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ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE.
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON W. F. ERICHSON.
O YEIIIJINDUNG MIT
PROF. DR-LEÜCKARTIN GIESSEN
UND
PROF. DR R. WAGNER IN GÖTTINGEN
HERAUSGEGEBEN
Dr. f. a. TROSCHEI.,
PROFESSOR AN DER FRIEDRICil-WILHELMS-UNIVERSITÄT ZU BONN.
NEUN UND ZWANZIGSTER JAHRGANG,
Zureiter Band.
Berlin,
Nicolaische Verlagsbuchhandlung.
(G. Parthey.)
1863.
Inhalt des zweiten Bandes.
Bericht über die Arbeiten in der allgemeinen Zoologie im
Jahre 1862. Von Rudolph Wagner .
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Vö
gel während des Jahres 1862. Von Dr. G. Hartlaub
Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen in der Natur
geschichte der niederen Thiere während der Jahre 1861
und 1862. Von Dr. Rud. Leuckart
I. Verraes
1. Annelides .
Chaetopodes
Gephyrea
Chaetognathi
Nematodes
Acanthocephali
2. Piatodes
Hirudinei
Trematodes
Cestodes
Turbellarii
3.1 Ciliati
Rotiferi
Bryozoa
JL Echinodermata
Holothuriae
Actinozoa
Crinoidea
III. Coelenterata
Ctenophora
Hydromedusae
Polypi .
IV. Protozoa
Infusoria
Rhizopoda
Gregarinae
IV
Inhalt.
Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen im Gebiete
der Entomologie während des Jahres 1862. Von A
Gerstaecker
I. Insecten
Orthoptera
Thysanura
Nenroptera
Coleoptera
Hymenoptera
Lepidoptera
Diptera
Hemiptera
II. Myriapoden
III. Arachniden
IV. Crustaceen
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Sau
gethiere während des Jahres 1862. Von Troschel
Bericht über die' Leistungen in der Herpetologie während
des Jahres 1862. Von Troschel
Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie während des
Jahres 1862. Von Troschel
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Mol
lusken während des Jahres 1862, Von Troschel
Cephalopoda
Gasteropoda
Brachiopoda
Lamellibranchiata
Tunicata
Seit«
315
323
350
361
364
367
439
464
507
529
546
550
566
599
620
642
678
688
690
710
711
718
\l . I J.' li !
•bihihitU:
Bericht über die Arbeiten in der allgemeinen
Zoologie im Jahre 1862.
Von
Rudolph \f aguer.
Nachdem die Darwin' sehen Ansichten bisher vor-
züglich in England und Nord-Amerika an der Tagesord-
nung waren, fangen sie auch in Deutschland an, sehr
allgemeines Interesse und zum Theil begeisterte Aufnahme
zu finden. In populär-wissenschaftlicher sehr anziehender
Weise sind dieselben in folgendem Werke behandelt:
Ch. Darwin' s Lehre von der Entstehung der Ar-
ten im Pflanzen- und Thi erreich in ihrer Anwendung auf
die Schöpfungsgeschichte. Dargestellt und erläutert von
Dr. Friedr. Rolle. Frankf. 1862. 274 S. 8^. '"'' ■':/..:
. . . I ., 1 I 'r I f T
Sehr richtig sagt der Verfasser in der Einleitung;
„Die heutige naturwissenschaftliche Forschung hat kein ande-
res Ziel, als die Aufdeckung der Wahrheit und zwar um der Wahr-
heit selbst willen. Sie arbeitet auf Grund der Beobachtung d&v, ma-
teriellen Erscheinungen und verknüpft, . deren. Ergebnisse auf dem
Wege der Rechnung. Sie hat kein anderes Ziel' und darf kein^ ' an-
dren Wege einschlagen, Sie strebt an und für sich weder nach dem
Schönen noch nach dem Nützlichen. Sie marktet nicht mit andren
menschlichen Bestrebungen. Darwin's Yersucli einer neiaen Lö-
sung der alten Cardinalfragen der Naturwissenschaft kann daher alle
Ansprüche nicht nur auf aufmerksame' Prüfung ^ sondern auch auf
unparteiische Würdigung machen. Wenn Von seiner Theorie- auch
noch so viele persönliche Ansichten oder Gemüthsstimmungen und
Neigungen berührt werden, so muss diesen doch jeder Eintluss auf
die Entscheidung benommen bleiben. Der Gegenstand hat eine viel
zu allgemeine Bedeutung, als dass persönliche ; Beziehungen , Volks-
meinungen oder politische Rücksichten dabei einen Ausschlag gäben
dürften. Von der Entscheidung der Grundfrage:
Arch. für Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. A
2 Wagner: Bericht ü. d. Arb. i. d. allg. Zoologie
„Sind Pflanzen, Thiere und Menschen, eine jede Art unmit-
telbar, ihrem ganzen Wesen nach, durch das „Werde" eines
allmächtigen Schöpfers in's Leben gerufen ? Oder sind sie
Ergebnisse eines viele Millionen Jahre hindurch fortgesetzten
Entwickelungsvorganges natürlicher Materien unter dem Ein-
flüsse allgemein und ewig wirkender Gesetze?"
wird überhaupt die Art der künftigen Weltanschauung der Menschen
abhängen. Sie ist zwar zunächst nur für die Naturwissenschaft selbst
von wesentlicher Bedeutung, sie muss aber auch mehr oder minder
auf die Entwickelung der Anthropologie, der Ethnographie und der
Psychologie ihren Einfluss äussern und wird allen dahin einschla-
genden Wissenschaften überhaupt ein weites Feld für neue Rich-
tungen der Forschungen eröffnen."
Im Werke selbst nimmt der Verf. folgenden Gang.
Im ersten Kapitel werden die älteren und neueren An-
sichten über Entstehung der Erde, der Pflanzen- und
Thierwelt entwickelt. Moses; Griechen und Römer, Mittel-
alter^ Linne und seine Nachfolger, Lamarck und Geoffröy
St. Hilaire, Okcn, Neptunisten und Yulkanisten, Cuvier,
Lyell, Agassiz, Forbes, Darwin. Im zweiten Kapitel giebt
der Verf. eine Uebersicht von Darwin's Lehre von der
Erblichkeit und der Veränderlichkeit, im dritten von
Darwin's Lehre vom Kampfe um's Dasein und der na-
türlichen Auslese, wobei derselbe überall eigene Einschal-
tungen macht. Das vierte Kapitel handelt von der stu-
fenweisen Vervollkommnung der Organismen, das fünfte
von der geologischen Geschichte der Schöpfung. Im
schliesslichen Rückblick werden als Hauptergebnisse fol-
gende Thesen aufgestellt :
1. Die heute lebende Pflanzen- und Thierwelt mit Einschluss
des Menschen ist keine besondere Welt für sich, kein für sich allein
und von vorher vorhandenen Dingen unabhängig entstandenes Er-
zeugniss, sondern sie ist eine gesetzmässige Folge von älteren in
weit entlegene Ferne zurück zu verfolgenden Vorgängen. 2. Die
Lebewelt hat von der ältesten Zone jener Gebirgsschichten an, aus
welchen man Reste von ehemaligen Pflanzen und Thieren kennt,
bis zum heutigen Tage an Zahl der Formen und in vielen Fällen
auch an Vollkommenheit zugenommen. 3. Der erste Ursprung al-
ler lebenden Wesen kann nur die einfache Zelle gewesen sein.
4. Die einzelnen Verzweigungen des allgemeinen Stammes der beleb-
ten Formen , wie er sich in den Fossilresten der geologischen
im Jahre 1862. 3
Formationen verkündet, haben in der Art ihrer Entwickelung einen
verschiedenen, in mannigfacher Weise ungleichartigen Verlauf ge-
nommen. 5. Das Meer ist die Wiege der Schöpfung, das Festland
aber das günstigste Feld ihrer Vervollkommnung. 6. Die heutige
Entwickelungsgeschichte der höheren Lebensformen entspricht in
mehr oder minder naher Parallele ihrer geologischen Abstammung.
7. Sämmtliche organische Wesen, welche heut zu Tage leben, stam-
men von einer oder mehreren sehr einfach oder nieder organisirten
Urformen ab. 8. Die Beobachtung der heute noch lebenden Pflan-
zen- und Thierwelt, namentlich aber der Culturpflanzen und Haus-
thiere, endlich die Vergleichung der Reste wilder und zahmer Thiere
aus den ältesten menschlichen Ansiedelungen mit den entsprechen-
den Theilen der heute lebenden Arten, liefern den Schlüssel zur Er-
läuterung der Vorgänge , durch welche die geologische Lebewelt von
Epoche zu Epoche sich umgestaltet und zur heutigen Gestaltung
entwickelt hat. 9. Als Schlussthese: Die organische Welt des heu-
tigen Tages, Pflanzen, Thiere und Menschen, sind kein Erzeugniss
einer unmittelbar aus leblosem Stoffe schaffenden Kraft, sondern sie
sind das Ergebniss eines viele Millionen Jahre hindurch fortgesetz-
ten Entwickelungsvorganges von natürlichen Materien unter dem
Einflüsse allgemeiner und ewiger Naturgesetze. Dieser Entwicke-
lungsgang hat mit einfachen Formen von niederen Lebenserschei-
nungen begonnen und unter steter Umgestaltung zur Erzeugung der
heutigen nach Bau und Verrichtungen mannigfach abgestuften Lebe-
welt geführt."
Der Verf. beurkundet also hier seine völlige Ueber-
einstimmung mit den Darwin'schen Ansichten.
Eine ausführliche Darstellung und Kritik hat Prof.
F r ohschammer in München der D arwin'sclien Theo-
rie gewidmet in seiner philosophischen Zeitschrift: ;,Athe-
näum^ Bd. I. Heft III. S. 439—530.
Nach einer vorzüglichen prägnanten übersichtlichen Darstel-
lung der Darwin'schen Lehre führt der Verf. die Einwürfe auf,
welche von mehreren Fachmännern dagegen gemacht wurden und
geht sodann auf eine selbstständige Kritik ein. Fr ohschammer
beabsichtigt nicht eine Untersuchung der beigebrachten Thatsachen
selbst oder eine Entscheidung über ihre Richtigkeit, was er der em-
pirischen Naturforschung überlassen will; er will vielmehr nur prü-
fen, ob, vorausgesetzt die angeführten Thatsachen und selbst auch
die Hypothesen seien richtig , sich darauf wirklich die Theorie be-
rechtigter Weise gründen lasse, die Darwin aufstellt. „Wir wollen",
sagt derselbe, ,,also hauptsächlich die logische Begründung und Be-
4 Wagner: Bericht ü. d. Arb. i. d. allg. Zoologie
rechtigung dieser Theorie prüfen, wollen sehen, ob sie die dialek-
tische Probe bestehe und dann insbesondere noch in's Auge fassen,
ob wirklich, wie es den Anschein hat, alle Teleologie in ihrer Be-
rechtigung durch sie vernichtet und damit dann ohnehin auch alle
ideale Katurauffassung unmöglich gemacht sei. Wollte man gegen
dies Beginnen etwa einwenden , durch die Dialektik könne man un-
möglich die Natur erforschen, sie führe vielmehr von der wahren
Methode ab und veranlasse Täuschung und Einbildung — so wäre
darauf zu erwidern , dass wir durch unsre dialektische Erörterung
nicht unmittelbar die Natur selbst erkennen , sondern nur die N a-
turwissenschaft und Theorie, so dass dieselbe erst mit-
telbar zur Erforschung und Erkenntniss der Natur beizutragen hat.
Und diese Beihilfe hat die Naturwissenschaft zu verschmähen keine
Ursache, da sie der dialektischen Läuterung gar sehr bedarf, sobald
sie darauf ausgeht, aus empirischem Material eine allgemeine Theorie
zu gewinnen. Das Dialektische ist eben jenes Moment, das das
menschliche Denken und Forschen über die Natur so hoch über alle
bloss thierische Natur-Anschauung erhebt und zum wahrhaft ratio-
nalen gestaltet — es befreiend von der Yerworrenlieit , Zusammen-
hangslosigkeit und Zufälligkeit bloss empirischer Betrachtung.'* Der
Verf. zeigt, dass Darwin seiner Theorie von vorne herein keine
feste, unerschütterliche Grundlage gegeben habe, dass ein Nothwen-
digkeitsprinzip fehle, das uns über Bedenken gegen einzelne uner-
klärte Thatsachen hinwegreisse. Der ursprüngliche Zustand der Or-
ganismen bleibt unbestimmt, so wird dann auch alles übrige un-
bestimmt und problematisch; es lässt sich gar nicht angeben, was
die natürliche Züchtung vom Anfang zu leisten hatte und geleistet
hat und nicht, — was vielmehr etwa aus immanentem Differenzie-
rungstrieb, aus ursprünglicher teleologischer Tendenz und Kraft der
Organismen selbst hervorging. Es ist die That sächl ichkeit der
natürlichen Züchtung, die Realprinzip aller Arten und daher Erklä-
rungsprinzip für die ganze Theorie sein soll, — selbst nicht hin-
länglich festgestellt oder klar und unwidersjDrechlich bewiesen. Dar-
win leitet aus den Erfolgen künstlicher Züchtung die Möglichkeit
der natürlichen Züchtung ab. Nun ist aber nicht einmal diese Mög-
lichkeit erwiesen, denn die Erfolge künstlicher Züchtung, so auffal-
lend sie erscheinen , sind immerhin nur unbedeutend im Vergleich
mit denen , welche die natürliche Züchtung durch Hervorbringimg
der verschiedenartigsten Pflanzen und Thiere erzielt haben soll. Auch
ist dabei nicht zu übersehen, dass bei künstlicher Züchtung mensch-
liche Klugheit und Planmässigkeit . also die Mitwirkung bewusster
Geistesthätigkeit mit in's Spiel kommt und dass man von dem, was
auf diese Weise möglich ist, nicht sogleich mit Sicherheit schliessen
kann, dass es nun auch der unbewussten sich selbst überlassenen
im Jahre 186 2. 5
Natur möglich sein werde, — wenn auch die Bedingungen dazu in
der Xatur selbst vorhanden sind. Wirklich bedeutende Resultate
natürlicher Züchtung, die noch in's Gebiet menschlicher Erfahrung
fielen, hat Darwin nirgends aufgezeigt. Die Beispiele, die er an-
führt, deuten alle nur auf unbestimmte Möglichkeit hin, dass durch
die natürliche Züchtung dies oder jenes so geworden sein könnte,
beweisen aber nicht, dass es wirklich so geschehen sei; so wenn er
z. B. auf die Beobachtung hinweist, dass in Nord- Amerika der schwarze
Bär bis vier Stunden lang mit weit geöffnetem Munde im Wasser
umherschwimme , um fast nach Art der Wale Wasser-Insekten zu
fangen — und damit andeuten will, wie aus einem Landthiere ein-
mal ein Wasserthier geworden sein könne. Oder wenn er in ganz
unbestimmter Weise die ganz unbestimmte Möglichkeit angiebt, v/ie
aus einem Eichhörnchen ein Flughörnchen und daraus wiederum
allmählich eine Fledermaus geworden sein möchte. Solch unbestimm-
ter Möglichkeitserklärung, was in einer uns unzugänglichen Zeit
von unfassbarer Dauer geschehen sein könne, gegenüber, hat jede
dieser Erklärung entgegenstehende Thatsache, die in unsre Erfah-
rung hereinfällt , wenn nicht vernichtende , doch suspensive Bedeu-
tung und solche Thatsachen, welche die wesentlichen ünveränderlich-
keiten der Arten bezeugen, finden sich in der That. — Die erste
Ursache jener kleinen vortheilhaften Abänderungen in den organi-
schen Bildungen, durch deren Benutzung erst die natürliche Züch-
tung soll wirken und die Arten hervorbringen können , ist nach Dar-
win so gut wie unbekannt; am wahrscheinlichsten sei , dass sie
hauptsächlich entstünden aus irgend welchen Modifikationen des
leicht affizirbaren Keproduktions- oder Generationssystems. Aber
auch der Grund dieser Affizirbarkeit selbst und wiederum die die
Affizirbarkeit bewirkenden Ursachen sind nicht klar zu erkennen
und jedenfalls nicht erkannt. Xach dieser Darstellung glaubt Froh-
schammer sagen zu können, dass das Grundprinzip von Dar-
w i n's Theorie eigentlich der Zufall ist und eben dadurch dieselbe
in sich unhaltbar und unmöglich erscheint. Zwar lege Darwin
Verwahrung ein gegen die Annahme eines Zufalls, der nur ein Aus-
druck für unsre Unwissenheit oder Unkenntniss sei, was man in ge-
wissem Sinne gelten lassen könne. Zufall im Sinne eines Ereignisses
ohne genügende, gesetzUche , wirkende Ursache sei freilich nicht
möglich, jedes Ereigniss müsse vielmehr in der Natur eine bestimmte
wirkende Ursache haben und, wenn es erfolgt, nach bestimmten Ge-
setzen erfolgen. Allein dennoch könnten wir mit Recht von Zufall
reden, indem wir darunter Ereignisse verstehen, deren Eintritt wir
nicht aus dem bekannten gesetzmässigen Gang der Natur heraus
begreifen, deren Grund und Gesetzmässigkeit uns verborgen ist , die
wir darum auch nicht als planmässig angelegte erkennen, nicht zu
6 Wagner: Bericht ü. d. Arb. i. d. allg. Zoologie
berechnen und vorauszusehen, und nicht aus bestimmter Ursache
abzuleiten vermögen. Zufall nun in diesem Sinne ist das Entstehen
irgend welcher kleiner nützlicher oder schädlicher Abänderungen
in den neu entstehenden Organismen , auch wenn • sie durch Affec-
tionen des Roproduktionssystems entstehen; an diesen Zufall als
deus ex machina dann schliesst sich erst die nothwendige Wirkung
der natürlichen Züchtung; und so haben wir dann schliesslich ein
Grundprinzip bei dieser Theorie, das wir eingestandener Massen in
seinem Grund, seiner Gesetzmässigkeit und Nothwendigkeit , also in
seinem eigentlichen Wesen gar nicht kennen und demnach auch nicht
wohl zum sicheren Erkenntniss- oder Erklärungsprinzip machen
können.
Frohschammer unterwirft nun auch die angenommene leichte
Affizirbarkeit des Reproduktionssystems einer Kritik und die Schwie-
rigkeit gerade daraus die einmal entstandenen Abänderungen, die
in Fluss gerathenen Arten wieder in Stillstand und Beharren zu
bringen, wozu doch bei einmal befestigten Arten wieder viel Ten-
denz ist (Rückschlag der Varietäten Ref.). Wie sollte, fragt F., bei
den Organismen, die lange in identischer Artung verharrten, das
Reproduktionssystem durch leichte Affizirbarkeit Abänderungen be-
dingen , bei solchen aber , die in den Fluss der Abänderungen ge-
bracht sind, nicht mehr affizirbar sein, so dass eine Befestigung zu
einer stehenden Art stattfinden kann, während man vielmehr das
Umgekehrte erwarten sollte?
Eine gleiche Kritik wird über den Einfluss der unendlich
langen Zeiträume geübt, womit Darwin so freigebig ist; diese bie-
ten nur die zeitliche Möglichkeit dieser Prozesse, aber sie erklären
nicht den Grund derselben , auch nicht den Wechsel , der demnach
zufällig, prinzip- und gesetzlos erscheint. Wie unendlich lange man
sich auch diese Zeit denke, sie kann nicht für sich durch ihre Länge,
die Ursache sein, dass eine Entwickelungsreihe fortdauere, dann still
stehe, dann wieder neuerdings beginne.
Mit einer Reihe sehr nachdrücklicher Argumente greift F.
auch den von Darwin so sehr betonten Kampf um's Dasein selbst
an, über die wir auf das Original verweisen. Sichere Beispiele von
Vervollkommnung lassen sich nur wenige aus dem Erfahrungsge-
biete aufzeigen und diese lassen sich wieder durch Beispiele para-
lysiren, ■ die zeigen, dass manche Geschöj)fe gerade um ihrer höheren
Vollkommenheit willen unter gewissen Verhältnissen den unvollkomm-
neren unterlagen und von ihnen verdrängt wurden.
Einen besondren Werth legt F. auch auf die Schwierigkeiten
bei der Bastardbildung. Wenn auch zugegeben werden kann, dass
Bastardbildung und Fruchtbarkeit derselben häufiger möglich ist,
als gewöhnlich angenommen wird, so ist doch immerhin die Schwie-
im Jahre 1862. 7
rigkeit und so überwiegende Unmöglichkeit derselben ein Zeugniss
einer merkwürdigen Scheidewand, die aufgerichtet erscheint selbst
zwischen sonst ziemlich ähnlichen Arten und die verhindert, dass
nicht eine allgemeine Kreuzung der organischen Bildungen statt-
findet und die festen Arten schliesslich etwa in ein allgemeines
Chaos von vielfach modifizirten und von einander abweichenden In-
dividuen sich auflösen. Gegen den positiven Beweis für seine Theorie,
welchen Darwin aus Wahrnehmungen in der Morphologie und
Embryologie versucht, tritt F. mit folgender Entgegnung auf: Aus
der Thatsache, dass noch jetzt die Organismen in ihrem ersten Be-
ginne für die sinnliche Wahrnehmung sich als gleich oder ununter-
scheidbar erweisen, will man folgern, dass sie uranfänglich in der That
auch wirklich alle gleich waren und dass die Unterschiede sich nur
daraus ergeben, dass die Einen auch jetzt noch in ihrem ursprüng-
lichen Stadium beharren, andre dagegen weitere Entwickelungsstadien
erreichen, ehe die Bildung stille steht, so dass die jetzt als die voll-
kommensten erscheinenden Geschöpfe dies nur darum werden, weil
sie nicht auf den untergeordneten Stadien der Entwickelung stehen
bleiben. Es müsste hierbei angenommen werden, dass die durch na-
türliche Züchtung errungenen Vortheile der Organisation oder an-
fangs nur durch Erfahrung und Gewöhnung erzielte Modifikationen
und Fertigkeiten immer wieder allmählich in's Gebiet der organischen
Entwickelung aufgenommen würden, so dass z. B. später die Thiere
mit den Modificationen , Instinkten oder Fertigkeiten zur Welt kä-
men , die sie früher selbstthätig errungen hatten. Unglaublich viel
Gewicht wird von manchen Naturforschern diesem Raisonnement bei-
gelegt, während doch alle bestimmte thatsächliche Begründung fehlt
und nur Fälle von mysteriösen Vorgängen erst in den Entwicke-
lungsprozess des Embryos hinein verlegt werden müsste, um daraus
als aus einem Bildungsgesetz dann erst wiederum zu erklären, was
doch sicher nicht exaktes, nicht einmal induktives Verfahren ist. Ja,
wenn es mit diesem Raisonnement seine Richtigkeit hätte, müsste
das Causal-Gesetz selbst und damit auch die Grundlage und der Nerv
des induktiven Verfahrens als ungültig betrachtet werden; denn es
würde dabei eigentlich von ungleichen Wirkungen auf gleiche Ur-
sachen geschlossen, statt von gleichen Wirkungen auf gleiche Ursachen
und von ungleichen Wirkungen auf ungleiche Ursachen. Vernünf-
tiger Weise aber kann doch wohl nur geschlossen werden, dass,
wenn aus den für den Augenschein gleichen oder ununterscheidba-
ren Keimzellen schliesslich so ausserordentlich abweichende Orga-
nismen sich entwickeln, dann auch in der That diese Keime, als
Ursachen, nicht dem Wesen nach wirklich gleich sein können, son-
dern als verschieden zu betrachten seien auch gegen den Augen-
schein, so dass nur der äussere Schein als gleich gelten kann, das
8 Wagner: Bericht ü. d. Arb. i. d. allg. Zoologie
innere Wesen aber um so verschiedener sein muss, je verschiedener
die Wirkungen sind, die sogar unter sonst ganz gleichen Verhält-
nissen daraus hervorgehen.
Sehr richtig, sagt F. weiter, dass die grössten Schwierigkei-
ten in Bezug auf die Darwin'sche Theorie sich erst ergeben, wenn
man zur Untersuchung der Entstehung des Details der organischen
Bildungen, der Eigenthümlichkeit der einzelnen Organe übergeht.
Mit Kecht macht F. hier auf Punkte aufmerksam, womit Darwin
gar nicht sich einlässt, indem er sich eigentlich nur an die Trans-
mutation der einzelnen Körpertheile hält, wenn man z. B. auf das
bei den höheren Thieren so vollkommene Nervensystem mit Gehirn
und Sinnesorganen eingeht. Wenn wir uns die Urorganismen so denken
müssen, wie jetzt alle organischen Bildungen embrj^onisch beginnen,
so dürfen wir ihnen ursprünglich gar kein Nervens^'^stem zuschrei-
ben, auch nicht im Zustande ihrer vollkommenen Ausbildung, son-
dern sowohl die Fortbildung als auch der erste Ansatz zum Nerven-
system muss durch natürliche Züchtung geschehen sein oder muss
zuerst durch eine Modification des nervenlosen Organismus, die plötz-
lich den ersten Ansatz oder Anfang des Nervensystems gab, ent-
standen sein; das wäre aber doch wohl nichts Anderes, als ein
Stück generatio aequivoca, die Darwin selbst als unerwiesen ab-
lehnt. Man kann der Schwierigkeit , sich diese erste Entstehung
des Nervensystems zu erklären, nicht ausweichen etwa durch Hin-
weisung auf die Thatsache, dass ja in den ersten Keimbläschen der
beginnenden Neubildung, selbst der vollkommensten Organismen,
auch noch gar keine Spur von Nervensystem zu erkennen oder zu
unterscheiden sei, obwohl allmählich doch sich dasselbe in vollkom-
menster Weise aus diesen nervenlosen Anfängen entwickelt, denn
damit würde man das Darwin'sche Erklärungsprinzip, die natür-
liche Züchtung,- aufgegeben haben. Es wäre da nicht mehr Ent-
stehung durch natürliche Züchtung mittelst kleiner Abänderungen
und deren äusserliche Benutzung angenommen, sondern eine Expli-
catio impliciti geltend gemacht , eine Entwickelung dessen , was ur-
anfänglich schon in den Keim hineingelegt war und daher von innen
heraus nach Gesetz und Nothwendigkeit sich gestaltete, wie es jetzt
durch Vererbung geschieht. Das Thierreich war aber nach D a r-
w i n*scher Theorie nicht mit allen Arten und Beschaffenheiten ur-
anfänglich implicite geschaffen, wie der Keim die Fähigkeit implicite
in sich schliesst zu reicher, mannigfaltiger organischer Gliederung,
sondern all' die Modificationen der complicirten Thier-Organismen
sollen erst durch Verhältnisse und Thätigkeiten im Laufe der Zeit
hinzugefügt worden sein, sollen erst in Folge dieser von aussen her
kommenden Aenderungen durch Vererbung den neu entstehenden
anfangs implicite, als Fähigkeit zu dieser Ausgestaltung, mltgetheilt
im Jahre 1862. 9
werden. Der erste Beginn also des Nervensystems bliebe hiebei je-
denfalls unerklärt und unerklärbar, wenn wir auch für die Fortent-
wickelung- — im weiten Reich unbestimmter Möglichkeit mit der
Phantasie schweifend und dies für wissenschaftliche Erklärung gel-
ten lassend, — natürliche Züchtung als Erklärungsgrund gelten lassen
wollten. Von der Entstehung und Vervollkommnung einzelner Sinne,
z. B. des Auges, worauf Darwin näher eingeht, gilt das Nämliche
in noch verstärkterem Maase. Da wir uns die primitiven Thier-
formen als noch einfach und unvollkommen, ohne Augen denken
müssen, wie ja noch jetzt augenlose Thiere existiren, — so entsteht
wiederum als Hauptfrage die, wie dann zuerst Augen oder Anfänge
dazu entstanden oder entstehen konnten. Sie mussten entweder durch
Zufall entstehen oder durch eine unerklärbare , unbegreifliche gene-
ratio aequivoca oder durch ausdrückliche neue Schöpferthätigkeit.
Jedenfalls konnten sie nicht durch natürliche Züchtung entstehen.
da diese nur Veränderung oder eigentlich nur Erhaltung eines schon
Gegebenen, nicht Neuschaffung eines bisher noch gar nicht Vorhan-
denen ihrem Begriffe nach zu bewerkstelligen vermag. Hier geht
F. in eine vortreffliche Kritik der Augenentstehung u. s. w. von
Darwin ein, von welcher ich nur Folgendes aushebe : „In der
weiteren oben wörtlich angeführten Erörterung wird das vollkom-
mene Auge mit dem Teleskope verglichen und die Wirksamkeit der
natürlichen Züchtung in Bezug auf Vervollkommnung des Auges mit
den Anstrengungen der menschlichen Intelligenz zur A^erbesserung
jenes Sehwerkzeuges. Allein gewiss mit Unrecht; die bewusstlose
Natur kann so wenig die planmässige Thätigkeit des Künstlers z.B.
des Malers oder auch nur des Uhrmachers nachzuahmen oder zu er-
setzen vermögen. . . . Darwin gerätli an dieser Stelle überhaupt
in eine förmliche Personification der natürlichen Züchtung, um den
stockenden Gang seiner Erklärung der Entstehung des vollkommen-
sten Auges vor Stillstand zu bewahren. „Die natürliche Züchtung'*
soll „genau beobachten" und , .sorgfältig auswählen" und soll „mit
nie irrendem Takte jede Verbesserung zum Zweck weiterer Vervoll-
kommnung herausfinden". Wäre dies im eigenthchen Sinne zu ver-
stehen, so wäre damit von Darwin selbst eine teleologische Macht
in die Natur eingeführt, die all' seine übrigen Erklärungs -Versuche
überflüssig machte ; es wäre aber auch der natürlichen Züchtung
eine Eigenschaft zuzuschreiben, die mit ihrem sonstigen Wesen ganz
in Widerspruch stünde. Ist es aber uneigentlich zu verstehen —
wie es wohl nicht anders sein kann — dann ist nur in Worten eine
Erklärung gegeben oder fingirt, indem etwas behauptet wird, was in
der Wirklichkeit nicht stattfinden kann. . . . Die natürliche Züchtung
kann nicht nach voUkommneren Augen streben, sondern nur sie
erhalten und benutzen , wenn sie einmal da , also auf irgend eine
10 Wagner: Bericht ü. d. Arb. i, d. allg. Zoologie
Weise entstanden sind. Und hier scheint also dann in verstärktem
Maasse der Fall gegeben, von dem Darwin selbst gesteht, dass er
seiner Theorie Vernichtung brächte : „Liesse sich" — sagt er — ■
„irgend ein zusammengesetztes Organ nachweisen, dessen Vollen-
dung nicht durch zahllose kleine aufeinanderfolgende Modificationen
erfolgen könnte, so müsste meine Theorie unbedingt zusammen-
brechen."
F. unterwirft weiter die Entstehung der Geschlechtsdifferenz
und andre Thatsachen, die Darwin zur Stütze seiner Theorie bei-
bringt, einer kritischen Betrachtung, unter andren z. B. den Bienen-
stachel. ,.Wie soll z. B. sich gerade dieser Stachel der Bienen mit
seinem Widerhaken, der nach dem Gebrauche zur Vertheidigung
oder zum Angriff aus der Wunde nicht mehr gezogen werden kann,
die Eingeweide des Thieres nachzieht und ihm den Tod verursacht
— durch Natürliche Züchtung entstanden sein, sich durch dieselbe
allmählich ausgebildet haben und sich dadurch erhalten, dass er als
vortheilhaft das Gedeihen dieser Art fördert und im Kampfe um's
Dasein den Sieg gewährt? Wie gerade ein solcher Stachel durch
allmähliche leise Abänderungen soll entstanden sein, dessen Gebrauch
dem Individuum das Leben kostet, ist nicht wohl einzusehen."
Vielleicht die gelungenste Kritik des ganzen Aufsatzes betrifft
den Abschnitt, wo F. das ps3Thische Leben der Thiere in seinem
Verhältniss zur Natürlichen Züchtung behandelt. Nach Darwin's
Ansicht sind nehmlich durch die psychischen Fähigkeiten und Kräfte
der Thiere durch Natürliche Züchtung aus der Ansammlung und
Vererbung kleiner günstiger Abänderungen entstanden, die sich dann
endlich zu psychischen Art-Eigenthümlichkeiten der Thiere gestalte-
ten und befestigten. Auf diese Weise sollen die sogenannten In-
stinkte sowohl als auch jene psychischen Fähigkeiten entstanden sein,
die eine freiere psychische Thätigkeit der Tlüere . Analogieen von
Gefühlsregungen, von Gedächtniss, von Verstand und Willenskraft
beurkunden. Ob auch der menschliche Geist mit seinen Fähigkei-
ten und also der Mensch überhaupt aus dem Thierreich sich durch
Natürliche Züchtung emporgebildet habe, darüber spricht sich Dar-
win selbst nicht entschieden und klar aus; indess seine Freunde und
Anhänger , sowohl als seine Gegner behaupten mit aller Bestimmt-
heit, dass die Darwin'sche Theorie konsequenter W^eise auch auf
die Entstehung des Menschen angewendet werden müsse. Der Verf.
stellt die bei Darwin dahin zielenden Stellen seines Werkes zu-
sammen. Die ungeheuren Schwierigkeiten, die sich in dieser Bezie-
hung an die Darwin'sche Hypothese knüpfen, nachzuweisen wie,
ähnlich dem Schweif der Giraffe, dem Rüssel des Elephanten durch
natürliche Züchtung allmählich auch der Verstand, das Gedächtniss,
die Phantasie, der Wille des Menschengeistes und das ganze ethisch-
im Jahre 1862. 11
historische Leben und Wirken der Menschheit entstanden, — dies
hat sich F. zur Aufgabe am Schlüsse seines scharfsinnigen und ge-
dankenreichen Aufsatzes gestellt, den ich im Grossen und Ganzen
genommen für die gediegenste Antikritik halte, die Darwin er-
fahren hat, wesshalb ich auch hier ein- für allemal ausführlicher dar-
auf eingegangen bin. Noch weitere längere Mittheilungen zu geben,
gestattet der Raum nicht, obwohl gerade dieser Schluss -Abschnitt
geeignet ist, die grossen Schwächen der Darwin'schen Theorie
schlagend aufzudecken. Es zeigt sich, dass Darwin auch hier das
bewusstlose teleologische Geschehen in der Natur zu einem mehr
psychischen, bewussten umdeutet und während von ihm sonst Alles
aus bloss wirkenden Ursachen abgeleitet werden will, wird in die
Thierseelen teleologisches Bewusstsein und Streben verlegt — man
weiss nicht, woher es kommt und wie es selbst wieder zu erklären
ist — wie es früher bei der Personifikation des Complexes der vsdr-
kenden Ursachen , der natürlichen Züchtung nehmlich, der Fall war.
Die Schwäche dieser Argumentationen zeigen einige Beispiele. Der
Kukuk soll irgend einmal sein Ei in ein fremdes Nest gelegt, den
Vortheil, der ihm daraus entsprang, gemerkt und dies nun öfter
oder immer gethan haben; daraus sei die Erblichkeit dieses Ver-
fahrens oder der Instinkt entstanden ! Die Bienen sollen irgend ein-
mal zufällig dahin gekommen sein, ihre \Yaben aus sechsseitigen zu-
sammenstossenden Zellen aufzubauen, alsbald den Vortheil der
Wachsersparniss gemerkt und nun immer so gebaut haben, oder we-
nigstens ein Theil derselben; wobei dann gemäss natürlicher Züch-
tung diejenigen im Kampfe um's Dasein Sieger blieben, die so vor-
theilhaft bauten. Lauter zufällige Ereignisse werden also für die
Veranlassungen zu den wunderbarsten gesetzmässigen Verläufen in der
Thiergeschichte. Sehr richtig sagt F.: „Es ist Zufall, dass diese
Arten von Pflanzen und Thieren entstanden sind und existiren, da
der erste Ansatz dazu z. B. auf nur zufälliger (planloser) Affektion
des Reproduktionssystems beruhte und ein bestimmter Plan und dem-
gemässes Gesetz die Bildung nicht leitete , sondern einzig wirkende
Ursachen thätig sind. Es ist dann allenfalls auch Zufall, dass Men-
schen existiren und nichts hindert, dass aus Thierarten oder dem
Menschengeschlechte selbst etwa einmal ganz abenteuerliche, mon-
ströse Geschöpfe entstehen. Kein normirendes, bewahrendes Gesetz
wenigstens existirt nach dieser Theorie , das dies hindern könnte."
Wie sehr aber der Verf. geneigt ist, die wertlivollen Seiten des
Werkes von Darwin in vollem Maasse anzuerkennen , ergibt sich
aus dem Schlüsse des Aufsatzes, wo F. sagt: „Wenn wir auch nicht
mit Darwin's Theorie einverstanden sein können, so müssen wir
doch die wissenschaftliche Berechtigung auch zu diesem Versuch
und die grosse Verdienstlichkeit desselben anerkennen; und gewiss
12 Wagner: Bericht ü. d. Arb. i. d. allg. Zoologie
wird kein denkender Leser ohne grosse geistige Anregung und viel-
fachen Gewinn der positiven Erkenntniss dem Werke Darwin's
sein Studium widmen, denn es bietet, wie wenige andre Werke,
einen grossen und w^eiten Blick in das reiche , vielverschlungene,
grossartige Getriebe der Natur und lehrt merkwürdige Verhältnisse
und Wechselbeziehungen selbst auch da noch wahrnehmen, wo sich
dem gewöhnlichen Blicke nur gemeine , keiner Aufmerksamkeit wür-
dige Erscheinungen darbieten."
Ich habe — um die Darwin' sehe x^ngelegeiiheit
in den Berichten vorläiiiig einmal abzuschliessen ^ ab-
sichtlich zwei gründliche und geistreiche deutsche
Arbeiten^ die den ganz entgegengesetzten Standpuakt fest-
halten^ ausführlicher neben einander gestellt. Die Zahl
derjenigen, welche sich in- und ausserhalb Deutschlands
hierüber theils gelegentlich, theils in grösseren oder klei-
neren Aufsätzen äusserten^ ist Legion. Die Zahl der
Zustimmenden wird unter den jüngeren Forschern immer
grösser, nimmt aber unter den älteren nicht zu. Es heisst
hier wieder, was ein berühmter deutscher Philosoph über
die Deutschen sagte : „dass sie bei jeder Gelegenheit in's
Schwärmen gerathen*^. Die Zukunft dieser Theorie ist
mit völliger Sicherheit vorauszusagen; es wird ihr erge-
hen, wie der Erdbildungstheorie von Werner, wie der
Hebungstheorie von Elie de Beaumont, welche beide
mit ungeheurer Begeisterung und Acclamation begrüsst
wurden, selbst von den ersten Männern der Wissenschaft,
und nach wenig Jahren als zu vorschnelle Yerallgemei-
nerungen erkannt wurden. Wer hätte noch vor 12 Jah-
ren nur geglaubt, wie sehr der Ultra - Plutonismus des
grossen Leopold von Buchs modificirt werden würde !
Wer daran gedacht, dass die einfachen Veränderungen
an römischen Bauwerken durch die Thermalwasser von
Plombier es Mineral-Erzeugnisse liefern würden, worauf
Daubree einen Hvdroplutonismus gründen konnte, der
jetzt, neben den Arbeiten G. Bischofs, eine Ent-
stehungs - Hypothese der Granits und selbst der schie-
ferigen Urgesteine mittelst heissen Wassers, ohne jene
ungeheuren Temperaturen und hohen Druck zur Gel-
tung gebracht hat, mit welcher gewiss auch Goethe
im Jahre 1869. 13
ganz zufrieden gewesen sein würde ! Wenn man es nicht
täglich erführe, so würde es unbegreiflich sein, mit wel-
chem Enthusiasmus selbst unter sonst besonnenen Natur-
forschern, theoretische Erörterungen über Fragen begrüsst
werden, die — wie die ältesten Yeränderungen der Erd-
rinde oder die Entstehung der Organismen — • uns so weit
entrückt und so schwierig zugänglich sind. Alle solche
Thcorieen können nichts anders sein wollen, als histo-
rische Romane, wo die Phantasie des Autors nach subjec-
tiver Auffassung die Thatsachen ergänzt, die uns fehlen und
immer fehlen werden, wobei es jedoch meist zur Entdek-
kung und Feststellung einzelner allgemeinerer Wahrheiten
kömmt. Einer der bedeutendsten neueren französischen
Naturforscher, B r o c a , urtheilt gelegentlich ganz eben so :
La Linguistique et l'Anthropologie. Extraits des
Bulletins de la societe d'anthropologie de Paris. T. III.
2e partie. 1862.
„M.Darwin a-t-il tort ou raison? Je n'en sais rien,
je ne veux meme pas le savoir. Je trouve, dans les choses
accessibles ä la science, un aliment süffisant pour ma
curiosite, sans aller nie perdre dans la nuit des origines.'^
Ich halte es jedoch für eine Pflicht, dass eine in
einer bestimmten Zeitperiode auftauchende und jedenfalls
allgemeines Aufsehen erregende Erscheinung in der Ge-
schichte der Wissenschaft auch vollen Anspruch auf Kri-
tik machen kann, ja machen muss; sie kann der wissen-
schaftlichen Erkenntniss auch als Irrthum nützen und sel-
ten wird eine solche Erscheinung ohne einigen positiven
Gewinn sein. Was ein scharfsinniger und geistreicher
Mann, der nicht Naturforscher ist, wie Hr. Frohscham-
mer, gegen Darwin vorbringt, verdient unsre grösste
Aufmerksamkeit. Ich will hier noch die Hauptpunkte
zusammenstellen, die sich vom Standpunkte des Natur-
forschers, speziell des Zoologen, aufführen lassen, welche
ich meist schon an verschiedenen Orten, in Kritiken, Auf-
sätzen und Berichten berührt habe, die zum Theil noch
in das Bereich des diesjährigen Berichts fallen. Es kann
dies in kurzen Sätzen, gleichsam in Aphorismen, geschehen:
14 Wagner: Bericht ü. d. Arb. i. d. allg. Zoologie
1. Die Verwerfung einer teleologischen Betrach-
tung der organischen Natur ^ wie der Natur überhaupt,
wie sie Yon den Anhängern der Darwin'schen Theorie
geltend gemacht wird, hat so wenig ein ausschliessliches
Recht, als sie eben auch nur der Ausdruck einer subjek-
tiven Ansicht ist, die nicht mehr und nicht weniger sich
geltend machen darf, als die teleologische Auffassung.
Strenge Naturforscher, Physiologen, wie E. H. Weber,
huldigen der letztern und eben so hat C.Bergmann
in einer höchst lesenswerthen Betrachtung (S. 20 u. f.)
seiner mit Leuckart bearbeiteten vortrefflichen „Anato-
misch-physiologischen üeb ersieht des Thierreichs^. Stuttg.
1852 die Berechtigung der Erklärung aus Naturzwecken
klar entwickelt und auf ihr richtiges Maass zurückgeführt.*)
2. Je sorgfältiger imd umfassender wir die allge-
meinen Vorgänge des natürlichen Geschehens auf der
Erde betrachten, um so mehr werden wir auf eine ge-
wisse Summe von primitiven organischen Wesen als gleich-
zeitig mit einander existirend und in gegenseitiger Ab-
hängigkeit zu einander stehend, welche für die Erhaltung
ihrer Existenz als nothwendig erscheint, verwiesen.
3. Jede von einer gewissen Stabilität der Arten,
als innerhalb gewisser Grenzen zwar variablen aber diese
nicht überschreitenden historisch beharrlichen Formen,
abweichende unbedingte Transmutationstheorie führt zu
einem Formenchaos, zu welchem in keinem Theile der
Wissenschaft ein Beleg vorhanden ist, weder in der le-
benden, noch in der imtergegangenen Pflanzen- und
Thierwelt.
4. Speziell auf den Menschen angewendet, welcher
von der übrigen Thierwelt, deren Organisationsgesetze
Wer vom allgemeinen äclit wissenschaftlichen Standpunkte
diese Fragen sich näher bringen will , dem empfehle ich die
1862 in zweiter Auflage erschienenen trefflichen : Logischen
Untersuchungen von Adolph Trendelenburg, nament-
lich die Abschnitte zu Anfang des "3, Bandes :',, der Zweck",
„der Zweck und der Wille" und „die realen Categorien aus
dem Zweck".
im Jahre 1862. 15
er durchaus theilt, keine Ausnahme machen kann, zeigen
die ältesten mit Diluvialthieren zusammengefundenen oder
in den Pfahlbauten und alten Gräbern vorkommenden
Reste vom Menschen durchaus keine üebergangsformen
zu anderen Wesen und keine grösseren Differenzen, als
sie unter jetzt lebenden Rassenformen auch vorkommen.
5. Paläontologische Beweisführungen, auf Verstei-
nerungen gegründete sogenannte Uebergänge, nicht bloss
auf Species und Sippen ausgedehnte, sondern noch weiter
gehende, sind die allerunsichersten. So kommt man neuer-
dings wieder mit dem Gryphosaurus, dem angeblichen Sau-
rier-Vogel aus den Pappenheimer Schiefern, über dessen
Stellung im System wir übrigens erst noch R. Owen's
Arbeit abwarten müssen. Mit Recht haben schon Viele,
z. B. Harting (s. dessen „Vorweltliche Schöpfungen^
S. 338), bemerkt, dass solche vorweltliche Wesen, In denen
gleichsam mehr als eine thierische Grundform vertreten
war, wie der Ichthyosaurus, nicht mehr und nicht weni-
ger beweisen, als z. B. das Schnabelthler und der Lepi-
dosiren, Thiere der jetzigen Schöpfung, welche als längst
bekannte ganz in dieselbe Categorie gehören, wie der
Gryphosaurus.
6. Nur physiologische, auf den Zeugungsprozess
gegründete, Beobachtungen und Experimente können als
wissenschaftliche empirische Beweismittel herbeigezogen
werden. Darwin's Lehre steht und fällt mit dem Preis-
geben des physiologischen Begriffs der Art, Species.
Giebt es nehmlich einen Komplex von Individuen, welche
durch den Zeugungsprozess historisch verbunden sind,
welche trotz des Wechsels ihrer äusseren Formen und
ihrer inneren Organisation niemals in andere Formen
eines anderen Kreises übergehen und häufig das Bestreben
haben, zur Stammform zurückzukehren, dann Ist die Art,
Species, keine bloss durch einzelne Merkmale verbundene
Zahl von Individuen, kein blosser Im Sinne der zoologi-
schen und botanischen Systematiker erfundener, abstrak-
ter Begriff, sondern ein realer, historisch abgeschlossener
Formenkreis.
16 Wagner: Bericlit ü, d. Arb. i. d. allg. Zoologie
Anm. Diese, wie ich glaube beute noch feststehende einzige
wissenschaftliche Grundlage für den ArtbegriiT haben allerdings auch
ausgezeichnete Zoologen der Gegenwart, wie z. B. Agassiz, noch
neuerlich aufgegeben. Sie haben sich aber eben dadurch ein Haupt-
beweismittel gegen Darwin entzogen. Mein Festhalten daran stützt
sich auf die bis heute ganz unerschütterte Grundlage der Sterilität
der Bastarde oder wenigstens deren höchst beschränkte Fruchtbar-
keit. Aber selbst eine Forterhaltung solcher Bastardformen in sehr ein-
zelnen Fällen, würde nicht wahre physiologische Arten, sondern bloss
Arten in dem vorhin betrachteten Sinne der zoologischen und bo-
tanischen Systematiker ergeben, deren unvermeidliche Annahme in
den systematischen Thier- und Pflanzenkatalogen ich freilich zuge-
stehe, ohne dass ich einer solchen Einführung in's System den ge-
ringsten Beweis gegen die physiologische Artbildung zuge-
stehe. Von Jahr zu Jahr mehren sich die Nachweisungen immer
mehr, dass selbst die allerkleinsten , einfachsten, niedersten Thiere,
wie die Schwämme], die Bhizopoden , die Infusorien doppelte Zeu-
gungssäfte, Samen und Eier hervorbringen und dass nur bestimmte
Formen, wie wir sie eben systematisch mit dem Namen der Art be-
legen, mit einander leben, sich mit einander vermischen, so dass
auch bei diesen einfacheren organischen Körpern alles auf ein durch
den Zeugungsprozess begründetes gesondertes Bestehen bestimmter
Formen und Arten berechnet ist.
7. Die stärkste Stütze erhält das physiologische
Prinzip als Art-Criterium neuerdings durch die fortwäh-
rend sich vermehrenden Fälle des sogenannten Gene-
rationswechsels. Hier sehen wir gerade die allergrösste
Stärke und Konstanz in der Beharrlichkeit der Art bei
den verschiedensten äusseren Erscheinungsformen unter
den W'Cchselndsten Lebensbedingungen, also gerade unter
solchen Einflüssen, welche im Dar win'schen Sinne Form
verändernd, Arten- Charaktere auflösend wirken sollen.
Immer mehr zeigt sich z.B., dass bestimmte Formen von
Bandwürmern nur in bestimmten Arten von Thieren hau-
sen, auf andere Thiere oder den Menschen übertragen in
bestimmte Formen von Blasenwürmern übergehen und
als ausgeworfene Blasenwürmer in jene früher bewohnten
Thiere wieder aufgenommen, abermals dieselbe Band"
wurmform annehmen und denselben cyklischen Entwicke-
lungsgang immer vor unseren Augen von Neuem diri-ch-
machcn ohne je in nahe verwandte Formen überzugehen.
im Jahre 1862. 17
/
Jene frühere Ansicht, dcass die Blasenwürmer durch die
Wanderung und die Einflüsse des veränderten Wohnsitzes
degenerirte wassersüchtige Bandwürmer seien, welche im
Sinne von Darwin's Transmutationstheorie gedeutet wer-
den konnte, ist definitiv aufgegeben.
A n m. Bekanntlich werden vom Menschen genossene Schweine-
finnen, also Blasenwürmer innerhalb des menschlichen Darmkanals
zu Bandwürmern, die von Schweinen genossenen menschlichen Band-
wurmglieder aber geben in ihren Eiern das Material für daraus sich
entwickelnde Finnen. Dies Faktum könnte man vielleicht zu Gun-
sten von Darwin deuten und sagen: hier seht Ihr ja, wie dieselbe
Wurm-Art vom Schwein zum Menschen und wieder umgekehrt wan-
dernd, also unter veränderten äusseren Umständen der Lebensweise,
gerade die Form ändert. Aber wenn ein Mensch zufällig sich mit
seinen eigenen Bandwurm-Eiern infizirt, werden aus denselben in
ihm keine Bandwürmer, sondern Schweinefinnen. Man mag hierüber
die Angaben in dem neuen vortrefflichen Werke von Leuckart
über Parasiten nachsehen. Es ist also in dem Generationswechsel
dieselbe Konstanz der Art, dieselbe historische Persistenz und Fort-
Entwickelung der Artform repräsentirt, wie in der geschlechtlichen
Zeugung.
