5, Salpingidae 3, Curcu-
lionides 89, Ceranibycini 68, Chrysomelinae 68, Coccinellina 27,
Endomychidae 1. — Die zahlreichen neuen Staphylinen-Arten sind in
dieses Verzeichniss nicht aufgenommen und auch in der nachfolgenden
Beschreibung der neuen Arten vorläufig nicht charakterisirt worden,
da der Verf. sie in einer zusammenhängenden Synopsis der Staphylinen
Nordamerika's mit in Betracht zu ziehen gedenkt; ebenso sind die
Curculioniden nur in dem Fall beschrieben, wo sich die Gattung
nach Schönherr genau feststellen Hess. Die übrigen von Le Conte
als neu beschriebenen Arten sind an ihrem Orte aufgeführt worden.
A. Murray, Descriptions of new Coleoptera from the
Weslern-Andes and the neighbourhood of Quito (Edinburgh
new Philosoph, journ. new ser. V. p .220—234, pl. IIl}. Die
hier beschriebenen Arten aus der Gegend von Quito gehören
den Lamellicornen an und sind zum Theil recht ausgezeich-
nete Formen.
Rojas machte Mittheilungen über die Lebensweise und
das Vorkommen einiger Käfer aus Venezuela. (Observations
sur quelques Coleopteres de la republique de A'^enezuela, in den
Annales de la soc. entomoL V. p. 329 — 339.)
Steirastoma depressa Fabr. findet sich in grosser Anzahl an den
Stämmen des Cacao - Baumes , dessen Rinde sie durchbohrt und unter
dieselbe ihre Eier ablegt; durch den Frass der Larven beginnen die
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 251
Bäume zu vertrocknen und sterben endlich ab. Die entwickelten
Käfer werden durch die reifen Früchte, deren öligen Saft sie lieben,
angelockt; in anderen kälteren Gegenden, wo der Cacaobaum ganz
fehlt, findet man sie auf frisch geschlagenem Holze. — An Lixus vit-
tatus und Euchroma columbica hat der Verf. die Beobachtung ge-
macht , dass sich der puderartige Staub der Oberfläche an solchen
Exemplaren, die ihn verloren haben, schnell wiederersetzt, wenn man
dieselben einer erhöhten Temperatur aussetzt, natürlich nur, so lange
die Insekten leben. — Acrocinus longimanus bewohnt nur kältere
Gegenden und lebt auf Ficus glabrata, deren Saft er leckt und in de-
ren Stamm die Larve frisst. Fsalidognathus Friendii findet sich auf
einer Cedrelacea-Art, von der sich auch die Larve nährt; der Käfer
fliegt in der Dämmerung auf Bergen um die Wohnungen herum, im
3Iai und Juni. — Scarabaeus Neptunus findet sich auf einer alme,
jedoch nur alle zwei Jahre, woraus R. schliesst, dass die Larve so
lange zur Entwickelung bedürfe. Golofa Porteri lebt im Norden und
Nord-Osten von Caracas auf einer Graminee , im Süden in Mais-Pflan-
zungen. Trachyderes succinctus lebt bei Caracas vom Harz der Her-
mesia castaneifolia , an der Küste von La Guayra vom Mais, in ande-
ren Gegenden vom Harz der Erythrina umbrosa und velutina. Ca-
landra palmarum findet sich in kälteren Gegenden auf einer Palme,
Carica papaya, deren Saft sie leckt; in La Guayra (sehr heiss) lebt
sie an den Stämmen von Cocos nucifera. Allorrhina scabriuscula
nährt sich bald vom Harz der Hermesia castaneifolia , anderwärts
(an der Küste von La Guayra) vom Mais. Scarabaeus Hercules (Dy-
nastes Agelaus ?) bewohnt am Orinoco eine Graminee (Juajua ge-
nannt) , im Osten von Caracas auf den Stämmen des Cacao-Baumes.
— Der Verf. führt diese Beispiele an, um zu zeigen, dass gewisse
Arten sich nur von bestimmten Pflanzen ernähren, während andere je
nach der Lokalität verschiedene zu ihrer Nahrung wählen.
B 0 h e m a n's Bearbeitung der von Wahlberg in Süd-
Afrika gesammelten Coleopleren (Insecta Caffrariac, annis
1838—1845 a J. A. Wahlberg collecta, amici auxilio suf-
fultus descripsit Carolus H. Boheman. Pars 11. cum
tab. 1. Coleoptera. Scarabaeides. Holmiae 1857. 8. 395 pag.)
ist nach sechsjähriger Unterbrechung mit dem zweiten Theile
fortgesetzt worden , welcher die Beschreibung der Lamelli-
cornen enthält. Der Verf. hat sich, wie früher, in der Be-
schreibung der Arten mitFahraeus, dem dieser Band
zugleich gewidmet ist, getheilt. Während die Familie der
Lamellicornen durch die vorliegende Arbeit keinen besonde-
ren Zuwachs an neuen typischen Formen erhält — es sind
im Ganzen nur vier neue Gattungen darin aufgestellt, -— so
252 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
ist die Anzahl der neuen Arten eine desto grössere, nämlich
unter 396 überhaupt aufgezählten 284 bisher nicht beschrie-
bene. Wie im ersten Bande sind die bekannten Arten mit
einer Diagnose und Synonymen aufgeführt, zum Theil jedoch
auch , wenn die früheren Beschreibungen sich nicht als ge-
nügend herausstellten, gleich wie die neuen ausführlich be-
schrieben; dasselbe ist auch in den Fällen geschehen, wo
die Bestimmung einer Art nur mit Zweifel zu bewerkstelligen
war. Die neu aufgestellten Gattungen sind auf einer beifol-
genden Tafel nebst ihren charakteristischen Theilen darge-
stellt worden.
Die aufgeführten 396 Arten vertheilen sich auf die einzel-
nen Gruppen der Lamellicornen foigendermassen: Dynastiden 14
(5 neu) , Cetonien 70 (24 neu) , Ruteliden 23 (18 neu) , Melo-
lonthiden 84 (74 neu) , Copriden 150 (120 neu), Aphodiiden 37 (28
neu), Orphniden 1 (neu), Hybosoriden 2 (1 neu), Geotrupiden 5
(neu) , Trogiden 8 (7 neu) , Lucaniden 3 (1 neu). Von den bereits
bekannten Arten gehört die grosse Mehrzahl dem Cap an oder hat
überhaupt eine weite Verbreitung in Afrika ; doch fanden sich auch
mehrfach Arten, die nur von Abyssinien , Mossambique und Angola
bekannt waren , im Caffernlande wieder. Am aufTallendsten ist der
Artenreichthum bei den Melolonthiden , von denen sich Va als neu
herausstellten , obwohl diese Gruppe kürzlich in zwei Monographien
bearbeitet worden war; dass sich unter den Copriden ebenfalls Vs der
Arten als neu erwiesen, ist bei dem grossen Reichlhum der tropischen
Formen und dem 3Iangel einer Bearbeitung der Gruppe erklärlicher.
A. Murray, „List of Coleoptera received from Old-
Calabar, on the West-Coast of Afrika^* (Annais and maga-
zine of nat. hist. XlX. p. 153, 313 und 443 ff. , pl. 12. 13.
XX. p. 117 ff.) begann damit, eine Aufzählung der ihm von
Old-Calabar in Guinea zugesandten Coleopteren zu geben,
von denen er die bereits bekannten mit Diagnosen und Be-
merkungen über ihr Vorkommen u. s. w. versieht, die neuen
dagegen ausführlich beschreibt. Die bemerkenswertheren
Arten sind ausserdem auf zwei beifolgenden Tafeln , andere
durch Umrisse im Holzschnitte dargestellt. Die Aufzählung
erfolgt in systematischer Reihenfolge und die vorliegenden
Theile der Arbeit behandeln die Cicindelen und einen Theil
der Carabicinen.
V. Wollaston machte (Annais and magaz. of natur.
hist. XX. p. 503 — ^506) Millheilungen über einige auf den
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 253
Cap Verdischen Inseln gesammelten Coleopteren : „On cer-
tain Coleopterous Insecis from the Cape de Verde Islands.«
Es sind im (ianzen 15 Arten , welche auf St. Vincent in» De-
cember 185ß während eines eintägigen Aufenthalts von J. Gray und
II. Clark gesanimell wurden, und zwar gehören von den drei dar-
unter befindlichen neuen Arten 1 den Staphylinen, 1 den Elateren
und 1 den Melasomen an ; von den übrigen sind 7 3Ielasonien (Opa-
trum fuscum Herbst, 2 Oxynra spec. , Hegeter elongatus Oliv., 3 mit
Cerandria , Opatrum und Pedinus verwandte Formen) , 1 Histeride
(Saprinus equestris Er.), 1 der Dermestes lupinus Esch., 2 Carabici-
nen (Cicindela littoralis Fab. und Amblystomus viridulus Er.) und 1
Curculionide (Brachytarsus).
Ein Verzeichniss der im British Museum befindlichen
Coleopteren Madeira's ist vom Vorstande dieses Instituts ver-
öffentlicht worden: Catalogue of the Coleopterous Insects of
Madeira in the collection of the British Museum, by T. Ver-
non Wollaston. London, printed by order of the Tru-
stees. 1857. (8. 234 pag. c. tab. I.) Dieses Verzeichniss ent-
hält eine in melnfacher Beziehung berichtigte Aufzählung
sämmtlicher von Wollaston in seinen „Insecta Maderen-
sia" beschriebenen Coleopteren nebst Hinzufügung von 100
ferneren Arten, welche seit der Veröffentlichung jenes Wer-
kes von verschiedenen Sammlern entdeckt worden sind und
hier sorgsam beschrieben werden. Mit Hinzufügung dieser
100 Arten, von denen 63 sich als neu herausgestellt haben,
und andererseits nach Abzug einiger Arten, die gegenwärtig
vom Verf. als Abänderungen anderer angesehen werden,
stellt sich die Zahl der überhaupt bekannt gewordenen Ma-
derenser Coleopteren auf 580. Der Verf. hat sich damit
beschäftigt, zu ergründen, welche von diesen Arten auf Ma-
deira eigentliche Autochthonen, und welche dahin eingeführt
sind ; das Resultat dieser Untersuchungen ist dahin ausge-
fallen , dass von den 580 Arten 45 entschieden in neuerer
Zeit importirt , mindestens 75 durch verschiedene zufällige
Ursachen seit der Colonisation der Insel auf dieselbe über-
tragen und die übrigen 460 eigentliche Eingeborne dersel-
ben sind; von diesen können abermals 194 Arten möglicher
Weise auf natürlichem Wege von den benachbarten Ländern
eingewandert sein , so dass als entschiedene Ureinwohner
von Madeira 266 Arten übrig bleiben. — In der Aufzählung
254 Gers tae ck e r : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
der Arten schliesst sich das vorliegende Werk genau an
das erste des Verf. an und ihm entsprechend werden auch
die hinzugekommenen Arten , gleichviel ob bereits bekannt
oder neu, ausführlich charakterisirt und in ihrer Synonymie
erörtert. Die bereits im ersten Werke beschriebenen Arten
werden nur namentlich mit Hinzufügung der vollständigen
Citate aufgeführt und mit Bemerkungen über ihre Verbreitung
o o o
und ihr Vorkommen begleitet. Unter den als neu charakte-
risirten Arten stellten sich einige als Repräsentanten eigener
Galtungen heraus; dieselben sind auf einer von Westwood
gezeichneten Tafel dargestellt.
Lucas (Bullet, de la soc. entomol. p. LV) gab vor-
läufige Notizen über einige neue , südlich von Algier in der
Sahara von Mares gesammelte Käfer, deren Charaktere er
kurz hervorhebt und denen er auch provisorische Namen
beilegt; eine ausführliche Charakteristik derselben bereitet
der Verf. für die Annales de la soc. entomol. vor.
Die erwähnten Arten heissen : Oxijthxjvea deserticola , Clconus
Maresii , Pimelia liliptdanu und Cirsa (neue Galtung bei Micipsa)
strialiaollis.
J. Nietner's „Entomological papers, being descriplions
of new Ceylon Coleoptera" sind mit einer 5. Nummer fort-
gesetzt worden, die mit den vier vorhergehenden jetzt ein
zusammenhängendes Heft (Colombo , Ceylon 1857, reprinted
from the Journal of the Ceylon brauch of the Royal Asiatic
Society for 1856 — 57) bilden; der Inhalt der vier ersten
Nummern ist in dieser neuen Ausgabe in so fern modificirt,
als eine Anzahl von Arten, die vom Ref. als bereits ander-
weitig beschrieben nachgewiesen worden waren , jetzt weg-
gelassen sind. Die Zahl der im Vorliegenden überhaupt
charakterisirten Ceylonesischen Coleopteren beläuft sich auf
68, die letzte (5. Nummer) enthält deren 27 , die sämmtlich
der Familie der Carabicinen angehören. — Die Beschreibun-
gen des Verf. sind ausser in dem oben bezeichneten Sepa-
rathefte auch im Journal of the Asiatic society of Bengal
Vol. XXV. Calcutta 1857 und in den Annais and magazine
of natural history 1857 und 1858 abgedruckt worden.
Die von Wallace auf seinen Reisen im Asiatischen Ar-
chipel (Sunda-Inseln, Molukken u. s. w.) gesammelten Käfer
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 255
hat Thomson in den Archives entoinologiqiies I. p. 425 —
458 nach Familien zu verzeichnen und zu beschreiben be-
gonnen. („Wallace, Voyage dans l'Asie Orientale. Frag-
ments entomologiques renfermant la description de Coleopte-
res nouveaux ou rares.«) Von den Lamellicornen sind die
Cetonien, von den Cerambycinen die Laniien, von den Cur-
culionen die Anthribiden und die Eupholus- artigen Formen,
ausserdem auch einige Buprestiden abgehandelt.
Reiche und de Saulcy haben die Beschreibung der
von letzterem im Orient gesammelten Coleopteren mit den
Familien der Malacodermen , Melyriden , Ptinioren, Hetero-
meren und Curculionen in den Annales de la soc. enlomol.V.
p. 169 — 276 und p. 649—695 fortgesetzt; ein Theil der als
neu beschriebenen Arten ist auf pl. 5 abgebildet. („Especes
nouvelles ou peu connues de Coleopteres, recueillies par M.
F. de Saulcy dans son voyage en Orient et decrites par
L. Reiche et F. de Saulcy.«)
Von Jacquelin duVal und J. Migneaux's »Ge-
nera des Coleopteres d'Europe" (Paris, Deyrolle, gr. (S.) ist
im Jahre 1857 der zweite Band mit der Familie der Staphy-
linen begonnen worden, welche die 45. bis 54. Lieferung
ausmacht und auf 12 Bogen Text und 28 colorirten Kupfer-
tafeln abgehandelt ist. Wenn eine hübsche Ausstattung des
Werkes in Betreff der dasselbe begleitenden Tafeln schon an
den früheren Liefmingen gerühmt werden konnte, so gilt
dasselbe in noch höherem Maasse von den jetzt vorliegen-
den^ in denen die Abbildungen der Staphylinen-Gattungen als
ganz besonders gelungen bezeichnet werden dürfen; eine
sehr exakte Wiedergabe der Form und des eigenthümlichen
Habitus verbindet sich hier fast durchweg mit dem sauber-
sten Colorit. Die beifolgenden Detailzeichnungen beschrän-
ken sich hier ausschliesslich auf die Mundtheile und zwar
besonders auf die Unterlippe und Maxillen. — Für die Cha-
rakteristik der Gattungen, den eigentlichen Zw'eck des Wer-
kes, hat der Verf. eingehende Studien gemacht und weicht
daher auch in manchen Spezialangaben von den früheren
Autoren ab ; das Bestreben , nur wirklich begründete Gat-
tungen aufrecht zu erhalten , zeigt sich darin , dass er die
neuerdings auf Kosten von Silusa , Lomechusa , Oxypoda,
256 G erst a eck er : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Calodera, Phloeopora ii. a. errichteten Aleocharinen - Gattun-
gen, deren differentielle Charaktere nach seiner Ansicht nicht
stichhaltig oder von untergeordneter Bedeutung sind, verwirft
und jene Erichson'schen Gattungen in ihrem früheren Um-
fange beibehält. Nur in einzehien Fällen hat sich der Verf.
selbst zur Aufstellung neuer Galtungen in den Abtheilungen
der Tachyporinen, Staphylinen u. s. w. veranlasst gefunden,
welche , wie die wenigen als neu beschriebenen Arten , an
ihrem Orte aufgeführt worden sind. Am Schlüsse des die
Familie behandelnden Textes folgt, wie früher, eine synopti-
sche Tabelle der Gruppen und Gattungen, welche zur leich-
teren Bestimmung derselben dienen soll; das Verzeichniss der
Arien liegt dem Ref. bis jetzt noch nicht vor.
Derselbe (Annales de la soc. entom. V. p. 94 ff.) machte
synonymische Mittheilungen über eine Anzahl Coleopteren,
welche von Costa in einei^ 1827 erschienenen Abhandlung
„Degl' Insetti nuovi e rari della provincia di terra d'Otranto*^
beschrieben worden sind ; mehrere in dieser Abhandlung be-
schriebene Arten werden als identisch mit denen früherer
Autoren nachgewiesen.
L. Redtenbacher hat von seiner „Fauna Austriaca,
die Käfer nach der analytischen Methode bearbeitet,** deren
erste im Jahr 1849 erschienene Auflage vollständig vergrif-
fen war, eine zweite, vielfach veränderte und vermehrte her-
auszugeben begonnen, welche im Augenblicke dem Ref. zwar
schon abgeschlossen vorliegt, deren zweite Hälfte jedoch
ihrem Erscheinen nach erst in das Jahr 1858 fällt. Das
Werk hat sich einer so weilen Verbreitung und eines so
allgemeinen Beifalls zu erfreuen gehabt, dass ein nochmali-
ges Hinweisen auf seine Vorzüge beim Erscheinen der zwei-
ten Auflage überflüssig sein würde; es wird daher die Be-
merkung genügen, dass der A^erf. auf die Bearbeitung der-
selben Alles verwandt hat, um ihr eine gleich grosse Brauch-
barkeit für die Gegenwart , wie sie die erste für ihre Zeit
hatte , zu verleihen. In dieser Beziehung ist nicht nur die
veränderte Reihenfolge der Familien nach einem natürliche-
ren, jetzt allgemein angenommenen Systeme, sondern auch
die Einschaltung der ausserhalb Oeslerreich vorkommenden
Deutschen Arten bei den einzelnen Gattungen und die bei-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 257
gefügte Charakteristik sämmtlicher Europäischen Gattungen,
die der Deutschen Fauna abgehen, hervorzuheben. Alle Ver-
mehrungen, welche die einheimische Coleopteren-Fauna seit
dem Erscheinen der ersten Auflage erfahren hat , und die
vielfachen Notizen, welche für die Feststellung der Arten
und ihrer Synonymie in dieser Zwischenzeit bekannt gemacht
worden sind , hat der Verf. mit Sorgfalt und in möglichster
Vollständigkeit für die Verbesserung und Bereicherung seines
Werkes verwerthet, ausserdem aber auch die verbessernde
Hand vielfach da eingreifen lassen, wo seine früheren An-
gaben ihm Ungenauigkeiten oder Lücken zu enthalten schie-
nen ; letzteres zeigt sich ganz besonders in der oft wesent-
lich modificirten oder vervollständigten Charakteristik der
Gattungen. Ein gleiches Fortschreiten mit den Ergebnissen
der Wissenschaft wäre vielleicht auch für die Ab^ränzunff
der einzelnen Familien, die nach des Ref. Ansicht zum Theil
(Cryptophagidae, Dermestini u. a.) recht heterogene Elemente
enthalten , vortheilhaft gewesen , wenngleich die Systematik
von den Gattungen aufwärts für Handbücher, wie das vor-
liegende, im Ganzen von geringerer Wichtigkeit ist. — Dass
die Oesterreichische Fauna bei ihrem besonderen Reichthum
an Arten und der eifrigen Nachforschung vieler Sammler,
die dem Verf. ihr Material zu Gebote gestellt haben, durch
manche neue Arten in dieser zweiten Auflage bereichert
worden ist, braucht kaum erwähnt zu werden; in Gleichem
hat der Verf. auch mehrfach Gelegenheit gefunden , neue
Gattungen einzuführen, sei es, dass dieselben sich überhaupt
erst bei genauerer Untersuchung wenig beachteter Arien er-
gaben, sei es, dass solche, die bisher nur dem Namen nach
(aus Catalogen und Sammlungen) bekannt gewesen waren,
durch ihn zuerst eine Charakteristik erfahren haben. — Die
vier ersten im Jahre 1857 ausgegebenen Hefte des in gleich
vorlheilhafter Ausstattung, wie bei der ersten Auflage, er-
scheinenden Werkes enthalten die Bearbeitung der Familien
von den Carabicinen bis zum Schlüsse der Elateriden ; die
analytischen Tabellen zur Bestimmung der Familien und Gat-
tungen hat der Verf. bis zum Schlüsse des Werkes auf-
gespart.
Von der Fortsetzung der Erichson'schen Naturgeschichte
Archiv f Naturgesch XXIV. Jahrg. 2, Bd. R
258 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
der Insekten Deutschlands, Coleoptera, sind im J. 1857 neue
Lieferungen erschienen: I.Band, 2. Lief. (Schaum) enthält
die Fortsetzung- der Carabicinen mit den Gruppen der Sca-
ritiden, Brachiniden, Drypliden, Odacanthiden, Lebiiden, Lo-
riceriden, Panagaeiden, Chlaeniiden und Liciniden. — IL Bd.,
S.u. 4. Lief. (Kr a atz) die der Staphylinen mit den Gruppen
der Tachyporini, Staphylinini, Paederini und Stenini (Anfang).
— IV. Band, 1. Lief. (v. Kiesenwetter) beginnt mit der
Familie der Bupresliden, welche darin zugleich abgeschlos-
sen wird.
J. Sturm's „Deutschlands Fauna in Abbildungen nach
der Natur mit Beschreibungen" ist in der Abtheilung der In-
sekten mit dem 23. Bändchen der Käfer (Nürnberg 1857)
fortgesetzt worden. Es enthält Tafel 409—424, welche, wie
früher , in äusserst sorgsamer und sauberer Manier ausge-
führt, die Abbildung von 14 Arten der Gattung Elmis , 1
Stenelmis, 1 Macronychus, 14 Heterocerus , 1 Osmoderma,
1 Gnorimus, 2 Trichius und 1 Valgus enthalten. Die einzel-
nen Gattungen sind stets durch Darstellung ihrer charakte-
ristischen Körpertheile , so wie auch der Larve und Puppe,
wo dieselben bekannt sind, erläutert.
Ein neues Verzeichniss der bisher in Oberschlesien auf-
gefundenen Käferarten stellte Roger (Breslauer Zeitschrift
für d. Entomologie X.) zusammen; dasselbe ist auch im Se-
parat-Abdrucke (132pag. 8., Breslau 1857) erschienen. Durch
die eifrigen Nachforschungen des Verf. ist in diesem Ver-
zeichnisse die Zahl der Ober- Schlesischen Käfer um mehr
als 400 Arten gegen das im J. 1846 von Kelch herausge-
gebene vermehrt worden, und zwar betrifft dieser Zuwachs
hauptsächlich die schwierigen Gattungen der Microcoleopteren.
Der Verf. hat für eine sichere Bestimmung der Arten nach
den besten Quellen Sorge getragen und bei jeder einzelnen
Notizen über ihre Fundorte, Futterpflanzen, Seltenheit u. s. w.
gegeben. Das Verzeichniss enthält auch die Beschreibung
einer neuen Curculionen-Gattung und einer Art der Gattung
Hister.
Ein entsprechendes Unternehmen für die Provinz Preus-
sen ist ein vonLentz herausgegebenes „Neues Verzeichniss
der Preussischen Käfer« in den Neuen Preussischen Provin-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 259
zial-Blättern XI. Heft 1, 2 u. 4 , auf Kosten des Vereins für
die Fauna der Provinz Preussen auch besonders abgedruckt
(170 pag. 8., Königsberg 1857). Dasselbe weist die bedeu-
tende Anzahl von 2674 Arten auf, die also seit d. J. 1847,
in welchem das v. Siebold'sche Verzeichniss erschien, um
906 vermehrt worden ist. Auch in diesem Verzeichnisse
sind die einzelnen Arten mit speziellen Angaben über Fund-
orte , so wie mit synonymischen Bemerkungen versehen
worden.
lieber die Käferfauna Ost- und Wesipreussens hat auch
0. Pfeil (Enton^o'' Zeitung p. 52—60) Mittheilungen ge-
macht; die Eigenthümlichkeit derselben besteht darin, dass
sie neben den Fornen des nördlichen Deutschlands auch
solche enthält, welche theils dem höheren Norden (Schwe-
den, nördl. Russland), theils Süddeutschland und selbst Un-
garn eigen sind. Der Grund hiervon liegt zum Theil in der
BodenbeschafFenheit (grosse Waldstrecken, ausgedehnte Sümpfe
und Viehtriften), anderentheils in den Temperaturverhältnis-
sen (besonders sehr heisse Sommer). Der Verf. stellt die
den Preussischen Provinzen eigenthümlichen, ferner die sonst
nur dem höheren Norden oder dem Süden zukommenden,
endlich auch die seltneren und bemerkenswertheren Arten
zusammen.
Die Käfer des Steigerwaldes verzeichnete J. Kress
(Dritter Jahresbericht des Naturhistor. Vereins zu Bamberg,
p. 49— 68); es werden im Ganzen 1182 Arten aufgezählt,
die mit Bemerkungen über ihr Vorkommen versehen sind.
Glasen setzte seine Uebersicht der Käfer Meklenburgs
mit einer dritten Abtheilung (Archiv d. Vereins d. Freunde
der Naturgesch. in Meklenburg XI. 1857. p. 96— 118) fort,
welche , wie früher , in einer Aufzählung der Arten nebst
Angaben über ihr Vorkommen , Nahrungspflahzen u. s. w.
besteht. Es werden hier die Familien der Cerambycinen und
Chrysomelinen abgehandelt, welche zusammen durch 213 Ar-
ten vertreten sind.
Märkel (Allgem. Deutsche Naturhist. Zeitung 1857.
p. 164iF.) machte Mittheilungen über die Lebensweise und
das Vorkommen einer Anzahl interessanter Käfer der Säch-
260 G e i's taecke r : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
sischen Schweiz, unter denen auch einige als neu hervorge-
hoben, andere in ihren früheren Ständen erörtert werden.
Dietrich „Einiges aus dem Gebiete der Schweizerischen
Käferfauna" (Entorn. Zeit. p. 117—138) machte gründliche
Untersuchungen über eine Reihe Schweizerischer Käfer, be-
sonders aus den Gattungen Telephorus und Apion bekannt.
Y. Gredler verzeichnete (Zeitschrift des Ferdinan-
deums , Nalurgeschichlliche Abtheilung, Insbruck 1857) die
Käfer von Passeier nach Familien, welche ohne Ordnung auf
einander folgen; einen Theil dieses Verzeichnisses hat der
Verf. schon im J. 1854 veröffenilicht, ein dritter noch her-
auszugebender soll dasselbe beschliessen. Die einzelnen
Arten sind mit Bemerkungen über Lebensweise , Vorkom-
men u. s. w. versehen, einige als neu angesehene werden
beschrieben.
Snellen van Vollcnhoven, Naamlijst van Neder-
landsche Schildvleugelige Insekten (Bouwsloffen voor eene
Fauna van Nederland IL p. 1 — 70) lieferte eine systematische
Zusammenstellung der in den Niederlanden vorkommenden
Coleopteren ; die Arten sind mit einigen Citaten aus den
gangbarsten Werken, die seltneren mit Angabe des näheren
Fundoris versehen. Die Gesammtzahl der bis jetzt bekann-
ten Arten ist 1185; einige als neu angesehene werden im
Anhang kurz beschrieben.
Ein Verzeichniss der Coleopteren Belgien's hat die En-
tomologische Gesellschaft dieses Landes in den von ihr her-
ausgegebenen Annales de la societe entomologique Beige L
p. 113— 170 zu veröffentlichen begonnen. Bei der Zusam-
menstellung der daselbst aufgefundenen Arten sind u. a. be-
sonders die von Putz eys hierfür gesammelten Notizen ver-
werthet worden und vorläufig die Familien der Cicindelen,
Caraben, Dytiscen und Gyrinen abgehandelL Die erste die-
ser Familien ist durch 5, die zweite durch 326, die dritte
durch 104, die vierte durch 10 Arten vertreten, welche mit
Synonymen und Angaben über Fundorte versehen sind.
CG. Thomson, Skandinaviens Coleoptera, synopliskt
bearbetade. Haftet L Carabici. Lund, 1857. (8. 64pag.) —
Der Verf. hat hiermit eine Bearbeitung der Skandinavischen
Coleopteren in der Art begonnen, dass er eine analytische
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 261
Charakteristik der Gruppen und Gattung-en der einzelnen Fa-
milien in Lateinischer, eine ergänzende Beschreibung der-
selben in Schwedischer Sprache giebt und unter den Gat-
tungen jedesmal die in Schweden vorkommenden Arten mit
Hinzufügung eines oder einiger Citate aufführt; eine Be-
schreibung oder Diagnosticirung der Arten erfolgt nur in
dem Falle, wo sie unbekannt oder von früheren Autoren un-
richtig beurlheilt sind. Das erste vorliegende Heft, welches
eine Bearbeitung der Carabicinen (mit Einschluss der Cicin-
delen) enthält, ist in Betreff einiger systematischer Abwei-
chungen, mehrerer synonymischer Ergänzungen und der Be-
schreibung einiger neuer Arten der Beachtung zu empfehlen.
(Siehe Carabicini!)
Janson (Entomologist's Annual 1857. p. 69— 84) zählte
54 in England neu aufgefundene Käfer auf, unter denen
eine Art der Gattung Adelops, die als neu beschrieben wird,
hervorzuheben ist. — Derselbe „Observations on the Myrme-
cophiious Coleoptera or Ants-nest beetles of Britain (ebenda
p. 85—95) berichtete über seine Ausbeute an Myrmecophilen
und zählte die in England aufgefundenen Arten (36 an Zahl)
mit Angabe der Ameisen-Art, bei der sie leben, auf.
M ul s a n t's Histoire naturelle des Coleopteres de France
ist im Jahre 1857 mit einem neuen Hefte fortgesetzt wor-
den, in welchem der Verf. die Familie der Vesicantia bear-
beitet hat; die Arbeit umfasst 200 pag. in 8., mit 1 Tafel
und ist ein Separatabdruck aus dem 4ten Bande der Anna-
les de la soc. Linneenne de Lyon (Annee 1857), p. 209—409.
Auch die Bearbeitung dieser Familie ist ganz nach dem Bei-
spiele der bisher vom Verf. herausgegebenen ausgeführt und
zeichnet sich, wie jene, durch eben so sorgfätlige und aus-
führliche Beschreibung der Gruppen , Gattungen und Arten,
als auch ganz besonders durch umfassende Verwerthung der
früheren Literatur aus. Ueber den näheren Inhalt des vor-
liegenden Heftes vergl. Vesicantia !
Eine Aufzählung von 86 in den Basses-Alpes bei Lärche
gesammelten Käfern lieferten Fair maire und Reiche (An-
nales de la soc. entomol. V. p. 597 ff.).
Fair maire, Misccllanea entomologica, 2. partie (An-
nales de la soc. entomoL V. p. 725— 745) fährt fort, neue
262 Gerstaecke r: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Arten aus Südfrankreich und zum Theil auch aus anderen
Gegenden Süd - Europa's zu beschreiben; ebenso Peyron,
„Description de quelques Coleopteres nouveaux et observa-
tions diverses« (ebenda p. 715— 723) und Levrat, „De-
scription de Coleopteres nouveaux" (Annales de la soc. Lin-^
neenne de Lyon IV. p. 417 ff.).
Einen Beitrag" zur Käferfauna Griechenlands durch Zu-
sammenstellung der dort bis jetzt aufgefundenen Arten mit
synonymischen Bemerkungen und Beschreibung der als neu
angesehenen lieferte Schaum (Berlin. Entom. Zeitschr. I.
p. 116—158). Abgehandelt sind die Familien der Cicindelen
(9 A.), Carabicinen (210 A.), Dytisciden (31 A.), und Gy-
rinen (3 A.).
K. F u s s hat (Programm des Gymnasiums zu Hermann-
stadt V. J. 1857. p. 1 — 36) eine Bearbeitung der Käfer Sie-
benbürgens begonnen, in welcher er für die Bestimmung der
Gattungen sowohl wie der Arten die analytische Methode
anwendet. Der erste Theil dieser Siebenbürgischen Käferfauna
erstreckt sich auf den Anfang der Carabicinen und umfasst
die Gattungen Cicindela, Odacanlha, Drypta, Cymindis, Deme-
trias, Dromius, Lebia , Brachinus, Clivina, Dyschirius, Cy-
chrus, Procrustes, Carabus, Calosoma, Leistus und Nebria. —
Eine Fortsetzung dieser Arbeit (in einem entsprechenden
Programm v. J. 1858. p. 1—65), welche dem Ref. gegenwär-
tig ebenfalls schon vorliegt , mag hier zugleich mit erwähnt
werden : sie führt die Bearbeitung der Carabicinen zu Ende,
indem sie die Gruppen der Elaphrini, Licinini, Anchomenini,
Pterostichini. Harpalini und Trechini umfasst.
H. Müller machte ausführliche und interessante Mit-
theilungen über die Lebensweise der augenlosen Käfer in
den Krainer Höhlen (Entomol. Zeitung p. 65— 74), welche
er auf einer Reise durch Kärnthen, Krain und Istrien in aus-
gedehnter Weise zu beobachten Gelegenheit nahm. Die Gat-
tungen, welche der Verf. einer Besprechung in Betreff ihres
Vorkommens und ihrer Eigenthümlichkeiten während des
Lebens unterwirft, sind Leptoderus , Adelops, Anophlhalmus,
Troglorhynchus, Glyptomerus und Anommatus.
Die beiden Leptodenis-Arten (L. llohenwarlii und angiistalus)
fand M. nicht an den Stalaktiten emporkriechend, sondern in grosse-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 263
rer Anzahl (gegen 30 Exemplare an einem Tage) etwa eine Spanne
hoch über dem Boden an der Wand von Tropfsteinkammern, welche
jedesmal das Ende einer Höhle bildeten und ganz vom Lichte abge-
schlossen waren ; sie krochen aus einem Verstecke , der sich am Bo-
den in unmittelbarer Nähe der Wand befand, nach einander hervor;
der Boden Mar hier feucht und mit zahlreichen Stücken verfaulten
Holzes bedeckt. Ein frisch entwickeltes Exemplar fand sich in der
vorderen Abtheilung einer Höhle, in welche schon das Tageslicht ein-
drang, unter einem grossen Steine auf feuchter schwarzer Erde sitzend.
Heins der Thiere zeigte irgend welche Empfindlichkeit gegen das
Licht. — Von Adelops fand 31. 4 Arten , darunter besonders A. mon-
tanus , Khevenhülleri und pilosus; letztere Art war sehr häufig an
Fledermauskoth, der von den an der Höhlendecke haftenden Fledermäu-
sen in grosser Menge herabgeworfen wurde; A. Khevenhülleri fand
sich in grosser Anzahl unter Steinen auf feuchter Erde, welche mit
verfaulten Holzstückchen bedeckt war. — Die Anophthalmus- Arten
leben in Grotten mit grossem Eingange, in welchen Rinder und Tferde
Ruhe zu halten pflegen und deren Boden daher vom Miste dieser
Thiere bedeckt ist ; unter den dabei liegenden Steinen Hessen sich
in einigen Stunden über 100 Exemplare sammeln. Sie entfliehen
beim Aufheben der Steine mit grosser Schnelligkeit, um sich einen
neuen Schlupfwinkel zu suchen ; Lichtempfindung scheinen sie jedoch
ebenfalls nicht zu besitzen , wie sich dies schon in der Planlosigkeit
ihres Laufens bemerkbar macht. — Troglorhynchus fand sich in einem
Exemplare an der Unterseite eines Steines, welcher auf feuchter Erde
lag, während die übrigen Theile derselben Höhle, deren Boden steinig
war, keine Exemplare des Thieres lieferten; die Art ist übrigens von
Kok eil auch in der Zwergkiefer -Region unter altem Holze gefun-
den worden.
Von Perris' „Histoire des Insectes da pin maritime" ist
in den Annales de la sog. entomol. V. p. 341—395. pl. 8 u. 9
eine neue Fortsetzung^ erschienen, in welcher die Familien
der Melasomen, Melandryaden und Oedemeriten abgehandelt
und die Kenntniss ihrer Entwickelungsgeschichte so wie das
genauere Studium ihrer Larven vom Verf. in gewohnter
Weise wesentlich gefördert worden sind. Von Melasomen
leben in Pinus maritima : 1 Plalydema, 1 Uloma, 1 Phthora,
2 Hypophloeus, 1 Tenebrio , 1 Helops, 1 Prionychus, von
Melandryaden: 2 Hallomenus, von Oedemeriten: 1 Xantho-
chroa, 1 Nacerdes. Das Nähere siehe bei den einzelnen
Familien.
V. Motschiilsky setzte seine Notizen „sur les col-
lections coleoplerologiques de Linne et de Fabricius« in den
264 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Etudes entomologiques VI. p.44ff. mit den Familien der Paus-
siden, Staphylinen, Pselaphiden und Scydmaeniden fort.
Synonymische Mittheilungen über einige Käfer mach-
ten Schaum und Kr a atz (Berlin. Entomol. Zeitschrift I.
p. 175 ff.).
Cicindeletaei J. Thomson, Monographie des Cicindeli-
des ou expose methodiqiie et critique des tribus, genies et especes
de cette famille (Paris, 4. pl. color.). Von diesem Prachtwerk lie-
gen dem Ref. am Schlüsse des Jahres 1858 die ersten drei Lieferun-
gen vor, welche sämmtlich mit der Jahreszahl 1857 versehen sind,
von denen jedoch die beiden letzten erst im folgenden Jahre in den
Buchhandel gekommen zu sein scheinen. Sie enthalten zusammen 10
Bogen Text und eben so viele colorirte Kupfertafeln, ersteren mit be-
sonderer Eleganz gedruckt, letztere von ebenso meisterhafter Zeich-
nung als Colorit ; diese Tafeln übertreffen in gleicher Weise wie die
der Archives entomologiques des Verf. an Sauberkeit der Ausführung
so wie an Treue der Auffassung alle bisher publicirten iconogra-
phischen Werke über Coleopteren, die dem Ref. bekannt sind. In
Rücksicht auf die Vollendung dieser Abbildungen und darauf , dass
fast sämmtüche in den Text aufgenommene Arien auf den Tafeln re-
präsentirt sind, lässt sich die Kürze der Art-Charakteristiken, wie sie
der Verf. in dieser Monographie eingeführt hat , wohl rechtfertigen,
wenn auch ein näheres Eingehen auf die charakteristischen Merk-
male keineswegs der Arbeit geschadet hätte; unumgänglich nothwen-
dig wäre jedoch ein solches zur Erkennung derjenigen Arten gewe-
sen , welche nicht abgebildet worden sind. Ausführlicher hat sich
der Verf. auf die Gattungen eingelassen, deren Charaktere theils nach
früheren Autoren, theils nach eigenen Untersuchungen auseinanderge-
setzt und durch Detail-Zeichnungen auf den Tafeln erläutert werden.
Auch die Familien-Charaktere haben zu Anfang des Werkes eine kurze
Darstellung erfahren , die jedoch wohl Manches zu wünschen übrig
lässt; Angaben von „sechs Tastern" und „viergliedrigen Lippenta-
stern" sind nur so bedingt richtig , dass sie eher als unrichtig be-
zeichnet werden könnten, denn weder ist die äussere tastcrförmige
Lade der Maxillen als Taster, noch sind die freigewordenen Fulcra
der Lippentaster als erste Glieder der letzteren anzusprechen , indem
sich beide Bildungen bei einem Vergleiche mit der den beissenden
Insekten im Allgemeinen zukommenden Construktion der Mnndtheile
nur als vereinzelte Modifikationen des constanten Typus herausstellen.
Auch irrt der Verf. darin, wenn er angiebt, Erichson habe in den
„Käfern der Mark Brandenburg" die Lippentaster der Cicindelen als
vierglicdrig angenommen, indem er gerade diese von LatreiUe
gebrauclite Terminologie als eine zu modificirende bezeichnet. — Der
spezielle Theil beginnt mit der Gruppe der Manticoriden , die aus
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 265
fünf Gattungen : ölanticora, Agrius, Platychile, Amblycheila und Omus
besteht. Unter Manticora zieht der Verf. Mant. granulata Klug als
\\ eibchen zu M. tuberculata , und herculeana Kl. als grosse Varietät
zu M. scabra Kl., eine Ansicht, mit der sich Ref. nach Untersuchung
der Original -Exemplare nur einverstanden erklären kann. Eine neue
Art ist M. Sicheln vom Caffernlande. — Die Art, welche der Verf. als
Platychile pallida Fab. beschreibt und abbildet, ist offenbar eine neue
Art, die von der Fabricius'schcn (in der hiesigen Königl, Sanmilung
in einem männlichen Exemplare vorhanden) durch die ausserordent-
lich langgedornten Hinterecken des Thorax und breiteren Körperbau
sehr wesentlich abweicht. Fabricius' Angabe „thoracis angulis po-
sticis porrectis , subspinosis" Mürde auf das Exemplar des hiesigen
Museums, bei dem die Hinterecken kurz gedornt sind, aber nicht auf
die Thomson'sche Art passen. — Die zweite Gruppe der Megace-
phaliden umfasst die Gattungen Megacephala mit 4, Tetracha mit 39,
Mctriocheila n. g. (auf Tetr. nigricollis Reiche, succincta Erichs, be-
gründet) mit ], Aniara mit 1, Raminagrohis n. g. (auf Oxych. oxyo-
mus Chaud. begründet) mit 2 , Pseudoxycheila mit 1 und Oxycheila
mit 8 Arten. Letztere drei Gattungen werden von den vorhergehen-
den als eigene Unterabtheilung „Oxycheilites" abgegränzt. Dass die
Arten der schwierigen Gattung Tetracha besonders in synonymischer
Hinsicht vom Verf. vollständig aufgeklärt sind , scheint dem Ref.
zweifelhaft; die Tetr. occidentalis Klug führt derselbe z. B. einmal
als Synonym von Tetr. Carolina, ein zweites 31al unter Tetr. acuti-
pennis Dej. an, während sie von beiden ganz verschieden ist; da-
gegen beschreibt er diese Art von Neuem als Tetr. virgula Thoms.,
die daher den Klug'schen Namen wieder erhalten muss. Ausser die-
ser sind 6 neue Arten der Gattung beschrieben, die zum Theil sehr
ausgezeichnet und charakteristisch gefärbt sind.
In den Archives entomol. I. p. 129 ff. beschrieb derselbe aus-
serdem folgende neue Arten : Cicindela Myrrha von Borneo , afrita
von Pt. Natal, Egaensis und Odontocheila Trilbyana vom Anjazonen-
strome, Collyris albitarsis, Saraicackensis und cribripennis von Borneo.
V. iMotschulsky (Etudes entomolog. VI. p. 108 ff.) : Habro-
scelis obliquata und Cicindela calochroides aus Nicaragua, Japana aus
Japan, Myriochila Dohrnii aus Ostindien ,.r//coMf/i//rt gramilifera von
Ceylon, Collyris gibbicollis aus Assam. Die Arten sind auf einer bei-
folgenden Tafel im Umrisse dargestellt.
Murray (Annais and magaz. of nat. bist. XiX. p. 154 ff.) aus
Old-Calabar: Cicindela Lowei u. A. und unter dem Namen Cic. con-
fusa und obliteranda zwei Varietäten der Cic. vicina Dej.
Montrouzier (Annales d. scienc. phys. de la soc. d'agricult.
de Lyon VII. 1. p. 6 f.): Cicindela Cristovallensis und hemicycla von
der Insel Woodlark.
266 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Le Conte (Entomol. Report p. 27) gab nochmalige verglei-
chende Diagnosen der drei Arten der Gattung Omus und zugleich Ab-
bildungen derselben auf Taf. I. Fig. 1—3.
Von Laboulbene ist (Archives entomol. I. p 105 ff.) eine
Mittheilung über den Aufbnthalt und die Lebensweise der Larve von
Cicindela hybrida gemacht worden. Die Gänge, welche die Larve
im Sande gegraben hatte, waren senkrecht, bis 1*/, Fuss tief; bei
den Larven fanden sich Ueberbleibsel von Käfern , die ihnen zur
Nahrung gedient hatten, besonders Flügeldecken von Coccinellen.
Caraliicini* v. Ghaudoir hat sein Memoire sur la famille
des Carabiques im Bulletin de la soc. imp. des naturalistes de 31oscou
1857. IIL p. 1 — 64 mit einem 6. Theile fortgesetzt, in welchem er
zunächst die im vorigen Jahre begonnene Bearbeitung der Chlaenier-
Gruppe zu Ende führt. Die hier abgehandelten Gattungen sind :
1) Harpostomns n. g., auf Chlaen. opulentus Gory begründet. 2) Ano-
moglossus n. g. , auf die beiden Nord - Amerikanischen Arten Chlaen.
emarginatus Say und pusillus Say beschränkt. 3) Ceroglossus n. g.
auf Chlaen. laevigatus Dej. errichtet, ausserdem noch drei neue Ar-
ten enthaltend: C. polilns (Chi. lugubris Dej.?) aus Kordofan, opa-
cus aus Nord-Indien , obscitrus aus über - Egyplen. 4) Hololeius Laf.
2 A. iH. punctulatus aus China n. A.). 5) Rhopalopalpus Laf. 1 A.
— Der Gruppe der Chlaenier folgt in gleicher Weise eine Bearbei-
tung der „Oodiens," deren Charaktere vom Verf. ausführlich bespro-
chen werden, und von welchen er den Oodes bipustulatus Dej. aus-
schlicsst. (Auf diese Art, welche die männliche Tarsenbildung der
Feroniens zeigt und auch in der Anlage der äusseren Flügeldecken-
Streifen abweicht, wird im Anhang eine neue Gattung Metaxys ge-
gründet, welche ausführlich charakterisirt und mit einer zweiten neuen
Art, M. bisignalus vom Senegal bereichert wird.) Unter den ^Oodiens"
nimmt v. Chaudoir zehn Gattungen an, deren Charaktere in einer
Tabelle analysirt werden : 1) Anatrichis LeC. 1 Art. 2) Systolocra-
nius n. g. auf Oodes giganteus Chaud. , Goryi Buq., grandisDej. und
sulcatus Laf. begründet. 3) Oodes Bon. 21 Arten , davon neu : 0.
suhmctalliciis vom Senegal, chalceus aus Ostindien, vilis aus China,
madagascariensis aus Madagascar, moerens ebendaher, snlcafnliis von
den Neelgherries. 4) Stenous n. g. auf Oodes cupreus Chaud. und
tibialis Chevr. begründet, mit 10 Arten ; davon sind neu : St. Lccon-
tei aus Louisiana, flavip es yom Amazonenstrome, velox (fuscipes Dej. ?).
5) Stenocrepis n. g. , für Oodes egregius Chaud., robustus Brülle,
Leprieuri Buq. errichtet, mit 6 Arten, wovon S. Sahlbergii von Rio
Janeiro und pauper aus Columbien neu sind. 6) Chaelocrepis n. g.,
von der vorigen Gattung durch die mit den Paraglossen bis zur
Spitze verwachsene Zunge und die Form der erweiterten Tarsenglie-
der des Männchens unterschieden: die drei ersten Glieder der Vor-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 267
dertarsen sind schwächer erweitert, das erste sehr langgestreckt drei-
eckig, unten kaum an der äussersten Spitze schwammig , das zweite
und dritte länger viereckig, das vierte breiter, unten schwammig, mit
langen Borsten besetzt, an der Spitze gespalten. Eine Art: Ch. Bes-
ckii von IVeu-Freihurg in Brasilien. 7) Crossocrepis n. g. auf Oodes
14-striatus Chaud. (picipes LeC. , stenocephalus Laf.) begründet. 8)
Dercylus Lap. 1 A. 9) Hoplolenus Laf. 1 A. 10) Coptocarptts n. g.,
für Oodes australis Dej. errichtet. — Zum Schlüsse liefert der Verf,
noch einen Nachtrag zu seiner Bearbeitung der Scaritiden , in wel-
chem er Oxrjlobns asperulus n. A. aus Ceylon, Coptolobvs n. g. (mit
Haplotrachelus verwandt, von dem er durch die Form der Lappen
des Kinnes, der Mandibeln u. s. w. abweicht) mit einer Art : C. gla-
bricuhis von Ceylon und Macrom orphns n. g. , auf Scarites eiongatus
Klug, Laf. errichtet, charakterisirt.
Derselbe hat in der Entomol. Zeitung XVIIL p. 75—82 „Ei-
nige Bemerkungen" zu der von Schaum gelieferten Bearbeitung der
Deutschen Laufkäfer (Insekten Deutschlands I, 1.) veröffentlicht, in
welchen er abweichende Ansichten über die richtige Auffassung einer
Reihe von Arten und Gattungen kundgiebt. Einzelne Arten werden
aus den Gattungen Ciclndela , Notiophilus , Blethisa, Leistus, Nebria,
Carabus und Procrustes besprochen, von letzterer Gattung Procrustes
cmatolicus von Brussa und oblritus aus Griechenland als neue Arten
beschrieben. Von Gattungen will v. Chaud oir die auf Blethisa arctica
begründete Diachila Motsch. als zwischen Eiaphrus und Blethisa die
Mitte haltend aufrecht erhalten wissen, ebenso die Gattung Trachypa-
chus Motsch., von welcher er eine genaue Charakteristik liefert; letz-
tere weicht von Blethisa sehr wesentlich durch die Zunge mit den
Paraglossen , die Oberlippe , die Fühler, die Tarsen und den Kopf ab
und schliesst sich vielmehr an Pelophila, 3Ietrius und Brachycaelus an.
Die Gattung Brachycaelus würde am passendsten zwischen Kcbria und
Metrius zu stellen sein; Pelophila und Kebria sind nach v. Chau-
doir als selbstständige Gattungen festzuhalten. Von Carabus ist die
auf C. glyptopterus Fisch, begründete Gattung Eupachys Chaud. zu
trennen , indem ihre Charaktere , welche der Verf. auseinandersetzt,
mehr diffeient sind als die zwischen Carabus und Calosoma beste-
henden.
Auf diese Bemerkungen v. C h a u d o i r's hat Schaum (ebenda
p. 348 — 355) Erwiderungen gemacht, die a. a. 0. nachgelesen wer-
den mögen.
Murray (Annais of nat. bist. XIX und XX) beschrieb folgende
neue Galtungen und Arten von Oid-Calabar: 1) Bhaphidognalha n. g.
aus der Gruppe der Pcricallidae ; Körper flachgedrückt, Thorax hin-
ten stumpf abgeschnitten; Mandibeln und Oberlippe vorgestreckt,
Maxillen an der Spitze spindelförmig, Fühler kurz, fadenförmig, leicht
268 (ierstae cke r: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
zusammengedrückt, ihr zweites Glied kaum kürzer als das dritte;
Kinn ohne Zahn, Faraglossen mit der Ligula verbunden; Augen her-
vorragend ; Tarsen mit einfachem vierten Gliede, die Klauen nicht
gekämmt; Flügeldecken an der Basis rechtwinklig, kaum breiter als
der Thorax, seitlich gleich breit. Art: Rh. trimacvlafa (pl. 12. fig. 2).
2) Stereostoma n. g., mit der folgenden Gattung zur Gruppe der Mo-
rionidae gehörend; Oberlippe kurz, quer, Mandibeln l^räftig , spitz,
ohne Zahn am Innenrande, Endglied der Kiefertaster cylindrisch-ei-
förmig, der Lippentaster dick, beilförmig, Kinn kurz, quer, tief aus-
geschnitten, mit einfachem 31ittelzahn, Ligula kurz, schmal, abgestutzt,
keine Faraglossen. Fühler kurz, perlschnurartig, die Glieder an der
Spitze befilzt, zusammengedrückt; Vorderschienen erweitert, unten
ausgehöhlt, Tarsen kurz mit queren Gliedern ; Abdomen mit fünf sicht-
baren Ringen, die beiden ersten verschmolzen. Zwei Arten: St. Whi-
tei (pl. 13. fig. 6) und solidum. — 3} Bndcres n. g. von breiterer
Körperfoim als die vorige Gattung , mit quadratischem Halsschilde,
das den Flügeldecken an Breite gleich kommt; durch das längliche,
schmale Endglied der Lippentaster, den zweispitzigen Mittelzahn des
Kinnes u. s. w. verschieden. Art : B. Oberti. — Neue Arten sind
ausserdem : Tefßns plaiiifrons , Dendrocellvs (Drypla) pectoralis , Ga-
lerita femoralis , gracilis , Plieropsophus minor , Lnhia hishinolata,
claticornis (pl. 12. fig. 1) Nycleis Championi, Belonognatha rugiceps,
obesa , quadrinotala (pl. 12. fig. 3) , Catascopns compressus, Nycteis
intermedia, Goyiiotropis Wxjliei , Scarites Hercules (pl. 12. fig. 4) ,
Ajax (fig. 5} , Patrocius, rotundicolUs , clivinoides , Craspedophorus
conicus , strang%tlatvs , arcxiatocollis, Lafertei, Symei , vicinus. — Die
Gattungen Kycteis und Belonognatha betrachtet Verf. als Gruppen einer
und derselben Gattung, die er IVycteis nennt und die er von Copto-
dera durch den Mangel des Mittelzahnes am Kinne unterscheidet.
(a. a. 0. XIX. p. 443,) Auch über einige andere Gattungen und die sie
charaktcrisirenden Merkmale werden Bemerkungen beigebracht.
Thomson beschrieb (Archives entomol. I): Agra cylherea
vom Amazonenstrome und Hellnomorpha (?) Batesii aus JNeu- Hol-
land (p. 134), Carahus Tienlei und Hienfomigi aus Nord-China (p. 165),
Heriniiis n. g. mit einer neuen Art Her. Chabrillacii von Rio-Janeiro
(p. 166); diese Gattung wird den Helluoniten beigezählt, von denen
sie sich übrigens durch die Form der Taster unterscheidet, indem das
Endglied derselben weder beilförmig , noch angeschwollen , noch
dreieckig, sondern allmiihlig zugespitzt und langer als das vorherge-
hende ist. — Pericalus presidetis von Celebes , cupripennis von Sin-
gapore, Catascopns Celebensis von Celebes, Cycloloba uculicollis von
Pt. Natal (p. 281 ff.) — Piezia pilosovittata von Port Natal (p. 395).
— Agra Megaera und formicaria vom Amazonenstrome. Anlacinia n. g.,
eine der ausgezeichnetsten und merkwürdigsten bis jetzt bekannt ge-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 269
wordenen Carabicinen-Fornien. in Gestalt und Skulptur gewissen Coly-
diern gleichend , durch die fingerförmig gezähnten Voiderschienen,
die perlschnurartigen Fühler und den flachgedrückten Körper zu den
Scaritinen gehörend und hier mit Cryptoninia zunächst verwandt.
Der Kopf erscheint dadurch sehr eigenthümlich , dass die AVangen-
theile hinter den Augen stark angeschwollen und nach hinten ver-
breitert sind , so dass ihre Breite hier die des Jlalsschildes über-
trifft; Thorax mit vier Längsreihen von Tuberkeln, zwei mittleren und
zwei seitlichen, gezielt. Art: Aul. rhysodoides (pl. 21. fig. 2) aus
Brasilien (p. 399 ff.).
Von Ni etner (Entomological papers p. 58'{F.) wurden folgende
neue Gattungen und Arten von Ceylon beschrieben: Disfrigus costahis
(ist nach Original- Exemplaren des Verf. vollständig identisch mit
D. atratus Dej.}, suhmelallicns , riifo-piceus , aeneus , Dejeani, Dri-
mosloma Ceylanicum, Casnonia punctata, pilifera. — Symphyvs n. g.,
zur Gruppe der Feroniens vom Verf. gestellt, ist die bekannte Gattung
Rembus Latr. ; die Art: Symph. nnicolor scheint neu zu sein und
würde sich dem R. politus Dej. (von welcher Art R. politus Fabr.
specifisch verschieden ist) zunächst an die Seite stellen, — Calodromus
n. g. aus der Harpalinen - Gruppe ist ebenfalls eine schon bekannte
Gattung, nämlich Bradybaenus Dej., wie dies nicht nur der Habitus
und die Färbung der Ceylonesischen Art: Cahdr. exornnlus , die sich
hierin den Afrikanischen ganz eng anschliesst, sondern auch die
Ucbereinslimmung aller Körpertheile mit Einschluss der Unterlippe,
die Nietner zufolge abweichen soll) leicht erkennen lässt. — Zu-
phium pubescens, Bembidium opulenlum, Irnncatum, tropicum, triangu-
läre, Ceylanicum, Klugii, eheninum, Orientale, emarginalum, ornatuiv,
.cydinaenoides. — Mcgaristerus n. g. aus der llarpalinen-Gruppe : mit
Amblystomus nahe verwandt, von dieser Gattung sowohl als von
Acupalpus dadurch unterschieden, dass das erste Glied an den vier
vorderen Tarsen des iMännchens unten unbefilzt, dass die linke
3Iandibel bedeutend plumper und stärker als die rechte ist und daher
vor der Oberlippe hervorragt, während die rechte darunter verborgen
ist; Oberlippe vorn tief ausgerandet, Fühler kaum über die Schultern
hinausreichend, fadenförmig, das zweite Glied wenig kürzer als das
dritte. • — Drei Arten : M. mandibular is, sleholophoides und Indicvs. —
Spathinus n. g. zur Pogonus-Gruppe vom Verf. gebracht, in der Bil-
dung der Unterlippe mit Bembidium übereinstimmend, die Endglieder
beider Tasterpaare aber konisch zugespitzt, die vorderen Tarsen beim
Männchen leicht erweitert und unten mit Schüppchen besetzt. Art:
Späth, nigriceps. — Euplynes Dohrnii.
V. Motschulsky (Etudes entomologiques VI. p. 25 ff.) er-
richtete auf zwei Japanesische Carabicinen zwei neue Gattungen :
Trigonognatha n. g. zu Catadronius gestellt; Zunge sehr hervortretend,
270 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
an der Spitze frei, dreieckig, vorn gerade abgestutzt, Faraglossen so
lang als die Zunge, dreieckig, zugespitzt; Kinn stark ausgerandet mit
stumpfem Mittelzahn, Mandibeln dreieckig, ohne Zähnelung, Maxillen
schmal, in einen starken Zahn endigend, Oberlippe quer, nicht aus-
gerandet, Lippenlaster mit stark beilförmigem Endglied; Maxillartaster
ziemlich kurz mit cylindrischem, an der Spitze abgestutzten Endglied ;
Fühler mit dickem Basalglied , das etwas kürzer als die beiden fol-
genden zusammengenommen ist ; Körper wie bei Poecilus verlängert
und flachgedrückt, die drei ersten Tarsenglieder beim Männchen er-
weitert. Art: Trig. cupicscetis , S'/j lin. — Megrammus n. g. zur
Harpalinen - Gruppe gehörig; Tarsen an der Unterseite mit langen
Haaren bekleidet, die mittleren beim Männchen erweitert, vorletztes
Glied bei beiden Geschlechtern an den Vorder- und Mitteltarsen stark
zweilappig; Kopf klein, dreieckig, Kinn ohne 3Iittelzahn, Zunge frei,
vorspringend , schmal , abgerundet und mit zwei langen Endborsten,
Faraglossen etwas länger, schmal, an der Spitze abgerundet; Maxil-
len schmal, gekrümmt mit langem Endhaken , Mandibeln stark gebo-
gen, ohne Zähne , Palpen mit langem, verbreiterten und gebogenen
zweiten Gliede, das dritte schmal, lang eiförmig, schwach abgestutzt;
Fühler schlank, länger als Kopf und Thorax zusammengenommen;
Körperform wie Stenolophus. Art: Meg. circumcincttis von Japan.
Derselbe (ebenda p. 110) beschrieb unter dem Namen Seiina
Westermanni eine neue Gattung und Art aus Ostindien, die mit Cas-
nonia und Ega in nächster Verwandtschaft steht; die Gestalt des klei-
nen Thierchens erhält etwas Eigenthümliches durch den in einen
dünnen, stielförmigen Hals endigenden Kopf, die kuglige Gestalt des
Thorax und die länglich viereckigen, gewölbten Flügeldecken; die
Fühler verdicken sich gegen die Spitze und die Glieder sind hier
beträchtlich länger als an der Basis (eine Eigenthümlichkeit , die in
der Beschreibung nicht erwähnt wird) ; das vorletzte Glied der Kie-
fertaster kegelförmig, erweitert, kürzer als das zweite, das letzte
beilförmig, kurz ; das vorletzte Glied der Lippentaster kurz, fast ku-
gelförmig angeschwollen, das letzte beilförmig, sehr dünn und fast so
lang als das vorhergehende. — Die Art hat die Grösse der Ega Sallei
und ist von West ermann mehrfach verschickt worden. — Eine
zweite Gattung und Art aus Chile ist Nolioxenus bilnnulatus genannt
und soll ISotiophilus mit Trachypachus verbinden, indem sie mit letz-
terer Gattung die kurze , gedrungene Form , mit ersterer die Punkti-
rung. Form der Palpen und der Füsse gemein hat; Vorderschienen
stark gezähnelt am Aussenrande, Fühler mit allmählig gegen die Spitze
verdickten Gliedern, ohne indessen perlschnurartig zu sein, wie bei
Trachypachus. — Carabus japonicus neue Art aus Japan, wie die bei-
den vorhergehenden auf der beifolgenden Tafel abgebildet.
Derselbe (ebenda p. 94 ff.) besprach die von v. Chaudoir
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 271
aufgestellten Scaritinen - Gattungen und zerfällte dieselben als in dem
ihnen gegebenen Umfang nicht haltbar noch weiter; auf diese Art
werden aus der früheren Gattung Scarites neunzehn Gattungen ge-
macht, die der Verf. auf analytischem Wege charakterisirt ; die neuen
sind : Pleuror^eiiius (Taeniolobus circumductus Chaud.) , Stigmapterus
(madagascariensis J\lotsch.) , Glyptoinorphus (Scar. excavatus Kirby),
Scallophorites (Scar. striatus Dej.) , Harpaliles (Scar. laevigatus h'ab.),
Dislichiis (Scar. planus Bon.), Lophogenius (Scar. 8-puncfatus Dej.),
Broscomorphns (Scar. arenarius Dej.) , P arallelomorphvs (Scar. eury-
tus Fisch.), P aramecomorphus (Scar. cylindrinotus Fald.). Dass die-
sen Gattungen keine generellen Charaktere zu Grunde liegen, braucht
wohl nicht erst erwähnt zu werden.
Le Conte (Proceed. of the acad. of natur. scienc. of Phila-
delphia 1857. p. 75 — 83) lieferte eine „Synopsis of the species of Clivina
and allied genera iniiabiting the United States." Der Verf. giebt da-
rin analytische Tabellen für die Arten der Gattungen Dyschirius (28 A.),
Acephorus Le C. (1 A.) , Ardistomis Putz. (4A.), Aspidoglossa Putz.
(1 A.) , Clivina (27 A.) und Schizogenius Putz. (6 A.). Am Schlüsse
jeder Galtung wird die Synonymie einiger Arten erörtert und folgende
als neu beschrieben : Dyschirius basalis und gibbipeimis aus Califor-
nien, truncalus aus Illinois, erythrocerus aus Pensylvanien, sellatus von
Kew-Yersey, filifonnis und dentiger von NeAA-York, rußventris aus
Louisiana, setosns aus ]\Jassachusetts, pilostis von New-Orleans, Ardi-
stomis Schauniii aus Louisiana. »
Derselbe (ebenda p. 2 ff.) stellte einen „Catalogue of the
species of Bembidium found in the United States and contiguous Nor-
thern Regions" zusammen, hauptsächlich aus dem Grunde, mehrere
früher von ihm aufgestellte Arten einzuziehen und die zahlreichen
Kord-Amerikanischen Bembidien in Gruppen zu vertheilen. Ein Ver-
such , dieselben den von den Europäischen Autoren angenommenen
Abtheilungen, u. a. auch denen von Jacquelin du Val unterzu-
ordnen, ist dem Verf. missglückt; er stellt daher seinerseits 19 auf
die Hauptunterschiede der Arten gegründete Gruppen auf, unter wel-
chen er die 75 ihm bekannten Bembidien Kord - Amerika's aufzahlt
und dieselben in ihrer Synonymie erörtert. Von den früher von
Bembidium abgezweigten Gattungen hält Le Conte jetzt nur noch
Pericompsus fest, zieht dagegen Hydrium und Ochthedromus wieder
ein. Am Schusse folgt die Beschreibung von drei neuen Arten :* J5em-
bidium lugubre, fraternum und pedicellatum.
Derselbe (Entomol. Report p. 28 ff.) beschrieb als neue Ar-
ten aus Californien und dem Oregon - Gebiete : Stenolophus limbalis,
anceps , tener und Californicus , Calosoma discors und Notiophilus
nitensy stellte den Anchomenus lenis Mann, zur Gattung Pristodactyla
Chaud. und gab Abbildungen (Taf. L fig. 4 — 10} von Agaosoma cali-
272 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
fornicuni Men. (welches er ohne Grund als von Stenomorphus Dej.
generisch verschieden ansieht), Promecognathns laevissiinus Dej., Cy-
chrus tuberculatus Harr., Carab, taedatus Fab. (baccivorus Fisch.),
Calosonia canccilatum Esch. (aenescens Le C), disrors Le C. und Tra-
chypachys inerniis (Holnibergi Ulann.).
Eine neue Gattung Acauthophthalmns errichtete Montrou-
zier (Annales d. scienc. phy?;. de la soc. d'agriculture de Lyon VII, 1.
p. 8) für eine Carabicinen - Form des stillen Oceans (von St. Cristo-
val), welche in der Gestalt Aehnlichkeit mit Ilelluo und Anthia hat,
die sich aber durch die nicht abgestutzten Flügeldecken und die nicht
verlängerten Palpen von ersterer unterscheidet. Ihre Charaktere wer-
den folgendermassen angegeben: Kopf länger als das Halsschild,
Mandibeln kräftig, hervortretend, zweizähnig, Oberlippe breit, quer
viereckig, Taster fast von gkicher Länge, kurz, Endglied länglich
und fast cylindrisch , Fühler die Flügeldecken erreichend, ihre Glie-
der umgekehrt kegelförmig, kurz, fast knopfartig, das zweite kürzer
als das dritte; Augen hervorspringend, der Kopfrand neben ihnen
zahnarlig ausgezogen, Flügeldecken parallel, hinten abgerundet. Vor-
derschienen tief ausgeschnitten, Tarsen ohne Sohlenbürsten, mit sehr
langem Endgliede. Art: A. tricostatus, 7Va lin.
Thomson (Skandinaviens Coleoptera, Haftet I. Carabici) theilt
die Schwedischen Carabicinen in drei Hauptgruppen : Cicindelides
Carabides und Harpalides und unterscheidet die beiden letztern,
die von den ersteren sich durch die Insertion der Fühler abgrän-
zen, dadurch, dass bei den Carabides (mit den Tribus der Omophro-
nini , Trachypachini , Carabini , Nebriini und Cychrini) das Mesoster-
num vorn leistenartig zusammengedrückt, bei den Harpalides (mit
den Tribus der Clivinini , Elaphrini , Trechini , Licinini , Feroniini,
Panagaeini, Lebiini , Brachinini , Broscini , Loricerini, Chlaeniini und
Harpalini) dagegen vorn abgeflacht und nicht carinirt ist. Die Schwe-
dische Carabicinen - Fauna umfasst im Ganzen 262 Arten, die zum
grössten Theile nur namentlich aufgeführt werden und mit Bemerkun-
gen über Fundorte versehen sind ; weniger bekannte Arten werden mit
Diagnosen versehen und in ihrer Synonymie erörtert, für einige auch
ältere, von Schwedischen Autoren aufgestellte Namen wieder einge-
führt. Als neue Arten werden beschrieben : Dyschirius lapponicus
(Clivina thoracica Zetl.), sylvatictis , Bembidium lapponicum (Impres-
sum var. Zeit.), Patrobus clacipes, rubripennis (Harp. picicornis var.
b. Zetl.) , Ämara liltorea , cyanocnemis , nigricornis (Harp. vulgaris
var. b. Zett.) ; für Blethisa arctica Gyll , wird eine eigene Gattung
Arctobia errichtet.
Jacquelin du Val (Historia fisica de la isla de Cuba Vil.
p. 4 ff.) beschrieb Cymindis sulcicollis , Dromius Poeyi , Dyschirius
insular is , Clivina limbipennis , Oodes insulanus , Bembidium apicale
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 273
als neue Arten von der Insel Cuba; einige derselben so wie von be-
reits bekannten Arten Galerita erythrodern, Calleida rubricollis und
Clivina bipustulata sind auf Taf. VI abgebildet.
Derselbe (Annales d. 1. soc. entoniol. V. p. 103 ff.) : Bemhi-
dium inustum von den Alpen Pieniont's, bipartitum aus Sardinien und
brevicorne Chaud. aus Piemont.
Wollaston (Catal. of Coleopt. Ins, of Madeira p, 1 ff.): Ta-
rus Maderae (linealus Wol!. antea) , Dromius alufaceus, Leistus elli-
pticus, Olisthopus acutang^ilus , Trechus laevis, signatus und Bembi-
diiim duhium als neue Arten von Madeira.
Als neue Arten aus Griechenland wurden von Schaum (lierl.
Entomol. Zeitschr. I. p. 121 ff.) beschrieben : Nebria Heldreichii, Cli-
vina lernaea, Dyschirius bacillus , imporlnnus , Blechnis exilis, Apri-
stus reticulatus , opacus , Singilis fuscipermts , Chlaenius fuscitarsis,
Pogonns reticulatus, Agonum luciduUim , Platysma protensa, Omaseus
Zebei, Zabrus brevicollis , Acupalpus longicornis , pumilio, planicollis,
Trechus pallidipennis , Bembidium subtile, inoptatum. — Ausserdem
sind die synonymischen Bemerkungen über bekannte Arten einzusehen.
Einzelne als neu aufgestellte Arten sind ferner folgende :
Von Fairmaire (Annales d.i. soc. entomol. p. 725 ff.) : Dro-
mius capitalis von Beziers in Frankreich, mit Dr. longiceps ver-
wandt, Carabus Thomsonii aus Sicilien, (zur Gruppe des C. morbillo-
sus gehörend und von Da hl unter dem Namen C. extensus Koll. ver-
sandt, Ref.), trabuccarius aus Südfrankreich von der Catalonischen
Gränze , zur Gruppe des C. helluo gehörend, Feronia sicana aus Si-
cilien; Abbildung der beiden Carabus - Arten auf pl. 14. — Carabus
cychrocephalus aus Marocco, vorläufig dur<;h Diagnose bekannt ge-
macht im Bullet, d. 1. soc. entomol. p. CLVII.
Von L. Dufour (Archives entomol. I. p. 382. pl. XV) : Cychrus
spinicollis, ausgezeichnete neue Art aus Spanien.
Von Friwaldszky (Verhandl. d. zoolog. -botan. Vereins in
Wien VII. p. 44): Anophthalmus Redtenbacheri n. A. aus der Igritzer
Grotte in Ungarn.
Von Levrat (Annales d. 1. soc. Linneenne de Lyon IV. p. 417) :
Argutor siculus n. A. aus Sicilien.
Von Peyron (Annales d. 1. soc. entomol. p. 715) : Bembidium
(Tachys) metallicum n. A. von Cairo.
Von Reiche (Bullet, d. 1. soc. entomol. p. VIII) : Patrobus
Napoleonis von der Insel Feroe . Platysma arctica aus Island und
Lappland.
Von Delarouzee (ebenda p. XCIV) : Anophthalmus gallicus
und Pterostichus micr Ophthal mus aus einer Grotte bei Betharram in
den Basses-Pyrenees.
Archiv f Nftlurgescli. XXlV. .Jahrg. 2 Bd. g
274 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Von Gautier des Gottes (ebenda p. CXXX V) : Anchomenus
ruficoliis n. A. von Beziers.
Eine Notiz über das bisher unbekannte Weibchen von Carabus
(Macr.othorax) Aumontii von Tanger in Word-Afrika gab Lucas im
Bullet, d. 1. soc. entomol. p. CLVL
Scriba (Entomol. Zeitung p. 378 ff.) sieht Carabus violaceus
und purpurascens als zwei eigene Arten an, die durch äussere Merk-
male und Lehensweise sicher unterschieden seien.
Nach Jacquelin du Val (Annales d. 1. soc. entomol. p.96)
isV Harpalus crassiusculus Fairni. Laboulb. auf ein abnormes Exemplar
»des Harp. cribicollis Dej. gegründet.
Nach Schaum's Meinung (Bullet, d. 1. soc. entomol. p, LXXX)
wäre Brachinus hebraicus Reiche = Br. caspicus Dej. , wüs von
Reiche ebenda p. CLXII nach Vergleich beider Arten widerlegt
wird, und Cymindis Osiridis Peyron =- C. tessellata Dej., was von
Peyron ebenda p. CX ebenftiils zurückgewiesen wird. — Dagegen
ist nach Reiche (ebenda p. XCV) der von ihm beschriebene Oli-
sthopus Orientalis = 0. Graecus Brülle und derselbe Verf. bestätigt
(ebenda p. CLXIII) die Vermuthung Schaum's, dass Nomius grae-
cus Lap. kein Europäisches Insekt, sondern mit der Noid -Amerika-
nischen Haplodrile (Morio) pygmaea Dej. identisch sei.
Dawson „Notes on British Geodephaga with descriptions of
four new species" (Entomologist's Annual 1857. p. 69 — 84) besprach
und beschrieb einige für England neue Carabicinen.
V. 3Iotschulsky (Etudes entomol. VL p. 73) machte auf die
gelben Flecke am Hinterleibe von Scarites laevigatus, arenarius und
terricola aufmerksam und warf die Frage auf, ob dieselben nicht
Leuchtorgane seien.
Overdijk machte briefliche Mittheilungen über die Lebens-
weise der Mormolyce phyllodes, welche in den Memoires d'entomol.
publ. p. 1. soc. entomol. des Rays - Bas L p. 41 ff. abgedrückt sind.
Das Thier hält sich in Java ausschliesslich in bergigen Gegenden
von 2000—4000' Höhe auf; es wurde im Fluge beobachtet und wie
es sich auf einen Schwamm, der häufig auf verschiedenen Bäumen
vorkommt und von den Eingebornen „Grammoer" genannt wird, nie-
derliess. In diesem Schwamm lebt die Larve und Puppe, erstere
offenbar anderen darin befindlichen Insekten-Larven nachstellend: die
Larve lebt 8 — 9 Monate, der Puppenzustand dauert 8 bis 10 Wochen.
Die Imago erscheint meist vom August bis November und heisst bei
den .lavanesen ..Bibiolah'an."
Von Fr. Loew (Sitzungsberichte der mathem.-naturwiss. Classe
der Akad. d. Wissensch. zu Wien XXII. p. 298 — 305} wurde eine
Charakteristik der von ihm entdeckten Larve der Nebria picicornis
geliefert und dieser zugleich eine vergleichende Schilderung der be-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857.* 275
reits bekannten Larven dieser (jattiing angeschlossen. Die Larve der
IS', picicoinis wurden anfangs April am Ufer der Donau mit grosser
Schnelligkeit im Wellsande zwischen Steinen umherlaufend, ein
Exemplar auch unter Steinen im Wasser gefunden; am Leben erhalten
grub sich eine Larve Mitte Aprils einen Gang in den Sand hinein
und entwickelte sich am 20. Mai zum Käfer. Abbildungen der Larve
und ihrer einzelnen Theile auf beifolgender Tafel, nach Zeichnungen
von F. Brau er.
itinpliizoidae* Le Conte (Enton.ological Report p. 32 ff.)
gab eine verbesserte Charakteristik der von ihm aufgestellten , al>-
normen Californischen Gattung Amphizoa (vergl. Jahresbericht 1853.
p. 18) und bildete die Art A. insolens auf Taf. L Fig. 11 ab. Seine
frühere Ansicht, dass Amphizoa eine eigene Gruppe unter den Dytis-
ciden zu bilden habe, hat der Verf. jetzt dahin geändert, dass die
Gattung einerseits wegen ihrer Abweichungen von dieser Familie
und andererseits wegen ihrer Analogieen mit den Carabicinen zwi-
schen beiden als eigene Familie einzuschalten sei. Die Charaktere
derselben stellt er folgendermassen fe>t: „Coleoptera pentamera, pe-
dibus ambulatoriis, antennis filiformibus ; prothoracis episternis a noto
sutura divisis, acetabulis anticis postice hientibus; coxis anticis et
mediis globosis, posticis transversis ad marginem corporis extensis,
contiguis , antice truncatis , postice ad Insertionen! pedum elevatis ;
mento magno, emarginato, cum gula omnino connato (sutura nuUa);
maxillis lobo interno curvato, acuto, intus parce spinoso, galea elon-
gata, palpiformi , exarticulata ; abdomine sex-articulato, arliculis an-
terioribus tribus connatis." Reelle Verwandtschaften der Gattung mit
den Tenebrioniten, welche von an lerer Seite her geltend gemacht
worden sind, hat der Verf. nicht auffinden können, vielmehr reduci-
ren sich dieselben nach ihm auf oberflächliche Aehnlichkeiten in der
Bildung einzelner Theile. Die fünf dem Verf. Aoiliegenden Exem-
plare der Gattung zeigten keine äusseren sexuellen Unterschiede.
Dytisciftae* iVeue Arten dieser Familie sind: CoUjmheles
Irimttatus und hamatus iMontrouzier (Annales d. scienc. phys. de la
soc. d'agriculture de Lyon VIL 1- p. 8 f.) von Woodlark , Agabns
breticollis ^ Aciliiis latiuscidus und Dytiscus sublimbatus Le Conte
(Entomol. Report p. 34) aus dem Oregon -Gebiete und Californien,
Hydvoporus Lyellii Wollaston (Catal. of Coleopt. Ins. of Madeira
p. 26) von Madeira, Haliplus riibidus Perris (Annales soc. Linneenne
de Lyon IV. p. 117) aus den Grandes-Landes, Agabus sexvulis Reiche
(Bullet, soc. entomol. p. IX) aus Island und Schottland , Haliplus py-
renaeus Delarouzee (ebenda p. XCIV) aus Südfrankreich, Hydroporvs
lernaeus und saginalus Schaum (Berl. Entomol. Zeitschr. I. p. 153)
aus Griechenland. — IN'ach letzterem (Bullet, soc. entom. p. LXXX)
ist Hydrocanthus diophthalmus Reiche identisch mit H. notula Er.
276 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Oyrinites* lieber die Larven von Gyrinus natator und ihre
Lebensweise machte Mulder (Memoires d'entoniol., publ. p. 1. soc.
entom. des Pays-Bas L p. 35 f.) einige Mittheilungen. Die Begattung
der Käfer findet in der ersten Hälfte des April , auch etwas später
statt, die Eier werden vom Weibchen in Reihen dicht an einander
gelegt, die Larven sind in der Jugend beinahe farblos, später auf
dem Rücken gefleckt; sie frassen Würmer, auch in das Wasser ge-
worfene Tortrix-Ranpen ; ihre Schwimmbewegung ist sehr schnell.
Palpicornia. Als neue Arten wurden aufgestellt: Hydro-
philus intermedius , violaceo-nitens und Hydrous tenebrioides Jacquelin
du Val (Historia fisica de la isla de Cubu VII. p. 22 ff.) von Cuba,
Ochthebius rugulosns, subpictus und Hydrobius Marchantiae Wollaston
(Catal. of Coleopt. Ins. of Madeira p. 28 ff.) von Madeira, Sphaeridiutn
melanopterum Montrouzier (Annales d. 1. soc. d'agriculture de Lyon
VII. 1. p. 19) von Woodlark.
Jacquelin du Val (Annales soc. entom. de France p.88f.)
setzte noch einmal die differentiellen Merkmale von Hydrophilus pi-
ceus und pistaceus Cast. (inermis Luc.) auseinander und führte gegen
Reiche im Bullet, d. 1. soc. entom. p. LIV ^Gründe für die Verei-
nigung der Gattungen Helochares und Philhydrus an; Reiche er-
widerte darauf ebenda p. LXXVII.
Silpliales« Lespes, Kote sur quelques insectes des grottes
de l'Ariege (Annales des scienc. natur. 4. ser. VII. p. 278 — 284. pI.17)
entwarf eine Schilderung der unterirdischen Höhlen in der Umgegend
von Tarascon und beschrieb zwei in denselben aufgefundene augen-
lose Käfer, Adelops pyrenaeus, eine auffallend grosse Art von 3*/i — 4
mill. Länge, welche sich am Boden unter den weggeworfenen Ueber-
bleibseln von Strohfackeln fand und Leptoderus Querilhaci, SVi mill.
lang, an den Stalaktiten heraufkriechend gefunden. Dass letztere Art
nicht der Gattung Leptoderus angehört, sondern zu Pholeuon Hampe
zu bringen sei, liess sich schon aus der von Lespes gegebenen
Beschreibung und Abbildung ersehen ; gegenwärtig findet Ref. dies
durch ein der hiesigen Königl. Sammlung zugekommenes Exemplar
bestätigt.
Friwaldszky (Verhandl. d. zoolog. -botan. Vereins in Wien
VII. p. 44 ff.) beschrieb Pholeuon leptodirum und Drimeotus Kraatüi
als neue Arten aus den unterirdischen Grotten [im Biharer Comitate
Ungarn's.
Fairmaire (Annales d. 1. soc. entomol. V. p. 729 ff.): Cato-
psimorphus Marquetii, Colon confusus und Adelops asperulus aus
Frankreich.
Peyron (ebenda p. 717) : Choleva f ormicetorum \onMarse\\\e,
mit Ch. alpina Gyll. verwandt.
Delarouzee (Bullet, d. 1. soc. entomol. p. CXIV): Adelops
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 277
speluncarnm n. A. aus einer Grotte bei Betharram in den Basses-
Pyrenees.
Janson (Entomologist's Annual. 1857. p. 70): Ädelops Wol-
lastonii n. A. aus England, auf der beifolgenden Tafel Fig. 8 ab-
gebildet.
Waga (Bullet, d. 1. soc. entomol. p. CXXV) fing eine lebende
Spitzmaus (Sorex tetragonurus) und fand , als er sie in ein Glas ein-
gesperrt hatte, zugleich einen Leptinus testaceus in demselben vor;
derselbe verbarg sich tief zwischen den Haaren des Felles der Spitz-
maus in der Nähe des Afters und lief, da er von dort aufgestört
w^urde, mit grosser Schnelligkeit auf dem Thiere herum.
Rouget „Note sur l'habitat et les differences sexuelles du
Catopsimorphus arenarius Hampe" (Annales de la soc. entomol.
p. 756 ff.) machte 31ittheilungen über das Vorkommen dieser Art in
der Umgegend von Dijon. Das erste Exemplar wurde im Juli des
Abends im Fluge gefangen , eine grosse Anzahl im Frühjahre unter
Steinen in Gesellschaft der Atta structor; im Herbste findet sich der
Käfer ebenfalls auf diese Art, obwohl in geringerer 3Ienge. Das
Männchen ist viel seltener als das Weibchen und unterscheidet sich
ausser der Erweiterung der Yordertarsen und der Krümmung der Mit-
telschienen durch einen scharfen Dorn an den Mitteltrochanteren und
einen kleinen Zahn in der Mitte des Hinterrandes des dritten Abdo-
minalsegmentes. — Nach den vom Verf. angestellten Beobachtungen
lebt der Catopsimorphus durchaus im Frieden mit den Ameisen und
Stückchen Fleisch, die in den Bau gelegt wurden, verzehrten beide
unbekümmert um- und miteinander.
Scriba (Entomol. Zeitung p. 377) charakterisirte Colon latus
im männlichen Geschlechte.
Die Gruppe der Anisotomiden bereicherte WoUaston (Catal.
of Colcopt. Insects of Madeira p. 148) mit einer neuen Gattung Ste-
vens, die mit Triarthron in der dreigliedrigen Fühlerkeule , dem un-
gekielten Mesosternum und den fünfgliedrigen Tarsen in beiden Ge-
schlechtern übereinstimmt, sonst aber in mehrfacher Beziehung davon
abweicht. Der Körper ist fast kuglig wie bei Cercyon , die Beine
sehr kurz und kräftig, die Schienen erweitert , stachlig , die Mandi-
beln sehr stark entwickelt, frei hervortretend , die rechte an der In-
nenseite mit zwei, die linke mit einem Zahne bewaffnet. Art: Ster.
cercyonoicies (Taf. I. Fig 1 abgebildet) y4 — 1 lin. aus Madeira.
Pselapliidae. Fairmaire (Annales d. 1. soc. entomol. V.
p. 735 ff.) beschrieb Bryaxis nigropyfjialis , Bythinus laevicollis und
Enplectus nitidus als neue Arten aus Frankreich.
Wollaston (Catal. of Coleopt. Insects of Madeira p. 168) :
Enplectus intermedius n. A. von Madeira.
Rouget (Annales d. 1. soc. entomol. p. 757) fand Centrotoma
278 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
lucifuga Heyden und Chennium bitubercnlatiiin Latr. unter Steinen in
Gesellschaft der 3Iyrinica caespitum bei Dijon.
Paussidae* Westwood (Journal of proceed. of the Lin-
nean soc. , Zoology I. p. 74 ff.) beschriel) Paussns Murrayi als neue
Art von Old-Calabar, zur Abtheilung mit getheiltem Thorax und aus-
gehöhlter Fühlerkeule gehörend.
Thomson (Archives entomol. I. p. 403. pl. 21) machte Paus-
sns Aristotclii (sie!) und Plinii als neue Arten von Fort Natal durch
Abbildungen bekannt,
Staphylini» Jacquelin du Val (Genera des Coleopt. 11.
p. 25 ff.) errichtete eine neue Gattung Cilea auf den Tachyporus sil-
phoides auct., eine fernere Atrecus aufOthius pilicornis Er., zweigte
von Leptacinus vorläufig als Untergattungen den Lept. brevicornis Kr.
unter dem Namen Zeleotomus und den Lept. nothus Er. unter dem
Kamen Slanstoderus ab , vereinigte dagegen die Gattung Ocypus als
unhaltbar mit Staphylinus Er. — Für Acrognathus palpalis Er. wird
die Gattung Plancustomus errichtet, deren Haupfcharakter in den drei-
gliedrigen Tarsen besteht , die Gattung Micropeplu.« mit zwei neuen
Arten : Microp. Margaritae aus Franl; reich und Marietti aus Italien
bereichert.
Derselbe (Historia fisica de la isla de Cuba p. 15 fl.) be-
schrieb Tachinus inßmus, Xantholiims puncticeps ^ Ocypus Cvbae,
Lathrobium marffipallens (!), Plalystethns exiguus, Trogophloeus ari-
dns und neqvalis als neue Arten aus Cuba.
V. Motschulsky setzte seine im Jahre 1851 begonnene „Enu-
meration des nouvelles especes de Coleopteres rapportes deses voyages"
im Bulletin de la soc. imp. des natur. deMoscou 1857, IV, pag. 490 —
517 mit einem zweiten Theil foit, welcher die Beschreibung einer
beträchtlichen Anzahl neuer, oder wenigstens vom Verf. für neu ge-
haltener Staphylinen enthält. Aus der Gruppe der Omalini : Anthohinm
alpcslre aus den Krainer Alpen, Rhododendri ebendaher, Omalivin
corticinum aus Tyrol, Phlueo7ioinHs praeuslus aus Columbien, ßavescens
vom Gap, nhni aus Fontainebleau, Acidola pnlchra aus Steyermark,
Arpedium? pallens von Bombay, Lestera oblouga aus Bayern und yl»-
tkophagus transversns von den Krainer Alpen. — Aus der Gruppe der
Troteinini : Glypt07nci cicalricosa aus Columbien , zweimal so gross
als Gl. corticinum. — Aus der (iruppe der Piestini: Lispinns fiihns
und impressicollis , Holotrochus? fossulatus und foveolatus , sämmtlich
aus Ostindien, Holosus n. g. , mit den beiden vorigen Gattungen ver-
wandt, aber von der hinten verschmälerten Form der Tachpyorinen ;
Maxillartaster wie bei Holotrochus, aber ihr letztes Glied länger und
konischer; Fühler von Kopf- und Thojaxlänge zusammen, die fünf
Endglieder eine Art Keule bildend, das erste Glied gross, fast so breit
wie lang, das zweite klein, gerundet, das dritt^ ,brjeiter und zweimal
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 279
länger, das vierte bis sechste fast kuglig; Halsschild mit hervorsprin-
genden Hinterecken, Flügeldecken fast gerade abgestutzt, mit einge-
drückter Linie zu jeder Seite der Naht, Hinterleib nngerandet, hinten
zugespitzt. Von den 5 neuen Arten der Gattung, sämnitlich aus Ost-
indien stammend, haben zwei : Holosus tachyponformis und tachini-
fonnis die Vorderhüften wenig hervortretend, zwei; //. conuviformis
und mycetoporiformis dieselben quer oval, die fünfte: //. olisthaeri-
formis dieselben kuglig und deutlich hervortretend. — Leptockirns
quadridens, sangninosus, tridens, excavatus aus Ostindien. — Die Gat-
tung Zonoptilus Älotsch. wird in ihren Unterschieden von Coprophilus
auseinandergesetzt. — Aus der Gruppe der Oxytelini : Oxytehis lividus,
incisus und thoracicus aus Ostindien , excavatus aus Algier , Trogo-
phloetis Ivnatvs, pallipes und simplex aus Ostindien, /"ossw/w^ms von Taris,
Platyslethus crassicornis und testaceus aus Ostindien, aegyptiacus aus
Egypten, Bledius Dama aus Algier, grandicollis aus Steyermark, diluti-
pennis aus Ostindien. — Aus der Gruppe der Osoriides: Osorius ru-
ßpes, punctulahts und rufipennis aus Ostindien, Megalops robustus aus
Coluiubien. — Aus der Gruppe der Stenini : Stemis lateralis aus Co-
luDibien, flavitarsis aus Egypten, elevatus von Paris, bituberculains
von Marseille, gilvipes von Layhach und aus der Schweiz, carinifrons
bei Paris, picipes aus der Schweiz und Krain, cariniger, bivnlneralus,
piliferus, bispinus, cribellatus, fulvescens und pictus aus Ostindien. —
Aus der Gruppe der Pinophiliden : Finophilns pilicollis, melanocephalvs
und morio aus Ostindien. — Die Beschreibungen des Verf. sind hier
zum Teil eingehender und ausführlicher abgefasst, als dies gewöhn-
lich bei ihm der Fall ist, zum Theil jedoch auch sehr aphoristisch
und es werden mindestens die einheimischen Arten noch einer genauen
Critik zu unterwerfen sein.
Derselbe (Etudes entomol. VI. p. 59 11.) veröffentlichte die im
Nachlasse Mannerheim's befindlichen Bestimmungen und Notizen
Erichson's zu den von Mann er heim in seinem „Precis dun
nouvel arrangement des Brachelytres" beschriebenen Staphylinen, welche
erst nach der Herausgabe der Er ichs o n'schen Genera et Species
Staphylinorum gemacht und nur theilweise veröffentlicht worden sind.
Nach den gegebenen Bestimmungen sind die von Mannerheim be-
schriebenen Arten zum grossen Theil von Erich son unter anderen
Namen aufgeführt worden.
Wo Ilaston (Catal. of Coleopt. Insects of Madeira p. 172 fr.)
machte eine Reihe neuer Arten von Madeira bekannt: Homalota trun-
coruni . haligetia , montitagans , alntaria , Oxypoda lurida, rngifrons
(litigiosa Woll. antea) , Othius vestitus. brevicorriis. Philonthns proxi-
mus, simulans, piinctipennis, Lithocharis indigena, debilicornis, Stenus
hydropalhicus . fulvescens (Heerii var. j3. Woll. antea) , Trogophtoens
transversalis, nigrita, simplicicollis und Omaliuiitr clavicorne.
280 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Coleoptera quaedam e Staphylinorum familia nova vel minus
cognita cum observationibus , auct, Flam. Baudi. (Berl. Entomol.
Zeitschr. I. p.97fr.) Als neue Arten werden darin beschrieben: Fa-
lagria elegans von Cypern, Ocalea picipennis, Aleochara maculipennis,
Ocypus olympicus und Lathrobium apicale ebendaher, Scopaeus scitu-
lus aus Piemont, Sunius thoracicus und biguttatus von Cypern, Pae-
derus lusitanicus (Aube ?), Stenus viridans aus Piemont, Bledius haedus
yon Cybern, Platyslethus breripennis aus Sardinien, Anthobium procerum
und nitidicolle aus Piemont. Ausserdem mehrfache Bemerkungen über
schon beschriebene Arten.
C. G. Thomson, „Öfversigt af de arter inoni Insektengruppen
Stenini, som blifvit funna i Sverige" (Öfversigt af Kongl. Vetensk.
Akad. Förhandl. XIV. p. 219 — 235) gab eine Uebersicht der in Schwe-
den einheimischen Arten der Gruppe Stenini. Alle Arten sind mit
Diagnosen und Bemerkungen über Vorkommen und Fundorten, einige
mit kritischen Anmerkungen und berichtigenden Zusätzen versehen,
die neuen beschrieben. Als Schwedische Arten sind 1 Dianous, 53
Stenus und 2 Euaestethus aufgezählt , davon Stenus bipustulatus, lon-
gitarsis, grandiceps , argentellus (buphthalmus Gyll., carbonarius Er.)
nigripalpis, cr«ssireMfrts (nigritulus Er.), littoralis (nigritulus var. Er.),
brevicollis (bifoveolatus Er. nee Gyll.) und Euaestethus pullus als neue
Arten beschrieben. Von Eri c h s o n'schen Benennungen hat der Verf.
einige ändern müssen, da die darunter beschriebenen Arten von den
Gyl lenhal'schen gleichen Namens verschieden waren.
Einzeln beschriebene neue Arten sind ausserdem folgende:
Lithocharis brevicornis Allard (Annales d. 1. soc. entomol. p. 747)
aus Frankreich, in Schaafställen aufgefunden, pl. 14 abgebildet, Li-
thocharis pocofera Peyroii (ebenda p. 718) aus Marseille, Aleochara
major, Myrmcdonia Erichsonis und Quedius Monspeliensis Fairmaire
(ebenda p. 737 und G35 IT.) aus Frankreich. — Der Verf. beschreibt
zugleich das bisher unbekannte Männchen von Omalium atrum Heer
auf p. 737. — Ocypus Saulcyi Reiche (Bullet, d. 1. soc. entomol. V.
p.VIII) aus dem Korden Schottlands, Stenus testaceicornis Perris
(Annales d. 1. soc. Linneenne de Lyon IV. p. 121) aus den Grandes-
Landes, Staphylinus pygmaeus und Stenus roscidus Snellen van Vol-
lenhoven (Bouwstoffen voor eene Fauna van Nederland II. p. 70)
aus den Niederlanden , Anthobium signatum Märkel (Allgem. Natur-
hist. Deutsche Zeitung 1857. p. 172) aus der Sächsischen Schweiz,
Homalota und Oxypoda islandica, Omalium fucicola Kraatz (Entomol.
Zeitung p. 284 ff.) aus Island, Oligota abdominalis Scriba (ebenda
p. 378) aus Hessen , Isomalus Hesperidum Wollaston (Annais of na-
tur. history XX. p. 504) von den Cap Verdischen Inseln.
Eine erneute Charakteristik der Gattung Boreaphilus Sahlb.,
mit welcher Chevrieria Heer vereinigt wird, hat Kraatz (Berl. En-
tomol. Zeitschr. I. p. 35 ff.) geliefert und auch die beiden Arten B.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 281
Henningianus und velox nochmals beschrieben. Die Gattung Cory-
phium Steph., womit Macropalpus Cuss. identisch ist, wird von Bore-
aphilus als generisch verschieden betrachtet. Die beifolgende Tafel
bringt Abbildungen des Coryphium, des Boreaphilus und des Eudectus
Giraudi Redt.
Derselbe erging sich (ebenda p. 45) in Betrachtungen über
den Umfang der Gruppe Proteinini Er., welche er nur auf Proteinus,
Megarthrus , Phloeobium und Metopsia Woll. auszudehnen gedenkt,
dagegen Glyptoma zu den Piestini , Pseudopsis zu den Phloeocharini,
Euphanias zu den Oxytelini und Micropeplus zu einer besonderen
Gruppe Micropeplini bringen will.
„Zur Terminologie der Paraglossen" (d. h. nur der Paraglossen
der Staphylinen) machte derselbe ebenda p. 54 Bemerkungen, be-
sonders um nachzuweisen, dassErichson sowohl bei den verschie-
denen Gattungen der Staphylinen als auch bei dieser Familie und
den Carabicinen ganz verschiedene Theile als Paraglossen angespro-
chen habe und sich daher über das Wesen derselben nicht klar geworden
sei. Es ist darüber zunächst zu bemerken, dass wenn Erichson auch
vielleicht bei den Staphylinen nicht durchweg mit der Deutung der Pa-
raglossen consequent verfahren ist, er doch wenigstens, wie es sich
bei einem so gründlichen und wissenschaftlichen Kenner aller Insek-
ten-Ordnungen von selbst versteht, und wie es auch sowohl aus sei-
ner Beschreibung des Organs, welches er (Gen. et Spec. Staphyl.
p. 10) als Seitentheile des vordersten Segments der Unterlippe an-
giebt, als auch aus seinen Figuren (z. ß. Taf. III. Fig. 1 — 4) hervor-
geht, sehr wohl wusste, was Paraglossen überhaupt bei den Insekten
sind : dass dagegen der Verf. der vorliegenden Abhandlung, wenn er
als Paraglossen „zwei schmale von der Basis des Zungenkörpers aus-
gehende Leisten" ansieht, über den Begriff dieser Organe sehr falsch
unterrichtet Ist. Es ist dies in sofern auch nicht zu verwundern, als
man aus den Staphylinen allein das Wesen der Paraglossen nicht
wohl erkennen kann, sondern sich hierzu eine genaue Kenntniss der
Mundtheile der übrigen Gliederthiere verschaffen muss. Da die Un-
terlippe, wie man aus den Crustaceen, aus der Entwickelung der In-
sektenlarve im Ei und aus den Orthopteren deutlich sieht, ein in der
Mittellinie verwachsenes zweites Unterkieferpaar ist, so ist das Kinn
(Mentum) das Analogon des Cardo , das Fulcrum (mit den Lippenta-
stern) das Analogon des Stipes und der Squama und die Ligula (mit
den Paraglossen , wo sie vorhanden sind) das Analogon der beiden
Laden der Maxillen. Bei den Orthopteren lässt die vierlappige
Ligula die Laden der beiden ursprünglichen Maxillen noch ganz deut-
lich erkennen, bei den Hymenopteren und Coleopteren sind die bei-
den inneren Laden zur Ligula verwachsen, während die beiden äus-
seren als Paraglossen frei bleiben (oder ebenfalls m it zur Ligula ge-
282 Gerstaeclier: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
zogen werden, wenn Paraglossen fehlen). Hieraus, nämlich dass
Paraglossen nur Theile der eigentlichen Ligula, d. h. inodificirte
äussere Laden der ursprünglichen iMaxillen sind, geht deutlich hervor,
dass Jemand, der Seitentheile des tastertragenden Abschnittes der Un-
terlippe (Fulcrum Kirby, Analogon des Stipes und der Squama der
Maxillen) für Paraglossen ansieht, keine Idee von der Bedeutung der
einzelnen Theile der Unterlippe der Insekten hat und sich daher mit
Abhandlungen, wie es die vorliegende gegen Erichson gerichtete
ist, lieber nicht befassen sollte. Wenn der Verf. des vorliegenden
Aufsatzes behauptet, dass das, was er selbst bei den Staphylinen Pa-
raglossen nennt, nicht analog mit den Paraglossen der Carabicinen
ist, so hat er darin vollkommen Recht, weil seine Staphylinen-Para-
glossen eben keine sind; was dagegen Er i chs o n Paraglossen nennt
(Gen. et Spec. Staphyl. p. 10. Taf. III. Fig. 1 — 4) ist vollständig über-
einstimmend z. B. mit den Paraglossen von Carabus und ganz beson-
ders auch mit den Paraglossen der Bienen, bei denen dies Organ von
Kirby und II liger zuerst so benannt worden ist, — Wir könnten
hiernach füglich die ebenfalls auf Unkenntniss beruhende Terminolo-,
gie des Verf. für die einzelnen Theile der Unterlippe übergehen, in
der z. B. „die Zungensubstanz" (? unverständlich) mit der Form des
Brustkastens (!) verglichen wird, wenn wir nicht bemerken müsslen,
dass die „sehr bezeichnende" Benennung Fulcrum nicht für die hor-
nige Ligula der Carabicinen angewandt werden kann, da dieser Ter-
minus schon vor mehr als fünfzig Jahren von Kirby für den tasler-
tragenden Basaltheil der Zunge eingeführt worden ist. Schliesslich
diene dem Verf. zur Notiz, dass er nicht von Paraglossen „der übri-
gen Insektenordnungen" reden kann , da diese Organe bisher nur
noch bei einer Insektenordnung, den Hymenopteren, aufgefunden und
also benannt worden sind.
Eine nochmalige Diagnose und eine Abbildung des sehe nen
linopinus pictus Le C. (= Trichocanthus variegatus Motsch.) gab
Le Conte im Entomological Report p. 35. tab. I. fig. 12.
Dietrich (Entomol. Zeitung p. 136) sieht jetzt den von ihm
aufgestellten Paederus geniculatus als identisch mit P. brevipennis Er.
und Paed, palustris Dietr. als mit P. caligatus Er. übereinstimmend an.
— Nach Jacquelin du Val (Bullet, d. 1. soc. entomol. p. LIII)
ist Stenus carinifrons Fairm. Laboulb. identisch mit St. impressipennis
Jacq. d. Val.
Die ersten Stände und deren Entwickelungsgeschichte von Fa-
lagria sulcatula Payk. beschrieb Heeger (Sitzungsberichte der ma-
them. - naturvviss. Classe der Akad. d. Wissensch. zu Wien XXIV.
p. 315 If.) ; die Larve macht binnen acht bis zehn Tagen ihre drei
Häutungen durch , nährt sich von tödten oder kranken Larven ande-
rer Insekten und verpuppt sich acht Tage nach der dritten Häutung
im Gebiete der Entomolog^ie während des Jahres 1857. 283
ohne Unjhülliing. Es finden zwei Generationen statt. (Abbildungen
auf Taf. I.)
Trichopteryg-ii. Neue Arten dieser Familie sind: Plilium
denticolle und angtdicolle Fairmaire (Annales d. 1. soe. entomol. V.
p. 732 f.) aus Frankreich und Acratrichis obscoena Wollaston (Catal.
of Coleopt. Insects of Madeira p. 35) von Madeira.
Hoffmann (Entomol. Zeitung p. 409) machte abermals Be-
merkungen über die Mundwerkzeuge des Sphnerius acaroides und gab
eine Abbildung derselben bei 400facher Vergrösserung.
Phalacrides. Heeger (Sitzungsberichte der mathem. -na-
tu rw. Classe der Akad. d. Wissensch. zu Wien XXIV. p. 330 ff.) machte
die Naturgeschichte der ersten Stände von Ülibrus tricolor Fab. be-
kannt. Die Eier werden vom Weibchen im ersten Frühjahre einzeln
oder zu zweien in die jungen Blüthenknospen von Leontodon Taraxa-
cum, Tussilago und anderen Syngenesisten gelegt und die nach acht bis
vierzehn Tagen ausliriechenden Larven nähren sich anfangs von den
unteren Theilen der Blüthenblätter , später von den mittlerweile ent-
standenen unreifen Samen. Die Larven häuten sich dreimal nach je
sechs bis acht Tagen , gehen durch den Fruchtboden in den hohlen
Stengel , beissen sich von hier durch in die Erde und verpuppen
sich daselbst in einem tonnenartigen Erdgespinnst. (Abbildung auf
Taf. 6.)
Histerini. deiAIarseul hat in den Annales de la soc. ento-
mol. V. p. 109 — 167 und 307—516 seine monographische Bearbeitung
dieser Familie durch Ilinzufügung eines allgemeinen Theiles so wie
durch die nachträgliche Beschreibung einer Anzahl neuer Arten ver-
vollständigt und hiermit abgeschlossen. Nach einer Zusammenstellung
der Familien- Charaktere werd(?n die Verwandtschaften der Histeren
mit den Staphylinen, Pselaphiden , Nitidularien u. a. erörtert und so-
dann die Modifikationen, welchen sämmtliche Theile des Körpers je
nach den Gattungen unterworfen sind , aufgezählt. Die Charaktere
der ersten Stände , bisher nur von fünf Arten bekannt, werden nach
Perris angegeben. Eine Notiz über die geographische Verbreitung
der Familie ergiebt im Ganzen 746 Arten (620 vom Verf. beschrie-
ben, 120 ihm unbekannt); von diesen kommen 92 auf Europa, 107
auf Afrika. 64 auf Asien, 294 auf Amerika^und nur 16 auf Austra-
lien. Europa und Afrika haben 13, Europa und Asien 10, Afrika
und Asien 4 Arten gemein; 12 Arten sind über den ganzen alten
Continent verbreitet und 8 finden sich zugleich in der alten und
neuen AVeit. Von den 43 Gattungen der Familie sind Hololepta,
Platysoma und Saprinus in allen Welttheilen vertreten , Paromalus,
Teretrius, Onthophilus und Abraeus über alle Theile des alten Con-
tinents verbreitet ; 10 Galtungen sind ausschliesslich amerikanisch,
1 (Glymma) europäisch, 9 afrikanisch, 3 asiatisch, 1 (Aulacosternus)
284 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Afrika und Australien gemein , 1 (Margarinotus) den beiden Küsten
des Mittelmeers eigenthümlich. — Von p. 130 — 147 giebt der Verf.
eine Uebersicht über die frühere Literatur und ein Verzeichniss der
von ihm benutzten Autoren, wobei jedoch noch die eine oder andere
Lücke auszufüllen wäre; z. B. ist der Conspectus Insect. Coleopt.
Peruan. von Erichs on, in welchem 1 Omalodes, 2 His'er , 1 Sa-
prinus und 1 Teretrius diagnosticirt sind, unberücksichtigt geblieben
und die bezeichneten Arten daher auch von Marseul übergangen
worden: der von ihm beschriebene Saprinus lepidus wird daher auch
seinen Namen wegen der so benannten Erichson'schen Art ändern
müssen. — Es folgt nun eine synoptische Tabelle der Tribus und
Gattungen und eine Aufnahme mehrerer Arten nach den Beschreibun-
gen anderer Autoren, welche in der Monographie ausgelassen und
dem Verf. selbst unbekannt geblieben sind. Diesen schliesst sich ein
Supplement zu dem speziellen Theile der Arbeit an, welches die Be-
schreibung einer neuen Gattung und einer Anzahl neuer Arten
(p. 397 ff.) enthält, welche, wie früher, auf pl. 10 und 11 sämmtlich
abgebildet sind. Es sind folgende: Hololepta Perraudieri von Tene-
riffa und Baultiyi aus Ostindien, Trypaneus breviculus und Carthage-
nus aus Columbien , Platysoma Murrayi von Old-Calabar, Confucii
aus China , Hister Assamensis , lamaecola und Thibelanus aus Ostin-
dien, montanus aus Abyssinien, Calaharicus von Old-Calabar, coele-
stis aus China, Jekelii von Shangai, Kurdistanus aus Kurdistan, Pey-
ronii aus Syrien, Sennevillei aus Californien. Coelocraera n. g. eine
kurz eiförmige, gewölbte Form von nicht besonders auffallendem Ha-
bitus, die an einer tiefen Grube des Scheitels und stark gerieften
Flügeldecken nach Art der Onthophilus-Arten kenntlich ist. Die Gat-
tung wird vom Verf. in die Nähe von Monoplius , Felorus u. s. w.
gestellt; eine Art: C. costifera von Old-Calabar. — Hetaerius hrun-
nipennis von Nord-Amerika, Tribalus mixtus vom Cap, Saprinus Tur-
cicus aus der Türkey, Tyrius und Mersinae aus Syrien, desertorum
aus Nord -Amerika, fugax und Boudista aus Ostindien, harbipes aus
Californien und Plegaderus Barani von Toulon. — Ein alphabeti-
sches Verzeichniss der Arten so wie eine systematische Uebersicht
der Tiibus, Genera und Species mit Angabe der Autoren und des
Vaterlands beschliesst die sehr werthvolle Arbeit.
Le Co nie (Entomol. Report p. 35f.) beschrieb Hister sella-
tus , Saprinus estriafus und Teretrius obliquulus als neue Arten aus
Californien und dem Oregon-Gebiet.
Jacquelin du Val (Historia fisica de la isla de Cuba VH.
p. 46 ff.) : Epierus Antillarum, Paromalus productus, Saprifius Cava-
lieri, cubaecola und viator (de Marseul) als n. A. aus Cuba.
Derselbe theilte eine Notiz über die Bildung der Unterlippe
bei den Histeren mit im Bullet, d. 1. soc. entomol. p. LV.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 285
Roger (Verzeichniss der Käfer Oberschlesien p. 53) stellte
Hister silesiacus von Randen als neue Art auf, Wo 1 las ton (Catal.
of Coleopt. Insects of Madeira p. 77) Acritus homoeopathicvs n. A.
von Madeira.
I¥itidulariae. Eine eigenthümliche neue Gattung Calone-
crus stellte Thomson (Archives entomol. I. p. 117. pl. 10. fig. 3)
auf, ohne jedoch ihre wesentlichen Merkmale näher hervorzuheben.
Die Fühler sind nach einem Exemplar des hiesigen Museums nicht
zehn-, sondern elfgliedrig, nur dass die beiden letzten Glieder zu
einem kugligen Knopfe verwachsen sind ; das vorhergehende neunte
Glied ist stark in die Quere gezogen, fast dreimal so breit als das
achte. Ein sehr auffallendes Merkmal, welches der Verf. ebenfalls
übersehen hat, bieten die Flügeldecken dar, indem sie an der Spitze
nahe dem Aussenrande einen tiefen Schlitz zeigen , durch den sich
ein äusserer kleiner Lappen absondert. Die Gattung tritt durch die
sehr flachgedrückte Körperform an Lordites Er, heran , von der sie
sonst habituell sehr abweicht. Art : C. Wallacei von Borneo (im
hiesigen Museum von Java).
Neue Arten sind ausserdem : Trogosita elongalula, soror, sulcifrons
und transversicollis Jacquelin du Val (Historia fisica de la isla de
Cuba VII. p. 104 ff.) von Cuba, Epuraea nubila, Omosita inversa,
Meligelhes rufimanus , moerens und seminulum Le Conte (Entomol.
Report p.36f.) ausCalifornien und dem Oregon-Gebiete, Ips japonica
Motschulsky (Etudes entomol. VI. p. 28) aus Japan, Cercus spiraeae
Märkel (Allgem. Deutsche Katurhist. Zeitung 1857. p. 177) aus der
Sächsischen Schweiz.
Jacquelin du Val hat die Identität seiner den Clambiden
beigezählten neuen Gattung Phantazomerns (vergl. Jahresbericht 1854.
p. 89) mit Cybocephalus Er. und seiner Art Ph. aeneiceps mit Cyboc.
pulchellus Er. anerkannt. (Annales d. 1. soc. entomol. V. p, 97;.
Colydii» IVeue Arten sind : Tarphius formosvs, sculptipennis,
excisus und expiicatus Wollaston (Catal. of Coleopt. Ins. of Madeira
p. 44 ff.) von Madeira, Eulachus costatus (Erichs, i. lit.) Thomson
(Archives entomol. I. p. 422) von Cayenne, Nematidium costipenne
Jacquelin du Val (Historia fisica de la isla de Cuba VII. p. 103) von
Cuba und Cerylon simplex Le Conte (Entomological Report p. 39) aus
Californien.
Scriba berichtete (Entomolog. Zeitung p. 380) über das Vor-
kommen des Oxylaemus caesus Er. Er fand ihn in grosser Anzahl
in Löchern, welche er dicht an einer alten Eiche , in der Bostrichus
villosus und monographus hausten , in die Erde gegraben und mit
Moos ausgefüllt hatte. S. glaubt, dass die Larve des Oxylaemus von
den Bostrichen -Larven lebe und sich zur Verwandelung unter die
Erde begebe. (Letzteres ist unwahrscheinlich , da sich wenigstens
286 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Oxyl. cylindricus unter ganz fest anliegender Eichenrinde findet, wo
er schon seine Verwandlung durchgemacht haben muss. Ref.)- "''^
Cuciijides* Silvanus (jemellatus von Cuba wurde von Jaü-
quelin du Val (Historia fisica de la isla de Cuba VII. p. 104) als
neue Art aufgestellt.
liatliridii* "W'ollaston (Catal. of Coleopt. Ins. of Madeira
p. 67 f.) beschrieb Monotoma spinifera und congener als n. A. von
Madeira.
