ARCHrr
FÜR
NATURGESCHICHTE
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON W. F. ERIC HS ON.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. DR. LEU CK ART IN GIESSEN
UND
PROF. DR R. WAGNER IN GÖTTINGEN
HERAUSGEGEBEN
Dr. f. H. TROSCHEI.,
PROFESSOR AN DER FRIEDRICH-WILHELMS-ÜNIVERSITÄT ZU BONN.
ACHT UND ZWANZIGSTER JAHRGANG.
Zureiter Band.
Berlin,
Nicolaisclie Yerlagsbuchhandlung.
(G. Parthey.)
1862.
Inhalt des zweiten Bandes.
Bericht über die Arbeiten in der allgemeinen Zoologie und
der Katurgeschichte des Menschen im Jahre 1861. Von
B. Wagner in Göttingen
Bericht über die Leistungen in der Katurgeschichte der Vögel
während des Jahres 1861. Von Dr. G. Hartlaub in
Bremen
Bericht über die Leistungen in der Katurgeschichte der Säuge-
thiere während des Jahres 1861. Von Dr. R einho Id Hen-
sel in Berlin ••......
Bericht über die Leistunjen in der Herpetologie während des
Jahres 1861. Von Troschel .
Seite.
Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie während d
Jahres 1861. Von Troschel.
es
Bericht über die Leistungen in der Katurgeschichte der Mol-
lusken während des Jahres 1861. Von Troschel
Cephalopoda
Cephalophora
Brachiopoda
Lamellibranchiata
Tunicata ....
49
83
161
181
225
236
237
268
264
272
IV
Inhalt.
Seite.
Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen im Gebiete
der Entomologie während des Jahres 1861. Von A. Ger-
staecker in Berlin
1. Insekten
Orlhoptera
IVeuroptera
Coleoptera
Hymenoptera
Lepidoptera
Diptera
Hemiptera .
2. Myriapoden .
3. Arachniden
4. Crustaceen
lieber die niederen Thiere wird i
273
286
306
323
326
414
437
467
489
508
•509
528
n nächsten Jahrgange ein
Doppelbericht von Herrn Professor Leuckart erscheinen.
Bericht über die Arbeiten in der allgemeinen Zoolo-
gie und der Naturgeschichte des Ilenscheu im
Jahre 1861.
Von
Rudolph Wagner
in Göttingen.
An die Spitze unsers Berichtes stellen wir in diesem
Jahre die Arbeiten über die ältesten Spuren des Menschen-
geschlechts und deren Verhältniss zur Geologie und Ur-
geschichte der Bevölkerung Europa's, zu der ältesten Fauna
und Flora der im Freien vorkommenden Thiere und Pflan-
zen, wie der den Menschen begleitenden Hausthiere und
Culturgewächse. Alle Momente, alle Fragen, welche die
vergleichende und historischeAnthropologie (in
dem Sinne, wie von Baer den ersteren und ich den zweiten
Ausdruck in dem weiter unten zu erwähnenden Berichte
über die Zusammenkunft einiger Anthropologen in Göt-
tingen im September 1861 begrenzen) und zugleich die
Grundlagen der allgemeinen Zoologie in ihrem Cen-
tralpunkte berühren, kommen dabei in Betracht und müssen
hier ihre schliessliche Lösung suchen. Auch dieDarwin'-
sche Hypothese, welche wir im vorjährigen Berichte an
die Spitze gestellt haben und welche unstreitig das allge-
meinste Grundproblem der Zoologie in sich schliesst, kann
in diesen Untersuchungen allein entweder ihre Stütze oder
ihre Entgegnung finden. Eine experimentelle oder im Wege
der Beobachtung zu findende Beantwortung könnte sonst
nur in Arbeiten gesucht werden, die eine methodische Ver-
folgung des Problems durch lange Perioden , wenigstens
durch einige Jahrhunderte hindurch, ermöglichen.
Arohiv f. Natarg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd. A
2 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
Seit den nordischen Untersuchungen über die ^Kjök-
kenmöddinger" sind aber in kürzester Zeit die Arbeiten
über die Pfahlbauten in der Schweiz an Reichthum und Aus-
dehnung des Materials von der allergrössten Bedeutung für
alle obenerwähnten betreffenden Fragen geworden. Wir
fassen hier übersichtlich die Hauptliteratur zusammen, um
darauf zu verweisen, wobei der beschränkte Raum uns nur
gestattet, die Hauptgesichtspunkte und die allerneuesten
Arbeiten hervorzuheben, wo es aber nicht vermieden wer-
den kann, wenigstens einigermassen auf die Vorjahre ein-
zugehen.
Die erste Entdeckung und die grundlegenden Arbeiten
finden sich in den „Mittheilungen der antiquarischen Ge-
sellschaft" in Zürich :
Die keltischen Pfahlbauten in den Schweizer Seen be-
schrieben von Dr. Ferdinand Keller. IX. Band der Mitth.
II. Abth. 3. Heft 1854. Mit 5 Tafeln. — Zweiter Bericht 1858.
Bd. XII. Heft 3. Mit 3 Tafeln. — Dritter Bericht 1860.
Bd. XIII. Abth. II. Heft 3. Mit 7 Tafeln. — Vierter Bericht
Bd. XIV. Heft. 7. 1861. Mit 4 Tafeln.
Hieran schliesst sich: Rütimeyers (Professors in
Basel): Untersuchung der Thierreste aus den Pfahlbauten
der Schweiz. Mittheilungen Bd. XIII. Abth. II. Heft 2. 1860.
und das selbstständige Werk desselben Verfassers :
Die Fauna der Pfahlbauten der Schweiz. Untersuchun-
gen über die Geschichte der wilden und Haus-Säugethiere
von Mittel-Europa. Mit Holzschnitten und 6 Tafeln Abbil-
dungen. Basel 1861.
A. Morlot Etudes Gcologico-Archeologiques en Da-
nemark et en Suissc. Lausanne. Mars 1860. (Bulletin de la
Societe vaudoise des sciences naturelles. Tome VI. Bulletin
Nr. 46. Lausanne 1860). Mit Holzschnitten.
Frederic Troyon Habitations lacustres des Temps
anciens et modernes. XVII planches, 380 figures. Lausanne
1860. (Bilden den XVII. Band der Memoires de la Societe
d'histoire de la Suisse Romande.)
Die zuerst aufgeführten Kell er 'sehen Arbeiten bilden den
Ausgangspunkt der ganz neuen Aera , welche für die obenbezeich-
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1861. 3
neten Fragen durch die Pfahlbauten-Entdeckung angebrochen ist. Es.war
die ausserordentliche Trockenheit und anhaltende Kälte während der
WinteriMonate von 1853 und 1854, in deren Folge die Spiegel der
Schweizer Seen bedeutend sänke«, wo die ersten Entdeckungen der
Pfiihlbati-Ueberreste im Züricher See gemacht wurden, die sich seitdem
über alle Schweizer Seen ausbreiteten und so ausserordentliche Ergeb-
nisse gehabt haben. Die für wissenschaftliche Lokal-Untersuchungen
durch eine Reihe grösserer und kleinerer Bildungs-Centra so günstig
organisirte Schweiz hat eine so grosse Anzahl von Sammlern und
Beschreibern von Pfahlbau-Objekten in's Feld gestellt, wie sie nir-
gends hätten gefunden werden können. Ihnen verdankt man das bereits
ausserordentlich grosse Material.
Der vierte Bericht von Keller bringt die Entdeckungen aus dem
Jahre 1860 und 1861. In der ersten Hälfte ist der Bericht über den
glücklichen Erfolg der am Süd-Abhange der Alpen angestellten JNach-
forschungen über die Pfahlbauten, welche ganz identisch n»it den
Schweizer Pfahlbauten sind, nach Bartolomeo Gastaldi in Turin:
Cenni su alcune armi di pietra et di bronzo trovate nell' Imolese,
nelle Marnieie del Modenese et del Parmigiano e nelle torbiere della
Lombardia e del Piemonte. Milano 1861. Es heisst in der Einleitung
von Keller: „Es darf nicht befremden, dass gleich nach der Ent-
deckung des italischen Pfahlbaus die Frage aufgeworfen wurde, ob
nicht durch das Vorkommen von solchen Ansiedlungen auf der Süd-
seite der Alpen, nämlich zu Annecy in Savoyen und am Lago Mag-
giore, der Schluss sich rechtfertige, dass die Einwanderung der äl-
testen Bevölkerung in die Thäler der nördlichen Schweiz, wie bisher
geglaubt wurde, von Osten, sondern von Süden her stattgehabt habe."
Hierfür werden Gründe angeführt, denen aber nach Keller jede
sichere Stütze abgeht. „Das Einzige, was ohne Gefahr eingeräumt
werden kann, ist die Stammesgemeinschaft der Pfahlbaubewohner auf
beiden Seiten der Alpen." Ueber die Art, wie den Pfahlbauansiedlern
zuerst die Metalle (Kupfer oder dieses in Verbindung mit Zinn) zu-
gekommen sei, herrschen zwei ganz entgegengesetzte Ansichten. Die
eine nimmt einen Eintausch im mittleren und südlichen Europa aus
älteren Culturländern an und gründet sich auf die überaus grosse
Uebereinslimmung der Waffen (z. B. Schwerdter) von Bronze, der
Geräthe und Schmucksachen, mit denen in Griechenland und Unter-
Italien, zu welchen dann bei zunehmender Civilisation die eigene
Ausbeutung und Bearbeitung dieser Stoffe und die rohe Nachahmung
südlicher Muster kam, wie sich dieselbe z. B. in dem einfachen, dem
Steinkelt nachgebildeten Bronzebeil ausspricht. Die andre Ansicht
nimmt an, dass die aus Osten nach dem Herzen Europa's und den
nördlichen Inseln einwandernden Völkerstämme die Kenntniss der
Metalle und ihrer Bearbeitung schon von ihrer Urheimath in ihre
4 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
neuen M'^ohnsitze mitbrachten. Beide Ansichten und andere modifi-
cirende „werden noch lang« ihrer Lösung harren." Für die nahe
Verwandtschaft der Pfahl-Ansiedler am Lago maggiore z. B. mit den
Etruskern spricht vieles; die Frage ist aber auch noch nicht zur Ent-
scheidung reif.
Die zweite Abtheilung dieses vierten Berichtes enthält ausführ-
liche, durch Abbildungen illustrirte Angaben über die Art, wie die
Pfahlbaubewohner den Flachs, der in grosser Menge gezogen wurde,
für die verschiedensten Zwecke zu benutzen, auch zu Leinwand zu
verweben verstanden.
Rütimeyer hat in einer Reihe von überaus wichtigen Unter-
suchungen, von allen Seiten unterstützt, die Fauna der Pfahlbauten
reconstruirt und diese Arbeit kann an Wichtigkeit den Arbeiten von
Cuvier über die Thiere des tertiären Beckens von Paris, welche eine
neue Epoche in der Geschichte der Paläontologie bezeichnen, voll-
kommen an die Seite gestellt werden. Berichtigungen im Einzelnen
werden allerdings bei einem so neuen und sehr vielfache Verglei-
chungs-Objekte erfordernden Gegenstande, wo es sich nicht um neue
Thierformen sondern Veränderungen derselben im Zeitverlaufe han-
delt, nicht fehlen können. Eine solche Berichtigung über das Torf-
schwein gab bereits Steenstrup. (Vergl, d. ßer. von He n sei im
vorigen Jahre. S. 112.) Leider gestattet es die Aufgabe und die Grenze
unseres Berichts nur, einige der Hauptergebnisse aufzuführen, welche
Rütimeyer nach bereits erfolgter Publikation seiner oben angeführ-
ten Special -Arbeiten dem vierten Bericht p. 29 u. f. beigefügt hat.
Nachdem derselbe das gleichzeitige Bestehen so vieler seitdem in
Mittel-Europa ganz ausgerotteter grösserer Säugethiere in der Stein-
periode der Pfahlbauten constatirt hatte (wie z. B. des Urochs, des
Bison, des Elenn's und Rennthiers), so wie die Modificationen, welche
unsere heutigen Hauslhierracen erlitten haben, zeigt dasselbe, dass
die einzige Viehrace, welche schon im Stein -Alter, namentlich in
älteren Stationen desselben, neben den zwei anderen Racen des Rin-
des den Hauptbestandtheil des Viehstandes bildete, die Torfkuh sich
bis auf den heutigen Tag im grösseren Theil der Schweiz fortcr-
haltcn hat; sie entspricht in jeder Beziehung dem heute so genann-
ten, den gebirgigen Theil der Schweiz fast ausschliesslich einneh-
menden Braunvieh. Es ist dies aber auch fast das einzige Erbthum
aus jener früheren Zeit. Nur in einem abgelegenen Winkel der Alpen,
in Graubündten, im Hintergrund des Vorderrheins, finden sich noch
andere derartige Ueberbleibsel aus alter Zeit, das Schaf des Stein-
allers und der letzte, vielfach verwischte und veränderte Rest des
Torfschweins. Hier hat sich zugleich die romanische Sprache und
der brachycephale Schädelbau der Menschen (Abkömmlinge der alten
Rhätier) erhalten, dessen wir im vorigen Berichte gedachten. Eine
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1861. 5
der merkwürdigsten Thatsachen ist gewiss das fast ausnahmslose Feh-
len der Knochen vom Hasen in den nordischen wie den schweizer
Knochen-Resten, während derselbe gewiss überall häufig wild vorkam.
Der Hase ist aber auch heute dem gemeinen Russen ein verabscheucns-
werthes Thier, wie nach Caesar den alten Briten, den Anhängern
Zorasters und den Juden (z. B. 3 Mose 11 Y. 6), was, wie die Mond-
sicbelbilder, eine der allermerkwürdigsten Spuren des Zusammenhangs
der ältesten europäischen Bevölkerung mit den alt-asiatischen Stamm-
sitzen der Menschheit darstellt. Rütimeyer's Schlussworte gehen
zugleich auf einen im vorigen Jahre gemachten neuen Fund ein, der
wieder das Zusammenvorkommen (resp. gleichzeitige Existenz) des
Menschen mit den Diluviallhieren behauptet. Ich führe den SchUiss
mit des Verf.'s eigenen Worten an: „Im Studium des Menschen selbst
liegt ohne Zweifel der Schlüssel zu manchen noch bestehenden Schwie-
rigkeiten und das Material zur Ausfüllung mancher Lücken , welche
die Untersuchung der Thierwclt noch gelassen hat. Auch mehrt sich
allmählig das Material zu Anhebung dieses Theils der Aufgabe. Wir
dürfen hoffen, dass in nicht ferner Zeit die anatomische Untersuchung
der menschlichen und der thierischen Ueberreste sich gegenseitig
ergänzen und controlliren lassen." Des Verf.'s schliessliche
Ueberzeugung geht dahin, dass auch die ältesten Seeansiedelun-
gen uns noch keineswegs die primitive Bevölkerung unseres Lan-
des vor Augen führen ; „ich muss sie zwar als autochthone oder
wenigstens als schon damals sehr alte Einwohner dieser Gegenden
ansehen, da sie eine Anzahl unzweifelhaft hier ursprünglich einhei-
mischer Thicre als Hausthiere hallen, so namentlich den Urochs und
das Torfschvvein ; allein, dass sie von Anfang an das Schaf und den
Hund besitzen, für welche einstweilen ein einheimischer Ursprung
wenigstens sehr unwahrscheinlich ist, deutet an, dass ihnen eine noch
ältere Bevölkerung vorausging. Eben so wenig zweifle ich meinerseits
an der einstigen Gegenwart einer acht primitiven Bevölkerung auch in
Europa. Eine solche erscheint auch durch die jüngste Entdeckung in
Aurignac für Frankreich constatirt *). Es scheint dies die erste Stelle
zu sein, wo wir uns vor der Evidenz einer europäischen menschlichen
Bevölkerung, die nicht nur vom Urochs und vom Bison, sondern auch
vom Mammuth und vom Nashorn sich nährte, und die Ueberreste
ihrer Mahlzeit nicht nur dem Wolf und dem Fuchs, sondern auch dem
Tiger und der Hyäne überliess, nicht mehr sträuben können
*) Societe philomalique de Paris. Extrait de la Seance du
18. Mai 1861, wo die erste Nachricht sich findet. Lartet beschrieb
dann die Thierknochen und den Fundort genauer in den Ann. des
6C. nat. quatrieme Serie Tome XV.
6 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
Die Entdeckung in Aurignac setzt so unserer Pfahlbautenzeit einen
relativ schon sehr späten Termin, obwohl auch bei uns sonst unmit-
telbar unter den Torfmooren mit ihrem reichen Inhalt dieselben Fos-
silien, ja nur um weniges tiefer, in der Schieferkohle vom Dürnten,
vielleicht 40 Fuss unter der Sohle des Pfälfikoner See's schon allere
Fossilien liegen, als die, welche in Aurignac in ähnlicher Weise, wie
in Uobenhausen vom Menschen des Markes beraubt, allein dann dort
nachträglich von der Hyäne benagt, vorkommen. Dieser letztere Um-
stand \\ürde uns auch den Ort andeuten, wo wir nach den Vorgängern
der Pfahlbaubewohner zu suchen halten, nämlich unter dem (Ket-
sch er schutt; denn offenbar waren die Bewohner der Grotte von
Aurignac älter als die Ausbreitung der Gletscher und also auch Zeu-
gen dieses gewaltigen Phänomens. Allein derselbe Umstand benimmt
uns andererseits alle Hoffnung, an Stellen, über welche die alten
Gletscher weggegangen, noch Spuren menschlichen Daseins /.u finden.
Beispiele der Art aus neuester Zeit fohlen ja in unserem Lande keines-
wegs. Immerhin ist mit dem Fund in Aurignac die letzte Lücke
zwischen geologischer und historischer Zeit vor der Hand ausgefüllt."
Rütimeyer hat in seinen oben erwähnten „Untersuchungen"
S. 67 nnd seiner „Fauna der Pfahlbauten" S. 149 noch andere Mit-
theilungen über die menschlichen Ueberbleibsel in den Pfahlbauten
gegeben, die ich erwähnen muss. Prof. H i s in Basel verdanken wir
sorgfältige Beschieibung und Messung des bis dahin einzigen Schädel-
fragments, das bei Meilen am Züricher See gefunden wurde, nebsl
Ueberresten eines zweiten weiblichen Skelets*).
Die Forscher über Pfahlbauten nehmen an, dass der Mensch
hier in seinen Wohnungen nur die Ueberreste seiner Küche und seiner
Industrie zurückgelassen, während sein Körper muthmasslich in be-
nachbarter Erde bestattet wurde. Sämmtliche Pfahlbauten haben ge-
legentlich menschliche Knochen, doch immer nur sehr selten, geliefert
und immer waren es kindliche Individuen, die offenbar durch Un-
vorsichtigkeit einer Bestattung auf fesler Erde entgangen waren. Der
von His beschriebene und gemessene Schädel besteht aus Stirnbein,
Scheitelbeinen, Hinterhaupt (zum Theil defekt) und aus einem kleinen
Stücke der ala major des Keilbeins. ;,Der Schädel erscheint von
*) Mittheilungen Bd. XIII. Abth. 2. Heft. 2. S. 47. Mit Correk-
tionen der Maasse in Folge eines verbesserten Verfahrens nach geo-
metrischer Zeichnung mit Dr. Lucae's Methode (S. weiter unten)
wieder abgedruckt in der Fauna der Pfahlbauten S. 151. Hier erwähnt
Rütimeyer auch, dass er seitdem vom Oberst Schwab in Biel
4 Schädel aus Pfahlbauten erhalten, zwei von INidau-Steiuberg, einen
aus Sulz. Er verspricht eine nähere Beschreibung.
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1861. 7
massiger Länge, er ist ziemlich breit in der Gegend der Parietalhöcker,
schmäler in der Stirngegend und zeigt von oben her gesehen hirn-
förmige Gestalt, dabei ist er ziemlich niedrig." . . . „Bei einem ge-
naueren Vergleich mit den Schädeln der Baseler Anatomie lässt sich
nicht verkennen, dass das vorliegende Stück an jene Formen sich
anschliesst, die noch jetzt in der deutschen Schweiz die vorherrschen-
den zu sein scheinen." Der Schädel zeigt das Mittelmass der Schweizer
Schädel und tragt weder entschieden den Typus der Langköpfigkeit,
noch der Kurzköpfigkeit. „Falls der fragliche Pfahlbauschädel wirk-
lich aus dem Steinalter herrührt, so ist es jedenfalls ein wichtiges
interessantes Faktum, dass seit jener Zeit die Form des Schädels in
unseren Gegenden keine wesentliche Abweichung vom anfänglichen
Typus erlitten hat."
Rütimeyer spricht sich auch hier, wie später (a. a. 0.) zu
Gunsten des neuerlich immer mehr mit Zuversicht behaupteten Zusam-
men\orkommens des Menschen mit Diluvialthieren aus und scheint
auch für den im vorigen Jahresbericht erwähnten, der Zeit so viel-
fach besprochenen und von englischen Naturforschern und Geologen
immer übereinstimmender bewahrheiteten Fund von Boucher de Perthes
bei Amiens und Abbeville von Feuersteingeräthen mit Thieren der
letzten Tertiär-Epoche (Elephas, Rhinoceros, Hippopotamus , Uisus
spei., Hyaena spei., Bos primigen etc.), so wie für andere ähnliche
Funde in England und Italien Partei zu ergreifen. Er vergleicht die-
ses geologische Zusammenvorkommen mit anderen heutigen geogra-
phischen ähnlicher Thiere mit dem Menschen, z, B. im Caucasus, und
schliesst diese Betrachtung mit den Worten: „Nicht ganz dieselbe
Gesellschaft — die in Europa ausgestorbenen grossen Dickhäuter und
Katzen sind bekanntlich als Species verschieden von den ihnen ver-
wandten Bewohnern der heutigen Tropen — allein äusserst analoge
Verhältnisse treffen wir nichtsdestoweniger auch in der Gegenwart.
Der Bison und der Ur, wahrscheinlich auch das Wildschwein mussten
demnach in der Diluvialperiode Gefährten des von der Erde verschwun-
denen Mammuth und eines ebenfalls nicht mehr lebenden Rhinoceros
und Tigers sein; heute sind sie noch die Gefährten eines anderen Ele-
phanten, eines anderen Nashorns, eines anderen Tigers und sollten auch
die Reste jenes Bison des diluvialen Europa'« als Bison priscus sich spezi-
fisch abtrennen lassen von dem heutigen Bison, wozu geringe Aussicht
da ist, so war doch der Ur in England und anderwärts Genosse des
europäischen Mammuth und später Jagdbeute der „Wilden" von Moos-
seedorf; er überlebte somit den Abschluss einer sogenannten geolo-
gischen Epoche und das Anbrechen einer neuen, die durch die Geburt
des Menschen bezeichnet zu sein scheint. Ich zweifle, ob er durch
die Ankunft dieses neuen Abkömmlings wesentlich beunruhigt wurde;
die Vergleichung des Tisch-Abfalls der Pfahlbewohner von Moosseedorf
8 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
mit dem Inhalt der Grabstätten pliocener und diluvialer Thiere lässt
vielmehr vermuthen, dass der Uebergang von der tertiären in die qiia-
ternäre Periode an der Thiervs'elt so unbemerkt vorüberging, als für uns
in der Neujahrsnacht die Ablösung eines alten Jahres durch ein neues."
A. Morlot giebt in einer vortrefflichen sehr gedrängten Dar-
stellung der Funde in der Schweiz zugleich nur Uebersicht der skan-
dinavischen Verhältnisse des Kjoekkenmoedding und der Torfmoore
und der daraus hergestellten Sammlungen an menschlichen, thierischen
und pflanzlichen Ueberresten und archäologischen Objekten und geo-
logischen Thatsachen. Er hat selbst zu dem Zwecke an Ort und Stelle,
insbesondere in Copenhagen, verweilt und sich mit den reichen Samm-
lungen und den ausgezeichneten Forschern, denen wir die Haupt-
Enldeckungen in der Urgeschichte Europa's verdanken, in Verbindung
gesetzt, üeberall geht er, wenn auch nur kurz auf die Wenschen-
Raccn ein und bemüht sich namentlich das Alter der verschiedenen
Epochen festzustellen — ein schwieriges Unternehmen, das, wie die
Versuche, die biblische und egyptische Chronologie fest zu stellen,
wie ich glaube, aller sicheren Basen entbehrt. Morlot bemerkt,
dass die dänischen Forscher das Alter der Steinzeit auf wenigstens
4000 Jahre zurückdaliren, vielleicht reiche es aber noch viel weiter.
Jedenfalls sichere das Auftreten des Menschen in der Schichte von
Fichtenwäldern von Skovmose demselben in Dänemark ein sehr hohes
Alter. Bei der geologisch-ai chäologischen Untersuchung der Schweizer
Funde stützt sich Morlot vornehmlich auf den Schuttkegel, den die
Tiniere bei ihrem Einfluss in den Genfer See bei Villeneuve bildet,
der einen Halbmesser von 900 Fuss hat. Darnach schätzt er unter einer
detaillirten Betrachtung, die im Originale nachgesehen werden muss,
auf 29 bis 42 Jahrhunderte die Schicht, welche der Bronceperiode
angehört; auf 47 bis 70 Jahrhunderte die Schicht, welche die Stein-
periode umfasst. „Durch denselben Calcül würde man 74 bis 110
Jahrhunderte für das ganze Gesammt- Aller des ganzen Schuttkegels
finden, welches augenscheinlich viel eher ein Minimum als ein Maxi-
mum ist." Hierauf ruht nun die Lage, welche für die Periode des
Eisens und mithin der neueren und geschichtlichen Zeil übrig bleibt.
Man fand bis vier Fuss Tiefe römische Ueberbleibsel (in weiterer
Tiefe Objecte der Bronce und tiefer der Steinzeit), Backsteine und
eine Münze. Den Beginn der Römerzeit in der Schweiz nimmt aber
Morlot für Anfang der christlichen Zeitrechnung, ihr Ende für das
Jahr 563 an. Er schätzt nun die Zeit, welche nöthig war, um die
römische Schicht um 3 Fuss zu überschütten , auf 10 bis 15 Jahr-
hunderte, da der Schuttkegel um so langsamer wachsen müsse, je
weiter bei seinem Fortschreiten das Material am Fusse sich auszu-
breiten hat. Auf diese Weise kommen für den ganzen Kegel 8600
bis 13000, oder als Mittelzabl, 10000 Jahre heraus. Ein solches
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1861. 9
Alter hätten die Töpferwaaren der Steinzeit. Es müsse aber der Ur-
sprung der Menschen noch weit höher hinaufgehen, da es einer langen
Periode bedurfte, bis der Mensch bis zur Stein-Arbeit gekommen sei.
Am Schluss beschränkt allerdings Morlot selbst »faute de mieux"
seine Schätzung auf eine „erste Annäherung" da; „le resultat obtenu,
quelque peu absolu et certain qu'il puisse paraitre, vaut assure-
ment mieux que l'absence complete de toute donnee sur le sujet."
Jedenfalls verdient dieser Schuttkegel der liniere, welcher seit 3 Jah-
ren durch Ausgrabungen ausgebeutet wird, das höchste Interesse, da*
man hier die Schichten für die drei Hauptperioden der Spuren mensch-
lichen Daseins beisammen findet.
Das oben genannte Werk von Troyon ist die umfassendste
Arbeil und wirklich bereits ein Lehrbuch der Pfahlbauten. Obwohl
hauptsächlich auf die Funde in der Schweiz gegründet, stellt der Verf.
dieanalogen Verhältnisse nach den einzelnen Perioden der Stein-, Bronce-
und Eisen-Periode nicht blos in allen bisher untersuchten europäischen
Ländern dar, sondern verfolgt die einfache Architektur analoger Bau-
ten und Ansiedelungen der heutigen Zeit in den aussereuropäischen
Erdtheilen. Am Schlüsse versucht derselbe eine Darstellung der muth-
maasslichen Sitten und Lebensweisen der alten Pfahlbaubewohner. Der-
selbe ist auch im Besitz einer verhältnissmässig ansehnlichen Samm-
lung von Menschenschädeln aus späteren Epochen , von Bewohnern
der Schweizer Gegenden, welche Retzius noch im Jahre 1857 einer
Durchsicht unterwoifen hat. Es reicht dasselbe nach Morlot, von
den ersten Zeiten der Eisenperiode bis in's 15. Jahrhundert und ent-
hält nach der Angabe von Retzius in chronologischer Folge:
Etrusker, Gelten, Römer, Gothen (mit Burgundern), Slaven und Hun-
nen. Die Gothen sind an Zahl den Schädeln der Gelten und Römern
fast gleich; Geltenschädel sind zahlreicher als Römer. Etrusker-,
Slaven- und Hunnenschädel kommen nur ausnahmsweise vor. Seit
dem Besuch von Retzius hat sich die Sammlung Tro yo ns noch um
einige Schädel aus dem Bronce-Zeitalter gemehrt, welche in den Um-
gebungen von Aigle und Sion gefunden wurden. Sie repräsenfiren
den rundlichen Schädeltypus der Stein - Periode. Die zahlreichen in
neueren Zeiten entdeckten kubischen Gräber dieser Periode, in wel-
cher die Skelete in kokender Stellung gefunden worden, enthalten
eine Menge von Broncesachen und Troyon schliesst daraus, dass
die primitive Race in diesen Punkten des Rhonethaies während der
Bronceperiode fortbestanden und die Givilisation der letzteren ange-
nommen hat. Mit der Einführung des Eisens in der Schweiz scheint
die Ankunft derselben Race zusammenzufallen, welche die Givilisation
der Eisenperiode in den Norden einführte. Diess zeigt, nach Morlot,
die merkwürdige Analogie im Stil, welche zwischen den Objekten
der vorrömischen Eisenzeit in der Schweiz und den Objekten des
10 Wagne r: Bericht üb. d. Arbeilen in d. allg. Zoologie
europäischen Nordens sich flndet. Ein wohl conscrvirter Schädel aus
einem Grabe in Tiefenau und durch die niilgefundenen Gegenstände
scharf als zur ersten Eisonperiode gehörig, hat ganz dasselbe Profil
wie der grosse Langschfulel von Sanderuingaard in Dänemark (schon
früher beschrieben und von Älorlot neben einem dänischen Kurz-
schädel in Holzschnitt wiedergegeben). Dieser Tiefenauer Schädel,
der nahezu ganz dieselben Dimensionen hat, wie der genannte däni-
sche Langschädcl, befindet sich im Berner Museum mit einem zweiten
•Schädel derselben Periode, weniger Komplet, aber mit demselben
grossen Längsdurchmesser.
Leider kann ich den weiteren Andeutungen und Vermulhungen
der Schweizer Forscher hier nicht weiter folgen, die, wenn sie auch
nur auf sehr fragmenlaren Thatsachen ruhen, doch eine sehr anzie-
hende Grundlage für weitere Nachforschungen darbieten.
Der Fund in der Höhle von Aurignac, (Dep. haute Garonne)
der von Lartet bereits a. a. Ü.*) beschrieben ist, betrifft nicht weniger
als 17 menschliche Skelette, welche aber leider alle wieder auf den
Gemeindekirchhof gebracht worden sind und für die Wissenschaft
verloren gegangen zu sein scheinen, um so bedaueinswerther , als
zwei ganze Schädel dabei waren. Dr. Aniiel, zu dieser Zeit Maire in
Aurignac, glaubt darunter auch Knochen von weiblichen Skeleten und
jungen Individuen gefunden zu haben. Die hockende Stellung der
Skelete in der Abbildung ist aber rein hypothetisch und eigentlich
nur aus der Form und Grösse des Raumes in der Höhle abgeleitet,
wo sie gefunden wurden.
Busk hat die schon früher von Prof. Scha äff hau-
sen gegebene Abhandlung ,,zur Kenntniss der ältesten
Rarenschädel" in einer Ueberselzung, mit Anmerkungen
verschen, von neuem publicirt und mit neuen Abbildungen
begleitet, welches uns die erwünschte Gelegenheit giebt,
davon zu sprechen, da die wichtige Abhandlung dadurch
wieder in die Periode unseres Jahresberichts fällt:
On the Crania of the most ancient races of Man. By
Prof. Dr. Sc haaff hausen of Bonn (from Mül ler's Arohiv
1858 pp. 453). Witli remarks on original ligures, takoti
from a Gast of the Neandorthal Cranium. By George Busk
F. R. S. Natural history review 1861 Nr. II.
Es betrifft zuerst das bekannte merkwürdige Fragment eines
sehr grossen Langschädels (ohne Gesichtsknochen) mit sehr depri-
*) Auch reproducirt in the natural history review. January 1862.
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1861. 11
mirter Stirne und stark entwickelten Augenbraunhogen , welche im
Jahre 1857 von Dr. Fu h 1 r o tt mit den anderen Theilen eines mensch-
lichen Skeletes in einer Kalkhöhle des Weanderthales bei Hochdal
zwischen Düsseldorf und Elberfeld gefunden und in den Verhandlun-
gen des natnrhist. Vereins der preuss. Rheinlande und M'estphalens.
Bd. XIV. 1857 beschrieben wurde. Schaaff hausen gab später
a. a. 0. eine sorgfältige mit Abbildungen und Messungen begleitete
Beschreibung, zugleich mit der Abbildung und Beschreibung von zwei
alten Gräberschädeln aus Mecklenburg (von Schwaan und Plan) und
derselbe schloss den erwähnten und nunmehr a. a. 0. reproduzirten
Aufsatz mit folgenden Worten: „Die Schädelbruchstücke von Schwaan
und Plau dürften mit Wahrscheinlichkeit sowohl der anatomischen
Bildung wegen, als nach den Umständen ihrer Auffindung einem rohen
Urvolke zugeschrieben werden, welches vor den (lermanen das nörd-
liche Europa bewohnt hat, und wie die älinlichen Funde von Minsk
in Russland und in dem JNeanderthale bei Elberfeld beweisen , eine
weite Verbreitung hatte und mit der Urbevölkerung von Britannien,
Irland und Skandinavien, wie die Schädelform derselben vermuthen
lässt, verwandt war. Während die Knochen von Schwaan in einem
germanischen Steingrabe beigesetzt waren , also noch mit der ge-
schichtlichen Zeit in einer Beziehung stehen, wurden die Gebeine
von Plau nur im Sande mit den knöchernen Geräthen der unvoll-
kommensten Cultur gefunden, ebenso der eine Schädel von Minsk im
Sande eines alten Flussbettes. Die menschlichen Gebeine und der
Schädel aus dem Neanderthale übertreffen alle die anderen an jenen
Eigenlhümlichkeiten der Bildung, die auf ein rohes und wildes Volk
schliessen lassen; sie dürfen, sei nun die Kalkhöhle, in der sie ohne
jede Spur menschlicher Cultur gefunden worden sind, der Ort ihrer
Bestattung gewesen oder seien sie wie anderwärts die Knochen erlosche-
ner Thiergeschlechter in dieselbe hineiugeschwemmt worden, für das
älteste Denkmal der früheren Bewohner Europa's gehalten werden."
Busk, in seinem Zusätze zu S c haaf f h a u s en's Abhandlung,
hält die Gleichzeitigkeit des 31enschen mit ausgestorbenen Thieren,
welche die Geologen als fossil bezeichnen, für ausgemacht. In Betreff
des Neanderthalschädels weicht derselbe in so ferne von Schaaff-
hausen ab, als er zweifelhaft ist, ob die enorme Entwicklung der
Supraorbitalbogen den erweiterten Sinus frontales zuschreiben soll,
stimmt aber mit ihm überein, diese Protuberanz als den Ausdruck
eines sehr wilden Typus zu betrachten und er hält dieselbe für eine
Annäherung an den Typus des Gorilla und Chimpanse, welche gleich-
falls diese Bogen sehr entwickelt haben. Busk bildet den Schädel
eines rothen Indianers aus einem Begräbniss in Tennessee ab, welcher
diese Bildung ebenfalls zeigt, wenn auch nicht in dem Masse, wie
der Keanderthalschädel. Mehrere andere alte Schädelfragmente be-
12 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
schreibt ßusk kurz und giebt Abbildungen in halber Lebensgrösse,
zugleich auch Copieen des S c h m e r 1 i n g'schen Schädels in der
Engishöhle, dessen „unzweifelhafte Gleichzeitigkeit" mit Elephant,
Rhinoceros und llöhlenfleischfressern von Lyell angenommen wird''
Busk spricht sich aber gegen die von Schmerling behauptete
Negerähnlichkeit des belgischen Höhlenschädels aus, welche weder
durch die Abbildungen noch durch die Messungen bestätigt werde.
Busk weist gleichzeitig darauf hin, dass keiner der in der Abhand-
lung genannten Schädel (nur vielleicht der Schädel von Flau ausge-
nommen) den brachycephalischen Typus zeige. Diese prisca gens jener
liöhlenschädel könne also nicht zu der kurzköpfigen Kace gehört
haben, welche wir mit vielem (Jrunde bisher für die älteste Menschen-
form in Europa halten mussten.
Jemehr sich nun auf diese Weise die Funde zu meh-
ren scheinen, welche für eine viel längere Existenz des
menschlichen Geschlechts auf europäischem Boden und
dessen Gleichzeitigkeit mit den ausgestorbenen Diluvial-
thieren sprechen und die Widersprüche dagegen schwinden,
je grösser die Uebereinstimmung der Paläontologen und
Zoologen wird, um so strenger muss man, glaube ich, gerade
mit der Kritik der Fakta werden. Auch fehlt es nicht an
nachdrücklichen Verwahrungen, wie diess z. B. in einer der
letzten Arbeiten des seitdem verstorbenen Professors An-
dreas Wagner in München geschehen ist, der sich das
letzte Jahrzehent seines Lebens sehr anhaltend und gründ-
lich mit der Paläontologie beschäftigt hat und dem man in
England und überhaupt im Auslande mehr Anerkennung
gezollt hat, als in Deutschland, indem man ihn dort willig
als „the highest living authority on the Mammalia^*) an-
erkennt. Vgl. die eben bezeichnete, erst nach dem Tode des
Verfassers gedruckte Abhandlung: „Bedenken über einige
neuere, hauptsächlich auf naturgeschichtliche Anhaltspunkte
begründete Versuche, das Alter der europäischen Urbevöl-
kerung zu bestimmen" gelesen in der Sitzung der Münchner
Akademie vom 8. Juni 1861 und abgedruckt in den Sitzungs-
berichten desselben Jahres Bd. II. Heft. I. S. 29.
Es betreffen diese Bedenken vorzüglich den Fund in Abbeville,
den ich im vorigen Jahresbericht mit gleicher Skepsis besprochen
*) Natural history Review. 1861 p. 4.
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1861. 13
habe. Während die Engländer und an ihrer Spitze Lyell hier für
Gleichzeitigkeit von Menschen und Diluvialthieren, zu Gunsten von
Bouches de Perthes, sich ausgesprochen haben und diese Ansicht
entschieden im Wachsen ist, scheinen französische INaturforscher, un-
ter ihnen Elie de ßeaumont, viel rückhaltender und dubiöser zu
sein. Ich kann hinzufügen, dass einige der ausgezeichnetsten Natur-
forscher und Kenner der Verhältnisse aus Autopsie, die sich mit sehr
verwandten Objekten viel beschäftigt haben, sich gegen mich eben
so dubiös äusserten und gleiche Zw^eifel auch von Dritten mittheilten.
Ich trage Bedenken, mündliche Aeusserungen in so delikaten Fragen
ohne besondere Erlaubniss der Männer namhaft zu machen. Ich selbst
maasse mir kein Urtheil an, da ich nicht aus eigener Anschauung
sprechen kann; aber ich betrachte diese Sache immer noch als offene
Frage. Für das wichtigste und schlagendste Argument im positiven
Sinne der Beantwortung würde ich immer halten, wenn die mit Men-
schenknochen oder Feuerstein - Instrumenten gefundenen Mammuth-
und Nashornknochen wirklich eben solche Spuren der künstlichen
Oeffnung der Höhlen zur Gewinnung des Markes an sich tragen, wie
vorzügliche Beobachter und Forscher diess bei den Thieren der Pfahl-
bauten und des Kjökkenmedding beschrieben haben.
Nachdem durch die Güte der Herren S c h aa f f h ausen, Spring
und Archiv -Rath Lisch in Schwerin mir Gyps- Abgüsse der oben
genannten Schädelfragmente und einiger weiterer zugekommen sind,
kann ich mich auch nicht anders, als höchst vorsichtig über die
andere so interessante Frage äussern, nämlich ob eine uralte Race in
Mittel-Europa, allen übrigen vorausgehend, lebte, welche durch be-
sondere Abnormität ausgezeichnet war, Aehnlichkeit mit dem Neger-
typus hatte oder gar eine gewisse Verwandtschaft mit den anthropoiden
Affen, namentlich dem Chimpanse und Gorilla; denn da es Langschä-
del sind, zu welchen letztere gehören, kann vom ostindischen Orang-
Utang nicht die Rede sein, der in allen seinen geschlechtlichen und
localen Variirungen entschieden brachycephal ist. Was den Negertypus
betrifft, so theile ich die Ansicht von Baer's, welche derselbe in
dem bald anzuführenden anthropologischen Jahresbericht ausspricht,
dass die Negerschädel selbst sehr variabel sind und deren typische
Verhältnisse erst eine weitere sorgfältige Prüfung verlangen. Doli-
chocephalen sind freilich alle Negerschädel, die ich gesehen habe.
Was aber die mir zugekommenen namhaften und zum Theil oben er-
wähnten alten Grabes- oder Höhlenschädelfragmente betrifft, so finde
ich von vorne herein es sehr bedenklich, aus noch dazu unvollkom-
menen Schädeldecken ohne Gesichtsthelle so wichtige Folgerungen
zu ziehen. Der Fall, den ich in meinen „zoologisch-anthropologischen
Untersuchungen I" in Bezug auf die früher angenommene Identität der
peruanischen Huankaschädel mit dem bekannten Graf Br eun er'schen
14 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
Awarensohädel angefüiirt habe, wo ich mich wegen mangelhafter Er-
haltung unseres von Tschudi erhaltenen lliiankaschädels selbst be-
trächtlich irrte, hat mich doppelt vorsichtig gemacht. Es ist wahr,
der TS'eanderthalschädel ist eine recht aulFallende und seltene Form,
aber im Ernste dabei an einen Chimpanse- und Gorillaschädel, wenn
auch nur annähernd zu denken, kam mir nie in den Sinn. Es giebt
viele Schädel unter allen Völkern, welche starke, wenn auch nicht
so stark protuberirende Supraorbitalbogen haben, namentlich auch
Alicrocephalenschädel, die freilich hier um so weniger in Betracht
kommen, als jener angeblich fossile Schädel eine sehr grosse Höhle
für das Gehirn halte. Alle Sammlungen, die ich kenne, enthalten
immer noch viel zu wenig Vergleichungsinaterial und so sehr ich
an gewissen typischen und bleibenden Kalionalformen von Schädeln
festhalte, so glaube ich doch auf der anderen Seile, dass die Annahme
solcher Typen nur auf grosse Serien gegründet werden kann. Ich
hoffe bald ein plastisches Beispiel durch Mittheilungen über eine
grosse Anzahl Schädel geben zu können, welche mir aus einer Be-
gräbnissstättc im mittleren Deutschland zugekommen sind, die nur
Schädel von Erwachsenen und wahrscheinlich nur von AJännern ent-
hält, welche zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts geboren waren.
Unter diesen 63 Schädeln lassen sich drei Haupltypen in ziemlich
gleicher Zahl nachweisen, wovon die einen entschiedene und charak-
teristische Brachycephalen sind, die zweiten unter einander sehr
ähnliche kleinere Langschädel, die dritten mehr unter sich
variirende grosse Langschädel, aus denen vielleicht einige
schwankende Formen ausgeschieden werden können. Ich glaube, dass
selbst ein Craniolog ersten Ranges sich täuschen Hesse, wenn ich die-
selben in 3 Reihen geordnet als die 3 Typen der Stein- Bronze- und
Eisenperiode, oder vielleicht als Slaven- Gelten- und Germanenschä-
del zusammenstellen und angeben würde. Gleichwohl sind dieselben
höchst wahrscheinlich (denn mit der näheren Eruirung des historischen
Nachweises bin ich noch beschäftigt) aus dem Bauernkrieg und von
Bauern, welche nicht sehr well von einander angesiedelt waren. Ich kann
hier nicht weiter auf das sehr interessante Factum eingehen, dessen nähere
iMiltheilung ich mir für eine Fortsetzung der „zoologisch-anthropologi-
schen Untersuchungen" vorbehalte. Ich habe dem Gegenstande ohne-
dem schon hier im Berichte zu viel Baum geopfert. Aber ich wollte
dadurch und indem ich die Fragen in der „historischen Anthropologie"
an die Spitze stellte, zugleich die ausserordentliche >Vichligkeit und
das Anziehende dieser neuen Wissenschaft in den Vordergrund stellen,
um welche sich in der That für die nächste Zukunft das Haupt-
interesse der angewandten allgemeinen Zoologie und der Naturge-
schichte des Menschen knüpfen wird. Ich möchte alle diejenigen
Anatomen, welche ihre Kräfte nicht der Histologie oder der Physiologie
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1861. 15
zuwenden, zu gemeinsamer Thätigkeit in diesem Gebiete anregen.
Nur wenn jeder Anatom im Bereiche seiner Gegend, aus welcher er
die Leichen bezieht, die gewiss zu findenden typischen Verhältnisse
der noch heute, trotz ihrer grossen Mischung, nicht fehlenden Reste
einer mehr oder weniger primitiven Bevölkerung festzustellen sucht,
werden wir uns der Lösung von Fragen allniählig nähern, die in
neuesten Zeiten in einer gründlichen und wissenschaftlichen Anthro-
pologie in den Vordergrund getreten sind*).
*) Obige Bemerkungen sind nach eigenen Erfahrungen ganz
unabhängig von denen von v. B a e r entstanden und niedergeschrieben
worden. Da dieser ausgezeichnete Naturforscher viel reichere Erfah-
rungen hat, als ich, welche hier vorzüglich maasgebend sein müs-
sen, so setze ich seine Ansichten wörtlich nach seinem Berichte der
Anthropologen-Versammlung hieher. Vgl. S. 13 d. Berichtes:
„Wir haben so eben erwähnt, dass die vergleichende Anthro-
pologie, indem sie auf einzelne Fragen einging, die Ergebnisse der
Sprachforschung für die Wahrscheinlichkeit sehr alter und fortge-
setzter Einwanderungen aus Asien bestätigt und nur noch einige
Schwierigkeiten zu lösen sind. Sie hat aber sehr viel mehr geleistet.
Sie hat die Geschichte der Menschen in Europa und somit des ganzen
Menschengeschlechts um ein Bedeutendes verlängert. Kaum hatte der
Alterthumsforscher Thomsen in Copenhagen, die in der dortigen
Sammlung aufgespeicherten Gräberfunde überblickend, ausgesprochen,
CS müsse der Zeit, seit welcher das Eisen in Gebrauch ist, eine lange
Periode vorangegangen sein , in welcher man dieses Metall nicht
kannte, dagegen Kupfer und Kupfergemische, zuweilen auch Gold,
verarbeitete und dieser Zeit wieder eine andere, in welcher die
Leute nur Werkzeuge von Stein und Knochen hatten, und dass man
diese Perioden die Steinperiode, die Bronzeperiode und die Eisen-
periode nennen möge, so konnten Nilsson und Retzius den Be-
weis führen, dass wenigstens in Schweden die Menschen der Stein-
periode ganz verschieden waren von den jetzigen Schweden, die
Menschen der Bronzeperiode den letzteren ähnlicher, aber doch noch
merklich verschieden. Diesen Beweis von grossen Einwanderungen
neuer Stämme und Vertilgung oder Verschiebung der früheren Be-
wohner hätte die Archäologie allein nicht führen können. Dazu war
die Vergleichung der Knochenreste durch Anatomen nothwendig. Dass
spätere Untersuchungen gelehrt haben, wie jene grossen Perioden
sich wieder in ünterabtheilungen bringen lassen, aber auch nicht so
scharf geschieden sind, als man früher geglaubt haben mochte, son-
dern in einander übergehen, indem die Bronze nur langsam die Stein-
und Knochenwerkzeuge verdrängte und dagegen noch im Gebrauche
blieb, als schon das Eisen bekannt war, gehört nicht hieher; wohl
16 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
Um SO kürzer glaube ich diesmal die im vorigen Jah-
resberichte an die Spitze gestellte Darwin'sche Lehre
aber kann ich nicht unerwähnt lassen, dass die Untersuchung der
menschlichen Knochenresle neue Resultate gegeben hat, und dadurch
eine neue Wissenschaft zu erwachsen scheint, welche unser Freund
Wagner die historische Anthropologie nennt. Dieser Zweig
der Anthropologie kann nicht umhin, der Probiislein und die Leuchte
für anthropologische Forschungen zu werden und die Geschichte unseres
(Geschlechtes in Zeiten zurückführen, über welche die schriftlichen Zeug-
nisse nichts auszusagen vermögen. So eben bin ich beschäftigt, eine
Kopfform aus der Bronoezeit Deutschlands zu beschreiben, und durch
Zeichnungen zu erläutern, welche von den von ]\ i 1 s s o n abgebildeten
Köpfen verschieden ist und die ich mehrfach gesehen habe, zuletzt an
dem Kopfe eines fast vollständigen weiblichen Skelettes, bei dem noch
die broncencn Arm-, Bein- und Halsringe an den gehörigen Stellen
liegen. Ich glaube ferner aus Knochenreslen es wahrscheinlich machen
zu können, dass die Kinimericr des Herodot's in der That mit den Kimri
und vielleicht mit den Cimbern identisch sind. Aber es bleiben noch
die grösste Fragen zu lösen oder vielmehr, diese Studien haben erst
begonnen. In Dänemaik hat man auf der Insel Langeland sehr langge-
zogene und schmale Köpfe gefunden, die unter sich ziemlich ähnlich sind,
aber von der Form der Hindus merklich abweichen und der Slein-
periode anzugehören scheinen. Wo ist der Stammsitz dieser Menschen
anzunehmen, da in der Steinperiode die brachycephale Form vorzu-
herrschen scheint? Noch abweichendere Formen sind einzeln be-
schrieben, namentlich von Herrn Prof. S ch a a f f h ausen in Bonn
und Prof. Busk in London. Solche Einzelheiten erwarten noch neue
Fundorte, um mit einiger Wahrscheinlichkeit in die Geschieht«^ ein-
getragen werden zu können. Aber es ist zu wünschen, dass bei jedem
Gräberfunde die vergleichende Anthropologie zu Ralhe gezogen
werde und dass sie Auskunft geben könne. Wird sie auch nicht leicht
mit Bestimmtheit sagen können, zu welchem Volke das aufgefundene
Skelett gehöre, so wird sie doch, das lässt sich mit Zuversicht er-
warten, oft erklären können : zu diesem oder jenem Volke gehören
die gefundenen Reste nicht. Das ist schon viel, wenn man bedenkt,
dass man in Deutschland vor Kurzem noch von jedem alten Grabe, wenn
kein Grund da war, es für ein römisches oder slavisches zu halten,
glaubte, es müsse ein alt-germanisches sein. Um in dieser Bestimmung
der Gräberfunde Fortschritte zu machen, scheint es aber wünschens-
werth, dass man von den jetzt lebenden Völkern und ihren Haupt-
verzweigungen durch Vergleichung vieler Individuen die Alitlelfor-
men und das Verhällniss ihrer Abweichungen zu bestimmen suche, sei
es durch Maasse oder bildliche Darstellung."
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1861. 17
behandeln zu können. Werthvolle neue Argumente pro und
contra sind meines Wissens gar nicht aufgebracht worden.
Es sind zwar zahllose Aufsätze auch im vergangenen Jahre
wieder erschienen, mehr freilich im Auslande, als im In-
lande und mehr in populärer Form und in Journalen und
Schriften, welche gerade als für ein allgemeines Publikum
bestimmt, das an dieser Frage den lebhaftesten Antheil zu
nehmen scheint, für welche jene Journale bestimmt sind, nur
zufällig und selbst spärlich in das Bereich der strengen wis-
senschaftlichen Forscher gelangen. Ich will daher für diesmal
auch nur einige Arbeiten anführen, welche den Gegenstand
allgemein verständlich behandeln und welche sich in den
schätzbaren und anziehenden Schriften des Vereins zur
Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse in Wien,
I. Bd. (Jahrgang 1860/61. Wien 1862) finden.
Die Darwin'sche Theorie über die Entstehung der
Arten von Dr. Gustav Jaeger. Zwei Vorträge gehalten den
10. und 15. Dec. 1860.
Hofrath Bronn's Ansichten von der Entwicklung des
Thierreiches, besprochen von Prof. Eduard Suess, Vor-
träge, gehalten am 7. und 14. Januar 1861. (Besprechung
der im Vorjahre für unseren Bericht erschienenen Festrede
von Bronn, lieber den Stufengang des organischen Le-
bens von den Inselfelsen des Ozeans bis auf die Festländer.
Mit erläuternden Beigaben. Stuttg. 1860. 31 Seiten}.
Obwohl die Frage, in wie weit naturwissenschaftliche Gegen-
stände einer populären Behnndliing fähig sind und eine solche zur
allgemeinen Bildung beiträgt, nicht ganz ausseihalb des Bereichs
meines Berichtes liegt, der es sich vornimmt, gerade über die aller
allgemeinsten Fragen und Beziehungen der entsprechenden Wissen-
schaft sich zu verbreiten, so dürfte eine solche Besprechung doch
zu weit führen und es mag nur Folgendes angedeutet werden. Unreife
Ideen und völlig unfertige wissenschaftliche Resultate unter ein gros-
ses, total urtheilsloses Publikum zu werfen, hat immer etwas Bedenk-
liches. Die Antwort, welche Professor Huxley in der Versammlung
der British Association in Oxford dem Präsidenten Dr. Daube ny
gab, als dieser ihn aufforderte, sich über die Darwin'schen Ansich-
ten zu äussern: „Ein so gemischtes Publikum, wo Gefühl und Ver-
stand sich nothwendig einander durchkreuzen würden, sei für solche
Diskussionen nicht geeignet* hat etwas «ehr wahres. Ich werde immer
Arohiv f. Naturg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd. B
18 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
mehr der Ansicht unseres grossen Gauss, der bei Gelegenheit der
Epidemie der wandelnden Tische sagte: „diese ganze Geschichte sei
do(h ein schlagender Beweis, dass eine Belehrung und Bildung der
grossen Alenge durch populäre Behandlung der Naturwissenschaften
völlig unerreichbar sei," Abgesehen davon sind die Jaeger'schen
Vorträge eine recht hübsche Darstellung der Darwin'schen Lehre,
freilich mit primitiver Vorliebe für dieselbe. Mährend Jaeger, wie
die meisten jüngeren Forscher im Gegensalze gegen die älteren (Owen,
Agassiz, van der Hoeven u. a. m.) sich mit einem gewissen,
wenn auch am Schluss limitirtem Enthusiasmus für den Darwinismus
ausspricht, hat ein sehr Uenntnissreicher, mit den INaturwissenschaften
vertrauter junger Theologe die Frage im entgegengesetzten Sinne
zur Sprache gebracht. Ich empfehle diese seine unten näher bezeich-
nete Arbeit neben den Jaeger'schen Vorträgen recht angelegentlich
allen denjenigen, welche sich für den Einfluss der Naturwissenschaf-
ten auf die Grundanschauungen der Zeit und die allgemeine Lebens-
richtung der Kationen inleressiren*). Bei den jetzigen grossen Gegen-
sätzen in den Fundamenlal-Anscbaunngen , welche alle Gebiete des
Wissens und Lebens durchdringen, hat ein unbefangener Berichterstat-
ter die Pflicht, die verschiedensten Anschauungen zur allgemeinen
Kenntniss zu bringen, ohne dass ihm zugemuthet werden kann, mit
seiner eigenen Kritik zurückzuhalten.
Die von Suess eben so vorzüglich, wie von Jaeger be-
sprochenen Ansichten hat der um Verbreitung gründlicher Kenntnisse
in der Zoologie und Paläontologie so hochverdiente Bronn schon
früher in seiner vor den Beginn meiner Berichte gefallenen, von der
Pariser Academie gekrönten Preisschrift: „Untersuchungen über die
Entwicklungsgesetze der organischen Welt" (1857), präciser aber und
in engerem Räume in obiger Festrede aufgestellt. Suess hat diese
Ansichten, auf welche umfänglich einzugehen die Grenzen unseres
Berichts nicht gestalten, corrcct am Eingange seines Vortrags mit
folgenden Worten bezeichnet: ,.Der Verf. hat eine Parallele gezogen
zwischen der räumlichen Ausdehnung und dem Charakter der Bevöl-
kerungen der Inseln und hat hierbei eine Analogie gefunden zwischen
dieser je nach der Grösse der Inseln betrachteten Faunen und jener
Aufeinanderfolge von Faunen, welche sich fossil in den verschiede-
nen geologischen Formationen findet. Es ist derselbe zu dem Schlüsse
gelangt: dass in der Natur das Streben vorhanden sei, das F'eslland
*) Ueber die Speciesfrage nach ihrer theologischen Bedeutung.
Mit besonderer Rücksicht auf die Ansichten von Agassi z und Dar-
win von Lic. Dr. 0. Zöckler in Giessen. Jahrbücher für deutsche
Theologie. Bd. VL 1861 S. 659.
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1861. 19
im Gegensatze zum Meere allmählich auszubilden und an die Stelle
der anfangs vorherrschenden Bewohner des hohen Meeres allniählich
immer mehr Küsten-, Strand- und Inselbewohner und zuletzt solche
hoher und ausgedehnter Continente zu setzen. Dieses Streben in der
Natur wird „terripetal, erdstrebend'' genannt und ist abhängig von
dem allgemeinen Uesetze der Anpassung der Organismen an die jeder-
zeitigen Existenzbedingungen. '^ In Bezug auf den Ausgangspunkt des
Menschengeschlechts nimmt Bronn an, dass die höchste Steigerung
der Organisation überall gegen die grössten und entwickeltsten Conti-
nentalmassen dränge, es sei mithin „die Wiege des Menschengeschlechts
gerade dort zu suchen, wohin sie allgemein versetzt wiid, nämlich
in den grössten Welttheil der alten Welt auf der Seite gegen die
zwei kleineren, als dem eigentlichen Continental-Mittelpunkte." Diese
Arbeit von Bronn ist, wie bekanntlich alle anderen Arbeiten des
verdienstvollen Verfassers, mit zahlreichen numerischen Daten ver-
sehen und gewährt eine um so anziehendere Lcctüre, als sie überall
auf soliden geographischen Tbatsachen fusst und gerade n)it dem
D a rwi n'schen Werke zusammentrifft. Sie gestaltet bei ihrer ohnediess
so geringen geräumlichen Ausdehnung und concisen Darstellung keines
auch noch so gedrängten Auszugs für unseren Bericht, daher ich auf
das Original oder den Aufsatz von Suess verweisen muss.
Von England sind noch einige gegen Darwin ge-
richtete Publikationen vom Vorjahre nachzutragen.
John Phillipps Life on the earth ils origin and
Succession. Cambridore 1860. 12.
Over natuurkundige Theorien om trent de verschijn-
sels van het leven en bepaaldelijk over Darwin's Theorie
angaande het ontstaan der Sorten door W. Hopki ns N. A.
uit het Engelsch vertaald door J. van der Hoeven.
Harlem 1860.
Verfasser und üebersetzer sprechen sich aus dem Grunde der
zu solchen Annahmen, wie die D a r w i n's, völlig ungenügenden Kennt-
nisse (in allen Wissenschaften, die dabei in Betracht kommen) gegen
die Transmnlations-Theorie aus. Vgl. die lesenswerthe Anzeige der
H 0 p k i ns'schen Schrift in den Güttinger gelehrten Anzeigen 1862.
5. Stück von Keferstein. — Die Abhandlung von Hopkins er-
schien in Fraser's Magazine for Town and Country. Juni und Juli
1860. — Besonderer Werth wird durch die mangelnden Beweise durch
die fehlenden Uebergänge in der Faläontologie gelegt, worauf ausser
Agassiz auch Sedgwick sich mit Recht vorzüglich stützt.
Es mag hier gestattet sein, noch auf eine mündliche Aeusseruug
von K. E. von Baer hinzuweisen. .,Je länger, sagte derselbe, er in
20 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
Darwin's ßuche gelesen, um so zweifelhafter sei ihm seine eigene
(früherer Jahresbericht für 1859 S. 7. erwähnte) beschränkte Trans-
mutationstheorie geworden."
IVoch erwähne ich den Aufsalz von E. Yansittart Neale on
typical Seleclion, as a means of rcmoving the difficullies altending
the Doctrine of the Origin of Species by Katural Selection. Zool.
Proceedings. 1861. P. 1, und, um wenigstens eines französischen Auf-
satzes zu erwähnen :
Ed. Claparede: M. Darwin et sa theorie de la P'ormation
des espt'ces. Revue (iermanique. Tome. VI. 4eme Livr. Aoüt 1861. p.523.
Ein vorzüglicher Zoologe spricht sich hier sehr zu Gunsten
Darwin's aus in einer klaren Analyse und schönen Darstellung des
Werkes, worüber er sagt: „Teile est la theorie de M. Darwin, theorie
a nos yeux grosse d'avenir." Es scheinen mehrere Artikel folgen zu
sollen, die wir abzuwarten haben.
Ich habe versucht, auch auf die Gefahr hin wieder
yy\on beiden Pariheien durchbohrt zu fallen" in Betreff der
Darvvin'schen Entwicklungstheorie eine vermittelnde An-
sicht aufzustellen. Es ist ein Versuch, einige Phänomene
der Hirnbildung zu deuten, die Darwin nicht erwähnt
hat; freilich ein blos gelegentlicher Versuch, den grossarti-
gen, originalen und geistreichen Traum Darwin's in be-
scheidener Weise fortzuträumen, da Niemand sich dessen
fermentaliver Wirkung entziehen kann.
Vorstudien zu einer wissenschaftlichen Mor-
phologie und Physiologie des Gehirns als Seelen-
Organ. 2. Abhandlung; Ueber den Hirnbau der
Mikrocephalen mit vergleichender Rücksicht
auf den Bau des Gehirns der normalen Menschen
und der Quadrumanen. Göttingen. 1862. 4.
Nachdem Herr Darwin in Bezug auf mein Entgegentreten ge-
gen seine Grundanschauungen in den im vorigen Jahresbericht an-
geführten zoologisch- anthropologischen Untersuchungen mir unter
anderen die AVorte geschrieben: „Although You are for from agreeing
with nie, 1 thank You by heart for the liberal and most kind way in
which You allude to it. All that I can hope and expect is, Ihal my
views should be fairly considered" glaubte ich doppelt die Pflicht zu
haben, nicht blos negativ gegen Darwin aufzutreten, sondern we-
nigstens einen Theil der von ihm beigebrachten Thatsachen auf eine
positive Weise zu erklären den Versuch machen zu müssen. Dieser
Versuch ist nur ein vorläufiges Corollarium zn der obenstehenden
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1861. 21
Abhandlung, welche am 6. December der K. Gesellschaft der Wissen-
schaften in Göttingen vorgelegt wurde, mit Abdruck der hauptsäcKlichen
Resultate in den Göttinger Nachrichten vom 25. Dec. 1861 (Nov. 22).
Auch diese vorläufige Darstellung ist keines Auszugs fähig und gründet
sich auf den gesammten wissenschaftlichen Inhalt der obigen Abhand-
lung, welche sich zu beweisen bemüht, dass die scheinbar auf den
Affentypus zurückfallenden Mikrocephalen (Idividuen mit angeborener
Hirnarmuth) ganz den menschlichen Typus des Gehirns beibehalten
und die hauptsächlichen Hirndefekte (im Hinterhauptslappen) gerade
dem Typus der anthropoiden Affen, wo die Hinterlappen stark abge-
setzt uud besonders entwickelt sind, widersprechen. Uebereinstimmend
mit Darwin gebe ich gewissen Bildungen, wie den rudimentären
Organen, den morphologischen Verwandtschaftsbildungen, auch eine
genealogische Grundlage, aber in einem ganz anderen Sinne des ge-
netischen Zusammenhangs. Bei Darwin sind alle diese morphologi-
schen Elemente in steter Umänderung begriffen, werdende Neubildun-
gen für neue Species, während ich sie umgekehrt als Üeberbleibsel
von Kräften einer gemeinsamen organischen Grundmaterie betrachte,
die in verschiedene Stücke zerfallen, ähnlich wie die elterlichen und
vorelterlichen Zeugungsstoffe (Same und Ei) mit präformirten Quali-
täten behaftet sind, welche in ihren Entwicklungen fortexisiiren und
dadurch ihre primitive genealogische Verwandtschaft dokumentiren.
Die nähere Ausführung ist künftigen Darstellungen vorbehalten.
In der genannten Abhandlung ist diese Frage jedoch
nur gelegenheitlich besprochen, aber auch aus dem Grunde
wieder aufgenommen worden, weil die zoologische Bezie-
hung des Menschen zu den Quadrumanen immer von Neuem
auftaucht und dadurch zeigt, dass sie doch noch keine so
erledigte ist, als es schien, nachdem Blumenbach vor
60 Jahren seine bferühmte Abhandlung „Ein Wort zur Be-
ruhigung in einer allgemeinen Familienangelegenheit" ge-
schrieben hatte *"^). Meine Abhandlung selbst hat zum Zweck,
ausser den oben angedeuteten Verhältnissen, die für die
psychischen Leistungen wichtigsten Bildungen, die Win-
dungen der Hemisphären, nach verschiedenen Seiten und
für verschiedene Fragen durch Herbeiziehung von Messun-
gen, Wägungen, vergleichend anatomischen und embryolo-
gischen Untersuchungen auf möglichst exakte Unterlagen
zu bringen, welche wirklich in der allgemeinen Zoologie
*) Beiträge zur Naturgeschichte. 2. Aufl 1806. 1. Theil. S. 48.
22 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
und Physiologie zu verworllien sind. Von verscliiedencn Sei-
len sind gegernvärlig- sorgfällige Studien über den Hirnbau,
den Zahnwcchsel u. s. w. der meiisclicnähnliciicn Allen und
deren Verliällniss zum Menschen wieder aufgenommen wor-
den •*'"), deren nähi^e Anlührung ich dem Herrn Bericht-
eislatler über die Säiigelhiere überlassen muss. Insofern
sich diese Arbeilen auf das Gehirn beziehen, sind sie in
der genannten Abhandlung citirt und benulzt worden.
Das wachsende Interesse für die allgemeine Nalur-
gcscliiclite des Menschengeschlechts und die sich eng daran
anschliessenden P^rao^en in der alio;emeinen Zoolooie, das
ßedürfniss, sich über gewisse Grundlagen für künftige For-
schungen, namentlich über gemeinsame Messungsprinzipien
zu vereinigen, liat zu einer Zusammenkunft einiger Anthro-
pologen im September 1861 in Göttingen geführt, welche
von K. E. von ßaer und dem Verfasser des vorliegen-
den Jahresbericlites durch besondere Einladung vermilteit
wurde. Hi(>rüber ist ein Bericht mit 15 Holzschnitten und
einer Steintafel, Leipzig 1861. 4. erschienen, in dem sich
von Baer über eine Beihe wichtiger Momente ausführlich
verbreitet, die im vorigen Jalircsberichte p. 9 u. d. f. in
Betreff der Bildung der Rassen bei den Hausthieren, der
Thierzucht und der Bastardzeugung zur Sprache kommen.
Baer stellt die Lehre, dass die geschlechtliche Verbindung
verschiedener 3]enschenstän)tne (Rassen) wenig frnchlhar sein soll
und dass die Bastarde unter sich gar nicht oder doch nur wenig
sich forlpflanzen oder sonst verkommen sollen, j^örpeilich oder mora-
lisch unkitillig werden, in ihrer Unsicheiheit und Haltlosigkeit dar,
wohei er auf die weiter unten anzuführenden Veihandlungen in der
Societc d'Anthropologie in Paris zurückkommt und sich namentlich
über anerkannte Mischlingsvölker verbreitet. Baer njacjht hier auf
eine Reihe von Umständen aufmerksam , welche der weiteren Nach-
forschung bedürl'en. Er erwähnt das Auffallende, dass in Neuholland
und Vandiemensland trotz der zahlreichen deporlirlen Verbrecher doch
nur eine geringe Zahl von Bastarden vorzukommen scheinen; dass
in Amerika und Afrika französische, spanische und portugiesische
*) So hat Owen durchgreifende Unterschiede in dem Zahn-
wechsel der anthropoiden Affen im Gegensatze zum Menschen neuer-
lich nachgewiesen.
und der Pfaturgeschichte des Menschen im Jahre 1861. 23
Bastarde mit Negerinnen zu gedeihen scheinen, englische aber nicht;
dass die Holländer und Holtenlotten , trotz ihres weiten Abstehens
von einander doch in Süd-Afrika ein ganzes neues Volk, die Giiquas,
erzeugt haben, welche aus den Bastarden der Holländer iml Hotlen-
toltinnen und Buschniänninnen hervorgegangen sind ; dass in dem be-
kannten Falle der aus englischen Matrosen und Olaheitcrinnen her-
vorgegangenen kräftigen Colonie von Mischlingen der Pitkairn-Insel
deren Fruchtbarkeit ebenfalls unzweifelhaft bewiesen ist. Baer ist
auch geneigt, nach Erfahrungen in seinem Stammlande, bei der Ver-
mischung von Deutschen und Esthen, den moralischen Verhällnissen
in der leicht eintretenden Verkümmerung aller Mischlingsbevolkerun-
gen einen viel grösseren Werth beizulegen , als einer mangelnden
Propagationskraft.
Baers Ansichten und Bedenken, die ich vollkommen
theile, werden durch neuere Mittheilüngen aus Neuholland
bestätigt. In einem wie es scheint sehr interessanten Werke,
das ich nur aus einer Witlheilung in der Lit. Gazette und
daraus in der Beilage zur Augsburger Allg. Zeitung vom
21. März 1862 kenne: Thirly three Years in Tasmania and
Victoria by Georg ThomasLloyd, wird von einem riesen-
haften 1803 in Melbourne entsprungenen weissen Sträfling
(Mr. Buckley) gesprochen „von dem sich bis auf den heuti-
gen Tag viel dunkelfarbene Söhne abzustammen rühmen."
Wenn dies wahr ist, können die Angaben über das Nicht-
fortkommen der australischen Bastarde doch nicht ganz
richtig sein. Auch andere Berichte lassen die mystischen
Angaben über das angebliche Nichtfortkommen der Misch-
linge als Fabeln erscheinen. Nach Original-Mittheilungen
über die Wilden Australiens im Ausland, Nr. 11. S. 250,
rührt die geringe Zahl der Mischlinge vorzüglich daher,
dass die meisten gleich nach der Geburt getödtet werden
oder sonst aus aufgeführten Gründen verkümmern, wie diess
bei allen Mischlingen vorkommt und in Australien, nach
der Natur des dortigen kümmerlichen Bodens und Lebens,
noch häufiger vorkommen muss, als bei anderen Bacen.
Eine der ersten ausführlichen Diskussionen, welche
die Societe d'Anthropologie in Paris bald nach ihrer Grün-
dung gehabt hat, verbreitet sich über die eben berührten und
andere verwandten Verhältnisse. Die vortreffliche Bedaktion
der Bulletins dieser Gesellschaft, welche nicht blos die
24 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
gelesenen Abliandlungen in extenso oder im Auszüge, son-
dern die, wenn auch, nach der Natur der Sache, zuweilen
aliscliweifendcn, docli immer lehrreichen und ein lebhaftes
Interesse erregenden Diskussionen über die Vorträge mit-
theilen, macht diese Zeitschrift zu einer der anziehendsten,
welche wir besitzen.
Hier war Herr Perier beauftragt, über eine kleine Dissertation
von Alfred Bourgeois, Paris 1859, über denEinflussder
Ileiralhen zwischen Blutsverwandten auf die nachste-
henden Generationen zu referiren. Natürlich fasste der Referent
(jiesen Gegenstand in seinem nalurgeniässen Zusammenhang an diesem
Orte mit der grossen Frage der Kieuzung der Racen. Bourgeois
stellt als Eudergebniss seiner Forschungen auf, „dass der Einfluss
dei' Ehen zwischen Blutsverwandten gut oder schlecht
ist, je nachdem die betheiligten Individuen von Con-
stitution e 1 1 en Krankheiten frei oder befallen sind."
Perier erklärt, dass seine seit langer Zeit fortgesetzten Studien über
diesen Gegenstand zu völlig gleichem Schlussresultat führten. Die
einzelnen Belege muss man in der Abhandlung selbst nachlesen, eben
so wie die in der Socielät darüber geführte Diskussion. Nicht bloss
das gemeine Vorurtheil, sondern viele ärztliche Berichte z. B. von
Dr. Devoy in Frankreich, die des amerikanischen Arztes Dr. Lewis
lauten freilich ganz anders und beschuldigen einfach das Hciralhen
unter Blutsverwandten als die Fruchtbarkeit und den Gesundheitszu-
sland der INachkomnien gefährdend; unsre vulgäre J^olitik zieht daraus
selbst Consequenzen für die Ehen der unter sich verschwägerten fürst-
lichen Familien. — In Dr. Mettler's Jahreszeiten 1861 S. 544 steht
z. B. eine solche l'opanz-Macherei vor Blutsverwandten-Heirathen.
Zu Perier's Essai sur les croisements ethniques inj ersten
Hefte der Memoires de la Soc. d'AnIhropol. ist die Fortsetzung
('leuxieme Memoire) im zweiten Hefte der Alemoires p. 186 erschie-
nen. Diese Abhandlung geht mit grosser historischer Belesenheit zuerst
auf die oben erwähnten Folgen von Heirathen unter Blutsverwandten ein,
indem dieselbe die Geschichte der höheren Kasten oder Aristokratieen
der menschlichen Gesellschaft, welche sich nur unter einander mi-
schen, und als eben so viele kleine Racen oder kleine Nationen be-
trachtet werden können, einer Kritik unterwirft und dabei schliesslich
wieder auf die eben erwähnte Arbeit von Bourgeois zurückkommt.
Von besonderer Wichligkeil sind hier die sicheren Documente, welche
der letztgenannte in einem Gebiete beibringt, das, wie die meisten an-
thropologischen Fragen, bisher nur auf sehr vagen und unsicheren Be-
hauptungen beruhte. Diese Dokumente zerfallen in zwei Haupllheile;
1) die sehr delaillirte Geschichte einer Familie (der seinigen), 'welche
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1861. 25
aus 116 Mitgliedern besteht, worunter die ähnlich verbundenen, ent-
sprungen von einem Paare im vierten Grade Blutsverwandten, in einem
Zeiträume von 160 Jahren und nach 91 fruchtbaren Verbindungen,
von welchen 16 aufeinander folgende Blutsverwandte waren: eine
Familiengeschichte, welche nicht nur keinen Zweifel lässt über die
Unschädlichkeit, sondern selbst über „die Vortheile der Blutsver-
wandtschaft in gesunden Familien." 2) „Eine Reihe von 24 isolirten
Beobachtungen, von Bourgeois selbst oder von seinen Freunden
gesammelt, und welche vollständig von jenen abweichen, die aus dem
entgegengesetzten Lager beigebracht wurden, besonders unter dem
Gesichtspunkte der Sterilität gleich Anfangs und dann in der Folge
dem des Gesundheitszustandes, der beständig gut bei den Kindern
war, nut Ausnahme derjenigen Fälle, wo beide Eltern schon von
Krankheiten befallen oder auch nur von schwacher Gesundheit wa-
ren." Ganz übereinstimmend damit sind die Erfahrungen , welche
Parier aus 26 Ehen von Blutsverwandten sammelte, in denen, wenn
man jedes kranke Element au.sschliesst, niemals auch nur eine
Spur von Zufall vorkommt, den man der Blutsverwandtschaft zu-
schreiben könnte.
Ich habe im vorigen Jahresbericht p. 34 der Abhandlung von
ßoudin über den INicht-Cosmopolilismus der Menschen-Racen ge-
dacht und deren Hauptresullale zusammengestellt. Broca knüpft in
einer der Sitzungen der Soc. d'Anlhrop. (vom 22. März 1860. Bul-
letins Tome I. 2. fascicule p. 255) daran an, indem er hierauf
auf die Perier'sche Abhandlung eingeht, so weit dieselbe Bezug
hat auf die Kreuzungen sehr verschiedener Racen. Die Details, welche
Broca aufführt, hatte von Baer mit vor Augen, als er seine oben-
erwähnten Ansichten in der Göltinger Anthropologen -Versammlung
vortrug. Broca schllesst aus den von ihm beigebrachten Thatsachen,
dass es scheine, „die Resultate der Kreuzungen zwischen entfern-
ten Menschen-Racen seien um so schädlicher, je entfernter die Müt-
ter in ihrem Racen-Charakler stehen. Diese Behauptung befinde sich
aber in Uebereinstimmung mit den Erfahrungen, welche alle Natur-
forscher in Betreff der Bastard-Erzeugung bei den Thieren gelten
lassen." Bei der Diskussion betheiligte sich vorzüglich Herr d'O ma-
ll us d'Halloy, dessen Traite des races humaines Herr Broca be-
sonders herbeigezogen hatte. Herr Perier verweist auf eine Fort-
setzung seiner oben genannten Mitlheilungen.
Zur Wiederaufnahme der Diskussion über diesen so wichtigen
Gegenstand giebt die Sitzung vom 19. April 1860 wieder Gelegenheit,
in welcher, in Folge eines Rapports des Herrn Trelat, „über die
Abnahme der eingeborenen Racen Oceaniens und Guyanas" gesprochen
wird. Diese Frage wurde von Herrn Broca auf die Tagesordnung
gesetzt. Vgl. Bulletins Tome. I. p. 276.
26 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
In der Sitzung vom 24. Mai hielt Herr Perier einen Vortrag,
dessen Hauptinlialt die Frage bildet, welche er als die kapitale über
diesen Gegenstand betrachtet: Woher es komme, dass bei den kultur-
losen oder halbcivilisirten Hacen die Berührung mit den Europäern
so verderblich auf die Zahl der Population einwirke? Ib. p. 327. Bei
der Discussion, woran sich viele Rlilglieder beiheiligen, koinmen eine
Menge interessante Momente zur Sprache, welche sich auch wieder
auf die Hybridität und die Entstehung der Racen, z. B. der Munde-
Racen beziehen.
Eine Fortsetzung der Diskussion fand in der Sitzung am 19. Juli
statt (Ib. 429) in Folge eines weiteren Vortrags des Herrn Perier,
und man kommt zuletzt auf die ewig wiederkehrende, mit unseren
gegenwärtigen Hülfsmitteln nicht lösbare Frage über die urprüogliche
Einheit oder Vielzahl der Paare, von denen das Menschengeschlecht
abstammt und die Verschiedenheit der ]\Ienschen-Racen, ein endloses
und höchst unfruchtbares Kapitel, in welches näher einzugehen ich
denjenigen Lesern überlassen niuss , welche dafür Lust und Nei-
gung haben.
Koch einmal kommt der Gegenstand zur Sprache im Jahre 1861
(Sitzung vom 3. Jan. Bulletin Tome II. p. 5) bei Gelegenheit einer
Mittheilung des Journals l'Opinion nationale über blutsverwandte
Heirathen in Ohio (Vereinigte Staaten) und eines Berichts von Ra-
meau aus Canada über die dortigen Racen-Verhältnisse, und wei-
terer Docuniente darüber von Dr. Landry, Prof. der Anatomie und
Pathologie in Quebec.
Ich halte die ganze Frage über die angebliche ge-
ringe Propagation bei Rassenmischung für einer sehr stren-
gen Kritik bedürftig, da ich mit Baer die Annahme von
physischen Gründen für mehr oder weniger fabelhaft er-
klären möchte.
Im Jahre 1860 halte Herr Gosse aus Genf in derselben Ge-
sellschaft eine Abhandlung über die alten Racen aus Peru gelesen,
welche in der zweiten Lieferung der Memoires p. 149 abgedruckt
und mit 3 Tafeln Abbildungen begleitet ist, vorzüglich die bekannten
künstlich deprimirten Schädel betreffend. Hier wird die früher schon
von Tschudi u.a. ausgesprochene Meinung wieder entwickelt, dass
solche künstliche Verunstaltungen später hereditär geworden seien.
Diese Frage ward von Perier in einem Vortrage wieder aufgenom-
men (Bulletins Tome II. 1861. p. 19) woran sich eine längere
Discussion „über die Erblichkeit zufällig erworbener
Ei genth üml i ch k eiten" anknüpft. Dieses für die ganze Racen-
bildung ungemein wichtige, schon von Blumenbach in die Natur-
geschichte des Menschen umfänglich eingeführte Moment halte Gosse
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1861. 27
bereits 1855 in seinem Essai sur las deformations artificielles du crnne
zu einem hypothetischen Lehrsatz gebraucht, welcher in diesem Vor-
trao- wiedernm verfochten wird. Es ist nämlich die Ansicht ausge-
sprochen, dass wenn beide Eltern der Schädelverbildung ausgesetzt
waren, dieselbe sich von Generation zu Generation erblich habe fort-
pflanzen können, was nicht der Fall gewesen sei, wenn jene Defor-
mation nur eines von beiden Eltern, nur den Vater betroffen habe.
Perier setzt von vorne herein ein grosses Bedenken gegen eine
Behauptung von so ausserordentlicher Tragweile. Er resumirt schliess-
lich seine Ansichten und sagt: 1) dass beim Alenschen die Anomalieen
oder natürlichen Defonnitälen , wenn sie sich forterben, nicht über
eine grössere oder geringere Zahl von Generationen hinaus bestehen
und dass sie zuletzt spurlos verschwinden, indem der Normalzustand
seine Rechte behauptet. 2) Dass die künstlichen Deformitäten und die
des Schädels insbesondere, wenn sie sich auch manchmal fortpflanzen
können, immer schon in den ersten Generationen verschwinden, ohne
dass der ethnische Typus dadurch im geringsten verändert wird. —
In der Diskussion werden einige Argumente zu Gunsten dieses Fort-
erbens künstlicher Deformitäten angeführt und namentlich die stets
wiederkehrende Behauptung aufgestellt, dass bei den Juden die Vor-
haut öfters bei Neugeborenen zu kurz gefunden werde. Herr Broca
zeigt in allen diesen Fällen die höchste Skepsis, welche Ref. im
vollsten Aiaasse theilt. Auch die Erkundigungen, welche Broca in
Paris, in Betreff der zu kurzen Vorhaut bei denen, welche die Be-
schneidung amtlich vollziehen, einzog, lehrten, dass die Sache auf
einem Mährchen beruht.
Bei dieser ganzen Frage ist meiner Meinung nach die höchste
Skepsis nölhig. 3]ir ist kein einziger Fall von Fortpflanzung einer
künstlichen Verstümmelung bekannt, der nicht einer anderen Deutung
fähig wäre. In die gleiche Kategorie gehört eine andere zuwei-
len aufgestellte Behauptung. Es soll nämlich bei Vermischung von
zweieilei Rassen, z.B. von Weissen und Negerinnen, zu keiner Älisch-
lingsform (Mulattenbildung) kommen, sondern es sollen reine Racen
fallen. Abgesehen von dem sehr bedenklichen Einwurf, den man hier
leicht aus anderen Verdachtsgründen machen kann, habe ich diese
Behauptungen immer für ganz unwahrscheinlich gehalten. Jedoch
sprechen die täglichen Erfahrungen im Leben, dass, wenn auch die
Kinder etwas von beiden Eltern an sich haben, doch häufig einzelne
Kinder fast ausschliesslich nur dem Vater, seltener der Mutter ähneln,
für Vorsicht in der unbedingten Verwerfung solcher Behauptungen.
Bei der Wichtigkeit des Gegenstandes will ich noch eine Stelle aus
einem im voiigen Jahresbericht erwähnten Werke anführen.
YonBerlepsch in seinem neuen Werke über Bienenzucht
sagt S. 215, dass die Arbeiterinnen, deren Mutter eine italienische
?8 Wagner: Bericht üb, d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
Königin, die aber von einer heimischen Drohne befruchtet worden,
immer die Mitte zwischen der italienischen Mutter und dem heimi-
schen Vater halten inüssten. „Diess ist, sagt von Berlepsch, zwar
auch theil weise der Fall, bildet aber nicht die Regel, sondern
es sind drei in die Augen fallend verschieden gefärbte Arbeiterinnen,
die aus Mischpaarungen hervorgehen, zu unterscheiden, nämlich:
1) solche, die man gar nicht von acht italienischen, 2) die man gar
nicht von acht heimischen unterscheiden kann und 3) solche, welche
die Mitte zwischen den beiden verschiedenartigen Eltern halten, also
wirklich Mischlinge sind. Diese dritte Klasse variirt wieder bedeutend
unter sich, indem einzelne Individuen niehr der Mutter oder mehr
dem Vater sich nähern." Von Berlepsch führt diesen Gegenstand
a. a. 0. noch weiter aus und stützt sich hierbei auf seine eigenen
Erfahrungen. Zugleich führt derselbe auch einen anderen Gewährs-
mann und ein anderes Thier an, was mir von hohem Interesse war.
Dönhoff giebt in der Bienenzeitung an (1854. S. 18), dass zwischen
Cochinchina-Hühnern und unserem gewöhnlichen Huhne sich mitunter
eine Racc rein fortpflanze.
Ich habe diese Frage von einer anderen Seite aufzunehmen
gesucht und zu verfolgen angefangen, da sie eine so überaus grosse
Bedeutung hat. Ich habe, seit ich die Direktion der hiesigen zoolo-
gischen Sammlung nach Bc rth o 1 d's Tod übernommen habe, Bastarde
vom Auer- und Birkwild (Telrao mcdius) zu sammeln angefangen, gerade
um Thiere zu wählen, die ohne Zuthun des Menschen, Bastarde er-
zeugen und nicht wie Hausthiere variiren. Hier scheint mir die Frage
nach der Uebertragung von elterlichen Eigenlhümlichkeiten in ihrer
grössten Reinheit verfolgbar und ich ersuche andere Beobachter um
eine gleiche Verfolgung des Gegenstandes, namentlich Ornithologen,
wozu aber ein recht grosses Material gehört. Hier dürfte die Frage
entschieden werden können, welche Eigenschaften mehr vom Vater,
welche von der Mutter herrühren, je nachdem z. B. Auerhahn oder
Birkhahn der Vater ist.
Eine wichtige Thalsache über Spermatozoen beim Maul-
Ihierhengst, den früheren im vorigen Jahresbericht S. 22
erwähnten Erfahrungen von mir und anderen widerspre-
chend, wonach bei Bastarden keine oder unvollkommene
Samenfäden gebildet werden, findet sich bei Valentin:
Die Untersuchung der Pflanzen- und Thiergewebe im polari-
sirten Lichte. Leipzig. 1861. 8. S. 305. Kote. Es heisst hier:
„In der anatomischen Sammlung zu Bern befinden sich Präpa-
rate von Spermatozoen, die nach der Angabe von Gerber und
Winkler von einem Maulthier stammen. Kopf und Schwanz sind
von grösserer Lange und Breite wie vom Pferde.
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1861. 29
Unter den vielen Gegenständen von allgemeinem In-
teresse für die Fundamentallehren in der Zoologie und
Anthropologie, mit denen sich die Societe d'Anthropologie
im vorigen Jahre sehr ausführlich beschäftigt hat, ist die
ausgedehnteste Besprechung den Untersuchungen über Vo-
lum und Form des menschlichen Gehirns, nach Alter, Ge-
schlecht, Individualität, Graden der Intelligenz, Racen-Eigen-
thümlichkcit und Nationalität zu Theil geworden. Die ent-
sprechenden Stellen finden sich, in verschiedenen Sitzungen
aufgenommen, abgedruckt in den genannten Bulletins
Tome II. p. 66—81. p. 139—207. p. 209—233. p. 238—279.
p. 283—321. p. 421—449.
Die ganze Besprechung knüpft wesentlich an die von
mir im vorigen Jahre publizirlen, oben erwähnten „Vor-
studien etc." an und insbesondere an der von mir beige-
fügten Tabelle mit nahe an 1000 Hirnv/ägungen. Mit Auf-
wand von grossem Fleisso und Scharfsinn haben namentlich
die Herren Gratiolet und ßroca sich bethätigt, so wie
im Einzelnen die Herren: Auburtin, Baillarger,
de Castelnau, Dareste, Delasiauve, Giraldes,
Gosse, de Jouvencel, Perier, de QuntYefages,
Rufz.
Der Gegenstand ist viel zu umfänglich, als dass ich auch hier
nur die Hauptgesichtspunkte anführen könnte. In meiner zweiten, in
diesem Jahre gedruckten Ahhandlung habe ich den Diskussionen in
der Pariser anthropologischen Gesellschaft einen eigenen Anhang ge-
widmet, auf den ich verweisen muss. Natürlich konnte bei diesen
Fragen auch der Schädel und die Schädelkapacilät nicht umgangen
werden.
Von diesen mehr die allgemeine Zoologie und Anthro-
pologie angehenden Betrachtungen wenden wir uns zu den
Spezialarbeiten des vorigen Jahres.
Unter diesen nimmt das nachstehende Werk eine her-
vorragende Stellung ein, sowohl durch seinen Inhalt, als
durch seine so zu sagen geschichtliche Bedeutung, inso-
ferne dasselbe den letzten Impuls zur Ausschreibung der
Anthropologen-Versammlung im September vorigen Jahres
in Götlingen gegeben hat.
Lucae: Zur Morphologie der Rassen-Schädel. Ein-
so Wagner: Bericht ilb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
leitende Bemerkungen und Bciträg-e. Ein Sendschreiben an
S. Exceüenz den Herrn Staafs-Ralh und Akademiker C. E.
V. Baer. Mit 12 Tafeln. Frankf. 1861. 4. (Separal-Abdruck
a. d. Abhandlungen d. Senkenberg. Geselisch. III. Bd.;
Bekannt sind die frülieren Arbeiten des Verf.'s im Gebiete der
Craniologie, welche eine vorziigliclie Vorbereitnng zu dem vorliegen-
den Werke geben musslen. Die Abhandlung zerfallt in zwei Haupt-
Abschnitte, einen methodologischen und einen speciell ethnologischen.
Der erste Abschnitt ist auch in dem oben erwähnten Bericht von
von Baer und mir ausführlich zur Sprache gekommen, da der Verf.
seinen ingeniösen Apparat zu geometrischen Zeichnungen
in Götlingen vorgelegt hatte, auch die Mitglieder sich selbst darin
üben liess. Allgemein überzeugte man sich von der Einfachheit,
Leichtigkeit und Vorzüglichkeit des Verfahrens und fand man die
Methode einer allgemeinen Einführung werlh. Der Verf. kam ferner
auf den Versuch von Ausgüssen der Schädelhöhle, wozu er sich des
Leims bediente. Beide für die Erkenntniss plastischer Verhältnisse
des menschlichen Kopfes wichtige Methoden muss man in dem mit
Holzschnitten und einfachen aber schönen Steintafeln illustrirtem Werke
nachsehen. — Den zweiten Abschnitt bilden, gleichsam als Beispiele
der speziellen Anwendung dieser Methoden, Beschreibungen, Messun-
gen und VVägungen an Schädeln von Austral-fVegern, verglichen mit
den Schädeln von Europäern und dem eines Papua, wobei schliess-
lich auch auf einige pathologische Zustände des Schädels eingegan-
gen wird.
Bei Gelegenheit der Besprechungen dieser Methoden von Lucae
in Götlingen ist man auch in der Göltinger Versammlung weiter dis-
kutirend auf ähnliche Hülfsmittel und plastische Darstellungen ein-
gegangen. Von Baer legte Lithographieen von Schädeln nach Photo-
graphieen vor, welche selbst in der Reduktion eines Viertheils der
natürlichen Grösse überaus charakteristische Bilder gaben. Es wurde
daher dem Berichte auch eine Tafel in diesem Sinne beigegeben,
welche je drei Ansichten von einem Klein-Russen-, einem Schweden-
und einem Tartaren-Schädel, also 9 Ansichten auf einem Quartblatt
giebt, die zugleich Typen eines starken Brachyccphalus, eines Dolicho-
cephalus und einer Mittelform darstellen.
R. Wagner zeigte eine Reihe von Gypsausgüssen von ver-
schiedenen Rassen Mikrocepbalen- und Orang-Ulang-Schädeln und
Vrolik trug eine gegen R. Owen gerichtete Abhandlung über das
Orang-Utang-Gehirn im Verhältniss zum menschlichen vor.
Von besonderer Wichtigkeit waren die Diskussionen
über Schädelmessungen, wobei von Baer seine Methoden
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1861. 31
darlegte und wobei man schliesslich zu einer gewissen
Uebereinstimmung und zur Empfehlung einer allgemeinen
Annahme des metrischen Maasses kam.
Leider waren die eingeladenen Anthropologen der
Novara - Expedition , die Herren Dr. von Scherzer und
Dr. Schwarz, nicht zur Versammlung gekommen. Sie hat-
ten aber typographisch sehr schön ausgestattete Separat-
abdrücke des Schlusskapitels des indess erschienenen ersten
Theiles des Reisewerks zur Vertheilung eingesendet, aus
welchem das auf der Expedition für Kopf und Körper der
besuchten Völker angewandte Messungssystem mit den nö-
thigen Illustrationen dem gedruckten Berichte als Anhang
beigefügt wurde. Ein gleiches Verfahren haben die Heraus-
geber mit den von den Gebrüdern Schlagintweit ge-
fälligst eingesendeten Messungsmethoden eingeschlagen.
Prof. Harting in Utrecht hat ein neues Instrument,
um den Umfang des Kopfes in verschiedener Richtung an
lebenden Individuen genau graphisch darzustellen und zu
messen erfunden und dasselbe, beschrieben: Le Kephalo-
graphe. Nouvel Instrument destine ä determiner la Figure
et les dimensions du Cräne ou de la Tete humaine. Utrecht
1861. etc. c. flg.
Prof. Vrolik hatte das etv\T\s komplizirte Instrument für die
Anthropologen-Versanimiun}; in Göltingen zur Einsicht und Prüfung
mitgebracht. Vgl. den mehrgenannten Bericht p. 39.
Eine besondere Abhandlung über Schädelmessung hat
Mei gs publicirt.
The Mensuration of the human Skull by A i t k e n
Meigs. Philadelphia. 1861. (reprinted from the North-
American Medico-Chirurgical-Review, Sept. 1861.)
Die Abhandlung beginnt mi* einer geschichtlichen Einleitung,
welche auf eine sehr reiche Literaturkenntniss gegründet ist. Darauf
führt der Verf. 48 Durchmesser und Unifangmessungen am Schädel
auf, die sich auf Hirn- und Gesichtslheil heziehen und von denen
er hofft, dass sie bei dem ethnographischen Studium des menschlichen
Schädels benutzt werden möchten. Bei unserer Zusammenkunft in Göt-
tingen lag diese Abhandlung noch nicht vor, so dass sie von Herrn
von Baer bei seinem Vortrage nicht mit benutzt weiden konnte.
Eine wichtige Anwendung der Photographie speciell
32 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. alig. Zoologie
für die vergleichende Anthropologie hat Prof. A. Ecker
in den Berichten der naturf. Gesellsch. zu Freiburg im
Breisgau Bd. II. Nr. 22, 23 und 24 gemacht. Diese von
zahlreichen Messungen begleiteten Arbeiten sind folgende:
Zur Kenntniss der Eingeborenen Australiens, mit
2 Tafeln.
Ein Schüler des Verf. halte demselben von Port Adelaide zwei
Skelete Eingeborener, eines Mannes und eines Weibes aus der Um-
gegend des Murray-river's eingesendet, welche hier zugleich mit einer
besonderen Darstellung des Schädels beschrieben und abgebildet und
mit einem Neger- und Europäerskelet verglichen worden. Der Verf.
geht auch auf weitere Verhältnisse ein, in einem dritten Abschnitte:
über die Körperbeschaffenheit der Australier und den gegenwärtigen
Zustand derselben, welche einem im Jahre 1859 gedruckten Bericht
einer Commission an die Regierung der Colonie Victoiia über den
gegenwärtigen Zustand der Eingeborenen entnommen sind. Ich kann
in das Detail dieser Untersuchung nicht eingehen, hebe jedoch Fol-
gendes von allgemeinem Interesse als Zugabe zu den obigen Bemer-
kunt^en von Baers und den Besprechungen der Sociele d'Anthro-
pologie aus. Uebereinstimmend lauten die Urtheile über die Zukunft
der australischen Race. Die Abnahme der eingeborenen Bevölkerung
ist eine so allgemeine, dass deren völliger Untergang nur noch als
eine Frage der Zeit erscheint. Die Abnahme ist bedingt durch grosse
Sterblichkeit und diese rührt her: 1) vom Missbrauch geistiger Ge-
tränke; 2) von den Verheerungen der Syphilis, beides Geschenken der
Europäischen Civilisation ; 3) von zahlreichen Erkältungskrankheiten,
insbesondere rheumatischen Affektionen ; 4) Lungentuberkulose. Eine
zweite Ursache der Abnahme der Bevölkerung ist die fortwährend
ßich verringernde Anzahl von Geburten, in Folge der Prostitution.
„Die Mehrzahl der Kinder der jungen eingeborenen Weiber seien
Mischlinge; es sei kein Fall bekannt, dass die Mutler eines Mischlings
nachher noch ein Kind schwarzer Race bekam, so dass sich der Salz
aufstellen lasse, wie er auch in Bezug auf Neger mehrfach aufge-
stellt wurde: Umgang mit Weissen bedingt Unfruchtbarkeit." Sehr
skeptisch in diesen Dingen, bin *lch geneigt, indem ich weiter auf
meine obigen Bemerkungen verweise, die Thatsache, wenn sie richtig
ist, vielmehr in moralischen Ursachen, als in mystisch-physiologischen
EU suchen und in das grosse Reich der anthropologischen Fabeln
2U verweisen. Ecker's Abhandlung schliesst mit einer: Verglei-
chung der Kör per Proportionen zweier Personen von
ungewöhnlicher Körpergrösse und einem Berichte: über
stereoskopische Photographieen von Racenschädeln
und Skelete n. Die für gewöhnliche Stereoskope eingerichteten
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1861. 33
Täfelchen von Schädeln und Skeleten von Australiern, welche ich
der Güte der Herrn Verf. 's verdanke, sind sehr instruktiv. Sie sind
in der Kunsthandlung von Rudolph Alayer verkäuflich und nach und
nach sollen die interessanten Schädel der Freihurgcr Sammlung alle
folgen.
Nachzutragen zum vorigjährigen Berichte ist:
R. Owen, Report on a Series of Skulls et" various
Tribes of Mankind inhabiting Nepal, collected and presen-
ted to the British Museum by Bryan Hodgson late Re-
sident in Nepal, in dem Report of the twenty ninth Mee-
ting of the British Association for the advancement of
Science held at Aberdeen im September 1859. London
1860. p. 95. .,,
Es sind diess mehr als 90 Schädel, welche auf acht
Seiten übersichtlich beschrieben werden. Hieran mag sich
anreihen: Prospectus of Messrs. d e S ch 1 agin tw eit's Col-
lection of ethnographical Heads from India and High Asia.
Diese metallischen „casts of the original plaster moulds" von
lehenden Völkern ahgenommen, sind hei Anibr. Barth in Leipzig zu
haben, aber nur zu tlieuer, indem ein Kopf (Gesicht?) 8 Thlr., eine
Hand oder ein Fuss 4 Thlr. kommt, was hei 275 Objekten eine sehr
beträchtliche Ausgabe ist. '"« n-tinnyv
Aus den zahlreichen Mittheilungen über einzelne Völ-
ker oder andre Spezialitäten in den Verhandlungen der Soc.
d'Anthrop. de Paris kann ich leider fast nur durch die Ue-
berschriften den Inhalt anzeigen.
Von den Memoires Tome I ist das 2te Heft mit 5 Tafeln er-
schienen und enthält vollständig die in den Bulletins im Auszuge
mitgelheilten Abhandlungen: Sur la Classification anlhropologique et
particulierement sur les types principaux du genre humain von dem
(leider seitdem verstorbenen) Isidore Geoffroy St. Hilaire. Vgl.
den vorjährigen Bericht S. 23. — Note sur des Instruments en silex
et des ossemens fossiles, trouves ä Paris par H. J. Gosse-fils. Dis-
sertation sur les races qui composaient l'ancienne population du Pe-
rou par M. L. A. Gosse (pere). 3!it Tafel. Memoire sur les caracte-
res difFerentiels de la conformation cränienne chez les Lapons et
les Esquimaux par le Docteur Henri Guerault. öl. Tafel. — Des
Gaels et des Geltes par le Doct. Gustave Lagneau. — Des races
de rOceanie fran^aise, de celles de la Kouvelle-Caledonie en parti-
culier par M. Adolph Bourgarel. — Essai sur les croisements
ethniques par M. Perier. — Als Fortsetzung zu p. 34 des vorjäh-
Archiv f. Naturg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd. C
34 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
rigen Berichts mache ich noch auf die Aufsätze in den Bulletins auf-
merksam, so weit dieselben nicht schon bereits erwähnt sind:
4eme Fascicule mit 5 Tafeln Schädelabbildungen zu Bourga-
rel's eben erwähnter Abhandlung. — ßoudin, sur ranthropophagie
et les sacrifices huniains. — R u f s z sur TAnthopologie de Tahiti. Ein
Rapport aus dem Werke von Cuzent über Tahiti. Auf dieser be-
rühmten Insel hat sich die Bevölkerung von 240,000 Köpfen in Zeit
von 20 Jahren auf 16,050 vermindert, welche Cuzent der Elephan-
tiasis, anderen Hautkrankheiten (Arevarera), dem allgemeinen iMiss-
brauch spirituöser Getränke, geschlechtlichen Ausschweifungen, der
Syphilis und deren Nachkrankheilen zuschreibt. — Instruction pour
le Sahara et le Soudan. Diese hatte ein Herr Jules Gerard für
eine grosse Expedition in die genannten Gegenden erbeten. Die Com-
mission besteht aus den Mitgliedern: G. Pouchet, Rufsz, de
Ouatrefages und Pruner Bey. Soll besonders gedruckt werden,
woran sich eine Diskussion knüpft.'' Vorlage von ethnographischen Ob-
jekten aus Neu-Caledonien von Herrn de Rochas. — Rapport von
Hipp. Gosse über eine Broschüre des Doktors Halleguen (de
Chateaulin): les Celtes, les Armoricains et les Bretons.
Tome II. 1861 enthält ausser den früher erwähnten Aufsätzen :
Gratiolet, sur la Forme et la cavite cränienne d'un Totonaque avec
reflexions sur la signification du volunie de l'encephale. Hieran
knüpfen sich die oben erwähnten ausführlichen Diskussionen über das
Gehirn. Die Herrn Doktoren Ca longo und Leon y Alba, früher
in Peru und nun dahin zurückkehrend , hatten eine Instruktion für
anthropologische Zwecke verlangt. Hier ist der ausgezeichnete, 50
Seiten füllende, von der ernannten Commission, den Herren Martin
de Moussy, le Bret und L. A. Gosse pere, Rapporteur, erstat-
teten Bericht: Questions ethnologiques et medirales relatives au Pe-
rou zur Instruirung der obengenannten Doktoren abgedruckt. — Eben
so umfangreich und ausgezeichnet ist der Rapport de la Commission
de l'Etbnologie de la France von den Herren Perier, Bertillon
et G. Lagneau Rapporteur, mit der daran sich knüpfenden Diskus-
sion; er füllt beinahe 100 Seiten.
Das Schlussheft des Jahrgangs 1861 der Bulletins ist
mir bis jetzt noch nicht zugekommen. Die im vorigen
Jahre irrthümlich als erschienen angeführten Amoenitates
ethnographicae von ßarnard Davis werden erst zur
Publikation vorbereitet.
Ueber die Schädelformen der Sandwich-Insulaner von
Dr. C. W. Uhde mit 2 Tafeln (Verhandlungen der Leo^
poldin. Carolin. Akademie. Angezeigt von van der Hoe^
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1861. 35
ven in der Nederlandsch Tijdschrift voor Geneeskunde.
Jahrgang 1862).
Diese Abhandlung, welche im 18. Bande der Verhandlungen der
K. L. A. d. K. abgedruckt ist, ist ein wichtiger Beitrag zur anthro-
pologischen Craniologie. Vier Schädel von Oahu und einer von Ho-
nolulu aus älteren Knochendepots der Sandwich-Inseln von Dr. B i e-
\\tz aus einer achtmonatlichen Reise nach den Sandwich-Inseln mit-
gebracht, werden von Dr. Uhde genau beschrieben, gemessen und
auf zwei Tafeln abgebildet. Zwei gehören zum Typus der Gentes
dolichoccphalae prognathae, zwei der brachycephalae prognathae im
Sinne von Retzius. Danach sagt der Verf.: „Die Schädelform der
Sandwich-Insulaner ist eine verschiedene." Ich begnüge mich mit
dieser kurzen Anzeige, da ich im nächsten Jahre im Berichte über
die ganze historische Schädellehre ausführlicher kritisch darauf ein-
gehen muss, indem dieselbe durch die neuesten Untersuchungen von
Broca und die noch nicht von mir publizirten eignen, in ein ganz
neues Stadium zu treten scheint und meine schon in den „zoologisch-
anthropologischen Untersuchungen 1861" geäusserte Skepsis über unsre
jüngsten zu frühen Generalisationen im höchsten Grade bestätigt zu
werden scheint.
Nur sehr wenige, für die vergleichende Anthropologie
im strengeren Sinne verwerthbare Mittheilungen habe ich
in der periodischen geographischen Literatur gefunden. Ich
hebe das Folgende aus:
Endlich hat die immer und immer wiederkehrende
Sage von dem geschwänzten Menschenstamme im Inneren
von Afrika hoffentlich ihre schliessliche Losung und ihren
Nachweis als eine Fabel gefunden. VgL die Notiz in Pe-
termann's Mittheilungen 1861. Nro. 61. S. 234.
G. Lejean hat in Chartum ein Exemplar des Nyam-ISyam-
Schwanzes acquirirt und in Charton's „Le Tour du Monde" eine
Zeichnung davon veröffentlicht, „Es ist ein etwas sonderbares Klei-
dungsstück, ein Lederriemen, mit kleinen Eisenstückchen besetzt, der
vorn durch einen Lendengürtel festgehalten zwischen den Beinen"*"
hindurchgeht und hinten aufwärts gebogen mit einer fächerförmigen,
vertikal stehenden Ausbreitung endigt. Lejean's Exemplar wurde
an dem Leichnam eines ^'yam-l\yam gefunden, der westlich vom
oberen weissen Kil im Kampfe gegen einen Elfonbeinhändler gefallen
war. Ohne Zweifel ist dies derselbe fächerförnjige Schwanz, von
dem Graf d'Escayr^.C; d e Lauture (Memoire sur le Soudan p. 52)
hörte.".,';.,;!;,,.,..., ,- .^ ;
Für die so wenig bekannte und doch so ausserordent-
86 Wagnert Bericht lib. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
lieh interessante Ethnog^rapliie der Pliilipinen, namentlich
der Insel Luzon ist ein wichtiger Beitrag erschienen: Reise
durch die nordöstlichen Provinzen von Luzon, briefliche Mit-
theiluiig Sempers in der Zeitschrift für allgemeine Erd-
kunde. April 1861. Bd. X. S. 249.
S e in p e r besuchte die noch freien Völker an der Nord-Ost-
l<üsle, unter denen die von Mongolen (Chinesen oder Japanesen) abstam-
menden, meist gemischten Stämme, vorzüglich aber die so merkwürdi-
gen wollhaarigen, pelagischen INeger, über deren physische Beschaf-
fenheit er einige Mittheilungen giebt. Seine Reise führte ihn zur See
an der Ostküste entlang nach Palanan, „der wahren Heimath der letzten
Reste der ursprünglichen Rasse Luzon's, der hier sogenannten Negrito's
oderActa's". Klein, in mittlerer Mannesgrösse vonöFuss 2 Zoll Höhe,
mit rundem Schädel und rundem Gesicht, äusserst dicker, braun-
schwarzer, glanzloser, wolliger Haarkrone, gerader, wenig zurück-
tretender, aber sehr niedriger Stirn, wenig vorspringendem Kiefer
und schwach gewulsteten Lippen, fast eben so breiter wie hoher, sehr
flacher Nase und dunkel kupferbrauner Körperfarbe — bilden diese
Neger in Gestalt, in Sitten und Lebensweise einen schroffen, wre es
scheint selbst bei der innigsten Vermischung mit anderen Stämmen,
unverwischbaren Gegensatz von der malayischen Rasse der Tagalen.
Sie bewohnen ausser der Cordillera von Marineies und Zambales und
einigen andren Punkten im Innern von Luzon, hauptsächlich die West-
küste, in geringerer Zahl im Süden, wo sie schon der um sich grei-
fenden tagalischen Bevölkerung gewichen sind, mehr und mehr sich
häufend gegen Korden, bis sie, von Palanan an, etwa auf 17** N. Br.
bis zur nördlichsten Spitze Luzon's, dem Gabo del Eugano, die ein-
zigen Bewohner der Küste, so wie des Innern bilden. Völlig unab-
hängig, frei wie der Vogel in der Luft, vom Fischfang und der Jagd
und wildem Honig sich nährend, bilden sie eine Menge vereinzelter
kleiner Trupps von 6 — 8 Familien." . . . Die malayischen Bewohner
unterscheiden zwei Sorten Negrito's, Küstenbewohner (üamagat) und
Bergbewohner (Acta, Ita oder Agta). Der Unterschied ist aber nach
Semper ein ganz unwesentlicher. Möchte Hr. Semper diese For-
schungen im strengern Sinne der heutigen Anthropologie fortsetzen l
Die im vorigen Jahresbericht p. 23 in der Revue des
deux niondes angeführten Aufsätze von A. de Quatrefa-
ges sind in einem Oklavband gesammelt erschienen: ünite
de l'Espece humaine. Paris 1861. 420 pp.
Das Resume general am Schlüsse lautet nach einem sorgfältigen
Vergleiche der Erscheinungen bei Thieren : dass sämmtliche Men-
gchenformen nur eine und dieselbe Art bilden und daraus leitet er
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1861. 37
auch die Einheit des Menschengeschlechts ab: „le monogenisme est
une croyance raisonnable."
Neue Darstellungen einer allgemeinen Systematik des
Thierreichs liabe ich, mit Ausnahme einer einzigen, nicht
zu berichten. Indcss glaube ich, es wäre Zeit, das Cu-
vi er'sche System, welches noch heute fast die ausschliess-
liche Grundlage bildet, namentlich in Bezug auf die Be-
rechtigung der Aufstellung der vier Grundtypen, für welche
sich im vorigen Jahre noch Agassiz decidirt in der
Schweizer Naturforscher -Versammlung in Genf aussprach,
einer neuen Kritik zu unterwerfen, da selbst Zoologen «rsten
Ranges, wie Johannes Müller, dasselbe für antiquirt
erklärt haben. Unstreitig bietet hierzu vorzüglich die jetzt
ziemlich allgemein angenommene fünfte grosse Abtheilung
der ^Protozoen, welche Bronn in seinem so fleissigen und
überaus nützlichen Werke: Die Klassen und Ordnungen des
Thierreichs, sonderbarer Weise mit dem Namen der „form-
losen Thiere, Amorphozoa", nach dem Vorgange von Blai n-
ville, belegt, die meisten Anhaltspunkte dar. Zwei vor-
zügliche Zoologen, Pau 1 Gervais in Montpellier und van
Beneden in Löwen, haben in ihrer Zoologie medicale,
(wie bereits Leuckart in seinem Jahresbericht für 1859.
S. 104 d. Archivs berichtet, auf dessen nähere Angaben in
Bezug der Systematik der niederen Thierklassen ich ver-
weise) , zuerst einen durchgreifenden Versuch gemacht,
die C u vier-Latreille'sche Grundeintheilung umzufor-
men und das Thierreich nur in drei Hauptabtheilungen,
sodann in 9 Typen und diese wieder in 30 Klassen einzu-
theilen und danach folgendes Schema zu entwerfen, das ich
hier in der Originalsprache wiedergebe :
Animaux. Emhranchements. Types, Classes.
1. HypocotyleSf ou \
dont le vitellus ren. 1
tre par la face in- | . ^r ,., . in . »j- (Mammiferes.
f ■ 1 I An.Vertebres , \llantoidiens. )r»-
lerieure du corps \ ,xi ^ \ » SUiseaux.
. iV 1 (Vertebrata '
qui ont une nioelle > i i n ^
7 . .. . . ; Lanik., üsteo- .. ,.,.
epinieie sous-inte- 1 t>i • \ 4 n » -j- r\niptiiDiens.
5 1 » . I zoa Blainv.J \AnaIlantoidiens io •
stinale et sonl pour- | ' froissons.
vus dun squeielte
iutuiieui.
38
Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
Animanx. Embianchemenls. Types.
2. EpicolyleSy ou
dont le vitellus ren-
tre par la face sn-
perieurc du corps,
qiii sont arlicules
exterieuremenl, pos-
sedent une chaine
nerveuse sous-inte-
stinüle de forme
ganglionnaire etont
des paltes articulees
An. Arlicules
(Insecta Linne,
Condylopoda
Lalr.)
rllexapodes
IHeteropodes
Mollusques
Vers
An. Mollnsco-
Radiaires{\er- ^Echinodermes
mes Linne)
Polypes
3. Allocofyles, ou
dont le vitellus ne
rentre ni par la
face snperieure ni
par la face infe-
rieure du corps,
dont le Systeme ner-
veux est le plus
souvent forme de
Collier oesophagien
Sans Serie ganglion-
naire en forme de
chaine sous-intcsti-
nale ■^), qui n' ont
pas de pattes arti-
culees et sont ge-
neralement cilies | \ Protozoaires
pendant leur etat
embryonnaire
Man sieht, dass hier die Entwickelungsgeschichte, namentlich
die Stellung des Dotters zum Embryo, die Hauptgrundlage giebt, eine
Wiederholung des Versuchs, den C.Vogt in seiner IS'aturgeschichle
der Thiere zuerst gemacht hat, indem er 3 Provinzen, 7 Kreise und
25 Klassen aufstellte. Die starke Absonderung und selbstständige
Stellung der Cephalopoden bei Vogt in seinen so vieles Gute ent-
haltenden und zuerst auf die Entwickelungsgeschichte näher einge-
henden „zoologischen Briefen," sind jedoch von Gervais und van
Beneden mit Recht nicht festgehalten. Dass die Entwickelungs-
geschichte jedoch über ihre Bedeutung, nach ihrer zeitweiligen un-
vollkommenen Erkenntniss, als systematische Grundlage geltend gemacht
worden ist, zeigt der fälschlich angenommene llauptcharakter der Pro-
tozoen „Kein Ei." Denn, da nunmehr nach Stein's, Balbiani's,
Classes,
Insectes.
|Myriapodes.
I Arachnides.
jCrustaces.
^Rolateurs.
Cephalopodes^p
iCephalidiens. .
'Brachiopodes. "
jLaniellibrancbes
Tuniciens.
Bryozoaires.
[Annelides.
/Kematoides.
ICotylides.
Turbellaries.
iEchinides.
|StelIerides.
IHolothurides.'^'
[Ctenophores. y
IDiscophores.
jZoanlhaires.
fCtenoceres.
.Spongiaires.
Mnfusoires.
fRhizopodcs.
^) La chaine ganglionnaire existe dans cert^iins farailles de Vers
dont Ic corps et plus ou nioins netteraent articulc. »
und der Katurgeschichte des Menschen im Jahre 1861. 39
"Engel man n's Forschungen, die Doppelgeschlechtlichkeit der Infuso-
rien und eine früher als Längstheilung aufgefasste Co p u 1 a ti on nach-
gewiesen ist, dürfte das Vorkommen von Eiern und Samen wohl als
etwas Durchgreifendes im ganzen Thierreiche zu betrachten sein;
w^elches von ungemein grosser Bedeutung für die Anffassung der ge-
sammten Generationslehre sein muss. Wir sind der Zeit nicht mehr
ferne, wo die so abnorm erscheinenden Momente des Generations-
wechsels, der Parthenogenesis u. s.w. sich wieder njit der geschlecht-
lichen Zeugung unter einem gemeinsamen höheren Gesichtspunkt
werden auffassen lassen.
Das ganze Thierreich zerfällt nach van Beneden und Ger-
vais in drei grosse Hauptabtheilungen, 9 Haupttypen, 30 Klassen und
128 Ordnungen, ohne die Unterklassen und Unterordnungen. Von den
drei Hauptabtheilungen sagen die Verff., dass sie den jetzt angenom-
menen drei Hauptabtheilungen der Vegetabilien entsprechen, welche in
beiden Reichen sich auf die anatomischen Strukturverhältnisse und
die Art der Entwickelung gründen. Die ungefähr 1700 bekannten
Arien Säugethiere werden in 18 Ordnungen und eine Anzahl Unter-
ordnungen zerfällt (bei Linne 7, bei Cuvier 9 Ordnungen). Der
Mensch wird nicht als eine Ordnung in die Klasse der Säugethiere,
obwohl zoologisch in dieselbe, an deren Spitze gestellt und als am
meisten den AfFen der alten Welt verwandt betrachtet, namentlich
wegen der Zahnformel. (Obwohl hier Owen neuerlich nachgewiesen
hat, dass der Zahnwechsel bei den höchsten anthropomorphen Affen,
Orang, Chimpanse, Gorilla, einen vom menschlichen wesentlich ver-
schiedenen Typus hat. Ref.) Für den Menschen ein besonderes Reich
anzunehmen halten die Verf. für ungeeignet. Die Frage, ob der
Mensch mehrere Spezies bilde, halten sie für unentscheidbar, da die
Naturforscher sich noch nicht im Besitz des wahren Criteriums der
Art (Species) befänden. Sie nehmen für die Menschenformen 3 Haupt-
gruppen an, deren jede in Zweige (rameaux) zerfällt: 1) Weisse oder
braune Völker. Zu den 6 Zweigen (Europäischer, Scythischer, Ara-
maeischer. Persischer, Hindu, Abyssinischer) kann man als 7 die Ma-
laien (oder auch zur folgenden Gruppe) stellen. 2) Gelbe Völker
(Mongolische Race) (Mongolischer, Hyperboräischer, Chinesischer, Ma-
laischer. Amerikanischer Zweig, welcher letztere in Süd- und Nord-
Amerikaner zerfällt). 3) Schwarze Völker (als Zweige : Kaffern, Keger,
Papous, Andamener). Hottentotten und Buschmänner bilden als die
am meisten degradirten Menschen zwei Zweige, welche zwischen den
gelben und schwarzen Völkern mitten inne stehen. Was das Aller
des Menschengeschlechts betrifft, so läugnen die Verf., dass es fossile
Menschenknochen, selbst aus der letzten Tertiärzeit giebt und be-
trachten auch das Zusammenleben des Menschen mit den grossen
Tliierca der Diluvialzeit noch durchaus als zweifelhaft.
40 Wagner: Berieht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
Ein näherer Vergleich dieses Systems im Einzelnen mit andreti
neueren systematischen Versuchen, z.B. dem von Agassi z (vgl. den
Jahresbericht für 1859. S. 2) zeigt, wie subjektiv unsere Ansichten
noch heule über die Systematik sind. Sonst steht die systematische
Ansicht in Betreff der „Typen" des Thierreichs der von Gegenbaur
in seinen vortrefflichen Grundzügen der vergleichenden Anatomie 1859
nahe. Vgl. Leuckart's Bericht f. 1859. Im Speziellen gehen aber
die 3 Systeme von Agassiz, van Beneden und Gervais, Ge-
genbaur, welche alle der neuesten Zeit angehören, sehr auseinan-
der und bezeugen eben nur die Schwierigkeit des Thema's. Ich neige
mich immer noch der möglichsten Beibehaltung des Cuvier'schen
Systems zu; Cuvier hatte, wenn auch kein gleich grosses Talent
für Systematik wie Linne, der immer hier den ersten Rang ein-^
nimmt, so weit damals eine Einsicht in das Thierreich möglich war,
doch ein sehr hohes, während ich, bei der höchsten Anerkennung
Job. Müller's als Physiologen und Zootomen, die Systematik für
seine schwächste Seite halte, sonst hätte er nicht so untergeordnete
anatomische Verhältnisse u. dgl. bei seiner Eintheilung der Amphi-
bien und Fische geltend machen können. Er schlug, meiner festen
üeberzeugung zufolge, überall einzelne (oft nur scheinbar) durch-
greifende, aber doch nur untergeordnete anatomische Merkmale zu
hoch an. Es fehlte ihm bei dem grössten Scharfblick an jenem künst-
lerischen Sinne, welcher für die Aichitektonik der Thier- und Pflan-
zenwelt so wenig entbehrt werden kann, als für die Geschii:hte der
Kunst. Er übersah über dem Reichthum der Ornamente die allge-
meinsten Verhältnisse des Stils, der die Typik der Formen allerdings
oft in -i^öllig hieroglyphischer Dunkelheit verhüllt. Freilich ist die
Systematik der Fische das aller verzweiflungsvollste Gebiet, an dem
die grössten Systematiker alter und neuer Zeit — L i n n e , Cu v i e r,
J. Müller u. A. m. — gescheitert sind, Avährend z. B. das viel for-
menreichere der Insekten zu so wenig Controversen Veranlassung
giebt und von Latreille (allerdings einem systematischen Genie
ersten Ranges) im AVesenllichen völlig bewältigt worden ist.
Das früher stehende, in neueren Zeiten wieder ver-
scliwundene (jedoch auch von Gegenbaur a. a. 0. in an-
ziehender Weise besprochene) Kapitel: ^Yoin Unterschiede
der Pflanzen und Thiere" bedarf ebcnlalls einer neuen
gründlichen Bearbeitung, was wir hier wenigstens an-
deuten wollten, wo von der Zoologie in ihren höchsten und
allgemeinsten Beziehungen die Rede ist. Diess kann jedoch
nur von Jemand geschehen, der sich gerade mit den nie-
dersten Pflanzen und Thieren sehr extensiv und intensiv
und der ISaturgeschichle des Menschen im Jahre 1861. 41
beschäftigt hat, einem Gebiete, in welchem trotz zahlrei-
cher neuer Arbeiten doch noch viel zu wenig in der
Detailforschung abgeschlossen ist, um darauf festere allge-
meine Ansichten zu gründen. -i.ivl
Von sehr grosser Bedeutung für die Fortschritte der
Zoologie im Ganzen sind schon jetzt und werden in kurzer
Zeit die zoologischen Gärten und die damit zusammenhän-
genden Acclimatisations-Anstalten für fremde Thiere sein.
Nachdem lange Zeit der Pflanzengarten in Paris und später
der Garten der zoologischen Gesellschaft in London fast
die einzigen Anstalten der Art waren, strebt nun jede
grössere Stadt dahin, ähnliche lebende Thiersammlungen
anzulegen, welche sich bis jetzt allenthalben zu rentiren
scheinen. Wir können diesen Bericht nicht schliessen, ohne
auf diese Erscheinung einzugehen und das grosse Verdienst
herauszuheben, welches sich Dr. Weinland in Frankfurt
a. M. erworben hat, indem er diese stehenden Anstalten
zur Beobachtung lebender Thiere zur Gründung eines pe-
riodischen wissenschaftlichen Organs benutzte. Der zweite
Viel reichhaltigere Jahrgang: Der z oologische G ar t en.
Zeilschrift für Beobachtung, Pflege und Zucht der Thiere.
Organ der zoologischen Gesellschaft in Frankfurt a.'^M. Her-
ausgeben von Dr. D. F. Weinland
liegt beendigt vor, re*ich an anziehenden Älittheilungen, welche bei
der Rüstigkeit und Thätigkeit des Herausgebers, der in Amerika bei
Agassi z schon eine gute Schule durchgemacht und auch selbst-
ständige tüchtige Arbeiten bekannt gemacht hat, gewiss eine immer
strengere wissenschaftliche Grundlage gewinnen und die Fragen im
Auge behalten werden, welche sich jetzt die allgemeine Zoologie
stellt. Der Herausgeber möge der Worte gedenken, welche v. Baer
jüngst bei der anthropologischea Versammlung in Götlingen aussprach
(vgl. obigen Bericht p. 2G) : „Die Deutschen werden sich auch in
dieser Beziehung anders einzurichten haben, als ihre mehr begün-
stigten Nachbarn jenseits des Rhein's oder ihre noch viel besser si-
tuirten Vettern jenseits des Canales. Sie werden das Material, das
ihnen zugänglich ist, intensiver zu benutzen haben."
Ein anderes Werk von unschätzbarem Werthe für die
Erleichterung des wissenschaftlichen Studiums der Zoologie
ist vor Kurzem erst begonnen, im vorigen Jahre beendigt
worden und liegt in zwei starken Oktavbänden vor;
42 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
ßibliotheca zoologica. Verzeichniss der Schrilten übet
Zoologie, welche in periodischen Werken enthalten und
vom Jahre 1846 bis 1860 vollständig erschienen sind. Mit
Einschluss der allgemein-naturgeschichtlichen, periodischen
und paläontologischen Schriften. Bearbeitet von J.Victor
Carus, Professor der vergleichenden Anatomie in Leipzig,
und Wilhelm Engel mann. Leipzig. Verlag von Wil-
helm Engelmann. 1861. Erster Band. XXIV u. 950 S. Zwei-
ter Band. S. 951—2144. 8. 1
Es ist dies nicht blos eine Fortsetzung, sondern in der Thät
eine ausserordentlich wichtige und nützliche Erweiterung der im
J. 1846 von dem Buchhändler Engel mann hesausgegebenen Bibiio-
theca historico-naturalis, welche die von 1700 bis 1846 in der Zoo-
logie erschienenen Bücher enthält. Indem sich hier ein Fachgelehrter,
dem wir mehrere schätzbare Werke in der Zoologie, unter andren
auch einen vorzüglichen zootomischen Atlas verdanken, mit einem
deutschen Buchhändler verbunden hat, welcher in dem letzten De-
zennium eine Reihe wichtiger und typographisch vorzüglich aus-
gestatteter Kupferwerke in unsrer Wissenschaft herausgab und hier
unstreitig die bedeutendste Firma für Werke über organische Natur-
lehre in und ausserhalb Deutschlands in diesem Gebiete begründete,
haben wir ein Werk erhalten, das keine Nation besitzt und doch
wahrhaft kosmopolitisch ist, indem es den Naturforschern der ganzen
Welt gleichmässig zu Gute kommt, ja unentbehrlich ist. Die gesammte
Anlage und Einrichtung ist zu loben. Unschätzbar ist das sehr de-
taillirte Sach- und Autorenregister. Einzelne Fehler und Irrthünier
sind bei solchen Unternehmungen natürlich nicht zu vermeiden. Wenn
jeder zoologische Autor ähnlich, wie man es bei geographischen
Handbüchern zu thun pflegt, die ihm zunächst bekannte Region der
Heiinath durchsucht, wird er Gejegenheit zu Verbesserungen finden,
wofür ihm die Verfasser nur dankbar sein werden. Hoffentlich haben
die Verff. den Plan, alle 5 bis 10 Jahre (was genügend sein durfte)
einen Nachtrag zu liefern. Auf so lange reichen die Jahresberichte
jetzt hin, um die immer wachsende Literatur zusammenzufassen.
Mit gleicher Freude begrüssen wir eine unsrem Ar-
chive verwandte Erscheinung in England, das in neuer
erweiterter Form im vorigen Jahre begonnen :
The natural history Review, a quarterly Journal of
Biological Science. Editors: Carpenter, M'Donnel,
Wright (Physiology and Histology). Busk, Huxley,
Lubbock (Anatomy, human and comparalive and Embryo-
und fler Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1861. 43
]ogy). Green, Sclater (Systematic Zoology and Distri-i
bution). Oliver (Phanerogamic Botany). Currey(Cryp-
ptogamic Botany). Huxley, Thomson (Paleontology).
Wilh Woodcuts and Lithopraphic llliistrations.
Der vorliegende in vier sehr massig starken, am Beginne eines
jeden Vierteljahres erscheinenden Heften ahgeschlossene Jahrgang ist
ungemein reichhaltig, sowohl an Orginalartikeln, als an Anzeigen und
Uehersetzungen, welche jedoch alle den Charakter von Originalmit-
theilungen haben. Obwohl beiden organischen Reichen gewidmet,
sind doch die Zoologie und die damit verwandten Zweige am mei-
sten berücksichtigt und namentlich ist auch die naturwissenschaftliche
Anthropologie, insbesondere deren Verhältniss zum Bau der anthro-
poiden Affen reich vertreten. Diese Zeitschrift ist auch in der That
eine Art Ergänzung der eben erwähnten ßibliotheca zoologica. Denn
indem diese mit dem Jahre 1860 abschliesst, beginnt die englische
Zeitschrift mit fortgesetzten, ähnlich systematisch geordneten Ueber-
sichten der Bibliographie von 1861 an.
Ich schliesse den Bericht mit der Erwähnung einer
Arbeit, welche schon der vorjährige Bericht hätte bespre-
chen sollen:
Gedächtnissrede auf Johann es Müll er von Emil
Dil Bois Reymond. Aus den Abhandlungen d. K. Akad.
jcL Wissensch. zu Berlin. Berlin 1860. 4.
Diese Darstellung der Leistungen eines der grössten Natur-
forscher aller Zeiten überschreitet die Grenzen einer gewöhnlichen
akademischen Gedächtniss-Rede und geht, in Inhalt und Form von
gleicher Vorzüglicbkeit, auch über ein einfaches biographisches Denk-
mal hinaus. Es ist ein sehr wichtiger Beitrag zur Geschichte unsrer
Wissenschaft, welcher an die ausserordentlichen Leistungen eines
Mannes anknüpft, der für das zweite Viertheil unsres Jahrhunderts
das gewesen ist, was für das erste Cuvier, was für das ganze vo-
rige Jahrhundert Hall er waren. In Job. Müller treten Zoologie
und Physiologie noch einmal in einer Verbindung auf, wie sie wahr-
scheinlich in Zukunft nicht mehr von einem und demselben Manne
werden vertreten werden. Die Rückblicke und die vorwärts schrei-
tenden Gedanken, welche ein ausgezeichneter Schüler hier an der
Darstellung der geschichtlichen Erscheinung seines Lehrers vor nns
entwickelt, gewähren ein hohes Interesse und es ist fast befremdlich,
dass diese ausgezeichnete Schrift so wenig öffentliche Beachtung ge-
funden hat. Ich erinnere mich keiner eingehenden Besprechung. Es
scheint dies mit dem ganzen ruhelosen Treiben unsrer Zeit zusammen-
suhängeO} welche mit eigeueo. . monographischen Arb^iteja. und Mikror
44 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
logieen vorwaltend beschäftigt, weder Pietät, noch historischen Sinn
genug hat, um, wie es früher geschah, grossen Persönlichkeiten nnd
geschichtlichen Entwickelungsinomenten nachhalliges Interesse neben
den Tagesereignissen und Detailforschungen zu bewahren. Der Ver-
fasser entfaltet hier eine neue Seite seines umfassenden Wissens,
einen Reichlhum von allgemeinen, selbst ästhetischen Ansichten und
ein liebevolles Interesse für ihm sonst ferner liegende Studien mit
jener Gründlichkeit und Exaktheit im Literarhistorischen, welche wir
von seinen Spezialarbeiten her kennen. Hier in diesem biologischen
Berichte inleressirt uns vornehn)lich des Verfassers allgemeiner Ex-
kurs über die „Lebenskraft" und die Stellung j\lüller's zu dieser
Lehre, S. 87 u.d.f. Derselbe ist sehr lesensvverth. Es ist hier der
Standpunkt der gegenwärtigen physikalischen Schule in der Physio-
logie festgehalten, welcher den früheren J. J\l ü 1 1 e r's und seiner
Zeitgenossen als einen überwundenen schildert. In der That kann
man den Artikel: „Leben und Lebenskraft" von Lotze, wie
ich denselben vor bald 18 Jahren an die Spitze meines Handwörter-
buchs der Physiologie, gleichsam als ein Programm dieses Werkes
stellte, als einen Pfeiler mit einem Januskopf betrachten, der den Ab-
schluss einer alten, den Beginn einer neuen Epoche in den biologi-
schen Wissenschaften bezeichnet, welche aber gegenwärtig in unsrer
rascher sich bewegenden Entwickelung bereits auf ihren Culmina-
tionspunkt angelangt, sich wieder auf absteigender Bahn zu bewegen
scheint. Die jüngst ausschliesslich gehegte Hoffnung, die Lebens-
erscheinungen allein aus physikalischen und chemischen Kräften zu
erklären; die zuversichtliche Versicherung, endlich das Räthsel, wel-
ches die elektrischen Prozesse in den organischen Körpern spielen,
zu lösen und die psychischen Thätigkeiten schliesslich aus bekannten
physischen Kräften abzuleiten, ist jetzt wieder ferner gerückt als je.
Die alte Erfahrung, dass alle neuen Entdeckungen uns nur neue un-
absehbare Felder für abermals neue Entdeckungen eröffnen, ohne uns
der Erkennlniss der Endursachen merkbar näher zu bringen, hat
auch durch die berühmten Arbeiten des Verfassers dieser vortreffli-
chen biographisch-historischen Skizze nur eine neue Bestätigung er-
halten. Die alte Lebenskraft, welche in dem Archaeus van Helmonts
zuerst in greifbarer Gespenstform erschien, in der naturphilosophi-
schen Schule ihre höchste Ausbildung erreichte und in den Epigonen
dieser letzteren, wohin auch J. Müller und seine Altersgenossen
gehören, ihre letzten Phasen vollendete, wird in dieser Weise nicht
wieder auferstehen. Diese Lehre ist unter der Wucht der Hiebe der
neuesten Zeit gefallen und als ein bedeutungsloser mystischer Aus-
druck mit Recht erkannt worden. Aber nachdem diese einstige Kö-
nigin der organischen Reiche offen aus ihrem Paläste verjagt worden
iil und eß faet für üuanSläuaig gilt, uoch voa ihr au reden, dringen
und der Naturgeschichte des MenSchert im Jahre 1861. 45
die Vorboten eines neuen Vitalismus, wie der hypothetische Aether
der Physiker, durch die sichtbaren Ritzen und die unsichtbaren Poren
des Hauses wieder herein. Man braucht eben kein Prophet zu sein,
um voraus zu sagen, dass ein solcher Lebensgeist, wenn auch wieder
nur in Gespenstform, jedenfalls in neuer (jestalt, vielleicht schon
nach einem Dezennium die verlassenen Räume erfüllen wird. Das
„Leben" oder wie unser Verfasser sich ausdrückt: „Der Molekular-
Mechanismus, dessen Verwickelung unsren Bemühungen zu seiner
Enträthselung vielleicht noch lange spotten wird, der aber darum
flicht minder als ein Mechanismus erkannt ist," wird von dem jetzi-
gen Standpunkt aus in seiner Totalität durchaus unverständlich bleiben.
Nicht einmal die Erscheinungen der Nalurprozesse der organischen
Körper, viel weniger die eben so realen Phänomene in der Geschichte
des Geistes, in dem objektiven Gange der Weltbegebenheiten, können
dadurch vollgültig angefasst, geschweige denn erklärt werden. Die
beharrlichen Widersprüche des Gemüths gegen die „Errungenschaften"
des Verslandes können unmöglich mit der Phrase von „ästhetischen
Forderungen" abgemacht werden. Der iMechanismus, den man jetzt
auf den Thron des abgesetzten und absetzungswerthen Vitalismus in
den Naturwissenschaften gesetzt hat, ist nicht nur nicht fähig, die
Harmonie des Weltlaufs im Grossen zu erklären, er macht die An-
nahme einer solchen Harmonie, die doch vorhanden ist, unmöglich.
Er kann daher auch der Wissenschaft nicht genügen; diese Hypo-
these kann nicht richtig sein, da sie schliesslich zu
einem Nonsens der Weltgeschichte führt. Unsre grössten,
unsre geistvollsten Historiker werden sich wenig befriedigt fühlen
von der Theorie des Geschehenden, wie sie sich schon auf der ersten
Seite der Gedächtnissrede unsres hochachtbaren und trefflichen Ver-»
fassers ausspricht, wo er von dem „sinnlosen Geschicke'* redet,
das unsre grossen Männer mit einem Schlage wegraff'e. Wer würde
noch Geschichtschreiber werden wollen, wenn er nur ein Aggregat
von sinnlosen Ereignissen darzustellen hätte? Der geehrte Autor
dieser Behauptung wird die Conseqnenz meiner Annahme nicht gel-
ten lassen. Er wird dem Historiker in der Verfolgung vernünftiger
Handlungen der Menschen auch ein reiches Gebiet gesichert sehen.
Aber wer in dem Geborenwerden und Sterben bestimmter Menschen
nicht einen höheren Zusammenhang findet mit allen Begebenheiten
der Welt, sondern ein „sinnloses Geschick" kann auch eine vernünf-
tige Ordnung des Geschehenden nicht anerkennen. Das Bewusst-
sein des Menschen trägt das unabweisbare Bedürfniss in sich, zu einer
höheren Einheit über die Dinge und Begebenheiten in der Natur und
Geschichte zu gelangen. Ich gebe zu, dass keiner der bisherigen
Versuche, sei es von denr Standpunkte einer mechanistischen Natur-
betrachtung, sei es von dem einer der bisherigen philosophischen
46 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
Welt-Anschauungen, gelungen ist, die Gegensätze wissenschaftlich zu
lösen, welche in dem Reiche des Geschehenden der elementaren Na-
turkräfte, der Organismen und der Manifestationen des Geistes walten,
die schliesslich einen obersten gemeinsch;ifllichen cansalen Zusam-
menhang haben müssen, nur einer einzigen Macht gehorchen
können. Daher bezweifle ich — bei dem völligen Widerspruch der
intelligentesten Menschen hierüber, wie er sich z. B. gerade eben
wieder zwischen den Anschauungen J. M ü 1 1 e r's und des Verfassers
geltend macht, — dass, um mit den Worten des letzleren zu reden:
„über diese Dinge schon oft mit S o n n en k 1 a r h e i t das Rechte ge-
lehrt worden ist."' Diese Dinge räthselhaft zu finden, dazu sind
wir berechtigt bei dem merkwürdigen Widerspruch zwischen Verstand
und Gcmüth, der hier so viele und grosse Naturforscher belästigt;
aber wir haben nicht das Recht, sie bald „s i n nl os ," bald „sonnen-
klar" zu nennen, weil unsre zeitige Einsicht und Erkenntniss im Ver-
hällniss zu der unendlichen Complizirtheit des Weltalls so unzurei-
chend, als möglich ist. Wenn überhaupt, so wird eist eine sehr ferne
Zukunft uns befähigen, vom Standpunkte der Wissenschaft darüber
zu sprechen. J. Müller, mit dem ich gerade ein Jahr vor seinem
Tode ein langes und ernstes Gespräch über diese Dinge hatte, sagte
mir: „Ueber Vieles, was wir besprochen haben, kann ich nur sagen:
nescio, nescio, aber nicht: nego." — Jedenfalls aber möchte ich die-
sen Bericht nicht schliessen, ohne ein Facit zu ziehen aus dessen
ganzem Inhalt und insbesondere aus dem gegenwärtigen Stand der
Wissenschaft zu den allgemeinsten Fragen. Ich halte es für wahr-
scheinlich, dass die Ausbildung einer höheren Zoologie und Anthropo-
logie zu einer B i 0 1 o gi e schon in nächster Zukunft dieselben Dienste
zurückgeben dürfte, welche die physikalisch-chemische Schule in der
Physiologie in den letzten Dezennien unsrer Biologie geleistet hat,
indem sie die mechanistischen Phantasiegebilde eben so zerstört, wie
der phantastische Vitalismus von Seiten des berechtigten Mechanis-
mus vernichtet worden ist.
Noch ein zweiter Punkt ist in dieser vortrefflichen Rede zur
Sprache gebracht, welcher durchaus in unsrem Berichte über allge-
meine Zoologie eine nähere Besprechung verdient, da derselbe glei-
chen fundamentalen Conflikt zwischen zweierlei verschiedenen Grund-
anschauungen über das Verhältniss der organischen Körper zu den
gewöhnlichen Kräften in der unorganischen Natur betrifl't.
Der rein mechanistischen Ansicht könnte gar nichts Erwünschteres
kommen, als die Rehabilitation der generatio aequivoca. Je mehr
die direkte Beobachtung gründlicher Biologen, und nicht die Beob-
achtung allein, sondern auch der Versuch, in dieser Lehre sich
aasbreitet, um so mehr wird dieselbe aus ihren letzten Schlupfwin-
keln getrieben. Nachdem die Schwalben nicht mehr aus dem Schlamm
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1861. 47
entstehen, die Raupen nicht mehr auf den Bäumen wachsen wollten,
waren die Eingeweidewürmer und Infusorien die letzte Zuflucht' der
Anhänger einer generatio spontanea. Vorzügliche Schriftsteller Hes-
sen sich gerne noch in den letzten Jahren durch einzelne Beobachter
irre führen. In frischester Erinnerung ist die Entdeckung Cien-
kowski's aus dem Jahre 1856 (Bulletin de l'Academie de St. Pe-
tersburg 1856. p. 359), die Entstehung eines einzelligen Organismus
mit endogener Schwärmsporenbildung in faulenden Kartoffeln, die
unmittelbare Umbildung von Stärkemehlkörnern zu organischen Zellen.
Von dieser Beobachtung sagt der kritische und kenntnissreiche
Funke in der ersten Auflage seines vorzüglichen physiologischen
Lehrbuchs (Bd. II. S. 1190), „dass sie jedem Unbefangenen als ein evi-
dentes Beispiel wahrer Urerzeugung erscheinen muss, bei
welcher unsres Erachtens nicht die entfernteste Aussicht vorhanden
ist, ohne die willkührlichsten, unwahrscheinlichsten Fictionen elter-
liche Zeugung zu erweisen." Aber schon vier Jahre später musste
Funke, auf Cienkowski's eigene Zurücknahme, diese Ansicht
völlig widerrufen (Lehrb. d. Physiologie. 3. Aufl. 1860. III. S. 12).
Demohngeachtet hat Du Bois Reymond offenbar die Neigung,
J. Müller's berühmte Entdeckung der Erzeugung von Schnecken in
Holothurien noch jetzt, wo möglich auf generatio aequivoca zurück-
zuführen und, wie wir hören, auch in Vorlesungen als einen Beweis
dafür hinzustellen, — ein Fall, der nach Allem, was wir in der neue-
ren Zoologie erfahren haben, sehr wenig geeignet ist, an eine solche
mögliche Aussicht glauben zu lassen. 31üller kam in den Tagen
dieser Entdeckung, der ich mit ihm in derselben Locanda 1851 in
Triest wohnte, zu mir in mein Zimmer mit den Worten: „Ich muss
Sie rufen, um als Zeuge zu gelten, sonst glaubt man einem so etwas
nicht." Ich verdanke seiner Mittheilung eine vollständige Uebersicht
der Vorgänge, so weit sie vorlagen. Es kann wohl kein Zweifel
sein, dass jetzt der Parasitismus auch einer Schnecke nichts Auffallen-
des mehr haben kann und seitdem man die ausserordentlich dunklen
Wege immer mehr aufhellt, durch welche die Eingeweidewürmer und
andere Parasiten in das Innere der Wirthe ihrer Brut ein- und aus-
dringen, wohl kein Zoologe von Profession an einem ähnlichen Zu-
sammenhang zwischen Entoconcha und Synapta mehr zweifeln wird.
Man braucht kein Prophet zu sein, um dem ersten beharrlichen For-
scher, welcher diesem Probleme, das eigentlich doch ein grösseres
Interesse erregte, als es verdiente, ein Jahr an der Bucht von Mug-
gia widmen kann, die Lösung desselben in eine wahrscheinliche Aus-
sicht zu stellen, aber gewiss nicht im Sinne der generatio aequivoca.
Keine Zelle, viel weniger ein Thier vermögen die spontan wirken-
den uns bekannten physikalischen Kräfte vor unsren Augen hervor-
zubringen, weder in dem Laboratorium der Natur, noch in den Werk-
48 Wagner: Bericht üb. d. Arbeilen in d. allg. Zoologie
Stätten der Gelehrten. Um die Entstehung der Pflanzen und Thiere
ru erklären, mnss man sich nach weiteren Kräften umsehen, welche
nur in vergangenen Epochen gesucht werden können. Den neuesten
Arbeiten der beobachtenden und experimenlirenden Biologie gegen-
über darf die Physiologie, wenn sie sich lediglich als die Wissen-
schaft von den chemisch-physikalischen Thätigkeiten in den organi-
schen Körpern betrachtet, im Gebiete der Morphologie, Generationslehre
und der physischen Erscheinungen nicht mit wirklich antiquirlcn An-
schauungen wiederkommen. Die Botanik und Zoologie wird ihr sonst
für jede sie fördernde Unterstützung sehr dankbar sein. Aber so
wenig der „Archäus" van II e I m o n t's, die „vis essenlialis" C. F.
Wolff's, der „nisus formativus'' Bl u m enbach's , die „Lebenskraft"
ider philosophischen Schule, die „kalalytische Kraft", die „Kontakt-
wirkung", die „thierische Elektrizität" die bei der Gestaltbildung und
Fortpflanzung der organischen Körper thäligen fundamentalen Er-
scheinungen, ja selbst die inneren Vorgänge der Ernährung, der Ner-
venprozesse, zu erklären im Stande war, so wenig ist diess bis heute
auch nur etwas mehr annähernd der gegenwärtigen exakten Physio-
logie gelungen. Harnstoff künstlich zu verfertigen lag in den natür-
lichen Fortschritten der physiologischen Chemie, wie die Erzeugung
"von Chinin in ihren weiteren Fortschritten liegen wird. So lange
sie aber kein Eiweiss machen kann und weiter daraus in Verbindung
mit Fett Zellen und Zellenorganismen, wird sie uns von ihrer ümni-
potenz nicht überzeugen. Leistet sie diess einst wirklich, dann wird
ihr auch die künstliche Fabrikation des Homuncnlus in der Flasche
nicht fehlen und sie kann auch wieder an das Goldmachen denken,
wie die Physik nach AnalogieSHon Lord Boss, an die Erzeugung von
Milben mittelst der galvanischen Säule. Mit Dank werden die Zoo-
logen jede Belehrung von der Physiologie empfangen, aber diese darf
<len Biologen nicht zumuthen, ihre heutigen Grundanschauungen anders,
als in Folge streng bewiesener Thatsachen anzunehmen.
"'' Diese Vertheidigung sind wir den Manen des grossen Physio-
logen und Zoologen schuldig gewesen, dessen Andenken diese vor-
zügliche Gedächtnissrede gewidmet ist und der unter seinen vielen
Verdiensten auch das halte, in seiner Wissenschaft mit seinen theo-
retischen Behauptungen nicht weiter zu gehen, als die Thalsachen
erlaubten, dabei nichts in Aussicht zu stellen, nichts zu versprechen,
inras er nicht sicher leisten konnte.
-■Jjutf (; (tT
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Vögel während des Jahres 1861,
Von
Dr. G. Hartlaub
in Bremen.
Wir sehen die fortschreitende Entwickelung der Or-
nithologie im verflossenen Jahre nicht sowohl an ein her-
vorragendes Ereigniss geknüpft, als vielmehr an eine
ziemlich grosse Anzahl werthvoller Studien und Arbeiten,
welche wesentlich zu der Vervollständigung unserer Kennt-
niss von den Vögeln einzelner Länder beigetragen haben.
Asien erscheint diesesmal bevorzugt; aber auch Amerika
liefert noch immer neuen Materials die Fülle, und es hat
glücklicherweise nicht an solchen gefehlt, welche sich die
wissenschaftliche Ausbeutung desselben zur Aufgabe machen
konnten. Für die nordöstlichen Theile Afrika's scheint das
im Uebrigen so unheilvoll abgebrochene Reiseunternehmen
Heuglin's in zoologischer Hinsicht gute Früchte tragen
zu wollen. Verschiedene direkt an uns gelangte Mitthei-
lungen des Reisenden aus den abyssinischen Gegenden
sind reich an wichtigen und interessanten Beobachtungen
über die Vögel jener Länder. — Die Oologen erfahren die
Genugthuung, dass der grösste Theil der von ihnen nach
mehr ausschliesslicher Kenntniss der europäischen Eier
gewonnenen Anschauungen durch unsere wachsende Be-
kanntschaft mit der Fortpflanzungsgeschichte exotischer
Arten Bestätigung erhält.
Arcli. für Katurg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd. D
50 Ilartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Th. Holland: „Umriss einer allgemeinen Pterogra-
phie" in Caban. Journ. f. Ornith. Jahrg. 9. Helt 1.
G. Veiten: „De avibus sterni conformatione classi-
ficandis." Dissert. inaug. Bonn. Zerfällt in 1) de sterni
forma generali und 2) descriptio et comparalio stcrnorum.
Was über die Wichtigkeit des Brustbeins in Bezug auf
natürliche Eintheilung der Vögel Wahres und Richtiges
gesagt wird, ist grossentheils nicht neu, aber die einzelnen
Beiträge zur Begründung dieser Ansicht sind werthvoll und
sehr willkommen.
Moquin-Tand on's „ Considerations sur les oeufs
des oiseaux^' in Guerins Revue et Magasin de Zoologie
gelangten zum Schlüsse. Fleiss, Sachkennlniss und geist-
volle Behandlung zeichnen diese Arbeit aus, mögen im-
merhin des Verfassers Ansichten im Einzelnen Widerspruch
erfahren.
Rev. J. G. Atkinson: „British Birds Eggs and Nests
popularly described." Illustraled by W. Collman. 12. 110 S.
A. Hansmann: „Conspectus generalis ovorum avium
Europae habitantium." Dissert. inaug. 4. Kiel 1860.
Von ßädeker's treulichem Werke: „Die Eier der
europäischen Vögel etc." erschien eine 7. Lieferung.
Edw. Newman: „Birds -nesting, beeing a complete
description of the Nests and Eggs of Birds, which breed in
Greal-Britain and Ireland." London 1861. 52 S. in 8.
A. Newton behandelt ausführlich eine Anzahl neuer
oder seltener Vogeleier. Sclater's Ibis.
Nämlich die von Nyctea nivea, Pycnonotus aurigasler vom Cap,
Nucifraga caryocatactes, Syrrhaptes paradoxus (pl.39. fig. 1), Houbara
Macquenii (pl. 39. fig. 5), Squatarola helvetica (ib. fig. 2), Tringa nü-
nuta, Egrelta alba (ib. fig. 6), Eniconelta Stelleri (ib. lig. 4), Pagophila
eburnca, Xema Sabini und Lestris pomarinus pl.39. fig. 3).
Dr. Brewer und T. St. Germain in Santiago:
„Notes upon mode and place of nidilicalion of some of the
Birds of Chile." Wichtig genug. Es wurden die Eier von
69 Arten gesammelt.
Dr. Bernstein setzt seine Mittheilungen über die
Fortpflanzung der Vögel Java's fort. Caban. Journ.
Näheres über Nest und Eier von Buceros plicalus, B. ruficollis,
der Vögel während des Jahres 1861. 51
Centropus bubutus, Picus moluccensis, Megalaema armillaris, Den-
drophila frontalis, Anthus rufulus, Pitta cyanura, Hypothymis indigo,
Acridotheres griseus, Sturnopastor jalla, Ploceus baja, Ph. hypoxan-
thus, Munia orycivora, ferruginea, malacca und punctularia, Estrelda
punicea, Passer montanus (eingeführt aus Holland; ein javanisches
Exemplar der Bremer Sammlung zeigt keine Unterschiede von nord-
deutschen), Colurnix sinensis, Hemipodius pugnax, Rallus gularis und
R. rubiginosus.
Die Smithsonian Institution in Washington veröffent-
lichte verschiedene kleine auf die Förderung der Oologie
Nord-Amerika's bezügliche Arbeiten^ als List of Desiderata,
Instructions in reference lo collecting Nests and Eggs of
North-American Birds etc.
„Ueber die Fortpflanzung einiger Guatemalavögel" von
Robert Owen, mit Anmerkungen von 0. Salvin.
Abgebildet sind die Eier von Pharomacrus mocino, Mimus gra-
cilis, Polioptila albiloris, Icterus mentalis, Pachyrhamphus Aglajae.
Cabanis und Bai dam us: „Journal für Ornitholo-
gie*^ nahm seinen regelmässigen Fortgang und erfreute
sich zahlreicher guter Beiträge.
Ebenso P. L. Sclater's „Ibis," das trefflich redigirte
Organ ornithologischer Kunde für England. Auf beide Werke
mrd der specielle Theil dieses Jahresberichts noch öfter
zurückkommen.
„Bericht über die 13te Versammlung der deutschen
Ornithologengesellschaft zu Stuttgart," herausgegeben von
dem Vorstande der Versammlung. 102 S. Darin der Wort-
laut der einzelnen Mittheilungen und mehrere kleinere Ab-
handlungen von Interesse.
Reichenbach's „Handbuch der speciellen Ornitho-
logie" rückt langsam aber stetig vorwärts. Wir müssen
dieser Riesenarbeit, von deren praktischem Nutzen für
Sammlungen wir uns längst überzeugt haben, wiederholt
mit Lob und Anerkennung gedenken. Wenn dem Verfasser
Kraft und Lust bleibt, sein Werk zu vollenden, wird ihm
zugleich der Ruhm bleiben, das scheinbar Unmögliche mög-
lich gemacht zu haben. Und schon der Anlauf dazu ver-
dient, mag immerhin die Ausführung im Einzelnen der
52 Flartlaiib: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Unvollkommenlieiten, Msingel und Irrthumer manche dar-
bieten, die volle Theilnahme der Fachgenossen.
Cuthbert Collingwood: „The notes of Birds."
Separatabdriick aus den Proceed. of the Liverpool Litter.
and Philos. Society. 26 S. „A most laudable attempt" Sclat.
R. AI brecht: „lieber C. Sundevall's ornitholo-
gisches System" in Caban. Journal f. Ornith.
Von Cabanis und F. He ine's „Museum Heineanum"
ist mit dem dritten Theile^ die Strisores umfassend, der
erste Band beendigt. Ein sehr sorgfältig gearbeiteter ge-
nereller Index von 120 Seiten verdreifacht den Nutzen und
die praktische Brauchbarkeit einer für den wissenschaftli-
chen Ornithologen kaum entbehrlichen Arbeit. Gern hätten
wir, nach dem Vorbilde englischer Werke, die alphabetische
Nachweisung auch auf die Beziehungen der Art ausgedehnt
gesehen. Dringend steht aber zu hoffen, dass die Verfasser
nicht ermüden, ihr Werk zum vollständigen Abschlüsse zu
bringen. Der eigentlicke Lohn liegt hier eben in der Vol-
lendung.
Europa.
Von A. Frilsch: „Naturgeschichte der Vögel Eu-
ropa's" erschien ein 7tes Heft (Abtheil. 3. Singvögel). Der
Fortgang dieses Buches ist ein ungemein langsamer.
Ch. F. Dubois: „Planches coloriees des Oiseaux de
l'Europe et de leurs oeufs, especes non observees en Bel-
gique, decrites et dessinees d'apres nature etc." Heft 1 — 10.
Wir können dieser neuen Arbeit des Verfassers der „Vögel
Belgiens" nicht anders als lobend gedenken. Die colorir-
ten lithographischen Abbildungen sind kenntlich und gros-
sentheils recht gut; der Text ist kurz und soll eben auch
nur zur Erläuterung der Kupfertafeln dienen. Der sehr
billige Preis darf nicht unerwähnt bleiben.
Blasius: „lieber die Verschiedenheit in der Schätzung
der europäischen Ornis und deren Ursachen," übers, ins
Engl. Ibis p. 292.
In Otto Torell's Aufsalz über die physikalische
Geographie der arktischen Regionen (Pelerm. geogr. Mit-
der Vögel während des Jahres 1861. 53
theil. p. 57 bis 60) finden wir auch ein gutes Verzeichniss
der innerhalb der arktischen Zone anzutreffenden Vögel,
mit Angabe der Breitengrade ihres Vorkommens.
Freder. and Percy Godman: „Note on Birds ob-,
served at Bodo during the spring and summer of 1857.'-
Ibis p. 77. Es wurden an 58 Arten beobachtet. Fleis-*
sige Arbeit.
A. Brehm: „Lapplands Moräste" in Caban. Journ.
p. 291. Diese gelungene ornithologische Schilderung wird
mitgetheilt als Auszug aus einem projektirten grösseren
Werke „Landschaftsbilder zur Heimalhskunde der Vögel."
(Beobachtungen und Erfahrungen.)
C. Sunde vall's „Svenska Foglarna" nehmen lang-
samen Fortgang. Die Abbildungen gefallen uns sehr; dass
der Text nicht ohne Werth, dafür scheint der Name des
Verfassers hinlänglich zu bürgen. Aber schwedisch.
W. Hintz: „Beobachtungen über die Ankunft und
den Herbslzug der Vögel, nebst Bemerkungen über ihre
Brütezeit, im Jahre 1858 in der Umgegend von Coeslin in
Pommern." Caban. Journ. f. Ornith. Sehr fleissige Arbeit.
In J. T. BlighTs Buche „A week at the Lands-end"
ist der ornithologische Theil unter Mitwirkung von E. H.
Rodd gearbeitet. Zahlreiche Holzschnitte.
A. Newton: „Ueber die Möglichkeit eines ornitho-
logischen Census in Grossbritannien. Ibis part 2.
W. Hintz: „Beobachtungen über die Ankunft und
den Herbstzug der Vögel, nebst Bemerkungen über ihre
Brütezeit im Jahre 1859 in der Umgegend von Coeslin in
Pommern." Gab. Journ. p. 440.
G. C. S chreitze nhofer : „Beobachtungen über den
Frühlingszug unserer Zugvögel in den Donauaucn Wiens
und deren nächsten Umgebung." Verhandl. d. zoolog.-botan.
Vereins in Wien, Bd. 10. p. 73.
Jose de Souza: „Ueber die Vögel Portugals« in
Gazeta medical de Lisboa vom 16. Jan. 1861. Allgemeine
Einleitung; Angabe der Lokalitäten, portugiesische Namen.
W. H. Simpson: „A fortnight in the Dobrndscha."
Ibis p. 361. Anziehende geographisch-landschaftliche Schil-
54 Harllaub: Bericht üb. d. Leistungen iff d. Naturgeschichte
derung- einer der wenigst bekannten Lokalitäten unseres
Welttheils. Wir kennen das ornithologische Beobachtungs-
talent des Verfassers aus dessen Mittheilungen über Grie-
chenland, und finden dasselbe im vollen Maasse bestätigt.
Ungeheuere Schaaren von Larus minutus haben die Küsten der
Dobrudscha als mehrtägige ßuhestation auf ihrem Zuge nach Norden
gewählt. Tadorna rutila und Corvus collaris brüten in den Erdwäl-
len von Kustendje, vielleicht auch Fastor roseus. Aquila naevia
wurde nicht selten nistend im hohen Grase der Ebenen angetroffen.
Ein Hauptvergnügen gewährte die Jagd auf Otis tetrax, deren Le-
bensweise ausführlich besprochen wird. Zahlreiche Raubvögel und
Ciconia nigra frequentiren brütend die klippenreichen Donauufer ; von
Gyps fulvus, Neophron percnopterus, Aquila imperialis wurden Eier
erlangt; ebenso vom schwarzen Storche, über welchen sehr anzieh-
hende Beobachtungen gemacht werden konnten.
Jaubert et ßarthelemy Lapommeraye: Ri-
chesses ornithologiques du midi de la France ou descrip-
tion melhodique de tous les oiseaux observes en Provence
et dans les departements circonvoisins" Fascikel 5 und 6.
Scheint sehr sorgfältig und gewissenhaft gearbeitet und
bildet jedenfalls eine wichtige Ergänzung zu den früheren
Arbeiten Roux's und Anderer. Bekannt ist, dass man den
Ausdruck „Richesses" nur auf die Seltenheit mancher der
vorkommenden Arten zu beziehen hat, nicht aber auch auf
die Zahl der Individuen. Südfrankreich ist geradezu arm
an Vögeln.
ArthurMorelet: „Notice sur l'histoire naturelle des
A^ores, suivie d'une description etc." 1 Vol. 8. Paris 1860.
Hier werden 30 Standvögel und regelmässige Besucher
namhaft gemacht, unter welchen die merkwürdigsten Frin-
gilla Moreleti und Pyrrhula coccinea.
Asien.
Von Gould's „Birds of Asia" erschien part 13 mit
den schönen Abbildungen von Urocissa occipitalis, Urocissa
sinensis, Urocissa magnirostris, Urocissa flavirostris, Uro-
cissa cucullata G. n. sp. , Phyllornis javensis, Ph. Hard-
wickii, Ph. Hodgsoni, Ph. malabaricus, Ph. Jerdoni, Ph.
cyanopogon, llalcyon fusca , llalcyon gularis, JVlotacilla
der Vögel während des Jahres 1861. 55
dukhuneiisis, Motacilla personata G. n. sp. und von Turnix
fasciatus. Ein etwas rascherer Fortgang- wäre diesem Werke
zu wünschen, denn die Zahl der neuen getreuen bildlichen
Darstellung harrenden Arten ist gerade für Asien in ra-
schem Steigen begriffen.
G. Rad de: „Reise im Süden von Ostsibirien, im Auf-
trage der Kais, russisch, geographischen Gesellsch. ausge-
führt u. s. w.« Petersb. Ein Band von 720 S. enthaltend:
1) Das östliche Sajangebirge mit dem hohen Munku-Sardik
und dem Kossogolplateau, dem Kamaragebirge u. s. w. 2)
Der Baikalsee und seine Zuflüsse. 3) Das russische Dau-
rien, das Nordostende der hohen Gobi, das südlichste
Aepfelgebirge mit dem Sorsondo, und 4) der obere und
mittlere Amurlauf. Dieses hochwichtige Reisewerk bildet
den 23. Band der „Beiträge zur Kenntniss des russischen
Reichs" von v. Baer und v. Helmersen, und scheint
nur den Vorläufer einer noch weit specieller eingehenden
Arbeit bilden zu sollen, deren Erscheinen als nahe bevor-
stehend angekündigt wird. Neben der Botanik findet die
Ornithologie hauptsächliche Berücksichtigung, und eine
Fülle schöner dahin einschlagender Beobachtungen bekun-
det Radde's Talent und Kenntnisse.
Am Baiknl war die Ausbeute an Vögeln verhäitnissmässig ge-
ring. Lanius major Fall, und Muscicapa fuscedula, von Ammern im
Sommer nur Emberiza pithyornus und E. aureola. Im Weidenge-
ströppe an der Angara wurde der leise Klagegesang von Sylvia cal-
liope gehört, Sylvia cyanura und aurorea. Zahlreiche Spechte. Auf
den schroffen Felsabstürzen der Ufer brütet Larus cachinnans (p. 204
bis 219). Am Tarei-nor konnte dem Frühlingszuge der Vögel so wie
später dem Rückzuge derselben volle Aufmerksamkeit geschenkt
werden. Dieser Abschnitt des Buches ist vortrefflich. Wir begegnen
Syrhapta paradoxus, Accentor montanellus, Alauda mongolica, Turdus
ruficoUis, Oreocincla varia, Sylvia cyanura, Sylvia cyane, Regulus
proregulus, Muscicapa narcissina, Emberiza rutila, Emb. spodocephala,
Emb. rustica, Emb. pusilla, Charadrius mongolicus, Anas glocitans
und falcata, Grus leucogeranus und Grus monachus u. s. w. Im
Herbste zudem Emberiza cioides, Muscicapa luleola, Sterna longipen-
nis, Scolopax n. sp. — Schliesslich behandelt Rad de die von
ihm am Amur beobachteten Arten, wo von japanischen unter an-
deren Ibis nippon, Emberiza elegans, Gallinula crythrothorax beob-
56 Hartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
achtet wurden. Weiteres im speciellen Theile dieses Berichts.
Hinsichtlich des Begriffes der Art geht Riidde mit Middendorf
und V. Schrenk. Tetrao canadcnsis wird trotz unserer unumslöss-
lichen Beweisführung vom Gcgentheile als asiatischer Vogel aufge-
führt, T. falcipennis vollständig ignorirt! — habeant sibi!
V. Schrenk: ^Zoologische Nachrichten vom Ussuri
und von der Südküste der Mandschurei, nach Sammlungen
und brieflichen Mittheilungen des Herrn Maximowits eh.
Bullet. Acad. Imper. de Sc. St. Petersb. IV. p. 180—194.
Sehr wichtiger Beitrag.
In E. G. Ravenstein's Buch : „The Russians on the
Amur" auf S. 324 ein Verzeichniss der dortigen Vögel, nach
V. Schrenk. Unwichtig.
J. Schatiloff: „Katalog meines ornithologischen
Museums der Vögel Tauriens, im Dorfe Schatilofka (Tamak)
an der Mündung des Karasu ins faule Meer, nebst einigen
an Ort und Stelle gesammelten Notizen. Bullet. Soc. Imper.
Natur. Mose, tome 33. p. 488 — 518. Nicht unwichtig.^ Ar-
beitete anfänglich mit Gustav Radde. 228 Arten.
Rob. Swinhoe: „Notes on the ßirds observed about
Talien-Bay (North-China) from June 21 to July 21. (Pro-
vince Leontung)." Ibis p. 251. Die an der Nordgrenze der
Mandschurei gelegene Lokalität wird anschaulich geschildert.
Neben Neuem acht europäische Züge. Emberiza rustica,
Sturnus cineraceus, Corvus dauricus und neglectus, Cypselus
vittatus. Im Ganzen 24 Arten.
Rob. Swinhoe: „On the Ornithology of Amoy and
Foochow." Ibis. Ein wasserreiches waldiges Thal und dicht
bewaldete Hügel bilden hier die landsciiaflliche Umrahmung-
des ornithologischen Bildes. Manches Neue
Rob. Swinhoe: „Notes on Ornithology taken bet-
ween Takoo and Peking, in the neiglibourhood of the Peiho-
river, North-China, from Aug. to Dec. Sclat. Ibis p. 323.
Im hohen Grade wichtig und interessant. Die landschaft-
lichen Züge werden mit der bekannten Virtuosität des Verf.
geschildert. Dann folgt die Aufzählung der beobachteten
Arten nebst trefflichen Angaben über die Lebensweise der-
selben. Japanische, nordasiatische und europäische Ele-
mente. Syrrhaptes ist sehr gemein zwischen Peking und
der Vögel während des Jahres 1861. 57
Tientliien. Tausende werden nach der Hauptstadt zu Markte
gebracht. Ein Hauptbrutplatz liegt in der Tartarei jenseits
der grossen Mauer.
Rob. Swinhoe: „Notes on the Ornithology of Hong-
kong, Macao and Canton, made during the latter end of
Febr., March, April and the beginning of May 1860. Ibis
p. 22. Nicht minder wichtig. Es wurden 123 Arten beob-
achtet. Neben nordasiatischen südlich-malaiische Formen,
als Urocissa, Eurystomus, Myiophonus.
L. Howard Irby: „Notes on Birds observed in
Oudh and Kumaon." Ibis 'p. 217. Sehr instructiv und an-
ziehend geschrieben, 219 Arten. Die Zeit der Beobachtung
war vom Oktober 1857 bis zum August 1860.
Von zahlreichen Seltenheiten, von denen wir hören, sei hier
nur der rosahalsigen Ente, Anas caryophyllacea, gedacht. Grus leu-
cogeranos wurde viermal gesehen; einmal am Flusse ChoUa. Grus
virgo, Grus antigone und Grus cinerea sind dort gemein.
E. Blyth; „Notes on some Birds collected by Dr.
Jerdon in Sikkim. Proceed. Zool. Soc. p. 199. Fast alle
daselbst eingesammelte Arten waren neu. Die Lokalität
war bisher völlig undurchforscht.
E. Blyth veröffentlichte noch Anmerkungen und Be-
richtigungen zu verschiedenen im Ibis erwähnten indischen
Vogelarten. Ibis p. 92.
R. S w i n h 0 e's Buch : „A narration of the North-China
campain of 1860 (London 1 Vol. 8.) soll eingestreut manches
Ornithologische enthalten. Ibis p. 74.
T. C. Jerdon ist im Begriffe ein zweibändiges Werk
über die V^' irbelthiere Indiens herauszugeben, mit Beschrei-
bungen sämmtlicher Arten. NB. !
Sir James Em m er so n Tennent: „Sketches of the
Natural Hislory of Ceylon with narratives and anecdotes
illustrative of the habits and instinct of the Mammalia,
Birds etc. 1 Vol. 8. 500 Seiten. Bekanntlich ein erweiter-
ter Separalabdruck aus des Verfassers monographischem
Werke. Niedliche Abbildungen von Syrnium indrane,
Tchitrea paradisi, Cissa puella, Galloperdix bicalcaratus und
Phoenicopterus antiquorum. Höchst anziehend und glück-
lich entworfene Schilderungen des Vogellebens auf Ceylon.
58 Harllaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
In den Reiseskizzen über die Novaraexpedition, wel-
che V. Frauen fei d in den Verhandlungen des zoolog.-
botan. Vereins zu Wien mittheilt, finden bei den Stationen
Ceylon, Madras, Nicobaren, auch die Vögel gelegentliche
Erwähnung. Seltsame Flugmanöver von Merops auf Ceylon,
Haliastur indus um Madras, Megapodius auf den Nicobaren.
In Th. Kotschy's kleiner Reiseschrift: „Der west-
liche Elbrus bei Teheran" geschieht auch der Vögel jener
merkwürdigen Alpengegend eine kurze Erwähnung p. 42.
Der interessanteste unter den geflügelten Bewohnern des ho-
hen Elbrus ist Tetraogallus caucasicus, ein Hochgebirgsvogel,
welchen Kotschy schon vom cilicischen Taurus her kannte,
und dessen herrlich tönender Stimmlaut ihn hier abermals
erfreute. Fregilus graculus umschwärmt alle Gipfel. Es
ist sehr zu bedauern, dass Kotschy, einer der tüchtig-
sten Reisenden unserer Zeit, nicht etwas mehr Ornitholog ist!
Alfred R. Wallace berichtet im Ibis p. 283 ziem-
lich ausführlich über seinen Aufenthalt auf Ceram und
Waigiou. Dieser Bericht ist, wie sämmtliche frühere des
talent- und aufopferungsvollen Reisenden im hohen Grade
interessant. Eine sehr sorgfältige und verlängerte Durch-
forschung Cerams nach allen Richtungen hin führte Wal-
lace zu der üeberzeugung, dass diese vielgerühmte Insel
in wunderbarem Grade arm an Vögeln sei, und zwar ebenso
arm an Arten wie an Individuen. Es wurden nur 24 Arten
aus der Ordnung der Passeres erbeutet, ausserdem einige
gute Papageien und Tauben. Der Casoar ist noch ziemlich
häufig. Keine Pitta. — Dann wurden Goram und die beiden
Matabelloinseln besucht, wo verschiedene auch auf Banda,
Ke und Ceram anzutreffende Arten lebten. Die Plilinopus-
art der Matabello-Inseln war Pt. prasinorhous Gr. Auf Go-
ram ein sehr grosser Dicrurus. —- Auch Waigiou scheint
den ihm nachgerühmten Rcichthum an Vögeln nicht zu be-
sitzen. Paradisea rubra kömmt nur hier vor. Eine Manu-
codia-Art, zahlreiche schöne Tauben, zwei Rectos - Arten,
Podargus, Myiolestes — im Ganzen 74 Arten, fast sämmt-
lich auch auf Neu - Guinea vorkommend. Von Pfittacodis
Slavorini und Chalcopsitta rubiginosa keine Spur. Auch
der Vögel während des Jahres 1861. 59
Mysol lieferte die gehoffte Ausbeute nicht. Hier Eos atra,
und von Paradiesvögeln nur papuana , regia und vielleicht
magnifica. ,
A. R. Wallace: „Notes on the Ornithology of Ti-
mor." Ibis p. 347. Die Insel besteht aus einer Gebirgs-
kette, deren centrale Erhebung 5000 bis 6000' beträgt.
Nirgends hohe Waldung; viel Eucalyptus-Gebüsch. Wal-
lace erhielt an 100 Vögel-Arten, wovon etwa s/^ der Insel
eigenthümlich anzugehören scheinen. Australischer Cha-
rakter auch in der Fauna. Amadina castanotis in unver-
änderter Gestalt. Zahlreiche neuholländischen verwandte
Arten erscheinen lokal verändert. Weder Lorius noch Eos.
Nur drei Arten scheinen der papuanischen Fauna entlehnt,
nämlich ein Geoffroyus, Ptilinopus flavicollis und Janthoe-
nas metallica. Sehr charkteristisch sind mehrere Leuco-
treron-Arten. KeinMegapodius. Gegen 30 Arten javanischen
Gepräges. Sehr gering ist die Zahl schön gefärbter Ar-
ten. Wallace scheint sehr geneigt, den unmittelbaren
Zusammenhang zwischen tropischer Hitze und glänzendem
Colorite bei den Vögeln zu läugnen.
Afrika.
Th. V. Heuglin fährt fort im „Ibis" über neue oder
wenig bekannte Vögel Nordoslafrika's zu schreiben p. 69,
121 und 357. Seine Arbeiten umfassen in diesem Jahrgange
Falconiden, Capitoniden und die Gattung Zosterops. Ref.
betheiligte sich dabei mit kritischen Anmerkungen und
Zusätzen.
Th. V. Heuglin; „Beiträge zur Ornithologie Nord-
ostafrika's. Gab. Journ. p. 417. Älit kurzer Einleitung vom
Ref. Schwalben, Segler und Raubvögel. Heuglin's Mil-
thcilungen enthalten des Neuen und Bemerkenswerthen
Vieles und sind durchweg geeignet, Vertrauen in die Be-
obachtungsgabe desselben zu erwecken.
Th. v. Heuglin: „Systematisches Verzeichniss der
Säugethiere und Vögel, welche am rothen Meere und der
Somalikäste beobachtet worden sind, mit Rücksicht auf ihre
60 Hartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturg^eschichte
g-eographische Verbreitung" in horizontaler und vertikaler
Ausdehnung^. Peterin. Geogr. Mitlheilungen 1861. p. 11.
Wichtig^. Es werden 325 Arten autgeführt.
Die seltneren Arten weixlen ausführlicher behandelt, so z. B.
Falco concolor, Halcyon chlorocephala, Sylvia delicatuia, Eupodolis
Heuglini, Syphcotides huinilis, Larus niassauanus, Steroa albigena,
Sterna panaya, St. int'uscata, Sula fusca, Sula melanops und Fhaeton
aethereus, über dessen Fortpflanzung interessante Beobachtungen ge-
macht werden konnten.
Th. V. Heugiin: „Einige Bemerkungen über die
Wirbelthiere des nördlichen Aegyptens und des peträischen
Arabiens, gesammelt während des Aufenthaltes der deut-
schen Expedition in genannten Gegenden, während der
Monate März bis Mai 1861. Peterm. Geogr. Mittheil. p. 310.
Der Hauptsache nach Ornithologisches. Heugiin war
gerade zur Brütezeit der Vögel anwesend und war so in
der Lage, eine Reihe hübscher Beobachtungen zu machen.
Sämmtliche ornithologische Arbeiten Heuglin's zeugen
von grossem ßeobachtungstalente und unläugbarer Sach-
kenntniss. Sein Verdienst um die Vögelkunde Afrika's bleibt
unbestritten.
In H. B. Tristram's Buche: „The great Sahara" finden
wir auf S. 390 — 403 ein Verzeichniss aller Vögel der Sa-
hara mit kurzen Bemerkungen über die Lebensweise der-
selben. Auch im Texte sind dergleichen eingestreut.
Sehr gut.
J. H. Gurney fährt fort mit seinen trefflichen Mit-
theilungen über die Vögel Natals, nach den Sendungen des
Herrn Th. Ayres. Ibis p. 128. Wichtigeres über ver-
schiedene Raubvögel, als Spizaetos coronatus, Aquila bel-
licosa, Circaelos fasciolatus, der keineswegs gleich zonurus
ist, ferner über Falco minor Schleg., Bu^orax abyssinicus,
Chera procne, Pelecanus rufescens etc.
Ref. veröfl'enllichte Nachträgliches über die Ornis
West -Afrika's. Ibis p. 321 und Caban. Jonrn. für Ornitho-
logie. Heft 1.
Besonders hervorgehoben zu werden verdienen die von
Herrn Alfred Newton publicirten Nolcii über die orni-
thologische Fauna der Insel Mauritius, noch den Sammlun-
der Vögel während des Jahres 1861. 61
gen und Berichten seines dort weilenden Bruders Eduard
Newton. Ibis p. 180 und 270.
Ein Besuch der etwa 25 engl. Meilen nordöstlich von Mauri-
tius gelegenen Felseninsel Round-Island führte zu den Brutkolonien
von Phaeton phoenicurus, der hier in grosser Anzahl nistet. An
einer anderen Stelle der Insel Schaaren einer brütenden Puffinus-Art
(chlororhynchus Less. ?). Beide Vögelarten zeigten sich bei der viel-
leicht ersten Berührung mit Menschen ungemein arglos und zahm.
Sehr anziehend wird alsdann ein Besuch in Savanna, einer aufgege-
benen Zuckerplantage im südlichen Theile von Mauritius, geschildert,
wo, zum Theil in zahlreichen Individuen, an 24 Arten beobachtet
werden konnten. Diese waren theils capische (Crithagra canicollis),
theils madagascarische (Foudia niadagascarensis, Agapornis cana),
theils maskarenische (Palaeornis eques, Phedina borbonica, Tchitrea
borbonica etc.), theils indische (Hypsipetes, Synoecus sinensis, Geo-
pelia striata, Francolinus ponticerianus, Coturnix argoondah etc.).
Amerika.
Dr. J. Reinhardt: „List of Birds hitherto observed
in Greenland" in Sclat. Ibis p. 1 — 19. Jedenfalls die beste
und vollständigste der zahlreichen Zusammenstellungen über
die Vögel Grönlands, welche wir neuerdings erhalten ha-
ben. Reinhardt ist hier competent par excellence. Eine
historische Einleitung unserer bisherigen Bekanntschaft mit
der Avifauna jenes Landes wird vorausgeschickt. Dann
folgt eine Aufzählung von nicht weniger als 118 Arten mit
begleitenden Anmerkungen und Nachweisen über den Fund-
ort und die Lebensweise gewisser Arten.
Der grönländische Goldregenpfeifer ist immer virginicus. Rein-
hardt bezweifelt die Artverschiedenheit von Lagopus Reinhardti Br.
Dagegen wird Podiceps HollböUi für eine unzweifelhaft gute Art er-
klärt. Zahlreiche nordamerikanische Arten. HollböH's Corvus lit-
toralis will Reinhardt selbst als Varietät nicht von corax zu
unterscheiden wissen. Verschiedene Arten werden auf die Autorität
H. Möschler's hin als in Grönland vorkommend namhaft gemacht,
so z. B. die nordwestliche Fratercula cirrhata.
J. M. Lemoine: „Les Oiseaux du Canada« second
edition." Quebeck 1861. 8. Brochüre von 99 Seiten. Po-
pulär aber ganz gut. Dieser Theil des Werkchens umfasst
62 Hartlaubt Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
nur Raubvögel und Anatiden. Der zweite Theil der ersten
Ausgabe umfasst 400 Seiten.
J. M. Wheaton (of Columbus) : „Catalogue of the
Birds ofOhio." (Separatabdruck aus dem Ohio Agricultural
Report for 1860.) Ein Namensverzeichniss von 285 Arten.
Schon Kirtland hatte die Vögel Ohios catalogisirt, aber
„some birds, w^hich were then rare, are now^ common;
many, then common, have now^ retired from own limits or
are very rare.'' Dann folgen Anmerkungen zu einzelnen
Arten, die zum Theil von nicht geringem Interesse sind.
Hesperiphona vespertina ist von öfterem Vorkommen.
Capt. Blakiston: „On Birds collected and observed
in the Interior of British North-America.« Ibis p. 314. (pari I.)
Sehr fleissige, zeitgemässe und dankenswerthe Arbeit. Mit
den Worten: „Inneres Brittisches Nord- Amerika" sind die
sogenannten Pelzgegenden und die Territorien der Hudsons-
Bay-Company, also die weiten Ländercomplexc im Nord-
westen Canadas gemeint. Im VV^esten begrenzen die Rocky-
Mountains dieses Gebiet. Der Hauptfluss desselben ist der
Saskatchewan. Zahlreiche kritische Anmerkungen zu den
einzelnen Arten. Angabe der Färbung der Iris, der Füsse
u. s. w. Sehr specielle Bezeichnung der Lokalität.
In dem Buche : „The Canadian Naturalist and Geo-
logist" so wie in den Proceedings of the Nat. Hist. Society
of Montreal" von 1861 befindet sich „Catalogue of Birds
collected and observed around Lake Superior and Huron, by
Rob. Bell." Ein etwas mageres Verzeichniss und sicher
weit entfernt von Ansprüchen an Vollständigkeil.
„Catalogue of the Trowbridge collection of Natur. Hi-
story in the Museum of the Universily of Michigan." Bro-
chüre von 32 Seiten. Nur die Namen mit Angabe der Fund-
orte. Vieles scheint von der Smithsonian Institution mitge-
theilt worden zu sein.
Elliott Coues: „Notes on the Ornithology of La-
brador." Proceed. Acad. of Natur. Sc. of Philad. p. 215.
Sehr ausführliche Arbeit nach eigenen Beobachtungen und
mit Benutzung des vorhande'nen Materials.
G. N. Lawrence: „Notes on some Cuban Birds,
der Vögel während des Jahres 1861. 63
with description of new species." Separatabdruck aus den
Annais of the Lyc. of New-York Mai 21. 1860. 29 S. ' In
sehr instructiver Weise wird über 27 Arten berichtet.
Ornithological and oological list of North -America,
by John Scrider, Taxsclermist. Philad. 16 S. 4. (nach
Baird und Anderen). 744 Nummern.
R. Albrecht: „Zur Ornithologie Cubas nach Law-
rence und Gundlach" in Caban. Journ. Heft 2.
Dr. J. Gundlach: „Tabellarische Uebersicht aller
bisher aufCuba beobachteten Vögel." Caban. Journ. p. 321.
Treffliche in ihrer Art erschöpfende Arbeit. Gundlach,
bekanntlich durch langjährige eifrige Studien an Ort und
Stelle in erster Linie competent, glaubt sein Material in 7
Gruppen vertheilen zu müssen. Nämlich: 1) Auf Cuba
beschränkte Arten; 2) auch auf anderen Antillen vorkom-
mende; 3) zugleich in Nord-Amerika und Mexiko lebende;
4) zugleich in Süd-Amerika lebende ; 5) über Nord - und
Süd -Amerika verbreitete; 6) dem Norden Amerika's und
Europa's angehörig; und 7) beiden Amerika und Europa
angehörige Arten. Bei jeder der aufgezählten 228 Arten
wird bemerkt, ob gemein oder selten, ob Standvogel oder
nur Winter- oder Sommerbesucher, ob gelegentlich vor-
kommend u. s. w.
Dr. J. Gundlach: „Zusätze und Berichtigungen zu
den „Beiträgen zur Ornithologie Cubas.« Caban. Journ.
p. 401. Nachträglich von grosser Wichtigkeit und den frü-
heren Arbeilen Gundlach's gegenüber geradezu unent-
behrlich ; die Prüfung cubanischer Originalexemplare durch
Lawrence und Baird konnte allein zu der nölhigen
Sicherheit in der Bestimmung führen.
Dr. Brewer: „Nominalverzeichniss der Vögel Cubas'«
nach Mittheilungen Gundlach's in Proceed. Boston Soc.
of Natur. Hist. Vol. IL p. 251, 305.
C. L. Sclater: „On a collection ofBirds made bythe
late M. W. Osburn in lamaica, with noies,^ Proceed. of
Zool. Soc. p. 69. Wichtig.
Es wurden 92 Arten gesammelt; darunter die acht für Jamaica
neuen: Henicocichla ludoviciana, üendroica palniarum, Lalctes
64 Ilartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Natnrgeschichte
Osburyii n. gen. et n. sp. (zwischen Vireo und Vireolaniu.s), Ncsopsai*
nigerrimus, Siphonorhis americana, Tringa Bonapartei, Herodias egretta
und Nycticorax violaceus. Ausführlich über Nesopsar, Laletcs u. s. w.
nach Briefen von P. II. Gosse im „Zoologist."
J. Cabanis: „Uebersichl der im Berliner Museum
befindlichen Vögel von Costarica" (nach Sammlungen und
Beobachtungen von Dr. Frantzi us u. s. w.). Es verdient
diese ausführlich und kritisch behandelte Mitlhcilung um
so mehr unsere volle Beachtung, als sie so ziemlich die
erste ist, in welcher uns von den Vögeln einer der reich-
sten Landschaften der Erde, Costarica's, Kunde zu Theil
wird. Der Charakter der Avifauna dieses Gebietes von
Central -Amerika ist ein vorherrschend tropischer; aber
noch macht sich nordamerikanischer Einfluss merkbar gel-
tend. Es Hesse sich erwarten, dass uns neue Arten von
dorther kommen würden und der vorliegende Bericht nennt
deren manche von grossem Interesse. Zu den ersten Zier-
den der Vögelwelt Costaricas zählt eine prachtvolle Chas-
morhynchusart, Ch. tricarunculatus Verr., bis jetzt in Samm-
lungen die grösste Seltenheit.
G.N.Lawrence: „Catalogue of a collection of Birds,
niade in New- Granada by James Mac Leannan Esq.,
with notes and descriptions etc., part 2. Ann. Lyc. New-
York p. 315. Hauptsächlich wurde gesammelt längs der
Panama-Eisenbahn und zwar zunächst auf der atlantischen
Seite. Sehr interessante Arbeit. Dieselbe umfasst an 300
Arten und ist reich an guten die Lebensweise vieler der-
selben betreffenden Beobachtungen.
0. Salvin: „A list of species to be added to theOr-
nilhology of Central-America.'* Ibis part 12.
H. Burmeister: „Reise durch die La Plata Staaten
mit besonderer Rücksicht auf die physische Beschaffenheit
und den Culturzustand der argentinischen Republik." Erster
Band : die südlichen Provinzen. Darin auf S. 103 die Was-
servögel des Rio-Parana; auf S.300: die Vögel Mendozas,
und p.418: Vögel bei Parana. Zwischendurch eingestreut
finden wir gute ornithologische Notizen. Die Avifauna Men-
dozas zeigt auffallende Verschiedenheit von der Paranas.
der Vögel während des Jahres 1861. 65
Capt. C. C. Abbott: „Notes on the Birds in-the
Falcland Islands." Ibis p. 149. Sehr ausführlich und dem
Besten beizuzählen, was uns über die Vögel jener südlich-
sten Lokalität Amerika's geworden ist. Capt. Abbott ver-
weilte volle drei Jahre in Stanley, der Hauptniederlassung
auf den Falklands - Inseln, machte innerhalb dieser Zeit
zahlreiche Excursionen ins Innere und versäumte keine
Geleofenheit zu sammeln und zu beobachten. Seine Mit-
theilung ist begreiflich vorherrschend biographischer Natur.
66 Arten. Als wichtige Ergänzung zu dieser Arbeit
folgt dann '
P. L. Sclater: „Addition and Corrections to the
list of Birds of the Falcland Islands." Proceed. Zool. Soc.
p. 45. Es scheint wirklich, dass nicht weniger als 11 Pin-
guinarten dort vorkommen, nämlich: Aptenodytes Pen-
nanti, Spheniscus magellanicus, Eudyptes chrysolophus, Eud.
diadematus, E. chrysocome, Eud. nigrivestis, E. antarctica
und Pygoscelis^ Wagleri. Sclater zählt 67 Arten auf,
aber Capt. Abbott bezweifelt das Vorkommen von Cin-
clodes vulgaris, Scytalopus magellanicus und Phrygilus
xanthogrammus. (Rapaces 6, Passeres 8, Grallin. 2, Gral-
lat. 12, Anser 38.)
P. L. Sclater's „Catalog einer Sammlung amerika-
nischer Vögel" ist seiner Vollendung nahe und wollen wir
desselben noch vor seiner Publikation hier anticipirend ge-
denken, so geschieht es in Betracht der grossen wissen-
schaftlichen Bedeutung, welche die moderne Ornithologie
dieser Arbeit eines ihrer begabtesten Förderer und Ver-
treter zugestehen muss. Uns selbst ist der Genuss zu
Theil geworden, die unvergleichliche diesem Cataloge zu
Grunde liegende Sammlung wiederholt durchmustern und
bewundern zu können, und mögen wir die Versicherung nicht
zurückhalten, dass uns der Gedanke, es werde diese mit
gründlichstem Verständnisse gesammelte und trefflich ge-
ordnete Fülle von Material in der vollsten Bedeutung
des Wortes für die Wissenschaft nutzbar gemacht werden,
mit einem Grade von Befriedigung erfüllt hat, wie wir
solche kaum jemals Angesichts einer grösseren Sammlung
Arohiv f. Naturg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd. E
6G IIa r taub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
empfunden haben. Die uns bis jetzt vorliegende Ordnung
der Passeres umfasst nicht weniger als 1904 Arten 1 Dem
Hauptnamen, ohne Angabe der Autorität dahinter, sind die
wichtigeren Synonyme und der Fundort jedes einzelnen
Exemplares hinzugefügt. Unsere Hoffnung auf kurze Be-
schreibungen, Diagnosen, ist unerfüllt geblieben; aber wir
halten an der Ueberzeugung fest, Sclaler's Nominalca-
talog sei eben nur als Vorläufer einer grösseren Arbeit zu
betrachten, einer Ornithologie beider Amerika, im Sinne
von Peter Simon Pallas, — „non macilentae, ut sunt
aliae, sed plenae, copiosae et ita constitutae, ut universae
Ornithologiae illustrandae par sit." —
Australien.
In J. Palacky's „Australien'' ist auf S.57 bis 66
ein ziemlich vollständiges Verzeichniss der Vögel Austra-
liens zu finden. Aber nur Namen, nach Gould.
G. R. Gray: „Remarks on and Descfiptions of new
species of ßirds, lately sent by Mr. A. R. Wallace from
WaigioU; Mysol and Gagie Islands." Proceed Zool. Soc.
p. 427. Zahlreiche neue Arten unter einer Sendung von
73Waigiou- und 102 Mysolvögeln. Letztere Lokalität war
bisher ornithologisch völlig unbekannt. Eine tabellarische
Uebersicht verzeichnet die geographische Verbreitung der
Vögel auf Neu - Guinea, der Louisiadegruppe, Salwaltia,
Waigiou, Mysol, Aru und Ke. Die ganze Arbeit G. R. Gray's
ist, wie die früheren über Wal la ce's Ausbeute, im hohen
Grade instructiv und wichtig.
V. Rosenberg: „lieber einige neue Vögel von Neu-
Guinea" in Caban. Journ. für Ornithologie. Heft 1. Hier
zum ersten Male etwas über die Vögel der Insel Salwattia.
Der „Zoologist« (1861) bringt auf S. 7464 bis 7472
einen Aufsatz über die Vögel Neuseelands aus der Feder
eines Herrn Kliman, mit kurzen Beschreibungen vieler
als neu beschriebener und neu benamter Arten. Dabei
ergiebt sich, dass der Verfasser mit den classischen Spra-
chen auf gespanntem Fusse lebt. Er benennt eine Vogelart
der Vögel während des Jahres 1861. 67
„melaniira" und sagt in der Diagnose „tail white." Eine
andere wird parvissima getauft. Auch um des Verfassers
ornithologische Kenntnisse scheint es misslich zu stehen.
Einzelne der als neu eingeführten Arten lassen sich mit
mehr oder weniger Sicherheit auf längst beschriebene re-
duciren ; andere bleiben zunächst dunkel. Möglich, dass
wirklich einige wenige neu sind. Dergleichen Arbeiten
sind und bleiben aber in ihrer Stellung zur Wissenschaft
von zweifelhaftestem Werthe, selbst wenn, wie auch im
vorliegenden Falle, des Brauchbaren und Nützlichen einiges
darin vorhanden.
Accipitres.
C. Giebel: „Die Federlinge der Raubvögel" aus
Chr. L. Nitsch handschriftl. Nachlasse zusammengestellt."
Zeitschr. für die ges. Naturw. Bd. 18. p. 515 — 529.
FalCOnidae. Henry Bryant „Remarks on the variations of
plumage in Buteo borealis undButeo Harlani" Brochüre. Boston 1861.
Sehr fleissige Arbeit, nach welcher (ob wirklich mit Recht, bleibt
dahin gestellt) Buteo montanus, caliirus, Cooperi, Swainsonii, insig-
natus, Bairdii und oxypterus nur für Varietäten erklärt werden.
T h. V. Heuglin schrieb sehr instruetiv über die von ihm in
IVordostafrika beobachteten Raubvögel aus den Gattungen Tinnunculus,
Melierax, Micronisus, Accipiter, Astur und Buteo. Ibis p. 69.
Derselbe über Falco concolor in Peterm. Geograph. Mitlheil.
1861. p. 30, und über die Tagraubvögel der Bogos-Länder (des Ain-
Saba-Gebietes) in Caban. Journ. für Ornith. p. 423.
P. L. Sclater: „lieber Heuglin's Hypolriorchis castanono-
tus. Ibis p. 346. pl. 12. Es scheint fast, als sei dieser von Heuglin
für neu gehaltene Vogel gleichartig mit H. semitorquatus Südafrika's.
P. L. Sclater und Dcsmurs: „lieber Milvago carunculatus."
Ibis p. 19. pl. 1. Die piachtvolle Abbildung nach einem Exemplare
der Bremer Sammlung von den Anden Ecuador's.
Circus melanoleucus Indiens wurde am Amur erlegt. G.Radde.
— lieber Haliaetos Macei und H. leucoryphus vergl. Capt. L, H^ Irby
in Ibis p. 223.
Die spanische Aquila Adalberti Brehms ist nach Blasius und
Gurney, deren ürtheil hier competent, nur naevioides. Immerhin
bleibt das constante Vorkommen dieser afrikanischen Art in Südeuropa
interessant.
68 Ilartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Osb. Salvin schreibt über die Fortpflanzung von Polyborus
tharus, Urubitinga anthracina, Asturina nitida. Ibis p. 67.
Neue Arten : Tinnunculus alopex Ileugl. Ibis p. 69. pl. 2 und
Caban. Joiirn. p. 427. Galabat. — Melierax metabates Heugl. ib. p. 72.
Weisser Nil. — Buteo minor Heugl. ib. p. 75. Regenzone N.-O. -Af-
rikas. — Astur tibialis Verr. Caban- Journ. p. 100. Casanianse. —
Falco babijlonicus Gurn- Ibis p. 218. pl. 7. Oudh, Ausführliche Arbeit.
Steht barbarus am nächsten. — Aquila minuta Br. ßer. ornilh. Vers.
in Stuttg. p. 99. Spanien (? Ref.). — Leucopternis semiplumbeus Lsiwr.
Ann. Lyc. New-York. Vol. 7. p. 288. Panama. — Accipiter Gundlachii
Lawr. Cuban Birds p. 6. Ist Gundlach's pileatus. Verschiedenheit
von Cooperi. — Cathartes nrubitincja Katt. Sitz.-Ber. K. K. Acad. d.
Wissensch. Bd. 44 (brasiliensis Briss.}. — Milvago crassirostris Pelz,
ib. Chile ? — Leucopternis superciliaris Pelz, ib Borba in Brasilien
(IVatt.). — Leucopternis palliata iXatt. ib. Ypanema. — Buteo minutus
iNatt. ib. Brasil. Cajenne. Steht dem brachyurus nahe. — Accipiter
pectoralis P. L. Sclat. in Ibis p. 313. pl. 10. fig. opt. Südamerika?
(Samml. von Antwerpen und Liverpool). — Accip. poliopareius Ileugl.
Cab. Journ. p. 428. Bogos-Länder. — Micronisus miltopus Hodgs. ib.
p. 429. — Micron, guttatus Heugl. ibid. p. 430. Bogos-Liinder.
Strigidae. lieber Ketupa ceylonensis um Hongkong vergl. R.
Swinhoe in Ibis p. 27.
Passeres.
Puc heran: „ Observations sur les Resseinblances
dans la forme du bec entre des genres de Passeraux d'une
meme Faune, appartenant ä des sections differentes de cet
ordre d'oiseaux.'^ Rev. et Mag. Zool. p. 244. Sehr bemer-
kenswerlhe Arbeit in der geistvollen Manier des Verlassers,
aber keines Auszugs fähig. Die Analogien, auf die P u-
cheran's Arbeit hinzielt, sind übrigens unleugbar vorhan-
den und blieben wohl in systematischer Hinsicht ohne die
ihnen gebührende Würdigung.
1. Fissirostres.
Caprimulgidae. P. L. Sclat er schreibt über Siphonorhis ame--
ricanus (L.) in Procced.Zool. Soc. p. 77. c. fig. restr. et ped. Jamaica.
Sehr merkwürdige Form.
Neue Arten : Antrostomus cubanensis Lawr. Cub. Birds p. 14.
Ist Gundlach's vociferus. • — Chordeiles pusillus Gould Ann. and
Mag. N. H. p. 262. Bahia. — Podargus superciliaris Gray Proceed.
der Vögel während des Jahres 1861. 09
Z. S. p. 428. pl. 42. Waigion (VVallace). — Caprimulgus Swinhoei
Blyth. Formosa.
Cypselidae, Die Novaraexpedilion traf einen Cypselus auf der
Insel St. Paul an. — Verschiedener wahrscheinlich neuer Cypselus-
Arten gedenkt Heuglin Caban. Journ. p. 411 — 422.
Hirundinidde. Neue Arten sind : Alticora cyanophaea Caban.
Journ. p. 92 von Costarica, und die von Ref. bekannt gemachte wun-
derbar und wenigst tychische Schwalbenform Pseudochelidon eurysto-
mina Ibis p. 321. pl. 11. fig. opt. Gabon. Das einzige Exemplar in
der ßremer Sammlung. Cab. Journ. p. 11. — Ferner Cheliclon albigena
Heugl. Cab. Journ. p. 419. Nördl, Abyssinien,
Tr0g0nida6. lieber die Fortpflanzungart des Qnesalt (Pharoma-
crus paradiseus) in Guatemala schrieben sehr anziehend R o b. Owen
und 0. Salvin Ibis p. 62. Der prachtvollste Vogel Südamerika's
nistet also in ßaumlöchern. Ferner noch 0. Salvin: „lieber Que-
salt-Schiessen in Vera-Paz." Ibis p. 138.
Alcedinidae. (Bacconinae) C. Giebel: „Zur Osteologie der
Gattung Monasa." Zeitschr. für ges. Naturwiss. Band 18. p. 121 — 128.
— Eine neue Art ist Capito maculicoronatus Lawr. Ann. Mag. Lyc.
N.-Y. Vol. 7. p. 300. Panama.
(Alcedininae). Pucheran sucht mit grossem Scharfsinne und
sehr ausführlich den Beweis zu liefern, dass L i n n e's Alcedo cristata
Lafrenaye's A. vintsioides sei. Rev. Zool. p. 340. Brisson habe
in diesem Falle wie in manchen anderen Madagascar und die Philip-
pinen verwechselt. Ed ward's Exemplar stammt von der Comoren-
insel Johanna, nördlich von Madagascar. Ferner sei Linne's Alcedo
tridactyla gleichartig mit dem von Strickland unter dem Kamen
C. rufidorsa beschriebenen Vogel. Eine frühe sehr ausführliche Be-
schreibung dieser Art bei Vosmaer. Endlich sei Lesson's Ceyx
meninting = C. solitaria Temm. Dergleichen kritische Nachweise
über Linne'sche Arten, wie diese von Pucheran, verdienen spe-
cielle Anerkennung vor dem Forum der Wissenschaft.
Momotidae. Ueber die Fortpflanzung von Eumomota superci-
liaris schrieben sehr anziehend Roh. Owen und 0. Salvin Ibis
p. 64. Die Art nistet wie Merops in tiefen Löchern steiler Flussufer.
lieber Prionites pralurus Puch. vergl. noch Caban. Journ. p. 255,
nach Exemplaren von/ Costarica. Auch „Spatophorus superciliaris"
lebt daselbst.
Meropidae. Abbildung: Meropogon Mülleri, Transact. Acad. N.
Sc. of Philad. Vol. IV. pl. 49. fig. 2. — Archinierops Breweri ib. fig. 2.
Beide Abbildungen sehr treu und schön.
Meropogon Forsteni bleibt Unicum in der Leidner Sammlung.
Wailace war anhaltend aber vergebens bemüht, den Vogel auf
Celebes wiederzufinden.
70 Hartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
2. Tenuirostres.
PromoropidäO. Neue Arten: Nectarinia gahonensis Hartl. in
Cab Journ. p. 13. $ Gabon. — N. phaeothorax Hartl. Caban. Journ.
p. 108. Ashantee. — Chlorophanes gtiatemalensis Sc\at.Fvoceed. p. 129.
Scheint in der That verschieden von atricapilla.
Trochilidae. Gould's monographisches Prachtwerk über
die Colibris ist zum Schlüsse gekommen und die Einleitung
dazu ist unter dem Titel : „Introduction to the Trochilidae
or family of Humming Birds" vom Verfasser für Privatver-
theilung an Freunde separat herausgegeben worden. Die-
selbe bildet ein ganz stattliches Bändchen von 212 Seiten
und gehört zu den wichtigsten der diesmal zu bespre-
chenden literarischen Neuigkeiten. Von den 416 bekann-
ten Arten sind 360 abgebildet und 400 in der Sammlung
Gould's. Das Buch erinnert in seiner Einrichtung sehr
an die Einleitung zu den Vögeln Australiens. Sämmtliche
Arten werden namhaft gemacht und zwar mit Angabe ihrer
Synonyme und ihrer geographischen Verbreitung. Der
allgemeine Theil giebt eine vortreffliche und im hohen
Grade interessante Zusammenstellung Alles dessen, was
uns über die Lebensweise der Colibris bekannt ist. Den
Schluss bildet ein höchst vollständiger und zweckmässig
construirter Index von 23 Seiten.
Von Reichen bac h's „Trochiliden" sahen wir die
Kupfertafeln 804 bis 855- Es verdient diese Arbeit Lob
und Anerkennung, denn sie reproducirt die unerschwing-
lichen Luxustafeln Gould's und fügt denselben in Text
und Abbildungen manches V\'erthvoIle hinzu.
Neue Arten: Heliomaster Stuajtae Lawr. Ann. Lyc. N.-Y. Vol. 7.
St. Fe de Bogota. — Chloiostilbon assimilis Lavvr. ib. p. 292. Pa-
nama. — Chloroslilbon nitens Lawr. ib. Panama. — Aphantochroa Ro~
berti Salvin Procecd. p. 203. Guatemala. — Hyparoptila urochrysa
Güuld Ann. p. 268. Panama, — H. Isaurae Gould ib. Costarica. —
Thaumatias apicalis G. Introd. p. 154. Neugranada. — Th, maculicau-
dus G. ib. Britisch Gujana. — Th. ßuviatilis G. Rjo-Napo. — Phae~
tornis boUviana G. Introd. p. 42. — Dolerisca cerrina G. ib. p. 56.
Vaterland? — Lampornis iridescens G. ib. p. 65. Guajaquil. — E«-
lampis longirostris G. ib. p. 69. — Doryfera reclirostris G. ib. p. 71
Ecuador. — Aglacactis paivula G. ib. p. 106. Boiivieo. — Melallura
der Vögel während des Jahres 1861. 71
quitensis G. ib. p. 112. — Cyanomyia guatemalensis G. ib. p. 148. —
Heliomaster pallidiceps G. ib. p. 139. Guatemala, Mexiko. — Lampro-
pygia boliviana G. ib. p. 137. — Phaeoptila zomira G ib. p. 170.
Mexiko. — Eucephala scapulata G. ib. p. 166. Cajenne. — Chlorostil-
hon igneus G. ib. p. 176. Para. — Chi. pervanus G. ib. — Chi. na~
pehsis G. ib. Rio-Napo. — Chi. hrevicaudatus G. ib. Cajenne. '
Meliphagidae. Neu sind : Moho apicalis Gould. Owahi. Af/-
gebildet bei Dixon Voy. round the world p. 357. — Ptilotis sono-
roides Gr. Proceed. p. 428. VVaigiou. — Ptil. polygramma Gray ib.
Waigiou. — Tropidorhynchus tnarginatus G. ib. Waigiou.
CcrtbiadäO. (Dendrocolaptinae.) Neu sind: Tripobroius com-
pressHs Gab. Journ. f. Örnith. p. 243. Costarica. — Philidor subfuhui
Sei. Proceed. Z. S. p. 377. Ecuador. — Xenops littoralis Sclat. Pro-
ceed. p. 379. Ecuador, — Sphenopsis ignobilis Sclat. Proceed. p. 379.
Bralilien.
(Sittinae). Üeber Sitta syriaca in Griechenland vergl. Krüper
in Cäb. Journ. p. 69. Sehr beachtenswerth. Kein Zweifel mehr an
der Artselbständigkeit.
(Menurinae). A. A. Leycester beschrieb sehr ausführlich und
instructiv „eine Jagdexcursion in die Berge des Richmondflusses
N.-S.-W.) zur Auffindung von Menura Alberti." Es gelang über die
Fortpflanzung dieser wenig bekannten Art die nöthigen Details zu
ermitteln. Die Lebensweise ist ganz abweichend von Menura superba.
Neue Arten; Troglodytes borealis Fisch. Cab. Journ. p. 14 und
ib. p. 431. pl.l. flg. bon. Faroer. Scheint eine gute Art zu sein,
Welche auch auf Island vorkommt. Die Färbung der Eier weicht
sehr ab von der gewöhnlichen Zaunkönig-Art. — Troglodytes hy-
paedon Sclat, Proceed. p. 128. Guatemala. — Tkryolhorus Galbraithii
Lawr. Ann. Lyc. N.-Y. p.320. Panama. — Thryothorus castaneus Lsiwr.
ib. p. 321. — Rhamphocaenus St. Marthae Sclat. Proc. p. 380.
LUSCiniädae. — (Malurinae.) Neue Arten : Orthotomus Corona-
tus Jerd. Blyth. Proceed. Z. S. p. 200. Sikkim. — Brachypteryx hy-
perythrus Id. ib. Darjeeling. — Brachypteryx rufifrons Id. ib. ^- Si-
phia erithacus Id. ib. *
(Luscininae). Neu scheinen zu sein: Tichellia albiventris Blyth
Jerd. Sikkim. Proceed. Z. S. p. 199. Steht bei Abrornis. — Abrornis
albigularis Id. ib. Sikkim. — Abrornis melanops Id. ib. Sikkim. —
Phylloscopus plumbeitarsus Swinh. Ibis p. 330. Nord-Asien.
Ueker Cisticola cursitans Cass. im äquatorialen Afrika vergl.
Hartlaub in Gab. Journ. p. 274.
Ueber Sylvia orphea in Griechenland vergl. Dr. Th. Krüper
in Cab. Journ. p. 276.
(Saxicolinae). Neu sind: Dromolaea aequatorialis Hart]. Cab.
Journ. für Ornith. p. 112. Gaben. — Cossyphus iuatis Sclat. Ann, and
72 Ilartlaul): Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Mag. N. H. p. 265. Borneo. — Larvivora gracilis Swinh. Ibis p. 262.
Formosa.
Sclater giebt I. c. eine gute Uebersicht der bekannten Cop-
sychiis-Arten, deren, inclus. Kittacincia, 10 namhaft gemacht werden.
(iMotaciilinae). Neu: Motacilla 'personata Gou\(\ Birds of Asia,
pari 13. pl. 16. Bengalen. — Zoslerops poliogastra Ileugl. Ibis p. 357.
pl. 13. Hochland von Abyssinien.
Ref. gab eine Uebersicht der afrikanischen Zosterops - Arten,
Ibis p. 358. Daselbst über Svvainson's Z. pallida.
TordidäO. — (Formicarinae). Neue Arten : Grallaria mexicana
Seiet. Froceed. Z. S. p. 381. Süd-Mexiko. — Grallaria perspicillata
Lawr. Ann. Lyc. N. Y. VII. p. 303. Panama. — Phlocjopsis nigroma-
culala J^awr. ib. Panama. — Tkamnistes aequatorialis Sclat. Proceed.
p. 380. Ecuador, — Myrmorius Hoffmanni Caban. Journ. f. ürnith.
p. 95. Costarica. — Cyphorinus philomela Salv. Proceed. p. 202. Gua-
temala. — Thamnophilus punctalus Caban. Journ. p. 241. Costarica.
Das Weibchen von Pittasoma Michleri beschrieb Lawrence
Ann. Lyc. N.-Y. p. 326.
(Turdinae). „Remarks on the geographica! distribution of the
genus Turdus" by Ph. L. Sclater Ibis p. 271. In dieser critisch-
gründlichen Arbeit werden 84 Arten aufgezählt, von welchen auf die
paläarctische Region 16, auf die indische 15, die äthiopische 9, die
australische 5, die nearctische 12 und auf die neotropische Region
27 Arten kommen.
Dr. Henry Bryant bemüht sich nachzuweisen, dass Turdus
Swainsonii Nord-Amerika's nicht gleichartig sei mit einer sehr ähn-
lichen Art von Bogota, wie Sclater dies anzunehmen scheine. Letz-
tere Art sei unter dem Namen Turdus minimus Lafr. zu sondern.
Neue Arten : Turdus fulviveniris Sclat. Ibis pl. 8. Proceed. Z.
S. 1857. p. 273. Süd-Amerika. — Turdus Schlegeln Sclat. Ibis p. 280.
— Pitla leucopfera Elliol. Proceed. Ac. N. Sc. Philad. p. 153. Ceylon.
(Wir halten diesen Vogel für Pitta bengalensis Ref.)
Schlcgel's Pitta nympha wurde in der Umgegend von Amoy
wieder aufgefunden, Swinhoe in Ibis p. 413. Ausführliche Be-
schreibung.
(Timaliinae). Neue Arten: Alelhe maculicauda nob. Caban.
Journ. p. 162. Ashantee. — Pomatorhinus stridvlus Swinh. Ibis p. 265.
Foochow. Sehr kleine Art. — Merulanthus Plbayrii Blyth. Arracan.
(Pycnonotinae). Neu sind: Ilypsipetes Holtei Swinh. Ibis p. 266.
Von Foochow. Sehr ähnlich H. Maclcll. — Spizixus semitorques Swinh.
ib. Foochow.
Tyrannidae. P. L. Sclater: „index generis Elaineae et familia
Tyrannidarum, additis novarum specierum diagnosibus" Proceed. Zool.
Soc. p. 406. Eine jener fleissigen Studien, wie wir deren schon eine
der Vögel während des Jahres 1861. 73
Anzahl aus der Feder des um die die Ornithologie Amerika's so ver-
dienten Verfassers besitzen. Es werden 17 Arten aufgeführt.
Neue Arten : Myiarrhus panametisis Lawr. Ann. Lyc. N.-Y. Bd. 7.
— Elaenia fallax Sclat. Proceed. Z. S. p. 76. Jamaika. — E. semi-
pagana Sc\. \h. p. 406. Ecuador, — E. Pallatangae Sei. ib. p. 407. —
pl. 41. — E- subplacens Sclat. ib. Ecuador. — E, implacens Sclat. ib.
Ecuador. — Phyllomyias 'griseocapilla Sclat. ib. pl. 36. fig. 2. Brasi-
lien. — Fh. semifusca Sclat. ib. pl. 36. fig. 1. St. Martha. — Tyrannus
inca (Licht.) 1. c. Bolivien. — Myiozetetes icterophrys Hein. Caban.
Journ. f. Ornith. p. 197. Baranquilla. — • Muscivora mexicana Sclat.
Ann. and Mag. N. H. p. 339. IXest und Eier. Istraus von Panama. (Gal-
braith). — Platyrhynchus ßavigularis Sclat. Proceed. p. 381. Neu-
Granada. — Pachyrhamphus cinnamomeus Lawr. Ann. Lyc. N.-Y.
p. 295. Panama. — Basileuterus nropygialis Sclat. Brasilien. — Copu-
rus fuscicapillus Sclat. Proc. p. 381. Keu-Granada. — Polioptila Buf-
foni Sclat. Proc. p. 127. (pl. cul. 204). Inneres von Neu - Granada. —
Hylophihis insularis Sclat. Tobago. — H. aurantifrons Lawr. Ann.
Lyc. N.-Y. p. 323. Panama. — H. pusillus Lawr. ib. Panama. — H.
viridißavus Lavr. 1. c. 321.
MllSCicapidae. Neue Arten sind : Todopsis Wallacei Gray Proc.
p. 429. pl. 43. flg. 2. Mysol. — Machaerirhijnchus alhifrons Gray ib.
pl. 43. fig. 1, Mysol. Waigiou. — Hemichelidon griseilincta Swinh.
Ibis p. 330. Takoo. — Nitidula Campbelli Jerd. Blyth. Sikkim. Pro-
ceed. p. 201.
Abbild.: Tchifrea speciosa Cass. Journ. Acad. N. Sc. of Philad.
Vol. IV. pl. 50. — Tchitrea Duchallui Cslss. ibid. fig. 1. 2. — Trocho-
cercus nitens Cass. ib. fig. 4.
Ampelidae. — (Pachycephalinae). Neu: Pericrocotus cantonensis
Sv^inh. Ibis p.42. ? — Lipangus sw6a/aris Sclat. Proceed. Z. S. p. 210.
Ecuador. (Uebersicht der 9 bekannten Arien.) — Pachycephala gri-
seonota Gray Proceed. p. 429. Mysol.
(Gymuoderinae). üeber Chasmorhynchus tricarunculatus von
Costarica vergl. Cab. Jurn. p. 253.
T. C. Eyton schreibt Anatomisches über Cephalopterus pen-
duliger Ibis p. 57. — Die in Costarica vorkommende Art dieser Gat-
tung ist C. glabricollis. Cab. 1. c.
(Piprinae). Neue Arten : Chlorophonia flavirostris Sclat. Proc.
p. 129. Ecuador. — Euphonia vittata Sclat. ib. Brasilien.
(Vireoninae). Dr. Henry Bryant hält die dem Vireo oliva-
ceus Nord-Anierika's nahe stehende Vireo-Art Bogota's für specifisch
abzusondern. Er nennt sie bogotensis. Proc. Bost. Soc. of Nat. Hist.
Neue Arten: Laletes Oshurnii Sclat. Proc. p. 72. pl. 141. fig. 2.
Jamaica. — Vireo modeslus Sclat. Proceed. t. 141. fig. 1.
(Anipelinae). Newton's Bericht über Wolley's Entdeckung
74 Hartlaub: Bericht üb. d. Leisfungen in d. Naturgeschichte
der Fortpflanzung von Bombycilla garrula ist von Dr. Albrecht
übersetzt worden, Cab. Journ. p. 142. (A. Newton Ibis p.92 mit
Abbild, von 6 Eiern.)
Cotinga nmabilis lebt auch in den hohen Bergwäldern Costa-
ricas. Cab. Journ. p. 253.
(Canipephaginae). Neue Arten : Pseudolalage melanictera ßlyth
.1. As. Soc. Beng. Philippinen. — Campepkaga atrovirens G. R. Gray
Proceed. Z. S. p. 430. Mysol. — Rectes leucorhynchus Gray ib. Insel
Gagie. — Myiolestes affinis Gray ib. Gagie.
Corvidae. Nachweise über die so dunkel gebliebenene Fort-
pflanzung des Nusshahers mehren sich. Vergl. Baron Rieh. König-
Warthausen in Cab. Journ. p. 33. (Sicheres und Unsicheres.)
G. Ben nett berichtet über die ausserordentliche Verschieden-
heit der Eier von Gymnorhina tibicen. Ann. and Mag. N. H. p. 263.
Eier desselben Geleges in demselben Neste sind total verschieden in
Form und Farben.
In Gustav Radde's Reisewerk über das Innere von Asien
findet sich eine sehr interessante Notiz über die Lebensweise von Nu-
cifraga caryocatactes am ßaikalsee p. 286.
Eine neue Art ist Urocissa cucullata Gould. Birds of Asia
part 13. pl. 5.
Paradisiadae. Ueber die Lebensweise und einziges Habitat von
Faradisea alba erhalten wir endlich Auskunft durch v. Rosenberg.
Cab. Journ. p. 46. Insel Salwattia.
Ueber Paradisea rubra auf Waigiou vergl. Gray Proc. p.431.
Faradisea Bartlettii ist av. jun. von papuana.
Stumldae. — (Ptilonorhynchinae). WaUace sammelte auf
Celebes Basilornis corythaix (Wagl.) und Basilornis celebensis. Ibis
p. 118, Ann. and Mag. N. H. p. 264. c. fig. cap. — Proceed. Zool.
Soc. p. 183.
(Lamprotornithinae). Neue Arten : Calornis gularis Gray Proc.
Z. S. p. 431. Mysol. — Cal. mtjsolensis Gr. ib. — Cal. cantoroides
Gray ib. Mysol.
(Quiscalinae). Neue Arten : Qtiiscalus aequatorialis Sei. Catal.
collect. Amer, B. p. 140. Babahojo. — Q. assimUis Sclat. ib. p. 141.
Bogota. — Nesopsar nigerrimus Sclat. Proceed. p. 74. — Lampropsar
Warszewiczi Cab. Journ. p. 83.
Quiscalus Sumichrasti de Sauss. ist gleichartig mit Lampropsar
dives, Cab. Journ. p. 83.
• Ueber das Vorkommen von Sturnella ludoviciana in England
vergl. P. L. Sclat er in Ibis p. 176.
(Icterinae). Als neu beschreibt Sclater: Icterus xanthomvs
Catal. collect. Amer. B. p. 131. Mexiko.
fe>i'' Fringlllidae — (Tanagriuae). Neue Arten: Tachyphonns Cos-
der Vögel während des Jahres 1861. 75
sinii Lawr. Ann. Lyc. N.-Y. Vol. 7. p. 297. Panama. — Phoenicostrau-
pis fuscicauda Caban. Journ. p. 86. Costarica. — Calliopiia Frantzii
Cab. ibid. Costarica. — Emhernagra chlor onota Sd\\. YvoceeA. p. 202.
Guatemala. — Tanagra subcinera Sclat. Proceed. Z. S. p. 129. Vene-
zuela, Trinidad. — Rhamphocelus ephippialis Sclal. ibid. Amazonenfl.
— Saltator isthmicus Sei. Panama.
Nach Cabanis wäre Sclater's Dacnis Hartlaubii eine Cal-
lispiza. (? Ref.)
(Coccothraustinae). Neue Arten sind : Amaurospiza concolor
Caban. Journ. f. Ornith. p. 3. Costarica. — Sporophila leucopsis Cab.
ibid. Costarica. — Sporophila ochropijgia Cab. ib. p. 5. Mexiko. —
Sporoph. Hofmanni Caban. ib. Costarica.
Ueber Carpodacus familiaris berichtet nach Cassin C. ßolle
in Caban. Journ. p. 141.
(Fringillinae). ElliotCoues: „A Älonograph of the genus
Aegiothus" in Proceed. Acad. Natur. Sc. of Philad. p. 373. Sehr aus-
führliche Arbeit. Erst Allgemeines, dann Specielles. Es werden
7 Arten unterschieden: 1) A. rostratiis C. n. sp. Grönland, 2) A. fus-
cescens Ell. n. sp. 3) A. rufescens. 4) A. linarius. 5) A. HolboUi.
6) A. exilipes n. sp. Nördl. Amerika und 7) A. canescens.
Eine neue Art ist S^jcalis chrysops Sclat. Proceed. Z. S. p.376.
Mexiko.
(Emberizinae). Ueber Emberiza cirlus im Limatthale schreibt
G. Vogel in Ber. Stuttg. Verb, deutsch. Ornith. p. 69.
Zahlreiche Notizen über seltnere Pallasische Emberizen in Gu-
stav Radde's Reiseberichten im Innern Asiens.
(Alaudinae). Sehr hübsch und instructiv schreibt M. J. Vi an
über Alauda pispoletta PalL, welcher eine gute europäische Art und
keineswegs gleich mit calandrella sei. Rev. zool. p. 346. Nach 6
Exemplaren von Astrachan.
Neu soll sein : Alauda leontungensis Swinh. Ibis p. 256. Von
Talienbay in Nord-China.
Buceridae. Sehr ausführliche und interessante Nachrichten über
die Fortpflanzung von Buceros plicatus auf Java giebt Bernstein
in Caban. Journ. Auch diese Art mauert ihr Weibchen während der
Brütezeit ein.
Seaiisores*
Gapitonidae. Th. v. Heuglin's Mittheilungen über neue oder
wenig bekannte Vögel Nord - Afrika's. (Ibis p. 121) behandeln unter
Anderem auch die Capitoniden jeuer Gegenden. Diese komme be-
kanntlich nur innerhalb der tropischen Regenzone vor und' erheben
sich wenig über 6000 Fuss. Trachyphonus singl laut und melodiös.
76 Hartlaiib: Bericht nb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Ueber die Fortpflanzung der Capitoniden fehlt es an sicheren Beob-
achtungen. Trachyphonus margaritatus nistet in Baumlöchern und
legt weisse Eier. II engl in nennt 8 Pogonias-Arten, 2 Barbatula
und 2 Trachyphonus. Tretlliche Abbildungen von Pogonorhynchus
BoUeti pl. 5. flg. 1. Pogon. leucocephalus ib. fig. 2, Pogon. diadema-
tus ib. fig. 3 und Trachyphonus squamiceps ib. fig. 4.
Was Pogon. diademafus anbetrifft, so ist diese Art kaum mit
Sicherheit zu unterscheiden von dem P. unidentatus Licht. Süd-AfriUa's.
Dagegen sind die amerikanischen Capitoniden der Gegenstand
einer trefflichen Abhandlung Ph. L. Sclaters Ibis p. 182. Die Ca-
pitoniden bilden eine Familie für sich und zeigen Verwandtschaft zu
den Toukans. Ihre Verbreitung liegt in Amerika zwischen dem Isthmus
von Panama und dem Becken des Amazonas. IVur zwei Gattungen:
Tetragonops mit einer Art {l\g. opt. in t. 6) und Capito mit 12 -Arten
(inclus. des nach zweifelhaften Cap. melanotis nob.).