8. Nach Lamarck, Darwin und Allen, welche
der Transmutationstheorie huldigen, sind es gerade die aller-
äusserlichsten Formverschiedenheiten^ zufällig erworbene
Bildungen, Eigenschaften der Individuen, welche sich fort-
erben und durch die Erblichkeit fixiren sollen, so dass
es bleibende Artmerkmale w^erden können. Ein genaueres
physiologisches Studium der Zeugungs- und Vererbungs-
erscheinungen zeigt aber gerade das Gegentheil. Diese
zufällig erworbenen „im Kampfe ums Dasein'^ entstande-
nen Eigenthümlichkeiten sind die allerunbeständigsten,
kaum oder am wenigsten sich forterbenden. Wo die
Thiere verschiedenen Geschlechts, wie bei den meisten
Vögeln, Männchen und Weibchen, verschieden gebaut und
gezeichnet sind, überträgt das Weibchen auf seifie männ-
lichen Jungen nicht seine Zeichnung u. s. w. , sondern
die seines Vaters, mithin nicht den individuellen, sondern
den Speciescharakter.
Anm. Es kann dies nicht auffallender sein, als bei den soge-
nannten Rackelhähnen (Tetrao medius), den Verhältnis smässig häu-
Arch. für Naturg. XXIX. -Jahrg. 2. Bd. B
18 Wagner: Bericht üb. d. Arb- in d. allg. Zoologie
figsten Bastarden zwischen Birkhahn und Auerhenne. Die Auer-
henne giebt nichts von ihrem Gefieder u. s. w. an den Bastardhahn,
sondern überträgt auf diesen theilweise (durchs chnittUch ziemlich
zur Hälfte) die Eigenschaften seines Grossvaters , des Auerhahns,
welche in der Auerhenne also latent sind, während die andere
Hälfte der Bildung vom Vater, vom Birkhahn, kommt. Die Kackel-
hähne aber sind steril. Trotz der relativen Häufigkeit der Rackel-
hähne hat sich keine neue bleibende Spezies, wie man sie als „mitt-
leres Waldhuhn" früher eine Zeit lang annahm, gebildet. Es kann
gar kein schlagenderes Beispiel zu Gunsten der in der Natur ent-
schieden zur Erhaltung der Arten und in den Zeugungssäften und
Kräften bedingten Konstanz derselben beigebracht werden, dass die
unsichtbaren, innerlichen Wesenheiten der Species mächtiger sind,
als die individuellen Eigenschaften.
9. Die grösste Schwierigkeit einer Anerkennung
der Darwin'schen Theorie liegt in den Voraussetzungen
der Anfänge , wie der fernen Zukunft der organischen
Körper. Für das erstere erkennen auch, die Anhänger
Darwin's das völlig unbefriedigende seiner Annahme
von einer oder wenigen ursprünglichen einfachen Zellen
durch die schöpferische Hand an, aus denen sich
sekundär alle Thier- und Pflanzenformen durch Natural
Selection entwickeln sollen. Da nun aber die Mehrzahl
der Anhänger kein schöpferisches Prinzip in der Natur
annehmen wollen^ so müssen sie für die einfachsten orga-
nischen Körper in letzter Instanz bloss unorganische Kräfte
als erste Erzeuger der Organismen annehmen^ wobei sie
aber in immer grösseren Widerspruch mit allen strenge-
ren neuen Untersuchungen kommen^ welche einem Ent-
stehen organischer Körper (Zellen und Zellen-Complexen)
aus unorganischen Stoffen und Kräften von Tag zu Tage
ungünstiger werden. Ebenso muss die fernste Zukunft
bei der im Prinzip e liegenden unbegrenzten Transmutation
Form-Veränderungen, wie aller Organismen^ so auch des
Menscheri_, in Aussicht stellen, für welche gar keine Ana-
logieen und Ansätze in dem bisherigen Verlaufe der Dinge
liegen. Wenn z. B. Jemand behaupten wairde, dass sich
bei den Menschen allmählich Flügel -Ansätze bildeten^
die im Verlaufe vieler Jahre zu wirklichen Flügeln sich
umbilden, so dass die jetzigen Menschen Gestalten be-
im Jahre 1862. 19
kommen, wie wir uns etwa die Engel vorzustellen pflegen,
so würde einer solctien Annahme kein ernstlicher Einwurf
entgegengesetzt werden können. Ebenso wenig würde sich
die Annahme einer zukünftigen Centauerbildung aus jetzi-
gen Menschen abweisen lassen.
10. Mit allen diesen Sätzen soll nicht gesagt sein,
dass nicht Art - Variirungen , wie wir sie wirklich beob-
achten, in einzelnen, vielleicht sogar in vielen Fällen,
solche Constanz gewinnen und sich historisch so fortpflan-
zen, dass daraus systematische Arten entstehen,
welche die physiologischen Arten, wie wir sie oben
definirt haben, imitiren.
Anm. Ich kann mir z. B. recht wohl denken, eben weil ich
hier auf dem festen Boden der Erfahrung bleibe, dass z. B. Hase und
Kaninchen , die beiden deutschen Goldhähnchen, die Raben- und
Nebelkrähe (Corvus corone und cornix) , der bunte und einfarbige
Staar (obwohl der Sturnus unicolor gewisse Verwandtschaften mit
Pastor roseus hat, welche Sturnus varius nicht zeigt) aus einer frü-
heren Stamm-Art hervorgegangen sind, deren zwei Variationen sich
dann päärchenweise zusammenfanden und fortpflanzten, wobei sie
jedoch den physiologischen Charakter, sich auch mit der entspre-
chenden zweiten Art fruchtbar begatten zu können, ohne dies in
der Regel zu thun, beibehielten. Ebenso kann ich mir denken, dass
die degenerirte Hauskatze in Paraguay, von welcher Rengger be-
richtet, eine zu einer systematischen Art sich ausbildende Varietät
darstellt. Eine solche beschränkte Ausbildung neuer Artformen, die
wir systematisch konstant unterscheiden, fusst nicht bloss auf zu-
gänglichen Thatsachen , sondern widerspricht auch der Annahme
gesetzlicher physiologischer Schranken nicht, so w^enig als die Ent-
stehung von missgebildeten Individuen neben normalen, einer allge-
meinen Constanz der regelmässigen individuellen Entwickelung wi-
derspricht. Es ist überhaupt gar nicht nöthig, eine und dieselbe
Ursache für alle Form-Veränderungen im historischen Verlaufe der
Pflanzen und Thiere anzunehmen, ebenso wenig, als uns etwas dazu
nöthigt, ein ganz gleiches Verhalten in dieser Hinsicht für alle
Thierklassen anzunehmen. Recht wohl können sich z, B. möglicher
Weise Wirbelthiere hierin konstanter und verschieden verhalten im
Gegensatze zu niederen pflanzlichen und thierischen Organismen.
Diese Ansicht stelle ich denjenigen entgegen, wie meinem verstor-
benen Freunde Andreas Wagner, welche mir meine Behauptung
einer bedingten Neu-Entstehung von Arten, die ich in meinen zoo-
logisch-anthropologischen Untersuchungen aussprach, bestritten und
so Wagner: Bericht üb. d. Arb. in d. allg. Zoologie
sagten , es werde mir schwer werden, meine Behauptung mit Bei-
spielen zu belegen. Ferner, so sehr ich in der notorischen Sterilität
der Bastarde eine gesetzmässige, natürliche Beschränkung der unbe-
dingten Transmutation der Arten erblicke, ebenso finde ich keinen
Widerspruch in sehr vereinzelten Ausnahmen, wonach ich mir recht
wohl denken kann, dass z. B. die Hunde-Rassen zum Theil ihre Exi-
stenz einzelnen fruchtbaren Bastarden, z. B. zwischen Wolf und Hund,
zwischen Schakal und Haushund, verdanken, wobei ich aber auch die
Möglichkeit im Darwin'schen Sinne zugebe, dass Wolf, Schakal
und Haushund von einer alten Hundeform stammen, welche Stamm-
Eltern dieser jetzt als verschiedene Species betrachteten Hundefor-
men gewesen sind. Für solche beschränkte Transmutationen im hi-
storischen Verlaufe bieten sich mir in der einfachen beobachtenden
Naturgeschichte, wie in der Physiologie der Zeugung, Analogieen,
Erfahrungen dar ; für so weit gehende, wie sie Darwin nöthig hat,
keine. Mich aber ausserhalb aller Erfahrung zu stellen, wüsste ich
als Naturforscher nicht zu rechtfertigen. Wir haben in diesem Felde
keine andern Beweismittel, als empirische.
Ich weiss, ich werde mit diesen, zAim Tlieil schon
anderwärts von mir ausgesprochenen Sätzen , für den
Augenblick tauben Ohren predigen. Denn eine neue
Lehre der transcendenten Naturphilosophie ( — das ist
diese Dar win'sche Lehre — ) muss sich immer erst aus-
leben und eine schwindelhafte Begeisterung dafür kann
durch die besten Argumente nicht beseitigt werden. Der
Verf. eines Jahresberichts aber darf sich dadurch nicht
abhalten lassen, seine Ueberzeugung auszusprechen. Ich
provozire auf eine ruhiger gewordene Zukunft. Ich halte
jedoch den Streit durchaus nicht für unnütz, sondern
vielmehr für sehr erwünscht. Wird man auch der Lö-
sung so unzugänglicher Probleme vielleicht nicht um einen
Schritt näher kommen, so w^ird man doch eine Menge
links und rechts am Wege des Streites liegende interes-
sante Thatsachen auffinden und vielleicht schliesslich ler-
nen, — mit Goethe zu sprechen — , dass es in vielen
Dingen besser sei: „sich an den Grenzen der Menschheit
zu resigniren , als innerhalb einer hypothetischen Be-
schränktheit seines bornirten Individuums.'^
Der Hauptvortheil, den die Streitigkeiten über
Darwin'sWerk haben werden, wird der sein^ dass man
im Jahre 1862. 21
den Forschungen über Vererbungen und andere beim
Zeugnngsprozess vorkommende Ersclieinungen, neue
Grundlagen geben wird. Hicfür ist die Errichtung von
zoologischen Gärten , welche überall im grossartigsten
Maasstabe ordentlich aus der Erde wachsen^ von Accli-
matisations- Gesellschaften, die private Forschung und
Theilnahme der landwirthschaftlichen Thierzüchter u. s. w\
von der höchsten Bedeutung.
Einen Beleg zu dieser meiner Hoffnung giebt der
folgende wichtige Beitrag von H. von Nathusius auf
Hundisburg :
Ueber einen auffallenden Racenunterschied in der
Trächtigkeitsdauer der Schafe. Weinland's zoologischer
Garten 1862. S. 102.
Der Verf. betrachtet die Merinos und S outhdowns als
zwei Schaf-Racen, welche in ihrer äusseren Erscheinung so verschie-
den sind, dass manche Zoologen, wenn ihnen ausgestopfte Exemplare
in Museen vorkommen, dieselben als verschiedene Arten betrachten
würden. Bei beiden Racen hat N. eine konstante Verschiedenheit
in der Trächtigkeitsdauer beobachtet. N. bemerkt, dass die Dauer
der Trächtigkeit bei unseren Hausthieren einigermassen variirt, je
nach verschiedenen Umständen; es trägt z. B. eine Pferdestute, in
welcher durch kräftige Nahrung bei gleichzeitiger Arbeit ein leb-
hafterer Stoff - Umsatz vorgeht , regelmässig kürzere Zeit als eine
müssige und verhältnissmässig schwach ernährte. Dass aber die
Dauer der Trächtigkeit durch Racequalität bedingt wird , selbst
unter Umständen, welche in jeder Beziehung gleiche Bedingungen
darbieten, ist, so viel der Verf. weiss, noch nicht beobachtet. Die
Merino-Schafe, an welchen die Beobachtungen gemacht sind, stam-
men von den Thieren ab, welche in der zweiten Hälfte des ISten
Jahrhunderts aus Spanien nach Deutschland eingeführt wurden; die
Heerde ist seit 22 Jahren an demselben Orte erzogen und gehalten
und die Zucht ist hier bereits bis zu der siebenten Generation ge-
langt. Die South downs stammen aus den edelsten Heerden Eng-
lands, sind seit 12 Jahren an demselben Orte und unter gleichen
Verhältnissen wie jene Merinos erzogen und gehalten und die Zucht
ist hier bereits bis in die siebente Generation gelangt. Die Thiere
beider Rassen haben im Sommer auf denselben Weiden, im Winter
in demselben Stalle gelebt, haben gleiche Nahrung erhalten, es ha-
ben selbst Jahre lang beide Racen gemischt in einer Heerde unter-
einander gelebt; die Lammzeit war bei beiden gleichmässig vom
Januar bis März. Trotzdem tragen die Merinos constant
22 Wagner: Bericht üb. d. Arb. in d. allg. Zoologie
die Frucht durchschnittlich sechs Tage länger als die
S.outhdowns. Es werden detaillirte Berechnungen vorgelegt,
woraus sich ergiebt, dass die durchschnittliche Tragzeit von 872
Merinogeburten = 150,3 Tage, von 442 Southdowngeburten = 144,2
Tage waren. Die Ansicht von Nathusius, dass der Unterschied
in der Bacen - Eigenthümlichkeit beruht, wird bestätigt durch die
Beobachtung der Tragzeit solcher Thiere, welche aus Kreuzung der
beiden Bacen hervorgegangen sind. Es sind Southdownböcke mit
Merinoschafen gepaart, wodurch sogenannte Halbblutthiere entstan-
den ; die weiblichen Halbblutthiere • sind wieder gepaart mit South-
downböcken reinen Bluts, wodurch Dreiviertelblut entstand; die
wirklichen Dreiviertelblutthiere sind abermals mit reinblütigen
Southdownböcken gepaart und so Siebenachtelblut erzielt. Alle
diese aus den genannten Kreuzungen in drei Generationen erzeugten
Thiere sind unter vollständig gleichen Verhältnissen geboren, erzogen
und gehalten wie die Urstämme. Es zeigten sich hiebei so überein-
stimmende mittlere Zahlenverhältnisse, dass diese das obige Besultat
nur bestätigten. Es waren nämlich 165^2 Blut-Schafe durchschnitt-
lich 146,3 Tage, 1057^ Blut-Schafe 145,4 und 45V8 Blut-Schafe 144,2
Tage trächtig. Ausserdem wurde durch obige Versuche auch die
alte Annahme bestätigt, dass die männliche Frucht ein wenig länger
im Mutterleibe lebt, als die weibliche ; sie scheinen aber auch zu er-
geben, dass das üterusleben der Zwillingsfrüchte im Allgemeinen ein-
kürzeres ist, als bei einfachen Geburten.
DieYerhandliingen über die blutverwandtscliaftlichen
Yermiscliungeii bei Menschen und Tliieren in der Societe
d' Anthropologie scliliessen sicli denen im vorigen Jahre
an. (Vgl. Jahresbericht für 1861. p. 24). Bulletins de la
Soc. d'Anthrop. 1862. p. 99. 172. 254. 323.
Boudin glaubt aus den Akten des Taubstummen-Instituts
nachweisen zu können, dass die Heirathen bei Blutsverwandten Ein-
fluss auf die Vermehrung der Taubstummen haben. Bei der Dis-
kussion geht man auch auf die sogenannte Infektion bei der Zeugung
ein, die von Gratiolet angeregt wird, wonach nämlich eine frü-
here Begattung beim Weibe noch ihren Einfluss auf spätere Geburten
bei Menschen und Thieren zeigt. Es werden Beispiele angeführt, die
sich an die bekannte Mo rton'sche Beobachtung anreihen, über die
Einflüsse der Begattung eines Quaggahengstes auf eine arabische
Vollblutstute, welche später von einem Araberhengst belegt noch
Füllen gebahr, welche Zeichnungen des Quaggas wahrnehmen Hes-
sen. (Herr von Nathusius hält dies Beispiel, nachdem er die
Felle der Füllen selbst gesehen hat, für einer anderen Erklärung
fähig, wie ich beim nächstjährigen Berichte weiter anzuführen Ge-
im Jahre 186?. 23
legenlieit haben werde.) Costa lässt jene Infektions-Ansicht zu und
wirft die Frage auf, ob man die Thatsache nicht daraus erklären
könne, dass der bei der früheren Begattung bis zum Eierstock ge-
drungene Same auf die noch nicht reifen und bei einer späteren
Geburt erst sich lösenden Eier gewirkt und hier eine Art von Ein-
fluss durch Kontakt ausgeübt haben könne. — In einer Fortsetzung
seines Vortrags betont Boudin namentlich die Häufigkeit des Albi-
nismus bei der Incestzucht der Thiere, wenn sie durch mehrere Ge-
nerationen fortgesetzt wird. Daily hält, und wie mir scheint sehr
mit Recht, die Schlussfolgerungen von Boudin für vorschnell; er
tritt mehr auf die Seite der im vorigen Jahresberichte erwähnten
Ansicht von Perier, welcher zwischen Vermischung gesunder und
kranker Blutsverwandten wesentlich unterscheidet. B r o c a und
Aubertin glauben namentlich, dass die Generationsphänomene der
verschiedenen Thier-Arten zu manchfaltig seien, um mit Sicherheit
von einer Art auf die andere zu schliessen und darauf ein allgemei-
nes Gesetz zu bauen. — In einer späteren Sitzung las Sanson ein
Memoire sur les unions consanguines chez les animaux domestiques,
worin derselbe wieder die Unschädlichkeit solcher Vermischungen
nachzuweisen sucht und' daraus auch die Gefahrlosigkeit beim Men-
schen abstrahiren zu können glaubt. Boudin bemüht sich dage-
gen seine Meinung wieder festzuhalten, indem er sich namentlich
auf die Erfahrungen vonBuffon, Grognier, Godron, Bour-
gelat, Morton, Girou de Buzaringues, Richard, Bella,
A 1 1 i e (beide letztere Direktoren von landwirthschaftlichen Institu-
ten), Rolland, Bertrand, xiube u. A. stützt. Bei allen diesen
Verhandlungen tritt dem unbefangenen Leser ein Mangel sicher beob-
achteter und genau erzählter Thatsachen entgegen, so dass sich die
Diskussion häufig in vage Behauptungen verliert, welche die Sache
nicht fördern können.
Leider miiss ich dies ürtheil aucli auf die folgende
Beobaclitung aiisdeliiieii : Ueber Bastardbildung von Rek-
tor Dr. Sommer in Salzungen mitgetheilt vom Prof.
W. Peters in Cabanis und Baidamus Journal für Orni-
tliologie. Mai 1862. S. 209.
Wenigstens gilt dies von zwei angeblichen fruchtbaren Bastar-
dirungeu zwischen Enten und Hühnern. Nach xiUem, was man bis
jetzt weiss, muss man diese Fälle zwischen zwei so heterogenen Ge-
nera im höchsten Grade bezweifeln. Die hier angeführten Fälle
können missgebildete Enten gewesen sein, da sie aus einem En-
tenei kamen — Monstra; die man für Bastarde hielt. Die Beobach-
tung ist viel zu unvollkommen, um in einer so seltenen und diffici-
len Sache benutzt werden zu können. Herr Sommer behauptet
24: Wagner: Bericht üb. d. Arb. in d. allg. Zoologie
liier ferner, dass immer etwas von dem brütenden Vogel auf die
ihm untergelegten Eier übergeht, ^Ein Hähnchen von Tauben aus-
gebrütet, ist bei mir noch jedesmal das bösartigste Ding gegen
Menschen und Yieh geworden, das man nur sehen konnte." Das
sind Fabeln. Es findet hier kein mystischer Einfluss statt. Es ist
die feuchte künstliche Wärme der brütenden Thiere, wie der Brüte-
ofen und der künstlichen Brütemaschinen, welche ganz gleichen Effekt
hat. Diese Behauptung erinnert an die auch noch nicht lange ver-
flossenen Zeiten, wo man glaubte, das Wasser warmer Quellen, z. B.
von Gastein, bliebe unter gleichen Verhältnissen viel länger warm
als künstlich erwärmtes Wasser.
Eine für die allgemeine Zoologie wichtige Abhand-
lung aus der Gewebsl ehre hat Dr. August Weismann
publizirt: Ueber die zwei Typen contractilen Gewebes
und ihre Yertheilung in den grossen Gruppen des Thier-
reichs, so wie über die histologische Bedeutung ihrer
Formelemente. Henle und Pfeufer's Zeitschrift f. rationelle
Medicin. 3. Reihe Bd. XY. S. 60—103 mit 5 Kupfertafeln.
Als schliessliches feststehendes Resultat stellt der
Yerf. folgendes Endergebniss auf:
Die Muskulatur der Coelenteraten , Echinodermen , Würmer
und Mollusken besteht ganz allgemein aus einfachen Zellen, während
bei Arthropoden und Wirbelthieren besondere complicirte Gebilde,
die Primitivbündel, die Muskeln zusammensetzen, Gebilde, welche
in ihrer definitiven Struktur unter einander zwar sehr ähnlich, in
ihrer Genese aber und also in ihrem histologischen Werth sehr ver-
schieden sind. Bei den Wirbelthieren findet sich zugleich auch die
nach dem Zellentypus gebaute Muskulatur vertreten, den Arthropo-
den mangelt sie gänzlich. Allein also die Wirbelthiere, und zwar
alle Klassen derselben besitzen Muskeln nach beiden Gewebs-Typen,
den Arthropoden mangelt gänzlich der Zellentypus, den übrigen Klas-
sen ebenso vollkommen der Typus des Primitivbündels.
Für das Studium der psychischen Eigenthümlichkei-
ten der Thiere und die Yergleichung derselben mit den
Menschen kommt jetzt eine neue x\era, wie es scheint, indem
theils durch die exakteren Arbeiten in der physiologischen
Psychologie, theils im Studium der Thiere in den zoo-
logischen Gärten präcisere Erfahrungen möglich werden.
Weinland's vortreffliche Zeitschrift: der zoologi-
sche Garten im dritten etwas erweiterten Jahrgang, Dr.
A. Brehm's reichhaltige Schriften über das Leben der
im Jalire 1862. 25
Yögel und Säugethiere^ Cabanis und Baldamus ornitholo-
gisches Journal u. s. w. enthalten eine Menge reiches De-
tail. Die Zeiten von R e a u m u r , H u b e r ^ R o e s e 1,
Kirby und S p ence_, B eclistein undNaumann u.s.w.
erneuern sich. Unter den zusammenfassenden, übersiclit-
lichen Artikeln nenne ich vorzüglich :
Dr. Gustav Jaeger über die Sprache der Thiere
Weinland zool. Garten für 1862. S. 245 ff., den wir mit
einem sich daran anschliessenden weiteren Aufsatz ,, des-
selben Yerf.'s im Jahrgange 1863" „Ueber das Erkennen
und Begehren der Thiere'^ mit den ^Vorlesungen über
die Menschen- und Thierseele von Wundt" u. a. m. im
Zusammenhange im nächsten Jahresberichte besprechen
wollen.
Zwei Werke, eigentlich zum näheren Referate den
speziellen Berichten zugehörig, dürfen wir ihrer Bedeu-
tung nach für die allgemeine Physiologie der Thiere nicht
übergehen.
Rudolf Leuckart die menschlichen Parasiten und
die von ihnen herrührenden Krankheiten. Erster Bd. 1.
und 2. Lieferung. Leipzig und Heidelberg 1862.
Seit Bremser und Rudolphi hat es zwar im In-
und Auslande nicht an ähnlichen Werken gefehlt, welche
insbesondere die Helminthologie in umfassender Weise
nach ihren praktischen Beziehungen darstellen und na-
mentlich hat Küc h enm eist er, mit der Ausdehnung auf
alle Parasiten, ein schätzbares Lehrbuch bearbeitet. Nie-
mand könnte aber zu einer umfassenden Arbeit, wie die
vorliegende, mehr berufen sein, als der Verf., welcher in
diesem Gebiete die vorzüglichsten Spezial-Untersuchungen
gemacht und die Experimentalzoologie in einer bisher
nicht versuchten Weise und mit dem glänzendsten Erfolge
ausgebeutet hat. Fast jede Seite des Werkes giebt davon
Kunde und wenn irgend ein Buch zeigen kann, wie we-
nig die von uns gerügte Ausschliessung der Zoologie von
den speziellen Studien der Mediciner in Preussen ge-
rechtfertigt werden kann, so ist es dieses. Die Bedeutung
des Werkes für die allgemeine Zoologie, für ^ie Lehre
26 Wagner: Bericlit üb, d. Arb. in d. allg. Zoologie
des Generationswechsels habe ich oben schon bei der
Analyse des Darwinismus hervorzuheben Gelegenheit
gehabt.
Die Radiolarien (Rhizopoda radiaria). Eine Mono-
graphie von Dr. Ernst Haeckel mit einem Atlas von
35 Knpfertafeln. Berlin 1862.
Seit Ehrenberg's grossem Infusorien werke ist
kein anderes über die niedersten Thiere mehr erschienen^
welches von so allgemeiner und durchgreifender Bedeu-
tung auch für die allgemeine Physiologie und Zoologie,
so weit sie aus den niedersten Organismen aufgeklärt
werden kann, wäre, als das vorliegende, dessen spezielle
Besprechung wir natürlich dem entsprechenden Bericht-
erstatter überlassen. Das Werk enthält aber neben den
prachtvollen (zum Theil zu prachtvollen und theuren und
dadurch der Verbreitung schadenden) Tafeln, einen 72
Foliobogen enthaltenden Text, der viele für die allge-
meine Zoologie wichtige Exkurse giebt. Dahin rechne ich
ausser den überaus wichtigen, reichhaltigen Angaben über
die chemischen, physikalischen und histologischen Eigen-
schaften des Skelets, über die geographische und topo-
graphische Verbreitung, die Grenzen, Verwandtschaften
und die Systematik der Radiolarien vorzüglich folgende
Betrachtungen:
S. 99 ff- geht der Verf. bei Gelegenheit der Körnchenströmungen auf
die verwandten Saftströmungen der Pflanzenzellen, überhaupt auf die
ganze Zellenlehre ein. Hier schliesst er sich in Bezug auf die syste-
matische Natur der organischen Zelle, sowohl der thierischen als
der pflanzlichen, ganz der von Max Schnitze in den beiden citir-
ten Aufsätzen durchgeführten Ansicht an, dass zum Begriffe der
Zelle wesentlich und nothwendig nur ein Protoplasmaklumpen
mit einem eingeschlossenen Kern gehört, und dass die Membran
der Zelle etwas nicht nothwendiges , bloss secundäres ist. Sehr
wichtig sind des Verfassers Mittheilungen über die Blutzellen der
wirbellosen Thiere und ihre amöbenartigen Bewegungen, die er am
ausgezeichnetsten (z. B. S. Iü3) bei den Echincdermen fand, doch
kommen sie in allen Klassen vor. Die Blutzellen der Wirbellosen
sind nach Haeckel hüllenlose Protoplasmaklumpen und können,
mittelst ihrer eigenthümlichen Bewegungen, wie die Amöben, feste
Stoffe in sich auJiiehmtn. Von weiterer grosser allgemeiner Wich-
im Jahre 1862. 27
tigkeit ist der Anhang S. 116 u. f. über die Organisation der Radio-
larien - Colonieen , ob Polyzoen oder Polycyttarien. H. entscheidet
sich S. 122 dahin, das unter Hereinziehen der parallelen Verhältnisse
bei den anderen Thier-Colonieen (Coelenteraten, Cestoden u. s. w.)
sich der Schluss ziehen lasse, dass die Nester (Centralkapseln) der
Collozoen, Si3härozoen und Collosphären vom morphologischen Stand-
punkte aus mehr als Individuen einer socialen Colonie von Polyzoen,
vom physiologischen Standpunkte aus dagegen mehr als Organe
eines solitären Individuums, eines Polycyttariums, aufzufassen sind.
Der Verf., der sich hier offenbar am meisten L e u c k a r t's ursprüng-
licher, jedoch von Johannes Müller nicht getheilten Ansicht an-
schliesst, sagt wörtlich : „Organ und Individuum gehen hier, wie an
so vielen Stellen in der Natur, ohne feste Grenze in einander über;
wir begegnen unter den niederen Thieren, wie allenthalben im
Pflanzenreiche, einer Masse von organisirten Körpertheilen, die wir
weder als Organ noch als Individuum mit Sicherheit zu bezeichnen
im Stande sind. Diese beiden Begriffe sind eben so, wie die Be-
griffe des Thiers und der Pflanze , lediglich subjektive , willkürliche
Abstraktionen des menschlichen Verstandes; die Natur kennt die
Grenze, die der Mensch hier zieht, nicht. Die vielen vergeblichen
Versuche, die in der letzten Zeit gemacht worden sind, eine scharfe
Grenze zwischen Organ und Individuum zu ziehen und die um so
mehr scheiterten, je weiter man in die Kenntniss der zweifelhaften
Zwischenstufen eindrang, bezeugen hinlänglich, ebenso, wie die im-
mer fruchtloseren Versuche, die Grenze von Thier und Pflanze festzu-
stellen, dass die Bestrebungen durchaus künstliche sind. Wir finden
diese subjektiven abstrakten Begriffe in der Natur nirgends rein verkör-
pert, sondern vielfach durch allmähliche Uebergänge verwischt ; auch
hier steigt die Scala der Organisation ganz allmählich, aus dem Ein-
fachsten sich entwickelnd, zum Zusammengesetzten empor. In den
einfachsten Organismen, in den einzelligen Pflanzen, in den niedersten
Rhizopoden, erscheinen Organ und Individuum identiücirt. Das Indivi-
duum ist ein einfaches Organ, welches die verschiedensten Funktionen
gleichzeitig besagt- Dann erscheinen eine Reihe complicirterer Bil-
dungen, bei denen die Beantwortung der Frage: ob Organ? ob In-
dividuum? lediglich der subjektiven Willkür des Beobachters anheim
gegeben wird. Endlich ist die Differenzirung des Organismus so
weit vorgeschritten, dass eine Colonie von mehreren Individuen sich
von einem Individuum mit mehreren Organen sofort nicht sicher
unterscheiden lässt. — Am Schlüsse der Darstellung der allgemeinen
Verwandtschaftsverhältnisse der verschiedenen Radiolarienfamilien
mit deren zahlreichen Uebergangsformen kommt der Verf. S. 2lU
noch auf die Darwin'schen Theorien zu sprechen, für welche er
nicht bloss seine „hohe Bewunderung' ausspricht, sondern seine
28 Wagner: Bericht üb. d. Arb. in d. allg. Zoologie
Zustimmung in Betreff der Veränderlichkeit der Arten, obwohl er
Darwin's Ansichten nicht nach allen Richtungen hin theile. Der
grösste Mangel der Darwin'schen Theorie liegt dem Yerf. darin,
dass sie für die Entstehung des Ür-Organismus, aus dem alle ande-
ren sich allmählich hervorgebildet haben — höchst wahrscheinlich
eine einfache Zelle — gar keine Anhaltspunkte liefert.
Noch ein drittes Werk will ich anführen^ das freilich
eigentlich ganz in den speziell entomologischen Jahres-
bericht gehört :
A Treatise on some of the Insects injurious to Vege-
tation by Thaddens William Harris, third edition.
Boston 1862.
Ich führe dasselbe an, weil es mir natnrgemässe Ge-
legenheit zu einigen allgemeinen Betrachtungen giebt.
Es ist eine neue Auflage des auf Kosten der Legislatur
von Massachusets 1841 zuerst von Dr. Harris verfassten
Werkes, das mit-Theilnahme von Agassiz jetzt in neuer
Gestalt erscheint. Die colorirten Stahltafeln und Holz-
schnitte sind höchst vorzüglich. Es würde im äussersten
Grade erwünscht sein, wenn wir ein ähnliches gründliches
Hülfs- und Lehrbuch für unsere deutsche Insektenfauna
besässen und dürfte sich Herr Ratzeburg ein grosses
Verdienst erwerben, wenn er, dem es bei seinen Arbeiten
und Publikationen ähnlicher Art so leicht werden muss,
sich dazu entschlösse. Dabei muss noch ein anderer
Gesichtspunkt hervorgehoben werden. Gerade für die
Darwin'schen und verwandten Fragen der allgemei-
nen Zoologie sind solche ökonomische Lokalfaunen von
Wichtigkeit Solche bekannte, leichter in grosser Zahl
zu sammelnde, auf ihre Nahrungs- und Lebensweise in der
freien Natur besonders genau zu verfolgende Thierformen
sind mehr als andere geeignet, die Yariationseinflüsse resp.
die „natürliche Züchtung" zu studiren. Wie interessant
sind z. B. Tab. V die Sphingiden dargestellt, welche so
sehr an bei uns einheimische verwandte Formen erinnern
und doch so deutlich verschieden sind. Die Vergleichun-
gen sind aber hier das Wichtigste. S. 614 wird die Calli-
phora vomitoria abgebildet, die ganz mit der unserigen
übereinzustimmen scheint. Fast komisch lautet es, wenn
im Jahre 1862. 29
der Verf. In Bezug auf die Hausfliege (Musca domestica)
von Massacbiisets nicht anzugeben im Stande ist^ in wie
weit sie mit unserer identisch ist^ da ihm Exemplare
aus Europa fehlen.
Dies Werk führt mich darauf, wie ungemein nöthig
es wird, für die zum Theil berührten wichtigen Fragen
in der allgemeinen Zoologie eine Literatur mit in den
Kreis der Studien und Berichte zu ziehen, w^elche an den
Orten, an denen die Zoologen meist leben, nur höchst
spärlich vertreten ist. Es ist dies die landwirthschaftliche
Literatur. Ich habe den grossen Umfang und die Be-
deutung derselben erst bei einem Herbst-Aufenthalt bei
Herrn Hermann von N a t h u s i u s in Hundisburg ken-
nen lernen. Von diesem zoologisch und physiologisch so
gründlich gebildeten Landwirthe und Thierzüchter führe
ich als noch zum Jahresberichte gehörig an:
Ueber TJiier-Racen im Allgemeinen und über Me-
rino-Racen insbesondere (Zeitschr. des landwirthschaftl.
Central- Vereins der Provinz Sachsen Febiamr, März,
April 1861).
Reich an Mittheilungen sind : The Farmers Magazine.
London. Bis zum 22. Bande gediehen. — Journal d' Agri-
culture pratique par le Dr. Bixio, hat den 26. Jahrgang
begonnen. — Die Herd Books und Stud Books. — Fast
alle einzelne Staaten in Nord-Amerika publiziren jährlich
starke Bände von Verhandlungen, so z. B. Transactions
of the New-York-State Agricultural Society, Transactions
of the Michigan state Agricultural Society, Transactions
of the Wisconsin state Agricultural Society, welche alle
zahlreiche Rassen Abbildungen enthalten. Nähere Nach-
w^eisung über die interessante Mappensammlung vonPho-
tographieen, Kupferstichen, Lithographieen, Holzschnitten
der Hausthier-Rassen bei Herrn von Nathusius habe
ich in meinem Vortrage bei der Königl. Gesellschaft der
Wissenschaft „über die Begründung einer vergleichenden
und historischen Anthropologie durch umfassendere Hülfs-
Mittel, mit besonderer Rücksicht auf mitteleuropäische
Völker-Verhältnisse'^ gegeben. Siehe Nachrichten von der
30 Wagner: Bericht üb. d. Arb. in d, allg Zoologie
K. Gesellscli. d. Wissenscli. zu Göttingen 1862. Nro. 27.
S. 582. — Die Sammlung enthält circa 5500 Blätter, von
denen 1200 dem Pferde, 2200 dem Rinde, QOO dem S cliafe,
160 der Ziege, 400 dem Schweine, 530 den Hunden zu-
gehören.
Eine Schrift vom allgemeinsten Interesse und die nur
der Yollständigkeit wegen in diesem Berichte erwähnt
wird, da sie in allen Händen ist, nennen wir:
Welche Auffassung der lebenden Natur ist die rich-
tige? und wie ist diese Auffassung auf die Entomologie an-
zuwenden? Zur Eröffnung der russischen entomologischen
Gesellschaft im Mai 1860 gesprochen von Carl Ernst
von Baer, ihrem derzeitigen Präsidenten. Berlin 1862.
Ferner mag eine botanische Schrift hier zum Schlüsse
noch genannt werden, deren Ergebnisse — ob sie sicher
oder nicht sicher sind und was sich etwa dagegen sagen
lässt, muss gänzlich dem Pflanzenphysiologen überlassen
werden, da ich mir hierüber auch kein andeutendes Ur-
theil anmassen darf — von grosser Bedeutung für die
Lehre von den organischen Körpern im Allgemeinen sein
würden :
Histologische Untersuchungen vonH. Karsten. Mit
3 Tafeln in Steindruck. Berlin 1862. 4.
Der Inhalt gehört lediglich der Grundfragen über
Bildung, Entwickelung und Bau der Pflanzenzelle. Die
Resultate und angeknüpften theoretischen Betrachtungen
wenden sich sowohl gegen die S chleiden- S ch wann'-
sche Nucleus-Theorie , als gegen die Mohl'sche Lehre
vom Primordialschlauch und überhaupt gegen die Ansicht
eines zweifachen Bildungstypus der Zelle, ebenso wie
gegen jede Annahme einer Entstehung von Zellen durch
rein physikalisch-chemische Kräfte in gährenden. Flüssig-
keiten ausserhalb eines bereits bestehenden Organismus,
berühren also die Fundamentalfragen der Genesis der
organischen Körper.
Da der diesjährige Bericht über allgemeine Zoologie
den Raum, über welchen ich disponiren konnte, ganz in
Anspruch genommen hat, so muss das Referat über die
im Jahre 1862. 31
Arbeiten in der Naturgeschiclite des MenscLengeschleclits
wegfallen, um vielleicht in anderer Weise irgendwo eine
Stelle zu finden.
Icli benutze den noch übrigen Raum des auf zwei
Bogen bestimmten Berichts über allgemeine Zoologie, um
einige Nachträge zu geben.
Die zahlreichen in populären, encyklopädischen Zeit-
schriften publizirten Aufsätze aus der allgemeinen Zoo-
logie können kaum in den Jahresberichten mit besprochen
werden. Gleichwohl werden selbst Zeitschriften, wie die
„Gartenlaube'^ Quellen, indem sie von Forschern zu
Originalpublikationen benutzt werden. Hier aber nur
das Wichtigste, auch des Auslandes, zu erhalten und zu
übersehen, ist fast unmöglich. Einzelne populäre Werke
verdienen jedoch besondere Auszeichnung, dahin gehört:
De Bouwkunst der Dieren. Een Boek voor Allen,
die de Natuur lief hebben door P. Harting, Hooglee-
raar aan de Utrechtsche Hoogeschool. Met twee platen
en talrijke houtsneden. Groningen 1862. 8.
Der verdiente Lehrer der Zoologie in Utrecht, Prof. Harting,
der in jüngster Zeit auch ein vortreffliches streng wissenschaftliches
Werk über das Mikroskop (deutsch von Th ei le), das vollständigste,
welches wir besitzen, bekannt gemacht hat, gab in vorliegender
Schrift wiederum einen Beweis seines ausgezeichneten und benei-
denswerthen Talentes, naturgeschichtliche Gegenstände gemein ver-
ständlich, anziehend und doch mit wissenschaftlichem Charakter zu
bearbeiten. In dieser Kunst sind bekanntlich die Engländer uns
Deutschen weit voraus und, nachdem diese Literatur bei uns lange
in den Händen blosser Dilettanten sich befand und die eigentlichen
Männer der Wissenschaft sich zu vornehm zu solchen Arbeiten
dünkten, haben erst in den letzten Decennien einzelne wirkliche Na-
turforscher angefangen, den Engländern nachzufolgen. Es ist kein
Zweifel, dass eine Gefahr darin liegen kann, das Gebiet strengerer
Forschung gegen ein leichteres und von der aura popularis getra-
genes zu vertauschen, sich aber gerade dadurch bei seinen Fachge-
nossen in ein nachtheiliges Urtheil zu bringen. Bedenkt man jedoch
den ungeheuren Einfluss, den die populäre Behandlung der Natur-
wissenschaften auf die gesammten Lebens-Ansichten immer mehr
gewinnt, so sollten es sich hiezu begabte Männer vom Fach nicht
32 Wagner: Bericlit üb. d. Arb. ind. allg. Zoologie im J. 1862.
nelimen lassen, aucli diese Seite zu pflegen, um leichtfertigen und
verkehrten Ansichten, wie sie gegenwärtig so vielfach ausgesprochen
werden, keinen Vorschub zu leisten. Obiges "Werk von H a r t i n g
ist eine Zusammenstellung von Aufsätzen, welche derselbe für das
in Holland sehr verbreitete Album der Natuur in einer Reihe von
Jahrgängen geliefert, neugeordnet und zum Theil umgearbeitet hat.
Es umfasst die Kunsttriebe, so weit sie sich auf die Bauwerke be-
ziehen, von Thieren aller Klassen, in welchen solche vorkommen,
Säugethiere , Vögel , Amphibien , Fische , Krustenthiere, Insekten,
Spinnen, Weichthiere, Würmer. Die zahlreichen Holzschnitte sind,
wenn auch nicht so elegant, wie in neueren, deutschen, französischen
und englischen Werken, doch genügend, meist Copieen, zum Theil
aber auch interessante Originale ; eine Anzahl Figuren ist auf Stein-
tafeln gegeben (Termiten und Vogel-Nester), welche dem Verf. von
seinen Landsleuten West erman, Schlegel, Sn eilen van Vol-
lenhoven geliefert wurden. Das Werk, welches den Charakter
jener soliden gründlichen Arbeit trägt, der die Holländer auszeich-
net, verdiente eine Bearbeitung im Deutschen (der Verf. hat sich
Uebersetzungen in fremde Sprachen vorbehalten) , da wir zwar ein-
zelne derartige Werke, meist aber nur von einzelnen Klassen, z. B.
Rennie's Baukunst der Vögel besitzen. Dann aber würden wir
wünschen, es möge dem Verf. gefallen, strenger wissenschaftliche
Ausführungen und literarische Nachweisungen in Anmerkungen in
einem Anhange beizufügen, wie in seinem vortrefflichen Werke „die
vorweltlichen Schöpfungen verglichen mit der gegenwärtigen" aus
dem Holländischen von Martin, mit einem Vorworte von Schlei-
den. Leipzig 1859.
Einen eigentlich auch mehr populären Charakter
haben die Arbeiten von Huxley und Lyell, welche
das Yerhältniss des Menschen zum Affen und das Alter
des Menschengeschlechts besprechen. Huxley hielt
im Jahre 1860, 1861 und 1862 eine Anzahl Vorlesungen
für Arbeiter in der Royal school of Mines in London und
in der Philosophical Listitution in Edinburgh. Der Inhalt
derselben erschien im Januar d. J. erweitert in der Schrift:
Evidence as to Man's place in Nature. London Williams
and Norgate.
Bericht über die leistimgen in der Naturgeschiclite
der Vögel währeud des Jahres 1862.
Von
Dr. G. Hartlaub
in Bremen.
Man darf das Jahr 1862 mit einigem Rechte als ein
für die Förderung der Ornithologie glänzendes bezeichnen.
Ganz abgesehen davon^ dass sich andauernd eine erfreuliche,
vielseitige und fruchtbare Theilnahme für unsere Wissen-
schaft kund giebt^ dass neue und tüchtige Kräfte für die-
selbe wirksam wurden^ sind es einige Erscheinungen auf
dem Gebiete der ornithologischenLitteratur, welchen wir
eine hervorragende Bedeutung beilegen zu müssen glau-
ben. Als solche verdienen Jerdon's „Birds of India"
und Schlegel's „Musee des Pays Bas'^ gleich hier na-
mentlich hervorgehoben zu werden. Immer mehr erwei-
tern sich aber auch räumlich die Gränzen unseres orni-
thologischen Wissens. Eines nach dem anderen schwinden
die Bollwerke, welche bis jetzt gewi-sse Gebiete unseres
Planeten speciellerer Forschung unzugänglich gemacht
hatten. Wir sehen sie fallen vor dem beharrlich wieder-
holten Andringen kühner und begabter Reisenden, deren
einzige Genugthuung es bleibt, der Wissenschaft ein
zuvor unbetretenes Feld eröffnet, eine neue Bahn gebro-
chen zu haben. Es sei hier nur Robert Swinhoe's
gedacht, mit dessen Namen unsere Kenntniss von den
Vögeln China's und Formosa's ruhmvoll und für im-
mer verbunden bleiben wird. Eine ganz specielle Auf-
merksamkeit hat sich ferner, namentlich von englischen
Forschern ausgehend, M a d a g a s c a r zugewendet_, dem
wunderreichen Schöpfungscentrum des indischen Oceans,
dessen faunisch - eigenthümliche Verhältnisse gerade jetzt,
Archiv f. Naturg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd. C
34 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Darwin' scher Theorie gegenüber, eine höhere Bedeutung
gewinnen. Wenn wir gut unterrichtet sind, bereitet sich
übrigens noch von ganz anderer Seite ein naturwissen-
schaftliches Explorationsunternehmen im grösseren Maas-
stabe für Madagascar vor, bei dem, sollte es gelingen,
gerade der Ornithologie ihr volles Recht zu Theil wer-
den würde.
In der Oologie nach den Sturmfluthen der letzten
Jahre ruhiges Fahrwasser.
C. Sundevall „Ett Försök att bestämme de af
Aristoteles omtalade Djurarterna I.^ Separatabdruck aus
den Kongl. Svensk. Vetensk. Handiing. IV. Nr. 2. Foglar
p. 62 — '108. Eine von grosser Gelehrsamkeit zeugende
ausführlich und- kritisch eingehende Abhandlung, in wel-
cher zum ersten Male versucht wird, in den Yögelna-
men des Aristoteles die ursprünglich mit ihnen gemein-
ten Arten wiederzufinden. In der Anwendung aristote-
lischer Bezeichnungen auf moderne Gattungen hatte be-
kanntlich die grösste Willkür stattgefunden, und es ist
nur zu bedauern, dass das Kecht der Priorität in dieser
Hinsicht die sprachlich gebotenen Aenderungen nicht zu-
lassen wird.
J. Lubbock berichtet in Natur. Historj Review
vom Januar p. 26 bis 52, über die in den Pfahlbauten der
Schweiz gefundenen Vogelknochen.
Darnach hätten zur Zeit der Steinperiode gelebt: Aquüa fulva,
Haliaetos, Falco milvus, palumbarius, nisus, Strix aluco, Sturnus
vulgaris, Cinclus aquaticus, Columba palumbus, Tetrao bonasia, Ar-
dea cinerea, Ciconia alba, Fulica atra, Larus, Cygnus musicus, Anser
ßegetum, Anas boschas und Anas querquedula.
P. L. Sclater schreibt im „Ibis^ sehr instruktiv
„über die in der Nationalausstellung zu London gezeigten
Vogelpruppen'^. Fast sämmtliche Colonien hatten ihren
Beitrag geliefert. Der Grad der Kunstfertigkeit im Aus-
stopfen und in naturgemässer Stellung war begreiflich ein
sehr verschiedener. Wir wollen bei dieser Gelegenheit
den Ausdruck unseres Bedauerns und unseres Missvergnü-
der Vögel während des Jahres 1862. 35
gens nicht zurückhalten über die schmähliche Vernach-
lässigung, welche die äussere Behandlung der Vögel in
den meisten grösseren Sammlungen erfährt. Kaum eine,
die im Punkte der Naturwahrheit, Sauberkeit, Schönheit
und Eleganz nichts zu wünschen übrig Hesse. London steht
hier entschieden über Paris. Die herrliche Sammlung im
Reichsmuseum zu Leyden kania keinen aufrichtigeren Be-
wunderer zählen, als wir es sind, aber mit der äusseren
Behandlung der Vögel können wir uns nicht zufrieden
erklären; so wenig wie in Berlin und Dresden. Dieser
Tadel trifft nun allerdings nur Nebensächliches, der wis-
senschaftliche Kern der Sache bleibt von ihm unberührt;
aber wir bekennen uns gern zu der Schwäche, beim Be-
suche einer ornithologischen Sammlung einiges Gewicht
zu legen auf den Eindruck ästhetischen Wohlgefallens.
Dr. J. G. Fischer: „Aus dem Leben der VögeP.
Eine naturpsychologische Skizze. Broschüre von 61 Seiten.
Auf eigenen Beobachtungen und Erfahrungen beruhend
und schon darum sehr der Beachtung werth. Scheit-
lin, Michel et, A. Brehm und Bechstein erfahren
die ihnen gebührende Berücksichtigung.
Dr. Pu che ran: ,,Sur la production de la voix chez
les oiseaux a long cou^ Instit. 1861. p. 153.
C ab an i s' „Journal für Ornithologie^ und S cl a t e r's
„Ibis^ hatten erfreulichen und ungestörten Fortgang. Auf
den speciellen Inhalt beider Zeitschriften wird dieser
Bericht zurückkommen.
Auch von Reichenbach' s „Handbuch der Ornitho-
logie" erschienen einige neue Fortsetzungen. Wiederholt
müssen wir auf die Unentbehrlichkeit dieser umfangrei-
chen und schwierigen Arbeit für Sammlungen hinweisen.
Die jüngst gelieferten xlbblldungen der Fringilliden haben
uns mehr zugesagt als manche der früheren.
Unter dem Titel : „Museum des Bays-Bas, Revue me-
thodique et critique des collections deposees dans cet etablis-
sement^ hat Schlegel angefangen, die ornithologischen
Schätze der Leydner Sammlung zu verzeichnen und im
vollsten Sinne des Wortes wissenschaftlich zu verwerthen.
36 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Eine Riesenarbeit, deren Bedeutung nur der ganz ermessen
kann^ welcher diese Sammlung aus eigener Anschauung
kennt. Von allen bis jetzt veröffentlichten Verzeichnissen
grösserer Vogelsammlungen kann sich mir eines an Um-
fang und Gehaltsfülle mit diesem Catalogue raisonne S c h 1 e-
g e l's entfernt vergleichen, nämlich H o r s f i e 1 d's und M o o-
r e's noch unvollendeter ^Catalogue of the Birds in the Mu-
seum of the Hon. East India Company^. Dieses letztere treff-
liche Werk giebt den biographischen und synonymischen
Theil weit vollständiger, entbehrt aber dafür der Beschrei-
bungen und zahlreicher kritisch-vergleichender Noten, und
gerade diese beiden Theile sind es, welche der Arbeit
Sc biege l's den Reiz und auch den Nutzen wirklicher
Monographien verleihen. Im „Musee des Bays-Bas^ finden
sich bei jeder Art 1) vollständiger Nachweis über sämmt-
liche in der Sammlung vorhandenen Exemplare derselben;
2) die Beschreibung der hauptsächlichsten Farbenkleider
nebst Messungszahlen; 3) synonymisch-kritische Bemer-
kungen, wo dies erforderlich ; 4) einiges Hauptächliche über
die Lebensweise ; 5 j genaue Angabe der monographischen
Verbreitung; und 6) in vielen Fällen anmerkungsweise
die Beschreibung u. s.w. der zwar nicht in der Leydener
Sammlung vorhandenen aber der monographischen Voll-
ständigkeit halber aufzuführenden übrigen Arten der ge-
rade behandelten Gattung. Wir begegnen inSchlegel's
Buche den Typen Level Hanfs, Temmink's, Cuvier's,
Bonap arte's.