Tliorictidae. Die Arten der Gattung Thorictus Germ, sind
von Peyron („IVote monographique sur le genre Thorictus de Ger-
mar," Annales d. la soc. entomol. V. p. 697 — 714) sorgsam untersucht
und beschrieben worden. Der Verf. liefert zuvörderst eine nochma-
lige ausführliche Charakteristik der Gattung und giebt über die Le-
bensweise der Arten, welche er selbst an mehreren hat beobachten
können, an , dass sie sich unter Steinen . am Fusse von Bäumen und
alten Mauern, meist in Gesellschaft von Tagenien , Opatrum , Rhytir-
rhinus und Acalles aufhalten. (Von Sta.udinger sind sie in Anda-
lusien in Gesellschaft von Ameisen unter Steinen gefunden worden.
Ref.) Die zehn dem Verf. bekannt gewordenen Arten stammen sämmt-
lich aus den Ländern des Mittelmeerbeckens, nämlich aus Süd -Eu-
ropa, Algier, Aegypten und Syrien; sie werden in einer analytischen
Tabelle auseinandergesetzt und in zwei Hauptabtheilungen gebracht,
je nachdem die Flügeldecken bei den Schultern mit einer Falte ver-
sehen sind oder dieser ermangeln ; das Vorhandensein oder der 3Ian-
gel von Gruben auf dem Prothorax giebt ein ferneres Merkmal zur
Unterscheidung der Arten ab. Diese sind : Thorictus castaneus Germ,
aus Syrien , Kubien und Aegypten , pilosns aus Caramanien, maurita-
nicus Luc. aus Sicilien , Spanien und Algier, puncticollis Luc. aus
Algier, Orientalis aus Caramanien, dimidiatus ebendaher, grandicollis
Germ, aus Algier, Sicilien, Süd-Frankreich und der Türkey, loricatus
(Dej,) = Sphaerophorus castaneus Waltl aus Spanien, laticollis Motsch.
aus der Türkey, dem Caucasus und Caramanien, gallicus aus Süd-
Frankreich.
Cryptopliag^ides. Woliaston hat die in England einhei-
mischen Arten der Gattung Atomaria einem genauen Studium unter-
worfen und besonders auch die in der Stephens'schen Sammlung be-
findlichen Typen zu dessen Beschreibungen mit den Arten der con-
tinentalen Autoren in Vergleich gebracht. („Revision of the British
Atomariae, with observations on the genus." Transact. entom. soc. IV.
p. 64— 82.) In Bezug auf die Gattung bemerkt Woliaston, dass
ihre Uebereinstimmung mit Ephistemus so gro.ss sei , dass nur zwei
Merkmale von einiger Haltbarkeit zwischen beiden aufgestellt werden
könnten. Bei Atomaria findet sich unmittelbar vor der Spitze der
Mandiheln ein kleiner Zahn und die Fühlerglieder sind (wenn auch
im Gebiete der Entomologie während des Jahres ]857. 287
nicht stets sehr hervortretend) abwechselnd lang und kurz ; der Ha-
bitus, die kurze, kuglige Körperform und die kürzeren Beine von
Ephistenuis seien wenig massgebend , indem einige Atomarien, z. B.
eine von Madeira stammende, die Wollaston selbst auch als Ephi-
stenuis beschrieben habe , dieser Form ganz nahe träten. — Die in
England vorkommenden Arten, welche von W. aufgezählt und be-
schrieben werden, belaufen sich auf 23; es sind At. ferruginea Sahlb.
(pallida Woll.) . fimetarii Hbst. , linearis Steph. , elongatula Erichs.,
umbrina Gyll. (nigrirostris Steph.), nigriventris Steph. (nana Er.), pel-
tata Kraatz , fuscipes Gyll. (carbonaria Steph.), pusilla Payk. , atrica-
pilla Steph. (nigriceps Er.) , Berolinensis Kraatz , fuscata Schönh.
(castanea et rufipes Steph.), guita Steph,, atra Hbst., mesomelas Hbst.
(dimidiata Steph.), basalis Er., munda Er., nigripennis Payk., Hislopl
nov. spec, apicalis Er., analis Er. (testacea et atra Steph.), ruficornis
Steph., versicolor Er. — In der Stephens'schen Sammlung fanden sich
öfters unter einer Benennung mehrere Arten vereinigt, so dass die
typischen Exemplare nicht herauszufinden waren ; nur in einigen Fäl-
len Hessen sich Erichson'sche Arten auf die früheren von Stephens
zurückführen.
Derselbe (Catal. of Coleopt. Insects of Madeira p. 59) be-
schrieb Paramecosoma simplex und Atomaria insecta als neue Arten
von Madeira.
Le Conte (Entomol. Report p. 39) Atomaria laetula aus Ca-
lifornien.
Jflycetopliag'idae. Lüargus pilosus Wollaston (Catal. of
Coleopt. Insects of Madeira p. 71) ist eine neue Art von Madeira.
DermeetSiii. Peyron (Annales de la soc. entomol. Y.
p. 719 ff.) beschrieb Attagenus Redtenhacheri n. A. aus Caramanien,
zur Gruppe des Attag. maritimus Gene, dispar Redt, und obtusus Schönh.
gehörend, für welche Arten der Verf. die Gattung Telopes Redt, auf-
recht erhalten wissen will. Ausserdem Anthrenus alhidus (Dej. Cat.)
n. A. aus Marseille.
Azanibre (Bullet, d. I. soc. entomol. p. XVII) fand Dernie-
stes - artige Larven in Nestern geselliger Hymenopteien (Apiarien),
aus deren einer sich Megatoma undata entwickelte; leider hat der
Verf. die Charaktere dieser noch unbekannten Larve nicht angegeben.
Byrrliii, Nach Märkcl (Allgem. Deutsche Naturhist. Zei-
tung 1857. p. 178) sind die Byrrhus-Arten pflanzenfressende Thiere und
zwar nährt sich Byrrhus ornatus von Moos an feuchten Felsen; Byr-
rhus arietinus Steif, sieht M. als eine von B. pillula verschiedene
Art an.
liamellicornia« Description de quelques especes nouvel-
les de Coleopteres Lamellicornes par Snellen van Vollenhoven
(Memoires d'entomologie , publ. p. 1. soc. entom. des Pays-ßas I,
288 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
p. 20 — 27. pl. II) ; enthält Beschreibungen und Abbildungen einiger
ausgezeichneten Arten der Dynastiden- und Cetoniarien- Gruppe aus
dem Leydener Museum.
Dynastidae. — Oryctes cristatus und Polyphemus n. A. von
Snellen van Vollenhoven (a. a. 0. p. 21. pl. II) aus Guinea.
Trionychns castaneipemiis, Petitodon contractus, Syrichthus cri-
bratus , Heteronychus parndoxus und tristis n. A. aus dem Caffern-
lande von Boheman (Insect. Caffrar. II. p. 2 fF.).
Xylotrvpes Mac Leayi, Scarabaeus dubius, Woodlarkianus, ex-
cavatus, triangularis, Cyclocephala bimaculata und Monlargisii n. A.
von der Insel Woodlark, von Montrouzier (Annales de la soc.
d'agricult. de Lyon VII. 1. p. 19 ff.).
Äncognatha Jamesonii und crassimanus n. A. aus Quito von
M u r r ay (Edinburgh new philosoph. Journal, new ser. V. p.230. pl. III.
fig. 3. 4).
Cetoniariae. — Thomson (Archives entomol. I. p. 162)
charakterisirte die Gattung Incala White, deren Unterschiede von der
Süd -Amerikanischen Gattung Inca er in den unbewaffneten Vorder-
schenkeln, der Form des Kopfschildes, welches beim Weibchen stär-
ker verlängert, beim Männchen schmaler und vorn breiter und abge-
rundet ist, und in der abweichenden Form des Prothorax findet. Eine
als neu beschriebene Art von Gabon ist Incala Quimalanca ; vielleicht
gehört 'auch Inca lineola Westw. dieser Gattung an. — Neue Arten
sind : Trichius Bowringii von Shangai (p. 118), Cotinis Ämazonica und
Gymnetis Batesii ( = G. schistazea Burm. ) vom Amazonenstrome
(p.l35), Bombodes Westwoodii (pl. 14. fig. 2) aus Nord-Indien, Ma-
cronota venerea von Celebes , Euryomia (GametisJ dulcinea, lasciva
und Natalensis von Pt. Natal (p. 283 ff.) — Lomaptera Wallacei, ta-
lidipes , adelpha , Arouensis und Schizorrhina Emiliae (White?) von
den Arou-Inseln, auf pl. 16 abgebildet.
Snellen van Vollenhoven (Memoires d'entomologie, publ.
p. I. soc. entom. des Pays-Bas I. p. 23 ff. pl. II) gab Beschreibungen
und Abbildungen von Chalcothea affinis von Borneo, Macronota For-
steri von Celebes, suluralis von Sumatra, lucluosa von Amboina und
aurantiaca von Sumatra, sämmtlich ausgezeichnete neue Arten.
Montrouzier (Annales de la soc. d'agriculture de Lyon VII.
1. p. 24 ff.) beschrieb Cetonia Marccani, hnmeralis, Kirbyi und Xoma-
ptera punctata als n. A. von S. Cristoval und Woodlark.
Boheman (Insecta Caffrariae IL p. 10 ff.) beschrieb zahl-
reiche neue Arten vom Caffernlande : Goliath albosignatus, Genyodonta
egregia , Discopeltis bellula , Trichostetha placida , Tephraea collaris,
Oxythyrea dysenterica, vitticollis , Anoplochilus figuratus , Protaetia
amakosa, Pachnoda albopicla , Elaphinis latecostata, nigritula, pu-
mila , Diplognatha variegata , Macroma emarginicollis , Ptychophoru»
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 289
margaritiferus , hilaris, Hoploslomus platycephalus , Coenochilus gla-
bratns, Genuchns nigriclavus , Scaptobivs ]Salale7isis , Trogodes rohin-
dicollis, Lissogenius luteovarius und Valgus plumalus.
Salle „Description d'uiie Gyninetide provenant des environs
de Santa-Fe de Bogota (Annales de la soc. entomol. V. p. 617 f.)
machte unter dem INamen Allovhina Lmisbergei eine sehr ausgezeich-
nete neue Gymnetiden-Form bekannt, welche mit der Gattung Allo-
rhina in keiner näheren Beziehung steht, sondern, falls sie nicht zu
einer eigenen Gattung erhoben werden soll , eine viel grössere An-
näherung an Gymnetis darbietet. In der allgemeinen Körperform und
der Bekleidung der Oberfläche mit letzterer Gattung übereinkommend,
unterscheidet sie sich davon durch eigenthünilichen Goliathiden-
ähnlichen Kopfschmuck; der Scheitel ist nämlich tief ausgehöhlt, die
Seiten des Kopfes zu einer hohen, scharfen, winkligen Kante erho-
ben, der Vorderrand des Thorax vorgezogen und in einen den Kopf
überragenden , hakenartigen Fortsatz endigend. Die Art (pl. 13 ab-
gebildet) ist oberhalb matt lehmgelb, schwarz gesprenkelt, unten
atlasglänzend blau.
Cremaslochilns angularis ist eine neue Art von Le Conte
(Entomolog. Report p, 37) aus Californien.
V. Motschulsky (Etudes entomol. VI. p. 112) bringt die frü-
her von ihm als Cremastochilus scabrosus beschriebene Art zur Gat-
tung Clinterocera; er giebt zugleich an, dass diese Art heterome-
risch sei.
Rutelidae. — Neue Arten aus dem Caffernlande von Bo-
heman (Insecla Caffrariae II. p. 59 ff.) sind: Popilia limbata, Ano-
mala resplendens, castanea, fusciceps , dorsata, vittipennis, Bohemani,
A'loretns punctipeniiis, macidalus, laticeps, testacetts , impurus , tiasu-
tus, picinus, pecticollis, nigriceps, flaveoliis und fusculus.
Von Murray (Edinburgh new philosoph. Journal, new\ ser. V.
p. 226 ff.) : Chlorota lineala , euckloroides und Lencothyreus gigas n.
A. von Quito, letztere auf pl. III. fig. 5 abgebildet.
Von V. Motschulsky (Etudes entomol. VI. p. 32) : Mimela
Gasckkewitschii aus Japan.
Melolonthidae. — Von Boheman (Insecfa Caffrariae II.
p. 77ff.) wurden folgende neue Arten und Gattungen beschrieben:
CJitopa fervida, Leonlochaeta fvscitentris , Onochcta ]\atalensis, rvfi-
ventris. Haplobrachivm n. g. Kopf vorn quer eingedrückt , an der
Spitze fast abgestutzt, mit stark aufgebogenem Rande; Lippentaster
viergliedrig, das letzte Glied dicker als die beiden vorhergehenden,
ihnen zusammen fast an Länge gleich; Augen gross, rund, mit erha-
bener Linie, die von der Vorderseite bis zur Mitte geht ; Fühler zehn-
gliedrig, das 4. bis 6. Glied etwas länger als die übrigen, die Keule
sehr lang, dreiblättrig. Brustbein vorn scharf gedornt; Beine lang,
Archiv f. Naturgesch. XXIV. .lahrs- 2. Bd. f
200 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
alle Schienen aussen wenig erweitert, unbewehrt, Tarsen lang, kräftig
mit langgestrecktem Endgliede, Klauen an der Basis gezähnt. Schild-
chcn gross , dreieckig , Flügeldecken mit fast gleichbreiten Seiten,
gewölbt, vielriefig. Zwei Arten : Haplobrachivm costipeyine und sulci-
penne. — Coniopholis ferrvginea, decora. pilosicollis, costicolUs, Hy-
popholis villala , sulcicollis , Apogonia ovata , Ancylonycha adspersa,
Schizonycha valida , rufina, puncticollis, carhonaria, russula, neglecta,
ohlonga, afßnis. — Diplotropis n. g. Kopf mit zwei Stirnleisten, vorn
jäh verengt, an der Spitze tief dreieckig ausgeschnitten; Lippenta-
ster eingliedrig, das 2. Glied länglich, das 3. kurz, das 4. dicker,
den beiden vorhergehenden an Länge fast gleich; Augen klein, Füh-
ler zehngliedrig, Keule länglich, siebenblättrig. Beine ziemlich lang,
zart, Schenkel massig verdickt. Vorderschienen aussen mit zwei schar-
fen Zähnen, der an der Spitze kräftiger, Hinterschienen stachlig; Tar-
sen lang, zart, die vier ersten Glieder untereinander gleich, das
fünfte doppelt so lang; Klauen klein, stumpf gezähnt. Gestalt fast
wie von Schizonycha. Drei Arten : Dipl, nigrina, rufina und casta-
nea, alle drei T'/i mill. lang. — Ferner : Ablabera castanea, inno-
cua, verticalis, rufipennis, rufina, unicolor, testacea, pallidula, pilosa,
apicalis , variahilis , morio , flavipennis , pulicaria , pilosula, Cainenta
rufiventris , Pleophylla maculipennis , pilosa, Trochalus picipes, fer-
rugineus, obtusus, byrrhinus, spletididulus, fulgidus , aeneus , chloris,
crassus, breviusculus , pallidipennis , Serica pubeiula, curtula , Trio-
donta caffra , sericans, tenella, Anisonyx pilosus , lanatus, Peritrichia
sulcicollis, Eriesthis variegata, hoplioides , Goniaspidius lepidus, livi-
dipennis , Dichelus sulphureus , armipes, caffer , contractus, piuinosus,
Gymnoloma elegantula, Microplus luctuosus, pumilus.
Thomson gab (Archives entomol. L p. 148. pl. 10. fig. 4) die
Beschreibung und Abbildung ' einer Mexikanischen Melolonthiden-
Form, die er irriger Weise der Gattung Chrysina beizählt und Chrys.
Truquii nennt. Die Gattung, der diese Art angehört, ist neu und
würde in die Nähe von Plectris Burm. zu stellen sein , obwohl ihre
habituelle Aehnlichkeit mit den Ruteliden leicht dazu verleiten könnte,
sie diesen beizuzählen. Nach dem hiesigen Museum kommen in Me-
xiko mehrere Arten dieser Gattung vor.
V. M 0 ts c h u 1 s k y (Etudes entomol. VL p. 32) charakterisirte
eine neue Gattung Heplophylla, im Habitus mit Schizonycha verwandt;
Parapleuren des Metathorax schmal , Epimeren sehr klein , Oberlippe
tief ausgerandet, Lippentaster auf der Aussenseite des Kinns einge-
fügt; Fühler llgliedrig mit kurzem 4. Gliede und 7gliedriger Keule;
Stirnleisten wenig ausgeprägt und unterbrochen; Klauen zweitheilig
oder selbst bis auf den Grund gespalten. Art: Hept. picea aus Japan.
— Serica orientalis, Hoplia obducta und sabulicola n. A. ebendaher.
Fernere neue Arten sind: Tryssus comatus, Diplotaxis brevi-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 291
collis, Dichelomjcha valida , fulgida, Serica anthracina , Catnptorhina
serotina nnd Hoplia irrorata Le Conte (Entomol. Report p. 38 fF.)
aus Californien und dem Oregon- Gebiete , Aticylotiijcha puberitla,
confusa, subsericans und bifoceolata Jacquelin du Yal (Histoiia fisica
de la isla de Cuba VII. p. 55) von Cuba , Rhizotrogns punctatissimus
Montrouzier (Annales de la soc. d'agricult. de Lyon VII, 1. p, 24) von
Woodlark und Rhizotrogus Guyonii Lucas (Bullet, d. 1, soc. entoniol.
p. LXXXVI) aus Algier, mit Rhiz, Guerardi Buq. zunächst verwandt.
Hybosoridae. — Jacquelin du Val chaiaktcrisirte (Hi-
storia fisica de la isla de Cuba VII. p. 57) Trichops testacevs (üej.
i. lit.) von Cuba; die Gattung ist übrigens unter dem iVamen Hapa-
lonychus beschrieben und muss daher so benannt werden. — B o h e-
man (Insect. Caffrar. II. p. 369) : Hydosorvs rvßcornis n. A. aus dem
Caffernlande.
Geotrupini. — Geofrnpes laevistriafus und avrattis aus Ja-
pan wurden von v. Motschulsky (Etudes entomol. VI. p. 31) be-
schrieben, Bolboceras caffer, consocivs . rnfotestacevs , macuUcollis
und dorsualis aus dem Caffernlande von B o hema n (Insect. CafFrar. II.
p. 371 IT.).
Aphodiidae. — Bob e man (Insecta CafFrariae II. p. 329 ff.)
stellte eine (lattung Sybax auf, bei welcher der Kopf mehr denn
doppelt so breit als lang, der Thorax um die Hälfte breiter als lang,
an der Spitze abgestutzt, in der Mitte der Basis etwas dreieckig nach
hinten hervortretend, das Schildchen verlängert, abgerundet, die Flü-
geldecken massig gewölbt, dreikielig, an der Spitze ausgezogen, die
Unterseite des Körpers flach , die Vorderschienen auss-en sehr stark
erweitert, dreizähnig, innen mit einem Längskiele versehen, die hin-
teren fast drehrund, aussen zweikantig, innen kurz und dicht be-
haart sind. Die Gattung scheint mit Rhyparus zunächst verwandt zu
sein; zwei Arten: .S. sulcicoUis und impressicollis. Ausserdem wer-
den folgende neue Arten aus dem Caffernlande beschrieben : Aphodius
prodnctus , ferrngineus , amabilis , rnbricosns , nigritulus , liiciduliis,
consimilis, granulalus, gracilis, timidvs, discoidalis. posticus, hoema-
ticiifs, Wahlbergii, peregrintis. caJcaratvs (humilis Roth. ?), amoenus,
misellus, badius. pygmaens, etunescens, vesliiiis, puberulvs, costipemiis,
sulcipentiis und Amoecnis Ingiibvis.
Le Conte (Entomol. Report p. 41 f.) beschrieb Aphodins pe-
ctoralis . rubidvs. pardalis , suhaenens . Aegialia crassa und caelala
aus CalTfornien . Jacquelin du Val (Historia fisica de la isla de
Cuba VII. p. 51) Fsamviodins gracilis von Cuba,
Orphnidae. — Orphmis 7'?^/m/?<s Boheman (Insect. Caffrar. II.
p. 368) ist eine neue Art aus dem Caffernlande.
Coprides. — Eine neue Gattung und zahlreiche neue Arten
aus Süd-Afrika wurden von B o heni an (Insecta Caffrariae II. p. 162 fr.)
292 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
bekannt gemacht: Ätenchus (Heliocantharus) profanus, cuprens, metal-
Uctis, nigroaenens, Clericns , (Actinophorus) caffer , paradoxus. inter-
stitialis, ambignus, inicrocephalus, (SebasteosJ rusticus, funebris, cica-
tricosus, (Pachylomera?J horridns, Pachysotna validum, Gymnopleurus
caffer, unicolor , Wahlbergii , subcuprntus , covacinus , Lichlensteinii
(hunieralis Klug?), smaragdimis , cupreus , Sisyphns appendicvlatus,
fascicnlatus, rubripes, sordidvs, caffer, Chalconoltis convexns , pumilus,
Epirhinus sulcipeunis, obtusus, armatus, Epilissvs subtilis. — Odonto-
lotna n. g. Kopf breit und kurz, scharf vierzähnig, die beiden Mittel-
zähne weiter auseinander stehend, der Vorderrand kaum ausgebuchtet;
Thorax quer, doppelt so breit als lang, fast gleich breit, in der Quere
gewölbt. Schildchen fehlend ; Flügeldecken eiförmig, vorn ausgeschnit-
ten; Schenkel unbewehrt, Vortierschienen dreizahnig, Mittelschienen
dicht und lang geborstet, Tarsen kurz, dünn. Art: Odontoloma puu-
xilluni , 2y2 niill. lang. — Ferner: Paedaria costata , tnberculata,
picea, cylindrica , Coptorhina nilidipennis , oblusicornis , Delopleurus
pullus, Heliocopris Neptu7ius, Faunus, Catharsivs obtnsicornis, Ulysses,
laticeps, areolatus, vitulus, troglodytes, Copris laticornis, urus, Victo-
rini, contractu, obesa, mntica , confusa , modesta , pvncticollis, Onitis
paradoxus , robustus , perplexus , fodiens, caffer, viridtilvs, picticoUis,
porculns, Onthophagus metallicus, aulicns, collaris (loricatus Klug?),
naso, jtraeustiis, columeJla, aciculatvs , slercorarius , sapphirinus, pa-
rumnotatus, trinodosus , gracilicornis , interstiiialis , moestus , glaber,
pngionatus , lugubris , obtnsicornis, lugens , monodon, setosus, opacus,
impictus , pilosus , costipennis , scabrosiis , pedestris, apicalis, obestis,
intermedius, lalpa, piceus , histerirms, pallidipennis , signatus , hybri-
dus , quadrinodosus , verticalis, ferruginevs , chalcostomus, pusio, pu-
silliis, obtusus, inconspiciius, brevicornis , ciridicolUs, Oniticellus pla~
natus , mililaris, variegatus, I>epranocerus ambiyuus , ivipressicollis,
dispar und laticollis.
Fernere neue Arten sind : P/ianaeus velutinus Murray (Edin-
burgh new Philosoph. Journal, new ser. V p. 225) von Quito, Pha-
naeus Chabrillacii Thomson (Archives entomol. I. p. 115) aus Brasi-
ien, Onthophagus 4pustulatus (Fab.?) und sexstriatus Montr.ouzier^
(Annales de la soc. d'agriculture de Lyon VII, 1. p. 22) von Woodlark,
Canthon simplex Le Conte (Entomol. Report p. 41) aus dem Oregon-
Gebiete.
Trogidae. — Boheman ( Insecta Caffrariae II. p. 377 ff. )
beschrieb Trox incullus , melancholicus , variolosus , rusticus, talpa,
angulalus und penicillalus als neue Arten aus dem Caffernlande.
Lucanini. — Murray (Edinburgh new philosoph. Journal,
new ser. V. p. 221 ff.) machte eine neue Art der Gattung Sphenogna-
thus unter dem ISamen Sphen. Lindenii (pl. III. fig. 1. 2.) von Quito
bekannt, die sich von Sph. prionoides Buq. durch stärkeren Erz-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 293
glänz, längere iMandibeln beim iMännchen u. s. w. unterscheidet; beide
Geschlechter beschrieben und abgebildet.
Fernere neue Arten sind: Hexarfhrus Mniszechii Thomson (Ar-
chives entomol. I. p. SOG. pl. 14) aus Sylhet. in beiden Geschlechtern
abgebildet, Figulvs Woodlarhianus, Cladogtiathus citicfus und chelifer
(M. Leay?) Montrouzier (Annales d. 1. soc. d'agricult. de Lyon VII. 1.
p. 26 ff.) von Woodlark. Lucanus (Hexarthrius ?) indinatus und Fsa-
lidostomus (?) rectus v. 3Iotschulsky (Etudes entomol. VI. p. 29) aus
Japan, Dorcns acJspersus Boheman (Insect. Caffrar. II. p. 384) aus dem
CafFernlande.
Le Conte beschrieb (Entomol. Report p. 42) Sinodendron ru-
gosum Mannerh. nach beiden Geschlechtern und gab eine Abbildung
derselben auf Taf. I. Fig. 15.
Passalidae. — Enunieration des especes mexicaines du genre
Passalus, avec un tableau synoptique de toutes les especes et la de-
scription de celles qui sont noiivelles , par M. E. Truqui (Revue et
3Iagas. de Zoologie IX. p. 258—269 und p. 308—317). Der Verf. hat
aus \ erschiedenen grösseren Sammlungen im Ganzen 26 Mexikanische
Passalus-Arten zusammengebracht, deren Charaktere er in einer ana-
lytischen Tabelle daisteilt ; eine Anzahl neuer Arten wird beschrieben
und zu mehreren bereits bekannten sind Erläuternde Notizen beigebracht.
Die neuen Arten sind: Pass . heros . brevis . hirtus , rijnator , incisus,
erosus , inops , cognatns , corticicola . eclipticus , zodiacus, cuspidatus,
Astecus, Mexicanus. laticornis und bicornis.
Zwei neue Arten aus Guatemala machte Thomson (Archives
entomol. I. p. 420 (F. pl. 21) bekannt : Passalus opacipennis. eine durch
bieite Körperform und matt schwarze Flügeldecken sehr a'sgezeich-
nete Art, und Pass. Goryi Älelly i. lit.
Von der Insel Woodlark sind Passalus foveicollis und furci-
cornis durch 31 o n t r o uz i e i" (Annales de la soc. d'agriculture &e
Lyon VII, 1. p. 28 f.) zur Kenntniss gekommen,
Ruprestides* Die anatomischen Verhältnisse der Buprestiden
sind von La b o u 1 b en e und Du f ou r in Thomson's Archives entomol. I^
p. 206, 373 und 465 ff. in drei Abhandlungen sorgfältig erläutert wor-
den. Die erste derselben von Laboulbene ..Recherches sur les
apparcils de la digestion et de la reproductiou du Buprestis (Anthaxia)
manca" (a. a. 0. p. 206—233. pl. XI— XII) behandelt den Tractus in-
testinalis und die Geschlechtsorgane von Anthaxia manca. In den
dünnen Oesophagus mündet jederseits eine vohiminöse birnförmige
Tasche mit sehr kurzem Ausführungsgange . die zuweilen mit einer
hellbraunen Pulpa angefüllt war; der Magen verlängert sich bei sei-
nem Beginne und zu jeder Seite von der Einmündung der Speise-
röhre in zwei lange blinde Fortsätze , die sich nach vorn in den
Thorax hineinerstrecken , gekerbte Ränder besitzen und offenbar sehf
294 Ge rslae c k e r : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
drüsenreich sind. Eine gleiche drüsig-gelappte Oberfläche zeigt übri-
gens der darniförniigc Magen bis zum letzten üritltheil seiner Länge;
an seinem hinteien Ende münden sechs sehr kurze Vasa Malpighi
ein und der darauf folgende sehr kurze Darm erscheint in der Mitte
seiner Länge durch vier kurze, sackartige Ausstülpungen, welche
im Kreise neben einander liegen, in einen Dünn- und Mastdarm ge-
schieden. An den männlichen Genitalien sind die Hoden fast ku-
gelrund, von einer gelben Hülle umgeben, ihre Ausführungsgänge
bis zu ihrer Vereinigung halb so lang als der aus ihnen entstehende
Ductus excretorius; in letzteren mündet eine weisse, nierenförmige
Drüse mit einem kurzen Canale, in erstere vor ihrer Vereinigung
lange , fadenfömiige Glandulae accessoriae. An den weiblichen Ge-
schlechtsorganen bestehen die Ovarien aus sechs Eiröhren, die Bursa
copulatrix und das Keceptaculum seminis münden fast an gleicher
Stelle in den gemeinsamen Eileiter, wo dieser durch Vereinigung der
beiden Tuben seinen Urspiung nimmt. Der Verf. erörtert ausser den
plastischen Eigenthümlichkeiten dieser beiden Organsysfeme auch ihre
feinere histologische Beschaü'enheit und fügt am Schlüsse noch einige
Bemerkungen über die Struktur der Antennen und des Athmungsap-
parats hinzu. — Der zweite Artikel von L. Dufour „Fragments
d'anatomie cntomologique sur les ßuprestides" (ebenda p. 373— 3b0.
pl. XV) weist an Capnodis tenebrlonis mehrere wesentliche Abwei-
chungen in der Struktur des TraCtus intestinalis von der bei Anthaxia
beobachteten nach; der Oesophagus ist ausserordentlich kurz, nimmt
aber ebenfalls zwei seitliche Taschen, die hier jedoch sehr langge-
streckt, dornaitig, fast von Vs der Magenlänge und V3 des Querdurch-
messers des Magens sind, auf; der Verf. bezeichnet sie als „pause"
und vermuthet, dass sie vielleicht zur Aufnahme nicht gehörig ver-
dauter Substanzen dienen, auch wohl gar ein Wiederkäuen zu Wege
bringen. Der Darui von Capnodis ist von beträchtlicher Länge, sogar
länger als der Magen , eine Gränze zwischen Dünn- und Mastdarm
nicht bemerkbar, letzterer aber durch beträchtliche Weite ausgezeich-
net. Besonders bemerkenswerth ist das Vorhandensein von zwei sehr
langen Speicheldrüsen , die mit einem kurzen Ausführungsgange ne-
ben der Speiseröhre in den Kopf eintreten. Bei Dicerca aenea weist
der Verf. zwei ähnliehe hörnerartige Fortsätze des ölagens nach, wie
sie sich bei Anthaxia vorfanden , wählend dieselben bei Capnodis
mangeln. Die männlichen Geschlechtsorgane von Caraebus bifascia-
tus, weiche der Verf. ebenfalls zum Gegenstande seiner Darstellung
macht, stimmen mit denen von Anthaxia im Wesentlichen überein. —
Die dritte Arbeit, wieder von Laboulbene, enthält Untersuchungen
über die Anatomie der Buprestis gigantea Lin. (ebenda p. 465-484.
pl. XV) und zwar 1} über die Stigmen, 2) über die weiblichen Geni-
talien und 3) über den Tractus intestinalis. Die weitläufige Abband-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 295
hing über die Stigmen, in welcher der Nachweis geliefert wird , dass
am Hinterrande der drei Thoraxringe je ein Stigmenpaar liege, von
denen das Dritte eigentlich als erstes Abdominalstigma anzusprechen
sei, enthält nichts Neues, da diese Anordnung der Stigmata allen In-
sekten zukommt und längst genügend bekannt ist. Interessant ist die
Bildung der zum Schutze der StigmenöfFnung auf dem Peritrema sit-
zenden Maare, welche hier auf der einen Seite gabelförmig gespal-
ten, auf der anderen dick, dornenartig und mit Seitendornen bewaff-
net sind (Fig. 11 — 15). Von den weiblichen Genitalien ist zu er-
wähnen, dass die Ovarien aus zwölf Eiröhren bestehen, dass das Re-
ceptaculum seminis (ob Fettdrüse ?) lang und dünn , darmförmig ist,
und dass die Bursa copujatrix als tassenförmige Ausstülpung des Ovi-
ductus bei der Vereinigung dei- beiden Tuben erscheint. Den Ver-
bindungsapparat betreffend, so sind die beiden taschenformigen An-
hänge des Oesophagus bei Bupr. gigantea klein, eiförmig, die Vasa
Malpighi nur zu vieren vorhanden.
Eine Reihe neuer Arten und Gattungen wurde von Thom-
son C Archives entomol. I) charakterisirt ; p. 109 ff.: Chalcophora
(EvidesJ Wallacei , flammea und sexspinosa von Borneo , Stigmo-
dera rugosipennis , secularis , DapJuiis , latilhorax, coelesta, acu-
tithorax , auricollis , iilipnlana und miislela maiüv aus Neu - Hol-
land, pantherina von Borneo. — p. IIG: Tetragonoschema n. g. nach
der Abbildung (pl. lö. fig. 2) von Cryptocephalus - ähnlicher Körper-
form, indem die Flügeldecken zusammen fast ein Quadrat bilden und
den Hinterleib nicht ganz bedecken; Thorax quer viereckig, seitlich
gerundet, nach vorn verschmälert; Clypeus vorn wenig ausgerandet,
mit gerundeten Lappen; Fühlergruben massig gross, das zweite und
vierte Fühlerglied am grössten , die folgenden stark gesägt. Art:
T. chrysomelina, A.^/% mill. lang, schön dunkelblau , von Haiti (ist =
Anthaxia quadrata Buq."). — p. J68: Tyndaris n. g. für die Chileni-
sche Ptosima planata Gory, welche Lacordaire als generisch ver-
schieden bezeichnet , errichtet. — p. 430 ff. Chrysodema caUepyga,
venerea, Chalcophora Stevensii , Arouensis von den Arou-Inseln, auf
pl. 16 abgebildet.
Neue Arten von Montrouzier (Annales de la soc. d'agri-
cult. de Lyon VII, 1. p. 9 ff.) sind: Bnpr£stis Lottinii, Evides Cri-
stovallensis . Woodlarkiana, Buprestis Boisduvalii , Wallisii, Chryso-
bothrys sexpunctala und Agrilus hihisci von den Inseln Woodlark und
San CrislOAall.
Von Jacquelin du Val (Historia fisica de la isla de Cuba
VII, 1. p. 26 ff.) : Acmaeodera pnlcherrima. cnhaecola, Bvprestis (An-
cylochira) chalcopfera, Polycesta angvlosa aus Cuba.
Von Le Conte (Entomol. Report p.42ff.): Ancylochira Gibb-
sii, laeviventris, Buprestis angulicollis, Melanophila consputa, Antha-
296 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
.ria expansa, Dicerca pectorosa und crassicolIi.<;, Polycesla californica
aus dem Oregon-Gebiete und Californien.
Derselbe stellte (Proceed. of the acad, of nat. scienc. of
Philadelphia 1857. p. 6 ff.) einen „Index to the Buprestidae of the
United States, desciibed in the work of Laporte and Gory, with no-
tes" zusammen, bei denjenigen Arten, welche ihm aus eigener An-
schauung bekannt sind, die Kamen vermerkend, unter denen sie an-
\lerweitig, besonders von IVord - Amerikanischen Autoren beschiieben
worden sind.
Agrilus Dancinii wurde endlich noch von Wol laston (Ca-
tal. of Coleopt. Insects of Madeira p. 82) als neue Art von Madeira
aufgestellt.
Bemerkungen über Lacordaire's ßuprestiden -System lieferte v.
Kiesenwetter (Berliner Entomol. Zeitschr. I. p. 169 ff.) ; Ref. kann
darüber nur bemerken, dass für die Systematik einer Familie, welche,
wie die der Buprestiden, in ihren Hauptformen exotisch ist, die Eu-
ropäische Fauna gar keinen Anhalt gewahren kann.
Dumeril las in der Akad. d. Wissensch. zu l'aris (Comptes
rendus 16. Fevr. , Revue et Magas. de Zoologie IX. p. 85 ff.) einen
Bericht über eine Arbeit von Leprieur, welcher die l^arven der Tra-
chys pygmaea im Parenchym der Blätter von Malva sylvestris, rotun-
difolia und Alcaea rosea aufgefunden hat. Auf den Blättern der Mal-
ven finden sich gelbe, blasenartige Flecke, in welchen die Larve
lebt und sich binnen zwei bis drei Wochen zur Nymphe umbildet ;
beide sollen von sehr eigenthümlicher Form sein. Schon Reau-
mur habe die Nymphe und den Käfer, aber nicht die Larve ge-
kannt. (In neuerer Zeit ist das Factum des Blattminirens der Tra-
chys- Larven übrigens schon durch Heeger im J. 1851 an Trachys
nana festgestellt worden. Ref.)
Tliroscidae« Drei neue Arten von Cuba wurden von Jac-
\ quelin du Val (Ilistoria fisica de la isla de Cuba VII. p. 29 f.)
unter den Namen Drapetes nigripennis , cyanipennis und azureiis be-
kannt gemacht. Der Dr. cyanipennis des Verf. ist jedoch mit Lisso-
mus bicolor Lap. identisch.
Kucneinide§. Neue Arten sind : Galba dichroa und toinen-
«05rt Monlrouzier (Annales de la soc. d'agricult. de Lyon VII, 1. p. 12)
von Woodlark, Perothops Wilticki Le Conte (Entomol, Report p. 45)
aus Californien nud Microrhagvs Emyi Rouzet (Annales de la soc.
entomol. V. p. 749) von Dijon in Frankreich.
Cussac gab (Annales de la soc. entomol. pl. 12, Bulletin
p. LXXIV) eine Abbildung und Beschreibung der Nymphe von Eu-
cnemis capucina, die er im Holze von Populus alba aufgefunden hat.
Vllaterideii. Eine monographische Bearbeitung dieser schwie-
rigen und artenreichen Familie hat M. E. Candeze unternommen
und den ersten Theil derselben unter dem Titel: Monographie des
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 297
Elaterides par M. E. Candeze, Tome I. Liege 1857 (iMemoires de
la SOG. royale des sciences de Liege, Tome XII) veröffentlicht. Der
Verf. hat alleÄIittel angewandt, nnj seinem Werke einerseits die grösst-
mögliche Vollständigkeit in Betreff des in dasselbe eintretenden Ma-
terials, andererseits eine sichere Bestimmung der von früheren Auto-
ren aufgestellten Gattungen und Arten zuzuwenden : er hat dies nicht
nur durch die Benutzung fast aller ihm zu Gebote gestellten grösseren
Europäischen und INord - Amerikanischen Sammlungen , sondern auch
durch den Vergleich aller ihm zugänglichen Typen seiner Vorgänger zu
bewerkstelligen gewusst. Unter letzteren waren ausser den von fran-
zösischen Autoren beschriebenen Arten ganz besonders die von Esch-
s c h 0 1 1 z, G e r m a r, E r i c h s o n , Klug, B o h e m a n und L e C o n t e
von besonderer Wichtigkeit. — Der Verf. beginnt sein Werk mit
einer kurzen Erörterung des äusseren Körperbaues und der Hauptmo-
difikationen, denen die verschiedenen Theile unterworfen sind, schliesst
hieran eine Uebersicht der von Es c h sc h o 1 1 z und Le Conte auf-
gestellten systematischen Eintheilimgen der Familie und geht dann so-
gleich zu der Feststellung der acht Gruppen, in welche er, sich genau
an Lacordaire anschliessend, die Familie zerlegt, über. Diese
Gruppen sind : die Agrypniden, JVIelanactiden, Hemirrhipiden, Chalco-
lepidiiden , Oxynopteriden , Tetialobiden , die eigentlichen Elateriden
und die Canipyliden, letztere von allen vorhergehenden durch das
nach vorn zugespitzte Mesosternum und das nicht über das Kinn her-
vorgezogene Prosternum scharf unterschieden. In Betreff ihres Um-
fangs sind diese (iruppen äusserst ungleich ; während die der eigent-
lichen Elateriden den bei weitem giössten Theil aller bekannten Ar-
ten umfasst , zeigen sich die übrigen verhältnissmässig arm an Gat-
tungen sowohl wie an Aiten, übertreffen aber jene durch Eigenthüm-
iichkeiten in der Fortn und durch Schönheit, so wie meist auch an
(Jrösse der Arten. Im vorliegenden ersten Bande sind die sechs er-
sten Grnjjpen abgehandelt, w omit der interessantere und freilich auch
der leichtere Theil der Monographie beendet ist; möge dem Verf.
die nöthige Ausdauer zur Seite stehen , um den noch übrig bleiben-
den, durch die ungeheure Masse und die ermüdende Gleichförmigkeit
der Arten bei weitem schwierigeren Theil, in ebenso glücklicher
Weise zu über\\ ältigen ! — Die Gruppe der Agrypniden zerfällt der
Verf. in 14 Gattungen, die er, je nachdem die Tarsenglieder ohne
lamellenartige Anhänge an der Unterseite oder mit solchen versehen
sind, in zwei Abtheilungen bringt. Von diesen Gattungen sind neu
aufgestellte: Scaphoderus mit 1 Art aus Chile, Ocneus mit 1 Art aus
Brasilien, Oplaletis (auf Agrypnus pnnctipennis Dej., Lacon ciibratus
Blanch, gegründet) nät 4 Arten aus Brasilien, Meristus (Typus: Ela-
ter lepidotus Palis.) mit 4 winzigen Arten der allen und neuen Welt,
Agraeus mit 1 Art aus Java, Pericus mit 1 Art aus Ostindien, Myr-
298 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
modes mit 1 Art aus Neu -Holland , Eidolns mit 1 Art aus Brasilien,
Hemicleus mit 1 Art aus dem CafTernlonde. Die Gruppe umfasst im
Ganzen 186 Arten aller Welttheile. — Die Gruppe der Melanactiden
enthält 7 Gattungen, von denen Aphilevs mit 2 Arten aus Australien,
Änaissus mit 1 Art aus Neu-Granada, Ischius mit 1 Art aus Guyana,
Aliteiis (Typus : Elat. adspersus Herbst) mit 2 Arten vom Cap neu
aufgestellt sind ; nur 12 Arten treten in diese Gruppe ein. — Die
Gruppe der Hemiirhipideu umfasst 8 Gattungen, von denen nur Chal-
colepis mit 1 Art aus Cayenne und Tefrigvs mit 2 Arten aus Ostin-
dien neu sind; ausserdem hat der Verf. den Gattungsnamen Iphis Lap.
für die prachtvollen Madagascaresischen Arten in Lycorens umgeän-
dert. Die Gruppe enthält 58 Arten, mit die schönsten und seltensten
der ganzen Familie. — Die Gruppe der Chalcolopidier theilt sich in
4 Gattungen: Chalcolepidius mit 31, Semiotus mit 47, Oistus n. g. mit
2 Mexikanischen Arten und Campsosternus mit 17 A. — Die Oxyno-
pteriden-Gruppe enthält 4 Gattungen mit 7 Arten und zwar bringt der
Verf. die Gattung Beliophorus Esch., die nach des Ref. Ansicht in
nächster Verwandtschaft mit Ludius steht , hier unter. — Die Gruppe
der Tetralobiden endlich beschränkt sich auf die einzige Gattung Te-
tralobus , von der gegenwärtig 18 Arten bekannt sind. — Das Werk
ist mit 7 vom Verf. selbst gezeichneten und in Steindruck sauber
ausgeführten Tafeln ausgestattet, welche Repräsentanten sämmtlicher
Gattungen (bei artenreichen die verschiedensten und interessantesten
Formen) in sehr naturgetreuer Weise darstellen ; ausserdem sind auch
einzelne, systematisch wichtige Körpertheile wiedergegeben. — Was
den wissenschaftlichen Werth der vorliegenden Arbeit betrifl't, so
trägt Ref., der sie in allen einzelnen Theilen einer genauen Prüfung
mit Hinzuziehung der hiesigen Königl. Sammlung, die jetzt darnach
bestimmt und geordnet ist, unterworfen hat, kein Bedenken, sie für
eine der vorzüglichsten unter der neueren systematisch-entomologischen
Literatur zu bezeichnen. Der Verf. hat sich einer Methode für die
Charakteristik der Gattungen und Arten befleissigt, die nur Beifall
verdienen kann ; die Beschreibungen geben ein leicht fassliches Bild,
heben stets die wesentlichen Charaktere scharf hervor und enthalten
nichts Ueberflüssiges , zeichnen sich also in allen diesen Bezie-
hungen vor der Mehrzahl der täglich erscheinenden Beschreibungen
sehr vortheilhaft aus. In Betreff' der Gattungen hat der Verf. eben-
falls den sehr zu empfehlenden Grundsatz festgehalten , für die Ab-
gränzung und Aufstellung derselben nur wesentliche, unveränderliche
Charaktere zu Hülfe zu nehmen, nicht aber nach der Zersplitterungs-
methode der Neuzeit spezifische Charaktere zu generellen zu erheben
und so eine natüiliche Gattung künstlich zu zerstückeln. Die Lite-
ratur ist mit einer Umsicht und Critik behandelt , wie es von einem
Schüler Lacordaire's zu erwarten war und nur sehr vereinzelte
im CJebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 299
Irrthümer und Auslassungen liess^n sich in dieser Beziehung nach-
weisen ; zu diesen gehören : Alaus senegalensis Lap. (p. 220) ist
oirenbar der Eiater excavatus Fabr. ; unter der Gattung Alaus fehlt
der Eiater appendiculatus Herbst; Calais patricia Cand. (p. 242) ist
der Eiater luscus Oliv. pl. 6. fig. 64 b. ; Lacon cylindricus Cand.
(p. 121) ist nach Vergleich mit den Typen der hiesigen Sammlung
der Eiater truncafus Herbst Taf. 166. Fig. 12; unter Lacon fehlt L. cer-
vinus Erichs. voniManilla; Tilotarsus Boieldieui Cand. (p. 176) ist der
wirkliche L. cuspidatiis Klug , dagegen Til. cuspidatus Cand. als Til.
cinctipes Germ, aufzuführen.
Thomson (Archives entomol. I. p. 164) beschrieb unter dem
Namen Julodischema Lacordairei eine neue Gattung und Art aus Bor-
neo, welche das Ansehn einer Julodis haben und zur Gruppe der
Oxynopteriden gehören soll. Augen sehr gross, erstes Fühlerglied
dick, die folgenden mit Ausnahme des abgerundeten letzten gekämmt;
Maxillartaster sehr viel länger als die Lippentaster, das vorletzte Glied
das längste, das letzte abgestutzt, an den Lippentastern beilföimig; Pro-
sternal&tachel gross, verlängert, Schildchen kreisrund, Flügeldecken
sehr gewölbt, im hinteren Ürittheil etwas breiter als im vorderen,
an der Spitze abgerundet.
Als neue Arten winden ausserdem beschrieben:
Von Le Conte (Entomol. Report p. 45 ff.) : Alhous scissiis,
himonius oriiatuhis, Corymbites Suchlcyi und fesliviis, Äyrioles macer,
Eiater rhodojnis, cuprella und Adelocera aurorata aus Californien und
dem Oregon-Gebiete.
Von J a c q u e 1 i n d u V a 1 (Historia fisica de la isla de Cuba VIL
p. 31 ii.) : Dicrepidivs Sagraniatms, venustus und Alans patricius (ist
der Eiater luscus Oliv.) von Cuba.
Von iMontrouzier (Annales de la soc. d'agriculture de Lyon
VII, 1. p. 14 f.) : Agrypnus lomentosus, Eiater tuberciilatiis, Makiren-
sis, melatwptenis (Cryptochile melanoptera Latr. ?) und variabilis von
Woodlark.
Von Newman (Transact. of the entomol. soc. IV. p.51ff):
Eiater (Alaus) Gibboni und (Dorcosloma) Jansonii von der Moieton-
Bay in jVeu-HoUand.
Von Wollaslon (Annais andmagaz. öf nat. bist. XX. p. 505) :
Monocrcpidius CO Grayii ^ on den Cap Verdischen Inseln.
Brauer (Sitzungsberichte des zoolog.-botan. Vereins in Wien
VII. p. 132) erzog aus der früher von ihm beschriebenen Larve, welche
er (Zoolog.-botan. Verein II. p. 33) als muthmassliche Neuropteren-
Larve ansprach, den Eiater equiseti Herbst. Ervvähnenswerth ist, dass
die im Sande lebende Raupe eine Fliege, die ihr in den Behälter ge-
setzt wurde, verzehrte; sie zog dieselbe mit dem Maule unter den
Sand, frass sie aus und liefes nur die harten Theile derselben übrig.
300 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Ein lebender Pyrophorus winde durch ein Schiff aus Bahia mit
nach Hamburg gebracht; derselbe nahm Nahrung zu sich und gab im
Dunkeln ein helles, grünliches Licht aus den beiden Thoraxflecken
von sich. (Archiv d. Vereins d. Freunde der IVaturgesch. in Meklen-
burgXL p. 151.)
Rliipicerifles» Callirhipis impressiis Montrouzier (Annales
de la soc. d'agriculture de Lyon VII, 1. p. 13) ist eine neue Art von
der Insel Woodlark.
Mascillidae« Cyphon Hausmanni wurde von Gr edler (Kä-
fer von Passeier) als n. A. aus Tyrol aufgestellt.
üffalacodermata. Melyrides. — Neue Arten sind: Ma-
lachius miniatus , humeralis , Anthocomus citrinogutfatus , Charopus
formicarins und Zygia rostrata Reiche (Annales d. 1. soc. entomol.V.
p. 178 ff. pl. 5) aus Syrien und Palästina, Ebaeus congressarius Fair-
maire (ebenda p. 637) aus der Gegend von Montpellier , Troglops
Dufoiirii Perris (Annales de la soc. Linneenne de Lyon IV. p. 128)
aus den Grandes-Landes, Malachius gracilis Miller (Wiener Entomol.
Monatsschr. I. p. 138) aus Oesterreich , Melyrosorna ahdoviinale Wol-
laston (Catal. of Coleopt, Insects of Madeira p. 87) von Madeira.
Jacquelin du Val (Annales de la soc. entomol.V. p. 93)
glaubt, dass Charopus grandicollis Kiesenw. mit Char. pallipes Oliv,
identisch sei und will dagegen den Char. pallipes Er. mit Char. fla-
vipes Payk. vereinigt wissen. Erslere Art sei in ganz Frankreich
und auch um Paris sehr häufig, letztere dagegen fehle ganz und
scheine auf Schweden und Deutschland beschränkt zu sein.
Heeger (Sitzungsberichte der mathem. - naturw. Classe der
Akad. d. Wissensch. zu Wien XXIV. p. 320 ff.) gab Nachricht über die
ersten Stände des Malachius bipustulatus Fabr. und ihre Lebensweise.
Die Larven überwintern unter Baumrinde oder an anderen geschütz-
ten Orten und leben hier von todten Larven und Puppen verschiede-
ner Insekten; sie verpuppen sich im Mai oder Juni in einem Gehäuse
von Holzspänehen. (Abbildung auf Taf. 3.)
T e 1 e p h 0 r i d e s. — Dietrich gab eine Aufzählung und Cha-
rakteristik der bei Zürich von ihm aufgefundenen Telephorus-Arten,
von denen er einige für neu hält und beschreibt. (Entomol. Zeitung
p. 118 — 132.) Von den zwanzig vom Verf. aufgeführten Aiten wer-
den T. tigtirinus . cyanevs , nigritulns , rotnndicollis und desertus als
neu aufgestellt, T. lividus Lin. und dispar Fab. als Varietäten dersel-
ben Art nachgewiesen, T. lituratus Gyll. (pro parte) als var. zu T.
rufusLin. gezogen; von bekannten Arten kommen ausserdem bei Zürich
vor und werden vom Verf. meist ausführlich charakterisirt : T. vio-
laceus Payk., fuscus Lin., rusticus Fall., obscurus Lin., nigricans Fab.,
pellucidus Fab., bicolor Gyll.. rufescens Letzn. , lituratus Gyll., cly-
peatus Illig. , sudeticus Letzn. , assimilis Payk. und albomarginatus
im Gebiete der Entomologie wahrend des Jahres 1857. 301
Mark. — Den in Bremi's Catalog der Schweizerischen Coleopteren
von ihm aufgestellten Malthodes obsciiriusculus hält Dietrich ge-
genwärtig für identisch mit jM. mysticus Kies, (ebenda p. 132).
V. Motschulsky (Etudes cntomol. VI. p.27) stellte eine neue
Gattung Themiis auf, die mit Podabrus in der Form übereinstimmt,
sich aber durch einfache Klauen unterscheidet; Endglied der Taster
beilförmig und zusammengedrückt, Kopf hervortretend, Augen wenig
hervorspringend, mehr vorn als seitlich stehend. Art: Tk. cijanipen-
tiis aus Japan.
Neue Arten sind ferner : Telephorus marcjiniventvis^ dimidiatipes,
tripunctatus und Malthodes Bertjtensis Reiche (Annales de la soc. en-
tomol. V. p. 169 ff.) aus Beirut, Telephorus haemorrhoidalis und api-
calis Reiche (ebenda) aus Athen, Telephorus puncticollis Levrat (An-
nales d. la soc. Linneenne de Lyon IV. p. 418) aus Sicilien, Telepho-
rus (Cantharis) Meistert Gredler (Käfer von Passeier) aus Tyrol, Te-
lephorus larvalis Le Conte (Entomol. Report p. 48) aus dem Oregon-
Gebiete, suis marginella Jacquelin du Val (Historia lisica de la isla
de Cuba VII. p. 39) von Cuba.
Lycides. — A. Costa (iMemorie della Reale Accademia delle
scienze di Napoli II. p. 220) machte eine neue Gattung Phaeopterus
mit einer Art: Ph. unicolor aus Neapel bekannt, welche mit Homa-
lisus nahe verwandt , von dieser durch abweichenden Habitus , die
Längsverhältnisse der Fühlerglieder, von denen das dritte kürzer als
das zweite ist, durch kürzere Maxillartaster, kleine Mandibeln u. s. w.
sich unterscheidet. Als Charaktere der Gattung sind aufgestellt: „Ca-
put detectum, infra minime prolractum , fronte in medio impressa, ac
utrinque in gibberem antenniferum elevata. Antennae articulatae (?),
articulis primis tribus magnitudine decrescentibus. Pronotum utrinque
linea longitudinali elevata, antice subtruncatum, angulis posticis acute
productis. Tarsi articulo quarto profunde bilobo." Die Art ist auf
der beifolgenden Tafel Fig. 1 dargestellt, ist 1 '/j lin. lang und zeich-
net sich durch sehr dicht und lang behaarte Fühlhörner aus.
Als neue Arten von Cuba wurden von Jacquelin du Val
(Historia fisica de la isla de Cuba VII. p. 34 ff.) Calopteron atilicum.
elegantulum. distinguendum, suave und amabile beschrieben, von Mon-
trouzier (Annales de la soc. d'agriculture de Lyon VII, 1. p. 16)
Lycus Woodlarkianus als n. A. von der Insel Woodlark.
Lampyrides. — Von 31ontrouzier (Annales de la soc.
d'agriculture de Lyon VII, 1. p. 78) wurde eine neue Gattung Lycoi-
des mit einer Art L. chrysomelas von der Insel Woodlark beschrie-
ben, welche mit dem Habitus eines Lycus die Charaktere der Lampy-
riden verbindet; Halsschild convex, fast kuglig, das 2. und 3. P'ühler-
glied viel kürzer als die folgenden, die übrigen gesägt.
Neue Arten sind ferner: Lychnuris jatithinipennis , dimidiati-
302 Ge IS taecker : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
pennis , Photinus gamma, limbipennis, hlandus , Fhoturis brntmipennis
Jacquelin du Val (Historia fisica de la isla de Cuba VII. p, 37 S.),
Ellychnia facula Le Conte (Entomol, Report p. 48j vom Oregon,
Luciola lucifer Reiche (Annales de la soc. entomol. V. p. 169 if.) von
Beirut und Luciola dispar Fairmaire (ebenda p. 739) vom Bosporus.
In Nevvport's schiiftlicbem Nachlasse fanden sich werthvolle
Beobachtungen über die Naturgeschichte der Lampyris noctiluca vor,
welche von Prof. Ellis zusammengestellt und im Journal of the pro-
ceedings of the Linnean society , Zoology I. p. 40 — 71 veröffentlicht
worden sind. („On the natural history of the (ilowworm , Lampyris
noctiluca, by the late George Newport, prepared from the au-
thor's Mscpt, by George Viner Ellis. Communicated by the Se-
cretary,") — Die sehr ausführliche Newport'sche Darstellung der Na-
turgeschichte' des Leuchtkäfers erstreckt sich auf alle Stadien der
Entwickelung vom Erscheinen des Eies bis zur Ausbildung der Imago
und enthält zahlreiche ebenso interessante als werthvolle Beobach-
tungen , welche vollständig mitzutheilen der hier zustehende Raum
nicht gestattet. Indem wir daher auf die Abhandlung als eine für
Insektenbiologie besonders wichtige und interessante hinweisen, be-
schränken wir uns darauf, die wesentlichsten Punkte in Kurzem her-
vorzuheben. In dem Abschnitte, welcher die Lebensweise der Imago
behandelt , geht der Verf. besonders auf die Art und die Intensität
des Leuchtens ein; letztere zeigt ihre beträchtlichste Steigerung bei
AVeibchen am zweiten oder dritten Tage nach dem Ausschlüpfen aus
der Puppe und zwar bei solchen . die noch nicht begattet worden
sind; nach dem Coitus dagegen nimmt die Leuchtkraft sehr ab. Das
Männchen stirbt bald nach der Paarung, das Weibchen, nachdem es
zuvor seine Eier abgelegt hat; Weibchen, die nicht befruchtet wer-
den, — was bei der Seltenheit und der kurzen Erscheinungsperiode
der Männchen sehr häufig vorkommt - leben dagegen ziemlich lange
und nehmen von Abend zu Abend an Leuchtkraft zu. Die Paarung
der Ueiden Geschlechter, welche von Newport an Individuen, die
aus Puppen erzogen worden waren, |)eobachtet wurde, dauert andert-
halb Stunden und das Männchen beginnt damit 24 Stunden nach sei-
ner Ausbildung; übrigens wird sie oft noch später, während das
Weibchen schon Eier ablegt, wiederholt, so dass es scheint, als ge-
nüge eine einmalige Befruchtung nicht, um alle Eier zur Entwicke-
lung zu bringen. Auch die unbefruchteten Weibchen legen mehrere
Tage nach ihrer Entwickelung aus der Puppe Eier ab, jedoch immer
nur eins oder zwei; ihr Leib erreicht ebenfalls durch die herange-
reiften Eier eine beträchliche Ausdehnung. Die Eier werden seltner
an Grasstengel, meistens an die Wurzelfasern abgesetzt, jedoch stets
über der Erde; durch eine klebrige 3Iasse, mit der sie im Momente
des Austrittes überzogen sind , werden sie an die Graswurzeln oder
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 303
Halme befestigt. Das Leuchten der Eier, welches von einigen Beob-
achtern bestritten wird, findet nach Newport allerdings statt, ist
indessen, sobald sie das Ovarium verlassen haben, sehr schwach und
scheint von dem Klebestoffe , mit dem sie überzogen sind, herzurüh-
ren ; während sie noch vom Ovarium umschlossen sind, ist das Leuch-
ten deutlicher sichtbar und wird beim Eintauchen in Wasser ver-
stärkt. Die Entwickelung der Larve im Ei ist nicht beobachtet wor-
den ;v. die Larve schlüpft aus demselben nach 35 bis 45 Tagen, je
nach der obwaltenden Temperatur, aus; sie ist im ersten Augenblicke
weisslich , wird aber binnen einigen Stunden zuerst grau und dann
dunkelschwarz und bewegt sich bald sehr lebhaft. Die Nahrung der
Larven besteht bekanntlich in lebendigen Schnecken (Heiix), welche
sie mit grosser Gier verzehren; sie beissen zuerst in die Fühlhörner
und es scheint, als wenn die in Folge dessen eintretende Schwä-
chung der Schnecken nicht allein durch die mechanische Wirkung
des Bisses hervorgerufen würde, sondern dass dabei eine Art von
Vergiftung im Spiele ist; wenigstens tritt während des Bisses eine
Flüssigkeit aus dem Munde der Larve hervor. Nach angestellten Ver-
suchen, die auf p. 53—59 ausführlich beschrieben werden, stirbt eine
kleine Helix durch den einmaligen Biss der Lampyris-Larve binnen zwei
Stunden, eine grössere wenigstens in Folge von z\a ei bis drei Bis-
sen, die dann zuerst am Fusse und erst nachher an den Fühlhörnern
der Schnecke ausgeübt werden. Die erste Häutung der Larven er-
folgt nach achtzehn, die zweite nach ebenso viel Tagen; ihre Ge-
frässigkeit ist ausserordentlich, indem sie nach Tödtung einerSchnecke
dieselbe nicht eher verlassen, als bis sie völlig verzehrt ist; sodann
reinigen sie sich mittelst des von Maille beschriebenen Apparates
am Ende des letzten Körperringes von dem ihrem Körper anhaftenden
Schleime. Die Leuchtfähigkeit besitzen die Larven nicht nur , wie
allgemein bekannt, im späteren Alter, sondern von ihrem Austritte
aus dem Eie an; ja dieses selbst lässt in seiner letzten Periode einen
deutlichen Schimmer, der offenbar von dem leuchtenden Embryo her-
rührt, erkennen. Auch der Larve ist die Fähigkeit eigen, das Leuch-
ten zu verstärken und zu vermindern ; besonders durch Mangel an
Frass oder in der ersten Minute nach einer plötzlichen Beunruhigung
der Larve wird das Licht audällig schwächer; es verschwindet fast
ganz bei stark vermindeiter Temperatur während des Winters, in
welcher Jahreszeit die Larven zugleich zu fressen aufhören und sich
in einem Zustande von Erstarrung befinden. Bei allmählig zunehmen-
der Wärme im Frühjahre beginnen die Larven wieder herumzukrie-
chen und zu fressen, bis sie zu Anfang Juni sich zur Nymphe ver-
wandeln, welche besonders hell leuchtet; aus dieser entwickelten
sich die Weibchen nach sieben, die Männchen nach elf Tagen zur
Image. Durch gewisse äussere Umstände veranlasst, kann übrigens
304 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
die Entwickelung der Larven so verzögert werden , dass sie erst im
zweiten Jahre ihr vollständiges Wachsthuni erreichen.
Clerii« Montrouzier (Annales d. scienc. phys. de la soc.
d'agricultnrc de Lyon VII, 1. p. 17) errichtete eine neue Gattung Bo-
strichoides , vom Ansehn eines Bostrichns , und von Cylidrus, dem
sie durch das verlängerte Ilalsschild und den gleich breiten Hin-
terleib gleicht, durch nicht ausgerandete Augen und die nicht ver-
längerten ersten Glieder der Fühler unterschieden. Die Fühler ver-
dicken sich unmerklich und endigen in eine Keule von 4 oder 5
Gliedern; sie sind vor den Augen von einander entfernt eingelenkt ;
Augen oval, Kopf, Ilalsschild und Hinterleib gleich breit, Halsschild
verlängert, Flügeldecken am Ende abgestutzt ; Körperform linear. Art:
B. angustatus von Woodlark. Neue Arten : Cijlidrus villosus und
Tillus ? variegatus ebendaher.
Le Conte (Entomol. Report p. 48) beschrieb Enoplium di-
chroum als n. A. aus Californien , Thomson (Archives entomol. I.
p. 115) Palletiis sangnineus vom Gabon.
Jacquelin du Val (Annales soc. entomol. V. p. 93) machte
Bemerkungen über die von Reauniur bezeichnete Trichodes- Larve,
welche er gegen Perris für die des Trieb, alvearius hält.
Ptiniures> Neue Arten sind: Ptinus inlerruphis , Sinoxylon
declive und Exops ovicollis Le Conte (Entomol. Report p. 48 f.) aus
Californien, Apate destructor Montrouzier (Annales de la soc. d'agri-
culture de Lyon VII, 1. p. 55) von der Insel Woodlark , Ptinus ni-
grescens Wollaston (Catal. ofColeopt. Insects of Madeira p. 91) von
Madeira, Gibbium Boieldieui Levrat (Annales de la soc. Linneenne de
Lyon IV, p. 419) aus der Türkei und Xylelinus stvialipennis Fairmaire
(Annales de la soc. entomol. V. p. 638) von Montpellier.
Andree (Bullet, de la soc. entomol. p. CXI) erzog Ptinus Anbei
Boield. in grösserer Anzahl aus abgefallenen Eichengallen, die schon
in Fäulniss übergegangen waren; er fand im Innern derselben auch
die Larven und Nymphen des Käfers.
Cissidae« .lacquelin du Val (Historia fisica de la isla
de Cuba VII. p. 100) beschrieb Cis hirtellns , bipartitus, Ennearthron
delicatulum und taurtdiis als neue Arten von Cuba.
lUelaiiOiiia« Zahlreiche neue Arten aus dem Orient wurden
von Reiche und de Saulcy (Annales de la soc. entomol. V.
p. 186 — 271) durch ausführliche Beschreibungen und zum Theil durch
Abbildungen bekannt gemacht: Arthrodeis globosus {Ln\v.) von Beirut,
Anodesis gigcmteus aus Natolien und Syrien, Melancrus (Dej.) n. g.,
auf den Mel. compactus Dej. beschränkt, während die übrigen dar-
unter gestellten Arten zu Oxycara und Gnophota gehören ; von Oxy-
rara unterscheidet sich Melancrus durch die kürzere, mehr aufgetrie-
bene Form des Körpers , das sichtbare Scutellum und den weniger
im Gebiete der Entomologie wahrend des Jahres 1857. 305
scharfen Prosternalfortsatz, welcher nicht in den Yorsprung des Meso-
sternum eindringt; von Gnophota durch die Bildung des Pro- und
Mesosternum , welche in letzterer Gattung keinen Vorsprung zeigen.
Drei Arten : Melaiicrus laeviyatus von Beirut, hegetericus vom todten
Meere und aus Egypten und pijrjmaeus (Waltl) ebendaher. — Dai~
lognatha crenala von Nablus, Calyplopsis Jeremias von Jericho, So-
lieri von Jerusalem, Dichomma Checrolatii aus Syrien , Tentyiia sub-
sulcata von Nablus , Heiculeana von Jericho , Solieri und discicollis
vom Rothen Meere, collalina von Jerusalem, acuminata aus dem Fe-
loponnes, Mesostena parvula von Beirut, Micipsa philislina von Nab-
lus, Trachyderma philislina und Gomorrhana aus Falaestina, Tliriptera
asphaltidis vom todten Meere. Gedeoti n. g. zur Pimelien- Gruppe
gehörend und den Uebergang von Fuchyscelis und den vorhergehen-
den Gattungen zu Pimelia vermittelnd , von allen Gattungen dieser
Gruppe durch seine einfachen, nicht gespaltenen iMandibeln, das kurze
Endglied der Maxillartaster und die hervorragende Überlippe abwei-
chend ; von Trachyderma durch die Vorderschienen, welche die Form
eines langgezogenen Dreiecks zeigen, sich entfernend. Art : Gedeon
hier ich onticus von Jericho. — Ädesmia circa und Olivieri aus Palä-
stina, Microfelüs careniceps von Beirut, Tagenia comala und fulcipes
aus Palästina, Blaps longula von Nablus , indagator von Jerusalem,
rotundicollis aus dem Peloponnes, libialis aus Griechenland, convexa
von Beirut, crassa und angulata vom rothen Meere, sodalis aus Syrien,
Bioplanes impressus von Jerusalem, vidims und Syriacvs aus Syrien,
Opatrum soricinum vom todten Meere, Schrott abbreviatum und Cry-
pticus inßalus aus dem Peloponnes , longtilus aus Syrien , Helops tu-
berculiger von Athen , fulvipes und acutipennis aus Palästina , Steno-
chia saracena von Beirut. (Abbildung der neuen Gattungen und
mehrerer neuen Arten auf pl. 5.) Den Beschreibungen sind zahlreiche
synonymische Bemerkungen über verwandte Arten beigefügt und diese
von einigen Gattungen (Dichomma p. 202, Trachyderma p. 217, Ädes-
mia p. 227) aufgezählt; die in letzterer Gattung von Soli er be-
schriebenen Arten führt Reiche auf die der früheren Autoren, wie
Klug u. a. zurück.
Von 3Iontrouzier (Annales d. scienc. phys. de la soc.
d'agriculture de Lyon VII, 1. p. 29 ff.) wurden folgende Arten von
der Insel Woodlark bekannt gemacht: Opalrum auslrale (Boisd. ?),
Cristovallense, Toxicum Richesianmn, Chevrolati, Upis Lottinii (Dup.),
Tenebrio rugulosus, emarginatus, Diaperis viridipennis, Uloma ferru-
ginea, Helops aeneus , az-ureus, slriatopunctatus. Eine neue Gattung
ist Macrophlhalmus , zwischen den Helopiern und den Cistelinen in
der Mitte stehend ; Insertion der Fühler kaum bedeckt, diese länger
als der Kopf und das Ilalsschild, fadenförmig, mit langgestreckten
Gliedern; Kopf schmaler als das Halsschild, Augen sehr gross, sich
Archiv f Nalurgcsch XX.IV. .FAhrR. 2. Bd. U
306 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
fast berührend, Halsschild fast viereckig , quer, Flügeldecken convex,
verlängert; Schienen gerade, ohne Dorn, Vorderschenkel weder an-
geschwollen, noch gezähnt. Art: M. coeruleus 5 lin.
Von V. Motschulsky (Etudes entomol. VI. p. 34) wurde eine
neue Gattung Plesiophlhalmus aufgestellt, die mit Amarygmus und-
Misolanipus zunächst verwandt sein soll ; Augen gross, sehr genähert,
die Stirn concav, Fühler länger als der halbe Körper, 3. Glied drei-
mal so lang als die beiden folgenden zusammengenommen, 4. kürzer
als das 5. und dem 11. an Länge gleich ; Vorderschenkel über der
Mitte erweitert. Vorderschienen etwas gebogen, die hinteren gerade,
1. Tarsenglied der Hinterfüsse so lang als die drei folgenden zusammen-
genommen , Vordertarsen nicht erweitert; Lippentasler kurz, mit er-
weitertem und fast viereckigen letzten Gliede, Maxillartaster sehr her-
vorspringend, mit beilförmigem letzten Gliede ; Körper oval, sehr ge-
Mitte erweitert, vorn und hinten zugespitzt. Art: Ples. nigrocyaneus
wölbt; in der aus Japan; ebendaher Gonocephalum coriaceum n. A.
Wollaston (Catalogue of the Coleopterous Insects of Madeira
p. 154) charakterisirte die Gattung Autocera Melly mscpt. , von Opa-
trum durch nicht ausgerandeten Kopf, die Verhältnisse der Fühler-
glieder, welche vom zweiten bis achten gleich gross sind , während
die drei letzten eine wohl abgegränzte Kenle bilden, durch das ovale
Endglied der Maxillartaster , durch die grosse, breite, vorn ganzran-
dige Unterlippe, die stark erweiterten und zu^ammengedrückten, an
der Spitze mit zwei grossen Sporen bewaffneten Vorderschienen und
die sehr kurzen Tarsen unterschieden. Art: Aut. laticeps (pl. 1. fig- 2)
von Madeira, auch der Mittelmeerfauna angehörend, 1*/^ lin. lang. —
Neue Arten sind ferner : Ellipsodes oblongior (glabratus var. Wollast.
antea), Hypophloeus amhiguns, Helops suhdepresstis.
Derselbe (Annais and magaz. of nat. bist. XX. p. 505) be-
schrieb Phaleria Clarkii als n. A. von den Cap Verdischen Inseln.
Le Conte (Entomol. Report p. 46 ff.) : Nyctoporis gctleata,
Eleodes connexa, sulcipennis , grannlata , hvmeralis , rolundipennis,
stricto, snhligata (letztere drei mit El. cordata Esch. nahe verwandt,
und nach Le C. selbst vielleicht nur Formen dieser Art) , Helops
laetus , Platydema Oregonense , Phaleria globosa aus Californien und
dem Oregon-Gebiete.
Jacquelin du Val (Historia fisica de la isla de Cuba VII.
p. GOff.): Nosoderma echinatum Dej. Cat. , Opatrinus punctulalus Dej.
Cat., Helops azurescens, granulipcnnis , Stenochia amethystina , Tala-
mus criirarius, Allecula ßavipes Dej. Cat. aus Cuba.
E. Truqui, „Generis Iphthimi characteres" (Entomol. Zeitung
p. 92—94) lieferte eine ausführliche Charakteristik der neben Upis
und Nyctobates stehenden Gattung Iphlhimus Dej. Cat. und beschrieb
darunter folgende Arten: Iphthimus iialicus aus Etrurien , Croaticus
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 307
aus Ungarn, Croatien und Griechenland, Bellardii aus Cypern und
serratus (Nyctobates) Mannerh. aus Californien
Lucas „Note sur les metamorphoses de l'Alphitobius maurita-
nicus Lin. , precedee de quelques remarques synonymiques sur les
especes, de ce genre , qui ont ete rencontrees dans les possessions
fran^aises du nord de l'Afrique" (Annales de la soc. entomol. V.
p. 71 — 84) gab eine ausführliche Beschreibung und auf pl. 4 eine
Abbildung der ersten Stände des Alphitobius mauritanicus Lin. Die
Larve, welche sich früher in grosser Anzahl in den Reptilien-Behäl-
tern des Jardin des plantes fand , wo sie zusammen mit den Tene-
brio-Larven zur Fütterung der Amphibien benutzt wurde, hat mit dem
gewöhnlichen Mehlwurm grosse Aehnlichkeit, weicht aber durch ein-
fach zugespitztes, dreieckiges Endsegment ab. Die Synonymie der
beiden in Algier vorkommenden Arten: Alph. diaperinus und mauri-
tanicus wird von Lucas ausführlich erörtert.
lieber die ersten Stände mehrerer Melasomen - Gattungen und
Arten hatPerris (Insectes du pin maritime, Annales de la soc. ento-
mol. V. p.343 — 377. pl. 8 u. 9) ausführliche Mittheilungen gemacht
und dieselben auf zwei beifolgenden Tafeln abgebildet; die in allen
drei Entwickelungsstufen beschriebenen Arten leben sämmtlich in Pi-
nus maritima. Es sind folgende: 1) Platydema europaea Lap. Die
Larve lebt unter der Rinde von den sich hier bildenden Schwäm-
men und spinnt sich zur Verwandlung in den Einkerbungen der
Rinde ein rothgelbes elliptisches Gewebe: sie ist lederartig, glatt, fast
linear, oben matt braun und convex, mit röthlichen Einschnitten, un-
ten blasser, flachgedrückt; das letzte Segment endigt wie bei Scaphi-
dema bicolor und Platydema violacea in zwei kurze Dornen. 2) Uloma
Perroudi Muls. Die Larve ist rostroth, hornig , linear und vollkom-
men cylindrisch mit Ausnahme einer leichten Abplattung am Sternum ;
sie lebt im August in alten Fichtenstöcken, die von den Larven des
Ergates durchfressen sind und liefert im Juni des nächsten Jahies den
Käfer. Perris hält die Mulsant'sche Art von Uloma culinaris für voll-
kommen specifisch verschieden. 3) Phthora crenata Muls. Die Larve
ist ganz weiss , mehr von lederartiger als horniger Consistenz, voll-
kommen glatt , glänzend , fadenförmig und. cylindrisch ; sie lebt vom
Holze verfaulender Fichtenstöcke , in welche sie tiefe und schmale
Gänge nach allen Richtungen hineingräbt und braucht zu ihrer Ent-
wickelung nicht ein volles Jahr. Die Nymphe ist am Thorax mit
Borsten, an den Seiten der llinterleibssegmente mit zweizackigen
Warzen besetzt, deren obere Zacke fast horizontal, die untere stark
nach hinten gekrümmt ist. 4) Hypophloeus fcrrugineus Creutz. Die
Larve gleicht der des H. bicolor, welche von We s tw o o d abgebildet
ist, ist glatt, linear, fast von horniger Consistenz, ziemlich convex
auf der Oberseite und etwas schwächer gewölbt auf der Unterseite.
308 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Sie ist nicht holzfressend, sondern ein Feind des Tomicus stenogra-
^hus, dessen Larven sie verzehrt; der Küfer legt nämlich seine E.er
;„ die Galerieen des letzleren, wo die Larven beider fast gle.chze.t.g
ausschlüpfen; da die Hypophloens-Larven langsamer wachsen als d,e
des liostrichns , so entkommt von letzteren eine Anzahl den Angriffen
der ersleren nnd entwickelt sich znm Käfer. 5) Hypophloeus Imear.s.
Die Larve unterscheidet sich von der vorhergehenden durch mehr
cylindrischen, nur am Sternnm etwas abgeflachten Körper; s>e fuhrt
e nen entsprechenden Vernichtungskrieg gegen die Larve des Tom,-
cus bidens. 6) Tenebrio curvipes Fahr. Die Larve ist fast von hor-
niger Consistenz, glänzend, parallel , sehr gewölbt auf d- über-,
schwächer auf der Unterseite, in der Brustgegend »"S^f""* ' ^^
zeigt mehrere wesentliche Unterschiede von den Larven des Tenebno
n,oUtor und obscurus, welche denen des Käfers entsprechen, so dass
Perris die Abtrennung der Art zu einer eigenen Gattung (Mei^e-
philus Muls.) gut heisst; unter anderen fehlen de» '.».ven dfr •>e.den
genannten Arten die Ocellen und das dritte Ghed er Wühler ,s
(umgekehrt wie bei T. curvipes) länger als das zwe.te. 7) Helops
triatus Geoffr. üie Larve gleicht ausserordentlich der des Tenebno
c ri bat jedoch nur zwei Ocellen und der Kaum zwischen en
beide! Haken des letzten Körpersegmentes ist einfach ausgeschn.tten,
ohne Zähne und Apophysen. Sie lebt wie die der -''"g''"/rt e.n
„der zwei Jahre lang in den verwesten Fichtenstöcken, welche schon
von Leptura, Criocephalus oder Ergates angegriffen smd, «-«i »»^rt
lieh theils von den Excrementen der letzteren , the.ls vom H ze.
8) Prionycbus ater Fabr. Die Larve ist schon von hyber W ater-
ho US e und Perris beschrieben worden; sie lebt sowohl m v.elen
Luh-Bäumen als in Pinus maritima. - Die T-ebrion,e„ -Larven
in. Allgemeinen zeigen im Aeusseren eine grosse Aehnl.chke t m,
denen der Elateriden , unterscheiden sich aber von d.esen durch das
„cht mit der Stirn verwachsene Kopfsehild "^-^ ^^f'!^' ^l^^^
gegen das Kinn beweglichen Maxillen , einfache Max.llar ade, d^e,-
giedrige Kiefertas.er, längere Fühler, nicht gefurchte und gewohn-
fic w niger dornige Füsse. Eigen.hümlich ist die Or.sbewegung
Me asome,!- Larven , welche ohne die wellenförmige Bewegung der
we ich" ibigcn Larven vor sich geht; nur die Beine verm.t.eln d,e-
Tebe und die Haken am hinteren Körperende verhindern das Zu^ck-
r,e^ en Besonders auffallend ist der Unterschied zwischen der torm
dr Larven (sehr langgestreckt und schmal) und derjenigen der Lymphe
und d Käflrs (oft 'sLr breit und kurz). Ihre Nahrung .st sehr ver-
schieden: einige leben im Humus und faulem Holze, andere von Ex-
crementen, wi:der andere von Pilzen und endlich fehlen auch (Hy-
pophloeus) nicht carnivore.
Melandryadae. Penis (Insectes du pin maritime, An-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 309
nales de la soc. entomol. V. p. 378 — 387) hat die Larven und Ver-
wandlungsgeschichte von Hallonienus flexuosus Payk. und humeralis
Fabr. beschrieben und durch Abbildungen auf pl. 9 erläutert. Die
Larve des ersteren ist weiss, 'weich , cylindrisch-elliptisch, oben mit
Warzen, seitlich mit Borsten versehen, auf den ersten Blick einer
jungen Larve eines Longicornen ähnlich; sie lebt in Boletus, in den
sie unregelmässige Gänge frisst, welche sie jedoch vor der Verwand-
lung stets nach der Aussenseite hin richtet, so dass der Käfer beim
Ausschlüpfen nur eine dünne Wand zu durchbrechen hat. Der Nym-
phenzustand dauert nur acht bis zehn Tage ; die Begattung dauert
eine Stunde und gleich nach dieser legt das Weibchen seine weissen,
sphärischen Eier in den Pilz, indem es seine Legeröhre in die oberste
Lage desselben einführt. — Die Larve des Hall, humeralis ist etwas
niedergedrückt, ziemlich lederartig, glänzend, wenig behaart und
linear ; sie frisst Gänge in Polyporus maximus und erreicht in l*/i
Monaten ihre vollständige Grösse. In dieser Periode lässt sie sich
aus dem Pilz heraus auf die Erde fallen, in welche sie sich einbohrt
und erst im nächsten Sommer ihre Verwandelung eingeht; in einem
Falle verwandelten sich jedoch die Larven im Pilze selbst. Die
Larve zeigt sehr auffallende generische Verschiedenheiten von der
vorhergehenden, weshalb Perris auch eine Trennung der beiden
Arten in Vorschlag bringt (was jetzt durch Mulsant auch schon
geschehen ist. Ref.).
Mulsant und Guillebeau (Annales de la soc. Linneenne
de Lyon IV. p. 414) beschrieben Orchesia luteipalpis n. A. von Lyon,
mit 0. sepicola verwandt.
Antliicidae. Wollaston (Catal. of Coleopt. Insects of
Madeira p. 166) beschrieb Anthicus Lubbockii (tristis Woll. antea) n.
A. von Madeira.
Boie, Notizen über das Vorkommen des Anthicus ater, anthe-
rinus und rufipes in Holstein (Entomol. Zeitung p. 193).
Hordellonae» Mordella 9-guttata , textilis , Cristovallen^
sis, 8-guttata, setacea , Pelecotoma holosericeum Montrouzier (Anna-
les de la soc. d'agriculture de Lyon VII, 1. p. 33 ff.) n.A. von Wood-
lark, Mordellistena flexipes 3Iulsant und Key (Annales de la soc. Lin-
neenne de Lyon IV. p. 411) n. A. von Hyeres, Anaspis assimilis und
teslacea Snellen van Vollenhoven (ßouwstoffen voor eene Fauna
van Nederland IL p. 70) aus den Niederlanden.
Tesicantia« Auf die interessante Abhandlung von Fahre
„Memoire sur rhypermetamorphose et les moeurs des Meloides"
(Annales des sciences naturelles, 4. ser. VII. p. 299— 365. pl. 17) ist
schon im allgemeinen Theile dieses Berichtes ausführlich eingegan-
gen und dort die in physiologischer Beziehung bemerkenswerthen
iKa^sachen hervorgehoben worden ; es bleibt hier noch übrig, die
310 Gerstaecker: Uericht über die wissenschaftlichen Leistungen
werthvollen Beobachtungen des Verf. über die Naturgeschichte von
Sitaris hiinieralis und Meloe cicatricosus in Kurzem mitzutheilen. So-
bald sich von Sitaris Männchen und Weibchen aus den Zellen von
Anthophora pilipes entwickeln , gehen sie sofort an die Begattung,
welche im Innern der Erdhöhle, in der sich das Bi'enennest befindet,
vorgenommen wird ; überhaupt scheinen die Käfer ihren unterirdischen
Aufenthaltsort gar nicht zu verlassen, indem man sie nirgends im
Freien, etwa auf Blumen oder dgl. antrifft. Die Männchen sind so
hitzig, dass sie oft dem Weibchen beim Ausschlüpfen aus ihrer Pup-
penhülse behülflich sind, ja oft dasselbe befruchten, während es noch
halb darinnen steckt ; einige Tage nach der Begattung sterben beide
Theile, das Weibchen, nachdem es unmittelbar nach derselben seine
Eier abgelegt hat. Die Eier werden etwa 2000 an Zahl binnen 36
Stunden in einem unförmlichen Häufchen innerhalb des Bienenbaues
und zwar nicht weit von der Oeffnung, welche ins Freie führt, ab-
gesetzt. ]\ach Verlauf eines Monats, nämlich Ende Septembers oder
Anfang Oktobers schlüpfen die jungen Larven aus, welche schwarz
gefärbt sind und in der Körperform den jungen Meloe-Larven glei-
chen (Abbildung pl. 17. fig. 2) ; sie bleiben während des ganzen
Winters bis Ende Aprils des folgenden Jahres zusammen auf einem
Fleck, und zwar zwischen den verlassenen Eihäuten sitzen, ohne
irgend welche Nahrung zu sich zu nehmen und ohne sich zu verän-
dern oder zu wachsen. Sobald im Frühjahre des folgenden Jahres
die männlichen Anthophoren auszufliegen beginnen, findet man sie
meist zu mehreren auf dem Thorax derselben , an dessen Haaren sie
sich festklammern, sitzen; dass sie von diesen auf die Weibchen
(wahrscheinlich während der Begattung) übergehen, hat Fahre
durch Versuche festgestellt, indem er Männchen, die mit Sitaris-Lar-
ven besetzt waren , mit Weibchen in Berührung brachte und hierbei
die Larven auf letztere sich begeben sah. Bevor F. die Lebensweise
der jungen Larven und die Art, wie sie in die Bienenzellen gelangen,
kannte, versuchte er ihnen sowohl Zellen mit Bienenlarven als auch
solche, in denen nur Honig angesammelt war, vorzulegen; sie ver-
schmähten beides und kamen, wenn sie auf den Honig gesetzt wur-
den, in diesem stets um. Ihre Einführung in die Bienenzellen konnte
nur auf die Art vor sich gehen, dass sie in dem Momente, wo die
Biene ein Ei in die Zelle und zwar auf die Oberfläche des Honigs
legt, von dem Hinterleibe derselben auf das Ei übergingen, um sich
auf dessen Oberfläche vor dem Ertrinken im Honig zu bewahren. Dass
sich dies also verhält, ist von F. ebenfalls durch direkte Beobachtung
bestätigt worden ; er fand sowohl Bienenzellen unmittelbar nach dem
Vcr chluss derselben mit einem Ei und der darauf sitzenden jungen
Sitaris-Larve besetzt, als auch glückte es ihm, Zeuge davon zu sein,
wie letztere mit ihren Mandibeln sich in das Ei einbiss und dic| i«
jm Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 311
demselben enthaltene Flüssigkeit verzehrte. Binnen acht Tagen ist
der ganze Inhalt des Bienen -Eies verzehrt und nnr noch die Hülle
übrig, welche dazu dient, die junge Larve über dem JNiveau des
Honigs zu halten, dessen Berührung ihr zu dieser Zeit schädlich sein
würde; zu dieser Zeit ist sie um das Doppelte ihres ursprünglichen
Umfangs gewachsen und nachdem ihre Haut auf dem Rücken gebor-
sten ist, erscheint sie unter der Form einer weissen, weichen Made,
in welcher sie befähigt ist mit dem Honig in Berührung zu treten,
der jetzt ihre Nahrung bildet. Nachdem sie ihre vollkommene Grösse
erreicht, treten die eigenthümlichen Verwandlungen ein, welche oben
erörtert worden sind; zuweilen ist die Periode der „pseudo - chrysa-
lide" nur von kurzer Dauer und das ausgebildete Insekt erscheint
dann zu Anfang Septembers ; in den meisten Fällen dagegen währt
jener Zustand der Ruhe den Winter über und erst im Juni des fol-
genden Jahres beginnen die Umwandlungen zu der dritten Larven-
form, der Nymphe und dem Käfer, der sich in 24 Stunden ausfärbt,
jedoch noch 14 Tage länger in der bis dahin unversehrten Puppen-
hülle verbleibt, welche er gegen Mitte August durchbricht.
Die Entwickelungsgeschichte von Meloe hat Fahre zwar nicht
in gleich erschöpfender Weise behandelt, jedoch wenigstens die be-
deutendsten Lücken, welche sich in der Newport'schen Darstellung
dieses Gegenstandes vorfanden , beseitigen können. Ueber das Eier-
legen, das Ausschlüpfen der jungen Larven und ihren Uebergang auf
den Körper der Biene stehen dem Verf. keine eigenen Beobachtungen
zu Gebote (vergl. darüber Newport Transact. Linnean. soc. XX);
als die Bienen-Arten, welche er bei Avignon mit Meloe-Larven be-
setzt fand, führt F. an: vier Halictus- Arten (sowohl Männchen als
Weibchen), Nomada fulvicornis Männchen und Andrena thoracica
Männchen , ferner von grabenden Hymenopteren die Männchen von
Scolia haemorrhoidalis und 4-punctata. Wie die auf letzteren be-
findlichen Larven zu einer ferneren Metamorphose gelangen können,
ist nicht gut einzusehen, ebensowenig was mit denjenigen, die sich
auf Eristalis-Arten begeben, geschieht; von den Volucellen, auf de-
nen man ebenfalls die Larven findet , können sie begreiflicher Weise
leicht in Hummelnester und -Zellen gelangen. — Die Bienen-Nester,
in denen Fahre die Meloe-Larven selbst beobachtete, gehörten eben-
falls der Anthophora pilipes an; die kleine sechsbeinige Larvenform
fand er einmal ganz ebenso wie die der Sitaris auf dem Bienen - Eie
sitzend in einer eben geschlossenen Zelle vor , die zweite plumpe
und weiche Form in verschiedenen Grössen und in entsprechender
Weise in den Honig der Zelle, von dem sie sich nährte, eingebettet.
Diese zweite Larvenform von Meloe, welche Newport gar nicht
gekannt hat, weicht in ihrer Gestalt sehr wesentlich von der ent-
sprechenden SitariS'Larve ab ; sie ist langgestreckt, wurstförmig, nach
312 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
hinten allniählig verdünnt, halbkreisförmig gebogen, mit grossem
Kopfe, kräftigen IMandibeln und drei wohl ausgebildeten Fusspaaren.
F. hat diese zweite Form in drei verschiedenen Entwickelungsstufen
beobachtet, einmal in einer Länge von 4 niill., also gleich nach ihrer
Entstehung ans der ersten Form, das zweite 3Ial in der Hälfte ihres
Wachsthums und eine dritte, welche fast den ganzen Honig-Vorrath
verzehrt hatte und sich darauf zur „pseudo-chrysalide" verwandelte.
Der Zeitraum, in welchem sich diese zweite Form bis zu ihrer voll-
ständigen Grösse entwickelt, dauert etwa 4 — 5 Wochen (Ende Mai
bis Ende Juni) , um welche Zeit sich nach ßerstung ihrer Oberhaut
die „pseudo-chrysalide" entwickelt, (Beide Entwickelungsstufen sind
aufpl. 17. flg. 7 und 8 abgebildet.) Zu Ende des August fand F.
eine ,,pseudo- chrysalide" von Meloe bis zum Stadium der Nymphe
vorgeschritten , welche letztere sich aus der geborstenen Hülle der
crsteren theihveise herausdrängte ; da F. die dritte Larvenform in
der pseudo-chrysalide nicht beobachtet hatte, glaubte er zuerst, sie
fehle bei Meloe überhaupt; dies ist jedoch nicht der Fall, sondern
sie fand sich zusammengeschrumpft am Ende der Nymphe hängend
und zeigte bei näherer Untersuchung eine grosse Uebereinstimmung
mit der zweiten Form. Ucbrigens glaubt F. annehmen zu dürfen,
dass die Entwickelung der Meloe in der Regel erst im Frühjahre des
folgenden Jahres slattfindet, wofür auch ihr Erscheinen im Freien um
diese Zeit spricht.
Von einer dritten Meloiden -Form (F. vermuthet darunter Zo-
nitis) fand der Verf. nur eine todte pseudo-chrysalide in einem Neste
der Chalicodoma muraria (auf pl. 17. fig. 9 dargesellt) , welche eine
grosse Form - Aehnlichkeit mit der gleichen Entwickelungsstufe von
Sitaris hatte; sie war nicht von einem Hautsacke umgeben, wie jene,
doch konnte derselbe leicht zerstört worden sein, da die Zelle, in
welcher sie sich befand, sehr beschädigt war.
Eine Beobachtung von Lareynie über das Eierlegen der My-
labris armeniaca Fabr. wurde von Jacquelin du Val (Annales de
la soc. entomol. Y. p. 96) mitgetheilt. Gegen Ende des Juli und zu
Anfang des August wählt sich das Weibchen einen sandigen Ort, in
welchen es mit den ölandibeln eine Höhlung von der Foim eines
Fingerhutes eingräbt ; sodann legt es die Spitze des Hinterleibs auf
den Rand der OefFnung i\nd lässt nach und nach etwa dreissig dicke,
gelblichweisse Eier hineingleiten. Nach Ablegung der Eier wird der
ausgegrabene Saud wieder in das Loch hineingeschüttet und die OefF-
nung dem Boden gleich gemacht. Lareynie glaubt nicht daran,
dass die Larven in Bienen- und Wespennestern erzogen werden, da
er die Mylabris nur an den Orten fand, wo das Jahr vorher die
Weibchen Eier abgelegt hatten und viele derselben an ihren Flügel-
decken noch deutliche Spuren ei lies Aufenthaltes unter der Erde tru-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 313
gen. (Beides würde nicht gegen die Entwickelung der Käfer in
Ilymenopteren -Nestern , die ebenfalls oft in die Erde hineingebaut
sind , sprechen. Ref.)
Mulsant theilte in seiner Bearbeitung der in Frankreich ein-
heimischen Vesicantien (Ilistoire naturelle des Cole'opteres de France,
Vesicants und Annales de la soc. Linn^enne de Lyon lY. Annee 1857.
p. 209 — 409) diese Familie in drei Gruppen (die er Familien nennt),
nämlich in Meloidiens, Mylabriens und Cantharidiens. Als Charaktere
der Meloiden stellt er die sich an der Naht kreuzenden, weiter hin-
ten klaffenden, sich nach unten um den Körper herumschlagenden und
meist abgekürzten Flügeldecken, das Fehlen der Flügel u. s. w. auf;
die Mylabriden unterscheidet er von den Canlhariden durch die an
der Spitze gekeulten Fühlhörner, deren Endglied länger und merk-
lich dicker als die übrigen ist, während bei letzteren die Fühler fast
fadenförmig, sei es dass sie allmählig und kaum merklich an Dicke
zunehmen , sei es dass sie gegen die Spitze hin dünner werden, er-
scheinen. Die Gruppe der Meloiden beschränkt sich auf die Gattung
Meloe, welche in Frankreich durch 15 Arten vertreten ist; ausser
diesen werden anhangsweise noch 4 andere Europäische Arten, sämmt-
lich bereits bekannt, charakterisirt. — Die Gruppe der JMylabriden
zerfällt in die Cerocomaires, bei denen die Fühler vor der Stirnnaht
eingefügt und die Oberlippe länger als breit ist (Gattung Cerocoma
mit 3 französischen und 2 sonst in Europa vorkommenden, sämmtlich
bekannten Arten) und in die Mylabraires, bei denen die Fühler hin-
ter der Stirnnaht entspringen und die Oberlippe breiter als lang ist;
hierher gehören Hycleus mit 1 und Mylabris mit 7 französischen Ar-
ten (von zwei ausserfranzösischen Arten ist Mylabris Forti Muls. eine
neue Art). — Die Gruppe der Canthariden theilt der Verf. in Can-
tharidiaires und Zonitaires , erstere wieder in Alosimates und Can-
Iharidiates; die neue Gattung Alosimus ist auf Lytta syriaca begrün-
det, die Gattungen Cantharis und Epicauta je auf 1 Art beschränkt.
Die Zonitaires zerfallen in Zonitates (Gattungen Zonitis 3 Arten, Ne-
mognatha 2, Apalus 1 A.) und Sitarates mit den Gattungen Stenoria
(auf Sitaris apicalis basirt) und Sitaris mit 2 Arten. — Die beifol-
gende Tafel giebt Darstellungen verschiedener Gattungsrepräsentanten,
ihrer Larven und systematisch wichtiger Körpertheile. In dem vor-
angeschickten allgemeinen Theile der Arbeit geht der Verf. beson-
ders ausführlich auf die früheren Eintheilungen der Familie in Gat-
tungen, von Linne bis auf die neuesten Autoren, ein und stellt die
früheren Beobachtungen über die Entwickelungsgeschichte der ersten
Stände (welche in neuester Zeit freilich sehr erweitert worden sind)
sorgsam zusammen.
Rojas, „Description d'une nouvelle espece de Coleopteres de
la republique de Venezuela" (Revue et Mngas. de Zoologie IX. p.441 ff.)
314 Gerstaecker: Berieht über die wissenschaftlichen Leistungen
beschrieb Epicaiita caustica als neue Art aus Venezuela, welche sich
durch starke vesikalorische Eigenschaften auszeichnet. Der Käfer
setzt sich, in der Nacht durch Licht angezogen, oft auf den mensch-
lichen Körper und lässt hier einen Saft fallen, der heftiges Brennen,
Böthe und Blasen verursacht. Eine Cauterisation der Haut mit dem
lebenden Insekt lässt bis auf acht Tage Spuren zurück; in Alkohol
aufbewahrt, behält dasselbe seine vesikatorischen Eigenschaften noch
nach drei bis vier Monaten, nach einem Jahre ging die Wirkung je-
doch verloren. Die Art lebt auf Lycopersicum esculentum Kunth.
Einzeln beschriebene neue Arten sind ferner: Meloe caclatus,
sericellus, Mylabris intersccta Reiche (Annales de la soc. enlomol. V.
p. 271 ff.) aus Palästina, Klein-Asien und Athen, Meloe coavctatus v.
Motschulsky (Etudes entomol. VL p. 35) , Lylta Childii Le Conte
(Entomol. Report p. 52) aus Californien, Ne7nognafha Cubaecola Jac-
quelin du Val (Historia fisica de la isla de Cuba VIL p. 6S. pl. 8. fig. 18)
von Cuba.
Peyron (Annales de la soc. entomol, V. p,723) stellte die
Synonymie der Zonitis mutica Fabr. folgendermassen fest: Zonitis
immaculata ist der älteste Name, indem das Insekt vor Fabricius
durch Ol i vi er als Apalus immaculatus beschrieben worden ist; Syno-
nyme sind : Zonitis mutica Fabr., Mylabris fulva Rossi.
Oectemeritae. Perris beschrieb (Insectes du pin mari-
time , Annales de la soc. entomol. V. p. 387 — 395. pl. 9) die Larven
und deren J^ebensweise von Xanthochroa carniolica und Nacerdes
melanura. Beide sind kaum von einander zu unterscheiden, nach
vorn stark keulenförmig erweitert, besonder? der Kopf und das erste
Segment des Thorax sehr gross, quer viereckig, die Abdominalringe
etwas länger, aber merklich schmaler als die beiden letzten des Tho-
rax. Die Larven leben in den Pinus - Slämmen jedes Alters, welche
von der Rinde entblösst und fast ganz in einen schwammigen Zu-
stand übergegangen sind ; zur Verwandlung machen sie eine läng-
liche Zelle nahe der Oberlläche.
Le Conte (Entomol. Report p. 52) beschrieb Ditylus vestitus
als neue Art vom Oregon, Jacquelin du Val (Historia fisica de
la isla de Cuba VIL p. 67) Äsclera testciceicollis von Cuba.
Rliinosimi» Salpingus imfressus Wollaston (Catal. of Co-
leopt. Insects of Madeira p. 161) ist eine neue Art von 3Iadeira, Rhi-
nosimus austraUs Montrouzier (Annales de la soc. d'agriculture de
Lyon VII, 1, p.56) n. A. von der Insel Woodlark.
Rruclielae. Zur Anthribiden - Gruppe wurden von Mon-
trouzier (Annales des scienc. phys. de la soc. d'agriculture de
Lyon VII, 1. p.40ff.) folgende neue Arten und Gattungen von der
Insel Woodlark bekannt gemacht: 8tenoceru$ quadri tuber culalus, pla~
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 315
tipennis, macropkthaJmns , punclahts ; Cerambyrhynchns n. g. soll mit
Mecocerus in naher Verwandtschaft stehen, sich aber dadurch unter-
scheiden, dass der Rüssel nicht plötzlich am Ende erweitert ist, dass
die Leiste, welche das Ilalsschild theilt, nicht in zwei Dornen endigt,
und dass die Tarsen kürzer als die Schienen sind. Art: C. Schön-
herri 7 lin. — Xeiiocervs speracervs , anthrihoides, Eucorynvs mar-
moratus, Anthrihvs griseus (Fabr.) ; Oedecenis n. g. neben Anthribus
zu stellen; Fühler kurz und dick, vor den Augen entspringend, das
dritte Glied beim Älännchen angeschwollen und so dick wie die Keule;
diese durch vier wenig deutliche Glieder gebildet, in eine Spitze
endigend; Rüssel sehr kurz und breit, vom ausgerandet. Art: Oed.
bipunctatus.
Thomson (Archives entomol. I. p. 434 fF. ) errichtete eine
neue Gattung Eugigas auf Dolichocera Childreni Gray und beschrieb
Eug. Schönherri von der Insel Arou und Goliathus von, Java, beide
auf Taf. 17 abgebildet. Fernere neue Arten sind: Mecocerus? pan-
therinus, parvulvs und Xenocenis lacnjmans von der Insel Arou.
Neue Arten der Gattung ßruchus sind : Brvchvs plagiatus Reiche
(Annales de la soc. entomol. V. p. 649) aus' dem Peloponnes, paupcr-
culus Le Conte (Entomol. Report p. 52) aus Californien. ~ Spermo-
phagus simulatus von Cuba wurde von Jacqnelin du Val (Hi-
storia fisica de la isla de Cuba VII. p. 70. pl. 8. fig. 19) beschrieben
und abgebildet.
Cnrculionides. Fa i rm ai r e (Annal. dela soc. entom.V. p.
740 ff.) beschrieb eine neue Gattung CAoerorÄjwws, die einen Uebergang
zwischen den Dryophthoriten und Cossoniten machen soll, indem sie
mit ersteren im äusseren Habitus und der viergliedrigen Fühlergeissel,
mit letzteren in der Tarsenbildung übereinstimmt. Körper länglich,
ziemlich gewölbt, Augen rund, hervortretend, Rüssel kurz, fast so
breit wie der Kopf, Fühlergrube kurz, tief, geschwungen, die Glie-
der der Fühlergeissel sehr verbreitet, so dass die Keule nicht deut-
lich abgesetzt erscheint; Schildchen nicht sichtbar, Beine kurz und
kräftig, Schienen aussen an der Spitze mit einem starken, gebogenen
Zahne bewaffnet. Art: Ch. sqtialidns aus Sicilien , pl. 14. fig. 3 ab-
gebildet. — Neue Art: Lignyodes mdesquaiUosus von Beziers in
Frankreich. — Bagous severopolinus Duf. ist = Erirhinus pilumnus
Schh. und Cotaster littoralis Molsch. = Trachodes exsculptus Germ.
Wo Ilaston (Catalogue of the Coleopterous Insects of Madeira
p. 100) machte eine merkwürdige neue Gattung Leipommata aus der
Cossonen- Gruppe bekannt, welche sich durch den Mangel der Augen
und durch eigenthümliche Schienen- und Tarsenbildung auszeichnet;
die Schienen sind fast gerade , an der Spitze nach aussen in einen
grossen, gekrümmten Haken, innen in einen grossen Enddorn ver-
längert, die Vorderschienen nach der Spitze zu lang behaart; an den
316 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Tarsen ist das 1. Glied länglich, das 2. und 3. kleiner, untereinander
fast gleich, das letzte fast von der Länge des ersten; die Flügeldecken
fast verwachsen, die Fühlergeissel siebengliedrig. Die Art: Leip.
calcaratum, 1% lin. lang, lebt bis 1% Fuss tief unter der Erde,
offenbar an Tflanzenwurzeln. —Andere neue Arten von Madeira sind:
Acalles histrionicus , coarctaliis , festivus, Omias angnstidus , Äpion
delicatulum.
Von Roger (Verzeichniss der Käfer Oberschlesiens p. 103,
Stettiner Entomol. Zeitung p. 60 If.) wurde unter dem Kamen £Mrj/om-
inatus Mariae eine in Schlesien aufgefundene neue Gattung und Art
charakterisirt, die der Verf. als mit Coryssomerus zunächst verwandt
bezeichnet. Die Augen sind nach oben so weit ausgedehnt, dass sie
in der Mittellinie nur durch eine feine Stirnnaht getrennt werden,
die Fühler mit siebengliedriger Geissei, deren beide ersten Glieder
beträchtlich länger als die folgenden sind , der Rüssel so lang als
Kopf und Halsschild, nicht in die Brust einschlagbar, <la die Vorder-
hüften aneinanderstossen; die Vorderschenkel stark keulenförmig ver-
dickt, mit einem starken Zahne hinter der Mitte, die mittleren und
hinteren schwächer verdickt und nur sehr fein gezähnt, das erste Tar-
senglied stark verlängert. (Die Gattung zeigt weder mit Copturus
noch mit Coryssomerus eine nähere Verwandtschaft, sondern würde
sich der Gattung Phytophilus Schh. sehr eng anschliessen ; man könnte
sogar aus der Aebnlichkeit der Art mit dieser in Afrika und Ostin-
dien einheimischen Gattung vermuthen , dass sie ebenfalls exotisch
und nur nach Europa eingeführt worden sei. Ref.)
Thomson (Archives entomol. L p. 287) stellte eine neue Gat-
tung Celehia für eine schöne Art C. azureipes von Gelebes (pl. 14.
flg. 3 abgebildet) auf, die nach der Abbildung entschieden der Gat-
tung Geonemus Schh. angehört. (Diese Gattung, welche bei Schön-
herr heterogene Elemente in sich schliesst, muss auf die Arten der
Asiatischen Inseln und von Keu-Guinea beschränkt werden, dagegen
sind sowohl die Europäischen Arten als die Süd-Amerikanischen da-
von auszuschliessen; von letzteren sind u. a. Geon. d-nodosus und
4-tuberculatus zur Gattung Cyphus zu verweisen. Ref.) — Andere
neue Arten des Verf. (ebenda p. 442 ff.) sind: Eupholus Linnei und
Geonemus Fabricii von der Insel Arou.
Jekel hat (Fabricia entomologica , 2. livr. Paris 1857) seine
Revision der Gattung Hypsonotus fortgesetzt und eine Reihe neuer
Arten, die er mehreren auf Kosten jener gegründeten Gattungen un-
terordnet, beschrieben : Alocorhinus virescens aus Brasilien , Acan-
thohrachis Germari aus Brasilien, Eudinetus cinereus , poslicatus, ni-
gromaculatus aus Columbien , Merodontus derosus von Cayenne,
form'catus und setosvlvs vom Amazonenstrome, mirulans von Rio-Ke-
gro, vetustus, cordifer uw^. alophoides von Cayenne, Orthocnemm
im Gebiete der Entomologie wahrend des Jahres 1857. 317
Lehasii aus Bogota , heilipoides von Quito, Hypsojiotus Stevensii, ro-
tundipejinis, albüfasciaius, seleclus aus Brasilien, apicatns aus Colum-
bien ,_ morio aus Venezuela, subscutellaris und callosicollis von der
Insel St. Catharina, albopictus und inclndens aus Bjasilien.
Eine Reihe neuer Arten aus Californien und dem Oregon-
Gebiete machte L e C o n t e (Entomol. Report p. 52 ff. ) bekannt:
Rhynchites gelastinus , Apion crassinasum , proclive, crihricolle , ca-
vifrons , protensum , Sitoties fittatus und sordidns , Alophus con-
strictus , Listr öderes terefirostris und Oregonensis , Hylobius? tae-
niahis und torpidus , Ptochus saccalus und globivenlris , Otiorhynchus
segnis und (?) naso , Tyloderes gemmalus , Lixus auctus , Magdalinus
imbellis und gracilis, Balaninus nniformis, Baridins macer und seria-
tus, Analcis morbillosus , Rhyncfiophorvs asperulus und Sphenophorus
genlilis.
Eine beträchtliche Anzahl neuer Arten aus dem Orient wurde
von Reiche und de Saulcy (Annales d. 1. soc. entomol. V. p. 651
— 695) bekannt gemacht: Apion Trnqnii, zur Gruppe des A. difforme
gehörend und durch sehr verbreiterte Fühlerglieder beim Männchen
besonders ausgezeichnet, von üamascus , Brachycenis argillaceus von
Beirut, orbipennis, ornatus, nodulosus aus Syrien, Psalidium paclolum
von Nablus, forcipatum von Beirut, Levratii von Rhodus, Thylacües
seriepunctahis von Beirut, Strophosomiis albarius uns dem Peloponnes,
Silones bisphaericvs von Beirut, Cleonus Samaritamis aus Palästina,
ornalus von Beirut, Hylobitts alpheus aus dem Peloponnes, Procas
Saiilcyi von Cypern, P/iytonomus cypris ebendaher, Limobius globi-
collis und Phyllobius lateralis aus dem Peloponnes, Bhytirrhinus hör-
ridus und atticus von Athen, Otiorhytichns cypricola von Cypern,
nitidus, bisphaerictis und graniger aus Griechenland.
Neue von M o n tro u z i e r (Annales des scienc. phys. de la soc.
d'agriculture de Lyon VII, 1. p.46ff.) beschriebene Arten und Gattun-
gen von der Insel Woodlark sind : Pachyrrhynchus chrysomelas, Geo-
nemus Cristovallensis , Bhinoscapka n. g. , vom Ansehn der Gattung
Aegorhinus Er. , aber darin unterschieden , dass das Basalglied der
Fühler mehr als den dritten Theil der ganzen Fühlerlänge misst, dass
das dritte Glied länger als das zweite , der lange und dicke Rüssel
oberhalb gefurcht, die Fühlerfurche desselben schief ist, dass die
Leiste über dem Au^re und das Zähnchen an den Schenkeln fehlt.
Art: Rh. bicincta, 12 lin. — Ferner: Aleides? rnfipennis , Otiorhyn-
chus oxygaster , bicrislatus , incisus (die Arten der letzteren Gattung
gehören vermuthlich zu Elytrurus oder Isomerinthus Schh. Ref.),
Orthorhinus rugosns , Tylodes griseus , megapoda, atcr , eine tu s , pul-
vei'ulenttis , oedothorax , Imhoffii, Cryplorhynchus Gyllenhali, ßcus,
Guerinii, Woodlarkiamis , Cleogonus pumilus, Calandra bilineata und
cineta.
318 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Jacquelin du Val (Ilistoria fisica de la isla de Cuba VII.
p, 77 ff.) beschrieb Laclmopus Guerinii, seriepunctatus, niveo-irrora-
his, mnltipunc latus, sublineatns , Geonemus aureosquamosus, Anthono-
miis varipes , Peridinetvs Poeyi, Diorymerus pellos , Cryptorhynchus
bufoniiis , Tylodes qvadriplicatns und Rhina ohlita als neue Arten
von Cuba.
Perris (Annales de la soc. Linueenne de Lyon IV. p. 135 ff.):
Äpioti laticolle , stcnocephalum , cribricolle , Anisorhynchns cvi'tus,
Trachyphloetis Larraldi, Anthonomus ruber, Baridius vestilus, Bayous
setiger\, dorsalis , Ceutorhynchus contusns , carneus, Rhyncolus crassi-
rostris Dej. Cat, als neue Arten aus den Grandes -Landes. — Auf
p. 139 beschreibt der Verf. auch die Larve des Coniatus chrysochlora
•Luc, welche ganz den Phytonomus-Larven gleicht und in verschiede-
nen Gegenden auf verschiedenen Taniarix -Arten (T. africana, gallica
anglica) lebt.
Einzelne als neu beschriebene Arten sind ferner : Ceutorhyn-
chus chlorophanus Rouget (Annales de la soc. entoniol. V. p. 752) von
Dijon, zur Gruppe des C. Erysinii gehörend und auf Erysimum lan-
ceolatum lebend, Ceutorhynchus acaUoides und albohispidus Fairniaire
(ebenda p. 639 ff.) von Montpellier, Amomphus Cottyi Lucas (Bullet,
de la soc. entoniol. p. CXXIV) aus Algier , Peritehis Marquetii Gau-
tier des Gottes (ebenda p. CXXXVI) von Beziers in Frankreich, Me-
tallites P irazzolii SüevWn uns lluVien und Dichotrachelus Imhofßi Stier-
lin aus der Schweiz (Entomol. Zeitung p. 62 ff.) , Apion bicolor und
Dichotrachelus Stierlini mit einer var. ? vulpinus Gredler (Käfer von
Passeier) aus Tyrol.
„Die Apionen der Wiener Gegend" verzeichnete L. Miller
(Wiener Entomol. Monatsschrift I. p. 10—25 und p. 56—59). üer
Verf. hat im Ganzen 81 Arten der Gattung Apion bei Wien aufgefun-
den, die er nach ihren natürlichen Verwandtschaften aneinanderreiht
und mit kurzen Beschreibungen, welche die hervortretendsten Unter-
scheidungsmerkmale enthalten, versieht ; auch wird stets die Futter-
pflanze, so weit sie bekannt, und das Vorkommen erörtert. Als neue
Arten werden beschrieben : Apion pulchellum, zwischen A. penetrans
und aciculare Germ, gestellt, amethystinum und Schmidtii (Mark. i.
lit.), beide dem A. punctigerum ähnlich; letztere Art ist jedoch schon
von Bach unter diesem Kamen beschrieben worden. Die bereits
vielfach erörterte Synonymie der Arten ist nach ihrer früheren Fest-
stellung beibehalten worden; mit Recht bezieht der Verf. das Ap.
opeticum Bach auf A. Alarshami Schönh. , da in der Schönherr'schen
Beschreibung die Unterschiede dieser Art nach dem Weibchen deut-
lich und unverkennbar auseinandergesetzt werden und derselben auch
der Stephens'sche Name verbleiben kann, indem das Ap. Marshami
Steph. mit A. subulatum identisch ist.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 319
Ueber die Apionen der Schweiz machte Dietrich (Entomol.
Zeitung p. ]33fF.) mehrfache Mitlheilungen , die sich besonders auf
die INahrungspflanzen solcher Arten beziehen , deren Lebensweise
bisher nicht bekannt war. Als neue Arten beschrieb derselbe Apion
Dielrichi ßremi i. lit., auf Orobus vernus lebend, nach den Original-
Exemplaren des Verf. jedoch identisch mit Ap. Marshami Schönh.