PsittacidäC. Neue Arten : Chalcopsilta Bernsteinii v. Rosenb.
Mysol. Caban. Journ. p. 46. — Plyctolophus macrolophus a. Rosenb.
ibid. Mysol und Salwattie. — Geopsittacus occidentalis Gould Proc.
Z. S. p. 100 In der Färbung der Pezoporus formosus nahe ver-
wandt, aber ohne den rolhen Stirnfleck.
J. Delon schreibt über Melopsittacus undulatus in der Gefan-
genschaft. Weinl. Zool. Gart. p. 181.
Ficidäe. Mal h erbe's grosses monographisches Werk eilt sei-
ner Vollendung entgegen. Die Art der Behandlung bleibt dieselbe,
sowohl was kritische Gründlichkeit und Ausführlichkeit des Textes
als was die Treue der Abbildungen anbetrifft. Die Regelmässigkeit
des Erscheinens verdient anderen ähnlichen Publikationen gegenüber
das grösste Lob. Lieferung 11 giebt die Abbildungen von Celeopi-
cus Verreauxii und Celeop. grammicus auf pl. 51, C. multicolor und
C. tinnunculus pl. 52, Cel. fluvescens pl. 53, Gel, lugubris und Cel.
ochraceus auf pl. 54, Cel. jumana und Cel. exalbidus pl. 55. Liefe-
rung 12: Celeopicus cinnamomeus und Cel. Reichenbachii pl. 66,
Mesopicus Caboti, M. fumigatus und 31. oleagineus auf pl. 67, Mes.
Cassinii, M. murinus, M. pyrrhegaster und M. Kirtlandi auf pl. 68,
Mes. nigriceps, M. olivinus und M. Kirkii pl. 69, M. Cesiliae, M. san-
guineus und M. adspersus auf pl. 69. Lieferung ^'^: Dryopinus fusci-
pennis, Mesopicus haematostigma und Mes. affinis pl. 61, Mes. Selysii,
passerinus und capensis pl. 62, Mes. goertan und Mes poiocephalus
pl. 63, Indopicus sultaneus und Indop. Delesserli pl. 64, I. strictus
pl. 65. Lieferung 14: Indopicus goensis , philippinanim, Carlolta,
haentatribon ; Bramapicus erythronotus, bengalcnsis, puncticoUis ; chlo-
ropicoides und rubropygialis.
Eine hübsche Notiz über Picus martius am ßaikalsee giebt Gust.
Rad de. Reise p. 209.
'ij, der Vögel während des Jahres 1861. 77
Guculidae. „Der Kukuk." Beitrag zur Kenntniss von Cuculus
canorus, von Dr. F. M. Ed, Opel. Zweite vermehrte und verbess.
Auflage. Brochüre von 64 Seiten. Wichtig. Anatomie, Lebensweise.
A. Brehm bringt neue Belege für seine Beobachtugen über
das Brutgeschäft von Oxylophus giandarius. Gab. Journ.
Keue Arten : Centropus Grilli Hartl. Gab, Journ. p. 13. Gabon.
— Chrysococcyx poecilurus Gray Proeeed. Z. S. p.431. Mysol.
Columbae.
H. G. L. Reichenbach: „Die vollständigste Naturgeschichte
der Tauben und taubenartigen Vögel (Columbariae). 1. Band von
160 Seiten mit 461 Abbildungen auf 65 Tafeln (incl. 72 Abbild, no-
vitiae). Der Verfasser theilt sein Material in Megapodinae, Perisle-
rinae, Columbinae und Alectorinae. Das Ganze sehr lobensAAer.th
bei manchen Irrthümern im Einzelnen. Sehr mangelhafte Critik be-
züglich der Angabe der Lokalitäten und Fundorte. So z. B. blinder
Glaube an Le Vaillant's Cruditäten.
Neue Arten: Streptopelia guneri Reichenb. 1. c. p. 73. Abyssi-
nien. Wie erythrophrys „sed multo major." — Haplopelia erythro-
gastra Reichb. 1. c. p. 72. Cap d. g. H. — Macropygia walic-mehra
Reichb. 1. c. p. 36. Java. — Columha leucozonura Swinh. Ibis p. 259.
Talienbay in Nord-China. — Henicophaps albifrons Gray Proeeed. Z.
Soc. p. 432. pl.44. Waigiou. — Ptilinopus roseipectus Gray Proeeed.
p. 432. Waigiou. Mysol. Gagie.
Nach Pucheran ist Ptilocolpa batilda Bonap. das jüngere
Farbenkleid von Rhamphiculus occipitalis der Philippinen. Rev.
zooi. p. 346.
Gallinae.
PterOClidae. G. Rad de schrieb ausführlich über Syrrhaptes
paradoxus, Reisen in Asien p. 414. Eine gute Abbildung des Ei's von
Syrrhaptes findet sich Proeeed. Z. S. pl. 39. fig. 1.
Dr. J. E. Gray berichtet nach F. A. Worley über Syrrhaptes
paradoxus in China. Proeeed. Zool. Soc p. 196. Der Vogel ist sehr
häufig zwischen Tienthien und der Mündung des Peiho.
CrdCidae. Reichenbach behandelt diese Familie sehr spe-
ciell 1) in seinem Buche über die taubenartigen Vögel. Gute oder
weniger gute Abbildungen sämmtlicher Arten. Als neu werden nam-
haft gemacht: Crax pseudalector Reichb. Columb. p. 731. Jukatan
ic. 1516. — Crax SZoane* Reichb. p.731. — Crax Edwardsii Re\chh.
1. c. p. 134. Edw. pl.295. — Cr. Aldovrandi Reichb. p. 134. — Cr.
Älbini Reichb. ib. p. 135. (Sämmtliche hier aufgeführte neue Arten
78 Hartlanb: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
verdienen als solche sehr geringes Vertrauen. Ref.). Und 2) die
IIoccos in seinem „Centralatlas für zoologische Gärten und für Thier-
freunde. Ein durch illutninirte Kiipfertafeln illustrirtes Handbuch zu
richtiger Bestimmung und Pflege der Thiere alier Classen nebst Feuil-
leton für zoologische (järten. Liefer. 1. 13 Seiten Text. Abbildungen
aller Arten. Sehr nützliches Unternehmen, dem wir guten Fortgang
wünschen. *
Penelope boliviana Reichb. 1. c. p. 151. ic. 2493 — 2494.
Megapodidae. Abbild. Megapodius Quoyi juv. Proceed. Zool.
Soc. pl. 32. — Megap. Reinwardtii juv. ib. pl. 33. — Älegap. tumulus
Gould juv. ib. pl. 34.
Pbasianidae. Graf Castelnau, der französische Consul in
Bangkock (Siam) erhielt eine neue Argus - Art von Cambodja. Ibis.
Numida vulturina ist nach Edg. Layard heimisch auf der
Westküste von Madagascar. In Bojannabay ist es die doraesticirte
Art. Ibis p. 120.
Ueber Mumida vulturina von Gabon vergl. Hartlaub in Gab.
Journ. p. 272. — Ebendaselbst über Phasidus niger Cass.
Tetraonidae. Dr. Kotschy begegnete dem früher im cilici-
schen Taurus beobachteten Tetraogallus caucasicus zum zweiten Male
im Hochgebirge bei Teheran. Reis, im westi. Elbrus p. 42. Er rühmt
den lauten prachtvollen Stimmlaut des Vogels und giebt an, derselbe
nähre sich hauptsächlich von Leguminosenblüthen. Etwa 20 junge
Hühnchen schlüpften bei seinem Erscheinen rasch in ein „Steinloch.«
Der in G. Radde's Reisewerk erwähnte „Tetrao canadensis"
der Amurgegenden ist natürlich unser T. falcipennis.
Ueber Meleagris ocellata vergl. Sclater Proceed. Z. S. p. 402.
c. lig. capit. in t. 40. (cT"«?)'
Prof. Reinhard schriebin Sclater's Ibis p. 114 über Ortyx
Sonninii und einige nahe verwandte Arten. Nach ihm wäre die auf
St. Thomas lebende Art Ortyx affinis Vig.
Neue Arten: Pediocaetes Ketmic ot i Suckley Proceed. Acad. N.
Sc. of Philad. p.3öl. Sklavensee. Ausführliche Mittheilung. Kach
sorgfältiger Untersuchung und Vergleichung eines schönen Exemplars
der Bremer Sammlung glauben wir die specifische Absonderung die-
ser nördlichen Form von dem nächstverwandten T. phasianellus bil-
ligen zu müssen. — Odontophorus melanonotus Gould Ann. p. 149.
Ecuador.
Ueber Francolinus squamalus von Gaben schrieb Ref. in Gab.
Journ. p. 276.
TinamidaO. Pucheran hält B 0 na p arte's Tinamus Weddelii
für gleichartig mit Tschudi's Crypturus Kleei. Rev. zool. p. 346.
der Vögel während des Jahres 1861. 79
o
Struthioues.
Der Direktor des zoologischen Gartens in Marseille, Herr Noel
Snquet berichtet sehr interessant über das Ausbrüten von 11 jun-
gen Straussen im Jardin d'acclimatisation zu Marseille. Rev. et Mag.
de Zool. p. 511. pl. 14. Die Zeit der Bebrütung dauerte 45 Tage.
Dr. Weinland in Frankfurt a. M. über die Section eines
Straussen. Zool. Garten II. p. 176.
Report on the present State of own Knowledge of the species
of Apteryx living in IVew-Zealand, by P. L. Sclater and Dr. von
Hochstetter. (Separatabdruck aus dem Review of Nat. Hist. p. 504,
dass Hochstetter sich in Neu-Seeland angelegentlich um die aus-
gestorbenen riesigen Struthioniden der beiden Inseln bekümmert, wis-
sen wir bereits. Die hier citirte Mittheilung enthält der Hauptsache
nach das Ergebniss seiner Forschungen über die daselbst noch leben-
den vier Apteryx-Arten. Der „Fireman" (Apt. maxima) existirt ohne
Zweifel auf der Mittelinsel nnd zwar auf der Paparea - Erhebung
zwischen den Plüssen Grey und Butler. Apteryx Mantelli scheint dem
Aussterben nahe zu sein-.
Dr. Hochstetter und Dr. G. Jäger sind mit Erfolg bemüht
gewesen, aus den von ersterem auf ]Veu-Seeland gesammelten Kno-
chen von Dinornis und Palaptery.x-Arten die Skelete von Pal. ingens
so wie die Dinornis giganteus, robustus, elephantopus und didiformis
herzustellen. Pelapteryx ingens scheint in der That poch vor wenigen
Jahrhunderten gelebt zu haben. Ibis p. 407.
Seltsame zumeist traditionelle Nachrichten über diese Vögel
giebt auch J. ß. El Im an im Zoologist p. 7464. Die Eingebornen
zweifeln nicht an dem Nochexistiren einzelner Dinornis-Arten in den
undurchforschten und überaus schwer zugänglichen Bergwäldern der
Mittelinsel. Ibis. p. 415. Riesige Eierfragmente wurden in alten Gräbern
von Eingebornen gefunden, ja im Jahre 1856 ein vollständig erhal-
tenes Ei.
Neue Art: Casuarius Kawpii v. Rosenb. Caban. Journ. p. 44
von Neu -Guinea und der Insel Salwaltie c. fig. Total verschieden
von Galeatus. Kein Appendix am Halse.
•
Grallae.
OtididäO. Ueber unsere Eupodotis Heuglinii vergl. Peterna.
Geograph. Mittheil. p. 30. Ebendaselbst über Sypheotides humilis.
Noch unentschieden ruht die Frage, ob Otis tarda einen Kehl-
sack habe oder nicht. Alfred Newton ist entschieden gegen die
80 Ilartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Annahme eines solchen. So auch Owen, der aber Caban. Journ.
p. 398.) nur ein elvvas jüngeres Männchen zu seciren Gelegenheit
haUe. IloUentlich (ludet Prof. G i eb e 1 in Halle Veranlassung ein letz-
tes Wort in dieser Streitfrage zu reden.
Abbild.: Ei von Otis Macqueenii. Proceed. Zool. Soc. pl. 39.
flg. 5.
Gruidde. lieber die Chunia (Dicholophus Burmeisteri) vergl.
man Burm. Reise in den La Plata-Staaten p. 66-
Abbild. : Grus Montignesia jun. av. in Proceed. pl. 35. Wie
bei den Jungen von Grus americana und Grus leucogcranos steht
gelbe Fleckung auf hellgrauem Grunde.
Ibis nippon wurde am Amur gefunden. G. Rad de Reisen in
Asien.
Ghdradriadae. lieber das Vorkommen von Charadrius asialicus
auf Helgoland siehe Gaetke in Ber. Stutt. Vers, deutsch. Ornithol.
p. 67. Ausführl. Beschreibung von (j'* ad. und jun.
Abbildung : Ei von Squatarola helvetica, Proceed. Zool. Soc.
pl.391. flg. 2.
Ardeidde. Ueber die Lebensweise von Balaeniceps vergl. Ber.
Stultg. Vers, deutsch. Ornith. p. 57.
Ueber Dromas ardeola schrieb Heu gl in in Peterm. Geogr.
Mittheil. 1861. p.31.
Edw. Blyth über Leptoptilos argala Ibis p, 268.
Ueber Balaniceps erschien ferner: J. Reinhard „Noyle Be-
maerkinger om slaegten Balaeniceps." Separatabdr. aus Kongl. Danske
Vidensk. Selsk. Forhandl. April 1861. 20 Seiten in dänischer Sprache.
Ferner W. K. Parker „On the Osteology of Ihe Balaeniceps rex"'
in Transact. Zool. Soc. of London Vol. 17. Sehr ausführliche und
instructive Abhandlung mit prachtvoller Abbildung von W o 1 f. Drei
Tafeln Osteologie. Nach Parker wäre „Balaeniceps essentially a
Heron," zeige aber nahe Beziehungen zu Cancroma und entfernter
zu Siopus.
Scolopacidae. „A monograph of the Tringinae of Korth-Ame-
rica" by Mr. Elliott Coues. Proceed. Acad. Philad. p. 170. Sehr
fleissige und kritisch - tüchtige Arbeit. Gute Charakteristilf der ein-
zelnen Gruppen und sehr detaillirte Beschreibung der verschiedenen
Farbenkleider bei einzelnen Arten.
TS'eu : Actidromas Bairdii Coues. p, 194. (= Bonapartei Cass.)
Oestlich von den Rocky-Mountains.
Ebenso wichtig sind Coues Arbeiten über die schwierige
Gruppe der nordamerikanischen Numenius- Arten , Proceed. Acad.
Philad. p. 236.
Eine neue Art scheint zu sein: Gallinago megala Swinh. Ibis
p. 343. Kord-Asien.
der Vögel während des Jahres 1861. 81
Rallidae. Dr. G. Bennett: Notes on a living specimen of
a Singular grallatorial Bird from New-Caledonia (Rhinochetus jiiba-
tus Verr.) Ibis p. 136. Rhinochetus ist einer merkwürdigsten Vögel
und befindet sich augenblicklich lebend in den Zoological Gardens
zu London.
Neue Arten: Gallinula nesiotis Sclal. von Tristan d'Acunha,
Proceed. Zool. Soc. p. 261. pl. 30. — Corethrura albigularis Lawr.
Ann. Lyc. N.-Y. Vol. 7. p. 302. — Gallinula pynhochroa A. Newton
Proceed. Z. S. p. 19. Mauritius, Bourbon, Madagascar. — Rallus plum-
bivenlris Gray Proceed. Z. S- p. 432. Mysol. — Gallimda erylhro-
fAorax Schleg. wurde am Amur gefunden. RaddeReise in Asien p.640.
Auscres.
Änatidae. A. Lawrence: „Ueber die Zucht der Mandarinen-
ente" in Weinl. Zoolog. Gart. Jahrg. 2. p. 95—98.
Ueber Tadorna rutila am Baikalsee findet sich eine hübsche
Notiz bei Gustav Radde Reise, p. 215. Die Zärtlichkeit dieser
Ente für ihre Jungen ist eine ausserordentliche.
Eine zumeist Historisches und Philologisches bielende Zusam-
menstellung über Cygnus musinus von A. Fi n g e r in Verhandl. zool.-
bolanisch. Gesellsch. in Wien Bd. 11. p. 229.
Pfarrer Jäkel schreibt in Caban. Journ. über Altum's Schwan
und Naumann's Cygnus melanorhinus p. 66. Bekanntes.
Wichtige Aufschlüsse über die Gänse der Falklandsinseln bei
Abbott und Sclater Ibis p. 157. (Chloephaga rubidiceps Sclat. etc.)/
Ca SS in behandelt in den Proceed. Acad. Nat. Sc. of Philad.
Die vier bis jetzt unter dem Speciesnamen hyperboreus irrthümlich
vereinigten Gänse: also 1) A. hypeiboreiis, 2} A. albatus Cass., 3) A.
caerulescens Cass. und 4) Anser Rossii Baird. Die nach Beruh. R.
Ross benannte kleine All istHearne's Horned Wavey, gutbeschrie-
ben in seinem Reisewerke auf S. 442. Eine stark warzige Excrescenz
an der Basis des Schnabels ; Schnabel und Füsse roth. (Ohne Zweifel
eine sehr gute Art. Ref.) Grosser Sklavensee.
E. Crisp: ,.0n some points relating lo Ihe habits and anatomy
of the oceanic and the freshwater ducks etc. Proceed. Zool. Soc. p. 82.
Swinhoe's Querquedula multicolor ist falcaria.
Anas poecilorhyncha Indiens wurde am Amur angetroffen.
Radde I.e.
Golymbidäe. Kein Zweifel Fuehr an der Artselbstständigkeit
von Colymbus Adamsi. Am grossen Sklavensee ist die Art nicht selten.
Ueber eine noch unbestimmte Colymbus-Arl („bile flesh-coloured
wilh the culmer brown.) im Hafen von Amoy, vergl. Swinhoe
Ibis p. 268.
Archiv für Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. F
82 Ha rt lau b : Bericht üb. d. Lcist. in d. Naturgeschichte etc.
Älcldaa. Immer neue Wachrichien und Studien über Alca ini-
pennis. ISach EUiott Coues, der in Labrador nach dieser Art
forschte, wiire der „Penguin" nur auf Funks Island an der Südost-
küsle von Neufundland vorgekommen. Troceed. Acad. Thilad. p. 248.
Alfred Newton publicirt dagegen „Abslraits of Mr. W o 1 1 e y's Re-
searches in Ireland respecting the Alca inipennis own Gare fovvl,
Ibis p. 374. Treffliche ausführliche Millheilung.
Im zweiten Bande der IXovara-Expedilion wird die Lebensweise
von Eudyples chrysocome auf der Insel St. Paul geschildert S. 236.
Neue Arten: Eudyptcs nigrivcslis Gould Ann. and Mag. N. U.
p. 218. Falklandsinsel. — Eudyples diadematus Gould ib. Falklands-
inseln. (Capt. Abbott.)
A monograph of the genus Catarractes Moehr. by Henry
Bryant, Boston 1861. Broschüre. Sehr fleissig und brauchbar. Als
neu wird Cataractes californicus beschrieben.
Abbild.: Die Schnäbel von C. troite, ringvia, lomvia und ca-
lifornicus.
Laridae. Lestris thuliaca Preyer (Reise in Island p. 418) ist
wahrscheinlich nur dunkle Varietät von L. Richardsonii, Genaue Be-
schreibung und Messung.
Uebcr Larus cachinnans am Baikal schreibt sehr anziehend G.
Radde Reise in Asien p. 214.
Neue Art: Larus massauanus Heugl. Peterm. Geogr. Mittheil.
1861. p. 31 Rothes Meer.
(Sterninae.) lieber Sterna albigena Licht, vergl. Heugl in Pe-
term. Geogr. Mittheil. 1. c. p. 31. Und ebendaselbst über Sterna in-
fuscata.
Pelecanidae. Ob neu? Pkaelon flavo-aurantius Lawr. Ann. Lyc.
N.-Y. Vol. 7.
G. Radde 1. c. beschreibt das gemeinschaftliche Brüten der
Cormorara am Baikal p. 211.
Bericht über die Leistuugeu iu der Naturgeschiclite
der Säugethiere Wcährend des Jahres 1861.
Von
Dr. Reinhold Hensel
in Berlin.
Maak hat in seiner, in russischer Sprache erschie-
nenen „Reise nach dem Amur, Petersburg ISöO,** p. 95 — 112
folorende Säugethiere behandelt:
Vespeitilio üaubentonii, V. dasycnemus , V. borealis Pfilss.,
Plecotus aurilus, Erinaceus auritus ? , Soiex vulgaris, S. pyginaeus,
Talpa europaea, Uisus arctos, öleles taxus, Giilo borealis, Mustela
zibellina, M Sibirien, M. erminea, M. vulgaris, Lutra vulgaris, Canis
lupus, C. alpinus, C. aureus, C. corsac, C. lagopus, C. vulpes, C.
procyonoides, Felis lynx, F. irbis, F. tigris, Sciurus vulgaris, Plero-
mys volans, Taniias strialus, T. siriat. var. nigra (Sciurus Ulhensis
Fall.?), Arctomys bobac. var. sibirica, Sperniopliilus Eversmanni, l)i-
pus sagitfa, Myospalax talpinus, Mus decunianns, M. musculus, M. mi-
nulus, Arvicola ainphibius, A. obscurus Eversm., A. rufocanus Sund.,
A. rutilus, Myodes gregalis, Castor fiber, hepus variabilis, L. tolai,
Lagoniys alpinus, L. ogolona, L. hyperboreus, Sus scrofa, Rhinoceros
tichorhinus, Elephas primigenius, Moschus moschiferus, Cervus alces,
C. tarandus, C. capreolus, C. elaphus, Aegoceros Sibiriens, A. argali,
Bos Pallasii, Phoca sp. In deni dazu gehörenden Atlas ist auf Taf. 10
eine Gruppe sibirischer Hunde abgebildet.
In der gleichfalls in russischer Sprache erschienenen
Reise durch das Flussthal des Ussuri, St. Petersburg 1861,
hat der Verf. p. 91 — 143 folgende Arten behandelt:
Ursus arctos, U. thibetanus?, Meles taxus var. amurensis, Mu-
stela zibellina, M. sibirica, M. erminea, M. vulgaris, M. flavigula,
Lutra vulgaris, Canis lupus, C. alpinus, C. vulpes, C. procyonoides,
C. familiaris. Felis lynx, F. tigris, F. irbis, F. sp., F. catus, F. do-
mestica, Erinaceus europaeus var. amurensis, Sorex vulgaris, S. pyg-
inaeus, Talpa, Vespertilio mystacinus, Pteromys volans, Sciurus vul-
garis, Tamias striatus, Mus decumanus, M. musculus, M. minutus,
84 Ileus ci: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgesrhichte
Aivicola rutilus, A. aniphibins, A. obscurus, A. infocanus, Lepus
variabilis, L. sp., Siis scrofa ferus, S. sc. dornest., Ovis aiies, Antilope
ciispa, Bos taurus, Moschus moschiferus, Cervus capreolus, C. ela-
phus, C. dania, C. sp., C. alces, Equus caballus, E. asinus, Phoca sp.
Ein Vorzeicliniss der Säugolhicrc Ost- Sil)iriens lie-
ferte Radde (Bullet. Akad. St. Petersburg 1861. Tom. IV.
p. 47 — 55).
Ursus arctos, U. thibetanus (U. torquatus Wagn.), 3Ieles Taxus,
(juIo borcalis, Mustela flavigula, M. zibeliina, M. puforius. var. Evers-
nianni Licht., M. sibiiica, M, alpina, M. erniinea, M. vulgaiis, Lutra
vulgaris, Canis lupus, C. alpinus, C. vulpes, C. corsac, C. procyonoi-
des, C. familiaris, Felis lyn.\, F. tigiis, F. iibis, F. manul, F. undata
Desni. (F, niinuta Temm., F. javanensis Horsf., F. suniatrana Iloisf.),
Talpa europaea, T. Wogura, Erinaceus europaeus, E. auiitus, Sorex
todiens, S. vulgaris, S. pygmaeus, Plecotus auritus, Vesperugo bo-
realis, Vespertilio üanbentonii, V. mystacinus, V. IVallereii , Pteiomys
volans, Sciurus vulgaiis, Tamias striatus, Sperniophilus Eversmanni,
S. dauricus, S. sp. ?, Arctomys Bobac, A. sp., Dipus jaculus >ar. nion-
golica, Sniinlhus vagus, Ciicetus songarus, C. furunculus, Mus decu-
nianus, M. caiaco, AI. njusculus, M. syl vaticus, M. agrarius, M, niinutus,
Arvicola amphibius, A. rufocanus, A. rutilus, A. (Hypudaeus) russalus
Radde n. sp., A. oeconomus, A. obscurus, A. gregalis, A. arvalis, A.
mongolicus Radde n. sp., A. macrolis Radde n. sp., A. (HypudaeitsJ
Brandtii Radde n. sp. , Siphneus Aspala.x , Castor Fiber, Lcpus va-
riabilis, L. Tolai, L. mandshuricus Radde n. sp. , Lagoniys alpinus,
Ogotona, L. hyperboreus, Sus scrofa, Cauielus bactrianiis, Aegoceros
(Ovis) Argali, A. (0.) nionlanus, A. (0.) aries, A. (capra) Sibiriens,
Capra hirciis, Antilope giitturosa, A. (caprina) crispa, Bos taurus, B.
grunniens, Moschus moschiferus, Cervus capreolus, C. elaphus, C. axis,
C. tarandus, C. alces, Ecjiius caballus, E. asin;;s, E. hemionus, Phoca
annellata. (Es ist zu bedauern, dass für die Diagnosen der neuen
Arten, obgleich Blasius dazu den Weg gebahnt hat, die Form der
Backenzähne durchaus nicht verwerthet sind, und sie im Gegentheil
noch Mer!;niale wie „cauda tenui" und „cauda brevi" enthalten.)
Die Verbreitung der Säugetliiere im östlichen Sajau
und ihre Veränderungen hat Radde (Reisen etc. p. 107 — 109)
erforscht.
Sperniophilus Eversmanni, Lagoniys alpinus und Arvicola ma-
crotis Radde, finden sich noch 8000' über dem Meere. L. c. p. 194
und 219 — 223 handelt von der Säuffelhierfauna des Bakalsees. Die
Robbe desselben ist Phoca annellata IN'ilss. (Ph. foetida Fabr.), p. 647 u. ff.
schildert der Verf. das Thierleben und die Wanderungen der Siiuge-
Ihiere (Bär, Tieger, Wolf, Marder, Eichhorn u. s. w.) im Bureja-Ge-
der Säugethiere während des Jahres 1861. 85
birge am mittleren Amnr, ohne jedoch zur Voraussetzung eines In-
stinktes seine Zuflucht zu nehmen.
Im Sajan verspätet sich nach Rad de (Reisen in Sibi-
rien, St. Petersburg 1861. p. 65) die Begattung der Haus-
thiere und zwar die der fleischfressenden mehr als die der
Widerkäu er.
Wichtige Bemerkungen über die Säugethiere der Amur-
länder theilte Maximowicz mit (Bullet. Akad. St. Peters-
burg II. 1860. p. 556— 564).
Erwähnt werden: Felis Tigris, F. Irbis, F. sp., (F. niinuta Temm.
nach Schrenck), eine zahme Katze, Mustela zibellina, M. sp. (M.
flavigula nach Schrenck), 31. sibiiica, M. erminea, ÄJeles Taxus,
Canis vulpes, C. procynoides, C. lupus, C. alpinus, Sciurus, Tamias
striatus, Lcpus sp. (Schrenck ver?nufhet L. brachyurus Temm.), L.
variabilis, Eiinaceus, Talpa, Cervus capreohis^ C. elaphus, C. alces,
C. tarnndus, Moschus moschiferus, A. crispa.
Arthur Nord mann (Bullet. Soc. imp.Nat.de Mos-
cou 1861. II. p. 236— 260) berichtet über die Jagd der Gil-
jaken am Amur auf:
Delphinus leucas, eine grosse Robbe (Otaria Steiler! ?) und ein Paar
kleine Arten, auf Cervus alces, elaph., capreo!., tarand.,Moschusmoschif.,
Felis tigris, irbis, lynx, Urs. arct., tibetanus, (Julo boreal., Mel. tax.,
Canis lup., vulp., lagop., procynoides, Muslell. zibellina, Lutra vulg.,
Sus scrofa, Lepus variab., Sciurus vulg., 3Iust. ermin., Tamias strialus.
Ravenstein, The Russians on the Amur, London
1861. giebt p. 315 — 324 ein Verzeichniss der Säugethiere
jener Gegend, welches 61 Arten enthält, die wahrschein-
lich bloss nach Seh renk u. A. aufgezählt worden.
Ueber die Hausthiere Japans berichtete v. Alartens
(Zool. Gart. 1861. p. 113). Pferde sind häufig. Ochsen die-
nen nur zum Ziehen schwerer Lasten, sind alle schwarz,
Büffel und Esel sah der Verf. nur auf Bildern als Haus-
thiere, Schafe und Ziegen nur in einer Älenagerie in Yoku-
hama, von einem englischen Schiffe gekauft. Schweine sind
nicht häufig und von der chinesichen Rasse ; das wilde
Schwein, Sus leucomyslax, gleicht dem zahmen nicht mehr
als unser wildes Schwein. Hunde giebt es zweierlei,
grosse mit aufrechten Ohren, kurzhaarig, schwarz, braun-
schwarz und weissscheckig, die ohne Herren auf den Stras-'
sen umherlaufen, und theuere Schooshunde, wie die kleinen
86 Ilensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
spanischen Pudel oder die von Karl 1. und II., nnlt langen
weissen Haaren und hängenden Ohren, nur so gross wie
grössere oder initiiere Katzen, alle schwarz- und weiss-
scheckig. Katzen sind nicht selten, von allen Farben, mit
mehr oder weniger verkümmerten Schwänzen, die zuweilen
gHnz zu fehlen scheinen, ähnlich wie auf Sumatra (Zool.
Gart. 1860. p. 76). Aehnlich berichtet der Verf. auch über
die Hausthiere der Chinesen (l. c. p. 222 — 224), indem er
zugleich für ihre Geschichte Anhaltspunkte in der Etymo-
logie der Namen sucht.
In einer Sammlung von Cambodscha fand Gray fol-
gende Säugethiere (Proc. Zool. Soc. 1861. p. 135 — 139.
PI. XXI) :
Hylobates pileatus n. sp. oder var., Pieropus Edwardsii, Para-
doxurus Pallasii, Viverra malaccensis, Herpestes rutilus n. sp., Fte-
roniys niomoga?, Sciurus splendens n.s]^., S. javensis, S. iMaccleilandii,
S. Siamensis, S. Mouhotii n. sp. , Rusa Peronii, R. sp.?, Cervulus
cambojcnsis n. sp., Tragulus affinis, Sus sp.?, Manis pentadactyla.
Ma s on-B ur mah, itsPeople and Natural Productions ;
ou Notes on Ihe nations, fauna, flora and minerals of Te-
nasserim, Pegu and Burmah, with systematic catalogues of
Ihe Known mammals etc., Rangoon 1860 ist mir nur dem
Titel nach bekannt geworden.
Nach einer Mittheilung von Peters (Monatsb. Berlin.
Akad. 1861. p. 706— 712) hat Jagor auf Älalacca, Borneo,
Java und den Philippinen folgende Arten gesammelt:
Stenops tardigradas, Tarsius spectrum, Galeopilhecus volans,
G. philippinensis VValerh., Pteropus edulis, P. Pluto, P. jubalus, P.
(Cynonycleris) amplexicaudatus, Pachysoma (Plenochinus n. suhgen.)
Jagorii n. sp., P. luzottiense n. sp., Phyllorhina nobilis Horsf., P. in-
signis Horsf., P. lönfjicatida n. sp., P. ohscura n. sp., P. antiicola n. sip,,
Rhinolophus Borneensis n. sp., R. euryotis Temm., R. rufus n. sp.,
R. philippinens. W'alerh., Taphozous philippinensis VVaterh., Emballo-
nura discolor n. sp. , Miniopterus trislis Walerh. sp., RI. blepotis
Temm. (= Vespertiiio Escholtzii Walerh.), iM. auslralis Tomes, Ve-
perugo sp. pull., Vespertiiio (Kerivoula) pictus, V. (Kerivoula) Hard-
wickii llorsf., Nyctircjus Temminckii Horsf.
Blecke r's Reise durch Minahassa 1861 mit Notizen
über die Säugethierfauna der durchreisten Gegend ist mir
nur aus Citalen bekannt geworden.
Tennen t hat den naturhistorischen Inhalt seines fru-
der Säugethiere während des Jahres 1861. 87
heren Werkes über Ceylon (s. den vorjährigen Bericht) in
ausführlicherer Bearbeitung als Sketches of the Natural
History of Ceylon etc. London 1861 herausgegeben.
Als Säugethiere des westl. Elbrus oderPersiens über-
haupt werden vonKotschy (Mittheilungen der k. k. Geo-
graph. Gescllsch. Wien. 1861. p. 102 ausser den Hausthie-
ren noch folgende angeführt : der Löwe, Tiger, Ursussyria-
cus Ehrb., wilde Esel, der westasiatische Steinbock (?) Ae-
goceros Aegagrus, 2 Arten Gazellen, Wildschweine, der
Fuchs, Hasen und Stachelschweine.
Der Methode, nach welcher in jedem Jahre ein gros-
ser Theil der neuen Säugethierarten aufgestellt wird, näm-
lich mit Vernachlässigung aller anatomischen Charaktere
selbst der specielleren Form des Gebisses, ist es wohl zu-
zuschreiben, dass in vergangenem Jahre auch zwei Rei-
sende den Versuch gemacht haben, ihr gesammeltes Material
der eigenen Bearbeitung zu unterwerfen und sich so auf
ein Feld zu begeben, welches sonst nur als eine Specialität
angesehen zu werden pflegt. Das Schicksal, um eine Menge
neuer Namen jedoch ohne der Wissenschaft entsprechende
Untersuchungen vermehrt worden zu sein, hat vorzugs-
weise die Fauna Afrika's getroffen. Wir nennen zuerst das
Verzeichniss der Säugethiere von den Küsten des rolhen
Meeres und der Somali -Küste, in welchem v. Heu gl in
(Peterm. Millheil. 1861. p. 13 — 19) folgende Säugethiere
anführt: 'n«'/!
Cynocephalus Haniadryas (C. Bahuin Desm. fand sich nirgends
an der ostafrik. Küste, C. Doguera Pucher., in Central-Abyssinien und
am weissen Nil), Cercopithecus griseoviridis Desni. (C giiseus Fr.
Cuv., C. sabaeus J. Geoffr.), (C. ruber L. , C. pyrrhonotus £hrenb.
und C. poliophaeus Heugl. finden sich noch im nordöst, Afrika, aber
nicht an der Küste des rothen Meeres), Rliinolophus clivpsus Rüpp.,
Nyctinonuis puniilus Hüpp. , Synotus leucomelas Rüpp., Vesperngo
marginatus Rüpp. (V. albolimbatus Küsl.) , Crocidura crassicaudata
Ehrenb., Viverra civetla, Genetta senegalensis Cuv., Herpestes graci-
lis Rüpp., //. adailensis n. sp., H. fasciatus üesni. (H. zebra Rüpp.),
Canis aureus var. lupaster Ehrb. und var. variegatus Rüpp., C. me-
somelas, C. niloticus, C. famelicus, Lycaon pictus, Hyaena striata,
H. crocuta, Felis leo, F. pardus, Cynailurus gultatus, Lynx caracal,
Sciurus mullicolor, Xerus leucumbrinus, X. rutilus, X. Dabagala n. sp.^
Eliomys melanurus, Scirletes anlacotis^ Dipus aegyptius^ D. hirtipesi
88 Ilenscl: Bpiicht Ob. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
D. mncrotarsus, Pectinator Spekei Blylh, Mus fcclorum, M. praetextu«»,
M. variegatns, M. albipes, M. leucoslernum, M. ßavigastcr n. sp.,
Aconiys cahirinus, A. ditnidiatus, A. russatus , Alciioncs dasyurus,
Ilyslrix cristata, Lepus aegyplius, L. arabicus, L. sinailicus, L. habes»
sinicus, L. sowalensis n. sp., L. herberanus n. sp., Orycleropus aelhio-
picus, Eqiius asiniis, E. tacniopxts n. sp., Elephas africaniis, Rhiiio-
ceros afiicanus ? (Rh. cuciiUalns Wagn., soll in den Abyssinischen
Gebirgen vorkommen), Phacochoenis Aeliani, Hyrax syriacus, H. abys-
sinicus, Antilope Doicas, A. arabica, A. Soemnieringii, IVanotragus
Hcmprichianiis, Kedunca bohor, R. defassa, Cephalolophirs (die ge-
bräuchliche Schreibweise „Cephalophus" lässt sich grammatikalisch
nicht rechtfertigen, Ref.) madoqua, Calotragus saltatrixoides, lUppo-
tragus beisa, Tragelaphiis strcpsiceros, T. decula, Ibex beden, Aego-
ceros tragelaphiis, Camclopardalis giraffa, Halicore diigong, Balae-
noptera sp.?, üelphinus abusalam.
Hirran schliessen sich des Verf. „Beiträge zur Fiuina
der Säugelhiere N. -0.- Afrika's. Jena 1861" (Nova Acta
Akad. Leop. XXIX. 1862), welche folgende Arten enthalten:
Nycteris labiafa n. sp., Rhinolophus minimus n. sp., /{. acrolis
n. sp., R. clivosns, Vhyllorhinn bicornis n. sp., P. megalolis n. sp.,
IN'yctinomus pumilus, N. vcntralis n. sp., IS. Livillatus n. sp., Synotus
leuconjelas, Vesperugo marginatus, V. hesperida Tenim., Nycticejus
flavigaster n. sp. , JN". inurino - flatiis n. sp. , Rateins sp., Erinaceus
pecloralis n. sp., Herpesles jodoprymnns n. sp. Die Diagnosen der
neuen Arten, welche bloss kiirzgefasste Beschreibungen des Aussehens
sind, werden im speciellen Theile des Berichts, soweit es der be-
schränkte Raum gestattet, mifgelheilt.
Nach den Alitlheilungen v. Heuglin's finden sich
auf Sokolra Schafe, Ziegen, Kameele, Rinder, Trupps wil-
der (oder verwilderter?) Esel, Civetlen, Schakale und Ga-
zellen (Peterm. Mitlheil. 186]. p. 150).
Noch weit über die Arbeiten Heuglin's hinaus ge-
hen Du C h a i 1 1 u's — Explorations and Advenlures in
Equatorial Africa. London 1861. 8., ein Buch, welches durch
die Schilderungen zahlreicher Abenteuer in kurzer Zeil
vielfache Auflagen erlebt hat. Der Verf. hatte als erstes
Resultat seiner Reisen am Gabun schon im Jahre 1860 die
Beschreibungen einer Anzahl neuer Säugethierspecies (Proc.
Bost.Soc.) bekannt gemacht, welche erst jelzt in dem spe-
ciellen Theile unseres Berichtes mitgetheilt werden konn-
ten. Darauf hat der Verf. der Beschreibung seiner Reise
nicht bloss zahlreiche Notizen über schon bekannte oder
der Säugethiere während des Jahres 1861. 89
die von ihm erst aufgestellten Säugethierarlen eingewebt,
sondern auch einen Theil der letzteren abgebildet. Während
jedoch das Publikum mit grossem Interesse das Reisewerk
des Verf. aufnahm, hat dieses von Seiten der Wissenschaft
eine strenge Kritik erfahren. Geographen haben dem Verf.
zahlreiche Widersprüche in Bezug auf die Orlsverhältnisse
der Länder am Gabun nachgewiesen, und von Zoologen
sind die neuen Arten des Verf. mit schon längst bekannten
identificirt worden, ja man hat sogar die von ihm gegebenen
Abbildungen jener als Plagiate dargestellt und auf bildli-
che Darstellungen bekannter Arien zurückgeführt. Doch sind
die Angriffe, welche der Verf. erfahren hat, nicht allgemein
gewesen, sondern haben unter den Zoologen Englands
(Gray und Owen) selbst wieder zu einem oft heftigen
Streite geführt, der hier nur so weit berücksichtigt werden
kann, als er nicht in der Tagesliteratur (vergl. z. B. Athe-
naeum 14. Sept. 1861 etc.) ausgekämpft wurde. Obgleich
man der Kritik, die Gray gegen Du Chaillu geübt hat,
vollkommen beipflichten muss, so wird man doch von einem
unparteiischen Standpunkte aus, und wenn man bloss die
Literatur berücksichtigt, zn der Frage veranlasst, warum
denn der Troglodytes calvus weniger Recht auf Selbst-
ständigkeit habe als z, B. ein Colobus angolensis, oder ob
Sciurus rubripes schlechter charakterisirt sei als ein S. splen-
dens ? Haben die Gegner Du Ghaillu's Recht, so ist das
Verfahren desselben auf dem Gebiete der Naturgeschichte
ein so verwerfliches, dass man unwillkührlich zu der An-
sicht gedrängt wird, dem Verf. sei es mit seinen Bereiche-
rungen der Naturgeschichte gar nicht Ernst gewesen, es
habe ihn vielmehr nach dem Ruhme eines zoologischen
Cervantes gelüstet. Und wenn der Verf. z. B. die Abbil-
dung des Anomalurus ßeecroftii benutzt hat, um seinen A.
Beldeni zu illustriren, so möchte man vermulhen, er habe
dadurch bloss auf den geringen wissenschaftlichen Werlh
solcher Abbildungen ganzer Thiere hinweisen wollen, an
denen oft nicht einmal die Ordnung, selten oder niemals
die Species zu erkennen sei, so dass sie also recht gut zur
bildlichen Darstellung mehrerer Arten verwendet werden
könnten.
90 Ilcnsel: Bericht flb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Was nun der Inhalt des Reisewerkes Du Chaillu's betrifft,
so soll hier bloss Folgendes bemerkt werden: p.471 zählt der Verf.
nachstehende Säugelhiere als zur Fauna West - Afrikas gehörig auf.
— Neue Arten: Tioglodytes cahus, T. koolo - kamba ■'), Tracjelaphus
alboviryalus, Genella Fieldiana , Anomalurus Beldeni, A. sp. inde-
term., Cercopitliecits 7)i(iripes , Ololicnns apicalis , Cynogale velox,
Sciurus Nordhofß, S. eborivoriis, S. Wilsoni, S. siibalbidus, S. ru~
bripes, S. minulus, Manalus Oweni. — Bekannte Arten: Troglodytes
Gorilla, T. niger, Elephas africanus, Hippopotanuis, Bos brachiche-
ros(?), Tragelaphus silvicullrix, T. sp. indet., Leopardus varius, Ga-
zella 4 sp. indet., Canis aureus, Geneita Aubryana, G. poensis, llyaena
striata, Hystrix crislata, Colobus Satanus, Presbytes albigena, Cerco-
pithecus nielanogenys, C. cephus, C. sp. indet., Cercocebus (Mangabet
ä Collier), Cynocephalus mormon, Otolicnus Pelii, Sciurus 3 sp. indet.,
Sorex odoratus, Vespertilio ininutus, V. 2 sp. indet., Anomalurus Fra-
seri, Lutra sp. indet., Pangolin. — Die Abbildungen, welche der Verf.
gegeben hat, werden im speciellen Theilc des Berichtes bei den be-
treffenden Arten angeführt.
In den Ann. Mag. Nat. Hist. 1861. Vll. p. 463—470
und VIII. p. 60 — 65 stellt Gray seine Deutung der von
Du Chaillu beschriebenen oder angeführten Arten in
Kürze zusammen.
TroglodytesL calvus und T. kooloo-kamba = T. niger; Trage-
laphus albovittatus =: Antilope euryceros Ogilby; Potamochoerus
albifrons = P. penicillatus ; Genetta Fieldiana == G. pardina J. Geoffr.;
Anomalurus Beldeni = A. Derbianus Gray (A. Fraseri Waterli.); A.
„not described yct" = A. Beeciofti Fräser ; Cercopilhccus nigripes =
C. Erxlebenii Dahlb., Puch., Otolicnus apicalis, wahrscheinlich =
Galago crassicaudatus ; Cynogale (Potamogale) velox, vielleicht ein
Kager, Fiber, Ilydromys oder Castor, für den die Galtung 3lystomys
errichtet v\ird; Sciurus Nordhoffii und S. eborivorus = S. Stangeri
Waterh.; S. Wilsonii, wahrscheinlich S. mutabilis Peters; S. subal-
bidus = S. rufobrachium Waterh. ; S. rubripes = S. pyrrhopus F.
Cuv. ; S. minulus = S. palliatus Peters; Manalus Owenii = M. se-
negalensis.
In der Nat. Hist. Rev. 1861, p. 288—296, befindet sich
eine Uebersicht der Säugethiere des aequatorialen Afrika,
besonders nach den Angaben Du Chaillu's, wobei zu-
gleicii die neuen Arten dieses Autors grösstentheils auf
schon bekannte zurückgeführt werden:
Troglodytes calvus und T. koulo- kamba — wohl nicht ver-
*) Der Verf. schreibt an anderen Orten auch „Kooloo."
der Säugethiere während des Jahres 1861. 91
schieden von T. niger; vielleicht bezieht sich auch eine der beiden
Arten auf T. Tschego Duvern. — Colobus satanas Waterh., Ctrco-
pithecus erythrotis, C. Cainpbellii, C. pogonias = C. nigripes Du
Chaillu, C. (cercocebus) coUaris, Presbytes albigena Gray, Otolicnus
apicalis Du Ch., Canis inesonielas?, Geneita poensis, G. pardina ==
G. Fieldiana Du Ch., eine Lutra = Cynogale (Potamogale) velox Du Ch.,
Tragelaphus albo - virgatus Du Chaillu, A. nach Gray = Antilope
euryceros Ügilb., Cephalo(lo)phus sylvicultrix, C. badius, C. Ogilbyii
und ein sicher neuer Ilyomoschus aquaticus, Bos brachyceros, den
Du Ch. für eine noch unbeschriebene Art erklärt (siehe jedoch den
Appendix zu Du Ch. Reise p. 471), Hippopotamus, jedenfalls amphibius,
Potamochoerus penicillatus, von Du Ch. nach unbedeutenden Abwei-
chungen als P. albifrons beschrieben, Sciurus erylhrogenys, S.Stangeri,
S. pyrrhopus etc., Anomalurus Fraseri, A. Beecrofti, von Du Ch. als
A. Beldeni beschrieben, Du Chaillu's Manatus ist entweder M. se-
negalensis oder M. Vogelii, wenn diese überhaupt von einander ver-
schieden sind.
Da ich in unseren Jahresberichten die von Levail-
lant herrührende Bearbeitung der Säugethiere in der
Exploration scient. de l'Algerie noch nicht erwähnt finde,
so will ich nicht unterlassen, zu bemerken, dass mir von
derselben bloss ein Heft vor längerer Zeit bekannt gewor-
den ist, welches 7 Tafeln Fol. mit vortrefflichen Abbildun-
gen, jedoch ohne irgend welchen Text, ohne Angabe des
Verfassers und einer Jahreszahl enthält.
Abgebildet sind : auf PI. I. Felis serval, PI. II. F. caracal, PI. III.
F. lybicus, PI. IV. fig. 1. iMus barbarus, fig. 2. Sorex agilis, mihi (Le-
vaillant?), fig. 2, A u. B. die Ohrmuschel desselben vergrössert, fig. 3.
Mus alexandrinus, PI. V. fig. 1. Mus chamoeropsis, mihi, fig. 1 A. die
Vorderzähne desselben vergrössert, fig. 2. Gerbülus campestris, mihi,
fig. 2, A. die Vorderzähne desselben vergrössert, PI. VI. Gerbillus
Savvii *), PI. VII. Ovis tragelaphus. Die Auswahl dieser Abbildungen
zeigt hinreichend, dass es sich um eine streng wissenschaftliche Be-
arbeitung der Säugethiere nicht gehandelt hat, so dass man den
muthmasslichen Stillsland des Unternehmens wohl nicht bedauern kann.
E. Boll (Abriss der mccklenburg. Landeskunde. Iste
Lief. Wismar 1861. 8. p. 133— 139) gab eine Uebersicht der
Säugethiere Mecklenburgs, ohne jedoch auf genaue styste-
matische Benennungen einzugehen. Die Zahl der Säuge-
thierarten beträgt nach der Angabe des Verf. ungefähr 75,
*) Nach dem Citate bei Loche (calalogue etc.) ^Shawil".
92 Ilensel: IJcricht üb. d. Leistunf^en in d. Naturgeschichte
darunter 24 (?) fremde und nur gezüchtete, worunter ge-
gen 16 Hundearten (?), 2 Arten sind eingewandert, 4 leben
in der Ostsee. Auerochse, Elen und Renn in vorhistorischer
Zeit, der Bär erst um die Mitte des vorigen Jahrhunderts
ausgerottet. Der letzte Luchs soll 1758 erlegt worden
sein. Wenn der Wolf ausgerottet wurde, ist unbekannt,
die Biber sind seit Ende 1789 verschollen. Die wilde Katze
ist vertilgt.
Materialien zur bairischen Fauna hat Ja ekel geliefert
(Corresp.-Blatt d. Zool.-min. Ver. zu Regensburg. 15. Jahr-
gang 1861).
r. 97 — 113: Aivicohi glareolus, amphib., nival., agrest., cam-
pest., arval., subterran. — p. 146— 157: Mus decuman., rattus, muscul.,
sylvatic. (rallulus Koch), agraiius, niinut. Am Ende der ersten Ab-
theilunf^ rccensirt der Verf. eine zu München geluönte Abhandlung
über die beste und wohlfeilste Art die Feldmäuse zu vertilgen, wobei
er gleichfalls zahlreiche Notizen über die Lebensweise der schädlichen
Säugethiere Baierns gieljf.
Büchele's Wirbelthiere der Memminger Gegend,
Memmingen 1860. 8., als Beilage zum Jahresberichte des
Naturhistorischen Vereins zu Augsburg, hat Hub er her-
ausüfcben. Aufgezählt werden 7 Fledermäuse, 6 Insektivoren,
9 Carnivoren, 14 Nager und 1 \Yiederkäuer. Die Bestim-
mung der Arten ist nach Blasius gemacht.
Ein Vcrzeichniss der im Bezirke der Wetterau vorkom-
menden Säugethiere lieferte Jäger (Jahresbr. der >yett.
Gesellsch. Hanau 1861. p. 37— 70). Der Verf. zählt 50 Arten
auf: 14 Fledermäuse, 7 Insektivoren, 9 Carnivoren, 16 Nage-
thiere, 4 Ungulaten.
Kress lügte dem von ihm früher gegebenen Ver-
zeichnisse der Säugethiere des Steigerwaldes folgende hinzu :
Arvicola subterraneus, A. agrestis, A. glareolus, Vesperugo
Leisleri, Vespertilio Nattereri, Sorex pygmaeus. (Fünlter
Bericht der nat. Gesellsch. in Bamberg 1861. p. 46 — 47.)
Als Bewohner der Marmarosch führt Roxer (Ver-
handl. des Ver. für Naturk. V. Presburg 1860—61. p. 16)
Hirsche, Rehe, Hasen (wenig), Schwarzwild (Wechselwild),
Bären (jährlich gegen 100 Stück geschossen), Wölfe (mehr
als 200 jährlich gefangen), Füchse, Bainiimanler, Luchs
(jährlich einige Stück erlegt) auf.
der Süugethiere während des Jahres 1861. 93
Kornhub er, Synopsis der Säiigethiere Ungarns (im
siebenten Jahresprogramme der Presburger Ober-Realscliule
1857) ist in unseren Berichten noch nicht erwähnt und auch
mir jetzt nur aus einem Citale bekannt geworden.
Zur Säugethierfauna von Kaschau gehören nach Jcil-
teles (Verhandl. d. Ver. f. Naturk. V. Presburg 1860—61.
p. LXXXVI):
Vespertilio cilialus, V. Bcchsteinii, Vesperugo INilssonii, Y. Na-
thusii, Mus hortulanus (= Nordmanni Bl. et Keys.), wahrscheinlich
auch Foetorius sarmalicus und Erinaceus auritus , Muslela lutreola
scheint nicht selten zu sein.
lieber die dem Ackerbaue nützlichen oder schädlichen
Säiigethiere Belgiens Hess sich S el y-L on geh amp s ver-
nehmen (Bull. Acad. sc, Bruxelles 1861. p. 576 — 589).
Marcotte, Les animaux vertebres de l'arrondisse-
menl d'Abbeville. Abbcville 1860. Ist mir nicht zugäng-
lich gewesen.
Nardo's systematische Tabelle der Thicre der Vene-
tianischen Provinz, Venedig 1860, ist mir nur aus einem Citate
bekannt geworden.
Ueber Crotsch's Fauna von Schettland siehe den
Zooi. 1861. p. 7337.
Von DroueTs — Elements de la faune A(;.oreenne.
1 Vol. 4. Paris 1861, ist mir nur der Titel bekannt geworden.
Boss zählt folgende Säiigethiere als Bewohner der
arctischen Region zwischen 62 und 61^2^- ß^« i" Amerika
auf (N. Edinb. Journ. 1861. Xllf. p. 162):
Sorex Richaidsonii, Lynx canadensis, Canis faniiliaris var, lago-
pus, Vulpes lulvus, decussatus, argentatus, lagopus, borealis (blau),
Mustela americana, Putoiius Kichardsonii, P. vison, Gulo luscus, Uisus
arctos, aniericanns, Sciurus hudsonius, Tamias quadrivittatus, Arctomys
nionax, pruinosus, Caslor canadensis, llesperoinys cognatus, myoides,
sonoriensis, Arvicola Gapperi, riparia, xanthognalhns, Fiber zibethicus,
Erethizon epixanlhus, Lepus americanus , Rangifer groenlandicus,
Aploceros montanus, Ovibos mosohatus.
Ueber die Säugethiere der arktischen Region berichte^
nach Torell Peterm. Geogr, Mittheil. 1861. p. 56 — 57.
Den IN'orden besuchen oder bewohnen: Delphinus globiceps,
D. orca, I). phocaena, Balaenoptera rostrata, B. hoops, ßalaenoptera
gigas (physalus), Balaena niyslicelus, Hyperoodon borealis, Delphi-
napterus leucas, Monodon nionoceros, Phoca vituliua, P. groenlandica,
94 llcnsel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
P. foelida (annellala) , P. barbata, Cystophora cristata, Trichechus
iosn)aru3, Uisus arctos? aniericanus, U. niaritimus, Gulo luscus, Mu-
slela eiininea, M.vison, Lulra canadensis, Canis lupus, C. lagopusund
var. fuliginosa, riber zibelhicus, Arvicola xanthognalus, A. pcunsyl-
vanicus, borealis, trimucronatus, hudsonius, Arctoinys Parryi, hepus
glacialis, Cervus tarandus, Ovibos moschatns.
Eine Aufzählung der von M'Clintock auf seinen
Polarexpedilionen gesammelten Säugelhiere gab Walker
(Journ. Dubl. Soc. 1860. p. 75u. 76):
Ovibus rnoschatus, Canis lagopus, Lepus gracilis, Myodcs hud-
sonius, Ursus raaritimus, Mustela erminea, Phoca barbata, Delphinapte-
vus ieucas.
Ri chardson's: The Polar Regions. Edinburgh 1861. 8.
Andcrsson's: The Okavango river ; a narrative of tra-
vel etc. London 1861. 8. mit Bemerkungen über die Thier-
welt der gesammten Gegenden sind mir nur den Titeln nach
bekannt geworden.
Die Pelzlhiere des Mackenzie- Distriktes bearbeitete
in populärer Weise R. Ross (Canad. Nat. and Geol. 1861.
p. 5 — 36). Der Verf. beschreibt jede Art nach Farbe und
Form oft in eingehender Weise, giebt wichtige Notizen
über Verbreitunor und Lebensweise und schliesst mit den
verschiedenen Methoden des Fangens.
Die Arten sind : Lynx canadensis, Canis occidenlalis var. gri-
seus, C. familiaris var. borealis et lagopus, Vulpes fiilvus, V. lago-
pus var. lagopus (white fox) und borealis (blue fox), 3Iustela Pen-
nanti, M. americana, Putorius vison, Gulo luscus, Lulra canadensis.
Kur namentlich erwähnt werden Ursus americanus, ü. horribilis, U.
marilimus, U. arctos.
Ross hat diejenigen Thiere aufgezählt, welche für
die Oekonomie der Chipewyan-Stämme eine Bedeutung ha-
ben (Can. Nat. VL 1861. p. 433—441).
Die Säugethiere sind: ^Vulpes,' Ursus aniericanus, U. horribilis,
U. arctos, Arctomys pruinosus, A. Kennicotlii n. sp., A. inonax, Ca-
stor canadensis, Erelhizon, Lcpus aniericanus, Alces aniericanus, Ran-
gifer caribou, R. arclicus, Bos americanus, Ovibos nioschatus, Aplo-
cerus montanus.
Ein Verzeichniss der Säugethiere von Montreal hat
A. Hall gegeben (Can. Nat. 1861. p. 289— 309). Die Ar-
ten sind jedoch nur nach Farbe und allgemeinem Habitus
beschrieben.
der Säugethiere während des Jahres 1861. 95
Vespertilio pruinosus, V. subulatus, V. noctivagans (Auduboni
Hartl.), Sorex palustris (Richardsonii ßaird), S. Forsteri, Scalops ta-
nadensis (Blarina talpoides Baird), Condylura cristatn, Ursus america-
nus, Procyon lotor, Meles labradoriciis), Mustela erniinea, M. vulgaris,
M. lutreola, M. martes, M, aniericana, M. canadensis, Wephilis anieri-
cana (inephitica Baird), Lutra canadensis, Canis lupus (occidentalis
var. griseo-albus), C. fulvus, C. cinereo-argentatus, Felis concolor,
F. (lynx) canadensis, Phoca vitulina, Sciurus (Tamias) striatus, S. hud-
sonius, S. niger, S. carolinensis, Pleromys volucella, Arctomys nionax,
A. enipetra, Mus decnmanus, M. niusculus, M. agrarius (Ilesperomys
leucopus Baird), Geibilius canadensis , Fiber zibelhicus, Arvicola xan-
thognathus (Gapperi ? Baird), Castor fiber (canadensis), Hystrix dorsata,
Lepus americanus, C. alces, C. virginianus, Delphinapterus leiicas.
Der von Newberry mitgetheilte zoologische Bericht
der Routen Californien und Oregon aus den Explor. and
Surv. for a Railroad Route etc. VI. Washington 1857, ent-
hält folgende Säugethiere mit den grösstentheils wörtlich
aus Baird's Mammals etc. wiederholten Diagnosen:
Sorex vagrans Cooper, S. Suckleyi Baird, Scalops (Scapanus)
Townsendii, Felis concolor, Lynx rufus, L. fasciatus, Canis occiden-
talis var. griseo-albus, C. latrans, Vulpes macrourus Baird, V. velox,
V. (Urocyon) virginianus, V. littoralis Baird, Bassaris asluta, Mustela
aniericana, M. Pennanlii, Putorius xanthogenys, P. vison, Lutra cali-
fornica Gray, Enhydra niarina, Mephitis occidentalis, M. bicolor,
Taxidea aniericana, Procyon Hernandezii, Ursus horribilis, U. ameri-
canus, Otaria sp.?, Phoca sp.?, Didelphys californica Bennett., Sciu-
rus fossor, S. Douglasii, S. Dougl. var. Tamias Townsendii, T. qua-
drivittatus, Spermophilus Douglasii, S. Beecheyi, S. lateralis, Aplo-
dontia leporina, Castor canadensis, Thomomys borealis, Jaculus hud-
sonius, Wus decumanus, M. musculus, Hesperomys Gambelii, Arvicola
Townsendii, A. longircstris, A. montana, Fiber zibcthicus, Erethizon
epixanthus, Lepus campestris, L. californicus, L. artemisia, L. Audu-
bonii, L. Trowbridgii, Alce americanus, Cervus canadensis, C, leu-
curus, C. macrotis, C. columbianus, Antilocapra americana, Ovis mon-
tana, Bos americanus.
Vol. X. 1. c. findet sich ein Bericht von Baird über
die Säugethiere der Route des 38 und 39^ Breilengrades,
der folgende Arten enthält:
Sciurus Fremontil, Tamias quadrivitlatus, Cynomys Gunnisonii,
Geomys castanops, Thomomys rufescens, Dipodomys Ordii, Perogna-
thus flavus, Jaculus hudsonius, Reithrodon monfanus, Arvicola mo-
desta. Die Diagnosen und Synonyme sind aus Baird's Mammals etc.
entlehnt, die beigegebenen Tafeln enthalten keine INamensangaben der
96 Honsel: Bericht üb. d, Leistungen in d. IVaturgeschiehte
dargestellten Thieie, auch ist weder im Texte ein Hinweis darauT
enthalten, noch giebt er eine besondere Erklärung der Abbildungen,
da diese aus IJaird's Mammals etc. genoniiiuMi sind und also leicht
bestimmt werden können.
Vol. XII. II des Reports of Explor. and Surv. ete. for a
Railr. from Ihc Mississipi to the Pacif. Oceaii, Washinfflon
1860 enthält in Part III. p. 73—139 die einzelnen Berichte
über die Säugetiiierc des 47^ und 49*^ Breitengrades von
Cooper, Gibbs und Suckley, die hier zusninmengo-
fasst werden sollen. Die neuen Arten sind schon in Baird's
Gen. Rep. 1857 beschrieben, hier aber nebst den meisten
anderen nochmals mit Diagnosen versehen worden. Die
berücksichtigten Arten sind :
Neosorex navigator Coop., Sorex vagrans Coop., S. Trowbridgii
Baird, S. Suckleyi Baird, Scalops Townsendii Bach., Condylura, Uro-
trichus Gibbsii Baird, Felis concolor, byux fasciatus, L, rufus, Canis
occidentalis var. griseo-albus und nuhilus, C. lalrans, C. familiaris,
Vulpes macrourus var. decussalus und cinereo-argenlalus, V. (Uro-
cyon) virginianus, Bassaiis astula, Mustcla Pennanlii, 31. aniericana,
Putorius pusillus, P. Cicognanii, P. Richardsonii, P. longicauda, P.
vison, Lutra calirornica, Enhydra marina, Mephitis niephilica, 31. oc-
cidentalis, AI. bicolor, Taxidea aniericana, Procyou ilernandezii, Ursus
ainericanus, ü. horribilis, Phoca, Sciurus fossor, S. Richardsonii, S.
Douglassii, Pteromys oregonensis, Tamias quadrivitlalus T. Townsendii,
Spermophilus Beecheyi, S. lateralis, S. Douglassii, S. tredccini-linea-
tus, Cynomys ludovicianus, Arctomys llavivenler, Aplodonlia leporina,
Caslor canadensis, Dipodomys Philippii, Thoniomys Douglassii, Pero-
gnalhus fascialus, P. nionlicola, P. llavus, Jaculus hndsonius, Mus de-
cunianus, llesperoniys Ganibelii, II. austerus, H. ßoylii, II. caliiorni-
cus, H. sonoriensis, Neoloma fuscipcs, IN, occidentalis, IN. cinerea,
Arvicola Townsendii, A. Oregoni, Piber zibelhicus, Lepus Washing-
tonii, L. Trowbridgii, L. canipestris, L. calüornicus ?, L. callolis,
L. artimisia, Aloe aniericana, Cervus canadensis, C. colunibianus, C.
leucurus, C, virginianus, C. macrotis, Aulilocapra aniericana, Aplo-
cerus niontanus, Ovis nionlana , Bos auiericanuS; das Bind und
das Pferd.
Eine wesentliche Bereicherunij unserer Kenntniss der
nordamerikanischen Säugelhicre hat der Prinz Maximilian
zu Wied (unser Archiv 1861. p. 181—288. Taf. VIII)
geliefert.
Der Verf. beschreibt ausführlich folgende Arien: Nyclicejus
pruinosus Say, K. lasiurus Schreb., N. novaeboracensis ErxI., Vesper-
der Säugethiere während des Jahres 1861. 97
tilio ursinus, V. pulverulentus, V. subulatus ?, V. brevirostris?, Sorex
talpoides (S. brevicaudus Say), Scalops aquaticus, Ursus americaflus,
ü. ferox, Procyon lotor, Meles labradoria, Gulo luscus, Mephitis me-
somelas, M. chinga, Mustela canadensis, Putorius novaeboracensis (P,
longicauda Bonap.), P. pusillus, P. vison, Lutra canadensis, Canis
lupus, C. variabilis, C. lalrans, C. fulvus, C. virginianus, C. velox,
Felis concolor, F. rufa, Didelphys [virginiana. "Abgebildet ist der
Penisknochen des Lupus variabilis, Canis latrans, C. virginianus, C.
velox, Putorius vison, Lutra canadensis, Procyon lotor, des Hermelins
von Missouri. (Auffallend ist, dass der Verf. das Weissvverden des
deutschen Hermelins im Winter läugnet, da man doch im Frühjahre
und Herbste alle Farbenübergänge leicht beobachten kann.)
Cooper: On new Californian animals, Cal. Proc. II.
1861. p. 118, ist mir nicht zugänglich gewesen.
Nachträglich hat de Saussure zu den von ihm beob-
achteten Säugethieren Mexiko's (vgl. vorj. Bericht) nocii fol-
gende Arten hinzugefügt (Rev. et Mag. Zool. 1861. p. 3 — 5):
Arvicola (HemiotomysJ mexicanus n. sp. , Reithrodon Sumi-
cÄrasfi n. sp,, Vulpes virginianus (Erxl.), Baird, Cercoleptes caudivol-
vus, Sciurus carolinensis Gniel., Baird, S. variegatus Erxl., S. hypo-
pyrrhus Wagl.
Die von Arth. Schott herrührende Bearbeitung der
Säugethiere in Lieut. Michler's Report of his survey for
an interoceanic ship canal near the Isthmus of Darien (1860 ?)
ist mir noch nicht zugänglich gewesen.
Ramon de la Sagra: Historia fisica, economica etc.
de la isla de Cuba, n. edic. considerablemente aumentada,
Paris 1861, ist mir nicht zugänglich gewesen, es ist mir
daher auch unbekannt geblieben, ob die Bearbeitung der
Säugethiere eine Erweiterung erfahren hat.
Nach Tom es wurden von Osburn in Jamaica folgende
Säugethiere gesammelt (Proc. Zool. Soc. 1861. p. 63 — 69):
Mus rattus, M. tectorum, Capromys brachyurus Hill, Arctibeus
perspicillatus (Vespertilio persp, L.), Arctibeus brachyotus (Phyllo-
stoma brach. Pr. 31ax.) , Monophyllus Redmanii Leach, 3Iacrotis Wa-
terhousii Gray, Phyllonycteris Poeyi Gundl., INatalus stramineus Gray,
Mormoops Blainvillii Leach, Chilonycteris quadiidens Gundl., C. Osburni
Tomes n. sp., Koctilio americanus, Molossus furaarius Spix, ISyctino-
mus nasutus (nas. Spix).
Eine von Salvin in Guatemala gemachte Sammlung
enthielt nach Tomes (Proc. Zool. Soc. 1861. p. 278— 288)
folgende Säugethiere :
Archiv f. Naturg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd. G
98 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Desmodus rufus Pr. Max., Glossophaga Leachii (Monophyllus
Leach, Gray), Slurnira sp. ?, Scotophilus ursinus, So/ea: mic7ttr?/s n. sp.,
Lutra chilensis Benu., Felis mitis, F. Cuv., Cercoleptes caudivoivus,
Kasiia fusca, Mephitis mesoienca Licht.?, Vulpes cinereo-argentatus,
Dasyprocla aguti, Lepus palustris Bach. (L. Douglasii Gray), Sciurus
ludovicianus Cust. (S. magnicaudatus llarl., S. rufiventcr Desm,, S.
macroura Say, S. subauratus Bachin.), S. carolinensis, S.sp,?, S. sp. ?,
Pteromys volucella, Sigmodon Berlandieri Baird, Mus niusculus, Neo-.
toma ferruginea n. sp., Hesperornys sp.?, H.sp.?, Reithrodon longi-
cauda Baird, H. niexicana Sauss., Hesperoinys (Myoxomys) Sahinii n. sp,,
Dasypus niinutus Desm., Dideiphys californica Benn., 1). quica IValt.
In einer zweiten Sendung befanden sich: Felis yaguarondi,
Mustela frenata, Dicotyles torquatiis, Tamandua telraclyla, Dasyprocta
Azarae Licht. (F). punctata Gray), Cercolabes novae-hispaniae ßriss.,
Coelogenys paca.
in einer systematischen Uebersiclit der Säugelhiere des
La Plata-Gebieles zum Theil mit ausführlichen Beschreibun-
gen dcrsell)en zählt ß iirm e ist er (Reise durch die La Plata-
Staaten. Bd. IL Halle 1861. p. 389— 432) folgende Arten auf:
Mycetes Caraya, Cebus Fatuellus, Callithrix personata, Hapale
penicillata, Dysopes multispinosus n. sp. , D. naso, Plecotus velatus,
Vespertilio Isidori , V. villosissimus, V. (Vesperugo) nigricans, V.
ruber und furinalis (diese vier Arten hat der Verf. selbst nicht ge-
funden), Nycticejus bonariensis,. Felis Onca, F. coiicolor, F. Geoffroyi,
F. Payeros, Canis (Chrysocyon) jubatus, C. (Lycalopex) entrerianus
n. sp., C. (Pseudalopex) niagellanicus, C. Azarae, C. gracilis n. sp.,
Mustela sp., Galictis vitlata, G. barbara, Mephites patagonicus, Lutra
paranensis, L. platensis (nach Waterhouse) Nasua solitaria, Di-
deiphys Azarae, D. elegans, RcUhrodori typicus, Hesperornys squamipes,
H. longicaudalus, IL arcnicola , II. biniaculatus, Myopotamus coypus,
Ctenomys brasiliensis, Lagoslomus trichodactylus , Lagidium Cuvieri,
Dolichotis patagonica, Cavia leucopyga, Anoema leucoblcpJiara n. sp.,
Hydrochoerus Capybara, Dasypus (Tylopeules) conurus, D. (Euphractus)
villosus, D. minutus , Prnopus n. gen. hybridus, Chlaniyphorus
truncatus, Auchenia Lama, A. vicunna, Cervus paludosus, C. campe-
slris, C. rufus, Dicotyles torquatus, Tapirus suillus.
Philippi's Reise durch die Wüste Atacama mit einer
Karte und 27 Taf. Halle 1860 enthält, wie ich aus Peter-
mann's geogr. Mittheil. 1861 ersehe, auch eine Bearbeitung
der Fauna der genannten Gegend.
Erst nach Absendung des Manuskriptes hatte ich Gelegenheit,
Philippi's Reise U.S.W, zu benutzen, so dass die daselbst neu aufge-
stellten Arten : Ctenomys fulvus, C. atacaniensis und Mus capito erst
im Berichte für das folgende Jahr genauer erwähnt werden können.
der Säugethiere während des Jahres 1861. 99
Dass Nissen über einige Hausthiere Südamerika's,
Lama, Alpaca, Vicunna, die peruanische Ziege, das lang-
haariofe Schaf in den Grenzdistrikten von Peru und Ecuador
und das peruanische Maulthier in den Transact. of the Philos.
Instit. of Victoria. Vol. IV. I. Melbourne 1859 Mittheilungen
gemacht hat, ersehe ich aus Peterm. Mitth. 1861. p. 125.
Bemerkungen über die Säugethiere der Colonie Queens-
land lieferte Ed. Marcet (Mem. de la Soc. de Geogr. de
Geneve II. 1861. p.54 — 58). Die Arten werden nur als
Opossum, Kangourou, Bandicoot, Dingo, Kangourou-Ratt,
Phalanger und Dasyure bezeichnet.
Jul. Haast giebt in seinem Report of a topograph.
and geol. Explorat. of the W. Distr. of the Nelson Prov.,
New-Zealand, Nelson 1861. p. 134—136 Bemerkungen über
die Säugethierfauna Neuseelands. Ursina marina wird 7'
engl, lang; die eingeborne Ratte, Mus rattus (?) verdrängt
die englische Ratte; Scotophilus tuberculatus (Mystacina
tuberculata) wurde beobachtet, der eingeborene Hund scheint
ausgerottet zu sein. Auch über Schweine finden sich viel-
fache Bemerkungen.
Der Catalogue of the Mammalia andBirds of New-Guinea
iy J. E. Gray and G. R. Gray 1859 ist mir noch nicht
zugänglich gewesen.
Geoffroy-Saint-Hilaire erstattete in den Compt.
rend. 1861. Vol. 52. p. 165— 176, Bericht über die 4. Aus-
gabe seiner Schrift „Acclimatation et domestication des
Animaux domestiques 1861. 8.« 1. c. p. 174—176 betrifft
die Säugethiere und zwar Lama, Dschiggetai, Canna, Nilgau
und Yack. Ein näheres Eingehen auf den Inhalt erscheint
nicht nöthig, da man wohl vom Standpunkte des Zoologen
sich über die Einführung neuer Thierarten freuen kann,
in sofern dadurch reichliches Material für wissenschaftliche
Untersuchungen in Aussicht gestellt wird, allein das Prinzip
der Acclimatisation, die Förderung des nationalen Wohl-
stands durch Gewinnung neuer Fleischsorten u. s. w. wohl
nur als ein Mittel betrachten darf, über die Verwerthung
reichlicher Müsse nicht in Verlegenheit zu gerathen.
Ein Verzeichniss der im Acclimatisations- Garten des
Bois de Boulogne bei Paris befindlichen Säugethiere gab
100 Ilensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
B n vry (Mittheilungen des Cenfr.-Instit. für Acclimat. Berlin
1861. p.86).
Ein Verzeichniss derjenigen Säugethierarten, welche
sich in Europa in der Gefangenschaft fortgepflanzt haben,
Iheilt Weinland (Zool. Gart. 1861. p. 7— 11) mit. Das
Verzeichniss iimfasst 11 Affen, 14 Raubthierc, 9 Nager,
8 Pachydermen, 47 Wiederkäuer, 6 Beutclthiere.
Ein Verzeichniss der Tliiere, die sich im Jahre 1861
im Zool. Garten zu Antwerpen fortgepflanzt haben, siehe
Zool. Gart. 1861. p. 166.
J. Wolf hat in seinen „Zoological Sketches" eine
Reihe von Abbildungen nach lebenden Exemplaren im Vi-
varium der zoolog. Gesellschaft zu London mit Notizen von
Sclater versehen, veröfl*entlicht. Der I.Band enthält in
colorirten Lithographien folgende Säugethiere :
Troglodytes niger, Cercopithecus Pluto, Felis leo, F. leopardus,
F. picta, F. eyra, F. macrocelis, F. serval, F. chaus, F. caracal, F.
canadensis, F. jubata, Bassaris astuta, Mephitis Ilumboldlii, Canis Aza-
rae, Ursus syriacus, Trichechus rosinarus, Cervus canadensis, C. leu-
curus, Oreas canna, Gazella subgutturosa, Oryx leucoryx, Ovis cyclo-
ceros, Capra jemlaica, Lama pacos, Hippopotamus amphibius, Potamo-
choerus africanus, P. penicillatus, Älyrmecophaga jubata, Thylacinus
cynocephalus, Phascoloniys wonibat.
lieber Werner's zoologischen Garten in Stuttgart
berichtet Weinland (Zool. Gart. 1861. p. 157— 159). Er-
wähnt werden : Phoca vitulinn, Ursus arctos, U. maritimus,
Meles taxus, Lutra vulgaris, Hyaena striata, Hyslrix cri-
stata, Macacus cynomolgus. Felis leopardus, F. leo.
Den Zoologischen Garten in Marseille schildert Sacc
(Rev. Mag. de Zool. 1861, im Auszuge Zool. Gart. 1861.
p. 160 — 162). Erwähnt werden : ein Nashorn, Girafl'e, Ele-
phant, Nylghaus, Kuhantilopeii, Maki und Panther.
Den W^erth der Kreuzung bei Hausthieren beleuchtete
Spooncr (aus Journ. Roy. Agricult. Soc. of England in
Edinb. Vetern. Review 1860. p. 301— 313).
Dr. Jona tha n Franklin, Histoire naturelle anecdo-
lique et biographique des animaux. Traduit de l'Anglais
par A. Esquiros. Mammiferes L Leipzig. Collection Hetze!.
Alphonse Dürr 1859. 12. kenne ich nur aus einem Citate
der Säugethiere während des Jahres 1861. 101
im Zool. Gart. 1861. p.35, wo ein Beispiel von der Zahmheit
des Wolfes aus dem genannten Werke angeführt wird.
Hunter's Essays and Observations onNat. Hist., Anat.,
Physiol., Psych, and Geol. arranged and revised with Notes
by Richard Owen 2 vol. 8. London 1861 enthalten ohne
Zweifel zahlreiche Angaben, welche die Naturgeschichte
der Säugethiere betreffen, sind mir aber nur dem Titel
nach bekannt geworden.
Kaup Beiträge zur näheren Kenntniss der urweltli-
chen Säugethiere 5. Heft. Darmstadl und Leipzig 1861.
Die Beschreibung eines fossilen Affen, Hylobates Fontani
Owen giebt dem Verfasser Veranlassung, von Neuem seine
Lehre von den fünf Typen des Thierreichs und speciell der
Säugethiere nicht ohne Animosität gegen jeden Andersden-
kenden zu entwickeln. Da der Verf. selbst angiebt, jene
Typen bereits seit Jahrzehnten gelehrt zu haben, während
es doch erst in neuerer und neuester Zeit gelungen ist,
einiges Licht in die Natur der wirbellosen Thiere zu brin-
gen, und da sich jene Typen nicht auf anatomische oder
embryologische Thatsachen stützen, (Pachydermen und Mo-
notremen u. s. w. werden in eine Ordnung gebracht), so
soll hier bloss darauf hingewiesen werden, ohne auf den
Inhalt näher einzugehen.
Pucheran's schon in dem Berichte für das Jahr 1860
erwähnte Arbeit über die zoologischen Charaktere der Säuge-
thiere in Beziehung zur Ortsbewegung findet sich vollstän-
dig in den Mem. der Acad. Sc. de Lisboa nov. ser. T. IL
P. IL 1861. p.99.
On zoological Classification and the Parallelism of the
Mammal^ Marsupial and Ornithic Classes^ by Macdonald
(ohne Inhaltsangabe aus Proc. Roy. Soc. of Edinb. in New-
Edinb. Journal 1861. XIV. p. 133),
H i n c k's Bemerkungen über die Eintheilung der Säuge-
thiere (Cam. Journ. 1860. p.512) sind mir nicht zugäng-
lich gewesen.
Ein von Dietrich bei Hypudaeus amphibius, oecon.
und lerresfris beobachteter kleiner halbmondförmiger Kno-
chen zwischen Processus mastoideusund Bulla ossea, der bei
Neugeborenen als freier beweglicher Knorpel auftritt, soll
102 Flensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
nach Giebel bisher von keinem Osteologen erwähnt wor-
den sein (Giebel Zeitschr. 1861. p. 587). (Obgleich es un-
klar bleibt, ob der Verf. unter Process. mast. die Pars mast.
des Schläfenbeines oder den Proc. paramast. s. jugul. des
Os occip. gemeint hat, so bleibt doch kein Zweifel, dass
der angeblich neue Knochen nur ein Theil des Zungen-
beines ist und dem Proc. styloid. des Schläfenbeines bei
dem Menschen entspricht, von dem schon Hallmann nach-
gewiesen hat, dass er nicht dem Schädel sondern den vor-
dem oder kleinen Hörnern des Zungenbeines angehört.)
Ueber die Homologien der Gelenkllächen des Hinter-
hauptes, Atlas und Axis bei den Säugethieren sieheJ. Cle-
land (Nat. Hist. Rev. 1861. p. 151— 154).
Das Verhalten des Musculus thoracicus bei den Men-
schen und den Säugethieren hat H. J. Halber tsma un-
tersucht. (Versl. en Meded. k. Akad. van Wetensch. 1861.
Bd. 12. p. 164—189 met 3 Plat.)
Die Musculatur der Herzkammern bei den Säugethieren
untersuchte Pettrigrew (Proc. Roy. Soc. 1860. 19. April).
Ueber die Muskulatur des Herzens bei den Säugethieren
siehe Weis mann (Reichert's Archiv 1861. p. 43).
Garner's schon im Berichte für das Jahr 1859 er-
wähnte Arbeit über das Gehirn einiger kleinen Säugethiere
befindet sich auch in den besonders erscheinenden Proc.
Dublin Univ. Zool. and Botan. Assoc.1859. Vol. 1. p. 223—227.
Pl.XXllI. XXIV.
Den Einfluss des Lympathicus auf einige Muskeln und
das ausgedehnte Vorkommen glatter Haulmuskeln bei Säuge-
thieren untersuchte U. Müller (Würzb. naturw. Zeitschrift II.
1861. p. 54-64).
Dass im Auge der Säugethiere eine Area centralis als
Analogon des gelben Flecks der Affen und des Menschen
vorkommt, berichtet H. M ü 1 1 e r (Würzb. naturw. Zeitschr. II.
1861. p. 139— 140).
Beiträge zur Kenntniss des gelben Flecks und der
Fovea centralis des Menschen- und Affen-Auges lieferte
M. Schnitze (Reichert's Archiv 1861. p. 784— 785).
Die Eierstockseier der Wirbelthiere untersuchte Kl eb s
(Virchow's Archiv 1861. p. 363). Das Eierstocksei der
der Säugethiere während des Jahres 1861. 103
Säugethiere bewahrt von der Geburt des Thieres an bis zu
seiner Reifung und Trennung vom mütterlichen Organismus
seine ursprüngliche Form wesentlich unverändert. Das
Stroma des Eierstocks ist äusserst reich an glatten Muskel-
fasern. Dieses Letztere fand auch Aeby, der gleichzeitig
die glatten Muskelfasern in den Eierstöcken der Wirbel-
thiere untersuchte (Reichert's Arch. 1861. p. 640. Taf. XIV.B).
Nach Pflüger (Medicin. Centralzeitung 1861. N. 42.
1862. N. 3 besteht der Eierstock der Säugethiere in jedem
Alter aus Röhren, deren Durchmesser veränderlich ist, aber
so gross werden kann, dass sie mit freiem Auge sichtbar
sind. In diesen Schläuchen sollen die Graafschen Follikel
entstehen.
Die verschiedenen Tonsillenformen und das Vorkom-
men der Tonsillen im Thierreiche untersuchte Asverus
(Nova Acta Ac. Leop. 1861. XXIX mit 3 Taf.). Die Ver-
hältnisse bei den Säugethieren wurden vom Verf. an 40
Species aus 12 Ordnungen erforscht. Tonsillen kommen nur
den Säugethieren zu und fehlen unter diesen den meisten
Nagern.
Frey, Untersuchungen über die Lymphdrüsen des
Menschen und der Säugethiere mit 3 Taf. 4. 1861.
Ueber den Bau der Säugethier-Milz siehe ßillroth
(Zeitschr. für wissensch. Zool. XI. p. 325— 341. Taf. XXVII).
Die Obliteration der Nabelgefässe bei den Säugethie-
ren untersuchte Rob i n (Compt. rend.1860. Tom. 50. p. 949).
Reichert's „Beiträge zur Entwickelungsgeschichle
des Meerschweinchens 1. Abtheil.", über welche schon 1859
und 1860 nach vorläufigen Mittheilungen des Verf. berichtet
wurde, sind nun in grosser Ausführlichkeit in den Abtheil,
der Königl. Akadem. d. Wiss. zu Berlin 1861. No. 4. p. 97
—216 mit 8 von G. Wagener meisterhaft gezeichneten
Tafeln erschienen. Die Untersuchungen zerfallen in zwei
Theile, deren erster die Zeit von der Begattung bis zur
Mitte des achten Tages, d. h. bis zur Einkapselung des
Eies durch die erste Anlage der Decidua reflexa, deren
zweiter die Zeit bis zur Mitte des dreizehnten Tages nach
der Begattung, d. h. bis zum Auftreten der primitiven Rinne
und der Rückenfurche enthält.
104 Ilensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. ^'atul•geschichte
Der Bau und die Entwicklung der Wirbclthier-Eier
untersuchte Geg-enbaur (Reicherts Archiv 1861. p. 491 —
530. Taf.XI).
Die Enlwickelungsgcschichte der Säugethiere wird be-
handelt in: KöIIiker, Entwickelungsgeschichte des Men-
schen und der höheren Thiere 1861, und Rathke, Ent-
wickelungsgeschichte der Wirbelthiere. Leipzig 1861.
Einen Beitrag zur Physiologie der Säugethiere liefer-
ten Bisch off und Voit: die Gesetze der Ernährung des
Fleischfressers durch neue Untersuchungen festgestellt.
Leipzig 1861. 8. mit 2 Taf.
Bemerkungen über den natürlichen Unterschied in der
Nahrung der männlichen und der weiblichen Thiere (Säuge-
thiere und Vögel) theilte Snell mit (Archiv für Meckl.
Landeskunde XI. 1861. p. 122).
Philippi beschrieb Excremente, die wahrscheinlich
von einem Nager herrühren sollen, als eine dem Hyraceum
ähnliche Substanz in Chili (Giebel, Zeilschrift etc. XYIL
1861. p. 511— 513).
Eine übersichtliche Darstellung der Wärmeverhältnisse
im Thierreiche, und also auch der Säugethiere, hat Else hnig
geliefert (Progr. des k. k. Gymnas. in Triest. 1861).
Brandt hat die zoologische Bedeutung des oöovtotv-
gavvog der alten griechischen und römischen Schriftsteller
untersucht und weist nach, dass derselbe bei Jul. Valerius
einen sehr grossen, bösartigen, einzeln lebenden, mit gros-
sen Hauern versehenen, indischen Elephanlen, bei anderen
Autoren aber (namentlich Pseudo-Callisthenes, Hamartolus,
Palladius nnd Glycas) ein Crocodil bedeutet. (Bullet. Acad.
St. Petersburg 1861. p. 335—346.)
Placentalia.
Quadrumaua.
Simiae. Die von Du Chaillu am Gabun gemachten Samm-
lungen gaben Owen (Biit. Assoc. Älanchest. 1861 in Edinb. Philos.
Journ. 1861. p. 298— 299) Gelegenheit, die Farbe und den Zahnwech-
8el des Gorilla genauer festzustellen. Das Milchgebiss ähnelt dem
des Menschen, aber ein Zwischenraum halb so gross wie die Breite
der Säugethiere während des Jahres 1861. 105
des äusseren Schneidezahnes trennt diesen vom Eckzahne, und die
Krone dieses überragt die der Milchbackenzähne ungefähr um 2'" engl.
Der erste Milchbackenzahn unterscheidet sich von dem des Menschen
durch spitzere Gestalt, der zweite vom entsprechenden durch bedeu-
tendere Grösse. Die Molaren sind schon vorhanden, A^ährend die
Reihe der Praemolaren noch unvollständig ist ; die oberen Praemolaren
erscheinen früher als die unteren, und der hintere Praem. nimmt
früher seinen Platz ein als der vordere. In der späteren Entwicke-
lung des Eckzahnes und der früheren des zweiten Molars im blei-
benden Gebiss unterscheidet sich der Zahnwechsel des Gorilla, des
Chimpanse und Orang-Utang von dem des Menschen.
Unsere Kenntniss der anthropomorphen Affen hat Eudes-Des-
longchamps (Bull. Soc. Linn. de Kormandie 1860 — 61. Caen 1862.
p. 54— 113. Taf. III— VIII) wesentlich gefördert, indem derselbe nicht
bloss die Abhandlung Owen's über den Gorilla (Ann. and Mag. nat.
bist. 1859) übersetzte, sondern auch von der richtigen Ansicht ausge-
hend, „dass sich im Alter mehr die Verschiedenheit, in der Jugend
dagegen vorzugsweise die Aehnlichkeit dokumentirt." Die Ueber-
setzung mit 6 Tafeln begleitete. Diese stellen die Schädel, Hände und
Füsse des Gorilla (im Museum zu Havre), Chimpanse und Orang-Utang
aus jugendlichem Alter, nach dem Hervorbrechen aller Milchzähne
in nat. Gr. dar, und zwar Taf. III die Schädel von vorn, Taf. IV von
der Seite, Taf. V von oben, Taf. VI von unten, Taf. VII die Hände
und Taf. VIII die Füsse. In der Erklärung der Tafeln hat der Verf.
eine ausführliche Beschreibung der abgebildeten Gegenstände geliefert.
Abbildungen des Gorilla hat Du Chaillu (Explor. etc.) auf
dem Titelkupfer, zu p. 71, 297, 434 und auf p. 206 gegeben; ein
Kopf des Gorilla ist auf p. 356 abgebildet; der Schädel ist Iheils von
vorn, theils von der Seite dargestellt, zu p. 371. fig. 2 ^T, fig. 3 $,
zu p. 373. flg. 7 $, Gesichtswinkel 5P, fig. 8 ^, G.-W.49» , zu p. 375
flg. 16 jung, G.-W. 63«. fig. 17 mit rothem Rumpfe, G.-W. 5P, fig. 18.
im Zahnwechsel, G.-W. 52°. Die Abbildung eines ganzen Skelets
befindet sich auf p. 370.
Kach Gray (1. c. VII. p. 465) ist die Abbildung, welche Du
Chaillu (Explor. p. 370) vom Skelete eines Gorilla gegeben hat,
nicht ein Original nach einem der von ihm mitgebrachten Skelete,
sondern die Copie einer bekannten Photographie des im British
Museum befindlichen Gorilla - Skeletes, und die auf dem Titelbilde
gegebene Figur eines ganzen Thieres ist nach einer von Geoffroy
(Archives du Mus. Vol.X. p. 1) gegebenen Abbildung des Gorilla gina
gemacht. Ebenso findet sich die Abbildung eines jungen Gorilla bei
D u Chai Hup. 206 schon bei Ge o ffroy 1. c. pl. 7. fig. 2.
Ueber die Art und Weise, auf welche der „King of the Goril-
las" von Du Chaillu getödtet worden ist, hat sich zwischen Gray
106 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
und Owen ein Streit erhoben (Ann. and Mag. Nat. Hist. 1861. VIII.
p.341 — 345 mit einer Abbildung des Skeletes), dessen Inhalt hier
übergangen werden kann, da keine zoologischen Thatsachcn niilge-
theilt werden, sondern nur die Glaubwürdigkeit des Reisenden an-
gefochten resp. vertheidigt werden soll.
Gray hat sich veranlasst gesehen, die Höhe des Gorilla zu
ermitteln und hat gefunden, dass das grösste Skelet im British Mu-
seum, wie schon erwähnt, nach seiner Ansicht von Du Chaillu
abgebildet, 5' 2" (engl.) hoch ist, während das Wiener Skelet über
6' (engl.?) sein soll. (Ann. and Mag. Kat. Hist. 1861. VIII. p. 349.)
Kach einer Bemerkung des Missionärs Busnell (Ann. etc.
p. 507) scheinen die Museen der Vereinigten Staaten Kordamerika's
die meisten Exemplare des Gorilla zu besitzen.
Ueber die Gewohnheiten und die Lebensweise des Gorilla und
der anderen ungeschwänzten, langarmigen Affen berichtet Gray
(Proc. Zool. Soc. 1861. p. 212—213). Der Verf. will die übertrie-
benen Erzählungen von der Wildheit der grossen Affen widerlegen.
Nach den von Du Chaillu gesammelten Exemplaren des Go-
rilla berichtete Wyman (Proc. Bost. Soc. VII. 1860. p. 211) über
die Verhältnisse des Gehirnes, des Zahnwechsels und der Muskulatur
bei diesen Affen.
Der Tod eines auf der Seereise nach England gestorbenen
jungen Gorilla's vom Gabun wird Proc. Zool. Soc. 1861. p. 198
erwähnt.
Knochen des Gorilla aus dem tropischen West - Afrika legte
J. H. Otis vor (Bost. Journ. Nat. Hist. VII. p. 217).
Ueber die Lebensweise und die Verbreitung des Gorilla und
der anderen menschenähnlichen Affen an der Westküste Afrika's be-
richtete Du Chaillu (Proc. Bost. Soc. VII. 1860. p. 276— 277). Aus-
führlich behandelt der Verf. den Gegenstand in seinen Explor. etc.
Cap. XX.
Troglodytes caltus n. sp. Du Chaillu (Proc, Bost. Soc. VII.
1860. p. 296): Kopf ganz kahl bis zu der Mitte der Fläche hinler der
Mitte den Ohren; Kopfhaut schwarz, glatt und glänzend, Augenbrauen
dünn, borstig, lang und schwarz; Gesicht schwarz; Augen etwas
tiefliegend ; Nase flach, die Seiten des Gesichtes behaart von den Ohren
ab, das Haar kurz; unter dem Kinn ein kurzer, spärlicher Bart mit
wenigen grauen Haaren; Ohren breit, etwas kleiner als bei dem
Chimpanse, seitlich abstehend vom Kopfe. In der Jugend ist der
Kopf nicht kahl, sondern mit dünnem Haar versehen. Abbildungen
giebt der Verf. Explor. etc. zu p. 359 alt und jung, auf p. 232, jung,
zu p. 423 in den Nestern sitzend ; der Schädel ist abgebildet zu p. 375
fig. 13 u. 15 jung, Gesichtswinkel 65^ zu p. 371. fig. 5, G.-W. 55''.
Die Abbildung eines alten Troglodytes calvus bei Du Chaillu
der Säugethiere während des Jahres 1861. 107
(1. c. p. 359) erklärt Gray (1. c. VII. p.467) für ein Original, die
des jungen Thieres mit sehr grossen Obren, auch die auf p. 232, für
eine Copie der von Geoffroy 1. c. nach einer Photographie gege-
benen Abbildung des T. niger. Desgleichen sind die beiden Abbil-
dungen auf p.423, die von Wolf gezeichnet sind, wahrscheinlich
nach demselben Thiere gemacht, so dass von den vier Abbildungen
der angeblich neuen Species drei derselben von dem Chimpanse
herrühren.
Troglodytes koulou-hamba n. sp. Du Chaillu (Proc. Bost.
Soc. VII. 1860. p. 358— ofiO) unterscheidet sich von T. calvus durch
den Mangel der Kahlköpfigkeit, das mehr rundliche Gesicht, den
Backenbart, die weniger vorstehende Schnauze, die höheren Backen-
knochen und die hohleren Backen. Von T. niger unterscheidet er
sich durch ein runderes Gesicht, vorstehendere Backenknochen, hoh-
lere Backen, grössere Ohren, weniger vorstehende Schnauze und einen
Backenbart rings um das Gesicht. Auch seine Stimme „koulou" ist
verschieden von der beiden anderen Arten; in den Gebirgen von
Ashankolo. Abgebildet sind bei Du Chaillu Explor. etc. das ganze
Thier zu p. 270, der Kopf auf p. 360, ein Ohr auf p. 361, der Schädel
zu p. 371. fig. 4, zu p. 373. fig. 10, Gesichtswinkel 57°.
Kach Gray unterscheidet sich die Art in Nichts von T. niger.
(Proc. Zool. Soc. 1861. p. 273), der ebenfalls Nester baut.
In Bezug auf den von Du Chaillu in Gamma und am Cape
Lopez gesammelten Chimpanse erklärt Owen (Brit. Assoc. 1861 in
Edinb. Philos. Journ. 1861. p. 299), dass derselbe im Skeletbau und
der Behaarung mit dem Troglod. niger übereinstimmt, aber als eine
gut unterschiedene Varietät desselben betrachtet werden kann.
Für-Nlie Existenz mehrerer Troglodytes-Arlen sprach sichKnee-
land aus (Proc. Bost. Soc. VII. 1859. p. 54).
Das Gehirn eines jungen Chimpanse hat Alarshall untersucht
(Nat. Hist. Rev. 1861. p. 296—315. PI. VI) und sich in Bezug auf die
Existenz eines hinteren Lobus, hinteren Hernes und Hippocampus
minor bei dem Chimpanse an Hu xl ey und Thomson angeschlossen.
Den Schädel des Chimpanse bildet Du Chaillu, Explor. etc.,
zu p. 371. fig. 6 und zu p. 373. fig. 12, Gesichtswinkel 54«, ab.
Beiträge zur vergleichenden Älyologie des Chimpanse lieferte
ßurl G. Wilden (Bost. Journ. Nat. Hist. Vol. VII. Cambridge 1861).
Das Hirn des Orang-Utang namentlich im Vergleiche zu dem
des Menschen und des Chimpanse untersuchte Rollos ton (Nat. Hist.
Rev. 1861. p. 201—217. PI. III). Abgebildet ist in Fig. 1—3 das
vollständige Gehirn des Orang-Utang von drei Seiten und in Fig. 4
dasselbe im linken Seitenventrikel durchschnitten.
Die Myologie des Orang-Utang, Simia Morio, untersuchte W.
Selby Church (Nat. Hist. Rev.1861. p. 510— 516). Inuus rhesus und
108 He n sei: Bericht üb. d. Leist in d. Naturgeschichte etc.
Cebus capiicinus, die der Verf. ebenfalls untersuchen konnte, werden
verglichen.
R. Owen hat die Unterschiede zwischen Menschen-
und Affen- Gehirn zum Gegenstande einer Untersuchung
gemacht (Ann. Mag. Nat. Hist. 1861. VII. p. 456—458.
PI. XIX — XXI). Der Verf. fand, dass der Gorilla, entspre-
chend der grösseren Entwickelung der Muskeln, auch ein
verhällnissmässig grösseres Cerebellum als Chimpanse und
Orang besitzt, und dass die letzteren hierin dem Menschen
näher stehen, wie auch schon S c h roe d er van der Kolk
und Vrolik in ihren Abbildungen richtig dargestellt ha-
ben. Die drei Tafeln enthalten Abbildungen des Gehirns
des Negers und Chimpanse und sind theils copirt, theils
original.
Ueber das zoologische Verhältniss des Menschen zu
den Quadrumanen sprach sich Huxley mit besonderer Be-
rücksichtigung des Gehirnes ausführlich aus (Nat. Hist.
Review 1861. p. 67 — 84). Der Verf. kommt zu dem Re-
sultate, dass sich in Bezug auf das Gehirn die Quadruma-
nen von dem Menschen weniger als von einander unter-
scheiden, und dass die Trennung des Menschen und Pithecus
in verschiedene Unterklassen, während Pithecus und Cyno-
cephalus in eine Ordnung vereinigt werden, in Widerspruch
steht mit einer Eintheilung der Säugethiere nach dem
Gehirne. •"
Ueber die vergleichende Symbolik zwischen Menschen-
und Affen - Skelet schrieb C. G. Garus (Nova Acta Ac.
Caes. Leop. 1861. XXVIII mit 2 Taf. Skelet des Gorilla, 4
Schädel des Orang-Utang von verschiedenem Alter).
Hylobates pilealus n. sp. Gray (Proc. Zool. Soc. 186], p. 136.
Fl. XXI) : (^ schwarz; die Ilinterseite des Kopfes, der Rücken und
die Vorderseite der Hinterbeine graulich; der Vorderkopf und der
Umfang des schwarzen Fleckes auf dem Scheitel blasser grau; Hände
und die langen Haarbüschel um die Geschlechtstheile weiss.
$ weiss; Rücken bräunlichweiss, leicht gewellt; ein grosser
ovaler Fleck auf dem Scheitel und ein gleicher sehr grosser auf der
Brust sind schwarz.
Das Junge ist einförmig schmutzigweiss ohne irgend einen
schwarzen Fleck auf der Brust oder dem Kopfe. Cambodscha.
Cercopithecus nigripes n. sp. Du Chaillu (Proc. Bost. ^oc. VII.
der Säugethiere während des Jahres 1861. 109
1860. p. 360): die allgemeine Farbe ist eisengrau; an den Seiten ist
jedes Haar mit gelblichvveissen Ringen und Tupfen versehen,- mit
rothbraunen auf der Rückenseite des INackens und den Schultern ; die
untere Hälfte des Rückens, die Aussenseite der Vorderbeine und die
Füsse der Hinterbeine schwarz ; vom Ofouboar-Flusse.
Cercopithecus nigripes Du Chaillu ist nach Gray (Proc. Zool.
Soc. 1861. p.274) nur eine Altersverschiedenheit des C. Erxlebenii
Dahlb. et Puch.
Ueber den Erwerb eines lebenden Papio niger berichtet M.
Schmidt (Zool. Gart. 1861. p. 129).
Sclater suchte die Nordgrenze für die Verbreitung
der Quadrumanen in Amerika zu ermitteln und fand, dass
Mycetes, Ateles, Cebus, Chrysothrix und Hapale nördlich
vom Isthmus von Panama vorkommen, und dass Ateles bis
zum 23^ N. B. geht.
Den Gattungsnamen Mycetes, Illig. 1811, will Slack durch
Aluatta, Lacepede 1799, ersetzt wissen (Proc. Acad. Nat. Sc. of Phi-
ladelphia 1861. p. 24). Der Verf. verglich fünf Exemplare des My-
cetes niger Wild. Simia caraya Humb. von verschiedenen Altersstufen.
Die Alten sind ganz schwarz, die Jungen goldgelb und die fast er-
wachsenen gelb mit schwarz vermischt.
Ueber die Fortpflanzung des Cebus apella in der Gefangenschaft
berichtet Weinland (Zool. Gart. 1861. p. 166).
Das Gehirn des Ateles paniscus untersuchte Huxley (Proc.
Zool. Soc. 1861. p. 247-260. PL XXIX). Der Verf. vergleicht das
Gehirn mit dem des Menschen. In der Darstellung der Furchen und
Windungen auf der Oberfläche der Hemisphären stimmt der Verf.
mit Gratiolet überein, der den A. belzebuth untersucht hat, in
anderen Punkten jedoch, Ausdehnung der Fossa Sylvii, weicht er von
ihm ab, indem er nicht die „pli intermediaire, tres petit il est vrai"
finden kann, welche nach Gratiolet das obere Ende der Fissura
Sylvii begre nzen soll, die ihm im Gegentheile als ein ununterbro-
chener sulcus erscheint. Ein ausführlicheres Eingehen auf die An-
sichten des Verf. in Bezug auf den Gyr. angul. und die Gyr. annect.
gestattet der beschränkte Raum nicht.
ßJidas elegarihdus n. sp. Slack (Proc. Acad. Nat. Sc. of Phila-
delphia 1861. p. 463): capite, collo, cauda pedibusque nigris; pilis
dorso nigris, apicibus canis ; abdomine rufescente; macula verticale
aureo rufescente, labiis nasique apice albis. Amazon, zunächst dem
M, mystax Geofl'r. verwandt. An die Beschreibung dieser Art fügt der
Verf. folgende Synopsis aller Arten der Gattuug Midas :
A. Kopf mit langem Haare: 1) Pelz goldgelb, lang und sei-
denartig, 31. rosalia Geofl'r. 2) Körper schwarz; Kopf, Vorderarme
und eine Linie unter dem Schwänze goldgelb, M. chrysomelas Kühl.
110 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
3) Braun; Seiten des Kopfes nackend; Hände weiss, M. Oedipus Geoffr.
4) Schwarz, Hinterseite des Nackens kastanienbraun, iM. Geoffroyi Puch.
B. Hinterseite des Kopfes kurzhaarig : a. Lippen nicht weiss :
5) Kopf und Vorderbeine weiss; Körper und Hinlerfüsse braun;
Schwanz und Abdomen rostroth, M. bicolor Spix. 6) Schwarz, röth-
lichbiaun schaltirt, M. tamarin (Cebus tamarin Link, M. ursula GeofFr.).
7) Schwarz; Hände goldgelb, M. Lacepedii (Simia Lacepedii Fischer,
M. rufimanus GeofFr.). b. Lippen weiss: 8) Schwarz, unten röthlich,
M. labiatus GeofFr. 9) Rücken schwarz und grau gemischt ; Beine
und Schwanz schwärzlich; der ganze Scheitel goldgelb, M. pileatus
GeofFr. 10) Kopf, Schultern und Schwanz schwarz, Körper braun,
zuweilen mit weissen Ringen, M. mystax Spix (M. nigricollis Spix,
M. ruficollis Spix, M. nigrifrons GeofFr.). 11) Pelz grösstcntheils
schwarz; Schenkel und Basis des Schwanzes glänzend kastanienbraun,
M. Devillii Geoffr. (M. Weddeleri Deville). 12) Lippen, nicht die
Nase, weiss; Scheitel gelb, Rücken gelb und schwarz; Schenkel und
Schwanzwurzel röthlich; Hände schwarz, M. flavifrons GeofFr. 13)
Kopf schwarz ; Rücken schwarz, weiss schattirt; Nacken, Aussen-
und Innenseite der Beine röthlich, Schwanz an der Wurzel und der
Spitze roth, dazwischen schwarz, M. Illigeri , Puch. 14) M. ele-
gantulus.
Neubert beobachtete an lebenden Affen, dass die
der alten Welt regelmässig menstruiren, die der neuen
Welt dagegen nur ein oder zwei Mal eine Brunstzeit haben.
Die $ der letzteren besässen eine so grosse Clitoris, dass
sie sehr oft mit den ^ verwechselt würden, wogegen
Schiff bemerkt, dass eine solche Verlängerung der Cli-
toris vielleicht nicht bei Cebu und Callilhrix vorkäme.
(Beilage zum Tageblatt der 36. Vers, deutsch. Naturf. u. s. w.
1861. p. 33.)
Einige Massregeln für das Halten der Affen in der Gefangen-
schaft theilt der Zool. Garten 1861. p. 52 mit.
Ueber die Zuträglichkeit des Aufenthaltes in Kuhställen für
Affen berichtet Müller (Zool. Gart. 1861. p. 185).
Prosimiae. Die Lemuriden werden von van der Hoe-
ven (Rep. thirtieth Meet. Brit. Assoc. 1860. London 1861.
p. 134 — 136) folgendermassen charakterisirt und eingetheilt:
Lemuridae: der vierte Finger vorn und hinten ist der
längste (bei den Affen u. s.w. der dritte); die Unterkiefer verwach-
sen nicht; die ürbita ist nicht durch eine Einschiebung der Ala magna
des Keilbeins zwischen Joch- und Stirnbeine geschlossen, so dass die
Fissura orbit. infer. nicht von der Fossa tempor. getrennt ist; unter
der Säugethiere während des Jahres 1861. 111
der Zunge befindet sich eine häutige Nebenzunge mit gezähnt&r
Spitze; das erste Paar der Cerebralnerven bildet starke Corpora ma-
millaria ; der Uterus, so weit man ihn kennt, ist zweihörnig. Die
Arten bilden zwei Gruppen:
I. An den Hinterfüssen ist nur ein Nagel aufgerichtet und pfrie-
menförmig, Leniurina; vier Schneidezähne oben, ein Zwischen-
raum zwischen den mittleren.
a. Tarsalknochen verlängert, Calcaneus und 0. naviculare lie-
gen als zwei schlanke Knochen neben einander wie Radius
und ülna: Otolicnus s. Galago.
b. Tarsalkonchen nicht verlängert.
aa. Zwei Schneidezähne unten: Lichanotus, Propithecus.
bb. Vier Schneidezähne unten.
a. Schwanz lang : Lemur.
ß. Schwanz kurz, rudimentär oder fehlend (St. gracilis)
Stenops.
Alle Stenopsarten haben einen kurzen Index der Vorderhand,
St. Potto mit nur zwei Phalangen an diesem, die Dornfortsätze der
drei letzten Halswirbel und der beiden ersten Rückenwirbel sind nur
mit dünner hornartiger Epidermis bedeckt und ragen aus dem Pelze
wie Dornen hervor.
II. Auch der dritte Finger des Hinterfusses mit aufgerichtetem
und pfriemenförmigem Nagel : Tarsius.
Otolicnus apicalis n. sp. DuChaillu (Proc. Bost. Soc. VII. 1860.
p. 361): mäusefarben oder schiefergrau unten an den oberen Theilen
röthlich schattirt, mit grau an dem Kopfe, hell mit Orange auf dem
Rücken und dem oberen Theile des Schwanzes; die Mittellinie des
Rückens tief kastanienbraun; Aussenseite der Schenkel wie der
Rücken, die Farbe nach den Füssen hin verschwindend. Der Schwanz
in der oberen Hälfte röthlich, der übrige Tbeil und die ganze Un-
terseite holzbraun, das Ende l*/»'' engl, schmutzig gelblichweiss ;
das Ende der Nase und das Kinn gelblichweiss; vom Gabun.
In Bezug auf den Otolicnus apicalis DuChaillu bemerkt Slack
(Proc. Acad. Nat. Sc. of Philadelphia 1861. p. 153), dass diese Spe-
cies, da sie zuerst von Le Conte, 1857, als Microcelus elegantulus
beschrieben worden sei, nqn als Galago elegantulus bezeichnet wer-
den müsse, da die Gattung Otolicnus von II liger, Prodrom. 1811
(nicht 1812, wie der Verf. angiebt), mit Unrecht auf die Abwesen-
heit der Ohren gegründet worden sei (Uli g er sagt aber 1. c. p. 74
ausdrücklich „(aroXiy.vogy anriculis magnis").
Beiträge zur Anatomie des Gehirnes des Galago lieferte F I o-
wer (R. Soc. Proc. XI. p. 376).
Von Vinson's Etüde sur deiix Ai-Ais parvenus vi-
vants au Museum d'hist. nat. de l'ile de laReunion, Saint-
112 Ilensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Denis 1861. 8. ist mir nur der Titel bekannt geworden.
Auf gleiche Weise sind mir auch die Mitlhoilungen über
Chiromys madagascariensis von S a n d w i t h Maurit. Transact.
1860. p. 282, und von Vi nson, ebendaselbst p. 289, ihrem
Inhalte nach unbekannt geblieben.
Chiroptera.
Gh. frugivora.
Tomes beschreibt (Proc. Zool. Soc. 1861. p. 11— 12. PI. I) in
einem Nachtrage zu seiner Monographie des Gen. Epomophorus das
typische Exemplar des E. labiatus (Pachysoma labiatum Temm.) und
findet seine Vermuthung von der Verschiedenheit dieser Art von E.
macrocephalus bestätigt, obgleich nicht in dem früher von ihm an-
genommenen Grade. Das in der heydner Sammlung als weibliches
Pach. lab. bezeichnete Exemplar hält der Verf. für ein junges Indi-
viduum einer anderen, grösseren Art, vielleicht der E. gambianus.
Den E. cryptnrus Peters, den der Verf. früher für ein Synonym des
E. gambianus gehalten hatte, erkennt er jetzt als besondere Art an.
Auf der beifolgenden Tafel sind Schädel oder Gebisse folgender Ar-
ten abgebildet: des Epomophorus macrocephalus, E. gambianus, E.
Franqueti, E. shoensis, Pteropus edulis, Pachysoma stramineum.
Epomophorus comptus n. sp. Allen (Proc. Acad. Nat. Sc. Phi-
ladelphia 1861. p. 158— 159): nicht einfarbig, der Rücken röthlich
rehfarben, an den Lenden und dcK^Basis der Arme dunkler. Die Un-
terseite mit einem grossen, eiförmigen, schmutzigweissen Flecke, der
seitlich durch einen rehfarbenen Längsstreifen begrenzt wird. Das
Gesicht mit kurzem braunem Haare bedeckt. Kleine gelbe Haarbü-
schel an der Basis der Ohren, Kinn weisslich. Die Schulterbüschel
undeutlich, Incis. 2 . c. i Mol. |. Exp. al. 18" engl. West-Afrika.
Nach Peters (Monatsber. Berlin. Akad. 1861. p. 423) schliesst
sich Pteropus stramineus Geoffr., in Indien und auf dem indischen
Archipel einheimisch, im Gebisse, in der Bildung des Schädels, des
Schwanzes und der Flughäute eng an Pt. Lesehenaullii an und ist
von Temminck mit einer Art aus Afrika, welche durch die Ge-
bissformel sich an Pachysoma anschliesst, in allem Uebrigen dagegen
mit Epomophorus übereinstimmt, verwechselt worden; für diese Art
schlägt der Verf. den Namen Pterocyon paleaceus vor.
Pteropus molHpilosus n. sp. Allen (Proc. Acad. Nat. Sc. Phila»
delphia 1861. p.l59 — 160): Zwischenschenkelflughaut klein; Schwanz
sehr klein, frei. Allgemeine Farbe olivenbraun, heller auf Rücken und
Nacken, wo eine malte, dunkelbraune Linie sichtbar ist. Ein Fleck
von derselben Farbe erstreckt sich von vorn nach hinten über jede
der Säugethiere während des Jahres 1861. 113
Schulter. Der Zwischenkiefer ist nicht vor- und abwärts gewendet,
sondern in der Ebene des Gaumens. Der erste Praeni. im überkieler
ist grösser als die Schneidezähne, derselbe im Unterkiefer weniger
höckerförmig als bei anderen Arten. Exp. al. 26" engl. West-Afrika.
Pachysoma luzoniense n. sp. Peters (Monatsber. Berlin. Akad,
1861. p. 708). Oben russigbraun, an den Seiten des Halses und unter
den Ohren gelblichbraun, die Haare am Vorderarme dunkelbraun;
die längeren sparsamen Haare der Flughäute bräunlichgelb, diese
selbst schwarzbraun; an der Basis des äusseren Ohrrandes ein spitzer,
dreieckiger Vorsprung. Totallänge 115 Mm. Spannweite der Flug-
häute 425 Mm., von Luzon.
Innerhalb der Gatt. Pachysoma unterscheidet Peters (Monalsb.
Berlin. Akad. p. 707) ein neues Subgenus, P tenochirus, Incis. *
mit einer Art : P. Jagorii, Kopf schwarz mit wenigen grauen Punk-
ten. Die Haare auf dem Rücken an der Basis hellgrau, an der Spitze
schwarzgrau oder braunschwarz, die auf dem ersten Drittel des Vor-
derarmes, an den Körperseiten über dem Ansätze der Lendenflughaut,
auf dem Oberschenkel und die der inneren Seite der ersten Hälfte
des Unterschenkels einfarbig schwarzbraun. Unterarm an der Bauch-
seite fast nackt, viel weniger behaart als bei P. marginatum aus
Ceylon. Ohren ungerändert, wie die Flughäute schwarz. Obere
mittlere Schneidezähne lang und nie spitzig, die äusseren sehr klein ;
Tofallänge bis zur Spitze des Schwanzes 140 Mm. Spannweite der
Flughäute 440 Mm.; von Luzon.
Dass bei Hypoderma (Cephalotes) in der Jugend , wie schon
bekannt, Incis. |, später | und bei älteren Individuen 2 sind, giebt
auch Allen an (Proc. Acad. Nat. Sc. Philadelphia 1861. p. 159).
Einen neuen Fiederhund von West-Afrika beschrieb H. Allen
(Proc. Acad. Kat. Sc. Philadelphia 1861. p. 156—158) nach einem
trockenen Exemplare unter Aufstellung eines neuen Genus Hypsi-
gnathus monstrosns. Im Jahre 1862 hat jedoch A. Murray, ohne
die Arbeit Allen's rechtzeitig kennen gelernt zu haben (Proc. Zool.
Soc. p. 8 — 11. PI. I), dieselbe Art als Sphyrocephalus labrosus nach
einem gut erhaltenen Exemplare in Spiritus beschrieben und auch
abgebildet. Nach beiden Beschreibungen, die einander ergänzen,
liegt der wichtigste Gattungscharakter in einer merkvvürdigrn Ent-
wickelung der Ober- und Unterlippe, so dass die Gattung als ein
Uebergang zu den Phyllostomen zu betrachten ist. Die Überlippe
zeigt nämlich eine höckerige Erhabenheit in der Linie der beiden
äusseren Schneidezähne und eine längere höckerige Leiste weiter
hinauf in der Linie der beiden inneren Schneidezähne. Das genauere
Verhalten dieser Hautentwickelung, welches sich nicht mit wenigen
Worten wiedergeben lässt, wird am besten aus der Abbildung er-
Arohiv f. :Nalurg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd. H
114 Hensel: Bcricht'ub.d. Leistungen in d. Naturgeschichte
sichtlich. Unter der Zunge befindet sich, aber weit nach hinten,
eine Nebenzunge, welche eher eine Entwickelung des Bodens der
Mundhöhle als des Frenuluni zu sein scheint (Murray). Incis. ^
Can. 1, Praem. i, Mol. 2. im Oberkiefer ist der Praem. zugespitzt,
Die Molar, sind mehr einander ähnlich, der letzte kleiner und weni-
ger schneidend, die äussere Spitze grösser. Im Unterkiefer ist der
erste Praem. sehr klein, wie ein Schneidezahn gestaltet und näher
dem Eckzahne als dem zweiten Praem. Dieser hat zwei Spitzen,
Der erste und zweite Mol. haben deren drei, der letzte ist wenig
mehr als ein flacher Höcker. Die unteren Schneidezähne verdecken
von vorn die oberen vollständig. Exp. al. 27" engl. (Allen). Alt-
Calabar, West-Afrika.
Gh. insectivora.
Eine Uebersicht der von G und lach auf Cuba beob-
achteten Flederlhiere theilte Peters mit (Monatsbcr. der
Berliner Akad. 1861. p. 149—156).
Die Arten sind: Nyclinomus musculus Gundl. n.sp. (Rhinopoma
carolinense Gundl.,? Nyctinomus murinus Gray), Molossus obscurus
Temm., M. ferox Gundl. n. sp., Vespertilio (Nyctiellus) lepidus Gerv.
(V. barbatus Gundl.), Vesperus Dutertreus Gerv., V. cuhanus Gundl.
n. sp., Atalapha Pfeifferi Gundl. n. sp., Noctilio dorsatus Pr. iM. z.
Wied, Mormops Blainvillii Leach (Lobostoma cinnamomeum Gundl.),
Chilonycteris Mac Leayi Gray (Lobost. quadridens Gundl.), C. Boothi
Gundl. n. sp., Artibeus jamaicensis Leach, Pliyllostoma alhomaculahim
Gundl. n sp., Brachyphylla cavernarum Gray, Monophyllus Redmanii
Leach, Phyllonycteris Poeyi Gundl., P. Sezekorni Gundl., Macrotus Wa-
terhousii Gray.
Ueber die Wanderungen der Fledermäuse in den ßogosländern,
die den Heerden folgen, berichtet v. Heu gl in (Nov. Act. I. c.
p. 17—18).
Den Monophyllus Redmanii Leach beschreibt Tom es (1. c.
p« 87 — 92. PI. XV) nach vollständigen Exemplaren von Jamaica, indem
er ihn mit Glossophaga amplexicaudala und G. ecaudata vergleicht.
Aus der ausführlichen Beschreibung heben wir bloss das Wichtigste
der Zahnbildung hervor. Die Zahnformel ist : ^ ' ' , — ; — —-^-=34*)
2 . 1 . (1 . 1 — 1; . o
*) Der Verf. schreibt die Formel für die Praemol.
1-1. 1'
Äweiten, unten dagegen zwischen dem zweiten und dritten Praem.
was wohl nur ein Druckfehler ist, da sich nach der Beschreibung
und Abbildung oben der Zwischenraum zwischen dem ersten und
der Säugethiere während des Jahres 1861. 115
Im Oberkiefer bat der erste Praemolar drei deutliche Spitzen, deren
mittlere lang und spitz ist, die anderen sehr kurz. Der zweite Praem.
ist durch einen Zwischenraum vom ersten getrennt und steht am ersten
Molar; er gleicht an Gestalt dem ersten Praem., nur ist die hintere
Spitze weniger deutlich. An den Molaren ist die innere Hinterecke
besonders entwickelt; die W-Form ihrer Kronen ist sehr unvoll-
ständig entwickelt. Im Unterkiefer steht der erste Praem. dicht am
Eckzahne, ist mehr zusammengedrückt und besitzt nur eine einzige
Spitze, an deren Hinterseite sich die Andeutung zu einem hinteren
Lappen findet, der zweite Praem. berührt den ersten, ist aber drei-
spitzig. Der dritte Praem. ist ebenfalls dreispitzig, wird aber durch
einen Zwischenraum vom zweiten getrennt und berührt den ersten
Molar. Abgebildet sind das ganze Thier, Schädel und Gebiss.
Die Identität des Monophyllus Redmanii Leach mit Glossophaga
caudifer Geoffr. hält Tom es (1. c. p. 64) für wahrscheinlich.
Phyllonycteris Poeyi Gundlach hat nach Tomas (1. c. p. 65)
Aehnlichkeit mit Brachyphylla) ist aber näher verwandt mit Mo>
nophyllus.
Eine Geschichte und umfassende Gruppirung des Gen.
Vampyrus Geoffr. et Leach gab Tom es*) (Proc. Zool. Sog.
1861. p. 102— 109. PI. XVIII).
A. Vampyrus Leach. Ohne Schwanz, Incis. +; Praem. |. Der
erste und zweite untere Praem. gleich gross, nicht comprimirt, kleiner
als der dritte. Beispiel : V. spectrum.
B. Vamp., subgen. Lophostoma Peters. Schwanz wie bei Phyl-
lostoma hastatum ; die Flughaut bis zur Zehen wurzel reichend. Incis. i-
Praem. 2 jer erste untere Praem. giösser als der zweite; dieser sehr
klein, auf der Innenseite der Zahnreihe und von Aussen nicht sicht-
bar. — V. auritus Peters = Lophostoma sylvicolum des Leydn. Mus.
C. Scbizostoma Gervais. Allgemeine Gestalt wie bei V. auri-
tus; Flughaut bis zum Ende der Tibia reichend. Incis. *: Praem. 2
Der erste untere Praem. grösser als der zweite, dieser und der dritte
ungefähr von gleicher Grösse. — Phyllostoma elongatum Gray (nicht
befindet, und der Verf. durch seine Formel nicht bloss die Zahl, son-
dern auch „einigermassen die Stellung der Zähne" ausdrücken will.
*) Ohne jedoch die Arbeiten Saussure's über denselben Ge-
genstand zu erwähnen, obgleich derselbe zuweilen zu ganz abwei-
chenden Ansichten gelangt ist und z. B. Hemiderma Gerv. unter den
Glossophagen, Carollia Gray dagegen unter den Vanipyren aufführt,
während der Verf. in einer Anmerkung diese beiden Gattungen für
identisch erklärt.
116 He n sei : Bericht üb. d. Leistungen in d. Katurgeschichte
P. elongat. GeofTr.) = Schizostoma minutum Gerv., Phyllostoma scro-
biculatum Wagn.
D. Lophostoma d'Orb. Flughaut bis zum Ende der Tibia rei-
chend. Incis. ♦; Praeni, |. Der erste untere Praem. viel grösser als
der zweite, der klein ist, aber in der Zahnreihe steht. — Lophostoma
sylvicolum d'Orb.
E. Minion Gray. Schwanz wie in Phyllostoma und Lophost. ;
Flughaut nicht bis zum Ende der Tibia reichend, wie bei Lophost.
Incis. |; Praem. |. Der erste untere Praem. etwas kleiner als der
zweite, der dem dritten der vorgenannten Arten entspricht, während
der kleine oder mittlere fehlt. — Phyllostoma elongatum Geoffr. =
P. Bennettii Gray, Mimon Bennettii Gray.
F. Tylostoma Gerv. ; Vampyrus Spix. Flughaut bis zum Ende
der Tibia reichend. Incis. 4; Praem. 2. — Vampyrus bidens Spix. =
Tylostoma bidens Gerv., Phyllostoma Childreni Gray, P. bidens, Paris.
Mus., P. lituratum, Leyd. Mus,
G. Trachops Gray; Tylostoma Gerv. in part. ?, Vampyrus Spix.
Incis. |; Praem. |. Vampyrus cirrhosus Spix, = Trachops fuligino-
sus Gray, Phyllostoma crenulatum Geoffr. ?.
Für Arctibeus perspicillatus werden von Tomes (1. c. p. 64)
folgende Synonyme aufgestellt: Vespertilio perspicillatus L., Phyllo-
stoma persp. Geoffr., P. superciliatum et P. obscurum Pr. Max., Arcti-
beus jamaicensis Leach et Horsfield, A. carpolegus Gosse. Phyllostoma
planirostre Spix? und nach Vergleichung der Typen für Arctibeus
brachyolus: Phyllosotoma brach. Pr. Max., Arctibeus jamaicensis Gosse,
A. achradophilus Gosse, A. sulphureus Gosse.
Njjcteris labiata n. sp. Heuglin (Nova Acta 1. c. p. 5) : Fissura
frontis membranis utrinque quatuor ornata, quaruni superiore biloba;
labeo trisulcato, labio bipartito ; gastreo, pileo naribusque albidis;
regione ophlhalmica, fronte, cervice et dorso murinis ; colli lateri-
bus humerisque inlense griseo-rubente indutis ; auriculis pallide fu-
liginosis, minutissime nigro-marginalis; patagiis nigricantibus. Spann-
weite der F'lughäute 11". Keren.
Coelops Frilhi Blyth, bisher nur in einem einzigen Exemplare aus
Kieder-Bcngalen bekannt, beschrieb Bernstein nach einem Indi-
viduum, welches er bei Gadok auf Java gefangen hatte.
Coelops Blyth — Dent. prim. |: superiores minores, bifidi,
ossis intermaxillari mobili inserti: inferiores maiores, trißdi; laniarii
1—1
•- — -: superiores binis cuspidibus laleralibus instructis; molares
g^ _: anteriores spurii, reliqui tritores cüspidati. Nares postremate
membranaceo, complicato, infundibuliformi. Auriculae magnae, di-
der Säugethiere während des Jahres 1861. 117
scretae, trago nullo. Patagiiim anale excisum ; cauda nuUa. C. Frithi
Blyth: vellere pilis bicoloribiis, notaeo brunneo grisescente, gastraeo
fusco albescente, pilorum basi cinerco nigricante *).
Phyllorhina antricola n. sp. Peters (1. c. p. 709), Ohren etwas
länger als breit, die Spitze rechtwinklig und der äussere Rand unter
derselben nicht ausgeschnitten; queres Nasenblatt nnt vier Zellen;
^ mit grosser Stirngrube; Schwanz fast doppelt so lang wie die
*) Herr Prof. Peters hat die Güte gehabt, mir folgende Mit-
theilung in Betreff dieser Art zu machen: „Der vortrefflichen Be-
schreibung von Hrn. Dr. Bernstein habe ich nach der Untersuchung
des männlichen Oiiginalexemplares im Museum zu Leyden nur hinzu-
zufügen, dass ein ganz kurzer Schwanz von l'/j Mm. Länge vorhan-
den ist, dass ebenso auch Sporen von S'/j Mm. Länge deutlich sicht-
bar sind, dass sich vor den Nasenlöchern noch ein eigenthümliches
querstehendes Nasenblatt befindet, das vordere Nasenblatt (Hufeisen)
am meisten in seiner Bildung mit einem Paar der Blätter von Nycteris,
der Sattel dagegen ganz mit dem einiger Phyllorhinen übereinstimmt,
ferner am Gaumen nur zwei quere durch eine längsgehende ver-
bundene Schleimhautfalten vorhanden sind , dass die Endknorpel
des vierten und fünften Fingers, wie bei mehreren Phyllorhinen
T-förmig, und dass die Flughäute bis über die 3Iitte des Metatarsus
angeheftet sind, ßemerkenswerth ist die ausserordentliche Kürze der
beiden freien Phalangen des Daumens im Verhältnisse zu dem sehr
langen Mittelhandgliede desselben, ferner die aussergewöhnliche Länge
der Mittelhand des Zeigefingers, welche über das zweite Gelenk des
dritten Fingers hervorragt und, wie Herr Dr. Bernstein bereits be-
merkt, die Bildung sämmtlicher Zehen aus nur zwei Phalangen, wie
es zuerst von mir bei Phyllorhina und Thyroptera beobachtet worden
ist. Die Galtung steht offenbar den Phyllorhina am nächsten und
dann wahrscheinlich den Nycteris noch näher als den Megaderma,
was durch die Untersuchung des Schädels entschieden werden könnte.
Nach der ungenügenden Beschreibung, welche Blyth von Coelops
Frithi gegeben hat, lässt sich allerdings nicht mit Bestimmtheit sa-
gen, ob der Coelops Bernsieini davon verschieden sei; indessen ist
dieses doch sehr wahrscheinlich, da keine einzige Art der Hufeisen-
nasen mit Bestimmtheit in Bengalen und Java zugleich vorkommt.
Eine Fibula ist übrigens bei Coelops, wie sich ohne irgend sichtbare
Verletzung leicht sehen lässt, wie bei den Rhinolophina vorhanden,
während dieselbe bei Nycteris vermisst wird. Eine bildliche Dar-
stellung des Aeusseren und des Schädels wäre sehr wünschenswerth
gewesen, indessen hat sich Hr. Dr. Bernstein auf eine deshalb an
ihn ergangene Anfrage ausdrücklich dieselbe selbst vorbehalten.
118 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Tibia. Flughäute bis zum Tarsus angeheftet; Tolallänge 80 Mm.
Exp. al. 260 Mm.
riiyllorhina obscura n. sp. Peters '(1. r. p. 709), Ohren etwas
länger als breit, spitz, unter der Spitze ausgerandet; queres Nasen-
blatt ohne Zellen; Schwanz um % länger als die Tibia; ^T "^^^
grosser Stirngrube; Flughäute bis zur Mitte des 31etatarsus angeheftet.
Totallänge 85 Mm. Exp. al. 295 Mm. Luzon.
Phyllorhina longicauda n. sp. Peters (Monatsber. Berlin. Akad.
1861. p-708)j Ohren breiter als lang, aussen unter der Spitze ausgeran-
det; queres Nasenblalt mit vier Zellen; Schwanz fast so lang wie der
ganze übrige Körper; vierter Finger länger als Metacarpus und erste
Phal. des dritten Fingers ; der Daumen über die Hälfte von der Flug-
haut umfasst. (^ mit grosser Stirngrube; Flughäute bis zum Tarsus
angeheftet. Totallänge 90 Mm., Exp. al. 315 Mm. Java.
Phyllorhina megalotis n. sp. Heuglin (Nov. Act. I.e. p. 8 — 10):
minima; auriculis rotundatis, maximis fronte connatis ; membrana
semiorbiculare (ferr. eq.) simplice; vellere sericato, facie nitide et
delicatissime flavo-ferruginea; Stria parva nigricante, per oculos
ducta; etc. Bogos-J.änder.
Phyllorhina bicornis ü. sp. Heuglin (Nov. Act. 1. c. p. 7) :
grisescente-albida, cervice, collo, dorsoque obscurioribus, pilis Omni-
bus apice fuscescentibus; facie pallide murina; regione inguinale
pure alba; auriculis griseis, intus helicem versus violascentibus;
(nach einer Verbesserung auf S. 18) ferro equino ut rite triplice;
lobulis duobus iuxta nares porrectis; sella lata, rectangulari, pro-
sthemate rotundato antice replicato, a fronte compresso, circumdato;
auriculis latis approximatis, margine interiore semilunare, exteriore
falciforme, hie basi lobalo. Exten, al. fast lO'/i". Keren.
Rhinolophus borneensis n. sp. Peters (1. c. p. 709 — 710), Ohren
spitz, höher als breit, der Lappen durch einen spitzwinkligen Aus-
schnitt abgesetzt; Hufeisen von einem freien Blatte umgeben; Sattel
an der Basis kaum erweitert, hier schüsseiförmig rund, an dem vor-
dem oberen Ende abgerundet, die hintere zusammengedrückte Spitze
kaum höher, abgerundet, Unterlippe mit vier warzigen Wülsten;
Schwanz wenig länger als die Tibia; Flughäute bis zum Tarsus aus-
gedehnt; Tolallänge 80 Mm., Exp. al. 260 Mm. Labuan, Borneo.
Pthinolophus rufus n. sp. Peters (1. c. p. 710), Ohren so lang
wie der Kopf, sehr spitz, der J>appen durch einen spitzwinkligen
Ausschnitt abgesetzt; Hufeisen jederseils von einer Wulst umgeben;
die Basis des Sattels jederseils winklig ausgezogen, die obere Spitze
abgerundet und ohne hinlere zusammengedrückte Spitze ; Unterlippe
mit vier Warzen; Schwanz etwas kürzer als die Tibia; Flughäute
bis zum Tarsus angewachsen. Tofalläiige 105 Mm., Exp. al. 340 Mm.
Luzon.
der Säugethiere während des Jahres 1861. 119
Rhinolophus acrotis n. sp. Heuglln (Nov. Act, 1. c. p. 10— 11):
im Nasenbesatz, Form der Ohren u. s. w. dem R. mininms sehr ähn-
lich, aber viel grösser. Nasenblatt doppelt, jedoch nur der Rand des
oberen frei, die Sella mit breiter Yorderwand, die Endglieder des
vierten und fünften Fingers an der Spitze gegabelt, Zeigefinger zwei-
gliedrig u. s. w. Keren.
Rhinolophus minimus n. sp. Heuglin (Nov. Act. 1. c. p. 6) : eine
der kleinsten Fledermäuse. Das Hufeisen sehr breit, mit freiem Rande,
der die Lippen seitwärts überragt, nur aus einer einzigen Falte be-
stehend ; die Sella schmal, seitlich zusammengedrückt, hoch aufge-
richtet, mit der feinen, hornähnlichen Spitze nach vorn geneigt; das
lanzetförmige Prosthema durch zwei neben und übereinander stehende
seitliche Sägezehen an der Basis mit dem Hufeisen verbunden u. s. w.
Keren.
Feters fand (I.e. p. 711) bei einem Rh. philippinensis Maasse,
die mit den von Water ho US e gegebenen nicht ganz übereinstimmen.
Chinesische Exemplare des Rhinolophus Rouxi Temm., sind
nach Biyth (Journ. Asiat. Soc. Beng. XXX. p. 90) klein und dunkel
gefärbt, sonst aber nicht genügend von den bengalischen zu unter-
scheiden.
W. King's Beschreibung des irländischen Rhinolophus hippo-
sideros, welche schon in dem Berichte für das Jahr 1859 erwähnt wurde,
befindet sich auch in den Proc. Dublin Univ. Zool. and Bot. Assoc.
1859. Vol. I. p. 264 — 268 mit einer vergrösserten Vorderansicht des
Kopfes der Species.
Ceyiturio McMurtrii n. sp. Allen (Proc. Acad. Nat. Sc. of Phi-
ladelphia 1861. p. 359 — 361): im Allgemeinen röthlichbraun in reh-
farben; das Haar des Rückens dreifarbig, an der Basis bleigrau, in
der iMitte blasser, an der Spitze röthlich mit rehfarben; die Arme
kurz und dicht behaart, die Zwischenschenkelhaut mit langen und
spärlichen Haaren, auf der Unterseite weniger behaart. Die drei
Farbenschattirungen des Rückens fehlen auf dem Bauche. Die Haar-
büschel des Gesichtes rehgrau, die der Schultern weiss. Exp. al. 9"
engl. Mirador in Mexiko. (= C. mexicanus Sauss. ?)
Chilonycteris Osburni n. sp. Tomes (1. c. p. 66. PI. XIII). Der
Verf. beschreibt die Art nach sechs Exemplaren von Janiaica sehr
genau und vergleicht sie mit C. gymnonota Natt., C. rubiginosa Natt.,
C. quadridens, ohne jedoch, wie gewöhnlich, eine Diagnose zu ge-
ben. Abgebildet sind das ganze Tbier, der Schädel und das Gebiss.
Chilonycteris grisea Gosse ist nach Tomes (1. c. p. 65) = Ch.
quadridens (Lobostoma quad. Gundl.), dagegen sind C. Maclcayi und
C. fuliginosa damit verwandt, aber nicht identisch.
120 Ilensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Tom es fand (1. c. p. 65) Exemplare des Mormoops Blainvillei
Leach, von Süd-Amerika grösser und dunkler als solche von Jamaica.
Emballonura discolor n. sp. Peters (I. c. p. 711), im Allge-
meinen mit E. monlicola übereinstimmend, nur die Schnauze breiter
und die Haare an der Bauchseite des Körpers am Grunde weiss ; To-
tallänge 60 Mm. Exp. al. 285 Mm. Luzon.
Mosia nigrescens Gray, gehört nach Peters (I. c. p. 711) ohne
Zweifel zur Gattung Emballonura und stammt aus dem Indischen
Archipel.
Atalapha Pfeifferi n. sp. Gundl. (1. c. p. 152 — 154). Die Art ist
von Gervais (Ilist, nat. de Cuba von Rani, de la Sag.) als Nycticejus
bonariensis et Blosseviliei Lesson, der Schädel und das Gebiss aber
später (Castelnau-Voyage etc.) vonLesson's Originalexemplaren ab-
gebildet worden, woraus die Verschiedenheit beider Arten ersichtlich
ist. Das Gebiss gleicht ganz dem bei A. lasiurus durch den ersten,
ausserordentlich kleinen Backenzahn des Oberkiefers.
Atalapha mexicana n. sp. Dent. mol. i. Caput et gula fulves-
centia, ore et mento fuscis. Auriculae rotundatae, nigrae, exlus basi
fulvo-hirsutae, intus margine antico et area in medio una fulvo-se-
tosis. Dorsum castaneum, supra grisescens, infra rufescens, ubique
albomarmoratum. Tibiae, pedes et patagium fermorale rufa, albo-mar-
morata. Venter fusco-griseus etc. In humeris macula alba. Supra
maculae albidae tres in basi pollicis et quinti digiti, in angulo cu-
biti sitae. Antebrch. long. 0,053. Mexiko.
Das Gen. Atalapha Rafin. wird von de Saussure (1. c. p. 97)
folgendermassen charakterisirt : Cauda longa involuta; patagium fe-
morale ut in Vespertilionibus. Dentes i i 4 vel 1
Katalus slramineusGray erklärt To m es (I.e. p. 65) für synonym
mit (dem doppelt so kleinen) Kyctiellus lepidus Gerv. und zweifelt
sogar wenig an einer Identität mit Spectrellum macrourum Gerv. Die
Exemplare von Jamaica waren kleiner und dunkler als die vom ame-
rikanischen Fesllande.
Molossus ferox n. sp. Gundlach (l. c. p. 149), dem M. perotis
Frz. zu Wied in allen Theilen sehr ähnlich, aber die Ohren anein-
anderstossend und nicht so weit mit einander verwachsen wie bei
dieser Art. Von M. rufus (Geoffr.) Gervais durch den viel stärkeren
ersten unteren Backenzahn zu unterscheiden; von Cuba.
Molossus fumarius Spix identificirt Tom es (1. c. p. 68) nach
Vergleichung der Exemplare zu Paris, Leyden und im British Museum
mit M. obscurus Geoffr. und M. fuliginosus Gray (non Cooper).
Zwei in der Farbe des Pelzes abweichende Exemplare des
Molossus limbatus (Dysopes limbatus Peters) vom IVgama-See beschreibt
Tomes (Proc. Zool. Soc. 1861. p. 40).
Dysopes tnttltispinosus ü. sp, ßurmeister (1. c. p. 391) älinlich
der Säugethiere während des Jahres 1861. 121
dem D. aurispinosus Peale ; graulichrussbraun, Bauchseite etwas lich-
ter; die Armflughaut unten neben dem Rumpfe zu beiden Seiten be-
haart, das Uebrige, die Ohren und Lippen nackt. Ohren gross, der
Vorderrand zurückgebogen , darauf eine Reilie von 6 — 8 kleinen
Warzen; auf dem Nasengrunde die Ohren durch eine Hautfalte ver-
bunden. Oberlippe am Rande zackig gefaltet, gleich dem Kinn mit
zerstreuten, steifen, stumpfen Stacheln besetzt, die in warzenförmigen
Runzeln sitzen, daneben feine Haare. Schneidezähne ^ Backenzähe |..
oben zwei einfache Lückenzähne und drei je fünfzackige Kauzähne,
unten der erste Zahn ganz klein und spitz, die anderen vier kräftige
Kauzähne, deren erster und letzter aber viel kleiner als die beiden
mittleren. Beine mit langen weissen Haaren besetzt. Flugweite
9*/! — 11 Zoll; im Westen der Argentinischen Staaten.
Nyctinomus tnusculus n, sp. (lundlach (1. c. p. 149) (Rhinopoma
carolinense Gundl. Wiegm. Arch. 1840. p. 358) ? Kyctinomus murinus
Gray) fast in allen Punkten mit Kyctinomus Naso Wagn. überein-
stimmend, aber etwas kleiner: die Ohren durch einen kleinen bogi-
gen Ausschnitt von einander getrennt und der Basallappen des äusseren
Qhrrandes verhältnissmässig viel breiter und niedriger; von Cuba.
Nyctinomus (DysopesJ venlralis n. sp. Heuglin (Nov. Act. 1. c.
p. 11 — 12): vellere brevi, sericato, brunneo-rufo, snbtus pallidiore;
Stria ventrali, lata, mediana, conspicua rubente-flava ; vibrissis faciei
obscure brunneis ; fascia lata subbrachiali villosa pallide fulvescente;
pilis digitorum podarii setosis, valde elongatis et unguines ex parte
superantibus. Exp. al. 15Va". Keren.
Nyctinomus biviltatus n. sp. Heuglin (Nov. Act. 1. c. p. 13 — 14).
In der langen Diagnose, in welcher die charakterisirenden Merkmale
nicht hervorgehoben sind, wird die Farbe folgendermassen bezeich-
net. „Corpore supra obscure umbrino; pectore paulo pallidiore;
abdomine fulvescente, regione femorale ferrugineo - ventre medio
griseo indutis, vittis duabus occipitalibus albis ; humeris, pectoris
lateribus et regione subauriculare delicate albido stictis etc. Exp. al.
127,". Keren.
Nyctinomus insignis n.sp. Blyth (Journ. Asiat. Soc. Bengal.XXX.
p. 90) ähnlich dem K. plicatus Hardw., aber beträchtlich grösser und
dunkler mit verhältnissmässig grösseren Ohren. Exp. alar. 16%"
engl. China.
Für Nyctinomus nasutus Spix sp. giebtTomes (1. c. p. Q^ — 69)
folgende Synonyme: Nyctinomus brasiliensis Geoffr., N. murinus Gray,
Molossus fuliginosus Cooper, Rhinopoma carolinensis LeConte; da-
gegen ist Rh. carolinensis Geoffr. ein kleiner Molossus von West-
Afrika und Bourbon (M. 'acetabulosus = 31. natalensis Smith) und
der Vespertilio borbonicus im Pariser Museum ist ein gelbliches Exem-
plar des V. (Lasiurus) noveboracensis der Verein. Staaten.
122 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Nycticejus bonariensis Tenim. ( Vespertilio bonariensis Less.)
beschrieb Bürineister (1. c. p. 395) nach drei frischen Exemplaren,
die er lebend in Parana erhielt. Die oberen Schneidezähne dicht an
die Eckzähne gerückt, gross, einfach zugespitzt, schief geneigt ; die
oberen Eckzähne beträchtlich grösser als die unteren. Im Oberkiefer
ein grosser, spitzer Lückenzahn, im Unterkiefer deren zwei unglei-
che, der vordere sehr klein, der hintere gross und stark wie der des
Oberkiefers, Ein Fleck gelber, dichter Haare im Ellenbogengelenke,
an der Basis des Daumens und der Basis des fünften Fingers bei
sonst schwarzer Flughaut scheint charakteristisch zu sein. Ein altes
Weibchen war säugend und hatte an jeder Seite der Brust über ein-
ander zwei grosse stark angesogene Zitzen.
Nycticejus flavigaster n. sp. Heuglin (Nov. Act. 1. c. p. 14 — 15):
supra brunneo-olivaceus, subtus pure sulfureus; capitis lateribus ni-
tide pistacino linctis. Unguibus podii postici virente griseis, apice
intense-flava. Exp. al. 13". Keren.
N. murino-ßavus n. sp. Heuglin (Nov. Act. 1. c. p. 15): similis
K. flavigastro, sed minor; supra niurino - olivaceus, subtus olivaceo-
flavus; dentibus laniariis violascente tinclis (?). Exp. alar. llVi".
Abyssinische Küste.
üeber Nycticejus planirostris Peters berichtet Tom es nach
zahlreichen Exemplaren aus S.-W. -Afrika (Proc. Zool. Soc. 1861.
p. 33). Die helleren Exemplare hatten Aehnlichkeit mit N. leucoga-
ster, unterschieden sich aber davon durch die kräftigere Gestalt, grös-
seren Kopf mit grösseren Ohren und durch längeren Pelz.
Miniopterus Schreibersii ist nach Tomes von Anderson am
Nyama-See gesammelt worden (Proc. Zool. Soc. 1861. p. 40).
Vesperus ciibanus n. sp. Gundlach (1. c. p. 150 — 152), auf den
ersten Anblick sehr ähnlich dem V. Dutertreus, aber viel kleiner und
mit ganz anderem Zahnbaue. Die unleren Schneidezähne sind drei-
lappig und nicht quer, sondern dem Kieferrande parallel gestellt.
Im Zwischenkiefer jederseils nur ein einziger, einspitziger Schneide-
zahn vorhanden; mit V. innoxius Gerv., in der Grösse übereinstim-
mend, aber, abgesehen von dem Gebisse, durch den flacheren Hirnlheil
des Schädels unterschieden. Wenn sich das Fehlen des äusseren
oberen Schneidezahnes als beständig herausstellt, so würde die Art
entweder zu Nycticejus oder zu einer neuen Gattung zu stellen sein;
von Cuba.
Ueber Vesperugo Nathusii in Ungarn berichtet Jeitteles
(Verhandl. d. zool. -bot. Gesellsch. Vol. XL Wien 1861. p. 14).
Plecotus velatus Geolfroy beschrieb Burmeister (1. c. p. 393)
nach einem Exemplare aus Mendoza ausführlich. Backenzähne |,
der erste derselben im Oberkiefer sehr klein, daher vielleicht von
Gray übersehen.
der Säugethiere während des Jahres 1861. 123
Vespertilio montanus n. sp. Philippi et Landbeck (Archiv^ für
Kaliirgesch. 1861. p. 289 — 290): auriculis ainplis, oblongis, disiunctis;
trago angusto elongato; cauda truncum dimidium aequante; pilis in
parte fsuperiore corporis niurinis, in inferiore cinereo albis ; facie
supra nigra; antibrachio 20 lin. (welcher Art?) longo, caudam tertia
parle superante. Exp. al. 10". Cordilleren von Santiago in 7000' Höhe.
Die Art steht zwischen V. velatus (Plecotus velatus Geoffr.) und V.
chiloensis, doch dem eTsteren näher. Dass die Verfl". das Gebiss nicht
untersucht haben, wollen sie damit entschuldigen, dass das Exemplar
schon vor der Beschreibung ausgestopft worden war.
Scotophilus variegalus n. sp. Tomes (Proc. Zool. Soc. 1861.
p. 36 — 39), ungefähr von der Grösse des S. Leisleri. Obere Incis. 4,
die äusseren rudimentär, sehr kurz und kegelförmig mit einem ent-
wickelten und breiten Saume, die inneren mit einem massigen;
Praemol. i; unter den Molaren der letzte oder dritte von vorn nach
hinten sehr schmal aber mit der gewöhnlichen Zahl der Spitzen. Im
Unterkiefer ist der Angulus weniger hervorragend als in den anderen
Arten des Genus; die Schneidezähne von vorn nach hinten dicker
als gewöhnlich, ihr Hintertheil in Form eines Basallobus vorgezogen,
wodurch die Zähne vier Spitzen zu haben scheinen. Der erste Prae-
niolar ist klein, kegelförmig, mit einem regelmässigen Saume, der
zweite ihm etwas ähnlich aber beträchtlich länger; der letzte Alahl-
zahn kleiner als gewöhnlich; von Otjoro in S.-W.-Afrika.
Scotophilus rvsticus n. sp. Tomes (Proc. Zool. Soc. 1861. p. 35),
in Kopf, Ohren und Schneidezähnen mit S. Kuhlii und S. minutus
verwandt; Praemol. i, Mol. i. Der erste Praemolar im Oberkiefer
ist sehr klein und steht so zwischen dem Eckzahne und zweiten
Praemolar, die einander berühren, dass er nur von innen gesehen
werden kann. Der zweite Praemolar stellt den einzigen des S. minu-
tus vor und gleich ihm in Gestalt. Die unteren Zähne gleichen ganz
denen des S. minutus.
Den Scotophilus minutus (Vespertilio minuta Temm.) beschreibt
Tomes nach einem erwachsenen Exemplare. Der Schädel gleicht
im Allgemeinen dem des S. Kuhlii und des S. pipistrellus, doch be-
sonders dem des ersteren ; Praem. i, Mol. |. Die äusseren oberen
2 3
Schneidezähne klein und spitz, die inneren doppelt so lang mit einer
undeutlichen Kebenspitze auf der Aussenseite, der Praemolar länger
als die Molaren mit der gewöhnlichen Reisszahnform. Im Unterkie-
fer ist der erste Praemolarzahn klein und kegelförmig und erreicht
nicht ein Drittel der Länge des Eckzahnes ; der zweite Praemolar
doppelt so lang als der erste.
Den Scotophilus capensis (Vespertilio capensis Smith, South.-Afr.
Journ. n. ser. V. p. 1. 183J, V. minutus Smith, III. Zool. S.-Afr. 1848)
hat Tomes gemessen und theilt ausserdem noch zur Vergleichung
124 Ilensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
die Maasse des S. minulus, Kuhlii und ruslicus mit (Proc. Zool. Soc.
1861. p. 36j.
J. R. Kinahan beschreibt als neu für die Fauna Irlands den
Scotophilus Leisler! (llarvey's etc. Kat. liist. Rev. 1860. p. 396— 307).
Zahlreiche Maasse sind der Beschreibung beigefügt.
Vespertilio Leisleri wird von Mordet (Notice sur l'Hist. Nat.
des A^ores etc. Taris 1860) als Bewohner dieser Inseln, vielleicht
aus Nord-Europa eingeschleppt, angeführt.
Kerivoula argentata n. sp. Tomos (Proc. Zool. Soc 1861. p. 32) :
80 gross wie K. papulosa und in der Farbe von allen anderen Arten
verschieden , besitzt die neue Art einige Uebereinstimmung mit K.
lanosa und K. aerosa, mit denen sie der Verf. sorgfältig vergleicht;
die Zähne gleichen denen der K. lanosa; die oberen Schneidezähne
sind wie bei dieser Species beinahe von derselben Länge. Im Un-
terkiefer besitzen die äusseren Schneidezähne die der Gallung eigen-
thümlichen Spitzen mehr entwickelt als bei irgend einer anderen
Species; von Otjoro in S.-W. -Afrika. 5
Vespertilio Isidori Gervais beschrieb Bu r mei st er (I.e. p. 394).
Von den sechs Backenzähnen jeder Seite sind die beiden ersten
kleine Stifte und der zweite, namentlich oben, beträchtlich kleiner
als der erste; der dritte ist ein hoher, spitzer Lückenzahn. Der
Schwanz ist im Leben so stark siclielartig gekrümmt, dass er nicht
ganz gerade ausgestreckt werden kann; durch alle La Plata-Slaaten
verbreitet und häufiff.
Vespertilio Mülleri ist als neue Species von Becker in den
Transact. Philos. Instit, of Victoria IV. Part I Melbourne 1859 beschrie-
ben und abgebildet worden (Petermann's Mittheil. 1861. p. 125).
üie Maasse des Vespertilio Hardwickii Horsf. theilt Peters
mit (1. c. p. 711— 712).
Vespertilio subulatus hat nach A. Hai 1 I.e. p. 291 | Mol., der
zweite, vierte und sechste im Unterkiefer am stärksten.
V. noctivagans wird von A. Hall I. c. p. 291 nochmals nach
Farbe und Gestalt beschrieben.
Ueber Vespertilio pruinosus siehe A. Hall 1. c. p. 290. (Die
Beschreibung des Gebisses, Mol. |, ist so allgemein gehalten, dass
sich demselben keine Species-Charaktere entnehmen lassen.)
Tom es hat sich (Proc. Zool. Soc, 1861. p. 278) überzeugt,
dass der Vespertilio carolinensis Geoffr. im Paris. Mus. identisch ist
mit Vesp. ursinus Temm.
Insectivora.
V. Heu gl in zählt die Igelarten N.-O.-Afrfiia's auf (Nov. Act.
I.e. p. 23): Eriaaceus Pruneri Wngd.; E. brachydaclylus Wagn. «=
der Säugethiere während des Jahres 1861. 125
E. aethiopicus Ehrenb, , E. platyotis Sundev. , E. libycus Elirenb., E.
aegypfius Sundev., E. frontalis Smith und beschreibt I. c. p. 22: JE.
pectoralis n. sp. Die einzelnen Borsten mit feinen Längsstreifen auf
der Oberfläche, die mit einer Reihe feiner Wärzchen besetzt sind,
während die Spitze glatt ist. Die Ohren fast so lang als sie an der
Basis breit sind, im Innern mit einem starken w^eissen Haarbüschel.
Das Schwarz des Unterkiefers vom Kinne aus in einem Bogen ab-
wärts gezogen und gegen die weisse Kehle scharf abgegrenzt; diese
mit einem feinen schwarzen Mittelstreifen, der in das Schwarz dei*
Brust vor den Vorderfüssen einlenkt. Totallänge 9". Peträisches
Arabien.
Einen vielleicht neuen Igel von Peking, Shanghai und Swatow
erwähnt Swinhoe (Proc. Zool. Soc. 1861. p. 135).
Erinaceus collaris wurde von Swinhoe bei Amoy gesammelt
(Proc. Zool. Soc. 1861. p. 390).
Beobachtungen über die Unempfindlichkeit des Erinaceus euro-
paeus gegen Blausäure theilt Müller mit (Zool. Gart. 1861. p. 184).
Ueber den Igel vom Ussuri berichtet Maxim owicz (1. c.
p. 562).
Als neu für die Fauna des Amurlandes führt derselbe den
Maulwurf an (1. c. p. 568).
Einen Maulwurf von Peking, vielleicht Talpa leucura Blyth
erwähnt Swinhoe (Proc. Zool. Soc. 1861. p. 135).
Einen Maulwurf von Amoy mit einem weissen Schwänze hielt
Gray (Proc. Zool. Soc. 1861. p. 390) für eine neue Species, die sich
durch die bedeutende Grösse der Backenzähne von der indischen
Talpa leucura unterscheidet, darin zwar mit der T. micrura Hodg.,
übereinstimmt, jedoch oben jederseits zwei Lückenzähne besitzt.
Den Hals- und Lendenwirbel des Maulwurfs schreibt Owen
Eigenfhünilichkeiten zu, die sonst nur bei den Krokodilen undEnalio-
sauriern zukommen (Brit. Assoc. 1861. — Edinb. Philos. Journ. 1861.
p.298).
Ueber Condylura cristala siehe Ä. Hall 1. c. p. 29?.
Ueber Scalops canadensis (Blarina talpoides Baird) siehe A.
Hall 1. c. p. 292..
Sorex micrurus n. sp. To'mes (Proc. Zool. Soc. 186J. p. 279);
kleiner als S. vulgaris; der Schwanz kurz und dünn; gehört in die
Gruppe, von der Baird angiebt „der dritte Praemol. ist grösser als
der vierte und kleiner als der zweite oder diesem gleich". Kopf und
Körper bei einem Exemplare 2" 5'" (engl), Schwanz 10'".
Dass bei Sorex araneus die Gelenkfläche für den Unterkiefer
nicht am Schläfenbeine, sondern am Keilbeine sich befindet, beob-
achtete Dietrich (Giebel Zeifschr. 1861. p. 587).
Solenodon cubanus n. sp. Petel's (Monatsber. Berlin. Akad. 1861.
126 Hensel: Bericht «b. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
p. 169) (S. paradoxus Poey, non Brandt) durch eine spitzere Schnauze,
längeres Haar, breiter gespaltenes Maul und längere Ohren von S.
paradoxus aus St. Domingo verschieden; von Cuba.
' Carnivora.
Fer ae.
Feiina. Bartlett zählt diejenigen grossen Katzenar-
ten auf, welche sich in der Gefangenschaft fortpflanzen
(Proc. Zool. Soc. 1861. p. 140— 141. PI. XXII) :
Felis leo pflanzt sich häufiger in wandernden Menagerieen als
in zoologischen Gärten fort, F. tigris, F. onca mit F. leopardus, F.
concülor, F. pardalis, F. jubata, F. ilernandezi mit F. onca. Abge-
bildet sind die gefleckten Jungen der F. concolor. Alle Katzen mit
Ausnahme der Hauskatze , haben in der Jugend Spuren von Flecken
oder anderen Merkmalen, wenn sie ihnen auch im erwachsenen Zu-
stande fehlen.
Einige Notizen über Felis leo gab Weinland (Zool. Gart.
1861. p. 173— 176).
Dass am Amur der Tiger von den Eingebornen aus Furcht
nicht gejagt wird, erzählt A. Nord mann (Bull. Soc. imp. de Moscou
1861. II. p.249).
Wichtige Bemerkungen über Felis Tigris und F. Irbis in den
Amurländern siehe bei Maximowicz (1. c. p. 555 — 558).
Jacquart's Notiz über den Mechanismus des Einziehens der
Krallen bei den Katzen (Compt. rend. de la Soc. de Biolog. 1860.
p. 53) ist mir nur aus Citaten bekannt geworden.
Eine junge Hauskatze, deren linker Vorderfuss nur zwei Finger
hatte, erwähnt Eud es-I)esl o n geh am ps (1. c p. 122).
Ueber die Zucht der Katzen bloss des Felles wegen auf dem
Schwarzwalde und in Belgien berichtet der Zool. Gart. 1861. p. 67.
Von einer Katze, die junge Ihisen säugte, berichtet Reclam
(Zool. Gart. 1861. p. 117).
Dass junge Katzen von einem Hunde gesäugt wurden, berichtet
Weinland (Zool. Gart. 1861. p. 87).
Wilson beobachtete mehrere Monate hindurch einen lebenden
jungen Ozelot, Felis pardalis minimus (?) aus Realejo in Nicaragua
(Proc. of the Acad. Nat. Sc. of Philadelphia 1861. p. 82).
Ueber Felis onca und F. concolor in den La Plata - Staaten
vergleiche Burmeister 1. c. Bd. I. p. 101 (T. p. 294 und Bd. II.
p.71 u. 93.
Nach Xantus (Peterm. Miltheil. 1861. p. 143) soll Felis onca
nicht über 33° N. B. hinausgehen.
der Säugethiere wahrend des Jahres 1861. 127
Ueber Felis concolor siehe A. Hall 1. c. p. 298.
Felis GeofFroyi d'Orb. beschrieb Burmeister (1. c. p. 397)
nach einem alten männlichen Exemplare vom Rio-Parana und einem
ganz jungen von Tucuman. Der Farbenton des alten Thieres war
nicht so gelb wie die Abbildung bei d'Orb igny, sondern grauer,
das junge dagegen mehr gelblich. Die Kehle und die Brust rein
weiss ; die Ohren aussen schwarz mit weissem Fleck.
Felis Payeros, Azara, hat Burmeister (]. c. p. 398) nirgends
in den La Plata -Staaten angetroffen. Diese Art scheint nur südlich
vom 35° zu leben.
Eine Katze, von der M axi m o w i cz am mittleren Ussuri hörte,
hält v. Schrenck für Felis minuta Temm. (Bullet. Akad. Petersburg
II. 1860. p. 558. Anmerk.) 1. c. p. 559. Anmerk. findet sich auch eine
Bemerkung Maximowicz's über die zahmen Katzen der Eingebor-
nen am Ussuri.
Ueber eine Felis Serval berichtet Wein land (Zool. Gart. 1861.
p. 165).
Felis Caracal wird von Weinland (Zool. Gart. 1861. p. 210
— 217. c. tab.) nach lebenden, angeblich aus Persien stammenden
Exemplaren beschrieben. Die Grundfarbe des ganzen Thieres ist gelb-
lichgrau, der Bauch, die Innenseite der Beine und der untere Theil
des Schwanzes fast weiss. Die ganze Rückseite der Ohren und die
feinen Ohrbüschel sind glänzend schwarz. Der Schwanz reicht bis
zur Ferse (wohl durch einen Druckfehler wird er als „schwarz" statt
„schwach" beschrieben). Eine vortreffliche Abbildung stellte das
ganze Thier dar (die wenig bekannte aber ausgezeichnete Abbildung,
welche Levaillant gegeben hat, zeigt ein sehr dunkles Exemplar
aus Algier).
Ein am 6. Sept. 1860 bei Carlisle Mass., gelödteter Lynx cana-
densis hatte nach Angaben Thoreau's (Proc. Bost. Soc. YII. 1860.
p. 855) unbehaarte Sohlen, während man die Behaarung derselben als
Unterschied gegen L. rufus ansieht.
Ueber Lynx canadensis Raf. siehe Ross 1. c. p. 6— 8. (Aus
der ausführlichen Diagnose lässt sich durchaus keine Verschiedenheit
vom Europäischen Luchse erkennen.)
Ueber Felis (Lynx) canadensis siehe A. Hall 1. c. p.299.
Hyaenina. Das Milchgebiss der Hyaena striata untersuchte
Gervais und wies nach, dass die H. suilla Filippi ein junges Exem-
plar dieser Art ist (Ann. sc. nat. 1861. XV. p. 142—148).
Viverrina. Herpestes rutUus n. sp. Gray (Proc. Zool. Soc. 1861.
p 136 — 137): graubraun mit schwarzen und weissen Ringen an den
Haaren; der Kopf und die Beine dunkler braun mit wenigeren und
sehr schmalen weissen Ringen; Zitzen, Kehle und Unterseite des
128 Henscl: Bericht üb. d. Leistungen in d. IVaturgeschichte
Körpers einförmig dunklerbraun ohne grau ; Ohren braun; der Nacken
mit längerem Haare, welches einen breiten und kurzen Kamn» bildet.
Das Thicr ist branner als irgend ein indischer Herpestes. Canibodscha.
Herpesics adailetisis n. sp. Ileuglin, ist zuerst in Peterm. Mit-
Iheil. 18G1. p. 17 beschrieben, darauf in Nov. Acta XXVllI mit fol-
gender Diagnose versehen worden: cinereo - flavicans, pilis nigro-
fusco - annulatis, vertice cerviceque nigro - schistaceis, dorso fasciis
transversis obsoletis nigricanlibus , abdomine dilutione in flavidum
vergente ; antipedibus obscurioribus ; cauda corpore parum longiore,
apice attcnuala, haud penicillata, dorso concolore, in ultimo triente
nigra; plantis dcnudatis; oculis pupilla vertico-elliptica, iride fusca.
Long. tot. 1' 11" 6'" (welcher Art?), caudae 1" 3'". Adail - Küste.
Nov. Ad. 1. c. tab. 2. fig. 4 ist der Schädel (die Zähne ganz unge-
nügend) von zwei Seiten abgebildet.
Herpestes jodoprymnus n. sp. Heuglin (Nov. Act. 1. c. p.23):
supra ex albo griseoque variegatus; capite, collo, maniculis atque
podariis cinerascentibns, hypochondriis viridi-griseis, prymna saturate
casjanea ; pectore, abdomine, cristaque unicoloribus ex rufescente
isabellinis; cauda longa, disticha, basin versus villosissima, supra et
infra ad apicem nigrum usque castanea; rhinario et plantis denudatis
nigris. Totallänge 2' und darüber. Oestl. Abyssinien.
Ausserdem zählt v. Heuglin (1. c. p. 24) folgende Herpestes-
Arten N.-O.-Afrika's mit Angabe des specielleren Vaterlandes resp.
Fundortes auf: H. Pharaonis GeofFr,, H. leucurus Ehrb., H. taeniono-
tus Heugl., H. gracilis Rüpp. , H. adailensis Heugl., H. zebra Rüpp.
^vohl = fasciatus Desm,, H. mutgigella Rüpp., H. sanguineus Rüpp.,
H. Lefeborii Des Murs.
Genetta ßeldiana n. sp. Du Chaillu (Proc. Bosl. Soc. VIT. 1860.
p. 302) unterscheidet sich von G. poensis AVaterh. mit dunkelbraunen
Beinen, dadurch, dass diese auf der Vorderseite gefleckt sind, und
dass der Schwanz so lang wie der Körper ist. G. servalina Puch.
hat keinen Mittelstreifen und ist mehr bräunlich mit schwärzlichen
Beinen. Von Gray (1. c.) wird die Art mit G. pardina identificirt.
Ucber Genetta vulgaris als Haiisthier im südlichen Frankreich,
in Spanien und der Türkei berichtet der Zool. Gart. 1861. p. 68.
Hcloijale n. gen. FirernV. Gray (Proc. Zool. Soc. 1861. p.308):
Praemol. |; 3Iol. | mit folgenden Arten: H. parvula (Herpestes parv.
Sundev., Schädel breit und H. taenionota (Herp. taenion. A. Smith)
Schädel länglich. Abgebildet ist der Schädel der Hei. parv. in zwei
Ansichten.
Cynocjale velox n. sp. Du Chaillu (Proc. Bost. Soc. VII. 1860.
p. 361): Kopf lang, sehr flach; Augen klein; Ohren klein und spär-
lich behaart; Körper gedrungen und niedrig; Füsse fünfzehig, die
hinteren planligrad. Die vorderen sehr schwach obschon ganz und
der Säugelhiere während des Jahres 1861. 129
gar mit Schwimmhaut versehen und der Aussenrand des Tarsus mit
einer Membran besetzt. Der Schwanz kräftig, seitlich zusammenge-
drückt, die letzten drei Viertel oben und das Ende unten schneidend.
Das Thier lebt in den Gebirgen des Innern, lebt von Fischen und
schwimmt mit grosser Schnelligkeit. Die Gestalt und die Verhältnisse
des Schwanzes unterscheiden die Art von Bennettii Gray, so dass
der Verf. dafür eine neue Gattung, Potamogale vorschlägt.
Gray hat (Ann. and Mag. Nat. Hist. VIII. p. 63) auch diese
Art einer Kritik unterworfen, sie aber für einen Nager gehalten.
Leider wurde deswegen ein neues Genus, Mystomys, errichtet, dessen
Charakteristik wohl übergangen werden kann, da sie nur von einem
Felle ohne Schädel und Gebiss entlehnt ist, also die Stellung des
Genus durchaus nicht näher zu bestimmen ist.
Cäniüä. Ueber den Haushund der Eskimos und Hasen-Indianer
siehe Ross 1. c. p. 12 — 15.
Meyrick-House-Dogs and Sporting-Dogs: their Va-
rieties, Points etc. 8. London 1861 ist mir nur dem Titel nach be-
kannt worden.
Ueber Canis (Lupus) occidentalis var. griseus (Richardson) siehe
Ross 1. c. p. 9 — 12. Die Bastarde mit dem Hnushunde^ind fruchtbar.
(Die Diagnose passt vollkommen auf den Wolf der alten Welt.)
Ueber Canis lupus (occidentalis var. griseo-albus) siehe A.
Hall 1. c. p.297.
Bemerkungen über Canis latrans theilte Xantus mit (Peterm.
Mittheil. 1861. p. 134).
Ueber Canis jubatus vergl. Burmeister (1. c. Bd. I. p. 295).
Canis (Lyccdopex) enlrerianus n. sp. Buimeister (I. c. Bd. II.
p. 400). Er scheint dem C. fulvipes Waterh. am nächsten zu stehen
und möchte wohl der C. Azarae aus Paraguay bei Rengger sein. Der
Schädel eines alten ^ misst von den Schneidezähnen bis zum vorderen
Rande des Foram. magn. 5" 4"'. Die Länge des oberen Reisszahnes
^y%", des unteren fast 8'", der oberen Jlahlzähne 9'", der unteren
&^/t". Die Hauptfarbe des Pelzes war bei dem am 27. Febr. unter-
suchten (^ blass röthlichgelb. Auf dem Rücken haben die Haare in
der Tiefe einen fahlgräulichen Ton, werden dann rostgelb und enden
mit einer kurzen schwaizen Spitze. Kehle, Vorderhals, Brust bis
zum Bauche hinab und die Innenseite der Beine rein weiss, ebenso
die Zehen, namentlich an den Hinterbeinen. Die Aussenseite der
Beine wie der Rücken aber nicht so klar gelb. Die Backen, die
Lippen bis zur Nase, die Spitze des Unterkiefers und die Innenseite
der Ohren ebenfalls weiss, letztere aussen gräulich braunrolh wie
die Nase und Stirn. Der stark behaarte Schwanz wie der Rücken
gefärbt mit schwarzer Spitze. Diese Farbe besitzt auch die Gegend
der Phiole. Grösse wie bei C. vulpes. Ein am 27. Okt. untersuch-
Archiv für Naturg. XXVIIL Jahrg. 2. Bd. I
130 llensel: Bericht üb. '1. Leistungen in d. Naturgeschichte
les $ wich in der Färbung ab, ebenso ein Junges mit Milchgchiss.
Gefunden am oberen Parana und unteren Paraguay.
Ueber Canis (Pseudaiopex) magellauicus Gray und G. Azarae
Waterh. vergleiche Burmeister I. c. Bd- IL p. 405.
Canis (Pseudaiopex) gracilis n. sp. Burmeisler (1. c. Bd. IL
p.406) steht am nächsten C. griseus Gray und gleicht im vSchädel-
baue auch dem C. fulvicaudus. Der Zwischenkiefer bleibt von den
Nasal fortsätzen der Stirnbeine 3—4'" entfernt. Der Orbitalfortsatz
des Stirnbeines breiter und stumpfer als bei C. griseus mit der An-
deutung einer Vertiefung, wie sie bei den achten Füchsen vorkommt.
Der obere Rcisszahn zu den Kauzähnen bei C. griseus wie 12 : 13,
bei C. gracilis wie 12 : 14, im Unterkiefer bei C. griseus wie 14: 11,
bei C. gracilis wie 18:10. Auffallend verschieden sind die Lücken-
zähne, die bei C. gracilis entschieden höher und kuppiger als bei
C. griseus sind. Die Grundfarbe des Pelzes am Rumpfe blass gelb-
lichgrau, der des C. Azarae am ähnlichsten. Die grösseren Grannen-
haare an der Endhälfte schwarz, schliessen aber darin einen breiten
weissen Ring ein, der auf dem Kreuze, dem Schwanzrücken und der
Schwanzspitze vielen Haaien fehlt , daher diese Gegenden am dun-
kelsten sind, ^uf dem IVascnrücken, dem Überkopfe und der Aus-
senseite der Ohren sind die Haare röthlichbraun mit weisslichen
Spitzen und über jedem Auge ein lichterer Fleck. Oberlippe, Kinn-
spitze, Kehle, Vorderhals, Brust, Bauch und Innenseite der Beine
rein weiss ; am Unterhalse eine fahle Binde quer über die Brust.
Aussenseite der Beine und die Gegend hinter dem Ohre blass rost-
gelb ; Unterlippe und Mitte des Kinnes schwarz. Er bewohnt die
Pampa bei iMendoza.
Die Jagd der Giljaken auf C. vulpes und die Farbenvarietäten
des letzteren am Amur erwähnt A. Nord mann (1. c. p. 257).
Ueher einen Albino des C. vulpes berichtet v. Nord mann
(Bull. Soc. imp. Nat. de Moscou 18G1. IL' p. 324).
Ueber einen Kampf zwischen einem Hunde und einem Fuchse
berichtet Glogau (Zool. Gart. 1861. p. 170).
Ein Beispiel von der Klugheil einer Füchsin berichtet Stein-
brenner Zool. Gart. 1861. p. 212).
Den Fuchs vom Mackenzie hat Ross 1. c. p. 15 — 20 nach sei-
nen drei Varietäten: fulvus, decussatus und argenlatus ausführlich be-
schrieben, ohne jedoch ein Merkmal, welches C. vulpes L. nicht be-
sässe, anzugeben. Das Vcrhältuiss der drei Varietäten zu einander
ist nach den letzten zehn Jahren 6:7:2.
Canis (Vulpes) fulvus und ciuereo - argentatus von Montreal
werden von A. Hall 1. c. p. 298 als zwei verschiedene Species be-
schrieben.
der Säugethiere während des Jahres 1861. 131
In Bezug auf den Polar- Fuchs lässt es Koss 1. c. p. 20 — 22
unentschieden, ob der weisse, lagopus , und der blaue, borealis, als
besondere Arten oder nur als Varietäten zu betrachten sind. Nur
der Erstere ist im Winter weiss. Die Länge von der Nasenspitze
bis zur Schwanzwurzel beträgt 22" (engl.), der Schwanz mit dem
Ilaare misst 13". Die var. borealis ist im Winter blcigrau mit braun.
Die entsprechende Länge beträgt 35" und 13". Der Blaufuchs ist im
Mackenzie - Distrikt der viel seltnere, so dass im Durchschnitte nur
sechs Exemplare auf hundert der weissen Varietät kommen. Er kann
also nicht ein Jugendzustand sein. Die in den Handel gebrachten
Felle kommen von den Eskimos der Nordküste.
Dass der Blaufuchs Nord - i\nierika's weder der weisse Polar-
fuchs im Jugendzustande, noch derselbe im Sommerpelze, ihm aber
nahe verwandt ist, nimmt auch Boss (1. c. p. 434) an.
Das Vorkommen des Canis lagopus am Amur weist A. Nord-
mann gegen S ehren ck nach (1. c. p. 321 — 324).
Notizen über einen wilden javanischen Hund (Canis rutilans?)
giebt Weinland (Zool. Gart. 1861. p. 165).
Ursina. Nachdem Delbos schon früher das Skelet des pyre-
näischen Bären beschrieben hatte, versuchte derselbe (Ann. sc, nat.
1860. XIII. p. 47— 108. XIV. p. 5— 112) die Feststellung der fossilen
Arten der Höhlenbären auf eine Vergleichung mit dem lebenden
Europäischen Bären zu gründen. (Wenn hier die Resultate, zu denen
der Verf. gelangt ist, auch, soweit sie den Ursus arctos betreffen,
nicht raitgetheilt werden, so genügt die Erklärung, dass dem Verf.
alles Material, welches A. Wagner, iVIiddendorf, Schrenck
und Nordmann zur Entscheidung der betreffenden Fragen gelie-
fert haben, gänzlich unbekannt geblieben ist, und dass der Verf. bei
rein zoologischen Untersuchungen in einer Weise verfahren ist, wie
es etwa ein Zoologe im Gebiete der Mineralogie thun würde.)
lieber das Verhalten eines Ursus arctos in der Gefangenschaft
berichtet M. Schmidt (Zool. Gart. 1861. p. 48).
Steenstrup gab Nachricht von dem Schädel eines Ursus
arctos aus dem Torfe (Overs. k. dansk. Vidensk. S. Forh. 1861. p. 1 — 2).
Eine ausführliche Bearbeitung des Gegenstandes stellt der Verf. in
Aussicht.
Dass in den Barren Grounds Nord-Amerika's ein Bär vorkommt,
der die grösste Aehnlichkeit mit Ursus arctos von Europa hat, giebt
Boss an (1. c. p. 434).
Ueber die Jagd der Giljaken auf Ursus arctos und über einen
Albino dieser Species berichtet A. Nord mann (1. c. p. 251 — 254).
Das Vorkommen einer kleineren, von Ursus arctos verschiede-
nen Bärenart, die Ursus tibetanus zu sein scheine, bestätigt A. Nord-
mann (1. c. p. 255).
132 Ilensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
lieber eine kleine Bärenart im Burcja - Gebirge am mittleren
Amur, wahrscheinlich Ursus tibetanus, berichtet Rad d e (Reisen u. s. w.
p. 648).
Einige Bemerkungen über Ursus ferox gab Xantus (Peterm.
Mittheil. 1861. p. 142).
lieber Ursus americanus siehe A. Hall 1. c. p. 293.
Ueber die Lebensweise eines jungen Ursus labiatus gabSchmidt
eine Notiz (ZooL Gart. 1861. p. 151).
Ueber Procyon lotor siehe A. Hall 1. c. p. 294.
Mustelina. Ueber Meles labradoricus siehe A. Hall 1. c. p. 294.
(Dass diese Species sich von M. taxiis wesentlich durch das Gebiss
unterscheidet, ist von dem Verf. nicht berücksichtigt worden.)
Von einem Ratelus aus den Bogosländern glaubt Heu gl in
(Nov. Act. XXIX. p, 19 — 21. Taf.), er könne vielleicht einer neuen
Art angehören, da er in Grösse und Farbenverlbeilung nicht uner-
heblich von der südafrikanischen Art abweiche. In dem einen Ober-
kiefer befand sich hintei- dem normalen Mahlzahne noch ein kleines
überzähliges Ziihnchen. Die Backenzähne sind (wie man aus der
Abbildung sieht) tief abgekaut, namentlich die hinteren, so dass der
Verf. dem unteren Reisszahne eine Mahlzahnform zuschreibt. Wenn
er demgemäss nun auch für die Backenzähne folgende Zahnformel
2.1.2
— giebt, so beweist er bloss, dass man wohl ein vortrefflicher
Reisender und doch mit der Systematik der Säugethiere unbekannt
sein kann. Abgebildet sind die Zähne in je zwei Ansichten mit den
betreffenden Theilen des Schädels.
Nach den Aussagen der Eingebornen soll sich in den Bogos-
ländern und in Abyssinien noch eine zweite aber grössere Art mit
weissem, dichter und länger behaartem Schwänze vorfinden.
Tomes beschreibt ein Exemplar der Mephitis mesoleuca Licht,
aus Guatemala (Proc. Zool, Soc. 1861. p. 280). In einer Anmerkung
dazu, die wohl von Fräser herrührt, wird jedoch die Vermuthung
ausgesprochen, dass, obgleich das wenige Weiss der Schwanzspilze
wohl nur eine Folge des Jugendzuslandes ist, doch das Thier von
M. mesol. verschieden sein dürfte. Es wird daher für dasselbe (doch
ohne Angabe einer Diagnose) der Name M. lotigicaudata \orgesch\agen.
Mephitis mcphitica hat Ross 1. c. p. 23 noch als Seltenheit an
den Ufern des grossen Sklavensees gefunden.
Mephitis patagonicus Lichenst. wird von Burmeister (1. c.
p.409) beschrieben. Im Gebisse sind gewöhnlich 1 Backenzähne,
oben ein unten drei Lückenzähne, deren erster sehr klein ist, ein
vorderer sehr kleiner Lückenzahn fehlt gewöhnlich im Oberkiefer.
Der M. castaneus Gervais ist vielleicht nnr eine hellfarbige Varietät.
der Säugethicre während des Jahres 1861. 133
Mephitis americana (mephilica Baird) beschreibt A. Hall 1. c.
p. 296 nach Exemplaren von Montreal.
Gulo luscus vom Mackenzie -Distrikt wird von Ross 1. c
p. 31 — 34 ausführlich beschrieben und gemessen (doch lässt sich
kein Unterschied von G. borealis in der Beschreibung auffinden).
Galictis vittata und G. barbara wurden von Burmeister (I.e.
p. 409) in Bezug auf ihr Gebiss mit einander verglichen. Häufig
fehlt bei G. vittata der kleine Lückenzahn, zunjal im Oberkiefer. Der
obere Reisszahn hat einen viel breiteren, weniger abgesetzten, zwei-
spitzigen Höcker, während dem unteren der kleinere innere Neben-
höcker fehlt; auch ist der obere Kauzahn nach innen beträchtlich
schmäler.
Der Schädel der würtembergischen Marderarten untersuchte
V. Klein (Würtemb. naturw. Jahresheft 1861. p. 325 ff.). Untersucht
wurden Mustela niartes, M. foina, Foetorius putorius, F. erminea, F.
vulgaris, F. lutreola, und von ausländisclien Arten ein Marder aus
Labrador, den Krauss fürM.Huro erklären möchte, und M. zibellina.
Bemerkungen über Mustela zibellina und eine andere Marder-
species (M. flavigula nach Schrenck) vom Ussuri theilte Maxim o-
wi cz mit (1. c. p. 559).
Einige Notizen über die Lebensweise der Mustela zibellina vom
Amur und über eine ziegelrothe Varietät derselben giebt A. Nord-
mann (1. c. p. 257 u. 324).
Von Mustela Pennanti bemerkt Ross 1. c. p. 24— 25, dass das
grösste Exemplar, welches der Verf sah, so lang wie Vulpes fulvus,
aber muskulöser und 18 Pfund (engl.) schwer war.
Ueber Mustela canadensis siehe A. Hall I.e. p. 296.
Nach genauer Vergleichung der Älarderfelle vom Mackenzie
findet Ross 1. c. p. 25 — 28, dass Mustela americana dieses Distriktes
mehr dem Zobel des östlichen Sibiriens als der M. martes Europa's
gleicht. Doch kann Nord-Amerika drei Marderarten besitzen, indem
vielleicht die M. americana aus südlicheren Gegenden verschieden
von der nördlichen Form ist.
Mustela americana Baird und M. martes hält A.Hall 1. c. p. 295
für identisch.
Die Angaben über ein kleines, schlankgebautes Raubthier in
den Gebirgen bei Mendoza Hessen sich nach Burmeister (I. c.
p. 408) vielleicht auf Mustela agilis Tchudi beziehen.
Mustela erminea, vulgaris und lutreola werden von A. Hall
1. c. p. 295 zur Fauna von Montreal gerechnet, doch sind die Be-
schieibungen zu kurz, um eine Identität mit den Arten der alten
Welt, so wahrscheinlich sie auch ist, zu beweisen.
Ueber das Vorkommen des Nörz, Foetorius lutreola in Ungarn
berichtet Jeitleles (Verhandl. zool.-bot. Gesellsch. Wien 1861.
134 Mensel: Bericht üb, die Leistungen in d. Naturgeschichte
p. 330). Der Verf. untersuchte einen Balg von der Gran, an dem
beide Lippen stark weiss, stellenweise bis 5'" (Wiener Maass) breit
waren. Derselbe Verf. gab (Veihandl. d. Yer. f. IVaturk. V. Presburg
1860 — 61. p.XLIIl) Andeutungen über das Vorkommen des F. lutreola
in Saros und bei VVallendorf in der Zips.
lieber das Vorkommen des Putorius lutreola in Frankreich be-
richten Pucheran (Rev. and 31ag. Zool. 1861. p. 193 — 197), und
Des Murs (ebend. p.465 — 4G6).
lieber Putorius vison siehe Boss I.e. p. 29 — 30. Je älter das
Thier wird, um so heller ist die Gesammtfarbe und um so grösser
werden die weissen Flecke der Unterseite. Der Verf. beobachtete
ein Exemplar mit einem weissen Flecke unter den iNasenlöchern, sah
aber niemals ein solches mit ganz weisser Oberlippe.
Im Mackenzie-Distrikt hat Boss 1. c. p. o5 nur Lutra canaden-
sis gefunden. Ob L. californica auch daselbst vorkommt, oder ob
diese Art nur eine Varietät ist, kann der Verf. nicht entscheiden.
lieber Lutra canadensis siehe A. Hall 1. c. p. 297.
Lutra nair F. Cuv. (L. chinensis Gray, L. tarayensis Hodg. etc.)
aus China, ist nach Blyth (Journ. As. Soc. Beng. XXX. p. 91 — 91)
identisch mit dem gemeinen bengalischen Otter, ebenso wenig un-
terscheidet sich davon ein Exemplar aus Algerien, ogleich augen-
scheinlich verschieden vom Europäischen Otter. Dasselbe bestätigt
sich durch einen Schädel aus Malabar. (Zuerst müsste man wohl Lutra
nair von L. vulg. unterscheiden.)
Einen Fischotter von Amoy hält S w i n h o e für Lutra nair Cuv.
(Proc. Zool. Soc. 1861. p. 390).
Die Lutra paranensis Rengg. beschreibt Bur meisten (i. c.
p.410) nach einem säugenden Weibchen vom 6. April. Der erste
Backenzahn des Oberkielers ist klein, noch kleiner als bei L. vulgaris.
Pi}i7ii p ed i a.
V. Baer hat den 2. Theil seiner Arbeit über Trichechus ros-
marus, welcher die Anatomie enthält, der Akademie zu Sl. Peters-
burg vorgelegt. (Bullet. Acad. St. Petersburg 1861. p. 520.)
Die Robbenjagd der Orotschen und Giljakcn beschreibt A.
IN'ordmann (Bull. Soc. iuip. Kut. de Muscou 1861. IL p. 239). Die-
selben jagen im Amurliman, wo Salzwasser ist, einen grossen 10'
langen Seehund (Otaria Stelleri?), der sich auch im ganzen tatari-
schen Golfe findet und im Amur selbst ein Paar kleinere Bobbenarten
(welcher Art?).
Den Seehund des Baikal erklärt Radde (1. c. p. 55) nach Ver-
gleichung der Felle und des Schädels für die einfarbige graue Va-
rietät der Phoca anueliala.
der Säiigethiere während des Jahres 1861. 135
Phoca vitulina führt A. Hall 1. c. p. 299 von der Küsle Ca-
nada's an.
In den Seasons with the Sea-horses; or Sporting Advcntures
in the Northern Seas, London 1861, giebt L a m o n t zahlreiche No-
tizen über die Phoca barbata, P. vitulina, P. hispida (?), Trichechus
rosniarus, ürsus niaritimus, Cervus tarandus.
Adams, Note on Halichoerus, im Zoolog. 1861. p. 7377, ist
mir wie diese ganze Zeitschrift noch nicht zugänglich gewesen.
Bah in et schlägt vor, die Phoken des süssen \>'assers in den
Seen des Bois de Boulogne und von Vinceniies , Italiens und der
Schweiz zu akklimatislren (l'Institut 1861. p. 62).
Glires.
Sciurtis splendens n. sp. Gray (Proc. Zool, Soc. 1861. p. 137):
Alle Exemplare waren glänzend rothbraun. Der Verf. unterscheidet
zugleich vier Varietäten. Von der letzten derselben wird gesagt, sie
könnte auf die Vermuthung bringen, dass dieses Eichhorn nur eine
Varietät irgend einer anderen Art sein möchte (warum also die traurige
Verwirrung durch neue Namen ohne jede Untersuchung noch ver-
mehren ?).
Scinrns Mouhotii n. sp. Gray (Proc. Zool. Soc, 1861. p. 138) :
graubraun mit blassen Ringen; Lippen, Kinn, Kehle, Unterseite des
Körpers und Innenseite der Beine weiss; der obere Theil der Seiten
mit einem schwarzen Längsstreifen, oben und unten von einer schma-
len weissen Linie eingefasst; der Schwanz verwaschen schvvärzlich-
weiss, seine Haare lang, braun mit zwei breiten schwarzen Ringen
und einer weissen Spitze ; Ohren einfach, abgerundet. Cambodscha.
Scinrns Gerrardi n. sp. Gray (Proc. Zool. Soc. 1861. p. 92.
PI. XVI): schwärzlich; Maare braun mit schwarzen Spitzen und einem
breiten orangefarbenen Ringe unterhalb der Spitze. Basis des
Schwanzes schwärzlich, seine Spitze schwarz; die Kehle von den
Theilen unter den Augen an , die Innenseite der Vorderbeine, die
Brust und der Bauch rein weiss ; Ohren schwärzlich mit sehr kur-
zen, spärlichen Haaren. Grösse und Gestalt wie bei dem europäischen
Eichhorn, aber der Schwanz länger und die Ohren ohne Pinsel. Der
Schädel, sehr verschieden von dem des S. Langsdorffi, ist klein und
mehr länglich. Neu-Granada.
Scinrns Nordhoffi n. sp. Du Chaillu (Proc. Bost. Soc. VIL 1860.
p. 363) ähnelt dem S. caniceps Temm., aber besitzt nicht das weiss-
liche Seitenband, noch den röthlichen Fleck hinter den Ohren ; mehr
noch gleicht er dem S. Slangeri Waterh. von Fernando Po, hat aber
nicht den Unterleib mit Schwarz eingefasst; aus den Gebirgen bei
den Ashira-Prairien.
136 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Nnlurgeschichle
Gray (1. c.) identificirt die Art mit S. Stangeri VValerh.
Sciurus eborivorus n. sp. Du Chaillu (Proc. ßost. Soc. VII.
1860. p. 863) : oben im Allgemeinen glänzend schwarz und hell röth-
lich. Die Unterseite spärlich behaart, gräulich an der Kehle und
Brust, bräunlich am Unterleibe. Die Küsse hell röthlich. Der Schwanz
lang, vierfarbig, die ersten 2V2" engl, gleich dem Rücken, die fol-
genden 5" hell röthlich mit einigen glänzend schwarzen Haaren
untermischt, die folgenden 5" undeutlich schwarz und weiss gerin-
gelt, und die letzten 2V2" schwarz; von den Gebirgen des Innern,
auf welchen der Ovenga entspringt. Eine Abbildung giebt der Verf.
in seinen Explor. etc. auf p. 282.
Gray erklärt (1. c.) die Art für S. Stangeri.
Sciurus Wilsoni n. sp. Du Chaillu (Proc. Bost. Soc. VII. 1860.
p. 364), oben im Allgemeinen röthlich mit schwarz, erstere Farbe an
der Aussenseile der Schenkel vorherrschend ; die unteren Theile
spärlich mit gelblichröthlichen Haaren bekleidet, Kehle gelblich-
weiss; etwas ähnlich dem S. rufobrachiatus Waterh,, aber bei diesem
ist die Innenseite der ßeine röthlich statt gelblichweiss und der
Schwanz schwarz und röthlich geringelt statt purpurroth und weiss
getupft. Von den Gebirgen des Ovenga-Flusses.
Gray vermuthet 1. c. die Identität der Art mit S. mutabi-
lis Peters.
Sciurus subalbidus n. sp. Du Chaillu (Proc. Bost. Soc. VII. 1860.
p. 365) gleich dem S. rufobrachiatus Waterh., aber die Innenseite
der Beine ist nicht röthlich, was nach Temminck für letztere Art
charakteristisch ist, und die oberen Schneidezähne haben keine Längs-
furche. Von Fernando Po.
Gray identificirt 1. c. die Art mit S. rufobrachium Waterh.
Sciurus minulus n. sp. Du Chaillu (I. c. p. 366), hell rost-
farben oben, lohfarben unten; der Schwanz abwechselnd schwarz
und röthlich gebändert; von der INasenspitze bis zur Basis des
Schwanzes 3" engl. ; der Schwanz 2". Von der Quelle des Ovenga.
Eine Abbildung in nal. Grösse (?) giebt der Verf. in seinen Expl. etc.
auf p. 453.
Gray identificirt 1. c. die Art mit S. palliatus Peters.
Sciurus rubripes n. sp. Du Chaillu (1. c. p. 366), gleicht dem
S. pyrrhopiis Cuv-, aber die Färbung ist nicht grünlich, das Seiten-
band ist gelblichweiss, der Schwanz unten kastanienbraun mit weis-
ser Spitze, der Kopf und Aussenseite der Beine sind kastanienbraun
anstatt lohfarben. Am Ovenga-Flusse. i
Gray hält 1. c. die Art für S. pyrrhopus Cuv.
Sciurus variegatus Erxl., S. hypopyrrhus Wagl., S. carolinen-
sis Gmel., Baird werden von de Sa u ss u r e (I. c. p. 4 u. 5) nach
Exemplaren aus Mexiko nochmals beschrieben. Für den S. variega-
der Säugethiere während des Jahres 1861. 137
tus giebt der Verf. folgende Synonyme: S. albipes, varius, socialis
Wagn. nicht aber S. hypopyrrhus, wie W i e g m a n n glaubte.
Sciurus carolinensis von Guatemala ist nach Tom es (Proc.
Zool. Soc. 1861. p.281) von etwas abweichender Gestalt und Färbung,
lässt sich jedoch nicht als besondere Art betrachten.
Sciurus hudsonius, niger und carolinensis beschreibt A. Hall
1. c. p. 300—301.
Slaney's Beobachtungen über die Eichhörnchen siehe im Zool.
1861. p. 7417.
Xerus dahagala n. sp. Heuglin, ist zuerst in Peterm. Mittheil.
1861. p. 17 beschrieben, darauf ]\ov. Act. 1. c. Taf. 2. fig. 8 abgebil-
det und mit einer Diagnose versehen worden: e rufescente flavus,
pilis setosis apice albis, subtus albus ; rostri apice lateribusque gulae
in flavidum vergentibus, regione ophthalmica, labiis, tarsis, nee non
pedum auricularumque brevissimaruni rotundatarum parte interna
albis; cauda disticha, supra alba, pilis annulis nigris, versus apicem
villosum albo - terminatum in fascias obliquas confluentibus nigras,
infra ochraceo - ferruginea; vibrissis, plantis denudatis et unguibus
nigris ; dentibus primor. dilute croceis ; oculis iride fusca. So-
mali-Küste.
Ueber Sciurus (Tamias) striatus siehe A. H all 1. c. p. 300.
lieber ein noch nicht benanntes fliegendes Eichhorn nördlich
vom Himalaya, welches wahrscheinlich zur Galtung Terramus gehört,
berichtet Blyth (Journ. As. Soc. Beng. XXX. p. 300).
Pteromys volucella wird von A.Hall 1. c. p. 301 als Bewohner
des Montreal-Distriktes beschrieben.
Anomalurus Beldeni n. sp. Du Chaillu Proc. Bost. Soc. VII.
1860. p. 303 — 304) wird charakterisirt durch den zweifarbigen
Schwanz, der in eine Quaste endet. Eine Abbildung des ganzen Thieres
giebt der Verf. Explor. etc. auf p. 455, welche nach Gray eine ge-
treue Copie der von Wolf (Proc. Zool. Soc. 1852. t. 32) gegebenen
Abbildung des A. ßeecroftii ist.
Die neue Art hält Gray 1. c. für A. Derbianus Gray, den A.
sp. indet. dagegen für A. Beecroftii.
Bemerkungen über Anomalurus Beecrofti theilte Slack (Proc.
Acad. Nat. Sc. of Philadelphia 1861. p. 24) nach einem von Du
Chaillu in West- Afrika gesammelten Exemplare (das Original für
den A. Beldeni?) mit.
Arctomys Kennicottii n. sp. wird von Boss 1. c. p. 434 — 435
folgendermassen beschrieben: so gross wie eine kleine Bisamratte,
von Farbe silbergrau, auf dem Rücken mit orangefarbenen Haaren
untermischt, die an den Seiten gelb, auf dem Bauche am blassesten
sind; Schwanz kurz; Backentaschen vorhanden ; im Mackeuzie-River-
Distrikt.
138 Heil sei: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Arclomys monax und A. empetra beschreibt A. Hall 1. c. p. 302
als zwei verschiedene Arten der Fauna von Montreal.
Andeutungen über das Vorkommen des Arctomys Bobac in der
Rlarmaros gab Jeittelcs (Verhandl. d. Yer. f. Naturk. Y. Presburg
1860—61. p. Xl.lll).
Rad de untersuchte die Baue des Arctomys Bobac im russischen
Daurien (Reisen u. s, vv. p. 448 — 454). Der Pfropfen, mit welchem
die Thiere ihre Wohnung im Winter verschliessen, wird von ihnen
mit zunehmender Kälte nach innen zu verlängert und zu seiner An-
fertigung werden je weiter nach innen um so mehr Excremente ver-
wendet. In einem am 28. Okt. (a. St.) geöffneten Baue fand Verf.
2,75'' Wärme und stellt schliesslich die Ansicht auf, „dass die Mur-
melthiere einen Theil ihres unterirdischen Lebens nicht in vollkom-
men lethargischer Betäubung zubringen, sondern vielmehr im Stande
sind, Nahrung aufzunehmen, zu verdauen und zu arbeiten".
Sper7noj)hilus Du:hleyi n. sp. Slack (Proc. Acad. Nat. Sc. of
Philadelphia 1861. p,314), ungefähr so gross wie Sciurus cinereus;
der Nacken, die Beine, Seiten und die hintere Hälfte des Körpers
grauweiss und schwarz, die Haare an der Basis schwarz und mit
breiten schwarzen und gelhlichweissen Bändern; ein breiter schwar-
zer Fleck beginnt an der Nasenspitze , bedeckt die Schultern und
endet spitz am zehnten Rückenwirbel ; der Schwanz ungefähr zwei
Drittel der Länge des Körpers mit langen, geringelten Haaren be-
deckt; Obren klein; Sohlen nackt. Packsattelgebirge in Texas.
Spermophilus dauricus Brandt wird von Rad de (1. c. p.49)
nach 9 Exemplaren folgendermassen charakterisirt : supra concolor,
cinereo ilavescens, fusco-adspersus ; subtus pallide flavicans, gutlure
albo, cauda plantis duplo longiore, plana, subdisticha , apice fere
cristata nnguibus nigris niediocribus.
lieber die Grenze zwischen dem Verbreitungsbezirke des Sper-
mophilus dauricus und S. Eversmanni siehe R a d d e Reisen etc. p. 406.
Beiträge zur Naturgeschichte des europäischen Bibers lieferte
Thieriot (Verhandl. des Ver. für Naturk. V. Presburg 1860 — 61.
p. 21— 24). Der Verf. lebte von 1830—1846 in Russisch-Lithauen,
und hatte dort (lelegenheit, die i« den kleinerrii Flüssen ziemlich
zahlreichen Biber zu beobachten.
Seine Zweifel an dem Vorkoniiiicn des europäischen Bibers an
der Wisnia theilt Jeitteles (1. c. p. 16) mit.
In Folge dessen theilt Hölzl (1. c. p. 96 — 98) seine Beobach-
tungen über den Biber in Galizien mit.
Nach Slack (hoc. Acad. Nat. Sc. of Philadelphia 1861. p. 24)
war ein sehr grosses (auBgestopftes?) Exemplar des Caslor canadensie
von der Sihnauzenspitze bis zum Schwänzende 3' 5" engl. lang.
der Säugethiere während des Jahres 1861. 139
Notizen über die Lebensweise des Bibers gab Smith (Proc.
Acad. Kat. Sc. Philadelphia 1861. p. 146).
üeber Castor fiber (C. canadensis Baird) siehe Hall 1. c. p. 305.
Myopotamus coypns Ciiv. in den La Plata- Staaten erwähnt
Burnieister 1. c. p. 416.
Gesner's Bemerkungen über die Lebensweise des Geoniys
pineti in Georgien (Ann. Rep. Sn)ith. Instit. for 1860. Washingt. 1861)
sind mir bisher nur aus einem Citale bekannt geworden.
Mus flavigaster n. sp. Ileuglin (Peterm. Mittheil. 1861. p. 18
und Nov. Act. XXVIH. Taf. 2. fig. 2) ist so ohne Rücksicht auf die
wesentlichsten Punkte charakterisirt und beschrieben, dass selbst die
Gattung nicht mit Sicherheit zu erkennen ist. Die Angabe „vellere
denso, supra setis longioribus intermixto" deutet möglicherweise auf
Acomys hin. Insel Schech Said im Golf von Arkiko.
Mus rattus und M. musculus fehlen nach Jeitteles (I.e. p. 14)
in Kaschau in Ungarn gänzlich, dafür findet sich M. decumanus und M.
hortulanus Kordm. hie und da auch M. silvaticus.
lieber Mus decumanus, rattus und musculus in Montreal siehe
A. Hall 1. c. p. 303.
Mus agrarius (Hesperomys leucopus Baird) beschreibt A. Hall
1. c. p. 303 als Bewohner des Montreal-Distriktes.
Reithrodon Sumichrasti n. sp. Saussure (Rev. et Mag. Zool.
1861. p. 3) : R. mexicano affinissimus. Supra fulvo rufus, capite et
dorso medio nigricantibus. Subtus cinereus, macula in pectore fulva
et ano fulvo. Vibrissae nigrae, capiti longitudine aequales. Pedes
albidi. Auriculae magnae, extus margine antico fusco pilosae; intus
postice rufo pilosae. Cauda bicolor, longissima. Corp. long. 0,082;
ped. post. 0,018. iMexiko.
Tom es charakterisirt (Pioc. Zool. Soc. 1861. p. 284 — 207) das
Subgen. Myoxomys in dem Gen. Hesperomys genauer und beschreibt
Hesperomys (MyoxomysJ Salvinii n. sp., in Grösse und Gestalt ähnlich
dem Myoxus nitela. Der Schädel ist von besonderer Form und gleicht
bei dem ersten Anblicke dem des Reithrodon cuniculoides, der Theil
vor dem Zygoma beträgt nur ein Viertel der ganzen Länge des Schä-
dels, zwei Viertel davon kommen auf das Zygoma. Das Foram.
anteorbitale ist mehr nach vorwärts gerichtet als bei den anderen
Species, ausgenommen H. latimanus und H. bicolor. Die Schmelz-
fallen sind zahlreicher als bei den meisten, wenn nicht allen anderen
Arten der Gattung.
Ueber Hesperomys longicaudatus Benn. , IL arenicola Waterh.,
IL bimaculatus Waterh. und IL (Nectomys Peters) squamipes Brants
siehe Burmeister 1. c. p. 414 — 416.
Ncotoma ferruginea n. sp. Tomes (Proc. Zool. Soc. 1861.
p._282 — 284): die Oberseite glänzend rolhbraun, die Unterseite rein
140 llcnsel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
weiss, die Trennungslinie beider sehr deutlich und bestimmt. Der
Schwanz so lang wie Kopf und Rumpf, ist auf der Überseite tief
dunkel, unten heiler; die Klauen weiss. Die Backenzähne haben
dieselbe Anordnung der Höcker wie bei K. cinerea Baird, ausgenom-
men, dass bei der einen Art das voidere Prisma des ersten Backen-
zahnes im Unterkiefer entschieden nach aussen von der Reihe der
Prismen der übrigen Zähne liegt. Die Prismen sind nicht scharfkantig
wie bei N. cinerea, sondern auf der Kaufläche oval wie bei N. flori-
dana. Diese ist von vorn nach hinten schmäler als bei irgend einer
anderen Species. Guatemala.
Sigmodon Berlandieri Baird aus Guatemala ist nach Tom es
(Proc. Zool. Soc. 1861. p. 281) kleiner und blasser als S. hispidum,
aber nur mit Zweifel als besondere Species zu betrachten.
Dass der Hamster (Cricetus vulgaris?) bei Kasan als grosse
Seltenheit vorkommt, geht aus einer ]\otiz im Zool. Gart. 1861.
p. 112 hervor.
Ueber die Lebensweise des Cricetus songarus berichtet Rad de
(Reisen u. s. w. p. 403 — 405).
Ueber Gerbillus canadensis (Jaculus hudsonius? Baird) siehe
Hall 1. c. p. 304.
Den Pectinator Spekei Blyth hat v. Heuglin mehrfach be-
schrieben in Peterm. Miltheil. 1861. p. 17 — 18 und in Nov. Act. 1. c,
wo auch Taf. 2. fig. 5 u. 6 der Schädel in zwei Ansichten und die
Backenzähne und fig. 1 das ganze Thier abgebildet sind.
Sminthus vagus findet sich nach Jeittelcs (1. c. p. 14 — 16)
in der Stadt Kaschan (Ungarn) an der Stelle des M. musculus, der
hier fehlt. Zahlreiche Maasse und Bemerkungen über die Verschie-
denheit von der Haus- und Waldmaus sind beigefüjit.
Arvicola (Ihjpudaens) Brandlii n. sp. Radde (1. c. p.51): auri-
culis vollere paululum longioribus, palmis pentadactylis, plantis nu-
dis; supra flavicans, leviter cinereo indutus, pilis nigris, elongatis
intermixtis, caudabrevi; nach 3 Exemplaren in Spiritus und 31 Bälgen
vom Tarei-nor aufgestellt,
Arvicola (HypudaeusJ russatus n. sp. Radde (1. c. p.50): ma-
gnitudine muris musculi, capite dorsoque intense rufescente-fulvis.
Cauda tenui, dense pilosa, tertiam partem corporis subaequante, supra
Iota fulva, pilis albis intermixtis, infra dilute ochracea ; nach einem
Exemplare in Spiritus aus dem östlichen Sajan aufgestellt. Die
Schmelzränder des letzten Backenzahnes im Oberkiefer bilden, zum
Unterschiede von den nachstehenden Arten A. rutilus und A. rufo-
canus, spitze Sicheln und sind so gestellt, dass ihre concave Seite
nicht zum Rachengrunde, sondern zum vorderen Mundrande ge-
kehrt ist.
der Säugethierc während des Jahres 1861. 141
Arvicola macrotis n. sp. Radde (1. c. p. 51) : auriculis longitu-
dine capitis dimidia, rolundatis, latis, velleie densissimo, dorso cihe-
reo - flavescente , pilis longioribus nigris interniixtis ; venire albo.
Cauda cyiindrica, brevis, apice obtusa, corporis partem quartum sub-
aequans, alba; pilis ita vcstita, ut annuli non appareant. MystaceS^
albi, capite longiores. Die stumpfdreieckige vorderste Schnjelzschlinge
des ersten unleren Backenzahnes ist seitlich mehr oder weniger stark
zu einer stumpfen Zacke ausgezogen; nach zwei Exemplaren in Spi-
ritus aus dem östlichen Sajan aufgestellt.
Arvicola mongolicus n. sp. Radde (1. c. p. 51) : magnitudine
supra Arv. arvalem, auriculis maiuscuiis, fere nudis, dorso fusco, pilis
nigris intermixtis, lateribus saturate flavicante-brunneis ; subtus cine-
reo flavescens, cauda corporis partem tertiam subaequanle , lenui
praeter tractum supra fuscum, flavo albida ; steht durch das Gebiss
dem A. saxatilis und A. campestris Bis. nahe; vom Tarei-nor.
Ueber die Wanderungen des Hypudaeus Brandtii siehe Radde
Reisen u. s. w. p. 402.
Arvicola (Hemiotomys) mexicanus n. sp. Saussure (Rev. et Mag.
Zool. 1861. p. 3): Medius, supra fuscus, subtus cinerascens, pilis ci-
nereis, apice fuscis. Auriculae sat niagnae, fimbriatae , autitrago
magno. Vibrissae capite breviores, fuscoe. Pedes antici paulo lon-
giores posteriorum dimidio ; postici elongati, subtus basi pilosi, tu-
berculis 6 instrucli, quoruni posticus, magnus, penultimus minutus.
Cauda pedibus posticis paulo longior at capite brevior. Corp. long.
0,110, caudae 0,019; ped. post. 0,016. Mexiko.
Ueber Arvicola xanthognathus (A. Gapperi? Baird) siehe Hall
1. c. p. 305.
Ueber Fiber zibethicus siehe Hall 1. c. p. 304.
Ueber Dipus jaculus Poll. var. mongolica bemerkt Radde
(l. c. p. 50) , er stehe dem D. decumanus Licht, am fernsten, durch
die Körpergrösse nähere er sich dem D. spiculum Licht., durch die
Ohrenlänge dem D. vexillaris Eversm. Die Vertheilung von weiss
und sch\^ arz auf der Behaarung des Schwanzendes ist sehr variabel.
Brandt erklärt nach umfassendem Materiale alle 3 Arten für Spiel-
arten des D. jaculus,
Ueber die Verbreitung des Erethizon in Brit. Nord-Amerika
siehe Ross 1. c. p. 435.
Ueber Erethizon dorsatum siehe Hall I.e. p. 306. •
Ctenomys brasiliensis Blainv. in den La Plala-Staaten erwähnt
B rmeisterl. c. p.416").
■") Die von P h i 1 i p p i (1. c.) neu aufgestellten Arten : Ct. fulvus,
Ct. atacamensis und Mus capitOj können erst im künftigen Berichte
berücksichtigt werden.
142 llenscl: Bericht üb. d. Leistung^en in d. Nnturgeschichte
Lagostomus trichodaotylus Brook. und Lagidiuin Cuvieri Wagn.
(L. pciuanum Meyen, Lagotis Cuvieri Benn., L. criniger Gay) werden
von ßurmeister (I. c. p. 417 — 421) ausführlich beschrieben. Be-
sonders sind die anatomischen Verhältnisse des Letzleren berücksichtigt.
Dolichotis patagonica Desm. wird in Bezug auf die I^cbens-
weise und anatomischen Verhältnisse ausführlich von Burnie ister
(I. c. p. 422—424) geschildert.
lieber die Fortpflanzung des üasyprocta Aguti in der Gefangen-
schaft berichtet der Zool. Gart. 1861. p. 184.
lieber Cavia leucopyga Brandt und C. australis (Kerodon Kingii)
GcofTr. siehe Burmeister 1. c. p. 425 u. 426.
Cavia (Änoema) leucoblephara n. sp. Burmeister (1. c. p. 425).
Gelblichgrau, die Grannenhaare in der Tiefe grau, dann blassgelb,
zulelzt braun gefärbt; Bauchseite weisslich oder ganz weiss, Augenrän-
der rein weiss, Schneidezähne gelb; am nächsten C. Spixii Wagl. ver-
wandt, aber kleiner, nur 9" lang ; im ganzen Westen der La Plata- Staaten.
Utbei- das Vorkommen des Ilydrochoerus capybara in den La
riala-Slaaten berichtet Burmeister 1, c. Bd. L p. 101 ff.
Ucber einen fossilen Capybara-Schädel siehe Froc. Bost. Soc. VII.
1860. p. 350.
Lepus somalensis n. sp. lleuglin (Peterm. Mittheil. 1861. p. 18
und Nov. Act. XXVIII) : dilute griseo-ochraceus nigro-irroratus, gnla,
abdomine, labiis et taenia per oculos ducta lata albis, rostro macula
ochraceo-ferruginea magna; auriculis longissimis dense pilosis, ex-
terne griseo-ochraceis, albo-limbatis, apice nigris, interne isabellinis,
supra nigro -marginatis ; pedibus externe ferrugineis; interne basin
versus albis; cauda alba, supra taenia longitudinali nigra; vibrissis
nigris, albo-terminatis ; oculis iride dilute fusca. Somali-Küste.
Lcp. berheranus n. sp. Heugl. (Peterm. 1. c. p. 18 und Nov.
Act. XXVIII); isabellinus, taenia per oculos ducta, nee non gula, ab-
domine et pedum latere interno albis; auriculis longissimis, externe
dense pilosis, alboamarginatis, apice isabellinis, inteine albescente-
flavidis; cauda alba, supra taenia longitudinali basin versus isabellina
brevi ; vibrissis albis; plonfis ferrugineis ; ungiijbus ftiscentibus albido
marginatis; oculis iride dilute fusca in flavum vergente. Somali-Lüste.
Lepus mnndslmriciis n. sp. Radde (1. c. p. 52) : aestate hienie-
que colore invariabile, magnitudine Lep. Tolai, sed cauda minore,
supra grisco - flavescente, subtus pallidc cinereo-flavescente, auriculis
capite brevioribus, lalis , apicibus rotundatis, nigris; dimidia pars
externa densissime pilis clongatis cinnamonicis tecta ; vellere dorsi
plus minusve nigro-variegato, pilis dnrinsculis flavo-nigroque annu-
latis, apicibus nigris; ventre, abdominoque albo. j'ectus pallide ci-
nereo-flavescens, mentum sordide albicans, nucha et fascia longitu-
dinalis in mcdio colli dilute cinnamomea; vom mittleren Amur und
der Säugethiere während des Jahres 1861. 143
Ussuri. Nach Mittheilungen von Maxim owicz hatte Schrenck
(1. c. II. 1860. p. 562) diese Art für L. brachyurus gehalten.
üeber Lepus americanus (L. hudsonius Fall.) siehe Hall 1. c.
p. 306-307.
Blyth hatte Gelegenheit zwei Felle des Lepus sinensis Gray
zu untersuchen (Journ. As. Soc. Beng. XXX. p. 90). In der Färbung
gleicht er im Allgemeinen dem L. ruficaudatus von Bengalen, aber
das Haar ist länger, die Ohren, Schwanz und Beine kürzer. Der
Schädel ist der der ächten Hasen und vorschieden von dem bei Ca-
prolagus, doch ist der Proc. supra-orbilalis wie bei dieser Gattung.
Dohrn beschrieb zwei in der Bauchhöhle eines Hasen frei-
liegend gefundene Eisäcke (Virchow's Archiv 1861. XXI. p. 249 —
260. Taf. III).
Crisp beschreibt (Proc. Zool. Soc. 1861. p. 85 — 87) die Bastarde
des Hasen und Kaninchen nach ihren äusseren und inneren Ver-
hältnissen.
Ueber die seh warzfüssige Varietät den Kaninchens vom Himalaya,
im Jahre 1857 von Bartlett als Lepus nigripes bezeichnet, siehe
Proc. Zool. Soc. 1861. p. 40. PI. IV.
Dass ein Kaninchen aus Begierde nach Fleischnahrung sich
gewöhnte, junge Hühnchen zu fangen und zu verzehren, erzählt
Hertwig (Mag. für Thierheilk. 1860. p. 499).
Auf die Oestrus - Arten der Hasen, Schläfer und Hypudaeen
macht Brauer aufmerksam (Verhandl. zool. -bot. Gesellsch. zu Wien
1861. p. 311).
Ueber die Lebensweise und die Futterpflanzen des Lagomys
ogolona siehe Radde Reisen u. s. w. p. 412.
Edentata.
Beiträge zur Charakteristik der Gürtelthiere nach Schädel und
Skelet lieferte Giebel (Zeitschr. 1861. p. 93— 111. Taf. III— V). Ab-
gebildet sind die Schädel des üasypus villosus, conurus und hispidus
jung und alt, jeder derselben in drei Ansichten.
Die Unterschiede zwischen Dasypus (Tylopeutes Cuv.) cönurus
und D. tricinctus theilt Burmeister (1. c. II. p. 427) mit. Jener
hat nur vier Zehen an den Vorderfüssen und in der Mitte des Schei-
tels zwei unpaare Schilder hinter einander ; dieser fünf Zehen und
ein einziges, relativ kleines, unpaares Scheitelschild. — Das Gebiss
besieht aus neun Zähnen in jedem Kiefer, deren erster, viel kleiner
als die folgenden, nicht im Zwischenkiefer sitzt.
Bemerkungen über Dasypus (Euphractus) villosus siehe bei
Burmeister (I.e. p. 427) ; oben jederseits neun Backenzähne, deren
erster im Zwischenkiefer sitzt, unten aber zehn. L. c. p. 428 auch
über D. minutus.
144 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Zu einer neuen Galtung Praopns erhebt B urmeister (I.e.
p. 428) die von ihm früher ebenso bezeichnete Untergattung des Gen.
Dasypus und fügt zu dem schon bekannten P. hybridus Desm. Piao-
pus hirsutus n. sp. hinzu, zuerst 1. c. p. 347 als Dasypus (Praopus)
hirsutus erwähnt, später aber (Abhandl. naturf. Gosellsch. Halle 1862.
p. 147 — 148) ausführlicher beschrieben mit einer Abbildung des gan-
zen Thieres. An Gestalt und Grösse wie P. longicaudus Burm,; der
Rücken auf gewöhnliche >Veise gepanzert, aber zwischen den Täfel-
chen des ganzen Panzers überall mit mindestens l'/i — 2" (welcher
Art?) langen, ziemlich steifen, rosfgclbbrannen gefärbten Borsten-
haaren bekleidet, welche den Panzer so vollständig verstecken, dass
man seine Platten nur sieht, wenn man die Haare auseinander biegt.
Guayaquil.
Bemerkungen über die Lebensweise der Gürtelthiere von Bue-
nos-Ayres thcilte Vavasseur mit (Soc. zool. d'Acclimat. — Rev.
Mag. Zool. 18G1. p. 87).
Ueber Chlamydophorus ") truncatus Hrl. theilt Burmeister
(1. c. L p. 297 u. IL p. 429) wichtige Bemerkungen mit. Das Thier
bewohnt ausschliesslich die Gegend von Älendoza und findet sich we-
der in den östlichen Provinzen noch in Chile.
IVach Blyth (Journ. As. Soc. Beng. XXX. p. 91) ist das Chi-
nesische Schuppenthier (J. A. S. XXIX. p. 93) und auch von Canton
1842 mit Unrecht als Älanis pentadacfyla bezeichnet worden , mit
Recht aber von Adams, 1859, als M. javanica. AI. aurita Hodg. ist
ebenfalls identisch, wogegen M. leucuia Blyth zwar verwandt aber
verschieden, dieselben Ohren, aber kleinere und gebogenere Klauen
und weniger entwickelte Borsten zwischen den Schuppen hat; die
weissliche Farbe des Enddrittels des Schwanzes fand sich bei allen
untersuchten Exemplaren.
üngulata.
Artiodactyla r uininanti a.
Tylopoda. Bemerkungen über die Kamele Syriens und Alge-
riens theilte Aucapitaine mit (Annal. voyag. — Rev. Mag. Zool.
1861. p. 511).
Bemerkungen über Auchenia Lama aut. (Guanaco) und A.Vicunna
siehe bei Burmeister (1. c. I. p. 248 u. 251. IL p. 429—430). Das
Erstere ist ohne Zweifel die wilde Stammform des gezähmten Lamas,
das Letztere findet sich gezähmt als Alpaca in Bolivien und Peru;
in den Argentinischen Provinzen wird keine der beiden Arten als
Hausthier benutzt.
*) Den Namen „Chlamyphorus" zu schreiben, lässt sich wohl
grammatikalisch nicht rechtfertigen.
der Säugethiere während des Jahres 1861. 145
lieber die Einführung der Alpacas und Lamas in Australien
berichtet derZool. Gart. 1861. p. 32— 33 nachdem Bull. d'Acclim. Vll.
p. 260 ff.
GäViCOrniä. Ueber erfolglose Versuche, den Bos grunniens mit
dem gemeinen Rinde zu kreuzen, so wie über die Zucht jener Species
auf der Königl. Würtemb. Domäne Seegut berichtet der Zool. Gart.
1861. p. 34.
Ein Fall von hohem Alter einer Kuh, die 36 Jahre 6 Monate
alt geworden und 25 Kälber gehabt hatte , wird aus den London
illustrated News mitgelheilt in Gurlt und Hertwig Magazin der Thier-
heil künde 1860. p. 498.
Baude ment untersuchte bei den Rinderrassen den Zusammen-
hang zwischen der Entwickelung der Brust und der Brauchbarkeit
jener (Ann. sc. nat. 1861. p. 331—367).
Dumeril: Rapport sur un Taureau et une Genisse de la race
cotentine sans cornes, dite Sarlabot etc. Paris. 8. , ist mir nur dem
Titel nach bekannt geworden.
Ueber den missgebildeten Huf eines Rindes von den Falklands-
Inseln siehe Sclater Proc. Zool. Soc. 1861. p. 44.
Der Zool. Gart. 1861. p. 170 giebt die Zahl der Auerochsen
im Bialowiczer Walde nach den neuesten Nachrichten auf 1500 an.
Ross Iheilt (1. c. p. 440) in einigen Bemerkungen die Unter-
schiede mit , welche den Wald-Bison vom Prairie-Bison unterschei-
den, ohne aber die in dem vorjährigen Berichte erwähnte Arbeit
Hind's (Narrative etc.) zu berücksichtigen.
Ueber gezähmte Bisons berichtet Möl 1 h a u s e n (Reisen in die
Felsengebirge Nord-Amerika's Bd. II. Leipzig 1861. p. 357).
Der von Du Chaillu (Explor. etc.) erwähnte Bos brachicheros
ist nach Gray, I. c. VII. p. 468, der schon seit 1837 bekannte B.
brachyceros Gray. Abbildungen des ganzen Thieres finden sich bei
Du Chaillu Explor. etc. zu p. 125, 175 u. 204.
Bemerkungen über die Verbreitung des Ovibos moschatus giebt
Ross (1. c. p.440).
Notizen über die Verbreitung des Aplocerus montanus im Brit.
Nord-Amerika erhielten wir durch Ross (l. c. p. 440 — 441).
Ueber zwei Originalabbildungen des Ovis cycloceros und 0.
Vignei siehe Sclater (Proc. Zool. Soc. 1861. p. 368).
In dem von Rad de bereisten Theile Dauriens ist Ovis Argali
als ausgestorben zu betrachten (Reisen etc. p. 434).
Bemerkungen über die Schafe Dalmaliens siehe Zool. Gart.
1861. p. 81.
Cadilhac, Les Moutons de Larzac (Nouv. Annal. d'Agricult.)
wird erwähnt im Zool. Gart. 1861. p. 168.
Ueber die Steinböcke im zoolog. Garten zu Frankfurt a. M.
Archiv f. Naturg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd. K
146 He n sei: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte etc.
und zu Hellbronn, so wie über die Bastarde mit Ziegen und über
die Gemsen in dem Gehege zu Kreuth berichtet der Zool. Gart. 1861.
p. 130—132.
lieber die Verbreitung des Aegoceros sibiricus in den tun-
kinskischen Alpen siehe Rad de Reisen u. s. w. p. 17.
Ein Exemplar derCapra hispanica beschrieb in Kürze Coulon
(Bull. soc. des sc. nat. de Neuchatel. Tom. V. cah. o. 1861. p. 452.)
Ueber ein Ziegenpaar aus Georgien mit seidenartigem Vliesse
im zoolog. Garten zu Marseille berichtet der Zool. Gart. 1861. p. 87.
Die Möglichkeit einer fruchtbaren Begattung zwischen Ziegen
und Schafen hiit Fürstenberg durch Versuche ergründen wollen
(Annal. d. Landwirdschaft Bd. XXXIX. p. 79 — 83). Eine unter allen
Vorsichtsmassregeln ausgeführte Begattung zwischen 30 Schafen und
einem Ziegenbocke und 2 Ziegen und einem Schafbocke hatte durch-
aus kein Resultat. In einer Anmerkung theilt die Redaktion mit, dass
in No. 11 des laufenden Jahrganges der Miltheilungen der Neuhal-
densleben - Loburg u. s. w. Vereine p. 173 eine Mitlheilung von Fi-
scher enthalten sei, nach welcher in dem Dorfe Redschitz in Böh-
men 82 Mutterschafe nach Begattung mit einem Ziegenbocke Lämmer
gegeben haben sollen, welche sich durch ihr feineres Wollhaar und
dadurch, dass die Widder-Lämmer vierhörnig wurden, von gewöhn-
lichen Lämmern unterschieden.
Ueber den Tod einer Antilope bubalis wahrscheinlich durch
Pentastomum taenioides verursacht, berichtetWeinl an d (1. c. p.l7 — 22).
Ueber die Geburt einer Antilope leucoryx siehe M. Schmidt
im Zool. Gart. 1861. p. 112.
Tragelaphus albovirgatus n. sp. Du Chaillu (Proc. Bost. Soc.VIL
1860. p. 299 — 301), in Farbe etwas ähnlich dem T. euryceros Gray.