Bis jetzt wurden catalogisirt die Buceros (43 Arten in 151 Ex.),
die Falcones (44 Arten in 327 Ex.) , die Aquilae (22 Arten in
161 Ex.), die Astures (56 Arten in 298 Ex.), die Asturinae (15 Arten
in 51 Ex.), die Buteones (32 Arten in 184 Ex.), die Müvi (16 Arten
in 72 Ex.), die !Pernes (9 Arten in 43 Ex.), die Polybori (9 Arten
in 28 Ex.), die Vultures (21 Arten in 80 Ex.), die Oti (37 Arten
in 170 Ex.), die Striges (58 Arten in 245 Ex.), die Circi (12 Arten
in 116 Ex.), die Pittae (29 Arten in 100 Ex.). Die Leydener Samm-
lung zählt also, um dies noch einmal hervorzuheben, 331 Arten
von Raubvögeln in nicht weniger als 1884 Exemplaren, Skeleten
und einzelnen Skelettheilen! — Jede dieser Gruppen ist besonders
paginirt. Es sollen jährlich etwa 25 Bogen erscheinen.
J. Cassini ,,Catalogue of Birds collected by the
der Vögel während des Jahres 1862. 37
United States North Pacific Snrveying and Exploring
Expedition in command of Capt. Rodgers, with notes, de-
scriptions etc. Proceed. Acad. N. H. Philadelpli. p. 312.
Nicht unwichtig. Die Hauptstationen, wo gesammelt
wurde, w^iren: Japan, China, Californien, Behringstarsse,
Gaspard-island zwischen Java und Sumatra, Cap d. g. H.,
NeuirL-ind , Loo - Chooinseln , Boninsima , Kamtschatka,
Sitka, Formosa. Gewöhnhch nur Namen; aber manchen
Arten sind kritische Bemerkungen beigefügt.
Europa.
Von Fritsch's „Vögel Europa's" erschien eine 8te
Lieferung.
Der „Ibis'^ bringt eine eingehende und sehr beach-
tenswerthe Recension von Blasius und Baldamus
Fortsetzung vonNaumann's Vögeln Deutschlands" p40,
in welcher dieser fleissigen Arbeit die ungetheilteste An-
erkennung zu Theil ward. Hinsichtlich der vielbespro-
chenen nördlichen Falken (gjrfalco, islandicus, candicans,
groenlandicus etc.) vertheidigt der Verf. sachkundigst
eine abweichende Ansicht.
Von Bädeker's „Eiern der Vögel Europa's'^ er-
schien ein 8ter Theil. Eine vollendetere künstlerische
Behandlung des Gegenstandes scheint uns kaum denkbar.
Ch. F. Dubois „Planches coloriees des Oiseaux de
l'Europe et de leurs oeufs, especes non observees en
Belgique etc. Ein dreizehntes Heft dieser mit Fleiss und
Beharrlichkeit fortgeführten nützlichen Arbeit liegt vor
uns. Die Mehrzahl der Abbildungen verdient Lob ; ein-
zelne sind hart und unnatürlich, als z. B. Emberiza pi-
thyornus ! Was konnte Dubois zu der seltsamen Willkür
verleiten die Pyrrhula githaginea als Serinus desertorum
einzuführen?
Von J. Gould's lange erwartetem Prachtwerk ,;The
Birds of Great-Britan" erschienen, jedes 15 Tafeln enthal-
tend, die beiden ersten Theile. Wir sahen dieses Werk
noch nicht, aber, eingedenk des Genusses, welcher uns
38 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgescbichte
schon vor Jahren durch den Anblick der Originalabbil-
dungen in Gould's Atelier zu Theil wurde, glauben wir
die Versicherung geben zu können, dass diese neue Ar-
beit Gould's dessen frühere wo möglich noch übertrifft.
Was uns damals zu Gesicht kam, war in Zeichnung und
Colorit unvergleichlich. Die künstlerische Beihülfe Wo If s
und Richter's wird von P. L. Sclater im Ibis speciell
hervorgehoben.
Charles Boner: ^Forest Creatures^ IVol. 12. Lon-
don. Der Verfasser beobachtete selbstständig im südlichen
Deutschland und in der Schweiz. Soll unter Anderem Be-
merkenswerthes über die grossen Waldhühner enthalten.
V/ir sahen das kleine Buch noch nicht.
Mrs. Hugh Blackburn: „Birds drawn from Na-
ture*^ London 8. (Ibis p. 291) wird sehr gerühmt der le-
bensvollen und naturgetreuen Auffassung der behandelten
Arten halber.
R e V. C. A. Johns: „British Birds in their haunts^
with illustr. on wood, 1 Vol. 626 Seiten. Wurde von
der Society for promoting Christian Knowledge ver-
öffentlicht.
Sclater veröffenlicht im Ibis eine sehr gelungene
Uebertragung von B la s i u s' Ornithologischem Briefe über
Helgoland an Baldamus. (Naumannia 1860.)
„Reise nach Island im Sommer 1860.^ Mit wissen-
schaftlichen Anhängen von Will. Preyer und Dr. F.
Zirkel. Ein Band von 500 S. mit hübschen Abbildun-
gen und sehr guter Karte. Mit einiger Ausführlichkeit
werden in dem zoologischen Anhange von William
Preyer die Vögel behandelt, S. 384 bis 431. Als Stand-
vögel werden 82 Arten, als zufällig anwesend 21 nam-
haft gemacht. lieber einzelne seltnere wird ausführlicher
berichtet, so über Corvus leucophaeus, den Preyer nur als
höchste Altersstufe betrachtet, über Falco arcticus, Fuli-
gula Barrowii u. s. w. Alca impennis sei sicher als aus-
gestorben zu betrachten.
Von C. Sundevall's mehrfach erwähntem Werke
«Svenska Foglarna^ sahen wir die Fortsetzung bis zu Ta-
der Vögel während des Jahres 1862. 39
fei 56 und bis zu Seite 124 des Textes. Die Abbildungen
in den späteren Heften gefallen uns sehr gut.
H. Fischer: ^Bemerkungen über die Vögel Däne-
mark's mit besonderer Rücksicht auf Vendsyssel im nörd-
lichen Jütland.^^ Kroyer Naturhist. Tijdschr.
E. Schauer schildert in Cabanis' Journal für Or-
nithologie recht lebhaft und anziehand seinen ornitholo-
gischen Ausflug in die Central carpathen (Juli und August
1861). Die echt alpinen Arten Accentor alpinus und Ti-
chodroma wurden mit der Begeisterung des Sachkenners
begrüsst. In der Höhe von 5U00 Fuss ein junger Kukuk
im Neste von Anthus spinoletta. Bei uns rief die Leetüre
dieser Arbeit angenehme Erinnerungen an einen Besuch
des Tatra im Spätsommer des Jahres 1835 zurück. Auch
wir sahen damals Tichodroma mit ausgebreiteten Flügeln
schmetterlingsartig an den heissen Felswandungen des
Drechselhäuschenthales kleben! und dicht daneben den
Apollo an den blauen Blüthenkelchen der Gentiana ascle-
piadea! tempi passati. — —
Dr. Krüper fährt fort instructive und reichhaltige
ornithologische Notizen aus Griechenland zu veröffentli-
chen. Caban. Journ. f. Ornith. p. 360. Neophron, Vultur
fulvus und cinereus, Gypaetos u. s. w. Krüper ist ein
feiner Beobachter und schreibt gut. Mit Vergnügen liest
man z. B. seinen Ausflug in die Waldungen hinter der
kleinen Klissura.
Alex. V. Homeyer verdanken wir eine erste und
sehr treffliche grössere Mittheilung über die Vögel der
Balearen. Eine physiographische Einleitung verbreitet
sich über die klimatischen, geologischen und botanischen
Verhältnisse jener Insel_, schildert in grossen Zügen ihre
Thierwelt und ist ganz geeignet, den Leser vorbereitend
zu Orientiren.
An 100 Arten konnten beobachtet werden ; unter diesen Falco
Eleonorae, Galerida Teclae, Sylvia orphea, melanocephala, sarda,
Nattereri, cetti, eine constante Lokalrasse des Kreuzschnabels, Ibis,
Glareola, Fulica cristata etc. Caban. Journ. f. Ornith. p. 242.
40 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Asien.
Von Gould's ;,The Birds of Asia'^ erschien part XIV
mit schönen Abbildungen:
Prioniturus setarius, Pr. flavicans, Pr. spatuliger, discurus,
Tantalus leucocephalus, Grandala coehcolor, Harpactes ardens, Pica
leucoptera, Leiothrix argentauris, Siva strigula, Siva cyanuroptera,
Ixulus occipitalis, Ixuhis flavicoUis, Limnodromus indicus und Gotur-
nix erythrorhj^ncha. Der nächste Theil dieses Prachtwerkes wird,
so vernehmen wir, nur die vonE. Swinhoe aufFormosa entdeckten
Novitäten enthalten.
T. C. Jerdon: ;,The Birds of India^ beeing a na-
tural history off all the Birds known to inhabit Continen-
tal-India; with descriptions of the species^ genera^ families,
tribes and Orders and a brief notice of such families as
are not found in India^ making it a manual of Ornitho-
logy etc. 2 Vol. Calcutta.'^ Diese treffliche Arbeit zur
Kenntniss seiner Leser zu bringen^ gereicht Ref. zu be-
sonderer Genugthuung. Es ist die wichtigste Vorlage
des diesjährigen Berichts. Vorbereitende Studien wäh-
rend eines ununterbrochenen Aufenthaltes in Indien von
nahezu 25 Jahren konnten den uns längst als tüchtigen
Ornithologen bekannten Verfasser in ungewöhnlichem
Grade befähigen, die Avifauna jenes kolossalen von ihm
nach allen Richtungen hin bereisten und zoologisch durch-
forschten Ländercomplexes zu schreiben. Die geographi-
schen Gränzen für dieses Werk bilden im Norden die
Wasserscheide des Himalaja, im Osten der Teestafluss
bis zu seiner Verbindung mit dem Bramapootra und die-
sen Fluss abwärts bis zum bengalischen Meerbusen, im
Westen der Indus von seinem Austritte aus den Hügeln
bis Kurrachee und im Süden das Cap Comorin. Die Ein-
leitung (45 S.) behandelt mit vielem Geschicke und ge-
nügend vollständig die wichtigeren allgemeinen Gesichts-
punkte der Naturgeschichte der Vögel und insbesondere
der Vögel Indiens : Anatomie, Physiologie, Classifikation,
Lebensweise, Fortpflanzung, geographische Verbreitung,
Literatur u. s. w. Jede Art wird, nachdem das Genus charak-
terisirt, in ihren wichtigsten Farbcnklcidern beschrieben
der Vögel während des Jalires 1862. 41
und in ihrer Lebensweise wie in ihren Yerbreitungsgr än-
zen geschildert. Nur selten fehlt die Farbe der Iris und
anderer Weichtheile. Der synonymische Theil beschränkt
sich mit guter Critik auf das Wichtigste. Der erste uns
vorliegende Theil umfasst die Rapaces und Incessores zum
Theil: 372 Arten. Wir bedauern sehr, dass, aus Furcht
den Umfang des Werkes zu sehr anzuschwellen, Assam,
Sylhet, Tij^perah, Chittagong, Burmah, kurz die Fauna-
Gebiete indo-chinesischen Gepräges, ausgeschlossen blieben,
und trösten uns nur mit der Hoffnung, Jerdon werde
sein Wort wahr machen und die Vögel dieser Länder
nachträglich in Form eines Anhangs beschreiben.
T. C. Jerdon be'schreibt im Ibis einige neue Vögel
Ober-Burmah's, einer ornithologisch noch wenig durch-
forschten Lokalität. Plauptsächlich wurde beobachtet um
Thayetmyo , einer Gränzstation Upper - Burmah's. Auch
manches über schon bekannte aber seltnere Arten, als
Chatarhaea gularis, Ch. Earlei, Pratincola leucura, Lanius
hypoleucus u. s. w. Zu den grössten Zierden der Vogel-
welt dieser Gegenden zählt aber unbedingt die reizende
kleine Crypsirhina cucullata , eine Uebergangsform zu
Dendrocitta, welche begründete Ansprüche auf generische
Isolirung hat.
Rev. F. Mason: „Burmah, its people and natural
productions etc. 1 Vol. Rangoon.'^ Der ornithologische
Abschnitt in diesem Buche nach Blyth, Major Phayre
u. s. w. Soll manches Irrthümliche enthalten und nament-
lich viel sinnentstellende Druckfehler.
Noch weitere Nachrichten über die Vögel Burmah's
finden sich in einem Briefe W. T. Blandford's anBlvth
(Journ. Asiat. Soc. of Bengal) über die Fauna Pegu's.
Die Thierwelt Ober- und Niederburmah's hat wenig Ge-
meinschaftliches. Blandford beobachtete viel an den
Ufern des Yrawaddi.
Gute biologische Notizen über einige noch wenig bekannte
Arten, als Crypsirhina cucullata, Pericrocotus albifrons Temenuchus
burmesianus, Chatarhaea gularis, Mulleripicus Heddeni etc.
E. Blyth veröffentlicht im Ibis zahlreiche Noten
über indische Vögel. S. 385. Er rühmt daselbst unter
42 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Anderem den Gesang vonLoriculus pumilus als die beste
Leistung dieser Art unter sämmtlichen Psittaciden. Er
übertreffe das kaum melodiös zu nennende Zwitschern von
Melopsittacus medulatus bei weitem.
RobertSwinlioe schildert in gewohnter anziehender
Weise seine ornithologischen Ausflüge umFoochow. Die Bei-
träge dieses trefflichen Forschers zu unserer Bekanntschaft
mit den Vögeln China's sind jetzt so zahlreich^ dass wir
allmählich anfangen von einer Ornithologie dieses Landes
reden zu können. Swinhoe's Erfolge in dieser Richtung
sind schon jetzt glänzend zu nennen^ und sein warmes
naturwissenschaftliches Literesse wie die Yortheile seiner
Stellung zu jenen uns noch so unvollkommen bekannten
Gegenden berechtigen zu grossen Erwartungen.
Wir erfahren allerlei Bemerkenswerthes über Pelecanus crispus,
Gallinago megala, Cygnus minor, Anas falcaria, clypeata, boschas,
vulpanser, rutila, marila, cristata; über Emberiza personata, Pratin-
cola ferrea, Corous pectoralis, ürocissa sinensis, Garrulus ornatus,
Janthia rufilata, Turdus daulias, Phasianus torquatus etc.
Robert Swinhoe: ;,Ueber einige Vögel von Tient-
sien, gesammelt vonM. Fleming.^ Proceed. p.315.
Es handelt sich um 56 Arten. Die Lokalität scheint eine
sehr interessante zu sein und bietet manches Uebereinstimmende
dar mit Japan : Circus melanoleucus, Tinnuncalus vespertinus, Falco
subbuteo, Accipiter soloensis, Ninox japonicus, Arundinax olivaceus
BL, Larvivora gracilis Sw., Tehitrea Incei, Xanthopygia leucophrys,
Turdus sibiricus, pallens, fuscatus, Otocorys penicillata, Emberiza
rutila, E. Stracheyi, Picus major, Chibia hottentotta, Cuculus canorus,
Rallus indicus u. s. w.
Anticipirend sei hier noch der brillanten Entdeckun-
gen Swinhoe's in dem uns bis jetzt so absolut verschlos-
sen gebliebenen Formosa bekannt. Wir kennen seine
schönen Novitäten zum Theil aus eigener Anschauung und
werden im nächsten Jahresberichte derselben ausführlicher
gedenken.
Capt. Blakiston: „On the Ornithology of Northern
Japan.^ Ibis p. 309. Nach einer instructiven Beschreibung
der Oertlichkeiten schildert der Verfasser seine Excur-
sionen in den Umgebungen von Hakodadi mit vielem
Talente.
der Vögel während des Jahres 1862. 43
Ueber die seltneren Arten wird ausführlicher berichtet , so
über Sitta roseilia, Parus rubidus, Garrulus Brandtii, Bonasia syl-
vestris, Turdus Naumanni, fuscatus und cardis.
In Atkinson's Werke über die Amnrgegenden
befindet sich als Anhang ein mageres Namensverzeichniss
der dort beobachteten Vögel. Ziemlich wertblos.
L. V. Schrenk: ^Zoologische Nachrichten vom Us-
snri und von der Südküste der Mandschurei, nach Samm-
lungen und brieflichen Mittheilungen von Herrn Maxi-
mo witsch u. s. w. Bullet. Acad. Imp. des Sc. St. Pe-
tersb. IV. p. 180.
Das Birkhuhn jener Gegenden weicht in nichts von unserem
europäischen ab. Bombycilla phoenicoptera wurde am Ussuri erlegt.
Die Umgegend von Busseva am Ussuri lieferte 30 bis 40 Arten.
Auch in dem Aufsatze „Nachrichten vom Sungariflusse" findet sich
manches Ornithologische.
Dr. Pucheran: „Essai de determlnation des cha-
racteres generaux de la Faune de la nouvelle Guinee."
Compt. rend. 54. p. 380.
V. Rosenberg: „Overzigts -Tabellen voor de Or-
nithologie van den Indischen Archipel, en Verbeteringen
en Biyvoegsels tot de tabellen etc.^ Act. Societ. Ind.
Neerland. Vol. V. Diese Arbelt umfasst die Formen Eu-
rylaimus, PItta, Melliphaga, Nectarinia, Merops^ Buceros,
Alcedo und Bucco; das geographische Gebiet die Sunda-
inseln^ Java, Sumatra, Borneo, Celebes, die Molukken
und die Papualänder. Nicht unwichtig. Sclater beklagt
sich mit vollem Rechte darüber, dass Rosenberg aus
seinem Aufsatze über die Psittaciden jener Länder Ver-
schiedenes entlehnt, ohne seine Quelle namhaft zu machen.
P. L. S clat er veröffentlicht im Ibis p. 95 ein Schrei-
ben von V^^ all ace über die Ornithologie der Insel Bourou.
Dieselbe trägt ganz molukkischen Charakter, ist aber
überhaupt ein armes Gebiet. Die Formen Lorius, Buce-
ros und Cacatua fehlen gänzlich.
A. R. Wallace: „On some Birds from the Northern
Molucca's.^ Ibis p. 348. Geht namentlich auf Gilolo und
die kleine nördlich davon gelegene Insel Mortj.
A. R. Wallace: „List of BIrds from the Sulais-
44 Hartlaub: Bericlit üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
laiids, east of Celebes ctc.^ Proceed. Zool. Soc. p. 233.
Sehr ^'ichtig. Drei Inseln, jede etwa 50 engl. Meilen lang
und 12 — 15 breit. Der zoologische Charakter ist ein Ge-
misch von molukkischem und celebesischem. Allen
sammelte daselbst 48 Arten, wovon 7 der Gruppe eigen-
thümlich anzugehören scheinen. Mit Celebes sind dage-
gen 25 und mit den Molukken 13 Arten gemeinschaftlich.
Die geographische Verbreitung ist sehr zweckmässig tabel-
larisch erläutert.
Jules Verreaux und Desmurs veröifentlichen
Nachträgliches über die Vögel Neucaledoniens. Rev. zool.
p. 129, und Rev. Tri stra m Zusätze zu seiner Arbeit über
die Ornithologie Palästina's. Ibis p. 218. (Merops viridis,
Caprimulgus sp. n., Buteo rufinus etc.)
Afrika.
J. H. Gurney fährt fort nach den Sammlungen und
handschriftlichen Mittheilungen von Th. Ayres über die
Ornithologie Natals zu schreiben. Ibis p. 25 und 149. Die
über die Lebensweise der dort vorkommenden Arten an-
gestellten Beobachtungen sind im hohen Grade werthvoll
und bekunden ein ungewöhnliches Talent.
Ueber manche noch wenig bekannte Arten wird uns Auskunft,
so z. B. über Macronyx Ameliae, Phrynorhamphus capcnsis, Tchitrea
perspicillata, Corythaix porphyreolophus, Yunx pectoralis. Dendro-
mus Smithii, Circaetos fasciolatus, Mycteria senegalensis, Parra afri-
cana, Thalassornis leuconotos. Aber auch über bekanntere erfahren
wir Neues, so über Haliaetos vocifer.
Ref. hatte das Vergnügen über einige weniger be-
kannte Vögel der Capcolonie nach den Sammlungen E.
L. Layard's berichten zu können. Ibis p. 143 — 149. Bei-
gefügt wurden w^erthvolle schriftliche Notizen über die
Verbreitung und Lebensweise der seltneren Arten. Als
solche mögen hier Hirundo holomelas und dimidiata ge-
nannt sein.
Joachim Monteiro: „Notes on Birds collected
in Angola in 1861.'^ Ibis p. 333— 342. Nahezu 40 Arten;
genaue Angabe des Vorkommens und kurze aber werth-
der Vögel während des Jahres 1862. 45
volle'Notizen über die Lebensweise derselben. Ref., dem
diese sauber gehaltene Sammlung zur Bestimmung mit-
getheilt Avurde, glaubt verschiedenes Unbeschriebene in
derselben entdeckt zu haben, so z. B. eine schöne grosse
mit Hir. senegalensis nahe verwandte Schwalbe, eine der
Nectarinia cuprea Senegambiens ähnliche aber bestimmt
verschiedene Art u. s. w. Corythaix paulina, in Samm-
lungen noch zur Zeit die grösste Seltenheit, scheint um
Pungo Andongo nicht selten zu sein. Sehr interessant
ist, was Monteiro über Bucorax abyssinicus var. mer.
berichtet.
Von Heuglin erhielten wir wiederholt wichtige
ornithologische Mittheilungen aus den von ihm bereisten
Gegenden Nordost- und Centralafrika's, deren YeröfFentli-
chung in Cabanis Journal und in Petermann's Geogra-
phischen Monatsheften erfolgt ist. Heuglin gehört
zweifelsohne zu den begabtesten, eifrigsten und geübtesten
Beobachtern unserer Zeit. Wir verdanken ihm, nament-
lich betreffs der geographischen Verbreitung, die werth-
vollsten Aufschlüsse, und können nur wünschen, dass er
fortfahren möge auf seinen gefahrvollen nur im Interesse
der Wissenschaft unternommenen Wanderungen auch den
Vögeln einige Aufmerksamkeit zu schenken. Wir ent-
halten uns zunächst jeder Kritik hinsichtlich der von
ihm als neu beschriebenen Arten. Erst die sorgfältigste
vergleichende Untersuchung der Originalexemplare kann
hier Licht bringen. Dass ein grosser Theil derselben
übrigens wirklich unbeschrieben, erscheint uns ausgemacht.
Wir verweisen auf T h. v. Heuglin „die vertikale Ver-
breitung der Säugethiere und Vögel in Abyssinien.'^ Pe-
term. Geogr. Mittheil. p. 244 und Caban. Journ. Heft 4.
Die vertikale Verbreitung der Vögel in Habesch (mit
beigefügten Notizen über die Lebensweise).
L. Maillard; „Notes sur l'ile de Reunion" (Bour-
bon). Paris 1 VoL 8.
In diesem Buche werden 36 Vögel als daselbst vorkommend
namhaft gemacht, so unter anderen Falco radama mit ?, Cora-
copsis vaza ! . Fregilupus capensis, Oxynotus ferrugineus, Passer do-
rnest! cus, Margaroperdix striata Herodias calceolata . Pterodroma
46 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
aterrima. Wir vermissen nähere Angaben über den Zeitpunkt der
Importation gewisser Arten, die ursprünglich nur auf Madagaskar
anzutreffen. Zum Schlüsse kritische Noten von Jules Verreaux.
Dr. A. Hellma n veröffentlicht in Petermann' s Geogr.
Mittheilungen ein Namensverzeichniss der von der Expe-
dition H eng lin's um Keren gesammelten Yögelarten. Von
sehr zweifelhaftem Werthe schon darum, weil H e u g 1 i n s
„neue^^ Arten zum grossen Theil der Bestätigung bedür-
fen. Dann allerlei Unsinn in der Rechtschreibung der
Namen, als z. B. Prionops polycephalus (vielköpfig!) für
poliocephalus (grauköpfig).
S. Roch and E. Newton: „Notes on Birds obser-
ved in Madagascar." Ibis p. 265. Schon der Unvollstän-
digkeit unseres Wissens von den Vögeln Madagaskars
halber sehr wichtig. Die Reiseroute war die gewöhnliche
von Tamatave nach Antananarivo, der Hauptstadt der Ho-
vadynastie.
Ueber manche .der seitnern Arten erhalten wir hier willkom-
menen Aufschluss, so z. B. über Falco radama, Falco gracilis, Ate-
lornis pittoides. Dicrurus forficatus , Hartlaubia madagascariensis,
Leptopterus viridis. Es schien in der That für Madagaskar eine
neue Aera unserer Erkenntniss beginnen zu wollen, aber die neue-
sten politischen Ereignisse dürften wenigstens zunächst allem weite-
ren Fortschritte ein Ende machen.
Amerika.
P. L. Sclater: „Catalogue of a collection of Ame-
rican Birds 1 Vol. 8.'-' 338 S. London. Trübner. (Passe-
res, Scansores und Fissirostres.) Diese wichtige bereits
im vorigen Jahresberichte von uns nach Verdienst ge-
würdigte Arbeit liegt uns jetzt vollendet vor und können
wir uns darauf beschränken, nochmals auf die Bedeutung
derselben hinzuweisen. Bei dem Gewichte, welches man
jetzt Sclater's Urtheil in Bezug auf die Ornithologie
Amerika's beizumessen pflegt, war es nicht gleichgültig,
das Material kennen zu lernen, welches seiner Special-
kenntniss zum Grunde liegt.
„The Birds of North America'^ (the descriptions of
species chiefly based on the collection in the Museum of
der Vögel während des Jahres 1862. 47
the Smithsonian Institution) hy Sp. F. Baird^ with Coo-
peration of John Gas sin and G. Lawrence. Atlas
100 plates. Die eine Hälfte der Abbildungen dieses
schönen Kupferwerkes ist nur reproducirt aus den Reiports
der Surveying Expeditions^ die andere ist aber ganz neu.
Die Zahl der hier zuerst und grossenthcils in Lebens-
grösse abgebildeten Arten beträgt 148. Näheres im spe-
ciellen Theile.
Capt. Blakiston: ;,0n Birds collected and obser-
ved in the Interior of British North- America." Forts. Es
wurden etwa 120 Arten beobachtet und zwar namentlich
auf dem Gebiete des Saskatchevan. Das Verzeichniss
giebt, wie schon bemerkt^ wenig mehr als die Namen.
Der eifrige amerikanische Naturforscher R. Kenni-
cott sammelt und beobachtet jetzt am Yukon und Por-
cupine auf dem bis jetzt so gut wie unbekannten Boden
des inneren russischen Amerika.
Dr. H. Bryant: „On some of the Birds that breed
in the Gulf of St. Lawrence." Proceed. Bost. Nat. Hist.
Sog. Vol. VIII. p. 65. Ornithologische Ergebnisse einer
Excursion nach Labrador im Sommer 1860 um Eier zu
sammeln und den Haushalt der dort lebenden Vögel ken-
nen zu lernen.
Die Schilderung des Beobachteten ist lebhaft und instructiv
und verbreitet sich ausführlicher über Somateria mollissima, Sula
bassana, Phalacrocorax carbo, Ph. bilophus, Thalassidroma Leachii,
Larus marinus und argentatus, Alca torda, Uria grylle, troile, ringvia
und lomvia.
B er nard H. Ro ss „List of Mammals, Birds and eggS;
observed the M'Kenzie River district, with notices." Ca-
nadian Naturalist and Geologist 1862. p. 133 — 155. Haupt-
sächlich Vorkommen und Verbreitung berücksichtigend.
Auch im Natur. Hist. Review für Juli 1862 findet sich
eine Mittheilung vonR o s s über die Fauna des Mackenzie.
A. E. Verrill: „Notes on the Natural History of
Anticosti." Proceed. Soc. Nat. Hist. Boston. Vol. IX.
Sehr hübsch. Nach einer guten allgemein -physiographi-
schen Einleitung über die Küsten Canada's wird über 62
48 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
auf der Insel Anticosti beobachtete Arten berichtet, tind
zwar selbstverständlich ausführlicher über die Natatores.
Brütend wurden angetroffen : Cataractes ringvia, troile, Uria
grylle, Mormon arcticus, Utamania torda, Colymbus septentrionalis.
C. torquatus, Bissa tridactyla, Larus argentatus, Phalacrocorax carbo,
Mergus serrator, Somateria mollissima, Bernicla canadensis, Harelda
glacialis und Tringoides macularia.
G. A. Board man: „Catalogue of Birds formed in
the vicinitj of Calais, Maine and ab out the islands at the
mouth of the bag of Fundy." Proceed. Bost. Soc. Nat.
Hist. Sept. 1862." Neu edirt und in systematische Form
gebracht von A. E. Ver rill. Namen und Angaben über
die Zeit des Vorkommens. Ziemlich dürftig, aber im-
merhin von einiger Wichtigkeit als zool. - geographisches
Document.
Dr. H. Bryant: „Notes on the Birds of East-Flo-
rida." Proceed. Bost. Soc. Nat. Hist. Vol. IL
G. C. Taylor beschreibt anschaulich und lebhaft
seinen fünfwöchentlichen Frühlingsaufenthalt auf der Halb-
insel Florida behufs ornithologischer Studien. Ibis p. 197.
Dr. J. Gundlach veröffentlicht wichtige Zusätze
und Berichtigungen zu seinen Beiträgen zur Ornithologie
Cuba's. Caban. Journ. für Ornith. Heft 2 und 3.
Dr. A. Albrecht stellt ebendaselbst passlich zu-
sammen, was uns von den Vögeln Jamaica's bekannt.
Spencer F. Baird publicirte ein Desideratenver-
zeichniss mexikanischer, centralamerikanischer und west-
indischer Vögel mit ziemlich mangelhafter Angabe der
Lokalitäten. Nur Namen, aber als Ganzes nicht unwichtig.
E. Parzudaki: ..Catalogue des Giseaux du Mexi-
que composant les collections de M. Aug. Salle." Um-
fasst nicht weniger als 432 Arten und ist schon als Bei-
trag zur geographischen Zoologie von grosser Wichtig-
keit. Salle gehört zu den tüchtigsten Sammlern und
die Schönheit und Sauberkeit der von ihm präparirten
Häute lässt in der Tliat kaum zu wünschen über.
Cabanis brachte seine gute Arbeit über die Co-
starica-Vögel der Berliner Sammlung zum Schlüsse,
Journ. f. Ornith.
der Yögel während des Jahres 1862. 49
Ph. Lutl. Sclater, „Nachträgliclies über mexika-
nische Vögel." Proceed. p. 368.
G. N. Lawrence: „Catalogue of a collection of
Birds made in New- Grenada by James Mc'Leannan
of New- York, with notes and descriptions etc." Ann. Lyc.
N.-Y. Vol. 7. Febr. Sehr dankenswerther Beitrag zu un-
serer Kunde von einer der zoologisch reichsten Gegenden
der Welt.
H. Burmeister's zweibändiges Werk: „Reise in
die La Plata-Staaten-' mit besonderer Rücksicht auf die
physische Beschaffenheit und den Culturzustand der ar-
gentinischen Republik, enthält als in den Text eingestreut
zahlreiche ornithologische Notizen von Wichtigkeit und
am Schlüsse des zweiten Bandes einen ausführlichen zoo-
logischen Anhang. Der die Vögel behandelnde Theil des-
selben (p. 432 -521) ist vom grössten Interesse und ergänzt
durch kritische Ausführlichkeit den zuvor publicirten
Aufsatz in Cabanis' Journal. Der Reisende konnte 263
Arten beobachten, darunter eine nicht geringe Anzahl
ganz neuer. Specielle Aufmerksamkeit scheint er der
Oologie zugewandt zu haben. Wir lernen in diesem Buche
die Vögel zoologisch wenig bekannter Gebiete, wie Tu-
kuman's, Mendoza's, der Paranaufer u. s. w. kennen und
entdecken in dem über die Lebensweise mancher Arten
Mitgetheilten ohne Mühe den geschärften Blick des gründ-
lichen zoologischen Beobachters. Ein ganz besonderes
Interesse hat Burmeister's Werk für den mit Azara's
»Paxaros del Paraguay" vertrauten Ornithologen.
Ueber manuhe der wichtigeren Vögel erhalten wir hier zuerst
zuverlässige Aufschlüsse, so über Cygnus coscoroba, Sarkidiornis regia,
und zahlreiche seltnere Anatiden des Parana, über Palamedea cha-
varia, Thinocorus orbygnianus, Chunga Burmeisteri, Eudromia ele-
gansu, s. w. Soviel ist ausgemacht : Deutschland hat in Burmeister
einen seiner allertüchtigsten Naturforscher verloren!
Australien.
E. L. Layard: „Notes on the Sea-Birds observed
during a voyage in the Antarctic Ocean." Ibis p. 98. Etwas
unsicher und unbefriedigend.
Archiv f. Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. J)
50 Hartlaub: Bericlit üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
„Observations on the Birds in the Western districts
of the Province of Nelson, New-Zealand^ by Dr. Julius
Haast." Ibis p. 98 (aus dessen Report of a topogr. and
geolog. exploration West. - Distr. Nelson etc. 1 Vol. 8.
150 pag.). Julius Haast, der uns aus Hochstetter's
»Neu- Seeland" so rühmlich bekannt gewordene Regie-
rungsgeolog der Provinz Canterbury, verräth in dieser
Arbeit ein augenscheinliches Talent für ornithologische
Beobachtung.
Herodias flavirostris, Phalacrocorax varius, Falco harpe, Ocy-
dromus australis, Nestor, Strigops habroptilus , Apteryx, Callaeas
cinerea, Anthornis melanura, Haematopus picatus, sind Vögel, deren
Lebensgewohnheiten besser kennen gelernt zu haben wir Haast's
Mittheilungen verdanken.
G. R. Gray: „A List of the Birds of New-Zealand
and the adjacent Islands." Ibis p. 214. Eine jener fleissigen
mit sachkundiger Critik verfassten Zusammenstellungen,
wie wir sie aus Gray's Feder bereits über verschiedene
andere Gebiete unserer Erdoberfläche erhielten, und auf
deren w^issenschaftlichen Werth hinzuweisen wir uns auch
dieses Mal speciell verpflichtet fühlen. Die benachbarten
Inseln sind Norfolc-Island, Philip-Island, Middleton-Island,
Lord Howe's-Island, Mackaulay's- und Nepean-Island. Es
werden 173 Arten namhaft gemacht. Vollständige Angabe
der Synonymen und der betreffenden Lokalitäten. Frühere
aber ungleich weniger vollständige Aufzählungen der Vö-
gel Neuseelands finden sich in Dieffenb ach's „Travels
inNew-Zealand" und in dem bei uns in Deutschland wenig
bekannten Werke: „The Zoology of H. M. S. Erebus
and Terror." Gray hat sich um die Ornithologie Neu-
seelands insbesondere verdient gemacht.
R a p a c e s«
A. V. Pelzeln: „Uebersicht der Geier und Falken
der Kais. Ornithologischen Sammlung in Wien." Sepa-
ratabdr. aus „Verhandl. zool.-botan. Gesellscb." 370 Seiten.
der Vögel während des Jahres 1862. 51
8 ehr wichtig. Genauer Nachweis über den Ursprung jedes
einzelnen Exemplars. Critisch - synonymische Richtung.
Dann als kostbare Zugabe die handschriftlichen Notizen
Johann Natterer's über die von ihm in Brasilien beob-
achteten Arten^ bezüglich der verschiedenen Farbenklei-
der, der Lebensweise u. s. w.
Diese Arten sind Cathart. papa, foetens, aura , urubitinga
(9 Ex. in allen Gefiedera NB. ! ), Ibicter americanus , Ib. formosus
und Ib. ater, Milvago chimachima, Polyborus brasiliensis, Urubitinga
brasiliensis , U. schistacaea , U. meridionalis , U. aequinoctialis , U.
unicincta, Ichthyoborus nigricollis, Asturina nitida, Leucopternis su-
perciliaris , melanops , albicollis , scotox3tera und palliata ; Buteo
minutus , pterocles ; Spizaetos atricapillus , ornatus und tyrannus ;
Morphnus gujanensis, M. harpyia und Circaetos coronatus.
V. Heuglin: „Die Tagraubvögel des Ain-Saba-Ge-
bietes." Peterm. Geogr. Mittheil. p. 27.
Vulturidae. Gurney über das Ei von Vtätur auricularis.
Ibis p. 207. Derselbe über Gypaetos Ayresii. Ibis pl. 4.
W. Mewes bespricht die röthliche Färbung bei Gypaetos
barbatus. Caban. Journ. p. 128. (Uebers. und mit Zusatz von C.
Gloger).
Geier und Falken fliegen auf dem Himalaja am höchsten, bis
23000' hoch. S chlagintweit in Trosch. Arch. p. 256.
Falconidae. Im Atlas zu den Birds of North- America werden
schön abgebildet: Falco femoralis pl. 1, Bnteo elegans pl. 2 und 3,
B. fuligitiGsus pl. 15. fig. 1, B. caluriis pl. 14, B. Sivainsonii pl. 12
und 13, B. Cooperi pl. 16, B. oxypterus pl. 15. fig- 2, Falco nigriceps,
Asturina nitida pl. 64 und Rostiamus sociahilis pl. 65, ad. u. juv.
Krüper berichtet lebhaft und anziehend über Aquila impe-
rialis und chrysaetos, wie über Falco cenchris und Eleonorae in
Griechenland. Caban. Journ. f. Ornith.
Prof. Blas ins: „lieber die nordischen Jagdfalken.'' Caban.
Journ. p. 43. Vortrefflich, Man habe noch immer keine sichere Ent-
scheidung, keine scharfe auf sichere Merkmale basirte Sonderung.
„da die Grenzen der entsprechenden Geschlechter dicht aneinander
liegen." Der unvermeidliche Conflikt zwischen dem Begriff von
Arten und örtlichen Varietäten bleibt vorläufig noch ungelöst. Man
vergleiche übrigens über die Gyrfalconen noch Ibis p. 44. (NB.).
Ueber Falco circumcinctus Kaup (= F. punctipennis Burm.)
vergl. Ibis p. 23. j)l. 2. fig. bon. Burmeister will diesen höchst
seltenen und wenig bekannten Raubvogel zur Gattung Hemihierax
erhoben sehen. Reise La Plata-Staat. II. p. 437.
52 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgescbiclite
Auf den Sula - Inseln fand Allen Kaup's Baza magnirostris
und Spilornis rufipectus Gould; beide auch auf Celebes. Proceed.
Zool Sog. p. 337.
Jules Yerreaux und P. 0. Desmurs: -„Studien über die
Identifikation von Hypotriorchis concolor und Eleonorae." Rev.
zool. p. 178.
J. Verreaux und Desmurs über die Gattung Circaetos,
Ibis p. 208. Monographischer Versuch. Fünf Arten, unter ihnen die
schöne neue Circ. Beaiidouini p. 212. pl. 7. fig. bon. Bissao.
J. H. Gurney schrieb über Aquila Desmursii Verr. Ann. and
Mag. p. 390. Kein Zweifel an der Art. Und Transact. Zool. Soc,
Lond. p. 365, mit vollendet schöner Abbildung auf pl. 77. (Wolf.)
J. H, Gurney über das Ei von Aquila audax. Ibis p. 207.
0. Desmurs: ,.Etudes sur le Tachard de Levaill.-' Bev. zool.
p. 49. Dieser Vogel sei der jüngere Vogel einer noch unbekannten
Pernis-Art, dagegen der Buteo tachardus auct., eine neue Art, die
er B. Delalandi genannt wissen möchte.
Dagegen erklärt J. H, Gurney den Tachard ohne Bedenken
für Pernis apivorus. Ibis p. 361. Id. ib. über Buteo circensis und
Delalandi.
Gurney erklärt Tinnuncuhis ^raci7is (Seychellen, Madagaskar)
für specifisch verschieden von punctatus. Ibis.
Neue Arten: Aslur spectabills Schleg. Nederl. Tijdschr. Dierk. I
p. 131. pl. 6 und Mus. des Pays-Bas p. 27. Goldküste. — Astuv Mi-
randollei Schleg. Nederl. Tijdschr. Dierk. I. p. 130 und Mus. des
Pays-Bas, Rap. p. 27. — Falco Boschii Schleg. Mus. des Pays-Bas
p. 23. (Falc.) und Tijdschr. Dierk. I. p. 123.
Abbild. Buteo brachyplerus Pelz von Madagaskar. Ibis pl. 8.
Nach Kr ü p e r ständen griechische Exemplare von Astur Dussumieri
in der Sammlung zu Athen.
Strigidae. Neue Arten: Athene Whilneyi Cooper. Californien.
Proceed. Acad. N. Sc. Phil. 1861. p. 124. — Syrnium lineatum Lawr.
Ann. Lyc. N.-Y. VII. Neugranada,
Abbild. Scops M'Callii Cass. Birds of N. Am. Atl. pl. 39. —
Syrnium occidentale Xanth. ib. pl. 66.
Passeres.
Fissirostres.
Cctprimulgidae. G. R. Gray über Otothrix Hodgsoni. Ann.
p. 475. Sei keineswegs gleichartig mit cornutus.
John Hancock über Caprimulgus ruficoUis in England.
Ibis p.39.
der Vögel während des Jahres 1862. 53
Neue Art: Stenopsis maculicaudus Lawr. Ann. Lyc. N. -Y
von Para.
Abbild. Chordeiles Henryi. Birds of N. Amer. pl. 17. — Ck
texensis Lawr. ib. pl. 44.
Cypselidae. Vergl. Jules Verreaux über Collocalia Linchi
von Neu-Caledonien. Rev. p. 129.
Dendrochelidon Wallacei lebt auch auf den Sula-Inseln. Pro
ceed. Zool. Sog. p. 129.
Abbild. Chaetura Vauxi. Birds of N. Am. Atl. pl. 18. %. 2
— Fanyptila melanoleuca ib. fig. 1.
Hirundinidae. Neue Arten sind: Atticora ctjpseloides Heugl
Caban. Journ. p. 297. Centralabyssinien. — Uirundo Monteiri Hartl
Ibis p. 340. pl. 11. Angola.
Coraciadae. Peltops Blainvillei, einer der seltensten Vög^l.
wurde von dem Engländer Allen auf Mysol wieder aufgefunden
(R 0 s e n b e r g.)
Abbild. Momotus caeruliceps in Birds of N. Amer. Atl. pl. 46.
Trogonidae. Neue Arten: Trogon tenellus, Caban. Journ. für
Ornithol. p. 173. Costarica. — Trogon concinnns Lawr. Ann. Lyc.
N.-Y. VII. Neugranada.
Abbild, Trogon mexicanus in Birds of N. Am. Atl. pl. 65. —
Pharomacrus paradiseus auch in Costarica.
Alcedinidae. Vgl. Stamford Allen über die Fortpflanzung
von Ceryle rudis in Aegypten. Ibis p. 360.
Neue Arten: Tamjsiptera doris Wallace Ibis p. 349. Morty-
Insel. — Halcyon nigrocyanca Wall. Ann. Mag. N. H. p. 57. Nord-
westl. Halbinsel Neuguinea's. Abgeb. Proceed. Zool- Soc. pl. 19. —
Halcyon rufa Wall. Sulainseln. Proceed. Z. S. p. 338.
Abbild. Ceryle americana in Birds of N. Am. pl. 45.
Tanysiptera nympha Gr. wurde von Allen auf der nordwestl.
Halbinsel Neuguinea's gefunden; Halcyon melanorhyncha und Ceyx
lepida auf den Sulainseln,
BuCCOQidae. Neue Arten: Capilo mnculicoronatus Lawr. xinn.
Lyc. N.-Y. VII. p. 300. Schön abgeb. Ibis pl. 1- $ cT- — ^^"^^^ ^^-
pensis Sclat. Catal. Collect. S. Am. Birds p. 269. — Malacoptila co-
staricensis, Caban. Journ. p. 172. — Malac. poliopsis, Sclat. Proceed.
Z. S. pl. 8.
Tetragonops rhamphastinus steht jetzt von Ecuador im Briti-
schen Museum.
Vergl. P. L, Sclat er über Chelidoptera brasiliensis. Catal.
Collect, p. 275.
Meropidae. Ueber die Fortpflanzung von Merops persicus in
Aegypten schreibt Stafford Allen Ibis p. 359.
54 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
• Merops ornatus, die bekannte australische Art, lebt auch auf
den Sula-Inseln. Allen.
Tenuirostres.
Promeropidae. Eine neue Art ist Nectarinea chalcea Hartl.
Angola. Der cuprea verwandt. Ibis p. 341 (Monteiro). — Dacnis ve-
nusta Lawr. Ann. Lyc. N-Y. Neugranada. Höchst ausgezeichnete Art.
Abbild. Dacnis egregia Sclat. Catal. Collect, pl. 7 und Dacnis
pulcherrima id. ib. pl. 8. — Certhiota ßaveola in Birds of N. Amer.
pl. 83. fig. 3.
Trochilidae. De Geoffrey: Note sur les Trochilides de la
nouvelle Grenade" in Dr. Uricochea's Contribuciones de Columbia
ä las Ciencias e ä las Artes Vol. H. p. 3. Sehr instructiv über 64
Arten. Als Lokalitäten werden namhaft gemacht Choachi, Llanos-
weg bis Villavicencio, Anolaima, La Mesa, Viota, La Palma, Muzo
u. s. w. Biologische Notizen.
Dr. Crisp: üeber die Anatomie von Trochilus. Proceed. Z.
S. p. 208. Keine Luft in den Knochen. Sternum ungeheuer tief.
Humerus sehr kurz.
Burmeister über Heliomaster Angelae. Reise H. p. 448.
Id. ib. über Cometes sparganurus. (Tukuman.)
üeber Trochiliden Costarica's vergl. Cabanis Journ. für Or-
nith. p. 162: Pyrrhopleura Dubusii, Hemithylaca Hoffmanni, Pan-
terpe insignis, Chlorolampis Salvini, Selasphorus scintella.
Neue Arten: Heliothrix longirostris Gould Ann. p. 316. Ecua-
dor. — Aphantochroa hyposticta G. ib. — Thalurania Luciae Lawr.
Ann. Lyc. N.-Y. Insel Tres Marias Mex. -r Chlorostilbon inmlaris
Lawr. ib. — Trochilus aurigularis Lawr. ib. — Saphironia luminosa
Lawr. ib. Neugranada.
Abbild. Trochilus Alexandri in Birds of N. Am. Atl. pl. 44.
fig. 3. — Selasphorus platycercus ib. fig. 2. — Atthis Costae ib. pl. 19,
Meliphagidae. lieber das Nest von Myzomela sanguinolenta
auf Neucaledonien. Rev. zool. p. 134.
Eine Beschreibung des mas ad. uon Zosterops euryophthalma
Heugl. von Semien bei Caban. Journ. p. 249. — Ueber Zosterops
pallida vergl. Ibis p. 145.
Eine neue Art ist TropiJorhynchus fuscicapillus Wall, von der
Insel Morty. Ibis p. 351.
Certhiadae. (Furnarünae). Neue Arten: Heleodytes albo-
brunneus Lawr. Ibis p. 10. Panama. — Upucerthia albiventris Phil.
Landl). Trpsch. Arch. f. Naturg. Arica in Peru. — Ochetorhynchus
validirostris Burm. Reise La Plata Staat II. p. 464. Mendoza. — 0.
der Vögel während des Jahres 1862. 55
Inscinia Burm. ib. p. 464. Mendoza. — Geobamon rußpennis Burm.
ib. p. 465. Parana.
Bur meister über Coryphistera alaudina. Reise La Plata St, II,
p. 470.
(Synallaxinae). Neue Art: Automolus pnllidigularis LsiVfr.
Ann. Lyc. N -Y. VII. Neugranada.
Abbild. Diglossa indic/otica Sclat. Catal. Collect. Am. B. pl. 6.
— Synallaxis castanea Sei. ib. pl. 13. — Auabazenops suhalaris Sei.
ib. pl. 4.
(Dendrocolaptinae). Neue Arten: Philidor panerythms
Sclat Ann. p. .311. Neugranada. — Dendrocinela olivacea Lawr.
Ann. Lyc. N.-Y. Neugranada. — Dendrornis lavnjinosus Lawr. ibid..
Burmeister über Nasica gracilirostris. Reise II. p. ^Q6.
(Certhiinae). Abbild. Ccrthia mexicana in Birds of Amer.
Atl. pl. 88. fig. 2.
(Sittinae). Abbild. Sitta aculeata in Birds of N. Am. Atl.
pl. 33. fig. 3.
(Thryothorinae). Neue sind: Xenicns Stokcsii Gray Ibis
p. 219. Neuseeland. — Menura Victoriae Gould von Port Philip.
Ann Mag. N. H. p. 484. Der superba näher als der Alberti stehend.
— Rhamphocaenus semitorqualus Lawr. Ann. Lyc. N.-Y. Neugranada.
Abbild. Campylorhynchus jocosus Sclat. Catal. Collect, pl. 3.
— Thryothorus plenrostictus Sclat. ib. pl. 4. — Thr. Berlandieri Cass.
Birds of N. Am. Atl. pl. 83. fig. 1.
Burmeister über Cistothorus fasciolatus. Reise La Plata
St. II. p. 476. Und ders. über Rhinocrypta lanceolata. Reise II. p. 471.
Dentirostres.
Lusciniadae. — (Malurinae.) Ueber Bradypterus sylvaticus
Sundev. vergl. Ibis p. 146. Beschr.
Eine neue Art ist Sphenceacus fulvus Gray, Ibis p. 221. Neu-
seeland.
(Sylveinae). Eine neue Art ist Acrocephalus insularislVall.
von Gilolo und der Morty-Insel. Ibis p. 350,
Ueber Phyllobasileus proregulus vergl. Ibis p. 55.
(Saxicolinae). Ref. gab eine nähere Beschreibung der
durch die sichelförmige Verschmälerung der zweiten Schwungfeder
ausgezeichneten Art Oenanthe sinuata (Sundv.). Ibis p. 145. ,
Referent über Pogonocichla ruficapilla Sundev. (Pindalus
nob.) Ibis pl. 5. fig. med. Sehr selten in der Umgegend von Natal.
(Parinae). Neue Arten: Parus castaneoventris Gould. Pro-
ceed. p. 280. Formosa, — Parisoma Layardi nob. Ibis p. 147. Mal-
mesbury-Biötrict in Südafrika.
56 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Abbild, Paroides flaviceps, Birds of N. Am. Atl. pl. 53. fig. 2.
— Psaltriparus melanonotus ib. pL 53. fig. 3. — Ps. plumbeus ib.
fip. 2. — Lophophanes Wollweheri ib. fig. 1.
(Sylvicolinae). Neu ist: Helminlhophaga Luciae J. G. Coo-
per. Californien. Proceed. Californ. Ac. N. Sc. Yol. II. (1861). Co-
loradothal.
Abbild. Helmintkophaga Virginiae Baird. Birds of N. A.
pl. 79. fig. 1' — Geothlypis Philadelphia ib. pl. 79. fig. 3. — G. Mac-
gillivrayi ib. fig. 4. — Seiurns ludovicianus ib. pl. 80. fig. 2. — S.
noveboracensis ib. fig. 1.