(= A. opeticum Bach) und Apion gracilipes, aus den Blüthenköpfen
von Trifolium medium erzogen, von A. flavipes u. a. durch die Fär-
bung der Fühler unterschieden.
Jacquelin du Val (Annales de la soc. entomol. V. p. 85 ff.)
hat sich nachträglich jetzt auch davon überzeugt, dass von Rhino-
niacer attelaboides beide Geschlechter vorhanden seien, und dass Dio-
dyrhynchus austriacus nicht als Weibchen zu dieser Art gehöre ; die
äusseren Unterschiede der beiden Geschlechter des Khinomacer (vergl.
Jahresbericht 1855. p-75) scheinen ihm aber unbekannt geblieben zu
sein. — Derselbe (ebenda p. 89) bestreitet die von Jekel behauptete
Identität seiner Gattung Mitomermus mit Cathormiocerus Schönh., die
des Cath. variegatus mit Mit. hystrix und des Barypeithus rufipes mit
Omias sulcifrons Schönh., ohne jedoch gültige Beweise dafür vorzu-
bringen. — Nach demselben (Bullet, de la soc. entomol. p. LIII) ist
Strophosomus subnudus Fairm. ein Metallites , welcher Ansicht von
Fairmaire (ebenda p. LIX) widersprochen wird.
IN'ach Heeger (Sitzungsberichte der mathem.-naturwiss. Classe
der Akad. d. Wissensch. zu Wien XXIV. p. 317 IF.) lebt die Larve
des Apion basicorne Illig. in den holzigen W^urzeln der einheimischen
Kletten-Arten, an denen sie zwar keine Galle, aber eine knotenartige
Verkrüppelung und ein Zerplatzen derselben erzeugt. Abbildung der
ersten Stände auf Taf. 2.
Märkel ( Allgem. Deutsche Katurhist. Zeitung 1857. p. 180)
fand die Larve des Plinthus Fischeri in den W^urzelstöclien von Aspi-
dium spinulosum; sie ist weiss mit gelblichem Kopfe und verwandelt
sich im September zum Käfer, welcher überwintert.
Stollwerk (Verhandl. d. IVaturhist. Vereins d. I'reuss. Rheinl.
u. Westphal. XIV. p. 125) erzog Braconiden aus den Blattdüten des
Rhynchites betulae, betuleti und populi (die" meisten aus ersterer Art),
Poropoea Stollwerkii häufig aus denen des Attelabus curculionoides.
Scriba (Entomol. Zeitung p. 377) fand den ursprünglich Ame-
rikanischen Sitophilus oryzae in Hessen unter der Rinde abgehauener
Rüstern in Mehrzahl ; nach seiner Angabe weichen diese Exemplare
von den importirten durch beträchtlich schmaleren Körperbau ab.
In den Sitzungsberichten des zoolog.-botan. Vereins in Wien VII.
p. 135 ist eine Schrift von T. Prada, „Curculioniti del agro Pavese,"
Pavia 1857 angezeigt, welche dem Ref. nicht zur Ansicht vorgele-
gen hat.
320 G eis ta e c k er : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Orentliides* Montroiizier (Annales de la soc. d'agri-
culture de Lyon YII, 1. p. 36 ff.) stellte eine neue Gattung Megacerus
auf, die sich von allen Schönherr'schen Galtungen durch das letzte
Fühlerglied, welches beträchtlii-h länger als das vorhergehende ist,
unterscheiden soll; von Belophorus, der einzigen Gattung, mit der
sie verwechselt werden könnte, weicht sie darin ab, dass bei dieser
das zweite Fühlerglied kürzer als das dritte ist und die Fühler selbst
kaum zweimal so lang als das Ilalsschild sind. Art: Megacerus de-
cemmaculatus von Woodlark, 8 lin. lang. — Fernere neue Arten,
ebendaher: Belophorus pogonocerus, Cephalobarus pumilus, Leptorhyn-
chus curvidens, Guerinii , Arrhenodes unicolor und punctatus.
Culodromns cyrfotracheh/s von Borneo ist eine neue Art von
Thomson (Archives entomol. L p. 119).
Dostricliini* Als neue Arten wurden beschrieben : Den-
droctoniis Valens, similis, Bostrichus pubipennis , Corthylus scutellaris
Le Conte (Entomol. Report p. 59) aus Californien und dem Oregon-
Gebiete, Piatypus subcostatus Jacquelin du Val (Historia fisica de la
isla de Cuba VIL p. 99) von Cuba, Piatypus Wallacei Thomson (Ar-
chives entomol. L p. 343) von Borneo, Tomicus erosus und perforans
Wollaston (Catal. of Coleopt. Insects of Madeira p. 95) von Madeira.
Nach Kollar (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins in Wien VIL
p. 187) griff Bostrichus curvidens Ratz., bisher nur an Weisstannen
als schädlich beobachtet, im botanischen Garten zu Wien auch eine
Ceder , eine Pinus Pichta und eine Larix an, welche er sämmtlich
von Grund aus zerstörte. An der Ceder fand sich in seiner Gesell-
schaft Ilypophloeus pini Panz.
liong^icornia« A, Chevrolat setzte (Revue et Magas. de
Zool. IX. p. 74, 107 und 166) seine Beschreibungen der Cerambycinen
Old-Calabar's fort und machte ausserdem („Description de trois Lon-
gicornes nouveaux," ebenda p. 103 ff.) und in Thomson's Archives
entomol. I. p, 414 ff. einige neue Arten, besonders von den Indischen
und Südsee-Inseln bekannt.
F. Pascoe, On new genera and species of Longicorn Co-
leoptera , Part. IL ( Transact. of the entomol." soc. IV. p. 89 — 112.
pl. 22. 23). — Der VerL fährt damit fort, neue Cerambycinen - For-
men aus den verschiedenen Gruppen durch aphoristische Beschrei-
bungen bekannt zu machen und zum Theil abzubilden; wenngleich
die meisten, wie früher, dem südlichen Asien angehören, sind doch
solche aus anderen VVelttheilen nicht ganz ausgeschlossen.
Die ausgedehnteste Bereicherung hat diese Familie jedoch durch
den ersten Theil von Th o m s o n's Archives entomologiques erfahren,
in welchem neben B u q u e t, C h a b r i 1 1 a c u. a. der Herausgeber selbst
vorzugsweise sich damit abgegeben hat , ausgezeichnete und seltene
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 321
Gattungen und Arten bekannt zu machen und zwar besonders durch
vorzüglich ausgeführte Abbildungen; ausserdem ist es auch sein Be-
streben gewesen, eine grössere Anzahl der von Dejean aufgestell-
ten und bisher nicht charakterisirten Gattungen zu beschreiben , zu-
weilen freilich ohne Hinzufügung von Arten, die dazu gehören, und
meist auch ohne Berücksichtigung ihrer Verwandtschaften und ob sie
überhaupt begründet seien. In einem „Abrege de l'histoire des Ceram-
bycides et revue des divisions primaires et serondaires etablies dans
cette famille (a. a. 0. p. 81 — 89) hebt der Verf. die Systeme einiger
Autoren , die sich mit der Eintheilung der Familie befasst haben,
hervor, lässt aber die wichtigsten, wie z. B. die Le Conte'sche fort.
Um neue Benennungen einzuführen , stellt er für die Cerambycinen
mit ausgerandeten Augen den Namen ,, Ectemnopsites , " für die mit
ganzen Augen (Lepturiden) den Namen „Strongulopsites" auf, frei-
lich ohne zu bedenken, dass auch in der Gruppe der Cerambyces ge-
nuini Gattungen mit nicht ausgerandeten Augen vorkommen.
Prionii. — Von Pascoe wurden (Transact. entom. soc. IV.
p. 90 — 92) folgende neue Gattungen und Arten bekannt gemacht: Dy-
namostes n. g.f eine sehr eigenthümliche Form, deren Kopf vorn brei-
ter als der Thorax und hinter den Augen halsförmig verlängert ist;
Fühler von Va der Körperlänge, einander genähert, haarig, das erste
Glied fast doppelt so lang als das dritte und verdickt, die folgenden
vom vierten an fast von der Länge des ersten , unter einander fast
gleich ; die Endglieder beider Taster verkehrt kegelförmig; Flügel-
decken niedergedrückt, breiter als der Thorax, die Beine mit sehr
kräftigen, verdickten Schenkeln. Alt: D. audax aus Ostindien, auf
pl. 22. fig. 1 abgebildet. — Neostenus n. g. , mit Aphanasium und
Philus verwandt; Kopf schmal, Augen nierenförmig, Palpen schlank,
ungleich; Fühler ziemlich von Körperlänge, ihr erstes Glied kürzer
als das dritte , mit welchem die folgenden fast von gleicher Länge
•sind ; Thorax seitlich gerundet, einfach , Flügeldecken sehr lang und
schmal, aber kürzer als der Hinterleib; Beine kurz, mit einfachen
Schienen. Art: N. Saundevsii (pl. 22. fig. 2) aus Neu-Cambria. —
Prionus fossatns und hydropims neue Arten aus Nord-China.
Unter den zahlreichen von Thomson in den Archives ento-
mologiques I. beschriebenen und zum Theil abgebildeten neuen Ce-
rambyoinen-Formen gehören folgende der Prionier-Gruppe aji : Unter
dem Titel „Monographie de la tribu des Anacolites" (p. 7 — 20. pl. 1 — 3)
giebt der Verf. eine Beschreibung und Abbildung der Gattungen My-
zomorphus , Anacolus und einer neuen Namens Oedelervs , die er mit
Hervorhebung einiger ihnen gemeinsamen Charaktere als eigene
Gruppe „Anacolites" hinstellt und die wiederum in Vereinigung mit
mehreren anderen Gattungen nach ihm eine eigene Abtheilung der
Frionier als „Prioniens plaxoleptes" (!!) bilden sollen; die Aufstel-
Arcbiv f Naturgesch. XXIV. Jahr«. 2. Bd. Y
322 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
hing solcher Gruppen in der Art, wie es der Verf. thut, ist aller-
dings sehr leicht , doch niüssten zu ihrer Begründung M'ohl einge-
hendere Untersuchungen angestellt werden als es hier geschehen ist.
— Von den drei Gattungen ist Myzoniorphus, die nach dem Vorgange
von Dejean angenommen und charakterisirt wird, durch zwei Ar-
ten: M. scutellatus Salle und quadrinotatus Menelr. (4-maculatus Gory,
4-punctatus Gray, pygniaeus Buq.) vertreten. Die Vereinigung des
Anac. 4-maculatus Gory nebst der Var. 4-punctalus Gray mit dem A.
4-notatus Menetr. ist jedoch durchaus unbegründet, da bei der letz-
teren Art die beiden vorderen Flecke der Flügeldecken dicht an der
Basis stehen und die Vorder- und Mittelschienen an der Spitze gelb
sind, während bei A. 4.-maculatns Gory die beiden vorderen Flecken,
abgesehen von ihren Grössenverschiedenheiten , stets vor der Mitte
stehen und alle Schienen schwarz gefärbt sind; ausserdem sind auch
die Fühler beider Arten in der Länge und Dicke der Glieder merk-
lich verschieden. (Das hiesige Museum besitzt ausser diesen drei
Arten eine sehr ausgezeichnete vierte, die neu ist.) — Die neue Gat-
tung Oedelertis ist auf ein hiibsches Insekt gegründet, welches sich
im Habitus mehr den männlichen Anacolus nähert , sich durch sehr
schlanke, dünne Fühler, deren drittes Glied (nicht das vierte, wie
angegeben wird) fast den beiden folgenden zusainmen an Länge
gleich kommt und deren folgende Glieder in einen dünnen , abste-
henden Ast auslaufen, auszeichnet und bei dem der Prosternalfortsatz
langgestreckt ist , so dass er bis zwischen die Miltelhüften reicht.
Art: 0. Buquelii aus Columbien. — Die Gattung Anacolus umfasst
nur eine Art, die A. lugnbris Lepell. genannt wird , und zu der die
sämmtlichen übrigen von M en e tr i e s. ß u q u et, L ep e 1 1 e ti er, P e r ty
und White aufgestellten Arten als Weibchen und Färbungsvarietäten
gezogen werden, eine Ansicht, die nach den Exemplaren des hiesi-
gen Museums dem Ref. begründet scheint.
Der Monographie der Anacoliten schliesst sich (ebenda p. 20 — 23-
pl. 9) die Beschreibung und Abbildung zweier ausgezeichneten neuen
Gattungen an , welche der Verf. mit jener Gruppe für nahe verwandt
ansieht. 1) Georgia n. g. An den Fühlern ist das erste Glied (nicht
das zweite, wie angegeben wird) das längste und dickste, die fol-
genden vom dritten an innen djeieckig erweitert beim Männchen,
nur die vier vorletzten erweitert beim Weibchen; Thorax in der Mitte
der Seiten zu einem staiken Dorn erweitert, Flügeldecken breit und
gedrungen, beim Männchen hinten allmählig zugerundet, beim Weib-
chen viel stumpfer endigend, schön goldgelb gefärbt, mit dunklem
Mittelfleck und breiter Spitze. Art: G. citrina von Cayenne und vom
Amazonenstrome. 2) Hamadnjades n. g. in Form und Färbung der
vorigen Gattung sehr nahe stehend, beim Männchen (?) ebenfalls die
(fünf) vorletzten Glieder, aber nach aussen dreieckig erweitert, der
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 323
Prothoiax ohne Mitteldorn, nach hinten trapezoidal erweitert. Art: H.
alurnoides von Cayenne. (Der Gattungsname wird später p. 136 als
schon vergeben in Nicias umgeändert.)
Ebenda p. 120 wird auf Prionus mordax White eine eigene
Gattung Priolyrannus errichtet, deren Charaktere auseinandergesetzt
und die auf pl. 10. fig. 1 abgebildet wird.
Ebenda p. 341 wird eine neue Gattung Baralipton charakteri-
sirt, die mit Aegosoma in nächster Veiwandtschaft steht und mit die-
ser Gattung auch in den Längsverhältnissen der Fühler übereinstimmt;
das erste Glied ist jedoch am Ende mit einem starken Dorne bewaff-
net , das dritte das längste von allen und beim Weibchen den sechs
folgenden zusammengenommen gleich. Das Halsschild ist sehr kurz
und quer und weicht von Aegosoma durch die Bewaffnung des Sei-
tenrandes ab; sowohl der Vorder- als Hinterrand endigen jeder-
seits in einen Dorn und ein drittes Paar zeigt sich am hinteren Dritt-
theile des Seifenrandes. Die sehr prächtige und grosse Art: B. ma-
culosum, durch seidenartige Behaarung der Flügeldecken und schöne
Zeichnung bemerkenswerth (pl. 14. fig. 1 abgebildet), wird mit der
Vaterlandsangabe „Asie Orientale" belegt; ein Exemplar des hiesigen
Museums stammt von Calcutta.
Ebenda p. 404 eine neue Gattung Diplosckema, welche der Verf.
mit Torneutes und Coptocephalus in Verbindung bringt und zu den
Prioniern rechnet, die aber offenbar den Cerambyces genuini beizu-
zählen ist und in nächster Verwandtschaft mit Criodion steht; (hier-
her ist übrigens auch die Gattung Coptocephalus Griffith,- für welche
der Name Metopocoelus einzuführen ist, zu stellen. Ref.). Die Gat-
tung unterscheidet sich von letzterer durch ungetheilte Augen,
schlanke und in beiden Geschlechtern fast gleiche Fühler von zwei
Dritttheilen der Köiperlänge , schmalen, cylindrischen , gleichbreiten
Körper und schmalen, spitz dreieckigen Prosternalfortsatz; der Tho-
rax ist beim Männchen länger» als beim Weibchen und seitlich nicht
gerundet. Art: Dipl. ßavipetinis, im hiesigen Museum aus Brasilien.
Montrouzier (Annales de la soc. d'agriculture de Lyon VII,
1. p.56) beschrieb Mallodon costatvs als neue Art von der Insel
Woodlark.
Le Conte (Entomol. Report p. 59) vereinigt jetzt die von ihm
aufgestellte Gattung Trichocnemis , deren Art Tr. spiculatus nur auf
ein Weibchen gegründet war, nach iKenntniss des männlichen Ge-
schlechtes mit der Gattung Ergates Serv.
V. Motschulsky (Etudes entomol. VI. p. 36) beschrieb PWo-
nus insularis als neue Art aus Japan.
Nach Fair maire (Archives entomol. I. p. 38) wurden Mal-
loderes microcephalus und Amallopodes scabrosus in Chile mit ein-
324 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
ander in Begattung angetroffen ; dass sie die beiden Geschlechter einer
und derselben Art seien, ergiebt sich aus ihren mehrfachen Ueber-
einstinimungen und aus dem Umstände , dass von jeder nur ein Ge-
schlecht bekannt ist.
Cerambyces genuini. — Neue Gattungen, von Pascoe
(Transact. entomol. soc. IV. p. 92 ff.) aufgestellt, sind: 1) Xoano-
(lera n. g. nebst den beiden folgenden mit Cerambyx (Hammaticherus)
nahe verwandt ; Kopf schmal, mit grossen, weit ausgerandeten Augen,
Palpen verlängert, die der Kiefertaster länger, mit abgestutztem End-
gliede ; Fühler länger als der Körper , das vierte Glied beträchtlich
kürzer als das dritte und fünfte; Thorax länglich, mit starken Längs-
riefen, Flügeldecken an der Spitze schief abgestutzt, der Aussenwin-
kel über die Naht heraustretend. — Zwei Arten: X trigona (pl. 23.
flg. 1.) von Malacca, magister von Borneo. — 2) Calpazia n. g., der
vorigen Gattung sehr ähnlich, die Fühler aber viel länger als der
Körper, das siebente Glied am längsten, die Palpen ziemlich gleich,
das letzte Glied der Ma.xillarpalpen fast dreieckig; Thorax fast ellip-
tisch, unbewaffnet, querriefig, Flügeldecken an der Spitze fast zuge-
rundet. Art: C. vermicularis (pl. 23. fig. 2) von Borneo. — 3) Za-
trephus n. g., von viel kräftigerem Baue als die beiden vorigen, die
Fühler auseinanderstehend, kürzer als der Körper, die Glieder bis
zum fünften an der Spitze gerundet, die folgenden eckig erweitert;
die Palpen fast gleich, kurz, das Endglied fast so lang als die übri-
gen zusammen; Thorax nach vorn verschniäleit, stark gerunzelt, Flü-
geldecken ziemlich breit, an der Spitze leicht abgestutzt. Zwei Ar-
ten : Z. pannosus (pl. 23. fig. 3) und inscitus von Borneo. — 4) JNo-
serius n. g. , mit Stromatium zunächst verwandt ; Kopf bei den Au-
gen breit, nach hinten verlängert, Palpen gleich, die der Maxillen
dicker, Fühler länger als der Köiper, ihr drittes Glied am längsten,
Thorax breiter als lang, leicht niedergedrückt, seitlich gehöckert,
Flügeldecken lang, an der Spitze abgerundet. Art: N. tihialis (pl. 23.
fig. 4) von Borneo. — 5) Pyrestes n. g., mit Erythrus verwandt, aber
durch den sehr verlängerten, fast cylindrischeji Prothorax abweichend;
Kopf vorgezogen, Fühler kurz, die Glieder nach der Spitze hin stark
erweitert, die Maxillarpalpen länger als die Lippentaster, die Flügel-
decken hinter den Schultern etwas ausgerandet, hinten erweitert und
breit abgerundet. Drei Arten : P. eximius (pl. 22. fig. 3) von Borneo,
miniatus aus Nord -Indien und haematicus aus Nord -China. — 6)
Deuteromma n. g. mit borstenförmigen Fühlern von doppelter Kör-
perlänge, deren Glieder mit Ausnahme der beiden kurzen ersten fast
gleich lang sind; Augen vier (d. h. in zwei Theile getrennt), Pal-
pen kurz, Thorax niedergedrückt, seitlich gerundet, leicht gezähnt,
hinten eingeschnürt, Flügeldecken parallel, fiach, Beine lang, zusam-
mengedrückt. Art : D. callidioides (pl. 23. fig. 6) von Borneo. (Eine
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 325
zweite Art wird p. 111 als Deuleroinma lestacea von Borneo diagno-
slicirt.) Die (ebenda) beschriebenen neuen Arten sind: Cerambyx {!)
morosus von Borneo, Sternacanthus picticornis von Parä, Stromatium
alie7ium aus Brasilien, Pachylocefus plumiferus (pl. 23. fig. 5} aus
Ostindien, CUjtellus Weshcoodii von Borneo, Didymocantha thoracica
von der Moreton-Bay, Blemmya hvmeralis von Malacca, Tmesislernus
gratiosus (pl. 22. fig. 4) von der Fichten-Insel.
Eine grössere Anzahl neuer Formen dieser Gruppe wurde auch
von Thomson (Archives entomol. 1) bekannt gemacht; p. 121 ff. :
Sclerocerus priapicus, Chahrillacii und cylindricus aus Brasilien, Ce-
rambyx Pascoei aus Ostindien» Xestia Chabrillacii aus Brasilien, Odon-
tocera (?) Singaporensis von Singapore, Odontocera (?) Saraicacken-
sis von Borneo. — p. 288 : Chlorida curla von Cayenne. — p. 291
wird für die Gattung Leptocera Serv. (der Name soll von Schön-
herr bei den Curculionen vergeben sein) die neue Benennung Ire-
sioides vorgeschlagen. — p.316: Distenia peregrina aus Brasilien
(wird später p. 394 als zur Gattung Phelocalocera Blanch. gehörend
und wahrscheinlich als aus Madagascar herslammend angegeben). —
p. 404. Gattung Diploschema ^ zu den Prioniern gerechnet, aber der
gegenwärtigen Gruppe angehörend, siehe Prionii ! — p. 406. Sibylla
n. g. für Phaedinus Coemelerii Thoms. (Magasin de Zoologie 1856)
errichtet. — Gonyacantha n. g. von Rhachidion durch gedornte Schen-
kelspitze , die Fülller, an denen das dritte Glied das längste, das
6. — 11. erweitert sind, die Bildung des Pro- und Mesosternal-Fort-
satzes, welche mit einem Tuberkel besetzt sind und die Beine unter-
schieden; das hinterste Paar ist sehr lang und die Schenkel an die-
sem weniger stark hinter der Mitte aufgeschwollen als an den bei-
den vorderen. Art: Gon. rubronigra, 18mill. aus Brasilien. — p. 423.
Iresioides ferox als neue Art von Madagascar beschrieben.
Stal, „INagra nya arter of Longicornin" (Öfversigt af Kongl.
Vetensk. Akad. Förhandl. XIV. p. 63) charakterisirte eine neue Gat-
tung Cluvia, neben Elaphidium zustellen; Körper langgestreckt, Kopf
hervorgezogen, Fühler länger als der Körper, ungedornt, drittes Glied
den beiden ersten an Länge gleich, Thorax um */j länger als breit,
seitlich leicht gerundet, vorn quer eingedrückt, auf der Scheibe mit
Längsfurchen; Schildchen gefurcht, Flügeldecken gleich breit, hin-
ten abgerundet, unbewehrt, Schenkel gegen die Spitze hin etwas
dicker, ohne Stacheln. Art: Cl. Chevrolatii aus Tunis, 11 mill. lang.
— Neue Art: Eburia triocellata aus Neu-Granada.
Buquet, Notice supplementaire sur le genre Euryprosopus,
suivie de la description de deux especes nouvelles (Kevne et Magas.
de Zool. IX. p. 409 ff.). Der Verf. hat sich nach Vergleich eines
grösseren Materials an Arten der Gattung Euryprosopus davon über-
zeugt, dass die von ihm in seiner Monographie der Gattung (vergl.
326 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Jahresbericht 1853. p. 50) angegebenen Gruppen - Merkmale, nämlich
die Ausrandung des ersten Fühlergliedes und die halbcylindrische
Form der Flügeldecken Charaktere des Männchens, dagegen der Man-
gel jener Ausrandung des ersten Fühlergliedes und abgeflachte Flü-
geldecken Charaktere des Weibchens seien. Uebrigens sind sämnit-
liche damals von ihm aufgestellte Arten selbstständige; A^on Eurypros.
dardanus wird nachträglich das Weibchen und ausserdem zwei neue
Arten: Eur- Chahrillacei und angustissimus aus Brasilien beschrieben.
Derselbe (Archives entomol. I. p. 137 und 332) beschrieb
Ancylocera curvicollis neue Art aus Brasilien und Sallei n. Art aus
Mexiko.
Chevrolat (ebenda p. 414 ff.) : Tmesislerntis viridicollis, Na-
vomorpha? albocincta, sanguinicollis aus Neu-Caledonien, Macrocyrta
macilenta von Singapore. — Ferner (Revue et Magas. de Zool. IX.
p. 103 ff.): Crioprosojnis ISieti aus Mexiko, Distenia Pilati von Cor-
dova, auf pl. 6. fig. 1. 2 abgebildet.
Montrouzier (Annales de lasoc. d'agriculture de Lyon VII, 1.
p. 57 ff.) machte folgende Arten von der Insel Woodlark bekannt:
Stenocorus biguttatus (Boisd.), inermis , Callidium puyictalum, afßtie,
Tmesisternus? dubius, Ichlhyosoma mirabile (Boisd.), Dejeani, arma-
tnm, Turpinicemis variabilis und Cerambyx Mulsanti.
Chabrillac (Archives eiitom. I. p. 194 ff.) beschrieb folgende
Arten aus Brasilien: Xestia Thomsonii, Javeti, de Rourei, fiilgtirata,
Ibidion quadrifoveolatum , Thomsonii, Armandinae , Rhachidion gra-
nulicollis (ist nach den Exemplaren des hiesigen Museums offenbar
das Männchen von Rhach. obesum Kewm.), Lophonoccrns tubevculicol-
lis und Chrysoprasis armatus.
Le Conte (Entom. Report p. 60 ff.) aus Californien: Callidium
vulneratmn , decussalum , M anner he im ii (dimidiatum Mannerh. , nee
Kirby) und Clytus conjunctus.
y. Motschulsky (Etudes entomol. VI. p. 36) aus Japan: Fur-
piiricenus spectabilis und Japanus (letztere Art ist schon von Gue-
rin als Sternoplistes Temminckii beschrieben worden).
Wo 1 las ton (Catal. vof Coleopt. Insects of Madeira p. 126):
Blabinotvs Bewickii von Madeira.
Lucas „Note sur un nouveau genre de la famille des Longi-
cornes (Icosium tomentosum), qui habite les possessions fran^aises du
nord de l'Afrique" (Annales de la soc. entomol. V. p. 609 — 615) be-
schrieb die schon im Jahresberichte 1854. p. 82 erwähnte und vom
Verf. im Bullet, de la soc. entomol. 1854. p. 82 vorläufig diagnosti-
cirte Gattung und Art Icosium tomentosum aus Algier jetzt ausführ-
lich und gab auf PI. 13 eine Abbildung derselben nach beiden Ge-
schlechtern.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 327
Derselbe (Bullet, de la soc. entomol. p. XLVIII) machte Mit-
theilungen über das Männchen des Clytus Hartwegii White aus Me-
xiko in Betreir der Unterschiede, die es von dem bis jetzt allein be-
kannten Weibchen darbietet.
Ko 11 ar (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins in Wien VII. p. 185j
handelte über die geographische Verbreitung und den Haushalt des
Callidium russicum Fabr. Dasselbe findet sich in Russland, Oester-
reich, Klein -Asien und Nord-Amerika; in Wien entwickelte es sich
mehrere Jahre hindurch aus einem Stamme von Juniperus drupacea,
welcher aus Syrien mitgebracht wurde.
Heeger (Sitzungsberichte der mathem. - naturwiss. Classe der
Akad. der Wissensch. in AVien XXIV. p. 323 ff.) beschrieb die ersten
Stände des Hylotriipes bajulus Lin. und ihre Lebensweise. Die
Larven sind in Dachstühlen von Gebäuden sehr schädlich ; die männ-
lichen sind nur von Ya der Grösse der weiblichen; trotz mehijähri-
ger Beobachtungen hat der Verf. niemals eine Häutung an ihnen be-
merkt. Abbildungen auf Taf. 4.
Lamiariae. — Von Pascoe wurden (Transact. entomol. soc.
IV. p. 100 ff.) folgende neue Gattungen und Arten bekannt gemacht :
1) Slegemis n. g. mit Actophora Newm. nahe verwandt, jedoch durch
die Fühler unterschieden ; diese sind genähert, wenig länger als der Kör-
per, die ersten vier Glieder dicht mit kurzen Bürstenhaaren besetzt;
Thorax unbew^ehrt, länger als breit, vorn und hinten eingezogen,
Flügeldecken beträchtlich breiter als der Thorax. Art: St. dactylon
Cp. 22. fig. 6) von Borneo. — 2) Äconodes n. g. eine Dorcadion-
ähnliche Form, mit Hoplopterus nahe verwandt; Fühler schlank, kürzer
als der Körper, das dritte Glied am längsten, das Endglied der Maxil-
'artaster eiförmig, zugespitzt, Augen klein, weit ausgerandet; Thorax
breiler als der Kopf, länglich, seitlich schwach erweitert, Flügeldecken
gewölbt, nachbluten erweitert, jede in eine auswärts gewandte Spitze
endigend. Art : A. montanns (pl. 23. fig. 7) vom Himalaya. — 3)
Eclatosia n. g. , eine eigenthüniliche schmale Saperdenform , mit Te-
traglenes Newm. verwandt; Kopf klein, Augen vollständig getheilt,
die obere Hälfte auf dem Scheitel liegend, klein; Fühler kurz, von
halber Körperlänge , ihr drittes und viertes Glied sehr lang, die fol-
genden zusammen an Länge übertreffend ; Thorax lang , fast cylin-
drisch, Flügeldecken lang und schmal, hinten in divergirende Spitzen
endigend, Art: E. Moor ei (pl. 23. fig. 9) von Java. — 4) Eris n. g.
von Anthribus- ähnlicher Gestalt, neben Olenocamptus zu stellen;
Kopf breiter als der Thorax, Palpen kurz, fadenförmig, Fühler län-
ger als der Körper, von einander entfernt eingefügt, ihr erstes und
viertes Glied gleich lang, das dritte viel länger; Thorax länger als
breit, unbewehrt, Flügeldecken beträchtlich breiter, niedergedrückt.
Art: E. anthriboides (pl. 22. fig. 7) von ßorneo. — 5) Scopadus n. g.,
328 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
mit Leptoplia üej. nahe verwandt, von dieser Gattung jedoch durch
die Bildung des Thorax und der Schenkel abweichend. Der Kopf ist
gross, die Fühler länger als der Körper, gewimpert , der Thorax
schmaler als der Kopf, länger als breit, gewölbt, die Flügeldecken
mit einem hohen Buckel hinter den Schultern , an der Spitze stark
convex und abgerundet, die Schenkel keulenförmig, die Tarsen sehr
kurz. Art: Sc. ciliatns (pl. 22. flg. 5) vom Amazonenstrome. —
Neue Arten sind ferner: Ägclasta irrorata von Java, Cacia concinna
von Borneo , setnlosa von Java, confusa von Malacca, inculla von
Borneo , Newmani von Malacca , Penthea Sanndersii vom Schwanen-
Flusse , Monohammus hilaris aus Kord- China, permulans ebendaher,
carissimns von Burmah, Cereopsins marmoreus von Malacca, exolelus
von Borneo, Phymasterna concreta von Port Natal , Praonetha posti-
calis von Ceylon, melanura von Malacca, Hathlia Buchleyi aus Nord-
Indien, Äpomecyna frenata von Malacca, Enlelopes ionoptera (pl. 23.
fig. 8) von Borneo , Asthates straminea von Burmah , purpurea und
terminata von Malacca, Nemotragi/s cincticornis von Port Natal.
Von Thomson (Archives entomologiques I) wurden folgende
neue Gattungen und Arten beschrieben und zum Theil abgebildet:
Batocera Victoriana , eine schöne Art von Borneo (p. 24, Abbildung
auf dem Titelkupfer). — Einige mit Tragocephala in naher Verwandt-
schaft stehende Gattungen wurden unter dem Titel: „Monographie du
groupe des Tragocephalites" durch Beschreibung und Abbildung der
ihnen zugehörigen Arten abgehandelt (p. 25 — 38. pl. 4 — 6). Die Gruppe
der Tragocephalites soll 5 Gattungen umfassen : Phosphorits n. g. , auf
Ceramb. angolator Oliv, begründet, Tragocephala, Tragiscns n. g. mit
2 neuen Arten, Poimenesperus n. g. mit 1 neuen Art und Callimation
Dej. — Die Gattung Tragocephala umfasst hier 11 Arten (einige be-
reits beschriebene sind übergangen worden), von denen als neu auf-
gestellt sind : Tr. heleroclita von Pt. Natal , Boerensis (ist = Tr. du-
calis White) ebendaher, venusta Klug (ist von Bertoloni als Tr.
variegata beschrieben worden und muss daher so genannt werden)
von Mossambique, Castnia vom Senegal, Buquctii von Gabon, Bow-
ringii (ist = Tr. Chevrolatii White) von Pt. Natal, Mniszechi eben-
daher , Gorilla von Guinea. — Die Gattung Tragiscns, deren Name
später p. 67 , als schon von Klug vergeben, in Tragiscoschema um-
gewandelt wird, scheint nach der Abbildung der beiden Arten T. Ber-
tolonii aus Mossambique und lascirus von Port Natal mit der Gattung
Rhaphidopsis des Ref. zusammenzufallen. — Die Gattung Poimenes-
perus ist von kürzerer Form als die vorhergehenden , die Fühler
dicker, das dritte Glied (nicht das vierte, welches irrthümlich bei
allen diesen Gattungen als das längste bezeichnet wird) am läng-
sten, die übrigen vom sechsten an undeutlich gegliedert; der Vor-
sprung der Prosternum verlängert, an der Spitze zvveilappig, der des
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 329
Mesosterniini fast oval, stark hervortretend. Art: P. volnptuosus
von Port Natal. — Calliniation mit drei Arten : C. callipygtnii (ve-
niistum Dej.) von Madagascar, pontificwn von Guinea und jnjrgopoly-
nicum vom Senegal. — Sämnitliche Arten der Gruppe sind durch sehr
schöne Abbildungen erläutert.
Unter einem entsprechenden Titel : „Monographie du groupe
des Tapeinites" beschrieb derselbe (ebenda p. 39 — 44. pl. 7) die vier
ihm bekannten Arten der Gattung Tapeina, für welche er die Gruppe
Tapeinites errichtet. , Was der Verf. als T. erecfifrons beschreibt, ist
offenbar die T. coronata Serv. (picea Serv. Perty), schon weil es die
in Brasilien gemeinere Art ist; dagegen ist T. coronata des Verf., im
hiesigen Museum aus Colunibien, von der Serville'schen Art gleiches
Namens verschieden. Eine neue Art aus Mexiko ist ausserdem noch
T. transversifrons.
Ebenda p. 45 — 67 giebt der Verf. einen „Essai monographique
sur le groupe des Tetraophthalniites," zu welchem keine Abbildungen
gegeben werden und der daher wegen der Oberflächlichkeit der Be-
schreibungen für die Bestimmung fast vollständig unbrauchbar ist.
Die abgehandelten Gattungen sind: 1) Tetraophthalmus Blanch. (wo-
für der ältere Name Astathes Newm. einzuführen ist) mit 10 beschrie-
benen Arten, von denen T. Daldorfii des Verf. nicht mit der Illiger'-
schen Art gleiches Namens identisch sein kann, da diese auf der Un-
terseite stets hell rostroth gefärbt ist. Neue Arten sind : T. Mniszechii
von den Philippinen, 'iJf^;)ow/c?/s aus Japan, ignorantinus (Kuhlii Dalm.?)
von Java, violaceipennis De], aus Nord-Indien, episcopalis (Chevrol. ?)
aus Shangai und testaceus aus Java. (Die drei von New man be-
schriebenen Arten sind dem Verf. unbekannt und werden daher des-
sen Diagnosen abgedruckt, ebenso dessen Gattung Tetraglenes.) 2)
Flaxomicrns n. g. von der vorigen Gattung dadurch abweichend, dass
das dritte Fühlerglied nicht so lang als die beiden folgenden zusam-
men ist, ferner durch den schmaleren Prothorax, die mehr genäherten
Vorderhüften und den fehlenden Fortsatz des Mesosternum. Zwei
Arten : PI. Fortunei und ellipticns von Shangai. 3) Hecphora n. g.,
für L. testator Fab. Oliv, vom Senegal errichtet. 4) Tetraopes Dalm.
Es werden nur T. varicornis Klug und 11 pwictahis Dej. aus Mexiko
beschrieben, die übrigen aus Nord-Amerika beschriebenen Arten von
Say und Le Conte nach diesen angeführt. 5) Lamprocleples n. g.
von Tetrops durch den Prothorax unterschieden , der einen dicken,
kreisrunden Vorsprung in der Mitte zeigt; der Prosternalfortsatz ist
gegabelt, der Mesosternal-Vorsprung verlängert , die männlichen Füh-
ler überragen ein wenig die Körperlänge. Art: L. enfomologorum
aus Brasilien (?). 6) Tetrops, ohne neue Arten. — Die Gattung Lam-
procleptes wird später (p. 152) als mit Phaea Newm. identisch an-
gegeben.
330 Gc istaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Ebenda (p. 68 — 77. pl. 9) „Essai synoptlque sur les Compsoso-
niites ,•' mit einer ausgezeichnet schönen Tafel , welche Abbildungen
der beschriebenen Arten liefert, ausgestattet. Der Verf. nimmt drei
Gattungen an: Pythais n. g. für Lam. scutigera Y.igors errichtet,
Conipsosonia Serv. mit 9 Arten, wovon C. Mniszechü vom Amazo-
nenstrome, Chabrillacii von Rio, franciscnm aus Brasilien neu sind,
und Tessarecphora n. g. mit einer Art T. arachnoides aus Brasilien,
eine Gattung , die nur auf einen spezifischen Charakter , die etwas
abweichende Fühlerbildung, gegründet ist; die auch im hiesigen Mu-
seum befindliche Art zeigt in Form und Zeichnung eine so auffal-
lende Aehnlichkeit mit Comps. variegatum Serv., dass sie schon hier-
nach sehr wohl mit Conipsosonia vereinigt bleiben kann.
Ebenda (p. 79) „Description d'un genre nouveau des Ceramby-
cides." Der Verf. errichtet für Monohammus blattoides Fascoe eine
neue Gattung Holariononms ^ deren Charaktere er auseinandersetzt;
sie ist mit Monohammus und Triammatus verwandt und scheint durch
den verlängerten Thorax sich Taeniotes zu nähern.
Ebenda (p. 124 ff.) neue Arten: 3Ionohammus Nicoletii von Sin-
gapore, Ceroplesis callipyga von Pt. Natal, Javetii aus Ostindien (im
hiesigen Museum von Madras) und Sternodonla philosophica vom Se-
negal (= St. ducalis Klug var.).
Ebenda (p. 127) eine neue Gattung Clylhraschema , nach dem
Verf. mit Tetraopes und Cryptocranium verwandt, die freilich weit
auseinander stehen ; nach der Abbildung eine Lamien-Form von
ziemlich gedrungenem Baue , mit fast getheilten Augen, deren beide
Theile nur durch eine schmale Brücke zusammenhängen; Fühler fast
von Körperlänge, ihr erstes Glied gross, angeschwollen; Endglied
beider Taster konisch, Oberlippe gerundet, Mandibeln wenig verlän-
gert; Thorax seitlich leicht geiundet, Flügeldecken zusammen fast
doppelt so breit, parallel, an der Basis gerade abgeschnitten, hinten
stumpf zugerundet, Art: Cl. Chabrillacii von Rio-Janeiro, schwarz,
mit goldgelben Flügeldecken , die auf der Scheibe je einen grossen
braunen Fleck zeigen: Basalglied der Fühler rüth.
Ebenda (p. 139—147) gab derselbe eine Uebersicht der Stibara-
Arten seiner Sammlung, deren Zahl sich auf 30 beläuft, wobei jedoch
zu bemerken ist , dass der Verf. die Gattungen Glenea Kewm. und
Sphenura Chevr. niit Slibara Hope vereinigt. Als neu werden fol-
gende beschrieben : Stibara Indiana aus Ostindien , St. Mariae aus
Sylhet, funertda aus Indien, capriciosa ebendaher, anlicepiinctata von
Java, obsolctepunctala aus Indien, Ondetera von Borneo , arithmetica
von Ceylon (auch von Nietner dort aufgefunden), algebraica von
Java und Borneo, mathematica und illuminata von Singapore, ana
von Java, obesa von Sylhet, Argus au s Indien, sanguinaria von Java
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 331
(scheint = ochracea Guer. zu sein) carinata von Java (ist = costata
Wied.), cosmopolita, annulafa und hicolor aus Indien. Bei der Ober-
flächlichkeit der Beschreibung dieser Arten, Avelchc nicht abgebildet
werden, ist eine Bestimmung in den meisten Fällen unmöglich.
Ebenda (p. 151) Borendion Fairmaivei n. sp. aus Griechenland,
auf pl. 10, fig. 6 abgebildet, eine sehr robust gebaute, glänzend
schwarze Art , die neuerdings viel aus Griechenland zu uns ge-
langt ist.
Ebenda (p. 169 — 194) Diagnosen einer grösseren Reihe neuer
Gattungen und Arten: Lnbentia n. g. von Ancylonotus Gast, durch den
Mangel der Dornen auf der Oberfläche, dicke Fühler, deren drittes
Glied nicht geschwungen ist , unbewaff'netcn Thorax , starken Vor-
sprung des Mesosternum , gedornte Flügeldeckenspitze u. s. w. un-
terschieden, mit einer Art: L. voluptuosa von Manilla. — Batocera
Chinensis n. A. aus China (im hiesigen Museum auch aus Japan, von
wo sie de Haan unter dem Namen L. catenator verbreitet hat),
Chlorinda aus Ostindien, Taeniotes insidaris von Cuba , Amazonum
aus Brasilien, snh/ralis (Dej.) aus Mexiko (diese beiden Arten schei-
nen einerlei zu sein, da die Exemplare des hiesigen Museums aus
Mexiko, Costa-Rica und Columbien übereinstimmen und zugleich auf
beide passen), inqiiinahis (Dej.) aus Columbien, inennis (Chevr. ?)
aus Mexiko. — Bhodopis n. g. , vom Ansehn der Gattungen Hota-
rionomus und Triammatus, doch nur das dritte Fühlerglied an der
Spitze stark angeschwollen, der Thorax undeutlich an den Seiten ge-
dornt, die Vorderbeine so kurz wie die übrigen. Art: Rh. pnbera
aus Sylhet, pl. 10. fig. 7. — Monohammus cijli?i(lricus n. A. von Java.
— Bha7nses n. g., auf Monoh. bipunctatus Schönh. begründet. — Die
Gattung Leprodera Dej. Cat. wird charakterisirt und folgende Arten
derselben beschrieben: Lepr. elongata von Java, fimbriata Chevr.,
plagiata von Java (scheint nach der Beschreibung = L. trimaculata
Chevr. zu sein) , spinosa von Java , pleiiricosta von Java (ist = L.
maculatrix Perty =: Carcelii Guer. ; der Name pleuricosta ist offenbar
aus pleurocausta verunstaltet, unter welchem die Art von Hagen-
bach verbreitet wurde). — Phrynela hecpkora aus Guinea, Senegam-
hiae, pallida von Pt. Natal. — Hecyra n. g.,^mit einer Gattung Psy-
cholupes in Vergleich gestellt, die vorläufig noch nicht charakterisirt
ist (!). Art: //. improba von Pt. Natal. — Hechinoschema n. g. (der
Igel heisst nicht Hcchinus, sondern Echinus, Ref.), Fühler um die
Hälfte länger als der Körper, das dritte und vierte Glied gleich lang,
das letzte das längste von allen ; Thorax mit einem Seitendoru, Flü-
geldecken hinten abgerundet, mit einem Schulterdorn und mit stach-
liger Scheibe. Art: H. spinosa aus Sylhet. — Morimns lethalis n. A.
aus Shangai. ~ Morimopsis n. g. , von Morimus durch das zweite
nicht geschwungene Fühlerglied (?), den Thorax, der länger als breit
332
Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
lind hinten schmaler ist, breitere und convexere Flügeldecken, ver-
längerte Hinterbeine unterschieden. Art: M. lacrymans aus Ostindien.
— Gattung Diastocera\)e]. charakteiisirt. — Ceroplesis zonaria n.A.
von TortNatal. — Entaenia n. g., auf Ceroplesis Javetii (p. 125) ge-
gründet, Pycnoptera n. g. ebenso für Cerosterna brachyptera lioh.
von Pt. Natal. — Tragocephala Bassamensis , Prosopocera Behebuth
(Chevr.?) aus Seneganibien, Apocoptoma Chahrillacii aus Brasilien,
Taurorcus n. g. mitDorcadion verwandt und mit einer Brasilianischen
Art: T. Chahrillacii. Platiomopsis (Blanch.) n. g. für Lamia obliqua
Donov. errichtet, Mallonia , neue Benennung für Mastigocera Dej.,
welche Gattung ebenso wie Zygocera und Imantocera Dej. charakte-
risirt wird; Moneilema carinata und albotessellata n.A. aus Mexiko,
Zygocera pallidicornis aus Neu-Holland, mortalis aus Java; Änatixesis
n. g. für Hippopsis cincticornis Pascoe , Authades n. g. Indianus aus
Ostindien und Psathyrus n. g. Aeolis vom Cap , beides schlanke La-
mienformen vom Habitus der Gattung Nemotragus Klug und Cariidta
neue Gattung, deren Verwandtschaft nicht weiter bezeichnet wird,
mit einer Art: C. cincticornis von Costa-Rica. (Die Gattung Psathy-
rus wird nachher als identisch mit Listrocerum Chevr. bezeichnet.)
Ebenda (p. 289) Aslynomus Celebensis n. A. von Celebes. —
p 292 ff.: Emhryonn.g. wird als mit Brachychilus Gay verwandt
an-Veben, von kleinem, robusten Körper, die Fühler sich gegen
die" Spitze hin verdickend, indem die Glieder vom achten an erwei-
tert sind; Thorax abgerundet , im hinteren Drittlheil etwas breiter,
dann plötzlich scharf abgeschnitten und am Hinterrande zugeschärft;
Schildchen abgerundet, Flügeldecken kurz oval, abgerundet; Tarsen-
glieder breit, quer. Art: E. griseovillosum aus Brasilien, 4-0 mill.
- Monohammus subluscvs und adamitns von Singapore, snbgemmatns
aus Sylhet, desperatus aus Keu -Holland , Dejeanii aus Java, grisei-
pennis aus Indien, Gnoma sticticollis von Celebes und Java (scheint
auf kleine Exemplare von Gnoma longicollis Fabr. gegründet zu
sein), Ceroster7ia laevigator aus Nord -China (eine hübsche, von C.
punctata wohl unterschiedene Art), Bhamses Alcanor Kewm. von Ce-
lebes. — Die Gattung Aerenea Dej. Cat. wird chaiakterisirt und Aer,
posticalis als n.A. aus Brasilien beschrieben, ebenso AlphitopolaDe].
mit A. lactea vom Senegal, Mycerinus neuer Name für Hathlia Dej.,
mit Myc. dorcadioides vom Senegal, Almodes neuer Name für Mylo-
thris Dej. , Agennopsis ebenso für Talaepora Dej., mit Ag. mutica n.
A. aus Brasilien, Hebestola Dej. Cat. mit Heb. coinata aus Bra-
silien, Phaula Dej. Cat. mit Ph. antiqva und melanchohca aus
Brasilien , Onocephala Dej. Cat. mit Onoceph. rugicollis aus Brasi-
lien (wohl = 0. diophthalma Perty) , Clinia n. g. eine schmale, fast
gleich breite Saperden - Form mit dünnen Fühlern von Körperlänge,
unbewehrtera, hinten beiderseits gerundetem, vorn stark halsformig
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 333
verengtem Thorax und an der Spitze ausgerandeten , zweidornigen
Flügeldecken. Art: Cl. se7iegalensis pl. 10. fig.9, vom Senegal. (Die
Gattung ist identisch mit Proctocera Chevr.) — RondibiUs n. g. mit
Psathyrus (Listrocerum) verwandt, mit einer Art A. bispinosa aus
Indien. — Civrhicera n. g. auf einige Amphionycha - Arten begrün-
det, bei denen nur das 5. und 6. Fühlerglied mit einem Haarschopfe
versehen ist, wie Cirrh. leucronota (sie!) aus Mexiko, eine Art, die
schon von Ca stein au als Ilemilophus leuconotus beschrieben wor-
den ist, nigrina aus Venezuela, Sallei aus 3Iexiko ; den Gattungs-
Namen Amphiomjcha Dej. will der Verf. auf solche Arten beschränken,
welche gar keine Haarbüschel haben. (Es scheint jedoch als wenn diese
Behaarung der Fühlei' von gar keiner generischen Bedeutung ist, beson-
ders auch deshalb, weil alle Uebergänge zwischen dichtbehaarten, dünn
behaarten und gebüschelten Fühlern bei Hemilophus , Amphionycha,
Spathoptera und Cirrhicera vorkommen , wonach diese Gattungen, zu-
gleich wegen der übereinstimmenden Bildung der Fussklauen am be-
sten vereinigt werden. Ref.) — Die Gattungen Aerenica Dej. Cat.
und Amillarus (geänderter Name für Aphies Dej.) werden charakte-
risirt, jedoch keine dazu gehörige Art beschrieben, so dass die Cha-
raktere unverständlich sind ; Frixus n. g. mit Überea verwandt, eine
Art: Fr. variegatus aus Indien, Nyctimene n. g. aus derselben Ver-
wandtschaft, Art: N. agviloides von Java, Aglaopkis n. g. aus der
Verwandtschaft von Hastatis, mit einer Art: A. fasciata aus Indien.
Ebenda (p. 843) Apomecyna tigrina als neue Art von Java
beschrieben. — p. 384 ff. Uebersicht der Arten der Gattung Trachyso-
mus ; es werden fünf beschriebene aufgeführt (von denen Trach. ele-
phas Buq. auf die Lam. verrucosa Oliv, zu reduciren wäre, Ref.) und
zwei neue : Trachysoinus Buqvetii und peregrinus aus Brasilien be-
schrieben.
Ebenda (p. 400) Thryullis n. g. im Habitus mit Anisocerus
verwandt, auf Onychocerus undatus Chevr. aus Mexiko begründet, mit
einer neuen Art: Tliryallis mactilostis, ebenfalls aus Mexiko.
Ebenda (p. 444 ff.) Monohammus longicornis ^ rarus , Rhamses
Arouensis, Batoceva Wallacei und Laena von der Insel Arou , Cele-
biana von Celebes, Sarawakensis von ßornea, Ajax und Hector Dej.
Cat. von Java, ferruginea (Blanch. ?) von Ceylon, Glenea Arouensis
und cyanipennis von der Insel Arou.
Chevr olat (Revue et Magas. de Zool. IX. p. 105) beschrieb
eine^ neue Gattung Triainmatus, welche in der Körperform, Schienen-
bildung u. s. w. mit Monohammus zunächst verwandt ist, aber durch
den verlängerten, vorn dreieckig verengten Kopf und besonders durch
die Fühler, an denen das 3. und 4. Glied an der Spitze stark kno-
tenartig angeschwollen , das 5. in der Mitte spindelförmig verdickt,
an der Basis und Spitze aber eingeschnürt ist, ab^^ eicht. Art: Triam
334 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Saundersii von Borneo, Tof. 6. Fig. 3 abgebildet. — Das von Che-
vrolat nicht beschriebene AVei])chen, welches sich vom Männchen
durch die Fühler- und Pioslernalbildnng unterscheidet, wurde von
Thomson „Remarques sur le gerne Triamnialus de la famille des
Cerambycides" (Annales de la soc. entomol. p. 107, Archives entomol.
I. p. 149) bekannt gemacht.
Derselbe machte (Revue et Magas. de Zoologie IX. p. 74,
107 und 166 IF.) folgende neue Arten von Old-Calabar bekannt: Mo-
nohamnius basalis, Phrynela coeca, Prosopocera ocellata, (?) pictiven-
tris, Temnoscelis taenioJatus, Sthenias verlicalis, Xylorrhiza biapicata,
Äcmocera suhnndata , Sapeida apicalis , Sphenuva lineigera, sexpun-
ctata, impunctata, occipilalis und Oherea (?) dimidialicornis.
Derselbe (Archives entomol. I. p. 417 f.) beschrieb Scopo-
dus? hiciispis unbekannten Vaterlands und Stegettus denticornis n. A.
aus .Java.
Buquet (ebenda p. 327 li".) gab eine Charakteristik der Gat-
tung Hemicladus I)ej. Cat. und beschrieb drei derselben angehörende
Arten: Heni. Dejeanii von Cayenne, Thomsonii und callipits aus Bra-
silien, letztere beiden auf pl. 14. fig- 4. 5 abgebildet. Die Gattung
ist unter den Lamien-Formen Brasiliens durch die Bildung der Füh-
ler, an denen das 4. bis 7. Glied in Form einer flachgedrückten La-
melle veibreitert ist, sehr ausgezeichnet, — Ferner charakterisirte
derselbe (p. 333 fF.) die Gattung Atelodesmis Dej. Cat. mit fünf Ar-
ten : Atel, hirticornis und vestita aus Brasilien, vnicolor aus Mexiko,
octomaculata und viridescens aus Brasilien. Die dichte Behaarung
der vier ersten Fühlerglieder ist kein charakteristisches Merkmal der
Gattung, sondern kommt nur den beiden ersten Arten zu. — Ebenda
p. 333 ff. wird die Gattung Ifastalis Dej. Cat. mit drei Arten : Hast.
denlicollis und auricollis aus Brasilien , signaticornis aus Cayenne
beschrieben. — TragocephalaBlulelii ist eine neue Art desselben Verf.
vom Gaben (ebenda p. 202).
Chabrillac (ebenda p. 199f. ) neue Arten aus Brasilien:
Onychocerus hammatus, Hemilophus divus und Mniszechii.
Javet (ebenda p. 412) : Batocera Tkonisonli n. A. aus Borneo.
Montrouzier (Annales de la soc. d'agriculture de Lyon VII, 1.
p. 61fr.) neue Arten von der Insel Woodlark: Lamia (Batocera)
Woodlavkiana , Monohammus Lessonii , fasciatus, Apomecyna porphy-
rea , Penthea undata , Woodlavkiana, assimilis , adspersa , Saperda
punctata (vergebener Name !) und melancholica.
Jacquelin du Val (Ilistoria fisica de la isla de Cuba VII.
p. 112 ff.) neue Arten von Cuba : Acanthoderes circnmßcxus (Klug i.
lit.), Prohatius umbraticus (Klug i. lit.), Amniscus sagittatus (Klug
i. lit.), transversalus Klug i. lit. (diese Art ist im Doubletten- Ver-
zeichnisse von Klug unter dem Kamen A. incrassatus Dej. diagno-
im (jeliiete der Entomologie während des Jahres 1857. 335
sticirt M'orden. Ref.), argentatus Dej. Cat. und dealbalns Dej. Cat. —
Die Gattung Eiitheia Dej. tauft der Verf. in Enthnorus um, da erste-
rer Name schon vergehen ist, rechnet dieselbe aber irriger Weise zu
den Leptureten, während sie zu den Saperden gehört; die Art E.
filum ist übrigens schon von (iuerin in der Iconographie beschrie-
ben worden.
Zwei als neu beschriebene inländische Arten sind : Pogonoche-
rus mnltipunctatus Georg (Entomol. Zeitung p. 64) aus Hannover und
Oberen melannra Gredler (Käfer von Passeier) aus Tyiol.
Lepturetae. — l'ascoe (Transact. entomol. soc. IV. p.lll.
pl. 22. flg. 8) gab die Beschreibung und Abbildung einer neuen Gat-
tung Noemia, die er mit Stenoderus nahe verwandt hält, von der es
aber wohl zweifelhaft ist, ob sie nicht der Gruppe der Cerambyces
genuini beizuzählen ist. Der Kopf ist zynischen den Augen bucklig,
die Fühler sehr lang, von mehr als doppelter Körperlänge, unterhalb
der Augen entspringend , mit langen Haarbüscheln an der Innenseile
der einzelnen Glieder; die Augen gerundet, ganzrandig, die Lippen-
taster klein, die Kiefeitaster mit längerem und eiförniigem Endgliede.
Thorax schmal , seitlich mit einem Dorne; Flügeldecken linear, an
der Spitze abgerundet; Beine schlank, von massiger Länge, mit kur-
zen Tarsen. Art : JV'. ßavicoi'7iis von Malacca.
Thomson (Ar:;hives entomol. I. p. 317 ff.) charakterisirte fol-
gende neue Gattungen der Leptureten-Gruppe : Pachtjticon n. g., vom
Ansehn der Gattung Pachyta; Augen sehr gross, ausgerandet, auf
dem Scheitel stark genähert, Fühler ähnlich wie bei Distenia, faden-
förmig, dreimal so lang als der Körper, das dritte Glied kaum länger
als das vierte, die folgenden fast gleich gross, das letzte so lang
als die drei vorhergehenden zusanimen; Palpen sehr gross, kräftig,
mit ovalem Endgliede; Thorav wie bei Vesperus , unbewehrt , Flü-
geldecken an der Bat,is breiter als der Thorax, nach der fast schar-
fen Spitze hin allmählig verengt, Art: P. brunneum vom Cap. —
Ferner werden die Gattungen Moslododera Blanch. (Typus Toxotus
basalis d'Urv.j, Opkislomis Dej. Cat. und Oedecnema Dej. Cat. mit
Charakteren versehen, jedoch keine ihnen angehörige Art be-
schrieben.
Le Conte (Entomol. Report p, 62 ff.) beschrieb als neue Ar-
ten aus Californien und dem Oregon-Gebiete : Acmaeops fvsca, Ingens,
subcyanea, Inmida, Toxofvs spnrcus, Leplura impvra , laeta, amabiliSy
talida, crassipes und fuscicollis.
Newman (Transact. of the entomol. soc. IV. p. 53) : Stenoderus
quietus n. A. von Moreton-Bay.
Clirysovsielinae. Sagrides. — Thomson ( Archives
entomol. I. p. 396 und 411) beschrieb Sayra Natalensis von Pt. Na-
336 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
tal und Lacordairei von der Westafrikanischen Küste, M o n t r o u z i er
(Annales de la soc. d'agiicullure de Lyon VII, 1. p. 66) : Orsodacna
splendida von der Insel Woodlark.
Donaeides. — Als neue Arten aus dem Oregon -Gebiete wur-
den von Le Conte (Entomol. Report p. 66) Donacia pyritosa, Syneta
albida und simplex beschrieben.
Criocerides. — Montrouzier (Annales de la soc. d'agri-
culture de Lyon VII, 1, p. 68) beschrieb Le7na bipustulata n. A. von
Woodlark.
Clythrides. — Saxinis saucia Le Conte (Entomol. Report
p. 66) n. A. aus Californien und dem Oregon-Gebiete.
Cryp t 0 ce p h a 1 i d e s. — Stal „Till kännedomen af Phylo-
phaga" (Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl. XIV. p.60ff.)
machte eine Reihe Süd-Amerikanischer Arten dieser Gruppe und dar-
unter auch zwei neue Gattungen durch Diagnosen bekannt. Mylassa
n. g. mit Cryptocephalus zunächst verwandt: „Corpus oblongo-qua-
dratum, antennae filiformes, oculi integri, haud sinuati, thoiax postice
ante scutellum triangulariter retrorsum productus et huius partem
dimidiam basalem tegens, elytris aequilatus; elytra thorace fere duplo
longiora." Zwei Arten: M. fasciatipemiis und socia aus Chile. —
Monachus cyanopterus , luteicollis , ochropns , ptislulipennis , genicula-
tus , pallipes , rubropustniatus von Rio - .laneiro , riibvosignatiis aus
Chile. — Mecostelhus n. g. mit Monachus zunächst verwandt: „Cor-
pus cylindricum, subelongatum, latitudine plus l'/j longius; antennae
filiformes, articulo basali subelongato , oculi valde sinuati, basi con-
tigui; thorax posterius transversim depressus, ante scutellum levis-
sinie sinuatus , basi elytris aequilatus et ea fere amplectens; scutel-
lum parvum; elytra thorace plus duplo longiora, convexa; proster-
num anterius pone caput deflexo -productum , postice medio Im-
pressum aut incisum." Art : M. Sahlberyii von Rio-Janeiro. — Pa-
chybrachys humeralis aus Neu -Granada, signifer aus Minas Geraes,
pustuliger , flavopustulatus , nigro - ornatvs , limbiventris , pallididorsis
von Rio-Janeiro, pallidilabris und moerens aus Brasilien.
Perris (Insectes du pin maritime, Annales de la soc. entom.V.
p. 341 ff.) machte Mittheilungen über die Naturgeschichte des Disopus
pini, dessen ersten Stände noch völlig unbekannt geblieben sind; er
erscheint in Südfrankreich von Anfang Oktober an und ist bis zu
Ende dieses Monats und selbst bis zum November und December sehr
gemein. Er hält sich stets auf Fichten von sechs bis fünfzehn Jahren
auf und zwar mehr auf sparsam stehenden oder am Rande von Ge-
hölzen ; er ernährt sich von den Nadeln, in die er eine lineare Furche,
oft über die ganze Länge hin einfrisst. P. glaubte zuerst, dass diese
Furche zum Hineinlegen der Eier gemacht würde, doch haben ihn
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 337
wiederholte Beobachtungen belehrt , dass dem nicht so sei. Er traf
die Insekten häufig in Begattung und die Weibchen legten auch in der
Gefangenschaft längliche, hellgelbe Eier; wohin dieselben im Freien
gelegt werden, ist dem Verf. unbekannt geblieben.
Eumolpidae. Neue Arten sind: Eumolpns smavagdulics Le
Conte (Entomol. Report p. 67) aus Californien , Heteraspis Japana
Motschulsky (Etudes entomol. VI. p. 37) aus Japan und Eumolpus in-
testinarum Thomson (Archives entomol. I. p. 12ß) aus Brasilien.
Chrysomelae genuinae. — Sehr werth volle Beiträge zur
Kenntniss der ersten Stände und der Entwickelungsgeschichte mehre-
rer einheimischer Chrysomelinen lieferte C o rn e 1 i u s (Entomol. Zeit,
p. 162—171 und p. 392 — 405) in einer Abhandlung: „Ernährung und
Entwickelung einiger Blattkäfer." Die Tüchtigkeit der Beobachtungen
des Verf., welche schon aus meinen früheren Untersuchungen über die
Larven der Cassiden u. s. w. bekannt ist, bestätigt sich in der vor-
liegenden Arbeit von Neuem und letztere liefert zugleich den spre-
chendsten Beweis , wie wichtig für die Unterscheidung mancher Ar-
ten die Kenntniss der Larven und die Beobachtung ihrer Lebensweise
ist. Bekanntlich sind die verschiedenen Autoren über die Artrechte
der Phratora vitellinae und vulgatissima abweichender Ansicht gewe-
sen, bis Suffrian dieselben nicht nur als Arten anerkannte, son-
dern auch ausserdem zwei andere, ebenfalls sehr ähnliche als Phr.
tibialis und laticollis abtrennte. Cornelius hat sich nun bemüht,
die Larven dieser Arten zu beobachten und die Käfer daraus zu er-
ziehen, wobei sich nicht nur die vier von Suffrian angenom-
menen Arten als sicher herausstellten, sondern sogar noch eine fünfte
zum Vorschein kam, welche der Verf. als Phratora atrovirens cha-
rakterisirt. Die Larven unterscheiden sich zum Theil schon durch die
Futterpflanzen, indem Phr. laticollis und atrovirens z. B. nur von
Espen, Phr. vulgatissima nur auf Wollweiden, Ph. tibialis auf Salix
purpurea lebt, während Phr. vitellinae verschiedene Weiden- und
Pappelarten frisst. Auifailendere Unterschiede bieten die Larven selbst
dar, wie z. ß. bei , denen der Phr. vitellinae, tibialis und atrovirens
die Unterseite gefleckt, bei den beiden andern dagegen ungetleckt
ist. Nebst einer genauen differentiellen Beschreibung der Larven
aller fünf Arten giebt der Verf. auch eine solche von den Käfern
und zwar hebt er besonders die Unterschiede der neuen Phr. atrovi-
rens von Phr. vulgatissima und laticollis hervor. — Fernere Arten,
deren erste Stände vom Verf. ausführlich beschrieben werden, sind
Hellodes pheliandrii (Larve auf Cicuta virosa) , hannoverana (auf
Caltha palustris), marginella und aucta (auf Ranunculus -Arten) ;
während die Larven der drei letzteren Arten äusserst ähnlich und
selbst bei genauer Betrachtung kaum von einander zu unterscheiden
sind, zeigen die Puppen auffallende Unterschiede , die vom Verf. in
Archiv f Natiirgesch XXIV. .Inhrg. 2. »d. \y
338 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
einer Tabelle auseinandergesetzt werden. — Von den drei übrigen
von Cornelius beschriebenen Larven lebt die der L;na cuprea auf
Salix triandra ; die der Gonioctena vitninalis und Plagiodera arniora-
ciae sind durch Letzner schon kurz zuvor zur Kenntniss gekommen,
die C. 'sehen Beschreibungen enthalten jedoch vervollständigende und
berichtigende Angaben über dieselben.
Die Larven des Phaedon carniolicus und der Lina lapponica
sind durch Märkel (Allgem. Deutsche Katurhist. Zeitung 1857.
p.l7] und 174 (F.) bekannt gemacht worden; die der ersteren Art
nährt sich von Stellaria nemorum , hängt sich zur Verwandlung
nicht an, sondern verpuppt sich liegend; die der zweiten lebt auf
Weiden, deren Blätter sie skelettirt, indem sie alle Btattrippen, selbst
die feinsten, verschont und hängt sich zur Verpuppung gestürzt auf.
Der Verf. hebt mit Recht hervor, dass die Larven der Chrysomelen
für die Systematik und besonders für die Abgränzung der Gattungen
von Wichtigkeit seien; so z. B. zeichnen sich die Larven der Gat-
tung Lina dadurch aus, dass sie auf dem zweiten und dritten Kör-
perringe zwei AVarzen führen, aus denen beim Drucke ein Tropfen
Flüssigkeit hervordringt ; auch die Art des Frasses und der Verpup-
pung würden hier in Betracht kommen.
Stil ,,Till kännedomen af Phytophaga" (üfversigt af Kongl. Ve-
tensk. Akad. Förhandl. XIV. p. 53 fl.) machte als Vorläufer zu einer
monographischen Bearbeitung der Gattung Doryphora 49 neue Arten
derselben durch Diagnosen bekannt, welche hier namentlich aufzu-
führen überflüssig sein würde. Ferner zwei neue Ostindische Chry-
somelinen-Gattungen : Lycaiia n. g. „Corpus ovale, valde convexum ;
palpi apice oblongo-clavati , articulo apicali praecedenti aequilongo,
sed graciiiore, cylindrico ; oculi oblongi, antcrius sinuati ; antennae
apicem versus sensim crassiores; thorax elytrorum tertiae parti aequi-
longus , transversus , antrorsum angustatus , anguste n»arginatus ; scu-
tellum utrinque et apice late rotundatum; unguiculi tarsorum fissi."
Mit Chalcomela Baly verwandt. Art: L. Westevmanni aus Assam. —
Phyllophila n. g. „Corpus oblongo - subovatum , modice convexum;
palpi cylindrici , articulo penultimo apice ultimo nonnihil latiore ;
antennae thorace cum capite dimidio longiores , apicem versus vix
crassiores, articulo apicali fusiformi ; tibiae simplices , unguiculi tar-
sorum a basi ultra medium paralleli , aequicrassi, dein subito angu-
stiores." Mit Gonioctena zunächst verwandt. Art : Ph. scdecimpustu-
lata von Pulo l*enang. — Neue Alten sind ausserdem : Chrysomela
stictica von Java, Mellyi aus Thybet, pyrrhopyga aus Ostindien, Lina
eJnta ebendaher, discolor und Entomoscelis ochropfera vom Cap.
Baly, „Description of two insects belonging to Pseudomela, a
new genus of Chrysomelidae" ( Transact. of the entomol. soc. IV.
p. 87 r.) errichtele eine neue Gattung Psemlomeht, an welcher er die
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 339
habituelle Aehnlichkeit mit Eumolpus hervorhebt, die aber nach der
Bildung des dritten Tarsengliedes und der Fussklauen zu den eigent-
lichen Chrysomelen gehöre. Diese Gattung fallt mit der vom Ref.
aufgestellten Ceialces (Jahresbericht f. 1855. p. 84) zusammen; die
beiden von Baly beschriebenen Arten sind Pseudom. Murrayi von
Old-Calabar und Aatalensis aus Süd-Afrika.
Keue Arten sind ausseidem : Chrysomela Dtiperreyi Montrou-
zier (Annales de la soc. d'agriculture de Lyon VII, ]. p. 68) von der
Insel Moodlark, Chrysomela insulana und Lina cruentipennis Jac-
quelin du Val (Historia fisica de la isla de Cuba VII. p. 125 f.) von
Cuba, Chrysuchus coballimis Le Conte (Entomol. Report p. 67) und
Cyrtonus punctipennis Fairmaire (Annales de la soc. entom. V. p. 744)
aus den östlichen Pyrenäen.
Dietrich (Entomol. Zeitung p. 135) beschrieb eine von ihm
früher als eigene Art angesehene Varietät der Chrysomela fucata (Chr.
subseriepunctata Bremi Catal.).
(j a 1 1 e r u c a r i a e. — Eine Reihe neuer Arten aus Califoinien
und dem Oregon-Gebiete machte Le Conte (Entom. Report p. 67 ff.)
bekannt: Hallica pnnclicollis, limhicollis , piashia, ololina, lazulina,
cerina, aereola, suhcrinila, liyala, snhaejiea, albionica, lepiclula, Psyl-
liodes parvicollis , convexior , Chaetocncma irregularis , Lnperiis va-
ripes, longxdvs, Gallervca riidis, conspnla, guttidata und morosa.
Jacquelin du Val (Historia fisica de la isla de Cuba VII.
p. 126 fr.) folgende von Cuba: Coelomera opacipennis, Phyllohrotica
pulchella Dej. Cat, , %lonomacia coslipennis , reliyata Klug i. lit.,
Strabala intermedia Dej. Cat., Systena basalis und Crepidodera nscala
Dej. Cat.
Montrouzier (Annales de la soc. d'agriculture de Lyon VII, 1.
p. 69 if.) folgende von Woodlark : Galleruca ficiis , Cristovallensis,
macropoda, bicincta , /lavescens , affinis , 4-maculata (Fabr.?), Bois-
dnvalia (nov. subgen. „Halsschild fast so breit als die Basis der
Flügeldecken"), sexlineata, circumdata und Hallica azurea (Latr.).
Eine neue Gattung Arfhrotvs stellte v. Motschulsky (Etudes
entomol. VI. p. 38) auf; Fühler lang, 2. und 3. Glied kurz, das 4.
fast so lang als die drei ersten zusammengenommen; Maxillartaster
mit dreieckigem, zugespitzten Endgliede , Lippenfaster mit ovalem
Endgliede, welches längei- als das quer mondförmige vorhergehende
Glied ist; Kopf stark quer mit hervortretenden Augen, Thorax quer,
seitlich bei den zahnförmigen Vorder- und Hinterecken ausgebuch-
tet ; Flügeldecken fast gleich breit , stark punktirt , mit deutlichen
Schulterecken ; erstes Tarsenglied breiter als das 2. und so lang als
die beiden folgenden zusammengcnonmien. Art: Arlhr. niger aus
Japan. — Rkaphidopalpa femoralis , Aulacophora nigripennis neue
Arten ebendaher.
340 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Wol laston (Catal. of Coleopt. Insects of Madeira p. 132 ff.)
beschrieb Longitarsus consanguinevs , fractus und excurvus als neue
Arten vonMadeira, Fairniaire (Annales de la soc. entom. V. p. 641)
Psylliodes crassicollis n. A. von iMoutpellier , Gr edler (Käfer von
Passeier) Luperus gidaris aus Tyrol.
Thomson (Archives entomol. I. pl. 10. fig. 5) lieferte eine
nochmalige Abbildung des Loxoprosopus ceramboides Guer. mas.
Hispariae. — Alwnus Dryas Thomson (Archives entomol. I.
p.l27) n. A. aus Columbien, Odontota axillaris (Dej. Cat.) Jac-
quelin du Val (Historia fisica de la isla de Cuba VII. p. 130) n.
A. von Cuba.
Cassidariae. — Cassida testndinaria , aurala und strigula
Montrouzier (Annales de la soc. d'agiiculture de Lyon YII, 1. p.67)
n. A. von Woodlark , Cassida Rossii Wollaston (Catal. of Coleopt.
Insects of Madeira p. 130) n. A. von Madeira.
"Krotylenae, Thomson (Archives entomol. I. p. 410) be-
schrieb Omoiotelus spinifer als neue Art voni Amazonenstrome.
Montrouzier (Annales de la soc. d'agriculture de Lyon VII, 1.
p. 73 f.) : Triplax 4-vittata, 4-niaculata, /i-pustulata, parallela, rhom-
boides und angustala als neue Arten von Woodlark.
Endoinycliidae. Ref. hat (dies. Archiv für Naturgesch.
XXIII, 1. p. 211— 243) als Vorarbeit zu einer (jetzt erschienenen)
Monographie dieser Familie die alten Gattungen Eumorphus und En-
domychus einer näheren Untersuchung unterworfen, die unter ihnen
enthaltenen Gattungen (im neueren Sinne) auseinandergesetzt und die
gegenwärtig bekannten Arten durch Diagnosen festgestellt. („Versuch
einer systematischen Auseinandersetzung der Gattungen Eumorphus
Web. und Endomychus Payk."). Nach Feststellung der Charaktere der
Familie, besonders im Gegensatz zu den nahe verwandten Coccinel-
linen, wird eine Einlheilung in zwei Hauptgruppen: Endomychidae
genuini und adsciti vorgenommen; bei ersteren ist das dritte Tarsen-
glied wie bei den Coccinellinen klein und im Grunde des vierten
verborgen, bei letzteren dagegen frei entwickelt und aus dem vor-
hergehenden hervortretend. Die beiden Gruppen Eumorphini und En-
doniychini, den eben genannten älteren Gattungen entsprechend, ge-
hören der ersteren Abtheilung der Endomychidae genuini an. Die
Eumorphini zeichnen sich durch verlängertes drittes Fühlerglied und
blattartig flachgedrückte Fühlerkenle, ausserdem durch die besonders
prägnante Geschlechlsdifferenz aus. Sie umfassen 10 Gattungen: 1)
Amphisternus Germ., von allen folgenden durch das gabelförmig ge-
spaltene Prosternum unterschieden; 10 Arten, sämmtlich von den
Sunda- Inseln, davon 7 neu. 2) Spathomeles n. g., mit fast ver-
wachsenen Gliedern der Fühlerkeule, innen gezähnten und lang zu-
im Gebiete der Entomologie Wcährend des Jahres 1857. 341
gespitzten Mandibeln, querem Endgliede der Lippentaster und stark,
gekeulten Schenkeln; die 31ännchen mit hakenartigem Fortsatz auf
der Scheibe der Flügeldecken; 4 sämmtlich neue Arten von den
Sunda-Inseln. 3) Engonius n. g. von der vorigen Gattung durch die
durchblätterte Fühlerkeule, die kurze Spitze der Mandibeln und den
Mangel des Hakens auf den männlichen Flügeldecken unterschieden;
6 neue Arten von den Sunda-Inseln und Ceylon. 4) Trycherus n.g.
(Olenus Dej.) mit am Innenrande gezähnten, an der Spitze gespalte-
nen Mandibeln, querem Endgliede der Lippentaster und nicht gekeul-
ten Schenkeln ; 5 neue Arten, aus dem tropischen Afrika. 5) Eu-
morphus Web., auf die Ostindischen Arten mit lanzettlichem Proster-
num, am Innenrande ungezähnten und an der Spitze abgestutzten Man-
dibeln, querem Endgliede der Lippentaster und zusammengedrückten
Schenkeln beschränkt; 22 Ostindische Arten, wovon 17 neu. 6) Pc-
danus n. g. kleinere Arten mit ganz stumpf abgerundeten Mandibeln
umfassend"; 3 neue Ostindische Arten. 7) Dioedes n. g. (Aploscelis
Dej.) auf Eumorphus atratus Klug begründet, ausser dieser noch eine
zweite Art von Madagascar umfassend. 8) Encymon n. g., durch ganz
lineares, zwischen den Vorderhüften eingesenktes Prosternum von den
vorhergehenden unterschieden ; Mandibeln kurz, innen gezähnt, mit
sehr scharfer Spitze, Lippentaster mit sehr breitem Endgliede ; 1 neue
Art von Sumatra. 9) Cymbachus n. g. Prosternum die Vorderhüften
nicht überragend, eingeschnitten, 3Iandibeln schmal, innen gezähnt,
mit verlängerter, ungetheilter Spitze, Lippentaster mit ovalem End-
gliede ; 1 neue Art von Java. 10) Corynotnalns (Dej.) die Süd-Ame-
rikanischen Eumorphiden umfassend, z. B. Aegithus marginatus und
discoideus Fab. u. a., mit 16 Arten, von denen jedoch 2 als Varie-
täten einzuziehen sind. — Die Gruppe der Endomychini, welche sich
durch nicht verlängertes drittes Fühlerglied, ungezähnte Mandibeln,
hornige äussere Maxillarlade, gerundete Unterlippe und mangelnde
Geschlechtsdifferenz an den Beinen auszeichnet, zerfällt in 4 Gattun-
gen : 1) Eucteamts n. g. eine grosse, im Habitus den Eumorphen ver-
wandte Form , mit sehr breitem Prosternum , langen, schlanken Bei-
nen und sehr breiter, blaltartiger Fühlerkeule; 1 neue Art vom Hi-
malaya. 2) Meilicliivs n. g. von Endomychus durch verbreitertes
Prosternum und schmale, schief abgestutzte Mandibeln unterschieden:
1 Ostindische Art, 3) Endomychus Payk. mit 4 Arten. 4) Panomoea
n. g. ganz von der Form einer Coccinella, von der sie sich durch
nicht beilförmiges Endglied der Kiefertaster und den Mangel der
Schenkelfurchen des Hinterleibes unterscheidet; 1 Art von den Phi-
lippinen.
Thomson, Description d'un genre nouveau de la famille des
Eumorphides et de plusieures especes, qui rentrent dans cette divi-
sion (Archives entomol. I. p. 153—157). Die als neu angesehene
342 Ge rstae cker : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Gattung Cacodaemon^ welche die Eumorphen mit gahelförmig getheil-
tem Prosternalfoitsatz umfassen soll, fallt mit Amphistcrnus Germ, zu-
sammen. Von den darunter beschriebenen 5 Arten gehören Cuc. Ho-
pei und hamatus nicht zu dieser Gattung, sondern zu Spathomeles des
Ref., und zwar ist Cac. Ilopei = Spathomeles anaglyptus , Cac. ha-
matus nicht der Eum. hamatus Dej. Guer., sondern Spalh. decoratus
des Ref. — Zu Amphisternus Germ, gehören: Cac. hicifer (= Amph.
aculeatus G.) von Borneo, Cerberus (= Amph. spinicollis G.) von Java
und der schon im vorigen Jahre beschriebene Eum. satanas. — Aus-
serdem glaubt der Verf. durch Hinzusetzung seines Namens zu den
Gattungen Olenus Dej., Quirinus üej., Orestia und Leiestes und durch
Hinzufügung einiger allgemein gültiger Charaktere sich die Autor-
schaft für diese Gattungen zu erwerben, ohne jedoch darauf Rücksicht
zu nehmen, dass die beiden letzteren schon vonGermar und Red-
tenbacher charalUerisirt worden sind; von den beiden ersten ist
Olenus = Trycherus des Ref., Quirinus mit Stenotarsus Perty identisch.
Ebenda (p, 237 — 280. pl. 13) hat auch Guer in unter dem
Titel: „Materiaux pour une monogiaphie des Coleopteres du groupe
des Eumorphides et plus specialement du genre Eumorphus" eine von
ihm im J. 1834 verfasste Arbeit über diese Familie abdrucken lassen,
welche eine Beschreibung der ihm bekannten Eumorphus -Arten und
ausserdem aphoristische Notizen über die von Dejean in seinem
Cataloge aufgestellten übiigen Gattungen nebst einzelnen Alten der-
selben enthält. Unter Eumorphus sind 19 Arten vereinigt, deren Be-
schreibungen gründlich abgefasst sind, so dass sie mit Sicherheit er-
kannt werden können, die der Verf. auf ihre generischen Abwei-
chungen aber nicht näher untersucht hat; so gehört z. B. sein Eum.
Kirbyanus weder dieser Galtung, noch überhaupt der Gruppe der Eu-
morphini an (Gattung Indalmus des Ref.), Eum. Westermanni inuss
ebenfalls eine eigene Gattung bilden , für Eum. hamatus hat schon
Ger mar eine eigene Gattung Amphisternus errichtet, die dem Verf.
nebst den zwei darunter beschriebenen Arten ganz unbekannt geblie-
ben ist; Eum. Ilopei und quadrisignatus bilden die Gattung Spatho-
meles des Ref. und fallen mit den darunter beschriebenen Arten zu-
sammen, wogegen Enm. IJerlüolsii Guer. eine Art zu sein scheint,
die dem Ref. nicht bekannt geworden ist. Die übrig bleibenden 12
Arten gehören der Galtung Eumorphus Web. an und sind sämmtlich
vom Rt'f. ebenfalls, zum Theil unter anderen Namen beschrieben wor-
den. Für die Gattung Olenus Dej. führt Guer in den Namen Balius
ein (= Trycherus Gerst.) und beschreibt ausser B. Senegalensis noch
eine Ostindische Art: B. mitiulvs. — Was die übrigen kurzen und
unzusammenhängenden Notizen des Verf. über die folgenden Dejean'-
schen Gattungen und Arten betrillt, so sind sie durchaus werlhlos, da
sie einerseits ohne Berücksichtigung der vorhandenen Literatur zu-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 343
sammengeschrieben, andrerseits nicht derartig abgefasst sind, dass sich
für die Bestimmung der Gattungen und Arten etwas daraus ersehen
liesse. Die von R e d t en b a c h e r, Ger mar, Say, Le Conte u. A.
aufgestellten Gattungen und Arten werden als neu angesehen und
ohne deren Cilate beschrieben (z. B. Epipocus , Leiestes. Rhanis),
andere Gattungen, wie Orestia Germ., die der Familie ganz fremd
sind, ebenfalls mit abgehandelt ; in gleicher Weise werden auch die
älteren Fabricius'schen Arten, welche Dejean nicht erkannt halte,
unter des letzteren Namen aufgeführt und mit kurzen Diagnosen ver-
sehen. Von Interesse dürfte die Notiz sein, dass die Gattung Pelinus
Dej. nicht dieser Familie, sondern den Heteromeren angehört. — Eine
die Abhandlung erläuternde Tafel enthält die Darstellung von 20 Ar-
ten und zahlreiche Detail-Zeichnungen.
Derselbe hat zugleich unter obigem Titel im Deceniberhefte
der Revue et Magasin de Zoologie IX. p. 565 — 581 (erst^im Februar
1858 ausgegeben) eine Streitschrift gegen Thomson veröffentlicht,
in welcher er diesem den Vorwurf macht, einige der von ihm be-
schriebenen Eumorphiden unter anderen Namen vorweg publicirt zu
haben und zwar ohne bei dieser Publikation die Arbeiten früherer
Autoren ;(z. B. in Betreff der Gattung Amphisternus diejenige von
Germar) berücksichtigt zu haben. Letzteren Vorwurf hätte Gue-
rin jedoch kluger Weise lieber bei Seite lassen sollen, da er seine
eigene Arbeit in viel ausgedehnterem Maasse trifl't. Als Zugabe zu
dieser Broschüre und als Nachtrag zu seiner oben erwähnten Bear-
beitung der Eumorphen nimmt der Verf. eine Vertheilung der von
ihm beschriebenen Arten unter eine Anzahl Gattungen (oder Unter-
gattungen, genres secondaires) vor, deren Charaktere er in einer
analytischen Tabelle entwickelt, die aber zum Theil verfehlt sind.
Seine Gattungen Enmorphiis, Eumorphoides, Enaisimiis, Haplomorphns
und Heterandrus sind nämlich nur auf spezifische Eigenthümlichkei-
ten verschiedener Arten derselben Gattung , welche Eumorphus We-
ber heissen muss, begründet und können um so weniger Geltung er-
langen, als sie nicht einmal auf den natürlichen Gruppen dieser Gat-
tung basiren, ausserdem auch ganz fremde Elemente, wie den Eum.
Kirbyanus, der in die Verwandtschaft von Ancylopus gehört, einschlies-
sen. Von den übrigen Guerin'scheu Gattungen fällt Rhachidophorus
mit Spathomeles des Ref. , Amphisternus mit der gleichnamigen Ger-
mar'schen Gattung zusammen und Homaloslernus scheint mit Euctea-
nus des Ref. identisch zu sein , in welchem Falle sie gar nicht der
Eumorphen- Gruppe angehört, sondern zu Endomychus zu verwei-
sen ist.
Montrouzier (Annales des scienc. phys. de la soc. d'agri-
culture de Lyon VII, 1. p. 74) beschrieb Eumorphus immaculatus von
der Insel Woodlark, mit rcthem Halsschild und violetten Flügeldecken,
344 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
ohne Flecken. Die Art gehört offenbar nicht zur Gattung Eumorphus,
doch ist über ihre Stellung aus der kurzen Beschreibung nichts Nä-
heres zu ersehen.
Guerin (Rev. et Magas. de Zool. IX. p. 191) beschrieb Tro-
choideus? Goudotii als neue Art aus Colunibien, welche jedoch nur
das längst bekannte Weibchen des Troch. Americanus Buq. ist; die
Angabe von fünf Fühlergliedern beruht auf einem Irrthume.
Coccinellinc&e* Neue Arten sind : Coccinella 28-jninctatay
cyanoptera, Richesiana, Musae (ist Coelophora patrualis Muls.), tri-
cincta., cassidioides (ist Sunia niclanaria Muls.) , Cristovallensis und
Lrt/70?fet Montrouzier (Annales de la soc. d'agriculture de Lyon VII, 1.
p. 75 ff.) von der Insel Woodlark, Epilachna 28-macidata Motschulsky
(Etudes entoniol.VI. p. 40) aus .lapan, Psyllolora taedata und Chilo-
corns fratermts Le Conte (Entoniol. Report p, 70 f.) aus Californien,
Scymnvs decemplagialns und Rhizobius ociilalissimus \A'ollaston (Ca-
tal. of Coleopt. Insects of Madeira p. 137 ff.) aus Madeira und Cocci-
nclla amhigiia Gredler (Käfer von Passeier) aus Tyrol.
Heeger (Sitzungsberichte der mathem.-naturwiss. Classe der
Akad. d. AVissensch. in Wien XXIV. p. 32G ff.) machte die ersten
Stände des Scymnus arcuatus Rossi und ihre Entwickelungsgeschichte
bekannt. Die weissbestäubte kleine Larve lebt auf Epheu , wo sie
sich von den Larven und Eiern des Aleurodes immaculatus ernährt.
Abbildung des Käfers sowohl wie der Larve und Puppe auf Taf. 5.
C'lypeastres» J a c q u el i n du Val („Note sur les caracteres
et la composition de la famille des Clypeastrides," Annales de la soc.
entomol. de France V. p. 98 fl".) will mit Redtenbacher diese Fa-
milie gegen Erichson aufrecht eihalten, modificirt aber ihren Um-
fang und glaubt nach der Verwandtschaft ihrer Larven mit denen der
Lathridier, nach der Form der Hüften u. s. w. letztere als ihre näch-
sten Verwandten betrachten zu müssen. Er stellt die Familien-Cha-
raktere vorläufig folgendermassen fest : Maxillen nur mit einer schma-
len, hornigen Lade, Palpen verschieden, Fühler mit 9 bis 11 Gliedern,
die letzten eine sehr deutliche Keule bildend ; Flügeldecken vollständig
oder an der Spitze etwas abgestutzt, F'lügel ringsherum gewimpert
oder fehlend , Hinterleib meist sechsringlig, Vorderhüften hervortre-
tend, die hinteren quer, sehr weit auseinanderstehend ; Tarsen schmal,
drei- oder viergliedrig , oder etwas erweitert und subtetramer. Die
Familie soll sich in zwei Gruppen theilen: 1) Clypeastrites mit den
Gattungen Clypeaster, Sericoderus und Corylophus. 2) Orthoperites
mit den Gallungen Orlhoperus, Moronillus und Alexia, ausserdem auch
Sphaerius.
Nach Peyron (Bulletin de la soc. entomol. p. CXIV) sind die
Hinterflügel der Gattung Orlhoperus Steph. lang und stark gewimpert
im Gebiete dev Entomologie wahrend des Jahres 1857. 345
(bei Orth. atomus und l)iunnipes untersuchl) , weshalb er dieselbe zu
der Familie der Trichopterygii bringen zu müssen glaubt.
Wol laston (Catal. of Coleopt. Insects of Madeira p. 140) be-
schrieb Arlhrolips aequale als neue Art von Madeira.
Orthoptera.
Yersin theilte im Bulletin de la soc. Vaiidoise des
scienc. natur. No. 41 mikroskopische Beobachtungen über
das Rückengefäss der Orthopteren mit , welche von ihm an
frisch gehäuteten und dadurch hinreichend durchsichtigen
Individuen von Blatta orientalis angestellt wurden. Es ist
darin nichts wesentlich Neues enthalten; das Rückengefäss
mit seinen Klappen -Einrichtungen, der dasselbe umgebende
Sinus , die Bewegung der Blutflüssigkeit in letzterem, endlich
die Blutkörperchen, wie sie sich bei verschiedenen Vergrös-
serungen darstellen, werden beschrieben.
Fischer, lieber die Deutung der Orthopteren in Sco-
poli's Entomologia carniolica (Entomol. Zeitung p. löO). Verf.
zählt die 18 von Scopoli beschriebenen Orthopteren auf
und fügt die Namen der modernen Gattungen, denen sie an-
gehören, bei; die Art -Nomenklatur stimmt mit zwei Aus-
nahmen (Blatta sylvestris Scop. = lapponica auct. und Gryl-
lus lunulatus Scop. = Stenobothrus variabilis auct.) mit der
allgemein angenommenen überein.
Assmuss (Sitzungsberichte des zoolog.-botan. Vereins
m Wien VII. p. 146 f.) publicirte ein Verzeichniss der Or-
thopteren des Gouvernement Kaluga (Russland). Die Be-
stimmung der Arten ist nach Fischer's Orthoptera Euro-
paea gemacht und im Ganzen werden 34 aufgezählt: 4 For-
ficulina, 5 Blattina, 3 Gryllodea , 5 Locustina und 17 Acri-
diodea.
Einige bei J^arche in den Basses -Alpes gesammelte Orthopte-
ren verzeichnete Brisout de ßarneville (Annales de la soc.
entomol. V. p. 599). Es sind 2 Forficula, 5 Stenobothrus, 1 Pezotettix
und 1 Pachyfyliis.
JLcridiodea* J. Kieto, Note sur une nouvelle espece d'Or-
thoptere du Me.xique (Revue et Magas. de Zoologie IX. p. 359 ff.)
gab eine Beschreibung und Abbildung einer von ihm für neu gehal-
tenen Art : Äcridinm Velasquezii aus Vera - Cruz , mit lebhaft grünen
346 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Flügeldecken und rosenrothen Hinterflügeln , dem Gryll. flavicornis
Fabr. nahe verwandt. Diese Art ist jedoch schon vonErichson
(Schomburg, Reisen in British Guyana) als Acridium praetor be-
schrieben worden.
M o n t r 0 u z i e r (Annales de la soc. d'agriculture de Lyon VII, 1 .
p. 90) beschrieb Truxalis Oceanicns und sylvaticus, ausserdem ein
unbenanntes Acridium als neue Arten von der Insel Woodlark.
Wach Lucas (Bulletin de la soc. entomol. p. CVI) ist Ere-
niobia Jaminii Luc. (1854) mit Eremobia (Oedipoda) insignis Luc.
identisch.
fiocustina. Neue Arten von der Insel Woodlark sind: Lo-
ntsta hilineata , macrocephala , pogonopoda , Conocephalus Cristoval-
lensis , Thunbergi Montrouzier (Annales de la soc. d'agriculture de
Lyon VII , 1. p.87fF.). Ebenda wird Hyperoniala virescens Boisd.
nochmals beschrieben.
Yersin (Bullet, de la soc. entomol. p. CLXI) gab die Diagnose
einer neuen Art Ptero^epis alpina nach beiden Geschlechtern, 16 — 22
mill. lang, von der Spitze der Alpen.
Grryllodea* A. Yersin, übservations sur le Gryllus Hey-
denii (Annales de la soc. entomol. V. p. 761 — 779) hat ausführliche
Mittheilungen über die Lebensweise dieser Art gemacht. Zuerst be-
schreibt der Verf. das noch unbekannte Männchen derselben, welches
zugleich auf pl. 15 in vergrössertem Maassstabe abgebildet ist. So-
dann unterwirft er den Gesang des Gryllus Heydenii einer ausführ-
lichen Erörterung, macht Mittheilungen über seine Nahrung (mehr
vegetabilisch als animalisch), beschreibt die Gänge, welche er in die
Erde gräbt , ferner die Begattung, welche nur des Abends vor sich
geht, die Spermatophoren, welche aus einer kugligen Blase und einem
dünnen, gebogenen Stiele bestehen, und die in denselben befindlichen
Spermatozoon. Zum Eierlegen erwählt das Weibchen einen feuch-
ten Ort, bringt seine Legeröhre in die Erde hinein und legt nur im-
mer ein oder zwei Eier auf einmal. Die jungen Larven (ebenfalls
auf pl. 15. fig. 9 abgebildet) sind 1 mill. lang , grau , durchsichtig
und zeichnen sich durch sehr grossen und breiten Kopf aus; die Hin-
terleibszangen sind so lang wie Thorax und Abdomen zusammenge-
nommen.
Pliasmodea* Laboulbene (Bullet, de la soc. entomol.
p. CXXXVII) machte einige Mittheilungen über die anatomischen Ver-
hältnisse von Bacillus gallicus , welchen er zusammen mit L. Du-
four untersucht hat. Der Tractus intestinalis ist gerade, der Oeso-
phagus verlängert, die Speicheldrüsen sehr kurz, traubenförmig, der
Kropfmagen fehlt, der Chylusmagen ist ähnlich dem von Tridactylus,
nämlich an einer Seite vierlappig. Die Eiröhren sind auf eine Seite
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 347
beschränkt und münden, fast wie bei Mantis , in einen gemeinsamen
Stamm; es existirt eine, vielleicht auch zwei Anhangsdrüsen. Die
Eier sind gross und in jeder Eiröhre ist nur eins vollständig ent-
wickelt, darüber noch eins oder zwei sehr kleine; im Abdomen sind
sie gelb, nach dem Ablegen schwarz oder schwarzbraun, hart, runz-
lig, ähnlich denen von Blatta.
3Iontrouzier (Annales de la soc. d'agriculture deLyon VII, 1.
p. 80 ff.) heschvieh Bacteria Servillei, Tropuloderus viridis, Pachymor-
pha Grmji, longipennis . Karabidion micracatithum , scorpionoides und
australe als neue Arten von der Insel Woodlark. Für die Gattung
Euryacantha Boisd. , deren Art Eur. horrida Boisd. nach beiden Ge-
schlechtern wiederholt beschrieben wird, stellt der Verf. einen neuen
tarnen Karabidion auf, und z^Aar erstens, weil er den Boisduval'schen
nicht für die übrigen Arten der Gattung als bezeichnend hält, zwei-
tens weil die Einwohner von Woodlark diese Insekten „Karabok"
nennen; er glaubt zugleich, dass dieser IVame desselben Ursprungs
wie Carabus sei.
Schaum (Monatsberichte der Berl. Akad. d. Wissensch. p.423)
beschrieb Bacteria bihibercvlata als neue Art von Mossambique.
Lucas (Bullet, de la soc. entomol. p. CXLVII) stellte Phyllium
Magdelainei als neue Art von Sumatra auf und hob ihre Unterschiede
von Phyl. siccifolium und Scytha kurz hervor.
]II»ntodea. Lucas, Note sur les caracteres que Ton peut
tirer du developpement des organes du vol pour distinguer letat
parfait ou non parfait des cspeces composant le genre Eremiaphila.
(Annales de lasoc. entomol. V. p. 321— 327.) Verf. hat die von Yer-
sin hervorgehobene Lage und Faltung der Flügeldecken und Hin-
terf.ügel der Orthopteren bei Larven und Imagines auch an der Gat-
tung Eremiaphila bestätigt gefunden und weist nach , dass die aus
den Genitalien für die vollständige Entwickelung eines Individuums
entlehnten Kennzeichen stets mit der Ausbildung der Flügel Hand in
Hand gehen.
Manlis monochroa Montrouzier (Annales de la soc. d'agricul-
ture de Lyon VII, 1. p. 79) ist eine neue Art von der Insel Woodlark.
BliAttina. Wa ga , Observations sur-quelques particularites
des moeurs de la petite Blatte des cuisines (Blatta germanica auct.)
et sur les efTets de la poudre persane comme nioyen de destruction
de cet insecte incommode. (Kevue et ölagas. de Zoologie IX. p. 444,
505 ff.) Verf. berichtet über die Wirkungen des Persischen Insekten-
pulvers (aus den Blüthen von Fyretlirum roseum bestehend) auf Blatta
germanica, welche er in einer Polnischen Meierei, wo sich Schaaren
dieses Insektes in einem Wohnzimmer fanden, erprobte. Eine Schabe,
die in ein Glas gesetzt und mit Pulver bestreut wurde, starb in drei
Minuten; am Abend wurde um den Ofen des Zimmers, in dessen Nähe
348 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
sich die meisten dieser Thiere der AVänne wegen aufhielten, Insekten-
pulver gestreut und die augenblickliche Folge war, dass alle augen-
blicklich die Flucht ergrill'en , am nächsten Morgen aber schaaren-
weise todt oder dem Tode nahe rücklings auf dem Boden lagen.
Gegen Sphodrus planus, der in Gemeinschaft mit Pristonychus subcya^
neus den Blatten nachstellte, ferner gegen Poicellionen , Wanzen,
Flöhe u. s. w. hat sich das Pulver gleichfalls wirksam erwiesen. —
Von den übrigen Mittheilungen des Verf. über Blatta germanica ist
hervorzuheben, dass die Kälte sie schnell tödtet; in einem Glase dem
Froste ausgesetzt, starben sie und zwar' ausgebildete Exemplare und
Männchen viel schneller als junge Larven und Weibchen; die jungen
Larven lebten, nachdem sie für todt gehalten worden waren, am
nächsten Tage wieder auf. Wo Blatten häufig sind, treten auch
Krankheiten unter ihnen auf und zwar werden die kranken Indivi-
duen von den gesunden aufgefressen, während ein Gleiches unter ge-
sunden niiemals stattfindet.
Neue Arten sind : Blatta pellucida und quadripustulata Mon-
trouzier (Annales de la soc. d'agriculture de Lyon VII, 1. p,79) von
Woodlark, Blatta (Holocotnpsa) collarls, Blabera Suheri (Surinamen-
sis Sulzer), fumigata , Monachoda Tfmnbergii , Vhyllodromia Bnnnei-
steri und delicalula Guerin (Historia fisica de la isla de Cuba VII.
p. 138 fr.) von Cuba.
Termitina* Cornelius hielt in der Generalversammlung
des Naturhist. Vereins d. Preuss. Rheinl. und Westphalens einen Vor-
trag über Termiten, welcher in den Verhandlungen des Vereins XIV.
p. 20 — 44 abgedruckt ist,
liibellulinae« Hagen (The Entomologist's Annual 1857.
p. 39—60) gab eine Uebersicht der in England vorkommenden Libel-
len (A Synopsis of the British Dragon - Flies), deren Zahl sich im
(Janzen auf 46 stellt. Sowohl die Gruppen und Gattungen als die Ar-
ten sind mit kurzen Diagnosen versehen, so dass diese Uebersicht
zugleich dem angehenden Sammler Britischer Libellen als Anleitung
bei der Bestimmung seiner Arten dienen kann; auch sind einige Ar-
ten mit aufgenommen, deren Vorkommen zwar in England noch nicht
festgestellt ist, die aber, nach ihrer sonstigen Verbreitung zu schlies-
sen, wohl daselbst noch aufgefunden werden dürften. Die Englischen
Libellen-Arten vertheilen sich auf die einzelnen Gattungen folgen-
dermassen: Libellula 13, Cordulia 4, Gomphus 3, Cordulegaster 1,
Aeschna 7, Anax 1, Calopteryx 2, Platycnemis 1, Lestes 5, Agrion 9.
H e r k 1 o t s , „Eerste Opgave van inlandsche Waternimfen"
(BouwstofTen voor eene Fauna van INederland I. p. 119—122) stellte
eine Namenliste der in den Niederlanden beobachteten Libellulinen
mit Citaten ihrer Beschreibung in Selys und Rambur und Anga-
ben ihrer Fundorte zusammen. Von Libellula werden 10, von Cor-
im Gebiete der Entomologie Avährend des Jahres 1857. 349
dulia 1, von Aeschna 5, von Calopteryx 2, von Lestes 6 iind von
Agrion 7 Arten aufgeführt, ausserdem noch 3 Arten erwähnt, die von
Selys als in Holland einheimisch angegeben werden.
]\Iehrere neue Nord - Amerikanische Libellulinen beschrieb
ühler, Contributions to the Neuropterology of the United States,
No. 1 (Proceedings of the acad. of nat. scienc. of Philadelphia 1857.
p.87f.): Nannophya hella (fem.), Libelltdef histigma (mas) , plumbea
und confnsa von Baltimore, satnrata von San Diego, Julia aus dem
Oregon-Gebiete, assimilata von Nebraska. Die Libellula confusa des
Verf. ist identisch mit L. pulchella Drury (L. versicolor Fabr.)
Selys-Longchamps (Historia fisica de la isla de Cuba VII.
p. 187 ff.): Libellula Attala (annulata Ramb. pro parte), mithra (ebenso),
Jvstitia , Jusliniuna (minuscula Ramb, pro parte), Metella, diciyma
(Phryne Ramb., nee Pertyl , Celeno, Aphilla^ Caraiba, Gynacuntha
septima, Trichocnemis mimita, Aqrion (NehaleniaJ macrogaster, (Pyr-
rhosomaj discol or Buim. ? , domiincamtm, (hchnnra) tvberculafnm als
neue Arten von Cuba.
Perlariae. Brauer (Verhandl. d. zoolog. -botan. Vereins
in Wien VII. p. 205) machte „Bemerkungen über die kurzflügligen
Formen einiger Perliden -Arten." Verf. fand von Perla ceplialotes,
deren xMännchen von Curtis und Pictet als kurzflüglig angegeben
wird, zahlreiche langflüglige Männchen mit den Weibchen in copula,
dagegen zusammen mit diesen nur ein einziges kurzflügliges ; ebenso
besitzt er lang- und kurzflüglige Männchen von Dictyopteryx micro-
cephala Pict. und von Taeniopteryx trifasciata Pict. Es scheint dem-
nach eine Schwankung in der Ausbildung der Flügel bei den Perli-
den-Männchen mehr oder weniger allgemein zu sein , gerade wie es
bei vielen Formen der Locustinen etc. der Fall ist; die Häufigkeit
der einen oder der anderen Form scheint nach den Lokalitäten zu
variiren.
F'orficiilina. Guerin (Historia fisica de la isla de Cuba
VII. p. 136 ff.) beschrieb Forßcula (Forßcesila) distincta und affinis
als neue Arten von Cuba.
Podurellac. Herklots (Memoires d'entomol., publ. p. 1.
soc. entom. des Pays-ßas I. p. 94 f.) gab eine genaue Beschreibung
der Podura arborea grisea de Geer (= Podura campestris cinerea de
Geer), welche gewöhnlich, aber unrichtiger Weise, mit Podura niva-
lis Lin. als synonym vereinigt wird. Die Unterschiede der de Geer'-
schen Art, welche der Verf. mit einem neuen Namen Degeeria (ver-
gebener Gattungs-Name bei den Tachinen!) pi, nach einer 7r-förmigen
Zeichnung der Körpersegmente belegt, werden gegen Podura nivalis
auseinandergesetzt.
350 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Wright (Natural history review IV., Proceed. of societ. p. 231)
untersuchte die Mitchelstown - Höhlen in Irland und fand darin eine
Poduren-Art, welche der von Schiödte aus den Krainer Höhlen als
Anurophorus stillicidii beschriebenen sehr ähnlich ist, sich aber durch
mehrere Meikniale , die von Haliday p. 235 ff. erörtert werden, da-
von unterscheidet.
J. Papon (Jahresbericht d. naturforsch. Gesellsch. Graubünd-
ten's I. p. 67 — 70. Taf. 2) machte Mittheilungen über eine im Februar
1855 bei Chur beobachtete Desoria , welche in grossen Schwärmen
den Schnee streckenweise ganz bedeckte. Er hält die Art für neu
und beschreibt sie n\s Desovia nivalis; sie ist aber nach Heer iden-
tisch mit Podura arborea nigra de Geer, nach Voigt dagegen mit
Desoria viatica INicolet.
IVeuroptera.
Neuroptera austriaca. Die im Erzherzog-lhum Oesler-
reich bis jetzt aufgefundenen Neuropteren nach der analyti-
schen Methode zusammengestellt, nebst einer kurzen Cha-
rakteristik aller Europäischen Neuropteren -Gattungen, von
Friedrich Brauer, unter Mitarbeitung von Fr anz Low.
Mit fünf lithographirlen Tafeln. Wien, C. Gerold 1857.
(lex. 8. 74pag.). — Eine nach dem Vorbilde von Redten-
bacher's Oesterreichischer Käferfauna vorgenommene über-
sichtliche Bearbeitung der Neuropteren Oesterreichs hätte
wohl von Niemanden in glücklicherer Weise bewerkstelligt
werden können als von dem durch seine vielfachen interes-
santen Entdeckungen auf diesem Felde vortheilhaft bekannten
Verf. So gering der Umfang des hier zu behandelnden Ma-
terials im Vergleiche zu anderen Ordnungen war, so waren
doch der Schwierigkeiten in weniger durchgearbeiteten Fa-
milien, wie z. B. bei einem Theil der Phryganiden , nicht
geringe zu überwältigen und selbst eine dem vorliegenden
Zwecke angepasste Zusammenstellung und Behandlung des
über die anderen Familien Bekannten bedurfte einer ebenso
grossen Umsicht, als dieselbe für die Erweckung eines grös-
seren und mehrseitigeren Interesses an diesem Zweige der
Entomologie nur vortheilhaft wirken konnte. Der Verf. hat
in dem vorliegenden Werkchen die Neuropteren im Sinne der
älteren Systematiker bearbeitet, d. h. ausser den eigentlichen
Neuropteren mit vollkommener Verwandlung auch diejenigen,
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 351
welche wir geg^enwärtig^ den Orthopteren beizählen, mit auf-
genommen, also ganz in dem Umfange, wie er von Ram-
bur in seiner Hist. nat. d. Neuropteres angenommen worde;n
ist ; dass trotzdem die Pseudoneuropteren als eine den Or-
thopteren angehörende Abtheilung, die sich von den eigent-
lichen Neuropteren scharf abgränzt , vom Verf. angesehen
werden, braucht kaum erwähnt zu werden. Den analytischen
Tabellen zur Bestimmung der Familien, Gattungen und Ar-
ten sind einige einleitende Abschnitte vorausgeschickt , in
welchen über die äusseren Körpertheile der Neuropteren, über
die im speziellen Theile angewandte Terminologie und ganz
besonders eingehend über die Larven der verschiedenen Fa-
milien und Gattungen gehandelt wird. Bei der Anfertigung
der analytischen Tabellen hat sich der Verf. durchaus zweck-
mässig an solche Charaktere gehalten, welche leicht fasslich
sind, gleichviel ob dieselben wesentlich und durchgreifend
sind, oder nicht; so z. B. benutzt er das Vorhandensein
oder Fehlen der Flügel als ein auffallendes Merkmal, und
führt dann die Familien und Gattungen, wo beide Modifika-
tionen vorkommen , natürlich zweimal in der Tabelle auf.
Die eigentliche Charakteristik der Familien und Gattungen
erfolgt erst in der dritten Tabelle , welche zur Bestimmung
der Art dient und hier sind zugleich diejenigen Europäischen
Gattungen, welche in Oesterreich fehlen, aufgenommen.
Wollte man an der Arbeit des Verf. etwas anders wünschen,
als es eben gegeben ist , so könnte es in Bezug auf diese
Charakteristik der Familien und Gattungen sein^ welche im
Ganzen etwas zu aphoristisch und oft mit Uebcrgehung von
besonders interessanten Merkmalen , z. B. der Bildung der
Mundtheile, abgefasst sind; für den Anfänger wäre auch
vielleicht eine bildliche Darstellung derselben in ihren Haupt-
typen von Nutzen gewesen. Die Abbildungen, welche der
Verf. auf den beifolgenden fünf Tafeln gegeben hat, dienen
zur Erläuterung des Flügelgeäders und ganz besonders der
Analsegmente der Phryganiden , welche für die sichere Be-
stimmung der Arten von grossem Werthe sind; die ebenso
zahlreichen als sorgfältige*! Zeichnungen , welche der Verf.
von denselben gegeben hat, zeugen dafür, dass er sich das
Studium dieser Familie für das vorliegende Werk besonders
352 Gerstaec k e r : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
hat angelegen sein lassen. Dieselbe ist zugleich die einzige,
welche mit einer Anzahl neuer Arten bereichert worden
ißt, während bei den übrigen nur die Artnamen früherer
Autoren figuriren.
Was die Abgränzung und Aneinanderreihung der Familien und
Gruppen der eigentlichen Neuropteren betrifft, so gesteht Ref. jetzt
dem Verf. gern die Verbindung von Rhaphidia mit den Sialiden als
in der Natur begründet zu und widerruft demgemäss seine hierüber
im Jahresberichte 1855. p. 97 kundgegebene Ansicht als eine irrige.
Dagegen erscheint ihm die Trennung der Panorpatae von den Megalo-
pteren und Sialiden durch die dazwischen eingeschobenen Tricho-
pteren etwrs zu künstlich, da erstere, wenn sie auch nicht mit ßur-
m ei st er zu den Planipennien selbst gezogen werden können, mit
diesen doch jedenfalls in engerer Beziehung als mit den Trichopte-
ren stehen, an welche sie sich doch nur durch die Verwachsung der
beiden Unterkieferpaare anschliessen könnten. — Ob die Galtung Ne-
moptera passender unter den llemerobiden oder unter den Myrmeleo-
nen steht, mag vorläufig dahingestellt bleiben, da die Larve, welche
ihr muthmasslich angehört, doch nicht mit absoluter Sicherheit als
solche festgestellt ist; die Stellung von Dilar Ramb. zwischen Sisyra
und Drepanopteryx ist aber in jedem Falle aufzugeben , da sie als
sehr abweichende Form zwei ganz eng verbundene Gattungen trennt.
Wenn Rambur diese Gattung auf Grund der gekämmten Fühler
des Männchens zu den Sialiden bringt, könnte ihre habituelle Aehn-
lichkeit mit den llemerobiden allerdings zum Einsprüche gegen diese
Stellung berechtigen, obwohl die grossen im Dreieck gestellten Ocel-
len dieselbe andererseits wieder zu rechtfertigen scheinen^ jedenfalls
müsste aber Dilar, unter die Hemerobiden versetzt, ausser der Reihe
aller übrigen bekannten Gattungen Platz nehmen.
Heinerobini« L. Dufour machte in seinen „Fragments
d'anatomie entomologique" (Annales des scienc. natur. 4. ser. VIIL
p. 6 — 10. pl. 1) die Resultate seiner Untersuchungen über den Ver-
dauungsapparat und die Ovarien der Nemoptera lusitanica bekannt.
(„Sur l'appareil digestif et les ovaires du Nemoptera lusitanica"). Spei-
cheldrüsen, wie sie bei Myrmeleon, Hemerobius und Osmylus vor-
kommen, Hessen sich bei Nemoptera nicht auffinden. Der Tractus in-
testinalis geht in gerader Richtung zum hinteren Ende des Körpers
und ist der Länge desselben gleich; die vorn sehr feine Speiseröhre
erweitert sich nach hinten kropfartig , nimmt an ihrem hinteren Ende
einen darmartigen Schlundanhang („pause") auf und setzt sich als-
dann in den langgezogenen, cyli ndrischen Chylus- Magen fort, von
dessen hinterer Mündung jederseits vier lange , vielfach gewundene
und verhältnissmässig starke Vasa Malpighi ausgehen. Der Dünndarm
zeigt bis zum After keine Theilung oder Abschnürung, ist etwa zwei
im Gebiete der Entoniolog^ie während des Jahres 1857. 353
Dritttheilen der Magenlänge gleich und von beträchtlich geringerem
Lumen. -- Jedes der beiden Ovarien besteht ,,aus einem länglichen
Centralsack mit feinen, durchsichtigen, fast membranösen Wänden
an dessen Peripherie sich in sehr lockerer Weise etwa zehn kurze
Eierstocksröhren anheften.'' Jede Eiröhre enthält an ihrem unteren
Ende nur ein entwickeltes Ei, welches dann frei in den Centralsack
herabfällt, aus dem es auf dem Verf. unbekannte Weise abgelegt
wird. Die lieschaffenheit des Ausführungsganges dieser Ovarien ist
der Untersuchung entgangen. — Die Tracheen, über welche ebenfalls
kurze Angaben gemacht werden, sind sparsam und überall cylindrisch
und mit dem Spiralfaden versehen; im Thorax allein kommen einige
Erweiterungen an ihnen vor, ohne indessen die Form von Luftsäcken
anzunehmen. — Das früher von Duf. vergebens gesuchte Nervensy-
stem ist ihm trotz wiederholter Untersuchungen auch jetzt noch un-
sichtbar geblieben.