Eine Abbildung des ganzen Thieres hat der Verf. Explor. etc. zu
p. 306 gegeben.
Den Tragelaphus albovirgatus Du Chaillu erklärt Gray (1. c.
VH. p.469) für Antilope euryceros Ogilby, T. euryceros Gray, und
die Abbildung dieser Art sei vermuthlich eine etwas veränderte Copie
der Abbildung des T. Angasii aus den Proc. Zool. Soc. 1848.
Die Verbreitung und Lebensweise der Antilope gutlurosa Pall.
in den daurischen Hochsteppen hat Rad de (Reisen u. s. w. p. 370)
geschildert.
Ein unreifes Junge einer Antilope von Zanzibar möchte Gray
einem neuen Calotragus zuschreiben (Proc. Zool. Soc. 1861. p. 235),
erklärte es aber später 1. c. p. 268 für Nesolragiis moschatus Dub.
Die Abbildung einer kleinen Antilope, Kcheri (Cephalolophus ?)
vom Gabun gab Du Chaillu (Explor. etc. p. 168j.
Antilope crispa Temm. ist nach Maximowicz (I.e. p. 564)
am minieren Ussuri meist nicht einmal dem Namen nach bekannt,
der Säugethiere während des Jahres 1861. 147
dagegen soll sie auf felsigen Bergen am Dobechu und Ulacha so wie
in den Gebirgen weit westlich vom üssuri vorkommen.
Cervina. Ross betrachtet (l. c. p. 438— 440) das Strong-wood
(Rangifer caribou) und Barren-ground Renthier (R. arcticus) als zwei
einander nahe verwandte aber doch bestimmt unterschiedene Species,
ohne jedoch in den zahlreichen Notizen über beide Arten wissen-
schaftliche Gründe für deren Trennung von einander oder vom euro-
päischen und asiatischen Renthiere beizubringen.
Ueber das Vorkommen des Cervus alces in Skandinavien be-
richtet Glogau (Zool. Gart. 1861. p. 180).
Zahlreiche Notizen über Alces americanus gab Ross (1. c.
p. 436 — 438), ohne dass man jedoch aus denselben eine Bestätigung
für die Selbstständigkeit der Species entnehmen könnte.
Ueber Cervus alces (Alce americanus) siehe Hall 1. c. p. 307,
der Verf. theilt die Maasse zweier Individuen mit.
Cervus capreolus und C. elaphus sind nach Maximowicz
(1. c. p. 5G4) sehr häufig am mittleren Ussuri, C. alces selten und
C. tarandus ist daselbst nur dem Namen nach bekannt.
Eine Beschreibung der Jagd der Giljaken am Amur auf Cervus
alces, C. elaphus, C. capreolus und C. tarandus, mit Notizen über die
Lebensweise dieser Thiere giebt A. Nord mann (Bull. Soc. imp.
Nat. de Moscou 1861. II. p. 241—248).
Einen Beitrag zur Jagdgeschichte des C. elaphus in Baiern
lieferte Ja ekel (Corresp. - Blatt des zool. -min. Vereins zu Regens-
burg 1861. p. 185—192).
Ueber einen jungen isabellfarbigen Cervus elaphus berichtet
M. Schmidt (Zool. Gart. 1861. p. 98).
Ueber drei Köpfe eines Hirsches aus dem Garten des Kaiserl.
Sommerpalostes zu Peking, der dem C. elaphus verwandt, wenn nicht
identisch mit ihm ist, sich aber durch die Kürze des Kopfes unter-
scheidet, siehe Landbeate r (Proc. Zool. Soc. 1861. p.368).
Einen Hirsch, der in dem Parke des kaiserlichen Sommerpa-
lastes bei Peking in Heerden gehalten wird, erklärt Swinhoe für
Cervus Wallichii von Ost-Sibirien (Proc. Zool. Soc. 1861. p. 134).
Gray berichtet über drei Exemplare eines Hirsches aus dem
Garten des kaiserl. Sommerpalastes zu Peking, welche durch Swin-
hoe nach England geschickt und für Cervus Wallachii gehalten wor-
den waren (Proc, Zool. Soc. 1861. p. 236— 238. PI. XXVII). Der
Verf. hält sie für seine Rusa japonica "), deren Selbstständigkeit, so
wie die des Cervus Pseudaxis Sclater angefochten hatte. Der Verf.
*) Das hier gegebene Citat ist unrichtig; es muss heissen;
Ann. and Mag. 1860. VI. p. 218.
148 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
sucht sie zu vertheidigen, erklärt jedoch in einem P. S. in Folge
einer Mittheilung von Schlegel über Cervus sika, dass, obgleich
seine Rusa japonica wahrscheinlich mit letzlerer Art identisch sein
möge, sie sich doch sehr von deren Abbildung und kurzen Beschrei-
bung in der Fauna japon. unterscheide. Abgebildet ist das ganze
Thier als C. pseudaxis?
Auch Blyth bemüht sich (Journ. As. Soc. Beng. XXX. p.91 —
92) die Unterschiede zwischen Cervus sika und C. pseudaxis, zu dem
vielleicht der Hirsch von For.mosa gehören wird, nach drei leben-
den Exemplaren des ersteren festzustellen (Bemühungen, die nicht
eher Erfolg haben werden, bis man sich den schwierigeren aber wis-
senschaftlichen Untersuchungen des Skeletes und des Gebisses unter-
ziehen wird).
Ein Cervus elaphus, ^, aus Schottland, den das zoolog. 5Ius.
zu Calcutta erhalten hat, gab Blyth (Journ. As. Soc. Beng. XXX.
p. 185 — 192) Veranlassung, sich über denselben und verwandte Arten
zu äussern. Die 3Ierkmale, auf welche sich die Ansichten des Verf.
stützen, bestehen bloss in der absoluten Höhe der Thiere und in der
Gestalt der Geweihe. Der Verf. rechnet unter Angabe des speciellen
Vaterlandes, folgende Arten zu Elaphus sens. slrict. : C. canadensis
Briss. (C. strongyloceros Schreb., C. occidentalis Harn. Smith., C.
major Ord.), C. afHnis Hodgs., C. Wallichii Cuv. (C. elaphus asiat.
Pallas, C. caspianus Falc, C. naryanus Hodgs. Auch die schon be-
sprochenen Hirsche aus dem Sommerpalaste von Peking), C. elaphus
L., C. barbarus Bennett, C. sika Schleg., C. teuanus Swinh. wahr-
scheinlich von C. pseudaxis der Phillippinen verschieden.
Zur Fauna von Birma rechnet der Verf. den C. (Fanolia) Eldi,
Guth. (C. frontalis Mc Clell., C. lyratus Schinz, C. dimorphe Hodgs.)
den Saumer, Hyelaphus porcinus und den Muntjac. Zu Moulmein
sah der Verf. einen jungen C. Eldi. in der rölhlicheu Sommerlracht,
der dem C. Duvaucelii Indiens sehr glich, sich aber durch geringere
Grösse und andere Geweihform unterschied. Der Verf. hat sich jetzt*
überzeugt, dass C. dimorphe Hodgs. nur ein C. Eldi ist, dessen Ge-
weih sich in der Gefangenschaft unvollkommen entwickelt hatte.
Swinh oe hat in Bezug auf den Hirsch von Formosa, Cervus
teuanus Blyth, nicht den geringsten Zweifel, dass derselbe vom japa-
nesischen Hirsche verschieden ist. Der alle Hirschbock von Forniosa
ist wenigstens um einen Fuss höher als der japanesische, und sein
Geweih ist etwas flach an der Spitze (Proc. Zool. Soc 1861. p.235).
Einen gefleckten Hirsch vom oberen Ussuri erklärt Radde
(1. c. p. 54) vermuthungsweise für Cervus Axis.
Bemerkungen über Cervus paludosus, C. campestris und C.
rufus siehe bei Burmeister (1. c. II. p. 430— 431). Der von Ha-
milton Smith in Griflith's Anim. Kingd. IV. p. 135 beschriebene
der Säugethiere während des Jahres 1861. 149
Hirsch mit langem Behänge am Bauche und in der Weichengegend,
auf den A. Wagner seinen C. comosus gründete, gehört nicht, 'wie
H. Smith glaubte, zu C. paludosus, sondern ist das alte Männchen
des C. campestris. Das Junge des C. rufus wird ebenfalls 1. c. be-
schrieben.
Ueber Cervus virginianus siehe Hall 1. c. p. 309.
Die Fortpflanzung des Cervus porcinus in der Gefangenschaft
bestätigt der Zool. Gart 1861. p. 184.
Cervulus cambojensis n. sp. Gray (Proc. Zool. Soc. 1861. p. 138).
Die Art wird nach einem Vorderhaupte mit Haar und Geweih wie
bei Muntjac, aber grösser als an irgend einem Exemplare des British
Museum, folgendermassen beschrieben: die Stangen sind dick, fast
grade, mit einem kurzen, dicken, gekrümmten Ende auf der äusseren
Seite vorn nahe der Basis, und eine der Stangen hat eine etwas
ähnliche Anschwellung auf der Hinterseite in derselben Höhe. Das
Haar des Vorderkopfes sehr starr, dicht anliegend, dunkelbraun mit
schmalen gelben Ringen. Cambodsha. (Bei solchen Prinzipien ist
noch auf eine grosse Vermehrung der Äluntjacspecies zu rechnen, da
man wohl nicht voraussetzen kann , dass der Verf. jetzt schon das
grösste Muntjacexemplar erhalten habe.)
Die Uebereinstimmung des Abfalles der Hirschgeweihe mit dem
cariösen Prozesse wies Lieberkühn nach (Reicherts Archiv 1861.
p. 748— 759. Taf. XVIIl— XIX).
MoSChinä. Dass der Moschus moschiferus vom Amur nur sehr
wenig Moschus liefert und daher nur zuweilen Gegenstand der Nach-
stellung ist, berichtet A-Nordmann (Bull. Soc. imp. Kat. de Moscou
1861. II. p. 248).
Moschus moschiferus ist nach Maximowicz (1. c. p. 564) in
den Gebirgen ostwärts vom^Ussuri nur vereinzelt.
Tragulus affinis Gray wird vom Aut. (Proc. Zool. Soc. 1861.
p. 138) folgendermassen beschrieben: an Farbe ähnlich dem T, java-
nicus, aber kleiner und blasser, die Seiten des Nackens wie die Kör-
perseiten gefärbt; der Bauch ist weiss mit einem braunen Streifen
zu jeder Seite der Mittellinie; der Kopf ist kleiner. Die Art ist
grösser und viel blasser als T. Kanchil und der Nacken ist nicht
schwärzer und grau. Sie dürfte wohl nur eine geringe blasse Lo-
kalvarietät des T. kanchil sein. Cambodscha.
Artiodactyla n onrumi n an ti a.
Gratiolet: Ueber das Gehirn des Hippopotamus siehe Compt,
rend. 1860. Tom. 51. p. 595.
Die Jungen des Wildschweines vom Amur beschreibt A. Nord-
mann (1. c. p. 259) als braun und schwarzscheckig.
150 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Barllett beschreibt (Proc. Zool. Soc. 1861. p. 263—264
das japanische Maskenschwein als eine Varietät des Hausschweins,
welche aber so abweichend ist, dass sie vielleicht auf eine andere
Species zurückgeführt werden muss. Abgebildet ist der merkwürdige
Kopf des Thieres.
Ein cyclopisches Schwein beschrieb Kornhuber (Verhandl.
des Ver. für Naturk. V. Presburg 1860—61. p. IV).
Die unvollständige Entwickelung eines zweiten Kiefers von
der Symphyse des Unterkiefers bei zwei Schweinen beschrieb G. Jae-
ger (Versl. en Meded. etc. 1859. Bd. 9. p. 167— 177 mit 3 PI.).
Potamochoerus albifrons n. sp. Du Chaillu (Proc. Bost. Soc. VII.
1860. p.301 — 302) unterscheidet sich von P. penicillatus besonders
durch die Farbe des Kopfes, der weiss ist, der Schwanz ist roth und
nur am Ende schwarz; findet sich sehr zahlreich zwischen Cap Lopez
und Cap St, Catharina. In den Explorations etc. p. 422 befindet sich
eine Abbildung des ganzen Thieres.
Gray hält (Ann. and Mag. Nat. Hist. VII, p. 468) die Species
für identisch mit dem noch im Garten der Zool. Gesellschaft lebenden
Potamoch., der in den Proc. Zool. Soc. 1852. p. 129. tab. 34 als P.
penicillatus? abgebildet worden ist.
Ueber die Fortpflanzung des Potamochoerus penicillatus in der
Menagerie der Zool. Gesellsch. zu London berichtet Sclater (Proc.
Zool. Soc. 1861. p. 62. PI. XII). Die Jungen sind gestreift wie bei
dem Europäischen Wildschweine und bei Sus indicus. Weder bei
dem einheimischen Hausschweine, noch bei der merkwürdigen Va-
rietät desselben aus Japan, konnte der Verf. ein entsprechendes Ver-
halten bemerken. Bei Dicotyles und Phacochoerus gleichen die Jun-
gen in der Farbe den Alten. (Die Jungen des wolligen ungarischen
Hausschweines, welche Ref. zu sehen Gelegenheit hatte, waren ge-
nau so gefärbt wie die des Wildschweines.)
Dass die Zool. Gesellsch. zu London einen Phacochoerus Ae-
liani $ von der Goldküste erhalten hat, berichtet Gray (Proc. Zool.
Soc. 1861. p.30).
Aus dem Jahre 1857 ist AI ess an d ri n i's Arbeit über die
Anatomie des Dicotyles torquatus (Mem. Acad. dell' Istit. di Bologna
VIII. 1857. p.27— 49. Tav. 1— 4) nachzutragen. Abgebildet sind der
Schädel aus der Periode des Zahnwechsels, Kehlkopf, Luftröhre und
Lunge, ein ganzer Foetus, Eingeweide, Gehirn und Rückenmark des-
selben in situ.
Eines Pecari mit vier Zehen am Hintcrfusse (an beiden ?) ge-
denkt Pucheran (Mem. Acad. Lisboa 1861. p. 38).
Ein Beispiel von der Wildheit des Dicotyles torquatus erzählt
Xantus (Peterm. Mittheil. 1861. p. 135).
der Säugethiere während des Jahres 1861. 151
üeber Dicotyles torquatus in den waldigen Gegenden des
Ostens und Nordens der La Plata-Länder siehe Burmeister (Reise etc.
II. p.432).
Perissodactyla.
Leisering's „Atlas der Anatomie des Pferdes und der übri-
gen Haussäugethiere. Leipzig 1861. 1 — 3. Lieferung", muss zu den
auch für den Zoologen unentbehrlichen Hilfsmitteln gerechnet werden.
Moll et (layot; La connaissance generale du cheval, atlas
103. fig. 8. Paris 1861 ist mir nur dem Titel nach bekannt geworden.
Den Equus hemionus hat R adde in lebendiger Weise geschil-
dert (Reisen u. s. w. p. 430— 433). Im Herbst wandert der Dshiggetai
aus der Gobi nordostwärts. Die Zähmungsversuche, welche russische
Beamte in Sibirien angestellt haben , blieben stets erfolglos. Die
Füllen gewöhnten sich zwar rasch an die Milch der Kühe, lebten
aber seilen länger als einen Monat. Dass die Versuche der Chinesen
erfolgreich gewesen sind , berichtet der Verf. nach französischen
Zeitungen.
Bemerkungen über Equus ^Hemionus und E. Onagei siehe im
Zool. Gart.1861. p. 62 aus einer Broschüre von Eversmann, Er-
innerungen aus einer Reise ins Ausland, Moskau 1859, mitgetheilt.
Einer Veredlung der einheimischen Eselrasse redet Buvry
das Wort (Mittheil, des Centr. Instit. für Akklimat. Berlin 1861.
p.7-9).
Equus taeniopus nennt v. Heu gl in (Peterm. 1. c. p. 19 und
Nov. Act. XXVIII. Taf. 1 das ganze Thier) einen angeblich neuen
Wildesel aus N.-O. -Afrika, obgleich der Verf. selbst zugiebt, nicht
entscheiden zu können, ob die Art neu oder nur eine Varietät sei.
Die Hauptfarbe ist rein isabell, das Kreuz auf den Schultern sehr
dunkelschwarz und scharf begrenzt; die sehr intensive Rückenlinie
setzt sich über den aussen isabellfarbigen Schwanz bis in seine
schwarze Quaste fort. Innen- und Aussenseite der Beine mit schwar-
zen, unregelmässigen Querlinien. (Hätte der Verf. erst den zahmen
Esel studirt, so würde er gefunden haben, dass bei diesem nicht sel-
ten genau dieselben Zeichnungen vorkommen, dass also für die Selbst-
ständigkeit der neuen Art kein Grund vorhanden ist.)
Blyth hatte Gelegenheit sich zu überzeugen, dass Rhinoceros
Crossii Gray identisch ist mit R. suniatranns, indem die Hörner, auf
welche die erstere Art gegründet wurde, die vorderen Hörner alter
männlicher Individuen der letzteren Art sind (Proc. Zool. Sog. 1861.
p. 307).
Tapirus suillus bewohnt nach Burmeister (Reise u. s. w. II.
p. 432) in den La Plata-Ländern nur den Nord-Osten derselben.
162 Hensel: Bericht üb. d. Leistunfi^en in d. Naturgeschichte
In Brasilien kommt der Tapir häufig in gezähmtem Zustande
vor, besonders in einigen Gegenden von Minas-IS'ovas und Goyaz,
wo er als Lastlhier benutzt wird.
Die in Columbien lebende Art (also wahrscheinlich T. villosus)
steigt nur sehr selten in die Ebene hinab; sie steigt in den Cordil-
leren bis zu 13,500' auf und findet sich namentlich in ausserordent-
licher Menge in den Wäldern des Vulkans von Tolima in Quindin
(Zool. Gart. 1861. p. 135 nach Linden, Bull. d'Accl. 1858).
P r ob 0 scidea.
lieber Elephas sumatranus hat Schlegel wichlige Bemer-
kungen mitgetheilt (Versl. Med. Kon. Acad. Afd. Nat. 1861. p. 101).
Bekanntlich unterscheidet sich diese Species von E. indicus, d. h.
von dem Elephanten des indischen Festlandes, durch breitere Schmez-
lamellen und den Besitz von 20 Rückenwirbeln, während E. indicus
deren 19 besitzt. Der Verf. hat Gelegenheit gehabt, sieben Skelete,
mehrere Schädel, ein junges Exemplar von 3' Höhe im Königl. Mu-
seum und ein lebendes Exemplar im zoologischen Garten zu Amster-
dam zu untersuchen, und hat sich überzeugt, dass die genannten
Charaktere stets vorhanden sind. Die Widersprüche , welche sich
bei Cuvier (Oss. foss.) finden, erklärt der Verf. daraus, dass dieser
seinen E. indicus nach Exemplaren von Bengalen und von Ceylon un-
tersucht hat, letztere aber dem E. sumatranus angehören. E. africa-
nus besitzt die breitesten Schmelzlamellen, 26 Schwanzwirbel, 21
Rückenwirbel, E. sumatranus schmälere Schmelzlamellen, 33 Schwanz-
wirbel, 20 Rückenwirbel, E. indicus noch schmälere Schmelzlamel-
len, 33 Schwanzwirbel, 19 Rückenwirbel und E. primigenius die
schmälsten Schmelzlamellen und, wie es scheint, nur 18 Rückenwirbel.
Einige Bemerkungen über das Versinken der afrikanischen
Elephanten im Schlamme siehe I'roc. Bost. Soc. VII. 1860. p. 175.
Die Ilornborste am Schwänze des Elephanten erscheint nach
Kaunyn (Reichert's Archiv 1861. p. 670 — 673) als ein zusammen-
gesetztes Haargebilde. Es besteht das Bildungsprodukt jedes einzel-
nen Fortsatzes der Matrix aus vielen Hornröhren, welche durch eine
a*uf der interpapillären Matrix gewuchejten Hornmasse zu einem
Hornhaare vereinigt werden. Eine etwa das ganze Gebilde über-
klcidende Epithelialschicht liess sich nicht auffinden.
üeber die eigenthümliche Gestalt der Leber des Elephanten
und über den Mangel der Gallenblase desselben berichtete Schroe-
der van der Kolk (Versl. en Meded. K. Akad. Wetenschap. 1861.
XII. p. 298— 313. 1 Plat.).
Ueber das abnorme Wachsthuni des Zahnbeines eines Elephanten-
der Säugethiere während des Jahres 1861. 153
Stosszahnes nach einer Verletzung durch eine Kugel machte White
eine Älitlheilung (Proc. Bost. Soc. VII. 1860. p. 240).
Bemerkungen über die Preise, Transporte u. s. w. der Indischen
Elephanten finden sich im Zool. Gart. 1861. p. 65.
Pinnipedia.
Du Chaillu hat den Schädel eines Manatus von West-Afrika
einer neuen Species, Manatus Oweni, zugeschrieben, aber er gehört
wahrscheinlich (nach wessen Ansicht?) zu M. Vogelii Owen, wenn
sich dieser von M. senegalensis Cuv. unterscheidet. Backenzähne i
deren sechs jederseits im Gebrauche sind. Das grösste Exemplar war
10' engl, lang (Nat. bist. Rev. 1863. p. 288— 296).
lieber einige anatomische Unterschiede zwischen dem Schädel
des Manatus senegalensis und dem Manatus von Honduras siehe 316 a i n
(Edinb. Phil. Journ. 1861. XIV. p. 152). Der Verf., der Gelegenheit
hatte, auch einen Schädel des M. australis zu vergleichen, findet, dass
— — - = 44 die Formel für die Backenzähne des Gen. Manatus ist.
Francisco Travassos Valdez (Six Years of a Traveller's
life in Western Africa, London 1861. 2 Vol.) erzählt, Vol. I. p. 131
von einer Phoca, die er im Cuanzaflusse unter Nilpferden und Cro-
codilen beobachtet hat. (Aus der Beschreibung geht hervor, dass das
betreffende Thier ein Manatus gewesen ist.)
Die hornigen Kieferplatten des amerikanischen Manatus unter-
suchte Möbius (Archiv für Naturgesch. 1861. p. 148—156. Taf.VII).
Sie bestehen aus zwei Schichten, einer unteren röhrigen und einer
oberen dichten Schicht , welche zahlreiche Wärzchen trägt, die den
Röhren der unteren entsprechen. Die Abbildungen erläutern das hi-
stologische Verhalten.
Als die wichtigste Erscheinung des vergangenen
Jahres auf dem Gebiete der Säugethierkunde sind Alex.
V. Nordniann's ^Beiträo;e zur Kenntniss des Knochenbaues
der Rhytina Stelleri, ,Helsingfors 1861. 33 pag. mit V Taf.,
(Act. Soc. Sc. Fenn. Tom. YIl) zu erwähnen.
Der Verf. hatte Gelegenheit, ein fast vollsländiges Skelet eines
noch nicht ganz vollwüchsigen Individuums zu untersuchen und weist
nach, dass die Rhytina Halicore näher verwandt war als dem Manatus.
Der Jochfortsatz des Schläfenbeines ist ungemein dick, jedoch nicht
aufgetrieben und schwammig wie bei Manatus. Ein besondeies Thrä-
nenbein ist nicht vorhanden. Die Nasenbeine liegen in der inneren
Ecke zwischen dem mittleren Theile der Stirn, von innen von den
oberen Muscheln, nach aussen von den Augenhöhlen-Fortsätzen be-
154 Mensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
grenzt, als eingekeilte, unregelmässig gestaltete Knochen, die erst
nach Entfernung der Aeste der Interinaxillarbeine vollständig sichtbar
werden. Der Unterkiefer ist wie bei Halicore, doch ist sein hori-
zontaler Theil gestreckter und schlanker und die Platte fällt weniger
jäh ab. Der Halswirbel sind nur 6 vorhanden, denn der 7te Wirbel
hat nicht durchbohrte Querfortsätze und Gelenkflächen für das Iste
Kippen-Paar. 17 Paare rippentragender Wirbel. Als Lendenwirbel
will der Verf. nur einen und zwar den 24sten gelten lassen. Die
Zahl der Schwanzwirbel liess sich nicht mit Sicherheit ermitteln,
übersteigt aber jedenfalls die Zahl 28. Der knöcherne Theil des
Brustbeins ist ganz verschieden von dem bei Halicore und Manatus.
Die Knochen der Hand und des Beckens waren verloren. Der Schä-
del in mehrfachen Ansichten, so wie die wichtigsten Theile des
Skeletes sind abgebildet.
Nachdem die Akademie zu St. Petersburg ein fast vollständi-
ges Skelet der Rhytina erhalten hat, hat Brandt nach Vergleich
mit einem anderen weniger vollständigen Skelete und einzelner
Knochen dieses Thieres gefunden, dass die Rhytina im Gehirn- und
Gesichtstheile des Schädels, in der Gestalt des Sternum und der Rip-
pen dem Manatus ähnelt, dagegen in der Bildung der Jochbogen,
der Augenhöhlen, der Wirbel, besonders der Schwauzwirbel, und
der Extremitäten mit Halicore übereinstimmt, also im System zwischen
diese beiden Gattungen zu stellen ist. In manchen Beziehungen soll
sie sich den eigentlichen Cetaceen mehr nähern als ihre Verwandten
(Bullet. Akad. St. Petersb.lV. p. 304-305).
Ueber das Ausgestorbensein der Rhytina Stelleri hat sich v.
Baer gegen die Darstellung Owen's (Palaeontology) von Neuem
vernehmen lassen, indem er seine früheren Behauptungen aufrecht
erhält. (Bullet. Acad. sc. St. Petersburg 1861. p. 382—395.)
Getacea.
van Beneden: Becherches sur la Faune littorale de Belgi-
que (Cetaces), 2 Plat. 4. Bruxelles (1861 ?) ist mir noch nicht zu-
gänglich gewesen. Nach der Mittheilung im Bullet. Acad. roy. Brux.
18G0. p. 61, Iheill der Verf. einige Beobachtungen über Delphinus
globiceps, Lagenorhynchus albirostris und L. Eschrichtii mit. In einem
besonderen Abschnitte zählt der Verf. alle lebenden Cetaceen auf,
welche bis jetzt in der belgischen See oder auch in der Nordsee
beobachtet worden sind. Abgebildet sind der Lag. albirostris und
anatomische Einzelheiten.
Zahlreiche Bemerkungen über Walfische, welche die Küsten
Belgiens besuchen, siehe bei van Beneden (Bull. Acad. sc. Bru-
xelles 1861. p. 611—622).
der Säugethiere während des Jahres 1861. 155
Sundevall's Arbeit über einige Walarten (Delph. tursio und
orca) in Üfversifrt af Kongl. Vet. Akad. Förh. 1861 und Liljeborg's
Uebersicht der skandinavischen Wale in Upsala üniversitetets arsskrift
1861, sind mir gegenwärtig noch nicht zugänglich gewesen und sol-
len daher im nächsten Berichte ausführlicher berücksichtigt werden.
Jouan zählt die von ihm auf einer Reise von Cherbourg nach
Neu-Caiedonien beobachteten Cetaceen auf (Memoir. Soc. sc. nat. de
Cherbourg 1861. p. 162— 166) , unter denen jedoch nur Delphinus
obscurus Gray, l). Novae-Zelandiae Quoy et Gaim. oder D. fulvifa-
sciatus mit wissenschaftlichen Namen angeführt werden
Das Nervensystem und besonders den Sympathicus des Del-
phinus phocaena untersuchte B azi n (Ann. sc. nat. 1861. XVI. p.ll2).
Ueber die Jagd der Giljaken am Amur auf Delphinus leucas, der
truppweise den Fluss bis 400 Werst hinaufzieht, berichtet A. Nord-
mann (Bullet. Soc. imp. Nat. de Moscou 1861. II. p. 237).
Ueber Delphinapterus leucas (I). albicans Fabr.) siehe Hall I.e.
p. 309-310.
Giobioccphalus incrassatns n. sp. Gray (Proc Zool. Soc. 1861.
p. 309—313) nach einem Schädel von der Küste von Dorsetshire:
Zähne J oder i«; der Nasentheil des Schädels verschmälert, seine
Seiten fast parallel, das Vorderende regelmässig abgerundet. Der
Gaumen sehr convex, besonders im vorderen Theile ; die Oberfläche
des Zwischenkiefers vorn rauh. Länge des Schädels 28" engl. Der
Verf. vergleicht die Art besonders mit G. svineval und bildet die
Schädel beider Arten ab.
Ueber den Fang der Grindwale auf den Faröer siehe Zeitschr.
für allg. Erdkunde, Berlin 1861. p. 379.
Eschricht hatte den Hyperoodon latifrons Gray für den männ-
lichen H. rostratum erklärt, und Gray weist die Existenz männlicher
und weiblicher Individuen seiner Species nach (Proc. Zool. Soc.
1861. p. 313).
Riddell's Beobachtungen über das Vorkommen des Hyperoo-
don rostratus bei Weston-super-Mare siehe im Zool. 1861. p. 7310.
Anatomische Untersuchungen über einen jungen Rorqual haben
Serres und Gratiolet gemeinschaftlich veröff'entlicht (Compt. rend.
1861. Vol. 52), 1. c. p. 622—625 über das System der Vena cava su-
perior und inferior. In dem ersteren zeigt die V. mamm. ext., die von
keiner Arterie begleitet wird, einige Eigenthümlichkeilen, bei dem
letzteren ist zu bemerken, dass der Stamm jeder V. epigast. eine
weite Verbindung mit dem persistirenden Sinus der Nabelvene besitzt,
also mit dem Systeme der V. cava infer. und dem der V. hepat.
communicirt. Diese Fortdauer eines foetalen Zustandes findet sich
sonst nur bei Reptilien und Batrachiern, ist aber bisher bei den Säu-
gethieren nicht bekannt gewesen. Der Verf. entscheidet sich für
15G Ilensel: Bericht üb, d. Leistungen in d. Naturgeschichte
eine Strömung des Blutes aus der V. cava infer. nach der Leber, da
der Stamm der V. epigastrica sich nach jener zu verjüngt. P. 891 —
901 und p. 942 — 947 behandelt das Gehirn mit Rücksicht auf die ganze
Gruppe der Celaceen.
Senechal hat, wie in den Compt. rend. 1861. Vol. 52. p. 318
mitgetheilt wird, durch die Untersuchung eines jungen Rorqual ge-
funden, dass ein Auseinanderweichen der Unterkieferhälften bei den
Walen nicht stattfindet, und dass die Barten sich wirklich an die
innere Seite des Unterkiefers anlegen.
Bemerkungen über den Fang des Finnfisches und das Futter
des Physeler theilte Atwood mit (Proc. Bost. Soc. VIL 1860. p. 226).
Ueber die echten Wale des Biscayischen Golfes berichtete
Es ch rieht (Compt. rend. 1860. Tom. 50. p. 325).
Von der grössten Wichtigkeit für die Kenntniss der
ßalaena myslicetus und der Wale überhaupt ist E seh ri ch t's
und Reinhard t's Monographie „Om Nordhvalen etc. Kjö-
benhavn 1861> (Konigl. Dansk. Vidensk. Selsk. Skrift. 5te
Rk. V. B.)
Die VerfT. haben im ersliCn Abschnitte ihres Werkes die Ver-
breitung der Kordwale behandelt und sind der Ansicht, dass wenn
auch Thatsachen vorliegen, dass sich bei Spitzbeigen gejagte Wal-
fische durch die Behringsstrasse bis zu den Küsten Japans und Koreas
begeben haben, dadurch noch nicht das regelmässige Vorkom-
men des grönländischen Wales in diesen Gegenden bewiesen ist.
Nach den Barten zu urlheilen, die von Walfischfängern aus Japan u. s.w.
gebracht wurden, haben diese daselbst nur eine der unter dem Col-
lectiv-Namen B. australis zusammengefassten Arten angetroffen. Vie-
les spricht dafür, dass der grönländische Walfisch sich regelmässig
in der Behringsstrasse und Kamschatka einfindet, denn als im An-
fange der 40ziger Jahre die Walfisch Fänger aus der Südsee in jene
nördlichen Gegenden zu gehen anfingen, so trafen sie hier eine Art,
die von den gewöhnlichen echten Walen der Südsee verschieden war,
und die sie wegen der bogenförmigen Überkiefer „Bowhead's nann-
ten. Ohne Schwierigkeit erkennt man hierin den grönländischen
Walfisch. Dafür sprechen auch die im Handel vorkommenden Üchotz-
kischen- oder Polarbarten. So viel ist sicher, dass die Wale von
Kamschatka nach der Form des Kopfes und der Beschalfenheit
der Barten zu derselben Gruppe wie der grönländische Walfisch ge-
hören, üb auch eine Identität der Art stattfindet, lässt sich gegen-
wärtig schwierig entscheiden, da nur die Barten nach Europa ge-
bracht werden. Schon Z o rg d r a g e r hatte 1720 unter den echten
Walen von Spitzbergen einen Westys-Vissch und einen Zuidys-Vissch
unterschieden, und es ist nicht unmöglich, dass der „grönländische
der Säuofethiere während des Jahres 1861. 157
Walfisch" ebenso eine Collectiv-Art wie der „Südseewal" ist, und
dass die „Bovvheads'' der amerikanischen und englischen VV^alfisch*-
fänger mit dem alten holländischen „Zyidys-Vissch" zusammenfallen.
Mag aber die Species dieselbe sein oder nicht, so wird dadurch das
Gesetz über die Verbreitung der beiden Gruppen der echten Wale
nicht geändert. Das JMeer auf beiden Seiten Kamschatka's scheint
nämlich die südlichste Grenze für die genannten Bogenköpfe zu
sein. Ob diese nun im späteren Sommer sich durch die Behrings-
strasse zurückziehen, oder ob sie nur auf kürzere oder längere Zeit
mit den echten Südseewalen an der Südspitze Kamschatka's als auf
der Grenze ihrer beiderseitigen Verbreitungsbezirke zusammentreffen,
oder sich in dem übrigen Theile des Jahres vielleicht weit entfernt
in anderen Meeren aufhalten, muss späteren Untersuchungen vorbe-
halten bleiben. — In der zweiten Abtheilung, welche die äusseren
und inneren Merkmale des Nordwales behandelt, ist aus der ausführ-
lichen Beschreibung des Skeletes die von Reinhardt an einem
neugebornenen ISordwale gemachte Entdeckung hervorzuheben, dass
sich an die schon bekannten paarigen Beckenrudimente jederseits
noch eine grösserer Knochen anheftet, der wieder an seinem unteren
Ende einen kleineren trägt. Unter diesen Knochen war nur der
mittlere und zwar wieder in seiner Mitte verknöchert, der untere und
das Beckenrudiment zeigten keinen Verknöcherungspunkt. In Folge
dessen untersuchte Eschricht den Vaagewal und den Krepokak
und fand bei Erstercm die Beckenrudimente, dagegen bei einem klei-
nen Foetus des Letzteren an dem gewöhnlichen Beckenrudimente ein
vielmal kleineres Knöchelchen in Gestalt einer Keule mit dickem
Kopfe. Das Gleiche fand sich bei einem anderen 78" langen Foetus
und bei einem ausgewachsenen Exemplare derselben Art. Immer
fehlte das zweite, kleinere Knöchelchen. Die Verff. haben später bei
halb- und auch bei ganz erwachsenen Individuen des Nordwales alle
drei Knochen vorgefunden und sich sowohl durch die Lage dersel-
ben zu einander, so wie durch das Vorkommen besonderer Gelenk-
kapseln zwischen ihnen überzeugt, dass der eine dem Becken ange-
hört, die beiden anderen dagegen als die bei den Zahnwalen ganz
verschwundenen Theile der Hinterextremität zu deuten sind. Es ist
einleuchtend, dass solche Verhältnisse nicht ohne Einfluss auf die
gegenseitige Stellung der Wale im Systeme sein können. Man hielt
bisher auf Grund der Bewaffnung des Mundes und der Bildung des
Brustbeines u. s. w. den Typus der Zahnwale für dem allgemeinen
Typus der Säugethiere näher stehend, als der der Bartenwale. Die Verff.
sind jedoch der entgegengesetzten Ansicht aus folgenden Gründen:
bei den Bartenwalen ist das Gehirn schon wegen der bedeutenden
Entwickelung des Geruchsorganes vollkommener ausgebildet; die
beiden Abtheilungen des Darmkanals, der Dünndarm und der Dick-
158 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Katurgeschichte
darm , sind bei ihnen stets scharf von einander abgesondert; ihr
Schädel ist, entgegen der herrschenden Ansicht, vollkomniner orga-
nisirf, da ihm die Asymmetrie felilt, welche für dieZahnvvale charak-
teristisch und dem Typus der übrigen Saugelhiere ganz fremd ist;
auch die Bildung des Unterkiefers, des Jochbeins und das Vorkommen
eines Thränenbeines, welches bei allen Zahnwalen mit Ausnahme des
Deiphinorhynchus micropterus und des Dögling fehlt, so wie der Bau
der Vorderextremitäten deuten auf die höhere Stellung der Barten-
wale. Dazu kommt nun noch das oben beschriebene Vorkommen
der Rudimente der Hinterbeine bei den Bartenwalen, so dass diese
wohl mit Recht als vollkommenste Walthiere an die Spitze dieser
gestellt werden müssen. Auf 6 lithographirten Tafeln und durch
zahlreiche in den Text gedruckte Holzschnitte sind die wichtigsten
Verhältnisse gut illuslrirt.
Die Revue maritime et coloniale IV. Paris p. 75 — 78 und
p. 824 — 82G enthält einen Bericht über den Walfischfang im Polar-
meere während des Jahres 1861, in dem milgelheill wird, dass die
Walfische in grosser Anzahl im Westen der Bai von .Melville vor-
handen, aber fast allgemein von unbedeutender Grösse waren, ein
ümtsand, der der Vernichtung aller grossen Cetaceen zugeschrie-
ben wird.
Einige statistische Notizen über den Walfischfang gab das Nau-
tical Magazine for 1861. London p.555.
Implacentalia.
Marsapialia.
Aus dem Jahre 1858 ist AI essand ri n i's Arbeit über das
Skelet der Didelphys philander L. und der Phalangista Cookii Cuv.
(Mem. Acad. dell' Istit. de Bologna Tom. IX. 1858. p. 247— 268. Tay.
16 — 17) nachzutragen. Abgebildet sind die vollständigen Skelete
beider Arten und die Schädel derselben in mehrfachen Ansichten.
Ueber Didelphys Azarae Rengg. und D. elegans Waterh, siehe
Burraeister I. c. p.4l2.
Gray theilt jetzt (Proc. Zool. Soc. 1801. p. 314— 321) die
Gattung Cuscus nach der Form des Schädels und der Zahl und Ver-
theilung der vorderen falschen Backenzähne in vier Gruppen ein:
A. Eucuscus. Die Nase des Schädels kurz, breit und abge-
rundet. Ein kegelförmiger Lückenzahn jederseits, gross und beinahe
das kurze Diastema ausfüllend. Die Mahlzähne gross, in einer ge-
der Säugethiere während des Jahres 1861. 159
bogenen Reihe nach hinten convergirend. Der Vordertheil des Schä-
dels über der Stirn angeschwollen und niedergedrückt zwischen dem
hinteren Theile der Augenhöhlen. Ohren unter dem einfarbigen Pelze
verborgen.
1) C. ursinus Gray, schwärzlich. Celebes.
2) C. brevicaudatus Gray blassbraun. Cap York.
B. Spilocuscus. Die Nase des Schädels ziemlich verlängert,
abgerundet. Ein Lückenzahn jederseits oben, näher der Mitte des brei-
ten Diastema. Das Vorderhaupt sehr convex, abgerundet über der Mitte
der Augenhöhlen, dahinter flach. Ohren auf der Aussenseite behaart,
im Pelze verborgen. Der Schwanz blass oder gelblich. Kein Rücken-
streifen.
3) C, chrysorrhos (C. maculata var. Gray, Phalangista macul.
Temni.), Mahlzähne gross, die drei ersten 10 — lOyi'" engl. Ceram,
Neu-Guinea, Molukken.
4) C. maculatus Lesson (Phalangista chrysorrhos Temm.), die
drei vorderen Mahlzähne nur 872—9'" engl. lang. Ken-Guinea, Way-
geru, Aru-Inseln.
C. Strigocuscus. Lückenzahn wie vorher. Vorderhaupt tief
concav mit einer Kante jederseits zwischen den Augenhöhlen. Ohren
innen nackend, überragen die Kopfhaare. Körper und Schwanz von
gleicher Farbe; ein Rückenstreifen.
5) C. celebensis Gray (in der früheren Abhandl. Proc. Zool.
See. 1858. p.105 ist durch einen Schreibfehler dieser Art der Rücken-
streifen abgesprochen worden). Abgebildet ist I.e. p. 319 der Schädel
in zwei Ansichten.
D. Cuscus. Zwei Lückenzähne jederseits oben, der vordere
grösser, der hintere sehr klein, cylindrisch.
6) C. Orientalis Gray (C. Quoyii Lesson), ^ und $ graubraun
mit einem deutlichen Rückenstreifen. Von den Inseln Waigiu und
Ceram.
7) C. ornatus Gray, mit kleinen weissen Flecken und einem
deutlichen Rückenstreifen. Von Ternate und Batschian. Abgebildet
ist der Schädel in zwei Ansichten.
Beobachtungen über das Verhalten mehrerer Exemplare des
Hypsiprymnus murinus im Frankfurter Zool. Gart, während des Win-
ters theilt M. Schmidt mit (Zool. Gärt. 1861. p.64).
Die Geschlechtstheile eines weiblichen Halmaturus Bennetti
wurden von Weinland (Zool. Gart. 1861. p. 39—44 mit 1 Taf )
untersucht, die Mutter hatte auch dann noch ihr Junges angehängt,
als dieses selbst wieder ein Junges im Beutel umhertrug, und wäh-
rend sie auch schon wieder ein ohne Schwanz 3" langes im Beutel
nährte. Als eigenthümlich wird die Einrichtung des Gaumens bei
160 Hensel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte u. s. w.
dem Jungen beschrieben, durch welche das Athmen während der An-
hefluMg an die Zitze möglich gemacht wird. Abgebildet sind das
Junge, dessen Kopf von vorn, der aufgeschnitttene Rachen desselben
und das Innere des mütterlichen Beutels in naf. Gr.
lieber die Fortpflanzung des llalmaturus Bennetti im Zool. Gar-
ten zu San-Donato siehe l'Institut 1861. p. 60.
Den Phascolomys latifrons Owen und den Ph. wombat be-
schreibt G. F. Angas nach lebenden Exemplaren (Proc. Zool. Soc,
1861. p. 268-271).
Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
während des Jahres 1861.
Von
Troschel.
Carle er stimmt in seiner Schrift „Examen des prin-
cipales classifications adoptees par les zoologisles p. 138 der
Ansicht bei, es sei zweckmässig- die Wirbelthiere in zwei
Abtheilungen zu bringen, je nachdem eine Allantois vor-
handen sei oder nicht, wonach denn in die letztere die Ba-
trachier als eigene Klasse und die Fische zu bringen seien.
Von Giebel's „Naturgeschichte des Thierreichs" ist
der dritte Band Leipzig 1861 erschienen und enthält die
Amphibien und Fische. Die Abtheilung der Amphibien reicht
bis p. 163. Der populär gehaltene Text wird durch meist
hübsche Holzschnitte illustrirt. Da dasselbe von der Klasse
der Fische gilt, so kommen wir unten im Berichte über die
Ichthyologie nicht wieder darauf zurück.
Ueber den Bau und die Entwickeiung der Wirbel-
säule bei Amphibien überhaupt, und beim Frosche insbe-
sondere hat Gegenbaur in den Abhandl. der naturf.
Gesellsch. zu Halle VI. p. 179 Untersuchungen veröflFentlicht.
A. Dumeril berichtete Archives du Museum X. p.434
über die Reptilien, welche in der Menagerie des Pariser
Museums gelebt haben. Das ganze Verzeichniss enthält
193 Arten. Verf. verzeichnet auch die Arten, welche am
längsten in der Menagerie gelebt haben, und bespricht dann
die interessantesten Arten der Menagerie.
Von der „United States exploring expedition during
the years 1838 — 42 under the command of Charles Wil-
kes ist bereits im Jahre 1858 der 20. Band erschienen,
Archiv für. Naturg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd. L
16'2 Troschcl: Bericht üb. d. Leist. in d. Herpetologie
welcher die j-Herpctology, preparcd under the superinten-
dence oT S. F. Baird« enthält. — Die Balrachier sind
schon vor 1855 erschienen. Da sämnitliche hier beschrie-
bene Arten bereits in den Proceedings of the Philadelphia
Academy seit dem Jahre 1852 aiifo-estellt und charakterisirt
sind, mit Ausnahme einer Halophila, die neu zu sein scheint,
so ist darüber nur zu bemerken, dass im Ganzen 40 Arten
aus den verschiedenen Erdgeg^enden beschrieben und gros-
sentheils abgebildet sind. — Die Ophidier sind vom Jahre
1855 datirt, was jedoch im Widerspruche mit vielen in der
Arbeit enthaltenen Citaten vom Jahre 1857 steht. Dieser
Abschnitt reicht von p. 103 — 190, und bespricht im Ganzen
37 Schlangen. — Der Abschnilt über Eidechsen p. 191 —
422 datirt vom Jahre 1856 und 1857. Daselbst sind 95 Arten
aus den verschiedenen Familien behandelt. Neu darunter
sind einige Arten der Gattung Phrynosoma (s. unten). —
Die Chclonier endlich von 1857 datirt, nehmen p. 421 — 472
ein und bilden den Schluss des Bandes. Unter den 15 be-
sprochenen Arten sind einige neue^ auch eine neue Gal-
tung. — Der Atlas scheint noch nicht ausgegeben zu sein.
— Abgesehen von den wenigen neuen Arten wird diesem
Bande des Prachtwerkes der Werth beigelegt werden müs-
sen, dass er die in den Proc. Philad. Acad. erschienenen
vorläuligen mehr als Diagnosen gehaltenen Beschreibungen
erweitert und ergänzt, und dass die Abbildungen zur Fest-
stellung der Arten viel beilragen werden.
Schmarda's „Reise um die Erde in den Jahren 1853
—1857. Drei Bände, Braunschweig 1861" stellt zwar
haupisächlich nur in anziehendster Weise die Reise-Begeb-
nisse dar, indessen hat Verf. auch überall Schilderungen
der Naturverhältnisse eingeflochten, die die Leetüre des
Werkes nur noch interessanter machen. Auch der Thier-
welt ist mehrfach Aufmerksamkeit geschenkt, wenngleich
es scheint, als ob Verf. absichtlich auf die Schilderung der
Faunen weniger Rücksicht genommen hätte, um diese Ma-
terie seinem speciell zoologischen Werke vorzubehalten.
In Betreff der Angaben über die Amphibien Ceylons ver-
weisen wir z. B. auf 1. p. 289, wo der Schlangen- und
während des Jahres 1861. 163
Eidechsen- Reichthiim von Trinkomalie geschildert wird;.
I. p. 373 über die Replilienfauna des Hochlandes von Neu-
wara-ElIia; 1. p. 424 über die Schlangen von Ratnapura.
Auch ist p. 590 das Pelers'sche Verzeichniss der Ceyloni-
schen Amphibien abgedruckt, dessen schon im vorigen Be-
richte p. 119 Erwähnung gethan ist, und das 40 Arten
umfasst.
Von Wink 1er wird bestätigt, dass auf Island durch-
aus keine Amphibien leben. Island, seine Bewohner, Lan-
desbildung und vulkanische Natur. Braunschweig 1861. p. 91.
Van Beneden lobt die Amphibien Belgiens mit Aus-
nahme der Vipera berus als nützliche Thiere, indem sie
schädliche Insekten, auch wohl Schnecken verzehren, und
empfiehlt sie dem Schutze der Gärtner. Bulletin de l'acad.
de Belgique XII. p. 450.
Dass Caelopeltis tlavescens Scop. bei Schlangenbad
und Tropidonolus tessellatus bei Ems in Nassau vorkomme
erinnert vonHeyden. Er hält es für nicht unwahrschein-
lich, dass sie von den alten Römern bei diesen warmen
Quellen eingeführt seien, und dass sie sich dort erhalten
hätten (?) Jahrbücher des Vereins für Naturk. im Herzog-
thum Nassau XVI. p. 263.
Kirschbaum berichtete ib. p. 304 , dass in Nassau
bis jetzt 5 Eidechsen, 4 Schlangen, 10 Frösche und 5 Molche,
im Ganzen 24 Arten gefunden seien,
Reptiles et poissons de l'Afrique occidentale; elude
precedee de considerations generales sur leur distribution
geographique par M. Aug. Dumeril. Archives du Mu-
seum d'histoire naturelle Tome X. p. 137 — 268 mit 11 Ta-
feln, von denen 7 den Reptilien gewidmet sind. Verf. be-
ginnt mit allgemeinen Betrachtungen über die Verbreitung
der Thiere, besonders der Reptilien in Afrika (p. 137 — 160J
und geht dann zum beschreibenden Theil über. Auch die-
ser beschäftigt sich hauptsächlich mit Erörterungen über
die geographische Verbreitung der Gattungen und Arten.
Einige neue Arten sind unten angegeben. — Es findet sich
p. 233 eine Aufzählung der aus dem westlichen Afrika be-
kannten Reptilien, welches im Ganzen 193 Arten enthält,
164 T rose hei: iJericht üb. d, Leist. in d. Herpelologie
nämlich 16 Scliildkrötcn, 47 Eidechsen, 101 Schlangen und
29 Bnirachier.
Du Chaillu schildert in Explorations and advenlures
in Equatorial Africa London 1861. p. 234 eine Krokodiljagd.
Hier und da findet sich auch wohl noch eine Notiz über
Schlangen oder andere Amphibien, deren wir jedoch keine
besondere Erwähnung thun.
Das Verzeichniss der von Hodgson in Nepal ge-
sammelten Reptilien, welches Günther Proc. zool. soc.
p. 213 mittheilt, enthält 41 Arten, nämlich: 6 Schildkröten,
5 Eidechsen, 25 Schlangen und 5 Batrachier.
Im vorigen Berichte konnten wir p. 119 mittheilen,
dass Günther 23 Arten Reptilien von Siam aufgezählt
hat. Diese Zahl wurde Proc. zool. soc. p. 189 auf 42 er-
höht, darunter sind sechs neue Arten..
Gray verzeichnete 5 Schildkröten und 1 Crocodil von
Camboja. Proc. zool. soc. p. 139.
Peters gab eine Uebersicht der von Jagor auf Ma-
lacca, Java, Borneo und den Philippinen gesammelten Schlan-
gen. Es sind 46 Arten. Die neuen Arten, sechs an der
Zahl, sind unten namhaft gemacht.
Zufolge eines Berichtes von Blyth enthielt eine
Sammlung von Port Blair in den Andamanschen Inseln
Journ. Asiat. Soc. of Bengal 29. p. 107 an Reptilien zwei
Schildkröten, einen Hydrosaurus, zwei neue Geckonen und
eine neue Tiara , sieben Schlangen. Batrachier scheinen
daselbst nicht vorzukommen.
Bleeker verzeichnete als von der Insel Ceram stam-
mende Amphibien 39 Arten, 1 Schildkröte, 19 Eidechsen,
18 Schlangen und 1 Batrachier, unter denen 2 Eidechsen
und 1 Schlange neu. Natnurk. Tijdschr. voorNederl. Indie
XXII. p. 35.
Die Zahl der Reptilien von Amboina giebt Bleeker
auf 54 an, unter denen drei neue Schlangen. Ib. p. 39.
Ferner verzeichnet derselbe 4 Arten von Macassar
ib. p. 80; — 14 von Boni p. 81; — 86 von Celebes, nämlich
4 Chelonier, 12 Saurier, 35 Schlangen und 5 Batrachier
p. 83: — 13 Arten von Gombong p. 85; — 36 Arten von
während des Jahres 1861. 165
Timor p. 87: — 7 Arien von Banka p. 97; — 9 Arten von
Sumatra p. 102.
Rosen barg fand bei Doreh auf Neu-Guinea von
Reptilien drei Arten: einen Platydactylus, einen kleinen
Gongylus mit himmelblauem Schwänze und Varanus bivit-
tatus. Natuurk. Tijdschr. Nederl. Indie XXII. p. 314.
In einem Beitrage zu der Schlangenkuiide von Nie-
der-Californien, Mexiko und Central-Amerika macht Cope
Proc. Philadelphia p. 292 — 306 Bemerkungen über zahlreiche
Schlangen, die hier im Einzelnen nicht angeführt werden
können. Die beschriebenen neuen Arten sind unten nam-
haft gemacht.
Salvin verzeichnete wieder 14 Reptilien von Gua-
temala, worunter ein Pleiocercus neu. Proceed. zool. soc.
p. 227.
Nach Schmarda Reise III. p. 256 reichen bei Quito
in Ecuador Schlangen nicht bis in die Strauchregion; er
sah die erste in der Waldregion ungefähr 1000 Fuss unter
Quito. Frösche gehen bis 10,500 Fuss.
Burmeister hat in seiner „Reise durch die La Plata-
Staaten mit besonderer Rüchsicht auf die physische Beschaf-
fenheit und der Culturzustand der Argentinischen Republik
1. Band Halle 1861 p. 208 einige Bemerkungen über die
Amphibienfauna von Mendoza mitgetheilt. Er schildert sie
als arm und führt eine Landschildkröte, 6 Eidechsen, 4
Schlangen und 2 Kröten auf. Mehrere dieser Arten hält
er für unbeschrieben, zwei derselben, ein Lepidosternon und
ein Herpetodryas sind sogar als neue Arten , wenigstens
vorläufig charakterisirt. S. unten. — Ebenda p. 454 und
p. 480 findet sich auch eine Schilderung der Amphibien
von Paranä.
Reinhardt und Lütken haben einen Beitrag zur
Kenntniss der Amphibien Brasiliens geliefert. Vid. Medde-
lelser fra den nat. Forening for 1861. p. 143—242 und
Taf. III — VI. Diese Mittheilung erstreckt sich nur auf die
Batrachier und Eidechsen. Das Material hierzu boten die
Sammlungen von Reinhardt (23 Frösche, 15 Eidechsen)
und Hygojn (5 Frösche, 11 Eidechsen). Darunter sind
166 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Herpetologie
zahlreiche neue Arten enthalten, welche unten namhaft
gemacht sind.
Günther hat die Reptilien verzeichnet, welche von
Dr. Wucherer aus Bahia an das Britische Museum ein-
gesandt waren. Es enthält 39 Schlangen. Kine neue
Schlange und eine Eidechse sind beschrieben. Proc. zool.
soc. p. 12. — Wucherer schrieb selbst über die von ihm
in Bahia gesammelten Schlangen ib. p. 113. Er beschreibt
daselbst Helicops Leprieurii nach frischen Exemplaren. Eine
neue Art der Calamarienfamilie ist abgebildet. — Die Fort-
setzung ündet sich ib. p. 322.
Chelonii.
Weinland schilderte in seiner Zeilschrift „der zoologische
Garten II. p. 69" einige Züge aus dem Leben der Schildkrölen. Wenn
jedoch daselbst angegeben wird, dass unsere Flussschildkröte nur in
der Älark Brandenburg, sonst nirgends in Deutschland, vorkomme, so
beruht dies auf einem Irrthunje, sie ist weit verbreitet im nördlichen
Europa. — Auch Effeldt machte ib. p. 115 einige Bemerkungen
über Behandlung und Lebensweise der Sumpfschildkröten in der Ge-
fangenschaft. Er empfiehlt namentlich lauwarmes Wasser um nord-
amerikanische Schildkröten in Europa zu überwintern. — Ebenda
p. 122 erinnerte We i n 1 a n d daran, dass bei Schildkröten Fälle beob-
achtet sind , dass Varietäten sich durch eine verschiedene Zehenzahl
auszeichneten.
An den Fund des Oberarmknochens einer Schildkröte in dem
Mineralwasserkalke von Canstadt schliesst v. Jäger einige Bemer-
kungen über unsere Flussschildkröte an. Bulletin soc. imp. Moscou
1861. p. 190.
In der oben erwähnten United States exploring expedition sind
folgende neue Schildkröten von Girard beschrieben: Caretta ro-
strata p. 446. pl.30. fig. 8 — 13 von den Feejee-Inseln ; Chelonia for-
jnosrt p. 45G. pl. 31. fig. 1 — 4 ebendaher; Chelonia tenuis p. 459. pl.31.
fig. 8 von den Paumotu - Inseln und Tahiti ; Tesludo australis p. 470
von Neu-Seeland. Ausserdem ist p. 447 eine neue Gattung auf Te-
studo macropus Walb. von den Philippinen gegründet: Euchelys
Gir. capite parvo, rotundato, rostro obtuso, abbrevialo, maxillis ro-
bustis, cum marginibus acutis et integris, apice ma.villae inferioris
recurvalo, maxilla superiore antice eniarginata ; scutorum frontalium
et parictalium pari uno, scuto verlicis uno, occipitali mediano am-
plissimo, scutorum latero - occipitaliuni paribus duobus, et pari uno
während des Jahres 1861. 167
postoccipitalium transverse elongatoriira ; scutis postocularibus qua-
tuor ; scutis nienlalibus praesentibus ; sciito elongato ad maxillae In-
ferioris latus; carapace cordiformi , tredecim scutis non imbricatis
tecto, peripheria Integra; sterno sex paribus scutorum medianorum et
Jateralium quatuor cooperto, scutis postaxillaribus plnribus; palniis
plantisque unguibus duobus praeditis. Die Gattung Iheilt die Charaktere
von Thalassor.helys und Chelonia, von ersterer durch die Gegenwart
von zwei Krallen an jedem Fusse, von letzterer durch die Struktur
des Kopfes und der Kiefer unterschieden.
Chelonia Caretta ist von üyce und von S m e e als eine Be-
reicherung der Britischen Fauna bezeichnet. Annais nat. bist. VIII.
p.351.
A. Dumeril beschreibt Archives du Museum X. p. 1G4 Pen-
tonyx gabonensis als neu und seinen Cryptopus Aubryi als Cycloderma
Aiibryi. — Abgebildet sind auf pl. XIII Cinixys erosa Gray, Pentouyx
gabonensis, capensis und gehalia.
Geoclemmys melanosterna Gray Proc. zool. soc. p. 204 aus dem
Golf von Darien.
Trionyx ornafws Gray Proc. zool. soc. p. 41. pl.V. von Camboja.
Saurii.
Im IX. Bande der Abhandlungen der math.-phys. Classe der
Akad. München 1861. p. 125 — 183 erschienen „Untersuchungen über
die Arterien der Verdauungswerkzeuge der Saurier" von H. Rathke.
Yxem berichtete, als Beitrag zur Entwickelungsgeschichte der
Eidechsen, über den Inhalt einiger von ihm gefundener Eidechsen-
eier, in denen die lebendigen Embryonen vollkommen entwickelt,
Überkiefer jedoch nebst Augen und Vorder- und Hinterschädel durch
eine durchsichtige Blase vertreten waren, welche in Spiritus mon-
strös gross wurde. Berichte des naturw. Vereins des Harzes zu Blau-
kenburg für d. Jahre 1859 u. 60. Wernigerode 1861. p. 54.
Monitores. Günther konnte eine Anatomie von Regenia ocel-
lala an einem in dem Londoner zoologischen Garten verstorbenen
Exemplare von 35 Zoll Länge machen. Proc. zool. soc. p. 60. — Des-
gleichen ib. p. 109 von Monitor niloticus und Begenia albogularis.
AmeiVäe. Ameiva corvina Cope Proc. Philadelphia p. 312, das
einzige Landthier, ausser einer Scolopendra, auf der Insel Sombrero.
Cnemidophorvs Hygomi Reinhardt und Lüiken Meddel. nat. foren.
p. 231 aus Brasilien. ,';
Cenfropyx decodon Cope Proc. Philadelphia p. 495 von Surinam.
Charoaeleontes. Nourse schilderte die Lebensweise der Cha-
mäleons, welche er in INubien zu beobachten Gelegenheit hatte. Be-
168 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Herpelologie
port 011 the 29. meeting british Association for the advancement of
science held at Aberdeen. p. 153.
Iguanini. Der Leguan von der Insel Andros, eine der Bahamas,
den Catesby erwähnt hat, und der seitdem nicht wieder beachtet
ist, wurde von Cope Proc. Philadelphia p. 123 unter dem Namen
Cyclura baeolopha unterschieden.
Cope beabsichtigt eine Abhandlung über Anolis zu schreiben,
und veröfFentlicht vorläufig Proc. Philadelphia p. 208 ausser einigen
anderen Notizen auch folgende neue Arten : Anolis distichus von den
Bahamas, A. striatuUis von St. Thomas, A. (Draconliira) lionolvs von
Neu-Granada, A. (Draconhira) cyanopleurus von Cuba, A. (Dracon-
turaj ophiolepis von Cuba, A. (Dracontura) alutaceus von Cuba, A.
(Gastrotropis) lemurimts von Neu-(jranada, A. (Gastrolropis) argen-
teolus von Cuba, A. (Ctenocercus) isolepis von Cuba.
Trachycyclus superciliaris Günther Proc. zool. soc. p. 16 von
Bahia (?? Proctotretus Toelsneri Berth.).
Leiosaurus torquatus und valdivianus VhiW^^i dies \rch\v p. 295
von Chile.
Tropidurus macrolepis und Hygomi Reinhardt und Lülken Med-
del. nat. foren. p. 227. tab. 5. fig. 8 und 9 aus Brasilien.
Grube beobachtete ein Paar lebende Exemplare von Phryno-
soma cornutum in Breslau. 38. Jahresbericht der Schlesischen Ge-
sellsch. für vaterländische Kultur p,51.
Phrynosoma (Tapaya) Hernandesii Neu-Mexiko, Phr. (Tapaya)
brevirostris aus Kansas und Nebraska, Phr. regale aus dem Zuni und
Colorado-Thale sind von Girard in den United states exploring ex-
peditionXX. p. 394 beschrieben.
Draco taeniopterus Günther Proc. zool. soc. p. 187 von Siam.
Dilophyrus mentager Günther Proc. zool. soc. p. 188 von Siam.
Tiara subcristata Blylh Journ. Asiat, soc. of Bengal 29. p. 109
von den Andamanen-Inseln.
Acanthosaura coronata und capra Günther Proc. zool. soc. p. 187
von Siam.
Istiurns microlophus Bleeker Natuurk. Tijdschr. Nederl. Indie
XXII. p. 80 von Makassar.
C ophotis ceylanicaVeiers n. gen. Berliner Monatsberichte 1861.
p. 1103 aus der Familie der Iguanen.
CreckoneS- Auf Hemidactylus praesignis Hallowell gründete
Cope Proc. Philadelphia p. 496 eine eigene Gattung Aristclliger
und fügte eine neue Art A. lar von Hayti hinzu.
Cope gab Proc. Philadelphia p. 497 eine Synopsis der Gat-
tung Sphaerodactylus ; er unterscheidet 13 Arten.
Blyth beschreibt Journ. Asiat. Soc. of Bengal 29. p. 108 zwei
i>cue Geckonen von Port Blair auf den Andamaueu-Iuseln , nämlich
während des Jahres 1861. 169
Phelsuma andamanensis und P uellula n. g. , gleicht Hemidactylus,
hat aber keine Erweiterung an den Zehen ; keine Femoral- oder
Präanalporen, aber einen grossen Drüsenraiim am Grunde der Schen-
kel, in der vorderen Hälfte durch eine schwache mittlere Grube ge-
theilt, welche eine grosse Drüsenhöhle an der hinteren Hälfte bildet,
deren Lippen mit grösseren Schuppen bedeckt sind ; dieses Organ ist
im weiblichen Geschlechte viel weniger entwickelt. Auf dem Rücken
ein deutlicher rudimentärer Kamm, auch eine seitliche Hautfalte zwi-
schen den Vorder- und Hinterbeinen, und eine solche am Vorder-
rande der Schenkel. (Wenn wirklich zu den Geckonen gehörig, eine
höchst interessante Gattung!) P. riihida.
Naultinus variegat US Bljth Journ. Asiat. Soc. of Beng. XXVIII. p. 279
von Port Blair; N. fasciolatus ßlyth ib. XXIX. p. 114 von Subathoo.
Gymnodactylus crucifer Valenciennes Comptes rendus 4. Mars;
Revue et mag. de zool. p. 131 aus Abyssinien.
Xenosaurus Peters n. gen. Berliner Monatsberichte 1861.
p. 453 soll durch die Zunge mit den Iguaiien übereinstimmen, durch
die Zähne und obere Körperbekleidung an die Geckonen, Bekleidung
des Bauches und Schwanzes an die Varanen erinnern. X. fasciatus
aus Mexiko. — Ib. p. 902 wird constatirt, dass diese Eidechse mit
Cubina grandis Gray identisch, zu dieser Gattung jedoch nicht zu
stellen sei.
ScinCOidei. Im 11. Bande der Transactions of the American
philosophical society held at Philadelphia for promoting useful know-
ledge 1860. p. 71 hat Hallo well (bereits von 1856 datirt) einige
neue und seltene Scineoiden aus der Sammlung der Acad. zu Phila-
delphia beschrieben : Einige sind schon in den Proc. der Acad. ver-
öffentlicht, so Euprepis Harlani 11. p. 175, Blandingii 11. p. 58. Keu
scheinen zu sein : Euprepis longicaudata von Siam, E. dissimilis von
Bengalen, E- microcephalus von Mexiko, E. surinamensis von Suri-
nam. Abgebildet sind Eupr. striata, Harlani, longicaudata und suri-
namensis.
Euprepes ceramensis Bleeker IS'atuurk. Tijdschr. XXII. p. 37
von Cerani.
Plestiodon longirostris CopeProc. Philadelphia p. 313 das ein-
zige Reptil der Bermuda-Inseln.
Tropidophorus microlepis Günther Proc. zool. soc. p. 188 von
Siam. — Tr. Grayi Günther ib. p. 189 von den Philippinen.
Heteropus leucotaenia Bleeker INatuurk. Tijdschr. Kederl. Indie
XXII. p. 38 von Ceram.
Aus der Scincoidcnfamilie beschreibt A. Dumeril Archives du
Museum X. p. 180 sein Anisoterma spkcnopsiforme aufs IN'eue und
giebt pl. 15. fig. 3 eine Abbildung; — ebenso seine Anehjtrops ele-
gans (identisch mit Sphenorhina elegans HHllovvell) p. 18C.
170 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. fleipetologie
Sepomo rphu s Peters n. gen. der Scincoiden. Berliner Sit-
zungsberichte 1861. p. 422. TronmieU'ell unsichtbar; vier dreizehige
Extremitäten mit kurzer Innenzehe; Nasenlöcher, Augcnlieder und
Beschildung wie bei Seps. S. caffer aus Südafrika.
Panolopus Cope u. gen. Proc. Philadelphia p. 494 Vorder-
gliedmassen ohne Finger, die hinleren mit einer rudimentären Zehe
am inneren Rande, untere Augenlieder schuppig; Zähne pleurodont;
OhröfTnungen vorhanden. F. coslalus von St. Domingo.
Gxjmiiophlhahnus Maximiliani Reinhardt und Lülken (G. qua-
drilineatus Wied) Meddelelser nat. foren. p. 211. tab. 5. fig. 6 aus
Brasilien.
F er od aclylus n. gen. Reinhardt und Lütken Meddel. nat.
foren. p. 218, diagnoscitur palmis et plantis pentadactylis, digitis un-
guiculatis, pollice palmarum tarnen mutico, venire infra colloque su-
pra scutellis magnis obtectis a genere Ecpleopodis, quocum cacterura
convenire fere videtur. F. modeslus tab. 5. fig, 7 aus Brasilien.
Meter od aclylus Lundii Reinhardt und Lülken Meddel. nat. foren.
p. 214. tab. ß. fig. 10 aus Brasilien.
Amphisbaenae. Aus Lepidostemum floridanum- Baird bildete
Cope Proc. Philadelphia p. 75 eine eigene Gattung Rkineura, die
in der Gestalt des Kopfes und im Besitze von Naseuschildern Phra-
ctogonus Hallow. gleicht, in der Beschildung des Scheitels und der
Abwesenheit der Analporen Lepidostemum ähnlich ist; sie unter-
scheidet sich von beiden durch den niedrigen, oben höckerigen
Schwanz.
Diphalus Cope n. gen. ib. Bezahnung pleurodont; Schnauze
konisch, spitz; Naslöcher seitlich, jedes in einem Schilde, das von
dem der anderen Seite durch eine hintere Verlängerung des Schnau-
zenschildes getrennt ist; zwei längliche Rostrofrontalschilder, vorn
das Schnauzenschild berührend; Auge unter dem Ücularschilde sicht-
bar; Analporen vorhanden. D- fenestratus von St. Thomas und
Santa Cruz.
Amphisbaena angustifrons Cope ib. p. 76 von Buenos Ayres.
Lepidosternon kelerozonatum Buiineister 1. c. p. 309.
Serpeutes.
Von Jaii's Iconographie generale des Ophidiens ist
die zweite Lieferung erschienen. Sie enthält, wie die erste,
keinen Text, sondern nur sechs Tafeln. Auf der ersten ist
Leptoboa Dussninieri, auf der zweiten Enygrus carinatus
und Trachyboa gularis, 'auf der dritten Enygrus ßibroni,
auf der vierten Pelophilus madagascariensis dargestellt; die
während des Jahres 1861. 171
fünfte enthält 12 Arten der Gattung Stenostoma, unter de-
nen fünf als neu bezeichnet sind, und die sechste ist'mit
Details derselben Arten erfüllt. — Ueber die erste Liefe-
rung haben Peters und Günther in unserem Archiv
p. 35 und p. 47 eine nicht günstige Kritik ausgeübt, und
ich habe mich von der Ungenauigkeit einiger Details
allerdings überzeugen müssen. Im Allgemeinen kann ich
jedoch den Abbildungen dieses Werkes die Anerkennung
nicht versagen, und in der Zuversicht, dass Verf., aufmerk-
sam gemacht auf die gedachten Ungenauigkeiten des Zeich-
ners, dieselben fortan vermeiden werde, kann ich dem
grossartig angelegten Werke nur einen gedeihlichen Fort-
gang wünschen, für welches er so viele Zeit und Kosten
geopfert hat. Der Vorwurf, dass das Werk nicht sämmt-
liche bekannte Arten enthalten werde, mag viele, wohl die
meisten monographischen Werke treffen. Vielleicht ent-
schliesst sich der Verf. in den Text auch die Arten aufzu-
nehmen, welche ihm nicht zu eigener Untersuchung vor-
gelegen haben , was eigentlich nicht seine Absicht war.
Diese Aenderung des Planes würde gewiss den Werth der
Arbeit erhöhen.
Der Referent fand bei Untersuchungen im britischen
Museum seine frühere Angabe über die Lage des Foramen
mentale (vergl. den Bericht 1858 p. 65) an sehr zahlrei-
chen Schlangen bestätigt, und hob hervor, dass die Schlan-
gen nur ein solches Foramen, die Eidechsen dagegen meh-
rere derselben besitzen , so dass auch hierin zwischen
Schlangen und Eidechsen ein Unterschied liegt. Vcrhandl.
naturh. Vereins der preuss. Rheinlande und Westphalens
XVn. Sitzungsberichte p. 69. Die ausführliche Abhandlung
über diesen Gegenstand findet sich in unserem Archiv p. 327.
Auf einer Tafel sind die Unterkiefer mehrerer Schlantren
abgebildet.
Der Prinz Max zu Wied erhebt seine Stimme gegen
die Sage von der Bezauberung der Giftschlangen. Dies
Archiv p. 8.
Hagen hat die Nachrichten über die sogenannte See-
schlange gesammelt und ist der Ansicht, dass es ein wirk-
172 Troschcl: iJericht üb. d. Leist. in d. Herpelologie
liclics Tliier, weder der Fabel angehöri^, noch eine Folge
von Täuschung- der Beobachtung sei. Er möchte in der-
selben eine bis jetzt noch nicht wissenschaftlich begründete
Haifisch-Art verniuthen. Schriften d. königl. physikalisch-
ökonomischen Gesellsch. zu Königsberg I. 1. Sitzungsbe-
richte p. 5.
Cope machte einige Berichtigungen der Nomenclatur
der Schlangen. Proc. Philadelphia p. 74. So ist Homalo-
cranium Dum. und Lioninia Hall, synonym von Tantilla
Baird Gir., von der er die 10 Arten synoptisch zusammen-
stellt, und andere Berichtigungen mehr, welche Schlangen
betreffen.
OpOtCrodonteS. KachdemJan in unseren» Archive p. 1 Bemer-
kungen über die Typhlopiden gemacht und die Genera unterschieden
hatte, erweiterte er diese Bemerkungen im x\rchivio per la zoologia I.
p. 178 — 199, indem er die Arten der Gattung Stenostoma charakteri-
sirte. Ihrer sind 16 und sie werden eingethcilt nach der Zahl der
Supralabial-Schilder ; mit zweien versehen sind 11 Arten, worunter
neu St. signatum, dimidiahim, Fitzingeri, conjunclum und macrorkyn-
chum; drei Supraocularschilder haben 4 Arten, unter denen SL gracile
und Sundevalli neu; vier solche Schilder besitzt nur eine Art. Alle
diese Arten sind in der Iconogiaphie generale des üphidiens ab-
gebildet.
Typhlops Jagorii Peters Berliner Monatsberichte 1861. p. 684
von Luzon. — T. striolaUis Peters ib. p. 922 vom Ganges.
Peropodes. Vallee bemerkte im Pariser Pllanzengarten, dass
eine Riesenschlange eine wollene Decke von 2 M. und 20 Centim.
Länge und 1 M. 50 Cm. Breite verschlungen hatte , die sie einen
Monat später durch Erbrechen wieder von sich gab. Revue et Mag.
de zool. p. 431.
Eine neue Gattung der Familie Boidae ist von Hallo well
aufgestellt und in den Transactions of the American philosophical
Society held at Philadelphia for promoting useful knowledge XI. 1860.
p. 65. pl. 2 abgebildet. Sie ist schon 1856 aufgestellt. Nolophis
Waslöcher in einem Schilde, Kopf vorn mit symmetrischen Platten,
hinten mit Schuppen, Ober- und Unterlippen mit sehr schwachen
Gruben, Schuppen des Rückens und der Seiten gekielt, die unteren
Reihen glatt, Mittel-Reihe der Schuppen des Rückens und des oberen
Theils des Schwanzes grösser als die andern und doppelt gekielt,
Bauchschilder sehr schmal, die des Schwanzes in einfacher Reihe;
Schwanz kurz, N. bicarinatus von Cuba.
während des Jahres 1861. 173
L 0 X 0 c etnns Cope n. gen. in der Nähe der Böen Proc. Phi-
ladelphia p. 76 L. bicolor von San Salvador; vergl. auch ib. p. 304.
Pelophilus Fordii Günther Proc. zool. soc. p. 142 von West-
Afrika.
Lichanura, eine Gattung der Eryciden , wird von Cope
charakterisirt Proc. Philadelphia p. 304. Sie unterscheidet sich von
Cusoria durch das erhabene Rostralschild und zwei Nasalschilder.
L. trivirgata aus Nieder-Californien.
Calamarini. Unter einer Sammlung Mexikanischer Schlangen
unterschied Peters eine neue Gattung Opisthiodon, die mit
Streptophorus verglichen wird. 0. torquatus Berliner Monatsberichte
1861. p. 460. Ebenda p. 617 wird die Identität mit Chersodromus
Liebmanni Reinhardt anerkannt.
Streptophorus X^^inia) maculatus Peters ib. p. 924 s= St. Sebae
Peters non Dum. Bibr.
Geophis Güntheri Wucherer Proc. zool. soc. p. 115. pl. 19. fig. 1
aus der Provinz ßahia.
Rhabdosoma amboinense und Rkabdion gastrotaenia sind neue
Schlangen dieser Familie B 1 ee ke r's von Amboina. Natuurk. Tijdschr.
Nederl. Indie XXII. p. 42. — Ferner Rhabdion crucialum und Waan-
dersi ib. p. 82 von Boni.
Chilomeniscus cinctus Cope Proc. Philadelphia p. 303 aus Ca-
lifornieo.
üropeltini. De serpentum familia üropeltaceorum ist der Titel
einer Habilitationsschrift von Peters. Berolini 1861. 4. Nach einer
historischen Einleitung folgen p. 3 — 8 Notizen über die Anatomie
und dann eine Uebersicht der Gattungen und Arten. Die Gattung
Rhinophis Hempr. enthält 7 Arten, worunter planiceps von Ceylon
neu, Uiopeltis Cuv. 1, Silybura Gray 2 und Plectrurus Dum. Bibr. 1
Art. Die Schrift ist von zwei Tafeln begleitet.
In den Berliner Monatsberichten p. 901 berichtigte derselbe,
dass die in der eben genannten Schrift angeführten beiden Arten von
Silybura als Geschlechtsverschiedenheiten zusammenfallen, indem S.
Ellioti Gray das 3Iännchen von S. ceylanica ist. Dagegen fügt er
eine neue Art S. macrolepis von Ceylon hinzu.
Golubrini. Mizodon variegatus Peters Berliner Monatsberichte
1861. p. 358 aus West-Afrika.
Arizona lineaticollis Co^eVroc. Philadelphia p. 300 aus Mexiko.
P latyceps Blyth n. gen. Journ. Asiat. Soc. 29. p. 114 wie
Coryphodon Dum. Bibr. aber mit ausserordentlich flachem Kopfe, und
der Schwanz beträgt nur ein Sechstel der To!allänge. PI. semifasciatus
von Subathoo.
Simotes tacnialus Günther Proc. zool. soc. p. 189 von Siam.
Tropidonotus anoscopus Cope Proc. Philadelphia p. 299 von Cuba.
174 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ilerpclologie
— T. lineafus l'eters Berliner Monatsberichte 1861. p. 686 von der
Insel Samar. — T. cubanus Giindlach ib. p, 1001 von Cuba. — T.
Orientalis Günther Proc. zool. sog. p. 391 von China, wird vom Verf.
eigentlich als Varietät von T. natrix angesehen.
CoroneUa Rosenbergii Bleeker Natuurk. Tijdschr. Nederl. Indie
XXII. p. 37 von Cerani.
Drijmobius aitrigulus Cope Proc. Philadelphia p. 801 von Nie-
der-Californien.
Pleiocercus aequalis Salvin Proc. zool. soc. p. 227.
ISOdont6S. Herpetodryas trilineatus Burmeister 1. c. p. 309.
Spilotes Samarensis Peters Berliner Monatsberichte 1861. p. 685
von der Insel Samar.
Ablabes Gremeri Bleeker Natuurk. Tijdschr. Nederl. Indie XXII.
p.42 von Amboina.
Tretanorhimis nigroluleus Cope Proc, Philadelphia p. 298 von
Nicaragua.
Diacrantheri. Günther erklärt die Gattung Helicops Dum.
Bibr. für sehr natürlich und charakterisirt die fünf dahingehörigen
Arten, unter denen H. modestus aus dem tropischen Amerika und
polylepis vom oberen Amazonenstrome neu. Annais nat. bist. VII.
p. 425.
Cryptodactis Gundlach nov. gen. schliesst sich nach dem
Zahnsysteme den Diacranlheren D. B., nach dem Habitus den Calama-
rien Schi. an. C. vitlatus von Cuba. jOj* .t
LeptOgnathi. G eophidium n. gen. Peters Berliner Monats-
berichte p. 923 unterscheidet sich von Colobognathus durch ein Paar
Praefronlalschilder. G. dubium unbekannten Vaterlandes.
Oxycephali. A. Dumeril gründete Archives du Museum X.
p. 204 auf Diyophis Kirtlandii eine neue Gattung C ladophis, wel-
che sich durch zwei Zügelschilder, horizontale Pupille, Oberkiefer-
zähne allmählich nach hinten zunehmend, von den beiden hinteren
Furchenzähnen getrennt, unterscheidet.
StenOCOphali. Elapomorpkus Wuchereri Günther Proc. zool.
soc. of London p. 15 von Bahia ist in Holzschnitt abgebildet. — E.
scalaris Wucherer ib. p. 325 gleichfalls aus Brasilien.
Stenorhina /ac/ea Cope Proc. Philadelphia p. 203 von Guatemala.
Flatyrhini. üeber die Familie Homalopsidae und die dahin
zu zählenden Galtungen äusserte sich Jan in diesem Archiv p. 87.
In Betreff des Zahnbaus von Herpelon tcntaculatum hielt an-
fänglich Günther Annais nat. bist. VII. p. 195 seine frühere Aussage,
dass keine gefurchten Zähne vorhanden seien, gegen die Darstellung
Jan's in seiner Iconographie, aufrecht. — Cornalia sprach sich
Bevue et mag. de zool. p. 145 zu Gunsten Jan's aus, dass die beiden
letzten Zähne des Oberkiefers gefurcht seien, bildet auch die Be-
während des Jahres 1861. 175
zahnung in Holzschnitt ab. — Später hat sich auch Günther selbst mit
Peters von der Furchung überzeugt. Berliner Monatsberichte p. 902.
Dipsadae. Himantodes leiicomelas Cope Proc. Philadelphia
p. 296 von Vera Cruz, und //. gemmistratus von San Salvador iu
Central- Amerika.
Dipsas multifasciata Blyth Journ. Asiat. Soc. 29. p. 114 von
Subathoo. — D. (Dipsadomorphus) angulata Peters Berliner Alonals-
berichte 1861. p. 688 von der Insel Leyte.
Peters untersuchte Taphrometopon lineolatum Brandt aufs Neue,
erörterte die Identität mitColuber trabalis Lichtenstein und Chorisodon
sibiiicum Dum. Bibr. und erklärte sie für nahe verwandt mit Coelo-
peltis. Proc. zool. soc. of London p. 47.
Elapidae. Eine Varietät von Elaps hippocrepis beschreibt Pe-
ters Berliner Monatsberichte p. 925 von Guatemala.
Bungarus multicinctus Blyth Journal Asiat, soc. of Bengal 29.
p. 98 von Amoy.
fiaja (Hamadryas?) fasciata Peters Berliner Monatsberichte
1861. p. 689 von der Insel Samar und sculata ib. p. 690 von Java.
Viperini. Pelias Renardi Christoph Bull, de Moscou XXXIV.
p.599 aus dem südlichen Russland.
Crotalini. Eine sehr ausgedehnte Abhandlung über das Gift
der Klapperschlange erschien von W e i r Mitchell in den Smith-
sonian Contributions to knowledge Vol. XII. 1860. Sie umfasst 145
Seiten und enthält mehrere Holzschnitte. Verf. handelt in 8 Ka-
piteln 1) über das Verhalten der Klapperschlange in der Gefangen-
schaft, 2) über die Anatomie des Giftapparates, 3) über den physio-
logischen 3Iechanismus des Bisses, 4) über die physischen und chemi-
schen Charaktere des Giftes, 5) über die Toxicologie des Giftes,
6) die toxicologische Wirkung des Giftes auf warmblütige Thiere,
7) die Wirkung des Giftes auf Gewebe und Flüssigkeiten, 8) die Ver-
giftung des Menschen. In einem Anhange zählt Cope die Gattungen
und Arten der Klapperschlangen mit ihrer Synonymie auf. Er unter-
scheidet zwei Gattungen Caudisona Laur. mit kleinen Schuppen vorn
auf dem Kopfe, 14 Arten, und Crotalus mit neun symmetrischen Plat-
ten vorn auf dem Kopfe, 3 Arten.
Wyman machte Proc. Boston VIII. p. 121 eine Mittheilung
über die Bildung der Klapper bei der Klapperschlange. Bei einem
Fötus fehlten die Schuppen gegen das Ende des Schwanzes, und der
schuppenlose Theil war mit einer dicken Haut bedeckt, dem Rudi-
mente der Klapper; bei weiterem VA'achsthume werden die drei letz-
ten Wirbel mit erhärteter Haut bedeckt, die sich noch später loslöst,
nachdem sich eine neue Haut gebildet hat, und sofort. Unklar ist
noch, wie die Hautringe frei werden; eine Beziehung ihrer Zahl zu
dem Alter der Thiere findet nicht statt.
176 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ilerpetologie
Kennicott beschrieb Proc. Philadelphia p. 207 drei neue
Formen von Klapperschlangen : Candisona lepida von Presidio del
Norle and Eegle Pass, C. atrox Cope Var. Sonoraensis von Sonora und
scutulata. — C. enyo und Milchellii sind neue Arten von Cope ib.
p. 293 von Nieder-Californien.
Bothriopsis Peters n. gen. Berliner Monatsberichte 1861.
p. 359 unterscheidet sich von Bolhrops durch einfache Schwanzschil-
der. B. quadriscutatus von Quito.
Rufz hat von seinem Buche: Enquete sur le serpenl de la
Martinique (Vipere fer de lance Bothrops lanceole) Paris 1859 eine
zweite Ausgabe herausgegeben. — Verf. hat nicht nur eine sehr aus-
führliche Geschichte dieser Schlange nach allen Richtungen gegeben,
sondern verfolgt vorzüglich den Zweck die Mittel aufzufinden, wel-
che geeignet sind, die Schädlichkeit dieses gefährlichen Thieres zu
vermindern. In Betreff der systematischen Zoologie mag hervorge-
hoben werden, dass Verf. 8 Arten der Gattung Bolhrops annimmt,
die er p. 304 in schematischer Uebersicht unterscheidet. Weitere
Mittheilungen aus dem Buche zu machen, würde den verstatteten
Raum zu sehr überschreiten.
Batracliii.
Franz Eil Iiard Schulze machte seine Beobach-
tungen über die Nervenendigung in den sogenannten Schleim-
kanälen der Fische und über entsprechende Organe der
durch Kiemen athmenden Amphibien bekannt. Verfasser
zweifelt wegen der cigenthümlichen Endigungsweise der
diesen Organen zukommenden Nerven nicht, dass sie be-
sondere Sinnesorgane seien. Archiv für Anat. u. Phys.
1861. p. 759.
lieber die Endiffunorsweise der Geschmacksnerven in
der Zunge des Frosches schrieb Ernst Axel Key. Archiv
für Anatomie 1861. p. 829.
Trauffott lieferte einen Beitrao^ zur feineren Ana-
tomie des Rückenmarks von Rana tcmporaria L. Diss. inaug.
Dorpat 1861. 44 Seiten mit 1 Tafel.
Bruch schrieb über die Entwickelung der Wirbel-
säule und die systematische Stellung der Rana fusca (Pe-
lobates fuscus Wagl.). Würzburger naturw. Zeitschr. II.
p. 178 — 198. Er ist geneigt die Gattung Pelobates als ein
Uebergangsglied zwischen den wahren Ranae und Bufones
während des Jahres 1861. 177
anzusehen, welches vielleicht eine besondere Familie bil-
den müsse.
Bruch, Ueber peripherische Verknöcherung bei Frö-
schen und über den Unterschied der primordialen und se-
cundären Verknöcherung. Würzburger naturw. Zeitschr. II.
p. 212—215.
Die Untersuchungen über die ersten Anlagen in Ba-
trachier-Eiern von Stricker Zeitschr. für wissensch. Zoo-
logie XI. p. 315 erwähnen wir hier der Vollständigkeit
wiegen.
M'Donnel berichtete Proc. Dublin zool. botanic. As-
sociation II. p. 6 über seine Experimente in Beziehung auf
die physischen Einflüsse auf die Entwickelung der Frosch-
larven. Es ergiebt sich, dass reichlicher Zutritt von Sauer-
stoff für das Leben der Kaulquappen erforderlich ist, —
das Licht hat, entgegen der Ansicht von W. F. Edwards,
aber in Uebereinstimmung mit Higginbottom und Do-
bell keinen unmittelbaren Elnfluss auf die Entwickelung
dieser Larven, und es scheint das Licht nur darin einen
indirecten Einfluss zu üben, dasS durch dasselbe mehr ve-
getabilische Nahrung erzeugt wird.
Reinhardt und Lütken hegen nach der Kenntniss,
welche sie von einigen neuen Batrachier - Gattungen ge-
ben, Zweifel an der Natürlichkeit der von Dumeril und
Bibron angenommenen drei Familien Raniformes, Hylae-
formes und Bufoniformes. Die Gattung Odontophrynus, eine
echte Kröte, ist mit Kieferzähnen und mit dem Fersenfort-
satz von Pelobates versehen, Tarsopterus ist ein Cystigna-
thus mit den Haftscheiben der Laubfrösche an den Hinter-
füssen u. s. w. Gewiss sind die unten näher bezeichneten
neuen Gattungen von grossem Interesse.
Hylae- Reinhardt und Lütken beschrieben mehrere neue
Arten der Gattung Hyla IMeddelclscr nat. foren p. 189. In die Gruppe
mit nach vorn convergirenden Gaumenzahngruppen gehören H. oxxj'
rhina, pustulosa und spectrum, in die Gruppe mit in einer Querlinie
stehenden Gauinenzähnen H. ruhicundtda, sämmllich aus Brasilien.
Eine neue Gattung derselben VerfF. ib. p. 199 Hylella deuli-
bus vomeropalatinibus nullis, orificiis eustachianis minutis, membrana
Archiv f. Naturg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd. M
178 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Herpetologie
tympani parum conspicua vel obtecta, enthält zwei neue Arten H.
tcnera und punctatissima aus Brasilien.
RäDäO. Tar s op te ru s trachystomus Reinhardt und Lütken
Meddel. nat. foren. p. 177. tab. 3. fig. 2 aus Brasilien. Genus difTert
a Leiupero, cui affinis tarso et digitis posterioribus niembrana cinctis,
et horum (nee vero anteriorum) exlremitate dilatata, disciformi.
Cystignathus hylodes und discolor Reinhardt und Lütken Aled-
delelser nat. foren. 1861. p. 168 aus Brasilien.
Leiuperus verrucosus Reinhardt und Lütken ib. p. 171 aus Bra-
silien. In einem Anhange p. 239 sehen sich die Verff. veranlasst auf
diese Art eine eigene Gattung I s chnocnema zu gründen.
In der Nähe von Cystignathus stellten R e i n h ard t und Lütken
Aleddelelser nat. foren. p. 172 eine neue Galtung G omphobat es
auf: rictus oris parvus; parotides nuliae; membrana tympani obtecta;
dentes minuti in maxilla superiori adsunt, in palato desunt; lingua
parva, ovalis, haud eniarginata, postice libcra; digiti haud palmati,
nee posteriores, nee anteriores; processus duo conici, plus minus
compressi, cornei , metatarsales , papilla niinuta in medio niarginis
interioris tarsi ; cutis gularis maxime dilatabilis. Drei neue Arten G.
notatus tab. 4. fig. 3, marmoratus tab. 4. fig. 4, Kroyeri aus Brasilien.
L eiop eltn a Fitzinger n. gen. Apophyses transversae ossis
sacri dilatatae, parotides nuliae; tarsi callis et articuli digitorum in
hypodactylo tuberculis destituti ; palmae fissae, plantae subpalniatae;
vesicae sonigenae in maribus nuliae?, lingua postice libera, ovalis,
integra. L. Hochstetteri aus Neuseeland. Die Gattung ist nächst ver-
wandt mit Telmatobius Wiegm. Yerhandl. d. zool. - bot. Gesellsch.
XI. p. 217.
0 donlophr ynus cultripes Reinhardt u. Lütken Meddel. nat.
foren. Kjöbenhavn 1861. p. 159 aus Brasilien. Die Gattung ist fol-
gendermassen charakterisirt : Habitus Bufonis vel Ceratophrydis; cor-
pus altissimum ; caput latum, rictus oris permagnus; membra brevia,
posteriora corpus aequantia ; cutis verrucosa; parotides adsunt; den-
tes in maxilla superiore, non in palato; lingua ovalis, postice libera
et parum incisa; membrana tympani obtecta, digiti anteriores liberi,
posteriores semipalmati ; os cuneiforme primum in processum magnum
durum compressum ut in Pelobate productum.
Phryniscus guttatus Philippi dies Archiv p. 300 in der Cordil-
lere von Santiago 10,000' üb. M.
Sälämändrina. Eine Notiz über einige Arten der Gattung Am-
blystoma von Cope s. Proc. Philadelphia p. 123.
Heinrich Müller fand in den Lungen von Triton Muskeln,
die von Reichert und Leydig vermisst waren. Würzburger na-
turw. Zeitschr. II. p. 131.
während des Jahres 1861. 179
Ichthyodoa. Vornämlich zur Entscheidung der Frage, ob der
Axelotl nur der Larvenzusland eines noch unbekannten Salamanders
oder ein selbstständiges, ausgewachsenes Thier sei, hat Perceval
Wright den Verdauungs-Apparat des Siredon mexicanus untersucht.
Er kommt zu dem Resultate, dass er als ein fertiges Thier betrachtet
werden müsse. Eine Tafel mit Abbildungen erläutert den Text. Na-
tural history review 1861. p. 60 — 67.
Apoda. Caecilia Seraphini A. Dumeril Archives du Museum X.
p. 222.
Von Siphonops annulatus Mican unterscheiden Rei nhardt und
Lutken Meddelelser nat. foren. p. 201 zwei neue Arten: S. brasi-
liensis und indistinclus, beide aus Brasilien.
Bericht über die Leistungen in der Iclitliyologie
während des Jahres 1861.
Von
Troschel.
Wioderiim hat uns Günther mit einem Bande, dem
drillen, seines Catalogue of the Acanthopterygian fishes in
the collection of the British Mnseum beschenkt. Mit ihm
sind die Acanlhopteri in der Auffassung- von Johannes
Müller abgeschlossen. Verf. erklärt die Struktur und
Lage der Flossen für den wichtigsten Classifikations-Cha-
rakter; die Zahl der Wirbel ist ein fernerer Charakter von
hoher Bedeutung für die Unterscheidung der Familien. In
einer besonderen, am Schlüsse des Bandes befindlichen „Sy-
stematic Synopsis of the families of the Acanthopterygian
iishes" hat Verf. sein System, wie er es nach dem Schlüsse
dieser Abthciiung gewonnen hat, und welches mehrfach
von dem Texte der früheren Bände abweicht, gegeben;
dieselbe ist in unserem Archiv 1862. p. 53 übersetzt wor-
den. Die Zahl der Arten aus den entsprechenden Familien
bei C u V i e r und Valenciennes beträgt 600, die Zahl der
Arten im vorliegenden Bande dagegen 1168; die Zahl ist
also fast verdoppelt. — Dieser dritte Band enthält fol-
gende Familien : Gobiidae, Discoboli, Oxudercidac, Batrachi-
dae, Pediculali, Blenniidae, Acanthoclinidae, Comephoridae,
Trachypteridae, Lophotidae, Teulhididae, Acronuridae,
Iloplognathidae , Malacanthidae , Nandidae, Polycentridae,
Labyrinthici, Luciocephalidae, Atherinidae, Mugilidae, Ophio-
cephalidae, Trichonotidae, Cepolidae, Gobiesocidae, Psy-
chrolutidae, Ceniriscidae, Fistularidae , Maslacembelidae,
Notacanthi. Auf die meisten dieser Familien werden wir
T rose hei: Bericht üb. d. Leisl, in d. Ichthyologie etc. 181
im Berichte noch wieder zurückkommen müssen, um des.
mannichfachen Neuen Erwähnung zu thun. — Ich habe
mehrfach Gelegenheit genommen nach diesem nun vollen-
deten Werke über die Acanthopterygier zu bestimmen, und
ich muss wiederholt dasselbe für diesen Zweck empfehlen.
Die Kürze der Beschreibunger erleichtert die Arbeit, und
die Schärfe der Charaktere schützt vor Irrungen und falschen
Bestimmungen. Ich kenne für den Zweck der Bestimmung
kein besseres Hülfsmittel.
Schon im vorigen Jahre ist über die erste Abhand-
lung Kner's über den Flossenbau der Fische berichtet
worden. Es lieo;en nun auch noch vier folgende und diese
Untersuchungen beschliessende Abhandlungen vor, in den
Wiener Sitzungsberichten Bd. 42. p. 232 und 759, Bd. 43.
p. 123, Bd. 44. p.49. Die Resultate der sorgfältigen Un-
tersuchungen nur einigermassen vollständig milzutheilen,
würde den gegebenen Raum bei weitem überschreiten. Ich
beschränke mich daher darauf, unter vollkommenster An-
erkennung der verdienstlichen Arbeit, die gelegentlich auch
interessante Bemerkungen über die Schuppen, Schlund-
knochen und andere Organe bringt, anzuführen, dass Verf.
selbst auf seine Untersuchungen kein eigentliches System
durchführt, sondern am Schlüsse nur sagt, er finde überall
seine im Eingange gegebene Eintheilung in Tilopteri, Ar-
thropteri, Haplopteri und Acanthopteri bestätigt. Für das
Einzelne muss ich auf die Abhandlungen selbst verweisen.
Steeg hielt in Trier vor der General-Versammlung
des Vereines Rheinland und Westphalens (Verhandl. des
Vereins. Correspondenzbl. p. 76) einen Vortrag über die
Schuppen der Fische, die er wohl geeignet zur Unterschei-
dung der Familien hält. Die sogenannten Ktenoidschupp<;n
theill er in crenulirte und eigentlich gezähnte Schuppen,
welche letzteren wieder in zwei Gruppen zerfallen.
In einer Bemerkung- über die Mittelhand der Fische
bildet Bruch elf Knorpelchen ab, die vor den vier Carpus-
knochen liegen. Nach vergleichender Besprechung schliesst
Verf., dass die Verschiedenheit im Baue der Knochen- und
Knorpelfische viel geringer ist, als man bisher glaubte,
182 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
und dass sich das Gesetz bestätigt, dass homologe Theile
gleiche Entwickelung haben, d. h. primordiale Theile treten
überall knorplig auf, secundäre überall knöchern; wahre
Phalangen sind immer primordial; die Flossenstrahlen sind
immer secundär (knöchern oder bindegewebig), und dan^m
keine wahren Phalangen, sondern eine der Klasse der Fische
eigne secundäre Bildung, die neben primordialen Phalangen
vorkommt. Die erste Reihe der Phalangen setzt er der
Mittelhand der höheren Thiere gleich, und wo mehrere
Reihen vorkommen, diese den Fingern derselben. Zeitschr.
für wiss. Zoologie XI. p, 165.
Red fern fand keine grosse Differenz zwischen den
Otolithen der verschiedenen Fische, und beschrieb die von
Gadus Morrhua. Report 29. Meeting brit. Assoc. advanc.
of sc. held at Aberdeen p. 174.
Die Bemerkungen über die elektrischen Organe der
Fische von Robert Hart mann im Archiv für Anatomie
1861. p. 646 beziehen sich auf Mormyrus oxyrhynchus,
Torpedo marmorata und Malapterurus eleclricus.
V. Siebold machte bei der Naturforscher- Versamm-
lung zu Königsberg (Amtlicher Bericht p. 74) interessante
ichthyologische Mittheilungen. Er machte auf eigenthüm-
liche Veränderungen der Haut während der Brunstzeit
aufmerksam, die bei den Gyprinoiden und den bezahnten
Salmoneen nur dem männlichen Geschlcchte, bei den Gore-
gonus beiden Geschlechtern zukommen. Ferner erörtert
er den Zahnbau des Salm und möchte die Nilsson'sche
Gattung Trutta wieder herstellen. Dann sprach er über
die Sterilität mancher Fische und hob hervor, dass die
Schwebforelle, Salmo Schiefermulleri, nichts anderes sei als
die sterile Form von der Grundforelle, Fario Marsilii. Schliess-
lich machte Verf. noch auf einige pathologische Erschei-
nungen der Fische aufmerksam.
Van Beneden hat sich über die Frage von der He-
terocercie der Fischembryonen geäussert, aus welcher man
so wichtige Schlüsse gezogen hatte. Bekanntlich hat schon
Huxley gezeigt, dass der erste Embryonalzustand der
Teleostier homocerc sei. Verf. weist dies auch an Embryo-
während des Jahres 1861. 183
nen von Spinax acanthias nach, die durchaus homocerc sind.
Beiläufior ist das Ende der Wirbelsäule eines Aals unti
einer Seezunge in Holzschnitt abgebildet. Erstere ist voll-
kommen homocerc, letztere ist hinten in die Höhe gerichtet
und endet in zwei Spitzen. Von den vier grösseren Strah-
len des Schwanzendes steht einer oberhalb, zwei dem
Einschnitte des Wirbelendes gegenüber, einer unterhalb.
Bulletin de l'acad. de Belgique XI. p. 293.
In einem akademischen Vortrage „Ueber die Parthe-
nogenesis" München 1862, in welchem v. Sieb old so klar
und vorurtheilsfrei die von ihm vertretene Lehre darstellt
— (von der ich meine, dass sie zwar nach den vorhande-
nen Beobachtungen nicht zu bestreiten sei, aber noch in
ihrem wahren Wesen nicht begrifTen werden könne, und
dass man wohl noch eine begreifbare Aufklärung, und zwar
eine jetzt noch ungeahnt nahe liegende, gewinnen werde)
— führt Verf. p. 22 einige Beispiele an, dass schon Aristo-
teles über die Fortpflanzungsgeschichte der Fische manche
Erkenntniss gehabt habe. So bezeichnete Aristoteles einige
Seefische als solche, welche immer nur Eier enthielten,
also immer Weibchen sein sollten ; dies bezieht Verf. auf
den Hermaphroditismus einiger Serranus-Arten, an denen
Aristoteles die Hoden übersehen habe. Ferner wird her-
vorgehoben, dass Aristoteles von sterilen Fischen erzähle,
die weder Rogen noch Milch in sich hätten. Dies sind
Fische, welche Aristoteles ^EjtLTQayiaL nannte, und die in
Frankreich „Brehaignes'', in Norddeulschland „gelte« oder
„gösle„ Fische, in Süddeulschland „Laimer" heissen, und
deren Wesen der Systematiker noch nicht erkannt habe.
üeber das Verhalten einiger Fische im zoologischen
Garten zu London gab Gray Procced. zool. soc. p. 238
eine Notiz.
A. Dumeril berichtete Archives du Museum X. p. 429
über die Fischsammlung des Pariser Museums, wonach die-
selbe 4148 Arten enthält.
Verspijck berichtet ein höchst seltsames Vorkom-
men eines Fisches, Papoeijoe-idjoe genannt, in einer vom
Baume gepflückten Kokosnuss. Das Factum ist durch drei
föi Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
Zeuffcn eidlich erhärtet. Der Fisch soll auf Bäume klet-
tern. Eine Aufklärung des seltenen Ereignisses ist kaum
je zu hoffen. 'Natuurk. Tijdschr. Nederlandsch Indie XXII.
p. 357.
Die künstliche Fischzucht. Ein sicheres Mittel zur
Wiederbevölkerung- der Gewässer, zur Erzeugung gesun-
der, wohlschmeckender, kräftiger Nahrungsstoffe für Jeder-
mann und zur Erhöhung des Nationalwohlstandes im All-
gemeinen. Von W. Hamm. Leipzig 1861. Ist im 10. Hefte
der leichtfasslichen Belehrungen über die gesammten Zweige
der land - und hauswirthschaftlichen Viehzucht erschienen.
Von Neu wurde herausgegeben : die Teichwirthschaft,
die Teichüscherei und der Teichbau; nach praktischen Er-
fahrungen in der Oberlausitz zusammengestellt. Bautzen 1859.
Die koninklijke natuurkundige vereeniging in Neder-
landsch Indie empfiehlt in ihrer Tijdschr. XXlIl. p. 421 bei der
Aufbewahrung der Fische in Weingeist durch einen Schnitt
an einer Seite die Schwimmblase zu durchbohren^ und er-
klärt dies namentlich bei Lippfischen für nothwendig.
In Beziehung auf die Faunen sind die folgenden Schrif-
ten bemerkenswerth :
Ueber die Fischerei der Isländer finden wir bei Wink-
ler „Island, seine Bewohner, Landesbildung und vulkani-
sche Natur. Braunschweig 1861." p. 124. Notizen.
Der Fischfang wird nur an der Westküste und einem Theile
der Südküste betrieben. Hauptgegenstand des Fanges ist der Kabiiau,
der theils an der Luft getrocknet statt des Brotes gegessen, theils als
Stockfisch im Ilaadel ausgeführt wird. — Die Bäche und Flüsse
werden als reich an den edelsten Forellenarlen geschildert und der
Lachs ist dort in grösster Menge vorhanden (p, 130).
Kinahan zeigte das Vorkommen von Kaniceps trifurcutus in
der Bai von Dublin an. Natural hislory revicw VI. p. 459. Ebenso
wurde das Vorkommen von Orthragoriscus oblongus an der Kordküste
von Mayo bei Downpatrick Head durch AVarren ib. VII. p. 33
constulirt.
Aus den Fischresten , welche bei den Pfahlbauten in
der Schweiz gefunden wurden, ergiebt sich, dass die da-
malige Fauna ganz mit der gegenwärtigen übereinstimmend
war. Die Fauna der Pfahlbauten in der Schweiz. Von Dr.
Rülimoyer. Basel 1861. p. 114.
während des Jahres 1861. 185
De Filippi nennt die Süsswasserfauna Italiens ärmer
als die des mittleren Europa. Keine Gattung ist ihr eigen-
thümlich ; die beiden marinen Gattungen Blennius und Go-
bius haben allein in Italien Süsswasser-Arten. Mehrere
Gattungen, gemein auf dem nördlichen Alpenabhange, fehlen
vollständig, so Silurus, Aspro, Acerina, Lucioperca, Caras-
sius, Abramis, Coregonus und Salmo. Man kann kaum 32
Süsswasser-Arten in Italien zählen. Bulletin de la soc. des
sc. nat. de Neuchatel V. p.401.
Ein Catalog der Fische des Meerbusens von Genua,
welchen Canestrini Archivio per la zoologia I. p. 262
zusammengestellt hat, zählt 271 Arten.
Grube beobachtete auf seinem „Ausfluge nach Triest
und demQuarnero. Berlin 1861" bei Triest, Fiume, Portore
und Cherso 88 Arten Fische die p. 116 verzeichnet sind.
Die Triestiner, Istrischen und Venelianischen Namen für
Fische sind p. 153 — 163 alphabetisch aufgeführt, mit Bei-
fügung der wissenschaftlichen Namen.
Einen Beitrag zur Fischfauna des Isonzo lieferte Stein-
dach n er. Er nennt 11 Arten, die ihm durch Hrn. Go-
dina eingesandt wurden. Diese Fauna stimmt mit der
Ober-Italiens und Dalmatiens überein. Verh. zool.-bot. Ges.
in Wien XI. p. 142.
Einen Beitrag zur Kenntniss der Fische im Waagge-
biete lieferte Korn hu b er in Verhandl. des Vereins für
Naturk. zu Presburg V. p. 40. Als der wichtigste Fisch
wird Salmo hucho bezeichnet, demnächst Perca fluviatilis,
Cyprinus Carpio u. s. w. Im Allgemeinen ist diese Gegend
nicht fischreich.
Jeitteles bezeichnete zwei Fische, Lucioperca vol-
gensis C. V. und Alburnus maculalus Kessler als neu für
die Fauna Ungarns. Ersterer ist in der Theiss, letzterer
im Hernad gefangen. Auf letzteren gründet Verf. eine
neue Gattung, s. unten. Verhandl. zool.-bot. Gesellsch. in
Wien XI. p. 323. — Ebenso hat er Cobitis merga Kryn. bei
Kaschau aufgefunden; ib. p. 329.
Jeittel es lieferte später ib. p. 374 ein Verzeichniss der
Fische des Hernad und einiger seiner Zuflüsse, welches er
186 Troschel; Bericht üb. d. teist. in d. Ichthyologie
als ein ziemlich vollständig-es bezeichnet. Von Stachel-
flossern kommt nur einer, Aspro vulgaris Cuv., vor.
Eine Broschüre „die Fische Serbiens" von Pancic
kenne ich nur aus der Anzeige des Verf. in Verhandl.
zool.-bol. Ges. in Wien XI. Sitzungsber. p. 6. Sie ist in
serbischer Sprache geschrieben. Im Ganzen sind 41 Genera
und 93 Species beschrieben, wovon jedoch Verf. nur 67 Arten
selbst beobachtet hat.
Widegren berichtete über die Fischfauna und die
Fischerei von Norrbotten in Schweden. Stockholm 1861.
Nach dem Verzeichnisse kommen in Norrbotten und in
Lappmarken 32 Fischarten vor, von denen 3 ausschliess-
lich im süssen Wasser (Lucioperca sandra, Acerina vulga-
ris und Osmerus eperlanus) ; 24 Arten gehören eigentlich
dem süssen Wasser an, kommen aber auch bis zu den
äussersten Scheeren vor; zwei Arten (Lachs und Aal) trifft
man überall im süssen und salzigen Wasser. Von eigent-
lichen Seefischen leben im nördlichsten Theiie der Ostsee
zwei Arten, Clupea harengus und Zoarces viviparus. Be-
merkungen über Vorkommen und Fang der einzelnen Arten
müssen in der Schrift selbst nachgesehen werden, von der
ich einen Separatabdruck erhalten habe, und von der ich ver-
muthe, dass sie in der Öfversigt der Schwedischen Akademie
abgedruckt sei.
Einen zweiten Bericht über Fischkultur in Finnland
erstattete Holmberg im Bulletin de Moscou XXXIV. p. 200
— 283. Bemerkungen über Lebensweise und Fang des
Strömlings bei Aland, Berichte über Anlagen und Erfolg
der künstlichen Fischzucht, so wie endlich der Abdruck der
neueren schwedischen und norwegischen Fischereigesetze
und der schotlländischen Hegungsgesetze bilden den Ge-
genstand dieser Schrift.
V. Baer hat in russischer Sprache vier Hefte über
den Stand der russischen Fischereien, Petersburg 1860. 4.
herausgegeben. Das vierte enthält einen Atlas mit Abbil-
dungen sämmtlicher bei der Fischerei angewendeten Ge-
rälhschaften.
Kessler machte in der Königsberger Naturforscher-
während des Jahres 186t« 167
Versammlung" (Amtlicher Bericht p. 85) Bemerkungen über
einige Fische des schwarzen Meeres.
Der Salzgehalt ist bedeutend geringer als der des Mittelmeers,
aber beträchtlicher als der des kaspischen Rleers. Das schwarze Meer
enthält kaum über 100 Arten von Fischen, Acanlhopteri 60, Anacan-
thini 8, Pharyngognathi 12, Physostomen 4, Lophobranchier 6, Stu-
rionen 6, Plagiostomen 4 Arten. Davon sind die Physostomen und
die Sturionen Wanderfische, die in den Flössen laichen. Charakteri-
stisch sind die Arten der Gattung Gobius, etwa 25 Arten. Sie sind
Uferbewohner und gehen zum Theil weit in die Flüsse. Die wich-
tigsten Fische sind die Makrelen und die Mugil- Arien, deren Mugil
cephalus und auratus vorkommen. Sie werden viel gefangen.
Eine recht interessante Mittheilung über den Fisch-
fang am Ausflusse des Kur bei Salijan und der Wolga bei
Astrachan findet sich in Kolenati's Reiseerinnerungen,
Dresden 1858. p. 138. Es kommen besonders in Betracht
sechs Stör- Arten, der Wels, welcher bis 300 Pfund schwer
wird und der Sander. Verf. giebt auch Nachricht über die
Zubereitung der verschiedenen Sorten des Kaviars, des
Fischleims u. s. w.
Bei Gelegenheit der Beschreibung einiger für neu ge-
haltenen Fische des westlichen Afrika hat A. Dumeril
Archives du Museum X. p. 261 ein Verzeichniss der von
dieser Erdgegend bekannten Fische zusammengestellt. Es
enthält im Ganzen 185 Arten, nämlich 2 Sirenoiden, 9 Pla-
giostomen, 9 Plectognathen, 3 Lophobranchier, 104 Acan-
thopterygier (mit Einschluss von 2Labroiden und 10 Chro-
miden), 58 Malacopterygier.
In „Six years of a travellers life in Western Africa
by Francisco Travassos Valdez. Vol. JI. p. 271 ist
eine Aufzählung der häufigsten Fische an der Küste von
Loanda enthalten, jedoch ohne wissenschaftliche Namen.
Schmarda erzählt. Reise um die Erde II. p. 71, der
Fischfang sei in der Tafelbai ergiebig und versehe nicht
bloss den Markt der Capstadt, sondern es werden auch
12,000 bis 17,800 Centner getrocknete Fische, besonders
nach der Insel Mauritius ausgeführt. Ungefähr 40 Species
seien essbar, unter denen Sciaena hololepidota, Thyrsites
Atun, Caranx trachurus und Mugil multilineatus, so wie
188 Troschel: Bericht üb. d. Leist, in d. Ichthyologie
Gadus merlucius, der erst seit 1809 am Cap erschienen
und seitdem häufif^ geworden sein soll. Telraodon Hon-
kenii wird als giftig bezeichnet. Diese Nachrichten stim-
men mit der Schilderung P^rauen feld's von der False-I3ay
übcroin (vergl. vor. Ber. p. 135).
Ravenstcin rühmt in seinem Buche The Russians on
the Amur, its discovery, conquest and colonisation, with a
description of the country, its inhabitants, productions, and
commercial capabilities and personal accounts of russian
travellers. London 1861. p. 334 den Reichthum an Fischen,
die am unteren Amur fast die einzige Nahrung der Bewoh-
ner ausmachen. Die Haut wird zu Kleidern verwendet, das
Oel in Lampen gebrannt. Mehrere Arten Störe und Lachse
werden namentlich hervorgehoben.
Die Schrift über die Cypriniden Persiens von Graf
Keyserling siehe unten am systematischen Orte.
Günther giebt Proc. zooL soc. p. 220 ein Verzeich-
niss von 34 Fischen, die Hodgson in Nepal gesammelt
hat. Einige sind neu.
Blyth verzeichnete die Knorpelfische von Unter-Ben-
galen Journal of the Asiatic soc. of Bengal XXIX. 1861.
p. 35 — 45. Das Verzeichniss macht nicht den Anspruch
vollständig die Knorpelfische der Gangesmündung zu ent-
halten, sondern zählt vielmehr diejenigen auf, welche Verf.
im frischen Zustande selbst auf den Fischmärklen in Cal-
culta beobachtet hat. Ausser der Gattung Trygon sind 15
Arten verzeichnet, diese jedoch enthält mehrere Arten, die
Verf. als neu beschreibt; s. unten.
Blyth erstattet Bericht über die Fische des Sitang-
Flusses und seiner Zuflüsse in Tenasserim. Journal of the
Asiatic Society of Bengal 29. 1861. p. 138—179. Am reich-
lichsten sind die Familien der Siluroiden, Cyprinoiden und
Cobitiden vertreten , auch die Sciaenoiden mit 15 Arten,
die Gobioiden mit 14 Arten trafen zu dem Charakter dieser
Fauna bei. Ausserdem sind die Tetrodontiden, Mastacem-
belus, Apogonidae in mehreren Arten repräsentirt, während
von den Uranoscopus, Toxoles, Anabatidae, Zcidae, Nandus,
Clupeadae, Anguillidae, Symbrancliidao, Hippocampidae nur
während des Jahres 1861. 189
durch je eine Art repräsentirt sind. Mehrere neue Genera
und zahlreiche neue Arten sind unten bei den einzelnen
Familien nachzusehen.
Seit seiner Rückkehr von Batavia in sein Vaterland
veröffentlicht Bleeker seine ichthyologischen Mittheilun-
gen zum Theil in den Verslagen en Medcdeelingcn der
koninkl. Akademie van Wetenschappen. So findet sich im
XII. Bande p. 28 eine „Mededeeling omtrent Vischsoorten,
nieuw voor de kennis der fauna van Singapoera." Bei sei-
nem Aufenthalte daselbst sammelte er 155 Arten, die bis
dahin von dieser Fauna noch nicht bekannt waren und
brachte dadurch die Zahl der bekannten Arten auf 540, die
sämmtlicb verzeichnet sind.
Ferner folgt p. 64 ein Aufsalz : „Jets over de visch-
fauna van het Eiland Pinang." Bei einem kurzen Aufent-
halte daselbst von einigen Stunden besuchte Verf. den
Fischmarkt und konnte die Fauna der Insel um 11 Arten
vermehren, unter denen sogar eine neue Art. Die nunmehr
von dort bekannten 290 Arten sind aufgezählt.
Aus dem 18. und 19. Bande der Natuurkundig Tijd-
schrift voor Nederiandsch Indie, die mir zur Zeit der Be-
richterstattung über das Jahr 1859, in welchem sie erschienen,
noch nicht zu Händen gekommen waren, sind einige ichthyo-
logische Arbeilen von Bleeker nachzutragen:
Bijdrage tot de kennis der Vischfauna van Bawean
Bd. 18. p. 351. Das Verzeichniss enthält 103 Arten worun-
ter ein Glyphisodon neu.
Negende Bijdrage tot de kennis der Vischfauna van
Banka Bd. 18. p. 358. Durch eine Zusendung von 54 Ar-
ten durch Deissner erhöhte sich die Zahl der Arten von
Banka auf 284. Muffil borbonicus Cant. und ein neuer
Osphromenus werden ausführlich beschrieben.
Over eenige vischsoorten van de zuidkustwateren van
Java. Durch neue Sendungen ist die Fauna von Java hier
auf 1107 Arten vermehrt worden. Die neuen Arten siehe
unten.
Derde Bijdrage tot de kennis der vischfauna van Soem-
bawa Bd. 19. p. 434. Durch Hinzufügung von 26 Arten ist
190 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
die Fauna von Sumbawa auf 83 A'rten gebracht worden.
Einen neuen Denlex s. unten.
Von Sumatra kennt Bleek er ib. XXII. p. 65 in Folge
einer neuen Sendung von Benkoelen 814 Arten. — Ib. p. 88
verzeichnet Bleeker 25 Arien Fische von Prigi auf Java;
— 54 von Neu-Guinea p.98; — 16 von Gombong p. 100;
— 11 von Singapoera p. 101.
Elfde Bijdrage tot de kennis der fishfauna van Banka
Bd. XXII. p.107. Enthält 34 Arten, wodurch die Zahl der
Arten auf 329 steigt.
Derde Bijdrage tot de kennis der ichthyologische Fauna
van Boero. Bd. XXII. p. 109. Hierdurch wird die Zahl der
Arten auf 317 gebracht.
In einem Verzeichnisse der während einer Reise von
Cherbourg nach Neu -Caledonien beobachteten Thiere von
Jouan findet sich auch eine Anzahl Fische, meist nur dem
Genus nach bestimmt, mit Angabe des Fundortes, daher
ohne besonderen Werth; die meisten sind vom Cap. Mem.
SOG. sc. nat. de Cherbourg VIII. p. 163.
Etwas interessanter ist ein Verzeichniss von 98 Fi-
schen von Neu-Caledonien ib. p. 241, von denen zwar
die meisten auch nur dem Genus nach , und das noch
zweifelhaft bestimmt sind, die aber doch beschrieben sind,
meist mit Angabe der Flossenstrahlen, des Zahnbaues,
der Farben und dergl. Nach diesen Beschreibungen die
Fische zu bestimmen, möchte kaum möglich sein, was um
so mehr zu bedauern ist, da die Exemplare selbst verloren
gegangen sind. Interessant bleibt also eigentlich nur, dass
durch die Angabe der Gattungen aus diesem Verzeichnisse
ungefähr der Charakter der Fischfauna von Neu-Caledonien
angedeutet ist. Die artenreichsten Gattungen sind Diacope
Smit4, Serranus mit 7,Plectropoma mit 5, Holocentrum mit 4,
Scomber mit 4 Arten, wobei freilich fraglich, ob diese Gat-
tungen einigermassen richtig bestimmt sind. Die Fischfauna
wird übrigens als reich geschildert und von schönen Formen
und Farben. Viele werden gegessen, aber viele sind auch
giftig, selbst tödtlich. Vornämlich warnt Verfasser vor den
Ostracion, Tetrodon, Sphyraena und Clupea.
während des Jahres 1861. 191
Von dem VerF. wird ein Werk von Montrouzier
citirt „Essai sur la faune de l'ile Woodlark ou Moiou; Lyon
1857", in welchem die ichthyologische Partie von Bemer-
kungen von Thio liiere begleitet sei. Dasselbe ist von
mir damals in dem Berichte übergangen.
Nach V. Rosenberg lebt eine Menge von Fisch-Arten
in und vor der Bai von Doreh in Neu-Guinea, von denen
viele auch in Amboina einheimisch sein sollen. Als eifrige
Fischer unterscheiden die Papus jede Art durch einen be-
sonderen Namen. Natuurk. Tijschr. Ned. Indie XXlI. p. 314.
GiU hat bei der Ausarbeitung eines Report on the
Ichthyology of the North-Western Boundary Survey manche
Formen der Pacilischen Gewässer studirt, und die Aufstel-
lung neuer Gattungen für eine Anzahl derselben nothwen-
dig gefunden. Solche giebt er vorläufig Proc. Philadelphia
p. 164 an, die Beschreibungen für später vorbehaltend.
Aus Labrax clathratus Girard bildet er die Galt. Alracto-
perca, aus Ambloplites interruptus Girard die Gatt. Archopl it eSf
aus Ephippus zonatus Girard die Gatt. P ar ephippu s, aus Glyphiso-
don rubicundus die Galt. Hyp syp o p s, aus Sebastes paucis pinis Gir.
Sebastodes, aus Chiropsis nebulosus Gir. Acantholeb ius , aus
Labrax monopterygius Pallas P leurogr ammus , aus Labrax lago-
cephalus Pallas Gr amtna to pl eurus, aus Cottus platycephalus Pal-
las M e g al ocot tusj aus Oligocottus analis Gir. Clinoc o t tu s, aus
Oligocottus globiceps B l eni cot tu s , aus Aspidophoroides inermis
Günther A no plag o nus , aus Blennius gentilis Gir. Hypleuro-
chilus, aus Brosmius marginatus Ayres Brosmophycis.
In Pemberton's Facts and Figures relating to Van-
couver- Island and British Columbia. London 1860. p. 28
findet sich eine kurze Notiz über die Fischerei. Salmen ver-
schiedener Art steigen zu Millionen in die Flüsse, und keh-
ren, so wird behauptet, nie wieder zurück, sondern sterben.
Sie werden bis 50 Pfund schwer. Auch Störe sind häufior.
Günther berichtete über eine kleine Sammlung von
Fischen, 14 Arten, von der pacifischen Küste Central-Ame-
rika's, unter denen sich 10 neue Arten befanden. Alle
sind bereits in den 3. Band des Catalogue of the Acantho-
pterygians of the British Museum aufgenommen, mit Aus-
nahme eines Apogon.
192 Troschel: Bericht üb. d. Leist, in d. Ichthyologie
Gill hat die Fische der Ostküste JXord- Amerika's
verzeichnet: „Catalogue of Ihc fishes of the castern coast
of Norlh-America from Greenland to Georgia.** Januar 1861,
den Proc. Philadelphia beigeheftet. Diese Schrift hat da-
durch eine erhöiite Wichtigkeit, weil der Verf. in der Ein-
leitung seine Ansichten über eine natürliche Classification
der Fische niedergelegt hat. Er schliesst sich zwar im All-
gemeinen an die Müller'sche Eintheilung an, ändert
jedoch in den Ordnungen und Unterordnungen, indem er
nachzuweisen sucht, dass oft die Charaktere, welche man
früher in erster Stelle anzuwenden pflegte, z. B. die Flos-
senstrahlen, bei verwandten Fischen sehr verschieden seien.
Seine Classifikalion ist die folgende:
I. Unterklasse TelGOStei iMüll. mit fünf Ordnungen.
1. Ordnung Tele o ce p hali GiU. Skelet vollständig entwickelt,
Körper mit Ctenoid- oder Cycloidschuppen bedeckt, Kiemen kamm-
förmig, Ober- und Zvvischenkiefer vorhanden und getrennt, Suboper-
culum vorhanden, viele Flossenstrahlen sind gegliedert und ver-
zweigt. Vier Unterordnungen: a. Physoclysti Bon. mit geschlos-
sener Schwimmblase, nmfasst die Acanthopteri , Pharyngognathi und
Anacanlhini , ohne die Plenroncctes. Darin sind in Kord -Amerika
vertreten die Familien Percoidae, Sparoidae, Pimelepteroidae, iMae-
noidae, Zenoidae , Pristipomatoidae , Sciaenoidae, Chaetodontoidae,
Teuthidoidae, Campylodontoidae, Bramoidae, Coryphaenoidae, Leptu-
roidae, Sphyraenoidae, Scombroidae, Echinidoidae, Xiphioidae, Scom-
beresocoidae, Exocoetoidae, Aulostomatoidae, Centriscoidae, Gastero-
sleoidae, Polynematoidae , Mugiloidae, Atherinoidae, Ammodytoidae,
Priacanthoidae , Berycoidae, Scorpacnoidae , Cottoidae, Agonoidae,
Trigloidae, Uranoscopoidae , Balrachoidae, Gohioidae, Blennioidae,
Cryptacanthoidae, Lophioidae, Cyclopteroidac, Gadoidae, Macruroidac,
Ophidioidae. — b. HeterosomataBon. die Pleuronectae, Labroidae. —
c. Physoslomi Müll, mit Ausschluss der Cyprinoiden und Welse. Vertreten
sind an der Wordamerikanischen Küste die Familien Cyprinodontoi-
dae, Salmonoidae, Synodontoidae, Scopeloidae, Paralepidoidae, Chau-
liodontoidae, Microstomatoidae, Clupeoidae, Conorhynchoidae, Ela-
poidae. — d. Erenlognathi Gill. Die stark entwickelten unteren
Schhindknochen und die eingeschnürte Schwimmblase unterscheiden
sie; dahin die Cyprinoiden.
2. Ordnung Apodes Kaup. Körper langstreckig, Haut nackt,
selten kleine Schuppen in der Haut, Kiemen kammförniig, Ober-
nnd Zwischenkiefer klein oder rudimentär, Zähne am Gaumen und
während des Jahres 1861. 193
Vomer, Käsen- und Elhmoidbeine sind mit dem Voraer verschmolzen,
keine Bauchflossen, Rücken-, After- und Schwanzflosse, wenn vorhan-
den, verschmolzen, mit einfachen Strahlen. Dahin dieAnguillen und
Conger, mit Ausschluss der Gymnolinen, die als echte Teleocephali
bezeichnet werden.
3. Ordnung. Leniniscati Kaup. Kleine durchsichtige Fische
ohne Afterflosse, Schädel und Wirbelsäule unvollständig und knorplig,
Blut farblos, Körper nackt. Die Flelmichthyiden.
4. Ordnung. Nemat o gnathi Gill. Körper nackt oder mit
Schildern bedeckt, Kiemen kammförmig, Oberkiefer wenig entwickelt
und in Bartfäden verlängert, Suboperculum fehlt. Die Siluri.
5. Ordnung. Plec t ognathi Cuv. und 6. Ord. Lo'phohran-
chii Cuv.
II. Unterklasse Ganoidei Müll, wohin auch die Dipnoi gezogen
werden, mit den Ordnungen : H ol o s t ei Müll., P lac o g anoid ei Owen,
Chondrostei Müll, und Dipnoi Müll.
III. Unterklasse. El asmobr anchii Bon. 1. Ordnung. Fla-
gio st omi Müll, mit den Unterordnungen Squali Müll., Rhinae Gill,
Pristes Gill, Rajac Müll. — 2. Ordnung. H oloc ephal i Bon.
IV. Unterklasse. D ermopteri Owen mit den Ordnungen Hy-
peroartii Bon. Müll., H yp er o tr et i Müll, und Pharyng obr an-
chii Müll.
Von Holbrook's Ichthyology of South-Carolina er-^i
schien im Jahre 1860 der erste Band, nachdem durch eine
unglückliche Zerstörung alle Platten, Steine und Original-
zeichnungen verloren gegangen waren. Dadurch sind die
bereits ausgegebenen Lieferungen neu ersetzt und zugleich
cassirt worden. ■ i^iniUR
Dieser erste Band umfasst die Familien: Percidae (Gatt, Perca),
Ichthelidae (Gatt. Pomotis, Ichthelis, Centrarchus, Labrax, Grystes,
Serranus, Diplectrum, Pomoxis, Rhypticus, Centropristes), Sparidae
(Galt. Sargus, Lagodon), Scombridae (Gatt. Temnodon, Cybium, Se- ,
riola, Bothrolaemus, Caranx, Elacate, Echeneis), Squamipennidae (Gatt.
Ephippus), Sciaenidae (Gatt. Pogonias, Haemulon, Otolithus, Umbrina,
Miciopogon, Corvina, Larimus, Pristipoma, Leiostomus, Homoprion,
Loboles, Pagrus), Elopidae (Gatt. Elops), Scopelinidae (Galt. Saurus,
Trachinotus), Esocidae (Gatt. Esox). — Alle Arten sind auf 28 Tafeln
abgebildet und nach lebenden Exemplaren colorirt. Da die neuen
Alten schon in den früher ausgegebenen Lieferungen enthalten waren,
so werden sie in diesem Berichte natürlich nicht wieder aufgeführt.
Poey hat in seinen Memorias sobre la Historia na-
tural de la isla de Cuba II. p. 357 — 404 einen Conspectus
Archiv f. Naturg. XXVIII. Jahrg. 2, Bd. N
l94 troschel: Bericht üb. d. I.eisl. in d. Ichthyologie
piscium Cubensium geliefert, welcher 641 Arten enthält,
die 58 Familien und 180 Galtungen angehören; 170 Arten
waren schon vor den Untersuchungen des Verf. beschrie-
ben, 236 sind von ihm in den früheren Lieferungen dieses
Werkes beschrieben worden, die leider in unseren Berich-
ten nur zum Theil haben erwähnt werden können, weil
mir nur ein Theil des Werkes zugänglich geworden ist;
von 100 Arten ist die Bestimmung zweifelhaft; von 120
Arten besitzt Verf. keine genügende Beschreibungen und
nennt sie deshalb deficientes, — Von den 641 Arten sind
bisher nur 135 auch anderswo gefunden. Als Cosmopoli-
ten werden Sphyrna zygaena, Seriola cosmopolita und Elops
saurus bezeichnet; einige grosse Selachier, welche das
Vermögen haben den Schiffen auf weiten Reisen zu folgen,
kommen in Ostindien vor, andere sind auch europäisch.
Von den übrigen 123 Arten gehören 54 den Antillen allein
an, 8 kommen auf Brasilien, 7 auf die nordamerikanischen
Freistaaten, 31 sind den Antillen und Brasilien gemein, 23
den Antillen, Brasilien und den Vereinigten Staaten. Unter
den 108 Arten der Antillen findet sich auch ein halbes
Dutzend in Gorea an der afrikanischen Küste bei St. He-
lena, Key -West bei Florida und an der Continentalküste
von Guyana bis zum Busen von Mexiko. Von Süsswasser-
fischen finden sich Philypnus dormitator, Eleotris gyrinus
und Smaragdus lanceolatus auch ausserhalb. Welse und
Salmen giebt es in Cuba nicht.
Aus einem kleinen Buche „Cuba, die Perle der An-
tillen. Reisedenkwürdigkeiten und Forschungen von Jegör
von Sivers. Leipzig 1861" hebe ich nur eine Beobach-
tung hervor, welche Verf. bei dem westcubanischen Vor-
gebirge San Antonio über fliegende Fische (Exocoetus,
Verf. nennt die Art volitans) anstellte, und p. 3 beschrieb.
Hiernach würden diese Fische aus ruhiger Meeresfläche sich
nicht erheben können, sondern nur befähigt sein aus den
Wellenkämmen hervorzuschiessen. Sie erheben sich selten
über 6 Fuss vom Meeresspiegel, ändern nicht die Richtung
im Fluge und fliegen über 1000 Fuss weit.
Ueber die Fischfauna von Mendoza hat Burmeister
während des Jahres 1861. 195
nur eine dürftige Notiz geben können, da er nur die aus
dem See Guanacache auf den Markt gebrachten Arten zu
sammeln Gelegenheit gehabt hat. Die geringe Zahl der-
selben, ein Percichthys Gir. und ein Basilichthys Gir. ist
höchst auffallend. Ausserdem ist ein Trichomycterus und
eine Loricaria in den Wassergräben bei Mendoza beobachtet.
(Reise durch die La Plata-Staaten I. p. 310.)
Eine kurze Notiz von de Thoron über musikalische
Fische in Südamerika findet sich Comptes rendus LIII.
p. 1073; Revue et mag. de zool. p. 548. Die Fische selbst
sind nicht näher bestimmt, die Töne v^erden mit den vollen
Mitteltönen einer Orgel verglichen.
Dipnoi.
In seinem Buche Examen des principales classifica-
tions ct. Bruxelles 1861 geht Carleer p. 215— 222 die
einzelnen Organisationsverhältnisse von Lepidosiren zur
Entscheidung der Frage, ob Batrachier ob Fisch, durch.
Das Resultat ist: die Lepidosiren nähern sich den Batrachiern
durch den Besitz von Lungen, die Einfachheit der paarigen
Flossen und die doppelten Vorkammern ; sie sind aber sonst
wahre Fische wegen des einfachen Condylus, der Unvoll-
kommenheit des Skelets, der unpaarigen Flosse, der Schup-
pen, der Lage der Harnöffnung, der Struktur des Herzens
und des Nervensystems und wegen der Klappen des Bulbus
arteriosus. Innerhalb der Klasse der Fische stellt Verf.
die Lepidosiren zwischen die Plagiostomen und Acipenser,
und will die Ordnungen der Fische folgendermassen ord-
nen. An der Spitze stehen als die vollkommensten die
Plagiostomen, dann folgen die Sirenoiden, dann die Ganoi-
den, und die Knochenfische werden für niedriger stehend als
die drei vorigen erklärt. Ja, Verf. möchte sogar die ganze
Analantoische Abtheilung der Wirbelthiere in Knochenthiere
und Knorpelthiere theilen, die als parallele Reihen neben
einander laufen. So wären die Labyrinthodonten und Anuren
entsprechend den Plagiostomen, die Urodelen, Coecilien und
Perennibranches den Sirenoiden, die Siluroiden, Plectogna-
19C Troschel: Bericht üb. d. f.eist. in d. Ichthyologie
Ihen und Lophobranchier den Ganoiden, endlich die Acan-
thopterygier und Malacopterygier einerseits den zu den
Ganoiden gehörigen Amia, andererseits den Cyclostomen.
Die Leptocardier bleiben dann bei den Knorpelthieren übrig
ohne eine entsprechende Gruppe bei den Knochenthieren.
In einem besonderen Paragraphen p. 223 — 228 wird die
Organisation von Branchiostoma lubricum besprochen, und
die Selbstständigkeit dieser Fische als besondere Ordnung
anerkannt.
Wir müssen hier darauf hinweisen, dass der Aufsatz
von M'Donnell über Lepidosiren, dessen schon im vorigen
Berichte p. 139 nach einem Auszuge in der Zeilschr. für
wiss. Zoologie Erwähnung gelhan ist, Natural history re-
viewl860. p. 93— 112 enthalten und von 4 Tafeln begleitet
ist, auf denen L. annectens, dissimilis Casteln. und paradoxa
so wie einige innere Theile der ersteren Art abgebildet
sind. Angehängt sind Bemerkungen von Melville über
die systematische Stellung.
Teleosteit
Acanthopteri.
Bei dem Bestreben, für die Unterscheidung der Fa-
milien unter den Stachelflossern eine sicherere Basis zu ge-
winnen, als es den bisherigen Forschern gelungen war,
hat man angefangen, eine grössere Anzahl von Familien
anzunehmen. Ich halte dies für den richtigen Weg zum
Heile, kann aber bei der verschiedenen Auffassung der
einzelnen Ichthyologen diese zahlreichen Familien noch
nicht für hinlänglich geläutert anerkennen, und glaube,
dass vielfach durch Wiedervereinigung kleinerer Gruppen
eine leichtere Uebersicht erzeugt werden könne.
BerycidäB. Holoccntrum caudimaculatum Rüppell wird von
Steindachner Verhandl. zool.-bot. Ges. in Wien XI. p. 71 aufs
Neue beschrieben.
Myripristis maculalus Steindachner ib. p. 73.
PerCOidel, Percina. — Gill stellte Proc. Philadelphia p. 44
eine Synopsis der Genera der Subfamilie Percinae zusammen, die er
in folgendes Schema bringt: I. Zwischenkiefer und Gaumen mit eini-
während des Jahres 1861. 197
gen grossen Zähnen in Reihen, die übrigen Zähne sarametartig. Gatt.
Stizostedion Raf. Gir. (Lucioperca C. V.). II. Zwischenkiefer, Vom'er
und Gaumen nur mit sammetartigen Zähnen. A. Nebenkiemen vor-
handen, a. Kopf oben schuppenlos. Gatt. Ferra L., Kuhlia Gill.
(Typus Perca ciliata C. V.), Kiphon C. V., Centropomus Lac. b. Kopf
oben mit Schuppen bedeckt, 9 — 11 Rückendornen, a. Zähne an Kie-
fern, Gaumen und Zunge sammetartig. Gatt. Labrax Klein, Dicentrar-
chus Gill, Roccus Gill, Morone Gill, Lateolabrax Bleeker. ß. Kiefer,
Vomer und Gaumen mit körnigen Zähnen. Gatt. Psammoperca Ri-
chards., Hypopterus Gill (Typus Psammoperca macropterus Gthr.).
y. Sammetartige Zähne an Kiefern, Vomer und (iaumen, keine auf
der Zunge. Gatt. Percichthys Gir., P er c o s oma Gill. (Typus Percich-
thys melanops Gill.), D eut eropterus Gill (Typms Perca marginata
C. V.). c. Kopf ganz mit Schuppen bedeckt, Piäoperculum meist
ganzrandig, 6 Rückenstacheln. Gatt. Lio pr op oma Gill. (Typus
Perca aberrans Poey. B. Keine Nebenkiemen. Gatt. Lates Cuv., Cni-
don Müll. Trosch.
Apogonina. Apogon Noordziehi ßleeker Natuurk. Tijdschr.
19. p. 336 von Java. — A. Dovii Günther Proc. zool. soc. p. 371.
Nonnoperca nov. genus Günther Proc. zool. soc. p. 116.
pl. 19. fig. 2 aus der Gruppe Apogonina der Barschfamilie. Der Kör-
per ist comprimirt, länglich, Schuppen massig gross ; Dorsalen schwach
zusammenhängend, die erste mit 7 Stacheln; kein liegender Dorn
davor; 3 Analstacheln; schmale Binden sammtartiger Zähne in den
Kiefern, am Vomer und am Gaumen ; kein Knochen des Kopfes ge-
sägt; 6 Kiemenstrahlen; Pseudobranchien; keine Seitenlinie. N. au-
stralis aus dem Murray-River.
Ambassis notatus Blyth Journ. Asiat. Soc. Bengal 19. p. 138
aus dem Sitangilusse.
Bogoda infuscata Blyth ib. p. 139 aus dem Mutlaflusse.
Serranina. Hyporthodus flavicauda Gill Proc. Philad. p. 98
von Rhode Island.
Serranus lineo-ocellalus Guich. bei Dumeril Archives du Mu-
seum X. p. 244. West-Afrika.
Plectropoma ilicÄarrfsonü Günther Proc. zool. soc. p. 391. pl.38
von Australien.
In der Verwandtschaft von Rhypticus unterscheidet Gill Proc.
Philadelphia p. 52 folgende Gattungen und Arten: 1. Rhyplicus
Cuv. Die letzten Rückenflossenstacheln mit dem hinteren Theile ver-
bunden, ohne Analdornen. 4 Arten, darunter Eh. subbifrenatus von
St. Thomas und nigripinnis von Panama neu. 2. Pr omicr op t crus
Gill mit getrennten Rückenflossen, sonst wie vorige. Dahin Rh. ma-
culatus Holbr. 3. Sme oticus \n]. Präoperculum mit 2, Operculum
mit 3 Stacheln wie bei den vorigen, die drei vordem Rurkenflos-
19S Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
senstacheln stärker, 2 Analdornen. 1 Art. 4. D ermat olepis Gill
Rückenflosse lang, 3 Analdornen. D. punclatus vom Vorgebirge
St. Lucas.
Die Gattungen Mesoprion und Diacope Cuv. Val., welche meh-
rere neuere Schriftsteller vereinigen, will Steindachner doch ge-
trennt halten, weil die Mesoprion meist eine Zahnbinde auf der Zunge
besitzen, während bei Diacope bekanntlich die Zunge glatt ist. Die-
sen Charakter nimmt Verf. als den entscheidenden, es sei jedoch die
Nonienclatur von Cuv. Yal. nur in wenigen Fällen zu ändern. Verh.
zool.-bot. Ges. in Wien XI. p. 76.
Mesoprion dentatus Dumeril Archives du Museum X. p. 245.
West-Afrika.
Gill erklärt die Gattung Neomaenis Girard für identisch mit
Lutjanus Bloch. Proc. Philadelphia p. 93.
Aphredoderina. Eine kurze Notiz über die Lebensweise
von Aphredoderus Sayanus gab Abbott Proc. Philadelphia p. 95.
Trachifiidae. Gill lieferte eine Synopsis der Uranoscopoiden
Proc. Philadelphia p. 108. Diese Familie wird vom Verf. in drei
Subfamilien getheilt: 1. Uran oscopinae, Kopf oben mehr oder
weniger gepanzert, Körper massig verlängert, a. Zwei Rückenflossen.
Gatt. Uranos copus L. Gill. Kopf oben gepanzert, ohne Bartfaden
mit 9 Arten, Ncmat agnus Gill, ebenso mit einem Bartfaden (üra-
noscopus filibarbis C. V.), Up s el onphorus Gill Kopf mit einer hin-
teren Querplatte mit Y-förmigem Fortsatze, mit 2 Arten, Astrosco-
pus Brevoort (Agnus Gthr.). Körper nackt, mit 1 Art. b. Eine Rük-
kenflosse. Gatt. Cathetostoma Gthr. Körper nackt, mit 1 Art,
Ichthy 0 s copu s Swains, mit 3 — 4 Dornen in der Rückenflosse,
1 Art, Geny agnus Gillj ohne Dornen in der Rückenflosse, Unter-
kiefer ganz, 1 Art, Gnathag nu s Gill, ohne Dornen der Rücken-
flosse, Unterkiefer unten erweitert, 1 Art. 2. Leptoscopinae.
Kopf mit nackter Haut bedeckt, Körper langstreckig, Bauchflopsen mit
1 . 5 Strahlen. Gatt. L epto sc opus Gill, Vomer- und Gaumen-
zähne, 1 Art, Crapatalus Gthr. Keine Vomer- und Gaumenzähne,
1 Art. 3. Dactylo sc opinae. Wie vorige, mit 3 Bauchflossen-
strahlen. Gatt. D ac ty lose opus Gill, mit 1 Art.
In derselben Zeitschrift p. 263 beschreibt Gill ausser der be-
kannten Art von Dactyloscopus noch zwei neue, nämlich D. Poeyi
von Cuba und pectoralis von Cap St. Lucas. Zugleich fügt Gill
hier eine vierte Subfamilie hinzu M yxodagninae, die ebenso wie
die Dactyloscopinae nur drei weiche Strahlen in den Bauchflossen
haben, aber sich durch die Kopfform aufl'allend unterscheiden. My~
xod agnus opercularis aus Unter-Californien von Cap St. Lucas.
Uranoseopus adhaesipinnis Blyth Journ. Asiat. Soc. Bengal 19.
p. 142 aus dem Sitangflusse.
während des Jahres 1861. 199
Gill sieht Pkoc. Philadelphia p. 501 die Familie Sillaginoidae
als eine selbstständige an, die sich von allen anderen durch die Ver-
bindung eines langstreckigen Körpers und langer zweiter Rücken-
und Afterflosse mit langem cavernösen Kopfe unterscheidet, dessen
Präorbitalknochen sehr gross sind und dessen Vordeckel unten nach
innen gebogen die Unterfläche des Kopfes bedeckt, während eine
Leiste den Anschein des gewöhnlichen Unterrandes giebt. Er zählt
dahin die Gattungen Sillago Cuv. mit 9 Arten, worunter S. parvi-
squamis von Japan neu, und zwei neue Gattungen Sillaginoides
dentes velulini, pinna dorsalis prima postice oblique recta vel decur-
vata, spinis 12, secunda pinnae anali maiori, radiis 1 . 26 ; squamae
minimae, gegründet auf Sillago punctata C. V.; Sillaginopsis
dentes velutini, serie externa maiores ; pinna dorsalis anterior spi-
nis 9, Spina secunda elongatn, postice oblique incurvata, auf Sillago
domina C. V. gegründet.
Gill stellte Proc. Philadelphia p. 507 eine eigene Familie
Chaenichthyoi dae auf, die sich durch die verlängerte spatelför-
mige Schnauze auszeichnet. Er theilt sie in zwei Subfamilien : 1.
Chaenichthyi na e^ bei der die erste Rückenflosse von der zwei-
ten getrennt ist. Dahin die Gattung Chaenichthys Richards, mit 1 Art,
und Champs oceph alu s durch unbewaff'nete Seitenlinie von vo-
riger unterschieden, auf Chaenichthys esox Günther gegründet. 2.
P ag et odinae , die erste Rückenflosse beginnt am Nacken und ist
von der zweiten nicht getrennt. Gatt. Pagetodes Richards, mit 1 Art.
Aus der Gattung Harpagifer Richards, bildet Gill ib. p. 510
ebenfalls eine eigene Familie, kenntlich durch die coltoide Form,
kleine Suborbitalknochen, bex^affnete Deckelstücke, vollständige jugu-
lare Bauchflossen , verzweigte untere Pectoralstrahlen und lange
Rücken- und Afterflosse; die Seitenlinien sind am fVacken mit ein-
ander vereinigt. Die Gattung hat 2 Arten.
Daran schliesst sich ib. p. 512 die Synopsis der Familie N o-
tothenioid ae, welche Gill aufstellt, und die wieder in zwei
Subfamilien zerfällt : 1. N ot otheniinae mit unterbrochener Seiten-
linie. Gatt. Notothenia Richards. Bauchgegend kürzer als der Kopf,
Dorsalstacheln schlank, mit 11 Arten, Mac r on o tot hen GiW, Banch-
gegend länger als der Kopf, Dorsalstacheln kurz und dick, dahin
Notothenia Rossii Richards. 2. El egininae mit ununterbrochener
Seitenlinie. Gatt. Eleginus Cuv. mit 3 Arten. In einer Note kün-
digt Verf. an, dass Aphritis undulatus und porosus Jenyns nicht m
Aphrifis gehören, sondern eine eigene Galtung Eleginops in dieser
Familie bilden müssen.
Günther theilt die Gruppe Pseudochromides, je nachdem eine
oder zwei Rückenflossen vorhanden sind, in zwei Gruppen, so dass
er nunmehr in der Trachiniden-Familie die Gruppen Uranoscopina,
200 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
Trachinina, Pinguipedina, Pseudochiomides und Kototheniina annimmt.
Annais nat. hist. VII. p. 85. In der ersten derselben stellte er eine
Gattung Crapatalus auf: Form des Kopfes wie bei Leptoscopus,
ganz mit weicher Haut bedeckt; Mundspalte fast vertical ; Auge ober-
halb; Lippen gefranzt; Cycloidschuppen von massiger Grösse; eine
Dorsale, jugulare Bauchflossen, Brustflossenstrahlen verzweigt ; kleine
sammtartige Zähne in den Kiefern und Schlundknochen, keine am
Gaumen; Deckel ohne Dornen; Kiemenöffnung sehr weit, zum Theil
nach oben offen; 6 Kiemenhautslrahlen, 4 Kiemen, Pseudobranchien.
C Novae Zelandiae pl. X. fig. A von Neu -Seeland. — Ferner sind
daselbst beschrieben: Aphritis gobio und Chaenickthys esox, beide
von Port Famine.
FolynemidäG. Gill hat eine Synopsis der Familie der Po-
lynematoiden zusammengestellt. ;Proc. Philadelphia p. 271. Er un-
terscheidet zwei Gruppen: I. P olynemi, Afterflosse doppelt so lang
wie die zweite Rückenflosse, Vordeckel ganzrandig. Gatt. Polynemus
Gron. mit 1 Art. II. Trichio d ont es. Zweite Rücken- und After-
flosse gleich lang, Vordeckel gesägt. Gatt. Trichidion Klein, Zähne
am Gaumen, Pterygoidbeinen und Vomcr, 3 — 8 Brustfäden, 25 Arten,
darunter T. octoßlis von Nord-Amerika neu; Gatt. Polistonemus
Gill, wie vorige aber mit 14 Brustfäden, 1 Art, Gatt. Galeoides Gthr.
Gaumenzähne, keine Vomer- und Pterygoidzähne mit 10 — 11 Brust-
fäden, 1 Art.
GirrhitidaO. Ueber Cirritichthys graphidopterus Bleeker vergl.
Steindachner Verhandl. zool.-bot. Ges. in Wien XI. p. 75.
Pristipomatidae. Aus Sparus virginicus L. (^Pristipoma rodo C.V.)
bildet Gill eine eigene Gattung Anis otremus, der er eine neue
Art A. taeniatus von Panama hinzufügt. Proc. Philadelphia p. 105.
Triglidae. — Cataphracti. Canestrini beschreibt Archi-
vio per la zoologia ct. I. p. 45. Tab. 4. fig. 4 . 5 zwei kleine Fische,
von denen der grössere der Gattung Cephalacanthus entspricht. Verf.
glaubt in ihnen Jugendzustände von Dactylopterus volitans zu er-
kennen.
Steenstrup und Lütken schrieben über die Jungen der
nordischen Aspidophorus-Arten und über die Veränderungen, welche
dieselben mit dem Alter eingehen. Vidensk. Meddelelser nat. Foren,
i Kjöbenhavn p. 276— 283.
P odothecus Gill n. gen. Proc. Philadelphia p. 77 in der Fa-
milie der Agonoiden. Bei derselben Form wie Peristedion ist der
Kopf gebaut wie ein echter Agonus; die Bauchflossen liegen in einer
länglich dreieckigen Grube. Die Art ist noch nicht benannt. — Spä-
ter wird sie ib. p. 259 als P. peristethus von Simeahmoo beschrieben.
Hier wird eine Uebersicht über die Gattungen der Agonoidenfamilie
gegeben: I. Agonina e. Zwei Rückenflossen. 1. Körper compri-
während des Jahres 1861. * 201
mirt und nach vorn hoch. a. Kopf nicht vom Rücken abgesetzt,
Podotheci, Gatt. Podothecus. b. Kopf durch eine liefe Nacken-
grube vom Rücken getrennt, Hypsagoni, Gatt. Hypsagonus. 2.
Körper langstreckig und nicht hoch Agoni, Gatt. Hippocephalus,
Agonus, Paragonus, Agonopsis, Leptagonus, Brachyopsis. II. Ano-
plag oninae. Eine Rückenflosse. Gatt. Aspidophoroides, Anoplagonus.
Cottina. Jeitteles hat Archivio per la zoologia I. p. 158 —
177 die Süsswasser-Arten der Gattung Cottus zum Gegenstande ge-
nauerer Untersuchung gemacht. Bei der Critisirung der verschiede-
nen Unterscheidungsmerkmale werden besonders die Ventralen als
gut für die Unterscheidung verwendbar bezeichnet, indem ihre Länge
fast gar nicht veränderlich, die Zahl ihrer Strahlen constant sei, und
die Bänderiing nur bei C. poecilopus vorkomme. In einer schliess-
lichen Zusammenstellung nimmt Verf. 7 Arten an, nämlich 1. C. go-
bio L. (C. microstomus Heck., ferrugineus Heck., affinis Heck., AVil-
sonii Gir., raeridionalis Gir. und Alvordii Gir.), 2. C. cognatus Richards.
(G. Bairdii Gir.), 3. C. poecilopus Heck., 4. C. Richardsonii Ag.,
5. C. gracilis Heck. (G. boleoides Gir.), 6. C. viscosus Haldeman (G.
gobioides Gir., formosus Gir., Franklinii Ag.), 7. C. Fabricii Gir.
Von dem im vorhergehenden Jahre aufgestellten Cottus Copei gab
Abbott nach lebenden Exemplaren eine neue Diagnose. Proceed.
Philadelphia p. 15.
Gill nennt Proc. Boston VIII. p. 40. diejenigen Arten der Gat-
tung Cottus, welche Gaumenzähne besitzen, Po t amocot l u s , und
bezeichnet als solche C Richardsonii Agass., meridionalis Gir., Wil-
soni Gir. und Bairdii Gir. so wie zwei neue Arten P. punctulatus
gefunden zwischen Bridger's Pass und Fort Bridger und P. Carolinae
aus Kentucky.
Scorpaenina. Kner's Gattung Centropus ist identisch mit
B leek er's Amphiprionichthys, S. dies Archiv p. 58. Bleeker hält
sogar die Art C. staurophorus mit seiner A. apistus für identisch.
Verslagen Akad. Amsterdam XII. p. 81. •
Sciaenoidei. Bei einer Revision der Kordamerikanischen Sciae-
ninae in Proc. Philadelphia p. 79 charakterisirt Gill folgende Gat-
tungen. I. Unterkiefer vorstehend: Otolithus Cuv., Cynoscion Gill
(Typus Ololithus regalis C. V.). II. Unterkiefer in dem oberen auf-
genommen: Sciaena Art., Anomiolepis Gill (Typus eine neue Art
von China; die Schuppen der Seitenlinie erinnern an die durchbohrte
Schale einer Anomia), PI agio sei on (iiW (Typus eine neue Art des
Caraiben-Meeres); Homoprion Holbr. , Bairdiella Gill (Typus Corvina
argyroleuca C. V.), Corvina Cuv., Rhinosci on Gill (Typus Amblo-
don saturnus Girard), Johnius Bloch, Menticirrhus Gill (Typus
ümbrina alburnus Holbr.), ümbrina Cuv., Miciopogon Cuv., Packy-
202 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Iclithyologie
pops Gili (Typus Micropogon trißlis Müll. Trosch.) . Genyonemus
Gill (Typus Leiostonius lineatus Ayres).
Die Gattung Leiostonius Lac. siehtGill ib. p.89 als eine eigene
Subfamilie an, lässt jedoch in ihr nur eine Art L. xanthurus Lac. =
humeralis C. V.
Aus der Sciaenoiden-Familie erhielt Blyth aus dem Sitang-
flusse Journ. Asiat. Soc. of Bengal 29. p. 139 fünfzehn Arten. Unter
ihnen ist eine neue Gattung Scia ewoirfes, die in der Bezahnung und
den gleich langen Kiefern mit Johnius übereinstimmt, sich aber durch
die verhältnissmässig kleinen Augen unterscheidet. Dahin gehören
Otolithus biauritus Cantor, Sciaena pama C. V. und zwei neue Arten
Sc. Hardwichii und asper.
Diese Gattung ist identisch mitCollichthys Günther. — Daselbst
ist ferner Otolithus submaculatus als neue Art beschrieben.
Gill bildet aus einigen Fischen Kord-Amerika's, Avestlich von
den Rocky-Mountains, eine eigene Subfamilie der Sciaenoiden, weil
sie verwachsene Schlundknochen haben, wie die Pharyngognathen.
Dies sind die Gattungen Haploidonotus Raf. mit 5 Arten und Pogonias
Lacep. mit 2 Arten. Proc. Philadelphia p. 100.
Die Hoplegnathoidei Bleeker's werden von Gü n Ih er Catalo-
gue p. 357 als besondere Familie anerkannt; sie enthalten nur die
Gattung Hoplegnathus mit 3 Arten.
Daselbst p. 359 wird die Gattung Malacanthus als eine eigene
Familie aufgefasst, sie enthält drei Arten.
Unter dem Kamen Nandidae vereinigt Günther ib. p. 362
sechs Genera, die er wieder in drei Gruppen bringt. 1. Plesio-
pina. Nebeukiemen vorhanden, 4 Bauchflossenstrahlen. Gattung
Plesiops Cuv. mit 5 Arten, wovon P. Bleekeri neu, und Tr achin op s
n. gen. von Plesiops unterschieden, dass der erste Bauchflossenstrahl
nicht verlängert ist, dass nur d% Kiemen und nur 5 Kiemenstrahlen
vorhanden sind; eine neue Art T. taeniatus von Australien. 2. Nan-
dina. ^^eine Nebenkiemen, 5 Bauchflossenstrahlen, Gaumen- und Yo-
merzähne. Gatt. Badis Bleeker mit 2 Arten, Nandus CV. mit 2 Arten,
Catopra mit 3 Arten. 3. Ac harnina. Nebenkiemen verborgen,
5 Bauchflossenstrahlen, keine Gaumenzäbne. Gatt. Acharnes Müll. Trosch.
mit 1 Art.
Eine besondere Familie Polycentridae setzt Günther ib. p. 370
aus den Gatt. Polycentrus Müll. Trosch. mit 2 Arten und Monocirrhus
Ueckel mit 1 Art zusammen.
SparOidei. Sargus natalensis Steindachner Verh. zool.-bot. Ges.
in Wien XL p. 180 von Port Natal.
Steindachner begrenzt die Gattungen Pagrus und Chryso-
phrys anders als Cuvier und Yalenciennes, indem er die Arten
mit spitzen borstenförmigen Zähnchen hinter den konischen zu Pa-
während des Jahres 1861. 203
grus, die mit körnigen Zähnchen hinter den konischen zu Chryso-
phrys zählt. Verhandl. zool.-bot. Ges. in Wien XI. p. 139. — UeBer
Chrysophrys spinifera Steind. = Pagrus spinifer Cuv. vgl. ib. p. 179.
Ho l opa grus nennt Gill Proc. Philadelphia p. 78 eine neue
Gattung, die zwischen den Lutjaninae und den Pagrinae stehen soll.
Aeusserlich gleicht sie Diacope, doch sind die vorderen Naslöcher
kurze Röhren am Schnauzenrande ; die Zähne sind stumpf konisch an
den Kiefern und am Vomer, keine am Gaumen; nur 5 Kiemenhaut-
strahlen. Die Art soll H. Güntheri heissen.
Dentex snmbawensis ßleeker Natuurk. Tijdschr. ned. Indie 19.
p. 439 von Sumbawa.
Gerres longirostris Rapp , Günther Proc. zool. soc. p.l42.
pl. 24 vom Cap.
Caesio multiradiaius Steindachner Verhandl. zool.-bot. Ges. in
Wien XI. p- 175. tab.V. fig. 1 von Amboina.
Squämipennes. Eine Bemerkung von Kner über Chaetodon
ocellatus Bl., der nicht aus dem indischen Ocean, sondern aus dem
Antillen-Meere stammt s. in diesem Archiv p. 58.
Sarothrodns maculo-cinctus Gill Proc. Philadelphia p. 99 von
Rhode Island.
Toxotes microlepis Blyth Journ. Asiat. Soc. Bengal 19. p. 142
aus dem Sitangflusse.
Läbyrinthici. Aus der Familie der Labyrinthfische scheidet
Günther die Ophiocephalus aus, so dass seine Läbyrinthici 1. c.
p. 372 aus folgenden Gattungen bestehen: Spirobranchus C. V. mit
1 Art , Ctenopoma Peters mit 2 Arten , wovon Cf. microlepidotum
(p. 565) neu, Anabas Cuv. mit 4 Arten, Helostoma K. v. H. mit 1 Art,
Polyacanthus K. v- H. mit 7 Arten, worunter P. signatus von Ceylon
neu, Macropus Lacep. mit 1 Art, Osphromenus Lacep. mit 5 Arten,
worunter 0. siamensis von Siam und microlepis von Cambojia neu,
Trichogaster BI. mit 2 Arten, Betta Bleeker mit 2 Arten.
Die Gattung Luciocephalus Bleeker mit 1 Art bildet p. 390 eine
eigene Familie.
Die Familie Ophiocephalidae, die Günther p. 468 nach dem
Vorgange Bleeker's anerkennt, enthält die Gattungen Ophiocephalus
mit 25 Arten, wovon 0. affinis, Kelaartii von Ceylon, siamensis von
Siam, obscurus, pseudomarulius von Ostindien neu, und Channa Gro-
nov. mit 1 Art.
Bei Polyacanthus Hasselti hat Hyrtl obere Dornfortsatzrippen
gefunden, die an einer massigen Endanschwellung der obern Dorn-
fortsätze der vordem fünf Wirbel articuliren. Sie sind bogenförmig
gekrümmt und erreichen die eigentlichen Rippen mit ihren unteren
Enden, um in Synchondrosenverbindung mit ihnen zu treten. Sie
904 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
schützen den hinteren, sehr verlängerten Abschnitt des Labyrinths.
Wiener Sitzungsberichte 44. 1. p. 191.
Osphromeniis Deissneri Bleeker Natuurk. Tijdschr. Nederl. Indie
Bd. 18. p. 376 von Banka.
Ophicephalus apus Canestrini Archivio per ia zoologia I. p. 77
tav. 4. flg. 7 von Java zeichnet sich durch den Mangel der Bauch-
flossen aus.
Xiphiidäe. Tetraptnrus Lessonae Canestrini Archivio per la
zoologia 1. p. 259. tav. 17. Mittelmeer.
Scomberoidei. Thompson verkündigt den Fang eines Thyn-
nus alalonga Cuv. am Chesil-Strande. Annais nat. bist. VII. p. 340..
Microzeus Blytth n. gen. Journ. Asiat. Soc. of Bengal 19.
p. 142. Gleicht einem sehr kleinen Zeus; der Mund nicht vorstreck-
bar, beide Kiefern mit einer Zahnreihe. Schuppen und Seitenlinie
fehlen; die Flossen ohne verlängerte Strahlen. M. armatus aus dem
Mutlaflusse.
GäFäDgidäS. Traehinolus teraioides Guich. bei Dum er 11 Ar-
chives du Museum X. p. 246 von West-Afrika.
MugilidaO. Die Familie Mugilidae hat Günther Catalogue
p. 409 mit besonderer Vorliebe behandelt und viele Arten unter Hin-
zufügung von Holzschnitten beschrieben. Er unterscheidet drei Ge-
nera, indem er die zahnlosen Arten zu Mugil zählt, die mit kleinen
Zähnen am Oberkiefer und abgerundeten Unterkieferrande zu Agono-
stoma Benn., und die mit einer Reihe kleiner Zähne im Oberkiefer
und scharfem ünterkieferrande erbebter zur eigenen Gattung i¥j/a? ms.
Zu Mugil gehören hier 6G Arten, wovon M. dohula von Australien,
nepalensis von Nepal, Kelaartii von Ceylon und Philippinen, robustus
von Madagaskar, affinis von China, octoradiatus von England, pe-
therici aus dem Nil, Bleekeri (M. borbonicus Bleek. non Cuv. Val.),
ceylonensis von Ceylon, hypselopterus aus dem Niger, compressus von
Neu - Süd - Wales, nigrostrigatus , proboscideus von Nicaragua neu.
Agonostoma Benn., wozu Cestraeus, Dajaus und Nestis Cuv. Val. ge-
zogen werden, enthält 9 Arten mit 3 neuen A. microps von Westin-
dien, nasutum von Guatemala und percoides von St. Domingo. Myxus
hat 4 Arten, wovon M. elongatus von Australien und harengus von
Central-Amerika neu.
• Günther erörterte die Britischen Arten der Gattung Mugil,
charakterisirte sie und gab von ihnen charakteristische Holzschnitte
der Köpfe. Er unterscheidet 5 Arten: M. capito Cuv., auratus Bisso,
octoradiatus n. sp. , curtus Yarr. und septentrionalis n. sp. Annais
nat. bist. VIk p. 345.
Atherinidao. Die Atheriniden, welche sich von den Mugili-
den durch die zahlreichen Wirbel sowohl in der Schwanz-, wie in
während des Jahres 1861. S05
der Banchgegend auszeichnen, theilt Günther Catalogue p. 391 .in
zwei Gruppen: 1. Äther in ina mit den Gatt. Atherina Cuv. und
Alherinichthys Bleeker. Unter letzterem Kamen versteht Gü n th e r alle
Arten mit vorspringender Schnauze und nicht his zum Auge reichen-
der Mundspalle. Atherina enthält 23 Arten, unter denen A- mi-
crostoma von Vandiemensland und panciradiata von Nordwest-Austra-
lien neu ; Alherinichthys umfasst 15 Arten, von denen A. alburnus
von der Magellansstrasse und gracilis neu. 2. Tetr a g onur ina mit
der einzigen Gattung Tetragonurus und der einzigen Art.
Pagenstecher beschrieb die Eier von Atherina hepsetus in
Müller's Archiv 1861. p. 631.
TeuthyeS. Die Cuvier'sche Familie Teulhyes hat Günther Cata-
logue p. 313 in zwei Familien zerlegt. Die eine Te u th idi d ae besieht
allein aus der Gattung Amphacanthus Bl. , für welche jedoch der
Gattungsname Teuthis L. eingeführt wird, mit 29 Arten, worunter T.
slriolata von den Neuen Hebriden neu. Dadurch ist freilich die Fa-
milie durch die zwei Stacheln in den Bauchflossen vor allen anderen
charakterisirt. — Die übrigen Gattungen bilden die Familie Acro-
nuridae, nämlich Acanlhurus Bl. mit 44 Arten, wovon bipunctatus
von den Fidschi- Inseln, Tennentii von Ceylon neu, Ac r onur us
n. gen., die schuppenlosen Acanthurus-Arten enthaltend mit 4 Arten,
worunter brevispinis neu, Prionurus Lacep. mit 3 Arten, Naseus Comm.
mit 11 Arten, Keris mit 2 Arten.
Acanthurus fuscus Steindachner Verh. zool.-bot. Ges. in Wien
XI. p. 176. lab. V. flg. 2 von Amboina.
Notacanthini. Die Müller'sche Familie Notacanthini zerspaltet
Günther in zwei Familien: 1. Mastncembelidae mit den Gatt.
Rhynchobdella mit 1 Art und Mastacembelus mit 8 Arten, worunter
M. argus von Siam neu; 2. Notacanthi mit der Gatt. Nolacanthus
mit 5 Arten.
Taenioidei. Die Familie der Bandfische, Taenioidei Cuv., hat
Günther Catalogue p. 300 zerspalten. Eine Familie Trachypte-
ridae wird aus den Gattungen Trachypterus Gouan mit 9 Arten
worunter T. Rüppellii aus dem Mittelmeere neu, Stylophorus mit
1 Art und Regalecus Brunn. (Gymnetrus Bl.) mit 6 Arten zusammen-
gesetzt; die Galtung Lophotes dagegen bildet eine Familie Lo /ja o tida e
für sich. Die Lage der Schwanzflosse, bei den Trachypteriden ab-
weichend von der Richtung des Körpers, bei den Lophotiden in der
Verlängerung des Körpers, scheint die Hauptveranlassung zu dieser
Trennung gewesen zu sein. — Die Gattung Cepola L. wird p. 486
zur eigenen Familie erhoben ; sie enthält hier 7 Arten.
An der Norwegischen Küste wurde bei Björnör ein Trachypte-
rus arcticus von 3 Ellen Länge gefangen. Glogau im Zoologischen
Garten IL p. 181.
206 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
Gobioidei. Die Familie Gobiidae theilt Günther Catalogue
p. 1 in vier Gruppen, nämlich:
1. Gobiina. Bauchflossen verwachsen, zwei gelrennte Rücken-
flossen. Dahin löGattungen: 1. Gobius einschliesslich der Galtungen
Chaelurichthys Rieh., Gobionellus Gir., Oxyurichthys ßleeker, Cteno-
gobius, Acanlhogobius, Rhinogobius, Chaenogobius und Lepidogobius
Gill mit 152 Arten, worunter neu G. nigri von der ISigerexpedition,
frenalus Australien, brevirostris China, macrostoma Australien, spe-
ctabilis Ostindien, Schlegelii Goldküsle, mexicanus Mexiko, transan-
deanus Ecuador, crassilabris Oualan und Aneiteum, platynotus; —
2. Euctenogobius Gill mit lArt; — 3. Latrunculus Günther mit 1 Art;
— 4. Apocryptes C. V. mit 12 Arten ; — 5. Evorthodus Gill mit 1 Art;
— 6. Gobiosoma Girard mit 6 Arien; — 7. Gobiodon Bleeker mit
7 Arten; — 8. Triaenophorichthys Gill mit 2 Arten, worunter T. bar-
batus von China neu; — 9. Benthophilus Eichw. mit 1 Art; — 10.
Sicydium C. V. mit 13 Arten; — 11. Lentipes Günther (Sicyogaster
Gill) mit 1 Art; — 12. Periophthalmus Bloch mit 3 Arten; — 13.
Boleophthalmus C. V. mit 5 Arten, worunter B. sculptus von Indien
neu; — 14. Eleotris mit 49 Arten, worunter E. siamensis von Siam
neu ; — 15. Asteropleryx Rüpp. mit 1 Art.
2. Ambly opino. Eine Rückenflosse, 11.17 Wirbel. Gattung
Amblyopus C. V. mit 8 Arten, worunter A. brachygaster und taenia
beide von Ostindien neu.
3. Trypauchenina. Eine Rückenflosse, 10.24 Wirbel.
Gatt. Trypauchen C. V. mit 2 Arten und Trypauchenichthys Bleeker
mit 1 Art.
4. C allio nymina. Bauchflossen getrennt, zwei Rücken-
flossen. Dahin Callionymus L. mit 22 und Vulsus Günther (Dactylo-
pus Gill) mit 1 Art.
Als Anhang werden Luciogobius Gill und Oxymetopon ßleeker
mit je einer Art abgehandelt.
In einem Anhange stellt Verf. noch folgende neue Arten auf:
Gobius paradoxus Central-Amerika, G. seminudus ebendaher, Eucteno-
gobius sagittula ebendaher , und Eleotris potamophila von Yan-
tse-kiang.
Steindachner äussert sich Wiener Sitzungsber. 42. p. 283
gegen die Definition der Galtung Gobius, wie sie Girard gefasst
und Gill angenommen hat, welche sie auf die Arten mit Cyrloid-
schuppen beschränkten , indem gerade den ctenoiden Arten dieser
Name erhalten werden müsse. Verf. beschreibt dann Gobius Knerii
von Lesina, Gobius ßuviatilis Fall. = sordidus Benn., Gobius littura-
tus Heckel MS., Oplopomus notacanthus = Gobius notacanthus Bleek.
= Gobius gemn)atus Heckel MS. , Gobiopsis macrostomtis = Gobius
tnacrostomus Heckel MS. Alle diese Arten sind abgebildet.
wählend des Jahres 1861. 207
Gobius lateristriga und humeralis Dumeril Archives du Museum X.
p. 247. pl. 21. fig. 1 und 2 von Gabon.
Periophthalmus gabonicus und erytkronemus Dumeril Archives
du Museum X. p. 250. pl. 22. fig. 4 und 5 von Gabon.
Boleophthalmus inornatus Blyth Journ. Asiat. Soc. of Bengal 29.
p. 148 von Tenasserim.
Eleolris bnccata, cavifrons, incerta, scintillans, feliceps Blyth
Journ. Asiat. Soc. 29. p. 145. — E. maculata und vittata Dumeril Ar-
chives du Museum X. p. 248. pl.21. fig. 3 und 4 von Gabon.
In der Gattung Lenibus Gü nth e r Calal. I. p. 505 erkennt Gill
ein Glied der Familie Philypni (vergl. vor. Ber. p. 149), so dass diese
nun aus drei Gattungen bestehen würde. Proc. Philadelphia p. 16.
Amblyopus cirratus Blyth Journ. Asiat. Soc. of Bengal 29.
p.l47.
Die Gattungen Trichonolus Bl. und Hemerocoetes mit je einer
Art bilden bei Günther Catalogue p.484 eine besondere Familie
Trichonotidae.
Die Familie Discoboli zerfällt bei Gün th e r Catalogue p.l54 in
zwei Gruppen : 1. Cy dop t er i na mit zwei Rückenflossen und 12 . 16
Wirbeln. Gatt. Cyclopterus Artedi mit 3 Arten, wovon C. orbis West-
küste von Nord-Amerika neu. 2. L ep aridina. Eine Rückenflosse,
Infraorbitalknochen mit dem Präoperculum verbunden , 12 : 30 W^ir-
bel. Gatt. Liparis mit 8 Arten, wovon L, cyclopus Westküste von
Kord-Amerika neu.
Von ihnen werden p, 489 die Gobiesocidae als besondere Fa-
milie getrennt und in zwei Gruppen gebracht, jenachdem die hintere
Abtheilung der Haftscheibe ohne freien Rand ist, oder nicht. Erstere
Gruppe fasst die Gattungen Chorisochismus Barneville mit 1 Art, Si-
cyases Müll. Trosch. mit 3 Arten, Cottylis JVIüll. Trosch. pt. mit 1 Art
und Gobiesox Lacep. (CotyÜs Müll. Trosch. pt.) mit 7 Arten, wovon
G. macrophthalmus neu. Die zweite Gruppe enthält zwei neue Gat-
tungen D icr ol epi s mit 1 Art, C r epidog ast er mit zwei neuen
Arten, C. tasmaniensis von Vandiemensland und spatula vom Swan
River, und ausserdem die Gattungen Trachelochismus Barneville mit
1 Art, Lepadogaster mit 4 Arten, indem zahlreiche ältere Arten zu-
sammengezogen werden und Leptopterygius Trosch. mit 1 Art.
Die genannten beiden neuen Gattungen besitzen nur drei Kie-
men, während die drei anderen der zweiten Gruppe SYsj Kiemen ha-
ben, D ip locrepi s hat in beiden Kiefern schneidende, C r e p id o~
gast er kleine sammelartige Zähne.
Des Referenten Leptopterygius Coccoi ist identisch mit Le-
padogaster piger Nardo, weshalb ihn Günther t^. blb Leptopterygius
piger nennt. — Steindachner möchte diese Gattung durch Auf-
nahme von Lepadogaster Gouani, Willdenowii und balbis erweitern.
208 Troschel: Bericht üb, d. Leist. in d. Ichthyologie
und nur in die Vereinigung der Dorsale und Anale mit der Caudale
den Gatlungscharakter setzen. Verh. d. zool. - bot. Ges. in Wien XI.
p. 139. — Filippo de Filippi dagegen ist geneigt den Fisch für
identisch mit Gouania prototypus Nardo zu halten, und Gouania Nardo,
Rupisuga Swains. und Leptopterygius für synonym zu setzen. Archivio
per la zoologia I. p. 73. — Referent für seinen Theil niuss an der
Selbstständigkeit der Gattung festhalten; gegen die Identität mit L.
piger ISardo wird nichts einzuwenden sein, obgleich der Name auf
unseren Fisch passt wie die Faust auf's Auge, indem es keinen flin-
keren und eifrigeren Fisch giebt als ihn.
In Anlass von Professor Kroyer's Kritik seiner Bemerkungen
über Liparis lineatus schrieb Lütken in Videnskabelige Meddelelser
nat. Foren, i Kjöbenhavn p. 243 — 266 über diesen Fisch, bildete den-
selben auch tab. 7. fig. 1 ab.
Oxuderces dentatus Valenc. bildet bei Günther allein eine
Familie üxudercidae.
Ein neuer Fisch P s y c hr olut es paradoxus von Vancouver-
Inseln bildet bei Günther p. 516 nicht nur eine neue Gattung, son-
dern auch eine neue Familie. Seine Charaktere sind: Körper ziemlich
langstreckig, nackt, Kopf gross; Zähne klein; eine einzige Rücken-
flosse auf dem Schwänze, ohne stachligen Theil; Afterflosse ähnlich
entwickelt; Ventralen dicht beisammen, thoracisch , aus wenigen
Strahlen bestehend; 3V2 Kiemen; Pseudobranchien wohl entwickelt;
Kiemenöffnung massig weit, Kiemenhäute am Isthmus befestigt. — ]\lit
den Blenniiden stimmt er in der Struktur der Bauchflossen überein,
weicht aber durch die I^age derselben und durch den Mangel der
stachligen Rückenflosse ab. Von den Discoboli enifernt er sich durch
Rücken- und Afterflossen ; von den Gobiesoces durch den Mangel des
Haftapparates; von den Pediculati durch die Flossen und den Kie-
menapparat. Am nächsten scheinen sie doch den Gobiesoces zu ste-
hen, für die bei einer Vereinigung freilich der Haftapparat nicht mehr
nothwendiges Attribut wäre. Günther lässt sie ja auch unmittelbar
auf dieselben folgen.
Blennioidei. Die Familie der Blenniidae enthält bei Günther
Catalogue p. 207 im Ganzen 31 Galtungen, die er in folgende Ue-
bersicht bringt: A. Bauchflossen jugular. 1. Mahlzähne Gatt. Anarrhi-
chas Art. 2 Arten, Anarrhichthys Ayres 1 Art. — 2. Keine Mahlzähne,
Schwanzflosse deutlich. a. Der dornige und der weiche Theil der
Rückenflosse von fast gleicher Ausdehnung. Gatt. Blennius Art. 38
Arten mit 5 neuen B. sinensis China, emarginatus, bißltim, aequi-
pinnis West-Afrika, brevipinnis Sandwichinseln, Chasmodes 3 Arten,
Petroskirtes Rüpp. 26 Arten, wovon neu P. dispar China, Salarias
Cuv. 50 Arten, wovon neu S. sexßlum, nitidus China, aequipinnis
Amboina, fronto Molukken, bellus China, Blennophis Valenc. 1 Art,
während des Jahres 1861. 209
Neoclinus Girard 2 Arten, Cebidichthys Ayres 1 Art. b. Röckenflosse
hauptsächlich aus Dornen bestehend mit wenigen Sirahlen. Gatt. Myxo-
des Cuv. 2 Arten, Heterostichus Girard 1 Art, Clinus 22 Arten, neu
C. maci'ocephalus Central - Amerika, 7iematopterus China, Cristiceps
5 Arten, wovon neu C. nasnfns Neu- Süd-Wales und roseus Austra-
lien, Tripterygium Risso 8 Arten, T. medium von IVeu-Seeland neu,
Dictyosoma Schi. 1 Art. c. Rückenflosse nur aus Dornen bestehend.
Auchenopterus n. gen. mit zwei getrennten Uückenflossen, 2 Ar-
ten, nämlich Clinus Veranyi Filippi und eine neue Art A. monophthal-
mus Central - Amerika , Dactyloscopus Gill 1 Art, Myxodagnus Gill
(p. 563) 1 Ar(, Gunnellichthys Bleeker 1 Art, Stichaeus Kroyer 9 Ar-
ten, Blenniops Kilss. 1 Art, Centronotus Bloch 7 Arten, Anoplarchus
Gill die Art C. crislagalli von Vancouver Insel neu , Apodichthys
Giraid 1 Art, Xiphidion Girard 1 Art, Crypfacanthodes Storer 1 Art,
Pataecus Richards. 2 Arten, wovon P. niaculatus von IVord-Australien
neu, Pholidichlhys Bleeker 1 Art. d. h'eine deutliche Dornen in den
senkrechten Flossen. Gatt. Andamia Blytb 1 Art, Genypterus Philippi
1 Art. — 3. Keine Mahlzähne, keine Schwanzflosse. Gatt. Zoarces Cuv.
2 Arten, Nemophis Kaup 1 Art. — B. Bauchflossen thoracisch. Gatt.
Pseudoblennius Sohl. 1 Art.
Aus der Gattung Acanthoclinus Jenyns bildet Günther Cala-
logue p. 297 eine eigene F-amiWeAc an t h oclinidae deren Charak-
ter hauptsächlich in die lange Anale gesetzt wird, in der die Zahl
der Dornen die der Strahlen übertrifft; die Ventralen sind jugular und
bestehen aus wenigen Strahlen.'
Ebenso bildet ib. p. 299 die Gattung Comephorus eine beson-
dere Familie C omep h or i d a e.
In einer Abhandlung ,,J. ßlennini, Anarrhichadini e Callioni-
mini del (lolfo di Genova", welche im Archivio per la /oologia IL
p. 83 erschien, erörtert Canestrini 8 Arten der Gattung Blennius,
1 Clinus, 1 Tripterygion und 3 Arten Callionymus durch Diagnose,
Beschreibung und Abbildung.
Kneeland glaubt, da^s die Blennioidcn, und namentlich die
Gattung Pholis, weil sie lange ausser Wasser trotz ihrer weiten Kie-
men*pallen leben können , verniiUelst ihrer nackten Haut der Respi-
ration genügen können. Agassiz äussert mit Recht Bedenken gegen
diese Vermuthung. Proc. Boston VIII. p. 103.
Salarias epalzeocheilos und Schullzci Bleeker Katuurk. Tijdschr.
Nederl. Indie 19. p. 344 von Java.
Eine neue Galtung der Blennioiden Anoplarchus beschreibt
Gill Proc. Philadelphia p. 261. Die Hauptcharaktere sind: keine
Seilenlinie, kleine Augen, Zähne einreihig in den Kiefern, Gaumen
zahnlos, 5 Kiemenhautslrahlea, Rückenflosse ganz stachlig, Afterflosse
Arohiv f. Naturg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd. 0
810 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
ohne Stacheln, ßauchflossen verkümmert. A. purpurescens von Wa-
shington Territory.
FediCülati. Günther rechnet zur Familie Pediculnli 8 Gal-
lungen : Lophius Arledi mit 3 Arten ; Brachionichthus BleeUcr mit
2 Arten; Saccarius n. gen. Kopf comprimirt, drei Rückendornen,
deren zwei vordere durch eine Haut verbunden sind, S. lineatus von
Neu-Seelan<! ; Antennarius Comm. mit 29 Arten; Chaunax Lowe mit
1 Art, Mallhe Cuv. mit 2 Arten; Halieulaea Cuv. mit ] Art; Ceratias
Kroyer mit 1 Art.
Günther beschrieb Annais nat. bist. VII. p. 190 den Jugend-
zustand des Lophius piscatorius nach einem Exemplare des Frankfur-
ter Museums, das von Rüppell in iMessina gesammelt wurde. Er
hält den L. eurypterus Düben und Koren ebenfalls für einen jungen
L. piscotorius. Beide sind abgebildet.
Ueber drei kleine Chironectes, die wohl Ch. pictus angehören
und die im Meerbusen von Genua gefunden waren, schrieb Ramo-
rino im Archivio per la zoologia I. p. 249.
Die Familie Batrachidae wird bei Günther Catalogue aus drei
Gattungen zusammengesetzt: Batrachns mit 3 Rückendornen enthält
9 Arten, wovon B. pacifici von Panama neu; Thal ass ophryne
Günther n. g. mit 2 Rückendornen, ohne Hundszähne, TA. maculosa von
Puerto Cabello ; Porichthys Girard mit 2 Rückendornen und mit Hunds-
zähnen am Vomer, 2 Arten.
FistalaridaG. Die Gattungen Fistularia und Aulostoma je mit
2 Arten bilden bei Günther 1. c. p. 529 eine eigene Familie.
Die Familie Centriscidae besteht bei Günther 1. c. p. 518 aus
den Gallungen Centriscus mit 4 Arten und Aniphisile mit 3 Arten. —
Kner's Amphisile punctata, die er in diesem Archive p. 57 als
identisch mit A. brevispina Pet. erkannte, bezieht Verf. auf A. pun-
ctulata Bianconi.
Gill stellte Proc. Philadelphia p. 169 eine neue Gattung der
Aulastomoidenfamilie unter dem Namen Aul orhynchus auf, bei
der die Ventralen dicht hinter der Insertion der Brustflossen ange-
fügt sind. A. flavidus. Nachdem Centriscus und Amphisile ausge-
schieden sind, nimmt Verf. noch vier Subfamilien an : Siphonognathinae,
Aulostominae, Aulorhynchinae und Siphonostominae.
Auacanthini.
Ophidini. Die Notiz über Oxybeles gracilis von Do lese hall
Katuurk. Tijdschr. Ned. Indie XV. p. 163, welche in unserem Archiv
1860. p. 319 in der Uebersetzung mitgetheilt war, ist auch ins Eng-
lische übersetzt. Annais nat. bist. VII. p. 840.
Semper beschreibt einen Fierasfer, der in Holothurien lebend
während des Jahres 1861. 211
bei Zamhuanga gefunden wurde. Er lebt in der Leibeshöhle, nur
einmal steckte ein junges Exemplar in dem rechten Kiemenstanim.
Zeitschr. für wiss. Zoologie XI. p. 104.
Plenronectae. Coste schildert die Lebensweise der Pleurone-
ctcn in der GelangeuschRft, und entpfie!.lt sie zu schonen, während sie
jetzt in früher Jugend zu Millionen zerstört werden. Comptes rendus
27. Mai; Revue et mag. de zool. p. 224.
Canestrini bearbeitete die Schollen des Golfes von Genua
(I Pleuronettidi del Golfo di Genova) im Archivio per la zoologia,
l'anatomia e la fisiologia Vol. L Genova 186J. p. 1 — 45. Danach
kommen dort vor 1 Platessa, 5 Pleuronec^.es, 4 Rhoohus, 7 Solea,
1 Plagusia, die alle unterschieden, beschrieben und abgebildet sind.
Keu darunter ist nur Pleiironectes conspersus. — Nachträglich bildete
derselbe Solea oculata Risso ib. IL p. 117. tab. 8 nach frischen Exem-
plaren ab.
Steindachner sagt, die Gattung Rhomboidichlhys Bleeker
sei identisch mit Bothus Bonap. ; Bleekers Rh. myriaster sei aber
verschieden von Rhombus myriaster Temm. Schi, und wird daher
Bothiis Blcekeri genannt. Verb. zool. -bot. Ges. in Wien XI. p. 178.
PharyngognatM.
LabrOidei. Günther schlägt Annais nat. bist. VIIL p. 382
eine neue Eintheilung der Labroiden vor. Er bringt die 40 Gattun-
gen in 6 Gruppen, indem er der Zahl der Flossenstrahlen einen er-
höhten Werth beilegt.
1. Lahrina. Rückenflosse vielstrahlig, mel r als 20 Strahlen,
von denen mindestens 14 Stacheln. Alle Zähne der Kiefern konisch,
kein hinterer Hundszahn, a. Drei Afterdorneu. Galt. Labrus, Lachno-
laimus, Tautoga, Malapterus, Ctenolabrus. b. Mehr als drei Afterdor-
nen. Gatt. Acantholabrus, Centrolabrus.
2. Hypsigenina. Rückenflosse mit 20 Strahlen, von denen
14 Stacheln. Die Seitenzähne sind mehr oder weniger in einer
stumpfen Knochenleiste verschmolzen, während die vorderen konischen
frei beiben. Gatt. Hypsigenys.
3. Julidina. Rückenflosse mit weniger als 14 Stacheln.
Vordere Zähne frei, konisch, nur in Anampses comprimirt, die seit-
lichen zuweilen zu einer Leiste verschmolzen; Zähne des unteren
Schlundknochens nicht verschmolzen oder pflasterartig, a. 11 oder
12 Rückcnstacheln, Seitenlinie nicht unterbrochen, Wangen und Deckel
schuppig. Gatt. Xiphochilus, Semicossyphus, Decodon, Pteragogus,
Cossyphus, Clepticus. b. 9 Rückcnstacheln, Seitenlinie nicht unter-
brochen, Wangen und Deckel schuppig, Gatt. Duymaeria, Labrichthys,
Labroides. c. 9 — 11 Rückenstacheln, Seitenlinie unterbrochen, Wan-
212 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
gen und Deckel schuppig. Gatt. Cirihilabrus, Doratonotus, Cheilinus,
Epibulus. d. 8 oder 9 Rückenstacheln, Kopf ganz nackt oder mit
wenigen sehr kleinen Schuppen an den Wangen oder am üeckel.
Gatt. Anampses, Hemigynmus , Stethojulis , Halichoeres, Novaculü,
Julis, Gomphosus, Cheilio, Coris, Cymolutes.
4. F seu d od acina. Jeder Kiefer mit zwei Paar breiten
Schneidezähnen und mit einem schneidenden Seitenrande; Zähne des
untern Schlundknochens verschmolzen, pflasterartig. Gatt. Pseudodax.
5. Sc ar ina. Die Zähne in beiden Kiefern innig verschmol-
zen zu einem breiten convexen schneidenden Blatte und zuweilen
ganz undeutlich; Schlundzähne pflasterartig; Schuppen ziemlich gross;
8 — 10 Rückenstacheln. Gatt. Scarus, Scarichthys, Callyodon, Callyo-
dontichthjs, Pseudoscarus.
6. 0 dac ina. Der Rand jedes Kiefers ist scharf, schneidend,
vorn ohne deutliche Zähne; Schlundzähne pflasterartig; Schuppen klein
oder ziemlich klein; zahlreiche, biegsame Rückenstacheln. Gatt.
Odax, Olistherops und Siphognalhus.
Auch ßleeker giebt einen Conspectiis der Gattungen
der Labroiden Proc. zool. soc. p. 408. Indem hauptsäch-
lich die Günther'sche Abtheilung Julidina weiter zerfällt
wird, bringt Verf. die Familie in 10 Gruppen, bei deren
Charakteren die Körpergeslalt, die ßeschuppung, das Ge-
biss, die Schlundknochen und die Flossenstacheln be-
nutzt sind.
Diese Gruppen sind: 1. C heil ini forme s = Julidina Günth.
e. p. Gatt. Cheilinus, Pseudocheilinus, Epibulus, Cirrhilabrus, Duy-
maeria. 2. F s eud odacifo imes = Pseudodacinn G. Galt. Pseudo-
dax. 3. Ch e ilioni for mes = Julidina G. e. p. Galt, Cheilio. 4.
F s eu d olabr i fo rmes = Julidina G. c. p. Gatt. Gomphosus, Julis,
Hologymnosus, Pseudocoris, Coris, Anampses, Hemicoris, Platyglossus,
Halichoeres, PseudoJulis, Leplojulis, Macropharyngodon, Stethojulis,
Güntheria, Hemitautoga, Ophlhalmolepis, Hcmigymnus, Pseudolabrus,
Doratonotus, IVovaculichlhys , Cymolutes. 5. Novaculaeformes
= Julidina G. e. p. Gatt. IVovacula, Xyrichthys, Ilemipteronotus. 6.
L abrich thyifor me s = Julidina G. e. p. (»att. Labrichlhys, La-
broides, Diproctacanlhus. 7. C o s s y p lii fo r me s = Julidina G. e. p.
-f- Hypsigenina G. Galt. Xiphocheilus , Semicossyphus, Trochocopus,
Decodon, Pteragogus, Cossyphus, Chaerops. 8. Lahr i for mes =
Labrina G. Gatt. Acanlholabrus, Centrolabrus, Lachnolaimiis, Cteno-
labrus, Labrus, Crenilabrus, Coricus, Tautoga, Malapterus. 9. Orfaci-
formcs = Odacina G. Gatt. Odax, Coridodax, Olislhops. 10. C l e-
pticiformes = Julidina G. e. p. Gatt. Clepticus. In Betreff der
während des Jahres 1861. 213
Charaktere der Gruppen wie der Gattungen müssen wir auf die übri-
gens leicht zugängliche Abhandlung selbst verweisen.
Bleeker reclamirte die von Guichenot 1860 aufgestellte
Gattung Labraslrum (vergl. vor. Ber. p. 151) als identisch mit seiner
Gattung Duymaeria. Verslagen Akad. Amsterdam XII. p. 81.
Kach Steindachner müssen die Galtungen IVovacula und Xy-
rirhthys zusammenfallen, und dürfen höchstens zwei Subgenera bilden,
indem das erstere mehrreihige, das letztere einreihige Infraocular-
schuppen besitzt. Verhandl. zool.-bot. Ges. in Wien XI. p. 133.
Daselbst wird Xyrichthrjs argentimaculata n. sp. vom Cap, so
wie X. (Novacula) Arago (Labius Arago Q. G.) von Java beschrieben,
letztere auch abgebildet.
Unter dem Titel: „Jets over de geslachten der Scaroiden en
hunnen indisch-archipelagische soorten" gab ßleeker im 12. Bande
der Verslagen koninkl. Akad. Amsterdam p. 228 eine Uebersicht der
Gattungen, in welche er die Gattung Scarus zerfällt: I. Squaniae
suborbitales uniserialae, laniina masticatoria pharyngeaiis inferior latior
quam longa, nares anterioies cirratae. A. Labium superiu.«j ubique
duplex, a. Dentes maxillis adnalae aggregatae, spinae dorsales pun-
gentes, Gatt. Scarus Forsk. ßlkr. b. Dentes inframaxillares maxillis
adnatae in series obliquas dispositac, spinae dorsales flexiles non
pungentes, pinna dorsalis basi alepidota, Gatt. Scarichtkys Blkr.
B. Labium superius postice tantum duplex, pinna dorsalis basi squa-
mosa. a. Dentes maxillis anteriores distinctae oblougae imbricatae,
Gatt. Callyodon Gron. Cuv. b. Dentes inframaxillares adnatae in
series obliquas dispositae, spinae dorsales crassae pungentes, Gatt.
Callyodonlich thy s. II. Squamae suborbitales bi- ad quadrise-
riatae, lamina masticatoria pharyngeaiis inferior longior quam lata,
Gatt. Ps ewf/o sc «r WS Blkr. — Von dieser letzteren Gattung werden
allein 41 archipelagische Arten in synoptischer Uebersicht charakteri-
sirt, worunter neu : Ps. rhoduropterus von Celebes, octodon voiä
Buton, Forsteni von Celebes, pentagotia von Celebes, Schlegelii von
Celebes ; — von Callyodon 5 Arten, unter denen C\ brachysoma von
Amboina und Ternate neu.
HolCOnoti. A. Agassiz hat während seines Aufenthaltes in
Californien fast alle Arten Holconoti im frischen Zustande gesehen,
und versucht die Synonymie festzustellen. Die 30 Species in 14
Gattungen reducirt er zu 15 Species in 9 Gattungen. Namentlich
werden die Gattungen Cymatogaster Gibbons, Abeona Girard, Pachy-
labrus Gibbons, Mytilophagus Gibbons, Ennichthys Girard eingezogen
und mit anderen vereinigt. Proc. Boston VIII. p. 122. Einem mir
gütigst vom Verf. übersandten Separatabdrucke ist eine Photographie
von Micrometrus aggregatus beigefügt.
PomaCBIltridae. Dascyllus marginatus Ehrbg. ist nach Stein«
2l4 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
dachner Verh. zool.-bot. Ges. in Wien XI. p. 77 nur der Jugend-
zusland von 1). xanthosoma Bleeiiei'.
S t e i n d a c li n er stellt die Unterschiede zwischen Amphiprion
percnla C. V. und A. polyirinus Bl. Sehn, fest, die Bleeker verei-
nigen zu r))üssen glaubte. Verh. zool.-bot. Ges. in Wien XI. p. 78.
Glypliisodoii xanlhonolus Bleeker ISatuurk. Tijdschr. Nederl.
Indielb. p. 357 von Bawean. — G. leucozona Bleeker ib. 19. p. 338
von Java.
Chromides. An Chromidcn sieht A. Diirncril Ariliives du
Äln.'-.euni X. p. 2öl folgende Arten für neu an : Tilapia melanopleura
pl. 22. fig. 1, pleuromclas, lateralis, Heudclotii, affinis und macro"
ceiilra säMimtlich aus dem Senegal, nifjripinnis pl. 22. fig. 2 von Ga-
bon, phurocenlra und RatnjH von Gorea; — Ckromichtkys elo7igaius
pl. 22. flg. 3 Guich. von Gabon.
Physostomi.
Siluroidei. Aus der Familie der Siluroiden finden sich bei
Blyth Jüurn. Asiat. Soc. of Bengal 29. p. 148 folgende neue Arten
und Gattungen aus dem Sitangflusse ; Bagrus leucophasis. — Bata-
sio n. g. kleine Fische mit runder, vorspringender Schnauze, Mund
unterhalb; acht oder sechs kurze Bartfaden; Gaunienzähne mit den
hiefeizahnen vereinigt, oder nur durch eine schmale Furche ge-
lrennt; sonst wie Bagrus. Dahin ausser anderen eine neue Art B.
affmis. — llara n. g. Mit breiten weichen, geringelten Maxillar-
fäden, Bauchiiossendorn kurz, flach und beiderseits gezähnell ; Rücken-
doin weniger dick, beiderseits oder nur hinten gezähnt, Mund klein,
an» Ende, unten geölfnet, Kopf platt mit kleinen Augen; eine Binde
hechelarliger Gaumenzahne. Dahin Pin)elodus hara als llara Bvcha-
nani, H. filamenlosa n. sp. und einige andere. — Ainblyceps lemii-
spinis, — Die Gattung Glyptosteruon theilt Verf. in vier Genera,
nauilich ]) Gly plost erno7i ohne Dornen, die ersten Strahlen der
Brust- und Bauchflossen weich und gefiedert mit spitzen hnorpel-
strahlen längs dem vorderen Rande; die Unterseite des Koptes und
des vorderen Knorpeltheiles bildet eine flache runzelige Fläche.
Dahin Gl. reticulatus McCI. 2) Ps eudechene is mit einer ovalen
Scheibe von (Juerplatlen an der Brust und eine Reihe ähnlicher
Platten an der breiten Fläche des ersten Bauchflossenstrahls, Fettflosse
deutlich; dahin Gl. sulcalus McGI. 3) Glyptolhorax. Mund sub-
terminal, gross mit hecheiförmigen Kieferzähnen oben und unten,
Kiemenspaltcn gross, fast zusammenslossend, dahinter eine längsge-
furchte Haftscheibe; Kieferfäden ziemlich gross, die anderen sechs
Fäden massig; Fettflosse deutlich ; Rückendorn wohl entwickelt, glatt,
gegen die Spitze schwach gezähnt, Bruststacuel breit und flach, hin-
während des Jahres 186L 215
ten stark gezähnt. Dahin Gl. striatus und pectinopterus McCl. und
eine neue Art Gl. Irilineaius von Tenasserini. 4) Exos t oma, wie
vorige Gattung aber ohne Brustscheibe, Rückendorn sehr dünn und
die Augen etwas grösser: die umgeschlagenen Lippen hilden eine
breite flache Saugscheibe; zwei deutliche Haufen kleiner hechelar-
tiger Zähne oben und unten; nur ein Paar unterer Bartfäden; After-»
flösse klein , Feltflosse lang, fast zur Schwanzflosse reichend. JE.
Berdmovei von Tenasserim und Gl. labiatus McCl. — Eulropius ma^
crophlhalmos. — Silnrichthys Berdmorei. — Pseudosilurus macro-
phlhalmos.
Pterocryptis Peters n. gen. Berliner Monatsberichte p. 712
unterscheidet sich von Cryptopterus durch die Verwachsung der Anal-
flosse mit der Schwanzflosse. Pt. gangetica aus dem Ganges.
Hexanemalichthys leptocassis Bieeker Verslagen Akad. Amster-
dam XII. p. 65 von Pinang.
JNachdem Gill in Proc. Boston soc. VIII, p. 43 drei neue Arten
aus der Welsgruppe Pimelodinae beschrieben: Jclalurus Simpsonii
aus Kansas, Amiurus obesus aus INebraska und Nohtrus occidenlalis
aus dem Platte-River — giebt derselbe ib. p. 46 eine Synopsis der
Genera der Pimelodinae. Diese ünterfamilie wird vom Verf. in vier
Gruppen getheilt: 1. Pimelo di. Nur Oberkieferfäden und zwei
Paar ünterkieferfäden vorhanden, Afterflosse kurz, etwas hinter dem
After beginnend. Gatt. Pimelodus Lacep. Gill, Rhamdia Bleeker,
Pseudopimelodus Bleek., Zungaro Bleek. 2. Ictaluri. Oberkiefer-
fäden, Kasalfäden und zwei Paar Unterkieferfaden vorhanden, After-
flosse länger als hoch, nahe dem After beginnend. Gatt. Ictalurus
Raf. Gill, Amiurus Raf. Gill, ISoturus Raf. , Hopladelus Raf. Gill,
Olyra AicClell., Branchiosteus Gill auf Olyra laticeps McClell. 3.
Aky st es. Kopf mit Haut bedeckt, INaslöcher entfernt, die hinteren mit
Fäden, die vorderen röhrig; Körperhaut warzig; Zähne vielreihig,
klein und spitz, in einer einzigen oder zweitheiligen Binde in den
Kiefern; Bauchflossen 1.5, keine Schwimmblase; Afterflosse massig.
Gatt. Acrochordonichlhys Bleek. und Akysis Bleek. 4. Glyptosterni-
Kopf von der Haut bedeckt; Kaslöcher bei einander und erweitert,
weder röhrig noch klappenartig; Zahne klein, spitz und mehrreihig
in einer einzigen oder quergetheilten Binde in jedem Kiefer; Kie-
menspalten hinten, bis zur Spitze des Operculums reichend, Kiemen-
strahlenhaut sehr tief ausgerandet; 8 oder 9 Kiemenstrahlen ; Körper-
haut glatt ct. Galt. Glyptosternon McClell. — Angeschlossen ist die
Subfamilie Heptap ler inae mit der Gatt. Heplapterus.
Die Hyrtl'sche Abhandlung über die Anatomie des Ciarotes
Gonocephalus) Heuglini Kner ist in W^ieuer Denkschriften XVI. 1859.
p. 1 — 18 und Taf. I erschienen. Die Abhandlung bezieht sich haupt-
sächlich auf die Osteologie, die Innern Organe sind kurz behandelt
216 Troschcl: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
Den Schliiss bildet eine osteologische Tabelle der Siluroideii, in der
die Zahlen der Wirbel- und Flossenstralilcn von 30 Arien angegeben
sind. Vcrgl. den Bericht über 1857. p. 86.
Bekanntlich sollen aus dem Borge Imbabura in Ecuador kleine
Fische, der Cyclopenwels, mit Schlammeruptionen ausgeworfen sein,
weshalb man annahm, er lebe im Vulkan. Schmarda versichert
nun, Reise III. p. 263, diese Fiscl)e, deren indianischer Name Imba
ist, und den die Spanier Prenadilla nennen, leben weder im Vulkan
noch im heissen Wasser, sondern kommen in den benachbarten Flüs-
sen und Bächen, so wie im See von San Pablo zahlreich vor.
Gyprinoidei. Gill will dieKarplenfamilie nicht mehr als eine
Familie, sondern vielmehr als eine Unterordnung Eventognalhi vel
Cypiini ansehen, die er dann in vier Familien theilt: Homalopte-
r Ol d a e f Cobitoidae, C y pr i no i d a e und Calastonioidae,
sämnjilich Gruppen, die schon Bleeker unterschieden halte, wenn
auch nur als Sublamilien. Die Cobitoiden weiden in zwei Subfanji-
lien gelheilt, Cobilinac mit der UücUenflosse über den Bauchdossen,
Acanthophthalminae mit der Rückenflosse zwischen Bauch- und After-
flosse, nie Catastomoidae zcifallen in drei Subfamilien, Catastominae
mit kurzer Rückenflosse, Ci/c^ep^inae mit langer- Rückenflosse, die zwi-
schen Brust- und Bauchflossen beginnt und Bubalichthyinae mit langer
Rückenflosse, die über den Baucliflossen beginnt. I'roc. Philad. p. 6.
Bruch hat in der Würzburger nalurwiss. Zeilschrift II. p. 80
auf auffallende Verschiedenheiten in den ersten Wirbeln der Cypri-
noiden aufmerksam gemacht, die sich als gute Gattungsmerkujale ver-
werlhen zu lassen scheinen. Er hat die Gattungen Cyprinus, Barbus,
Leuciscns, Chondrosloma, Abramis, Tinea hierauf untersucht, und sie
generisch verschieden gefunden. W^eitere Untersuchungen und na-
mentlich die Entscheidung, ob auch die zahlreichen neueren Galtun-
gen, die hauptsächlich auf den Schlundzähnen begründet sind, in
diesem Punkte generis<he Abweichungen zeigen, sind gewiss wün-
schenswerth.
Auf einer längeren Reise durch Persien hat Graf Eugen Key-
serling mit anerkennungswerther Sorgfalt, weil er leider aus .Man-
gel an Spiritus nicht sammeln konnte, die ihm vorkommenden Fische
gezeichnet und die neuen Arten in einer besonderen kleinen Schrift:
„ISeue Cyprinoiden aus Persien. Berlin 1861. 27 S. mit 9 Tafeln'' ver-
öTenllicht.
Die neuen Arten sind : Barbus microlepis, Scaphiodon chebi-
siensis, roslratus, gracilis, heratensis^ Asmussü, Albuifins maciilalus^
Bungia n. g. niyrescens, Squalius latus. — Die Gatlungs-Diagnose
der neuen Gattung Bungia lautet: Denies contusorii 5 — 5 laeves;
OS anlicum, labia teretia, mollia; cirrhi duo; pinna dorsalis et analis
breves, illa ante pinnas ventrales incipiens; praeoperculum ante oc-
während des Jahres 1861. 217
ciput: radius osseds nullus, tractus intestinalis 1 long. corp. — Den
Schluss der Schrift bildet eine synoptische Tabelle für die Arten- der
Gattung Scaphiodon, in welcher IG Arten unterschieden werden.
Unter den von Blyth Journ. Asiat. Soc. 29. p. 157 aufgezähl-
ten 20 Cypriuoiden von Tenasserim sind folgende als neu beschrie-
ben: Barbvs caudiniarginatus, Systomns macularius und unimacula-
tus, Plalycara nolata, Dangila Berdmorei, Ntiria alla und albolineata,
Perilampus fukescens und affmis, Mola n. gen. gegründet auf Cypri-
nus mola Buch. (Der Gattungsname Mola wurde schon von He ekel
für diesen Fisch angewendet, aber von B lecker in Amblypharyn-
godon umgeändert.) M. Atkinsonii und einige andere Arten.
Auf einige Bemerkungen über gewisse Cyprinoid - Fische in
Fennsylvanien von Cope Froc. Philadelphia kann nur im Allgemei-
nen hingcvviesen werden, da sie nicht wohl eines Auszuges fähig sind.
Balifora pusilla Valenciennes Bevue et mag. de zool. p. lo2.
Oreinus Hodgsonii und zwei andere noch unbenannle Arten,
so wie Rohita macrolepidota sind neue Arten von Günther von
IVepal. Proc. zool. soc p.224.
Tigoma squamata Gill Proc. Boston Soc. YIII. p. 42 aus dem
Salz-See Bassin.
Abbott beschreibt den Cypriniis corporalis Mitch. und weist
ihn der Galtung Semotilus zu. Proc Philadelphia p. 154.
Alburnus niaciilatus Kessler hat nach J ei ttel e s constaut rechts
^/j, links ^/g Schlundzähne, weshalb er ihn als eigene Gattung an-
sieht, der er den Nameu Alburnoi des beilegt. Verh. zool. -bot.
Gesellsch. in Wien XI. p. 325. (Der INanie ist schon einmal von G i-
rard verwendet gewesen.)
Blyth sieht Journal Asiat. Soc. 29. p. 164 die alte Gattung
Cobitis als eine gute eigene Familie an, in derer folgende acht Gat-
tungen anerkennt: 1) Botia Gray mit zwei neuen Arten B. nebulosa
und histrionica. 2) Syrier ossus n. g. wie vorige, aber mehr com-
primirt, die spitze Schnauze endet in ein flaches Filament, das sich
in vier Fäden verzweigt , nur zwei Girren am Unterkiefer, Augen
hoch aber seitlich, Naslöcher millen zwischen Schnauze und Augen,
ein gabiiger Dorn vor dem Auge, dessen zweite Zinke mehr ent-
wickelt ist S. Berdmorei. o) Pr o stheacan th\i s n. g. Sehr lang-
slreckig, Kopf verlängert, zusammengedrückt mit kleinen sehr hoch
aber seitlich liegenden Augen, ein gabiiger Stachel zwischen Auge
und Schnauze, dessen hintere Zinke länger ; zwei kleine Fäden oben
und unten ein breiter Zipfel , welcher sich in vier rudimentäre Fä-
den theilt. Dorsale mitten zwischen Schnauzen- und Schwanzspitze,
beginnt vor den Bauchflossen. Pr. spectabilis Tenasserim. 4) Acati'
thopsis A^. mit zwei neuen Arten A. Berdmorei und micropogou'
5) Fangio n. g. (Acanthophthalmus Hass. Blkr. hat doch wohl die
218 Tr ose hei: Beriebt üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
Prioiifät!), langstreckig, dünn, Dorsale weit hinten, näher der
Schwanzflosse als dem Kopfe; Kopf kurz, zwischen den Augen stark
coinprimirt, an jedem Nasloche ein kurzer Faden, ausserdem sechs
Labialfäden ; die vordere Zinke des Aiigendorns deutlich länger.
Dahin Cobitis pangio Buch., C. cinnamomea McCI. 6) Ajjua n. g.
ähnlich der vorigen, aber die Dorsale noch weiter hinten, auf ^^ der
Länge, und ganz ohne Dauchflossen ; Kopf und Flossen kleiner. A.
fusca. 7) Cobitis L. mit vier neuen Arien C. rubidipinnis, semi-
ionala, zonalternans und cincticauda, 8) Homaloplera K. v. H. mit
einer neuen Art//, bilineata. Alle neuen Allen sind aus Tenasseiim.
Eine neue Gattung A c an th o cobitis Peters Berliner iMonats-
berichte p. 712 mit sehr langer Rückenflosse über den Bauchflossen,
6 Bartfäden, ohne gabelförmigen lofraorbitaistachel. A, longipinnis
(? Cobitis pavonacea iMcCI.) aus dem Ganges.
GypriQOdOnteS. Indem Gl 11 eine neue \vi Anableps Dowei von
Panama beschieibl, berichtigt er zugleich die Synonymic der übrigen
drei Arien. Proc. Philadelphia p. 4. — Eine Bemerkung über das
Vorkommen dieser neuen Art von Le Conte lindet sich ib. p.21.
Poecilia anomalota von Madagaskar, spilanchcna von Gabon und
spilargyreia von iMandingues sind A. Dumeril'sche Arien. Archives
du Museum X. p. 257. Die beiden ersteren sind abgebildet.
Lebist es n. gen. Filippo de Filippi Archiv io per la
zoologia I. p. 69. Dentes supra et subtus in serie externa maiuscuiis,
compressi, incurvi, in serie interna rari dislanles, minimi, conici ;
pinnae ventrales anali valde approximatae, radio secundo longiore,
in feminis protracto, ungulifero ; pinna analis radiis secundo et tcrtio
in utroquc sexu valde incrassatis et elongatis. L. poeciÜoides von
Barbados.
ChdräCini. Kner beschreibt eigenthümliche Kiemenanhänge
bei den Characinen-Gattungen Microdus und Gurimatus (Anodus), die
er jedoch nicht für accessorische Athmungsorgane hält, durch die er
vielmehr an den Zottenbesatz der Schleimhaut des Schlundes vieler
Fische erinnert wird. Yerli. zool.-bot. Ges. in Wien XI. p. 189.
SälmOIIBS. Von Bruch erschien eine „Vergleichende Osteolo-
gie des Rheinlachses (Salmo Salar L.) mit besonderer Berücksichti-
gung der Myologie nebst einleitendrn Bemerkungen über die ske-
lelbildenden (iewebe der Wirbellhierc. Zum Gebiauchc bei Denion-
strationen und zum Selbststudium beschrieben und abgebildet. Mit
7 Tafeln. Mainz 1861. Gr. Folio. — Ein Prachtwerk, welches be-
sonderen Werth auch auf die Knorpelgebilde legt und dadurch eine
erhöhte Wichtinkeil bekommt. Eine Vergleichung mit der nahe ver-
wandten Art Salmo hamatus ist nicht vorgenommen.
Von L e r eb 0 u 1 1 e t's Rechcrches d'embryologie comparee sur
während des jtihres 1861. 219
le developpement de la truite, du lezard et du limnee erschien in
den Annales des sciences naturelles VIII. p. 113 — 192 der Abschnitt
über die Entwickelung der Laclisforelle.
Suckicy stellte mehrere neue Arten Nordamerikanischer Sal-
monen in Annais Lyceuin nat. bist. New- York VIJ. p, SOG auf, nän>-
lich Sulmo Kennerhji aus dem Chiloweyuk-See, \Yarreni ebendaher,
hrevicauda von Puget Sound, Bairdii von Clarke's Fork Colunibia,
Prt/ÄeiKootenay-River, hudsonicus aus der Hudsonsbai, Richardii von
der Pacifischen Küste, Cooperi von Columbia. Angefügt sind Bemer-
kungen über einige Trüher beschriebene Alten.
Der Fürst zu Salm Horstmar berichtete über eine monströse
Forelle mit zwei Köpfen in diesem Archive p. 100.
Norris beschrieb eine neue Art Osmerus aus dem Schuylkill,
ohne sie zu benennen. Proc. l'hiladelphia p. 58.
Die Gattung Alepidosaurus hält Peters wegen eines vorhan-
denen Interoperculums nicht für den Welsen, sondern den Scopelinen
anzureihen. Berliner 3Ionatsberichte p. 901.
Clupeacei. Gill stellte Proc. Philadelphia p. 33 einige neue
Gattungen aus der Subfamilie Clupeinae auf, und um diese verständli-
cher zu machen, stellte er eine Synopsis sämmllicher aus dieser Ab-
iheilung bekannter Arten zusammen. Es werden zwei Gruppen un-
terschieden : 1. Gruppe Clupeae Gill. Afterflosse wenig langer als
hoch, hinter der Kückenflosse beginnend, und fasl mitten zwischen
Bauch- und SchwanzHosse. A. Ohne falsche Rücken- oder After-
flossen. Galt. Clupea L. Val., Sardinella Yal., Rogenia Yal., Clupeona
Val., Harengula Y'al., Clupeoides ßleek., Spratelloides Bleek., Spia-
tella Val., Kowala Yal., Alans eil a Gill, Körper länglich, oval ; Zähne
in den Zwischeukiefern und im Unterkiefer zerstreut nahe der Sym-
physe und auf der Zunge; Überkiefer fein gezähnt; Typus Cl. par-
vula Milch., Poinolobus ßaf. Gill, Clupalosa Bleek., Meletta Yal.,
Opisthonema Gill, Körper länglich oval; Zähne in einer Längs-
reihe auf der Zunge, letzter Bückenflossenstrahl fadenförmig, Typus
Glupanodon ihrissa Lac, Alausa Val., ßrev o or t ia Gill, keine Zähne;
Schuppen kammförmig am hinteren Rande; Kückenflosse zwischen
Bauch- und Afterflosse; Kopf sehr gross, Typus Alausa menhaden
Yal. — B. Mit wahrer und falscher Afterflosse; erstere von normaler
Grösse, letztere mit zwei oder mehr dicken und wohlentwickelten
Strahlen. Gatt. Clupeichthys Bleek. — 2. Gruppe Vellonae Gill.
Afterflosse lang, unter oder vor dem letzten Rückenflossenstrahl be-
ginnend und nahe den ßauchflossen. A. Bauchflossen vorhanden.
Gatt. Pellona Val. — B. Bauchüossen fehlend. Gatt. Pristogaster Cuv.
und Opis Ihopterus Gill. Körper comprimirt mit vorspringendem
INacken und convexem Rücken; Bauch convex und stark gesägt;
Zähne im Zwischenkiefer, Oberkiefer, Unterkiefer, Gaumen und Pte-
820 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
rygoidbein und an der Zunge; Rückenllossc niedrig und idein, am
Ende des zweiten Drillels der Kückenlängc liegend , Typiiis Pristigaster
tartoor Val.
Vellona gabonica Dumeril Archives du Museum X. p. 259. pl. 23.
fig. 3 von West- Afrika.
Hyrll spricht über das epigonale K'ienienorgan der Lutodeira.
Dieses accessorisclie Aihniungsorgan nennlVeif. Kiemenschnecke. Es
ist ein l^/jUiaJ spirai aufgedrehter, hautig nuiskulöser Gang, gestützt
von einer dreieckigen Knochenplatle am oberen Segmente des vier-
ten Kiemenbogens, mit einem respiratorischen (iefassnetz versehen.
Dabei werden als fernere Eigenlhüiiilichkeiten der Lutodeira-Kiemen
erwähnt: 1. Jede Kiemenspalto wird durch ein, die mittleren Gelenke
je zweier Kiemenbogen verbindendes Band iu eine obere und untere
Spalte getheilt; 2. die langen Kiemenreihen sciiliessen von je zwei
Kiemenbogen so an ihren Spitzen zusammen, dass jede Kienienspalte
gegen die Rachenhöhle zu wie durch ein feines Visir überbrückt er-
scheint. Wiener Sitzungsberichte 43. 1. p. 155.
ESOCeS. Ueber das Kückenmark und einzelne Theile des Ge-
hirns von Esox Lucius L. hat Stieda seine Inaugural-Dissertalion,
Dorpat 186], mit 2 Tafeln geschrieben.
MuräGQOidOi. Muraena javanica und xanthospilos so wie Uro-
pterygius xanthoptervs sind neifc Arten von Bleeker INatuurk.
Tijdschr. Ned. Indie 19. p. o47 von Java.
LeptOCSphalidäG. Victor Carus bat sich Report Brit. Assoc.
held at Oxford 1Ö6U. p. 125 dahin ausgesprochen, dass die Leptoce-
phalidae Larvenzustände anderer Fische seien. Diese Ansicht ist in
einer besonderen Abhandlung als Jubelschrift zum Jubiläum von
Carl Gustav Carus Leipzig 1861. 4. ausgeführt. Verf. hat theils
berichtigend, theils ergänzend manche Organisationsverhältuisse die-
ser Fische besprochen. Seine Untersuchungen führten ihn zu der
Ansicht, dass die sämmtlichen Leptocephaliden (mit bsunculus) un-
entwickelte Formen, Larven anderer Fische seien. Er fand kaum
zwei Individuen in den relativen iMaassvcrhältnissen und in dem
Entwickelungsgrade gewisser Organe übereinstimmend und glaubt
daher, dass von einer Speciesunlerseheidung keine Rede sein könne.
Der Versuch, zu deuten von \> eichen Fischen die J^eptocephaliden die
Larven sein möchten, hat nur ein sehr unbestimmtes Resultat gelie-
fert. Allenfalls möchte Verf. Leptocephalus auf Cepola, Tilurus auf
Trichiurus bezieben.
Plectognathi.
GjrmnOdonteS. Arolhron dorsodtlalus und Gfistrophysus micro-
phthalmus Blyth Journ. Asiat. Soc. 29. p. 173 von Tenasserim.
während des Jahres 1861. 221
Tetrodon psittacns lebt nach St einda ebner Verb, zool.-bot.
Ges. in Wien XI. p. 141 in den Flüssen Brasiliens und West-Indiens.
Er gehört zur Gattung^ Chelichtbys und ist Taf, IV. fig. 2 abgebildet.
SclGrodörmi. Auf Monacantbus setifer Bennett gründete Gill
Proc. Philadelphia p. 78 eine neue Gattung S t ephanol epis wegen
der kranzartigen Leiste auf der Mitte jeder Schuppe.
Lophobrauchii.
Corrigan machte auf einen eigentbümlicben Apparat am
Munde von Syngnathus aufmerksam, der am Unterkiefer liegt und zur
Vergrösserung der Mundöffnung und zur Erweiterung der Kehle beim
Schlucken dient. ISatural hislory review 1860. p. 33.
In derselben Zeitschrift p. 397 hat auch Andrews Bemerkun-
gen über die Syngnathiden und ihre Lebensweise gemacht. Beson-
ders berücksichtigte er die Anheftung der Eier in der Schwanztasche
der Männchen, und bestätigte die von Corrigan entdeckten Schling-
bewegungen bei Syngnathus lumbriciformis.
W^einland erklärt die Ortsbewegungen der Syngnathus durch
wellenförmige Bewegungen der Rückenflosse. Der zoologische Gar-
ten IL p. 199.
Hippocampus Deanei Dumeril Archives du Museum X. p. 243
von West-Afrika.
Pegasus lancifer Kaup dies Archiv p. 116 von Java.
Ganoidci.
Polyodon gladius v. Martens Berliner Monatsberichte p. 476
von Shangai.
Selachii.
John I) a v y machte einige Bemerkungen über die Geschlechts-
organe einiger Knorpelfische, die sich auf Squalus, Squatina, Galeus,
Acanthias, Carcharias, Centrina, Raja Aquila, Squalus Canicula, Scyl-
lium melanosloinum und Kaja oxyrhynchus beziehen. Dazu gehört
eine Tafel mit Abbildungen. Transaclions of the Royal Society of
Edinburgh. Vol. XXII. 1861. p. 491.
Sqnali. Ueber die NierenUnäuel der Haifische schrieb Hyrll.
Verb, zool.-bot. Gesellscb. in Wien XI. p. 125 — 132.
Gill hat eine analytische Synopsis der Haifische mit einer Re-
vision der Nomenclalur der Genera in Annais of the Lyceum of na-
tural history in New-York VIII veröffentlicht. — Nach einer ausführ-
lichen Einleitung über die Geschichte und die Verwandtschaften der
Ordnung giebt er die Systematik, am Schlüsse sind die neuen GaU
tungen charakterisirt. Er unterscheidet 16 Familien: 1. Rhino-
222 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
dontoidac Owen. Galt. Rhineodon M. H. 2. Lamnoidae iM. H.
Gatt. Polyprosopijs Couch, Cetorhinus Blainv., Caicharodon Sinilh,
Isuropsis Gill (auf Oxyrhina glaucus M. H. gegründet), Isurus Kaf.,
Larnna Cuv. 3. 0 d o nt aspi d o ida e Gill. Gatt. Odonlaspis Agass.
4. G ale or hinoidae Gill. a. Galeorhiiiinae. Gatt. Physodon M. H.,
Scoliodon M. II., llypoprionodon Gill (auf Carchaiias hemiodon
M. H., Eulaniia Gill (auf Carcharias Milberti) , IMatypodon Gill (Car-
chaiias nienisonah M. H., Isogoniphodon Gill (Carchaiias oxyrhynchas
M. H.), Lanuopsis Gill (Carchaiias 'i'emininckii J\l. H.), Isoplagiodon Gill
(Carch. sorrah M. H.), Hypoprion M. H., Aprionodon Gill (AprionM. IL),
Cynoctphaiiis Klein; — Triaenodon M. IJ., Leplocharias Smith; —
Galeorhinus Blainv., Galeocerdo W.U., Boreogaleus Gill (Galeus arcti-
cus Faber, Loxodon i>I. II., Thalassorhinns M. 11., Heniigaleus BIkr.,
Chaenoo-aleus Gill (Heniigaleus macroslouius Bikr. — Triakis M. H.
b. Muslelinae. Galt. JVlustelus Cuv. 5. C es t r aci ont oidae Gill.