(Motacillinae). C. Bolle über Anthus Berthelotii- Caban.
Journ. p. 357 und Ibis p. 343.
Turdidae. — (Formicariuae). Neue Arten: Myrmetherula
fulciventris Lawr. Ann. Lyc. N.-Y. Neugranada. — Myrmeciza fer-
ruginea Lawr. ib. — Ättila Sclateri Lawr. ib. — Alcippe hrunnea
Gould. Formosa. — Myiophoneus insularis Goüld. Proceed. Z. S. p. 280.
Formosa.
Abbild. Atelornis pittoides im Ibis pl. 9. p. 271. fig. opt.
(Scheint mehr nächtlich zu leben.) — Sclerurus mexicanus Sclat.
Catal. Collect. Amer. Birds pl. 12. — Myrmolherula ornata Sclat. ib.
pl. 15. — Myrm. Boucardi Sclat. ib. pl. 15. — Cinclus leuconotus
Sei. ib. pl. 2.
(Turdinae). Dr. Ludw. Brehm: „Beschreibung seltener
Drosseln-' in Cab. Journ. p. 385: Turdus ruficollis, T. atrigularis, T.
Naumanni , T. fucatus, T. pallens, T. pallidus, T. libonyanus und
T. obsolelus n. sp. (?) aus -Japan.
Neue Arten: Turdus obsoletus Lawr. Ann. Lyc. N. H. N--Y. 7.
Neugranada. — T. ephippialis Sclat. Ann. Magaz. N. H. p. 309. —
Orocaetes gularis Swainh. Proceed. Z. S. p. 318. Tientsien.
Abbild. Turdus pinicola Sei. Catal. Coli. pl. 1. — Harporhyn-
chns ocellatus. Proceed. Z. S. pl. 3. — H. Lecontei. Birds of N. Am.
Atl. pl. 56. — H. crissalis ib. pl. 82. — H. curvirostris ib. pl. 51. —
H. longirostris ib. pl. 52. — Turdus Naumanni in Ibis mas ad. von
Shanghae.
(Timalinae). Neue Arten: Chrysomma altirostre Jerd. ib.
p. 22. Burmah. — Crateropus melodus Heugl. Caban. Journ. p. 299.
Mittl. Abyssinien. — Cr. guttatus Heugl. ib. p. 300. — Cr. cinereus
Heugl. ib. Bahr - el - Abiad. — Pomatorhinus erythrocnemys Gould.
Formosa. Proceed. p. 282. — Garrulax rußceps Gould ib. Formosa
— G. poecilorhynchus Gould ib. Formosa.
Abbild. Älethe castanea Cass. Journ. Acad. N. Sc. Philad.
pl. 23. fig. 3. Gabon.
(Pycnonotinae). Neue Arten: Tylas Eduardi nob. Ibis
p. 273. Madagaskar - Wald von Almazaotra. Auch Proceed. F. S.
der Vögel während des Jahres 1962. 57
p. 152. pl. 18. fig. bon. — Ixos tricol or noh. Ibis p. 341. Angola. —
Criniger Simplex Wall. Ibis p. 350. Batchian, Gilolo. — Cr. longiro-
stris Wall. Proceed. Z. S. p. 339. — Hypsipetes nigerrimvs Gould.
Proceed. Z. S. p. 282. Formosa.
Abbild. Trichophorus chloronotus Cass. Transact. Ac N. Sc.
of Philad. pl. 22. fig. 1. — Xenocichla notata Cass. ib. fig. 2. —
Trichoph. calurus Cass. ib. fig. 3.
(Oriolinae), Psaropholus ardens Swinh. Ibis p. 383. fig. opt.
Formosa. — Oriolus frontalis Wall. Proceed. Z. S. p. 340. pl. 40.
Sulainseln. Steht dem 0. acrorhynchus der Philippinen sehr nahe,
ist aber allerdings bestimmt verschieden.
Tyrannidae. Neue Arten: Pitangus albovittatus Lawr. Ibis
p. 11. Panama. — Myiozetetes granadensis Lawr. ib Panama. —
Todirostrum olivaceumlja,wr. ib. Panama. — Tyranniscus parvus Lawr.
ib. Panama (zu Oncostoma Sclat.). — Tyr. brunneicapillus Lawr. ib.
Panama. — Empidonax griseigularis Lawr. Ann. Lyc. N.-Y. 7. Neu;
granada. — Leptopogon ßavo-virens Lawr. ib. — L. erylhrops Sclat.
Ann. p. 311. Neugranada. — L. poecilotis Sclat. ib. — Myiobius
bellns Sclat ib. — Empidochanes poeciltirus Sclat. ib. — Ochthoeca
citrinifrons Sclat. ib. Ecuador. — Mecocerculus gratiosus Sclat. ib.
Ecuador. — Phylloscartes ßavo" einer eus Burm. Reise IL p. 455.
Mendoza.
Abbild. Tyrannus vociferans. Birds of N. Am. Atl. pl. 48. —
T. Couchii ib. pl. 49. fig. 1. — T. melancholicus ib. fig. 2. — Myiar-
chus mexica7ius ib. pl. 5. — M. Lawrencii ib. pl. 47. fig. 3. — Empi-
donax difficilis Baird. ib. pl. 76. fig. 2. — E. Hammondii ib. pl. 76.
fig. 1. — E. obscurus ib. pl. 49. fig. 3. — Pachyrhamphus Aylajae
ib. pl, 47. fig. 1. — Bathmidurus major Gab. ib. pl. 47. fig. 2. —
Platyrhynchus coronatus Sclat. Catal. Collect, pl. 17. — Oncostoma
cinereogulare ih. pl. 18. — Todirostrum schistaceiceps ib. pl. 18. —
Setophaga picta, Birds of N. Am. Atl. pl. 77. fig. 2. . — Vf^«, ininiata
ib. pl. 78. fig. 1. "i.'.'.f;"
Yergl. ßurmeister über Tyrannus rubetra, Ptyonura capi-
strata und Pt. frontalis. Reise La Plata Staat. II p. 455 u.s. w.
Muscicapidae. Neue Arten: Muscicapa minima Heugl. Caban.
Journ. p. 301. Centralabyssinien. — Butalis hypogrammica Wall. Ibis
p. 350 Ceram und Morty. — Todopsis Grayi Wall. Ann. p. 1 7. Nord-
westl. Halbins. Neuguinea's. — Myiagra puella Wall. Proceed. Z. S.
p. 340. Sulainseln.
Vergl. über Muscicapa hylocharis Schleg. Ibis p. 305, Genaue
Beschreib, von R. Swinhoe. Amoy.
Vireonidae. Neue Arten: HylopkUus ferrugineifrons Scl&t. Ann.
p. 310. Neugranada. — Vireo hypockrysens Sclat. Proceed. Z. S.
p.369. pl. 46. Mexiko.
58 Hart hl üb: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturp^escliichto
Abbild. Hylophilus ochraceiceps Sclat. Catal. Collect, pl. 5. —
Vireo philndelphic. Birds of N. Am. All. pl. 78. tig. 3. — V. Hutloni
ib. fig. 2. — T^ Cassinii ib. fig. 1.
Ampeltda6. Neue Arten: Pacfnjcephala /mco/rtt« Wall. Proceed.
Z. S. p. 341. Salainseln. — P. rufescens Wall. ib. Boiirou und Sula-
inseln. — P. clio Wall. Bourou und Sulainseln. — Pericrocotiis
albifrons Jerd. Ibis p. 21. Burmah. — P. (jriseogularis Goiüd. Pro-
ceed. p. 283. Formosa. — Dicrums pectoralis Wall. Prooeed.p. 341.
Sulainseln.
Abbild. Masius coronatitlus Sclat. Catal. Coli. pl. 19. — Chi-
roxipkia regina ib. pl. 20. — Pipra (Icliciosa, Ibis pl. (> (gen. Machae-
ropterus Sclat.).
Artamus monachus wurde von Allen auf den Sulainseln an-
getroffen.
Laniidae. Abbild. CoUurio excubHorides. Birds of N. Am. Atl.
pl. 75. üg. 2. — C. elecfans ib. %.!.
Dr. Roch sah Cyanolanius bicolor lebend in Antananariro.
Ibis p. 274.
Corvidae. Die S c h 1 a g i n t w e i t's beobachteten die thibetani-
sche Krähe noch in Höhen von 22,000 Fuss.
Abermals ein Beitrag zur Fortpflanzungsgeschichte von Nuci-
fraga carycatactes durch E. Schutt. Cab. Journ. p. l'J5. Nest und
Eier bei Waldkirch.
Neue Arten: Fregiivs kinialajaims Gould. Ann. p. 31(3 (splen-
didus Temm. in Mus. Lugd.). — Crypsirhina cucullala Jerd. Ibis p. 20.
Burmall. Höchst ausgezeichnete Art. — Garruhs taevanus Gould.
Proc. p. 282. Formosa.
Abbild. Corvus carnironts. Birds of N- Am. Atl. pl. 21. — C.
cacolotl ib. pl. 20. — C. cryptoleucns ib. pl. 22. — C. americanus ib.
pl. 23. — C. ßoridanus BhiTd ib. pl. 47. fig. 1. — C. courinus ib. pl. 24.
— C ossifragus ib. pl. 47. fig. 2. — Pica hudsonica ib. pl. 25. — P.
Nuttalli ib. pl. 2G. — Cyanocitta yVoodhousei ib. pl. 59. — C. sordida
ib. pl. 60. fig. 1. — C. iillramarina ib. fig. 2. — Psilorhinns morio
ib. pl.G8.
Lieber Garrulus ornatus in China vergl. Swinhoe Ibis p. 263.
Beschreibung.
Auf den Sulainseln fand Allen eine Varietät von Corvu8
validus.
Gonirostres.
Paradisiadae. A. R. Wallace: „Narrntive of search after
Birds of Paradise.-' Ann. Mag. p. 464. Höchst interessant. Es scheint
fast, als seien die seltneren Paradiesvögelarten auf das unbekannte
gebirgige Innere Neuguineas beschränkt. Es gelang Wallace nach
unendlichen Mühen nicht ihrer habhaft zu werden. '
der Vögel während des Jahre« 1866. 59
Stnrnidae. Neue Arten: Slurnia hurmanica Jerd. Ibis p. 21.
Burmah. — Hl. nemoricola Jerd. ib. Burmah. — Chlamydera guttata
Gould foem. Ann. x>- 56. Nordv/estaustralien. — Lamprocolius deco-
ratu» nob. Ibis p. 148. Südafrika. Dem sycobius nahe stehend.
G. R. Gray: ..Bemerkungen über Gracula pectoralis Wall.
Proceed. Zool, Soc. pl. 20. % opt. Ist = Pastor nigrocinctus Cass.
und Sericulus anais Less. ^Melanopyrrhus anais Bonap.). Erwiede-
rung von Wallace: Ann. Mag. 63. p. 15- Lesson und Gas sin
hatten nur stark verstümmelte Exemplare gekannt.
Abbild. Icterus parisorum. Birds of N. Am Atl. pl. f)?. fig. 1.
— /. Wftgleri ib pl. 57. fig. 2. — Quiscalus macrourus ib. jjl. .ö8. —
(>. barila ib. pl. .32.
Fringillidae. — (Ploceinaej. Neue Arten: Hyphantornis
xanlhops nob. Ibis p. 342. Angola. — Erytkrura modesta Wall. Ibis
p. .351. Ternata. — Eslrelda melanorkyncha Antin. Alexandrien. Gab.
Journ. p. 462 ^junger Vogel! Ref. ?j. — E. nigricauda Rehb. Singv.
p. 10. t. 6. fig. 10. 11. — Habropyga fimbriatn. Id. ib. p. 12. — Pyte-
lia MitckelUi. Id. ib. p. 24. fig. 161. 162. — Donncola bivittata. Id.
ib. p. 28. — Chlorura hyperythrc. Id. ib. Neuguinea. — Amadina
argus Rchb ib. p. 85. fig. 108. — Paddn terecnnda. Id. ib. p. 42.
— Trichogrammoptila melnnopygia. Id. ib. fig. 117 b. (Wir betrach-
ten diese ,.neuen" Arten Reichenb ach's noch als mehr oder
weniger dubiös. Die Abbildungen in dem Buche ^Ausländische
Singvögel-' verdienen der Mehrzahl nach alles Lob.
Abbild. Sycobius Rachelliae Cass. Transact Acad. N. Sc. of
Philad. pl. 23. fig. 3. — Hyphantornis cinctus ib. fig. 2.
(T anagr inae). Neue Arten: Chlorospingus oleagineus Sclai.
Ann. p. 310. Neugranada.
Abbild. C allist e cyanotis in Sclat. Catal. Collect. pl..9. —
Chlorospingus castaneicollis ib. pl. 10. — Embernagra chrysotna ib.
pl. 11. — E. rußvirgata in Birds of N. Am. Atl. pl. 5.5. fig. 2. —
Pyranga hepatica ib. jjI. 31. — Euphonia elegantissima ib. pl. 71. —
Pipilo megalonyx ib. pl. 73. — P. Aberti ib. pl. 30. — /'. meso-
leucus ib. lA. 29.
Cabanis: ^Zur Synonymie einiger Pipilo -Arten.'' Journ.
p.473. Pipilo fuscus Cass. sei Fringilla crissalis Vig. j P. fuscus Sw.
sei mesoleucus Baird; P. albicoUis Sw. sei rutilus (Licht.) und P.
maeulatus Sw. sei megalonyx Baird.
Vergl. Burmeister über Saltatricula multicolor, Reise 11.
p. 481. Vom Parana. Und ebendas. über Lophospiza pusilla, Reise
II. p. 483.
Pucheran's Gattung Pyrgisoma ^\rremon biarcuatus Lafr.)
wird von Reichenbach höchst seltsam und unglücklich zu den
Amadiuen gebracht, Ausl. Singv.
60 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
(Fringillinae). Ueber den Girlitz (Fr. serinus) schrieben
A. V. Homeyer Gab. Journ. p. 97 und G. Bolle ib. p. 106.
Neue Arten : Passerella obscura Verrill. • Proc. Bost. Soc. N.
H. p. 143. Insel Anticosti. — Paroaria cervicalis Sclat. Gatal. Coli,
p. 108. Bolivien. — Sijcalis chnjsops Sclat. Ann. Mag. p. 340. Süd-
mexiko.
Abbild. Chrysomitris mexicana. Birds of N. Amer. Atl. pl. 541-
fig. 1. — Lencosticle arctous ib. pl. 74. fig. 1. — Passerciilus sand~
wichensis ib. pl. 28. fig- 2. — P. alaudinus ib. pl. 4. fig. 1. — Am-
modromns Samuelis ib. pl. 71. fig. 1. — Zonotrichia leucophrys ib.
pl. 69. fig. 2. — Z. Gamhelli ib. fig. 1. — Junco dorsalis ib. pl. 28.
fig. ]. — J. caniceps ib. pl. 72. fig. ]. — Spizella atrigularis ib. pl. 15.
fig. 1. — Melospiza Heermanni ib. pl. 70. fig. 1. — M. Gouldii ib.
fig. 2. — 31. fallax ib. pl. 27. fig. 2. — Peucaea Cassinii ib. pl. 4.
fig. 2. — Passerella schistacen ib. pl. 69. fig. 3. — Cyanospiza pa~
rellina ib. pl. 56. fig. 1. — C. versicolor ib. fig. 2.
(Emberizinae). Abbild. Plectrophanes melanomus. Birds of
N. Am. Atl. pl, 74. fig. 2. — Vergl. Burmeister über Phrygilus
caniceps von Mendoza und über Diuca minor Beise II. p. 483.
(Pyrrhulinae). Neue Arten: Propasser frontalis Blyth.
Ibis p. 390. Darjeeling. — Pyrrhula erythacea. Id. ib. Tonglo-Berge
bei Darjeeling.
Abbild. Carpodacus califoniicus. Birds of N. Am. Atl. pl. 72.
fig. 2 u. 3. — C. Cassinii ib. pl. 27. fig. 1. — Spermopkila Morelleti
ib. pl. 54.
Th. v.Heuglin: „Einiges über die Fringilliden des Ain-
Saba^ebietes und der Sambarküste." Peterm. Geograph. Mitthei-
lungen p. 27.
Scansores.
I 'Musophagidan. lieber Gorythaix paulina vergl. Monteiro
Ibis p. 338. Die Art scheint um Pungo Andongo und Massangano
in Angola gemein zu sein.
Buceridae. lieber Bucorax abyssinicus var. mer, vergl. M o n-
teiro 1. C.Lebensweise.
Psittacidae. v. Bosenberg schreibt über die Vertheilung
der Psittaciden über die Inseln des indischen Archipels. Gab. Journ.
p. 59. Sehr wichtig und instructiv. Berücksichtigt sind Java
(2 Arten), Sumatra (3 Arten), Borneo (5 Arten), Bouton (3 Arten),
Sulainseln (4 Arten), Bonru (7 Arten), Amboina (10 Arten), Geram
(11 Arten), Batchian (7 Arten), Gilolo (7 Arten), Mysol (6 Arten),
Salwattin (4 Arten), Waigiou (6 Arten), Neuguinea (17 Arten), Inseln
im Geelvinksbusen (4 Arten), Aru- Inseln (10 i\rten), Key-Iusejn
der Vögel während des Jahres 1862. 61
(3 Arten), Tenimber (1 Art), Banda (2 Arten), Timor (6 Arten),
Sumbawa (1 Art), Ternata (4 Arten). Im Ganzen 62 Arten.
Neue Arten : Psittovius subcaeruleus Lawi'. Ann. Lyc. N.-Y. VII.
Neugranada. — Pionus coccineicollaris Lawr. ib. — Urochroma sli~
clopteta Sclat. Ann. p. 313. Neugranada. — Loriculus Sclaleri Wall.
Proceed. p. 336. pl. 38. Sulainseln. — L. amabilis Wall. Ibis p. 348.
Gilolo. — Coriphilus rubronotalus Wall. Ann. p. 57. Salwattia und
nordwestl. Neuguinea. — Trichoglosstis ßavoviridis Wall. Proceed.
Z. S, p. 337. pl. 39. Sulainseln, Celebes. — Eos leucopyyialis v. Ro-
senb. 1. c. Neuguinea. — Channosiua pectoralis v. Rosenb. ib. Neu-
guinea. — Plahjcercns Rayueri Gray Ibis p. 228. Neuseeland. —
Slrigops Greyi Gr. ib. p. 250. (Dubiös !) Neuseeland.
Abbild. Cacahia Ducorpsii. Proceed. Z. S. pl. 14.
Die amerikanische Expedition sammelte Eclectus Linnaei und
E. polychlorus auf Neuirland. Proceed. Acad. N. Sc. of Philadel-
phia p. 319.
Tanygnathus sumatranus fand Allen auf den Sula- Inseln
(= albirostris Wall).
Vergl. Burmeister über Conurus hilaris, C. rubirostris und
Con. fugax, Reise II. p. 442. Ausführlicher.
V. Rosenberg hält Microglossum alecto für den jüngeren
Vogel von aterrimum.
Auf Neucaledonien ist N^^mphicus cornutus und Trichoglossus
Desplanchii gemein, Cyanorhamphus Saisseti und Psitteuteles dia-
dema selten.
C. Giebel: ».Zur Anatomie der Papageien.'' Zeitschr. Ges.
Naturw. p. 133. Abbild, auf Taf. 3—7.
Picidae. Die 24. Lieferung von Malh erbe's Piciden enthält
die Gattung Picumnus, mit Einschluss von Vivia, Sasia und Verreauxia.
Text sehr kurz behandelt.
Neue Arten : Chlor onerpes callopterus Lawr. Ann. Lyc. N.-Y. VII.
Neugranada. — Picus insularis Gould. Proc. Z. S. p. 83. Formosa.
— Gccinus lanholo Gould ib. Formosa.
Abbild. Picus Gairdneri. Birds of N. Am. Atl. pl. 85. fig. 2. 3.
— P. Nuttalli ib. pl. 41. fig. 2. — P. scalaris ib. fig. 1. — Picoides
dorsalis ib. pl. 85. fig. 1. — Sphyropicus nuchalis ib. pl. 35. fig. 1. 2.
— S.Williamsonii ib. pl. 34. fig. 1. — Centurus ßaviventris ib. pl. 42.
— C. uropyyialis ib. pl. 36.
lieber Picus numidicus im Münsterlande, x'^ltum in Caban.
Jöurn. p. 382.
Capitonidae. Eine schöne neue Art ist Meyalaema nuchalis
Gould. Proceed. Z. S. p. 283. Formosa.
Gaculidae. Vergl. Cabanis über die Pyrrhococcyx- Arten
Südamerika's. Journ. p. 167. Wichtig.
62 Hartlaub: ßericlit üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Neue Artsn: Pyrrhococcyx columhiamts Gab. 1. c. — Cuculus
Rochii Hartl. Proceed. Z. S. p, 224. Madagaskar. — Eudynamis fa-
cialis Wall. Proceed. p. 339. Sula-Inseln.
Vergl. Stamford Allen über die Fortpflanzung von Coccy-
stes glandarius in Aegypten. Ibis p. 857.
Heuglin über die Cuculiden des Ain-Saba-Gebietes. Caban.
Joum. und Peterm. Geogr. Mittheil. p. 27.
Columbae.
Neue Arten: Carpophaga ran Wychii Cass. Proceed. Ac. Phil»
p. 32('. Neuirland. — Leucotreron Givonnieri Verr.Desm. Ibis p. 342.
pl. 12. Philippinen. — Ptilinopus humeralis Wall. Ann. p. 58. Sal-
wattie. Proceed. Z. S. pl. 21. — Chalcophaps moluccensisViaW. Proc.
p. 345. Sulagruppe.
Abbild. Columba ßavirostris. Birds of N. Am. Atl. pl. 61. —
C. holosericca. Rev. zool. p. 135. pl. 8. Wird zur Gattung Calypto-
moenas erhoben. Neucaledonien. Anatomisches.
Ebendaselbst über Phaenorhina goliath. p, 1 38. Neucaledonien.
Ausführlicher. Anatomie.
Dr. G. Bennett forschte auf den Navigator -Inseln nach Di-
dunculus. Proceed. Z. S. p. 246. Biologische Notizen über den merk-
würdigen Vogel von Rev. Stair ib. p. 249. Scheint auf Savai, der
grössten und gebirgigen Insel der Gruppe, noch vorzukommen. Auf
Upolu dagegen findet man ihn kaum noch. Yergl. Sydney Herald
vom 19. Aug. 18G2.
Gray's Treron griseicauda auf den Sula-Inseln. Wall. Proceed.
p. 344. Beschreibung.
Reichenbach publicirte als Nachtrag: „Neuentdeckte Tau-
benvögel" 9 Tafehi mit 98 Abbildungen (p. 160—206).
Gallinae.
Pteroclidae. W.K. Parker über die Osteologie von Pterocles,
Syrrhaptes und Tinamus. Proceed. Z. S. p. 257. Gut und aus-
führlich.
j; CracidäB. Heuglin schrieb sehr belehrend über die Gallina-
ceen N.-O.-Afrika's. Caban. Joum. p. 49. Wir erfahren allerlei In-
teressantes über die Lebensweise von Ptilopachus fuscus, Franco-
linus icteropvs (n. sp.), Coturnix histrionica; Ortj-xelos lepuranus etc.
Yergl. Burmeister über Nothura cinerascens, Reise II. p.498.
Cordova und Tukuman.
der Vögel während des Jahres 1862. ß3
Megapodidae. Sehr wichtig ist G. R. Gray: ,.List of species
composing the family Megapodidae with descriptions of new spe-
cies and some account of the habits of the species." Proceed. Zool.
Sog. und Ann. Mag. p. 67. Man darf 18 bis 19 Arten annehmen
Als neu werden bezeichnet: Megapodius Qtioyi Gr. Gilolo. — 31.
Macgillitrayi Gr. Louisiadearchipel. — }J. Gilberti Gr. Celebes. —
M, Gouldii Gr. Lombock. — M. Stairi Gr. Xavigatorinseln. Bis jetzt
nur das Ei bekannt. — M. Bumabyi Gr. Hapace-Island. — M. An-
der soni Gr. Neucaledonien.
Sehr viel Interessantes über die Lebensweise dieser merkwür-
digen Yögel.
Dr. G- Bennett schrieb über eine Megapodius -Art der neuen
Hebriden. Proceed. Z. S. p. 247. Capt. Mc'Leod beobachtete den
Vogel auf der Insel Nona-Fon. Auch auf Tanna. Die Eier liegen
in Sandhaufen oder zwei Fuss unter der Oberfläche.
Richard Schomburgk: ,,üeber das Junge von Leipoa
ocellata" in Monatsber. Berl. Acad. Wissensch. Xov. 1861. Wird nicht
mit Dunen, sondern mit Federn geboren.
Phasianldae. Sir Rob. Schomburgk: „Ueber DiardigaUus
praelatus" in Proceed. Z. S. p. 250. Beschr. des Weibchens. Xach
Blyth scheint der eigentliche Wohnsitz dieser prachtvollen Art die
Shan-Staaten zu sein.
Dr. Lamprey schreibt über die Phasianiden auf dem Markte
in Tientsien. Proceed. Z.S. Vier Arten kommen daselbst vor: eine
Crossoptilon-x4.rt, Phasianus superbus, Euplocomus pucrassia und
Phasian. torquatus. — P. superbus lebt in den gebirgigen Distrikten
nördlich von Peking, Shantung und Shansi, wo noch ein kleinerer
scharlachi'other vorkommt. Für die Crossoptilon-Art schlägt S w i n h o e
den Namen majitschuricum vor. Proceed. Z. S. p. 286. (Vielleicht
doch nur foem, nou Cr. auritum.)
Eine prachtvolle neue Art ist: Euplocamus Siciiihoei Gould.
Proceed. Z. S. p. 284. Formosa.
Tetraonidae. Neue Arten: Sytioicus LodoisiaeYerr. Desm. Rev.
zool. p. 225. pl. 11. (? Refer.). Das Exemplar in der Lombardei
getödtet. — Bambusicola sonorivox Gould. Proceed. Z. S. p. 285.
Formosa.
Abbild. Ortyx texanus in Birds of N, Am. Atl. pl. 62.
Lord Lilford: lieber die Vertilgung' des gemeinen Franko-
lins in Europa. Ibis p. 352.
Dr. G. El Hott sucht zu beweisen, dass Suckley's Pedio-
caetes Kennikoti den Namen pkasianellvs Linne's behalten, dage-
gen der gewöhnlich phasianellus genannte Vogel der vereinigten
Staaten von jetzt an P. columbianus heissen müsse. Proceed. Acad.
N. Sc. of Philad. p. 402. (Mouogi-. der Gattung Pedicaetes.)
64 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Struthioiies.
Die Noel-Suquet'schen Beobachtungen über das Brüten des
afrikanischen Straussen und das Aufkommen von Jungen in der Ge-.
fangenschaft werden übersetzt und im Auszuge mitgetheilt. Mitth.
Centralinstit. Acclimatis. Berl. 1862. p. 11.
P. L. Sclater: ,.0n the Struthions Birds living in thc So-
ciety's Menagery." Transact. Zool. Soc. Lond, Vol. IV. part 7. Giebt
neben dem geeigneten Text die prachtvollen Abbildungen von Stru-
thio camelus jjl. G7, Rliea americana pl. 68, Rh. macrorhynchos Sei.
pl. 69, Rh. Darwinii pl. 70, Casuarins galeatiis pl. 71. C- Bennettii
pl. 72, C. bicaru7iculatus pl. 73, C. vniappendiculatus pl. 74, Dromaws
nctae Hollandiae pl. 75 und Dr. irrorahis pl. 76. Schöne wichtige
Abhandlung. Die zweifelhafteste der hier abgebildeten mir autoptisch
bekannten Arten ist die letztgenannte. Die vier Casuar-Arten sind
unzweifelhaft gut.
Dr. G. Bennett über den Mooruck (Casuar. Bennettii). Proc.
Zool. Soc. p. 248.
Der „Zoologist" giebt nach dem Nelson Examiner vom 12ten
Juli 1861 die merkwürdige Notiz zu Dinornis, dass die Surveying
party des Herrn Brunn er und Maling beim Durchforschen der
Bergketten zwischen dem Eewaki und Takaraflusse eines Morgens
die Fussspuren eines ungeheuren Vogels bemerkt habe. Diese Spu-
ren waren 14 Zoll und ,.with a spread of 11" at the points of the
three toes." Ueber diesen Fund schrieb ferner T. H. Ho od an
LordAshburton, die bestimmte Hoffnung aussprechend, dass
noch eine Moa an das brittische Museum gelangen werde. Proceed.
Roy.. Geogr. Soc. of London Vol. 6. p. 25.
Grallae.
Otididae. A. Newton: „On the supposed gular pouch of
the maleBustard (Otis tarda).-' Ibis p. 107. Vollständige Zusammen-
stellung des vorhandenen Materials. Cabanis' Journal enthält eine
von Ferdin. Heine besorgte Uebersetzung dieser Arbeit.
Charadriadae. — (Glareolinae). Vgl. B^rpae^st^^r über
Thinocor. orbygnianus. Reise IL p. 500. , -; . ^,\i uffo-jn^j u'i ^aa
Gruidae. A. D. Bartlett: „Ueber das Brüten und die Zucht
von Grus Montignesia. Ann. Mag. p. 324,
Abbild. Grus fraterculus, Birds of N. Am. Atl. pl. 37.
Ardeidae. Der Balaeniceps bleibt noch immer Gegenstand
wissenschaftlicher Discussion. W. K. Parker: „On the Osteology
der Vögel während des Jahres 1862. 65
of Balaeniceps." Transact. Zool. Soc. Vol. IV. p. 269, mit trefflicher
Abbildung des Vogels nach dem Leben auf pl, 64 und zahlreichen
osteologischen. Ferner Dr. J.Reinhard: „Some remarks on the
genus Balaeniceps." Ibis p 158. In dieser fleissigen gründlich ein-
gehenden Arbeit wird die nahe Verwandtschaft des Balaeniceps zu
Scopus dargelegt, während Parker ihn „a gigantic Cancromine
Heron" nennt. Ibis p. 297.
Ausführliches über Rhinochetos jubatus, Lebensweise, Ana-
tomie a. s. w. in der Rev. zool. p. 14?. Der merkwürdige Vogel ist
lebend im zoologischen Garten zu London. A.D. Bartlett: ..Note
on the Habits and affinities of the Kagu (Rhinochetos jubatus)."
Proceed. Z. S. p. 218, pl. 30. Nächst verwandt mit Eurypyga.
Ueber Eurypyga major vergl. Lawr. Ann. Lyc. N.-Y. Vol. 7.
Neugranada.
Neue Art: Egretta brevipes Verr. Desm. Rev. zool. p. 131.
Neucaledonien.
Abbild. Ardea Wiirdemanm, Birds of N. Am. Atl. pl, 86. -
Ibis gnaranna ib. pl. 87.
Ardea jugularis Forst auch auf den Loo-Choo-InspV '<- ad.
Ac. N. Sc. Philad. p. 321.
ScolOpacidae. Eine neue Art ist Aegialites fenoirostris Lawr,
Ann. Lyc. N,-Y. 7, Cuba. Steht melodus zunächst — J^'vmenius ru-
fescens Gould. Proceed. Z. S. p. 286. Formosa.
Abbild. Aegialiles nivosus in Birds of N Am; A.d. pl. 90,
fig. 1- 2. — Strepsilas melanocephalus ib. pl. 7. — T^-^nga Cooperi
ib. pl. 89. flg. 1. — Heteroscelus brevipes ib. pl. RS. — Tritigites ru^
fescens ib. pl. 6.
M. J. Vi am: „Ueber die Nestjungen von Limosa terec." Rev.
zool. p. 369. pl. 15. fig. bon. (puUus et ova).
Rallidae. Neue Arten: Halhis snlcirostris Wallace. Proceed.
Z. S. p. 345. Sula-Inseln. — Rallina mma^rts« Wall. ib. Sula-Inseln.
— Ortygometra angolensis nob. Ibis p. 340. (Monteiro). — Ocydro-
mus Earlei Gray. Ibis p. 238. Neuseelanrl. (Great red Rail, Ellm.)
Giebel: „Ueber die Anatomie von Podoa" aus Nitzsch's
handschriftlichem Nachlasse mitgetheilt. Zeitschr. ges. Naturwiss.
Vergleichung mit Fulica, Gallinula, Porzana u. s. w. Osteologie und
Splanchnologie.
Vergl. Burmeister über Palamedea chavaria, Reise IL p. 506.
und Reise I. p. 57.
Ludw. Landbeck: „Ueber die chilenischen Wasserhühner
aus der Gattung Fulica," Trosch. Arch. p. 215, Leider blieb unsere
monographische Arbeit Landbeck unbekannt. Viel hübsches über
die Lebensweise der verschiedenen Arten. Wenn wir nicht irren,
ist Fulica rufifrons Phil. Landb. gleich der leucopyga Licht.; Land-
Arch. für Naturg. XXTX. Jahrg. 2. Bd. E
GG Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
beck's Fidlca ckilensis ist Vieillot's F. armillata und die chloro-
poides bei Land b eck stimmt ganz mit meiner Stricklandi. Von
drei Arten werden die Eier beschrieben. Sehr interessant ist eine
von F r 0 b e e n herstanimende Notiz über die seltene und merkwür-
dige F. giyanlea, Frobeen traf diese Art zu Hunderten vor Kälte
erstarrt auf dem Eise einer Lagune der Cordilleren in der Höhe von
16,000 Fuss. „Lacht wie ein Mensch."
Abbild. Crex pratensis. Birds of N. Am. Atl. pl. 89. fig. 2.
Auseres.
Anatidao. G. Elliott veröffentlicht in den Ann. Lyc. of
N.-Y. Bemerkungen über das Vorkommen von Clangula Barrowii in
den vereinigten Staaten. Auf dem Markte von Washington zusam-
men mit Cl. americana.
Abbild. Dentrocygna autumnalis in Birds ofN. Am. Atl. pl. 63.
fig. 2. — D. fulva ib. pl. 63. fig. 1. — Anas crecca ib. pl. 91. fig. 1.
— Mareca penelope ib. pl. 91. fig. 2. — Erismatura dominica ib.
pl.92. fig.l. 2.
Vergl. Burmeister über Cygnus coscoroba. Reise H, p.512.
Und über Sal'kidiornis regle (Mol.), Chloephaga melanoptera, Ber-
nicla antarctica („im Süden von Buenos Ayres, Schluchten der Sier-
ra tinta, Sierra del volcan und Sierra ventana''), Anas spinicauda
VieilL, Anas oxyura Licht, so wie über zahlreiche andere Anatiden
des von ihm bereisten Gebietes Südamerika's.
Golymbidao. „Synopsis of the North-American Forms of the
Colymbidae and Podicipidae. Proceed. Acad. Phil ad. p. 226. Fleis-
sige kritische Arbeit. Von der specifischen Selbstständigkeit von
Colymbus Adamsi haben wir uns mit Sicherheit überzeugen kön-
nen. Auch halten wir den westlichen CoJ. pacificns Lawr. für ver-
chieden von arcticus. (Beide in der Bremer Sammlung.) — Aech-
mophorus occidentalis Lawr. und A. Clarkii Lawr. Beide von
der Westküste. — Podiceps californianus ist bestimmt verschieden
von auritus, alt wie jung. — Podiceps Cooperi Lawr. von Sholwa-
ter-Bay.
Abbild. Podiceps occidentalis in Birds of N. Am. Atl. pl. 88
— P. Clarkii ib. pl. 100. — P, californicus ib. pl. 8. jun. — P. do-
minicvs ib. pl. 99. fig. 1. — Podilymlus podiceps Lawr. ib. pl. 9. jun.
Älcidae. W. P r e y e r : Ueber Alca impennis in europäischen
Sammlungen. Caban. Journ. p. 77. Sehr unvollständig. — Id. über
Plautus impennis in Caban. Journ. p. 110. Behandelt gut und aus-
führlich: 1) die Stellung des Brillenalks im Systenie, 2) historische
Untersuchung über die Verbreitung des Vogels. Prüfung und Er-
der Yögel während des Jahres 1862. 67
läuterung jeder Lokalität. 3) Die Ursachen der Vernichtung. Weit-
läufig: Relative mangelhafte Organisation und vulkanische Ausbrüche
und Erschütterungen, von welchen die letzten Zufluchtsorte des
Brillenalks, die Reykjaneeijar, heimgesucht wurden.
Phaleris pusilla Pall., der kleinste aller Seevögel, wurde von
der amerikanischen Expedition unter Comm. Rodgers in der
Behringstrasse wieder aufgefunden. Ist keineswegs gleichartig mit
Ph. microceros oder nodirostris ! Biogr. Notiz von E. M. Kern.
Proceed. Acad. N. Sc Philad. p.324.
Ebendaselbst über Uria arra und grylle von Herald-Island im
Norden der Behringstrasse. Auch Uria columba wurde in der Beh-
ringstrasse beobachtet und Uria carbo an der Küste von Japan.
Biogr. Noten von E. M. Kern.
Abbild. Uria grylle. Birds of N. Am. Atl. pl. 9ß. fig. 2. —
U. columba ib. fig. 1.
Procellaridae. NTeusind: Procellaria Parkinsoni G. Ibis p. 245.
Neuseeland. — Prion magniroslris Gould Ann. Magaz. N. H. p. 317.
— Fulmarus Rodgersii Cass. Proceed. Ac. Philad. p. 324. Südindi-
sche Ocean.
Ebendaselbst über andere seltnere Sturmvögel, als Fulmarus
pacificus, Aestrelata Lessonii, Puffinus Kuhlii, Nectris tenuirostris,
Thalassidroma melanogastra.
Abbildung. Thalassidrma melania in Birds of N. Am. Atl.
pl. 99. fig. 2.
Laridae. — (Sternina e.) Elliott Cones: „a Review of
the Terus of North- America." Proceed. Acad. N. Sc. Philad. p. 535.
Höchst verdienstliche und werthvolle Arbeit. Behandelt 1) Syloche-
lidon anglica, 2) Thalasseus caspius, 3) Th. regius, 4) Th. elegans
Gamb. 5) Th acuflavidus Cabot, 6) Sterna Trudeaui, 7) St. Havellii,
8) St. Forsten, 9) St. hirundo, 10) St. macroura, 11) St.PikeiLawr.,
12) St. paradisea Br., 13) St. antillarum Less. (= frenata Gamb.
und minuta Wils.), 14) Hydrochelidon nigra, 15) Haliplana fuliginosa
und 16) Anous stolidus. Zweifelhaft bleiben von diesen als selbst-
ständige Arten St. Trudeaui und St. Havellii, die vielleicht beide
nur Forsten sind.
Abbild. Sterna elegans Gamb. Birds ofN. Am. Atl, pl. 94. —
Sterna Pihei Lawr. ib. pl. 95.
Rodgers' Expedition traf Sterna macroura in der Behring-
strasse. Proceed. Ac. N- Sc. Philad. p. 325. — Ebendaselbst über
Peale's Sterna lunata.
(Larinae.) ..Revision of the Gulls of North-America, based
upon the specimens in the Museum of the Smithsonian Institution^
by Elliott Coues." Proceed. Ac. Philad. p. 291. Sehr fleissig und
ausführlich. Als Species werden angenommen 1) Larus Hutchinsii
68 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgescb. u. s. w.
Ricbards., 2) L. glaucus, 3) L. leucopterus, 4) L. glaucescens Licht.,
5) L. chalcopterus Licht., 6) L. marinus , 7) L. occidentalis , 8)
Smiths onianus Coues n. sp. , 9) L. californicus I^awr., 10) L. delava-
ensis Ord., 11) L. brachyrhynchus, 12) L. Heermanni, 13) Rissa
tridactyla, 14) R. Kotzebui Bp., 15) R. brachyrhyncha Gould, 16)
Pagoi3hila eburnea, 17) Chroicocephalus atricilla, 18) Chr. cucuUatus,
19) Chr. Franclinii, 20) Chr. Philadelphia Lawr. et Ord. (= Bona-
partei Richards,), 21) Chr. minutus Bruch, 22) Rhodostethia rosea,
23) Xema Sabini und 24) Creagrus furcatus (ausserordentlich selten).
Neue Arten. Larus Frobeenii Phil, et Landb. Trosch. Arch.
p. 292. Arica (Peru). — Larus einer eocaudatus ib. id. Valparaiso.
Die kleinste aller chilenischen Möven.
Abbild. Chroicocephalus Franclinii in Birds of N. Am. Atl.
pl. 93. fig. 3. — Chr. cucullalus ibid. pl. 93. fig. 1.
Pelecanidae. Hübsch bei Burmeister Reise II. p. 355 über
den Alcatraz (Pelecanus thagus Mol.).
Abbild. Graculus mexicanus. Birds of N. Am. Atl. pl. 98. —
Gr. penicillaius ib. pl. 11.
Bericht über die wisseiischaftlicheu Leistungen in der
Naturgeschichte der niederen Thiere während der
Jahre 1861 und 1863.
Von
Dr. Rud. Leuckart^
Professor der Zoologie und vergl. Anatomie in Giessea,
Ca r leer schrieb eine historiscli kritische Abhand-
lung über thierische Systematik (Examen sur les princip.
classific. adopt. par les zoolog. Mem. cour. , extr. des
Annal. Univers. Belgique. Bruxelles 1861. 279 Seiten in
gr. Octav.)
Verf. giebt darin eine Uebersicht über die hauptsächlichsten
älteren und neueren Thiersysteme und unterwirft dieselben nach
einem Excurse über die leitenden Gesichtspunkte und die Principien
der Systematik einer kritischen Analyse. Dabei geht derselbe von
dem Satze aus, dass weder der anatomische Bau. noch die Ent-
wickelungsgeschichte, noch auch die Paläontologie für sich allein die
Grundlage eines natürlichen Systems abgeben könne. Trotzdem aber
glaubt er, dass die von seinem berühmten Lehrer van Beneden
nach den Eigenthümlichkeiten der Embryogenese aufgestellten drei
Abtheilungen der Hypocotylea (Vertebraten), Epicotylea (Arthropo-
den) und Allocotylea (Vermes L.) , den richtigsten Ausdruck für
die allgemeinsten Verwandtschaftsverhältnisse der Thiere abgeben.
Als die wichtigsten Ergebnisse der neueren systematischen For-
schungen betrachtet Verf. die Erkenntniss von dem gleichmässigen
embryogenetischen Verhalten der sog. niederen Thiere von den
Mollusken abwärts (Allocotylea) und die Auflösung der Cuvier'schen
Radiaten. In der Abtheilung der Allocotyleen unterscheidet Verf.
dieselben Typen, wie van Beneden, nur möchte er statt der sog.
Protozoen einen besonderen Typus der Infusorien und der Rhizopo-
den annehmen. Die Thiere von zweifelhafter systematischer Stellung
werden in einem eigenen Anhange abgehandelt (darunter z. B. die
Myzostomen. die Verf. den Arthropoden zurechnet, Sagitten, Tomopte-
riden, Echinorhynchen u. a.).
70 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Natur ge schichte
Lütken publicirt eine Anzahl trefflich geschriebe-
ner populärer Vorträge über die Erscheinungen der Me-
tamorphosen bei höheren und niederen-Thieren. Forvand-
lingen i Dyreriget^ Tidsskr. for popul. fremstillinger af
naturvidensk. T. III u. IV.
Weismann handelt ;,über die zwei Typen contra-
ctilen Gewebes und ihre Vertheilung in den grossen
Gruppen des Thi erreichest (Zeitschrift für nat. Med. Bd.
XV. S. 61— 103. Taf.IV— VIII), und liefert den Nachweis,
dass die Muskulatur der Coelenteraten, Echinodermen,
Würmer und Mollusken ganz allgemein aus einfachen
Zellen besteht, während bei Arthropoden und Wirbelthie-
ren besondere complicirte Gebilde, die Primitivbündel, die
Muskeln zusammensetzen.
Die „zoologischen Beiträge" von Keferstein und
Ehlers (Leipzig 1861. 112 S. in Quart mit 15 Kupfer-
tafeln) enthalten Untersuchungen über Hydromedusen,
Sipunculiden und Mollusken, die im Winter 1859 — 60 in
Neapel und Messina angestellt wurden und (nach vorläu-
figen Mittheilungen) zum Theil schon im vorigen Jahres-
berichte von uns berücksichtigt sind. Bei Gelegenheit
der Gephyreen, Sipbonophoren und Hydroiden werden
wir darauf noch einmal zurückkommen.
Ke ferst ei n's „Untersuchungen über niedere See-
tbiere'' (Zeitschrift für wissenschaftl. Zoologie Bd. XII.
S. 1 — 147. Tab. I — XI, im Auszuge in den Nachrichten
von d. G. A. Universität u. der k. Gesellsch. der Wis-
schaften zu Göttingen 1862. Nr. 4) betreffen vorzugsweise
die Lucernarien, Nemertinen und Chätopoden, bieten aber
auch sonst noch mancherlei wichtige Materialien für un-
seren diesmaligen Bericht (über Bryozoen, Gephyreen,
Holothurien, Actinien, Quallen). Sie stammen aus St.
Vaast am Eingange in den Canal und sind im Herbste 1861
angestellt.
Auch Pag enstecher's „Untersuchungen über nie-
dere Seethiere aus Cette" (Zeitschrift für wissensch.
Zool. XII. S. 265— 311, S. 486—529, mit Abbild.; in vor-
läufiger Mittheilung : Verhandl. des naturhist. med. Vereins
der niederen Thiere wähi-end der Jahre 1861 — 1862. 71
zu Heidelberg Bd. II. Heft 6) fallen fast alle in den Bereich
unseres Berichtes.
Ebenso Cl aparede, rech, anatom. sur les anneli-
des, turbellaires, opalines et gregarines observ. dans les
Hebrides (Geneve l;"61, 91 Seiten in Quarto mit 7 lith.
Tafeln, extr. des mem. Soc. phys. et d'hist. nat. Geneve).
In dem ,,Ausfliige nach Triest und dem Quarnero^
(Berlin 1861; 175 S. in Octav mit 4 Tafeln) schildert
Grube in Form eines Tagebuches die äusseren Erlebnisse
und die wissenschaftliche Ausbeute während eines mehr-
\7öchentlichen Aufenthaltes an den Küsten der Adria.
Es ist ein lebensfrisches Bild von den Freuden und Leiden
eines reisenden Zoologen, das sich hier vor uns aufrollt
und unser Interesse um so mehr in Anspruch nimmt,
als dasselbe durch die in Menge eingestreuten Bemerkun-
gen über Bau, Lebensweise und geographische Verbreitung
niederer Thiere besonders aus den Gruppen der Mol-
lusken, Krebse und Würmer auch einen wissenschaftlichen
Werth erhält. Wir werden im Laufe unseres Berichtes
noch mehrfach Gelegenheit finden, darauf zurückzukom-
men und erwähnen nur noch soviel, dass Verf. am Ende
seiner Darstellungen eine systematische üebersicht über
die in Triest , Fiume , Portore und Cherso beobachteten
Thiere giebt und die neuen Arten kurz charakterisirt.
Die bei dieser Gelegenheit beschriebenen neuen Chäto-
poden sind nach einer anderen Mittheilung unseres Yerf.'s
bereits im letzten J. B. von uns berücksichtiirt.
Von Localfaunen erwähnen wir die von einem Ver-
eine holländischer Gelehrten herausgegebene ,Natuurlijke
historie van Nederland'^, von der so eben ein neuer Band
mit der Zoologie der Mollusken und niederen Thiere
(Würmer, Echinodermen, Bryozoen, Coelenteraten und
Protozoen) von Herkiots erschienen ist. (Haarlem 1859
—1862, 466 S. in Octav mit 44 Steindrucktafeln.)
Danielssen liefert eine systematisch geordnete Zu-
sammenstellung der von ihm auf einer zoologischen Reise
nach Finmarken und Drontheim beobachteten niederen
Wasserthiere und stellt die Beschreibung^ der neuen Ar-
72 Leuckart: Bericht üb. p. Leist. in d. Naturgeschichte
ten für das nächste Heft der Fauna littoralis Norvegiae
in; Aussicht. Beretning om en zoologisk Reise foretagen
i Sommeren 1857 Christiania 1859. 59 S. und beretning om
en zool. Reise i Sommeren 1858 in den kongl. norske vi-
denskselsk. Skrifter 19. Aarh. 4. B. 2. H. 78 S. Die letzte
Abhandlung enthält ausserdem noch (S. 69 — ^78) anato-
misch - physiologische Untersuchungen über Scalibregma
inflatum.
Norman berichtet über die Resultate der von ihm
bei den Shetlands-Inseln vorgenommenen Grundfischereien
und zählt dabei 47 Echinodermen, 59 Brjozoen und 53
Coelenteraten. Rep. br. Assoc. Manchester 1861. p. 152.
Meyer und Möbius durchsuchen mittelst eines
eigens zu diesem Zwecke ausgestatteten Kutters die Kie-
ler Bucht und geben einen ^kurzen Ueberblick^ über die
daselbst beobachteten wirbellosen Thiere, die weit zahlrei-
cher und manchfaltiger sind, als es nach unseren bisheri-
gen Kenntnissen den x\nschein hatte. Archiv für Natur-
gesch. 1862. I. S. 229—237.
Der Senator Kirchenpauer in Ritzebüttel veröf-
fentlicht Untersuchungen über die thierischen und vegeta-
bilischen Ansiedler an den ^ Seetonnen der Eibmündung*
(59 S. in Quart, mit einer Karte, Hamburg 1862, aus dem
vierten Bande der Abhandl. des naturh. Vereins in Ham-
burg bes. abgedruckt), die nicht bloss einen willkommenen
Beitrag zur Kenntniss der Localfauna enthalten, sondern
auch in allgemeinerer Beziehung äusserst wichtig sind,
in sofern sie den Einfluss des Salzgehaltes auf die Ge-
stalt des organischen Lebens in überzeugender Weise
darthun. Am entschiedensten spricht sich dieser Einfluss
in dem Charakter der Hydroidenfauna aus, so dass Verf.
darnach vier von einander verschiedene Regionen imter-
scheiden konnte, die er nach den vorwaltenden Arten als
die Region der Sertularia argentea, der Tubularia larynx,
der Laomedea gelatinosa und Cordylophora albicola be-
zeichnet. Die erste Region ist die der offenen See (mit
32 Tausendtheilen Salz), während die letzte stromaufwärts
bis in die Gegend von Glückstadt reicht, wo das Elb-
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 73
wasser trinkbar wird (Oß p. M.). Ciixhafen gehört der
dritten Region an (9 — 18 p. M.). Die Grenzen der ein-
zelnen Regionen erleiden übrigens jährlich mehr oder
minder auffallende Verschiebungen und sind auch keines-
wegs für alle Tiefen dieselben^ wie sich schon nach dem
stärkeren Salzgehalte des Grundwassers im Voraus ver-
muthen liess. So leben z. B. in der Tiefe der dritten
Region noch Tubularien^ die an der Oberfläche derselben
nicht mehr gefunden werden. Auch sonst machen sich
mancherlei Schwankungen und Unregelmässigkeiten be-
merkbar, wie denn z. B. im Jahre 1861 merkwürdiger
Weise alle Tubularien in dem Eibwasser fehlten.