Die schon von Westwood (Introduct. mod. classif. of In-
sectsH. p. 55) ausgesprochene Vermuthung, dass der von Roux ab-
gebildete Keciophilus arenarins die Larve von Ncmoptera> sei, wurde
durch die nähere Beschreitung dieses interessanten Thieres von
Schaum (Berl. Entomol. Zeitschrift L p. 1— 9) nahebei zur Gewiss-
heit erhoben. Die zu Saugzangen organisirten Mandibeln und Maxil-
len finden sich bei dieser Larve in ganz analoger Weise wie bei den
Megalopteren- Larven vor und die seitwärts hinter den Kiefern her-
vortretenden Lippentaster bekunden ihre nahe VerAvandtschaft mit
den Alyrmeleonen -Larven. Abweichend ist der Mangel der Zähne am
Innenrande der Mandibeln, die sehr langen und dünnen Beine und
ganz besonders der aus zwei Stücken bestehende Prothorax, von de-
nen das vordere dünn, stielförmig und so lang als der ganze übrige
Körper ist. Von inneren Organen ist der Tractus intestinalis unter-
sucht, welcher sich ebenfalls in seiner Bildung derjenigen der Myr-
meleonen- Larven genau anschliesst; der sehr deutliche Nervenstrang
mit seinen grossen Ganglien ist wenigstens zum Theil präparirt wor-
den. — Obwohl die Verwandlung der in Aegypten vom Verf. auf-
gefundenen Larven nicht beobachtet wurde, scheint ihre Zugchörio--
keit zu Nemoptera kaum zweifelhaft, da dies die einzige Gattling der
Familie ist, deren Larve man nicht kennt und deren Eigenthüni'lich-
keiten auf eine ebenfalls sehr heterogene Larve schliessen lassen;
auch kommen in Aegypten zwei Nemoptera-Arten vor. — Eine ge-
treue Abbildung dieses Thieres durch Wa gen s c h i eb e r, so wie
eine Darstellung des Darmkanals und Nervenstranges findet sich auf
der beifolgenden Tafel.
Brauer (Verhandl. d. zoolog. - botan. Vereins zu Wien VIL
p. 201) verglich die von ihm im vorigen Jahre beschriebene Chry-
sopa tricolor mit Chr. gracilis und stenoptila Schneid, und glaubt,
Aichiv f. Natufgcscli. XXlV. .lubr-. 2. Bd. V
354 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
dass alle drei zu einer und derselben Art gehören; die letzte Schnei-,
der'sche Art scheint auf ein unausgefärbtes , die erste auf ein altes,
verfärbtes Exemplar begründet zu sein.
Einige Mittheilungen über die Lebensweise der Larve von
Acanthaclisis occitanica in Süd -Frankreich machte Perris in seinen
„Nouvelles excursions dans les Grandes -Landes" (Annales de la soc.
Linneenne de Lyon IV. 1857. p. 88 f.) ; seine Beobachtungen stimmen,
mit denen am Ostseestrande gemachten darin überein, dass die Larve
keine Trichter im Sande gräbt.
Panorpatae* Von Brauer wurde (Verhandl. d. zoolog.- ,
botan. Vereins zu Wien VIL p. 69 f.) die muthmassliche Larve des
Boreus hiemalis nach ausgewachsenen Exemplaren , welche sich ira ,
Januar in mit Schneewasser getränktem Moose an Steinen vorfanden
und ganz denjenigen glichen, die der Verf. schon im Jahre 1855 aus
den Eiern, welche von einem in der Gefangenschaft begatteten Bo-
reus-Weibchen gelegt worden waren, erhalten zu haben glaubte, be-
schrieben. Obwohl die Zucht der Imago aus den Larven nicht ge-
lang, scheint die Zugehörigkeit der letzteren zu Boreus dadurch ge-
sichert, dass sich im Herbste Nymphe und Imago an denselben Orten
vorfanden, erstere in ausgetrockneter Erde unter Moos. Die Larve
bewegt sich raupenartig, beisst beständig um sich und höhlt mit
ihren grossen Kiefern in feuchter Erde Gänge aus ; die Nymphe gleicht
in der Gestalt fast der Imago, die Mundtheile sind jedoch kürzer und
dicker, die Farbe blass grüngelb mit schwarzem Scheitel und Prono-
tuni. — Eine Abbildung der Nymphe so wie des Kopfes und der
Mundtheile der Larve ist auf Taf. 4 gegeben.
In einer nachträglichen Mittheilung (Sitzungsberichte des zoo-
log.-botan. Vereins VII. p. 133) bestätigt der Verf. die Richtigkeit .
seiner Vermuthung, dass die beschriebene Larve dem Boreus hiemaliSi
angehöre; aus Larven, die im August in vermodernden Baumstämmen
(auf dem Schneeberge in Steyermark) gefunden wurden, entwickelte
sich Anfangs Oktober ein Exemplar des Boreus.
Triclioptera» Von A. Costa (Memorie della Reale Acca-
demia delle scienze di Napoli II. p. 222) wurde eine Gattung Lasio-
cephala, mit einer Art: Las. taurus aus Neapel beschrieben und ab-
gebildet, die mit Pogonostoma und Lasiostoma Ramb. im Habitus zu-
nächst übereinstimmen soll. Die auffallendsten Charaktere geben sich"
in der Bildung der männlichen Fühler und Maxillartaster kund ; letz-
tere sind zweigliedrig, das erste Glied sehr kurz, das zweite sehr
verlängert, drehrund, fast halbkreisförmig gebogen, nach unten ge-
dreht und lang behaart, die Lippentaster kürzer, dreigliedrig, das
erste Glied sehr kurz, das 2. und 3. gleich gross. Die männlichen
Fühler sind borstenförmig , das erste Glied lang, kräftig, aufgerich- ,
tet, fast lederartig, vor der Mitte zusammengeschnürt, langhaarig, die
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 355
übrigen vom sechsten an unterhalb lang gebartet. Beim Weibchen
sind die Maxiilaitaster fünfgliedrig, das 1. Glied sehr kurz, das 2. bis
4. gleich gross, das 5. länger, dünner und zugespitzt; an den Füh-
lern die Glieder vom sechsten an nackt. Die Flügel haben bei bei-
den Geschlechtern keine Queradern, die vier hinleren Schienen mit
vier Sporen bewaffnet. Die Gattung ist auf der beifolgenden Tafel,
Fig. 2 und 3 abgebildet.
Neue Oesterreichische Arten, von Brauer (Neuroptera au-
striaca, p. 37 ff.) beschrieben, sind: Rhtjacopkila aurata, Philopota-
mus tigrinus , Hydropsyche Danubii, maxima, versicolor, Aspatherium
piceum, Dasystoma nigrnm, Enoicxjla limnophiloüles , Frauenfeldii,
Chaetopteryx fusca , Halesus uncatus, Anaholia gigantea, votnndipen-
nis und Limnophilus tuberculatus.
SCrepsiptera.
F. Smith, Observalions on the difficulties attending
the discrimination of the species of the gcnusStylops (Trans-
act. entom. soc. IV. p. 115— 118. pl. 24). Der Verf. liefert
eine nach dem Leben angefertigte Zeichnung eines männli-
chen Stylops, der sich aus einer Andrena Trimmerana ent-
wickelt hat und kommt bei dem Versuche, denselben nach
den bisher exislirenden Englischen Abbildungen zu bestim-
men, zu dem Resultate, dass wahrscheinlich überhaupt nur
eine Stylops -Art in England existire. Die Unterschiede,
welche die Abbildungen des Stylops melittae Kirby , Chil-
dreni Gray, Kirbyi Sowerby, aterrima Newport und Dalii
Curtis zeigen, beruhen auf Ungenauigkeiten und den Verän-
derungen, welche nach dem Tode des Thieres schnell und
in hohem Grade eintreten. Auf der beifolgenden Tafel hat
Smith Zeichnungen von einigen Typen der genannten Arten,
die im British Museum existiren, geliefert.
„Ich erinnere nur an die Strepsipteren, welche Coleopteren
sind" (!?) sagt Burmeister (Zeitschrift f. wissensch. Zoologie VIII.
p. 153) , um für den Kachweis, dass die Rotatorien zu den Crustaceen
gebracht werden müssen, eine Stütze zu haben.
Hj^ineiioptera.
Die Verzeichnisse der Hymenopteren des British Mu-
seum sind mit einem fünften Bändchen, welches die Vespa-
rien enthält und von F. Smith zusammengestellt ist, fort-
356 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
gesetzt worden: Catalogue of Hyinenopterous Insects in the
colleclion of the British Museum by Fred. Smith. Part V.
Vespidae. London, printed by order of the Trustees. 1857.
(12., 147 pag. c. tab. VI.) — Es sind in diesem Verzeich-
nisse, wie gewöhnlich, sämmtliche bis jetzt bekannt gewor-
dene Gattungen und Arten der Familie aufgezählt, mit voll-
ständiger Synonymie versehen, die im British Museum vor-
handenen eigens bezeichnet und die als neu erkannten Arten
beschrieben. Da für die Bestimmung dieser Familie eine
neuere, sehr reichhaltige Monographie vorlag, so ist die An-
zahl der als neu beschriebenen Arten begreiflicher Weise
eine weit geringere als in den Catalogen üljer die Apiarien,
Heterogynen und Crabroniten; neue Gattungen sind gar nicht
darin aufgestellt. In synonymischer Hinsicht ist das Ver-
zeichniss nicht ohne Interesse, da der gründliche Verf. die-
selbe öfters von Neuem untersucht und hin und wieder mit
Berücksichtigung älterer Autoren geändert hat, zuweilen
auch Saussure'sche Arten als Abänderungen anderer hinstellt.
Die neuen Arten sind an ihrem Orte einzeln namhaft gemacht
worden; die sechs das Bändchen begleitenden Kupferlafeln
liefern Abbildungen von 23 theils bekannten, Iheils neuen
Arten im Umrisse, die letzte einige Nester socialer Wespen.
H. de Saussure hat seine Etudes sur la famille des
Vespides, welche im J. 1855 mit dem dritten Theil vorläufig
abgeschlossen worden waren, von Neuem aufgenommen. Wie
in dem zuletzt erschienenen Bande neben der Monographie
des Masariens reichhaltige Nachträge und Verbesserungen zu
der Monographie des Guepes solitaires (Tome I. 1852) ge-
liefert wurden , so ist der jetzt begonnene vierte, von dem
die drei ersten Lieferungen (Cah. 8—10. Paris 1856 — 57)
vorliegen, in entsprechender Weise dazu bestimmt, die Mo-
nographie des Guepes sociales (Tome IL 1853) durch neues
Material zu bereichern und zu ergänzen. (Näheres siehe
unter Vespariae !)
A. Förster's „Hymenopterologische Studien," von
denen im Jahre 1850 das erste Heft (Formicariae) erschie-
nen war, sind jetzt mit einem zweiten Hefte (Chaicidiae et
Proctotrupii, Aachen 1856. 4. 152 pag.) fortgesetzt worden.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 357
Der Verf. beschäftigt sich in dieser ebenso innfangreichon als
gehaltvollen Arbeit zunächst mit einer Feststellung der Gruppen
und Galtungen der durch ihre überraschenden Formen so
interessanten Familien der Chalcidier und Proctolrupier, in-
dem er die Beschreibung der Arten für das nächste Heft,
welches ebenfalls bald erscheinen soll, verspricht. Als Ein-
leitung (p. 1 — 8) dient eine historische Uebersicht der über
beide Familien erschienenen systematischen Arbeiten von L i n n e
bis auf die Autoren des Entomoloffical Magazine und Nees
V. Esenbeck; sodann folgt ein Eingehen auf die systema-
tische Stellung und den Charakter beider Familien, eine Dar-
stellung ihrer natürlichen Merkmale und ihrer Verwandtschaft
mit anderen Familien und Gruppen. Bei der Feststellung
der zahlreichen Gruppen (vom Verf. nicht passend als Fami-
lien bezeichnet), in welche die Chalcidier und Proctotrupier
(diese sind Familien!) zerfallen, folgt F. im Ganzen den von
H a 1 i d a y und Walker aufgestellten Systemen , ohne sich
jedoch im Einzelnen an dieselben zu binden , wie dies die
Errichtung einer Anzahl neuer Gruppen (Myinoidae, Perilam-
poidae, Ormyroidae , Elasmoidae, Elachistoidae, Entedonoi-
dae, Tetrastichoidae und Trichogrammatoidae unter den Chal-
cidiern, Platygasteroidae, Belyloidae , Heloroidae unter den
Proclotrupiern) zeigt. In weit höherem Grade entfernt sich
der Verf. von seinen Vorgängern in der Feststellung der
Gattungen, die in der vorliegenden Arbeit eine sehr beträcht-
liche Bereicherung erfahren haben, so dass das Werk für die
Systematik der genannten Familien eines der bedeutendsten
ist und in der Literatur derselben mit den ersten Rang ein-
nimmt. Auf die systematischen Einzelnheiten der Arbeit ist
bei den betreffenden Familien, so weit es der Raum gestaltet,
eingegangen worden.
Vom Ref. sind die in Mossambique durch Peters ge-
sammelten Hymenopteren bearbeitet worden und ein Ver-
zeichniss derselben nebst den Diagnosen der neuen Gattun-
gen und Arten vorläufig in den Monatsberichten der Aka-
demie der Wissenschaften zu Berlin vom J. 1857. p. 460 —
464 und p. 509—513 veröffentlicht. Es finden sich hier
zunächst die Familien der Apiariae , Vespariae, Crabronites,
Sphegidae, Pompilidae und Heterogyna abgehandelt.
358 Geistaecker : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Die Familie der Apiariae ist durch 11 Gattungen mit 25 Arten
vertreten, von denen nur fünf bereits bekannt, die übrigen neu sind;
auf zwei derselben wurden besondere Gattungen gegründet. — Die
17 Arten der Vesparien gehören 6 bereits bekannten Gattungen an
und enthalten 11 neue. — Von 9 Crabroniten war nur eine Art (Li-
ris haemorrhoidalis Fabr.) bekannt, die übrigen neu, wogegen von
6 Sphegiden nur 3 , und von 7 Pompiliden ebenfalls nur 3 sich als
unbeschrieben herausstellten; von 15 Heterogynen-Arten endlich wa-
ren 5 bereits bekannt, die 10 übrigen wurden als neu diagnosticirt
und auf eine der letzteren auch eine neue Gattung errichtet.
Eversmann hat seine „Fauna hymenopterologica
Volgo-Uralensis« im Bulletin de la soc. imper. des naturali-
stes de Moscou 1857. IV. p. 544—567 mit einer Aufzählung
der zwischen der Wolga und dem Ural einheimischen Chry-
siden fortgesetzt. (Siehe diese Familie!)
Giraud, Description de quelques Hymenopteres nou-
veaux ou rares cVerhandl. d. zoolog.-botan. Vereins in Wien
VII. p. 163—184). Der Verf. giebt darin Beschreibungen
einiger neuen Ichneumoniden, Braconiden , Tenthredinelen
und Apiarien aus Oesterreich und den angränzenden Ländern.
F. Smith's „Notes and observations of thc aculeate
Hymenoptera^« (Entomologist's Annual 1857. p. 27 — 38) ent-
halten Notizen über die Lebensweise und das Vorkommen
einiger seltneren und zum Theil in England neu aufgefun-
denen Arten aus den Familien der Apiarien, Vesparien, Cra-
broniten , Pompiliden etc. und ausserdem interessante Be-
merkungen über das Variiren gewisser Arten, die über einen
grösseren Theil von Europa und zum Theil auch bis nach
Nord-Amerika verbreitet sind. Als Arten, die beiden Welt-
theilen gemein sind , werden z. B. angeführt : Halictus fla-
vipes , Andrena Clarkella , Megachile centuncularis , Nomada
ruficornis, Bombus hortorum; von anderen wird ein gemein-
sames Vorkommen in Europa und verschiedenen Theilen
Afrikas (Canarische Inseln, Cap der guten Hoffnung) nach-
gewiesen.
Ein Verzeichniss der in den Niederlanden vorkommen-
den Hymenopteren stellte SneUen vs|n Vollenhoven
in Herklots' BouwstofFen voor eene Fauna van Nederland,
II. Deel, p. 221-^283 unter dem JM: „Naamlijst van fJe^
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 359
derlandsche vliesvleugelige Insekten (Hymenoptera)" zusam-
men und reihte daran die Beschreibung einer Anzahl von
ihm für neu gehaltener Arten. Das Verzeichniss, welches
mit den Blattwespen beginnt und mit den Apiarien endigt,
erstreckt sich auf sämmtliche Familien der Hyuienopteren,
deren Gattungen und Arten in systematischer Reihenfolge
aufgezählt werden; die letzteren sind mit CItaten aus den
wichtigsten allgemeinen Werken über die ganze Ordnung
und aus den bedeutendsten Monographieen einzelner Fami-
lien und Gruppen, so wie mit Angaben über Fundorte, Flug-
zeit u. s. w. versehen. Die zwölf als neu beschriebenen
Arten gehören den Familien der ßlattwespen, Schlupfwespen
und Bienen an.
Das Artverzeichniss, in welches nach dem Vorworte des Verf.
die Braconiden , Pteronialinen u. a. nur unvollständig aufgenommen
sind (aus Mangel an sicheren Bestimmungen), erreicht die Zahl 633;
davon kommen auf die Tenthredinetae 147 A. , auf die Urocerata 6,
Cynipidea 18, Evaniales 1, Ichneumonidea 172, Braconidea 53, Chal-
ciditae 2, Pteromalina 38, Chrysidides 12, Formicariae 10, Mutilli-
dae 5, Scoliidae 5, Sphegidae 6, Pompilidae 17, Larridae 3, IVyssoni-
dae 4, Bembecidae 2, Philanthidae4, Mellinidae 2, Pemphredonidae 7,
Crabronidae 23, Eumenidae 10, Vespariae 4, Andrenidae 25 und
Apiariae 57.
Schenk hat seine seit einer Reihe von Jahren veröf-
fentlichte Bearbeitung der Hymenopteren des Herzogthums
Nassau im J. 1857 mit einer umfangreicheren Abhandlung
„Die Grab Wespen des Herzogthums Nassau" (Jahrbücher des
Vereins für Naturkunde im Herzogthum Nassau XII. p. 1 — 341),
ausserdem auch im Separatabdrucke (Wiesbaden 1857. 8.
343 pag. 2 tab. lilh.) erschienen, fortgesetzt. Wie in seinen
früheren Arbeiten verbindet der Verf. auch in der vorlie-
genden mit der Feststellung der Nassauischen Hymenopteren-
Fauna zugleich den Zweck, durch kurze Beschreibungen der
Familien, Gattungen und Arten, so wie durch analytische
Tabellen denjenigen Sammlern , welchen die Literatur nicht
vollständig zu Hand ist, ein Hülfsmittel zur Bestimmung ihrer
Arten zu geben. Die Benennung „Grabwespen" gebraucht
der Verf. im weitesten Sinne des Wortes, indem er darunter
die Hymenoptera aculeata mit Ausnahme der Apiarien und
360 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Vesparien , d. h. ausser den eigentlichen Crabroniten die Fa-
milien der Heterogyna (Muliilaria , Scolietae, Sapygidae),
Pompilidae und Sphegidae begreift, sich also dem Umfange,
welchen Dahlbom (Hymenopt. Europ. I) dieser Gruppe ge-
geben hat, anschliesst und sie nur noch durch Aufnahme
der Heterogynen erweitert; überhaupt hat der Verf. die
Dahlbom'sche Arbeit für die Anlage der seinigen zum Mu-
ster genommen und überall benutzt, lieber die Lebensweise
und Endwicklungsgeschichte der einzelnen Gruppen und Gat-
tungen ist das bereits Bekannte zweckmässig verwerthet
und zusammengestellt worden, so dass der Leser sich neben
der Kenntniss der Arten auch über ihre Naturgeschichte be-
lehren kann. Eine Anzahl Arten verschiedener Gattungen,
die dem Verf. neu scheinen, sind als solche aufgeführt und
beschrieben worden.
Die Gesamuitzahi der im iXassauischen nach Schenk aufge-
fundenen Arten der Hynienoptera fossoria beträgt 166., Die Gattun-
gen der einzelnen Familien und Gruppen sind folgendermassen ver-
treten: 1) Crabronites: Ciabro 2 A., Solenius 4, Ectemnius 7, Thy-
reopus 2, Ceratocolus 2, Crossocerus 15, Blepliaripus 1, LindeniusS,
PLntomognalhus 1, Kitela 1, üxybelus 8, Rhopalum 1. — 2) l*em-
pliiedonidae: Trypoxylon 2, Pemplnedon 1, Cemonus 3, Diodontus 2,
Fassaloecus 5, Stigmus 1, Celia 1. — 3) IMiilanthidae : Philanthus 1,
Cerceris 5. — 4) Nyssonidae: Nysson 7, Gorytes 2, iloplisus 4, Ilar-
pactes 3, Stizus 1, Alyson 2. — 5) Bembecidae: ßenibex 2. — 6)
Mellinidae: Mellinus 2. — 7) Larridae: Astata 1, Tachytes 5, Misco-
phus 2, Dinetus 1. — 8) Sphegidae: Sphex 1, Ammophila 1, Miscus 1,
Psammophila 1, Mimesa 4, Dahibomia 1, Psen 7. — 9) Pompilidae:
Aporus 2, Salius 1, Pompilus 16, Piiocnemis 11, Agenia 2, Pogo-
nius 2, Ceiopales 2. — 10) Sapygidae: Sapyga 2, Pülochrum (?) 1.
— 11) Scoliadae : Scolia 1, Tipliia 3, 3Ieria (Myzine) 1. — 12) Mu-
tillidae: öliitilla 4, Alyrmosa 1, Metlioca 1.
Ruthe und Stein stellten (Entomol. Zeitung p. 311 —
316) die Sphegiden und Chrysiden der Umgegend Berlins zu-
sammen; in die erste der beiden Familien sind die Pompi-
liden und Crabroniten mit inbegriffen.
Die einzelnen Gattungen sind in folgender Weise durch Arten
vertreten: 1) Sphegidae: Mimesa 3, Dahlbomia 1, Psen 3, Aliscus 1,
Ammophila 1, Psammophila 2, Sphex 1, Enodia 1 {E. chrysoptera
Kurz charakterisirt). — 2) Pompilidae : Ceiopales 1, Salius 3 (S. tae-
niatus Ziegh i. 1. uod germanicut ^Iu9. Ug\: Kurs cbat-akt^risirt)^
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 361
Aporus 2, Pompilus 12. Pog^onius 4, (eine Art als P. notnlus cha-
rakterisirt). Agenia 1, Priocnemis 10. — 3) Crabronites : Tachjtes 5.
Astata 3, Alyson 1, Harpactes 4, Stizus 2 (St. Perrisii Duf. beschrie-
ben), Floplisus 2, Gorytes 2, IVysson 5, ßembex 1, Philanthus 1, Cer-
ceris 5, iMellinus 2, Dinetus 1. Miscophus 4. Celia 1, Stigmus 1,
Passaloecus 6, Diodonlus 4, Cemonu.s 2, Ceratophorus 1, Pemphre-
don 3, Oxybelus 9, Trypoxylon 2, Khopalum 2. Entomognathus 1,
Kitela 1, Lindenius 5, Crossoceriis 7, lilepharipiis 2, Thyreopus 3,
Ceratocolus 4, Ectemniiis 3, Solenius 1, Crabro 1. — 4) Chrysidides:
Cleptes 2, ümalus 4, Elanipus 4, llolopyga 1, lledychriim 10, Chry-
sis 16, Euchroeus 2 und Parnopes 1.
Kirchner stellte (Lotos 6. Jahrg. p. 28 ff.) „die durch
die Zucht blattlausartiger Insekten gewonnenen Schmarolzer-
Hymenopteren der Kaplitzer Gegend^ zusammen. Es sind 8
ßraconiden, 22 Chalcidicr und 8 Proctolrupier ; die Arten
sind namentlich aufgeführt und bei jeder die Blattlaus - Art,
aus der sie erzogen wurden, angegeben.
Derselbe verzeichnete (ebenda p. 33, 63, 107 u. s.w.)
die von ihm erzogenen Ichneumonen der Umgegend von
Kaplilz; die Arbeit ist auch im Separatabdrucke unter dem
Titel : „die Ichneumonen der Umgegend von Kaplilz , eine
systematische Zusammenstellung der dort gezogenen Arten,
mit kurzen Charakteristiken der Gattungen, von L. Kirch-
ner" (Prag 1856. 8. 63 pag. 1 tab. lilh.) erschienen. — • Der
Verf. hat ausser angestochenen Raupen und Puppen auch den
Blatt-Taschen, Harzgallen, Pilanzenauswüchsen und Nadelholz-
zapfen seine Aufmerksamkeit zugewandt und sie behufs der
Zucht von Schmarotzern eingesammelt. Er geht in der Ein-
leitung auf die Kennzeichen der angestochenen Wirthe ein,
macht eine Mittheilung über das Anstechen der Puppe der
Vanessa Polychloros durch Pteromalus puparum , bringt Be-
merkungen über die Gastvertheilung bei und zählt dann die
von ihm erzogenen Schmarotzer in systematischer Reihen-
folge nach Familien und Gatlungen auf, bei jeder einzelnen
genaue Angaben über ihre Lebensweise, ihre ersten Stände,
ihre Wirthe u. s. w. beifügend. Von Cynipiden werden 11,
von Evanialen4, von Ichneumoniden 147, von Braconiden 60,
von Chalcidiern 114, von Proctotrupiern 46 aufgeführt.
JLiiiariue. Die vom Ref. (Monatsberichte der Akad. d. Wis-
senscb. zu Berlia p. 460 tf.) duicli Diaguoseq bekanut gemachtea
362 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
neuen Gattungen und Arten aus Mossanibique sind folgende : Xylo-
copa lufjubris , Anlhophora ßiivicollis, Lipotriches n. g. , mit Epeolus
und Philerenuis verwandt, folgendermassen festgestellt: „Ocelli in
tuberculo verticis positi ; alac anticae cellulis subniarginalibus tri-
bus, tertia elongata ; feniora postica dentata; palpi maxillares 6 -, la-
biales 4-articulati, ligula et paraglossae laiiceolatae, hirsutae." Art :
Lipotriches abdominalis. — Coelioxys pusilla, Allodape facialis, He-
riades argeniala , phlhisica , Anthidinm niveocinctnm , Euaspis n. g.
auf Thynnus abdominalis Fab. und die folgende neue Art begründet:
Clypeus conve\us, $ rotundatus , ^ truncatus; palpi maxillares exi-
gui, biarticulati ; ligula nuda , labio terminali lenticulari ; palpi la-
biales ligula longiores, articulo primo admodum elongato, basi in-
crassato, tertio quartoque brevissimis; scutellum (^ truncatum, ^ bi-
lobum ; corpus fere nudum. <^ breve , $ elongatuni; tegulae $ dila-
tatae, alae elongatae." Art: Euaspis rufiventris. — Megachile felina,
homhiformis , larvata, chrysorrhoea , xanthopns , curtula , gratiosa,
Nomia riilpina, anthidioidcs und hylaeoides. — Von bereits beschrie-
benen Arten wurden in Mossambique gesammelt: Apis mellifica, var.
fasciata Latr., Xylocopa flavorufa Deg., lateritia Smith, calfra Lin. und
Allodape variegata Smith.
Lucas (Historia fisica de la isla de Cuba VIL p.314iF.) be-
schrieb Andrena Poeyi und Xylocopa cubaecola als neue Arten von
der Insel Cuba.
Giraud (Verhandl. d. zoolog. -botan. Vereins zu Wien VII.
p. 179 ff.) Panurgus fasciatus aus Ungarn, Anthidium quadridentatum
bei Wien , Osmia cylindrica von Gastein, spiniventris aus Oesterreich,
Italien und Ungarn.
Snellen van Vollenhoven (Bouwstoffen voor eene Fauna
van Nederland II. p.283): Nomada Batava als neue Art aus den Kie-
derlanden.
Von Smith (Proceed. of the entomol. soc. IV. p. 31) wurde
eine ausgezeichnete neue Art der Gattung Lamprocolletes aus Austra-
lien (von Sidney) unter dem Namen Lampr. bipectinatns bekannt ge-
macht, welche sich durch doppelt gekämmte Fühler auszeichnet; es
ist dies der erste Fall einer derartigen Fühlerbildung unter den Apia-
rien, welche der Verf. für sexuell hält.
Derselbe (Transact. of the entomol. soc. IV. p. 116) glaubt
sich überzeugt zu haben, dass Andrena helvola und varians nur Va-
rietäten einer und derselben Art seien, zwischen denen sich die all-
niähligsten Uebergänge nachweisen lassen.
Beobachtungen von Wahlberg über die nordischen Hummeln
aus dem J. 1851 theilte Creplin (Zeitschrift f. d. gesammten INatur-
wissensch. IX. p. 132 ü.) in deutscher Uebersetzung mit. Da diesel-
ben »cboo in eioejn späteren Aufsatze de^elbeu Verf. ld der Qfvers*
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 363
af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl. 1854 (vergl. Jahresbericht 1854.
p. 100) ihre weitere Ausführung gefunden haben, so wird ein Hin-
weis auf jene Abhandlung allein genügen.
Fahre (Annales des sciences naturelles, 4. ser.VII. p. 329) hat
sehr interessante Mittheilungen über das Schmarotzen der Melecta ar-
mata in den Nestern der Anthophora pilipes gemacht. Er beobachtete,
dass erstere Biene sich in grosser Anzahl ans den Zellen der Antho-
phora entwickelte und sah, wie sie in die Zellen derselben des Eier-
legens halber eindrang, ohne von der Anthophora daran gehindert
zu werden. Nach seinen Beobachtungen bestreitet F". die Richtig-
keit der Annahme Lep el 1 eti er's, dass die parasitirende Melecta ihr
Ei in die Anthophora- Zelle lege, bevor diese vollständig mit Honig
gefüllt sei , und dass sobald dies geschehen , die Anthophora ihrer-
seits vor dem Schlüsse der Zelle ebenfalls ein Ei hineinlege; er hat
nämlich bei Untersuchung zahlreicher Zellen niemals zwei Eier in
einer einzelnen gefunden, was hiernach der Fall sein müsste. F. ist
vielmehr der Ansicht, dass Melecta erst in die Anthophora-Zelle ein-
dringe, wenn sie mit einem Eie von Seiten der Besitzerin belegt
sei, dieses mit den Mandibeln zerbeisse und nun ihr eigenes Ei hin-
einlege , welches dann von der Anthophora durch Anfertigung des
Deckels eingeschlossen würde ; für diese Vermuthung spiicht die
Beobachtung des Verf., dass Melecta öfters in die Zellen der Antho-
phora eindringen gesehen wurde, während letztere Biene schon mit
der Anfertigung des Deckels beschäftigt war.
lieber zahlreiches Vorkon)men von Fadenwürmern (Mermis albi-
cans) in Apis mellifica und zwar ausschliesslich in Drohnen, welche
dadurch in grosser Anzahl starben, nsachte Assm uss (Allgem. deut-
sche INaturhist. Zeitung III. p. 353) eine Mittheilung.
Vespariae. H. de Saussure, Nouveaux Yespides du Me-
xique et de l'Amerique septentrionale. (Revue et Magasin de Zoo-
logie IX. 1857. p. 269—280.) Der Verf. macht hier eine grössere
Anzahl neuer Vesparien aus Mexiko und Nord-Amerika, die von ihm
selbst gesammelt sind, vorläufig durch Diagnosen bekannt; die aus-
führliche Charakteristik derselben soll in einem Werk, welches die
Resultate seiner Reise zusammenfasst, erfolgen. Die Namen der Ar-
ten sind folgende: Zethus Aztecns, spinosus, Montezttma, Gunlemotzin
(zur Abtheilung Zethusculns gehörig) , Poeyi (von Cuba), Chiconten-
catl und Matzicatün (zur Abtheilung Didymogastra) ; mit Ausnahme
der einen Art alle aus Mexiko. — Montezwnia huasteca , Evmenes
Iturhide und aztecns (zur Divisio a.) , mexicanus und reguhts (zur
Divisio o), Pachymenes Sanfanna, Odynerus (Protodynerus) Philadel-
phiae aus Pensylvanien , (Ancistrocerns) rapra aus den Vereinigten
Staaten und Canada, Santa Anna, Bustamente, tigris (Pensylvanien),
Parred£Si proafimus (Jiiew-Yi)rk) , Bravo^ Faviast occidentalii, Aristäi
364 Geis taecke r : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Stimichrasti, Gnzmani, Aztecus, Hidalgo, Iturbide, Aharado, ßavopichts
(Vereinigte Staaten), Morelios, Guerrero , Toltecus , vagus und peren-
nis (Vereinigte Staaten), Huastecus, Otomitus, sobrinus , Peyroti, To-
tonacus, Tacubayae, Maya, Vicloriu, Mystecus , Tapanecus , Chichime-
cus, Acollmus und Nectarinia Azteca. Die Arten , welche nicht be-
sonders bezeichnet sind, staninjen aus Mexiko.
Derselbe sprach sich in einer „Note sur les Polistes Ameri-
cains" (Annales de la soc. entomol. V. p. 309 — 314) über die grosse
Veränderlichkeit der Färbung bei den Polistes- Arten überhaupt aus
und ging spcciell auf die Amerikanischen Arten ein, welche von ihm
in seiner Monographie des guepes sociales zwar schon auf eine ge-
ringe Anzahl von Arten rediicirt worden seien , aber trotzdem nach
den von ihm an Ort und Stelle gemachten Beobachtungen noch wei-
ter eingezogen werden müssen. Im Ganzen sind dem Verf. nur elf
nordamerikanische Arten als selbstständige bekannt , nämlich : a) mit
konischem, nach hinten zusammengedrückten Hinterleib: Polistes ca-
nadensis Lin., annularis Lin., cavapyta Sauss. und americanus Fabr.
(wozu P lineatus und instabilis Sauss. als Varietäten gehören. — b)
mit niedergedrücktem , an der Spitze zusammengedrückten Hinter-
leib : P. carnifex Fab., aurifer Sauss. und comanchvs n. sp. aus Neu-
Mexiko , durch Diagnose festgestellt. — c) mit niedergedrücktem,
mehr ovalen Hinteileib : P. rubiginosus Lepell. , fuscatus Fab. (wozu
P. exilis, pacificus, instabilis var. und cinerascens Sauss. als Varietä-
ten gehören), minor Pallis. und apachus n. sp. aus Neu-Mexiko, hier
diagnosticirt.
Derselbe („Description de quelques Vespides nouveaux," An-
nales de la soc. entomol. V. p. 315 — 319) beschrieb folgende neue
Arten : Ischnogaster Drcwseni von Pulo Penang, Mischocyttarus Dreic-
seni aus Brasilien, Rhynchium crtr6onar/w7?i von Tranquebar und Ody-
nerus Dreuseni aus Keu-Holland.
Desselben „Bemerkungen über die Gattung Vespa, besonders
über die Amerikanischen Arten" (Entomol. Zeitung p. 114—117) han-
deln über die Veränderlichkeit der Färbung bei den überdem sehr
ähnlich gezeichneten Arten Europa's und Amerika's, für welche
hauptsächlich die Flecke des Clypeus, die Färbung der Fühler und
besonders die Stellung der Augen als charakteristische Merkmale zur
Art-Unterscheidung hervorgehoben werden. Was die Amerikanischen
Arten betrilft, so ist zu bemerken, dass dieselben in Kord -Amerika
zahlreich vertreten sind , gegen Mexiko hin abnehmen und weiter
südlich ganz zu fehlen scheinen; überall sind die Individuen selten,
wogegen die Polistes-Arten häufig, also gerade umgekehrt als in Eu-
ropa. Saussure kennt elf Nord-Amerikanische Vespa-Arten , näm-
lich: a) mit nicht bis zu den Mandibeln reichenden Augen: V. ma-
culata Lio.» diaboliaa und inferualis Sauss.; \>) mit gans oder bei#
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 365
nahe an die iMandibeln reichenden Augen: V. Carolina Fab., sulphu-
rea Sauss., cuncataFab., arenaria Fab., marginata Kirby, vidua Sauss.,
communis Sauss. und pensylvanica Sauss. — Der Verf. bringt diese
Arten in eine analytische Tabelle , zieht V. consobrina Sauss. als
identisch zu V. arenaria Fab. und arenaria Sauss. zu marginata Kirby,
und diagnosticirt F. commvnis und pensylvanica als neue Arten.
Ref. machte (x^Ionatsberichte derAkad. d. Wissensch. zu Berlin
p. 462 ü.) folgende neue Arten aus Mossambique durch Diagnosen
bekannt: Eumenes longirostris , phlhisica , sangtünolenta , Rhynchium
hislrionicum, pulchellinn, luctuosuin, Beloyiogaster lateritius, elegans,
Icaria nohilis , distigma und tomenlosa. Von bekannten Arten wur-
den in Mossambique aufgefunden: Eumenes tinctor, Synagris xanthura
Sauss., Khynchium rubens Sauss., Belonogaster junceus Fab., Polistes
Smithii und^fastidiosus Sauss.
Eine Reihe neuer Arten aus verschiedenen Ländern, im British
Museum befindlich, machte Smith (Catalogue of Hymenopt. Insects in thc
collection of the British iMuseum , Pt. V. Vespidae, London 1857) be-
kannt. Aus der Masariden-(iruppe : Paragia pictifrons aus Australien.
— Aus der Eumeniden -Gruppe : Rhaphiglossa Natalensis und Zethus
pvbescens von Pt. Natal, Zetkvs carbonarivs, pallidus, sculpluralis, dubius,
carinahis aus Brasilien, albopictns von St. Domingo, gracilis, laeti-
nodus aus 31exiko, Eumenes svblaevis von Borneo, fultipennis von
Celebes, imperatrix aus Nord-China, insularis von den Salomons-In-
seln, anropilosa aus Brasilien, picta von St. Domingo, Pachymenes
obscura aus Mexico , Abispa auslralis von Port Essington , Odynerus
basalis aus der Ukraine , inlricatus von Bombay , flavolineatus von
Java , confliientus von Sumatra , rvfescens von Ceram , fragilis von
Borneo, nigrifrons aus Shanghai, flavocinclus aus Neu-iloUand, i-tu-
berculatus und eumenoides von Pt. Natal , combustus und instabilis
vom Gambia, pruinosus von St. Domingo, similis von Mexiko, Ala-
stor argentifrons und carinatus uns Neu -Holland, albocinctus aus
Tasmanien. — Von socialen Wespen: Ischnogasler cilipennis von
Malacca, Icaria peyidula aus Ostindien, opulenla und flaxopicta aus
Borneo, Polistes lateritius von Ceram, oculalvs uns Mexiko, Vespa
tyrannica von Singapore, Polybia pallidipeclits aus Mexiko, cordata,
albopicta, bicolor , diligens aus Brasilien, flavifrons aus Venezuela,
Chartergus luctuosus aus Brasilien.
V. Motschulsky (Etudes entomol. VL p. 40) beschrieb Vespa
Japonica (Radaschkovvsky i. lit.) als neue Art aus Japan, 20 lin. lang.
H. de Saussure, Etudes sur la famille des Vespides. Mo-
nographie desGuepes sociales ou de la tribu des Vespiens, Cah. 8— 10.
Paris 1856-57. (8., CXLlVpag., pl. 35-37.) — Der Verf. beginnt
seine Nachtrage und Ergänzungen zu der Monographie der socialen
Wespen mit einem allgemeinen Theile, in welchem er auf die sy-
366 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
stematische Eintheilung der Gruppe in Gattungen, auf die sexuellen
Unterschiede, auf die geographische Verbreitung der Gattungen und
Arten, endlich mit besonderer Ausführlichkeit auf die Wespenbauten
eingeht; der letztere Abschnitt nimmt den bei weitem grössten Theil
der vorliegenden drei Hefte, von p. 19— 138 ein. Kach Betrachtung
der Wespennester und ihrer Elemente , der Waben und Zellen im
Allgemeinen geht der Verf. zu einer Classification der Bauten über,
welche bereits in einer besonderen Abhandlung (siehe Jahresbericht
1855. p. 106 fF.) veröffentlicht worden ist; das dort aufgeführte Sy-
stem wird hier unverändert wiedergegeben, jedoch in seinen Ein-
zelnheiten weiter ausgeführt und erläutert. Auf die von Moebius
(siehe Jahresbericht IfcöG. p. 116) gegen die Natürlichkeit dieses Sy-
stems gemachten Einwendungen geht der Verf. p. 65 ff. in einem Ca-
pitel : „Rapport enlre ia Classification des nids et celle de ses artisans"
nur indirekt ein und noch dazu, ohne die vortreffliche Arbeit jenes
Autors auch nur mit einem Worte zu erwähnen, obwohl er ihr au-
genscheinlich mannigfache Modifikationen seiner früheren Ansichten
zu verdanken hat. Seine Meinung , dass Arten einer und derselben
Gattung nicht zugleich zu den Phragmocyttaren und Stelocyttaren ge-
hören können, hat S. in Hinsicht auf die Gattungen Chartergus und
Polybia allerdings aufgegeben; er stellt jedoch das Vorkommen be-
gränzter und unbegränzter Nester bei Chartergus nur als Ausnahme
hin, M'ährend er sich bei Polybia damit hilft, dass diese Gattung ein
Gemisch verschiedenartiger Elemente sei und daher der Theorie kei-
nen Eintrag thue. Dass unter Polistes einige Arien zu den „Rectini-
des," die meisten dagegen zu den „Laterinides" gehören, erkennt er
ebenfalls an, während er für die übrigen Gattungen bis auf Weiteres
die Ansischt , dass die Arten derselben stets Nester von gleicher Ca-
tegorie bauen, festhält. In dem speziellen Theile dieses Abschnit-
tes beschäftigt sich der Verf. mit einer eingehenden Charakteristik
der Nester einer grösseren Anzahl verschiedener Arten.
In einer „Note sur les organes buccaux des Masaris" (Annales
des scienc. natur. , 4. ser. VII. p. 107-112. pl. I.) unterwarf H. de
Saussure die sehr complicirte und abweichende Bildung der Un-
terlippe bei den Masariden einer genauen Darstellung. Am meisten
stimmt dieselbe bei der Gattung Paragia mit der den Eumeniden
eigenthümlichen Form überein, den abweichendsten Typus zeigt sie
dagegen bei Masaris selbst; einen Uebergang zwischen beiden Formen
vermittelt die Bildung der Lippe bei der Gattung Ceramius. Auf der
beifolgenden Tafel hat der Verf. die Bildung der Lippe bei Paragia,
Masaris und Celonites nochmals durch mehrere Figuren erläutert.
Crabronites. Ref. (Monatsberichte der Berlin. Akad. der
Wissensch. 1857. p. 509 f.) machte folgende neue Arten von Mos-
sambique durch Diagnosen bekannt: Philanthns stygius . frontalis,
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 367
Ccrceris piclhentris, trimalis, rvfocincta, Ltjrops quadricolor, flucluata
und septilchralis.
Schenclv (Jahrbücher des Vereins f. Katiirk. im Herzogthum
Nassau XII. p. 62 ff.) beschrieb als angeblich neue Deutsche Arten:
Solenins argentens, Eclemnins pictus , Crossocervs clypeatus , Njjsson
lineolatus (ist offenbar auf eine Varietät des weiblichen Nysson ma-
culatus Fab. gegründet), Tachytes obscuHpennis , Psen intermedins,
laevigatus , ambigmis und fulvicornis. Der Verf. ist bei mehreren
dieser Arten selbst im Zweifel, ob sie nicht als Varietäten von bereits
bekannten anzusehen seien.
Goureau (Bulletin de la soc. entomol. p. CLVII) machte Mit-
theilungen über die Brutstätte von Passaloecus gracilis Dahlb. oder
einer ihm nahe verwandten , neuen Art. Die Zellen waren zu fünf
in einem ßosenstocke angelegt , in dessen Stengel ein Gang von 5
bis 6 centim. Länge eingegraben war. In jeder Zelle fand sich eine
nackte Nymphe von gelber Farbe; es war keine Spur von Ueber-
bleibseln verzehrter Insekten darin zu finden, ein Zeichen, dass der
Raub der Larven von weicher Consistenz sei, also wahrscheinlich
wie bei den übrigen Pemphredonidcn in Blattläusen bestehe.
Splieg^idae. Neue Arten des Ref. aus 31ossambique (Mo-
natsberichte der Berlin. Akad. d. Wissensch. 1857. p. 510 f.) sind :
Ammophila Ingnbris, Chlorion fuhipes und subcyanetim ; von bekann-
ten Arten wurden aufgezählt: Sphex albifrons Fab. , Ammophila fer-
rugineipes Lepell. und Pelopoeus spirifex Latr.
Stal, ]\ya arter af Sphegidae (Öfversigt af Kongl. Vetensk.
Akad. Förhandl. 1857. p. 63 ff.) gab Diagnosen von Ampulex amoena
n. A. aus China und vetmsta aus dem Caffernlande.
PoHipilidae. Pompihts vespertilio , fatalis und irpex sind
neue Arten des Ref. aus Mossambique (Monatsberichte der Berlin.
Akad. d. Wissensch. 1857. p. 511) ; von bekannten wurden daselbst
aufgezählt: Pompilus Tamisieri Guer., morosus Smith, Brentonii Guer.
und pnlcher Fab.
Von Stal (Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl. 1857.
p. 63ff.) wurden diagnosticirt : Pepsis colossica aus Columbien, Dahl-
bomii aus dem Caffernland, Mildei und Hemipepsis ochroptera aus Ca-
lifornien , iodopteva aus dem Caffernland , ochropus aus Sierra-Leona
und Sphecius lanio aus Neu-Holland,
Von Schenck (Jahrbücher d. Vereins f. Naturk. im Herzogth.
Nassau XII. p. 235 ff.) folgende Deutsche Arten als neu beschrieben:
Pompilus intermedivs, distinguendus, Priocnemis maculipennis. clari-
pennis und Agenia canaliculata.
Heterog^yna. Ref. errichtete (Monatsberichte der Akad.
d. Wissensch. zu Berlin p. 511 ff.) eine neue Gattung (oder Unter-
368 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
gatlimg) PseutJomeria auf eine aus Mossambique stammende neue Art:
Ps. semiridfa, welche sich von den übrigen bekannten Arten der Gat-
tungiMeria dadurch unterscheidet, dass in den Vorderflügeln die zweite
Submarginalzelle verkümmert ist, wodurch sich die dritte verlängert
und beide Nervi recurrentes aufnimmt; ausser dem auffallend Nachge-
drückten Körper und dem Innggestreckten , gleichbreiten Abdomen
sind auch an den Fühlern das 2. bis 4. Glied nicht an der Spitze an-
geschwollen und stark verkürzt. — Als neue Arten aus Mossambique
wurden ferner (^ebenda) diagnosticirt : Mutilla aestuans, Tellensis, bi-
lunata, Guineensis Fabr. mas, Tiphia pedestris, scabrosa, Myzine cin~
(julata , Scolia pardalina , mansiieta. — Von bereits bekannten Arten
werden als in Mossambique einheimisch aufgeführt: Scolia ruficornis
Fabr., melanaria Burm. , cyanea Lepell. , thoracica Fabr. und fascia-
tella Klug.
H. de Saussure, Notes sur les Scolietes et diagnoses de di-
verses especes nouvelles. (Revue et Magasin de Zoologie IX. 1857.
p. 280 — 282.) Die neuen hier durch Diagnosen bekannt gemachten
Arten sind : Scolia Azteca und Montezumae, Elis Tolleca und Ämeri-
cana aus Mexiko. Als Synonyma werden bezeichnet : Scolia coro-
nata Smith = frontalis Sauss., pulchra Smith = Picteti Sauss., insta-
bilis Smith = Jurinei Sauss., personata Smith = fulvifrons Sauss.,
aulica Burm. Smith = dubia Say, Sauss., dubia Smith = haematodes
Burm., Scol. bimaculata Smith = Elis consanguinea Sauss., Scol. ir-
regularis Smith = Elis lativentris Sauss.
Schenck (Jahrbücher d. Vereins f. Katurk. im Herzoglhum
Nassau XII. p. 278) beschrieb Polochnan (?) cylindricum als neue
Deutsche Art. Nach den Angaben über die Form der Cubitalzellen
gehört diese Art nicht zu Polochrum ; nach denjenigen über die Bil-
dung der Fühler und die Zeichnung des Hinterleibs würde man eher
auf eine Sapyga schliessen, von welcher Gattung die vorliegende Art
jedoch dem Verf. zufolge abweichen soll.
F'ormicariae. Roger (ßerl. Entom. Zeitschr. I. p. 10 ff.)
charakterisirte unter dem Namen Telrogmns caldarins eine neue Gat-
tung und Art aus der Abtheilung der 3Iyrmicinen, welche mit Lepto-
thorax Mayr zunächst verwandt ist; die Kiefertaster sind drei-, die
Lippentaster zweigliedrig , das Äletanotuni ist rinnenartig ausgehöhlt,
mit scharf erhabenem Rändern , in der Mitte mit zwei kurzen aufge-
richteten Dornen und zwei gleichen am unteren Ende zur Seite der
Einlenkungsstelle des Pedunculus. — Die Art , welche in Arbeitern
und Weibchen beschrieben ist, findet sich in grosser Anzahl in Ana-
nashäusern bei Räuden in Schlesien und ist wahrscheinlich impor-
tirt. — Ein Zwitter dieser Art, links Männchen, rechts Weibchen,
ist ebenda p. 15 ff. ausführlich beschrieben und auf der beifolgenden
Tafel abgebildet.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 369
Derselbe (eltenda p. 17 (F.) gab interessante Aufschlüsse über
Formica capsincola Schilling. Letzterer wollte beobachtet haben, dass
die genannte Ameise ihre Eier einzeln an die Rinde der Eichen ab-
legt und die ausschlüpfenden Larven zum Schutze mit einem kapsei-
förmigen Gewebe umgiebt, welches nach der Entwicklung von der
herauskommenden Ameise durchbrochen wird. R. hat dieselbe Art
an derselben Lokalität nebst den erwähnten Kapseln aufgesucht und
gefunden, da^ letztere keine angefertigten Kapseln, sondern trächtige
Weibchen von Lecanium Cambii sind, aus denen die Ameisen auch
nicht ausgeschlüpft sind, sondern welche nur des Saftes we-en von
den Ameisen heimgesucht werden. Vielleicht is t F. capsincola Schill,
nichts Anderes als F. nigia Lin.
L. Dufour (Annales de la soc. entomol. V. p. 60 fP.) errich-
tete auf Formica pygmaea Latr., von welcher er eine Beschreibung
und auf pl. 4 eine Abbildung giebt, eine.neue Gattung Mlcromynna,
deren wesentlicher Charakter besonders in der Form des Hinterleibs-
slieles liegt. „Abdominis petiolum simplicissimum , breve, cylindri-
cum, thorax inermis seu muticus, postice truncato -retusns, mandibu-
]ae inaequidentatae." Da die Form, pygmaea Latr. zur Gattung Ta-
pinoma Foerst. gehört, so würde die Gattung Micromyrn.a Dul". mit
der Förster'schen zusammenfallen; übrigens giebt Duf. abweichend
von Nylander bei den Arbeitern seiner Art zwölfgliedrige Fühler
an und ist daher über die Identität derselben mit der vonNylander
als F. pygmaea Latr. angesehenen im Zweifel.
„Ungarn's Ameisen von Dr. G. Mayr" (22 pag. in 4., ohne
Titel und Jahreszahl erschienen) ist eine Schrift, in wd eher der Verf.
die ihm aus Ungarn bekannt gewordenen Ameisen in analytischen Ta-
bellen kurz nach den Arbeitern beschreibt und über ihre Lebensweise
IVotizen giebt; sie ist vorzüglich darauf berechnet, Anfänger in das
Studium dieser Familie einzuführen, giebt übrigens zugleich ein Bild
der dortigen Fauna. Die einzelnen Gattungen sind in folgender
Weise vertreten: Formica 25, Tapinoma 3, Hypoclinea 1, Folyer-
gus 1, Ponera 1, Myrmica 3, 3Iyrmecina 1, Tetramorium 2, Strongv-
lognathus 1, Leptothorax 2, Diplorhoptrum 1 und Atta 2 Arten.
Clirysidides. Die zwischen der Wolga und dem Ural vor-
kommenden Arten dieser Familie hat Eversmann (Bullet, de la
soc. imp. des naturalistes de 3Ioscou 1857. IV. p. 544— 567} zusam-
mengestellt , die einzelnen Gattungen und Arten mit lateinischen Dia-
gnosen versehen und die darunter befindlichen neuen charakterisirt.
Die Zahl derselben stellt sich folgendermassen heraus: Cleptes 2 A.,
Omalus 3, Ellampus 7, (£. femoralis n. A.) , Holopyga 1, Hedy-
chrum 5, (//. Haiipes n. A.) , Chrysis 18, (C/a-. cylindHca n. A. mit
ganzrandigem Endsegmente des Hinterleibs, Chr. amoena n. A. mit
vierzähnigem Endringe ; alle übrigen Arten der Gattung sind eben-
Archiv f. Naturgesch. XXIV. Jahrg. 2. Bd. V
370 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
falls ausführlich charakterisirt.) Stilbum 2 A. , Euchroeus 3, Parno-
pes 2, (P. Popovii n. A.)- In der Nomenklatur der Arten ist der
Verf. überall Dahlbom gefolgt, daher er auch die Synonymie nicht
weiter erörtert.
IclineMBnooides. Wesmael hat unter dem Titel: „Ich-
neumonologica otia" in den Bulletins de l'academie royale des scien-
ces de Belgique XXIV. 2. p. 355—426 seinen Arbeiten über die ein-
heimischen Ichneumonidcn abermals einen neuen Nachtrag hinzuge-
fügt , in welchem er eine grössere Anzahl neuer Arten beschreibt
und die Kenntniss früher beschriebener durch ergänzende Bemerkun-
gen vervollständigt. 1) Ichneumones oxypygi. Neue Arten sind:
Chasmofhs pahtdicola (Ch. motatorius var. Wesm. antea) von Paris,
Ichneumon tentalor ebendaher , imperiosvs aus Ungarn , nobilis aus
Piemont, persvicuns aus Frankreich, ebmnifrons aus Belgien, ery-
thromerus (insidiosus var. Wesm. antea), alhicollis , phaeostigmvs,
eumerus (raptorius var. Wesm. antea), exilicornis (raptorius var.
Wesm.), ßnnipes aus der Schweiz, Dahlbomi aus Schweden, sexcin-
ciwstaus Piemont, hitmilis aus Deutschland, torpidus aus Piemont,
citrinops aus der Schweiz , zephyriis , comis , lencocrepis aus Italien,
psendocryphis aus Belgien. — Hoplismenus lamprolab^is. — 2) Ichneu-
mones amblypygi. Neue Art : Ambhjteles longimanus. — 3) Ichneu-
mones platyuri. Neue Art: Platylabus varipednlis aus Ungarn. — 4)
Ichneumones pneustici. Neue Arten : HemicJmeumon snbdolns aus Un-
garn, suspectus aus Belgien, Gnathoxys nasufvs aus Ungarn und Deutsch-
land , Phaeofjencs rubiipictns von Paris, Aethecenis regius, Ischnus
anomalus aus Belgien. — Für die vervollständigten Beschreibungen
bereits bekannter Arten so wie für die synonymischen Berichtigungen,
welche der Verf. giebt, verweisen wir auf die Arbeit selbst.
Auch Boie (Beobachtungen und Bemerkungen, Entomol. Zelt,
p. 192 IT.) theilte fernere Beobachtungen über die Zucht von Ichneu-
monidcn aus verschiedenen Raupen u. s. w. mit und beschreibt die-
jenigen, welche er für neu hält: Ichneumon nitidulus aus Noctua pi-
niperda, Campoplex facialis aus Noctua ripae, Phytodiaetus maritimus
aus der Puppe einer Scatophaga , Pimpla cryptocampi aus Weiden-
Gallen (von Blattwespen). Ausführliche Angaben über die Verän-
derlichkeit des lehn, incubitor Grav. und die Abweichungen der
beiden Geschlechter von einander auf p. 195 ff.
A. E. Holmgren, Monographia Tryphonidum Sueciae. Hol-
miae, 1856.4. 300 pag. c. tab. 2. lith- (Acta Regiae Academiae scien-
tiarum Holmiae I. 1855. p. 91—394). Der Verf. liefert in dieser sehr
niüfangreichcn Abhandlung eine monographische Bearbeitung der in
Schweden einheimischen Arten der Ichneumonidcn -Gruppe Trypho-
nides , Avelche nicht nur für die Kenntniss der Arten , sondern auch
in Rücksicht auf die systematische Gliederung der Gruppe von beson-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 371
derer Bedeutung ist. Nachdem der Verf. für die fünf Hauptg.uppen
der Ichneumonen, die Ichneumonides, Crypti , Ophionides, Tiyphoni-
des und Fimplariae die wesentlichen Charaktere festgestellt hat, zer-
fällt er die Tryphonides zunächst in vier Abtheilungen : Tryph. ho-
malopi, prosopi, schizodonti und aspidopi. Während in den drei
ersten Abtheilungen das Scutellum mehr oder weniger erhaben, nach
hinten verengt und an der Spitze abgerundet ist, zeigt es sich bei
der vierten abgestutzt und seine Ecken vorgezogen. Bei den Tryph:
bchizodonti ist der obere Zahn der 3Iandibeln zweispitzig und unter
demselben erscheinen die Mandibeln dreizähnig; bei den Tryph. pro-
sopi und homalopi ist der obere Zahn der Mandibeln dagegen unge-
theilt. Letztere beiden unterscheiden sich durch den Ch^peus , der
bei den Tryph. homalopi abgetrennt, bei der Tryph. prosopi mit der
Stirn verschmolzen, durch das Gesicht, welches bei ersteren wenig
hervortretend, bei letzteren stark vorgequollen ist, durch die Längs-
verhältnisse des ersten Gliedes der Fühlergeissel , welches bei d"en
Tryph. homalopi länger als das zweite, bei den Tryph. prosopi meist
ebenso lang als das zweite ist, durch die ISpiracula des Metatho;ax,
die bei den einen gerundet, bei den anderen länglich oder oval sind.
— Die Tryphonides homalopi umfassen 20 Gattungen, die je nach-
dem die Hinterschienen mit zwei Dornen bewaffnet oder unbewehrt
sind, in zwei Sektionen zerfallen. Unbewehrte Schienen haben drei
Gattungen: Acrotomus n. g. , Exenterus Hart, und Exyston Schiödte.
Zweidornige Hinterschienen kommen 17 Gattungen zu , welche der
Verf. nach den Verschiedenheiten einzelner Körpertheile abermals
in fünf Divisionen zerfällt: a) Mesoleptus Grav. , Catoglyptus Fürst.,
Euryproctus n. g. und Notopygus n. g. b) Ctenopelma n. g. , Prio-
nopoda Holmgr. c) Perilissus Forst., Eclytus n. g. d) Me-astylus
Schiödte. e) Mesoleius Holm. , Trematopygns n. g. , Tryphon Fall.,
Grypocentrus Ruthe , Adelognalhns n. g. , Euceros Grav., Polyblastus
Hart, und Erromenus n. g. — Die Tryphonides prosopi zerfallen in
7 Gattungen : Monoplectron Holm., Ischyrocnemis n. g., Colpotrochia
Holm., ExochusGrav., Chorinaeus n. g., Hyperacmns n. g. und Ortho-
centrus Grav. — Die Tryphonides schizodonti beschränken sich auf
die einzige Gattung Bassus Fall., die Tr. aspiflopi auf Metopius Panz.
— Die Zahl der in der vorliegenden Arbeit beschriebenen neuen Ar-
ten ist sehr beträchtlich und die überhaupt darin enthaltenen betra-
gen mehr als fünfhundert; die artenreichsten Gattungen sind: Meso-
leius 112, Tryphon 21 , Polyblastus 46, Exenterus 47, Exochus 29
Orthocentrus 55 und Bassus 41. In artenreichen Gattungen giebt der
Verf. ausser den Beschreibungen der einzelnen Arten eine analytische
'Iabell£ zur leichteren Bestimmung derselben. Der Verf. hat eine
ebenso grosse Sorgfalt auf die Beschreibung des ihm vorliegenden
Materials als auf die Durcharbeitung der früheren Literatur verwandt
372 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
so dass sowohl ans diesem Grunde als auch wegen der Reichhal-
tigkeit der Schwedischen Fauna an Tryphoniden die Arbeit als eine
be^sonders wichtige in der ichneunionologischen Literatur zu bezeich-
nen ist. Zwei beifolgende Tafeln geben eine Darstellung von 25
Gattungs-Repräsentanten.
Derselbe, „Ophionidslägtet Anonialon" (Öfvcrsigt af Kongl.
Vetensk. Akad. Förhandl. XIV. p. 157-186) lieferte eine Aufzählung
und ausführliche Beschreibung der in Schweden einheimischen Arten
der früheren Gattung Anomalen Grav. , in weicher er mit Wesmael
vier Untergattungen annimmt. Von diesen ist Schizoloma Wesm.,
Exochilum Wesm. und Ilete.ochilum Wesm. je durch 1 , Anomalon
sens strict. durch 19 Arten vertreten, unter letzteren sind als neu
zu erwähnen: Anomalon Wesmaeli Cruf.corne Grav.?, bellicosum
var. WesuK), rvfum, affine^ septevifrionale und fjeniculatum. Die Ab-
handlung ist von einer Tafel begleitet.
Giraud (Verhandl. des zoolog. -botan. Vereins in Wien VIL
p 136 ff ) beschrieb Euceros crassicornis Grav. und albitarsis Curt.
„ach beiden Geschlechtern, Nctopius nasutus (ob = iM. micrator,us
Grav '^) Mesostenns nuheculalor, Pez-omachns fricolor als neue Arten
aus Oeslerreich, Anomalon fascialum^us Sicilien, Dalmatien und Sy-
rien. Abbildungen auf Taf. 3.
Sncllen van V o 1 1 e nh o v en (Bouwstolfen voor eeneFauna
von INederland iL p. 281 f.) : Lissonola crnenta , Exclasles Cimbicis
und Anomalon hucephahnn als neue Arten aus den Niederlanden.
rsacK Sichel (Bullet, de la soc. entomol. p. XCVI) ist der von
Doumerc aus Hemerobius perla erzogene Ichneumo.ide ^^fi» Ac«e-
„ites wie früher von ihm angegeben (vergl. Jahresbericht 1855.
p 118), sondern ein llemiteles; die Art ist entweder eine Vanetat
von Hern, floricolator Grav. oder eine damit verwandte neue Art.
A.riotvpus armatus Walk., von v. Siebold neuerdings als
Schmarotzer \onPhryganiden- Larven (Aspatherium picicorne K o 1 )
nachgewiesen, kommt nachKollar (Verhandl. d. zoolog.-botau. Vei-
eins hl Wien VIL p. 189) auch in Bayern und Steyermark vor; die
Art war bisher nur aus England bekannt.
Kawall (Entomol. Zeitung p. 12 ff.) wies auf eine von Ihun-
berc im IX. Bande der Petersburger Akademie-Schriften (18.4) er-
Thunberg-scUen Namen wiedcrhcgeslellt werden; ha^.U sog
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 373
einige Arten nach Thunberg bestimmen können, die von Graven-
horst und Wesmael gar nicht beschrieben worden sind.
EvaniRles« Montrouzier (Annales de la soc. d'agricul-
ture de Lyon VII, 1. p. 118) beschrieb Stephanus haematipoda als
neue Art von der Insel Woodlark, mit Steph. coronator Boisd. nahe
verwandt.
Braconides. Giraud (Verband!, d. zoolog.-botan. Vereins
in AVien VII. p. 172 (T.) beschrieb raxylonima biiccata Encycl. (=• Hy-
brizon latebricola jXees) nach dem männlichen Geschlechte, P. Cre-
mieri de Romand , Ischiorjonus longicuudis als neue Art aus Oester-
reich, Äleiodes fonnosns , carhonarins und grandis aus der "Wiener
Gegend. Abbildungen dieser Arten auf Taf. lil und IV.
Phylax aestitalis Snellen van Vollenhoven (BouwstofFen voor
eene Fauna van JNederland II. p. 282) ist eine als neu beschriebene
Art aus den INiederlanden.
Boie (Entomol. Zeitung p. 194) bestätigt die Angabe von
Bouchej, dass^ Spathius clavatus ]\ees sich aus Anobium striatum
entwickele.
Clialcidiae« Förster ( Hymenopterologische Studien II.
Heft) errichtete in dieser Familie folgende neue Gruppen: Myinoidae,
zwischen die Chalcididen und Eupelmiden Wal k er's gestellt, für die
Gattungen Agonioneurus Westw. (Myina Nees) , Coccophagus Westw.
und Mesidia n. g. errichtet; letztere Gattung unterscheidet sich von
Myina Nees dadurch, dass dib drei dem Endgliede der Fühler vor-
ausgehenden Geisselglieder von gleicher Grösse sind. ~ Perllampoi-
dae zwischen Eucharoiden und Ormyroiden , für die Gattungen Peri-
lampus Latr. , Lamprosiijlns n. g. und Flatus Walk, errichtet; die
neue Gattung Lamproslylus hat , wie Flatus Walk. , einen deutlich
gestielten Hinterleib, unterscheidet sich aber von derselben durch
tief grubig punktirtes Mesonotum und Schildchen. — Onnyroidae für
Ormyrus AVestw. (Periglyphus Bob., Siphonura Nees, Cystosoma Perty.)
— Elasmoidac für Elasmus (Aneure Kees). — Elachisloidae enthält
die Gattungen Euplectrus Westw., Elachistus Spin, und drei neue:
Aulogymnns , Furchen des Parapsiden auf- das Schildchen stossend,
Fühler mit zwei Ringeln; Olynx, Furchen der Parapsiden weit vom
Schildchen ab auf die Achseln stossend , Fühler mit einem Ringel,
achtgliedrig ; Telcoymus ebenso, aber die Fühler neungliedrig. —
Entedonoidae mit 13 Gattungen: Epiclerus Hai., Rhopalotus, Astichus,
Holcopelte, Euderus Walk., Secodes, Pleuropachys Westw., Fleiirotro-
pis, Entedon Dalm., Asecodes, ümphale Hai., Chrysocharis und Dero-
stenus Westw. Die Gattung Bhopolotns mit keulförmigen , weniger
als zwölfgliedrigen Fühlern , Astichus mit nicht keulförmigen Füh-
lern, deren Geissei beim Männchen stark gesägt und wirtelhaarig ist,
374 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Holcopelte: Fühlergeissel beim Männchen nicht gesägt , Schildchen
mit Mi ttel furche ; Secodes von Euderus Walk, durch den Mangel der
Haarreihen auf den Flügeln unterschieden, mit einer unvollkommenen
Randzelle; Pleurofropis von Pleuropachys Westw. dadurch unter-
schieden, dass die Unterrandader nicht stark verdickt ist; das Meta-
notum mit Seitenkielen. Asecodes von Entedon Dalm. durch glattes
Schildchen unterschieden, Chrysocharis von Derostenus Westw. durch
achtgliedrige Fühler abweichend. — Tetrastichoidae mit acht Gattun-
gen : Triphasius , Anozus, Plerothrix WestvA. , Trichaporus , Ceranisus
Walk., Baryscapus , Hyperteles und Tetrastichus Halid. Die Gattung
Triphasius hat keine Furchen auf dem Schildchen und scheinbar drei-
gliedrige Fühler, Atiozus mehrgliedrige Fühler, Flügel ohne Raums
stigmaticus ; Trichaporus von Pterothrix durch den Mangel langer
Wimperhaare am Vorderrande des Flügels unterschieden , Baryscapus
von Ceranisus Walk, dadurch abweichend , dass der Vorderrand der
Vorderflügel nicht lang gewimpei-t ist, sondern Hass sich lange Wim-
perborsten nur auf dem Ramus marginalis vorfinden; Hyperteles von
Tetrastichus Ilalid. durch zehngliedrige Fühler in beiden Geschlechtern
abweichend. — Trichogramniatoidae, ein Gruppe die für die trimeri-
schen Chalcidier errichtet ist und acht Gattungen umschliesst : Poro-
poea Forst., Trichogramma Westw. , Chaetosticha Walk., Lathromeris,
Centrobia, Asynacta, Brachysticha (Brachista Walk.) und Oligosila
Halid. Bei Lathromeris und Centrobia sind die Vorderflügel reihen-
weise behaart, die Unterrandader bildet keinen Bogen, die Flügel
sind hinter dem Ramus marginalis bis zur Spitze nur mit einem kur-
zen Haarsaume besetzt; bei ersterer Gattung sind die Fühler sieben-,
bei letzterer sechsgliedrig. Asynacta hat nicht reihenweise behaarte
Flügel und siebengliedrige Fühler.
Auch die bereits früher festgestellten Gruppen der Chalcidier
hat Förster (a. a. 0.) mit zahlreichen neuen Gattungen bereichert,
nämlich die Eupelmoiden mit Halidea (vergebener Name) , Polymoria,
Ratzeburgia und Charitopus, die Encyrtoiden mit£wcom?/s, Discodes,
Anusia, Euryscapus, Aglyptus, Echthroplexis, Sterrhocoma, Dinocarsis,
Khopus , Leptomastix (Leptomastax gen. Coleopt. !) , Habrolepis und
Sceptrophorits, die Torymoiden mit Cryptopristus , Glyphomerus, Syn-
tomaspis und Lochites, die Cleonymoiden mit Tricoryphus , Heydenia,
Plutothrix und Tetracampe , die Miscogastriden mit Pachycrepis , Hy-
psicamara, Sphaeripalpus, Arthrolysis, Dichalysis, Cryptoprymna und
Isocratus , die Hormoceroiden mit Anogmus , Tripedias und Isoplata,
die Pteromalinen mit Megapelte , Oxyglypta , Stictonotus , Caenacis,
Xenocrepis, Peridesmia, Simopterus , Dibrachys , Coelopisthia, Diglo-
chis, Metacolus, Pandelus , Dinotus, Rhopalicus und Acrocormus , die
Eiilophoiden mit Solenolus und Sympiesis. Hie Charaktere der ein-
zelnen Gattungen sind stets gruppenweise in analytischen Tabellen
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 375
entwickelt und ausserdem noch näher erörtert ; ein Gleiches hat mit
den Gruppen statt.
A. Costa (Memorie della Reale Accademia delle scienze di
Napoli II. p. 223) machte eine neue Gattung Bactyrischion aus der
Gruppe der Pteromalinen bekannt und stellte für dieselbe folgende
Charaktere auf: Fühler gebrochen, in der Mitte der Stirn eingefügt,
13-gliedrig, die Geissei in eine länglich spindelförmige, solide Keule
endigend; Vorderflügel mit einem sehr kurzen vom Submarginal-Ner-
ven ausgehenden Aestchen und einigen obliterirten Aederchen. Mit-
telbeine mit geraden Schenkeln, die an der Basis dünner, an der
Spitze leicht gekeult sind; Hinterhüften gross, verlängert, frei, Hin-
terschenkel dick, unterhalb reihenweise gezähnelt, Hinterschienen
gebogen, an der Spitze schief abgestutzt und in einen kräftigen Dorn
ausgezogen, ohne beweglichen Dorn. Hinterleib fast sitzend, zusam-
mengedrückt, mit langer Legeröhre. Nur im weiblichen Geschlechte
bekannt. Art: Bact. bicoloratum , fig. 4 abgebildet, aus Neapel, IVz
lin. lang.
Dahlbom hat in der Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad. For-
handl. KIV. p. 289 — 298 unter dem Titel: „Svenska Sma- Ichneumo-
nernas familjer och slägten" eine Uebersicht der in Schweden vor-
kommenden Gattungen der Chalcidier und Proctotrupier gegeben und
dieselben in Gruppen vertheilt, die in ihrem Umfange von denen der
Englischen Autoren mehrfach abweichen. Sowohl diese Gruppen als
die darunter aufgeführten Gattungen sind mit kurzen Charakteristiken
in Schwedischer Sprache versehen, unter letzteren jedoch keine Ar-
ten citirt oder beschrieben, selbst da nicht, wo die Gattungen als
neue aufgestellt werden. Eine Uebersicht des Inhalts der Arbeit ist
folgende: 1) Psilidae Dahlb. (Diapria, Psilus). 2) Codrinidae Dhlb.
(Codrus). 3) Heloridae Dahlb. CAfjenopJionis n. g. , Helorus). 4)
Sparasionidae Dhlb. (Platygaster , Teleas, Sparasion). 5) Ceraphron-
tidae Dhlb. (Microps , Telospilus n. g. , jlegaspilus, Ceraphron). 6)
Dryinidae Halid. (Bethylus , Dryinus , Gonatopus). 7) Entedontidae
Dhlb. (Entedon mit 6 Untergattungen). 8) Encyrtidae Walk. (Loti-
chocerus n. g. , Eupelmus, Copidosoma , Chorcius, Coccophagus, En-r
semion n. g., Stenocera und Encyrtus mit 4 Untergattungen). 9) To-
rymidae Walk. (Sciatheras, Spalangia , Periglyphus , Torymus). 10)
Eurytomidae Walk. (Pteromalodes n. g,, Megastigmus, Decatoma, Eu-
rytoma). 11) PteromaliniDalm. mit 2 Gruppen : Chrysolampidae Dhlb.
{Cycloneuron n. g., Notopodion n. g. , Chrysolampus) und Pteromalini
Dhlb. (Cleonymus, Caratomus , Perilampus). 12) Chalcididae Walk.
(Hookeria, Haltichella, Brachymeria, Eucharis, Chalcis).
Reinhard (Berlin. Entom. Zeitschr. I. p. 70 fP.) erörterte die
Synonymie von 12 Arten aus verschiedenen Pteromalinen - Gattun-
gen, welche sich ihm beim Vergleiche der Englischen und Deutschen
376 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Autoren, von letzteren besonders F ö r st er und Ratzeburg, ergeben
haben.
ßoie (Entomol. Zeitung p. 194) lieferte eine nochmalige Be-
schreibung von Telegiaphus maculipennis Ratzeb., von ihm in einem
Exemplare auch bei Kiel aufgefunden.
Stoll werk (Verhandl. d. naturhist. Vereins, d. Preuss. Rheinl.
und Westphalens XIV. p. 113 — 125) machte umständliche Mittheilun-
gen über die Lebensweise der Poropoea Stollwerkii Forst. Der Pa-
rasit sticht die Eier von Attelabus cnrculionoides an und entwickelt
sich aus den von diesem gebildeten Blattdüten ; es wird nur je ein
Ei des Parasiten in das Ei des Altelabus gelegt , dessen Inhalt der
Larve des ersteren zur ISahrung dient.
Proctotmpii. Förster (Ilymcnopterologische Studien II.
Heft) errichtete in dieser Familie drei neue Gruppen : 1) Plahjgaste-
roidae für die Gattungen Iphitrachelus , Inostemma Halid. und Platy-
gaster Latr. , denen hier ausserdem noch achtzehn neue unter dem
Kamen Allotropa, Metaclisis, Monocrita, Isostasüis^ Acerota, Catilhis,
Xestonotus , Amblyaspis, Leptacis, Isorhotnbvs, Ecladins, Sactogaster,
Synopeas, Anopedias, Isocyhus, Trichacis , Hypocampsis und Polygno-
tns hinzugefügt werden. 2) Belyfoidae mit 19 Gattungen: Ismarus
Halid., Psiloiiwia, Oxylabis, Belyta Jur. , Synacra, Pantolyta, Zygota,
Aclista, Acropiesta, Anectala, Pantoclis, Macrohynnis , Xeiiotoma,
Lcptorkaptus , Cinetus Jur., Anommathim , Diphora, Zelotypn und
Miola. 3) Heloroidac für Ilelorus Latr. — Zu den bisherigen Grup-
pen kommen ausserdem als neue Gattungen: Myclvophoriis zu den
Dryinen, Trichosteresis und Lygocerns zu den Ceraphroniden, Acolus,
Baeoneura , Anieris , Barycomis , Trimorvs, Apegvs, Hadronotns und
Idris zu den Scelioniden, Camptoptera , Limacis, Doriclytus, Cosmo-
coma und Stichothrix zu den Mymariden, Entomacis, Idiolypa, Hemi-
lexis , Loxotropa , Glyptonoia, Monelata und Polypeza zu den Dia-
prioiden.
Haliday (Natural hislory reviewIV., Proceed. of societies
p. 166 (f., pl. X) machte eine neue Gattung Labolips aus der Gruppe
der Diapridae bekannt, von welcher, nach seiner Meinung, nur Weib-
chen vorkommen, die sich durch eine eigenthümliche Bildung der
Eierstöcke (siehe oben unter Insecta!) auszeichnen. Die Fühler sind
auf der hervorragenden Stirn eingefügt und zwölfgliedrig , die Ma-
xillen und Unterlippe zurückgezogen, die Kiefertaster obsolet, die
Lippentaster klein, ungegliedert, die Flügel fast ohne Adern; Ocel-
len fehlen, die Mandibeln sind innerhalb mit einem Zahne bewaffnet,
die Fühler mit verlängertem Schafte, die Geissei durchblättert, der
Hinterleib an der Basis des zweiten Segmentes ausgehöhlt. Art: La-
bolips innvpta, 2 lin. lang aus Irland, auf pl. X abgebildet. — Mit
der Charakteristik dieser Gattung verbindet der Verf. eine Auseinan-
im Gei'iete der Entomologie während des Jahres 1857. 377
dersetzung der Gattungen der Diapriden, und theilt die bisher beste-
henden in eine Anzahl von Untergattungen, die zum Theil neu sind.
Helorus Latr. mit einer neuen Art //. corrnscus bleibt in der frühe-
ren Abgränzung , Ismarus Hai, zerfallt in Ismarus sens. stri(;t. und
Entomius Herr.-Sch., Beiita Jur. in 4 Untergattungen: Acoretiis (für
Belyta rufo-petiolata Kees) mit kreuzweisen, langen, sichelförmigen
Mandibeln, Cinetus (C. gracilipes Curt.), Beiita (Bei. bicolorJur.) und
Opazon mit abwärts gebogenen, rüsselförmigen Mandibeln. Die Gat-
tung Diapria Latr. umschliesst die Untergattungen Diapria sens. strict.,
Basalys , Spilomicrus, Paramesius und Aneurhynchus AVestw. , Galesus
Curt. und drei neue: 1) Corynopria „Antennae maris articulis 14,
quarto integro, feminae articulis 13, ultimo longo maximo ; alae vena
unica capitata; abdominis segmentum secundum laeve , summa basi
leviter tomentosum." Arten: C. petiolaris Nees und cincta n. sp.
2) Glyphidopria. „Antennae 13 articulatae , maris articulo secundo
minuto ; vena subcostalis, qua marginem alae attingit, angulatim reflexa
in ramnlum radialem ; abdominis segmentum secundum basi media
breviter canaliculatum." Zwei neue Arten : Gl. platyptera und per-
plexa. 3) Mionopria. „Antennae maris 13 articulatae, feminae 12
articulatae; vena subcostalis cum costali concurrens in lineolam stig-
maticalem medio appendiculatam ; abdominis segmentum secundum
basi impressum ; mesonoti scutum bisulcum." Art: üiapr. maritima
Halid. — Die Gattung Platymischus zerfällt in Platymischus AVestw.
und Artibolus (Chlidonia Herr.-Sch.), letztere für Diapria brachia-
Hs IVees.
Cynipidae* „On the quantity of Tannin in the galls of Cy-
nips quercus-petioli ," by E d w. Hart Vinen (Journ. of the pro-
ceed. of the Linnean soc, Zoology I. p. 72). Verf. bat einheimische
Gallen (aus England) chemisch untersucht, um ihren Gehalt an Tannin
im Vergleiche mit den im Handel befindlichen Aleppo-Gallen festzu-
stellen. Das durch 3Iaceration der Englischen Gallen in Aether und
Wasser erhaltene Residuum enthielt nur Ya Tannin- und Gallen-Säure,
das von Aleppo-Gallen dagegen fast Yi ; dies Resultat ist aber nicht
massgebend, da die Englischen Gallen nach dem Ausschlüpfen der Cy-
nips, die Aleppanischen dagegen vor demselben, zui- Zeit ihrer gröss-
ten Entwickelung untersucht wurden. Uebrigens schwanken auch die
von verschiedenen Chemikern angesteHten Untersuchungen über den
Tannin-Gehalt der Gallen zwischen 26 und 77 Procent.
Urocerata. S n e 1 1 e n van V o 1 1 e n h o v e n (Bouwstoffen
voor eene Fauna van IVederland II. p. 280) beschrieb Cephus elonga-
tus als neue Art aus den IViederlanden, Giraud (Verhandl. d. zoolog.
botan. Vereins in Wien VII. p. 181 f.) Cephus luteomarginalus aus
Ungarn.
Tentliredinetae« Tasche nberg, „Schlüssel zur Bestim-
378 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
mung unserer einheimischen Blatt- und Holzwespen- Gattungen und
Verzeichniss der bisher in der Umgegend von Halle aufgefundenen
Arten" (Zeitschrift f. d. gesammt. Katurwiss. X. p. 113—118). Der
Verf. entwickelt in dieser kleinen Abhandlung die Charaktere der bei
Halle vorkommenden Tenthredineten- und Uroceraten- Gattungen in
einer analytischen Tabelle und lässt dieser eine systematische Auf-
zählung der von ihm bei Halle aufgefundenen Arten mit Hinzufügung
des Datums und Fundortes folgen. Dieselben vertheilen sich auf die
einzelnen Gattungen folgendermassen: Cimbex 5, Hylotoma 9, Schi-
zocera 1, Lophyrus 7, Cladius 4, Kematus 8, Diphadnus 1 (unbc-
nannt, durch Diagnose festgestellt), Dineura 1, Dolerus 16, Emphy-
tus 6, Phyllotoma 1, Seiandria 20, Athalia 3, Allantus 17, Ten-
thredo 22, Tarpa 2, Lyda 6. — Urocerata : Cephus 3, Xiphydria 2,
Sirex 5.
Sn eilen van VoUenhoven hat unter dem Titel: „De in-
landsche Bladwespen in bare gedaanteverwisselingen en lebenswijze
beschreven door Sn. v.Voll." (Memoires d'entomologie publies par la
soc. ent. des Pays-Bas I. p. 133— 154 und p. 171— 194. pl. 5— 7 und
pl. 9—12) eine Arbeit über die Verwandlung und Lebensweise der
Holländischen Blattwespen begonnen, in welcher er die einzelnen
Arten ohne systematische Reihenfolge , sondern je nachdem ihm die
Naturgeschichte derselben bekannt geworden ist, abhandelt. Während
das vollkommene Insekt, sobald es genugsam bekannt ist, nicht wei-
ter beschrieben, sondern nur durch eine lateinische Diagnose und
Anführung der darüber vorhandenen Literatur festgestellt wird, wer-
den die ersten Stände einer ausführlichen Charakteristik unterworfen,
ihre Lebensweise, Verwandlung, Futterpflanze und ihre Parasiten
genau erörtert. Ausser der Beschreibung ist jede einzelne Art durch
eine beifolgende Tafel, welche Abbildungen der Larve, Puppe und
Imago, der Futterpflanze der ersteren so wie einzelner charakteristi-
scher Theile der letzteren enthält, erläutert; die Ausführung dieser
Tafeln sowohl in Zeichnung als Colorit ist ganz vortrefflich. — Die
in dem gegenwärtig vorliegenden Theile der Arbeit abgehandelten
Arten sind folgende: Abia aeneaKlug, Nematus coeruleocarpus Hart.,
hortensis Hart., Allantus tricinctus Fab. , Cladius viminalis Fall., Lo-
phyrus pini Lin., Nemcctns vallator n. sp. , Larve auf Populus italica.
— Der Verf. beginnt seine Arbeit mit einer Darlegung der über Blatt-
wespen-Larven bestehenden Literatur in chronologischer Reihenfolge.
Derselbe (Bouwstofl'en voor eene Fauna van Nederland IL
p. 276 ff.) beschrieb Lophyrus catocalus , Dolerus Busaei , Seiandria
alhomarginala . Sixii , Lyda maculifrons^, nigricornis als neue Arten
aus den INiederlanden.
Giraud (Verhandl. d. zoolog. -botan. Vereins in Wien VII.
p. 181 fl".) beschrieb Tenthredo (Allantus) Frauenfeldi und Idriensis
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 379
aus Krain, Lyda aurantiaca aus Tyrol und Krain als neue Arten und
brachte Tenlhr. intermedia Klug als Männchen zu Tenthr. coryli Fab. ;
beide wurden in Begattung gefangen.
Diptera.
Insecta Saundersiana, or characters of undescribed In-
sects in the collection of W. W. S a u n d e r s. Vol. I. Diptera,
by F. Walker. London, J. van Voorst, 1856. (8. 474 pag.
c. tab. VIII). — Unter vorstehendem Titel liegt jetzt der 1.
Band des Werkes, dessen frühere Lieferungen in die Jahre
1851 — 53 fallen , mit dem fünften Hefte abgeschlossen
vor; während sich der Verf. in jenen mit der Beschreibung
der in der Saunders'schen Sammlung befindlichen neuen Gal-
tungen und Arten aus den verschiedenen Familien der Di-
ptera brachycera beschäftigt hatte, geht er in dem Schluss-
hefte auf die Nemoceren ein, welche durch lateinische Dia-
gnosen, denen in der Regel eine fast wörtliche Uebersetzung
ins Englische folgt, festgestellt werden. Von neuen Gattun-
gen findet sich nur eine, mit Ceratopogon verwandte, aufge-
stellt. Es folgen ausserdem noch Nachträge, in denen ein-
zelne neue Arten aus den Familien der Tabanii , Xylotomae
und Asilici beschrieben werden. Der Band wird durch ein
systematisch geordnetes Namensverzeichniss der Familien, Gat-
tungen und Arten abgeschlossen ; Abbildungen sind für die
Attheilung der Nemoceren nicht beigegeben worden.
Als eine fernere Ergänzung des eben bezeichneten
Werkes sind die Beschreibungen einer grösseren Anzahl aus-
ländischer Arten aus verschiedenen Familien der Diptera
brachycera anzusehen, welche F. Walker unter dem Titel:
„Characters of undescribed Diptera in the collection of W.
W. Saunders« (Transact. of the entorpol. soc. IV. p. 119—
158) veröffentlicht hat; die hier bekannt gemachten Arten
stammen aus Nord-Amerika, vom Amazonenstrome, von Port
Natal und aus Neu-Holland.
Ein Verzeichniss der von R. W a 1 1 a c e zu Sarawak auf
Borneo gesammelten Dipteren lieferte derselbe im Journal of
the proceed. of the Linnean soc. , Zoology 1. p. 105—136;
„Catalogue of the Dipterous Insects collected at Sarawak,
Borneo, by Mr. A. R. Wallace, with descriptions of new
380 G e r s ta e c k e r : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
species." Die hier verzeichneten Arten, deren Zahl sich auf
170 beläuft, vertheilen sich auf fast alle Familien der Dipte-
ren ; bei weitem die grösste Anzahl derselben wird als neu
angesehen und durch kurze lateinische und englische Be-
schreibungen, beide dem Inhalte nach fast gleichlautend, be-
kannt gemacht. Diejenigen, auf welche der Verf. neue Gat-
tungen gründet, sind von Westwood auf pl. VI durch
schöne Abbildungen und durch Darstellung ihrer charakte-
ristischen Merkmale zur näheren Kenntniss gebracht worden.
J. Bigot, Essai d'une Classification generale et syno-
ptique de l'ordre des Insectes Dipteres. 5. Memoire. (Anna-
les de la soc. entomol. V. p. 517—564.) — Der Verf. beginnt
diese Fortsetzung seiner systematischen Versuche damit,
Nachträge zu den früher behandelten Familien zu liefern, d.
h. die von ihm dort übersehenen und die seit jener Zeit
aufgestellten Gattungen gehörigen Orts einzuschalten , resp.
ihre Selbstständigkeit zu bestreiten. Auch werden zugleich
einige der von ihm begangenen Irrthümer wieder gut ge-
macht , indem z. B. die Gattung Chauna Loew den Stratio-
myiden, Philopota den Henopiern wieder zurückgegeben wer-
den. Wenn der Verf. bei diesen hätte zu der Einsicht kom-
men müssen, dass , um Aenderungen vorzunehmen, eine
geriaue Prüfung des Vorhandenen nothwendig sei, fährt er
nichtsdestoweniger über andere ihm unbekannte Formen in
gleich leichtfertiger Weise zu urtheilen fort, ein Verfahren,
welches die Sache selbst natürlich nicht fördern kann; es
erscheint daher auch unnöthig , auf die zahlreichen , kurz
hingeworfenen Bemerkungen des Verf. hier speziell einzu-
gehen. — Der zweite Theil der Arbeit enthält eine synopti-
sche Tabelle der Galtungen der Asiliden und Empiden , in
welcher, wie bei den früheren Familien, die dem Verf. un-
bekannten Gattungen fehlen; sowohl diese als auch solche,
welche ihm nicht gehörig begründet erscheinen, werden zu-
vor einzeln namhaft gemacht. Die auf einzelne bereits
bekannte Arten begründeten neuen Gattungen so wie die
Hauptmomente, auf welche der Verf. seine Eintheilung der
genannten Familien basirt, sind bei diesen in Betracht gezo-
gen worden.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 381
Derselbe, „Dipteres nouveaux proveaant du Chili"
(Annales de la soc. entomol. V. p. 277—308) lieferte Be-
schreibungen und schöne colorirte Abbildungen von meh-
reren neuen Chilenischen Dipteren verschiedener Fami-
lien , auf welche zum Theil auch neue Gattungen errichtet
wurden.
Camillo Rondani, Dipterologiae Italicae prodro-
nius. Vol. I et II. Parma 1856 — 57. — Der durch seine
zahlreichen Beiträge zur Kenntniss der Italienischen Dipte-
ren-Fauna bekannte Verf. beabsichtigt mit dem vorliegenden
Werke, wie sich aus dessen Anlage ergiebt, weniger eine
eingehende und umfassende Bearbeitung der Italienischen
Zweiflü(Tler im streng- wissenschaftlichen Sinne, als vielmehr
neben der Feststellung der dortigen Fauna hauptsächlich dem
Samuiler ein Hülfsmittel an die Hand zu geben, die daselbst
vorkommenden Gattungen und Arten bestimmen zu können.
Dies resullirt schon aus der von ihm in Anwendung gebrach-
ten analytischen Methode zur Unterscheidung der Familien,
Gruppen , Gattungen und Arten , bei welcher ein Eingehen
auf die wesentlichen und natürlichen Charaktere oft wegfal-
len oder wenigstens in den Hintergrund treten muss, während
ein Hervorheben der rein unterscheidenden Merkmale die
Hauptsache bildet. Nach dem Beispiele anderer nach der-
selben Methode abgefasster Faunen , beginnt der Verf. sein
Werk mit einer analytischen Tabelle zur Feststellung der
Familien, deren er im Ganzen 32 annimmt (Vol. I. p. 10 — 18),
schliesst hieran eine gleiche für die innerhalb der Familien
von ihm angenommenen Gruppen (ebenda p. 19 — 4l), welche
übrigens wohl zweckmässiger mit der dritten Tabelle zur
Bestimmung der Galtungen (p. 42 .ff) , die den übrigen und
bei weitem grössten Theil des ersten Batides einnimmt, ver-
einigt worden wäre. Dieser erste Theil des Werkes führt
auch den besonderen Titel : „Genera Italica ordinis Diplero-
rum, ordinatim disposita et distincta, et in familias et stirpes
aggregata" (Parma, 1856. 8. 226 pag.), während der zweite,
welcher den Anfang des speziellen Abschnittes enthält , die
Bezeichnung: „Species Italicae ordinis Dipterorum, in genera
characteribus deünita, ordinatim coUectae, methodo analytica
382 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
distinctae et novis vel minus cognitis descriplis. Pars I. Oe-
stridae, Syrphidae, Conopidae." (Parma, 1857. 8. 264 pag.)
erhalten hat. In letzterem werden die drei bezeichneten
Familien so wie die unter ihnen vereinigten Gattungen, die
im ersten Theile nur durch die in die Tabelle aufgenomme-
nen Unterscheidungsmerkmale defmirt und je mit dem Citat
einer einzelnen, entweder bereits bekannten, oder (wie es
oft vorkommt) auch vom Verf. als neu bezeichneten Art be-
gleitet worden sind, mit kurz gefassten Charakteristiken ver-
sehen und die ihnen angehörigen Arten nun ebenfalls auf
analytischem Wege auseinandergesetzt ; dieser letzten Ta-
belle zur Bestimmung der Art folgt dann unter jeder Gattung
eine nochmalige Aufzählung der Species mit Hinzufügung
der wichtigsten Synonyme, Bemerkungen über ihr Vorkom-
men, ihre Häufigkeit und die Zeit ihres Erscheinens, bei den
als neu aufgestellten aber auch eine Aufzählung der Merk-
male, durchweiche sie sich von den ihnen zunächst stehen-
den unterscheiden. — Sowohl der Zuwachs an neuen Arten,
welchen die Süd -Europäische Fauna durch das Werk des
Verf. erhält, als auch .die sehr beträchtliche Anzahl der darin
neu aufgestellten Gattungen sichern demselben nothwendig
die Beachtung der sich für die Ordnung der Dipteren inter-
essirenden Entomologen. Da Ref. bisher nicht Zeit gefun-
den hat, sich mit der Arbeit bis in ihre Einzelnheiten näher
bekannt zu machen, muss er sich natürlich eines Urtheils
über den Gesammtwerth derselben enthalten; aus den Cha-
rakteren , welche der Verf. oft zur Aufstellung neuer Gat-
tungen benutzt, so wie aus den darunter citirten Arten, lässt
sich jedoch soviel mit Bestimmtheit ersehen, dass vielen sei-
ner Schöpfungen eine kurze Lebensfrist bestimmt ist, was
z. B. für die auf Kosten der Gattungen Laphria , Conops,
einiger Syrphiden - Gattungen u. a. gebildeten gelten kann.
Für andere, z. B. Mycetina wird wenigstens der Name als
bereits vergeben nicht bestehen können, um ganz von denen
abzusehen , deren Benennung sprachlich unrichtig gebildet
ist; mit den meisten in Italien erscheinenden naturwissen-
schaftlichen Werken theilt das vorliegende ausserdem zahl-
reiche Druckfehler, incorrekte Schreibweise der Eigennamen,
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 383
sowohl von Autoren als Gattungen und nichts weniger als
ansprechende Ausstattung.
Loew's „Neue Beiträge zur Kenntniss der Dipteren«
sind mit einem fünften Beitrage, enthalten im Programm der
Königl. Realschule zu Meseritz vom J. 1857. (4. 56 pag.)
fortgesetzt worden; derselbe enthält eine Abhandlung über
die Familie der Dolichopoden. (Siehe diese Familie!)
Desselben „Dipterologische Notizen« und „Diptero-
logische Mittheilungen« (Wiener Entomol. Monatsschrift L
p. 1 — 10 und p. 33 — 56) enthalten Beschreibungen und Ab-
bildungen einzelner neuer Gattungen und Arten verschiede-
ner Familien, so wie kritische Bemerkungen über schon be-
kannte.
Derselbe (Verhandlungen des zoolog.-botan. Vereins
in Wien VII. p. 79-86) zählte 37 in Syrien gesammelte
Dipteren auf, die zum grösseren Theile den Familien der
Bombylier, Asilen und Syrphiden angehören ; sechs derselben
werden als neue Arten beschrieben.
Derselbe lieferte (Zeitschrift für die gesammten Na-
turwissenschaften X. p. 97— 112) einen Beitrag zur Dipteren-
Fauna des Harzes durch Aufzählung von 247 bei Wernige-
rode von ihm gesammelten Diptera brachycera. An einige
der verzeichneten Arten knüpft der Verf. synonymische Be-
merkungen; sieben derselben, zu den Dolichopoden, Antho-
myziden und Acalypteren gehörend, werden als neu be-
schrieben.
Ebenda (IX. Bd. p. 553) wird eines reichhaltigen Ver-
zeichnisses Graubündtner Dipteren erwähnt, welches Am
Stein zusammengestellt und im Jahresberichte der Naturf
Gesellsch. Graubündtens 1855. I. p. 89-111 veröffentlicht
hat; die aufgeführten Arten sollen nach feigen angeordnet,
mit Orts- und Zeitangaben versehen sein. Dem Ref. hat die-
ses Verzeichniss nicht zur Einsicht vorgelegen.
Snellen van Vollenho ven's „Notes dipetrologi-
ques« (Memoires d'entomologie, publies par la soc. entomol.
des Pays-Bas I. p. 88-93) enlhalten Bemerkungen über ei-
nige Tipularien und Stratiomyiden von den Sunda-Inseln und
die Beschreibung einiger der letzteren Familie angehörenden
neuen Arten.
384 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
van der Wulp und Snellen van Vollenhoven
haben ihre schon im Jahre 1852 begonnene „Naamlijst van
inlandsche Diptera" in Herklots „Bouwstoffen voor eene Fauna
van Nederland, II. Deel, p. 89 — 117 mit einem dritten Theile
fortgesetzt und beschlossen ; da die Arbeit in ihren ersten
Theilen für die entsprechenden Jahresberichte nicht benutzt
worden ist, mag über dieselbe ein kurzer Gesammtbericht
abgestattet werden. Die von den beiden Verf. gegebene
Aufzählung der Niederländischen Dipteren erfolgt in syste-
matischer Reihenfolge nach Meigen; dem Namen jeder
Art sind Citate aus Meigen und Macqaart, zuweilen aus
den Werken der älteren Autoren, falls diese die Art zuerst
beschrieben haben , ausserdem aus den neuesten Monogra-
phieen, wo solche vorhanden waren, beigefügt ; ebenso sind
die Fundorte und die Zeit des Vorkommens bemerkt. Der
erste Theil des Verzeichnisses (Bouwstoffen voor eene Fauna
van Nederland I. p. 138 — 153) erstreckt sich auf die Familie
der Tipularien mit 178 Arten; der zweite (ebenda I. p. 188 —
206) enthält die Familien der Tabanen, Stratiomyiden , Asi-
liden, Empiden, Bombylier, Thereviden, Leptiden, Dolichopo-
den und Syrphiden und schliesst mit der 372. Art; der dritte
ebenda II. p.89 — 117) bringt die übrigen Familien der Pi-
punculinen , Platypezinen , Conopiden, Oestriden, Muscarien
und Coriaceen zum Abschlüsse und stellt als die Gesammtzahl
der bis jetzt in den Niederlanden aufgefundenen und deter-
minirten Dipteren 694 fest.
Schiner, „Dipterologische Fragmente V." (Verhand-
lungen des zooIog. -botan. Vereins in Wien Vil. p. 3 — 20)
machte Mittheilungen über die von ihm in Triest gesammel-
ten und beobachteten Dipteren aus den Familien der Asilen
und Stratiomyiden, so wie über einzelne bemerkenswerthe
Arten anderer Abtheilungen; am Schlüsse werden zwei Arten
als neu beschrieben.
Derselbe setzte seine Aufzählung der im Kaiserthum
Oesterreich bisher aufffefundenen Zweiflügler mit der Familie
der Syrphiden ebenda p. 275 — 506 fort. (Siehe diese Familie!).
Haliday lieferte in der Natural history review IV.
p. 180 — 1% eine Zusammenstellung derjenigen Britischen
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857.
385
Dipteren , von denen die Naturgeschichte der ersten Stände
und diese selbst in mehr oder weniger erschöpfender Weise
bis jetzt bekannt gemacht worden sind. „List of the o-enera
and species of British Diptera, the earlier stages of^'which
are more or less perfectly known , with references to the
principal authorities.« Die Aufzählung der Arten erfolgt in
systematischer Reihenfolge, bei jeder einzelnen werden die
Autoren und Werke, in welchen die Beschreibung der Larve
und Puppe niedergelegt ist, citirt, die Charakteristik dersel-
ben jedoch nicht wiedergegeben; nur die Merkmale, welche
den epsten Ständen der ganzen Familie eigen sind , werden
bei dieser kurz erörtert. Ausser den in England einheimi-
schen Arten sind auch einige dem übrigen Europa angehö-
rige aufgenommen worden und zwar in dem Falle, wo sie
eigene Gattungen repräsentirten. Der Verf. hat sich durch
diese Zusammenstellung um die Förderung der Naturgeschichte
der Dipteren ein grosses Verdienst erworben und "seine Ar-
beit wird hoffentlich zu einer sehr wünschenswerfhen aus-
führlicheren Darstellung sämmtlicher bekannter Larven der
Ordnung, in der Art wie es durch Chapuis und Candeze
für die Coleopteren geschehen ist, Anregung geben. Als
Anhang fügt der Verf. die Beschreibung und bildliche Dar-
stellung der noch unbekannten ersten Stände einiger einhei-
mischen Arten bei.
Leon Dufour (Annales de la soc. entomoL V. p, 39
—59) erläuterte in seinen „Melanges entomologiques" die
ersten Stände und die Naturgeschichte einiger Dipteren, wel-
che der Gruppe der Acalypteren angehören.
Barthelemy, Etudes anatomiques etphysiologiques sur
un Diptere Tachinaire, parasite de la chenille du Sphinx Eu-
phorbiae , et sur ses metamorphoses. (Annales des scienc.
natur. 4. ser. VlIL p. 111-124.) Nach den Angaben des
Verf. wird die Raupe der Sphinx Euphorbiae von einer Ta-
chine heimgesucht, die zur Gattung Senometopia gehört und
der Sen. atropivora nahe verwandt ist; dieselbe ist vivipar
und setzt , während sie auf dem Rücken der Raupe entlang
läuft, zehn bis zwölf junge Larven auf derselben ab, die sich
sogleich in die Haut einbohren und sich auf Kosten der Raupe
Archiv f Naturgfsch XXIV. .IMirg. 2, Bd. 7
386 Gerstaecker: Bericht über flie wissenschaftlichen Leistungen
ernähren. Nach dreimaliger Abstreifiing der Haut greifen
die Larven mit grosser Gefrässigkeit die tiefer liegenden Or-
gane der Raupe an , tödten diese dadurch und fressen sich
durch die Haut hindurch, um sich zu verpuppen. Die Anga-
ben, welche der Verf. über die anatomischen Verhältnisse
der Larve, über die Verwandlung derselben und den Nym-
phenzustand macht, sind eingehend, ohne indessen Neues über
diesen Gegenstand beizubringen.
Tipulariae* Walker (Insecta Saiindersiana, Diptera Pt. V.
p. 415 ff.) beschrieb folgende Arten verschiedener Länder aus dei*
Saunders'schen Sammlung. Aus der Gruppe der Mycetophilidae : My-
cetophila aequalis und Lein fulva Yandiemensland, Bolelina helvetica
und Sciophila diversa aus der Schweiz, Sciophila par von Vandienieijs-
land, Mycetobia divergens aus Nord-Amerika, Sciara primogenita von
Cayenne ? , antica und fasciala aus Brasilien, indica aus Ostindien,
reciproca von Yandiemensland , confvsa vom Cap , Platyvra venusta
aus Ostindien. — Aus der Gruppe der Cecidomyien: Cecid. nmbra
aus Süd-Amerika; aus der der Bibioniden : Plecia bimaculata aus den
Vereinigten Staaten v\m\ costalis aus Columbien ; aus der der Chiro-
nomiden : Chironomus redeuns (!) aus den Vereinigten Staaten, tica-
riiis aus Ostindien, alternans aus Neu-Süd-Wales, applicatus,
i mit uns , oppositns und corijunctus aus Yandiemensland , Pachyleplus
n. g. mit Ceratopogon nahe verwandt; Körper schlank, Kopf klein,
rundlich, Palpen massig lang, Thorax gewölbt, Hinterleib schlank, fast
cylindrisch, an der Basis etwas eingeschnürt, doppelt so lang als der
Thorax, hintere Beine etwas verlängert, dünn, mit leicht gekeulten
Schenkeln, die vorderen zu Raubbeinen umgestaltet, mit dicken
Schenkeln und gebogenen Schienen; Flügel schmal. Art: Pack, fa-
sciatus aus Süd -Amerika. — Aus der Gruppe der Culiciden : Culex
conterrens , sollicitans , perturbans und lerritans aus den Vereinigten
Staaten, excrucians aus Neu-Schottland, tarrens, discrucians und per-
terrens aus Süd-Amerika, exagitans von Parä, flavicosta vom Amazo-
nenstrome, commovens aus Neu- Holland , crucians \xx\([ Anopheles an-
nulipes von Yandiemensland. Aus der Gruppe der Tipuliden : Tri-
chocera ocellata aus Ostindien, Limnobia basalis von Yandiemensland,
turpis aus Canada , aterrima aus Ostindien, prominens aus den Ver-
einigten Staaten , lanuginipes vom Cap, biterminala und ignobilis aus
Nord-Amerika, chrysoptera, calopus und lenebrvsa aus Süd-Amerika,
Geranomyia pilipes vom Amazonenstrome, Tipula simulata und plaly-
mera aus Canada, disjuncla und dejecta aus den Vereinigten Staaten,
seticornis und filigera aus Columbien , lincta von Pt. Natal , vicaria
und delta aus Ostindien, viridis aus Ncu-Seeland , Ptilogyna par aus
Neu-Süd-Wales, simplex aus Süd -Amerika, Gynoplistia elegans aus
im Gebiete der Entomologie wai„enrt des Jahres 1857. 387
Neu-Sad-Wales, apic^lis und f„mipe„„is ,o„ Vandiemensland, C,e„o-
plena (!!) a ,s Chma. - Aus de, Gruppe der Rhypl.iden : RkypL brc
ms aus Vandieniensland. 'ypans ore
SeiL '"""'='";<'^-. Zoology I. p. 305 IT.) beschneben , sind:
L„nnob.a ,„,„ressa , r^irescens , pyn-Mro„.„ , ar.entocinCa , Purl
cosn.usl,n„serus, i„ß.us, „pubilis, c„«4,„„„„. ,a,„„s, Tipula .itis.
Cule.r.T" -^"'T'" "f" '' '" '-"'»'''^CnbaVII. p. 329) beschrieb
Culex C)il,ens<s als neue Art aus Cuba.
Snellen ya„ Volle „ho ven (Memoires d'enton.ol., publ. p
eZ\ : " '"*■'■'" '• P*-'^ "en-erkte . dass wahrend dfe
.weie, hT. ■; T '" "'^'^ '"" ^''^"^"^■- """ -'-t-nder
we.le, H „terrandszelle verfallen, eine Art von Celebes in, Leidener
use„,„ h,e,.,u „ach den Geschlechtern aulTallendc Unterschiede zeige
.nden, be.n, Mannchen .diese Zelle lang gestielt. bei,n ^^ eibchen da-
ZZ TJ:1 7 H-"^ 'r " ■'" ^^"■■«"'"'-■•. "»-■ nicht mit e^nen,
Äamen belegt, da d,e vo,.|iegenden Exen.pla,e ,„angelhafl sind. - Von
T^pula praepotens Wied. wird eine Variet« ans Japan in ihren Ab-
we,ehu„gen von der Javanischen Slanunart erörte,/
bun^ un7 aZ^"^'. ^t"'" '■'^''■' P'-'-^ ?"•> -- S-chrei-
f Tel bet r '7 '■ '"''' """ '■'J-'-P'e™ contaminata Fab.-.
Dit,a') '" »"'-'"-''»S van een tweelal soor.en van
Nach V. Osten-Sacken (Entomol, Zeitung p. 90) ist Lim-
.'"-".penahs Loew identisch n.it Tipula annnlal Lin. w L s
p,ars:,;r ""' '" ""'' "'""'^"'" ^-•'•-enOrigin^l.Exe:-
Labonlbene, „Metan,o,phoses de la Cfcidomyia papaveris
et re„,arques sur plusieures e.speces du genre Cecidon,y'ia."' fl ,„.
apave is Tb "'"T'- "^ "i '''~'''^- "''^ '■""- de' Ceei on.yia
«so angegelb, glatt, m.l zweigliedrigen Fühlern, ausgcandelen, Ictz-
o:rn?„^L::ct^i"rte::v:t^'::^v::rie";"rr""."^''
r:airir'n,f.:d "- r "-"-"-'"' "- "rari::::
Analog.e n„t a„de,e„ Larven gewiss eine solche ist). Das aus-^ebil-
^"t:;i^:':^:^Tx::i .-- »-• -- ^-sten s.fnden
K«rpe,.heile :„dere berei.:;':,.;:^' Ar.enT^lt^g^rc;""'"-
wheat" /Rtr. r'^/*"/^""''^''^ 0» 'he '"idge fly, whieh infests the
«he»., (Report «f the Royal Cornwall Folytechnic society for 18CG
388 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Annais and niagaz. of nat. hist. XX. p. 399 f.) handelte über die Le-
bensweise der Cecidomyia tritici und den Schaden, welchen die Larve
derselben dem Weizen zufügt.
Mittheilungen über die Golumbacser-Fliege (Simulia Columbac-
sensis Fab.) machte Kornhub er (Verhandl. d. Vereins für Natur-
kunde zu Presburg L Jahrg. , Sitzungsberichte p. 47 If.) ; dieselben
rühren von einem Augenzeugen , der die Art mehrere Jahre hindurch
zwischen Moldova und Orsova, ihrer ausschliesslichen lleimath , zu
beobachten Gelegenheit hatte, her, enthalten jedoch Nichts, was nicht
schon anderweitig über dieselbe bekannt geworden ist.
Bemerkungen über Clunio adriaticus und seine Unterschiede
von Cl. marinus Halid. machte Schiner (Verhandl. d. zoolog.-bolan.
Vereins VIL p. 14).
Eine Notiz über eine Erscheinung des Heerwurms gab Lorez
(Vierteljahrsschrift der Naturf. Gesellsch. in Zürich II. p. 88 ff.). —
Hob m a n n : Ueber den Heerwurm (Programm der Realschule zu Tilsit,
1857), mit einer Tafel Abbildungen.
jtsilici* B i go t (Annales de la soc. entoni. V. p. 526 ff.) hat
in seiner analytischen Tabelle zur Bestimmung der Gattungen dieser Fa-
milie für einzelne Arten früherer Autoren eigene Gattungsnamen aufge-
stellt, denen zwar jede wissenschaftliche Bedeutung abgeht, die aber der
Vollständigkeit halber hier erwähnt werden mögen. Es sind folgende:
Me(japhorus {? l) für Malloptera heteroptera Macq. , Eichoichemus {'i \)
für Erax flavianalis Macq. , Trvpanea für Erax completus Macq. , Ce-
rozodus für Asilus nodicornis AVied., Pachychaeta für Erax annulipes
Macq., Eicherax (? !) für Erax simplcx Macq., Achanthodelphia (? !)
für diejenigen Proctacanthus -Arten , welche an der Basis der Gabe-
lung der zu eiten Submarginal-Ader keine merkliche Biegung zeigen,
31egadrillns für Lophonotus heteroneurus Macq. , Macronyx (vergebe-
ner Name!) für Dasypogon longiungulalusMacq. — Was den Umfang
der Familie betrifft, so zieht B. die Mydasii und Apioceridae, deren
nahe Verwandtschaft mit den Asilen schon von Westwood hervor-
gehoben worden ist, dazu, indem er sie als zwei gleichwerthige
Gruppen den Laphrien, Asilen und Dasypogonen coordinirt.
Derselbe errichtete (ebenda p. 288 ff. pl. 6. fig. 3) eine an-
geblich neue Gattung Lycomya , welche nach seiner Ansicht einen
Ucbergang „zw ischen den Asilen einerseits und den Laphrien und Da-
sypogonen andererseits" darbietet, und die er für verwandt mit La-
phystia Loew ansieht. Mit den Dasypogonen hat diese Gattung nach
der Abbildung in Rücksicht auf die Mündung der ersten Längsader
der Flügel gar nichts gemein, von den Laphrien weicht sie durch
die Bildung der Fühler ab, mit den Asilen stimmt sie nicht nur im
Habitus, sondern auch in allen wesentlichen Merkmalen überein; als
Eigentliümlichkeit würde daher nur übrigbleiben , dass das Unterge-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 389
sieht mit sparsamen , steifen Borsten besetzt ist, (Man sieht daraus
abermals , welches Vertrauen den Angaben des Verf. zu zollen ist !)
— Die Art: L. Germainii stammt aus Chile.
Derselbe (Historia fisica de la isla de Cuba VII. p. 330 ff.)
beschrieb: Atomosia similis , Dasypogon parvus , Senobasis annu-
lalus , MaUophora scopifera und Gonypes Cuhensis als neue Arten
von Cuba.
AValker (Journal of proceed. of the Linnean soc, Zoology I.
p. 112 ff.) charakterisirte folgende neue Arten von Borneo : Dasypogon
(Microstylum) incomptus , Discocephalvs dorsalis , Laphria unifascia,
comptissima, rudis, producta, lepida , complela, incivilis, partita, in-
terrupla, cingulifern, detecta, Trupanea inserens, Asilus flagrans, con-
tortus, Leptogasler tricolor und inutilis; letztere Benennung könnte
der Verf. mit gutem Grunde vielen seiner Arten beilegen.