Galt. Reniceps Gill (Squalus tiburo L.) , Cestracion Klein (Sphyrna
Raf.), EusphyraGill (Zygaena Blochii Val.). 6. AI o p ec oi d a e Owen.
Gatt. Alopias Raf. 7. H et er od ont oida e Gill. Galt. Iletcrodontus
Blainv. 8. Not idan oidae. Gatt. Hexanchus Raf., Heptranchias Raf.
9. Spinacoidae Owen. Galt. Squalus Raf., Spinax Bon., Oxynotus
Raf., Centrophorus M. H., Centroscyllium M. H. 10. Scymnoidae
Owen. Gatt. Scyinnus Cuv., Soniniosus Les. 11. E chinorhinoi-
dae Gill. Gatt. Echinorhinus Blainv. 12. Pr istophor oid a e l^\kr.
Galt. Pristiophorus M. H. 13. G inglyni o s t o mato i dae Gatt. Gin-
glymostoma M. H. 14. Scy lliorhinoid ae Gill. Gatt. Prisliurus
Bonap., Scylliorhinus Blainv., Halaelurus Gill (ScylliuniBurgeriM.il.),
Calulus Sniilh, Cephaloscyllium Gill (Scyllium laticeps Dum.), Para-
scylliuni Gill (Uemiscyllium ocellatum M. II.), Chiloscyllium M. H.,
Synchismus Gill (Chiloscyllium tuberculalum M. IL), Slegostoma M. H.
15. Cr 0 s sorhinoidae Gill. Gatt. Crossorhinus öl. IL 16. Rhi-
noidae Gill. Gatt. Rhina Klein-
Abbott halle Gelegenheit den Squalus americanus Mitchell
aufs Neue zu beschreiben und zu erkennen, dass er in die Gattung
Odonlaspis Agass. gehöre. Proc. Philadelphia p. 399.
■ Raja6. Nachträglich ist zu erwähnen, dass Bonsdorff die
Cerebral-Nerven von Raja clavata beschrieben und auf drei schönen
Tafeln abgebildet hat. Acta Soc. scient. Fennicae V. 1858. p. 185— 227.
M'üonnell glaubt bei den Rochen ein Organ gefunden zu
haben, welches dem elektrischen Organe von Torpedo homolog ist.
Es liegt zwischen den Occipital-Muskeln und den Kiemen, und wird
von dem Schnauzen-Muskel bedeckt; es ist über einen Zoll lang. Er
wurde zu dieser Ansicht geleitet durch die Verfolgung der Nerven,
welche bei Torpedo den elektrischen Apparat versehen. Natural
history review 1861. p. 57 — 60.
während des Jahres 1861. 223
Trygon marginatus, atrocissimus, Bleekeri, ElliotiB\ylh Journ.
Asiat. Soc. of Bengal 29. p. 35 vou Unterbengalen. — Tr. Crozieri
ib. von der Arakau-Kiiste.
Aetohatis latirostris Dumeril Archives du Museum X. p. 242.
pl.20. fig. 1 von West-Afrika.
Cyclostomi.
Max Schnitze beschrieb sehr ausführlich die kolbenförmigen
Gebilde in der Haut von Pelromyzon und ihr Verhalten im polarisir-
ten Lichte. Archiv für Anatomie 1861. p. 228— 247 und p. 281— 303.
Verf. ist geneigt, sie für Nervengebilde zu halten.
Beriebt über die Leistungen in der Natnrgesebiebte
der Mollusken wäbrend des Jabres 1861.
Von
Troschel.
Küster's Ausgabe des systematischen Conchylieiika-
binets von Martini und Chemnitz hat iiiren Fortgang
o-ehabt. Von ihr erschienen die Licferunoon 175 — 178. In
den beiden ersten derselben ist die Gattung Clausilia von
der 248. bis 343. Species weitergeführt, in den beiden
letzleren ist die Gattung Unio von Nr. 156 — 256 forlge-
setzt. Aus beiden Gattungen haben wir unten neue Arten
namhaft zu machen.
Von Pfeiffcr's Novitates conchologicae erschienen
im Jahr 1861 die 15. und 16. Lieferung.
Sie brachten Abbildungen ^on Oleacina saccata, Limicolaria
lurris, Oleacina multispiia , Buliinus Pan, Helix atrofiisca, expansa,
nodifera, rhynchosloina, ignescens, caesia, Bulitniis viclor, Siamensis
Redf., Älouholi, flavus, zebrinus, areolatus, Helix Cambojiensis Reeve,
erinacens, xunlhochila, lactiflua, Neptunus, pernobilis Fer. und gios-
sularia, fast süuimllith Arten von Pfeiffei-, die bereits 1860 und
18G1 in den Proceedings zool. soc. of London auCgcstelll waren,
Reeve's Conchologia iconica, or figures and descri-
plions of Ihe Shells of molluscous animals, with crilical
remarks on Iheir synonymes, affinities and circumstances
of habitalion hat regelmässigen Fortgang gehabt. Während
des Jahres 1860 erschienen die Lieferungen 191 — 203, wäh-
rend des Jahres 1861 die Lieferungen 204—211. In diesen
21 Lieferungen sind die Galtungen Melania, Hemisinus, Te-
rebra, Melanopsis, Jo, Melatoma, Anculotus, Aspergillum,
Tris^onia, Myochama, Terebralula, Scarabus, Cymbium, Ana-
tina, Argonaula, Nautilus, Cyclophorus theils fortgesetzt,
der Mollusken während des Jahres 1861. 225
theils abgeschlossen, theils begonnen. Diese einzelnen Gat-
tungen sind unten nachzusehen.
Zu dem 12. Bande der Exploring expedition, welcher
den Text zu den Mollusken bereits im Jahre 1852 gebracht
hatte und von A. Gould bearbeitet ist, erschien jetzt,
freilich schon datirt vom Jahre 1856 der Atlas in Folio mit
52 prächtig ausgeführten Tafeln. Zahlreiche Arten aus
allen Klassen und Ordnungen der Mollusken, viele mit dem
Thiere, sind abgebildet und schön illuminirt.
Im Annual report of the board of regents of the
Smithsonian Institution showing the Operations, expenditu-
res, and condition of the Institution for the year 1860.
Washington 1861 sind p. 151— 283 Lectures on Mollusca, or
Shell-fish and their allies by Philip Carpenter enthal-
ten. Darin werden die Klassen, Ordnungen, Familien ge-
schildert und in der Classification ist den neueren Forschun-
gen Rechnung getragen.
Von B our guignat's Ameniles malacologiques ist
Paris 1860 der zweite Band erschienen, welcher 35 einzelne
kleine Abhandlungen enthält.
Petit de la Saussayc empfiehlt Journ. de Conchyl.
IX. p. 286 die Salzwasser-Aquarien zum Studium der Mol-
lusken, namentlich ihrer Entwickelung und ihrer Lebens-
weise. Er giebt zugleich Anweisung zur Anlegung und
Erhaltung derselben.
Nachträglich ist einer Schrift von Ozenne zu er-
wähnen : Essais sur les Mollusques consideres comme ali-
ments, medicaments et poisons. Paris 1858. 4., deren In-
halt nach der Anzeige im Journal de Conchyliologie IX.
p. 77 viel Interesse darzubieten scheint.
Tryon gab eine besondere Schrift „List of american
writcrs on recent Conchology, with the titlcs of their me-
moirs and dates of publication. New-York 1861. 8." heraus.
68 Seiten.
Alphonse Milne Edwards bringt einige Beispiele
von dem Leben verschiedener Mollusken in sehr grosser
Tiefe des Meeres.
Eine Voluta junonia wurde im Mexikanischen Meerbusen aus
Archiv f. Naturg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd. P
^26 Troscliel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
einer Tiefe von 70 Faden, eine Lima excavala an der Küste Grönlands
aus einer Tiefe von 264 Faden nnt dem Schleppnetze hervorgezogen.
Beim Aufziehen des Telegraphen-Kabels zwischen Bona und Cagliari,
aus einer Tiefe von 1000 bis 1500 Faden fand man an ihm noch
lebend angeheftet: Ostrea cochlear, Tecten opercularis, Var. Audouinii
und Pecten Tcstae ; so wie von Gasteropodcn Monodonta jimbata und
Fusus lamellosus; alles Arten, von denen es bereits bekannt ist, dass
sie in tiefem Wasser leben, und daher in den Sammlungen meist
hoch selten sind. Verf. glaubt, da einige von ihnen mit fossilen
Arten der jüngsten Formalionen identisch sind, so werde man bei
weiterer Nachforschung in den tieferen Regionen des Meeres wahr-
scheinlich manche Arten auffinden, die man als bereits ausgestorben
betrachtet hat. Comptes rendus LIII. July 1861. p.88; Revue et mag.
de Zoologie p. 331 ; Annais nat. bist. VIII. p. 270.
Gwyn Jeffreys gab vorläufige Nachricht über die
Erfolge seines Schleppnetzfanges in Shettland. Annais nat.
bist. VIII. p. 297, wovon ausführlichere Nachricht in dem
Report über den Meeting der British Association zu erwar-
ten steht.
Verf. ergeht sich in Betrachtungen über die Verbreitung der
Mollusken und fand bei 80 Faden Tiefe lebende Mollusken, die die
Küste zu bewohnen pflegen, wie Lameilaria perspicua, Kassa incrassata
und Cypraea europaea. Aus dem Vorkommen fossiler Muscheln, die
in viel flacherem Wasser in der Arctischen Zone leben, will Verf.
schliessen, dass dieser Theil der Nordsee seit der sogenannten Eis-
epoche gesunken sei, und dass dieser Umstand das Vorkommen sub-
littoraler Arten in solchen Tiefen eiklären könne.
Mit Beziehung auf die vorige Abhandlung spricht Ro-
bert M'Andrew ib. p. 433 seine Ansichten über die
Eintheilung der Europäischen Meere in malakologische
Provinzen aus, und beleuchtet einige von Jeffreys ge-
thane Aussprüche. Namentlich macht er Einwürfe gegen
die Bemerkung, dass „die marine Fauna von Europa, Nord-
Asien, die Cis-atlantische Zone von Afrika und ein Theii
von Nord-Amerika in einer verhällnissmässig neuen Epoche
eng verbunden gewesen sei, und einen gemeinsamen Ur-
sprungsherd habe." Verf. nimmt folgende Provinzen an:
1) die Arctische, 2) die Subarctische oder Boreale vom
Polarkreise bis zum 55. Breitengrade, 3) die Cellische bis
zu einem noch näher zu bestimmenden Punkte im Biscayi-
schen Meerbusen, 4) die cantabrische oder lusitanische, die
I
der Mollusken während des Jahres 1861. 227
Nordküste Spaniens und die Westküste Portugals umfas-
send, 5) die Mittelmeerische, die Küsten von Spanien und
Portugal bis zum Cap St. Vincent und die atlantischen Kü-
sten von Marokko einschliessend.
Ein Bericht über den Schleppnetzfang bei Belfast, mit
Angabe der erhaltenen Arten findet sich in Report of the
British Association for the advancement of science held at
Aberdeen 1859. p. 116. Vergl. Bericht über 1859. p. 322.
Kinahan erstattete Bericht über den Schleppnetz-
fang in der Bay von Dublin, und fügte ein Verzeichniss
derThiere bei, welche in den Buchten von Kingstown und
Killiney so wie von Baidoyle erhalten wurden. Darunter
befinden sich 83 Muscheln, 97 Schnecken, 6 Tunicaten und
2 Cephalopoden. Report Brit. Assoc. for the Advancement
of Sc. Oxford 1860. p. 27.
Als ein Supplement zu dem Thesaurus Conchyliorum
gab Sowerby einen „Illuslrated Index of british Shells,
containing figures of all the recent species London 1859"
heraus. Die Arten sind mit der vom Verf. bekannten Na-
turtreue auf 24 Tafeln abgebildet. Der Text ist nur ein
Namenverzeichniss.
Dickie giebt an, dass die Mollusken von Aberdeen-
shire Repräsentanten aus allen Britischen Familien enthal-
ten, mit Ausnahme von elf; die Arten belaufen sich auf 230.
Die Gebirge sind arm an Land- und Süsswasserarten. Auf
grossen Erhebungen fand Verf. nur drei Arten, Pisidium
pulchellum bis 2400 Fuss, Limnaeus pereger bis 1742 Fuss,
Arion ater bis 1874 Fuss. Report of the British Associa-
tion for the advancement of science held at Aberdeen 1859.
p. 147.
üeber reiche Lager von Süsswasserschnecken am Rande
von kleinen Seen, die durch Drainage wasserärmer gewor-
den sind, in der Gegend von Ennis, berichtet Foot. Dass
auch Littorina littorea daselbst gefunden wird, erklärt Verf.
dadurch, dass Fischer diese als Nahrung mit aus der be-
nachbarten Stadt gebracht hätten. Natural history Review VL
p. 457.
Semper hat Astarie intermedia Sow. in der Ostsee
228 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
und zwar in der Tiefe des Flensburger Hafens gefunden.
Archiv dos Vereins der Freunde der Naturgeschichte in
Meklenburg XV. p. 426.
Bidrag tili Finlands Malakozoologi afA. Edwin N y-
länder. Bidrag til Finlands Naturkännedomen, etnografi
och Statistik utgifna af Finska Vetenskaps-Societeten III.
Helsingfors 1859. p. 127—143.
Gegen das von Nor d en sk i öld undNylander 1856 heraus-
gegebene Verzeichniss finnischer Mollusken steigt die Zahl durch
gegenwärtigen Beitrag unter Hinzufügung von 4 Arten (Helix harpa
Say_, Piipa arctica Wallenb., Planorbis leucostonius Mich., PI. fontanus
Mont.) auf 86 Arten. Es sind 1 Arion, 1 Liniax, 1 Vitrina, 1 Succi-
nea, 5 Ilelix, 1 Achatina, 1 Pupa, 5 Limnaeus, 3 Planorbis, 2 Val-
vala. 1 Cyclas, 1 Pisidium, 1 ünio, 1 Anodonta.
Hensclie schildert „Preussens Molluskenfauna^ in den
Scliriften der kön. physikalisch-ökonomischen Gesellsch. zu
Königsberg II. 1. p. 73—96.
Verf. behandelt diese Fanna in drei Abschnitten, je nachdem
die Thiere Land-, Süsswasser- oder Meeresbewohner sind. Die Land-
fauna besteht aus 58 Arien: 1 Arion, 6 Limax, 1 Vitrina, 3 Succinea,
23 Helix, 1 Bulinius, 2 Achatina, 7 Pupa, 11 Clausula, 1 Carychiuni.
Verf. nennt die preussische Landfauna eine verarmte mitteldeutsche,
und zwar sei wegen des Fehlens der Gebirge diese Verarmung eine
sehr bedeutende; von 124 deutschen Arten sind 58 preussisch. — Von
Süsswasserbewohnern finden sich 14 Planorbis, 7 Limnaeus, 2 Physa,
2 Paludina, 2 ßythinia, 1 Hydrobia, 3 Valvata, 1 Neritina, 2 Ancy-
lus, 3 Anodonia, 3 Unio, 4 Cyclas, 2 Pisidium, 1 Dreissena. Bei
grossem Keichlhume an Individuen sind von 73 deutschen Arten 47
als preussisch bekannt. — Von Meeresbewohnern sind aufgeführt
1 Hydrobia, 1 Neritina, 1 Mylilus, 1 Mya, 1 Tellina, 1 Cardium, zu-
sammen 6 Arten. Verf. nennt diese Fauna eine Zwergfauna. Die
ballische Fauna überhaupt entbehrt jedes selbstständigcn Charakters,
sie ist eine höchst verarnjte europaisch-boreale. Für die Verbreitung
der einzelnen Arien in der Ostsee ist maassgebend, wie weit sie im
Stande ist, den nach Osten stetig abnehmenden Salzgehalt zu ertra-
gen. >Yesllich, nahe dem Sunde, bei fast 2% Salzgehalt überwiegen
die mannen Formen, in dem östlichen Meerbusen räumen diese den
Süsswasserformen das Feld, wenn der Salzgehall unter Vg^/o fäH^j 3"
der preussischen Küste ist der Salzgehalt etwa 0,87o, woraus sich die
geringe Zahl der Arten erklärt. — Schliesslich zeigt Verf. an, dass
auch Amphipeplea glutinöse gefunden worden sei.
Auf einer Excursion in den Taunus beobachtete Hey-
der Mollusken während des Jahres 1861, 229
nemann, freilich besonders die Gattung Limax berück-
sichtigend, über 30 Arten Conchylien in 13 Gattiingem
An Wasserschnecken ist der Taunus sehr arm. Malak. Bl.
VIII. p. 139. „Tjjflii \h
Von Bourguignat erschien 1860 Paris eine Mala-
cologie terrestre et fluviatile de la Bretagne, in der meh-
rere neue Arten beschrieben sind , die unten namhaft ge-
macht werden. ^ y^^'»'' i\uh?.i)nn'^
Annexion ä la faune malacologique de France par
Gabriel de Mortillet. Diese Abhandlung in der Revue
Savoisienne Dec. 1860 und Febr. 1861 ist mir nicht zu-
gänglich geworden.
Nach Pfeiffer's humoristischer Anzeige derselben in den
Malak. Bl. VIII. p. 125 sind durch den Erwerb Savoyens 8 Conchylien-
arten an Frankreich annectirt worden, und zwei durch Nizza. Verf.
zeigt, dass die Mollusken-Fauna von Savoyen sich an die französische
anschlicsst, die von Nizza aber echt italienisch ist. Ferner wird der
launige Satz aufgestellt, dass im Allgemeinen die 3IolUisken-Faun.en
den Nationalitäten entsprechen, dass z. ß. die deutschen Mollusken
mit der deutschen Sprache in das Elsass hinüberreichen, dass einige
echt italienische, wie z. B. Helix cingulata Stud., nur so weit nach
Tyrol und in die Schweiz sich verbreiten , wie die italienische
Sprache die herrschende ist, dass die Provinzen Chablais und Faui-
cigny ihrer Molluskenfauna nach zu Savoyen und nicht zur Schweiz
gehören.
Grube berichtete über einige neue oder weniger
bekannte Schnecken des adriatischen Meeres. 38. Jahres-
bericht der Schlesischen Gesellschaft für vaterl. Kultur
p. 59. Es handelt sich um eine Tylodina, eine Marsenia
und eine neue Elysia.
Grube hat in einer besonderen Schrift: „Ein Ausflug
nach Triest und dem Qwarnero. Beiträge zur Kenntniss
der Thierwell dieses Gebietes. Berlin 1861" seinen Aufent-
halt in Triest, Fiume, Cherso u. s. w. in anmuthiger Weise
geschildert.
Nachdem er hierbei zahlreicher Seethiere, namentlich vieler
Würmer und Crustaceen schildernd Erwähnung gethan, von 31olIusken
namentlich die lebende Tethys fimbria, Doris Villafrancana, Galeonima
Turtoni, Tylodina citrina, Doris caerulea und andere beschrieben hätj
folgen p. 93 Bemerkung'en über einige neue Thiere lind p. 116 ein
230 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Verzeichniss der Ausbeute von Triest, Fiunve, Portore und Cherso-
Das Verzeichniss der Mollusken beläuft sich auf 4 Cephalopoden,
86 Schnecken, 41 Muscheln und 20 Tunicaten. Die neuen Arien, den
Gattungen Elisia, Leptoclinum, Didemnum und Eucoeiium angehörig
s. unten. Das Verzeichniss der Triestiner, Istrischen und Venetiani-
schen Namen für Fische und andere Seethiere enthält auch verschie-
dene Mollusken.
Elenco dei Molluschi terrestri e fluviatili fino ad ora
conosciuti nelle Prov. Venete compilato dal M. E. Doli. A.
Massa longo. Atti dell. imp. reg. Istituto Veneto VI. p. 126.
Verf. zählt tabellarisch 118 Landschnecken, 77 Süsswassermol-
lusken auf, welche der Provinz Venedig angehören und die sich
nach Gattungen folgendermassen vertheilen: 1 Arien, 6 Limax, 2 Vi-
trina, 3 Succinea, 54 Helix, 4 Achatina, 6 ßulimus, l5Pupa, 1 Balea,
16 Clausilia, 1 Carychium, 2 Acicula, 3 Pomatias, 1 Cyclostoma, 3
Auricula, 11 Limnaeus, 2 Physa, 10 Planorbis, 1 Segmentina, 2 An-
cylus, 3 Valvata, 13 Paludina, 1 Melania, 1 Pyrgula, 5 Nerilina, 12
Anodonta, 1 Alasmodonta, 9 ünio, 3 Cyclas, 3 Pisidium.
Von den Azoren hatte Mac Andrew im Jahre 1856
mit Ausnahme von 2 Janthinen und einer Spirula 42 Con-
chylien-Arten aufgezählt, welche Zahl sich durch ein Ver-
zeichniss von Drouet auf 82 erhöhte. Mit Beziehung hier-
auf spricht Petit de la Saussaye die malacologische
Fauna dieses Archipels, wenn gleich sie noch bei weitem
nicht vollständig bekannt ist, für wesentlich europäisch an.
Journ. de Conchyl. IX. p. 28.
Notice sur l'histoire naturelle des Agores, suivie d'une
description des Mollusques terresires de cet Archipel par A r-
thur Morelet. Paris 1860. 4. kenne ich nur aus der An-
zeige im Journal de Conchyliologie IX. p. 68.
Es giebt dort keine einzige Süsswasser-Art; auch fehlen die
Gattungen Succinea, Clausilia und Parmacella. Die artenreichsten
Gattungen unter den 69 Landschnecken sind Helix mit 28, Bulimus
mit 10, Pupa mit 8 und Vitrina mit 7 Arten. — Von den 69 Arten
Bind 32 dem Azoren-Archipel eigenthümlich, 10 sind auch auf dem be-
nachbarten Litorel des Atlantischen Oceans verbreitet, 16 gehören der
Fauna des mittleren Europa an, 7 der von Madeira, 4 der der Cana-
rischen Inseln.
Von Mollusken kommen nach Rave ns t ein, The Rus-
sians on the Amur p. 336 vor :
^ 3 Paludina, 3 Blthynia, 1 Hydrobia, 1 Melanie, 4 Valvata, 1 Li-
der Mollusken während des Jahres 1861. 231
max, 1 Arion, 1 Vitrina, ISuccinea, 20 Helix, 2 Buliuius, 1 Achatina,
3 Pupa, 1 Aiiricula, 8 Limn^us, 2 Physa, 10 Planorbis, 1 Ancyfus,
1 Choanomphalus, 1 Acicula, 3 Cyclas, 2 Pisidium, 5 Unio, 3 Ano-
donta, zus. 79 Arten in 14 Gattungen.
Mousson bearbeitete die von Roth auf seiner letz-
ten Reise in Palästina gesammelten Land- und Süsswasser-
Conchylien. Coquilles terrestres et fluviatiles recueillies
par M. le Prof. J. R. Roth dans son dernier voyage en
Orient, Zürich 1861. 8.
Verf. giebt theils Diagnosen der neuen Formen, theils kritische
Bemerkungen über bereits anderweitig publicirte Arten und berück-
sichtigt dabei die natürlichen Verwandtschaften und die geographi-
schen Beziehungen. Es werden im Ganzen 73 Arten verzeichnet,
nämlich : 4 Zonites, 2 Patula, 31 Helix (darunter vier neu), 5 Buli-
mus, 4 Chondrus, 3 Pupa (wovon eine neu), 1 Clausilia, 1 Torna-
tellina, 2 Glandina, 2 Limnaeus (wovon einer neu), 2 Planorbis,
4 Bithynia, 2 iMelanopsis, 2 Melania (wovon eine neu), 2 Neritina,
2 Cyrena, 4 Unio.
Eine Notiz über die Perlfischerei in Ceylon siehe in
„Ceylon, past and present by Sir George Rarrow. Lon-
don 1857. p. 127."
Die Molluskenfauna von Trinkomalie wird von S c h m a r d a
Reise um die ErdeL p. 305 als sehr reich geschildert.
In einem ersten Reilrage zur Indischen Malacologie
im Journ. Asiat. Soc. of Rengal 29. 1861. p. 117— 127
schildern die Gebrüder RIanford die allgemeinen con-
chyliologischen Verhältnisse Indiens. Es heisst daselbst:
„Die Indische Halbinsel ist sehr arm an Landschnecken,
und der Conchyliologe kann meilenweit über die Ebenen
reisen, ohne ein Mollusk zu finden. Die Flächen Benga-
lens, in einer Ausdehnung wie die britischen Inseln, be-
sitzen kaum 20 Arten, wogegen die Himalayas, besonders
in ihrem östlichen Theile und die Burmesische Halbinsel
reich an Arten und an Individuen sind, was offenbar mit
den Feuchtigkeitsverhältnissen zusammenhängt. Das cis-
gangetische Indien ist fast ganz untersucht, von dem trans-
gangetischen sind neun Zehntel ganz unbekannt. Trotzdem
übersteigt das Verzeichniss der beschriebenen Arten vom
Himalaya und Burmah allein die der ganzen Indischen Halb-
232 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
insel. Fünf neue Arten, unter denen auch eine neue Gat-
tung s. unten bei den Cyclo tacea' und bei Streptaxis.
Arthur Adams machte wieder zahlreiche neue Ar-
ten und einige neue Gattungen von Mollusken aus dem
nördlichen China und Japan in den Annais nal. bist. Vol.
VII und VIll bekannt. Er sagt ib. VIII. p. 239 von dem
gelben Aleere, dass das Wasser desselben schlammig und
von gelber Farbe ist, besonders in der Nähe des Landes.
Wegen der grossen Menge Schlamm , welchen die Flüsse
herabbringen wird fast alles marine Leben zerstört, und
Verf. erklärt die Küsten des gelben Meeres und den Busen
von Pe-chili und Lian-tung für die ungünstigsten Gebiete
um Mollusken zu sammeln.
Mollusca japonica descripta et tabulis tribus iconum
illustrata a Guilielmo Dunker. Stuttgartiae 1861. 4.
Eine in dem Hafen von Decima durch Nuhn zusammenge-
brachte Sammlung gab die Veranlassung zu dieser Schrift.
Die neuen Arten sind bereits in der Zeitschrift für Mala-
cozoologie charakterisirt worden. Im Ganzen zählt Verf.
136 Arten auf, nämlich 120 Schnecken und 16 Muscheln.
Am Schluss giebt derselbe ein Verzeichniss von 142 sonst
noch von Japan beschriebenen Arten , dem noch 70 von
Adams in den Annais nat. bist, aufgestellte Arten ange-
hängt sind. Verf. vermuthet, dass manche der letzteren
mit den seinigen identisch sein könnten; sonst würde sich
aus diesen Verzeichnissen eine Gesammtsumme von 348
japanischen Arten ergeben, wobei denn auch die Land-
und Süsswasserarten mitgezählt sind. Aus allem geht her-
vor, dass die japanische Molluskenfauna nahe mit der Chi-
nesischen verwandt sei.
Als Schluss des im vorigen Berichte citirten Verzeich-
nisses „Notes pour servir ä la faune malacologique de
l'Archipel caledonien" von Fischer finden sich im Journal
de Conchyl. IX. p. 143 noch verzeichnet: 3 Oliva, 2 Ovu-
lum, 1 Erato, 18 Cypraea und 29 Conus. Alle Arten dieses
Verzeichnisses sind von Montrouzier g-esammelt. In
einem Nachlrago beabsichtigt Verf. die von anderen Schrift-
der Mollusken während des Jahres 1861. 233
stellern aus dem Neii-Caledonischen Archipel beschriebenen
Conchylien zusammenzustellen.
Die bei Doreh in Neu-Guinea durch v. Rosenberg
gesammelten Conchylien stimmen mit den bei Amboina vor-
kommenden überein. Die Schalen von Nautilus Pompilius
sah er in vielen Hütten zu häuslichen Geräthen benutzt,
während von Buccinum coronatum Schöpflöffel und von
Triton variegatum Kriegstrompeten verfertigt waren. Turbo,
Pterocera, Cypraea, Oliva und Voluta sind die am häufigsten
vorkommenden Gattungen. Nat. Tijdschr. Ned. Indie XXII.
p. 514.
Pfeiffer beschrieb Malak. Bl, Vllf. p. 146 u. 150 einige
Land- und Süsswasserschnecken , welche v. Hochstetter
auf Neuseeland gesammelt hatte. Dieselben sind unten nam-
haft gemacht.
Binney verzeichnete die durch Xantus auf der
Halbinsel Californien gesammelten Landschnecken. Der süd-
amerikanische Bulimus-Typus herrscht vor, und B. proteus
Brod. und pallidior Sow. sind sogar in unzweifelhaften Exem-
plaren gefunden. Das Verzeichniss umfasst nur 2 Helix,
8 Bulimus und 1 Pedipes, wovon 4 Bulimus als neu beschrie-
ben und in Holzschnitt abgebildet sind. Proc. Philadel-
phia p. 331.
Im sechsten Bande der Reports of expl. and surveys
to ascertain the most practicable route for a railroad from
the Mississippi river to the pacific Ocean, welcher den
Specialbericht über die Strecke vom Sacramenlo-Thale bis
zum Columbia-River enthält, sind in dem zoologischen Ab-
schnitte p. 110 die vier gesammelten Helices von Binney
beschrieben worden.
Bland und Cooper berichteten über die Land- und
Süsswasser-Mollusken, welche durch Dr. Cooper auf einer
Expedition durch die Rocky-Mountains im Jahre 1860 ge-
sammelt wurden. Die Bemerkungen beziehen sich auf ei-
nige Helices, unter denen zwei als neu beschrieben werden
und die Aufzählung von 18 Süsswasser-Arten. Annais Ly-
ceum nat. bist. New-York VIL p. 362— 370.
Wurray hat 34 Schnecken und 16 Muscheln ver-
234 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
zeichnet, welche er um den Oberen See und den Huronensee
gesammelt hat. Von ersteren sind 16 Landschnecken und 18
Süsswasserschnecken. The Canadian Naturalist and Geolo-
gist and Proc. nat. hist. soc. of Montreal VI. p.268.
In derselben Zeitschrift p. 452 schrieb Whiteaves
über die Land- und Süsswasser-Mollusken von JVieder-Ca-
nada, mit Gedanken über die allgemeine geographische Ver-
breitung der Thiere und Pflanzen in Canada.
In den früheren Schriften dieser Gesellschaft sind von
Bell, ürban und Williamson Mittheilungen über die
Canadischen Land- und Süsswasserschnecken gemacht wor-
den. Verf. bespricht diese Fauna im Allgemeinen und fügt
ein Verzeichniss von 15 Arten bei, die noch nicht von Nie-
der-Canada bekannt waren , ein anderes von 7 Arten, die
für Ober-Canada neu sind, und nennt 10 Süsswasserarten,
welche auch an der Westseite der Rocky-Mountains vor-
kommen.
WMllis verzeichnete die marinen Conchylien von
Nova-Scotia. Es sind 3 Palliobranchiaten, 62 Lamellibran-
chiaten, 64 Gasteropoden. Proc. Boston Soc. VIII. p. 61.
Eine kurze Notiz über die marinen Conchylien der
Hudsonsbai, welche Drexler bei Cap Hope gesammelt
hatte, gab Stimpson Proc. Philadelphia p. 97. Es wurden
nur drei Arten lebendig gefangen, nämlich Mylilus edulis L.,
Macoma fragilis Fabr. und Littorina groenlandica Chemn.
Die übrigen wurden als lodte Schalen gefunden und waren
vielleicht aus einem pleistocenen Lager ausgespült worden.
Binney veröffentlichte ein Verzeichniss von Land-
und Süsswasser-Schnecken, die im Britischen Amerika durch
Boss, Kennicott und Drexler gesammelt wurden. Es
sind vom English-River 12 Arten von Fort Simpson am
Mackensie-River 6 Arten, vom Fort Resolution, Slave Lake
2 Arten, von Hudson's-Bay 3 Arten, von Jame's-Bay 4 Ar-
ten, vom Moose Fort 1 Art, von Moose Factory 18 Arten.
Proc. Philadelphia p. 330.
Tryon sammelte bei Harper's Ferry in Virginia an
Mollusken :
1 Melania, 4 Leptoxie, 1 Amnicola, 1 Vivipara, 1 Valvala, 12
der Mollusken während des Jahres 1861. 235
Helix, 2 Pupa, 1 Bulimiis, 3 Limnaea, 1 Physa, 5 Planorbis, 1 An-
cylus, 1 Sphaeriuni, 6 Unio, 2 Margaritana, 3 Anodonta, also 33
Schnecken und 12 Muscheln. Da Verf. alle in zwei Stunden sam-
melte, so lasst sich annehmen, dass das Verzeichniss sehr unvollständig
ist. Proc. Philadelphia p. 396.
Gabb verzeichnete Proc. Philadelphia p. 306 die Mol-
lusken der Umgebung von Philadelphia.
Es sind 1 Melania, 1 Leptoxis, 5 Amnicola, 2 Vivipara, ] Val-
vata, 2 Succinea, 1 Achatina, 1 Vertigo, 17 Helix, 1 Tebennophorus,
2 Limax, 1 Carychium , 4 Limnaea, 1 Physa, 7 Planorbis, 1 An-
cylus, 1 Sphaerium, 1 Pisidiura, 8 Unio, 2 Margaritana, 2 Anodonta,
also im Ganzen 48 Schnecken und 14 Muscheln. Proc. Philadelphia
p. 306.
Tristram verzeichnete 49 Land- und Süsswasser-
Mollusken, welche Salvin in Guatemala gesammelt hatte
und von denen 13 als neue Arten beschrieben werden.
Proc. zool. soc. p. 229.
Derselbe gab ein Verzeichniss von 143 Arten See-
Conchylien von den Bermudas ib. p. 403.
Bland hat recht interessante Betrachtungen über die
geographische Verbreitung der Gattungen und Arten der
Landschnecken der Westindischen Inseln in Annais Lyceura
New- York VH. p. 335 — 361. Wegen des Inhaltes auf die
Abhandlung selbst verweisend, sei hier nur bemerkt, dass
Landconchylien der Inseln westlich von Anguilla sich mehr
an Nord-Amerika, die südlich von Anguilla sich mehr an
Süd-Amerika anschliessen, wobei von ersteren vier zoolo-
gische Provinzen unterschieden werden, nämlich Cuba mit
der Insel Pines und den Bahamas, Jamaica, Haiti und Por-
torico mit den Inseln bis Anguilla. Aehnliches zeigen die
wenig zahlreichen Süsswasser- Mollusken. Verzeichnisse
der auf den einzelnen Inseln gefundenen Arten der Land-
schnecken machen den Schluss; solche sind von 30 Inseln
gegeben, unter denen Cuba, Jamaica und Haiti natürlich die
bei weitem artenreichsten sind.
Pfeiffer beschrieb wieder einige neue Landschnecken
von Cuba. Malak. Bl. VIII. p. 220.
Nach Burmeister's Bericht „Reise in den La Plata-
Staatenl. p. 321« ist die Gegend von Mendoza sehr arm an
236 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Mollusken-Arten. Derselbe fand nur einen kleinen Limnaeus
und eine kleine Pupa. — Auch Paranä wird ib. p. 492 recht
arm geschildert. Daselbst fand Verf. einen Vaginulus, den
er V. paranensis nennt, zwei Ampullarien, deren Junge er
aus den Eiern schlüpfen sah, und die keinerlei Metamor-
phose zu bestehen haben, eine Anodonta und eine Cyclas.
Cephalopoda.
Von den neun Arten von Cephalopoden, die Aristoteles nennt,
sieht Aubert fünf als sicher bestimmbar an: Sepia officinalis, Se-
pioteuthis, Loligo vulgaris, Eledone, Argonauta, von den übrigen siei
die Bestimmung nicht sicher. 39. Jahres-Bericht der Schlesischen
Gesellsch. für vaterl. Cultur p. 69.
Vaillant fand bei Teneriffa am 30. November einen riesen-
haften Cephalopoden. Er harpuniite ihn, ohne seiner wirklich hab-
haft zu werden. Das Thier soll 15 — 18 Fuss lang gewesen sein, mit
8 Armen von 5 — 6 Fuss Länge. Comples rendus LIII. p. 1263. Hieran
anschliessend theiltMoquin Tandon eine Bemerkung über dasselbe
Thier aus anderer Quelle mit, und Milne Edwards fügt gleich-
falls eine Note hinzu, in der er das Historische über riesige Cepha-
lopoden beibringt.
Nach Steenstrup Vidensk. Meddelelser nat. Foren, i Kjöben-
havn p. 288 kommen an den dänischen Küsten drei Arten Loligo vor,
nämlich L. Forbesii Steenstr., breviceps Steenstr. und media Linn. ;
ferner Sepia officinalis L., Rassia sp., Sepiola Rondeleti Leach, Om-
matostrephes todarus Raf., Onychoteuthis Banksii Licht, und endlich
noch der mehrmals gestrandete Architeuthis monachus, also zusammen
10 Arten.
In Oversigt Kgl. danske Vidensk. Selsk. Forhandlinger Febr.
1861 gab Steenstrup einen ersten Theil der Synopsis der pelagi-
schen Cephalopoden, welche in den Kopenhagener Museen aufbewahrt
werden. Vorangeschickt wird eine Uebersicht der Familien der Ce-
phalopoden , deren im Ganzen 12 angenommen werden, nämlich A.
Decapoden. 1. Oigopsiden d'Orb. 1. Cranchiaeformes, 2. Taonoteuthi,
3. Onychii, 4. Ommastrephini. IL Myopsiden d'Orb. 5. Loliginei, 6.
Sepiarii, 7. Sepiolini, ? 8. Lituini (Spirula). B. Octopodes. I. Phi-
lonexiden d'Orb. 1. Tremoctopi, 2. A'rgonautei. IL Oclopodae typici,
3. Octopini s. Dicotyli, 4. Monocotyli. — Hiernach verzeichnet Verf.
7 Arten der Cranchien-Familie, von denen sich in Copenhagen fünf
befinden, 3 Cranchia, 2 Lcarhia und 2 Taonius, über welche ?y sich
einzeln weiter kritisch ausspricht.
der Mollusken während des Jahres^l861. 237
Die Älonographie der Gattung Argonauta ist von L o vell Reeve
Conch. icon. Lief. 206 mit 6 Arten auf 4 Tafeln gegeben. Die Gattung
Nautilus ist in der 208. Lieferung enthalten mit öArtcn auf 6 Tafeln.
N. macromphalus von Keu-Caledonien ist neu.
Jouan fing im 22° südlicher Breite und 29" östl. Länge eine
Spirula laevis und einige Loligo, die nicht näher bestimmt sind. Mem.
de la soc. de Cherbourg VIIL p. 178.
Cephalopliora.
Unter dem Titel : „Microdoride mediterranea o descrizione de'
poco ben conosciuti od affatto ignoti vivenli minuti e microscopici
del Mediterraneo. Tomo primo, con tredeci tavole. Napoli 1861. 8."
hat Costa angefangen kleine oder mikroskopische Thiere des Mit-
telmeers zu beschreiben und abzubilden. Den Mollusken sind die
Tafeln 9 — 12 gewidmet, auf denen Formen abgebildet sind, die theils
als neue Arten, theils selbst als neue Gattungen betrachtet werden.
Es lässt sich vermuthen, dass die meisten jugendliche oder gar Lar-
venzustände anderer bereits bekannler Schnecken sein möchten. Ich
reihe sie um so weniger unten am systematischen Orte ein, als Verf.
selbst die neuen Gattungen nicht in eine der bekannten Familien ver-
wiesen hat. Immerhin ist es zu wünschen, dass die Zoologen auf
solche mikroskopischen Mollusken ihre Aufmerksamkeil richten
möchten , weil dies der einzige Weg ist, um die noch so mangel-
haft gekannten Jugendzustände der Wissenschaft einzuverleiben und
dadurch eine wichtige Lücke allmählich auszufüllen. Soweit thun-
lich versuche ich eine Deutung der hier abgebildeten Formen. Tro-
chns elegantissitmis p. 55. pl. 9. fig. 1 scheint ein junges Cerithium
zu sein. — Trocims horridus p. 56. pl. 9 spreche ich für eine junge
Littorina scabra an. — Von Murex spinulosus p. 56. pl. 9. fig. 2 ver-
muthet Verf. selbst, dass er das Junge von Murex trunculus sein
könne. — Murex rugulosus p. 57. pl. 9. fig. 4 ist wohl der Jugend-
zustand eines bekannten Murex? — Solarium calcar p. 58. pl. 9
fig. 5 eine Schale von 2 Mm. Durchmesser. — Eine als Murchi-
sonia bezeichnete kleine Schale p. 59. pl. 9. fig. 3 möchte ich für
eine jugendliche Turritella halten. — Drei Arten der Gattung Scis-
surella s. unten. — Das neue Genus Heliciella p. 63, das jedoch
nicht recht charakterisirt ist, und von dem 2 Arten costellala pl. 10.
fig. 3 und mutahilis pl. 10. fig. 4, 5 abgebildet sind, könnte mögli-
cher Weise sich in junge Natica auflösen. — Die neue Galtung Spi"
r 0 lidium mediterraneum p. 64. pl. 11. fig. 2 . 4 ist wahrscheinlich
die Larvenschale eines Heteropoden, etwa Pterotrochea. — Kleine
Planorbis ähnliche Schalen mit nicht umfassenden Windungen, runder
238 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Mündung, einfachem zuweilen durch die äussere Runzel verdicktem
Peristoni hat Verf. p. 71 als Gattung Amtnonicer a aufgestellt. Es
sind vielleicht auch jugendliche Schalen. Dazu vier Arten: A. pul-
chella pl. 12. (ig. 1, pattcicostata pl. 11. fig. 1, sim'fjlex pl. 11. fig. 3,
mutabilis pl. 12. fig. 2. — Die neue Galtung Protoinedea p. 73 mit
2 Arten P. elala pl. 11. fig. 5 und ornata pl. 11. fig. 6 ist der Larven-
zustand von Cymbuliaceen, und möchte erstere Art die I.arve von
Cymbulia Peronii, die letztere von Tiedemannia neapolitana sein
(vergl. Krohn Beitr. zur Entvvickelungsgeschichle der Pteropoden
und Heteropoden Taf. I). — Taf. 12. fig. 8 finde ich im Texte nicht
berücksichtigt; sie stellt die Scale der Larve von Firoloides dar.
Ehrenberg hat seit einigen Jahren den Tiefgrund-Verhält-
nissen des Oceans seine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Schon
im Jahre 1858 hat er für die mikroskopisch kleinen Gasteropoden
zwei Gattungsnamen zur Bezeichnung vorgeschlagen, Brachyspira
und PI eur o sp ir a, die ich in dem damaligen Berichte leider über-
sehen hatte, weil ich nicht gewohnt war, in Ehrenberg's mi-
kroskopischen Untersuchungen Malakologisches zu finden. Jetzt hat
er wieder in den Berliner Monatsberichten 1861. p. 222 den tiefen
Meeresgrund im Mexikanischen Golfstrome bei Florida, p. 275 am
Eingange der Davisstrasse und bei Island, und ferner p. 434 untersucht.
Verf. ist geneigt die kleinen gewundenen Schalen, welche aus gros-
sen Tiefen gehoben wurden, für Jugendzustände von Pteropoden zu
halten, und bestimmt sie im Vergleiche mit K rohn's Untersuchungen,
als meist neue Arten. So finden wir p. 310 durch Diagnosen aufge-
stellt: Crescis Campana, Clavicella, Cornucopiae, eburnca, obtusa,
stiliformis; Cymbulia (Brachyspira) ampliata, depressa, laevis; Cym~
bulia (Pleurospira) Cyclus, longirostris; Hyalaea costata, mexicana.
Manche dieser Formen mögen freilich den Pteropoden zugehören;
wenn man aber bedenkt, dass unendlich viele Schneckenlarven auf
der Oberfläche des Meeres umherschwärmen, deren viele sogar re-
gelmässig die Schale abwerfen, theils um sich eine andere zu bilden,
theils um schalenlos weiter zu leben, so werden wohl auch in jenen
Tiefgründen allerhand Larvenschalen gefunden werden, die den ver-
schiedensten Familien angehören, und deren Abkunft um so schwerer
zu bestimmen ist, als man diese Larvenformen noch sehr wenig
kennt. Verf. hat ja auch selbst Formen gefunden (p. 442), die er
Gasteropoden zuschreibt.
Arthur Adams beschrieb einige neue Schalen, die offenbar
Larvenzustände anderer Galtungen sind, nämlich eine neue Gattung
Alciope mit gekielter letzter Windung und in einen Dorn vorge-
zogenem Labrum. A. rostralis und spicata, ferner Sinusigera fusoides,
bicarinata und Macgillivraya perspicua, alle von China. Annais nat.
bist. Vin. p. 401.
der Mollusken während des Jahres 1861. 239
Heteropoda.
Von d'Orbigny's Gattung Bellerophina hat A. Adams Annais
nat. hist. VIII. p. 403 eine lebende Art B. recens im indischen Ocean
gefunden. Er möchte die Familie zu den Heteropoden stellen.
Gasteropoda.
Die vierte Lieferung von des Referenten „Das Gebiss der
Schnecken. Berlin 1861' enthält folgende Familien: Fossari, Verme-
tacea, Capulacea, Ilipponicidae, Trichotropidae, Velutinidae, Natica-
cea, Marseniadae, Pediculariacea, Onuslidae, Alata. Der Leser wird
sich überzeugen, dass auch hier die sämmtlichen Familien durch sehr
bestimmte Unterschiede des Gebisses von einander abweichen, und
dass somit in diesen festen Theilen des Mundes ein hochwichtiges
Classifikationsmittel liegt.
Den Herzschlag von Helix hortensis hat Foster beobachtet;
er setzte sich auch rhythmisch fort, wenn das Herz zerschnitten wurde.
Report 29. Meeting brit. Assoc. advanc. sc. held at Aberdcen p. 160.
Fischer hat Journ. de Conchyl. IX. p. 101 — 118 die Resultate
zusammengestellt, welche die früheren Beobachter über die Athmung
der Landschnecken gefunden haben. Viele eigene Beobachtungen
scheint Verf. nicht hinzugefügt zu haben, es ist jedoch immerhin
verdienstlich, durch diese kleine Arbeit auf den interessanten Ge-
genstand aufmerksam gemacht zu haben.
Lubbock hat die Entwickelung von Buccinum undatum beob-
achtet, und wünschte die bekannte verschiedene Auffassung zwischen
Koren und Danielssen einerseits und Carpenter andererseits
zu entscheiden. Er sah, dass auch die Embryonen von Buccinum
die Dotterkügelchen fressen, jedoch mit dem Unterschiede, dass die
letzteren ganz verschlungen werden, da sie keine Furchung einge-
hen, während sie bei Purpura theilweise (particle by particle) auf-
genommen werden. Report Brit. Assoc. advanc. of science held at
Oxford 1860. p. 139.
Robert Garner Hess sich über die Zeugung der Gasteropo-
den vernehmen ; er beschrieb die Spermatozoiden von Paludina und
deutete die Organe der Heliceen und Limaceen, zum Theil in einer
Weise, die von der gewöhnlichen Auffassung abweichend ist. So
will er die Zwilterdrüse nur als Hoden gelten lassen. Report 29.
Meeting brit. Assoc. advanc. of sc. held at Aberdeen p. 162.
Nachzutragen ist, dassLeith im Journal of the Bombay brauch
of the Royal Asiatic soc. V. 1857. p. 145 eine neue Schneckengattung
Optedic er o s aufgestellt hat. Das Thier hat einen breiten kurzen
Fuss, Kopf in eine breite, schwach ausgerandete Lippe ausgedehnt,
240 Trosclicl: Bericht üb, d. Leisf. in d. Naliirgeschirhte
die als Vor-Fuss gebraucht wird, nur zwei Tentakel, kurz, fast cylin-
drisch, contractu, Augen auf dem Gipfel. AthemöfTnung im Mantel,
hinter dem rechten Fühler. Deckel hornig, mit subspiralen Linien.
Schalen fast genabelt, mit erhabener Spira, Apertur rund unten, oben
winklig, Peristom gerandet, an der Basis vorgezogen, Lippen durch
eine Schwiele verbunden, welche den Nabel mehr oder weniger ver-
deckt, 0. cornetim, subconicnm, marginatnm. An den Küsten von
Bombay. Es ist schwer zu sagen , wohin diese Gattung gehören
möchte.
Ta enioglossa,
Cyclotacea. Arthur Adams beschrieb kurz die Thiere der
Gattungen Alycaeus, Hydrocena, Pterocyclos und Pupinella , ohne
jedoch die Species zu bezeichnen, auf welche sich diese Angaben
beziehen. Bei Pterocyclos wird beim Kriechen der Deckel in dem
tiefen Kabel der Schale verborgen. Annais uat. bist. VIL p. 196.
Cyclolus Berendti 'Pfeiffer Malak. ßl. VIIL p. 171. ~ C. sub-
flammnlatus und Batchianensis Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 28, letztere
pl. 3. fig. 1 abgebildet. — C. natalensis Pfeiffer ib. p. 388 von
Cap Natal.
Zu der Cyclotaceen- Familie wahrscheinlich gehörend ist eine
neue Gattung Opisthosloma Blyth testa operculata ? anfractibus
apicialibus obliquiter dcfleclis, anfractu ultimo constricto, deinde in-
flato, denique sinistrorsim ascendente, anfractibus superioribus con-
tiguo, apertura reversa rolundata, continua, peristomate duplicato.
Die seltsam gestaltete neue Art 0. nilgirica von dem Kilgiri-Gebirge
ist abgebildet. Journ. Asiatic Soc. of Bengal 29. 1861. p. 121-
Ebenda sind Alycaeus expatriatus, Diploinmatiiia Nilgirica und
Cyclolus malaharicus beschrieben. Erstere lebt 3 — 4000', beide letz-
teren 7000' hoch im Kilgirigebirge.
Alycaeus Andamaniae Benson Annais nat. bist. VIL p. 28 von
den Andaman-Inseln.
Auf 20 Tafeln sind bei Lovell Reeve Conch. iconica Lief.
209 — 211 'die Arten der Gattung Cyclophorus, etwa 100 an Zahl
dargestellt, unter denen nur eine C Ffeifferi von der Insel Pulo-Pe-
nang neu ist, — C. papilio Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 29.
Leptopoma pulicarium pl. 3. fig. 7, glohulosiim pl, 3. fig, 9, de-
cipiens pl, 3, fig. 10 Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 29, von den Moluk-
ken. — L. Mouhoti Pfeiffer ib. p. 195 von Camboja. — L. nigricans
von Menado, cinclcllum Ternate, menadense Menado Pfeiffer ib. p.388
pl.37. fig. 10— 12.
Coptocheilus Gould n. gen, Proc, Boston VIIL p. 282, T.
chrysalidiformis, acuta, arcte perforata, castanea ; apertura a spira
fere diiuncla ; peristomate plus minusve duplici, lamina interna poslice
der Mollusken während des Jahres 1861. 241
incisa. Operculum corneum, multispiiale, circulare, planulatum. Da-
hin Cyclosfoma altutn Sow., seclilabrum Gonld, pauperculum Sow.
und funiculatum Bens., welche bisher zu Megalomastoma gezählt
wurden.
Ost ödes Gould n, gen. ib. p. 283. T. parva, turbinata, solida,
ossea, albida, spiraliter sulrata interdum undulata, profunde umbili-
cata, apertura fere circularis; peristomate simplici, fere continuo;
fauce porcellana. Operculum corneum, multispirale, sutura modica;
vibraculis subulatis, tenuibus, oculis haud pedicellatis. Dahin Cyclo-
stonia strigatum, plicatum, obligatum, tiara Gould, flavum Brod., mar-
garita und euomphalus Ffr., welche bisher zu Cyclophorus gehörten.
Pupina Mouhoti Pfeiffer Proc. zool. son. p. 196 von Caniboja.
Pupinella borneensis Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 389. pl. 37. fig. 1
von Borneo.
GyclOStomacea. Cyclosloma tubuläre Morelet Journ. de Con-
chyl. IX. p. 46 von Madagaskar. Aus der Diagnose ist die Gattung,
zu der die Art gehören möchte, urn so weniger zu erkennen, als der
Deckel nicht beschrieben ist, — C. Leferi, spiniferum, pertusum Mo-
rdet ib. p. 176 von Borneo. — C. tahitensis und viridensis Pease
Proc, zool. soc. p. 243 von Huaheine.
Ci/c/osfowMs /sa6ei/a Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 388. pl.37. fig. 9
von Madagaskar.
Ctenopoma Jeannereti Pfeiffer Malak. ßl. VIII. p. 223 von Cuba.
Chondropoma terebra Pfeiffer Malak. Bl, VIII. p. 74. Taf. IL
Fig. 4 — 6 von Portorico.
Choanopoma hystrix Wright MS., Storchi, Lachneri, Jiguanense
Pfeiffer Malak. Bl. VIII. p. 221 von Cuba.
Adamsiella Osberti Tristram Proceed. zool. soc. p. 282 von
Guatemala.
TroncatellaCda. Cedna n. gen. A. Adams Annais nat.
bist. VIIl. p. 308 verwandt mit Truncatella: Tentacula lobiformia,
plana, apicibus obtusis rotundatis; oculi magni, nigri , non promi-
nentes, sine pupillis, ad basin externam tentaculorum positi ; rostrum
elongalum, cylindricum, annulatum ; pes hrevis, oblongus, utrinque
rotundatus. Operculum ovatun», corneum, subspirale. Tesla imper-
forata, subcylindrica, epidermide olivacea obtecta , apice obtuso,
eroso, non truncato, anfractibus planis, laevibus; apertura ovala, ver-
ticali, antice rotundata, postice acuminata, peritremate continuo, vix
incrassnto, labro flexuoso, in niedio subproducto. C. manchurica von
der Manscluirei,
Paludinacea. Lewis hält die im Erie-Kanal vorkommenden
Paludinen für drei Species angehörig, P. decisa Say, integra Say und
rufa Hald. , weil sich auch die embryonalen Zustände verschieden
zeigen, wogegen Binney dieselben nur als Varietäten angesehen
Archiv f. Naturg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd. Q
242 T rose hei: Bericht üb. d. Leistungen in d. Waturgeschichte
hatte. Proc. Philadelphia 1861. p. 2. — Derselbe giebt ib. p. 57 an,
dass die Paludinen vom 3. oder 4. Jahre an Junge erzeugen.
Stenothyra glabra und gibba A. Adams Annais nat. bist. VIII.
p. 308 von China.
Assi$ni7iea lutea und cincta A. Adams Annais nat. bist. YIII.
p. 307 von China.
Tomichia Bensoni und japonica A. Adams Annais nat. bist. VIII.
p.308 von Japan.
Faludinella suhsinuata Dunker Malak. Bl. p. 40 von Pondichery.
Hydrobia Fischet i Dunker Malak. Bl. VIII. p. 152 von Neu-
seeland.
James Lewis setzt Amnieola lapidaria Say in die Gattung
Melania und berichtet von ihr mancherlei Seltsames, namentlich dass
sie luftalhmend sei. Proc. Philadelphia VIII. p. 255.
Melaniacea. Aus der Melanien -Abtheilung sind in Reeve's
Conchologia iconica mehrere Gattungen erschienen, nämlich:
1. Anculotus in Lief. 195 und 206 mit 53 Arten auf 6 Tafeln,
darunter neu : A. planospira Kentucky, ligalus, smaragdinus und swZ-
cosusj alle drei von Alabama.
2. Melatoma in Lief. 195 und 206 mit 23 Arten auf 3 Tafeln.
Neu sind : ]\L quadrata Alabama, sphaerica, Anthonyi, elliptica alle
aus Alabama. Verfasser braucht den Gattungsnamen fälschlich als
Neutrum.
3. Jo in Lief. 195 und 206 mit 21 Arten auf 3 Tafeln. Als
neu sind beschrieben : Jo spirostoma, verrucosa, brevis, alle drei aus
Tennessee, funiculata Alabama, rota^ fasciolata, robulina, rhombica,
gibbosa, recta und lurida, aus den Vereinigten Staaten.
4. Melania in Lief. 188, 190, 191, 193, 196, 199, 201, 203,
207, 209 mit 473 Arten auf 59 Tafeln. Von 410 Arten ist das Va-
terland bekannt, die östliche Hemisphäre besitzt 155 Arten, wovon
die Philippinen mit 38, Java mit 25, West-Afrika mit 24, die Fee-
jee-Inseln mit 20 Arten als die reichsten Gegenden hervortreten ; auf
der westlichen Hemisphäre leben 255 Arten, von denen 10 auf Nord-
Brasilien, Guiana und Pernambuco, 10 auf Oregon, Californien und
Cuba, 25 auf Central-Amerika und die grosse Masse von 210 Arten
auf die südlichen Vereinigten Staaten kommen. Als neu sind be-
zeichnet: M. pernambuceneis, herculea Ceylon, ferrea Borneo, mau-
rula Guinea, oieZiscws Honduras, rMSftca, fulgida Philippinen, obstricta,
canaliculata (in Sooloensis umgetauft) Sulu-Inseln, unisulcata, Petiti,
Buschiana Californien, pyramis Borneo, ciinelium Salomonsinsel, m-
cobarica, samoensis, aerea Philippinen, bullioides Philippinen, Wal-
lacei Macassar, corporosa, sinensis China, arcticava, pagodulus, aqua-
tilis Guiana, exusta Salomonsinsel, erebus , Charpentieri Guiana,
timorensis, veneiuelensis, australis Victoria -River, incisa Salonions-
der Mollusken während des Jahres 1861. 243
insel, carbonata, scarahus (ist nigrita Foey), gemella Cubn, Schom-
burghii, unisulcata (in rimata umgetauft), Bensoni Indien, For-
tunei China, ßoricoma, phlebotomum West-Afrika, Mörchii, palimpse-
stos, perrimosa, Gouldiana Neu-Caledonien, calculus Kord-China incisa
(in biflamniata umgetauft) Tahiti , crepidinata Java , tristis Java,
forulala, Heukelomiana , biflammata^ japonica , pirenoides Fernando
Po, mexicana , b acutus , spadicea, Sallei Central - Amerika, foena-
ria, lacunata, murrea, agreslis Borneo, Guineensis, siphonata, bal-
teala, lumbricns Brasilien , sculptilis, merelrix Taheiti, pallidula (in
pallens umgetauft) West-Afrika, scopulus, collislricla Nieobaren und
Philippinen, Broti Ceylon, dembea Abyssinien, hybrida, fastigiella,
histrionica Cap - Colonie, transversa, elegans Afghanistan, feejeensis,
dura, hippocastanum Borneo, loricata, nicotiana Brasilien, Batesii
Aniazonenfluss, rubicunda, Brookei, nucula Neu-Caledonien, denticu-
lala Philippinen, Metcalfei Borneo, strobilus Sevilla, mutans West-
Afrika, porracea, pallida crassilabrum Neu-Caledonien, lentiginosa,
rudcnS; aegyptiaca, Cornea Dalmatien, Gassiesii Central - Amerika,
Commersonii Madagaskar, Moreleti Neu-Caledonien, caelatura Geor-
gia, densa Tennessee , inornata und pulchella Vereinigte Staaten,
brevispira Tennessee, bicolor Vereinigte Staaten, apis Mexiko, ra-
rinodosa Vereinigte Staaten , bella Georgia, Deshayesiana Tennessee,
subcarinata (in hybrida umgetauft) Vereinigte Staaten, cuspidata
Ohio, perangulata, picta (in picturata unigetauft) und incurta alle
drei Vereinigte Staaten, rorata, impressa, sngillata alle drei Alabama,
aspersa Pernambuco , symmetrica Vereinigte Staaten, Deshayesii,
elata und Hallenbeckii Vereinigte Staaten, floridensis , sublirata Ver-
einigte Staaten, abjecla , brevis , curla, nucleola Vereinigte Staa-
ten, perfusca , larvaeformis Vereinigte Staaten, Ciibaniana , angusta
(in angustispira umgetauft) Vereinigte Staaten, exilis , triparlita,
nigrina (in nigrostoma umgetauft) Californien, infensa und crebri-
costata Vereinigte Staaten, intersita Indiana, cinnamomea Alabama,
dislocala Nord-Carolina, formosa Alabama, scabrella Georgia, inter-
rupta südl. Vereinigte Staaten , stygia Tennessee, tenera Alabama,
inßala, triviltata Alabama, expansa Tennessee, etoicahensis Georgia,
Porlellii Süd-Carolina, baculum Tennessee, Foremani Alabama, litida
Ohio, uncialis Tennessee, attenuala Cuba, glabra Tennessee, coslifera
Illinois, ora/is Alabama, Venuxemiana Wuhama, crenatellaJ ennessee,
curvicostata Florida, nigrostoma, densicostala Florida, papulosa Flo-
rida, Cambojiensis, obesa Alabama, semigradata. Zu bemerken ist,
dass unter diesen zahlreichen neuen Arten viele Manuscripl-ISameu
von Anthony, Lea, Haldeman, Conrad und Anderen figuri-
ren, unter denen die Exemplare der Cuming'schen Sammlung zu-
gegangen waren. Verfasser fasst die Gattung Melania in sehr wei-
tem Sinne.
244 Troschcl: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
5. Hemisinus Swains. durch die ausgerandete Mündungshasis
und die schwielig gewundene Spindel charakterisirt. Von den 26
auf G Tafeln in Lief. 192 dargestellten Arten ist die Hälfte neu; die
meisten stammen aus Brasilien und Venezuela, zwei von den Seychel-
len und je eine von Illyrien, Java und Borneo. Die neuen Arten
heissen : //. punctalus, tenellus, Behnii, olivaceus, pulcher und glo-
bosus von Pernambuco ; bicinctus, aspersiis, ruginosus, obesus, zebra
und tenuilabris aus Brasilien; buccinoides von Jamaica. Auch Mela-
nopsis crenocarina Moric. gehört hierher.
6. Melanopsis in Lief. 193 und 194 mit 10 Arten auf 3 Ta-
feln. Die dicke Schwiele am oberen Theile der Spindel und der
tiefe Ausschnitt an der Basis unterscheiden sie von Hemisinus. Von den
10 Arten leben zwei auf Neuseeland, eine auf Neu-Caledonien, die
übrigen im südlichen Europa und Asien. Neu sind : M. zelandica und
Strangei von Neuseeland, Saulcyi Syrien, lentiginosa Neu-Caledonien.
7. Pirena in Lief. 188, 189 mit 10 Arten auf zwei Tafeln.
Neue Arten: P. nana Neu-Caledonien, Catitori Venang, picta Ceylon,
pagodns, maura West- Afrika, lingidata West -Afrika, plicata West-
Afrika.
Lea stellte 49 neuen Melanien aus Alabama auf Proc. Philadel-
phia p. 117, namentlich M. Hartmaniana, Lewisii, elliptica, rubicunda^
vesicula, Coosaensis, gracilior, propria, nubila, orbicula, calculoides,
punicea, luteola, fascinans, quadrivittata, midas, variata, virgulata,
mucronata, propinqua , suavis , fallax , clausa, purpurea , mellea,
varians , Sliowalterii , glandaria , pudica, Shelbyensis , AlabaniensiSj
rara, bullula, stratninea, solidula, Cahawbensis, culta, lila, copiosa,
pergrata, bellitla, aequa, capillaris, gratiosa, paula, blanda, crepera,
fumea, propria. Verf. hat wohl aus Versehen zwei Arten mit dem
Namen propria belegt; eine davon muss umgetauft werden !
Melania Rothiana Mousson Viertel] ahresschr. Naturf. Ges. in
Zürich VL p. 150 ans dem Orient.
Lea stellte Proc. Philadelphia p. 96 in der Melanienfamilie
eine neue Gattung S tr ep hobasis auf, testa cylindracea; apertura
subquadrala; coluuiella inferne incrassata et retro-canaliculata ; oper-
culum corneum, instar spirae. Drei neue Arten, St. Spillmantii, Cor-
nea und Clarkii aus dem Tennessee-River.
Anc\dosa lurbinata Alabama, Lewisii Tennessee und coosaensis
Alabama Lea Proc. Philadelphia p. 54.
Lithasia fusiformis, imperialis, Tuomeyi, subglobosa und dila-
tata Lea, die drei ersten von Alabama, die beiden letzten von Ten-
nessee. Proc. Philadelphia p. 55.
Jo nodosa, robusta, variabilis, niodesta, Spillmannii, gracilis,
viridula Lea Proc. Philadelphia p. 393 aus Alabama.
der Mollusken während des Jahres 1861. 245
SchiZ'Ostotna Spillmanii Lea Proceed. Philadelphia p. 54 von
Alabama.
In einer Monographie der Galtung Pyrgula Revue et mag. de
zool. p. 524 unterscheidet Bourguignat drei Arten: P. helvetica,
bicarinata und pyretiaica n. sp.
Melanopsis ovata Dunker Malak. Bi. VIII. p. 150 von Neu-
seeland.
Clca funesta H. Adams Proc. zool. soc. p. 383 von Malacca.
Canidia ist eine neue Gattung von H. A d a m s ib. p. 384.
Operculum parvum, unguiculatum, corneum ; nucleo niarginali, rostro
basali elevato munito. Testa fusiformis; spira longiore quam aper-
tura, apice eroso ; anfractibus convexiusculis, transversim plicatis;
apertura elongato-ovata, antice valde emarginata ; columella truncata,
subrecta; labro simplici, antice sinuato. Verwandt mit Clea und Me-
lanopsis. Dahin ausser Melanopsis helena von Java eine neue Art
C fiisca von Camboja.
Littorinacea. LUtorina lamellosa Montrouzier Journ. de Con-
chyl. p. 27o. pl.ll. flg. 3 von Neu-Caledonien.
Tectarius luteus Gould Proc. Boston VIII. p. 14 von China.
Lacujia decorata, inflata, turrita A. Adams Annais nat. bist.
VIII. p. 304 von Rifunsiri.
Risella crassa Sidney und parvula Sandwichinseln Dunker Ma-
lak. Bl. p. 42.
Rissoella sinensis und consobrina A. Adams Annais nat. bist.
VIII. p. 240 aus dem gelben Meere.
Rissoa miranda und R. (Goniostoma) procera A. Adams Annais
nat. bist. VIII. p. 136 von Japan. — R. incompta von Florida und R.
(SetiaJ pateiis von Fort Johnson, Charleston Harbor Gould Proc. Phi-
ladelphia VIII. p. 280.
Altania circi?iata, semicostata, tiarula, caelata, clathratula,
Mariella, concinna, ferruginea A. Adams Annais nat. bist. VIII. p.lo7
von Japan. — Ä. badia und scilula ib. p. 300 von Nord-China.
Onoba mundula und elegantula A. Adams Annais nat. bist. VIII.
p. 136 von Japan. — 0. subulina A. Adams ib. p. 299 aus dem Golf
von Pe-chili.
Setia Candida, tricincta, bifasciata A. Adams Annais nat. bist.
VIlI. p- 136 von Japan.
Fyramidellidad. in dieser Familie stellt A. Adams Annais nat.
bist. VII. p. 41 folgende neue Arten von Japan auf: Parlhenia mundula,
costellata, littoralis ; Odostomia hyalina; Auriculina ovalis, Grayi;
Aclis Loveniana, crystallina , fulgida; Ebala diaphana , scintillans ;
Chrysallida pygmaea, pupula, consimilis, consobrina, alveata, munda,
mumia, nana, lerebra, pusio, pura; Dunkeria craticulata; Eulimella
pellucens, vpalina, opaca, vitrea, hyalina.
246 T 10 sc hei: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgescliichte
Desgleichen ib. p. 295 von Kord -China: Monoptygma tittala,
melula, punctigera, sulcifera, cingulata; Menestho sxibula ; Syrnola
unilineala; Elusa n. gen. testa subnlata, turrita, anfractibus multis,
longitudinaliter plicalis, apertura ovala, antice integra ; labio plica
parielali unica instructo, labro tenui, simplice. — E. teres; Turbonilla
tercbra, ceritia, scitida, albella, compta^ bifasciata ; Odostomia pvmilay
biconica, porcellana, bulimella, brevictila, lepidula, pyramidalis.
Dunkeria rufocincla und canc/ic/a A. Adams Annais nat. bist. VIII.
p. 300 von China. — D, suturalis Gould Proc. Boston VIII. p. 280
von Fort Johnson, Charleston Harbor.
Chrysallida casta , inconspicna , miranda, pulchella, tenuicula,
mundula, coslellata, igfemm« A. Adams Annais nat. hist.VIII. p. 301 von
China. — Ch. curtina Gould Proc. BostonVIII. p. 280 von Süd-Carolina.
Monoptygma caelata A. Adams Annais nat. bist. VIII. p. 303
von Mino-Sima.
Menestho exarata und sculptilis A. Adams Annais nat. hist.VIII.
p. 303.
Stylopsis sulcata A. Adams Annais nat. bist. VIII. p. 241 aus
dem Meere von Ocholsk.
Amathis n. g. A. Adams Annais nat. hist.VIII. p. 303 in der
Familie Pyramidellidae : testa subulata , laevis, polita, anfractibus
simplicibus; apertura antice integra, dilatata, rotundata, postice acuta,
labio superne plica obliqua valida instructo. Dahin J\lyonia virgo,
üdostomia producta und Menestho eburnea, concinna, pellucida, su-
bula, sämmtiich im vorigen Jahre beschrieben.
Leucotina insculpta und punctata A. Adams Annnls nat. bist. VIII.
p. 138 von Japan. — L. sulcata A. Adams ib. p. 241 von der Korea-
Strasse.
Myonia elegans und scitula A. Adams Annais nat. bist. VIII.
p. 241.
EulimäCOa. EuUma robusta , clatula , pinguicula , curvata,
mundula, stylata, acicularis, ßexa , pandala , reclinata, stenostoma^
seniitorta, eburnea, dentaliopsis, angulata^ valida, odontoidea, chry-
sallida, debilis, indeßexa, scitula, A. Adams Annais nat. bist. VII.
p. 125 von Japan. — E. gibbosula und subula \. Adams ib. VIII. p.239
von IVord-China.
Leiostraca iurgidula, lanceafa, nixa, Leachi, spiculum, paxil-
lus, pura, nivea^ clavella, nitida A. Adams Annais nat. bist. VII.
p. 128 von Japan. — L. Ariel, Oberen, Titania, Maria, Constantia
casta, lentiginosa A. Adams ib. VIII. p. 243 von Nord-China.
Aus Bonellia imbricata Sow. bildet A. Adams Annais nat.
hist.VIII. p. 306 ein eigenes Subgenus Volnsia: testa turrita, axi
perforata, anfractibus angulatis, transversim striatis ; apertura subqua-
drata, antice angulala et producta.
der Mollusken während des Jahres 1861. 247
GdrithlaCOä. Cerithium Gourmyi Crosse Journ. de Conchyl. IX.
p. 171. pl. VI. fig. 1. 2 von Neu-Caledonien.
Brot hat bei den beiden Arten von Cerithium, welche die
Gattung Pyrazus bilden, C. palustre und sulcatum, im Innern der
Schale Zähne gefunden, welche sich von Stelle zu Stelle wiederholen.
Journ. de Conchyl. IX. p.l52.
Cerithiopsis rosea, cerina, baculum, clavula, paxillus, pagodula,
cingulata A. Adams Annais nat. bist. VII. p. 130 von Japan. Die
letztere Art gehört dem Subgenus Seila an.
Litiopa ventrosa A. Adaras Annais nat. bist. VIII. p. 404 aus dem
indischen Ocean.
Diala n. gen. A. Adams Annais nat. bist. VIlI. p. 242 ver-
wandt mit Alaba, und soll in die Gruppe von Litiopa und Planaxis
gehören: testa imperforata, ovato-conica , saepe semiopaca , varie
picta, anfractibus simplicibus; apertura ovata, antice integra, labio
rectiusculo, labro simplici. D. varia, Cornea, leucosticta, picta von
Kord-China.
Planaxis Bronni Südsee, Menkeanus Rothes Meer Dunker Malak.
Bl. p. 41. — PL plumbea Pease Proc. zool. soc. p. 244 von den
Sandwichinseln.
FoSSari. Fossar japonicus A. Adams Annais nat. bist. VIII. p. 139
von Tsu-Sima.
Conradia pulchella A. Adams Annais nat. bist. VIlI. p. 307 von
Tsu-Sima.
Turritellacea. Vanesia n. gen. A. Adams Annais nat. bist.
VIII. p. 242 verglichen mit Mesalia: testa subulaia, rimata, tenui ; an-
fractibus numerosiSj planis; apertura, ovata, postice acuminata, antice
rotundata, integra; labio tenui, subrellexo; labro margine simplici,
acuto. V. trifasciata von der Sunday-Insel an der Küste der Man-
schurei. — F. sulcalina ib. p. 307 ebendaher.
Vermetacea. Den ersten und zweiten Theil einer Uebersicht
der Vermetidae gab Mörch in Proc. zool. soc. p. 145 — 181, wozu
eine Tafel mit Abbildungen gehört. Er unterscheidet und charakte-
risirt folgende Gattungen: 1. Bartinella Mörch mit 6 fossilen Ar-
ten; 2. Stephop oma Mörch mit 4 Arten, St. frtcwspe von Australien
und senticosiim neu; 3. Siph onium Browne mit 19 Arten, S. me-
gamastum von Californien, lituella von Californien, leucozonias von
Wesl-Afrika, teredula, platypus von den Sandwichinseln, textum von
den Philippinen, scaphitella von den Philippinen, pictum von Ostin-
dien, Gaederopi von Spanien, luridum von den Societäts-Inseln, suh-
granosum von Ostindien neu; 4. Vermiculus Lister mit 15 Arten,
V. solarinus von den Philippinen, dimorphus von den Philippinen,
rastrtim neu. — In der Fortsetzung ib. p. 326 werden ferner behan-
delt die Gattungen Spiroglyphus Daud. mit 9 Arten, worunter «S.
248 Troschel: Berici.t üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
stramonitae von Guinea neu, Vermetus Adans. mit 4 Untergattun-
gen, nämlich 1. Vermetus Adans. anfractibus gracilibus, laminis e
parictibus procedentibus, 10 Arten, worunter neu : V. lilacinus von
Zanzibar, 2. P e talo c o nchus Lea laminis ab axi procedentibus, mit
10 Arten, worunter neu: pachylasma von Guinea?, Balani tiniinna^
bull von den Philippinen, anellum von Californien; 3. Macro^
phragma Carp. Laminae internae versus medium columellae in-
strnctae, lamina superior acie angnlata deflexa, extus bicarinata, 3
Arten; 4. Ateles Carp. Anfractibus amplioribus, columella lira me-
diana obsoletissima, color plerumque rufescens , anfr. primi badii,
4 Arten.
Gäpulacea. Capulus japonicus und depressus A. Adams Annais
nat. bist. VIll. p. 138 von Japan.
Trichotropidae. Trichotropis (Ipkinoe) quadricarinata A. Adams
Annais nat. bist. Vlll. p. 135 von Mino-Sima.
Eine neue Galtung Alora stellte H. Adams Proc. zool. soc.
p. 27 in der Psähe von Trichotropis auf: Testa ovato-fusiformis, vix
umbilicata, tenuis, spira elevata, anfractibus convexis, liris elevatis
spiralibus et laniellis tenuibns cancellatis, apertura ovali, antice pro-
ducta, labio laevi, rotundato, antice subreflexo, labro margine sim-
plice, acuto. Die Art A. Gouldii ist marin, und lebt in Veragua.
Naticacea. Sigaretus lucidus Gould Proc. Boston VIII. p. 14
von China.
Alata. Fischer findet die Augen der Strombus höher orga-
nisirt, als bei den übrigen Schnecken. Die Iris hat eine, zwei, drei,
vier oder fünf Farben, wonach man die Arten in Gruppen bringen
könne. Verf. schreibt ihnen ein gutes Sehvermögen zu. Journ. de
Conchyl.IX. p. 213.
Cypraeacea. Cypraea Barlhelemyi Bernardi Journ. de Con-
chyl. IX. p. 48. pl. 1. fig. 3. 4 von Neu-Caledonien.
Dunker beschreibt Malak. Bl. p. 38 eine Varietät von Cypraea
oryza Lam.
Ranellacea. Epidromus CumingiiDohmfroc. zool. soc. p. 205.
pl. 26. fig. 5.
Gassidsa. Bernardi bestätigt die Vermuthung Petit de la
Saussayes, dass iMartin's Pyrula provincialis der Galtung Cassida-
ria angehöre; sie muss also fortan Cassidaria provincialis heissen.
Journ. de Conchyl. IX. p. 344.
Toxoglossa,
GonOidea. Bemardi hat eine Ergänzung der Monographien
über die Gattung Conus von Reeve, Kiener und Sowerby her-
ausgegeben : Monographie du genre Conus. Paris 1861. 4.
der Mollusken während des Jahres 1861. 249
Conus Lienardi Bernardi et Crosse Journ. de Conchyl. IX. p. 49.
pl. 1. fig. 2 von Keu-Caledonien, — C. Crosseanus von Keu-Caledo-
nien (pl. VI. fig. 3. 4) und Lubeckianus (pl. VI, fig. 7. 8) von der Insel
Guadeloupe Bernardi ib. p. 168. — C. Barthelemyi Bernardi ib.
p. 285 vom Chagos Archipel.
Terebracea. Die Monographie dtr Galtung Terebra ist bei
Lovell Reeve Conchologia iconica Lief. 193 — 198 erschienen. Sie
umfasst 155 Arten, die auf 27 Tafeln abgebildet sind. Da sich in
neueren Zeiten mehrere Conchyliologen, namentlich Deshayes mit
dieser Gattung beschäftigt haben, so ist die Zahl der neuen Arten,
vs^elche hier aufgestellt sind, nur gering ; es sind T. Deshayesii, livida
Philippinen, Taylori Australien, morhida, Meicalßi Westindien, poly-
gonia. Von den 93 neuen Arten, welche Deshayes aufgestellt hatte,
erkennt Verf. 40 nicht als artberechtigt an.
Pleurotomacea. Fleurotoma callosa Valenc. , deren Vaterland
bisher unbekannt war, lebt nach der Mittheilung von Souverbie
an der Mündung des Senegal. Journ. de Conchyl. IX. p. 260. — PI.
Montrouzieri und ptirpurata Souv. (vergl. vor. Ber.) sind ib. pl. 11.
fig. 7 und 8 abgebildet. — PI. apicalis Montrouzier ib. p. 277. pl.ll.
fig. 6 von Neu-Caledonien. '
Mangelia (Astyris) labecula Gould Proc. Boston VIII. p. 281 von
Georgia.
Beta undatella Gould Proc. Boston VIII. p. 281 von Georgia.
Drillia elozantha Ravenel Proc. Philadelphia p. 43 von Süd-
Carolina. 1^
Gancellariacea. Durch die Entdeckung des Gebisses der Gat-
tung Cancellaria hat Referent die Stellung dieser Gattung unter den
Toxoglossen nachgewiesen. Verh. Rheinland und VVestphalen Sit-
zungsber. p. 125. Die Abhandlung s. dies .Archiv 1861. I. p. 361.
Crosse hat sich Journ. de Conchyl. IX. p. 220 mit dem Stu-
dium der Gattung Cancellaria beschäftigt. Er findet Beziehungen
einerseits mit Turbinella, andererseits mit Pyramidella, mit letzterer
hauptsächlich in dem fälschlich angenommenen Mangel einer Mund-
bewaffnung. Weder die Gattung Admete noch die anderen Untergat-
tungen, welche die Gebrüder Adams unterscheiden, möchte Verf.
anerkennen. Er theilt nur, wie ausdrücklich hervorgehoben wird,
künstlich und zur Erleichterung der üebersicht und Anordnung der
Arten, die verzeichneten 93 Arten in drei Gruppen : Trigonostomes
36 Arten, Purpuriformes mit 55 Arten und Mitriformes mit 2 Arten.
Fast alle Arten sind tropisch; die Westküste von Central-Amerika und
die Meere zwischen Australien und China. Die erstgenannte Gegend
enthält 28, die letztere 23 von den 71 Arten, deren Vaterland bekannt
ist. Schliesslich werden 81 fossile Arten aufgeführt.
250 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Rachiglossa.
Volutacea. Marfjinella (Gibberula) lachrimula Gou]d Proc. Bo-
ston VIII. p. 281 von Georgia.
Von Lovell Reeve erhielten wir Annais nat. hist. YII. p. 268
eine Revision der Synonymie der Gattung Cynibium. Das eine Sub-
genus Yetus Gray enthält 8, das andere Melo Brod. 9 Arten.
Die Gattung Cymbiuni ist von Lovell Reeve Conchol. icon.
in den Lieferungen 102 — 107 abgehandelt worden. Verf. kennt 18
Arten, die alle in natürlicher Grösse auf 26 Tafeln abgebildet sind.
Keue Arten finden sich darunter nicht.
Zur Kenntniss der Gattung Mitra gab Dohrn Malak. BI. VIII.
p. 133 einen Beitrag, indem er nach Benutzung der Cuming'schen
Sammlung einige Arten kritisch beleuchtet und die Synonymie be-
richtigt und drei neue Arten beschreibt: Mitra Herklotsiana von Japan,
asperrima und Hanleyi. — M, aurora pl. 26. fig. 3 Sandwichinseln,
Adamsi Sandwichinseln, arabica pl. 26. fig. 4 Rothes Meer, Gambiana
Senegambien Dohrn Froc. zool. soc. p. 205.
Mitra tricolor Montrouzier Journ. de Conchyl. p. 272. pl. 11.
fig. 2 vonKeu-Caledonien. — M. Uzielliana Crosse ib. p. 285 von Taiti.
OlivaCOa. OUva Thomasi Crosse Journ. de Conchyl. IX. p. 173.
pl. VI. fig. 5 u. 6 von der Insel Taiti.
YäSidaO. Turbinella Rollandi Bernardi et Crosse Journ. de
Conchyl. IX. p. 50. pl. 1. fig. 5 von IN'eu-Caledonien.
MuriCidae. Murex crenifer Montrouzier Journ. de Conchyl. IX.
p. 279. pl. 11. fig. 9. 10 von Neu -Caledonien. — M. Penchinati von
den Nafu-Inseln und Fournieri von Japan Crosse ib. p.351. pl.l6,
fig. 6 und 7.
CoIumbsllaCOa. Columbella similis, translirata, iontha, nivea,
Ravenel Proc. Philadelphia p. 41 von Süd-Carolina. — C sandwichen-
sis Pease Proc. zool. soc. p. 244 von den Sandwichinseln.
Buccinea* Die Thatsache, dass Jeffreys Exemplare von Buc-
cinum undatum mit doppeltem Deckel gefunden und die Meinung
geäussert hat (vergl. vorjäh. Ber. p. 193), diese Erscheinung könne
erblich sein und so zu der Entstehung einer neuen Art führen, ver-
anlasste Petit de la Saussaye sich gegen solche Auffassung aus-
zusprechen. Man wird ihm hierin gewiss beistimmen müssen. Journ.
de Conchyl. IX. p. 36. — Tritonium Schwartüanum Crosse ib. p. 174.
pl. VI. fig. 9. 10.
Buccintim japonicum A. Adams Annais nat. hist. VIII. p. 135
von Okosiri.
Nassa plicatella Gould Proc. Boston VIII. p. 280 Burroah. — JV.
consensa Ravenel Proc. Philadelphia p. 43 von Süd-Carolina.
der Mollusken während des Jahres 1861. 251
Teinostoma Carpenteri A. Adams Annais nat. bist. VIII. p. 305
aus dem Busen von Pe-chitis.
Purpura luteo-margmata und Cantrainei Montrouzier Journ. de
Conchyl.IX. p. 280. pl. 11. fig. 4 u. 11 von Neu-Caledonien.
Ricinula Ozenneana Crosse Journ. de Conchyl. IX. p. 285 ohne
Angabe des Vaterlandes.
Rapana Thomasiana Crosse Journ. de Conchyl. IX. p. 176 und
p. 268. pl. 9 u. 10 aus dem Tartarischen Meere.
Ttenoglossa,
JäntllinäCOä- Janthina (Jodina) megastoma A. Adams Annais
nal. bist. Vill. p. 403 aus dem indischen Ocean.
Recluzia Bensoni A. Adams Annais nat. bist. VIII. p. 402
von China.
Scalariacea. Arthur Adams schrieb über die Scali-
dae oder Wendeltreppen des Japanischen Meeres, mit Be-
schreibungen neuer Arten. Annais nat. bist. Vlll. p.479.
Die Japanischen Inseln, so sagt der Verf., bilden einen Theil
der grossen submarinen Bergkette von über 6000 Meilen Länge,
weiche sich von den Philippinen bis zu den Kurilen und Aleuten
erstreckt. Man darf sich daher nicht wundern, wenn zwischen den
Japanischen Inseln Arten entdeckt werden, die bisher nur von den
Philippinen bekannt waren, namentlich wenn man den Einfluss des
Golfstromes in Betracht zieht. Verf. verzeichnet 19 Arten Scala, 2
Amaea, 7 Cirsotrema, 2 Constanlia und 1 Scaliola. Neue Arten dar-
unter sind : Scala trabeculata, fimbriata, optabilis, elegantula, spira-
lis, praeclara , liliputana; Cirsotrema cribrarium , Turbonilla und
Constanlia Ta?itilla.
Solariacsa. Referent bat das Gebiss der Gattung Solarium,
der man neuerlich die Mundbewaffnung ganz abgesprochen hatte,
aufgefunden und fand sie in die Ordnung Ptenoglossa gehörig. Verh.
naturh. Vereines Rheinl. und Westphalens 1861. Sitzungsber. p. 28.
Die vollständige Abhandlung s. dies Archiv 1861. I. p. 91. Vergl.
vor. Ber. p. 178.
Rhipidoglossa.
HelicinäCea. Helidna japonica A. Adams Annais nat. bist. VIII.
p. 141 von Tabu-Sima. — //. Mohriana aus Mexiko, raresulcata Ve-
racruz, Behrendti Veracruz , Strebeli Mexiko, Salvini (Tristram) Gua-
temala Pfeiffer Malak. Bl. VIII. p. 172. Letztere Art ist Proc. zool.
soc. p. 233. pl. 26. fig. 9. 10 von Tristram aufgestellt und abgebildet.
Derselbe beschreibt dort auch H. chryseis ebenfalls von Guatemala.
Lucidella undulata Pfeiffer Malak. Bl. VIII. p. 171 von Jamaica.
252 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
HydrOCa6naced> /f^c^rocen« PMrcÄas» Pfeiffer Malak. Bl.VIII.p. 150.
Realia Hochstetteri und carinella Pfeiffer IMalak. Bl. VIII. p. 149
von Neuseeland.
Neritacea- Neritina pallida Diinker Malak. Bl. p. 40 von Süd-
persien. — N. Show alt er ii Ledi Proc. Philadelphia p. 55 von Alabama.
— A'. PrifcAarrft pl. 26. flg. 2. Fidschiinseln, Wallacii pl. 26. fig. 1.
Aruinseln Dohrn Proc. zool. soc. p. 206.
Trochacea. Aus der Familie der Trochaceen stellte Gould
Proc. Boston Soc. VIII. p. 15 — 22 eine grosse Zahl neuer Arten auf:
Margarita janthina Arktisches Meer, musiva Hong-Kong, articulata
Cap, a/i?/?a Arktisches Äleer, ;nMsfe/ina Hakodadi, lentictda Loo-Choo,
pintado Cap; Monilea apicina Port Jackson, vernicosa Ousima, nana
China, inepta Kagosima, glareosa Loo-Choo, spuria Cap (von dieser
Gattung wird auch das Thier charakterisirt ; ommatophori externi,
libeii ; tubus analis ex angulo postico aperturae protrusus; lobi cer-
vicales valde fimbriati ; solea elongata, lanceolata, anguli anteriores
valde protracti , cirrhi laterales utrimque quinque quoium postici
multo breviores); Ethalia rufula Ons\m?i, capillata China; Rotella
superba Kagosima; Clanculus jucundns Sydney; Diloma nana Loo-
Choo, Verruca China ; Elenchus ocellatns Sydney, exiguiis Port Jack-
son; Cantharidus lineolaris Sydney; Entropia modesta Loo-Choo;
Banhivia lugubris Sydney; Ziziphinus rubidtis, infnscatus Kagosima,
acutus östl. Korallenmeer, urbanus Kagosima; Polydonta lacertinum
Hong-Kong, gloriosutn Japan ; Chlor ostoma rugatum Hakodadi, acha-
tes Simoda, undatella Ousima; Monodonta glabratum China; Gibbula
fucata^ redimita Hakodadi, musiva Cap, loculosa Cap, gaudiosa Cap,
lepida IVeu-lrland , fulgens; Collonia lenlicula China, quanlilla Cap;
Turbo atmissilatus, jiocturnus Simoda.
Liotia artnata A. Adams Annais nat. bist. VIII. p. 243 von der
Koreastrasse.
Cynisca japonica A. Adams Annais nat. bist. VIII. p. 244 von
der Koieastrasse.
Ethalia atomaria^ perspicua und Sabrina A. Adams Annais nat.
bist. VIII. p. 305 von Nord-China.
Nebst einer Bemerkung über die Galtung Adeorbis, zu der
Verf. auch Arten der Gattung Vitrinella, so wie d'Orbigny's kleine
Rotella-Arten zählen will, stelll A. Adams Annais nat. bist. VIII.
p. 244 als neue Arten von Nord-China auf: Adeorbis clausa, orbella,
prominula, depressa, pairuelis, corniculnm^ suturalis, japonica, na~
nula. — Ä. sinensis ib. p. 305 aus dem Golf von Pe-chili.
Der Deckel von Turbo nicobaricus ist nach Fischer Journ.
de Conchyl. IX. p. 2G5 hornig und besteht aus 5 — öWindungen. Verf.
ist geneigt die Art, nach dem Vorgange der Gebrüder Adams, in
die Nähe von Kotella zu setzen.
der Mollusken während des Jahres 1861. 253
Auf Turho helicinus Born, Turbo cidaris Gmel. gründete. H.
Adams eine neue Gattung Ocana. Operculum costa spirali convexa,
granosa instiuctuni : valde perforatutn ; margine externo simplici.
Testa turbinata, solida, laevis, iniperforata ; spira brevis , conica ;
apevtuici subcirculaiis, latior quam longior; labiuni planatum, exca-
vatum , antice subproductum , callo tenui extenso. Proc. zool. soc.
p. 143.
Anatomus Dohrnianus Dunker Malak. Bl, p. 35 aus dem ro-
then Äleere.
Bei Gelegenheit der Beschreibung einer neuen lebenden Pleu-
rolomaria Ädansoni haben Crosse und Fi sc hei' Journal de Con-
chyl. IX. p. 155. pl. V mehrere Punkte über die Beziehungen dieser
früher ausgestorbenen Gattung erörtert. Das seltene Vorkommen der
Arten erklären sie durch das Leben in grossen Äleerestiefen. Dass
diese Thiere einen Deckel besitzen, wird aus der Verwandtschaft mit
Trochus und Scissurelia behauptet. Diejenigen Scissurellen, welche
in der Jugend eine ganzrandige Mündung besitzen, später eine Spalte
am Rande, im Alter ein geschlossenes Loch mit ganzrandiger Mündung,
betrachten die VerfF. als eigene Gattung, der sie den Namen Wood-
wardia beilegen. Dahin Sc. elegans. — Später erkennen die VerfF.
ib. p. 257 die Priorität für den Namen Schismope JefFrey's an, dem
Woodwardia synonym ist.
Haliotidae. Nach Gwyn Jeffreys entbehrt Haliotis tubercu-
lata in erster Jugend der für ihre spätere Schale so characteristischen
Löcher, und hat ganz das Ansehen eines kleinen Sigaretus. Journ.
de Conchyl. IX. p. 259.
FiSSUrellacea. Fts5wre//a ^rrtWi/eraPease Proc. zool. soc. p. 244
von den Sandwichinseln.
Docoglossa.
Chitonidae. Eine neue Chitonengattung stellte Gould Proc.
Boston VIII. p. 283 auf: Lucia ligamentum nudum (?) latum, valvis
carinatis, apiculatis, delicate pictis, palüdis, angulato-punctatis, ultimo
gibboso,-unibone centrali valde elevato ; marginibus insertionis den-
tibus pectinatis numerosis instructis. Dahin Ch. confossa und peta-
loides Gould, die einzigen bisher von den Polynesischen Inseln be-
kannten Chitonen.
In der Gattung Cryptoplax Blainv. unterscheidet H. Adams
Proc. zool. soc. p. 385 ein neues Subgenus N ot opl ax , valvae fere
aequales, acuminatim cordatae, disiunctae interstitiis mediocribus sub-
aequalibus, area lateralis subconspicua, mit einer neuen Art C. spe-
ciosa von Tasmania.
Dentaliacea. Sars hat die bereits im vorigen Berichte p. 197
erwähnte Gattung Siphonodentalium in einem Universitäts-Programm,
254 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Christiania 1861. 4. ausführlich beschrieben und auf drei Tafeln er-
läutert. Verf., der auch die Anatomie dieses Thiercs beschreibt,
wendet seine Aufmerksamkeit auch der Frage über die systematische
Stellung der Dentalien zu und entscheidet sich nach Erörterung der
Lacaze-Duthiers'schen Anschauung dafür, dass dieselben ihren rechten
Platz in der Klasse der Cephalophoren einnehmen, wo sie eine aber-
rante oder in gewisser Hinsicht degradirte Gruppe der Gasteropoden-
Ordnung bilden, oder, wenn man will, eine eigene an sie sich zu-
nächst anschliessende Ordnung, die mit dem von La ca z e -D u th i e rs
vorgeschlagenen Kamen Solenoconchae zu bezeichnen wäre.
C arieer bespricht in seinem „Examen des principales classi-
fications adoptees par les zoologistes, Bruxelles 1861" p. 244 die
natürliche Stellung der Gattung Denlalium im Systeme. Er hält die
Scheidung der Gasteropoden von den Acephalen nicht für so scharf,
wie es auf den ersten Blick scheint, weil z. B, Dentnlium manche
Charaktere der Acephalen mit denen der Gasteropoden vereinige.
Verf. bezieht sich hauptsächlich auf die Untersuchungen von L a-
caze-Duthiers, ohne eigene hinzugefügt zu haben.
Pulmonat a.
Moquin-Tandon hat sich Journ. de Conchyl. IX. p. 1 — 19
mit den Prostaten der Zwitterschnecken beschäftigt. So nennt er
alle Drüsen, welche ihre Secrete in die verschiedenen Theile des
Geschlechlsapparates ergiessen. Er unterscheidet deren fünf, näm-
lich: 1) eine vestibuläre Drüse, bei Limax und Parmacelia beobachtet,
2) eine Vorhautdrüse bei Physa vorkommend, 3) die Scheiden-Drü-
sen, wohin die organes mullifides Cuvier's bei den meisten Helices
gehören, 4) die Uterus-Drüse, 5) die Drüsen des Ausführungskanals.
LimaCOa. Heynemann hat sich des Studiums der nackten
Schnecken des Frankfurter Gebiets, vornämlich der Galtung Limax
angenommen. In den IVlalak. Bl. VIII. p. 85 — 105 schildert er Einiges
von der Lebensweise der Limax-Arten und unterscheidet dann sechs
Species , wozu er besonders die Farben verschiedener Körperlheile
benutzt, nämlich: L. cinereus Lister, cinereoniger Wolf, variegatus
Drap., agrestis Linn., cinctus Müll., arborum Bouchard. Von Arion
sind dem Verf. 3 Arten bekannt.
Später fand er den Limax marginatus Drap, bei Heidelberg und
vindicirt ihm, auf welchen Moquin-Tandon das Sous-genre Amalia
begründete, generische Berechtigung, indem er sich durch gekörnelten
Mantel, der ganzen Länge nach gekielten Körper und die innere Schale
mit dem Nucleus in der Mittellinie von Limax unterscheidet. Zur Gat-
tung Amalia zählt Heyne mann Limax marginatus Drap., gagates
Drap., Sowerbyi Fer., carinatus Leach und ?Krynickillus Eichwaldi
Kaleniczenko. Malak. Bl. p. 154.
der Mollasken während des Jahres 1861. 255
In derselben Zeitschrift p. 163 bespricht Heyne mann die
älteste Figur des Limax cinereus Lister, welche Hoefnagel 1592
gegeben hat.
Bourguignat beschrieb in Revue et mag. de zool. p. 251 —
263 Bemerkungen über verschiedene neue oder wenig bekannte Li-
niaceen. Der echte Arion ater der Alpen sei verschieden von A.
rufus, dagegen sei A. albus Fer. nur eine entfärbte Varietät. Als
neu werden beschrieben: Limax nubigenus auf den hohen Gebirgen
Spaniens, L. callichrous in den Thälern der Seealpen, L, Doriae
ebenda, L. psarus Lombardei, L. Veranyanus bei Genua, L. pycno-
blennius Pyrenäen.
Aus Algier kennt Bourguignat 8 Arten Limax, nämlich a)
mit concenlrisch gestreiftem Schilde : L. Deshayesii und Brondelia-
nus, b) mit chagrinirtem Schilde : L. eremiophilus, Raymondiaims^
gagates Drap., nyctelius, subsaxanus und scaptobius Revue et mag. de
zool. p. 299.
Visquesnelia atlantica Morelet Notice sur l'hist. nat. des Apores
p. 139. pl. 1. fig. 1 ; Journ. de Conchyl. IX. p. 70 von der Insel
San Miguel.
Durch ein Versehen ist im vorigen Berichte die zweite Ausgabe
des Albers'schen Buches „die Heliceen, nach natürlicher Verwandt-
schaft systematisch geordnet", nach dem hinlerlassenen Manuskripte
besorgt von E. v. Martens nicht besprochen worden, obgleich sie
schon 1860 erschienen war. Ich halte es für einen entschiedenen
Fortschritt, dass der Herausgeber bei der Eintheilung der Gattungen
in Gruppen wesentlich die Verschiedenheiten des Gebisses benutzt
hat, wenngleich dadurch gewisse Aehnlichkeiten der Schalen zu
Merkmalen niederen Ranges werden. Genauere Kenntniss dieser Ver-
hältnisse aus Arten aller Gruppen wird natürlich die gegenwärtig
versuchte Eintheilung modificiren. Anders urtheilt darüber Do hrn
in einer Recension dieses Werkes in den Malak. Blättern p. 194. Er
spricht sich dahin aus, dass die einseitige Berücksichtigung der
Mundtheile nur zu einem widernatürlichen, künstlichen Systeme führe.
Ich würde diesen Ausspruch und die ziemlich schwache weitere
Ausführung desselben mit Stillschweigen übergehen, wenn er nicht
in einer von allen Malakozoologen gelesenen Zeitschrift stände. Mir
ist kein Fall bekannt, wo die, selbst einseitige, Berücksichtigung des
Gebisses zu einem widernatürlichen Systeme geführt hätte. Und wer
hat denn schon eine einseitige Berücksichtigung gewollt? Der Verf.
hat auch \^ohl nicht ganz das sagen wollen, was der unbefangene
Leser aus seinen Worten herausliest. — v. Martens unterscheidet
sechs Gruppen, in denen er seine 33 Gattungen unterbringt. Diese
sind: 1. Tes tacell ea. Kein Kiefer; alle Zähne der Reibplatte mit
langen stachelförmigen Spitzen, in nach vorn convexe Reihen ge-
256 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
ordnet; wesentlich fleischfressend. Galt. Testacella , J)audebardia,
Glandina, Spiraxis, Cylindrella. — 2. Vitrinea. Kiefer glatt, ohne
Leisten oder Streifen, mit einem stumpfen Vorsprunge in der Mille;
die mittlem Zähne der Keihplalte kurz, dreispilzig, die näclistslehenden
seitlichen ihnen ähnlich aber nur zweispilzig ; fleisch- und pflanzen-
fressend. Gatt. Vitrina, Pfeifferia, Nanina, Stenopus, Zonites, Hya-
lina, Macrocyclis, Sagda, Leucochroa. — 3. Helicacea, Kiefer
bogenförmig, mit starken Querleisten und dadurch gekerblem conca-
ven Rand, ohne mittleren Vorsprung; Zähne der Keibplaite alle un-
ter sich ähnlich, kurz, zwei- oder dreispitzig. Gatt. Helix (mit 88
Untergattungen), Cochlostyla, Bulimus Scop., Achatina, Columna. — 4.
Orthalicea. Kiefer aus mehreren Stücken zusammengesetzt, Zähne
der Reibplatte alle unter sich ähnlich, kurz, zweispitzig. Gatt. Bu-
limulus, Orthalicus. — b.Pupacea. Kiefer schmal, wenig gebogen,
mit schwachen, zuweilen nur am Rande erscheinenden Querstreifen,
am concaven Rande nicht selten die Andeutung eines Vorsprungs in
der Mitte; Zähne der Reibplatte alle unter sich ähnlich, kurz, zwei-
bis dreispitzig. Gatt. Buliminus, Partula, Achatinella, Cionella, Ste-
nogyra, Macroceramus, Balea, Clausilia, Pupa, Streptaxis. — 6. Swc-
cinea. Kiefer bogenförmig, am convexen Rande in eine nahezu
quadratische Platte verlängert, am concaven Rande gestreift oder ge-
rippt, mit einem kurzen minieren Vorsprung ; Zähne der Reibplatte
wie bei den vorhergehenden. Gatt. Simpulopsis, Succinea. — Ob
diese Gruppen durch Untersuchung einer hinreichenden Menge von
Gattungen und Arten bereits ihre Bestätigung gefunden haben, muss
dahin gestellt bleiben.
HeliC6a. — Testacella. Bourguignat verzeichnete die
Arten der Gattung Testacella, deren er 10 lebende und 5 fossile an-
nimmt. Unter ersteren sind neu: T. Drt/monm von Capri, Fischeriana
von Algier, Pecchiolii von Florenz, episcia von Nizza, Brondeli von
Algier, Revue et mag. de zool. p. 513.
' "j Daudebardia Novoseelatidica Pfeifl'er Malak. BI. VIII. p. 146 von
Neuseeland.
Physella Pfeifl'er n. gen. Malj^i. Bl. VIII. p. 70. Testa bul-
laeformis, spira minuta, anfractu ultimo elongato, fere totam longi-
tudinem formante ; columella simplcx, arcuata, nontruncata; perisloma
Simplex rectum. Ph. Derendti aus Mexiko. Verf. erwartet durch die
Bekannlwerdung des Thieres, ob es sich mehr den Daudebardien oder
den Glandinen oder den Succineen annähert.
Oleacina turgida, conferta, indusiata, decidua Pfeifl'er Proc.
zool. soc. p. 26. Malak. Bl. VIII. p. 79 , sämmtlich aus Mexiko. —
0. mullispira Mexiko und saccata Ecuador Pfeiffer Proceed. zool.
soc. p. 26.'
Spiraxis Boucardi Pfeifl'er Proc. zool. soc. p. 24 und Malak.
der Mollusken während des Jahres 1861. 257
Bl. VIII. p. 16 aus Mexico. — Sp. cobanensis Tristram Proc. zool. soc.
p. 231 von Guatemala.
Cylindrella grandis, mexicana, splendida, arctispira, cretacea,
microstoma Proc. zool. soc. p. 27 Pfeiffer Malak. Bl, p. 80. Die letz-
tere ohne Angabe des Vaterlandes, alle übrigen aus Mexiko. — C,
Salpinx Tristram Proc. zool. soc. p. 231 von Guatemala.
Vitrinea. Eine kurze Notiz über eine kleine Vitrina, sowie
über deren Entwickelung hat Semper in derZeilschr. für wiss. Zoo-
logie XI. p. 107 mitgetheilt.
Zojiites subglaber Bourguignat Malacol. de Bretagne 1. c.
Helicacea. Helix Uler von Maulmein, Atkinsoni Maulmein,
Tickelli Maulniein, PÄßt/rei Birmah, Zoroasler Birmah, Akowtongensis
Pegu, Poongfee Maulmein, Blayifordi Darjiling Theobald Journal of
the Asiatic soc. XXVIII. 1859. p. 305.
Helix Basileus von Trichoor im südlichen Indien , Trochalia
Andaman - Inseln, Hyba Dahinkhoond beim Flusse Sutley, Choinix
Andaman, Stephus Andaman, Sanis Andaman, Canloriana von der
Insel Pulo Sung-Sung Benson Annais nat. bist. VII. p. 81.
H. (Lucilla) putrescens, H. (Crystallus) vermiculum, H. (Eu-
rompkala) concinna, H. (HispidellaJ nubigena und deusta, H. (Acti-
nella) torrefacta, H. (DiscuJa) puherulenta, H. (TurriculaJ Miran-
dae, H. (Iberus) Berkeleii, H. (Macularia) Plutonia und saponacea,
H. (Mycena) psathyra, Paivana, vaherdensis, Manriquiana, spumosa
Lowe ib. p. 104 von den Canarischen Inseln.
H. renitens Morelet Journ. de Conchyl. IX. p. 45 von den
Comoren.
H. ptiiota, psaturochaeta, Danieli Bourguignat Malacologie de
la Bretagne 1. c.
H. Carolus und p«iffacinöDeshayes Journ. de Conchyl. IX. p. 848
pl. 16. fig. 1.2 und 3 — 5 von Luzon, wo sie durch Carl Semper
entdeckt wurden.
n. Strebeli und Berendti von Mexiko, H. Schärfiae vom Cap
Pfeiffer Malak. Bl. VIII. p. 71. Tab. I und II.
H. elatior Weinland und v. Martens von Haiti ib. p. 72. Anm.
Tab. I. Fig. 13—16 von Haiti.
H. Hochstetteri, chordata, conella, corneofulva, tau, Novarae
Pfeiffer ib. p. 146.
H. Harltigiana Pfeiffer ib. p. J67 vom Cap.
H. lamellicosta und Lassevillei Gundlach ib. p. 220 von Cuba.
H. Mullani und polygyrella Bland et Cooper Annais Lyceum
New-York VII. p. 363 aus den Rocky-Mountains (Coeur d'Alene).
H. Hubbardi aus Texas und H. trizonaloides von Haiti ? Brown
Proc. Philadelphia p. 333.
Pfeiffer stellte Proc. zool. soc. p. 20 folgende Arten aus der
Arohiv f. Nalurg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd. R
258 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Cuming'schen Sammlung auf: Helix trochiscus von Siam, ignescens
pl. 2. fig. 1 Molukken, subcornea Siam, caesia (Nanina) Admiralitäts-
inseln, faradensis Mexiko, carmeliensis Mount Carmel, Gassiesi Neue
Hebriden, Balchianensis pl. 2. fig. 5 Molukken, rhynchosloma pl. 2.
flg. 6 Molukken, nodifera pl. 2. fig. 4 Molukken, occulta Aru-Inseln,
atrofusca pl.3. fig. 3 Molukken, expansa pl. 3. fig. 8 Molukken, leu-
cotropis Aru-Inseln. — Ferner ib. p. 190 H. uranus Polillainseln,
nephtnus Siam, lactißua Neu-Georgia, polillensis Polillainseln, Portii^
Ajax, Hector, Androtnache alle ebendaher, leucothoe Neu-Georgia,
xanthochila Salomonsinseln, grossularia Neu-Georgia, ceramensis Ce-
ram, erinaceus Neu-Georgia, Marlensi Ceram, euterpe Siam. — H.
guinaria und repanda Pfeiffer ib. p. 195, beide von Camboja. —
Helix phryne pl. 37. fig. 7, lanceolata pl. 37. fig. 6, atacta pl. 37. fig. 5,
calypso pl. 37. fig. 8 Pfeiffer ib. p. 386, die ersteren drei von Ternate,
die letzte von Madagaskar.
H. acetabulum, parvidens und conula Pease Proc. zool. soc.
p. 242, alle drei von Tahiti.
Die Ferussac'sche Helix pernobilis (Limax lampas Martyn) hat
Pfeiffer wiedererkannt und vermuthet, dass seine H. Neptunus die-
selbe im unausgebildeten Zustande sei. Malak. Bl. YUI. p. 75.
Kritische Bemerkungen über Helix Codringtoni Gray, guttata
Oliv, und deren nächstverwandte Arten von Pf ei ff e r Malak. Bl.VIII.
p. 105 müssen a. a. Orte verglichen werden. Daselbst ist H. Kurdi-"
stana Parreiss p. 108 charakterisirt.
Blanford bezeichnet Helix retifera Pfr. von Süd-Indien als
der Benson'schen Gattung Plectopylis zugehörig. Annais nat. bist. VII,
p. 244. Vergl. vor. Bericht p. 200.
Bulimus vemtstus Morelet Journ. de Conchyl. IX. p. 46 von den
Comoren. — B. Turneri von den Neuen Hebriden, Saturnus von Ecua-
dor, Schomburgki von Siam, StutchLuryi von den Neuen Hebriden,
colubrinus von Neu- Caledonien, hepatostonms Proc. zool. soc. p. 23
pl.3. fig. 4 von Mexiko, iodostylus Proc. zool. soc. p. 23 ebendaher;
D einer arensis Proc. zool. soc. p. 24 von Demerara, sulcidens von Pa-
laestina, niloticus Proc. zool. soc. p. 24 von den Quellen des weissen
Nil, pyrostomus von den Neuen Hebriden, pyrgiscus Proc. zool. soc.
p. 24 von den Sandvvichinseln, diixVvoc. zool. soc. p. 24 von Austra-
lien sind neue Arten von Pfeiffer Malak. Blätter VIII. p. 11. — B.
Novoseelandicus Pfeiffer ib. p. 149 von Neuseeland. — B. Bereiidti
Pfeiffer ib. p. 168 von Veracruz. — B. 6öci7/ms Pfeiffer ib. p. 221 von
Cuba. — B. Xajitusi, Artemisia, pilula und inscendens Binney Proc.
Philadelphia p. 331 von der californischen Halbinsel. — B, pan pl. 3.
fig. 5 Philippinen, Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 24. — B. Porfü Polilla-
inseln , comes Combaja , Mouhoti Siam, flatus Siam, cebrinus Siam,
areolatus Siam, rhomboslomus Camboja Pfeiffer ib. p. 193. — B. glau-
IS
'' ^ der Mollusken während des Jahres 1861. 259
colarynx pl. 26. fig. 7 von Siam und Seentanni pl. 26. fig. 6 von den
Fidschiinseln Dohrn ib. p. 207. — B. scmipelhtcidus 1v\sir^m ib. p. 230.
pl. 26. fig. 8 von Guatemala. — B. gloriosus pl. 37. fig. 4, /"eZia; pl. 37.
fig. 2, inclinatus pl. 37. fig. 3 Pfeiffer Proc. zool. soc. p.387, die erste
von Ecuador, die beiden letzten von Keu-Granada.
Limicolaria turris Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 25. pl. 2. fig. 3
von den Quellen des weissen Kil. ..\k o\V»5
Achatina mrtcosa Pfeiffer Malak. Bl. VIII. p. 73. Taf. II. fig. 7. 8
vom Cap. — A. Grevillei von Üld-Calabar, semigranosa Proc. zool.
soc. p. 25 vom Cap Katal und Foxcrofli Proc. zool. soc p. 25 von
Sierra Leone Pfeiffer ib. p. 78. — A. Planli Pfeiffer Proc. zool. soc.
p. 25. pl.3. fig. 6 vom Cap Katal. — A. brevis Pfeiffer ib. p. 387 von
Ahmednuggur in Indien.
Orthalicea. OHÄa/icMs ßo«carrfi Pfeiffer Malali. Bl. VIII. p.l6
aus Mexiko. — 0. mars Pfeiffer ib. p. 77, Proc. zool. soc. p. 25. pl.2
fig. 8 von Ecuador.
Pupacea. Pariula Turneri Pfeiffer Malak. Bl. VIII. p. 16 von
den Neueu Hebriden. — P. caledonica Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 389
von Neu-Caledonien. , i .
Leptinaria Emmelinae und Elisae Tristram Proc. zool. soc. p. 4ol
von Guatemala.
Caecilianella enhalia Bourguignat Malacologie de la Breta-
gne 1. c.
Macroceramus polystreptus Tristram Proc. zool. soc. p. 233. pl. 26.
fig. 11 von Guatemala.
Clausilia druiditica und Artnoricana Bourguignat Malacologie
de la Bretagne 1. c. — Cl. Bernardii Pfeiffer Journ. de Conchyl. IX.
p. 267 von Siam. — Cl. Trislrami von Tunis, ohesa Proc. zool. soc.
p. 27 von Dalmatien, Taylori Proc, zool. soc. p. 27. pl. 2. fig. 7,
Adamsiana aus Süd-Amerika Pfeiffer Malak. Bl. VIII. p. 82. Hier wird
auch Balea Haueri Bielz als Cl. Haueri charakterisirt und Cl. prae-
clara Gould in Cl. excellens umgetauft. — CL Colbeauiana von An-
tiochia, regularis und Walderdorfß Parreyss beide von Cattaro in
Dalmatien ib. p. 169. — Cl. camfio/ensis Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 195
von Camboja. — Bei Küster in der neuen Ausgabe des Conchylien-
Cabinets finden sich als neu: Cl. conjuncta Parr., iosfowia A. Schmidt,
saccata Süddeutschland, gravida, equestris, laxa, modesta, hectica,
tabida, miles, soror, muralis, diaphana, gemmulata, humilis, egana,
sämmtlich aus Dalmatien, goniostoma von einer türkischen Insel, cri-
statella von Skyros einer der Sporaden, Adelinae und incerta Bennoit
von Sicilien, farta, freta Frivaldsky von der Insel Prinkipos, castren^
$is Parr. Corfu, crelacea Dalmatien, decorata Dalmatien, rufocincla.,
boeolia Böotien , aperta Attica, unidentata Euböa , distorta- Chiua^
tenella Parr. Dalmatien, callocincta Dalmatien. .uofe ^^t(}'>
260 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Pupa Loroisiana Bourguignat Malacologie de la Bretagne 1. c.
— P. Orientalis Parreyss Malak. Bl. VIII. p. 168. pl. 3. flg. 6—8 von
Nazareth. — P. californica B.owe]\ Annais Lyc. New-YorkVII. p. 287
von San Francisco. — P. chondriformis Mousson Vieiteljahrschr. der
naturf. Geselisch. zu Zürich VI. p. 138 von Jerusalem. — P. sericina
Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 388 ohne Vaterlandsangabe.
Vertigo nacca Gould Proc. Boston VIII. p. 280 von Hawai.
Streptaxis sinuosa und eburnea Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 23
von Cochinchina.
• Succinea. Succinea scalarina Pfeiffer Vroc. zool. soc. p. 28;
Malak. Bl. VIII. p. 84 von Australien. — S. ^ftmarica Theobald Journ.
Asiat, soc. 28. 1859. p. 309 vom Berge Girnar auf der Halbinsel Katiwar.
Simpulopsis Cnmingi (Proc. zool. soc. p. 27. pl. 3. flg. 2) und
avena Pfeiffer Malak. Bl. VIII. p. 84 aus Mexiko. — S. aenea Pfeiffer
Proc. zool. soc. p. 27 aus Mexiko.
AuHculaCää. Von den 28 Arten der Gattung Scarabus, welche
Lovell R ee ve Conchol. icon. Lief. 200 auf 3 Tafeln dargestellt hat,
sind die folgenden neu : Sc. leopardus, nux, Argenvillei ohne Angabe
des Vaterlands und avellana von der Insel Madura bei Java.
Pythia Wallacii Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 28. pl. 2. flg. 2 von
den Molukken.
Pfeiffer bespricht die bisher zur Gattung Carychium gezähl-
ten Molluskenarten, indem er aus einem an ihn gerichteten Schreiben
von Ullepitsch Bemerkungen über die Höhlen bewohnenden Ar-
ten hervorhebt, die sich durch den Besitz von vier Fühlern von
Carychium entfernen und den Heliceen annähern, wodurch die von
Bourguignat aufgestellte Gattung Zospeum gerechtfertigt wird.
Beiläufig wird die Anmassung des Herrn Bourguignat gebührend
ans Licht gestellt. Malak. Bl. VIII. p. 1.
Melampus (TraliaJ striatus Pease Proceed. zool. soc. p. 244
von Tahiti.
Limnasacea. Norman hat Physa acuta Drap, in England ge-
funden, in der Nähe von London und im botanischen Garten zu Kew,
und bildet Thier und Schale ab. Annals nat. bist. VII. p. 114. pl. IX.
fig. 5—9. — Ph. Taslei Bourguignat Malacologie de la Bretagne 1. c.
— Ph. (Ameria Subgen. nov.) carinata, truncata, obesa , Cumingii
moesta H. Adams von Australien Proc. zool. soc. p. 143. — Ph. pur-
purostoma Tristram ib. p. 231 von Guatemala.
Physopsis Jukesii H. Adams Proc. zool. soc. p. 144 von Au-
stralien.
Planorbis stelmachaetius Bourguignat Malacologie de la Breta-
gne 1. c. — P. (Helisoma) lautus von New-Orleans H. Adams Proc.
«ool. soc. p. 145. Daselbst gründet Verf. auf PI. multivolvis Gase
der Mollusken während des Jahres 1861. 261
ein neues Subgenus Adiila- — PI. Wyldi und duenasianus Tristfam
ib. p. 232 von Guatemala.
Segmentina Donhilli Tristram Prooeed. zool. soc. p. 232 von
Guatemala.
Limnaeus syriacus Mousson Vierteljahrsschrift der naturf. Ge-
sellsch. in Zürich VI. p. 143 von Jerusalem.
Notobranchiata,
Colin gwo od überzeugte sich durch die Untersu-
chung einer unreifen Form von Triopa claviger, dass der
Name Nudibranchiata zwar der Familie Doridae zukomme,
nicht aber der Familie Aeolididae, weil ihre Papillen weder
anatomisch noch morphologisch als Kiemen betrachtet wer-
den können. Diese Mollusken athmen alle mehr oder we-
niger mit der ganzen Körperoberfläche, und Verf. nimmt
an, dass in den Doridinae die Körperanhänge den Kiemen
supplementär seien, welche deshalb bei ihnen weniger ent-
wickelt seien als bei den echten Doridae, die keine solche
Anhänge^haben. Die Thatsache, dass die Aeolididae kei-
nen gesonderten Athmungsapparat besitzen, veranlasst ihn
dieselben weiter von den Nudibranchiaten zu trennen, als
es gewöhnlich geschieht. Report British Assoc. Advanc.
of science held at Oxfort 1860. p. 113.
Ebenda zählt derselbe Verf. die Nudibranchiaten von
Mersey und Dee auf, deren Zahl sich auf 28 beläuft.
Aehnlich spricht sich derselbe Annais nat. bist. VII.
p. 33 bei Bestimmung eines kleinen Nacktkiemers, der als
der Jugendzustand von Triopa lobiger in Anspruch genom-
men wurde, über einige Punkte in der Organisation derNu-
dibranchier aus. Den Namen Nudibranchia tadelt er, weil
gar nicht alle Kiemen besitzen; auf die Farbe dürfe kein
Werth zur Artunterscheidung gelegt werden. Die Wichtig-
keit der Kenntniss der unreifen Formen wird hervorgeho-
ben und namentlich auf die Beschaffenheit der Zungenbe-
waffnung, als eines vortrefflichen Mittels für die Bestim-
mung, hingewiesen.
Doridae. Doris pulchra Pease Free. lool. soc. p. 247 ohne
Angabe des Vaterlandes.
Doripristnatica festiva A. Adams Annals nat. bist. VIII. p. 140
von Tsu-Sima.
262 Troschel: Bericht lib. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Doriopsis viridis Pease Proc. zool. soc. p.244 von Tahiti.
EolididäC. Keterstein und Ehlers haben zoologfische Bei-
träge, gesammelt im Winter 1859 bis 1860 in Neapel und Messina.
Leipzig 1861. p. 96 — 100 die Nesselkapseln am Ende der Rückenpa-
pillen von Eolis peregrina beschrieben und einige Beobachtungen
über die Entwickelung dieser Schnecke beigebracht.
Coryphella Alderi A. Adams Annais nat. bist. VIII. p. 140
von Yesso. ."' ■
'-. r^ r '-■
Elysiadae. Elygia' sphndida Grube 38. Jahresbericht der Schle-
sischen Gescllsch. f. vaterl. Kultur p. 5§, und Ausflug nach Triest ct.
p. 133. Tab. I. flg. 1—3 von Cherso.
l^ti) BuUacea. Haminea Adamsii Dunker Malak. Bl. p. 40 von den
Sandwichinseln.
Sao lagenula A. Adams Annais nat. bist. VIII. p. 139 vom (jolf
von Pe-chili.
Cryptophthalmus cylindricus Pease Proceed. zool. soc. p. 245
von Tahiti.
Gasteropteron sinense A.. Adams Annais nat. bist. VIII. p.l39 von
Hulu"Shan-Bay.
i'^n LophOCercidae. Lophocercus Vigotirouxi Montrouzier Journ. de
Conchyl. IX. p. 271. pl. 11. fig. 1 von Neu-Caledonien. — L. viridis
Pease Proc. zool. soc. p. 246.
Eine neue Art Lobiger beschreibt Pease Proc. zool. soc. p.246,
ohne sie zu benennen.
Aplysiacea. Dolahrifera tahilensis Pease Proc. zooL soc. p.245
von Tahiti.
Aplysia marmorea, marginata und Phycophila euchlor a \. Adums
Annais nat. bist. VIII. p. 140 von Japan. Phycochila ist ein Sub-
genus von Aplysia, weiches sich durch comprimirten Körper und
schmale Sohle, so wie. eine häutige Schale ohne gewundenen Apex
auszeichnet. '(> f"'
Monopleurobranchiata.
PleurObraDCMdae. Pleurobranckus delicalus Pease Proc. zool.
soc. p. 245, nebst einer nicht benannten neuen Art, ohne Angabe des
Vaterlandes.
Pteropoda.
üeber die Arten der Gattung Hyalaea hat Benson Bemerkun-
gen gemacht, die sich namentlich auf genauere Angabe ihres Vater-
landes beziehen. Bei dieser Gelegenheit wird eine neue Art H.
fissilabris beschrieben, gefangen 6" N. Br. 22<' W. L. Annais nat.
bist. VII. p.21.
der Mollusken während des Jahres 1861. 263
«
Brachiopoda,
Einen weiteren Beitrag zurKenntniss einer Brachiopoden-Larve
(vergl. vor. Bericht p. 206) lieferte Fritz Müller, unser sehr ge-
schätzter thätiger Mitarbeiter, in diesem Archive p. 53 — 56.
S ha 1er bemüht sich, die Lateralsyrametrie bei den Brachio-
poden nachzuweisen, wobei er die Längsachse in eine Ebene legt,
welche entsteht, wenn man eine Linie vom Rücken nach der Mitte
des Randes jeder Schale legt, so dass er also eine Schale als die
vordere, die andere als die hintere ansieht; eine Anschauung, die
schon mehrfach angewendet worden ist. — Bei dieser Gelegenheit
äusserte Agassi z seine Idee von der Beziehung der ßryozoen zu
den Brachiopoden. Das Hufeisen der Tentakeln möchte er als ent-
sprechend den Armen der Brachiopoden ansehen. Proc. Boston Vlll.
p. 274.
In einer „Revision der Geschichte, Synonymie und geographi-
schen Verbreitung der lebenden Terebraleln" Annais nat. bist. VII.
p. 169 (vergl. auch Journ. de Conchyl. IX. p. 119) zählt Lovell
Reeve 48 Arten auf, die er in 12 Subgenera vertheilt, nämlich 2
Terebratula, 6 Terebratulina, 9 Waldheimia, 11 Terebratella, 2 Magas, 3
Bouchardia, 1 Megerlia, 5 Kraussia, 1 Gwynia, 3 Morrisia, 4 Argiope,
1 Thecidea. Es sind 39 Arten sicher bekannt; von ihnen leben 35
auf der östlichen Hemisphäre: 5 in der nordeuropäischen, 11 in der
lusitanischen, 4 in der nordasiatischen, 3 in der Indopacifischen, 9 in
der Australo-Selandischen, 4 in der südafrikanischen Provinz; — und-
5 auf der westlichen Hemisphäre : 2 in der Magellanischen, 2 in der
panamischen, 1 in der Brasilianischen, 1 in der Nordamerikanischen
Provinz. — Auf einige in dieser Abhandlung enthaltenen Angriffe
antwortet Suess ib. p. 382, sich rechtfertigend, und ruft dadurch eine
weitere Erwiederung von Lovell Reeve ib. p. 443 hervor. —
Hierdurch veranlasst sprach sich auch Davidson ib. VIII. p. 24
ausführlich und vermittelnd über die lebenden Terebrateln aus und
fügte ein mit seinen Hinzufügungen versehenes Verzeichniss der le-
benden Terebratuliden bei, das im Ganzen 53 Arten enthält.
Die Monographie der Gattung Terebratula ist bei Lovell
Reeve Conchol. icon. Lief. 200 und 205 mit 48 lebenden Arten
auf 11 Tafeln dargestellt. Auf der letzten derselben sind zugleich
die 3 bekannten Arten der Gattung Rhynchonella abgebildet. Als
neu sind beschrieben: T. (TerehratulinaJ radiata Strasse von Corea,
T. (Terebratella) suffusa , T. (Waldheimia) physema Coquimbo , T.
(Bouchardia) fibula Südaustralien.
King stellte in Proceed. Dublin zool. bot. Assoc. I. p. 256 und
Natural history Review VI. p. 516 drei neue Gattungen von Pallio-
branchiaten auf. Die eine Gwynia in der Familie Terebratulidae
264 T 10 sc hei: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
ist auf Terebratula Capsula Jeffreys gegründet und in Holzschnitt ab-
gebildet: die zweite Dielasma ist fossil; die dritte Macandre-
via ist auf Terebratula cranium gegründet. Beide letzteren gehören
in die Familie Waldheimidae.
Lacaze Duthiers hat in einem ersten Memoire über die
lebenden Brachiopoden des Älittelmeers über die Gattung Thecidea
gehandelt, wovon sich ein Resunie in Revue et mag. de zool. p.485
findet. Die Arme sind längs ihrer Basis dem Mantel angewachsen. Der
Darm hat keinen After. Hinter dem Munde liegt ein Gangliencen-
trum, von wo zahlreiche Nerven abgehen. Die Geschlechter sind
getrennt. Die beiden Hoden, so wie die beiden Eierstöcke liegen in
der tiefen oder unteren Schale, und sind unter supplementären Plat-
ten in der Dicke des Mantels verborgen. Die jungen Embryonen
sind an zwei Cirrhen der Arme aufgehängt, an den beiden mittleren
hinter dem Munde. Diese, welche Suspenseurs genannt werden, lie-
gen aneinander geneigt in einer Bruttasche zwischen beiden Ovarien.
Die Schalen der Weibchen besitzen einen kleinen Einschnitt zum
Durchtritt dieser Cirrhen, so dass man an den Schalen die Geschlech-
ter unterscheiden kann. Auch die Embryonen sind beschrieben.
Discina radiata Dunker Malak. Bl. p. 39 von Venezuela.
Die Gattung Lingula umfasst in Reeve's Conch. icon. 188 elf
Arten auf zwei Tafeln. Darunter neu : L. murphiana Moreton-Bay,
hirundo Australien, anlillartim Martinique, exusta Moreton-Bay.
Seniper hat vorläufige Notizen über Lingula eingesendet, und
schildert die Blulcirculation, wobei er die sogenannten Herzen nicht
als solche anerkennt. Das Blut circulirt durch Wimperung. Durch
Kochen gerinnt das Blut und wird schneeweiss, so dass sich eine
schöne natürliche Injection bildet. Ausser den Blutgefässen soll in
den Mantellappen noch ein Lymphgefässsystem existiren. Auch über
Leber und Geschlechtsorgane werden Bemerkungen gemacht. Nur
eine junge Lingula, noch ohne Stiel, aber schon ohne Larvenorgane,
wurde beobachtet. Zeitschr. für wiss. Zoologie XL p.lOO.
Lamellibranchiata.
üeber das Bohren der Muscheln in Felsen entspann sich zwi-
schen Agassiz, Wyman, Stör er und Gould ein Austausch der
Ansichten. Proc. Boston VllL p. 102 und 105.
OstrddCOa. Coste berichtete der Pariser Academie über den
günstigen Erfolg der VViederbevölkerung der Küste mit Austern durch
die Marineverwaltung. Revue et mag. de zool. p. 18.
Ostrea rivularis Gould Proc. Boston VIIL p. 39 von China.
Anomia radulina und pustulosa A. Adams Annais nat. bist. YlII.
p. 142 von Japan.
der Mollusken während des Jahres 1861. 265
Placunomia umhonata Gould Froc. Boston VIII. p. 39 von Ka-
gosima.
Pectinacea. Dickie hat einige Pecten - Arten in ßeziehnng
auf die Struktur der Schale untersucht und Verschiedenheiten gefun-
den. Report of the British Association for the advancement of science
held at Aberdeen p. 147.
Peclen ßö7/o<t Bernardi Journ. de Conchyl. IX. p. 46. pl. 1. fig.l
von Neu - Caledonien. — P. laelus Gould Proc. Boston VIII. p. 39
von Hakodadi.
Plicatula siniflex GoxAA Proc. Boston VIII. p. 39 von Kagosima-
Bay und Simoda.
Eine neue Gattung Ji< ?iö, die vorläufig in die Nähe von Vulsella
und Pedum gestellt wird, charakterisirt Go ul d Proc. Boston VIII. p.283
folgenderinassen : testa aequivalvis, valde inaequilateralis ; umbonibus
eminentibus, compressis, incurvatis; areola cordiformi valde impressa;
cardo ulraque valva sistens dente unico subcochleari, dextro post
sinistruin aptante, et rima transversa antice limitato; sinistro ab um-
bone fissura seiuncto; ligamentum marginale : cicatrix unica, subcen-
tralis. J. exquisita von den Sandvvichinseln.
Aviculacea. Pinna trigonalis Pease Proc zool. soc. p. 242 von
von Kingsmill-Inseln.
Die Anatomie des Thieres von Perna schilderte Fischer Journ.
de Conchyl. IX. p. 19 — 28. pl. 4. Mantel, Kiemen, Verdauungskanal,
Fuss und Byssus sind beschrieben. Verf. findet das Thier sehr ver-
wandt mit Avicula.
NuCUlacea. ISucula pawula Hong-Kong, und N. (Acila) insig-
nis Japan Gould Proc. Boston VIII. p. 36.
Nuculina pretiosa Gould Proc. Boston VIII. p. 31 vom Cap.
Leda cuspidata Gould Proc. Boston VIII. p. 31 von Hong-Kong.
— L. unca Gould ib. p. 282 von Nord-Carolina. — L. Dohrni Hanley
Proc. zool. soc. p. 242 aus dem pacifischen Meere.
Yoldia obtusa Gould Proc. Boston VIII. p. 36. von Hong-Kong.
Mytilacea. MytUus comscus Hakodadi und mutabilis Kagosima
Gould Proc. Boston VIII. p. 38.
Modiolaria cuprea Kagosima , expleta Hong - Kong , varicosa
Sydney, cuneata Cap, arcuata und quadrula beide von Kagosima
Gould Proc. Boston VIII. p. 37.
Lithodomus forficatus Ravenel Proc. Philadelphia p. 44 von
Süd-Carolina.
Dr6iSS6nacea. Gegen die allgemeine Annahme, dass Dreissena
polymorpha erst in diesem Jahrhundert aus dem südlichen ßussland
in das westliche Europa eingeschleppt sei, führt Moerch ein Citat
von Sander aus dem Jahre 1780 an, wonach sie schon damals bei
Carlsruhe nicht selten war. Journ. de Conchyl. IX. p. 261.
266 Troschel: Bericht üb. d. J.eist. in d. Naturgeschichte
Septifer furcUlata Gonld Proc. Boston VIII. p. 39 von China.
Najädes. Agassiz machte Beobachtungen über das Wachsthum
der Unionen. Alle brüten nur einmal jährlich. Schon Schalen un-
ter 1 Zoll, die man allgemein als unreif und nur 1 Jahr alt ansah,
haben Eier und er hält sie für 7 — 9 Jahr alt. Gould ist nicht der-
selben Ansicht. Proc. Boston Soc. VIII. p. 100.
Lewis glaubt sich an den Unionen des Erie-Kanals überzeugt
zu haben, dass die dunklen Linien an der Oberfläche der Schalen
wirklich Jahres-Linien sind, und setzt seine Gründe dafür Proceed.
Philadelphia p. 57 auseinander. Er beruft sich besonders darauf, dass
diese Muscheln im Winter nicht wachsen können, weil sie bei sehr
niedrigem Wasserstande sich in den Schlamm senken, um dem Froste
zu entgehen, der sie tödtet. Eier sind in den Najaden erst zu ent-
decken, wenn sie 2 — 4 Jahreslinien besitzen. Verf. glaubt, dass die
Anodonten früher reif werden als die Margaritanen, während diese
wieder früher reifen als die Unionen.
Petit de la Saussaye berichtet im Journ. de Conchyl. IX.
p. 149 über die Anzahl der Nordamerikanischen Arten von Unioniden.
Lea hat mündlich mitgetheilt, das? ihm 520 beschriebene Arten be-
kannt seien, nämlich 441 Unio, 26 Margaritana und 53 Anodonta,
wozu noch 30 unbeschriebene Arten kämen. Verf. fügt rühmend
hinzu, dass Lea sämmtliche europäische Arten der Gattung Anodonta,
deren 98 unterschieden seien, auf eine einzige reducirt, die er A.
cygnea nennt, so wie er die Unio-Arten auf vier Arten zurückführt.
Letzteres stimmt mit der Ansicht des Ref. vollständig überein.
Von Lea finden sich Proc. Philadelphia p.o8 an neuen Unio-
nen: U. fabaceus Ooslanaula- Kiver, irrasus Etowah- River, Ocmul-
geensis Ocmulgee- River, cicur Ocmulgee - River, crapulus Etowah-
River, Beadleyanus Pearl-River, Chickasawhensis Chickasawha-River,
cinnamomicus Tombigbee-River , pauperculus near Columbus, Spill-
manii Luxpalila Creek near Columbus , flatidulus near Columbus,
anaticulus ebendaher, rubidus Tombigbee-River, decumbens Alabama,
germanus Coosa- River, Lewisii Coosa- River, medius Alabama, con-
color Alabama, verus Cahawba - River, asperalus Alabama-River, or-
Ma<M5 Alabama ?, perpurpureus Tennessee, Atithonyi Floüdsi. — Ferner
ib. p.59: Unio negalus, glandaceus , instruclus, trinacrtis, stabilis,
consanguineusj crcbrivittahis, intervenius, pallidofvlvus, porphyreus,
perpastus, granularis, sämmtlich von Alabama. — Ferner p. 391 : U.
squameus Nord-Carolina, rosfrum Kord-Carolina, conliguus Nord-Ca-
rolina, Riddellii Texas, Chunii Texas, Heermannii Texas, tesserulae
Tennessee, A'or/Äanjfone«sts Connecticut-River, Wardii Ohio, Sampsoni
Wabasch-River, testitus Georgia.
Unio Hochstetteri Dunker Malak. Bl. VIII. p. 153 von Neusee-
land, — Bei Küster sind 1. c. als neu beschrieben U. unduliferus
der Mollusken während des Jahres 1861. 267
Süd-Amerika , baletonicus Ziegl., merodabensis von dem Busch Ben-
galen, Philippianus (U. anibiguus Parr.), eurhynchus Bronn Brasilien,
gratiosus Parreiss Neuholland, exanthematicus Ostindien, mussolianus
Parr. Tigris.
Margaritana quadrafa von Tennessee und Alabamensis aus dem
Talladega-Creek Lea Proc. Philadelphia p.41.
Anodonta Kennicottii und Simpsoniana Lea Proc. Philadelphia
p. 56, beide aus dem Slave-Lake im ai ctischen Amerika. — A. Gou-
getana Ogerien Revue et mag. de zool. in den Kanälen der Saline
von Montmorat und in dem Flüsschen Solvan bei Lons-le-Saulnier,
TrigOniacea. Die sechs beschriebenen Arten Trigonia der ge-
genwärtigen Schöpfungsperiode reducirt Lovell Reeve Conchol.
iconica Lief. 199 auf vier, die auf der zugehörigen Tafel abgebil-
det sind.
Cardiacea- Cardium exUe jVeu - Caledonien, parvulum Chiloe
und Magellanstrasse, pjc^wm Antillen, venustum Antillen Dunker Malak.
Bl. p.85.
Liocardium pictum Ravenel Proc. Philadelphia p. 44 von Süd-
Carolina.
Gycladea. Von Temple Prime's Synonymie der Cycladen
(vergl. vor. Ber, p. 210) erschien nun Proc. Philadelphia p. 25 die
zweite Abtheilung, nämlich Galatea mit 12 Arten, Fischeria mit 1,
Glauconome mit 13, Cyprina mit 94 Arten.
Glauconome JayanaTem^]e Prime Journ. de Conchyl. IX. p. 354
von Australien.
Cyrena sphaerica, acuta von Central-America, fortis von Ecua-
dor sind Arten von Temple Prime Journ. de Conchyl. IX. p. 354.
— Ebenso C. cyprinaeformis von Nordaustralien, laevis von Borneo,
regularis Siamensis von Slam, Bernardiana von ^eu-Ca\edon\en Proc.
' Philadelphia p. 125.
Temple Prime bemerkt Annais Lyceum New-York VII. p. 314
über Cyrena salmonoida Morelet, dass sie nebst maritima und cubensis
im Brakwasser lebt, und von Cyrenella americana, dass sie die erste
amerikanische Art dieser Gattung sei. Beide sind pl. 6 abgebildet.
Temple Prime bildete Journ. de Conchyl. IX. p. 39. pl. 2
folgende von Deshayes und ihm früher in den Proc. zool. soc. of
London aufgestellte Arten ab: Batissa humerosa, Cyrena insignis,
Corbicula tenuistriata, obsoleta, cyreniformis, ovalis und Sphaerium
inconspicuum. — Crosse, einer der Herausgeber des Journal de
Conchyliologie benutzt ib. p. 43 diese Gelegenheit zu einer histori-
schen Bemerkung über die genannten Gattungen, die meist auf Kosten
der Gattung Cyrena gegründet sind.
Batissa ponderosa Prime Proc. Boston VIII. p. 273 von Neu-
Caiedonien.
268 Tiosclicl; Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Corbicula ducalis Prime (Cyrena fluminea Mousson) Proc. Bo-
ston VIII. p. 274 von Java. — C. erosa von Caniboidia, brunnea aus
dem Scamander-Kiver, rhomboidea von Maiacca, nolata von den Phi-
lippinen, minor^ parvula aus Indien, subradiata aus Indien, solidula,
violacea , agrensis von Agra in Indien, inaequilateralis aus Afrika
Prime Proc. Philadelphia p. 12G. — Prmeana Moerch Journ. deCon-
chyl. IX. p. 347 von Siam. — C. Lydigiana von Siam und prolongata
von Australien Teniple Prime ib. p. 355.
Tempi e Prime begann eine Monographie der Nord- und
Südamerikanischen Arten der Gattung Sphaerium und beschrieb 14
Arten. Proc. Philadelphia p. 402.
Sphaerium lenticula Dunker Malak. Bl. VIII. p. 153 von Neu-
seeland. — S. Vermoniana Prime von Vermont in Nord -Amerika
Proc. Philadelphia p. 128. — S. meridionale von Panama, Barbadense
von Barbados und Porloricense von Portorico Prime ib. p. 414.
Yeneracea. Venus puellula Gould Proc. Boston VIII. p. 30.
Mercenaria Stimpsoni Gould Proceed. Boston VIII. p. 30 von
Hakodadi.
Chione roscida Gould Proc. Boston VIII. p. 31 von Ousima.
In einer „Kritischen üebersicht sämmtlicher bis jetzt bekannten
Arten aus der Cythereengruppe Tivela Link zählt Römer 26 Arten
auf. Malak. Bl. VIII. p. 17. — Ebenso aus der Gruppe Meretrix ib.
p. 45 zehn Arten. — Desgleichen ib. p. 175 aus der Gruppe Callista
28 Arten.
Callista glandula Gould Proc. Boston VIII. p. 31 von Hong-Kong.
Acht neue Arten von Dosinia beschreibt Rö m er Malak. Bl. VIII.
p. 210: Dosinia circularis, conglobata, obliquata, Kraussii Westin-
dien ?, Carpenteii, Lüdersii China, funiculata, labiosa Neuholland.
Römer erklärt Malak. Bl. VIII. p.l59 dieMactra vitrea Chemn.
für eine Clementia, und zählt bei dieser Gelegenheit die acht be-
kannten Arten dieser Gattung auf.
Tapes vernicosa Gould Proc. Boston VIII. p. 30 von Kagosima
und Hakodadi.
Römer gab eine Monographie der Gattung Saxidomus Conr.,
in welcher er drei Arten annimmt und deren Synonymie berichtigt.
Malak. Bl. VIII. p. 63. — S. aratits Gould Proc. Boston VIII. p.30
von San Francisco.
Tellinacea. Psammobia spatulata China^ tenella Hong-Kong
Gould Proc. Boston VIII. p. 27.
Tellina lubrica Hakodadi , euglypta Gould Proc. Boston VIII.
p. 28. — T. (ArcopagiaJ saccularia und cratitia Gould ib. p. 29 von
Loo-Choo.
Auf eine kleine Muschel aus dem rothen Meere, die an Gestalt,
an Muskeleindrücken und Mantelbucht der Gattung Strigilla, in Be-
der Mollusken während des Jahres 1861. 269
Ziehung auf das Schloss dagegen der Gattung Semele entspricht, grün-
det Dunker eine neue Gattung Strigillina Malak. Bl. p.43. Die
Art heisst Str. lactea,
Macoma lunella Gould Proc. Boston VIII. p.29 von China.
Scrobicularia caduca und adunca beide von Loo - Choo Gould
Proc. Boston VIII. p. 28.
Semele duplicata Kagosima, alveata Loo -Choo Gould Proc.
Boston VIII. p. 28. — S. nexilis und ornata Gould ib. p, 281 von
Georgia. — S. exigua H. Adams Proc. zool. soc. p. .385 von Tasmania.
Ervilia bisctilpta und livida beide von Kagosima Gould Proc.
Boston VIII. p. 28. — E. concentrica Gould ib. p. 281 von Nord-
Carolina,
Lncinaceä. Deshayes schilderte im Journ. de Conchyl. IX.
p.317 — 335 die Gattung Lucina, von der er acht Species in Wein-
geist hatte untersuchen können, und deren Studium er immer mit
Vorliebe verfolgt hat. Er hält die Gattung für ein wohlzusamnienge-
höriges Ganze, sowohl in conchyliologischer Beziehung, wie in Rück-
sicht auf das Thier, und verwirft die davon abgetrennten Genera,
wie Strigella, Lentillaria. Das hervorragendste und sicherste con-
chyliologische Kennzeichen besteht in dem überaus grossen vorderen
Muskeleindruck , der weit in die Schale hinab reicht und in der
rauhen Innenfläche der Schale. In dem dicken Mantel, der einfachen
Kieme jederseits, dem Mangel der Mundlappen, dem langen wurm-
förmigen Fiisse u. s. w. fand er alle Arten übereinstimmend. Die
Thiere von L. pensylvanica , edentula , jamaicensis, tigerina und di-
varicata sind auf pl. 13 und 14 abgebildet.
Lucina (Myrtea) seminula Hong-Kong und L. (CodahiaJ par^
vula Hakodadi ct. Gould Proc. Boston Soc. VIII. p. 36. — L. pusilla
Gould ib. p. 282 von Nord-Carolina.
Philis Fischer n. gen. Journ. de Conchyl. IX. p. 345. Testa
aequivalvis, subaequilatera, inflata, apicibus antice inflexis; linea
pallii integra, lunula profunde excavata , loco cardinis in fossulam
cochleariformem producta; cardine edentulo ; fossula ligamenti elon-
gata, stricta. Ph. Cutningi von den Molukken. Die Galtung wird mit
Lucina verglichen.
Loripes rotata Gould Proc. Boston VIII. p. 32 von Loo-Choo.
Cryptodon subradiatus Cap, polygonius Ca^ Gould Proc, Boston
VIII. p. 35.
üngülinäCGa,. Mysia (Felania) usla von Hakodadi, dolabrata
Cap, figlina Japan, abbreviata Hong-Kong, obliqua Loo-Choo Gould
Proc. Boston VIIL p. 32.
E. Römer hat versucht den Fclan des Adanson zu deuten,
kommt aber zu keinem entschiedenen Resultate. Er macht es nicht
270 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
unwahrscheinlich, dass diese Muschel in die Gattung Cyclina gehöre.
Malak. Bl. p. 28.
KdlliäCeä. Kellia crenulata \long~Koncr^ balaustina Sydney,
bulla Loo-CliüO, undulata Kagosima, compacta, convexa Cap Gould
Proc. Boston VIII. p.33.
Montacuta divaricata Gould Proceed. Boston VIII. p. 35 von
Hakodadi.
LeptonidäB. Lepton firmatum Cap, concentricum Sydney, luci-
dum Hong-Kong Gould Proc. Boston VIII. p. 33.
Galeommacea. ScimUla f/to/acicaGould Proc. Boston VIII. p.35
von Ousima.
Solemyacea. Solemya pusUla Gould Proc. Boston VIII. p. 27
von Hakodadi.
Astartacea. Gouldia dUecla Gould Proc. Boston VIII. p. 32 von
Kagosima. — G. fastigiata Gould ib. p. 282.
Mactracea. Lntraria lucida Gould Proc. Boston VIII. p. 29 von
Kagosima.
Nach einer historischen Einleitung über die Gattung Cardilia
Desh., deren Stellung im Systeme Verf. von der Kenntniss des Thie-
res abhängig macht, jedoch glaubt, dass sich Deshayes Ansicht,
sie zu den Mactraceen zu stellen, bestätigen werde, zählt Fischer
die bekannten Arten dieser Gattung auf: drei lebende und zwei fos-
sile. Journ. de Conchyl. IX. p. 335. — C gemmulata Gould Proc.
Boston VIII. p. 31 von China.
Anatinacea. Von der Gattung Anatina, die als mit 4 Tafeln
erscheinend angekündigt ist, sind bei Lovell Reeve Conch. icon.
Lief. 203 zwei Tafeln erschienen, aber nur der Text zur zweiten
Tafel, worin die Arten 8 — 14 beschrieben sind. Neu sind darunter:
A. gracilis Moreton -Bay , marilina Australien, creccina Adelaide,
Boschasina Philippinen. Diioi-
Lyonsia ventricosa Hakodadi, flabellala arktisches Meer Gould
FcQC. Boston VIII. p. 23.
KM: Die Gattung Thracia ist von Reeve in der 188. Lief, aiif drei
Tafeln dargestellt, und Verf. kennt von ihr 22 Arten, worunter neu :
Thr. cuneolus, siliqua, 7nyopsis Grönland, anatinoides Sydney, attsira^
lica Moreton-Bay, fabula, concinna Philippinen, oblonga rothes Meer,
novo ' zelandica Neu - Seeland , rndis Malakka. — Thracia pusilla
Simoda, cultrata Port Jackson, concinna Kagosima Gould Proc. Boston
VIH. p. 23.
Neaera adunca Gould Proc. Boston VIII. p. 24 von Kagosima.
Theora 7iitida Hong-Kong und obtusa Gould Proceed. Boston
VIII. p. 24.
Pandora Cumingii Hanley Proc. zool. soc. p. 272 von den Phi-
lippinen.
der Mollusken während des Jahres 1861. 271
Myodora fluctuosa Goiild Proc. Boston VIII. p. 23 von Kagosinra.
Die Galtung Myochama Stutchbury besteht bei Lovell Reeve
Conchol. icon. Lief. 199 aus vier Arten, unter denen M. tahida von
Australien neu.
Corbulacea- Corhda reMwsf« Hakodadi, rwsitca Whampoa Gould
Proc. Boston VIII. p. 26.
Cnjptomya truncata Gould Proc. Boston VIII. p. 24 von China.
Saxicavacea. Saxicava ßacdda Gould Proc. Boston VIII. p. 24
von Hong-Kong.
Panopaea fragilis Hakodadi und generosa Kamtschatka Gould
Proc. Boston VIII. p. 25.
Cyrtodaria (Glycymeris) Kurriana Dunker Malak. Bl. p. 38 von
Grönland.
Solenacea- D unk er beschrieb Proc. zool.soc. p. 418 folgende
38 neue Solenaceen der Cuming'schen Sammlung : Solen grandis Phi-
lippinen, regularis Malacca, Fonesii Kord-Australien, exiguus Borneo,
leanus Philippinen, tnalaccensis Malacca, vitreus Malacca, aspersus
Australien, Pfeifferi Caraccas^ Woodwardi Philippinen, rostrum-anatis,
rostriformis; — Ensis luzonicus Philippinen; — Cultellus Hanleyi^
subellipticus Malacca, atlenualus Philippinen, politus Gambia, vitreus
Singapore, Cumingianus Philippinen, auslralis Port Essington, lividus
Philippinen, marmoratus Philippinen, concinnus Philippinen ; — Pha-
rella otalis Singapore; — Macha swZcafa Ostaustralien, philippinarum
Philippinen, australis, Deshayesii Ostauslralien, Cumingiana Antillen;
— Azor oblongus, solidus, minutus alle drei Philippinen; — Siliqua~
ria Carp^nteri Süd - Carolina , nitidissima Peru, peruana Peru; —
Aulus jöponicws Japan, grayanus, ?•osfra^^^s Nordische Meere.
Solen strictus Hakodadi, gracilis ebendaher Gould Proc. Boston
Vlll. p. 26.
Solecurtus abbreviahis Hong-Kong, strigosa Whampoa, debilis
Port Lloyd und Loo-Choo Gould Proc. Boston VIII. p. 26.
Machaera sodalis Hakodadi Gould Proc. Boston VIII. p. 26.
GastrOChaenacea. Von Tryon findet sich eine Synopsis der
lebenden Arten der Gastrochaenidae in Proc. Philadelphia p. 465.
Verf. theilt die Familie in 4 Subfamilien : 1. G a str ochaenina e,
beide Schalen frei von der Köhre. Gatt. Gastrochaena Spengler mit
3 Arten, Rocellaria Fleur. de Bell, mit 24 Arten, worunter R. Stim-
psonii von IVord-Carolina neu, und ausserdem 4 Arten, die Verf. als
Subgenus Sp engler ia abtrennt, Cucurbitula Gould mit 1 Art. 2.
Bryopinae, die rechte Schale frei, die linke in die Röhre einge-
bettet. Gatt. Bryopa Gray mit .8 Arten und Subgen. Dacosta Gray
mit 2 Arten. 3. C l avagelli na e enthält nur die fossile Gatt. Cla=
vagella. 4. P enic illinae, beide Schalen in die Röhre eingebettet,
ihre Wirbel äusserlich sichtbar, die Basis der Röhre mit strahligen
Öt2 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte ct.
Röhrchen. Gatt. Brechites Guel. mit 3 Arten, Subgen. Warnea Gray
mit 2 Arten, Galt. Penicillus Gray mit 3 Arten, Subgen. Clepsydra
Gray mit 1 Art, Gatt. Foegia Gray mit 2 Arien, Subgen. Arytene Gray
mit 2 Arten, Gatt. Ilumphreyia Gray mit 1 Art. Sämmtliche Arten sind
mit der Synonymie versehen und durch Diagnosen in lateinischer
Sprache charakterisirt.
Chaena lagennla Gou\d Vroc. Boston VIII. p. 22 von Hong-Kong.
Von der Gattung Aspergillum kennt Lovell Reevein seiner
Conchologia iconica Lief. 198 neunzehn Arten, die sämmtlich der
östlichen Hemisphäre angehören und auf vier Tafeln abgebildet sind.
Darunter sind neu : A. disjunctum ohne Valerlandsangabe und pul-
chrum von Singapore.
Lovell Reeve machte eine Bemerkung über das Wachsthum
der Gattung Aspergillum. Report Brit. Assoc. advanc. sc. hehl at
Oxford 1860. p.l20.
Fholadacea. im 12. Bande der Verslagen en Mededelingen der
Holländischen Akademie erschien Tweede Verslag over den Paalworm
(vergl. vor. Ber. p. 213). Hier wird namentlich das Bohren des Thie-
res beschrieben, welches Kater beobachtet hatte. Einen Bericht
über diese Untersuchungea findet man von Keferstein in Göttinger
gel. Anzeigen 18G2. p. 32.
Ueber die britischen Teredines vergleiche auch Jeffreys in
Report Brit. Assoc. advanc. sc. held at Oxford 1860. p. 117.
Bookey Brown rigg fand Teredo norvegica bei Tankards-
town an der Irischen Küste. Proc. Dublin zool.-bot. Assoc. II. p.79.
Gray erhielt eine grosse Art von Teredo, ohne Röhre, welche
er für das Thier der Galtung Furcella hält und die dann nur eine
Gruppe von Teredo sein würde. Proc. zool. soc. p. 313.
Tunicata,
Von zusammengesetzten Ascidien beschrieb Grube als neu:
Leptoclinum cinnabarimim, Didemnium lohatum, exaratum, rubellutn
und Eucoelium ravum, die mit Ausnahme der letzleren auch abgebildet
sind. Ausflug nach Triest und dem Quarnero p. 133. Tab. II.
Die Abhandlung von Keferstein und Ehlers über die Ana-
tomie und Entwickelung von Doliolum, von der sich ein Auszug in
unserem Archiv 1860. p. 334 findet, ist in der VerlT. „Zoologischen
Beiträgen Leipzig 1801." p. 52 — 71 erschienen und von 4 Tafeln be-
gleitet. Ebenda p. 72 — 77 haben die Verfl". Bemerkungen über die
Anatomie von Pyrosoma veröffentlicht, die gleichfalls von einer Tafel
begleitet sind.
Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen im
Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861.
Von
A. Gerstaecker
in Berlin.
Die gründliche Kenntniss der Literatur eines Zweiges
der Naturwissenschaft ist die erste und hauptsächlichste
Basis für seine fernere Entwickelung und Ausbildung. Fand
daher bei den Zoologen die von W. Engel ma nn im J. 1846
herausgegebene Bibliotheca historico-naturalis , in welche
neben den Gesellschafls- und allgemein naturhistorischen
Schriften die selbstständig erschienenen Arbeiten über alle
Fächer der Zoologie aufgenommen waren, schon den all-
gemeinsten Beifall , so verdient die im J. 1861 erschie-
nene : „Bibliotheca zoologica, Verzeichniss der Schriften über
Zoologie, welche in den periodischen Werken enthalten
und vom J. 1846 — 60 selbstständig erschienen sind, bear-
beitet von J. V. Carus und W. Engel mann" (Leipzig,
Lex. 8. 2 Bde, 2144 pag.) eine um so grössere Anerken-
nung, als sie gerade den bei weitem am schwierigsten zu
übersehenden und umfangreichsten Theil der Literatur nicht
nur in sehr vollständiger, sondern auch in ausserordentlich
handlicher Weise zusammenfasst. Es ist nämlich nach vor-
ausgeschickter allgemeiner Literatur (periodische Schriften,
Beiscbeschreibungen, allgemeine Naturgeschichte und Zoo-
logie, vergleichende Anatomie u. s.w.) die spezielle streng
systematisch nach Typen, Classen und Ordnungen geglie-
dert und unter den letzteren eine alphabetische Reihenfolge
nach dem Objekte eingeschlagen worden, so dass man die
denselben Gegenstand behandelnden Schriften stets beisam-
men findeL Wie wichtig ein solches Werk speziell für
Archiv f. Naturg. XXVIIT. Jahrg. 2- Bd. S
274 Gerstaeckcr: Bericht iihcr die wissenschaftlichen Leistungen
die Abtheilung der Arthropoden ist, deren Literatur von
Jahr zu Jahr in immer stärkerer Progression wächst, braucht
nicht erst hervorgehoben zu werden. Dieselbe ist im er-
sten Bande des Werkes p. 407 — 794 zusammengestellt und
übertrifft schon gegenwärtig die gesammte Literatur über
alle anderen Everlebralen um ein Dritttheil (nach der Sei-
tenzahl). — lieber ein ähnliches, dem vorstehenden auf
dem Fusse folgendes Werk, Hagen's Bibliotheca entomo-
logica, welches die gesammte Literatur für die eigentlichen
Insekten enthält, werden wir im nächsten Berichte Mitlhei-
lung zu machen haben.
Als Nachtrag zu den in der Bibliotheca zoologica zu-
sammengestellten periodischen Schriften, so weit sie die
Arthropoden behandeln, haben wir als eine neu erschienene
hinzuzufügen die „Horae societatis entomologicae Rossicae,
variis sermonibus in Rossia usitatis editae"^ von denen im
Jahre 1861 der erste Band (Fascic. L tab. 4 illustr., Petro-
poli 8. 169 pag.) erschienen ist. Diese Zeitschrift wird
von einer Gesellschaft publicirt, welche in St. Petersburg
im J. 1860 zusammengetreten und durch K. E. von Baer
mit einem Vortrage: „Welche Auffassung der lebenden
Natur ist die richtige und wie ist diese Auffassung auf die
Entomologie anzuwenden" eröffnet worden ist. Die Zeit-
schrift enthält ausser dem Abdrucke des genannten Vor-
trages Specialabhandlungen über verschiedene Theile der
Entomologie (neben Insekten sind auch Arachniden vertre-»
ten) theils in Russischer, theils in Deutscher Sprache. Aus
leicht begreiflichen Gründen können wir in diesen Berich-
ten nur auf die in letzterer Sprache abgefasslen Arbeiten
eingehen.
Eine zweite im J. 1861 begonnene neue Entomologi-
sche Zeitschrift sind die „Proceedings of Ihe entomological
Society of Philadelphia", welche ausser Berichten über die
Sitzungen der Gesellschaft auch verschiedene Beiträge zur
Kenntniss der Nord-Amerikanischen Insektenfauna enthalten.
Von anatomischen und physiologischen Abhandlungen,
welche die Arthropoden im Allgemeinen betreffen, haben
wir hier folgende zu erwähnen:
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 18G1. 275
Für die Richtigkeit der Beobachtung, dass die Chj-
tirihülle der Arthropoden als Ausscheidung einer darunter
liegenden Matrix aufzufassen sei, sprach sich gelegentlich
auch Lubbock in einem Berichte über Ley di g's Naturge-
schichte der Daphniden (Natural history review 1861. p. 29)
aus. Er erwähnt dabei zugleich, dass der Nachweis hier-
für schon längere Zeit vorKöUiker und Haeckel durch
Huxley in Todd's Cyclopaedia geliefert worden sei.
Lubbock hat seine in diesen Berichten bereits mehr-
fach angezogenen Untersuchungen über die erste Anlage
des Eies bei den Articulaten fortgesetzt und weitere Beob-
achtungen, welche vorzugsweise die Myriopoden undArach-
niden betreffen, nebenher aber auch auf die Insekten (z. B.
Thysanuren) und Crustaceen eingehen, in einer ferneren
Abhandlung : „Notes on Ihe generative organs and on the
formation of the egg in the Annulosa" (Philosoph. Trans-
act. for 1861. Vol. 151. p.595— 628. pl.l6undl7) nieder-
gelegt. Verf. macht in derselben zunächst auf das Lage-
rungsverhältniss des Eifollikels zu dem Ovarium selbst,
welches je nach den vier Arthropoden -Classen ein ver-
schiedenes ist, aufmerksam. Bei den Insekten (Coccus)
tritt der EifoUikel aus der Peripherie des Ovariums heraus
und das Ei selbst liegt an der Innenseite beider Membra-
nen (Aussen-Membran und Epitellage) ; bei den Myriopoden
dagegen (Glomeris) tritt der EifoUikel in die Peripherie des
Ovariums hinein und das Ei liegt zwischen der Aussen-
mcmbran und der Epitellage. Eine dritte Modifikation zei-
gen die Arachniden (Phalangium) dadurch, dass der EifoUikel
aus der Peripherie des Ovariums heraustritt, das Ei selbst
aber zwischen den beiden Membranen gelegen ist; ausser-
dem fehlen hier auch die Dotterzellen, so dass das Pur-
kinje'sche Bläschen allein den Inhalt des Follikels ausmacht.
Die Crustaceen endlich scheinen von den drei vorherge-
henden Classen durch den Mangel eigener EifoUikel abzu-
weichen. — Sodann auf die einzelnen Classen und Ordnun-
gen der Arthropoden näher eingehend, erörtert Verf. den
Bau der beiderseitigen Fortpflanzungsorgane, so wie die
Bildung des Eies unter den Chilognathen an Glomeris,
^IfQ Gerstaecker: ßericht über die wissenschaftlichen f.eistungeti
Julus und Polydesmus, unter den Cliilopoden an Lilhobius,
Cryptops, Arthronomalus und Geophilus, unter den Araclini-
den an Nemastoma, Phalangium, Leiobiinus, Opilio, Chelifer
und Obisium, unter den Thysanuren an Petrobius. — Ein
Vergleich seiner eigenen Beobachtungen sowohl unter sich
als mit denjenigen früherer Autoren über die Eibildung bei
anderen Artliropoden so wie auch bei Würmern und Mol-
lusken, führt den Verf. zu der Ansicht, dass zwei wesent-
lich verschiedene Typen in der Eientwickelung existiren,
indem die sich vom Ovarium-Epitel abhebende Zelle bald
zum ganzen Ei, bald zum Purkinje'schen Bläschen allein sich
umgestaltet, so dass also die Eier gewisser Arthropoden
(Argulus, Limulus, Argas) dem Purkinje'schen Bläschen an-
derer homolog sind. Das Produkt einer einzelnen Ovarial-
Zelle ist das Ei der Acarinen, Araneinen, Pseudoscorpionen
und Phalangier, ebenso wahrscheinlich allgemein das der
Crustaceen mit Ausnahme der Daphniden, ferner unter den
Myriopoden dasjenige von Lithobius, Cryptops, Geophilus,
Polydesmus und Julus ; dagegen ist das Ei von Glomeris
offenbar den auch Dotterzellen in die Eikapsel aufnehmen-
den Insekteneiern analog. An die Betrachtung dieser beiden
Typen der Eientwickelung schliesst Verf. noch einige Be-
merkungen über das Auftreten zweier verschiedener For-
men von Spermatozoon, wie sie ausser bei Asellus, Lithobius
und Geophilus nach seinen Untersuchungen auch bei Cryptops,
Chelifer und Obisium vorkommen.
Von den speciellen Beobachtungen des Verf.'s ist hervorzuhe-
ben, dass in den Ovarien von Polydesmus nicht wie bei Julus Eier
in allen Entwickelungsstadien untereinander liegen, sondern dass sie
in regelmässigen Reihen, die den allmähligen Uebergang von ganz
jungen zu immer älteren Eiern zeigen, angeordnet sind. Das Weib-
chen legt die Eier zu mehreren in kleinen hohlen Erdkugeln, welche
es anfertigt, ab. — Bei Phalangium berichtigt Verf. die Angabe von
Treviranus, dass die zahlreichen, kurzen weissen Schläuche,
welche in das Vas defercns einmünden, den Hoden darstellen sollen;
letzteres Organ ist ein unpaarer weiter Schlauch, den Treviranus
als Z-förmige Drüse beschrieben hat und welcher in Lage und Form
dem Ovarium entspricht. — Bei Weibchen von Chelifer, welche
Verf. im August mit Jungen oder Eieikapseln (17 — 18 Eier enthal-
tend) antraf, fanden sich keine Ovarien, sondern an ihrer Stelle ein
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 277
grosses Organ, welches aus dreissig kurzen, cylindrischen Blinddär-
men bestand und in zwei grosse Taschen mit je einem Ausführungs-
gange auslief. Vom September bis Noveniber fehlten Weibchen mit
Eierkapseln und Jungen ; alle zeigten bei der Sektion ausgebildete
Ovarien mit 35 bis 40 Eiern. Die ersterwähnten Exemplare möchte
Verf. für unfruchtbare Weibchen halten, welche die durch andere er-
zeugten Jungen mittels drüsiger Organe (Milchdrüsen) ernähren. Bei
den männlichen Cheliferen kommen neben den gewöhnlichen Sper-
matozoon, welche eine ovale Gestalt haben, zuweilen noch faden-
förmige, in Zellen eingeschlossen vor, vielleicht nur unausgebildete
Formen. Hiervon sehr abweichend sind die Spermatozoen von Obi-
sium, welche einen cylindrischen Kopf und einen sehr feinen Schwanz
haben. (Die Arbeit ist im Auszuge auch mitgetheilt: Proceedings of
the Royal soc. of London 21. Febr. 1861 und Annais of nat. bist,
3. ser. VII. p. 407—412).
J. Braxton Hicks hat Untersuchungen über die
Homologieen der Sehorgane und ihrer einzelnen Theile bei
den Evertebraten im Allgemeinen angestellt, von welchen
bis jetzt nur ein Auszug in den Proceedings of the Royal
soc. of London 17. Jan. 1861 und in den Annais of nat.
hist. 3. ser. VIT. p.322f. mitgetheilt ist. („On the homo-
logies of the eye and of its parts in the Invertebrata**.)
Nach den in letzterer Zeitschrift gemachten Mittheilungen
stellt Verf. die Sehorgane bei den verschiedenen Classen
der Evertebraten sowohl in funktioneller als morphologischer
Beziehung mit einander in Vergleich und theilt dabei ver-
schiedene Beobachtungen, welche die Arthropoden speziell
betreffen, mit.
Bei manchen Insekten und bei Julus besitzt nach dem Verf.
die „Crystalllinse" ein sehr schwaches Refraktionsvermögen, indem
sie mit einer Flüssigkeit gefüllt ist, welche ebenso schwach lichtbre-
chend wie Wasser ist. Dies ist besonders bei den Dipteren der Fall,
wo die Hornhautfacetten so gewölbt sind, dass sie die Funktion der
Linse übernehmen; bei Aromia moschata verschwindet letztere ganz.
Dass jedes Augensystem mit einer ßrechungslinse ohne Beihülfe der
übrigen ein Bild erzeugen kann, glaubt der Verf. seinerseits gleich-
falls. Eine „vordere Augenkammer" hat Verf. in den zusammenge-
setzten Augen der Insekten nirgends gefunden, während sie bei den
Decapoden sehr deutlich ist. Das verschiedene Verhalfen des Inte-
guments zu dem eigentlichen Auge verfolgt Verf. bei Daphnia, Gam-
marus und Artemia bis zu Bfanchipus, wo nur die innere Lage, und
XU den Decapoden, wo beide Lagen der Cornea facettirt sind. Die
278 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen l^eistungen
engste Beziehung der Cornea zun» Auge zeigt sich bei den Insekten,
wo die Facetten mehr oder weniger linsenförmig werden, bis sie
bei den Dipteren fast in Kugelform auftreten; ihre Hefraktionskraft ist
hier sehr gross und sie sind mit einem Correctiv für sphärische und
chromatische Aberration ausgestattet. Die Ocellen der Insekten und
Arachniden zeigen dies Verhalten auf die höchste Spitze getrieben;
die sogenannte Crystalllinse derselben rührt allein vom Integument
her, und besonders ist an den mittleren Ocellen von Bulbus die in-
nere Lage so deutlich zu einer Linse ausgebildet, wie nirgends an-
ders. Eine Augenkammer und ein Correktiv für sphärische und
chromatische Aberration ist hier ebenso wie bei den zusammenge-
setzten Augen der Insekten nachweisbar.
C. Sundevall hat unter dem Titel: „Om Insekternas
extremiteter samt deras hufvud och mundelar" (Kongl. Ve-
tensk. Akad. Handling. 111. Nr. 9. — Separatabdruck gr. 4.
92 pag. c. tab. 4) eine vergleichende Schilderung der Glied-
massen (Beine, Mundtheile, Flügel) bei den verschiedenen
Classen und Ordnungen der Arthropoden gegeben und nach
dem Vorgange von Savigny eine Zurückführung der
vielgestaltigen Organe auf eine und dieselbe Grundform
versucht. Die Untersuchungen, welche die Grundlage der
Abhandlung bilden, sind nach des Verf.'s Angabe bereils
vor mehr als zwanzig Jahren angestellt worden und tragen
trotz späterer Ueberarbeitung das Datum ihres Ursprunges
auch unverkennbar zur Schau. Die Abhandlung macht
mehr den Eindruck einer nicht mehr ganz zeitgemässen
Einleitung in das Studium der Entomologie (Hautskelet)
als einer streng wissenschaftlich gehaltenen Monographie,
welche den vielfachen, über dies Thema bereits publicirten
Arbeiten genügend Rechnung trägt und auf ihnen forlbaut.
So wird z. B. Erich so n's bekannte Abhandlung über die
Gliedmassen nur einmal ganz beiläufig erwähnt, dagegen
Gerstfeld, Zaddach u. A. überhaupt nicht vom Verf.
berücksichtigt, obwohl die Resultate seiner Untersuchungen
von denen der genannten Autoren in mehreren und recht
wesentlichen Punkten abweichen. — Seine Arbeit zerfällt
in sieben Capitel, welche 1) über die Beine der Insekten,
2) über das Hautskelet der Insekten im Allgemeinen, 3)
über die Extremitäten im Allgemeinen und die des Hinter-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 279
Jeibs insbesondere, 4) über die Insektenflüge], 5) über den
Kopf und die Mundtheile der Insekten im Allgemeinen,' 6)
über die Mundtheile der einzelnen Ordnungen und 7) über
die Mundtheile der Crustaceen und Arachniden im Ver-
gleiche mit denjenigen der Insekten handeln.
Im ersten Capitel bespricht Verf. die einzelnen Theile des
Beines der Insekten sowohl als der übrigen Arthropoden-Classen und
will die Nomenklatur dieser Theile mit derjenigen der Wirbelthiere
auf physiologischer Grundlage in Einklang bringen. Für Coxa schlägt
er den Terminus Humerus , für Trochanter: Condylus, für Femur :
Cubitus, für Tibia : Carpus und für Tarsus: Digitus vor. (Die Be-
nennung dieser Theile ist jedoch, da es sich nur um Analogieen han-
delt, ganz nebensächlich und eine Umänderung nach so langem und
allgemeinem Gebrauch wäre durchaus verwerflich. Ref.) Den Tro-
chanter des Insektenbeines sieht Verf. als einen besonders abgegränz-
ten Theil des Schenkels an, der sich bei einem Theile der Hymeno-
pteren sogar verdoppelt. Die Ansicht, dass der 4. und 5. Abschnitt
des Beines bei den Arachniden der Schiene der Hexapoden gleichzu-
setzen sei, pflichtet Verf. bei und überträgt sie zugleich auf die Beine
der Malacostraken, so dass diese nur ein Tarsenglied (an den Scheeren
der Digitus mobilis) haben : der Carpus der Krebsscheere ist für den
Verf. also das zweite Schienenglied. — Nachdem Verf. im zweiten
Capitel eine Betrachtung des Hautskelets der Insekten vorgenommen
und dasselbe mit dem Skelete der Vertebraten in Vergleich gebracht
hat, bespricht er im dritten das Verhaltniss der Extremitäten zu den
Körperringen und den Einfluss, den sie auf die Gestaltung derselben
ausüben. Bei mehr homonomer Körpergliederung sind die Extremitä-
ten von geringerer Entwickelung, dagegen wird die letztere desto
vollkommener, -je mehr sich die Gliedmassen auf einzelne Körper-
ringe concentriren. Diese Körperringe sind dann gleichfalls in Be-
zug auf die animalen Functionen besonders entwickelt und werden
als „Thorax" bezeichnet, während die übrigen Segmente, welche die
Ernährungs- und Fortpflanzungsorgane enthalten, den „Hinterleib"
bilden. Bei den Insekten existiren drei, bei den Arachniden vier,
bei den Crustaceen fünf oder sieben solcher Thoraxringe. (Bei den
Crustaceen umschliesst indessen der Thorax, wie ihn der Verf. aufl'asst,
gleichzeitig dieVerdauungs- und Forlpflanzungsorgane.Ref.) Ausserdem
wird hier die Zahl der ausgebildeten Hinterleibssegmente und der
Abdominal füsse der Insektenlarven, wo solche vorkommen, erör-
tert; mit letzteren biingt Verf. auch die Spinnwarzen der Araneinen
und die Kämme der Skorpione in Vergleich. — Im vierten Capitel
etellt Verf. ein gemeinsames Schema für die Aderung der Flügel in
sümmtlichen Insekten-Ordnungen auf und giebt sowohl für die Haupt*
280 Gerstnccker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
ädern als die durch jene gebildeten Hauptabschnitte des Flügels eine
durchgreifende Nomenklatur, wie sie allerdings sehr wünschenswerth
ist. Auf Taf. 4., welche Darstellungen von Flügeltypen verschiedener
Ordnungen enthält, sind die Adern und Zellen, welche Verf. für
einander entsprechende ansieht, mit denselben Buchstaben und Ziffern
bezeichnet. — Das fünfte Capitel ist der Erörterung der einzelnen
Theile der Kopfoberfläche und den von derselben entspringenden
Organen, wie Fühler, Augen und Mundtheile gewidmet; unter letz-
teren werden die Maxillen mit den Beinen der Insekten verglichen,
wenigstens ihr Cardo und Stipes auf die Coxa und den Femur zu-
rückgeführt. Die Hauptmodifikationen, welche alle diese Theile bei
den typischen Formen der verschiedenen Insekten-Ordnungen unter-
worfen sind, werden nun der Reihe nach erörtert und die entspre-
chenden Theile in den auf Taf. 2 und 3 zusammengestellten Figuren
wieder gleich bezeichnet. Weichen die Ansichten des Verf's. über
die Bedeutung dieser einzelnen Theile im Ganzen nicht wesentlich
von den allgemein angenommenen ab, so lässt sich doch über den
einen oder anderen Punkt gewiss mit ihm rechten. So betrachtet er
gewiss mit Unrecht die Maxillen der Libellen (wie es allerdings bis-
her allgemein angenommen worden ist) als tasterlos, während offen-
bar ihre „äussere Lade" ein eingliedriger Taster ist und ihre „innere
Lade" den beiden verschmolzenen Laden entspricht. Es zeigt sich dies
ganz deutlich bei Gomphus, dessen Unterlippe bei näherer Betrach-
tung zugleich an den Seitenlappen eine Verwachsung der Aussenlade
mit dem gegliederten Taster erkennen lässt. An den Maxillen der
Apiarien nimmt Verf. nur die innere Lade als ausgebildet an, wäh-
rend eine mit Borsten besetzte Längsnaht auf eine Verwachsung aus
zwei Laden hinweist. Da Verf. an der Unterlippe überhaupt nur
zwei Theile, nämlich Mentum und Ligula annimmt, während im
Grunde doch drei : Mentum (Cardo), Tasterstück (Stipes) und Ligula
(Laden der Maxillen) existiren» so überraschtes nicht, dnss er an
der Unterlippe der Bienen den tastertragenden Theil für das Mentum
ansieht, während als solches das Submentum anzusehen ist (Erich-
son). — Bei dem im letzten Capitel vorgenommenen Vergleiche der
Crustaceen- und Arachniden-Gliedmassen mit denjenigen der Insekten,
kommt Verf. zu dem Resultate, dass die oberen Fühler der Crusta-
ceen mit den Fühlern der Insekten, die unteren F'ühler jener mit den
Mandibeln der Insekten, die Mandibeln der Crustaceen mit den Ma-
xillen der Insekten und die zweilappige Zunge mit der Unterlippe
der Insekten homolog ist; es würden also nach ihm die beiden Ma-
xillenpaare, die drei Paare der Kieferfüsse und die fünf Paare von
Gangbeinen dem Thorax der Malacostraken angehören. Bei den
Arachniden bezeichnet Verf. die Gliedmassen als Mandibeln, Maxillen
und vier Paare von Gangbeinen.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 281
Ueber parthenogenetische Fortpflanzung unter den Ar-
thropoden sind abermals verschiedene Mittheilungen gemacht
worden, welche hier zusammengestellt werden mögen : .i
NachSmith's Mittheilung (Entomol. Annual for 1861.
p. 39) hat Stone in der November-Nummer des Zoologist
weitere Beobachtungen über das Eierlegen von Arbeiter-
wespen veröffentlicht, aus denen mit Sicherheit hervorgeht,
dass Arbeiterwespen, welche unmöglich hatten befrucJitet
werden können, Eier ablegten, aus denen weibliche Indi-
viduen (Arbeiter) hervorgingen. — Dem Ref. hat leider
die Originalabhandlung von Stone nicht zur Einsicht vor-
gelegen, um ausführlicher über den Inhalt berichten zu
können.
Tegetmeier brachte Arbeiterzellen der Honigbiene,
welche mit Eiern und Larven belegt waren, in einen Stock,
der bereits längere Zeit weisellos war und daher keine
Brut enthielt. Die Arbeiter machten keine Anstalt, Köni-
ginnenzellen zu bauen; dagegen legten die aus jenen ein-
gesetzten Zellen hervorgehenden Arbeiter Eier , jedoch
ausschliesslich in Drohnenzellen. (Proceedings entomol.
Society 1860. p. 118.)
Jourdan überreichte der Akademie der Wissenschaf-
ten zu Paris eine Abhandlung „Ponte d'oeufs feconds par
des femelles de Vers ä soie ordinaires sans le concours
des mäles" (Comptes rendus de l'acad. 16. Decembr. 1861.
Tome 53. p. 1093 ff., Revue etMagas. de Zool. XIII. p. 549),
in welcher er von Neuem das Ablegen entwickelungsfähi-
ger Eier durch unbefruchtete Weibchen des Seidenspinners
bestätigt. Dasselbe ist indessen nach seinen Erfahrungen
sehr selten, so dass man Beobachtungen an grossen Men-
gen von Eiern anstellen muss. Die Race, welche mehrere
hintereinanderfolgende Generalionen in demselben Jahre
abgiebt, ist reicher an solchen jungfräulichen Eiern als
diejenige, welche nur eine Generation hat; bei jener kommt
schon auf 17 Eier eine sich entwickelnde Raupe, bei dieser
nur eine auf etwa 2000 Eier.
Keferstein, „Ueber jungfräuliche Zeugung bei
Schmellerlingen« (Entomol. Zeitung XXII. p. 438—450) be-
282 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
sprach neben der regulären Partheno^enesis, wie sie bei
Psyche, Solenobia und Fumea als solche festgestellt ist,
auch die ausnahmsweise neben der geschlechtlichen Befruch-
tung auftretende ungeschlechtliche Fortpflanzung weiblicher
Schmetterlinge und stellte die ihm bekannt gewordenen
Fälle solcher Parthenogenesis oder diejenigen, welche dafür
angesprochen worden sind, im Ganzen 21 an Zahl, zusam-
men. Die Reihe der durch v. Siebold erörterten Fälle
wird dadurch ansehnlich vermehrt.
Girard hat Untersuchungen über die thierische Wärme
der Articulaten angestellt und über die Resultate dersel-
ben der Societe entomologique zu Paris Mittheilungen ge-
macht („Recherches sur la chaleur animale des Articules",
Annales soc. entom. 4. ser. I. p.503 — 508). Nach den
Untersuchungen des Verf.'s zeigt die Körperwärme bei
einem und demselben Individuum merkliche Schwankungen,
welche vermuthlich auf der Fähigkeit, durch Verschluss
der Stigmata die Respiration anzuhalten, beruht; sie scheint
einige Zeit vor dem Tode des Insektes zu schwinden, da-
gegen durch Bewegungen erhöht zu werden. Dass die
Raupen und Puppen der Schmetterlinge mehr Wärme er-
zeugen als die Imago, hat Verf. nicht bestätigt gefunden;
die beiden ersteren zeigen in der Ruhe die Temperatur
des umgebenden Mediums und können sogar unter dieselbe
herabsteigen, während sich bei der Imago (z. ß. von Tri-
phaena limbria) eine merklich höhere Temperatur ergabt
Puppen, welche in einen Cocon eingeschlossen sind , zei-
gen im Momente der Oefl'nung des letzteren eine höhere
Temperatur als die Luft, sinken aber bald unter diese zu-
rück. Unter den ßombyciden liessen die männlichen Indi-
viduen eine bedeutend höhere Eigenwärme erkennen als
die Weibchen; am meisten Wärme erzeugen die Ilymeno-
pteren und unter diesen wieder die dicht pelzigen Hum-
meln. — Von den übrigen Articulaten zeigten Amphipoden
und Porcellionen die Wärme des umgebenden Mediums,
Armadillo eine leichte Steigerung der Temperatur; unter
den Arachniden Hess sich bei Epeira eine massige und
schwankende Eigenwärme nachweisen.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 283
Speciellere Resultate theilt der Verf. von seinen Versuchen an
einem Exemplare der Acherontia atropos mit: beim Anlegen des Hin-
terleibes stieg das Therrnometer in acht Minuten von 16^,8 Cent, auf
19°,lj beim Anlegen der Brust und des Kopfes in einer Minute auf
21**, in drei Minuten auf 21^5. Nachdem das Thier excentrirt war,
stieg das in den Thorax eingeführte Thermometer von 16°,3, in zvv^ei
bis drei Sekunden auf 29^3, sank aber binnen drei Minuten auf 23^4
zurück.
In faunislischer Beziehung wurden alle oder wenig-
stens mehrere Classen der Arthropoden nebeneinander in
folgenden Werken behandelt:
Costa's Fauna del regno di Napoli hat seit unserem
letzten Berichte über dieselbe (vergl. Jahresbericht 1855.
p. 29) im Bereiche der Arthropoden ansehnliche Fortschritte
gemacht und es ist in Betracht der Reichhaltigkeit des
Werkes an neuen und interessanten Formen nur zu be-
dauern, dass es in Deutschland bis jetzt wenig Eingang
gefunden hat. Abgesehen von der Schwierigkeit, Südita-
lienische W^erke zu verschreiben, ist daran hauptsächlich
auch die unzvveckmässige Publikation des Werkes Schuld ;
es erscheinen nämlich die einzelnen Classen, Ordnungen
und Familien gleichzeitig und zwar immer nur in sehr
kleinen Lieferungen von einigen Bogen Text und den dazu
gehörenden Tafeln (oft das Eine ohne das Andere), wobei
der Gegenstand nicht selten mitten im Laufe der Darstel-
lung abgebrochen wird. Dem Ref. liegen durch die Ge-
fälligkeit des Herrn C. A. Dohrn eine Reihe solcher
Bruchstücke über Coleopteren, Hymenopleren, Orthopteren
und Neuropteren zur näheren Einsicht vor, um gehörigen
Orts darüber berichten zu können. Nach diesen zu urthei-
len, hat das Werk des Verf. im Laufe der letzten Jahre
wesentlich an Güte gewonnen. Die Tafeln sind fast durch-
weg correkt in Zeichnung sowohl als Colorit und zum Theil
selbst künstlerisch vollendet; die Beschreibungen durch-
weg sorgsam und die Verwerthung der den Gegenstand
behandelnden Literatur ausgedehnter als früher , so dass
bekannte Arten seltener unter neuen Namen eingeführt
werden, als es früher der Fall war. — Von Crustaceen
und Arachniden ist dem Ref. bis jetzt leider Nichts zu
284 Gerstacckrr: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Gesicht gekommen, wiewohl gerade erstere schon beson-
ders weit in der Bearbeitung vorgeschritten sind. Da es
dem einen oder anderen unserer Leser gewiss von Interesse
sein wird, eine Uebersicht über die bisher (1861) publicir-
ten Eiiizelnheiten des Werkes zu erhalten, so theile ich
die darüber auf dem Umschlage der mir zur Ansicht vorlie-
genden Lieferungen gemachten Angaben mit.
1) Crustaceen. Es sind bis jetzt 32 Bogen Text und 25 Ta-
feln erschienen. Von Decapoden sind abgehandelt: a) Brachyura:
Portunus, Lupa, Platyonychus, Cancer, Xantho, Pirimela, Thia, Eri-
phia, Piluninus, Thelphura, Gonoplax, Pinnotheres, Grapsus, Corystes,
Leucosia, Parthenope, Eurynome, Acanthonyx, Pisa, Lissa, Maja, Ina-
chus, Achaeus, Macropodia, Mithrax, Calappa, Homola, Dorippe und
üromia. b) Änomura : Pagurus. c)Macrura: Gebia, Callianassa (dabei
auch Alegalopa), Nephrops, Typton, Cryptophthalmus, Periclimenes,
Palaemon. d) Stomatopoda: ÄJysis (und Phyllosoma). — Von Amphi-
poden : Talitrus, Orchestia, Callisoriia, Lysianassa, Guerinia, Phroninia,
Phrosine. — Von Isopodcn: Stenosoma, Idotea, Anthura, Jaera, An-
caeus und Praniza. — Von Entomostraken : Cypris, Cypridina, IS'esi-
dea und Edwardsia.
2} Arachniden. Es sind 5 Druckbogen und 4 Tafeln er-
schienen: Mygale, Dysdera, Chelifer, Phanodemus und Phoxichilus.
3) Coleopteren. Ausser dem im Jahresberichte f. 1855 an-
gezeigten Bande ist ein zweiter begonnen worden; derselbe enthält
Cicindelen, Carabiden, Longicornen (Spondyliden, Prioniden, Ceram-
byciden); 15 Bogen mit 10 Tafeln.
4) Orthpoteren. 14 Bogen mit 10 Tafeln. Acridium, Podisma
und die Familie der Grylloden.
5) K eur 0 p t e r en. 8 Bogen mit 6 Tafeln. Myrmeleoniden,
Hemerobiiden , Mantispiden und Rhaphidien.
6) II y m e n 0 p te r e n. Band 3. (23 Bogen mit 20 Tafeln), die
Hymenoptera phytophaga enthaltend, ist vollständig. Von einem zwei-
ten liegen 21 Bogen mit 16 Tafeln vor; sie enthalten die Spheciden,
Pompiliden, Philanthiden, Nyssoniden, Scoliaden und Mutilliden (die
meisten unvollständig).
7) Hemipteren. 5 Bogen mit 3 Tafeln: Fulgora, Cixius,
Issus, Cercopis, Centrolus, Ledra, Coccinen.
8) Le p id 0 p t er en. Der erste Band mit 41 Bogen und 21 Ta-
feln, von den Rhopaloceren bis zu den Tineinen (mit Ausnahme der
Geometj iden und Tortricinen) reichend , ist abgeschlossen. Vom zwei-
ten liegen 15 Bogen mit 15 Tafeln vor; dieselben enthalten Geome-
tridcn, Bombyciden und die GaUung Acronycla.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861* 5B5
Grube's gleich anziehend beschriebener als lehrrei-
cher „Ausflug- nach Triest und dem Quarnero, Beiträge zur
Kenntniss der Thierwelt dieses Gebietes" (Berlin 1861. 8.
175 pag. c. tab. 5) enthält neben überwiegenden Mitthei-
lungen über Weich-, Strahlthiere und Würmer auch ver-
schiedene schätzenswerthe Notizen über Arthropoden aus
den Classen der Myriopoden, Arachniden und Crustaceen.
Dieselben finden sich theils im Berichte des Verf. über seine
verschiedenen Excursionen zerstreut, theils in einem ange-
hängten Verzeichnisse der beobachteten Thiere, von denen
die neuen Arten beschrieben werden , zusammengestellt
(p. 123 und p. 134 ff.). Von Arachniden werden 2 Scor-
pione, 21 Araneinen und 6 Acarinen, von Myriopoden 5
Chilognathen und 8 Chilopoden, von Crustaceen 19 Bra-
chyuren, 6 Anomuren, 10 Macruren, 2 Squillinen, 13 Amphi-
poden, 16 Isopoden, 1 Phyllopode, 1 Ostracode und 4 Pa-
rasiten aufgezählt. Die neun als neu beschriebenen Arten
gehören den Acarinen, Amphipoden und Isopoden an; die-
selben werden mit Ausnahme der schon im XXV. Jahrg.
d. Archivs bekannt gemachten Cypridina oblonga, welche
bereits im letzten Jahresberichte p. 389 erwähnt wurde, an
ihrem Orte namhaft gemacht werden.
H. Wankel in seinen „Beiträgen zur Oesterreichi-
schen Grotten - Fauna" (Sitzungsber. der mathem.-naturw,
Classe der Akad. d. Wissensch. zu WienXLlII, 1. p. 251 —
264. c. tab. 4) machte nach einleitenden. Bemerkungen über
die Fauna der Mährischen Höhlen im Allgemeinen acht
neue in denselben aufgefundene Arthropoden , nämlich '2
Insekten (Thysanuren), 1 Myriopoden (Glomeride) und 5
Arachniden (1 Phalangide, 4 Acarinen) bekannt. Im Gan-
zen sind die Mährischen Höhlen sehr viel ärmer an Thieren
als diejenigen des Karstes; selten ist das Vorkommen einer
und derselben Art in den Höhlen beider Länder (Eschato-
cephalus gracilipes), während dieselben Gattungen öfters
durch nahestehende Arten repräsentirt sind.
R. A. Philippi's „Reise durch die Wüste Atacama,
auf Befehl der Chilenischen Regierung im Sommer 1853 — 54
unternommen und beschrieben" (Halle 1860. 4.) enthält
286 GerstaecUer: Bericht nbcr die wissenschaftlirlien Leistungen
mehrfache Millheilungen über die Fauna des nördlichen,
zwischen Copiapo und ßolivia gelegenen wüsten Striches
Chile's , welcher unter dem Namen Desierto de Atacama
bekannt ist. Ausser verschiedenen im Texte der Reisebe-
schreibung zerstreuten Notizen über Arthropoden ist ein
Verzeichniss der vom Verf. gesammelten Arten auf p. 169
— 174 zusammengestellt. Dasselbe erstreckt sich nur auf
Crustaceen (10 A.) und auf Insekten aus den Ordnungen
der Coleopteren (42 A.), Orthopteren (3 A.) und Hemipte-
ren (5 A.). Die darunter befindlichen, kurz charakterisir-
ten neuen Arten sind gehörigen Orts angeführt.
In J. von Sivers's Reise „Ueber Madeira und die
Antillen nach Mittel-Amerika" (Leipzig 1861. 8.), welche
in zoologischer Beziehung sonst wenig Eingehenderes ent-
hält, hat Grube ein Namensverzeichniss der vom Verf.
auf den Antillen und in Central-Amerika, besonders Hon-
duras gesammelten Thiere gegeben. Von Arthropoden wer-
den aufgeführt: 9 Crustaceen (Decapoden), 24 Arachniden,
8 Äjyriopoden; von Insekten 20 Coleopteren, 2 Orthopteren
und 3 Hemipteren. Unter den Arachniden sind 15, unter
den Myriopoden 6 Arten als neu bezeichnet und benannt,
aber nicht beschrieben.
A. Fauvel, Catalogue des Insectes recueillis ä la
Guyane Fangaise par M. Deplanche pendant les annees
1854 — 56 (Bulletin de la soc. Linneenne de Normandie V.
p. 299— 327. VI. p. 128-— 145 und p. 166 ff.). Es werden
133 Arten Coleoptera, 38 Hemiptera, 86 Lepidoptera (bis auf
zehn Arten den Rhopaloceren angehörend), 8 Hymenoptera
(meist nicht näher bestimmt), ausserdem auch einige Cru-
staceen, Myriopoden und Arachniden, jedoch der Mehrzahl
nach ebenfalls nicht näher bestimmt, aufgezählt. Am wich-
tigsten ist das Verzeichniss der Coleopteren, unter denen
16 Arten verschiedener Familien als neu beschrieben werden.
1. Insekten.
„Studien zur Entwickelungsgeschichte der Insekten**
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 287
von H. Rathke sind aus seinem Nachlasse durch H. H.a -
gen (Enlomol. Zeitung XXII. p. 169— 191 u. p. 229— 240)
veröffentlicht worden. Die Beobachtungen des berühmten
Forschers betreffen hauptsächlich die Contenta des Eies
vor der Befruchtung und die Veränderungen, welche in
denselben während der ersten Tage nach dem Ablegen vor
sich gehen; in einigen Fällen auch die Anlage des Embryo
und die eben dem Eie entschlüpften jungen Larven. Die
Untersuchungen wurden an folo-enden Arten angrestellt:
Hydrometra lacustris, Naucoris cimicoides, Pentatoma bac-
carum, Meloe majalis, Prionus coriarius, Donacia dentipes,
Vespa spec, Gryllotalpa vulgaris, Gryllus grossus, Libel-
lula vulgata und quadrimaculata, Agrion spec, Phryganea
spec, Bombyx mori, Liparis Salicis und dispar, Musca vo-
mitoria. Von jeder dieser Arten hat der Verf. aufnotirt, was
sich bei der Beobachtung des Eies während eines oder mehre-
rer Zeitpunkte seiner Entwickelung Bemerkenswerthes dar-
bot; leider ist es ihm nicht vergönnt gewesen, die ver-
schiedenen Beobachtungen in Bezug auf ihre Uebereinstim-
mungen und Abweichungen gegen einander zu halten und
die sich daraus ergebenden Resultate zusammenzufassen.
In einzelnen Punkten der Beobachtungen zeioren sich auf-
fallende Differenzen, z. B. das Vorkommen einer Dotterhaut
bei den einen und der Mangel derselben bei anderen Ar-
ten. Beim Embryo von Penlatoma ist der Nachweis eines
eigenthümlichen, am Kopfe befindlichen Eisprengers von
Interesse.
Aus dem Nachlasse desselben Verf.'s sind ferner
„Anatomisch - physiologische Untersuchungen über den
Athmungsprozess der Insekten" in den Schriften der phy-
sikalisch-ökonomischen Gesellschaft zu Königsberg I. p.99
— 138 veröffentlicht, welche nach einer Mittheilung von
Hagen aus d. J. 1832 — 35 stammen und sich vollständig
druckfertig vorfanden. Dieselben wurden an einer Reihe
grösserer Insekten aus verschiedenen Ordnungen sowohl
im Zustande der Imago als der Nymphe und Larve ange-
stellt und sind einerseits auf eine Feststellung der Athmungs-
erscheinungen, welche der Hinterleib der Insekten erkennen
288 Ge rs t a e c k e 1' : Bericht über die wissenschaftliclien Leistungen
lässt, andererseils auf den Apparat, der dieselben vermittelt
(Muskulatur) gerichtet.
Verf. erörtert zuerst die Anlage des Hautskeletes am Insekten-
hinlerleibe im Allgemeinen und erwähnt, dass die härteren Partieen
desselben durch Muskeln an einander bewegt werden, welche nur
diese Theile einander näher bringen, also die Exspiration bewirken.
Bei der Mehrzahl der Coleopteren bewegt sich bei der Alhmung nur
die Rückenwand des Hinterleibes und zwar so weit, wie dieselbe
weichhäutig ist; die hier in Wirksamkeit tretenden Muskeln sind sehr
einfach, indem jeder bei der Alhmung mitwirkende Leibesgürtel nur
mit einem Paare versehen ist, welches an der Seitenwand desselben
entspringt und sich an der Rückenschiene in der Nähe der weichen
Haut inserirt. Am stärksten und häufigsten ist die Athembewe-
gung bei solchen Käfern, welche, wie die Lamellicornen, blasige Er-
weiterungen der Tracheen besitzen. Bei den Dipteren (Tabanus,
Enipis, Tipula, Musca) werden meist nur die vorderen Bauchgürtel
während der Respiration gegen die Rückenschienen hin angezogen und
zwar durch 3Iuskeln, welche denen der Käfer ganz analog sind. Auch
Panorpa athmet nur mit den drei bis vier vorderen Hinterleibsringen,
indessen dadurch, 'dass sich die seitliche Verbindungshaut aus- und
einstülpt; bei den Lepidopteren , wo letzteres gleichfalls erfolgt,
dehnt sich die Athembewegung über die ganze Länge des Hinterlei-
bes aus. Bei Blatta macht sich die Athmung an Dorsal- und Ventral-
platten gleich bemerkbar, bei den LibeMen meist nur durch Aufsteigen
der Bauchwand (80 bis 90mal in der Minute), oder, wenn die Ath-
mung angestrengter ist, zugleich durch Einziehung der Seitenwände
des Hinterleibes. Am Hinterleibe der Acridier, deren Bauchwand
bei der Exspiration nach oben gezogen wird, weist der Verfasser
drei verschiedene Muskelsysteme nach, von denen jedoch nur eines
der Exspiration dient; die grossen Arten (Acr. migratorium) lassen
ausserdem noch einen platten , bandartigen Inspirationsmuskel zu
jeder Seite der einzelnen Ringe erkennen. Koch complicirter ist der
Muskelapparat im Hinterleibe der Grylloden und Locustinen, indem
neben zwei Muskelsystemen, welche zur Respiration in keiner Be-
ziehung stehen, noch fünf andere vorkommen, welche dieselbe wahr-
scheinlich alle mehr oder weniger vermitteln helfen ; Älodiükationen
treten bei Gryllolalpa und Mantis ein. Unter den Hymenopteren sind
die Athembewegungen allgemein sehr rasch und lebhaft und beste-
hen darin, dass die einzelnen Gürtel des Hinlerleibes abwechselnd
auseinandergeschoben und eingezogen werden ; sowohl die Exspira-
tion als die Inspiialion wird hier durch besondere Muskeln bewirkt.
— Dass sich die im Vorstehenden angegebenen Bewegungen des Hin-
terleibes auf die Respiration beziehen, lässt sich einerseits negativ
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 289
(die Pulsation des Vas dorsale ist davon unabhängig), andererseits
auch positiv nachweisen; denn bei den Lamellicornen dehnen sich
jedesmal beim Senken der Rückenwand die Luftsäcke der Tracheen
prall aus und bei Acridium öfFnen sich bei Zusammenziehung des
Hinterleibes stets die Lippen der Stigmata. Wo keine besonderen
Inspirationsmuskeln, wie bei den Hymenopteren, vorhanden sind, wird
die Wiederausdehnung des Hinterleibes nach der Ansicht des Verf.'s
erstens durch die Elasticität der tubulären Tracheen und zweitens
durch die Elasticität der ßauchgürtel vermittelt. Die Frage, ob die
Atbmungsbewegungen der Insekten willkührliche oder unwillkühr-
liche seien , beantwortet der Verf. dahin, dass letzteres wohl die
Regel sei, indessen der Wille ebenfalls auf die Alhmung Einfluss
üben könne; ausserdem glaubt er auch der Pulsation des Rücken-
gefässes, der Ausdehnung des Saugmagens (Diptera) und den peri-
staltischen Bewegungen des Darmkanals einen Einfluss auf die Ath-
mung, besonders auf die Vertheihing der Luft zuschreiben zu dürfen.
Faivre hat seine Untersuchungen über die Physiolo-
gie des Nervensystems bei den Insekten (an Dytiscus mar-
ginalis angestellt) fortgesetzt und die Resultate derselben
der Akademie der Wissenschaften zu Paris in einer fer-
neren Abhandlung „Recherches sur les proprietes et les
fonctions des nerfs et des muscies de la vie organique
chez un insecte, le Dytiscus marginalis (Compt. rend. de
Tacad. d. scienc. 1861. Tome 52. p. 651 ff.) vorgelegt.
Aus dem letzten Abdominalganglion entspringt ein Kerven-
stamm, der gleichzeitig Aeste an die Bewegungsmuskeln des Haut-
skeletes und solche an die Eingeweide (Magen, Intestinum, Drüsen,
Genitalapparat) abgiebt, ohne dass sich zwischen beiden Unterschiede
in der Struktur und im Ursprünge nachweisen Hessen. Diese enge
Vereinigung animaler und vegetativer Fasern wird durch das Expe-
riment bestätigt. W^enn man den Nervenstamm bei seinem Ursprünge
leicht reizt, so zeigen sich nur Bewegungen der Hautmuskeln; ist
die Reizung stärker, so gesellen sich Convulsionen der Geschlechts-
organe, des Pylorus und der Cardia hinzu. Dasselbe tritt ein, wenn
man den Nervus stomato - gastricus in der Nähe der Regio cardiaca
oder die Eingeweidenerven, welche sich am Intestinum tenue und am
Anfange des Duodenum verzweigen , in Reiz versetzt. Zerrt man
die letzten Hinterleibsiinge , so giebt das Insekt Zeichen lebhaften
Schmerzes; zerrt oder brennt man das Intestinum, wo die Nerven am
zahlreichsten sind, so bleibt es ruhig, so dass also die Visceralner-
ven nur einen sehr geringen Grad von Sensibilität haben. Bei Rei-
zung der Eingeweidenerven werden die Zusammenziehungen des
Pylorus und der Cardia sehr beschleunigt, bei sehr starkem Reize
Archiv f. Naturg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd. T
290 fi e rs t ae ck e r ; Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
werden beide ganz in Starrheit versetzt. Das letzte Abdominalgang-
lion bildet für die männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane ein
spezifisches Nervencentrum ; beim Reize derselben wird die Rulhe,
der Ovidukt hervorgeslosscn, selbst eine Ejakulation bewirkt. Diese
Erscheinungen fallen bei Reizung der übrigen Ganglien ganz fort,
bestehen dagegen selbst nach Trennung des letzten Ganglions von
dem übrigen Bauchmark fort.
Nach einer Miltheiliing Coqucrel's (Bulletin soc.
entomol. 1861. p. 39) ^vill ein Marine - Lieutenant ß e 1 am
Senegal einen (nicht näher bestimmten) Käfer gefunden ha-
ben, der ihm beim Ergreifen einen leichten elektrischen
Schlag versetzte. Den Negern am Senegal soll das Insekt
und diese seine Eigenschaft ebenfalls bekannt sein.
S. d e Luca, „Sur la transformation en sucre de la
peau des vers ä soie" (Comptes rendus de l'acad. d. scienc.
Tome 53. p. 102 ff.) machte der Akademie der Wissenschaf-
ten zu Paris die vorläiificre Mittheiluno-, dass nach seinen
Versuchen die Haut der Seidenraupe eine stickstoffhaltige
Substanz von der Zusammensetzunor der Pflanzen-Cellulose
liefere, und dass sie mit Leichtigkeit in gährungsfähigen
Zucker umgewandelt werden kann. Die Versuche, durch
welche Verfasser diese Resultate erzielte, werden näher
erörtert.
Glaser, „Lebensfähigkeit des befruchteten Cossus-
Eies im Leibe der todten Älutter" (Entomol. Zeitung XXU.
p. 451) berichtete über einen merkwürdigen Fall, in dem
sich im Leibe eines getödteten Cossus- Weibchens ein Ei
zu einer Raupe entwickelte, welche sich auf Kosten des
übrigen Leibes-lnhaltes der Mutter ernährte und 6 — 7 Linien
lang wurde.
Cooke (Proceed. entomol. soc. 1860. p. 116) brachte
Ephyra trilinearia und orbicularia zur Begattung und er-
hielt von dem Weibchen der ersteren Art zehn Eier, aus
denen sich ebenso viele Raupen entwiekelten. Als diese
erwachsen waren , glichen die einen den Raupen der er-
sten, andere denen der zweiten Art, während noch andere
von beiden abwichen. Obwohl sich alle verpuppten, ent-
wickelte sich doch nur ein einzelner Schmetterling; der-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 291
selbe glich keiner der beiden Eltern-Arten, sondern sta.nd
in Färbung und Zeichnung der Ephyra poraria näher.
Micklitz (Entomol. Zeitung XXII. p. 295) beobach-
tete die Copulation zwischen einem Männchen der Leptura
scutellata und einem Weibchen der Leptura cincta im
Freien.
Hagen stellte unter dem Titel: „Insekten-Zwitter"
(Entomol. Zeitung XXII. p. 259—286) die Literatur über
hermaphroditische Bildungen bei Insekten aus den Jahren
1761 — 1860 (im Ganzen 55 Citate) nach der Jahreszahl der
Publikation zusammen und liess darauf ein Verzeichniss
der darin erwähnten Zwitter selbst folgen. Im Ganzen
sind 119 Insekten-Zwitter bekannt geworden und zwar 99
Lepidoptera (.83 Rhopalocera, 15 Sphingidae, 33 Bombyci-
dae, 4 Cheloniariae, 2 Noctuina, 8 Geometrina und 1 Ti-
neine), 15 Hymenoptera, 3 Goleoptera, 1 Orthopteren und
1 Dipteron. •5*- * ^^-^ »w
Mehrfache Zwitter wurden von folgenden Arten beobachtet:
Argynnis Paphia 4, Vanessa Atalanta 2, Hipparchia Janira 3, Lycaena
Alexis 5, Poutia Cardaraines 6, Sphinx convolvuli 4, Sinerinthus po-
puli 9, Saturnia carpini 6, Liparis dispar 8, Eudromis verslcolora 2,
Gastropacha quercus 3, Gastropacha pini 2, Gastropacha castrensis 3,
Geonietra prunaria 2, Amphidasys prodromaria 2.
Zu den von Hagen verzeichneten Hermaphroditen
kommen noch folgende im J. 1861 publicirte hinzu:
ijiiii.i 1) Ein von A.Keller bekannt gemachter von Lime-
Tfltti'S populi; Flügel links ober- und unterhalb männlich,
rechts weiblich, das Genitalsegment des Hinterleibes in
entsprechender Weise getheilt. Das Exemplar wurde frisch
ausgekrochen neben der Puppenhülle im Freien angetroffen.
(Jahreshefte des Vereins f. vaterl. Naturk. in Württemberg
XVII. p. 269.)
2) Ein von Bellier de la Chavignerie („Note
sur un Lepidoptere hermaphrodite'', Annales soc. entomol.
4. ser. I. p. 31) beschriebener Zwitter von Chelonia Lalreil-
lei, ebenfalls längs der Mittellinie getheilt, links männlich,
rechts weiblich. — Verf. reiht daran eine Zusammenstellung
der in den Annales d. 1. soc. entomologique bekannt ge-
machten Hermaphroditen.
292 Gerstaecker: Bericht über die wissenschafllichen Leistungen
3) Ein von deRoo van W est ni aas (Tijdschr. voor
Enlorn. IV. p. 171 fT.) beschriebener und abgebildeter Zwit-
ter von Tephrosia crepuscularia W. V., rechts männlich,
links weiblich. — Verf. schickt der Beschreibung Bemer-
kungen über Hermaphroditen im Allgemeinen und beson-
ders über solche von Lepidopteren vorauf.
4) Nach einer Notiz in der Revue et Magas. de Zoo-
logie XIII. p. 336 zeigte Harnet in der Societe d'agriculture
zu Paris eine hermaphroditische Honigbiene vor. Dieselbe
hatte einen weiblichen Kopf (d. h. getrennte Augen und
zwölfgliedrige Fühlhörner), dagegen am Hinterleibe keine
Spur von dem Apparate zur Ausscheidung des Wachses
und ebenso wenig einen Stachel; der Hinterleib endigte
deutlich in die äusseren Geschlechtsorgane der Drohnen.
Ref. will bei dieser Gelegenheit ebenfalls nach zweier
im Berliner Museum befindlichen Insekten-Zwitter Erwäh-
nung thun, welche um so interessanter sind, als sie gerade
zweien Familien angehören, in denen Zwitterbildungen nach •
den bisherigen Erfahrungen äusserst seltene Vorkommnisse
sind, nämlich den INoctuinen unter den Lepidopteren und
den Apiarien unter den Hymenopteren.
Der Eulen-Zwitter gehört der Noctua (Rusina) tenebrosa an,
welche sich bekanntlich durch die auffallende DilTerenz der Fühler-
bildung in beiden Geschlechtern auszeichnet; er ist vollständig der
Alittcllinie nach getheiit, links männlich, rechts weiblich. Auf der
männlichen Seite sind die Fühler gekämmt, die Hälfte des hinter
dem Collare liegenden Schopfes aufgerichtet, Vorder- und Ilinter-
flügel breiter, lichter gefärbt und schärfer gezeichnet als auf der
weiblichen, welche boistenformige Fühler und eine niederliegende
Schopfhälfte zeigt. Der Hinterleib hat im Ganzen die Form wie beim
Weibchen, zeigt aber an der Spitze der linken Seite eine männliche
Genitalklappe.
Der Bienenzwitter gehört einer mit Megachile centuncularis und
argentata zunächst verwandten Art der Galtung Megachile aus Sicilien
an. Die Statur und der ganze Habitus ist männlich, beide Fühlhörner
dagegen weiblich, zwölfgliedrig. Alle drei Beinpaare links männlich,
rechts weiblich (mit breiteren und behaarteren Schienen und Meta-
tarsen). Hinterleib von oben gesehen nach Form, Grösse und Bin-
denzeichnung männlich, auch das Pygidium in männlicher Weise ge-
formt und behaart, der Endrand aber ohne Zähne. Die Unterseite
links männlich, d. h. die Segmente auf der Fläche zart weiss behaart,
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 293
am Hinterrande dicht schneeweiss gefranzt; rechts weiblich, mit dich-
ter Scopa, welche auf den vorderen Segmenten brennend rostrolh,
auf dem letzten tief schwarz ist. Beide Hälften der Bauchseite sind
genau längs der Mittellinie geschieden. Die Flügel der rechten
(weiblichen) Hälfte sind fast um V2 Linie länger als die der linken
(männlichen).
Einige Moiislrositäten an Insekten wurden von Tisch-
bein (Entomol. Zeitung XXII. p. 428. Taf. 1), von Ta-
schenberg (Zeitschr. f. die gesammt. Naturwiss. XVItl.
p. 321) und von Sartorius (Wien. Ent. Monatsschr. V.
p. 33 ff.) beschrieben.
Die von Tischbein erwähnte zeigte sich an einem Ichneumon
luctatorius Lin., welcher zweifache Tarsen am rechten Hinterbeine
hatte. Coxa , Trochanter und Schenkel waren normal gebildet, die
Schiene gegen das Ende hin stark erweitert und mit zwei vollständig
ausgebildeten, gleich grossen Tarsen versehen ; nur fehlten dem einen
dieser Tarsen die Fussklauen. — Taschenberg erwähnt eines
Enema Fan (Dynastidae) mit drei vollständig ausgebildeten Hinterbei-
nen der linken Seite, sämmtlich von der weit heraustretenden Hüfte
entspringend und zu zweien normal an derselben beweglich. — Un-
ter den sieben von Sartorius mitgetheilten Fällen betreffen zwei
(Carabus und Cryptophagus) monströse Fühlhörner, welche einen Ne-
benast zeigen, zwei andere (Carabus und Blaps) eine eigenthümliche
Hypertrophie des Schenkelanhanges und der Schenkelbasis, aus wel-
chen ein langer Dorn hervortritt; die fünfte gleichfalls eine Hyper-
trophie des Schenkels (Carabus mit stark verdicktem Vorderschenkel)
und die beiden letzten Verkrüppelungen der Flügeldecken : ein Ca-
rabus granulatusrait nur drei Linien langen Flügeldecken und ein Doi--
cadion mit verkürzter rechter Flügeldecke.
Unter den Schriften, welche über schädliche Insekten
handeln, ist von besonderer praktischer Wichtigkeit und
zugleich in wissenschaftlicher Beziehung vieles Interessante
darbietend eine Abhandlung von Balth. Wagner: „Un-
tersuchungen über die neue Getreide-Gallmücke" (Fulda und
Hersfeld 1861. 4. 41 pag. c. tab. 1).
Einer sehr eingehenden Beschreibung des Insektes nach seinen
verschiedenen Entwickelungsstadien, welche auf der beifolgenden
Tafel in vergrössertem Maassstabe abgebildet sind, lässt Verf. seine
Beobachtungen über die Lebensweise derselben folgen, welche in der
Gegend von Fulda angestellt wurden und für die Getreidemücke eine
Winter- und Sommergeneration, wie dieselbe auch schon anderwei-
tig festgestellt ist, ergeben haben. Sodann weist Verf. die Identitäf
294 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
der von ihm beobachteten Älücke mit Cecidomyia secalina Loew und
die Uebereinstimniung dieser mit Cecid. destructor Say nach, indem
er die Unterschiede, welche Loew als möglicherweise spezifische
hinstellt, zum Theil als ni^iht stichhaltig nachweist, zum Theil für
nicht beweisend ansieht. Die Frage, ob dem Insekt der ihm von den
Nordamerikanern beigelegte Name „Hessenfliege" mit Uecht zukomme,
verneint der Verf., nachdem er nachgewiesen, dass eine llebertra-
gung aus Hessen nach Nordamerika einerseits nach der Naturge-
schichte der Mücke, andererseits auch deshalb unmöglich sei, weil
dieselbe vordem niemals in Hessen als schädlich aufgetreten ist. Er
hält es für wahrscheinlich, dass das Insekt mit den Cerealien aus
dem Orient stamme ; von hier ist dasselbe nach Süd-Europa (Spanien,
Südfrankreich) gelangt und von diesen Lüudern sowohl nach Nord-
Amerika verschleppt worden, als es auch successive nach dem nörd-
lichen Europa vorgedrungen ist. Am Schlüsse der Abhandlung dis-
kutirt Verf. die Wirksamkeit und Zweckmässigkeit der zur Beseitigung
der Gallmücke vorgeschlagenen Mittel ; er weist dabei ganz beson-
ders auf die von der Natur selbst gesetzten Feinde (Chalcidier und
Proctotrypier) hin, welche einem länger andauernden schädlichen
Auftreten Gränzen stecken.
Gleichfalls von ökonomischer Wichtigkeit sind J. Niet-
ner's „Observations on Ihe enemies of the coffee tree in
Ceylon« (Ceylon 1861. 8. 31 pag.). Nach den Beobachtun-
gen des Verf.'s sind es im Ganzen 24 Insekten verschie-
dener Ordnungen, welche die verschiedenen Theile des
CafTeebaumes angreifen und demselben mehr oder weniger
schädlich werden; er erörtert die Lebensweise dieser schäd-
lichen Arten, den Schaden, den sie anrichten und geht
gleichzeitig auf ihre Parasiten und Feinde ein. j""'"
Unter den dem CalTeebaum schädlichen Insekten gehören fünf
den Hemipteren (Pseudococcus adonidum Lin.?, Lecanium coffeae
Walk., Lecanium nigrum Nietn., Aphis coffeae Nietn, und Strachia
geometrica Motsch.), 15 den Lepidopteren (Aloa lactlnea Cram.,
Orgyia Ceylanica Nietn., Enproctis virguncula Walk., Trichia exigua
Feld., Narosa conspersa Walk., Limacodes graliosa Westw., Drepana?
spec., Zeuzera coöeae Nietn., Agrotis segetum W. V., Galleriomorpha
lichenoides Feld., iJoarmia Ceylanicaria und leucosligmaria Feld.,
Eupithecia coffearia Feld., Tortrix coiTeana Feld, und Gracilaria?
coffeifoliella Molsch.), 1 den Dipteren (Anthomyza? coffeae Nietn.),
1 den Orthopteren (Phymatea punctata Dali.), 2 den Coleopteren (An-
cylonycha? spec. undArhines? destructor A'ieln.) an; ausserdem wird
noch eine Milbe (Acanis coffeae Nietn.) dadurch, dass sie die Blätter
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 295
aussaugt und missfarbig macht, schädlich. Besonders gefährlich kön-
nen diC;, Blattläuse den Pflanzungen werden; die Larve der Ancylo-
nycha tritt nach Art der Europäischen Rhizotrogus-Arten verheerend
auf, während der RüsselUäfer (Arhines) stellenweise auf Ceylon die
Blätter der Pflanzen abfrisst.
lieber eine in den Caffeepflanzungen scfiädlicn auflre-
tende Ameise, welche „Semoet grainan" genannt wird,
machte ferner v. Ellenrieder (Natuurkund. Tijdschr. voor
Nederl. Indie XXIII. p. 508 ff.) Mittheilungen; es ist nach
dem Verf. eine bis jetzt unbeschriebene Art einer mit Atta
verwandten Galtung.
Derselbe (ebenda XXIII. p. 508 ff.) hat die Beslim-'
mung einiger Insekten übernommen, welche ihm als Feinde
der Reispflanzungen übersandt wurden. Es sind folgende;^
Stenocoris varicornis Burm., Podops luridus Burm., Phyl-^
locephala Sumatrana n. A., Camptopus n. A. , Dorthesia
spec, Gryllotalpa orientalis Burm. und verschiedene Lar-
ven von Lamellicornien und Lepidopteren.
Teysniann (ebenda XXIII. p. 364) gab in seinem
Berichte über eine Reise nach den Molukken Nachricht
von kleinen Käfern, welche der Frucht des Cacao-Baumes
bei Menado (Celebes) schädlich werden. Nach den stark
vergrösserten, aber ungenau gezeichneten Abbildungen auf
zwei beifolgenden Tafeln gehören dieselben drei Gattungen
an. Es sind ein Bostrichide, ein Silvanus (oder Laemo-
phloeus) und ein kleiner Curculione , der dem Sitophilus
oryzae ähnelt und vielleicht dieser selbst isl?93097ifT RiJ'^m
Fridrici, Note sur les Insectes qui, depuis quelques
annees, fönt des ravages considerables autour de Metz.
(Bullet, d. 1. soc. d'hist. nat. du depart. de la Moselle IX.
p. 15). Die behandelten Arten sind : Cossus lignipcrda,
Sesia apiformis und asiliformis, Saperda carcharias, Scolytus
destructor und pygmaeus.
Gehin, Notes pour servir ä l'histoire des Insectes
nuisibles ä l'agriculture, ä l'horticulture etc. du departement
de la Moselle. No. 5. Insectes, qui vivent sur le poirier.
(Bullet, d. 1. soc. d'hist. nat. du depart. de la Moselle IX.
p. 109). Nach einer Anzeige im Bullet, soc. entomol. 1861.'
296 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
p. 53 behandelt der Verf. die Insekten aus den Ordnungen
der Orthopteren, Neuropteren, Thysanuren, Hymenopteren,
Hemipteren und Dipteren, welche dem Birnbäume schäd-
lich sind.
Nach Jourdheuil (Bullet, sog. entomol. 1861. p. 8)
trat Bombyx processionea in dor Umgegend von Troyes im
J. 1860 in solcher Menge auf, dass alle Eichen daselbst
vollständig entlaubt waren und von den abgestreiften Häu-
ten der Raupen buchstäblich bedeckt wurden.
Nach Werneburg (Entomol. Zeitung XXII. p. 72 f.)
zerstörte Noctua segetum als Raupe zweijährige Pflanzen
in einer Fichten -Aussaat durch Abfressen der Wurzeln
fast sämmtlich. — Die Raupe von Bombyx antiqua frass in.
Schwarzburg-Sondershausen mehrere liundert Morgen Fich-
tenwaldung kahl. — Die Raupe von Geometra aurantiaria
wurde im J. 1859 den Buchenwaldungen schädlich.
Nach Lucas (Bullet, soc. entomol. 1861. p. 26 f.) trat
die Raupe der Gracilaria syringclla im Jardin des planles
zu Paris verwüstend am Flieder auf; die meisten Sträucher
wurden durch sie ganz ihrer Blätter beraubt. — Weitere
Mittheilungen über denselben Gegenstand und die Lebens-
weise der Raupe machte de Norguet (ebenda p. 41).
Nach Kawall (Entomol. Zeitung XXII. p. 123 f.) ist
Gastrophysa raphani Fab. im Larvenzustande dem Sauer-
ampfer in Gärten durch ihre Masse verderblich.
J. Jones, Report on the Mcasure Worm or the Geo-
metra niveosericearia, which infests the trees of Brooklyn;
suggesting remedies for their extermination (ist in den Pro-
ceedings entomol. soc. of Philadelphia 1861. p. 31 an-
gezeigt).
Einen allgemein gehaltenen Vortrag: „lieber Beob-
achtungen der schädlichen Insekten und über die Mittel
gegen dieselben" hielt v. Baer in der Entomologischen
Gesellschaft zu St. Petersburg (abgedruckt in den Horae
societ. Entomol. Rossicae I. p. 139' — 158).
Hagen, „Ueber Insektenzüge" (Entom. ZeilungXXlI.
p. 73 — 82) erörterte die hin und wieder auftretenden Wan-
derungen grosser Massen von Insekten, wie sie ausser den
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 297
Heuschrecken ganz besonders von Libellen, Tagfalter.n,
Blattläusen u. a. mehrfach bekannt geworden sind. Der
speziellen Beschreibung eines von ihm selbst im J. 1852
bei Königsberg nach seinem ganzen Verlaufe beobachteten
Zuges von Libellula quadrimaculata lässt Yerf, eineUeber-
sicht der in der Literatur bis jetzt bekannt gewordenen
Fälle von Insektenzügen folgen, dabei besonders auf die-
jenigen eingehend, welche von van Bemmelens in sei-
ner denselben Gegenstand behandelnden Schrift (vgl. Jah-
resbericht 1857. p. 37) nicht berücksichtigt worden sind.
Bei dem vom Verf. beobachteten Zuge der Libellula quadri-
maculata bildeten die dicht über- und hintereinander fliegenden Thiere
ein etwa 60 Fuss breites und 10 Fuss hohes Band, welches sich auf
die Strecke von Y^ Meile vom Erdboden allmählich bis zu einer Höhe
von etwa 30 Fuss erhob. Die Schnelligkeit des Zuges war ungefähr
die eines kurzen Pferdetrabes. Alle Exemplare waren frisch ent-
wickelt und hatten offenbar erst am Morgen desselben Tages die
Puppe verlassen. Der Zug nahm seinen Ursprung aus einem in der
Nähe von Königsberg gelegenen Teiche, folgte der Richtung des
Windes und wurde am folgenden Tage etwa drei Meilen von Königs-
berg entfernt gesehen ; ein Theil desselben übernachtete an den Häu-
sern und in den Gärten der Stadt und zog am folgenden Morgen in
gleicher Richtung weiter. — Von den Beobachtungen anderer Auto-
ren betreffen 4 Fälle Libellen, 13 Lepidopteren (besonders Vanessa
cardui und urticae, Pieris brassicae), 1 Poduren, 1 Hemipteren (Noto-
necta glauca), zahlreiche in specie Blattläuse, 6 Coleopteren (Melo-
lontba, Lücanus, besonders aber Coccinellen).
CA. Dohrn (ebenda p.82f.) schloss an den Aufsalz
Hagen's eine Mittheilung über massenhaftes Auftreten von
Kohlraupen, welche auf die Eisenbahnschienen gelangt,
einen Dampfwagenzug zum Stehen brachten.
An die Akademie der Wissenschaften zu Paris wur-
den abermals Kartätschenschüsse eingesandt, welche durch
Insekten angenagt worden waren. Eine durch Valen-
c ienn es, Marschall Vaill an t und Mi 1 n e E d w^ards vor-
genommene Prüfung ergab wie früher den Sirex gigas als
dasjenige Insekt, dessen Larve das Blei angegangen hatte.