Die lange Zeit als gültig angenommene Ansicht von
Forbes, dass das thierische Leben in der Meerestiefe
rasch abnehme und schon bei etwa 1700' vollständig er-
lösche, erweist sich immer mehr als unzulässig. Schon
früher haben wir einzelne Beobachtungen anführen müs-
sen, durch welche die Existenz lebendiger Thiere in einer
weit beträchtlicheren Tiefe wahrscheinlich wurde ; wir
haben denselben dieses Mal noch andere gewichtigere
hinzufügen.
Zunächst die Beobachtungen von W al 1 i c h , der als
Naturforscher M'Cl int ock's Expedition zur Erforschung
eines für den neu zu legenden transatlantischen Telegra-
phendraht passenden Weges begleitete und sich davon
überzeugte, dass der Meeresgrund in einer Tiefe von
4 — 5 (engl.) Meilen aus einer dichten Lage todter und
lebendiger Foraminiferen (bes. Globigerinen) besteht, auch
aus einer Tiefe von 1260 Faden ein Ophiocoma, von 680
Faden Serpulaceen, von 495 Faden Spirorben und an-
dere Anneliden mit zwei Amphipoden, sämmtlich lebend,
emporhob. Notes on the presence of animal life at vast
depths in the sea. London 1860. ;(Journ. micr. sc. 1861.
p. 56—58.)
Ein ähnliches Resultat ergaben die Beobachtungen
des jüngeren Milne Edwards, der an den Bruchstücken
eines zwischen Sardinien und Afrika zwei Jahre vorher
versenkten Telegraphenkabels, die aus einer Tiefe von
74 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
2000 — 2800 Metres hervorgezogen wurden^ nicht bloss eine
Anzahl sessiler Mollusken^ sondern auch Polypen, Hydroi-
den und Bryozoen angesiedelt fand. Die betreffenden
Arten gehörten fast durchweg zu den seltneren und sind
theilweise sogar neu für die Wissenschaft {Caryophyllia
electrica f Thalassiotrochus telegrapliicus) -^ auch glaubt
Verf. einige derselben mit Fossilien identificiren zu müssen,
die in den obern Tertiärschichten der italienischen Küste
gefunden werden. l'Instit. N. 1437, Cpt. rend. P. 53. p. 88,
Annal. des sc. natur. P. XY. p. 148, Ann. and Mag. nat.
bist. Vol. VIII. p.270.)
Unter Bezugnahme auf die voranstehenden iVngaben
errinnert Jeffreys daran (Ann. and Mag. nat. bist.
Vol. VII. p. 254), dass Cap. Ross schon im Jahre 1819
in den aus einer Tiefe von 1000 Faden hervorgehobenen
Grundproben Würmer aufgefunden und ebenso in einer
Tiefe von 800 Faden eine schöne Euryale (Gorgonocepha-
lus arcticus) gefangen habe.
An diese Angaben über die Verbreitung des thieri-
schen Lebens schliessen sich ergänzend Ehrenberg's
auch in diesem Jahre fleissig fortgesetzte Untersuchungen
von Tiefgrundproben aus dem Mexikanischen Golfe (Berl.
Monatsberichte 1861. S. 222), aus der Davisstrasse und
dem Isländischen Meere (S. 275), die namentlich über den
Reichthum des tiefen Meeres an mikroskopischen Lebens-
formen manch neues Licht verbreiten, auch viele neue
Arten (Polythalamien und Polycystinen) kennen lehren.
Ein Gleiches gilt von den Untersuchungen zahlrei-
cher auf St. Paul (ebendas. S. 1085) und an anderen Orten
(S. 886) von den Mitgliedern der Novara-Expedition ge-
sammelten Erd- und Grundproben, besonders von erste-
ren, die uns bereits ziemlich vollständig vorliegen, während
die andern erst später in dem Reiseberichte der genannten
Expedition ausführlich publicirt werden sollen.
Auch die in den obersilurischen und devonischen
Schichten Russlands eingeschlossenen mikroskopischen Or-
ganismen werden von Ehrenberg zum Gegenstande
einer jVJitthcilung gemacht. (Ebendas. 1862. S.599.)
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 75
Pa st eur's Untersuchungen ^sur les corpuscules or-
ganis^s qui existent dans l'atmospliere'^ (Ann. des sc. nat.
T. XVI. p. 1 — 93) lassen kaum einen Zweifel, dass die in
der Luft verbreiteten Keime thierischer wie pflanzlicher
Organismen, deren Existenz von unserem Yerf. jetzt (wie
früher, was freilich auch dieses Mal ohne Erwähnung ge-
blieben, schon von Ehr enberg und Colin) auf direktem
Wege nachgewiesen wird , die Erscheinungen eben so-
wohl der Gährung und Fäulniss, als auch die der sog.
Generatio aequivoca erklären. Spätere Beobachtungen
f Compt. rend. T. 52. p. 344 , Ann. and mag. nat. bist.
Vol. "VII. p. 343) liefern sogar den wichtigen Nachweis,
dass die verschiedenen Formen der Gährung durch ver-
schiedenartige Organismen bedingt sind.
So ist namentlich die buttersaure Gährung von Vibrionen
abhängig. Verf. hält diese Geschöpfe ihrer Beweglichkeit wegen
für Thiere (Infusorien) und wundert sich, dass dieselben ohne Sauer-
stoff leben und gedeihen, ja sogar durch Einwirkung dieses Gases
getödtet werden, während das Auffallende dieser Erscheinung alsbald
schwindet, wenn man die Vibrionen, wie es in Deutschland jetzt
fast überall geschieht, als Pflanzen betrachtet.
Trotz der Beweiskraft der Pasteur'schen Untersu-
chungen sind die Anhänger der Lehre von der Urerzeu-
gung oder Heterogenie, wie sich dieselbe in Frankreich
gern benennt, übrigens keineswegs verstummt. Durch
Beobachtungen und Gegenexperimente soll die alte Lehre
von Neuem erwiesen werden. Yergl. Joly et Musset,
Cpt. rend. P. 52. p. 99, ibid. P. 53. p. 368, Moniteur scien-
tifique 1862 (Refut. de l'une des exper. capit. de Mr. Pa-
steur). Ebenso Mu sset, nouv. rech, exper. sur l'hetero-
g^nie. These. Toulouse 1862. 22pag. in Quart.
Auch in Deutschland erhebt S chaaf fhausen seine
Stimme zu Gunsten der Generatio aequivoca. Er will
durch direkte Beobachtungen nicht bloss die erste Bildung
organischer Keime, sondern auch deren Umwandlung in
verschiedenartige Organismen beobachtet haben. Sitzungs-
ber. der niederrh. Gesellsch. zu Bonn 1861. S. 108. Compt.
rend. 1862. T. 54. p. 1146.
Die in dem letzten J. B. erwähnte Abhandlung voq
76 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Broca „sur la reviviscence des animaux dessöches^ ent-
hält^ "wie Ref. jetzt aus dem Abdrucke derselben in den
Mem. de la Soc. biol. 1860. T. II. p. 1—140 ersieht, den
Bericht einer von der eben genannten Gesellschaft nieder-
gesetzten Commission, die es sich zur Aufgabe gemacht
hatte, die Angaben von D oy er e (J. B. für 1859. S. 108) so
wie die entgegenstehenden von Pouch et zu prüfen und
darüber ein entscheidendes ürtheil zu fällen. Beide Ex-
perimentatoren haben es nicht verschmäht, vor den Augen
der Commission ihre Versuche zu wiederholen, und beide
in fast allen Fällen ihre früheren Angaben bestätigen kön-
nen. Öbw^ohl solches auf den ersten Blick vielleicht über-
raschend erscheint, wird es doch erklärlich, wenn wir
durch die Mittheilungen B ro c a's erfahren, dass die Ver-
hältnisse, unter denen die Experimente angestellt wurden,
nicht genau dieselben waren. Nach Abänderung dersel-
ben ergaben denn auch die von Seiten der Commission
selbst angestellten "Wiederholungen der P ou chet'schen
Versuche dasselbe positive Resultat, wie die Experimente
von Doyere, so dass wir die vorliegende Frage jetzt als
vollkommen im Sinne des Letztern erledigt ansehen
dürfen. Auf die Einzelnheiten der vielfach höchst inter-
essanten Versuche können wir hier leider nicht einge-
hen. Wir verweisen dafür auf das Original, das über die
Resistenzfähigkeit der betreffenden Thiere (Rotifercn, Tar-
digraden, Anguilluliden) zahlreiche höchst überraschende
Aufschlüsse bietet.
I. V e r Ml e s.
Bei der grossen Menge und der Bedeutung der
Entdeckungen, die ims die letzten Jahre auf dem Gebiete
der Parasitenlehre gebracht haben, erscheint es vielleicht
ganz zeitgemäss, wenn Referent den heutigen Stand
unserer Kenntnisse über diesen wichtigen Zweig unserer
zoologischen Disciplinen in einem eigenen, für Naturfor-
scher und Aerzte bestimmten Hand- und Lehrbuche dar-
legt. Das Werk ist auf zwei Bände berechnet, und soll
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 77
eine möglichst vollständige Naturgeschichte der mensch-
lichen Parasiten^ so wie eine Darstellung der von densel-
ben herrührenden Krankheiten enthalten. So \veit das
angeht, fusst Verf. dabei überall auf eigenen Untersuchun-
gen, so dass das Werk, weit davon entfernt, eine Com-
pilation zu sein, eine Menge neuer Beobachtungen bringt
und unsere Kenntniss fast jeder einzelnen Form um ein
Beträchtliches erweitert. Die unserem diesmaligen Be-
richte zufallenden zwei erstenLieferungen behandeln ausser
den mehr allgemeinen Fragen (nach der Natur und Orga-
nisation der Parasiten, ihrem Vorkommen, ihrer Lebens-
geschichte und medizinischen Bedeutung) , so wie einer
Darstellung der geschichtlichen Entwickelung unserer
Kenntnisse über die Parasiten, die Naturgeschichte der
menschlichen Infusorien (S. 140 — 156) und Bandwürmer
(S. 157 — 438). Wir werden später Gelegenheit finden,
darauf specielier zurückzukommen. (Die menschlichen Pa-
rasiten und die von ihnen herrührenden Krankheiten von
R. Leuckart. Leipzig und Heidelberg 1862.)
Die Beziehungen zwischen den neueren Entdeckungen
über die menschlichen Eingeweidewürmer und die Gesund-
heitspflege bilden den Gegenstand einer besondern klei-
nen Abhandlung desselben Verf.'s, in der namentlich
die Naturgeschichte der Bandwürmer und Trichinen zu
Grunde gelegt wird. Unsere Zeit, Jahrbücher zum Con-
versationslexicon 1862. Bd. VI. S. 627—655.
Molin's Aufsätze über „die im Menschen vorkom-
menden Helminthen'^ (Oesterr. Zeitschrift für pr. Heil-
kunde 1861 u. 1862) enthalten eine ziemlich dürftige Be-
schreibung der menschlichen Eingeweidewürmer mit Be-
merkungen über deren Entwickelung. Obwohl der Verf.
ausdrücklich behauptet, seine Arbeit dem gegenwärtigen
Standpunkte unserer Wissenschaft angepasst zu haben,
dürfte solches doch kaum der Fall sein. Die Darstellung
ist vielfach lückenhaft — es sind nicht einmal alle be-
kannte Arten erwähnt — und nicht frei von Irrthümern
(wie denn z. B. der sog. Echinococcus altricipariens von
Taenia serrata abgeleitet wird).
78 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgescliichte
Auch C 0 b b 0 Id liefert ein Verzeicliniss der mensch-
lichen Eingeweidewürmer (oO Species) mit Bemerkungen
über deren Vorkommen und Entwickelungsgeschichte.
Ais Neuigkeit erwähnen wir daraus die Thatsache^ dass
die Ascaris alata Bellingh. mit A. mystax identisch ist,
mit einem Wurme, der, obwohl sonst bloss bei der Katze
vorkommend, gelegentlich auch den Menschen bewohnt,
wie Verf. — und auch Ref. — durch spätere Beobachtun-
gen ausser Zweifel gestellt hat. Remarks on all the hu-
man entozoa, Proceed. zool. Soc. 1862. Nov.
Krabbe macht Angaben über die Statistik der Ein-
geweidewürmer bei Hunden und Katzen, Kongl. danske
vidensk. selsk. Forh. 1852. Febr., Tidssk. for Veterinai-
res. Bd. X.
Vou 185 Hunden, die in Kopenhagen untersucht wurden, wa-
ren 121, von 2G Katzen 15 mit Darmwürmern besetzt. 87 Hunde
enthielten Taenia cucumerina (einer in wenigstens 1000, ein anderer
in 2000 Exemplaren, während die gewöhnliche Zahl nur selten 50
übertrifft) , 32 die T. e Cyst. tenuicolli , 4 die T. Coenurus, 2 die
T. Echinococcus, 38 die Ascaris marginata, 3 den Dochmius trigo-
nocephalus. Unter den Katzen wurden 13 mit Taenia elliptica, 2
mit T, crassicoUis und 11 mit Ascaris mystax gefunden. Auffallend
ist die Abwesenheit der bei uns so häufigen T. serrata, wie denn auch
sonst das Vorkommen der Helminthen im mittleren Deutschland in
mehrfacher Hinsicht abweichende Zahlenresultate ergiebt.
Wedl veröffentlicht in seinem Aufsatze „über die
Helminthenfauna Aegyptens'^ (Sitzungsber. der kais. Akad.
der Wissensch. zu Wien. Bd. XLIV. S. 226—240 und
S. 463 — 482 mit 5 Taf.) Beobachtungen über zahlreiche,
zum Theil neue Wurmformen, die — mit Ausnahme der
Angaben über Akanthotheken ^ — im Laufe unseres Berich-
tes noch eine nähere Berücksichtigung finden werden.
In Bezug auf die Akanthotheken will Ref. hier übrigens her-
vorheben, dass Verf. bei der Beschreibung der männlichen Ge-
schlechtsorgane in sofern einen Irrthum begangen hat, als er die
schlauchförmigen Anhangsdrüsen als Penis bezeichnet, als Anhangs-
drüsen aber die mit grossen Drüsenzellen umlagerten paarigen Sa-
menleiter in Anspruch nimmt. Der wirkliche Begattungsapparat ist
vom Verf übersehen worden. Natürlich, dass Verf unter solchen
Umständen mehrfach in seiner Beschreibung von der Darstellung
des Ref., für deren Richtigkeit derselbe einsteht, abweichen musste.
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 79
Cobbold's „further observations on entozoa^ with
experiments'' (Transact. Linn. Soc. Vol. 23. p. 349 — 358.
Tab. 33) beziehen sich vorzugsweise auf Distomum con-
juncturQ; Pentastomum denticulatum, Trichocephalus affinis
(Tr. gracilis) und referiren über einige mit den zwei letzt-
genannten Tbieren resp. deren Eiern erfolglos angestellte
Experimente.
Von demselben erhielten wir eine Aufzählung
der von ihm während der Jahre 1857 — 1860 in den Thier-
leichen des Londoner zoological garden aufgefundenen
Entozoen, mit Beschreibung einiger neuen Arten. Pro-
ceed. zool. Soc. 1861. p. 117.
Die Denkschriften der Wiener Akademie bringen
in ihrem 19ten Bande (1861. S. 189— 338) unter dem
Titel: Prodromus faunae helminthologicae Venetae eine
umfangreiche Abhandlung von Mol in über venetianische
Helminthen^ die nicht bloss durch die grosse Menge sorg-
fältiger Detailbeschreibungen^ die Charakteristik zahlrei-
cher neuer Arten und die beigegebenen 15 Kupfertafeln^
sondern weiter auch als Beitrag unserer Kenntnisse von
der geographischen Verbreitung der Helminthen unser
Interesse verdienen. Wir haben schon nach einer frühe-
ren Mittheilung des Verf.'s (J. B. für 1858) über diese
Abhandlung berichtet und die neuen Arten namentlich
aufgeführt^ so dass wir uns hier auf die weitere Bemer-
kung beschränken können, dass Verf. im Ganzen 120 ver-
schiedene Species zum Gegenstande seiner Untersuchun-
gen gemacht hat, 41 Trematoden, 43 Cestoden, 20 Echi-
norhynchen und 16 Nematoden.
1. Annelides.
Gbaetopodes.
Grube's Ausflug nach Triest und dem Quarnero
enthält ausser den Diagnosen und Abbildungen zahlreicher
neuen — schon im letzten Jahresberichte von uns aufge-
zählten — Arten manche interessante Mittheilung über
Vorkommen und Lebensweise der Anneliden,
80 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgescliichte
Von besonderem Interesse sind die Beobachtungen des Verf.'s
über Bohranneliden, auf deren Existenz wir bisher erst durch ein
Paar flüchtige Bemerkungen Quatrefages' aufmerksam geworden
sind. Der letztere spricht von einer Sabella (S.* terebrans) , welche
die Kalksteine nach Art der lithophagen Mollusken durchsetze;
auch Grube beobachtete eine in Kalkstein bohrende Art dieses
Geschlechts (S. saxicola n. sp.), und lehrt uns daneben in dem Spio-
artigen Heterocirrus saxicola noch eine zweite unter ähnlichen Ver-
hältnissen lebende Annelidform kennen (a. a. 0. S. 47). In den Kalk-
klippen von Dieppe hat Ref. jüngst eine vierte Bohrannelide aufge-
funden, eine Leucodore (L. exigua Gr. ?), die mit ihren fast zolllangen
Bohrgängen in zahlloser Menge die freie Oberfläche des Gesteins
durchsetzt und nicht wenig zur raschen Verwitterung desselben
beiträgt. Auf \\ eiche Weise die Bohrlöcher von den so weichen
und zarthäutigen Würmern getrieben werden, ist schwer zu sagen,
doch fühlt man sich zunächst versucht, hierbei der Borsten und
Haken der Fusshöcker zu gedenken. Die Lage der Bohranneliden
in ihren Gängen ist,, so weit die bisherigen Untersuchungen reichen,
beständig der Art, dass das Kopfende nach Aussen sieht. Die in
den Austerschalen lebenden Anneliden sind übrigens wohl gleich-
falls den bohrenden Arten zuzurechnen , wie denn überhaupt die
Existenz dieser Thiere weit häufiger sein dürfte, als man früher
vermuthete.
Wal lieh sah Bohrkanäle, die wahrscheinlich von Anneliden
herrührten, an Foraminiferenschalen (Ann. and Mag. nat. hist. Vol.
VIII. p. 59) und Jeffreys spricht sogar (ibid. P. VII. p. 254) von
Anneliden, die in Holz bohren.
Wir fügen hier die aus dem Zoologist 1859. p. 6687
entnommene Beobachtung von Gosse bei, dass die von
Paguren bewohnten Schneckenhäuser gar oftmals einer
schönen Nereide zum Aufenthalte dienen. Ref. kann diese
Angabe vollständig bestätigen. Ohne von der Beobachtung
Gosse's zu wissen; hat er an der Küste der Normandie
fast in einem jeden mit Pagurus besetzten Buccinum eine
(neue) Heteronereis von 4—6" Länge aufgefunden.
Nach Fr. Müller wird die Röhre von Chaetopte-
rus pergamentaceus an der Brasilianischen Küste häufig
von einer meist paarweise zusammenlebenden Porcellanea
bewohnt. Archiv für Naturgesch. 1862. I. S. 194.
Leydig's Mittheilungen über „das Nervensystem
der Anneliden/ Archiv für Anat. u. Physiol. 1862. p. 90
— 125, betreffen namentlich die Lumbricinen und Hirudi-
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 81
neen, und berühren eine Menge theils neuentdeckter,
theils auch genauer von unserem Verf. untersuchter Ver-
hältnisse. Wir heben daraus Folgendes hervor.
Gehirn und Bauchmark der Chätopoden und Hirudineen haben
bleibend einen paarigen Charakter. Die zwei Längsstränge dersel-
ben sind in ganzer Ausdehnung getrennt und stehen nur in den
Ganglien und an beschränkten Stellen durch Faseraustausch in Ver-
bindung. Dazwischen bleiben Zwischenräume — in der Unter-
schlundganglienmasse, die Verf. unrichtiger Weise zum Hirne rech-
net , während sie doch dem Bauchmarke angehört und durch Ver-
schmelzung einer Anzahl ursprünglich getrennter Ganglien entsteht,
deren vier — , die von einzelnen Muskelfasern durchsetzt werden.
Abweichend verhält es sich bei den Gephyreen, die einen durchaus
unpaarigen Bauchstrang besitzen. Die Ganglienkugeln des Bauch-
stranges liegen beständig an der ventralen Seite, bald (Lumbricinen)
in einer einfachen zusammenhängenden Masse, bald (Hirudineen) zu
packetartigen Gruppen vereinigt. Am Hirne und der Unters chlundgang-
lienmasse ist die Anordnung dieser Gruppen am complicirtesten, aber
keinesweges bei allen Arten übereinstimmend. Bei manchen Arten
erscheinen dieselben als förmliche neben der Fasermasse gelegene
Anhänge. Das Neurilem des Bauchstranges ist (auch bei Sipunculus)
mit besonderen Längsmuskelfasern versehen, durch die dasselbe die
Fähigkeit gewinnt, bei den manchfachen und unter Umständen sehr
heftigen Krümmungen des Wurmes sich diesen Bewegungen anzu-
passen, ohne gleichzeitig einem Drucke ausgesetzt zu sein. Das sog.
äussere Neurilem der Hirudineen ist bekanntlich die Wand des Bauch-
gefässes, das hier — mit Ausnahme von Branchiobdella, die eine
weite Leibeshöhle besitzt — ganz allgemein das Bauchmark in sich
einschliesst. (Bei der vorausgeschickten historischen Uebersicht ist
ausser Acht geblieben, dass auch Brandt dieses Verhältniss ganz
richtig beschrieben hat.) Die an der Basis der drei Kieferwülste
der Blutegel gelegenen Ganglien, die Brandt für Theile des sym-
pathischen Apparates hielt, gehören einem Hirnnervenpaare an, das
sich plexusartig auf dem Anfangstheile des Pharynx verbreitet und
auch bei den Arten ohne Kieferwülste und den Lumbricinen vor-
kommt. Als Sympathicus möchte Leydig dagegen den bei den
Hirudineen an der Bauchfläche des Magens hinlaufenden langen Fa-
den betrachten, der die Samentaschen und auch den Enddarm mit
Zweigen versorgt, bei den Lumbricinen aber zu fehlen scheint. Auch
ist Verf. nicht abgeneigt, den gleichfalls bei den Hirudineen vor-
kommenden intermediären Faden, der in der Mitte zwischen den
beiden Bauchsträngen von Ganglion zu Ganglion ausgespannt ist, dem-
selben Systeme zuzuweisen. Dass die Nervenfäden mit den Ganglien-
Archiv f. Naturg-. XXIX. Jahrg-. 2. Bd. F
82 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschiclite
zelleli im Zusammenhartge stehen, ist auch für unseren Yerf. eine
ausgemachte Sache , aber derselbe zweifelt an der Richtigkeit der
Angabe, dass dieser Zusammenhang ein direkter sei. Er glaubt
vielmehr, dass derselbe durch Vermittelung einer eigenthümlichen kör-
nigen Masse geschehe, die überall im Innern der Ganglien vorhanden
sei und von zahlreichen äusserst feinen Fibrillen durchsetzt werde,
die durch Auflösung der schwanzartigen Fortsätze an den Ganglien-
zellen ihren Ursprung nähmen. Die seitlichen Commissuren des
Schlundrings sind bei manchen Lumbricinen innerhalb des Neurilems
in zwei Stränge zerfallen.
Nach den beiläufigen Angaben von Fr. Müller
sind die (schon vom Ref. im J. B. für 1858. S. 109 er-
wähnten) Gehörbläschen der jungen Terebellen durch
einen Verbindungsgang mit der Aussenfläche des Körpers
verbunden. Archiv für Naturgesch. 1861. I. S. 46. (Die
jungen Terebellen, die in einer Gallerthülle frei umher-
treiben, sind von früheren Beobachtern oft für besondere
Thierformen gehalten. So namentlich von Dujardin,
der darauf das Gen. Sabellina gründete, vergl. Ann. des
sc. natur. 1859. T.IX. PI. VII.)
Nach den Untersuchungen Rollet's rührt die rothe
Farbe des Blutes bei den Regenwürmern, wie bei den
Wirbelthieren, von Hämatin her. So beweist nicht bloss
der Dichroismus des Blutes , sondern auch das Auftreten
der charakteristischen Häminkrystalle nach Behandlung
mit heissem Eisessig. Sitzungsberichte der K. Akad. d.
Wissensch. Bd. XLIV. 1861. Oct.
Auch in Betreff der übrigen chemischen Eigenschaf-
ten stimmt das Regenwurmblut so vollständig mit dem
Blute der höheren Thiere überein, dass man wohl be-
rechtigt ist, daraus auf eine Gleichheit der Function zu-
rückzuschliessen. Vergl. D avy, Rep. br. Assoc. Manche-
ster 1861. p.l65.
Claparede handelt in den schon oben angezogenen
Recherches anatomiques (p. 1 — 46) über den äusseren und
inneren Bau von Pachydrüus div. sp. , Ciitellio arenarius
und Capitella capitata.
In Bezug auf letztere bestätigt Verf. die bekannten Angaben
von van Beneden (J. B. XXIV. S. 100), nach denen dieselbe den
polychäten Anneliden und nicht den Lumbricinen zugehört. Er
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 83
findet auch, dass die Borsten in der Mitte des Körpers auf förm-
lichen kleinen Erhebungen eingepflanzt sind, und glaubt das Gen.
Capitella am natürlichsten in der Familie der Maldanien unterbrin-
gen zu können. Wie zahlreiche verwandte Formen, sondert Capitella
eine Masse von Schleim ab , der im Umkreise des Körpers röhren-
förmig erhärtet und einen durchsichtigen Behälter bildet, in dessen
Innerm der Körper des Thieres meist in fortwährender Peristaltik
begriffen ist . Verf. meint , dass diese Bewegungen auf die frei in
der Leibeshöhle befind liehe Blutflüssigkeit einwirken und gewissermas-
sen die Stelle von Herze ontraktionen ersetzen. Geschlechtsorgane
wurden bei den untersuchten Exemplaren nicht beobachtet. Bei den
andern Arten hat der Yerf. dagegen diesen Theilen eine ganz be-
sondere Aufmerksamkeit geschenkt und davon eine Darstellung
geliefert , die nicht wenig zur Abklärung unserer Kenntnisse über
diese bisher noch immer ziemlich dunklen Gebilde beitragen wird.
Was zunächst die Arten des von unserem Verf. neu aufgestellten
Gen. Pachydrilus anbetrifft, so besitzen diese unpaare Geschlechts-
drüsen, die dicht hinter einander (der Hoden voran) an der Rücken-
fläche des vorderen Körperendes gefunden werden und ihren Inhalt
durch Dehiscenz der Wandungen in die Leibeshöhle entleeren. Bei
einer Art (P. verrucosus) sind die Drüsen nicht sackförmig, wie sonst,
sondern in Büschel von 0 — 8 einzelnen Schläuchen zerfallen. Zur
Ausführung der männlichen (und wohl auch weiblichen) Geschlechts-
stoffe dienen ein Paar ansehnliche röhrenförmige Ausführungsgänge,
die mit ihrem freien , trichterförmig entwickelten Ende in die Lei-
beshöhle münden und bei näherer Untersuchung und Vergleichung
als mächtig entwickelte Segmentalorgane erkannt werden. Im In-
n&th des Endtrichters beobachtet man — zu bestimmten Zeiten — ^
ein mächtiges Samenfadenbündel. Das untere Ende zeigt eine
drüsige Verdickung und scheint ausserdem bei der Copulation als
Begattungsorgan zu dienen. Die Noth wendigkeit der , Begattung
dürfte sich durch gewiss^ zQjiyiphe Unterschiede in der vollen Ent-
wickelung der männlichen ,und weiblichen Zeugungsstoffe erklären
(auch vielleicht, nach Meinung 'des B,ef,' dadurch, dass die Samen-
fäden in der Leibeshöhle stets nur ruhend angetroffen werden, in
einem Zustande also , der ihnen ein Eindringen in die Eier, die Be-
fruchtung also, unmöglich macht). Vor der Geschlechtsöffnung lie-
gen ein Paar flaschenförmige Beutel mit kräftigen Muskelwandungen,
die bei der Begattung, wie es Ref. in verwandten Formen schon
vor langer Zeit (J. B. XX. S. 329) beobachtete, mit Sperma gefüllt
Werden. Bei Clitellio finden sich in der Bildung der Geschlechts-
organe mancherlei auffallende Unterschiede, in sofern hier nämlich
die Endtrichter der Samenleiter mit der Wand des gleichfalls sack-
förmigen Hodens zusammenhängen , also nicht frei in die Leibeshöhle
84 Leuckart: Beriebt üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
ausmünden, und die Eier aus dem Ovarium in den Innenraum eines
besondern gleichfalls sackförmigen Behälters (matrice) gelangen, wel-
cher den Hoden scheidenförmig umschliesst und, wie bei Enchytraeus
und Tubifex, die sich sehr ähnlich verhalten, wahrscheinlich neben
der männlichen Oeffnung jederseits nach Aussen ausmündet. Der
Bauchstrang ist bei Clitellio wie bei Pachydrilus höchst einfach,
ohne Ganglien und Seitenzweige , ein einziger , von ziemlich dicker
Scheide umgebener Achsencylinder. Auch das Blutgefässsystem ist
wenig complicirt, am meisten noch bei Clitellio, bei dem im Yor-
derleibe ein Paar pulsirende Seitenschlingen gefunden werden. Die
Leibeshöhle enthält die bekannten Körperchen, die bei den einzelnen
Arten eine zum Theil sehr abweichende und charakteristische Bil-
dung haben. Der Darmkanal entbehrt bei Pachydrilus der Magen-
anschwellung , zeigt aber in seinem Anfangstheile nicht selten eine
ansehnliche Drüsenschicht (Speicheldrüsen ?).
Die hier angezogenen Beobachtungen über Pachy-
drilus und Clitellio haben unseren Verf. veranlasst, auch
die einheimischen Lumbricinen und zwar zunächst die ver-
wandten wasserbewohnenden Arten einer näheren Unter-
suchung zu unterwerfen. Das Resultat war äusserst loh-
nend. Nicht bloss, dass es gelang, die bisher bekannten
Formen mit zahlreichen neuen Arten und Geschlechtern
{LimnodriluSj StylodriluSy Trichodrilus , Pachydrilus) zu
bereichern und einzelne zweifelhafte Arten, wie den B o n-
net'schen Lumbricus variegatus, besser und schärfer, als
es bisher möglich war, zu begründen, auch in sofern hat
unser Yerf. sich grosse Verdienste erworben, als er auf
Grund seiner reichen Erfahrung zum ersten Male es
versuchen konnte, die Organisationsverhältnisse der be-
treffenden Thiere auf ein bestimmtes Schema zurückzu-
führen. Dass die früheren Angaben dabei mehrfach be-
richtigt wurden, erklärt sich um so leichter, als die
betreffenden Würmer bekanntlich keinesweges zu den
leichten Untersuchungsobjecten gehören.
Das Material, welches unser Verf. in dem neuen
Werke (rech, anatom. sur les Oligochetes, Geneve 1862,
75 S. in Quarto mit 4 Kupfertafeln, extr. des Mem. Soc.
ph5^s. et d'hist. nat. de Geneve T. XVI) uns vorführt,
stützt sich auf die Untersuchung von zehn Arten, die
acht verschiedenen Geschlechtern zugehören. Eine jede
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 85
dieser Arten wird gesondert behandelt, und nimmt die
Schilderung derselben den grössten Theil des ganzen
Werkes (p. 13 — 60) in Anspruch. Das Allgemeine wird
theils vorausgeschickt, theils auch in Form eines Resume
hintangehängt. Gefässsystem, Segmentalorgane und Ge-
schlechtstheile, namentlich letztere, finden dabei eine be-
sonders eingehende Berücksichtigung.
Der Muskelschlauch der hieher gehörenden Würmer zerfällt
in sechs Längsstreifen, die durch zwei mediane und zwei Paar seit-
liche Furchen gegen einander abgesetzt sind. Die Seitenfurchen
dienen zur Aufnahme der Borstenbüschel, während die Medianfurchen
eigenthümliche birnförmige Körperchen in sich einschliessen, die an
einem dünnen Stiele flottiren. Ganglien lassen sich nur im vorderen
Körperende unterscheiden. Der eigentliche Bauchstrang ist ohne
Anschwellungen, doch complicirter, als es unserem Yerf. früher er-
schien, da ausser der dicken Centralfaser auch noch andere Fasern
in die Bildung desselben eingehen, wie denn auch seitlich rechts
und links zahlreiche Aeste davon entspringen. Ein Muskelmagen
fehlt. Der Chylusmagen ist von einer ansehnlichen Zellenlage be-
kleidet, die auch das Rückengefäss überzieht, also kaum als ein
Leberbeleg betrachtet werden darf, viel eher dazu bestimmt scheint,
den Inhalt der Leiboshöhle abzuscheiden. Das Gefässsystem der
wasserbewohnenden Lumbricinen besteht überall aus einem unpaaren
Rücken- und Bauchstamme, die beide dicht an dem Darmkanale
anliegen und in jedem Segmente durch eine Anzahl von Gefäss-
schlingen unter sich zusammenhängen. Nur in seltenen Fällen sind
diese Gefässschlingen ganz gleich gebaut (Trichodrilus) ; in der Regel
unterscheidet man in jedem Segmente zweierlei verschiedene Schlin-
gen, eine, die dicht auf der Darmhaut aufliegt, und eine zweite, die
der Leibeswand zugehört, eine viscerale, wie Verf. sagt, und eine
periviscerale. Mitunter (Limnodrilus) gesellt sich dazu noch eine
unter der Haut hinziehende dritte Schlinge. Die Contractilität be-
schränkt sich entweder auf das Rückengefäss (Enchytraeus, Nais,
Chaetogaster) , oder kommt ausserdem auch einer geringeren oder
grösseren Anzahl von Querschlingen zu. Bei Stylodrilus, Tricho-
drilus und Lumbriculus pulsiren alle Gefässe mit Ausnahme des
Bauchstammes , bei der letztgenannten Art auch die Gefässzotten,
die den Schlingen, besonders den Perivisceralschlingen, anhängen und
in früherer Zeit zu manchen irrthümlichen Deutungen veranlasst
haben. Das Gefässsystem der Erdlumbricinen ist viel complicirter,
nicht bloss wegen der Anwesenheit eines zweiten, unter dem Nerven-
systeme hinziehenden Bauchstammes, sondern auch wegen der mäch-
tigen Entwickelung des capillaren Apparates. Die Segmentalorgano
86 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
werden von unserem Yerf. als Excretionsorgane gedeutet. Sie be-
ginnen bei den "Wasserhimbricinen constant im 7. Körperringe.
Auch im 8. Körperringe werden sie gewöhnlich gefunden, d ann aber
überspringen sie gewöhnlich 4 Segmente, um vom 13. continuirlich
durch die ganze Leibeslänge hinzuziehen. Die zwischenliegenden
Segmente enthalten die Geschlechtsöffnungen mit Ausführungsgängen
und Receptaculum seminis, die sämmtlich, wie die Segmentalorgane,
paarig entwickelt sind und mit allem Rechte von unserem Verf. als
Aequivalente der gewöhnlichen Segmentalorgane betrachtet werden.
Am augenfälligsten ist die hervorgehobene Homologie bei den Sa-
menleitern, die meistens im 11. Körperringe gefunden werden und
mit unbedeutenden Modifikationen den Bau der gewöhnlichen Seg-
mentalorgane wiederholen , namentlich auch überall frei mit dem
Leibeshöhlenraume communiciren. Die Annahme frülierer Forscher
(besonders d'Udekem's) von einem direkten Zusammenhange mit den
Hoden hat sich durch nähere Prüfung bei allen Wasserlumbricinen
als irrthümlieh erwiesen und scheint Verf. auch für Clitellio jetzt
höchst unwahrscheinlich. Im Einzelnen zeigt übrigens die Bildung
der Samenleiter mancherlei Unterschiede , die wir hier nicht alle
aufzählen können. Wir erwähnen nur die Anwesenheit einer lappi-
gen Anhangsdrüse (Samenblase Ref.?) in dem dickwandigen sog.
Atrium der Samenleiter bei Limnodrilus und Tubifex, so wie die
Duplicität dieser Gebilde bei Lumbriculus, Stylodrilus und Trichodri-
lus, bei denen ausser dem 11. Ringe auch noch der 10. mit einem
Samenleiterpaare versehen ist. Beide Paare münden übrigens durch
dieselbe Oeffnung (im 10. Segmente) nach aussen und haben auch
nur ein einziges gemeinschaftliches Atrium. Ein besonderer Oviduct
wurde von unserem Verf. nur bei Lumbriculus und Stylodrilus auf-
gefunden. Es ist ein kurzer Flimmertrichter, der dem 12. Ringe
angehört und nach Art eines Segmentalorganes frei in die Leibes-
höhle einmündet. Enchytraeus besitzt im 12. Ringe hinter den
Ausmündungsstellen der Samenleiter zwei kleine Oeffnungen , die
nach der Ansicht des Verf. 's möglicher Weise die Stelle der Ovi-
ducte vertreten. Bei Limnodrilus und Tubifex sollen die Eier da-
gegen — ganz wie d'Udekem wollte — unter dem äusseren mus-
kulösen Ueberzuge des Endstückes am Samenleiter hingleiten und
durch die männliche Oeffnung nach Aussen austreten. Es soll hier
dieses Endstück, mit anderen Worten, scheidenförmig von dem Ovi-
ducte umfasst werden — was Ref., offen gestanden, um so zweifel-
hafter dünkt, als sich die Annahme einer Invagination der Geschlechts-
organe sonst überall als irrthümlieh erwiesen hat. Auch dürfte
der ringförmige Spaltraum im Umki-eise des oben erwähnten Drü-
senanhanges, den Verf. als Abdominalöffnung des Oviductes in An-
spruch nimmt, kaum zur Aufnahme der Eier passend organisirt
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 87
sein. Als Receptacula seminis fungiren zwei flaschenförmige Beutel,
die bei Trichodrilus den Samenleitern folgen, sonst 'aber überall
denselben vorausgehen und nur bei Enchytraeus, der sich durch die
Lagenverhältnisse der Geschlechtsorgane auch sonst mehrfach ab-
weichend verhält, durch eine Anzahl von Segmentalorganen davon
getrennt ist. Der männliche Drüsenapparat besteht in der Regel
jius drei unpaaren Säcken, die den Dissepimenten des 9., 10. und 11.
Ringes anhängen und ihren Inhalt meist erst nach vollständiger Aus-
bildung der Samenfäden in den Innenraum der betreffenden Seg-
mente entleeren. Auch die Eier findet man in den späteren Ent-
wickehingsperioden beständig frei in der Leibeshöhle, besonders im
10. Segmente, wo sie sich im Umkreise des Hodens oftmals so mas-
senhaft ansammeln, dass man dadurch zu der Annahme einer förm-
lichen Einkapeelung verführt werden könnte. Als Bildungsstätte
der Eier fungirt gewöhnlich ein im 0. Segmente gelegenes paa-
riges Ovarium, dessen Stelle bei Enchytraeus durch eine Anzahl
frei in der Leibeshöhle flottirender Zellengruppen vertreten ist. Die
Erdregenwürmer verhalten sich, wie in Betreff ihres Gefässsystemes,
so auch in Bezug auf die Organisation ihres Geschlechtsapparates
sehr abweichend, indem die Leitungsapparate und Receptacula der-
selben keinerlei Beziehung zu den Segmentalorganen besitzen. Sie
fiaden sich neben den letzten (nicht anstatt derselben) und öffnen
§\^h. niemals frei in die Xieibeshöhle.
i' Die x\ngaben von Claparedc finden fast in allen
Punkten eine Bestätigung durch die Untersucliungen^ dio
Buchholz über den Bau von Enchytraeus angestellt hat
(Königsberger Phjsikal.-okonom. Schriften IIL 1862, Bei-
träge zur Anatomie der Gattung Enchytraeus, nebst An-
gaben der um Königsberg vorkommenden Formen der-
selben, 38 S. in Quarto mit 3 Kupfertafeln). Es gilt das
namentlich auch für die Geschlechtsorgane, die nur in
sofern abAveichend beschrieben ^verden, als Verf. keinerlei
besondere Oeflf'nungen für den Austritt der Eier finden
konnte. Er vermuthet trotzdem die Existenz solcher
OefFnungen, wenn auch eine vielleicht nur temporäre.
(Nach Claparede besitzt Enchytraeus übrigens auch in
der Mfttelh'nie des Rückens eine Reihe von Oeffnungen.)
Die fiottirenden sog. Ovarien werden wie die in der Lei-
beshöhle sich entwickelnden Samenfäden auf die drei un-
paaren Geschlechtsdrüsen zurückgeführt. Segmentaldrüsen
sollen vom 7. (bei E. ventricosus sogar vom 4.) Segmente
88 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
an überall vorhanden sein, also — gegen Claparede - —
aucli neben den Geschlechtsorganen vorkommen. Eigen-
thümliche, meist reihenweis auf den Segmenten vorhan-
dene Körperchen werden als Tastkörperchen gedeutet,
wohl vorzugsweise desshalb, weil sie an der Oberlippe
besonders häufig sind. (Claparede beobachtete dieselben
Gebilde bei Limnodrilus. Er hält sie für Zeichen einer
besondern Sculptur, während Leydig darin — ■ beiEnch.
ventricosus, Archiv für Anat. u. Physiol. 1862. S- 94. Anm.
— Hautdrüsen sieht.) Der Darmkanal hat dicht hinter
dem Oesophagealbulbus zwei geknäuclte Anhangsschläu-
che, die vielleicht als Speicheldrüsen fungiren. Bei einer
neuen Art, E. appendiculatus , findet sich dahinter eine
eigenthümliche, von zahlreichen Gefässen durchzogene,
blindsackartige Ausstülpung. Die Lymphkörperchen sind
theils zellig, theils auch scheibenförmig.
Auch d'Udekem sieht sich nach neueren Unter-
suchungen veranlasst (Bullet, acad. roy. Belg. T. XII.
Nr. 11, notice sur les org. g6n. des Aeolosomes et des
Chaetogaster, 8 pag. mit ITaf. ; l'Inst. 1862. p. 79.), seine
frühere Darstellung vom Bau der Geschlechtsorgane bei
den Wasserlumbricinen zu modificiren. Er hat sich davon
überzeugt, dass die vor den Geschlechtsöffnungen lie-
genden flaschenförmigen Beutel, die er früher als Schalen-
drüsen deutete , wirklich als Samenbehälter fungiren.
Gleichzeitig giebt er eine Dai'stellung vom Bau der Ge-
schlechtsorgane von Chaetogaster, die im Wesentlichen
mit den Beschreibungen übereinstimmt, die Claparede
und Buchholz von den Geschlechtsorganen der ver-
wandten Arten geliefert haben , und nur in sofern sich
unterscheidet, als Ch. ein einfaches, an der Bauchfläche
des dritten Segmentes gelegenes Ovarium besitzen soll.
Aeolosoma zeigt eine sehr viel einfachere Bildung, indem
demselben sämmtliche Leitungsapparate fehlen. Ihre Stelle
ist von einer unpaaren grossen OefFnung vertreten, die an
der Bauchfläche des siebenten Ringes liegt und von einer
ganz ansehnlichen Drüsenmasse umg-eben wird. Vor dieser
Oeffnung h'egt, gleichfalls an der Bauchfläche, das sack^
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 89
artige Ovarium, dem gegenüber, an der Rückenfläche,
der gleichfalls sackförmige Hoden angebracht ist. Die
Samenzellen lösen sich schon früher aus dem Hoden ab,
um in der Leibeshöhle sodann in Samenfäden auszuwach-
sen. Trotz der Geschlechtsreife pflanzt sich Aeolosoma
übrigens auch im entwickelten Zustande, wie Nais pro-
boscidea, durch Knospung fort; Verf. fand sogar einmal
ein Junges, dessen Leibeshöhle von dem Mutterthiere aus
mit Samenfäden gefüllt war.
Pagen Stecher macht uns durch seinen Aufsatz
„über die Entwickelungsgeschichte und Brutpflege von
Spirorbis spirillum^ (Zeitschrift für wiss. Zool. Bd. XIL
S. 486— 496. Tab. XXXVni u. XXXIX) mit derThatsache
bekannt, dass das Gen. Spirorbis nicht getrennten Ge-
schlechts ist, wie man bisher vermuthete, sondern beiderlei
Zeugungsstoffe neben einander zur Entwickelung bringt.
Die Geschlechtsverhältnisse unseres Thieres sind also die-
selben, wie die der nahe verwandten Protula, und von denen
der übrigen Serpulaceen verschieden. Noch auffallender
aber ist der Umstand, dass die Eier nicht frei nach Aus-
sen abgelegt oder , wie bei anderen Röhrenwürmern, an
der äusseren Mündung des Gehäuses angeheftet werden,
sondern in eine sackartige Erweiterung des Deckelstieles
gelangen , woselbst auch die Jungen verweilen , bis sie
im Stande sind , eine Röhre zu bauen. Ein eigentliches
Schwärmstadium scheint den Spirorben zu fehlen , wie
denn auch die Metamorphose derselben, im Vergleiche
mit anderen Kiemenwürmern, nur gering genannt zu wer-
den verdient.
Das Marsupium des Deckels wird nach den Beobachtungen
unseres Verf.'s nicht etwa von dem Centralraume desselben gebildet,
der mit der Leibeshöhle zusammenhängt und die Eier von dort aus
leicht direkt aufnehmen könnte , sondern von einer Rinne , die
ausserhalb der Weichtheile liegt und nur von dem Chitinüberzuge
bedeckt ist. Die Bildung dieses Brutbehälters und der Trans-
port der Eier in denselben Hess sich nicht beobachten. Ebenso
wenig das Ausschlüpfen der Jungen, das übrigens wahrscheinlicher
Weise durch ein Abstossen der Deckelplatte vermittelt wird. Die
Eier , die eine verhältnissmässig ganz ansehnliche Grösse haben,
90 Leuokart: Bericlit üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
klüften sich nach der üebertragung in den Deckelapparat und ver-
wandeln sich dann zunächst in einen länglichen Körper, der durch
Griiederung in drei Abschnitte zerfällt. Der vordere Abschnitt re-
präsentirt den Kopf, der mittlere den späteren Leib und der hintere
das Analsegment. Auf der Grenze der beiden ersten Abschnitte
wachsen ansehnliche Wimper - Epauletten. Auf dem Kopfe bilden
sich zwei Augenpaare (das hintere mit Linse) und am Rande die
Anfänge der Tentakel, während der mittlere Abschnitt in vier bor-
stentragende Segmente zerfällt, vor denen sich schon frühe eine
kragenartige Aufwulstung bemerkbar macht. Die jüngsten gehäuse-
tragenden Exemplare unterscheiden sich von den reifsten Embryonen
nur durch die Längenentwickelung der Tentakel, die Anfangs der
späteren Nel)enäste noch entbehren. Ein Deckel wurde bei diesen
nngen Thieren nur ein einziges Mal vermisst.
Cl aparede beschreibt (Archiv für Anat. n. Physiol.
1861. S. 54) eine Chätopodenlarve mit 5 Leibessegmenten,
die an der Baiichfläche mit einem uniformen Wimper-
überzuge versehen sind, während der Rücken durchaus
glatt erscheint. An der Seite des Mundes und des zwei-
ten Segmentes findet sich überdiess eine querstehende
Reihe grösserer Flimmerhaare. Borstenbündel sind noch
nicht gebildet, dagegen aber bemerkt man auf der Cuti-
cula an bestimmten Stellen einzeln stehende Spitzen, wie
sie Ref. auch bei Fabricia und Terebella (an den Kiemen),
so wie bei zahlreichen Turbellarien aufgefunden hat (vgl.
über diese wohl als Gefühlsorgane dienenden Biklungen
die Bemerkungen des Ref. im J. B. für 1857. S. 135).
AI. Agassiz veröffentlicht Untersuchungen über
die Fortpflanzung von Autolytus (Journ. Bost. Soc. nat.
bist. Vol. VIT. p. 392—418. Tab. IX— XI\ die nicht bloss
desshalb unser Interesse erregen , weil sie die Angaben
von Krohn über die Existenz eines Generationswechsels
bei dem genannten Wurme bestätigen und den von M.
Müll er behaupteten geschlechtlichen Dimorphismus dessel-
ben ($ = Sacconereis Müll., Polybostrichus Oerst. cT =
Diploceraea Gr., Crithida Gosse) ausser Zweifel stellen,
sondern namentlich auch desshalb, weil sie die ganze
Lebensgeschichte desselben lückenlos unserer Kenntniss
erschliesscn. Uebrigens war es nicht der Europäische
A. prolifer (Sacconereis helgolandica) , der dem jungen
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 91
Forscher zum Untersuchungsobjecte diente, sondern eine
neue amerikanische Art (Ä. comutus Ag.), die sich durch
beträchtlichere Grösse und abweichende Zahlenverhältnisse
der Körperringe (5, resp. — beim Weibchen — 6 Ringe
im Vorderleibe, 35 — 40 und darüber — beim Weibchen frei-
lich nur 27 — 30 — im Hinterleibe) unterscheidet, und auch
in den Einzelnheiten ihrer Entwickelung und Fortpflanzung
manche Abweichungen darbietet
Die Amme bewohnt, wie die von A. prolifer, die Stöcke von
Campanularien , an denen sie sich durch ein zartes und durchsich-
tiges Gehäuse befestigt. Sie hat kurze Fusshöcker und kleine, lin-
senlose Augen, aber einen ansehnlich entwickelten Schlund, der sich
weit aus der Mundöffnung Verstössen lässt. Sobald dieselbe 40—45
Ringe zählt, beginnt die ungeschlechtliche Vermehrung, indem sich
auf der Oberseite des 13. oder 14. Ringes eine kleine Anschwellung
bildet, welche sich durch die Entwickelung der Tentakel und Augen,
die sehr bald zu einer ansehnlichen Grösse heranwachsen, als Kopf
eines Geschlechtsthieres zu erkennen giebt. Hinter dem Kopfe
sprossen die Tentakelcirren, die, wie die Tentakel selbst, bei männ-
lichen und weiblichen Individuen eine verschiedene Form annehmen,
während die dadurch abgesetzten Ringe mit Ausnahme der 5 oder 6
vordem ihren Rückencirrus verlängern und unter demselben ein
Büschel langer Borsten zur Entwickelung bringen , sich mit an-
dern Worten in die Segmente des Geschlechtsthieres verwandeln.