Derselbe (Insecta Saundersiana , Diptera Pt. V. p. 455 ff.):
Dasypogon subcontractus vom Amazonenstrome, torridns von Port Na-
tal, Microstylum partitum aus Afrika , Discocephala fervida von Port
Natal und Laphria purpurascens vom Amazonenstrome.
Derselbe (Transact. of the entomol. soc IV. p. 127 ff.): Da-
sypogon aequalis von Pt. Natal, suavis aus Australien, Laphria fortipes
von Pt. INatal, Lampria cilipes vom Amazonenstrome, Trupanea vene-
rabilis von Pt. Natal, leucopyga aus China, Asilus sericans vom Ama-
zonenstrome, firmatus von Pt. Natal, mendax von Celebes, Shalumus
aus China und Leptogasler cingulipes vom Amazonenstrome.
Dasypogon Grantii^ewmiin (ebenda p. 57) ist eine neue Art von
der Moreton-Bay.
Neue Arten von Loew sind ferner: Saropogon aberrans aus dem
südlichen Spanien (Entomol. Zeitung p. 19), Promachus microlabis
aus Syrien (Verhandl. d. zoolog. -botan. Vereins in AVien VII. p.84),
Saropogon africolor aus Rhodus und Cyrtopogon longibarbns aus der
Schweiz (Wiener Entomol. Monatsschrift I. p. 3 und 36).
Jflydasii. Mydas igniticornis Bigot ist eine neue Art aus
Chile (Annales de la soc. entomol. V. p. 288), Mydas effracta und
signata Walker (Transact. of the entomol. soc. IV. p. 126) aus
Australien ; letztere Art ist wohl mit Mydas concinnus Macq. identisch.
Kinpidae* Bigot (Annales de la soc. entom. V. p. 553 ff.)
sprach sich über die Charaktere und den Umfang, welche nach seiner
Ansicht der Familie der Empiden beizulegen seien, aus und meint,
dass dieselbe nicht ferner in der Weise, wie sie von den früheren
Autoren aufgefasst worden sei, festgehalten werden könne. Seinem
vielbesprochenen Pelottensystem gemäss will er diejenigen Gattungen,
welche eine ausgebildete dritte (mittlere) Pelotte haben, von der Fa-
milie ausschliessen und zu den Leptiden bringen ; dagegen will er auf
die Insertion des Fühlergriffels, der bei einigen Gattungen (Drapetis,
390 G e rs l ;i e c k e r : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Ocydioniia) eher dorsal als terminal genannt werden muss , kein
besonderes Gewicht legen, sondern diese Gattungen vorläufig den
Enipiden beizählen. Die Gattung Henierodroniia will er in mehrere
zerlegen und die Meigcn'sche Benennung auf diejenigen Arten be-
schränken, bei denen eine Diskoidal - und eine Analzelle gleichzeitig
vorhanden ist; die Arten, denen letztere fehlt, sollen Polydrotnya^
diejenigen, denen erstere fehlt, Lepidomya, diejenigen endlich, wel-
chen beide fehlen , Microdromya heissen. Für Platypalpus ambiguus
Macq. schlägt er die Benennung Crossopalpus vor und gränzt von
Cyrtoma diejenigen Arten, welche vier Hinterrandszellen haben, als
eigene Gattung Microcyrta ab. — Die Familie der Empiden umfasst
nach Bigot drei Gruppen: die Hybotiden, die Empiden und dieLam-
promyiden, letztere aus der einzigen Gatlung Lampromyia Macq. be-
stehend.
Derselbe (ebenda p. 291) beschrieb Empts variabilis als neue
Art aus Chile.
Neue Arten aus den Vereinigten Staaten Kord-Amerikas sind :
Empis reciproca, Hilara plebeja, Rhamphomyia expulsa , tristis, pla-
typalpus vicarius, Tachydromia poslica und vittipennis Walker (Trans-
act. of the entomol. soc. IV. p. 147 ff.).
Dolicltopodicles« Die Kenntniss der einheimischen Formen
dieser Familie ist durch eine inhaltreiche Arbeit von Loew „die
Familie der Dolichopoden" (Neue Beiträge zur Kenntniss der Dipte-
ren, 5. Beitrag, Äleseritz 1857.) sehr wesentlich gefördert worden.
Der Verf. giebt darin seine Ansichten über die Feststellung und den
Umfang der in dieser Familie oft sehr unsicher begränzten Gattungen
kund , bespricht die weniger bekannten Arten und beschreibt eine
grössere Anzahl ihm vorliegender neuer. Der Inhalt der Arbeit ist
folgender : 1) Psilopus. Von bekannten Arten werden Ps. platypte-
rus, nervosus, Wiedemanni, lobipes, albifrons (= contristans Meig.),
contristans Wied. (regalis Äleig. $) und lougulus näher besprochen,
Psilopus ßavicinctus aus Constantinopel , albonotatiis von Rhodus,
tenuinervis und euchromns ohne Angabe des Fundorts, robusfns von
Triest als neue Arten beschrieben. 2) Sybistroma. Mit Einschluss
von zwei neuen Arten : Sybislr. lonylventris und distans aus Steyer-
mark sind dem Verf. im Ganzen 12 Arten bekannt, welche so auffal-
lende plastische Unterschiede darbieten, dass man versucht werden
könnte, ebenso viele Galtungen darauf zu gründen; in Rücksicht auf
die wesentlichsten Abweichungen nimmt der Verf. drei Gattungen:
Sybistroma (auf S. nodicornis beschränkt), Hercostomus (S. longiven-
tris , fulvicaudus und cretifer) und Hypophyllus Halid. (die übrigen
Arten umfassend) an. 3) Dolichopus. Die hierunter vereinigten Ar-
ten sondert der Verf. in vier Gattungen, von denen Dolichopus sens.
stiicl. diejenigen umfasst, bei denen der Melalarsus der Ilinterfüsse
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 391
bewehrt, Gymnoptenius dagegen diejenigen , wo derselbe unbewehrt
ist; von letzteren wird die Gattung Tachytrechus Stann. für die Arten
mit bis unter die Augen herabsteigendem Gesicht abgezweigt , und
von diesen wieder Dol. latipennis, rotundipennis und diadema als ei-
gene Gattung Hygroceleuthus getrennt, lieber einige Arten der Gat-
tung Dolichopus im engeren Sinne macht der Verf. synonymische
Bemerkungen, unterscheidet unter Dol. nigripes Fall, zwei verschie-
dene Arten D. FaUenii und Meigenii und beschrieb Dol. ornatipes
als n. A. vom Harz, mit D. signatus (pennatus Meig.) nahe verwandt;
auch Bemerkungen über die geographische Verbreitung der Arten in
Europa werden eingeflochten. — Von Tachytrechus wird eine neue
Art: T. ripicola aus Italien beschrieben. — Ausführlich geht der
Verf. auf die Gymnopternus-Arten ein, von denen er einerseits meh-
rere der bereits beschriebenen näher erörtert, andererseits ihre Zahl
durch die Beschreibung neuer vermehrt: G. ducalis aus Sicilien,
pulchriceps von Triest , conformis aus Schlesien, plagiatus vom
Neusiedler- See , cotivergens ebendaher und aus Sicilien, angnstvs
aus Klein -Asien, exarticulatus von Triest, costatus aus Klein -Asien,
rivax aus dem nördlichen Deutschland, fugax aus Süd - Deutsch-
land, ijiornatus von Triest. 4) Orthochile, nichts Neues. 5) Hydro-
phorus. Die Gattung wird in drei Untergattungen zerfällt: Liancahts
(Anoplomerus Rond.) für die Arten mit nicht verdickten und unbe-
dornten Vorderschenkeln, Scellus für Hydr. notatus und spinimanus er-
richtet und Hydrophorus sens. strict. für die übrigen Arten. Ausführ-
lich beschrieben werden Hydroph. viridis J\Ieig. , inaequalipes Macq.,
brunnicosus n. sp, von Posen, callostomus aus Sibirien. 6) Campsicne-
mus, in dem von Walker festgestellten Umfang angenommen. Neue
Arten sind : Camps, compeditus von Posen, platypns von Ancona, lum-
batus, marginattis und dasycnemus von Posen. 7) Thinophilus. Zu
den drei bekannten Arten fügt der Verf. eine durch das schmale und
nach oben noch etwas verengte Gesicht abweichende Art aus Schle-
sien, für die er deshalb eine eigene Gattung Peodes errichtet; die Art
wird P. forcipalus genannt. 8) Rhaphium. Von der Gattung in ihrem
bisherigen Umfange werden zunächst drei Arten mit subapicaler
Stellung der Fühlerborste, nämlich Rh. flavicolle , cinereum und tar-
satum als eigene Gattung Achalctis abgesondert, Rhaph. Hoffmeisteri
Loew zur Gattung Argyra gebracht , über die Synonymie mehrerer
Arten der Gattung Rhaphium sens. strict. Bemerkungen beigebracht
und Rhaph. auctum, quadrißlatwn, spicalwn, metathesis und adpropin-
quans als neue Deutsche Arten beschrieben. Durch diese wird die Zahl
der dem Verf. bekannten Arteu auf 35 erhoben, welche er nach den
Unterschieden in der Bildung einzelner Theile in mehrere Untergattun-
gen %s<e«?/.s , Synlonnon, Synorfhnts . Porphyrops , Rhaphium und
Xiphandrium vertheilt. 9) Machaerium. Der Name wird als schon
392 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
an eine Pflanzen-Gattung vergeben (was die Zoologie übrigens nichts
angeht, Ref.) in Smiliotus umgeändert und eine zweite neue Art als
Smil. thinopkilns von Triest beschrieben. 10) Argyra. IN'eue Arten
sind : Arg. atriceps , grata aus dem Harz. Für Arg. vestita, welche
sich durch die Nacktheit der Oberseite des ersten Fühlergliedes aus-
zeichnet, wird eine eigene Gattung Leticostola, für Arg. annulata
Macq. die Gattung Nematoproctus errichtet , zu der gleichzeitig eine
neue deutsche Art N. longißlus kommt. 11) Porphyrops. Für keine
der bisher hierhin gezogenen Arten wird der Name aufrecht erhalten,
diese aber, da sie mannigfache Verschiedenheiten darbieten , ebenfalls
in mehrere Gattungen vertheilt: Saucropus für Porph. 4-fasciatus,
Erichsonii, suturalis und pallidus (ochraceus Meig.), Xanthochlorus iviv
Porph. ornatus und tenellus, Sympycnus für Porph. annulipes und die
ihm verwandten Arten, worunter S. brctimanus aus Kärnthen neu ; Teu-
chophorns für Porph. spinigerellus und calcaratus Macq. (Medeterus),
Anepsius für Porph. flaviventris Meig. und Eularstts für Porph. au-
licus Meig. 12) Diaphorus. Neben Bemerkungen über bekannte Ar-
ten findet sich die Beschreibung folgender neuen : Diaph. lugubris
von Rhodus , disjunclus von Cassel , latifrons aus Schlesien, tripilus
aus Steyermark. 13) Chrysotus. Für die zum Theil hellgefärbten Ar-
ten errichtet der Verf. eine eigene Gattung Chrysotimus und fügt den
übrigen unter Chrysotus verbleibenden, deren mehrere in ihren Cha-
rakteren erläutert werden, folgende neue hinzu: Chr. melampodius
aus Sicilien, suavis vom Rhein und Neusiedler- See , albibarbus aus
Klein -Asien. 14) Medeterus. Neue Arten sind: Med. signalicornis,
infumatns , vielanopleurus , tenuicavda und tnicaceus , letzterer aus
Schweden, Wien und Sicilien. 15) Aphrosylus. Eine neue Art ist:
Aphr. venator aus Italien.
Derselbe (Wiener Entomol. Monatssclirift I. p. 37 ff.) machte
auch einige neue exotische Formen derselben Familie durcli Beschrei-
bungen und Abbildungen bekannt: Lyronetirtis n. g. , von Diaphorus
durch das auch beim Männchen verhältnissmässig breite Gesicht , die
apicale Fühlerborste, die tiefere Einsenkung des Hypopygiums, den
Mangel der vier starken Borsten desselben und der äusseren Anhänge,
sowie durch das abweichende Flügelgcäder unterschieden; auf Chry-
sotus annulatus Macq. gegründet. Zwei neue Arten : Lyr. coerule-
scens aus Mexiko und suavis aus Surinam. Ferner: Gymnoptermis
leucospilns aus Surinam, Plagionenrvs n. g. , mit Gymnopternus in der
Fühlerbildung übereinstimii end , aber das erste Glied auf der Ober-
seite nackt ; Untergesicht breit , nicht bis zum unteren Augenrande
hinabreichend , Rüssel ziemlich dick , Taster massig gross , Borsten-
kranz am hinteren Augenrande sehr kurz , Scheitel sehr wenig ver-
tieft. Beine ziemlich schlank, erstes Glied der Hinterfüsse unbewehrt
und sehr verkürzt. Art: Flog, univittatus von Cuba. — Die Fühler-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 393
und Flügelbildung der beschriebenen Arten ist auf Taf. I. fig. 9—37
abgebildet.
Derselbe beschrieb (Zeitschrift f. d. gesammt. Katurwiss. X.
p.l02) Tachytrechns genualis als neue Art ans dem Harz.
Als neue Arten von Borneo beschrieb Wa 1 k er (Journal of the
proceed. of the Linnean soc, Zool. I. p. 119 fr.): Psilopus allectans,
alliciens , illiciens , delectans , proliciens , proleclans, collucens, dere-
lictus, Dolichopus eleclus, alligatus, collectus, Diaphorus delegatus.
Eine neue Art desselben (Transact. of the entomol. soc. IV. p. 149)
ist ferner Psiloptis ungulivena aus den Vereinigten Staaten.
lieptidae* Wal ker (Transact. of the entoni. soc. IV. p. 132)
stellte die elf bekannten Galtungen der Leptiden in einer analytischen
Tabelle zusammen; die Gattung Lamproniyia Macq. hält er für näher
mit den Bombyliern verwandt.
Derselbe (Journal of the proceed. of theLinnean soc, Zoo-
'ogy I. P- 118j stellte Chrijsopila macuUpennis als neue Art von
Borneo auf.
Loew (Wiener Entomol. Monatsschr. I. p. 2) beschrieb Leptis
chrysostigma als n. A. von Triest, durch die Färbung des Stigma mit
Lept. maculata Fall, und Immaculata Meig. zunächst verwandt.
XylotoiüHe. Walker brachte (Transact. of the entomol.
soc. IV. p. 132 f.) die sechs bekannten Gattungen der Thereviten,
welche er als Unterfamilie der Bombylier ansieht, unter eine analy-
tische Tabelle und beschrieb Thereva avida aus Australien und scu-
tellaris vom Amazonenstrome als neue Arten.
Thereva praecedens desselben (Journal of the proceed. of the
Linnean soc. , Zoology I. p. 118) ist eine neue Art von Borneo, The-
reva irmotata (Insecta Saundersiana , Diptera Pt. V. p. 455) von Ken-
Seeland.
Scenopini, Loew (Verhandl. d. zoolog.-bolan. Vereins in
MienVII. p.87— 90) handelte über die bis jetzt bekannt gewordenen
Arten der Gattung Scenopinus, welche sich nach ihm sämmtlich nur
auf vier Europäische reduciren: 1) Seen, niger de Geer (rugosus et
fenestralis Fab., tarsatus Panz. , ater Fall., nigripes Meig., fasciatus
Walk.). 2) Seen, fenestralis Lin. (saltitans et spoliatus Scop. , seni-
lis Fab., sulcicollis, vitripennis, domesticus et ru/itarsis Meig., furci-
nervis Zeller). 3) Seen, laevifrons Meig. (halteratus et orbita Meig.).
4) Seen. Zelleri Loew. — Als neue Art beschreibt der Verf. : Scetto-
pintis pygmaevs aus Surinam.
Bombyliarii. Bigot charakterisirte (Annales de la soc.
entomol. V. p. 292 ff.) eine neue Galtung Cyrtophorus, zur Gruppe von
Ploas, Amictus, Cyllenia u. s. w. gehörend; an den Fühlern die bei-
den ersten Glieder cylindrisch, nach der Spitze hin allmählig dicker
werdend, dicht behaart, das erste doppelt so lang als das zweite, das
394 GerslaecUer: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
dritte spindelförmig, glatt, fast von der Länge des ersten; Rüssel vor-
gestreckt, Palpen verlängert, fadenförmig, von halber Länge des
Rüssels; Gesicht und Stirn mit steifen und langen Borsten besetzt;
Thorax bucklig, an den Seiten mit sparsamen Borsten bekleidet, Hin-
terleib konisch, hinten stumpf, herabgesenkt. Art: C. piciipennis
(pl. 7. fig. 1) aus Chile. — Als neue Art wird ausserdem beschrieben:
Cyllenia elegantula aus Chile.
üerselbe beschrieb (Annales de la soc. entoniol. V. p. 280 ff.)
Hirmonetira breviroslrata (pl. 6. fig. 1), barbarossa und niveibarbis aus
Chile und (Historia fisica de la isla de Cuba VIL p. 332 f.) Bombylius
insularis und Anthrax connexa von Cuba.
Walker (Transact. of the entomol. soc. IV. p. 133fr.) gab
eine analytische Uebersicht der bis jetzt bekannten Bombylier-Gat-
tungen, die er in drei Gruppen oder Unterfamilien : Therevites , Ke-
mestrinites und Anthracites vertheilt. Unter den Nemestrinites nimmt
er vier Gattungen an, indem er Trinhophthalma mit Hirmoneura ver-
einigt; den Anthracites koti men gegenwärtig 35 Giittungen zu. Als
neue Arten werden beschrieben : Trichophthalma laetilinea , albibasis,
primitiva und bivitta aus Australien, Anthrax contexa , dorsalis, de-
cemmacula,^conclusa , Ivcida, lineata , solita, inexacta vom Amazo-
nenstrome, commiles und argentilatus von Pt. Natal , latifascia und
combinata aus China, albirtifa, (Neuria) subsenex , scrobicvla ^us
Australien , Lomatia fascicnlaris von Pt. Natal , Bombylius areolatus
aus Australien, Lepidophora retvsta und secutor vom Amazonenstrome,
Phthiria lurida von Parä , liyieifera aus Australien, Geron albidnm
vom Amazonenstrome und Geron (?) tenue unbek. Vaterl. — Unter
Anthrax giebt der Verf. für die einzelnen Welttheile und grösseren
Inselgruppen die Zahl der bis jetzt bekannten Arten und der durch
sie vertretenen Gruppen an.
Derselbe stellte (Journal of the proceed. of the Linnean soc,
Zoology I. p, 118 ff.) Anthrax semiscita und satellitia als neue Arten
von Borneo auf.
Loew beschrieb (Kntomol. Zeitung p. 17 ff.) Dischistns multi-
setosns aus dem südlichen Spanien, (Verhandlungen des zoolog.-botan.
Vereins in Wien VII. p. 80 ff.) Anthrax clarissima , brtinnescens, for-
nicata und Bombylius floccosvs als neue Arten aus Syrien.
A. Laboulbene, Kote sur la nymphe de l'Antlnax sinuata
(Annales de la soc. entomol. V. p. 781—790) erzog aus einem Ilyme-
nopteren-iXeste, welches er füi' das der Megachile muraria hält, zwei
Anthrax sinuata, deren Puppen in den Zellen des Nestes eingeschlos-
sen waren und deren Larven sich daher von den Larven der Bie-
nen hatten ernähren müssen. Er beschreibt die Puppe ausführlich
und giebt eine Abbildung davon auf pl. 1^. fig. 2. Sie hat in dei^
Form Aehnlichkeit mit Tagfalter- Puppen, ist au den Seiten des Hin-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 395
teileibs mit Büscheln langer Haare versehen, am Kopfe und Schwanz-
ende mit hornigen Spitzen bewaffnet ; auf dem Rücken des zweiten
bis fünften Hinterleibssegmcnts zeigen sich je 11 bis 13 in Querrei-
hen gestellte hornige Ilaken , deren beide Enden frei hervorragen.
- Der Verf. stellt die früheren Beobachtungen über die Lebensweise
der ersten Stände von Anthrax und Bombylius zusamn.en , hat aber
übersehen, dass (was schon West wo od, Introduclion II. p. 544 an-
führt) bereits Seh äff er das Parasitiren von Anthrax in den Nestern
der Megachile muraria gekannt hat.
Die Puppe derselben Art (Anthrax sinuata) ist auch von Fahre
in den Annales des sciences naturelles, 4. ser. VII. pl. 17 abgebildet
und p 302f. beschrieben w'orden. Fahre fand dieselbe in grosser
Anzahl ,n den Zellen der Osmia tricornis und zwar in gleicher Art
eingesponnen, wie dies von den Osmia -Larven mit sich selbst ge-
schiebt; das vollkommene Dipteron wurde sowohl aus den Puppen
erzogen als auch beim Ablegen seiner Eier in die Osmien - Zellen
beobachtet.
Pipnnculiiii. Pipunctdus translatus Walker (Transact. of
the entomol. soc. IV. p. 150) ist eine neue Art aus Nord-Amerika.
Henopii. Loew (Wiener Entomol. Monatsschrift I. p. 33 ff )
charakterisirte eine neue Gattung Pithocfuster mit folgenden Charak-
teren : „Iroboscis brevissima, fere nuUa , antennae vertici insertae,
ocuh hirti, contigui, ocelli duo laterales, tertius anterior indi-
stinctus, prothoracis iobi dorsales distantes; nervi alaruni distincti
eomplet,, tertius furcatus , cellula prima posterior longissima, discoi-
dahs parum lata; abdomen 5 annulatum." Art: Päh. inflat.s aus
Spanien 2 hn lang, auf Taf. I. Fig. 1^8 nebst Acrocera trigramma
Loew abgebildet. ^
* "'";;■' '^""P"'^'-' ('"Bneffo™ anRondani in, J„„,.„. ..Hnde
Annol . No,22 veröft-enMich.) nachgewiesen, das. die Gattung Fitho:
gasler loew ,„i, seiner in, J. 1856 aufgestellten Gattung Lebius
(s.ehe Jahresbericht 185ß. p. 141) .„sa„,„,eufäll,. dass jedoch Li-
von der se.nigen zu unterscheiden sei; er nennt die v'on Loew be-
InitZl \ 'r'''"' """'"■'• - "'^ «-»l'.'iche Beschreibung
od Abbidung des Costa'schen Opsebius pcrspicillaris ans Neapel is'
m J. 3857 ,m zweiten Bande der Meu.orie della Reale Accademia
enesc.en.cdi «apoli , ^p. .31 , (Abbildung auf beifolgende: Tafe
^>g- / J erschienen. '
Philipol« limosa Walker (Transact. of the entomol. soe. IV p 125)
st eine neue Art vom Amazonenstrome.
;.286fl.) aulges^^ellte neue Gattung Coe„u,„, welche der Verf. mit
.«e.fcl seiner Abtheilung der Coenomyidae zuweisen will, ist der
396 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
gegenwärtigen Familie zuzurechnen, indem sie nach der Abbildung
im Flügelgeäder mit Pangonia übereinstimmt. Die Fühler sind pfrie-
menförmig zugespitzt, elfgliedrig, an der Spitze mit einigen feinen
Borsten endigend, die beiden ersten Glieder breit, quer, behaart; der
Rüssel nicht hervorgestreckt, die Palpen kurz; Thorax und Abdomen
breit, aufgeschwollen, letzterer aus vier breiten und fünf schmalen
Ringen bestehend, von denen die letzteren eine legeröhrenförmige
Verlängerung bilden; Hinter- und Mittelschienen in zwei kurze Dor-
nen endigend. Art: C. longicauda aus Chile, auf pl. 6. fig. 2 abge-
bildet. — Pangonia conica neue Art aus Chile, ebenda pl. 6. fig. 4.
Von Walker (Insecta Saundersiana , Diptera Pt. V. p. 450 ff.)
wurden Tabamis infereuns (!) von Rio -Grande, temperatus und 6t-
partitus von Pt. Natal , signifer aus China, Chrysops ßinensis aus
China, Haematopota rnficornis und decora von Port Natal als neue
Arten beschrieben.
Neue Arten desselben Verf. von Borneo (Journal of the pro-
ceed. of the Linnean soc, Zoology I. p. 110 ff.) sind: Tabanus nexus,
fumifer, optatus, siinplicissimus, Chrysops fixissimus und Haematopota
atomaria.
Tabanus imponens von Parä, unicinctus und hitinctus ebendaher,
cingulifer und mallophoroicies vom Amazonenstrome, humillimus von
Celebes und Silvivs nitescens aus Australien machte derselbe (Transact.
of the entomol, soc. IV. p. 122 ff.) bekannt.
Pangonia Walkeri Newman (ebenda p. 56) ist eine neue Art
von der Moreton-Bay.
Schiner (Verhandl. d. zoolog. -botan. Vereins in "Wien VII.
p. 19) lieferte eine genauere Beschreibung des Chrysops (Tabanus)
marmoratus Rossi.
Siratäomyidae. Von Walker (Journal of the proceed.
of the Linnean soc, Zoology I. p. 108 ff.) wurden ausser einigen
neuen Arten von Sarawak auf Borneo auch zwei neue Gattungen be-
kannt gemacht : 1) Culcua n. g. Flügeladerung wie bei Clitellaria,
die Flügel selbst ziemlich schmal; Kopf klein, mit abschüssiger Stirn,
Augen beim Männchen zusammenstossend ; Fühler kurz, mit gerunde-
tem dritten Gliede und langer, dünner Endborste; Thorax vorgezo-
gen, länglich konisch. Schildchen mit vier Dornen, Hinterleib dick,
fast rund, breiter und kürzer als der Thorax ; Beine kurz und ein-
fach. Art : C. simulans von Malacca. — 2) Evam n. g. Flügel lang,
nicht besonders breit, Aderung wie bei Clitellaria; Körper flach, fast
glatt; Kopf von der Breite des Thorax, Fühler kurz, erstes Glied läng-
lich, drittes rund mit langer , dünner Endborste ; Thorax elliptisch,
Schildchen mit vier Dornen, Abdomen fast elliptisch, etwas länger als
der Thorax, kaum breiter. Augen beim Männchen gross, zusammen-
stossend. Art: E. bipars von Borneo. — Neue Arten: Clitell-aria
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 397
notahilis , Cyclogasler detracta, infera , Sargiis latifascia, sämmtlich
von Borneo. Die beiden neuen Gattungen sind auf pl. 6. fig. 1 u. 2
abgebildet.
Derselbe beschrieb (Transact. of the entomol. soc. IV. p. 120 ff.)
als neue Arten : Acanthina porcata und longicornis vom Amazonen-
strome, Stratiomys inanimis aus China , Xylophagus basipunclatus aus
Austialien.
B i g o t charakterisirte (Annales de la soc. entornol. V. p. 283 ff.)
eine neue Gattung Heterostomus aus der Xylophagiden-Gruppe, wel-
che einige habituelle Aehnlichkeit mit einer Sesia (nicht wie der
Verf. angiebt mit Zygaena) hat. An den Fühlern sind die beiden
ersten kurzen und dicken Glieder mit dichten Borsten besetzt, das
dritte lang pfriemförmig , achtringlig; von auffallender Form ist das
zweite grosse Tasterglied , welches bis zur Mitte seiner Länge sehr
dick, cylindrisch, sodann sehr schief und breit abgestutzt und stark
nach unten gebogen ist. Ücellen fehlen , die Augen vorn, vor den
Fühlern zusanimenstossend. Thorax oben gewölbt, Abdomen langge-
streckt, fast cylindrisch, nach hinten etwas verdickt und wie abge-
stutzt, aus sechs sichtbaren Segmenten bestehend; Flügel schmal, den
Hinterleib nicht merklich überragend, mit zwei Submarginalzellen und
einer ovalen Diskoidalzelle. Beine ziemlich lang, Schienen in zwei
lange Dornen endigend , das Basalglied der Tarsen verlängert. Eine
Art: H. curtipalpis (pl. 6. fig. 5) aus Chile.
Loew (Berl. Entomol. Zeitschr. I. p. 21 — 34) machte abernmls
Mittheilungen über die Europäischen Arten der Gattung O.xycera, in
welchen er sich ausführlich über die Synonymie der bisher beschrie-
benen Arten auslässt und die Namen einiger ändert, andere, die in
Deutschland weniger bekannt sind , auch nochmals beschreibt. So
wird i. B. die als Str. muscaria Fab. zweifelhaft bestimmte Art aus
Dalmatien unter dem Namen Oxyc. ßavipes eingeführt , Oxyc. longi-
cornis Dale näher charakterisirt: zwei neue Arten, die beschrieben
werden, sind Oxycera locuples von den Schweizer Alpen und amoena
aus Oesterreich, letztere von Z e tt ers te d t vielleicht als 0. pardalina,
von Macquart als 0. formosa var. beschrieben.
Schiner (Verhandl. d. zoolog. -botan. Vereins in Wien VII.
p. 6 ff.) theilte Bemerkungen über' die bei Triest von ihm gesammel-
ten Stratiomyiden mit, die zum Theil für die Feststellung der Arten
von Belang sind; als neue, Arten werden Oxycera Ba»zonii und Ne~
motelus plagialus von dorther beschrieben.
Snellen vanVollenhoven (Memoires d'entomologie, publ.
p. 1. soc. entomol. des Pays-Bas I. p. 91 if.) beschrieb neben Ftilocera
quadridentala VVied. von Sumatra und Java zwei ihr sehr ähnliche
Arten, die sich aber durch conslante Merkmale unterscheiden : Ptil.
aniethystina von Java und Celebes und smaragdina von Celebes ; die
398 Gers ta e ck er : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Beschreibung der letzteren Art passt mit Ausnahme der Färbung des
letzten Fühlergliedes vollständig auf die l'tü. fastuosa des Ref. von
Ceylon, mit der sie vielleicht identisch ist. — Rhaphiocera spinitho-
rax Macq. hält der Verf. für nichts als Clitellaria bivittata Wied.
Ilaliday (Natural history review IV. p. 193) beschrieb die
Larve einer Oxycera, die vermuthlich der an gleicher Stelle mit ihr
vorkommenden Oxycera Morrisii angehört und bildete dieselbe auf
pl. XI ab. Der Verf. lässt sich auf eine specielle Erörterung derje-
nigen Merkmale ein, welche sie von den beiden durch Heegei be-
kannt gemachten Larven der Gattung unterscheiden. — Eine ausführ-
liche Schilderung des inneren und äusseren Baues der Larve von
Nemotelus uliginosus gab derselbe ebenda p. 194 und eine Abbildung
auf pl. XI. Die Larve ist mehr gleichbreit als die von Oxycera, ihr
Kopf schmaler , das letzte AbdominaUegment mit vier Zähnen, wel-
che einzelne lange Borsten tragen, besetzt; die Borsten der Tracheen-
mündung am hinteren Köiperende sind kurz, unterhalb nahe der bei-
den mittleren Zähne gelegen.
Syrpliici* Walker (Transact. enlom. soc IV. p. 150 ff.) be-
schrieb eine Anzahl neuer Arten aus der Saunders'schen Sammlung,
von denen zwei neue Gattungen bilden : 1) Lycastris n. g. mit vor-
gestrecktem , lanzettlichen Epistom fast von der Länge des Thorax,
der Mund selbst kaum kürzer als der Körper; Fühler auf einem Pe-
tiolus sitzend , ihr erstes und zweites Glied kurz , das dritte breit,
fast elliptisch , mit nackter Borste; Thorax und Hinterleib haarig,
Füsse einfach, die Vena transversa praebrachialis lang, geschwungen
und sehr schräg. Art: L. albipes aus Hindostan. — 2) Rhoga n. g.
mit Paragus verwandt; Kopf schmal, Augen oben nicht zusammen-
stossend ; erstes Fühlerglied lang, drittes kürzer, etwas gekeult, mit
nackter Borste; Hinterleib sitzend, verkehrt lanzettlich, kaum dop-
pelt so lang als der Thorax; Hinlerschienen etwas erweitert, gewim-
pert, an den Hinterfüssen der Metatarsus erweitert. Art: lih. lutescens
von Parä. — Die übrigen neuen Arten sind : Ceratophya luridescens
vom Amazonenstrome, bicolor von Parä, Ceria divisa und Microdon
testaceus von Port INatal, Helophilvs strenuus ohne Angabe des Vater-
landes, scilus und auraltts vom Aniazonenstrome , Nerodon torpidvs
ohne Angabe des Vaterlandes, Syritta transversa vom Amazonenstrome,
Temnocera trifascia von Parä, circumdata und integra vom Amazo-
nenstrome, Pipiza pica und dolosa ebendaher, divisa von Vera-Cruz,
Syrphus subchalybaeus vom Amazonenstrome.
Derselbe (Dipteren von Borneo, Journal of the proceed. of
the Linnean soc. Zoologyl. p. 122 ff.) charakterisirte zwei neue Gat-
tungen: 1) Baryterocera n. g. von fast linearem Körper, Kopf etwas
breiter als der Thorax, Gesicht flach ; Fühler mit zwei kurzen Basal-
und sehr langem, erweiterten, gebogenen Endgliede mit nackter Borste
im Gebiete der Entomologie wiilireiul des Jahres 1857. 399
am Grunde; Abdomen fast eiförmig, sitzend, etwas breiter und kür-
zer als der Thorax; Beine kurz und kräftig, Flügel kurz mit gera-
den, fast rechtwinklig gegen die Längsnerven verlaufenden Queradern.
Art : B. inclusa von JJorneo. — 2) Citihaena n. g. mit linearem, sehr
haarigen Körper; Kopf kaum breiter als der Thorax, Gesicht flach,
Augen dicht behaart, Fühler kurz, die beiden ersten Glieder quer,
das dritte verkehrt kegeiförmig, etwas langer und breiter als jene ;
Fühlerborste nackt, an der Basis entspringend, doppelt so lang als
das dritte Glied. Hinterleib viel länger als der Thorax, Beine ein-
fach, zart, Flügel schmal, die äussere Ouerader zwischen der Cubital-
und Präbrachialader gebrochen und daselbst einen kleinen Ast aussen-
dend. Die Gattung ist mit Chrysochlamys verwandt. Art: C. aurata
von Borneo. Andere neue Arten sind : Merodon raricolor, Milesia
Zamiel, Syrphus clirertens, cyafhifer von Borneo. Die beiden neuen
Gattungen sind auf pl. 6 fig. 3 u. 4 dargestellt.
Neue Arten aus Chile, von Bigot (Annales de la soc. ento-
mol. V. p. 295 If.) beschrieben, sind: Phalacromyia nigripes, Helophilus
luctuosus, Cheilosia aurantipes.
Syrphus quadrifasciatus und radialus Bigot (Historia fisica de
la isla de Cuba VII. p. 337) sind zwei neue Arten aus Cuba.
Die Europäischen Arten der Gattung Cheilosia nach ihren we-
sentlichen Charakteicn auseinanderzusetzen hat Loew (Verhandl. d
zoolog. -bolan. Vereins in Wien VII. p. 579-616) begonnen. Der
Verf. verbreitet sich zunächst in ausführlicher Weise über die Cha-
raktere, welche zur Unterscheidung der Arien benutzt werden können
und geht besonders auch auf diejenigen ein, welche durchaus trüge-
risch und daher für die Aufstellung von Arten verwerflich sind. Von
der Gattung im Macquart'schen und Meigen'scheu Sinne werden die
mit Syrph. ruficornis verwandten Arten (Chrysochlamys Rond.) ausge-
schlossen; die zurückbleibenden zerfällt der Verf. in drei Gruppen-
1) in solche mit behaarter Gesichtsfläche, 2)v in solche mit unbehaar-
ter Gesichtsfläche und nackten Augen und 3) in solche mit nackter
Gesichtsfläche und behaarten Augen. Der vorliegende Theil der Ar-
beit erstreckt sich auf eine Beschreibung der den beiden ^ersten Grup-
pen angehörenden Arten, 8 in der ersten und 27 in der zweiten ; in
der ersten Gruppe werden als neu beschrieben: Ch. barhata Mittel-
europa, frontaHs Deutschland, inlonsa (fraterna Zeit.) ganz Europa
griseiventris Sicilien ; in der zweiten: Ch. latifacies Brussa, Herct/-
niae Harz, Oesterreich, pulchripes (means Zett.) ganz Europa,' phitnu-
hfera Gebirge iMittel - Europas , gagatea Steyermark , laevivenlHs, re-
nosa, sparsa, devasa , personata und insignis Oesterreich. — Zur
leichteren Bestimmung der Arten hat der Verf. ihre Hauptcharaktere
in Tabellen analysirt, die den einzelnen Gruppen vorangestellt sind
Zahlreiche von AI eigen und Mac qua rt aufgestellte Arten sind
400 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
wegen ihrer mangelhaften Charakteristik dem Verf. unenträthselbar
gewesen.
Der Verf. schliesst hieran (ebenda p. 617 — 620) eine Auseinan-
dersetzung der drei Europäischen Arten der Gattung Chrysochlamys
Rond., nämlich Ch. ruficornis Fab., cuprea Scop. und aurea Rond.
Ueber die Gattungen Chrysogaster und ürthoneura schrieb der-
selbe (Wiener Entoniol. Monatsschrift I. p. 4 (f.). Er unserscheidet
als Chrysogaster basalis eine neue zwischen Chr. coemeteriorum Fab.
und chalybeata Meig. in der Mitte stehende Art aus Deutschland, die
sich von Chr. cupraria Macq. durch dunkelbraun gefärbtes Randmal
der Flügel unterscheidet; es folgen ausserdem einige Bemerkungen
über die Synonymie und das Vorkommen anderer Arten der Gattung.
Von Orthoneura brevicornis und frontalis werden die bisher unbe-
kannten Weibchen charakterisirt.
Eumerus pnnctifrons n. A. aus Syrien beschrieb derselbe (Ver-
handl. d. zoolog.-bolan. Vereins in Wien VII. p. 85).
Ein Verzeichniss der Oesterreichischen Syrphiden hat Schi-
ner (Verhandlungen des zoolog.-botan. Vereins in Wien VII, p. 279 —
447) zusammengestellt und hieran, wie bei den vorhergehenden Ver-
zeichnissen , Tabellen zur Bestimmung der Gattungen und Arten ge-
reiht. Wenn die Arbeit gleich zum grössten Theile nur eine Zusam-
menstellung von bereits Bekanntem ist, so verdient doch die darauf
verwandte Mühe und Sorgsamkeit alle Anerkennung. Dass einzelne
Theile, welche in neuerdings erschienenen Monographieen von Loew
eine gründliche Durcharbeitung erfahren haben, eine grössere Voll-
ständigkeit und Sicherheit in der angeführten Synonymie bekunden
als andere, w'O der Verf. auf seine eigenen Forschungen angewiesen
war, liegt in der Natur der Sache ; indessen ist auch bei letzteren
das Streben nach Erkenntniss des Richtigen nicht zu verkennen. Da
der Verf. neben den Oesterreichischen Arten auch die des übrigen
Europa mit auü'ührt, würde es für die Berichtigung der Synonymie
besonders der südlichen Arten , welche oft eine weitere Verbreitung
haben, zweckmässig sein, auch die Beschreibungen der Algerischen,
Klein- Asiatischen Arten u. s. w. zu vergleichen; z. B. müsste für
Volucella analis Macq. der frühere Name Vol. liquida Erichs. (Wag-
ner, Reisen in Algier 1840) eingeführt werden. — Die einzelnen
Syrphiden -Gattungen sind in Oeslerreich folgendermassen vertreten
(die Zahl der Europäischen Arten ist in Klammern beigefügt): Calli-
cera 1 (5), Microdon 2 (3), Chrysotoxum 11 (12), Fsarus 1 (1), Pa-
ragus 8 (8), Fipiza 23 (50), (Triglyphus 1), Chrysogaster 15 (30),
Psilota 1 (4), Cheilosia 56 (88), Syrphus 57 (106), Pelecocerii 2 (4),
Didea 3 (4), Doros 3 (4), Melithreptus 9 (19), Spazigaster 1 (1),
Myolepta 1 (1), Rhingia 3 (3), Brachyopa 4 (9) , Ascia 8 (11), Sphe-
gina 1 (6), Biiccha 3 (4), Volucella 5 (8), Eristalis 14 (26), Mallota
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 401
3 (5), Helophilus 10 (18), (natynochoetiis 1), Merodon 15 (29), Tro-
pidia 2 (4), Xylota 13 (13), Syritta 1 (2), Eumerus 12 (32), Chryso-
chlaniys 2 (3), Spilomyia 7 (7), Sericoniyia 4 (4), Criorrhina 6 (10),
Brachypalpus 3 (4), Milesia 2 (2), (Spheconiyia 1), Ceria 2 (4).
van der Wulp (Memoires d'entoniol., piibl. p. 1. soc. entom.
des Pays-Bas I, p. 18. pl. 1) gab eine Beschreibung und Abbildung
der Larve und Puppe von Eristalis sepiilchralis Lin. Aus einer Puppe
dieser Fliege entwickelte sich ein Cryptus niigratorius.
Conopidae, Conops Raniondi wurde von Bigot (Hisloria
fisica de la isla de Cuba VII. p. 339) als neue Art von Cuba
aufgestellt.
Nach Schiner's Beobachtungen ist die bei Triest vorkommende
Dalmania (Slachynia) meridionalis Macq. das Weibchen der 1). au-
stralis Macq., letztere aber nach Loew identisch mit Conops acu-
leata Lin.
Oe§tracea. Leidy (Proceed. of the acad. of nat. scienc. of
Philadelphia 1857. p. 204) machte die Mittheilung, dass eine Oestrus-
Larve in Mehrzahl unter der Haut des Rückens, Bauches und der Len-
den von einer Taschenmaus (Tomomys borealis) gefunden worden
sei ; die grössten Exemplare derselben massen 9 Linien an Länge.
jfluscariae« Zahlreiche neue Arten aus den verschiedenen
Gruppen dieser Familie, von W a 1 1 a c e auf Borneo gesammelt, wur-
den von Walker (Journ. of proceed. of the Linnean soc, ZoologyL
p. 125 ff.) bekannt gemacht. Aus der Tachinen- Gruppe : Eurygaster
suhferrifera; aus der Uexien- Gruppe : Dexia niunda und extendens ;
aus der Sarcophagiden - und Musciden-Gruppe: Cynomyia forlis, Sar-
cophaga indicata, Idia bivittala , Mnsca exempla. Von Acalypteren :
Aricia inaperla, illocata, Caenosia insurgens , Uelomyza fuscicostata,
aequata, limhata , provecta , invicla; Gauzcaiia n. g. von schlankem,
fast cylindrischen, borstigen Körper, mit nackten Augen, kurzen Füh-
lern, deren drittes Glied lang konisch und mit behaarter Borste ver-
sehen ist; Hinlerleib verkehrt lanzettlich, kaum länger, aber schmaler
als der Thorax; Beine nicht borstig, Flügel schmal, mit parallelen
Adern. Art: G. devecta (Abbildung auf pl. 6. fig. 5). — Lamprogaster
basilutea, divisa, punclala, guttata, Sophira eoncinna, Rioxa confinis,
Dacns determinatus, figuratus , Noeeta latiuscula, Trypeta rudis,
Urophora fasciata , Diopsis discrepatis , Calobata strenua , cedenSy
Curdiacephala lorigicollis , Gymnopa (?) gutticosta und Gymnopa (?)
infusa.
Bigot (Annales de la soc. entomol. V. p. 299 fF.) beschrieb
folgende Arten aus Chile, die zugleich auf pl. 7 abgebildet sind: Ju-
rinea callipyga, Sarconesia n. g. auf Sarcophaga chlorogaster Wied.
welche bei Macquart unter Onesia steht, gegründet (die Art wir
hier nochmals beschrieben und auf pl.7. fig. 5 abgebildet), nebst einer
Archiv f NaluiKesch. XXIV. Jahrj;. 2. Bd. ^^
4^2 Gerstaecker: ]»ericht über die wissenschaftlichen Leistungen
zweiten Art: Sarconesia versicolor. Ferner: Pegomyia nnivittata,
Ainethysa calligyna, Urophora jlexuosa.
Als neue Arten aus Cuba (Ilistoria fisica de la isla de Cuba VII.
p. 340 ff.) stellte derselbe auf : Tachma elc.yans, Eiirygasler obscurus,
modeshis , ScopoUa nigra, Sarcophaga muscoicles , pusilla , incerta,
Sepsis Guerinii , discolor, Acinia picciolä, Ulidia melallica, Sciomyza
obscnripennis und Phora cormita.
Loew (Wiener Entomol. Monatsschrift I. p, 44— 56) erörterte
die mit Cyrtoneura hortorum Wied. verwandten Europäischen Arten
nach beiden Geschlechtern, nämlich Cyrl. simplex (inipoituna llalid.),
eine von England bis Italien, Griechenland und Klein-Asien verbrei-
tete Art und Cyrl. podagrica n. A. aus Steyermark und Kärnthen ;
gründete ferner eine neue Gi^lluug Anaphalantns aui' eine von Wahl-
berg im Caffernlande aufgefundene, mit Coenosia verwandte Art,
welche sich durch etwas breitgedrückte, beiderseits lang und dicht
gefiederte Voiderschienen sehr auszeichnet; sie weicht \ on Coenosia
ferner durch den Mangel der Borsten an der Schienenspitze, den Bau
des Hinterleibs, der beim Männchen stark von oben nach unten zu-
sammengedrückt ist, die kurzen Stirnborsten, den Mangel der Kne-
belborsten, das mehr zurückgehende Untergesicht u. s. w. ab. Die
Art ist Anaph. pennatus genannt und auf Taf. I. fig. 21 abgebildet, —
Ferner besprach derselbe die deutschen Arten der Gattung Hetero-
neura, deren ihm fünf bekannt geworden sind: llet. spurca Halid. ,
albimana Meig. , ruficollis Meig., alpina n. sp. aus dem Hochgebirge
und geomyzina Fall. — und beschrieb endlich eine ausgezeichnete
neue Phoriden-Gattung Psyllomyia testacea, vonW^ahlberg im Caf-
fernlande aufgefunden, nur y4 lin. lang (Taf. I. Fig. 22 abgebildet),
durch linsenförmig gewölbten, hornigen Kopf, sehr kleine Augen,
zweigliedrige Fühler mit dicht behaarter Borste , vorstehende Taster,
langen und geknieten Rüssel, abgeiundeten Thorax, besonders stark
entwickelte Beine, mit sehr kräftigen Hinterschenkeln und verkürzte,
lederarlige, den Hinterleib an der Basis bedeckende Flügel bemer-
kenswerth.
Derselbe (Zeitschrift f. d. gesammt. Naturwiss. X. p. 104 ff.)
beschrieb Anlhomyia pulchripes, Hydrotaea sylvicola, brevipennis, Sa-
promyza decaspila, modesla und nana als neue Arten aus dem Harz.
Anthomyia impudica Reiche (Bullet, de la soc. entomol. V. p. IX)
ist eine neue Art von Grönland.
Sehr werthvolle und interessante Beiträge zur Naturgeschichte
der Trypeten lieferte G. Franenfeld in den Sitzungsberichten der
malhem. - naturwiss. Classe der Akad. d. Wissensch. in Wjen XXII.
p. 523—057, in welchen er seine langjährigen Erfahrungen über die
Nahrungspflanzen dieser Fliegen so wie über die Lebensweise der
Larven in denselben mittheilt. Um die Vertheilung der einzelnen
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 403
Trypeta-Arten auf die verschiedenen Familien, Gruppen und Gattun-
gen der einheimischen Conipositen darzustellen, welche bekanntlich
vorwiegend den Wohnsitz für ihre Entwickelung abgeben, stellt der
Verf. die einheimischen Corymbiferen , Cynarocephalen und Cichora-
ceen in systematischer Reihenfolge zusammen und vermerkt bei den
einzelnen Gattungen und Arten die aus ihnen erzogenen Trypeten.
Es stellt sich dabei heraus, dass unter den Corymbiferen die Eupafo-
rieen und Calendulaceen , beide arm an Galtungen, bisher nicht als
Wohnsitz von Trypeten nachgewiesen worden sind ; dass dagegen die
Inuleen, Anthemideeu und Senecioneen reich an solchen sind; dass
unter den Cynarocephalen die Carduineen und die Centauriecn über-
haupt die meisten Arien (erstere 41, letztere 20) ernähren, Avährend
von den Echinopsideen , Cailineen und Xcranthemeen bisher keine
Art zur Kenntniss gekommen ist; dass sich endlich unter den Cicho-
raceen die Trypeten auf die Gruppen der Leontodonteen , Scorzone-
reen, Hypochoerideen , Choudrilleen , Lactuceen und Crepideen be-
schränken. Interessant ist auch das Verhältniss, in welchem die von
der Trypeten -Larve verursachten Veränderungen in der Pflanze zu
den genannten Familien stehen; während nämlich in den Blüthen-
köpfen bei einem grossen Theile der Cynarocephalen durch den An-
stich der Fliegen Anschwellungen erzeugt werden, fehlen diese ganz
allgemein bei den Cichoraceen , deren Achenen nur von den Larven
ausgehöhlt werden. Während ferner die meisten Trypeta-Arten an
eine bestimmte Gattung und Art gebunden sind, erscheinen andere
polyphag und zwar nicht nur in verschiedenen Arten einer und derselben
Gruppe, sondern auch in Pflanzen verschiedener Gruppen. — Der
Aufzählung der Compositen und ihrer Bewohner lässt der Verf. zahl-
reiche Bemerkungen über die LebensMcise der einzelnen , von ihm
erzogenen Arten so wie über die von denselben an den Pflanzen
verursachten Veränderungen folgen und giebt .^odann eine Zusammen-
stellung der aus Compositen erzogenen Trypeten , 59 an Zahl mit
Hinzufügung ihrer Nahrungspflanzen. Von diesen 59 Arten kommen
32 nach den bisherigen Erfahrungen nur an einer einzelnen Pflanze
vor, die übrigen an mehreren zugleich; z. B. Tr. arctii an 5 Arten
und 4 Gattungen von Pflanzen, flava an 4 Arte^i (2 Gattungen), inulae
ebenso, marginata an 7 Arten (3 Gattungen), onotropbes an 10 Arten
(5 Gattungen), solstitialis an 6 Arten (3 Gattungen), sourhi an 8 Arten
(6 Gattungen), stellata an 5 Arten (4 Gattungen). - ;:„letzt geht der
Verf. zu der Beschreibung einer Anzahl neuer Arten über: Tr. afßnis
aus Centaurea paniculata , amoena aus Lactuca-Arfen (in Dalmatien
auch aus Picris hieracioides) , Egcjeri aus Doronicum pardalianches
(Steyermark) , intermedia aus TragopQgon pratense, Mamvlae aus
Blalterrosen von Gnaphalium angustifolium von Zara, mmtra -au^ Inula
hirta und britannica, ^chaefferi aus Centaurea montaua , Cony.ae aus
404 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Conyzu aegyptiaca in Aegypten und augur aus Zygophylluni album
in der Sinaitischen Halbinsel , sämnitlich in ihren Flügelzeichnungen
auf der beifolgenden Tafel abgebildet. Ebenda stellt der Verf. zu-
gleich den Kopf einer männlichen Trypeta dar, welcher mit zwei
langen Hörnern, die je vier geknöpfte Fäden tragen, geziert ist ; die
Art zeigt in der Flügelzcichnung grosse Aehnlichkeit mit Tr. abro-
tani Meig., für deren Männchen der Verf. sie zu halten geneigt ist. —
Neben diesen neuen Arten bespricht der Verf. eine grössere Anzahl
bereits bekannter in Bezug auf ihre Synonymie , ihre Abänderungen,
Wahrungspllanzen u. s. w. und liefert damit auch für diese mannig-
fache und schätzenswerthe Beiträge.
L. Dufour („Melanges entomologiques , Annales de la soc.
entomol. p. 39ff.) machte Phytomyza tropaeoli als n. A. aus Südfrank-
reich bekannt, deren Larve die Blätter von Tropaeolum aduncum
minirt; die Larve, Puppe und das ausgebildete Insekt werden aus-
führlich beschrieben und auf Taf. 3 dargestellt. — Ebenda p. 50 be-
schreibt der Verf. die ersten Stände von Tephritis jaceae Robin.,
welche in den Köpfen von Centaurea nigra leben; die Fliege, von
der er ebenfalls eine Beschreibung giebt, ist von Tryp. Wiedemanni
Meig., mit der sie Macquart fraglicher Weise zusammenzieht, sehr
verschieden; ebenso ist Tr. florescentiae Meig., deren Larve in den
Köpfen von Onopordon illyricum lebt, eine verschiedene Art. — Uro-
phora quadrifasciata (p. 53 if.) bildet harte Gallen in den Blülhen-
köpfen der Centaurea nigra, welche aus zwei bis fünf verschmolzenen
Samenkapseln bestehen, in deren jeder eine Larve lebt, welche nebst
der Puppe und Fliege beschrieben wird. Abbildungen der Larven
und Puppen beider Arten nebst den von ihnen bewohnten Blüthen-
theilen auf pl. 3. No. IL
Ilaliday (Natural history review IV. p.l95. pl. XI) beschrieb
die ersten Stände der Anthomyia riparia Fall, und bildete dieselben
nebst einzelnen charakteristischen Merkmalen ab.
Einen Fall von massenhaftem Auftreten der Chlorops nasuta
Meig. während des Spätsommers in der Oberlausitz, wo dieselbe
dichte Wolken über den Dächern der Häuser bildete, theilte v. Kie-
senwetter (Berl. Entomol. Zeitschr. I. p. 172) mit.
C'oriaceat Kolenati (Die Parasiten der Chiropteren,
p. 31 — 48) gab eine Zusammenstellung der auf Fledermäusen leben-
den Coriaceen, von denen er die ihm aus eigener Anschauung be-
kannten beschreibt, die übrigen nach den von den Autoren gegebenen
Charakteristiken aufführt. Die acht Arten, welche der Verf. selbst
untersucht hat, gehören sämmtlich der Gattung Nycteribia an und unter
diesen werden vier unter den Namen: Nyct. Weslwoodii, Blasii,
Hyrtlii und Fitzingeri als neu beschrieben. Die früher von ihm be-
schriebene Art K. Frauenfeldii hält der Verf. jetzt für wahrschein-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 405
lieh identisch mit N. pedicularia Latr. Westw. , die Namen der N.
biarticulata Herrn, und vexata Westw. ändert er ohne Grund in N.
Hermanni Leach und Montaguei Kol, um. Ebenso wird bei Anfüh-
rung der übrigen Fledermaus-Parasiten die Gattung Raymondia Frauenf.
sehr unkritisch mit Slrebla Wied., von der sie durch die auffallend-
sten Charaktere abweicht, vereinigt.
Derselbe „Synopsis prodroma der Nycteribien" (Wiener En-
tomol. Monatsschr. I. p. 61) stellte eine analytische Tabelle für die
Bestimmung von 16 Nycteribia- Arten, die in dem vorstehend er-
wähnten Werke von ihm beschrieben sind, zusamriien und vertheilte
zugleich diese Arten in 5 Gattungen Megistopoda, Eucampsipoda, Sty-
lidia, AcrochoUdia und Listropoda. (Die Gattung Nycteribia ist aber
eine durchaus natürliche und da bis jetzt sogar die Kenntniss ihrer
Arten (^ch im höchsten Grade mangelhaft ist , hat die Zerspaltung
weder irgend einen Grund noch Nutzen. Ref.)v
G. F^rauenfeld wies in einer Abhandlung „lieber Raymon-
dia Fr., Strebla Wd. und Brachytarsina Mcq." (Sitzungsberichte der
mathem.-naturwiss. Classe der Akad. d. Wissensch. in Wien XXII.
p. 468— 478) gegen Kolenati nnd Loew die generische Verschie-
denheit seiner Gattung Raymondia von Strebla und Brachytarsina
nach, obwohl es in Rücksicht auf die sehr ausgesprochenen Unter-
schiede , welche zwischen denselben existiren, eines solchen Nach-
weises gar nicht bedurft hätte. Als neue Art wird anhangsweise /?a7/-
mondia diversa aus Aegypten , auf Pteropus aegyptiacus aufgefunden,
charakterisirt.
Ji o e w unterschied (Wiener Entomol. 31onatsschr. .1. p. 8) von
Ornithomyia avicularia Lin. (viridis Leach, viridula Meig.) eine neue
Deutsche Art, die er als Ornithomyia ptenoletis beschreibt.
.Aplianiptera« Kolenati (Parasiten der Chiropteren p. 31 ff.)
führte sechs Arten von Puliciden als Parasiten der Fledermäuse auf
und beschrieb dieselben ; fünf davon gehören zur Gattung Cerato-
psyllus Curt., nämlich: C. octactenus, hexactenus, pentactenus, tetra-
cMnus und dictenus (letzterer gleich Pulex vespertilionis Dug.) und
eine zur Gattung Pulex Lin., nämlich : Pulex metallescetis, auf Ptero-
pus aegyptiacus lebend.
Desselben „Synopsis prodroma der auf Vespertilionen Eu-
ropa's lebenden Ceratopsyllen" (Wiener Entomol. Monatsschr. I. p. 65)
ist ein nochmaliger Abdruck der Namen der im Obigen beschriebe-
nen fünf Arten.
„Nederlandsche Insekten uit de orde der Siphonaptera , door
R. T. Maitland" (ßouwstoffen voor eene Fauna van Nederland IL
p. 310 f.). Eine Aufzählung von 12 Arten der. Gattung Pulex, die an
verschiedenen Säugethieren und Vögeln in den Niederlanden beob-
achtet worden sind.
4.00 Ge rs tac ck c )•: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
liepidoptera.
Als die bedeutendste Publikation im Gebiete der Lepi-
doplerologie während des Jahres 1857 ist die in den Suites
ä Buffon erschienene Fortetzung des „Species general des
Lepidopteres par Mm. Boisduval et Guene e« mit dem
9. und 10. Bande, welche eine syslem,atische Bearbeitung der
Familien der „Uranides et Phalenites par M. A. Guenee«
enlhallen , zu bezeichnen. Das leider in seinem Erscheinen
allzulange unterbrochene Unternehmen Boisduval's hat
durch den ebenso thäligen als gründlichen Verfasser der
beiden vorliegenden Bände binnen Kurzem eine so rüstige
Fortführung erfahren, dass für die auf die Noctuen, Geome-
Iriden und Pyralidcn folgenden Familien eine in entsprechen-
der Weise umfassende Bearbeitung wohl nun ebenfalls in
Aussicht gestellt werden darf, während für die ihnen voran-
gehenden lleteroceren nach dem Erscheinen der sie behan-
delnden Cataloge des British Museum ein Gleiches wohl kaum
zu erwarten steht. Ganz besonders diesen vom British Mu-
seum ausgehenden Publikationen gegenüber, welche allen
ferneren wissenschaftlichen Bearbeitungen unüberwindliche
Hindernisse entgegensetzen und dieselben fast unmöglich ma-
chen, muss jede Arbeit, welche einen dort noch nicht be-
handelten Abschnitt der systematischen Entomologie in An-
griff nimmt/ als besonders erwünscht angesehen werden. — ■
Die Guenee'sche Bearbeitung der „Uranides et Phalenites"
(Tome I et II, Paris, Roret, 8.) umfasst zwei starke Bände
von 514 und 584 pag. nebst einem Atlas von 24 Tafeln. Dem
ersten Bande ist eine Einleitung von LVI pag. vorangeschickt,
in welcher der Verf. zunächt auf die natürlichen Charaktere
der Geomelriden und ihre Unterschiede von den übrigen
Familien der Lepidopteren in umfassender Weise eingeht ;
die Familie ist durch die eigenthümliche Form der Raupe
in so scharfer Weise abgegränzt, dass über ihren Umfang
in lieinem Falle Zweifel entstehen können , wenn auch ge-
rade diese Gleichförmigkeit, die sich nicht nur auf den Bau
und die Lebensweise ,der ersten Stände, sondern auch auf
die gleichen Verhältnisse bei der Imago erstreckt, anderer-
seits es isl, welche die Classifikation äusserst schwierig macht.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 407
Nachdem der Verf. die Charaktere der Raupe, Puppe und der
Imago, bei letzterer besonders auch das Flügelgeäder in aus-
führlicher Weise erörtert hat, geht er in einem zweiten Ab-
schnitte, betitelt : „Classification et Bibliographie des Phale-
niles^< zu einer kurzen Zusammenstellung der von früheren
Autoren gelieferten Arbeiten über die Geometriden über,
dasjenige daraus hervorhebend, was auf die allmählige Ent-
wickelung der Systematik Einfluss ausgeübt hat. Aus den
Eintheilungen seiner Vorgänger, unter denen besonders die
von Herrich -Seh äff er und Lederer näher berück-
sichtigt werden, Alles schöpfend, was für seine Arbeit in
Betracht kam, konnte sich der Verf. den Systemen derselben
dennoch nur in beschränkter Weise anlehnen, da wie überall
die vergleichende Untersuchung des reichhaltigen und man-
nigfaltigeren exotischen Materials den auf Europäische Arten
ausschliesslich gegründeten Systemen mannigfache Irrthümer
und Mängel nachweisen musste. Uebrigens scheint der Verf.
von einer übersichtlichen Eintheilung der Familie, in Avelcher
die einzelnen Gruppen durch Charaktere analysirt werden,
wie er sie z. B. bei seiner Bearbeitung der Noctucn vorge-
nommen hat, hier wohl in gerechter Würdigung der sich
ihm entgegenstellenden Schwierigkeiten abgestanden zu ha-
ben, denn, indem er nur die von ihm vorgenommenen Ab-
änderungen an den Eintheilungen seiner Vorgänger kurz
erwähnt, geht er sogleich zu dem speziellen Theil der Arbeit
über, in welchem die einzelnen von ihm aufgestellten Grup-
pen jedesmal nur an der Spitze der unter ihnen vereinigten
Gattungen und Arten für sich charakterisirt werden. Die
Zahl der vom Verf. beschriebenen Arten ist eine sehr be-
deutende, indem ihm nicht nur die bedeutenderen Französi-
schen, sondern auch einige Sammlungen des Auslandes für
die Ausarbeitung seines Werkes zu Gebote gestanden haben;
sie beträgt für die Familie der Uranidae 20, für die der Pha-
laenidae 1780. — Der (mit colorirten und schwarzen Abbil-
dungen herausgegebene) Atlas beschränkt sich wie bei den
vorhergehenden Bänden auf die Darstellung typischer Formen,
indem die meisten Gattungen nur durch eine, selten durch
mehr Arten repräsentirt werden; eine Tafel ist den Urani-
408 Gc Vsta ecker : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
den, eine den (\ix\ Texte nicht berücksichtigten) Siculiden,
die übrigen zwei und zwanzig den Phalaeniden , gewidmet;
von letzteren sind zwei für die Erläuterung des Flügelge-
äders und die Darstellung von Raupen verwendet worden.
Die Familie der Uranidae theilt der Verf. in vier Gruppen :
CyiUmoiiidae (Gattung Cydinion 6 Arten) , Uranidae (Urania 1 A.),
Nyctalejnonidae (Alcidis 1 A. , Nyctalenion 2 A.) und Sematuridae
(Seniatura 5 A. , Coronis 5 A.). Die Familie der Phalaenidae zer-
fällt in 26 Gruppen: 1) Urapterydae (muss Urapterygidae heissen !)
mit den Gattungen Urapteryx , Ripula n. g. , Choerodes n. g. , Idio-
des n. g., Cirsodes n. g., Sabulodes n. g., Eutrapela, Mvcronodes n. g.,
Cimicodes n. g. , Clysia n. g. , Oxydia n. g. und Cyclidia n. g. —
2) Ennomidae mit Drepatiodes n. g. , Crocopteryx n. g. , Cratoptera,
Gynopteryx n. g., Tetragonodes n. g., Periclina n. g. , Apicia n. g.,
Scardamia n. g. , Melinodes, Priocycla n. g. , Therapis , Drepanoyy-
nis n. g. , Synnomos n. g. , Epione , Hypevythra n. g. , Sicya n. g.,
Heterolocha, Rumia, Caustoloma, Venilia, Angerona, Hyperetis n. g.,
Nematocampa n. g., Endropia n. g., Metrocampa, Ellopia, Lencula n.g.,
Caherodcs n. g., Tetracis n. g., Onycodes n. g., Prionia, Enrymene, Peri-
callia, Erosina n. g., Selenia, Ax>elina n. g., Synemia n. g., Odonloptera,
Crocallis, Entomopteryx n. g., Metanema n. g., Ennomos und Himera.
— 3) Oenochromidae mil Monoctenia n.g., Oenochroma n. g. , .4rÄo-
rftrt n. g. , PhaUaria n. g. , Gaslrophora n. g. , Sarcinodes n. g. und
Hypographa n. g. — 4) Amphidasydae mit Meticulodes n. g. , Cera-
tonyx n. g., Phigalia, Chondrosoma , Nyssia, Apocheima, Biston, Am-
phidasys, Lophodes n. g. — 5) Boarmidae mit Amhlychia n. g. , A'y-
lopteryx n. g. , Hemerophila, Nychiodes, Mclanodes n. g. , Smyrio-
des n. g., Gastrina n. g., Synopsia, Phaselia n. g. , Calamodes n. g.,
Cleora, Boarmia , Tephrosia, Paraphia n. g. , Bryoptera n. g., Hypo-
chroma n. g., Pachyodes n. g., Ophthalmodes n. g. , Cerotriclia n. g.,
Elphos n. g. , Brotichelia n. g. , Slenolrachelys n. g. , Xerodes n. g.,
Gnophos, Dasydia n. g. , Psodos , Dichromodes n. g. , Pygmaena,
Exelis n. g. und Muiophila. — 6) Boletobidae mit Stellidia n. g.,
Xyliodes n. g. und Boletobia. — 7) Geomelridae mit Achlora n. g.,
Pseudoterpna, Geomctia, Nemoria , Trimetopia n. g., Jodis, Thalasso-
desn. g., Dyspteris, Chlorochroma, Eucrostis, Omphax n. g., Phorodesma,
Rhacheospila n.g., Synchlora n.g., Aplodes n. g., Thetidia, Chloro-
des n. g., Phyle, Agalhia n. g., Hemithea und Anuwritiia n. g. — 8)
Mecoceridae mit Ametris , Mecoceras n. g. und Almodcs n. g. — 9)
Palyadae mit Eumclea , Palyas n, g., Ophthalmophora n. g. und ßys-
sorfe« n. g. — 10) Ephyridae mit Numia n. g. , Cyphopteryx n. g.,
Ephyra, Anisodes n. g. — 11) Acidalidae mit Synegia n. g., Drape-
todes n. g. , Asellodes n. g-, Trygodes n- g., Pomasia n. g. , Hyria,
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 409
Cambogia n. g. , Asthena , Eiipisteria , Veniisia , Cleta, Acidalia , Ti-
mandra, Odysia n. g. , Cnemodes n. g. , Pellonia, Somalina n. g. ,
Argyris n. g. , Zanclopteryx , Berberodes n. g. , Cassyma n. g.', Pi-
gftrt n. g. — 12) Micronidae mit Micro jiia n. g., Kedusia, Syngria n.g.f
Fulcinodes n. g. , Erosia n. g. , Schidax und Molybdophora n. g. —
13) Caberidae mit Stegania n. g. , Syllexis n. g. , Thamnonoma, Ca-
bera, Acrnlodes n. g. , Corycia und Aleucis n. g. — 14) Macaridae
mit Amilapis n. g. , Eilicrinia, Macaria und Halia. — 15) Fidonidac
mit Tephrina n. g., Aplasta, Psamalodes n. g. , Strenia, Cinglis n. g.,
Rhoptria n. g. , Sphacelodes n. g. , Plutodes n. g. , Nevilodes n. g.,
Liodes n. g., Spartopteryx n.g., Egea, Cyclomia n. g., Rhinodia n. g.,
Panagra n. g., Ploseria, Kumeria, Pachydia n. g., Scodiona, Eusarca,
Selidosema, Hyposidra n. g. , Fidonia, Heliothea , Cleogene, Antho-
metra , Minoa, Nenrophana n. g. , Scoria, Phyletis n. g., Haematopis,
Lythria, Sterrha, Osteodes n. g., Hypoplectis, Gorytodcs n. g., Aspila-
tes und Conchylia n. g. — 16) Hazidae mit Hazis. — 17) Zerenidae
mit Panaelhia n. g. , Rhyparia, Pantherodes , Abraxas , Ligdia n. g.,
Lomaspilis , Stalagmia n. g. , Fulgurodes n. g. , Pevigramma n. g.,
Percnia n. g. , Bombycodes n. g., Orthostixis, Zerene, Nipteria n. g.,
Cosmelodes n. g. und Absyrtes n. g. — 18) Ligidae mit Timia, Jr-
gyrophora n. g., Doryodes n. g., Ligia , Chhnias n. g., Pachycnemia
und Chemerina, — 19) Uybernidae mit Acalia n. g., Hybernia und
Anisopteryx. — 20) Larentidae mit Cheimatobia, Oporabia , Larentia,
Emmelesia, Microdes n. g. , Eupithecia, Collix n. g. , Lepiodes n. g.,
Rhopalodes n. g. , Sauris n. g- , Remodes n. g. . Lobophora , Thera,
Polyclysta n. g. , Ypsipetes , Melanthia, Scordylia n. g. , Melanippe,
Anticlea, Coremia n. g., Camptogramma, Phibalapteryx, Scotosia, Po-
lysemia n. g., Syrtodes n. g., Spargania n. g., Cidaria, Pelurga, Di-
neurodes n. g., Sybarites n. g., Psaliodes n. g. — 21) Etibolidae mit
Eubolia, Carsia, Anaitis, Lithostege und Chesias. — 22) Sionidae mit
Terenodes n. g. , Heteropsis n. g. , Siona, Gypsochroa , Heterophlebs,
Callipia n. g. , Stamnodes n. g. , Polythrena n. g., Tanagra und Ode-
zia. — 23) Hedylidae mit Hedyle n. g., Fenorfes n. g. und Phellino-
des n. g. — 24) Erateinidae mit Erateina und Trockiodes n. g. —
25) Emplocidae mit Emplocia. — 26) Hypochrosidae mit Hypochro-
sis n. g. und Achrosis n. g.
J. C. Sepp's „Nederlandsche Insecten," fortgesetzt von
Snellen van Vollenhoven, sind im J. 1857 mitNo. XI
—XXII. des 8. Bandes weitergeführt worden; jede Nummer
besieht aus einem Blatte Text und einer colorirten Tafel.
Die darin beschriebenen und abgebildeten Arten sind : Tortrix
laevigana, Koctua festiva, Nonagria typhae, sparganii, Koctua triangu-
lum, Heriuinia barbalis , Xylina exoleta, Cidaria derivata, Lasiocampa
populifolia, Lithocolletis alnifoliella und quercifoliella.
410 Gerstaecker: Bericht über die Avissenschaftlichen Leistungen
F r e y e r's „Neuere Beiträge zur Schmetterlingskunde mit
Abbildungen nach der Natur" sind im J. 1857 mit dem 116.
— 120. Hefte fortgesetzt worden, welche die Schiussliefe-
rungen des nunmehr vollendeten siebenten Bandes ausma-
chen. Derselbe (Augsburg, beim Verfasser und in der M.
Rieger'schen Buchhandlung, 1858. 4.) umfasst 178 Seiten
Text und 100 colorirte Tafeln (Taf. 601— 700) , welche wie
bekannt stets die verschiedenen Entwickelungssladien von i
bis 2 Arten nebst der Nahrungspflanze der Raupe darstellen.
— Eine Fortsetzung seiner Beiträge in der bisherigen Art
und Weise beabsichtigt der Verf. nach einer dem letzten
Hefte angehängten Schlussbemerkung nicht mehr, wenigstens
sollen dieselben nicht bandweise und unter dem bisherigen
Titel erscheinen; vielleicht werden noch Ergänzungen zu
den erschienenen Bänden in einzelnen jährlichen Heften ge-
liefert werden.
Der Inhalt der 5 letzten Lieferungen des Werkes ist folgender:
Heft 116: J>ycaena Alexius, Papilio Podalirius var., Bombyx sordida,
Koctua plecta, inusiva, Acidalia sabaudiaria, Kyniphula leninalis, Sco-
pula alpinalis. — Heft 117: Hipparchia Medea, Pharte, Psyche grami-
neila, Caradrina paliistjis, Larentia psittacata , coraciata, pimpinellata
und absinthiata. — Heft 118: Hipparchia Eiiryale, Lithosia couiplana,
lurideola, Noctua candelisequa , Cidaria derivata, berberata, luctuata.
— Heft 119: Hesperia Sylvius, Thyris fenestrina, Lithosia eborina,
Erastria candidula, atratula , Cidaria jeticiilata, Larentia cassiata, re-
ctangulata und debiliata. — Heft 120: Melitaea Aphaea, Hesperia
Sylvanus, Agrotis obotrilica n. sp. Noctua monlana (Standfuss), Idaea
remutata, conipararia, Aliicita graphodactyla und niegadactyla.
Von Herrich-Schäffer's „Neue Schmetterlinge aus
Europa und den angränzenden Ländern" (vergl. Jahresbe-
richt 1856. p. 161) ist bis jetzt kein ferneres Heft erschie-
nen. Ebenso wenig ist nach dem Wissen des Ref. der noch
nicht abgeschlossene Text zu den „Lcpidopterorum exotico-
rum species novae aut minus cognitae" desselben Verf. wei-
lergeführt worden.
Von Hewitson's Exotic Buttertlies, being lllustrations
of new species ist im J. 1857 der zweite Band begonnen
worden; es liegen von demselben die vier ersten Hefte (Pt. 21
— 24 des ganzes Werkes) vor. Siehe Rhopalocera!
Saunders „On the transformalions of Natal-Lepido-
im Gebiete der Entomologie Avähreiul des Jahres 1857. 411
plera<< (Transact. of the entomol. soc. IV. p. 58. pl. 13—15)
lieferte Abbildungen der ersten Stände einiger Schmetterlinge
von Port Natal, die zum Theil von sehr interessanter Erschei-
nung sind; von zweien dieser Raupen sind auch die Ima-
gines abgebildet worden. Beschreibungen der Raupen und
Nachrichten über ihre Lebensweise sind nicht gegeben worden.
Die Cataloge derLepidopferen des British Museum sind
im J. 1857 mit drei neuen Bändchen , welche eine Fortset-
zung der im vorigen Jahre begonnenen Aufzählung und Be-
schreibung der Noctuinen enthalten, weiter geführt worden:
List of the specimens of Lepidopterous Insects in the colle-
ction of the British 31useum, by Franc is W alk e r. Part XL
XIL XIII. Noctuidae. Printed by order of the trustees. Lon-
don 1857. C8. p. 493-1236). — Der elfte Band bringt zu-
nächst den Abschluss der Trifidae genuinae mit den Grup-
pen der Hadenidae, Xylinidae und Heliothidae (p. 493—706);
der zwölfte Band ^enthält die Trifidae minores (— p. 842)
und von den Quadrifidae die Abtheilungen der Sericeae und
Variegatae, letztere bis zur Gruppe derGonopteridae; der drei-
zehnte Band endlich handelt ausser dem Schlüsse der Qua-
drifidae variegatae die Intrusae, ExtensaeundLimbatafe ab, so
dass noch die drei letzten Gruppen der Quadrifidae für den
Schlussband übrig bleiben. An die Spitze jeder Hauptab-
theilung stellt der Verf. eine analytische Tabelle der ihr un-
tergeordneten Gruppen, an die Spitze jeder Gruppe eine
gleiche für die ihr zukommenden Gattungen; unter letzteren
findet sich wieder eine sehr beträchtliche Anzahl neu auf-
gestellter, so wie auch das hier verarbeitete Material aus-
serordentlich reich an neuen ausländischen Arten ist. Es
sind daher für die Artkenntniss der Noctuinen die vorlie-
genden drei Bände ebenso wichtig, wie es die übrigen Ca-
taloge des British Museum wegen des ausserordentlich rei-
chen Materials, welches in diesem Institut angehäuft ist, für
Jede andere Abtheilung sein müssen; über die Mängel, wel-
che allen von Walker bearbeiteten Catalogen anhaften, ist
schon so oft in diesen Berichten geredet worden, dass eine
abermalige Herzählung derselben überflüssig sein würde.
Eine Arbeit, welche ebenfalls die Familie der Noctuinen
412 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
speziell behandelt , jedoch als Fortsetzung von einer in die-
sen Berichten früher erwähnten allgemeinen Arbeit über
Europäische Lepidopteren, nämlich L e d e r e r's „Versuch, die
Europäischen Schmetterlinge in möglichst natürliche Reihen-
folge zu stellen,« anzusehen ist, liegt unter dem Titel: „Die
Noctuinen Europa's mit Zuziehung einiger bisher meist dazu
gezählten Arten des asiatischen Russlands, Klein -Asiens,
Syriens und Labrador's, systematisch bearbeitet von J. Le-
derer« (Wien 1857. 8. 251 pag. 4 tab.) vor. Während die
früheren Theile der erwähnten Arbeit des Verf. in den Ver-
handlungen des zoologisch-botanischen Vereins abgedruckt wa-
ren, ist der vorliegende als selbstständiges Werk erschienen.
Der Verf. geht in einer Einleitung auf die differentiellen
Merkmale der Eulen von den übrigen Familien der Lepido-
pteren, auf ihre natürlichen Charaktere und auf die Abgrän-
zung der unter ihnen aufzustellenden Gruppen ein ; sodann
folgt ein systematisches Namens- Verzeichniss der in Europa
und den angränzenden Theilen Asiens vorkommenden Gat-
tungen und Arten und eine analytische Tabelle zur Bestim-
mung der Gattungen. Den folgenden grössten Theil des
Werkes verwendet der Verf. auf eine eingehende Charakte-
ristik der Gattungen, denen er zum Theil einen von den
früheren Autoren wesentlich verschiedenen Umfang beimisst
und deren Zahl durch ihn abermals vermehrt wird (Gue-
nee hat deren 145 Europäsche, L. dagegen 161); die Ar-
ten werden hier zwar auch nur namentlich aufgeführt, jedoch
besonders in artenreichen oder solchen Gattungen , wo ein-
zelne Körpertheile auffallende Verschiedenheiten zeigen, nach
diesen in Gruppen gebracht. Den Schluss bilden Bemer-
kungen über einzelne Arten, welche über Synonymie, Ab-
änderungen, geographische Verbreitung u. s. w. handeln. Die
vier das Werk begleitenden Tafeln enthrUen Darstellungen
des Flügelgeäders, der Kopf-, Palpen- und Fühlerbildung, der
Körperbedeckung, der Beine und Afterklappen.
Einen Nachtrag zur Schmetterlings- Fauna von Beirut
lieferte derselbe (Wiener Entomol. Zeitschr. L p. 90— 102)
durch Aufzählung von 47 ferner daselbst aufgefundenen Ar-
ten nebst Beschreibung der darunter befindlichen neuen;
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 413
letztere gehören den Familien der Noctuen, Pyraliden und
Tineinen an.
Hop ff er hat in den Monatsberichten der Berliner Aka-
demie der Wissenschaften 1857. p. 421 f. die von Peters
in Mossambique gesammelten Lepidoptera heterocera, 11 Ar-
ten umfassend, vorläufig durch Diagnosen bekannt gemacht.
Von Staudinger erschien (Entomol. Zeitung p. 299
— 308) ein „Beitrag zur Lepidopteren-Fauna Grönland's," in
welchem er zwanzig mit Sicherheit aus Grönland herstam-
mende, in der Westermann'schen , den Copenhagener und
Berliner Sammlungen sich vorlindende Arten von Lepidoptc-
ren aufzählt , dieselben mit kritischen Bemerkungen be-
gleitet und die darunter befindlichen neuen beschreibt. Die
von Französischen Autoren als grönländisch angegebenen
Arten stammen oft nicht von dort her; die neun von Fa-
bricius in seiner Fauna grönlandica angeführten Arten
sind zum grössten Theile unrichtig bestimmt, so dass also
sichere Nachrichten über die Lcpidopteren Grönlands bisher
nicht vorliegen und der hier gegebene Beilrag zur Kenntniss
derselben von besonderem Belang ist.
Von den aufgezählten Arten gehören 2 (Argynnis Chariclea und
Colias Boothii) den Rhopaloceren , 15 den Noctuen (Episema grami-
uis, Agrotis islandica , rava , Drewsetiii n. sp., Westermanni n. sp. ,
Sommeri , exulis, Polia occulta , Pliisia parilis , diasema , gamma,
Groenlandica n. sp. (ob PI. intenogalionis var. ?), Anarta amissa,
leucocycla und algida), 2 den Geometren (Cidaria polata, Chimatobia
brumata) und 1 (Pempelia c^rbonariella) den Tineen an.
A Manual of British Butterflies and Moths, by H. T.
Stainton. Vol. I. (Comprising the butterflies and stout-
bodied molhs). London, I. van Voorst. 1857. (8. 338 pag.).
Dieses sowohl in seiner Ausstattung als Abfassung sehr
zweckmässige und gefällige Handbuch, von dem im vorigen
Jahresbericht nur die erste bis dahin erschienene Lieferung
angezeigt wurde, ist in seinem Erscheinen so rüstig fortge-
schritten, dass in dem gegenwärtig abgeschlossen vorliegen-
den ersten ßändchen schon die Familien der Rhopalocera,
Sphingides , Bombyces und Noctuae vollständig abgehandelt
sind. Die eben so sauber ausgeführten als sehr charakteri-
stischen Holzschnitte, welche dem Texte eingedruckt sind
414 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
lind von der Mehrzahl der Gattungen einen Repräsentanten
darstellen, werden dem angehenden Lepidopterologen die Be-
stimmung seiner Arten gewiss in hohem Gkrade erleichtern
und die kurz gefasste Charakteristik der Arten mit beson-
ders scharfer Hervorhebung ihrer unterscheidenden Merk-
male so wie auch die den Beschreibungen vorangehenden
analytischen Tabellen sind nur geeignet, demselben das Stu-
dium der heimischen Lepidopteren in bester Weise zugäng-
lich zu machen. Am wenigsten dem Zwecke des Buches an-
gemessen erscheint wohl die Annahme der zahlreichen neue-
ren Galtungen z. B. unter den Bombyciden, die bei Berück-
sichtigung der exotischen Formen zum Theil sich nicht ein-
mal als gehörig begründet erweisen und welche, da sie meist
nur eine oder zwei inländische Arten umfassen, dem Anfän-
ger nur die Uebersicht erschweren können.
In seinem Entomologisl's Annual 1857, p. 97 — 130 gab
derselbe Verf. Beschreibungen von 17 in England neu auf-'
gefundenen Arten, welche mit Ausnahme einer Noctua (Leu-
cania Vitellina) den Tortrices und Tineinen angehören; die
meisten sind neue Arten und zum Theil auf beifolgender
Tafel abgebildet. Dieser Publikation schliesst sich wie bisher
eine Aufzählung seltnerer Arten an, die im J. 1856 in ver-
schiedenen Gegenden England's gefangen worden sind.
Von der Belgischen Entomologischen Gesellschaft ist 4n
ihren Annales de la soc. entomol. Beige I. p. 1 — 110 ein
neues Verzeichniss der Schmetterlinge Belgiens veröffentlicht
worden, welches gegen das von S elys-L ong cham ps im
J. 1845 herausgegebene um eine Anzahl von Arten vermehrt
ist. Die Aufzählung ist wie dort nach der Reihenfolge des
BoisduvaFschen Catalogs der Europäischen Lepidopteren vor-
genommen , die einzelnen Arten mit Notizen über Vorkom-
men , Futterpflanze der Raupe u. s. w. versehen. Bis jetzt
liegen nur die Macrolepidoptera bis zum Schlüsse der Noctuen
vor und zwar kommen auf die Rhopaloceren 94, die Sphin-
giden 38, die Bombyciden 113 und die Noctuen 232 Arten.
Snellen van Vollenhoven theille in den Memoi-
res d'entomologie, publies par la soc. entom. des Pays-Bas I.
p. 99—131 Beobachtungen über die ersten Stände und die
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 415
Lebensweise einer Anzahl inländischer Lepidopteren aus den
Familien der Rhopaloceren, Sphingiden, Bombyciden, Noctuen
und Geometrlden mit. („Eenige opmerkingen omlrent de
eerste toestanden en leefwijze van sommige soorten onzer
inlandsche Macrolepidoptera.") Da der Raum es nicht ge-
stattet, auf die einzelnen Beobachtungen des Verf. näher
einzugehen, dieselben auch wenigstens zum Theil nur von
untergeordnetem Interesse sind, so beschränkt sich Ref. auf
die Anführung der einzelnen Arten, über welche Älittheilun-
gen gemacht werden.
Diese sind: Vnncssa Caidni, Ilipparchia Egeria, Sesia apifor-
mis, Deilephila CeJerio , Saturnia Carpini , Notodonla Camelina, He-
pialiis sylviniis, Lilhosia eborina , Pygacra reclusa, Euprepia urticae,
Cyniatophora octogc; ima , Agrotis segetum , exclamationis, valligera,
tenebrosa, Noctiia augur,j3aja, brimnea , festiva , bella, C-nigruni,
triangulnm . ditrapezium , plecta, Triphaena comes, finibria, janthina,
Polia herbida, Apaniea didyma, strigilis, testacea, basilinea, Mithymna
xanthographa, Orthosia instabilis, gracilis , Caradrina Morpheus, cubi-
cularis, alsines, Simyra venosa, Leucania pallens, straminea, obsoleta,
lithargyrea , Nonagria paludicola , typhae, Gortyna micacea, Xanthia
ferruginea , Cosmia subtiisa , Xylina putris, polyodon, Cleophana pi-
nastri , Abrostola uiticae , triplasia , Phisia festucae , chrysitis, jota,
Ileliothis niarginata, Fidonia aescularia, Acidalia bilineata, Eupithecia
subnotata , Cidaria lignstraria, montanaria , Zerene rubiginata und
marginata.
Ver Iluell, „Eigenschappen van twee exotische Lepidoptera"
(ebenda p. 131 f.). ßer Verf. berichtet über die eigenthümliche Elug-
art der Brasilianischen Nymphalis Feronia Gramer und bemeikt, dass
Urania Patroclus Cram. an der Küste von Borneo in mehreren Exem-
plaren auf einem Schiffe gefangen w^orden sei,
„ISederlandsche schubvleugelige Insekten , Lepidoptera,
medegedeeld door H. W. de Graaf, te Leiden." (Bouwstoffen
voor eene Fauna van Nederland I. p. 1 — 50.) Der Verf. giebt
ein systematisches Verzeichniss der in Holland als einhei-
misch bekannt gewordenen Lepidopteren mit Cilaten von
Abbildungen und Beschreibungen der einzelnen Arten , so
m& auch mit Angaben über ihre speziellen Fundorte. —
Rhopalocera 61, Sphingides 18, Chelonariae etBombyces 99,
Noctuae 216, Geometrae 176, Pyralides 48, Tortrices 85,
Tineina 148, Pterophoridae 13, im Ganzen 864 Arten.
Desselben „Aanvulling der Nederlandsche schubvleuge-
416 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
lige Insekten, Lepidoptera" (ebenda I. p. 215— 269) ist ein
durch fernere Entdeckiing-en bereichertes Verzeichniss der
Holländischen Macrolepidoptera bis zum Schlüsse derNoctuen,
mit steter Angabe aller dem Verf. bekannt gewordenen Fund-
orte der einzelnen Arten in Holland, so wie mit kurzen An-
gaben über die Erscheinungszeit und die Nahrungspflanze
der Raupe.
In gleicherweise abgefasst ist auch die „TweedeAan-
Yulling der Nederlandsche schubvleugelige Insekten" dessel-
ben Verf.'s (ebenda II. p. 143 — 204), die sich von der vor-
hergehenden ausser der Hinzufügung einzelner neuer Arten
noch durch die angefügte Aufzählung der Geometrae unter-
scheidet.
Desselben „Dierknndige Verscheidenheden , Opmerkingen over
Lepidoptera (ebenda II. p. 71 — 73) handeln über I.ycaena Aegon, Sa-
tyrus Statilinus, Colias Hyale und die Raupe von Lasiocampa quer-
cifoliji.
Ein Verzeichniss der in Roesel von Rosenhof 's „De na-
turlijke historie der Insekten" abgebildeten Europäischen Schmetter-
linge stellte M etzn er (Bouwstoften voor eene Faunavan Nederland I.
p. 112 ff.) zusammen.
Ein sehr reichhaltiges Verzeichniss der in der Umge-
gend von Fiume vorkommenden , von ihm selbst gesammel-
ten Lepidopteren stellte Mann (Wiener Entomol. Monatsschr.
I. p. 143 — 189) zusammen; dasselbe erstreckt sich auf alle
Familien der Macro- und Microlepidoptera und enthält An-
gaben über die Flugzeit und die speciellen Fundorte der
einzelnen Arten; einige darunter befindliche neue werden
kurz charakterisirt.
Lepidopteren-Fauna von Mährisch-Trübau, systematisch
zusammengestellt von R. Czerny (Verhandl. des zoolog.-
botan. Vereins in Wien VII. p. 217 — 224). — Es sind darin
die Macrolepidopteren mit Einschluss der Geometriden verzeich-
net, deren Artenzahl 586 beträgt.
J. Muller, Prodromus der Lepidopteren - Fauna von
Brunn (Lotos, 6. Jahrg. p. 143— 166 ff.) — Ein Namensver-
zeichniss der um Brunn vorkommenden Schmetterlinge aus
den Familien der Rhopaloceren, Sphingiden, Bombyciden und
Noctuen.
im Gebiete der Entomologie wührend des Jahres 1857. 417
J. May burger, die Schmetterlinge der Umgebung
Salzburg's (Jahresbericht der K. K. Unter-Realschule in Salz-
burg 1856—573 ist im Literaturblatte der Allgem. Deutschen
Naturhist. Zeitung 111. No. 12 angezeigt. Hiernach sind von
dem Verf. die in der Umgebung von Salzburg vorkommen-
den Schmetterlinge nach Ochsenheimer systematisch zu-
sammengestellt und zwar die Rhopaloceren durch 113, die
Sphingiden durch 34, die Bombyciden durch? (die Angabe
fehlt hier), die Noctuen durch 135 und die Geometriden durch
103 Arten vertreten.
„Lepidopterologische Beobachtungen" von L a R o q u e 1 1 e
(Allgem. Deutsche Naturhist. Zeitung 111. p. 296 — 312 und
p. 343— 350) enthalten Mittheilungen über die ersten Stände
einer Anzahl einheimischer Heteroceren, ihre Lebensweise
und Verwandlungsgeschichle.
Assmuss lieferte (Entom. Zeitung p. 381— 391) einen
„Beitrag zu einer Aufzählung der Lepidopteren in den Mos-
kau'schen , Kaluga'schen und Tambov'schen Gouvernements.
Diese Aufzählung erstreckt sich vorläufig auf die Rhopalocera
und enthält Angaben über die speziellen Fundorte, die Häu-
figkeit und die Flugzeit der einzelnen Arten.
3Ielitaea 7, Argynnls 13, Vanessa 10, Limenitis 2, Apatiira 1,
Hipparchia 16, Lycaena 13, Polyoinmatus 7, Thecla 5, Pieris 7, Co-
lias 6, Papilio 2, Doritis 1, Ilesperia 12 Arten.
Bellier de la Chavignerie, Observations sur les
Lepidopleres des Basses-Alpes (AnnaL de la soc. entom. V.
p. 587-597). Diesmal wird hauptsächlich eine Aufzählung der
vom Verf. in den Basses-Alpes gesammelten Noctuen nebst
Bemerkungen über ihr Vorkommen gegeben; ausserdem wer-
den auch einige Geometriden und Microlepidopteren erwähnt.
Derselbe, Observations sur quelques Lepidopleres
d'Islande (ebenda p. 5 — 12). — Bemerkungen über 17 Arten
Lepidopteren (Noctuen, Geometriden und Microlepidopteren),
die von Staudinger in Island gesammelt worden sind,
und über welche letzterer selbst (siehe oben unter Insek-
ten !) in viel umfassenderer und gründlicherer Weise Aus-
kunft gegeben hat.
Der Verf. glaubt Agrotis Islandica Stand, für A. obelisca W. V.
Archiv f. Natursesch. XXIV Jahrg. 2 Bd. ßß
418 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
var. halten zu müssen; Hadena borea? Staud. ist nach ihm nicht mit
Had. borea Boisd. identisch, sondern wahrscheinlich gleich Had.
adusta var.
Bruand (Bullet, de la soc. entomol. p. CVI ff.) gab
eine Aufzählung der von ihm in der Umgegend von la Grande-
Chartreuse gesammelten Lepidopteren.
Rliopalocera. Hewitson's Exotic Butterflies, being Illu-
strations of new species Pt. '21 — '24 bringen abermals die Beschreibung
und Abbildung einer grösseren Anzahl neuer Süd - Amerikanischer
Arten dieser Familie; neben den schon früher behandelten Gruppen
der Heliconier, >ymphaliden, Satyriden, Eryciniden und Pieriden ist
diesmal auch mit den Hesperien , denen zwei Tafeln ge\Nidmet sind,
begonnen worden.
Fr. 3Ioore hat (Proceed. of the zoolog. soc. of London 1857,
p. 102 ff. pl. 44. 45 — auch abgedruckt in den Annais and magaz. of
nat. bist. XX. p. 383 ff.) einige neue Tagfalter aus Xord- Indien be-
kannt gemacht: ..Descriptions of some new species of Lepidopteroos
Insects from Northern India~. Dieselben gehören den Gruppen der
Equites und Pieriden an.
Salle (Annales de la soc. entomol. V. p. "20 ff.) gab eine Xo-
tiz über die schon von v, Humboldt erwähnten sackartigen Rau-
pennester aus Mexiko, welche unter dem ^'amen Capullo de 3Iadrogno
bekannt sind. Die Schmetterlinge, deren Raupen diese Säcke verfer-
tigen, gehören nicht zu den Bombyciden , wie v. Humboldt an-
giebt, sondern zu den Rhopaloceren. Salle glaubt, das» nach den
Puppen eine He^peria darunter zu vermuthen sei (Schmetterlinge sind
nicht ausgekommen). Boisduval giebt aber an, dass es die Gattung
Euterpe sei und weist auf Westwood's 31ittheilung über den Ge-
genstand in den Transact. of the enlomol. soc. l. p. 38 hin.
Standfuss hat seine ^.Bemerkungen über einige an den Kü-
sten von Spanien und Sicilien fliegende Falter" in der Entomol. Zei-
tung XVllL p. 21—35 zu Ende geführt. Es werden darin folgende
Arten mehr oder weniger ausführlich abgehandelt: Thecla Aesculi
(deren Artrechte von Th. Ilicis dem Verf. zufolge vielleicht zu bean-
standen sind), Leucophasia Sinapis , Pieris Brassicae, rapae , Antho-
charis üaplidice, Cardamines, Colias Edusa, Rhodocera Cleopatra, Pa-
pilio Podalirius (Feisthamelii) , -Machaon, Syrtchthus malvarum, mar-
rubii (wobei zugleich die Artrechte von Syr. altheae ausführlich be-
gründet werden), lavaterae , Proto, Sertorius , Thanaos Tages, Hes-
peria lineola, Actaeoo und purailio.
Th. Sendtner theilte (ebenda p. 46 ff.) Xotizen über das Vor-
kommen von Alpenfaltern im Bayerischen Hochgebirge mit; bei der
Beschreibung von lepidopterologischen Excursionen auf die Allgäuer
Berge im Bayerischen Schwaben geht der Verf. auf die vertikale Ver-
im Gebiete der Entomologie wfihrend des Jahres 1857. 419
breitung einer Anzahl Tagfalter, besonders aus den Gruppen der Hip-
parchien, Lycaeniden und der Gattung Colias ein, für welche er ihr
niedrigstes und höchstes Vorkommen vermerkt.
Equites. — Montrouzier beschrieb in seiner Fauna der
Insel Woodlark (Annales de la soc. d'agriculture de Lyon VIII. p. 394(1):
Ornilkopteia Boisduvalii (6—67, Zoll Flügelspannung), Papilio Or-
menus Boisd. fem., Dunali, Seterus (Cram.?), Godartii, Aegistus und
Telemachus als neue oder weniger gekannte Arien aus dem IVeuhol-
ländischen Archipel.
Papilio Janaha 3Ioore (rroceed. zoolog. soc. 1857. p. 102 ff.
pl.45) ist eine neue Art von Darjeeling ; sie ist 5 Zoll breit, mit Pap.
Bootes zunächst verwandt.
Die Larve und Puppe des Papilio Policencs Cram. von Port
Natal wurden durch Saunders (Transact. of the entomol. soc. IV.
pl. 13. flg. 1) abgebildet.
Pieridae. — Leplalis Rhetes Boisd. i. 1. wurde von Hewit-
son (E.xotic Butterflies, pt. 24) als n. A. aus Columbia beschrieben
und abgebildet, ebenso Lcptalis Orise Boisd.
Pieris yania (Doubleday mscpt.). Seta, Sanaca, Indra und Dur-
rasa Moore (Proceed. zoolog. soc. of London 1857. p. 102 ff., pl.44.,
Annais and magaz. of nat. bist. XX. p. 383 ff.) sind neue Arten aus
Nord-Indien.
Terias Arabella (Lefebvre Mscpt.) wurde von Lucas (Historia
Gsica de la isla de Cuba VIL p. 220) als neue Art von Cuba be-
schrieben.
BeUier de la Chavigneric (Annales de la soc. entomol.
V. p. 600) machte die Raupe der Anthocharis Simplonia bekannt; sie
lebt in den Basses-Alpes auf einer Höhe von 1800 bis löOO Metres auf
mehreren Cruciferen- Arten zu Ende des Juli, überwintert als Puppe
und giebt im April und Mai des folgenden Jahres den Schmelterlino-.
C. Amerling, „Interessante >Vanderuug der Kohlraupe am
Smichow bei Prag" (Lotos 6. Jahrg. p. 196) handelt über massenhaf-
tes Auftreten dieser Art.
Danaida e. — Euploea transfixa, Hisme (Boisd.?} und Vitella
(Cram.?} wurden von Montrou/ier (Annales de la soc. d'agricul-
ture de Lyon VIII. p. 404} als Arten von der Insel Woodlark be-
schrieben.
Heliconidae. - Hewitson (Exotic Butterflies pt. 21} gab
Beschreibungen und Abbildungen von sechs neuen Arten aus Xen-
Granada: Ithomia Alema. Amalda, Cidonia, Roicenu, Ulla und Zabin/7.
N y m p h a 1 i d a e. — Neue Arten aus Süd - Amerika , von He-
witson (Exotic Butlerflies, pt. 21— 24) beschrieben und abgebildet,
sind: Cybdelis Capenas vom Aniazonenstrom, Caralis, Caresa, Carias,
Catagramtna Ycba und Tryphena aus Xeu-Granada, Arctas aus Vene-
420 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
zuela (Pt. 21). — Epiphilc Epimenes, Epicaste und Eriopis aus Neu
Granada (Pt. 22), Callilhea Markii und Enbagis Gisella aus Neu Gra-
nada, Onias vom Amazonenstroni , Callithea Batesii Hew. nochmals
abgebildet (Pt. 23), Eresia Emeranlia und Eraniles aus Neu Granada,
Esora aus Brasilien (ist = Eresia Eunica Boisd. nee Hübn.) und Ezo-
rias (ist = Eresia Phillyra Hew, nias) aus Mexico.
M 0 n t r o u z i e r (Annales de la soc. d'agriculture de Lyon VIH.
p. 4C6) beschrieb Litnenitis Woodlarkiana als neue Art von der In;jel
Woodlark und ausserdem Diadema Lassinassa Boisd.
Megalura Poeyi (Lefebvre mscpt.) wijrde von Lucas als neue
Art von Cuba bekannt gemacht (Historia fisica de la isla de Cuba VIL
p. 241).
Morphidae. — Ueber die prachtvollen Ostindischen Arten
dieser Gruppe hat Westwood in einem Aufsatze: „On the oriental
species of Butterflies related to the genus Moipho" (Transact. of the
entomol. soc. IV. p. 158— 189. pl. 17—21) gehandelt. Der Verf. disku-
tirt in einer umfangreichen Einleitung die Merkmale , nach denen
überhaupt die Tagfalter zu classificiren sind und geht auf die Ansichten
der früheren Autoren (Svvainson, Horsfield u. a.) über die Stellung der
Morphiden zu den übrigen Gruppen der Lepidoptera diurna, unter An-
derem auch auf den Vergleich, den sie mit den Gallinaceen unter den
Vögeln und den Unfern unter den Säugelhieren haben aushalten müssen,
näher ein. Besonders sind es die Raupen der in ihren ersten Ständen
bekannt gewordenen Arten, welche mit denen der verwandten Nym-
phaliden und Hipparchien in Vergleich gebracht werden; wenn nach
diesen die Morphiden eine entschiedene Verwandtschaft mit den Hip-
parchien zeigen (wozu ausserdem noch die Ocellen auf der Unter-
seite der Flügel bei der Imago kommen) , so nähert sich der ausge-
bildete Schmetterling doch entschieden mehr der Nyniphaliden-Form ;
sie bilden daher am passendsten eine eigene Gruppe, die zwischen
jene beiden einzuschalten ist. Uebrigens lassen sich nach West-
wood die Gattungen Discophora , Zeuxidia, Amathusia, Dyctis und
Kailima von den Morphiden durch keine auch nicht einmal künstli-
liche Demarkationslinie trennen. — Die drei Ostindischen Morphiden-
Gattungen, deren Arten im folgenden Theil der Arbeit beschrieben
und zum Theil abgebildet werden, sind Thaumantis Hübn., Drusilla
Swains. und Clerome Boisd. Die Arten der ersten Gattung sind :
Thaumantis Odana God. (Morpho Klugius Zinken pro parte), Diores
Doubl., Ramdeo n. sp. von Darjeeling (ob Varietät der vorigen Art ?),
Klugius Zinken, Lucipor Westw. (auf pl. 19 in beiden Geschlechtern
abgebildet) , Noureddin Westw. (auf pl. 20 in beiden Geschlechtern
abgebildet), Aliris n. sp., eine prachtvolle Art, deren Weib auf pl. 17
abgebildet wird , Camadeva Westw., Howqua Westw. (Abbildung auf
pl. 18), Nourmahal Westw. (Weibchen auf pl. 18 abgebildet). — Zu
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 421
den fünf bekannten Arten der Gattung Drusilla (Urania Lin. , Hors-
fieldii Swains. , Catops Boisd. , Selene Boisd. und Mylaecha Westw.)
wird eine neue nnter dem Namen Drusilla Phorcas (Abbildung auf
pl. 21) hinzugefügt, deren Fundort nicht bekannt ist. — Die Galtung
Clerome umfasst ausser den bekannten Arten (Arcesilaus Fab., Eu-
nieus Drury, Fhaon Er. und Faunula Westw.) noch zwei neue: Cle-
rome Stomphax (pl. 21. fig. 3 und 4) von Borneo und (Xanthofaetiia)
Bvsiris Aon Malacca. — Die bisher den Nymphaliden beigezählte
Gattung Discophora wird ebenfalls mit einer neuen Art: Discojjltora
Zal (pl. 21. fig. 5 u. 6) aus Ostindien bereichert.
Satyridae. — Pronophila Prosymna und Propylea sind zwei
neue Arten aus Neu-Granada von H e w i t s o n (Exotic Butterflies pt. 23) ;
ebenda wird Fron. Zapatoza Westw. nochmals abgebildet.
Haetera diaphana Boisd. i. lit. wurde als neue Art aus Cuba
von Lucas (Historia fisica de la isla de Cuba VII. p. 252) be-
schrieben.
Erycinidae. — Hewitson (Exotic ßutterflies, pt. 24) gab
Abbildungen und Beschreibungen von Mesosemia Mevania n. A. aus
Ken- Granada , Lamachus Boisd. i. 1. aus Honduras und Moesia aus
Brasilien; ausserdem wird Mesosemia Telegone Boisd. nochmals be-
schrieben und abgebildet.
Lycaenidae. — In der Historia fisica de la isla de Cuba VII.
p. 257 ff. wurden von Lucas folgende neue Arten von Cuba bekannt
gemacht: Thecla Marius Boisd. i. 1., Paseo Lefeb. mscpt., Aon Lefeb.
mscpt., Celida Boisd. i. 1., T ollu s Bo'xsA. i. 1., Lycaena Theonus Lefeb.
mscpt., Animon Lefeb. mscpt. und Astenida Boisd. i. 1.
Als neue Art aus Spanien wurde Polyommattts Miegii , mit P.
Virgaureae zunächst verwandt, von Vogel (Allgem. Deutsche Na-
turhist. Zeitung III. 1857. p. 201) beschrieben und auf einer beifol-
genden Tafel in beiden Geschlechtern abgebildet.
Leder er (Wiener Entomol. Monatsschr. I, p. 25— 32) schrieb
„über die Lycaeniden-Gattungen der Europäischen Fauna." Er giebt
ein berichtigtes Kamensverzeichniss der Europäischen und Klein-Asia-
tischen Lycaeniden- Arten mit Hinzufügung der hauptsächlichsten Sy-
nonyme und der Varietäten , ordnet dieselben in natürliche Gruppen
nach der Bildung der Flügel, der Färbung u. s. w. und modificirt
den Umfang der bisher angenommenen Gattungen in so fern, als er
nur Arten mit nackten und mit behaarten Augen vereinigt lässt
(jedenfalls ein Gattungsmerkmal von sehr prekärer Bedeutung, dessen
Haltbarkeit mindestens erst durch die zahlreichen exotischen Arten be-
stätigt werden müsste). Gattungen mit nackten Augen sind Cigarites Luc.
(einzige Ait L. Acamas Klug) und Polyommatus Latr. (ausser den gold-
rothen Arten auch zahlreiche Bläulinge einschliessend) ; mit behaarten
Augen: Lycaena Fab. mit normal gebildeten Beinen (die übrigen
422 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Biäiilinge und die Thecla-Arten der Autoren umfassend) und Thestor
Hübn. mit kolbigen Vorderschenkeln, sehr kurzen Vorder- und Mit-
telschienen, von denen entweder erstere oder auch beide durch eine
starke hornige Kralle ausgezeichnet sind (Ballus Fab., Callimachus Ev.
und Nogellii Jlerr.-Schü',).
H e s p e r i a d a e. — H e w i t s o n (Exotic ßutterflies pt. 22) machte
folgende neue Arten durch Abbildungen und Beschreibungen bekannt:
Pyrrhopyga Patrobas aus Neu-Granada, Papias vom Amazonenstrome,
Praecia und Plutia ebendaher, Paseas aus Brasilien , Pitynsa und
Pionia aus Keu-Granada, Pieria vom Amazonenstrome und Pialia aus
Brasilien.
Von Lucas (Historia fisica de la isla de Cuba VII. p. 267 ff.)
wurden folgende neue Arten von Cuba (von Lefebvre in Mscpt.
benannt) beschrieben: Euclamns Saniiayo ^ Habana, Batabano, Sti-
maxhie , cajnwiniis, Trinidad, San- Anionia , Maysi , Jagtia, Thanaos
Velasquez- , Potrillo, Jariicco , Hesperia Alamada , Misera, Baracoa
und radians.
„Die körperlichen Auszeichnungen der Europäischen Hesperi-
den" erörterte Lederer (AViener Entomol. Monatsschr. I. p. 75--80).
Die Arten zerfallen zunächst in zwei Gruppen: 1) Hinterschienen
mit Mittel - und Eudspornen — hierzu gehören alle schwarz und
weiss gewürfelten Arten, die Arten der Gruppe H. lineola, comma etc.
und IL Steropes. 2) Ilinterschienen nur mit Endspornen, Mittelschie-
nen mit Dornborsten — hierher nur H. Paniscus, Sylvius und argy-
rostigma Eversm. — Die Arten der ersten Gruppe zerfallen wieder
in solche, deien Männchen die Hinterschienen mit einem Haarpinsel
und den Hinlerleib mit zwei convergirenden häutigen Stielen über
einer tiefen Grube besetzt haben, und in solche, wo diese Merkmale
fehlen Unter diesen und weiteren Untcrablheilungcn sind die Euro-
päischen und Klein-Asiatischen Arten namentlich aufgeführt und mit
Bemerkungen über ihre Varietäten versehen.
Die Raupe der Hesperia lineola Ochs, wurde von de Graaf
(Bou^^slol^en ^oor ccne Fauna van IScderland 1. p. 187) beschrieben,
Sj[iliiu|£i(le8* Als neue Arten wurden bekannt gemacht:
Von Hopffer (Monatsberichte der Berlin. Akad. d. Wissensch.
1857. p. 421): Nephele comma n. A. aus Mossambique.
VonLucas (Annales de la soc. entomol. V. p. 601 -608. pl.l3):
Zonilia Schlmperi und S7neritilhns abyssinicus , n. A. von Ghartum ;
erstere ist mit Zon. Morpheus Cram. verwandt, letztere, nur im weib-
lichen Geschlechtc beschrieben , scheint nach dem im hiesigen Mu-
seum aus Guinea befindlichen Männchen von Smerinfhus generisch ab-
zuweichen.
Von demselben (Historia fisica de la isla de Cuba Vll. p. 289):
Macrucjlossa Lefebvrei n. A. aus Cuba.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 423
Von IVewman (Transact. of the entomol. soc. IV. p. 54) :
Deilephila Dalii und Macroglossa Nox von Morelon-Bay.
Saunders gab (ebenda pl. 13. fig. 2) die Abbildung einer
schönen Sphinx -Raupe von Port Nalal , aus der Verwandtschaft der
Sph. Nerii, deren Schmetterling bis jetzt nicht bekannt ist.
Kirtland (Proceed. of the acad. of nat. scienc. of Philadel-
phia 1857. p. 148) beschrieb die von Swainson unrichtig abgebil-
dete Piaupe des Thyreus Abbotii , welche von den Blättern der Am-
pelopsis quinquefoiia lebt und ihre vollständige Grösse im August
erreicht.
Nach Boie (Entom. Zeitung p. 192) lebt die Raupe von Sphinx
Elpenor bei Kiel auf Epilobium angustifolium und Impatiens noli me
tangere. — Laubenheime r (Sechster Bericht der überhessisch.
Gesellsch. f. Natur- und Heilkunde 1857. p. 82) fand die Raupe der
Deilephila Euphorbiae aufPolygonum aviculare und ernährte sie damit
bis zur Verwandlung.
Mittheilungen über die licbensweise der Raupe von Sesia co-
nopiformis Esp. machte L i b b a c h (Berlin. Entomol. Zeitschr. I.
p.l59).
ClieloDariac. Von Hop ff er (Monatsberichte der Berlin.
Akad. d. Wissensch. 1857. p. 421 f.) wurden Artiiocera (n. g.) auri-
guilata , Syntomis bifasciata , Crocola unicolor und Aletis Lihyssa
als neue Arten aus Mossambique vorläufig durch Diagnosen bekannt
gemacht.
Von Montrouzier (Annales de la soc. d'agriculture de Lyon
VIIL p. 409 ff.) : Glancopis Boisduvalii, Lcptosoma himaculatum, Hazis
translucida, Litkosia leucomelas und formosa als neue Arten von der
Insel Woodlark beschrieben.
Von Lucas (Historia fisica de la isla de Cuba VII. p. 28311.):
Glancopis sxjntomoides Boisd. i. 1. , Amphilrite Boisd. i. 1., Thomae
Boisd. i. 1., Glaucopis? mors Lefeb. und Clejiucha virgo Boisd. i. 1.
als neue Arten von Cuba aufgestellt.
Derselbe erwähnte (Bulletin de la soc. entomol. V. p. XIX)
eine Farben- Varietät der Arctia fulginosa von Tanger , deren klima-
tische Abweichungen von den Europäischen Individuen er erörtert.
Beliier de la Chavignerie (Annales de la soc. entom. V.
p.600) beschrieb die Raupe der Arctia sordida Hübn. Sie erinnert
an die der A. menthastri, ist bei Lärche in den Basses-AIpes sehr häufig
und lebt auf verschiedenen niederen Pflanzen.
Pfaff enzel 1er (Entomol. Zeitung p. 84— 90) machte interes-
sante Mittheilungen über die Lebensweise der seltenen Euprepia fla-
via, welche auf einer beifolgenden Tafel in ihren drei Entwicke-
lungsstadien abgebildet wird. Die Raupe lebt im Ober-Engadin 6000'
424 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
hoch auf Felsen, wo sie sich von Mespilus cotoneasler ernährt; sie
ist schwarz, mit sehr langen, grünlich gelben Haaren gürtelweise be-
setzt, überwintert zweimal und ist ausgewachsen fast vier Zoll lang.
Sie verpuppt sich in einem Gespinnst tief zwischen Felsenspalten
gegen Ende Juni's; der Falter erscheint zu Ende Juli und Anfang
August's.
Dieselbe Art wurde auch von G. Bischoff (Zehnter Bericht
des Naturhist. Vereins in Augsburg 1857. p. 43 fP.) nach allen drei
Ständen beschrieben und auf einer beifolgenden Tafel durch Geyer
sehr schön abgebildet; der Verf. giebt ausführliche Mittheilungen über
die Zucht der Raupe, die er mit niederen Pflanzen, (Leontodon, Plan-
tago, Euphorbia, Alsine) fütterte.
J. Müller (Wiener Entomol. Monatsschr. I. p. 88) fütterte die
Raupen der Fleretes matronula mit Lonicera und brachte sie binnen
zwei Monaten (Juli und August) zum vollendeten Wachsthume; sie
überwinterten , verspannen sich Anfangs April und lieferten binnen
vier Wochen den Schmetterling.
Hepialini. Assmuss (Wiener Entom. Monatsschr. I. p. 137)
beschrieb die Raupe von Hepialus sylvinus, welche in den Wurzeln
von Lavatera communis , ausserden« auch in denen von Malva und
Alcea lebt; nach 22 Tagen im August entwickelt sich daraus der
Spinner.