(Comptes rendus de I'acad. d. scienc. 1861. Tome 53,
p. 320 ff.)
üeber die Zucht ausländischer Seidenspinner in Frank-
298 fie rst a ecli er: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
reich und über die Einführung neuer Arten hat Guerin
auch in diesem Jahre verschiedene Mittheilungen gemacht.
In der Societe d'acclimatation 5- Avril 1861, Revue et Magas.
de Zoologie Xlfl. p. 137 f. erstattete derselbe Bericht über
die in verschiedenen Gegenden Frankreichs (l'Isere, l'Oise,
la Touraine u. s. w.) mit besonders glücklichem Erfolge
betriebene Zucht des Aylanthus-Seidenspinners. Ein ein-
zelner Züchter hatte im J. 1860 trotz der ungünstigen Wit-
terungsverhältnisse bereits die ansehnliche Zahl von 150,000
Cocons der Saturnia Cynthia erzielt; die Zucht w^urde im
Freien durchgeführt, ohne dass sich eine Abnahme in der
Güte des Produktes zeigte. — Abbildungen der Eier, der
Raupe in allen Stadien, der Puppe, des Cocons und des
Schmetterlinges sind in der Revue et Magas. de Zoologie
XIII. pl. 6 und 7 gegeben.
Ueber denselben Gegenstand handeln ferner: F. Blain, De
l'acclimatation en France du Bombyx Cynthia et de son educatior» en
Anjou (Annales d. 1. soc. Linneenne du depart. de Maine-et-Loire IV.
p. 167 — 173). — Guerin, „Educations en plein air du ver ä soie
de l'Ailanlhe" (Compt. rendus de l'acad. d. scienc. Tome 53. p. 193 f.)
und „Sur le devidage en soie grege des cocons du ver ä soie de
l'Ailänthe" (ebenda, Tome 53. p. 1258 f.).
Eine andere Art, deren Einführung Guerin empfiehlt,
ist die von ihm (Revue et Magas. de Zoologie XIII. p. 435
— 452. pl. 11 — 13) beschriebene und abgebildete Bombyx
Yama-mai' aus Japan, der Bomb. Pernyi sehr nahe stehend
und wie diese auf Eichen lebend ; ihr Cocon ist eiförmig,
ganz geschlossen und daher zum Abhaspeln der Seide sehr
geeignet. (Im Auszuge auch mitgetheilt: Compt. rend. de
l'acad. d. sciences, Tome 53. p. 625 ff.).
Weitere Mittheilungen über diese Art enthalten: Guerin, Ob-
servations sur les vers ä soie de l'Ailänthe et du ebene (Compt. ren-
dus Tome 52. p. 970, 1078 u. 1170) und Dumeril, Sur des vers ä
soie du ebene cleves ä la menagerie des reptiles du Museum d'hisloire
naturelle (ebenda, Tome 52. p. 1204).
Den gewöhnlichen Seidenspinner (Bombyx mori) be-
treffen Lallemand et Sirodot's „Observations micro-
scopiques des graines de vers ä soie avant et pendant
l'incubationS im Auszuge mitgellieilt: Comptes rendus de
: "*" iiö Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 299
Tacad. d. scienc. Tome 52. p. 198. — Ferner : Chavannes,
Ueber die Krankheit des Seidenspinners und die Erziehung
einer gesunden Brut desselben (Commerce sericicole de
Valence, 2. Janv. 1861), übersetzt von M. Wahnschaffe
(Berl. Ent. Zeitschr. V, p. 175 ff.)-
H. J. Carter, „On a bisexual Nematoid Worm which
infests the common House-Fly in Bombay'^ (Annais of nat.
hist. 3. ser. VII. p. 29 ff. pl. 1 a) machte unter dem Namen
Filaria Muscae einen Nematoiden von Vj, Zoll Länge be-
kannt, welcher in Bombay sehr zahlreich (bei jedem dritten
Exemplare) zu zwei bis zwanzig und mehr Individuen im
Rüssel der Stubenfliege, zuweilen auch in ihrem Kopfe und
dem hinteren Theile des Abdomen vorkam.
'■ Goureau (Bullet, soc. entomol. 1861. p. 7) machte
Mittheilunoren über ffleichzeitio-es Vorkommen zweier ver-
O O o
schiedenartiger Parasiten in einer und derselben Insekten-
larve. Aus einer Raupe der Hadena brassicae gingen 16
Larven des Eulophus ramicornis Nees und ausserdem eine
Ichneumonen - Larve hervor, aus einer Raupe von Pieris
brassicae neben einer Ichneumon-Larve eine grosse Anzahl
von Exemplaren des Microgaster glomeratus Nees und aus
einer Penthina-Raupe neben fünf bis sechs Exemplaren des
Bracon obscissor Nees ein Exemplar von Pimpla grami-
nella Grav.
F. Loew, „Ueber die Bewohner der Schwalbennester'*
(Verhandl. der zoolog.- botan. Gesellsch. zu Wien 1861.
p. 393 — 398) untersuchte verschiedene Nester der Hirundo
rustica auf die sie bevölkernden Insekten und fand darin
constant Puppen von Ornithomyia avicularia Latr. (in einenl
Neste 150 lebende und 1150 ausgeschlüpfte), Raupensäcke
der Tinea spretella S. V. und Larven von Attagenus me-
gatoma : ausserdem als zulällige Insassen Atropos pulsalo-
rius, leere Gehäuse von Helix ericetorum, einen Crypto-
phagus und einmal drei lebende Fliegenlarven , welche
vielleicht zur Familie der Thereviden gehören.
Die interessanten Resultate , welche das neuerdings
besonders von verschiedenen deutschen Entomologen wie-
der aufgenommene Studium der durch Insekten an Pflanzen
300 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
erzeugten Gallenbildiing-en geliefert hat, haben einen ebenso
talentvollen als glücklichen Beobachter, den um die Kennt-
niss Nord - Amerikanischer Insekten vielfach verdienten
Baron 0 st e n-S acken dazu veranlasst, sein Augenmerk in
spe;.iellerer Weise auch auf die in Nord-Amerika vorkom-
menden Pflanzenauswüclise zu richten. Ein von ihm in der
Entomol. Zeitung XXII. p. 405 — 423 publicirter Aufsatz:
„Ueber die Gallen und andere durch Insekten hervorge-
brachte Pflanzendeformationen in Nord-Amerika" bringt uns
vorläufige Miltheilungen über die Resultate seiner Unter-
suchungen auf diesem Felde. Verf. handelt darin über
Cynips-, Cecidomyien-, Hemipteren- und Acarus-Gallen ;
erstere sondert der Verf. in solche, weiche auf den ver-
schiedenen (sehr zahlreichen , gegen 30) Nord-Amerikani-
schen Eichenarten verursacht werden und deren er jetzt
28 verschiedene kennt — und in solche, welche an ande-
ren Pflanzen vorkommen. — Da über die Nord-Amerikani-
schen Eichengallen noch eine ausführlichere Arbeit des
Verf.'s („On the Cynipidae of the North -American Oaks
and their galls", Proceed. of the entomol. soc. of Philadel-
phia 1861) vorliegt, von welcher im vorstehenden Aufsatze
nur ein Auszug gegeben wird und welche wir an ihrem Orte
(Cynipidae) näher in Betracht ziehen, so geben wir hier
nur ein kurzes Referat über die durch andere Insekten und
an anderen Pflanzen als Eichen hervorgerufenen JVlissbil-
düngen.
Gegen die an Eichen vorkommenden Gyn ipiden-Gallen sind
die an anderen Pflanzen wenig zahlreich ; die meisten kommen auf die
Rose, an welcher sie sich auf den Stamm, die Zweige und die Wur-
zel vertheilen (im Ganzen vier), während eine fünfte bedeguar-artig
ist. Die Erzeuger sind Cynips dichloceros, bicolor und semipiceus
Harris, tuberculosa 0. S. n. A. ; von der Bedeguar-Galle ist der Ur-
heber unbekannt. — An der Brombeere (Rubus villosus) kommt eine
grosse Zweig-Galle, welche zwei neue Cynips- Arten lieferte (Dia~
slropkus? nebulosus und Synopkrus? sylvestris) und eine kleine Blatt-
rippen-Galle (Erzeuger unbekannt) vor. Endlich ist auch an den
Stengeln von Gaylussacia dumosa eine Galle beobachtet worden, von
der aber bis jetzt nicht die erzeugende Galhvespe, sondern nur die
Parasiten bekanntgeworden sind. — Von Ce c id o m y i e n-Gallen sind
dem Verf. bis jetzt 34 verschiedene bekannt, von welchen auffallen-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 301
der Weise 22 an baumartigen Pflanzen vorkommen und nur wenige
mit Europäischen identisch oder analog sind. Der Kord-Amerikanische
Kussbaum weist sieben solcher Gallen, die wilde Rebe deren zwei auf,
während von denselben Pflanzengattungen in Europa bis jetzt keine
bekannt geworden ist. Ausser den beiden genannten sind folgende
Pflanzen mit Cecidomyien- Gallen besetzt: Alnus serrulata, Vaccinium
spec, Solidago (2), Pinus inops (2), Acer rubrum, Fraxinus Ameri-
cana, Carpinus Americana, Lyriodendron lulpiferum (2), Salix, Chry-
sopsis mariana, Quercus (3). Wo die Gallmücken dem Verf. selbst
bekannt sind, hat er sie vorläufig benannt, um sie später ausführlich
zu beschreiben. — ■ Von He m i p t e r e n-Gallen kennt Verf. fünf ver-
schiedene an der Nord-Amerikanischen Carya ; zwei derselben wer-
den von Pemphigus-, zwei von Phylloxera(?} - Arten erzeugt, die
Blattlaus der fünften Art, welche eiuen Thiips zum Inwohner hat, ist
nicht bekannt. Ausserdem zeigen Gallen: Hamamelis virginica (Er-
zeuger eine mit Tetraneura verwandte neue Gattung HormaphisJ,
die Amerikanische Ulme (Erzeuger: Byrsocrypta ulmicola Fitch),
Rhus glabra und Celtis occidentalis (Psylla vemista n. A.). — Aca-
ri d en - Gallen , den rothen Europäischen ähnlich, zeigen sich an
Salix, Alnus, Acer u. a. Bäumen.
V. Frauen feld, „Beitrag zur Kenntniss der Insekten-
Metamorphose aus dem Jahre 1860" (Verhandl. d. zoolog.-
botan. Gesellsch. zu Wien 1861. p. 163—174. Taf. 2) be-
richtete abermals über die Lebensweise, Nahrungspflanzen
u. s. w. zahlreicher von ihm beobachteter Insekten aus
verschiedenen Ordnungen (Trypeta , Cecidomyia , Psylla,
Laccometopus, Gymnelron^ Meloe u. s. w.) , welche der
Mehrzahl nach Missbildungen an Pflanzen hervorrufen.
Wir theilen die wichtigsten Beobachtungen des Verf.'s bei
den betreffenden Familien mit.
Der vorstehenden Abhandlung schliessen sich in mehr-
facher Beziehung eng an J. Giraud's „Fragments entomo-
logiques" (Verh. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien 1861.
p. 447 — 493. Taf. 17), in welchen der Verf. eine Reihe in-
teressanter Beobachtungen systematischen und biologischen
Inhalts über einheimische Insekten verschiedener Ordnun-
gen (Hymenoptera , Dlptera, Coleoptera) bekannt macht.
Aus den beiden letzterenannten Ordnunoren behandelt Verf.
verschiedene Arten, die er durch Zucht aus Gallen-An-
schwellungen von Pflanzen erhielt und die er nach ihren
302 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
verschiedenen Enlwickelungsstadien und deren Lebensweise
scliildert.
Kawall's „Entomologische Mitlheilung-en« (Entomol.
Zeitung XXII. p, 123 — 127) betreffen gleichfalls die Lebens-
weise und Enlwickehingsgeschichte einiger Coleopteren,
Lepidopteren, Hymenopteren und Hemipteren; dieselben wer-
den bei den einzelnen Familien herangezogen werden.
Reichhaltige und interessante Aufschlüsse über die
Insektenfauna der La Plata - Staaten verdanken wir Bur-
meister, welcher in der Beschreibung seiner vierjähri-
gen Reisen durch verschiedene Provinzen der Argentinischen
Republik (Reise durch die La Plata-Staaten, mit besonde-
rer Rücksicht auf die physische Beschaffenheit und den Cul-
turzustand der Argentinischen Republik während der Jahre
1857—60. Halle 1861. 2 Bde. 8. — Im Auszuge in der
Zeitschrift f. allgcm. Erdkunde, 9. Bd .) vielfache, theils zer-
streute, theils zusammenhängende Schilderungen des dor-
tigen Insektenlebens liefert. Die Fauna zeigt sowohl nach
den Breitegraden (die vom Verf. durchreisten Gegenden
liegen zwischen dem 35. und 27. Gr. südl. Br.) als nach
der Terrainbeschaffenheit, wie sie die Pampas zwischen
Buenos Ayres und Mendoza, die Umgegend von Mendoza
selbst, ferner Rozario, Paranä, Cordova, Tucuman, Cata-
marca und die Cordilleras zwischen Copacavana und Co-
piapö darbieten, ziemlich auffallende Verschiedenheiten. Im
Ganzen bewahrt sie einen eigen thümlichen, von der Bra-
silianischen Fauna ziemlich abweichenden Charakter, wel-
cher höchstens durch eine Anzahl fast über ganz Südame-
rika verbreiteter Arten beeinträchtigt wird. Bemerkenswerth
ist, dass gerade die grössten und ausgezeichnetsten Formen
am meisten von denen der Tropen abweichen , und dass
diese zum Theil gerade den südlicheren Provinzen zukom^
men, welche übrigens, ihrer Bodenbeschaffenheit entspre-
chend, eine beträchtlichere Arniuth an Arten erkennen
lassen. Die westlichen Provinzen am Fusse der Cordilleren
zeigen eine unverkennbare Uebereinslimmung in der Fauna
mit Chile. (Nach spezieller Prüfung der B urme ister -
sehen Ausbeule an Insekten, besonders in den Ordnungen
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 303
der Dipteren und Hymenopteren hat sich dem Ref. heraus-
gestellt, dass durchschnittlich Vjo der gesammelten Arten
noch unbeschrieben waren.)
Im ersten Bande seiner Reise p. 311 — 321, macht Verf. Mit-
theilnngen über die Insektenfauna von Mendoza. welche im Ganzen
arm, namentlich an auffallenderen Formen ist. Charakteristisch sind
von Coleopteren die eigenthümlich gestalteten Äleuchiden-Gattungen
Eudinopus, Eucranium und Glyphoderiis , die Melasomen-Gatlungen
Entomodeies, Aulacodeia, Epipedonota, Entomodems, Nyctelia u. a.,
von Cerambycinen neben Calocomus eine eigenthümliche am Erdbo-
den lebende flügellose Prioniden-Gatlung (Micropsalis Burm.). Unter
den Lepidopteren waren die Tagfalter sparsam vertreten, die Equites
nur durch eine Art, während die Heliconier ganz fehlten. Von
Hymenopteren herrschen die Fossoria vor, ganz besonders die Bem-
beciden; die Arniuth des l-<andes an Blülhen bringt zugleich ein spar-
sames Vorkommen von Apiarien mit sich. Unter den Dipteren fehlen
die Tabanen fast ganz, während die Asilinen durch grosse und schöne
Arten vertreten sind ; von Stratiomyiden kommen die weit verbiei-
teten Hermetia illucens und Stratiomys mutabilis auch noch bei Men-
doza vor, die Syrphiden sind mannichfach, aber den Europäischen
analog gebildet. Ebenso bieten die Oithopteren mit Ausnahme einer
auffallenden Proscopia-Art wenig Ausgezeichnetes dar ; am zahlreich-
sten sind die Grylloden , dagegen von Termes nur eine Art einhei-
misch. Von Hemipteren sind besonders Scaptocoris und der ebenso
berüchtigte als häufige Conorhinus gigas hervorzuheben, von Homo-
pteren eine Singcicade und eine Pseudophana, einige Smilia-Arten u. a.
— Die vom Verf. (Bd. I. p. 481 — 492) geschilderte Fauna von Paranä
ist im Vergleiche mit derjenigen von Mendoza reicher und mannig-
facher; es treten hier die dort fehlenden Melitophilen in drei Arten
(2 Gymnetis, 1 Euphoria) auf, die Dynasliden mehren sich, die Ateu-
chiden der Pampas werden durch Copiiden (Phanaeus 3 A., Gromphas,
Copris, Chaeridium) ersetzt und einen besonders auffallenden Unter-
schied zeigt das Auftreten von Carabiden-Galtungen, wie Galerita,
Brachinus und Helluo, welche nach des Verf.'s Beobachtung sämmt-
lich bombardiren. Im Ganzen schwach vertreten waren die Staphylinen,
Elateren und Biiprestiden, dagegen reich die Malacodermen, Chryso-
melinen und Longicornien , letzlere mit mannigfachen Arten von
Trachydcrus, Cosmiosoma, Rhopalophora u. s. w. ; charakteristisch
für die Gegend ist der hier häufig vorkommende prachtvolle Caloco-
mus Desmaresti Guer. — Von Lepidopteren ist besonders der schöne
Pap. Duponchelii und zwei andere Equites als bei Paranä einheimisch
zu erwähnen, von Hymenopteren das häufigere Auftreten der Apiarien
und Scoliaden, während die Bembeciden sich spärlicher als bei Men-
304 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
doza fanden. Durch verschiedene Arten, aber nicht sehr viel reich-
haltiger sind die Dipteren bei Faranä vertreten, sogar entschieden
ärmer die Orthopteren; nur die Libellen sind hier sehr artenreich
(über 20 Arten), auch von Myrnieleon fanden sich vier Arten. — Die
Fauna von Tucuman (Bd. H. p. 163 — 173) zeigt mehr als alle übrigen
(legenden der La Plata - Länder schon einen annähernd tropischen
Charakter. Neben den Melitophilen treten hier zuerst Ruteliden auf,
die Copriden stossen hier mit den Ateuchiden der Pampas zusammen;
arm sind dagegen die Malacodermen, Sternoxen, Chrysomelinen und
Longicornen. Von Lepidopteren fanden sich einige eigenthümliche
Tagfalter-Formen (Apatura, Eup'ychia, Anartia, Cybdelis, Acraea), die
den übrigen Lokalitäten ganz gefehlt hatten. Von Hymenopteren sind
Trigonalys melanoleuca Westw. und ganz besonders ein riesiges Po-
dium (Pod. Burmeisteri Gerst.) zu erwähnen. Die Dipteren zeigten
sich hier mannigfacher als irgend wo anders, besonders traten grosse
Tabaniden auf; grosse und schöne Asilinen, verschiedene auffallende
Bombylier und Thereviden charakterisiren gleichfalls das Gebiet von
Tucuman.
Auch in A. Demersay's Histoire physique, econo-
mique et politique du Ptiraguay I. (Paris 1860. 8.) ist ein
Kapitel (das 23., p. 282—293) den Insekten des Landes ge-
widmet, ohne indessen über dieselben irgend etwas Wis-
senswerlhes beizubringen. Die ganz allgemein gehaltenen
Mittheilungen, welche der Verf. über Pyrophoren, Lampy-
riden, Blatla Americana, Ameisen und Termiten, Musquitos,
Pulex irritans u. s. w. macht, enthalten Nichts, was niclit aus
jeder Südamerikanischen Reisebeschreibung bekannt und
bereits besser geschildert wäre.
Von dem zoologischen Theile der Kongl. Svenska
Fregatten Eugenics resa omkring jorden ist im J. 1861 das
fünfte Heft erschienen, welches eine Fortsetzung der In-
sekten von p. 299—390 mit Taf. 5—7 enthält. Dasselbe
bringt die Bearbeitung der während der Weltumsegelung
gesammelten neuen Orthopteren im älteren Sinne von C.
Stal (p. 299— 350. Taf. 5) und der Lepidopteren von W a 1-
lengren (p.35] — 390. Taf. 6 u. 7). Von letzteren werden
wir in dem speziellen Theile des Berichtes nur die auf
p. 383 if. beschriebenen Crambiden und Tineinen aufführen,
da die Arten der vorhergehenden Familien nach den bereits
früher veröiTenllichten Diagnosen schon in den vorigen
Jahresbericht aufgenommen worden sind.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 305
Reisen und Forschungen im Amur-Lande in den J.
1854 — 56, im Auftrage der Akad. d. Wissensch. zu Peters-
burg ausgeführt und in Verbindung mit mehreren Gelehrten
herausgegeben von L. v. Schrenck. II. ßd. 1. u. 2. Lief.
(St. Petersburg 1860. 4. 257 pag. c. tab. XI) Lepidoptera
und Coleoptera, erstere von Menetries, letztere von
Motschulsky bearbeitet; jede Lieferung auch unter dem
Separattitel : „Lepidopteres (resp. Coleopteres) de la Siberie
Orientale et en particulier des rives de l'Amour". Von
Lepidopteren (p. 1 — 72. Taf. 1 — 5) werden im Ganzen 212
Arten aufgeführt, die darunter befindlichen neuen, vv^elche
bereits im Petersburger Bulletin 1859 diagnosticirt worden
sind, ausführlich beschrieben und colorirt abgebildet. Es sind
104 Rhopalocera, 6 Sphingidae, 27 Cheloniariae und Bomby-
ces, 35Noctuina, 34 Geometrina und 6 Microlepidoptera. —
Von Coleopteren sind im Ganzen 471 Arten verzeichnet,
unter denen jedoch nur 340 dem Amur-Gebiet angehören;
die neuen Arten werden theils nur kurz diagnosticirt, theils
ausführlicher charakterisirt und auf Taf. 6 — 11 theils colorirt,
theils nur im Umrisse abgebildet. (Die Abbildungen der
meisten Arten sind viel zu klein, nämlich in natürlicher
Grösse, um für die Bestimmung irgend welche Hülfe zu
leisten). Ausser den Arten vom Amur und aus Sibirien
beschreibtM otsc hu Isky gelegentlich auch solche aus dem
Europäischen Russland, aus dem Caucasus und bei manchen
Gattungen selbst Arten aus den verschiedensten Weltthei-
len; doch sind diese Beschreibungen meist ebenfalls so
leicht hingeworfen, dass sie zu einer sicheren Bestimmung
nicht hinreichen.
Von Interesse für die geographische Verbreitung der Insekten
in Sibirien ist der Vergleich der Amur- Fauna mit derjenigen ver-
schiedener Theile Europa's und Asiens. Unter den Lepidopteren
kommen am Amur 23 Arten vor, welche fast überall in Europa und
von denen 21 auch bei St. Petersburg einheimisch sind, ferner 13 Arten,
die dem Korden Europa's eigen sind, 23, welche Central-Europa an-
gehören und 14, die auf den Osten dieses Erdtheiles beschränkt sind.
Einzelne Arten hat der Amur ferner mit der Schweiz, Lappland, dem
Ural, Klein-Asien', Ostindien, Madeira und Nord-Amerika gemein,
eine grössere Anzahl mit dem Altai, China und Japan. Von den 38
Archiv f. Naturg. XXVIIL Jahrg. 2. Bd. ü
306 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
als neu beschriebenen Arten sind 19 den Europäischen Formen ana-
log, 15 von tropischem Ansehen. Unter den 212 überhaupt gesam-
melten Arten sind 154 Europäische Formen, dagegen nur 28, welche
Europa ganz fremd sind. — Von den Coleopteren des Amurlandes
sind 126 mit deutschen Arten identisch, 140 kommen gleichzeitig im
südlichen Ural vor. Der obere Amur hat ferner 44 Arten mit Jakutsk
gemein, während Jakutsk mit dem Schwedischen Lappland 37, mil
Kamtschatka 33 identische Arten besitzt. Die geographische Verbrei-
tung einiger Käferformen in Asien wird von Alotschulsky auf
einer Karle des gesammtcn Russischen Reiches erläutert.
Mots chul sky, Insectes du Japon (EtuHes entomol. X.
p. 3 — 24) beschrieb eine Anzaiü neuer Coleopteren und
einige Hemiptercn aus Japan.
Einen dritten Beitrag- zur Insektenfauna Dalmatiens
lieferte v. Frauen feld (Verhandl. d. zoolog.-botan. Ge-
sellsch. zu Wien 1861. p. 97—- 107). Derselbe besteht in
einer Aufzählung- der von ihm in Dalmatien gesammelten
Orthopteren (von Brunn er) und Hymenopteren (von Gi-
raud bestimmt), so wie in einigen Nachträgen zu den
schon früher verzeichneten Hemipteren. Unter den Ortho-
pteren werden die neuen Arten durch Brunn er gleich-
zeitig diagnosticirt; die neuen Hymenopteren sind zwar
ebenfalls durch Diagnosen festgestellt, aber nicht mit Namen
belegt.
Lethierry, „Rapport sur l'excursion provinciale faite
en Savoie en Juillet 1861" (Annales d. 1. soc. entomol.
4 ser. I. p. 625 — 647) gab eine Schilderung einer von meh-
reren Mitgliedern der Societe entomologique zu Paris un-
ternommenen entomologischen Excursion auf den Mont-Cenis
und in das Thal von Chamounix, in welcher zahlreiche
bemerkenswerthe Funde von alpinen Coleopteren und Le-
pidopteren erwähnt werden. Vier auf der Excursion er-
beutete neue Coleopteren werden von Fairmaire an-
hangsweise (p. 647 ff.) beschrieben.
Orthoptera.
Die während der Weltumsegelung der Schwedischen
Fregatte Eugenie gesammelten Orthopteren (im älteren Sinne)
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 307
sind, so weit sie nicht schon bekannten Arten angehörten,
von C. Stal beschrieben worden. (Kongl. Svenska Fre-
gatten Engenies resa omkring jorden. Insekter p. 299 — 350.
Tab. 5). Für die Kenntniss der exotischen Orthopteren ist
diese Arbeit schon durch die ansehnliche Zahl der dnrin
beschriebenen neuen Arten (114) wichtig. Dieselben ver-
theilen sich mit Ausnahme derPhasmiden auf alle Familien
und liefern unter den Blaltinen, Grylloden und Locustinen
zugleich Typen für einige neue Gattungen. Letztere sind
auf der beifolgenden Tafel abgebildet.
H. de Saussure, Etudes sur quelques Orthopteres
du Musee de Geneve nouveaux ou imparfaitement connus
(Annales soc. entomol. de France 4. ser. I. p. 469 — 494.
pl. 11 u. 12). Die 15 vom Verf. beschriebenen neuen exo-
tischen Arten gehören den Familien der Mantiden, Phasmi-
den, Locustinen und Acridier an und bilden zum Theil
ausgezeichnete neue Gattungen.
Derselbe (Revue etMagas. de Zoologie XIIL p. 126,
156, 313 u. 397 ff.) setzte seine vorläufigen Diagnosen neuer
Amerikanischer Orthopteren mit Nachträgen zu den Fami-
lien der Mantiden, Phasmiden, Grylliden und Locustinen und
schliesslich mit der Familie der Acridier fort, aus welcher
zahlreiche neue Gattungen und Arten bekannt gemacht
werden.
C. Giebel, ..Neue Ostindische Schrecken«* (Zeitschr.
f. d. gesammt. Naturwiss. XVIIL p. 111—121) charakterisirte
zwölf meist neue Orthopteren von Java und Banka, den
Familien der Mantiden, Phasmiden und Locustinen angehörig.
Coquerel, „Orthopteres de Bourbon et de Mada-
gascar« (Annales soc. entomol. 4. ser. L p. 495—500. pl. 9
und 10) beschrieb vier theils neue, theils unvollständig be-
kannte Phasmiden und Acridier von Isle Bourbon und Ma-
dagaskar.
Ein für die Kenntniss der Nord-Amerikanischen Pseu-
doneuropteren sehr wichtiges Werk ist H. Hagen's Sy-
nopsis of the Neuroptera of North-America, with a list of
the South-American species (Washington, Smithsonian In-
stitution 1861. 8. 347 pag.), auf welches spezieller bei den
308 Gcrstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Neuropteren eingegangen wird. Die systematische Aufzäh-
lung und Beschreibung der Arten aus den Familien der
Pseudoneuropleren, unter denen sich zahlreiche neue linden,
nimmt die grössere Hälfte des Werkes (p. 1 — 187) ein.
Brunn er, Disquisitiones orthopterologicae. Nonnulla
Orthoptera Europaea nova vel minus cognita. (Verhandl.
d. zoolog. -botan. Gesellsch. zu Wien 1861. p. 285 — 310.
Taf. 8 — 16.) Verf. giebt Beschreibungen und zahlreiche
(theils colorirte) Abbildungen von neuen und ungenügend
bekannten Europäischen Arten aus den Familien der Blatti-
nen, Locustinen und Acridier. Besonders sind es die unge-
flügelten Locustinen-Gattungen aus der Decticus-Gruppe,
welche in sehr eingehender Weise durch genaue Abbildun-
gen erläutert werden.
Eine Zusammenstellung der bis jetzt in Finland auf-
gefundenen Orthopteren mit kurzer Beschreibung der ein-
zelnen Arten (in Finischer Sprache) lieferte E. H is In-
ge r: „Öfversigt afFinlands hittils kända Orthopterer jemte
korta beskrifningar", Helsingfors 1859. 8. 35 pag. c. tab. 1.
(Separatabdruck aus : Finska Vet.-Soc.'s Bidrag tili Finlands
Naturkännedom, 6. haftet.)
Die Finnische Orthopteren-Fauna umfassl 5 Familien, 14 Gat-
tungen und 29 Arten: 2 Forficula, 2 Blatta, 2 Periplaneta, 1 Gryllus
(Gr. domesticus), 1 Xiphidium, 2 Locusta, 1 Thamnotrizon, 3 Decti-
cus, 1 Pezotettix, 1 Stetheophyma, 1 Chrysochraon, 6 Stenobothrus,
3 Oedipoda und 3 Tettix. — Die beifolgende Tafel enthält Abbildun-
gen von Tettix Schrankii und bipunctata, der Deckflügel von Steno-
bothrus elegans, dorsatus und pratorum und der Eierkapseln von Blatta
lapponica und livida.
de Sinety, Notes pour servir ä la faune du depar-
lement de Seine-et-Marne , ou liste melhodique des animaux
vivant ä Petat sauvagc qui se rencontrent dans ce depar-
temcnt. ■ — Insectes , Ordre des Orthopteres. (Revue et
Magas. de Zool. XIII. p. 164 u. 209 ff.). Verf. zählt 39 Ar-
ten von Orthopteren als im Departement Seine-et-Marne
vorkommend , mit Angaben über Vorkommen, Häufigkeit
u. s. w. auf.
Die einzelnen Gattungen sind folgendermassen vertreten: For-
ficula 3 Arten, Blatta 5 A., Manfis 1 A., Gryllotalpa 1 A., Myrine-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 309
cophila 1 A., Gryllus 2 A., Nemobius 1 A. , Phaneroptera 1' A.,
Ephippigera 1 A., Barbitistes 1 A., Decticus 4 A., Pterolepis 1 A.,
Meconema 1 A., Xiphidium 1 A., Conocephalus 1 A., Locusta 1 A.,
Acridium 1 A., Calliptamus 1 A., Oedipoda 7 A., Gomphocerus 2 A.
und Tetlix 2 A.
B runner verzeichnete in v. Frauen feld's Beitrag
zur Fauna Dalmatiens (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch.
zu Wien 1861. p. 98 — 102) die in Dalmatien bis jetzt auf-
gefundenen Orthopteren. Es sind im Ganzen 56 Arten und
zwar: 3 Forficulina, 3 ßlaltina, 3 Mantidae, 1 Phasmide, 4
Gryliidae, 20 Locustina und 22 Acridii. Eine Blatta und
3 Locustinen (Thamnotrizon) werden als neu charakterisirt.
F. Loew in seinen „Beiträgen zur Kenntniss der Or-
thopteren" (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien
1861. p. 405 — 410) machte Mittheilungen über einige in-
ländische Locustinen und über Palingenia longicauda.
Termitina. Hagen (Synopsis of the Neuroptera of Pforth-
America p. 1 ff.) verzeichnete für Nord-Amerika mit Einschluss von
Mexiko und den Antillen im Ganzen 17 Termiten-Arten: 4 Calotermes,
2 Termopsis und 11 Terraes.
Blattina. „Ueber das Vorkommen von ausstülpbaren Hautan-
hängen am Hinterleibe von Schaben" machte Ref. (dies. Archiv f.
Katurgesch. XXVII. p. 107 ff.) Mittheilungen. An einer der Gattung
Corydia Serv. angehörenden neuen Art von der Insel Luzon, Cor,
carunculigera genannt, fanden sich jederseits auf der Verbindungs-
haut der beiden ersten Hinterleibsringe Hautsäcke ausgestülpt, welche
besonders bei dem robusteren Weibchen eine ansehnliche Grösse,
nämlich 4:^/^ Mill. L. und 3 Mill. Br. zeigten. Dieselben stehen in
keiner Beziehung zu den Stigmen, können in die Leibeshöhle zurück-
gezogen werden und scheinen daher Analoga der Carunkeln von
Malachius zu sein. Ausser der behaarten Chilinhaut besitzen diesel-
ben eine Längs- und Quermuskellage und ringförmige "Wülste von
vermuthlich drüsiger Natur. Bei allen ausgebildeten Individuen wa-
ren sie durchweg, bei Larven der verschiedensten Grössenentwicke-
lung niemals vorhanden; vielleicht sind sie der Gattung Corydia
eigenthümlich. — Ausser der erwähnten Art werden anhangsweise
noch Corydia nuptialis aus Ostindien und Westwoodii aus Assam als n. A.
beschrieben.
Stäl (Fregatten Eugenies resa p.307if.) machte folgende neue
Arten und Gattungen bekannt: Blatta marginicollis aus Madeira, li-
turifera von Mauritius, adspersicollis von Rio-Janeiro, notulata von
310 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Taili, pumicata [und pumila von Rio - Janeiro^, Epilampra inquinata
von Sidney, socia und maculifrons von Kio-Janeiro, Fseudomops si-
mulans aus Brasilien, Irislicula von Rio -Janeiro. — Melestora
nov. gen., von kleinem, flachgedrücklem Körper, mit verhältnissmüs-
sig derben Fühlern, kleinen Hafllappen an den Tarsen, ganz unbe-
wehrten, leicht zusanimengedrückten Schenkeln und den Körper an
Länge weit übenagenden Deckflügeln, deren Längsadern fein und de-
ren Queradern undeutlich, kaum zu unterscheiden sind. — Zwei Ar-
ten: Mel. ailspersipentiis und /iwsce//« von Rio-Janeiro. — Latindia
nov. gen. Körper gleichfalls sehr flachgedrückt, Fühler kräftig,
Frolliorax gross, gerundet, an der Basis gerade abgeschnitten, Schen-
kel unbewehrt, zusammengedrückt. Schienen sehr kurz und sparsam
bedornf, Hafllappen der Tarsen fehlend; Deckflügel fast gleichbreit,
mit deutlich erhabenen Längs- und Queradern. — Arl: Lal. maurella
von Rio-Janeiro. — Hypnorna nov. gen., durch den hervortreten-
den Kopf und das schmale, längliche Halsschild von eigenthümlicheni
Habitus ; Deckflügel fast gleich breit mit geradem Innenrande, Schen-
kel unbewehrt. Schienen gestachelt, (lieber die Arolien ist nichts
angegeben.) — Art: Htjp. Ilummeli von Rio-Janeiro.
Brunner (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien 1861.
p. 98 und 28G) njachte Blatta albicincta (Kollar i. lit.) als n. A. aus
Dalmatien bekannt.
Derselbe (ebenda, Sitzungsberichte p. 85) theilte vorläufige
Bemerkungen über die Classifikation der ßlattinen mit. Indem Verf.
mit Recht eine Sonderung der Gattungen nach der Anwesenheit oder
dem 3Iangel der Flügel verwirft — dieselbe ist auch nach des Ref.
Ansicht gegenwärtig in Iteiner Familie der Orthopteren mehr zu-
lässig — weist er auf die systematische Wichtigkeit der Bildungen,
welche die einzelnen Genitalringe nebst ihren Anhängen erkennen
lassen, hin.
Lucas (Bulletin d. 1. soc. entomol. 1861. p. 25) machte Mit-
theilungen über das Ablegen der Eierkapsel bei Blatta Surinameusis;
zwei hintereinander gelegte Eierkapseln enthielten eine ungleiche
Zahl von Kammern, die erste 21, die letzte 24.
Mantodea. de Saussure (Annales soc. entom. 4. ser. I. p. 469*
pl. 11. hg. 1) machte eine neue Gattung Oxtjophthalmus bekannt,
welche zwischen Acanthops und Schizocephala die Mil'e hält; von
ersleier Gattung unterscheidet sie sich durch den linearen Körper
mit Einschluss des Hinterleibes, durch den linsenförmigen Kopf und
die nicht di vergirenden Augen, durch den nicht erweiterten Protho-
rax, die häutigen Flügeldecken u. s. w., von Schizocephala durch
die grössere Kürze des Körpers und der Beine, durch verhältuissmässig
längere Fühler, starke vordere Raubbeine, entfernt stehende, parallele
im Gebiete der Entomoloffie während des Jahres 1861. 311
'o
Augen, den kurzen und etwas abgeflachten Prothorax. — Art:. Ox.
gracilis von Ceylon, nur 31 Mill. lang.
Derselbe (Revue et Magas. de Zool. XIII. p.l26f.) beschrieb
Mantis (CardiopleraJ Sumichrasti, Mexicana, (Stagmatoplera) Tolteca
und Theoclyta Mexicana als n. A. aus den heissen Gegenden Mexiko's.
Still (Fregatten Eugenies resa p.312f.) beschrieb Mantis albo-
ßmbriata von Sidney, ciliala von Rio-Janeiro als n. A. und Mant. re-
ticulala de Haan von Java, Mant. tenera (planiceps de Haan pro parte)
von Singapore.
Giebel (Zeitschr. f. d. gesammt. Naturwiss. XVIII. p. 111 f.)
Mantis Bankae n. A. von der Insel Banka, macropsis von Java, simi-
lis von Borneo und Mantis (Oxypilus) planiceps de Haan.
Trimen (Proceed. entomol. soc. of London 1860. p. 136)
machte ölittheilungen über das Eierlegen und die Art des Fiessens
einer am Cap vorkomnienden Mantis -Art („Kotes on the habits of a
species of Mantis found at the Cape of good hope"). Ein am 13. Mai
gefangenes Weibchen legte in zwei Monaten vier Eierklumpen, in
Zwischenräumen von je 14 Tagen, ab. Die Eier wurden nicht erst
gelegt und dann mit der Cementinasse umwickelt, sondern sie traten
sogleich in den Schleim eingebettet zu Tage, so dass sie beim Her-
austreten gar nicht sichtbar wurden. Die Ausscheidung der Substanz
ging ohne Unterbrechung vor sich und die beiden Appendices ana-
les wurden fortwährend über die abgelegte Masse hin und her be-
wegt, gleichsam um sie zu glätten. Der eigenlhümliche Vorsprung
an der einen Seite des Eierklumpens bezeichnet die Stelle, wo die
Absonderung ihr Ende erreicht hat; damit dieselbe hier nicht ab-
tropft, hält das Weibchen die Spitze seines Hinterleibes noch einige
Minuten lang daselbst still. (Vergi. damit die abweichenden An-
gaben von Kollar und Coquerel, Jahresbericht 1855. p. 91 und
1856. p. 105.)
PhdSmodea. de Saussure (Ännales soc. entomol. 4. ser. I.
p. 471 IL) zweigte von Bacillus l.atr. eine neue Untergattung Ramulus
ab, deren Körper linear, beim Männchen fadenförmig, beim Weibchen
etwas abgeflacht ist, deren Fühler kurz und sehr dünn sind , ein
langes und abgeflachtes ersles Glied, ein kleines zweites und die
folgenden länger als breit haben. Beim Weibchen ist der Metathorax
breiter als der Mesothorax; Beine sehr dünn und lang, die vorderen
oft länger als der ganze Körper, entweder unbewchrt oder nur an
den Vorderschenkeln gedornt. — Art: Rani. Humberti aus Ceylon. —
Bacteria aestuans als u. A. von Old-Calabar beschrieben und pl. 11
fig. 2 abgebildet.
Derselbe (Revue et Magas. de Zool. XIII. p. 127 f.) beschrieb
Bacillus (Baculum Subgen. nov.) ramosus aus Brasilien, Bacteria
312 tlerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
cornula aus den heissen Gegenden Mexiko's und Cladoxerus rubus
n. A. von Bahia. Die neue Untergattung B aculum wird charakteri-
sirt: „Körper lang und dünn, vorn zusammengedrückt, Fühler sehr
kurz, etwa 20-gliedrig, abgeflacht, das 1. Glied kaum länger als
breit, das 2. schmaler, die folgenden länger als breit, fadenförmig.
Mesothorax fünf- bis sechsmal so lang als der Prothorax ; Beine lang-
gestreckt, dreikantig, stark gekielt, jerstes Fussglied länger oder
ebenso lang wie die folgenden."
Coquerel (ebenda p. 495. pl. 9) machte eine neue Gattung
Achrioptera bekannt, deren Charaktere vom Verf. zwar nicht
näher präcisirt werden, welche aber mit keiner der von West w o o d
(Catal. of Fhasmidae) aufgestellten Gattungen völlig übereinstimmt.
Sie gehört zu den Formen mit schlankem Körper, gedorntem Meso-
und Metathorax , stark verkürzten Flügeldecken und ebenfalls sehr
kurzen Hinterflügeln, und ist besonders durch die stark sägeförmig
gezähnten Mittel- und Ilinterschenkel ausgezeichnet. — Art: Achr.
fallax, fast 5 Zoll lang, von Madagaskar. — Ausserdem giebt Verf.
eine nochmalige Beschreibung von Monandroptera inuncans Serv.» zu
welcher Art Craspedonia gibbosa Westw. und Diapherodes gibbosa
Burm. als Weibchen gehören; die Vaterlandsangabe Burmeister's
„Brasilien" ist unrichtig, vielmehr stammt die Art von Isle de France
und Bourbon. Auch Westwood's Angabe von nur vier Tarsen-
gliedern an den Vorderbeinen seiner Art kann sich nur auf eine
individuelle Abweichung beziehen, da alle Monandroptera-Exemplare,
welche Coquerel untersuchte, pentamerisch waren. (Nach West-
wood, Calal. of Fhasmidae p. 80 wäre Cyphocrania acanthomera
Burm. das Männchen der Servil 1 e'schen Art, die Wes tw o o d'sche
und B u rni eiste r'sche C. gibbosa aber nicht nur von jener, sondern
auch unter einander verschieden. Ref.) — Rhaphiderus scabrosus
Serv., häufig auf der Reunionsinsel, wird vom Verf. ebenfalls nach
beiden Geschlechtern beschrieben.
Bacleria subnematodes Giebel (Zeitschr. f. d. gesammt. Naturw.
XVIII. p. 113) n. A. von Java; ausserdem das Männchen von Acan-
thoderus bifoliatus de Haan beschrieben.
Gryllodea. Costa (Fauna del regne di Napoli, Ortotteri Gril-
lidei p. 29 — 52. tav. 8 — 9) gab Beschreibungen und Abbildungen von
folgenden in IVeapel einheimischen Arten dieser Familie : Xya varie-
gala Charp., Gryllus cinereus n. sp., Gr. melas Charp., apterus Herr.-
Sch., Nemobius lateralis n. s^., Mogoplistes talitrus n. sp. — Arach-
nocephalus nov. gen. Körper flügellos, mit Schuppen bekleidet,
Kopf nickend, Stirn geschwollen, vom Scheitel durch eine Querfurche
geschieden und der Länge nach gefurcht. Hinterschienen lang, in
zwei Reihen sehr fein gedornt, ander Spitze vierstachlig; Hintertarsen
um die Hälfte kürzer als die Schienen. — Art: A. vestitus n. sp. —
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 313
Ausserdem im Kachlrage beschiieben : Gryllus Gossypii n. sp. und
Nemobius Averni n. sp.
Von Stäl (Fregatten Eugenies resa p. 314 ff.) wurden folgende
neue Arten und Gattungen bekannt gemacht: Gryllus lineaticeps aus
Californien, nitidulus von Buenos Ayres, conjunctus von Java. —
Cranis tus nov. gen., eine sehr eigenlhümlich geformte, übrigens
seit langer Zeit in den Sammlungen befindliche Galtung, welche im
Habitus einer Cicindela gleicht. Kopf abgeflacht, breiter als der läng-
liche, cylindrische Prothorax, hinter den Augen verengt; Fühler lang
fadenförmig, an der Basis etwas verdickt, Taster mit grossem, schei-
benförmigem Endgliede. Deckflügel beim Männchen massig erweitert,
gleich breit, mit Stimmorgan; Vorderschienen mit länglicher Grube,
Hinterschienen länger als die schwach verdickten Hinterschenkel,
mit drei Paaren langer Dornen, Fussklauen gekämmt. (AVas Verf. als
Cerci anales beschreibt und abbildet, ist die eigenlhümlich gebildete,
etwas verhornte Spitze der Hinlerflügel, welche er irrig als fehlend
angiebt. Die Hinterflügel sind sowohl bei dem (vom Verf. allein
beschriebenen) Männchen als beim Weibchen entwickelt; die Raife
des Männchens sind wie gewöhnlich borstenförmig, die Legescheide
des Weibchens säbelförmig. Ref.). — Art: Cran. colliurides von
Rio - Janeiro. — Trigonidium coleoptrahim und bicolor von Java,
tibiale von Mauritius, pallipes von Singapore, vittaticolle von Manila,
pallidicorne von Hong-Kong, fuscicorne von Ascension und pallens
von Rio-Janeiro.
de Saussure (Revue et Magas. de Zool. XIII. p. 130) be-
schrieb Gryllotalpa Chiliensis als n. A. aus Chile.
LoCQStina. Costa (Fauna del regno di Kapoli, Ortotteri) be-
schrieb Rhaphidophora geniculata und Meconema meridionale (mas et
fem.) als n. A. von Neapel. Abbildungen auf Taf, 10.
Dufour (Annales soc. entomol. 4. ser. I. p. 13) beschrieb PAa-
langopsis Linderii als n. A. aus den Grotten der östlichen Pyrenäen.
Verf. unterscheidet diese Art von Ph. cavicola Koll., von der sie
allerdings sehr verschieden ist, während sie nach der Beschreibung
mit der in Süd- Europa weit verbreiteten Phal. araneiformis wohl
zusammenfällt.
Brunner (Disquisitiones orlhopterologicae II, Verhandl. der
zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien 1861. p. 287 ff, Taf. 8— 15) gab
Beschreibungen und Abbildungen von folgenden theils bekannten,
theils neuen Arten und Gattungen : Rhaphidophora cavicola KoH.,
Xiphidium hastatum Charp,, Thyreonotus Corsicus Serv., Gampsocleis
spectabilis Stein (die Gattung Drymadusa zieht der Verf. als von
Gampsocleis nicht verschieden mit Recht gleich dem Ref. ein; die-
selbe müsste übrigens , da das Männchen und nicht das Weibchen
Bingt, wenigstens Drymado n genannt werden), Platycleis affinis Fieb.,
314 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
decorata Fieb. und brachyptera Lin. — P s or od ono tii s, neue Un-
tergallung von Declicus, durch rauhes Pronotum, scliuppenförrnige
Deckflügel, den Mangel der Hinterflügel und kurz gedorntes Proster-
nuni charakterisiil; auf Pterolepis alpina Yersin und Psor. Pancici
n. A. (Pterolepis venosa Fisch, v. Wldh.?, Fieberi Fieb.?) aus Ser-
bien begründet. — Unler Thamnotrizon Fisch, begreift Verf. die Arten
mit unbewehrteni Prosternurn und führt deren im Ganzen 15 auf,
welche in Gruppen verlheilt und diagnosticirt werden; neue Arten
sind: Thamn. signatus aus der Krim, similis von Mehadia, difformis
aus Krain und gracilis aus Ungarn, Serbien, Steyeruiark und Krain.
— Rhacocleis discrepans Fieb. und dorsata (Pterolepis Raymondii
Yers. ?) aus Dahuatien. — Die (ebenda p. 99 f.) vom Verf. als neue
Dalmatinische Arten, diagnosticirten Thamnotrizon pallidus und appen-
diculatus werden vom Verf. in der späteren Arbeit auf Thaiunolrizon
ttriolatus Fieb. und Rhacocleis discrepans Fieb. zurückgeführt, Thamn.
dorsatt^s zu Rhacocleis gebracht.
Fieber, „Beiträge zur Orthopteren-Kennluiss. I. Thamnotrizon
Fisch." (Wien. Ent. Wonatsschr», V. p. 193 fi".) gab ausführliche ver-
gleichende CharakterisliUen von Thamnotrizon Ledereri n. A. von
Beirut, Tb. Chabrieri Charp. von den Küsten des Mittelmeeres, Th.
Schmidtii n. A. aus Krain, Triest und Corfu und Th. dorsalis n. A.
aus der Europäischen Türkei.
F. Loew (Verhandl. d. zoolog.-bolan. Gesellsch. zu Wien 1861.
p.4051f.) fand Rhaphidophora cavicola Koll. in der INähe Wiens, wo
die Art auch frei in Wäldern lebt; er giebt Ergänzungen zu der
Fisc h e r'schen Beschreibung des Weibchens. — Von Locusla cau-
data Charp. charakterisirt Verf. das Männchen, indem er die unter-
scheidenden Merkmale desselben denjenigen von Loc. viridisima und
cantans gegenüberstellt.
Giebel (Zeitschr. für d. gesammt. Naturwiss. XVIII. p.ll4n'.)
machte eine neue Galtung Sia bekannt, welche nach seiner Angabe
die Gattungen Gryllacris und Stenopelmatus verbindet. Sie gehört zu
den Locustinen mit seitlich zusammengedrückten Tarsen und stimmt
mit Stenopelmatus in dem plumpen Körperbau, dem grossen Kopfe,
den flachen sechseckigen Brustbeinen, den kleinen, der Mitte ge-
näherten Augen, den dicken Fühlern und behaarten Raifen überein,
unterscheidet sich aber durch die Anwesenheit von (stark entwickel-
ten) Flügeln, durch stark gewölbte Augen, kurze Oberlippe, welche
nur die Basis der sehr grossen Oberkiefer bedeckt, und die nur mit
feinen Dornen bewehrten Mittel- und Ilinterschenkel. — Art: Sia
ferox von Java, über 2 Zoll lang. — Neue Arten: Gryllacris macu-
lata von Banka, tripunctata von Java (ist wohl identisch mit Gryl.
fuscifrons des Ref.), Agroecia obscura von Java (scheint zur Gattung
Salomona Blanch. zu gehören). — Arachnacris nov. gen., aur
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 315
Gruppe mit oreitgedrückten Tarsen und elliptischen Gruben an den
Vorderschienen gehörend; beide Flügelpaare nur in Form kurzer
■ Schuppen entwickelt. Jiit Callimenus, Bradyporus und Hetrodes zu-
nächst verwandt, aber durch schlankeren Körper, lange und dünne
Beine, schlankeren liopf, höher eingelenkte Fühler und eine lamel-
lenartige Leiste über der Stirn unterschieden. Prosternum sehr schmal,
mit zwei langen Stacheln, xMeso- und Metasternum zweilappig ; Schen-
kel nicht verdickt, Hinterbeine auiVallend verlängert. — Art: Ar.
tenuipes von Java. — Pseudophyllus spec. (unbenannt) von ßanka
und Junghuhni von Java, n. A. «; Jim«-, ti
Lucas, „Kote sur le genre Eugaster, Orthoptere de la famille
des Locustiens, qui habile le sud des possessions fran^aises dans le
nord de l'Afrique" (Annales soc. enlom. 4- ser. L p. 213 — 218) will
die Untergattung Eugaster Serv. , welche Serville mit Hetrodes
vereinigte, als selbstständige Gattung abtrennen und setzt die Unter-
schiede derselben nach der in Algier einheimischen Art : Eug. Guyonii
auseinander. Die Merkmale von Eugaster bestehen in dem mehr ver-
längerten, vorn gewölbten und auf der Scheibe durch eine tiefere
Querfurche getheilten Prothorax, dem nicht zweizähnigen Prosternum,
den kurzen, gewölbten und ganz bedeckten Deckllügeln des Männ-
chens, den mehr von einander entfernten Fühlern, den weniger her-
vortretenden Augen, der längeren, die Mandibeln bedeckenden Ober-
lippe, dem grösseren und stärker aufgetriebenen Hinierleib, der sehr
kurzen Legescheide des Weibchens u. s. w. — Verf. giebt eine
nochmalige ausführliche Beschreibung des Eugaster Guyonii nach
beiden Geschlechtern und bemerkt, dass Hetrodes Serviliei Reiche
(Voyage en Abyssinie) derselben Gattung angehöre.
de Saussure (Anuales soc. entom. 4. ser. I. p. 487. pl. 11.
fig. 4) machte eine sehr auffallende neue Gattung Corycus bekanat,
durch kurze Taster, deren Endglied verlängert, aber nicht erweitert
ist, sehr entfernt stehende Fühler und Augen, aussergewöhnlich brei-
ten Stirntheil des Kopfes, breiten und abgeflachten, hinten abgerunde-
ten Prothorax, der fast keinen Schulterausschnitt zeigt, durch auffallend
erweiterte, seitlich abgeflachte und sparsam geäderte Flügeldecken,
kurze Hinterflügel und Hinterleib, dessen Analplalte beim Männchen
gegabelt ist, ausgezeichnet. Prosternum glatt, nur mit zwei sehr
kleinen, genäherten Höciiern, Mesosternum mit zwei schaifen, blatt-
förmigen iJornen, Metasternum wie bei Phylloptera ausgerandet; die
Beine fehlen dem beschiiebenen Exemplare. Verf. glaubt die Galtung
mit Pterochroza und Cyrtophyllus zunächst verwandt. — Art: Cor,
Jurinei, Vater!, unbek., 55 Mill. lang. — Anostostonia Couloni (pl. 12
abgebildet), auffallend grosse n. A. von Java (wäre auf die oben
angeführte Gatt. Sia Gieb. näher zu vergleichen), Rhaphidophora ca~
vernarum n. A. aus der Mammuth-Höhle in Kentucky.
316 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Derselbe (Revue et Magas. de Zool. XIII. p. 128 ff.) beschrieb
Phylloptera Couloniana n. A. von Cuba, (OrophusJ tessellala aus Me-
xiko, Mexicana, Gnathociita vorax Stoll, Acanthodis (subgen. nov.
Calamoplera, durch „Prosternum submuticum" charakterisirl) Imhoffiana
aus Alexiko und Ajiostosto7na Tolleca n. A. von Orizaba.
Scudder, „On the genus Raphidophora Serv., wilh descriptions
of four species froin the caves of Kentucky and from the Pacific
Coasl" (Proceed. Boston soc. of nat. bist. 2. Jan. 1861) beschrieb
nach einer synonymischen Aufzählung der sechs bis jetzt überhaupt
bekannt gewordenen Rhaphidophora-Arten vier neue Kord-Amerika-
nische Arten der Galtung, von denen die erste aus der Mammuth-
Höhle, Rhaph. subterranea vermuthlich mit der S a us s u r eschen Art
identisch ist, eine zweite: Rhaph. stygia gleichfalls aus einer (ande-
ren) Höhle in Kentucky stammt; Rhaph. Agassiüi n. A. unter Steinen
auf Inseln im Golf von Georgia und Rhaph. xanthostoma von der
Küste des Stillen Oceans, letztere Art nur provisorisch der Gattung
beigezählt, von der sie bei Kenntniss mehrerer Exemplare und beider
Geschlechter wahrscheinlich zu trennen sein wird.
StuI (Fregatten Eugenies resa p. 318 ff.) beschrieb als n. A. :
Odontura punctinervis von Buenos Ayres, Phaneroptera subnotata von
Manila, rubescens und subcarinala von Hongkong, parvicauda von
Sidney, submaculata von Rio -Janeiro, carinata de Haan von Java,
tnelanocnemis von Buenos Ayres, Phylloptera Zetterstedti von Puna,
Meroncidiumde Geerii von der Insel St. Joseph bei Panama, Xiphidium
amabile von Manila, Iris Serv. von Alauritius, trivittatum von Taiti.
— Für Listroscelis pectinata Guer. errichtet Verf. eine eigene Gattung
Phisis, für Locusta teres de Geer eine zweite Namens Phlugis,
deren Charaktere er näher erörtert.
Acridiodeä. H. de Saussure (Rev. et Magas. de Zool. XIII.
p. 156, 31o u. 397 ff.) machte durch vorläufige Diagnosen folgende
neue Gattungen und Arten aus Mexiko und anderen Theilen Amerika's
bekannt: Opomala Mexicana ^ Xiphicera pygmaea aus Mexiko. —
Oxy phyma nov. gen. Kopf kegelförmig, horizontal, sehr lang,
Gesicht breit und flach, ohne Mittelkiol, von den deutlichen Seiten-
kielen die mittleren sich fast berührend, die seitlichen weit entfernt
stehend, nach oben convergirend ; Scheitelhöhe vielkielig. Pronotura
kaum länger als der Kopf, hinten nicht erweitert, stark zusammen-
gedrückt, ohne Kiele, hinten abgekürzt; Hinterbeine schlank und
lang, beide Flügelpaare verkürzt, Hinterleib verlängert, gekielt. Füh-
ler genähert, Dorn der Vorderbrust sehr dünn, lang und spitz. -—
Art: 0. Jurinei aus Süd-Amerika? — Pedies nov. gen. Proster-
num mit zusammengedrücktem, keilförmigem Dorne, Kopf convex,
Gesicht stark abschüssig, Stirn-Costa polirt , zusammengedrückt, fast
«weikielig, Wangen gewölbt, Scheitel abschüssig, ohne Grube, Augen
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 317
breit und kurz. Pronotum oberhalb dreikielig, vorn und hinten ab-
gestutzt, Beine kurz, Flügeldecken rudimentär, Hinterleib zugespitzt.
— Art: P. virescens aus Mexiko. — Poepedetes nov. gen., mit
Ommatolampis verwandt, durch den nicht geschnabellen Scheitel,
convexen Kopf und kaum gewölbte Augen unterschieden. — Art:
P. corallinus aus dem gemässigten Mexiko. — Pezotettix Zimmer-'
manni und longicornis aus Carolina, septemtrionalis von Labrador,
Mexicana und Sumichrasti aus Mexiko, edax aus Carolina, Platyphyma
Aztecum aus Mexiko, Caloptenus vorax aus Brasilien, Acridium emor-
tttale aus Brasilien, Cubense , Toltecum aus Mexiko, damnificum aus
Tenessee. — (p. 313 fF.) : Proscopia (Astroma) filiformis, Trvxalis
(Achurum) Sumichrasti aus Mexiko, Oxycoryphus Toltecus, Burkhar-
Hanns, Mexicanus, Aztecus, Totonacus, Zapotecus und Montezuma aus
Mexiko, Stenobothrus Mystecus aus Mexiko, occidentalis aus Tenessee,
viatorius aus Mexiko, gregarius von St. Tomas und Taiti, Chilensis,
Tepanecus aus Mexiko. — P ega sidion nov. gen. Körper schlank,
zusammengedrückt, Kopf etwas abschüssig, Fühler breit, schwertför-
mig, Augen hervorragend, lang oval, Scheitel vor den Augen her-
vorragend , gegrubt, abgestutzt. Gesichtskiele erhaben, Pronotum
kaum gekielt, vorn abgestutzt, Vorderbrust mit cylindrischem Dorn;
Hinterbeine sehr lang, schlank, Schiendornen innen länger« Flügel-
decken sehr lang und schmal. — Art: P. volitans aus Mexiko. —
Tom onotus nov. gen., mit Tropeonotus und Pachytylus zunächst
verwandt, von ersterer Gattung durch vertikalen Kopf, erweiterte
Schenkel und unbewehrte Vorderbrust, von letzlerer durch rechten
Stirnscheitel-Winkel, durch die Scheitelgruben und die oben verschmä-
lerte Stirn -Costa unterschieden. — Arten: Tom. Zimmermanni aus
Carolina, Mexicanus, Nietanus und Otomitus aus Mexiko. — Hippo-
pedon nov. gen., vom Ansehn der Gattung Stauronotus. Fühler lang,
fadenförmig, Scheitel erhaben, Hinterhaupt ansteigend, Grube gekielt,
sehr abschüssig, scharf gerandet ; keine Seitengruben, Gesicht senk-
recht, Seitenkiele weit vorn gelegen, oben gewinkelt. Pronotum mit
Mittelkiel, etwas zusammengeschnürt, vorn abgestutzt, hinten spitz-
winklig, Schulterwinkel stumpf, auf die Seiten herabsteigend und
hier zwei scharfe Kiele bildend ; vordere Rückenkiele deutlich ge-
nähert, hinten convcrgirend ; Hinlerschenkel schlank, Flügeldecken
schmal, länger als der Hinterleib. — Art : H. sallator aus Mexiko.
— Oedipoda Haitensis, Sumichrasti und pardalina aus Mexiko. —
(p. 397 ff.) : Oedipoda Mexicana, Tolteca und Azteca aus Mexiko,
(subgen. Leprus) elephas ebendaher und (subgen. Hippi s cus)
Ocelote ebendaher. — Tettix caudata aus Guyana, Mexicana, Azteca,
Chichimeca, Tolteca aus Mexiko, bispina von Bahia, Amorphopus te~
studo ans Guyana und Caiman aus Brasilien.
Derselbe (Annales soc. entomol. 4. ser. I. p. 474 ff.) machte
318 Geist a eck er: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
folgende neue Gattunoren und Arten bekannt: Atractomorpha
nov. gen., dem Habitus nach 2\^ischen Tryxalis und Pyrgomorpha
stehend, das Prosternum ist aber mit einem starken Vorsprunge in
Form einer queren Platte versehen. Kopf horizontnl, kegelförmig,
Rössel verlängert, Fühler dick fadenförmig, Prothorax in einen
stumpfen Winkel endigend. Durch die Kopfform nähert sich di«.
Gattung mehr Opomala. — Zwei Arten : Atr. crenulata (Fab. ?) und
consohrina von Ceylon. — Calamus nov. gen., zwischen Tryxalis
und Mesops stehend, ersterer Galtung durch den pyramidalen Kopf,
letzlerer durch das mit einem zahnförmigen Vorsprunge versehene
Prosternum nahe stehend. Der Körper ist linear, der Kopf äusserst
langgestreckt, der Rüssel mehr als die Hälfte seiner Länge einneh-
mend; die Fülller breitgedrückt, auf der Unterseite mit scharfer Leiste,
die Flügeldecken sehr lang und linear, die Beine kurz, die Hinter-
schenkel noch nicht von halber Körperlänge. — Art: Cal. linearis,
Vaterland unbekannt. — Phymateus sqnarrosus Lin. von Old-Calabar
wird nochmals diagnosticirt. — Von Tettix Charp. wird eine neue
Untergattung Cladonottis abgesondert, bei der die Schulterecken
wenig markirt, der vordere Theil des Prothorax mit scharfem Kamm,
der hintere flach, ohne Leiste, runzlig, kurz abgestutzt, die Seiten-
lappen in einen Dorn endigend. — Art: Clad. Humbertianus von
Ceylon. — Scelymena (G avia Helium nov. subgen. Erstes Tarsen-
glied nicht erweitert, Hinterschienen mit wenig entwickelten Haut-
anhängen oder einfachen Leisten geziert) crocodilus und alligator
n. A. von Ceylon, (Scelymena sens. strict.) producta von Java und
gavialis von Ceylon.
Stul (Fregatten Eugenies resa p. 324 ff.) machte eine grössere
Anzahl neuer exotischer Arten aus verschiedenen Ländern bekannt:
Opsomala lineatitarsis von Hongkong, cylindrodes und puncticeps von
Rio-Jaueiro, Acridium excavatum von der Insel Guam, melanocerum
von den Galapagos, consors von Rio-Janeiro, nigro-conspersum von
Montevideo, maculosum aus Neu-Holland, pyrrhocnemis von Sidney,
fiavo-annulatum (dimidialum de Haan pro parte) von Java, (Catan-
tops?) praeinorsuni von Hongkong, (CatantopsJ pingue aus China,
(Catantops) capicola vom Cap d. gut. Hoffn., (Catantops) distinguen-
dum ebendaher, (Podisina) Borkii aus Californien , (Podisma) arro'
gans von Buenos Ayres, (Podisma) fraternum von Rio-Janeiro und
Montevideo, (Podisma) patruele von Buenos Ayres, (Podisma) lem^
niscatum Vaterl. nicht angegeben, (Podisma) cliens von Montevideo,
(Oxya) intricatum von Java, Malacca und Hongkong, (Oxya) puncti-
frons aus China, (Oxya) spurium von Java, (Quilla) milratum von
den Keelings-Inseln, (Calliptamus) hottentottum vom Cap, (Tinaria)
calcaratum und Sanctae Helenae von St. Helena, Gomphocerus (Hya~
lopteryx) paganus von Rio - Janeiro , (Hyalopteryx) plebeju» von
ti-j ^a.'im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 319
Honolulu, (Phlaeoha) rnsticus von Java, (Sinipta) Dalmani von Mon-
tevideo, (Pnorisa) squalus vom Cap, (Stenobothrus) campestris von
Rio-Janeiro, (Stenobothrus) evanescens von Hongkong, (Epacromia)
socius vom Cap, (Epacromia) peracfrans von Pirna, Oedipoda (Urnisa)
erythrocnemis von Sidney, vcnusta von San Francisco, placida von
Valparaiso, cristella von Java und Manila, Thunbergi von Rio-Janeiro,
fusco'irrorata von den Galapagos, Tetrix spiriifrons und lobulata von
Rio-Janeiro, nodulosa, Mcllerborgi und histrica von Java, exsultans
von Hongkong und spathvlata von Sidney.
Brunn er (Verhandl. d. zoolog. - botan. Gesellsch. zu Wien
1861. p. 221 — 228) machte unter dem Titel : „Orthopterologische Stu-
dien. I. Beiträge zu Darwin's Theorie über die Entstehung der
Arten" auf einige unter den Acridiern vorkommende Fälle aufmerk-
sam, wo sich einer rudimenlär geflügelten oder flügellosen Art eine
aufl'allend analog gebildete, aber nach der vollständigen Entwirkeiung
der Flügel einer anderen Galtung zugewiesene zweite Art gegen-
überstellt. Er glaubt, dass einige bei sonstiger vollkommener Ue-
bcreinstimmung auftretende Merkmale, wie die Abstumpfung der Pro-
notum- Basis und die Abplattung des Bruststachels als eine Folge der
Flügel-Verkümmerung anzusehen seien, und dass jene verschiedenen
Gattungen zugetheilte Arten ursprünglich zusammengehört und sich
erst durch natürliche Züchtung allmählich differenzirt haben. Die
vom Veff. angezogenen Arten sind folgende: 1) Oxya velox Fab. und
Platyphyma abbreviatum Serv. 2) Caloptenus borealis Fieb. (hier
diagnosticirt) und Pezolettix frigida Bob. 3) Caloptenus femoratus
Burm. aus Süd-Carolina und Platyphyma Mexicanum n. A, von Ori-
zaba (diagnosticirt). 4) Caloptenus similis n. A. aus Aegypten und
Syrien und Pezotettix Syriaca n. A. aus Syrien (beide diagnosticirt),
5) Opomala castanea n. A. von Paramaribo und Pezotettix megace-
phala n. A. aus Venezuela (beide charakterisirl). 6) Caloptenus Ila-
lieus Lin. und Platyphyma caloptenoides n. A. aus Serbien. m\^\
Derselbe (Disquisitiones orthopterologicae IL, ebenda p. 303 ff.
Taf. 15 u. 16) gab Abbildungen und Beschreibungen von folgenden
Arten: Glyphanus obtusus (Fieber)^ Stetheophyma turcomanum Fisch,
V. Waldh. , beide von Athen, Stetheophyma variegatum Sulz, von
Fiume, Pezotetlix Schmidtii (Fieber) aus Krain, dem Bannat und Serbien
und von dem bereits erwähnten Platyphyma caloptenoides.
Coquerel (Annales soc. entomol. 4. ser. I. p. 499f. pl. 10)
gab eine Beschreibung und Abbildung einer prachtvollen neuen Art:
Phymateus saxosus von Madagascar, in der Färbung dem Ph. morbil-
losus Thunb. nahe stehend.
Philipp! (Reise durch die Wüste Atacama p. 173) beschrieb
Acridium cristagalli und Oedipoda Atacamensis als n. A. aus Chile.
Forficalina. Stäl (Fregatten Eugenies resa p. 299 £f.) beschrieb
320 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Pydicrana (sie! Pygidicrana?) noft^iera Rio>Janeiro, vitticollis Chxnn,
Forficula aspera und xanthopus Rio-Janeiro, bicuspis Java, dichroa
Rio-Janeiro, modesta Hongkong, simulans, vigilans, tnucronata, amoena
Java, punctipennis und parvicollis Rio-Janeiro, Lobophora nigronitens
Java, tartarea Taiti, cinclicornis Mauritius, Diplatys gracilis Rio-Ja-
neiro, Ancislrogaster luctuosus, Sparatta rufina und nigrina Rio-Ja-
neiro als n. A. Einige davon waren vom Verf. bereits früher in der
Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. 1855 vorläufig diagnosticirt.
PSOCinä. H. Hagen, „Synopsis of the British Psocidae" (En-
tomol. Annual for 1861. p. 17 — 32) gab eine Charakteristik der Fa-
milie im Allgemeinen und machte Mittheilungen über ihre Verwand-
lung, Geschlechtsunterschiede, Lebensweise, Copulation, das Ablegen
der Eier, die geographische Verbreitung und die Zahl der bekann-
ten Arten. Von Britischen Arten , welche nach den wichtigsten
plastischen Merkmalen gruppirt und mit Hinzufügung der Synonymie
kurz charakterisirt werden, sind bis jetzt 22 bekannt geworden, von
denen 1 auf die Gattung Atropos Leach, 1 auf Clothilla Westw., 1 auf
Lachesis Westw. und die übrigen 19 auf Psocus Latr. kommen.
Derselbe (Synopsis of the Neuroptera of North- America
p. 7 ff.) verzeichnete für Nord-Amerika 18 Psocinen, welche der Mehr-
zahl nach als neu charakterisirt werden : 1 Clothilla, 1 Atropos und
16 Psocus. Die neuen Arten sind : Clothilla picea aus Californien,
Psocus sparsus , lugens , signatus , pumilis, contaminatus , moestus^
quietus, mobilis (Cuba), madidus , abruptus , corruptus , Salicis und
aurantiacus.
Porlina. Nach Hagen (ebenda p. 14 ff.) sind die Perlinen in
Nord-Amerika folgendermassen vertreten: Pteronarcys 6 A. , Perla
40 A,, Isopteryx 1 A. , Capnia 4 A. , Taeniopteryx 5 A., Nemoura
3 A., Leuctra 2 A. Folgende Arten werden als neu beschrieben:
Pteronarcys nobilis, Perla ruralis, arida, aurantiaca, lurida, tristis^
annulipes , similis , placida und severa , Taeniopteryx similis und
frigid a.
Ephemeridae. (Hagen ebenda p. 38 ff.) verzeichnete für Nord-
Amerika 5 Ephemera-Arlen, 8 Palingenia, 19 Baetis, 3 Polamanthus
7 Cloe und 3 Caenis; unter diesen werden als neu beschrieben:
Ephemera? pudica^ Palingenia Hecuba und decolorata^ Baetis ignava
und tessellata, Cloe unicolor, pygmaea und vicina, Caenis amica.
Nach F. Loew (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien
1861. p. 409) bewohnt Palingenia longicauda auch das Ufer der March
in Mähren, wo sie in der Mitte des Juni massenhaft beobachtet wurde.
Odonata. Nach Hagen (Synopsis of the Neuroptera of North-
America p. 56 ff.) setzt sich die Nord-Amerikanische Odonaten-Fauna
aus folgenden Gattungen zusammen : Calopleryx 6 Arten, Hetaerina
10 A., Megaloprepus 1 A. , Pseudostigma 2 A. , Mecistogaster 3 A.,
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 18G1. 321
Lestes 13 A., Paraphlebia 1 A., Palaemneraa 1 A., Trichocnemis 2 A.,
Protoneura 2 A., Agrion 47 A., Gomphus 27 A., Progoniphus 2 A.,
Gomphoides 7 A., Hagenius 1 A., Cordulegasrer 4 A., Petalura 1 A.,
Anax 3 A., Aeschna 25 J^., Gynacanlha 2 A., Macromia 4 A., Epi-
theca 1 A. , Didymops 2 A. , Cordulia 15 A. , Tetragoneuria 4 A.,
Pantala (nov. gen., für Libellula flavescens Fab.) 2 A., Tramea
(nov. gen. für Libellula Carolina Lin., Chinensis Geer u. s. w.) 7 A.,
C elithemi s (nov. gen. für Libellula eponina Drury) 2 A., Pia-
themis (nov. gen. für Libellula trimaculata Geer) 2 A., Libellula
22 A., L ep themis (nov. gen. für Libellula vesiculosa Fab. und
haeinatogastra Burm.) 3 A., D y themis (nov. gen. für Libellula ru-
finervis Burm., frontalis, pleurosticta Burm. u. s.w.) 13 A., Ery the-
mis (nov. gen. für Libellula bicolor Er.) 3 A., M es o themis (nov.
gen. für Libellula simplicicollis Say, longipennis Burm. u. a.) 7 A.,
Diplax 21 A., P er i themis (nov. gen. für Libellula domitia Drury)
1 A. und Nannophya 2 A. — Als neu werden folgende Arten be-
schrieben: PseudoStigma accedens und aherrans aus Mexiko, Mecisto-
gaster modestus ebendaher, Lestes alacer (Texas), stulta (Californien),
congener, simplex (Mexiko), vidua, unguiculata, hamata, Agrion Irene,
iners, positum, capreolus (Portorico), aduncum und credulum (Cuba),
defixum (Nord-Californien), demorsum (Mexiko), exsulans, prognatumf
pollutum, signatum, coecum (Cuba), saucium, sahum (Mexiko), vul-
neratum (Portorico), rufulum (Nord-Californien), annexum (Sitkha),
durum, civile, praevarum (Mexiko), ebrium, bipunctulatum, violaceum^
fontium, funehre (Mexiko), extraneum (Mexiko), calidum (Mexiko),
immundum (Mexiko), sedulum, moestum, lugens (Mexiko), lacrimans
(Mexiko), putridum, cupreiim (Mexiko), aspersum, Gomphoides perßda
(Mexiko), Anax longipes, Aeschna Sitchensis^ multicolor, verticalis,
armata (Mexiko), mutata, ßorida (Mexiko), adnexa (Cuba), brevifrons
(Mexiko), Macromia annulata, pacifica, Epitheca princeps, Cordulia
filosa, linearis, septemtrionalis, Tetragoneuria balteata (West-Texas),
Tramea onusta und lacerata aus Texas und Mexiko, insularis (Cuba),
Celithemis superba aus Mexiko, Plathemis subornata aus West-Texas,
Libellula nodisticta aus Mexiko, odiosa (West-Texas), forensis (Cali-
fornien), incesta, funerea (Mexiko), nibex (Mexiko), Lepthemis verbe-
nata (Cuba), DytJiemis velox und fugax aus West -Texas), mendax
(ebendaher), praecox (Mexiko), dicrota (Cuba), pertinax (xMexiko),
aequalis (Cuba und Mexiko), naeva und debilis aus Cuba, Ery themis
furcata und longipes aus Cuba, Mesothemis collocata und corrupta
aus West-Texas, illota aus Californien und Mexiko, Diplax madida,
costifera, vicina, intacta, Elisa, credula und Nannophya maculosa.
E. Hi sing er, Bidrag tili kännedomen om Finlands Libelluli-
der. Helsingfors 1861. 8. (Separatabdruck aus Sällskapets pro Fauna
et Flora Fennica Notiser, Ny Serie VL 3. Haftet, p. 111—121). —
Archiv f. Naturg. XXVIII. Jahrg. 2- Bd. V
822 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Verf. zähU unter Angaben über Häufigkeit, Erscheinungszeit, Fund-
orte u. s. w. 34 in Finland beobachtete Libellulinen auf, nämlich:
9 Libellula (darunter L. caudalis Charp.) , 5 Cordulia, 3 Gomphus,
1 Cordulegaster, 4 Aeschna, 2 Calopteryj^ 2 Lestes, 1 Platycnemis
und 7Agrion. — Anhangsweise wird von Heikel unter dem Namen
Aeschna maxima eine angeblich neue Finische Art, mit A. juncea
verwandt, charakterisirt.
Erra, Odonatologiae Brixensis prodromus (Atti della societä
Italiana di scienz. nalur. IL p. 97 — 109). Eine Aufzählung von 28
Odonaten, welche in der Umgegend von Brixen beobachtet wor-
den sind.
Poduridae. Von Elditt (Amtlicher Bericht der 35. Versamm-
lung deutscher Naturforscher in Königsberg p. 86'f.) wurden nähere
Mitlheilungen über die Bedeutung des an der Basis des Poduren-Hin-
terleibes befindlichen warzenförmigen Vorsprunges gemacht. Die
Beobachtung an lebenden Exemplaren lehrt, dass sich dieses Organ
bei unsicherem Gange der Thiere auf glatten Flächen (z. B. Glas)
durch Hervorslülpung so weit verlängert, bis es den Boden erreicht
und daher als Ilaftapparat fungirt. Eine von ßourlet behauptete
Absonderung einer Flüssigkeit aus diesem Zapfen konnte Verf. nicht
wahrnehmen. Das Festhaften vermittelst desselben wird wahrschein-
lich durch Luftverdünnung in den Tracheen, vk^elche Verf. darin nach-
gewiesen hat, bewirkt und findet an zwei Punkten seiner Oberfläche
statt; bei Smynthurus stülpen sich zu diesem Zwecke aus dem Zapfen
zwei dünne tentakelförmige Fäden hervor, welche ebenso schnell
wieder zurückgezogen werden können.
W^ankel (Beiträge zur Oesterreichischen Grotten-Fauna, Sit-
zungsber. d. mathera.-naturwiss. Classe d. Akad. d. Wissensch. zu
Wien XLIIL 1. p. 254 fi". Taf. L fig. 4 — 15) machte eine neue augen-
lose Gattung He ter omurus von etwas plattgedrückt cylindrischem
Körper bekannt, welche sich von Tomocerus, Cyphoderus und Hypo-
gastrura durch nur sieben Körpersegmente und den Mangel der
Augen, von Tritomurus durch dreitheilige Sprunggabel und die Füh-
lerbildung unterscheidet; die Fühler sind halb so lang als der Kör-
per, viergliedrig, das erste Glied kurz, knopfförmig, die drei letzten
langgestreckt, und zwar das vierte etwas länger und mehr spindel-
förmig verdünnt als die beiden vorhergehenden. — Art: Hei. tnarga-
ritarius aus der Slouper - Höhle. — Dicyrtoma pycjmaea neue Art
ebendaher.
Eine Mittheilung über massenhaftes Auftreten der Podura nivi-
cola Fitch in Nord-Amerika am 18. April bei kaltem Welter machte
Ashton (Proceed. entomol. soc. Philadelphia 1861. p. 32).
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 323
NewToptera.
Durch die Smilhsonian Institution ist im J. 1861 ein
für die Kenntniss der Nord-Amerikanischen Insektenfauna
sehr wichtiges Werk: Synopsis of the Neuroptera of North-
America with a list of the South-American species : prepa-
red for the Smithsonian Institution by Herrn. Hagen
(Washingtons. 346 pag.) publicirt worden. Dem Verf. hat
für diese Bearbeitung der Nord-Amerikanischen Neuropte-
ren (im älteren Sinne) ein sehr beträchtliches Material
vorgelegen, welches ihm theils direkt aus Nord-Amerika,
Mexiko und den Antillen durch die Smithsonian Institution,
Osten-Sacken, Uhler, Zimmermann, Poey, de
Saussure u. A. zugegangen ist, theils in den bedeuten-
deren Staalssammlungen Europa's so wie in der sehr aus-
gedehnten Privatsammlung des Verf.'s selbst angehäuft war.
Das Werk hat vorwiegend den Zweck, die Artenkenntniss
zu fördern ; es sind daher die Familien, Gruppen und Gat-
tungen, falls sie nicht , wie es unter letzteren vorkommt,
neu aufgestellt sind, nur durch kurze, diagnostische Cha-
rakteristiken kenntlich gemacht, die Arten dagegen, gleich-
viel, ob bereits beschrieben oder neu, ausführlich erörtert.
Die grosse Mehrzahl dieser Artbeschreibungen sind vom
Verf. selbst nach den ihm zugekommenen Exemplaren ent-
worfen , nur wenige nach den Charakteristiken früherer
Autoren (besonders Walker) redigirt worden. Für die
Nomenklatur und die Feststellung der Synonymie sind vom
Verf. zahlreiche typische Exemplare verglichen worden.
Als Anhang ist auf p. 299 — 329 ein systematisches und
synonymisches Verzeichniss aller bis jetzt bekannt gemach-
ten Süd-Amerikanischen Neuropteren und Pseudoneuropte-
ren zusammengestellt; an dieses schliessen sich noch Ta-
bellen zur Erörterung der geographischen Verbreitung der
Arten, so wie eine Erläuterung der bei den Beschreibungen
angewandten Terminologie an. Aus Nord-Amerika sind
bis jetzt im Ganzen 716, aus Süd-Amerika 507 Arten be-
kannt geworden; da 53 Arten beiden Hälften des Erdtheiles
gemein sind, stellt sich die Artenzahl für den ganzen Con-
tinent auf 1170, von denen 436 neu sind.
324 Gerstaecker; Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Die Familie der Sialiden ist durch folgende Gattungen vertre-
ten : Sialis 3 A. (S. bifasciata von Cuba n. A.), Chauliodes 7 A. (Ch.
anguslicollis n. A ), Corydalis 5 A. (C. lutea aus Mexiko, cognala
aus West-Texas und soror aus Mexiko n. A.), Rhaphidia 4 A. (Rh.
adtiixa, oblita und inßata n. A. aus Californien).
Die Familie der Henierobiiden ist folgenderniassen zusammen-
gesetzt: Aleuronia 1 A., Coniopteryx 1 A., (C. vicina von AVashing-
ton n. A.), Sisyra 1 A., Megalomus 1 A. (M. pictus n. A. aus Mexiko),
Micromus 5 A. (M. areolaris, insipidus und sohrius n. A.), Heraero-
bius 21 A. (H. citrinus und neglectus u. A. , letztere aus Mexiko),
Polystoechotes 2 A., Mantispa 4 A, C^T. moesta n. A.), Meleoma 2 A.,
Chrysopa 37 A. (C Cubana, pavida und explorala aus Mexiko, ex-
terna und innovata ebendaher n. A.), Acanthaclisis 3 A. (A. congener
n. A. aus West-Texas), Myrmeleon 25 A. (M. sahus, inscriptus, pyg-
inaeus, rusticus, insertns , peregrinus, juvencus , blandus , bislictus,
macer n. A.)? Euptilon 1 A. , Ascalaphus 7 A. (A. avunculus n. A.
von Cuba).
Die Familie der Panorpiden enthält: Boreus 2 A. , Panorpa
12 A. (P. maculosa n. A.) , ßittacus 7 A. (B. strigosus und apicalis
n. A.), Merope 1 A.
Die Zunft der Trichopteren (Phryganiden) endlich ist vertreten
durch die Gattungen: Neuronia 8 A. , Phryganea 3 A., Limnophilus
30 A. (L. externus, gravidus, vastus, perjurus, hyalinus und pudicus
n. A.), Anaboiia 4 A. (A. sordida und modesta n. A.), Hallesus 7 A.
(H. amicus, hostis, mutatus und solidus n. A.), Enoicyla 7 A. (E. le-
pida n. A.) , Apatania 2 A. (A. pallida n. A.) , Sericostoma 2 A.,
Notidobia 3 A. (N. borealis und hitea n. A.) , Brachycentrus 2 A.
(Er. incanus n. A.) , Silo 2 A. (S. Californicus und griseus n. A.),
Mormonia 1 A. (M. logata n. A.) , Dasystoma 2 A., Hydroptila 3 A.
(H. albicornis und tarsalis n.A.), Molanna 3 A. (M. cinerea und rnfa
n. A.), Leplocerus 13 A. (L. albosticlus, lugens, dilulus^ variegatus,
transversus n. A.), Setodes 14 A. [S. Candida^ nivea, pavida, eine-
rascens, ßaveolata, injusta, immobilis, micans, sagitta n. A.), Macro-
nema 6 A. (31. chalybeum, aeneum, flavum, zebralum n. A.), Hydro-
psyche 16 A. (H. scalaris, morosa, phalerata, chlorotiea, depravata,
sordida, incommoda, bivittata)^ Philopotamus 2 A., Polycentropus 8A.
(F. vestitus, cineretis, confusus, lucidus n. A.) Psychomia 2 A. (Ps.
flavida n. A.), Tinodes 2 A. (T. livida n. A.)> Bhyacophila 2 A. (lih.
torva n. A.), Beraea 2 A. (B. maculata n. A.), Chimarrha 4 A. (Ch.
alerrima und pulchra n. A.).
Sialidae. Costa (Fauna del regno di Napoli, IVevrotteri) gab
Beschreibungen und Abbildungen von folgenden in Neapel einheimi-
schen Arten der Gattung Rhaphidia : Rhaph, ophiopsis Geer, Aloysiana
und colubroides n. A. und Inocellia crassicornis Schumm.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 325
Megaloptera. Costa (Fauna del regno di IS'apoli, Nevrotteri)
hat die in Neapel einheimischen Arten der Gruppen der Hemerobiiden
und Mantispiden beschrieben und abgebildet (24pag. , Taf. 10 — 12).
Es sind folgende: Osmylus maculatus Fab., Microraus variegatus Fab.,
Drepanopteryx tortriroides und pyraloides Ramb., Mucropalpus lutes-
cens Fab., distinctus Ramb., irroratus n. sp. und parvulus Ramb.,
Hemerobius perla Lin., Bamburii (prasinus Ramb.), neglectus und
Bechii n. sp. , chrysops Lin. (reticulata Burm.) und Italiens Rossi,
Dilar Parthenopaeus n. sp. — Mantispa perla Fall.
Doumerc, „Description dune nouvelle espece de Nevroplere
de la tribu des Hemerobiens" (Annales soc. entomol. 4. ser. I. p. 192)
beschrieb Chrysopa parvula als n. A. aus Frankreich ; sie ist 372 Lin.
lang und soll sich von den übrigen Arten der Gattung schon durch
die im Leben schwarzen Augen und durch schwarze Fühler unter-
scheiden.
Phryganeidae. H. Hagen (Entomol. Zeitung XXIL p. 113—117)
setzte seine Bearbeitung der Pi cte t'schen Phryganiden mit acht fer-
neren Arten , nach Untersuchung der Originalexemplare fort.
M'Lachlan, Some suggestions for the successful pursuit of
the study of the Phryganidae, with a description of a new British
species (Entomologist's Annual for 1861. p. 52 ff.). Den vom Verf.
milgetheilten Anweisungen über Fang und Conservirung der Phryga-
niden folgt eine Beschreibung des in England neu aufgefundenen
Limnophilus borealis Zett.
Strepsiptera. Sehr interessant ist die Entdeckung von J.Ki ei-
ner auf Ceylon, dass auch im Hinterleibe von Ameisen Strepsipteren
schmarotzen. Das einzige bis jetzt bekannt gewordene Exemplar,
ein ÖJännchen, wurde vom Entdecker in dem Augenblicke erhascht,
wo es sich aus dem Hinterleibe einer Arbeiter- Ameise, mit seinem
Rücken gegen denselben gekehrt, hervorarbeitete; es geschah dies
an einem regnigen Kachmittage gegen Ende April, also bereits wäh-
rend der nassen Jahreszeit. Eine kurze Notiz über die Charaktere
dieses Strepsipteren, welcher leider fast ganz durch Milben zerstört
worden ist, gab West wo od („Notice of the occurrence of a Stre-
psipterous Insect parasitic in Ants, discovered in Ceylon by Herr
Kleiner") in den Transact. entom. soc. V. p. 418 — 420. pl.l. Der
Parasit hält in der Grösse die Mitte zwischen Xenos und Elenchus,
die Augen sind auffallend gross und mit wenigen, sehr grossen Fa-
cetten versehen, die Stirn in zwei gerundete Lappen ausgezogen.
An den Fühlern sind die drei ersten Glieder sehr kurz, das dritte
aber unterhalb in einen langen und dünnen Ast ausgezogen, die
drei letzten viel länger und schlanker als bei Stylops; der Tho-
rax hat die gewöhnliche Bildung, die Hinterflügcl sind auf der Co-
326 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
«talhälfte mit vier starken radiären Adern versehen, von denen die
zweite an der Spitze gekrümmt ist. — Die Formica-Art, aus welcher
der Schmarotzer hervorging, ist bis jetzt nicht näher bestimmt; für
letzteren selbst errichtet W es t wo o d eine eigene Gattung unter dem
?«'ameu Myrmecolax Nielneri.
Coleoptera.
Candeze hat unter dem Titel; „Histoire des meta-
morphoses de quelques Coleopteres exotiques" (Memoires
d. 1. SOG. royale des sciences de Liege XVI. p. 325--410.
pl. I — VI) ein Supplement zu seinem im J. 1853 mit Cha-
puis publicirten Catalogue des larves des Coleopteres ge-
liefert, in welchem er eine grössere Anzahl exotischer
Käferlarven aus Louisiana, Mexiko, Venezuela, von den
Antillen und Ceylon, welche ihm durch Salle und Niet-
ner zugleich mit den Puppen und Käfern übersandt wur-
den, sorgsam charakterisirt und abbildet. Es wird durch
diese Arbeit die Kenntniss der Käfer-Larven nicht nur in
numerischer Hinsicht beträchtlich gefördert, sondern es
erfahren auch die aus dem bisherigen, oft sehr lückenhaf-
ten Material abstrahirten Familien-Charaktere in mehreren
Fällen wesentliche Modifikationen und Erweiterungen. Bei
verschiedenen Arten standen dem Verf. gleichzeitig Beob-
achtungen von Salle undNietner über die Lebensweise
der ersten Stände zu Gebote; in anderen Fällen gehören
die beschriebenen Larven auch neuen Arten an, welche
dann vom Verf. gleichzeitig beschrieben und abgebildet
werden.
Die von Candeze beschriebenen und abgebildeten Larven
gehören folgenden Gattungen und Arten an : Galerita nigra Chevr.
(Larve unter der Erde lebend), Galerita simplcx Chaud., Paederus
terapestivus Er. (Larve mit dem Käfer zusammen am Rande von Ge-
wässern), Osorius intermedius Er., Leptochirus scoriaceus Germ. (Larve
unter Baumrinde) Leptochirus mandibularis Kraatz, Platysoma Mar-
seulii n. A. von Ceylon, Amphicrossus discolor Er. (Larve von der-
jenigen der Soronia grisea durch deutlich viergliedrige Fühler un-
terschieden ; die Stigmen liegen nicht hinter den seitlichen Verlän-
gerungen der einzelnen Körperringe, sondern auf deren Spitze), Lor-
dites glabricula Murray, Brontes serricollis n.A. von Ceylon, Passalus
interruptus Lin., mucronatus Burm., Leachii M. Leay und bicolor Fab.,
Canthon volvens Fab., Ancylonycha fusca Fröl., Serica nitida n. A.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 327-
von Ceylon , Campsosternus Templetonii Westw. (Larve von den
übrigen bekannten Elateren - Larven durch nur sechs Stigmenpaare,'
durch deutliche Ocellen , frei bewegliche Oberlippe, ungedorntes
neuntes Hinterleibssegment u. s. w. auffallend unterschieden), Lycus
cinnabarinus n. A. von Ceylon (Larve durch den zurückziehbaren Kopf
und durch Stigmen am dritten Thoraxringe sich denen der Lampyri-
den nähernd), Calopteron corrugatum n. A. aus Mexiko (Larven in
grosser Anzahl beisammen unter mit Schwämmen bedeckter Baum-
pibde lebend), Photuris congrua Chevr., trilineata Say und Pennsyl-
vanica de Geer, Catorama palmarum Guer., P ter o g e7iius ISietneri
neue Gattung und Art der Cissiden-Gruppe von Ceylon, Bolitotherus
cornutus Fab. (Larve von auffallender Aehnlichkeit mit Lamellicor-
nien-Larven), Bolitotherus quadridentatus n. A. von Ceylon, Ceropria
subocellata Casteln., Änchonus cristatus n. A. aus Venezuela, Baridius
vestitus Schönh., Rhynchophorus Zimmermanni Schönh. (Larve lebt in
Louisiana im Marke des Chamaerops Palmetto Wild.), Tomicus ferru-
gineus Fab., Trichoderes pini Chevr., Acrocinus longimanus Fab.,
Astynomus Sallei n. A. aus Caraccas, Crioceris viridis Chevr., Doli-
chotoma lanuginosa Bob., Porphyraspis palmarum Bob., Leptinotarsa
Cacica Stäi, vittata Baly, Dacne fasciata Fab., Ischyrus flavitarsis Lac,
Episcapha quadrimacula Wied., Amblyopus cinctipennis Lac, Aegithus
quadrinotatus Chevr., Daulis sanguinea Lin., Epilachna Proteus Muls.
und Chilocorus circumdalus Schönh. — Anhangsweise wird noch die
fragliche Larve des Alans speciosus Lin. von Ceylon charakterisirt.
Schaum, „Die Bedeutung der Paraglossen« (Berl.
Ent. Zeitschr. V. p. 81 ff.) versucht, nach einleitenden Be-
merkungen über die Zusammensetzung der Unterlippe im
Allgemeinen, bei Necrophorus, Dytiscus, Carabus u. a.
nachzuweisen, dass die Paraglossen an der Käfer-Unterlippe
den beiden Laden des Unterkiefers (jederseits) in Gemein-
schaft entsprechen, das zuweilen sehr entwickelte mittlere
Stück dagegen als Hypopharynx aufzufassen sei. Die An-
sicht, dass Erich son bei Staphylinen und Caraben zwei
ganz verschiedene Theile als Paraglossen angesprochen
habe, welche mit so grosser Sicherheit von Kraatz be-
hauptet wurde, weist der Verf. als irrig zurück. Bei den
Bienen, auf welche anhangsweise noch eingegangen wird,
will Verf. gleichfalls die Paraglossen als verwachsene Kie-»
ferladen, die wurmförmige Ligula als Zunge (Hypopharynx)
aufgefasst wissen.
J. L e C 0 n t e, Classification of the Coleoptera of North-
328 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
America, prepared for the Smilhsonian Institution Part I.
Washington 1861—62. (8. 285 pag.) — Verf. liefert im
Auftrag der Smithsonian -Institution im Vorliegenden ein
Buch, welches dazu dienen soll, Anfänger in das Studium
der Coleopteren einzuführen. Hierzu ist besonders die in
Form eines Eleraentar-Buches gehaltene Einleitung, welche
eine üebersicht über die Ordnungen der Insekten und eine
Terminologie der einzelnen Theile des Coleopteren-Kör-
pers, durch eingedruckte Holzschnitte erläutert , enthält,
geeignet. Der übrige Theil des Werkes ist einer streng
wissenschaftlich gehaltenen und ausführlichen Charakteri-
stik der Familien und der innerhalb derselben begründeten
Gruppen, denen sich eine Synopsis der in Nord-Amerika
einheimischen Gattungen anschliesst, gewidmet. Eine Auf-
zählung der Arten und die Anführung der Literatur ist
weggeblieben; letztere hält der Verf. für das vorliegende
Buch für unnütz. Die Zahl der Familien, welche der Verf.
annimmt, ist eine sehr grosse; sie beträgt für die in dem
ersten Bande allein abgehandelten pentameren und hetero-
meren Coleopteren schon 62; die letzte Familie ist die der
Stylopiden.
Die Stylopiden setzt Verf. unter die Heteromeren, bemerkt aber
dabei, dass die Tarsen nicht heteromer seien, was richtig ist. Frü-
her habe man sie als eigene Ordnung betrachtet, aber die Kenntniss
ihrer Verwandlung und eine genauere (more rigid!) Interpretation ihres
äusseren Baues habe fast alle (nearly all!) Systematiker dazu bestimmt,
sie unter die Käfer zu setzen. (Welche Charaktere hat ein Strepsipte-
ron mit einem Käfer gemein? — Keinen! Wo sind die Ueberein-
stimmungen der Larven und ihrer Lebensweise ? Die Strepsipteren-
Larven leben parasitisch im Hinterleibe von Hymenopteren, die Me-
loiden -Larven nähren sich von Honig; beide haben also in der
Lebensweise nichts untereinander gemein. Ref.) In Elementarbüchern
sollte man Absurditäten wohl am wenigsten für baare Münze ausgeben!
Von Jacquelin du Vals Genera des Coleopteres
d'Europe sind im J. 1861 die 103. bis 111. Lieferung mit
Taf. 66 bis 85 erschienen, die Fortsetzung dieses schönen
Werkes aber leider durch den inzwischen erfolgten Tod
des talentvollen Verf.'s unterbrochen worden ; dem Ver-
nehmen nach wird sich indessen L. Fairmaire der Voll-
endung desselben unterziehen. Von den in den vorlie-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 329
genden Lieferungen behandelten Familien der Heteromeren
sind die Melasomen, Cistelinen und Lagrien im Texte sowohl
als in den Abbildungen abgeschlossen; die Tafeln dehnen
sich ausserdem auch noch auf die Familien der Pyrochroi-
den, Anthiciden und Pediliden, so wie auf den Anfang der
Melandryiden aus.
Beiträge zu einem natürlichen Systeme der Coleopte-
ren von Dr. C. H. Preller (Jena 1861. 8. 44pag.). —
Verf. fühlt sich weder durch das L atr ei lle'sche Tarsal-
system noch durch die gegenwärtig allgemein angenommene
Reihenfole der Familien, als eine unnatürliche befriedigt und
will ersteres durch eine Eintheilung nach der Lebenweise
und Nahrung in drei Hauptgruppen : Zoophaga, Poecilophaga
und Phytophaga ersetzt, für die Aufeinanderfolge der Fami-
lien aber den Habitus in erster Instanz berücksichtigt wissen.
Als Zoophaga sieht Verf. neben den Caraben , Dyticen und
Gyrinen auch die Hydrophilen und Coccinellen an, obwohl jene im
letzten Stadium nach ihrem Üarmkanale zu urtheilen offenbar vor-
wiegend phytophag sind, unter diesen aber neben den aphidiphagen
Formen auch phytophage (Lasia, Epilachna) vorkommen. Ebenso stellt
Verf. zu den Phytophagen u. a. solche Familien, deren Larven, wie
die der Telephoriden, Melyriden u. a. carnivor sind. Die Einthei-
lung, welche der Verf. auf die Fühlerform begründet (Clavicornia,
Seticornia u. s. w.), ist doch gewiss nicht natürlicher als die von
ihm verworfene nach den Tarsengliedern und den Mundtheilen ! Dass
der Anordnung der Familien vorwiegend der Habitus zu Grunde ge-
legt ist, geht aus Verbindungen, wie der Melandryiden mit den Ela-
teren, der Telephoriden mit den Meloiden, der Scydmaeniden mit den
Pimelien u. s. w. deutlich hervor; dass damit jedoch keine natürliche
Anordnung gewonnen ist, dürfte kaum zweifelhaft sein.
F. Pascoe, „Notices of new or little known genera
and species of Coleoptera" (Journal of Entomology L p. 36
—64. pl. 2 u. 3 und p. 98-— 132. pl. 5—8) machte eine
grössere Anzahl neuer Gattungen und Arten aus den ver-
schiedensten Familien der Coleopteren, unter denen beson-
ders die Colydier und Melasomen stark vertreten sind,
bekannt. Sehr zweckmässig ist es, dass Verf. von seinen
neuen Gattungen (zwar etwas rohe, dabei aber doch nicht
uncharakteristische) Abbildungen gegeben hat, da es sonst
wohl schwer sein möchte, nach seinen Charakterislikca in
330 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
jedem Falle eine sichere Bestimmung zu treffen; die Un-
gevvissheit , welche er selbst sehr häufig- in Betreff der
Stellung und Verwandtschaft seiner Gattungen an den Tag
legt, muss um so grösseren Zweifel erwecken, als sich bei
manchen Galtungen, die nach den Abbildungen leicht zu
erkennen sind, nachweisen lässt, dass seine Angaben über
die wesentlichsten Merkmale geradezu unrichtig sind.
So giebt er z. B. für seine Gattung Khyssopera (= Meryx Latr.)
fünfgliedrige Tarsen an und stellt sie zu den Cucujiden, während
sie als tetramerisch zu den Colydiern gehört; beschreibt ferner die
bekannte Gattung Aulonium Er. als neue Gattung der Trogositiden
unter dem Kamen Gloaenia, eriichtet ohne Grund für eine augen-
scheinlich zu Tetraonyx gehörige Art eine neue Gattung Jodema,
bringt eine Bolitopliagen - Galtung zu den Colydiern, schreibt einer
merkwürdigen Lanipyriden- Gattung Dioptoma einfach keulenförmige
Fühler zu, während dieselben sehr scharf gesagt sind u. s. w. —
Einige dieser Irrthümer hat Verf. später selbst eingesehen und in
derselben Zeitschrift I. p. 302 als „Entomological Notes" berichtigt.
Aube, Description de six especes nouvelles de Co-
leopteres d'Europe, dont deux appartenant ä deux genres
nouveaux et aveugles (Annales sog. entomol. 4. ser. I. p. 195
— 199). Die neuen augenlosen Gattungen gehören den Cur-
culionen und Colydiern an; von den übrigen Arten ist
besonders eine neue der Gattung Anillus zu erwähnen.
Fairmaire, Miscellanea entomologica, 4. partie (An-
nales soc. entomol. 4. ser. I. p. 577 — 596). Beschreibungen
von 47 theils neuen, theils weniger bekannten Süd-Euro-
päischen Coleopteren verschiedener Familien. Bei einigen
Gattungen giebt Verf. gleichzeitig eine Uebersicht über die
bereits bekannten einheimischen Arten.
L. Reiche, Especes nouvelles de Coleopteres appar-
tenant ä la faune circa-mediterraneenne (ebenda 4. ser. I.
p. 361 — 374). Es werden 23 neue Arten verschiedener
Familien, zumTheil aus dem Süden Europa's, die Mehrzahl
von der Nordküste Afrika's beschrieben.
Derselbe, Coleopteres nouveaux recueillis en Corse
par M. Bellier de la Chavignerie (Annales soc. en-
tomol. 4. ser. I. p.201 — 210). Beschreibung von 16 neuen
Corsikanischen Arten aus verschiedenen Familien.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 331
Derselbe, Sur quelques especes de Coleopteres du
nord de l'Afrique (ebenda, 4. ser. I. p. 87 — 92). Beschrei-
bung von acht neuen Algerischen Arten.
Chevrolat, Description de Coleopteres nouveaux
d'Algerie (Revue et Magas. de Zoologie XIII. p. 118, 147, 205,
264 u. 306 ff'.) lieferte eine Fortsetzung der schon in den letzten
Jahresberichten erwähnten Beschreibungen neuer Coleopteren
aus Algier, von denen er die erste Centurie mit 30 ferneren
Arten beschliesst. Am Schlüsse wird ein systematisches
Namensverzeichniss der beschriebenen Arten mit Hinvi^eis
auf die verschiedenen Jahrgänge der Revue geliefert.
v. K iesenwettter (Berl. Entom. Zeitschr. V. p. 360
— ^395) beschrieb eine entomologische Exkursion in das
Wallis und nach dem Monte Rosa im Sommer 1861. Dem
vieles Interessante enthaltenden Berichte über die von ihm
unternommene Exkursion und das die Lokalität charak-
terisirende Insektenleben (neben Coleopteren werden be-
sonders Lepidopteren mehrfach erwähnt) lässt Verf. eine
systematische Aufzählung der von ihm beobachteten und
gesammelten Käfer folgen, welche er in verschiedener Be-
ziehung näher erörtert und unter denen er die neuen Arten
beschreibt.
Derselbe (ebenda V. p. 221 — 252) setzte seinen Bei-
trag zur Käferfauna Griechenlands mit den Heteromeren-
Familien (Melasoma, Cistelina, Lagriariae, Pedilidae, Anthi-
cidae , Mordellina, Vesicantia und Oedemeridae), deren in
Griechenland vorkommende Arten, wie bisher, aufgezählt
und zum Theil näher erörtert werden, fort. Die Zahl der
neu beschriebenen Arten ist hier nur gering; sie beträgt
für alle genannte Familien zusammen zehn.
Sti erlin, „Beitrag zur Inseklenfauna von Epirus"
(Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 216 — 226) gab ein ziemlich
ausgedehntes Verzeichniss von Käfern (und einigen Hemi-
pteren), welche bei Janina, Prevesa und auf den Jonischen
Inseln gesammelt wurden. Die darunter befindlichen neuen
(1 Elateride, 3 Curculionen-) Arten werden beschrieben.
L. Miller beschrieb „Neue Käfer aus Ki n der-
ma nn's Vorräthen" (Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 169 — 182
332 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
und p. 201 — 209. Taf, 4 u. 5) ; es sind im Ganzen 31 Arten,
"welche den Familien der Melasomen, Meloiden und Curcu-
lionen angehören und welche aus Syrien und den angrän-
zenden Ländern stammen.
L.Reiche, Species novae Coleopterorum descripta (!),
quae in Syria invenit Dom. Kindermann. (Wien. Ent.
Monatsschr. V. p. 1 — 8.) Beschreibung von zwölf neuen
Arten verschiedener Familien.
F. Morawitz, „Einige für die Russisch-Europäische
Fauna neue Käfer" (Bullet, d. natural, de Moscou 1861. L
p. 284—294). Beschreibung von 13 bei Sarepta durch
Becker aufgefundenen neuen Arten ; dieselbe dient gleich-
sam als Anhang von:
A. Becker's Verzeichniss der um Sarepta vorkom-
menden Käfer (ebenda 1861. L p. 305 — 330), in welchem
900 in der Sareptaner Umgegend von ihm gesammelte und
durch Morawitz bestimmte Coleopteren aufgezählt wer-
den; 300 fernere Arten aus derselben Gegend konnten
nicht näher determinirt werden.
V. Wollaston hat seine frühere Mitlheilung über
die Käfer der Cap-Verdischen Inseln (vergl. Jahresbericht
f. 1857. p. 60 f.) durch eine denselben Gegenstand betref-
fende zweite Abhandlung „On certain Coleoptera from the
Island of St. Vincent« (Annais of nat. bist. 3. ser. VII. p. 90.
197 u. 246 ff.) , in welcher er im Ganzen 32 von dorther
stammende Arten aufzählt und beschreibt , vervollständigt.
Es sind daselbst die verschiedensten Familien, meist aber
nur durch vereinzelte Arten vertreten, reichhaltiger sind
nur die Familien der Carabiden (9 A.) und der Melasomen
(IIA.) repräsentirt ; unter letzteren werden mehrere neue
Gattungen errichtet.
Die früher vom Verf. als Cicindela littoralis (nach Schauni's
Bestimmung) aufgeführte Art wird jetzt als Cic, Hesperidum n. sp.
beschrieben und als zweite ArtCic. vicinaüej. als auf den Cap Verdi-
schen Inseln einheimisch erwähnt; zur Gruppe der Carabici kommen
als neu hinzu: 1 Dromius n. sp., Platytarus Faminii Dej., Calosoma
Senegalense Dej., imbricatum Klug und Maderae Fab., Chlaenius
Boisduvalii Dej. — Die Dyticideu sind durch Ir-Eunectes n. sp., die
Cleriden durch Necrobia rufipes Thunb., die Curculionen durch Cleo-
l
im Gebiete der Entomologie wahrend des Jahres 1861. 333
nus mucidus Germ., 1 Rhinocyllus n. sp. und eine neue Anthribide»-
Gattung und Art, die Coccinellinen durch Coccinella septempunctata
Lin. , die Melasomen durch Oxycara hegeteroides und pedinoides
Erichs, und fünf neue Gattungen mit je einer Art, die Vesicantien
durch 1 Cantharis n. sp. und die Oedemeriden durch 1 Ditylus n. sp.
bereichert worden. Den früher als Monocrepidius ? GrayiWoll. auf-
geführten Elateriden identificirt Verf. jetzt mit Heteroderes grisescens
Germ. ; bei den neuen Melasomen-Gatlungen beschreibt er anhangs-
weise einige neue Arten von den Canarischen Inseln und aus Ae-
gypten.
Derselbe, „On certain Coleopterous Insects froin
the Island of Asceiision (Annais of nat. bist. 3. ser. VII.
p. 299 — 306) zählte elf auf der Insel Ascension von Be-
wicke gesammelte Coleopteren auf. Die Armuth an Ar-
ten entspricht dem fast gänzlichen Mangel an Vegetation
auf der Insel; von den elf aufgeführten sind sieben als
weit verbreitete sehr wahrscheinlich und die übrigen viel-
leicht gleichfalls dorthin importirt worden.
Diese Arten sind : Dermestes cadaverinus Fab., Attagenus glo-
riosae Fab., Oxyomus Heinekeni Woll., Necrobia rufipes Thunb.,
Xyletinns n. sp. , Cryphalus aspericollis Woll., Pentarthrum cylindri-
cum Woll., Gnathocerus cornulus Fab., Alphitobius diaperinus Kug.
und mauritanicus Fab. und Philonthus scybalarius Nordm.
Derselbe, „On additions to the Madeiran Coleoptera"
(ebenda, 3. ser. VIII. p. 99 — 111) verzeichnete sechs fer-
nere auf Madeira aufgefundene Coleopteren, unter denen
vier neu und eine (aus der Familie der Corylophiden) zu
einer neuen Gattung erhoben wird. Die Gesammtzahl der
Madeirenser Coleopteren beträgt gegenwärtig 640 Arten.
In einem Anhange giebt der Verf. synonymische Bemer-
kungen und Berichtigungen für einige bereits beschriebene
Arten.
Die neu hinzugefügten Arten sind : Eunectes n. sp., Ptinella
aptera Gillm., Monotoma longicollis Gyll., Micros t ag etus parvulus
nov. gen. et spec, Zonitis n. sp. und Leptacinus parumpunetatus Gyll.
Derselbe, „On certain Coleoptera from St. Helena'«
(Journal of Entomol. I. p. 207— 216) zählte 14 von Bewi-
cke während eines Aufenthaltes von einigen Stunden im
Juli auf St. Helena gesammelte Coleopteren auf und be-
schrieb die darunter befindlichen neuen Arten. Die von
334 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
-anderen Autoren bereits von der Insel bekannt gemachten
Arten sind dabei übergangen.
Die vom Verf. anfgeführten Arten sind: Calosoma n. sp.^ Pri-
stonychus complanatus Dej., Heteronyclius arator Fab., Microxylobius
lacertosiiö , lucifugus, terebrans, Chevrolatii und conicollis Woll.,
JN esiot es nov. gen. Curculionum mit 1 neuen Art, Notioxenus
nov. gen. Anthribidarum mit 2 neuen Arten, Longitarsus n. sp., Coc-
cinella (Cydonia) lunata Fab., Opatrum n. sp.
Derselbe, „On certain Coieopterous Insects froni
the Cape of Good Hope" (ebenda I. p. 133—146. pl. XI)
beschrieb elf Arten vom Cap der guten Hoffnung, ver-
schiedenen Familien angehörig und zum Theil zu neuen
Gattungen erhoben.
Boheman, Coleoptera samlade af J. A. Wahlberg
i Syd-Vestra Afrika (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. 1860.
p.3— 22 und p. 107—120). Verf. giebt als Supplement zu
seinen Insecta Caffrariae eine Aufzählung der von Wahl-
berg im Damara-Lande, am Kuisip, Svakop, Nogali und
am N'Gami-See gesammelten Coleopteren mit diagnostischen
Beschreibunoren der darunter befindlichen neuen Arten.
Die 198 verzeichneten Arten gehören den Familien der Ca-
rabiden, Dyticiden, Palpicornien , Staphylinen , Silphiden,
Buprestiden und Lamellicornien an.
Le Conte, Notes on the Coieopterous Fauna ofLower
California (Proceed. acad. nat. scienc. of Philadelphia 1861.
p. 335 — 338). — Dem Verf. ist eine Sammlung von über
500 Coleopteren-Arten aus Nieder-Californien in Aussicht
gestellt, welche er später einer ausführlicheren Arbeit zu
Grunde zu legen denkt. Eine vorläufige kleinere Sendung von
114 Arten veranlasst ihn, zuvörderst nur einige ausgezeich-
netere neue Arten (11 an Zahl) zu publiciren und einen Ver-
gleich der Fauna jener Gegend mit derjenigen von Ober-
Californien (7 Arten gemeinsam), Arizona (10 Arten) und
Texas und Ncu-Mexiko (20 Arten) anzustellen. Das Vor-
wiegen der Melasomen an Gattungen sowohl als Arten fällt
in Nieder-Californien weg; am auffallendsten ist das Vor-
kommen einer allerdings kleinen Art der Gattung Mega-
soma Kirby.
Derselbe, ^New species of Coleoptera inhabiting
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 335
the Pacific district of the United States" (ebenda p. 338—
359) machte eine grössere Anzahl neuer oder ungenügend
bekannter Arten (im Ganzen 108) aus den nördlichen Ge-
genden der Vereinigten Staaten durch Diagnosen bekannt.
W. Beadie, List of Coleopterous Insects collected in
the county of Lincoln (Canadian naturalist and geologist VL
p. 383—387). Ein Namens-Verzeichniss von 172 bei Lin-
coln in Canada gesammelten Käfern, welche durch L e C o n t e
bestimmt worden sind.
Hörn machte Mittheilungen über die Lebensweise der
ersten Stände verschiedener Nord -Amerikanischer Käfer
(^Notes on the habits of some Coleopterous larvae and pu-
pae'S Proceedings entomol. soc. of Philadelpia 1861. p. 28
u. 43 ff.), indem er sich die nähere Beschreibung der Larven
noch vorbehält. Die Lebensweise derselben ist nach den
Angaben des Verf.'s mit derjenigen ihrer nächsten Euro-
päischen Verwandten übereinstimmend.
Die behandelten Arten sind: Derniestes lardarius, Anthreuus de-
structor (in Amerika den Insektensammlungen schädlich), Ptilodactyla
elaterina (Larve im Holz), Sinoxylon basilare, Anobium paniceum,
Clytus eryfhrocephalus, Arhopalus pictiis, Rhagium lineatum, Leptura
nitens, Callidium variabile und varium, Synchroa punctata, Centrono-
pus calcaratus und anthracinus, Fornax badius, Orlhostethus infuscatus,
Parandra brunnea, Goes pulverulenta und Doryphoratrimaculata (Larve
an den Blättern von Asclepias phytolaccoides).
Fairmaire und Germain setzten ihre „Revision
des Coleopteres du Chili" in den Annales d. 1. soc. ento-
mol. 4. ser. L p. 105 — 108 mit einem Nachtrage zu den be-
reits bearbeiteten Cerambyciden und p. 405 — 456 mit der
Aufzählung und Beschreibung der Chilenischen Staphyli-
nen fort.
Monlrouzier, Essai sur la faune entomologique de
la Nouvelle-Caledonie (Balade) et les iles des Pins, Art,
Lifu etc. Coleopteres. (Annales soc. entomol. 4. ser. L
p. 265— 306.) Verf. setzt seine bereits im letzten Jahres-
berichte erwähnte Coleopteren-Fauna von Neu-Caledonien
und den benachbarten Inseln mit der Beschreibung von
63 ferneren Arten, hauptsächlich den Tetrameren und Tri-
meren, ausserdem auch den Familien der Xylophilen, Co-
336 Ge IS ta e ck c r: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
lydier, Cucujiden u. s. w. angehörig, fort. Die Beschrei-
bungen leiden auch hier wieder zum grösseren Theile an
den bereits hervorgehobenen Mängeln; die Cerambyciden
sind von Thomson und Chevrolat revidirt w^orden.
Einen Beitrag zur Kenntniss der Coleopteren-Fauna des
sudlichen Neu-Holland (Colonie Victoria) lieferte Blessig
in den Horae societ. entomol. Bossicae I. p. 87 — 115. Taf. 3
und 4. durch Beschreibung und Abbildung der von ihm
daselbst gesammelten Heteromeren aus den Familien der
Melasomen, Cistelinen, Lagriarien, Mordellinen und Meloi-
den; im Ganzen 28 Arten.
Motsc hu Isky , Essai d'un catalogue des Insectes
de l'ile Ceylan, 1. livralson. (Bullet, d. natural. deMoscou
1861. I. p. 95—155. Taf. 9.) Verf. beabsichtigt, ein Ver-
zeichniss der auf Ceylon einheimischen Insekten mit Be-
schreibung der neuen (von Nietner gesammelten) Arten
zusammenzustellen und beginnt hier zunächst mit der Ord-
nung der Coleopteren, unter denen eine grosse Anzahl von
Arten als neu beschrieben wird. Das Verzeichniss der be-
kannten Arten ist eine (nicht einmal vollständige) Compi-
lation, die der Kritik entbehrt.
Unter den Carabiden wird z. ß. auf p. 107 die Gattung Hetero-
glossa mit drei Arten aufgeführt, welche mit der auf p. 103 stehen-
den Gattung Planetes M. Leay identisch ist; von den auf p. 103
verzeichneten Helluoniden-Gattungen wird Creagris Nietn., welche
mit Acanthogenius identisch ist und also zu derselben Gruppe gehört,
durch Harpaliden, Morioniden, Lebiiden u. s. w. getrennt. Gattungen
wie Calodronius (= Bradybaenus), Symphyus (= Rembus) sind ohne
Zurückführung auf ihre ältere Kamen aufgeführt u. s. w.
M Ulsan t und Key (Opuscules entomol. XII. p. 120
— 192) bereicherten die Französische Käferfauna um zahl-
reiche neue Arten aus verschiedenen Familien, welche der
Mehrzahl nach aus dem Süden des Landes stammen. (Aus-
serdem reproducirt dieser Band der Opuscules die Beschrei-
bungen einer Beihe von Arten, welche schon in den Annales
d. 1. SOG. Linneenne de Lyon 1860 publicirt und bereits
in den vorigen Jahresbericht aufgenommen worden sind.)
Gautier des Gottes, Description de cinq nouvelles
especes de Coleopteres propres ä la faune Frangaise (An-
im Gebiete der Entomologie wälirend des Jahres lS61. 837
Tiales d. 1. soc. entomol. 4. jSer. I. p. 97 — 100) und : Des-
cription de Coleopteres nouveaux propres ä la faiine Fran-
gaise (ebenda p. 193 ff.). Im Ganzen werden acht Arten als
neu beschrieben.
Brisout de Barneville, Especes nouvelles de
Coleopteres Frangais (Annales d. 1. soc. entomol. 4. ser. I.
p. 597 — 606). Beschreibung- von zwölf neuen Arten ver-
schiedener Familien.
de Bonvouloir, Description d'un genre nouveau
et de deux especes nouvelles de Coleopteres de France
(Annales soc. entom. 4. ser. I. p. 567 — 571. pl. 16). Die
beschriebenen neuen Arten gehören den Carabiden und
Curculionen an.
G. Le Grand, Liste des Coleopteres du departement
de l'Aube. Troyes 1861. 8. (ist im Bulletin d. 1. soc. ento-
mol. 1861. p. 56 angezeigt).
. Fouquet, Catalogue des Coleopteres du Morbihan
(Annales d. 1. soc. Linneenne du depart. de Maine-et-Loire
IV. p. 114 — 116). Verf. liefert eine Fortsetzung des im
vorigen Jahresberichte p. 67 angezeigten Verzeichnisses;
dieselbe besteht in der Aufzählung von 91 Arten Lamel-
licornien (aus 25 Gattungen) und von 41 Longicornien (aus
24 Gattungen).
Janson (Entomol. Annual for 1861. p. 59 — 81) ver-
zeichnete 36 während des J. 1860 in England neu aufge-
fundene Coleopteren unter Angaben über Vorkommen und
Fundorte; dieselben gehören der Mehrzahl nach zu den
auf dem Festlande Europa's weiter verbreiteten Arten.
Von C. G. Thomson's „Skandinaviens Coleoptera,
synopliskt bearbetade" ist im J. 1861 der dritte Theil er-
schienen, welcher den Schluss der Familie der Staphylinen
und ausserdem die Pselaphiden und Clavigerinen enthält.
Kampmann, Catalogus Coleopterorum vallis Rhe-
nanae Alsatico-Badensis, Kolmar 1860. Ein Verzeichniss,
welches nach Fisch er (Entom. Zeitung XXII. p. 452) ohne
wissenschaftlichen Werth und sehr dürftig ist. Als auf
dem Badensischen Rheinufer vorkommend sind nur 220 Ar-
ten aufgeführt.
Arohiv f. Naturg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd. W
338 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Wahnschaffe, „lieber einige salzhaltige Lokalitä-
ten und das Vorkommen von Salzkäfern" (Berl. Entomol.
Zeitschr. V. p. 185 f.) erwähnt dreier bis jetzt nicht be-
kannter Salzstellen im Braunschweigischen und Magdebur-
gischen und zählt die an denselben von ihm gesammelten
Coleopteren (16 und 11 Arten) namentlich auf.
Einige (sechs) neue Käfer aus Croatien und Sieben-
bürgen beschrieb C 1. H a m p e (Wien. Ent. Monatsschr. V.
p. 65—69).
V. Trentinaglia (Zeitschr. d. Ferdinandeum's in
Innsbruck, 3. Folge, 9. Heft) erörterte die von ihm in der
Umgebung Innsbrucks beobachteten Coleopteren in Bezug
auf ihre vertikale Verbreitung, welche nach den vom Verf.
gegebenen Daten dieselbe wie in den Deutschen Alpen
überhaupt ist. Die 925 aufgeführten Arten gehören 220
Gattungen an; die Zahl der Gebirgsarten verhält sich zu
derjenigen der Arten aus der Ebene wie 1 : 3^2-
Türk, „Zur Fauna Austriaca" (Wien. Entomol. Wonatsschr. V.
p. 29 f.) notirte llomalota spelaea Er., Microrhagus alticollis Villa,
Opiius pallidus Oliv, und Lixus cylindricus Fab, als Oesterreichi-
sche Käfer.
Lentz, Erster Nachtrag zum neuen Verzeichniss der
Preussischen Käfer (Schriften d. physikal. -Ökonom. Gesell-
schaft zu Königsberg I. p. 139 — 146). Seit der Herausgabe
seines ersten Verzeichnisses Preussischer Käfer im J. 1857
hat der Verf. 66 fernere Arten, als in der Provinz vor-
kommend, kennen gelernt, welche er hier speziell namhaft
macht. Mit Einschluss dieser und nach Abzug von 5 frü-
her erwähnten Arten, die jetzt eingezogen werden, stellt
sich die Gesammtzahl der Preussischen Käfer auf 2725.
Glasen, Uebersicht der Käfer Meklenburgs, zweiter
Nachtrag. (Archiv d. Ver. d. Freunde der Naturgesch. in
MeklenburgXV. p. 151—196.) — Dieser zweite Nachtrag
enthält abermals eine Aufzählung von 541 neuerdings vom
Verf. aufgefundener Arten, mit deren Einschluss sich die
Arienzahl der Meklenburger Käfer auf 2604 beläuft. Ein
beigefügtes Galtungsregister weist auf die verschiedenen
Bände des Archivs, in welchen das Verzeichniss enthalten
ist, hin.
im Gebiete der Entomologie Während des Jahres 1861. 339
Synonymische Mitlheilungen über neue Europäische
und Nord - Afrikanische Käfer machte Reiche (Annales
soc. enlom. 4. ser. I. p. 211 f.); gleiche Bemerkungen über
Käfer aus verschiedenen Familien stellten Schaum und
Kraatz (Berl. Entom. Zeitschr. V. p. 199—220 und p. 406)
zusammen.
Als ein nützliches bibliographisches Unternehmen ist
anzuführen: A. Strauch, Catalogue syslematique de tous
les Coleopteres decrits dans les Aunales de la societe en-
tomologique de France depuis 1832 jusqu'ä 1859. (Halle
1861. 8. 160 pag.) Das Verzeichniss ist systematisch nach
Familien und Gattungen angelegt, die Reihenfolge der Ar-
ten unter letzteren alphabetisch. Das Auffinden der Gat-
tungen vermittelt ein am Schlüsse folgender alphabetischer
Index. Für die übrigen Insekten-Ordnungen wäre ein glei-
cher Index wünschenswerth.
GäräbidäG. de Chaudoir, Descriptions de quelques especes
nouvelles d'Europe et de Syrie appartenant aux familles des Cicinde-
letes et des Carabiques (Bullet, d. 1. soc. des natural, de Moscou 1861.
I. p. 1—13).
Cicindelidae. — Schaum (Eine Decade neuer Cicindeli-
den aus dem ti'opischen Asien, Berl. Ent. Zeitschr. V. p. 68 — 80) be-
schrieb Cicindela pafricia n. A. (aus der Gruppe Euryoda Lacord.)
von Menado auf Celebes, calligramma aus Pondichery, gloriosa und
eustalacta von Menado, Diana Thoms. var. Latonia und marginepun-
ctata Dej. var. multinotata ebendaher, stenudera und theratoides n. A.
von Menado, Dromica Westermanni von Madras, Tricondyla rhaphi"
dioides (Mus. Berol.) von Ceylon (fällt mit der im vorig. Jahresbe-
richte erwähnten Derocrania laevigata Chaud. zusammen). Von Tri-
condyla giebt Verf., ohne noch die neueste Arbeit von Chaudoir
zu kennen, eine synonymische Aufzählung der zwölf bekannten Arten,
ferner synonymische Bemerkungen über einige Colliuris-Arten und
Kachträge zum Artenverzeichniss der Galtung Cicindela; die von ihm
und Thomson gleichzeitig beschriebenen Therates - Arten führt er
auf einander zurück.
Boheman (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. 1860. p. 4 ff.)
beschrieb Eiirymorpha Bohemani (Chevrol. i. lit.) als n. A. vom Kuisip
(ist von E. cyanipes Hope wohl nur durch bedeutendere Grösse un-
terschieden), Cicindela compressicornis und tereticollis vom K'Gami-
See, pudibunda und tanlilla vom Swakop und Cosmema lateralis vom
W'Gami-See.
340 fie rst a e ck er : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Chaudoir (Bullet, de Moscoii 1861. I. p. 1) beschrieb Cicin-
dela Jateti n. Art aus Syrien, die kleinste Art aus der Gruppe der
C. hybrida, nur 10 Mill. lang, (ebenda II. p. 357 IF.) Therates cyaneus
n. A. von Celebes, Tricondyla gibba von Cambodja und schloss daran
Bemerkungen über die Unterschiede verschiedener Arten der Gattung
Tricondyla.
Derselbe, Descriplion de nouvelles especes des genres Tri-
condyla et Therates (Annales soc. enlom. 4. ser. I. p. 139 f.) machte
Tricondyla variicornis n. A. von Ceram, punctulata von Menado auf
Celebes, Therates bide?itatus von Ceram und Dejeanii von Java und
Borneo bekannt.
Derselbe (Berl. Ent. Zeitschr. V. p. 399) bemerkt, dass die
Weibchen der Collyris albitarsis Er. nicht, wie Schaum glaubt, stets
dunkele, sondern zuweilen auch weisse Hintertaisen haben. — Col-
lyris dolens beschreibt der Verf. als n. A. von Borneo.
Einzelne neue Arten sind ferner : Cicindela montayia Le Conte
(Proceed. acad. Philadelphia 1861. p. 338) von den Rocky-Mountains,
Cicindela Hesferidum WoW^sion (Annais of nat. bist, 3. ser. YII. p. 92)
und Cicindela lactescripta Motschulsky (v. S ehren ck's Reisen im
Amurlande II. p. 88) vom Amur.
Ueber zwei Varietäten der Cicindela trisignata und hybrida
machte Fairmaire (Annal. soc. entom. 4. ser. I. p. 577) iAlittheilun-
gen ; die der erstem Art ist 11 Mill. lang, auf den Flügeldecken tief
azurblau, in Südfrankreich gefunden.
Costa (Fauna del regno di Napoli, Coleotteri pt. 2) führt fol-
gende Arten als in Neapel einheimisch auf: Cicindela campestris Lin.,
hybrida Fab., trisignata Dej., literata Sulz., littoralis Fab. und ger-
manica Lin.; ausserdem als Sicilianische Arten: Cic. nielancholica
Fab. und maura Fab. Drei Arten sind auf Taf. 25 abgebildet.
Cresson, Catalogue of Ihe Cicindclidae of North- America (Pro-
ceed. entomol. soc. of Philadelphia 1861. p. 7—20). — Verf. stellt
ein synonymisches Verzeichniss der Kord-Amerikanischen (mit Ein-
schluss von Mexiko und VVestindien) Cicindelen zusammen: 1 Ambly-
chila, 3 Omus, 8 Tetracha, 1 Iresia und 105 Cicindela. Neue Arten
sind nicht beschrieben; die Synonymie und Nomenklatur ist von
L e Co n le entlehnt.
Carabici. — v. Chaudoir (Bullet, d. natural, de Moscou
1861. I. p. 491 — 576) setzte seine im vorigen Jahre begonnenen „Ma-
teriaux pour servir ä Tetude des Cicindeletes et des Carabiques" mit
ergänzenden und berichtigenden Bemerkungen über einige Gruppen
der Carabici, die er in ihrem Umfange bestimmter abgränzt, deren
Gattungen er zum Theil von Neuem und spezieller charakterisirt und
deren Kenntniss er durch Bekanntmachung neuer Arten erweitert,
im Gebiete der Entomologie wahrend des Jahres 1861. 341
fort. Die erste Reihe der Caraben, durch die „mesosterni epimera
coxis intermediis annixa" charakterisirt, zerfällt er in 15 Gruppen,
deren Charaktere er in einer analytischen Tabelle auseinander-
setzt: a) mit ungestieltem Prolhorax : Omophronidae, Trachypachidae,
Notiophilidae, Cychridae, Carabidae, Pamboridae, Hiletidae, Lorice-
ridae, Mormolycidae, Elaphridae und Migadopidae. b) mit gestieltem
Prothorax: Scaritidae, Ozaenidae, Promecognathidae. — Unter diesen
Gruppen werden folgende vom Verf. spezieller erörtert: 1) Cychri-
dae, durch die vor der Spitze erweiterten Mandibeln mit hakenför-
miger Spitze und gewimpertem Innenrande, die zweispitzige Ober-
lippe, die stark löffeiförmig erweiterte innere Maxillarlade , die
borstenförmigen Fühler und die sehr breiten Epipleuren charakteri-
sirt. Dazu nur zwei Gattungen : Cychrus (Scaphinotus Latr.) und
Sphaeroderus. Neue Arten : Cychrus Germari aus Tennessee, Sphae-
roderus granulosus von der Hudsons-Bay , Canadensis aus Canada,
Schawnii aus Ohio, letzterer dem gleichfalls näher charakterisirten
Sphaer. nilidicollis Chevr. zunächst verwandt. — 2) Carabidae, zer-
theilt in: a) Carabini mit einfachem oder fast fehlendem Kinnzahne
und b) Nebriini mit doppeltem Kinnzahne. Zu den Carabini kommt
die irrig den Cychriden beigesellte Gattung Damaster Koll., welche
sich ganz eng an Coptolabrus anschliesst; mit Carabus werden Ma-
crothorax Chenu und Cratocephalus Kirsch (Crat. soiigaricus Kirsch
= Carab. cicatricosus Fisch.), ausserdem auch Procrustes Bon. ver-
einigt, ebenso Callisthenes mit Calosoma. Zu den Nebriini rechnet
Verf. ausser Leistus, Pelophila und Nebria auch die Gattung Opisthius
Kirby, deren Charaktere er näher erörtert. — 3) Hiletidae. Den bei-
den bekannten Arten der einzigen Galtung Hiletus Schiödte (Cama-
ragnathus Guer.) fügt Verf. zwei neue: HU. oxygonus von Port Natal
und Batesii vom Amazonenstrome hinzu. — 4) Migadopidae, folgen-
dermassen festgestellt: „Vorderhüften hinten eingeschlossen, Meso-
sternum nicht keilförmig, Fühler weder gebrochen, noch in eine
Grube einschlagbar, Lignla an der Spitze nicht frei mit verwachse-
nen Paraglossen, Vorderschienen innen schräg ausgerandet". Dazu ge-
hören acht Gattungen, welche Verf. sämmtlich von Neuem in ihren
Charakteren feststellt: Metrius Esch., Brachycaelus Chaud., Loxomerus
Chaud., Monolobus Sol., Lissopterus Waterh., An t arct onomus nov.
gen. Prosternum hinten nicht hervortretend, viertes Tarsenglied nicht
gelappt, Kinnzahn einfach, scharf, hervortretend, an den Fühlern
die drei ersten Glieder und die Hälfte des vierten glatt. — Art: A.
Peronii von der Magellan- Strasse. — Migadops Waterh. und Rkyti~
dognathus nov. gen., auf Nebria ovalis Dej. begründet, von Lisso-
pterus und Migadops durch zweispitzigen Kinnzahn unterschieden.
-—'5) Elaphridae. — Neue Art: Blethisa acutangtila vom Oregon.
Aus der zweiten Reihe der Caraben mit „mesosterni episterna (?)
342 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
coxis haud annixa" behandelt der Verf. folgende Gruppen: 6) Bro-
scidae. . INeue Arten: Miscodera Hardyi von IS'eu-Fundland, Baripus
Bonvouloirii aus Chile, Odonloscelis coerulescens aus Bolivia. — 7)
Rhagocrepidae. Neue Arten : Leptolrachehds platyderus aus Colum-
bien, Ctenodactyla Batesii vom Amazonenstrome, Hexagonia brunnea
aus HindostaU) Trigonodaclyla Immaculata , praeusta und Natalensis
von Port Katal. — 8) Dryptini. Neue Arten : Calophaena aculeata
und Balesii von Ega, vnifasciata aus Columbien, lalecincta und rft-
slincta von Ega, cordicollis und angusticollis von Espirito-Santo in
Brasilien, apicalis, xanthacra, denlalo - fasrAatüy ple^rostigma und
apiceguttala von Ega, Gerstaecheri (Vaterl. nicht angegeben), Den-
drocellus smaragdinus von Melbourne , Drypla costigera von Ega
(die erste Art aus Amerika!), melanarthra von Port Natal, parum-
punctata aus Madagascar und crassuiscula aus Flindostan, Galerita
coeruleipennis aus IVord - Brasilien, Beauvoisii von den Antillen?,
rußceps aus Nord - Hindostan, nigripennis aus dem Decan , Indica
aus Nord - Hiodostan , nigrocyanea' von Sierra Leone. (Von Calo-
phaena werden im Ganzen 20 Arten, von Dendrocellus 6, von
Drypta 17 und von Galerita 27 Arten aufgeführt und in ihrer Syno-
nymie und ihren Varietäten erörtert.) — d) Anthiadae. Anthia mit
29 Arten, darunter neu: Ä. limhipennis von Mossambique, lomentosa
aus Kordofan, Indica aus Ostindien (bisher mit A. sexguttata Oliv,
vermengt), Andersotiii vom IS'Gami-See. — Baeoglossa 2 A., Cyclo-
loba 3 A., Polyrhima 23 A., darunter neu: Pol. (Cypholoba) Plantii
von der Delagoa-Bay, (Polyrhima) semilaevis ebendaher, circumcincta
vom NGami-See, scutellaris von der Delagoa-Bay und dem N'Gami-
See, (Microlestia) crihricollis aus Benguela.
Derselbe (ebenda L p. 3 ff.) machte folgende Europäische
und Syrische Arten bekannt: Cychrus meridionalis aus Sicilien, Lci-
stus oopferus aus dem Spanischen Galizien, Siagona Kindermunni aus
Syrien oder Nieder-Aegypten, Coscinia Scmelederi von Bagdad, Zw-
phium syriacum und Licinus cordatus aus Syrien, Stomis elegans
aus den Piemontesischen Alpen, Feronia transsyhanica von Sieben-
bürgen, Pristonychus macropus aus der Lombardei, obtusus aus den
Piemontesischen Alpen und reßexus aus Syrien.
Derselbe, „Revision des especes qui rentrent dans l'ancien
genr^ Panagaeus" (ebenda IL p. 335—357) gab ein synonyniisches
Verzeichniss der ihm bekannten Panagaeiden-Gattungen nebst Beschrei-
bung mehrerer neuer Arten: 1) Epicosmus Chaud. (Isotarsus Laf.)
60 A. , darunter neu: Epicosmus Bonvouloirii aus dem tropischen
Afrika?, pubiger aus Ostindien, hexagonus ebendaher, ruficrus (Laf*
i. lit.) vom Gabon, complus (Laf.) von der Moreton- Bay , oxygonus
vom Gabon, hilaris (Laf. et fem. rufipalpis Laf.), atureus Vaterland
nicht angegeben. Von bekannten Arten ist Pau. siauatocollis Laf. ==
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 343
Ep. tetrastigma Chaud., amplicollis Schaum = pretiosus Chaud.,^
marginicollis Schaum = tenuipiinclatus Laf. ; der Name von Ep. exi-
mius Sommer als bereits vergeben wird in Ep. Sommeri umgeän-
dert. 2) Panagaeus Latr. 8 A., darunter neu : P. Panamensis (Laf.)
vom Isthmus von Panama, Sallei aus Mexiko und Japonicus aus Japan.
3) Peronomerus Schaum 2 A., P. aeratus n. A. aus dem Decan. 4)
Euschizomerus Chaud. 3 A., Eusch. elongatus n. A. von Port Natal.
5) Coptia Brülle 1 A.
Derselbe (Annal. soc. entom. de France 4. ser. I. p. 109 — 138)
lieferte eine „Revision du genre Agra d'apres les especes de sa col-
lection", in welcher er eine Aufzählung und Beschreibung von 75
Arten dieser interessanten Gattung giebt. Unter dem Gattungsnamen
Agridia sondert Verf. zunächst zwei Arten ab, welche sich durch
flachgedrückte, erweiterte Schienen, oberhalb glatte Tarsen mit brei-«
ten, quadratischen Gliedern und sehr kurzen Fussklauen so wie durch
schmale und scharf zugespitzte Seitenlappen des Kinnes und mehr
cylindrische Flügeldecken auszeichnen. Agr. platyscelis und Batesii
n. A. von Ega am Aniazonenstron)e. (Das hiesige Museum besitzt
zwei fernere neue Arten mit gleichen Charakteren von Bahia und
Costa Rica. Ref.) — Die Gattung Agra im engeren Sinne , deren
Arten gewöhnlich gebildete Schienen und Tarsen und die Seitenlap-
pen des Kinnes abgerundet haben, zerfällt Verf. in zwei sehr ungleiche
Gruppen: a) Agrae spuriae: Seitcnlappen des Kinnes länger, schma-
ler und scharf zugerundet. 2 Arten: A. erythropus Dej. und latipes
n. A. von Ega. — b) Agrae ingenuae: Seitenlappen des Kinnes breit
und kurz, an der Spitze breit abgerundet. 71 Arten, nach der Textur
der Flügeldecken, der Form des Kopfes u. s, w. in mehrere Sektionen
gebracht; darunter folgende neu: Agra reflexidens, viridisticta von
Neu-Freiburg, oxyptera von Cayenne, melanogona von Minas Geraes,
ovicollis und hyalina aus Brasilien, Columbiana aus Venezuela, Tar-
nieri von Cayenne, moerens, subaenea, femoralis und tihialis von
Ega, coptoptera vom Rio - INegro , azurea von Neu -Granada, tnoesta
von Ega , Moritzii aus Venezuela, nigriventris von Minas Geraes,
pulchella und aeneipemiis von Ega, crihricollis aus Colurabien, ob-
scura von San Paulo, biseriata, foveigera und elegans von Ega,
cyanea (Oej. Cat.) von Cayenne, subinterrupta von Espirito-Santo,
varians von Ega, punctatostriata aus dem Innern Brasiliens. — Mit
Einschluss von 34 bereits beschriebenen, aber dem Verf. nicht be-
kannt gewordenen Arten stellt sich der Umfang der Gattung gegen-
wärtig auf 116 Arten.
Derselbe, „Beitrag zur Kenntniss einiger Carabicinen-Gat-
tungen" (Berl. Ent. Zeitschr. V. p. 116 — 131) giebt eine üebersicht
von 31 Arten der Gattung Catascopus, die er in synonymischer Hin-
sicht erörtert und von denen folgende als neu beschrieben werden:
344 Gerstaecker: Bericht über die wisseDSchaftlichen Leistungen
C. angulatus (elegans iM. Leay) von Java, oxygonus von Malacca, re-
ductus (Walker?) von Ceylon, aeneipennis aus dem Dekan, brachy-
pterus von Borneo, amoeniis von Dorey auf Keu-Guinea, aculealus
von Celebes. — Den sieben (hier aufgezählten) bekannten Arten der
Gattung Pericalus fügt Verf. zwei neue: Per. tetrastigma \on Borneo
und P. figuratus von Celebes hinzu; eine zehnte wird von Schaum
anhangsweise (p. 124) als P. gratus von Menado auf Celebes charak-
terisirt. — Zur Galtung Miscelus Klug, deren nahe Verwandtschaft
mit Catascopus erörtert wird, kommt als dritte Art: M. Ceylonicus^
von Nietner auf Ceylon entdeckt. — Seine frühere Ansicht, dass
Dercylus zur Oodes- Gruppe gehöre, hält Verf. Schaum gegenüber
aufrecht (wogegen 'Schaum in einer Anhangsnote replicirl) und
beschreibt D. Batesii als n. A. vom Amazonenstrome. — Von Pele-
cium Kirby werden 16 Arten aufgeführt, darunter als neu beschrieben
oder von Neuem charakterisirt : Pel. carinatum Chand., ovipenne n. A.
von Rio-Janeiro, sulcipenne n. A. von Venezuela, nitidum und sutu'
rale n. A. aus Mexiko und laevigatum Guer. ; F. politum Schaum ist
identisch mit F. laeve Chaud. — Eine mit Pelecium nahe verwandte
neue Gattung des Verf.'s ist Dy schiridiu m, vom Habitus der Gat-
tung Dyschirius ; von Pelecium durch tief ausgerandetes, in der Mitte
stumpf gezähntes Kinn, innen zweizähnige Mandibeln, das durch eine
tiefe Furche von den Episternen getrennte Mesosternum, schmalere
Episternen der Hinterbrust, deren beide Furchen hinten zusammen-
fliessen und stark gewölbte Hinterleibsringe, von denen die drei er-
sten an der Basis mit tiefer Querfurche versehen sind, unterschieden.
— Art: Dys. ebeninum von der Delagoa-Bay.'
J. Putzeys, Postscriptum ad Clivinidarum monographiam atque
de quibusdam aliis. Leodii 1861. (8. 78 pag. tab. 2. Separatabdruck
aus den Memoires de la soc. royale des sciences de Liege). — Die
neuen Arten und Gattungen, welche Verf. als Supplement zu seiner
Monographie der Clivinen hier bekannt macht, sind folgende: Catn-
ptodonlus Lacordairei (Dej. Cat.) vom Amazonenstrome, lieichei aus
Columbien, puncticeps vom Araazonenstrome und falcalus Vaterland
unbek. , Stratiotes iractindus von Martinique, lalidejis vom Amazo-
nenstrome, longicollis ebendaher. — Climax nov. gen., mit Stra-
tiotes in der Bildung des Halsschildes und der Flügeldecken, so wie
auch durch die dicken und an der Basis dreieckigen Mandibeln
übereinstimmend; letztere sind jedoch nicht verlängert, sondern kurz.
— Art: Cl. fissilabris vom Amazonenstrome, 14 Mill. -^ Lislro-
pus nov. gen., von den vorhergehenden Gattungen durch breite und
an der Basis abgeflachte Mandibeln unterschieden ; Maxilleu an der
Spitze abgerundet, Kinn halbkreisförmig, in der Mitte ohne Zahn. —
Art: L. brevipennis aus La Plata, 13 Mill. — Scapterus sulcatus n. A.
Kord -Indien. — Bohemannia nov. gen., Mandibeln wie bei Li-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 345
stropus, Maxillen an der Spitze abgerundet; Seitenlappen des Kinnes
abgestutzt, in der Mitte ein Zahn, Ligula sehr schmal; durch letzteren
Charakter von Scapterus unterschieden. Für Clivina gigantea Boh.
aus dem CafFernlande errichtet. — Sy s t eno gna thus nov. gen., mit
Schizogenius durch spitze Älaxillen übereinstimmend; unterschieden
durch die Form des fünften Gliedes der Vordertarsen, welches an der
Spitze breiter als an der Basis ist. Vorletzes Glied der Kiefertaster
länger als das letzte, IHandibeln kurz und dick. — Art: S. porosus
aus Ostindien, 11 Mill. — Scolyptus nov. gen., von der vorher-
gehenden Gattung durch lange, flache und sicheiförmige Mandibeln
unterschieden, für Clivina angustata Dej., curvidens Laf. und Sc.
microphthabnus n. A. aus Central-Afrika errichtet. — Schizogenius
capitalis von Caraccas , apicalis, quinquesulcalus und clyschirioides
vom Aniazonenstrome und exaratus von Keu -Freiburg. — Clivina
Bohemanni (angustata Boh.) aus dem CafFernlande, castanea von Cey-
lon und Neu - Guinea, urophthalma vom Aniazonenstrome, suturalis^
ohlongicollis , planiceps und elegans aus Australien, bicornuta vom
Amazonenstrome, cribricoUis von Siam (?), humeralis von Sumatra
oder Ternate, stricta von Java, anceps aus Ostindien, convexicollis
von Sumatra oder Ternate, atrata aus Keu-HoUand, hilaris^ longipen-
nis, Amazonica und foveilabris vom Aniazonenstrome, Parryi aus
Keu-Guinea, foveicollis aus China, bifoveata vom Amazonenstrome,
Natalensis und Caffra von Port IVatal , obesicollis von Celebes und
mordax aus Ostindien. — Dacca nov, gen., von Clivina durch ver-
breiterte und an der Spitze abgestutzte Ligula, von Dyscliirius durch
lange, gebogene Mandibeln unterschieden. — Art: D. forcipata aus
Ostindien, 7 Mill.
Derselbe (ebenda p. 71 f.) stellte eine neue, mitCalleida ver-
wandte Gattung Inna auf, durch gesägte Seitenränder des fast hexa-
gonalen Halsschildes bemerkenswerth. Seitenlappen des Kinnes spitz,
Ligula hervortretend, gerundet, drittes Glied der Lippentaster sehr
kurz kegelförmig, letztes dreieckig, an den Kiefertastern das zweite
Glied lang, gekeult, das dritte klein, das letzte beilförmig, Oberlippe
hervorgestreckt, länger als breit; Fussklauen gross, einfach, Fühler
fadenförmig, ihr erstes Glied gekeult, so lang wie das dritte, das
zweite klein, dreieckig, die übrigen cylindrisch. — Art: /. punctata
von Aragua, 8^2 Mill.
Schaufuss, Description de Coleopteres nouveaux du genre
Sphodrus Clairv. (Revue et Magas. 'de Zool. XIIL p. 12 — 15) gab
Diagnosen von neun Europäischen Sphodrus - Arten : Sph. Ghilianii,
cavicola, Schreibersii , Schmidtii, dissimilis n. A. aus Sleyermark,
Peleus, obscuratus, Fairmairei und Reichenbachi n. A. aus Spanien.
— Unter dem Titel: „Die Europäischen ungeflügelten Arten der Gat-
tung Sphodrus Dej." (Entoraol. Zeitung XXIL p. 240—258) liefert
346 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Verf. von denselben Arten ausführliche Beschreibungen, zieht aber die
als S|)h. obscuratus bezeichnete Form hier als Yarielüt zu Sph. Peleus.
Den Sphodrus Schniidlii Alill. und Schreibersii Küster hält Verf. als
zwei besondere Arten aufrecht.
de Bonvouloir (Aunales soc. entom. 4. ser. I. p. 567. pl. 16.
flg. 2) machte eine neue Gattung Afhaeno'ps bekannt, welche wie
Anophthalinus augenlos und dieser auch sonst sehr nahe verwandt ist,
sich aber durch längeren Kopf, längere und dünnere Beine, kleineren,
ovalen Prothoiax, den j\langel des Kinnzahnes und besonders durch
die bei beiden Geschlechtern einfachen Voidertarsen, deren vorletz-
tes Glied unten in einen borstentragenden Zipfel verlängert ist, un-
terscheidet. — Art: Aph. Leschetiaulti aus der Grotte von Beda. Verf.
glaubt, dass auch Anophthulmus ciypticola und Pandellei der Gattung
Aphaenops angehören werden.
Bohenian (Üfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. 1860. p. 6 ff.)
beschrieb folgende neue im Innern Südafrikas von Wahlberg
gesammelte Arten: Omophron picluraturn Svakop , Lcbia crucifera
Nolagi , cyanella N'Ganii , Graphipterns amabilis N'Gami , suturalis
Nolagi, bilinealus, oblileratus und marginalus Svakop, Polyrhima bi-
lunata und divisa IS'Gami, opulenta, lugubrina, immerita nnd nigrina
Svakop, Scarites forlipes Svakop, Chlaenius quadrisignatus, limbipen-
nis und morio N'Gami, coeruleipennis Svakop, Harpalus epliippium
N'Garni, grandiceps Nolagi und Jetragonoderus scittilus ohne nähere
Angabe des Fundortes.
x\I o tsch ul s ky (Insectes du Japon, Etud. entom. X. p. 3 ff.)
beschrieb Pheuginus (Haipulus) corporostis, Pseudoophonus cepkalotes,
Cr epid ac t xjla (nov. gen., eine Anchomeniden-Form von der lang-
gestreckten und flachgedrückten Gestalt der Flatynus-Arten, aber mit
unterhalb gezähnelten Fussklauen und beilförmigem Endgliede der
Lippentaster) nitida, 6Y3 Lin. lang, von Pristonychus-Form, als n. A.
aus Japan, — Ferner: Damasler rugipennis (im männlichen Geschlechte
mit drei leicht erweiterten und unterhalb schwammigen Tarsenglie-
dern) n. A. von Khokodady.
Derselbe (v. Schrenc k's Reisen im Amur-Lande IL p. 89 ff.)
machte folgende Sibirische Arten bekannt: Peryphus angusticollis und
dolorosus von den Kurilen, ventricosus, acuticollis und laevistriatus
von Kamtschatka, Ainurensis, Lymnaeum qtiadriimpressum und Metal-
lina planicullis von Kamtschatka, Tatrobus cinctus und fuscipennis
ebendaher, Stenolophus curtulus und elongatus von den Kurilen, jBra-
chinus longicornis und Lyperopherus cancellalus aus Daurien und
dem Amurlande , Pseudocryobius quinquepunctattis , confusus und sub-
gibbus von Kamtschatka und den Kurilen, Sterodcrus? rubripes aus
dem arktischen Sibirien, Ocholicus, Pterostichus Kamlschaticus, Lirus
longicollis aus Kamtschall^a und Daurien, Ämara bipartita vo.n Irkutsk
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 347
und St. Petersburg, Agonothorax cuprescens von Kamtschatka, Tany-
stola? sublruncata von den Kurilen, Leistus rotundicollis von Ochotsk,
ISebria gibbulosa und hjrodera von den Aleuten, Kurilen und Kamt-
schatka, Pelophila anguslicollis von Kamtschatka und Coptolabrus?
Schrenchii vom Anuir.
Motschulsky (Bullet, d. natur. de Moscou 1861. I. p.99ff.)
machte folgende neue Arten und Gattungen von Ceylon bekannt: Ta-
chys cinctipennis, Tetragonoderus notaphioides , T achyno tus (soll
eine neue Gattung aus der Trechus-Gruppe sein) castaneus, Eupala-
mus? (Clivina) fulvaster^ brunnescens, rufipes, cordicollis, Batascelis
Ceylonicus, Apristus subtransparens, Apristomorphus (nov. gen.,
von Apristus durch grösseren Kopf und stärker hervoispringende
Augen, langes und zugespitztes Endglied der Fühler, einfachen Kinn-
zahn u. s. w. unterschieden) sexpunctalus, Fenlagonica marginala^
Cyrtopterus (nov. gen.) qxiadrinotatus und quadriplagiatus (erstere
Art scheint trotz abweichender Angaben in der Gattungscharakteristik
mit Mochtherus tetrasemus Dej., Schmidt- Göbel identisch zu sein,
während die letztere offenbar einer ganz anderen Galtung angehört
lind vom Verf. selbst mit Zweifel als Belonognatha bezeichnet wird).
Reiche (Annales soc. entomol. 4. ser. I. p. 361 ff.) beschrieb
Apristus Prophetti n. A. aus Algier, Masoreus rotundipennis aus Sici-»
lien, Platydertis gregarius aus Kabylien, brevicollis aus Üian, Fero-
nia (Percus) Vandalitiae aus Südspanien, Zabrus laevigatus, Carterus
strigosus und mandibularis aus Algier, Harpalus (Ophoniis) Kabylia-
nus, Harpalus Gatidionis, Bosphoranus und grandicollis aus Conslan-
tinopel. — Anhangsweise werden vom Verf. Harpalus patruelis, fasti-
dituSj contemptus und minutus Dej. gegen Schaum, der sie als
Varietäten mit Harp. oblitus Dej. vereinigt, als eigene Arten aufrecht
erhalten. — Ebenda p. 201 beschreibt Verf. Harpalus ovalis und
Bellieri (Sardeus Dahl, i. 1.) als n. A. aus Corsika.
Le Conte (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1861.
p. 339 ff.) beschrieb Trachypachys Gibbsii, Pterostichus Oregonus, Ani-
sodactylus viridescens, pitychrous, Bembidium quadrulum und dyschi-
rinum als n. A. aus Californien und Fort Colville.
Fairmaire (Annales soc. entomol. 4. ser. I. p. 577 f.) : Pri-
stonychus cyanescens n. A. aus der Grotte von Ariege, Trechus poli"
tus und planiusculus n. A. aus den Pyrenäen.
Miller (Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 255) : Anophthalmus Dal-
matinus und Sphodrus Aeacus n. A. aus Grotten im Karenta-Thale in
Dalmatien.
Einzelne neue Arten sind ferner: Harpalus alacris Chevrolet
(Revue et Magas. de Zool. XIII. p. 207) aus Algier, Selenophorus
Cayennensis Fauvel (Bulletin soc. Linneenne de IVormandie V. p. 301)
aus Cayenne, Dromius subwaculatus Wollaston (Annais of nat. bist.
348 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
3. »er. VII. p. 94) von der Insel St. Vincent, Dainasler Forlunci Adaini
(IVoiice of a new species of Damflster from Japan, Annais of nat.
bist. 3. ser. VIII. p. 59) von Awa-Sinia auf Japan, Omophron Bret-
linrjhamae Pascoe (Journal of Entoniol. I. p. 38 f.) von Dacca aus In-
dien, Casnonia aliena Pascoe (ebenda p. 38) von der i\loreton-Bay,
Calosoma Ä^fi^iena Wol laston (ebenda p. 208) von St. Helena, Carabus
glacialis Gaulier des Gottes (Annales soc. entoniol. 4. ser. I. p. 97.
pl. ?. flg. 1) von» Monte Rosa, mit C. irregularis zunächst verwandt,
Amblystomus Reymondi Gantier des Gottes (ebenda I. p. 193) aus dem
Departement du Var , Anillus hypogaeus Aube (ebenda I. p. 197) aus
dem Departement du Var, Trechus strigipennis Kiesenwetter (ßerl.
Ent. Zeitschr. V. p. 374) aus der Schweiz.
Carabus Merlini Kniper n. A. aus Morea wird von Schaum
(berl. Ent. Zeitschr. V. p. 396 f.) für eine Lokalrace des Gar. Adonis.
angesehen und als solche diagnosticirt. — Ebenda p. 398 Notiz über
den Unterschied zwischen Peleciuni cyanipes Kirby (mit geraden) und
Pel. carinatum Ghaud. (mit gekrümmten Mittelschienen).
Costa (Fauna del regno di Kapoli, Goleotleri pt. 2) führt fol-
gende Garabiden als in Neapel einheimisch auf: Omophron limbatus,
Notiophilus 4-punctalus Dej. (metallicus Gosta), biguttatus Fab., pun-
ctnlatus Wesm., rufipes Gurt, und aquaticus Lin. (ausserdem Not. ge-
minatus Dej. aus Sicilien), Leistus spinibarbis Fab., fulvibarbis Dej.
und ferrugineus Lin., Nebria complanata, psammodes, Schreibersii,
brevicollis, Jokischii, violacea Costa, Dahlii, Orsinii Villa, caslanea
Bon., Procrustes coriaceus, Carabus Rossii , alyssidotus, violaceus,
alpinus, convexus, variolatus Gosta, granulatus, ülrichii und Lefe-
burei. Abbildungen auf Taf. 25 — 28.
J. Bo wring, „On the habits and larva of Mormolyce" (Annais
of nat. hist. 3. ser. VII. p. 423). Kurze Notiz über das Vorkommen
der 3Iormolyce phyllodes in Penang; Verf. glaubt die Larve zu be-
sitzen, beschreibt sie aber nicht.
Schaum (Bullet, soc. entoniol. 1861. p. 25) stellt die Syno-
nymie von Ghlaenius cyaneus Brülle (= azureus Dej. = macrocerus
Ghaud. = Favieri Luc.) und von Ghlaen. virens Ranib. (= coelesti-
nus Ghaud.) fest.
Derselbe und v. Chaudoir machten eine grössere Reihe
synonymischer Mittheilungen über verschiedene Garabiden (Berl. Ent.
Zeitschr. V. p. 198—213).
Nach Jekel (Journ. of Entoniol. I. p. 263) ist Galalhus late-
ralis Küster auf unreife Exemplare von C. circumseptus Germ, be-
gründet.
DyticidäO. Als neue Arten wurden bekannt gemacht:
Von Chevrolat (Revue et Magas. de Zool. XIII. p. 148) Ha-
liplus ruficeps und lixjdroporus bihamatus aus Algier.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861 349
Von Le Conte (Froceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1861.
p. 340) Agahus viorulus, Hneellus und conferlus aus Californien und
discors aus dem Washington Territory.
Von Wo Ilaston (Annais of nat. hist. 8. ser. VII. p. 97) Eu
nectes conicollis n. A. von der Insel St. Vincent (welchem gegen-
über Eun. sticticus nochmals diagnosticirt wird) und ebenda VIII.
p.99: Eunectes subcoriaceus von Madeira und subdiaphanus von Ca-
naria Grande.
Von Gautier des Gottes (Annales soc. entomol. 4. ser. I.
p. 97) Haliplus transversalis von Hyeres.
Von Reiche (ebenda 4. ser. I. p. 202) Agabus cephalotes von
Corsika und p. 369: Agabus polilus aus Kabylien.
Von Motschulsky (v. Schrenck's Reisen im Amur-Lande
II. p. 99 ff.) : Haliplus Sibiriens, Hydrocoptus obsciiripes und Danricus
vom Amur und aus Daurien, Dytiscvs frontalis und confusus; Rhantus
nigriventris aus Kamtschatka, Colymbetes snbquadratus vom Amur und
alpinus aus der Mongolei.'
Derselbe beschrieb (Bullet, d. natural, de 3Ioscou 1861. I.
p. 108) Hydroglyphus flavicidus als n. A. von Ceylon.
Hawaii (Entomol. Zeitung XXII. p. 124) beobachtete am le-
benden Dytiscus latissimus eine lebhafte Stridulation, wahrscheinlich
durch Reiben der Flügeldecken am Hinterleibe hervorgerufen.
Gyrinidae. Reiche (Annales soc. entom. 4. ser. I. p. 203) be-
schrieb Orectochilus Bellieri als n. A. aus Corsika, Motschulsky
(v. Schrenck's Reisen im Amur-Lande II. p. 102) Orectochilus Dau-
ricus n. A. aus Daurien.
PalpiCOrnia. Mulsanl^ und Rey (Memoires d. 1. soc. d. scienc.
nat. de Cherbourg VIII) beschrieben Ochthebius Lejolisii n. A. , am
Meeresstrande bei Cherbourg aufgefunden , nebst seiner Larve und
gaben auf einer beifolgenden Tafel von beiden vorgrösserle Abbil-
dungen. Die Larve ist von eigenthümlicher Form und von den Hy-
drophilen-Larven auffallend abweichend; die einzelnen Körperringe
sind quer eiförmig, seitlich stark gerundet und tief von einander
abgeschnürt, vom sechsten ab sich stark verjüngend, der letzte kurz
eiförmig, ohne röhrenförmige Verlängerung; die Beine schlank und
ziemlich lang. — Anhangsweise geben die beiden Verff. vergleichende
Beschreibungen von Ochthebius punctatus Steph. und hibernicus Curt.
(bifoveolatus Waltl.), welche nach ihnen zwei verschiedene Arten
bilden.
Le Conte (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1861. p.341)
beschrieb Helophorus alternatus, Hydrocharis glaucus, Philkydrus im-
bellis als n. A. aus Californien, Philkydrus normatus von Bodega,
Cyllidium nigrellum und pallidum aus Californien und Cyllidium
nigriceps vom Lake Superior.
350 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Motschulsky (Bullet, d. natural, de Moscou 18G1. 1. p. 109ff.)
Pkilhyilrus 7iigropiceus, fuscalus, Bcrosus? aeneiceps und Enoplurus
Indiens als n. A. von Ceylon,
Derselbe (in v. Schrenck's Reisen im Amur -Lande II.
p. 103 (T.) Laccobins cinereus und Hydrochus Kirgisicus aus Sibirien,
Hydrochus violaceomicans, opacus und hinodosus aus Ostindien, au-
stralis aus Neu-Holland, crentilatns und Sibiriens aus den Kirgisen-
steppen, ignieollis aus Nord -Russland und Lithauen , grandis aus
Kord-Amerika, Etnpleurus Sibiriens von Turkinsk, Helophorns paral-
lelns aus den Kirgisensteppen, ventralis von Neu-York, elongatus aus
Süd-Russland, angnslnlus aus Aegypten, fnlgidieollis aus Südfrankreich,
Acgyptiacus, snluralis (Kirgisensteppen), Algiricus , timidns (Mongo-
lei), limbalns aus Daurien, obsoletesulcatus von INeu-York, orienlalis
aus Transbaikalien, macnlalus aus den Kirgisensteppen, pnsillns aus
Carolina und gnttulus von Derbent. — Ebenda p. 129: Cereyon oct7-
li4m aus Ostsibirien.
Einzelne neue Arten sind ferner: Ochtkebins snbm er sns Chewo-
lat (Revue et Älagas. de Zool.XlIL p. 208) ans Algier, Hydrobins ovatns
und Elophorns instdaris Reiche (Annales sog. entora. 4. ser. L p. 203)
aus Corsika und Ochlhebius rM^ripes Boheman (Ofvers. Yetensk. Akad.
Förhandl. 1860. p. 13) vom Kuisip in Süd-Afrika.
StäphylinidaG. Fairmaire und Germain haben (Annales
d. 1. soc. enloni. 4. ser. L p. 405 — 456) eine Beschreibung der ihnen be-
kannt gewordenen Staphylinen Chile's gegeben, deren Zahl schon jetzt
recht ansehnlich ist. Die einzelnen Gallungen sind folgendermassen
vertreten: Falagria 1 A. (F. fnlcicollis Gerwdin, Anal. Univ. de Chile
1855), Gastrorhopalus Sol. 8 A. (G. mssatus n. A.), Blepharhymenus
S0I.2A. {(Bl. euchromus n.A.), llyobates2A. (IL nitidiventris n.A.),
Calodcia 4 A. (C. trutieata, pingnieornis, scmipolila und snbmetal-
lica n. A.), Tachyusa 1 A. (T. ßssicollis n. A.), Eulhorax Sol. (Myr-
mecochara Krtz.) 2 A. (E. senlellatus n.A.), Euryusa 1 A. (E. paral-
lela n. A.), Aleochara 4 A. (A. eribrieoUis und signaticollis n. A.),
lloplandria 4 A. (H. anthracina n. A.), Oxypoda 7 A. (0. semißaca,
semipieea, triplagiala n. A), Polylobus Sol. 3 A. (P. luteseens und
faseiatipennis n. A.), Ilomalota 4 A. (H. sqiialidipennis n. A.), Ano-
mognalhus Sol. 1 A., Oligola 2 A. (0. apiciventris n.A.), Gyrophaena
1 A., Myllaena 3 A. (M. dilntipes und ferrngata n. A.), Habrocerus
1 A., Tachinus 1 A. (T. Inteonilens n. A) , Conurus 4 A. (C. apici"
venlris und obsenripennis n. A.), Bolelobius 1 A. (B. nnicolor n. A.),
Helerolhops 1 A. (H. diseoideus n. A.), Quedius 4 A. (Qu. aeneipen-
nis und semißarus n. A ), Fhilonlbiis 12 A. (Ph. lividipennis und
perplexns n. A.), Leptolinus 1 A. (L. eribripennis n. A.) , Leptaci-
nus 1 A. (L. apicipennis n.A.), Othius 1 A. (0. semipunctalus n.A.),
Baptolinus 1 A. (B. fulvieollis n. A.), Echiaster 1 A., Stilicus 2 A.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 351
(St. apicipenfiis n. A.), Lathrobium 1 A. (L. rufopartitum n. A.),
Scopaeus 1 A., Lithocharis 5 A. (L. obscuriventer, fusciventris, fasti-
diosa, vitlatipennis iindL. ? cryptobioides n. A.), Mecognathus Wollast,
1 A. (M. sculptilis n. A.), Gnathynienus Sol, 2 A. (Gn. quadriparti-
tus n. A.). — 0 edodactylus nov. gen., mit Palaminus sehr nahe
verwandt, unterschieden durch die nicht hervorspringenden Augen, das
längliche Halsschild , das stärker abgestutzte Endglied der Kieferta-
ster, länger gewimperte Maxillen, breite, abgestutzte Ligula, die in
der Mitte kurz ausgerandete Oberlippe, durch die Vordertarsen, deren
drei erste Glieder stark erweitert, viereckig, das vierte klein und
schmal ist, endlich durch den cylindrischen, ungerandeten Hinterleib.
— Zwei Arten: Oed. fusco-brunneus und castaneipennis. — Baryo~
psis nov. gen., mit Pinophilus nahe verwandt, unterschieden durch
nicht hervortretende, längliche Augen, durch verkehrt kegelförmiges
drittes und zugespitzt kegelförmiges viertes Glied der Kiefertaster,
durch kurze, breit ausgerandete und daher zvveilappige Oberlippe;
Prosternum scharf gekielt, Schildchen kurz, Fühler kurz, fadenförmig,
ihr erstes Glied dicker als die folgenden , unter denen das dritte
etwas länger als das zweite und vierte ist. — Art: B. brevipennis.
— Stenus 3 A. fSt. anthrax und pertussus n. A.), Bledius 4 A. fBl.
lividipes und clavivenCris n. A., rufipes Germain, Anal. Univ. 1855),
Oxytelus 2 A. (0. testaceipennis n. A.), Trogophloeus 10 A. (Tr. niti-
divenlris, impressipennis, mersus, slricticollis, sobrinus und andicola
n. A.), Thinobius 1 A. (Th. seminiger n. A), Homalotrichus Sol. 3 A.
Omalium 2 A. fO. russatnm und insigne n. A.), Physognathus Sol.
1 A., Isomalus 2 A. fl. semirufiis und myrmidon n. A.) und Pseu-
dopsis 1 A. fPs» adustipennis n. A.).
A. Fauvel, Synopsis des especes Normandes du genre Micro-
peplus Latr. de la famille des Staphylinides (Bullet, soc. Liuneenne
de NormandieV. p. 248 — 267). Verf. giebt nach einer Charakteristik
der Gattung Micropeplus Beschreibungen von sechs in der Kormandie
von ihm aufgefundenen Arten, deren Unterschiede zuvor in einer analy-
tischen Tabelle auseinandergesetzt werden : Micr. porcatus Fab., Mathani
n.A. vonCaen, caelatusEr., staphylinoides Marsh. (fulvusDuval), Duvalii
n.A. von Caen undMargaritae üuv. (fulvus Er.). — Ebenda VI. p.löff.
giebt derselbe ein Verzeichniss von sieben für die Fauna Frankreichs
neuen Staphylinen. — Ebenda V. p. 93 ff. : „Observations sur un Sta-
phylinide nouveau pour la faune frauQaise (l)iglossa mersa Halid.)"
Wittheilungen über die Lebensweise des vom Verf. auch an der Nor-
mannischen Küste aufgefundenen Insektes, welches während der mehr
als sechs Stunden dauernden Fluth ganz unter Wasser gesetzt wird
und während dieser Zeit in eine Art von Torpor verfällt. — Ebenda
VI. p. 42 f. Beschreibung von Oxytelus Perrisii n.A. von den Dünen
der Kormandie (auch im Bullet, soc. enlomol. 1861. p. 34).
352 G e r s ta ec k e I : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Rene de Mathan, „Note sur les especes du genre Trogo»
phloeus" (Bullet, soc. Linneenne de IVormandie V. p. ]00 f.) giebt
eine Aufzählung von elf in der Norniandie beobachteten Trogophloeus-
Arten (Tr. scrobiciilatus, riparius, elongatulus, fuliginosus, foveolatus,
inquilinus, corticinus, pusillus, subtilis, tenellus und cxiguus).
M u 1 s a n t und Key (Opuscules entomol. XII. p. 139 — ^186)
machten eine grössere Reihe neuer Arten aus dem südlichen Frank-
reich, der Schweiz u. s. w. bekannt: Ocypus minax (Alpen), rhilon-
thus varipes^ Lathrobium postictwi, Cryplobium brevipenne, Scopaeus
anxiuSy Stenus laevigatus (Corsika), oequalis, inaequaUs, subdepres-
SM5, sublobatus, major, Bledius michicornis (tricornis Oliv.), angustus,
brevicollis, Platystelhus tristis, Oxylelus parvulus, Trogophloeus an-
thracinus, Anthophagus crassicornis, Omalium impar und Anlhobium
obliquum (Schweiz).
Motschulsky (Bullet, d. natural, de Moscou 1861. I. p. 142 ff.)
beschrieb Phloeonomus angulatus, Xerophygus? ßavipes, Bledius wi-
nusculus, Pronomaea subrufa, Hygroplera castanea, Homalota diktti-
pennis, platyslethoides, Oxypoda nigricauda und Bolitochara amabilis
als n. A. von Ceylon.
Derselbe (v. S c h r e n ck's Reisen im Amur-Lande II. p. 119 ff.)
machte als neue Sibirische Arten bekannt : Olophrum nigropiceum
(Kamtschatka), Oa^yfe/MS borealis, clypeatus, Staphylinus xanthocephalus
(Amur), Philonthus angulicollis, sinuatocollis und Ellipsotomus arcli^
cus (Nord-Sibirien).
Derselbe, „Ueber Diochus Er. und Rhegmatocerus Motsch."
(Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 198f.) gab, um die Verschiedenheit bei-
der Gattungen darzuthun, Abbildungen und vergleichende Charakteri-
stiken derselben.
Le Conte (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1861. p. 342)
beschrieb Slaphylitms submelalliciis, saphyritius und luleipes als n.A.
aus Californien, pleuralis n. A. vom Oregon.
Gautier des Coltes, „Caracteres differentiels de trois espe-
ces nouvelles de Paederus propres ä la faune Fran9aise" (Annales
soc. entomol. 4. ser. I. p. 393 L) beschrieb Paederus Corsicus n. A.
aus Corsika, longicollis und carbonarius aus Frankreich.
Fauvel, „Note sur les Paederus ä abdomen concolore" (An-
nales soc. entomol. 4. ser. I. p. 230) fand Paederus gemellus Kr. auch
in Savoyen ; P. ruficollis Fab. scheint den Alpen zu fehlen, P. lon-
gicornis Aube ist häufig in Nieder-Savoyen.
Einzelne als neu beschriebene Arten sind: Philonthus stenode"
rus und Lathrobium decipiens Reiche (Annales soc. entom. 4. ser. I-
p. 204 f.) aus Corsika, Quedius simplicifrons und Achenium rufulum
Fairmaire (ebenda 4. ser. I. p. 580f.), ersterer aus Corsika, letzteres
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 353
von Marseille, Platystethus Burlei Brisout de Barneville (ebenda 4.
ser. I. p. 597) aus Frankreich (Gap), Anthophagtis Cenisius Fairmaire
(ebenda 4. ser. I. p. G47) vom Mont Cenis, Leptusa nubigena und An-
thophagus brevicornis Kiesenwetter (Berl. Ent. Zeitschr. V. p. 375)
aus der Schweiz. — Die Gattung Leptusa hat nach dem Verf. nicht
nur die Vorder-, sondern auch die Mitteltarsen viergliedrig, wonach
die von Kraatz gegebene Diagnose zu ändern ist. — Micropeplus
latus Hampe (Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 65) bei Agram in Schwäm-
men und Staphylinus pictus Boheman (Ofvers. Vetensk. Akad. Förhandl.
1860. p.l4) vom See K'Gami in Süd-Afrika.
Kraatz lieferte synonymische Bemerkungen über eine Reihe
von Staphylinen (Berl. Ent. Zeitschr. V. p. 407— 412).
Scydmaenidad. Aube (Annales soc. entomol. 4. ser. I. p. 197)
beschrieb Scydmaenus myrmecophilus n. A. aus dem Departement
du Var.
Fairmaire (ebenda p. 579) Scydmaenus sulcatulus, muscorum
und sirictus n. A. aus den Pyrenäen.
Brisout de Barneville (ebenda p. 597) Leptomastax De~
larouzei n. A. von Collioures und Scydmaenus confnsus von Hyeres.
Panssidae- Benson, On the possible identity of Paussus li-
neatus Thunb. and P. Parrianus Westw., with notos on the characters
of specimens taken at the cape of Good Hope (Annais of nat. bist.
3. ser. VlI. p.459 — 463). Verf. sucht die Art-Identität von den bei-
den genannten Arten nachzuweisen und glaubt die Abweichungen
in der Fühlerbildung der Thunberg'schen Art nur auf incorrekte
Zeichnung schieben zu dürfen. Von Pauss. Parrianus Westw. wird
der Fühler in verschiedenen Stellungen abgebildet und die sexuellen
Unterschiede der Art näher erörtert.
Silphidae. Schaufuss, „Zwei neue Silphiden - Gattungen"
(Entomol. Zeitung XXII. p. 423—428. Taf. 1) machte zwei mit Adelops
zunächst verwandte neue augenlose Gattungen aus unterirdischen
Grotten Nordspaniens und der Pyrenäen bekannt, welche er den übri-
gen augenlosen Gattungen in einer analytischen Tabelle folgender-
massen gegenüberstellt: A. Männchen mit fünf, Weibchen mit vier
Gliedern an den Vordertarsen. a) Vordertarsen bei beiden Geschlech-
tern einfach, aa) Schildchen fehlend: Leptoderus. bb) Schildchen
deutlich, a) Körper länglich, Mittelbrust hoch gekielt : D r im e o tus.
ß) Körper eiförmig, Miltelbrust kaum gekielt: Qu aes ticulus nov.
gen. b) Vordertarsen beim Männchen erweitert. cc) Köiper läng-
lich: P ho l euo n. dd) Körper eiförmig, stark gewölbt: Qu ae s tus
nov. gen. B. Vordertarsen bei beiden Geschlechtern viergliedrig:
Adelops und Oryotus. (Die Galtung Leptinus schliesst Verf. hier
aus, weil er sie zu den Diaperiden (?!) rechnen will.) Bei der
Arohiv f. Naturg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd. X
354 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Gütliing Qtiaestus, von deren Mundtheilen eine genaue bildliche
üaislelhing gegeben wird, sind die .Mandibeln an der Spitze vier-
zälinig, die Fühler fadenförmig, sehr schlank, von n)ehr als halber
Körperlänge, die fünf letzten Glieder etwas dicker als die vorherge-
henden, alle langgestieckt. — Zwei Arten: Qu. arcamts aus dem
Cantabrischen Gebirge und Bonvoxdoiri aus den Pyrenäen. — Bei
Qnaes ticnltts sind die Mandibeln dreizähnig , die Fühler kurz
und derb, die Glieder schon vom fünften an merklich verdickt, die
drei vorletzten kurz, quer eiförmig, das letzte gross, oval. — Art:
Quaest. adnexus aus Nordspanien.
Reiche (Annales soc. entom. 4. ser. I, p. 369) beschrieb Sil-
pha Godarti n. A. von Sebastopol, cristata von Bona und Anisotoma
picla aus Algier.
Motschulsky (v. Schrenck's Reisen im Amur-Lande IL
p. 124 f.) Oiceoptoma lalericarinala n. A. aus Sibirien, Baicalica vom
Amur und Baikai -See, Necrophorus Dauricus und orientalis aus
Ostsibirien.
Mulsant und Rey (Opusc. entomol. XIL p. 120 ff.) Anisotoma
geniculata n. A. aus der Schweiz, Agalhidiutn dentatum und globosum
von der Grande Chartreuse.
H a m p e (Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 65 f.) Adelops celatus n. A.
von Agram (unter Laub) und Hydnobius punctulatus ebendaher.
Brise iit de Barneville (Annales soc. entomol. 4. ser. L
p. 599) Anisotoma Caullei n. A. aus Frankreich (Cayeux).
v. Kiesen Wetter (Berl. Ent. Zeitschr. V. p. 377) Adelops
tarsalis n. A. aus der Schweiz, Miller (Wien. Ent. Monatsschr. V.
p. 266) Adelops Narenlitius n. A. aus Grotten im Karenta - Thale in
Dalmatien, Friwaldsky (ebenda V. p. 387) Pholeuon gracile n. A.
aus Ungarn.
Trichopterygidae. Mulsant und Rey (Opusc. entomol. XIL
p. 187) beschrieben Ptilium variolosum n. A. von Cluny, Aube (An-
nales soc. entomol. 4. ser. I. p. 199) Ptilium filiforme n. A. aus dem
Departement du Var.
FhalacriddO. OUhrus parliceps Mulsant und Rey (Opusc.
entomol. XII. p. 127) n. A. von Lyon, Phalacrus Acaciac Montrou-
zier (Annales soc. entom. 4. ser. I. p. 303) n. A. von Lifu.
Histerilli. Von de Marseul's „Supplement ä la monographie
des Ilislerides" sind in den Annales d. 1. soc. entom. de France, 4.
ser. I. p. 141 — 184 und p. 509 — 566 zwei weilertj Fortsetzungen er-
schienen, in welchen die Gallungen Plalysoma (13 A,), Pachycraerus
(3 A.), Phelister (16 A.), Sphyracus (1 A.), Omalodes (7 A.), Hister
(41 A.) und Epierus (10 A.) abgehandelt werden. Die beschriebenen
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 355
Arten sind der Mehrzahl nach neu, zum kleineren Theil solohe,
welche der Verf. nach den Original -Exemplaren früherer Autoren
nachträglich beschreibt. Wie bisher ist eine Abbildung sämmtlicher
Arten auf fünf Tafeln (pl. 3 u. 4 und pl. 13 — 15) gegeben.
Le Conte (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1861. p. 343)
beschrieb Hister punctiger (Platysoraa) n. A. ans Caiifornien und Pia-
tysoma basalis n. A. aus Ohio.
Motschulsky (v. Schrenck's Reisen im Amur - Lande II.
p. 130) Saprinus planiusculus und Sedakovii n, A. vom Amur und aus
Daurien.
Reiche (Annales soc. entom. 4. ser. I. p. 371) Saprinus Solshyi
n. A. aus Algier.
Candeze (Memoires soc. royale de Liege XVI. p. 337) Platy-
soma Marseulii n. A. von Ceylon (nebst Larve).
iSotizen über einige Arten der Gattung Hister Lin. gab H abel-
mann (Berl. Ent. Zcitschr. V. p. lS3f.); dieselben betreffen Hister
terricola Germ., carbonarius E. H. (unter welchem H. nigellatus Geim.
und ventralis Mars, vermengt sind) und ruficornis Grimm (= H. rayr-
mecophilus Muls. = nigellatus Mars.). — Hister helluo Truqui kam
dem Verf. aus dem Harz zu , Hist. Americanus Payk. einmal bei
Berlin vor.
Leprieur, Description de la larve du Teretrius parasita (Anna-
les soc. entom. 4. ser. I. p.457 f.) gab Beschreibung und Abbildung
(pl. 3. fig. 2,a) der Larve eines neuen von de Marse ul im Supplement
charakterisirten Teretrius, welche durch ihre Lebensweise interessant
ist. Sie findet sich (nebst dem Käfer) gleichzeitig mit Apate xyloper-
thoides Jacq. Duval im Inneren von Bambus - Schäften und scheint
sich von den Larven der Apate zu ernähren,
Nitidalariae. Le Conte (Proceed. acad. nat. scienc. of Phi-
ladelphia 1861. p. 343) machte eine neue Galtung Amartus aus der
Gruppe der Brachypterini bekannt, im äusseren Ansehn fast mit Car-
pophilus übereinstimmend, aber durch den Mangel der Fühlergruben
verschieden ; Aussenlade der Maxillen lang und schlank, ohne Haken
an der Spitze, an den Lippentastern das erste Glied kurz, das zweite
um die Hälfte länger als das länglich ovale dritte, Kiefertaster mit
kegelförmigem Endgliede. Kinn breit, vorn ausgerandet, Oberlippe
ebenso, Mandibeln ungezähnt; Fühlerkeule verlängert, dreigliedrig,
zweites und drittes Hinterleibssegment verkürzt, das fünfte am läng-
sten. — Art: Ä. rufipes aus Caiifornien. — Ferner beschrieben: TrO"
gosita sinuata n. A. von Foit Colville.
Pascoe (Journal of Enloniol. I. p. 98) beschrieb Calonecrus
rufipes als n. A. von- Borneo und p. 99 f. eine neue Gattung G l o e-
ania, welche er zu den Trogositiden rechnet (indem er ihr fünf-
gliedrige Tarsen zuschreibt), die aber zu den Colydiern gehört und
356 Gerstaecker: Bericht nber die wissenschaftlichen Leistungen
mit Aulonium Er. zusammenfällt. — p. 100 f. Leperina adusta und
lacera n. A. von 3Jelbourne, cirrosa von der Moreton-Beiy.
r f Motschulsky (v. Schrenck's Reisen im Amur-Lande II.
p. 126 ff.) beschrieb Epuraea incomplela aus Daurien, subangulata,
laricina, deplanata, trapezicollis, quadramjula und brunnescens aus
Sibirien, Meligethes marginalis und Daiiricus aus Daurien, Ips bigut-
tata (Vaterland?), angusticollis ans Kamtschatka und crvciata aus der
Mongolei.
Chevrolat (Revue et Magas. de Zool. XIII. p. 264 ff.) Xeno^
strongylus obsoletus, lateralis und Cybocepliahts diademalus n. A.
aus Algier.
Reiche (Wien. Ent. Monatsschi. V. p. 1) Anipholis orientalis
n. A. von Beirut, Fauvel (Bullet, soc. Linneenne de Normandie V,
p. 302) Camptodes viridipetinis (cyanipennis Er. var. ? ) n. A. von
Cayenne.
Candeze (Meinoires soc. royale de Liege XYI. p. 342) Lordi~
tes glabvicnla (.Murray i. lit.) n. A. von Ceylon (nebst Larve).
Golydii. Pascoe (Journal of Entoniol. I. p. 42) stellt zu dieser
Familie eine neue Gattung Byrsax auf Grund ihrer (angeblich) te-
tramerischen Fussbildung, welche vollständig den Habitus eines Bo-
litophagus zeigt und weder nach den Fühlern, die nach der Spitze
hin allmählich verdickt, aber nicht geknöpft sind, noch nach den
Tarsen, welche von denen der Colydier ganz verschieden sind, die-
ser Familie anzugehören scheint. Veif. glaubt, dass sie in die INähe
von Endophloeus, Pristoderus u. s. w. gehöre, von denen sie durch
das über den Kopf verlängerte llalsschild abweicht, — Art: Byrs.
coenosus, pl. 3. lig. 7 abgebildet, von Singapore. — Dagegen gehören
der gegenwärtigen Familie zwei Gattungen an, welche der Verf. irrig
als neu beschreibt und von denen er die eine, Rhyssopera zu den
Cucujiden, die zweite Gl oeania zu den Trogositidcn stellen will.
Die Galtung Rhyssopera ist nämlich identisch mit Meryx Latr.,
Rhyssop. areolala = Meryx rugosa Latr. und Rhyss. illola von Mel-
bourne wahrscheinlich ebenfalls nicht spezifisch verschieden; die
Gattung Gl oeania fällt mit Aulonium Erichs, zusammen und Gl.
ulomoides ist sehr nahe verwandt mit Aulonium bidenlatum Fab. —
Fernere vom Verf. (ebenda p. 101 IF.) beschriebene neue Arten und
Gattungen der Colydier sind : Biloina serricollis von Melbourne, pro-
lala von den Alolukken, jcjuna von Rio-Janeiro , Colobicus parilis
von den 3Iolukkcn, Rechodes verrucosus , fallax und signalus von
Port Natal, Acropis Fryi und incensa von Rio-Janeiro, aspera von
Parä. — D istaphyla nov. gen., ähnlich Colydiuni von linearem,
cylindrischem Körper, sehr ausgezeichnet durch die Bildung des
Prothorax, dessen Vorderrand sich in zwei knopfartige Vorsprünge,
welche den Kopf von oben her bedecken, verlängert. Fühler kurz
' im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1863. 357
und dick , die beiden ersten Glieder erweitert, das dritte schmal,
birnförmig, die folgenden quer, eng aneinanderschliessend «nd gegen
den runden, zweigliedrigen Endknopf an Breite zunehmend. — Art:
Bist' mammillaris von Rio-Janeiro und Parä. — Lemmis nov. gen.,
nach des Verf.'s Angabe mit Acropis ßurm. nahe verwandt ; Kopf
auffallend breit, seitlich gleichsam in kurze Augenstiele erweitert,
Fühler kurz und ziemlich dünn, mit ovaler, zweigliedriger Keule.
Halsschild ebenfalls stark in die Quere gezogen, hinten verengt, mit
scharf gesägten Seitenrändern, Flügeldecken von Thoraxbreite, pa-
rallel, erstes Tarsenglied kaum länger als das zweite. — Art: Lern.'
caelatus von Rio-Janeiro. — Etkelema nov. gen., gleichfalls mit
Acropis nahe verwandt und nach der Abbildung zu urtheilen, be-
sonders auch der vorhergehenden Gattung nahe stehend. Kopf rück-
wärts in zwei Augenlappen erweitert, Fühler dicker als bei Lemmis
und mit grösserem zweigliedrigem Eudknopfe, Halsschild nach vorn
stark verengt, sonst ebenfalls quer, aber ohne Zahnung an den Sei-
tenrändern; Flügeldecken mehr verlängert, ihre Oberfläche nicht
uneben. — Art: Eth. luchiosa von Rio-Janeiro und Parä. — Dastar-
ciis confinis n. A. von Dorey auf ISeu-Guinea, Bothrideres succineus
von Rio-Janeiio und Parä, latus von Santarem, Sosylus sulcatus von
Parä. — Ancirmo ste s i\o\. gen., mit Sosylus im Habitus und auch
nach den meisten Charakteren nahe verwandt, aber durch die drei-
gliedrige Fühlerkeule und die Furchung des Prothorax unterschieden.
Die Fühler sind schlank, alle Glieder bis zur Keule länger als breit,
das dritte sogar langgestreckt, die Keule lose gegliedert; Prothorax
länglich, vorn verbreitert und mit zugespitzten Vorderecken, seine
Oberseite mit breiter, durchgehender Mittel- und zwei abgekürzten
Seitenrinnen. Flügeldecken cylindrisch, gekielt, Schienen an der
Spitze erweitert und aussen gezähnt. — Art: An. sculptilis von Rio-
Janeiro. — Asprotera nov. gen., von linearer, cylindrischer Coly-
dium-Form. Erstes und zweites Hinterleibssegment gleich gross,
länger als die folgenden, Hinterhüften nicht zusammenstossend ; Fühler
kurz, Endknopf kuglig, eingliedrig, die vier vorhergehenden Glieder
bedeutend dicker und grösser als die übrigen. Kopf flach gedrückt,
seitlich sich über die Fühler ausbreitend , Prothorax länglich, fast
parallel, der Vorderrand einen den Kopf überdeckenden lappenartigen
Fortsatz aussendend ; Flügeldecken zwischen den Punktstreifen be-
schuppt. — Art: Asjjv. inculta von Port ISatal. — Penthelispa
nov. gen., auf die Pycnomerus- Arten Erichson's mit elfgliedrigen
Fühlern begründet; in der Charakteristik der Gattung ist sonst auf
eine Unterscheidung von Pycnomerus nicht eingegangen, — Art:
Penth. porosa von Rio-Janeiro. — Hyberis nov. gen., 3oH nach
Angabe des Verf.'s rail Apeistus nahe verwandt sein, was schon nach
der Bildung der Tarsen, an denen das Basalglied länger als die bei-
358 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
den folgenden sein soll, nicht recht wahrscheinlich ' ist. Fühler
schlank, zehngliedrig, mit eingliedrigem Endknopfe, die vorherge-
henden Glieder borstig, länglig oval, das dritte am längsten; Hals-
schild quer, doppelt so breit als der Kopf, vorn zweibuchtig, der
Seitenrand tief gezähnt. Flügeldecken oval, mit gesägtem Seitenrande,
bis zur Mitte hoch ansteigend und von hier aus gegen die Spitze
hin jäh abfallend. — Art: Hyb. araneiformis von Borneo. — Pha-
rax nov. gen., soll wieder mit der vorigen Gattung nahe verwandt
sein, während der Habitus an Ulonotus erinnert; von Hyberis durch
elfgliedrige Fühler mit zweigliedrigem Endknopfe unterschieden. Der
vor den Augen ziemlich stark verlängerte, quere Kopf ist bis zu
diesen in das vorn tief zweibuchtige, breite, seitlich stark gerundete
und nach hinten herzförmig verengte Halsschild eingesenkt; Flügel-
decken verwachsen, viel breiter als das Halsschild an seiner Basis,
hinten eiförmig zugespitzt. — Art: Fhar. laticollis von Rio-Janeiro.
— Chorites nov. gen., möchte nach der Abbildung zu urtheilen
wohl in seiner Stellung bei den Colydiern ebenfalls sehr fraglich
sein. Fühler kurz und dünn, eifgliedrig, die beiden ersten Glieder
leicht verdickt, die beiden letzten einen abgesetzten ovalen End-
knopf bildend; Augen gross, grob facettirt, die Facetten dornförmig
erhaben. Körper kurz, oval, die Flügeldecken bucklig gewölbt, die
Hinterhüften weit getrennt, erstes Hinterleibssegment länger als die
folgenden. — Art: Chor, aspis von Borneo. — Discoloma Fryi und
Glyplolopus histei'oides n. A. von Rio-Janeiro. (Letztere Art ist mit
derjenigen identisch, auf welche E ri c hs o n die Gattung Glyptolopus
gegründet hat. Ref.)
Wollaston (Journal of Entomol. L p. 135) begründete auf
zwei Capensische Arten eine neue Gattung Mimema, welche mit
der Maderensischen Galt. Europs sehr nahe verwandt ist, aber sich
durch breites und tief zweilappiges erstes und zweites Tarsenglied
(an den Hinterbeinen des Männchens ist nur das erste von dieser Bil-
dung), das dritte Fühlerglied, welches länger als das vierte ist, die
enger aneinanderschliessenden Glieder der Fühlerkeule so wie durch
einige leichtere Unterschiede in den Mundtheilen unterscheidet. —
Arten: Mim. pallidum und tricolor, 1 — 1% Lin., vom Cap. — Cos"
syphodes Beicickii n. A. vom Cap.
Aube machte (Annales soc. entern. 4. ser. L p. 196) eine neue
Gattung Lyren s bekannt, welche die Mitte zwischen Langelandia
und Anommatus halten soll, mit letzterer in dem Mangel der Augen
übereinstimmt und nach den viergliedrigen Tarsen jedenfalls zu den
Colydiern gehören würde. Körper niedergedrückt und vermuthlich
flügellos, Kopf klein, abgeflacht, Fühler zehngliedrig mit zweiglie-
driger, gerundeter Keule, ihr 1. und 2. Glied etwas stärker als die
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 359
folgenden, welche bis zum 7. fast gleich gross sind, das 8. etwas
breiter als das vorhergehende ; Endglied der Taster länglich eiförmig,
Halsschild gross, fast viereckig, Schildchen sehr klein, quer, Flügel-
decken nur um die Hälfte länger als das Halsschild. — Art: Lyr.
suhlerraneus, 2 Mill. lang, unterirdisch im Departement du Var auf-
gefunden.
Brisout de Barneville (Annales soc. entomol. 4. ser I.
p. 600) beschrieb Boihrideres angusticollis als n. A. aus Frankreich
(Perthus),
Montrouzier (ebenda 4. ser. I. p. 268) Lyctus rufipennis
(einer neuen Gattung bei Pycnomerus und Cerylon angehürig), Bitoma
australis und cincta (letztere Art ein Bothrideres) n. A. . aus Neu-
Caledonien.
Lathridii. Derselbe (ebenda p. 268) charakterisirte eine neue
Gattung Platycephaia (vierfach vergebener Käme!) aus der Ver-
wandtschaft von Alonotonia: Tarsen zweigliedrig, das erste Glied tief
zweiiappig, die Fussklauen einfach ; Fühler zehngliedrig, allmählich
gegen die Spitze hin verdickt, die beiden letzten Glieder eine Keule
bildend. Kopf länger und breiter als das Halsschild, fast kreisrund,
abgeflacht, Augen rund, am Seitenrande des Kopfes sitzend, Halsschild
halbkreisförmig, mit hervorspringenden Vorderecken; Schildchen
fehlend, Flügeldecken von Halsschildbreite, Beine getrennt, mit ge-
keulten Schenkeln. — Art: Plat. Olivieri aus Keu-Caledonien, unter
Rinde lebend, 3 Mill. gross.
Motschulsky (Bullet, d. natural, de Moscoul861. 1. p. 128 ff.)
beschrieb Corticaria ftiscotestacea, convexipennis, mnbripennis, inßata
und Lathridius Ceylonicus als n. A. von Ceylon. — Er otyl athr is nov.
gen., vom Verf. an Lathridius angeschlossen und, wie er sagt, „wenn
man die Beine und Fühler wegnimmt, vom Ansehen eines grossen Lathri-
dius mit stark siebenrippigen Flügeldecken". Die Tarsen sind aber
an allen Beinen viergliedrig, die Fühler dick, perlschnurförmig, mit
zweigliedriger Keule; Schildchen fehlend, Flügeldecken verwach-
sen. — Art: Er. septemcostatus n. A. von Ceylon. (Nach der Abbil-
dung hat die Gattung mehr das Ansehen eines Colydiers, wofür auch
die Tarsenbildung sprechen würde. Ref.)
Aube (Annales soc. entom. 4. ser. L p. 198) beschrieb Holo-
paramecus Bertouti als n. A. von Toulon, Baudi (ßerl. Ent. Zeit-
schr. V. p. 182) Holoparamecus Trvquii n. A. von Cypern.
Cucujini. Pascoe (Journal of Entomol. L p. 98) beschrieb
Prostomis morsitans als n. A. aus Indien (Darjeeling) und stellte eine
neue Gattung Rhy s s op er a in dieser Familie auf, welcher er irri-
ger Weise fünfgliedrige Tarsen zuschreibt; dieselbe ist mit Meryx
Latr. (Colydii) und die auf pl. 7. fig. 4 abgebildete Rhyssopera areo~
lata des Verf.'s mit Meryx rugosa Latr, identisch. Ob die zweite Art
360 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
des Verf.'s, Rhyss. illota von Melbourne von jener verschieden ist,
lässt sich aus den wenigen Worten der Diagnose nicht ersehen.
Montrouzier (Annales soc. entom. 4. ser. I. p. 269) beschrieb
Cucujus tricostatus (ist ein Laemophloeus) als n. A. von der In-
sel Lifu.
Candeze (Memoires soc. royale de Liege XVI. p. 342) Brontes
serricoUis n. A. von Ceylon (nebst Larve).
GryptOphagidae. Wo Ilaston (Journal of Entomol. I. p. 138)
beschrieb Älomaria Capensis als n. A. vom Cap der guten Hoffnung,
Fairmaire (Annales soc. entomol. 4. ser. I. p. 648) Cryplophagus
lapidarius n. A. votn Mont-Cenis.
Mycetophagidae. Pascoe (Journal of Entomol. I. p. 117. pl. 6-
fig. 4) rechnet zu dieser Familie eine neue Gattung AlthaesiOy
welche im Habitus der Gattung Mycetophagus gleichend, sich von
dieser durch dreigliedrige Fühlerkeule und grosse, runde, hervortre-
tende und zart facettirte Augen unterscheiden soll. Die Schienen
sind aussen gewimpert, nach der Spitze hin verbreitet und hier mit
vier bis fünf kurzen Dornen besetzt; Tarsen viergliedrig; die vor-
deren mit sehr undeutlichem vorletzten Gliede. Die Art Alth. pilosa
von Neu -Guinea hat auf dem Halsschilde tiefe Seiten- und eine
quere Basalfurche, wonach die Verwandtschaft mit Mycetophagus ge-
wiss zweifelhaft wäre ; auch im Habitus erinnert sie mehr an Mycetaea
oder auch an Diplocoelus.
Eine zweite dieser Familie wohl ebenfalls kaum angehörende
Gattung machte Wo Ilaston (ebenda I. p. 139. pl. 11. fig. 3) unter
dem Namen M icr oxenus bekannt. Verf. bringt sie mit Mycetaea
in Vergleich, mit welcher zusammen er sie den Mycetophagiden bei-
zählt, obwohl die Stellung der ersteren unter den Endomychiden be-
reits gesichert ist, während die Verwandtschaft der neuen Gattung
mit Mycetaea gewiss nur eine scheinbare ist. Dies ergiebt schon
der Bau der Fühler, welche zwei stark vergrösserte Basalglieder und
eine solide zweigliedrige Keule mit kaum angedeutetem, drittem kur-
zem Endgliede besitzen. Am Halsschilde scheinen die Seitenfurchen
nur an der Basis angedeutet zu sein, während die Tarsen (vierglie-
drig) mehr Uebereinstimmung zeigen; die Mundlheile hat Verf. nicht
näher untersuchen können. — Art: Micr, laticollis vom Cap der gu-
ten Hoffnung, nur ^/g Lin. lang.
Triphyllus bimaculatus Montrouzier (Annales soc. entom.
4. ser. I. p. 267) n. A. von der Insel Lifu.
Dermestini. Le Conte (Proceed. acad. nat. scienc. Philadel-
phia 1861. p. 344) beschrieb Cryptorhopalum nigricorne und Orphilus
subnitidus Sih n. X. aus Californien, Motschulsky (v. Schrenck's
Reisen im Amur-Lande II. p. 123) Dermestes vorax aus Daiirien und
tessellatocolUs vom Amur.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 361
Nach Hanipe (Wien. Eni. Monatsschr. V. p. 69) wurde Attagenus
pantherinus in Siebenbürgen in grösserer Anzahl in Hummelnestern
(die Art von Bombus ist nicht namhaft gemacht) gefunden.
Byrrhini. Als neue fArten wurden beschrieben : Syncalypta
alhonotata Le Conte (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1861.
p. 344) aus dem Washington- Territory , Limnichtts orientalis Mot-
schulsky (Bullet, d. natural, de Moscou 1861. I. p. 112) von Ceylon,
Byrrhus melanostictus Fairmaire (Annales soc. entom. 4. ser. I.
p. 581) aus den Pyrenäen und Byrrhus Kamtschaticus M o t s c h u 1 sk y
(v. Schrenck's Reisen im Amur-Lande II. p. 123) von Kamtschatka.
Parnidae. Von Pascoe (Journal of Entom. I. p. 40 f.) wurde
eine neue Gattung Sostea beschrieben und auf pl. 2. fig. 6 abge-
bildet, welche durch kleinen und in den Thorax ganz zurückzieh-
baren Kopf, sehr eigenthümlich gestaltete Fühler mit grossem, schei-
benförmigem Basalgliede und einer aus neun in die Quere verlängerten
Gliedern bestehenden kammförmigen Keule, gerundete Augen, zwei-
spilzige JMandibeln, convexen, queren, fast haibkreisfömigen ProthOrax,
stark gewölbte, an der Basis bucklige Flügeldecken u. s. w. ausge-
zeichnet ist. Die Gattung wird vom Verf. auf Westwood's Au-
torität hin zu den Parniden gestellt. — Arten: Sost. Westwoodii^
carbonaria, aeneipennis, cyanoptera, secuta und elmoides, alle von
Sarawak auf BorneOj nur die zweite Art von den Molukken.
Elmis Chilensis Philipp i (Reise durch die Wüste Atacama
p. 171) n. A. von den Chilenischen Cordilleren (auch schon in den
Anales Univers. Santiago 1854 beschrieben).
GeorySSii. Georyssus quinquecostatus Motschulsky (Bullet,
d. natural, de Moscou 1861. I. p-111) n. A. von Ceylon.
Heteroceridae. Motschulsky (Bullet, d. natural, de Moscou
1861.1. p. 111) beschrieb //efe/ocer«s sublineoris a\s n. A. von Ceylon
und (v. Schrenck's Reisen im Amur-Lande II. p. 107) Helerocerus
seriepilosus als n. A. vom Amur.
LamelliCOrnia. — Dynastida e. A. Laboulbene, Descri-
ption de la larve du Callicnemis Latreillei (Annales soc. entom. 4.
ser. I. p. 607—611. pl. 16. fig. 5). Verf. giebt eine ausfuhrliche Cha-
rakteristik und eine Abbildung der genannten Larve, welche ganz
den bekannten Lamellicornien-Typus zeigt und 13 Lin. in der Länge
misst. Verf. konnte sie bei Paris lebend untersuchen und war über«
rascht, die fünfgliedrigen Fühler im Leben geknieel zu finden. Er
glaubte diese bisher an den Lameilicornien-Larvenfühlern nicht her-
vorgehobene Eigenschaft anfänglich als für Callicnemis charakteristisch
ansehen zu dürfen, theilt aber eine briefliche Notiz von Ferris, den
er über diesen Funkt zu Ralhe gezogen hatte, mit, wonach dieser
362 Gerslaecker: Bpricht über die wissenschaftlichen Leistungen
Charakter allen hekainiten Laniellicornien-Larven ziikonimt; ganz be-
sonders ist derselbe bei den l.ucanincn prägnant.
lieber die Lebensweise der Larven desselben Käfers theiltc
Reiche (Bullet, soc. entoniol 18G1. p. 15) eine Beobachtung von
Chapelier mit. Nach derselben findet sich die Larve einen Fuss
lief in der Erde und nährt sich von faulenden» Holze; der Käfer
lebt an sandigen Meeresküsten, wo sich Uebcrreste von verfaultem
Holze angesammelt haben, dicht unter der Oberfläche and paart sich
daselbst Ende März und Anfang Aprils.
Neue Arten sind: Pentodon anthracinus Reiche (Wien Ent.
Monatsschr. V. p. 1) von Antiochia , Mcgasoma Thersites Le Conte
(Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1861. p. 336) vom Cap San
Lucas in Californien und Cyclocephcila hirta Le Conte (ebenda 1861.
p. 346) aus Californien.
Cetoniariae. — Boheman (Ofvers. Vetensk. Akad. Förhandl.
1860. p. 117 ff.) beschrieb als neue Arten aus dem Innern Süd-Afri-
ka's : Rhinocoela armata vom Nolagi, Cli?iteria egregia, Anoplochiliis
tnaurus, Oxythyrea albosignata^ Tephiaea Napaea, Pachnoda picturata,
turbida und Diplognalha maculafissima vom See N'Gami.
Le Conte (Proc. acad. nat. scienc. Philadelphia 1861. p. 336)
Euryomia fascifera n. A. von Cap San Lucas in Californien.
Fauvel (Bullet, soc. Linneenne de Normandie V. p. 305) Gym-
netis hamata n. A. von Cayenne.
Motschulsky (Etud. entomol. X. p. 8f.) Fihomborhina unico^
lor und Glycyphana albosetosa als n. A. von Japan, und (v. S c h r e n c k's
Reisen im Amur-Lande IL p. 134 f.) Gnorimus snbopacus, Osmoderma
harnabila, Glycyphana viridi - opaca, variolosa und Cetonia Daurica
als n. A. vom Amur und aus Daurien.
l'h y 1 1 0 p h ag a. — Eine neue Galtung Da sy (/er « Le Conte
(Proceed. acad. nat. scienc. of Philadelphia 1861. p. 345) aus der
Gruppe der Glaphyrini hat 'zehngliedrige Fühler mit dreigliedriger
Keule, welche brim Männchen nicht kürzer als der Schaft ist und
getrennte Glieder hat; Kiefertaster mit ziemlich grossem, ovalem,
aussen tief ausgehöhltem Endgliede, Mandibeln klein und abgestumpft,
Oberlippe breit ausgerandet; Fussklauen an der Basis breiter, aber
nicht gezähnt. Die Gattung steht Lichnanthe sehr nahe, von der sie
die eben angegebenen Merkmale unterscheiden, und welche sie noch
durch dichtere Behaarung übertrifft. — Art: D. vrsina aus Califor-
nien. — Ferner als n. A. beschrieben: Diplotaxis insignis und Pho-
betus tcsiaceus , erstere aus der Salzsee - Steppe , letztere aus Cali-
fornien.
Boheman (Öfvers. Vetensk. Aknd. Förhandl. 1860. p. 115 ff.)
beschrieb Dickclus suspectus n. A. vom Swakop, Serica interpunctata
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 363
und livida, Trochalus badius und ruhricalus, Camenla ventricosa und
A7iomala immalvra vom See K'CJami in Süd-Afrika.
Reiche (Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 2 f.) beschrieb Pachydema
Kindermanni und Ledereri als u. A. von Beirut.
Lucas, Note sur une nouvelle espece de Lamellicorne phyto-
phage, qui habite les possessions franpaises du nord de l'Afrique
(Annales soc. entom. 4. ser. I. p. 101 ff.) beschrieb Pachydema Lethierryi
n. A. aus Algier.
Mo tsc hui sky (Etud. entomol. X. p. 7 f.) .<;tellte eine neue
Gattung Granida auf, welche die Gestalt von Polyphylla, die Cha-
raktere von Anoxia haben soll; Fühler zehngliedrig, mit siebenglie-
driger Keule, Vorderschienen des Männchens wie bei Anoxia, aber
ohne zweiten Zahn nach der Spitze hin. — Art: Gran, alholineata
aus Japan. — Heteroplia multistriata n. A. von der Insel Tsouzima.
Derselbe (v. S ch r e n c k's Reisen im Amur-Lande II. p. 133 f.)
beschrieb Decaviera rufipes und Sericaria fuscolineata als n. A. aus
Daurien und vom Amur, Rhizocolax conspersus aus Ostsibirien.
Candeze (Memoires soc. royale de Liege XVI. p. 349) Serica
nitida n. A. von Ceylon (nebst Larve).
Copridae. — Burmeister, „Die Ateuchiden ohne Fusskral-
len, monographisch bearbeitet" (ßerl. Entom. Zeitschr. V. p. 55—67.
Taf. I). Verf. giebt eine auf reichhaltiges Material begründete Cha-
rakteristik zweier Süd-Amerikanischer Ateuchiden-Gattungen, welche
mit Deltochilum, Circeliium u. s. w. in dem Mangel der Vorderfüsse
übereinstimmen , sich dabei aber durch den Mangel der Fussklauen
an den vier hinteren Beinen, welche sonst in allen ihren Gliedern
regelrecht ausgebildet sind, auszeichnen. Es sind dies die besonders
in den La Plata-Staaten vertretenen Gattungen Eucranium Dej. (Ano-
miopsis Westw., Psammotrupes Guer.) und Glyphiderus Westw., wel-
chen Namen der Verf. in Glyphoderus eraendirt. Die Arten der ersten
Gattung vertheiltVerf. auf zwei Gruppen : a) Mittelhüften nach hinten
convergirend und daselbst dicht aneinandertretend : 1) E. arachnoides
Dej. Brüll. (Lacordairei Gast., An. Dioscorides Westw.) aus den west-
lichen Provinzen der Argentinischen Republik. 2) E- cyclosoma n. A.
aus Ecuador. 3) E, dentifrons Guer. (An. Aelianus Blanch.) aus Pa-
tagonien. 4) E. planicolle n. A. aus der westlichen Pampa. 5) E.
lepidum n. A. aus Bolivia. — b) Mittelhüften parallel, hinten breit
getrennt. (Anomiopsis) : 6) E. anrilum n. A. aus der Provinz Cata-
marca. 7) E. hilobum n. A. von Copacavana. 8) E. cavifrons n. A.
aus der Provinz Mendoza. 9) E. furciferum n. A. aus Ecuador. 10)
E. heteroclytum Blanch. — Die Gattung Glyphoderus Westw., welche
auf ein weibliches Exemplar des Gl. sterquilinus begründet war,
charakterisirt Verf. vollständiger nach beiden Geschlechtern und be-
reichert sie mit einer u. A. Gl. monticola aus der Provinz Catamarca.
364 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
B 0 h e ni a n (Üfvers. Vefcnsk. Akad. Förhandl. 18lj0. p. 22 und
p. 107 ff.) beschrieb folgende neue Arten aus dem Inneren Süd-Afri-
ka's: Ateuchus niodeslus (JN'(jarni), Salyrus und ßavicornis (Svakop),
ruhripennis und Inciduhis (Kuisip, IS'Gatni), yurtulus (Svakop), Ht~
liocopris bicarinulala, Alropos, Satyrus, Catharsius heros, melancho-
Heus, Copris cornifrons, curvicornis und exigun, sämnitlich vom See
^'Gami, Onilis confusits (Svakop), Onthophagus furcifer (IN'Ganii),
adspersipermis und seinißavus (Svakop), ivipressicollis , tricorniger^
truncalicornis und gutlalus (JN'Gami) und axillaris vom Svakop.
Geotrypidae. — INeue Arten sind: Bolboceras posticalus
Boheman (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. 1860. p. 114) vom See
ISGami und Geotrupes Ämedei Fairmaire (Annales soc. enlom- 4.
ser. I. p. 582) von Constantinopel.
Aphodiidae. — v. Harold, „Beiträge zur Kennlniss .einiger
coprophagcn Lamellicornien" (Berl. Ent. Zeitschr. V. p. 92 — 115) lie-
ferte ausführliche Beschreibungen der zu Erichson's Sekt. A. u. B
(Colobopterus, Coprimorphus und EupleurusMuls.) gehörenden Apho-
dien, im Ganzen 13 Arten, unter denen folgende als neu eingeführt
werden: Aph. apicalis (de Haan) aus Japan, principalis (Dup.) vom
Cap, Abyssinicus, Erichsonii aus Brasilien, Chinensis, luvidipes (Dej.)
vom Senegal, quadridenlatus aus Cuba und ovatulus (Reiche) aus Ost-
indien und Ceylon. — Mit Aulonocnemis und Rhyparus stellt Verf.
auf Grund der verwachsenen und gewölbten llinlerleibsringe zwei
neue Gattungen Proctophanes und Harmogaster zu einer be-
sonderen kleinen Gruppe zusammen; bei den beiden letzteren Gat-
tungen sind die Enddornen der hinteren Schienen nicht wie bei
Aulonocnemis und Rhypaius verkürzt, sondern von gewöhnlicher
Länge, das Pygidium bei Proctophanes gross und behaart, bei Harmo-
gaster klein und geborstet. Proctophanes ist auf Aphod. sculptus
Hope aus Keu - Holland , IJannogasler auf Aphod. exaratus Dej. Cat.
vom Cap begründet. — Schliesslich bringt Verf. synonymische Be-
merkungen über 14 Aphodius-Arlen und einige Copridcn bei.
Chevrolat (Revue et Magas. de Zool. XIIL p. 266) beschrieb
Rliyssemus aspericeps als n. A. aus Algier.
Motschulsky (v. Schrenck's Reisen im Amur-Lande IL
p. 131 f.) Calamosternus (Aphodius) semirvber n. A. vom Amur, Chi-
lolhorax (Aphodius) sublimbalus von Oiholsk und Aegialia Kamtscha~
tica aus Daurien und Kamtschatka.
Hybosoridae. — Hybusorns punctatissimus Reiche (Wien.
Ent. Monatsschr. V. p. 1) n. A. aus Antiochia.
Trogidae. — Neue Aiten sind: Trox foteolalus Boheman
(Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. 1860. p. 114) vom Svakop, Trox
clathralus (l)ejean Catal.) Reiche (Annales soc. entom. 4. ser. L
p. 205) von Corsika, Sphaeromorphus dcromialis und Wallacei Pas-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 365
coe (Journal of Entomol. I. p. 42 f.), ersterer von Singapore, letzterer
von Borneo.
Lucanini. — Seilen van Vollen ho ven, „Beschrijving
van eenige nieuwe soorten van Lucanidae" (Tijdschr. voor Entomol.
IV. p. 101 — 115. pl. 5 — 7) machte eine Reihe ausgezeichneter neuer
Süd - Asiatischer Hirschkäfer durch Beschreibungen und Abbildun-
gen bekannt: Lucanvs (Odonlolabis) Lacordairei (Parry mscr.) von
Sumatra und Borneo, (Odonlolabis) Lndeki7igii von Sumatra und (Odon-
tolabis) Brookeaims {?Hfry mscr.) von Borneo, alle drei zu der Gruppe
mit rothgelben Flügeldecken gehörend, ersterer durch einen grossen
gelben Stirnfleck, letzterer durch gelbjjerandetes llalsschild und kurze,
breite, sichelförmig gebogene RIandibeln ausgezeichnet. — Dorcus
forceps von Sumatra, mit drei Zahureihen an der Innenseite der
Mandibeln, purpurascetis von Sumatra, pilifer und Niponensis aus
Japan, tragidus und rectangulns aus Sumatra, letztere Art der Unter-
gattung Aegus angehörend. — Ergänzende Bemerkungen bringt Verf.
ausserdem über Lucanus sericans de Haan, bicolor Oliv, var., Dejeanii
Reiche var., Zebra Oliv., Dorcus Antaeus Hope, Titan Boisd. und
bucephalus Perty bei.
Le Conte fProc. acad- nat. scienc. Philadelphia 1861. p. 845)
beschrieb Dorcus Mazama als n. A. aus Neu-Mexiko, Plahjcerus coe-
rulescens und Agassii (sie!) aus Californien.
M o ts ch u 1 s k y (v. Schrenck's Reisen im Amur-Lande II.
p. 137 f.) Metopodontus Daurictis und Prismognathns subaetieus als n.
A. vom Amur. — Ferner (Etud, entoniol. X. p. 9fF,): Lucanus macu-
lifemorafus, Serrognatkus castanicolor. Macrodorcas rugipennis, stria-
tipennis, cribellafus und Dorcus binervis als n. A. aus Japan. Die
neuen Galtungen Serrognatkus und P r ism o gnathtis (zu wel-
cher hier auch der oben erwähnte Metopodontus Dauricus gebracht
wird) werden vom Verf. näher charakterisirt, auf den Lucanus in-
clinatus Alotsch. (Etudes entomol. 1857) eine neue Gattung Psali-
dognathus (!! der Name ist bereits für eine der ausgezeichnetsten
Cerambyciden - Gattungen vergeben!) begründet. Die von Lacor-
daire eingezogenen Untergattungen von Dorcus will Verf. aufrecht
erhalten und charakterisiit dieselben mit Hinzufngung der von ihm
selbst aufgestellten neuen in einer analytischen Tabelle.
Buprestidae. ß o h e m a n (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl.
1860. p. 14 ff.) beschrieb als neue Arten aus dem Inneren Süd-Afri-
ka's : Sternocera Wahlbergi vom Nolagi, funebris und Julodis albo-
maculata vom See IN Ganü, ßavosignata vom Svakop und Kolagi,
mitifica vom Kuisip, Psiloptera plagicollis, adspersipennis und placida
vom See K'Gami, subluevicollis und subrugosa vom Nolagi, Anthaxia
tenuicauda und Acmaeodera aurolimbala vom Nolagi , Acmaeodera
cuprina vom See N'Gami, fraterna vom Svakop, puella ^ fasciata,
366 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
luculenta und virqo vom See WGanii, varicolor vom Kolagi, Spheno-
vtera campicola und Covaehtis setulusus vom See IN'Ganii und Amor-
fhosoma egregia vom Svakop.
Deyrolle (Annales soc. entom. 4. ser. I. p. 395 f.) Caloxanlha
Bonvonloiri n. A aus Kord-Indien und Chrysochroa Mniszechii (pl. 16.
flg. 1 abgebildet) aus Slam.
Motschulsky (Bullet, d. natural, de Moscou 1861. 1. p. 113 ff.)
Agrilus fulgidiceps, Goniophthahna subfasciala, hispina^ Aphanislicus
arcuaticollis , Trachys X - argeiilea und cinereo - irrorata als n. A.
von Ceylon.
Derselbe (Etud. enlomol. X. p.6) Chrysochroa coeruleocephala
n. A. von d-er Insel Tsouzima und (v. Schrenck's Reisen im Amur-
Lande II. p. 108) Anthaxia reticulala aus Daurien.
F. Morawitz (Horae societ. entomol. Rossicae I. p*. 165 ff.)
gab ein Verzeichniss der Russisch-Europäischen Arten der Bupresti-
den-Gatlung Sphenoptera. Es werden im Ganzen neun Arten aufge-
führt, von denen Sphen. coracina Slev., antiqua Illig., inaequalis und
dianthi Stev., orichalcea Fall. (Dejeanii Zoubk.), foveola Gebl. und
Gebleri Gory nur mit Diagnosen versehen, Sphen. substriataKryn. und
hasalis n. A. von Sarepta ausführlich beschrieben werden.
Einzelne neue Arten sind: Jnlodis vermiculata Chevrolat
(Revue et Magas. de Zool. XIII. p. 147) aus Algier , Chrysobothrys
vulcanica Le Conte (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1861.
p. 346) von Fort Colville in Californien, Coraebus siibiilatiis Mora-
witz (Bullet, d. natural, de Moscou 1861. I. p. 284) von Sarepta,
Anthaxia Corsica Reiche (Annales soc. entom. 4. eer. I. p. 206)
aus Corsika und Aurig ena aereiventris (Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 4)
von Jerusalem.
Lucas, Note sur le Chrysodema erylhrocephala (Annales soc.
entom. 4. ser. I. p.397) gab eine ausführlichere Beschreibung der
Buprestis erythrocephala Montrouzier von Balade, welche zur Gattung
Chrysodema gehört.
Leprieur, Essai sur les metamotphoses du Trachys pygmaea
(Annales soc. entom. 4. ser. I. p. 459— 466. pl. 9. fig. 2) lieferte Be-
schreibung und Abbildung von der Larve und Nymphe der Trachys
pygmaea, über deren Lebensweise schon früher in den Comptes ren-
dus de l'acad. 1857 vom Verf. Millheilungen geniacltt waren (vergl.
Jahresbericht 1857. p. 104). Hinzuzufügen wäre noch, dass die Larve
zuweilen von einem Chalcidier angestochen wird. (Die Heeger'-
sche Abhandlung über Trachys nana ist dem Verf. auch jetzt noch
nicht bekannt geworden.) — Eine sich der Arbeit des Verf.'s an-
schliessende Note von L. Dufour (ebenda p. 467) weist darauf hin,
dass bereits Reaumur das Miniren der Trachys-Larven in Malven-
Blättern gekannt habe.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 367
Eucnemidae. Motschuisky (Bullet, d. natur. de Moscoii 1861.
I. p. Il6 ff.) stellte zwei neue Gattungen auf: 1) Psalistica nov.
gen., dem Habitus nach zwischen Fornax und Hypocoelus stehend ;
Fühler in Seitenfurchen des Frothorax einschlagbar, ihr erstes Glied
gross, länger als alle übrigen, das zweite kurz, das dritte langge-
streckt, nur um Yg kürzer als das erste, die folgenden schwach gesägt;
Tarsen ohne Lamellen, ihr erstes Glied fast so lang als die drei fol-
genden zusammen. (Die Gattung steht Fornax sehr nahe, möchte sich
aber nach der etwas abweichenden Stirnbildung, den weniger tiefen
Ilalsschildfurchen, dem Mangel an Funktstreifen auf den Flögeldecken
und dem allerdings merklich verschiedenen Habitus wohl aufrecht
erhalten lassen. Ref.) — Art: Ps. picipes. 2) Aula c ost ei- nus nov.
gen. (vergebener Name! Histerini de Marseul). Von der Form des
Dirhagus pygmaeus ; Fühler lang, gekämmt, in Prosternalfurchen ein-
schlagbar, ihr erstes Glied das längste von allen, das zweite klein,
das dritte nur ein wenig kürzer als das erste, das vierte bis zehnte
gleich, mehr denn doppelt so lang als breit. Tarsen sehr schlank,
ohne Anhänge, ihr erstes Glied sehr lang; letztes Hinterleibssegment
einfach abgerundet, ohne Enddorn. — Art: Aul, pavidus. Ferner:
Eucnetnis ampedoideSj Fornax umhrinus und fulvus n. A., ebenfalls
von Ceylon.
Throscidae. — H. de Bonvouloir, „Descriptions de plu-
sieures especes nouvelles de la famille des Throscides" (Ännales soc.
entom. 4. ser. I. p. 349 — 360. pl.8) gab Beschreibungen und Abbil-
dungen von folgenden neuen Arten: Throscus proprius und rugifrons
aus Nord -Indien , Algiricus von Constantine, Dvapeles fuscus von
Farä, snbmaculat'us von Cayenne, tripartitus und quadrisignatus von
Ega, Jansotii und ßavifrons von Batchian, Batesii vom Amazonen-
strome und Clarhii aus den Vereinigten Staaten.