Auf diese Weise wird (durch Theilung) von den Ammen immer
nur ein einziges Geschlechtsthier hervorgebracht. Hat sich dasselbe
nach vollständiger (auch geschlechtlicher) Entwickelung isolirt. dann
bildet sich am Hinterende des Mutterthieres zunächst wiederum eine
gewöhnliche Gliederreihe, als wenn es gelte, einen zufälligen Verlust
zu ersetzen. Sobald aber die frühere Anzahl der Segmente beisam-
men ist, wiederholt sich der eben geschilderte Vorgang. Die ganze
Reihe neuentstandener Glieder wird zu einem zweiten Geschlechts-
thiere, dem nach einiger Zeit ein drittes, viertes u. s. w. nach-
folgt. Da diese späteren Geschlechtsthiere mit ihrem ganzen Körper
durch Neubildung entstehen , so dürfen wir sie (nach Ansicht des
Ref ) als die Produkte einer Knospung ansehen, wie bei A. prolifer,
dessen Unterschied sich somit denn bloss noch auf eine vorzeitige
Entwickelung dieser Knospen reduciren würde. Die Geschlechts-
thiere haben eine weit freiere Bewegung, als die Ammen. Sie wer-
den häufig frei schwimmend gefunden und bauen keine Gehäuse.
Die geschlechtliche Fortpflanzung geht sehr bald nach der Abtren-
nung von der Amme vor sich. Die Eier verlassen die Leibeshöhle,
in der sie finiher gefunden wurden, und treten, wie bei Sacconerei?
92 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
helgolandica , in einen ovalen, der Bauchfläche (vom 12. — 25. oder
26. Ringe) angehefteten Sack über, dessen Innenraum frei mit
der Leibeshöhle communicirt. Die eigentliche Embryonalent Wicke-
lung wurde nicht beobachtet, wesshalb denn auch die Angabe, dass
die jungen Thiere ohne Flimmerkränze seien, den positiven Behaup-
tungen J, Müller's gegenüber, auf einem Irrthume zu beruhen
scheint. Die Embryonen werden übrigens frühe geboren, noch be-
vor sie Kopf und Segmente besitzen. Sie erscheinen Anfangs als
kleine konische oder dreieckige Körper mit zwei kleinen Augen-
flecken, welche die Seitenecken des abgestutzten Vorderendes einneh-
men. Zu den Augen gesellen sich dann zunächst die Tentakel, die
während der Verlängerung und Gliederung des Körpers immer
stärker auswachsen und eine Zeit lang die einzigen Anhänge des
jungen Wurmes bilden. Die Tentakelcirren und Gliedfäden nehmen
erst nach der Anlage der Borstenhöcker ihren Ursprung, wenn der
Körper etwa acht Segmente erkennen lässt.
Ausser Aut. cornutus beobachtete Agassiz in der Bai von
Boston übrigens auch noch den A. longisetosus, dessen männliche
Form Oersted Veranlassung zu der Aufstellung des Gen. Polybo-
strichus gegeben hat. Er ist von allen bisher bekannten Arten des
Gen. Autolytus die grosseste, mit einigen 60 Ringen versehen, von
denen die 6 (Männchen) oder 10 (Weibchen) erstem den sog. Vor-
derleib bilden.
Zur weiteren Charakteristik des Polybostrichus longisetosus
verweisen wir auf Keferstein, der den Bau dieses Thieres zum
Gegenstande einer besondern kleinen Abhandlung gemacht hat (Zeit-
schrift für wissensch. Zool. .Bd. XII. S. 464 — 465. Taf. 42). Die
weiblichen Thiere blieben dem Verf. freilich unbekannt, doch hat der-
selbe die Aehnlichkeit mit der männlichen Sacconereis helgolandica
(Polybostr. Mülleri Kfrst.) ganz richtig erkannt und gewürdigt.
Nach den Untersuchungen Pagen st e ch er' s (Zeit-
schrift für wiss. Zool. Bd. XII. S. 265— 283. Taf. XXV—
XXIX) gewinnt es den Anschein^ als wenn auch bei Exo-
gone geschlechtliche und ungeschlechtliche Generationen
vorkommen, deren Unterschiede freilich geringer sind, als
bei Autolytus, und wesentlich darin bestehen, dass die
erstem (und zwar nicht bloss die Männchen, sondern auch
die Weibchen) neben den gegliederten Hakenborsten an
den Segmenten des hinteren Körpers noch lange Haar-
borsten tragen. Augen und Darmapparat sind in beiden
Formen fast ganz identisch. Die Geschlechtsthiere ent-
stehen nach unserem Verf. durch eine seitliche öprossung,
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 93
die bisher bei den Würmern noch nicht zur Untersuchung
gekommen ist.
Leider hatte unser Verf. nur ein einziges Mal Gelegenheit, eine
Amme (von E. gemmifera n. sp.) mit Geschlechtsknospen zu beobach-
ten. Diese letztern waren mit ihrem hinteren Ende auf der Rücken-
fläche des Mutterthieres befestigt und zwar rechts und links an
jedem Segmente vom 9. an bis zum 22. (Der ganze Wurm hatte
32 borstentragende Segmente.) Auffallender Weise waren alle Knos-
pen genau von derselben Entwickelung. Sie besassen ausser Kopf
und Hinterleib vier borstentragende Segmente und zeigten neben
den drei kurzen Antennen und den Augenrudimenten auch schon
einen stacheltragenden Pharynx. 0 e r s t e d hat bei dem vermeint-
lichen Weibchen seiner Ex. naidina (1845) ganz dieselbe Brut beob-
achtet, aber irriger Weise für das Produkt einer Eientwickelung ge-
halten. Auch die Angaben von Krohn über Syllis pulligera, so
wie von Kölliker über Exogone cirrata und Cystonereis Edwardsii
glaubt Verf. theilweise in diesem Sinne deuten zu dürfen, wie er
denn überhaupt der Ansicht ist, dass das gesammte System der
Syllideen von dem Gesichtspunkte des Generationswechsels aus
einer Revision bedürfe. Eine sichere Entscheidung ist übrigens
einstweilen hier um so weniger möglich, als Pagenstecher selbst
angiebt, bei dem Weibchen seiner Ex. gemmifera gleichfalls Eier
an der Bauchfläche beobachtet zu haben. Es waren ihrer fünf, von
denen je eines am 4. , 5. , 8. , 9. und 10. der mit langen Borsten
versehenen Segmente (und zwar zum Theil an diesen Borsten selbst)
angeklebt war. Zum Schlüsse beschreibt Verf. noch als neu Exo-
gone ? Martensi (Ammenform) mit langen Girren und Sacconereis
gallica (Weibchen), mit gelben Flecken auf den Segmenten.
Danielssen's ^anatomisch -physiologische Untersu-
chungen über Scalibregma inflatum'^ (Beretning om en
zool. Reise i Sommeren 1858, Norske vidensk. Sk. 1. c.
p. 69, mit 2 Tafeln) betreffen den Darm und das Gefäss-
system, die Ganglienkette und die Geschlechtsorgane.
Der Darmkanal bildet in dem erweiterten vorderen Körperende
einen fleischigen Magen, dem ein Paar birnförmige Speicheldrüsen
von solider Beschaffenheit vorhergehen. Dahinter macht derselbe
einige starke Krümmungen. Statt der Dissepimente finden sich un-
regelmässige Verbindungsfäden zwischen Darm- und Körperwand.
Die äussere Oberfläche des Darmes ist (wie bei den Aphroditeen
Ref.) mit Flimmerhaaren bedeckt. Trotzdem ist das Gefässsystem
vollständig entwickelt, mit einem Bauch- und einem Rückenstamme,
der mit dem Darmkanal e verbunden ist und auf dem Magen eine
94 Leuckart: Bericht üb. d, Leist. in d. Naturgeschic hte
spindelförmige starke Erweiterung bildet. Die Eier, die in Menge
in der Leibeshöhle gefunden wurden , sollen in den Seitendrüsen
ihren Ursprung nehmen. Die letzten zeigen in dem erw^eiterten vor-
deren Körperabschnitte (vom 6. — 13. Segmente) eine ansehnliche
Grössenentwickelung. Als Samenfäden werden kleine stäbchenför-
mige Körperchen in Anspruch genommen, die in den lanzettförmigen
Anhängen der mittleren Körpersegmente (vom 15. — 65. Segmente)
sowohl am Rücken wie auch am Bauche vorkommen und in beson-
dere gruppenweise der Wandung anhängende — schon von Rathke
beschriebene — Schläuche eingeschlossen sind. Eine Communica-
tion dieser Schläuche mit der Leibeshöhle konnte nicht nachgewie-
sen werden ; es ist Ref. auch sehr zw^eifelhaft, ob die betreffenden
Bildungen, die neuerdings bei zahlreichen Anneliden nachgewiesen
sind, wirklich den Geschlechtsorganen zugehören. Nach Claparede
dürften dieselben den sog. Stäbchenzellen analog sein, während Ref.,
der dieselben gleichfalls aus eigenen Untersuchungen kennt, fast
geneigt ist, sie als Sinnesapparate zu deuten.
Kef erstell! unterscheidet an dem Kopfe von To-
mopteris drei Paar Anhänge, vorn die beiden blattartigen
Kopfiappen, dann die beiden retractilen Fühler und
schliesslich die beiden starren Borstenfüliler. Wir haben
inzwischen (J. B. 1860. S. 225) erfahren, dass die retrac-
tilen Fühler die Ueberreste eines vorderen Borstenfühler-
paares sind, das mit zunehmender Entwickelung gewöhn-
lich spurlos verloren geht und keineswegs den constanten
Anhängen unseres Thieres zugezählt werden darf. Das
Nervensystem besteht, wie schon Grube angiebt, aus
Hirn und Bauchstrang, die mittelst eines engen Schlund-
ringes unter sich in Verbindung stehen. Der Bauchstrang
ist besonders bei jungen Thieren sehr deutlich und aus
zwei dicht neben einander liegenden Hälften zusammen-
gesetzt, die für jeden Fussstummel eine leichte Anschwel-
lung bilden, aus der an der rechten, wie der linken Seite
ein für die Fussstummel bestimmter Nerv hervorkommt»
Einzelne Exemplare enthielten statt der Eierhaufen in den
Fussstummeln kleine Zellengruppen , die Verf. fast für
Samenzellen in Anspruch nehmen möchte. Die Wimper-
organe verlegt Verf., wie Hering (J. B. 1860. S. 224)
In das Innere der Leibeshöhle, während er den davon
ausgehenden Kanal In der Mittellinie des Fussstummel
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 95
nach Aussen ausmünden lässt. „Einige Bemerkungen über
Tomopteris/ Archiv für Anat. u. Physiol. 1861. S. 360—
368. Taf. IX.
■ ^ Die in Silliman's Am. Journ. 1826. Vol. 34. p.429
erwähnte und abgebildete Tomopteris Danae dürfte wahr-
scheinlicher Weise eine junge noch unvollständig entwik-
kelte Form (mit zwölf Ruderfüssen und einem Borsten-
paare) sein.
Die inzwischen (1861) erschienene zweite Hälfte des
ersten Bandes der von Schmarda auf seiner Reise um
die Erde beobachteten ;,neuen wirbellosen Thiere*^ han-
delt über Anneliden, mit Einschluss der Hirudineen. Sie
enthält einen Atlas von 22 prachtvoll gestochenen und
colorirten Kupfertafeln, auf denen mehrere hundert neue,
zum Theil höchst interessante Wurm - Formen in natür-
licher Grösse abgebildet sind. Da dieselben fast allen
bekannten Familien angehören und Verf. überdiess bei
jeder Familie eine synoptische Uebersicht der einzelnen
Geschlechter vorausgeschickt hat, die sich überall auf
eigene Untersuchungen stützt und unsere bisherigen Kennt-
nisse in vielfacher Beziehung ergänzt und berichtigt, so
dürfen wir das Werk von Schmarda mit Recht als
eine wichtige Bereicherung unserer Wissenschaft ansehen.
Mag es dem Verf. vergönnt sein, auch das übrige Ma-
terial seiner Beobachtungen in gleicher Vollständigkeit
an's Licht treten zu lassen. Dass der Charakter des Wer-
kes ein wesentlich systematischer ist, wurde schon bei
der Anzeige der ersten Abtheilung (J. B. 1859. S. 105)
von uns hervorgehoben. Es sind desshalb denn auch die
gerade in dieser Beziehung besonders wichtigen äusseren
Organe der Anneliden, denen Verf. vornämlich seine
Aufmerksamkeit zugewendet hat. Ueber Bildung der Kör-
peranhänge, Verbreitung des Flimmerepitheliums und na-
mentlich die mit ganz besonderer Vorliebe untersuchten und
durch mehrere hundert Holzschnitte erläuterten Hart-
gebilde (Borsten, Kiefer) bringen die Beschreibungen des
Verf.'s zahlreiche neue Aufschlüsse. Auch unsere anato-
mischen Kenntnisse gehen nicht leer aus, wie wir denn
96 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
durch die Untersucliungen des Verf.'s hier z. B. die ersten
Angaben über den inneren Bcau von Hesione (S. 80)^ Cir-
rosyllis (S. 77), Chloeia (S. 145) und Euphrosyne (S. 187)
erhalten. Von besonderem Interesse sind die Angaben
des Verf.'s über die Geschlechtsorgane der Anneliden,
die namentlich auch bei den eben aufgezählten Arten
überall als deutlich gesonderte Gebilde beschrieben werden.
Hesione proctochona besitzt nach unserem Verf. in allen auf den
sechsten Ring nach hinten folgenden Segmenten rechts und links eine
Geschlechtsdrüse. Ebenso Cirrosyllis didymocera, bei der sich auch die
an der Basis der Fussstummel nach aussen öffnenden kurzen Aus-
führungsgänge nachweisen Hessen. Auch Chloeia viridis besitzt in den
Seitentheilen der Segmente (mit Ausschluss des ersten und letzten)
eine Geschlechtsdrüse von dreilappiger Form, die aus zahlreichen
Röhren besteht und in einen Ausführungsgang sich fortsetzt, der
nach innen verläuft und hier in einen langen, neben dem Nerven-
strange hinziehenden Canal einmündet. Die Geschlechtsdrüsen von
Euphrosyne werden gleichfalls als Röhren beschrieben , die sich zu
grösseren Ausführungsgängen vereinigen und in der Nähe des Afters
oder oben an den innersten Kiemen ausmünden sollen. Ob übrigens
diese — vielleicht nicht einmal überall ganz sicheren — Angaben zu
dem Ausspruche genügen, dass die Geschlechtsstoffe der Anneliden
sich niemals in der Leibeshöhle bildeten, mag dahin gestellt blei-
ben. Dass unter den marinen Chätopoden einzelne Arten mit wohl
entwickelten Geschlechtsorganen vorkommen, ist eine längst bekannte
Sache. Aber eben so bekannt ist es, dass die Geschlechtsstoffe auch
in diesen Fällen (Aphroditeen) nicht ihre ganze Entwickelung in
denselben durchmachen, sondern auf einer bestimmten Bildungsstufe
in die Leibeshöhle fallen und hier erst ihre Metamophose vollen-
den. Die Verhältnisse der übrigen Chätopoden, denen man die
Anwesenheit besonderer Geschlechtsorgane gewöhnlich ganz ab-
spricht, sind nur graduell verschieden. Die Geschlechtsstoffe ent-
stehen auch hier nicht , wie man früher wohl annehmen konnte,
durch Urerzeugung in der Leibeshöhle, sondern aus einem zelligen
Substrate, das den Körperwandungen angehört, aber alsbald, statt
zu der Bildung eines eigentlichen Organes hinzuführen , in seine
Elemente zerfällt , die dann in dem Leibesraume sich vertheilen
und zu Eiern oder Samenfäden auswachsen. In der Grösse und
Massenhaftigkeit dieses Substrates finden sich bei den einzelnen Ar-
ten mancherlei Unterschiede, wie Tomopteris auf der einen, Nereis
auf der anderen Seite beweisen kann. Die letztern Fälle machen
dann allmählich den Uebergang zu dem Vorkommen besonderer
Geschlechtsorgane, die die Produktion der Geschlechtsstoffe über-
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 97
dauern, zu einem Verhalten, welches von der sog. freien Bildung der
Geschlechtsstoffe so wenig verschieden ist, dass man beiderlei Bil-
dungsweisen mitunter in demselben Thiere neben einander antrifift.
(So z B. bei Sagitta, bei der wir schon früher einmal, J. B. für 1858.
S. 132, auf die Analogie mit den Chätopoden hingewiesen haben.)
Die Systematik betreffend, so theilt Schmarda die Anneliden
in drei Ordnungen: Abranchia (mit den Achaeta = Hirudinea und
den Chaetophora = Lumbricinea, Naidea, Tomopteridea, Maldaniae
und Chaetopterina), Cephalobranchiata und Dorsibranchiata. Für die
einzelnen Familien verweisen wir auf das Original, das die Bezie-
hungen derselben, wie die der einzelnen Genera, durch eine ganze
Reihe synoptischer Tabellen erörtert. Wir begnügen uns hier mit
einer Uebersicht der von unserem Yerf. beobachteten Arten, wobei
wir jedoch zu bemerken nicht unterlassen wollen, dass wir deren
Reihenfolge mit der systematischen Anordnung unseres Berichtes
in üebereinstimmung gebracht haben.
Farn. Palmyracea (p. 163. 164. Tab.XXXYII).
Paleanotus (n. gen.) chrysolepis Vorgeb. d. g. H., Bhawa^
nia (n. gen.) viyrialefis Ceylon.
Char. gen. n. Pal eanoti Schm. Corpus oblongum paleis
obtectum, segmenta haud numerosa. Pinna una. Oculi quattuor.
Tentacula Septem, externa basi coalita.
Char. gen. n. Bhawaniae Schm. Corpus longum ; segmenta
numerosa. Paleae numerosae spinulis seriatim dispositis. Pinnae
duae. Setae in dorso pinnae supcrioris largae oblique truncatae;
ad finem utriusque pinnae setae articulatae.
Fam. Aphroditacea (p. 147—162. Tab. XXXYI u. XXXVII).
H emilepidia (n. gen.) tuhcrculatn Vorgeb. d. g. H., //. ery-
/Ärofrtpnm ebendah., Concunia (n. gen.) crterw/fa Chile, Pülynoe tro'
chiscophora Vorgeb. d. g. H., P. loncjicirra Ceylon, P. fusicina eben-
dah., P. polychroma Neuseeland, P. leucohyba Antillenmeer, P. au -
stralis Neu - Südwales, P. viulacea Chile, P. lobosloma St. Malo, P.
macrolepidola Neuseeland, P. polylricha Jamaika, P. nephrolepidola
Ceylon, P. peronea ebendah., P. lobocephala Jamaika, P, Anlillarum^^
P. Anklandica, G as Ir ol epi (H a (n. gen.) clavigera Ceylon, Pelo-
cjenia (n. gen.) antipoda Neuseeland.
Char. gen. n. H emil epidia e Schm. Elytra usque ad dimi-
dium dorsum, in segmento 2., 4., 6., 8 , 24., 26.. 29., 32. Cirri
dorsales in omnibus segmentis. Tentacula septem. Oculi quattuor.
Maxillae quattuor. (Durch letzteren Charakter von Hermadion Kinbg.
unterschieden.)
Char. gen. n. Conco niae Schm. Elytra in 2., 4., 5., 7
23., 25., 27., et ab 28. in omnibus sequentibus segmentis. Cirri
Arch. für Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. Q.
98 Leuckart: Bericht üb. d.Leist. in d. Naturgeschichte
dorsales in omnibus segmentis. Pinnae duae. Tentacula Septem.
Maxillae quattuor. Setae pinnae superioris denticulatae, inferioris
simplices strobiliformes et articulatae bidentes. (Von Stenelais Kinbg.
durch Anwesenheit der Kiefer unterschieden.) •
Char. gen. n. Gastrolepidiae Schm. Dorsum elytris in
segmentis 2., 4., 5., 7 21., 23., 26., 29 53. Abdo-
men lamellis (elytris?) in omnibus segmentis obsessum. Tentacula
quinque. Pinnae duae. (Durch die Bauchschuppen von allen übri-
gen Aphroditaceen verschieden.)
Char. gen. n. P el og enia e Schm. Corpus vermiforme lon-
gum. Elytra in omnibus segmentis. In dorso nee non in abdomine
pedes suctorii. Pinnae bipartitae. Tentacula septem, externa basi
coaiita. (Die Saugfüsschen, die namentlich an der Bauchfläche ent-
wickelt sind, erscheinen als vollständige Röhren, die eben sowohl
an die Ambulacralanhänge der Echinodermen , wie an die eigen-
thümlichen Zotten von Siphonostomum erinnern.)
Fam. Amphinomea (p. 134—146. Tab. XXIII— XXY). Die Re-
präsentanten dieser Familie bewohnen vorzugsweise die Korallenrifife
der tropischen Meere, auf denen sie die zarten Schwämme abweiden,
auch gelegentlich kleine Weichthiere gemessen.
Euphrosyne polybranchia Yorgeb. d. g. H., D idym ohranchu s
(n. gen.) cryptocephalus Südsee, D. microcephalus Chile, Ämphinome
smara^c/mrt Jamaika, A. sanguinea ebendah. , A. lalissima Ceylon,
A. longicirra ebendah., A. indica ebendah., A. (Notopygus?) jamai-
censis, A. encopochaeta Ceylon, A. macrotricha Jamaika, Chloeia vi-
ridis Jamaika.
Char. gen. n. D idymohr anchi Schm. Caruncula et tenta-
cula nulla. Cirri tentaculares. Pinna una. Branchiae in fasciculis
duobus, pectinatae. Cirrus dorsalis nee non ventralis filiformis.
Fam. Eunicea (p. 123—133. Tab. XXXII).
Eunice adriatica Lissa, Ev. Äamrtf« Jamaika, Ew. capensis Yor-
geb. d. g. H. , Eu. macrochaeta Jamaika, Eu. teretinscula Ceylon,
Eu. macrohranchia Vorgeb. d. g. H., Eu. nigricans Jamaika, E«. sche-
macephala ebendah., Diopatra polycirra Ceylon.
Fam. Lumbriconereida (p. 114—122. Tab. XXXII). Besitzen
neben den oft beiderseits in verschiedener Zahl vorhandenen Ober-
kiefern wahrscheinlich immer noch Unterkiefer, die bald getrennt,
bald auch in einen einzigen verschmolzen sind.
Aracoda (n. gen.) coerulea Cap d. g. H. u. Chile, A. ketero-
chaeta Chile, Notocirrus (n. gen.) sphaerocephahis Neuseeland,
N. tetraurus Cap d. g. H. u. Chile , N. brevicirrus Neu-Südwales,
iV. sp.7 Chile, iV. trigonocephalus Ceylon, N. Chilensis Chile, Nema-
t oner eis (n. gen.) unicornis Atlant. Ocean, Oenone diphyUidia Ja-
maika, Lysidice brachycera Jamaika, L. atra Vorgeb. d. g. H.
der niederen Tliiere während der Jahre 1861 — 1862. 99
Char. n. gen. Aracodae Schm. Lobus cephalicus segmento
seciindo non obtectns. Nee oculi, nee tentacula, nee branchiae
(cirri dorsales). Pinna simplex setis raris limbatis nonnnmquam
uncinatis. Maxillae superiores octo aut decem subaequales corneae;
inferiores duae calcareae. Setae limbatae et uncinatae vaginatae.
Char. n. gen. Nolocirri Schm. Tentacula nulla. Ocnli
nuUi. Lobus cephalicus segmentum ovale superans. Branchia- (eir-
rus dorsalis) brevis. Maxillae superiores Septem inaequales vel octo
aequales; inferiores duae. Setae limbatae et uncinatae vaginatae.
Char. n. gen. N ein at onereidis Schm. Corpus filiforme.
Branchiae nullae. Segmentum ovale lobum cephalicum non supe-
rans. Tentaculum unicum occipitale. Oculi duo. Maxillae superio-
res octo subaequales; inferae duae lamelliformes. Branchiae et
cirrus ventralis. Setae limbatae et uncinatae nee non articulatae,
articulo subfalcato hamato vaginato.
Fam. Nereida (p. 98—113. Tab. XXXI).
Heteronereis fasciala Jamaika , //. australis Neuseeland, fie-
reis maculala Chile, iN'. fohiodonta Cap d. g. H., JY- foliosa Ceylon,
J\^ latipalpn Vorgeb. d. g. H., N, anodonta Jamaika, Nereilepas am-
hhjodonla Port Jakson, J\'. pacißca Neuseeland, Mastigonereis
(n. gen.) podocirra Vorgeb. d. g. H., M. lalipalpa ebendah., M. Ion-
gicirrn Ceylon, M. helevodonta Jamaika, M. quadridentata Vorgeb.
d. g. Hoffnung.
Char. gen. n. Ma s t i </ oner ei d i s Schm. Branchiae (cirri dor-
sales) in segmentis nonnullis aut in omnibus flagelliformes. Labia
prolongata linguiformia aut foliosa.
Fam. Glycerea (p. 92-97. Tab. XXX).
Ghjcera micrognalka Südsee, Gl. macrorhiza Südsee, Gl. mono-
den Chile, Gl. diodonChile, GL ovifcra Neuseeland (mit kammförmig
an einander gereiheten Eierschnüren an dem Rücken der Fussstum-
mel) , Gl. Lanccidkae Ceylon, Gl. sphyrahrancha Jamaika, Gl. trida-
ctyla Atlant. Oeean.
Fam. Nephthydea (p. 89-91. Tab. XXX).
ISephthys polyphara Chile , N. glossophylla ebendah. , IS. ma-
croura Neuseeland.
Fam. Phyllodocea (p. 81-90. Tab. XXIX. XXX).
M acr ophylluvi (n. gen.) splendens Vorgeb. d. g. H. , M.
leucopferum ebendah., Pkyllodoce macrolepidota Ceylon, Ph. taproha-
nensis (?), Pk. macrophthalma Atlantisches Meer, Fh. punctata eben-
dah. , Eteone auranfiaca Chile , E. telraophthalma Atlant. Meer,
Enlalia lohocephala Chile, Eni. capensis Vorgeb. d. g. H., Eul. mi-
oropAy?^« Neuseeland , Nolophyllnm myriacyclum Jamaika, Lepado- ,
rhynchus erythrophyllus ebendah.
100 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in cl. Naturgeschiclite
Cliar. gen. n. AI acr op hy lli Schm. Corpus breve utrimque
attenuatum. Tentacula 2 aut 1. Cirri tentaculares 8.
Farn. Hesionida (p. 75—80. Tab. XXVIII).
Cirrosyllis (n. gen. = Psammathe John st., Halimeda Rathke)
tuberculata Vorgab, d. g. H., C, picta ebendah., C. fliclymocera Port
Jackson, C. ceylanica, C. vittata Adria, C incerta Neuseeland, //e-
sione proclochona Jamaika.
Farn. Syllidea (p. 68—74. Tab. XXVIII).
Gnathosyllis (n. gen.) diplodonta Atlant. Meer, Syllis gra-
cilis Vorgeb. d. g, H., S. hrachychaeta ebendah., S. macroura Neu-
seeland, 8. lineata, S. fusicornisy S. brevis, S. polycera, S. crassicor-
?iisf S. dosier obvanchia, MyriaJina clavigern, Tr ichosyllis (n. gen.)
sylliformis sämmtlich vom Vorgeb. d. g. H.
Char. gen. n. Gnathosyllidis Schm. Tentacula tria, cirri
tentaculares et branchiae moniliformes. Maxillae duae, dentibus
duobus.
Char. gen. n. Trichusyllidis Schm. Maxillae nulUe. Oculi
nulli. Setarum fasciculi corporis latitudinem 272—3 superantes.
Tubercula setigera monosticha. Setae simplices capillares nee non
articulatae.
Farn. Spiodea (p. 63—67. Tab. XXVI).
Nerine macrochaeta Südsee, Leucodore socialis (bauen Röh-
ren, die am Meeresgrunde förmliche Rasen bilden, und bedienen
sich ihrer Fühler zum Festhalten von Thieren) Chile, Pygophyl-
l u m (n. gen.) macrotrichuni Atlant. Ocean, C ol o br anchus (n. gen.)
lelracerus ebendah.
Char. gen. n. Pygophylli Schm. Tentacula duo. Segmenta
omnia aequalia. Tubercula setigera disticha. Segmentum ultimum
processu folioso unico.
Char. gen. n. C olobranchi Schm. Tentacula quattuor, duo
longiora. Ocuü quattuor. Segmenta aequalia. Tubercula lateralia
biremia. Segmentum ultimum appendicibus octo.
Fam. Chaetopterina (p. 16—18. Tab. XIX).
Chaetopterus hamatus Vorgeb. d. g. H. , Ch. macropvs Neu-
südwales, beide von ansehnlicher Grösse, wie der Ch. pergamenta-
ceus, von dem sie sich aber durch abweichende Flossen- und Bor-
stenbildung unterscheiden.
Fam. Ariciaea (p. 53- 62. Tab. XXVI. XXVIl).
Anlho Stoma (n. g.) hexaphyllumYorgeb. d. g.H., A. ramosum
Jamaika, Aricia glossobranchia Canal, B rancho sc o l e x (n. g.) craspi-
dochaetus, Br. sphaerochaetus, Br. oligobranchus, alle drei vom Vorgeb.
d. g. H., Cirralulus capensis ebend., C. min/rt ^W5 Jamaika, C. polytrichus
Chile, C. anchylochaehis Neuseeland, C. cylindricus Ceylon, Sphaerodo-
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 101
rt/m (?) penfadactylum Jamaika , Oncoscolex (n. gen.) dicrano-
chaetus Port Jackson, 0. biparlitusYorgeh. d. g. H., 0. homochaetus
Neuseeland, 0. microchaelus Ceylon.
Char. gen. n. Anthostomatis Schm. Tentacula v. cirri
tentaculares nulli. Segmenta differentia. Proboscis in folia lobate
partita. Branchiae (cirri) in utroque latere tres (primis segmentis
exceptis). Fasciculi setarum eodem numero. Setae capillares et
aciculatae.
Char. gen. n. Branchoscolecis Schm. Branchiae ternae
aut quaternae, rarissime plures, dorsales breves filiformes. Nonnnlla
segmenta branchiis carentia.
Char. gen. n. 0 nco scole eis Schm. Nee tentacula nee bran-
chiae neque cirri. Tori setiferi et plerumque tubercula lateralia
monosticha aut disticha. (Hat wie das folgende Genus eine durchaus
regenwurmartige Gestalt, aber Pfriemenborsten, wie die Aricineen.)
Char. gen. n. Hyboscolecis Schm. Nee branchiae nee cirri.
Caput tentaculis destitutum, tubercula setigera monosticha.
Fam. Telethusa (p. 50. 51).
Arenicola piscatorum , die an den Küsten der Südsee ganz
ebenso, wie in der Nordsee und dem Mittelmeere, vorkommt.
Fam. Ophelida (p. 49. 50).
Travisia (Ammotrypane) oestroides Rathke (?) an den Küsten
von Chile.
Fam. Maldania (p. 14—16. Tab. XIX).
Chjmene microcephala, Cl. lyrocephala, Trophonia xanthotricha
sämmtlich vom Vorgeb. d. g. H.
Fam. Pherusea (p. 20-22. Tab. XX).
Fherusa (Siphonostovium) tetragona Vorgeb. d. g. H., Fh. bico-
lor Neuseeland, Fh. chilensis.
Fam. Hermellacea (p. 22—25. Tab. XX).
Hermella capensis Vorgeb. d. g. H., //. macropalc i Chile, H.
bicornis Ceylon, H. qnadricoinis Neuseeland.
Fam. Serpulacea (p. 26— 37. Tab. XXI— XXIII).
Vennilia dubia Atlant. Ocean, V. annulata Jamaika, Euponia-
tus dipoma Vorgeb. d. g. H., Flacostegus coenileus ebendah., Fonia-
tocenis telraceifls Neu-Südwales, Cxjmospira giganlea Jamaika, C po-
lyceia ebendah., F om a t o s l e g u s (n. gen) macrosomct^ F. brachy-
soma, Frohila longiseta, Fr. nppendirulaia sämmtlich von Jamaika,
Sabella ceraiodnula Neuseeland, 8. riolacea Vorgeb. d. g. H., S. ti-
losaula Chile, S. melania Jamaika, S. phaeotaenia Ceylon, S. me-
lanochlora ebendah , S. melanostigma Jamaika, 8. (Spiro graphis) tri^
ctjclia Ceylon.
102 Leuckart: Bericlit üb. d. Leist in d. Naturgeschichte
Char. gen. n. Poma tos legi Schm. Opercula plura (tres vel
quattuor), columna centrali verticali unita. Branchiae spirales.
Farn. Terebellacea (p. 38-46. Tab. XXIV. XXV).
Polycirrus purpiireus Jamaika, F. chilensis Chile, Sabellides
oligocirra Jamaika, TerebeJla (Phyzelia) chilensis Chile, P. (Ph.) ui-
ridis Ceylon, T. lilosanla Ceylon, T. plagiosloma Neuseeland, J, he~
terobranchia ebendah., T. niacvobranchia Vorgeb. d. g. H., T. ftero-
chaefa ebendah., T. crassicomis Jamaika, T. Irigonostoma Neu-Süd-
wales, P. chloraema Chile, T. uiacrocephala Jamaika, T. megalonevia
ebendah., Pectinaria antifoda Port Jackson.
Keferstein beschreibt in seinen „Beiträgen zur
Kenntniss der Anneliden^ (Zeitschrift für wissenscli. Zool.
Bd. XII. S. 93—129. Taf. IX— XI) eine Anzahl Chätopo-
den, die er zu St. Vaast la Hougue, also nahe den durch
Milne Edwards und Audouin so berühmt geworde-
nen Fundorten, beobachtete und zum grossen Theile als
neu erkannte. Die Angaben des Göttinger Zoologen be-
treffen ebenso wohl den anatomischen Bau, wie die Bil-
dung des äusseren Körpers und belehren uns über man-
cherlei neue Verhältnisse (Blutgefässs jstem , Segmental-
organe, Nervensystem). Von besonderem Interesse sind
die Beobachtungen über die Nervenenden in den Kopf-
fühlern (bei Nereis, Aphrodite, auch Glycera) , die an
den Spitzen besonderer cylindrischer oder becherförmi-
ger Aufsätze frei zu Tage liegen und ein Büschel feiner
Haare tragen. Bei Polybostrichus (Autolytus) und Poly-
ophthalmus sind die Linsen der Gesichtswerkzeuge theils
nach oben, theils auch nach unten gekehrt. Terebella u. a.
Arten besitzen Segmentalorgane mit füllhornartiger Ab-
dominalöffnung.
Die beobachteten Arten sind : Nereis Beaucoudrayi Aud. et
M. E., JV. agilis n. sp. , P r i ono gnathus (n. gen.) ciliatns n. sp.,
Lysidice ninetta Aud. et M. E., Litmbriconereis tingens n. sp., Gly-
cera capitata Oerst., Gl. convoluta n. sp. , Psammathe (Cirrosyllis
Schm.) cirrhata, Syllis oblonga n. sp., S. divaricata n. sp., Polybostri-
chus helgolandicus Kfst. (= Sacconereis helgolandica J" Müll.), Leu-
codore ciliata Johnst. , Colobranchus cilialvs n. sp. , Cirratulu.<3 bo-
realis Müll., C. bioculalus n. sp., C. filiformis n. sp., Capitella rvbi-
cundan. sp, (mit contractüen Kopffühlern), Terebella gelalinosn n. sp.,
Filograna implexa Linn.
Das neue Gen. P r iono gnathu s ^ das sich kaum einer der ,
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 1Ö8
bekannten Familien unterordnen lässt, obwohl es auf der einen Seite
mit den Euniceen Aehnlichkeit hat, in anderer Hinsicht aber an die
Syllideen erinnert, charakterisirt sich durch zwei Paar Fühler vorn
an der Unterseite und mitten auf der Oberseite des Kopfes , zwei
Paar Kiefer am Küssel, einfache lang zungenförmige Kiemen und
Mangel des Rückengefässes , dessen Stelle durch zwei, vorn herz-
artig erweiterte Seitengefässe vertreten wird. Auf der Rücken-
und Bauchseite des Körpers stehen überall kleine Häufchen kurzer
Cilien.
A. Costa giebt in dem ersten Jahrgange des An-
nuario del museo Zoologico di Napoli. 1862. p. 82 — 90
eine Beschreibung folgender neuen Anneliden : Polynoe
tessellata, Lysidice torquata, Li ocape (n. gen.) vertebra-
lis und P allonia (n. gen.) rapaXj sämmtlich aus dem
Golf von Neapel.
Die neue Polynoe trägt, abweichend von den übrigen Arten,
ein unpaares Kopfschild, wesshalb Verf. denn auch gerne dafür einen
neuen Genusnamen Monocolea in Anwendung bringen möchte.
Das neue Gen. Liocap e gehört nach der Bildung seiner Augen
und anderen Charakteren zu Alciope, unterscheidet sich aber folgen-
dermassen : Corpus angustum, valde elongatum, antennae duo bre-
vissimae in capitis parte postica insertae; cirri tentaculares nulli;
pedes cirris duobus, dorsali et ventrali, simplicibus praediti. Ebenso
gleicht das neue Gen. P allonia einer Terebella, nur dass die
Tentakel von einer gemeinschaftlichen Achse abgehen, die eine
mediane Anordnung besitzt und mit zwei seitlichen Hautfalten
besetzt ist.
Claparede handelt über den Bau des — wohl
schwerlich von Leucodore verschiedenen — Gen. Polydora
Bosc. und zwar nach Untersuchungen einer Art, die für
identisch mit der Amerikanischen P. cornuta gehalten
wird. Archiv für Anat. und Phjsiol. 1861. S. 542. Mit
Abbil., Rech. anat. 1. c. p. 47.
Die grossen Borsten des 5. Segmentes (Rückenborsten Cl.),
sollen nach der Vermuthung unseres Verf. 's bei der Begattung eine
Rolle spielen, während sich Ref. durch direkte Beobachtung an der
oben erwähnten lithophagen Leucodore davon" überzeugte , dass sie
zum Anstemmen an den Wandungen der Röhren dienen , in denen
diese Thiere leben. Sie wirken namentlich beim Emporsteigen,
während das Rückziehen durch die Contraction des hinten durch
einen förmlichen Saugnapf befestigten Körpers erfolgt.
de Filippi's neues Gen. -4rma/ic?ia unterscheidet
104 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
sich von dem sonst nahe verwandten Poljophthalmus (die
beide eine eigene kleine Familie der marinen Polychäten
bilden und am besten neben den Opheliden zu stehen
kommen)_, vorzugsweise durch den Mangel der flimmern-
den Kopflappen und die Anwesenheit von cylindrischen
Gliedfäden zwischen den zwei Borstenhöckern. Der Kopf-
zapfen hat eine rüsselförmige Beschafi^enheit. Das Ge-
fässsystem ist vollkommen geschlossen. Die neben dem;
Ende des Oesophagus gelegenen ^Speicheldrüsen^ wurden
mit Bestimmtheit als Geschlechtsdrüsen erkannt. Archive
per la zoolog., l'anat. de la fisiol. Genova 1861. p.315.
Grube ist gleichfalls der Ansicht, dass die Polyoph-
thalmen ihren Platz neben den Ophelien erhalten müsstcn.
Ausflug nach Triest S. 49.
Grube trägt ebenso wenig, wie Gl aparede (S. 92)
ein Bedenken, die Capitellen den polychäten Anneliden
hinzuzurechnen. Er findet sogar zwischen ihnen und dem
Gen. Dasybranchus und Notomastus so geringe Unter-
schiede, dass er geneigt ist, alle drei zu einer gemein-
schaftlichen Familie (Capitellacea) zu vereinigen. Obwohl
die Grössenverhältnisse der bisher beobachteten Capitellen
sehr bedeutend schwanken (von 5'" — 7" und darüber),
glaubt Verf. dieselben doch alle einer einzigen Art zurech-
nen zu müssen, die dann allerdings eine sehr weite Ver-
breitung haben würde, da sie nicht bloss auf die nördlichen
Meere beschränkt ist, sondern auch (r= Lumbricus cana-
lium Nardo) dem adriatischen Meere zugehört. Die weib-
lichen Geschlechtsorgane bestehen nach unserem Verf."^
a,us zwei zur Seite des Darmkanals gelegenen zartwandi-
gen Schläuchen, die vom 12. Segmente bis zum 17. hin-
reichen. Hoden und männliche Geschlechtsöffnung liegen
im 9. Segmente, das (wie das vorhergehende) auch die
schon von van Beneden gesehenen grossen Bauchbor-
sten trägt. Archiv für Naturgesch. 1862. I. S. 366 — 378.
Auch Keferste in hebt, wie es scheint, unabhängig-
von Grube, die nahe Verwandtschaft der Capitellen mit
Notomastus hervor. Zeitschrift für wiss. Zool. Bd. XII.
S. 126.
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 105
Die Kenntniss der nordischen Anneliden hat auch
im Jahre 1861 durch Sars mancherlei wichtige und in-
teressante Bereicherungen erfahren. Schon bei Gelegen-
heit des vorhergehenden Jahresberichtes haben wir der
neuen Funde Erwähnung gethan, die der berühmte For-
scher bei seiner jüngsten Entdeckungsreise an den nor-
wegischen Küsten gemacht hat. Diese haben denselben
zu einer Anzahl von Mittheilungen veranlasst^ die in den
Vidcnskabsselsk. Forhandlinger for 1861 enthalten sind
und eine beträchtliche Anzahl neuer oder doch nur un-
vollständig gekannter Wurmformen mehr oder minder
eingehend behandeln. Zum Theil sind diese Arten übri-
gens dieselben, die wir nach einer früheren Mittheilung
bereits im letzten Jahresberichte berücksichtigen konnten.
Sigalion Idunae Kathke, S. stelliferum 0. Fr, Müll. (= S. te-
trag-onum Oerst.), Spinther arcticus Sars, eine Form, die Sars zu-
meist mit Euphrosyne verwandt hält , Euphrosyne armadillo Sars,
E. cirrata n. sp., E. borealis Oerst. — die von Kinberg vorge-
schlagene Abtrennung des Gen. Euphrosyne von den übrigen Am-
phinomeen wird von unserem Verf. nicht gutgeheissen — , Eurythoe
(ein Amphinomeen-Genus, welches von Kinberg in der zweiten, dem
Ref. bisjetzt noch nicht zu Gesicht gekommenen Lieferung seiner
Annelidenuntersuchungen in Fregatten Eugenies Resa aufgestellt ist
und bisjetzt bloss tropische Arten enthielt) borealis n. sp., Nerine
— ein Genus , das Verf. mit Spio, Leucodore, Disoma und Spione
zusammen als Repräsentant einer eignen, von den echten Aricinen
verschiedenen Familie (Spionidae) betrachten möchte — foliosa Sars
(= Aonis vittata Grube), Nereis foliata Dalyell, J\. orycephala n. sp.,
N. cirrata Sars , N. vulgaris Johnst ? (= N. Aries Dalyell). L. c.
p. 50—67.
Ophiodromus vittatus Sars, der mit den Gen. Castalia und He-
sione am besten eine besondere Familie der Hesioniden bildet, Ca-
stalia (mit verbessertem Genuscharakter) punctata 0. Fr. Müll., C.
auranliaca n. sp., C. lotujicovnis n. sp., Clymene MüUeri Sars, 67.
gracilis n. sp. (= Gl. quadrilobata Sars), Gl. lumbricalis 0. Fbr., CL
biceps n. sp., welche letztere wegen der Abwesenheit der Analcirren
und der dorsalen Lage des Afters vielleicht zum Typus eines beson-
dern Genus erhoben werden könnte. L. c. p. 87—95.
Die von Sars beobachteten nordischen Sabellen ver-
theilen sich (1. c. p. 116— 138) über vier verschiedene Ge-
nera; die folgendermassencharakterisirt werden:
106 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Sabella L. ( p. p.). Corpus modo crassius, modo gracilius;
tori uncinigeri in anteriore corporis parte duplice serie hamorum
biformium instructi, altera serie hamis brevibus avicularibus, altera
arctioribus apice securiformi composita, postice s6rie instructi sim-
plice hamorum brevium avicularium. Branchiae semiorbem utrimque
formantes, discretae aut basi cute connexae, pinnulis dorsalibus
nullis; punctis ocularibus in nonnuUis speciebus, in aliis nullis.
Tentacula duo, compressa seu trigona, lanceolata, interdum rudimen-
taria aut nulla,
Hieher S. crassicornis Sars (= S. picta Kroy.), S. Sarsii Kroyi
(= S. penicillus Sars, S. pavonina Grube), S. neglecta Sars, S.j re-^
niformis 0. Fr. Müll. (= S. oculifera Leidy, S. oculata Kroy.).
Dasychone n. gen. Corpus crassum; tori uncinigeri ubique
simplice serie hamorum brevium avicularium instructi. Branchiae
orbem seu spiram utrimque formantes, basi cute connexae, pinnulift
dorsalibus ornatae per paria disposites aequidistantia ; puDctis oct^^
laribus in nonnullis speciebus, in aliis nullis. Tentacula duo, com-
pressa seu trigona, lanceolata.
Hieher D. decora n, sp. (= Sab. Luculiana var. Sars), D. Ar-
gus n. sp. (= S. ventilabrum Sars, S. Luculiana Sars).
Chone Kroy. Corpus magis minusve gracile; tori uncinigeri
ubique simplice serie hamorum instructi, in anteriore corporis parte
longorum apice rostrato, in posteriore brevium avicularium. Bran-
chiae semiorbem utrimque formantes, ultra dimidiam earum partem
aut fere totae cute connexae, pinnulis dorsalibus nullis, punctis ocu-
laribus nullis, Tentaculorum paria plura (2 — 8) teretia, filiformia,
interdum rudimentaria aut nulla.
Hieher Chone Kroyerii n. sp., Ch, rubrocincta n. sp., Ch. pa-
pulosa Sars.
Myxicola Koch. Corpus magis minusve crassum, mucipa-
rum; tori uncinigeri prominentes nulli; uncini in anteriore corporisf
parte parum numerosi, longi apice hamato, in posteriore numerosis-
simi, brevissimi , hamati, seriem a dorso usque ad ventrem (i. e.
tam supra, quam infra fasciculum setarum capillarium) extensam
componentes. Collare nullum. Branchiae semiorbem utrimque for-
mantes, partim aut fere totae cute connexae, pinnulis dorsalibus
nullis , punctis ocularibus nullis. Tentacula duo minuta, conico-
acuminata.
Hieher M. Sarsii Kroy. (= Sabella infundibulura Sars).
In Grube's kurzen Mittheilungen über die Sabellen
(40. Jahresbericht der schlesischen Gesellsch. für vaterl.
Ciiltiir S. 44) werden gleichfaUs einige neue Arten aus
Lussin namhaft gemacht und mancherlei Eigenthümlich^-
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 107
keiten derselben im Kiemenbaii (bei S. candela, deren
Kiemenfäden an der Spitze mit grossen Blättcbcn verse-
hen sind) imd Augen (die bei S. stichophthalmos immer
nur eine Linse enthalten) hervorgehoben. Die Mantelhaut
betrachtet Verf. als Absonderungsorgan der Schale. Wir
werden im nächsten Jahresberichte auf die inzwischen?
näher beschriebenen 'neuen Arten zurückkommen.
Claparede's Beobachtungen über Fabricia (Ara"^
phicoraEhrbg.) lassen über die systematischen Beziehungen
dieses interessanten Würmchens keinen Zweifel mehr
aufkommen. Die Analogie mit Sabella ist (bis auf die
Bildung der Gesichtswerkzeuge) so vollständig, dass sie
sich sogar auf den Borstenv/echsel erstreckt. An der
Basis der Tentakel finden sich zwei (schon von Ehren-
berg gesehene) Blutbehälter, die contractil sind, wie
das Rückengefäss, und als Kiemenherzen fungiren. Die
männlichen Individuen besitzen paarig entwickelte Hoden^
die sich über die sechs mittleren Körpersegmente ver-
theilen. Rech, anatom. etc. p. 50 — 56.
< ! ,f Grube's „Mittheilungen über die Serpulen^ (Ab-
handlungen der Schlesischen Gesellsch. für vaterl. Cultur
aus dem Jahre 1861. S. 53—69) Breslau 1862 enthalten
eine Uebersicht über die bisher bekannten Untergattun-
gen und Arten, mit kritischen Bemerkungen über die
Synonyme und Diagnosen neuer Species. Ein besonderes
Gewicht legt Verf. dabei auf die Bildung des Deckelap-
parates, dessen Morphologie und anatomisch-histologischer^
Bau einer gründlichen Erörterung unterzogen wird. Wir
beschränken uns hier auf die Bemerkung , dass dieser
Deckelapparat aus der Umwandlung eines Kiemenfadens
(oder zweier) hervorgeht und beständig der Mittellinie
des Rückens angenähert ist. Wo er unpaar ist, gehört
er in der Regel der einen Seitenhälfte an, bald der
rechten, bald auch, bei derselben Art, nicht selten der
linken. Die gegenüberliegende Körperhälfte zeigt dann
öfters noch das Rudiment eines zweiten Deckelapparates,
der bisweilen sogar (in manchen Arten ganz constant)
zur vollen Ausbildung kommt.
108 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschiclite
Nach den Eigenthümlichkeiten in der Bildung des Deckelap-
parates unterscheidet Grube die Abtheilungen oder Untergattungen
von Serpula in folgender Weise:
A. Deckel von seinem Stiele in der Mitte- unterstützt, Stiel
drehrund, selten verbreitert.
a Deckel trichterförmig, mit gezähneltem oder gekerbtem
Rande. Der Stiel steht auf dem Bande des basalen Kiemenblattes
selbst, in einer Beihe mit den Kiemenfäden. Dem ausgebildeten
Deckel entspricht an dem sterilen Kiemenblatte ein griffeiförmiger
Stummel.
«. Trichter einfach, ohne Aufsatz, Aussen- und Innenfläche
ßtrahlig gefurcht, Serpula s. st. Ph. mit 7 Arten.
ß. Trichter ebenso geformt, aber die Innen- oder Endfläche
trägt einen Kranz von Stäbchen oder Gerten. Eupomatus Phil, mit
4 Arten.
b. Deckel durchschnitten eiförmig, mit grader breiter End-
fläche. Der Stiel, von dem Basalblatt abgelöst, steht vor ihm, d. h.
in seinem Bücken ; ; auf der sterilen Seite kein Griffelstummel. Die
Bohre scheint bei mehreren Arten eine festere durchscheinendeWan-
dung zu haben. Placostegus Ph. mit 6 Arten, unter denen S. lima
n. sp. aus dem adriatischen Meere.
B. Deckel von seinem Stiele nicht in der Mitte, sondern un-
ter der Bückenhälfte unterstützt, öfters schief aufsitzend. Kein
Griffelstummel.
a. Deckel spateiförmig (oder abgestutzt keulenförmig). Sehr
wenige Kiemenfäden.
«. Bohre posthornförmig gewunden, mit der einen Fläche an-
gewachsen, winzig. Spirorbis Lam. 6 Species.