Ronibycitles* Neue Arten sind : Nyctemera Levconoe und
Lacipa gracilis Ilopffer (Monatsberichte der Akad. d. Wissensch. zu
Berlin 1857. p. 422) aus Mossambique, Castulo Donbledayi Newman
(Transact. of the entomol. soc. IV. p. 55) von der Moreton-Bay, Oike-
ticus Poeyi Lucas (Historia fisica de la isla de CubaVII. p. 303. pl.l7.
flg. 6) aus Cuba, Lcbeda cuneilinea Walker (Transact. of the entom.
soc. IV. p. 58. pl. 1b) von Port IVatal , Bomlyx psidii Salle (Annales
de la soc. entomol. V. p. 15 ff.) aus Mexiko; letzlere Art ist eine
Gastropacha, welche unseren einheimischen G. quercus, rubi und tri-
folii nahe steht.
Salle, Note sur la soie sauvage du Mexique et description du
Bombyx, qui la produit (Annales soc. entomol. p. 15 — 19) machte
ausser dem Schmetterlinge in beiden Geschlechtern auch die Raupe
der Bombyx psidii bekannt (Abbildung auf Taf. I) ; sie ist der Raupe
der B. rubi sehr ähnlich, lebt auf Psidium pyriferum in Vera-Cruz
und fertigt ein Cocon an, welches, wie schon v. Humboldt er-
wähnt, zum Spinnen von Seide in Mexiko benutzt wird.
Die ersten Stände einiger Bombyciden von Port IVatal bildete
Saunders (Transact. of the entomol. soc. IV. pl.l3— 15)ab; von
Attacus Mythimna Westw. Raupe und Gespinnst pl.l3; von Anthona
arata Westw. Raupe und Puppe, von Egybolia Vaillantina Boisd. die
ersten Stände und den Schmetterling, ausserdem eine Raupe, die mit
im Ge')iete der Entomologie während des J.-ihres 1857. 425
den beiden vorigen nahe verwandt scheint, pl.l4; die drei Entwicke-
lungszustände der Lebeda cuneilinea Walk, und eine Raupe nebst
Puppe von einer unbekannten Art, die aber den Gastropachen nahe
verwandt sein muss, pl. 16.
Lucas (Bullet, d. 1. soc. entomol. p. XXXIV) machte Mitthei-
lungen über eine aus Nord -Afrika stammende Varietät der Clostera
reclusa Fabr.
Psychidae. — MiUiere, „Creation dun genre nouveau
Apterona et historie des insectes. qui le composent." (Annales de la
soc. Linneenne de Lyon IV. 1857. p. 181 fF.) theilte (bereits bekannte)
Beobachtungen über die Entwickelung von Raupen aus unbefruchte-
ten Eiern dreier Psychiden mit, die er in Rücksicht darauf, dass ihm
die Männchen derselben nicht bekannt geworden sind (weshalb er
meint, sie existirten überhaupt nicht), zu einer eigenen Gattung Apte-
rona erhebt. Die eine dieser Arten ist Psyche helicinella, die beiden
anderen werden als neu beschrieben und Apterona snbtriquetrella
und pinastrella genannt; letztere soll in der Form ihres Sackes
grosse Aehnlichkeit mitSolenobia pineti Zell, haben, von der sie der
Verf. hauptsächlich aus dem Grunde trennen will, dass von letzterer
das Männchen als geflügelt bekannt sei, während ein solches von sei-
ner Art nicht existiie (?). — Die Raupen und Säcke aller drei Arten
sind auf zwei beifolgenden Tafeln stark vergrössert dargestellt.
Einige Bemerkungen über das Vorkommen von Psyche atra
Freyer theilte Schedl (Wiener Entomol. Monatsschr. L p. 73 fF.) mit;
er fand die männlichen Raupensäcke, die sonst äusserst selten sind,
in grosser Menge, jedoch einerseits anders angesponnen als die weib-
lichen, andererseits die Säcke beider Geschlechter an verschiedenen
Lokalitäten.
Fsyche Kahri Lederer (ebenda p. 80 ) ist eine neue Art aus
Neapel.
Ik^octiiae. Ilopffer (Monatsberichte der Akad. der Wis-
sensch. zu Berlin 1857. p. 422) machte Aganais Aphidas, Acontia di-
scoidea , Spirania Pynila und Opkiodes Tetlensis als neue Arten aus
Mossambique durch Diagnosen bekannt.
Die schöne Gattung Phyllodes Guenee bereicherte Sn eilen
van Vollenhoven (iMemoires d'entomol. des Pays-Bas L p. 159 ff.)
mit einer neuen Art Phyllodes Verkvelli von Java; nach der auf pl. 8
gegebenen colorirtcn Abbildung schliesst sich diese Art, welche mit
den bereits bekannten in Färbung und Zeichnung wesentlich über-
einstimmend gebildet ist, zunächst an Ph. inspicillator Guenee an.
Aspilales Duponchelii Monlrouzier (Annales de la soc. d'agri-
culture deLyonVIlL p. 410) ist eine neue Art von der Insel Woodlark.
Leder er (Wiener Entomol. Älonatsschr. I. p. 88 u. p. 92 ff.)
426 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
beschrieb Orrhodia (Ceraslis) lorrida von Palermo , Brtjophila con-
trislans, Ainphipyra micans, Calophasia prochicla und Madopa inqui-
nata von Beirut.
Desselben ,,üie NoctuinenEuropa's" sind oben unter Lepidoptera
berücksichtigt.
Staudinger (Entomol. Zeitung p. 289 — 298) lieferte einen
„Beitrag zur Kenntniss der nordischen Anaria- Arten ," in welchem er
die 9 im Norden vorkommenden und ihm bekannt gewordenen Arten
der Gattung Anarta in ihren Charakteren und ihrer Synonymie fest-
stellt. Es sind folgende: Anarta myrtilli , cordigera, nielaleuca
Thunb. , melanopa Thunb. (vidua , tristis et rupestris Hübn. , nigrita
Herr. -Seh.), amissaLef. (lapponica Thunb. ?), Zet t erst ed tii Slnuü. n. sp.
aus Lappland, funesta Payk. (funebris Treitschke , amissa fem. Lef.),
leucocycla Staud. n. sp. aus Grönland und algida Lef. ( Schön-
herri Zett. ?).
Derselbe (Lepidopteren Islands, Entomol. Zeitung p. 232 ff.)
beschrieb Agrotis Islandica n. sp. nebst ihrer Raupe , welche auf
Plantago latifolia lebt; setzte ferner die Synonymie der Hadena exu-
lis Lef., deren zahlreiche Farbenvarietäten zur Aufstellung mehrerer
Arten Anlass gegeben haben, auseinander (Synonyme derselben sind:
Hadena gelata Lef., Groenlandica Dup,, borea Boisd., cervina Germ,,
difflua Hübn., gelida Guen. , poli Guen. , marmorata Zett.?) und be-
schrieb die Raupen von Hadena cxulis und Sommeri.
Derselbe (ebenda p. 302 ff.) beschrieb Agrotis Drewsenii und
Westermatmi als neue Arten aus Grönland; von Piusia interrogatio-
nis wird eine fragliche Varietät (vielleicht eigene Art) unter dem
IVamen Plnsia Groenlandica beschrieben.
Bellier de la Chavignerie (Anuales de la soc. entom.V.
p. 13) beschrieb Cleophana Ferrieri als neue Art aus Piemont, im
Juni, der subalpinen Region angehörend ; Abbildung auf pl. L
Eversmann hat seine Aufzählung und Beschreibung der Rus-
sischen Noctiien (Les Noctuelites de la Russie, par le Dr. Evers-
mann) im Bulletin de la soc. imp. des naturalistes de Moscou 1857.
L p. 48—150 und IV. p. 355—439 fortgesetzt und beendigt. Die in
den beiden vorliegenden Theilen der Arbeit abgehandelten Gattun-
gen sind nach der vom Verf. angenommenen Peihenfolge mit Hin-
zusetzung der Artzahlcn folgende: Xylinidae: Cucullia 31, Xylina 14,
Cleophana 4. — Plusiidae: Abrostola 3, Piusia 30. — Heliothidae:
Heliothis 13, Anarta 13. — Acontidae : Acontia 4, Catephia 2. —
Ophiusidae : Catocala 19, Ophiodes 2, Toxocampa 5, Ophiusa 12. —
Anthophilidae: Authophila 23, Hydrelia 3, Erastria 4. — Gonialidae:
Euclidia 6. — Brephidae: Brephos 2. — Als neu sind folgende Ar-
ten zu erwähnen : CncnUia Inderiensis vom Ural, Xylina scenica vom
Altai und Ural , Cleophana senescens Nordm. aus Georgien , Piusia
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 427
sidevifera Nordm. von Sarepta, Calocala Helena von Kiachtha, 0]}hio-
des profana Wordm. aus dem Caucasus , Ophinsa Astrida Nordm. aus
Armenien.
Diejenigen Europäischen Noctuen, welche sich auch in andere"
Welltheilen vorfinden, stellte v. Prittwitz (Ento'iiol. Zeitung
p. 138-142) aus Guenee's Werk zusammen und erweiterte die über
ihre Verbreitung von Gue nee gemachten Angaben durch Hiuzufügung
neuer Fundorte.
Nach Lucas (Bullet, d. 1. soc. entomol. p. XII) kommen Acro-
nycta tridens , Gonoptera libatrix , Abrostola triplasia und Calocala
elocata ganz übereinstimmend mit den Europäischen Exemplaren auch
bei Tanger in Nord-Afrika vor, ebenso (Bullet, p. CXXXVIII) Agrotis
puta Hübn. und Glottula Pancratii Duf. in Algier.
V. Prittwitz (Entomol. Zeitung p. 142) beschrieb die Raupe
von Caradrina uliginosa Boisd. und setzte ihre Unterschiede von der-
jenigen der C. Morpheus auseinander; sie überwintert im Moos von
Kieferwäldern und verpuppt sich im März. — Ebenda p. 372 ff. die
Raupe von Cucullia fraudatrix Eversm. , welche auf Artemisia vulga-
ris lebt und neuerdings auch in Schlesien gefunden worden ist.
Boie (Entomol. Zeitung p. 192) , Notiz über die Raupe von
Noctua Haworthii, welche er zur Gattung Orthosia bringen will.
lieber das Vorkommen der Noctua basilinea (Raupe) an W^ei-
zen, Mais u. s. w. schrieb Roessler (Jahrbücher d. Vereins f. Na-
turk. im Herzogthum Nassau XII. p, 392) ; über dieselbe als dem Ge-
treide schädlich: v. Prittwitz (Entomol. Zeitung p. 372 IT.).
Uraniilae« Urania Mac Leayi 31ontrouzier (Annales de la
f?oc. dagriculture de Lyon VIII. p. 410) ist eine neue Art von der
Insel Woodlark.
Creometrae* Stau dinge r (Lepidopteren Islands, Entom.
Zeitung p. 252 ff.) beschrieb als neue Art: Etcpithecia scoriata und
gab eine Charakteristik der Raupen von Cidaria munitata Hübn., cae-
siata W. V., Thulearia Herr. -Seh., elutata Hübn., Eupithecia scoriata
und satyiata Hübn.
Acidalia fvaeuslaria Mann (AYienef Entomol. Monatsschr. I.
p. 155) ist eine neue Art von Fiume.
Uraptenjx bimaciilata Cequestraria Boisd.?) n. A. von der Insel
Woodlark, von Montrouzicr {Annales d. 1. soc. d'agriculture de
Lyon VIII. p. 411) beschrieben.
Rössler, lieber Acidalia straminaria Tr. und Acidalia olora-
ria n. sp. (Jahrbücher des Vereins f. Naturk. im Ilerzoglh. Nassau XII.
p. 393 ff.) glaubt, dass unter der A. straminaria der Autoren zwei
verschiedene Arten vermengt seien, deren Charaktere er auseinander-
setzt; indem er der von Treitschke beschriebenen Art den Namen
428 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
A. straniinaria belässt, stellt er für die zweite, die vielleicht mit der
Ilerrich-Schäffer'schen Art gleiches Namens identisch ist, die Benen-
nung A. oloraria auf. Von beiden Arten sind dem Verf. die Raupen
bekannt; die der letzteren Art, welche auf Clienopodium, Thymus ii. a.
lebt, wird ebenfalls beschrieben.
Derselbe lieferte (ebenda p. 383 — 392) in seinen „Beiträgen zur
Naturgeschichte einiger Lepidopteren" eine Beschreibung der ersten
Stände und ihrer Lebensweise von einer Reihe von Alten dieser Fa-
milie. Es sind folgende: Larentia luctuaria (Raupe auf Epilobium
montanum), Larentia sufTumaria (Raupe auf Galium), Larentia rivaria,
molluginaria nnd galiaria (Raupen auf Galium), Larentia silacearia
(Raupe auf Epilobium montanum), Larentia capitaria und quadrifas-
ciaria (Raupen auflmpatiens noli me tangere), Larentia teisaria, vit-
talbaria und undularia (Raupe der letzteren Art auf Saalweiden),
ßoarmia abietaria (die Raupe lebt abweichend von anderen Angaben
auf jungen Eichen), cinctaria (Raupe auf Galium), Ploseria diversa-
ria, Acidalia silvestraria (Raupe auf Hauswurz , Salat u. a.), Acidalia
sufFusaria (ebenso), Ilemithca bupleuraria und Acidalia mutaria (Raupe
auf Thynjus).
v. Hornig (Wiener Entom, Monatsschr. L p. 69) beschrieb die
ersten Stände der Gnophos ophthalmicata Led. ; die aus dem Ei er-
zogene Raupe wurde mit Salat gefüttert und lebte vom 31 ai bis zum
April des nächsten Jahres.
Kropp (Entomol. Zeitung p. 41 ff.) fand die Raupe der Laren-
tia strobilata, von welcher de Geer angiebt , dass sie in grünen
Tannenzapfen lebe , in den an Fichten vorkommenden Gallen von
Chermes viridis und sanguineus. Diese Gallen werden von den Rau-
pen oft ganz ausgefressen und erst zur Zeit der Verpuppung verlassen.
Ueber das Weibchen der Fidonia progemmaria Hübn. handelte
Snellen van Vollen hoven in einem Aufsatze: „Over het wijfje
van Fidonia progemmaria Hübn." in den Memoires d'entoniol. , publ.
p. 1. soc. entomol. d. Tays-Bas L p. 28 ff. Dasselbe ist schon von
Klee mann in der Fortsetzung zu Rösel abgebildet, aber von den
späteren Autoren verkannt worden.
Pyralides* Hercyna lugnbralis aus dem Berner Oberland,
Bolys concoloralis und Spilomela? reclinalis aus Beirut wurden von
Lederer als neue Arten (Wiener Entomol. Monatsschr. L p. 82 und
p. 100 bekannt gemacht.
Tortrices. Millierr, Descriplion d'un Platyomide nouveau
et histoire des mctamorphoses de la larve (Annales de la soc. ento-
mol. V. p. 799—805. pl. 14). — Der Verf. fand in der Gegend von
Hyeres in den Stengeln von Asphodelus ramosus kleine Schmetter-
lingsraupen, welche sich zur Verwandlung durcli eine runde Oeffnung
des Stengels aus der Pflanze herausbegaben und zwischen Moos ein-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 429
spannen. Aus den Puppen erhielt er eine mit Tortrix palleana und
flavana verwandte Art, die er für neu hält und unter dem Namen Hastula
hyerana beschreibt und abbildet. Er theilt diese Art einer besonde-
ren Gattung Hastula zu , weil das Männchen gewimperte Fühler be-
sitzt; von der Gattung Amphisa Curt. , die diesen Charakter theilt,
unterscheidet sie der Flügclschnitt, so dass sie zwischen Tortrix und
Amphisa zu stehen kommt.
Stainton (Entomologist's Annual forl857. p. 100 11.) beschrieb
Tortrix latiorana und Dicrorkampha tanaceti als neue Arten aus Eng-
land, Leder er (Wiener Entomol. Monatsschr. I. p. 83): Cochylis in-
cretana vom unteren Ural.
V. Hornig (ebenda p. 72) gab von den ersten Ständen der
Grapholitha_^ Hornigiana Led. Nachricht; die Raupe lebt in den ßlü-
thenköpfen der Innla oculus Christi und ist Anfangs Juni erwachsen;
sie verfertigt sich einen festgeleimten, ovalen Cocon, der sich seiner
Zähigkeit wegen schwer zerreissen lässt.
Staudinger (Entomol. Zeitung p. 268) beschrieb die Raupen
von Teras maccana und Tortrix pratana.
Tineina.« Stainton's Prachtwerk „The natural history of
the Tineina," über welches im Jahresberichte 1855. p. 165 nähere
MittheiluDgen gemacht wurden , ist im J. 1857 mit einem zweiten
Bande fortgesetzt worden, welcher die Naturgeschichte von 24 Arten
der Gattung Lithocolletis enthält. Der Verf. hat hier wie im ersten
Bande vorläufig nur solche Arten herangezogen, die ihm nach allen
verschiedenen Entwickelungszuständen bekannt geworden sind , und
deren Naturgeschichte er daher in durchaus (Erschöpfender Weise be-
handeln konnte; die Art, in welcher dies geschehen, ist bereits bei
Besprechung des ersten Bandes dargelegt worden. Die acht beifol-
genden, sehr sauber ausgeführten Tafeln bringen je drei Arten nebst
den ihnen angehörenden Raupen und einem von diesen miniiten Blatt
ihrer Futterpflanze zur Anschauung, entsprechen also in ihrer Anlage
ganz denen des ersten Bandes oder der von Douglas in den Trans-
act. of the entomol. soc. 1853 veröffentlichten. Die in dem vorlie-
genden Bande dargestellten Arten sind : Lithocolletis viminetorum,
salicicolella, viminiella, corylifoliella, coryli, carpinicolella, torminella,
spinicolella , faginella, lantanella, vacciniella, Bremiella, Slettinensis,
Schreberella, alnifoliella, sylvella, Messaniella, ulmifoliella, populifo-
liella, Staintoniella , quinquenotella , trifasciella , scabiosella, emberi-
zaepenella.
Eine Aufzählung und Beschreibung der in den Niederlanden
vorkommenden Depressarien, 15 an Zahl, lieferte de Graaf in den
Memoires d'Entomologie publies par la soc. entom. des Pays-Bas I.
p. 46—63. In den Beschreibungen wird besonders auf die unterschei-
denden Charaktere der einzelnen Arten von den zunächst verwandten,
430 Ge rstaeck e r: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
ausserdem auch auf die ersten Stünde, wo sie bekannt sind, einge-
gangen. Die erörleiten Arten sind: Depressaria costosa , palloiella,
assimilella, aienella , propinquella, Alstioenieriana , conterminella ,
oceliana , Yeaiiana , applana , angelicella , cnicella , hciacleana , pul-
cheniniella und nervosa.
Desselben „Bijdiage tot de soortkennis der llyponomeutae of
Stippelmotten" (Bouwstolftn voor eene Fauna van Kederland I. p. 123
— 137) enthält eine Aufzählung und Charakteristik von 9 in Holland
einheimischen Hyponomeuta-Arten , nämlich: H. rufimitrella, 20-pun-
ctata, plumbella, irroiella, variabilis, rorella , malinella, evonymi
und padi.
Mühlig und Frey, Beitrag eur Naturgeschichte der Coleo-
phoren (Vierteljahrsschrift d. IVaturf, Gesellsch. in Zürich II. p. 10 — 28j.
— Die beiden Verf. erläutern die Katurgeschichte einiger bei Frank-
furt a. M. aufgefundenen Colcophora-Arten durch eingehende Beschrei-
bungen der verschiedenen Entwickelungsstufen. Es sind folgende:
Coleoph. silcnella H.-Sch. (Raupe auf Silene otitcs), nutaniella n. sp.
(Kaupe auf Silene nutans), dianthi 11. -Seh. (Raupe auf Dianthus Car-
thnsianorum), virgaureae Staiut. (Raupe auf Solidago virgaurea II. -Seh.)
succursella H.-Sch. (Raupe aufArtemisia campestris), oilorariella n. sp.
(Raupe auf Serratula cyanoides).
Zell er beschrieb (Entoniol. Zeitung p. 271 ff.) folgende von
Staudinger in Island gesammelte neue Arten: Crambus extinctellus,
Plutella septentrionum, Gelechia ThuleeUa und Coleophora algidella.
Stainton (Entomologist's Annual for 1857. p. 104 ff.): Coleo-
phora genislae, inflalaCy virgaureae , vitisella, Elachista taenialella,
Neplicula Ivetella und atricoUis als neue Arten aus England. —
Ebenda p. 121 — 130 theilte derselbe eine Reihe von Beobachtungen
über Britische Tineinen mit, welche sich auf das Vorkommen der
Arten, die Futterpflanzen der Raupen u. s. w. beziehen.
Als neue Arten von Fiume wurden von Älann (Wiener Entom.
Monatsschr. I. p. 171 ff.) durch kurze Diagnosen bekannt gemacht:
Ephestia vapidella, Gelechia Intilabrella ZeU. i. 1., /;a//Me//« Zell. i. 1.,
campicolella Koll. i. 1., Chorevtis micalis Koll. i. 1., Coleophora fla-
viella und drymidis.
Chitnabacche? syriaca Lederer (ebenda p. 102) neue Art von
Beirut.
Goureau (Bullet, de la soc. entoniol. p. XXVI) hat aus klei-
nen Schmetterlingsraupen, die in den Köpfen der Carlina vulgaris
fressen, eine neue Art der Gattung Farasia Dup. gezogen, welche er
Parasia carlinella nennt. Ausserdem machte derselbe Mittheilungen
über die ersten Stände und deren Lebensweise von Lita Vigeliella Dup.
Bruand, „Classification des Tineides et examen des caracteres
et de leur importance relative d'apres la methode naturelle." (Anna-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 431
les de la sog. entomol. V, p. 807 — 826). Unter diesem vielverspre-
chenden Titel giebt der Verf., nachdem er seine Ansichten über Cias-
sifikation überhaupt dargelegt hat und auf einige Hauptmodifikationen
der einzelnen Körpertheile der Lepidopteren eingegangen ist, eine
kurze Charakteristik der Tineen im Allgemeinen und sodann der Grup-
pen „Diurnetae" mit den Gattungen Diurnea Kirby, Lemmatophila Tr.,
Epigraphia St. und der „Yponomeutidae" mit den Gattungen Myelo-
phila Tr., Aedia Dup. und Yponomeuta. Unter den Gattungen sind
diejenigen Arten dem Kamen nach aufgeführt , welche der Verf. als
zu denselben gehörig ansieht. — Was mit dieser Probe bezweckt
werden soll, hat der Verf. weder angegeben, noch lässt es sich aus
derselben ersehen.
Herrich -Schäffer hat (Correspondenzblatt des zoolog.-
mineralog. Vereins in Regensburg XI. 1857. p. 33 — 67) die von
Stainton und Frey verfassten Arbeiten über Tineen einer ausführ-
lichen Besprechung unterworfen und in denselben über eine grössere
Anzahl ihrer Arten sein Urtheil abgegeben; ebenso diskutirt er den
Umfang der von ihnen angenommenen Gruppen und stellt eine „Ver-
wandtschaftstafel der Tineinen" auf, in welcher er die Beziehungen
der von ihm selbst aufgestellten Gruppen zu einander erörtert.
Ptferoplioridae* Pterophoms Islandicus Staudinger ist eine
neue Art aus Island (Entomol. Zeitung p. 280).
Heitiiptora.
Ausser den schon erwähnten faunistischen Arbeiten von
Montrouzier (Faune de i'ile de Woodlark), Guerin (in
Ramon de la Sagra's Hisloria fisica de la isla de Cuba) und
Perris (Nouvelles excursions dans les Grandes -Landes),
in welchen neben anderen Insekten-Ordnungen auch beson-
ders die Hemipteren eine Bereicherung an neuen Formen
erfahren haben, ist für die vorliegende Ordnung speziell nur
noch zu nennen:
Catalogue of the Homoplerous Insecis coUected at Sa-
rawak, Borneo by A. R. Walla ce, wilh descriptions of new
species, by F. Walker (Journal of the proceed. of Ihe
Linnean sociely, Zoology I. p. 141 — 175. pl. 7 u. 8). ~ Das
hier gelieferte Verzeichniss der von Wallace auf Borneo
gesammelten Homopteren umfasst im Ganzen 184 Arten, wel-
che den verschiedenen Familien dieser Abiheilung mit Aus-
nahme der Pflanzenläuse angehören und zum grösslen Theil
432 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
als neu beschrieben werden. Es findet sich darunter auch
eine beträchtliche Anzahl ausgezeichneter Formen , welche
zur Begründung neuer Gattungen Veranlassung gaben und
von Westwood auf zwei sehr schön lithographirlen Tafeln
nebst ihren charakteristischen Körperlheilen dargestellt sind.
Eine nähere Berücksichtigung finden dieselben bei den ein-
zelnen Familien, denen sie angehören.
Kol enati's Meletemata entomologica, von denen im
Bullet, de la soc. imp. des nalur. de Moscou 1857. No. II.
p. 399 — 444 der 7. Fascikel erschienen ist, welcher die Ho-
moptera stridulantia des Caukasus enthält, sind ebenfalls
bei dieser Familie in Betracht gezogen worden. (Vgl. Stri-
dulantia !}
Als Nachtrag zu den früheren Jahresberichten mag hier
noch der von de G r a a f und Sn eilen vanVollenho-
ven in Herklots' Bouwstoffen voor eene Fauna van Neder-
land I. p. 169— -185 gelieferten systematischen Zusammen-
stellung der in Holland vorkommenden Hemipteren erwähnt
werden. Das Verzeichniss, in welchem die einzelnen Arten mit
Citaten aus den bekanntesten Handbüchern und mit Angaben
über ihr Vorkommen versehen sind , weist im Ganzen 169
Species auf; Pentatomidae 24, Corcodes 7, Lygaeodes 26,
Capsini 32, Membranacei 9, Reduvini 6, Riparii 2, Hydro-
dromici 7, Nepini 3, Notonectici 3, Fulgorina 8, Cicadel-
lina 12, Aphidina 29, Coccina 1.
Pentatoiivitlae. M on tr o uzi er (Annales d. scienc. phys.
d. l. soc. d'agricultiire de Lyon VII, 1. p. 91 (T.) beschrieb folgende,
meist neue Arten von der Insel Woodlark : Scutellera Banksii (cyani-
poda Boisd.) wird nach ihren zahlreichen Varietäten charaliterisirt,
Scutellera variabilis , melallica , sylcndüUi, Icucocyanea , Pentatoma
tricolor, erythraspis Boisd. var., polychroa, lugiibris, marmoratum (!J,
glaucomelas, himaculalum, sulcatum, viride, Tesseratoma ostraciopte-
rum und dilatatum. Ausserdem folgen Bemerkungen über Megynie-
num affine Boisd. und Agapophyta bipunctata Guer.
Von Guerin (Historia fisica de la isla de Cuba VII. p. 151 ff.)
wurden Pentaloma (BrochymenaJ Poeyi , (Mecistorhinus) variegata,
(Cathecona) Gundlachii als neue Arten von Cuba und anhangsweise
Prooxys brevispinis als n. A. von New-Orleans beschrieben.
Menaccarus pallidus Perris (Annales d. 1. soc. Linneenne de
Lyon IV. p. 158) ist eine neue Art aus den Grandes-Landes.
im (jel)iete der Entoinöloo-ie während des Jahres 1857. 433
Coreoiles. AnisosceJis huJentatna (sehr nahe mit A. anstralis
Fabr. verwandt), Alydus erythromelas, Astacops Boisduvalii, xaricga-
tus, ficus und viridis Älontrouzier (Annales d. 1. soc. d'agi iculture de
Lyon VII, 1. p. 101 ff.) sind n. A. von der Insel Woodlark.
Aus Cuba beschrieb Guerin (a. a. 0. p. 156 ff.) folgende neue
Arten nebst einer -^neuen Ga.ttung : Sefhina Gnndlachii , Archimerus
affinis, Gonocerus Andresii, Zicca delicatnla, Parypkes Whitei, A7ÜS0-
scelis thoracicus, Lcptoscciis annnlipes (und anhangsweise Leptoscelis
ventralis n. A. aus Cayenne). Ferner: Petalotoma n. g. mit Lepto-
scelis nahe verwandt, die Fühlergliedcr aber unbehaart, flachgedrückt,
das zweite etwas kürzer als das erste und dritte; Thorax mit schar-
fen Ecken am Seitenrand, die durch eine erhabene Querleiste auf der
Oberfläche verbunden werden ; Beine schlank und dünn , auch die
Schenkel, die ohne alle Dornen sind; Hinterschienen in ihrer ganzen
Länge blattförmig erweitert. Art: Pel. vnicolor von Cuba, auf pl. XIII.
flg. 8 dargestellt. — Lcptocorisa (jenicnlata n. A. aus Cuba.
fiyg^aeofleB« Sign or et hat in den Annales de la soc. en-
tomol. de France V. p. 23 — 32. pl. 2 einen „Essai monographique du
genre Micropus Spinola" veröffentlicht, in welchem er zunächst die
von Spinola nur oberflächlich berührten Charaktere der Gattung
genauer feststellt, und sodann die Beschreibung von 13 ihm bekannt
gewordenen Arten folgen lässt ; 10 derselben sind zugleich auf der
beifolgenden pl. 2 in vergrössertem Maassstabe colorirt dargestellt. Es
sind folgende: Micropus collaris aus Venezuela, Sallei aus Mexiko,
fulvipes de Geer, variegatus von Neu-Granada, Gayi Spin., falicus Say,
agilis Spin., sabuleti Fall., Genei , Spin., Spinolae aus Frankreich,
leucopterus S;!y , pusillus üall. und brunnipennis Germ. ; letztere beide
Arten sind dem Verf. nicht in natura bekannt gewesen. (Ausserdem
wären vier von Stal aus dem Caffernlande im J. 1855 beschriebene
Arten, die dem Verf. entgangen sind, hier anzureihen. , Ref.)
Leon Dufour, Sur quelques especes algeriennes du genre
Ophthalmicus, (Annales de la soc. entomol, V. p. 68 ff.) führt sechs in
'Algier vorkommende Arten dieser Gattung auf, von denen er drei
als neu beschreibt: Ophthalmicus erylhrops , hoops , occipitalis. Die
bereits bekaunten Arten sind: 0. albipenni^ pallidipennis und (nach
Lucas, Explor. de l'Algerie) erythrocephalus.
V. B a e r en sp r u n g , ölyrmedobia und Lichenobia , zwei neue
einheimische Rhynchoten-Gattungen (Berl. Entom. Zeitschr. I. p.l61 ff.).
Die erste dieser Gattungen Myrmedobia wird auf Microphysa myrnie-
cobia Mark. Germ, errichtet, welche mit Salda coleoplrata Fall, iden-
tisch ist und von xMicrophysa pselaphiformis Westvv. durch die Bil-
dung der Oberflügel und Schnabelscheide abweicht. Der genauen
Auseinandersetzung der Gattungscharaktere lässt der Verf. die Beschrei-
bung der Fallen'schen und einer neuen Art: M. rufoscutellata aus
Archiv f Naturgesch XXIV. Jahrg. 2. Bd . QQ
434 (iT'ersta e cker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Süddeutschland folgen. Die zweite Gattung Lichenohia ist auf eine
kleine, mit der vorigen nahe verwandte Art gegründet, die für neu
angesehen und als L. ferrnginea beschrieben wird. Sie ist jedoch
nach A. Do hm (Entoniol, Zeitung 1858. p. 1633 m'* Ceratoconibus
Mulsanti Sign, und Bryocoris muscorum Fall, identisch und niuss den
Kamen Ceratocojubus Sign, muscorum Fall, erhalten. — Des Verglei-
ches halber lässt der Verf. am Schlüsse eine nochmalige Charakteri-
stik der Gattung Microphysa Westw. folgen.
Neue Arten, von Montrouzier (Annales d. scienc. phys. de
la soc. d'agriculture de Lyon VII, 1. p. 105 ff.) beschrieben und von
der Insel Woodlark stammend, sind: Lygaeus Woodlarkianus, dichroay
cruciahis, Fabricii, luguhris und violaceus.
Von Guerin (Historia fisica de la isla de Cuba VII. p. 164 ff.J :
Lygaeus Dallasii, Platygaster Signoretii , Beosus Bwmeisteri , abdo-
minalis, minimus , Plociomerus Servillei, Dohrnii, Amyofi , Irigutla-
tus, Pterotmetus stenoides und Largus scllatus n. A. von Cuba.
Von P e r r i s (Annales de la soc. Linneenne de Lyon IV. p. 159 ff.):
Heterogasler typhae, Anthocoris lestacevs, crassicornis und Microphysa
bipuncfala aus den Grandes-Landes.
Capsini. Guerin (Historia fisica de la isla de Cuba VII.
p. 168 ff.) stellte zwei neue Gattungen in dieser Familie auf: Hete-
rocoris n. -g. Körper elliptisch, Kopf kurz, stumpf dreieckig, zweites
Fühlerglied einfach, ohne Erweiterung an der Spitze, Flügeldecken
mit eigenthümlichen Erweiterungen am Aussenrande, die erste wink-
lig gelappt, die zweite abgerundet und von der ersten sowohl als
von der Spitze durch einen Einschnitt abgesondert. Art: Het. dilatala,
pl. XIII. /ig. 11 abgebildet. — Pycnoderes n. g. , mit der vorigen
Gattung in den wesentlichsten Charakteren übereinstimmend, aber mit
einfachen, nicht erweiterten Flügeldecken und eigcnthümlich geform-
tem, am Ilinterrande vierlappigem Halsschilde. Art: Pycn. quadri-
maculatns, auf pl. XIII. fig, 12 abgebildet. — Eine neue Art aus Cuba
ist ferner: Capsus dimidiatus.
Perris (Annales de la soc. Linneenne de Lyon IV. p. 162 ff.)
charakterisirte Phytocoris irroratus, Signoretii, Capsus obesus, limba-
tus , adenocarpi , palliatns, tamarisci , delicatus und crnenlalus als
neue Arten aus den Grandes-Landes.
Jfleaiibranncei* Neue Arten sind : Äradus thoracoceras Mon-
trouzier (lugubris Boisd.V) von der Insel Woodlark (Annales de la
soc. d'agriculture de Lyon VII, 1. p. 107) und Syrlis (MacrocephalusJ
rugosipes , Weslwoodii , Phymala emarginata und aculangula Guerin
(Historia fisica de la isla de Cuba VIL p. 169 fi.) von Cuba.
Ifeduvini* lieber die Gattung Prostemma Lap. (Meta temma
Am. Serv.) schrieb F. Stein in der Berl. Entomol. Zeitschr. I. p,81
— 96. Nach eingehender Erörterung der Gattungscharaktere und der
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 435
den meisten Arten zukommenden Eigenthümlichkeit, nicht selten eine
unvollständige Ausbildung der beiden Flügelpaare zu zeigen, geht
der Verf. zur Beschreibung von acht ihm bekannten Arten über; von
diesen sind neu : F. aeneicolle aus Ungarn und Italien , 7~guttatum
aus Süd-Afrika, fuscuni aus Pensylvanien, alle drei mit ganz schwar-
zem Prothorax; albimacula aus Portugal und rnficolle vom Cap mit
zum Theil oder ganz rothem Prothorax. Diesen Arten folgt dann
noch die Anführung von vier dem Verf. unbekannt gebliebenen. —
Zur Feststellung der Synonymie von P. lucidulum Spin. , bicolor Kamb.
und der verwandten Arten wäre noch P. lucidulum Costa (in dessen
Cimicum Regni Keapolitani Centuria p. 18 beschrieben) zu verglei-
chen gewesen, da dieses von der Spinola'schen Art in mehreren
Punkten abzuweichen scheint.
Von M 0 n t ro uz i e r (Annales d. scienc. phys. de la soc. d'agri-
culture de Lyon VII, 1. p. 108 ff.) wurden folgende neue Arten von
der Insel Woodlark beschrieben : Rednvius armatns , megagaster,
acanthifer, leucomelas , polyacmithits , Zelus marginalits und Ploiaria
pallida.
Von Guerin (Historia fisica de la isla de Cuba VII. p. 171 ff.) :
Afiomerus Bnrmeisteri und Zelus clavatus als n. A. von Cuba.
Riparii. Salda Signoretil Guerin (ebenda p. 167) ist eine
neue Art von Cuba.
Ploteres* HydrometraCaraiba, Velia Fiebert und Microvelia
capitata Guerin (ebenda p. 173 ff.) n. A. von Cuba.
Gralg^ulini. Galgidus macrothorax JVIontrouzier (Annales de
la soc. d'agriculture de Lyon VII , 1. p. 110) neue Art von der Insel
Woodlark.
lüTepini« Belostoma ineditivi , cur tum , capitaliim, angustatum
und Ranalra Fabricii Guerin (Historia fisica de la isla de Cuba VIT.
p. 175 ff.) sind neue Arten von Cuba.
]Votonectici. Corisa reticulata Guerin (ebenda p. 177) eine
neue Art von Cuba.
Stridulantiä« Keue Arten aus Borneo, von Walker (Jour-
nal of the proceed. of the Linn. soc, Zoology I. p. 141 ff.) beschrie-
ben, sind: Dundnbia decem, duarum und Huechys facialis.
Von Guerin (Historia fisica de la isla de Cuba VII. p. 178) :
Cicada (PlafypleiiraJ Poeyi, Sagrae und Walherii von Cuba.
Hartwig (Allgem. Deutsche Katurhist. Zeitung III. 1857. p.313)
stellte unter dem Namen Cicac/a saxonica eine angeblich neue (?) , in
einem Exemplaie in der Sächsischen Schweiz gefundene Art auf; ihre
Körperlänge misst 24 mill.; sie soll sich n)it keiner der bis jetzt be-
schriebenen Arten identificiren lassen.
Hagen (Etudes entomol. VI. p. 42) gab eine Aufzählung der
436 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Cicaden Russlands nebst Bemerkungen über die Verbreitung der ein-
zelnen Arten. Es sind im Ganzen zehn: Cic. haeniatodes, plebeja,
orni, querula, hyalina, atra, montana, adusta, prasina und tibialis.
Kolenati (Bullet, d. 1. soc. d. natur. de Moscou 1857. No.II.
p. 399_444) zählte zehn im Caucasus vorkommende Cicaden auf und
gab auf zwei beifolgenden Tafeln colorirte Abbildungen von densel-
ben; in den Beschreibungen und der Feststellung der Synonym ie hat
sich der Verf. genau an Ilagen's Monographie gehalten, von der er
sich nur durch die Aufnahme der (nichtssagenden) Amyotschen Sub-
genera entfernt.
Fiilg-orellae. Eine wesentliche Bereicherung an ausgezeich-
neten neuen Formen erhielt diese Familie abermals durch die Beschrei-
bung der von ^^'all ace auf Borneo gesammelten Homopteren F.Wal-
ke r's im Journal of the proc. of the Linnean soc. , Zool. 1. p. 142 ff. —
Zur Gruppe Fulgoroides gehören: Hotinns intricalus und cultellatus.
Zm- Gruppe der Lystroides : Aphaena snturata, veris-amor und «ni-
formis. — Zur Gruppe der Dictyophoroides : 1) Lensaba n. g. (pl. 7.
fig. 1) mit Dictyophora verwandt; Kopf kurz, mit gerandetem Schei-
tel flacher, länglich viereckiger, vorn breiteier Stirn und lanzettli-
chem Gesichte, welches etwas kürzer als die Stirn ist. Prothorax
gerandet, vorn stark bogenförmig gerundet, mit ausgehöhltem und
innen gewickeltem Hinteirande ; Mesothorax dreiriefig, Beine lang,
Vorderflügel aussen breiter, mit sehr langen Basalzellen, kürzeren
Scheiben- und Randzellen ; einzelne Randadern gegabelt, kleine quere
Costal - und Submarginal-Adern fehlen. Art: L. mar(jinalis. 2) Ispo-
risa n. g. (pl. 7. fig- 2), der vorigen Galtung nahe stehend ; Kopf kurz,
stark bogenförmig hervortretend, der Scheitel hinten ausgehöhlt und
gerandet, Stirn und Gesicht gerandet und inderMilte gekielt, die Stirn
fast quadratisch, vorn breiter, das Gesicht dreieckig. Thorax kurz,
Pro- und Mesothorax dreiriefig, die Seitenkiele sehr schräg verlau-
fend; Vorderflügel schmal, die Basalzellen sehr lang, die Diskal - und
Marginalzellen kürzer, die Randadern einfach; einige äussere quere
Costaladern, aber keine Submarginul -Ont^iadern vorhanden. Art: /.
apicalis. 3) Epora n. g. (pl. 7. fig. 3j mit Dictyophora verwandt;
Kopf dreikielig, quer, Scheitel konisch, Stirn sehr lang, linear, Ge-
sicht kürzer, lanzettlich. Prothorax vierkielig , stark geschwungen,
Mesothorax dreikielig, Beine ziemlich lang. Vorderflügel ziemlich
schmal, die Basalzellen sehr lang, fast die beiden ersten Dritttheile
der Länge einnehmend, die Diskal- und Marginalzellen fast gleich
gross, die queren Rippenadern scbräg, parallel, die submarginalen
fehlen. Art: E. svblilis. — IVeue Arten sind ferner: Dictyophora spei-
carina und Daradax actis. — Zur Gruppe der Cixioides kommen :
4) Oslama n. g. (pl. 7. fig. 4). Kopf kurz, Scheitel fast quadratisch
mit etwas erhabenen Seiten, Stirn flach, länglich viereckig, vorn
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 437
breiter, Gesicht lanzettlich; Fühler länglich, fadenförmig, ihr zweites
Glied nicht länger als das erste , die Borste kurz. Mesothorax drei-
kielig; auf den Vorderflügeln die Basalzellen viel länger als die Mar-
ginalzellen, die Randadern zahlreich, einige gegabelt. Art: 0. jtincta.
5) Eratia n. g. (pl. 7. fig. 5). Kopf mit erhabenen Seiten und mitt-
lerem Kiele, Scheitel fast konisch, Stirn ziemlich quadratisch, gegen
das Gesicht hin breiter, dieses lanzettlich, Fühler lang, derb, faden-
förmig, das erste Glied kurz, das zweite lang, die Borste fehlt; Me-
sothorax mit drei parallelen Kielen; die Basalzellen der Vorderflügel
dreimal länger als die Diskal - und Margiaalzellen , quere Coslal-
adern in geringer Anzahl und sehr schräg verlaufend. Art : E. ope-
rosa. 6) Rhotala n. g. (pl. 7. fig. 6). Kopf oben konisch, mit er-
habenen Seiten, Stirn und Gesicht flach, verlängert, punktirt; Fühler
kurz, fadenförmig, das zweite Glied länger als das erste, die Borste
lang, zart. Prothorax ziemlich gross, das Mittelfeld konisch, dreikie-
lig; Vorderflügel mit sehr langen Basalzellen, äussere Queradern
zahlreich, Rippen -Queradern sparsam. Art: Rh. clelineata. — Neue
Arten : Cixivs ferreus, difßnis, gultifer, aequiis, perplexiis, inclinalus,
Simplex, vilis, modicus , nexus , despeclus, deducfus, mnnitus, tiakens,
pallens , ßnitns , dilectvs, dotatus, iiisnetus, Bidis pictula, punctifrons
und conticjua. — Zur Gruppe der Issites : 7) Hiracia n. g. (pl. 7. fig. 7).
Körper elliptisch, convex, Kopf mit kaum erhabenen Rändern, Schei-
tel konisch, dreikielig, Stirn und Gesicht mit drei wenig deutlichen
Kielen, letzteres lanzettlich, erstere verkehrt kegelförmig, vorn aus-
gehöhlt. Prothorax quer, fünfkielig, vorn schmaler, Mesothorax drei-
eckig, dreikielig, hinten scharf zugespitzt. Yorderflügel mit scharfer
Spitze, die Adern und Queräderchen zahlreich und erhaben. Art:
H. ignava. — Neue Arten sind : Issns praecedens, composilus, relra-
ctus, furtivvs, pahdus , iners, gravis, arctatus , sohrinus, ovalis, Ute-
rosus, liiieatus , Hemisphaerius niger, typicus , torpidus, Euryhrachys
conserta, velvsla, inlercepta und siirrecta. — Zur Gruppe der Flatoi-
des : 8} Serida n. g. (pl. 7. fig. 8). Kopf etwas ansteigend, mit er-
habenen Seiten , welche beiderseits einen spitzen Winkel bilden,
Scheitel linear, Stirn schmal, gekielt, vorn erw eitert, Gesicht lanzelt-
lich, leicht gekielt. Thorax dreikielig, Vorderflügel mit abgerunde-
ten Ecken, die Rippen- und Randadern zahlreich. Zwei Arten: S.
latens nnd ferrens. 9) Faricana n. g. (pl. 8. fig. 1). Kopf glatt, eben,
Scheitel kurz, Stirn länglich viereckig, Gesicht lanzettlich: Fühler
mit langer, zarter Borste. Thorax dreikielig, Vorderflügel an der
Spitze breit gerundet, die mittleren 'und Randzellen an Länge gleich.
Art: P. dilatipennis. 10) JSicerta n. g. (pl. 8. fig. 2). Körper schlank,
Kopf zusammengedrückt, sehr schmal, Scheitel mit stark erhabenen
Seiten, Stirn messerförmig , Gesicht lanzettlich; Fühler mit langem,
cylindrischen zweiten Gliede. Flügel schmal, die vorderen mit weni-
438 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
gen Adern und einigen äusseren und hinteren Queradern. Drei Arten:
JV. submentiens , flammnla und fervens. 11) Etfcarpia n. g. (pl. 8.
fig. 3). Kopf kurz mit stark erhabenen Rändern , Scheitel quer, fast
quadratisch, Gesicht und Stirn gekielt, ersteres lanzettlich, letztere fast
quadratisch. Thorax kurz , zweikielig; Beine kurz, dünn; Flügel
schmal , die vorderen mit sehr wenigen Diskal - und zahlreichen
Randzellen. Art: E. univitta. 12^ Rh oiana n. g, (pl. 8. fig. 5). Schei-
tel messerförmig, Stirn dreieckig, Gesicht lanzettlich; Prothorax sehr
kurz, Mesothorax mit zwei kaum sichtbaren Kielen und erhabenen
Seiten; Flügel breit, die vorderen mit wenigen Längs- und Quer-
adern. Art: Rh. latipennis. 13) Ficarasa n. g. (pl. 8. fig. 4). Kopf
mit erhabenen Seiten, Scheitel geschwungen, Stirn leicht gekielt, mit
winkligen Seiten, Gesicht lanzettlich, Frothorax mit stark geschwun-
genem Vorderrande, Mesothorax dreikielig ; Vorderflügel mit sehr
langen Basal- und gleich langen Mittel- und Randzellen, die äusse-
ren und Rippen -Queradern zahlreich. Art: F. pallida. — Neue Ar-
ten : Flatoides veterator, postertis, limitaris , stvpidns, Ricania osmy-
loides, suhacta, Benna canescens, clarescens, praestans, Pochazia con-
vergens , Nephesa grata, giithilaris , volens , lutea, deducta , tripars,
Poeciloptera rorida, deplana, Eupilis hebes.
A. Costa (Memorie della Reale Accademia delle scicnze di
Kapoli II. p. 227) beschrieb eine mit Caliscelis Lap. zunächst ver-
wandte neue Gattung Homocnemia aus der Issiden-Gruppe, für welche
er folgende Charaktere aufstellt : Stirn vertikal , mit dem horizonta-
len Scheitel einen rechten Winkel bildend, beim Weibchen leicht ge-
wölbt; Fühler dreigliedrig, das 3. Glied in einer Spalte des vorher-
gehenden eingefügt und in eine lange Borste endigend; Ocellen nicht
bemerkbar; Deckflügel kurz, das erste Abdominalseguient nicht oder
kaum überragend, hinten abgestutzt, ohne Areolae , der einzige Sub-
cubital-Nerv deltaförmig , ausserdem mit einem inneren Suturalnerv
und zwei äusseren, die an der Schulter zusammenstossen ; Vorderbeine
drehrund, den mittleren ähnlich. Art: Homocn. albovittata, fig. 5 u. 6
abgebildet, 1 lin. lang, aus Neapel.
C. Stäl, Description du genre Copicerus Swartz (Annales de
la soc. entomol. V. p. 337— 339. pl. 12). — Der Verf. giebt eine Cha-
rakteristik der von Swartz in den Acta Holmiae 1802 aufgestell-
ten, aber von den späteren Autoren nicht gekannten Gattung Copice-
rus, die mit Asiraca und Araeopus in nächster Verwandtschaft steht,
von beiden aber durch die Fühler- , Kopf- und Fussbildung abweicht.
Die von Swartz beschriebene Art C. irroratus von Jamaica wird
hier nochmals charakterisirt und die Beschreibung einer neuen von
Rio-Janeiro, Copicerus Sicartzii auf pl. 12 abgebildet, beigefügt. —
Eine Diagnose beider Arten hat der Verf. auch in einem kurzen Ar-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 439
tikel „IN'y art af Copiceriis Swartz" (Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad.
Förhandl. XIV. 1857. p. 53) gegeben.
G u e r i n (llistoria fisica de la isla de Cuba VII. p. 179 ff. pl. XIII)
rhavakterisirte folgende neue Arten von Cuba: Poiocera constellala,
Fulgora (Pseudophana?) Spinolae, spo7isa, Hololns n. g. aus der Ver-
wandtschaft von Asiraca Latr. und Araeopus Spin., mit weit über die
Augen nach vorn hervortretender Stirn, ausgerandeten Augen, fehlen-
den Ocellen, verlängerten Fühlern, die zwei Dritltheilen der Körper-
länge gleichkommen, aus zwei langen, unterhalb angeschwollenen
Gliedern und einer feinen Endborste bestehen und in der Ausrandung
der Augen eingelenkt sind ; Schienen mit langem Enddorne. Art:
HüJ. thoracicvs, pl. XIII. fig. 17. — Acanonia Servillei und Phalae-
nomorpha tortrix. — Anhangsweise wird ausserdem Holohis obscurus
als n. A. aus Brasilien diagnosticirt. (Die Gattung Holotus fällt mit
Copicerus Swartz zusammen.)
Montrouzier (Annales des scienc. phys. de la soc. d'agri-
culture de Lyon VII, 1. p. 111) beschrieb Flata rubra, flava und ro-
strata als neue Arten von der Insel Woodlark.
Perris (Anuales de la soc. Linneenne de Lyon IV. p. 170 ff.) :
Delphax Fairmaireiy Anbei und lineata n. A. aus den Grandes-Landes.
Kolenati (Bullet, d. 1. soc. imp. des natur. de Moscou 1857. II)
beschrieb unter dem Namen Tettigometra hexaspina eine neue Art aus
dem Caucasus; Abbildung tab. VI. fig. 13.
IWeniliraciiia* Neue Arten sind : Centrotus snbsimilis, lim-
batus , latimargo , densns , paripes , cicadiformis , consocius und Mi-
creune metnenda Walker (Journal of proceed. of the Linn. soc, Zoo-
logy I. p. 163 ff.) aus Borneo , Hoplophora Fairmairei Guerin (Histo-
na fisica de la isla de Cuba VII. p. 181) von Cuba.
Cicadellina* Zahlreiche neue Arten dieser Familie , auf
Borneo (Sarawak) von Wallace gesammelt, wurden von F.Wal-
ker (Journal of proceed. of the Linnean soc, Zoology I. p. 165 ff.)
beschrieben; auf zwei derselben wurden neue Gattungen errichtet.
— Zur Gruppe Cercopides gehören: Cercopis semipardalis, delineata,
semirosea , undulifera , subdolens. — Zur Gruppe Aphrophorides : 1)
Amarusa n. g- (pl. 8. fig. 6j. Kopf kurz, mit gebogenem Vorderrande,
an den Seiten von gleicher Länge wie in der Mittellinie, die Stirn mit
Querfurchen ; das Rückenschild vorn eingedrückt, mit tief ausgebuch-
tetem Hinterrande, das Schildchen verkehrt lanzettlich; Beine sehr
kurz, Flügel spindelförmig. Art: A. picea. Neue Arten: Ptyelus in-
effectus, Periiiola exclamans, signifera, expressa. — Zur Gruppe Serri-
pedes : Tettigonia elongata, lineolata, angularis, invadens, scitipennis,
lepidipennis , ehnrnea , signifera, polita , glabra, inclinans , difficilis,
Ledra tubercuUfrons , dilatifrons, tenuifrons , longifrons , conicifrons,
planifrons, arcuatifrons, ranifrons, obtusifrons, truncatifrons, Epicli-
440 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
nes ohliqua. — 2) Isaca n. g. (pl. 8. fig. 7). Körper kurz, Kopf quer,
convex , Stirn quer, Gesicht quer, dreieckig; Fühler sehr kurz mit
langer Boiste von mehr als halber Körperlänge; Vorder- und Mit-
telbeine kurz, die hinteren lang mit sehr stachligen Schienen; Flügel
schmal mit sparsamen Adern. Art: J. bipars. — Ferner: Äcocepha-
lus discigulta, Coclidia iHrigens, pardalis, alhisigna, cuprai-ia, Bijtho-
scoptis, testaceus, melallicus, lateralis , cephalotes , hiarcuaius, laeti-
signa, nigrilinea und ignicans.
Montrouzier (Annales des scienc. phys, de la soc. d'agri-
culture de Lyon VII, 1. p. 112) beschrieb Cercopis Boilardi, Cenfro-
tns riigosus und TeUigonia flavescens als neue Arten von der Insel
Woodlark.
Perris (Annales de la soc. Linneenne de Lyon IV. p. 172 ff.)
beschrieb Äthysanus marilimus , cinchts , conspurcatus, ornatus, nym-
pheae und Lahoulbenei als neue Arten aus den Grandes - Landes. —
An einigen Exemplaren des Atiiysanus maritimus bemerkte Perris
zwischen den Hinterleibssegmenten einen kleinen, sphärischen, brau-
nen Körper, der nach Art der Strepsipteren-Puppen mit seinem einen
Ende in die Gelenkhaut zweier Segmente eingebohrt war; es ent-
wickelte sich daraus nach Berstung des freien Endes eine Larve, die
später den Gonatopus pedestris als Imago ergab. Nach P.'s Ansicht
ist dieser Gonatopus erst der Parasit eines anderen Parasiten von
Äthysanus, denn abgesehen von dem puppenartigen Körper, aus wel-
chem die Larve hervorging, hatte dieselbe innerhalb jenes noch eine
gespinnstartige Hülle zu durchbrechen.
.Apliidina. Das von H e r r i ch-S c h äf f er herausgegebene
Werk von C. L. Koch: „Die Pflanzenläuse, Aphiden, getreu nach
dem Leben abgebildet und beschrieben, mit 54 fein ausgemalten Ku-
pfertafeln. Nürnberg 1857" (8. 335 pag.) liegt gegenwärtig abgeschlos-
sen vor. Neben der ausführlichen Beschreibung eines sehr reichhal-
tigen 3Iaterials an einheimischen Aphiden liefert das Buch zugleich
eine bildliche Darstellung sämmtlicher dem Verf. bekannt gewordenen
Arten in stark vergrösserten , colorirten Abbildungen, die zur Deter-
mination dieser schwierigen und ausserdem in brauchbarer Weise
kaum zu conservirenden Geschöpfe gewiss von bedeutendem Nutzen
sein werden, so dass, da der systematische Theil der Arbeit ofTenbarder
bei weitem unbedeutendere ist, die Species-Kenntniss wenigstens da-
durch an Ausdehnung gewonnen hat. Dass in literarischer Beziehung
die Arbeit des Verf. mehrfache Lücken erkennen lässt , indem z. B.
sämmtliche neuere Publikationen von Walker, Westwood, Dahl-
bom U.A., die für die Kenntniss der einheimischen Arten von Wich-
tigkeit sind, darin keine Berücksichtigung erfahren haben , ist schon
fniher in diesen Berichten bemerklich gemacht worden; es eiklärt"
sich diese Unvollständigkeit zur Genüge aus dem Umstände, dass eine
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 441
seit 12 Jahren liegende Arbeit zum grössten Theile unverändert dem
Drucke übergeben worden ist. Was den Inhalt der in diesen Be-
richten noch nicht näher berücksichtigten letzten Lieferungen des
Werkes (Lief. 8 (f., p. 237— 335) betrifft, so sind darin folgende Gat-
tungen abgehandelt: Lachmis 9 A., Asiphwn (Aphis populi Fab.) 2 A.,
Phyllaphis (Aph. fagi Lin.) 1 A. , Cladobins (Aph. populea Kalt.) lA.,
Toxoptera 1 A. , Vacuna Heyd. 1 A. , Glyphina 1 A. (betulae Kalt.),
SchiZ'Oneura 4 A., Pachypappa 2 A., Änoecia (Aph. corni Fab.) 1 A.
Mindavns 1 A , Frociphihis (Aph. bumeliae Sehr.) 3 A., Stagona (Aph.
xylostei de Geer) 1 A., Tetraneura Hart, 1 A. , Pemphigus 2A., Theca-
bivs 1 A., Tychea 2 A., Amycla 3 A., Trama Heyd. 3 A., Forda Heyd.
2 A., Endeis 2 A. , Chermes 2 A., Anisophleha 2 A. (Anhangsweise
folgen am Schlüsse noch 4 Aleurodes-Arten). — Kaltenbach, dem
das Manuskiipl der Koch'schen Arbeit zur Durchsicht vorgelegt wor-
den ist und der dasselbe zum Theil mit synonymischen Bemerkungen
versehen hat, giebt am Schlüsse derselben noch eine Reihe nach-
träglicher Bemerkungen, in denen er eine Anzahl von Koch als neu
aufgestellter Arten mit den seinigen identificirt.
R. Neu mann (Achter Bericht des Vereins für die Fauna der
Provinz Preussen , Neue Preuss. Provinz. Blätter XL 1857) hat ein
Verzeichniss der Blattläuse der Provinz Preussen zusammengestellt,
welches 59 Arten der Gattung Aphis, 4 Lachnus, 1 Schizoneura,
1 Vacuna, 2 Pemphigus, 1 Tetraneura und 2 Chermes enthält; bei
jeder Art ist die Erscheinungszeit und die Wohnpflanze angegeben.
Gli Afidi, Memoria del Prof. G. Passerini (Eslratto dal
giornale J Giardini XIL Giugno 1857. 20 pag. in 8.) ist «ine populär
abgefasste Darstellung der IVaturgeschichte der Blattläuse, in welcher
über ihre Lebensweise, Fortpflanzung, ihren Schaden, ihre Vertil-
gung u, s. v\'. gehandelt wird.
Mittheilungen über die Naturgeschichte der Aphis cerealis Kalt,
machte Kollar (Sitzungsberichte des zoolog. - botan. Vereins V^IL
p. 155) ; die Eier wurden zur Ueberwinterung zu 100 in die Stoppeln
der Gerstenfelder gelegt, so dass die ganze Höhlung derselben von
der oberen Oefl'nung bis zum nächstfolgenden Knoten davon angefüllt
waren.
Parasita«
Aiibe (Bullet, de la soc. entomol. V. p. CLYIII) fand
auf einer mit Phthiriasis behafteten Elster eine Ornithomyia,
welche auf ihrem Körper eine Anzahl Anopluren (die Gat-
tung- und Art ist nicht angegeben) trug ; er glaubt daraus
442 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
schliessen zu dürfen, dass die Ornithomyia die Vermitllerin
ist, um jene Parasiten auf andere Elstern, die sich in glei-
chem krankhaften Zustande befinden, zu übertragen, und dass
die Krankheit des Vogels eine nothwendige Bedingung für
die Existenz der Parasiten abgebe.
Der Verf. fühit zur Begründung dieser sehr einleuchtenden An-
nahme ein zweites Factum an, welches dieselbe noch mehr bekräf-
tigt; von fünf in einem Stalle befindlichen Kühen, welche mit ande-
ren ihres Gleichen nie zusammenkamen , wurde eine von der Läuse-
sucht befallen und zu gleicher Zeit von Myriaden von Flöhen heim-
gesucht, ohne dass nur ein einziger derselben sich auf den übrigen
Kühen auffinden Hess. Diese Parasiten wurden nach Aube oil'enbar
ebenfalls durch Dipteren (Hippobosca, Tabanus, Oestrus) auf die Kuh
übertragen und vermehrten sich, durch die für ihre Existenz günstigen
Bedingungen der Hautkrankheit, in ausserordentlicher Weise. Aehn-
liches lässt sich oft bei jungen Hunden beobachten ; sowohl bei die-
sen als in den eben angeführten Falle sind die Flöhe offenbar nicht
als Ursache, sondern als Folge der Krankheit anzusehen ; der eigen-
thümliche Geruch, der durch die Hautaffektion bewirkt wird, lockt
die Parasiten an.
Eine in Chr. Nitzsch's handschriftlichem Nachlasse
befindliche Charakteristik der Federlinge, Philopterus, hat Gie-
bel in der Zeitschrift für die gesammt. Naturwiss. IX. p. 249
— '263 abdrucken lassen. Sie liefert eine ausführliche Schil-
derung des äusseren Körperbaues der Philopteriden, deren
Kenntnissnahme zu empfehlen ist.
„Parasitica in Nederland waargenomen door R. T. Mait-
land."-' (BouwstofTen voor eene Fauna van Nederland II.
p. 303 — 309.) Verf. liefert eine Zusammenstellung der von
ihm in den Niederlanden beobachteten Parasiten , welche er
nach Nitzsch, Walckenaer und Denny bestimmt hat
und die er mit deren Cilaten aufführt. Von Pediculinen wer-
den 1 Phthirius, 8 Haematopinus und 3 Pediculus, von Mal-
lophagen 1 Ornithobius , 2 Goniocotes , 3 Goniodes , 10 Li-
peurus, 6 Nirmus, 15 Docophorus, 5 Trichodectes, 7 Colpo-
cephalum, 2 Menopon, 4 Trinotum, 2 Laemobothrium, 1 Phy-
sostomum und 1 Gyropus angeführt.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 443
2. Ulyriapoden.
Das weiter unten (siehe Crustaceen) nochmals er-
wähnte „Beschreibende Verzeichniss der Myriapoden und Cru-
staceen Graubündtens« von Am Stein (Jahresbericht d. na-
turforsch. Gesellsch. Graubündten's 1855. I. p. 112 — 148) lie-
fert nach den von Giebel in der Zeitschr. f. d. gesammt.
Naturwiss. IX. p. 552 gegebenen Mittheilungen eine Aufzäh-
lung und Beschreibung der dort einheimischen Myriapoden,
unter denen mehrere als neu angesehen werden.
Die einzelnen Gattungen sind folgendermassen vertreten : Po-
lyxenus 1, Glonieris 4, Julus 8, Blanniulus 2, Craspedosoma 4, Chor-
deuma 1, Polydesmus 2, Lithobius 8, Cryptops 1, Geophilus 3, Pa-
chymerium 1, Stenotaenia 1, Linotaenia 2. Von diesen sind folgende
Arten neu: Glomeris alpina, Julus transversosulcatus , Blanniulus
fuscus, Cras'pedosoma rhaeticum, angulosulcafuni, (jibbosuin, Lithobius
pilosus.
Die in den Niederlanden vorkommenden Myriapoden
verzeichnete F. Maitland („Nederlandsche veelpootige In-
sekten" in Herklots' Bouwstoffen voor eene Fauna van Ne-
derland 11. p. 284 — 286). Aus der Familie der Juliden wer-
den 1 Polyxenus , 3 Polydesmus , 5 Julus und 2 Glomeris,
aus der Familie der Scolopendren: 1 Scutigera, 4 Lithobius,
2 Cryptops und 6 Geophilus aufgezählt, mit Citaten aus W a 1-
ckenaer und Koch und mit Bemerkungen über ihr Vor-
kommen versehen.
Cfiilog-natlia. W a g a (Annales de la soc. entoniol. V.
p. 829 ff.) beschrieb unter dem IS'amen Gervaisia costata eine neue
Gattung und Art aus den Karpathen, welche sich \on Glomeris nur
durch die Anzahl der conglomerirten Augen, f ü n f jederseits, unter-
scheidet. Die kreideweiss gefärbte Art hat durch die rauhe Ober-
fläche und die verdickten , aufgebogenen Räfider der Körpersegmente
ein sehr zierliches Ansehn; sie ist auf pl. 14. Ko. 4 abgebildet.
3. Crustaceen.
Burmeister behandelte in seinen „Zoonomischen
Briefen" (Leipzig , Wigand 1856 , 2 Theile 8.) , in welchen
er eine allgemeine Darstellung der thierischen Organisation
444 Gerstaecker: Bericht über di« wissenschaftlichen Leistungen
ZU geben versucht, von den Gliederthieren (Th. II. p. 326 —
451) nur die Crustaceen, Arachniden und Myriapoden, wäh-
rend die eigentlichen Insekten, wenn das Werli überhaupt
weiter fortgesetzt wird, für den dritten Band aufgespart sind.
Die Arthropoden bilden nach der Ansicht des Verf. , wie er
dies schon in früheren Werken kund gegeben hat, zusam-
men mit den Würmern die grosse Abtheilung der Glieder-
thiere und sind im Gegensatze zu jenen als „heteronome
Gliederthiere mit constantem Numerus" anzusehen. Als Cha-
raktere der Crustaceen hält er auch hier noch die von ihm
als conslant angenommene Zahlenverhältnisse der Bruslka-
stenringe fest, „welche niemals die einfache Grundzahl der
Ringe enthalten dürfen , sondern stets ein Maltiplum dersel-
ben sind," wobei freilich für die Malacostraceen als Grund-
zahl 5, für die Entomostraceen dagegen 3 angenommen wird,
und wo beide nicht zutreffen, das supponirte Eingehen des
einen oder anderen Ringes als Aushülfe dienen muss. Ge-
wiss ist der Nachweis einer Gesetzmässigkeit in Zahlenver-
hältnissen von grossem Werth , wenn er sich überzeugend
führen lässt; ihn jedoch durch Addition oder Subtraktion^
je nach Bedürfniss , herbeizuführen, ist gewiss misslich, da
dann natürlich die Gültigkeit des Prinzips in Frage gestellt
wird; wenn der Verf. z. ß. den siebenten Ring des Hinter-
leibs bei den Malacostraceen als einen solchen ansieht, der
nicht mitgezählt werden darf, nur um die Zahl 5 als allge-
meingültige Grundzahl für die Hinterleibsringe der Arthro-
poden aufzustellen, so kann man gewiss mit Recht Zweifel
an der Gültigkeit dieser Zahl überhaupt erheben, abgesehen
davon, dass sie auch in vielen anderen Fällen (die Libellen
haben z. B. abweichend von der sehr verbreiteten Zahl 9
der Hinterleibsringe der Insekten 1 1 solcher) sich keines-
wegs constant erweist. — Die Myriapoden sieht der Verf.
bekanntlich als eine besondere Abtheilung :der Arachniden
an, eine Ansicht , die er auch in dem vorliegenden Werke
von Neuem geltend zu machen sucht; er stellt sie den ei-
gentlichen Arachniden als „homonome Gliederthiere mit ge-
gliederten, nur fussartigen Bewegungsorganen und innerer
Tracheen-Respiration" gegenüber.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 445
Derselbe verfocht in einem Aufsatze „Noch einige
Worte über die systematische Stellung der Räderthiere"
(Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie YIIl. p. 152 ff.)
nochmals die zuerst von ihm aufgestellte Ansicht, dass die
Rotatorien der Classe der Crustaceen beizuzählen seien, be-
sonders durch den von Vogt gegen Leydig geäusserten
Widerspruch veranlasst. Von dem Grundsatze ausgehend,
dass es in der Systematik keinen Charakter gebe , von dem
nicht bis zu einem gewissen Grade Ausnahmen vorkommen
könnten und unter den Insekten als analoges Reispiel die
Strepsipteren anführend, welche Coleopteren seien (zu denen
sie aber unter allen Insektenordnungen gewiss am wenigsten
gehören), sucht der Verf. die Rotatorien nur als einen in
mehrfacher Hinsicht aberrirenden Typus der Crustaceen dar-
zustellen. Entscheidende Charaktere für ihre Krebsthier-Na-
tur findet er zuvörderst in der Zahl 6 der Thoraxringe, die
bei den Entomostraceen typisch sei, sodann in der Lage der
Genitalöffnung beim Beginne des Hinterleibs ; der mit zwei
Kiefern bewaffnete Schlundkopf der Rotatorien entspreche
dem Mundkieferpaare der Entomostraceen. Was an den Ro-
tatorien der Crustaceen - Natur widerspricht , wie die Lage
der Räderorgane am Kopftheile , die Flimmerbewegung an
mehreren Organen u. s. w., spricht er dagegen als Charak-
tere von geringer systematischer Bedeutung an. — Jeden-
falls kann eine Frage, wie die vorliegende, durch so exclu-
siv subjective Beurlheilung der entscheidenden Punkte nicht
zum Abschlüsse gebracht werden.
Ein Artikel von Dana über die Classifikation der Cru-
staceen ist aus seinem grossen Werke in der United -States
exploring Expedition nochmals einzeln in Silliman's Ameri-
can Journal of science and arts , Vol. XXII. p. l4 — 29 ver-
öffentlicht worden. („A review of the Classification of Cru-
stacea with rcference to certain pririciples of Classification,
by James D. Dana.«) Der Verf. legt seiner Classifikation
die Idee zu Grunde, dass bei den höchst entwickelten For-
men eine Centralisation , bei den niedrigeren dagegen eine
allmählig grössere Entfernung der Hauptkräfte (Wohl besser
Organe) von einander sich kundgebe. Wenigstens sucht er
446 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
die Verwirklichung dieser Idee bei dem ersten HaupUypiis
der Cruslaceen, den Decapoden nachzuweisen und er glaubt
die Centralisalion der Kräfte hier eine „Cephalisation" nen-
nen zu können , indem der grössere Theil der Organe sich
den Funktionen des Kopfes (Mund- und Sinneswerkzeugej
accomodire.
Insofern stellt er als den höchst entwickelten Typus die
Majaceen- Gruppe auf, bei welcher durch die Annäherung der Füh-
ler und der Augen auf einen möglichst engen Raum die stärkste
Centralisation bewirkt ist. Eine verminderte Centralisation tritt
nun zuerst durch die Erweiterung des Raumes zwischen den Füh-
lern (Parthenopiden, Cancriden) auf, eine zweite in einer Erweite-
rung der äusseren Maxillarfüsse (Cancer, Lupea, Corysloiden), eine
dritte in der Verlängerung der Fühler ( Corystoiden ) ; dazu kom-
men als fernere Kennzeichen einer verminderten Centralisation die
Verbreiterung des Sternum und Abdomen (Grapsoiden) , der ver-
minderte Anschluss des Hinterleibs an den Cephalothorax (Cory-
sloiden) , die grössere Entfernung der Vulvae von einander (Dro-
mia) , das Schwinden der innern Fühiergruben (Latreillia) u. s. w.
Bei den Anomuren zeigt sich sodann in dem Mangel der Augengru-
ben , dem Treten des zweiten Fühlerpaares auf die Aussenseite der
Augen, der fussähnlichen Bildung der äusseren Maxillarfüsse, der Ver-
längerung des Hinterleibs eine weitere Dccentralisation der Organe,
welche bei den Macrouren und den Squillen ihre weitere Ausbildung
erreicht. — Bei den übrigen von Dana angenommenen Primaer-Ty-
pen der Crustaceen, den Tetradecapoden, Entomostraceen, Cirrhipedien
und Rotatorien versucht der Verf. einen ähnlichen IXachweis , stösst
jedoch hier (besonders bei den Entomostraceen , wo die Mannigfal-
tigkeit der Köjperbildung eine viel grössere ist) auf bedeutende
Schwierigkeiten, wie sie bei dergleichen theoretischen Versuchen sehr
natürlich sind.
Claus (dies. Archiv, f. Naturgesch. XXIII, 1. p. 3 ff.)
machte einige Bemerkungen über „das System der Crusta-
ceen so wie über die Stellung der Cyclopiden in demselben.^
Der Hermaphroditismus der Cirrhipedien scheint dem Verf.
keinen Grund abzugeben, sie nicht als mit den übrigen En-
tomostraceen nahe verwandt anzusehen (Zenker), da der-
selbe augenscheinlich durch die festsitzende Lebensweise
der entwickelten Individuen bedingt werde. Die Annäherung
von Argulus an die Branchiopoden (Zenker) missbilligt
er, glaubt vielmehr eine nähere Verwandtschaft mit den hö-
im (üebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 447
heren Parasiten ( d. h. Caligiden u. s. w. ) nachweisen zu
können ; dagegen schliesst er sich der Zenker'schen Verei-
nigung der Copepoden mit den Siphonoslomen an, will jedoch
beide zusammen den Lernaeen gegenüberstellen, indem, wie
er meint , die höheren Siphonostomen nur temporär , die
Lernaeen dagegen zeitlebens schmarotzten (als wenn die Lar-
ven der Lernaeen nicht eben so frei herumschwömmen wie
die der Caligiden ! Ref. ) , erstere auch durch den Besitz
von Ruderfüssen ausgezeichnet seien (die nach BrühTs
jüngster Entdeckung aber den Lernaeen auch nicht feh-
len! Ref.).
Der um die Kenntniss der Wirbelthier- Fauna des In-
dischen Archipels hochverdiente Dr. P. Bleeker hat jetzt
damit begonnen, auch den Crustaceen der Sunda-Inseln seine
Aufmerksamkeit zuzuwenden und im zweiten Theile der Acta
Societatis Scientiarum Indo-Neerlandicae (Verhandelingen der
Natuurkundige Vereeniging in Nederlandsch Indie, Deel IL
Batavia 185?) unter dem Titel : „Recherches sur les Crusta-
ces de l'Inde archipelagique" zwei Abhandlungen veröffent-
licht, von denen die eine „Sur les Decapodes oxyrhinques
de l'Archipel Indien" eine Aufzählung und Beschreibung der
den Sunda-Inseln eigenthümlichen Majaceen, die andere „Sur
les Isopodes Cymothoadiens de l'Archipel Indien^' ein Glei-
ches für die parasitischen Isopoden , welche Bleeker wäh-
rend seiner langjährigen ichthyologischen Studien auf ver-
schiedenen Fischen gefunden und gesammelt hat, liefert. Wenn
es in der ersten Abhandlung an neuen Arten, die hier zu-
erst beschrieben werden , nicht fehlt , so ist die letzte ganz
besonders reich daran, indem von den siebzehn aufgezählten
Cymothoaden überhaupt nur eine bisher bekannt war; die-
selben werden auf zwei beifolgenden Tafeln zugleich sämmt-
lich abgebildet.
W. Stimpson hat in seinem „Prodromus descriptio-
nis animalium evertebratorum, quae in expeditione ad Ocea-
num Pacificum septenlrionalem , a Republica Federata missa,
observavil" (Proceed. of the acad. of natur. scienc. of Phi-
ladelphia 1857. p. 216 ff.) auch die auf der Expedition ge-
sammelten Crustaceen aufzuzählen und zu beschreiben be-
448 Gerstaecker: Bericht über die >\issenschaftlichen Leistungen
gönnen; der bis jetzt vorliegende Theil der Arbeit erstreckt
sich auf die Brachyura oxyrrhyncha.
Derselbe lieferte in einer zweiten Arbeit: „The Cru-
stacea andEchinodermata of the Pacific shores of North-Anie-
rica, by W. Stimpson,'' (Cambridge 1857. 8. 92 pag. c.
tab. 6; auch enthalten im Journal of the Boston society of
natural history, Vol. VI) eine Aufzählung der an der West-
küste Nord-Amerika's aufgefundenen Crustaceen, nebst einer
Beschreibung und Abbildung der darunter enthaltenen neuen
Gattungen und Arten. Die verzeichneten Arten gehören fast
ausschliesslich den Ordnungen der Decapoden, Isopoden und
Amphipoden an und vertheilen sich auf die einzelnen Grup-
pen folgendermassen : Brachyura 38, Anomura 26, Macroura
31, Stomatopoda 1, Isopoda 19, Amphipoda 20 und Poecilo-
poda 1. Auch viele der früher beschriebenen Arten werden
nochmals ausführlicher charakterisirt und zum Theil mit Be-
merkungen über ihre Synonymie versehen; besonders gilt
dies auch von mehreren Arten , welche vom Verf. schon im
Jahre 1855 in den Proceedings of the Californian Academy
of natur. scienc. (einer dem Ref. bisher unzugänglichen Zeit-
schrift) bekannt gemacht worden sind. Die neu aufgestellten
Gattungen und Arten sind zum grössten Theile auf sechs
beifolgenden Tafeln abgebildet worden.
Desselben Verf.'s „Notices of new species of Crustacea
of Western North America" in den Proceedings of the Bo-
ston Society of natural history VI. p. 84—89 enthalten nur
vorläufige Charakteristiken der in der oben erwähnten Arbeit
ausführlicher beschriebenen Arten.
In dem schon oben (Insekten) erwähnten 7. Theil der
von Ramon de la Sagra herausgegebenen Historia fisica,
politica y natural de la isla de Cuba (Crustaceos, Aragnides
e Insectos. Paris 1857. fo!.) sind die Crustaceen (p. VI — ■
KXUi. tab. 1—3) von Guerin-Meneville bearbeitet wor-
den. JXäheres siehe unter Insekten!
Eine grössere Anzahl von Crustaceen verschiedener Fa-
milien (Decapoden, Amphipoden und Isopoden) aus Mittel-
Amerika machte H. de Saussure (Rev. et Älagas. de Zoo-
logie IX. p. 99— 102. p. 304— 308 und p. 501— 505) vorläufig
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 449
durch Diagnosen bekannt. „Diagnoses de quelques Crustaces
nouveaux de TAmerique tropicalc" und „üiagnoses de quel-
ques Crustaces nouveaux des Anlilles et du Mexlque.«
Philippi hat (dies. Archiv f. Naturgesch. XXIII, 1.
p. 124—129 und p. 319— 329. Taf. 8 und 14) mehrere zum
Theil sehr interessante neue Crustaceen- Formen von der
Küste Chile's beschrieben und abgebildet. Dieselben gehö-
ren hauptsächlich den Stomatopoden, zum Theil auch den
Decapoden an.
V. Martens machte interessante Älitlheilungen über
einige (Fische und) Crustaceen Italiens (dies. Archiv f. Na-
turgesch. XXIII, 1. p. 149-204. Taf. 10); dieselben enthal-
ten Beobachtungen über lebende Telphusa fluviatilis (p. 160),
Beschreibungen einer neuen Caride und eines Isopoden
(p. 158 ff.) und Bemerkungen über das Vorkommen mariner
Crustaceen-Formen im süssen Wasser (p. 188 u. 192).
Burgersdijk, ,,Land- en Zoetwaler-Schaaldieren«
(in Herklots' Bouwstoffen voor eene Fauna van Nederland I.
p. 164 — 167) lieferte eine systematische Aufzählung der bis-
her in den Niederlanden aufgefundenen Crustaceen. im Gan-
zen sind 31 Arten genannt, und zwar 1 Decapode, 2 Am-
phipoden, 8 Isopoden, I Phyllopode, 10 Cladoceren, 3 Ostra-
coden, 2 Copepoden, 2 Siphonostomen und 1 Lernaeide.
Ein beschreibendes Verzeichniss der Myriapoden und Cru-
staceen Graubündtens lieferte Am Stein im Jahresberichte
der naturforsch. Gesellsch. Graubündtens 1855.1. p. 112 — 148.
Da dem Ref. die Arbeit nicht selbst vorgelegen hat, muss
er sich darauf beschränken, den von Giebel (Zeitschrift f.
d. gesammt. Naturwiss. IX. p. 552) gegebenen Bericht hier
mitzutheilen.
Nach diesem liefert der Verf. eine Aufzählung der in Grau-
bündten einheimischen Crustaceen nach der Koch'schen Nomenklatur,
indem er zugleich von jeder Art eine Beschreibung entwirft. Die
Arten gehören folgenden Gattungen an: Astacus 2, Gammarus 1, Ar-
madillo 3, Itia 1, Trichoniscus 1, Porcellio 9, Oniscus 1. IN'eue Ar-
ten sind nicht beschrieben.
„Museum of natural history. — List of British Crusta-
cea« (Journal of the Royal society of Dublin I. p. 104—1 10).
— Ein Namens-Verzeichniss der (im Dubliner Museum beünd-
Archiv f. Naturcesch. XXIV. Jahrg. 2. Bd. DD
450 Gers tae cke r : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
liehen?) Englischen Decapoden und Stomatopoden; ist ohne
Interesse.
A. White, A populär hislory of British Crustacea,
comprising a familiär account of their Classification and ha-
bits, (London, Reeve 1857. 12.) ist in den Annais and magaz.
of nat. hist. XX. p. 141 angezeigt.
Fossile Crustaceen.
Den Brachyuren angehörig ist eine von de Berville
(Bullet, de la soc. geologique de France XIV. p. 108 ff. pl. II)
beschriebene und abgebildete Art, aus dem Grobkalke des
Pariser Beckens, welcher der Name Pseudocarcinus Chauvinii
beigelegt wird.
Zu den Notopoden würden „Einige neue Krebse aus der
Mästrichter TufFkieide,« von v. Binkhorst (Verhandl. des
Naturhist. Vereins der Preuss. Rheinl. und Wcstphalens XIV.
p. 107—110. Taf. 6, 7) beschrieben und abgebildet, zu rech-
nen sein.
Es sind Notopocorystes 3Iülleri, Eumorphocorystes (n. g.) scul-
ptus , mit der vorhergehenden Gattung zu denjenigen Formen ge-
hörend , welche zwischen Corystes und Homola die Mitte halten,
übrigens von Notopocorystes wenig verschieden, indem nur die brei-
ten , stumpfen Zähne des Stirnrandes und die eigenthümliche Skulptur
der Oberlläche (der Abbildung nach) sie davon abtrennen. Die dritte
beschriebene und abgebildete Art ist Dromililes Ubaghii.
Eine neue Macrouren - Form ist der von C. Gould
(Quarterly Journal of the geolog. soc. of London XIII. p. 360 ff.)
beschriebene und abgebildete Tropifei- laevis, „Description
of a new fossil Crustacean from the Lias Bone-bed," by
Ch arles Gould.
Von dem auf p. 361 im Holzschnitte dargestellten Fossil ist der
Cephalothorax und die drei ersten Abdominalsegmente bekannt ge-
worden, welche allerdings von so eigenthümlicher Bildung sind, dass
man mit dem Verf. über die systematische Stellung des Thieres in
Zweifel bleiben kann. Nach der Form des Cephalothorax und den
seitlich stehenden Augen tritt es in Beziehung zu den Loricaten
(Scyllarus) , von denen es durch den Mangel der verbreiterten An-
tennen abweicht; unter den Astaciden zeigt Kephrops in der Furchen-
bildung der Oberfläche einige Aehnlichkeit. Die Galtungsdiagnose
des Verf. lautet: „Carapace tlattened , keeled , slightly longer than
im Gebiete der Entomologie während des Jalires 1857. 451
hroad , truncate in front , and having the posterior angles siightly
produced ; cyes large , remote ; abdomcn soniewhat flattened, sculp-
liired."
E. V. Otto, „Callianassa antiqua aus dem unteren Quader
von Malter in Saciisen" (Aligem. Deutsche Naturhist. Zeitung III. 3857.
p. 212 f.). Der Verf. stellt das Vorkommen des Fossils im unteren
Quader fest und beschreibt die zum Theil sehr schön erhaltenen, da-
selbst aufgefundenen Reste.
Als wahrscheinlich den Stomatopoden angehörig bezeich-
net Huxley ein von ihm (Quarterly Journal of the geo-
log. soc. of London XIII. p. 363—369. pl. XIII) beschriebe-
nes und abgebildetes Cruslaceum von sehr absonderlicher
Form, welches er Pygocephalus Cooperi nennt. „Description
of a new Cruslacean from the Goal Measures."
Das Fossil zeigt sieben kurze Thoraxsegniente, an deren Sei-
ten deutliche Krebsbeine eingelenkt sind und die allmählig an Breite
abnehmen; an das breiteste reiht sich ein grosses, dreilappiges Schild,
einigermassen an den Thorax der Trilobiten erinnernd, an, wogegen
sich nach der Seite des schmälsten Ringes hin fühler- und scheeren-
artige Organe bemerkbar machen. Das grosse dreilappige Schild,
welches der Verf. zuerst für den Vordertheil (Cephalothorax) zu hal-
ten geneigt war, spricht er nach näherer Untersuchung von drei Exem-
plaren als stark erweitertes Endstück des Schwanzes an, wie es bei
den Squillen vorkommt; überhaupt glaubt er diese und Mysis als die
nächsten Verwandten des nach seiner Ansicht zu den Podophthalmen
gehörenden Thieres annehmen zu müssen.
Symonds machte Millheilungen über eine neue Art
von Eurypferus aus dem älteren rothen Sandstein in Here-
fordshire (British Associat. for the advanc. of science 1857,
Edinburgh new philosoph. Journ. new ser. VI. p. 257), wel-
che zusammen mit Silurischen Fischen und Muscheln aufge-
funden wurde und von Salter als Eurypterus Symondsii
beschrieben werden soll.
Neue Trilobiten wurden von VV. Thomson „On some
species of Acidaspis from the Lower Silurian Beds of the
soulh of Scotland« und J. W. Saite r „On two Silurian
species of Acidaspis, from Shropshire« (Quarterly Journal
of the geolog. soc. of London XlII. p. 206—211. pl. 6) be-
kannt gemacht.
Von Thomson wurden beschrieben und abgebildet: Acidaspis
Lalage, hystrix, callipareos , vnica, von Salt er: Acidaspis coro7iala
452 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
(A. Brightii Salter antea) und die schon früher bekannt gemachte
Acidaspis Caractaci.
J. W. Kirby (ebenda p. 213 ff. „On some Permian Fossils
from Durham") beschrieb einige Exemplare des Prosoponiscus pro-
blematicus (Trilob. problem. Schloth.) und bildete dieselben auf pl.7
ab; nach einer dem Verf. zugekommenen Mittheilung vonßates will
dieser das Tliier den Isopoden beizählen.
Im Journal of the Royal society of Dublin I. pl, 6 werden Ab-
bildungen verschiedener Exemplare von Ciomus arclicus Haughton, die
vom Capt. M'Clintock aus den arktischen Gegenden mitgebracht
wurden, gegeben.
Den schon von Linne aus Schweden beschriebenen Paradoxi-
des Tessini fand Römer auch in silurischem Quarzfels bei Freiburg
in Schlesien (Zeitschr. d. deutsch, geolog. Gesellsch. IX. p. 511).
Giebel (Zeitschr. f. d. g-esammt, Nalurwiss. IX. p. 382 ff
Taf. 6) machte unter dem Namen Buria rugosa eine neue
fossile Crustaceen -Form bekannt , die mit Sculda pinnata
Münst. Aehnlichkeit hat und die der Yerf. zu den Isopoden
rechnen will, c^b nicht Decapode?)
R. Jones ^Note on the Estheria minuta* (Quart. Jour-
nal of the geolog. soc. of London, Novbr. 1856, Annais and
Magaz. of nat. hist. XIX. p. 104). Der Verf. hat sich davon
überzeugt, dass das genannte kleine Fossil der Triasforma-
tion nicht zu den Mollusken, sondern zu den bivalven Phyl-
lopoden gehört und mit Limnadia nahe verwandt ist. Er
erörtert die geographische Verbreitung der Gattung, die
nicht nur in England, sondern auch in Nord -Amerika und
Indien aufgefunden worden ist.
Desselben Monographie der Britischen tertiären Ento-
mostraceen (in den Schriften der Palaeontograph. society of
London 1856), worin 54 Arten beschrieben sein sollen, liegt
dem Ref. nicht zur Einsicht vor.
Entomoslraceen aus der Trias Thüringen's machte v.
Seebach (Zeitschr. der Deutsch. Geolog. Gesellsch. IX.
p. 198 — 206. Taf. 8) bekannt; sie sind bisher nur in den bei-
den oberen Formationen der Trias , dem Muschelkalk und
Keuper aufgefunden worden.
Als Ostracoden des Keupers werden beschrieben und abgebil-
det: Bairdia Pirus , procera , leres und Cylhere dispar ; die erstere
dieser Arten scheint auch im Muschelkalk vorzukommen. Ebenfalls
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 453
aus dem Kenper stammt eine neue Art der Poecilopoden-Gattung Ha-
licyne, welche unter dem i\amen HaL plana bekannt gemacht wird;
zugleich werden die Charaktere der Gattung näher erörtert.
Boll (ebenda VIII. p. 321 — 324) beschrieb Beyrichia Jonesii,
spinulosa und hians als neue Arten, in den silurischen Gerollen Mek-
lenburgs aufgefunden.
Decapoda.
Ha e ekel, de felis qiübusdam Astaci fluvialilis. Dis-
sert. inau^. Berolini 1857, liegt dem Ref. aug-enblicklich
nicht zur näheren Einsicht vor.
Remarks on the habits and distribution of Marine Cru-
stacea on the eastern shores of Port Philip, Victoria, Au-
stralia; with descriplions of undescribed species and genera,
by J. R. Kinahan (Journal of the Royal Dublin society I.
p. 111 — 134. pl. 3, 4). Der Verf., welcher sich während eines
sechswöchentlichen Aufenthalts in Port Philip mit dem Sam-
meln und Beobachten der daselbst vorkommenden Decapoden
beschäftigt hat , giebt in der vorliegenden Abhandlung eine
Zusammenstellung und Beschreibung der von ihm aufgefun-
denen Arten , lö an Zahl , welche zum grössten Theile den
Brachyuren angehören. Von den fünf darunter befindlichen
neuen Arten werden zwei zu besonderen Gattungen (den
Catomelopa und Oxystomata angehörig) erhoben; sowohl
diese als einige andere bisher nicht abgebildete Arten sind
auf den zwei beifolgenden Tafeln dargestellt.
Desselben „Remarks on Crustacea coUected in Peru, the
High-Seas and South- Australia, with descriptions of unde-
scribed species« (ebenda p. 328—352. pl. 14) erstrecken sich
in gleicher Weise nur auf die Ordnung der Decapoden, von
denen im Ganzen 27 an den genannten Lokalitäten gesam-
melte Arten aufgezählt, mit Bemerkungen begleitet und die
darunter befindlichen fünf neuen Arien eingehend beschrieben
und auf der beifolgenden Tafel abgebildet werden.
Derselbe „On a Crangon new to science, with noti-
ces of other nondescript Crustacea and observations of the
distribution of the Crustacea Podophthalma of the Eastern or
Dublin marine district of Ireland« (Natural history review,
Proceed. of societ. p. 80 ff.) zählte 29 an der Irischen Küste
454 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
bei Dublin vorkommende Decapoden auf, von denen er drei
(1 Crangon, 1 Pagurus und 1 Porcellana) für neu hält und
beschreibt. In einem zweiten Artikel „On Xantho rivulosa
and other Decapodous Crustacea oceurring at Valentia Island"
(ebenda p. 58—69) zählt derselbe ebenfalls eine grössere Reihe
Irischer Arten aus der Ordnung der Decapoden auf, welche er
mit Notizen über ihre Verbreitung u. s. w. begleitet.
Spence Bäte („On the development of Carcinus Mae-
nas,*' Proceedings of the Royal society of London, June 1857,
Annais and magaz. of nat. bist. XX. p. 297) wies die zuerst
von Thompson gemachte Beobachtung, dass die Gattung
Zoea (in der Milne Edwards eine Jugendform von Ano-
muren vermuthet) der Larvenzustand von Carcinus sei, durch
Darlegung der allmähligen Uebergangsstufen zwischen Zoea
und Megalopa einerseits und zwischen Megalopa und Carci-
nus andererseits , als begründet nach. Beim Ausschlüpfen
aus dem Eie fehlt, dem Verf. zufolge , den Brachyuren das
letzte (siebente) Segment des Kopfes, eins oder mehrere des
Thorax und das vorletzte des Hinterleibs; je mehr abwärts
in der Reihe der Formen ein Crustaceum steht, desto mehr
nähert sich die Larvenform der des ausgebildeten Thieres.
(Gegen die Richtigkeit dieser Theorie Hessen sich nach bei-
den Seiten hin mehrfache Beispiele anführen. Ref.) Die An-
hängsel, welche die wesentlichen Theile der Larve ausmachen,
werden zu secundären Theilen der entsprechenden Organe
beim erwachsenen Thier, wie z.B. die unteren Antennen der
Larve durch den Fühleranhang des ausgebildeten Krebses re-
präsentirt werden; der wirkliche Fühler des letzteren ent-
wickelt sich aus der Basis des Embryo-Fühlers, welche nach-
her als schuppenföruiiger oder dornartiger Anhang bei den
Macrouren auftritt. Die Rudimente der künftigen Beine hat
der Verf. kurz nach dem Ausschlüpfen der Larve be-
obachtet.
In Rücksicht auf den von Spence Bäte gelieferten Nachweis
des Zusamnienfallens von Zoea und Megalopa als Jugendformen mit
Carcinus sieht sich Ref. veranlasst, hier zugleich einige von Guerin
und Philippi unter jenen Gattungen beschriebene und abgebildete
Formen aufzuführen. Guerin (Ilistoria fisica de In isla de Cuba VII.
p. XX ff. Tab. III) machte Zoea Leachii, Souleyetii, Boscii und West-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 455
woodii als n. A. von Cuba bekannt und fügt denselben unter dem
Namen Zoeides Guepratii zugleich eine neue liattung bei, die sich von
Zoea durch die hornige Consistenz des Cephalothorax, welcher glok-
kenförmig ist und in einen langen, geraden Schnabel endigt (und
daher in seiner Form einigermassen an einen Gänseschädel erinnert),
unterscheidet. Das erste und zweite Fusspaar ist mit einem geissel-
artigen Anhang versehen, der in einen Büschel langer Borsten endigt;
das letzte Abdominalsegment ist gross, rund, scheibenförmig, das letzte
Abdominalfusspaar in zwei Lamellen auslaufend. Abbildung Tab. III.
Fig. 8.
Philippi beschrieb (dies. Archiv für Naturgesch. XXIII , 1.
p. 328. Taf. 14. Fig. 5) als neue Art von der Chilenischen Küste :
Megalopa Valdiviana, die demnach wahrscheinlich die Larve einer
mit Carcinus nahe verwandten Gattung ist.
Eine der merkwürdigsten und interessantesten von den
bis jetzt bekannt gewordenen Larven-Forrnen der Decapoden
ist die von Couch (Natural history review IV., Proceed. of
societ. p. 251. pl. XVII) beschriebene und abgebildete der Gat-
tung Palinurus , welche nach der Abbildung gewissermassen
an Phyllosoma erinnert. Der Cephalothorax der aus dem Ei
geschlüpften Palinurus- Larve ist kurz eiförmig, halbkuglig
gewölbt, vorn in einen kurzen, stumpfen Fortsatz endigend;
die Augenstiele, zu beiden Seiten dieses Stirnfortsatzes ent-
springend, sind so lang wie der Cephalothorax selbst. Der
Hinterleib ist schmal, sechsringlig, die vier ersten Ringe je-
derseits einen langen, peitschenartigen Anhang , der vielglie-
drig und bald nach dem Ursprünge zweitheilig ist, tragend;
jeder dieser Theile endigt in eine lange Borste.
Bracliyura* Oxyrrhyncha. — lieber die den Sunda-
Inseln eigenthümlichen Majaceen hat P. Bleeker „Sur les Decapo-
des oxyrhinques de l'Archipel Indien" (Acta societ. scient. Indo-Neer-
landicae. Vol. II) nähere Auskunft gegeben. Durch die früheren Au-
toren , wie Latreille. Leach, Guerin^ Milne Edwards und
White waren im Ganzen 15 Arten von dorther bekannt geworden;
diesen werden ^onßleeker 8 andere hinzugefügt, von denen zwei
schon anderweitig aufgefunden worden waren, die sechs übrigen als
neu beschrieben werden. Diese Arten vertheilen sich auf die Grup-
pen und Gattungen folgendermassen : 1) Inachoiden : Camposcia 1,
Egeria 1, Doclea 6. 2) Majoiden: Micippe 1, Chorinus 1 , Criocarci-
nus 1, Zebrida 1. 3) Parthenopiden: Lambrus 6, Parthenope 2, Go-
natonotusl, Ceratocarcinus 1, Üethra 1.^ Im Ganzen 12 Gattungen mit
23 Arten. Die Verbreitung dieser Arten erläutert der Verf. dadurch,
45fi (ic rs ta<' ck er : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
dass er für jede der grösseren Inseln (Java, Sumatra, Borneo. Cele-
bes) oder der Insel -Gruppen (iMolukkcn) die ihnen zukommenden
aufzählt. — Als neue Arten werden beschrieben: Doclea hubridoidert
von der >Vostküste Sumatras, mocracanthus von Amboina, microchir
von der AVestküste Sumatras, Seboc (Araneus scu Cancer marinus ro-
tundns Seba) von Sumatra und Amboina . brachtjrrhynchos von der
Westküste Sumatras , Lambrus Rumphii (Cancer longimanus minor
Rnmph) von Amboina. Die bereits beschriebenen Arien sind mit aus-
führlicher Synonymie aufgeführt und werden mit Bemerkungen über
Vorkommen, besondere Eigenthümlichkeiten der dem Verf. vorliegen-
den Exemplare u. s. vv. begleitet.
Die auf einer von den Vereinigten Staaten veranstalteten Welt-
umsegeli'ng erbouteten ^lajaceen hat W. Stimpson (Proceed. of the
acad. of natiir. scienc. of Fhiladelphia 1857. p. 21G— 2-21) aufgezählt
und die darunter befindlichen neuen Gattungen und Arten charakte-
risirt. Die Zahl der aufgeführten Arten beträgt 40; davon sind neu:
Doclea (iracilipes und canalifcra von Hongkong, Hyas latifrons von
der Berings-Strasse, HJicropsia n. g. ..Carapax late ovntiis, paulo con-
vexus, vix spinosus. roslro bifido. spina i'raeorbitali sat valida ; orbita
supra unifissa , subtiis aperta , ocnli retractiles . non latentes; anten-
nae externae articulo primo apice externo dentigero, parte mobili
aperta; manns maris adulti digitis hiai:tibns, ad apices denticnlatos
solum contiguis. Pisae Syraeque affinis." Art: M. ovala von den
Cap Verdischen Inseln. — Tiarinia depressa aus Japan, spinigcra von
den Inseln Ünsima und Tanegasiina, Micippa spinosa von Tort Jack-
son . Scyra coinpressipes aus Japan , Mithrad- suborbicularis aus den»
Hafen Gaspar, Achacus /acc/7os»/.s- von Tort Jackson. — Achaeopsis n.g.
„Carapax ovato-triangularis, convexus, spinulosiis; rostrnm breve, bi-
fidnm ; spina praeocularis acuta; ocnli longi , ad carapacis latus re-
tractiles. orbitis carenfes, spina parvula postoculari. Antennae ex-
ternae apertae, articulo basali angustissimo curvato. Fossae antcnnu-
lariae atnplae. Hectognathopoda eleganter granulosa vel spinulosa;
mero articulo quinto ad angulum externum gereute. Cheloi)oda sat
longa. Tedes ambulatorii graciles. Daclyli ^pedum sex posficorum
falciformes. Abdomen in femina sexarticulatum, Eurypodio Achaeo-
que affinis." Art: A. spinulosus vom Cap. — Stenorliytichus falcifer
vom Cap, Meiiaethius dentatus von den Amakirrima-Inseln, Eurynomc
longimana vom Cap, Latnbrus riigosus von d-en Cap Verdischen In-
seln, tuberculosus von Hongkong, Crypiopodia coulracta aus China,
Ceratocarcinus albolineatus (Harrovia albolineata Ad. und White) von
Hongkong, Oncitiopus subpellucidus von l'ort Jackson.
Derselbe (Crustacea of the Patific shores of North-America
p. 8 If.) beschrieb folgende neue Gattungen und Arten: Chionoecetes
Behringianus aus der Behrings-Strasse ,= Teloplastus Tallasii des Ref.),
im Gebiete der Entomologie während des lahres 1857. 457
Loxorhynchus n. g. mit birnförmigem Cephalothorax und mehr oder
weniger stachliger, haariger Oberfläche ; von I'isa durch weniger aus-
gehöhlte Orbitae, eine einzelne obere Fissur derselben, den Mangel
der Dornen an den Tarsen und das breilere Basalglied der äusseren
Fühler unterschieden; durch letzteres 31erkmal zugleich von Herb-
stia und Halimus abweichend, von den Chorinin.ie durch kürzeren und
breiteren Rüssel und das Freiliegen der äusseren Fühler, von Para-
niicippa, mit der sie durch den herabgebogenen Rüssel übereinstimmt,
durch längeres Epistom und die tiefere Stellung der äusseren Fühler
abweichend. -=- Zwei Arten : Lox. ffrandis von S. Francisco und cri-
spalus, ebenfalls von Californien.
Guerin {\n Ramon de la Sagra , Historia fisica de la isla de
Cuba VII. p, XII) beschrieb Libinia dislincfa als neue Art von Cuba.
Kinahan (Journal of the Royal society of Dublin I. p. 334) :
Acanthonyx concamerata von den Chinchas-Inseln , auf pl. XIV. fig. 1
abgeb'I.^et und p. 117 Halimus auritus (M. Edw. ?) von Port Philip.
H. de Saussure (Rev. et 3Iagas. de Zoologie IX. p.501)
diagnosticirte Pericera spinosissima . bicornis , }Iithrax cornutus und
Lambrus crenulalus als neue Arten von den Antillen.
Cyclometopa. — Kinahan (Journal of the Royal society
of Dublin I. p. 116) charakterisirte eine neue (iatlung Litocheira mit
einer von Port Philip stammenden Art Lit. bispinosa^ welche nach der
auf pl. III. fig. I. gegebenen Abbildunjj in der Form auffallend an
Galene bispinosa de Haan erinnert. Der Cephalothorax ist quer qua-
dratisch , gewölbt, die Stirn von der halben Krrperbreite , in der
Mitte seicht gebuchtet , die Seiten hinter dem äusseren Augenhöhlen-
zabn mit einem zweiten scharfen Zahne besetzt, von dem sich eine
erhabene Kante nach hinten zieht; die inneren Fühler quer gestellt,
die äusseren unter den Augen inserirt und den Spalt der .Augenhöhle
einnehmend , das Epistom von grosser .Ausdehnung. Hinterleib des
Älännchens mit durchweg getrennten Ringen, die Beine zusammenge-
drückt , das letzte Tarsenglied des fünften Paares etwas erweitert,
flachgedrückt und behaart. — Derselbe beschrieb ferner folgende
Arten: Ozivs (?) serralifrons n. sp. von Port^ Philip, pl. IV. fig. 1,
Pilumnoides perlatus Edw. ebendaher, Filumnoides Danai n. sp. von
den Chinchas-Inseln (Peru) pl. XIV. fig. 2, perlatus Poepp. von Calao,
Lupa Sayi (Gibbes ?) vom 23. Grad nördl. Breite.
de Saussure (Rev. et Magas. de Zool. IX. p. 502 ff.) gab
Diagnosen \on folgenden neuen Arten: Panopeus occidentalis, ser-
ratus, americanvs und Portunus Guadalupensis von Guadeloupe. Lu~
pea anceps von Cuba. — Ebenda p. .304 von Chlorodius Americanus
von Haiti.
Stimpson (Crustacea of the Pacific shores of iN'orth - America
458 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
p. 18 ff.) beschrieb Cancer antennarius n. A. von San Francisco ; Ab-
bildung pl. 18.
Portunus carcinoides wurde von Kinahan (iNatural history
review IV. Proceed. of societ. p. 66) als fragliche neue Art von der
Irischen Küste beschrieben ; sie ist mit F. corrugatus nahe verwandt.
Farran, On the occurrence of Ihe niarbled swiniming - crab,
Portunus mamioreus, at Birtcrbie-Bay (ebenda p. 58).
Catometopa. — de Saussure (Rev. etMagas. de Zoo). IX.
p. 305) stellte eine neue Gattung Pseudotelphnsa auf, deren Schale
wie bei Boscia geformt ist aber der Crista postfrontalis und der Zäh-
nelung entbehrt; Kieferfüsse wie bei Telphusa, doch das dritte Glied
fast dreieckig; Regiones jugales glatt: Mundöffnung von filzigem Ue-
berzugc umgeben. Art: Pseudotcljjimsa amey-icana \onUdi{\. — Neue
Arten sind ferner: Sesanna americana und miniata von St. Thomas,
Gecarcinns depresst(s und Cardisoma quadrata von Haiti , (p. 502)
Metopograpsus gracilis und mifiiatus von St. Thomas.
Kinahan (Journal of the Royal society of Dublin I. p. 123 ff.)
machte ausführliche Mittheilungen über die Lebensweise des 3Iyctiris
subverrucatus White bei Tort Fhilip und gab Beschreibungen (p. 341 ff.)
von Goniograpsus simplex Dana, Cyclograpsus punctatus M. Edw. und
Cyclograpsus gnalherion n. A. von Peru.
Oxystomata. — Stimpson (Ciustacea of the Pacific shores
of North-America p. 32 ff.) beschrieb eine neue Gattung Randallia,
welche auf Ilia ornata Rand, bedründet ist und sich von Ilia durch
folgende Charaktere unterscheidet : Cephalothorax oval, fast kuglig,
glatt, hinten mit zwei Zähnen bewehrt, die seitlichen Mundgegenden
gewinkelt, die Stirn schmal aber dick, in der Mitte concav, die Au-
genhöhlen dreispaltig, die Fühlergruben klein, schief, sehr hoch; das
Basalglied der inneren Fühler deckeiförmig , die Grube schliessend
und den zurückgeschlagenen Theil des Fühlers verbergend. Abbildung
der Art auf pl. XX.
Eine zweite Gattung Bellidilia begründete Kinahan (Journal
of the Royal society of Dublin I. p. 117) auf eine bei Port Philip
vorkommende Art: Beilid. 11 - spinosa , welche nach der Abbildung
pl. III. flg. 2 ganz das Ansehn einer Ilia hat. Cephalothorax fast
kreisrund, hinten mit drei Dornen besetzt, von denen der mittlere
länger ist und höher steht; Augenhöhlen offen, oben mit zwei Fis-
suren, Fühlergruben fast quer, mit den Augenhöhlen nicht commu-
nicirend, Stirn kürzer als das Epistom ; dieses sehr schmal ; am Ab-
domen beider Geschlechter das diitle bis sechste Segment verwachsen,
von den Beinen das erste Paar verlängert, mit zusammengedrückter
Scheere , deren Finger schmal , blattartig dünn , am Innenrande cre-
nulirt sind.
IVotopoda« R. A. Ph ilippi, „Abrote, ein neues Geschlecht
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 450
der Crustaeeen aus der Familie der Hippaceen" (in diesem Archiv
f. Naturgesch. XXIII, 1. p. 124—129. Taf. 8). — Die Galtung und Art,
welche der Verf. hier unter dem Namen Abrole spinimana als neu
beschreibt und abbildet, ist bereits von Milne Edwards und Lucas
(Archives du museum d'hist. nat. II. 1841. p. 474. pl. 28) als Albunhippa
spinosa ohne Angabe des Vaterlandes beschrieben und abgebildet
worden; das hiesige Äluseum erhielt dieselbe aus Peru durch v.
Tschudi, während Philippi seine Exemplare an der Chilenischen
Küste aufTand.
Remipes Cubensis n. A. von Cuba wurde von de Saussure
(Rev. et Magas. de Zoologie IX. p. 502 diagnosticirt.
Pag-urini. Folgende neue Arten dieser Familie wurden be-
schrieben :
Von Stimpson (Crustacea of the Pacific shores of INorth-
America p. 42 fF.) : Enpagurvs Sawnelis aus der Tomales -Bay und
Clihanarius tnrgidns pl. 21. fig. 1, aus dem Pnget-Sund.
Von («uerin (Historia fisica de la isla de Cuba VIT. p. XIV) :
Pagurus cincfipes von Cuba.
Von de Saussiire (Rev. et Älagas. de Zoologie IX. p. 503) :
Pagurus insignis von Guadeloupe.
Von Kinahan (Natural history review IV. p. 84) : Pagurus
Eblanensis aus Irland und (Journal of the Royal society of Dublin I.
p. 350 ff.) Paguristes AVeddellii Edw. (hirtus Dana?) und Clibanarius
tomenfosus (M. Edw.?) von den Chinchas-Inseln.
OHiatlieidae. Guerin (Historia fisica de lä isla de Cuba
VII. p. XVI) stellte die in Cuba einheimischen Arten der Galtung Por-
cellaiia in einer analytischen Tabelle zusammen, in dieser ihre unter-
scheidenden Merkmale entwickelnd. Die Arten sind folgende: Por-
cellnna violacea, laevigata, granuJosa (striata M. Edw.), Poeyi, angu-
losa , punctata (cristata M. Edw.), Sagrae, GundlachU , Desmarestii,
amoena, galathina Bosc, tuberculafa (lobifrons 31. Edw.), tuberculata
M. Edw. (affinis Guer.) , grossiinana und Parrai. Diese Arten sind
zum Theil schon von Guerin 1835 im Bullet, de la soc. des scienc.
natur. beschrieben worden und später von Milne Edwards in sei-
ner Ilist. nat. des Crust. unter anderen Namen aufgeführt.
Kinahan (Journal of the Royal society of Dublin I. p. 345 ff.)
beschrieb Porcellana granulosa Guer. (striata M. Edw.), violacea Guer.,
carinata n. A. von den Chinchas-Inseln bei Peru, pl. XIV. fig. 3 ab-
gebildet, und dubia n. A. von Callao (Peru), pl. XIV. fig. 4.
Derselbe (Natural history review IV., Proceed. of societ.
p. 84) : Porcellana priocheles und (p. 228) Galalhea Andrewsii neue
Arten aus Irland.
Stimpson (Crustacea of the Pacific shores of North -America»
460 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
I». -10): Porcellana rupicola n. A. von der Californischen Küste, auf
pl. XX. flg. 2 abgebildet.
EioricMta* Couch (Natural history review IV), Ueber die
Larve der Gattung Palinurus. Siehe oben Decapoda!
JLstacini* H. d e S a u s s u r e, „Kote carcinologique sur la famille
des Thalassides et sur celle des Astacides." (Rev. et Magas. de Zoolo-
gie IX. p. 99 — 102). — Der Verf. bespricht zuerst die nahe Verwandt-
schaft der Thalassiniden mit den Astaciden, in Betreff deren er sich
der Ansicht de Haan's und des Ref. anschliesst , ohne indess beide
Gruppen vereinigen zu wollen. Als einen üebergang zwischen bei-
den sieht er eine neue Gattung Halopsyche mit einer Art Hai. lutaria
von Cuba, die hier charakterisirt wird, an. Der Verf. hat sich jedoch
mit dieser Gattung geirrt, weiche, wie er selbst in einer brieflichen
Mittheilung an den Ref. anerkannt hat, mit Alpheus identisch ist und
also den Cariden zugehört. — Ferner beschreibt der Verf. zwei neue
Amerikanische Astacus- (Cambarus) Arten: C. consohriiius von Cuba
mit zwei seitlichen Dornen am Schnabel und C. Monteivmae aus Me-
xiko, ohne solche Dornen.
Ebenda p.503 diagnosticirt de Saussure: Cambarvs Äzfecus
als neue Art aus Mexiko.
Kinahan (Journal of the Royal society of Dublin L p. 130)
beschrieb Tnjpaea porcellana n. A. von Port Philip, auf pl. 4. fig. 2
abgebildet.
Stimpson (Crustacea of the Pacific shores of North-America
p. 50ff.): Calliajiassa longimana von Fort Steilacoom pl. 21. fig. 5,
Astacus nigrescens aus Californieii, Trotvbridgii von Astoria und Kla-
mathensis aus dem Klamath^-See.
Carides. Als neue Arten wurden in diese Familie auf-
gestellt:
Von Guerin (Historia fisica de la isla de Cuba VH. p. XVIII ff.):
Atya Poeyi, Alphevs Saulcyi, Candei, Poeyi, simvs, Pontonia mexicana,
Caridina americana, Gnathophyllvm americanum uud Hippolyte elon-
galus (sie !) von Cuba.
Von Stimpson (Crustacea of the Pacific shores of North-
America p. 55 ff.) : Crangon Franciscormn iMXS dem Puget-Sund (pl.22.
fig. 5), nigricauda (vulgaris Owen) von San Fraiuisco, Hippolyte Tay-
lori aus Californien und Pandalus Danae aus dem Puget-Sund pl. 21.
fig. 6 u. 7 abgebildet.
Von de Saussure (Rev. et Magas. de Zoologie IX. p. 504)
durch Diagnosen folgende Palaemon-Arten bekannt gemacht : 1) Schee-
ren cylindrisch, dünn, a) Carpiis kürzer als die Finger: Palaemon
Aztecvs und Montezmnae von Vera- Cruz, b) Carpus länger als die
Finger: Pal. mexicanus von Cuba und Mexico, consobrinns von Vera-
Cruz. — b) Schneidenrand der Scheeren concav , Füsse des zweiten
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 461
Paares sehr ungleich: Pal. Faustinus von Haiti. — Ferner: Caridina
mexicana von .Vera - Cruz. — Ebenda p. 306: Sicyonia cristata
von Cuba.
Von Herklots (Memoires d'entomologie publ. p. 1. soc. en-
tom. des Pays-Bas I. p.96): Palaemon Vollenhovii von der Küste
Guinea's.
Von Kinahan (Journal oflhe Royal sociely of Dublin I. p. 131) :
Hippolyte ignohilis von Port Philip und (Natural histoiy review IV.,
Proceed. of societ. p. 81) : Crangon Allmatini aus Irland , im Holz-
schnitte abgebildet.