Elatendae. Le Conte (Proc. acad. nat. scienc. Philadelphia
1861. p. 306 u. 347 f.) beschrieb Chalcolepidius ruhripennis vom Cap
San Lucas in Californien, Elater inoerens, dimidialus, Cardiophorus
longior, Melanolus variolatus , Pityobius ßlurrayi, Limonius discoi-
deus, Dolopius femigineipennis, Asaphes tumescens und Oregonus,
Corymbites colossus, anthrax und Aplastus optalus n. A. aus Califor-
nien, vom Oregon u. s. w.
Motschuisky (Bullet, d. natur. de Moscou 1861. L p. 119)
begründete eine neue Gattung Pharotarsus, von der Form eines
kleinen Athous und nach dem Verf. besonders dadurch merkwürdig,
dass im Tode das Halsschild stark nach unten hin contrahirt ist, so
dass es fast im rechten Winkel gegen die Flügeldecken steht. Drittes
und viertes Tarsenglied stark appendikulirt. Schildchen convex, herz-
förmig, Prosternalfortsatz lang; Fühler sehr schlank, erstes Glied
gross, gekeult, zweites kurz und schmal, die folgenden doppelt so
368 Gerstaecker: Bericht über die wisseDschaftlichen Leistungen
lang und dreieckig, — Art: Ph. pictnratus aus Ceylon. — Neue Ar-
ten, ebendaher: Brachylacon dioJesnioiiles , Monocrepidius Indiens,
axillaris, ßatipes, forticornis, ? testaceus, ? angustilarsus, Plalynychus
humeralis , quadr im acuta his und laleralis , Drasterius Indiens und
Aeolus Indiens.
Derselbe (v. S c h r e n c k's Keisen im Amur-Lande IL p.l08 Ef.)
beschrieb Allions limbalicollis (über ganz Sibirien verbreitet), Sela-
tosomns coernlescens aus Daurien, grucilis aus der 3Iongolei und vom
Amur, Clenoceia lestaceipennis aus Kamtschatka, Elaler pieitarsis vom
Amur, Fristilophiis Daurieus von üchotsk, sobrinns aus der Mongolei^
dilntipes vom Amur und aus Daurien, Limonius parallelus, Cardio^
phonis vulgaris und curlulus vom Amur, Campylns dilnliangnlus aus
Daurien.
Einzelne neue Arten sind: Drasterius tessellalns Morawitz
(Bullet, d. natural, de Moscou 1861. L p. 285) von Sarepla, ^Mom5
Corsieus Reiche (Annales soc. entoni. 4. ser. L p. 207) von Corsika,
Crulonychus punclalocollis Brisout dcBarneville (ebenda p. 600)
von llyeres, Adraslus rwrciCMs Sti e r I i n (Wien. Ent. j\Ionatsschr. V.
p. 219) von Janina, Pyrophorns Candezei Fauvel (Bullet, soc, Lin-
neenne de iNormandie V, p. 307) von Cayenne und Corymbites Baerii
K US c h a ke vv i tsc h (Ilorae societ. entom. ßossicae L p. 55. Taf. 1.
fig. 2) aus deu) östlichen Sibirien.
Gautier des Cottcs (Bullet, soc. entomol. 1861. p. 17 f.)
machle Millheilungen über das Vorkommen und die Häufigkeit einiger
Ampedus-Arten (A. crocalus, pornorum, praeuslus, pomonae, sangui-
neus und lythropterus) in Frankreich.
Do hm (Entomol. Zeitung XXIL p. 93) theilte mit, doss Aphi-
leus lucanoides Cand., dessen Vaterland bisher zweifelhaft war, aus
Australien stamme,
T h. Belval (Bullet, de l'acad. royale de Belgique 2. ser. XL
p. 95, c. tab. 1) gab Beschreibung und Abbildung eines Semiotus aus
dem Inneren I'eru's, welcher nach seiner Angabe mit Semiotus sutu-
ralis Fab. in der Form, mit Sem. sanguinicollis Blanch, in der Fär-
bung übereinstimmt; er will demnach nicht nur sein Exemplar, son-
dern auch die Bl a n c h a r d'sche Art als Varieläten zu Sem. suturalis
Fab. ziehen. (Das vom Verf. beschriebene und abgebildete Exemplar
gehört indessen einer besonderen Art, dem Semiotus speciosus Erichs,
an. Ref.)
Cebrionidae. Ccbrio mßpes Chevrolat (Revue et Magas. de
Zool. XIII. p. 267) n, A. aus Algier.
Rhipiceridae. Sandalus Califomicus LeConte (Proceed. acad.
nat. scienc. Philadelphia 1861. p.349) n. A. aus Californien.
DascyllidaO. Guerin-Meneville, Monographie du nouveau
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. SHO
genre Dicranopselaphus et description de quelques autres Insectes
Coleopteres appartenant aussi ä la fannlle des Dascillides (Revue et
Magas. de Zoologie XIII. p. 531— 547. pl. 17— 18). Die vom Verf.
aufgestellte neue Gattung Dicranopselaphus schliesst sich durch
ihren kurz ovalen, ziemlich abgeflachten Körper zunächst an Elodes
an, unterscheidet sich aber sogleich durch die beim Männchen sehr
grossen Augen und durch die Bildung der Fühler, welche elfglie-
drig, fast von halber Körperlänge, beim Männchen gekämmt und beim
Weibchen stark gesägt sind. Mandibeln klein und unter der hervor-
springenden und abgerundeten Oberlippe verborgen, Maxillen mit
dreischlitziger, häutiger Aussenlade und sehr grossen Tastern , deren
zweites Glied stark verlängert, das vierte an der Spitze gegabelt ist; an
der Unterlippe die Ligula mit vier langen und spitzen Laden, die
Taster gleichfalls mit gegabeltem Endgliede. Prothorax sehr kurz
und breit, Hinterleib fünfringlig, Tarsen fünfgliedrig, mit langge-
strecktem Basalgliede und an der Spitze zweizähnigen Klauen. —
4 Arten : a) Männliche Fühler vom vierten Gliede ab gekämmt, die
Kammzähne von der inneren Spitze der einzelnen Glieder entsprin-
gend. (Subgen. FurcipalpusJ: D. Lesueurii aus Mexiko, 5 Mill.
— b) Männliche Fühler vom dritten Gliede an gekämmt, die Kamm-
zähne innerhalb von der Mitte der einzelnen Glieder entspringend
(Subgen. Dicranopselaphus]: D. r«/"escews aus Mexiko (Cordova),
4 Mill., flavicornis ebendaher, 4 Mill, und picfws von Üaxaca, 3V2 ^^i^'«
(Anhangsweise bemerkt Verf., dass die Gattung Strongylomorphus
Motsch. möglicherweise mit der seinigen identisch sein könnte; ver-
gleichshalber bildet er zugleich die Mundtheile von Eubria palustris
ab.) — Eine zweite neue Galtung ist Euc t eis , nach den deutlich
fünfgliedrigen Tarsen ohne sohlenartige Verlängerungen zunächst mit
Odontonyx verwandt, mit dieser auch in den stark gekämmten Fuss-
klauen übereinstimmend, aber mit stark gewedelten Fühlern, wie bei
Cladotoma. — Art: Euct. himaculata von Shangai, 8 Mill. — Fer-
nere neue Arten: Cladotoma? subvittata von Parä, Dascillus nigri"
jjenm's Vaterl. unbek., Indiens aus Nord-Indien, Artematopus Goudotii,
suturalis, elongatus und caliginosus aus Columbien, Scyrtes compla-
nalus aus Brasilien, Pilatei aus Yucatan, Cayennensis, Trobertii aus
Mexiko, hieroglyphicus vom Senegal und ohlongus von Yucatan.
L e C 0 n t e (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1861. p. 349)
beschrieb Macropogon piceus n. A. von Fort Colville in Californien.
Pascoe (Journal of Entom. 1. p. 44) Dascyllus congruus n.A.
aus Kord-China.
Fairmaire (Annales soc. entomol. 4. ser. I. p. 582) Dascillus
Sicanus n. A. aus Sicilien.
MalaCOderma. — Lycidae. Motschulsky (Bullet, d. natu-
ral, de Moscou 1861. I. p. 136 f.) stellte eine neue Gattung Lyco-
Arohiv f. Naturg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd. Y
370 Geistaccker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
siomus auf, für deren Abtrennung von Lycus Ref. keinen Grund
aufzufinden vermag; der Lycostomus coccineus, als n. A. von Ceylon
beschrieben, fällt nämlich mit Lycus gcminus Walk., welches ein
wahrer Lycus ist, zusammen. — Eine zweite neue Gattung Micro-
nychns gehört zu den Lycus-Formen mit kurzem Rüssel, ist von
schmalem, langgestrecktem Körper, hat nach hinten nur leicht erwei-
terte Flügeldecken und sehr lange, fadenförmige Fühlhörner, an de-
nen besonders das vierte und siebente Glied stark verlängert sind ;
das letzte Glied ist bedeutend länger als die vorhergehenden, aber
nicht, wie der Verf. angiebt, das längste von allen. (In der Abbil-
dung Taf. 9. fig. 14 sind die Fühler ganz falsch dargestellt.) Das Hals-
schild ist ohne deutliche Felder, die Flügeldecken ohne hervortre-
tende Rippen. — Art: Micr. bimaculatus von Ceylon. — Ebendaher:
Celetes scabripennis und testaceus.
-Hl, Derselbe (v. Schrenck's Reisen im Amur-Lande II. p. 114)
beschrieb Lygistopterus ßabellatus als n. A. aus der Mongolei und
Ost-Sibirien.
Le Conte (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1861. p. 336
und 349) Lycus er uentus von Cap San Lucas in Californien und Cö-
lopf.eron megalopleron vom Oregon.
Fauvel (Bullet, soc. Linneenne de Normandie V. p. 308) Py-
ropterus (Eros) aurntocollis n. A. von Cayenne.
Candeze (iMemoires soc. roy. de Liege XVI. p. 354 ff.) Lycus
cinnabarinus n. A. von Ceylon, Calopteron corrngatum n. A. aus
Mexiko (beide nebst ihrer Larve und Nymphe beschrieben).
Lampyridae. — Pascoe (Journal of Entomol. I. p. 118.
pl. 5. fig. 2) charakterisirte eine sehr auffallende Gattung Dioptoma,
welche er, obwohl sie keine deutlichen Leuchtorgane besitzt und
durch ganz frei hervorstehenden Kopf abweicht, der gegenwärtigen
Gruppe — und wohl nicht mit Unrecht zuweist. Die Augen durch
einen tiefen Einschnitt in eine obere kleine und eine unlere, sehr
grosse, halbkuglige Hälfte getheilt; Fühler kurz, zwölfgliedrig, die
beiden ersten Glieder verdickt, die folgenden nach Angabe des Verf.'s
eine langgestreckte Keule bildend (an drei dem Ref. vorliegenden
Arten der Gattung vom dritten Gliede an sehr scharf und deutlich
gesägt). Mandibeln dünn, sichelförmig, klaffend, ungezähnt, Halsschild
nicht seitlich ausgebreitet, Schildchen gross, dreieckig, Flügeldecken
nach hinten verengt und etwas klaffend, Hinterflügel vorhanden. —
Art: Diopt. Ädamsii aus Indien (Dacca). — Die Galtung ist auch
durch einige Arten auf Ceylon, wo sie K i e t n e r entdeckte, vertre-
ten. Ref.
Motschulsky (v. Schrenck's Reisen im Amur- Lande II.
p. 114) beschrieb Liiciola Mongolica als u. A. aus der Mongolei und
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. S71
vom Amur und (Bullet, d. natural, de Moscou 1861. I. p. 132) Stron-
gylomorpkus oblongus als n. A. aus Ceylon.
V. Osten-Sacken (Entomol. Zeitung XXII. p. 54 f.) machte
Mittheilungen über die Eigenthümlichkeiten des Leuchlens und die
Jiebensweise einiger Nord-Amerikanischer Lampyriden: Photinus py-
ralis, Photuris Pennsylvanica und Photinus scintillans.
Drilidae. — Eine neue Gattung Pachytarsus wurde von
Motschulsky (Bullet, d. natural, de Moscou 1861. I, p. 133) cha-
rakterisirt. Die Beine sind kräftig, nicht zusammengedrückt, das
vierte Tarsenglied kaum breiter als die vorhergehenden, lang zwei-
lappig, die Klauen klein, an der Basis winklig erweitert. Der Kopf
etwas unter dem Halsschilde verborgen, die Augen hervorspringend,
die Fühler von halber Körperlänge, stark, zusammengedrückt, gesägt,
das erste Glied kaum länger als das dritte und wie das ganz kurze
zweite schmal, das dritte und vierte breit, gleich lang; die Taster
dick, keulförmig, mit grossem, abgerundetem Endgliede, die Mandibeln
kräftig. Das Schildchen gross, dreieckig, die Flügeldecken von Hin-
terleibslänge, nach hinten kaum verschmälert. — Arten : Pack, late-
ralis, basalis und testaceus von Ceylon.
T el ep h 0 r i d a e. — F. Philipp i lieferte (Entomol. Zeitung
XXII. p. 20 — 31) einen Catalog der Chilenischen Arten des Genus
Telephorus Schaff. , in welchem er zwanzig Arten dieser Galtung
aufführt und davon folgende ausführlich charakterisirt : a) Rücken
des Prothorax breĻr als lang: T. pyrocephalus Sol., flarescens n.A.,
crassicornis Sol., Krausei und semimarginatns n.A. (Den Kamen von
Tel. scutellaris Sol. ändert Verf. als bereits vergeben in T. nigroscu-
tellaris Phil. um). — b) Rücken des Prothorax so lang als breit oder
länger: Tel. militaris Germain, bimaculicollis Sol., sanguitieocinctus,
heterogaster und similis n. A., nigripennis und variabilis Sol., pyrau-
chen, bistriatus und heterogenes n. A., Chilensis Guer. und gracilis n. A.
Mulsant (Memoires d.i. soc. d. scienc. nat. de Cherbourg VIII)
begründete auf Rhagonycha laeta Fab. und denticollis Schum. eine eigene
Gattung Pygidia, die er von Rhagonycha durch den bis zur Spitze des
dritten Leibesringes reichenden umgeschlagenen Rand der Flügeldecken
und den an der Spitze gerade abgestutzten letzten Hioterleibsring un-
terscheidet. — Auf einer beifolgenden Tafel, Fig. 3 ist Pygida hypo'
crilaMiüs. abgebildet; eine Beschreibung derselben ist nicht gegeben.
' '• ' Le Conte (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1861. p. 350)
beschrieb Podahrns torqtialtts n. A. von den Rocky-Mountains, mel~
lißmis , corneus und macer aus Californien, scab-er vom Oregon und
Malthodes transversvs von Santa Cruz Island.
.Reiche (Annales söc. entomol. 4. ser. I. p. 207 f.) Telephorus
dichromus , vittatocollis und (Rhagonycha) Corsicus als n. A. von
Corsika.
872 GerstaecUer: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
V. Kiesenwetter (Beil. Ent. Zeitschr. V. p. 381) Cantharis
laricicola , Malthodes aemulus und cyphonurus als n. A. aus der
Schweiz.
Motschulsky (Bullet, d. natural, de Moscou 1861. I. p. 140)
Ilapaloderus ßavipes und dilnlitarsus als n. A. von Ceylon.
Derselbe (v. Sc h r e n ck's Reisen im Amur-Lande II. p. 115 ff.)
Podabrus dilaticollis von Ochotsk und dem Amur, Ochoticus, margi-
nalus und Dichelotarsus flavipes vom Amur, Dichelotarsus ßavimanus
von Ochotsk, recticollis vom Amur, Rhagonycha nigriventris ausDau-
rien und Kamtschatka, Telephorus melanogaslricus vom Amur.
Einzelne neue Arten sind ausserdem: Malthinus signatus Che-
vrolat (Revue et Magas. de Zool. XIII. p. 268) aus Algier, Idgia fla^
virostris Pascoe (Journal of Entomol. I. p. 43) aus China, Telephorus
Jllyricus (Dejean Catal.) Mulsant (Opuscul. entomol. XII. p. 15) aus
der Provence und Telephorus dichr omus F&uve\ (Bullet, soc. Linneenne
de Normandie V. p. 309) von Cayenne.
Melyridae. — Einige neue Melyriden aus der Umgegend
Sarepta's beschrieb F. Morawitz (Bullet, d. natur. de Moscou 1861.
II. p. 314 — 320). Anlhocomus hutneralis, imperialis ; Pristochira
nov. gen., vom Ausehn eines gedrungenen Dasytes und zwischen
dieser Gattung und Haplocnemus stehend. Fühler elfgliedrig, etwas
langer als der Kopf, die vier vorletzten Glieder gesägt; Mandibeln
an der Spitze stumpf zweispaltig, Oberlippe quej^Ciefertaster faden-
förmig mit längerem Endgliede. Vorderschienen fein gesägt, die
mittleren und hinteren hedornt; Tarsen kurz mit kleinem ersten
Gliede, Klauen mit starkem Zahne an der Basis. — Art: Pr. tarians,
— Dolichosoma femorale (Dasytes femoralis Kryn. ?), Dasxjtiscus affinis
und Danacaea aenea.
Derselbe (ebenda I. p. 286 f.) beschrieb ebendaher als neue
Arten : Apalochrus vitlatus, Charopus thoracicus, Malachius linearis
und Ebaeus rufisses (? sie !).
V. Kiesenwetter (Berl. Ent. Zeitschr- V. p. 385) Haplocne-
mus alpestris und Julistus memnonius als n. A. aus der Schweiz, Ju~
lislus floricola aus Ungarn und Oesterreich.
Motschulsky (Bullet, d. natural, de Moscou 1861. L p. 132)
Dermatotna Ceylonica als n. A. von Ceylon, (ebenda p. 141) Collops
violaceipennis ebendaher und ( v. Schrenck's Reisen im Amur-
Lande II. p. 118) Collops obscuricornis n. A. aus Kamtschatka.
Baudi (Berl. Ent, Zeitschr. V. p. 182) Danacea denlicollis (Bo-
nelli i. lit.) als n. A. aus Piemont.
Brisout de Barne ville (Annales soc. entom. 4. ser. I.
p. 601) Julistus fulvohirtus als n. A. aus Frankreich (Lesterelle).
Gleridae. Pascoe (Journal of Entomol. I. p. 44 (f.) machte
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 373
folgende neue Arten und Gattungen bekannt: Cylidrus centralis von
Moreton-Bay, alcyonens von Dorey auf Neu-Guinea, Eleale sellata,
lepida und simulaiis von Moreton-Bay, Scrobiger albocinctus ebendaher.
— Cormodes nov. gen. (pl. 2. fig. 8), mit Natalis zunächst verwandt,
durch den Mangel von Hinterflügeln ausgezeichnet. Kopf kurz, Augen
vertical, kaum ausgebuchtet, Fühler von Halsschildlänge, ihr erstes Glied
am grössten, die drei letzten eine sehr wenig ausgeprägte, schlanke Keule
bildend; Endglied der Lippentaster beüförmig, der Kiefertaster cylin-
drisch, Thorax und Flügeldecken flachgedrückt, Beine kräftig, Vor-
derschenkel verdickt. — Art: Carm. Darwinii von Lord Howes
Island. — Aulicus viridis simtis und lemoides n. A. von Sidney, Alle-
lidea brevipennis von Melbourne, Lemidia carissima ebendaher, Lern,
insolala von Macassar, Tenerus telephoroides von Moreton - Bay. —
Choresine nov. gen., eine höchst aufi'allend gestaltete Form, vom
Verf. den Enopliiden beigezählt. Kopf klein, dreieckig, Augen rund,
hervortretend, Fühler elfgliedrig, kaum von halber Körperlänge, ohne
deutliche Keule, das erste Glied doppelt so lang als das zweite;
Mandibeln stark gekrümmt, zweispitzig, Taster gekeult. Prothorax
klein, quadratisch, Skutellum dreieckig, Flügeldecken äusserst breit,
kreisrund, halbkuglig gewölbt; Hinlerleib sechs- (?) ringlig. — Art:
Chor, advena von den Molukken, pl. 2. fig. 2 abgebildet.
Chevrolat (Revue et Magas. de Zool. Xlll. p. 150 f.) beschrieb
Trichodes sanguinosus, hypocrila und Zaharae als n. A. aus Algier.
Le Conte (Proc. acad. nat. scienc. Philadelphia 1861. p. 351)
Thanasimus rubriventris und nigriventris als n. A. von Fort Colvilie
in Californien.
Motschulsky (Bullet, d. natural, de Moscou 1861. L p. 125 ff.)
Stigmatinm ceramboides, Notoxus? crux, Hydnocera scabra uud Em-
mepus fiavipes als n. A. von Ceylon; ferner (v. Schrenck's Reisen
im Amur-Lande IL p. 113) Opilus striatulus als n. A. aus Daurien.
Xylophaga., V. Wollaston, „On Ihe Anobiadae of the Ca-
nary Islands" (Annais of nat. bist. 3. ser. VII. p. 11 — 19) gab eine
Aufzählung von 14 auf den Canarischen Inseln von ihm aufgefunde-
nen Arten aus der Anobium-Gruppe; dieselben gehören fünf Gattun-
gen an, von denen zwei neu sind: 1) Stagetus nov. gen., gewis-
sermassen zwischen Anobium und Dorcatoma stehend, aber von die-
den beiden sowohl als den übrigen Anobien-Gattungen durch die
Bildung der Fühler und Überlippe, durch die fast verwachsenen
Flügeldecken, den vorn kegelförmig ausgezogenen Prothorax, den
fast kugligen, flügellosen und haarigen Körper unterschieden. Füh-
ler deutlich elfgliedrig, ihr erstes Glied sehr gross, kräftig, das
zweite weniger verdickt, kurz, nach der Basis hin gekeult, das
dritte bis achte allmählich breiter werdend , die drei letzten eine
grosse, sehr lange, lose gegliederte Keule bildend; Oberlippe klein,
374 (i crs ta e c ke r : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
hornig, länglich, hinten verengt, an den Vorderwinkeln stark gerun-
det. — Zwei Arten: Slag. hirlulus von Ilicrro und crenalus von Te-
nerida. — 2) Xyletinus J.atr. mit 4 neuen Arten: Xyl. desecliis und
excavatus von Canaria Grande, lalitans von TenerilTa und Hierro und
hrevis von Palma. — 3) Notiomimus nov. gen.,, mit Xyletinus zu-
nächst verwandt, durch längeren und mehr cylindrischen Körper,
breiteren Kopf, hinterwärts stark gerundeten und nicht ausgebuchte-
ten Prothorax, spindelförmiges Endglied beider Tasterpaare und län-
geres zweites Tarsenglied, welches dem ersten fast an Länge gleich-
kommt, unterschieden ; ausserdem zeichnet sich die Galtung auch sehr
auffallend durch ihre Lebensweise in dem hart gewordenen Dünger
von Hufthieren aus. — Drei Arten: Not. ßmicola von Lanzarote und
Fuerte Ventura, im Pferde-, Rinder- und Knmeel-Dünger, holoseri-
ceus von Palma und punclulatissimus von Canaria Giande. — 4)
Anobium Fab. mit 4 Arten (A. velatum Woll., villosum Brülle, stria-
tum Oliv, und paniceum Lin.). — 5} Ptilinus Geoffr. mit 1 A. (Pu
cylindripennis VVoll.).
Aube, „Description de quatre nouvelles especes de Coleopte-
res appartenant ä un genre nouveau" (Annales soc. entom. de France
4. ser. L p. 93 — 96) machte eine neue Gattung Theca (Rey i. lit.)
bekannt, welche zur Gruppe der Anobien und zwischen Xyletinus
und Dorcatoma zu stellen ist. Der Körper ist eiförmig, der Kopf bis
zu den Augen in das Halsschild eingesenkt, welches nach Art der
Anobien gebildet ist, die Flügeldecken mit zehn vollständigen und
einem abgekürzten Punktstreifen versehen, die Hinterflügel ausgebil-
det. Fühler elfgliedrig, ihr erstes Glied dick, fast kuglig, das zweite
klein, cylindrisch, das dritte bis sechste fast kuglig, die folgenden
nach innen spitzig ausgezogen, das neunte und zehnte gross, abge-
flacht und beilförmig. — Ausser Xyletinus pellitus Chevr. gehören
der Gattung an: Theca pillula, byrrhoides (Rey i. lit.) aus Südfrank-
reich, Andalusiaca und Raphaelensis, letztere aus Südfrankreich. —
Im Bullet, soc. entomol. 18G1. p. 45 bemerkt Verf., dass die Gattung
unter gleichem Namen schon von Mulsant und Rey bekannt ge-
macht worden sei (vergl. Jahresbericht 1859 — 60. p. 123), und dass
Theca byrrhoides Aube = Th. byrrhoides Muls. Rey, Th. Raphaelen-
sis Aube = Th. elongata Muls. Rey sei. Zugleich beschreibt Aube
hier noch eine sechste Art der Gattung: Th. cribricollis aus Algier.
Candeze (Memoires soc. royale de LiegeXVI. p, 364) charak-
terisirte eine neue Gattung P ter o g e nius aus der Cissiden-Gruppe,
welche sich im männlichen Geschlechte durch eine sehr merkwürdige
Kopfbildung auszeichnet; der Kopf ist nämlich beiderseits stark ver-
breitert, stark in die Quere gezogen, hinten zu einem deutlichen
Halse verengt und trägt die kleinen Augen in einer Ausbuchtung des
Hinterlandes. Die Fühler sind beim Mäunchtn fast von hüiptrläuge,
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 375
gegen die Spitze hin so schwach verdickt, dass sie fast fadenförmig
erscheinen, — Art : Pter. ISietneri von Ceylon, — Ausserdem wird
Catorama palmarum (Salle i. lit.) als n. A. von Haiti beschrieben,
beide zugleich nach ihren ersten Ständen erörtert.
Chevrolat (Revue et Magas. de Zool, XIII. p. 153 u. p, 206)
beschrieb Hedohia succincta, Xyletinus peregrinus und Xylotrogvs
glycyrrhizae als n. A. aus Algier.
Le Conto (Proc. acad. nat. scienc. Philadelphia 1861. p. 351 f.)
Cupes serrala und Philoxylon alulaceiim als n. A. aus Californien.
Mo ra Witz (Bullet, d. natural, de Moscou 1861. I. p. 288 f.)
Xyletinus discicollis, sericeiis, thoracicus und cyphonoides als n. A.
von Sarepta ; ferner eine neue Gattung B r achy trachelu s (verge-
bener Name, Curculionen !) zwischen Ptilinus und Xyletinus stehend;
Fühler des Männchens gewedelt, Mandibeln mit gespaltener Spitze,
Endglied der Kiefertaster zugespitzt, der Lippentaster fast beilförmig;
Körperform von Xyletinus. — Art: Brach. Kiesenwetteri, gleichfalls
von Sareplfl.
Mo ntrouzi e r (Annales soc. entoraol. 4. ser. I. p.266 f.) Ly~
ctus rugvlosus (= Xylonotrogus brunneus), Apate Geoffroyi, Lifuana
und edentata, Tomiciis minimus und elongatus (beide zur Gattung Cis
gehörend) als n. A. von Neu-Caledonien.
Einzelne neue Arten sind ferner: Xyletinus ferrugineus Wol-
laston (Annais of nat. bist. 3. ser. VII. p. 303) von der Insel Ascen-
sion, Atractocerus morio Pascoe (Journal of Entomol. I. p. 117)
von den Molukken, Cis subornatus\V o]\ nsio n (ebenda p.l40) vom
Cap, Ptinus snbmetallicus Fairmai re (Annales soc. entom. 4. ser. I.
p. 583) aus den Pyrenäen, Hedobia angustata Brisout de Barne-
ville (ebenda p. 602) aus den Pyrenäen, Dorcatoma dichroa (Gene i.
lit.) Baudi (Berl. Ent. Zeitschr. V. p. 183) aus Sardinien und Sphin-
dus grandis Hampe (Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 67) von Agram, in
Staubschwämmen lebend.
Mink, „üeber die Fussbildung von Sphindus dubius Gyll."
(Entomol. Zeitung XXII. p. 128) bestätigte die Vermuthung Redten-
bacher's von der Verschiedenheit der Bildung der Hinterfüsse bei
den beiden Geschlechtern der genannten Art; eine Untersuchung zahl-
reicher Exemplare hat nämlich ergeben , dass die Hinterfüsse des
Männchens fünf-, des Weibchens viergliedrig sind.
Für die Nomenklatur einer grösseren Reihe von Arten aus den
Gruppen der Ptiniden, Anobiiden und Apatiden sind die synonymi-
schen Bemerkungen wichtig, welche Cherolat („Observations et
notes synonymiques," Annales soc. entomol. 4. ser. I. p. 389 ff.) ge-
geben hat.
MeldSOma. Wollaston (Annais of nat. bist. 3. ser. VII.
p. 199 ff.) stellte folgende neue Gattungen auf: 1) Eremonomus
376 Ge isla ec k or: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
nov. gen., vom Verf. auf L a co r d a ir e's Rath zur Gruppe der Sti-
zopiden gestellt, unter denen es mit Caedius zunächst verwandt sein
soll; durch erweiterte und an der Aussenseite tief und unregelmäs-
sig zahnartig ausgenagte, so wie mit dornartigen Borsten besetzte
Vorderschienen, ferner durch kräftige, fast herzförmige, hornige Li-
gula, deren Vorderecken stark mit Borsten gewimpert sind, ausge-
zeichnet. — Art: £re7?j. //w^foni von St. Vincent. — 2) Haionomus
n. g.f auf Heterophaga ovata Dej. begründet, mit üpatrum verwandt,
aber von kürzerem, schwächer sculpirtem und convexerem Körper,
mit schwächeren Beinen, nicht erweiterten und am Aussenwiukel in
einen kleinen zahnförmigen Dorn ausgezogenen Vorderschienen,
schwächer gekeulten Fühlern, an der Spitze nicht ausgerandeler Über-
lippe, nicht abwärts gebogenem Prosternallappen und vorn dreieckig
ausgeschnittenem 3Jesosternum. Kinn quer quadratisch, nach hinten
allmählich verengt, vorn weit und flach ausgerandet; Ligula gerundet
eiförmig, aus einem oberen schmaleren, an der Spitze dreieckig aus-
geschnittenen und einem unteren breiteren Theile bestehend. — Arten:
Ilal. Grayii (Heterophaga ovata Dej. Cat.) von St. Vincent und sali-
nicola von Lanzarote. — 3) Tr ic ho s f ernum nov. gen., mit Ila-
drus zunächst verwandt, aber durch grösseres Schildchen, weniger
platten Körper, dicht beborsteten Prosternallappen, dickere Maudibeln,
einfaches Kinn, kräftigere Beine und viel stärker erweiterte Vorder-
schienen abweichend; besonders eigenthümlich ist die Oberlippe,
welche gross, dick, hornig, seitlich unregelmässig und runzlig ge-
sägt ist und aus zwei dicht aneinander haftenden Platten besteht,
deren obere an der Spitze tief zweilappig erscheint. — Art: Trich.
striatum von St. Vincent. — (p. 246 ff-^ : 4) Pseudostene nov.
gen., aus der Gruppe von Uloma; von Tribolium, mit welcher Gat-
tung die hierher gehörigen Arten in den Sammlungen meist vereinigt
sind, sehr abweichend durch die Grabbeine, durch den viel grös-
seren und an der Basis nicht ausgebuchteten Prothorax, den dickeren
und fast linearen Prosternallappen, das tiefer dreieckig ausgeschnittene
Mesosternum, die kürzer zweispaltigen Mandibeln, das weit ausge-
randete Kinn, die gerade abgeschnittene Ligula, die schwächer ver-
dickten Fühler und die fünfgliedrige Keule. — Arten: Ps. angiista
von St. Vincent, subclavata aus Aegypten und fossoria von Lanzarote.
5) Xenogloens nov. gen., gleichfalls zu den Ulomiden gehörig, be-
merkenswerth durch die lang beborstete, an der Spitze plötzlich ein-
wärts gebogene, stumpfe und concave Innenlade der Maxillen, die
kräftige, herzförmige Ligula, das dicke, fast herzförmige Kinn, das
stark beilförmige Endglied der Kiefertasler und die hervorstehenden
Schultcrecken der Flügeldecken. — Art: Xen. politus von St. Vin-
cent. — Phaleria picta n. A. von Lanzarote und Fuerte Ventura, an-
hangsweise beschrieben.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 377
Neue Gattungen und Arten, von Pasooe (Journal of Entomol., I.
p. 5ö ff.) aufgestellt, sind: Doliema nov. gen., vom Habitus der
Gattung Platisus, aber mit Adelina Wollast. sehr nahe verwandt, wenn
nicht identisch. Kopf kurz und breit, vorn ausgebuchtet, Augen den
Thoraxrand berührend, Fühler perlschnurförmig , vom vierten bis
achten Gliede leicht verdickt; Thorax und Flügeldecken flachgedrückt,
ersterer vorn tief herzförmig ausgeschnitten und mit breit abgerunde-
ten Vorderecken. Vorderschienen aussen gesägt, Pro- und Mesoster-
num breit und flach. — Art: Dol. platisoides von den Molukken,
Ceylon und Manila. — Eurypus cupripennis n. A. von Parä. — 0 e-
demutes nov. gen., mit Sphaerotus verwandt, die Fühler aber auf-
fallend kurz; das dritte Glied am längsten, die folgenden allmählich
breiter und gegen die Spitze hin länger werdend ; Prothorax quer,
an den Seiten gekielt, Flügeldecken bauchig und gewölbt, Vorder-
schenkel stark verbreitert und gezähnt. — Art: Oed. tumidus von
Ceylon. (Zwei grössere Arten dieser Gattung kommen auf den Phi-
lippinen vor. Hef.) — Camaria spectabilis n. A. aus Kord-China. —
Ebenda p. 119 ff'. : C otulades nov. gen., auf Tagenia leucospila Hope
begründet, von Tagenia u. a. durch den hinten nicht halsförmig ein-
geschnürten Kopf unterschieden ; Fühler kurz und dick, sehr haarig,
perlschnurförmig, das Basalglied am längsten, die folgenden bis zum
zehnten gleich, sehr kurz und quer. Die vier ersten Tarsenglieder
der vorderen Beine sehr kurz; Millelbeine , wie es scheint, ohne
Trochanlinen. — Art: Cot. fascicularis von Melbourne. — Elascus
nov. gen., in der Bildung der Mittelbeine mit der vorigen Gattung
übereinstimmend, auch mit Latometus Er, nach des Verf.'s Ansicht
nahe verwandt. Kopf verlängert, Augen klein, ungetheilt, Fühler
kurz, haarig, elfgliedrig, das erste Glied am längsten, die übrigen
sehr kurz und quer; Halsschild quer quadratisch, auf der Oberfläche
wie die langgestreckten und fast gleich breiten Flügeldecken uneben.
— Arten: El. crassicornis und lunatus von Melbourne. — Docalis
nov. gen., auf Tagenia funerosa Hope begründet, nach des Verf.'s
Ansicht mit Nyctoporis und Ammophorus zunächst verwandt. Kopf
hervortretend, vorn gerundet erweitert, Augen durch die Fühlergrube
fast getheilt, Fühler perlschnurförmig, die drei ersten Glieder am
längsten, das zehnte grösser als das elfte; Prothorax abgerundet
quadratisch, etwas breiter als der Kopf und etwas schmaler als die
langgestreckten und fast gleichbreiten Flügeldecken. — Arten: Doc.
exoletus von Melbourne und Vandiemensland, degener von letzterer
Lokalität. — Sphargeris nov. gen., mit Choerodes White sehr
nahe verwandt, aber besonders durch die Fühlerbildung unterschie-
den; es sind nämlich nicht wie dort nur die drei Endglieder zu einer
Keule erweitert, sondern an der Bildung der Keule betheiligen sich
alle Glieder vom vierten an, bei dem sie sich stark in die Quere zu
378 Ge ist n eck c r: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
ziehen beginnen. — Art: Sph. ^%50f/es von Melbourne und Adelaide.
— Chaety litis nov. gen., im Habitus an Tagenia erinnernd, durch
zweilappiges vorletztes Tarsenglied ausgezeichnet und hiernach viel-
leicht mit Phymatodes und Phobelius verwandt. Kopf gerundet drei-
eckig, breilor als der stark herzförmig eingeschnürte Thorax, Fühler
elfgliedrig, mit dickem ersten und verlängertem dritten Gliede, perl-
schnurförmig, gegen die Spitze hin leicht und allmählich verdickt;
Kiefer-Taster mit stark beilförmigcm Endgliede, Lippentaster kurz und
dick. Schildchen unsichtbar, Flügeldecken verwachsen, breit ellip-
tisch, stark gewölbt. — Art: Chaet. anthicoides von Ega in Brasilien.
— D ip saconia nov. gen., mit Ulodes Er. verwandt^ unterschieden
durch den vor den Augen verlängerten Kopf, durch kurze, fast perl-
schnurförmige, nur leicht behaarte Fühler, an denen das erste Glied
verdickt, das zweite sehr kurz, das dritte am längsten ist, die fol-
genden allmählich an Länge ab- und an Breite zunehmen; ferner
durch ebene Oberfläche des Thorax, welcher schmaler als die drei-
mal so langen, schmal eiförmigen Flügeldecken ist. — Arten: Dips.
Bahewellii und pyritosa von Melbourne. — Tithassa nov. gen.,
nach des Verf.'s Ansicht durch die meisten Charaktere sich den Dia-
periden nähernd, mit denen die Abbildung pl. 5. fig. 7 freilich gar
keine Aehnlichkeit zeigt und von denen sie die Fussbildung (Sohle
behaart, vorletztes Glied erweitert) entfernt. Fühler schlank mit sehr
lose gegliederter, dreigliedriger Keule fast von halber Fühlerlänge,
Kopf klein, frei hervorstehend, mit kleinen, seitlichen und runden
Augen; Halsschild doppelt so breit als lang, viereckig, Flügeldecken
eiförmig, breit, gewölbt. — Art: Tith. corynomelas von Rio-Janeiro.
— Chario theca (I)ej. Cat.) nov. gen. hier näher charakterisirt. —
Arten: Ckar. coruscans von den Molukken, litirjiosa und cttpripennis
von Dorey auf Neu-Guinea. — Omolipus nov. gen., nach des Verf.'s
Ansicht mit Misolampus zunächst verwandt, von diesem schon durch
die Abwesenheit des Schildchens unterschieden; innere Maxillarlade
mit Haken, Lippentaster au der Basis genähert. Fühler kurz und
kräftig, mit mehrgliedriger, zusammengedrückter, aber wenig abge-
setzter Keule, welche aus queren und eng aneinanderschliessenden
Gliedern besteht; Halsschild fast kreisrund, hinten abgestutzt, Flügel-
decken länglich eiförmig, verwachsen, gewölbt, Hinlerflügel fehlend.
— Art: Om. corvMs von Melbourne. — Die oben unter den Colydiern
aufgeführte Gattung Byrsax wird vom Verf. nachträglich (p. 124)
als zu den Melasomen gehörig anerkannt und in die Nähe von Bo-
litophagus gestellt.
Miller (Wien. Ent. Monalsschr. V. p. 169 und 201 ff., Taf. 4
und 5) gab Beschreibungen und Abbildungen von folgenden neuen
Arten (worunter eine neue Gattung) meist aus Syrien: Z,ophosis pa-
rallela, Asiatica , cognata , Adesmia procera (Jerusalem), parallela
im Gebiete der Entomologie wahrend des Jahres 1861. 379
(Cairo), insignis {C'diro), Gnathosia planata und Tentyria puncliceps^ —
Hionthis nov. gen., aus der Tentyriden-Gruppe, von Calyptopsis und
Dichomnia durch ungetheilte Augen, von Pachychila und Microdera
durch gerandete Basis der Flügeldecken, von Hypsosoma und Tenty-
ria durch gleich langes 2. und 3. Fühlerglied, von JMesostena durch
die Kopfbildung unterschieden; der Kopf ist kurz, der Clypeus von
der Stirn durch eine Querfurche getrennt und seitlich weder erwei-
tert noch verdickt. — Art: H. tentyrioides. — Stenosis canaliculata,
sulcata (Cypern), Blaps Judaeorum, Pimelia Nazarena, ornata (Aegy-
pten), prolongata, errans, Ocnera pygmaea (Cairo), Jaffana, Pandarus
tenuicornis, Cabirns rohmdicollis, Scleron humerosum, angustuni, hir-
stttmn (Aegypten), Pachypterus Niloticus (Aegypten), Opalrum curlum.
Fauvel (Bullet, soc. Linneenne de Norniandie V. p. 310) cha-
rakterisirte eine neue Cnodaliden - Gattung D ept anc hesi a , mit
Cnodalon und Cyrtosonia verwandt, von kahnförmigem Körperumriss,
geflügelt. Epistom leicht aufgebogen , Augen quer, nierenförmig,
Kiefertaster dreigliedrig (? ?), das zweite Glied beilförmig, das dritte
grösser, dreieckig; au den Fühlern das erste Glied kaum dicker als
die folgenden, das zweite bis fünfte gleich, die folgenden flachge-
drückt und allmählich erweitert. Prothorax quer, gleich breit, die
Seitenränder nicht gezähnelt, die Basis gegen das kleine, dreieckige
Schildchen etwas hervorgezogen; Flügeldecken gleich breit, stark
gewölbt, mit breitem Umschlag längs der Vorderhälfle. — Art: Depl.
metallesce7is von Cnyenne, 7 Mill. lang.
Von Bloss ig (Horae societ. entomol. Rossicae I. p. 89 fl".)
wurden als in der Colonie Victoria (Neu- Holland) einheimisch 20
Melasomen-Arten aufgeführt und die darunter befindlichen neuen so
wie mehrere weniger bekannte ausführlich beschrieben: Pterohelaevs
planus, Iphthinus niger n. A., Tenebrio australis Boisd. und nigerri-
mus Blanch. (die wesentlichen Abweichungen beider Arten von den
Europäischen Menephilus und Tenebrio werden vom Verf. eingehend
erörtert), Adelium angulicolle Casteln. und brevicornis n. A. — Die
Arten der Gattung Adelium sondert Verf. in drei Gruppen: 1) Abdo-
minalfortsatz (d. h. Fortsatz des ersten Bauchringes) mit einer Ein-
kerbung in der Mitte des Vorderrandes, dieser gerade abgestutzt;
Prothorax hinten gerade abgeschnitten, den Flügeldecken sich nicht
anschliessend, letztere mit Punktreihen (nicht Punktstreifen); z. B.
Ad. angulicolle Gast. — 2) Abdominalfortsätz ganzrandig, mehr oder
weniger gerundet, Prothorax hinten gerade abgeschnitten, den Flü-
geldecken sich nicht anschliessend. Hierher die meisten der bekann-
ten Arten, welche nach der Länge der Fühler abermals in mehrere
Gruppen zerfallen: a) Fühler lang und schlank: Ad. caraboides Kirby,
similatum Germ., tenebrioides Er. b) Drittes Fühlerglied kürzer als
die beiden folgenden zusammen: Ad. calosomoides und lioinoides
380 Gerstnecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Kirby, cisteloides Er. c) Fühler kurz: Ad. abbrevialum Boisd. und
brcvicorne Bless. — 3) Abdominalfortsatz ganzrandig , gerade ab-
gestutzt; Prothorax hinten leicht ausgerandet, den Flügeldecken sich
anschliessend: Ad. parallelum Genn., elongatuni Er., catenulaturn Dej.
— Eine neueGullungChalcopterus aus der Amarygmiden-Gruppe
wird auf Grund der stumpfen, gerade abgestutzten Mandibeln von
Amarygmus abgezweigt und letztere Gattung somit auf die Arten mit
zweizähnigen Mandibeln beschränkt; Amarygmus scheint dem Verf.
zufolge auf die Sunda-Inseln, Philippinen, Molukken u. s. w. be-
schränkt zu sein, auf dem Festlande Neu- Hollands dagegen zu fehlen.
Arten : Chalc. iridicolor, variabilis, affinis und laevicollis neu, ausser-
dem Gh. cupripennis Hope. — Aus der Cistelinen- Gruppe werden
beschrieben : Tanychilus splendens und Allecula fuscipennis n. A.
Motschulsky (v. Schrenck's Reisen im Amur -Lande IL
p. 139) machte eine neue Gattung Encyal esthus bekannt, welche
fast die Form von Upis hat, sich aber durch metallisch glänzende
Flügeldecken auszeichnet. Fühler von Kopf- und Thorax-Länge zu-
sammen, leicht keulförmig verdickt, ihre beiden ersten Glieder klein,
kürzer als das dritte, welches von allen das längste ist und die bei-
den folgenden um ein Dritttheil der Länge übertrifft. — Art: Enc.
subviolaceus vom Ussuri und aus Süd-Üaurien. — Ausserdem : Gono"
cephalum Kamtschaticum n. A.
Derselbe (Etud. entomol. X. p.l9f.) beschrieb Plesiophthal-
mus aeneus und nigratus als n. A. aus Japan.
L e C 0 n t e (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1861. p. 337)
Pelecyphorus aegrotus, bifurcus, sexcostatus, Centrioptera spiculifera,
Cryptoglossa seriata und Cerenopus cribratus als n. A. von Cap San
Lucas und (ebenda p. 352 f.) Eleodes oblusa^ inculta, hirsuta, Helops
Bachei, pernitens, convexulus, Cibdelis Bachei und Uloma longula aus
Californien und vom Oregon.
V. Kiesenwetter (Berl. Ent. Zeitschr. V. p. 224 ff.) Hyperops
pertusa, Cistela badia, spadix, (Isomira) funerea, nitidula (antennala
Panz. ?) , Omophlus galbanalus als n. A. aus Griechenland; anhangs-
weise wird Cteniopus punctatissimvs als n. A. aus Syrien diagnosticirt.
Reiche (Annales soc. entomol. 4. ser. I. p. 87 ff.) Pimelia
Lucasii und papulenta, Blaps Strauchii und propheta, Helops aene-
scens als n. A. aus Algier. Bei Gelegenheit der beiden Pimelien er-
örtert Verf. die Synonymie mehrerer Arten dieser Galtung.
Derselbe (ebenda p. 209) Tagenia angusticollis n. A. von
Corsika und (p. 371 ff.) Oedenocera (veränderte Benennung für Pachy-
cera Esch.) biseriala aus Sicilien , Helops congener (l)ejean Cat.),
longulus, gossypialus und hirtulus aus Algier.
Derselbe (Wien. Ent. Monafsschr. V. p. 5 f.) Helops Peyronis
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 381
n. A. aus Cnramanien, elodinus von Antiochia^ Syriacus und hespevi-
des von Beirut.
Philippi (Reise durch die Wüste Atacama p. 172) Scotobius
Atacamensis, Opatrum? hrevicoUe und Praocis suhlaevigata n. A. aus
Chile. (Die erste und letzte Art sind bereits früher in den Anal. Uni-
vers. Santiago 1855 beschrieben worden.)
Wollaston (Journal of Entomol. I. p. 215) Opatrum hadroides
n. A. von der Insel St. Helena, (ebenda p. 145) Anemia oculata vom
Cap der guten Hoffnung.
Fairmaire (Annales soc. entomol. 4. ser. I. p. 583) Eryx suh-
sulcatus n. A. aus Sicilien.
Guerin-Meneville (ebenda p. 375f.) Melancrus suhcostatus
n. A. von Moka. Verf. bemerkt gleichzeitig, dass Cyrta velox und
Cursor Guer. (Bullet, soc. entom. 1859) zur Gattung Alicipsa Luc. ge-
hören, so wie dass die Gattung Abiga Guer. mit Scelodosis Solier,
die Art Abiga Cerisyi Guer. aber mit Scelod. castaneus Sol. zusam-
menfalle.
Candeze (Memoires soc. roy. de Liege XVI. p. 306 ff.) begrün-
dete auf Bolitophagus cornutus Fab. eine neue Gattung B olitoth e"
rus (durch zehngliedrige Fühler charakterisirt) und beschrieb Boli-
totherus quadridentatus als n. A. von Ceylon nebst ihrer Larve.
Melandryadae. Pascoe (Journal of Entomol. L p. 52 fF.) slellt
in diese Familie mit einigem Zweifel zwei neue Galtungen, welche
nach den für sie angegebenen Charakteren allerdings manche Beden-
ken gegen ihre Zugehörigkeit aufkommen lassen. Die eT&ie^Elacalis,
nov. gen., ist eine schlanke, gleich breite Form mit kurzen, dünnen,
in eine scharf abgesetzte, dreigliedrige Keule endigenden Fühlern,
mit nicht vergrösserten Tastern, fast quadratischem Prothorax, dessen
Parapleuren vom Dorsum getrennt sind und mit hinten geschlossenen
Hüflpfannen ; also in mehreren Charakteren von den iMelandryaden
abweichend. — Art: El. delusa \on ßorneo und Neu-Guinea. — Die
zweite Gattung Bio phida, nov. gen., im Habitus der Gattung Scra-
ptia gleichend, hat den Kopf rückwärts zu einem dünnen Halse ein-
geschnürt, seitliche, nierenförmige Augen, fadenförmige Fühler von
mehr als halber Körperlänge und mit kurzem zweiten Gliede, faden-
förmige Lippen- und verlängerte Kiefertaster mit beilförmigem End-
gliede , einen halbkreisförmigen Thorax und flachgedrückte, hinten
leicht erweiterte Flügeldecken. — Art: Bioph. wwico^or von Port Natal.
Lagriariae. Pascoe (Journal of Entomol. I. p. 56) machte
eine neue Galtung Emydodes bekannt, welche mit Lagria sehr nahe
verwandt, sich hauptsächlich durch die Bildung der Fühler, deren
Glieder vom dritten an jederseits eine zahnartige Verlängerung zeigen
und daher doppelt gekämmt erscheinen, unterscheidet. Die Galtung
382 rierstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
entfernt sich in natura von Lagria habituell viel weniger als es aus
der vom Verf. gegebenen Abbildung (pl. 3. fig. 3) scheint; auffallend
ist die tiefe Funktstreifung der Flügeldecken. — Art: Em. collaris
von Farä. (Ein dem lief, vorliegendes Exemplar hat auch den Kopf
schwarz gefärbt, ohne specifisch verschieden zu sein.)
Motschulsky (v. Schrenck's Reisen im Amur-Lande II.
p. 143) beschrieb Lagria latieollis aus Ostsibirien und der Mongolei,
fuscata aus Daurien, Ponlica aus Griechenland und der Krim und
Caucasica als n. A. aus dem Caucasus.
'* PyrOChroidäO. Pyrochroa fuscicollis Motschulsky (ebenda
p. 143) n. A. aus Kamtschatka und Daurien.
Sälpingidäe. Rhi?iosimus Wallacei Pascoe (Journal of Enlo-
niol. L p. 128) n. A. von Neu-Guinea.
Anthicidae et PedilidaO. Von Pascoe (Journal of Entomol. I.
p. 54 (T.) wird eine neue Galtung Ischalia zu Lacordaire's Fa-
milie Pedilidae gerechnet, obwohl die vorderen Hüflpfannen hinten
weit geöffnet sind und die Ilinterliüften zusammenstossen. Körper
langgestreckt, fast linear, Fühler um die Hälfte kürzer als der Leib,
fadenförmig, nur das zweite Glied verkürzt; Augen nierenförmig,
Maxillarlaster mit beilförmigem Endgliede, Oberlippe gross, die Man-
dibeln bedeckend. Thorax länger als breit, vorn verengt, die Pleu-
ren mit dem Rücken verschmolzen; alle Hüften genähert, die vor-
deren und mittleren kegelförmig. — Art : Isch. indigacea von Borneo.
— Als neue Arten werden ferner beschrieben: Macratria rmistela
von Fort Katal, fulvipes von Makassar, fallidicornis von Borneo, fu--
mosa aus Ostindien-(l)acca) und suhguttata von den Molukken.
V. Kiesenwetter (Berl. Ent. Zeifschr. V. p. 241 f.) beschrieb
Xylophilus (Phytobaenus) pruinosus n. A. von Zante, ruficollis Kossi
und sanguinolentus n. A. von Perpignan , Scraptia longicornis aus
Griechenland und (p. 387) Scraptia fcrruginea aus der Schweiz. —
Ebenda p. 244 f. Notoxus eurycerus und Ätithicus patagialus n. A.
aus Giiechenland.
Kach Schaufuss (Enlom. Zeitung XXIL p. 324) kommt. An-
thicus vittatns Lucas (Algier) auch in Andalusien vor. -iWs"!;.
Mordellinae. Costa (Fauna del regno di Napoli, Coleotteri
pt. 2) beschrieb Morilellislena viridcscens als n. A. aus Neapel (aus-
serdem Slenalia teslacea Fab. und Silaria varians Muls.).
Blessig (Horae societ. enlom. Rossicae L p. 113) Mordella
abdominalis .{^ame an eine Europäische Art bereits vergeben!) als n.
A. aus der Colonie Victoria.
Motschulsky (v. Schrenck's Reisen im Amur-Lande IL
p. 141) Mordellislena Daurica und Anaspis infnscata aus Daurien,
Anaspis maculicollis, Inderieiisis und steppensis aus Kussland.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 883
Rhipiphoridad. Hampe (Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 69) machte
Mittheilungen über die Lebensweise der Larve des Metoecus parado-
xes; dieselbe verzehrt als Parasit die Larven der gemeinen Erdwespe
und verpuppt sich an ihrer Statt in der Zelle. Die Grösse der Indi-
viduen richtet sich darnach, ob die Larven in Arbeiter- oder Weib-
chen-Zellen gelebt haben; es kommen gleichzeitig Käfer und Puppen
im Neste vor, ersterer erscheint von Ende Juli bis Ende Oktober. .
Vesicantia. Eine neue Gattung Jodema von Pascoe (Jour-
nal of Entomol. L p. 57) wird nicht näher charakterisirt, als dass sie
sich von Cantharis durch das kurze vorletzte Glied der Tarsen un-
terscheiden soll, und dass die Fussklauen ungespalten scheinen (?)
— Nach der Beschreibung der dazu gezogenen Art : Jodema Clarkii
(pl. 3. fig. 1) aus Brasilien, scheint die Gattung vollständig mit Te-
traonyx identisch zu sein, wenigstens liegt dem Ref. eine dieser
Gattung angehörende Art vor, welche auf die Pascoe'sche Charak-
teristik passt; freilich lässl sich dieselbe auch auf eine von Parä
stammende Kemognatha-Art (Kiefer und Klauen abgerechnet) beziehen.
— Zonitis cyanipemiis n. A. von Melbourne und {^. 128) Zonitis Doic-
nesii n. A. von Bombay.
Le Conte (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1861,
p. 3.54) beschrieb Meloe opaca, barbara und Lytla dolosa als n. A.
aus Californien.
Motschulsky (v. Schrenck's Reisen im Amur-Lande IL
p. 140 f.) Cephaloon pallens und variabilis , Canlharis suturella als
n. A. vom Amur.
Einzelne neue Arten sind ferner: Cantharis Fr yii Wo Ilaston
(Annais of nat. bist. 3. ser. VII. p. 252) von den Cap Verdischen In-
seln, Zonitis imperialis Wollaston (ebenda 3. ser. VIII. p. 103 f.)
von Madeira (früher als Zon. quadripunctata Fab. aufgeführt), Meloe
chrysocomus Miller (Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 206) aus Syrien,
Stenoria Kraatzii Mulsant und Rey (Opusc. entomol. XII. p. 191)
aus den Pyrenäen und Zonitis rostrala Blessig (Horae soc. ent.
Rossicae I. p. 114) aus der Colonie Victoria.
Morawitz (Bullet, d. natural, de Moscou 1861. I. p. 293) gab
eine Diagnose des Meloe aeneus Tauscher von Sarepta.
V. Frau enf cid (Verhandl. d. zoolog.-bolan. Gesellsch. zu
Wien 1861. p. 169) erhielt Meloe erythrocnemis Fall, in Dalmatien
aus den Nestern der Chalicodoma muraria.
Osdemeridae. Costa (Fauna del regno di Napoli, Coleotleri
pt. 2) beschrieb nachträglich als Neapolitanische Arten: Anoncodes
meridionalis n. A., Oedemera marginata Fab., atrata Schmidt, barbara
Fab. (Sicilien), Chrysanthia viridissima Lin., Mycterus curculionoides
Fab., Oede.mera melanopyga Schmidt (fem. Oed. maculiventris Costa).
384 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Fernere neue Arten sind: Oedemera Sarmatica Morawitz
(Bullet, d. natural, de Moscou 1861. I. p. 292) von Sarepta, J)itylus
pallidus Wollaston (Annais of nat. hist. 3. ser. VII. p. 253) von
den Cap Verdischen Inseln, Xanthochroa Bellierii Reiche (Annales
soc. entom 4. ser. I. p. 209) von Corsika und Oedemera murmifennis
Kiesen Wetter (ßerl. Ent. Zeitschr. V. p. 251) von Creta (früher
schon diagnosticirt, hier ausführlicher beschrieben).
Herklots (Tijdschr. voor Entomol. IV. p. 164fr. pl. 11) gab
Beschreibung und Abbildung der Larve von Anoncodes melanura.
Anthribidae. Wollaston (Annais of nat. hist. 3. ser. VIL
p. 102) charakterisirte eine neue Gattung Trig onorhinus, welche
mit Anlhribus in naher Verwandtschaft steht, aber von den sämmt-
lichen Gattungen der Familie durch mehrere Eigenthümlichkeiten
abweicht; besonders ist es der sehr kurze, dreieckige, nach vorn
verschmälerte und an der Spitze nicht ausgerandete, sondern leicht
hervorgezogene Rüssel, die tief herabgerückten Augen, die schlanke
Fühlergeissel, deren drittes Glied kaum länger als das vierte ist, die
breite, stark abgesetzte Keule und der fast kegelförmige Prothorax,
auf dessen Rückenseite der Querkiel vor der Basis fehlt, welche sie
auszeichnen. — Art: Trig. pardalis von der Cap Verdischen Insel
St. Vincent.
Eine zweite neue Gattung desselben Verf.'s (Journal of Ento-
mol. I. p. 212), welche Notioxenus benannt ist und in der Abbil-
dung pl. 14 fast den Eindruck eines Eumolpiden oder Eumorphiden
hervorruft, gehört nach Wollaston in die Gruppe von Caranistes,
Araeocerus und Choragus. Die langgestreckten Fühler, welche auf
der Oberseite des kurzen, dreieckigen Rüssels entspringen, endigen
in eine lose gegliederte, flachgedrückte dreigliedrige Keule, wie bei
Eumorphus gestaltet. Der Körper ist länglich eiförmig, der Piothorax
gerundet kegelförmig, von den Flügeldecken nicht besonders merk-
lich abgesetzt, so dass nach des Verf.'s Angabe eine auffallende
Aehnlichkeit in der Form mit den Cyclomiden, z. B. Laparocerus
vorhanden ist. — Zwei Arten : Not. Betrichii und rufopictus, der erste
über, der letzte unter 2 Lin. lang; beide von St. Helena.
Pascoc (Journal of Entomol. I. p. 58 ff.) beschrieb Ecelonerus
albopictus n. A. von der Moreton-Bay (pl. 2. fig- 3), Dysnos semiau-
reus von den Molukken, Halrissus omadioides von Singapore, Mi-
sthosima lata von den 3Iolukken , Nessiara planala (pl. 2. fig. 1)
ebendaher und Basitropis solitarius von der Moreton-Bay.
Lucas, Quelques remarques sur les metamorphoses de l'Araco-
cerus fasciculatus, Coleoptere Rhynchophore de la tribu des Anthri-
bides (Annales sor. entom. 4. ser. I. p. 399 — 404). Verf. giebt eine
ausführliche Beschreibung der bisher unbekannten Larve und Nymphe
im Gebiete der Entomologie Wahrend des Jahres 1861. 385
des gewöhnlich unter dem Namen Araeocerus coffeae gehenden Kä-
fers, welcher sich in allen drei Entwickelungsstadien in einer aus
China stammenden Kiste mit Pflanzen, die dem Jardin des Plantes in
Paris zugegangen war, vorfand. Die Synonymie des Käfers erörternd,
stellt Verf. den ältesten Namen de G e e r's Araeocerus (Curculio)
fasciculatus für denselben wieder her; Bruchus cacao, crassicornis
und Anthribus coffeae Fab., so wie Anthribus peregrinus Hbst. sind
spätere Namen.
Bruchini. — Urodon testaceipes Reiche (Annales soc. entom.
4. ser. I. p. 91) n. A. aus Algier.
Westwood (Proceed. entom. soc. p. 113 ff.) machte Mitthei-
lungen über die Lebensweise und die zoologischen Unterschiede von
Bruchus baclris Lin., curvipes Latr. und ruficornis Germ., so wie über
einige mit letzterem nahe verwandte und wahrscheinlich neue Arten.
Nach S c h a u f u s s (Entom. Zeitung XXII. p. 314) kommtBruchus
pallidipes Schönh. , ursprünglich in der Havannah einheimisch, jetzt
auch in Andalusien vor.
CurCttlioninä. Von den „Insecta Saundersiana, Curculionides"
ist inj J. 1660 ein zweites, gleichfalls von Jekel bearbeitetes Heft
erschienen (angezeigt Proceed. entomol. soc. 1860. p. 115), welches
dem Ref. noch nicht zur Ansicht vorgelegen hat.
Wollaston, „On the Atlantic Cossonides" (Transact. entom.
soc.V. p. 362 — 407. pl. 18 — 19) lieferte eine Zusammenstellung und
Beschreibung der von den verschiedenen Inseln des Atlantischen
Oceans bis jetzt bekannt gewordenen Arten aus der Gruppe der Cos-
soniden. Die grosse Mehrzahl der 40 aufgezählten Arten stammt
von der Madeira - Gruppe und den Canarischen Inseln und gehört
folgenden Gattungen an: 1) Eremotes nov. gen., fast vom Ansehn
eines Hylurgus, aber nach der Bildung der Schienen ein wirklicher
Cossonide; von allen übrigen Gattungen der Gruppe durch sehr ver-
dickten Rüssel, sehr dicke und kurze Fühler, an denen das zweite
Geisseiglied fast im ersten verborgen ist, durch stark hervortretende
und weit vom Thoraxrande entfernte Augen, den in einen Dorn ver-
längerten Innenwinkel der Schienen und das kaum breitere dritt-
letzte Tarsenglied unterschieden. — Art: E. crassicornis (Hylurgus
crassicornis Brülle?) von den Canarien. 2) Hexarthrum WoJl. 1 A.
3) Rhyncolus Germ. 1 A. : Rh. crassirostris n. sp. von den Canariun.
4) Caulophilus Woll. 1 A. 5) Phloeophagus Schönh. 8 A., darunter
neu : Phl. caulium, laurineus, affinis, sitnplicipes^ piceus von den
Canarien. 6) Caulotrupis Woll. 8 A. 7) Microxylobius Chevr. 6 A.,
darunter neu: M. lacerlostts^ Incifugus , terebrans, Chevr olatii und
conicollis, sämmtlich von St. Helena. Die beiden letzten Arten son-
dert Verf. wegen einer eigenthümlichen Zahnung der Hinterschenkel
und der etwas abweichenden Fühlerbildung zu einer besonderen ün-*
Archiv f. Naturg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd, Z
386 Gcrstnecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
tergattiing Th aumn s t omerus ab. 8) Pentatemnus nov. gen.,
zwischen J^eiponimala und Mesoxenus die Mitte haltend, mit ersterer
Gattung durch flügellosen, haarigen Körper, verküinnieite Augen und
kaum breiteres drittletztes Tarsenglied übereinstimmend, ihr auch im
ganzen Habitus und durch die Grabbeine nahe stehend; aber die
Fühlergeissel ist nur fünfgliedrig, die Fühler sind kürzer und dicker,
von der Spitze des Rüssels weiter entfernt, der Frothorax länger, das
Schildchen ganz verkümmert, die Tarsen dicker, die Haken der Hin-
terschienen schärfer u. s. w. — Art: P. arenarius n. sp. von den
Canarien. d) Onycholip s nov. gen. Eine sehr merkwürdige Gat-
tung von kurzem, ovalem Körper, haariger Oberfläche, ohne Augen,
mit sehr breitem und kurzem Rüssel, sehr kurzer, tieferund geschwun-
gener Fühlerfurche, ganz besonders durch die Fühler- und Fussbil-
dung ausgezeichnet; erstere haben einen ganz kurzen Schaft, eine
sechsgliedrige Geissei, deren beide erste Glieder auffallend dick und
stark abgesetzt sind, und eine grosse, solide, abgestutzt eiförmige
Keule; letztere sind nur dreigliedrig, ohne Fussklauen, die drei
Glieder lang zweilappig, wie gegabelt. — Art: 0. bifurcatus n. sp.
von den Canarien. 10) Leipommata Woll. 1 A. 11) Mesoxemis
nov. gen., auf Fentarthrum Monizianum und Bewickianum Woll. be-
gründet, durch fast ganz verküninierte Augen, fast eingegangenes
Schildchen, längeren, schmaleren und mehr gebogenen Rüssel u. s. w.
unterschieden. 12) Fentarthrum Woll. 1 A. : P. cylindricum n. sp.
von Ascension. 13) Stenotis Woll. 1 A. 14) Mesites Schönh. 7 A.,
darunter neu: M. coinplanalus , persimilis, proxinuis, fusiformis und
pubipennis, die beiden letzten in Euphorbien -Stengeln lebend. —
Die neuen Gattungen und Arten sind auf den beiden beifolgenden
Tafeln in colorirten Abbildungen dargestellt und durch Detailzeich-
nungen erläutert.
Derselbe (Journal of Entomol. I. p. 211. pl. 14) machte eine
neue Galtung Nesiotes bekannt, welche fast ganz das Ansehn eines
Acalles hat, aber sich durch den Alangel der Brustrinne zum Ein-
schlagen des Rüssels und durch fünfgliedrige Fühlergeissel unter-
scheidet; durch letzteres Merkmal würde sie sich an einige Cosso-
niden anschliessen, von denen sie aber in jeder anderen Hinsicht
sehr abweicht. Verf. möchte sie gegen Lac o rd a i res Ansicht (brief-
lich) mit Jekel zu den Choliden stellen. — Art: JSes, squamosus
von St. Helena. — Ebenda p. 141 f. : Stenoscelis nov. gen., aus
der Cossoniden- Gruppe, von cylindrischem, sculpirtem Körper, auf
den ersten Blick oincm Hylasfes sehr ähnlich, aber nach seinen Cha-
rakteren mit Rhyncolus und vielleicht noch enger mit Hexarthrum
verwandt. Kopf gross, kuglig, hervortretend, Rüssel sehr kurz und
breit, Fühlergrube fast fehlend, Fühler mit länglich keulenförmigem
Schafte, siebengliedriger Geissei (deren erstes Glied sehr gross, herz-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 387
förmig, die folgenden sehr viel kleiner, aber nach der Spitze hin
allmählich wieder an Grösse zunehmend) und ku<jelriindein, dreiglie-
drigem Endknopfe, an dessen Spitze noch ein vierler kurzer Ring
schwach angedeutet ist. — Art: Sten. hylastoides \om Cap der guten
Hoffnung. — Stenotherium nov. gen., eine sehr auffallend lang-
gestreckte, schmale Form aus der Brachyderiden-Grnppe, mit einem
für diese Gruppe sehr verlängerten und zugleich deutlich abwärts
gebogenen Rüssel, s«'hmalem, fast ovalem Halsschilde und verlänger-
ten, hinten zugespitzten und am Ende klaffenden Flügeldecken ; Füh-
lerschaft äusserst lang und dünn, fast von Geissellänge, stark wellen-
förmig gebogen, mit gekeulter Spitze, Geissei ebenfalls dünn, sieben
gliedrig, Keule schmal, dreigliedrig, das letzte Glied schmal kegelför-
niig. — Art: Sien. Tapirus vom Cap der guten Hoffnung, 3Lin. lang.
Abbildung pl. XI. fig. 4.)
Pascoe (Journal of Entomology I. p. 61. pl. 3. fig. 2) machte
eine sehr eigenthümliche Gattung D inorhopala bekannt, welche
im Gesammthabitus lebhaft an Tachygonus erinnert, aber schon durch
die an der Spitze in eine breite, innen scharf gezähnte Platte erwei-
terten Hinterschenkel und sehr stark ffekrümmte, an der Spitze scharf
dornartig zugespitzte Hinterschienen abweicht. Der Rüssel ist sehr
kurz, die Augen breit getrennt, die Fühler deutlich geknieet, mit
ovaler, viergliedriger Keule ; der Prothorax hinten in einen dreiecki-
gen, zwischen die Flügeldecken eingreifenden Lappen verlängert,
mit starken Einschnürungen auf der Oberseite. — Art: Din. spinosa
von Burmah.
Aube (Annales soc. entom. 4. ser. T. p. 195) machte eine neue
Gattung Raymondia (vergebener Name ! Pupipara) bekannt, welche
sich durch den Mangel der Augen auszeichnet, mit Cotaster zur
Gruppe der Erirhiniden zu rechnen ist und sich von Cotaster u. a.
durch sechsgliedrige Fühlergeissel unterscheidet. Der Rüssel ist ver-
längert und leicht gekrümmt, die Fühlerfurche nimmt die ganze Seite
derselben ein; Fühler etwas kürzer als der Kopf, ihr Schaft fast von
Rüssel-Länge, die Geisselglieder gleich gross, die Keule eiförmig.
Halsschild ohne Furche unterhalb zum Einschlagen des Kopfes, Flü-
geldecken oval, Flügel vermulhlich fehlend, Schienen ausserhalb stark
winklig erweitert. — Art: Raym. fossor, pl. 5. fig. 7 abgebildet:
2 Alill. lang, rothgelb, unterirdisch im Departement du Var aufge-
funden.
ßrisout de Barneville (ebenda p. 608) beschrieb eine
zweite Art der Galtung unter dem Kamen Raymondia Delarouzeiy bei
Collioures in Frankreich unter Ameisen gefunden. — Ausserdem
(ebenda p.604f.): Melalliles ovipennis, Tychivs sufvralis von dersel-
ben Localität, Tychius Grenieti n. A. von Aix in der Provence.
Hampe (Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 68) stellte eine neue
388 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Gattung Ap ar opi on auf, welche mit Cotaster zunächst verwandt
sein soll. Fühler mit siebengliedriger Geissei, deren zwei erste
Glieder lang, die folgenden rundlich sind, Küssel fast cylindrisch,
dünn, kürzer als der Thorax, welcher seitlich nicht gerandet und
vorn und hinten gerade abgeschnitten ist. Schildchen fehlend, Flü-
geldecken eiförmig, viel breiter als das ilalsschild, das vorletzte Fuss-
glied zweilappig, die Fussklauen ganz getrennt. — Art: Ap. costatum
aus Siebenbürgen, 2 Lin. lang. — Apion hiemale n. A. von Agram
(ebenda p. 67).
Jekel (Tentamenta entomologica, Journ. of Entom. I. p. 265fr.)
besprach die Zusammensetzung der beiden S c h önh e r r'schen Gat-
tungen Balaninus und Tychius, welche nach ihm heterogene Elemente
enthalten und von denen die letztere auch nach Ansicht des Ref.
nicht in dem bisherigen Umfange bestehen bleiben kann. Unter
Balaninus will Verf. nur die grossen Arten mit an der Basis zahnför-
mig oder winkelig erweiterten Fussklauen, wie B. elephas, glandium,
nucum U.S.W, belassen, dagegen die kleineren Arten mit einfachen
Klauen, wie B. crux, ochreatus, brassicae u. s. w. als neue Gattung
B alanobius abtrennen. (In Rücksicht auf den Mangel sonstiger
Unterschiede und auf den übereinstimmenden Habitus würde die Ab-
trennung zu einer besonderen Gruppe innerhalb der Gattung gewiss ge-
nügen. Ref.) Als n. A. beschreibt Verf. Bai. mastodon aus Spanien
(neben B. elephas) und B. troglodytes, nur l^g Mill. lang, aus Grie-
chenland. — Bei Tychius macht Verf. auf die Differenzen in der
Bildung der Hinterleibsringe aufmerksam und sondert folgende Gat-
tungen ab: 1) Pachy tychius n. g. Schildchen sichtbar, Hinter-
schienen innen an der Spitze winklig erweitert, mit horizontalem End-
haken; Hinterleib am 2. bis 4. Ringe winklig vorgezogen, Körper-
schuppen dick und kurz. — Von bekannten Arten gehören dazu
Tych. haematocephalus , elongatiis , strumarius , sparsutus , obesus,
pernix u. a. Keue Arten sind: Fach, leucoloma (Üej.) vom Senegal,
Lucasii (elongatus Luc.) aus Algier und latus von Coifu. — 2) jB a-
ry tychius n. g. Schildchen unsichtbar, Hinterschienen an der
Spitze nicht erweitert und ohne Endhaken, erstes Glied der Fühler-
geissel stark verlängert, Halsschild stark erweitert, zweites Hinter-
leibssegment seitlich stäiker als die folgenden vorgezogen. — Hierzu
gehört Tych. hordei Brülle (squamosus Schönh.). — 3) Styphloty-
chius n. g., von der vorigen Gattung durch das nur massig lange
erste Geisseiglied, das fast eiförmige Halsschild, normal gebildetes
2. bis 4. Hinterleibssegment und lange, borstenförmige Körperschup-
pen abweichend. — Hierzu gehört Tych. scabricollis Rosenh. — Ty-
chius carinicollis Luc, womit Aubeonymus pulchellus Duval identisch
ist, gehört zu den Cryptorrhynchiden, neben Ocladius.
Von Sti erlin habeü wir unter dem Titel: „Revision der £u'
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 389
ropäischen Otiorhynchus-Arten" (Berlin 1861. 344 pag. 8.) eine mo-
nographische Bearbeitung dieser ebenso schwierigen als artenreichen
Gattung erhalten, welche sowohl in Rücksicht auf die Unsicherheit
in der Bestimmung der bereits bekannten als auf die seit der Schön-
herr'schen Bearbeitung stark angewachsene Zahl der neuen Arten
sehr dankenswerth ist. Verf. bespricht in der Einleitung zu seiner
Arbeit die Veränderlichkeit vieler Arten der Gattung, die Geschlechts-
unterschiede und die von ihm für die Gruppirung der Arten benutz-
ten Merkmale ; nach Abgränzung einiger scharf unterschiedener
Gruppen, die er zu Untergattungen erhebt, legt er auf die Bewaff-
nung der Schenkel in erster Linie, auf die Bildung der Fühler aber,
nach welcher S c h ö n h e r r vielfach nahe verwandte Arten von ein-
ander getrennt hat, erst in zweiter Linie Werth. Die Gattung Sto-
modes Schönh. vereinigt er mit Otiorhynchus, trennt dagegen Tyloderes
Schönh. und Troglorhynchus Schmidt davon ab, obwohl er erstere
als sehr wenig, letztere als nur durch den Mangel der Augen ab-
weichend hinstellt. Die vier vom Verfasser angenommenen Unter-
gattungen sind: 1) D odec ast ichus, durch 12 — 13 Streifen auf den
Flügeldecken ausgezeichnet. 12 Arten, Typus: 0. pulverulentus Germ.
2) 0 tiorhynchu s , die grosse Mehrzahl der bekannten Arten um-
fassend; Vorderschienen nicht an der Spitze erweitert, Bauch wenig
oder nicht glänzend, dicht punktirt oder gerunzelt. 3) Eurychi-
rus. Vorderschienen an der Spitze stark erweitert, gerade, Bauch
glänzend, grob und zerstreut punktirt. 18 Arten, Typus: 0. cribri-
collis Schönh. 4) Tournieria. Kopf und Halsschild zusammen
nicht viel kleiner als der übrige Leib, Halsschild nicht anschlies-
send. Typen: 0. anadolicus Schönh. und Stomodes Schönh. — Die
Zahl der vom Verfasser aufgeführten und beschriebenen Arten erreicht
374; von diesen sind ihm 37 unbekannt geblieben, die er indessen
theils an ihrem systematischen Orte , theils am Schlüsse der Arbeit
mit den von den betreffenden Autoren gegebenen Beschreibungen
anführt.
Chevrolat (Revue et Magas. de Zool. XIIL p. 318 ff.) be-
schrieb Sciaphihis infnscatvs, Sitoties inlerrnplns, Anisorhynchus prO"
cerus, Gronops luctuosus, Peritelus gracilis, Baridius afronitens, Coe-
liodes cinctus, Acalles costatus, lentisci, Rhyncolus? simus, (p. 155)
Erirhinus'i nitidus, (p. 205) Acalles fuscus und (^.268) Phytonomus
ambigenus als n. A. aus Algier.
Motschulsky (v. Schrenck's Reisen im Amur -Lande II.
p. 156 ff.) beschrieb folgende neue Sibirische Arten: Ceutorhynchus
haemorrhoidalis, Baridius rufifarsis, Erirhinus rotundicollis, Soleno-
rhinus tessellatus (Kamtschatka), adustus, Pissodes cembrae, Ptochi~
dius costulatus, Alsus flavipes (die schon im J. 1846 vom Verf. auf-
gestellte, mit Phyllobius nahe verwandte Gattung wird hier nochmals
390 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
ausführlich chaiakterisiit) , Jnderiensis (Krim, Songarei) , farinosus
(Kirgisen-Steppen) , colUiris (Caucasus) und macrocervs, Phyllobius
luqnbris, viaculosus, pacificus, crassus und inflalus, Phytonomns pun-
cticauda und IHongolicus, Htjlobius alliosparsus, Lepyrus nehulosus,
Alopkns albonotalus und qiiadrinotatus , Chlorophanus scabricollisj
brachythorax, Sibiriens (Dej.), scabricollisj parallelocollis und foveo-
lalus, Byrsopacjes venlricosus und carinatus, Cneorliinus fossulalus,
Apion crassirostre, nigricorne und avgulosum, Bhynchiles pubertdus^
Apoderus carbonicolor, maurus, humerosus, rubidus, KamtschaticuSy
longiceps und Attelabus? cicatricosus.
Fairniaire (Annales soc. entomol. 4. ser. I. p. 584 ff.) be-
schrieb Smicronyx Corsicus als n. A. von Corsika und gab eine Ue-
bersicht der bis jetzt bekannt gewordenen Arten der Gattung Dicho-
trachelus Stierl.. welche nach seiner Ansicht von Styphlus, neben
welchen sie auch jetzt der Begründer stellt, kaum generisch ver-
schieden ist. Die Arten sind: Dichotrachelus Linderi Fairm. (Rhy-
tirhinus) , Bigorrensis Bonv., sulcipennis Stierl., Rudenii Stierl.,
Imhoffii Stierl., sabaudus n. A. aus Savoyen und muscorum Fairm.
Vielleicht sei auch Styphlus verrucosus Kiesenw. der Gattung beizu-
zählen. — Styphlus rubricatus als n. A. aus den Pyrenäen beschrie-
ben. — Ebenda p. 649 : ßrackyderes sabaudus n. A. aus Savoyen.
Ggutier desCottes (ebenda I. p. 98 ff.) Omias Raymondi
D. A. von Hyeres, Trachyphloeus spinosulus und Milomermus Raymondi
aus Südfrankreich.
Reiche (Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 7 f.) Psalidium spinima-
nutn n. A. von Greta und Fsal. villosum von Antiochia.
Miller (ebenda p. 206 f.) Brachycsrus insignis n. A. von Rho-
dus, Psalidium Syriacum, Myllocerus Damascenus, Lixus speciosus und
Erirhinus cinereus aus Syrien.
Stierl in (ebenda p. 221 ff.) Alophus foraminosus, Phyllobius
cupreoaureus und Larinus To^irnicri n. A. aus Epirus.
Fauvel (Bullet, soc. Linneenne de Normandie V. p. 313 ff.)
Platyomus monachus, Heilipus securiger und Cryptorrhynchus triocel-
latus n. A. von Cayenne.
Candeze (Alenioires soc. roy. de Liege XVI. p.371} Anchonus
cristatus n. A. aus Caracas nebst seiner Larve und Nymphe (Abbil-
dung auf pl. 4).
Einzelne neue Arten sind ferner; Apion artemisiae (Becker i.
lit.) Morawitz (Bullet, d. natural, de Rloscou 1861. L p. 292) von
Sarepta, Rhinocyllus lypriformis Wo 1 las ton (Annais of nat. bist.
3. ser. VIL p. 102) von den Cap Verdischen Inseln, Trigonops Jekeiii
Pascoe (Journal of Entomol. I. p. 128) von Celebes, Dichotrachelus
Bigorrensis de Bonvouloir (Annales soc. entomol» 4. ser. I. p. 569.
pl.l6. Gg. 3) aus Frankreich und Sibynes gallicolus (sie!) Giraud
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 391
(Verhandl. d. zoolog'. -bottin. Gesellsch. zu Wien 1861. p. 491) aus
Anschwellungen des Stengels von Silene otites bei Wien erzogen ;
auf Taf. 17. fig. 7 ist eine Abbildung der Deformation an der Pflanze
gegeben.
Nach Strohmayer (Verhandl. d. zoolog. - botan. Gesellsch,
zu Wien 1861, Sitzungsberichte p. 63) lebt Apion hiemale Hampe in
den Früchten von Carpinus Duinensis Scop.
V. Frauenfeld (ebenda, Abhandlungen p. 169) machte kurze
Mittheilungen über die durch Gymnetron linariae, villosulus und no-
ctis verursachten Pflanzenauswüchse und erzog Peritelus leucogram-
mus Germ, aus den Blüthenköpfen von Hieracium pilosella, aus denen
sich auch Trypeta ruralis Loew entwickelte.
Sartorius (Wien. Ent. Alonalsschr. V. p. 315) fand Euryom-
matus Mariae Roger im Salzburgischen an Pinus abies, wodurch sein
Europäisches Bürgerrecht ausser Frage gestellt wird.
Nach Gautier desCottes (Bullet, soc. entomol. 1861. p. 23)
ist Otiorhynchus Raymondi Gaut. identisch mit Ot, moestus Schönh.
BOStriCbidae. de Paiva (Annalsofnat. bist. 3. ser. VIII. p. 211)
beschiieb Hylastes Lowei als n. A. von Tenerilfa, in Pinien lebend.
Montrouzier (Annales soc. entomol. 4. ser. I. p. 265) Bo-
strichus Buponti (= Tomicus badiusDup.), Plalypus longipennis und
hicolor (letzterer vielleicht ein Corthylus) als n. A. von Neu - Ca-
ledonien.
i M 0 tsch ulsky (v. Schrenck's Reisen im Amur- Lande II.
p. 155) Tomicus subelongafus n. Ä. aus Daurien.
LongiCOrnid. James Bland. „Catalogue of the Longicorn
Coleopteia taken in the vicinity of Philadelphia" (Proceed. entomol.
soc, of Philadelphia 1861. p. 98—101). Verf. stellt hier ein Ver-
zeichniss der in der Umgegend von Philadelphia bis jetzt aufgefun-
denen Cerambyciden, deren Artenzahl l4!8 beträgt, zusammen ; bei
jeder Art ist eine Beschreibung citirt und Angaben über Häufigkeit
und Erscheinungszeit beigefügt.
Prionii. — Montrouzier (Annales soc. entom. 4. ser. I.
p. 278 ff.) beschrieb als neue Arten von Neu-Caledonien : Parandra
Austrocaledonica, Megopis tnodesta, Phyllomorpha nov. gen. (ver-
gebener Name!), mit Aegosouia verwandt; Kiefertaster sehr gross,
das letzte Glied verkehrt kegelförmig, ausgerandet, Fühler länger
als der Körper, ihr drittes Glied am längsten; Halsschild halbkreis-
förmig, gedornt, Schildchen verlängert, abgerundet, getheilt erschei-
nend, Flügeldecken gleichbreit, weich, Hinterbeine länger. — Art:
Phyll. Rigaudii. — Mallodon Fairmairei (zur Gattung Remphan ge-
hörend) nebst der Larve beschrieben, welche in den Stämmen der
Clusia pedicellala lebt, Mallodon EdwardsiiiG^iiung Olelhrius Thoms.)
und macrothoraae n. A. von Lifu.
392 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Motschulsky (Etud. entomol. X. p. 21) beschrieb Prionus
insularis als n- A. von Japan.
Lucas (Annales soc. entomol. 4. ser. L p. 104) gab eine Cha-
rakteristik des Männchens von Mallaspis Moreletii Luc, von Salle
in Central-Amerika aufgefunden; das Weibchen dieser Art wurde in
der Castelnau'schen Reise in Süd-Amerika beschrieben.
Cerambycidae. — Chevrolat, „Description d'un genre
inedit de Dejean de la tribu des Cerambycides" (Annales soc. enlom.
4. ser. L p. 189 f.) charakterisirte die Gattung Centrocerum (Dej.
Cat.), welche nach seiner Ansicht weniger mit Clytus als mit Ela-
phidion Serv. verwandt ist und sich von letzterer durch schmaleren,
mehr verlängerten Körper, cylindrisches und unbewehrtes Halsschild,
lange und an der Spitze abgerundete Flügeldecken, dünnere und fast
cylindrische Taster, quere Oberlippe und Clypeus, mit langen, star-
ren Haaren besetzte Fühler, deren drittes Glied lang, das vierte und
fünfte kurz gedornt sind, durch grosse, stark ausgerandete Augen,
unbewehrte Beine mit leicht verdickten Schenkeln und geraden Schie-
nen unterscheidet. — Die Gattung umschliesst vorläufig nur eine Art:
Elaphidion exornatum Newm. (Centroc. festivum Dej. Cat.) von Bue-
nos Ayres. — Ausserdem wird beschrieben: Elaphidion elegans
n. A. aus Brasilien mit drei Varietäten: El. puberulum, hirsvtum und
jocosum.
Derselbe, „Description de Clytides de l'ancienne Colombie
(ebenda 4. ser. L p. 377 — 388) gab eine Aufzählung und Beschreibung
von 15 zur alten Gattung Clytus gehörigen Arten aus Columbien, von
denen folgende neu sind : Cyllene melanaspis (Dej.) aus Weu-Granada,
elongata und Caracasensis aus Venezuela, ISeoclytns Lebasii (Dej.
Cat.) von Carthagena, Justini aus Neu-Granada und Venezuela, cri~
Status von Neu-Granada, regularisy basalis und clavatus von Caracas,
Mecometopus Amaryllis aus Keu-Granada.
Montrouzier (Annales soc. entomol. 4. ser. L p. 275 ff.)
machte folgende neue Gattungen und Arten aus Neu-Caledonien be-
kannt: L ongipalpus nov. gen., sehr nahe mit Callidium und Obrium
verwandt, aber durch sehr lange Taster, deren Endglied an der Spitze
geschwollen ist, leicht zu unterscheiden; Halsschild verlängert, bei-
derseits verengt, Flügeldecken breiter, parallel, Fühler borstenförmig,
viel länger als der Körper. — Art: Long. Palazyanus von Lifu. —
Carlallum Denisoni, Callidium Lifuanum (zu Hesperophanes gehö-
rend), Stenochorus punctatus (Boisd. ? — ist eine Phoracantha), Cal~
lidium 5-pustulatum (ist eine Mallocera) , piceum (neue Gattung bei
Saphanus). — Enicodes Montrouzieri (M. Leay), Perroudi, Uaminati~
cherus Lifuanus , Cerambyx Ballardi (zur Galtung Glaucytes Thoms.
gehörend), Tmesisternus Douei (zur Gattung Spintheria Thoms.), du
Bouietif pl. 5. fig.ü abgebildet (Gattung Buprestomorpha Thoms.).
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 393
Costa (Fauna del regno di Napoli, Coleotteri pt. 2) begrün-
dete auf Callidium timidum Menetr. eine neue Gattung Liagrica
mit folgenden Charakteren: „Corpus minus angustum, subdepressum,
antennae longae, setaceae, palpi maxillares articulo ultimo obtriangu-
lari, elytra abdomen totnm tegentia." — Ausserdem werden als Nea-
politanische Arten beschrieben: Gracilia pygmaea Fab., Deilus fagax
Fab., Stenoptertis procerns n. A-, rufus Fab. und praeustus Fab.
Pascoe (Journal of Entomol. I. p. 62) beschrieb Orthostoma
cyanea als n. A. aus Brasilien und stellte (ebenda p. 129) eine neue
Gattung Blapsilon auf, welche mit Tmesisternus nahe verwandt,
aber von auffallend kurzer, gedrnngener Form und sehr ausgezeich-
net durch ein langes, schmales, fast sechsseitiges Scutellum ist, wel-
ches auf das Halsschild übergreift. Fühler kürzer als der Körper,
das erste, dritte und vierte Glied lang, das erste zugleich verbrei-
tert, die Glieder vom fünften an kurz und unter einander fast gleich.
Halsschild quer, hexagonal, seitlich mit kurzem Dorn, Flügeldecken
mit kurzem seitlichem Haken hinter den Schulterecken. — Art: Blaps.
irroratum aus Neu-Caiedonien.
Le Conte (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1861.
p. 356 f.) beschrieb Stetiopterus fuscipennis, Arhopalus lutosus, Cros-
sidius ater und pulchellus, Clytus mormonus und Callidium (Phyma-
todes) Agassii als n. A. aus Californien, von Utah u. s. w.
Fairmaire und Germain (Annales soc. entomol. 4. ser. I.
p. 105 ff.) beschrieben in einem Kachtrage zu ihrer früher erwähnten
Cerambyciden-Fauna Chiles: Hephaestion nigricornis, concolor, vio-
laceipennis, Necydalopsis cya?iipennis, Callisphyris vespa, Stenorho-
palus rugosus, Ckenoderus bicolor, tenustiis und octomaculatus, Cal-
lidium glohithorax als n. A. von Chillan.
Mulsaut und Rey (Opusc. entom. XII. p. 189) Molorchus
Kiesenwetteri n. A. aus Südfrankreich? (nähere Angabe fehlt).
Motschulsky (v. Schrenck's Reisen im Amur -Lande II.
p. 152) Ibidimorphum octopustulatum n. A. vom Amur. Die neue
Gattung Ibidimorphum wird mit Ibidion verglichen und durch
die sehr langen Fühler (von dreifacher Körperlänge) unterschieden.
Nach Reiche (Annales soc. entomol. 4. ser. I. p. 91) gehört
Callidium oblongomaculatum Guer., welches in Griechenland, Cypern
und Algier vorkommt, zur Gattung Anoplistes.
Chevrolat, Reüexions et notes synonymiques sur le travail
de M. James Thomson sur les Cerambycides, avec descriptions de
quelques nouvelles especes (Journal of Entomol. I. p. 245 ff.) stellte
eine grössere Reihe synonymischer Bemerkungen und Berichtigungen
zu den von Thomson charakterisirten Gattungen und Arten der
Cerambyciden zusammen und beschrieb Litopus dispar (Boheni.) fem.
Lamiariae. — H. VY. Bates, Contributions to an Insecl
394 Ge ista ecker; Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Fauna of Ihe Amazon Valley; Coleoptera, Longicornes" (Annais of
nat. hist. 3. ser. VIII. p. 40, 147, 212 u. 471 ff.) hat eine sehr gründ-
liche systematische Bearbeitung der von ihm im Thale des Amazo-
nenstromes gesammelten und beobachteten Longicornen zunächst mit
den Arten der Lamlen - Gruppe begonnen. Der unendliche Reich-
thum des vom Verf. durchforschten Gebietes erhellt zur Genüge dar-
aus, dass er allein aus der Familie der Cerambyciden 705 Arten auf-
gefunden hat. Bevor Verf. auf den speziellen Theil seiner Aufgabe
eingeht, bespricht er in Kurzem die neueren systematischen Arbeiten
von Le Conte und Thomson über die Familie im Allgemeinen;
mit Recht verwirft er die Vereinigung der Lepturiden mit den
Cerambyces genuini , und hält erstere als gleichvvertliige Gruppe
fest. In Gleichem will er die Disteniten von den eigentlichen Ce-
rambyciden entfernen und weist nach, dass Cheloderus und üxygna-
thus keine Prioniden seien, von denen sie schon die Kürze des drit-
ten Fühlergliedes unterscheidet; sie stehen mit Brachytria und Pytheus
in nächster Verwandtschaft und müssen mit diesen eine eigene Gruppe
bilden. In der Gruppe der Lamien unterscheidet Verf. sechs Subtri-
bus, welche er fclgendermassen feststellt:
1) Aca n t h od er i t a e. Basalglied der Fühler kürzer als das
dritte, von der Form einer lang birnförmigen , an der Basis sehr
schlanken Keule. Mittelschienen mit deutlichem Höcker und Grube
an der Aussenseite ; vordere Acetabula meist aussen gewinkelt, die
IVaht mehr oder weniger klaffend, nur zuweilen (Steirastoma) ganz
geschlossen. Tarsen einfach. (Acanthoderitae, Acrocinitae, Oreode-
ritae, üryoctenitae, Polyrhaphitae und Anisoceritae Thoms.)
2) A c a n th 0 ci n i ta e. Basalglied der Fühler sehr verlän-
gert, so lang oder länger als das dritte Glied. Aliltelschienen fast
immer mit deutlichem Höcker und Grube; vordere Acetabula kreis-
rund, die INaht ganz oder fast geschlossen. Kopf schmal, Tarsen
einfach. (Acanthocinitae, Trypanidiitae und Colobotheitae Thoms.)
3) Lamiitae. Basalglied der Fühler massig gross, eine von
der Basis nach der Spitze hin verdickte, längliche Keule bildend.
An den Mittelschienen der Höcker und die Grube stark entwickelt,
Tarsen einfach. (Monohammitae Thoms.)
4) Oncideritae. Basalglied der Fühler von der Basis nach
der Spitze hin verdickt, mittelgross (ausgenommen bei Hippopsis).
An den Mittelschienen der Höcker und die Grube deutlich, vordere
Acetabula aussen gewinkelt. An den Tarsen d;is Klauenglied stets
sehr verlängert, Klauen einfach. Körper langgestreckt. (Oncideritae,
Apomecynitae pro parte, Hypsiomilae, Onocephalitae und Hippopsi-
tae Thoms.)
f)) D es mi p h 0 r i t a e. Basalglicd der Fühler an der Basis sehr
schlank, mit stark abgesetzt keulförmiger Spitze ; an den Mittelschic-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 395
nen der Höcker und die Grube häufig fehlend. Vordere AcetabuJa
aussen gewinkelt, Tarsen einfach. Fühler fadenförmig, ziemlich kurz,
haarig, Schnauze meist sehr kurz, Hinterkopf sehr gross, hervorste-
hend. (Compsosomilae, Desmiphoritae, Apomecynitae pro parte Thoms.)
6) Saperdita e. Basalglied der Fühler schlank, meist all-
mählich von der Basis aus verdickt ; an den Mittelschienen der Höcker
und die Grube in der Regel ganz fehlend. Vordere Acetabula aussen
weit klaffend, Tarsen immer kurz, Fussklauen oft gezähnt oder ge-
spalten. Körper langgestreckt, Thorax gewöhnlich cylindrisch, einfach.
(Saperditae, Amphionychitae und Tapeinitae Thoms.)
Als der Fauna des Amazonenstromes eigen beschreibt Verf.
folgende Gattungen und Arten: 1) Acrocinus Illig. 2 A. 2) Oreodera
Serv. 12 A., darunter neu : Or. tindnlata, fluclnosa^ bitiihercidata, ru-
fofasciata, lacteostrigata, (p.]48fr.) sericata, cretata, simplex, griseo"
zonata und (Anoreina, subgen. nov.) nana. 3) Aegomorphus Thoms.
2 A., neu : Aeg. obesus. 4) Myoxomorpha White 1 A. (und anhangs-
weise beschrieben: Acanthoderes funerarius Dej. Cat. aus Mexiko).
— (p. 212 ff.) : 5) Acanthoderes Serv. 20 A., darunter neu: Ac.hebes,
fuscicollisy minimus, maculicollis (Hej), semigriseus (Dej.), von Rio-
Janeiro anhangsweise beschrieben, albotiiger, macnlatissimus, albo-
linitus, longispinis, pigmentatus, phasianus, cylindricus (Dej.) von
Rio-Janeiro anhangsweise, meleagris^ chrysopiis, lateralis und spe-
ctabilis. 6) Dryoctenes Serv. 1 A. 7) Ozotroctes nov. gen. Kopf
ziemlich schmal, Fühlerhöcker aufgerichtet und schief, Taster an der
Spitze schräg abgestutzt und zwar die der Unterlippe mehr als die
Kiefertaster. Thorax stumpf einhöckerig an den Seiten, mit zwei sehr
deutlichen Höckern auf der Scheibe ; Prosternum einfach abgerundet,
Mesosternum hinten stark verengt, vorn steil abfallend. Flügeldecken
sehr leicht abgestutzt, Beine und Tarsen wie bei Acanthoderes. —
Art: Oz. punctatissimus.
Zwei neue Gattungen stellte Pascoe (Journal of Entomol. I.
p. 129 ff.) auf: 1) Auxa nov. gen., eine sehr eigenthümlich gestal-
tete Form, welche Verfasser trotz ihres ganz abweichenden Habitus
mit Pogonocherus verwandt glaubt. Fühler von Körperlänge, mit
stark keulenförmig verdicktem Basalgliede, sonst dünn; Halsschild
verlängert eiförmig, vorn breiter als an der Basis, seitlich leicht ge-
rundet und ohne Höcker, Flügeldecken schmaler als das Halsschild
und nach hinten stark verengt, einzeln zugespitzt. Flügel ausgebil-
det, Taster lang und zugespitzt, Beine robust, mit gekeulten Schen-
keln. — Art : A. amplicoUis von Madagascar. — Cacia anthriboides
n. A. von Amboyna, — 2) Omosarotes nov. gen., mit Scopadus
verwandt. Kopf weit hervortretend, vorn quadratisch, Fühler kürzer
als der Körper, dünn, das erste Glied verdickt, das dritte am läng-
steOj alle mit sperriger Behaarung; Halsschild um die Hälfte langer
396 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
als breit, in der Mitte etwas bauchig und jederseits mit einem Zahne
besetzt, Flügeldecken mit breiten, rechtwinkligen Schultern, nach
hinten verschmälert, Schildchen quadratisch. — Art: Om. singuloris
von Parä pl. 8. fig. 5.
Chevrolat, „Reflexions et notes synonyiiiiques stir le travail
de M. James Thomson sur les Cerambycides, avec descriptions
de quelques nouvelles especes" (Journal of Entomol, I. p. 185—192)
unterwarf T h 0 m s o n's Essai d'une Classification de la famille des
Cerambycides in Bezug auf die Gattungen und Arten der Lamien-
Gruppe einer speziellen Prüfung und machte neben zahlreichen syno-
nymischen Bemerkungen folgende neue Arten bekannt: Steirastoma
larva (Dej. Cat.) aus Venezuela, Taurolema prefiosa aus Venezuela
und hirsuticornis (Buq.) aus Brasilien, Aphies erythrodera (Dej. Cat.)
aus Neu-Granada, Volumnia Guineensis (Sphenura Westermanni Dej.
Cat.) von üld - Calabar, Telraopes undecimpunctatus (Dej. Cat.) von
Vera-Cruz und thermophilus, Phosphorns angolator Oliv, und Jansoni
n. A. (angolator Thoms.) von der Goldküsle. — Ebenda p. 250 ff. :
Trigonopephis hinominis n. A. von Rio-Janeiro, Ischnolea pallidipen~
nis (Euchaestes crinitus Dej. Cat.) und Ischn.? bimaculata aus Brasilien.
Jekel, „Observations suggerees par les noles deM. Chevro-
latsur les Cerambycides de M. Thomson" (ebenda I. p. 255 ff.)
erörtert (nach Bemerkungen über Nomenklaturgesetze und andere
nebensächliche Dinge) die Synonymie der Gattung Atmodes Thoms.
und der dieser Galtung untergeordneten Art, weist Hypsioma subfa-
sciata Thoms. als identisch mit Hypseiomus crudus Erichs, nach und
gründet auf Lamia globifera Fab. eine neue Untergattung J ante si a,
welche mit einer neuen Art: Hypsioma hipunctata von Cayenne be-
reichert wird. — Hesycha Barii von Cayenne gleichfalls als n. A.
charakterisirt.
Coquerel, „Especes nouvelles du genre Sternotomis" (Anna-
les soc. entom. 4. ser. I. p. 185 — 188. pl. 5) gab Beschreibungen und
Abbildungen von vier neuen Sternotomis - Arten: Stern. Weshcoodii
von der Insel Zanzibar, Dubocagii, Vasco und Gama von Angola.
— Sternotomis Thorasonil Buquet hat Verf. auf Madagascar ange-
troffen.
Von Montrouzier (Annales soc. entom. 4. ser. I. p. 269 ff.)
wurden folgende neue Gattungen und Arten aus Neu-Caledonien
bekannt gemacht: Poly acanthia nov. gen., vom Ansehn der Gat-
tung Acanthocinus, mit verlängertem und zugespitztem Endgliede der
Taster, behaarten Fühlern von weniger als doppelter Körperlänge,
massig ausgerandeten Augen, querem Halsschild, welches seillich mit
einem kleinen und einem grossen Dorne bewehrt und ausserdem mit
zwei Randhöckern besetzt ist, verkehrt trapezoidalem Schildchen,
gleichbreiten und wenig gewölbten, an der Spitze abgerundeten Flu-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. S97
geldecken, ausgebildeten Flügeln, gebeulten Schenkeln, und fast
gleich grossen drei ersten Tarsengliedern. — Art: Pol. Fonscolomhei
von Lifu. — Hetoemis modesta, Gnotna variegata (ist eine neue Gal-
tung bei Parmena). — Tric o nd y loides nov. gen., eine Saperden-
Form mit cylindrischem, gefaltetem Halsschilde, welches kürzer als
die Flügeldecken und an der Basis verengt ist ; Flügeldecken ober-
halb eingeschnürt, an der Spitze erweitert und etwas buckelig. —
Art: Tric. annalus von der Insel Art. — Micracanlha nov. gen.,
mit Coptops verwandt, von kurzem, gedrungenem Bau wie Penthea;
Fühler kürzer als der Körper, mit cylindrischen Gliedern , Augen
wenig hervortretend, sehr tief ausgerandet, Halsschild mit sehr klei-
nem Dorne jederseits nahe an der Spitze, Schildchen gross, halb-
kreisförmig, Flügeldecken gleich breit, hinten abgerundet, leicht ge-
wölbt. — Art: Micv. auslralis von Lifu. (Ausserdem gehören der
Gattung an : Penthea Woodlarkiana, assimilis und aspersa von Wood-
lark.) — Pogonocherus Schaumii, Parmena modesta (zur Gattung Xy-
loteles gehörig), Phytoecia? geophila (ebenfalls ein Xyloteles), Mono-
chammus Artensis. — Ampho ecus nov. gen., aus der Gnoma-Gruppe;
Augen nur theilweise die Basis der Fühler umringend, diese fast
von Körperlänge, ihr erstes Glied dick , länger als der Kopf, das
zweite bis vierte kürzer als die folgenden, das fünfte fast von der
Länge des ersten ; Kopf in einen Hals endigend, Halsschild cylin-
drisch, viel schmaler als die Flügeldecken, alle Schenkel fast gleich
gross, gekeult. — Art : Amph. metallicus, pl. 5. fig. 6 abgebildet. —
Zygocera? Baladica, Anaesthctis Foudrasi, maculata und bipustulata
(alle drei Arten zur Gattung Oopsis Fairm. gehörend). — Lepto-
nota nov. gen., von Saperda durch langes, cylindrisches Halsschild,
welches indessen kürzer als bei Gnoma ist, und die Flügeldecken,
welche kaum breiter als das Halsschild, stets gegen die Spitze hin
verschmälert sind und in einen Dorn endigen, unterschieden. — Ar-
ten : Lept. picta, tristis, Lifuana, sepium, Baladica, Penardi, Lam~
berti, puhernla , modesta und aenea (die fünf letzten Arten sollen
nach T h 0 m s o n eine eigene Gattung iVewia scA ewa bilden), Saperda
inconspicua (einer neuen Gattung Dioxippe Thoms. augehörig),
Lamia (Penthea?) Anstrocaledonica, metallica und scutellata (alle
drei Arten der Gattung Blapsilon Pascoe angehörig, die erste = ßla-
psilon irroratum Pascoe).
Motschulsky (v. S ehren ck's Reisen im Amur-Lande IL
p. 149 f.) beschrieb Astynomus Sibiriens, Monohammus quadrimacula"
tus, Saperda metallescens, sedecimpunctata, duodecimpunctaia, lateri-
maculata und impustulata als n. A. aus Daurien.
Le Conte (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1861. p. 354)
Pogonocherus Oregonus als n. A. von Fort Colville, (Nebenbei er-
898 Gerslaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
wähnt Verf., dass yVmphionycha snharmata Le C. wegen der ungezähn-
ten Klauen zur Galtung Eiij)ogonins Le C. zu bringen sei.)
Pascoe (Journal of Entomol. I. p. 62) Osledes spinulosa als
n. A. von Keu- Guinea und den Molukken, Aslhates cnloplera von
Borneo.
Candeze (Memoires soc. royale de Liege XVI, p. 383. pl. 4.
fig. 2) Astynomus Sallei n, A. aus Caraccas nebst seiner Larve und
IVymphe.
Fairmai re (Bullet, soc. entomol. 1861. p. 11) Phyloecia Gre-
nieri als n. A. aus Frankreich (Collioure).
Mulsant und Key (Opusc. entomol. XIL p. 193) Exocentrus
Clarae als n. A. von Lyon.
IS'ach Gautier des Gottes (Bullet, soc. entomol. 1861. p.l8)
wurde Agapanthia violaeea Fab., bis jetzt nur aus dem südlichsten
Europa bekannt, neuerdings auch in Savoyen auf Abies excelsa ge-
funden.
Von A. Keller in Reutlingen wurde die gleichfalls südlichere
Deroplia Genei zweimal in Württemberg auf Eichen gefunden (Jah-
reshefte d. Ver. für vaterl. Cultur in Württemberg XVIL p. 362).
Bond zeigte in der Entornological society zu London zwei
lebende Acrocinus longintanus vor, welche in Brighton gefunden
worden waren (Froceed. entomol. soc. 1860. p. 118).
Lepturidae. — Le Conte (Proceed. acad. nat, scienc. Phi-
ladelphia 1861. p. 355 f.) beschrieb Leptura pedalis als n. A. vom
Oberen See, Lept. cubitalis, fasciventris, dolorosa, Stenura carbonata,
Acmaeops vincta und gibbula aus Californien, Oregon - Gebiet und
Washington.
Pascoe (Journal of Entomol. L p. 63) Euryptera albicollis als
n. A. aus Brasilien.
Motschulsky (Etud, entom. X. p. 20) Strangalia tenuicornis
und Stenura ochraceofasciala als n. A. von Japan und (v. Schrenck's
Reisen im Amur-Lande II. p. 146 f.) Grammoplera biviltis, parallelo-
pipeda, Stenura aterrima, Packyta bicuneata aus Daurien, Evodinus
Mannerheimii aus IVord-Sibiiien.
ChrySOmeliDäe. Baly, Descriptions of nevv genera and species
of Phytophaga (Journal of Entomol. I. p. 193—206 und p. 275—301.
pl.ll — 13). — Verf. macht eine Reihe neuer Gattungen und Arten
aus den Gruppen der Sagriden, Crioceriden, RIegalopiden, Chrysome-
linen und Gallerucaiien bekannt; die neuen Gattungen werden durch
Abbildungen einer typischen Art iliustrirt.
Sagridae. — Sagra Mouhoti Baly (Journal of Entomol. I.
p. 193) n. A. aus Cambodja, Donacia Californica Le Conte (Proc.
acad. nat. scienc. Philadelphia 1861. p. 357) n. A. aus Californien.
Crioceridae. — Baly (Journal of Entomol. I. p. 193) cha-
im Gebiete der Entomologie wahrend des Jahres 1861. 399
rakterisirte eine neue Gattung Stethopachys von langgestrecktem,
fast cylindrischem Körper, mit kräftigen Fühlern, deren zweites und
drittes Glied kurz nnd einander gleich sind, stark eingeschnürtem,
cylindrischem Halsschild, viel breiteren, gleichseitigen Flügeldecken,
senkrecht verlängertem Mesosternum, stark verdicktem und mit einem
kräftigen, stumpfen Forlsatz sich bis zwischen die Mittelhüften er-
streckendem Metasternum. Die Gattung repräsentirt Plectonychis Lac.
in Australien; sie unterscheidet sich von dieser durch die Brustbein-
bildung und die verlängerten Fnssklauen. — Zwei Arten: Steth.
formosa aus Australien und Javeti von Nen-Caledonien. — Crioceris
Sallei n. A. von Oaxaca. — Ebenda p.275 ff.: Macrolema nov.
gen., nahe mit Brachydactyla verwandt und durch deutliches Proster-
num übereinstimmend ; dagegen abweichend durch die bei den übri-
gen Gattungen der Gruppe gewöhnliche Bildung des dritten und
vierten Tarsengliedes und durch die queren Vorderhüften; durch die
Form der letzteren zugleich von allen übrigen Gattungen der Crio-
ceriden unterschieden. Fühler auffallend lang, dem Körper gleich-
kommend, ihr viertes Glied so lang wie das erste, das dritte kürzer;
Hinterschenkel nicht verdickt, Halsschiid viel breiter als lang, Flü-
geldecken ziemlich gleich breit, ohne merkliche Ausbuchtung an der
Ausseuseite. — Art: Macr. viftata von der Morelon-Bay, pl.l3. fig. 1
abgebildet. — Megascelis elegans n. A. vom oberen Amazonenstroni,
Lema Parryi von der Westküste Afrika's, Jansoni und Bretinghami
aus Indien, sellata von Sierra Leone, Jekelii von Ega, Crioceris
dromedarius von Cambogia und gihba aus China.
Montrouzier (Annales soc. entom. 4. ser. L298f.) beschrieb
Lema hipustulala (neue Gattung bei Orsodacna), Bletiae und assiini~
iis als n. A. von der Insel Lifu,
Reiche (ebenda p. 92) Lema purpuricoUis alsn.A. aus Algier.
Megalopidae — Ba!y (Journal of Entomol.I. p. 281 ff.) be-
schrieb Maslostethns lavatus und Dohrnii (pl. 13. fig. 5) als n. A. von
Oaxaca, Mastostetkus Stalii aus Mexiko (pl. 13. fig. 4).
Clythridae. — Coscinoptera vitligera Le Conte (Proceed.
acad. nat. scienc. Philadelphia 1861. p. 357) n. A. von den Rocky-
Mountains und Chlamys Chevrolati Fauvel (Bullet, soc. Linneenne de
Kormandie V. p. 319) n. A. von Cayenne.
Cryptocephalidae. — Suffrian (Entomol. Zeitung XXII.
p. 86 — 91) charakterisirte den ihm bisher unbekannt gebliebenen,
jetzt aber in Toscana wieder aufgefundenen Cryptocephalus stragula
Rossi nach beiden Geschlechtern und Crypt. palliatus n. A., gleichfalls
aus Toscana, dem Cr. marginatus Fab., für welchen ihn Rossi auch
vielleicht gehalten hat, sehr nahe stehend. ^
Gautier des Cottes (Annales soc. entom. 4. ser. I. p. 193 f.)
400 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
beschrieb Cryptocephahis Raphaelensis als n. A. aus Südfrankreich
und ahietinus aus den Savoyischen Alpen.
Fairniaire (Bullet, soc. entomol. 1861. p. 11) diagnoslicirte
Cryptocephahis inexpectus als n. A. von Toulon und beschrieb (An-
nales soc. enloniol. 4. ser. I. p.649) Cryptocephalus Perrieri aus
Savoyen.
Le Conte (Proc. acad. nat. scienc. Philadelphia 1861. p. 357)
beschrieb Fachybrachis analis als n. A. aus Californien.
Montrouzier (Annales soc. entom. 4. ser. I. p. 303) Crypto-
cephalus striaticollisy oxythorax und pallens (sollen alle drei zur
Gattung Alonachus gehören) als n. A. von der Insel Lifu.
Gautier des Gottes (Bullet, soc. entomol. 1861. p. 18)
hält Cryptocephalus lobalus Fab. und cyanipes Suffr. nur für die bei-
den Geschlechter einer und derselben Art. (Verf. hat aber wohl nicht
beachtet, dass Suffrian von erslerer Art beide, von letzterer das
weibliche Geschlecht beschreibt.)
Euniolpidae. — J. S. Baly, „Descriptions of new genera
and species of Euiuolpidae" (Journal of Entomol. I. p. 23 — 36. pl. I)
machte eine Anzahl ausgezeichneterer Formen aus der grossen Zahl
der unbeschriebenen Arten dieser Familie bekannt, für mehrere der-
selben neue Gattungen errichtend: 1) B asil ep ta nov. gen., auf
einen kleinen, nur 2 Lin. langen Eumolpiden von Borneo, Bas. lon-
gipes errichtet, der sich durch ziemlich frei hervortretenden Kopf,
sehr dünne fadenförmige Fühler , welche um die Hälfte länger als
der Körper sind und deren drittes Glied fast um die Hälfte kürzer
ist als das vierte, durch den sich den Flügeldecken nicht eng an-
schliessenden Prothorax und die sehr aulfallende Länge der Beine
auszeichnet; letztere sind mit Ausnahme der an der Spitze stark ge-
keulten Schenkel in allen Theilen sehr dünn, das erste Tarsenglied
den beiden folgenden zusammengenommen gleich, die Klauen an der
Basis zahnartig erweitert. — 2) Spilopyra nov. gen., wird vom
Verf. nur auf den von Lacordaire angegebenen Unterschied hin
in Betreff der Spaltung des dritten Tarsengliedes zur Eumolpiden-
Gruppe gestellt, während die Gattung sonst in allen Charakteren, be-
sonders auch in der Bildung der Vorderbrustseiten zu den Chryso-
melae genuinae gehört; von Podontia, mit der sie allein in näherer
Verwandtschaft steht, unterscheidet sie sich durch die einfachen Fuss-
klauen. — Art: Spil. sumptuosa von der Moreton-Bay. — 3) Tri-
cho Iheca nov. gen., mit Ado.\us Kirby (Bromius Redt.) zunächst
verwandt, durch langgestreckteren Körper, schmalen, cylindrischen
Prothorax, fadenförmige Fühler von mehr als Körperlänge und ver-
dickte Vorderschenkel unterschieden; letztere an der Unterseite mit
starkem, die Mittelschenkel ebenda mit kleinem Zahn bewehrt. Fuss-
klauen mit breitem Zahn an der Basis, Körper behaart. — Art: Trich>
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 401
hirta aus Nord - Indien. — Adoxus ßowri7igii n. A. aus Nepal upd
Nord-China, ntgripes von Hongkong, polli?iariiis von Bombay. — 4)
Epiphyma nov. gen., auf Ep. intestinorum (Thoms) aus Brasilien
begründet; Kopf in den Frothorax eingesenkt, Fühler fast von Kör-
perlänge, nach der Spitze hin allmählich verdickt, die fünf letzten
Glieder länger und merklich breiter als die übrigen, zusammen mehr
als die Hälfte dei- Fühlerlänge ausmachend. Beine kräftig, erstes
Tarsenglied fast den beiden folgenden zusammen gleich; Prosternum
hinten erweitert, seitlich zweibuchtig, Mesosternum. pentagonal. — 5)
Meroda nov. gen. Kopf eingesenkt, mit breitem, senkrechtem Ge-
sichte, Fühler fadenförmig, von Körperlänge, Augen innen ausgeran-
det; Thorax quer, seitlich gerandet, das Scitenfeld nach unten zwei-
zipflig ; Vorderbeine verdickt, besonders stark die Vorderschenkel,
welche mit einem scharfen Zahne unterhalb bewehrt sind. — Art:
Mer. costata vom Amazonenstrome. — 6) C allisina nov. gen., mit
Corynodes Hope nahe verwandt, die Fühler wie dort nach der Spitze
hin stark verbreitert, die Keule von den sieben letzten Gliedern ge-
bildet; abweichend durch den queren Frothorax und die verdickten
und mit einem Zahne bewehrten Schenkel, von denen die vorderen
am stärksten erweitert sind. — Art: Call, fasciata von Malacca und
Borneo. — Corynodes decemnotatus aus Indien?, ptdchellus von Siam,
igneofasciatvs und pyrospilus ebendaher, Enryopc cingulatiis {s\c\)
von Ft. Natal, terminalis aus Süd - Afrika, Colaspis dimidiata aus
Peru, humeralis von Ega und Colasposoma pretiosa aus Nord-Indien.
Derselbe (ebenda p. 195 tf. ) beschrieb Tricho chrysea
nov. gen., von länglichem, stark gewölbtem und mit aufrechter Be-
haarung bekleidetem Körper, mit breitem, eingesenktem Kopfe, un-
terhalb stark ausgerandetem and beiderseits gezähntem Gesichte,
schlanken Fühlern von mehr als halber Körperlänge , deren erstes
Glied verdickt, die fünf folgenden fadenförmig, die fünf letzten massig
erweitert und stark zusammengedrückt sind, mit querem Halsschilde,
dessen Seiten abschüssig gerandet sind , gezähnten Fussklauen und
quer viereckigem Prosternum. — Zwei Arten : Trich. vestita aus Nord-
Indien und Mouhoti von Cambogia. — Meroda rußpemiis und fulva
n. A. vom Amazonenstrome, Psendocolaspis Murrayi aus Old-Calabar.
— Ebenda p. 282 1f.: Dermorhytis nov. gen. Körper länglich,
fast cylindrisch, Kopf bis zu den Augen eingesenkt, Fühler faden-
förmig, mit fast gleich langem 2ten und 3ten Gliede, Augen hervor-
ragend, kaum ausgerandet; Schildchen stumpf, von halber Eiform,
erstes Tarsenglied kürzer als die beiden folgenden zusammengenom-,
men, Klauen mit Anhang, Prosternum seitlich concav und in der Mitte
gezähnt. — Arten: Denn, igneofasciata von Ceylon und Fortunei
aus Nord-China. — G elop ter a nov. gen. Köi-per länglich, gewölbt,
Kopf senkrecht, bis zum Hinterrande der Augen eingesenkt, Fühler
Arohiv f. Naturg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd. Aa
402 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
dünn, fadenförmig, mit verdicktem ersten, kurzem zweiten und fast
doppelt so langem dritten Gliede ; Augen fast nierenförmig, Halsschild
quer, gerandet, Schildchen quer, fast fünfeckig, Flügeldecken oft
höckerig, Fussklauen mit Anhang, Prosternum länger als breit, seit-
lich concav, nicht gezähnt, Mesosternum quer, an der Spitze stumpf
gewinkeil. Von Colaspis durch queres, an der Spitze concaves Kinn
und abweichende Form des Seitenfeldes des Prothorax unterschieden.
— Arten: Gel. tuherculala und geniculata vom Swan-River. — En-
dQxus gracilicornis n. A. von Hongkong, Callomorpha imperialis aus
Nord-China. — Pihyparida nov. gen., gehört zu einer Gruppe von
Gattungen, welche gewöhnlich einen Kerb an der Aussenseite der
beiden hinteren Schienenpaare nahe der Spitze haben und bei deren
einigen die Fussklauen gezähnt, bei anderen nur mit einem Anhange
versehen sind. Rhyparida hat gezähnte Klauen und unterscheidet
sich von Typophorus durch queres Halsschild und die abweichende
¥oi'n\ des Seilenfeldes an demselben ; der Vorderrand desselben ist
schräg und nach vorn nicht ausgezogen. — Arten: Rhyp. dimidiala
von der Moreton - Bay, grandis aus Keu-Caledonieu, pulchella von
Dorey auf Neu-Guinea und geniculata ebenfalls von IN'eu-Guinea. —
Ckrysopida nov. gen., von der vorigen Gattung durch verlängerten
und heraustretenden Kopf, keilförmigen Seitenforlsatz des Prosternum,
ovales, vorn und hinten abgestutztes, gewölbtes Halsschild, welches
etwas länger als breit ist, ferner durch längere Beine, verdickte
^ct^enkel und an der Basis gezähnte Fussklauen unterschieden. —
Arten: Chrys. Adonis und festiva von Manila.
Fairmaire (Annales soc. entomol. 4. ser. I. p. 587 fT.) gab
eine Uebersicht über die bis jetzt bekannt gewordenen Europäischen
Arten der Gattungen Pachnephorus und Dia mit Hinzufügung der von
den betreffenden Autoren gegebenen Diagnosen und der Beschreibung
einiger neuer Arten. I'achnephorus 11 Arten: a) Körper ziemlich
kurz mit weisslichen Schuppenflecken, Flügeidecken stark crenulirt-
gestreift: P. tefiisellatus Duft., villosus Duft., areuarius Fab., lepido-
pterus Küst., impressus Rosenh. und aspericollis n. A. aus Südfrank-
reich, Sicilien und Algier. — b) Körper länglich oder langgestreckt,
ungefleckt, Flügeldecken mit Reihen grosser Punkte: P. cylindricus
Luc, cylindricus Küst., Bruchii und corinthius n. A. von Beziers und
laevicollis n. A. von Sicilien. — Gattung Dia mit 5 Arten : D. sphae-
roidesü. A. aus Toscana, aeruginea Fab., globosa Küst., oblouga Blandi.
und proxima n. A. von Hyeres.
_,,,,„ M orawit z, „Zur Kenntniss der Russischen Eumolpiden" (Hu-
rae soc. entom. Rossicae I. p. 159 ff.) beschränkte die Gattung Chry-
sochus Redt, auf Chr. preliosus Fab., schied dagegen Chrys. Asialicus
Lin. nach den kaum verdickten Fühlern, den ungleichen und an der
Spitze einfachen Mandibeln, den gleich langen Endgliedern der Ta-
..■iL\'j. .-ü-uiiy^. -All A^
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 403
ster und den in der Mitte gezähnten Fussklauen als eigene Gattung
Chrysochares ab. Die früher von ihm aufgestellte Gattung und
Art Heterocnemis versicolor wird nochmals charakterisirt und der
Gattungsname als bereits vergeben in Chlor opterus umgeändert. —
Ausser den genannten Arten sind in Russland einheimisch: Eumolpus
obscurus Lin. und vitis Fab., Pachnephorus arenarius Fab. und villo-
sus Duft, und Colaphus sophiae. (Letztere Gattung ist zu den Chry-
somelen zu rechnen. Ref.) — Im Bulletin d. natural. deMoscou 1861.
I. p. 293) führt Verfasser seine Gattung Heterocnemis auf Kodostoma
Motsch. zurück.
J\l o ts chulsky (v. Schrenck's Reiseu im Amur - Lande IL
p. 176 ff.) beschrieb Nodostoma fuhipes, cribricollis, flavipes und ru-
folestacea als n. Art aus Daurien, Nodostoma sculpturata und viridi-
pennis aus Ostindien, Colasposoma cyanea und Motigolica aus Daurien
und der Aiongolei, viridicoerulea aus China, coerulescens, rngipennis
und nigroaenea aus Birma, purpurata von Java , viridifasciata von
den Philippinen und auripennis aus Ostindien.
Ivl on t r 0 u z ier (Annales soc. entomol. 4. ser. I. p. 302 f.) Co-
laspis? Dunali, Colaspis? metallica, Colaspis Laboulbeni (zur Gat-
tung Edusa gehörend) und flaveola (ebenfalls zu Edusa) als n. A. von
der Insel Lifu.
Fauvel (Bullet, soc. Linneenne de Normandie V. p. 321 f.)
Sphaeroplacis sanguinea und tricolor als n. A. von Cayenne.
Chrysomelae genuinae. — Claus hat Untersuchungen
über die Seitendrüsen der Larve vonChrysomela populi (v. Siebold und
Kölliker's Zeitschr. f. wissenschaftl. Zoologie XL p. 309 ff., Taf. 25)
veröffentlicht. Verf. stellt fest, dass die Larven der Gattung Lina
nicht nur auf den beiden hinteren Thoraxringen, sondern auch auf
den sieben ersten Hinterleibssegmenlen jederseits eine, obwohl hier
kleinere Papille zeigen , aus deren jeder bei der Berührung ein
Tropfen klarer Flüssigkeit hervortritt. Letztere lässt einen Bitter-
mandelöl-Geruch erkennen und ist wahrscheinlich der Hauptmasse
nach salicylige Säure ; sie besteht aus fettartig glänzenden Kugeln
von verschiedener Grösse und einer farblosen Flüssigkeit. Dieses
Sekret füllt eine unter der Papille liegende Blase an, deren Hals
durch einen besonderen Muskelapparat hervorgestülpt und wieder
eingezogen werden kann; abgesondert wird dasselbe durch eine der
Blase aufsitzende beerenförmige Drüse, welche aus grossen gekernten
Zellen besteht. Die feinere Struktur dieser Drüse wird vom Verf.
näher erörtert und abgebildet.
Stäl, „Till Kännedomen om Chrysomelidae" (Ofvers. Vetensk.
Akad. Förhandl. 1860. p. 455— 470) setzte seine vorläufigen Diagnosen
neuer Chrysomelinen mit folgenden Gattungen fort: Doryphora 111.
1 Art, Timarcha Latr. 1 A., Elytrosphaera Stäl 5 A., Proseicela Er.
404 G e r s tae cker: Berirht über die wissenschaftlichen Leistungen
2 A., Eugonycha Chevr. 1 A., Leptinotarsa Chevr. 4 A., Deuterocampta
Er. 33 A., Desmogramma Er. 7 A., Leucocera Chevr. 1 A., Cosmo-
gramnia Er. 1 A., Zygograniina Er. 5 A. , Calligrapha Er. 24 A.,
Chrysomela Lin. 2 A. — Pyxis nov. gen. Metasternuin ohne einge-
drückte gekrümmte Seitenlinie, hintere Episternen nach rückwärts
leicht und allmählich verschmälert, Fussklauen gespreizt, deutlich
appendikulirt. 7 neue Arten aus Süd-Amerika. — Micr othec a nov.
gen. Körper niedergedrückt, Mund wenig hervortretend, Fühler gegen
die Spitze hin leicht und allmählich verdickt, ihr Basalglied etwas
aufgetrieben; Fussklauen gespreizt, an der Basis selbst undeutlich
appendikulirt. — 3 neue Arten aus Süd-Amerika. — Chalcolampra
Cybele n. A. aus Hongkong. — Paropsis Oliv. 13 A. aus Neu-Holland
und Vandiemensland. — A eserni a nov. gen. auf Phyllocharis splen-
dens und splendida Guer. begründet. — Plagiodera Er. 29 A. aus
Süd- und Älittel -Amerika. — Limenta nov. gen. Mund wenig
hervortretend, Taster fadenförmig, Fühler ziemlich kurz , gekeult;
Prosternum sehr schmal, Mesosternum flach, quer, Metasternum bei-
derseits mit eingedrückter krumnier Linie, die von den Vorderecken
entfernt ist; Fussklauen mit Anhang. — Art: L. serrula aus Brasilien.
— Gavirga nov. gen. Mund wenig hervortretend, Prosternum
rückwärts allmählich erweitert, an der Basis breit abgestutzt, Meta-
sternum beiderseits mit eingedrückter krummer, von den Vorderecken
entfernter Linie ; hintere Episternen an der Spitze etwas erweitert,
Fussklauen mit Anhang. — 9 neue Arten aus Süd-Amerika. — Phae-
don Latr. 6 A.
ßaly (Journal of Entomol. L p. 290 ff.) beschrieb Phyllocharis
ornata, melanospila und acroleuca als n. A. von der Moreton-Bay,
violaceipemiis von Dorey auf IVeu - Guinea, Wallacei von Batchian,
Aesernia Whitei von Keu-Guinea, Auslralica (Slcthomela) aeneipennis
von Batchian, scintillans von Dorey und Chalcomela ornatissima von
Queensland in Australien. — Ebenda p. 198: Ceralces oriiata n. A. vom
N'Gami-See.
Derselbe (ebenda \. p. 93 — 97. „Descriptions of six new
species of Chrysomela from the East") beschrieb Chrysomela Teniple-
toni von Ceylon, Forlunei und Slfdii aus Kord -China, separata aus
Kord -Indien, Bowringii von Hongkong und cingulata aus Kord-In-
dien als n. A.
Fairmaire (Annales soc. entomol. 4. ser. I. p. 592 ff.) TmrrrcÄrt
recticollis, monticola (Dufour), cyanescens, interstilialis, slrangitlala
und sinuatocollis q\s n. A. aus den Pyrenäen, Chrysomela gallega n. A.
aus Galizien.
Suffrian (Synonymische Miscellaneen XXII, Entomol. Zeitung
XXII. p. 429 — 437) spricht sich gegen das leichtfertige und allen
empirischen Bodens entbehrende Zusammenziehen nahe verwandter,
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 405
aber gut zu unterscheidender Arten, wie es jüngst auch unter den
Oreinen geschehen ist, aus und giebt eine erneuete Revision der durch
ihre hellrothe Körperfarbe ausgezeichneten Oreinen, deren er nach
Zugang neuen Materiales gegenwärtig vier unterscheidet: ]) 0. nigri-
pes Fairm. aus den Pyrenäen. 2) 0. melanocephala Duft. (Peirolerii
Bassi) aus Kärnthen und Piemont. 3) 0. commutata n. sp. (melano-
cephala SufFr. ant.) aus Kärnthen und Galizien. 4) 0. plagiata (me-
lanocephala Fuss) aus Siebenbürgen.
Motschulsky (v. S c h re n c k's Reisen im Amur-Lande II.
p. 179 — 221) hat eine umfangreiche Auseinandersetzung der Gattungen
unter den ächten Chrysoinelen zu geben versucht, deren Zahl nach
seiner Ansicht gegen die bisherige beträchtlich vermehrt werden
muss. Indem wir auf die vom Verf. gegebene Analyse und die Gat-
tungscharakteristiken wegen ihrer grossen Ausführlichkeit selbst ver-
weisen müssen, beschränken wir uns darauf, die vom Verf. vorge-
schlagenen Gattungsnamen nebst den typischen Arten anzuführen.
1. Gruppe. Gonioctenae : Gastrophysa Chevr. , Cystocfiemis Motsch.
(Chrys. discoidea Gebl.), Entomoscelis Chevr., Sparloxetia Motsch.
(Chr. aegrota Fab ), Spartophila Chevr., Gonioctena Chevr. und Go-
wiowena Motsch. (Chr. pallida Lin.). — 2. Gruppe. Doryphorae: Poly-
gramma Chevr., Zygogramma Chevr. , Labidomera Chevr., Deutero-
campta Chevr., Monocampta (Chr. crucifera Dej.), Labidoslerna Motsch.
(Polygr. semilineata Chevr.), Leptinotarsa Chevr., Stichotaenia Motsch.
(Doryph. axillaris Germ.), Linostoma Motsch. (Doryph. cincla Germ.),
Biogranwia Motsch. (Doryph. figurata Germ.), Doryprosopa Motsch.
(Doryph. Dejeanii Chevr.), Dorysterna Motsch. (Dor. globulifera Motsch.),
Cardiodora Motsch. (C. exclamationis 3Iotsch. aus Mexiko, diagnosti-
cirt), Metallopkora Motsch. (Doryph. pyroptera Germ.), Orthodora
Motsch. (Doryph. aulica Oliv.), Sphaenosterna Molsch. (Doryph. zonata
Germ.), Antirrhosterna Motsch. (Ä. lenticulata Motsch. aus Brasilien,
diagnoslicirt) , Hoinalodera Motsch. (Chrys. puslulata Fab.), Doryphora
lUig. (Chrys. reticulata Fab.) , Faropsimena Motsch. [Far. infuscala
Motsch. aus Brasilien, diagnosticirt). — 3. Gruppe. Timarchae: Me-
tallotimarcka Motsch. (Chrys. metallica Fab.), Timarchostoma Motsch.
(Chrys. coriaria Fab.), Timarcha Meg. (T. tenebricosa Panz.), Timar~
choptera Motsch. (Chrys. hemichlora Gebl.), Elythrosphaera Molsch. (! ?)
mit El. flavipennis Dej., Elythromena Motsch. (El. testudinaria Dej.),
Euparochia Chevr. (E. amoena Dej.), Cyrtonus Dalm., Crosita Motsch.
(Chrys. Altaica Gebl.), Helioslola Motsch. (Chrys. islandica), Craspeda
Motsch. (Chrys. Besseri Dej.}, Pleurosticha Motsch. (Chrys. sylvatica
Gebl.). — 4. Gruppe. Paropsinae : Faropsipacha Motsch. (F. metallica
Motsch. aus Neu-Holland ?, hier diagnoslicirt), Faropsides Motsch. (Par.
duodecimpustulatus Gebl.), Faropsisterna (P. sexpustulata iMarsh.),
Dicranosterna Motsch. (Par. picea Oliv.), Paropsis Jen. (P. variolosa
406 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Marsh.), ISiliosoma Motsch. (Par. testacea Oliv.), Chromodora Motsch
(Chr. rubrolineata n. A. aus Brasilien, liier diagnosticirt), Trilaenia
Motsch. (Tv. slramineolineala n. A. aus Brasilien, hier diagnosticirt).
— 5. Gruppe. Linae: P/a^iiosferna Motsch. (PI. rufolimbata n. A. von
Älossambique, diagnosticirt), Orthosticha (Plag. Bonariensis Sahlb.),
Plagiodera Chevr., Linamorpha Motsch. (L. erythroptera Esch.), Me~
tallofirnpha Motsch. (Calligr. marmorata Chevr.), Boliographa Molsch.
(Chr. philadelphica Fab.), Calligrapha Chevr. (Chr. polyspila Genn.),
Linographa Motsch. (Calligr. muricata Chevr.), Macrolina Molsch.
(Chrys. vigintipunctata Fab.), Lina Meg. (L. populi Lin.), Linaeidza
Motsch. (Chrys. aenea Lin.), Plagiomorpha Motsch. (Lin. Californica
SufTr.) und Linastica Molsch. (Chrys. peltoidea Gebl.). — 6. Gruppe.
Chrysomelae verae: Telratica Motsch. (Chrys. ruficeps M. Leay), A710-
pachys Motsch. (Chrys. asclepiadis Villa), Oreina Chevr. (Chrys. tristis
Fab.), Alpaeixena Motsch (Chrys. senecionis Fab.), Dlochrysa (sie!)
Motsch. (Chrys. speciosa Lin.), Chrysomela Lin. (Chr. graminis Lin.),
Chrtjsomorpha Motsch. (Chrys. cerealis Fab.), Amhrostoma Motsch.
(Ambr. quadriimpressa Menetr.), Bittotaenia Motsch. (Chrys. salviae
Germ.), Zeugotaenia Motsch. (Chrys. limbata Fab.), Centoptera Motsch.
(Chrys. regalis Oliv.), Taetiiosticha Motsch. (Chrys. lucida Fab.), Sticho-
soma Motsch. (Chrys. Banksii Fab.), S^icÄopfera Motsch. (Chrys. sanguino-
lenla Lin.), Chalcoidea Motsch. (Chrys. marginata Fab.), Li7Äopfera Motsch.
(Chrys. niusiva Böber) und Ckrysolina Motsch. (Chr. staphylea Lin.).
— 7. Gruppe. Ovosoniae: Hoplosoma Motsch. (Chrys. lamina Fab.),
Colaphodes Motsch. (Chrys. hottentotta Fab.), Ovomorpka Motsch.
(Chrys. Rossii Illig.), Threnosoma Motsch. (Chrys. helopioides Suffr.),
Ovosoma Motsch. (Chrys. vernalis Brülle), Ovostutna Motsch. (Chrys.
coerulea Fab.), Colaphoptera Motsch. (Chrys. hemisphaerica Duft.) und
Colaphosonia Motsch. (Chrys. Goettingensis Lin.). — 8. Gruppe. Phra-
torinae: Lamprotoptera Motsch. (Australica maculicollis d'Urv.), Au-
stralica Chevr. (A. litura M. Leay), Helodes Fab. (IL phellandrii Lin.),
Prasocuris Latr. (Hei. aucla Fab.), Phratora Chevr,, SternoplalysMotsch.
(St. fulvipes Motsch.), E?»wie/rMs Motsch. (Chrys. betulae Fab.), Phaedon
Meg. (Aus der Zahl der Kamen ersieht man, dass der Verf. mit Gat-
tugen nicht sparsam gewesen ist, und dass er sich alsojm vollsten
Widerspruche mit den neueren Monographen der Gruppe, Suffrian
und Stal befindet; letzlere mögen sich über die Stichhaltigkeit der
Gattungscharaktere, welche Verf. diesmal wenigstens ausführlich genng
erörtert hat, auslassen. Jedenfalls ist an der Arbeit des Verf.'s aus-
zusetzen, dass er sich um die vorhandene Literatur, z. B. um Baly's,
Stäl's und Anderer Publikationen nicht bekümmert hat.) — Als neue
Sibirische Arten werden (ebenda p. 222 ff.) beschrieben: Gastrophysa
atrocyanea., siiturnlis, Entomoscelis orientalis, Gonioctena sorbi, Sali-
cis, Ueliostola spectabilis, Dlochrysa virgala, Chrysomela artemisiae,
" - • im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 407
reclicollis (Armenien), Caucasica, auraria (Mongolei), splendorifera
(Georgien) und subfasluosa (Caiicasus), Chrysomoi-pha quadrangulata,
Ambrostonia Chinensis und Nepalensis, Taeniosticha tarda, Lithoptera
siibaenea, gemmifera, guttifera und nigrogemmata, Phratora longula,
ohtusicollis, Ällaica, nigrica, angtisticollis, latipenniSf striata, lati-
collis (Lappland, St. Petersburg), brevicollis*
Einzelne neue Arten sind ferner: Chrysomela (PhaedonJ ovi-
formis und prasinella Le Conte (Proceed. acad. nat. scienc. Philadel-
phia 1861. p.357f.) vom Oregon, Chrysomela nodulipennis Wollaston
(Journal of Entomol. I. p. 144) vom Cap der guten Hoffnung, Ano-
pachys violaceicollis Motschulsky (Etud. entomol. X. p. 21) aus Japan,
mit Chrysomela asclepiadis und aurichaicea zunächst verwandt und
Chrysomela speciosissima var. troglodytes Kiesenvvetter (Berl. Ent.
Zeitschr. V. p. 391) aus der Schweiz.
• ' Kawall (Entom. Zeitung XXII. p. 123 f.) beschrieb die ersten
Stände (vom Eie bis zur Puppe) der Gastrophysa raphani Fab. Die
Larven sind oben schwärzlich grün, unten schmutzig gelbgrün, leben
von liumex acetosa und sind in 14 Tagen erwachsen. Die Eier sind
hell dottergelb, die Puppe orangegelb.
Gallerucariae. — Baly (Journal of Entomol. t. p. 198 ff.)
machte folgende neue Arten und Gattungen bekannt: Diamphidia
(mit welcher Gattung Verf. auch Cladocera Hope vereinigt, also dar-
unter Arten mit einfachen , gesägten und gewedelten Fühlern be-
greift) Bohemani von Port Natal, ornata (pl. 12. fig. 3) vom N'Gami-
See. — Pseudodera n. gen., sehr nahe mit Crepidodera verwandt,
aber durch die Fühler, welche kräftig, fast von Körperlänge, gegen
die Spitze hin etwas verdünnt sind und deren erstes Glied gekrümmt,
das zweite kurz, das dritte bis zehnte an der Spitze verdickt sind,
ferner durch die quere Basalfurche des Halsschildes, welche nur bis
zu den seitlichen Längsfurchen reicht, unterschieden. — Art: Pseud.
xanthospila aus Nord-China. — P hrynocepha nov. gen., ebenfalls
Crepidodera nahe stehend, aber durch die Fühlerbildung, die eigen-
thümliche Kopfform des Männchens und die unregelmässig punktirten
Flügeldecken abweichend. Fühler sehr derb, fast von Körperlänge,
erstes Glied langgestreckt und an der Spitze erweitert, zweites kurz,
knopfförmig, die folgenden wieder verlängert, aber allmählich kürzer
werdend ; Kopf des Männchens dick, hervorgestreckt, fasl quadratisch,
Gesicht leicht abschüssig. Bei demselben Geschlechte sind die Fühler
dicker, die Schenkel stärker und das Basalglied der Tarsen erweitert.
— Art: Phryn. pulchella aus Mexiko, pl. 11, fig. 8 abgebildet. — D o-
ryxena nov. gen., auf Galleruca grossa Hope begründet , beson-
ders durch das mit einem starken Fortsatze zwischen die Hinterhüften
hervortretende Metasternum ausgezeichnet. — Leptarthra nov.
gen., im Aeusseren der Gattung Coelomera ähnlich, die Fühler aber
408 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
schlank, fadenförmig, fast von Körperlänge, das erste Glied gekrümmt,
gegen die Spitze hin verdickt, das dritte mehr denn doppelt so lang,
als das kurze zweite, das vierte den beiden vorhergehenden zusammen
gleich; Kiefertaster mit leicht gekeultem zweiten, fast birnförmigem
dritten und stumpf kegelförmigem vierten Gliede. Halsschild quer,
an der Spitze concav, mit hervorgezogenen Vorderecken, Flügeldecken
an der Spitze breit abgerundet, hoch gewölbt, Fussklauen mit einem
Zahne. — Arten : Lept. abdominalis und Dohrnii aus Nord-Indien.
Palpoxena nov. gen. (vox hybrida!), nach der Abbildung in der
Körperform der Gattung Rhaphidopalpa gleichend, mit fadenförmigen,
den Körper an Länge übertreffenden Fühlern, deren erstes Glied an
der Spitze leicht verdickt, das dritte noch länger als das erste ist;
im männlichen Geschlechte durch stark hervortretende Augen und
stark verdicktes, grosses, fast kugliges drittes Glied der Kiefertaster,
in welches das ganz kleine vierte eingesenkt ist, ausgezeichnet. —
Art: Palp. laela von Malacca und Borneo. — Metalepta nov. gen.,
von sehr eigenthümlich geformtem , schmalem, fast gleich breitem
Körper, mit ziemlich kräftigen Fühlern, deren erstes Glied gekrümmit,
das zweite um die Hälfte kürzer, das dritte am längsten von allen
ist; Halsschild quer viereckig, mit knopfartig verdickten Vorder- und
Hinterecken, Flügeldecken abgekürzt und klaffend, beim Weibchen
dureh den verlängerten Hinterleib weit überragt, Metasternum stark
verkürzt. — Arten: Met. tuherculata aus Peru, pl. 11. fig. 9 abgebil-
det, und de Gandei ebendaher. — Metacxjcla nov. gen., mit der
vorhergehenden Gattung nahe verwandt, aber durch schlankere Füh-
ler, weitere Ausdehnung des Metasternum und appendiculirte Fuss-
klauen unterschieden. — Art : Met. Sallei aus Mexiko.
Derselbe (ebenda l. p. 295 ff.) beschrieb Adorium collaris (sie !)
n. A. vom K'Gami-See, ornatnm aus Keu-Guinea, circumdatum von
der Moreton-Bay. — Eus tetha nov. gen., von Doryxena durch die
mit einem Anhange versehenen Fussklauen, das kurze dritte Füh-
lerglied, das breite und deutlich erhabene l'rosternum und die ent-
fernt stehenden, fast runden Vorderhüflen unterschieden. — Arten:
Eiist. ßavivenli'is und gloriosa aus Nord-China. — Melospila nov.
gen., von der vorhergehenden Gattung durch zusammengedrückte,
fast gesägte Fühler mit kurzem zweiten und dritten Gliede, fast zu-
sammenstossende, dicke, perpendikuläre Vorderhüften, sehr schmales
Prosternura und die beiden Endglieder der Kiefertaster, welche zu-
sammen eiförmig sind, abweichend. — Art: Mel. nigromaculala aus
Nord-China. — Morphosphaera nov. gen., in der Gestalt fast
Adorium gleichend, die Fühler sind aber dünn, fadenförmig, von Kör-
perlänge, ihr erstes Glied gekrümmt und an der Spitze verdickt, das
zweite und dritte kurz, gleich gross, die folgenden länger und eben-
falls unter einander ziemlich gleich. — Art: Morph. maculicoUis aus
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 409
Indien. — Xenarthr a nov. gen., durch die sehr auffallende Füh-
lerbildung leicht kenntlich; auf das gekeulte erste Glied folgen zwei
dünne und einfache, diesen drei eng aneinander schliessende flach-
gedrückte und viereckig verbreiterte; das siebente hat fast dieselbe
Form, sendet aber vor der Spitze einen kurzen Ast ab, das achte und
neunte sind lang und dünn mit langem basalem Seitenaste, das zehnte
innen erweitert, aussen eingeknickt, die beiden letzten wieder dünn,
das zwölfte zugespitzt und gekrümmt. — Art: Xen. cervicornis aus
Ceylon. (Verf. beschreibt nur das Männchen ; das Weibchen hat ein-
fache, kürzere Fühler, deren elftes Glied nur durch eine Einschnürung
undeutlich getheilt ist, eine röthliche Scheibe der Flügeldecken und
gelben Hinterleib. Ref.) — Stenoplatys nov. gen., von der Kör-
perform der Gattung Aplosonyx, aber mit verschieden gebildeten
Fühlern ; dieselben sind sehr schlank , fadenförmig, länger als der
Körper, das erste Glied gekrümmt, an der Spitze leicht verdickt, das
zweite kurz, das dritte kaum länger als das vierte; beim Männchen
sind die drei Endglieder leicht erweitert und zusammengedrückt, eine
schlanke, zugespitzte Keule bildend, — Art: Sie?i. Pascoei von Old-
Calabar. — Prasona nov. gen., mit Crepidodera verwandt, aber
durch regelmässig punktirte Flügeldecken und verschieden gebildete
Fühler abweichend: letztere sind fadenförmig, gegen die Spitze hin
verdünnt, das erste Glied verdickt und etwas gekeult, das zweite
kurz, eiförmig, die drei folgenden jedes dreimal so lang als das
zweite, gleich lang, die übrigen wieder etwas kürzer. — Art : Präs.
viridis aus Mexiko.
Westwood (ebenda I. p. 216 f. pl. XII) machte eine sehr
merkwürdig gebildete neue Gattung Chalo enus bekannt, welche
durch die auffallende Form des Kopfes lebhaft an Loxoprosopus er-
innert, aber durch die nicht verdickten Hinterschenkel und das sehr
schmale Frosternum zur Gruppe der Gallerucarien im engeren Sinne
gebracht werden muss. Der Kopf ist stark in die Quere gezogen,
breiter als das Halsschild, von oben gesehen dreimal so breit als
lang, das Gesicht senkrecht abfallend, ausgehöhlt, schnauzenartig ver-
längert; die Fühler von Körperlänge, mit sehr langem, dünnen, an
der Spitze stark keulig verdicktem Basalgliede, kurzem zweiten,
verlängertem dritten und allmählich kürzer werdenden übrigen Glie-
dern. Halsochild sehr kurz und quer, Flügeldecken breit oval, an
der Basis rechtwinklig, Beine kurz und derb, Fussklauen an der
Basis stumpf gezähnt. — Art: Chah latifrons von Batang Singalang
im Leydener Museum. — Eine zweite, weniger auffallend gebildete
Art von Amboina machte Baly (ebenda p. 217. pl. XII. fig. 2) unter
dem Namen Chal. suturalis bekannt.
Motschulsky (v. Schrenck's Reisen im Amur-Lande II.
p. 232 ff.) machte folgende neue Sibirische Arten bekannt: Luperodes
410 Gerstae cker : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
niqrivennis, praenslus^ qnadriguttalus, Haltica tiilidicoHis, Pleclr(y-
scelis costulata, granosa, convexa und cupricollis^ Ilydroptts splendens
und Americanus (letztere Art aus Neu-York), Argopus unicolor^ At'^
gopistes (nov. gen.), biplagiatus mit mehreren Varietäten.
Le Conte (Proc. acad. nat. scienc. Philadelphia 1861. p. 338)
beschrieb Diahrotica ?insolita als n, A. vom Cap San Lucas (Alänn-
cheu geflügelt, mit Flügeldecken von Hinterleibslänge, Weibchen
flügellos, die Flügeldecken doppelt so kurz als der Hinlerleib), Hal-
tica recticollis , (Crepidodera) seminulutn und mancula, Galleruca
carbo als n. A. aus Californien.
Montrouzier (Annales soc. entom. 4. ser. L p. 299 f.) Gal-
leruca Austrocaledonica (Gattung Aulacophora Chevr.), argyrogasler
(Gatt. Rhaphidopalpa Chevr.) , Artensis (ebenso), Haltica Lifvana,
Monomacra Buqueti, Crepidodera Brullei, Dibolia Thomassiniy ga-
gateSf coccinea und dichroa (alle vier eine neue Gattung neben Apfe-
ropeda bildend).
V. Kiesenwetter (Berl. Ent. Zeitschr. V, p. 392) Luperus
nigripes n. A. aus der Schweiz (hoch alpin), Luperus Aetolicus aus
Griechenland und Carniolicus aus den Krainer Alpen (die beiden
letzteren vorläufig nur diagnosticirt).
Motschulsky (Etud. entomol. X. p. 22) Adimonia extensa als
n. A. aus Japan. ^ ■ '\-\'i «uh .
Fauvel (Bullet, soc. Linneenne de Normandie V. p. 324 f.)
Diahrotica dorsonotala und biplagiata als n. A. von Cayenne.
de Paiva (Annais of nat. hist. 3. ser. VIIL p. 210) Calomicrus
Wollastoni als n. A. von Teneriffa.
Wollast on, „On the Halticidae of the Canary Islands" (Jour-
nal of Entomol. L p. 1 — 12) beschrieb achtzehn auf den Canarischen
Inseln gesammelte Halticinen , von denen elf neu , die übrigen be-
reits aus Europa oder von Madeira bekannt geworden sind. Die
neuen Arten sind : Haltica Allardii von Teneriffa, auf Physalis ari-
stata, (AphthoTha) Paivana von Lanzarote, Canaria und Teneriffa, auf
Euphorbia-Arten, crassipes von Teneriffa und Palma, auf Sempervi-
vum, Longitarsus Kleiniiperda von Teneriffa und Palma, auf Kleinia
neriifolia, persimilis von Teneriffa, auf Echinm-Arten, Messerschmid-
tiae von Teneriffa, auf Messerschmidtia fruticosa, cognatus von Fuer-
teventura, brevipennis von Lanzarote, auf Heliophytum erosum, incon-
spicuus von Teneriffa, Psylliodes stolida von Lanzarote und Fuerte-
ventura, auf Mercurialis annua wnA Chaetocnema farsalis von Caparia.
— Die bekannten Arten sind: Longitarsus ochroleucus Marsh., nubi-
gena Woll., dorsalis Fab., fuscoaeneus Redt., echii Hlig., Psylliodes
hospes und vehemens Woll. '■>'*
Derselbe (ebenda p. 214) beschrieb Longitarsus Helenae als
n. A. von der Insel St. Helena.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 411
E. Allard, Catalogue complementaire des diverses especes
d'Altises, qui ont ete decrites tant dans cet ouvrage que par Mm.
Foudras, Woliaston, Kutschera etc., et qui proviennent d'Eu-
rope et du nord de l'Afrique (Annales soc. entom. 4. ser. I. p. 307 —
341). — Verf. stellt hier ein systematisches Verzeichniss der Euro-
päischen und Nord-Afrikanischen Halticinen zusammen, führt die Arten
derjenigen Autoren, welche gleichzeitig mit ihm denselben Gegen-
stand bearbeitet haben, auf einander zurück, giebt die Beschreibung
derjenigen , welche in seiner eigenen Arbeit fehlten, nach den be-
treffenden Autoren wieder und fügt endlich noch die Charakteristik
einiger ihm nachträglich zugegangenen Spezies hinzu. Ob Verf.
seine eigenen Arten mit denen der übrigen Autoren verglichen hat,
oder ob er die letzteren nur nach den Beschreibungen zurückführt,
ist nicht angegeben; jedenfalls ist die Zusammenstellung des Mate-
rials bei dem Zusammentreffen von vier verschiedenen Bearbeitungen
zweckmässig.
Die K utsche ra'schen Beiträge zur Kenntniss der Europäischen
Halticinen sind in der Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 14, 233 und 286
fortgeführt worden. Von der Galtung Haltica werden 7 fernere zur
Untergattung Phyllotreta und 23 zur Untergattung Aphthona gehörende
Arten eingehend beschrieben und diesen noch die Charakteristiken
einiger dem Verf. unbekannt gebliebener, aber von anderen Autoren
beschriebener beigefügt. Unter den Aphthona-Arten sind drei neu.
Hispariae. — Motschulsky (v. Schrenck's Reisen im
Amur-Lande II. p.237fF,) beschrieb Hispa nigrocyanea als n. A. aus
Daurien und gab ausserdem kurz hingeworfene Charakteristiken von
folgenden neuen Arten : Hispa parvula von Balavia, Ceylanica und
fuhipes von Ceylon, cyanipetmis von Birraa, brunnipes von ßatavia,
tuberculosa und filicornis aus Nepal, australica aus Neu-Holland, nt-
gripennis, nigromaculata, pallidipennis und longicornis aus Ostindien.
Cassidariae. — Chereau (Annales soc. entomol. 4. ser I.
p. 200. „Note sur les antennes du Spilophora trimaculata'^) erwähnte
eines Exemplares der Spilophora trimaculata Fab., deren drittes bis
siebentes Fühlerglied (pl. 5. fig. 8 abgebildet) seitlich in lange Kamm-
zähne ausgezogen sind, während es sonst mit gewöhnlich gebildeten
Exemplaren derselben Art ganz übereinstimmt. Verf. glaubt mit B o-
heman, dessen Gutachten in einer Note angeführt wird, dass jene
Fühlerbildung dem bisher unbekannt gebliebenen Alännchen eigen sei.
Erotylidae. Motschulsky (v. S c h r e n c k's Reisen im Amur-
Lande II. p. 240 ff.) beschrieb Languria Menetriesii als n. A. voni
Amur und machte kurze Angaben über folgende neue Arten seiner
Sammlung: a) Halsschild roth, verlängert: Languria minima und ni-
griventris von Ceylon, chalybeipennis von Birma, apicalis Nord-Ame-
rika, fuhipes Ostindien, collaris (de Haan) von Java. — b) Halsschild
412 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
roth, quadratisch : Lang, coeruleipennis von Ceylon. — c) llalsschild
roth, Flügeldecken mit rothgelben Binden: Lang, hisfasciala von
Trunquebar. — d) Halsschild und Flügeldecken einfarbig gelb : Lang,
flava von Birnia und rufoteslacea von Batavia. — e) Halsschild ver-
längert, roth, gefleckt: Lang, splendens von Java, rufiventris von
Keu-York, nigriceps von Tenessie, femoralis von Keu-Orleans. —
f) llalsschild und Flügeldecken einfarbig dunkel : Lang, obscura aus
Pennsylvanien, cyanea aus JVepal, angularis aus Batavia. — Die Ar-
ten mit trapezoidalem Halsschild und nach hinten stark verengten
Flügeldecken nennt Verf. Langurites; Arten: L. vitticollis Mexiko,
vittatus Nicaragua, infuscatus Central-Anierika; diejenigen mit an
der Spitze gezähnelten Flügeldecken: Trapezidera. Arten: Trap.
angusticollis, brunnipes, longicollis, dilaticollis und brunniventris von
Nicaragua.
Einzelne neue Arten sind: Triplax antica Le Conte (Proceed.
acad. nat. scienc. Philadelphia 1861. p.358) aus Californien, Tripla-
toma Sheppardi Pascoe (Journal of Enlomol. I. p. 64} von den Mo-
lukken, Languria illaetabilis und pulchella Pascoe (ebenda p. 131 f.)
von Port INatal und Mycotretus? unicolor Fauvel (Bullet, soc. Linneenne
de Normandie V. p. 326) von Cayenne.
EndOmychidae. Bates, ,,0n the Endomychidae of the Amazon
Valley" (Journal ofEntomol. I. p. 158— 172) hat die von ihm während
seines Aufenthalts am Amazonenstrome beobachteten und gesammel-
ten Endomychiden zu bearbeiten begonnen und zwar zuvörderst mit
einer sehr eingehenden Beschreibung der Corynomalus- Arten den
Anfang gemacht. Verf. giebt als Einleitung Nachricht über die von
ihm beobachteten ersten Stände und die Lebensweise der Süd -Ame-
rikanischen Arten. An Larven beschreibt und bildet er diejenigen
von Corynomalus discoideus und Stenotarsus obtusus ab, welche sich
beide durch auffallend langes Endglied der Fühler, fast von Yg der
Körperlänge, auszeichnen. Die der ersten Art ist schwarz mit gel-
bem Rande und sammetartigen, schwarzen, hell unjgebenen, paarigen
Rückenflecken, der Körper eiförmig, ohne deutlich abgesetzte Tho-
raxringe; diejenige von Stenotarsus unterscheidet sich durch deutlich
abgegränzten, schmaleren Thorax und breiteren Hinterleib, dessen
Ringe jederseits in längliche, abgestumpfte Lappen auslaufen. Die
Larven sowohl als die Käfer finden sich in Schwämmen von gerin-
ger Grösse, auch au Flechten von abgebrochenen Aesten und auf
Baumstümpfen. Die Käfer leben gesellig, sind langsam in ihren Be-
wegungen und manche Arten gehören zu den häufigsten südamerika-
nischen Käfern ; sie stehen in einem gewissen complementärcn Ver-
hältniss zu den Erotylinen, welche die grossen Schwämnie und Pilze
angehen, während sie selbst sich an kleinere halten. — Von Coryno-
malus-Arlen hat der VerL allein im Thale des Amazonenstromes 16
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 413
verschiedene angetroffen, also mehr als bis jetzt überhaupt bekannt
waren; darunter werden als neu beschrieben: Cor. maximus und rw-
gosus aus der Gruppe mit bauchig erweiterten Flügeldecken, circum-
cinctus, humer alis, laetus, amaitis, Gerstaeckeri, lividus, quadriplw
giatus, angulicollis und nigri-pennis aus der Gruppe des Cor. discoideus
Fab. Von Cor. discoideus beschreibt Verf. eine Reihe auffallender
Varietäten ; von C. interruptus Gerst. und cinctus Fab. fflaubt er,
dass sie als Arten nicht haltbar seien, sondern in einander überge-
hen. (Dies wäre nicht unmöglich; indess ist das gemeinsame Vor-
kommen beider in Betracht ihrer Unterschiede gewiss allein nicht
beweiskräftig , besonders da Verf. einige der von ihm aufgestell-
ten neuen Arten gleichfalls in Gesellschaft miteinander angetroffen
hat. Ref.)
Mycetaea Ovulum W^ollaston (Journal of Entomol. I. p. 139) ist
eine neue Art vom Cap der guten Hoffnung.
COCCinellina. Montrouzier (Annales soc. entomol. 4. ser. I.
p. 804 ff.) beschrieb Coccinella (DaulisJ Mulsanti, bicruciata, Verania
Artensis, Epilachna Buqueti, Urvillei, ünicolor^ ferruginea und pul-
chella als n. A. aus Neu-Caledonien.
Chevrolat (Revue et Magas. de Zool. XIII. p. 269) Pharus?
setulosiis als n. A. aus Algier.
Le Conte (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1861. p. 358)
H'tppodaniia spuria n. A. vom Oregon.
Motschulsky ( v. S ch r e n c k's Reisen im Amur - Lande II.
p. 246) Leis mirabilis als n. A. vom Amur.
Clypeastres. — Wollaston (Annais of nat. bist. 3. ser.
VIII. p.103) stellte eine neue Corylophiden-Gattung iJ/tcr os fö^iefws
auf, welche von Sericoderus, mit der sie in der Bildung des Prothorax
und der Hinterflügel übereinstimmt, durch die weniger scharfen, kaum
hervortretenden Hinterecken des Prothorax und besonders durch elf-
gliedrige Fühler unterschieden ist. Von Moronillus, mit welcher
Gattung die Anzahl der Fühlerglieder übereinstimmt, unterscheidet
sie sich dadurch, dass das dritte bis achte Fühlerglied ungleich ge-
bildet sind, dass der Kopf vom Thorax bedeckt, der Körper behaart
und geflügelt ist; von Orthoperus ebenfalls durch die elf- (anstatt
neun-) gliedrigen Fühler. — Art: Micr. parvulus von Madeira.
Mulsant und Rey (Opusc. entom. XII. p. 129 ff.) beschrieben
Clypeaster nanus n. A. von Lyon, Provence, Orthoperus anxius n. A.
Provence, coriaceus n. A. Beaujolais, Lyonnais. — Lo ricas t er nov.
gen., von Clambus durch njehr halbkugligen Körper, der nach hinten
weniger verengt ist und sich nicht zusammenkugeln lässt, durch den
an der Basis abgestutzten Prothorax und viel kleineres Schildchen un-
terschieden. — Art: Lor. testaceus von Lyonnais und Beaujolais. —
414 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Peltinus nov. gen., von Gryphinus nur durch gewölbteren Körper,
nach hinten weniger verschmälerte Flügeldecken, breiter abgerun-
deten und an der Basis abgestutzten Prothorax ab v. eichend. — Art:
Pelt. vclatus von Ilyeres.
F a u V e 1, „Sur los genres Calyptomerus Redt, et Comazus Fairrn."
(Annales soc. entomol. 4. ser. I. p. 573 — 576) hält in Rücksicht dar-
auf, dass bei sonstiger vollkommener Uebereinstimniung sämmtlicher
Charaktere nur die Zahl der Tarsen- und Fühlerglieder bei beiden
Gattungen verschieden, eine genaue Feststellung der Zahl dieser
Glieder aber selbst bei mikroskopischer Untersuchung sehr schwierig
sei, Comazus Fairm. der Gattung nach für identisch mit Calyptome-
rus Redt. Er beschreibt drei Arten der Gattung: Calypt. alpestris
Redt, (auch in der Grande - Chartreuse aufgefunden), dubius Marsh,
und troglodytes n. A, aus versciiiedenen Gegenden Frankreichs.
Hymenoptera.
F. Smith, Descriptions of new genera and species
of Exotic Hymenoptera (Journal of Entomol. I. p. 65 — 84.
pl. 4). — Die vom Verf. beschriebenen neuen Arten, welche
dem grösseren Theile nach aus Brasilien (daselbst von
Bates gesammelt), der Minderzahl nach aus Mexiko stam-
men, gehören vorwiegend der Familie der Formicarien an;
einige andere werden ausserdem aus den Familien derHe-
terogynen (1), Crabroninen (4), Pompiliden (2), Apiarien (2)
und Aulaeiden (1) bekannt gemacht.
Dours, Catalogue raisonne des Hymenopteres du
departement de la Somme. l.partie. Amiens 1861. 8. (Ist
im Bullet, soc. entomol. 1861. p. 52 angezeigt und enthält
hiernach eine Aufzählung der im Departement de la Somme
einheimischen Apiarien mit Charakteristiken der weniger
bekannten Arten^)
Taschenberg (Berl. Entom. Zeitschr. V. p. 194 ff.)
machte Mittheilungen über das Vorkommen einiger seltne-
rer Hymenopteren bei Halle.
Es werden besonders folgende Arten aufgeführt: Tarpa mega-
cephala und flavicornis Klug, Lyda nov. spec. , Xiphydria annulata,
Sirex juvencus und fuscicornis, Ichneumon arrogator Fab., Hellwigia
elegans, Harpactor laevis und Ibalia cultellator. Letztere Art ist, wie
Verf. vermuthet, der Parasit von Sirex juvencus; es wurde eine
grössere Anzahl von Exemplaren derselben an dem abgestorbenen
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 415
Stamme einer Kiefer, um welche die zahlreichen Männchen herum-
flogen, während die Weibchen in den Bohrlöchern verborgen sassen,
erbeutet.
Schenck (Jahrbücher des Ver. f. Naturk. im Her-
zogthum Nassau XVI. p. 137—201) stellte Nachträge und
Berichtigungen zu seiner Beschreibung der Nassauischen
Bienen, Grabwespen, Goldwespen und Ameisen zusammen.
Dieselben enthalten neben biologischen Mittheilungen ver-
besserte Beschreibungen einzelner Arten, synonymische
Berichtigungen, nachträgliche Charakteristiken neu aufge-
fundener Nassauischer so wie auch die Bekanntmachung
einzelner noch unbeschriebener Deutscher Arten.
F. Smith machte Mittheiiunoren über den Einfluss
eines ungünstigen Sommers auf das Erscheinen der Hyme-
noptera aculeata in England, berichtete über die Lebens-
weise verschiedener Parasitischer Hymenopteren und zählte
einige für die Englische Fauna neue und seltene Arten
auf. („Observations on the effects of the late unfavourable
season on Hymenopterous Insects; notes on the economy
of certain species, on the capture of others of extreme
rarity, and on species new to the British Fauna", Entomol.
Aiinual for 1861. p. 33—45.)
Durch das anhaltend rauhe und regnige Wetter des Sommers
1860 waren Bienen und Wespen, selbst die gewöhnlichsten Arten von
Bombus und Vespa wie verschwunden; in Hummelnestern fanden sich
die Puppen todt vor. Die Hymenoptera fossoria kamen in Gegenden,
wo sie sonst massenhaft zu finden waren, nur ganz vereinzelt vor.
Auch für die Bienenzüchter war das Jahr ein aussergewöhnlich un-
günstiges; gleichwohl glückte die in demselben zuerst versuchte
Einführung der Apis ligustica. — Von Parasiten erhielt Verf. aus
den Nestern der Agelena brunnea beide Geschlechter von Pezoma-
chus fasciatus (Männchen geflügelt) und Heraiteles formosus; Pezoma-
chus spec. wurde, aus Goleophora saturatella und Pezom. agilis aus
der Raupe einer Noctua erzogen ; Pezom. vulpinus und micropterus
fanden sich in Nestern von Formica rufa. Monodontomerus dentipes
ging aus den Zellen von Authophora acervorum, von Colletes Davie-
sana und von Osmia rufa hervor. Chrysis ignita ebenfalls aus den
Zellen von Colletes Daviesana, Epeolus variegatus aus denen eines
Colletes, Coelioxys simplex aus denen der Megachila ligniseca. Myr-
mica lippula wurde im Neste der Formica fuliginosa gefunden. —
Als neue und seltene Englische Aiten werden erwähnt: Lyda ery-
416 (i e r s tae cker : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
throcephala , Dolerus dubius , Foneia contracta; und punctatissima,
Aporus unicolor, Miscophus maiitimus, Cerceris labiata und eniargi-
nata, Piosopis varicgala (das Älännchcn näher charakterisirt), Andrena
llattorfiana, Cetii und siuiillinia, IS'omada armata und alrata, Megachile
maritima.
Apiariae. F. Smith, „Descriptlons of new genera and species
of Exotic Uymenoptera" (Journal ol" Enlomol. I. p. 146— 155) machte
eine Anzahl neuer exotischer Bienen (der Mehrzahl nach aus Amerika
stammend), unter denen zwei zu besonderen Gattungen erhoben wer-
den, bekannt, a) aus der Gruppe der Andrenidae acutilingues : Au-
gochlora flammea, ignita, viridana aus Mexiko und refulgens von
St. Paul in Brasilien, Megalopta janthina von Ega (nach Bäte s' Mit-
theilung noch monatelang nach ihrem Tode einen sehr starken Geruch
verbreitend; ihre Zellen fanden sich zu zwölf im Innern eines ab-
gestorbenen Zweiges). — Apista nov- gen., von auffallender habi-
tueller Aehnlichkeit mit Apis mellifica, nach ihren Charakteren zwi-
schen Macropis und Andrena stehend. Lippentaster mit vier fast
gleich langen Gliedern, deren letztes zugespitzt ist, Paraglossen so
lang als die beiden ersten Glieder, mit geknöpfter Spitze, Kiefertaster
sechsgliedrig, Ligula etwa halb so lang als das Kinn (d. h. Stipes);
Vorderflügel mit einer abgestutzten Radial- und drei Cubitalzellen, von
denen die erste so lang als die beiden nach aussen leicht verengten
folgenden ist. Erster Nervus recurrens an der Basis der zweiten Cu-
bitalzelle, zweiter Nervus transverso - medianus an der Spitze der
dritten mündend. — Art: Ap. opalina aus Brasilien (Bates). — Me-
gacilissa notabilis n. A. von St. Domingo, cximia und luctuosa aus
Mexiko. — Lagohata nov. gen., mit Panurgus nahe verwandt und
nach des Verf.'s Ansicht diese Gattung mit iVIegachile gewissermassen
verbindend (?J. Kopf nicht ganz von der Breite des Thorax, Mandi-
beln klein, ungezähnt, Lippentaster mit zwei verlängerten, flachge-
drückten Basal- und zwei kurzen Endgliedern, etwas kürzer als die
spitze, lanzetlliche Ligula; Kiefertaster kurz, sechsgliedrig, Unterkie-
fer gegen die Spitze hin am Innenrande mit kurzen, dicken Bor-
sten gefranzt. Radialzelle mit gerundeter Spitze; von den drei fast
gleich grossen Cubitalzellen die erste fast quadratisch, die zweite nach
aussen verengt und in ihrer Mitte den ersten Nervus recurrens auf-
nehmend, die dritte stark nach aussen verengt. Fussklauen einfach,
Hinterbeine mit langen und dichten Sammelhaaren. — Art: Lag. (Uli'
gens von Parä, Ega und St. Paul. — b) aus der Gruppe der Apiariae
genuinae: Megachile TUhomis aus Süd-Afrika, Epicharis elegans aus
Mexiko, Bomhus festivus aus Nord-Indien, optdentus aus Nord-China,
laboriosus^ modestus und diligens aus Mexiko (Oaxaca), tenushis aus
Constantia in Brasilien, Apathus intrudens aus Mexiko und insularis
von Vancouver's Island.
im Gebiete der Entomologie Während des Jahres 1861. 417
Derselbe (ebenda I. p. 82 f.) beschrieb Nomada advena n. A.
aus Chile oder Columbien ? und Liogastra quadriplagiata aus Mexiko.
Giraud, „Description de plusieures Apides nouvelles et obser-
vations sur quelques especes connues" (Verhandl. d. zoolog.-botan.
Gesellsch. zu Wien 1861. p. 447 ff.) lieferte verschiedene interessante
Beiträge zur Kenntniss der einheimischen Bienen. Melitturga prae-
stans n. A. aus der Umgegend Wiens, mit ganz schwarz gefärbtem
Kopfe. — Beschreibung des Nestes von Anthophora parietina Fab.
— Von Systropha unterscheidet Verf. zwei Arien: 1) Syst. curvicor-
nis Scop. (spiralis Fab.), Männchen am zweiten und dritten Bauchringe
mit zwei gleich starken Dornen, 9 Mill. lang. 2) Syst. planidens
nov. spec. Männchen nur am zweiten Bauchsegniente mit starken
Dornen, am dritten mit einer höckerförmigen Falte jederseits; 11 Mill.
lang. Aus Spanien, Frankreich und Oesterreich. — Von der Gattung
Panurginus Nyl., welche er in ihren Mundtheilen näher erörtert, be-
schreibt Verf. vier Arten : Pan. montanus n. A. von Gastein, labiatus
Eversm. aus der Umgegend Wiens, kalictoides (Dufour) aus Spanien
und Hispanicus n. A. — Rhophitoides canus Eversm. nach beiden
Geschlechtern nochmals beschrieben, ferner das muthmassliche Männ-
chen der Andrena fulvescens Smith und das bis jelzt nicht eiwähnte
Männchen derMegachile apicalis Spin.; ergänzende Bemerkungen zu
Colletes nasuta Smith, welche bei Wien und in Ungarn vorkommt
(ist auch bei Berlin stellenweise häufig. Ref.). Halictus pulchellus
n. A. von Wien, Megachile manicata n. A. aus Krain, Osmia rhino-
ceros n. A. von Gastein. Osmia cylindrica Gir. nochmals nach bei-
den Geschlechtern beschrieben, Osmia spiniventris Gir. auf 0. rufo-
hirta Latr. zurückgeführt, Osmia nigriventris Zett. (= xanthomelana
Nyl.) nach beiden Geschlechtern beschrieben ; Megachile fasciata Smith
hält Verf. identisch mit M. ericetorum Lepel. — Osmia bicolor sah
Verf. ihr Nest in Gehäusen von Helix austriaca anlegen.
Derselbe (ebenda 1861. p. 106 f.) gab vorläufige Diagnosen
von einer neuen Anthophora und zwei neuen Anfhidium-Arten aus
Dalmatien, ohne ihnen indessen Namen beizulegen,
Costa (Fauna del regno di Kapoli, In>enotteri) gab Beschrei-
bung und Abbildung von Nomia tnonstrosa n. A., Nomia humeralis
Jur. (diversipes Latr.) und Nomia aureocincta n. A. aus Neapel.
Philo uze, „Note sur le venin d'abeille" (Annales d. 1. soc.
Linneenne du departement de Maine-et-Loire IV. p. 1 — 4) erörterte
das Verhalten des Bienengiftes gegen verschiedene chemische Reagen-
tien, macht auf seine Uebereinstimmung im getrockneten Zustande
unter dem Mikroskope mit dem Gifte der Wespen, Hummeln und der
Viper aufmerksam und stellt fest, dass es getrocknet seine Wirkung
mehrere Jahre lang beibehalte. In ein wenig Wasser aufgelöst und
mittels einer Nadel inoculirt, bringt es dieselben Zufälle wie beim
Archiv f. Naturg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd. Bb
418 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Stiche durch das Insekt hervor. Die Wirkung des Bienengiftes auf
warm- und kaltblütige Thiere ist sehr verschieden: Eine Maus und
ein kleiner Vogel starben in Folge von zehn Stichen nach zehn Mi-
nuten; auf einen Frosch bleiben fünfzig Stiche ohne Wirkung, wäh-
rend dieselben hinreichen, ein Kaninchen zu tödlen. Symptome der
Vergiftung bei Thieren sind lebhafter Schmerz, grosse Angst, Con-
vulsionen der Glieder und des ganzen Körpers; nach heftigen Pulsa-
tionen des Herzens geht deren Frequenz verloren, die Respiration
wird imuier schwerer und endlich erfolgt der Tod durch Asphyxie.
Wiederholte Sektionen haben dem Verf. gezeigt, dass die rechte
Seite des Herzens und die davon abgehenden Gefässe durch Gas stark
ausgedehnt sind. — Innerlich gegeben thut das Bienengift keinen
Schaden, in grösserer Quantität wirkt es stopfend wie Opium ; Kuh-
pockenstoff, mit Bienengift vermischt, verliert bei der Inoculalion
seine Wirkung.
Dohrn (Entoniol. Zeitung XXII. p. 10 If.) machte interessante
Mitlheilungen über die sogenannten „Zuckerbienen". In den beiden
grossen Zucker-Raffinerieen in Stettin finden sich die Bienen benach-
barter Stände, welche sich bis auf 150 Stöcke belaufen, in grosser
Anzahl ein. Sie werden mittels Bespritzung durch heisses Wasser
getödtet und zwar beläuft sich die Zahl der auf diese Art vertilgten
jährlich auf etwa elf Millionen Individuen. Ausgekocht geben die-
selben ein Quantum Zucker von etwa 300 Thalern Werth.
L. Soubeiran, Sur Ics abeilles et sur le miel (Annales d. 1.
soc. Linneenne du departenient de Maine-et-Loire IV. p. 103—113).
Verf. handelt über den Einfluss der Bienenweide auf die Farbe, den
Geschmack, die Güte, Giftigkeit u. s. w. des Honigs, erörtert die in
Frankreich am meisten in den Handel kommenden Sorten desselben
(weissen, gelben und braunen Honig, miel de Narbonne, du Galinais,
de Normandie und de Bretagne) und macht schliesslich auf die be-
kanntesten Arten dei' Honigbiene (Apis n>ellilica, Ligustica und fasciata)
aufmerksam. (Nach des Ref. Untersuchungen sind die beiden letzte-
ren nur Farbenvarietäten von Apis meilitica.)
Lucas (Bullet, soc. entomol. 1861. p. 37 f.) machte Mitthei-
lungen über eine versuchte Acclimatisation der Melipona scutellaris
Latr. in Paris. Ein Nest dieser Art wurde von Rio-Janeiro einge-
sandt, kam aber leider erst Ende August, wo die Blüthezeit vorbei
ist, in Paris an. Der Versuch, die Bienen in einem Treibhause des
Jardin des plantcs am Leben zu erhalten, missglückte wegen der
Angriffe einer dort häufigen Ameise (Formica gracilescens) ; man
musste deshalb ihre Ernährung im Zimmer durch Zucker versuchen,
wobei jedoch viele starben. Am Eingange des Baues steht eine
Wache, welche die Eintretenden untersucht; der I'lug ist schnell und
laut summend.
r»'>i4i;j'. im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 419
Als Parasiten der Chalicodoma muraria beobachtete v. Fr a u ep-
feld in Dalmatien den Meloe erythrocnemis Pallas und in der Um-
gegend Wiens die Argyromoeba snbnolata Meig. (Verhandl. d. zoo-
log.-botan. Gesellsch. zu Wien 1861. p. 169 u. 173.)
Lubbock („On Sphaerularia bombi", Natural history review
1861. p. 44 ff.) traf den genannten Schmarotzer in sieben verschiede-
nen Bonibus-Arten und zwar bei 19 unter 33 Individuen des Bonibus
terrestris, bei 7 unter 21 des Bomb, lucorum, bei 1 unter 16 des
Bomb, muscoriim, bei 1 unter 13 des Bomb, hortorum, bei 6 unter
12 des Bomb, lapidarius, bei 2 unter 6 des Bomb, pratorum und bei
2 unter 4 Individuen des Bomb, subterraneus.
James Samuelson, The Honey-ßee, its natural history, ha-
bits, a'natomy and microscopical beauties. London 1861. (angezeigt
in Proceed. entomol. soc. V. p. 154, wird von verschiedenen Seiten
als eine vortreffliche populäre Schilderung der Naturgeschichte der
Honigbiene gerühmt.)
Vespariae. Schenck, Die Deutschen Vesparien nebst einer
Naturgeschichte dieser Familie überhaupt mit Berücksichtigung der
exotischen Arten (Jahrbücher d, Ver. f. Naturk. im Heizogth. Nassau
XVI. p. 1 — 136). — Diese Abhandlung des Verf.'s ist eine Ueberar-
beitung und Erweiterung seiner im 9. Hefte der Nassauer Jahrbücher
gelieferten Beschreibung der Nassauischen Faltenwespen, welche in
entsprechender Weise wie seine jüngst erwähnte Bearbeitung der
Apiarien und Hymenoptera fossoria eine Charakteristik der Unterfa-
milien, Gattungen und Arten nebst analytischen Tabellen zu deren
Bestimmung, ausserdem auch eine zweckmässige Zusammenstellung
der über die Lebensweise der Familie im Allgemeinen sowohl als
Einzelnen bekannt gewordenen Fakta enthält. In letzlerer Beziehung
wird hier besonders der Nestbau der verschiedenen W^espen, wie er
aus Le p el e ti er's, de Saussure's und Moebius' Untersuchungen
bekannt ist, eingehend erörtert. Die von ihm in seiner früheren Ar-
beit angewandte Nomenklatur einzelner Arten hat Verf. in der vor-
liegenden mehrfach modiQcirt; in der Gattung Vespa wird unter dem
Namen Vespa tripunctala eine neue Art aus der Umgegend von Bam-
berg, die aber nur auf ein einzelnes W^eibchen begründet ist, be-
schrieben.
Radochkoffsky (Horae societ. entomol. Rossicae I. p. 84 f.
Taf. 2) beschrieb Vespa Schrenckii als n. A. vom Amur (in russischer
Sprache).
Jeffries Wyman, „Observations on the habits of a species
of Hörnet (Vespa), which builds its nest in the ground" (Proceed.
Boston soc. of nat. bist. VII. p. 411 — 418) machte eingehende Alit-
theilungen über die Lebensweise und Sitten einer Nord-Amerikanischen
Vespa, welche vom Verf. für neu gehalten und nach allen drei For-
420 fie rst aecker : Bericht über die wisserischaftlichen Leistungen
men beschrieben wird ; dieselbe baut wie Vespa vulgaris, Germanica
und rufa in der Erde. Verf. beobachtete eine Colonie derselben in
ihrem Treiben von Ende August bis Mitte Oktober, wo sie ausge-
nommen wurde. Versuche ergaben, dass die Wespen weder Zucker
noch Früchte, dagegen gern dargebotene Insekten verzehrten. Das
fünf Zoll hohe und sechs Zoll breite Nest enthielt vier Waben, de-
ren unterste und grösste nur weibliche Brut enthielt. Es fanden sich
in demselben 648 Imagines vor, und zwar 24 Weibchen, 236 Männ-
chen und 388 Arbeiter; ausserdem zwischen 100 und 200 Larven.
Crabronina. Costa (Fauna del regno di Napoli, Imenotteri)
hat mehrere Gruppen dieser Familie, so weit sie in der Neapolitani-
schen Fauna vertreten sind, durch Beschreibung und Abbildungen
erläutert; die Spheciden und Nyssoniden sind bereits abgeschlossen,
die Pompiliden und Philanthiden erst begonnen. (Die diese Gruppen
behandelden Textbogen nebst 9 Tafeln sind während der J. 1858 — 61
publicirt.) Die Gruppe der Spheciden umfasst folgende Neapolitanische
Gattungen und Arten : 1) Sphex Lin. 5 A. : Sph. flavipennis Fab.,
maxillosa Fab., splendidula n. sp., fera Dahlb. und Parthenia Costa.
2) G as tr osphaeria nov. gen., von Sphex durch das an der Spitze
abgestutzte und ausgehöhlte Endglied der Fühler und den konisch-
kugligen Hinterleib unterschieden. — Art: Gastr. aathracina n. sp.
3) Enodia Enc. mit 1 A. : Enodia albisecla Enc. 4) Psammophila
Dahlb. mit 3 A. : Ps. viatica Lin., affinis Kirby und capncina n. sp.
5) Pelopoeus Fab. mit 3 A.: P. spirifex Lin., pensilis Latr. und de-
stillatorius Dahlb. 6) Ammophila Kirby mit 2 A. : A. sabulosa Lin,
und Heydenii Dahlb. 7) Miscus Jur. mit M. campestris Latr. 8) Psen Latr.
mit Ps. atratus Fab. 9) Mimesa Shuck. mit 2 A.: M. unicolor v. d.
Lind, und M. lutaria Fab. In einem Nachtrage werden ausserdem
noch beschrieben: Sphex strigulosa n. sp., Enodia lividocincla n. sp.,
Pelopoeus tubifex Latr., femoratus Fab., Ammophila holosericea Fab.
und Psen mordanus n. sp. — Aus der Gruppe der Pompiliden wer-
den beschrieben : Priocnemis annulatus Fab., Pr. nigriventris n. sp.
(ist der auch in Süd-Europa einheimische Pompilus luteipennis Fab.)
und Pr. vulneratns n. sp. — Aus der Gruppe der Philanthiden : 1)
Philanthus Fab. mit 2 A. : Ph. triangulum Fab. und Sieboldii Dahlb.
2) Cerceris Latr. mit 4 A. : C. tuberculata Vill., conigera Dahlb., buc-
culata n. sp., propinqua n. sp. und nasuta Dahlb. — Die Gruppe der
Nyssoniden umfasst folgende Gattungen: a) Stizini. 1) Bembeci-
nus nov. gen., auf eine neue mit Stizus tridens ganz nahe verwandte
Art, Bemb. meridionalis (auch von Zeller auf Sicilien gesammelt)
l)cgründet, welche sich nur durch sexuelle Merkmale auszeichnet;
beim Männchen sind nämlich die letzten Fühlerglieder unterhalb ge-
dornt und die dritte Venlralplatte des Hinlerleibes mit einem starken
Sporn bewehrt. 2) Stizomorphus nov. gen., für Stizus tridens
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 421
Fab. wegen unbedeutender Modifikationen des Flügelgeäders errichtet.
3) Stizus Latr. mit St. bifasciatus und ruficornis Fab. 4) Sphecius
Dahlb. mit Sph. nigricornis Duf. — b) Nyssonini. 5) Synneurus
nov. gen., mit Syn. procerus n. sp., von Nysson durch nichts Ande-
res unterschieden, als dass die dritte Cubitalzelle nach aussen ge-
schlossen und ganz kurz gestielt ist. 6) Nysson Latr. mit 5 A.: N.
fuhipes n. sp., dubius n. sp. (omissus Dahlb.?), trimaculatus Rossi,
maculatus Fab. und dimidiatus Jur. 7) Brachystegus nov. gen.,
für IVysson Dufourii Dahlb. errichtet, von den übrigen Arten der
Gattung nur durch abgestutzte Analzelle der Hinterflügel unterschie-
den. — c) Gorytini. 8) Hoplisus Lepel. mit 5 A. : H. punctulatus
V. d. Lind., pleuripunctatus n. sp., quinquecinctus Fab., laticinctus
Lepel. und coarctatus Spin. 9) Lestiphorus Lepel. mit L. bicinctus
Rossi. 10) Harpactes Shuck. mit 6 A. : H. niger Costa, tumidus Panz.,
elegans Lepel., affinis Spin., pulchellus n. sp. und formosus Jur.
11) Alyson Jur. njit A. bimaculatus Panz. — Im Anhange, werden
ausserdem beschrieben : Stizus terminalis Dahlb. und Hoplisus cras"
sicornis n. sp.
Smith (Journal of Entomol. l. p. 80 f.) beschrieb F«5on macu-
lipennis und laetus als n. A. von Ega in Brasilien, flavopictus von
San Paul und Philanlhus (Trachypns) cementarius n. A. ebendaher.
Abbildung pl. 4. fig. 18.
L. Dufour (Annales soc. entomol. 4. ser. l. p. 11 f., pl. 1.
fig. 11 — 15) Astata Miegii und Bemhcx bipufictata als n. A. aus der
Umgegend Madrids. (Letztere Art ist identisch mit Bembex zonata
Klug in Waltl's Reise nach Spanien. Ref.)
Schenck (Jahrbücher d. Ver. f. Naturk. im Herzogth. Nassau
XVL p. 161) Stizus coTiicus als n. A. von Bamberg.
Giraud (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien 1861.
p. 106) diagnosticirte eine neue Art der Gattung Hoplisus aus Dalma-
tien, ohne ihr jedoch einen Namen beizulegen.
Lucas „Quelques remarques sur la maniere de vivre du Mel-
linus sabulosus'' (Annales soc. entom. 4. ser. L p. 219 ff.) berichtet
über die Lebensweise des Mellinus sabulosus Folgendes: Das Weib-
chen legt seine Brutzellen einzeln in sandigen Gegenden, wo sie
sich durch kleine konische Erhebungen der Erdoberfläche bemerkbar
machen, an. Es trägt ausschliesslich Dipteren aus den Galtungen Sca-
tophaga, Coenosia, Anlhomyia, Lucilia, Cyrtoneura und Syrphus ein,
welche es durch einen Stich paralysirt und bevor es rückwärts
in den Eingang zum Baue herabsteigt, vor demselben niederlegt ;
diese Dipteren veischafFt sich das Weibchen, indem es llmbelliferen,
wie Daucus u. s. w. besucht. Die Gänge in der Erde sind bei 5 bis
6 Mill. Breite etwa 4 Centim. tief.
4:22 Gerstaecker: ßericbt über die wissenschaftlichen Leistungen
Pompilidae. Smith (Journal of Entomol. 1. p. 80) beschrieb
Planiceps coihcolor und notabilis als n. A. aus Mexiko.
Schenck (Jahrbücher d. Ver. f. Katurk. im Herzogth. Nassau
XVI. p. 163) Povipilus namis als n. A. aus der Gegend von üanzig.
Giraud (Verliandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien 1861.
p. 106) diagnosticirte eine neue Art der Gattung Priocnemis aus Dal'-
matien, ohne sie zu benennen.
Nach L. Dufour (Ännales soc. entomol. 4. ser. I. p. 5 und 7.
pl. I. flg. 3) wurde Ponipilus croceicornis Klug i. lit. auf den Cap
Yerdischen Inseln (St. Vincent) angetroffen. Verf. erörtert die geo-
graphische Verbreitung der Art, von welcher er, da er sie für un-
beschrieben hält, eine Abbildung und Diagnose giebt. (Dieselbe ist
jedoch bereits vonGuerin als Pompilus ßrenlonii beschrieben. Ref.)
V. Kiesenwetter (Berl.Ent. Zeitschr. V. p. 404) glaubt, dass
Pompilus croceicornis Duf. identisch mit Cyphononyx flavicornis Dahlb.
ist. (Üies ist nach Dahlbom's Charakteristik sehr wahrscheinlich;
es früge sich aber, ob Dahlbom's Bestimmung des Pompilus flavi-
cornis Fab., auf den sich verschiedene ähnlich gefärbte Arten der
alten Welt deuten lassen, eine sichere ist. Ref.)
Heterogyna. Für die Kenntniss der Süd - Europäischen Arten
dieser Familie ist Costa's Bearbeitung der Neapolitanischen Sco-
liaden und Mutillarien in der Fauna del regno di Kapoli, Imenotteri
von Wichtigkeit. Die auf 76 Seiten Text beschriebenen Arten
sind zugleich auf 9 Tafeln elegant und meist auch recht charakteri-
stisch abgebildet; die einzelnen Bogen sind in den J. 1858 — 61 her-
ausgegeben. — Die Gruppe der Scoliaden umfasst folgende Gattungen:
a) Scoliini. 1) Scolia Fab. mit Sc. hortorum Fab. und bidens Lin.
2) Lisoca nov. gen. mit L. unifasciata Cyr., bifasciata Rossi und
quadripunctata Fab. 3) Elis Fab. mit E. interrupta Fab. und continua
Lepel. — b) Tiphiini. 4) Myzine Latr. mit M. sexfasciata Rossi und
erylhrura n. sp. 5) Spinolia nov, gen. mit Sp. Italica n. sp. (Gat-
tung und Art sind identisch mit Tengyra Sanvitali Latr. und mithin
auf das Männchen der Methoca ichneumonides begründet. Ref.) 6)
Tiphia Fiib. mit T. femorata Fab. und 7. polita n. sp. 7) Meria Latr.
mit M. tripunclata Rossi (die Gattung ist bekanntlich auf w^eibliche
Myzinen begründet und muss eingezogen werden. Ref.). In einem
Anhange werden ausserdem beschrieben: Scolia citreozonata n. sp.
(ist die wirkliche Scol. tridens Fab.), Sc. insubrica Rossi und abdo-
minalis Spin. — In der Gruppe der Mutillarien werden folgende
Gattungen angenommen: 1) Myrinosa Latr. mit 3 A.: M, villosa Fab.,
cognata und dubia n. sp., erstere nur im männlichen, letztere nur im
weiblichen Geschlechte bekannt. 2) Rudia nov. gen., auf einige
Mulillen mit nicht ausgerandeten Augen in beiden Geschlechtern, zwei
vollständigen Cubitalzellen in den Vorderflügeln des Männchens und
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 423
kleinen, gerundeten Tegulis begründet. Arten: R. megacepliala (auch
in Tauris einheiiiiisch , von Pallas als Mut, corniculata versandt)
und hastafa. 3) Ronisia nov. gen. Augen beim Männchen innen
ausgerandet, Vorderfliigel mit drei vollständigen Cubitalzellen, Tegu-
lae gross, sichelförmig. — Art: R. torosa (Männchen). 4) Mutilla
Lin., auf die Arten mit beim Männchen tief ausgerandeten , beim
Weibchen ganzen Augen, drei vollständigen Cubitalzellen in den Vor-
derflügeln des Männchens, von denen die erste deutlich länger als
die zweite ist, beschränkt. 19 Arten: M. stridula Rossi (pedemontana
Fab.), Salentina n. sp., ephippium Fab., cingulata n. sp., ciliala Fab.
(ist nach Vergleich der Fa b r i c i u s'schen Typen dessen M. rulicoUis),
argenteofasciata n. sp. (ist das Männchen von M. maura Lin.), litto-
ralis Petagna, calva Fab., coronata F"ab., rufipes Fab., trinotata n.sp-,
brutia Petagna (6 maculata Cyrilli, hungarica Fab.), higuttata (tuber-
culata Lepel. nee Fab.), maura Lin., quinquemaculata Cyrilli, decora-
tifrons n. sp. (ist dieselbe Art, welche gewöhnlich, aber irrig für M.
hungarica Fab. gehalten wird), parens n. sp. (nur Weibchen beschrie-
ben, welche identisch mit Mut. tabida Lucas, Explor. de l'AIgerie
sind; Zell er sammelte in Sicilien beide Geschlechter), vulnericeps
n. sp, und parvicollis n. sp. (ist wohl M. ciliata Fab. fem.). 5) Me-
thoca Latr. mit M. ichneumonides Latr.
„lieber die Gattung SapygaLatr." hat Ref. (Entom. Zeitung XXIL
p. 309 — 322. Nachtrag p. 456) ergänzende Mittheilungen, die Zahl der
Arten und deren geographische Verbreitung betreffend, gen)acht.
Die Gattung Polochrum Spin. (Aclastocera Foerst.) wird, als durch
kein Merkmal von Sapyga unterschieden, damit vereinigt; folgende
Arten werden theils näher erörtert, theils als neu beschrieben: 1)
Sap. clavicornis Lin. 2) S. pacca Fab. (punctata Klug). 3) S. pede~
stris n. A. Deutschland (fem.), 4) S. exornata n. A, Deutschland
(raas, vielleicht zur folgenden gehörig). 5) S. similis Fab. (variegata
Dahlb.) Deutschland , fem. 6) S. fiduciaria Duf, 7) S. cylindrica
Schenck. 8) S. picturata n. A. Nord - Amerika. 9) S. repanda Spin.
10) S. undulata n. A. Cap. 11) S. fallax n. A. Mendoza. 12) S.
Burmeisteri n. A. Mendoza. 13) S. Paranensis n. A. Paranä. — Alle
bekannten Arten stammen aus Gegenden, welche ausserhalb der Wen-
dekreise liegen.
Smith (Journal of Entomol. L p. 79) beschv'ieh Epomidiopteron
elegantulum als n, A. aus Mexiko.
Rad och ko ff s ky (Horae societ. entomol. Rossicae L p.82ff.
Taf. 2) Pseudomeria Sicanetiae, Mutilla Mongolica und Californica
(Beschreibungen in Russischer Sprache).
Formicariae. Roger setzte (Berl. Ent. Zeitschr. V. p. 1 — 54)
seine Abhandlung über die Ponera-arligen Ameisen mit einem zweiten
Theile fort. Die in demselben behandelten Gattungen eiad folgende:
424 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
1) Poncra mit 25 ferneren Arten, darunter neu: P. crenata (pallipes
Smith) aus Columbien, carinulata von S. Joao del Rey, brachycola
von Minas Geraes, (Pachycondyla) impressa aus Columbien, fuscoalra
ebendaher, marginata aus Brasilien, ocellifera von Ceylon, tornala
aus Mexiko und rimulosa aus Brasilien. 2) Paraponera Smith mit
1 A. 3) Syscia nov. gen. Kopf länglich quadratisch, Augen und
Ocellen fehlend, Fühler neungliedrig, das Endglied der Geissei sehr
gross, oval, den fünf vorhergehenden Gliedern zusammen gleichkom-
mend ; Mandibeln klein, dreieckig, Thorax zusammengedrückt, ohne
Eindrücke, Schuppe dick, rundlich würfelförmig, Pedunculus in der
Älitte des ersten Abdominalringes entspringend, letzterer vorn abge-
stutzt und etwas ausgehöhlt. Vorderschienen (soll heissen „anticae"
anstatt ^anteriores") mit sehr grossem, gekämmtem Dorne. — Art:
S. typhla n. sp. von Ceylon. 4) Nycteresia nov. gen. Kopf sehr
gross, Augen und Ocellen fehlend, Mandibeln bei grösseren Arbeitern
lang dreieckig, schmal, nahe der Basis mit grossem Zahne ; Maxillar-
taster zweigliedrig, Lippentaster dreigliedrig. Erstes Hinterleibsseg-
ment sehr stark zusammengeschnürt. — Art: N. coeca Latr. — Zur
zweiten Gruppe der Poneridae leptognathae gehören: 5) Odontoma-
chus Latr. mit 20 A., darunter neu : Od. JSietneri von Ceylon, clarus
aus Texas, tuberculatus Vaterl. unbek. und Coquerelii von Madagas-
car. 6) Harpegnathus Jerd. mit 3 A. 7) Myrmecia Fab. mit 18 A.,
darunter neu : M. nigriscapa, forceps und fulvipes aus Neu-Holland.
8) Dinofonera nov. gen. Arbeiter: Mandibeln fast von Kopf-
länge, schmal, gekrümmt, mit sechs starken Zähnen; beide Taster
viergliedrig , Clypeus ausgerandet , zweizähnig. Prothorax unten
beiderseits mit kleinem Zahne, Schuppe gross, seitlich zusammenge-
drückt, Fussklauen gezähnt. — Art: I). grandis Guer. (gigantea Perty).
9) Myopias nov. gen. Arbeiter: Kopf quadratisch, Augen sehr
klein, nahe am Vorder- und Seitenrande des Kopfes, Fühler zwölf-
gliedrig, geheult, nahe am Munde entspringend, IMaudibeln linear, mit
zwei Zähnen und scharfer Spitze; Thorax seitlich zusammengedrückt,
Schuppe dick, abgerundet kubisch, von dem cylindrischen, vorn ab-
gestutzten und hinten eingeschnürten Hinterleib getrennt. Fussklauen
einfach. — AI. amblyops n. sp. von Ceylon. 10) Plectrotena Smith
mit 1 A. (calfra Spin. = mandibularis Smith.) 11) Leptogenys
nov. gen. Arbeiter: Mandibeln dünn, gebogen, ungezähnt; Schuppe
dick, vom Hinterleibe getrennt, Fussklauen gezähnelt. — Vier neue
Arten: L. falcigera von Ceylon, falcata von Cuba und aus Brasilien,
tnaxillosa (Smith?) von Mauritius und arcuata aus Surinam. 12)
Typhlopone Westw. mit 14 A. 13) Anomma Shuck. mit 4 A., darun-
ter neu : A. pubescens von Liberia. 14) jVmblyopone Er. mit 3 A.
15) Myopopo7hc nov. gen. Arbeiter: Augen sehr klein, seitlich,
Ocellen fehlend, Stirnlamellen erweitert, hervorspringend; Fühler
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 425
zwölfgliedrig, gekeult, Clypeus ausgerandet, zweizähnig, Mandib^ln
linear, vielzähnig. Mesothorax sehr kurz, Schuppe abgerundet wür-
felförmig, vom Hinterleibe nicht getrennt; Beine kurz, kräftig, Vor-
dertarsen erweitert. — Zwei Arten : M. maculata von Bintang und
rnfula von Batchian. — 16) Stigmatomma Bog. mit 2 A. — Am
Schlüsse werden noch 30 Species incertae sedis aufgeführt.
Derselbe gab in einer „Myrmicologischen Nachlese" (ebenda
p. 164 ff.) neben synonymischen und anderweitigen ergänzenden Be-
merkungen über Formica nodus Brülle, pallidinervis Brülle, micans
Nyl., rufipes Fab., Kiesenwetteri Bog., aerea Bog. und aliena Foerst.
auch Nachträge zu der Beschreibung der Poneriden. Als neue Arten
werden beschrieben: Ponera Inteola aus Süd - Amerika, aurata (Le
Guillou ined.) aus Australien, opachentris (Ectatomma) Vaterl. unbek.
und Myrmecia /üßtncom« aus Australien ; mit nachträglichen Bemerkun-
gen aufgeführt: Ponera rügosa Le Guillou (versicolor Smith), bispi-
nosa Le Guill., rugosa Smith (= araneoides Le Guill.) und nodosa
Latr, — Das Männchen von Tetrogmus caldarius Bog. wird näher
beschrieben, über einige Cryptocerus- Arten werden synonymische
Mittheilungen gemacht.
F. Smith, „Descriptions of new genera and species of Exotic
Hymenoptera" (Journal of Entomol. I. p. 65 — 79. pl.4) machte aber-
mals eine Anzahl zum Theil sehr auffallend gebildeter Gattungen und
Arten von Ameisen, fast sämintlich von Bates in Brasilien gesammelt,
bekannt. Den Beschreibungen derselben schickt Verf. einige Angaben
über ihre Lebensweise, nach den von Bates angestellten Beobach-
tungen, voraus. Die Arten der Gattung Pseudomyrnia höhlen meistens
todfe Zweige aus, um darin ihre Eier abzulegen ; ihre Puppen liegen
nicht in einem Cocon, ihre Gesellschaften sind klein und bestehen
etwa nur aus zwanzig Individuen. Eine Art der Gattung, Ps. termi-
taria, legt ihr Nest in den Hügeln verschiedener Termiten an. — Von
der Gattung Eciton sind gegenwärtig etwa zwanzig Arten bekannt;
sie ziehen in Brasilien allgemein die Aufmerksamkeit durch ihre
grossen Wanderzüge, auf denen alles Lebende und Todte, was ihnen be-
gegnet, besonders Schaben, Spinnen, Baupen, Larven anderer Insekten,
selbst Ameisen U.S. w. durch sie weggeräumt wird, auf sich. In einer
Colonie findet man neben Arbeitern auch Soldaten, etwa zu fünf auf
hundert; ihr Stich ist sehr schmerzhaft, ihre Colonieen sehr reich
an Individuen, weder 3Iännchen noch Weibchen sind aber bisher be-
merkt worden. — Die Cryptocerus - Arten finden sich häufig auf
Blumen, auf niedrigen Bäumen und Sträuchern und man sieht sie
auch zuweilen die Aeste frisch gefällter Bäume entlang laufen ; ihre
Colonien werden ebenfalls in todten Zweigen angelegt und bestehen
ausser einem einzelnen Weibchen aus zwei sehr verschieden gestal-
teten Formen von Arbeitern. Die Puppen liegen frei, ohne Cocon.
426 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
— Die von Smith beschriebenen Arten und Gattungen sind: Formica
chartifex von Ega in Brasilien (macht ein zwei Zoll langes und
einen Zoll breites Nest von papierartigem Ansehn, welches gewöhn-
lich an der Unterseite von Blättern befestigt ist), Form, nidulans von
St. Paul in Brasilien, Fseudomyrma perforator von Ega, agilis und
concolor von St. Paul, alripes aus Brasilien, Eciton vastator von Ega
(scheint keine Spur von Augen zu haben, flieht nach Bat es' Beob-
achtung das Licht) und Ecit. erratica (sie!) ebenfalls von Ega (un-
ternimmt seine Wanderungen in bedeckten Gängen , welche aus
kleinen Erdkörnchen aufgebaut werden). — Strumigenys nov. gen.
aus der Gruppe der Myrmiciden, mit Daceton Perly nahe verwandt,
durch grossen, dreieckigen, hinten tief herzförmig ausgeschnittenen
Kopf, weit vorgestreckte, schlanke, innen dreizähnige JMandibeln,
weit nach vorn an die Seiten des Kopfes gerückte runde Augen,
einschlagbare Fühler mit sehr langem Schafte und fünfgliedriger
Geissei und einem einzelnen Enddorne an den Vorderschienen ausge-
zeichnet. — Art: Strum. mandibidaris von St. Paul, in Weibchen
und Arbeitern beschrieben und Fig. 6 u. 7 abgebildet. — Mijrmi^
c ocrypta nov. gen., eine auffallend kleine Form aus der Atta- Gruppe,
im weiblichen Geschlechte nur IV2 Lin. lang. Kopf stumpf eiförmig,
vorn verschmälert, Fühler in der Mittellinie des Kopfes, nach aussen
von zwei parallelen Kielen eingefügt, mit elfgliedriger Geissei, deren
drei Endglieder sich alluiählich mehr gegen die Spitze hin vergrös-
sern ; Oberkiefer schliessend, dreieckig, innen gezähnt. Schildchen tief
ausgerandet, jederseits fast einen Zahn bildend, Metathorax gleich-
falls zweizähnig. Erster Petiolus-Ring schmal und länglich, zweiler
quer, hinten so breit wie der folgende Hinlerleibsring. — Art: Myrm,
squamosa von St. Paul. — Pheidole diversa n. A. von St. Paul, Cry-
ftocerus laminatus und grandinosus von Ega, quadrimaculatus und
elongatus Klug aus Brasilien, himacnlalus n. A. aus Mexiko, Mera~
noplus striatus und snbpilosus n. A. von St. Paul. — Ceratobasis
nov. gen., auf Meranoplus singularis Smith begründet ; Weibchen und
Arbeiter von Ega beschrieben, Abbildung pl.4. fig. 12.
Die systematische Kenntniss der inländischen Ameisen ist aber-
mals durch ein selbstständig erschienenes Werkchen von G. Rlayr:
„Die Europäischen Formiciden, nach der analytischen Methode bear-
beitet" (Wien 1861. 8. 80pag. c. tab. 1) wesentlich gefördert worden.
Die Bearbeitung des Materials ist ganz nach dem Muster der Fauna
Austriaca von R e d t e n b a c h e r, Schiner u. s. w. ausgeführt, d.h.
sie zerfällt nach einer den äusseren Körperbau, die Geschlechtsunter-
schiede, den Aufenthalt, die geographische Verbreitung u. s. w. be-
handelnden Einleitung in zwei analytische Tabellen zur Bestimmung
der Gattungen und Arten, nur dass die auffallenden Veischiedenhei-
«en zwischen Männchen, Weibchen und Arbeitern eine gesonderte Aus-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 427
einandersetzung dieser drei Formen bedingten. Bei der fast voll-
ständigen Kenntniss der Europäischen Arten hat Verf. sein Augenmerk
besonders auf eine schärfere Abgrenzung der Gattungen gerichtet und
sah sich dabei in die Kothw endigkeit versetzt, den bisher aufgestell-
ten eine Anzahl neuer hinzuzufügen. Sechs derselben gehören den
Formicineu im engeren Sinne an: 1) C ampono tus nov. gen., auf
die Formica-Arten mit getrennten Fühler- und Clypeus-Gruben, de-
ren Arbeiter keine Ocellen haben, wie Form, ligniperda, herculeana
u, s. w. begründet. 2) Liome topum nov. gen., für Formica mi-
crocephala Panz, o) Col ob opsis nov. gen., für Form, truncata
Spin. ^) Acantholepis nov. gen., für Hypoclinea Frauenfeldi Mayr.
5) Plagi olepis nov. gen., für Form, pygmaea Latr. und 6) P r e~
nolepis nov. gen., für Tapinoma nitens Alayr. — Zur Poneriden-
Gruppe gehört: 7) Anochetus nov. gen., für Odontomachus Ghi-
lianii Spin., zur Myrmiciden- Gruppe : 8) Tomognathus nov. gen.,
für Myrmica sublaevis Kyl., 9) Temnothorax nov. gen., für Myr-
mica recedens ]Nyl. und 10) Äsern or hoptruin nov. gen., für Myr-
mica lippula Kyl. — Die beifolgende Tafel erläutert die wichtigsten
Kopf-, Fühler-, Thorax- und Flügelbildungen.
lieber Myrmecocystus üliexicanus machte Pagenstecher (Ver-
handl. d. naturhist.-media. Vereins zu Heidelberg IL p.3) interessante
Mittheilungen. Nach Posselt's Beobachtungen finden sich in den
Bauten dieser Art keine Honigwaben, dagegen stecken die Individuen
mit kuglig aufgetriebenem Hinterleibe in zellenartigen Aushöhlungen
und weiden von den regulär ausgebildeten Arbeitern gefüttert. Bei
diesen gleichsam in Honigflaschen verwandelten Individuen hat der
Darmkanal seine Continuität verloren, d. h. zwischen der Speiseröhre
und dem Chylusmagen fehlt der Kaumagen ganz, so dass das Darm-
robr mit den Vasa Maipighi und dem abgerissenen Chylusmagen frei
in der mit Honig gefüllten Leibeshöhle flottirt. Es platzt also ent-
weder der von Honig überfüllte Darmschlauch nach einer gewissen
Ausdehnung und ergiesst dann sein Contentum in die Leibeshöhle,
oder das Zerreissen desselben ist eine Folge der Angriffe, welche die
Arbeitermeisen auf jene Individuen machen; für Letzteres möchten
nach des Verf.'s Ansicht die kleinen, obwohl stets vernarbten Biss-
wunden sprechen, mit welchen der Körper der Honigameisen oft
bedeckt ist.
Buckley, „Note on Ants in Texas" (Proceed. acad. nat. scienc.
of Philadelphia 1861. p. 9 f.) lieferte Nachträge zu seinen vorjährigen
Mittheilungen über zwei Texanische Ameisen. Die Bauten der Myr-
mica Texana sind zuweilen siebenzig bis hundert Fuss lang, ihre
einzelnen Kammern von sechs Zoll bis drei Fuss Länge mitunter
zwölf bis achtzehn Fuss tief unter der Oberfläche; der aus dem In-
nern hervorgebrachte Auswurf hat die Form eines Kraters. Die
428 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
OefFnungen der unterirdischen Zuführungsgänge zu einer solchen
Colonie liegen einige hundert Fuss weit von dieser entfernt ; in diese
führen die Ameisen grosse Massen von Körnern, Früchten und Blät-
tern ein. Die dickköpfigen Arbeiter betheiligen sich selbst nicht an
dem Tagewerk der übrigen, scheinen aber diese dazu anzuhalten; die
Arbeiter werden besonders bei Nacht ausgeführt. Die Art liebt vor-
züglich die Nähe von Flüssen und Gewässern. — In den Kammern
der Myrmica maleficiens waren die Samen von Amaranthus und ande-
ren Pflanzen in Menge aufgehäuft.
Im Journal of the Proceed. of the Linnean soc, Zoology V.
p. 217 wird folgende recht amüsante Ameisen-Geschichte aus einem
Schreiben einer Dame, Mrs. Lewis Hütten in Sidney mitgetheilt :
An einem sehr heissen Tage wairde eines ihrer Kinder von Ameisen
(„soldier ants") befallen, welche sich, wie gewöhnlich, mit ihren
Mandibeln festbissen und welche, um das Kind davon zu befreien,
todtgedrückt wurden. Es blieben etwa deren zwanzig auf dem Platze.
Diese waren bald darauf von einer Menge lebender Ameisen umge-
ben, welche aus ihrer Mitte vier Abgesandte nach ihrer Colonie de-
putirten; nachdem dieselben etwa fünf Minuten im Baue verweilt
hatten, kehrten sie mit einem ganzen Zuge von Ameisen zurück,
welche langsam je zu zweien der Todtenstälte zuschritten. Hier
nahmen je zwei eine von den Todten auf und wurden stets von zwei
anderen als Leidtragenden gefolgt; als der Zug an einer passenden
Grabstelle angelangt war, wurde für jede Todte ein besonderes Grab
gegraben, in welches sie hineingelegt und überschüttet wurde. Letz-
teres Geschäft wurde von solchen Ameisen ausgeübt, die sich nicht
am Gräber-Anfertigen betheiligt hatten ; einige aber, die sich nicht
dazu hergeben wollten, wurden dafür von den übrigen getödtet und
zur Strafe sämmtlich in einem und demselben Grabe eingescharrt.
Die Briefstellerin, welcher dieser Vorgang viel Vergnügen machte,
hat denselben später noch öfter in derselben Weise beobachtet; die
Arbeiter-Ameisen werden nach ihr ohne Beistand von Freunden be-
graben. (Um die Mystifikation vollständig zu machen, fehlt nur noch,
dass eine der Ameisen eine Grabrede gehalten hätte!)
Eine briefliche Mittheilung von Dr. Bernstein aus Gadok
(Java) enthält Angaben über springende Ameisen, welche sich mit-
tels ihrer Mandibeln (irriger Weise ist zweimal „Maxillen" angege-
ben) einige Zoll weit rückwärts schleudern können ; es werden
dabei die weit geöffneten Kiefer mit einem eigenthümlichen Geräusche
(ähnlich wie bei den Elateren) plötzlich zusaminengeschnellt. Verf.
bezeichnet die Gattung und Art vorläufig als P eilet es macrorhyn-
chus, doch beziehen sich die angegebenen Eigenthümlichkeiten wohl
jedenfalls auf einen Odontomachus. (Verhandl. d. zoolog. - botan.
Gesellsch. zu Wien 1861, Sitzungsberichte p. 7.)
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 429
IchnGUinonidae. Holmgren hat seinem im letzten Jahresbe-
richte p. 197 erwähnten Conspectus Pimplariarum Sueciae jetzt im
3ten Bande der Kong!. Svenska Vetenskaps-Akademiens Handlingar
eine ausführlichere „Monographia Pimplariarum Sueciae" (Försök tili
uppställning och beskrifning af Sveriges Ichneumonider. Tredje
Serien. Fam. Pimplariae. Separalabdruck in 4-, 76 pag.) folgen lassen.
Nach einer Charakteristik der Gruppe im Allgemeinen folgt eine
analytische Uebersicht der 25 vom Verf. angenommenen Gattungen,
von denen 19 den Pimplarien im engeren Sinne, 6 den Xorididen
angehören. Die in lateinischer Sprache abgefassle ausführlichere
Charakteristik der Gattungen und Arten ist auf folgendes Material
begründet: 1) Coleocentrus Grav, 3 A. 2) Acoenites Grav. 1 A.
3) Rhyssa Grav. 2 A. (1 A. neu). 4) Tkalessa Holmgr. 4 A. 5)
Ephialtes Grav. 7 A. (2 A. neu). 6) Peritkous Holmgr. 3 A. 7) The-
ronia Holmgr. 1 A. 8) Pimpla Fab. 23 A. (4A. neu). 9) Polysphincta
Grav. 13 A. (9 Ä. neu). 10) Clistopyga Grav. 2 A. 11) Glypta Grav.
15 A. (5 A. neu). 12) Lycorina Holmgr. 1 A. (neu), 13) Colpomeria
Holmgr. lA. (neu). 14) Schizopyga Grav. 4 A. 15) Arenetra Holmgr.
2 A. 16) Lampronota Halid. 3 A. 17) Lissonota Grav. 32 A. (19 A.
neu). 18} Meniscus Schiödte 5 A. 19) Phytodietus Grav. 6 A. (2 A.
neu). 20) Xorides Grav. 5 A. (2 A. neu). 21) Poemenia Holmgr.
8 A. (neu). .22) Xylonomus Grav. 10 A. (3 A. neu). 23) Echthrus
Grav. 1 A. 24) Müroboris Holmgr. 1 A. 25) Odontomerus Grav.
3 A. (2 A. neu).
Giraud (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu "Wien 1861.
p. 105 f.) gab Diagnosen von je einer neuen Art der Gattungen Acoe-
nites und Campoplex aus Dalmatien; Kamen sind beiden Arten nicht
beigelegt worden.
Hawaii (Entom. Zeitung XXII. p. 125) fand Mesochorus Iho-
racicus Grav. eine Larve von Chrysomela varians anstechend und
erzog aus den Puppen der Fidonia piniaria ausser zwei verschiede-
nen Cryptus- Arten Anomalen bigultalum Grav., Banchus moniliatus
Grav., Anomalen calcator Wesm., Ichneumon nigritorius und nov. spec,
Mesochorus politus Grav., so wie eine Tachinarie.
J. Sauveur, „Observations sur la decouverte et les moeurs
d'un Hymenoptere, Eurylabus dirus" (Annales soc. entomol. Beige V.
p. 69 ff.) erzog den Eurylabus dirus Wesm. aus den Puppen von Bom-
byx lanestris. Verf. glaubt, dass die Ichneumonen-Larve erst in die
Puppe hineingeht, während das Ei in der Raupenhaut bis zur Verpup-
pung verbleibt (?),
Snellen van Vollenhoven (Tijdschr. voor Entomol. IV.
p. 176. pl. 12) gab eine Abbildung (nebst erläuternden Kotizen) von
der Larve und Puppe der Rhyssa persuasoria.
Die schon in den vorigen Jahresbericht aufgenommene Mit-
430 Gerstaecker r Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
theilung v. Sicbold's über Agriotypus armatus nnd sein Parasitiren
in den Larven von Trichostoma und Molanna ist auch in der Stettin.
Entern. Zeitung XXIL p. 59 f. abgedruckt.
Evaniales. Trigonalys ornata Smith n. A. aus Mexiko (Journal
of Enloriiol. L p. 83).
BraCOnidae. Von Ruthe's Bearbeitung der Deutschen Braco-
niden ist aus seinem Nachlasse ein zweites Stück, die Galtungen
Blacus Nees und Pygostolus llnl. unifasssend, in der Beil. Entomol.
Zeitschr. V. p. 132— 162 durch Reinhard publicirt worden. Von
erslerer Gattung werden 16, von letzterer 3 Arten in ihren Merkma-
len analysirt nnd ausführlich beschrieben. Als neue Arten sind zu
erwähnen: Blac. compar, armatnlus, rnfescens (nach Reinhard =
Ganychorus tripudians Hai,), terebrator (nach R. = Bl. hastalus Hai,),
maviillanus, brevicornis (nach R. = Bl. pajjanus Hai.), inslabilis (nach
R. wohl = Bl. tiivialis Hai.), interstitialis, leptostigma und dubius.
PrOCtOtrypidae. C. G, Thomson setzte seine Bearbeitung der
Schwedischen Arten dieser Familie („Sverges Pioctotruper", Ofvers.
Vetensk. Akad. Förhandl, 1860, p. 169— 181) mit den beiden Tribus
der Telenomini und Dryinini fort, — Bei den Telenoinini sind die
Fühler gebrochen, auf dem Kopfschilde eingefügt, beim Weibchen
elfgliedrig mit gekeulter Spitze, beim Männchen zwölfgliedrig, mit
an der Basis ausgebuchteteni fünften Gliede. Die MaiKJibeln zwei-
spitzig, das Schildchen halbkreisförmig, mit eingedrückter Randlinie,
der Metathorax nicht gedornt, der Hinterleib fast sitzend, unterhalb
convex, ohne eingedrückte Randlinie, — Zwei Gattungen : 1) Tele-
nomus nov. gen. Stirn punktirt, Legebohrer des Weibchens nicht
hervorstehend. Als Arten gehören dazu: T. gr ancli s {Te\eas phalae-
narum Kees?), flavipes, nigripes, frontalis, scutellaiis, ovulorum (Te-
leas Linnaei IVees ?), semistriatus (Telens semislr. Nees ?) , nigrita und
punctiventris n, A. — 2)Phannrus nov. gen. Stirn glatt, Lege-
bohrer des Weibchens hervortretend. — Arten : Ph. angustatus, po-
litus, chloropits (Teleas truncalus Nees?), pentatomus, bretis, tetralo-
mus, nitidulus, hyalinatus, pallidipes und tenuicornis. — Die Gruppe
der Dryinini umfasst die Gattungen Dryinus Latr. mit 12 A., Aphe-
lopus Dalm. mit 1 A. und Gonatopus Ljungh mit 5 A. Als neu wer-
den beschrieben : Dryinus Lapponicus, retusus, facialis, fuscipes,
lateralis, Gonatopus pilosus und flavicornis.
Ghalcididae. F. Walker, Characters of undescribed species of
the genus Leucospis" (Journal of Enlomology L p, 16 — 23) beschrieb
12 neue exotische Leucospis und 1 Polistomoipha-Art aus verschie-
denen Ländern : zuvor erörtert er durch Aufzählung der aus den ver-
schiedenen geographischen Bezirken bekannt gewordenen Arten,
deren geographische Verbreitung. Die neuen Arten sind : Leucospis
Älgirica, Canadensis, Sinensis von Shanghai, Aruera und Aruina von
tcfty^u^^Am Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 431
den Aru-Insein, atiliqiia aus Neu-Caledonien, Mexicana, Egaja, San~
tarema, Tapayosa und speifera, letztere vier von Bat es am Ama-
zonenstrome gesammelt , ignota Vaterl. unbek. und Polist omorpha
sphegoides von San Paulo in Brasilien.
Derselbe, „Characters of undescribed species of the family
Chalcidae" (ebenda I. p. 172 — 185) machte ferner folgende neue Ar-
ten bekannt: Smiera luteipennis von Villa Nova, dvx von Parä,
lanceolata von Santarem, costalis von Parä, demonstrala von Villa-
Kova, imitator von Santarem, obliterans und congrua ebendaher,
decisa von San Paulo, sordida von Villa -IVova, abdominalis von
Orizaba, discalis von Ega, divisa von Ürizaba, mesomelas von Ega,
erythrina von Orizaba, melanoptera von Venezuela, discolor von San
Paulo, nebulosa von Ega, tenebrosa von Orizaba, leucotelus und
transversa von Ega, chrysomeriis von San Paulo, Chalcis compacta
von ürizaba, vicaria und stylata von Ega, aculeata von Santarem,
Haltichella erythrotelus von Ega und dorsalis von Santarem.
L. Dufour, .jSur l'Euchalcis Miegii, nouveau genre et nou-
velle espece de Chalcidite et sur quelques autres Hymenopteres de
ce meme genre" (Annal. soc. entom. 4. ser. I. p. 7 ff. pl. I. fig. 4 — 7)
begründete auf Chalcis Dargelasii Lafr., bimaculata Fab. u. a. eine
neue Gattung Euchalcis mit folgenden Charakteren: „Fühler von
Thoraxlänge, schlank, borstenförmig, nahe am Munde eingefügt, elf-
gliedrig, die Glieder länglich, eng aneinanderschliessend, der Schaft
von Kopflänge. Prothorax gross, Schildchen hervortretend, an der
Spitze zweizähnig, Hinterleib sitzend, konisch, Legeröhre kurz ; Hin-
terschienen gebogen, in zwei Dörnchen endigend, Flügel ohne Zellen."
— Ausser Euchalcis Dargelasii Latr. werden als n. A. der Galtung
beschrieben und abgebildet: Euch. Miegii und haematomera aus der
Umgegend Madrids und vetusta von Saragossa.
Filippo de Filippi „Sul Pteromalino parassito delle uova
del Rhynchites betuleti" (Archivio per la Zoologia etc. I. p. 60 f.
Tav. 6) kommt noch einmal auf seine im J, 1851 angestellten Beob-
achtungen über die Entwickelung einer in Rhynchites-Eiern lebenden
Pteromalinen- Larve zurück, welche er damals als einen Fall von
Metagenese angesprochen hatte; er deutet dieselbe jetzt als Hyperme-
tamorphose, indem sich ihm herausgestellt hat, dass die zweite Lar-
venform durch allmähliche Umwandlung aus der ersten entsteht. An
der ersten mit einem langen Schwänze und starken Borsten versehe-
nen Larvenform verkürzen sich diese Organe mit dem allmählichen
Wachsthume des Thieres und reduciren sich schliesslich auf einen
kurzen, hakenförmig gekrümmten Fortsalz am hinteren Körperende.