ß. Bohren gesellig aufgerichtet, an- und durcheinander ge-
wachsen, sehr dünn ; zwei Deckel ; Stiel wie Kiemenfäden gewim-
pert. Thier mit Selbsttheilung. Filograna Berk. mit 2 Arten.
b. Deckel eichel- oder annährend eicheiförmig, aus einer oft
durch eine Kante deutlich geschiedenen obern imd untern Hälfte
bestehend, kalkig. Deckelstiel vom Kiemenblatte abgelöst, drehrund,
zuweilen mit Fortsätzen. Vermilia Lam. mit 12 Arten. Neu: V.
strialiceps Gr. aus dem Mittelmeere.
c. Deckel eine Platte oder Scheibe bildend, kalkig, sein Stiel
von vorn nach hinten breitgedrückt, oft mit Fortsätzen, vom Kie-
menblatte abgelöst.
«. Deckelplatte mit unbeweglichen hörn- oder geweihförmi-
gen Fortsätzen, Kiemen einfache Kreise oder Spirale beschreibend,
Stiel entweder unsymmetrisch oder in der Mitte stehend; Röhren
einzeln. Potamoceros Phil. (Cymospira Sars p.. p ) mit 7 Arten,.
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 109
unter denen neu: P. comiculala a.\is Java, F. multicomis aus dem
rothen Meere, crucigera ebendah.
ß. Deckelplatte mit beweglichen kalkigen Stacheln besetzt,
Stiel in der Mitte stehend. Röhre an der Mündung mit einem
spateiförmigen Fortsatze , gesellig zu grossen Massen verwachsen.
Galeolaria Lam. mit 1 Art,
y. Mehrere Deckelplatten etagenartig über einander, jede
strahlig gefurcht, und am Rande gezähnt. Deckelstiel in der Mitte
entspringend. Potamostegus Schmarda (Cymospira Sars p. p.) 3
Species.
Das deckellose Gen. Protula ist bei Grube mit 9 Arten ver-
zeichnet, Philipp i's Gen. Apotamus, das statt des Deckels an
dem Ende eines Kiemenstrahls eine helle Blase trägt, will Grube
nicht gelten lassen. Er sieht in der Eigenthümlichkeit dieses Gen.
eine Missbildung, die bei verschiedenen Protulaarten vorzukommen
scheint.
Die von S chmarda auf seiner vierjährigen Reise
um die Erde (a. a.O. S.7— 14. Tab. XVII u. XY III) beob-
achteten Regenwürmer und Naiden sind sämmtlich neu
und zum Tbeil selbst Typen neuer Genera, wie die nach-
folgende Uebersicht zeigt.
Perich acta (gen. n. setis totam segmentorum circumferen-
tiam in forma anguli cingentibus diagnoscend.) leucocycla, P. viridis,
P. cingulata, P. brachycycla, sämmtlich aus Ceylon, und zum Theil
von sehr bedeutender Grösse, Hypogaeon heterostichon aus den Hoch-
ebenen von Quito und Cuenca, //. orlhostichon von Neuseeland,
Pontoscolex (gen. n. quatuordecim setarum alternatium seriebus
diagn.) arenicola aus dem Meerufersande in Jamaika, Chaetogasler
filiformis in den Cordilleren von Südamerika, Aeolosoma ternarium
Ceylon, Ae. macrogaster Centralamerika (beide A.rten mit Flimmer-
haaren und Borsten am Kopftheile), Ae. piclum Ceylon, Auloporus
(gen. n. processibus duobus caudalibus, setis dorsalibus capillaribus,
ventralibus uncinatis diagn.) discocephalus Jamaika, A. oxyceplw.lus
Ceylon, beide mit einem Gehäuse, das sie nach Phryganeeüart beim
Kriechen und Schwimmen umhertragen, erstere auch mit Flimmer-
haaren am Kopfe, ]Sais temaria Centralamerika, Cuba u. s. w., IS.
caudala Ceylon.
Mit den Naiden verbindet Schmarda noch ein Paar kleine
Wurmformen , die man sonst bei den Turbellarien unterzubringen
pflegte, das Gen. Dinophilus 0. Schm., dessen Borsten in einzeiligen
Bündeln stehen {D. sphaerocephalus n. sp. aus dem Brackwasser des
Guayaquil und Ichthydium mit reihenweis gestellten Rückenborsten
(/. jamaicense und /. labulalum aus Süd-Amerika nn. sp.). Die An-
HO Leuckart; Berieht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Wesenheit von Flimmerhaaren neben den Stacheln kann gegen diese
Auffassung nicht mehr geltend gemacht werden, nachdem S c hmarda
solche auch bei mehreren unverkennbaren Naiden aufgefunden hat.
Allerdings' ist die Verbreitung dieses Flimmerbesatzes eine nur be-
schränkte, aber auch Dinophilus und Ichthj^dium besitzen keineswegs
ein uniformes Wimperkleid.
Wie von Seh mar da, so wird auch von Tennant
(Proceed. zool. Soc. 1862. Febr., Ann. nat. hist. Vol. X.
p. 146) das Vorkommen riesengrosser Regenwürmer auf
Ceylon hervorgehoben. Essollen dieselben Formen sein,
die schon im Jahre 1844 von Templeton in den Pro-
ceed. zool. soc. unter dem Namen Megaloscolex coeruleus
beschrieben sind. Die von ihnen herrührenden Erdhaufen
haben nicht selten eine Höhe von 12 — 16 Zoll.
Nach den Mittheilungen, die Ehrenberg über den
Darminhalt des Proteus macht, muss in der Magdalenen-
grotte ein Regenwurm vorkommen, der als Lumbricus
Freyeri aufgeführt und kurz (aber unzulänglich) charak-
terisirt wird. Der Haken soll gespalten sein. Monatsber.
der Berl. Akad. 1862. S. 598.
Ciaparede glaubt die Regenwürmer, die er mit
Grube für eine besondere Ordnung der Chätopoden
ansieht, am besten in zwei Familien thcilen zu können,
die Landregenwürmer (Oligochetes terricoles) und Was-
serregenwürmer (O. limnicoles), die sich vorzugsweise
durch die oben hervorgehobenen anatomischen Unterschiede
des Gefäss- und Geschlechtsapparates gegen einander
absetzen, so wie dadurch, dass bei den erstem der Sattel
weit hinter den GeschlechtsöfFnungen gefunden wird,
während er bei den letztern mit den männlichen OefFnun-
gen zusammenfällt. (Rech. anat. sur les Oligochetes p. 70).
Die Charakteristik und systematische Stellung der von unse-
rem Verf. neu aufgestellten Genera ersieht man am besten aus fol-
gender Uebersicht (ibid. p. 5).
Receptacles sem. au 10. (q. f. 9?), pores gen. mäles au 11.
(q. f. 12 ?) Segment. Canal deferent simple. Une ou deux anses dilatees
et contractiles au 7., 8. et 9. segment. En outre 3 anses non di-
latees, mais contractiles autour des organes generateurs,
f üne vesicule seminale greffee sur le canal deferent. Oviducte
emboitant le canal deferent (? Ref.).
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 111
* Double rangee de crochets bifides de chaque cote, avec soies
filiformes ä la rangee superieure .... Tubifex Lam.
** Double rangee de crochets bifides de chaque cote, sans
soies filiformes a la rangee superieure Limnodrilus g. n
'tt Pas de vesicule sem. greffee sur le canal def., double rangee
de crochets simples au bifides Clilellio Sars.
Recept. sem. au 9., pores gen. mäles au 10., oviductes au 12.
Segment. Canal def. bifurque. Tous les anses vascul. contractiles,
au nombre de deux par segment. Crochets simples, rarement un
peu bifides, formant deux rangees de chaque cote.
f Anses vasc. munies d'appendices aveugles et contractiles. Pas
de penis saillant Lvmhricvlus Gr.
ff Anses vasc. depourvues d'appendices aveugles. Une paire
de longs penis non retractiles . . S t yl odriln s n. gen.
Rec. sem. au 11., 12. , pores gen. mäles au 10., oviductes au
11. (?) segm. Can. def. bifurque. Anses vasc. toutes contractiles;
s'elevant jusqu'a cinq et meme sept paires par segment, sans ap-
pendices aveugles. Crochets simples formant deux rangees de cha-
que cote Tric ho dr ilu s n. gen.
Rec. sem. an 5. , pores gen. mäles au 6. segment, canal def.
simple. Pas d'anses vascul. contractiles. Double rangee de crochets
de chaque cote avec soies filiformes ä la rangee super, au moins.
f Un rostre filiforme Shjlnria Lam.
ff Pas de rostre filiforme Nais Müll.
Rec. sem. au 5., pores gen. mäles au 12., oviductes au 12. (?)
segment. Canal def. simple. Soies epaises, courtes, souvent recour-
bees ä l'extremite interne et formant une double rangee de groupes
nombreux de chaque cote. Pas d'anses contractiles.
f Sang generalement rouge, pas de pores ä la ligne dorsale
P ach y drilus n. gen.
ff Sang incolore, un pore sur chaque segment ä la ligne dorsale
Enchytraens Henle.
Rec. sem. au 2., pores gen. mäles au 3. segment. Canal def.
simple. Soies en forme de crochets, formant une seule rangee de
chaque cote. Pas d'anses contractiles . . . Chaetogaster Baer.
Die von Cl. beschriebenen Arten sind folgende :
Tubifex Bonneti n. sp., Limnodrilus XJdekemianus n. sp., L. Hof-
meisteri n. sp. , Clilellio ater n. sp. , Lumbriculus variegatus Gr.,
Stylodrilus Heringianus n. sp., Trichodrilus Allobrogum n. sp., En-
chytraeus vermicularis n. sp. , Neinodriljis (n. gen.) ßliformis,
sämmtlich mit Ausnahme von Clitellio ater, der der Küste der Nor-
mandie angehört, aus der Umgegend von Genf. Das nur unvollstän-
dig beobachtete Gen. Nemodrilus ist auf einen Wurm begründet, der
112 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
bei 9 Ctm. Länge nur 0,5 Mm. dick ist, eine zweigliedrige Ober-
lippe und einfache Hakenborsten besitzt, die in der Rückenreihe
doppelt so lang sind, als in der Bauchreihe.
Buchholz charakterisirt (a. a. 0. S. 4) ausser den bekannten
Arten des Gen. Enchytraeus (E. vermicularis, E. ventricosus,"' E.
galba) noch E. nppenäicnlnlus n. sp.
üeber die Unterschiede von Enchytraeus galba und E. ventri-
cosus vergl. ausserdem Leydig, Archiv für Anat. u. Physiol. 1862.
S. 94. Anm.
Das marine Gen. Pachtjdrilus Cl. enthält an Arten P. semi-
fuscus, P. rrassns, P. verrvcosus, P. lacteus und P. ebvdcnsis sämmt-
lich von der Küste der Normandie, Rech. anat. sur les Opalines etc.
p. 8 — 14. (Hieher gehört sonder Zweifel auch Enchytraeus spicu-
lus Leuck.).
Gephyrea.
Ehler's Untersucliungen „über die Gattung Pria-
pulus^ (Zeitschrift für wissensch. Zool. XL S. 205—252.
Tab. XX u. XXI) ^ so wie „über Halicryptus spinulosus*^
(ebendas. S.401— 415. Tab. XXXV) bringen unsere Kennt-
nisse über diese bisher nur wenig bekannten Thierformen
zu einem vorläufigen Abschlüsse.
Die Untersuchungen über Priapulus sind an dreien
verschiedenen Arten angestellt, Pr. caudatus, Pr. glandifer
und Fr. hrevicmcdatuSj von denen die beiden letzten hier
zum ersten Male unterschieden werden. In ihrem Aeus-
seren sind diese drei Arten einander nahe verwandt. Bei
genauerer Untersuchung ergeben sich allerdings in der
Form der Zähne und der Bildung des Schwanzanhanges
einige Unterschiede, aber ungleich grösser und auffallen-
der sind die Differenzen in der Bildung des Darmkanals,
der bei Pr. caudatus die Länge des Körpers nicht über-
trifft, während er bei Pr. glandifer vielleicht die doppelte
Länge hat. Pr. brevicaudatus steht in dieser Hinsicht
zwischen beiden genannten Arten in der Mitte. Nach
der Vermuthung des Ref. dürften diese drei Arten aus
verschiedenen Gegenden stammen. Die Exemplare des
Pr. caudatus, die Verf. in grosser Menge untersuchte, wa-
ren in Grönland gesammelt, während das eine Exemplar
des Pr. brevicaudatus, dasselbe, das in den Untersuchun-
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 113
gen von Frey und Leuckart bei der Beschreibung
des anatomischen Baues von Pr. caudatus zu Grunde ge-
legt wurde, wie Ref. mit Bestimmtheit weiss, von Sars
aus Norwegen eingeschickt war. Das Vaterland des
gleichfalls nur in einem Exemplare untersuchten Pr. glan-
difer ist möglicher Weise die Nordsee. Dass in der oben
erwähnten Arbeit das Vorderende des Priapulus (von
Frey) irrthümlicher Weise als Hinterende aufgefasst
w^urde und umgekehrt, kann nach den Untersuchungen
des Verf.'s nicht länger bezweifelt werden und ist auch
früher schon vom Ref. hervorgehoben. Aber auch sonst
ergeben sich aus den Untersuchungen des Verf.'s man-
cherlei Resultate von allgemeinerer Bedeutung.
Dahin gehört besonders die Thatsache, dass der Schwanzan-
hang in morphologischer Beziehung eine Fortsetzung des Körpers
darstellt, die sich nur durch ihre schmächtige Bildung und die An-
wesenheit der Kiemenfortsätze von dem vorhergehenden Leibe unter-
terscheidet. Die Höhlung, welche diesen Anhang durchzieht und
auch in die (contractilen) Kiemen hinein sich fortsetzt, ist, wie die
Leibeshöhle der Sipunculiden, am hinteren Ende offen, so dass das
Seewasser direkt in die Leibeshöhle eindringen und mit der hier
vorhandenen Blutflüssigkeit sich mischen kann. Ein besonderes
Gefässsystem fehlt, wie gleichfalls bei den Sipunculiden. Die auf
dem Mitteldarm hinziehenden Fäden, die man wohl als Gefässe hat
auffassen wollen, haben eine ausschliesslich muskulöse Beschaffenheit.
Unter den Körpermuskeln sind hauptsächlich die mächtig entwickelten
Retractoren des sog. Rüssels zu erwähnen, die einen grossen Theil
der Leibeshöhle durchsetzen, während die übrigen Körpermuskeln
einen gitterförmig angeordneten Schlauch im Umkreise dieser Höhle
bilden. Der muskulöse Pharynx trägt im Innern einen reichen
Besatz von rückwärts gekrümmten Zähnen, die in gleicher Weise,
wie die äussern Chitinbildungen, besonders des Rüssels, vom Verf.
sorgfältig beschrieben werden. Das hintere Ende desselben bildet
eine Art Os tincae, das entweder direkt (Pr. caudatus) in den Mit-
teldarm führt, der wohl als Chylusmagen zu betrachten sein dürfte,
oder vorher mit einer besondern Zuleitungsröhre in Verbindung
steht. Die Nahrung des Priapulus scheint vorzugsweise aus vege-
tabilischen Substanzen, besonders Algensporen, zu bestehen. Der
After liegt auf der Rückenfläche des Thieres, an der Basis des
Schwanzanhanges, zwischen den beiden Geschlechtsöfifnungen. Samen
und Eier nehmen in verschiedenen Individuen ihren Ursprung, und
zwar im Innern zweier länglicher Organe, die fast bis zur Mitte
ArclüT f. Katurg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. |J
114 Leuckart: Bericht üb. d. Leist, in d. Naturgescliiclite
des Thieres emporreichen und bei den Weibchen, bei denen sie mit-
telst eines Mesenteriums an der Körperwand befestigt sind, einen
lamellösen, bei den Männchen aber einen tubulösen Bau haben.
Als Nervensystem wurde ein unter der Muskelhaut liegender Bauch-
strang, der schon bei äusserlicher Betrachtung auffällt, und ein
enger Schlundring (ohne ganglionäre Verdickungen) nachgewiesen.
Die systematische Stellung betreffend, so glaubt Verf., dass Priapu-
lus mit einigen verwandten Formen eine eigene Gruppe bilden müsse,
die, wenn auch zumeist an die Sipunculiden sich anschliessend,
doch eben sowohl von diesen, wie auch den (gefässführenden) Echiu-
riden verschieden sei; er unterscheidet also in der Ordnung der
Gephyreen dieselben drei Familien, die Ref. schon vor längerer Zeit
hier aufgestellt hat (J. B. für 1856. S. 181).
Halloryptus spinulosus, dessen ursprüngliche Beschrei-
bung von seinem Entdecker v. Siebold hier reprodu-
cirt wird (S. 41 H)^ zeigt mit Priapulus eine grosse Ver-
wandtschaft. Der wichtigste Unterschied zwischen beiden
besteht in der Abwesenheit des Schwanzanhanges und
Endporus, von dem sich keine Spur auffinden liess.
Der Darm durchsetzt mit seinen drei Abschnitten die Achse der
Leibeshöhle, wie bei Priapulus caudatus. Das System der Retractoren
ist einfacher gebildet, wohl im Zusammenhange damit, dass auch
der Rüssel mit seinen Hakenreihen eine schwächere Entwickelung
besitzt und ohne äusseriich markirte Grenze in den übrigen Leib
übergeht. Das Nervensystem verhält sich mitsammt der Körper-
muskulatur, wie bei Priapulus, dessen Bildung auch in der Anlage
der Geschlechtsorgane wiederkehrt , obwohl hier in sofern einige
Verschiedenheit vorkommt, als die Hoden, die Verf. allein beobach-
tete, ganz nach Art einer baumartig verästelten Drüse gebaut sind.
Zur Gruppe der Priapuliden rechnet Norman auch
eine von ihm an der englischen Küste beobachtete Wurm-
form, die (Ann. and Mag. nat. bist. T.VII. p. 112. PI. IX)
als Strephe7iterus claviger bezeichnet und folgendermassen
charakterisirt wird :
Nov. gen. S tr ep h enleru s. Forma cylindrica. ante truncata,
infundibuliformis, sine tentaculis, postice subito acuminata, tentacu-
lisque ornata. Intestinum longissimum multumque convolutum, ma-
ximam corporis partem penetrans, inde rediens per anum haud longa
ab ore situm se effundit.
Die keulenförmigen Tentakel, die dieses Thier an seinem Hin-
terende tragen soll, sind m.it einer Oeflnung versehen und enthalten
im Innern eine Anzahl dunkler Körper. Verf. vermuthet, dass sie
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 115
dazu bestimmt seien , Wasser aufzunehmen. Aber dieses Wasser
soll nicht in die Leibeshöhle kommen, sondern in einen besondern
zwischen äusserer und innerer Körperhaut gelegenen Raum, dessen
Wand nach Aussen ein Flimmerepithel trage und nach Innen von
Gefässen durchsetzt sei. Nach der beigegebenen Zeichnung kann
man kaum zweifeln, dass dieser Hohlraum ein Kunstprodukt ist, der
durch Abtrennung der Cuticularbedeckungen von der Muskelhaut
entstanden und durch eine falsche Deutung der anhaftenden resp.
eingelagerten Fasern zur Annahme von Flimmerhaaren und Gefässen
Veranlassung bot. Auch über die Natur der Schwanzanhänge
glaubt Ref. Aufschluss geben zu können. Es sind parasitische Bryo-
zoen, die Ref. ganz an demselben Orte bei zahlreichen, in Treport
von ihm gesammelten Phascolosomen antraf, und die mit eingezoge-
nem Tentakelkranze genau das Bild geben , welches Yerf. davon
entworfen hat. Ueberhaupt glaubt Ref., dass es sich im vorliegenden
Falle nur um ein Phascolosoma handle. Allerdings beschreibt Verf.
statt des einstülpbaren gefranzten Rüssels dieser Thierart einen
trichterförmigen Mund ohne Anhänge, allein es wäre leicht mög-
lich, ' dass derselbe auch in dieser Hinsicht (vielleicht durch eine
zufällige Verstümmelung) das Opfer eines Irrthums geworden ist.
Wie schon im letzten J. B. kurz hervorgehoben, ha-
ben Ehlers und K ef er stein auch die Organisation von
Sipunculus zum Gegenstande genauerer Untersuchungen
gemacht. Diese Untersuchungen liegen jetzt (Zoologische
Beiträge S. 35— 52. Taf.YI-YIII; im Detail vor. Die-
selben sind an zwei Arten angestellt, S. nudus, der in
Neapel sehr häufig ist, und S. tessellatus aus Messina,
der sich durch seine zimmetbraune Färbung und die qua-
dratische Bildung der Hautgitter (die bei S. nudus als
längliche Rechtecke erscheinen) leicht erkennen lässt.
Die verschiedene Gitterzeichnung rührt daher, dass die
Eingmuskeln bei S. nudus breiter sind, als bei S. tessel-
latus. Ausserdem hat S. nudus in seinem Hautmuskel-
schlauche 32, S. tessellatus nur 28 Längsstränge. Auch
die Lage des zweilappigen Hirnes, in das die beiden
Commissuren des zweiten Halsringes übergehen, ist in
sofern eine verschiedene, als dasselbe bei S. nudus un-
mittelbar am Tentakelkranze auf der Speiseröhre, bei S.
tessellatus aber 6 — 8 Mm. weiter nach abwärts gefunden
wird. Das Ende des Bauchstranges reicht bis an den Perus
terminalis, vor dem dasselbe eine ovale Anschwellung
116 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
bildet, während sonst der Querschnitt überall gleichbleibt.
Trotz der Abwesenheit eigentlicher Ganglien entsendet
der Ganglienstrang zahlreiche Seitenzweige^ die paarweise
je zwischen zweien Ringmuskeln abgehen und mit einem
ihrer Zweige bis an die Hautdrüsen sich verfolgen Hessen.
Die Eier nehmen in besondern, an der Aussenfläche stark
wimpernden Schläuchen unter der Haut der Sipunculiden
ihren Ursprung und drängen sich von da noch vor ihrer
vollen Reife, m^eist gruppenförmig zusammenhängend,
durch die Maschen der Körpermuskulatur in die Leibes-
höhle, wo sie zu gewissen Zeiten in ausserordentlicher
Menge angetroffen werden. Die reifen Eier haben ein von
Poi^enkanälen durchsetztes derbes Chorion. Die von un-
seren Verff. als Hoden in Anspruch genommenen Schläuche
sind schon während der Schwärmzeit an den Larven
nachweisbar, wie denn der S. tessellatus, dem die beob-
achteten Larven zugehörten, gleich dem S. nudus seine
Larvenorgane (Flimmergürtel) erst ablegt, wenn er die
Grösse mehrer Millimeter erreicht und im Wesentlichen
den Bau des ausgebildeten Thieres angenommen hat.
Aber nicht bloss das Gen, Sipunculus, auch Phasco-
losoma macht Keferstein zum Gegenstande einer spe-
ciellen Untersuchung (Beiträge zur Kenntniss der Gattung
Phascolosoma, Zeitschrift für wiss. Zool. Bd. XIL S.35 — 57.
Taf. in. u. IV).
Die äussere Haut enthält, wie bei Sipunculus, zahlreiche Haut-
drüsen, nur dass diese insofern sich anders verhalten, als sie das
Innere der den Körper bedeckenden Papillen ausfüllen. Ebenso zeigt
die innere Ringniuskellage eine Abweichung, indem ihre Fasern
eine continuirliche , nur von ringförmig gestellten Maschen durch-
brochene Haut bilden. Im Rüssel legen sich auch die Längsfasern
der äusseren Muskelschicht zu einer continuirlichen Membran an
einander. Die Retractoren liegen alle vier an der Bauchfläche, wo
sie in der Nähe des hinteren Körperendes sich festheften. Die
Leibeshöhle enthält eine w^eingelbe Blutflüssigkeit, deren Farbe
von den darin suspendirten zahlreichen Körperchen herrührt. Die-
selbe Flüssigkeit findet man auch in den Tentakeln, obwohl deren
Innenraum nicht direkt mit der Leibeshöhle zusammenhängt, sondern
durch Hülfe eines eigenen Gefässsystemes gefüllt wird. Der Central-
theil dieses Apparates verläuft in Form eines contractilen, bei Ph.
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 117
Antillarum traubig verästelten Schlauches längs des Oesophagus (ne-
ben dem sich auch bei Sipunculus zwei Schläuche finden, die viel-
leicht in gleicher Weise zu deuten sind, obwohl Verf. darin ebenso
wenig, wie im Innern der' Tentakel, jemals Blut beobachtete). Unter
dem Hirne erweitert sich dieser Schlauch zu einem Räume, von dem
rund um den Schlund gleich unter den Tentakeln ein Ringsinus ab-
geht, dem die (flimmernden) Innenräume der Tentakel gewissermassen
als Aussackungen aufsitzen. Ph minutum ist die einzige Art, bei der
Verf. diesen Gefässapj)arat vermisste; aber hier sind auch die Tenta-
kel bis auf höchst unbedeutende Rudimente verschwunden. Die
Entdeckung dieses Gefässsystems ist nach der Ansicht des Ref. um
so wichtiger, als es offenbar das Analogon des sog. Ambulacralge-
fässsystems bei den Echinodermen darstellt und die Sipunculiden
diesen Thieren wieder näher rückt. In der Achse der Darmspirale
verläuft ein fadenförmiger Muskel, der sich mit seinem hinteren
Ende an den Darmwindungen oder an der hintern Körperspitze be-
festigt. Am Nervensysteme konnte weder im Bauchstrange noch im
Hirne ein eigentlicher ganglionärer Bau erkannt werden. Auf der
Oberfläche des Hirns liegen fast beständig zwei schwarze Augen-
flecke. Die weiblichen Geschlechtsstoffe waren stets frei in der
Leibeshöhle enthalten. Samenfäden wurden vom Verf. nicht beob-
achtet, auch nicht in den Bauchdrüsen, die Verf. bei Sipunculus als
Hoden erkannt zu haben glaubt. Die Mittheiiung, dass Gl apa-
rede einige mit Samenfäden ganz angefüllte Phascolosomen beob-
achtet habe , lässt vermuthen, dass Verf. in Betreff dieser Deutung
selbst zweifelhaft geworden ist.
Nicht minder interessant sind die Angaben, die
Claparede (Archiv für Anat. n. Physiol. 1861. S. 538—
542. Taf. XIIj ^über Gephyreen' macht. Dieselben be-
treffen zwei Yon einander verschiedene Sipunculiden,
von denen der cinC; der an der englischen Küste in einer
Felsenritze entdeckt wurde, trotz der unbedeutenden Grösse
einiger Millimeter bereits vollkommen geschlechtsreif
war. Der Rüssel war abgestutzt und ohne Papillen, der
Darm von bedeutender Länge, der After in einiger Ent-
fernung hinter dem halsartig verjüngten Vorderende
gelegen. Als Eierstock wird ein doppeltes flaches Organ
gedeutet, das zwischen den Darmwindungen unweit des
Afters gelegen war. Freilich sollen die Eier hier nur
angelegt >verden, ihre volle Entwickelung aber erst in
der Leibeshöhle erhalten, in die sie vielleicht durch ein-
faches Ablösen vom Eierstocke hineinfielen. Wenn die
118 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
eben beschriebene neue Art im Wesentlichen die Orga-
nisationsverhältnisse des Sip. nudiis und tessellatns zur
Schau trägt — namentlich dann, wenn man annimmt, dass
das paarige „Ovarium" den von Ehlers und Keferstein
als Hoden in Anspruch genommenen Blindschläuchen ent-
spräche — [gilt das' keineswegs in gleicher Weise von
einer zweiten Form, die auf offenem Meere gefischt wurde
und durch ihre unbedeutende Grösse (1 Mm.\ wie durch
den uniformen Flimmerbesatz als eine Jugendform sich
zu erkennen gab. Der Leib derselben war cylindrisch und
am Yorderende mit einem Tentakelkranze versehen. Mund
und After lagen dicht neben einander und führten in
einen Darmkanal, der eine einfache Schlinge bildete. Auf
dem Magen, der mit dem Pharynx den einen Schenkel
dieser Schlinge ausmachte, verliefen zwei Längsgefässe,
die eine rothe Blutflüssigkeit enthielten und am hinteren
Ende schlingenförmig in einander übergingen. Die Ge-
fässschlinge trug zahlreiche pulsirende Zotten, die Verf.
als Herzen ansehen möchte. In der Mitte der Bauchfläche
lag ein dunkler Körper von ovaler Form_, dessen Inhalt
aus zahlreichen Ballen mit hellen Kernen bestand.
Der ausgebildete Zustand dieser zweiten Form ist
einstweilen noch völlig unbekannt. Aber nicht so ihre
Herkunft. Mit grosser Wahrscheinlichkeit wenigstens
können wir behaupten , dass sie von einer Actinotrocha
herstamme. Wir haben bei einer früheren Gelegenheit
(J. B. für 1858. S. 117) der Entdeckung von Krohn
Erwähnung gethan, dass die merkwürdige Actinotrocha
eine Sipunculiden- Larve sei. Durch die Beobachtungen
von Schneider (Archiv für Anat. und Physiol. 1862.
S. 47 — 66. Taf. I u. II, im Auszuge Berliner Monatsbe-
richte 1861. S. 934, Ann. nat. bist. Vol. IX. p. 486) ist
diese Entdeckung vollständig bestätigt. Aber die Metamor-
phose der Actinotrocha ist nicht so einfach, als es nach den
Mittheilungen Krohn's den Anschein hatte. Nicht der
Körper der Actinotrocha ist es, der den jungen Sipuncu-
liden bildet, sondern der lange gewundene Schlauch, der
auf der Bauchwand derselben aufsitzt und hier bekann-
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. llÖ
termassen ei'st ziemlich spät_, durch eine Art Einstülpung,
seinen Ursprung nimmt. Dieser Schkuch iät die Leibes-
wand des künftigen Wurmes. Er tritt, indem er sich um-
stülpt, nach Aussen und nimmt dabei den Darm der Larve
vollständig in sich hinüber. Die Leibeswand der Larve
schwindet bis auf die Tentakel, die das vordere Ende des
Schlauches mit den jetzt ganz nahe gerückten Endpunk-
ten des Darmes schliessen. Die Metamorphose geht schnell,
oft über Nacht, vor sich, während die späteren Verände-
rungen des Wurmes so langsam und allmählich gesche-
hen, dass sie sich den Beobachtungen des Verf.'s entzö-
gen. Uebrigens gelingt die Zucht nur an völlig eiit-
wickelten Exemplaren. Andere gehen in den Gläsern
^^ohl Veränderungen ein, aber nur solche, die mit der
eigentlichen Metamorphose Nichts zu thun haben, lieber
die Wichtigkeit der Schneide r'schen Beobachtung brau-
chen wir hier kein Wort zu verlieren. Es ist eine ganz
neue Form der Entwickelung, mit der uns dieselbe be-
kannt macht , wenn auch gewisse Beziehungen zu der
Skolexbildung der Cestoden, so wie zur Fortpflanzung der
Echinodermen und Nemertinen unverkennbar sind. An
die Vorgänge der Echinodermen- und Nemertinenent-
wickelung werden wir auch durch den Umstand erinnert,
dass nicht alle Sipunculiden eine Actinotrochaform durch-
laufen. Ob die Metamorphose der übrigen verwandten
Arten freilich so einfach ist, als man bisher geneigt war,
anzunehmen, steht dahin. Verf. macht darauf aufmerksam,
dass die Larve von Sipunculus nudus (nach Krohn)
Anfangs von einer Flimmerhülle umschlossen wird, und
ist nicht abgeneigt, diese letztere als eigentlichen Embryo
aufzufassen, der dann erst in seinem Innern die spätere
Sipunculuslarve erzeuge, wie das bekanntlich auch bei
manchen Nemertinen der Fall ist. Uebrigens giebt es
auch unter den Sipunculiden mehrere Arten mit Acti-
notrochaform, wie dem Verf. ausser der bekannten A.
brachiata noch eine zweite kleinere Art beobachtete (A,
pallida), die schon bei 10 Tentakeln mit Blutgefässen und
völlig entwickeltem Schlauche versehen ist.
120 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Keferstein's oben erwähnte Abhandlung über
Phascolosoma behandelt ausser dem anatomischen Bau auch
die Systematik dieses Genus. Verf. theilt die von ihm unter-
suchten und beschriebenen 7 Species nach, der Anwesen-
heit oder dem Mangel der auch ihrer Form nach sehr
charakteristischen Haken in zwei Gruppen. Der Sp. ar-
matae werden 5 aufgezählt: Ph. granulatum Lt., Ph. laeve
n. sp. aus dem Mittelmeere, Fh. elongata n. sp. aus dem
Canal (vielleicht, wie Ref. nach Untersuchung der von ihm
im Treport aufgefundenen Exemplare vermuthen möchte,
eine blosse Varietät der folgenden Art), Ph. vulgare BL,
Ph. Puntarenae Gr.; derPh. inermes nur zwei: Ph. An-
tillarum Gr. und Ph. numttum n. sp., von denen letzteres
wegen der Abwesenheit eines eigentlichen Tentakelkran-
zes und des Tentaculargefässsystems möglicher Weise als
Repräsentant eines besonderen Genus betrachtet werden
könnte. A. a. O: S. 38—41.
Chaetognathi.
Pagenstecher beobachtete bei einer kleinen, wohl
neuen Sagitta von Cette [8. gallica) nach Aussen und Vorn
vor den Augen ein schlauchartiges Gebilde, das durch seine
Pigmentirung leicht auffiel und sich mit einer feinen
Mündung auf den Seiten des Kopfes zu öffnen schien,
lieber die Bedeutung desselben, ob Geruchsorgan, ob
Drüse, fehlt jeder Anhalt. Es sind vielleicht dieselben
Organe, die Busch bei einer seiner Arten als contractile
Fühler beschrieben hat. Zeitschrift für wissensch. Zool.
Bd. XII. S. 308. Tab. XXIX.
Keferstein hält die Samentasche der Sagitten für
den samengefüllten Eileiter, weil er im Innern des Eier-
stockes gewöhnlich einige sehr grosse Eier fand, die ihm
in voller Entwickelung begriffen schienen, obwohl die beob-
achteten Zustände mit den Darstellungen Gegebaur's
kaum in Einklang zu bringen sind. Die Borsten wurden
als Auswüchse einer Epidermiszelle erkannt, an die ein
von dem sog. Bauchsattel auslaufender Faserzug hinan-
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 121
tritt. Der Bau der Augen sc hien dem Verf. (wie Ref.,
der diese Thatsache schon lange vor L e y d i g hervor-
gehoben hat) am meisten an den der Arthropoden sich
anzuschliessen. Ebendas. S. 129.
Nematodes.
Leydig bestätigt in seinem Aufsatze: „haben die
Nematoden ein Nervensystem?^ (Archiv für Anat. und
Phys. 1861. S. 606— 614) nach Untersuchungen an Ascaris
Inmbricoides und Gordius die Angaben von Schneider
(J. B. für 1860. S. 245), dass die von Meissner als
Nerven beschriebenen Gebilde theils der sog. Bauchlinie
zu gehören, theils auch muskulöser Natur sind. Gleich-
zeitig findet der histologische Bau der Nematodenmuskeln
eine nähere Erörterung. Die Anwesenheit eines eigenen
Nervensystems wird in Abrede gestellt, und ein in der
Matrix der Cuticula hinlaufendes (schon von Schneider
gesehenes) System heller „Fasern^ als ein Theil des mit
seinen Hauptstämmen bekanntlich in den sog. Seitenlinien
eingeschlossenen „Wassergefässsystemes^ gedeutet. Die
Hauptmasse dieser Seitenlinien gehört nach Leydig, wie
auch Rücken- und Bauchlinien , dem subcuticularen Ge-
webe an.
Ganz anders lauten die Angaben von "Walt er. Der-
selbe leugnet in seinen „Beiträgen zur mikroskopischen
Anatomie der Nematoden'^ (Yirchow's Archiv für pathol.
Anat. u. s. w. 1861. Bd. 24. S. 166—180. Taf. HI) die
muskulöse Natur der bei gewissen Spulwürmern an Bauch-
und Rückenlinien sich befestigenden cylindrischen oder
auch blasenförmig erweiterten Querstränge. Er sieht darin
Theile eines weit im Körper verbreiteten Gefässapparates,
der nicht bloss, wie das Schneider wollte, aus den sog.
Seitenlinien, sondern auch aus den Medianlinien bestehe,
die man nur irrthümlicher Weise bisher für solide Binde-
gewebsstränge gehalten habe. Die histologischen Ver-
schiedenheiten dieser beiderlei Gebilde sind unserem Verf.
nicht unbekannt, aber trotzdem behauptet er, dass diesel-
ben dicht hinter dem Munde, so wie vor der Afteröffnung
122 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
(selten^ ^vie bei einem Btrongylns aus dem Darme der
Tritonen, im ganzen Verlaufe) durcli Qtieranastomosen zu
einem gemeinschaftlichen Systeme zusammenhingen. Die
(schon von Schneider beschriebene) Ansmündung soll
dem Bauchgefässe angehören und nicht selten ampullen-
oder saugnapfartig erweitert sein. In den bläschenförmi-
gen Endschläuchen der Querfortsätze (A. lumbricoides)
beschreibt Verf. ein vollständiges Epithelium. Die Mark-
substanz der Muskelzellen soll mit diesen Querfortsätzen
niemals irgendwelchen Zusammenhang besitzen; dieselben
sollen entweder in die Umhüllungshaut der Miiskelzellen
übergehen oder mit feinen intermuskulären Gefässen in
Verbindung stehen. Die früher von unserem Verf. bei
Oxyuris ornata beschriebenen (J. B. XXIII. S. 183) Fett-
schläuche werden jetzt als Längsgefässstämme in Anspruch
genommen. Ebenso findet Verf. jetzt den Muskelschlauch
des genannten Thieres aus rliombidalen bald einfachen^
bald auch zu mehreren unter sich verschmolzenen Zellen
zusammengesetzt. In Betreff der ebendaselbst vor Schlund-
kopf und After aufgefundenen Gangiienanhäufungen glaubt
Verf. seine frühere Deutung aufrecht halten zu müssen,
obwohl er gesteht, bei Asc. lumbricoides bisjetzt verge-
bens nach einem Nervensysteme gesucht zu haben.
Weismann erkennt die Muskelbänder der Ne-
matoden als einfache Zellen, in denen man bei den grös-
seren Arten ausser der streifigen Rindensubstanz noch eine
Markmasse zu unterscheiden habe. Nur darin verhalten
sich diese Muskelzellen abweichend, dass das Mark mit
dem Zellenkern durch eine Spalte der Rindensubstanz am
inneren Rande frei hervortritt. Zeitschrift für rat. Med.
Bd. XV. S. 91.
Dass die männlichen Nematoden in manchen Fällen,
wie die Weibchen, mit einer sog. Rhachis versehen sind,
ist schon seit längerer Zeit bekannt und, so viel ich weiss,
zuerst von Ref. (J. B. Bd. XXII. S. 354) hervorgehoben.
Nach den Untersuchungen Eberth's giebt es nun aber
auch männliche Nematoden mit einer doppelten Rhachis
innerhalb derselben Geschlechtsröhrc. Ein solcher Fall
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 123
findet sich bei Strongylus commtitatus und Str. striatns.
Im oberen Ende der Geschlechtsröhre ist hier die Rhachis
einfach und cylindrisch, weiter nach unten wird dieselbe
nieren- oder halbmondförmig, bis sie schliesslich in der
Mitte zerfällt und dann zur Bildung zweier neben einan-
der liegender Zoospermiensäulen Veranlassung giebt. Die
Rhachis der Weibchen bleibt in ganzer Länge einfach.
Zeitschrift für wissensch. Zool. Bd. XI. S. 394. Taf. XXII.
Referent liefert den Nachweis, dass sich die Eier
der Nematoden nicht bloss im Wasser, sondern auch (und
noch mit grösserer Sicherheit) in der Erde und in feuch-
ter Luft entwickeln. Selbst ein mehrfach wiederholtes
längeres Austrocknen vermag die Entwicklung nicht auf-
zuhalten und die Embryonen nicht zu tödten. (Die mensch-
lichen Parasiten I. S. 54.)
Die mehrfach wiederholten Versuche des Refe-
renten, durch Verfütterung embryonenhaltender Eier
direkt die späteren Spulwürmer zu erziehen, sind bisher
alle fehl geschlagen , wesshalb derselbe denn auch für
die Nematoden einen Zwischenzustand vermuthet. (Eben-
das. S.68.)
Keferstein fand den Darm und die Geschlechts-
organe von Ascaris mystax bisweilen von kleinen Kör-
perchen erfüllt, die eine auffallende Aehnlichkeit mit
Pilzsporeri hatten und sich auch in der That als solche
ergaben. Sie gehörten zu einem Fadenpilze, der die
Wände der betreffenden Organe wie ein Flechtwerk be-
deckt und von de Bary als eine Mucor (M. helmintho-
phthorus) erkannt wurde. Wo die Sporen in grosser Menge
vorhanden waren, fehlte jede Samen- oder Eibildung in
den Geschlechtsorganen, oder man sah die Eier doch ganz
verändert und mit Fetttropfen erfüllt. Da überdiess ge-
wöhnlich alle in derselben Katze neben einander vorkom-
menden Würmer in gleicher Weise leiden, so erklärt es
sich, dass Bischoff die Sporen als normale Gebilde und
zwar als Samenkörperchen von Asc. mystax betrachtet hat.
Zeitschrift für wiss. Zool. Bd. XL S. 135 mit Abb. (Vor-
kommen und Beschaffenheit des Mucor erinnert^ wie
124 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
die massenhafte Ansammlung der Sporen an die von
Ref. zuerst erkannte und beschriebene sog. Pilzsucht der
Bienen.^
Die Zellenlage, die der faserigen Muskelschicht von
Trichocephalus aufliegt, bildet nach den erneuerten Un-
tersuchungen Eberth's ein förmliches Pflasterepithel,
dessen Zellen weder unter sich, noch mit den Muskelfa-
sern irgendwelche Verbindung eingehen. Die Seitenlinien,
die bei dieser Gelegenheit gleichfalls beschrieben werden,
sind von secundären Linien begleitet. Sie scheinen einen
Zellenbau zu besitzen und ohne Ausmündung zu sein.
Zeitschrift für w^issensch. Zool. Bd. XI. S. 96.
lieber den anatomischen Bau von Trichocephalus
Giraffae und besonders dessen Begattungsapparat vergl.
Cobbold, Transact. Linn. Soc. 1. c. p. 352.
Besonders charakteristisch für diese bisher nur unvollkommen
beobachtete Art ist die ausserordentliche Länge der Penisscheide.
Uebrigens glaubt Verf. sich überzeugt zu haben, dass seine Art, die
er Anfangs (J. B. für 1860. S. 266) als Tr. gracilis Cobb. aufführte,
mit Tr. affinis Rud. identisch sei. Wenn dem wirklich so ist, dann
muss Rudolphi unter diesem Namen mehrere Species zusammen-
geworfen haben . da Ref. den Trichocephalus des Schweines, den
Rudolphi gleichfalls als Tr. affinis bezeichnet, mit Bestimmtheit
als Tr. dispar erkannt hat. Das eigenthümliche rauhe Längsband,
welches an dem Halsende der Trichocephalen hinläuft und offenbar
zum Festhalten in der Darmschleimhaut dient, in der die Würmer
nach den Beobachtungen des Ref. ganz constant mit ihrem Halstheil
vergraben sind, wird von unserem Verf. als eine streifenförmige An-
häufung von Pigmentflecken beschrieben.
Eberth glaubt den von Mehlis in den Blinddär-
men von Anser cinereus aufgefundenen (aber nicht be-
schriebenen) Strongylus tenuis in einem kleinen Parasiten
unserer Hausgans wiederzuerkennen, der durch die Fein-
heit seines Körpers leicht zu jener Benennung Veranlas-
sung gegeben haben könnte. (Würzburger naturwissensch.
Zeitg. IL 1861. S. 47—53. Taf. IV.)
Aus den Mittheilungen, die Verf. über den inneren Bau dieses
Wurmes macht , heben wir, ausser der Abwesenheit eines eigentli-
chen Pharynx noch ferner die Thatsache hervor, dass die langge-
streckten Samenkörperchen, ganz wie die Eier, mittelst einer (durch
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 125
Umlegung mit feinkörniger Substanz entstandenen) Rhachis verei-
nigt sind und nach ihrer Isolation leichte Krümmungen erkennen
lassen. Die zwei langen einzelligen Drüsenschläuche, die Verf. dicht
hinter der Mundöffnung mit dem Darmkanale zusammenhängen lässt,
münden sonder Zweifel, wie bei anderen Strongyliden, direkt nach
Aussen,
Die hier eben erwähnten Drüsenschläucbe werden
Yon B ai Uet als Speicheldrüsen bezeichnet und von einer
ganzen Anzabl verschiedener Strongyliden (auch Oxyu-
ris curvula) abgebildet. Journal des veter. du Midi 1862.
T. Y. p. 58—60.
Ebendas. (p. 49 — 58) publicirt Baillet „etude com-
parat. des caracteres et de l'organisation du Dochmius
trigonoceplialusDuj._, et du ver des vaisseaux et du coeur
cbez le chien.^^
Der Verf. hat die Nematoden aus der Lungenschlagader, der
rechten Vorkammer und Herzkammer des Hundes , welche er bei
einer früheren Gelegenheit (1854) zum Dochmius trigonocephalus Duj.
gerechnet hatte, später viermal in Toulouse wiedergefunden und
sich davon überzeugt, dass sie einer anderen Art angehören. Er
giebt eine vergleichende Beschreibung beider. Der genannte Wurm
unterscheidet sich von demDochm. trigonocephalus Duj. unter anderem
durch die doppelte Grösse sowohl des Männchens wie des Weib-
chens; er hat einen sehr kleinen, kreisförmigen, vollkommen endstän-
digen Mund, einen viel längeren, geschlängelten Darm, dem die Drü-
sen (Speicheldrüsen), die sich beim Dochm. trigonocephalus vorfinden,
fehlen. Beim Männchen hat der Schwanz einen hautartigen zweilappigen
(nicht, wie bei D. trigonocephalus dreilappigen) Flügel, und die beiden
Spiculae sind bedeutend kürzer. Beim Weibchen endigt der Eileiter
ganz dicht vor der Schwanzspitze. Der Verf. hält den Strongylus
trigonocephalus Rud. für verschieden von dem D. trigonocephalus Duj.,
und meint, dass der beschriebene Wurm aus dem Herzen und den Ge-
fässen mit ersterem vielleicht identisch sei, obgleich Rudolph!
denselben nur als im Darme gefunden anführt. Er meint, dass er der
Gattung Strongylus zugerechnet werden muss; aber das Verhalten
der Geschlechtsorgan zeigt Verwandtschaft mit Sclerostoma hypo-
stomum, tetracanthum und dentatum.
Seit den in unserem letzten Jaliresberichte erwähn-
ten Arbeiten von Lcuckart^ Virchow und Zenker,
die uns die Naturgeschichte, so wie die medicinische Be-
deutung der Trichinen kennen gelehrt haben, ist die Auf-
merksamkeit der Aerzte und Laien in immer wachsendem
126 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Grade auf diese merkwürdigen Parasiten hingelenkt. Zahl-
reiche einzelne Erkrankungen und ganze Epidemieen sind
mit Evidenz (wie die Epidemieen von Cprbach, Plauen
und Calbe) oder mit grosser Wahrscheinlichkeit (wie die
seit einiger Zeit fast jährlich wiederkehrende Epidemie
von ^acutem Oedem des Zellgewebes und der Muskeln"
in Magdeburg, vergl. Knoch in der Zeitschrift für wiss.
Zool. Bd. XII. S. 255) auf Trichineninfection zurückge-
führt, und haben mit einem panischen Schrecken eine
Fluth von halb- und ganz populären Schriften und Auf-
sätzen hervorgerufen, die wir hier natürlich nicht einzeln
aufzuführen im Stande sind. Uebrigens ist dabei zur
Genüge festgestelt, dass die Trichinen durch die Proce-
duren, die wir mit dem Schweinenfleische vorzunehmen
pflegen, um es schmackhaft herzurichten, keineswegs in
allen Fällen ertödtet werden. Auf experimentellem Wege
hat man das gleiche Resultat erhalten (L eu ck art, mensch-
liche Parasiten S. 119, Haubner, Küchenmeister und
Leisering in dem Bericht über das Veterinärwesen im
Königr. Sachsen 1862 — 63. S. 118) und auch sonst man-
cherlei Thatsachen festgestellt, die die ungewöhnliche
Lebenszähigkeit der Trichinen ausser Zweifel stellen. Die
letztgenannte Dresdener Commlsslon hat sich gleichzeitig
auch mit dem Studium der Trichinenkrankheit an Inficirten
Schweinen befasst und darüber eine Reihe wichtiger
Beobachtungen veröflPentllcht (a. a. 0. S. 114 ff.).
Die Trichinen sind übrigens nicht die einzigen Mus-
kelwürmer aus der Gruppe der Nematoden. Schon früher
ist durch Bowman der Nachwels geliefert, dass die Mus-
kelfasern des Aales von kleinen Spulwürmern bewohnt
werden. Gleiches erfahren wir jetzt vom Frosch, dessen
Muskelfasern zur Winterzeit durchaus nicht selten einen
kleinen (0,5 — 0,6 Mm. langen) Parasiten beherbergen, der
von Eberth (Zeitschrift für wissensch. Zool. Bd. XII.
S. 530) unter dem Namen ili?/oryc^es (n. gen.) Weismamii
beschrieben wird.
Der cylindrische Körper ist an beiden Enden knopffönnig an-
geschwollen, vorn mit einem stieletförmigen Bohrwerkzeuge, hinten,
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 127
beim Männchen, mit zwei kurzen Spiculae versehen. Die weibliche
Geschlechtsdrüse ist doppelt, die männliche einfach und mit dem
Enddarme verbunden, während die erstere im Anfange des hinteren
Körperviertheils ausmündet. Wie schon aus dieser Beschreibung
hervorgeht, gelangt der Wurm, abweichend von Trichina spiralis,
in den Muskelbündeln seines Trägers zur geschlechtlichen Reife. Man
fmdet auch nicht selten die Eier desselben, die immer einzeln ab-
gesetzt werden und eine ziemlich bedeutende Grösse besitzen. Sie
liegen gleichfalls im Innern der Muskelbündel, zum Theil in solchen,
die von dem Wurme schon wieder verlassen sind. Das Gen. Myo~
ryctes besitzt nämlich — worauf auch schon der Bohrapparat hin-
weist — eine ziemlich freie Beweglichkeit. Es dringt in die Mus-
kelfasern ein und verlässt sie wieder, und zwar auf Wegen, die
sich nicht selten deutlich unter dem Mikroskope verfolgen lassen.
Man sieht im Innern der Muskelfasern gar oftmals die Abdrücke
seines Körpers , bald als Bohrgänge zwischen den Fibrillen, bald
auch als Bohrlöcher im Sarkolemma. Eine vollständige Zerstörung
der Fasern, wie bei Trichina, scheint nirgends stattzufinden, viel-
leicht desshalb nicht, weil der Aufenthalt des Wurmes im Innern
derselben immer nur von kurzer Dauer ist.