Von v. Martens (in dies. Archiv f. Naturgesch. XXIII. p. 183) :
Talaemon laciistvis aus dem Albaner-See, auf Taf. 10 abgebildet.
Cumacea* Spenoe Bäte, „ün the genus Cuma" (Annais
and magaz. of nat. bist. XIX. p. 106) erwiderte auf Agassiz's Behaup-
tung, dass gev\isse Cumaceen trotz der bei anderen nachgewiesenen
Geschlechtsreife dennoch Larven von JMacrouren seien : Ag. habe
wohl Goodsir's Nachweis von dem Vorhandensein von Eiern bei
Cuma scorpioides übersehen. Auch Iheilt er einen Brief von Couch
mit, der sich mit den Larvenformen der Englischen Macrouren viel
beschäftigt, aber niemals Cumaceen darunter wahrgenommen hat.
Stoitiatopoda.
Philippi machte (in dies. Archiv f. Naturgesch. XXIII, 1.
p. 320 (f. Taf. 14) eine neue Gattung Hoplites (mehrfach vergebener
Name !) aus dem Atlantischen Ocean bekannt, die zur Familie der
Caridioiden und in die nähere Verwandtschaft von Mysis gehört. Der
Cephalothorax endigt nach vorn in einen langen, scharf zugespitzten,
an der Basis mit einem grossen Stirnzahn bewaffneten Schnabel ; die
oberen Fühler erreichen nur drei Viertheile des Schnabels , bestehen
aus einem dicken Sliele von Vs der Fühlerlänge und zwei kurzen,
gleich gebildeten Geissein. Die unteren Fühler sind von halber Kör-
perlänge, ihre Schuppe länger als der Stiel der oberen, ihr Stiel aus
zwei kurzen Basal - und einem langen, linearen Endgliede bestehend,
ihre Geissei doppelt so lang als der Stiel. Hinlerleib aus sechs freien
Segmenten bestehend, von denen das zweite (die beiden ersten rech-
net Philippi zum Cephalothorax) oben in einen langen, schräg nach
hinten gerichteten Dorn endigt. Die Art: //. longirostris wurde un-
ter 25^ K. B., 22*'W. L. im Atlantischen Ocean gefangen. — Eine neue
Art der Gattung Thysanopus wird als Th. unstralis von der Chileni-
schen Küste beschrieben (p. 319), ebenso Leticifer Zybrantsii n. sp. aus
dem Atlantischen Ocean , 25« N. B., 22<> W. L. (p. 323).
Die Gruppe der Erichthinen bereicherte derselbe (ebenda p. 324 fF.)
mit zwei neuen Arten der Gattung Alinia, die unter dem Namen Alimn
462 Ge istaeck er: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
VaUliviana und clenura beschrieben und auf Taf, 14 abgebildet wer-
den ; beide wurden vor dem Hafen von Valdivia gefangen. Eine ei-
genthümliche neue Gattung, wie der Verf. glaubt, mit Erichthus ver-
wandt, wird unter dem IVanien £wacaw//iws beschrieben und auf Taf. 14
abgebildet; ihre geringe Grösse (6*/^ Lin.) verbunden mit der sehr
abweichenden Köiperbildung giebt der Vernuilhung Raum , dass man
es hier nur mit einer Larvenform zu thun hat. Der (von oben be-
trachtet) eiförmige Cephalothorax endigt vorn in einen sehr langen
Stachel, dreimal so lang als der Cephalothorax selbst; hinten läuft
er in zwei ebenfalls sehr lange und dünne, gerade Stacheln aus, die
ihn selbst an Länge etwas übertrefFcn. Der Hinterleib ist vom Ce-
phalothorax zum grössten Theile überdeckt, sechsringlig und endigt
in eine breite Schwanzflosse, die am Hinterrande mit dreizehn lan-
gen, gefiederten Borsten besetzt ist. Die Augen sind gross, kurz
gestielt, die ersten Fühler dreigliedrig, nur doppelt so lang als die
Augen, die zweiten Fühler zweiästig, die beiden Aeste gleich lang.
Kur zwei Paar Brustfüsse vorhanden, welche zweiästig und am End-
gliede des längeren Astes mit fünf langen, steifen Borsten besetzt
sind; drei Paar stummelartige Abdominallusse, aus zwei Gliedern be-
stehend. ■ — Art : Euacanthus longispinus von der Chilenischen Küste.
Guerin (llistoria fisica de la isla de Cuba YIL p. XXIL pl. III)
beschrieb und bildete ab: Smerdis d'Oibignyi und Älimerichthus cy-
lindricus als neue Arten von Cuba.
/tmpliipoda.
Eine systematische Eintheilung der in England einhei-'
mischen Amphipoden hat C. Spence Bäte unter dem Titel:
„A Synopsis of Ihe British Edriophthalinous Crustacea, Parti.
Amphipoda" in den Annais and magaz. oi" nat. hist. XIX.
p. 135 — 152 veröffentlicht. Die Arbeit ist eine weitere Aus-
führung der schon im Jahresberichte 1856. p. 203 erwähn-
ten analytischen Tabelle der Familien, Unterfamilien und Gat-
tungen der Englischen Amphipoden und ist vom Verf. in
Gemeinschaft mit Westwood ausgearbeitet. Sowohl die
Familien , Gruppen und Gattungen als die Arten sind durch
Diagnosen festgestellt, bei letzteren, die zum grössten Theil
neu sind , die speciellen Fundorte angegeben. — Für die
einzelnen Körperlheile bringt der Verf. zum Theil neue Ter-
mini in Anwendung, indem er die sieben Thoraxsegmente,
welche auf den Kopf folgen, als „Pereion" und zwar die bei-
den ersten als „Anterior Pereion,« die fünf hinteren als
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 463
^Posterior Pereion'* bezeichnet; ebenso wird für das Abdo-
men (Postabdomen) die Bezeichnung „Pleon" und zwar «An-
terior Pleon" für die drei ersten Segmente, „Posterior Pleon*
für die folgenden gebraucht. Die dem „Anterior Pereion"
ansitzenden Beine heissen „Gnathopoda," die dem „Posterior
Pereion" angehörigen „Pereiopoda ," die des Poslabdomen
„Pleopoda;- letztere zerfaliemwieder in „Anterior und Poste-
rior Pleopoda." — Die vom Verf. gegebene Eintheilung ist
folgende :
I. Gruppe. Amphipoda normalia.
Divisio 1. Gainniarina.
Subdivisio I. Yagantia. Bauen keine Wohnhiillen.
Tribus 1. Saltatoria.
1. Farn. Orchestidae. Obere Antennen kürzer als die unteren;
Hüften stark ausgebildet; die hinteren Abdoniinalfüsse kurz und kräf-
tig, die letzten unpaarig, — Gattungen : 1) Orchestia, darunter Tali-
trus , Talorchestia und Orchestia als Untergattungen vereinigt. Vier
Englische Arten. — 2) Alloichestes Dana , zwei neue Arten. — 3)
Galanthis n. g. Untere Antennen kaum länger als die oberen, Man-
dibeln ohne Palp , hintere Abdominalfüsse wie bei Orchestia. Eine
neue Art.
Tribus 2. Natatoria.
2. Farn. Gammaridae. Körper zusammengedrückt , Beine lang
und schlank, hintere Abdominalfüsse stark entwickelt, die letzten
in der Regel die längsten, a) Subfam. Stegocephalides. Fühler fast
gleich , Hüften der vier Vordeibeine sehr stark entwickelt. — Gat-
tungen: 1) Monlagiia n. g. Obere Fühler ohne Anhang, JVlandibeln
ohne Palp , beide Gnathopoden mit fast scheerenförmigen Fingein,
hintere Abdominalfu.se einästig. Vier Arten , z. B. M. monoculoides
Montagu. — 2) Dmiaia n.g. Erstes Gnathopoden-Paar einfach, letz-
tes Paar der Abdominalfüsse mit einfachem Stachel. Eine Art. —
b) Subfam. Lysianassides. Obere Fühler kuiz , birnförmig , zweites
Gnathopoden-Paar lang, schwach, verkümmert scheerenförmig. 3)
Lysianassa M. Edw. 4 Arten. — 4) Scopelocheirus n. g. Obere Füh-
ler mit Anhang, erstes Gnathopoden-Paar in einen Pinsel endigend,
zweites scheerenförmig. Eine Art. — 5) Anonyx Kroyer, 5 Arten.
— c) Subfam. Tetroiaatides. Vier Augen, obere Fühler vor den un-
teren entspringend. 6) Telromatus n. g. Kopf schnauzenförmig vor-
gezogen , obere Fühler von der Spitze entspringend, untere weiter
hinten, Mandibeln mit Palp, Gnathopoden unvollkommen zum Grei-
fen. 2 Arten. — d) Subfam. Pontoporeides. Kopf vorn kappenartig
entwickelt, obere Fühler vor den unteren entspringend. 7) West-
464 Ger staecker : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
woodia n. g. Kopf in eine Spitze ausgezogen , obere Fühler ohne
Anhang. Eine Art. — 8) Kroyeria n. g. Kopf wie bei der vorigen
Gattung, Carpus der Gnathopoden bis zur Spitze des Fingers vorge-
zogen. Eine Art. — 9) Phoxus Kroyer. 3 Arten. -- 10) Sulcator
Bäte. 2 Arten. — e) Subfam. Gaimnarides. Obere Fühler nicht vor
den unteren und niemals rudimentär, Gnathopoden in der Regel zum
Greifen, letztes Paar der Abdominalfüsse in zwei Stacheln endigend,
die mehr oder weniger gewimpert sind. 11) Darwinia n. g. Thorax
aufgeschwollen, obere bühler ohne Anliang, alle Füsse in einen ein-
fachen Haken endigend. Eine Art. — 12) Iphimcdia Rathke mit einer
Art. — 13) AcanthonotusOwen mit einer Ait. — 14) Dexamine Leach,
4 Arten. — 15) Calliope Leach, 1 Art. — 16) Lsaca M. Edw. 1 Art.
— 17) Lembos n. g. Obere Fühler mit kleinem Anhang, erstes Gna-
Ihopoden-Faar grösser als das zweite, erstes Paar der hinteren Abdo-
minalfüsse kurz, das letzte sehr lang. 4 Arten. — 18) Lonchonierus n. g.
von der vorigen Gattung durch die in einen langen Dorn ausgezo-
genen Schenkel des ersten Gnathopoden -Paares unterschieden. 1 Art-
— 19) Eunjlheus n. g. Erstes Gnathopoden - Paar kleiner als das
zweite, obere Fühler mit Anhang. 1 Art. — 20) Gammarella n. g.
Fühler wie bei Ganjmarus , die oberen mit Anhang, letztes Abdomi-
nal-Fusspaar mit einfachem Ast. 1 Art. — 21) Amathia Rathke 1 Art,
22) Gammarus auct. 17 Arten. — 23) Urothoc Dana. 1 Art. — 24) Ni-
phargus Schioedte. 1 A. — 25) Thersites n. g. Das zweite Glied der
oberen Fühler tritt vor der Unterseite des ersten hervor, zweites Gna-
thopoden-Paar in einen Pinsel endigend. 2 Arten. — f) Subfam. Leu-
cothoules mit der einzigen Gattung : 26) Leucothoe Leach, 2 Arten.
Subdivisioll. Domicola. Leben in selbstgebauten Wohnungen.
3. Fam. Corophiidae. Die Ilinterleibssegmente nicht mit ein-
ander verschmolzen. a) Subfam. Podocerides (ISidifica) bauen sich
ihre eigenen IVester ; Pedunculus der oberen Fühler viel kürzer als
der der unteren, letztere sehr kräftig, zum Stützen anwendbar; letz-
tes Paar der Abdominalfüsse in starke kurze Ilaken endigend. —
Gattungen: 1) Pleonexes n. g. Obere Fühler ohne Anhängsel, Pe-
dunculus der unteren Fühler fast bis zur Spitze der oberen reichend,
Gnathopoden fast scheerenförmig , hintere Thoraxfüsse zum Greifen.
Eine Art: P. (jammaroides. — 2) Amphithoe Leach, 2 Arten. — 3)
Sunamphilhoe n. g. Gnathopoden des zweiten Paares grösser als die
des ersten, hintere Abdominalfüsse mit einem schuppenförmigen Ast,
der andere in zwei Haken endigend. 2 Arten. — 4) Podocerus Leach.
4 Arten. — 5) Cyrtophium Dana 1 A. — b) Subfam. Cerapides woh-
nen in Röhren , die sie aus verschiedenen Stoffen zusanjmenbauen.
6) Erichthonius M. Edw. 1 Art. — - Siphonoecetus Kroyer 2 Arten. —
c) Subfam. Corophides mit der einzigen Gattung 8) Corophium Latr.
1 Art.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 465
4. Farn. Cheluridae. Die drei letzten Hinterleihssegmente in
Eins ziisammencfeschmolzen. Gattung: 1) Cheliira Phil. 1 Art.
Divisio 2. Ilyperina.
5. Fam. Hyperidae mit der einzigen Gattung IJyperia Latr.
2 Arten.
6. Fam. Fhronomidae. Gattung Phronoma Latr. 1 Art.
7. Fam. Typhidae. Gattung Typhis Risso. 1 Art.
II. Gruppe. Amphipoda abenantia.
8. Fam. Dyopedidae. Letztes Thorax- und Abdominalsegment
fehlt, die Hüften der beiden letzten Thoraxfusspaare mit dem Körper
verscHmolzen. Gattung : Dyopedos n. g. 6tes und 7tes Fusspaar am
sechsten Throraxsegmente befestigt, letztes Abdominalfiisspaar fehlt.
2 Arien.
9. Fam. Caprellidae. Abdomen rudimentär, Hüften mit dem
Körper verwachsen. Gattungen: 1) Proto Leach 2 Arten. — 2) Pro-
tella Dana 1 Art. — 3) Caprella Lam. 5 Arten. — 4) Cyamus Latr.
4 Arten.
Die Englische Amphipoden-Fauna ist hiernach eine sehr reich-
haltige, sie umfasst 104 Arten in 46 Gattungen ; ein Ergebniss, wel-
ches keineswegs auffallend ist, da bekanntlich die Amphipoden der
gemässigten und nördlichen Zone vorzüglich zukommen.
Als neue Arten verschiedener Familien wurden beschrieben:
Von Stimpson (Crustacea of the Pacific shores of Korth-
America p. 73ff. : Caprella californica, Corophium spinicorne, Salmo-
nis, Erichthonivs rapax , Orckeslia Traskiana , Allorchestes seminiida,
plumulosus, Gammarus confervicolus (!) und Phoxus grandis von San
Francisco.
Von de Saussure (Rev. et Magas. de Zoologie IX. p. 505):
Ämphithoe Aztecus von Vera-Cruz.
Von Spence Rate (Natur, history review IV., Proceed. of
societ. p. 229. pl. XVI): Iphimedia Eblanae n. A. aus Irland.
In einer Inaugural-Dissertation „De Gammaro puteano" (Rero-
lini 1857. fol. 14 pag. c. tab. 2) erörterte A. de la Valette St.
George einige spezielle anatomische Verhältnisse der genannten Art.
Eigenthümliche, kurz gestielte, cylindrisch^ Organe hat derselbe an
den Geissein der vorderen Fühler, besonders zahlreich an ihrem Ende
beobachtet (ob Geruchs- oder Taslorgane ?). Von inneren Organen
wird auf den Tractus intestinalis, das Gefässsystem und die Genitalien
kurz eingegangen ; am Schluss folgt eine Angabe der Längsverhält-
nisse aller Körpertheile. Als fragliches Synonym zu Gammarus pu-
teanus zieht der Verf. Gammarus stygius Schiödte.
Isopoda.
Idotaeidae. Die schon im Jahresbericht für 1852— 53. p. 95
Archiv f. Naturgesch. XXI V. Jahrg. 2. Dd. ££
466 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
erwähiiite, durch ihre enorme Grösse ausgezeichnete Idotaeiden-Form
aus dem Antarktischen Meere , Glyplonolus antarcMcxis Eights , ist
jetzt auch in Silliman's American Journal of science and arts , Vol.
XXII. p. 391—394 ausführlich beschrieben und auf pl. 2 u. 3 in I,e-
bensgrösse von der Ober- und Unterseite abgebildet worden. So-
wohl durch ihre Form als Grösse, welche. (S'A Zoll laug) diejenige
von mittelgrossen Decapoden erreicht, ist diese Gattung eine der
ausgezeichnetsten bisher bekannt gewordenen Crustaceen-Formen,
Idotaea consolidata und resecala Stimpson (Crustacea of the
Pacific shores of INorth -America p. 63 ff. pl. XXII. flg.?) sind zwei
neue Arten von San Francisco.
liniscodea« lieber die in Iiland einheimischen Gattungen
und Arten dieser Familie liegt eine Arbeit von J. Kinahan (Katu-
ral history reviewIV, Proceed. of societ. p. 258— 282. pl. XIX— XXII)
unter dem Titel : „Analysis of certain allied genera of terrestrial Iso-
poda , with descriptions of a new genus and a detailed list of Ihe
British species ofLigia, Philougria, Phüoscia, Porcellio, Oniscus und
Armadillidium" vor. Der Verf. unterwirft darin die Classifikation der
Familie durch Brandt, Mi Ine Edwards u. A. einer näheren Be-
sprechung, erörteit sodann diejenigen Charaktere, welche nach sei-
ner Ansicht zur Abgränzung der Gruppen und Gattungen von Belang
sind, wie die Entwickelung der Epimeren, die Form des Kopfes, die
Fühlerbildung, die Form und das Verhältniss des letzten Abdominal-
segments zu seinen Anhängen u. s. w. und geht sodann zur Charak-
teristik der in Irland vorkommenden Gattungen und Arten über. Diese
sind: Armadillidium 1 Art, Oniscus 2 A., Porcellio 7 A., davon Pore,
cingendns »U neue Ali aufgestellt, Ligia 1 A., Philoscia 1 A. und Phi-
lougria n. g. , nach der Abbildung dem einheimischen Ligidium Per-
soonii Bv. nahe stehend und mit diesem in eine und dieselbe Abthei-
lung (aber nicht zu Trichoniscus) gehörend. Die Charaktere sind :
Kopf rundlich, ohne Lappen, innere Fühler verborgen, dreigliedrig,
äussere Fühler mit rundem, nicht gelappten zweiten Gliede und fünf-
gliedriger Endgeissel, letztes Abdominalsegment quer, in der Mitte
des Hinterrandes ausgebuchtet, seine Anhänge (letztes Abdominal-
Fusspaar) mit gabiig getheiltem Basalglied , welches zwei dornartige
Endglieder trägt], deren äusseres scheinbar gegliedert ist. Art: Phil,
celer aus Irland und England. — Die beifolgenden Tafeln enthalten
stark vergrösserte Abbildungen einiger Arten und zahlreiche Detail-
Darstellungen der charakteristischen Körpertheile.
H. de Sau SS u r e (Rev. et Magas. de Zoologie IX. p. 306 ff.)
machte mehrere neue Arten und eine neue Gattung aus Cuba und
Mexiko durch Diagnosen bekannt : ArmadilloCubensis, Porcellio Poeyi,
Cubensis, Sumichrasti und Cotillai Bäis Guha, Porcellio Aztecus , me-
xicanus und Montemmae aus Mexiko. — PseMdarmadilla n. g, Kopf-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 467
bilduiig zwischen Arniadillo und Arniadillidium die Mitte haltend, der
Vorderrand des Kopfes mit drei iler\ orragungen , von denen aber
die seitlichen den Fühlern nicht als Stütze dienen ; das zweite Glied
des letzten falschen Abdominal- Fusspaares füllt die Lücke zwischen
den beiden letzten Segmenten aus und trägt an seinem Hinterwinkel
ein rudimentäres drittes Glied. Der Körper ist missgestaltet ; alle
Thoraxsegmente haben ihren unteren Rand nach hinten verlängert,
das Abdonjen ist dachförmig gekerbt und die Augen scheinen zu
fehlen. Art : Ps. carinulalus aus Mexico oder Cuba (?).
Waga (Annales de la soc. entomol. V. p. 827 if.) beschrieb
Philoscia nctata als neue Art von den Karpathen und bildete die-
selbe auf pl. 14. INo. 4 ab; sie ist nicht ganz so gross wie Phil, mu-
scorum , schwarz , mit gelbgelleckten Seiten der vorderen Abdomi-
nalringe.
Lygia dilalata Stimpson (a. a. 0. p. 63 ff., pl. XXII. fig. 8) ist
eine neue Art von Fort Steilacoonu
Cymotlioadae« VonP. Bleeker ist in den Acta societatis
scientiarum Lido-Neerlandicae Vol. II eine Abhandlung -'sur les Iso-
podes Cymothoadiens de l'archipel Indien" erschienen, in welcher er
die von ihm auf verschiedenen Frischen des Sunda- Archipels gefun-
denen parasitischen Isopoden dieser Familie beschreibt und auf zwei
beifolgenden Tafeln abbildet. Die 16 Arten, welche der Verf. auf-
führt sind sämmtlich neu ; die einzige bisher beschriebene Art, Li-
voneca indica M. Edw. von Sumatra , ist ihm unbekannt geblieben.
Aega macvonema auf der Haut verschiedener Fische von Batavia,
Nerocila trivittata mit drei braunen Längsbinden , phalopleura mit
zwei seitlich biaunen Längsbinden, smidaica ohne dunkle Längs-
binden, erstere Art von Amboina , die beiden letzteren von Batavia.
Livoneca emarginata , Renardii (Zee-Luys, Pou de mer Renard) und
Boscii von Batavia; bei den ersten Arten ist der Kopf deutlich vom
ersten Thoraxring eingeschachtelt, bei L. emarginata die Stirn concav
und weit über die Basis der inneren Fühler hervortretend, bei L. Re-
nardii convex und nicht über die Basis der Fühler heraustietend ; bei
L. Boscii ist der Kopf nicht merklich vom ersten Thoraxringe einge-
schlossen. — Anilocra leptosovia , rhodota^nia und dimidiata von
Batavia ; die Arten gehören zur Gruppe Canolira Leach , die erste
ist viermal so lang als breit, die äusseren Fühler erreichen das erste
Thoraxsegment, die zweite ist fast dreimal so lang als breit, die äus-
seren Fühler erreichen das zweite Thoraxsegment, die dritte ist weni-
ger denn dreimal so lang als breit, die äusseren Fühler erreichen das
zweite Thoraxsegment. — Cymolkoa irregxdaris von Amboina, Edvard-
sii , Stromalci , marginata und rhinoceros von Batavia; bei den vier
efstien Arten sind die inneren Fühler durch die Slirii getrennt, bei der
letzten berühren sie sich mit ihrer Basis. — Loholhorax n. g. , mit
468 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Cymothoa nahe verwandt, der Kopf ist jedoch ebenso lang als breit,
die Thoraxringe in der Mitte des Hinterlandes eingeschnitten, die
Verlängerungen des ersten Ringes an der Basis verengt, der fünfte
Ring fast ganz vom Nierten bedeckt, der fünfte bis siebente zusain-
mengenoninien kaum so lang als der vierte, der letzte Abdominalring
quer, viel breiter als lang. Art: Lob. typus von Batavia.
de Saussure (Rev. et Magas. de Zoologie IX. p. 306 u. 505)
beschrieb Cymothoa parnsita von Cuba und Anilocra mexicana aus
Mexiko als neue Arten.
Stimpson (Crustacea of the Pacific shores of North - America
p. 63 ff.) : Livoneca vulgaris von San Francisco , pl. XXII. fig. 9 ab-
gebildet.
fipliaeromidae. Neue Arten sind : Sphaeroma amplicauda
Stimpson (Crustacea of the Pacific shores of Norlh-America p. 63 ff.,
pl. XXIII. fig. 1) aus der Toniales -Bay und Sphaeroma fossarnm v.
Martens (dies. Archiv f. Naturgesch. XXIII. p. 186. Taf. 10) aus den
Pontinischen Sümpfen.
Oopyrini* Von Stimpson (a. a. 0. p. 71 ff.) wurde aus-
ser einer neuen Art: Argeia panperata, welche parasitisch auf Cran-
gon Franciscorum an der Californischen Küste vorkommt , eine Gat-
tung Phylloclurns charakterisirt , deren Weibchen ziemlich kraftige,
ankerförmige Thoraxbeine mit Klauen, aber ohne Kiemenanhänge be-
sitzt. Der Hinterleib ist mit Kiemenanhängen versehen, von denen die
oberen seitlich, mit zwei gleichen , verlängerten Lamellen, die unte-
ren warzenförmig sind; erster Hinterleibsring mit klauenförmigen
Rückenborsten versehen. Art: Phyll. abdominalis, auf Gebia- Arten
in Californien parasitirend.
Braiicliiopoda.
J. Lubbock, An account of the two methods of re-
produGtion in Daphnia and of Ihe structure of the ephippiuni.
(Philosoph. Transact. of the Royal soc. of London, Vol. 147.
Pt. 1. p. 79—100. pl. 6, 7). — Der Verf. hat auf die seit
Strauss und Jurine bekannte zwiefache Fortpflanzungs-
weise der Daphnien durch freie und durch die im Ephippiuin
eingekapselten Eier von Neuem sein Augenmerk gerichtet
und dieselbe vorzüglich in Rücksicht auf eine etwa auch hier
stalthabende Parthenogenesis geprüft. Er nennt in der vor-
liegenden, viele interessante Beobachtungen enthaltenden Ab-
handlung die sich frei in der Bruthöhle entwickelnden Eier
„agamic eggs ," freilich allein auf die schon den ältesten
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 469
Alltoren bekannte und von ihm selbst wiederholt beobachtete
Thatsache sich stützend, dass dieselben ohne unmittelbar
vorhergegangene erneute Befruchtung zu wiederholten Ma-
len zur Reife gelangen und abgelegt werden können, ohne
jedoch mit Sicherheit in Abrede stellen zu können, dass eine
Befruchtung überhaupt stattgefunden habe; denn da die Ent-
Wickelung von Eiern nicht an solchen Individuen festgestellt
worden ist, welche von ihrem Ausschlüpfen an isolirt ge-
halten worden sind, kann wohl die einfache Annahme, dass
beim Mangel eines Receptaculum seminis (welches bei nähe-
rer Untersuchung doch vielleicht nachzuweisen wäre) , eine
etwa früher stattgefundene Befruchtung keine nachhaltige Wir-
kung kaben könne, nicht als beweisend für eine ungeschlecht-
liche Fortpflanzung erachtet werden. Ebenso wenig hat der
Verf. mit Sicherheil nachgewiesen, dass Ephippialeier nur
nach vorangegangenem Coitus sich entwickeln können, wenn
er sie auch besonders zahlreich bei Anwesenheit vieler Männ-
chen vorfand und sie zu wiederholten Malen nach beobach-
tetem Coitus auftreten sah; vielmehr möchte man sich durch
seine Beobachtung, dass Weibchen nach Ablegung vonEphip-
pialeiern , ohne inzwischen erfolgte Begattung abwechselnd
freie Eier und dann abermals Ephippien erzeugten, zur An-
nahme veranlasst fühlen , es exsistire zwischen den Eiern
beider Arten selbst kein Unterschied, am wenigsten aber ein
solcher, der dem zwischen den Keimen und Eiern der Aphi-
den bestehenden cnispräche. Ist hiernach das Dunkel, wel-
ches über der Fortpflanzungsweise der Daphnien bisher
ruhte , noch keineswegs vollständig durch die Untersuchun-
gen des Verf. gehoben, so werden wir durch dieselben doch
über manche interessante Punkte, sowohl was die Enlwik-
kelung der Eier in den Ovarien als die eigentliche Natur
des Ephippium betrifft, sehr eingehend belehrt. Für die in-
nere Kapsel des Ephippium, deren Yerhältniss zu der äusse-
ren, die eine Verdickung der beiden Schalen ist, noch un-
bekannt war, hat der Verf. nämlich nachgewiesen, dass sie
eine Fortsetzung der sich ablösenden alten Haut, mit der sie
sich zu gleicher Zeit vom Körper trennt, darstellt; dem frei
werdenden Ephippium haftet daher noch die abgeworfene
Körperhaut an. Für die übrigen speziellen Beobachtungen
470 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
des Verf. müssen wir auf die interessante Abhandlung sdbst
verweisen.
Pliyllopoda» Eine äusserst interessante Entdeckung ist die
des seit hundert Jahren vergeblich gesuchten Männchen des Apus
cancriforniis SchälF., welche von Kozubowski („Ueber den männ-
lichen Apus canciiforniis ," dies. Archiv für Naturgesch. XXIII, 1.
■p. 312—318. Taf. 13) bekannt gemacht wurde. Der Verf. fand bei
Krakau im Juli unter 160 Exemplaren des Apus 16 ohne Eiertaschen
am Uten Fusspaare , welches im Gegenlheil mit den zunächstliegen-
den vpn ganz übereinstimniender Bildung war. Das Männchen ist
durchschnittlich um ein Dritllheil kleiner als das Weibchen , sein
Rumpf schmaler, sein Cephalothorax njehr flachgedrückt; es ist von
grösserer J^ebjeps kraft, indem es in der Gefangenschaft weniger schnell
stirbt und schwimmt im Wasser ununterbrochen und schnell auf der
Oberfläche i:mher, indem es den Weibchen nachjagt. Die Untersu-
chung der inneren Geschlechtsorgane hat diese Thiere (Exemplare
von Krakau liegen dem Ref. jetzt ebenfalls vor) unzweifelhaft als
Männchen bestjitigt. Die Hqden verzweigen sich ähnlich wie die
Eierstöcke , haben dieselbe Lage zu beiden Seiten des Darn)s und
weiden von zahlreichen warzenförmigen Muskeln durchstrickt. Der
Ausführungsgang der Samenkanälchen niündet mit einer sehr feinen
Oeftnung an der hinteren Fläche des elften Fusspaaies, aus welcher,
wenn man ein Haar hineinschiebt, sogleich die weissliche Samenflüs-
sigkeit hervortritt. Die Spermatozoen haben die Form von rundli-
chen Zellen mit körnigem Inhalt. — Auf Taf. 13 hat der Verf. eine
vergrösserte Darstellung des Hodens und Eierstocks gegeben.
liOphyropoda.
Coiiepoda. C. Claus, „Das Genus Cyclops und seine ein-
heimischen Arten," mit einer Fortsetzung : „Weitere Mittheilungen über
die einheimischen Cyclopiden" (dies, Archiv f. ISaturgesch. XXIIl, 1.
p. 1_40 und 205—210. Taf. 1 — 3 und Taf. 11). Der Verf. unter-
wirft zunächst dei) Kqrp^j^u der Cyclopiden einer genauen Beschrei-
l)ung und berichtigt dabei manche AOn früheren Autoren gemachten
Angaben. Er weist z. B,. nach, dass sowohl beim Männchen als beim
Weibchen das Abdomen aus sechs Ringen bestehe; bei letzterem, dem
Fischer und Liljeborg nur fünf Segmente zuschreiben, ist das
erste verkürzt und mit dem folgenden am Ilinterrande verwachsen ;
dass es als selbstständiges Segment ursprünglich vorhanden ist, zei-
gen die früheren Entwickelungsperioden. Die vorderen grossen An-
tenne^, bestehen 9US 17,14, 12 oder 10 Gliedern, j^ nach den Arten;
elfgliedrige Antennen, wie sie von Fischer bei einer Av\ angege-
ben werden , erkennt der Verf. bei vollständig entwickelten Formeij
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 471
nicht an , sondern sieht die damit begabten Thiere als jüngere For-
men solcher an, die bei vollständiger Ausbildung 17gliedrige Fühler
besitzen. Die Mundtheile bestehen aus zwei Kieferpaaren und zWei
Paaren Maxillarfüsse, nicht wieMilne Edwards angiebt aus dreien
von jeder Art. Von inneren Organen werden die Kittdrüsen beider
(leschlechter näher erläutert; die männlichen sondern einen Klebe-
stoff zur Bildung der Spermatophoren ab, welche jedoch nicht durch
die Vulva in die Eierstöcke hineingeschoben werden (Zenker),
sondern an der unteren Seite des zweiten Abdominalsegments des
Weibchens befestigt werden. — In dem folgenden speciellen Theile
hat der Verf. einen Versuch gemacht, den Cyclops quadricornis der
Autoren in eine Anzahl verschiedener Arten aufzulösen, die er nach
constant wiederkehrenden Charakteren in der Form der einzelnen Kör-
pertheile (Antennen. Füsse, Hinterleib , Schwanzanhänge, Endborsten)
feststellt. Mit 17gliedrigen Fühlern: Cyclops coronatus , tenuicornis^
hrericortiis (vergebener Name in der Gattung !), Leuckartii, pennafus,
giyas, furcifer, bicuspidatus ; mit 14gliedrigen Fühlern: Cyclops insi-
gnis. (Die beiden Fischer'schen Arten: C. serrulatus und canthocar-
poides werden ebenfalls beschrieben.) Die frühere Literatur ist bei
der Sichtung dieser Arten nicht herangezogen worden, eine Sache,
die freilich bei der ungenauen Beschreibung z. B, der Koch'schen
Arten ihre Schwierigkeiten hatte. Die charakteristischen Merkmale
der vom Verf. aufgestellten Species sind auf den vier beifolgenden
Tafeln stark vergrössert dargestellt.
Ein Auszug dieser Arbeit („Die einheimischen Copepoden, eine
kurze Notiz zur J.okalfauna Giessen's") findet sich im 6. Bericht der
Oberhessischen Gesellschaft für Natur- u. Heilkunde, 1857. p. 117 ff.
abgedruckt.
J. Lubbock, Description of eight new species of Entomostraca
found at Weymouth. (Annais and magaz. of nat. bist. XX. p. 401—410.
pl. X u. XI.) Die Copepoden -Formen , welche der Verf. durch Be-
schreibungen und Abbildungen zur Kcnntniss bringt, sind für die
geographische Verbreitung der niederen Crustaceen von Interesse,
indem drei derselben zu Gattungen gehören , die bisher noch nicht
aus den Nord-Europäischen 3Ieeren bekannt geworden sind; zwei sind
sogar Repräsentanten von Unterfamilien, die noch nicht als der Eng-
lischen Fauna angehörig nachgewiesen wurden. Die Arten sind fol-
gende: Calanus Euchaeta, cmglicns . Diaptomus Baleanns, longicau-
datns, Pontella Wollastoni, Pontellina brevicornis, Corycaeus anglicus,
Monstvilla anglica. — Auf den beifolgenden Tafeln sind einzelne
charakteristische Körpertheile der beschriebenen Arten , AAie Fühler,
Füsse, Abdominalsegmente u. s. w. im Umrisse dargestellt.
Siplionostoitiata.
Ijernaeadae« Van Beneden, sur un Leruanthrope nou-^
472 Gerstaecker: Bericht über die Avissenschafllichen Leistungen
veau du Serranus Goliath. (Bulletins de Tacadenne royale des scien-
ces de ßelgique XXIV, 1. p. 51 — 62. c. tab.) Die hier beschriebene
und abgebildete Art, welche an den Kiemen von Serranus Goliath in
Mossambique aufgefunden wurde, wird Lernanthropns Petersi ge-
nannt; sie ist in beiden Geschlechtern bekannt geworden, welche
sich wie gewöhnlich durch die Grösse des Körpers von einander un-
terscheiden, in der Form dagegen wesentlich übereinstimmen. Beim
Männchen fehlt jedoch die grosse kreisrunde Rückenplalte des letz-
ten Cephalothoraxringes so wie zv\ ei seitliche Blätter an der Bauch-
seite des vorletzten Ringes, welche zwischen sich die Eiertrauben
einschliessen ; letztere hängen nicht frei herunter, sondern sind schlei-
fenarlig zusammengerollt. Von eigenthümlicher Form sind die schma-
len, bandförmigen Anhänge der hinteren Cephalolhoraxringe, welche,
was der Verf. übersehen zu haben scheint, offenbar die verwandelten
Schwimmfüsse sind.
Cnli^ina. Derselbe, Sur un nouveau Dinemoure prove-
nant du Scimnus glacialis" (ebendaXXIV, 1. p. 226— 234. c. tab.) lie-
ferte eine ausführliche Beschreibung und eine Abbildung einer neuen
Art: Dinemvra elongala, von der Haut des Scimnus glacialis, nur im
weiblichen Geschlechte bekannt. Das Thier ist von besonders lang-
gestreckter Form und dadurch ausgezeichnet, dass der letzte grosse
Cephalothoraxring nicht die kleinen Abdominalringe mit ihren blatt-
artigen Anhängen von oben her bedeckt.
Eine nochmalige ausführliche Beschreibung und Abbildung von
Cccrops Latreillei Leach und Laemargus muricatus Kroyer nach bei-
den Geschlechtern veröffentlichte van der Hoeven in einer Ab-
handlung: „Over Cecrops en Laemargus, twee geslachten van parasi-
tische schaaldieren" (Wemoires d'entomologie publies par la soc. en-
tom. des Pays-Bas L p. 67 — 87. pl. 3 u. 4). Die an den Geschlechts-
öffnungcn des Weibchens der letzteren Art haftenden gestielten Bla-
sen weist er als Spermatophoren nach, die bei der Begattung vom
Männchen daselbst angeheftet werden. Beide Arten fand der Verf.
parasitisch an den Kiemen von Orthagoriscus mola. Die beiden Ta-
feln enthalten vergrösserte Abbildungen der Thiere selbst nach bei-
den Geschlechtern so wie der verschiedenen Fusspaare und Mund-
werkzeuge.
Arg'ulina* Durch Heller („Beiträge zur Kenntniss der Si-
phonostomen," Sitzungsberichte der mathem. -naturwiss. Classe der
Akad. der Wissensch. zu Wien XXV. p. 89— 108. Taf. I— 111) wurde
diese bis jetzt nur auf eine Gattung und wenige Arten beschränkte
Familie durch einige interessante neue Formen bereichert: Gyropeltis
nov. gen., von Argulus durch das Voihandensein zweier grossen Haken-
füsse an der Stelle der vorderen grossen Saugnäpfe, den Mangel des
vor dem Munde liegenden , von einer besonderen Scheide einge-
im (iebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 473
schlossenen Stachels und das mit einem Ruderanhange in gleicher
Weise wie die beiden ersten versehene dritte Schwimmfusspaar un-
terschieden. Der schildförmige Cephalothorax läuft nach hinten in
zwei runde seitliche Lappen aus, in deren Mitte das Abdomen liegt;
auf der Oberseite zwei von einander entfernte Augen ; IMund in einen
kurzen Rüssel ausgezogen, die Mandibcln am Yorderrande gesägt; Fühler
viergliedrig, zweites iMaxillarfusspaar dicht neben dem Munde gele-
gen, mit kräftigem Endhaken: Schwanz zweilappig. Zwei Arten:
Gyropellis lonyicanda auf den Kienien von Hydrocyon brevidens in
Brasilien und Kollari ebenfalls aus Brasilien , Wohnthier unbekannt.
— Zwei neue Arten von Argulus sind : Argvlns Nattereri und elon-
(jalus ebenfalls aus Brasilien, erstere Art mit Gyropeltis longicauda
zusammen auf Hydrocyon (Kiemen und Körperobertläche). Alle diese
Arten unterwirft der Verf. einer sehr gründlichen und ausführlichen
Beschreibung sowohl nach ihren zoologischen als anatomischen Cha-
rakteren und zwar ist es besonders die erste Gattung Gyropeltis, über
welche in Betreff ihrer Hautbedeckung, ihres Muskel- und IS'erven-
systems , ihrer Circulations -, Respiralions- , Verdauungs- und Ge-
schlechtsorgane eingehende Beobachtungen mitgetheilt werden. Ab-
bildungen der einzelnen Arten so wie ihrer charakteristischen Kör-
pertheile sind auf 3 Tafeln gegeben.
4. /trachnidcii.
Blanchard legte der Akademie der Wissenschaften
zu Paris cComptes rendiis, 6. Avril 1857, Rev. et Magas. de
Zoologie IX. p. 185) „Observations relatives ä la generation
des Arachnides^' vor. Der Verf. hat Untersuchungen üoer
die Fähigkeit der weiblichen Spinnen, ohne vorangegangene
Befruchtung entwickelungsfähige Eier hervorzubringen, wo-
für mehrere vorliegende Beobachtungen zu sprechen schie-
nen , angestellt, ist jedoch dabei zu dem Resultate gekom-
men , dass eine solche Fähigkeit nicht- angenommen werden
könne, dass jedoch eine einmalige Befruchtung hinreiche,
um zu wiederholten Malen fruchtbare Eier abzulegen.
In Ramon de la Sagra's Historia fisica , politica y
natural de la isla de Cuba, 2. Parte : Historia natural, Tom. YIL
Crustaceos, Aragnides e Insectos (Paris 1857. fol.) sind die
Arachniden von Lucas (p. XXIV if. tab. 4, 5) bearbeitet
worden. Näheres ist bei der obigen Berücksichtigung des
Werkes (siehe Insekten!} mitgetheilt worden.
474 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Eine zweite in faunislischer Beziehung wichtige Arbeit
ist der in der Natuurk, Tijdschr. voor Nederland. Indie Xlll.
p. 399 — 434 nebst zwei Tafeln, erschienene „Bijdragc tot de
kennis der Arachniden van den Indischen Archipel," door
C. L. D oleschall. Der Verf. beschreibt darin eine be-
trächtliche Anzahl neuer Arachniden meist von Amboina,
die mit wenigen Ausnahmen der Ordnung Araneidea ange-
hören. Ausser den neuen Arten sind auch diejenigen, wel-
che sich nach den früheren Autoren bestimmen Hessen, auf-
geführt und mit Bemerkungen über ihr Vorkommen verse-
hen worden. Von den beifolgenden Tafeln enthält die erste
Abbildungen zweier merkwürdigen neuen Formen, die zweite
erläutert die Augenstellung von einer Reihe der beschriebe-
nen Arten. »^'
Endlich hat auch Kolenati (Bullet, de la soc. imp^
des naturalistes de Moscou 1857.11. p. 430 fP.) einige Arach-
niden verschiedener Ordnungen, den Araneiden, Pseudoscor-
pionen und Acarinen angehörend, aus den Caucasus-Ländern
und anderen Gegenden beschrieben.
itraneldea.
Ueber die Spinnen der Umgebung Presburg's machte
G. ßoeckh (Verhandlungen des Vereins für Naturkunde zu
Presburg II. Jahrg., 2. Heft, p. 72 — 86) nähere Milthcilungen
und stellte ein Verzeichniss der daselbst bisher aufgefunde-
nen Araneiden in systematischer Reihenfolge zusammen. In
demselben sind die Familien und Gattungen kurz charakte-
risirt, die Arten mit Notizen über Vorkommen und Lebens-
weise und mit der Synonymie aus den älteren und neueren
Hauptwerken versehen. ,,n
Die aufgezählten Arten, im Ganzen 88 an Zahl, vertheilen sich
auf die einzelnen Gattungen folgendermassen : Dybdera 1, Clusiona 2,
Segestria 2, Ainaurobius 2, Drassus 4, Melanophora 2, Lycosaö, Dolo-
niedes2, Ücyalel, Sphasus 1, Eresus 1, AUus 5, Calliethera 2, Tho-
misus 10, Artamus 1, Phüodromus 2, Sparassus 2, Epeira 12, Singa 3,
Zylla 4, Mithras 2, Tetragnatha 1, Linypliia 3, Theridiuni 11, Tege-
naria 4, Agelena 1, Argyronela 1 und Pholcns 1. — Neue Arten
sind nicht beschrieben , doch wird eine Publilu üon solcher in Aus-
picht gestellt, r ;!»(.// Cj ;l!? j;;Mi.ij i.:\JUi}cin
im Gebiete der Entomologie uährend des Jahres 1857. 475
G. A. Six, Lijst van Spinnen in da Provincie Utrecht
gßvonden en getetermineerd (Boiiwstoffen voor eene Fauna
van Noderland IL p. 292—302). Der Verf. zählt die in der
Provinz Utrecht von ihm aufg-efundenen Araneiden in syste-
matischer Reihenfolge mit Cilaten von Walckenaer, Koch
und Hahn und mit Angaben über ihr Vorkommen auf. Ihre
Gesammtzahl beträgt 113 und zwar kommen auf die Epeiri-
den 15, Theridiiden 41, Ageleniden 5, Drassiden 6, Lycosi-
den 17, Thomisiden 11, Altiden 15 und Dysderiden 3 Ar-
ten. Ein Theridium , welches der Verf. für neu hält, wird
diagnosticirt.
Supplement to a Catalogue of British Spiders, including
remarks on their slructure, funcllons, economy and systema-
tic arrangement, by J. BI a c kw a 1 1 (Annais and magaz, of
nat. bist. XX. p. 497— 503). Der Verf. vervollständigt hier
abermals sein Verzeichniss der Britischen Araneiden (siehe
Jahresbericht 1854. p. 197) durch Aufzählung der neuerlich
entdeckten Arten, giebt zugleich Berichtigungen und Vervoll-
ständigungen zur Synonymie früher beschriebener und führt
für seltnere Arten neue Fundorte an.
Recensio crilica Aranearum Suecicarum , quas descri-
pserunt Clerckius, Linnaeus, deGeerus. Scripsit T. Th orell.
Upsaliae 1856. — Ist dem Ref. nur dem Tilel nach bekannt
geworden.
Kirsch theilte (Entomol. Zeitung p. 318) eine Beob-
achtung über den Spinnenfaden mit, nach welcher eine grosse
grüne Spinne (die Art ist nicht näher bezeichnet), welche
mit einem Holzstäbchen vom Boden aufgenommen wurde,
einen 2% Ellen langen Faden in schräger Richtung nach
aufwärts gegen einen anderen festen Gegenstand ausspritzte
und an dem Faden emporlief, nachdem sie sich durch Anzie-
hen desselben überzeugt halte, dass er erstarrt sei und dort
festhafte.
Lucas legte der Akademie der Wissenschaften zu Paris
(Comptes rendus, 28. Decbre 1857, Rev. et Magas. de Zoo-
logie IX. p. 587 ff.) eine Abhandlung „Sur la relractilite ou la
non-retractilite des ongles dans les tarses des Araneides du
genre IVlygale" vor, in welche<:,^r j;iaQh>\'eisl, dass bei einigen
476 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Mygale-Arten (M. Blondii und nigra), die er lebend beobachtet
hat, die Klauen der Füsse nach Art der Katzen zurückzieh-
bar, dagegen die Haken der Mandibeln wenig beweglich und
nicht hervorstreckbar seien. Bei anderen Arten (den Alge-
rischen M. barbara, gracilipes und africana) dagegen sind
die Fussklauen nicht zurückziehbar, dafür aber die Haken
der Mandibeln aufschlagbar und zum Fiirchengraben in der
Erde dienlich. L. schlägt vor, die zahlreichen und einander
sehr ähnlichen Mygale-Arten nach diesem Charakter in zwei
Hauptabiheilungen zu bringen.
Derselbe beschrieb folgende neue Arten aus Cuba : Filistala
cuhaecola, Sphasns Poeyi , Drassns insularis , Salticns Sagraeus (Hi-
sloria fisica de la isla de Cuba YII. p. XXVI ff. tab. IV), und diagno-
sticirte (Bullet, de la soc. eutomol. p. CLX) als zwei neue Nord-Afri-
kanische Arten: Olios (jeniadatvs aus der Algerischen Sahara und
annulipes aus der Gegend von Tanger.
Von Kolenati (Bulletin de la soc. inip. des naturalistes de
Moscou 1857. II. p- 440 ff.) wurde Lycosa Singoriensis Laxnj. (taran-
tula et Latreillei Hahn) aus den Kirgisensteppen und Lycosa olhidorsa
als neue Art aus Sibirien beschrieben.
Doleschall (Bijdrage tot de Kennis der Aiachniden van den
Indischen Archipel, Natuurk. Tijdschr. voor IVederl. Indie XIII. p. 406 ff.)
beschrieb folgende neue Arten von Aniboina: Tegenan'a arge?itata,
Theridion miniaceum , Fholcns sisyphoides , Tetragnatha serra, ruhri-
nentris , Ariadne n. g. wahrscheinlich in die JNähe von Tetragnatha
gehörig, folgendermassen charakterisirt: „Oculi octo, in antica cepha-
lothoracis parte elevatione conica in scries duas dispositi , prima ex
oculis duobus , reliquis paullo niaioribus, secunda antrorsum deflexa,
ex ocellis sex constans. Mandibulac parvae , conicae, perpendiculfi-
res. Abdomen filiforme, iongissinuim , cephalothoracem longitudine
multoties superans, sensinj in processuni flagelliformem exiens, orga-
nis telariis in ventris antica parte sitis. Palpi tenues, thoracis lon-
gitudine. Pedes tenues, antici reliquis paullulum longiores et for-
tiores, pare tertio brevissimo." — Art: Ariadne flagellnvi von Ani-
boina auf Taf. I abgebildet. — Epeira (NephilaJ Walchenaeri, peni-
cillum, imperialis, (Argyopes) cremtlata , slriala , (rifasciala, Epeira
radja, molnccensis, nnicolor, ma?iipa,malabarica. ovichalcea, coccinea,
thomisoides, Plectana brevispina, Bleeheri, Sturii, centrum, nrgoides,
Olios mygalitius, malayanus, javensis und liitinla von Java, Thomisus
amboinensis , Sparassns psillacimis , Sphasus striatus , Altns alfvrtts,
cornvtns und obisioides,
J.Black wall, Descriplions of the male of Ljcosa larenlu-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 477
loides Madeiiana Walck. and of threc nevviy discovered species of the
geniis i^j cosa. (Aiinals and niagaz. of nat. hist. XX. p. 282 — 287.) Das
Männchen der JAcosa tnrentulüides Madeiiana, welches der Verf. einer
ausführlichen Beschreihung unierzieht, stammt von Porto Santo; die
als neu beschriebenen Aiten sind : Lycosa ingens von den Desertas
(bei Madeira), herhigrada aus England und pallipes aus Algier.
Six (BouwstolTen voor eene Fauna van INederland II. p. 294)
beschrieb T/ieridünti Henricae n. A. aus den IViederlanden.
Derselbe „Opmerkingen omtrent de kleurverandering van
Epeira Heerii Hahn en eenige andere spinnen" (Memoires d'entomol.
publ. p. 1. soc. enlom. des Pays-Bas I. p. 168 ff.) beobachtete, dass
Singa nitidula Koch mit weissen Stieifen in Singa trifasciata Koch
mit gelben und endlich auch in Singa nigrifrons Koch mit orange-
rothen Streifen durch Verfärbung übergeht , so dass die Vereinigung
dieser drei Arten zu S. Heerii Walck. gerechtfertigt erscheint. Auch
bei einigen anderen Arten hat der Verf. eine ähnliche Schwankung
in der Farbe beobachtet.
van Hassel t (ebenda I. p. 164) „Over huid- en kleurverwis-
seling van Dolomedes fimbriatus Hahn, in verband mit zijne soort-
bepaling en die van andere spinnen uit dit geslacht" beobachtete
ähnliche Haut- und Farben -Veränderungen an einigen Dolomedes-
Arten. Üolomedes limbatus Hahn verwandelte sich in Dol. fimbriatus
während desSommeis, letztere Form dagegen in erstere wieder wäh-
rend des Winters. Walckenaer und Koch gaben zwar schon die
Identität beider Arten an, betrachten sie aber als Varietäten. Auch
Dolomedes plantarius und riparius Hahn hält der Verf. mit Walcke-
naer für dieselbe Art, ebenso D. sacer und oblongus.
Pedipalpi.
IPlirynides. Lucas (Historia fisica de la isla de Cuba VII.
p. XXV. pl. 5. iig. 4) gab Beschreibung und Abbildung einer neuen
Art: Telyphonus Anlilliatms von Cuba.
Dole s ch all (Natuurk. Tijdschr. voor Nederl. IndieXIII. p. 404)
machte Telyphonus selicaiida n. A. von Amboina bekannt.
iSolifiigfae.
Oaleodea. Leon Dufour (Annales de lasoc. entomol.V.
p. 64ir.) gab eine Beschreibung des Weibchens von Galeodes phalan-
gista Savigny aus Algier und bildete dasselbe auf pl. 4 ab.
Pscudoscorpiones.
Ptieudoscorpiones« Von Kolenati (Bulletin de Moscou
1857. II. p 430 ff.) beschrieb Chelifer hievimanus als neue Art aus
478 Ger sta e ck e r : Bericht über die wisäenschäftlicheh Leistungen
dem Caucasus, wo sie in Häusern und unter Baumrinde lebt; die Un-
terschiede von Chel. cancroides werden auseinandergesetzt. — Fer-
ner: Obisium piisio n. A. von Calcutta.
PJiaIafi&g:iia
Plialau^ila* Vhalanfjium Ämboinense n. A, von D ole-
schall (Natuurk. Tijdschr. voor INederl. Indie XIII. p. 403) aus Am-
boina beschrieben.
ücariiia-
Krätze und Räude, entomologisch und klinisch bear-
beitet von A. C. Gerlach. Mit 8 Tafeln Abbildungen. Ber-
lin 1857. (8., 178 pag.) — Der Verf. hat in dieser Arbeit
die Ergebnisse seiner mehrjährigen Studien über die den
Kratz- und Räude- Ausschlag des Menschen und der Haus-
thiere bedingenden Sarcoptiden niedergelegt und die Kennt-
niss dieser Thiere selbst so wie besonders ihre Naturge-
schichte in ausgezeichneter und umfassender Weise gefördert.
Hauptsächlich stellt ei- darin zuerst fest, dass die Hautkrank-
heit der Hauslhiere durch zwei sowohl im äusseren Körper-
bau als in der Lebensweise ganz verschiedene Milben her-
vorgerufen wird , indem nur die Galtung Sarcoptes sich in
die Haut eingräbt und in derselben die bekannten Gänge er-
zeugt, zwei andere dagegen, welche Dermatodectes und Sym-
biotes genannt werden , dies niemals thun, auch ihrem Kör-
perbaue nach nicht dazu geeignet sind.
Während bei Sarcoptes die Rückenlläche des Körpers mit Pa-
pillen besetzt ist, die zwei vorderen Beinpaare sehr kurz sind, die
hinteren fast in der Milte der Unterseite des Körpers entspringen,
fehlen bei Dermalodectes und Symbiotes (der Käme ist bei den Co-
leopteren vergeben!) die Papillen der Überseite, die Beine sind lang-
gestreckt und die beiden hinteren Paare dicht am Seitenrande des
Körpers eingelenkt. Bei Dennalodecles kann der spitze Rüssel per-
spektivartig eingezogen und vorgeschoben werden und der Stiel der
Haftscheibe an den Füssen ist deutlich gegliedert; bei Sy7nbiotes ist
der Kopf kürzer und nicht perspektivartig ausschiebbar, ohne Rüssel,
die Stiele der sehr grossen Haftscheibe kurz und nicht gegliedert. — Von
Sarcoptes sind dem Verf. 6 Arten bekannt geworden, welche er nach
den Wohnthieren Sarcoptes KoThinis, equi, suis, canis, call und cani-
cttli nennt und nach beiden Geschlechtern iW starker Vergrösserung
abbildet; nach den Abbildungen möchten jedoch die viör ersten e'mer
im Gebiete der Entomologie wahrend des Jahres 1857. 479
und derselben und die beiden letzten ebenfalls einer (zweiten) Art
angehören. (In Anerkennung des Mangels unterscheidender Merk-
male hält der Verf. sie auch selbst nur deshalb für verschiedene Ar-
ten, weil sie nui- auf demselben Wohnthiere fortkonmien, dagegen
auf andere übersiedelt unikou)men sollen.) Auch an den drei Der-
7natodectes -Allen , D. eqvi , bovis und ovis möchten sich wohl kaum
spezifische DilTerenzen nachweisen lassen , ebenso Avenig an Symbio-
tes eqvi und bovis. — Eine Milbe, die an einer Maus Häudeausschlag
am Ohr erzeugte, ist auf Taf. 8 ebenfalls abgebildet.
Die auf dem Körper der Fledermäuse lebenden Schma-
rotzer-Milben hat K 0 1 e n a t i (die Parasiten der Chiropteren,
Dresden 1857) einer speziellen Untersuchung unterworfen
und auf p. 15- 30 ausführlich beschrieben. Es sind ihm im
Ganzen 44 Arten, die sich auf 8 Gattungen vertheilen, be-
kannt geworden und zwar sind dieselben mit wenigen Aus-
nahmen als neu angesehen und aufgestellt worden. Von den
Gattungen gehören zwei den Microphthiren, vier den Ixodi-
nen und zwei den Gammasiden an.
Von Microphthiren ist die Gattung Caris Latr. durch vier Arten
A'ertreten, welche C. eUiptica (Caris Vespertilionis Latr.), longimana,
decussata und inermis genannt ^^erden. Die zweite Gattung Otonis-
sus Kolen., deren xUten die Ohrrander und einzeln auch die Flug-
haut der Fledermäuse bewohnen, hat einen ovalen, walzigen, weichen
Körper, zwei Augenpunkte am Vorderrande der Brust, perlschnurartig
gegliederte Beine, die Tarsen ohne llaftlappen, zurückschlagbare oder
nicht retraktile Krallen, ein scheerenrörmiges Endglied der Taster u.s. w.
Es werden davon 7 Arten unter den iNamen 0. aurantiacus , flamis,
pu7iiceus, piiuiipes , amplificatus , moneta und seininidum beschrieben.
— Die vier Gattungen der Ixodinen sind: 1) Dermauissus Dug. mit
acht Arten: D. ßavus , granulosus , rubiginosus, lobalus , brunneus,
glutinostis , scntatns und selosus. 2) Sarconisstis Kolen. auf Ixodes
flavipes Koch begründet, ausser dieser mit fünf Arten: S. brevipes,
hispiihdus , exaralus , Kochii (Vespertilionis Koch) und ßaviclus. S)
Haemalastor Koch mit einer bekannten Art. 4) Ixodes Latr. mit 1 Art
(holsatus Fab.). — Zu den Gammasiden gehören: 1) Ancystropus Ko-
len., eine sehr merkwürdige Form mit ovalem, plattgedrückten, le-
derartigen Körper und sehr kräftig entwickeltem vorderen Beinpaar,
welches in zwei sehr starke, divergirende Klauen endigt. Art : A.
Zeleborii von der Flughaut des Rhinopoma microphyllum. 2) Pte-
roptus Duf. mit 14 Arten von verschiedenen Fledermäusen: Pt. ar-
cuatus Koch, myoli, dasycnerni , barbaslelli, transversus , discolor,
emarginntus, carnifex Koch, piinctolyra, psi, interruptus, hipposideros,
lateralis und conspersus.
480 G e rs t a e c k e r : Bericht üb. die wissenschaftl. Leistungen etc.
Derselbe (ßuUet. d.i. soc. imp. des natural, de Moscou 1857-
Wo. II. p. 432 ir.) beschrieb Ixodes conmger (!) , pl. VI. fig. 52 abge-
bildet, aus den Steppen beim Aral-See, wo er am Grase sitzt und
häufig auf Schafe, Pferde und Kameele übergeht, Ixodes hlspanus Fabr.
und holsatus Fabr. , beide ebenfalls in den Kirgisensleppen vorkom-
mend, Haemalaslor crassipes n. sp. , in Aegypten auf Rhinolophus
clivosus vorkommend.
Desselben „Synopsis prodroma der Fltighaut-Milben (Pteioptida)
der Fledermäuse" (Wiener Entomol. Mouatsschr. I. p. 59) enthält eine
Zusammenstellung und Unlerscheidung der 25 dem Verf. bekanuten
Pteroptus-Arten , von denen 16 bereits in den „Parasiten der Chiro-
pteren" beschrieben siud, in einer analytischen Tabelle und eine ver-
suchte Trennung derselben in mehrere Gattungen, welche Perigli-
sclius , Tinoglischns , Leiostaspis, Meristaspis , Tristaspis, Diplostaspis
und Monostaspis genannt werden.
A. Scheuten, „Einiges über Milben" (in dies. Archiv f. IVa-
turgesch. XXIII, 1. p. 104—112. Taf. 6 u. 7). Verf. fand in schwar-
zen, pustelartig aufgetriebenen Flecken von Birnbaumblätlern unter
der Epidermis kleine längliche Milbenlarven mit zwei Fusspaaren
jederseits nahe an der Mundoflnung , und zugleich auf denselben
Blättern ausgebildete Milben mit vier Fusspaaren; da sich Uebergänge
zvvisciien beiden Formen auffinden liessen, hält er dieselben nur für
Entwickelungsstufen einer und derselben Art, welche er für neu hält
und Typhi odronius pyri (Abbildung Taf. G) nennt. Zu einer anderen
Milbenlarve von Birnbaumblüttern, die sich von der eisten durch ko-
nischen Körper (Taf. 6. Fig. 8) unterscheidet, ist die erwachsene Form
noch nicht aufgefunden worden. — Eine zweite sowohl in der Lar-
ven - als ausgebildeten Form bekannte Milbe , ebenfalls von Linden-
blättern, wird auf Taf. 7 abgebildet und mit dem Kamen Flexipalpus
tiliae belegt; der Verf. rechnet sie zusammen mit Typhlodromus den
Gammasiden Dug. zu. Zu den Trombidien bringt er eine dritte schön
grün gefärbte Milbe mit rothen Augen (Taf. 7. Fig. 13 , 14) die er
Sannio rubviocuUis nennt.
lieber massenhaftes Auftreten von Tetranychus telarius Lin. an
den Lindenbäumen in Bautzen berichtete v. K i es e n w e tt e r (ßerl.
Entoni. Zeitschr. I. p. 172).
A. Bernstein (Acta socielatis scientiarum Indo-Neerlandi-
cae II) in seinem „Bijdrage tot de nadere kennis van het geslacht
Collocalia Gr." bildete eine auf Collocaiia (Cjpselus) esculenta ge-
fundene 31ilbe unter dem Kamen Acarus Collocaliae ab , ohne die-
selbe jedoch zu beschreiben.
Bericht über die lieistuiBgei» in der AJatur*
g;esclilelite der Molluskesi wälireiid des
Jahres 1S57.
Vom
Herausg-ebero
Von Pfeiffer's „Novitates conchologicaC:, Abbildung
und Beschreibung neuer Conchylien" erschienen 1857 die Lie-
ferungen 8 und 9. Die darin abgebildeten Arten gehören
den Gattungen Clausilia, Buiimus, Achatina, Trochatella, He-
licina, Cyrena, Schasicheila, Pterocyclos, — ferner Cataulus,
Chondroponia, Ceres, Helix, Ctenopoma, Megalomastoma an,
wo sie unten näher bezeichnet sind.
Das Jahr 1857 brachte von der Küster'schen Aus-
gabe des Marti n i - Chemnitz'schen Conchylien-Cabinets
die Lieferungen 153—160. In ihnen sind die Gattungen Bu-
iimus (No. 366— 373 Schluss), Partula, mit 23 Arten, Acha-
tinella mit 15 Arten abgehandelt, Clausilia ist von No. 149 —
169, Achatina von 1 — 15 fortgeführt. Ferner sind Cassis
mit 35, Cassidaria mit 3, Oniscia mit 7, Dolium mit 18, Eburna
mit 9, Harpa mit 11 Arien abgeschlossen. Einige neue Ar-
ten s. unten.
Die „Conchologia iconica, or figures and descriptions of
the Shells of Molluscous animals, with cyitical remarks on their
synonymes , affinities and circumstances of habitation" by
Lovell Reeve hat ihren Fortgang gehabt. Im Jahre 1857
sind die Lieferungen 163 — 170 erschienen. Dieselben ent-
halten die Gattungen Soleiellina mit 21 Arten , Capsula mit
16 Arten, Psammobia mit 60 Arten, Sanguinolaria mit 5 Ar-
ten , Psammotella Desh. nov. gen. mit 7 neuen Arten , Avi-
cula mit 75 Arten, Littorina mit 91 Arten, Mylilus mit 29
Arten, noch nicht vollendet, Modiola mit 48 Arten, Litho-
Archiv f. Nalui-csch. XXI V. Jahr^. 2 Dd. Y¥
482 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
domus noch nicht vollendet. Aus genannten Gattungen sind
meist zahlreiche neue Arien unten namhaft zu machen.
Part XVII von Sowerby's Thesaurus Conchyliorum,
welcher 1857 erschien , enthält den Anfang* einer Monogra-
phie der Gattung Conus , nämlich 15 Tafeln mit Abbildun-
gen. Der Text wird in dem folgenden Theile enthalten sein.
Von Maria Euima Gray's Werke „Figures of Mol-
luscous animals , selected from various aulhors , etched for
the use of students" hat der fünfte Band, London 1857, die
Conchiferen und Brachiopoden gebracht. Er besteht aus 69
Tafeln mit 49 Seiten Text. In letzterem ist eine Erklärung
der Abbildungen mit Angabe der Werke, aus denen sie co-
pirt sind , enthalten , so wie eine systematische Anordnung
der Figuren. Letztere kann zugleich als Schlüssel zu dem
System des Dr. Gray betrachtet werden. Der Hauptvverth
des Werkes, welches hiermit wohl abgeschlossen sein dürfte,
liegt in der Vereinigung einer überaus grossen Anzahl von
Abbildungen der Thiere, welche zerstreut in vielen oft theu-
ren Werken nur Wenigen in der hier vorliegenden Voll-
ständigkeit in den Originalen zugänglich sein möchten. Das
ganze Werk nmfasst nunmehr 381 Tafeln , für deren Anfer-
tigung wir der Verfasserin zu Dank verpflichtet sind.
Ueber das Werk von Henry und Arthur Adams
„Shells and their Inhabitants; the genera of recent Mollusca,
arranged according to their Organization. London, Van
Voorst. 8." können wir leider immer noch nicht nach eige-
ner Einsicht berichten , da es uns selbst auf buchhändleri-
schem Wege nicht zugänglich geworden ist. Wir entnehmen
aus einer Anzeige in den Annais nat. hist. XIX. p. 74 , dass
die Zahl der Galtungen unter den Schnecken 680, der Unter-
gattungen 437, der aufgezählten Species 13000 beträgt. Bei
allem Lobe, welches dem Werke wegen der Ausstattung er-
theilt wird, wird jedoch gewarnt, das Buch nur mit Vorsicht
und nicht ohne Kritik zu benutzen.
Von dem bekannten Werke „The terrestrial air-brea-
thing Mollusks of the united stales and the adjacent terri-
tories of Norlh-America, described and illustrated by Arnos
Binney; edited by Auguslus Gould«* ist der dritte Band
der Mollusken während des Jahres 1857. 483
erschienen. Er enthält 74 Tafeln sehr zierlich ausgeführter
cölorirter Abbildungen zu dem bereits in den ersten beiden
Bänden enthaltenen Texte nebst der Erklärung. Einige spä-
ter in den Proceedings Boston Soc. nat. bist, aufgestellte
Arten , so wie einige Arten von Shuttleworlh und Redfield
sind beschrieben. Durch die Herausgabe dieser schönen
Abbildungen hat sich der Verf. ein grosses Verdienst um
die Kenntniss der Nordanierikanischen Landconchylien er-
worben.
Ein „Verzeichniss der Conchylitn- Sammlung des ver-
storbenen Herrn Consul Grüner, welche im Ganzen ver-
kauft werden soll. Bremen ISbl^ giebt Zeuo^niss von der
Reichhaltigkeit derselben.
Catalogus Conchyliorum , quae reliquit Suenson ; scri-
psit 0. A. L. Mörch. Hafniae 1857, verdient deshalb Er-
wähnung, weil hier einige, wie ich glaube, neue Namen für
grössere Gastropodenablheilungen vorkommen. Unter dem
Namen Miisioglossata sind die Pulmonaten mit den Si-
phonarien , Tectibranchiaten , Pyrainidellen , Eulimen, Seala-
rien und Janthinen vereinigt ; sie scheinen also wohl alle
Schnecken mit zahlreichen Platten in jeder Querreihe der
Radula umfassen zu sollen. Die zweite Abtheilung Arthro-
glossata begreift dann die Taenioglossataf Ancistroglossata
mit drei Platten in jedem GliedC;, jedoch mit Einschluss der
Volutaceen, und die Toxoglossata in sich. Ihnen folgen dann
die Rhipidoglossata und Cephalopoda.
J. E. Gray hat unter dem Titel: „Guide to the syste-
matic distribution of Mollusca in the british Museum Part I.
London 1857" von Neuem ein System der Mollusken gelie-
fert, welches gegen sein Früheres manche Veränderungen
und jedenfalls den Vorzug bietet, dass alle Gruppen bis auf
die sehr zahlreichen Gattungen herab charakterisirt sind.
Als Zierde des Buches figuriren besonders die Abbildungen
der Zahnplalten in Copien nach Loven, denen einige Ori-
ginalzeichnungen hinzugefügt sind ; eine Zierde, die das Ver-
ständniss sehr erleichtert. Offenbar hat Verf. den grössten
Theil der Gattungen nicht selbst untersucht, und es wird
deshalb noch mancher Prüfstein angelegt werden müssen.
484 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. IVatiirgeschichte
Nachdem Verf. fünf Klassen von Mollusken unterschieden hat,
indem die Gasteropoda und Conchifera als Pedifera zu einer, die
Brachiopoda , l^teropoda und Cephalopoda als Apoda zur anderen
Gruppe unnatürlich genug vereinigt werden , bringt der vorliegende
Band die Ausführung der Gasteropoden mit Ausnahme der l^ungen-
schnecken. Die Gasteropoden zerfallen in Pectinibranchiata , Scuti-
branchiata, Pleiirobranchiata, Gymnobranchiata und I'neumobranchiata,
wobei es auffällt, dass Verf. noch immer die Scutibianchiata für Zwit-
ter mit Selbstbefruchtung hält, eine längst beseitigte Vorstellung.
Die weitere Eintheilung ist folgende : ,
F ec tinihr anch i a t a.
1. Toxi fei- a. (Farn. Conusidae, Acusidae, Pleurotomidae).
2. P r obo scidifer a. I. Edriophthalma. a. Hamiglossa (Farn.
Cassidulidae, j\luricidae, Buccinidae, Pusionelladae , Turritidae, Can-
cellariadae, Olividae, Lamellariadae). b. Odotitofjlossa (Fam. Fascio-
lariadae, Turbinellidae). c. llachiglossa (Fam. Volutidae). d. Taenio-
glossa (Fam. Cassididae, Doliidae , Tritoniadae , Verenadae ; Sycoty-
pidae ; Velutinidae ; Naticidae , Neritopsidae). e. Ptetioglossa (Fam.
lanthinidae, Scalaridae). — II. Iniophthalma. a. Ptenoglossa (Fam.
Acteonidae). b. Taenioglossa (Fam. Cerithiopsidae). c. Gymnoglossa
(Fam. Pyramidellidae, Architectomidae, Tylodinidae).
3. Rostrifera. I. Plalypoda. a. Podophthalma (Fam. Am-
pullaridae). b. Edriophthalma (Fam. Amphiperasidae , Cypraeadae,
Pediculariadae, Aporrhaidae , Cyclophoridae , Oligyridae, Proserpini-
dae, Littorinidae , Lacunidae, Truncatellidae, Planaxidae, Rissoadae,
Caecidae, Melaniadae, Cerithiadae, Turritelladae, Barleeiadae, Vivipa-
ridae, Calyptraeadae , Capulidae, Vanicoroidae, Valvatidae). c. Opi-
sophthalma (Fam. Aciculidae , Rissoellidae). — II. Frotopoda (Fam.
Vermetidae). — III. Leptopoda (Fam. Strombidae , Phoridae). — IV.
Heteropoda (Fam. Pterotracheidae, Atlantidae).
Scatibranchiata.
1. Rhipido gl 0 s sa. I. Pseudobranchia (Fam. Proserpinadae).
— II. Scutibranchia (Fam. Keritinidae , Rotelladae, Turbinidae, Lio-
tiadae , Trochidae, Stomatellidae). — III. Schismatobranchia (Fam.
Scissurellidae , Haliolidae). — IV. Dicranobranchia (Fam. Fissu-
rellidae).
2. Heteroglossa. I. Cirrhobranchia (Fam. Dentaliadae). —
II. Cervicobranchia (Fam. Tecturidae, Gadiniadae , Lepetidae). — III.
Cyclobranchia (Fam. Patellidae). — IV. Polyplacophora (Fam. Chi-
tonidae).
der Mollusken während des Jahres 1857. 485
P l eur ohr anchi ala.
I. Tectihr anchia (Fam. Philinidae, Amphisphyridae, Bulli-
nudae , ßullidae, Amplustridae , Aplysiadae , Lophocercidae). — II.
(kein Name) (Fam. Pleurobranchidae, Tylodinidae, Umbrelladae, Run-
cinadae).
Gymnohranchiata.
I. Pygobranchia (Fam. Onchidoridae , Dorididae, Goniodo-
ridae, Polyceradae, Triopidae, Ceratosomidae). — II. Inferohr an-
chia (Fam. Phyllidiadae , Diphyllidiadae). — III. Folyhranchia
(Fam. Tritoniadae , Scyllaeidac, Tethyadae). — IV. C er ahr an chia
(Fam. Dendronotidae, Proctonotidae, Heroidae, Dotonidae, Glaucidae,
Eolididae, Fionidae, Hermaeidae). — V. PI ac o hr anchia {Fam. Ely-
siadae). — VI. P elli br anchia (Fam. Limapontiadae, Phyllirhoidae).
In Betreff einzelner Faunen sind folgende Sciiriften zu
erwähnen:
Mac Andrew erstattete in Report of the 26. Meeting
of the British Association for the advancement of science,
held at Cheltenham in August 1856. London 1857. p. 101
Bericht über seine Untersuchungen mit dem Schleppnetz über
die marinen Mollusken des nordöstlichen atlantischen Oceans
und der benachbarten Meere.
Seine Nachforschungen erstreckten sich während 12 Jahre von
den Canarischen Inseln bis zum Nord-Cap , also etwa 43 Grad Breite.
— Die Arten sind nun in einer Tabelle mit 7 Columnen verzeich-
net ; die erste Columne enthält den Namen, die zweite die geogra-
phische Verbreitung, die dritte die Tiefe, die vierte die Lokalität der
häufigsten Entwickelung , die fünfte die Beschaffenheit des Grundes,
die sechste die Häufigkeit , die siebente Anmerkungen. Dann folgen
p. 134 Bemerkungen über einzelne Arten; ferner p. 137 eine Tabelle
um die Verbreitung übersichtlicher zu machen, worin Nordscandina-
vien, Drontheim, Schottland, Kanal, Nordspanien, Portugal, 3Iittel-
meer, Mogador, Kanarische Inseln, 3Iadeira", und Azoren als Faunen
angesehen sind. — Im Ganzen sind 750 Arten, 275 Acephalen, 14
Pteropoden , 460 Gasteropoden aufgezählt. Davon wurden erhallen
188 Arten (88 Acephalen, 100 Gasteropoden) im Norddistrikt, 176
Arten (83 Acephalen, 93 Gasteropoden) an der Küste von Nord-Dront-
heim , 260 Arten (117 Acephalen , 1 Pteropode, 142 Gasteropoden)
an den Küsten Schottlands, 258 Arten (122 Acephalen, 136 Gastero-
poden) an der Südküste Von England , 217 Arten (94 Acephalen, 123
Gasteropoden) an der Nordküste von Spanien, 164 Arten (90 Acepha-
len , 74 Gasteropoden) an der Küste von Portugal , 425 Arten (184
486 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Katurgeschichte
Acephalen, 7 Pteropoden, 233 Gasteropoden, 1 Cephalopode) in Süd-
spanien und im Mittelmeer, 108 Arten (44 Acephalen, 64 Gasteropo-
den) zu Mogador, 267 Arten (78 Acephalen, 9 Pteropoden, 179 Gastero-
poden, 1 Cephalopode) an den Canarischen Inseln, 169 Arten (56
Acephalen, 6 Pteropoden, 107 Gasteropoden) bei Madeira. — Ueberall
sind die Zahlen der Arten, welche zugleich an den übrigen Locali-
täten gefunden sind, verzeichnet.
lieber die Mollusken , welche an der Küste von Nord-
Wales vorkommen und über die Perlen von Unio margari-
tifer im Conway River findet sich eine Notiz von Robert
Garner Report of the 26. meeting of the british association
held at Cheltenham. p. 92.
Macdonald hat eine Notiz über die Schnecken und
Muscheln von Conway Reef gegeben , danach scheint die
Fauna sehr dürftig. Annais nat. bist. XX. p. 239.
GreviUe und Miles erstatteten Bericht über den
Schleppnetzfang bei Holy Island, Lamlash Bay, den sie wäh-
rend einiger Wochen im Sommer 1856 erlangt hatten. Es
sind 96 Arten von Mollusken verzeichnet. Report of the
26. meeting of the british association held at Cheltenham.
London 1857. p. 47.
Patterson berichtete über die Mollusken von Strang-
ford Lough und eines Theils des Irischen Kanals. Es waren
100 Arten mit dem Schleppnetze erhalten , 57 Bivalven und
43 Univalven. British Association 1857; Edinburgh new phil.
Journ. N. S. VI. 1857. p. 331.
Fischer hat Journ. de Conchyl. 1857. p. 350 durch
ein Supplement sein Verzeichniss der Muscheln, welche an
den Küsten Frankreichs leben (ib. 1851. p. 274 u. 373) ver-
vollständigt.
M'Andrew und Barrett haben Untersuchungen über
die Tiefenverbreitung der Mollusken an den Küsten von Nord-
land und Finmark angestellt. Die Verf. theilen den Raum
zwischen der höchsten Flulh und 200 Faden in vier Zonen:
die erste oder Littoralzone liegt zwischen dem Hochwasser
und Tiefwasser ; die Laminarienzone vom Tiefwasser bis zu
20 Faden; die Korallinenzone zwischen 20 und 60 Faden;
und die Tiefseezone zwischen 60 Faden und der grössten
der Mollusken während des Jahres 3857. 487
erforschten Tiefe. Von jeder Zone sind die beobachteten
Arten verzeichnet. Annais nat. bist. XX. p. 267.
Z e 1 1 e r s t e d t machte der Schwedischen Academie eine
Mittheilunor über einige Schnecken , welche er im Sommer
1856 in der Umgebung von Bagneres de Luchon und Saint
Beat, im südlichen Theile des Departements Haule-Garonne
gefunden, und verzeichnete dieselben. Es sind: 1 Succinea,
12 Helix, 1 Clausilia, 1 Balea, 1 Pupa, 1 Planorbis, 1 Physa,
4 Lymnaeus, 1 Cyclostoma, 1 Pomatias. Öfversigt af Kongl.
Vetenskaps akad. Förhandüngar 1857. p. 273. Diese Mit-
theilung ist von Creplin in der Zeitschr. für die ges. Natur-
wiss. von Giebel und Heintz IX. p. 482 übersetzt.
Adolf Schmidt veröffenllichle ein Verzeichniss der
Binnenmollusken Norddeulschlands mit kritischen Bemerkun-
gen. Zeitschr. für die Gesammten Naturwissenschaften von
Giebel und Heintz VIII. p. 120.
Zunächst spricht sich Verf. gegen die neuerlich Moie gewor-
dene IXeigung, den ältesten Namen unbedingt wieder herzustellen,
aus; und ich stimme seiner Ansicht vollkommen bei. Als südlichste
Gren/.e des hier berücksichtigten Gebietes ist ungefähr der 50. Brei-
tengrad angenommen. Das Verzeichniss enthält 2 Daudebardia , G
Arion, 7 Limax, 5 Vitrina, 12 Zenites, 38 Helix, 1 Azeca, 14 Pupa
(mit Einschluss von 4 Vertigo), 1 Balea, 22 Clausilia, 4 Succinea,
1 Carychium, 10 Limnaeus, 1 Amphipeplea, 2 Physa , 16 Planorbis,
2 Ancylus, 1 Acicula, 1 Gyclostomus, 2 Paludina , 2 ßythinia, 4 Ily-
drobia, 6 Valvata, 1 INeritina, 4 Pisidium, 6 Cyclas , 8 Unio, 5 Ano-
donta, 1 Tichogonia ; also zusammen 1C4 Arten in 30 Gattuugen, 167
Schnecken und 27 Muscheln.
Reibisch zählte in der Allg. deutschen naturh. Zei-
tung I. 1855. p. 4ü9 die „Mollusken , welche bis jetzt im
Königreich Sachsen aufgefunden wurden, nebst Angabe ihres
Vorkommens und ihrer Fundorte" auf.
Es besteht aus 4 Arion, 2 Limax, 2 Daudebardia, 3 Vitrina,
3 Succinea, 31 Helix (unter denen H. fruticum Müll. 1774 als M. car-
duelis Schulze figurirt, weil dieser die Schnecke zuerst im 7. 13andc
des Neuen Hamburgischen Magazins von 1770 beschrieben hatte),
3 Bulimus, 2 Achatina (lubrica und acicula), 7 Pupa (einschliesslich
Vertigo), 1 Balea, 11 Clausilia, 1 Carychium, 8 Limnaeus (mit Ein-
schluss von Amphipeplea), 11 Planorbis, 2 Physa, 2 Ancylus, 2 Palu-
dina, 1 Bythinia , 3 Valvata, 1 IS'eritina , 6 Cyclos (mit Einschluss
von Pisidium), 6 Unio, 6 Anodonta, 1 Congeria; also 100 Schnecken,
48S Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
19 Muscheln, zusammen 119 Arten. — Dass es U. patavus heisst ,
ist wohl als Druckfehler auf Rechnung der sächsischen Aussprache
des Setzers zu bringen.
Bielz gab in den Verhandlungen des Siebenbürgischen
Vereines für Naturw. 1856. No. 12 „Maiacologische Notizen
aus Siebenbürgen.'« Den Schluss bildet ein Verzeichniss der
siebenbürgischen Land- und Süsswasser- Mollusken. — Von
letzterem erschien im März 1857 eine zweite, berichtigte und
vermehrte Ausgabe. Danach kommen in Siebenbürgen vor:
4 Arion, 2 Limax , 1 Daudebardia , 3 Vitrina , 3 Succinea,
42 Helix , 6 Bulimus, 2 Achatina, 15 Pupa einschliesslich
Vertigo , 3 Balea , 34 Clausilia , 1 Carychium , 8 Limnaea,
2 Physa, 10 Planorbis, 2 Ancylus, 1 Cyclostoma, 1 Acme,
1 Valvata, 4 Paludina, 1 Neritina, 4 Anodonta, 4 Unio, 3 Cy-
clas, 4 Pisidium.
Auf die Reisebemerkungen über einige Binnenschnecken
Italiens von E. v. Martens in den Malakoz. Blättern p. 120
— 155 muss ich den Leser selbst verweisen, da sie eines
Auszuges nicht wohl fähig sind. Verf. beobachtete in den
Gegenden nördlich der Wasserscheide der Alpen mit Ein-
schluss des Thals des Inn und der Saone 40 Land- und 3
SüsswassermoUusken ; — in Oberitalien bis zur Wasserscheide
der Apenninen und im mittleren Rhonethal 40 Land- und 17
SüsswassermoUusken; - in Unteritalien, einschliesslich Ge-
nua und der Küste Südfrankreichs 59 Land- und 14 Süss-
v^^assermollusken. Darunter leben auf Kalbboden 81 Land- und
12 Süsswasser -Mollusken; auf vulkanischem Boden 29Land-
und 9 Süsswasser -Mollusken; auf Urgebirge und Sandslein 42
Land- und 3 Süsswasser- Mollusken; auf Alluvium (Tief-
ebenen) 22 Land- und 19 SüsswassermoUusken.
lllustrazione sistematica, critica, iconografica de Tcsta-
cei extramarini della Sicilia ulleriore i delle isole circostanti,
di Luigi Benoif. jNapoli 1857. 4. Nach der Anzeige im
Journ. de Conchyl. 1857. p. 289 ein Prachtwerk mit Ab-
bildungen, von dem bereits 2 Lieferungen erschienen sind, die
die Gattungen Testacella, Daudebardia , Vitrina-, Succinea,
Helix enthalten.
Descrizione di alcuni nuovi testacei vivnnti nel medi-
terraneo di Nie. Tiberi. Napoli 16pag. ist eine andere
der Mollusken während des Jahres 1857. 489
Schrift, die mir aus einer Anzeige im Journ. de Conchyl. 1857
p. 291 bekannt g-eworden ist. Es sind darin 8 neue Arten be-
schrieben, die unten genannt sind.
In der Vierteljahrsschrift der naturforschenden Gesell-
schaft in Zürich 1856 p. 395 findet sich ein Verzeichniss der
von Schäfli eingekommenen zweiten malakologischen Sen-
dung von Mousson. Es sind vier Arten von Sinope, 17
Arten von Trapezunt, 3 Arten von Batum in Gurien, 8 Ar-
ten von Chysirkaleh, 28 von Reduktaleh, 1 Art von Jeniba-
zar zwischen Varna und Schumla , 5 Arten von Schumla.
Darunter sind sieben neue Arten, die jedoch nur sehr ober-
flächlich charakterisirt sind ; s. unten.
Mousson hat bei Gelegenheit einer Zusendung von
Schnecken von den Azoren die von diesen Inseln bekann-
ten Arten zusammengestellt. Das Verzeichniss enthält: 4 Zo-
nites, 1 Patula, 12 Helix, 8 Bulimus , 1 Zua, 1 Pupa, 1 Ba-
lea, 1 Craspedopoma. Darunter ist ein Bulimus und eine
Balea neu. Verf. erkennt hieraus einige interessante Be-
ziehungen, die in der Notiz selbst nachgesehen werden mö-
gen. Vierteljahrsschrift der Naturf. Gesellsch. in Zürich III.
p. 163.
Morel et hat im Journ. de Conchyl. 2. Ser. I. p. 349.
II. p. 39 und p. 369 Beiträge zur Conchyliologie von Algerien
geliefert.
In einem neunten Fascikel der Specimina mosambicana
stellte Bianconi einige neue Muscheln auf. Memorie della
accademia delle scienze deir istituto di Bologna VII. 1856.
p. 403 — 411. Es werden in dieser Schrift Arien aus den
Gattungen Avicula, Area, Venus, Cytherea, Mytilus, Tridacna,
Cardium, Mactra und Dolium besprochen. Die neuen Arten
sind unten genannt.
Traill hat auf einer Reise von England nach Madras
während der Monate April bis Juni 1856 pelagischen Mollus-
ken seine Aufmerksamkeit geschenkt und darüber in The
Madras Journal of literature and science, edited by the com-
mitlee of the Madras literary society and auxiliary royal
asiatic society. Vol I. new series. Madras 1857. p. 147. be-
richtet.
490 Tr ose hei: Bericht üh. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Auf einer Karte sind die verschiedenen Punkte verzeichnet, an
denen Verf. die Thiere gefangen und beobachtet hat. Alle beobach-
teten Thiere sind auf drei Tafeln abgebildet, sie gehören zu den Gat-
tungen Argonanta, Janthina und den Ileteropoden und Pteropoden.
Uie über sie gegebenen Notizen würden noch mehr Interesse haben,
wenn die Species bestimmt wären. Verf. hat sich jedoch wegen
Mangels an literarischen Ilülfsmitteln ausser Stande gesehen, dies
zu thun.
Eichwald hat einen Beitrag zur Naturg-eschichte des
Kaspischen Meeres geliefert. Nouveaux Mem. de la sog. imp.
des Naturalistes de Moscou X. p. 285—323.
Nach geognostischen und physikalischen Betrachtungen über
die frühere Gestaltung der russischen Gewässer, worin zugleich die
Ursachen für die Eigenthümlichkeiten der Faunen augenomnien wer-
den, wird die Fauna des Kaspischen mit der des Schwarzen Aleeres
verglichen. — Zuletzt folgen einige speciell zoologische Beschrei-
bungen von Schalthieren des Meeres. Im Ganzen 12 Arten, von de-
nen mehrere ausgestorben. Einige neue Arten s. unten.
Theobald hat im Journal of the asiatic society ofBen-
gal 1857. p. 245 einen ersten Theil eines Verzeichnisses der
indischen Land- und Süsswasser-MoHusken geliefert.
Das Verzeichniss besteht aus 31 Cyclostomiden, 60 Heliceen,
3 Auriculaceeu , die sich folgendermassen in Gattungen vertheilen :
2 Pterocyclos , 13 Cyclophorus mit zwei neuen Arten, 2 Leptopoma,
5 Alycaeus , 2 Megalouiastoma , 1 Raphaulus, 2 Pupina, 1 Otopoma,
3 Hydrocaena, 43 Helix, 1 Ilypsolostoma Benson, 1 Streptaxis, 1 Vi-
trina , 1 Cryplosonia nov. gen. s. unten, 2 Succiuea , 7 Bulinuis, 1
Achatina , 1 Pupa, 2 Clausilia, 2 Auricula, 1 Pythia.
Zoilinger hat über die Höhenverbreitung und das
Vorkommen der Land- und Süsswasser-Mollusken auf Java
und den Sundainseln Bemerkungen gemacht. Vierteljahrs-
schrift der nalurforschenden Gesellschaft in Zürich II. 1857.
p. 300.
Er unterscheidet folgende Regionen : 1. Die eigentliche Strand-
region, in der die Mollusken bald in der Luft, bald im AVasser leben
und zwar a. marine Mollusken, welche zur Fluthzeit im Salzwasser
sind, mehrere Arten Auricula, Scarabus und Nematura ; b. die eigent-
lichen Amphibien, welche bald im Salzwasser, bald im süssen Was-
ser, zur Zeit der niedrigsten Ebbe in der Luft leben, Navicella ma-
culifera, manche Neritinen und Cerithien. — 2. Die Ebene, nicht
bloss die niedrig gelegenen Flächen des Landes , .sondern auch höhere
bis 1200 Fuss über dem Meere , ist am reichsten an Arten ; die Gat-
der Mollusken während des Jahres 1857. 491
tungen Nanina, Helix, Bulimus, Clausilia, Limnaeus , Planorbis, Cy-
clostoma, Atnpullaria, Paludina, Pirena, Melanopsis, Melania, Keritina,
Kavicella, Cyrena, Unio, Margaritana und Anodonta sind vertreten. —
3. Die Hügelregion 500' bis 2000'; die getrennten Vorberge der
eigentlichen Vulkane und die wellenförmigen Hügel der Kalkbildung.
Die Zahl der Arten nimmt schon ausserordentlich ab, es sind 17 Arten
genannt. —4. Eigentliches Gebirge von 2000' bis 11000'. Die Zahl der
Arten wird nach der Höhe immer geringer, 9 Arten sind genannt. —
Ganz ungewisse 5 Arten. — Die Trockenheit hat in Indien dieselben
Folgen wie die Kälte in Europa ; die Schnecken graben sich bis IVj
Fuss tief in Erde und Schlamm ein.
Gassi es ist durch die Sammlung eines Herrn Eugene
Magen in den Stand gesetzt worden, einen Beitrag zur
Moiluskenfauna von Neu- Caledonien zu liefern. Er zählt
3 Helix, 7 Bulimus, 3 Physa, 1 Melanopsis, 6 Neritina, 1 Cy-
rena, zusammen 21 Arten auf. Die neuen sind unten nam-
haft gemacht. Journ. de Conchyl. 1857. p. 270.
Durch eine kleine Schrift von Morel et, Testacea nova
Australiae, Metz 1857. 8 pag. ist gleichfalls ein Beitrag zur
Molluskenfauna von Neu-Caledonien gegeben, darin werden
18 neue Arten beschrieben. Bei Gelegenheit einer Anzeige
im Journ. de Conchyl. 1857. p. 300 ist eine Art B. Souvillei
abgebildet.
Philip Carpenter hat die Mollusken der Westküste
Nordamerika's zum Gegenstande seiner Untersuchungen ge-
macht, und einen Bericht über den gegenwärtigen Stand un-
serer Kenntnisse derselben in Report of the 26. meeting of
Ihe british association for the advancement of science , held
at Cheltenham im August 1856. London 1857. p. 159—368
veröfTentlicht.
Verf. hält die Wesiküste Amerika's besonders geeignet für das
Studium der geographischen Verbreitung der 3Iollusken , da sie ab-
geschlossen durch den grossen Ocean von der Indo-pacifischen Fauna
und durch Amerika selbst von dem Karaiben-Mecre die am mindesten
eingeschnittene Küstenlinie der Weit bildet, die von dem Eise des
Nordens bis zu einem südlichen Vorgebirge sich erstreckt, welches
die Südspitze der alten Welt noch um 20" überragt. Er weiset auf
die Irrthümer hin , denen die Vateilandsangaben unterworfen sind,
und mahnt zur grössten Vorsicht. Die Küste wird folgendernrassen
in Faunendistrikte getheill: I. Kürdliche Fauna: a) der circumpolare,
b) der asiatische und c) amerikanische Distrikt. II. Gemässigte Fauna:
492 Tioschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
a) Oregon, b) Oher-Californien, c) Unter-Californien. III. Tropische
Fauna: a) Der Golf von Californien, b) Mexiko oder Centralamerika,
c) Panama, d) Ecuador, e) Gallapagos. — Nun werden die zahlrei-
chen Quellen durchgenommen, d. h. die Verzeichnisse der Arten sind
abgedruckt, welche von den verschiedenen Schriftstellern bis in die
neueste Zeit bekannt gemacht worden sind. Dann folgt das Gene-
ralverzeichniss in Form einer Tabelle, in der die einzelnen Arten in
die Distrikts-Cohnnnen eingetragen sind. Vom Eis-Cap (Icy-Cape)
sind 13 A. bekannt, von Sitcha 102 A., von Oregon 144 A., von Ober-
Californien 202 A., von Unter-Californien 137 A., aus dem Golf von
Californien 808 A., von Panama 667 Arten. Die Summe der tropischen
Fauna Nordamerikas ist 1416 Arten. Für das Weitere müssen wir auf die
fleissige und interessante Arbeit selbst verweisen. — Hierzu gehören
vier Tafeln mit Abbildungen , welche dazu bestimmt sind aulfallende
Variationen der Form darzustellen, welche bei Individuen derselben
Art vorkommen, und die wohl als verschiedene Species beschrieben
sind. Dargestellt sind Area grandis, Cyrena mexicana, Avicula sterna,
Gadinia pentagoniostoma, Glyphis inaequalis (mit Einschluss von Fis-
surella pica Sow. und mus llceve) , Fissurella rugosa Sow. (chloro-
trema Mke, humilis Mkc, viminea 3Ike), Crepidula nivea Adams (Ca-
lyptr. squama Brod., Lessonii Brod. , Crep. striolata Mke), Crepidula
unguiformis Lam. juv., Crepidula aculcata Gmel (Cal. echinus Brod.,
hystrix Brod., Crep. californica Nutt., costata Mkc), Lophyrus articu-
latus Sow., Fissurella virescens Sow. monstr. , Crucibulum imbrica-
tum Sow., Crepidula dorsala Brod. , Crucibulum spinosum Sow. (Ca-
lypeopsis tenuis, hispida, maculata Brod.), Caecum undatum (C. dimi-
nutum, pygmaeum, monstrosum, eburneum, firmatum Adams), Neritina
crassiculuni Sow.
Carpenter's Catalogue of the Reigen collection of
Mazatlan Mollusca in the British Museum. London 1857.
552 pag. ist mir nicht zugänglich geworden.
Die von Captain Sir Edward Belcher im Norden von
Beechey's Insel gesammelten Conchylien hatLovell Reeve
beschrieben. The last of the arctic voyages , being a nar-
rative of the expedition in H. M. S. Assistance Vol. II. 1855.
p. 392—399. Von den 45 Arten sind 12 neu, und kaum die
Hälfte ist bisher als von Grönland stammend bekannt. Die
neuen Arten s. unten.
In dem naturhistorischen Beitrag zu „Grönland , geo-
graphisk og stalislisk beskrevet af H. Rink. Kjöbenhavn 1857
ist p. 75 — 94 eine Aufzählung der grönländischen Mollusken
von Mörch enthalten, welches aus 201 Arten in 87 Gat-
der Mollusken wahrend des Jahres 1857. 493
tiingen besteht. Einige neue Arten sind nicht oder doch nur
ganz kurz charakterisirf, und nur zwei, eine Helicella und
eine Aeoiis , die mit Namen versehen sind, können unten
namhaft gemacht werden.
Lewis hat ein Verzeichniss der Mollusken aus kleinen
Seen in der ISähe vonMohawk, Olsego, New-York gegeben,
wo dieselben so zahlreich vorkommen , dass sie Schichten
bis 20 Fuss Tiefe bilden. Es sind 29 Arten, worunter eine
neue Valvata. Proc. Philadelphia VIII. p. 259.
In Reports of explorations and surveys to ascertain the
most practicable route for a railroad Vol. V. 1856. p. 330 ist
ein Verzeichniss der Conchylien enthalten, theils Süsswas-
serschalen vom Colorado, theils marine Formen von der Kü-
ste zwischen San Francisco und San Diego. Es ist bear-
beitet von Gould, und enthält 44 Arten. Die neuen Ar-
ten sind abgebildet. Die neuen Süsswasserschnecken sind
bereits in Proc. Boston Soc. 1855 aufgestellt worden, und in
dem entsprechenden Berichte namhaft gemacht; die marinen
sind gleichfalls bereits 1855 aufgestellt, im Appendix to Pre-
lim. Geol. Report of W. P. Blake und damals von uns über-
sehen, daher führen wir sie jetzt unten auf; sie gehören
den Gattungen Potamis, Phasianella, Bulla, Cardium und Ta-
pes an.
Deshayes hat eine vorläufige Notiz über die von
Schramm in Guadeloupe zusammengebrachte Sammlung von
Mollusken gegeben, die bei der Ausstellung von 1855 in Paris
aufgelegt war. Eir.ige neue Arten und eine neue mit Tritonia
verglichene Gattung Tridachia werden wohl später noch
gründlicher bekannt gemacht werden. Journ. de Conchyl.
1857. p. 137.
Von der Zoologie der „Expedition dans les parties cen-
trales de l'Amerique du Sud, de Rio de Janeiro ä Lima, et
de Lima au Para, executee par ordre du Gouvernement fran-
Qais pendant les annees 1843—1847 sous la direction du
Comle Francis de Castelnau" ist in den Lieferungen 21 — 24
der Abschnitt über Mollusken auf 12 Bogen Text und mit
20 Tafeln vollständig erschienen. Er ist von Hupe be-
arbeitet.
494 Troscheit Besicht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Die auf dieser Expedition theils in Brasilien, theils in Bolivien
und Peru, gesammelten Mollusken sind vorzugsweise Land - und Süss-
wassermollusken, die ersteren besonders lleliceen. Von Cephalopo-
den sind nur 2 Arten L. brasiliensis und brevis Blainv. beobachtet.
Von Landschnecken sind 2 Vaginulus, 4 Vitrina , 2 Succinea aufge-
führt; unter den 47 Arten der Gattung Helix sind 11 Arten der Gruppe
IL pellis serpentis charakteristisch , unter denen einige neue bereits
in der Rev. et Mag. de zool. 1853 beschrieben sind; ferner gehören
11 Streptaxis, 4 Tomigerus, 5 Anostoma, 250 Bulimus, 2 Pupa, 2 Tor-
natellina, 1 Liiunaeus, 1 Physa, 6 l'lanorbis, 1 Ancykis, 5 Cyclostoma
(2 Cyclotus, 2 Cyclophorus, 1 Cistula) und 12 Helicina dieser Fauna
an. Ampullaria ist reich an x\rten, 6 Melania, 6 Aplysia , 2 Doris,
1 Glaucus. Unter den Muscheln sind die Gattungen Castalia, Hyria
und Mycetopns*lur die Fauna charakteristisch,
Philippi lieferte in der Zeitschrift für die gesammten
Naturwissenschaften von Giebel und Heintz p. 89 Bemerkun-
gen über die in Chile einheimischen Arten Helix, so wie p. 94
über die Conchylien der Magellanstrasse.
Pfeiffer hat in den Malakoz. Blättern 1857. p. 29
kritische Bemerkungen über die in Gould's Expedition Shells
beschriebenen und abgebildeten Landschnecken gegeben.
Sie bezichen sich auf mehrere Arten Vitiina, Succinea, Helix
und andere lleliceen, so wie über einige Helicinen. Von folgenden
Arten hat Verf. nach sicheren Exemplaren neue Diagnosen entwor-
fen : Succinea caduca Mighels , Helix slrigosa Gould, Helix pauxillus
Gould, Helicina multicolor Gould und Helicina trochlea Gould.
Fischer hat Journ. de Conchyl. 1857. p. 258 Betrach-
tungen über die Symmetrie der Mollusken angestellt.
Mit den Cuticularbildungen im Darme der Thiere be-
schäftigt, hat Kolli ker auch die Magenzähne von Aplysia,
die Kiefer von Aplysia, Pleurobranchaea, Diphyllidia und eini-
ger Cephalopoden , so wie die Reibmembran von Carinaria
und Loligo histologisch untersucht. Verh. der phys. -med.
Gesellsch. in Würzburg YIIL p. 43.
Er erklärt alle diese Bildungen für von Zellen ausgeschiedene
Massen , und tritt der früher von ihm vertretenen Ansicht ausdrück-
lich entgegen, namentlich bei den Kiefern, dass dieselben aus Zellen
zusammengesetzte Horngebilde seien. — Die Bildung der Reibmem-
bran hinten in der Zungenscheide erklärt er durch einen Zungen-
keini (matrix), der von der oberen MiUellinie der Zungenscheide als
ein besonderes Gebilde in ihre Höhlung hineinhängt, und der die
der Mollusken während des Jahres 1857. 495
Form eines mit longitudinalen Blättern versehenen und mit blattför-
miger dünner Basis aufsitzenden Längswulstes hat, der in der ganzen
Länge der Zungenscheide sich erstreckt, hinten niedrig beginnt, und
vorn wie abgestutzt aufhört. In den Zwischenniumeu dieser anhän-
genden Blätter \>ürde daun, wenn ich es recht verstanden habe, von
dem sie überziehenden Epithel die Zahnmasse ausgeschieden werden,
die dann die Zwischeniäume, gleichsam die Form , ausfüllte. Wenn
an dem sogenannten Längswulste longitudinale Blätter anhingen, die
dann doch nach allen Seiten Zahnsubstauz um sich herum ausschei-
den mussten, so scheint es mir, als wenn eine compacte Substanz
gebildet werden müsste , in der die Biälter Vertiefungen darstellen
wüiden; da aber die einzelnen Zungeupialten von einander völlig
getrennt sind, so möchte ich vielmehr aus der Darstellung des Verf.
mir den Zungenkeim als eine das hintere Ende der Zungeuscheide ein-
nehmende Walze denken, welche mit regelmässig angeordneten Ver-
tiefungen versehen wäre, die dann mit der Zahnsubstanz ausgefüllt
würden, und so die Form für die einzelnen Zahnplatten abgäben.
Ein Querschnitt solcher Walze, wenn er gerade die Zahnfornien trifft,
muss nothwendig dasselbe Bild geben, welches Verf. abgebildet hat.
— An den Plalten , namentlich bei den Heteropotlen , hat Verf. Ka-
nälchen gesehen , welche quer von einem Seitenrande zum anderen
verlaufen, und die mit kleinen deutlichen Mündungen ausgehen.
Auch auf die secundären Zeüenausscheidungen und
Cuticularbildungen auf der äusseren Haut haben sich ib. p. 61
die Untersuchungen in Betreff der Mollusken erstreckt. Die
Schalen der Mollusken und die Saugnäpfe der Cephalopoden
bildeten hier das Object. In Betreff des Näheren verweise
ich auf die Abhandlung selbst.
Ueber das Gehörorgan der Mollusken hatA. Schmidt
Untersuchungen angestellt, und seine gewonnenen interes-
santen Resultate in der Zeitschr. für die ges. Naturw. von
Giebel und Heinlz VIII. p. 389 mit 8 Tafeln veröffentlicht.
Verf. hat auf die verschiedene Zahr und Gestalt der Otolithen
sein Augenmerk gerichtet. INach ihm haben die Gattungen Littorina,
Bythinia, Hydrobia, Lithoglyphus, Truncatella, Cyclostomus und Leo-
nia nur einen Otolithen ; IVeritina hat ungemein zahlreiche, Melanopsis
und Melania haben einen colossalen unter zahlreichen kleineren Oto-
lithen ; Hydrocena und Valvata nähern sich in der Beschaffenheit der
Otolithen mehr den Stylommatophoren , von denen die vei^chiedenen
Formen abgebildet sind. Für die chemische Beschaffenheit der Ge-
hörsteinchen , die man für kohlensauren Kalk gehalten hat, ist die
Erfahrung des Verf. wichtig, dass die in Glycerin aufbewahrten Oto-
496 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
lithen sich bei höherer Temperatur auflösten , während dies in der
Kälte weniger geschah. Die Bewegung der Ütolithen durch Flim-
mern der Kapselwand bezweifelt Verf. Er möchte sie durch den Ein-
flnss einer unsichtbaren Kraft des Organismus deuten (? !). Als die
wichtigste Entdeckung bezeichnet Verf. mit Recht einen von der
Kapsel nach aussen führenden Gehörgang , der sich am besten bei
Plysa fontinalis beobachten lassen soll. Ich stimme dem Verf. gern
darin bei, dass die nähere Kenntuiss der Gehörorgane ein wichtiges
Moment für die Classification der Mollusken bieten könne, bin aber
nicht der Meinung , dass die Bildung dieser Organe für den Beweis
in die Waagschale falle, dass die Mollusken höher stehen als die
Insekten.
Carpenter hat sich von Neuem über die Entwicke-
]üx\g von Purpnra lapiilus geäussert , und beharrt bei seiner
früheren Ansicht. Namentlich hebt er hervor, dass Busk
durch unabhängige Beobachtungen zu gleichen Resultaten
gekommen sei, und sich von dem wesentlichsten Punkte des
Streites mit Koren und Danielssen überzeugt habe, dass näm-
lich ein Mund mit Schlund bei den jungen , aus einzelnen
Eiern entstandenen Embryonen vorhanden sei. Annais nat.
hist. XX. — Ib. p. 127 bringt Carpenter ferner das Zeugniss
von Dysten für seine Ansicht bei.
JVfa rcel deSerres hat wieder auf die Modifikationen
aufmerksam gemacht , welche die Muscheln und Schnecken
während ihres Lebens eingehen. Mem. de l'acad. de Mont-
pellier 111. p. 413.
Verf. spricht von dem Abreiben der Wirbel bei den ersteren,
von der Abnutzung der ersten W^indungen bei den letzteren. Die
Localität hat darauf Einfluss , indem die Süsswassermollusken mehr
Beispiele liefern, als die marinen. Das Abreiben der Wirbel schiebt
er auf eine Folge mechanischer Reibung, um die Schalen leichter
zu machen, die Abnutzung der ersten Windungen bei den Schnecken
darauf, dass das Thier keinen Platz mehr darin habe, und daher diese
Theile der Schale keinen Antheil mehr an dem allgemeinen Lebens-
processe nehmen. Bereits in urweltlichen Zeiten haben dieselben
Erscheinungen stattgefunden, selbst bei den Cephalopoden, an denen
dergleichen in der Jetztwelt nicht mehr beobachtet wird. — An dem-
selben Orte p.424 hat Verf. die Beschaffenheit der Flüssigkeit zu
untersuchen unternommen, mittelst welcher die Schnecken die ersten
Windungen ihrer Schale zerstören. Er fand den Schleim bei Bulimus
decollatus bald ein wenig alkalisch, bald neutral, bald ein wenig
der Mollusken während des Jahres 1857. 497
sauer, und glaubt gefunden zu haben, dass der Schleim des vorderen
Körpertheils alkalisch, der des hinteren Theiles sauer (acide urique)
sei. Das iMaterial zur Untersuchung scheint jedoch ziemlich roh ge-
schieden zu sein, indem Verf. nicht die einzelnen Organe berück-
sichtigt hat , sondern das Thier in eine vordere und eine hintere
Hälfte zerschnitten zu haben scheint. Er hält die Harnsäure der hin-
teren Hälfte seltsamer "Weise für ein genügendes Mittel für das Thier,
um sich der ersten Schalenwindungen zu entledigen.
Weinland hat bei allen von ihm untersuchten Ano-
donten kleine runde Löcher gefunden, welche die Epidernns
durchbohren , und zuweilen in den Höhlungen kleine Wür-
mer. Er setzt voraus, dass diese Anbohrung der in dem
Wasser enthaltenen Kohlensäure den Weg bahne, um die
Wirbel, und selbst oft die ganze Schale anzufressen. Proc.
Boston Soc.VI. p. 57.
Durch die eben erwähnte Notiz veranlasst, hat sich auch
Lewis in Mohawk über diesen Gegenstand ib. p. 150 ge-
äussert.
Er leugnet nicht den Einfluss parasitischer "Würmer , glaubt
jedoch beobachtet zu haben, dass in solchen Gewässern, welche grosse
Mengen von Kalksalzen aufgelöst enthalten, die Muscheln sich wenig
zum Zerfressen eignen; während da, wo wenig Kalk ist, und viele
Alkalien und Eisensalze aufgelöst sind , dieselben stark angefressen
werden. IVamentlich wird ein langsam fliessendes Wasser bei dem
Orte Mohawk angeführt, in welchem die 3Iuscheln im Allgemeinen
sehr wenig zerfressen vorkommen ; weiter unten jedoch , nachdem
bei jeden» Regen die weggeworfene Asche einer Anstalt ausgelaugt,
und so Mengen von Alkalien in das fiiessende Wasser gebracht wer-
den, finden sich alle Schalen mehr oder weniger angefressen, welche
Erscheinung noch weiter unten wieder aufhört.
Kosh 1er hat die Platten von der Zunge der Helix
pomatia chemisch untersucht, und will gefunden haben, dass
sie nicht aus Chitinsubstanz, sondern aus Horngewebe be-
stehen. Giebel und Heintz Zeitschrift für die gesammten Na-
turwissenschaften Ylll. p. 112.
lieber die milchige Gährung der Austern schrieb Bi-
zio: Fermentazione lattica dei corpi delle ostriche (Ostrea
edulis L.) e separazione del principio produttore delP acido,
chiamato Ostreina. Memorie dell' J. R. Istituto Veneto di
scienze, lottere ed arti VI. Yenezia 1856. p. 25.
Archiv f. Naturßesch. XXlV. Jahrg 2 Bd. GG
498 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
In einer kleinen Schrift „Essai sur les animaux dome-
stiques des ordres inferieurs. Bruxelles et Paris 1857'* hat
Phipson p. 21 — 27 auch einen Abschnitt über die Mollus-
ken. Er spricht von dem Nutzen der Cephalopoden, Schnek-
ken und Muscheln, und scheint sie zu einer Art Domestici-
rung empfehlen zu wollen.
Neue Bemerkungen über das Einsammeln von Mollus-
ken von Petit finden sich im Journ. de Conchyl. 1857. p. 61.
Derselbe empfiehlt das Einsenken von Körben mit gewissem
Köder in grössere Tiefen , das Aufbrechen von Seeigeln,
und das Aufheben grosser Steine bei der Ebbe. — Mar-
tin empfiehlt ib. p. 165 das OefFnen des Magens gewisser
Fische, namentlich Trigla, und der Asterien, um Conchylien,
die in grosser Tiefe leben, zu erlangen. — Petit erinnert
ferner ib. p. 269 an ein von Jeffreys angewendetes Ver-
fahren; derselbe legte die durch das Schleppnetz aufge-
brachten Pflanzen in süsses Wasser, um die kleinen Con-
chylien zu tödten, und sonderte sie dann aus.
Rossmaessler hat einen sehr einfachen aber recht
sinnreichen Verhältniss- Maassstab zum Messen relativer Län-
gen am Molluskengehäuse in den Malakoz. Blättern p. 117 an-
gegeben, und durch eine Abbildung erläutert.
Cephalopoda.
Schlossberger hat das Blut der Cephalopoden che-
misch untersucht. Annalen der Chemie und Pharmacia April
1857. p. 86 ; Bibl. univ. de Geneve 36. p. 373.
Williams hat Annais nat. hist. XIX. p. 193 den Schluss
seiner Untersuchungen über den Mechanismus der Wasser-
Respiration und über die Struktur der Athmungsorgane bei
den Wirbellosen geliefert , indem er die Cephalopoden ab-
handelt.
Das Wasser wird in die innere Achse der Kiemen durch die
Zwischenräume der Kiemenläppchen eingesogen. Bei üctopus und
Sepia faltet sich die Kieme so um sich selbst, dass sie eine cylindri-
sche Achse einschliesst, was bei Loligo und Loligopsis nicht so der
Fall ist ; Verf. möchte daher die Ordnung der Dibranchiaten in zwei
Unterordnungen theilen , bei deren einer die Kieme einen Cylinder,
der Mollusken während des Jahres 1857. 499
bei deren anderer sie einen Ilalbcylinder bildet. Verf. empfiehlt diese
interessante Thatsache solchen Beobachtern, denen ein reicheres Ma-
terial zu Gebote steht. Die Abbildungen erläutern die klare Darstel-
lung des Textes vortrefflich.
Die „Bemerkungen über die Cephalopoden von Messina^*
des Referenten in diesem Archiv p. 41 hatten hauptsäch-
lich den Zweck die von Steenstrup beobachteten That-
sachen in Betreff des Hectocotylismus zu bestätigen und zu
erweitern, zugleich aber auch dieselben für die Classification
zu verwerthen.
Pliilonexidae. Ref. hat Philonexis microstonius d'Orb.
bei Messina beobachtet und ihn beschrieben. Bei dieser Gelegenheit
liess sich der junge Cephalopode der Südsee (Souleyet Voy. de la
Bonite) mit grosser Wahrscheinlichkeit als ein jugendlicher Philo-
nexis bestimmen. Dies Archiv p. 44.