Durch eine. Häutung verwandelt sich diese erste Larvenform in die
aweite, bei welcher schon die Mundtheile deutlich hervortreten und
432 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
in welcher der zuerst nur als durchscheinende Blase sich zeigende
Verdaiiungskanal eine bedeutende Ausdehnung erreicht.
Stollwerck (Verhandl. d. naturhist, Vereins d. Preuss. Rhein-
lande XVIII. p. 191 ff.) theilte weitere Beobachtungen über die Le-
bensweise der Poropoea Stollwerckii Foerst. mit, welche die Art des
Eierabiegens von Seiten des Weibchens betreffen. Verf. beobachtete,
dass zwei weibliche Poropoeen während des Blätterwickeins eines
Apoderus curculionoides in der Kähe waren und sich, als die Um-
wickelung der Eier fast vollendet war, in die Blattdüte hineinbega-
ben, um durch die noch weichen Falten hindurch die Käfer -Eier
anzustechen.
Cynipidae. Baron Osten-Sack en hat eine Entdeckung ge-
macht (mitgetheilt von Le Conte in den Proceed. acad. nat. scienc,
Philadelphia 1861. p. 150 ff.), welche, wenn sie durch weitere Un-
tersuchungen bestätigt wird, die Systematik dieser Familie durch
H artig wesentlich modificiren wird. Bekanntlich hat man von ver-
schiedenen Cynipiden- Gattungen bisher ausschliesslich Weibchen
kennen gelernt, obwohl z. B. Hart ig manche Arten in Tausenden
von Individuen erzog. Diesen eigenthümlichen Umstand zu erklären,
hat man verschiedene Hypothesen aufgestellt: Hartig wollte einen
Hermaphroditismus gefunden haben, Erichson glaubte, dass die
Männchen der Inquilinen zwei verschiedene Formen von Weibchen
besässen und v. Siebold vermuthete bei jenen Weibchen eine Fort-
pflanzung durch Parthenogenesis. Osten-Sack en glaubt dagegen,
dass diejenigen Arten, von denen man nur Weibchen kennt, verschie-
den geformte Gallen bei iMännchen und Weibchen erzeugen. Er
erzog nämlich aus sehr eigenthümlich gestalteten Gallen von den
Blättern der rothen Eiche, welche lang spindelförmig, gestielt, blass
grün, etwa einen Zoll lang und an ihrer stärksten Stelle nicht viel
mehr als Vio ^^^^ breit waren, eine männliche Gallwespe, welche
eine fast vollständige Uebereinstimmung (bis auf die sexuellen Unter-
schiede) mit Cynips confluens Harris erkennen Hess. Die Gallen der
letzteren, welche sich auf den Blättern desselben Baumes finden, sind
kugelförmig und die daraus hervorgehenden Insekten stets Weibchen.
Bei den sehr auffallenden Merkmalen, besonders in der Skulptur des
Thorax und ScWldchen, in der Färbung und Aderung der Flügel
kann kaum ein Zweifel an der spezifischen Identität jenes Männchens
mit der weiblichen Cynips confluens Harr, bestehen; ersteres hat 15-,
letzteres 13-gliedrige Fühler. — Auf dieser Beobachtung wird fortan
bei dem Aufsuchen der bis jetzt unbekannten Männchen der Galtungen
Cynips, Neuroterus, Apophyllus u. s. w. zu fussen sein.
Derselbe, „On the Cynipidae of the North American Oaks
and their galls" (Proc. entom. soc. of Philadelphia 1861. p. 47— 72)
gab nach einem Vorworte, in welchem er den gegenwärtigen Stand
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 433
unserer Kenntnisse von der Systematik und Biologie der Gallwespen
beleuchtet und worin er die eben angezogene Beobachtung über
die Verschiedenheit männlicher und weiblicher Gallen derselben Art
gleichfalls berührt, eine üebersicht der von ihm in Nord-Amerika bis
jetzt beobachteten, meist aus der Umgegend von Washington stam-
menden Eichen - Gallen , im Ganzen 27 an Zahl. Dieselben werden
nach einer übersichtlichen Zusammenstellung in ihrer Form, Struktur,
ihrem Sitz au den verschiedenen Pflanzentheilen u. s. w. speziell er-
örtert und die aus ihnen erzogenen Gallwespen, so weit sie bekannt
sind, charakterisirt. Letztere sind folgende : Cynips aciculata n. A.
aus Gallen von Quercus rubra, Synophrns ? laeviventris aus denselben
Gallen, Cytiips quercus centricola aus Gallen von Quercus obtusiloba,
Sarothrus ? pisum von Quercus alba, Cynips tuhicola aus Quercus
obtusiloba, Cynips quercus coelebs (das muthmassliche Männchen der
Cyn. confluens Harr.) von Quercus rubra, Cynips quercus fusif'ormis
von Quercus alba, Cynips quercus verrucarum von Quercus obtusiloba,
Cynips (Trigonaspis ?) quercus palustris von Quercus palustris, Cynips
quercus futilis und Aylax? futilis von Quercus alba, Cynips quercus
irregularis von Quercus obtusiloba, Cynips quercus modesta von Quer-
cus rubra, Cynips quercus nigrae von Quercus nigra, Amblynotus?
petiolicola von Quercus prinos, Aegilips obtusilobae, Cynips quercus
phellos von Quercus phellos.
Tenthredinidae et Uroceridae. Ueber die in Neapel einheimi-
schen Arten dieser beiden Familien liegt ein Quartband von Ach.
Costa unter dem Titel: Fauna del regno.di Napoli. Imenotteri.
Parte Illa. Trivellanti sessiliventri. Napoli 1860 (mit 20 color. Ta~
fein) vor, welcher sowohl für die Systematik als ganz besonders für
die Artenkenntniss der Holz- und Blattwespen von Wichtigkeit ist,
da besonders unter letzteren die Süd - Europäischen Arten bis jetzt
wenig Berücksichtigung gefunden hatten. — Die Blattwespen ver-
theilt Verf. nach der Form und Gliederzahl der Fühler, nach der
Bedornung der Hinterschienen und der Anzahl der Radialzellen in den
Vorderflügeln in fünf Gruppen: Cimbicidea, Hylotomidea, Tenthredi-
nidea, Lydidea und Xyelidea. Zur Gruppe der Cimbicidea gehören:
1) Cimbex Ol. mit C. variabilis Klug. 2) Abia Leach mit A. dorsa-
lis n. A. 3) Amasis Leach mit A. laeta Fab. und obscura Vill. —
Zur Gruppe der Hylotomiden: 4) Hylotoma Fab. mit 6 A. : H. enodis
Lin^, ustulata Lin., discus Costa, pagana Fanz., coerulescens Fab. und
rosarum Fab. 5) Schizocera Latr. mit 3 A. : Seh. furcata Vill., co-
gnata Costa und Angelicae Fab. Anhangsweise wird hier die Lebens-
weise der ersten Stände von Hylotoma rosarum, so wie die äussere
Anatomie derselben erörtert. — Zur Gruppe der Tenthrediniden ge-
hören: a) Nematini. 6) Cladius Hlig. mit 8 A*: C. pectinicornis Rossi,
Archiv f. Naturg. XXVIIL Jahrg. 2. Bd. Co
434 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
difformis Panz., und discrepans n. sp. 7) Craesus Leach mit C. sep-
temtrionalis Fab. 8) Kematus Jur. mit 12 A.: N. lucidus Panz., ven-
tralis Panz,, myosotidis Fab., albipennis Hart., hypolencus n. sp.,
fulvus Hart., luteus Panz., cebrionicornis, fmterulus, albitibia, selan-
drioides und albicarpus n. sp. 0) F onlania nov. gen. Fühler
fadenförmig, beim Männchen neun-, beim Weibchen zehngliedrig ;
Flügelzellen wie bei Nemalus, Hintcrtarsen einfach. Art: P. Vallis-
nerii Hart. 10) Cryptocampus Hart, mit C. quadrum n. sp. Anhangsweise
werden die ersten Stände der Pontania Vallisnerii in ihren Charakteren
und ihrer Lebensweise beschrieben. — b) Dolerini. 11) Dolerus Jur.
mit 2 A.: D. eglanteriae Fab. und niger Klug. 12) Emphytus Klug
mit 5 A. : E. tricoloripes und proximns n. sp., pallipes Spin., cinctus
Schrank und elegans n. sp. 13) Fenusa Leach mit F. pumilio Hart.
14) Aphadnurus nov. gen. Fühler siebengliedrig, kurz, faden-
förmig; Vorderflügel wie bei Fenusa, Hinterflügel ohne Diskoidalzelle
und mit ofl'ener Analzelle. Art: A. tantillus n. s^., nur l^g Lin. lang.
15) Melinia nov. gen. Fühler elf- bis dreizehngliedrig. fadenför-
mig, kurz behaart, ihr drittes Glied länger als die folgenden. In
den Voiderflügeln werden die Nervi recurrentes von der ersten und
zweiten Cubitalzelle aufgenommen, die Analzelle ist gestielt; Hinter-
flügel ohne Diskoidalzelle. Art: M. minutissima n. sp., l^g Lin. lang.
— c) Tenthredinini. 16) Athalia Leach mit 4 A. : A. spinarum Fab.,
rosae Lin., cordata Lepel., lugens Klug. 17) Blennocampa Hart, mit
4 A. : Bl. hyalina Klug, ephippium Panz., aethiops Fab. und cinerei-
pes Hart. 18) Monophadnus Hart, mit 10 A.: M. melanocephalus
Panz., plcuriticus n. sp^ nigripes Klug, ventralis Spin., melatiopygiusy
gastricus, albidopictus, tenuicingulatus, dissimilis und fuliginipennis
n. A. 19) Seiandria Leach mit 2 A.: S. serva Fab. und albipes Lepel.
20) Monoslegia nov. gen. In den Vorderflügeln münden die Nervi
recurrentes in die zweite und dritte Cubitalzelle, die Analzelle ist an
der Basis ofl'en und in der Mitte durch einen Quernerven getheilt ;
Hinterflügel mit einer Diskoidalzelle. — Art: M. luteola Klug, Hart.
21) Caliron nov. gen. Fühler neungliedrig, vor der Spitze etwas
verdickt; in den Vorderüügeln die Nervi recurrentes von der zweiten
und dritten Cubitalzelle aufgenommen, die Analzelle an der Basis
ofl'en, in der Milte durch einen Ouernerven getheilt ; Hinterflügel ohne
Diskoidalzelle. — Art: C. sebetia n. sp. 22) Eriocampa Hart, mit
Er. ovata Lin. 23) Allantus Jur. mit 8 A. : A. scrophulariae Lin.,
Schaelferi Klug, marginellus Fab., zona Klug, zonula Klug, apicima-
cula n. sp. , Koehleri Klug und viduus Rossi. 24) Macrophya Dahlb.
mit 14 A.: M. blanda Fab., neglecta Klug, ruslica Fab., albicincta
Schrnk., crasstila Klug, ribis Schrnk., erythrocnema, alboannulata und
Lepeletieri (Schaeff'eri Lepel. ncc Klug) n. A., dumetoruni Fourcr.,
haematopus Fab., punctum Fab., Irochanterica Costa und novemguttata
im Gebiete der Entomologie wahrend des Jahres 1861. 435
n. A. 25) Pachyprotasis Hart, mit P. rapae Lin. 26) Tenthredo Lin.
mit 11 A.: T. flavicornis Fab., bicincta Lin., lalbicornis Fab., fagi
Panz., Colon Klug, silensis n. A., atra Lin., viridis Lin., scalaris Klug,
punctulata Klug und breviuscula n. A. 26) Tent hr edop sis nov.
gen., von Tenthredo durch ungleich geäderte Hinterflügel bei Männ-
chen und Weibchen verschieden; Männchen ohne, Weibchen mit
zwei Diskoidalzellen. 6 Arten : T. tessellata, sordida, ambigua und
instabilis Klug, quadriguttata n. A. und nassata Fab. 27) Ebolia
nov. gen. In den Vorderflügeln die Analzelle vor der Mitte von
einem Quernerven durchschnitten, Hinterflügel beim Weibchen mit
einer Diskoidalzelle; das Uebrige wie bei Tenthredo. — Art: E. flo-
ricola n. sp. 28) Ermilia nov. gen. Körper verlängert, hart,
Fühler neungliedrig, kürzer als der Hinterleib; in den Vorderflügeln
die Analzelle von einem Quernerven durchschnitten, die Hinterflügel
beim Männchen ohne Diskoidalzelle. — Art: Erm. pulchella n. sp.
29) Strongylogaster Dahlb. mit St. linearis Klug. 30) Poecilostoma
Dahlb. mit P. impressa Klug. 31) Taxonus Meg. mit T. tninutus n. A.
— Zur Gruppe der Lydidea gehört: 32) Lyda Fab. mit L. alter-
nans n. A.
Die Holzwespen theilt Verf. in drei Gruppen : Cephidea, Siri-
eidea und Oryssidea. Zur Gruppe derCephiden: 1) Ceplius Fab. mit
6 A. : C. troglodyta Fab., pygmaeus Lin., floralis Klug, gracilis n. A.,
analis Klug und tabidus Fab. 2) Cerobactrus nov. gen. Fühler-
geissel von der Basis aus stark, fadenförmig, an der Spitze nicht
dicker; Pronotum planconvex, vorn wenig abschüssig. — 1 Art: C.
major n. sp. 3) Ephippi on otus nov. gen. Fühler an der Basis
ziemlich stark, fadenförmig, nicht geknöpft; Pronotum vorn stark
abschüssig, in der Mitte quer eingedrückt und seitlich mehr oder
weniger zusammengeschnürt. 2 neue Arten : Eph. cephalotes und
luteiventris. — Zur Gruppe der Siriciden : Sirex Lin. mit S. gigas
und spectrum Lin. — Zur Gruppe der Oryssiden: 1) Xiphydria Latr.
mit X. annulata Jur. 2) Oryssus Fab. mit 0. hyalinipennis n. A., von
0. vespertilio durch ganz glashelle Flügel unterschieden.
Edw. Norton, „Catalogue of several genera of the Tenthre-
dinidae in the United States" (Proceed. Boston soc. of nat. bist. VIIL
p. 150 — 161) gab eine Uebersicht der in Nord-Amerika einheimischen
Arten einiger Blattwespen-Gattungen mit kurzen Charakteristiken der
neuen Arten : Trichiosoma hicolor n. A. aus Massachusetts, Zarea
inflata aus Connecticut, Dosytheus Leach 9 Arten, darunter neu : Dos.
apricus mit var. albifrons, aprilis, similis, maculicollis, abdominalis
und Tejoniensis. — Dolerus Leach mit 2 A., Emphytus Leach mit
10 A., darunter neu : Emph. apertus, mellipes, (Harpiphorus) varianus,
testaceus, maculatus. — Nematus Leach mit 16 A., darunter neu :
Nein, bivittatus, corniger, extensicornis, nigritus^ fuhipeSf pallicornis
436 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
mit var. labratus, proximatus, obscurus, luteotergum, monochroma und
stigmatus.
Derselbe, „Notice on the genus Seiandria" (ebenda VIII.
p. 219 — 223) zählte 13 Nord-Amerikanische Arten der Gattung Selan-
dria auf, unter welchen folgende neu sind und kurz beschrieben
werden : Sei. (BlennocampaJ inhabilis, (Monophadnus) marginicollis,
tiliae, (Phymatocera) rudis, rtifula, fumipennis, (Hoplocampa) Hal^
cyon, (Eriocampa) ßavipes. — Ebenda p. 223 f. beschrieb derselbe
folgende von Harris mit Catalogs-Namen belegte Kord-Amerikani-
sche Arten : Cladius isomera, Xyela infuscata, Cephtis heteropterus
und integer.
Cresson, „Catalogue of the described species of Tenthredi-
nidae and Uroceridae inhabiting North-America" (Proceed. enlomol.
soc. of Philadelphia 1861. p. 33 — 39). Dies vom Verf. zusammen-
gestellte Verzeichniss der Nord-Amerikanischen ßlatlwespen, in wel-
ches bereits die von Norton publicirten Arten aufgenommen sind,
und in welchem das Citat 'der ersten Beschreibung der einzelnen
Arten beigefügt ist, enthält: 8 Cimbex, 1 Trichiosoma, 1 Abia, 1 Acor-
dulecera, 25 Hylotoma, 2 Atomacera, 1 Cryplus, 1 Thulea, 1 Schizo-
cera, 7 Seiandria, 48 Allantus, 21 Tenthredo, 1 Dosytheus, 4 Dolerus,
6 Emphylus, 11 Nematus, 1 Cladius, 8 Lophyrus, 1 Tarpa, 9 Lyda,
6 Cephus, 2 Xyela, 6 Xiphydria, 11 Sirex, 2 ürocerus, 3 Tremex und
5 Oryssus.
Snellen van Vollenhoven (Tijdschr. voor Entomol. IV.
p. 65 — 87. pl. 1 — 4) setzte seine Beiträge zur näheren Kenntniss der
Natur- und Entwickelungsgeschichte der inländischen Blattwespen
mit der ausführlichen Beschreibung und Abbildung aller drei Stände
von Lophyrus rufus Klug, Hylotoma rosae Lin., Seiandria pusilla Klug
und Cladius uncinatus Klug fort.
Giraud, „Description de dcux Hymenopleres nouveaux du
genre Lyda, accompagnee de quelques observations sur les especes
connues de ce genre, qui se trouvent en Autriche" (Verhandl. d.
zoolog.-botan. Gesellsch. zu Vitien 1861. p. 81—92. Taf. 2 A). Verf.
giebt eine Aufzählung von 20 in Oesterreich von ihm aufgefundenen
Lyda-Arten, von denen er einige, wie L. hypothrophica Hart., Fallen!
Dalm. und inanita Vill. in Bezug auf ihre Nährpflanzen, ihre Varie-
täten, Larven, Puppengehäuse u. s. w. ausführlicher erörtert und von
denen zwei : Lyda puniilionis (auf Pinus pumilio) und laricis (auf Pi-
nus larix), beide vom Oesterreichischen Schneeberge, als n. A. be-
schrieben und abgebildet werden.
Derselbe (ebenda 1861. p. 105 ff.) gab Diagnosen von Uylo*
toma nov. spec und Cephus nov. spec. aus Dalmalien, ohne die Arten
«u benennen.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 437
Taschenberg (Berl. Entom. Zeitschr. V. p. 194 f.) beschrieb
Lyda himaciilata als n. A. aus der Umgegend von Halle.
Nach Kawall (Entom. Zeitung XXII. p. 126) kommt Tarpa
plagiocephala noch in Kurland unter 75*^ n. Br. vor. Auch Xyela
pusilla fand Verf. bei Füssen.
Dufour (Annales soc. entom. 1861. p. 13. pl. 1. fig. 16) gab
eine Diagnose und Abbildung von Cephus nigripennis Sichel aus der
Umgegend Madrids.
Lepidoptera.
Von den Lepidopleren-Catalogen des British Museum
sind im J. 1861 zwei Bändchen publicirt worden, welche
eine Fortsetzung der von F. Walker bearbeiteten Geome-
triden enthalten. (List of the specimens of Lepidopterous
Insects in the collection of the British Museum. Pt.XXII.
XXIIL Geometrides, continued.) In denselben sind nach der
bereits mehrfach bezeichneten Methode die Guenee'schen
Gruppen der Boletobidae, Geometridae, Mecoceridae^ Palya-
dae, Ephyridae, Acidalidae, Micronidae, Caberidae, Macari-
dae und ein Theil der Fidonidae (bis zur Gattung Scodiona
excl.) abgehandelt.
,,Neue Lepidopteren aus Ost-Sibirien und dem Amur-
Lande, gesammelt von Rad de und Maack, beschrieben
von Otto Bremer.« (Bullet, de l'acad. imp. des sciences
de St. Petersburg IIL p. 462—495.) — Verf. theilt hier
vorläufige Beschreibungen von 65 neuen Macrolepidopteren,
den Familien der Rhopaloceren, Sphingiden, Bombyciden
und Noctuinen angehörig, mit, welche von Rad de am
Baikal -See, in Daurien, am Amur bis zur Mündung des
Ussuri und im Bureja - Gebirge , von Maack am üssuri
aufwärts bis zum See Kengka gesammelt wurden. Auffal-
lend ist nach des Verf.'s Mittheilung an der Lepidopteren-
Fauna des Amur -Landes das Zusammentreffen hochnordi-
scher Formen, wie Erebia und Chionobas, mit tropischen
der Gattungen Papilio, Diadema, Tropaea u. s. w.
Lepidopterorum Amboinensium a L. Doleschall
annis 1856 — 58 collectorum species novae diagnosibus col-
lustratae a C. Felder (Sitzungsberichte der mathem.-na-
turwiss. Classe der Akad. d. Wissensch. zu Wien XLllI, 1.
438 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
p. 26 — 44). Verf. liefert hier eine Fortsetzung der im vorigen
Jahresberichte p. 232 erwähnten Diagnosen neuer Lepido-
pteren von Amboina ; die 51 bekannt gemachten Arten ge-
hören den Familien der Sesiarien, Sphingiden, Cheloniarien,
Bombyciden und Noctuinen an.
Lepidoptera nova a Carolo Semper in insulis Phi-
lippinis collecta diagnosibus exposuerunt C. et R. Felder
(Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 297 — 806). Diagnosen von
dreissig neuen Lepidopteren , welche auf den Philippinen
durch Semper gesammelt wurden und der Mehrzahl nach
den Rhopaloceren (zwei den Bombyciden) angehören.
Ch. F. Dubois hat sein im vorigen Jahresberichte
angezeigtes Werk „Les Lepidopteres de la Belgique^ mit
dem veränderten Titel : „Les Lepidopteres de l'Europe, leurs
chenilles et leurs chrysalides decrits et representes etc."
fortgeführt, indem er durch die weitere Ausdehnung, die
er demselben giebt, allgemeineren Anklang zu finden hofft.
Als im J. 1861 erschienen liegen dem Ref. Lief. 17—24
vor, welche in der früher angegebenen Weise Darstellun-
gen von 24 Arten (nebst ihren Raupen, Puppen und Fut-
terpflanzen) aus den Familien der Rhopaloceren, Sphingiden,
Cheloniarien, Hepialinen und Bombyciden enthalten.
Herrich-Schäffe r, Neue Schmetterlinge aus Eu-
ropa und den angrenzenden Ländern. 3. Heft. 1861 mit
8 Taf. — lieber die in diesem Hefte bekannt gemachten
Arten hat Leder er (Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 357 ff.)
einen ausführlichen Bericht nebst kritischen Bemerkungen
gegeben.
S. V. Praun's Abbildung und Beschreibung Europäi-
scher Schmetterlinge (Nürnberg, bei Bauer und Raspe) ist
bis zum 21. Hefte fortgeführt worden.
Catalog der Lepidopteren Europa's und der angren-
zenden Länder. L Macrolepidoptera, bearbeitet von Dr. 0.
Staudinger. — IL Microlepidoptera, bearbeitet von Dr.
M. Wocke. (Dresden 1861. gr. 8. 192 pag.) —Nach dem
Vorbilde des grösseren Hey den reich'schen Lepidopte-
ren-Catalogs haben die beiden Verff. ein sorgfältig umge-
arbeitetes, neues systematisches Verzeichniss der Europäi-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 439
sehen Schmetterlinge mit Einschluss der in den angrenzenden
Theilen Asiens (Sibirien, Kleinasien, Syrien) und Nofd-
Amerika's (Labrador, Grönland) vorkommenden geliefert.
Den einzelnen Arten sind die wichtigsten Citate nebst Sy-
nonymen beigefügt, ebenso alle audallenden, theils lokalen,
theils zufälligen Varietäten und Aberrationen mit aufgeführt;
die als Europäer nicht sicher verbürgten Arten sind be-
sonders bezeichnet worden. Der systematische Catalog
selbst füllt 130 Seiten und weist 2667 Arten nach, von
denen 719 auf die Macro- , 1948 auf die Microlepidopleren
kommen; auf S. 131 — 188 folgt ein alphabetisches Verzeich-
niss der Arten, Gattungen und Familien.
Staudinger (Stett. Entomol. Zeitung XXll. p. 287)
handelte über einige neue und bisher verwechselte Euro-
päische Lepidopleren. Dieselben gehören den Familien der
Noctuinen und Geometriden an und werden an ihrem Orte
speziell angeführt.
Derselbe (ebenda p. 325 — 402) machte sehr umfas-
sende Mittheilungen über eine von ihm und Wocke un-
ternommene lepidopterologische Reise nach ßossekop in
Finmarken unter 70- nördl. Br. Nach Erörterung des
Clima's, der ßodenbeschaffenheit und der Pflanzendecke des
von ihm durchforschten Gebietes berichtet Verf. zunächst
im Allgemeinen über die von ihm gesammelten Lepido-
pteren, deren Finmarken eine überraschend grosse Zahl
von Arten besitzt. Von etwa 200 überhaupt gesammelten
Arten gehören 24 den Rhopaloceren, B den Cheloniarien,
1 (Psyche) den ßombyciden, 21 den Noctuinen, 35 den
Geometriden , 17 den Pyraliden und Crambiden , 36 den
Tortricinen, 57 den Tineinen und 2 den Pterophoridcn an.
Die Fauna beläuft sich aber ohne Zweifel viel höher, nach
des Verf.'s Schätzung gewiss auf 300 Arten, welche alle
zu sammeln die beschränkte Zeit und der sehr regnige
Sommer verhinderten. — Der allgemeinen Schilderung folgt
auf S. 342 — 402 eine Aufzählung der vom Verf. beobach-
teten Macrolepidopteren, 84 an Zahl, welche er in ihren
durch Clima und Lokalität bedingten Abweichungen und
Eigcnlhümlichkeilen schildert, zum Theil in ihrer Synony-
440 GerstiTecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
mie erörtert und unter denen drei (1 Noctua, 2 Geometrae)
als neu beschrieben werden.
Die Rhopaloccren Finniarkens gehören den Gattungen Fieris (P.
napi), Colias (C. Palaeno und ßoothii) , Polyommatus (P. Eurydice
und Phlaeas), Lycaena (L. Argus und Optilete), Vanessa (V. urticae),
Melitaca (M. Parthenie), Argynnis (A, Aphirape, Selene, Euphrosyne,
Pales, Chariclea, Frey», Frigga und Thore), Erebia (E. Medusa, Manto
und Disa), Chionobas (Ch. Koma, Taygete und Bore), Hesperia (H.
comma) an. — Die drei Cheloniarien sind : Zygaena exulans, Ne-
meophila plantaginis und Spilosoma fuliginosa, die einzige Bonibycide:
Psyche opacella Herr.-Sch. ? — Die IN'octuinen gehören den Gattun-
gen Acronycta (1), Agrotis (4), Charaeas (Ch. graminis), Mamestra (1),
Hyppa (1), Taeuiocampa (1), Pachnobia (P. carnea), Plusia (2), Anarta (7)
und ßrephos (1) , die Geometriden den Gattungen Acidalia (1), Ma-
caria (1), Gnophos (1), Psodos (1), Colutogyna (1), Fidonia (1), Tham-
nonoma (1), Phasiane (1), Anaitis (1), Lygris (1), Cidaria (20) und
Eupithecia (5) an.
W. Mengelbir, „Reiseskizzen aus den Alpen" (En-
tomol. Zeitung XXII. p. 93—106, 118—123 und 153—165)
schilderte eine lepidopterologische Exkursion in das Ober-
Engadin und gab ein reichhaltiges Verzeichniss der auf
derselben von ihm in Gemeinschaft mit Pf af f enzel 1 er
und B isch off gesammelten und beobachteten Schmetter-
linge sämmtlicher Familien, von den Rhopaloccren bis zu
den Pterophoriden. Bei den einzelnen Arten ist besonders
die vertikale Verbreitung in Betracht gezogen; ebenso
werden die durch die Lokalität bedingten Varietäten vieler
Arten in ihren Eigenthümlichkeiten besprochen.
V. Prittwitz, „Die Generationen und Winterformen
der in Schlesien beobachteten Falter" (ebenda XXll. p. 191
— 225). — Verf. stellt ein systematisches Verzeichniss der
um Brieg vorkommenden Tagfalter, 131 an Zahl, zusammen
unter besonderer Berücksichtigung ihrer Erscheinungszeit
und desjenigen Entwickelungsstadiums , in welchem sie
überwintern; letzteres ist bei manchen Arten ein zwei-
und selbst dreifaches. Im Eie überwintern 12 Arten, als
Raupen 50 A., als Puppen 26 A. , als Falter 12 A. , als
Puppe, Raupe und Faller (?) 2 A., als Puppe und Falter (?)
5 A.; zwei Generationen haben 36 Arten.
A.Keller und J. Hoffmann, Systematische Zusam-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 441
menstellung der bisher in Württemberg aufgefundenen Ma-r-
crolepidopteren nebst Bemerkungen über deren Lebens-
weise. (Jahreshefte d. Ver. f. vaterl. Naturk. in Württem-
berg XVII. p. 263 — 324). — • Das Verzeichniss weist im
Ganzen 824 Arten von Macrolepidopteren auf, nämlich 125
Rhopalocera, 48 Sphingidae, 123 Bombycidae (im weiteren
Sinne)^ 284Nocluinea, 6 Platypterina und 238 Geometridae.
Die einzelnen Arten sind mit Angaben über Häufigkeit, Er-
scheinungszeit und Fundorte versehen; von Limenitis populi
wird ein Zwitter (siehe oben !) beschrieben, Lycaena Telicanus
als zweimal in Württemberg gefangen notirt, für Smerinthus
ocellatus die einmalige Beobachlung von einer doppelten
Generation in demselben Jahre beigebracht.
Enumeratio Lepidopterorum Haliciae orientalis, auctore
Maximiliano sila Nowicki. Leopoldi, sumptibus au-
ctoris, 1860. (gr. 8. 269 und XVI pag. c. tab. 1 iith.). —
Verf. hat seiner Angabe nach während eines Zeitraums von
zehn Jahren verschiedene Gegenden des östlichen Galiziens,
besonders bei Brody, Sambor, Stebnik, Lemberg u. s. w.,
ferner die Beskiden und Carpathen in lepidopterologischer
Hinsicht durchforscht und stellt in dem vorliegenden Werk-
chen ein reichhaltiges systematisches Verzeichniss der da-
selbst einheimischen und von ihm beobachteten Lepidopteren
zusammen. Von 1476 Arten im Ganzen kommen 116 auf
die Rhopaloceren, 143 auf die Sphingiden und Bombyciden,
223 auf die Noctuen, 225 auf die Geometriden, Q6 auf die
Pyraliden, 245 auf die Tortricinen, 432 auf die Tineinen
und 25 auf die Pterophoriden. Die einzelnen Arten sind
mit den Haupt - Citaten aufgeführt und mit Angaben über
Flugzeit und spezielle Fundorte versehen ; bei vielen Mi-
crolepidopteren fügt der Verf. auch eine Diagnose bei.
Die geographische Verbreitung der Arten über das übrige
Europa wird gleichfalls anhangsweise erörtert. An neuen
Arten enthält das Werk sechs, welche den Tortricinen und
Tineinen angehören und ausführlich charakterisirt werden;
dieselben sind auf der beifolgenden Tafel im Umrisse
dargestellt.
Delaharpe, „Contributions ä la faune de la Sicile,
442 G e isla f <• k e r : Bericht über die wiflsenschaflliclien Leisliingen
Lcpidopteres* (Bulletin d. 1. soc. Vaudoise d. scienc. nat.Vl.
iir. 27) stellte ein Yerzcichniss von 168 in Palermo gesam-
melten Arten, meist den Microlepidopteren angehörig, von
denen 13 als neu beschrieben werden, zusammen.
Fologne, Compte rendu d'une excursion entomolo-
gique faite aux environs de Dinant et de Rochefort (Annales
SOG. entomol. Beige V. p. 12ff.). Einem Berichte über die
vom Verf. nach Rochefort und Dinant unternommene lepi-
dopterologische Exkursion folgt ein systematisches Ver-
zeichniss der auf derselben erbeuteten Arten : 40 Rhopalo-
cera, 8 Sphingidae, 17 Bombycidae, 29 Nocluina, 55 Geo-
metridae , 25 Pyralidae , 42 Tortricina , 23 Crambidae, 28
Tineina und 4 Pterophoridae.
L. Becker, „Insectes observes en Campine pendanl
le mois d'Aout 1860" (ebenda V. p. 33 fl".) zählte (nebst
einigen Coleopteren) die von ihm in der Belgischen Provinz
Anvers beobachteten LepidopSeren auf; 5 Rdopalocera, 10
Bombycidae, 16 Noctuina, 14 Geometrae, 6 Pyralidae, 11
Tortricina, 31 Tineina.
Denselben Gegenstand betrifft Fologne's „Rapport sur les excur-
sions entoniologiques faites dans la Campine Anversoise" (ebenda V.
p. 47 ff.), in welchem (neben fünf Coleopteren) gleichfalls eine Reihe
von Lepidoptercn namhaft gemacht wird.
deGraaf (Tijdschr. voor Entomol. IV. p. 39 tf.) machte
24 seltnere und für die Niederländische Fauna neue Ma-
crolepidopteren (Rhopalocera, Noctuina und Geomelridae)
namhaft.
Stainton (Entomol. Annual for 1861. p. 82— 92)
verzeichnete 13 im J. 1860 in England neu entdeckte Le-
pidoptercn (1 Sesia, 2 Noctuae, 1 Pyralis, 9 Tineae); unter
den Tineinen werden drei als neue Arten beschrieben.
Derselbe, „Lepidoptera, Rare British species caplu-
red in 1860" (ebenda 1861. p. 93—102) zählt 34 seltnere
Englische Arten mit näheren Mittheilungen über ihr Vor-
kommen auf. Die bemerkensvverthesten derselben sind:
Sphinx convolvuli, Deilephila Livornica (etwa in zwanzig
Exemplaren an verschiedenen Orten im Mai gefangen),
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 443
Chaerocampa nerii und Celerio, Cerura bicuspis, Acronycta
alni, Erastria venustula und Ophiodes lunaris.
A. Schenck, Verzeichniss der im Herzogl. Nassaui-
schen Amtsbezirk Wied-Selters (westliche Abdachung des
Westerwaldes) beobachteten Macrolepidopteren (Jahrbücher
d. Ver. f. Naturk. im Herzogthum Nassau XVI. p. 229— 254).
Es werden 64 Rhopalocera, 22 Sphingidae, 69 Bombycidae
(im weiteren Sinne), löONoctuina und 126 Geometridae mit
Angaben der Flugzeit aufgezählt.
A. Rössler, Beiträge zur Naturgeschichte einiger
Lepidopteren (ebenda XVI. p. 255— 262) handelte theils über
die Falter, theils über die ersten Stände von Leucania
scirpi, Herminia tarsiplumalis, tarsicrinalis, Geometra poly-
grammata, Gnophos pullata, obscurata und Eupithecia iso-
grammata.
J. B.Kranz, Schmetterlinge von München (Tagfalter
bis Eulen). München 1860. — Ist dem Ref. nicht zuge-
kommen.
F. Schneid er, Lepidopteren-Fauna von Brunn (Brunn
1861. 8.) ist in den Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch.
zu Wien 1861. Sitzungsberichte p. 66 angezeigt.
AI tum, Lepidopterologisches aus dem Münsterlande
(Entom. Zeitung XXil. p. 84 ff.) enthält verschiedene klei-
nere Mittheilungen:
Auftreten von Vanessa cardui und Acherontia atropos. — Sesia
mulillaeformis häufig in Stämmen von Aepfelbäumen. — Das Männ-
chen der Zeuzera aesculi ebenso häufig wie das Weibchen. — Raupe
der ßombyx processionea in verheerender Menge; in grosser Anzahl
vom Kukuk gefressen. — Der Wespenbussard vertilgt zahlreiche
Raupen , z. B. von Fidonia defoliaria. — Aufzählung der bei Mün-
ster vorkommenden Notodontinen.
Breyer, „Quelques petits details sur la transforma-
tion et la maniere de vivre de differentes especes de^Lepi-
dopteres" (Annales soc. entom. Beige V. p.62fr.).
Die Arten, über welche Verf. Miltheilungen macht, sind Lime-
nitis Sibylla, Vanessa cardui, Liparis auriflua, Bombyx ariae, Harpyia
Milhauseri, Cucullia gnaphalii und Hibernia rupicapraria.
von Heyden („Fragmente aus meinen entomologi-
schen Tagebüchern", Entom. Zeitung XXlI. p.31 — 42) setzte
444 Gers ta eck er: Bericht über die wissenschRftlichen Leistungen
seine Beschreibung der ersten Stände verschiedener Lepi-
dopteren nebst Erörterung ihrer Lebensweise mit zwanzig
ferneren Arten fort. Dieselben gehören den Pyraliden (1),
Tortricinen (1), Tineinen (17) und Alucitinen (1) an.
Lad er er machte Mittheilungen über A. Kin der-
ma nn*s letzte lepidopterologische Ausbeule (Wien. Entom.
Monatsschr. V. p. 144-— 155. Taf. 1 — 2). Es werden ver-
schiedene schon bekannte Arten in ihren lokalen Abwei-
chungen besprochen, zwölf neue beschrieben und auf zwei
beifolgenden Tafeln abgebildet; die beschriebenen Arten
stammen aus Syrien.
Mann, Beitrag zur Lepidopteren - Fauna von Amasia
(ebenda p. 155—162 und p. 183—193). Verf. giebt eine
systematische Aufzählung von 238 bei Amasia gesammelten
Lepidopteren, von denen 16 den Rhopaloceren, 2denSphin-
giden, 7 den Boml)yciden, 14 den Noctuen, 60 den Geome-
triden, 43 den Pyraliden undCrambiden, 36 den Tortricinen,
53 den Tineinen und 7 den Pterophoriden angehören. Drei-
zehn Arten werden als neu beschrieben und abgebildet.
R 0 e s sl e r, „Gedanken über die Bedeutung der Malerei
auf den Schmelterlingsflügeln" (ebenda p. 163 ß'.).
Von Toll in sind briefliche Mittheilungen über die
bemerkenswerthesten bei ßloemfontein im Orange-Freistaat
(6000' über dem Meere) von ihm beobachteten Lepidopteren
(ebenda p. 27 f.) abgedruckt; dieselben betreflen gegen 40
verschiedene, zum Theil aber nicht näher bestimmte Arten.
d'Urban, „Addenda to the natural history of the Val-
ley of the River Rouge" (Canadian naturalist and geolo-
gist VL p. 36 — 41) theilte einige von Walker verfasste
Beschreibungen neuer Nord -Amerikanischer Heteroceren
(Bombycidae, Noctuae, Geometrae, Pyralidae) mit.
RhopalOCera. Bates, „Gontributlons to an Insect Fauna of the
Amazon Valley. — Lepidoptera, Papilionidae" (Journal of Eutoinol. l.
p. 218 — 245) gab eine Uebersicht der von ihm im Thale des Amazo-
nenstromes gesammelten Rhopaloceren aus den Ciruppen der Equites
und Pieridae und leitet dieselbe durch ßemerkungen über eine na-
turgemässe Anordnung und Classifikation der Rhopalocera ein. Verf.
ist der Ansicht, dass die Equites und Pieriden, welche allein unter
den Tagfaltern (nach Ausschluss der Hesperien) alle drei Beinpaare
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 445
vollständig entwickelt haben , einerseits wegen ihrer wesentlichem
Uebereinstimmung in nähere Beziehung zu einander gebracht werden
müssen, andererseits nicht an die Spitze der Familie, sondern unmit-
telbar vor die Hesperien an das Ende derselben zu stellen seien;
auf diese Weise würden alle Lepidopteren, welche die Vorderbeine voll-
ständig ausgebildet haben — was bei den Heteroceren durchweg der
Fall ist — unmittelbar aneinander gereiht. Indem er die verschie-
denen Modifikationen der Fussbildung bei den Rhopaloceren für eine
Anordnung derselben zu Grunde legt, stellt er in der Reihenfolge
von unten nach oben folgende primäre und sekundäre Gruppen auf:
1) Hesperidae. Sechs vollkommene Beine in beiden Geschlech-
tern, Hinterschienen (mit wenigen Ausnahmen) mit zwei Paaren von
Sporen. — Raupen in aufgerollten Blättern, Puppe mit zahlreichen
Fäden befestigt oder in leichtem Cocon.
2) Papilionidae. Sechs vollkommene Beine in beiden Ge-
schlechtern; Flügelzellen wenigstens in den Hinterflügeln durch voll-
kommene tubuläre Adern geschlossen. Puppe aufrecht, am hinteren
Ende und ferner in der Mitte durch einen Gürtel befestigt.
a) Papilioninae. — b) Fierinae.
3) Lycaenidae. Beim Weibchen sechs, beim Männchen nur vier
vollkommene Beine ; bei letzterem die Vordertarsen ohne Klauen,
aber unterhalb dicht bedornt. Flügelzellen (ausgenommen Eumaeus)
nicht durch wirkliche Adern geschlossen. — Puppe am Schwanzende
befestigt und mit Gürtel.
4) Erycinidae. Beim Weibchen sechs , beim Männchen nur
vier vollkommene Beine; bei letzterem die Tarsen nur ein- oder
zweigliedrig, nicht bedornt.
a) Erycininae. (Puppe liegend, unten abgeflacht, hinten befe-
stigt und in der Mitte mit Gürtel.
b) Stalachtinae. Puppe unten nicht abgeflacht, ohne Gürtel,
durch die Befestigung am Hinterende in geneigter Stellung
erhallen.
c) Libytheinae. Puppe frei am Hinterende aufgehängt.
5) Nymphalidae. Vorderbeine in beiden Geschlechtern unvoll-
kommen : beim Weibchen die Fussklauen fehlend, beim Männchen die
Vordertarsen nur auf ein bis zwei Glieder reducirt. — Puppe frei am
Hinterende aufgehängt.
a) Untere Diskocellular-Ader besonders an den Hinterflügeln
mehr oder weniger atrophirt: Nymphalinae. (Nymphalidae,
Ageronidae, Eurytelidae und 3Iorphidae pars.).
b) Untere Diskocellular-Ader vollkommen ausgebildet: Brasso-
linae, Satyrinae, Danainae, Heliconinae und Acraeinae.
Auf sein specielles Thema übergehend, verzeichnet Verf. 35
446 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
verschiedene am Amazonenstrome einheimische Eqiiites, unter denen
er einige zwar nur als eigenlhümliche, stellvertretende Formen an-
derer auffasst, sie aber dennoch von ihrer Stammform getrennt auf-
führt (siehe darüber des Verf.'s ausführlichere Mittheilung in den
Transact. entomol. soc. V. unter Equiles!) und ferner 48 Pieriden aus
den Galtungen Lcptalis (13 A.) , Pieris (11 A.), Callidryas (7 A.) und
Terias (17 A.), von denen die bereits bekannten in ihrer Synonymie
und ihren Abänderungen näher erörtert, die neuen charakterisirt
werden. (Ueber letzlere sehe unter Picridae!)
Von W. Ilewitson's Exotic Bulterflies liegen dem Ref. als im
J. 1861 erschienen drei fernere Lieferungen (Pt. 37 — 39) vor. Die-
selben enthalten Abbildungen und Beschreibungen ausgezeichneter
neuer Arten aus den (Jruppen der Equites, Pieridae, Heliconidae,
Acraeidae, Eurylelidae und Erycinidae.
Derselbe, „Descriplions of new diurnal Lepidoptera" (Jour-
nal of Enlomol. \. p. 155 — 158. pl. 9 — 10) machte acht neue Süd-
Amerikanische Faller aus den Gruppen der iVymphaliden und Salyriden
bekannt.
Derselbe, „Descriplions of some Butterflies from the colle-
ction of Mr. Wallace" (Proceed. zoolog. soc. of London Pt. 29-
p. 50— 53. pl. 8 u. 9) fünf neue Arten von Celebes und den Molukken,
den Gruppen der Nymphaliden, Morphiden und Salyriden angehörend.
Lepidoptera nova Columbiae, diagnosibus collustratae a C. et
R. Felder (Wien. Eni. Monatsschr. V. p. 72— 87 und p. 97— 111). —
Die beiden Verif. geben lateinische Diagnosen von 107 meist neuen
(und einigen unvollständig bekannten) Tagfaltern aus Columbien, der
Mehrzahl nach von Moritz daselbst gesammelt. Dieselben gehören
den Gruppen der Equites, Pieridae, Acraeidae, Nymphalidae, Morphi-
dae und Erycinidae an.
W. H. Edwards, Descriplions of certain species of Diurnal
Lepidoptera found within the limils of the Uniled States and of British
America (Proc. acad. nat. scienc. of Philadelphia 18G1. p.lGO — 164j.
Beschreibung von zehn neuen Kord-Amerikanischen Fallern aus den
Gruppen der ?<ymphaiiden, Salyriden und Lycaeniden.
Sneilen van Volle nhoven, Descriplion de quelques
especes nouvelles de Lepidopteres (Tijdschr. voor Entomol. IV. p. 157
— 163. pl.8 — 10). Beschreibung und Abbildung von fünf ausgezeich-
neten neuen Rhopaloceren vom Süd-Asiatischen Archipel, den Nym-
phaliden und Euryleliden angehörend.
Do um et, Descriplion de Lepidopleres nouveaux (Revue et
Magas. de Zoologie XIII. p. 171 ff. pl. 5). Es wird eine neue Mor-
phiden-Galtung und eine neue Charaxes-Art bekannt gemacht.
Storia naturale delle Madonie. Calalogo dei Lepidotteri diurni del
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 447
Dottor Francesco Minä Paliimbo. (26 pag. 4. enthalten in: Atli
deir Accademia di science e lettere di Palermo, Nuova serie III.) —
Das vom Verf. zusammengestellte Verzeichniss der im Madonischeri
(lebirge auf Sicilien von ihm beobachteten Tagfalter weist im Ganzen
72 Arten nach, nämlich : 2 Papilio, 1 Thais, 2 Parnassius, 9 Pieris,
2 Colias, 7 Argynnis, 3 Melitaea, 7 Vanessa, 1 Libythea, 1 Limenitis,
1 Arge, 14 Satyrus, 10 Lycaena , 4 Polyommatus und 8 Hesperia.
Die Arten sind mit Citaten und kurzen italienischen Charakteristi-
ken versehen. — p. 23 ff. folgt als Anhang ein von demselben Verf.
zusammengestelltes Namensverzeichniss der Tagfalter Siciliens im All-
gemeinen, mit Angaben über Fundorte, Häufigkeit und Erscheinungs-
zeit; im Ganzen sind 86 Arten aufgezählt.
Equites. — Bates (Transact. entom. soc. V. p. 335 — 361)
setzte seine „Contributions to an Insect Fauna of the Amazon Valley"
mit der Erörterung der im Gebiete des Amazonenstromes vorkom-
menden Arten der Gattung Papilio fort. Ausser den bereits im vo-
rigen Jahresberichte erwähnten kommen an der genannten Lokalität
folgende vor: P. Pausanias Hewits., Ariarathes Esp. (mit seinen Va-
rietäten P. Cyamon Gray, Gayi Luc. und Evagoras Gray), Hippason
Cram., Anchisiades Esp. (mit seiner Varietät Isidorus Doubl.), Seso-
stris Cram., Vertumnus Cram., (mit seiner Varietät Cutora Gray),
Hierocles Gray, Aeneas Lin., Bolivar Hewits., Triopas God., Chabrias
Hewits,, Orellana Hewits., Aglaope Gray, Lysander Cram. mit seiner
Varietät Parsodes Gray) , Echelus Hübn., Ergeteles Gray, Aeneides
Esp., Olivencius n. sp., Zacynthus Fab. (mit seiner Varietät Polymetus
God.), Orsillus Gray, Polycaon Cram., Lycophron Hübn., Thoas Lin.
(mit seiner Lokalform Cinyras Menetr.), Torquatus Cram. , Dolicaou
Cram., Columbus Hewits., Protesilaus Cram., Autosilaus Gray und
Zagreus Doubl. Hewits. — Ein Vergleich der im Gebiete des Ama-
zonenstromes vorkommenden Papilio- Arten mit denjenigen Cölum-
biens, Guyana's und Brasiliens ergiebt eine auffallende Uebereinstim-
mung der Fauna des Amazonenstromes mit deijenigen Guyana's ; von
etwa 50 in beiden Distrikten vorkommenden Species und Subspecies
finden sich 29 nirgends anders. Ganz eigenthümliche Species hat das
Flussthal des Amazonenstromes 8, lokale Subspecies 8; in Gemein-
schaft mit Guyana 9 Species, letzteres Gebiet eigenthümlich 5. Da-
gegen hat der Amazonenstrom mit Brasilien nur 2, mit Columbien
nur 3 Species gemein. — Anhangsweise stellt Verf. ein synonymisches
Verzeichniss der 32 Papilio-Arten, welche der Aeneas-Gruppe ange-
ren, zusammen.
Hewi tso n (Exollc Butterflies pt. 39) machte Papilio Xenarchus
n. A. aus Mexiko, Gralianus aus Keu-Granada und Epenetus von Cin-
chona bekannt.
Felder (Wien. Ent. Monatsschr. V. p, 72 ff.) Papilio Lepidus,
448 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Latinus, Hostilius (Moritz i. lit.), Alyaltes, Osyris, Tkeramenes, Ly-
cortas und Coroebus als n. A. aus Colunibien ; ferner wird das Männ-
chen von Pap. Laodamas Feld, so wie die Weibchen von Pap. Euryleon
Hewits. und Childrenae Gray beschrieben.
Derselbe (ebenda p. 297 f.) diagnosticirte Papilio Semperi,
Annae (Seuiper i. lit.), D aedalus {Boisd. u \\t.) und Stratocles als n. A.
von den Philippinen.
Bremer (Bullet, de l'acad. d. scienc. de St. Petersbourg III. 1861 .
p. 462 ft.) beschrxe.h Papilio Raddei, Xantlinlus nx\A Farnassitis Felderi
als n. A. aus dem Bureja-Gebirge.
Pieridae. — Bates (Journal ofEntomol. 1. p. 230 ff.) beschrieb
Leplalis Melanoe, Erythroe, Leuconoe, Argochloe, Pieris Leptalina,
Terias Paulina, Flavilla^ cir cum c inet a, clara, Tapeina, Lirina und
Leucoma als n. A. vom Amazonenstrome und als auffallende lokale
Varietäten: Leplalis Egaena (von L. Amphione Cram.) und Tapajona
(von L. Laia dam.), so wie das bisher unbekannte andere Geschlecht
von mehreren bereits publicirten Arien.
Felder, (Wien. Entom. Monatsschr. V. p. 75 u. 97 ff.) Leplalis
viridula, aequatorialis, Mercenaria (Mor. i. lit.), flavia (Herr.-Sch.
i. lit.), Nasua (Mor.), Kadenii , cilrinella (Herr.-Sch.), Core (Mor.),
hyposticta (Mor.), Euterpe , Uricoecheae , Potamea (Mor.), Philoscia
(Mor.), Callinice, Pieris Suadella (Mor.), Fovaria (Mor.), Olympia,
Eulhemia (Mor.), Mandela (Mor.), Locusta, Sevala (Mor.), Diana, Aelia,
Leucanthe, Callidryas Rurina (Mor.), Roisduvalii (Cal. Evadne var.
Boisd.), Colias Cerbera und Therapis (Mor.), Terias Bogolana, Salome,
Limoneus (Mor.), Fabiola und Theodes (Mor.), aequalorialis, Liinbla
(Hoffmsg. i. lit.), Columbia, vitellina (Mor.), Lydia, Rhodia, Medutina
und marginella (Mor.) als n. A. aus Columbien ; ausserdem wird
Euterpe Critias Feld, mas und Colias Xenodice Feld- nach beiden
Geschlechtern nochmals beschrieben.
Derselbe (ebenda p. 298 f.) Pieris Georgina, Aegis, Phoebe,
Nephele (Boisd. i. lit.) und Eronia Phocaea als n. A. von den Phi-
lippinen.
Hewitson (Exotic Butterflies, pt. 37 u. 38) Pieris Cardena
n. A. von Borneo, Femena von Lombok, Aruna Boisd. (fem. Bajura
Boisd.) von Neu - Guinea, Pieris concinna, Ocima und Celestina Boisd.
aus Neu - Guinea, Eliada von Batchian, Themis (Boisd. i. lit.) und
Nephele (Boisd. i. lit.) von den Philippinen (letztere Art gleichzeitig
mit Felder), Pieris Diiris und Echidna n. A. von Ceram.
Sam. Send der, Notice of some North American species of
Pieris (l'roc. Boston soc. of nat. bist. VIII. p. 179—185) erörterte die
Abänderungen von Pieris oleracea Boisd., mit welcher P. crucifera-
rum Boisd. und Pontia casla Kirby identisch sind, ferner die Varie-
täten von Pieris Protodice Boisd. Als neue Arten beschreibt Verf.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 449
Pieris frigida aus Ost -Labrador (von Boisduval mit P. oleraCea
vermengt), venosa und marginalis aus Californien, pallida und Tau
aus dem Washington-Territory.
Bremer (Bullet, de l'acad. d. scienc. de St. Petersbourg III.
p. 464) beschrieb Pieris Hippia als n. A. vom Ussuri und aus dem
Bureja-Gebirge.
Gärtner (Wien. Entom. Monatsschr. V. p. 306 ff.) machte die
bisher unbekannten ersten Stände von Colias Myrmidone, vom Eie
bis zur Puppe bekannt. Das Weibchen setzt seine Eier einzeln auf
die Blätter von Cytisus biflorus ab, von denen sich die Raupe, welche
bei der Wintergeneration anders als bei der Sommergeneration ge-
färbt ist, ernährt.
Nach Pickard (Proceed. entom. soc. 1800. p. 143) wurde
Gonopteryx Cleopatra (als Varietät von G. rhamni bezeichnet) am
27. Juni 1860 bei Rothesham in England gefangen.
Danaidae. — Danais vitrina und Änapis Felder (Wien. Ent.
Monatsschr. V. p. 390) n. A. von Luzon.
Toll in (ebenda p. 28) beobachtete die Puppe von Danais Chry-
sippus. Dieselbe ist auffallend dick und kurz, nur halb so lang als
der Leib der Schmetterlings; der Hinterleib des Falters soll in der
Puppe zurückgeschlagen liegen. (Vermuthlich sind dann aber auch
an der Puppe die letzten Hinterleibsringe aufwärts gekrümmt. Ref.)
Heliconidae. — Hewitson (Exotic Butterflies pt. 38) gab
Beschreibungen und Abbildungen von J^Äomm e^ica n.A. von Cuenca,
Orolina und Corena vom Amazonenstrome , Theiidelinda aus Keu-
Granada. — Ausserdem werden Varietäten von Ithomia Inachia und
llerdina Hevvits. abgebildet.
Acraeidae. — Derselbe (ebenda pt. 39) machte Acraea
Acipha n. A. aus Neu -Granada, Necoda aus Abyssinien, C er asa und
Esebria von Port Natal und nehulosa von Ceram bekannt.
Acraea Erinome Felder (Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 101 f.)
n. A. aus Colurabien ; ausserdem wird das Weibchen von Acraea
Stratonice Latr. beschrieben.
Nymphalidae. — C. Felder „Ein neues Lepidopteron aus
der Familie der Nymphaliden und seine Stellung im natürlichen Sy-
steme, begründet auf der Synopse der übrigen Gattungen" (Nov.
Acta Acad. Caes. Leopold.-Carolinae XXVIII. 1861. 50 pag. c. tab. 1).
Verf. giebt eine ausführliche Beschreibung und eine Abbildung der
schon im vorigen Jahresberichte p. 237 erwähnten prachtvollen Gat-
tung und Art: Helcyra Chionippe und gleichzeitig eine Charakte-
ristik der bis jetzt bekannten Nymphaliden - Gattungen, deren Zahl
nach Ausschluss von Amathusia, Zeuxidia, Discophora und Enispe
(bereits von Westwood den Morphiden überwiesen) und nach Hin-
zufügung einiger neuen sich auf 102 stellt, Verf. bringt dieselben
Archiv f. Naturg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd. Dd
450 Gerstnecker: Bericht über die wissenscbarUicben Leistungen
in folgende veränderte, auf das Flögelgeäder basirte Reihenfolge:
Eucidea Doubl., Colaenis Doubl., Agraulis Boisd. , Cethosia Fab.,
Clolhilda Blanch., Terinos Boisd., Cynthia Doubl., Cirrochroa Doubl.,
Lachttoptera Doubl., Messaras Doubl., Atella Doubl., Euptoieta Doubl.,
Argynnis Ochsh. , Brenlhis Hübn., Melitaea Ochsh., Eresia Boisd.,
Synchloe Boisd., Morphus llübn. , Araschnia Hübn., Laogona Boisd.,
Enrema Boisd., Grapta Kirby, Vanessa Doubl., Pyrameis Doubl.,
JuDonia Doubl., Precis Doubl., Khinopalpa Feld., Salamis Boisd.,
Kallima Doubl., Doleschallia Feld., Anartia Hübn., Cybdelis Boisd.,
Libythina Feld., Eunica Hübn., Epiphile Boisd., MysceliacBoisd., Epi-
calia Boisd., Pandora Boisd., Ageronia Hübn., Ectima Doubl., Pelia
Doubl., Eubagis Boisd., Callicore Doubl., Perisama Doubl., Callitaenia
Feld., Catagcamma Doubl., Haematera Doubl., Antigonis Feld., Cal-
lithea Boisd., CyaneFeld., Callizona Doubl., Lucinia Hübn., Pyrrhogyra
Hübn., Gynaecia Boisd., Mynes Boisd., Amnosia Boisd-, Cyrestis Boisd.,
Timetes Boisd. , Viclorina Blanch. , Diadema Boisd,, Hestina Moore,
Herona Doubl. , Euripus Doubl. , Zethera Boisd. , Penthema Doubl.,
Calinaga Moore, Godartia Luc, Amphidema Feld., Panopaea Hübn.,
Minetra Boisd. , Lebadea Feld., Heterochroa Boisd. , Pandita Moore,
Limenitis Weslw. , Jaera Hübn., Neptis Westw. , Phaedyma Feld.,
Athyma Westw., Abrota Aloore, Euryphene Boisd., Romalaeosoma
Blanch., Canopus Wallengr., Aterica Boisd., Harnia Westw,, Adolias
Westw., Lexias Boisd., Apatura Westw., Helcyra Feld., Aganisthos
Boisd., Prepona Boisd., Agrias Hewits., Smyrna Hübn., Mcneris Boisd.,
Pycina Boisd., Charaxes Ochsenh., Philognoma Boisd,, Megistanis Boisd.,
Frothoe Hübn., HypnaHübn., Nymphalis Feld. (= Cymatogramma und
Paphia Doubl.), Protogonius Doubl, und Siderone Hübn.
Derselbe (Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 102 ff,) diagnoslicirte
folgende neue Arten aus Gohimbien: Eueides heliconioides und Dynastesj
Agraulis Glycera (Moritz i. lit. = A. moneta Boisd., nee Hübn.),
Eresia Eucina , leucodcsma^ Delphia, Drusilla (Herr. - Seh. i. lit.)
Perlula (Mor. i, lit.), Eunica Aspasia^ Catnpana, indigophana und
picea (Mor. i. lit.), Eunica Cabira, Epiphile Iblis^ Myscelia leuco-
cyana, Epicalia Salambrina, Eubagis Theseus (Mor. i. lit.), Perisama
Xenoclea , Callitaenia Doris , Catagramma Aegina und Stratiotes,
Cyanc Dcpuiseti y Timetes Catulus, Marcella (Corinna var. Doubl.
Hewits.), Timetes Hermione, Heterochroa Justina und Malea, Apatura
Elis y Nymphalis Cleodice , Tempe , Onophis (Boisd. i. lit.), und
Chaeronea.
Derselbe (ebenda p. 300 f.) Cethosia insular is , Cirrochroa
Tychcy fasciata (Atella fasciata Feld, antea), Zethera Pimplea, Musa
und hestioides, Adolias Calliphorus, Lexias Panopus und SatrapeSj
Charaxes Amycus (Boisd. i. lit.) und Zeuxidia Semperi als n. A. von
den Philippinen.
•-'•''im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 451
Hevvitson (Journal, of Entoinol. I. p. 155 f. pl. 10) gab Be-
schreibung und Abbildung von Eueides Eanes n. A. aus Peru, Edias
n. A. aus Neu-Granada und Eueides Thaies var. aus Neu-Granada.
Derselbe (Proceed. zoolog. soc. of London Ft. 29. p. 50 f.
"pi. 8) von Diadema Divona und Diomea als n. A. von den Molukken.
'^^'- Snellen van Vollenhoven (Tijdschr. voor Entomol. IV.
p. 157 u. 159 ff. pl. 8 — 10) von Vanessa Roy er i n. A. aus IVeu-Guinea,
Charaxes cognatvs von den Molukken, Rayi von Amboina (diese Art
scheint nach der Abbildung mit Megistanis Baeotus Doubl. Weslw.
aus Peru und Brasilien übereinzustimmen. Ref.) und Charaxes Concha,
prachtvolle n. A. von Java und Sumatra.
Do um et (Revue et Magas. de Zool. XIII. p. 171. pl. 5. fig. 1)
Charaxes Ameliae n. A. vom Gaben.
Bremer (Bullet, de l'acad. d. scienc. de St. Petersbourg III.
p. 465 ff^) beschrieb Melitaea Baikalensis, Plotina, Arcesia, Araschnia
Burejana und Diadema Raddei als n. A. aus Ostsibirien und dem
Amur-Lande.
Edwards (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1861.
p. 160 ff.) Melitaea Mylitta n. A. aus Texas, Kansas und Californien,
minuta aus Texas, Nycteis (Doubl.) aus Illinois und vom Missouri,
Limenitis Weidemeyeri aus den Rocky-Mountains.
Le derer (Wien. Ent. Monatsschr. Y. p. 148) Melitaea Collina
n. A. aus Antiochia, auf Taf. 1 abgebildet.
,-;,., Nach Lucas (Bullet, soc, entom. 1861. p.20) gehört Kymphalis
Pleione God. nicht zur Gattung Paphia, wie von Doubl eday und
Wes.t.wood angegeben wird, sondern zur Gattung Charaxes.
, ,i ,M 0 r p hi d a e. — Doumet (Rev. et Magas. de Zool. XIII.
p. 174. pl. 5. fig. 2) machte eine neue Gattung Idiom or phu s be-
kannt, deren wesentliche Unterschiede von den zunächst verwandten
Formen nicht näher erörtert werden und über deren Stellung bei den
Kymphaliden oder Morphiden der Verf. noch zweifelhaft ist. Der
Kopf ist klein, von den seitlich zusammengedrückten Tastern über-
ragt, die Fühler durch sehr lange Keule ausgezeichnet; Vorderflügei
kleiner als die hinteren, scharf rechtwinklig abgeschnitten, Hinter-
llügel im Verhältniss sehr gross, breit und stumpf eirund. — Art:
Id. Hewitsonii vom Gabon.
Hewitson (Proceed. zoolog. soc. of London Pt. 29. p. 51.
pl. 8) machte Drusilla Domitilla als n. A. von Batchian bekannt und
gab synonymische Bemerkungen über eine Reihe von Arten dieser
Gattung, welche von Swainson, Westwood, Felder und Vol-
lenhoven aufgestellt vv'orden sind.
Felder (Wien. Entom. Monatsschr. V. p. 110 f.) diagnosticirte
Morpho PalrocUis, Caligo Oileus und Opsiphanes Tamarindi (Boisd,
452 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
i. lil.) als n. A. aus Columbien, (ebenda p. 304) Clerome Leucis n. A.
von Aliudanao.
Satyridae. — Felder (ebenda p.304f.) charakterisirte eine
neue Galtung Ptychandra, welche sich von Debis durch sparsam
behaarte Augen, viel kürzere Diskoidalzelle der VorderOügel, die
stark verdickte Costaiis und Mediana derselben, so wie durch die
weite Entfernung der beiden letzten Aeste der Mediana in den Hin-
terflügeln unterscheidet. — Art: Ptych. Lorquinii (Boisd. i. lit.) von
den Philippinen. — Ebendaher stammen : Ragadia Luzonia und
(Acr oph tlialmia nov. gen.) Artejuis n. A.
Hevvitson (Journal of Entom. I. p. 156 f. pl.9) gab Beschrei-
bung und Abbildung von Lymanopoda Leaena n. A. (Vaterland?),
Lytnanopoda lactea, Labda, albocincta und albomaculata n. A. aus
Keu-Granada.
Derselbe (Proceed. zoolog. soc. of London, Pt. 29. p. 52 f.
pl. 9) von Melanitis Mimalon und leucocyma (Biblis leuc. God.) von
Celebes.
Bremer (Bullet, de l'acad. d. scienc. de St. Petersbourg IIL
p. 467 f.) beschrieb Ei'ebia Iristis, Ero und Lasiommata Maackii als
n. A. aus Ostsibirien und dem Amur-Lande.
Edwards (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1861.
p. 162 f.) Salyrus sihestris n. A. aus Californien, Coenonympha in-
ornata und ochracea vom VVinnipeg-See, letztere Art auch aus Cali-
fornien und Kansas.
Eurytelidae. — Hewitson (Exotic Butterflies pt. 39) stellte
eine neue Gattung Amechania auf, welche habituell einigerniassen
an Ilestia und einige Ostindische Morphiden, ausserdem auch an Da-
nais vitrea (nach Hewitson) erinnert. Nach des Verf.'s Angaben
ist sie jedoch am nächsten mit Melanitis bioculata verwandt, während
sie sonst von allen Faltern, mit denen sie habituelle Aehnlichkeit
hat, auffallend abweicht. Die Stellung unter den Euryteliden sieht
Verf. übrigens nur für eine provisorische an. — Art: Amech. incerta
von Tondano auf Celebes.
Melanitis stellaris Snellen van Vollenhoven (Tijdschr. voor
Entomol. IV. p. 159. pl. 8. fig. 3) n. A. von Keu-Guinea, Ergolis tae~
niata und adelpha Felder (Wien. Eut. Monatsschr. V. p. 303) n. A. von
den Philippinen.
Erycinidae. — Felder (Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 98 ff.)
diagnosticirte folgende neue Arten aus Columbien: Erycina Neurodes
(Moritz i. lit.), Calydna punctata, Theope, Ptiblius (Mor. i. lit.), Ama-
rynlhis Hypochalybe, Symmachia Arete, Mantinea, Galbula (Mor. i. lit.),
Emesis Tenedia und Cypria, Charts Jlermodora und A'i7ws (Mor. i.lit.).
' — Morilzia nov. gen., im Habitus sowohl als im Flügelgeäder von
allen bekannten Eryciniden -Gattungen abweichend, mit sehr kurzen
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 453
Tastern nnd stark zurücltgezogenem Kopfe; mit Eurygona durch den
robusten Körperbau und die Aderung der Vorderflügel, mit Mesosemia
durch den Flögelschnitt und die Aderung der Hinterflügel zunächst
verwandt. — Art: Mor. paradoxa. — Mesosemia Amiana und Lemo-
nias Albinus (3Ior. i. lit.), Lemonias Kadenii, Limnas Cinaron und
Necyria fulminatrix.
Hewitson (Exotic Butterflies pt. 37) gab Beschreibung und
Abbildung \on Taxila Telesia und Teneta n. A. von Sarawak, Thuisto
von Singapore, Sospita (nov. gen., von Taxila abgezweigt) Tanta-
lus (Boisd. i. lit.) von Ashanli, Susa aus Ostindien, Neophron (Boisd.
i. lit.) aus Sylhet und Segecia aus Neu-Guinea.
Lycaenidae. — Als neue Arten wurden bekannt gemacht:
Von Bremer (Bullet, de l'acad. d. scienc. de St. Petersbourg III.
p. 469 ff.) Amblypodia fnsca (mas), Thecla Attilia, smaragdina, Arala,
Taxila, Lycaena Diodorus, Biton und Cleobis aus Ostsibirien und dem
Amur-Lande.
Von Edwards (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1861.
p. 163 f.) Lycaena Anna und fuliginosa aus Californien, Scudderii
vom Winnipeg-See.
Von Leder er (Wien. Entomol. Monatsschr. V. p. 147 ff.) Ci-
garitis Cilissa und Lycaena Antiochena von Antiochia, auf Taf. 1
abgebildet.
Hesperidae. — VVerneburg hat sich eine sichere Unter-
scheidung der scheckensaumigen Arten der Galtung Hesperia zur
Aufgabe gestellt und schlägt (Ent. Zeitung XXII. p. 62 — 72) folgende
Eintheilung derselben vor: a) ölännchen ohne einen Haarpinsel an
der Basis der Hinterschenkel und ohne eine nach oben umgeschlagene
Falte des Vorderrandes der Oberflügel: 1) H. Eucrate Ochs, mit Var.
orbifer Hüb. und tesseloides Kef. 2) H. Sao Hüb. mit Var. Therapne
Ramb. 3) H. phlomidis Friw. mit Var. Jason Kind. — b) Männchen
mit einem dunkel gefärbten Haarpinsel an der Basis der Hinterschen-
kel und mit einer nach oben umgeschlagenen Falte des Vorderrandes
der Oberflügel. 4) H. Alveolus Hüb. 5) H. fritillum Hüb. mit Var.
Carlinae Ramb. 6) H. cacaliae Ramb. 7) H. Alveus Hüb. mit Var.
serralulae Ramb., carthanii Hüb., onopordi Ramb., Moeschleri Kef.,
onopordi H.-Sch. und Cynarae Boisd. 8) H. sidae Fab. — c) Männ-
chen ohne Haarpinsel, aber mit Vorderflügelfalte: 9) H. tessellum
Ochs. 10) H. cribrellum Kind. 11) H. Proto Esp. 12) H. lavaterae Esp.
13) H. marrubii Ramb. (= baetica Ramb.) mit Var. floccifera Zell,
und gemina Led. 14) H. malvarum Ochs. — Die einzelnen Arten und
ihre Varietäten werden durch Hervorhebung der unterscheidenden
Merkmale kurz charakterisirt.
Neue Arten sind : Cyclopides ornalus, Pyrgus montanus, Fam~
phila ochracea und sylvatica Bremer (Bullet, de l'acad. d. scienc. de
454 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftliche« Leistungen
St. Petersbourg III. p. 473 f.) aus dem Bureja-Gebirge und vom Ussuri,
llesperia Uyrux Lederer (Wien. Entoni. iMonalsschr V. p. 149. Tal". 1)
von Antiochia und Pamphila Prvsius Felder (Sitzungsberichte der
niathem.-nalurwiss. Classe d. Akad. d. Wissensch. zu Wien XLIII, 1.
p. 29) von Amboina.
SphingidaO. Bremer (Bullet, de l'acad. d. scienc. de St. Pe-
tersbourg 111. p. 474 ff.) beschrieb Smerinthus Maachii, Triptoyon dis-
similis und Macroglossa affinis als n. A. vom Ussuri.
Felder (Sitzungsberichte der mathem. -naturwiss. Classe der
Akad. d. Wissensch. zu Wien XLIII, 1. p. 29) Macroglossa venain,
Pylene und Smerinlhus Amhoinicns als n. A. von Amboina.
Girard, „Secretions de matiere musquee chez les Insecles"
(Annales soc. entomol. 4. ser. I. p. 254) beobachtete den für Sphinx
convolvuli bereits mehrfach hervorgehobenen Moschusgeruch auch
bei Sphinx ligustri, bei dieser Art jedoch in einem geringeren Grade.
Bei einem eben aus der Puppe geschlüpften männlichen Exemplare
war der Geruch noch nicht bemerkbar, sondern stellte sich erst fünf
Tage nachher ein und war besonders stark, wenn das Thier längere
Zeit herumgeflogen war. In entsprechender Weise tritt der Geruch
auch bei dem im Fluge gefangenen Männchen der Sphinx convolvuli
besonders stark hervor.
Derselbe (ebenda 4. ser. I. p.507) machte gelegentlich eines
Versuches über die Eigenwärme der Sphinx Atropos (vergl. unter
Insekten!) einige Miltheilungen über den Sitz des vom Schmetterlinge
erzeugten Tones; er glaubt, dass derselbe seinen Ursprung an der
Basis des Saugrüssels habe.
Bond und Stainton (Proceed. entom. soc. of London 1860*
p. 118) machten Mittheilungen über den Fang mehrerer Exemplare
der Deilephila lineala im Süden Englands.
SOSiariaS. Zwei neue Gattungen nebst einigen neuen Arten
aus Amboina wurden von Felder (Sitzungsber. d. mathem. -naturw.
Classe der Akad. der Wissensch. zu Wien XLIII, 1. p. 26 ü.) bekannt
gemacht: Conopyga nov. gen., durch gedrungenen Hinterleib des
Männchens mit kegelförmigem Analsegment, welches dicht mit langen
Ilaaren besetzt ist, ausgezeichnet. Flügel wie bei Melittia geformt,
aber beschuppt, die Vena subcostalis der Yordcrflügel fünfäslig ; Füh-
ler des Männchens allmählich verdickt, kaum leicht gesägt, sparsam
mit sehr kleinen Borsten besetzt, Beine mit nackten Tarsen, die vor-
deren mit dicht niähnenarlig behaartem Schenkel und Schiene. —
Art: Con. melallescens. — Fseudosesia nov. gen., mit der vorher-
gehenden Gattung in der Form der Taster und der Aderung der
Hinterflügel , mit Melittia in der Aderung der Vorderflügel nahe
übereinstimmend. Fühler von mehr als halber Costallänge, allmählich
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 455
zu einer gebogenen und an der Spitze gebüschelten Keule verdidit,
beim Männchen innen kurz geblättert, an der Spitze nackt; Flügel
glashell, Beine mit nackten Tarsen, Schenkel und Schienen des
ersten Paares dicht büschelförmig behaart, an den hinteren die Schen-
kel langhaarig, die Schienen rauh beschuppt. — Art: Pseud. insti-
laris. — Neue Arten: Sesia phasiaeformis^ longipes und Melittia
Amboinensis.
Sesia elegans Lederer (Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 150. Taf. 1)
ii*> A. von Anliochia.
Fologne (Annales soc. entomol. Beige V. p. 59. pl- 1) gab
Beschreibung und Abbildung der Raupe und Puppe von Sesia ichneu-
moniformis, vi^elche in einer alten Eiche gefunden vi^urden.
Hepialini. Hepialus variahUis Bremer (Bullet, de l'acad.^ ,d>
scienc. de St. Petersbourg III. p. 478) n. A. vom Ussuri.
Gheloniariae. Felder (Sitzungsber. d. mathem.-naturw. Class«
der Akad. der Wissensch. zu Wien XLIII, 1. p. 34 ff.) diagnosticirtie
folgende neue Gattungen und Arten von Amboina : Earias flavida n. A.
— Tor tr ic omorpha nov. gen., aus der Arctiiden-Gruppc (PSycteo-
iiden Herr.-Sch.). Fühler von mehr als halber Costallänge, fadenför-
mig, sehr kurz gewimpert, Taster den Scheitel um das Doppelte über-
ragend, mit nacktem, nadeiförmigem Endgliede; Flügel langgestreckt,
gewimpert, die vorderen mit abgestumpfter Spitze und fünfästiger
Vena subcostalis, die hinteren breiter, mit neun Adern, von denen
die Vena discoidalis der subcostalis deutlich genähert ist. Beine
kräftig, das letzte Paar zottig, mit vier Schiensporen. — Drei Arten:
Tort, atrosignata, affinis und albifascia. — Pcntaclonia nov. gen.
gleichfalls aus der Nycteoliden-Gruppe, von der vorhergehenden Gat-
tung durch deutlich gewimperte Fühler, die kaum der halben Co-
stallänge gleichkommen , durch schmalere HinterHügel mit nur acht
Adern, schlanke Beine, von denen das letzte Paar nackt ist u. s. w.,
unterschieden. — Art: Pe7it. uniformis. — Cyme nov. gen. aus der
Lithosien-Gruppe, von Dolicha Walk, durch die den Kopf überragen-
den Taster, schmalere Flügel, die beiden genäherten letzten Median-
adern der vorderen, die aus einem gemeinsamen Stamm« entsprin-
gende Vena discoidalis und dritten Medianast der Hinterflügel, kürzer
gespornte Hinterschienen und die Hinterflügel an Länge überragenden
Hinterleib unterschieden. — Arten : C. reticulata, sexualis und efas-
ciata. — Tineopsis nov. gen., ebenfalls aus der Lithosien-Gruppe,
von Cyme durch längere und schmalere Flügel , gleich weit unter
einander entfernte Medianäste der hinteren, kürzere und kräftigere
Beine abweichend. — Art: Tineopsis saturata* — Biione impunctata
n. A. — Phys et ocneme nov. gen., aus der Verwandtschaft von
Kudaria Steph. Fühler ziemlich stark, borstenförmig, am Basaldritt-
456 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
theile verdickt und zottig, von halber Costallänge ; Taster beschuppt,
klein, von Kopflänge. Flügel verlängert, ringsherum (auch an der
Costa) gewimpert, die vorderen mit schmaler, schräger Zelle von
^/g der Costallänge; Beine kräftig, die vorderen mit geschwollenen
Schienen, die Hinterschienen lang, mit vier massig grossen Sporen.
— Art: Phys. ciliosa. — Euseinaia DoleschaUi, Syntomis vicina n. A.
— Ctenandra nov. gen., mit Syntomis verwandt; durch kurze,
beim Männchen dicht doppeltkämmige, beim Weibchen unterhalb zwei-
zeilig geblätterte und daselbst borslentragende Fühler , sehr kurze
Zunge und Taster u. s. w» unterschieden ; Beine und Hinterleib kräf-
tiger als bei Naclia, letzterer fast doppelt so lang als die Hinterflügel.
— Art: Cten. naclioides. — Gynautor.era virescens n. A. — Aphan-
tocephala nov. gen., mit Lycomorpha Harr, verwandt; Kopf sehr
klein, männliche Fühler von mehr als halber Costallänge, schmal
zweireihig gekämmt; Flügel verlängert, abgestumpft, die vorderen
breiter als die hinteren, mit fast eiförmiger Uiskoidalzelle, die gegen
die Basis hin stark verengt ist und vielästiger Vena subcoslalis. —
— Art: Aph. Moluccarum. '>•
Bremer (Bullet, de l'acad. d. scienc. de St. Petersbourg III.
p. 476 f.) beschrieb Euchromia octomaculata, Calligena rosacea, Nu~
darin ochracea und Chelonia flavida als n. A, aus dem Bureja- Ge-
birge und vom Ussuri; ausserdem auch Chelonia rubescens Walker.
Lederer (Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 151. Taf. 1 und p. 162.
Taf. 3) Syntomis Antiochena, Zygaena Ramhuri und Gurda als n. A.
von Antiochia und Mersin, Nemeophila Metelhana n. A. aus Ungarn.
— Auf Taf. 1 wird auch eine Abbildung von Syntomis Mestrali
gegeben.
Guenee, „Etudes sur le genre Lithosia" (Annales soc. entoni.
4. ser. I. p. 39 — 54) gab eine Aufzählung und Beschreibung von 16
ihm bekannten Europäischen Lithosien. Verf. geht besonders auf
diejenigen Arten näher ein, deren Unterscheidung bisher unsicher
war, während er die leicht kenntlichen, wie L. quadra, rubricollis
u.a. übergeht. Die beschriebenen Arten sind: Lithosia cereola Hübn.,
unitaW. V., pallifrons Zett. , luteola W. V. , pygmaeola Doubl., pal-
leola Hübn. (mit den Varietäten L. unita Hübn., petreola und aruo-
dineola), Becheri (Menetr. i. lit.) n. A. aus Süd - Russland , arideola
Hering, caniola Hübn. mit var. lacteola Boisd., complana Lin., m,o-
lybdeola n. A. aus England, plumbeola Hübn., griseola Hübn. mit var.
stramineola Doubl, und deplana Esp. mit den Varietäten unicolora
und foeminea.
Einen Hermaphroditen von Chelonia Latreillei, links männlich,
rechts weiblich machte B el I i er de la Chavignerie (Annales soc.
^ntom. 4. ser. I. p. 31) bekannt.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 457
Bombycidae. Felder (Sitzungsberichte der mathem.-natupw.
Classe d. Akad. d. Wissensch. zu Wien XLIII, 1. p. 30 ff.) diagnosti-
cirte folgende neue Gattungen und Arten von Amboina: Callidre-
pana nov. gen., von Drepana Latr. durch kurze und breit gekämmte
männliche Fühler und verschiedene Anordnung der Subcostal-Venen
der Vorderflügel unterschieden. — Art: Call, saucia. — Attacus
Crameri (Atlas var. Cram.) , Antkeraea Rumphii n. A. — Elachy^
ophthalma nov. gen., schon im Habitus von allen Saturnien abwei-
chend, mehr den Orgyien ähnelnd, durch kleinen, zurückgebogenen Kopf,
sehr kleine Augen, kurze und breit gekämmte männliche Fühler,
kleine Taster, kurz gewimperte Flügel, von denen die vorderen einen
convexen Aussenrand haben, kurze, borstige Beine, zwei kleine
Endsporen der Hinterschienen u. s. w. ausgezeichnet. — Art: El.
tricolor. — Leucoma egens und subargentea n. A. — Anchyneura
nov. gen., mit Laelia Steph. verwandt, durch die Flügeladerung ver-
schieden: in den Vorderflügeln sind die zweite Diskoidalader und
die beiden letzten Medianäste einander stark genähert, in den Hin-
terflügeln die Diskoidalader von den beiden letzten Medianästen,
welche gemeinsam entspringen, ziemlich entfernt. Fühler des Männ-
chens breit gekämmt , Taster dicht mähnenartig behaart, den Kopf
überragend, Hinterschienen mit vier ziemlich langen Sporen. — Art:
Anch. praeusta. — Caenina nov. gen., mit Dasychira Steph. ver-
wandt, die Taster jedoch beschuppt und den Kopf um das Doppelte
überragend; männliche Fühler breit gekämmt, Hinterschienen mit
zwei langen Sporen. — Art : Caen. lymantrioides. — Cispia unico-
lorj dichroa, suffusa, pnmila, Stauropus Melastomatis, Phalaera Am-
boinae n. A. — Ortholomia nov. gen., aus der Notodonliden-Gruppe,
mit nackten Augen, borstenförmigen und zweireihig geblätterten
Fühlern, starker Zunge , aufsteigenden Tastern von doppelter Kopf-
länge, geradem Innenrande der Vorderflügel, fast von gleicher Länge
mit dem Costalrande u. s. w. Unter den beschriebenen Gattungen
mit Antaea Hübn. zunächst verwandt. — Art: Orth. Moluccana. —
Hypolochma nov. gen., aus der Notodontiden-Gruppe, durch die
Bildung der Vorderflügel ausgezeichnet: dieselben sind kurz, schmal,
gewimpert, an der Basis dicht mit erhabenen Schuppen besetzt,
unterhalb nahe der Basis mit einem Büschel langer Haare versehen ;
die Diskoidalzelie ist klein und schmal, nur von einem Drittlheil
der Flügellänge. — Art: Hyp. sericea. — Nyctemera Menes und con^
fluens n. A.
Derselbe (Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 305 f.) diagnosticirte
Antheraea Semperi und Aitacus Lorquinii als n. A. von Luzon.
Bremer (Bullet, de l'acad. d. scienc. de St. Petersbourg III.
p. 478 ff.) beschrieb Aroa alba und flava, Artaxa confusa^ Odonestis
albotnaculatOy Tropaea Artemis, Harpyia Ocypete, Ptilodontis grisea
458 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
und Pyffoera timoniorum als n, A. vom Bureja- Gebirge und dem
Ussuri.
Guerin, „Description d'un nouveau Ver ä soie de chene
(Bombyx Yaina-tnai) provenant du Japon" (Revue et Magas. de Zool.
XIII. p. 435 — 452) beschrieb und bildete auf pl. 11 — 13 die verschie-
denen Entwickelungsstadien eines neuen Spinners ab, welcher in
Japan einheimisch ist und daselbst Yama-mai heisst. Derselbe gehört
Bur Gattung Antheraea, steht der A. Pernyi sehr nahe und hat ein
ganz geschlossenes, eiförmiges Gespinnst.
d'Urban, „Addenda ta the natural history of the valley of the
River-Rouge" (Canadian naturalist and geologist. VI. p. 36 ff.) theilte
Walker'sche Beschreibungen von folgenden neuen Kord-Amerikanischen
Spinnern mit: Audela nov. gen., aus der Lipariden-Gruppe. Beim
Alännchen der Körper dick, sehr haarig, Rüssel kurz und dünn, Ta-
ster kurz, zierlich, schräg ansteigend, mit lang kegelfömigem dritten
und um die Hälfte kürzeren zweitem Gliede; Fühler fast gekämmt,
mit leicht gekeulten Kammzähnen, Hinterleib niedergedrückt, die
Hinterflügel etwas überragend, Beine kräftig, sehr haarig, mit kurzen
Sporen, Flügel kräftig, die vorderen an der Spitze fast abgerundet,
mitknum convexeni Aussenrande. — Art: Aud. acronyctoicies. — Fer-
nere neue Arten : Dasychira clandestina und Heterocampa semiplaga
von Montcalm. .A-inK
Bombyx bufo Lederer (Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 153. Taf. 2)
n. A. aus Syrien.
Nach einer Mittheilung von West wo od, „On a Lepidopte-
rous Parasite occurring on the body of the Fulgora candelaria" (Re-
port of the 30. meeting of the British associat. for advanc, of scIence,
held at Oxford p. 124) gehört der Schmetterling, dessen Raupe von
dem Wachs am Hinterleibe von Fulgora candelaria lebt, und welcher
von Bo wring mit dem Namen Epipyrops anomala belegt worden
ist, zur Familie der Bombyciden.
Bischoff (Entomol. Zeitung XXIL p. 55) theilte ein Gutachten
von Herric h-Sch äffer über Gastropacha arbusculae mit, wonach
4lieser die Art für eine von G. lanestris spezifisch verschiedene hält.
Nach Kawall (ebenda XXIl. p. 125) greift die Raupe von Li-
paris monacha auch Taxus baccata an. Verf. fand eine überwinterte
Puppe dieser Art in Kurland, an Taxus angesponnen.
Noctuina. Bremer (Bullet, de l'acad. d. scienc.de St. Peters-
bourg HI. p. 483 ff.) beschrieb folgende neue Arten aus Ostsibirien und
dem Amur -Lande: Asteroscopns atrovittatus, Thyatira trimaculata,
Cymatophora albicostata, Acronycta major, Leucania radiata, Cara-
drina tristis, montana, Agrotis Ononcnsis, Nocttia speciosa, fuscostigma,
descripta, Xnnlhia flavostigma, Miselia viridimixla^ Cloantha inier-
tnediala, Cucullia perforata, Acontia albonilens, Glaphyra alotnosa,
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 459
Toxocampa tnaxima, Bolina flavomaculata, Catocala Dula, Lara, dis-
similis, Ägnomonia juvenilis und Remigia Ussuriensis.
Felder (Sitzungsberichte der mathem.-naturw. Classe d. Akad*
d. Wissensch. zu Wien XLIII, 1. p. 41 ff.) Ophideres Caesar, Pota-
mophora Amboinensis und alhata, Anisoneura sphitigoides, Paiula Cy-
clops, Argiva acrotaenia, Spirama remota und Hamodes pallida als
n. A. von Amboina.
d'Urban (Canadian naturalis! and geologist VI. p. 38f.) machte
Bryophila? spectans und ]}'licrocelia? retardataWülker als n. A. von
Montcalm bekannt.
Staudinger (Entomol. Zeitung XXII. p. 287 ff.) beschrieb
Plusia Beckeri n. A. von Sarepta aus der Gruppe der Plus, consona,
Renardi Eversni., siderifera Eversm. und Herrichii Staud. (= Renardi
Herr.-Scb.), mit welchen Arten Verf. sie in Vergleich bringt, ferner
Metoponia Agatha aus Griechenland und Catocala D enter onympha von
Kiachtha (von Eversmann mit Cat. Helena vermengt).
Derselbe (ebenda p. 370 ff.) beschrieb Anarta Bohemani als
h. A. aus Finmarken, führte Anarta leucocycla Staud. auf An." Schön-
herri Zett. (nach Vergleich des Z e t te rst ed t'schen Originalstückes)
zurück und wies an dieser letzteren Art die Unhaltbarkeit der Gat-^
tung Sympistis Hübn. nach, da sie bald mit fein behaarten, bald mit
nackten Augen auftritt. Von den übrigen Arten der Gattung wird
besonders noch A. quieta Hübn. näher erörtert.
Knaggs (Proceed. entom. soc. of London 1860. p. 133 f.) dia-
gnosticirte No7iagria Bondii als n. A. aus England und erörterte ihre
Unterschiede von der zunächst verwandten Non. concolor. -^
Beliier de la Ghavignerie (Annales soc. entom. 4. ser. I.
p. 29. pl. 2) gab Beschreibung und Abbildung von Mamestra syhatica
n. A. von Corsika.
Mann (Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 158. Taf. 2) von Hypena
mnnitalis n. A. von Amasia.
T. Sn eilen („Mededeelingen over JVederlandsche Lepidoptera",
Tijdschr. voor Entomol. IV. p.SSff.) machte Mittheilungen über die
ersten Stände und deren Lebensweise von einigen Noctuinen. Die
Raupe der Apamea furuncula, welche Verf. beschreibt, lebt im Halme
einer harten Grasart und verspinnt sich darin nach Art der Konagrien.
— Seine frühere Mittheiiung über Apamea strigilis vervollständigt
Verf. durch Beschreibung der Raupe, welche in derselben Grasart wie
Ap. didyma lebt. — Apamea fibrosa findet sich als Raupe Anfangs
Juli in den Blättern von Iris pseudacorus, in deren Blüthenstengel
gleichzeitig die Raupe von Gortyna flavago lebt. — Dass die Raupe
von Senta ulvae carnivor sei, bestätigte Verf. durch Versuche; er
fütterte sie mit Käferlarven und mit Raupen von Chilo phragmitellus.
Gärtner (Entomol. Zeitung XXII. p. 106 ff.) machte die ersten
460 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Stände von Polia alicna bekannt. Die Raupe lebt anf Cytisus nigri-
cans, Trilolium nionlannm und Anthyllis vulnernria und macht bis
zur Verpuppung sechs Häutungen durch; die Puppe zeichnet sich
durch ein mit zwei scharfen Spitzen besetztes, breites Schildchen am
Aflerende aus.
Die Raupe der Leucania elymi lebt nnch Kretschmar (Berl.
Entom. Zeilschr, V. p. 405) im Halme von Elymus arenarius an der
Ostseeküste.
Ueber die Parasiten der Hadena brassicae machten Goureau
(Bullet, soc. entomol. 1861. p. 7) und Laboulbene (Annales soc.
entomol. 4. ser. I. p. 612) Älitlheilungen. Es sind mehrere Tachincn-
Arten (Tachina villica Desv., flaviceps Macq., larvarum Fab., Erigone
sedula Desv.), Eulophus ramicornis Nees und Ichneumon spec.
Geometridae. Staudinger (Entomol. Zeitung XXII. p. 292)
beschrieb IJibernia Änkeraria als n. A. von Pest, zwischen Hib. pro-
gemmaria IlQbn. und defoliaria Lin. in der Mitte stehend. — Ebenda
p. 400 f. Eupithecia hyperboreata und Altenaria n. A. aus Finmarken.
Beliier de la Chavignerie (Annales soc. entom. 4. ser. I.
p. 29 f. pl. 2) Ellopia pinicolaria und Liodes benesicjnata neue Arten
aus Corsika.
Delaharpe (Bullet, d. 1. soc. Vaudoise des scienc. nat. VI.
nro. 27) Larentia dijunctaria und Acidalia caharia als n. A. aus
Sicilien.
Leder er (Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 153. Taf. 2) Acidalia
iextaria n. A. von Antiochia.
d'Urban (Canadian naturalis! and geologist VI. p. 39 (T.) theilte
Walker'sche Beschreibungen von Cleora limilaria, Acidalia jun~
ctaria, Macaria? subapiciaria, Melanippe propriaria, Cosemia? pal-
paria und Cidaria lactispargaria als n. A. aus Nord-Amerika mit.
Harpur Crewe „Kotes on Eupithecia Larvae" (Zoologist
f. 1860, Entomol. Annual f. 1861. p. 126—146) hat die Raupen einer
grösseren Anzahl von Eupithecia-Arten beschrieben und in ihrer Le-
bensweise erörtert. Es sind folgende: Eup. venosata auf Silene
inflata und Lychnis dioica, Eup. linariata auf Linaria vulgaris, Eup.
centaureala auf Senecio, Solidago, Achillea, Eupatorium, Pimpinella
u. a., Eup. subfulvata auf Achillea millefolium, Eup. subumbrata auf
Apaigia, Crepis u. a., P^up. Haworthiana auf Clematis vittalba, Eup.
helvelicaria auf Juniperus communis, Eup. safyrala auf Centaurea,
Gentiana, Origanum, Apargia, Galium u. a., Eup. castigata auf den
verschiedensten Gewächsen, Eup. pimpinellata auf Solidago virgaurea
(nie auf Pimpinella), Eup. denotata auf Pimpinella saxifraga , Eup.
innotata auf Eschen. Eup. nanata auf Calluna vulgaris, Eup. subnotata
auf Alriplcx und Chenopodium, Eup. vulgala auf Weissdorn, Eup.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 461
expallidata auf Solidago virgaurea, Eup. absynthiata auf Senecio, So-
lidago, Eupatorium, Artemisia, Achillea u. a., Eup. minutata auf Cal-
luna vulgaris, Eup. assimilata auf Johannisbeeren und Hopfen, Eup.
tenuiafa auf Salweide (Kätzchen), Eup. abbreviata auf Eichen, Eup.
exiguata auf Weissdorn, Eschen, Schwarzdorn u. s. w., Eup. sobrinata
auf Juniperüs, Eup. pumilata auf Anthriscus sylvestris, Eup. coronala
auf Eupatorium, Solidago und Angelica, Eup. rectangulala auf Ae-
pfelbäumen.
Ueber die Nomenklatur und die in zwei Varietäten auftretende
Raupe der Eupithecia pimpinellata Hübn. machte auch T. Sn eilen
Mittheilungen (Tijdschr. voor Entomol. IV. p. 97 ff.).
Werneburg (Entom. Zeitung XXII. p. 322 ff.) „Zur Pfaturge-
schichte der Geometra pomonaria" beschrieb die von ihm aus Eiern
erzogene und bis zur Verwandlung beobachtete Raupe der genannten
Art. Hübner und Bork hausen beschreiben als Geom. pomonaria
eine ganz andere, mit Höckern und Dornspitzen besetzte Raupe; da-
gegen bildet sie Frisch als Geom. hispidaria ab. Die Raupe ist
ganz glatt, ohne Höcker, blaugrau mit schwarz geflecktem Kopfe und
gelb gesäumtem ersten Körperringe; Verf. ernährte dieselbe mit Lin-
denblättern.
Derselbe (ebenda p. 72) gab eine Beschreibung des Weib-
chens von Geometra aurantiaria, welche Art forstschädlich in Buchen-
waldungen auftrat.
Roessler, „Zur Naturgeschichte von Geometra polygrammaria"
(Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 70) erzog die Raupen der genannten
Art im September aus Eiern und brachte sie mit Galium verum bin-
nen vierzehn Tagen zur Verpuppung.
Fyralidae et Grambidae. Wallengren (Fregatten Eugenies
resa p. 383. Taf. 7. fig. 7) stellte eine neue Gattung S eric o er awÄ ms
auf. Fühler fadenförmig, unterhalb fast nackt, mit dickem Basal-
gliede ; Lippentaster mehr denn doppelt so lang als der Kopf, her-
vorstehend, dreigliedrig, das zweite Glied am längsten und wie das
erste mit langen Schuppenhaaren bedeckt, das dritte fast nackt,
stumpf; Kiefertaster länger als der Kopf, aber doppelt so kurz als
die Lippentaster, zweigliedrig, das letzte Glied dreieckig. Stirn her-
vorgezogen, stumpf, Hinterleib länger als die ausgespannten Flügel,
sein Endring sehr lang und niedergedrückt. Beine fast wie bei Cram-
bus, aber mit stachligen Tarsen : Flügel mit starkem Retinaculum,
wie bei Crambus geformt, aber die Vorderecken der Hinterflügel
spitzer, der Innenrand der Vorderflügel mehr geschwungen. — Art:
Ser. stylatus von Montevideo. — Pempelia? Caprona n. A. von der
Insel Foua.
Mann (Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 183 f. Taf. 2) machte Mye-
lots fuscicostella und strictella als n. A. von Amasia bekannt.
462 Gerstaecker: IJericht über die wissenschaftlichen LeisliiDgen
Delaharpe (Bullet, d. 1. soc. Vaudoise d. scienc. nat. VI.
nr. 27) beschrieb Anerastia oslrinella, Nyctegretis ritminella, Zopho-
dia luteola, Eudorea simplicella, Botys zonalis und bicoloralis als
n. A. aus Sicilien.
Walker (Canadi;in nalmalist and gcologist VI. p. 41) liotys
magniferalis als n. A. von Montcalni.
Doumerc, „Notice sur le Botys du Cobea" (Annales soc.
entom. 4. ser. I. p. 21 tl.) beschrieb Botys cobealis als fragliche n. A,
(ob = B. costalis Fab.?); die Raupe lebt auf der aus Mexiko nach
Frankreich eingeführlen Cobea scandens, auf welche sie nach des
Verf.'s Vermulhurig aber gewiss erst von einer einheimischen Fllanze
übergegangen ist, (Nebenbei geht Verf. auf die Modifikationen ein,
welche die aus anderen händern eingeführten Lepidopteren erleiden ;
er weist dieselben auch an Sphinx ocellata, welche er für ursprüng-
lich Amerikanisch hält — ohne diese Annahme indessen zu begrün-
den — nach.)
V. Ileyden (Entom. Zeitung XXII. p.31) beschrieb die Raupe
und Puppe von Ennychia cingulalis Ilübn. Erstere findet sich Mitte
Septembers an den Blättern von Salvia pratensis, deren Unterseite
sie benagt, überwintert in einem graubraunen, papierartigeh Gespinnste
und verpuppt sich erst im Frühjahre.
Tortricinä. S. J. Wilkinson, The British Tortrices. London
1vol. 8. (Preis 25 Sh.) enthält nach einer Anzeige im Entomologist's
Annual for 1861 eine systematische Beschreibung der in England
einheimischen Tortricinen. Das Werk, welches einen Theil der In-
secta Britannica (wie z. B. Walker's Diptera) ausmacht, hat dem
Ref. bis jetzt nicht zur Ansicht vorgelegen.
Als neue Arten wurden beschrieben:
Von Kowicki (Enumeratio Lepidopt. Ilaliciae Orient, p. 125 ff.
Torlrix Besseri, Carpocapsa Lobarzewskii und Paedisca Fietruskii aus
Galizien.
,!.i, Von de Graaf (Tijdschr. voor Entomol. IV. p. 167—170. pl. 12.
fig. 1 u. 2) Pentkina pyrulana und Sericoris Bovana aus Holland.
Von Delaharpe (Bullet, d. 1. soc. Vaudoise d. scienc. nat. VI.
nr. 27) Paedisca ahscondilana, Sciapkila gratana, Cochylis exiguana
ijnd Tortrix osseana aus Sicilien.
Von Leder er (Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 154. Taf. 2) Peti-
thina scitulana von Beirut und Brussa, von Mann (ebenda p. 185.
Taf. 3) Conchylis defessana von Amasia.
Fologne (Annales soc. enlom. Beige V. p. 58) erzog Paedisca
foeneana aus Raupen, welche die Wurzeln von Artemisia campeslris
bewohnten; er bildet auf pl. 1 die Raupe, Puppe und eine Varietät
des Schmetterlinges ab.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 463
V. Hey den (Entom. Zeitung XXII. p. 32) beschrieb Raupe ynd
Puppe von Tortrix rutilana Hübn. Die Raupe lebt im Frühjahre auf
Wachholder, wo sie sich zwischen den Nadeln in einem kurzen, röh-
renförmigen, mit Excrementen überzogenen Gespinnste findet. Der
Wickler verlässt Anfangs Mai die Puppe.
Werneburg (ebenda XXII. p. 73) gab eine kurze Notiz über
die Raupe der Tortrix lacunana; sie ist einfarbig dunkel kupferbraun
und findet sich in den ßlüthendolden von Umbelliferen. Der Schmet-
terling erscheint im August.
Tinßinä. Stainton, The natural hisloryofthe'fineina. Vol. VI.
containing Depressaria Pt. I. (London 1861. 8. 279 pag. , tab. 8.) —
Der vorliegende Band des Werkes enthält den Anfang zu einer mo-
nographischen Bearbeitung der Gattung Depressaria, von welcher nach
der Aufzählung des Verf.'s gegenwärtig bereits 81 Arten (mit Ein»-
schluss der ausländischen) bekannt sind; 52 derselben sind zugleich
im Zustande der Raupe zur Kenntniss gekommen. Die 24 Arten,
deren Naturgeschichte der Verf. in gleich umfassender Weise wie in den
vorhergehenden Bänden erläutert, sind mit einer Ausnahme bereits be-
kannt, nämlich: Depressaria assimilella Tr., nanatella Staint., umbel-
lana Steph., arenella W. V., liturella W. V., pallorella Zell., hyperi-
cella Tr., Heracliana de Geer, nervosa Haw., chaerophylli Zell., pim-
pinellae Zell., depressella Hübn., angelicella Hübn., Hofmanni n. A.,
Libanotidella Schlag., furvella Tr., parilella Tr., cnicella Tr., albi-
punctella Hübn., emeritella Staint,, olerella Zell., Heydenii Zell.,
Alstroemeriana Lin. und applana Fab. nh
Wallengren (Fregatten Eugenies resa p. 384 ff".) machte
folgende neue Gattungen und Arten bekannt: Folyploca nov. gen.,
aus der Gruppe der eigentlichen Tineiden, zwischen Talaeporia und
Scardia stehend; Fühler kürzer als der Hinterleib, beim Männchen
perlschnurförmig, jedes Glied mit vier ästigen Borsten besetzt, beim
Weibchen fadenförmig, an der Spitze unterhalb leicht gesägt, Taster zu
zweien, kurz, spitz, hängend; Rollzunge fehlend, Kopf klein, zurück-
gezogen, mit flacher, beschuppter Stirn. — Zwei Arten : Pol.disclisio"
proStella und varicolorella von Sidney. — Amblothridia nov. gen.,
aus der Gruppe der Hyponoraeutidae, nach des Verf.'s Ansicht in die
Nähe von Psecadia gehörig. Fühler unterhalb gesägt, Rollzunge von
mittlerer Grösse, nackt, Kopf glatt, mit stumpfer Stirn, Kiefertaster sehr
kurz, Lippentaster zurückgebogen, drehrund, mit eng aneinander
schliessenden Gliedern von fast gleicher Länge, Hinterbeine schlan-
ker als die übrigen; Flügel länglich, kurz gewimpert, die vorderen
mit grosser accessorischer Zelle vor der Spitze der Diskoidalzelle.
— Arten: Ambl. fabricella (Tin. fabricella Swed.) aus China, hysgi"
niella n. A. von Panama. — Cryptophasa erythrotaetiia, melanosiigma
und Gelechia antipodella n, A. von Sidney, — Conckyliospila
4ß4 Gcrslaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
nov. gen., aus der Gruppe der Lyonelidae, aber durch die Form des
Kopfes von allen übrigen Gattungen sehr abweichend; derselbe ist
horizontal zusammengedrückt, nackt, mit grossen Augen, ohne Ocel-
len. Bollzunge fehlend, Lippenlaster lang, seitwärts gerichtet, nackt,
das mittlere Glied an der Spitze etwas verdickt, das letzte kurz und
stumpf. Fühler lang, vor den Augen am Vorderrande des Kopfes
selbst entspringend, ihr Basalglied verlängert und erweitert, die Hälfte
iler Augen bedeckend. — Art: Conch. Simonieila von der Insel
Keeling.
V. Hey den (Entom. Zeitung XXIL p. 32 ff.) machte die ersten
Stände von folgenden Arten bekannt: Tinea Pagenstecherella Hübn.
(Raupe in einem länglich eirunden, vorn und hinten scheibenartig
erweiterten Sacke, vom Oktober bis .Juni an alten, mit Byssus be-
wachsenen Mauern), Tinea nigripunctella Haw. (Raupe in einem
ziemlich langen, gleich breiten, vorn gerundeten Sacke, an den
Mauern der Rheinischen Weinberge; scheint carnivor zu sein), De-
pressaria parilella F. R. (Raupe auf Peucedanum oreoselinum, dessen
Blätter sie zusammenspinnt), Depressaria emeritella Heyd. (Raupe Ende
Juli's auf Tanacetum vulgare zwischen zusammengezogenen Blättern),
Gelechia ferrugella S. V. (Raupe Ende Mai's zwischen zusammenge-
legten Blättern von Campanula persicifülia), Gelechia scriplella Hüb.
(Raupe Anfang Oktobers unter den umgeschlagenen Blattlappen des
Acer campeslre), Gelechia anthyllidella Hüb. (Raupe die Blätter von
Anthyllis vulneraria minirend), Gracilaria pavoniella Metz. (Raupe
die Biälter von Aster amellus minirend), Mompha divisella Wocke
(Raupe in erbsengrossen Gallen des Stengels von Epilobium alpinum),
Elachista poae Dougl. (Raupe im März und April die Blätter von
Glyceria spectabilis minirend), Lyonelia frigidariella Heyd. (Raupe
im Ober-Engadin die Blätter von glatten Weidenarien minirend),
Bucculatrix maritima Staint. (Raupe die Blätter von Aster tripolium
minirend, bei Salzhaiisen an den Gradirwerkcn aufgefunden), Nepti-
cula aeneofastiata Frey (Raupe die Blätter von Agrimonia eupatoria
minirend), Nepticula bistrimaculella Heyd. (Raupe ßirkenblätter mi-
nirend, im Oktober), Nepticula argyropeza Zell. (Raupe in Menge
die Blätter von Populus alba minirend, im Oktober), Nepticula ar-
gentipedella Zell. (Raupe im Oktober und November die Birkenblätler
minirend) und Nepticula agrimoniae Frey (Raupe im Oktober, die
Fiederblättchen der Agrimonia eupatoria minirend).
Brackenridge Clemens „Microlepidopteron_s Larvae, Notes
on a few species, the imagos of which are probably undescribed"
(Proceed. entomol. soc. of Philadelphia 1861. p. 75— 87) machte Mit-
Iheilungen über die ersten Stände , die Nährpflanzen, Erscheinungs-
zeil und die Form der Blatlminen von einer Reihe unbeschriebener
Nord-Amerikanischer Tineinen, welche folgenden Gattungen angehö-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 465
ren : Coleophora 7 A. (C. caryaefoliella, corylifoliella, viburniella,
pruniella, ostryae , tiliaefoliella und querciella), Lithocolletis 2 A.
(L. salicifoliella und juglandiella), Aspidisca 2 A. (A. ostryaefoliella
und saliciella) , Nepticula 14 A. (N. corylifoliella, ostryaefoliella^
virginiella, platanella, crataegifoliella, juglandifoliella, caryaefoliella,
villosella, Amelanchierella^ prunifo Hella, anguinella, platea, saginella
und rosaefoliella), Ornix 1 A. (0. quadripunctella) und Catastega 3 A.
(C. timidella, aceriella und Hamameliella).
J. Scott, Descriptions ^of five new species of Coleophora
(Transact. entomol. soc. V. p. 408 ff. pl, 17) gab Beschreibungen und
Abbildungen von folgenden neuen Englischen Arten, welche zugleich
in der Lebensweise ihrer Raupe erörtert werden : Coleophora meli-
lotella (die Raupe frisst die Samen von Melilotus officinalis), arte-
misiella (Raupe an Artemisia maritima), ardeaepennella (Raupe an
Eichen), politella (Raupe an Nussbäumen) und Wilhinsonii (die Raupe
niinirt Birkenblätter).
Stainton (Entomol. Annual for 1861. p. 87 ff.) beschrieb Ge-
lechia? osseella, Cosmopteryx orichalcea und Nepticula sorbi als n.A.
aus England.
Derselbe, „Observations on British Tineina" (Entom. Annual
for 1861. p. 103 — 113) machte als Nachtrag zu seiner Naturgeschichte
der Tineen Älittheilungen über eine Reihe Englischer Schaben, welche
sich der Mehrzahl nach auf die Lebensweise und die Futterpflanzen
der Raupen beziehen.
Derselbe „On some peculiar forms amongst the Microlepido-
pterous-Larvae" (Report of the 30. meeting of the British associat.
for advanc. of science, held at Oxford p. 122) machte auf die eigen-
thümliche Körperform, die Fusslosigkeit, die stumpfen Mandibeln u. s. w.
der Phyllocnistis - Larven aufmerksam; dieselben häuten sich niemals
und haben keinen Schlaf, sondern nagen am Parenchym der Blätter,
welche sie miniren, vom Ausschlüpfen aus dem Eie bis zur Verpup-
pung unaufhörlich.
Mann (Wien. Ent. Monalsschr. V. p. 187 ff. Taf. 3) beschrieb
Adela repetitella, Flutella albiramella, semitessella, trichonella, Hy~
psolophus pndicellus , ßutalis ßabella, Anesychia quadrinotella, De~
pressaria Amasina und Elachista chionella als n. A. von Amasia.
Lederer (ebenda p. 154. Taf. 2) Pleurota eximia als n. A.
von Mersin.
Delaharpe (Bullet, d. 1. soc. Vaudoise d. scienc. nat. VL p. 27)
Gelechia palermitella als n. A. von Sicilien.
Nowicki (Enumeratio Lepidopt. Haliciae Orient, p. 189 ff.)
Gelechia Wagae, Kneri , Argyresthia Dziednszyckii und Coleophora
Z,elleri als n. A. aus Galizien.
Breyer, „Quelques mots sur le groupe ou famille des Psy-
ArcMv f. Naturg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd. Ee
466 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
chides" (Annales soc. entomol. Beige V. p. 1) beschreibt nach einem
Bcsume über die H o f fm a n n sehe Psychiden-Arbeit (wobei er dem
Verf. irrthümlich die Ansicht unterstellt, die Spinner- artigen Psychi-
den mit den Solenobien seien zu einer und derselben Familie zu
bringen) die Baupe, den Baupensack, die Puppe und das Schnietler-
lingsweibchen der Epichnopleryx sopium Speyer, von allen diesen
Ständen zugleich vortreflliche Darstellungen auf pl. 1 gebend. Die
Baupe findet sich an den Stämmen und Aesten von allen, mit Liche-
nen bedeckten Bäumen und lebt nicht in gleichem Maasse vagabon-
dirend wie die Gattungen Psyche und Talaeporia. Das Weibchen,
welches mit faceltirten Augen und vollständigen Fühlern versehen
und daher ein vollkommenes Schmetterlingsweibchen, nur ohne Flü-
gel , ist , verlässt den Baupensack, erklimmt seine Oberfläche, lässt
sich hier vom Männchen begatten und füllt sodann den Sack mit Eiern.
L. Becker, „Ohservations sui'^quelques chenilles de Tinöides"
(Aniiales soc. entom. Beige V p. 52 — 57. pl. 2) gab Beschreibungen
und colorirte Abbildungen der ersten Stände von Schreckensteinia
Baschkiella (die Baupe minirt die Blätter von Epilobium spicatum,
Anfangs Juni), von Scythris inspersella (Baupe Anfangs Juli in den
Blättern von Epilobium) und von Goleophora succursella (Baupe
Mitte Juni's auf Artemisia campesiris).
Fologne (ebenda V. p. 59. pl. 1) gab eine Abbildung der
Raupe von Harpella proboscidella, welche Gänge in abgestorbenes
Holz frisst.
F. Loew (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien 1861.
p. 397) beschrieb die Baupe, den Baupensack und die Puppe von
Tinea spretella W.V., welche massenweise in den Nestern von Hirundo
rustica gefunden wurden.
D 0 u m e r c, „Notice sur la teigne des toiles d'AraIgnees Tege-
naire et Segestrie" (Annales soc. entom. 4. scr. I. p. 24 — 28) beschrieb
unter dem Kamen Oecopkora telatella eine mulhmasslich neue, viel-
leicht aber auch mit Tinea leucalella Lin. identische Art, deren Lar-
ven er in den dichten Geweben von Tegenaria agrestis und Segestria
senoculata fand, und welche sich aus jenen Geweben kleine Säcke
zur Verpuppung bereiten. -'\
Sur l'Alucite ou teigne des bles et sur les moyens de la de-
truire, par le Dr. J. Ch. Her p in (Exlrait des Memoires de la soc.
du Berry 1860) ist in der Bevue et Magas. de Zoologie XIIL p. 501 fl".
angezeigt und näher besprochen.
Fterophoridae. Wallengren, „Skandinaviens Fjädermott
(Alucila Lin.) beskrifna" (Kongl. Svenska Vetensk.-Akadem. Handlin-
gar, ny följd IlL nr. 7. — Separatabdruck in gr. 4. 25 pag.). Verf.
liefert in dieser Abhandlung eine Classifikalion und Beschreibung der
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 467
in Schweden einheimischen Arten der alten Gattungen Plerophorus ynd
Alucitn, von denen erstere durch 26, letztere durch 1 Art vertreten
ist. Da die Arten mit zwei Ausnahmen bereits bekannt sind , hat
Verf. besonders auf ihre Sonderung sein Augenmerk gerichtet und
die Pterophoren in neun Gattungen vertheilt: Cna e mid o-ph orus
nov. gen. (für Pt. rhododactyius Fab.) 1 A. , Platyptilus Zell. 5 A.,
Ambhjptilus (Hiibn.) 1 A. (Ambl. acanthodactylus Hübn.), Oxyptilus
Zell. 6 A. (0. Bohemani Zell. i. lit. n. A.), M ima es eoptilus nov.
gen. (für Pier, mictodaclylus W. V., serotinus Zell., pterodactylus Lin.
und palndicola n. A.), Oidaematophorus nov. gen. (für Pter.
lilhodactylus Tr.), f'lerophorus auct. (auf Pter. monodactylus Lin. be-
schränkt), Lei optilus nov. gen. (für Pter. scarodactylus, tephra-
dactylus, microdactylus, osteodactylus und brachydactylus Z!:ll.) und
Aciptilus Hübn. mit 2 A. (Pter. tetradactylus und pentadactyius Lin.).
Die Gattungen sind ausführlich in lateinischer Sprache begründet, die
Arten mit kurzen Schwedischen Beschreibungen versehen.
L. Becker (Annales soc. enlomol, Beige V. p. 56. pl. 2) gab
Beschreibung und Abbildung der ersten Stände von Pterophorus sca-
rodactylus; die Raupe nährt sich vom Parenchym der Blätter von
Artemisla campestris und findet sich im Juni.
V. Heyden (Entoni. Zeitung XXIL p. 42) beschrieb Raupe und
Puppe von Alucita dodecadactyla. Erstere lebt Ende Juni's und An-
fang Juli's am Rhein in Anschwellungen der einjährigen Zweige
von Loniceia xylosteum. Diese Anschwellungen, welche nicht be-
sonders slaik, aber 1 bis 2 Zoll lang sind, verlässt die Raupe nach
vollendetem Wachsthum, um sich an der Erde zu verpuppen.
Bruand d'üzelle, „Note sur quelques especes du genre Pte-
rophorus" (Annales soc. entom. 4. ser. I. p. 33 — 38. pl. 2) gab Be-
schreibungen und Abbildungen von Pterophorus ischnodactyla Tr.,
laelidactyla (laetus Zell.) und brunneodactyla Bruand, baptodactyla
Zell, und Millieridachjla {\l) n. A. aus der Umgegend von Lyon.
Diptera.
,, Loew's „Neue Beiträge zur Kennlniss der Dipteren''
sind im J. 1861 — 62 mit einem achten Beitrage (enthalten
im Proo^ramme der König^l. Realschule zu Meseritz 1861
und 1862) fortgesetzt worden, welcher eine systematische
Bearbeitung der Nord-Amerikanischen Dolichopoden enthält.
(Näheres siehe unter dieser Fauiilie!)
Desselben Verf.'s Bearbeitung der Dipteren - Fauna
Süd-Afrika's, über welche eine vorläufige Nachricht bereits
468 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlicheo Leistungen
im Jahresberichte 18f)6. p. 134 gegeben wurde, liegt jetzt
zur ersten Hälfte in einem grossen Quartbande von 330
Seiten vollendet vor: „Die Dipteren -Fauna Süd - Afrika's,
bearbeitet von Dr. Herrn. Loew. Erste Abtheiiung, mit
zwei Tafeln. Berlin 1860." (Aus dem zweiten Bande der
Abhandlungen des naturwiss. Vereins für Sachsen und Thü-
ringen in Halle, 1861 besonders abgedruckt.) — Unter den
zahlreichen dipterologischen Arbeiten des Verf.'s ist die
vorliegende nicht nur eine der umfangreichsten, sondern
auch eine der wichtigsten, da sie, abgesehen von der sehr
eingehenden Bearbeitung der bisher fast unbekannten Süd-
Afrikanischen Dipteren-Fauna, Avelche schon für sich allein
ein hohes Interesse beanspruchen würde, viele für die
Systematik der Dipteren im Allgemeinen, besonders aber
für die Abgränzung der Familien und die verwandtschaft-
lichen Beziehungen der unter diesen vereinigten Gattungen
bedeutungsvolle Bemerkungen und Hinweise enthält. Ue-
berdem beschränkt sich der Verf. in faunistischer Bezie-
hung nicht auf das der Arbeit ursprünglich zu Grunde
gelegte Material, nämlich die ebenso reichhaltige als in-
teressante Ausbeute W a h 1 b er g's im Caffernlande, sondern
er zieht bei den einzelnen Familien und Gattungen stets
die aus den übrigen Theilen Afrika's bekannt gewordenen
Formen mit in Betracht und entwirft somit wenigstens durch
Zusammenstellung des gegenwärtig vorliegenden Materials
gleichzeitig ein Bild von der Dipteren - Fauna des ganzen
Welltheiles. — Die spezielle Bearbeitung der Wahl berg'-
schen Ausbeute betreffend , so erstreckt sich dieselbe in
dem vorliegenden Bande auf sechszehn Familien, nämlich
auf die Stratiomyiden mit 9 Gattungen und 13 Arten, die
Tabaniden mit 7 Gattungen und 48 Arten, die Thereviden
mit 2 Gattungen und 4 Arten, die Asiliden mit 36 Gattun-
gen und 96 Arten, die Leptiden mit 1 Gattung und 1 Art,
die Bombyliden mit 16 Gattungen und 72 Arten, die Hir-
moneuriden mit 3 Gattungen und 9 Arten, die Mydasiden
mit 1 Gattung und 1 Art, die Cyrtiden mit 2 Gattungen
und 4 Arten, die Hybotiden mit 4 Gattungen und 5 Arten,
die Empiden mit 2 Gattungen und 9 Arten, die Tachydro-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 469
miden mit 2 Gattungen und 2 Arten, die Dolichopoden mit
9 Gattungen und 15 Arten, die Pipunculiden mit 1 Gattung
und 8 Arten, die Platypeziden mit 1 Gattung und 2 Arten
und die Syrphiden mit 12 Gattungen und 43 Arten. Ausser
diesen 330 Arten sind anhangsweise noch 16 andere aus
Nubien , Chartum, Guinea und Mossambique charaklerisirt.
— Auf den zwei beifolgenden Tafeln sind vorzugsweise
neue Gattungen und Arten ans den Familien der Bomby-
lier, Empiden, Tabaniden und Asilinen durch zahlreiche
Abbildungen erläutert.
Da die vom Verf. aufgestellten neuen Gattungen und Arten be-
reits in den vier letzten Jahresberichten nach den in der Öfvers.
Vetensk. Akad. Förhandl. gegebenen Diagnosen aufgeführt worden
sind, so haben wir hier nur auf die wesentlichsten systematischen
Gliederungen, welche der Verf. innerhalb der von ihm abgehandel-
ten Familien vornimmt, einzugehen. In der Familie der Stratio-
rayiden, von welchen Verf. die (übrigens hier nicht in Betracht
gezogenen) Xylophagiden noch immer getrennt erhält, werden vier
Gruppen abgegränzt: a) Beridinae, durch sieben ausgebildete Hinter-
leibsringe charaktcrisirt ; zu denselben wird u. a. Chiromyza Wied.
(= Xenomorpha Macq.) gestellt, b) Sarginae, denen Verf. jetzt gleich-
falls die Gattung Hermetia beigesellt, c) Odontomyrnae, die Stratio-
myiden im engeren Sinne mit pentagonaler oder hexagonaler Diskoi«
dalzelle und vier Hinterrandsadern umfassend, d) Pachygastrinae,
die Stratiomyiden mit viereckiger Diskoidalzelle und drei Hinter-
randsadern, wie Pachygaster, Ptilocera, Chauna, Blastocera u. s. w.
umfassend. — Die Eintheilung der Tabaniden ist schon in den
früheren Berichten mitgetheilt, diejenige der Asiliden bereits aus
der Monographie des Verf.'s bekannt. — In der Familie der B o m-
bylier, deren Charaktere Verf. eingehend erörtert und welche er
von den zunächst verwandten der Nemestriniden, Leptiden, Therevi-
den durch positive Merkmale abzugränzen sucht, hat Verf. bis jetzt
zu einer naturgemässen Sonderung in gut begränzte Gruppen keine
Grundlage finden können und beschränkt sich daher darauf, die Cha-
raktere der Afrikanischen Gallungen in einer Tabelle zu analysiren.
— Zur Familie Hi rm 0 n e u r i da e werden die Gattungen Hirmoneura,
Exeretoneura, Colax, Trichopsidea, Symmictus und Kemestrina (Fal-
lenia, Megistorhynchus, Trichophthalma und Rhynchocephalus) verei-
nigt ; die ersten fünf mit sehr kurzem oder ganz verborgenem Rüssel
bilden die Gruppe der Hirmoneurina, die Gattung Nemestrina mit ihren
Untergaltungen die Gruppe der Nemestrinina, in welcher der Rüssel
verlängert ist. — Für eine Eintheilung der Cyrtiden in die bjeiden
470 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Gruppen der Oncodina und Cyrtina legt Verf. die rudimentäre, resp.
sehr vollkonmicne Ausbildung des Fiiigelgcädcrs zu Grunde. — Von
der Familie Hybotidae giebt Verf., obwohl er sie aufrecht erhält,
zu, dass zwischen ihr und den Empidcn keine scharfe Gränze zu
ziehen sei ; er rechnet dazu die Galtungen Hybos, üedalea, Aleghy-
perus, Brachystonia, Trichopeza, Ocydromia und Leptopeza. Als eine
Abzweigung von Hybos ist die Gattung Syneches Walker (= Ptero-
spilus Rond.) anzusehen. — Die übrigen Familien sind in ihrer spe-
zielleren Gliederung Iheils schon'früher vom Verf. erörtert worden,
theils von so geringem Umfange, dass eine weitere Einlheilung nicht
nölhig erscheint; nur die Familie der Syrphiden hätte einer solchen
bedurft, wird aber vom Verf. nur in Belrelf der Afrikanischen Gal-
tungen erörtert.
Derselbe, „Diplera aliquot in insula Cuba collecla«
(Wien. Ent. JVlonatsschr. V. p. 33 — 43) gab Beschreibungen
von 20 neuen Cubanischen Arten aus verschiedenen Fami-
lien der Dipteren.
Derselbe, Diptera Americae septenlrionalis indigena,
Centuria prima. (Berl. Ent. Zcitschr. V. p. 307— 359) Verf.
stellt lateinische Beschreibungen von hundert neuen, aus
verschiedenen Gegenden Nord-Amerika's stammenden Di-
pteren zusammen; dieselben gehören der Mehrzahl nach
den Familien der Tipulariae, Leplidae, Empidae und Mus-
cariae (Acalyptera) an.
Derselbe (Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 348 — 353)
machte ferner einige neue Europäische Dipteren aus den
Familien der Dolichopoden, Empiden und Muscinen bekannt.
Von Bella rdi's Saggio di Ditterologia Messicana ist
im J. 1861 ein zweiter Theil (99 pag. in 4. c. tab. 2. Se-
paratabdruck aus den Memorie della Reale Accademia delle
scienze di Torino, ser. 2. Tom. XXI) erschienen, welcher
in gleich sorglälliger Bearbeitung, wie sie am ersten ge-
rühmt wurde, die Familien der Asiiina, Therevidae, Lepli-
dae, Hybotidae und Empidae behandelt. Die Zahl der neuen
Arten, welche Verf. aus der Familie der Raubfliegen be-
schreibt, ist eine sehr ansehnliche; die meisten derselben
sind auf den beifolgenden Tafeln dargestellt und durch
Profilzeichnungen des Kopfes, der Copulalionsorganeu. s. w.
zu einer sicheren Bestimmung vorlrelflich illustrirt. — In
einem erst im J. 1862 erschienenen Anhange zu den bei-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 471
den ersten Lieferungen des Werkes (28 pag. in 4. c. tah. 1.
Separatabdruck aus demselben Theile der Turiner Akade-
mie-Schriften) , welchen wir der Uebersichtlichkeit halber
hier gleich mit heranziehen, giebt der Verf. nachträgliche
Beschreibungen von neuen Arten aus den bereits bearbei^
teten Familien, welche ihm erst später zugekommen sind.
Gatalogue of the Dipterous Insects coHected at Dorey,
New-Guinea, by Mr. A. R. Wallace, with descriptions
of new species, by F.Walker. (Journal proeeed. Linnean
soc, Zoology V. p. 229 — 254.) — Ein Verzeichniss von 81
bei Dorey auf Neu- Guinea gesammelten Zweiflüglern, von
denen die grosse Mehrzahl (64 A.) als neu beschrieben
wird ; am reichhaltigsten sind die Familien der Tipularien,
Asilinen und besonders die der Muscarien vertreten, wel-
che letztere zugleich mit einer Anzahl neuer Gattungen
bereichert wird.
Catalogue of the Dipterous Insects collected at Manado
in Celebes and in Tond by Mr. A. R. Wallace, with
descriptions of new species, by F. Walker. (Ebenda V.
p. 258 — 270.) — Von Manado auf Celebes werden 19, von
Tond 26 Dipteren verzeichnet; die Zahl der neuen Arten
beträgt für erstere Lokalität 9, für letztere 14.
Catalogue of the Dipterous Insects collected in Bat-
chian, Kaisaa and Makian, and at Tidon in Celebes by Mr.
A. R. Wallace, with descriptions of new species, by F.
Walker. (Ebenda V. p. 270— 303). — Von 104 auf ßat-
chian gesammelten Dipteren-Arten werden 67 als neu be-
schrieben; nächst den Muscarien, welche die Mehrzahl der
neuen Arten abgeben, sind am reichsten die Familien der
Stratiomyiden, Tabaninen, Asilinen und Syrphiden vertreten.
— Unter den sechs von Kaisaa stammenden Arten ist keine
neu, unter zwei auf Makian gesammelten dagegen eine;
Tidon auf Celebes hat vier Arten ergeben, wovon drei neu.
Schiner's Fauna Austriaca (Diptera) ist im J. 1861
mit dem dritten bis fünften Hefte fortgesetzt worden, wel-
che die Familien der Dolichopoden, Plalypeziden, Loncho-
pteriden, Pipunculiden , Syrphiden, Conopiden , Oestriden
und die ersten Gruppen der Muscinen (Phasianeii, Ocypte-
472 de rst a e ck e r : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
riden so wie den Anfang der Tachinen) umfassen. Die
meisten dieser Familien lassen ebensowohl den ausseror-
dentlichen Reichthum und die Mannigfaltigkeit der Ocster-
reichischen Fauna als ein auf reichhaltiges Material basirtes
Studium des Gegenstandes von Seiten des Verf.'s erkennen,
beides Momente, welche dem Werke eine alloremeine An-
erkennung und Benutzung sichern müssen. Eine Ausnahme
in beider Hinsicht scheint dem Ref. die Familie der Pipun-
culiden zu machen, in der einerseits die Zahl der z. B.
gerade . dem Süddeutschen Gebirge eigenen Arten nicht
erschöpft, andererseits die Charakteristik zu einer sicheren
Bestimmung nicht eingehend genug ist; freilich bedarf, wie
auch der Verf. selbst eingesteht, gerade diese Familie einer
umfassenden Gesammt-Bearbeitung.
Zu spezielleren Bemerkungen, z. B. über die Abgränzung ver-
schiedener Gattungen würde die Arbeit des Verf.'s mehrfach Gele-
genheit gegeben und Ref. bedauert, nicht gleich bei Benutzung der
einzelnen Abschnitte sich die darauf bezüglichen Notizen gemacht
zu haben. Als Einzelheiten, die ihm noch im Gedächtnisse sind, will
er nur folgende erwähnen: Unter den Dolichopoden, bei deren Be-
arbeitung sich Verf. der Hauptsache nach Loew angeschlossen hat,
nimmt er die Gattung Uercostonius nicht an, sondern bringt die Ar-
ten derselben theils bei Hypophyllus, theils bei Gyranopterus unter.
Der zu letzterer Gattung gerechnete Hercostomus cretifer steht aber
nach des Ref. Ansicht bei Gymnopterus nicht besonders glücklich,
wie dies, abgesehen von der Fühlerbildung und der Form des männ-
lichen Genilalapparates, besonders die typisch ganz abweichende Bil-
dung der Beine, deren Tarsen nadeiförmig verdünnt sind, darthut;
auch würden die im Leben zu beobachtenden Eigenthümlichkeiten,
z. B. sein sehr lebhafter und anhaltender Flug an Wasserfällen, der
den Gyninopternen ganz fremd ist, gegen die Vereinigung mit letzte-
ren sprechen. — Die auf S. 245 gemachte Angabe, dass die Pipun-
culus-Larven in Cicindelen schmarotzen, beruht wohl nur auf einem
Gedächtnissfehler; Boheman fand die Larven vielmehr im Hinter-
leibe von Cicadellinen (Aphrophora). — Unter den Syrphiden schei-
nen dem Ref. die nahen Verwandtschafts-Beziehungen mancher Gat-
tungen durch ihre Stellung nicht durchweg angedeutet zu sein; so
werden z. B. Merodon und Eumerus durch Criorhina, Plocota, Bra-
chypalpus, Xylota und Syritta getrennt, obwohl sie sowohl unter
einander, als erstere mit Platynochoetus offenbar eng zusammenge-
hören , Xylota aber andererseits sich mehr an Milesia anschliesst.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 473
Dass Criorhina berberina und oxyacanthae, zwischen denen nur Fär-
bungsunterschiede angegeben sind, derselben Art angehören, glaubt
Ref. durch ihr gemeinsames Vorkommen und durch Zwischenstufen
in der Farbe der Behaarung darthun zu Können : in dem Brachypal-
pus angustus, der bei Berlin an alten Eichen im Mai nicht selten ist,
glaubt er den Brach, laphriiformis Fall, zu erkennen. — Die gewiss
zu künstliche Scheidung der Conops-Arten in die beiden Gattungen
Conops und Physocephala möchte sich wohl bei dem Versuche, die
exotischen Arten unter dieselben zu vertheilen, als unausführbar her-
ausstellen ; denn die Form des Hinterleibes ist hier nicht durchweg
mit einer bestimmten Färbung des Körpers und Zeichnung der Flügel
verbunden, wie es bei den Europäischen Arten wenigstens der Mehr-
zahl nach der Fall ist.
Desselben Verf.'s „Vorläufiger Commentar zur Fauna
Austriaca, Diptera (Wien. Eni. Monatsschr, V. p. 137 und
250 ff.) behandelt die Abgränzung der Familien und Grup-
pen der Conopiden, Oestriden, Phasianen, Tachinarien, De-
xiarien, Sacrophaginen , Muscinen und Antliomyziden und
enthält eine Charaliteristik der vom Verf. neu errichteten
Gattungen.
Finlands tvavingade Insekter (Diptera), förtecknade
och korthet beskrifne af E. J. Bonsdorf. Helsingfors
1861. (8. 301 pag.). — Für die vom Verf. beabsichtigte und
in dem vorliegenden Bande theilweise ausgeführte syste-
matische Zusammenstellung der in Finland einheimischen
Dipteren haben ihm Sammlungen, die in verschiedenen Thei-
len des Landes durch ihn selbst, durch v. Nordmann,
Mäklin, Tengström u. A. veranstaltet wurden, zu Ge-
bote gestanden. Obwohl durch dieselben die Fauna von
Finland gewiss noch bei weitem nicht erschöpft ist, weisen
in der Zusammenstellung des Verf.'s, welche von kurzen
Charakteristiken der Gattungen und Arten begleitet ist,
doch einige Familien, welche freilich im Norden vorzugs-
weise reich vertreten sind, schon eine ansehnliche Arten-
zahl auf und unter dieser auch einige seltene oder wenig
verbreitete Formen. Jedenfalls bietet das Werk des Verf.'s
interessante Anhaltspunkte für die geographische Verbrei-
tung der Arten. — Die vom Verf. angewandte Nomenkla-
tur der Gattungen sowohl als Arten ist Zetterstedt, nach
474 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
dessen Diptera Scandinaviae er sein Material bestimmt hat
und dem der vorliegende Band gewidmet ist, entlehnt.
Die vom Verf. bis jetzt abgehandelten Familien sind durch fol-
gende Gattungen vertreten : 1) Tabanidae : Täbanus 17 A., Haemato-
pota 2 A., Chrysops 6 A., Ilexatoma 1 A. — 2) Stratiomyidae : Xylo-
phagus 3 A., Beris 1 A., Stration)ys 1 A., Nemotelus 3 A., Chryso-
myia 2 A., Sargus 3 A. — 3) Asilina: Laphria 5 A., Asilus 9 A.,
Dasypogoii 5 A., Dioctria 5 A., Leplogaster 2 A. — 4) Bonjbylidae:
Bombylius 3 A. , Phlhiria 1 A. , Anthrax 10 A. — 5) Therevidae:
Thereva 8 A., Psilocephala 2 A. — 6) Leplidae: Leptis 3 A., Chry-
sopilus 3 A., Alherix 2 A. — 7) Henopii: Acroccra 1 A., Henops 2 A.
— 8) Hybotidae: Hybos 4 A., Ocydromia 3 A., Leptopeza 1 A., Mi-
crophora 2 A., Hormopeza 1 A., Iteaphila 1 A. — 9) Tachydromidae :
Hemerodromia 4 A., Fhyllodroniia 1 A., Tachydromia 20 A., Tachy-
peza 8 A., Ardoptera 2 A., Cyrtoma 8 A., Älicrosania 1 A. — 10)
Empidae: llilara 15 A., Biachystoma 2 A,, Wiedemannia 1 A., Empis
11 A., Pachymeria 1 A., Rhamphomyia 32 A., Microcera 1 A. — 11)
Dolichopodidae : Hydrophorus (incl. Medeterus) 12 A., Rhaphium 11 A.,
Chrysotus 3A., Diaphorus 2A., Dolichopus (im weiteren Sinne) 48 A.,
Psilopus 2 A. — 12) Syrphidae: Ceria 1 A., Chrysoloxum CA., Sphe-
comyia 1 A., Microdon 2 A., Sericomyia 2 A., Volucella 4 A. (2 Ar-
ten sind nur Varietäten), Syrphus (d. h. Eristalis) 11 A., Criorhina 1 A.,
Mallota 1 A., Helophilus 6 A., Brachyopa 4 A., Doros 2 A., Scaeva
(Syrphus) 63 A., Sphaerophoria 10 A., i^elecoccra 1 A., Eristalis (d.h.
Cheilosia) 29 A. (darunter Er. magnicornis als n. A. beschrieben),
Chrysogaster 8 A., Fipizal8A., Psilota 1 A., Paragus4A, MilesiaöA.,
Eumerus 3A., Xylola IIA., Syrilta 1 A., Ascia 6 A., Sphegina 1 A.
und Baccha 2 A. — Besonders erwähnenswerlhe Arten sind z. B.
Anthrax stupida Rossi, capucina Fab., Thereva eximia Meig., Sphe-
comyia vespiformis und Milesia vespiformis.
Egg er (Verhandl. d. zoolog. -botan. Gesellsch. zu
Wien 1861. p. 209 — 216) setzte seine dipterologischen Bei-
träge mit der Beschreibung von 14 neuen, meist aus Oester-
reich stammenden Tachinarien fort.
Bigot, Trois Dipleres nouveaux de la Corse (Anna-
les SOG. entom. 4. ser. I. p. 227 f.). Sind bei den einzelnen
Familien aufgeführt.
van der Wulp (Tijdschr. voor Eiilom. IV. p. 16 ff.)
zählte 24 seltenere und für die Holländische Fauna neue
Dipteren, besonders aus den Familien der Tipularien, Do-
lichopoden, Pipunculiden und Muscinen auf; einige Arten
sind als neu bezeichnet, aber nicht beschrieben.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 475
Rondani, „Siigl' Insetti che concorrone alla feeon-
dazione dei semi nelle arisfolochie« (Atti della societä Ita-
liana di scienze nalurali II. p. 133 ff.) zählte folgende Di-
pteren als Belruchter der Aristolochien auf: Oscinis dubia
Macq., Phora nigra M<Möf., Scatopse nigra Meig., Ceratopogon
lucorum Meig., Aristolochiae n. sp. und Micromyia luco-
rum Rond.
lieber die Verschleppung einiger allgemein bekannten
und häutigen Dipteren nach anderen Welttheilen machten
V. Osten -Sacken (Entom. Zeitung XXII. p. 51 f.) und
Philippi (Zeitschr. f. d. gesammt. Naturwiss. XVII. p. 515)
verschiedene Mittheilungen; ersterer erörterte ausserdem
noch Eigenlhümlichkeiten in der Lebensweise einiger Arten.
Nach Philippi ist Stomoxys calcitrans seit fünf Jahren in
Santiago ziemlich häufig , während sie früher in Chile unbekannt
war. (Nach Brasilien muss diese Art viel früher eingeführt sein, da
das hiesige Museum sie von dorther schon aus älterer Zeit durch
Sello besitzt. Ref.) — Osten- Sacken bemerkt von derselben
Stechfliege, dass sie an Wänden stets mit dem Kopfe nach oben (nach
des Ref. hierauf gerichteten Beobachtungen jedoch nicht ohne Aus-
nahmen), Musca domestica dagegen mit dem Kopfe stets nach unten
gerichtet sitze. — In Chile hat sich nach Philippi ferner seit fünf
Jahren auch Oestrus ovis gezeigt und Stechmücken sind daselbst seit
zehn Jahren in Valparaiso häufig, vorher waren sie unbekannt. Nach
Aussage der ersten Deutschen Colonisten in Valdivia war bei ihrer
Ankunft in Osorno die Stubenfliege dort noch nicht einheimisch,
während sie jetzt überall häufig ist. — Nach Osten-Sack en sind
auch auf den Sandwichs-Inseln ursprünglich keine Stechmücken ein-
heimisch gewesen, sondern erst im J. 1828 aus Mexiko durch ein
Schiff' eingeführt worden ; in Louisiana tritt zugleich mit epidemischen
Fiebern eine Sciara-Art in Menge auf. — „lieber Mückenschwärme
und Musik" vergl, Entom. Zeitung XXU. p. 51 f.
Tipulariae. Osten -Sacken, Descriplions of' nine new North
American Limnobiaceae (Proceed. acad. nat. scienc. of Philadelphia
1861. p. 287— 292). Die vom Verf. beschriebenen Arten, von wel-
chen eine zu einer neuen Gattung erhoben wird, sind : Dicranomyia
immemor von den Trenton-Pällen, marmorala aus Californicn, Lim-
nobia Californica, parietina von den Trenton-Fällen, Hudsonica vom
Sklavensee. — Trimicra nov. gen., aus der Gruppe der Tipulae
eriopleraeformes , durch die fast kugligen und gegen die vorherge-
henden auffallend verkleinerten drei letzten Fühlerglieder des Männ-
chens ausgezeichnet. Rüssel und Taster kurz, Fühler massig lang,
476 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
16-gliedrig, Beine lang, haarig, Schienen ohne Endsporen, Fuss-
klauen sehr klein, unter einem Vorsprunge des letzten Tarsengliedes
entspringend, Pulvillen klein. Flügel verlängert, ihr Gccäder fast
wie hei Liinnophila oder Cladura , aber ohne gestielte Areola. —
Art : Tr. anomala Washington. — Cladura indivisa aus Massachusetts,
Amalopis vernalis von Washington und hyperborea aus Labrador.
Loew (ßerl. Ent. Zeitschr. V. p. 307 ff.) beschrieb als neue
Nord-Amerikanischen Arten : Tanypns pinguis und tricolor von Neu-
York, ßavicinctus aus Fennsylvanien, Ceralopogon trivialis, argenta-
tns und himaculatus von Washington, albiventris aus Georgia, setti-
losus und opaciis von Washington, longipennis, plebejus, rufus und
festivus aus Pennsylvonien, Dilophus longiceps und serotinus aus
Illinois.
Derselbe (Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 33) Chironomus octo-
punclatus und Rhamphidia chalybeiventris als n. A. von Cuba.
Bellardi (Saggio di Ditterol. Messic, Anhang p. 1 ff.) Culex
ßigoli, Liinnophila undulata, Aporosa Mexicana, Leia punctata, Ehy-
phus taeniatus, Simulium Mexicanum , Plecia vittata und Dilophus
tninulus als n. A. aus Mexiko.
Walker (Journal proceed. Linn. soc, Zoology V. p. 229) Cw/cx
Z'Onatipes und ßlipes , Limnobia strigivena , quadrifurca , perdecora,
terminalis, Tipula congruens, Pachyrhina tripartita, Gynoplistia ful-
viceps als n. A. von Dorey auf Neu-Guinea und (ebenda p. 263) Sciara
longipes als n. A. von Tond.
Bigot (Annales soc. entom. 4. ser. L p. 227) Culex vittatus
als n. A. von Corsica.
v. Fraucnfeld (Beitrag zur Insekten-Metamorphose, Verhandl.
der zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien 1861. p. 171 f. Taf. 2) machte
die Galle einer bis jetzt unbekannten Cecidomyia (Lasioptera) bekannt,
welche sich auf Eichenblättern findet und zu den Flachgallen gehört;
die Larve derselben gleicht derjenigen von Las. cerris. Ferner be-
schrieb derselbe Cecidomyia sublerranea n. A. , aus langhaarigen
Knollen des Wurzelhalses von Inula ensifolia erzogen (die Gallen-
bildung auf Taf. 2 abgebildet), und erzog Cecidomyia echii Heyd. aus
angeschwollenen Blüthen von Echium vulgare.
Giraud, „Supplement ä l'histoire des Dipteres gallicoles"
(ebenda 1861. p. 470 ff.) machte darauf aufmerksam, dass in den Gal-
lenbildungen verschiedener Cynipiden gleichzeitig Larven von Ceci-
domyien und anderen Dipteren angetroffen würden. Er giebt sodann
eine erneuele Beschreibung von Cecidomyia cerris Koll., welche
keine Lasioptera, sondern eine ächte Cecidomyia ist, von Cecid. cir~
cinans n. A. aus Eichengallen, Cecid. salicina Schrnk., saliciperda
Duf., rosaria Loew und Lasioptera eryngii n. A. aus Stengel -Gallen
von Eryugium campestre. Verf. schildert diese Arten theils in allen
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 18G1. 477
Lebensstadien, theils in dem der Larve und Nymphe; die Beschrei-
bungen der Gallenbildungen werden durch Abbildungen der defor-
mirten Pflanzentheil e (auf Taf. 17) erläutert.
Rondani (Alli della soc. Ital. IL p. 56 f.) gab eine ausführ-
lichere Charakteristik und eine Abbildung seiner Bertea subaptera,
p. 133 f. eine ergänzende Beschreibung (auch nach dem weiblichen
Geschlechte) von Micromyia lucorum und von Ceratopogon Aristolo"
chiae n. A. aus Italien.
L. Dufour, „Un mot sur la galle de la ronce" (Annales soc.
entomol. 4. ser. I. p. 572) erwidert auf eine von Lucas (ebenda
Bulletin 1861. p. 20) gemachte Angabe, wonach eine an Rubus
beobachtete Gallenbildung einer Cynips angehören soll, dass dieselbe
ursprünglich das Produkt von Lasioptera picta Meig. und bereits
Reaumur bekannt gewesen sei; die Cynipide sei nur ein Inquiline
der Gallmücke.
Tabanina. Bellardi (Saggio di Ditterol. Messic. IL Anhang
p. 14 ff.) beschrieb Tabanus subtilis und rube scens a\s n. A. aus Mexiko.
Walker (Journal proceed. Linn. soc, Zoology V. p, 233) Ta-
banus Doreicus als n. A. aus Neu-Guinea, (ebenda p. 258 f.) Tabanus
speculum und ßexilis von Menado auf Celebes und (p. 275 ff.) Taba-
nus extricans und insurgens, Chrysops signifer und parallelus n. A.
von Batchian.
Bombyliarn. Neue Arten sind: Bombylius bicolor Loew (Wien.
Entom. Monatsschr. V. p. 34) von Cuba, Anthrax conßrmata Walker
(Journal proceed. Linn. soc, Zoology V. p. 283) von Batchian und
Anthrax Pelops (Walker var.) ebenda p. 301. von Makian.
V. Frauenfeld (Verhandl. d. zoolog. - botan. Gesellsch. zu
Wien 1861. p. 178 f. Taf. 2) erzog Argyromoeba subnotata Meig. aus
einem Neste der Chalicodoma muraria und bildete die Puppe, welche
er zugleich näher beschreibt, ab.
Therevidae. Bellardi (Saggio di Ditterol. 31essic IL p. 88 ff.)
beschrieb Thereva crassicornis und argentata , Psilocephala nigra,
univittata und Sumichrasti als n. A. aus Mexiko.
Eine in den Nestern von Hirundo rustica gefundene Dipteren-
Larve, welche wahrscheinlich der Familie der Therevidae angehört,
charakterisirte F. L o e w (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien
1861. p. 395). Der Körper derselben ist drehrund, nach beiden Enden
hin allmählich verschmälert, scheinbar aus zwanzig Segmenten be-
stehend, indem die acht ersten Bauchringe durch eine Querfurche in
zwei Hälften getheilt sind.
Asilina. Bellardi (Saggio di Ditterologia Messicana pt. II.
p. 1 ü\) bereicherte diese Familie mit zahlreichen neuen Mexikani-
schen Alten, welche er nebst mehreren bereits bekannten sehr sorg-
fältig beschreibt und abbildet. Zur Gruppe der Mydasiden : Myda
478 Gerstaeckrr: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
bitaeniatus, tricinctus und subinlerruplus n. A., ferner M. vittatus
Macq., rubidapex und tibialis Wied. und basaiis Weslvv. — Zur Gruppe
der Laphrien : Pseudorus bicolor, Lampria cinerea und civcumdala n. A.,
Lampr. clavipes und Mexicana Macq., Lnphria cincla n. A. und for-
midülosa Walk., Alomosia nigripennis, Macquarlii und Bigoti. — Zur
Gruppe der Asilen: Mallophora Craveriim\A infernalis Wied., Pro-
machus fnscipennis, cinctns, magnus, Truquii^ pulchellus, qtiadralus
und trapez-oidalis n. A., Erax unoinalus^ nnicolov, parvulus, carina-
tus, comalus, cinerescens, bicolor. Iricolor, bimaculalus, qiiadvimacti-
latus, niarginatus, eximius, cingnlalns, afßniSy nigripes und villosus
n. A., Asilus niegacephalus, apicalis, infuscatus, albospinosus, tue-
niatus, fuliginosus, Truquii, humilis und niveibarbus n. A., Ommatius
puniilus Macq. — Zur Gruppe der Dasypogonen : Ceraturgus- vitri-
pennis n. A., dimidiatus uijd rufipennis Macq., Dasypogon nigripennis,
nigripes, Cuanllensis, goniostigma , Jalcipensis, Craverii, virescens,
Sallei, Bigoti, rubesccns, tricolor, dubius, affinis, Truqnii, spalhnlatus,
quadrimaculatus, Lucasi und humilis u. A., ausserdem ü. secabilis
und magnificus W^alk., brunneus Wied. und candidus Macq. Disco~
cephala deltoidea, minula, longipennis und affinis n. A., D. nitida
\Aied., Leptogaster Truquii n. A. — Im Nachtrage werden ferner
noch beschrieben: Laphria homopoda, Erax Loewii, Asilus Tuxpan-
ganus, Ommalins fuscipennis und Dasypogon pseudojalapensis n. A.
Walker (Journal proceed. Linnean soc, Zoology V. p. '^33 fP.)
beschrieb als neue Arten von Dorey auf Keu-Guinea: Dioctria cla~
titentris, Laphria replens, liturifera, ardescens, disciplefia, tripars,
bipars, Trtipanea complens, Asilus laevis, Ommatius nanus und Da-
malis Itigens. — Ebenda p. 259 f. : Discocephala concolor, Trupanea
concolor und Asilus areolatus als n. A. von Maiiado auf Celcbes. —
Ebenda p. 263 ff. : Laphria ßammipentiis, Vulcanus Wied. var., obli-
qnistriga, Trupanea strenua (Walker), Plulonica, Ommatius discalis als
n. A. von Tond. — Ebenda p,277(r. : Dasypogon honestus (Walker),
glabratus, Laphria congrua, consurgens, conveniens, argentifera, ßa-
grantissima (Walker), basifera, Trupanea inlerponens, addens, Asilus
involutus und complens, Leptogaster tarsalis als n. A. von ßatchian.
— Ebenda p. 302: Dasypogon congressus als n. A. von lidon.
Loe.w, „Die Europäischen Arten der Galtung Stenopogon"
(Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 8 — 13) fügt den zwölf bekannten Euro-
päischen Stenopogon - Arten fünf neue hinzu: Sien, tanygastrus und
cervinus aus Spanien, macilentus aus Ungarn, alle drei mit ziemlich
weit geöffneter vierter Hinterrandszelle, occultus aus üesterreich, mit
geschlossener vierter Hinterrandszelle und ochripes aus Spanien mit
lang gestielter vierter Hintenandszelle. (Eine der letzteren nahe
verwandte Art, ebenfalls noch unbeschrieben, kommt in den Pyre-
näen vor. Ref.)
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 479
Derselbe (ebenda V. p. 35) beschrieb Plesiomma macra uhd
funesta als n. A. von Cuba.
Ref. (Monatsbericht d. Akad. d. Wissensch. zu Berlin 1861.
p. 1010 — 1013) verzeichnete 27 von Krüper in Griechenland aufge-
fundene Raubfliegen und stellte folgende neue vorläufig durch Diagno-
sen fest: Stetiopogon stralcgus und schisficolor (beide mit geschlos-
sener und gestielter erster Hinterrandszelle), Laphria Necate, aurißua
und empyrea, Asihis (Eutohnus) stratiotes, hacmaloscelis, (Machimus)
cerdo, (Mochtherus) malacias, (llamns) impudicus und dasymallns.
Leptidae. Bellardi (Saggio di Dilterol. Messic. II. p. 92 ff.)
beschrieb Atherix latipennis und longipes, Leptis? cinerea, Chrysopila
Mexicana und ferner (Anhang p. 26 ff.) Leptis bilaeniala und politae-
niata (sie!), Chrysopila nigra als u. A. aus Mexiko.
L 0 e w (Berl. Ent. Zeitschr. V. p. 316 ff.) Chrysopila velutina und
foeda n. A. aus Illinois, rotundipennis aus Georgia, Leptis terminalis
von Neu-York, hirta und scapularis aus Illinois.
Derselbe (Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 34) Chrysopila Uidens
als n. A. von Cuba.
Walker (Journal proceed. Linn. soc. , Zoology V. p. 282)
Leptis impar und Chrysopila gutlipetinis als n. A. von Batchian.
Empidae. Loew (Berl. Ent. Zeitschr. V. p. 319 ff.) beschrieb
als n. A. aus Nord - Amerika: Brachystoma serrulata aus Georgia,
Syneches rufus und pusillus von Chicago und ^eu -York , Syndyas
dorsalis von Neu-York, polila aus Carolina, Empis ohesa aus Massa-
chusetts, sordida Distr. Columbia, pallida, poeciloptera und armipes
von Neu -York, lahiala Distr. Columbia und varipes aus Pennsylva-
nien, Pachymeria pudicaDlsiv. Columbia, Rhamphomyia dimidiata aus
Maryland, laevigata von Nebraska, longicavda ])is\r. Columbia, fumosa
und pnlchra von Neu-York, glabra aus Virginien und Illinois, scllata
Distr. Columbia, gracilis aus Pennsylvanien, pulla aus Connecticut,
dehilis von Saskatchevan , longipennis , longicornis und pectinata
Distr. Columbia, gilvipes, luctifera und cervina von Neu-York, hrevis
Distr. Columbia, clavigera und anguslipennis von Neu-York, priapu-
lus aus Maryland, conjuncta Distr. Columbia, vara von Nebraska,
sordida, limbala und leucoptera Distr. Columbia, crassinervis von
Neu-York, liturata, pusio und nana aus Maryland, umhilicata und
ungulata aus Mexiko, soccata Missisippi.
Derselbe (Wien. Ent. Monatsschr, V. p. 36) Hybos dimidiatus
und Empis superba als n. A. von Cuba ; ebenda p. 349 Clinocera in-
ermis n. A. aus Kärnthen.
Bellardi (Saggio di Dittcrol. Messic. II. p. 97 ff.) Hybos di-
midiata, Empis bicolor. cyaneus und totipennis als n. A. aus Mexiko.
Walker (Journal proceed. Linn. soc, Zoology V. p. 237) be-
480 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
schrieb Hybos licolor (Walker var. ?) von Dorey auf Neu-Guinea und
p. 283 Epiceia ferruginea (Walker var.) von ßatchian.
Henopii. Bellardi (Saggio di Dilteroiogia Messicana, Appen-
dice p. 17) charakterisii te eine neue Gattung Apelleia, welche zur
Gruppe mit verküramertem Rüssel gehört. Die Augen sind nackt,
die Ücellen zu zweien vorhanden und von einander entfernt; Fühler
auf dem Scheitel entspringend, länger als der Kopf, ihr zweites Glied
um die Hälfte kürzer als das kurze erste, das dritte sehr lang, linear,
ohne Griffel. Schenkel verdickt, Schienen an der Spitze aufgetrieben,
Hinterleib fast kuglig. Fühler mit zwei Submarginal- und zwei
Hinterrandszellen, von denen die erste durch einen Quernerv in zwei
getheilt und wie die fünfte am Flügelrande geschlossen ist. — Art:
Ap. vittata aus Mexiko.
Dolichopodidde. Loew's Bearbeitung der Kord-Amerikanischen
Dolichopoden (Neue Beiträge zur Kenntniss der Dipteren VIII) ist,
abgesehen von dem grossen Reichthume an neuen Arten, welche
durch dieselbe der Fauna Nord-Amerika's zugefügt wird, auch für
die systematische Gliederung der Familie im Ganzen von Wichtigkeit.
Verf. beginnt mit einer analytischen Tabelle sämmtlicher ihm aus
eigener Anschauung bekannter Gattungen, deren Zahl sich mit Ein-
schluss einiger hier aufgestellter neuer gegenwärtig auf 42 stellt.
Dieselben werden in zwei Hauptgruppen, je nachdem das erste Füh-
lerglied auf der Oberseite behaart oder nackt ist, gesondert. Dieje-
nigen mit behaartem ersten Fühlergliede zerfallen in solche mit freiem
Hypopygium (Hygroceleuthus, Dolichopus, Gymnopternus, P elasto-
neurus nov. gen., Tachytrechus, Orthochile, Sybistroma, Hercosto-
mus, Hypophyllus, Haltericerus, Diostracus nov. gen.) und in sol-
che mit mehr oder weniger eingesenktem Hypopygium (Anepsius,
Argyra, Syntormon). Die zweite Abtheilung mit nacktem ersten Füh-
lergliede umschliesst die Gattungen njit verlängertem , zugespitzten
dritten Fühlergliede und apikaler Boistc (Synarthrus, Systenus, Rha-
phium , Xiphandrium, Porphyrops , Smiliolus und Aphrosylus) und
solche mit kurzem dritten Fühlergliede, oder wenn dasselbe verlän-
gert ist, nicht mit apikaler, sondern mit subapikaler Borste (Thino-
philus , Peodes , ISematoproctus , Leucostola , Eularsus, Diaphorus,
Lyroneurus , Chrysotils, Teuchophorus , Sympycnus, Campsienemus,
Plagioneurus, Liancalus, Scellus, Hydrophorus, Achaicus, Medeterus,
Chrysotimns, Xanthochlorus, Saucropus und Psilopus). Die Charaktere
dieser Gattungen, gleichviel ob dieselben in Amerika vertreten sind
öder nicht, werden dann, so weit sie nicht schon zur Genüge fest-
gestellt sind, vom Verf. noch im betreffenden Theile der Arbeit nä-
her erörtert und besonders mit denen der zunächst verwandten in
Vergleich gebracht. — Die 119 vom Verf. sehr ausführlich beschrie-
benen Kord-Amerikanischen Dolichopoden sind mit Ausnahme von 9
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 481
Arten sämmtlich neu oder mussten wenigstens, da sie mit den meist
mangelhaften Charakteristiken von Say, Walker, Mac qua rt u, s. w,
nicht stimmten, als solche angesehen werden. Sie vertheilen sich
auf die einzelnen Gattungen folgendermassen : Hygroceleuthus 1 A.,
Dolichopus 28 A., Gymnopternus 22 A., P elas l oneurus nov. gen.
6 A. , Tachytrechus 2 A., D ioslr acus nov. gen. 1 A., Argyra 4 A.,
Synarthius 2 A., Rhaphium 1 A., Porphyrops 4 A., Leucostola 1 A.,
üiaphorus 6 A., Lyioneurus 1 A., Chrysotus 8 A., Sympycnus 2 A.,
Campsienemus 1 A., Plagioneurus 1 A., Liancalus 1 A., Scellus 1 A.,
Hydrophorus 1 A,, Medeterus 2 A., Chrysotimus 2 A., Xanthochlorus
1 A., 5aucropus 3 A. und Psilopus 18 A. — Die neue Gattung F e-
last oneurus ist von Gymnopternus abgezweigt und unterscheidet
sich durch fiederhaarige Fühlerborste, so wie dadurch, dass der zweite
Theil des letzten Abschnittes der vierten Längsader plötzlich vor-
wärts gebogen ist. Die zweite neue Gattung Di o s tr acus unter-
scheidet sich von den übrigen Dolichopoden mit behaartem ersten
Fühleigliede und freiem Hypogygium durch die ausserordentlich gros-
sen Taster des Männchens; das Gesicht ist in beiden Geschlechtern
breit, das dritte Fühlerglied äusserst klein, der Metatarsus der Hin-
terbeine unbewehrt, erheblich länger als das zweite Glied. Abgese-
hen von der Behaartheit des ersten Fühlergliedes steht die Gattung
auch Thinophilus und Aphrosylus nahe.
Loew, „Ueber die Arten der Gattung Haltericerus Rond."
(Wien. Ent, Monatsschr. V. 310— 315. Taf. 6) gab eine nähere Charak-
teristik der schon durch die Fühlerbildung des Männchens sehr aus-
gezeichneten Gattung Haltericerus, welche zwischen Hercostomus und
Systenus zu stellen ist. Er bereichert dieselbe mit zwei von Stau-
dingcr in Andalusien aufgefundenen neuen Arten: Halt, eucerus
und spathulatus, erstere in beiden, letztere im männlichen Geschlechte
beschrieben.
Derselbe (ebenda p. 166 und 348) machte Gt/mnopfernMs prin-
cipalis (aus der Verwandtschaft des G. nobilitatus Lin.) als n. A. aus
der Umgegend von Meseritz, Liancalus leucostonius als n. A. aus
Kärnthen bekannt.
Derselbe (Berl. Ent. Zeitschr. V. p. 37) Diaphorus interruptus
als n. A. von Cuba,
Walker (Journal proceed. Linn. soc, ZoologyV. p. 238 und
283) Psilopus variipennis n. A. von Dorey auf Keu-Guinea und Psi-
lopus marginnlis n. A. von Batchian.
Stratiomyidae. Walker (Journal proceed. Linnean soc, Zoo-
logyV. p. i^75) machte eine neue Gattung Rhy phom orpha aus der
Xylophagiden- Gruppe bekannt, welche mit Rachicerus verwandt zu
sein scheint und in gleicher Weise durch vielgliedrige Fühler aus-
gezeichnet ist. Der Körper ist lang, spindelförmig, die Stirn senk-
Archiv f. Naturg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd. Ff
432 Gerstaecker: Beiicht über die wissenschaftlichen Leistungen
recht, die Augen hervoitlreleDd, sehr fein facettirt, die Mundöffnung
klein, die Fühler mit nahe an zwanzig^ queren, zahnarlig ausgezoge-
nen, zusammeagedrückten 4iiiederB, fast so lang wie der Kopf breit;
Schildchen unbewehrl, Hintenlcib nicht ganz doppelt so lang als der
langgestreckte Thorax, Beine kurz und zart. Diskoidalzelle der Flü-
gel fast viermal sq lang als breit; erste Hinlerrandsader gekrümmt,
zweite rudimentär, dritte gekrümmt und mit der vierten nahe am
Flügelraade vereinigt. — Art: Rhxjph. bilinca von Batchian, 3 Lin.
Derselbe (ebenda V. p. 232 ff.) beschrieb als neue Arten aus
der Slratiomyiden - Gruppe: Stratiomys hifascia , Clilellaria obesa,
Sargus. longipes und Jinda recedens von Dorey auf IVeu-Guinea, p.258:
Clilellaria tibialis von IVlanado auf Celebes, p. 270 ff. : Stratiomys
aequalis, Salduha hilaris, Ingubris, melanaria, scapularis, singularis,
Ohrapa celyphoides, Chrysomyia bipars, Sargns concisus tibialis, qua'
drifcbsciatvs, tarsalis, debilis und inficitus von Batchian.
Bellardi (Saggio di Ditterol. Messic. II. Anhang p. 8 ff.) Her-
melia lativenlris (Bellardi var.), Acanthina nana, Stratiomys bimacu-
lata , Chordonota fuscipennis und carbonaria , Clilellaria pygmaea,
Sargu&tersicolor^ Acanthomer a Bellardii [B'igot i. lit.) und Bigolii als
H.A. aus Mexiko.
Loew (Berl. Enlom. Zeitschr. V. p, 316) Arthropeas Americana
als n. A. aus Nord-Wiskonsin.
SyrpWdae. L o eiv (Wien. Ent. Monatsschr. V. p. 37 ff.) beschrieb
Ceria tricolor, Temnocera puhescens, Volucella sexpunclata, Xylola
prctiosa, Syrphus jactafor, simplex und Baccha parvicornis als n. A.
von Cuba.
Derselbe (Berl. Ent. Zeitschr. V. p. 343) Trcpidia mamillata
als n. A. aus Illinois.
Walker (Journal proceed. Linn. soc, Zoology V. p. 238 ff.)
Ceria annulifera, Eristalis bomboides {Wi\\ker) und obscurata, Baccha
basalis als n. A. von Dorey auf Neu -Guinea. — Ebenda p. 266:
Eristalis torluosa und Paragus latiusculus als n. A. von Tond. —
Ebenda p. 284 ff. : Eristalis helophiloides, lucilioides, Eumerus argen~
tipes, Paragus substitutus, Baccha incisa, triparlita als n. A. von Bat-
chian. — Ebenda p. 303: Eristalis inficitus n. A. von Tiden.
Bigot (Annales soc. entom. 4. ser. I. p. 228) Xylota fulviven-
tri», als n. A. von Corsika.
Rondani (Atti della soc. Italian. II. p. 144 ff. und p. 165 ff.)
Sphiximorpha Garibaldii als n. A. aus Parma. Dias^e. Art sqII nach
der Beobachtung des Verf. 's ihre Eier auf die Larven der Coccinella
septempunctata absetzen. (Es wäre dies eine auffallende Abweichung
von der Lebensweise der Larve bei den übrigen Ceria-Arten. Ref.)
.^„ Oestridae. Brauer, „lieber Oestrus leporinus Pallas" (Ver-
im Gfebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 483
handl. d. zoolog. - bolan. Gesellsch. zu Wien 1861. p. 311 ff.) glaubt
in dem von Pallas beschriebenen Oestrus Icporinus , welcher ein
Parasit von Lagomys alpinus ist, mit Sicherheit seine üestromyia
salyrus wiederzuerkennen; er vermuthet, dass dieselbe sich eben-
falls mit der Z(fit als die Biesfliege eines Nagethieres der Alpen aus-
weisen wird.
Laboulbene, ^Description et fignre d'une larve d'Oestride
de Cayenne, extraite de la peau d'un homme" (Annales soc. entom.
4. ser. I. p. 249 — 253. pl. 7. fig. 19) machte abermals eine zu Cayenne
aus der Haut eines Alenschen geschnittene Larve bekannt, welche
nach seiner Ansicht sowohl von dem Ver macaque als von dem Ver
Moyaquil verschieden ist. Verf. glaubt, dass dieselbe einer Cutere-
bra-Art angehöre. (Die neueren Abhandlungen von Grube, von
dessen Abbildung die der L a b o u 1 ben e'schen Larve übrigens gleich-
falls bedeutend abweicht, so wie von Brauer sind dem Verf. bei
Abfassung seines Artikels nicht bekannt gewesen. Ref.)
MnSCäriaO. Laboulbene, „Metaraorphoses d'une mouche pa-
rasite, Tachina (Masicera) villica" (Annales soc. entom. 4. ser. L p. 231
— 248. pl. 7) gab eine ausführliche Schilderung des äusseren Körper-
baues einer in Noclua brassicae parasilirenden Taehine nach den drei
verschiedenen Entwickeliing?stadien. An der Larve, welche im All-
gemeinen ganz nach dem Typus der acephalen Muscarien- Larven
gebaut ist, scheinen dem Verf. die beiden Ahmdhnken (Mandibeln) iso-
lirt und an ihrer Basis durch ein starkes Ligament mit einander ver-
bunden zu sein; ob die über ihnen liegenden fleischigen Zipfel als
Palpen zu deuten seien, lässt er dahingestellt. Die vorderen, auf der
Gränze zwischen dem ersten und zweiten Körpersegmente liegenden
Stigmata stellen vier in einer dichten Reihe liegende Oeffnungen dar,
die hinteren sind wie bei Sarcophaga haemorrhoidalis (nach Dufour)
gestallet. Die Larve durchbohrt als solche die Puppe der Koctua,
wird aber unmittelbar darauf sehr schell zur Puppe; dasselbe scheint
dem Verf. Dufour's Angaben entgegen, bei Ocyptera und Hyalomyia
der Fall zu sein. — An der Puppe ist das Auffallendste das Vorhan-
densein zweier Stigmen -Höcker auf dem vierten Körpersegmente;
dieselben liegen auf der Oberseite, ganz nahe dem Seitenrande und
sind die Rudimente der bei Phora, Aricia u. a. vorkommenden Hör-
ner. — Die als Tachina villica Rob. Desv. (nee Zetterst.) bestimmte
Fliege wird nach beiden Geschlechtern gleichfalls beschrieben und
wie die Larve und Puppe nebst ihren einzeinen Theilen auf pl. 7
abgebildet.
Nach Leuckart („Die Larvenzustände der Museiden, eine vor-
läufige Mitlhoilung", dies. Archiv f. IVaturgesch. XXVIL p. 60 ff.) treten
bei den Muscarien -Larven während ihrer Entwickelung ganz allge-
mein mehrere von einander verschiedene Larvenformen auf, die
^84 Gerslaec ke r: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
sich besonders durch die Bildung der Stigmata und Mundlheile von
einander unterscheiden. Beider Gattung Alusca unterscheidet Verf. drei
Stadien: Im ersten (von zwölf Stunden Dauer) fehlen die vorderen
Stigmen, während am Hinterende des Körpers jederseits zwei dicht
neben einander liegende spaltförmige Luftlöcher voi4anden sind. Im
zweiten (von sechs und dreissig Stunden Dauer) hat sich auf dem
zweiten Segmente beiderseits eine Reihe von sieben bis acht kleinen,
in denselben Tracheenstamm mündenden Stigmen gebildet; die des
Ilinterendes sind während dieser Periode in einen Chitinring einge-
schlossen. Im dritten Stadium, welchem gleich dem zweiten eine
Häutung vorangeht , finden sich am hinteren Körperende jederseits
drei Stigmen.
V. Frauen feld (Beitrag zur Kenntniss der Insekten-Metamor-
phose, Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien 1861. p. 163 ff.)
theilte fernere Beobachtungen über die Entwickelungsgeschichte der
Trypeten mit. Von den 25 speziell erwähnten und in Bezug auf
ihre Kahrungspflanzen näher erörterten Arten wurden folgende theils
aus bisher unbekannten, theils überhaupt zum ersten Male erzogen:
Tryp. tessellata Lw. aus Sonchus arvensis, Tr. conjuncta Lw. aus Leon-
todon autumnalis, Tr. onotrophes Lw. aus Carduus acanthoides, Tr.
stellata Fssl. aus Inula britannica, Serratula tinctoria und Hieracium
sabaudum, Tr. pupillata Fall, in zwei Generationen aus Hieracium
murorum und sabaudum (ihre Larve und Puppe auf Taf. 2 abgebildet),
Tr. Zoe Mg. aus Senecio erucifolius, Tr. eriolepidis Lw. aus Centau-
rea Cyanus, Tr. sonchi Lin. aus Homogyne nlpina, Tr. stylata F. aus
Cirsium arvense, Tr. matricariae Lw. aus Chrysanthemum inodorum,
Tr. ruralis Lw. aus Hieracium pilosella.
Derselbe, „Eine für Oesterreich neue Trypeta" (ebenda p.383 ff.)
gab eine ausführliche Charakteristik der aus Inula crithmoidcs von
ihm erzogenen Trypeta ßlotii (vermuthlich identisch mit Ensina Blotii
Macq.). Beifolgend Bemerkungen über Tryp. aprica, macrura, tere-
brans und eriolepidis.
Giraud (ebenda 1861. p. 484 ff.) beschrieb Agromyza Schineri
n. A. , aus Anschwellungen der Zweige von Populus alba erzogen,
nebst ihrer Larve und Kymphe; die Gallenbildungen derselben sind
auf Taf. 17. fig. 5 abgebildet. — Lonchaea lasiophthalma Macq. (= L.
aeruginosa Lw.) erzog Verf. aus Gallenbildungen von Cynodon da-
clylon; auch von dieser Art werden Larve und Kymphe beschrieben.
— Die Larve von Cacoxenus indagator Loew fand Verf. in Mehrzahl
in den mit Honig gefüllten Zellen der Osmia emarginata Lepel. ne-
ben der Bienenlarve; letztere ging zu Grunde, während die Fliegen-
larven den Honig verzehrten, sich verpuppten und im kommenden
Frühjahre die Fliege lieferten. — Ortalis connexa Fab. entwickelte
sich aus den Schoten von Vincetoxicum officinale.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 485
Walker (Journal proceed. Linnean soc, Zoology V. p. 240 ff.)
machte folgende neue Gattungen und Arten von Uorey auf Keu-Gui-
nea bekannt : Nemorea postulans, Eurygaster mutans, Pkorocera con~
vertens, Rutilia glorificans und lucigena (= callipygos Gersl. ?). —
D ol eschalla nov. gen., aus der Dexien-Gruppe, mit Scotiptera ver-
wandt, von schlankem, cylindrischem Körper, beim Männchen mit
sehr langem, beim Weibchen mit kürzerem und breiterem Hinterleibe ;
Gesicht etwas schräg, Taster lang und dünn, Fühler nicht bis zum
Mundrande reichend, das dritte Glied viermal so lang als das zweite,
mit gefiederter Borste. — Art: Dol. cylindrica. — Gymnostylia invita,
Frosena luriJa, Lucilia ditissima, Callipfiora? sarcophagoides, Call.?
mesembrinoides, Graptomyza calliphoroides, Ochromyza trifascia, He-
lomyza iiivistriga und quadrifera. — C o tamba, nov. gen., zu den
Borboriden gestellt, scheint dem Verf. den Uebergang zu den Osci-
niden zu machen. Körper ziemlich breit, Kopf von Thoraxbreite,
oberhalb abgeflacht, Augen nackt, Mundrand nicht hervortretend,
Mund und Taster klein; Fühler sehr kurz, mit grossem, rundem End-
gliede und behaarter Fühlerborste mit nackter Spitze. Beine kräftig
mit leicht gebogenen Hinterschienen und verdicktem Metatarsus. —
Art: Cot. fumifera. — Lamprogaster patnla, costalis, basalis und ven-
tralis. — Poticara nov. gen., aus der Ortaliden-Gruppe, von ge-
drungenem Körperbau, mit sehr kurzem Kopfe, der beim Männchen
viel breiter als der Thorax, beim Weibciien nur wenig breiter ist
und sich durch sehr kurzes Gesicht auszeichnet. Mund und Taster
klein, Fühler nicht bis zum Mundrande reichend, ihr drittes Glied
linear, viermal so lang als das zweite, mit haariger Borste; Hinter-
leib schmaler und wenig länger als der Thorax, Beine massig lang,
Flügel beim Männchen erweitert, mit gerundetem Costalrande. — Art:
Pot. triarcuata. — Mystia nov. gen., gleichfalls zu den Ortaliden
gestellt. Körper des Männchens gedrungen, Kopf kaum breiter als
der Thorax, Stirn niedergedrückt, Gesicht sehr breit, Mundrand leicht
hervortretend, Backen aufgeschwollen; Fühler nicht bis zum Mund-
rande reichend, ihr drittes Glied viermal so lang als das zweite, mit
haariger Borste. Schildchen hervortretend, Hinterleib oval, etwas
kürzer und kaum breiter als der Thorax. — Art: M. attrahens. —
Dacus devius, instabilis, sordidus, lituralus, Dac. ? nigrilinea und
concisus, Rioxa formosipennis, Calobata contraria, plagiata, Micropeza
forficuloides und Nerius mantoides.
Derselbe (ebenda V. p. 260 ff.) beschrieb Dexia cylindrica,
Musca (IsomyiaJ conßagrans, Lamprogaster luteipennis und sextit-
tata, Daciis divergens (Walker var.), Eniconeura piclipennis (Walker
fem.) als n. A, von Manado auf Celebes und -(p. 266 ff.) Dexia fusi-
formis, Idia divisa, Musca umbrifera, Plalystoma frontalis , puncli-
486 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
plena, Fhylnlmia gultipennis und Coenurgia remipes (Walker fem.)
als n. A. von Tond.
Derselbe (ebenda V. p. 286 fT.) beschrieb als neue Arten von
Batcbian : Eurygasler limilaris, Masicera? ficta^ Dexia nivifera, Ru-
tilia saluralissima, fervens, atribasis, complicita, volucelloides und
trixoides, Silbomyia? diffusa^ Helomyza scutellaris, Sepedon coslalis,
Pterogenia vittifinis , variipennis , Plalyslotna atomaria , producta^
Dacus pubiseta, discipcnnis, areolafus, strigifinis, Abrama consors,
Strumeta repleta, Ortalis tarsalis und obliqua, Angitula longicollis
(Walker var.), Calobata stabilis und coarclata, Micropeza prolixa. —
Cephal oconus nov. gen., zur Osciniden-Gruppe gestellt. Körper
gedrungen, etwas gewölbt, Kopf kaum kürzer als der Thorax, mit
verlängertem, hervorgestrecktem, kegelförmigem Gesicht und sehr
kleinem Peristom. Rüssel und Taster sehr kurz, Fühler gleichfalls
sehr kurz, mit konischem Endgliede und nackter Borste von vier-
facher Länge derselben; Schildchen hervortretend, Hinterleib läng-
lich kegelförmig, kürzer und etwas schmaler als der Thorax, Beine
ziemlich kurz, mit schlanken Schienen und Tarsen. — Art : Ccph.
tenebrosus. — Ebenda p. 302 ff. : Musca (ChrysomyiaJ nitesccns n. A.
von Makian und Echinomyia sarcophagoides n, A. von Tidon.
Loew (Berl. Ent. Zeitschr. V. p. 344 ff.) beschrieb als n. A.
aus Nord-Amerika : Tetanocera triangnlaris und rotundicornis Eng-
lish River, Sciomyza luctifera, Trypeta alba, albidipennis, Vernoniae,
Palloptera superba, Saproniyza compedila, fraterna und quadrilineata
aus Pennsyl vanien, Sapromyia bispina und tenuispina von Kebraska,
cincta von Cuba, Pachycerina verlicalis aus Florida, Lauxania varie-
gata von Cuba, opaca aus Florida, gracilipes, obscura und manu-
leata aus Pennsylvanien, muscaria aus Cuba, femoralis und Irivittata
aus Georgia, Discocerina orbilalis von Washington , simplex und
leucoprocta aus Maryland , Hydrellia formosa, Philygria opposita und
debilis, Parydra abbreviata aus Pennsylvanien, Scatella obsoleta von
Washington, Milichia picta aus Georgia und Diastata pulchra Penn-
sylvanien.
Derselbe, „Ueber die Afrikanischen Trypetina" (ebenda
p. 253 — 306. Taf. 2} lieferte nach Aufzählung und Beurlheilung der
von anderen Autoren bisher beschriebenen Afrikanischen Arten, de-
ren Zahl sich im Ganzen auf 29 stellt, sehr eingehende Beschreibun-
gen und Abbildungen von 30 ihm aus eigener Anschauung bekann-
ten Trypeten Afrika's, von denen 23 neu sind. Die beschriebenen und
durch Abbildung ihrer Flügel illuslrirten Arten sind: Tr. jucunda und
laticeps n. A. aus dem Cnffernlande, vittata Fab. aus Guinea, sinuala
und exccllens aus dem Caffernlande, grata Wied. vom Cap, luntfera,
gracilis, angusta, ternaria, binaria, semiatra und planifrons aus dem
Catfeinlande, ulula votu See M'Ganii, bipunctata voiu Cap» indecora
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. A"^
und anceps aus dem Caffernlande, conyzae Frfld. aus Aegypten, prae-'
texlata n. A., dubia AValk., caffra, dissoluta aus dem CafFernlande,
ignobilis vom Cap, helva, ochracea aus dem CafFernlande, spreta aus
Aegypten, diversa Wied. vom Cap, decora ii. A. und confluens Wied.
ebendaher, augur Frfld. aus Aegypten.
Derselbe (Wien. Ent. Monalsschr. V. p. 384 ff.) macht« unter
dem Namen Blaesoxipka grylioctvna eine neue, zu Sarcophaga gehö-
rende Fliege bekannt, welche sich von letzterer durch eine im Leben
bervorstreckbaren, säbelartigen Legestachel unterscheidet; die Füh-
terborste ist von der Basis bis zur Älitte lang gefiedert, die dritte
Längsader allein an der Basis beborstet. Verf. beobachtete dfese Art
auf den Oesterreichischen Alpen in steter Verfolgung der Pezotettix
alpina, wahrscheinlich um dieser ihre Eier zu appliciren.
Derselbe (ebenda V. p. 41 ff.) -beschrieb Hylemyia angusti-
frons, Homalomyia femorala, Sepsis soahra und Milichia leucagastra
als n. A. von Cuba.
Derselbe (ebenda V, p. 350) Lispe superciliosa a. A. aus
Kärnthen und Sapromyza quadrivittala von Keustadt-Ebcrswalde.
Egg er (Verhandl. d. zoolog.-botan. Geselisch. zu Wien 1861.
p. 209 ff.) Nemoreec speciosa, nigrithorasc, Tachina nigricans, dtmatica,
polychcla, Masicera proxima, egens, Gaedia distincta, B'onmhaueria
grandis (Schlesien), gracilis, Fronlina nigricans, Redtenbacheria in--
signis und phaniaeformis, Apodacra pulchra als n. A. aus Oesterreich.
Bigot {Annales soe. entom. 4. ser. L p. 228) Miltogramma
brevipennis als n. A. von Corsika.
Rondani (Atti della soc. Italian. IL p. 183) fügte seiner üe-
bersicht der Italienischen Tachinarien als Kachtrag die Gattung Neaera
Roh. hinzu, deren typische Art N. laticornis Meig. -(fem. albicollis
Meig.) von ihm bei Parma gefangen wurde.
Saunders, „On Elaphomyia, a genus of remarkable Insects
of the Order Diptera" (Transact. ent. soc. V. p. 413— 416. pl.l2— 13)
machte unter dem Namen Elaphomyia die bereits vom Ref. Phy->
talmia benannte Gattung, dieselbe in die Nähe von Calobata stellend,
bekannt, beschrieb aber gleich fünf in beiden Geschlechtern vorlie-
gende Arten derselben. Nur den Männchen sind die eigenthumlichen
obren- und geweihartigen Fortsätze des Kopfes eigen, während sie
den Weibchen ganz fehlen. So verhält es sich wenigstens bei den
vier ersten vom Verf. beschriebenen und abgebildeten Arten: Elaph.
cervicornis (= Phytalm. cervicornis Gerst.), Wallacei (:= Phyt. me-
galotis Gerst.), alcicornis und brevicornis, während bei der fünften
Elaph. polita beide Geschlechter einen einfach gebildeten Kopf ha-
ben. — Auf zwei beifolgenden vonW^estwood gezeichneten Tafeln
sind ausser diesen fünf Arten (von üor«y auf Neu-Guinea) noch Achias
488 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
longividens, latividens und amplividens Walker von den Aru-Inseln
dargestellt.
Philip pi, „Beschreibung einer neuen Fliege, deren Larven
in der Nase und Stirnhöhle einer Frau gelebt haben" (Zeltschr. f. d.
gesainmt. Naturwiss. XVIL p. 513 f). Verf. erhielt in Santiago Flie-
genmaden , welche aus der INase einer Frau entleert wurden und
erzog aus denselben eine ihm bis dahin nicht bekannt gewordene
Calliphora, welche er als n. A. unter dem Kamen Calliphora infesta
diagnosticirt. Von Call, fulvipes Macq. und annnlipes Philippi, beide
hier ebenfalls diagnosticirt, unterscheidet sich dieselbe u. a. durch
ganz schwarze Schenkel und pechbraune Schienen. (Nach den vom
Verf. gegebenen Diagnosen zu urtheilen, ist Calliphora infesta Phil,
wohl nur die von Mexiko bis nach den La Plala-Staaten verbreitete
Call, macellaria Fab. und Call, annnlipes Phil, die ebenfalls von
Colurabien bis nach den La Plata-Staaten vorkommende Call, fulvi-
pes Macq. Ref.)
Cresson (Proceed. ent. soc. of Philadelphia 1861. p. 26 u. 42)
machte Mittheilungen über häufiges Vorkommen der Sphyracephala
brevicornis Say in Nord-Amerika; die Art erscheint in zwei Gene-
rationen, Anfang Mai's und dann wieder im August.
Pupipara. Walker (Journal proceed. Linneansoc, ZoologyV.
p. 254, 263, 270 und 300) beschrieb Oniithomyia Doreica, exilis und
plana als n. A. von Dorey auf Neu -Guinea, obscurata von Toud,
Simplex von Manado auf Celebes und Batchiana von Batchian.
Einige Mittheilungen über das Vorkommen von Stenopteryx hi-
rundinis und ihrer Puppen in den Nestern von Hirundo urbica machte
Y. Frauen feld (Verhandl. d. zoolog. - botan. Gesellsch. zu Wien
1861. p. 109 f.).
Ueber massenhaftes Vorkommen der Puppen von Ornithomyia
avicularia Latr. in den Nestern der Hirundo rustica und über das
Ausschlüpfen der Fliege gab F. Loew (ebenda p. 394) Nachricht.
Aphaniptera. L. Dufour, „Des cocons de la puce" (Annales
soc. entom. 4. ser. L p. 255 — 258) gab eine delaillirte Beschreibung
der Cocons, welche sich die Larven des Flohes zur Verpuppung
construiren. Er erhielt eine grössere Anzahl solcher Cocons aus
einem Carmeliter-Kloster, wo sie sich in den Ritzen eines Fussbodens
fanden. Sie sind oval, 3 Mill. lang, auf der Überseite leicht convex,
unten abgeflacht; die Oberseite ist mit Sandkörnchen bedeckt, welche
mittels eines erhärteten Schleimes daran zu haften scheinen; entfernt
man dieselben, so erscheint ein aussen schwärzliches, innen weisses,
seidiges Gewebe.
Ein von van Hasselt in der Versammlung der Niederländi-
schen Entomologen im J. 1860 zu LeyUen gehaltener Vortrag über
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 489
Pulex (Sarcopsylla) penetrans, in welchem die Nachrichten verschie-
dener Reisender und Beobachter über die Lebensweise dieser Art
zusammengestellt sind, ist in der Tijdschr. voor Entomol. IV. p. 23 — 30
abgedruckt.
Hemiptera.
Von G. Flor's gediegenem Werke „Die Rhynchoten
Livlands, in systematischer Folge beschrieben" ist im J. 1861
der zweite Band (Separatabdruck aus dem Archiv für die
Naturkunde Liv-, Ehst- und Kurlands, 2. Ser. 4. Bd.),
Dorpat, gr. 8. 637 pag. erschienen. Derselbe enthält die
Bearbeitung der ersten Hälfte der Homopteren (Gulaero-
stria) Livlands, nämlich die Familien der Gicadinen (Ful-
gorina, Membracina und Cicadellina) und die erste Familie
der Pflanzenläuse, die Psylloden ; der noch zu erwartende
dritte Band wird daher die Familien der Aphiden, Coccinen
und Pediculinen abzuhandeln haben. Bei einer gleich sorg-
fältigen Behandlung des Gegenstandes, wie sie am ersten
Bande gerühmt wurde, wird der vorliegende zweite sich
der Aufmerksamkeit der Hemipterologen um so mehr zu
erfreuen haben, als er des Neuen in demselben Verhält-
nisse mehr enthält, wie die Homopteren bis jetzt eine
weniger allgemeine Beachtung als die Heteropteren gefun-
den haben. In den meisten artenreicheren Gattungen hatte
der Verf. hier einige oder selbst mehrere neue Arten ein-
zuführen, wie bei Delphax (8A.), Idiocerus (4 A.), Pedio-
psis (1 A.), Deltocephalus (7 A.), Athysanus (2 A.), Jassus
(1 A.) , Typhlocyba (7 A.) , Psylla (7 A.) , Trioza (3 A.),
Rhinocola (1 A.) und Agallia (2 südeuropäische Arten).
— Den Schluss des Bandes (p. 569 — 622) bilden Berichti-
gungen und Zusätze zu den Heteropteren , welche u. a.
die Beschreibung von vier neuen Phytocoris-Arten enthalten.
Das bereits im vorigen Jahresberichte angezeigte, für
die Kenntniss der Europäischen Hemipteren besonders wich-
tige Werk von F. X. Fieber: Die Europäischen Hemiptera
(Rhynchota heteroptera) ist im J. 1861 mit dem 2. bis 4.
Hefte abgeschlossen worden und bildet einen ansehnlichen
Band von 442 Seiten. Das Unternehmen des Verf.'s ist ein
490 Gerstaecker: Bericiit über die wissenschaftlichen Leistungen
durchaus zeitgemässes und kann schon seiner Natur nach
eines bedeutenden Einflusses auf die Weiterent\vickelung
der Europäischen Heinipterologie gar nicht ermangeln; denn
es trägt ein sehr anseiinliches, theils in kostbaren icono-
graphischen Werken niedergelegtes, theils in der periodi-
schen Literatur weit und breit zerstreutes Material in
umfassendster und handlichster Weise zusammen, fügt
ausserdem dem bereits Bekannten viel Neues hinzu. Ue-
berdem hat die sehr exacte Untersuchungsweise des Verf.'s,
welche bereits aus seinen früheren Arbeit-en über die Hy-
drocoriden u. s. w. bekannt ist, zu einer spezielleren Kennt-
uiss des äusseren Körperbaues, dessen sämmlliche Theile
in viel ausgedehnterer Weise als bisher systematisch ver-
werlhet werden, wesentlich beigetragen und mithin auf
die Unterscheidung der Gattungen und Arten einen fördern-
den Einfluss geübt. Das die Zahl der Gattungen, weiche
der Verf. theils annimmt, theils neu aufstellt, eine über-
mässig grosse ist und die Uebersichllichkeit eher zerstört
als fördert, ist allerdings nicht zu verkennen, andererseits
aber das natürliche Resultat einer minutiösen Untersuchung;
ausserdem schliesst er sich aber in dieser Beziehung den
heutigen Bestrebungen der Systemaliker nur an und hatte
gerade auf dem von ihm bearbeiteten Felde ein (wenn
auch nicht der Nachahmung zu empfehlendes) Vorbild in
Amyot's Methode mononymique. — Beider systematischen
Vervverthung fast sämmllicher Theile des Haulskeletes, wie
sie der Verf. in seinen analytischen Tabellen zur Bestim-
mung der Familien, Gattungen und Arten anwendet, war
eine speziellere Horismologie , als sie bisher in dieser
Ordnung in Anwendung gekommen war, nölhig. Dieselbe
wird in einer Einleitung, welche einer Darstellung des äus-
seren Körperbaues gewidmet ist, auseinandergesetzt und
durch Umriss- Figuren erläutert; in manchen Fällen war
eine besondere Benennung einzelner Theile, durch die Ei-
genlhümlichkeit ihrer Ausbildung unter den Hemipteren
bedingt, geboten, während in anderen die Nomenklatur
besser der allgemein übliciien (z. B. Prosternal -Fortsalz
für „Vorderbrust-Xyphus") angeschlossen worden wäre.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1816. 491
W. Schleicher (Verhandl. d. zoolog". -botan. Ge-
sellsch. zu Wien 1861. p. 315 — 322) stellte ein systema-
tisches Verzeichniss der in der Gegend von Gresten vor-
kommenden Rhynchoten zusammen. Die Zahl der (allein
verzeichneten) Heteropteren beträgt 230 Arten, welche
sämmtlich von Fieber bestimmt worden sind.
Stainton Hess im Entomologists Annual for 1861.
p. 46—51 ein systematisches Verzeichniss der in England
einheimischen Hemiptera heteroptera (nach F. Walker)
abdrucken; dasselbe weist 256 Arten nach.
Rhynchoten aus dem Caucasus und von der Gränze
Persiens, gesammelt von N. v. Seidlitz, bestimmt von
Dr. Gust. Flor (Bullet, d. natural, de JVloscou 1861. I.
p. 619 — 623). — Es werden 44 Arten, welche sämmtlich
den Heteropteren und mit zwei Ausnahmen den Geocoriden
angehören, unter Beifügung der Fundorte und Erscheinungs-
zeit aufgeführt.
Signoret, Description de quelques Hemipteres nou-
yeaux (Annales soc. ent. 4. ser. I. p. 55 — 58). Beschreibung
von neun neuen exotischen Arten aus den Familien der
Pentatomiden, Coreoden und Fulgorinen.
C. Stäl („Miscellanea hemipterologica", Entomol. Zei-
tung XXII. p. 129 — 153) lieferte für einzelne Gruppen der
Reduvinen und Pentatomiden eine übersichtliche Zusam-
menstellung der Gattungen mit Beschreibung einzelner neuer
Arten; im Anschluss hieran werden aus verschiedenen Fa-
milien der Heteropteren und Homopteren einzelne neue
Gattungen und Arten charakterisirt.
Derselbe setzte seinen schon im vorigen Jahres-
berichte erwähnten „Bidrag tili Rio-Janeiro-Traktens He-
mipter-Fauna" (Kon. Vetensk. Akad. Handlingar III. no. 6.
— Separatabdruck in gr. 8. 75 pag.) mit der Aufzählung
und Beschreibung der bei Rio-Janeiro vorkommenden Ho-
mopteren fort; dieselben gehören sämmtlich den verschie-
denen Familien aus der Gruppe der Cicadinen an, in welchen
zahlreiche neue Gattungen errichtet werden.
Uhler lieferte mehrere kleinere Beiträge zur Kennt-
niss der Nord - Amerikanischen Hemiptercn- Fauna in den
492 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Procced. cntom. soc. of Philadelphia 1861. p. 21 — 24 (De-
scriptions of a few new specics of Herniplera and obser-
vations lipon some already described) und in den Proceed.
acad. nat. scienc. of Philadelphia 1861. p. 282—287 (Ho-
moptera of the North Pacific Exploring Expedition under
Comrs. Rodgers and Ringgold. — Descriplions of four spe-
cies ofHemiptera collected by the North-Western Boundary
Survey. — Rectiflcation of the paper upon the Hemiptera
of the North Pacific Expedition). Verf. beschreibt in den-
selben 14 neue Arten aus verschiedenen Familien und er-
örtert von anderen die systematische Stellung, die Synony-
mie u. s. w,
Montrouzier, „Essai sur la faune entomologique
de la Nouvelle-Caledonie (Balade)", enthalten in den An-
nnies d. 1. soc. entom. 4. ser. I. p. 59 — 74. — Verf. zählt
im Ganzen 52 Hemipteren verschiedener Familien von Neu-
Caledonien, Lifu und Art auf und giebt von den darunter
befindlichen neuen zum Theil ausführlichere , zum Theil
aber auch sehr aphoristische Beschreibungen. Die Unter-
bringung dieser Arten bei den neuerdings angenommenen
Gattungen hat Signoret, welcher gleichzeitig öfter Be-
merkungen über ihre nähere Verwandtschaft einfliessen
lässt, übernommen.
Pentatomidae. StuI (Entom. Zeitung XXII. p. 142 ff.) machte
folgende neue Gattungen und Arten bekannt: 1) Crathis nov. gen.
Mit l'achycoris verwandt , von eigenthümlichem Habitus besonders
durch den langen Kopf, der von Thoraxlänge, vorn verschmälert, an
der Spitze beiderseits plötzlich buchtig verengt ist und dessen Mit-
teliappen die seitlichen etwas an Länge übertrifft. Körper fast qua-
dratisch, zweites und drittes Fühlerglied fast gleich lang, Rüssel die
Basis des Hinterleibes ein wenig überragend, Schildchen etwas kür-
zer als breit, ein wenig schmaler als der Hinterleib; letztes Bauch-
segment die Genitalien deckend. — Art: Cr- longifrons aus Colum-
bien. — 2) Brachymna nov. gen., mit Scphela verwandt. Körper
schmal eiförmig, sehr flachgedrückt, Kopf gross, flach, dreieckig, die
stumpfen Seitenlappcn vor deui mittleren zusammenstossend, die Füh-
lerhöcker etwas über den Seitenrand hervorragend ; Ücellen unter
sich und von den Augen gleichweit entfernt, Fühler zart, ihr erstes
Glied von V^ der Kopflänge. Rüssel die flinterbeine erreichend, das
erste Glied kürzer als die Backen, Seitenjäudei des Thorax gekerbt,
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 493
Schildchen mitlelorross, an der Spitze verengt. — Art: Br. tenuis
von Hongkong. 3) Drinostia nov. gen., der vorigen Gattung nahe
stehend. Körper verkehrt eiförmig, Kopf wie bei jener, aber die
Fühlerhöcker nicht seitlich hervortretend, Ücellen wie vorher ; Rüssel
das dritte Bauchsegment erreichend , sein drittes Glied ein wenig
länger als das zweite. Thorax mit ganzrandigen Seiten, Schildchen
an der Spitze stumpf, Mesosternum in der Mitte leicht ausgehöhlt,
Schienen ausserhalb breit gefurcht. — Art: Dr. planiceps von Hong-
kong. 4) Poriptns nov. gen., mit Diceraeus verwandt. Körper
länglich, Kopf länglich dreieckig, länger als der Thorax, seine Sei-
tenlappen dreieckig, vor dem mittleren weit hervortretend und daselbst
zusammenstossend ; Fühler zart, etwas länger als der Kopf, Rüssel
bis zu den Mittelhüften reichend. Thorax mit dornartig ausgezogenen
Seitenecken, Schildchen nach hinten leicht verengt, Melasternum ge-
furcht; Adern der Membran einfach. — Art : P. luctans aus Brasilien.
— INeue Arten: Hoffmannseggiella curtispina von Java, Rhaphigaster
snbmarginatus aus Aegypten.
Derselbe (ebenda XXII. p. 139 ff.) gab eine „Tabula synoptica
generum Strachiae affinium". Die Charaktere von folgenden sechs
Gattungen werden in einer analytischen Tabelle auseinandergesetzt:
1) P harypia nov. gen., für Vulsirea pulchella Dali, errichtet. 2)
Arocera Spin. 7 A. ; neu: A. rufonotata aus Mexiko. 3) Ptilar-
mus nov. gen., für Rhaphigaster sticticus und marginalis Dali, und
Pt. nitidiventris n. A. aus Mexiko. 4) Vulsirea Spin. 2 A. 5) Ru-
nibia nov. gen., 4 A., z.B. Pent. perspicua Fab. 6) Strachia Hahn
17 A., neu: Str. vumda aus Mexiko.
Derselbe machte in einem Kachtrage zu dem vorjährigen
ersten Theile seines „Bidrag tili Rio-Janeiro-Traktens Hemipter-Fauna"
(p. 57 ff.) folgende neue Gattungen bekannt: Camirus nov. gen.,
für Pachycoris conicus Germ, errichtet, mit einer n. A. Cam. impres-
sicollis aus Brasilien, Megaris (neuer Name für den schon vergebe-
nen Cyrtaspis Stäl), Mutyca nov. gen., auf Canthecona gracilis Dali,
begründet, Leuciptus nov. gen., für Euschistus scabricornis Herr.-
Sch., triangulalor Herr.-Sch. und illotus Stal, Thyanta nov. gen.,
für Pentatoma perditor Fab., custator Fab., pallidovirens Stäl, tae-
niola Dali., nigropunctata Sign, und patruelis StSl.
Uhler (Proceed. entom. soc. of Philadelphia 1861. p. 21 ff.)
beschrieb Pachycoris dissociatns als n. A. aus Mexiko , Macraulax
tristis von Baltimore und Zicrona splendida aus Californien. — Zu
Zicrona exapta Say zieht Verf. als Varietäten: Pentatoma variegata
Kirby und Zicrona marginella Dali. — Edessa cruciata Say ist ein
Acanthosoma und wurde von Hope als Acanthosoma borealis noch-
mals beschrieben ; Pcntatoma tristigma Say gehört zur Gattung Eu-
schistus und fällt mit Eusch. lucidus Dali, zusammen.
494 Gerstaecker: Bericht ober die wissenschafllichen Leistungen
Derselbe (Proceed. acnd. nat. scienc. of Philadelphia 1861.
p. 28C) beschrieb Acanthosoma vicinum als n. A. von Hongkong,
bringt den in» vorigen Jahre von ihm beschriebenen Eiicorysses supcr-
biis zur Gattung Callidea und ändert den Kamen der Art in Callidea
dislinguenda tim.
Signoret (Annales soc. entom. 4. ser. I. p. 55. pl. 2. fig. 2)
machte Elvisura Spittollac (sie!) als n. A. aus Ostindien bekannt.
Von Montrouzier und Signoret wurden (Annal. soc. enl.
de France 4. ser. I. p. 59 H-) als n. A. von Neu-Caledonien beschrie-
ben: Coleolichus maryinntus, Callidea elegans, Podops geophilus, Hc~
tcropus melacanthum ( Boisd. Astrolabe?) , Aethus Numeensis und
Lifttanus, Spudaeus pitnclatissinius und foetidum (sie!), Pentatoma
brunnipennis, basiveniris, punctum, Boifardi und Perroudi, Bathycoe~
Ha longirostris ^ Nezara confluenta, Rhynchocoris austräte (sie!) und
pungens, letztere Arten nur mit wenigen Worten charakterisirt.
Alotschulsky (Etud. entom. X. p. 22 f.) beschrieb als n. A.
aus Japan : Graphosoma crassa, Eurydema rugosa, Cimex angnlosus
und Menida nov. gen., mit Eusarcoris in der Form des Halssclnldes,
mit Jalla in der länglich ovalen Form der Halbdecken öbereinstini-
niend, aber von beiden dadurch unterschieden, dass sich das erste
Hinlerleihssegment in einen langen, liorizonlalen, zwischen Mittel- und
Hinterhüften bis zum Prosternum reichenden Dorn fortsetzt. — Art:
Men. violacea, 3V2 Lin.
CoreodeS. Stäl (Entomol. Zeitung XXIT. p. 144) machte eine
neue Gattung Agathy rna y Cloresmus zunächst stehend, bekannt.
Körper sehr langgestreckt, Kopf quer, Fühlerhöcker nicht hervortre-
tend, Mittellappen fast dornartig hervortretend, Backen gezähnt, Au-
gen stark hervorspringend, hinten durch eine Schwiele gestützt;
Rüssel sehr dünn, fast die Spitze des dritten Hinterleibsringes er-
reichend, das Basalglied länger als der Kopf. Fühler schlank, das
erste, dritte und vierte Glied gleich lang, aber kürzer als das zweite,
das letzte sehr leicht verdickt. Thorax trapezoidol, hinten sehr breit
abgestutzt, Membran mit etwa acht Längsadern ; Beine kurz, Schenkel
unterhalb vieldornig, die hinteren leicht verdickt. — Art: A. prae~
cellens von den Arn-Inseln. — Plinachlus peltasles n. A. von Ceylon.
Derselbe (Bidrag tili Rio-Janeiro-Traktens Hemipter-Fauna
p. 58 ff.) begründete folgende neue Gallungen : Lycambes nov. gen.,
anf Pachymeria armala Lepel., Savius nov. gen., auf Paryphes sutu-
rellus (die Galtung mit Cnemonus zunächst verwandt), Jadera nov.
gen., mit Serinetha verwandt, auf Serinetha cothurnix und disoolor,
Lyrnessus nov. gen., mit Leptocorisa und Koliphus verwandt, auf
Paryphes tibialis, Jalysus nov. gen., mit Metacanthus verwandt, auf
Metacanthus macer, tenellus und Jal. flavoteslaceus aus Brasilien,
welche drei Arten in ihren Untepschiedeir näher erörtert werden.
1! iiTim Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 495
Signoret (Annales soc. entomol. 4. ser. I. p. 5fi) beschrieb
Spartocera quadricolliSf Irilineata, Molchina spinosa, Sundarus flavi-
collis und acutus als n. A. aus Peru.
Montrouzier (ebenda p.66) Gonocerus (Agonotomus) Amyoti
als n. A. aus Neu-Caledonien.
Uhler (Proceed. enlom. soc. of Philadelphia 1861. p. 23) Go-
nocerus obliquus als n. A. aus Californien.
Derselbe (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1861. p. 284)
CoriZ'US borealis als n. A. aus Nord -Amerika. — Ebenda p. 287
ändert Verf. d'e Namen der beiden von ihm im vorigen Jahre er-
Fichteten Gattungen Pachycephalus und Anacaathiis als bereits verge-
ben in H y g i a und Anacant hoc ort s um.
Hawaii (Entom. Zeitung XXII. p. 127) machte Miltheilungen
über die Eier von Coreus marginatus Lin.
Lygaeodes. Eine neue Gattung Bochrus, von Stäl (Entom.
Zeitung XXll. p. 145) aufgestellt, ist mit Ischnodenius Fieb. zunächst
verwandt. Körper länglich, stark abgeflacht, Hopf klein, kurz drei-
eckig, Fühlerhöcker fast frei hervorragend; Rüssel bis zur Mitte der
Mittelbrust reichend, das erste und vierte Glied gleich lang, das
zweite un» die Hälfte, das dritte fast um das Doppelle länger als
jene. Fühler kurz, das erste Glied oval, das zweite viermal so lang»
Thorax quer, nach hinten stark gerundet erweitert, Halbdecken voll-
ständig, 3Iembran fünfadrig. Beine massig lang, die mittleren weit
auseinanderstehend: Hinterschenkel stark veidickl und zusammenge-
drückt, aussen gerundet, die vorderen mit feinen, die Hinterschenkel
mit starken Dornen bewehrt. — Art: B. poecilopterus von Java. —
Odontopus nigricornis n. A. von Bombay.
Fi eher (Wien. Entomol. Monatsschr. Y. p. 266 — 285) hat eine
nochmalige monographische Bearbeitung der Galtung Ophthalmicus
nach der analytischen Methode unternommen. Verf. kennt und be-
schreibt jetzt im Ganzen 37 Arten der Gattung, von denen seit dem
Erscheinen der Entomol. Monographieen folgende als neu hinzuge-
kommen sind: Ophth. ochraceus aus Columbion, Inniger aus Carolina,
jucundtis aus Ostiadien, lateralis aus Pennsylvanien , cognatus vom
Gap, ornatus aus Ostindien, hyalinns aus der Sahara, scitus vom Se-
negal, tentralis aus Brasilien, thorucicus aus La Guayra, striola eben-
daher und modesfus von „Thaile".
Montrouzier (Annales soc. entomol. 4. ser. I. p. 66 f.) be-
schrieb Lygaeus squalidus und bicinctus^ Macroplax luctnosus, Opk'
thalmicus memhraneus und Dysdcrcus Sidae als n. A. von Lifu (letz-
tere Art ist nach Signoret vielleicht nur Varietät v«n Djsi. poe-
cllus Herr. -Seh.),
Uhler (Proceed. entom. soc. of Philadelphia 1861. p. 24) be-
schrieb Dysdercus lunulatus als n. A. aus Mexiko (?) und gab nähere
496 Gers ta eck er: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Bestimmungen von einigen Say'schen Arten: Lygaeus quinquespino-
sus Say gehört zu Alydus und ist = Alyd. crucntus Herr.-Sch., Ly-
gaeus eurinus Say ist gleichfalls ein Alydus und a= AI. calcaratus
Lin., Lygaeus geuiinatus Say ist = Cynius resedae Panz.
Derselbe (Proceed. acad. nat. scienc. of Philadelphia 1861.
p. 286) nennt die im vorigen Jahre von ihm beschriebene Orthaea,
bei welcher der Speciesname nicht angefühi t war, Orthaea tnaculifera.
K u s c h a k e w i ts c h (Horae societ. entom. Rossicae L p. 69)
beschrieb iWtcropMsSt^norefi als n. A. in Russischer Sprache. Abbildung
Taf. 1. fig.4.
F. M. Ferrari („Descrizione della membrana del corio svilup-
pata nel Pachymerus staphyliuiformis Schill.", Archivio per la Zoo-
logia, l'Anatoniia etc. I. p. 79) beschrieb Pachymerus staphyliniformis
nach einem männlichen Exemplare mit entwickelter Alembran des
Corium.
Mink (Entom. Zeitung XXII. p. 128) besprach die Verschie-
denheit der beiden Geschlechter bei Anthocoris elegantulus Baerspg.
und beschrieb das letzterem Autor unbekannt gebliebene Weibchen;
dasselbe hat einen kurzen, breiten Hinterleib, nur Rudiniente von
Deckflügeln, kleine Augen und gar keine Ocellen. Mink hat beide
Geschlechter mehrfach in Begattung gefangen ; die Art findet sich an
Baumstämmen.
Tieffenbach fand Myrmedobia coleoptrata Fall. (Weibchen)
mit Anlhocoris exilis Fall. (iMännchen) mehrfach in Begattung; die
Art lebt in Nestern der Myrmica laevinodis Kyl. (ßerl. Ent. Zeitschr.
1861. p. 197.)
GäpsinL Montrouzier (Annales soc. entom. 4. ser. L p. 67)
stellte eine neue Gattung Ocypus (längst vergebener Name!), auf
mit Cicadarien-ähnlichem Rüssel, fadenförmigen, viergliedrigen Füh-
lern, deren zweites Glied fast so lang A^ie die übiigen zusammen-
genommen ist, und welche entfernt von einander an der Basis der
Augen eingelenkt sind; Kopf breit, dreieckig, ohne Einschnürung vor
dem Halsschilde, Augen seillich, hervorspringend, Ocellen fehlend (?) ;
Halsschild viereckig, quer, kaum breiter als der Kopf, Halbdecken
innen mit Längsfurche, Hinterschenkel sehr dick, sprungfähig. — Art:
Oc. variegatus aus Neu-Caledonien.
Uhler (Proceed. entom. soc. of Philadelphia 1861. p. 24) be-
schrieb Capsus robiniae als n. A. aus Älarylaud. — Capsus rapid us
Say ist nach dem Verf. dieselbe Art, welche H e r r i c h - S ch ä f f e r
als Caps, multicolor beschrieben hat.
MembränäCCL PhysalocheUa irregtilaris, Mezira Lifuana und
minima Älontrouzier (Annaics soc. entom. 4. ser. L p. 68 f.) als n. A.
von Lifu und Art beschrieben.
V. Frauenfeld (Verhandl. d. zoolog. - botan. Gesellsch. zu
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 497
Wien 1861. p. 168) theilte fernere Beobachtungen über das Vorkom-
men und die Lebensweise von Laccometopus clavicornis und teu-
crii mit.
Rednvini. Stäl (Entom. Zeitung XXII. p. 129 ff.) lieferte eine
„Revisio synoptica generum Reduviidum Africae, Asiae et Australiae,
capite pone antennis bispinoso vel bituberculato." Verf. stellt 14
theils bereits von ihm errichtete, theils neu begründete Reduvinen-
Gattungen zuerst in einer analytischen Tabelle zusammen und cha-
rakterisirt sodann die neuen unter Hinzufügung einer Anzahl neuer
Arten: 1) Dalytra nov. gen., für Zelus rapax Stal errichtet. 2)
Alcmena Stal 1 A. 3) Rihirbus nov. gen., von den beiden vorher-
gehenden Gattungen durch bedecktes Postscutellum unterschieden ;
Miltelbrust ohne Tuberkel oder Falte , Vorderschienen länger als die
Schenkel, an der Spitze stark eingekrümmt, vor derselben innerhalb
mit einem starken Zahne bewaffnet; vorderste Trochanteren ange-
schwollen, hinterer Lappen des Thorax unbew^ehrt. — Art: R. tro-
chantericus von Ceylon, 4) Astinus Stal 2 A., darunter Plaeogaster
modestus Stal. 5) Epidaus StSi 2 A. 6) Pa Zopf ms nov. gen., Mit-
telbrust beiderseits nahe an der Vorderbrust mit Tuberkel oder Falte,
erstes Rüsselglied länger als das zweite und etwas länger als die beiden
letzten zusammengenommen. Kopf bei den Fühlern mit deutlichem
Höcker, hinlerer Lappen des Thorax ebenso, die Seitenecken dessel-
ben dornartig hervortretend, Mittelschenkel in der Mitte nicht verdickt.
— Art: P. nigriscutis von den Aru- Inseln. 7) Gminatus Stal 3 A.
8) Laniltus nov. gen. VonPristhesancus folgend ermassen abweichend :
Vorderlappen des Thorax hoch zweihöckerig, seine Vorderecken
etwas gewölbt, nicht tuberkulirt, der Hinterlappen auf der Scheibe
zweihöckerig, die Seitenecken in horizontaler Richtung und abge-
stumpft dornartig hervorgezogen ; Schildchen-Höcker schwach erha-
ben, Hinterleib beiderseits etwas erweitert. — Art: L. vulnerans von
den Aru-Inseln. 9) l'risthesancus Am. Serv. 3A.: neu: Tr. Papuensis
von Neu-Guinea. 10) Isyndus Stal 1 A. 11) Endochus Stal 4 A.,
neu: JE. Cingalensis und consors von Ceylon. 12) Evagoras ßurm.
3 A. 13) Laphystes Stäl 2 A., darunter Reduvius quadridens Fab.
14) Domnus Stal 2 A.
Derselbe, „Genera Sineae afiinia" (ebenda XXIL p. 137 ff.)
charakterisirte fogende vier mit Sinea Am. Serv. zunächst verwandte
neue Gattungen: 1) Sclomina nov, gen., von den übrigen dadurch
unterschieden, dass alle Schenkel stachlig sind. — Art: Sc. erinacea
von Hongkong. 2) Irantha nov. gen., für Harpactor armipes Stal
errichtet. 3) Scipinia nov. gen., für Sinea horrida Stal errichtet.
4) Sindala nov. gen., für Sinea granuligera Stal-
Derselbe (ebenda XXIL p. 146 ff.) begründete auf Oncoce-
phalus Calabarensis Stal eine neue, mit Fygolampis verwandte Gat-
Archiv f. Natiirg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd. Gg
498 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
lun<^ Argolis und beschrieb als n, A.: Cerilocus dlscolor von Cey-
lon, Reduvius subcrispus und imprcssicollis von Ilongkonp^, saucius
von den Arn -Inseln, gesluostis von der Key - Insel, Zelns mactans
von Cuba.
Derselbe (Bidricf tili Rio-Janeiro-TraUtens Ileniipter-Fauna,
p. 60 IT.) gründete eine neue (jaltung Paqasn auf Prosteninia palli-
diceps, eine neue Gattung Milyas auf Iliranetis ornaticeps (mit
Myocoris nahe verwandt) und eine drille Lindus auf Zelus iSahl^
bergi. — Iliranetis subannulata und siniulans siellt Verf. zur Gattung
Rocconota, Sphaeridops rugosicollis und Aricosus lividus von Rio-
Janeiro werden als n. A. beschrieben.
Montrouzier (Annales soc. enloni. 4. ser. L p. 69 f.) be-
schrieb Opsicoetus biannulipes als n. A. von Neu - Caledonien und
Ploiaria acanthifera (!) als n. A. von IJfu.
Philippi (Reise durch die VVüsle Atacama p. 173 f.) Conor~
rkitius octotvberculatus, Paulseni und gracilipes als n. A. aus Chile,
NotOnectici. Corixa tulnerata Ubier (Proceed. acad. nat. scienc.
of Philadelphia 1861. p. 284) n. A. aus dem Washington - Territory,
Notonecta trignttata Wotschulsky (Etud. entomol. X. p. 24) n. A.
aus Japan.
Stridulantia. Stal (Bidrag tili Rio-Janeiro-Traktens Hemipter-
Fauna p. 18 ü'.) machte folgende neue Brasilianische Arten bekannt:
Fidicina sericans (die Aniyot'sche Gattung wird durch eine Dia-
gnose näher festgestellt), Cicada perpulchra , Sahlbergi, subolivacea,
(Parnisa) biplagiaUij casla, fraudiilenta, (Calyria) blanda und (Prtt^
nasisj pulcherrima. — Die Untergaltungen , auf welche Verf. die
Brasilianischen Cicaden vertheilt, werden folgenderniassen charakte-
risirt: 1) Cicada sens. strici. Flügel mit sechs Spitzenzellen;
Deckflügel mit sehr leicht gekrümmter Costa, die beiden aus der
Basalzelle entspringenden Adern mehr oder weniger von einander
entfernt (Typus: Cic. grossa Fab.). — 2) Taphnra nov. subgen.
Flügel mit sechs Spitzenzellen, Deckflügel mit fast gerader Costa
bis über die Mitte hinaus, dann gegen die Spitze hin deutlich ge-
bogen; die beiden aus der Basalzelle entspringenden Adern gegen
die Basis hin einander stark genähert (Typus: Cic. nitida de Geer).
— 3) Parnisa nov. subgen. Ilinlerflügel mit fünf Spilzenzellen ;
die beiden aus der Basalzelle der Deckflügel entspringenden Adern
von einander entfernt, Spilzenzellen neun, die erste etwas kürzer als
die zweite, die Costa leicht gebogen. — 4) Calyria nov. subgen.
Hinterflügel mit fünf Spitzenzellen, auf den Deckflügeln die beiden
ersten Spitzenzellen fast gleich lang, an der Basis durch fast recht-
winklig sich trefl'ende Queradern begränzt; Costa sehr leicht gebogen.
— 5) Prunasis nov. subgen. llinterflügel mit vier Spitzenzellen,
Üeckllügcl wie bei Calyria. ''•
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 499
Derselbe („(Jenera nonniilla nova Cicadinorum," Annales
soc. enlom. 4. sei-. I. p. 614 — 622) verlheille die von Amyot und
Servil! e noch bei der (Jatlung Cicada l>in. beltTssenen Arten unter
eine grössere Anz;ihl von kleineren Gattungen, für deren Abgränzung
er Charaktere, wie die Breite des Kopfes, die Form des Halsschil-
dcs, die Bewehrung des Älelasternnru, den vollständigen Verschluss
oder das Offenstehen der Trommelhöhlen, die (irösse der Spitzenzellen
auf den DecKflügeln u. s. w. verwendet, ohne dass jedoch diese
Merkmale, wie schon aus einem Vergleich der vom Verf. gegebenen
Gattungsrharaktei istiken hervorgeht, mehr als relative und durch
Uebergänge vermitfelle wären. Alle vom Verf. errichteten, soge-
nannten Gattungen gehören zur Gruppe mit acht Spitzenzellen der
Vorderfliigel, während die Ilinlerflügel bald fünf, bald sechs Spitzen—
Zellen haben; ihre Benennungen sind folgende: Cryptotympana (Cic.
atrata Fab., immaculata Oliv., acuta und vicina Sign.), Psaltoda (Cic.
moerens und argenJala Germ.), Tympnnoterpes (Cic. grisea und hilaris
Germ., grossa Fab., pulverea und albida Oliv. u. a.), Sehpnbria (Cic.
stigmalica Geim.), Pachypsalfria (Cic. cincto-maculata Stal), Odopoea
(Cic. dilatata Fab. u. a.), Gymnolympana (Cic. strepitans und stridens
Stal), Tympanislria (Cic. viliosa Fab.), Psilotympana (Cic. signifera
Germ.), Calopsallria (Cic. longula und elongata Stal), Stagira (Cic.
Simplex Germ.), Pydna (Cic. lutea Oliv., punctata Thunb. und annnlata
Germ). Mehrere der aufgeführten Arten (sämmtiich bereits beschrie-
ben) sind mit erneuerten lateinischen Diagnosen versehen.
Derselbe (Entomol. Zeitung XXII. p. 151) beschrieb Cicada
strepitans als n. A. von Woodlark, slridens und conviva von Batchian.
Uhler (Proc. acad. nat. scienc. of Philadelphia 1861. p. 282 f.)
Plotypleura feneslmla n. A. von Japan (vielleicht Varietät von Plat.
hilpa Walk.), Cicada pellosoma und Mognnnia hislrionica von Hong-
kong. — Ebenda p. 285: Cicada areolala n. A. aus dem Washing-
ton-Terrilory.
JMontrouzier (Annales soc. entom. 4. ser. I. p. 70) Cicada
Lifuana und Artensis als n. A. von den Inseln Lifu und Art.
Philippi (Reise durch die Wüste Alacama p. 174) Cicada
eremophila als n. A. aus Chile.
Motschulsky (Elud. entomol. X. p. 24) Cicada hiharnala als
n. A. a'is Japan. .1
FulgOrina. Stal (Entomol. Zeitung. XXII. p. 148 ff.) errichtete
für Fnlgora (Episcius?) amabilis Weslw. eine neue Gattung Amyclc,
die er zugleich mit einer neuen Art aus Mexiko, Am. sodnlis, be-
reicherl, ferner für Lystra auricoma eine neue Gattung Atalanta,
für Flala splendens Germ. (Diclyophora Indiana Walk.) eine neue
Gattung Anagnia, für Dictyophora longipes et Genei Spin, eine
neue Gattung /l /man rr und beschrieb als neue Arten: Calyptoproclu§
500 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaTtlichen Leistungen
pudicus von AlinRS Geraes, Issus marmoreus und convivus aus Mexiko,
pergamenus vom Cap, Poeciloplera mortuifolia von Sierra Leone und
liicania laevifrons unbek. VaterL
Derselbe (Bidrag tili Rio-Janeiro-Traktens Hemipter-Fauna
p. 1 fT.) machte folgende neue Gattungen und Arten aus Brasilien be-
kannt: Enchophora hrachialis^ Boheniani^ Poiocera lunitlifera, saucia
und semiclara, Pseudopkana litnbativentris, conslricta und F.? iermi-
nalis, Achilus conspersinervis. — D iacir a nov. gen., mit Cixius
zunächst verwandt, aber durch die Kopfbildung abweichend : der Kopf
ist ziemlich gross, der Scheitel klein, besonders seine seitlichen
Ränder erhaben; Stirn ungekielt, gross, nicht vom Clypeus geschie-
den, von der Basis aus allmählich breiter werdend, quer vertieft,
mit blattförmig ausgezogenen Rändern; Backen gross und breit,
Augen gerundet, Ocellen dicht unter dem Vorderrande der Augen
sitzend. — Zwei Arien: D. moerens und inlermaculala. — Pinta-
lia nov. gen., von der vorhergenden Gattung, mit der sie nahe ver-
wandt, durch drei Ocellen und weniger erweiterte Stirnränder un-
terschieden. — ■ Neue Arten: P. lateralis ^ fraterna , obscuripennis,
fascialipennis, inornata, ustulata, pictipennis, consobrina und proxima.
— Phrygia varinervis, fuscomaculata, bipunctula und Phr,? ancora.
— Sparnia nov. gen., mit Araeopus verwandt. Kopf mit kleinem,
vorn verengtem Scheitel, zurückweichender, langer und schmaler Stirn,
deren Seitenränder erhaben und deren Mittellinie deutlich gekielt ist,
und mit convergirenden Backen, welche fast breiter als die Stirn sind.
Augen unterhalb ausgebuchtet, Ocellen klein, Fühler um die Hälfte
länger als Kopf, Thorax und Schildchen zusammengenommen, zu-
sammengedrückt, schmal, das dritte Glied um die Hälfte kürzer als
das zweite. Thorax und Schildchen mit drei parallelen Kielen, Deck-
flügel den Hinterleib weit überragend, Corium mit drei gegabelten
Längsadern. — Art: Sp. praecellens. — Canyra nov. gen., mit
Delphax verwandt, durch längere Fühler, fünfkieliges Schildchen und
die Struktur der üeckflügel unterschieden; letztere überragen den Hin-
terleib, ihre Längsadern sind gegabelt und gegen die Spitze hin durch
zwei Reihen Queradern verbunden. Ocellen fehlen; die Fühler sind
drehrund, kaum kürzer als Kopf, Thorax und Schildchen zusammen-
genommen, ihr zweites Glied oberhalb gefurcht, das dritte etwas
kürzer. — Art: Can. placida (Delphax placida Stal). — Persis
nov. gen., mit Cenv;hrea verwandt; Kopf zusammengedrückt, weit
vor den Augen hervortretend, Scheitel schmal, verlängert, hoch ge-
randet, der Länge nach concav, Clypeus dreieckig, Backen gross,
winklig hervorgezogen. Augen unterhalb ausgebuchtef, Ocellen unter-
halb der Augen liegend, Fühler kurz; Thorax sehr kurz, beiderseits
winklig erweitert, Deckflügel lang und gleichbreit, mit gegabelten
Längsadern. — Art: Pers. pugnax. — Herpis nov. gen., mit Cen-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 501
chreiä verwandt , durch sehr kurzen Thorax und verhaltnissmässig
längeres Schildchen abweichend. — Arten : Herp. fuscovittata^ orboj
pallido-venosa , ßmbriolata und lugubrina. — Acrisius nov. gen.,
zu den Issiden gehörend und sich zugleich den Cixiiden nähernd, auf
Hysteropteruin arctuni und eine neue Art : Acr. pictiß-ons begründet.