Octupidae. Octopus vulgaris ist, wie Madame Jeanette
Power Annais nat. bist. XX. p. 336 berichtet, ungemein gefrässig.
Sie beobachtete einmal , wie ein solcher Octopus eine Pinna nobilis
belauerte, ihr, als sie die Scliale geöffnet hatte, einen Stein dazwi-
schen schob, dadurch das Schliessen der Schale verhinderte, und sie
verzehrte.
Die neue Gattung Scaeur gus des Ref., welche den hectocoty-
lisirten Arm an der linken Seite hat, s. dies Archiv p.51.
niyopsidae« Die Veiany'sche Angabe , dass die Weibchen
von Rossia dispar mit grossen Saugnäpfen versehen sind , hat Ref.
dahin berichtigt , dass diese den Männchen zukommen. Dies Ar-
chiv p. 62.
Die von Couch als britisch angegebenen Schalstücke von Se-
pia biserialis (vergl. vor. Bericht p. 123) möchte Adler vielmehr
der Sepia elegans zugehörig vermuthen. Annais nat. bist. XIX. p. 474.
Oigopsidae. Enoploteuthis folyömjx Trosch. dies Archiv
p. 67 von Messina.
Thy s ano t eil thi s n. gen. Trosch. dies Archiv p. 69 mit zwei
neuen Arten Tfi. Rhombus und elegans von Messina.
üTautilacea. Gould hat Proc. zool. soc. 1857. p.20; An-
nais nat. bist. XX. p. 57 bemerkt, dass unter dem Namen Nautilus um-
bilicatus zwei verschiedene Arten verwechselt werden , die sich be-
stimmt unterscheiden lassen. Den Namen umbilicatus wendet er für
die von Lister abgebildete Art an, den Solandei'schen Namen N.
scrobiculatus für die Art, welche von sämmtlichen späteren Schrift-
stellern als umbilicatus beschrieben ist. Er unterscheidet sie durch
folgende Diagnosen :
500 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
JV. umbilicatus testa suborbicnlaris , ventricosa, striis confertis
volventihus insculpta, utrinque late unibilicata; marginibus umbilico-
rum vix rotnndatis; umbilico peivio, ini'undibulifornii, nigro, margine
externo vix rotundato ; nifescens, postice radiatini fenugineo strigata,
sirigis angustis, confertis.
N. scrobiculatus testa suborbicularis, subdepressa, laevis, nitida,
lateribiis radiatini (lucluatis, utrinque late unibilicata, umbilico crate-
riformi, margine externo rotundato, late flavescens, postice radiatini
l'errugineo strigata, strigis latis, remolis.
Weitere Beobachtungen über Nautilus von Macdonald (Proc.
Royal soc. 1857. Febr.; Annais nat. hist. XIX. p. 379) beziehen sich
auf das Gehörorgan und auf den grossen Seitenmuskel. Die Art, an
Avelcher seine Beobachtungen angestellt sind , und welche Verf. frü-
her für N. umbilicatus hielt, wird als N. macromphalus berichtigt,
und Verf. ist der Vermutliung geneigt, diese Art möge das Männchen
von N. umbilicatus sein.
Cephalopliora.
Von des Referenten „Gebiss der Schnecken, zur
Begründung einer natürlichen Classification" erschien im
Jahre 1857 die zweite Lieferung. Sie behandelt den Schluss
der mit Deckel versehenen Lungenschnecken , nämlich die
Cyclostomaceen, Helicinaceen , Hydrocaenaceen, Proserpina-
ceen, Truncatellaceen und Ampullariaceen, so wie den An-
fang der Kammkiemer, nämlich die Valvaten, Paludinen, By-
thinien. Lilhoglyphen, Hydrobien, Ancylotcn und Thiaren.
Aus diesen speciellen Untersuchungen mag als Hauptresultat
hervorgehoben werden, dass die Helicinaceen, Hydrocaenaceen und
Proserpinaceen wirkliche Rhipidoglossen sind, also sich unmittelbar
an die Neritaceen »nschliessen , während die Cyclostomaceen, Trun-
catellaceen und Ampellariaceen dem Gebisse nach sich den Kamm-
kiemern nähern. Es lässt sich schon jetzt übersehen, dass auf die
Lungenathmung weniger Werth zu legen sein \Aird, als man bisher
annahm, und dass man die Lungenschnecken in mehrere Ordnungen
wird verlheilen müssen. In der in Rede stehenden Lieferung ist dies
noch nicht so scharf ausgesprochen. Bemerkenswerth bleibt dabei
immer der Uebergang von den Cyclostomaceen zu den Helicinaceen,
durch die tief kammförniig eingeschnittenen äusseren Seitenplalten.
Die oben genannten Gruppen der Kammkiemer sind durch die Be-
schaffenheit ihrer Radula bestimmt verschieden, worüber das Specielle
in dem Buche selbst nachgesehen werden möge.
Allgemeine Bemerkungen über die Zungenbewaffnung
der Mollusken während des Jahres 1857. 501
der Mollusken hat Fischer Journ. deConchyl. 1857. p. 120
gemacht. Sie sind keines Auszuges fähig. Es sei jedoch
bemerkt , dass ich in manchen Punkten den Ansichten des
Verf. widersprechen muss. So hält er jede Mittelplalte für
eine Fusion zweier seitlichen, was gewiss, wenigstens in
den meisten Fällen , nicht richtig ist. Verf. scheint beson-
ders die Land - und Süsswasserschnecken im Auge zu haben.
Gray hat Notizen über Thier und Gebiss einiger
Schnecken , jedoch ohne Abbildungen in den Annais nat.
bist. XIX. p. 96 gegeben.
Sie beziehen sich auf folgende Arten : Fusus pallidus, Typhis
tetrapterus, Pisania elegans, Triumphis distorta, Cyclope (Nassa) ne-
ritinea; Cuma sulcata, Fasciolaiia sabno, Leucozonia angiilata, Malea
ringens , Ranella caelata , Imperator n. sp. , Callopoma saxosum , Te-
gula pellis serpentis, Aplysia depilans, Tylodina punctulata, Umbrella
niediterranea und Froserpina.
Heteropoda*
Krohn hat weitere Beobachtungen über die Entwicke-
lungsgeschichte der Heteropoden in Messina angestellt. (Mül-
ler's Archiv für Anat. 1857. p. 466; vergl. den vor. Bericht
p. 124.
Die Larven der Pterotracheen sind mit Fühlern versehen, wäh-
rend unmittelbar nach der Metamorphose keine Spur mehr von diesen
anzutreffen ist, auch das fühlerlose Weibchen der von ihm beobach-
teten Firoloidesart, besitzt sie als Larve. Die früher von Krohn als
Carinaria angesprochene Larve ist gleichfalls eine Pterotracheenlarve.
— Die Larve von Carinaria hatte eine Schale von 2*/i Windungen
und ein Velum mit 3 Wimpelpaaren; die Fühler waren sehr lang.
Sie zeigt schon eine Combination der Charaktere der Atlanten und
Firoloiden.
Arthur Adams beschreibt eine neue Art Macgillivraya echi-
nata von den Capverdischen Inseln, die vv'ohl ebenso wie ihre Ver-
wandten, einem Larvenzustande irgend einer Schneckengattung zuzu-
schreiben sein wird. Annais nat. bist. XIX. p. 373. Dasselbe gilt
von zwei neuen Heteropoden, die derselbe Verf. ib. p. 461 unter dem
Kamen Sinusigera d'OrLigiiyi und Macgillivraya seligera beschrie-
ben hat.
<j}a8teropoda*
Macdonald hat seine Ansichten über die natürlichen
502 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Verwandtschaften und die Classification der Gasteropoden
geäussert. Proceedings of the Royal Society of London Febr.
1857, Annais nat. bist. XIX. p. 398.
Verf. verwirft die von der Schale und den Athmungsorganen
hergenommenen Merkmale als Charaktere ersten Ranges. Vorzüglich
wichtig erscheinen ihm die Geschlechtsorgane, ob zwittrig oder ge-
trennten Geschlechts, und demnächst die Gehörorgane und die Mund-
und Magenzahne. Die Gehörsteinchen sind entweder einzeln (Otoli-
then) oder Gruppen kleiner Granula (Otoconia). Die Zungenplatten
stehen entweder auf einer kurzen und breiten Membran (Pflaster, pa-
vement) oder auf einem schmalen langen Bande (Riemen , ribbon or
strap). Bei letzteren ist eine Rhachis und eine Pleura zu unterschei-
den , von denen die eine oder die andere fehlen kann. Die Kiefer
nennt Verf. Lippenplatten (labial plates). — Die Vorstellungen des
Verf. über die Entwickeiung der Zunge sind nur im Allgemeinen
bezei<;hnet. Er sagt, zuerst entstehen einige Platten der Rhachis,
dann die ihr zunächst liegenden Platten , so verbreitere und verlän-
gere sich die Zungenmembran. Der Vorstellung, die Glieder der
Zunge rücken allmählich von hinten nach vorn vor, schenkt er nicht
seinen Beifall. Die Tabellen, welche nur als Proben der Anordnung
folgen, sind ziemlich unvollständig, und scheinen mir auch Inthümer
zu enthalten. So steht z.B. Patella und Dentalium unter den Zwitter-
schnecken ! Um die Litteratur scheint sich Verf. nicht viel beküm-
mert zu haben.
Fiscber macbte auf den Unterscbied beim Kriechen
der Schnecken aufmerksam , und bemerkt, dass die einen
ohne Hülfe des Kopfes auf der Sohle gleiten, wie Helix, Li-
max, Limnaeus , Buccinum , Voluta ct., während die andern
mit Hülfe des Kopfes spannen, wie Cyclostoma, Truncatella,
Strombus , Xenophora ct. Journ. de Conchyl. 1857. p. 34.
— lieber das Kriechen von Chondropoma crenulalum und
Cyclophorus Beauianum vergl. ib. p. 113.
Pulmonata operculata,
Pomatiacea. In der unten zu besprechenden Schrift von
Claparede über Cyclostoma elegans ist beiläufig auch die Radula
von Pomatias maculatus, so wie deren Kiefer beschrieben und ab-
gebildet. AufValltnd ist es , dass Verf. zuweilen Exemplare antraf,
bei denen die Mittelplatten fast ganz verkümmert waren. Die Kiefer
will Verf. nicht als solche anerkennen, sondern nennt sie lorica pa-
lalina; dies kommt nur auf einen Wortstreit hinaus. Ich nenne die
der Mollusken während des Jahres 1Ö57. 50S
Theile der die Mundhöhle auskleidenden zarten Chitinmenibian, wel-
che eine festere Beschaffenheit haben , aus schuppenartigen Elemen-
ten zusammengesetzt sind , und am Eingange der Mundhöhle liegen,
Kiefer, und finde durchaus, dass diese Theile von Pomatias dasselbe
sind, wie die Kiefer von Helix.
CyclotHcea* Die auf Jamaica vorkommenden Arten der
Gattung Cyclotus hat Chitty studirt, Proc. zool. soc. 1857. p. 142.
Er fand innerhalb derselben sechs verschiedene Formen des Deckels,
wonach die Arten geordnet werden: 1) mit einer erhabenen nach
aussen gebogenen, abstehenden Lamelle; der obere Rand ausgebreitet
und der Fläche des Deckels parallel ohne die folgende Windung zu
berühren; Ebene des Deckels flach: C. corrugatus, Porllandicus, no-
tatior , nolatus , novae spei, cycloatus , dubiosus Ad., suturalis Sow. ;
2) mit vorragenden Windungen, deren obere Ränder verdickt und
herabgebogen sind und die folgende Windung berühren ; Ebene des
Deckels flach: C. varians Ad., subrugosus Sow., corrugatior, gemma,
iiczac; 3) mit schwach erhabenen, stumpf verdickten und ausgebrei-
teten Windungen, deren Ränder ganz an die Ebene angedrückt sind:
C. seminudus Ad., burghaeanus , ruclis-planusque, pretiosns, Bairdia-
nus, ruber; 4) mit schmalen Windungen, welche ilach und stumpf an
den Rändern und schmal nach aussen ausgedehnt sind ; die Fläche
des Deckels überall excentrisch und scharf gestreift : C. Jamaicensis
Chemn., dentistigmalus, tiovus-saltus, crassus Ad., i7iutilis ; 5) mit er-
habenen Windungen, welche scharf am Räude sind und fast senkrecht
auf der Fläche stehen, der Rand kaum umgebogen: C. rupisfontis ,
corrugatissimus ; 6) mit hoch erhabenen Windungen, deren Ränder
scharf und herabgebogen sind , innen convex und aussen concav : C.
jugosus Ad., pallescens Ad., Westmorelandensis, nodostis , Beswicki,
perpallidus.
Benson stellte Annais nat. bist. XIX. p. 201 eine neue Gat-
tung Streptaulus auf: Testa umbilicata , pupiniformis, nitens; pe-
ristoma circulare, non continuum , superne tubulo suturali interno et
externo, continuo, ad extremitates ambas aperto, siphonem mentiente,
perforatum. Operc. ? Eine neue Art: St. Blanfordi \on DmiWing im
Himalaja.
Derselbe beschrieb ib. folgende neue Arten : Diplommatina di-
plockeilus vom Khasia-Gebirge, pachycheilos von Darjiling, poiypleu-
ris von Kanclai ; Älycaeus prosechis von Teria-Ghat, styiifer von
Darjiling, hebes von Teria-Ghat; Leptopoma cybeus von Nanclai ; Cy-
clophorus pinnulifer von Teria-Ghat, tomotrema von Teria-lihat, cry-
ptomphalus von Ava in Burmah , Theobaldianus von Thyet-Myo , bal~
teatus von Pegu, scurra ebendaher.
Cyclophorus Haughtoni und affinis sind neue Arten von Theo-
bald von Maulmein in Indien. Journ. Asialic soc. of Bengal 1857.
504 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
p, 246. — Eben«o C. aequivocum von Madagascar und lignarium von
Neuseeland von Pfeiffer Froc. 1857. p. 112. — C. Courdertii Fi-
scher et Bernardi Journ. de Conchyl. p. 299. pl. 10. Fig. 3— 5 von
Neu-Caledonien.
Megalomastoma digitale Gundlach Malak. Bl, p, 114. von Tri-
nidad auf Cuba.
Leplopoma Wallacei Pfeiffer Froc. zool. sog. 1857. p. 112 von
Borneo.
Pupina Moulinsiana Fischer et Bernardi Journ. de Conchyl.
2. Ser. Tom. I. p. 299. pl. 10. Fig. 6—7 von Neu-Caledonien.
Äulopoma sphaeroideum Dohrn Malak. Bl. p. 85 von Ceylan.
Ein kritischer Versuch über einige Arten der Gattung Cyclo-
stoma von Shuttlewoith hat den Zweck C. distinctum Sow. , C.
orbella Lam. und C. solutuni Richard aufzuklären. Hierbei werden
Cyclotus granadensis von der Insel (iranada, martinicensis von Mar-
tinique, floccosum von Haiti und Cyclophorus Schrammi von Guade-
loupe als neue Arten unterschieden. Journ. de Conchyl. 2. Ser. Tom. I.
p.261.
Bei Pfeiffer Novit, conchol. sind abgebildet: Pterocyclos
teuer Meuke Taf. 25. Fig. 13— 15, Cataulus Cumingi Pfr. Fig. 16— 17,
Megalomastoma Gundlachi Pfr. Taf. 26. Fig. 20 — 22 und M. leoninum
Pfr. Fig. 23-25.
Tyciostomacea. Einen werthvollen Beitrag ziir Ana-
tomie von Cyclostoma elegans hat Claparede als Inaiigu-
ral-Dissertation geliefert „ Cyclostomatis elegantis anatome.
Berolini 1857. 4.«
Das Nervensystem mit den Gehörkapseln ist genau beschrieben
und abgebildet. Den Mundtheilen ist besondere Aufmerksamkeit ge-
schenkt. Die Radula ist abgebildet. Die Speicheldrüsen, die Leber,
die Circulationsorgane und die Niere sind auf ihre feinere Slructur
untersucht. Dann ist ein Organ beschrieben , welches Verf. für den
Cyclostoma eigenthümlich hält; es ist eine grosse Drüse zwischen
den Windungen des Darmes, die sich auch bis zwischen Niere, Herz
und Lungenhöhle erstreckt, und wird muthmasslich für eine accessori-
sche Niere gehallen. Endlich wird noch ein Organ hervorgehoben,
das zwischen Mund und Fuss liegt, und von dem Verf. verniuthet,
dass es die Substanz liefere, um den Weg schlüpfrig zu machen. So-
wohl die männlichen als die weiblichen Geschlechtsorgane sind be-
schrieben und abgebildet.
Cyclostoma tubulum unbekannten Vaterlandes und C. Eugeniae
von Mauritius sind von Reeve aufgestellt. Erstere ist verwandt mit
C. Belairi und Boivini also wohl zur Gattung Cyclostomus gehörig;
der Mollusken während des Jahres 1857. 505
letztere verwandt mit C. filosum , also wohl gleichfalls ein Cyclosto-
mus. Annais nat, hist. XX. p. 524.
Gundlach beschrieb drei neue Arten von Cuba : Chondro-
poma perlatum , Ctenopoma deficiens und Ctenopoma immersum, alle
aus der Umgegend von Matanzas. IMalak. Bl. p.41.
Derselbe beschreibt das Thier von Cyclostoma Agassizi Charp.
ib. p. 47.
Gundlach stellte auf: Ctenopoma echinatum, Ct. scriptum,
Ckoanopoma Arangianum , Ch. perplicatum , Chondropoma revocalum
Malak. Bl. p. 176.
Chondropoma Tortolense Pfr. von der Insel Tortola ib. p. 158.
Bei Pfeiffer Novit, conch. sind abgebildet Chondropoma Cor-
dovanum Pfr. Taf. 25. Fig. 18—19, Ch. egregium Gundl. Taf. 26.
Fig. 1—5, Ch. Shuttleworthi Pfr. Fig. 6-11, Ch. dissolutum Pfr.
Fig. 12 — 16, Ctenopoma coronatum Poey Fig. 17 — 19.
AciculaceA» Nach der Beobachtung des Thieres von Trun-
catella dubiosa Adams hält Fischer dafür, dass diese Art in die Fa-
milie der Aciculaceen gehöre. Journ. de Conchyl. 2. Ser. Tom. I.
p. 232.
Truncatella ca/^/onj/ca Pfeiffer Proc. zool. soc. 1857. p. 111 von
San Diego in Californien.
Ampullariacea. v. Martens hat die Ampullarien des
Berliner iMuseums einer Revision unterworfen, und namentlich ver-
sucht die Synonymie der Philippi'schen und der Reeve'schen Arbeit
festzustellen. Die in jener Sammlung befindlichen Arten sind in 12
Gruppen getheilt. Eine Art A. pomatia aus der achten Gruppe He-
liciformes wird für neu gehalten. Malak. Bl. p. 181 — 213.
Ampulloria ormophora Morel et von Neu-Caledonien Test. nov.
Austral. 1. c.
lieber das Athmungsorgan der Ampullarien hat Hupe im Ca-
stelnauschen Reisewerke p. 63 eine von der bisher allgemeinen ab-
weichende Ansicht ausgesprochen ; er hält die über der Kiemenhöhle
gelegene Tasche nicht für eine Lunge , solidem nur für einen Was-
serbehiilter, um zur Zeit der Trockenheit auszuhelfen. In Rücksicht
auf die positiven Angaben früherer Reisenden, dass diese Schnecken
Luft athmen , und auf die anatomischen Verhältnisse, scheint diese
Angabe vorsichtig aufgenommen werden zu müssen. — Neue Arten
dieser Gattung sind: A. Castehiavdi pl. 11. fig. 1 aus dem Aniazonen-
flusse, Swainsoni (Amp. fasiata Swains. lllnstr. pl. 103. fig. 2) aus
Brasilien, physis pl. 12. fig, 2 aus dem Amazonenflusse, prunella pl. 12.
fig. 4, armeniacum pl< 13* fig. 5 aus dem Amazonenflusse.
506 T rose hei: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Ctenobranchiata,
Taenioglossata.
Potamopliila. Yaltala exigua Adolf Schmidt aus Grie-
chenland Zeitschr. für d. Allg. INaturw. von Giebel und Heintz p. 160
in der Anmerkung. — V. striata Lewis aus dem Staate New-York
Proc. Philadelphia YIIL p. 260.
H. Do hm stellte 13 neue Arten von Ceylon aus der Cuming'-
schen Sammlung auf, Proc. zool. soc. 1857. p. 123, nämlich : Palndina
ceylonica; Bitkynia slenothyroides , inconspicna; Paludomus fulgura-
tus, nasutus, sphaericus, solidiis, distingnendus, Cvmingianus, drome-
darius, Skinneri, Swainsorii, nodulosus.
Frauenfeld hat die Paludinen aus der Gruppe der Paludina
viridis untersucht, und verglichen. Wiener Sitzungsberichte XXIL
p. 569 — 578. In einem Schema werden die Gattungen unterschieden,
welche aus der alten Gattung Paludina Lam. hervorgegangen sind,
und unter ihnen auch Amnicola GId., Hydrobia Hartm. und Paludinella
für generisch verschieden anerkannt , indem bei Airnicola die Mün-
dung die Hälfte der Schale einnimmt, bei Hydrobia und Paludinella
weniger als die Hälfte; bei ersterer ist dann die Schale kegelförmig
zugespitzt, bei letzterer cylindrisch - eiförmig abgestutzt. Ob diesen
Differenzen gencrischer Werlh beizulegen sei , muss ich bezweifeln.
F. viridis gehört in die Abtheilung Paludinella, aus der 35 Arten an-
geführt werden. Von ihnen sind abgebildet: Pal. viridis Poir., au-
striaca, compressa, cylindrica Parr., Dunkeri und opaca Ziegl.
Paludina seminium Morelet Journ. de Conchyl. 1857. p. 376
von Algerien. — P. spica Eichwald Mem. de Moscou X. lab. 10.
fig. 8 — 9 ans dem Caspischen Meere.
Melania ruslica, digilalis, arctecava, granospira, monile Mous-
son Journ. de Conchyl. 1857. p. 160 von Java. — M. macrospira und
speciosa Morelet Test. nov. Austral. 1. c.
Melanopsis /meo/rtf« Gassies von IVeu-Caledonien Journ. de Con-
chyl. 1857. p. 276. pl. 9. fig. 9— 10. — M. brevis, variegata und fru-
stulum Morelet von Keu-Caledonien Test. nov. Austral, 1. c.
liittorinAcea* Clark hatte Gelegenheit das Thier von Bis-
soa pulcherrima lebend zu beobachten, und hält sie für eine der zahl-
reichen Varietäten von Rissoa inconspicna. Annais nat. bist. XX.
p. 262.
Patter so n sprach in der British Association über die Quan-
titäten von Littorina, welche zu Belfast während der Jahre 1853 — 56
verladen wurden. Edinburgh new phil. Journ. IN. S. 1857. VL p. 332.
In den Lief. 166 — 168 von Reeve's Conchol. iconica sind 16
der Mollusken während des Jahres 1857. 507
Tafeln der Gattung Littorina gewidmet. Unter den 91 Arten sind als
neu abgebildet: L. ahenea Senegal, Philppinea Philippinen, arbori-
cola Singapore, Newcojnbi Sandwich, Forlunei China, Fraseri West-
afrika, glans, simplex Cap Verd , amhigva IN'ultall MS. Sandwich, /m-
ctuosa Neu - Seeland , halleala China, JNoröe Zelandiae Neu -Seeland,
thersites Valparaiso, granocostata Australien, feejeetisis Feeje-Inseln,
picea, palndinella Tasmania, Ädamsii (puchella Adams MS.) Jamaica,
rnfa Recluz MS.
Die vorgeblich neue Skenea tricarinata (vergl. vor. Bericht
p. 132) wird nun von Webster als Varietät von S. rota bezeichnet.
Annais nat. bist. XIX. p. 269.
Fischer sieht Journ. de Conchyl. 1857. p- 42, 168, 284 eine
kleine Gruppe von Gattungen, nämlich: Skenea Flem, Spira Brown,
Cyclostrema Marryat, Adeorbis Wood und Pseudorotella Fischer als
der Familie der Trochoiden angehörig an , zählt die zahlreichen Ar-
ten nach ihrer geographischen Vertheilung auf und giebt die Be-
schreibung und Abbildung folgender neuen Arten : Adeorbis Ver-
reavxii von Californien , Adeorbis Beavii von Guadeloupe, Adeorbis
Orbignyi von Cuba , Adeorbis Adamsii von (iuadeloupe , Cyclostrema
Schramviii von Guadeloupe und Skenea Petilii ebendaher. — (Falls
die genannten Gattungen vviiklich alle zu derselben Gruppe gehö-
ren, dürfen sie nicht den Trochoiden, sondern vielmehr den Rissoen
zugezählt werden. Von Skenea planorbis aa enigstens habe ich durch
die Untersuchung der Mundtheile aufs Entscheidendste nachgewiesen,
dass sie in die Nähe von Uissoa gehört. Vgl. mein Gebiss derSchnek-
kenlll. p.l28. Taf. X. Fig. 10, welche leider auf der Tafel fälschlich
als Fig. 9 bezeichnet ist, indem eine Verwechselung der Ziffern 10
und 9 staltgefunden hat.)
Certtliiaceat Fotamis pnllatus Gould Reports of explora-
tions and surveys V. p. 233. pl. 11. Fig. 23, 24 von San Diego.
Baudon beschrieb Journ. de Conchyl. 1857. p. 347 als neue
Art Fossarus Lanoei von Jaffa im Syrischen Meere.
JUarseniadae* Bergh lieferte in Meddelelser naturh. Fo-
ren. Kjöbenhavn 1857. p. 110 einen Beitrag zu einer anatomischen
Untersuchung von Marsenina prodita Lov-. Die drei Arten der Gat-
tung Marsenina gehören dem nördlichen Theile der östlichen Halb-
kugel an, M. prodita Lov., M. micromphala Bgh. (Oithonella microm-
phala Mörch) und M. groenlandica Moll. Die Untersuchung bezieht
sich auf die erstere dieser Arten, Ausser der Schilderung der äusse-
ren Beschaffenheit des Thieres und der Schale hat besonders das
Gebiss mit Kiefern und ZungenbewalVnung die Aufmerksamkeit des
Verf. angezogen, auch der Schlundring mit seinen vier Ganglien ist
auf der beigegebenen Tafel abgebildet.
Xenopliorea« Fischer machte bei Gelegenheit der Be-»
508 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Schreibung einer neuen Art Xenophora carihaea von den Antillen Be-
merkungen über die Stellung dieser Gattung, ohne jedoch zu einem
Resultate zu kommen. X. caperata Phil, ist auch abgebildet. Die
Zahl der bekannten lebenden Arten beläuft sich auf 12. Journ. de
Conchyl. 2. Ser, Tom. I. p, 243. — Vergl. eine spätere Notiz ib.
Tom. II. p. 24.
Das Thier von Onustus trochiformis (Phorus exustus) beschrieb
Mörch Journ. de Conchyl. 1857. p.304, bildete es auch pl. 13.
fig. 1 — 3 ab. Er möchte die Gattung in die Nähe der Heteropoden
bringen, und sie als einen liloralen Heteropoden bezeichnen, wodurch
sich zugleich der Mangel des Kieles erklären soll.
.Alata» Stromhus tatirus Reeve Annais nat. bist. XX. p. 522
von den Amiranten.
Kanellacea.. Triton Barthelemyi Bernardi Journ. de Con-
chyl. 1857. p.54. pl. 1. fig. 1.
Cassidea» Dolium lufeoslomum aus dem Indischen Ocean
und D. Lischheanum von Manila Küster Conch. Cab.
Cassis nucleus Küster Conch. Cab. p. 43 ist nach einer alten
Chemnitz'schen Zeichnung aufgestellt.
Involuta« Cypraea Barclayi Reeve Annais nat, bist. XX.
p. 522 von der Insel Diego-Garcia bei Mauritius.
Toxoglossata.
CoDOidea* Conus Villepmii Fischer et Bernardi Journ. de
Conchyl. 2. Ser. Tom. I. p. 292 von Marie- Galante. — C. Macarae
Bernardi ib. II. p. 56. pl. 2. Fig. 2. — C. Chenui Crosse ib. p. 381.
pl. 11. Fig. 3.4 von Neu-Caledonien. — C. Pazii Bernardi ib. p. 385.
pl. 11. Fig. 1. 2.
Terebracea* Deshayes beschrieb 36 neue Arten der
Gattung Terebra im Journ. de Conchyl. 1857. p. 65. Sie sind auf
drei Tafeln abgebildet: T. formosa von Panama, Cumingii China,
regina Senegal, lima China, insignis Panama, ßmhriata, consobrina
Rothes Meer , splendens China , festiva Senegal , decorata Sumatra,
histrio , circumcincta Rothes Meer, solida Japan, Forlunei China,
Hindsi China, pura Zanzibar, virginea Zanzibar, Bernardii Austra-
lien, Petiveriana Panama, marginata Gambia, pallida Marquisen,
Reevei Molukken, trochlea Zanzibar, Gonldi Sandwich, tiarella Natal,
buccinulnm Australien, Soicerbyana Gambia, pulchella China, Ver-
reauxi, Jukesi Port-Essington , plicatella Vandiemensland, ustulala
Vandiemensland, concinna Japan, circinnata China, acuta China, gla-
bra China. ^
Terebra Hupei unbekannten Vaterlandes und T. Bermonti von
der Mollusken während des Jahres 1857. 509
Taiti Journ. de Conchyl. 1857. p. 388. pl. 12. fig. 1 und fig. 2 sind
neue Arten von Lorois.
Pleurotomacea. Pleurotoma (Turris) Romberyii Moerch
von Realejo Meddelelser nat. Forening 1857. p. 340; Journ. de Con-
chyl. 1857. p. 281. — P. jiupenimum Tiberi 1. c.
Rhachiglossata.
Volutacea. MargineUa Loroisii Bernardi Journ. de Con-
chyl. 2. Ser. Tom. I. p. 290. pl.8. fig. 6— 7.
Voluta Beaitii Fischer et Bernardi Journ. de Conchyl. 2. Ser.
Tom.I. p. 296. pl. 10. fig. 1—2.
Olivacea. Eine Arbeit von Ducros de S a i n t- Ge r ni a i n
„Revue critique du genre Oliva, Clermont 1857. 8. 120pages, 3 plan-
ches, ist mir leider nur aus einer Anzeige in Journ. de Conchyl.
p, 302 bekannt gewoiden. Daselbst werden die Ansichten des Verf.
über die Species angefochten. Er hat die Duclos'sche Sammlung zur
Benutzung gehabt, und schon deshalb ist der Arbeit ein Werlh bei-
zulegen. Er nimmt 119 Arten an. Als neu darunter sind folgende
beschrieben : 0. Verreaiixii von Marie-Galante pl. 3. fig. 86, Sower-
byi pl. 3. fig. 103 ebendaher, Deshayesiana pl. 3. fig. 67 von Califor-
nien, Bartkelemyi pl. 3. fig. 58 von Java , Jayatia pl. 3. fig. 44 von
Oceanien, Broderipii pl. 2. fig. 39 , Maria pl. 2. fig. 16 von Califor-
nien, Lecocquiana pl. 2. fig. 20 von China , Fahrei pl. 2. fig. 18, ma-
gnifica pl. 1. fig. 4 von Mindanao.
CanaliTera« Columhella Lafresnayi Fischer et Bernardi
Journ. de Conchyl. 2. Ser. Tom. I. p. 357. pl. 12. fig. 4 — 5 von Ma-
rie-Galante.
Fusus arthriticns Bernardi Journ. de Conchyl. 1857. p. 38G.
pl. 12. Fig. 3 von Japan. — F. tortuosus und spitzbergensis Lovell
Reeve von Beechey's-Insel 1. c. p. 394. pl.32. Fig. 5. 6. — F. (Vo-
lutopsiusj castaneus und harpa Moerch Meddelelser nat. Forening
1857. p. 340 von Sitka.
Pyrnla (Rhizochilns) De Buryhiae Reeve Annais nat. bist. XX.
p. 523 von China.
Jlluricea« Murex Barclayi Reeve Annais nat, bist. XX. p. 523
von St. Brandon- Shoal bei Mauritius. — M. Beauii Fischer et Ber-
nardi Journ. de Conchyl. 2. Ser. Tom. f. p. 295. pl. 8. fig. I von
Marie-Galante. — jli. Bcnoiti Fiberi 1. c. ist nach Fischer Journ. de
Conchyl. 1857. p. 291 = M. tectum sinense.
Bncc'ineat Buccinnm Belcheri Lovell Reeve von ßeechey's
Insel 1. c. p. 394. pl. 32. fig. 7.
Phos Beauii Fischer et Bernardi Journ. de Conchyl. 2. Ser,
Tom. I. p. 358. pl. 12. fig. 8—9 von Marie-Galante.
510 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Eine Kote von Fischer über Purpura melones Duclos , die
nach dem Deckel eine wirkliche Purpura sei s. Journ. de Conchyl.
1857. p. 1G4.
Pieno()lossata.
Scalarina* Scalavia pernobilis Fischer et ßeinandi Journ.
de Conchyl. 2. Ser. Tom. I. pl. 8. fig. 2 — 3 Marie-Galante.
Rhipidoglossata,
Stoatsfomidae. Chilty hat in Proc. zool. soc. 1857.
p. 162 über diese Familie Mitlheilungen gemachl. Er theilt
sie in sieben Gattungen und beschreibt 61 neue Arten, sämmt-
lich von Jamaica , wodurch die Zahl der von Jamaica be-
kannten Arten auf 80 steigt; dazu kommt eine Art von Po-
lynesien. Stoastoma pisum ist in Holzschnitt abgebildet.
Die Genera sind folgende, bei denen zugleich die neuen Arten
genannt werden: 1) Letaisia die Schale hat gleichsam zwei Mün-
dungen, dahin L. Agassiziana Ad., Philippiana Ad., Wood war diana und
Macandvewiana. 2) Wilhin so naea. Letzte Windung weit vorge-
zogen; Schale scheibenförmig, mit einigen starken Querlinien, zwi-
schen denen viele feinere. Dahin W. Wilkinsonaeana Ad., Goul-
diana Ad., Schomburghkiana, Abbottiana, Jardineiana, Greenwoodiana,
Laidlauiana , Tappaniana , Holland iana, Dysoniaiia, Hanleyana, Ben-
soniana, Moussoniana. 2>) Fa dy enia. Spira etwas deprimirt, wink-
lig an dem oberen Theile der letzten Windung, gerade oder flach an
dem Umfange nnd wieder winklig an der 13asis. Dahin F. Fadye-
niana Ad., Boicerbankiana, Grayana. 4} Stoastoma. Kuglig. Da-
hin St. pisum Ad., PfeifFerianum Ad., Livesayanum, succineum Sow.
5) M et calfeia. INiedrig kegelförmig. Dahin M. Metcalfeian«,
Chittvana Ad., Bacquiearia, Sulherlundiana, Moerchiana, Vcrreauxiana,
Sinclairiana , Mitckelliatia , Dohrniana, Layardiana, Swifliana. 6)
Petitia. Kuglig scheibenförmig. Dahin P. Petitiana Ad., Cumin-
giana Ad., Anthoniana Ad., Stevensiana, Forluneana, Adamsiana, Tay-
loriana, Slricklandiana, Slokesiana, Grevilleana, Carpenleriana, Bar-
roniana. 7) Lind sie y a. Kuglig kegelförmig. Dahin L. Linds-
leyana Ad., Pickevimjiana, Redfieldiana Ad., Jayana Ad., Leana Ad.,
Denisoniana, P olyblankiana, Albersiana, Fischeriana, Moricandiana Ad.,
Kceveana, Shuttleworthiana, Boissieriana, Gaskoiniana, Newcotnbiana,
Riiseana, Poeyana, Henryana, Alderiana, Bridgesiana, Salleana, Ar-
thuriana , Gutiereziana , Oiceniana , Wollast oniana. 8) B l andia.
Fast scheibenförmig. Dahin B. ßlandiana Ad., Jeyffreysiana , Bair-
diana , Mac Gillivrayana, Troscheliana, Hilliana, Trailliana, Luhe-
siana, Loweana.
der Mollusken während des Jahres 1857. 511
Heliciniicea« Trochatella pelrosa (jimdl., nihicunda Gundl.
lind capillacea V(\. von Trinidad auf Cuba, MalaU. Bl. p. 11].
Helicinn Sprue ei von den Anden in Peru, viertjuensis von Mer-
gui, Pfeiffer Proc. zool. soc. 1852. p. 111. — H. concinna Gund-
iach Malak. Bi. p. 178. — H. tofjaluhi JVIorelet von INeu-Caledonien
Test. nov. Austr. 1. c.
Aleadia eapax Gundlach von Trinidad auf Cuba Malak. Bl. p. 113.
Lucidella nana Pfeiffer ib. von .Taniaica.
Pfeiffer bildete in seinen Novit, conchol. folgende Arten
dieser Familie ab: Trochatella Taf. 23. Fig. 7. 8; llelicina cataliensis
Fig. 1—3, denticulata Fig. 9— 10, coluniellaiis Gundl. Fig. 11—13,
Blandiana Gundl. Fig. 14 — 16, rubromarginata Gundl. Fig. 17 — 19,
granuni Fig. 20 — 23 , phasianella Sow. Fig. 24—27, Hjahniarsoni Fig.
28—31; Schasicheila Nicoleti Shuttl. Taf. 25. Fig. 7— 9, alata Menke
ib. Fig. 10-12.
Proserpinacea* Ceres eolinaDuclos und Salleana Cuniing
sind bei Pfeiffer Nov. conchol. Taf. 25. Fig. 1 — 6 abgebildet und
beschrieben.
Hydrocaeiiacea« Hydrocaena chinensis von China, vul-
pina von den Fuchsinseln , ferner H. (OmphalotropisJ cevea von den
Norfolk- Inseln , guaniensis von Guam und navigalorum von den
Schifferinseln sind neue Arten von Pfeiffer Proc. zool. soc. 1857.
p. 112.
Meritacea. Eine sehr gründliche Arbeit über die Ana-
tomie und Entwickelungsgreschichte der Nerilina fluviatilis
hat Claparede in Müller's Archiv für Anatomie 1857. p.
109—248 geliefert.
In dem anatomischen Theile handelt der Verf. 1) von der Haut-
bedeckung und der Struktur der Schale. In letzterer kommen sehr
enge Kanäle vor, welche für das Produkt eines schmarotzenden We-
sens gehalten werden. Der Deckel ist seiner mikioskoplschen Struk-
tur nach von der Schale durchaus verschieden, was für ein Argument
gegen die Ansicht, als sei der Deckel gleichsam eine zweite Schale,
angesehen wird. 2) Der Schlundring besteht aus zwei oberen Gan-
glien, die durch eine lange und ziemlich dicke Commissur verbunden
sind, die zur unteren Ganglienmasse verlaufenden Schenkel sind jeder-
seits doppelt, die untere Ganglienmasse besteht aus zwei Ganglien-
paaren , die einen Hing bilden. 3) Als Sinnesorgane werden die
Fühler als Tastorgane, die gestielten Hörbläschen und die Augen be-
schrieben. 4) Beim Verdauungsapparat haben besonders die Z^ngen-
knorpel des Verf. Aufmerksamkeit in Anspruch genommen, von denen
er meint sie seien ebenso gut zum Zweck der Classification zu ver-
werlhen wie die Reibmembran. Zunächst wiid hervorgehoben, dass
612 Tioschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Neritina, wie viele andere Schnecken, vier Knorpel besitzen, indem
hinter dem Knorpel jederseits sich noch ein besonderer kleinerer
Knorpel anfüge ; dann aber wird besonderes Gewicht darauf gelegt,
dass der mikroskopische Bau der Knorpel drei Formen zeige, näm-
lich erstens, dass er aus grossen Zellen besteht, die sich durch Schei-
dewände in Abtheilungen theilen, wie bei ISeritina , Cyclostoma, Po-
niatias ( und den allermeisten Schnecken , wenigstens allen bisher
näher untersuchten), — zweitens, dass die Zellen kleiner und von
abgeflachter Gestalt sind, wie bei Vitrina , — drittens, dass eine mit
zahlreichen Knoipelköiperclien besäete Grundsubstanz vorhanden ist,
wie bei vielen Pulmonalen, namentlich Heliceen. Interessant ist fer-
ner die Angabe , dass bei allen vom Verf. untersuchten Pulmonalen
nur ein einziges nach hinten gegabeltes Knorpelstück vorhanden sei.
Von der Zungenscheide wird behauptet, dass ihrem Ende eine Papille
angehöre, die die neuen Platten der Reibmembran bilde (ich muss
dabei beharren , dass diese Papille mit der Radula aus der Zungen-
scheide, namentlich bei grossen Schnecken hervorgezogen wird, also
nicht der Zungenscheide angehört, sondern der Radula selbst). 5) Bei
den Circulationsorganen wurde es wahrscheinlich gemacht, dass ein
vom Darme durchbohrtes Organ am Grunde der Kieme das Herz sei,
jedoch lasse sich eine Vorkammer und eine Herzkammer nicht unter-
scheiden. — Die Neritinen sind geliennten Geschlechts; sowohl die
männlichen Organe, die aus Hoden, Samenleiter, einer sogenannten
männlichen INebendrüse und Penis bestehen, als auch die weiblichen,
Eierstock, Eileiter, weibliche IVebendrüse , Samentasche und Uterus,
sind sehr sorgfältig untersucht und abgebildet worden. In der ku-
gelförmigen Kndanschwellung des Uterus werde ein StoiF gefunden,
den Verf. für Myelin erklärt. Die Zoospermien bilden sich als Fäden
ohne Knopf in einzelnen Bildungszellen, in welche die Mutterzellen
vor der Bildung der Zoospermien zerfallen , so dass die sonst ge-
wöhnlichen schopfartigen Büschel niemals gefunden werden. — Be-
sonders wichtig ist der Abschnitt über die Entwickelungsgeschichte,
da wir ja bisher nur durch die kurze Mittheilung von Lindström
überhaupt etwas von der Entwickelung der Neritinen wissen. Ich
finde in der Claparedeschen Schilderung keinen AViderspruch gegen
die Lindström'schen Angaben, aber die Vorgänge sind dctaillirtcr er-
forscht. Dass sich bis 60 Eier in jeder Eihülle finden , von denen
sich immer nur eins zu einem Embryo entwickelt, wird bestätigt.
Die Beobachtungen des Verf. sprechen gegen die Auffassung von
Koren und Danielssen und durchaus für die von Carpenter,
dass nämlich alle dem einen zur Nahrung dienen ; es wurde beob-
achtet, dass der Embryo an den übrigen Eiern lecke, und die auf der
Oberfläche befindlichen Dotierkörnchen in den Schlund einwandern.
Dies geschieht bereits zu einer Zeit, wo noch keine Spur einer Schale
der Mollusken während des Jahres 1857. 513
vorhanden ist. Die Larven haben Wimpersegel am Kopfe, machen
aber die Entwickelung so weit in der Eikapsel durch, dass die pro-
visorischen Organe bereits vor dem Ausschlüpfen aus derselben ver-
schwinden. Mit dem Anfange des freien Lebens fällt etwa die Bil-
dung des Herzens und der Kieme zusammen, während die Geschlechts-
organe erst viel später zur Entwickelung kommen.
Einen Auszug aus der eben besprochenen Arbeit, soweit sie
die EntvAickelung von Keritina betrifft, findet man in Annais nat. bist.
XX. p. 196.
Neritiiia riiida und emergens von Java, pulcherrima von Ce-
lebes Mousson Journ. de Conchyl. 1857. p. 162. — IN. nucleolus Mo-
rdet Test. nov. Austral. 1. c. von Neu-Caledonicn.
Navicella caledonica Morelet von Neu - Caledonien Test. nov.
Austral. 1. c.
Trorlioidea. Trochvs (Euchele) alabastrvm Reeve Annais
nat. bist. XX. p. 523 von Diego-fiarcia bei Mauritius.
Arthur Adams hat eine Notiz über das Thier von Turbo sar-
maticus, so wie über drei Arten der Gattung Üxystele und einige
andere Schnecken des Cap veröffentlicht. Annais nat. bist. XX. p.41.
Turbo Cailleti Fischer et Bernardi Journ. de Conchyl. 2. Ser.
Tom. L p. 294. pl. 10. fig. 10—11 von Guadeloupe.
Pkasianella compta Gould Reports of explorations and surveys V.
p. 333. pl. 11. fig. 25. 26 von San Diego.
KiMSiireSlarea* Fischer hat mehrere Arten der Gattung
Fissurella auf das Thier untersucht, und findet eine grosse Verschie-
denheit in Beziehung auf den Rand des Mantels. Ob man diese als
generische Differenzen anerkennen soll, will er davon abhängig ma-
chen, ob sich auch anatomische Differenzen finden möchten. Am er-
.sten möchte er noch die Trennung in zwei Gattungen zulassen, je
nachdem die Schale eine äussere ist (Fissurella) , oder mehr oder
weniger vom Mantel bedeckt wird (Fissurellidaea"). Journ. de Con-
chyl. 2. Ser. Tom. I. p. 233. — Vergl. ib. IL p. 115.
Fissnrella Schranimii Fischer ib. IL p. 383 von Guadeloupe.
Fischer hat ferner die Gattung Subeniarginula anatomisch un-
tersucht, und findet sie verwandt mit Emarginula und Fissurella. Thier
und Zunge sind abgebildet, jedoch ist mir letztere unverständlich.
Ib. Tome L p. 224.
Emarginula Rollandii Fischer ib. p. 356 von Guadeloupe. —
E. Coslae Fischer ib. Tom. IL p. 38. pl. 2. fig. 5 von Neapel.
Fischer spricht sich ib. I. p. 237 gegen die Anwendung des
Namens Anatomus Montf. anstatt Scissurella aus.
Archiv f Naturgesch. XXIV. Jahrji. 2. Bd. HH
514 Troschel: Bericht üb. d. l.eistungeii in d. Naturgeschichte
Cyclobranchiata.
Patelliua. Murray bezeichnete eine Varietät von Patella
vulgata als Var. intermedia. Edinburgh new phil. Journ. N. S. VI.
1857. p. 1G4; Annais nat. bist. XIX. p.211.
Acmaea Hamillei Fischer Journ. de Conchyl. 2. Ser. I. p. 276 von
Guadeloupe.
Gadinia excentrica Tiberi Journ. de Conchyl. 1857. p. 37. pl. 2.
fig. 6 von Sardinien.
Ciiitonidae. Schilf hat Beiträge zur Anatomie von
Chiton piceus geliefert, die als eine werthvolle Bereicherung
der Kenntniss dieser interessanten Schnecken anzuerkennen
sind. V. Siebold und Kölliker Zeitschr. f. wiss. Zool. IX. p. 12
mit zwei Tafeln.
Sehr ausl'ührlich ist das Herz beschrieben , welches aus einer
Herzkammer und zwei Vorkammern besteht, welche letzteren aber an
ihiem Hinterende vereinigt sind, so dass sie gleichsam nur eine huf-
eisenförmige Vorkammer darstellen, die das Blut durch 4 Oeflnungen in
die Herzkammer ergiesst. Von den Geschleciilsorganen sind uur die
weiblichen beschrieben worden. Den Zweck der Zungenknoipel setzt
Verf. in dem Festhalten der Radula, wenn dieselbe sich zurückbe-
wegt; sie sollen verhindern, dass die Radula, welche bekanntlich
ganz lose in der Zungenscheide steckt , sich nicht beim Fressen
herausschiebe, und er möchte daher diese Knorpel, deren blasige Na-
tur er bei Chiton piceus bestätigt, nicht mit M i d d en d o r f f ßewe-
gungsblasen, sondern vielmehr Fi xi r u ng sb 1 as e n nennen. Von
der Reibplatte ist eine Abbildung gegeben, die ein hübsches Bild von
dem Eindruck unter dem Mikroskop giebt, aber weder Beschreibung
noch Abbildung sind für die Vergleichung mit verwandten Gattungen
und Species berechnet. Ausserdem sind noch der Schlund mit seinen
ßlindsäcken, Magen, Daim, Leber, INieren, die ihrer Function nach
zweifelhaft sind, Nervensystem und Kiemen beschrieben.
Cirrobranciiiu<a* Die schöne Arbeit von Lacaze-
Duthiers über die Organisation und Entwickelung von
Dentalium, verg. vor. Bericht p. 139 , ist in den Annales des
Sciences nat. Tome Yll und VIll fortgesetzt und beendet wor-
den. Der zweite Theil Tome VII p. 170—255 handelt von
den Geschlechtsorganen und der Embryogenie; der dritte
Tome Vlll. p. 18 — 28 von der Lebensweise; der vierte ib.
p, 28—44 von den zoologischen Beziehungen.
Die Dentalien sind getrennten Geschlechts, aber Hoden und
Eierstock sind in beiden Geschlechtern von gleicher Gestalt. Sie lie-
der Mollusken während des Jahres 1857. 515
gen im hinteren Körpeitheile am Rücken, und münden vermittelst
eines kurzen Ausführungsganges in die rechte Hälfte des ßojanus'-
sehen Organes. Dieses letztere ist doppelt und unigieht den After;
jede Seite öifnet sich in einer Oeffnung nach aussen, und Verf. nimmt
es für ein Absonderungsorgan, eine Niere. — Die Befruchtung findet
ausserhalb des Mutterkörpers statt. Verf. hat zahlreiche Spermatozoi-
den aussen an den Eiern angeheftet, mehrere durch die Mikropyle in
das Ei eingedrungen gesehen, und vermuthet , dass sie auch durch
eine zweite Mikropyle in das Innere des Dotters eindringen. INach
Vollendung des Furchungsprocesses beginnt die zweite Periode der
Entwickelung, in welcher der Embryo schwimmt. Etwa 16 Stunden
nach der Befruchtung erscheinen auf der Oberfläche des Embryo Wim-
pern , der Körper verlängert sich ein wenig und trägt am Vorder-
ende ein Büschel Wimpern, während sich auf dem Körper die Wim-
pern zu Reifen ordnen, die sich demnächst auf die Zahl vier ver-
einfachen; der Embryo erscheint ganz ähnlich einem Anneliden-Em-
bryo. Die Reifen nähern sich und vereinigen sich zu einem breiten
Reifen. Dahinter bildet sich eine ringförmige Wulst und am Hin-
terende entseht eine Furche, in welcher einige Wimpern erscheinen.
Schon nach 48 Stunden erscheint die Schale, mit ihr beginnt die
dritte Teriode. Der hintere Theil des Körpers verlängert si(;h, der
vordere senkt sich ein . so dass der Wimperreifen die Bewegungs-
scheibe darstellt. Auch in dieser Periode schwimmt der Embryo noch,
die Scheibe nach oben. Die vierte Periode beginnt am 5. oder 6.
Tage, indem nun das Thierchen kriecht. Der Fuss entwickelt sich
und wird zum einzigen Bewegungsorgan. Verf. hat sie bis zum 40.
Tage beobachtet, wo der Embryo schon die grösste Analogie mit dem
vollständigen Thier hat. Die Ausbildung der einzelnen Organe wird
hierauf ausführlich geschildert. — Bei einer ausführlichen Bespre-
chung der zoologischen Beziehungen kommt Verf. zu dem Resultate,
Dentalium müsse wegen der Symmetrie des Körpers, wegen des Ner-
vensystems , des Fusses , des Mundes, Lage des Afters, wegen der
Bojanus'schen Organe , der Geschlechtsorgane und wegen der Em-
bryonen zu den Acephalen gestellt werden, während die Gattung
durch den Embryo und die Zunge mit Chiton, wegen der Zunge und
der Struktur der Schale mit Patella Verwandtschaft zeige. Ref. für
seinen Theil , muss gestehen, dass ihm ein Accphale mit Zunge, ein
Widerspruch zu sein scheint. Da nun Dentalium natürlich nicht ge-
radezu in die Ordnung der Lamellibranchen und Brachiopoden ge-
setzt werden kann , so bildet Verf. für dasselbe eine eigene neue
Ordnung, die er Solenoconcha e nennt.
Ueber das Nervensystem von Dentalium entalis von Lacaze-
Dulhiers vergl. Comptes rendus 1857. p. 864; Annais nat. bist. XX.
p. 236.
516 Tro sc hei : ^Bericht üb. tl. Leistungen in d. Naturgeschichte
Pulmonat a.
Fischer hat Studien über die Spermatophoren der
Lungenschnecken bekannt gemacht. Annales des sciences
nat. Tome Vll. p. 367.
iXach einer historischen Einleitung werden die Speimatopho-
ren (Lister's Capreoius) von folgenden Arten beschiieben : Arien
rufus, Farniacella Deshayesii und Valenciennii , Limax niaximus, Pel-
tella pallioluni , lleiix aspersa, pomatia, nenioralis, lubiistorum, ßuli-
nius acutus. Ganz ohne Sperniatophore sollen sein: Helix pisana,
rotundata, Icnticula, fruticuni. — Unter den bisher beobachteten For-
men ergeben sich folgende Verschiedenheiten: die Erweiterung (no-
dus) liegt in der Mitte (llelix) , oder vorn (Farmacella, Peltella ?),
oder es ist kein deutlicher INodus vorhanden, aber eine Reihe dorsaler
Zähnelungen (Arion, Bulimus). — Die Spermatophoren bestehen aus
coagulirteni Eivveiss mit etwas kohlensaurem Kalk. — Die Bedeutung
dieses Organs wird darin gesetzt, dass es die plötzliche Lösung der
Individuen bei der Begattung hindere und den Samen in die Samen-
tasche befördere. Die Bildung der Spermatophoren ist Verf. geneigt
der sogenannten Eiweissdrüse zuzuschreiben.
liiniacea» Limax (MegapellaJ semiteclus 3Ioerch aus Cen-
tralamerika Meddelelser nat. Forening 1857. p. 340; Journ, de Con-
chyl. 1857. p. 282.
Philomycus (Tebennophorus ) costctricensis Moerch Meddelelser
nat. Forening 1857. p. 311 von Costa rica.
Nachdem Deshayes in Journ. de Conchyl. 2. Ser. l. p. 283
eine neue Limax-artige Gattung Vique^ieslia nach fossilen Stücken
aus Rumelicn aufgestellt hatte, deren Schalenrudiment mit einem
ziemlich dicken senkrecht umgeschlagenen Rande versehen ist, und
an welchem sich zwei Windungen an der oberen Seite erkennen
lassen , während die ventrale Seite schwielig und ohne Spur einer
Windung ist, — beschreibt Fischer in einem Anhange auth eine
lebende Art dieser Gattung, die zwischen Limax und Parmacella ste-
hen soll. Dieselbe heisst V. Dussumieri und stamii.t von Mähe.
Eine „Monographie du genre Testacelle, von Gassi es und
Fischer,' Abdruck aus den Actes de la soc. Linn. de Bordeaux.
Tome XXI. 1856 mit 2 Tafeln ist nachträglich zu erwähnen. Vergl.
die Anzeige von Pfeiffer iu de» Malak. Bl. p. 74.
Helicea. Gundlach hat dieThiere von dreissig Meliceen-
Arlen, besonders in Beziehung auf die Farbe beschrieben. Die Ar-
ten gehören den Gattungen Succinea , Helix, Bulimus, Stenogyra,
Subulina, Achatina, Spiraxis. Pupa und Cylindrella an. Malak. Bl. p.42.
der Mollusken während des Jahres 1857. 517
In einem Berichte von Pfeiffer ib. p. 100 über Dr. Gund-
lach's Reise narh Trinidad auf Cuba sind 43 Arten dort lebender
Schnecken aufgezählt, und Aotizen über die Thiere beigefügt. Die
neuen Arten sind unten namhaft gemacht.
Fischer giebt einige Notizen über Daudebardia sicula; er
stellt diese Gattung in die F;imilie der Testacellidae. Jotirn. de Con-
chyl. 1857. p. 28.
Auf Vitrina praestans Gould gründete Theo bald Journ. Asiat,
sof. 1857. p. 252 eine neue Gattung Cryptosoma, testa Vitrinae
simile, sed robnstiore; peristomate obtuso band tenne ; aninial peni-
tus intra testani retractile , et in aestivationis tempore . solido epi-
phragmate obtecto. Verf. hat die Art generisch von Vitrina getrennt,
weil das Thier sich vollständig in die Schale verbergen kann , und
weil der Mundsoum dicker als bei Vitrina ist.
Siicchiea lineata W. G. ßinney Proc. Boston Soc. VI. p. 155;
Proc. Philadelphia 1857. p. 19 aus der Nähe von Fort Union. — S.
guamensis von Guam, chinensis von China, Bermudensis von Bermuda
Pfeiffer Proc. zool. soc. 1857. p. 110.
Anostoma Deshayesiamim Fischer aus Brasilien und A. Ver-
reauxianum Hupe vom Amazonenflusse sind zwei neue Arten , wo-
durch die Zahl der Arten dieser Gattung auf fünf erhoben wird. Journ.
de Conchyl. 2. Ser. Tom. I. p.350. Letztere ist in Castelnau's Reise-
werk p. 22. pl. 3. fig. 5 abgebildet.
JSaniiia cycloidea Albers aus Ostindien 31alakoz. Bl. p. 89, bei
welcher Gelegenheit eine neue Diagnose von N. splendens gegeben
ist. — i\. Waandersiana , Baliensis, sparsa, clypeus, corrosa, viena^
(tensis Mousson von Java, ßalie und Celebes Journ. de Conchyl. 1857.
p. 154.
Indem Albers Malak. Bl. p. 91 sich nur insofern für die An-
nahme der Gattung Zonites ausspricht, als dieselbe auf H. verticillus,
algirus und verwandte zu beschränken sei , erhebt er die Gruppe
Hyalina zur eigenen Gattung, die er folgendermassen charaktcri-
sirt: Testa umbilicata vel j erforata , depressa, tenuis, nitens, vitrea
vel fusco-cornea; anfractus 5 — 7 regulariter-accrescentes,''ultinius non
descendens, saepe anlice dilatatus ; spira depressa, rarissime orbiculato-
conica : apeitiira rotundato-lunaris ; peristoma tenue , acutum rectum.
Maxilia Simplex, (nee sulcala nee denfata) arcuata , margine inferior!
acuta, medio prominente; apertura respiratoria latere dextro supra
collare, genitalis ad basiii colli; systema sexuale simplex, buisa ha-
stae aniatoriae et hasta ipsa, flagellum et folliculi mucosi omnino
desunt ; musculus retiactor penis brevissimus ; saccus communis sexua-
lis glandulis mucosis obsitus. Die Gattung zerfällt in drei Gruppen:
EnhyalinUy Typus H. cellaria; Mesomphix: Typus H. olivetg-
518 Troschel: Bericht üb. d. lieistnngen in d. i^atuigeschichte
rum; G a s t r o d o n t a , Typus H. interna Say. — Zur ersteren Gruppe
gehört eine neue Art H. natolia von Sputari.
Zonites deilus Bourguig^nat Revue de Zoologie 1857. p. 9 von
Sebastopol. — Z. micida Mousson von der Insel Balle Journ. de Con-
chyl. 1857. p.l58.
Helicella Sleenstrupii Moerch in Rink's Grönland Anh. p. 75.
(Helix nitida Fabr., Helix alliaria Forbes.)
Anatomische Bemerkungen über Helix retirugis und Moquiniana
machte Fischer Journ. de Conchyl. 1857. p. 26 und p. 29. — Da-
selbst p. 31 beschreibt derselbe die Sperniatophoren von H. ne-
moralis.
Ueber die Varietäten der Helix nemoralis L, und hortensis
Müll, hat Bei bisch geschrieben. In Betreff der liuksgewundenen
Arten stellt er die Hypothese auf, sie entständen dadurch, dass zwei
Dotter in einem Ei vorhanden seien, und dass dann, wenn der eine
sich zu drehen beginnt, der andere gezwungen VAürde, sich in ent-
gegengesetzter Richtung zu drehen. Allg. Deutsche ISaturh. Zeitung I.
1855. p. 283.
W. G. Binney hält Proc. Boston soc. VI. p. 128 Helix thy-
roidus Say für eine Bewohnerin aller Staaten im Osten der Rocky
mountains, vielleicht mit Ausnahme der Halbinsel Florida. Er sieht
H. buccnlenta Gould als Varietät und Repräsentanten in den südwest-
lichen Staaten an.
Thienemann weist nach, dass die Linne'sche Helix albella
der Jugendzusland von H. ciystallina Müll, sei . und giebt dem letz-
teren Kamen den Vorzug. Malak. Bl. p. 214.
Redfield beschrieb Helix EUioUi aus den Gebirgen von Geor-
gia und Aordcarolina und H. barbigera aus Georgia. Annais Lyceuni
New-York VI. p. 170.
Helix stenogyra ist Taf. 25. Fig. 20—22, H. Arecibensis Ta f. 28.
Fig. 22 — 24 bei P f e i f f e r IN'ovit. conchol. beschrieben und ab-
gebildet.
V. 3Iartens machte eine nachträgliche Bemerkung über Helix
olivetorum xMalak. Bl. p. 213.
Bourguignat hat in der Revue de Zoologie 1857. p. 1 von
der echten Ileliv Codringtoni Jan eine neue Beschreibung gegeben,
ihre Synonymie zusammengetragen und einige neue oder bisher mit
ihr verwechselte Arten aufgestellt, nämlich: H. pcutfassia, encinela,
eupaecilia, euchromia.
Ebenda p. 8 H. sphaeriostoma aus Thessalien und H. Grelloisii
von den Inseln des Griechischen Archipels.
Ebenda p. 545 H. Dschulfettsii Dubois aus Armenien und //. Co-
mephora Bourguignat (seplipila Bourg. olim) von der Krim.
der Mollusken während des Jahres 1857. 51^
Helix asteriscus Morse Fror. Boston soc. VI. p. 128 von Bethel
3Ie. — H. intercisa VV, G. ßinney (H. INickliniana Lea var. Binney
Terrest. Moll. II. p. 120) von Oregon, Fror. Boston Soc. VI. p. 156;
Froc. Philadelphia 1857. p. 18.
Ffeiffer stellte Froc. zool. soc. 1857- p. 107 auf: H. subde-
cussata Bombay, f/rarmm ^'etisecland. /V/h^a iN'euseeland, birmnna Mer-
gui, decidua Neuseeland, tetiulata Neuseeland, sciadium Neuseeland,
niphas Azoren, lutacea — ?, exarala Californien ? , mormomim Mor-
mon-Insel in Californien. propinqua Bombay, bicruris Mexiko. — H.
Langi Parreiss vom Painass ist von Rossmaessler 31alak. Bl. p. 41
charakterisirt worden. — H. Scholti Zelebor aus Syrien, infecta Farr.
aus Canada, luteata Farr. aus Portugal , corax Farr. vom Taui us, re-
ticulata Pfr. aus Californien ib. p. 85- — H. rubra von Arrow -Island,
prospera von Ceylon , Tollini vom Cap, platygyrn aus Columbien
sind neue Arten von Albers ib. p. 93; die beiden ersteren sind ab-
crebildet. — Helix suavis Gundlach und Letranensis Pfeiffer aus der
Nähe von Trinidad auf Cuba ib. p. 105. — H. monolacca Pfeiffer jb.
p. 155 von Surinam. — H. comta Gundlach von Cabo de Cruz auf
Cuba ib. p. 172. — H. FrickiVh. ib. p. 229 von den Sandwichinseln.
— H. Boyerii Fischer et Bernardi Journ. de Conchyl. 2. Ser. Tom. I.
p. 297. pl. 70. üg. 8 — 9 von den Admiralitäts-Iuseln. — H. hierroen-
sis. Ferr audier ei und Guamartemes Giasset von den Canarischen In-
seln ib. p. 345. — H. Berlieri Morelet von Algerien ib. Tom. II.
p. 39. — H. pascalia Cailliaud ib. p. 102. pl. 2. fig. 3 aus Brasilien.
— H. Vidaliana, atlantica , brumalis . horripila. caldeirarum Morelet
et Drouet ib. p. 148 von den Azoren. — H. transiersalis 3Iousson
von der Insel Balie ib. p. 158. — H. tigri Fischer ib. p. 189. pl. 6.
fig. 3 von Oran. — H. Fischeri und miiltisulcata Gassies von Neu-
Caledonien ib. p. 271. — //. cespitoides ¥\sc\\qv ib. p. 278 von Neu-Ca-
ledonien. — H. Cazenavettii Fischer et Bernardi von Madagaskar ib.
p. 280. — H. modica und hipponensis Morelet ib. p. 373 von Alge-
rien. — H. squamulosa Mousson Vierteljahrsschr. der Ges. zu Zürich
p. 396 von Trapezunt.
Sheptaxis intermedia Albers aus Brasilien . zwischen Candida
Spix und Wagneri Pfr. 3Ialakoz. Bl. p. 95. — St. Rollandii Bernardi
Journ. de Conchyl. p. 187. pl. 6. fig. 2 aus Brasilien.
Pupa caucasica Farr. vom Caucasus 3Ialak. Bl. p. 8S. — F.
Moreletiana Grasset von Teneriffa Journ. de Conchyl. 2. Ser. 1. p. 348.
— F. Schaeflii und //•{7?^rrii Mousson von Reduktaleh Vierteljahrsschr.
Ges. Zürich 1856. p. 398.
Von dem echten Bulimus pudicus 31üll. gab Ff e i f f e r 3Ialak.
Bl. p. 179. Taf. 4. Fig. 1. 2 eine Beschreibung und Abbildung. Sie
ist von der in den Sammlungen unter dieseui Namen häufigen Art,
die nun Bul. Almeida Spix heissen muss, verschieden.
520 Tioschel: Bericht üb. d. Jieistiingen in d. Naturgeschichte
Bcnson beschrieb folgende Arten der Gattung Bulimus aus
Indien, Burma und Mauritius in Annais nat. bist. XIX. p. 327: B. Do-
mina aus Caschniir, salsicola von den Salzbergen von Penlepotamien,
Estellus und Verlica aus dem Sind-Staate , sanfjnineus Barclay MS.
von Mauritius, Fhysalis vom Kilgherri - Gebirge , pleurophorus vom
Khasia-Gebirge, Theobaldianus von Tenasserim, Ptitvs von Tavoy.
Unter den 250 Arten Bulimus, welche in dem Castelnau'schen
Werke aufgezählt sind, sind folgende Arten neu : B. Caslelnaudi Peru,
regalis (Achütina perversa Spix, regina Var. auct.) Brasilien, Laroi-
sianus, incisvs (regina d'Orb. pl. 29. fig. 4. 5) Bolivia, Bovssingaultii
(regina Reeve Icon. 168b.), alavda (thamnoicus d'Orb. pl. 37. fig. 6. 7)
Peru, revinctvs (thamnoicus d'Orb. pl. 37. fig. 8. 9) Peru, Weddelii
See Titicaca, Beyerleanns Peru, simplex Peru.
An sonstigen neuen Arten sind zu nennen : Bnlirmis Fairhankl
Pfeiffer Proc. Zool. soc. 1857. p. 109 von Ahmednugger in Indien. —
B. episornvs und psendoepisomvs aus Syrien, so wie B. Humberti von
Sebastopol Bourguignat Revue de Zoologie 1857. p. 10. — B, exi-
mius von l\eu - Caledonien , tripictvs von Costa rica, asperalus von
den Gallapagos-Inseln sind von Albers aufgestellt. Malak. Bl. p. 96.
— Bulimus ((ngulosus Gundlach von Trinidad auf Csiba ib. p. 107. —
B. micans von Natal , B. malaharicus von Malabar, B. acervalus aus
Brasilien, B. Hector ebendaher, B. savcochilus ebendaher, B. eques
von Cochinchina Pfeiffer 1. c. p. 156. — B. (Melanieila) Manza-
nillensis Gundlach von Blanzanillo auf Cuba ib. p. 172. — B. Bin-
neyanus von den Anden der Provinz Patas in Peru und Mejillonensis
aus der Wüste Atacama Pfeiffer ib. p. 229. — B. Gruereamis, anaga
und Tarnieranus Grasset von den Canaiischen Inseln Journ. de Con-
chyl. 2. Ser. Tom. I. p. 347. — B. Cirtcmus Äloreiet aus Algerien ib.
p. 349. — B. Lherminieri Fischer ib. p. 355. pl. 12. fig. 6—7 von
Guadeloupe. — B. lodillus Morelet ib. Tom. II. p. 40 von Algerien.
~— B. Sanctae- Marine, vulgaris, Harfungi, delibntus , Forbesianus
Morelet et Drouet ib. p. 150 von den Azoren. — B. aculissimus und
densespiralus Älousson ib. p. 159 von Java. — B. Souvillei und sin-
gularis Morelet von IN'en-Caledonien Test. nov. Australiae. — B. tre-
mulans Mousson Yierleljahisschr. der Ges. zu Zürich III. p. 167 von
den Azoren.
Bulimus coarctatus Pfr. ist bei Pf ei ff e r Novit, conchol. Taf. 22.
fig. 22. 23 abgebildet.
Parfula Masler si Pfeiffer Proc. zool. soc. 1857. p. 110 von
Guam. — P. cinerea Albers Malak. Bl. von den Salomons- Inseln,
wobei zur Vergl. eine Diagnose von P. grisea J.esson gegeben ist.
Cylindrella macrosloma Pfeiffer Proc. zool. soc. 1857. p. 111
von Jamaica. — C. producta Gundlach Malak. Bl. p. 110 von Trinidad
der Mollusken während des Jahres 1857. 521
auf Cnba. — C rejitricosa und intenupta Gundlach von 3Ianzanillo
auf Cuba ib. p. 175. — C. eximiu Pfr. ib. p. 23i.>.
Nach de Saulcy werden die grossen Achatinen (A. bicari-
nata) von der Prinzeiiinsol im Busen von Guinea nach England ver-
sandt, als iMittel gegen die Schwindsucht. Revue et mag. de Zoolo-
gie 1857. p. 542. — Bei Pfeiffer Xov. conchol. sind A. Darnaudi,
Shiplayi . Wallacei und Texasiana auf Taf. XXII. fig. 7 — 14, so wie
A. Rodatzi Dkr. auf Taf. XXVII abgebildet. — A. Poetjana Pfr. Mal.
Bl. p. 173.
Subulina elata Gundlach von Cuba Mal. Bl. p. 173.
An dem Thier von Achatina (Stenogyra) octona, welches einen
Kiefer und die Zunge einer herbivoren Helicee besitzt, zeigt Fi-
scher die Schwierigkeit, unter den Landschnecken sichere Gattun-
gen festzustellen. Journ. de Conchyl. 2. Ser. Tom. I. p. 239. Vergl.
ebenda p. 241 eine Bemerkung über das Thier von Achatina lamel-
lata , welche Art Pfeiffer zur Gattung Tornatellina gestellt hatte.
Petit de la Saussaye n»acht Piioritätsansprüche auf seinen Namen
Elasmatina geltend ib. p. 329.
Oleacina cyanoz-oaria , Ivinilaria und regnlaris (lundlach sind
neue Arten von Trinidad auf Cuba. 3Ialak. Bl. p. 108.
Glandina salnrata Gundlach Mal. Bl. p. 174 von Cuba. — G.
gracilenta Morelet. Journ. de Conchyl. 1857. p. 41 von Algerien. —
G. Pazensis Areas von Cuba ib. p. 282. pl. 10. lig. 8—9.
Bourguignat beschrieb die ihm in seiner früheren Mono-
graphie der Gattung Caecilianella noch unbekannte C. aciculoides
(Columna aciculoides Jan), und eine neue Art C. aglena aus Frank-
reich. Revue de Zoologie 1857. p. 13.
Von Gulick wurden 49 neue Arten der Gattung Achatinella
von den Hawaischen Inseln in den Annais Lyc. New-York VI. p. 173
beschrieben und auf 2 Tafeln abgebildet. Ihre Namen sind : A. lencochila,
resinula, lagena , lacrima. cosfidala , strialella ^ mavginata , fvscula,
fumida . gummea , fragilis, trilicea . granifeva. crystallina, saxatilis,
exilis , pefila , octogyrata, subula. tiirrita, terebralis, sliria, vitreola,
parvula , platysfila, pexa, laclea . eMirnea ^ avipvUa , fasciata , Bai-
leyana , pyramidalis . undosa, indtita , liynaria, crocea, vstnlala, tal-
pina, plumbea , phaeoz-ona, pliimata , diversa. varia, versipellis, cucu-
mis , frilincafa, analoga , papyracea, juncea. Auch Pfeiffer stellte
eine neue Art A. Philippiana von den Sandwichinseln auf. Malak.
Bl. p. 89. — Ebenso A. cinnamomea, gemma . sulcata, minuscula ib.
p. 230. — A. Deshayesii Morelet von den Sandwichinseln Test. nov.
Austral. 1. c.
Bourguignat hat in Revue de zool. 1857. p. 548 eine Art
Monographie der Gattung Balia geliefert. Er zählt dahin nur die Ar-
522 Tioschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
ten, welche bei Pfeiffer die Section Baleastra bilden , nämlich: B.
perversa, pyrenaica n. sp. und Rayana n. sp. , welche einen Höcker
auf der Mündungswand haben, und ß. Sarsii Phil., Deshayesiana,
Uicifnga Leach MS., Fischeriana, Tristensis Leach , ventricosa Leach.
— Die übrigen zu Balia gezogenen Arten werden den Gattungen Te-
mesa Adams, Megaspira, Paxillus, Clausilia, Cylindrella, Bulimus und
Tornatellina zugewiesen.
Balea? Canleroiana G'undlach aus der Nähe von Trinidad auf
Cuba, Malak. Bl. p. 107. — B. nilida Mousson Vierteljahrsschr. Ges.
zu Zürich III. p. 168 von den Azoren.
Die Grenze zwischen der Gattung Balea und Clausilia fand A.
Schmidt, Zeitschr. für die gesammten Naturw. von Giebel und
Heintz VIII. p. 407 nicht mehr haltbar, indem er die Charaktere bei
Varietäten einer und derselben Art so verwischt fand , das diese
Varietäten iu verschiedene Gattungen zu stellen sein wüiden, wenn
man an deren bisherigen Charakteren festhalten wollte. Er ordnet
nun die siebenbürger baleenartigen Clausilien folgendermassen. A.
rechtsgewundene: Cl. Bielzi Parr. , Madensis Fiiss , Lischkeana Parr.,
pruinosa Parr., livida Mke. B. linksgewundene: Cl. glorifica Parr.,
glauca Bielz, canescens Parr., elegans Bielz , inlercedens A. Schmidt
n. sp,, regalis Parr,, straminicollis Parr,, plumbea Rossm.
Clausilia bogatensis Bielz Verhandl. des siebenbürgischen Ver-
eins für Naturw. 1856. No. 12 aus dem bogater Thale im Geister-
walde. — Cl. Blandiana Pfr., Cl. Cyclosloma Pfr. und Cl. thermo-
pylarum Roth sind bei Pfeiffer Novit, conchol, Taf. XXII abgebil-
det. — Cl. bitorquata Friv. MS,, vesicalis Friv., porrecta Friv., fau-
ciata sämmtlich aus Syrien , Cl. clalhrala Friv. aus Ungarn und Cl.
cla7idestifia Parr. aus Böotien hat Rossmaessler Malak, Bl, p, 38
beschrieben, — CL colckica Parr. ib. p. 88. — Cl. mitylena Albers von
Lesbos ib. p, 99. — Cl. Lanzai Dunker ib, p, '232. — Cl. funiculum
von Trapezunt, nnilamellata von Chysirkaleh, multilamellala und
finnata von Reduktaleh sind neue Arten von Mousson Viertel-
jahrsschr. Ges. in Zürich 1856. p. 396. — Cl. nana Küster Conchyl.
Cab. p. 150 aus dem südlichen Frankreich, ochracea (rugicollis Var.
Rossm. Pfr.) ib. p. 170 aus dem Banat, hasla (rugicollis Var. Rossm.)
ib. aus dem südlichen Ungarn.
Auriculacea* Im Journ. de Conchyi. 1857. p. 310 findet
sich eine posthume Abhandlung von Mittre über die Lebensweise
und die Athmungsorgane der Auricula myosotis. Nach den Beob-
achtungen des Verf. ist sie eine wahre Lungtaschnecke , hat auch
einstülpbare Fühler, Ueber die Gruppe Conovulus hat Verf, keine
Beobachtungen gemacht.
Die Gattung Blauneria Shuttl. erklärt Fi. eher nach Untersu-
chung des Thieres für der Familie der Auriculaceeu angehörig , und
der Mollusken während des Jahres 1857. 523
stimmt also der PfeilFer'schen Ansicht bei. Jonrn. de Conchyl. 2, Ser.
Tom. I. p. 231.
Bourguignat hat eine Monographie der Gattung Carychium
in lievue de Zoologie 1857. p. 209 geliefert. Er nimmt 16 Arten an,
von denen 1 in Asien, 3 in Amerika, 12 in Europa vorkommen, und
von denen 6 nur fossil sind. Neu sind darunter folgende lebende
Arten: C. stiiolalum aus Frankreich (Aube) , Raxjamim ebenda, exi-
steliiim aus Noidamerika, euphaeum aus Nordamerika. Den Beschluss
macht ein ziemlich grosses Vcrzeichniss von Arten , welche als Ca-
rychien beschrieben sind , aber anderen Gattungen angehören.
liiinnaeacea» Physa auriculata und Fh. kanakina Gassies
von Neu -Caledonien. Journ. de Conchyl. 1857. p. 274. pl. 9. — Ph.
nastita, obtnsa, hispida, caledonica, tetrica, circnmlineata Morelet von
Neu-Caledonien Test. nov. Austr. 1. c.
Platiorbis ingenuus Morelet von Neu-Caledonien ib.
^otohr anchiata.
Aeolidiiie, Moser hat mit dem Schleppnetze an der Küste
von 31orecambe - Bay Aeolis Landsburgii gefangen. Annais nat. hisl.
XIX. p. 498.
Aeolis Olrikii Mörch in Rink's Grönland Anh. p. 78.
R u d. B e r g h hat anatomische Untersuchungen an Fiona
atlantica angestellt , und dieselben in Meddelelser fra den
naturhist. Forening i Kjöbenhavn 1857. p. 273—337 ver-
öffentlicht.
Die Gattung war ursprünglich von Hancock und Embleton Oi-
thona genannt, später in Fiona umgetauft worden. Sie ist besonders
kenntlich an den durch eine Membran gleichsam geflügelten Kiemen-
papillen , und gehört in die Gruppe der Aeolidier, welche den After
auf dem Rücken haben; die Kadula besteht aus einer Reihe gezähnter
Platten. Verf. zieht hierher drei Arten : F. nobilis Hanck. Emb.,
atlantica n. sp. aus dem atlantischen Ocean südlich von Neufundland,
wo sie massenhaft an einer leeren Tonne- sitzend aufgefischt waren,
und pinnata Eschsch. Von der gennnnten neuen Art ist dann eine
sehr ausführliche Anatomie gegeben , wovon hier ein Auszug nicht
füglich gegeben werden kann, auf die aber als ai f eine gründliche
und sehr schätzbare Arbeit hingewiesen werden muss. Zwei Tafeln
erläutern den Text.
itcera. Nach der Beobachtung von Madame Jeanette Po-
wer in Messina, Annais nat. bist. XX. p. 334 besteht die Nahrung
von Bulla lignaria vorzüglich in Dentalium entale , welche schnell
verdaut werden.
524 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. IXatiirgeschichlc
Bulla scalpla , nucleola und seinen hat Lovell Reeve 1. c.
p. 392 von Beechey's- Insel beschrieben und pl. 32, fig. 2 — 4 abge-
bildet. — B. (Tornatina) incidta und ß. (Haminea) vesicida Gould
Reports of explorations and survey.s V. p. 334. pl. 11. fig. 27 — 29 von
San Diego.
Fischer giündete eine neue (aattung C yli nd r o bull a in
der Fanjilie der Bullaceen. Testa cylindrica, bullata, tenuis, fragilis;
spira niinutissiuja ; sutura incisa , margine columellari postice reflexo
et producto, spiram tegente ; niargine dextro involuto , aperturam in-
cludente. Die Gattung würde sich vorzüglich durch die völlige Ver-
schliessung von y^ der Schalenöfl'nung auszeichnen. Die Art C.
Beauii ist von Guadeloupe. Jouni. dcConchyl. 2. Ser. I. p. 275. pl. 8.
fig. 8. 9.
Lohiger Sourerbii Fischer von Guadeloupe ib. p. 273. pl. 11.
fig. 7-10.
Mo7iopleurobranchiata.
.Ancyloidea* Ayicylus Sallei Bourguignat Revue de Zoolo-
gie 1857. p. 16 aus Mexiko.
Ptferopoda«
J. Müller hat seine Aiifmeiksamkeit nochmals der
Enlwickelungsgeschichte der Pteropoden zugewendet , na-
mentlich um einige Punkte, in denen seine früheren Angaben
mit denen Gegen baur's nicht übereinstimmten, zur Ent-
scheidung zu bringen. Monatsberichte der Berliner Acad. 1857.
p. 180.
Der erste Punkt betrifft die poche pyri forme und die Athmungs-
organe, welchen letzteren das Winiperschild der Hyalaeaceen zuge-
rechnet wird, wozu der triftigste Giund in dem Verhalten der Blut-
gefässe gefunden wird. — Der zweite trinkt behandelt die Entwicke-
lung der Leber bei Creseis acicula. Gegen baur's Ansicht, der
Blinddarm sei die Leber, wird widerlegt, vielmehr entwickelt sich
die Leber am Grunde des Blinddarms; auch ist T-I. nicht geneigt, den
Blinddarm als Gallenblase zu deuten. — Drittens wird nochmals her-
vorgehoben, dass die Winipersegcl keinerlei Autheil an der Bildung
der Flossen haben. — Viertens endlich spricl t M. über die Pneu-
modermonlai ven, ihre Zungenbewais'nung, ihre Wimperkränze u. s. w.
Die fortgesetzten Beobachtungen von Krohn über die
Entvvickelungsgeschichte der Pteropodei: , Müller's Archiv
1857. p. 459 beziehen sich auf die Cymbuliaden und Ciioiden.
der Mollusken während des Jahres 1857. 526
Von Tiedemannia ist namentlich die Entwickelung- des Rüssels
geschildert. Die T. Scyllae und Charybdis des Ref. erkliirt Verf. für
noch nicht völlig ansoebildete Individuen der T. neapolifana. — Von
nackten Pteropoden wurden fünf verschiedene Larven beobachtet
und beschrieben , ohne dass deren Zugehörigkeit festgestellt wer-
den konnte.
Acephala.
Dracliiopoila,
Albany Hancock gab einige Bemerkungen zur Ana-
tomie der Brachiopoden (Report of Ihe 2ö. meeting of the
british association for Ihe advancement of science held at
Chellenham p. 94
Die sogenannten ilerzen, deren die Terebratuliden zwei, Rhyn-
chonella nach Huviey vier besitzen, sieht Verf. als Oviducte an
und ist der Iluxley dchen Ansicht, dass sie auch als jNieren funoriren
nicht abhold. Bei Waldheiniia, Terebratulina und Rhynchonella endet
der Darm blind, ohne Afteröffnung. Die birnförmigen Bläschen, wel-
che il u X 1 e y beschrieben hat, und deren Waidhcimia ausiralis fünf
hat, während andere Alten sie in geringerer Zahl besitzen und de-
ren wenigstens eine vorhanden ist, betrachtet Verf. als dem Circu-
lations-Apparate angehörig, und die grosseste an der dorsalen Ober-
fläche des Magens angeheftete als das Herz. Nach Beobachtungen
an Waldheiniia australis und Lingula hält Verf. diese Thiere für
zuitterig, indenj die Geschlechtsdrüsen aus zwei verschiedenen Thei-
len bestehen, in deren einem er bei Waldheiniia Eier, in dem ande-
ren bei Lingula Spermatophoren mit Spermatozoen gefüllt gefunden
haben will. Eine ausführlichere Arbeit über diesen Gegenstand mit
Abbildungen ist in Aussicht gestellt.
Derselbe VciT. giebt in Proc. Royal society May, An-
nais nat. bist. XX. p. 141 eine fernere Darstellung der Or-
ganisation der Brachiopoden, die auf der Section der fol-
genden Arten beruht: Waldheimia australis, Waldh. Cranium,
Terebratulina caput serpentis , Rhynchonella psittacea und
Lingula anatina.
G r a t i 0 1 e t hat im Journ. de Conchyl. 1857. p. 209 —
258 eine Arbeit über die Anatomie der Terebratula austra-
lis bekannt gemacht , die durch Holzschnitte im Texte und
eine Tafel erläutert ist. Schale, Muskeln, Stiel, Mantel, Arme,
Verdauungsapparat, Leber, Geschlechtsorgane, Gefäss- und
Nervensystem sind geschildert.
526 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Carp enter behauptet bestimmt gegen King, die Schale von
Rhynchonella Geinitziana sei nicht durchbohrt. Annais XIX. p. 214.
EiamellibrasTBcIiiata«
In Emile Blancliard's grossem Werke, „l'Organi-
sation du regne animal ," welches seit 1852 erscheint , aber
mir noch nicht zugänglich geworden war^ sind die 1. 9. und
15. Lieferung den Muscheln gewidmet. In denselben ist das
Haut-, Muskel- und Nervensystem der Pholaden abgehan-
delt und an Phohis dactylus erläutert. Die Tafeln sind vom
Verf. selbst gezeichnet und sehr sauber ausgeführt.
0. Schmidt weist das Vorhandensein eines Körper-
chens in der Mikropyle der Najadeneier nach, und giebt also
in diesem Punkte Keber Recht. Wiener Silzuncfsberichte
XXlll. p. 314 und durch Abbildungen erläutert.
Semper hat sich in einem Briefe an van Beneden
dahin ausgesprochen, Cyphonaules compressus Ehrbg. sei die
Larve einer Muschel. Er hatte die Absicht weitere Mitthei-
lungen in unserem Archiv zu machen , dieselben aber zu-
rückgenommen. Bullelin de l'acad. de ßelgique. 2. Ser. III.
p. 353.
Schlossberger untersuchte die chemische Beschaf-
fenheit der Muschelschalen. Er fand an den Austernschalen
die innerste Perlmutterschicht, die braunen harten Schuppen,
und die kreideweisse Masse verschieden zusammengesetzt.
Die organische Substanz der Muschelschalen ist nach S c h 1 o s s-
berger nicht Chilin, wie Kost gemeint hat. Auch den
Byssus von Pinna nobilis hat er untersucht; ebenso zwei
Steinchen aus dem Bojanus'schen Organ von Pinna nobilis.
Würltembergische naturw. Jahreshefte 1857. p. 29.
Ein Aufsatz über Perlen und die Anfertigung dersel-
ben in China von Macgowan ist durch Van derHoe-
ven im Album der Natuur 1857. p. 244 mitgetheilt worden.
Verf. hat in Gemeinschaft mit Hague die durch Einschie-
ben von Körpern zwischen Mantel und Schale der Muscheln
erzeugten Perlen untersucht und beschreibt sie in Ueberein-
stimmung mit den bekannten Mittheilungen von Hague. Be-
achtung verdienen die interessanten Notizen von den ältesten
der Mollusken während des Jahres 1857. 527
Nachrichten über Perlen bei den Chinesen, so wie über die
grössten Perlen, deren von den ältesten Schriftstellern Er-
wähnung gethan ist, u. dgl. mehr.
Mit deutscher Gründlichkeit und umfassender Gelehr-
samkeit schrieb Möbius über die Perlen im Michaelis-Pro-
gramm der Realschule in Hamburg und im 4. Bande der
Abhandlungen des naturwissenschaftlichen Vereins zu Ham-
burg. „Die echten Perlen, ein Beitrag zur Luxus-, Han-
dels- und Naturgeschichte derselben." Mit einer Kupiertafel.
Der erste Abschnitt iiandelt von den Beispielen von Perlen-
luxus in verschiedenen Ländern und Zeiten; der zweite von der Per-
lenfischerei und vom Perlenhandel; der dritte von den chemischen
und optischen Eigenschaften , der Structur und Entstehung der Per-
len. Verf. hat mehrfach Entozoen in Perlen gefunden; alle bisheri-
gen Versuche, die Perlenbildung künstlich zu vermehren, werden für
unvollkommen und namentlich bei Seemuscheln für unanwendbar erklärt.
Ostracea« Eyton berechnete den Laich von drei Austern
auf 3 iMillionen Junge. Sie scheinen je nach der Tiefe des Wassers
zu verschiedener Zeit zu laichen. Annual of scientific discovery 1857.
p. 365.
Derselbe hat sich mit der Untersuchung der Austernbänke an
den britisclien Küsten beschäftigt, und über sie wie über die Austern
selbst beabsichtigt er nach einem vorläufigen Berichte in Report of
the 26. meeting of the british associaton of the advancement of
science p. 368 , Edinburgh new phil. Journ. N. S. IV. 1856. p. 354.
weitere Beobachtungen anzustellen.
Östren triangvlaris Holmes von der Mündung des Edisto-River
an der Küste von Südcarolina, soll sich von 0. edulis durch die re-
gelmässig dreieckige Form und grossen iMuskeleindruck unterschei-
den. EHiot Society in Charlcston 1856. June p. 29.
Ifectinea. Pecten inaequiscnlptus Tiberi 1. c. ist nach Fi-
scher Journ. de Conchyl. p. 291 = Pecten Actoni.
Aviculaeea» InReeve's Conchologia iconica Lief. 165
und 168 ist die Galtung Avicula auf 18 Tafeln in 75 Arten darge-
stellt. Als neue Arten werden angeseiien : A. ßexuosa Nordaustia-
lien , lata Australien, Ctiminfjii Lord Ilood's - Insel , ßabelhm Vene-
zuela, 6«r6«/rt Panama, ala perdicis Weslindien, mZ>/JCrtfa Philippinen,
imiricata Philippinen, lentiginosa Molukken , praetexta Philippinen,
tegnlala Australien, hystrix , rv.lila Australien, ;;e/r//ü/is Austialien,
pulchella Philippinen, radula, occa Rothes Meer, ßmhviata Austialien,
anomioides , sugillala Kordaustralien , cetra , lacunata Australien,
irrasa , aerata Australien, irradians Australien, zebra Australien,
528 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
flammata Philippinen, scalpta Australien, pernoides , assula West-
indien , chamoides, punctulata , elcclrhia Molukken, smaragdina Mo-
lukken , maUoides Australien, iridescens Molukken, caslnnea Philip-
pinen, fihrosa Philippinen, Irochilus Philippinen, aquatilis Moluk-
ken, pernviajifi Peru, scabrmscula Australien , producta Rothes Meer,
siynala , marmorala , spectrum Philippinen, formosa , inqtiinata Sin-
gapore , eximia . giegata Sauioa- Inseln , argentea, placvnoid es Au-
siralien , libella China, vexilUnn Ceylon, maura Sidncy, Cornea Ja-
maica, rilrea Westindien, reticulala Australien.
Arcacea. Als Forlsrlziing seiner Revision der Gat-
tungen einiger Muscheltamilien hat Gray in den Annais nat.
bist. XIX. p. 366 die Familie der Archen behandelt.
Er unterscheidet zwei Tribus: 1. Ar c aina mit den Gattungen
Litharca Gray, Area Gray, Trisis Oken, Barbatia Gray, Cucullaea Lam.,
Scaphula Bens., Senilia Gray, Anadara Gray, Scapharca Gray, Woetia
Gray, Argina Gray, Lunarca Gray; 2. Pecluncnlina mit den Gat-
tungen Axinea = Pectunculus Lam. , Limopsis , Liniaea. Diese 15
Gattungen sind characterisirt und bei jeder eine oder einige typische
Arten angeführt.
Area mosambicana Bianconi Mein. acc. Bologna VII. tab. 23.
(Encycl. pl. 306. fig. 1. a , b) von antiquata verschieden aus Mo-
sambique.
IViictilacea« Nucnia siliqna, sulcifera, ea^pans« Lovell Reeve
von Beechey's-Insel 1. c. p. 39G. pl. 33. fig. 1, 2 und 4.
I^'ajadei». ^(^^^ zweiten Theil von Drouet Etiides
sur les IXayades de la France , avec neuf planches noires.
Troyes 1857 Ivenne ich nur aus den Anzeigen von Ross-
maessler in den Malak. Bl. p. 225 und von Fischer in
dem Journ. de Conchyl. p. 195.
Lea beobachtete, dass einige Unionen, namentlich Unio
radiatus Zeichen von Lichtempfindung gäben, und dass die
weiblichen Exemplare hierin empfindlicher wären, als die männ-
lichen. Er vermulhel die Augen in den abgerundeten Spit-
zen der Tentakelchen , welche die OefTnungen der Siphonen
umgeben. Proc. Philadelphia 1857. p. 17. Vgl. auch Journ. de
Conchyl. 1857. p. 203.
Nachdem schon vor längeren Jahren Kirtland bei
einigen Arten der Gattung Unio im jugendlichen Alter einen
Byssus beobachtet hatte, fand nun Lea auch bei zwei er-
wachsenen Arten dieser Gattung, U. aculissimus und U. con-
radicus Byssus-Fäden. Proc. Philadelphia VIII. p. 213.
der Mollusken während des Jahres 1857. 529
Isaac Lea charakterisirte Proc. Philadelphia VIII. p. 262 elf
neue Unionen von Georgia : Unio Ellioltii, gracilior, ptillatis, favo-
sus , riitilans , erratis , vicinus , suhellipsis , geminus , rostraeformis,
Blandianus. — Ferner ebendaher ib. 1857. p. 31 : Unio concestator,
extensus, pyrifoi'inis, Cohtmhensis, fallax, intercedens, excavatus, ra-
dians , ruhellinus . umhrosiis , apicinus , Olhcaloogensis. — Ferner 6
Arten von Alabauja ib. p.83: U. propinquus , florentimts , himargina-
tus , mundvs . Thorntoni , Moovesiamts. — Ib. p. 84 fünf Arten aus
verschiedenen Theilen der vereinigten Staaten : IJ. pinguis St. Peters-
River, Higginsi von Jowa, Äbhemllensis Südcarolina, Jamesianus Mis-
sissippi , Texasianiis Texas. — Ib. p. 85 zwei exotische Arten : U.
Poeyinus aus 3Ie.\iko und Canadensis aus dem St. Lawrence - River
bei Montreal. — Ib. p. 85 elf Arten aus Nordcarolina: U. Wheatleyi,
percoarctatvs, gracilentvs, miccms . Genthii, Emmonsii, spadicens, in-
siilsns, striahdvs, macer, contractvs.
Unio Gontierii Bourguignal Revue de Zoologie 1857. p. 16 aus
der Krim. — U. Churcliillianus , eucyphus und eucirrus ib. p. 18 aus
Anatolien. — Bourguignat bezeichnet ib. p. 21 Küster's Unio na-
tolicus als identisch mit seinem ein .Jahr früher beschriebenen
U. Hueti.
Folgende Anodonten stellte Lea Proc Philadelphia 1857 auf:
p. 84 A. Letcisii aus dem Brie -Kanal und Mohawk -River , lacnstris
von Nevv-York , modesta von Michigan, — p. 85 A. Holtonis aus der
Provinz Popayan , — p. 86 A. virgniata aus dem Roanoke- River in
Nordcarolina. — A. Vescoiana Bourguignat Revue de Zoologie 1857.
p. 18 aus Anatolien.
Castelnau hat in seinem Reisewerke aus der Naja-
denfamilie folgende südamerikanisclie Arten erwähnt :
7 Castalia, worunter als neu angesehen werden : C.rehtsa pl. 14.
fig. 2 aus Guyana, multisnlcata ib. fig. 4, Inrgida fig. 1, acuticosta
flg. 3, die drei letzteren aus Brasilien.
7 Hyria, worunter neu: H. transversa ^\. Ib. fig 1 aus Brasilien,
complanata pl. 15. fig. 2 aus Guyana, Castelnaudi pl. 16 fig. 1 aus
Brasilien, (Meine H. humilis ist dem Verf. "nicht bekannt; sie wird
wohl mit Castelnaudi zusammenfallen, so wie leicht diese mit com-
planata identisch sein könnte, da die Formen der Schalen sehr zu
variiren scheinen.)
16 Unionen, worunter neu: U. (Alasmodonta) ja^pic/e« aus dem
Amazonenflusse pl. 17.
1 Monocondylea.
19 Anodonta, worunter neu : A. ohtusula aus ßolivia, Weddellii
aus Brasilien , Castelnaudii aus dem Amazonenflusse , lingulata \on
Corumba, Paraguay.
Archiv f. Naturgescb. XXIV. .Mhrg. 2, Bd. [{
530 Troschel; Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
6 Leila Gray, einer Gattung, deren Arten früher mit Anodonta
und Iridina verwechselt waren, uud die sich durch die Gegenwart
einer JVlantelbucht und durch ein Klaffen am Vorderende auszeichnet;
darunter neu : L. ftilvinata pl. 20. fig. 1 von Rio-Janeiro , L. Caslel-
naudi pl. 19. fig. 1 von Paraguay.
5 Mycetopus, worunter neu: M. Wedde.llii pl. 20. fig. 2 von
Santa Anna de Chiquitos und pygmaeus (Anodon pygmaeum Spi\)
pl. 19. fig. 2 von Brasilien.
]?lytilacea* Bei Lovell Reeve Iconographia icon. Lief.
168 und 169 ist die Gattung Älylilus auf 7 Tafeln in 29 Arten abge-
bildet. Neue Arten darunter sind: M. compressus ?h\\\])Tp\ 3IS., atro-
purpureus Dunker Guinea, rostralus Dkr. Tasmania , sinnatvs Dkr.
Philippinen, Dnnlieri Philippinen, cvneiformis Guayaquil, pallio-pun-
ctatus Dkr. Californien , Gnmerianus Dkr. Island.
Der Guttnng Modiola sind ebenda Lief. 169 und 170 acht Tafeln
gewidmet mit 48 Arten , unter denen neu : Modiola nitida Port Es-
sington , arata Dkr. MS. INordaustralien , Traillii Malacca , Senhausii
Chusan, speciosa Dkr. Peru, vexillum Australien, magellanica Dkr. Ma-
gellanstrasse.
Die Gattung Lithodomus ist bei Lovell Reeve Lief. 170 mit
4 Tafeln begonnen. Darauf finden sich an neuen Arten: L. Cumin-
gianus Dkr. Kordaustralien , Mazatlan , stramineus Dkr. Westindieij,
Grnneri Phijippi MS. Keu-Seeland, coarctata Dkr. Gallapagos, casta-
neus Dkr. , riigifenis Dkr. , Hatileyanus Dkr. Suez , ßlalaccanus Ma-
lacca, biexcavatits St. Thomas, pessidaltts, siibida.
Nachträglich müssen wir einer Abhandlung- von Dun-
ker „de Scptiferis genere Mytilaceorum et de Dreisseniis" er-
wähnen, die freilich schon 1855 als academische Gelegen-
heitsschrift zu Marburg erschienen, uns aber in dem dama-
ligen Berichte entgangen war.
Aus der Gattung Septifer beschrieb Verf. fünf Arten ohne Bor-
sten mit einem Randzahne , 6 Arten mit Borsten , ohne Randzahn.
Unter ersteren sind S. furcatus von China und S. Grayanus von den
Molukken , unter letzteren S. Cumingii Recluz von Panama und S.
Forskalii aus dem rothen Meere als neu beschrieben. — Aus der
Gattung Dreissenia kennt Verf. 28 Arten , von denen 8 (3 lebende
und 5 fossile) ein einfaches Septum , 20 (11 lebende und 9 fossile)
ein mit einer kleinen Lamelle versehenes Septum besitzen. Aus der
ersten Gruppe ist 1). Cumingiana aus dem Mississippi, aus der zwei-
ten sind D. Küsteri, Gundlachii ^ on Cuba, Mörchiana von St. Thomas
als neu beschrieben.
Dreissena caspia Eichwald Mem. de Moscou X. tab. 10. fig.
19—21.
der 3IolIusken während des Jahres 1857. 531;
Cliamacea. M a c d o n a 1 d hat der Royal Society of
London, Proc. June 1857 eine Mitfheilunj? über die Anatomie von
Tridacna gemacht. Vergl. auch Annais nat. hist. XX. p. 302.
Tridacna e/on^afiss/j/m ßianconi 3Ieni. Acc. Bologna VII. tab. 25.
flg. 2 von Mosanibique.
Carfliacea« Cardium Gnichardi Bernardi Journ. de Con-
chyl. 1857. p. 53. pl. 2. fig. 4 von A'eu - Caledonien. — C ornatum
Eichuald Mem. de Moscou tab. 10. fig. 5—7 aus dem Caspischen
Meere. — C. crnenlatum Gould Reports of explorations and surveys V.
p. 334. pl. 11. fig- 21. 22 von San Pedro. — C. Fornasiniannm Bian-
coni Mein. Acc. Bologna VII. tab. 25. fig. 1 von 3Iosambique wird
nnt apertum Chenin. verglichen.
Cyciadea. Essai monographique sur Ics Pisidies francaises
par Bau don. Paris 1857. 56 pag. 5 pl. — ist mir nur aus einer
Anzeige im Journ. de Conchyl. p. 296 bekannt geworden. Danach
hat sich Verf. auch mit der Anatomie des Thiers befasst. Er nimmt
im Ganzen nur 8 französische Arten an , unter denen eine P. coni-
cum neu.
Cyrena caledonica Gassies von Neu-Caledonien. Journ. de Con-
chyl. 1857. p. 277.
Cyrena exiniia Dkr. ist bei Pfeif ier Novit. Conchol. Taf. 24
abgebildet.
Galatea Bernardii Dunker Journ. de Conchyl. 2. Ser. Tom. I.
p. 338. pl. 12. fig. 3 vonCap Lopez. — Ebenda p. 339 zählt Fischer
die Arten der Gattung Galatea auf, deren Zahl sich auf 8 beläuft.
Aslarle Richardsoni , fabula , globosa Lovell Reeve Beechey's-
Insel 1. c. p. 398. pl. 33.
liucinacea» Lucina Voorkoevei Deshayes Journ. de Con-
chyl. 1857. p. 106. pl. 2. fig. 1 wird mit der fossilen L. Defrancei
verglichen.
Reciuz beschrieb ib. p. 340. pl. 32. fig. 4. 5 eine neue Art
Kellia Cailliaudi von der französischen Küste nach Schale und Thier,
Concliae. In einer besonderen kleinen Schrift „Kri-
tische Untersuchung der Arten des Moüuskengeschlechts Ve-
nus bei Linne undGmelin mit Ber.ücksichtigung der spä-
ter beschriebenen Arten. Cassel 1857. 8. 135 Seilen" hat
E. Römer einen werthvoUen Beilrag zurKenntniss der Gat-
tung Venus im weiteren Sinne geliefert.
Verf. theilt die Gattung Venus in acht Subgenera und diese
wieder in Familien, wobei also den Familien eine andere Bedeutung
beigelegt wird , als es in den beschreibenden Naturwissenschaften
sonst allgemein zu geschehen pflegt. Es werden dann 145 Arten von
Linne und Gmelin kritisch behandelt, meist auch mit ausführlichen
532 T rose hei: Bericht üb. d. Leistungen in d. Waturgeschichte
Diagnosen versehen. Da mehrere Familien vom Verf. neu gegründet
sind, so erscheint es angemessen, um diese unseren Lesern verständ-
lich zu machen, hier das ganze Schema des Verf. mitzutheilen :
A. Dentibus 3 in valva dextra, quatuor in sinistra.
l. Subgenus : C yther e a Lam.
1. Farn. Meretrix Lam. T. cordata laevigata, sinu palliari mi-
nimo, rotundato ; margine interno laevi, dente postico crenulato. C.
meretrix L.
2. Farn. Tivela Link (Trigona Mühlf.) T. trigona , laevigata,
sinu palliari mediocri, rotundato; margine interno laevi; dente iate-
rali remoto, postico crenulato. C. tripla L.
3. Fam. Callista Poli. T, cordato-ovata ; sinu palliari tra-
peziali, mediocri, margine interno laevi. C. erycina L. , C. Chione L.
4. Fam. Pitar Körner. T. trigono-cordata, transversim striata;
sinu palliari profundo, obtuso-triangulari ; dente laterali papilliformi ;
margine interno laevi. C. tumens Gmel. (le Pitar Adans.)
5. Fam. Lioconcha Mörch. T. rotundato - cordata, laevigata
vel subtiliter transversim striata ; sinu palliari eximie parvo, margine
interno laevi. C. castrensis L.
6. Fam. Dione Gray. T. cordata, lamellis transversis instru-
cta ; sinu palliari mediocri, triangulari; dentibus mediis lamellifor-
niibus; margine interno laevi. C. dione L.
7. Fam. Circe Schum. T. rotundala vel trigono-rotundata,
compressa, lentiformi ; natibus complanatis, angustis ; rugis transver-
sis; sinu palliari rudimentario ; dentibus cardinalibus linearibus, com-
pressis, dente laterali remoto, lato; margine interno laevi. C. scripta L.
8. Fam. Crista Römer. T. ovata, slriis longitudinalibus ; sinu
palliari niinimo; dente laterali cardinibus proximo , papilliformi ; mar-
gine interno crenulato. C. pectinata L.
IL Subgenus: Swwe ff« Link (Cuneus Mühlf.) V. MeroeL.
B. Dentibus tribus in utraqiie valva.
III. Subgenus: Tapes Mühlf. (Pullastra Sovv.).
1. Fam. Tßicfria; Römer. T. ovato-oblonga, utrinque rotundata ;
sinu palliari mediocri, trapeziali vel ovato ; margine interno glaber-
rimo. V. textrix Chemn. (textile Gmel.).
2. Fam. Faremhola Römer. T. ovata, antice rotundata, postice
angulata; sinu palliari parvo, triangulari; margine interno glaber-
rimo. V. litterata L.
3. Fam. Amygdala Römer. T. oblongo-cordata, antice rotun-
data , postice angulata ; sinu palliari magno , ovato ; margine interno
inlegro. V. decussata L.
IV. Subgenus: Mercenaria Schum. V. niercenaria L.
V. Subgenus: Gomphina Mörch. V. undulosa Lam.
der Mollusken während des Jahres 1857. 533
VI. Siibgenus: Anaitis Römer.
1. Fam. Clausina Brown. T. subcordata vel trigono-cordata,
calcarea; sinu palliari parvo, triangulari. V. tiara Dillw.
2. Fani. Chiana Mühlf. T. cordata; sini: palliari parvo, ro-
tundato-trigona. V. plicata Gniel.
VII. Subgenus : Cyclina Desh. V. chinensis Chenin.
VIII. Subgenus: Murcia Römer.
1. Fam. Antigona Schum. T. cordata vel rotundato - cordata,
lamellis vel sulcis transversis ; sinu palliari mediocri, acute triangu-
lari ; margine interne crenulato. V. puerpera L.
2. Fam. Chamclea Klein. T. cordato- trigona, liris transversis;
sinu palliari minimo; margine interno crenulato. V. gallina L.
3. Fam. Leucoma Römer. T. cordata vel cordato - rotundata,
decussatim striata; sinu palliari parvo, obluse triangulari; margine
interno crenulato. V. granulata Gmel-, V. marica L.
4. Fam. Anomalocardia Schum. T. cordato-trigona, area ma-
gna, subplana, marginem doisalem posticum totum occupante ; rugis
transversis; deute cardinali postico areae parallclo; sinu palliari vix
signato ; margine interno denticulalo. V. flexuosa L.
5. Fam. Katelysia Römer. T. ovata, complanala, sulcis trans-
versis; sinu palliari mediocri, ovato - triangulari ; margine interno
laevi. V. scalarina Lam., V. exalbida Chemn.
Circe RohiUardi Bernardi Journ. de Conchyl. 1857. p. 387.
pl. 11. flg. 9.
Tapes gracilis Gould Reports of explorations and surveys V.
p. 335. pl. 11. fig. 19. 20 von San Pedro.
Venus Deshayesiana ßianconi Meni. Acc. Bologna VII. tab. 24
von Mosambique.
Tellinacen. BeiLovell Reeve Conchol. icon. ist Lief.
163 die Gattung Soletellina auf 4 Tafeln in 21 Arten abgehandelt.
Neu sind: S. consohrina Desh. MS. Philippinen, nymphalis Desh. Au-
stralien, epidermia D. Adelaide, Cumingiana D. Philippinen, Adamsii
D. Philippinen, nitida Gray Neuseeland, truncata Molukken , siliqua
Neuseeland, donacioides Adelaide, acuminata Desh. Philippinen, in-
certa D. Neuseeland , atrata D. Philippinen , planulata Molukken,
japonica D. Japan, reversa Malacca , tumens D. Philippinen, oh-
scurata D.
Die Gattung Capsula Desh. besteht ib. auf 2 Tafeln aus 16 Arten,
darunter neu: C. so/irf« Malacca, t'io/acea3Ianila, cawc/«/« Philippinen.
Als Schluss von Psammobia sind ib. noch die Tafeln 6—8 er-
schienen. Die Gattung enthält daselbst im Ganzen 60 Arten. Neu :
P«. eburnea Malacca, malaccana Malacca, Menheana Australien, ««//*-
534 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
/"M5rt Malacca, casta Giintemula, parvnla, vagmoides, lineolata Gray MS.
Neuseeland, convexa.
In den Lief. 164. 165 ist ib. die Gatttung Sanguinolaria auf
einer Tafel mit 5 Arten enthalten , worunter S. ovalis von Central-
amerika neu.
Desgleichen eine neue Gattung P sammot ella Deshayes
testa ovato- transversa, convexiuscula, subaequilateralis, utrinque hians,
antice rotundata , posticc longior, truncata vel subrostrata, concen-
(rice striata, aut lutea aut violacea, epideruiide tenui decidua Cor-
nea; cardo dentibus parvis centralibus erectis in valva sinistra, in
valva dexlra unica, callosiiate oblonga in ainbabus ; liganientum ex-
ternum ; inipressio nuisculaiis pallii sinu oblongo peramplo. Sieben
neue Arten von Deshayes: Ps. philippinensis Philippinen, malac-
censis Malacca, Shinneri Ceylon , Rüppelliana Rolhes Meer, amhigua,
suhradiata Philippinen, oblonga.
Die Gattung Capsa gehört nach den anatomischen Untersuchun-
gen von Fischer Joiun. de Conchyl. 1857. p. 327 in die Familie
der Psan)niobien.
liitliopliaga* Itecluz sucht nachzuweisen, dass die Familie
Lithophages von Lamarck keine natürliche sei, und bildet eine
eigene Gruppe Pullastridae aus den Gattungen Petricola und Tapes,
mit welchen letzteren er Yenerupis generisch vereinigt wisseil will.
.Tourn. de Conchyl. p. 15.
Fischer hat ib. 2. Ser. L p. 321 anatomische Bemerkungen
über mehrere Petricola -Arten gemacht, und findet die Gattung Cho-
ristodon Jonas gorechifertigt.
Mactracea« Deshayes hat das Thier von Cumingia un-
tersucht und gefunden, dass die Gattung in die Familie der Lavignons
gehört. Er beschreibt zugleich eine neue Art C. grandis von Chile.
Journ. de Conchyl. 2. Ser. L p. 278. — C. parthenopaea Tiberi 1. c.
Das Thier von Amphidesma hat Fischer Journ. de Conchyl.
1857. p. 334 beschrieben.
jlnatiuacea« Osteodesma Orbignyi Fischer Journ. de Con-
chyl. 1857. p. 382. pl. 11. fig. 7- 8 von Martinique.
Cochlodesma Cumitigicma Fischer ib. p. 384. pl. 10. fig. 3^5.
Corliulacea. JSeaera renovata Tiberi 1. c.
Piiolsiidea. In Folge einer kritischen Anzeige der von
der Holländischen Gesellschaft derWissenschaften zu Harlem
gekrönten Schrift Cailliaud's über die bohrenden Mollusken,
welche Fischer im Journ. de ConchyL 2. Ser. L p. 395 ver-
öffentlicht hatte, vertheidigt Cailliaud in derselben Zeit-
schrift II. p. 130 seine Ansichten gegen die dort gemachten
Ausstellungen.
der Mollusken während des Jahres 1857. 535
Cailliaud, der sich schon so grosses Verdienst um
die Kennlniss von der Art und Weise erworben hat, wie die
Muschehi in das Gestein bohren , hat nun auch das Bohren
der lebenden Pholaden wirklich beobachtet. Revue de Zoo-
logie 1857. p. 64. Es geschieht durch Raspeln mit der Schale,
indem sie sich mit dem Fusse im Grunde der Höhlung fest-
heften, und mit der Schale bald nach links bald nach rechts
drehen. Sie arbeiten nur bei Tage nicht bei Nacht. Sie
bohren ziemlich schnell.
Jarvis hat seit 1849 Beobachtungen über die Ver-
wüstungen des Bohrwurms (Teredo) in den amerikanischen
Gewässern angestellt; ein Auszug seiner im National -Insti-
tut zu Washington gelesenen Abhandlung findet sich in Wells
Annual or scientific discovery or year-book of facts in science
and art for 1857. Boston 1857. p. 359.
Die Thiere können das Holz des Schiffes nur erreichen, wo es
nackt ist, aber ein kleiner Riss in dem Ueberzuge, ein ausgefallener
Nagel oder dergl. sind hinreichend den Feind eindringen zu lassen,
was zu bestimmter Jahreszeit geschieht. Ein guter Ueberzug von
Kupfer verdient den Vorzug vor Allem, nächstdem hält Verf. einen
dreifachen Anstrich von weisser Zinkfarbe für das Beste.
Das Verzeichuiss der Arten der Gattung Teredo (vergl. den
vor. Bericht p. 164) ist von Fischer Journ. de Conchyl. 2. Ser.
Tom. I. p. 254 beschlossen und enthält 18 Arten, von denen 10 im
atlantischen, 8 im indischen Ocean leben.
Bonn, Druck von Carl »Jeorgi
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