Issus instabilis n. A. — Enipeus nov. gen., von Enrybrachys durch
kurze Fühler und den stumpfen Kopf mit querem Scheitel, senkrech-
ter Stirn, die etwas länger als breit und an der Basis leicht ver-
schmälert, an der Spitze gerundet-verengt, gegen die Basis hin etwas
bucklig ist und keinen Mittelkiel hat, unterschieden; von Issus durch
zusammengedrückte Beine abweichend. — Art : En. obliquus.- *"
Amnisa nov. gen., mit Caliscelis verwandt, von der vorhergehen-
den Gattung durch die Kopfbildung unterschieden: der Scheitel ist
quer, fast dreimal so breit als lang, die Stirn etwas länger als breit,
ohne Älittelkiel, mit kaum aufgebogenen Seitenrändern, gegen die
Spitze hin etwas gewölbt, an der Basis leicht verschmälert. — Art :
Amn. singularis. — Acanalonia ßorea n. A. — Thiscia nov. gen.
Kopf weit über die Augen hervortretend, mit länglich dreieckigem,
flachem, in der ftlitte leicht gefurchtem Scheitel ; Stirn gegen die Basis
hin gewölbt, länger als die Backen , Clypeus gewölbt. Augen oval,
Fühler klein und kurz; Deckflügel breit, herabgebogen, fast kreisrund,
dicht netzartig geädert. — Art: Th. semicircularis. — Alcestis nov.
gen., mit den vorigen Gattungen nahe verwandt, durch stumpf vorge-
zogenen Kopf, vorn gerundeten und erhaben gerandeten Scheitel, gegen
die Basis hin verengte Stirn, gewölbten, ungekielten Clypeus, feh-
lende Ocellen, kurze Fühler, dreikieliges Schildchen, breiten, fast in
einer Ebene liegende und den Hinterleib um mehr als das Doppelte
überragende Deckflügel charakterisirt , mit Ale. pallescens n. A. —
Poeciloptera caudata, rufoterminata^ tabescens, fallaciosa, antiqua^
fuscoconspersa, sinuatipeymis, conviva, Bladina fuscana und fraterna»
— Ebenda p. 61 werden nachträglich noch folgende Gattungen und
Arten charakterisirt: Ulubra nov. gen., auf Enchophora brachialis
begründet, Nersia nov. gen., von Pseudophana durch vierdornige
Hinterschienen und dadurch unterschieden, dass die äussere und
mittlere Längsader der Deckflügel nicht an der Basis selbst, sondern
hinler derselben mit einander verbunden sind. — Arten : Ners. bovinaj
haedina, pudibunda, nigrosignata von Rio-Janeiro. (Ausserdem wer-
den in einer analytischen Tabelle folgende Süd-Amerikanische Arten
der Gattung charakterisirt: Nersia bttbala, taurina, confusa, ßorens
aus Mexiko, viridata, pudica, recurvirostris, curviceps aus Mexiko,
nigrosignata und 7ij</ronofa^rt aus Carthagena.) — My c onus nov. gen.,
auf Achilus conspersinervis begründet, Phypia nov. gen., für Phry-
gia varinervis, fusco - maculata, bipunctula und fuscogt^ttala n. A.,
Nelidia nov. gen. (für Phrygia ancora), Messet s nov. gen., von
502 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
den vorhergehenden Gattungen durch die Struktur der DccUnügel
unterschieden: dieselhen übcirfigen weit den Hinterleib, ihre beiden
äusseren Längsadern sind nahe der Biisis zu einer veibunden, die
innere und äussere vor der Mitte gegabelt; etwas hinter der Mille
rwei schiefe Areolae und zwischen diesen und den Spilzenzillen
mehrere unregelniässige Zellen gelogen, der Clavus kaum mehr als
die Hälfte der Deckflügel- Länge einnehmend. — Art: Mess. fusco~
varia. — Carlhaea nov. gen., für Poeciloptera caudala, Ormenis
nov. gen., für Poeciloptera rufoterniinata und tabescens, D ascalia
nov. gen., für Poeciloptera fallaciosa, antiqua, fusco-conspersa, sinua-
tipennis und conviva. (Die Gallungen aus den Gruppen der Issiden
und Flaliden werden vom Verf. in zwei analytischen Tabellen nach
ihren Merkmalen erörtert.)
Signoret, „Descriplion de deux Homopteres, lypes de genres
nouveaux" (Annales soc. enlom. 4. ser. \. p. 501 f. pl. lU. fig. 2 u. 3)
machte zwei neue Gattungen aus der Issiden - Gruppe bekannt: ])
Dracela nov. gen., Kopf breit, vor den Augen hervortretend, am
Yorderrande ausgeschnitten, oberhalb zwischen den beiden Seiten-
leisten furchenartig vertieft; Backen und Augen sehr gross, Prothorax
kurz, vorn winklig gerundet. Flügeldecken senkrecht abfallend mit
fünf sich gabelnden und netzartig verbindenden Längsndern, Hinter-
flügel stark entwickelt; Hinterbeine verkürzt. — Art: Dr. anmilipes
von Cayenne. — 2) Cadrela nov. gen. Der vor den Augen lie-
gende Kopfvorsprung kürzer und breiler als bei der vorigen Gattung,
vorn ebenfalls ausgerandet, Stirn ohne Alittelkiel; Augen gross, un-
ten mit kleinem Ausschnitt, Ocellen fehlend. Fühler weit von den
Augen entfernt, Schildchen sehr gross, zweikielig, Flügeldecken hin-
ten abgerundet, auf der hinteren Hälfte dicht netzartig geädert, Hin-
terflügel rudimentär. — Art: C. nigronevvosa aus Brasilien.
Derselbe (ebenda p. 57 f. pl. 2) gab Beschreibungen und Ab-
bildungen von Hiiacia Lacerdae n. A. aus Bahia, ^\a^keri aus Ost-
indien und Acrometopuin Senegalense aus Senegaujbien.
Montrouzier (ebenda p. 70) beschrieb Fseiidophana oxijce-
phala, Flala (Phxjlliphanla) farinosa, liicatiia tianslucida, marginata
und Issus viridis als n. A. von der Insel Lifu.
Itfembraciaa. Stal (ßidrag tili Bio-Janeiro-Traktens Hemipter-
Fauna p. 22 11.) charakterisirte folgende neue Brasilianische Gattungen
und Arten: Membracis simulans, nigro -apicata, elephas, Bolbonota
aureo-sericca, bituberculata, Sphongophoriis, Falleni^ Pterugia bovina^
haedulus, Uoplophoru fimbriata, oblusa, straminicolor, Ceresa ungui-
cularis, Smiliorachis stictica, inornata^ maculinervisy pilosella^ fascii-
fera, conciniia, Smilia semiacuia, Aconophora gilvipcs und subinertnis,
Enlylia fallax, Oxygonia sobrina und patruelis. — Aspoua nov.
gen., mit Oxygonia und vielleicht auch mit Cypholes nahe \ erwandt,
im ebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 503
durch hervorgezogenen , stumpf dreieckigen Kopf und die Struktur
der Deckflügel unterschieden; letztere sind zum grössten Theile vom
Thorax bedeckt und ihre Längsadern sind gegen die Costa hin ein-
ander stark genähert; fünf längliche Spitzenzellen und eine dreieckige
Diskoidalzelle, welche zwischen der zvAeiten und dritten Längsader
und kurz vor den beiden inneren Spitzenzellen gelegen ist. — Art;
Asp. bullata. — Hygris nov. gen. Kopf stumpf dreieckig, senk-
recht, Thorax weit über die Spitze des Hinterleibes hinausragend,
vorn convex abschüssig, unbewehrt, hinter den Seitenecken ausge-
buchtet, dann erweitert und von der Mitte ab nach hinten allmählich,
verengt, spitz endigend. — Art: H. unicarinata. — Amastris nov.
gen., von Thelia, mit der sie zunächst verwandt, durch die Struktur
der Deckflügel unterschieden: dieselben sind vom Thorax zur Hälfte
bedeckt, der freie Theil weniger durchsichtig, unregelmässig geädert;
drei Basal-, drei Diskoidal- und fünf Apikalzelien. — Arten: Am*
fallax, simillima und consanguinea. — Nas sunia nov. gen., von
Hemiptycha durch eine einzige Diskoidalzelle der Deckflügel unter-
schieden. — Arten : Nass. histillata und Dalmani. — Tragopa pu-
micata und gilviceps, Darnoides nigro-apicata , Acutalis plagiata,
ggniculata , semipallida, semialba, modesla , lugubrina und moesta,
Cyphonia nasalis, Anomus cornutulus^ Lycoderes lohatus^ Wahlbergi,
prolixus, luctans, truncatulus und corniger. — Lirania nov. gen.
mit Lycpderes nahe verwandt; Kopf dreieckig, zurückweichend, an
der Basis oberhalb der Ocellen mit zwei Höckern versehen. Thorax
vorn bucklig, oberhalb des Schildchens beiderseits stark ausgebuchtet,
nach hinten einen schmalen und spitzen Forlsatz, der etwas kürzer
als der Clavus ist, aussendend. — Art: Lir. bituberculata. — Tolania
ßcutata y femoralis , fraterna, Nicomia lemniscata, inierrupta und
subfasciata. ...
CorCOpina. Släl (ebenda p. 13 ff".) beschrieb als n. A. aus Bra-
silien : Monecphora pelhiccns, lepida, fascialipennis und nigritarsis,
Sphenorhiiia acuta und cruralis , Lepyronia glabrata, fusconotata,
punctatissima und frontalis, Clastoptera picturata, pallidiceps, tibia~
lis, brachialis, nubifera, femoralis^ Sahlbergi, obtusata und fuscipes.
Derselbe (Entom. Zeitung XXIL p. 152) Cercopis Terpsichore
und Thalia als n. A. aus Batchian und Cerc. bispecularis White (=
bimacula Walk. = sumptuosa Stul).
Alontrouzier (Annales soc. entom. 4. ser. L p. 71) Ptyelus
inermis, sexmaculatus und lineoUis als n. A. von der Insel Lifu.
Gicadellina. Stal (Bidrag tili Rio-Janeiro-Traktens Hemipter-
Fauna p. 39 IF.) beschrieb als neue Arten aus Brasilien: Tettigonia
signiceps, stillifera, coromdifera, approximata, lineatipennisj flavo-
ornata, dilutipes, cavifrons, sobrina, stibolitacea, flavovittata, curvo-
vitlata, pyrrkoplera, Falleni, Gypoiia nigroterminala, lilurata, pun-
504 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
ctigera , simulans, ßaricosta^ pinguisy sordida^ antica, interspersa^
atomaria , irrorata, nigronervosa , praecellens , viltulata , concinna^
discicollis, quadripunctata, (Stragania subgen. nov.) ornatula, divisa
und pallescens, Proranus adspersipennis. — Terulia nov. gen. mit
Coelidia verwandt, durch die Vorderbeine, welche so lang wie die
mittleren sind und zusammengedrückte Schienen haben, unterschie-
den. — Arten: Ter. ferruginea und nigripes. — Coelidia conspetsi-
nervis, cingulata, guttulata, limpido-sparsa^ fuscomaculata, niunda,
bicolor^ plebeja, pallidipes und discolor, Jassus (Thamnolellix) serius
und hyalinipenniS) (Alhysanus) palliditarsis, (Deltocephalus) ßaticosta^
anticus und lepidellus^ Bythoscopus saucius , unicolor , phaleratus,
gilvipes, posticus, punctaticollis, assimilis und lautus, Typhlocyba fla-
vonigra, rufo-ornata und permunda.
Montrouzier (Annules soc. entom. 4. ser, I. p. 72) stellte
eine neueGattung C archariac ephalus auf, welche mit Ledropsis
zunächst verwandt sein soll. Der Kopf ist hervortretend, abgeflacht,
die Fühler ein wenig oberhalb der Augen eingefügt, der Scheitel
dreikielig, die beiden Seitenkiele sehr nahe am Seitenrande und
vorn mit dem mittleren zusammenfliessend ; die Ocellen sehr klein
und sehr nahe am Seitenkiele, ein wenig oberhalb der Augen lie-
gend. — Art: Carch. Forestieri von der Insel Lifu. — Coelidia?
lutea, ? vittata und ? picta als n. A. ebendaher beschrieben.
übler (Proc. acad. nat. scienc. of Philadelphia 1861. p. 285)
beschrieb Procouia conßuens als n. A. aus dem Washington-Territory.
Motschulsky (Etudes entomol. X. p. 24) Deltocephalus stra-
mitieus als n. A. aus Japan.
Psyllodoa. G. Fl or, „Zur Kenntniss der Rhynchoten ; Beschrei-
bung neuer Arten aus der Familie Psyllodea Burm." (Bullet, d. natur.
de Moscou 1861. I. p. 331— 422). Verf. macht auf die zur Unter-
scheidung der Psyllodcn sehr brauchbaren Merkmale in der Bildung
des Genitalapparates aufmerksam, erörtert umständlich die Innervation
der Vorderflügel, giebt eine üebersicht der ihm bekannten Arten der
Gattungen Psylla (mit welcher er Arytaina Foerst. wieder vereinigt;
29 A.), Trioza (24 A.), Aphalara (6 A.) und Khinocola (4 A.) und
setzt die Charaktere sowohl der genannten Gattungen als von Eu-
phyllura Foerst., Homotoma Guer. (Anisostropha Foerst.) und Livia
Latr. in einer analytischen Tabelle auseinander. Ebenso werden für
die Arten der Gattungen Psylla, Trioza und Rhinocola Bestimmungs-
tabellen aufgestellt und zwar für diejenigen der beiden ersten dop-
pelte, einmal nach der Bildung des Genitalapparates, das andere Mal
nach anderweitigen Kennzeichen. Einer ausführlichen Beschreibung
werden sodann noch folgende Arten unterworfen: Psylla spartii Hart.,
torifrons, spectobilis, albipes, notata und ßavopunctata von Marseille,
pityophila aus Thüringen ^ dem Harz und Steyermark, pruni Scop.,
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 505
austriaca und coslalis von Laybach , alpina Foerst., breviantennäta
aus Steyermark und discrepans von Marseille, Trioza mesomela, mar-
ginepunctata, alacris und recondita von Marseille, distincta aus Thü-
ringen, Schranhii, proxima und rotundata aus Steyermark, assimilis
von Marseille, Rhinocola subrubescens von Toulouse, Homotema ficus
Lin., Euphyllura phillyreae Foerst. und oleae Fonsc.
v. Frauenfeld (Verhandl. d. zoolog. - botan. Gesellsch. zu
Wien 1861. p. 169. Taf. 2) fand die Blätter von Rhamnus frangula
mit einer Missbildung (Blatt-Einrollung) behaftet, in welcher eine
Psylla-Larve lebt. Er hält dieselbe für Psylla rhamni Schrank und
zugleich für identisch mit Trioza Waikeri Foerst. — Psylla sylvicola
n. A. auf Senecio nemorensis, gleich der vorhergehenden auf Taf. 2
in den Flügeln abgebildet. — Ausserdem giebt Verf. eine Notiz
über das Vorkommen der Livia juncorum auf Juncus lamprocarpus.
COCCiDä' H. J. Carter, „On the natural history of the Lac-
Insect, Coccus lacca" (Annais of nat. hist. 3. ser. VII. p. 1 — 10. pl. 1)
machte nähere Mittheilungen über die Organisation und die ver-
schiedenen Entwicklungsstadien des Coccus lacca. Die an den Zwei-
gen der Annona squamosa befindlichen Lak-Ausschwitzungen lassen
an vereinzelten Stellen Büschel zarter Fäden erkennen, welche je
einem von der Sekretion sonst ganz umschlossenen weiblichen Coccus
entsprechen. Letztere stellen im ausgewachsenen Zustande einen
birnförmigen, dunkelrothen Körper dar, welcher mit seinem zuge-
spitzten Ende in die Rinde des Zweiges eingesenkt ist und aus dessen
stumpfen hinterem Ende die erwähnten Fäden entspringen; dieselben
entsprechen drei Oeffnungen, von denen zwei eigentliche Stigmata
sind, die dritte grössere zugleich den After und die Mündung des
Ovidukt umschliesst. Die Sektion dieser erwachsenen Individuen
ergab dem Verf. ausser einem schlingenförmig gewundenen Darm ein
zellig eingeschnürtes „Leberorgan" , welches in letzteren durch
einen kurzen »Ductus hepaticus" einmündet und (ausser den Tracheen-
stämmen) ein voluminöses, dichotomisch baumartig verzweigtes
Ovarium , welches zugleich der Sitz des rothen Färbestoffes ist;
letzterer findet sich (vergl. dagegen die abweichende Angabe von
Claus für Coccus cacti , Jahresbericht 1859 — 60. p. 340) in Form
deutlicher Zellen innerhalb der Eikeime. — Der den mütterlichen
Leib verlassende junge Coccus ist Yio ^*^^^ J3"g» ™i^ zwei Fühlern,
sechs Beinen und zwei kleinen Augen versehen; am vorletzten Hin-
terleibssegment entspringen zwei lange Fäden, jederseits am Thorax
an Stelle von Flügeln ein Büschel weisser, puderartiger Fäden.
Vier Wochen nachdem das junge Thier sesshaft geworden ist, misst
es bereits Yjg ^^11 in der Länge; es erscheint dann asseiförmig, ohne
Augen, Fühler und Beine, zeigt aber die drei Spirakula noch weit
von einander entfernt, indem zwei an den Seiten des. vorderen Kör-
506 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
perabschnittes, eins am Afterende «gelegen ist; die Segnientirung des
Hinterleibes, welche in dieser l'eriode noch deutlich ist, verschwin-
det mit dem VViichsthume allmühlici) mehr und gleichzeitig tritt eine
immer stüikere Annäherung der drei Spirakula ein. — Das männliche
Insekt ist ein wenig grösser als die junge weibliche Larve, hat sehr
lange und dünne Fühler, an denen auf zwei kurze ßasalgliedcr siebin
lange lineare folgen, vier Augen, von denen zwei seitlich oberhalb
und zwei auf der Unterseite des Kopfes stehen, und zwischen den
beiden langen Aflerfäden einen grinelförmigon Endfortsatz des Hin-
terleibes, der aus einer oberen und unleren Platte besieht. Letzteres
Organ ist der Penis, welchen das Männchen, indem es sieh auf ein
mit Lak-AusschvAitzung überzogenes Weibchen setzt, in dessen hintere
(Anal- und (jenital-) ÜefFnung einsenkt; ist ein Weibchen auf diese
Art befruchtet, so geht das Männchen zu einem zweiten, dritten u.s. w.
über. — Auf der beifolgenden Tafel sind die verschiedenen Ent-
wickelungsformen des Coccus lacca nebst einzelnen Körperlheilcn,
ausserdem die innere Organisation des ausgewachsenen Weibchens
dargestellt. — Einen Nachtrag zu der vorstehenden Abhandlung hat
Verf. in derselben Zeitschrift VIL p. 363 f. („Further observations on
the natural history of Ihe Lac-Insect") geliefert, in welchem er er-
wähnt, dass er ausser der vorerwähnten Sommer- Generation noch
eine zweite im Dezember beobachtet habe, welche hauptsächlich da-
durch unterschieden ist, dass fast alle Männchen derselben geflügelt
sind, während bei der ersten dies niemals der Fall ist. Die Lak- Aus-
scheidung ist bei der Sommer-Generation eine schnellere und reich-
lichere als bei der \Vinter-Geneiation.
Eine kleine Abhandlung von R. Beck, „On the melamorpho-
ses of a Coccus found upon Oranges" (Transactions of the niicrosco-
pical Society of London, new ser. IX. 1861. p. 47 — 49. pl- 5) enthält
nicht nur nichts JN'eues über die Metamorphose von Coccus, welche
an einer nicht näher delerminirten Art sehr oberflächlich beschrieben
und durch ungenaue Abbildungen erläutert wird, sondern trägt auch
die Unkennlniss des Verf.'s über die einfachsten Verhältnisse zur
Schau; weil das Männchen eine vollkommene Metamorphose zeigt,
glaubt er dieselbe auch dem NVeibchen zuschreiben zu dürfen.
In Canada (Kingston) hat man neuerdings eine Coccus-Arl auf
Abies nigra entdeckt, welche eine ausgezeichnet schöne rothe Farbe,
die fast ganz der Cochenille gleicht, liefert. Das nördliche Vor-
kommen dieser Art wird ihre Akklimatisation in anderen Ländern
von gemässigter Temperatur leicht machen. (Proceed. of the Bota-
nical soc. of Canada, 15. Febr. 1861., Annais of uat. bist, 3. ser. VIL
p. 424.)
In Guerin's Revue et Magas. de Zoologie XIII. p. 374 IL ist
^iuü ältere Abhandlung aus dem J. 183:^ von de la Llavc in Mexiko
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 507
über den „Axin", eine neue Art der Gattung Coccus und über das
Feit, welches man aus derselben zieht, niitgetheilt.
Aphidina. Montrouzier (Annales soc. entom. 4. ser. 1. p. 74)
beschrieb A])his Dolichi als n. A. von der Insel Lifu.
PediCUlina. A. »lurray, On the Pediculi infesling Ihe diffe-
rent rates of man (Transact. of the Royal soc. of Edinburgh XXII.
p. 567— r)78. pl. 29 u. 30. — Separalabdruck in 4. 12pag. c. lab. 2.
Edinburgh 1861). — Verf. hat uml'a'jsende Untersuchungen zur Lö-
sung der schon wiederholt aufgeworfenen Frage angestellt, ob bei
den verschiedenen Alenschcnracen mehrere spezifisch verschiedene
Arten von Kopfläusen (Pediculus capitis) vorkommen, oder ob die in
der Färbung bekaunflich je nach den Racen verschiedenen Läuse
einer und derselben Art angehören: eine Frage, deren Lösung schon
deshalb von Interesse sein musste , weil sich auf dieselbe etwaige
Schliissfolgerungen in Betreif der Artidentität resp. Verschiedenheit
des Menschengeschlechtes basiren Hessen. Der Vergleich eines an-
sehnlichen iMaleriales hat dem Verf. ergeben, dass sich bei den Kopf-
läusen der verschiedenen Menschenracen greifbare Unterschiede aller-
dings feststellen lassen, und zwar nicht nur in der Körperfärbung,
sondern auch in der Form der Fühlhörner und der Beine nebst ihren
Klauen (besonders der Vorderbeine der männlichen Individuen; in-
dessen, da diese Unterschiede mehr relativer Natur sind und sehr
wohl Zweifel an einer spezifischen Bedeutung aufkommen lassen,
können sie nicht als zur Lösung der aufgeworfenen Frage geeignet
angesehen werden. So wenig wie die Körperfärbung beim Menschen
zur Aufstellung von Arten berechtigen kann, wird sie bei den Pedi-
culi massgebend sein und besonders deshalb nicht, weil sich die
Färbung der letzteren nach derjenigen der ersteren richtet; die
Kopflaus des Westafrikanischen Negers und Australiers ist schwarz,
die des Chinesen und Japanesen gelbbraun, die des Californiers dun-
kel olivenfaibig, die des Anden-Indianers dunkelbraun, die des IS'ord-
Indiers , Esqnimos und Europäers weisslich. Die Endklauen der
Beine sind bald stärker, bald schwächer gekrümmt, ihr Innenrand
bald glatt, bald feiner oderstäiker gezähnelt, der daumenartige Vor-
sprung der Schiene und der innere Höcker des Tarsengliedes sehr
verschieden gestaltet, ohne dass jedoch einerseits Schwankungen ia
der Form dieser Theile bei Individuen derselben Race , andererseits
aber Uebergänge von der einen zur anderen Bildung fehlten. — Die
Racen, deren Kopfläuse Verf. untersucht und durch Abbildung der
charakteristischen Theile illuslrirt hat, sind : Engländer, Russen, An-
wohner des Sklaven -Sees, Californische Indier, Süd- Amerikanische
Andes-Indier, Bewohner des Feuerlandes, Japanesen, Chinesen, Osl-
indier, Australier von Kings-George's Sund, CafTern, Hottentotten,
Mozambiker und West-Afrikanische Neger.
508 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Mallophagd. Aus Nitzsch's handschrifllichem Nachlasse über
Pelzfresser hat Giebel (Zeitschr. f. d. gesanimt. Naturwiss. XVII.
p. 515—529 und XVIll. p. 81—93. Taf. 1 u. 2) zwei fernere Abschnitte,
die Specieskennlniss der Familie betreffend, abdrucken lassen. In
erslerem Aufsalze, „die Federlinge der Uaubvögel" betitelt, werden
38 Arten von Tag- und Nacht-Raubvögeln nebst den auf ihnen vor-
gefundenen Mallophagen (etwa 80 Arten) aufgezählt und von letzleren
eine Anzahl ausführlicher charakterisirt: Lipeurus aetheronomus von
Sarcorrhamphus gryphus, Lipeurus ternalus Burm. von Sarc. papa,
Lipeurus monilis von INeophron nionachus, Colpocephalum oxyurum
von demselben, Docophorus brevicollis Burm. und Lipeurus quadri-
pustulatus Burm. von Vultur cinereus, Lipeurus perspicillatus von
Vullur fulvus, Nirmus euzonius von Gypaetos barbatus, Docophorus
naevivs von Aquila naevia, Docophorus plahjrhynchus von Astur pa-
lumbarius, Doc. gonorhynchus von Astur nisus , Doc. heteroceros von
Strix bubo, Doc. ceblebrachys und Lipeurus hexophthalmus von Strix
nyctea , JSirtnus rostratus von Strix flammea. Ueber andere Arten
sind nur aphoristische Angaben gemacht. — Der zweite Aufsatz „die
Haarlinge der Galtungen Trichodectes und Gyropus" enthält theils
ausführlichere Charakteristiken, theils kurze Notizen über 14 Arten
der Gattung Trichodectes und 4 Arten der Gattung Gyropus, von
denen einige auf zwei beifolgenden Tafeln nebst Details abgebil-
det sind.
In derselben Zeitschrift XVIH. p. 289— 319 stellte Giebel ein
„Verzeichniss der vonNitzsch untersuchten Epizoen nach den Wohn-
thieren geordnet" zusammen. Dasselbe enthält 47 Säugethiere mit
44 determinirten und 18 zweifelhaften Epizoen und 322 Vögel mit
330 Epizoen erster und 250 zweiter Categorie.
2. Hyriopoden.
Tabular view of Ihe Orders and leadin^ families of
Myriapoda , Arachnida, Cruslacea (Annelida and Entozoa),
herausgegeben von der Society for promoting Christian (!?)
knowledge, London 1861. (Nach einer Anzeige in den An-
nais of nat. hist. 3. ser. VIII. p. 178 f. bildliche Darstellun-
gen der Hauptformen aus den genannten Classen mit ein-
leitendem Texte von White.)
Chilognatha.
JalOdea. Nach Lucas (Bullet, soc. entom. 1861. p. 19) richtete
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 509
Blaniulus gutlulatus in Luxemburg durch Anfressen der eben aus der
Erde hervorsprossenden Cotyledonen von Phaseolus vulgaris an den
Bohnen-Aussaaten beträchtlichen Schaden an.
Glomerillä. Wankel (Sitzungsberichte der mathem. - naturw.
Classe der Akad. d. VVissensch. zu Wien XLIII, 1. p. 253. Taf. I.
fig. 2 u. 3) machte Trachysphaera Hyrtlii als n. A. aus der Slouper
Höhle in Mähren bekannt; dieselbe ist etwas grösser als Trach. Schmidtii,
nämlich 3 Mill. lang.
Chilopoda.
SCOlopendridae. Descriptions of new species of Scolopendra
in the collection of the Academy, by Ho ratio Wood (Proceed.
acad. nat. scienc. of Philadelphia 1861. p. 10 — 15). Verf. liefert Be-
schreibungen von 19 neuen Scolopendra-Arten verschiedener Länder:
Scolopendra byssina aus Florida?, parva aus dem Gebirge von Geor-
gia, castaneiceps aus Texas, polymorpha von Fort Riley in Kansas,
prasinipes von Trinidad, epileptica Vaterl. unbek., limicolor aus
Bengalen, gracilipes von Singapore , dinodon ebendaher, cephalica
von der Westküste Afrika's , mit einer var. ? gracilis ebendaher,
parvidens von Ningpoo in China, torquala von der Insel Sombrero,
pella aus Surinam, punctiscuta aus Caraccas, puncticeps Valerl. unbek.,
atra Vaterl. unbek., plumheolatus (sie!) von San Jago, Cap Verdische
Inseln, testacea Vaterl. unbek. und porphyratainia aus Indien.
3. Arachnideu.
Arthogastra.
SCOrpiodea. Eine Abhandlung von Huxley „On the structure
of the moulh and pharynx of Scorpio" (Quarterly Journal of micro-
scop. scienceVIII. p. 250 — 254. pl. 12) ist der Beschreibung und Ab-
bildung eines eigenthümlichen Chitinleisten- und Muskelapparates im
Schlünde des Scorpions (die vom Verf. untersuchte Art ist ein Buthus)
gewidmet, welche zum Schlürfen befähigt, das Aussaugen des Rau-
bes vermittelt und der, wenn auch weniger detaillirt, bereits durch
V. Siebold (Lehrbuch d. vergl. Anat. p. 525) bei den Araneinen
beschrieben worden ist. Den unpaaren Vorsprung am oberen Ende
der Mundhöhle, dessen Seitenflächen mit feinen und kurzen Haaren
besetzt sind und der eine seichte Mittelfurche zeigt, deutet Verf.
Blanchard gegenüber (der ihn als appendice buccal bezeichnet) als
Oberlippe. Die unter und hinter dieser Oberlippe gelegene äusserst
510 Gerstaecker: liericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Kleine MiindölTnuni^, welche kaum einen feinen Stecknadelknopf ein-
ztifühien gestattet, führt in einen eigenthümlich geformten IMiarynx
mit int)erer Chitinstütze; derselbe ist von der Seite gesehen fast
birnförmig, erscheint dagegen bei der Ansicht von oben ganz schmal,
seillich zusammengedrückt und beim Durchschnitte dreiäslig. Die
beiden kurzen Aesle desselben sind nach oben und aussen, der dritte
längere senkrecht nach unten gerichtet; an letzleren schlicsst sich
der sehr zarte Oesophagus an, welcher gleich bei seinem Beginne
innerhalb einen rundlichen Vorsprung, vermuthlich von der Bedeu-
tung einer Schliessklappe, erkennen lässt. Bei Contraktion der von
den beiden Gabeln des Apodem entspringenden utid sich an die Seiten
des Pharynx inserirenden Muskeln wird durch Verdünnung der Luft
das Aufsaugen bewirkt, während bei ErschlafFiing derselben der Ue-
berlritt der aufgesogenen Flüssigkeit in den Oesophagus erfolgt.
Peters (iMonatsber. d. Akad. d. Wissensch. Berlin 1861. p. 426.
c. tab.) beschrieb Heniiscorpion lepttirus als n. A. von Bagdad und
unterschied die neue Ualergatlung Uemiscorpion von Ischnurus durch
das verlängerte, fast cylindrische Endglied des Schwanzes, welche?
beim iVlännchen jederseils an der Basis des sehr kleinen Stachels einen
abgerundeten Vorsprung zeigt.
Derselbe (ebenda p. 507 — 516) lieferte eine neue Eintheilung
der Skorpione und eine Charakteristik der von ihm in Alossambique
gesammelten Arten der Gattung. Letztere sind: Ischnurus troglody-
les, asper mit einer var. chrysopus , Opislhophlhalmus glabrifrons,
Heterometrus carinalus , Centrurus trilinealus , Uroplecles orualus^
ßnvoviridis und Priomirus Mossambicensis. — Die Eintheilung der
Skorpione wird, da die bisherige nach der Zahl der Seitenaugen we-
gen der Schwankung der letzteren eine unsichere war, auf die Bil-
dung des Sternum und der Kicferfühler (als Oberkiefer bezeichnet)
basirl und nach den Veischiedenheiten dieser Theile vier (iriippen
errichtet: 1) Telegonini. Sternum ganz kurz, (|uer sichelförmig;
beide Finger der Kieferfühler mit einer Reihe \on Zähnen. Galtun-
gen: Telegonus Koch, Cercophonivs (Telcg. squama Gerv.), Acayi-
thochirus (icstudinarius n. A. Vandiemensland) und Bothriurus (Bro-
theas bonariensis Koch). — Von diesen vier Gattungen sind T«'lego-
nus und Bothriurus wohl nur spezifisch verschieden; Acanlhochirus
testudinarius stin»nit abgesehen von dem Dorne der Scheere so voll-
ständig mit Cercophonius squama überein, dass man sich kaum der
Verniuthnug erwehren kann, beide seien nur sexuell verschieden;
nach den etwas schlankeren Schwanzgliedern zu urtheileri, würde
sich bei näherer Untersuchung Ac. testudinarius dann wahrscheinlich
als Männchen herausstillen. Bef. — 2) Scorpionini. Steiniim
quadratisch oder pentagonal, gleich breit; Kieferlühler wie oben.
Gattungen: Vaejovis Koch, Brotheas Koch. Scorpio Lin., Scorpiops
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 511
(Sc. Hardwickii Gerv.), Uroclacus (U. Novae Hollandiae n. A.) , Herai-
scorpion , Ischnurus Koch, Opislfiacantluts (Ischnurus elatus Gerv.),
Dacurus (Centrurus gnlbineus Koch), Opisthophthalmus Koch, Heteio-
metrus Ehrbg. und Diplocentrus nov. gen. (Scheitelaiigen hinter
dem vorderen Dritltheile des Cephalothorax, unter dem Giftstachel
ein Dorn). — 3) Centrurini. Sternnuj dreieckig, länger als breit;
am beweglichen Finger der Kieferfühler zwei , am unbeweglichen
eine Reihe von Zähnen. Gattungen: Centrurus Ehrbg. und Uro-
plectes nov. gen. (Schwanzglieder ungekielt.) — 4) Androcto-
n i n i. Sternum klein, dreieckig, beide Finger der Kieferfühler mit
zwei Reihen von Zähnen. — Gattungen: Prionurus Ehrbg. und Bu-
lbus Leach.
Pedipälpi. H oratio ^Vood („Description of a n€W species
of tue genus Ihelyphonus", Proceed. acad. uat. scienc. of Fliiladel-
phia 1881. p. 312) beschrieb Tkelyphonus Stimpsonii als neue Art
von Japan.
Phalangidae. R. H. Meade, ..Supplement to a monograph of
the British species of Phalangiidae or Harvest-men" (Annais of nat.
bist. 3. ser. VII. p. 353 — 357) gab Nachträge zu seiner im Jahre 1855
gelieferten Monographie der Britischen Phalangier (vergl. Jahresbe-
richt 1855. p. 196). Er stellt zuvörderst nach direkten Beobachtungen
von Black wall und Henslow die Häutung der Schneiderspinnen
fest, welche mindestens einmal, nämlich bevor sie ihre Reife erlan-
gen, erfolgt. Ebenso glaubt er, dass ein Wiederersatz verlorener
Gliedmassen stattfinde, da nach einer Mittheilung von Black wall
dieser öfter ein Bein des zweiten Paares sehr viel kürzer ausgebil-
det fand als die übrigen. Endlich in Betreff der Lebensdauer der
Phalangier berichtigt er seine frühere Angabe, wonach dieselben
beim Beginne der kalten Jahreszeit sterben sollen, dahin, dass er
seitdem öfter erstarrte Exemplare den ganzen Winter hindurch und
ausgewachsene Individuen von Megabunus insignis im März und
April angetroffen habe. — Im speziellen Theile werden ergänzende
Bemerkungen zu Phalangium cornntum und minutum, Opilio hystrix
und Homalonotus quadridentatus beigebracht, Leiobunns Blachwallii
als neue Englische Art beschrieben und im Holzschnitte dargestellt.
Wankel (..Beitrag zur Oesterreichischen Grottenfauna", Sit-
zungsberichte der mathem.-naturwiss. Classe der Akad. d. Wissensch.
zu WienXLIII, 1. p. 257. Taf. 2. fig. 1—7) machte Leiobunum troglo-
dytes als n. A. aus der Slonper Höhle in Mähren bekannt; die Art
ist vollständig ungefärbt (ganz weiss), aber mit deutlichen Augen
versehen.
512 Gerstaecker: Bericht über die wissenschartlichen Leistungen
Araneina.
Philouze („Recherches sur la toile d'Araignee",
Annales soc. Linneenne du deparl. de Maine-de-Loire IV.
p. 5 ff.) hat beobachtet, dass eine einzelne Spinne, wenn
man ihr täglich ihr Gespinnst wegnimmt, während ihres
Lebens mehr Seide zu liefern im Stande ist als das Cocon
eines Seidenspinners enthält. Der Faden ist in Wasser jeder
Temperatur unlöslich und wird durch Aether, Alkohol und
Essigsäure nicht verändert, während ihn Schwefel- und
Salpetersäure zerstören. Verf. hat dem Spinngewebe auch
eine praktische Anwendung zu geben versucht, indem er
durch allerlei Manipulationen, die er näher erörtert^ aus
demselben Fäden zum Nähen, seidenartige Stoffe, Papier
u. s. w. fabricirte; eine Börse ohne Naht, welche eine
schöne himmelblaue Färbung erhielt und einen Tabacksbeutel,
beide aus Spinnengeweben angefertigt, erfüllten ihren Zweck
mehrere Jahre lang.
Eine für die systematische Kenntniss der Europäischen
Araneinen sehr wichtiges Werk ist von Nie. Westring
unter dem Titel : „Araneae Suecicae descriplae" (Gothoburgi
1861. 8., 614 pag. Separatabdruck aus den Acta Regiae
Societatis scientiarum litterarumque elegant. Gothoburgen-
sis 1861) publicirt worden. Dasselbe ist die Frucht 25jäh-
riger Forschungen und Studien und zum grösseren Theile
auf ein Material begründet, welches der Verf. durch viel-
fach wiederholte Beobachtung- im Leben natürlich um so
gründlicher zu erforschen im Stande war. Dieser Umstand
wird bei der Schwierigkeit, welche sich der Feststellung
vieler Arten durch die mannigfachen Schwankungen in
Färbung und Zeichnung entgegenstellt, den Arachnologen
das Werk des Verf.'s in hohem Grade erwünscht und werth-
voll erscheinen lassen, ganz abgesehen davon, dass es
schon durch die Fülle seines Inhaltes als eine der haupt-
sächlichsten literarischen Hüllsquellen für die Ordnung der
Araneinen anzusehen ist. Zur Herstellung desselben war
Skandinavien als die Wiege der Arachnologie offenbar das
günstigste Land, da die von den älteren Schwedischen Au-
;l r,!i
'■ Im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 513
toren beschriebenen Arten sich hier begreiflich am sicher-
sten eruiren Hessen. Dass der Verf. diesen seinen Lands-
leuteÄ daher vorzugsweise seine Aufmerksamkeit zugewandt
hat, ist ebenso natürlich als anerkennungswerth; indessen
wäre es wohl zu wünschen gewesen, dass er zugleich den
ausländischen neueren Autoren, wie besonders B 1 a c k w a: 1 1,
Grube, Ohlert u. s. w. , welche er ganz unberücksich-
tigt lässt, Rechnung getragen hätte, um so mehr, als schon
aus der geographischen Lage der von letzteren durchforsch-
ten Ländern anzunehmen ist, dass die Araneinen-Fauna der-
selben mit derjenigen Schweden's eine grosse Ueberein-
stimmung zeigen wird. — Dem Werke des Verf.'s zufolge
ist die Schwedische Araneinen-Fauna durch die ansehnliche
Zahl von B08 Arten vertreten, welche sich auf die einzel-
nen Familien folgendermassen vertheilen: Epeiridae 34 A.,
Theridiidae 115 A., Drassidae 63 A., Thomisidae 30 A.,
Lycosidae 35 A., Attidae 31 A.
Der Charakteristik dieser einzelnen Familien, mit welcher der
Verf. sein Werk beginnt, ist eine kurze Terminologie vorausgeschickt,
in welcher die systematisch wichtigen Theile des äusseren SUeletes
aufgezählt und näher erörtert werden. Für die Unterscheidung der
Arten und ihre Vertheiiung unter bestimmte Gruppen innerhalb einer
Gattung hat Verf. neben der Stellung der Ocellen, der Länge der
Beine, der Form der Mundtheile u. s. w. auch ganz besonders die
Körperbekleidung, insbesondere mit Stachelborsten, ferner die Längs-
verhällnisse der einzelnen Glieder der Extremitäten, die Bildung der
Genitalien u. s. f. verwerthet, die unterscheidenden Merkmale nahe
verwandter Arten auch stets noch besonders hervorgehoben; doch
erschwert es etwas die Benutzung des Werkes, dass diese Merkmale
nicht in Form von Diagnosen den Artbeschreibungen vorangesetzt,
sondern in letztere verwebt sind. Die vom Verf. angenommenen
Gattungen sind folgende : a) Epeiridae : 1) Epeira Walck. 19 A.
2) Singa Koch 5 A. 3) Zilla Koch 3 A. 4) Meta Koch 4 A. 5)
Tetragnatha Walck. 2 A. 6) MithrasKoch 1 A. — b) Theridiidae: 7)
Linyphia Walck. 30 A. S)Tapinopa nov. gen. (für Linyphia lon-
gidens Wider) 1 A. 9) Pachygnatha Sund. 3 A. 10) EroKoch 2 A.
11) Theridium Walck. 24A. 12) Episinus Walck. 1 A. 13) Erigone
Saviyny. 53 A. 14) Pholcus Walck. 1 A. — c) Drassidae: 13) Sege-
stria Walck. 2 A. 16) Dysdera Walck. 1 A. 17) Tegenaria Walck.
3 A. 18) Agelena Walck. 1 A. 19) Textrix Sund. 1 A. 20)
Agroeca nov. gen. (für Philoica linotina Koch) 1 A. 21) Hahnia
AreWv f. Naturg. XXYIII. Jahrg. 2. Bd. Hh
514 Ge rsta eckcr: Bericht über die wissenschtiftiichen Leistungen
Koch 3 A. 22) Ap ostetius nov. gen. »Thorax ovatus, aequaliter
convexus, nitidus et siinul adprcsso-puhescens, antice angustatus, vel
Va — V2 latitudinis mediae partis thoracicae; parte cephalica haud di-
stincta. Tibiae et inetatarsi anteriores utrinque serie ex aculeis ad-
pressis robustis, longis, radicibus incrassatis armala. Mamillae breves,
concentricae, nee lateralibus distantibus. Oculi 4 antici in serieni
evidenter deorsuni curvatani dispositi ; series 4 posticorum fere paullo
retrorsum curvata, saltem recta; oculi laterales, et antici et postici,
raaiusculi, inter se distantes, vel spatio fere maiore quam inter posticos et
oculum adiacenteni duorum intermediorum posticorum, saltem quam inter
oculos laterales anticos et oculum proximum anticorum intermediorum.
De cetero similis Hahniae, inter quam et Agroecam medium tenet.
— 1 A.: ^. fuscus Westr. — 23) Zora Koch 1 A. 24) Phrurolithus
Koch 2 A. 25) Micaria nov. gen., für Drassus fulgens Walck.,
Clubiona pulicaria Sund., Macaria nitens Koch und M. subopaca n.A.
26) Drassus Walck. 7 A. 27) Pythonissa Koch 4 A. 28) Melano-
phora Koch 5 A. 29) Drassodes nov. gen. für Clubiona lapidicola
Latr. , Drassus villosus und pubescens Thorell und Dr. gracilis w. A.
30) Argyroneta Walck. 1 A. 31) Anyphaena Sund. 1 A. 32) Amau-
robius Koch 2 A. 33) Cheiracanthium Koch 2 A. 34) Diclyma Walck.
5 A. 35) Clubiona Walck. 10 A. 36) Sparassus Walck. 2 A. —
d) Thomisidae: 37) Thomisus Walck. 18 A. 38) Philodromus Walck.
12 A. — e) Lycosidae : 39) Lycosa Walck. 32 A. 40) Dolomedes
Walck. 1 A. 41) Ocyale Sav. 1 A. 42) Sphasus Walck. 1 A. —
f) Attidae: 43) Salticus Latr. 1 A. 44) Attus Walck. 30 A.
Ein zweites, die Kenntniss der Europäischen Aranei-
nen-Fauna förderndes Werk, welclies gleichzeitig mit dem
vorigen durch die Ray Society in London publicirt worden
ist, führt den Titel: A Hislory of the Spiders of Great Bri-
tain and Ireland, by John Black wall. (London 1861.
fol. 173 pag. c. tab. 12 color.) — Bekanntlich hat der Verf.
desselben seit einer längeren Reihe von Jahren der Er-
forschung der in Gross-Britannien einheimischen Araneinen
obgelegen und die Kenntniss derselben durch zahlreiche
kleinere Publikationen zu fördern gesucht. Eine Zusam-
menfassung der letzteren zu einem geordneten Ganzen war
schon der Uebersichtlichkeit halber sehr erwünscht und ist
bei der splendiden Ausstattung des vorliegenden Werkes,
von dem vorläufig allerdings nur der erste Theil publicirt
ist, in einer allen Anforderungen entsprechenden Weise
realisirt worden. Sämmtlichc vom Verf. als Englisch auf-
R'>q!r*im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 515
geführte und beschriebfene Arten sind nämlich mei^t nach
beiden Geschlechtern in vergrösserten Abbildungen, an
denen höchstens das Colorit noch hin und wieder etwas zu
wünschen übrig Hesse, dargestellt und ausserdem durch
zahlreiche Detailzeichnungen (wie männliche Copulations-
organe, Anordnung der Ocellen, Kieferfühler, Fussklauen
u. s. w.) erläutert. Der Text hat hauptsächlich eine einge-
hende Beschreibung der Arten zum Zweck, während die
Charakteristik der Familien und Gattungen nur kurz ge-
halten ist; eine in der Einleitung gegebene Darstellung
des äusseren Körperbaues, der physiologischen und biolo-
gischen Eigenthümlichkeiten der Araneinen im Allgemeinen
ist der Hauptsache nach früheren Beobachtern entlehnt und
hätte im Vergleiche zu dem speziellen Theile wohl etwas
erschöpfender ausfallen können. (Eine ausführliche Bespre-
chung des Werkes findet sich in: The natural history review
1861. p. 410 ff.)
In dem vorliegenden ersten Theile des Werkes sind folgende
Familien und Gattungen abgehandelt: l)Mygalidae: Atypus Latr. 1 A.
— 2) Lycosidae : Lycosa Latr. 16 A., Dolomedes Latr. 3 A., Hecaerge
Blackw. 1 A., Sphasus Walck. 1 A. — 3) Salticidae: Eresus Walck.
1 A., Salticus Latr. 17 A. — 4) Thomisidae : Thoniisus Walck. 19 A.,
PhilodromusWalck. 9 A., Sparassus Walck. lA. — 5) Drassidae: Dras-
sus Walck. 14 A. (Dr. ferrugineus n. A.) , Clubiona Latr. 12 A.
(Cl. formosa n. A.), Argyroneta Latr. 1 A. — 6) Ciniflonidae: Ciniflo
Blackw. 5A., Ergatis Blackw. 3A., Yeleda Blackw. 1 A. — 7) Age-
lenidae: Agelena Walck. 9 A. (Ag. Hyndmanii n. A.), Tegenaria
Walck. 4 A., Caelotes Blackw. 1 A. und Textrix Sundev. 1 A.
Grube (Bulletin de Tacad. d. scienc. de St. Peters-
bourg IV. p. 161 — 180, im Separatabdruck aus denMelanges
biologiques. 8. 29 pag.) hat Beschreibungen der neuen durch
L. V. Schrenck, Maack, v. Ditmar u. A. im Amur-
Lande und in Ostsibirien gesammelten Araneiden geliefert.
im Ganzen lagen dem Verf. 135 in jenen Gegenden gesam-
melte Arten zur Durchsicht vor, von denen sich fast 3/4
als mit Europäischen identisch herausstellten, während
mehrere der in Europa am häufigsten auftretenden und am
weitesten verbreiteten Arten ganz fehlten.
Zu letzteren gehören z. B. Epeira diaderaa, Linyphia montana,
516 Gerfltaecker: Bericht über die wisseuschaftlichen Leistungen
Tegenaria civilis und domestica, Haiinia montana, Segestria senocu-
lata, Heliophanus ciipreus u. a.; von weit in Europa verbreiteten
Gattungen fehlten überhaupt: Mithras, Episinus, Hahnia, Anyphaena,
Segestria und Sparassus. — Die als neu beschriebenen Arten sind:
Tetragnalha conica, Epeira Schrenckii, ochracea, (Miranda) acrono-
tus, Theridiutn (Steatoda) rkombiferum, ancora, Linyphia (Bolypkan-
tes) Sibirica, sagiltata, albomaculala, melanopleuros , Micryphantes
miniatus , dentisetis , ferrutn - equinum, Agelena bistriata , Drassus
(Pylhonissa) adspersus] D rassina nov. gen. „Pedes longi, ungui-
culis 3 pectinatis armati; oculi 8 collecti, seriebus transversis 2:
anteriores parieti frontali affixi , posteriores ad marginem anticum
superficiei dorsualis siti, medii eoruin haud obliqui. ölaxillae semi-
ovales, margine externo convexo , interno recto; labium brevius,
rotundato-quadratum. Seutum sternale triangulum, marginibus late-
ralibus curvatis. — Art: Dr. ochracea. — Cinißo lunigera, flavotittala,
Thomisus fuscus, coronatus, arciger, Lycosa (Tarantula) albostriata
und sagittata, Attus quadrifasciatus, lineolalns^ fusconotahis, vulpes^
ignifrons, melanotarsus, striatipes, ftiscoslriatus, arenicolor, Castriesia~
nM5, flato-aler, dimidiatus und nobilis.
Siemaschko (Horae societ. entom. Rossicae I. p. 117
— 138) stellte ein Verzeichniss der in der Umgegend von
St. Petersburg vorkommenden und bis jetzt beobachteten
Araneinen zusammen. Im Ganzen werden 79 Arten mit
Angaben über ihre Fundorte , Häufigkeit u. s. w. ver-
zeichnet.
Dieselben gehören folgenden Gattungen an: Nephila 1 A.,
Epeira 9 A., Zilla 1 A., Singa 1 A. , Tetragnatha 1 A., Meta 2 A.,
Eucharia 1 A. , Steatoda 5 A., Linyphia 5 A. , Micryphantes 8 A.,
Erigone 1 A., Dictyna 1 A. , Pachygnatha 1 A., Phrurolithus 1 A.,
Philoica 2 A., Argyroneta 1 A., Clubiona 3 A., Pholcus 1 A., Dolo-
medes 1 A., Trochosa 2 A., Tarantula 4 A., Aulonia 1 A., Potamia
3 A., Leimonia 3 A., Pardosa 2 A., Thomisus 1 A., Xysticus 8 A.,
Artamus 2 A., Thanatus 2 A., Sparassus 1 A., Heliophanus 2 A.,
Calliethera 1 A. und Euophrys 1 A.
G. Böck (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu
Wien 1861. p. 387—390) gab eine vorläufige Uebersicht
der während der Novara- Expedition gesammelten Spinnen.
Es werden in derselben vom Verf. 75 Araneinen aus den
Gruppen der Mygalidae, Ccllicolae, Lycosidae, Attidae,
Thomisidae, Epeiridae, Theridiidae und Tubicolae nament-
lich aufgeführt; verschiedene andere sollen noch näher un-
tersucht und bestimmt werden.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 517
0. P. Cambridge, Descriptions of ten new species
of Spiders lately discovered in England (Annais of nat.
bist. 3. ser. VII. p. 428—441). Verf. giebt ausführliche
Beschreibungen von zehn neuen englischen Araneinen aus
den Gruppen der Drassiden, Ageleniden, Theridiiden und
Linyphiiden.
Es sind folgende: Drassus praelongipes , subniger, Agelena
subfuscttj Theridion stictum, inornatum, Linyphia albula, Neriene Huth-
tcaitUj Walckenaera unicornis, ludicra und saxicola,
J. Black wall, Descriptions of several recenlly dis-
covered Spiders (Annais of nat. bist. 3. ser. VIII. p. 441 —
446). Verf. beschreibt sechs theils neue, theils unvoll-
ständig bekannte Arten aus England und von Pernambuco :
Hecaerge nemoralis und Drassus pedestris Koch (Melanophora)
aus England, Orithyia Williamsii von Pernambuco, Pholcus pallidus
(Blackw.) mas von Pernambuco, Walckenaera pratensis aus England
und Dysdera obscura (ßlackw.) mas von Pernambuco.
R. H. Meade („Description of a new species of Spider lately
discovered in England", Annais of nat. bist. 3. ser. VII. p.20) be-
schrieb Epeira bella mas et fem. als n. A. aus England.
Nach L. Dufour (Anuales soc. entomol. 4. ser. I. p. 5) kommt
Epeira sericea auch auf den Cap Verdischen Inseln (St. Vincent) vor.
Verf. giebt eine nochmalige Beschreibung und Abbildung (pl. I. fig. 1)
der Art, deren geographische Verbreitung er erörtert.
Doumerc („Notice sur la teigne des toiles d'Araignees Tege-
naire et Segestrie", ebenda 4. ser. I. p. 24 ff.) machte die Mittheilung,
dass sich in den Geweben von Tegenaria agrestis und Segestria seno-
culata Raupen einer Tineine (Oecophora telatella) finden, welche jene
Gewebe zu ihren Puppensäcken verarbeiten.
Acarina.
Von Pagenstecher's „Beiträge zur Anatomie der
Milben" ist im J. 1861 ein zvv^eites Heft erschienen, welches
die Anatomie von Ixodes Ricinus behandelt (fol. 45 pag. c.
tab. 2). Nach einem sehr reichhaltigen Ueberblick über
die Literatur der bereits im Alterthume allgemein bekann-
ten Zecke so wie der ihr zunächst stehenden Gattungen
und Arten, welchen der Verf. noch durch eine nachträgliche
Notiz in der Zeitschr. f. wissensch. Zoologie XI. p. 162 ver-
518 Gcrstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
vollständigt, werden zunächst ausführliche, auf eigenen
Beobachtungen beruhende Mittheilungen über die Lebens-
weise und die verschiedenen Entwickelungsstadien von Ixo-
des gemacht, welche für die Kenntniss der Milben im All-
gemeinen wichtige Daten enthalten. Diesen folgt sodann
in entsprechender Weise wie bei Trombidium eine nähere
Erörterung der einzelnen Organsysteme (Hautskelet und
Muskulatur, Bewegungswerkzeuge und Mundlheile , Ver-
dauungskanal, Speichel- oder Giftdrüsen, Harnorgane, Ath-
mungsorgane, Nervensystem und Geschlechtsorgane) und
am Schlüsse die Charakteristik einiger dem Ix. ricinus nahe
verwandter Arten.
Die den früheren Autoren so gut wie gar nicht bekannt ge-
wordene sechsbeinige Jugendform des Ixodes ricinus hat Verf. zu
wiederholten Malen an Myoxus, Sciurus und Talpa und zwar unter-
mischt mit der nächstfolgenden Enlwickelungsstufe , schmarotzend
angetroffen. Die für die Zecken noch ungelöste Frage, ob das feh-
lende vierte Beinpaar hinter oder zwischen den drei von Anfang an
vorhandenen hervorgebildet werde, konnte Verf. durch direkte Beob-
achtung einer gerade in der Häutung begriffenen Jugendforra von
Ixodes lacertae erledigen; das hinterste (vierte) Beinpaar lag hier
unter der Körperhaut dem Bauche an. (Es verhielte sich die Sache
bei den Zecken also wie bei der Krätzmilbe, während bei den Ori-
batiden nach N icolet und bei mehreren anderen Acarinen das zweite
Beinpaar als Keugebilde nach der Häutung auftritt. Ref.) Sehr in-
teressant ist ferner die Beobachtung des Verf.'s, dass nicht nur bei
Ixodes, sondern auch bei vielen anderen von ihm untersuchten Mil-
ben die sechsbeinige Jugendform sowohl der Stigmenplatten als auch
des Luftröhrensystems gänzlich entbehrt; es werden dadurch die am
niedrigsten entwickelten Acarinen, welche niemals Athmungsorgane
erlangen, als solche hingestellt, welche in Betreff der Respirations-
organe auf der Entwickelungsstufe der Larvenform jener höher or-
ganisirten stehen bleiben. — Die zweite Entwickelungsstufe von
Ixodes ricinus ist mit vier Beinpaaren, njit Luftröhren und Stigmen-
platten versehen, entbehrt aber noch sowohl der inneren Geschlechts-
organe als der äusseren Genitalspalte; es ist diejenige Form, welche
sich am häufigsten frei herumschwärmend, besonders an Gebüschen
findet, aber auch nicht selten an Eichhörnchen, Hunden und Menschen
angesogen getroffen wird. Die dritte Altersstufe mit entwickelten
Fortpilanzungsorganen ist von der vorigen sogleich durch die deut-
lich aosgebildete Genitalspalte zu unterscheiden. — Am Verdauungs-
kanale unterscheidet sich der mittlere Magensack von den von ihm
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 519
ausstrahlenden Blindsäcken leicht durch den Mangel der Leberzellen;
nach hinten schliesst sich an denselhen unmittelbar die mit Harn-
Concrementen gefüllte Cloake, in welche die beiden einfach schlauch-
förmigen und vorn innig mit den grossen traubenförmigen Speichel-
drüsen verbundenen flarngefässe einmünden. Das eine vorn gerundete,
hinten fast gerade abgeschnittene Nervenmasse darstellende Central-
organ des Nervensystems besteht auch hier wie bei Trombidium aus
einer oberen und unteren Commissur zum Durchtritt der Speiseröhre;
aus jeder Seilenhälfte der Nervenmasse entspringen elf Nervenstämme,
von denen drei nach vorn verlaufende die Mundtheile , die seitlich
abgehenden die Beine Vorsorgen. In Betreff der übrigen Organsy-
sterae verweisen wir auf die Abhandlung selbst. — Die anhangsweise
vom Verf. beschriebenen Ixodes -Arten sind: Ixodes vulpis n. A.
(erinacei auct. ?) vom Fuchse, ornithorhynchi n.A. vom Schnabelthier,
sturni n. A. vom Staar, lacertae von Lacerta agilis, muralis und vi-
vipara, Ämeivae von einer vermulhlich Mexikanischen Ameiva-Art.
Lucas, Note sur une nouvelle espece du genre Ixodes (Anna-
les soc. entom. 4. ser, I. p,225 f.) beschrieb Ixodes Trachysauri als
n. A. nach beiden Geschlechtern (Männchen 4, Weibchen 14 Mill.
lang); die Art fand sich in der Menagerie des Jardin des Plantes auf
Trachysaürus scaber zwischen dessen Schuppen angesogen.
T h. Belval, Note sur l'Ixodes Poortmani Luc. (Bulletin de
I'acad. d. scienc. de Bruxelles 2. ser. XI. 1861. p. 97 ff. c. tab.) gab
eine ausführliche Beschreibung und Abbildung des von Lucas nicht
gekannten AVeibchens der genannten Ixodes- Art, welches grösser
und vom Männchen auch sonst mehrfach verschieden sein soll. Wäh-
rend Lucas sein Exemplar von Hyaena picta erhielt, stammen die von
Belval beschriebenen Weibchen von Boselaphus Oreas.
Pagensiecher, „Zur Anatomie von Argas reflexus"
(Zeitschrift f. wissensch. Zoologie XI. p. 142—155. Taf. 16)
machte Iheils ergänzende, theils berichtigende Mittheilungen
zu den von Heller über Argas Persicus und vom Ref.
über Argas reflexus beigebrachten Angaben. Dieselben
betreffen neben dem Baue der einzelnen Theile des Haut-
skeletes besonders das Nervensystem und die Fortpflan-
zungsorgane, welche wie überhaupt die inneren Organe
eine wesentliche Uebereinstimmung mit Ixodes erkennen
lassen.
Den Angaben Heller's entgegen bestreitet Verf. das Vorkom-
men quergestreifter Muskeln am Magen und an allen innerlich lie-
genden Theilen der Eingeweide; einen unpaaren Nervenstamm am
vorderen Ende des Gehirns konnte, er nicht auffinden, sondern zählt
520 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
wie bei Ixodes nur drei paarige vordere Nerven. Die Angabe Hel-
ler's von der Existenz nur eines Ovariunis beruht auf der innigen
Vereinigung beider Eierstöcke in der Mittellinie, welche vorzüglich
durch eine Tracheen-Umstrickung zu Stande gebracht wird und noch
dazu bei jüngeren Thieren viel weniger hervortritt als bei älteren.
— Die Taster sieht Verf. dem Ref. gegenüber als deutlich vierglie-
drig an, da er das Basalglied völlig beweglich fand ; die vom Ref.
als llüftslücke bezeichneten Theile nennt Verf., was vollständig zu
billigen ist, richtiger „Hüften" und nimmt den als Trochanter bezeich-
neten Theil als einen (bei Ixodes nicht abgesetzten) Theil des »Schen-
kels an. Für eine Vereinigung von Argas und Ixodes zu einer und
derselben Familie spricht sich Verf. ebenfalls aus.
Wankel (Beiträge zur Grottenfauna Oesterreichs, Sitzungsber.
d. mathem.-naturwiss. Classe der Akad. d. Wissensch. zu Wien
XLIII, 1. p. 258 ff. Taf. 3u. 4) gab Beschreibungen und Abbildungen
von folgenden neuen Milben aus den Mährischen Höhlen : Scyphius
spelaeus, Linopodes subterranevs^ Gamasus loricatus und niveus.
,; Grube (Ausflug nach Triest und dem Quarnero p. 134) be-
schrieb Gamasus Ihalassinus als n. A. von Triest, an Meerschwämmen
aufgefunden.
Girard (Bullet, soe. entom. 1861. p. 8) fand auf einem jungen
(lebenden) Individuum des 31us sylvaticus eine grosse Anzahl von
Gamasus coleoptratorum Lin., und glaubt hieraus erklären zu kön-
nen, wie diese Milben z.B. auf die Necrophoren gelangen, indem sie
vom Säugethiere nach dessen Tode auf die Käfer übergehen.
Doue (ebenda 1861. p. 9) schloss hieran eine Notiz über sehr
häufiges Vorkommen einer ähnlichen Gamasus-Art auf Heilipus tra-
chypterus ; ein Exemplar desselben war dermassen von Milben be-
deckt, dass die starken Runzeln seiner Körperoberfläche nicht mehr
zu erkennen waren. (Man findet auch nicht seilen lebende Libellen,
z. B. Cordulia auf der ganzen Bauchseite dicht mit Gamasus bedeckt,
welche das Thier wie eine Cruste überziehen ; da weder Libellen
noch der obengenannte Rüsselkäfer mit Leichnamen von Säugethieren
in Berührung kommen, so ist die Annahme einer Uebertragung,
wie sie Girard hinstellt, jedenfalls keine allgemein durchführ-
bar^, n Ref.)
C. Am erlin g, „Die Milbenkrankheit unserer Getreidearten"
(Lotos 1861. p. 24 ff. Taf. 1) fand an Getreidehalmen, deren Aehren
taub und verwelkt waren, durchscheinende Säckchen mit 50 bis 300
Eiern, aus denen sich zur Zeil der Beobachtung gerade Milben ent-
wickelten. Dieselben hatten an Stelle des noch nicht entwickelten
zweiten Beinpaares ein den Schwingkolben der Dipteren ähnliches
(lebilde, welches übrigens anderen unter gleichen Umständen gefun-
deneu Milbenlarven wieder fehlte. Die weitere Entwickelung der
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 521
jungen Milben konnte Verf. bisher nicht beobachten; er legt ihnen
vorläufig die Kamen Siteroptes (mit halterenförmigen Anhängen)
und Therismoptes (ohne solche) bei. Die Eiersäckeken fanden
sich gleichzeitig an Weizen, Roggen, Gerste und Hafer.
Ein in mehrfacher Beziehung- ausgezeichnetes und be-
sonders durch die Bildung- der Mundtheile aufTallendes neues
Milbengeschlecht hat Pagenstecher (Zeitschrift f. wis-
sensch. Zoologie XI. p. 109 und p. 156 ff. Taf. 11, 12 u. 17)
unter dem Namen Listrophorus bekannt gemacht und
sowohl nach seiner äusseren Körperform als in seinen ana-
tomischen Verhältnissen eingehend geschildert.
Von den beiden vom Verf. beschriebenen und abgebildeten
Arten wurde die eine Listrophorus Leuckarti in Tausenden von In-
dividuen an der Leiche eines Hypudaeus terrestris , die andere,
Listr. gibbus (Leuckart i. lit.) in massiger Zahl auf einem Kanin-;
eben angetroffen; die grössten Exemplare der ersteren Art massen
0,4.3 MilL, die der letzteren 0,5 Mill. Die Mundtheile werden von
einer, dem vorderen Körperende aufsitzenden, helmförmigen Chitin-
platte, welche jederseits in einen gekrümmten Hakenfortsatz aus-
läuft, überdeckt; die Mandibeln treten zu beiden Seiten der Mund-
öffnung als zwei unbewegliche, rudimentäre Plättchen, die Maxillar-
taster dagegen als zwei sehr grosse, ungegliederte, schaufelförraige,
die MundöfFnung nach vorn überragende Organe auf. Der übrige,
lang eiförmig gestaltete Körper zeigt zwischen dem zweiten und
dritten Beinpaare eine leichte seitliche Einschnürung, welche der
Gränze des Hinterleibes auf der Rückenseite entspricht, während sich
unterhalb das Bruststück viel weiter nach hinten erstreckt; das dritte
Beinpaar ist ziemlich in der Mitte der Körperlänge, das vierte beim
Beginne des letzten Dritltheiles eingelenkt. An allen Beinen ist das
dritte Glied (Schenkel) bei weitem das längste, auf welches noch
drei kurze folgen, deren letztes eine dreilappige, gestielte Haftscheibe
trägt. Die zahlreichen und feinen queren Haulfalten des Hinterleibes
sind beim erwachsenen Weibchen dicht gestachelt, was weder beim
Männchen noch bei jungen Thieren der Fall ist. Die innere Orga-
nisation ist sehr einfach : die Speiseröhre führt in einen einfachen
sackförmigen Magen, aus dessen hinterem Ende ein dünner Darm
ziemlich gerade zum After verläuft; eine der Speiseröhre aufliegende
feinzellige Masse glaubt Verf. als Gehirn deuten zu müssen. Die
Umrisse der Geschlechtsorgane sind nur undeutlich zu erkennen ; am
weiblichen Apparate zeichnet Verf. ausser dem Ovarium drei taschen-
förmige Anhangsgebilde, von denen er das eine unpaare als Samen-
tasche deutet. Malpighische Gefässe waren nicht nachweisbar, doch
zeigten die sechsbeiuigen Jugendformen beiderseits im Hinterleibe
522 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Harnconcremente ; Tracheen sowohl als Stigmen fehlten allen Ent-
wickelungsstiifen. — Die Gattung wird vom Verf. sowohl nach ihrer
Skeletbildung als der niedrigen Stufe ihrer Organisation im Allge-
meinen vorläufig in die Familie der Acaridae gestellt.
Von demselben Verf. (ebenda XI. p. 120 fF. Taf. 13) wurden
einige Beiträge zur Anatomie von Tyroglvphus siro, durch Abbildun-
gen erläutert, geliefert. Die bei beiden Geschlechtern sehr deutlich
scheerenförniig gebildeten Mandibeln haben beim Männchen noch ein
besonders abgeschnürtes Basalglied, welches dem Weibchen, dessen
Scheeren übrigens robuster sind, fehlt. Ob die zwischen den Hinter-
hüften liegenden Skeletstücke (nach Robin) als Begattungsorgane an-
zusehen sind, ist dem Verf. sehr zweifelhaft. Die anatomischen Ver-
hältnisse der Käsemilbe, besonders der mit grossen Zellen ausge-
kleidete Oesophagus, die Anwesenheit von Speicheldrüsen, der mit
zahlreichen Blinddärmen versehene Magen, ein dem letzleren auflie-''
gender Fellkörperu. s. w. lassen schon eine Annäherung an die höher
organisirten Milben erkennen. Zu jeder Seite des Hinterkörpers liegt
eine Stigmenöffnung, doch Hess sieh kein von derselben entspringen-
der Tracheenstamm wahrnehmen. (Ein Auszug aus beiden Abhand-
lungen ist in den Verhandl. d. nalurhist. mediz. Vereins zu Heidel-
berg II. p. 3 mitgetheilt.)
In seiner Abhandlung Über Listrophoriis citirt Pagen-
stecher eine bereits im J. 1857 von ihm erschienene
Arbeit über die Phytoptus-Arten (Verhandl. d. naturh. mediz.
Vereins zu Heidelberg!, p. 46), welche bisher nicht zur
Kenntniss des Ref. gekommen war, auf welche er aber
wenigstens nachträglich aufmerksam zu machen nicht ver-
absäumen will.
M. H. F. Fürstenberg, Die Krätzmilben der Men-
schen und Thiere. Leipzig, Verlag vonW. Engelmann 1861.
(fol. 240 pag. c. tab. 15 lith.) — Verf. legt in diesem um-
fangreichen Werke , welches von dem für die Förderung
naturwissenschaftlicher Arbeilen unablässig thätigen Verleger
in gewohnter, sehr splendider Weise ausgestattet worden
ist, die Resultate achtjähriger selbstständiger Untersuchun-
gen über die äussere und innere Organisation, die Fort-
pflanzung, Entwickelung und Lebensweise der in und auf
der Haut von Menschen und Säugethieren lebenden Krätz-
milben nieder. Er schickt diesen seinen eigenen Beobach-
tungen eine sehr umfangreiche Uebersicht über die^, den-
selben Gegenstand behandelnde Literatur von der ältesten
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 523
bis auf die Neuzeit voraus, in welcher alle wichtigeren
Arbeiten bis in's Spezielle analysirt werden, so dass, was
über Krätze und Krätzmilben publicirt worden ist, hier in
grösster Vollständigkeitt zusammengetragen vorliegt. Das
Werk ist mithin eine für den Zoologen und Arzt gleich
wichtige und zahlreiche Specialarbeiten ersetzende Publika-
tion, welche überdem in ihrem beschreibenden und iko-
nographischen Theile — letzterer aus 141 stark vergrös-
serten Originalzeichnungen bestehend — viele neue und,
wenn sie sich bestätigen , wichtige Beobachtungen zur
Kenntniss bringt. Nach den selbst von den Untersuchungen
der neueren Autoren oft wesentlich abweichenden Darstel-
lungen des Verf.'s wären nämlich die Krätzmilben bei wei-
tem höher organisirte Acarinen, als bisher allgemein ange-
nommen wurde, denen weder Respirationsorgane noch ein
ziemlich entwickeltes Nervensystem fehlte und deren Ver-
dauungsapparat mit gleichen Blinddärmen wie bei den
höheren Arachniden ausgestattet wäre, nur dass sich diese
Blinddärme sogar wie bei den Pycnogoniden bis weit in
das Innere der Beine hineinerstreckten. In Anbetracht der
grossen Schwierigkeiten, welche ein Objekt wie die Krätz-
milbe einer Feststellung der genannten anatomischen Ver-
hältnisse entgegensetzt, erscheinen zwar die Angaben des
Verf.'s in mehr als einem Falle etwas gar zu positiv hin-
gestellt und zwar um so mehr, als er die Beobachtungen
bewährter Mikroskopiker, wie z. B. Leydig's mehrfach
als irrig von der Hand weist; desto mehr werden sie aber
Anlass geben, den Gegenstand einer erneueten Prüfung zu
unterwerfen und die streitigen Punkte immer mehr einer
Lösung entgegenzuführen. Es ist in dieser Beziehung von
grosser Wichtigkeit, dass der Verf. die Behandlung der
Objekte, wie er sie zur Feststellung seiner Beobachtungen
angewandt hat, bei allen schwieriger zu untersuchenden
Verhältnissen genau angiebt.
In seiner Erörterung des Hautskeletes der Krätzmilben sieht
Verf. den Rüssel wohl nicht ganz sachgemäss als einen von dem aus
der Verschmelzung des Thorax und Abdomen („Thoracokoilia") ent-
standenen Hinterkörpers deutlich getrennten Kopf an, auf dessen ein-
zelne Theile er Benennungen wie Occiput, Vertex, Clypeus, Mentum
524 Gerstaecker: Bericht über die wissensciiaftlichen Leistungen
u. 8. w. vom Insektenkörper her überträgt; in ähnlicher Weise belegt
er auch die zur Stütze der Gliedmassen dienenden Chitinbalken mit
dem Kamen „Epimeren,,, obwohl man mit letzteren gewöhnlich Theile
der Pleuren zu bezeichnen pflegt, während jene Balken eher als
Slernallheile angesehen werden könnten. — Die bei lebenden iMilben
nicht leicht zu erkennenden Muskeln hat Verf. durch Behandlung mit
Chromsäure oder Spiritus und darauf durch Einlegen des Körpers in
Glycerin zur Anschauung gebracht; bei den willkührlichen Muskeln
ist bei 650 — 700nialiger Vergrösserung die Querstreifung deutlich
erkennbar. — Sowohl innerhalb der an dem Ende der Fussglieder
als bei den männlichen Milben am hinleren Ende des Abdomen be-
findlichen Ilaftorganen weist Verf. ein häutiges Säckchen mit musku-
lösen Wandungen nach, welches durch Verdünnung der Luft in
demselben das Anhaften der Endscheiben vermittelt. — Der Magen
ist, wie der Verf. sagt, bei den Sarcoptes-Arten von rundlicher Ge-
stalt und sendet von seinem vorderen Ende sechs Forlsätze oder
Blindsäcke ab, von denen vier in das Innere der vier Beine treten
und zwei sich nach dem Kopfe zu den Palpen und Fresswerkzeugen
begeben; an der unteren Wand des Magens unweit der Seitenränder
treten an jeder Seile zwei Blindsäcke hervor, die in das dritte und
vierte Beinpaar eintreten. Die Membran der Blindsücke ist so dünn
wie die des Magens, scheint auch noch im ersten und zweiten Bein-
gliede aus contraktilen Fasern zu bestehen, da hier eine peristaltische
Bewegung wie am Magen selbst beobachtet werden konnte ; weiter
hinauf in den Beinen scheint nur eine mitgetheilte Bewegung der
Contenta der Blindsäcke stattzufinden. — Als Respirationsorgane wer-
den vom Verf. zwei langgestreckte, durch Einschnürungen in drei
blasige Anschwellungen getheilte Luflsäcke (besonders bei Dermato-
coptes deutlich wahrnehmbar) beschrieben und abgebildet, welche
durch einen kurzen Ausführungsgang mit den Stigmenspalten commu-
niciren; sie verlaufen nach hinten und aussen gegen den Ursprung
der beiden letzten Beinpaare hin. Eine Zusamraenziehung dieser
Luftsäcke behufs Austreibung und Erneuerung der Luft findet nach
den Beobachtungen des Verf.'s nicht Statt; dass jedoch au« ihnen
Luft durch die Stigmenspalten austritt, zeigen Milben, welche unter
Wasser gelegt werden, indem bei diesen Luftbläschen aus den Stig-
men hervorquellen. — Das Centralorgan des Nervensystems besteht
nach der Zeichnung des Verf.'s (Fig. 136) aus zwei weit von einan-
der entfernt liegenden, kurzen und in die Quere gezogenen Nerven-
knoten, von denen der vordere halbmondförmige auf der Gränze von
Hypopharynx und Oesophagus, der hintere auf der Cardia liegt; er-
sterer sendet 'Nervenstämme zu den Mundtheilen, letzterer zu den
Vorderbeinen. Aus der hinteren Seite des zweiten Gehirnknotens
entspringen zwei Nerven, welche eine dritte Schlinge bilden ; diese
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 525
giebt sechs Nervenstämme zu den drei hinteren Beinpaaren und .den
Eingeweiden ab. -— Den systematischen Theil seiner Arbeit leitet der
Verf. mit einem gewiss nicht stichhaltigen Nachweis einer wesent-
lichen Verschiedenheit der Acarinen im äusseren wie inneren Kör-
perbaue von den übrigen Arachniden ein und redet einer Abtrennung
derselben als eigene Thierklasse das Wort. Alsdann folgt eine aus-
führliche Beschreibung von folgenden Krätzmilben : Sarcoptes scabiei
Latr., scabiei crustosae (aus Norwegen), vulpis (vom Schwänze eines
krätzigen Fuchses) , caprae ( von der Aegyptischen Zwergziege),
squamiferus (suis et canis Gerl.), minor (cati Hering, cuniculi Geil.).
— Dermatophagus (neuer Gattungsname für den bereits vergebe-
nen: Symbiotes Gerl.) bovis Hering (bovis et equi Gerl.), Dermato-
koptes (Dermatodectes Gerl.) equi Hering (equi, bovis et oris Gerl.)
und Homopus (Koch) elephantis Gerl.
R. Bergh, Beitrag zur Kenntniss der Krätzmilbe des Men-
schen (Sarcoptes hominis Rasp.), aus den Videnskab. 3Jeddelelser fra
den naturhist. Forening i Kjöbenhavn 1860. p. 83 — 102 übersetzt von
Creplin (Zeitschr. f. d. gesammt. Naturwiss. XVII. p. 230— 250).
Der Inhalt dieser Schrift ist bereits im vorigen Jahresberichte p.356
kurz mitgetheilt worden.
Filippi, „Hypodectes, nuovo genere di Acaridi pro-
prio degli uccelli'* (Archivio per la zoologia, ranatomia etc.
I. p. 52 fF. tav. 5) machte eine neue mit Sarcoptes verwandte
Gattung Hypodectes bekannt, deren Arten unter der
Körperhaut von Vögeln leben.
Der Körper derselben ist von langgestreckter Eiform, die bei-
den vorderen Beinpaare sind an das Vorderende desselben gerückt,
die beiden hinteren entspringen dicht hintereinander etwa am An-
fange des letzten Dritttheiles der Körperlänge. Alle sind fünfgliedrig,
kurz, gegen die Spitze hin pfriemförmig verdünnt, die drei ersten
Paare an der Spitze mit drei kürzeren, das vierte mit einer sehr
langen Endborste versehen ; auch vor dem hinteren Körperende steht
jederseils eine lange Borste. — Art; Hypod, tiycticoracis , 1,30 Mill.
lang, mit drei Ocellen versehen: unter der Haut von Ardea nycti-
corax, besonders an den Weibchen in Menge angetroffen. (Anderen
Arten, wie Hyp. strigis Gene und alcedinis fehlen die Ocellen.)
Mit der Fi 1 i p p i'schen Gattung Hypodectes ist vermuthlich die
iiatlüog Hyp oder a s Nitzsch mscrpt. identisch, über welche Gi eb e 1
(„die Milben der Gattung Hypoderas Nitzsch", Zeitschr. f. d. gesammt.
Naturwiss. XVIII. p. 438—444) Mittheilungen aus Nitzsch's hand-
schriftlichem Nachlasse machte. Dieselben bestehen in Diagnosen und
Beschreibungen von zwölf unter der Körperhaut verschiedener Vögel,
besonders unter der Brusthaut, im Zellgewebe verschiedener Theile
526 Gerslaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
u. s. w. lebender Milben -Arten , für welche Nitzsch die obige
Gattung errichtet hat, ohne sie jedoch zu charakterisiren. Giebel
unterlässt es ebenfalls, die Charaktere derselben festzustellen, da sie
möglicherweise mit Dermaleichus Koch identisch sei.
Liuguatiilina.
Coli in legte der Akademie der Wissenschaften zu
Paris eine Abhandlung- über das Vorkommen eines Penta-
stomum in den Mesenterial-Ganglien der Hammel vor. „Sur
la presence d'une Linguatule dans les ganglions mesenteri-
ques du Mouton, et sur la transformation, dans le nez du
Chien, en pentastome tenioide". (Compt. rend. de l'Instit.
de France, 24.Juinl861. Tom. 52. p. 1311 f., Rev. etMagas.
de Zool. XIII. p. 275 f.)
In den Mesenterialganglien des Hammels und Dromedars lebt
eine Linguatula, welche sich in der Substanz derselben Zellen ohne
eigene Wandungen aushöhlt und sich in denselben zu mehreren In-
dividuen vereint vorfindet. Indem sich diese Zellen vervielfältigen,
rufen sie eine Desorganisation der Gangliensubstanz, welche sich in
eine flüssige Masse auflöst, hervor. Die Linguatulen dieser Mesente-
rialganglien scheinen aus Eiern zu stammen, welche in der Nasen-
höhle des Hundes von Pentastomum taenioides erzeugt und auf das
Gras, welches die Schafe fressen, ausgeniest werden ; sie verweilen
nur eine bestimmte Zeit in den Ganglien , deren Hohlräume nach
ihrem Ausschlüpfen sich mit einer plastischen Masse anfüllen. Wenn
die Eingeweide des Hammels von einem Hunde oder Wolfe gefressen
werden, dringen die Larven in die Nasenhöhle der letzteren ein, um
daselbst ihre vollständige Entwickelung zu erreichen. Es geht dies
daraus hervor, dass wenn man solche aus dem Ganglion entnommene
Larven einem Hunde an die Nasenöffnung hält, sie sogleich in die-
selbe eindringen und sich vermittelst ihrer Haken sofort in der Ra-
chenhöhle festheften. Es ist kaum zu bezweifeln, dass diese Lingua-
tula aus den Mesenterialganglien des Hammels derselben Art ange-
höre , welche Leuckart in der Lunge des Kaninchens gefun-
den hat.
P^ilippi, „Nuova Linguatula con embrioni di parti-
colar forma" (Archivio per la zoologia, l'anatomia etc. I.
p. 62 ff. tav. 6. flg. 1—3) fand in den Luftzellen der Brust-
höhle einer Sterna hirundo Eier einer Linguatula mit ent-
wickelten Embryonen , welche von den bis jetzt bekannt
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 527
gewordenen sehr wesentlich abweichen und daher wohl einer
besonderen Gattung- angehören möchten.
.'»'!■; Der Embryo zeigt drei Paare ganz ungegliederter und der
Endklauen entbehrender Fussstummel und sein Körper endigt auch
nicht in den aus Schubart's Abbildung bekannten dünnen Schwanz-
theil. Der röhrenförmige ümbilical - Fortsatz des Embryo ist auch
hier sehr deutlich entwickelt und entspricht einer Oeffnung (Micro-
pyle?) der zweiten Eihaut; abweichend von den durch Leuckart
näher beschriebenen Eiern der eigentlichen Lingualulen finden sich an
denen der vorliegenden Ari vier Eihäute.
Spencer Cobbold, „List ofEntozoa, includingPen-
tastomes , from animals dying at the society's Menagerie
between the years 1857 — 1860" (Proceed. zoolog. soc. of
London, Ft. 29. p. 117 fF.) führt zwei an ausländischen, in
der Londoner Menagerie gestorbenen Thieren gefundene
Pentastomen auf: Pent. oxycephalum Dies, in den Lungen
von Alligator Missisippensis, und denticulatum Rud., zahl-
reich in den Lungen und Eingeweiden von Antilope bubalis,
vereinzelt auch in der Bauchhöhle von Cephalopus pygmaeus
angetroffen.
Tardigrada.
Echiniscus Creplini, animaiculum e familia Arctiscoi-
dum, quod Frid. Christ. Henrico Creplino etc. etc.
dedicavit et descripsit Car. Aug. Sigism. Schnitze.
Gryphiae 1861. (4. 12pag. c. tab. lith.). — Einer Beglück-
wünschung Creplin's zu seinem fünfzigjährigen Doktor-
jubiläum lässt der Verf. die Beschreibung zweier neuen
Arten der Gattung Echiniscus und eine erneuerte Gattungs-
characteristik, auf den Vergleich der gegenwärtig bekann-
ten neuen Arten basirt, folgen.
Die Gattungsdiagnose lautet: ^Echiniscus. Caput antennis
duabiis et quatuor cirrhis instructum , oculi siniplices duo ; corpus
ovato-elongatum, scutatum, parum pellucidum; pedes octo, segmen-
tis corporis distinctius separatis affixi, unguibus longissimis quatuor
vel duobus aequalibus armati." Die beiden vom Verf. auf dem Rigi
imter Flechten und unter Moos an Baumstämmen gefundenen neuen
Arten, von denen die erste auf der beifolgenden Tafel in öOOmaliger
Vergrösserung abgebildet ist, werden folgenderniassen charakterisirt:
1) Echin. Creplini. „Corpore minimo Yjg — Vs l^o« ^^^- 'ongo, rubre,
528 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
tuberculato-spinoso, in Septem seginenta distincto, scutis tribus dor-
snlibus seiunctis a lateralibus , spinis longioribus in margine ante-
rior! et posteriori sciitorum lateraiiura segmenti quarti et quinti,
cirrhis longissimis mobilibus in utroque latere quinque, in intcrstitiis
segmentorum a secundo ad septimum affixis, pedibus quadriunguibus."
2) Echin. hiunguis. „Corpore niininio Y20 — Vs '•"• ^^^' 'o"oO, rubro,
tuberculato-spinoso, in sex segmenta distincto, scutis dorsalibus duo-
bus, spinis in margine posteriori scutorum lateralium segmenti quinti,
cirrhis longioribus in utroque latere duobus secundo et sexlo seg-
mento insidentibus^ pedibus biunguibus."
Pycnogonidac.
Ein Verzeichniss der elf an den Küsten Englands
bis jetzt beobachteten Pycnogoniden ist im Report of the
30. meeting of the Brit. assoc. for advanc. of science, held
at Oxford p. 226 zusammengestellt.
4. Crustaceen.
C. Heller (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu
Wien 1861. p. 3 — 32) lieferte eine Synopsis der im Rothen
Meere vorkommenden Crustaceen aus den Ordnungen der
Decapoden, Stomatopoden und Amphipoden. Dieselbe ist
besonders auf die reiche Ausbeute v. Frauenfeld's be-
gründet und umfasst im Ganzen 116 Arten, unter denen 5
neue Gattungen und 50 neue Arten, welche hier vom Verf.
durch lateinische Diagnosen vorläufig bekannt gemacht
werden.
Eine ausführlichere Behandlung erfährt dasselbe Ma-
terial in des Verf.'s „Beiträge zur Crustaceen- Fauna des
Rothen Meeres" (Sitzungsber. der mathem.-naturwiss. Classe
der Akad. d. Wissensch. zu Wien, Bd. 43. p. 297 — 374 mit
4Taf. und Bd. 44. p. 241— 295 mit 3 Taf.), welche, in der
aus den Arbeiten des Verf.'s zur Genüge bekannten sorg-
samen und gründlichen Weise abgefasst, sowohl die fau-
nistische als systematische Carcinologie sehr wesentlich
bereichern und fördern. Neben der auf sehr eingehenden
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 529
Untersuchungen basirenden Beschreibungen der zahlreichen
neuen Formen, welche durch vortreffliche Abbildungen erläu-
tert werden und unter denen sich einige besonders auffal-
lende und interessante vorfinden, hat der Verf. auch viele
der bereits früher publicirten Arten wiederholt charakteri-
sirt und in ihrer Synonymie erörtert. Die Zahl der Crusta-
ceen des Rothen Meeres ist in dieser zweiten Abhandlung auf
125 gestiegen; dieselben werden in einer am Schlüsse bei-
gefügten Tabelle in Bezug auf ihre oft sehr weite geogra-
phische Verbreitung erläutert. Mit Ausnahme von 7 Am-
phipoden und Isopoden gehören alle aufgezählten Arten
den Decapoden und unter diesen wieder die grosse Mehr-
zahl den Brachyuren an.
Ferner gab Heller (Verhandl. d. zoolog.-botan. Ge-
sellsch. zu Wien 1861. p. 495 — 498) einen vorläufigen
Bericht über die während der Weltumsegelung der Novara
gesammelten Crustaceen. Unter 489 überhaupt vorliegen-
den Arten gehören 291 den Brachyuren, 78 den Anomuren,
50 den Macruren, 11 den Slomatopoden, 38 den Isopoden,
8 den Amphipoden, 1 den Entomostraken und 12 den Cir-
ripedien an. Als neue Arten werden vorläufig 1 Stoma-
topode und 9 Isopoden mit Diagnosen aufgeführt.
Unsere Kenntniss der Crustaceen-Fauna der Nordsee
erhielt verschiedene Erläuterungen und Erweiterungen
durch vanBeneden's „Recherches sur la faune littorale
de Belgique, Crustaces" (Memoires de l'acad. de Bruxelles,
Tom. 33. — Separatabdruck in 4. Bruxelles 1861. 174pag.,
21 pl.). — Nach dem ansehnlichen Umfange der Abhand-
lung und den zahlreichen Tafeln sollte man in derselben
eigentlich mehr Neues und Wichtiges erwarten, als sich
bei näherer Einsicht in dieselbe herausstellt; durch Re-
produktion von genügend bekannten Thatsachen wird viel
Raum in Anspruch genommen. Einem auf p. 133 — 155
zusammengestellten systematischen Verzeichnisse der vom
Verf. an der Belgischen Küste bisher beobachteten Crusta-
ceen, deren Artenzahl (nach Abzug von zwei mit aufgeführ-
ten Pycnogoniden) sich auf 104 stellt, schickt der Verf.
die Beschreibung mehrerer neuer Arten aus verschiedenen
Archiv f. Naturg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd. li
530 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Ordnung-en und Familien der Crustaceen (Mysidecn, Cuma-
cecn, Idotheidon, Caprellinen, Cetocliiliden und Caliginen),
so wie ergänzende Beobachtungen über die Anatomie und
die Embryologie von Mysis, einig-e Beiträge zur Naturge-
schichte von Praniza (Anceus) und Peltogaster (die ausge-
zeichnete Abhandlung Li llj eb org's über diese Gattung- ist
dem Verf. noch unbekannt geblieben) u. s. w. voran. Die-
selben sind mit Hinzunahme der Beobachtungen früherer
Autoren zu umfangreichen Abhandlungen ausgedehnt, in
denen bereits Bekanntes mit Neuem so innig verwebt. ist,
dass es gerade nicht leicht hält, das Letztere heraus-
zufinden.
Unter den vom Verf. als an der Belgischen Küste vorkommend
verzeichneten Crustaceen gehören 40 Arten den üecapoden (21 Bra-
chyuren, 1 Lithodes, 1 Porcellana, 1 Pagurus, 1 Galathea, 2 Astaci-
nen, 5 Cariden, 5 Mysiden, 3 Cumaceen), 7 den Isopoden, 7 den
Aniphipoden, 5 den Laemodipoden, 41 den Copepoden und Parasiten,
2 den Sacculiniden und 2 den Ciiripedieii an. Zwei mit aufgeführte
Pycnogoniden schaltet der Verf. zwischen Caprella und Celochi-
lus ein. (!)
AI fr. Merle Norman, „Contributions to British
Carcinology I. Characters of undescribed Podophthalmia and
Entomoslraca« (Annais of nat. bist. 3. ser.VIH. p. 273—280.
pl. 13 und 14). Beschreibungen und Abbildungen von fünf
neuen oder weniger bekannten Decapoden (Paguriden und
Cariden) und von zwei Ostracoden.
Kinahan stellte in seinem „Report of the Committee
appointed to dredge Dublin ßay" (Report of the 30. mee-
ting of the ßrit. assoc. for the advanc. of scicnce, held at
Oxford p. 27-— 31) eine Liste der in der Kingstown- und
Killiney-Bay gesammelten Seethiere und unter diesen auch
die daselbst vorkommenden Crnstacccn (Malacostraca) zu-
sammen. Unter den 73 aufgeführten Arten sind 19 Bra-
chyuren, 6 Paguriden, 7 Galatheiden, 19 ÄJacruren, 21 Am-
phipoden und 1 Laemodipode.
In einem von Ale Andrew rcdigirten Verzeichnisse
der marinen Evertebraten Englands („List of the British
Marine Evertebrate Fauna«, ebenda p. 217 — 236) sind die
Crustaceen von Spence Bäte zusammengestellt worden.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 531
Im Ganzen werden 401 Arten verzeichnet, welche sich
folgendermassen vertheilen: Brachyura 41, Anomura 20,
Macrura46, Slomatopoda 23, Amphipodal06, Laemodipoda 14,
Isopoda 50, Phyllopoda 2, Cladocera 1, Ostracodea 21, Co-
pepoda 16, Siphonostoma 34, Cirripedia 27.
Nach Lilljeborg (Annais of nat. hist. 3. ser. VII.
p. 231) sind während des letzten Jahres im grossen Wet-
ter-See in Schweden, welcher 400 — 500 Faden tief ist,
mehrere marine Crustaceen und darunter sogar einige
polare Arten, wie Gammarus loricatus Sab. aufgefunden
worden. Verf. glaubt, dass dieselben hier von der Eispe-
riode her zurückgeblieben seien.
Steenstrup und Lütken, „Forelöbig Nolits om
danske Hav-Krebsdyr" (Naturhist. Foren. Vidensk. Meddel-
elser 1861. p. 274 ff.) wiesen gleichfalls auf die Ueberein-
stimmung hin, welche auch die Dänische Crustaceen-Fauna
durch eine Reihe von Arten mit derjenigen der arktischen
Zone erkennen lässt. Ausser zwei neuerdings an den Dä-
nischen Küsten entdeckten arktischen Mysis-Arten (M. cor-
nuta und mixta) werden noch mehrere beiden Meeren ge-
meinsame Crustaceen aus verschiedenen Ordnungen (De-
capoden, Amphipoden , Isopoden , Cirripedien) namhaft
gemacht.
Burgersdijk (Tijdschr. voor Entomol. IV. p. 20 ff.) berichtete
über die von ihm in Holland bis jetzt beobachteten Entomostraken
aus den Gruppen der Phyllopoden, Daphniaden, Ostracoden und Cope-
poden ; die Zahl der namhaft gemachten Arten ist nur eine geringe.
Herklots, Catalogue des Crustaces qui ont servi de base au
Systeme carcinologique de VV. de Haan, redige d'apres la collection
du musee des Fays-Bas et les Crustaces de la faune du Japon (ebenda
IV. p. 116— 156). Die Artnamen des de Haan'schen Werkes sind
ausgezogen und der Fundort beigefügt. — Ein Separatabdruck des
Catalogs trägt den sonderharen Titel: Herklots, Symbolae carci-
nologicae. Etudes sur la classe des Crustaces. Leyden, Brill.
Dccapoda.
„Zur Kenntniss der Malacoslraken-Larven" hat Claus
(Würzburger naturwiss. Zeitschr. II. p. 23 — 46. Taf. 2u. 3)
532 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
sehr wichtige und interessante Beiträg-e durch Beschreibung
und Abbildung mehrerer Decapoden-Larven geliefert, wel-
che er theils auf Helgoland, theils in Nizza beobachtete und
von denen er einige durch verschiedene Stadien der Enl-
wickelung verfolgen konnte. Die vom Verf. beschriebenen
Larven gehören verschiedenen Gruppen der Decapoden,
nämlich je eine den Brachyuren und Anomuren, die übri-
gen den Macruren an und ihre Zusammenstellung bietet
daher um so grösseres Interesse dar; neben wesentlichen
Uebereinstimmungen lassen sie bemerkenswerthe Differenzen
erkennen, welche fast in gleichem Verhältnisse wie die
ausgebildeten Formen zu einander stehen. In der vorlie-
genden Abhandlung befasst sich Verf. vorläufig nur mit der
Morphologie dieser Larven , indem er sich die Erörterung
ihres inneren Baues noch vorbehält; indessen macht er
gelegentlich die wichtige Mittheilung, dass auch die ersten
Larvenstadien der Decapoden zwischen den paarigen Fa-
cettenaugen ein unpaares mittleres Auge nach Art der
Entomostraken besitzen, an welchem ein einfacher Pigment-
körper und zwei seitliche Krystallkegel zu unterscheiden
sind. — Der spezielleren Beschreibung der einzelnen Lar-
venformen wird ein historischer Ueberblick über die bis-
herigen Forschungen im Gebiete der Decapoden-Metamor-
phose vorausgeschickt.
An der zuerst erörterten Zoea - Form von Carcinus maenas
(Taf. 2. Fig. 3) weist Verf. die Existenz von sechs Gliedmassenpaaren
(nicht fünf, wie Spence Bäte angiebl) hinter den zweiästigen Ru-
derfüssen nach; ferner, dass die beiden zweiästigen Ruderfusspaare
nicht dem zweiten und dritten, sondern dem ersten und zweiten Ma-
xillarfusspaare entsprechen. Es geht dies schon aus der Zusammen-
setzung des ersten jener sechs knospenartigen Gliedmassenpaare her-
vor, da dasselbe alle Theile des dritten Kieferfusspaares an sich trägt.
— Eine Garneelen-Larve , vermuthlich der Gattung Ilippolyte ange-
hörig, von 3 Mill. Länge (Taf, 3. Fig. 1) zeigt einen langen Stirndorn
und einen langen dornförmigen Fortsatz am llinterrande des zweiten
Ringes des Poslabdomen, welcher sehr verlängert und vollständig
segmentirt ist, aller Gliedniassen aber völlig entbehrt. In der Aus-
bildung der Thoraxgliedmassen weicht diese Larve von der Zoea-
Form darin ab, dass hinter den beiden Maxillenpaaren schon drei
Paare von Spaltfüssen, die Analoga der drei Maxillarfusspaare, aus-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 533
gebildet sind. Die Fühler sind zu beiden Paaren ungegliedert, .die
grossen Netzaugen (geg ^n deren Bedeutung als Gliedmassen der Verf.
Bedenken äussert) ungcstielt. Eine spätere Entwickelungsform dieser
Larve (Taf. 3. Fig. 8) unterscheidet sich in der Anlage der Gliedmassen
von Zoea dadurch, dass von den fünf Gangbeinpaaren die beiden vorder-
sten sich früher entwickeln als die drei hinteren ; sie stehen in dieser
Periode auf gleicher Stufe der Ausbildung mit den drei Maxillarfuss-
paaren. — Eine zweite Garneelenlarve, vermuthlich der Gattung Cran-
gon angehörig , hat einen aufgetriebenen Slirnfoitsatz mit kurzer
Spitze und einen allmählich sich nach hinten verschmälernden Körper,
an dem der Hinterleib nicht deutlich abgesetzt ist. Bei einer Länge
von 3 31111. sind ausser den beiden Maxillen drei an Länge stark
zunehmende Spaltfusspaare (= Pedes maxillares) und ausserdem schon
Knospen der Gangbeine entwickelt, deren erstes schon eine beträcht-
liche Länge und Ausbildung zeigt (Taf. 2. Fig. 1). — Eine vierte
Helgolander Larve Hess sich nicht mit einiger Sicherheit bestimmen,
hielt aber in ihren Charakteren gleichsam die Mitte zwischen Zoea
und den Macruren - Larven, so dass sie vermuthlich einem Pagurus
oder einer Dromia angehört. Hire noch ungetrennten Augen haben
eine sehr beträchtliche Grösse, die Stirn läuft in einen langen Dorn
aus, der nur hinten jederseits gedornte Brustschild lässt nur die vier
letzten Postabdominalringe frei und von den Extremitäten sind ausser
den Maxillen nur zwei Paare sehr grosser gespaltener Ruderfüsse
(Pes maxill. 1 und 2) ausgebildet. In einem spätaren Stadium von
3 — 4 Mill. Länge ist auch ein dritter Spaltfuss hervorgewachsen und
auf diesen folgen die Knospen für die Gangbeine. — Endlich macht
Verf. eine sehr merkwürdige Macruren-Larve von IVizza, wahrschein-
lich einem Astacinen angehörig, bekannt, welche schon 10 — 12 Mill.
lang war. Die beiden vorletzten Hinterleibsringe sind in der Mit-
tellinie mit einem äusserst langen und scharfen Dorn bewehrt und
die Schwanzschuppe läuft in vier solche, von denen besonders die
hinteren sehr lang sind, aus ; die drei ersten Paare der Gangbeine
endigen in Scheeren. — Schliesslich macht Verf. diejenigen Malaco-
straken-Gatlungen, welche als Lnrvenzustände anzusehen sind, die
man aber unter eigenem Namen in das System eingeführt hat, namhaft.
Dass die Phyllosomen Larvenformen von Palinurus
und verwandten Gattungen seien, hält auch Strahl („Ei-
nige neue Thalassinen-', p. 16r. , Monatsbericht der Berl.
Akad. der Wissensch. Decbr. 1861) für sehr wahrschein-
lich. Ihre Larvennatur geht dem Verf. aus einer Reihe
von Exemplaren hervor, welche bei Trinidad in Gemeinschaft
gefangen , die allmählichsten Uebergänge in Grösse und
534 Gerstaeckci ; Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Formverschiedenheiten darboten. Mit Palinurus stimmen
sie in dem pänzlichen Mangel eines Schuppenapparates der
äusseren Fühler und in der gleichen Lage des Tuberkulum
überein.
Die bereits von Thompson, Rathke, Frey und
L euckar t melir oder wenijrer vollständig geschilderte Ent-
wickelungsgeschichte der Gattung Mysis ^vurde durch van
Beneden (Recherches sur la faune littorale de Belgique
p. 52 iF. pl. 8 — 11) von Neuem ihrem ganzen Verlaufe nach
an Mysis chamaeleon Thomps. eingehend erörtert und durch
zahlreiche Abbildungen illustrirt. Verf. nimmt drei Perio-
den der Entwickelung an : die erste beginnt mit dem Ein-
tritte des Eies in die Bruttasche und endigt mit der Ent-
wickelung der Fühler; die zweite beginnt mit der Anlage
der Beine und endigt mit der ersten Häutung des Embryo;
die dritte endlich reicht von dem Abstreifen der ersten Haut
und des gabiigen Schwanzanhanges bis zu dem Momente,
wo das junge Thier sich aus der Bruttasche frei macht.
Die Eier eines Mysis- Weibchens sind im Vergleiche mit ande-
ren Decapoden (nach van Beneden zu 100,000 bei Palinurus und
zu 300,000 bei Carcinus vorhanden) nur von geringer Anzahl, höch-
stens gegen 50. Die erste Anlage des Embryo beginnt n)it der Bil-
dung des Schwanzlheiles (Postabdonien), dessen allmähliche Verlän-
gerung dem Eie eine birnförmige Gestalt giebt und der noch während
des Bestehens der Doltcrhaut eine Spaltung in zwei Spitzen eingeht.
In einiger Entfernung von diesem Schwanztheile zeigen sich, nach-
dem seine Gabelung bereits eingetreten ist, jedcrseits zwei warzen-
förmige Vorsprünge , welche sich immer mehr verlängern und die
ersten Anlagen der Fühler sind ; nachdem hinter diesen auch die
ersten Spuren der Jlandibeln zum Vorschein gekommen sind, wird
die Dotterhaut abgeworfen und der Embryo erscheint in einer neuen,
bei weitem langgestreckteren F'orm. In dieser zweiten Periode tritt
eine Zerklüftung des Keimstreifen behufs der Anlage der (jliedinassen
ein; dieselben treten sämmtlich, d. h. zu zehn Paaren gleichzeitig
auf, haben zunächst die gleiche Gestalt von warzenförmigen Einker-
bungen und differenziren sich erst nach und nach zu Maxillen, Kie-
ferlüssen und Beinen. Bei ihrer ersten Anlage sind sie noch ein-
fach, d. h. ungespalten; erst später zeigt sich an der Basis jeder
Gliedraasse ein Vorsprung, aus welcher sich der Spaltast hervorbildet.
Zwischen dieser Gliedmassenreihe und der Schwanzgabel sprossen
dann auch die stummeiförmigen Aflerfüsse hervor und ihr Entstehen
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 535
hat nachträglich eine Segmentirung des Postabdomen zur Folge. Kfich
einer nunmehr innerhalb der mütterlichen Bruttasche vorgehenden
Häutung des Embryo tritt die junge Wysis in einer dem ausgebildeten
Thiere ähnlichen Form zu Tage; die Fühler haben ihre seitlichen
Anhängsel erhalfen, die Augen sind aus der Kugel- in die verlän-
gerte Form übergegangen und anstatt des gabiigen Schwanzendes ist
die Afterflosse zum Vorschein gekommen. (Verf. spricht dies als
eine wirkliche Metamorphose an; in der That ist es aber, wie dies
auch Thompson und Rathke angeben, nur eine allmähliche Um-
formung bereits bestehender Theile.)
de la Valette (Verhandl. d. naturhist. Vereins der
Prenss. Rheinlande XVIIT. Sitzungsberichte p. 115) machte
vorläufige Mittheilitngen über die Enlwickelung des Eies
bei Pandalus narwal. Das Ei ist 0,58 Mill. lang, lebhaft
blau (Farbe des Nahrungsdotters) und von zwei Eihäuten,
einer äusseren gestreiften und einer inneren, fein chagri-
nirten umgeben; die blaue Farbe schwindet immer mehr,
je weiter der Bildungsdotter an Umfang gewinnt. Nach
Hervorbildung der Leibcs-Umrisse erscheint das Auge als
brauner sichelförmiger Streifen mit einem hellrothen Pig-
mentfleck auf der Stirn. Die äussere Eihaut zeigt an ihrem
unteren Ende seitlich eine zapfenförmige Anschwellung;
eine Mikropyle wurde nicht wahrgenommen.
Owsjannikow hat unter dem Titel: „Recherches
sur la structure intime du Systeme nerveux des Crustaces
et principalement duHomard" (Annales d. scienc. nat. 4. ser.
Zoologie XV. p. 129 — 140. pl. 6 et 7) Untersuchungen über
die histologische Beschaffenheit der Bauchganglienkette bei
den Decapoden (Homarus, Astacus und Palinurus) veröf-
fentlicht. Verf. hat bei seinen Beobachtungen besonders
den Zweck verfolgt, die feinere Struktur des Bauchmarkes
wirbelloser Thiere mit derjenigen des Centralorganes des
Nervensystems bei den Vertebraten in Vergleich zu stel-
len und auf ihre Uebereinstimmung mit letzteren zu prüfen.
Die Resultate seiner Untersuchungen sind folgende: Das
Central-Nervensystem der Crustaceen besitzt dieselben ele-
mentaren Bestandtheile wie dasjenige der höheren Thiere
und die Anordnung derselben ist eine ganz ähnliche wie
bei letzteren. Alle Nerven der Ganglienkette bei de»i Gru-
536 Gcistaeck er: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
stacccn nehmen ihren Ursprung aus Ganalienzellon ; das
Baiichinark zeigt zwei Arten solcher Zellen, grosse und
kleine, das Gehirn eine dritte Art, nämlich sehr kleine;
alle diese Zellen zeigen einige Ausläufer. Die Nervenbün-
del, welche sich zwischen den Ganglien finden, bestehen
aus breiten Fasern, welche die Ganglienzellen des Gehirnes
mit denjenigen des Bauchmarkes verbinden; die Zahl die-
ser Fasern mehrt sich gegen das Gehirn hin sehr beträcht-
lich, so dass eine Commissur zwischen den beiden ersten
Thoraxganglien deren viermal so viel enthält als eine zwi-
schen den beiden letzten Abdominalganglien. Die gang-
liösen Zellen beider Hälften sind durch Commissuren ver-
bunden; apolare Zellen sind nur das Produkt einer fehler-
haften Präparation. (Im Auszuge mitgetheilt : Comptes rendus
1861. Tom. 52. p. 378 fr.)
A. Weismann hat in seiner Abhandlung : „Ueber
die Muskulatur des Herzens beim Menschen und in der
Thierreihe" (Archiv für Anatomie und Physiologie 1861.
p. 41 — 61) auch die elementaren Bestandtheile der Herz-
muskulatur bei den Decapoden und zwar an Astacus fluvia-
tilis näher erörtert.
Während das Herz der Arthropoden in morphologischer Bezie-
hung demjenigen der niederen Wirbellhiere weit zurücksteht, über-
trifft es dasselbe in der histologischen Ausbildung seiner Muskulatur.
Das dichte Balkengeflecht, welches dieselbe bildet, besteht aus dün-
neren, anastomosirenden Muskelbündcln mit homogener Hülle, deut-
licher Querstreifung und zerstreuten , ovalen Kernen von 0,00993'"
und 0,00584'" Breite ; ein Unterschied von den übrigen Muskeln des
Krebses besteht in der beträchtlich geringeren Dicke der Primitivbün-
del (das Verhältniss ist wie 0,00175'" zu 0,1019'") und darin, dass
die contraktile Substanz keine Fibrillen bildet. Verf. glaubt, dass
nicht nur die Muskclbalkcn des Herzens, sondern überhaupt alle
netzförmig verzweigten Muskeln der Arthropoden eine gleiche Ent-
stehungsweise wie die Herzmuskeln der Säugelhiere haben werden,
nämlich dass ein jeder Bündel aus einer Anzahl verschmelzender
Zellen hervorgehe, und dass mithin bei denselben von Primitivbündeln
keine Rede sein kann,
H. Kroyer, „Noffle Bemaerkninger om Krebsdyrenis
Höreredskaber" (Kongel. Danske Vidensk. Sclsk. Skrifter,
5. Raekke, 4. Bind. p. 287— 295) handelte im Anschlüsse
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 537
an eine monographische Bearbeitung der Gattung Serge-
stes, an deren verschiedenen Arten er eine genaue Beschrei-
bung und Abbildung des im Basalgliede der oberen Fühler
gelegenen Gehörorganes gegeben hat, über die bis jetzt
bekannt gewordenen Formen des Gehörorganes bei den
Crustaceen im Allgemeinen. Ein solches ist nach seinen
Erfahrungen bis jetzt nur bei den Decapoden und den da-
mit zu vereinigenden Stomatopoden nachgewiesen worden,
während darauf gerichtete Untersuchungen bei Amphipoden
und Isopoden bis jetzt kein Resultat geliefert haben.
Der regelmässige Sitz des Gehörorganes bei den Decapoden ist
das Basalglied der oberen Fühler; Abweichungen hiervon wie bei
Mysis und Phyllosoma gehören zu den Ausnahmen. Das Organ tritt
unter zwei verschiedenen Modifikationen auf: entweder enthält der
Gehörsack nur einen einzelnen Otolithen, der dann eine nahezu kug-
lige Gestalt zeigt (Sergestes, Leucifer, Phyllosoma, Mysis), oder meh-
rere kleinere von kantiger, krystallinischer Form (Pagurus, Pe-
naeus u. a.). Die Anwesenheit eines Gehörorganes in dem Spalt des
Ba&algliedes der unteren Fühler, wie es Rosenthal und v. Sie-
bold gefunden zu haben glaubten, widerlegt Verf. als eine irrige.
Ausser von den vorher namhaft gemachten Gattungen bildet Verf.*
auf Taf. 5 auch den Gehörsack von Lithodes arcticus ab.
Der zuerst von Kroyer nachgewiesene, auffallende
Sitz der Gehörblase von Phyllosoma im Inneren des Gehirns
wurde auch von Strahl („lieber einige neue Thalassinen
und deren Verwandtschaft mit den Astaciden«, p. 16 f. —
Monatsbericht der Akad. d. Wissensch. zu Berlin, Decbr.
1861) bestätigt und durch eine Abbildung erläutert. Der
Nachweis derselben an Weingeist- Exemplaren ist leicht,
während sie von Leuckart und Gegenbaur an leben-
den Individuen nicht gefunden wurde. Da die Gehörbla^en
gerade an derjenigen Stelle des Gehirnes liegen, welcher
der Ursprung der inneren Fühler der Lage nach entspricht,
so ist zu vermuthen, dass bei weiterer Entwickelung des
Thieres und seiner Organe die Gehörblasen sich allmählich
weiter nach vorn vorschieben und so in das Basalglied der
Fühler eintreten.
Das in den seitlichen Schwanzflossen von Mysis durch
Leuckart nachgewiesene Gehörorgan hat auch van Be-
neden (Recherches sur la faunc littorale de Belgique
538 Gerstaeckci: Bericht über die wissenschafllichen Leistungen
p. 39) an allen von ihm untersuchten Mysis-Arten, so wie
bei der Gattunpr Podopsis Thoms. an derselben Stelle beob-
achtet. Er giebt Abbildunofon desselben auf pl. 4 und eine
nähere Beschreibung- der Ololithen.
Während das Gehörorgan bei den Arthropoden be-
kanntlich den grössten Verschiedenheiten in Bezug auf
seinen Sitz unterworfen ist, zeigte die Lokalisirung der
Sehorgane nach den bisherigen Erfahrungen eine grosse
Gleichförmigkeit. Um so auffallender ist eine Beobachtung
von Semper (Zeitschr. f. wissensch. Zoologie XI. p. 107),
wonach bei der Gattung Thysanopus sieben einfache Augen,
durch Glaskörper, Linse, Pigmenthaut und Nerv als solche
hinreichend charakterisirt, an der Bauchseite des Thorax
und Abdomen auftreten.
An einer auf den Philippinen beobachteten Thysanopus-Art von
5 Lin. Länge fanden sich zwei Paare dieser einfachen Augen am
Thorax und zwar das erste derselben an der Basis des zweiten Tho-
rax-Beinpaares , das zweite hinter der Basis des letzten Paares; die
übrigen drei zeigten sich in der Mittellinie des Abdomen und zwar
am ersten, zweiten und vierten Ilinterleibsringe in einer kleinen Auf-
treibung zwischen der Basis der Beine. DTe drei Augen des Hinter-
leibes sitzen direkt den entsprechenden Ganglien auf, die beiden am
Thorax gelegenen Paare auf einer kleinen ganglienarligen Anschwel-
lung eines von der Bauchganglienkette ausgehenden Nerven ; letztere
sind deutlich beweglich.
H. Dohrn, Analecta ad hisforiam naturalem Astaci
fluviatilis. Dissert. inaug. philos. Beroliiii 1861. (8. 30pag.).
— Aus den sehr eingehenden, vorwiegend chemischen Unter-
suchungen des Verf.'s über die Zusammensetzung der ver-
schiedenen Organe, Geweben, s.w. des Flusskrebses heben
wir folgende Resultate, als von den Angaben früherer Beob-
achter besonders abweichend, hervor:
Das Blut des Flusskrebses enthält 90,830 Wasser, 7,751 organi-
sche und 1,419 anorganische Substanz, das Plasma 92,412 Wasser,
6,257 organische (darunter 6,098 Eiweiss) und 1,331 anorganische
Substanz; beim Hummer nach Befreiung von Fibrin: 93,89 Wasser,
3,47 organische und 2,64 anorganische. — Die Analyse der anorga-
nischen Substanz hat dem Verf. Kesultate ergeben, welche von denen
Witting's sehr verschieden sind; beide werden einander gegen-
übergestellt. Die von Frerichs und Staedeler für Tyrosin ge-
haltene eigeiithiiinliche, in den Geweben des Flusskrebses enthaltene
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 539
Substanz nennt Verf. Astacin; sie ist von Tyrosin durch ihre Zu-
sammensetzung (C 58,9. II 6,3. N. 8,5. 0 26,8) verschieden. — In
frisch ausgepresslem Muskelsafte liess sich keine Spur von sauerer
Reaktion wahrnehmen, so dass sich also die quergestreiften Muskeln
des Krebses wie die glatten der Wirbelthiere verhalten. — In der
Leber fand Verf. ausser Astacin und Chlornatrium eine massige Menge
Leucin ; in der grünen Drüse beobachtete er mehrmals (pathologi-
sche?) Concreniente, auch ein Fehlen der Drüse auf der einen und
eine Verffrösserunff auf der anderen Seite, — Die schon von 0 e-
sterlen zurückgewiesene Annahme, dass die Krebssteine den Stoff
zur Erhärtung der neuen Krebsschale abgeben, verneint Verf. gleich-
falls. In Betreff der bläulichen Farbe der Krebssteine bemerkt er,
dass dieselbe erst eintritt, wenn der Stein aus der Kapsel heraus-
genommen und mit der Luft in Berührung gebracht wird; von der
Kapsel eingeschlossen, ist er stets farblos. Bei Behandlung mit Kali
caust. verschwindet die blaue Farbe; Eisen liess sich bei der Analyse
nicht nachweisen.
lieber parasitisch lebende Decapoden machte Semp er
(Zeitschr. f. wissensch. Zoologie XI. p. 105) nach Beobach-
tungen, die er auf den Philippinen anstellte, interessante
MittheilunDren. Besonders ist das Vorkommen von zwei
Arten der Galtung Pinnotheres in Holothurien bemerkens-
werth , welche dieselben zusammen mit der Fischgattung
Fierasfer bewohnen. Dieselben finden sich stets in dem
an der Leibeswand befestigten Aste der inneren Kiemen
und zwar meist nur zu zweien (Männchen und Weibchen) ;
die jüngsten Individuen sitzen stets hoch in dem Kiemen-
stamm oder dessen Nebenästen, während die älteren weiter
gegen die Cloake hinrücken.
Zwei andere Pinnotheres- Arten fand Verf. in einer Venus-
und Pinna-Art, in letzterer ausserdem eine Pontonia; Tridacna und
Meleagrina sind von Conchodytes- und Gammarus - Arten bewohnt,
zw^ei Brachyuren fanden sich in der Kiemenhöhle einer Haliotis und
auf der Haut einer Holothurie, ein Palaemon auf einer Actinie ; ein
grosser Pagurus endlich beherbergte in seiner Kiemenhöhle eine Ma-
cruren-Art.
Andeutungen zu einem neuen, auf die Einlenkung der
Fühler basirten System der Decapoden hat Strahl in zwei
kleinen Abhandlungen : „Ueber eine neue Species von Acan-
thocyclus Luc. , seine systematische Stellung und Allgemei-
nes über das System der Decapoden" und „Ueber eine
540 G e IS t a c c ke r : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Spccies von Riippolia M. Edw. und die Glänzen der Bra-
chyuren" (Monntsbcr. d. Akad. d. Wissensch. zu Berlin 1861,
p.713 u. 1004 fr.) gegeben. Eine weitere Verfolgung des vom
Verf. aufgestellten neuen Eintheilungsprinzips würde für die
Klärung des Systems besonders der Brachyuren gewiss sehr
ergiebig sein und wäre nach dem leider zu früh erfolgten
Tode des scharfsinnigen Entdeckers denjenigen Carcinolo-
gen, welchen ein genügendes Material zu Gebote steht, ge-
wiss sehr zu empfehlen.
Verf. theilt die Brachyuren nach dem Verhalten der äusseren
Fühler in vier allerdings numerisch sehr ungleiche Gruppen: 1) Die
äusseren Fühler fehlen ganz, oder es ist das Basalglied derselben,
wenn man die Existenz eines solchen annehmen will, mit dem Epi-
slom und Pterygostom vollständig verschmolzen. (Nur die drei Gattun-
gen Bellia, Corystoides und Acanthocyclus.) — Brachxjura orhata. —
2) Die äusseren Fühler sind nach Art der Macruren vollständig frei
und nach allen Seiten beweglich. (Hymenicus, Myctiris, D a n a's Pia-
notheriden, Ocypodinen und Gecarciniden.) — Brachijiira liberata. —
3) Die beiden ersten oder nur das erste Glied der äusseren Fühler
sind zwischen Epislom, Pterygostom, dem Basalgliede der inneren
Fühler und zum Theil auch der Stirn fest eingekeilt und es ist daher
nur ihr drittes Glied nebst der Geissei frei beweglich. (Hierher die
grosse Mehrzahl der Brachyuren, wie die Corystoiden, Leucosiden,
der Rest der Grapsoiden, sämmtliche Cancroiden, endlich die Partheno-
piden nach Ausschluss von Eumedonus und Eurynome.) — Brachynra
incuneata. — 4) Das erste Glied der äusseren Fühler ist mit dem
Epistom und Pterygostom zu einem Stücke verschmolzen (Oxyrrhyn-
cha M. Edw. mit Ausschluss der Parthenopina). — Brachynra per-
fusa. — Die ßrachyura incuneata thcilt Verf. (a. a, 0. p. 1005) in
die Cancroiden, Grapsoiden und Leucosiden ; mit erstcren vereinigter
die (von Dana abgesonderten) Corystoiden, von den Leucosiden
trennt er die bisher damit vereinigten Calappiden und Matutiden,
welche nach ihm eine grössere Verwandtschaft mit den Parthenopidcn
haben. Von den Grapsoiden schliesst Verf. die Gattung Grapsus (sens.
slrict.) mit den Arten Gr. Pharaonis, slrigosus u. s. w. ganz aus und
will dieselbe überhaupt nicht in der Abtheiliing der Brachyuren mehr
zulassen (? ?). „Grapsus hat nämlich kein Operculum an der Basis
der äusseren Fühler, sondern ein durchbohrtes Tuberkulum wie die
Macruren, und muss desshalb mindestens unter die Anomuren, etwa
in die Nähe der Dromiden gestellt werden." Nach Ausslossung der
Gattung Grapsus kann aber jene Gruppe nicht mehr den Nan)en Gra-
psoiden führen; Verf. will für denselben die Bezeichnung „Pianiden"
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 541
nach der ältesten Gattung Planes Leach (Nautilograpsus M. Edw.)
einführen. Auch die Benennung Brachyura glaubt Verf. nicht beibe-
halten zu können, sondern er will alle Dec«poden, deren äussere
Fühler ein Operculuni haben , als Opercularia, diejenigen , deren
äussere Fühler ein Tuberculum führen, als Tuhercvlaria bezeichnen;
zu letzteren gehören alle sogenannten Macruren und Anomuren mit
Ausnahme von Dana's ßellidea, zu ersteren Dana's sämmtliche
Brachyuren mit Ausschluss von Grapsus.
Ad. White, „üescription of two specics of Crustacea
belonging to the families Callianassidae and Squillidae (Pro-
ceed. zoolog. soc. of London. Pt. 29. p.42ff. pl. 6 u. 7,
Annais of nat. hist. 3. ser. VII. p. 479fr.)- Näheres bei den
bezcicijneten Familien.
Brachyura. — Üxyrrhyncha. — Heller (Verhandl. d. zoo-
log.-botan. Gesellsch. zu AVien 1861. p. 3 ff., Sitzungsber. d. mathem.
naturwiss. Classe der AUad. d. Wissensch. zu Wien XLlIl. p. 298 ff.
Taf.l) machte folgende neue Arten nebst einer neuen Gattung aus
dem Rothen Meere bekannt: Psendomicippe nov. gen., mit Mi-
cippe durch die abwärts geneigte Stirn übereinstimmend; durch die
Bildung der Augenhöhlen, deren' unterer Rand fehlt, während der
obere ausserhalb einen breiten Spalt und innerhalb einen grossen
Dornfortsatz zeigt, durch dreieckiges drittes Glied der äusseren Kie-
ferfüsse, dessen Vorderrand concav ausgebuchtet ist, endlich durch
die unterhalb mit zwei Reihen spitzer Zähnchen bewaffneten Tarsen-
Endglieder abweichend. — Art: Pseud. nodosa. — Cyclax spinicin-
ctus, Uuenia pyramidata n. A. — Von bereits bekannten Arten wer-
den ausserdem näher erörtert: Micippe miliaris Gerst., plalipes Rüpp.
und Menaethius monoceros Latr.
Cyclo metopa. — Alphonse Milne Edwards hat unter
dem Titel: „Etudes zoologiques sur les Crustaces recents de la fa-
miile des Portuniens" (Archives du museum d'hist. nat. X. p.309 — 428.
pl. 28 — 38) eine umfangreiche und mit zahlreichen Abbildungen aus-
gestattete systematische Arbeit über die lebenden Arten der Portunus-
Gruppe geliefert, in welcher er eine Beschreibung der bis jetzt be-
kannt gewordenen Gattungen und Arten unter Hinzufügung einer
grösseren Anzahl neuer (letztere sämmtlich abgebildet) giebt; die
fossilen Gattungen und Arten, mit deren Bearbeitung der Verf. gleich-
zeitig beschäftigt war, sind nur nebenher namentlich aufgeführt. Von
den durch de Haan eingeführten Gattungen (besonders auf Kosten
von Lupea gegründet) nin)mt der Verf. die Alehrzahl, als auf unwe-
sentlichen Merkmalen basirt, nicht an. Die ganze Gruppe spaltet er
zunächst in zwei Unterabtheilungen: I) Portuniens anormaux
mit der einzigen Gattung Podophthalmus und II) P or funiens nor-
542 Gerslaeckcr: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
manx mit 17 Gattungen, welche in 7 Cohorfen zerfallen. Letztere
sind: a) Lupeens mit 5 Galtungen: 1) IN'cptunus de Haan (darunter
sind zugleich vereinigt : Pontus de Haan, Amphilrite de Haan pars,
Lupa, Arenaeus und Amphilrite Dana, l'osidon Herklots) mit 27 Arten,
welche in Neptunes arques und Neptunes angulaires zerfallen. Neue
Arten sind : Nept. marginalus vom Gabon, armalus aus Auslralien,
Sieboldi von der Insel Mauritius, asper von der Küste Chile's, cruen-
lalus von den Antillen, laevis aus dem Indischen Ocean, tuberculosus
von den Sandwichs - Inseln, rugosiis aus Auslralien. 2) Achelous de
Haan mit 7 Arten ; unter diesen neu : Ach. ]yinlei von Borneo und
elongalus vom Yiti-Archipel. 3) Scylla de Haan 1 A. 4) Lupa Leach
1 A. 5) Enoplonolus Edw. fossil. — b) Thalamitiens mit 2 Gat-
tungen: 6) Thalamita Latr. mit 12 Arten, welche in solche mit vier-
lappiger und in solche mit achtlappiger Stirn zerfallen; neue Arten
sind : Thal. Sarignyi aus dem Rolhen Jleere und Stimpsoni aus den
Meeren Asiens. 7) Goniosoma Edw. (Charybdis et Occanus de Haan)
mit 18 Arien ; darunter neu: G. Japonicum (Charybdis sexdentata de
Haan) von Japan und China, quadrimaculahim von Malabar und Java,
ornatum (Thalamita truncata de H.) von Japan, linealum von der Insel
TVukahiva, rostrafnm von der iAlündung des Ganges, paucUhntalum
von der Insel Mauritius. — v) C arupiens mit 1 Galtung: 8) Carupa
Dana 1 A. — d) Lupocycliens mit 1 Gattung: 9) Lupocyclus
Adams et White 1 A. — e) C ar ciniens mit 4 Gattungen: 10)
Carcinus Leach 1 A. 11) Portunus Fab. 12 A., neu : P. siibcorrvga-
tus aus dem Reihen Meere. 12) Portunites Bell, fossil. 13) Keclo-
carcinus Edw. 3 A. — f) Polybiens mit 3 Gattungen: 14) Polybius
Leach 1 A. 15) Platyonychus Latr. 6 A., neu : PI. Africanus aus der
Simons-Bay (Afrika). 16) Psammocarcinus Edw., fossil. — g) Lis-
socarciniens mit 1 Galtung: 17) Lissocarcinus Adams et White
2 A. — Die elf der Arbeit beigefügten Tafeln sind von vorzüglicher
Ausführung und stellen alle neue Arten, ausserdem auch einige be-
reits beschriebene in natürlicher Grösse und mit Beifügung der charak-
teristischen Theile dar. (Von bereits pubUcirten Gattungen und Arten
hat der Verf. übersehen: Euctcnola Mexicana, Lupa exasperala und
pudica des Ref., Archiv f. Katurgesch. XXII. Die Gattung Euctenota,
welche zu der Cohorte der Lupeens gehören würde, ist dem Verf.
überhaupt unbekannt geblieben.)
Strahl (Carcinologische Beiträge, dies. Archiv f. Naturgesch.
XXVII. p. 101 ir.) handelte über die Gattung Euxanthus Dana und
über Cancer Panope Ilbst. Zur Galtung Euxanthus gehört ausser den
beiden Dana'schen Arten auch der Cancer sculptus M. Edw., viel-
leicht auch Cancer mamillalus M. Edw.; der C. sculptus M. Edw. ist
von C. exsculplus Hbst. verschieden, mit letzterem aber Euxanthus
nitidus Dana identisch. (Für Euxanthus Dana will Verf. die Benen-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 543
nung Melissa Hbst. einführen, was ganz unzulässig ist, da Herbst mit
dem Namen MeJissa eine Art, aber keine Gattung belegt hat. Ref.)
— Cancer Panope Hbst., von l'anopeus Herbstii M. Edw. verschieden,
gehört nicht zur Gattung Panopeus, sondern zu Pseudocarcinus, viel-
leicht fällt Pseud. ocellalus M. Edvv. damit zusammen. — Ausserdem
erörtert Verf. noch die Unterschiede von Eriphia spinifrons, laevi-
mana und Smilhii ; Cancer* Euiynome Hbst, gehört nicht zu Eriphia.
Derselbe (Monatsbericht d. Berl. Akad. d. Wissensch. 1861.
p. 714 u. 1004) beschrieb Acanthocyclus villosus als n. A. von Chile,
neben Acanth. Gayi auf einer beifolgenden Tafel abgebildet, und
stellte für Rüppelia annulipes Dana, die er für verschieden von der
gleichnamigen Milne Edvvards'schen Art hält, die Benennung Rüppelia
trimcata auf; die .Unterschiede beider Arten sowohl untereinander
als von Rüpp. vinosa werden erörtert. Die Gattung Rüppelia hält
Verf. für zunächst verwandt mit Ozius; den Cancer Calypsc Hbst.
verweist er in die Gattung Pilumnoides Dana.
Heller (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien 1861.
p. 5 ff., Sitzungsberichte d. mathem.-naturwiss. Classe d. Akademie der
Wissensch. XLIII. p. 309 ff.) beschrieb folgende neue und unvollstän-
dig bekannte Arten aus dem Rothen iMeere : Atergatis roseus Rüpp.,
scrobiculatus, Frauetifeldi, anaglypttis und semigranosus n. A-, Actaea
hirsutissima Rüpp., Kraiissii und Schmardae n. A., Carpilius conve-
xus Forsk., Hypocoeltts nov. gen., mit Atergatis und Euxanthus
zunächst verwandt, aber durch die starke Aushöhlung der Pterygo-
stomial - Gegenden aufFallend unterschieden, auf den Cancer sculptus
M. Edw. errichtet (vergl, damit die obige Bemerkung von Strahl).
— Xantho distinguendus de Haan, Epixanthiis nov. gen., durch
starke Abplattung der Oberseite des Körpers, durch den abwärts ge-
neigten, vierzähnigen Stirnrand und durch eine von der vorderen
Seitenecke der Mundöffnung nach vorn zu der inneren Augenhöhlen-
spalte hinlaufende Längsfurche ausgezeichnet. — Art; E. Kotschii. —
Zozymus aeneus Lin. — Zrozym ödes nov. gen., von Zozymus durch
die Form der äusseren Maxillarfüsse, deren drittes Glied am vorderen
Rande mit einem tiefen Ausschnitte versehen ist, unterschieden; hierin
mit Daira de Haan übereinstimmend, mit der sie sonst keine Aehn-
lichkeit hat. — Art: Zoz-. carinipes. — Actaeodes tomentosus M. Edw.,
nodipes und rugipes n. A. , Elisus maculalns , Etisodes sculptilis,
Chlorodius niger Forsk., de Haanii Krauss, Edtcardsii, depressus und
polyacanlhus n. A., Pilodius spinipes, Aclumnus glohulns, Pilumnus
vespertilio Leach, Vauquelini Aud., Savignyi n. A., Cymo Andreossyi
Aud,, Trapezia coerulea Rüpp;, ferruginea Latr., rufopunctata Hbst.,
guttata Rüpp., Cymodoce Hbst., digilalis Latr., Telralia cavimana und
helerodactyla n. A., Lupa pelagica Lin., Thalamita Admete Hbst.,
crenata Latr. — C am ptonyx nov. %ex\.^ eine sehr auffallende neue
5-14 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Form aus der Verwandtschaft von Portunus. Cephalolhorax stumpf
herzförmig, länger als breit, die vorderen Seitenräiyler kurz, vier-
zähnig, die hinteren aulVallend lang; der Hinterleib des Weibchens
sehr breit, seillich bis zu den Trochanleren reichend, siebenringlig,
die drei ersten kürzeren Ringe hinter dem Cephalothorax hervortre-
tend und dalier von oben her sichtbar. Scheeronglied der Vorder-
beine lang und schmal ; das letzte Bernpaar auf der Rückenseite
eingelenkt und nach vorn gerichtet, mit sehr verlängertem Schenkel-
glicde; Schienen- und Tarsenglied zusannuengedrückt und gevkimpert,
das IS'agelglied gegen den Tarsus eingeschlagen. — Art: C. politus.
J. Johnson, „Description of a new species of Cancer ob-
talned at Madeira" (Proceed. zoolog. soc. of London Pt. 29. 18G1.
p. 240 f. pl. 28) machte Cancer Bellianns als n. A. von Aladeira, mit
C. plebejus Pöppig aus Chile zunächst verwandt, bekannt.
Catomelopa. — Von Heller (Verhandl. d. zoolog. -botan.
Gesellsch. zu Wien 18G1. p. 16 iL, Sitzungsberichte d. mathem.-na-
turwiss. Classe der Akad. d. Wissensch. XLIIL p. 361 If.) wurden fol-
gende Arten aus dem Rothen Meere beschrieben : Ocypode cordimana
Desm., Doto sulcatus Forsk., Grapsus Pharaonis M. Ed w., Acanthopus
planissimus Hbst. — Cryptochirus nov. gen., eine höchst auffal-
lend gebildete Form, fast vom Ansehen der Gattung Ranina, beson-
ders durch den Hinterleib des Weibchens, welcher einen voluminösen,
häutigen Sack darstellt und nicht auf die Bauchseite umgeschlagen
ist, ausgezeichnet. Cephalothorax lang eiförmig, vorn und hinten
abgestutzt, am Vorderrande mit zahnartig hervorspringenden Aussen-
winkeln, seine Oberfläche vorn abschüssig, hinten gewölbt. Augen-
höhlen sehr unvollständig, nur nach oben und aussen abgegränzt;
innere Fühler mit grossem, schuppenförmigen , vorn vierzähnigem
ßasalgliede (an dessen concaver Innenseite die beiden anderen grif-
feiförmigen Glieder eingelenkt sind), nicht in einer Höhlung entsprin-
gend, sondern ganz frei ; äussere Kieferfüsse stark klaffend, von sehr
eigenthümlicher Form. (Nach allen diesen Charakteren erscheint die
Stellung der Gattung unter den Catometopen wohl sehr zweifelhaft.
Ref.) Weibliche Geschlechtsöö'nung auf der Sternalplatte des dritten
Beinpaares; Scheerenfusspaar beim Weibchen sehr schlank und dünn,
beim 31ännchen kräftig entwickelt. — Art: C. coralliod])Us2^l^ — 3V2l-'i"'
lang, in den Löchern von Korallen lebend. — Elamene Älalhaei M. Edw.
nochmals beschrieben.
Stimpson, „Notes on certain Decapod Crustacea" (Proceed.
acad. nat. scienc. of Philadelphia 1861. p. 372 f.) stellt den Cancer
marmoratus Fab. (Gattung Leplograpsus M. Edw.) zu Pachygrapsus,
Sesarma trapezium Dana zu Äletasesarma M. Edw., Thelphusa Berardi
Sav. zu Geothelphusa und beschrieb Potamocarcinus d etil ictt latus als
n. A. aus Keu-Granada (im Fluss Atrato) und Dilocarcinus Pagei als
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 545
n. A. aus Paraguay. Verf. bemerkt zugleich, dass die Gattung 'Or-
thostoma Rand, mit Dilocarcinus M. Edw. identisch und früher als
diese aufgestellt sei; da der Randall'sche Name aber bereits vergeben,
sei der M. Edward'sche beizubehalten.
Dromiacea. — Heller (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch.
zu Wien 1861. p. 21. — Sitzungsberichte d. mathem.-naturw. Classe
d. Akad. d. Wissensch. XLIV. p. 241) beschrieb Dromia tomentosa
als n. A. aus dem Rothen Meere.
Hippidea. Heller (ebenda p. 19, Sitzungsberichte d. Akad.
d. Wissensch. XLIV. p. 243) beschrieb Remipes pictus als n. A. aus
dem Rothen Meere.
Pagurini. Heller (a. a. 0. p. 24, Sitzungsberichte der Wien.
Akad. XLIV. p. 244 ff.) beschrieb als n. A. aus dem Rothen Meere:
Pagurus varipes (in Dolium perdix), depressus, Clibanarius carnifex,
signatus (in Kusus verrucosus und Purpura undata) und Calcinus
rosaceus (in Purpura undata).
Als neue Arten wurden ausserdem beschrieben: Pagurus ferrw
gineus IVorman (Annais of nat. bist. 3. ser. VIII. p. 273. pl. 13) von
den Küsten Englands und Pagurus pallescens Philippi (Reise durch
die Wüste Atacama p. 169) von der Chilenischen Küste, in Trochus
tridens lebend.
Hesse machte gelegentlich seiner Beschreibung von zwei neuen
auf dem Hinlerleibe von Paguren sesshaften Schmarotzergattunfen
aus der Familie der Bopyrini (Annales d. scienc. natur. 4. ser. Zoo-
logie XV. p. 105 ff.) einige interessante Mittheilungen über die Le-
bensweise der Paguren selbst. Die von ihm beobachtete Art von
Einsiedlerkrebsen fand sich stets in Muscheln, welche von einer
spongiären Substanz (bereits 1618 von Ruysch im Theatrum uni-
versale omnium animalium abgebildet) oft bis zu einer Länge von
15 bis 16 Centin), bedeckt waren. Anstatt die Muschel, sobald sie
für den Bewohner zu klein war, zu verlassen und sich eine neue
zum Wohnorte zu wählen, behielt jener Pagurus sein Domicil stets
bei und grub sich in der Substanz des Schwammes eine Kammer
aus, nachdem die Muschel selbst ihm zu eng geworden war; die von
ihm im Schwämme gemachte Höhlung zeigt ebenso glänzende und
glatte Wandungen wie das Innere einer Muschel. — Verf. hat auch
die Begattung der Paguren beobachtet; sie fanden sich in grosser
Zahl in Lachen, welche in den Sand gegraben sind und wo man sie
bei der Ebbe beobachten kann, zur Brunstzeit ein, Männchen und
Weibchen verlassen dann ihre Gehäuse und setzen ihre Geschlechts-
organe mit einander in Contakt; vielleicht gehen dabei auch ihre
Parasiten von einem Individuum auf das andere über.
Galatheidae. Heller (a.a.O. p. 24f. , Sitzungsberichte der
Wien. Akad. XLIV. p. 255 ff.) beschrieb Porcellana rufescens, Boscii
Archiv f. Naturg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd. Kk
546 Gerslaecker: Bericht nber die wissenschnftlicheu Leistungen
(Savigny, Descript. de l'Egyple pl 7. üg. 2), carinipes, leptocheles und
itiaequalis als n. A. aus dem liolhen Meere.
Philippi (Reise durch die Wüste Atacama p. 169) Porcellana
spinosa als n. A. von der Chilenischen Küste (Isla hlanca).
LoriCäta. Heller (a. a. 0. p. 25, Sitzungsberichte d, Wien.
Akad. XLIV. p. 2G0. Taf. 2. fig. 8) gab Beschreibung und Abbildung
von Palinurus Ehrenbergi n. A. aus dem Bothen Meere.
Astacini. C. Strahl, Einige neue Thalassinen, deren Ver-
wandlschiilt mit den Astaciden und ihre systematische Stellung über-
haupt. (Monatsbericht d. Akad. d. Wissensch. zu Berlin, 9. Decbr.
1861. — Separat- Abdruck in 8. 24 pag. mit 1 Taf.) Verf. giebt für
Scytoleptus serripes Gerst. ausser Süd-Afrika auch die Philippinen
(Luzon) als Fundort an und beschreibt Callianassa tnncronata n. A.
(Vaterland?), Axius plectrorhynchus n. A. von Jaizon, Gebia harbala
n. A. ebendaher. Auf Gebia stellata Aud. in Savigny's Descript.
de l'Egyple) begründet Verf. eine neue Gattung Calliadne^ deren
Charaktere er nach der Savigny'schen Abbildung erörtert; für die Art
will er den veränderten Nanien Call. Savignyi einführen. — Bei der
Beschreibung der Callianassa mucronata geht Verf. auf die Zusam-
mensetzung des Fühlers der tuberkulären Dekapoden im Allgemeinen
ein ; er nennt den Ilalbring, welcher die Einlenkung am Cephalo-
thorax vermittelt, das Intercalare, das zunächst folgende Glied,
welches der gemeinschaftliche Träger der Schuppe und des eigentlichen
Fühlers ist, den A r m i g e r. Der Fühler selbst (im Gegensatze zu
der Geissei) besteht nach den Untersuchungen des Verf.'s stets aus
drei Gliedern, auch bei den Scyllariden, wo man am äusseren Füh-
ler irriger Weise vier Glieder angegeben hat; als Criterium für ein
Fühler^lied sieht er die Anwesenheit einer Tasche auf der Beugeseile
des Gelenkes an. — Der von de Haan und dem Ref. angenomme-
nen Vereinigung der Thalassinen mit den Astaciden pflichtet Verf.
bei und verwirft die Dana'sche Verbindung von Astaciden und Lo-
ricatcn. Die Palinuren und Scyllariden weichen von allen übrigen
Macruren dadurch ah, dass bei ihnen das sonst beweglich einge-
lenkte Skeletstück des äusseren Fühlers, welches das Tuberkulum
trägt, mit dem Epistom innig verschmolzen ist. Die Astaciden stim-
men mit den Thalassinen darin überein, dass das Tuberculum der
äusseren Fühler niemals nach innen gedrängt ist, wie bei den Cari-
dcn, sondern sich slels auf der Mitle der Ventralfläche des Intercalare
oder sogar nach aussen gerückt flndet. Dasselbe findet bei den Pa-
guriden statt, welche mit jenen beiden auch darin übereinstimmen,
dass ihre Thoraxsegmente nicht fest verwachsen; Verf. will sie daher
zusammen mit den Astaciden und Thalassinen zu einer besonderen
Gruppe Externa vereinigen, denen er die Interna (Galatbeiden,
Cariden) gegenüberstellen will. Die Gruppe der Astaciden charakte-
im (iebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 547
risirt sich, abgesehen von dem vollständig entwickelten Schuppenpp-
parate, durch die drei ersten didaktylen Fusspaare und das quer ge-
theilte äussere Blatt der Schwanzflosse. Es gehören derselben die
Galtungen Ilomarus, Nephrops, Paranephrops , Astacus, Astacoides,
Engaeus, Cambarus und Cheraps an. — Die Thalassinen zerfallen in
zwei natürliche Gruppen: 1) Gebiina, bei denen die Stirn über
die Augen hinausragt, so dass letztere unter ersterer verborgen wer-
den können (Axius, Calocaris, Gebia, Scytoleptus, Laomedia, Callia-
dne). — 2) T h al ass i ni na, bei denen die Augen frei vor der Stirn
liegen (Glaucothoe, Callianassa, Thalassina, Trypaea, Callianidea und
Callisea).
Steenstrup und Lütken, „Om Thalassina anomala Hbst."
(Naturhist. Foren. Vidensk. Meddelelser 1861. p. 267 tf. tab. 7) erör-
terten nach Javanischen Exemplaren der Thalassina anpmala die Un-
terschiede dieser Art von der an der Küste Chile's vorkommenden
und bisher damit vereinigten Thal, scorpionoides Guer., Edw. Auf
die Herbst'sche Art von den Suuda- Inseln beziehen sich Latreil-
1 e's, Lamarck's, Leach's und Desmarest's Thalassina scorpio-
nides, auf die Chilenische Guerin's und Milne Ed ward's Art
gleiches Namens ; erstere wird Thal, anomala Herbst, letztere Thal.
Chilensis genannt.
White (Proceed. zoolog. soc. of London Pt. 29. p.42 ff. pl. 6.
— Annais of nat. bist. 3. ser. VII. p. 479) beschrieb Callianassa Tur-
nerana als n. A. aus dem Camaroons-Flusse in West-Afrika. Die
Art erscheint hier periodisch in grosser Menge, verschwindet aber
binnen 10 bis 14 Tagen gänzlich.
Lerebouillet, Description de deux nouvelles especes d'ecre-
visse de nos rivieres (Alemoires d. 1. soc. des scienc. natur. de Stras-
bourg, TomeV, 1. — 11 pag. c. tab. 3). Diebeiden auf den^beifolgen-
den Tafeln in natürlicher Grösse und colorirt abgebildeten, vom Verf.
als neu beschriebenen Arten, welche sich in den Gewässern des
Elsass finden, werden folgendermassen diagnosticirt: 1) Aslactis lon-
gicornis. „Antennae crassae, longissimae, in mare corporis longitu-
dinem adaequantes, in femina thoracem superantes ; pedes antici
validi, valde crassi, leviter incurvati ; rostrum abbreviatum, spinis
viibus aequaliter distantibus instructum." 2) Astacus pallipes. „Ro-
strum breve, spinis tribus paene aequidisfantibus instructum; pedes
aatici rugosi, villosi, infra pallidi, digiti lati, crassi; ap])endix lamel-
laris antennae spina brevi instructus, huius appendicis niargo internus
rotundatus, cultriformis : tres ad quinque Spinae in regione brachial!
autica." Erstere Art lebt in sehr reissenden Gewässern mit kieseli-
gem Grunde, letztere in sanfter fliessenden, mit schlammigem Grunde.
Um die Unterschiede beider von Astacus fluviatilis zu versinnlichen,
werden die Schale (von oben und der Seite), die Scheeren und Füh-
548 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
ler aller drei Arten neben einander abgebildet. Ob die von ihm
aufgestellten Arten mit denen von Seh rank, Koch und Herrich-
Schäffer (Ast. torrentium, saxatilis und tristis) aufgestellten iden-
tisch seien, lässt Verf. dahingestellt.
Die Unterschiede des bei Triest vorkommenden Astacus saxa-
tilis von Ast. fluvialilis erörterte Grube (Ausflug nach Triest und dem
Quarnero p. 73 f.).
Cäridina. Heller (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu
Wien 1861. p. 25 fl". — Sitzungsberichte d. Wien. Akad. d. Wissensch.
XLIV. p. 264 ff. Taf. 3) beschrieb als neue Arten aus dem Rothen
Aleere: Hymenocera elegans, Alpheus tricuspidatus (Savigny pl. 9.
flg. 4), insigniSy gracilis , Charon, monoceros, Hippolyte Uemprichii,
pasokalis, orientalis, Oedipus nudirostris, Harpilius Beaupresii (Sa-
vigny pl. 10. fig.4), Anchislia inaequiniana, Palaemon Audouini und
Lysmata pusilla (Hippolyte trisetacea Heller antea).
Norman (Annais of nat. bist. 3. ser. VIII. p. 274— 279. pl. 13
und 14) machte folgende neue Arten und Gattungen von den Engli-
schen Küsten bekannt: Hippolyte producta, Doryphorus nov. gen.
(vergebener Name! Coleoptera) für Hippolyte Gordoni Spence Bäte
errichtet, mit Hippolyte in der Bildung des Rüssels, der Augen und
Fühler übereinstimmend, aber das dritte Hinterleibssegment nicht aus-
gezogen, der Dorn der inneren Fühler gross, das letzte Glied der
Maxillarfüsse cylindrisch, gewimpert und mit wenigen Dornen an der
Spitze besetzt; die beiden ersten Beinpaare unter sich und mit den
Maxillarfüssen fast gleich, ihre Hand verlängert, der Carpus des
zweiten geringelt. — Dcnnisia nov. gen., gleichfalls Hippolyte
nahe stehend und im Rüssel, Hinterleib und den Augen übereinstim-
mend; innere und äussere Fühler mit einer Basalächuppe, die inneren
mit drei Geissein, letztes Glied der Maxillarfüsse cylindrisch, gewim-
pert, erstes Beinpaar länger als die Maxillarfüsse, mit langgestreck-
ter Hand. — Art: Den. sagittifera. — Ferner Palaemon minans n. A.
pl. 14 abgebildet. Die Hippolyte Thompsoni Bell ist nach dem Verf.
ein Pandalus und identisch mit Pandalus Jeffreysii Spence Bäte.
H. Kroyer's monographische Bearbeitung der Gattung Serge-
sle.s, über welche schon im Jahresberichte 1856 p. 198 nach einem
Auszüge in der Overs. Danske Vidensk. Selskabs Forhandl. vorläufige
Nachricht gegeben wurde, liegt jetzt unter dem Titel: „Forsög til en
monographisk Fremslilling af Kraebsdyrslaeglen Sergestes, med Be-
maerkninger om Dckapodernes Höreredskaber" (Kongel. Danske Vi-
denskab. Selskabs Skrifter, 5. Räkke, 4. Bind, p. 217—302. tab. I— V)
vollständig vor. (Das Heft der Dänischen Gesellschaflsschriften , in
welchem die Abhandlung enthalten ist, trägt die Jahreszahl 1859, ist
dem Ref. aber erst jetzt zur Ansicht zugekommen.) Die Behandlung
des Gegenstandes ist eine sehr eingehende und in morphologischer
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 549
Beziehung nach allen Seiten erschöpfende. Einer vollständigen Schil-
derung der Gattung in ihrem äusseren Körperbau, welcher auch einige
Notizen über den Verdauungsapparat, die Kiemen und die Sinnesor-
gane (besonders über das Gehörorgan an der Basis der oberen Fühl-
hörner), so wie ferner Angaben über die Art der Fortpflanzung, über
Parasiten und die geographische Verbreitung angehängt sind, folgen
sehr detaillirte Beschreibungen von fünfzehn neuen Arten (also vier
mehr, als in der früheren vorläufigen Mittheilung des Verf.'s aufge-
führt waren), welche auf den beifolgenden Tafeln durch zahlreiche
Abbildungen ihrer einzelnen Körpertheile erläutert werden. Die
ausführlichere Charakteristik derselben ist in Dänischer Sprache ab-
gefasst; doch werden noch Diagnosen und analytische Tabellen zur
Bestimmung der Arten in lateinischer Sprache beigefügt. Die Namen
derselben sind folgende: Sergestes Frisii aus dem Atlantischen Ocean,
13" — 20° n. ßr., arcticiis von Grönland, oculatus, Edwardsii, cornu"
tus, corTiiculum, tenuiremis, obesus und armatus aus dem Atlantischen
Ocean, nahe dem Aequator, ancylops aus dem Atlantischen Ocean,
von 4Y2'' — 34° n.B., Rinkii ebendaher von 57° — 59° n. B., serrulatus
und caudatns aus dem nördlichen Kattegat, brachyorrhos aus dem At-
lantischen Ocean von 30° n. B. und laciniatus aus dem Kattegat.
Sars, „Beraaerkninger over Crangoninerne med Beskrivelse
over to nye norske Arter" (Videnskabsselsk. Forhdl. i Christiania for
1861. p. 179 — 187, im Separatabdrucke 9 pag. 8.) gab nach einer Auf-
zählung der bis jetzt bekannt gemachten Crangoninen (Crangon Fab.
11 A., Paracrangon Dana 1 A., Argis Kroyer 1 A., Pohtophilus Leach
3 A., Sabinea Owen 1 A.) eine nochmalige ausführliche Beschrei-
bung seines Crangon Norvegicus, den er jetzt nach näherer Unter-
suchung zur Gattung Pontophilus Leach bringt, ferner von Pontophilus
spinosus i^each und machte Crangon echinulatns als n. A. aus Nor-
wegen bekannt. Die Charaktere der Gattung Pontophilus stellt er
folgendermassen fest: „Roslrum frontale brevissimum , oculi liberi,
divergentes, crassi : paria branchiarum sex, rudimentarisque praeterea
pedis maxillaris secundi branchia. Secundum pedum par brevissimum,
tenuissimum, chelis armatum : pedes quarti quinlique paris acuminati,
gressorii".
Cumacea. van Beneden (Recherches sur la faune littorale
de Belgique p. 71 ff. pl. 12 — 14) gab Beschreibungen und Abbildungen
von Bodothria Goodsiri n. A., Cuma Rathkii Kroyer (von welcher die
Spence Bates'sche Art gleiches Namens verschieden sein soll) und
Leticon cercaria n. A. von der Belgischen Küste. Goodsir's An-
gabe , dass die Cumaceen gestielte Augen besässen, hat Verf. nicht
bestätigt gefunden; er glaubt vielmehr mit Kroyer, dass die Augen
sitzend seien, ohne indessen anzugeben, dass er selbst solche beob-
achtet habe. Auch Kiemenhöblen spricht Verf. der Familie ab; der
550 Ge IS tH ec k 0 1 : Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Dainikanal soll ähnlich wie bei den niederen Decapoden (Mysis) ge-
bildet sein. 31it Ausn.ihme der Species-Beschreibungen sind die An-
gaben des Verf.'s nur sehr leicht hingeworfen und entscheiden keinen
der noch fraglichen Punkte in Betreff der Organisation der Familie.
Schizopoda. van Beneden (a. a. 0. p. 11 fT. pl. 1—7) gab
Beschreibungen und Abbildungen von Mysis vulgaris Thomps.. cha-
inaeleo Thomps., ferrnginea n. A., sancta n. A. und Podopsis Slab"
bcri, einer bereits von Slabber im Jahre 1778 abgebildeten, aber
den neueren Carcinologen unbekannt gebliebenen Art. Alle fünf
Arten wurden an der Belgischen Küste beobachtet; Verf. macht
nähere Mitlheilungen über ihr massenhaftes Erscheinen auf der Ober-
fläche des Meeres, über ihre eigenthümlichen Schwimnibewegungen,
über ihre Feinde, als welche besonders die sie massenhaft verschlin-
genden Actinien anzusehen sind, über ihre Nahrung, welche fast
ausschliesslich in öleeresalgen und Infusorien zu bestehen scheint
u. s. w. Die hierauf folgende weitläufige Erörterung der äusseren
Körperbildung enthält meist genügend Bekanntes ; bei Beschreibung
des Träctus intestinalis geht Verf. besonders ausführlich auf den
Reibeapparal der inneren Magenwandung ein. Die Untersuchung des
Circulationsapparates hat dem Verf. Resultate geliefert, welche von
denen der früheren Beobachter in mehrfacher Beziehung abweichen.
Das Herz erstreckt sich nach ihm nicht auf die ganze Länge des
Cephalothorax, sondern kommt höchstens dem vierten Theile dessel-
ben gleich, nimmt seitlich mehrere zuführende Stämme auf und giebt
vier Arterienstämme, einen hinteren, einen vorderen nnd zwei seit-
liche, nach vorn verlaufende ab; anstatt der Venen finden sich nur
Blutströme und zwar ein einzelner an der Bauchseite, welcher von
vorn nach hinten verläuft und ein doppelter an der Rückenseite.
Die Respiration geht hauptsächlich an den Wandungen des Cephalo-
thorax vor sich, wird aber nicht (nach Thompson) durch die
Geissein der Beine vermittelt. (Die Embryologie von Mysis ist bereits
oben mitgetheilt worden.)
üeber die Anatomie der Gattung Leucifer machte Semper
(Zeitschr. f. wissensch. Zoologie XL p. 106) einige Mittheiinngen
nach Beobachtungen an einer sehr durchsichtigen, vielleicht neuen
Art von den Fhilippinen. Der sehr kleine, ohne Abschnürung in den
Darm übergeh(?nde Magen trägt zwei Paare von Blindschläuchen, von
denen die hinteren sehr kurz, die vorderen sehr lang sind und bis in
die äusserste Spitze des langen Kopfstieles hineinreichen. Die vom
hinteren Ende des Herzens abgehende Aorta giebt im Thorax und den
fünf ersten Hinterleibsringen je zwei seitliche Aeste ab und theilt
sich im sechsten Ringe in zwei Aeste ; vom vorderen Ende des Her-
zens gehen zwei Arterien aus, von denen sich jede im (|(opfe in
drei Aeste für die Fühler, Augen und das Fühler-Ganglion spaltet. —
Im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 551
Zwei am Ende des Kopfstieles liegende Drüsen münden in zwei
Papillen an der Basis der unteren Fühler; das Gehirn giebt 'nach
vorn zwei zu einem grossen Fühlerganglion anschwellende Nerven
ab. Der Hode besteht in einer unter dem Magen liegenden unpaaren
Samendrüse, welcher sich mehrere Nebendrüsen anschliessen ; der
unentwickelte Same wird in einen grossen birnförmigen Spermalo-
phoren eingeschlossen. Die Eierstöcke sind paarig, die (Jeschlechts-
öffnung des Weibchens einfach ; die Ovidukte schwellen nach unten
zu zwei grossen Taschen an, welche eine kleine rundliche Tasche
umfassen. — Bei Thysanopus (ebenda p. 107) ist das Gefiisssystem
ganz wie bei Leucifer; am Magen findet sich an Stelle des kleinen
hinteren Blindschlauches jederseits ein dicker Büschel solcher kurzer
Blinddärme.
Steindach ner (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu
Wien 1861. p. 365) diagnosticirte Leucifer uracanthus als n. A. aus
dem Atlantischen Ocean.
Squillina. Als neue Arten wurden beschrieben :
Von Heller (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien
1861. p. 497) Pseudosquilla oculata von Taiti.
Von White (Proceed. zoolog. soc. of London Pt. 29. p. 43.
pl. 7. — Annais of nat. bist. 3. ser. VII. p. 480) Gonodactylus Gue-
rinii von den Fiji-Inseln (Matuka).
Von Giebel (Zeitschr. f. d. gesammt. Katurwiss. XVIII. p. 319)
Squilla Edicardsii von der Insel Banka, zur Gruppe der Squ. niantis
gehörend.
Amphipoda.
Ein für die Kenntniss der Nord-Europäischen Am-
phipoden - Fauna sehr wichtiges Werk ist der bereits im
vorigen Jahresberichte p. 379 dem Titel nach angeführte
„Bidrag tili kännedomen om Skandinaviens Amphipoda Gam-
maridea" af Ragnar M. Bruzelius (gr. 4. 104 pag. c.
tab. 4, enthalten im 3ten Bande der Kongl. Svenska Ve-
tenskaps-Akadem. Handlingar). Verf. liefert in demselben
eine sehr eingehende und durch schöne Abbildungen er-
läuterte systematische Beschreibung sämmllicher bis jetzt
in Skandinavien beobachteter Amphipoden unter erneueter
Charakteristik der Familien und Gattungen und bringt neben
einer genaueren Feststellung der bereits bekannten Formen
eine beträchtliche Anzahl neuer zur Kenntniss, wie sich
dies bei dem bekannten Amphipoden-Reichthume der nörd-
552 (lerstae ckc r: Bericht ober die wissenschaftlichen Leistungen
lieberen Breiten wohl erwarten Hess. Die Beschreibungen
des Verf.'s sind zwar in Schwedischer Sprache abgefasst,
aber durchweg von lateinischen Diagnosen begleitet, so
dass der Benutzung der Arbeit, welche besonders interes-
sante Vergleichspunkte mit der Neapolitanischen Amphipo-
den-Fauna Costa's und derjenigen Englands von Spence
Bäte und Westwood liefern dürfte, keine Schwierigkei-
ten entgegenstehen. Da das Werk im Buchhandel wenig
verbreitet ist, geben wir hier eine ausführlichere Uebersicht
über das in demselben behandelte Material. Die Skandi-
navischen Amphipoden gehören nach dem Verf. vier Fami-
lien an, nämlich den Dulichidae, Corophidae, Orchestidae
und Gammaridae Dana's und vertheilen sich im Ganzen auf
28 Gattungen; die Zahl der Arten beträgt in Allem 77.
Die Familie Dulichidae ist nur durch eine Gattung Lael-
tnatophilus vertreten, welche foigendermassen charakterisirt wird:
„Corpus elongatum, gracile. Antennae longae, superiores flagello
appendiculari dcstitutae et processui magno fronlali affixae. Mandi-
bulae palpo triarticulato, niaxiliae primi paris laminn interna inchoata
et tuberculifornii, palpo biarticulato instructae. Palpus pedum niaxil-
larium e quatuor articulis compositus. Fedes piimi secundique paris
thoracis manu subchelifornu armati, articulo quinto manum formante,
ungue et uno tantum articulo constante. Reliqui pedes thoracis fere
aequales, clongati, graciles, unguibus validis armati. Pedes abdomi-
nales quarti paris elongati, ramis binis styliformibus instructi, pedes
quinti paris e singulis articulis constantos." — Art: Laelm. tuber-
culatus-
Die Familie Corophidae ist durch sechs Gattungen vertre-
ten: 1) Corophium Latr. 3 A. [Cor. crassicorne und affine n. A.).
2) Erichthonius M. Edw. 1 A. 3) Jassa Leach 1 A. (Podocerus ca-
pillatus Ralhke). 4) Podocerus Leach 2 A. 5) Autonoe nov. gen.
„Corpus subdepressum, epimeris mediocribus aut parvis. Antennae
superiores graciles, flagello proprio multiarticulato et flagello appen-
diculari instructae. Antennae inferiores non subpediformes. Halpus
mandibulae triarticulatus, maxillae primi paris binrticulatus et pedum
maxillariuni e quatuor articulis compositus. Pedes primi secundique
paris manibus instructi. Pedes abdominales ultimi paris biramei, ra-
mis styliformibus. (Die Galtung ist auf Gammarus erythrophthalmus,
longipes und macronyx Lilljeb. begründet.) 6 A. (Auton. punctata
und grandiinana n. A.). 6) Amphithoe Leach 2 A.
Die Familie 0 r c h est i d ae umfasst zwei Gattungen : 1) Orche-
stia Leach 1 A. und 2) Allorchestes Dana 1 A.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 553
Die Familie Gamma ridae ist bei weitem die reichste und
umfasst 19 Gattungen : 1) Stegocephalus Kroyer 1 A. 2) Anonyx Kroyer
9 A. (An. Kroyeri n.A.). 3) Pontoporeia Kroyer 2 A. (Pont, fnrcigera
n. A.). 4) Gamniaius Fab. 13 A. (Garn. Loveni, laeris und brevicornis
n. A.). 5) Eusirus Kroyer 1 A. 5) Eriopis nov. gen. „Corpus
elongalum, parum compressum, epimeris parvis. Antennae superiores
pedunculo gracili et flagello appendiculari perpusillo instructae, in-
feriores subpedifornies. Mandibulae duobus ramis, tuberculo molari
et palpo triarticulato instructae. Maxiila primi paris palpo biarticu-
lato ornata. Palpus pedum maxillarium e quatuor articulis coniposi-
tus. Pedes primi secundique paris manu subcheiiformi armati. Tria
paria posteriora pedum thoracis postice gradatim longiora. Rami
pedum abdominalium ultimi paris valde inaequales, inlerior brevis,
exterior abdominis longitudinem fere aequans, duobus articulis com-
planatis instructus." — Art: Eriop. clongata. 7) Phoxus Kroyer 2 A.
8) Paramphithoe nov. gen., mit 9 Arten (Amphilhoe panopla und
pulchella Kroyer, hystrix Owen, compressa Lilljeb., bicuspis Kroyer,
laeviuscula Kroyer, norvegica Ratbke und Par. tridentata und ele-
gans n. A.). 9) Acanthonotus Owen 1 A. (Amphithoe serra Kroyer).
10) Dexamine Leach 1 A. (Aphithoe tenuicornis Rathke). 11) Iphi-
mediaRathke 1 A. 12) Ampelisca Kroyer 6 A. {Amp. uequicomis und
carinata n. A. 13) Haploops Lilljeb. 2 A. 14) Batbyporeia Lindstr.
1 A. 15) Oediceios Kroyer 3 A. (Oed. obtusus und afßnis n. A.).
16) Leucothoe Leach 3 A. 17) Laphystius Kroyer 1 A. 18) Nicippe
nov. gen. „Corpus crassiusculum, epimeris mediocribus. Antennae
graciles, superiores flagello appendiculari ornatae. Mandibulae dis-
similes, palpis e ternis articulis compositis instructae, altera processu
accessorio sive ramo interno carens, altera eodem praedita. Palpus
maxillae primi paris biarticulatus. Pedes raaxillares laminis minutis
et palpis e quaternis articulis compositis. Pedes primi secundique
paris manu subcheiiformi armati. Tria paria posteriora pedum tho-
racis postice gradatim longitudine crescentia. Pedes abdominis sexti
paris biramei, ramis uniarticulatis." — Art : Nie. ttimida. 19) Parda-
lisca Kroyer 1 A.
Eine systematische Bearbeitung der Englischen Amphi-
poden haben Spence Bäte und Westwood unter dem
Titel : „A history of British sessile-eyed Crustacea« (Lon-
dan 1861. 8.) begonnen. Das im Jahresberichte f. 1856.
p. 201 schon vorläufig angezeigte Werk erscheint in Liefe-
rungen von vier Druckbogen (jede zum Preis von 2sh. 6d.)
und ist gegenwärtig (1863) bereits mit dem 11. Hefte bis
zum Abschlüsse des ersten Bandes (507 pag.) gediehen. Das
Format und die Ausstattung ist dieselbe wie von Th. Bell's
554 Gc isla ecken: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Hislory of British Cnistacea, indem sämmtliclie beschrie-
bene Arten durch stark vergrösserte, in den Text einge-
druckte Holzschnitte (neben dem ganzen Thiere auch von
einzelnen, die Art besonders charakterisirenden Theilen)
illustrirt sind. Neben einer sehr eingehenden Charakteri-
stik der Gattungen und Arien, denen eine Schilderung des
Amphipoden - Körpers im Allgemeinen und eine systemati-
sche Eintheilung der Ordnung vorausgeschickt werden,
geben die VerfT. auch interessante Nachrichten über Le-
bensweise, geographische Verbreitung u. s. w. Die sehr
gründliche Behandlung der Literatur und die Correktheit
der Abbildungen machen das Werk zu einer der wichtigsten
Quellen für die Bestimmung der einheimischen Flohkrebse.
Im Jahre 1861 sind nur die drei ersten Lieferunjjen des Werkes
herausgegeben worden ; in denselben sind folgende Gattungen abge-
handelt: a) Orchestiidae: Talitrus Latr. 1 A. , Orchestia Latr. 3 A.
(darunter die Aegyptische 0. Deshayesii Sav.), Allorchestes Dana 2 A.,
Nicea Nicol. (Galanthis Bäte) 1 A. — b) Gammaridae: 1) Stcgoce-
phalides: Montagua Bäte (Leucothoe Kroyer) 4 A., Danaia Bäte 1 A.
2) Lysianassides: Lysianassa Edw. 4 A., Anonyx Kroyer 9 A., Calli-
soma Costa (ScopeJocheirus Bäte) 1 A. 3) Ampeliscides : Ampelisca
Kroyer (Araneops Costa, Pseudophthalmus Stimps., Tetromatus Bäte)
2 A. 4) Phoxides: Phoxus Kroyer 3 A. (Die Gruppe wird erst in
der vierten Lieferung abgeschlossen.)
Wie aus der in dem eben erwähnten Werke ange-
führten Literatur ersichtlich ist, hat Spence Bäte auch
einen Catalog der Amphipoden des British Museum mit
Abbildungen herausgegeben , welcher dem Ref. jedoch bis
jetzt nicht bekannt geworden ist. Auch in einem Ver-
zeichnisse der Publikationen des British Museum vom
J. 1862 ist derselbe nicht aufgeführt.
Hyperina. C. Spencc Bäte, „On the morphology of some
Ainphipoda of the division Hyperina" (Annais of nat. bist. 3. ser. VlIL
p. 1 — 15. pl. 1 u. 2) machte speziellere Rliltheiiungen über die ziem-
lich aulTallenden Unterschiede, welche, wie bereits von Milne
Edwards und Gosse angedeutet worden ist, zwischen den Allers-
und Jugendformen einiger Hyperinen- Gattungen bestehen, indem er
beide neben einander eingehend beschreibt und abbildet. Die Ju-
gendformen, welche Verf. bekannt macht, hat er aus den Bruttaschen
trächtiger Weibchen von drei Gattungen: Yibilia Milne Edw., B r a-
chy scelus nov. gen. und Platyscelus nov. gen. entnommen.
im Gebiete dev Entomologie während des Jahres 1861. 555
Von ersterer Gattung wird eine neue Art: Vib. Edwardsii bekannt
gemacht; Vaterland: Isles de Powel. Die neue Galtung Platysce-
lus (vergebener Name! Coleoptera) stimmt in jeder Beziehung mit
Dithyrus Dana iiberein, nur dass am dritten und vierten Paare der
Gan^beine die auf das grosse Basalglied folgenden kleinen Fuss-
glieder entwickelt sind. — Art: Plat. serratiis, Vateri. unbek. —
Die neue Galtung Brachyscelus (vergebener Käme ! Coleoptera)
steht mit der vorhergehenden in naher Verwandtschaft, ist aber von
noch plumperem und gedrungerem Körperbaue. Kopftheil äusserst
gross, vorn gerundet, Augen noch über die unteren Ränder hinaus-
ragend und daher auch tiefer abwärts reichend als der Cephalothorax,
der von der Breite des Kopfes ist. Hinterleib fast ebenso breit als
der Brustlheil, sein viertes und fünftes Segment mit einander ver-
schmolzen. Fühler verkümmert, Mundanhänge häutig und rudimentär;
die beiden Kieferfusspaare in eine grosse vScheerenhand endigend, die
drei letzten Gangbeinpaare mit scheibenförmig erweitertem Basalstück
und ausgebildeten Endgliedern. — Art: Brach, crvsculum, Vateri. unbek.
— Die Unterschiede zwischen der Jugend- und Altersform betreffend,
so sind dieselben bei Vibilia bei weitem geringer als bei den beiden
neuen Galtungen: am wenigsten auffallend sind sie am Körper selbst,
während von den Extremitäten die vorderen Fühler sich retrograd,
die Beinpaare sich dagegen progressiv entwickeln ; die Fühler büssen
ihre Gliedernng ein und verbreitern sich sehr aufTallend, die Kieferfüsse
erlangen eine vollkommenere Klauenform und die beiden vorletzten
Brustbeinpaare verlängern sich geisseiförmig. Bei den Gattungen
Brachyscelus und Platyscelus ist dagegen die Umwandlung eine sehr
auffallende und ein% fast durchweg retrograde; die Jugendformen
stellen den eigentlichen Amphipoden - Typus dar, die Altersfornien
sind in ähnlicher Weise aberrant, wie die Bopyrinen-Weibchen unter
den Isopoden oder die Coccus -Weibchen unter den Insekten. Die
Jugendformen beider Gattungen gleichen auffallend der erwachsenen
Form von üxycephalus; auffallend ist die Angabe des Verf., dass
letzterer Gattung auch die Jugendform von Rhabdosoma gleichen
soll. — • Auf den zwei beifolgenden Tafeln sind neben den ganzen
Thieren in beiden Entwickelungsstufen auch die einzelnen Extremitä-
ten derselben abgebildet und einander gegenübergestellt; Vergleiches
halber auch die Gattungen Rhabdosoma und Oxycephalus.
Eine sehr inhaltreiche und für die Kenntniss der Organisation
dieser Familie wichtige Abhandlung über Phronima sedentaria hat
Pagenstecher (dieses Archiv für Natuigesch. XXVII. p. 15 — 40.
Taf. 1 — 3) geliefert. Nach Besprechung der früheren den Gegenstand
betreuenden Literatur erörtert Verf. die Natur der rrystallhellen,
cylindrischen Hülle, in welcher Phronima mit ihrer Nachkommen-
schaft sitzt und welche sie wie ein Schiffchen durch Rudern vor
556 Gcrstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
sich hintreibt. Die histologische Struktur derselben deutet auf den
Mantel einer Salpen-ähnlichen Tunicate hin, wenn sie auch von dem-
jenigen der Gattung Salpa selbst in einigen Punkten abweicht. Einer
auslührlichen Schilderung des Krebses selbst nach seinem äusseren
Körperbau folgen einige Angaben über den Darmkanal, die weibli-
chen Geschlechtsorgane und das Herz; letzteres reicht vom vierten
Schwanzringe bis zum fünften Thoraxsegment und lässt den Verlauf
der Blutkörperchen von hinten nach vorn erkennen; in den Schwanz-
griffeln verlaufen dieselben an der Aussenseite nach rückwärts und
wenden sich an der Innenseite wieder nach vorn. In der Chitino-
genmembran des dünnen , durchsichtigen Hautpanzers finden sich
vielgestaltige Kalkconcretionen zerstreut vor. Am Centralorgan des
Nervensystems, dessen Bauchmark aus elf Ganglien (die sechs ersten
deutlich paarig) besieht, ist das Gehirn wegen der bedeutenden Ent-
wickelung der überden» jederseits in zwei Hälften getheilten Augen von
grossem Umfange und besonders stark in die Quere ausgedehnt. Der
Bau der beiden Augenpaare ist genau derselbe und die oberen erschei-
nen nur dadurch gestielt, dass sich an ihnen einerseits die rolh pig-
mentirten Nervencylinder, ganz besonders aber die denselben aufsit-
zenden Stäbchen aiilfallend verlängern ; auch ist die Zahl der letzteren
in den oberen Augen 272mal grösser als in den unteren (400 und
160). — Zur Erläuterung der Entvvickelungsgeschichte von Phronima
geht Verf. auf die Unterschiede ein, welche zwischen dem jungen
und ausgewachsenen Thiere in der relativen Grösse des Magens, in
der Form des Schwanzes, des Kopfes, der Fühlhörner und des fünf-
ten Beinpaares, welches beim jungen Thiere noch ganz der Schee-
renform ermangelt, existiren. (Die Abhandlung^ ist im Auszuge mit-
getheilt: Verhandl. d. naturhisl.-medizin. Vereins zu Heidelberg IL 3.)
Gammarina. Grube (Ausflug nach Triest und dem Quarnero
p. 135 iL) machte als n. A. aus dem Adriatischen Meere bekannt:
Lysianassa ciliata, Amphitkoe brevilarsis, (Ilyale) Istrica, (Amphito-
notusj anisopus , (AmphitonoliisJ leptonyx und Gammarus recurvus.
Ferner als neue, mit Podocerus verwandte Gattung, die also wahr-
scheinlich ebenfalls zur Abtheilung der Domicolae gehört: Coloma-
stix nov. gen. ,jCorpus depresso-rotundatum, epimeribus humili-
bus: antennae breves, articulis paucis, flagellis distinctis nullis, nee
tamen pediformes. Pedes paris primi slyliformes, secundi sub-
chelaeformes, proximorum quinque anibulatorii. — Art: Col. pusilla,
3 Mill. lang.
Fernere neue Arten sind: Orchestia inaequalis lleWer (Sitzungs-
berichte der malhem.-naturwiss. Classe d. Akad. d. Wissensch. XLIV.
p. 289) aus dem Rothen 3Ieere und Amphitkoe Andina Philippi (Reise
durch die Wüste Atacama p. 170) aus den Gewässern des höheren
Theiles der Wüste Atacama in Chile.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 557
GaproUind. van Beneden (Recherches sur la faune littorale
de Belgique p. 96 ff. pl. 17) beschrieb Naupredia tristis und Caprella
obesa als n. A. von der Belgischen Küste ; erstere Art ist stark ver-
grösseit abgebildet, — Verf. erwähnt zugleich der so eben dem Eie
entschlüpften Jungen von Cyamus, welche die zwei- bis dreifache
Grösse des Eies haben und bereits ganz dem erwachsenen Thiere
gleichen*
Isopoda.
Asellina. van Beneden (Recherches sur la faune littorale
de Belgique p. 88 ff. pl. 15) begründete auf eine bereits von S 1 a b b e r
unter dem Namen „Agaat-Pissebet" abgebildete marine Assel eine neue
Gattung S labb er ina in der Gruppe der Idoteinen mit folgenden
Merkmalen : Untere Fühler kurz und derb, obere lang, ihre Geissei
bis zum vierten Körperringe reichend; alle sieben Beinpaare in eine
gebogene Klaue endigend. Abdomen unterhalb mit fünf blattförmi-
gen, zweiästigen Lamellen, welche keine Opercula bilden und das
schildförmige Endsegment nicht überragen. — Die von van Bene-
den Slabberina agafa benannte Art zeichnet sich durch zierliche
dendritische Pigmentflecke aus; obwohl sie den neueren Autoren un-
bekannt geblieben ist, findet sie sich an der Belgischen Küste in
ziemlicher Menge. — Von Tanais Dulongii Sav. bemerkt Verf. aus-
serdem, dass die Augen auf einem kurzen, wiewohl unbeweglichen
Stiele sitzen.
Sars (Forhandl. Vidensk. Selskab. i Christiania, aar 1861. p. 84)
gab eine nochmalige ausführlichere Charakteristikseiner Gattung Mun~
nopsis (vergl. vor. Jahresbericht p. 382).
Anthurus Laiirenlianus Grube (Ausflug nach Triest und dem
Quarnero p. 138) n. A. von Cherso, Idotaea nitida und Cleantis gm-
nulosa Heller (Verhandl. zoolog. - botan. Gesellsch. zu Wien 1861.
p. 497) n. A. von St. Paul.
OniSGOdea. Spherillo DanaeWtWcr n. A. von Aukland und For~
cellio interruplvs Heller n. A. aus Chile (Verhandl. d. zoolog. botan.
Gesellsch. zu Wien 1861. p. 497) diagnosticirf.
SphäBromidäG. Sphaeroma spinosa und laevigata Philippi (Reise
durch die Wüste Atacama p. 170) n, A. von der Chilenischen Küste,
Sphaeroma fristis Heller n. A. von Kankuari und Stimpsoni Heller
n. A. vom Cap (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien 1861.
p. 498) diagnosticirt.
Gymothoadae. Heller (ebenda p.497) diagnosticirte Livoneca
ornata n. A. von Sambelong, Cirolana rugicauda von St. Paul und
Aega basalis von Nankuari.
Bopyrini. Der im vorigen Jahresberichte p. 381 erwähnten
558 Geist a er k e 1 : Bericht über die wissenschafllichen Leistungen
Abhandlung von Lilljeboig über Llriopc folgt in diesem Jahre
eine ihrem Inhalte nach verwandte von M. Hesse: „Memoire snr
denx nouveaux genres de l'ordre des Crustaces Isopodes sedentaires
et sur les especcs types de ces genres" (Annales d. scienc. ualur.
4. ser. Zoologie XV. p. 91 — 116. pl. 8 et 9), in welcher abermals zwei
höchst interessante neue Gattungen dieser Familie bekannt gemacht
und zugleich in Bezug auf ihre Entwickelung erörtert werden. Beide
(iattungen, die eine derselben in zwei Arten, wurden vom Verf. am
Ilinterleibe von I'aguren angeheftet gefunden; die daselbst sesshaflen
Weibchen trugen ihre kleineren Männchen jedesmal auf dem Kücken.
Verf. belegt die drei Parasiten mit den französischen Namen „Alhel-
gue cladophore", „Alh. fullodes" (!) und «l'roslhete cannelee" und
überlässt es also den Benutzern seiner Alittheilung, dieselben mit den
etwa gleichbedeutenden Benennungen Athelges cladophorus, phyllodes
und Proslhelus canaliculntus in die Systematik einzuführen. Die iMilnn-
chen beider Gattungen und der drei Arten sind von ziemlich über-
eiuslimmender Körperbildung ; sie sind langgestreckt, fast gleich breit
und bestehen ausser einem halbkreisförmigen Kopftheile mit zwei
Augen und zwei ziemlich kurzen Fühlerpaarcn, von denen das eine
drei-, das andere sechsgüedrig ist, aus sieben, durch tiefe Einschnitte
vollständig getrennten Leibesringen, welche je ein gegliedertes und
in eine einfache Klaue endigendes Beinpaar tragen; auf diese folgt
endlich ein ungegliederter, nach hinten verjüngter und aller Anhänge
entbehrender Schw^anztheil. Die Mundtheile bestehen nach Angabe
des Verf.'s aus einer unpaaren, nach vorn zugespitzten Klappe, deren
Seiten je ein Kiefer (nach dem Verf. Kicferfuss) einnimmt. Bei der
Galtung Athelges messen diese Männchen 3 Mill. in der Länge, bei
Piosthetus nur IY2 Mill. — Bei weitem grössere Unterschiede zeigen
die weiblichen Formen, welche bei ersterer Gattung 15 und 6 Mill.,
bei letzterer 3 Mill. messen. Das Weibchen von Athelges hat einen
grossen ovalen Cephalothorax, an dem keine Segmenlirung mehr sicht-
bar ist und dessen coiivexe Rückenseite von 6 bis 7 Paaren seitli-
cher, durchscheinender Platten bedeckt ist, unter welchen sich die
Bruthöhle für die Eier befindet; eine sehr grosse ähnliche Platte steht
seitwärts vom Kopfende ab und hat die Form einer ausgehöhlten
Rinne. Die sieben auf der Unterseite liegenden Beinpaare bestehen
aus einem sehr grossen Basalgliede und vier kürzeren Abschnitten,
deren letzter an der Mehrzahl der Beine die Beschaffenheit eines
Sauguapfes hat. Der sehr lange und dünne nicht deutlich gegliederte
Schwanztheil zeigt seitliche Anschwellungen, an deren jeder zwei
blalt- oder blasenförmige Kiemen ihren Ursprung nehmen. — Bei dem
Weibchen von Prosthetus zeigt der Körper im Umiisse eine gewisse
Aehnlichkeit mit einem Pandarinen , die Segmentirung des grossen
schildförmigen Cephalothorax ist noch erhalten und die Pleural-La-
im Gebiete der Entomologie wahrend des Jahres 1861. 559
mellen sind deutlich vom Rückenlheile abgesetzt; eine Bruthöhle
nach Art der vorigen Galtung fehlt hier. Die kurzen und dicken
Beine, gleichfalls zu sieben Paaren vorhanden, endigen in eine grosse
Endklaue und der deutlich segmenlirte Schwanztheil trägt gleichfalls
vier Paare von Kiemenblascn. Während von letzterer Galtung dem
Verf. nur die Altersformen bekannt geworden sind, hat er von Alhel-
ges auch die Jugendformen in verschiedenen Entwickelungsstadien
beobachtet. Er bildet den noch im Eie eingeschlossenen Embryo,
das eben ausgeschlüpfte Junge und letzteres, nachdem es die sechste
und siebeute Häutung überstanden hat, ab. Vergleicht man letzteres
Stadium (pl. 8. fig. 2 k) mit der von J. i 1 1 j e b o r g (pl. 1. flg. 8) gege-
benen Abbildung der jungen Liriope, so ergiebt sich zwischen bei-
den eine sehr grosse Uebereinstimmung in der allgemeinen Körperform,
während Rathke's Abbildung eines späteren Stadiums der Liriope
(L i 1 1 j e b o r g pl. 1. fig.l9) eine ebenso entschiedene Uebereinstimmung
mit Hesse's Figuren 3 auf pl. 8 und 9 darbietet. Es ist zu bedauern,
dass Verf. die Lilljeborg'sche Abhandlung nicht gekannt und berück-
sichtigt hat, da sie ihm gewiss in mehrfacher Beziehung interessante
Vergleichungspunkte geliefert hätte; z. B. wäre es nach Kennlniss-
nahnie der Rathke'schen Figur der jungen Liriope gewiss nicht zwei-
felhaft gewesen, dass die in Fig. 3 von ihm abgebildeten Jugend-
formen spätere Entwickelungsstadien der Gattung Athelges, für welche
er sie nur verrauthungsweise anspricht, seien. Mag die Abhandlung
Hesse's noch manche Lücken darbieten und, wie aus einem Ver-
gleiche der von ihm gegebenen Abbildungen correspondirender Lar-
venformen hervorzugehen scheint, von verschiedenen üngenauigkeiten
nicht frei sein, so wird sie, abgesehen von dem Interesse, das die
darin bekannt gemachten Formen selbst darbieten, gewiss dazu bei-
tragen, die Entwickelungsgeschichte von Liriope nur desto leichter
vollständig zur Kenntniss zu bringen.
Pranizidae. van Beneden (Recherches sur la faune littorale
de Belgique p. 100 ff. pl. 16) gab eine nochmalige ausführliche Cha-
rakteristik nebst Abbildung von der Jugendforni des bereits von
Slabber bekannt gemachten Anceus (Asilus) marinus, welche bisher
als Praniza bezeichnet wurde. Die 3 bis 5 Älill. langen Larvenzu-
stände wurden auf offenem Meere gefischt. Der Beschreibung ihrer
zoologischen Charaktere fügt der Verf. einige IVotizen über das Cir-
kulationssystem bei. Das Herz liegt unter den vorderen Abdominal-
ringen, ist langgestreckt und giebt nach vorn zwei Aorten ab, aus-
serdem in der Mitte des Thorax noch eine rechte und linke Arterie ;
in den Abdominalringen sieht man von beiden Seiten Blulbahnen in
das Herz einmünden. — Verf. hält die Praniziden für eine von den
Seroliden und Cymolhoaden, zu trennende, besondere Familie der
Isopoden (welche sogar von allen übrigen Isopoden durch ihre an
560 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
die Decapoden erinnernde Körpersegraentirung sehr wesentlich ab-
weicht. Ref.).
Branchiopoda.
Tril0bitä6. B. F. Shumard (The primordial zone of Texas,
with descriptions of new fossils, Silliman's American Journal XXXII.
p. 213 ff.) beschrieb Agnostus Coloradoensis , Ärionellus (Bathyurus)
Texanus und planus, Conocephalites depressus und Billingsi und Dike-
locepkalus Roemeri als n. A. aus dem Pofsdam-Sandstein von Texas.
Bill in gs (Canadian naturalist and geologist V. p. 320 u. VI.
p. 313 u. 322) beschrieb Bathyurus Saß'ordi und Amphion Salteri als
n. A. aus Ost-Canada (Philippsburgh); Abbildungen im Holzschnitte
sind beigegeben.
Meek und Hayden (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia
1861. p. 486) Ärionellus (Crepicephalus) Oiceni als n. A. aus den Si-
lurischeu Schichten von Nebraska.
A. Ordway, ,.0n the supposed idenlity of the Paradoxides
Harlani Green with the Paradoxides spinosus Boeck" (Proceed. Bo-
ston soc. of nat. bist. VIII. p. 1 — 5) weist die spezifische Verschie-
denheit der beiden genannten Arten nach, von deren Kopflheil er
auf p. 3 Abbildungen im Holzschnitte giebt.
Von Giebel (Abhandl. d. nalurwiss. Vereins für Sachsen und
Thüringen in Halle I. p. 265 ff. Taf. 1 u. 2) w^erden als der Silurischen
Fauna des Unterharzes angehörig beschrieben und theilweise abge-
bildet: Harpes Bischofi Rom., Proetus pictus Rom., Cyphaspis hydro-
cephala Rom., Phacops angusticeps (Araphus Zinkeni Rom.), Phac.
Sternbergi (nur Pygidium bekannt), Dalmannia tuberculata Rom., Lichas
sexlobatus Rom., Acidaspis Selcana und Hercyniae (Selcano Rom.),
Bronteus Bischoß und spec. (letztere nur in Pygidium - Fragmenten
bekannt).
Phyllopoda. Grube (Ausflug nach Triest und dem Ouarncro
p. 18f.) gab eine Schilderung der Blutcirculation von Nebalia Geof-
froyi, von welcher er ein bei Triest gefangenes Exemplar mehrere
Tage lang im Seewasser lebendig erhielt. Ein eigenthümlicher an
Kebalia gefundener Schmarotzer, dessen systematische Stellung zwei-
felhaft ist, wird vom Verf. (ebenda p. 109 ff. Taf. 1. fig. 5—9) unter
dem TS^amen Seismi Nebaliae beschrieben und abgebildet.
W. Baird, „Description of a new species of Branchipus from
the pool of Gihon in Jerusalem" (Annais of nat. bist. 3. ser. VIII.
p. 209 f. pl.l2) beschrieb Branchipus eximius als n. A. von Jerusalem
und bildete denselben nach beiden Geschlechtern, nebst männlichem
und weiblichem Kopfe, Schwinimfüssen, Schwanzgabel u. s. w. ab.
Chyzer (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien 1861.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 561
p. 111 — 120. Taf. 3) lieferte Erzänzungen und Berichtigungen zu sei-
ner Abhandlung über die Crustaceen - Fauna Ungarns und insbeson-
dere zu den darin verzeichneten Phyllopoden. Den Bemerkungen
Brühls gegenüber giebt Verf. seine Verwechselung von Estheria mit
Limnadia zu und beschreibt nach erneuerter Untersuchung seines
Materials an Phyllopoden als in Ungarn einheimische Arten: Estheria
cycladoides Joly, Estheria Pesthinensis (Brühl i. lit.) n. A., vielleicht
identisch mit Estheria Dahalacensis Straus und Branchipus Hu7igaricus
n. A. (früher vom Verf. irrthümlich als Brauch, diaphanus aufgeführt.
Die drei Arten sind in ihren charakteristischen Theilen auf Taf. 3
abgebildet.
GladOCera. Leydig's Naturgeschichte der Daphniden wurde
von J. Lubbock (Katural history revievv 1861. p.22 — 33) besonders
in Bezug auf die Fortpflanzung und Entwickelungsgeschichte der
Wasserflöhe ausführlich besprochen. Verf. widersetzt sich der An-
sicht Leydig's, wonach die ungeschlechtlichen Eier der Daphniden
(so wie diejenigen der Aphiden und Coccinen) nur als Keime, denen
das Purkinje'sche Bläschen fehle, anzusprechen seien, indem er auf
seine Beobachtungen, nach denen jenes Bläschen in den geschlecht-
lichen und ungeschlechtlichen Eiern gleich deutlich wahrnehmbar sei,
hinweist. In Bezug auf die Fortpflanzung bringt Verf. noch eine
eigene Beobachtung bei, aus welcher er schliesst, dass alle Jungen
derselben Brut stets nur einem Geschlechte angehören. Er hat bei
genauer Untersuchung sämmtlicher Individuen von neun Generationen
(vom I.Juni bis 11. Decbr.), welche alle ohne Zuthun von Männchen
erfolgten, stets nur weibliche Individuen angetroff"en, welche sofort
isolirt wurden und immer wieder nur Weibchen spontan erzeugten.
(Ref. kann dies durch eigene Beobachtungen an Daphnia magna be-
stätigen.) — Ausserdem geht Verf. nochmals auf die Bildung des
Ephippium ein, hierbei die Beobachtung von Smitt über die Zu-
sammensetzung desselben heranziehend, ferner auf die Terminologie
der Haupt-Körperabschnitte der Arthropoden (Erichson, Leydig,
Zaddach), auf die Ausscheidung der Chitinhülle durch eine Matrix
(entgegen Leydig's Ansicht) u. s. w.
A. Toth (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien 1861.
p. 184) gab ein Namensverzeichniss der von ihm in der Umgebung
Pest-Ofens aufgefundenen Daphniden : 1 Bosmina, 8 Daphnia, 3 Lyn-
ceus. — Ebenda, Sitzungsberichte p. 69 werden noch 2 Sida und 1
Macrothrix hinzugefügt.
Eine höchst ausgezeichnete und seltsam gebildete Form von
Wasserflöhen wurde durch Lilljeborg („Beskrifning öfver tvenne
märkliga Crustaceer af ordningen Cladocera," Öfvers. Kongl. Vetensk.
Akad. Förhandl. 1860. p. 265—271. Taf. 7 und 8) unter dem Namen
I,ept odora (nov. gen.) hyalina bekannt gemacht. Dieselbe wurde
Archiv f. Naturg. XXVIII. .Jahrg. 2. Bd. LI
562 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftiieheD Leistungen
in verschiedenen fJe^jenden Schwedens aufgefunden, ist 8 Mill. lang
und zeichnet sich dnrch vollständig glasliellen Körper aus. Obwohl
sie sich den beiden extremsten Galtungen der Familie, nämlich Po-
lyphemus und Bythotrephes, noch am ersten anschliesst, steht sie doch
auch diesen durch eine sehr abweichende Körperbildung noch sehr
ferij. Der Kopf endigt wie bei jenen Galtungen stumpf abgerundet
in das coIossaJe, terminal stehende Auge, ist aber hinter demselben
sehr stark in die Länge gezogen; im Profil gesehen ist er unten
gerade abgeschnitten , oben bucklig gewölbt und vom Brusttheile
unter einem rechten Winkel scharf abgesetzt. Die eingliedrigen Tast-
fiihler entspringen unterhalb des Auges, die grossen liuderfühler an
seinem hinteren Ende und auf der Gränze zum Brusttheile; an letz-
teren ist der Stamm äusserst dick, armartig, die beiden Endäste dünn,
viergliedrig und mit 28, resp, 29 Fiederborsten besetzt. Unter den
Ruderfühlern folgen senkrecht absteigend auf einander ein Paar Alan-
dibeln und sechs Paar ganz einfacher, linearer, (bis auf das letzte)
viergliedriger Cepholothoiaxbeine , mit zahlreichen Borsten besetzt,
sonst aber weder gespalten, noch Kiemen tragend ; das erste sehr
lang, die drei folgenden beträchtlich kürzer, untereinander fast gleich
gross, die beiden letzten nur klein und das hinterste nur zweiglie-
drig. Auf den Cephalolhorax folgt ein langgestrecktes, fünfgliedri-
ges Abdomen, fast wie bei den Cyclopiden geslallet, dessen Endglied
in zwei krumme Dornen ausläuft. — Ein äusserst langer und faden-
förmig dünner Oesophagus erstreckt sich bis in den dritten Ring des
Abdomen, wo er in einen weiten und fast gerade zum After verlau-
fenden Darm - klagen einmündet; das Herz wie gewöhnlich an der
Rückenseite des Brustlheiles gelegen. Zwei Eierstöcke liegen ipi
ersten und zweiten Abdominalringe und enthalten eine einzelne Reihe
von Eiern; eine Bruthöhle ist nur bei erwachsenen Individuen auf
der Rückenseite des ersten Abdominalringes deutlich hervortretend,
bei jüngeren sehr rudimentär. Das giosse Auge sitzt einer doppel-
ten, aus zwei hintereinander liegenden Theilen bestehenden Kerven-
masse auf, aus deren hinterem Ende ein sich später Iheilender Nerv
hervorgeht. — Bis jetzt sind dem Verf. nur Weibchen bekannt ge-
worden; ihre Bewegungen sind springend und nicht besonders schnell,
ihre Nahrung besteht u. a. aus jungen Cyclopiden.
Keben dieser, aufTaf. 7 durch zahlreiche Abbildungen illustrir-
len neuen Gattung beschreibt der Verf. einen gleichfalls in Schweden
aufgefundenen Bythotrephes, welchen er zwar als den Leydig'schen
B. longimanus bezeichnet, der aber nach mehreren Unterschieden
besonders in der Gliederung und Beborstung der ßewegungsglied-
massen, wie sie sich beim Vergleiche der Abbildungen beider Auto-
ren leicht ergeben, wohl einer besonderen Art anzugehören scheint.
Besonders interessant ist die auf Taf. 8 gegebene Abbildung eines
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 563
trächtigen Weibchens, dessen Bruthöhle von enormer Ausdehnung in
der Richtung von unten nach oben ist und welches in dieser Bezie-
hung noch die Gattung Holopedium weit übertrifft.
OstraCOdeä. Cypriilma teres Norman n. A. von den Küsten
Englands, nach der Schale beschrieben und abgebildet (Annais of
nat. bist. 3. ser. VIII. p. 273— 280. pl. 14). Auch der bei Plymouth
aufgefundene Philomedes longicornis Lilljeb. wird beschrieben.
Entomostraea.
Jap. Steenstriip's und Chr. L ütken's bereits im
vorigen Jahresberichte p. 390 vorläufig angezeigte Arbeit
über parasitische Copepoden liegt jetzt unter dem Titel :
„Bidrag til Kundskab om det aabneHavs Snyltekrebs og Ler-
naeer samt om nogle andre nye eller hidtil kun unfulstaen-
digt kjendte parasitiske Copepoder af J. Jap. S m. Steen-
strup og Chr. Fred. Lütken" in den Kongel. Danske
Videnskab. Selsk. Skrifter 5. Raekke, 5. Bind (Separatab-
druck in 4. 92 pag. c. tab. XV. Kjöbenhavn 1861) vollstän-
dig vor. Dieselbe ist auf ein sehr umfangreiches Material
aus den Familien der Caliginen, Pandarinen, Dichelestinen,
Lernaeen und Penellinen begründet und bringt aus diesen
eine grössere Anzahl neuer und interessanter Galtungen
und Arten zur Kenntniss. Neben diesen \Yerden auch
mehrfach bereits bekannte Arten in Bezug auf ihre syste-
matische Stellung und ihre Synonymie eingehend erörtert.
Fünfzehn vortrefflich ausg-eführte Tafeln erläutern in zahl-
reichen Abbildungen die behandelten Arten und ihre ein-
zelnen Körpertheile.
Aus der Familie der Caliginen werden folgende Gattungen
näher in Betracht gezogen: 1) Caligus Müll. Zwölf theils ueue,
theils beschriebene Arten werden mit Diagnosen aufgeführt und nach
der Form der Schwanzhlätfchen, der Zahl der Borsten an den Schwimm-
füssen u. s. w. übersichtlich geordnet. Ausführliche Charakteristiken
werden gegeben von Caligus lacttslris n. A., Balislae n. A., pro-
ductus Dana, isonyx n. A. , rapax M. Edw. (C. elongatus INordm. ?,
leptochilus Frey, Leuck.?), Coryphaenae n. A. und branchialis (Malm
i. lit.). 2) Gloiopotes Steenslr. , Lütk. mit 1 Art: Gl. Ilygomianus.
3) Synestius Sleensl. Lütk. mit lArt: Syn. caliyinus. 4) Parapetalus
Stp. Lütk. mit lArt: P. orientalis. 5) Enryphorus Nordm. 6) Dys-
gamus Stp. Lütk. mit 1 Art: D. allanticus.
564 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Zur Fa n d ari n e n- Gruppe werden folgende Gattungen ge-
rechnet: 1) DincinaUua Lalr. Buim. mit 3 Arien : Din. producta JIüll.
(Pandarus Lamnae Johnst., Din. elongata Bened.), ferox Kroyer und
latifolia n. A. Von erslerer Art, deren Synonymie auslülulich be-
handelt wird, halten die Verff. den Caligus paradoxus Otto (Binoculus
sexsetaceus Nordm.) für verschieden und stellen ihn sogar zur Gattung
Nogagus Leach (welche indessen nur männliche Dinematuren um-
fasst. Ref.). 2) Echthro;ialens Stp. Lütk., auf Dincmatura coleoptrata
Guer. begründet. 3) IVogagus Leach mit 6 Arten : IN'. Latreillei Leach,
grandis, borealis, tenax und lunahis n. A. (sind sämmtlich männliche
Formen, welche vielleicht zu den Weibchen der beiden vorhergehen-
den Gattungen gehören). 4) Pandarus Leach mit P. Cranchii Leach.
5) Perissopus Stp. Lütk. (Lepidopus Dana?) mit P. dentatus n. A.
Aus der Familie der Dichelestinen werden Lernanthropus
Konigii n. A. und das Männchen von Anthosoma crassum Abgd. be-
schrieben und abgebildet.
Die Familie der Penellinen wird durch Lerneaenicus nodi"
cortiis und inflexus n. A. bereichert, ferner Lernaea branchialis Lio.
mit einer var. sigmoidea und Haemobaphes (Lernaea) cyclopterina Fab.
nochmals beschrieben und abgebildet. Letztere (neue) Galtung wird
von Lernaea durch lange, spiralig gewundene Eiertraubeu, den S-för-
mig gebogenen Hinterleib, den langen und dünnen, geknieten Hals,
nur zwei Abdominal-Fusspaare, 'welche überdem äusserst klein, mi-
kroskopisch sind u. s. w., unterschieden. — Von Penella werden
ausser P. sagiWa Lin. noch drei neue Arten : P. varians, exocoeti
(Holten) und crassicornis beschrieben und abgebildet.
Aus der Familie der L er n ae o d e n werden abgehandelt: Bra-
chiella appendicnlata n. A., Thynni Cuv., Lernacopoda elongata (Grant),
Diocus gobinus Fab., Tanypleuru s (nov. gen.) alcicornis und Her-
pyllobius (nov. gen.) arcticus n. A. Die beiden letzten Gatlnngen
sind nur dem weiblichen Gcschlechte nach bekannt und auf höchst
abenteuerlich gestaltete Formen begründet. Tanypleurus erinnert
noch einigermassen an Lernaea gobina Fab. (Galtung Diocus Kroyer),
weicht aber durch stark verbreiterten, flachgedrückten Körper, der
jederseits in einen fingerartig zerschlitzten, gegen die Bauchseite
umgeschlagenen Fortsatz erweitert ist, ab; den Kopftheil repräsenlirt
ein Griffelfortsatz, der an der Spitze baumartig verästelt ist; Kfefer-
und Bauchfüsse scheinen ganz zu fehlen. — Bei Herpyllobius besteht
der Körper aus einem die beiden Eiertrauben tragenden kugligem
oder birnförmigem Sacke, welcher durch einen kurzen und dünnen
Stiel mit einem unförmlichen, gelappten Vordertheile in Verbindung
steht; Beine fehlen seihst im Rudiment auch hier.
Ist durch die vorstehende Arbeit unsere Kenntniss der
Fischparasilen unter den Entonioslraken sehr wesentlich
im Gebiete der Entomologie wahrend des Jahres 1861. 5G5
erweitert worden, so wird durch eine gleichzeitig- publi-
cirte grössere Abhandlung- von T. Thorell: „Bidrag tili
kännedomen om Krustaceer, som lefva i arter af Slägtet
Ascidia Lin.« (Kongl. Vetensk. Akad. Handling. III. no. 8.
— Separatabdruck in gr. 4. 84 pag. c. tab. XIV), wel-
che einen grossen Reichthum an merkwürdigen Copepo-
den - Formen , die der Verf. als Parasiten von Mollusken
(Tunicaten) beobachtet hat, zur Kenntniss bringt, die Ein-
sicht in eine fast noch unbekannte, aber, wie es scheint,
ebenso artenreiche als systematisch interessante Gruppe
von Schmarotzerkrebsen eröffnet. Dieselben gehören trotz
ihrer parasitischen Lebensweise der Mehrzahl nach den
Copepoden mit kauenden« Mundtheilen an, sind aber zum
grossen Theile von den frei umherschwimmenden Formen
dieser Abtheilung so auffallend abweichend, dass sie, wie
schon in einer vorläufigen Benachrichtigung des Verf.'s
(vergl. Jahresbericht 1859 — 60. p.394) angegeben wurde,
vier besonderen (neuen) Familien zuertheilt werden muss-
ten. Die durch zahlreiche Abbildungen illustrirte ausführ-
liche Beschreibung dieser neuen Formen, welche 21 Arten
und 8 Gattungen angehören, lässt nun auch die Begründung
jener Familien als vollkommen gerechtfertigt erkennen;
dieselben sind auf Gattungen errichtet, welche nicht nur
oft ein von den übrigen Copepoden sehr verschiedenes
Ansehen zeigen (ausser Doropygus und Botachus ganz be-
sonders die Gattung Buprorus), sondern auch darin von
dem gewöhnlichen Typus abweichen, dass bei den V^eib-
chen die Eier nicht in frei herabhängenden Trauben, son-
dern in einem Brutraume des Körpers selbst herumgetragen
werden. Die einzigen bis jetzt bekannt gewesenen Gat-
tungen, welche hierher gehören, sind Notodelphys Allm.
und Nolopterophorus Costa, welcher letzteren die Gattung
Doropygus Thor, sehr nahe steht.
Der Zuwachs, welchen die Ordnung der Entomostraca (Cope-
poda) durch diese auf Ascidien parasitirenden Formen erhält, wird
wegen der Absonderlichkeit der letzteren auch nicht ohne Einfluss
auf die Systematik der Ordnung im Ganzen bleiben können und so
hat denn der Verf. auch schon in der vorliegenden Abhandlung einen
vorläufigen Versuch gemacht, eine neue Anordnung der Copepoden,
566 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
welche er im Sinne Zencker's auffasst, vorzulegen. In erster
Reihe vereinigt er die Familien mit freien Mandibeln und drei i^la-
xillenpaaren, ohne Saugrüssel (Calanidae, Cyclopidae, Notodelphyidae
und Bujjroiidae) als „G n a th o s t o m a", in zweiter die Corycaei-
den, Miraeiden, Sapphiriniden, Ergasiliden, Monstrilliden, Chondra-
canthiden (nebst den Gattungen Doridicola Leyd. und Lamippe Bruz.)
mit drei oder weniger Maxillenpaaren , denen jedoch sowohl die
Mandibeln als ein Saugrüssel fehlen, als „P o e ci 1 ost o m a", in drit-
ter endlich die Familien, welche einen Säugrüssel mit zwei einge-
schlossenen Mandibeln besitzen (Ascomyzontidae, Kicolhoidae, Dichc-
lestidae, Caligidae, Lernaeopodidae und Lernaeidae) als „Siphono-
sloma". — Die vom Verf. aufgestellten Familien und Galtungen,
welche nach ihrem inneren und äusseren Baue eingehend geschildert
werden, sind bereits im vorigen Jahresberichte namhaft gemacht wor-
den; die meist nach beiden Geschlechtern und verschiedenen Alters-
stufen festgestellten Arten sind folgende : JSotoJelphys Allmani, ru-
fescens, tefiera, caerulea, elegans , agilis, prasina, Doropygus pulex,
psyllus, auritus, gibber, Botachus cylindrahis, Ascidicola rosea, Bu~
prorus Loveni, Lichomolgus forßcnla, marginatus, albens, furcillalus,
Ascomyzoti Lilljeborgii und Dyspontius strialus- Die erst in der
vorliegenden Abhandlung aufgestellte Gattung Dyspontius unter-
scheidet sich von Ascomyzon durch die starke Verkürzung und
Schmalheit des vierten und fünften Körperringes, einen überzähligen
Ring am Poslabdomen, sehr kleine, dreigliedrige hintere Fühler, so
wie durch abweichende Bildung der Kiefer- und Schwimmfusspaare.
C. Claus' vorjährio^e Abhandlung „Zur Morphologie
der Copepoden" ist in Englischer Uebersetzung „On the
morphology of the Copepoda" im Quarterly Journal of mi-
croscop. science, new ser. I. p. 285—300. pl. X erschienen.
Sem per (Zeitschr. f. wissensch. Zoologie XI. p. 105)
erwähnt eines merkwürdigen, im Meere bei Manila gefisch-
ten Copepoden, welcher sich durcn ein Paar (?) Fühler,
fünf Paar Vorderbeine, von denen keines in Greiforgane
umgewandelt ist, und einen auf der Bauchseite in der Mitte
des cylindrischen Thorax liegenden Mund, der nur ein ein-
faches Loch darstellt, auszeichnen soll. Verf. macht über
denselben einige anatomische Mittheilungen, die sich be-
sonders auf das Gehirn und die von demselben abgehenden
Nerven beziehen.
Cyclopidae. van Beneden (Recherches sur la faune littorale
de Belgique p. 120 fl'. pl. 18) gab eine erneuete Beschreibung und
Abbildung von Cetochilus septentrionalis Goodsir.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 567
Ergasilina. Pagenstecher (dies. Archiv f. Naturgesch. XXVII.
*p. 118 fF. Taf. 6) machte einen an den Kiemen von Gasterosteus acu-
leatus angehefteten, sehr auffallend geformten neuen Schmarotzer-
krebs unter dem Namen Thersites (nov. gen.) gasterostei im weib-
lichen Geschlechte und zwar nach zwei verschiedenen Altersstufen
bekannt. Das Thier zeichnet sich durch einen colossal entwickelten,
fast kuglig gewölbten Cephalothorax aus, unter welchem die übrigen
Körperringe, welche nebst dem Fostabdomen nur von sehr geringer
Grössenentwickelung sind, fast ganz verborgen liegen, aus. Auch das
mediane Auge und die beiden dasselbe umgebenden Fühlerpaare sind
ganz auf die Bauchseite gerückt; die Fühler des ersten Paares sind
kurz, siebengliediig, die des zweiten Paares stark, klauenförmig.
Die weiter zurückliegende Mundöffnung ist von einem Taster- und
zwei Maxillenfuss-Paaren umgeben, alle drei klein und zweigliedrig.
Von den fünf Schwimmfusspaaren ist das letzte einästig, das Postab-
domen fünfgliedrig mit den gewöhnlichen zwei Endlamellen ; die
Eiertrauben sind zu zweien vorhanden, gross, lang eiförmig. —
Anhangsweise beschrieb Verf. einen Endoparasiten von Nicothoe astaci
unter dem JNamen Leptodera Kicothoae.
A. Boeck (Forhandlinger i Vidensk. -Selskab. i Christiania,
aar 1859. Christiania 1860. p. 171 — 181. pl. 1 u. 2} machte unter dem
Kamen Artotrogns orhicularis und Asterocheres Lilljeborgii zwei in-
teressante parasitische Copepoden-Formen bekannt, welche abermals
einen direkten Uebergang in der Körperbildung zwischen den Pelto-
cephalen und den frei schwimmenden Gopepoden darstellen und von
denen sich die letztere, nach der Abbildung zu urtheilen, unmittelbar
an die Gattung Ascomyzon Thoreil anreiht, wo nicht gar damit zu-
sammenfällt. Bei Artotrogus zeigt der stark schildförmig erweiterte
Cephalothorax in Gemeinschaft mit den drei folgenden ineinander ge-
schachtelten Thoraxringen einen vollständig kreisförmigen Umriss,
während das Postabdomen äusserst kurz ist und kaum den Umkreis
der vorderen Körperhälfte nach hinten überragt; die drei ersten
Ringe desselben sind stark verkürzt, der grössere vierte trägt die
beiden gewöhnlichen mit vier Borsten besetzten Endblättchen. Die
Fühler des ersten Paares sind lang, neungliedrig und an jedem Gliede
mit einer, am letzten mit zwei Borsten besetzt; die hinteren Fühler
sind dreigliedrig, ungespalten. Zur Seite des langen Saugrüssels ent-
springen zwei Taster, von denen der innere zwei-, der äussere ein-
gliedrig ist; beide Kieferfusspaare sind klauenförmig, das vordere
zwei-, das hintere fünfgliedrig. — Art: Art. orhicularis^ an den Eier-
säcken einer Doris gefunden. — Die Gattung Aster ocher es ist
von birnförmigem Umrisse, der Cephalothorax breiter als lang, die
folgenden Thoraxringe in die Quere gezogen und nicht ineinander
geschachtelt, das Poslabdomen sehr viel schmaler und scharf abge-
568 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
setzt. Die langen Fühler des ersten Paares zerfallen in einen dicke-
ren neungliedrigen Pedunkiilus und eine dünnere, gleichfalls neun-
gliedrige Geissel, die des zweiten Paares sind viergliedrig, niil einer
langen EndUlaue versehen und tragen einen Seitenast (Geissei) nahe
der Basis. Neben dem Saugrüssel finden sich drei Tnsterpaare, von
denen das erste gross, dreigliedrig und birnförniig ist. — Die Art:
Ast. Lilljehorgii wurde auf Echinaster sanguinolentus gefunden.
ÄrgUlina. E. Comalia (Memorie del Insliluto Lombardo di
scienzeVlII. 3) machte unter dem Kamen Gyropeltis Doradis eine
neue auf der Körperoherfläche von Doras niger gefundene Art der
Gattung Gyropeltis Meiler bekannt: „Cephalothorax suborbicularis,
supra convexus, infra irregulariler concavus, limbo pellucido, zona
nigerrima rincto. Pedes niaxillares primi paris fortiter uncinati, ad
basin parva spina armati. Arliculus basalis pedum maxillarium gra-
cilium tribus dentibus conicis instructus. Cauda biloba, lobis mediis
acuminatus. Alandibulae spinulis conspersae ac sericbus duabus con-
iunctis linibatae". Eine beifolgende Tafel giebt Abbildungen des gan-
zen Thieres und seiner einzelnen Theile. Von inneren Organen wird
der Tractus intestinalis, das Nervensystem und die weiblichen Ge-
schlechtsorgane näher erörtert. Die äusserlich glatte Cornea ist auf
der Innenseite facettirt.
GaligiDä. van Beneden (Recherches sur la faune littorale
de Belgique p. 127) stellte eine neue Galtung C aligina auf, von
der er angiebt, dass sie ihm zwischen Trebius und Kogagus zu stehen
scheine ; eine Abbildung ist nicht gegeben, die Beschreibung nur
sehr dürftig und nicht geeignet, um im Entferntesten eine Vorstellung
von der Form und Verwandtschaft des Thieres zu geben. — Art:
Calig. soleae. — Dagegen giebt Verf. (ebenda p. 129. pl. 19) von dem
vielfach abgebildeten und zur Genüge bekannten Laemargus murica-
tus Kr. eine nochmalige Abbildung der Ober- und Unterseite nebst
begleitenden Bemerkungen, die aber nichts Wesentliches enthalten.
Lernaeodea. „Ueber den Bau und die Entwickelung von Ach-
theres percarum" hat G. Claus (Zeitschr. f. wissensch. Zoologie XI.
p. 287 — 308. Taf. 23 u. 24) wichtige Beobachtungen angestellt, wel-
che diejenigen v. Nordmann's nach verschiedenen Richtungen er-
gänzen und vervollständigen. Die schon von letzterem bekannt
gemachte Anlage des Embryo so wie das Kauplius- und Cyclops-
Stadium des Schmarotzers werden einer erneuelen Schilderung un-
terworfen und in einzelnen Theilen verschieden gedeutet; so weist
Verf. z. B. das durch v. Nord mann beim Embryo und bei der
ersten Larvenform als Auge gedeutete Organ als Stirnzapfen nach,
welcher dem spiralig gewundenen Faden, der sich als ein mit Kle-
bestoff angefüllter Canal zu erkennen giebt und als Haftorgan der
zweiten Larvenforni fungirt, als Ausgangspunkt dient. Die weitere
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 569
Verwandlung der Cyclops-förniigen Larve hat Verf. noch nicht beob-
achtet, dagegen ein zwischen dieser und der geschlechtsreifcn Fbim
die Mitte haltendes Entwickelungsstadium von 2 Älill. Länge und
wurmförmiger, langgestreckter Gestalt; an derselben war der Stirn-
zapfen noch zu erkennen, das Spiralorgan jedoch bereits abgewor-
fen. Die Anheftung am Gaumen oder an der Kieme des Fisches
wurde durch ein anderes Haftorgan bewirkt, welches als langer,
glänzender Faden, der mit einer flaschenförniigen Anschwellung be-
ginnt, der Spitze der verbundenen armförmigen Kieferfüsse aufsitzt.
An dieser Entwickelungsform, welche sich durch grosse Durchsich-
tigkeit des Körpers auszeichnet, beschreibt Verf. den Darmkanal,
das zu einer birnförmigen Ganglienmasse concentrirte Central-Organ
des Nervensystems, vier mit langen und dünnen Canälen an der Basis
der Maxillarfüsse ausmündende Drüsen, die ersten Anlagen der weib-
lichen Geschlechtsorgane u. s. w. Am ausgebildeten Achtheres-Weib-
chen zählt Verf. v. Nordmann gegenüber, der sechs Hinterleibs-
ringe angiebt, deren nur fünf; an der Bauchfläche der beiden ersten
Abdominalringe weist er zwei Paare scharf contourirte Ringe nach,
welche er nach ihrer Struktur und ihrem engen Zusammenhange mit
Nerven als Sinnes- (Tast~ ?) Organe ansieht. Die an den weiblichen
Geschlechtsöffnungen haftenden braunrothen Kapseln, welche er bei
anderen Siphonostomen als Spermatophoren gedeutet hat, sieht Verf.
jetzt, nachdem er die wirklichen Spermatophoren kennen gelernt hat,
als Receptacula seminis an. — Die behandelten Entwickelungssta-
dien sind durch sehr schöne Abbildungen erläutert.
Penellina. Claus, „Ueber die Familie der Lernaeen" (Würz-
burger naturwiss. Zeitschr. IL p. 10 — 22. Taf. I) machte nähere Mit-
theilungen über den äusseren Körperbau von Lernaeocera und Pe-
nella, in welchen er den Copepoden-Typus auf der niedrigsten Stufe
der Ausbildung nachweist. An einer Lernaeocera von den Kiemen
des Cottus gobio (Lern, gobina Leuckart i. lit.), welche er mit L.
gasterostei Brühl für identisch hält (und der sie jedenfalls sehr nahe
steht, Ref.), weist er ausser den drei schon von Brühl angegebenen
Ruderfusspaaren noch ein viertes (der Reihenfolge nach erstes) gleich
hinter der Mundöffnung nach, mit den übrigen in der Zusammen-
setzung aus zwei dreigliedrigen Ruderästen übereinstimmend; auf
diese Weise stellen sich mit Einschluss der Fussstummel am hinteren
Leibesende die den Copepoden durchweg zukommenden fünf Ruder-
fusspaare heraus. Die Mundtheile von Lernaeocera fand der Verf.
übereinstimmend mit der von Burmeister gegebenen und durch
Brühl berichtigten Darstellung. — Eine Penella von Exocoetus vo-
litans ergab bei näherer Untersuchung gleichfalls die Anwesenheit
von vier Paar ausgebildeten Ruderfüssen. v. Nord mann hat bei
Penella sagitta diese Ruderfüsse nur in ihrem Basaitheile (ohne die
570 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
paarigen gegliederten Anhänge) zur Anschauung gebracht und nach
dem Verf. scheint es auch, als wenn bei dieser Art die gegliederten
Aeste stets eingingen; bei der vom Verf. untersuchten Penella (von
P. Blainvillei durch mehrere Cliaraklere verschieden) sind aber diese
Aeste deutlich vorhanden und zweigliedrig. Von den beiden Füh-
lerpaaren sind die äusseren dreigliedrig, beborstet,, die inneren zu
stark gekrümmten Klammerhaken umgeformt; zwischen zwei Längs-
gruppen warzenförmiger "Wülste liegt eine kegelförmige Saugröhre,
in ihrem Innern mit zwei Tastern (Maxillen? in Stilelform) versehen,
aussen von zwei dolchförmigen Gliedmassen (Maxillarfüsse ?) umgeben.
— Mit Berücksichtigung dieser von ihm nachgewiesenen Charakteie
unterscheidet Verf. am Schlüsse der Abhandlung die sieben bis jetzt
bekannt gewordenen Penellinen-Gattungen, von denen er Lernaeocera
nicht als eigene Familie (wie Brühl) auszuschliessen gesonnen ist.
Taf. l enthält Ab! ildungen der Gliedmassen und Mundtheile von Ler-
naeocera und Penella.
Ueber Lernaea branchialis Lin. machte v. Beneden (Recher-
ches sur la faune littorale de Belgique p. 131) einige Angaben ; sie
beziehen sich auf die Körperbildung eines noch nicht vollständig
ausgebildeten Weibchens.
MV. Baird, Note on the Lernaea cyclopterina occurring in the
gills of the Cyclopterinus spinosus, a fish from Greenland (Proceed.
zoolog. soc. of London 1861. p. 239 f. , Annais of nat. bist. 3. ser.
VIH. p. 490). Verf. erörtert die Unterschiede, welche ein an den
Kiemen von Cyclopterinus gefundenes Exemplar der Lernaea cyclo-
pterina von der Kroyer'schen Beschreibung dieser Art darbietet ; sie
scheinen durch das Alter bedingt zu sein, indem das dem Verf. vor-
liegende Exemplar ein mit Eiertrauben versehenes, vollständig aus-
gebildetes Weibchen, das Kroyer'sche dagegen ein jugendliches In-
dividuum war.
Cirripedia.
Einige ergänzende Bemerkungen über <He anatomischen
Verhältnisse der Lepadiden mit Rücksicht auf D a rwi n's
Darstellung theüte R. Garner mit: „On the structure of
the Lepadidae^, Report of the 30. meeling of the British
associat. for advanc. of science, hold at Oxford, p. 130.
Dieselben betreffen die Funktion des Oesophagus, das Herz,
das Nervensystem und die sogenannte Proboscis.
Lopadidae. Filippi, „Sul genere Dichelaspis e su di una
nuGva specie di esso propria del Wediterraneo" (Archivio per la
Zoologia, l'Anatomia etc. L p. 71 ff.). Verf. fügt den fünf von Dar-
win beschriebenen Arten der Gattung Dichelaspis eine sechste unter
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1861. 571
dem Namen Dich. Darwinii hinzu, welche sich im Mittelmeeie häufig
parasitisch in der Kiemenhölile von Palinurus vulgaris findet. Die-
selbe wird folgenderniassen diagnosticirt : „D. scutorum segmento
basali segmento occludenti latiludine et longitudine subaequali: ca-
pitulo cordato, limbo excavato". Die Anlage der Girren ist bei die-
ser Art so eigenthümlich, dass sie als generischer Charakter aufge-
fasst werden könnte. Verf. beabsichtigt, die Entwickelung des Eies
und der Larve dieser Art zu publiciren ; ersteres geht eine totale
Furchung ein.
Suctoria. van Benedeu (Recherches sur la faune littoi-ale
de Belgique p. 108 IT. pl. 20 und 21) erzählt bis auf Lilljeborg,
dessen Arbeit über gegenwärtige Familie ihm unbekannt zu sein
scheint, umständlich die Geschichte der Gattung Peltogaster und theilt
als Ergebniss seiner eigenen Untersuchung mit, dass er bei Peltoga-
ster paguri nur Eierstöcke, aber keine Hoden gefunden habe. Von
Peltogaster paguri und Sacculina carcini werden kurze Beschreibun-
gen und Abbildungen (ausser der Altersform von den Eiern und der
ersten Larvenform) gegeben; von Interesse ist die Abbildung eines
zwar bereits stark retrograd metamorphosirten, aber von der Altersform
noch auffallend verschiedenen Individuums des Peltogaster paguri, wie
es Lilljeborg nicht bekannt geworden zu sein scheint.
Bonn, Druck von Carl Georgi.
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