Der eigentliche Entdecker dieses interessanten Wurmes ist
übrigens nicht E b e r t h, sondern W e i s m a n n , dessen Beobachtun-
gen aber unveröffentlicht geblieben sind und erst vom Ref. dem Verf.
communicirt wurden. Sie sind ziemlich aphoristisch, stimmen aber
sonst vollkommen mit den Angaben Eberth's überein. Gleich-
zeitig mit Eberth ist derselbe Wurm auch von Kühne in Berlin
beobachtet worden. (Archiv für pathol. Anat. 1862. Bd. 26. S. 222.)
In einem früheren Jahresberichte haben wir der in-
teressanten Entdeckung eines hermaphroditischen Rund-
wnrmes Erwähnung gethan. Diesem einen Falle können
wir jetzt einen zw^eiten hinzufügen. Er betrifft einen
kleinen Wurm mit vier Mundpapillen und aufgeblähetem
Schwanzende, der in Indien in dem Rüssel und dem
Kopfe der gemeinen Hausfliege vorkommt und von Car-
ter, der darüber berichtet (Ann. and Mag. nat. bist. Vol. VII.
p. 29—33. Tab. I. Fig. 1— i), als Füaria Muacae bezeich-
net wird.
Die Geschlechtsorgane sind kurze Schläuche , die unterhalb
des Oesophagus und des vordem Chylusmagens gelegen sind, das
Ovarium vorn, der Testikel dahinter. Die Geschlechtsöffnungen He-
gen in dem kurzen Zwischenräume beider Drüsen ,. so dass das
Ovarium von da nach vorn , der Hoden aber nach hinten verläuft.
128 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Hornige Begattungsorgane fehlen. Auch ausgebildete Eier konnte
Verf. nicht auffinden ; er meint, dass der betreffende Parasit dieselben
erst nach dem üebergange in ein anderes Wohnthier 'ausscheide.
Die Samenkörpercheu sollen in Form und Entwickelung denen von
Ascaris mystax gleichen.
Carter sucht seine Ansicht, dass die Filaria medi-
nensis durch die Sehweissporen in den Körper eindringe,
dadurch wahrscheinlich zu machen, dass er auf die von
ihm beobachtete Lebensgeschichte eines mikroskopischen
E-undwurmes (Filaria C.) hinweist, der durch Oeffnungen,
welche gegen die Schweissporen an Grösse noch zurück-
stehen, in das Innere von Schwämmen (Sphaeria u. s. w.)
einwandere. Auf demselben Wege sollen nach der An-
sicht des Verf.'s auch die amöbenartig beweglichen Sporen
eines Mucor, der in den Knochen und Weichtheilen der
Extremitäten bei den Indiern oftmals zu dem Durchmes-
ser eines halben Zolles heranwächst und dabei die furcht-
barsten Zerstörungen anrichtet, in den Körper gelangen.
Transact. med. and phys. Soc. Bombay 1861, Ann. and
Mag. nat. bist. Yol. IX. p. 443.
Auch Gramberg spricht sich in einem, sonst mehr
medicinisch interessanten Aufsatze über den Guineawurm
(Geneesk. Tijdsch. voor nederl. India 1861. T.IX. p. 632
— 640) entschieden dahin aus, dass dessen Einwanderung
von Aussen geschehe.
Baird beobachtete fünf Exemplare von Filaria
sanguinea in einer Abscesshöhle neben der linken Brust-
flosse von Galaxias scriba, die mit der Leibeshöhle com-
municirte und offenbar den Tod des Fisches zur Folge
gehabt hatte. Proc. zool. Soc. 1861. p. 207. Ann. and Mag.
nat. bist. T. VIII. p. 269.
Derselbe berichtet über einen Fall von Sclerosto-
mum equinum aus dem Hoden des Pferdes, Proceed. zool.
Soc. 1861. p.271, Ann. and Mag. nat. bist. T. VIIL p.502.
Der Wurm, der nur in einfacher Zahl gefunden wurde,
war wahrscheinlicher Weise (wie es für die in den sog.
Wurmaneurismen vorkommenden Exemplare ganz constant
gilt) nur unvollkommen entwickelt.
Der von Lawrence beschriebene Londoner Krank-
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 129
heitsfall, der Rudolplii veranlasste eine eigene Spiro-
ptera hominis aufzustellen, ist nach den Untersuchungen
Schneide r's ein Fall von simulirter Helminthiasis ge-
wesen (Archiv für Anat u. Physiol. 1861. S. 278). Die
Spiropter ahominis muss aus dem Helminthenkataloge ge-
strichen werden, denn die Würmer, die mit diesem Namen
bezeichnet wurden, sind nach Sehn eider, der Gelegen-
heit hatte, die aus der ITud olphi' sehen Sammlung ent-
nommenen Originalexemplare genauer zu untersuchen.
Nichts anderes, als Exemplare der sog. Filaria piscium,
die von der betreffenden Person, einem Frauenzimmer,
offenbar zum Zwecke eines Betrugs, absichtlich in die
Harnblase übertragen waren. Wenn Schneider übri-
gens anglebt, dass diese Würmer zwei Jahre hindurch in
grosser Menge (bis zu 1000 Stück) von der Kranken ent-
leert seien, so beruht das auf einem Irrthume oder viel-
mobr einer Verwechselung mit anderen , ebenfalls von
der betreffenden Person theils mit dem Urine abgegange-
nen, theils mit dem Catheter entfernten (bis 6") langen und
streifenförmigen Gebilden, die vonRudolp hi undBrem-
s e r für lymphatische Gerinnsel erklärt wurden , von
Schneider aber als langgeschnittene Stücke von Där-
men in Anspruch genommen werden. Diese letztern
sind allerdings in Menge von der Simulantin zum Vor-
schein gebracht w^orden, während die Filaria piscium da-
gegen nur ein einziges Mal und nur in geringer Anzahl
aus der Harnblase hervorgeholt wurde. Eine Zeit lang
beobachteten die behandelnden Aerzte auch noch den Ab-
gang zahlreicher eiartiger Gebilde, die die Grösse eines
Nadelknopfes besassen und nach Schnei der's Unter-
suchungen unverkennbare Fischeier sind. Ref. sieht sich
im Stande, die Angaben von Schneider, so weit sie die
beiden letztgenannten Gebilde betreffen, vollkommen zu
bestätigen. Ohne derselben sich zu erinnern, ist er durch
eine genauere Besichtigung der in dem College of sur-
geons in London aufbewahrten Präparate — von der sog.
Spiroptera hominis ist daselbst Nichts mehr vorhanden —
zu ganz derselben Ansicht gekommen, wie er das denn
Archiv f. Naturg. XXIX. Jahr?. 3. Bd. J
130 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
auch alsbald gegen den Director der Sammlung^ seinen
verehrten Freund Mr. Flower, wie gegen Mr. Cob-
bold, den Londoner Helminthologen, ausgesprochen hat.
Er glaubt sich sogar davon überzeugt zu haben, dass
Rud o Ip hi's lymphatische Concremente längsdurchschnit-
tene Fischdärme sind und wird in dieser Auffassung noch
durch die Beschreibung bestärkt, die A. Farre in Dr.
Beale's Archives of Medecine 1»59. Nr. IV. PI. 27 u. 28
von denselben gegeben hat. Farre zweifelt freilich
keinen Augenblick daran, dass er einen wirklichen Ein-
geweidewurm vor sich hat — er schlägt dafür selbst
einen eigenen Genusnamen Diploso7na, D. crenatumj
vor — allein nicht bloss die Form und Abwesenheit einer
jeden thierischen Organisation — Farre selbst sagt in
der Charakteristik des neuen Genus: os, tractus intesti-,
nalis, anus, genitalia nuUa — , sondern auch die an ein-
zelnen Stellen nachgewiesenen quergestreiften Muskel-
fasern und die anhängenden Knorpelstückchen sprechen
doch gar zu laut für eine fremde Abstammung. Wenn
Farre, den wir als einen genauen und zuverlässigen
Beobachter kennen, den Gedanken an einen Betrug nicht
in sich aufkommen lässt, so erklärt sich das zum Theil
wohl dadurch, dass er selbst in früheren Jahren mehrfa-
che Gelegenheit hatte, die fraglichen Objecte aus der Harn-
blase der Kranken zu entfernen und unter dem unmittel-
baren Eindrucke diesei; überraschenden Thatsache eine
unbefangene Würdigung der Verhältnisse unterlassen hat.
Dazu kommt, dass Farre bei der von ihm vorgenomme-
nen Section der Simulantin keinerlei Veränderungen fand,
die ihm die Vermuthung Rudolphi's von der patholo-
gischen Natur der entleerten Gebilde irgendwie plausibel
machten.
Schacht fand an den Wurzeln erkrankter Zucker-
rüben zahllose, wohl zu Anguillula gehörende Nematoden
(Trichinen Verf.), und glaubt sich davon überzeugt zu
haben, dass die Erkrankung von dem Parasitismus der
betreffenden Thiere herrühre. Sie wurden in grosser
Menge namentlich auf denjenigen Feldern angetroffen,
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 131
auf denen man die Rüben in kurzer Zeit mehrfach nach
einander gebauet hatte. Bonplandia. 1862. S. 60 (aus der
Zeitschrift des Vereins für Rübenzuckerindustrie im Zoll-
verein 1861).
Claus vervollständigt seine früheren Angaben über
den Bau der Anguilluliden (vergl. J. B. für 1859. S.126)
durch nachträgliche Veröffentlichung seiner Zeichnungen
und eine kurze Charakteristik der beobachteten Arten. Zeit-
schrift für wissensch. Zool. Bd. XII. S. 354—359. Tab. 34.
Die Arten gehören theils zu dem Gen. Anguillula, theils zu
Diplogaster. Die erstem werden nach der Bildung ihres Hinter-
leibsendes als A. brevispinus und A. oxyuris . die andern als D.
longicauda bezeichnet.
Eberth macht einige vorläufige Mittheilungen über
die Familie der Urolaben, die sich von den gleich ihnen
frei lebenden Anguilluliden vornämlich durch die Anw^e-
senheit einer terminalen Schwanzdrüse von oftmals be-
deutender Grösse und die Abwesenheit eines eigentlichen
Ocsophagealbulbus unterscheiden. (Würzburger naturwis-
sensch. Zeitschrift Bd. III. S.46— 50).
Wir kommen im nächsten J. B. auf die inzwischen ausführlich
publicirten Untersuchungen zurück und erwähnen hier nur soviel,
dass Verf. 6 Genera unter den Urolaben unterscheidet, die sich über
zwei durch Bildung und Bewaffnung des Pharynx verschiedene
Gruppen, Apharyngea und Pharyngea , vertheilen. Zu der ersten
Gruppe gehört Amblyura ohne Augen, Phanoglene mit zwei und
Enchelidium mit einem Auge ; zu der zweiten Oncholaimus, Odon-
tobius und Enoplus, deren charakteristische Merkmale in der ver-
schiedenen Mund- und Pharyngealbewaffnung bestehen.
Grube hesahreibt, Encheliciinn ohtusum n. sp., einen bei Portore
frei im Meere gefundenen SYa"' langen Pundwurm, der bald zwei,
bald auch nur ein einziges grosses vothes Auge besass, in dem mit-
unter ein heller Fleck (wohl Linse und nicht, wie Verf. will, Mark-
knoten) unterschieden wurden. Ausflug nach Triest und dem Quar-
nero S. 107.) Nach neueren Aufschlüssen über die frei lebenden ma-
rinen Nematoden wird es wahrscheinlich, dass hier zwei von einander
verschiedene Arten vorlagen, von denen die eine (mit zwei Augen)
vielleicht der Gattung Enoplus oder Phanoglene, die andere dagegen
wahrscheinlich der Gattung Enchelidium angehört.
Diesing liefert in dem 43. Bande der Wiener Sitzungsber.
S. 270— 282 ».Nachträge zur Revision der Nematoden" (J. B. für 1860.
132 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
S, 253), in denen d'üdekem's Rhabditis acuminata und Rh. ma-
crocephala bei dem Gen. Isakis stehen und C a r t e r's hermaphro-
ditische Filaria Muscae (s. o.) zum Typus eines neuen Gen. H abr o-
n e m a erhoben wird.
Gen. n. Habroneina Dies. Corpus capillare transverse te-
nuissime striatum, extremitate caudali echinata. Caput corpore con-
tinuum. Os terminale, nodulis quattuor cinctum. Androgyna. Aper-
turae genitales duae antrorsum sitae, mascula postposita , organo
infundibuliformi protractili. Muscaruni" endoparasita.
Nach den Beobachtungen Ehrenberg's leben in dem Darm-
kanale von Proteus anguinus zweierlei Nematoden, von denen der
grössere wahrscheinlich mit Ascaris leptocephala Rud. übereinstimmt.
Der zweite hat eine nur mikroskopische Grösse. Da er zugleich mit
Lumbricusüberresten angetroffen wurde, so könnte er möglicher
Weise mit der sog. Anguillula lumbrici zusammenfallen (Ref.), wenn
er nicht, wie Yerf. zu vermuthen scheint, die junge Brut des ersten
darstellt. Berliner Monatber. 1862. S. 584.
Pagenstecher fand in der Leibeshöhle einer weiblichen
Nicothoe zahlreiche Nematodeneier und frisch ausgeschlüpfte Jun-
ge, auch halberwachsene Individuen (von 0,5 Mm.) mit dreilappiger
Mundöffnung und zugespitztem Schwänze von massiger Länge- Er
glaubt , diesen Nematoden zu den Strongyliden ziehen und als
Leptodera nicothoae bezeichnen zu dürfen. Archiv für Naturgesch.
1861. Bd. 1. S. 118.
Unter den von Wedl in Aegypten beobachteten Nematoden
(Sitzungsber. u. s. w. Bd. 44. S. 464 — 473) sind mehrere Arten, die
dem Verf. als Typen neuer Genera gedient haben. Besonders in-
teressant darunter ist das — vielleicht den Cheiracanthiden zunächst
stehende — Gen. Pterygodermatites, dessen Repräsentant {Pt.
plcfgiosioma) den Dünndarm von Erinaceus auritus bewohnt und durch
zwei Reihen eigenthümlicher Hautanhänge ausgezeichnet ist, die an
den Seitenrändern der Bauchfläche stehen und von einer Anzahl
strahlenartiger Chitinstäbe gestützt werden. Bei den Männchen
haben diese Anhänge in ganzer Körperlänge eine blattartige Bil-
dung, während sie bei dem drei Mal grösseren (15 — 20 Mm. langen)
Weibchen hinter der Geschlechtsöffnung, in den drei letzten Vierteln
des Körpers, eine mehr stachelförmige Bildung^ besitzen. Die
quere Mundöffnung ist subterminal und mit Lippen versehen, hinter
denen oben zwei seitlich gerückte Zahnreihen hervorragen. An
der Unterlippe sitzt eine stumpfe Papille mit einem gekrümmten
Stachel. Das Männchen hat an der eingerollten Schwanzspitze zwei
kurze Spiculae von ungleicher Grösse. Das neue Gen. Thelandr os
{Th. alulus aus dem Pylorialtheile des Magens von Uromastix spini-
pes) cbarakterisirt sich vornämlich durch die Bildung der männli-
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 133
chen Copulationsorgane , welche aus sechs verschieden grossen
Zapfen bestehen, die kranzförmig das abgestumpfte Hinterleibsende
umgeben und eine einfache pfrietnenförmige Spicula zwischen sich
nehmen. Im Umkreise der Mundöffnung sechs winzige Papillen.
Tachij g onelria (n. gen.) vivipava, die mit Thelandros alatus die-
selbe Localität bewohnt, ist ein kleines, nur 2 Mm. langes Würm-
chen, dessen Embryonen im Mutterleibe zu grossen, sonderbar ge-
stalteten (breiten und flachen) Körpern heranwachsen.
Weiter beschreibt unser Verf. als neu: Cucullanus laevicon-
chus aus dem Magen von Synodontis schal, Ascaris agilis aus dem
Magen von Crocodilus vulgaris, A. quadricornis aus dem Magen und
dem zunächst liegenden Darmstücke von üraeus haje, Filaria (?) haje,
die letztere eine 20 — 25 lange, geschlechtlich unentwickelte Nema-
todenform, die eingekapselt in der Leibeshöhle von üraeus haje ge-
funden wird.
Strongylus acuticaudatus n. sp. aus Bernicla poliocephala und
Str. spiculalus n. sp. aus Tinamus sp. , Cobbold Proceed, zool.
Soc. 1861. p. 117.
ScleroslojHum mucronalum n. sp. aus Phrymaturus palluma,
Baird Ibid. 1862, Ann. nat. bist. Vol. X. p. 314.
Ascaris noduloso-striata n. sp. aus Sarcorhamphus papa, d e r-
selbe ibid.
Molin's Abhandlung über die akrophallen Nematoden (Mem.
Instit. Veneto di scienze T. IX) ist Ref. noch nicht zu Gesicht ge-
kommen.
Gordiacei. Den Beobachtungen Liibbock's verdan-
ken wir interessante Angaben über den Bau der (bisher
bekanntlich nur von Leon Dufour und v. Siebold un-
tersuchten) Sphaerularia bombi, die unsere Kenntnisse über
diesen merkwürdigen Schmarotzer ihrem Abschlüsse nahe
bringen (Nat. bist. rev. 1861. p.44— 57. PL I}. Lubbock
fand diesen Schmarotzer nicht eben selten, bei der grosse-
sten Hälfte der von ihm im Monat Mai und Juni unter-
suchten Hummeln (sp. div.)^ aber immer nur in Weibchen.
Allerdings vermuthet Verf., dass er gelegentlich auch in
den Arbeitern vorkomme , da man dem Wurme doch
kaum die Fähigkeit zuschreiben könne, die Königinnen
von den Arbeitern zu unterscheiden, allein Kef. möchte
hier mit Rücksicht auf das Ueberwintern der Königinnen,
das möglicher Weise die Gelegenheit zur Einwanderung
abgiebt, eher der entgegengesetzten Meinung sein. (Ob-
134 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
wohl Ref. viele hundert Hummeln, unter denen die Mehr-
zahl Arbeiter, anatomisch untersucht hat, ist er doch nur
ein einziges Mal, und zwar gleichfalls hei einer Königin,
auf eine Sphaerularia gestossen. Aber auch bei den letz-
tern scheint dieser Parasit hier zu Lande ungleich seltner
zu sein, als in England.) Den Beschreibungen der frü-
heren Autoren hat unser Verf., so weit sie den äusseren
Bau betreffen, kaum etwas von Bedeutung hinzuzufügen.
Der innere Bau dagegen erscheint nach Verf.'s Angaben
noch einfacher, als man früher annahm. Unsere Sphae-
rularia besitzt weder Muskeln, noch Nerven, noch auch
Verdauungs- und Circulationsorgane. Sie ist ein bewe-
gungsloser häutiger Sack, dessen innere Höhle zweierlei
Organe einschliesst , einen Zellenkörper, der die ganze
Längenachse durchsetzt und nur an den Enden befestigt
ist, und eine einfache Geschlechtsröhre, die in dem einen
Ende beginnt und nach vielfachen Schlängelungen an
dem anderen Ende ausmündet. Der Zellenkörper besteht
wie bei Mermis albicans aus zwei Reihen grosser Blasen,
je mit 7 — 8 Kernen von massiger Grösse und darf wohl
als Analogon eines Darmes betrachtet werden, obwohl
weder Mund noch After, noch auch im Innern ein Lumen
vorhanden ist. Die Genitalröhre ist an ihrem blinden
Ende dünn, erweitert sich aber allmählich und bildet
schliesslich einen förmlichen Uterus, in dem die Eier ihre
Dotterfurchung bestehen. Die Entwickelung der Eier hat
keine Aehnlichkeit mit den von Meisner bei Mermis be-
schriebenen Vorgänge. Anfangs kleine helle Zellen, füllen
sich dieselben allmählich unter beständiger Grössenzu-
nahme mit einem körnigen Dotter und zwar zuerst an
dem der Achse des Ovariums zugekehrten Segmente, so
dass dadurch auch hier der Anschein einer Rhachis ent-
steht. Nach Beendigung der Klüftung werden die Eier in
die Leibeshöhle desWirthes abgelegt, und hier entwickeln
sie sich sehr bald zu kleinen (etwa ^ Zoll langen), sehr
beweglichen Würmchen , die zu vielen Tausenden —
Verf. schätzt deren Menge auf 50 — 100,000 — in der
Blutflüssigkeit umherschwimmen. Die Schicksale dieser
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 135
Embryonen betreffend, spricht Verf. die Ycrmiithung aus,
dass sie nach dem Tode des Wirthes durch die Leibeswand
nach Aussen hindurchbrächen und einen neuen Wirth
aufsuchten. Im Wasser Iressen sich dieselben 10 Wochen
lang lebendig erhalten. (Nach Art anderer Nematoden-
embryonen werden sie bestimmt auch das Austrocknen
ungefährdet überstehen können Ref.) Ausser den bisher
bekannten weiblichen Sphaerularien glaubt Verf. auch die
Männchen derselben aufgefunden zu haben. In der Nähe
des Vorderen Körperendes, in dem die Geschlechtsdrüse
ihren Ursprung nimmt, sah Verf. nämlich an den weib-
lichen Thieren einen sehr, kleinen zweiten Wurm anhän-
gen, der sich durch Zuspitzung seines Sch\Vanzende3
leicht von den freien Embryonen unterschied, obwohl
sich im Innern desselben eben so wenig bestimmte Organe,
und auch namentlich keine Samenkörperchen, entdecken
Hessen. Die Befestigung geschah durch ein kleines Zäpf-
chen, das in der Nähe des Schwanzendes von der Kör-
peroberfläche abging und in eine Grube des weiblichen
Körpers eingesenkt war.
Die nächsten Verwandten unserer Sphaerularia sucht
Verf., und gewiss mit Recht, in den Gordlaceen, unter
denen sie aber eine ebenso grosse Selbstständigkeit bean-
sprucht, wie Gordius und Mermis. Die Diagnose des Gen.
würde jetzt folgendermassen zu fassen sein;
Sp hae r u l ar ia. Haut warzig. Ohne Oesophagus, Darm und
After. Im Innern ein Zellenkörper mit grossen Bläschen in zwei
Reihen. Ein einziges Ovarium. Vulva an einem Körperende. Die
Jungen besitzen einen fadenförmigen Körper und unterliegen einer
rückschreitenden Metamorphose. Die Männchen sind äusserst klein
und dem Weibchen angeheftet. Spiculae fehlen.
Bei späteren Untersuchungen gelang es dem Verf.
(Rep. br. Assoc. Cambridge 1§62. p. 110), die Weibchen
auf einem früheren Entwickelungsstadium zu beobachten,
in dem sie nicht grösser waren, als die Männchen oder
selbst dahinter an Grösse zurückstanden. Trotzdem aber
wurden alle diese Weibchen bereits in Copulation mit
einem Männchen angetroffen. Sie enthielten eine körnige
Substanz, die während der Entwickelung des Hinterleibes
136 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
nur geringe Veränderungen erleidet und bei den ausge-
wachsenen Thieren im unteren Ende des Uterus, nahe der
Scheide, angetroffen wird. Verf. vermuthet, dass dieselbe
Sperma sei.
Die von Cl aparede in der Leibeshöhle von En-
chytraeus nicht selten aufgefundenen eingekapselten Wür-
mer, die ihrer Bewaffnung wegen für Scolexformen ge-
halten wurden, sind offenbar nichts Anderes als junge
Gordiaceen. Auch andere Jugendformen von Nematoden
kommen häufig bei den genannten Würmern vor. Rech,
anat. Oligochetes p. 59.
Stein beobachtete zwei Exemplare von Mermis al-
bicans, die ihren Träger (Dytiscus marginalis) durch ihre
Auswanderung tödteten. Sitzungsber. der K. Böhmischen
Gesellsch. der Wissensch. zu Prag 1861. Juni.
Auch Laboulbene berichtet über den Parasitismus
von Mermis in der Leibeshöhle des Dytiscus marginalis,
Cpt. rend. Soc. biol. 1861. p. 255.
Ebenso über das Vorkommen einer Gordiacee (die
nach der Spaltung des Hinterleibsendes unstreitig zu Gor-
dius und nicht, wie Verf. meint, zur Mermis gehört) in
Gryllus domesticus. Ibid. p. 254.
Acanthocephali.
Durch die von Referenten mit den Eiern von Echi-
norhynchus proteus angestellten Fütterungsversuche haben
wir eine ziemlich vollständige Kenntniss von der Entwicke-
lungsgeschichte der Kratzer gewonnen, die sich den hel-
minthologischen Forschungen bis dahin bekanntlich so gut,
wie vollständig entzogen hatte. Wie bei den meisten
übrigen Eingeweidewürmern geht die Entwickelung auch
hier in einem Zwischenwirthe vor sich, und zwar in
Gammarus pulex, der die Eier des genannten Thieres
mit grosser Begierde verzehrt und die eingeschlossenen
Embryonen binnen sechs Wochen in der Leibeshöhle zu
einem fast völlig ausgebildeten Echinorhynchus werden lässt.
Die erstta Veränderungen dieser Embryonen bcötchen
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 137
darin, dass sie nach dem Ausschlüpfen aus den Eischalen
und der Einwanderung in die Leibeshöhle beträchtlich
■wachsen. Die äussere Körperform bleibt auch später noch
eine längere Zeit unverändert, auch dann noch, wenn die
Entwickelung des jungen Echinorhynchus bereits grosse
Fortschritte gemacht hat. Die letztere knüpft nämlich
sonderbarer Weise nicht an das eigentliche Parenchym
des Embryo an, sondern an einen nucleusartigen Körper
von anscheinend körniger Beschaffenheit, welcher schon
im Ei sichtbar ist, Anfangs aber einen nur unbedeutenden
Umfang hat. Später wird dieser Körper immer grösser.
Er" nimmt dabei allmählich eine deutlich zellige Structur
an und zerfällt unter fortwährender Grössenzunahme in
ein ziemlich complicirtes Agglomerat von Massentheilen,
das sich schon zu einer Zeit, in der es kaum die Hälfte
des Embryonalkörpers durchwachsen hat, ganz deutlich
auf den Typus eines Echinorhynchus zurückführen lässt.
Männliche und weibliche Thiere lassen sich schon frühe
von einander unterscheiden. Der Rüssel ist Anfangs ge-
streckt und mit einem grossen Ganglion versehen, aber
ohne Haken. Die Bildung der letztern beginnt erst ge-
gen Ende der Entwickelung, nachdem der Embryo seine
primitive Cuticula (mit Embryonalhaken) längst abgelegt
hat. Mit dem Abstreifen dieser Haut verliert der Embryo
seine frühere selbstständige Gestaltung. Zu einem blos-
sen Ueberzuge über den inzwischen beträchtlich gewach-
senen Echinorhynchus reducirt, nimmt er allmählich die
Formen des letzteren an. Er wird zu der körnigen Um-
hüllungsschicht des Echinorhynchuskörpers, die wir der
Muskelkaut aufliegen sehen und schon seit lange als den
Sitz eines besondern Gefässapparates kennen. Mit der
Ausbildung des Hakenapparates beginnt auch zugleich
die Einstülpung des Rüssels und die Entwickelung der
bis dahin fehlenden Lemnisken. (Nachrichten von der Georg-
Augusts-Universität und der K. Gesellsch. der Wiss. zu
Göttingen 1862. Nr. 22. S. 433— 447.) Ref. kann nach
neueren Erfahrungen hinzufügen, dass die Entwickelung
der Geschlechtsorgane schon wenige Tage nach der Üc-
138 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgescliiclite
bertragung in den Darm der Fische zum Abschlüsse
kommt, wie er früher schon vermuthet hatte.
Wcdl's Beobachtungen über ägyptische Echinorhyn-
chen betreffen eine Anzahl jugendlicher Formen, die ein-
gekapselt in der Bauchhöhle von Vipera cerastes, Uraeus
haje, Erinaceus auritus und Mustela vulgaris aufgefunden
wurden. Form, Grösse und Zahl der Haken zeigten bei
den einzelnen Arten auffallende Unterschiede, die für die
systematische Bestimmung von grossem Werthe sind, für
sich allein aber um so weniger ausreichen, als Form und
Grösse derselben je nach der Stellung und dem Alter
mancherlei Unterschiede darbieten. Der Rüssel wurde
stets im eingezogenen Zustande beobachtet. Die Ent-
wickelung seines Muskelapparats steht überall in geradem
Verhältnisse zum Umfange der Haken. Die Lemnisken
beschreibt Verf.- als Secretionsorgane, die dem Ende der
Rüsselscheide anhängen und mit dem Lumen desselben einen
direkten Zusammenhang haben. Das in der Tiefe der
Rüsselscheide gelegene Ganglion hat Verf. übersehen,
dagegen aber beschreibt er im Leibe unserer Thiere zw^ei
vordere und zwei hintere Knötchen — die letztern neben
der Penisglocke eines männlichen Exemplars — , die er
dem Nervensysteme zurechnen möchte. Sitzungsber. deij
Wien. Acad. a. a. O. S. 232-239.
Echinorhynchvs inflexus n. sp. aus der Seescbildkröte, Cob-
bold Proceed. zool. soc. 1861. p. 117,
2. P 1 a t 0 d e s.
Lawson handelt über die Verwandtschaft der Tre-
matoden, Planarien und Hirudineen, und begründet damit
den Vorschlag, für diese Thiere — wie das Ref., aller-
dings noch mit Einschluss der Cestoden, schon vor vielen
Jahren gethan hat — eine eigene Klasse aufzustellen. Roy.
Dubl. Soc. Journ. 1861. Juli.
Uirudinei.
Ref. erwähnt hier noch nachträglich Ebrar d, nouv.
monogr. des Sangsues medicin. Paris 1857 (mit Abbild.)
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 139
mit dem Bemerken, dass das betreffende Werk über die
Lebensgeschichte, die medicinische Verwendung und die
Racen des Blutegels ein ungemein reiches Material enthält.
Für das Nervensystem der Blutegel yerwcisen wir
auf die schon oben ( S. 81 ) angezogene Abhandlung
Ley dig's.
Derselbe Forscher unterwirft auch die Augen der
Blutegel einer näheren Untersuchung und erkennt in dem
sog. Glaskörper derselben eine Anhäufung grosser heller
Zellen mit dicker Wand und starkem Brechungsvermögen,
die von dem Unterhautzellgewebe und den zugehörigen
Pigmentzellen scheidenartig umhüllt wird. Bei Piscicola
liegen diese hellen Zellen mehr isolirt, halbmondförmig
neben einander, und zwar ebensowohl in den Augen des
Kopfschirmes, wie auch in den Pigmentflecken des Bauch-
saugnapfes, die also gleichfalls für Gesichts Werkzeuge zu
halten sind. Bei Hirudo und anderen Arten mit stärker
entwickeltem Glaskörper erkennt man in der Achse des-
selben einen fibrillären Strang, den Le yd ig als die Fort-
setzung des Nerv, opticus erkannt haben will. Derselbe
soll ohne direkten Zusammenhang mit den Zellen des
Glaskörpers bis an dessen vordere pigmentlose Fläche
hinlaufen und hier nach Durchbohrung der Subcuticular-
zellen frei endigen. Die Augen sind übrigens nicht die
einzigen Sinnesorgane der Egel. Ausser ihnen findet man
am Kopfe, besonders dem Vorderrande der Oberlippe,
bei einzelnen Arten auch an der Unterlippe, eine be-
trächtliche Anzahl kleiner becherförmiger Organe , die
von einer Fortsetzung der äusseren Bedeckungen ausge-
kleidet und je von einem aus 2 — ^3 Fasern bestehenden
Nervenstämmchen versorgt werden. Vor ihrer Verbin-
dung mit dem Becherchen verschmelzen diese Fasern zu
einem gemeinschaftlichen Cylinder, der nicht bloss die
Wand des Bechers, sondern auch ein im Grunde desselben
gelegenes Häufchen glasheller Zellen, die in auffallender
Weise an die Elemente des Glaskörpers erinnern, durch-
bohrt und schliesslich an ein kleines Büschel zarter Här-
chen tritt, die dem Zellenhaufen aufsitzen. Der Verf.
140 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
lässt es zweifelhaft, ob diese Gebilde als Tastwerkzeuge
oder als Geruchsorgane betrachtet werden müssten, neigt
sich aber mehr zu der erstem Annahme. Archiv für Anat.
u. Physiol. 1861. S. 588-605.
Ueber den histologischen Bau und die anatomische
Anordnung der Muskulatur bei den Hirudineen, besonders
Hirudo und Branchiobdella , handelt Weismann^ Zeit-
schrift für rat. Med. Bd. XV. S. 86 &.
Die frühere Unsicherheit unserer Ansichten über den
Kreislauf der Hirudineen scheint allmählich einer richti-
gem Erkenntniss Platz zu machen. Es ist das vorzugs-
weise das Verdienst von P. Gratiolet, dem es gelang,
das Gefässsystem unserer Thiere (an Exemplaren, die nach
der Tödtung einige Tage lang in Wasser macerirt wur-
den) vollständiger, als es bisher möglich war, zu injici-
ren und durch Darstellung der ungewöhnlich reichen
Capillarnetze (besonders der Haut, der Schleifenkanäle
und der Darmwand) eine Einsicht in den Zusammenhang
der verschiedenen Gefässgebiete zu gewinnen. (Rech,
sur 1' Organisation du Systeme vasculaire dans la Sangsue
medicinale et l'Aulacostome vorace , Ann. des sc. natur.
T. XVII. p. 174—225. PI. VII.)
Ohne der Einzelheiten aus der Anatomie der genannten Hiru-
dineen — die ausser dem Gefässsysteme auch die übrigen Einge-
weide , besonders die Schleifenkanäle und den Darmkanal, so wie
die äussere Form betreffen — zu gedenken, wollen wir uns hier
damit begnügen, die Hauptresultate der vorliegenden Untersuchun-
gen durch eine Darstellung der Kreislaufsverhältnisse zu recapituliren.
Die beiden Seitengefässe, deren alternirende Contractionen zur Ge-
nüge bekannt sind, betrachtet Verf. als die Motoren des Kreislaufs,
gewissermassen also als Herzen. Das Blut strömt bei der Zusam-
menziehung derselben durch die Queranastomosen aus der einen Kör-
perhälfte in die andere. Aus den Queranastomosen wird ein grosser
Theil dieses Blutes in die Schleifenkanäle und die Geschlechtsorgane
gebracht, von wo er sodann in die mächtig entwickelten Hautkapilla-
ren, so wie vorzugsweise in das Bauchgefäss übertritt. Das letztere
sammelt das Blut und lässt es theils gleichfalls in die Haut, theils aber
auch an die Darmwand gelangen, von wo es dann dem obern Rücken-
gefässe zuströmt. Dieses Rückengefäss lässt sich in gleicherweise,
wie das Bauchgefäss, als eine Vene, wenn man will, als eine Hohl-
vene betrachten. Die Hautkapillaren bilden drei über einander
der niederen Thiere wälirend der Jahre 1861 — 1862. 141
-liegende Systeme, von denen das oberste, das offenbar der Respira-
tion dient, besonders reich ist. Das tiefste System, das den sog.
Fettkörper (Leber Brafidt) versorgt, scheint Verf. nicht in seiner
vollen Ausbildung, die erst zur Zeit der Legereife eintritt (wo man
den „Fettkörper-' als einen mächtig entwickelten Apparat einzelliger
Hautdrüsen erkennt), beobachtet zu haben. Er ist der Meinung,
dass dieses System eine Art Reservoir darstelle , in dem sich das
Blut nach der Athmung bis zum Uebertritte in die Seitengefässe
aufstaue.
Robin glaubt sich durcb seine Untersncliimgen da-
von überzeugt zu haben, dass die Spermatophoren ge-
wisser Hirudineen (Nephelis) nach der Ueb ertragung in
das Innere des sackförmigen Ovariums die Bildungsstätte
der Eier abgeben und schlägt für sie desshalb denn auch
die Bezeichnung Ovo - Spermatophoren vor. (Annal. des
sc. nat. 1861. T. XVI. p. 1— 20. PI. I, im Auszuge Compt.
rend. T. 53. p. 281, Compt. rend. Soc. biol. 1861. p. 82,
Ann. nat. bist. Vol. VIII. p. 431.) Trotz der Bestimmt-
heit und Sicherheit^ mit der Verf. seine Beobachtungen
darstellt, hat Ref. nicht den geringsten Zweifel, dass Verf.
hier zweierlei verschiedene Bildungen zusammengeworfen
hat. Wahr ist es — und in Deutschland längst bekannt
— , dass die Eier der Hirudineen sich an besondern soli-
den Strängen bilden, die im Innern des Eierstocksackes
liegen, aber diese Gebilde sind schon lange vor der Be-
fruchtung nachweisbar und von den Spermatophoren, die
nur in die Scheide der Blutegel gelangen, um dann ihren
Inhalt in die Ovarien überzutreiben, durchaus verschie-
den. Uebrigens enthält die Arbeit mancherlei interessante
Beiträge zur Kenntniss der Spermatophoren bei den Hi-
fudineen.
Unter dem Titel: „Beiträge zur Entwickelungsge-
schichte der Hirudineen" veröffentlichte Referent aus
dem Nachlasse des unvergesslichen Rathke (Leipzig
1862. 116 S. in Quart mit 7 Kupfertafeln) zwei Mono-
graphieen über die Entwicklung von Nephelis (S. 1 — 69)
und von Clepsine (S. 71 — 110). Die erstere war bei dem
Tode des Verf.'s so gut wie druckfertig, während die
andere von dem Herausgeber nach Rathke'schcn Notizen
142 Leuckart: Bericlit üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
und eigenen Beobachtungen (mit Ausschluss der ersten
Paragraphen) bearbeitet wurden. Die Thiere^ die bei
den Untersuchungen zu Grunde gelegt wurden, gehören
bekanntlich in zwei von einander verschiedene Gruppen
der Hirudineen und zeigen auch in ihrer Entwickelung
auffallende Verschiedenheiten. Nicht bloss in Bezug auf
die Furchungsvorgänge des Dotters, auch nicht bloss durch
die Unterschiede der Körperentwickelung zur Zeit des
Ausschlüpf ens aus dem Cocon, sondern namentlich inso-
fern, als der Primitivstreif, der beide Male in Form zv/eier
getrennt neben einander herablaufender Längswülste an-
gelegt wird, die erst später zusammenwachsen und erst
dann sich gliedern, bei Clepsine ganz in gewöhnlicher
Weise während des Eilebens, am Dotter, sich bildet, wäh-
rend er bei Nephelis erst dann zur Entwickelung kommt,
nachdem der Dotter in einen förmlichen Embryo, der
seine Eihülle bereits verlassen hat und schon Nahrung
zu sich nimmt, verwandelt ist.
Die Einzelnheiten der Entwickelung- zeigen mancherlei auffal-
lende Verhältnisse, für die wir auf das. Original verweisen müssen.
Schon die Furchung ist beide Male sehr ungewöhnlich. So blei-
ben bei Clepsine nach der Viertheilung drei Furchungskugeln eine
lange Zeit hindurch ganz unverändert, während die vierte sich in
einen Haufen kleiner Zellen auflöst, der nach hinten allmählich za-
pfenförmig auswächst und durch Schichtung in die embryonale Lei-
beswand und den mit Fettschollen erfüllten Magensack sich umbildet
Die beiden seitlichen Furchungskugeln liefern das Material für die
vordem Seitenwände des Rumpfes. Die vordere verwandelt sich mit
den daraus hervorgehenden Zellen in den Kopfzapfen, der sich ziem-
lich bald mit Flimmerhaaren bedeckt und den inzwischen frei ge-
wordenen Embryo langsam in der Eiweissmasse des Cocons um-
herbewegt. Sobald der Embryo seine Eihaut abgestreift hat , be-
ginnt er dieses Eiweiss zu schlucken. Er wächst und entwickelt
dann die schon oben erwähnten zwei Längswülste (Bauchplatten).
Bei Clepsine muss man von Anfang an einen Nahrungs- und Bil-
dungs-Dotter unterscheiden, deren Furchung bis zu einem gewissen
Grade unabhängig vor sich geht. Der erstere zerfällt durch mehr-
fach wiederholte Längsspaltung in einen aus acht peripherischen
Segmenten zusammengesetzten pomeranzenartigen Körper, während
der Bildungsdotter sich allmählich in eine Zellenscheibe verwandelt,
die diesen Körper von dem oberen Pole aus immer weiter umwächst
der niederen Thiere während der Jahre 1861-- 1862. 143
und schliesslich völlig in sich einschliesst. Noch bevor das aber
geschehen ist, entstehen hier gleichfalls die zwei Bauchplatten, die
Anfangs stark divergiren, trotzdem aber allmählich von vorne
nach hinten immer mehr zusammenrücken. Die Theilstücke der
Bauchstreifen, die in derselben Eichtung, eines nach dem anderen
sich hervorbilden, entsprechen natürlich den späteren Segmenten.
Sie liefern ausser dem Ganglion je noch ein Stück der späteren
Muskulatur und der definitiven Körperbedeckungen. Die vorde-
ren drei Segmente kommen übrigens niemals zu voller Selbststän-
digkeit , wesshalb denn auch die vorderen Ganglien beständig zu
einer gemeinschaftlichen Masse zusammenschmelzen. Ein Gleiches
gilt von den hintern 7 Segmenten , die zu dem Saugnapfe sich ent-
wickeln. So wenigstens bei Clepsine' und wahrscheinlich auch bei
Nephelis, obgleich Verf. hier den Saugnapf auf die Metamorphose
dreier collosaler Zellen zurückzuführen sucht, die dem hinteren Ende
des Primitivstreifens anhängen. Bei Clepsine kann man sich deut-
lich überzeugen, dass diese Zellen, die hier übrigens in sechsfacher
Anzahl vorkommen, während der Ausbildung des Saugnapfes all-
mählich zu Grunde gehen. Ref. möchte diese Zellen jetzt als Em-
bryonaldrüsen (ürnieren) betrachten, seitdem er sich davon überzeugt
hat, dass der Embryo von Hirudo medicinalis an derselben Stelle
drei Paar schleifenförmiger Kanäle trägt, die nach der Entwicke-
lung der Segmentalorgane, die hier sehr frühe angelegt werden,
verkümmern. Bei Clepsine fällt die Metamorphose der Bauch-
platten übrigens zum grössten Theile in die Zeit des freien Le-
bens, da die Embryonen hier bekanntlich sehr frühe ihren Cocon
verlassen. Freilich bleiben dieselben dafür noch lange Zeit unter
dem Schutze des mütterlichen Körpers, bis sie ihre volle Ausbildung
erreicht haben.
Auch Robin hat die Entwickeliing von Nephelis
und Clepsine vielfach zum Gegenstande seiner Untersu-
chungen gemacht^ freilich weniger die späteren Stadien,
die den Aufbau des Embryo betreifen, als vielmehr die
ersten Zustände und die Veränderungen des Dotters nach
der Befruchtung. Seine Untersuchungen darüber sind
mit ähnlichen Beobachtungen an anderen Thieren zu einer
Reihe von Aufsätzen verarbeitet, die dem Journ. de la
physiol. T. V. (p. 67, 149, 309) einverleibt wurden, ausser-
dem aber auch schon früher im Auszuge in den Compt.
rend. T. 54. p. 150) Aufnahme gefunden hatten. Verf.
behandelt darin u. a. ausser der Frage nach der Bildung
des Cocons (p. 87) und der Entwickelungsgeschichte der
144 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Eier (p. 69) , die Vorgänge der Befruchtung (p. 84) und
deren nächste Folgen^ die Verdichtung der Dottersub-
stanz (p.<Sl), die Bildung und Veränderung der sog. Pol-
zellen oder Richtungsbläschen, die auf eine Knospung zu-
rückgeführt werden (p. 149 ff.) und das Auftreten de3 ersten
Furchungskugelkernes (p. 311), den Verf. ebenso wenig
wie Rathke als das persistirende Keimbläschen gel-
ten lässt.
In Betreff der Dotterklüftung vonNephelis und Clep-
sine haben wir einer anderen vorläufigen Mittheilung
desselben Forschers (rinstit. 1861. Nro. 1443) zu geden-
ken, nach der die vier kleinen Zellen des achtgetheilten
Dotters nicht, wie Rathke für Nephelis beschrieben hat,
durch fortgesetzte Klüftung des einen Quadranten, son-
dern durch Knospung an dem oberen Pole der ersten
vier Furchungskugeln entständen. Eine dieser Furchungs-
kugeln soll freilich dabei unthätig bleiben, eine andere
dagegen zwei kleine Zellen produciren. Nach der Bildung
vermehren sich die kleinen Zellen durch Theilung, um
sich schliesslich in die Bauchwand des Embryo umzuwan-
deln. Die Rückenwand soll aus dem früheren unthätigen
grossen Dottcrballen hervorgehen. Die drei anderen Bal-
len liefern bei Clepsine die Leberzellen (Nahrungsdotter
Rathke), während sie beiNephelis der Resorption anheim-
fallen, nachdem die Leber hier auf Kosten eines beson-
dern sog. Fettkörpers entstanden ist.
Houghton's Beobachtungen über den Bau und die
Lebensgeschichte der Glossiphonien (Journ. micr. sc. 1861.
p. 33 — 40. Tab. V) dürften für uns Deutsche kaum etwas
Neues enthalten. (Die Arbeiten von Budge und Ley-
dig sind dem Verf. unbekannt geblieben.)
Schmarda beschreibt eine Anzahl neuer Hirudineen
und macht dabei manche interessante Bemerkungen über
Bau (z. B. der Kiefer bei den verschiedenen Arten von
Hirudo, der Geschlechtswerkzeuge bei Pontobdella) und
Lebensweise (besonders des Ceylonschen Landblutegels).
A. a. O. 8. 2—7, mit Abbild.
Die neu beschriebenen Arten sind : Hirudo quinquestriata, die
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 145
trotz der starken Kieferbewaffnung in Sidney und anderen Orten
in Neu - Südwales zu therapeutischen Zwecken verwendet wird, //.
trislriala von Bathurst in Australien , //. muUisiriata aus Ceylon,
//. Hava ebendah., H. (Haemopis ?) ceylanica mit mehreren Varietä-
ten, PontobdeUa oligoiliela aus dem Adriatischen Meere (von Scorpaena
scropha), P. macrothela aus dem Hafen von Kingston in Jamaika,
¥. levcüthela aus Port Jackson in Neu-Südwales, P. prionodiscus aus
dem Antillenmeere.
In den warmen Quellen Ungarns leben ein Paar bisjetzt noch
nicht beschriebene Arten des Gen. Aulastomum: A. Sckmidiii und
A. Wedli, die von Die sing charakterisirt und beschrieben werden.
Sitzungsber. der kais. Akad. zu Wien. Bd. 45. S. 481.
Polonio liefert in den Atti della Soc. Ital. di sc. natur. in
Milano 1861. T. III eine kurze Monographie des Gen. Aulastomum,
in der die Var. ornata des A. gulo M. Tand, (die de Filippi irrig
als eine Haemopisart in Anspruch genommen hat) als A. italicum
n. sp. beschrieben wird. Dieselbe unterscheidet sich vornämlich
durch die Lage der Augen, die auf den 1., 2. und 5. Kopfring vertheilt
sind, und durch ungleich stumpfere Zähnchen. Nach der Farbe
werden vier Varietäten unterschieden : Var. lineata, viridescens, or-
natissima und picta. Lotos 1861. S. 216.
Trachelobdel'a semiovalis n. sp. aus der Kiemenhöhle von
Dajaus monticola (Mexico) D ie s in g, Sitzungsber. der Wiener Akad.
der Wissensch. Bd. 43. S. 269.
Clepsine maculosa n. sp. Rathke, a. a. 0. S. 75.
Trematodes.
Paulson macht Bemerkungen ,,zur Anatomie von
Diplozoon paradoxum'^ (Mem.Acad. imp. Petersburg T. lY.
Nr. 5. 16 S. mit einer Tafel).
Die zwei vorderen Saugnäpfe münden nicht, wie man bisher
annahm, frei nach Aussen, sondern in die Mundhöhle, deren Lippen
beim Fressen kragenartig nach hinten über den rüsselförmigen
Pharynx zurückgezogen werden. Eine Quercommissur zwischen den
Därmen der beiden Thierkörper fehlt, dagegen aber sollen die hin-
teren Enden der Darmschenkel je durch eine Schlinge in Verbindung
stehen und einen blasenartigen Anhang tragen. Es ist dies dasselbe
Gebilde, welches van Beneden als Endstück des Excretionsappa-
rates beschrieben hat. Auch Verf. ist geneigt, dieses Organ in einen
Zusammenhang mit denExcretionsgefässen zu bringen, deren eigent-
liche Ausmündung aber in der Mundhöhle vermuthet wird. Das
centrale Nervensystem wird durch zwei Ganglien gebildet, die hinter
Arch. für I^aturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. J^
146 Leuckart; Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
dem Rüssel durch ein doppeltes Querband verbunden sind und eine
Anzahl von Nervenstämmen ausstrahlen lassen. Geschlechtsöffnun-
gen wurden nicht aufgefunden. Verf. meint, dass die reifen Eier
durch die Körperwände nach Aussen hindurchgedrängt würden.
Ein Penis fehlt. Das von van Beneden beschriebene Vas defe-
rens hält Verf. für eine Samenblase, da es sich in den Eiergang
öffnet. In denselben Eiergang mündet auch der blasig erweiterte
Dottergang. Interessant ist die Beobachtung eines jungen, annoch
geschlechtslosen Diplozoon, dessen vorderste Klammerorgane erst
unvollständig gebildet waren. Sie bestanden aus einer Anzahl iso-
lirter Chitinstäbe, die mit ihren Enden auf einander stiessen, aber
weder die spätere Länge noch Dicke besassen, so dass das Klam-
merorgan natürlich auch an Grösse hinter den übrigen zurückstand.
Ob die Zweifel, die Verf. an der Bichtigkeit der v. S i e b o 1 d'schen
Angaben über die Entstehung des Diplozoon aus zweien verschmel-
zenden Diporpen ausspricht, berechtigt sind, will Bef. dahin gestellt
sein lassen. Jedenfalls erwecken sie den Wunsch, dass es dem be-
rühmten Münchener Helminthologen gefallen möge, seine Beobach-
tungen über den betreffenden Vorgang ausführlicher, als das bisher
geschehen ist, zu veröffentlichen. Dass Diporpa, wie Verf. vermuthet,
eine Missbildung darstellt, wird wohl dadurch zur Genüge wider-
legt, dass dieses Thier nicht bloss durch Kleinheit und unvollständige
Entwickelung hinter der Diplozoonhälfte zurückbleibt, sondern auch
an den Stellen des späteren Zusammenhangs der beiden Leiber des
Diplozoon einen Saugnapf trägt, dessen Anwesenheit wohl kaum
durch jene Annahme erklärt wird.
Cobbold's Angaben über Gyrodactjlus elegans
(Quarterly Journ. micr. sc. 18(31. p. 35) enthalten Be-
kanntes.
Daclylugyrus gracilis n. sp. mit zwei Paar grossen und 14
kleinen Haken. Vier Augen, von denen die zwei hinteren grösser
sind und eine deutliche Linse einschliessen. Auf den Kiemen von
Hydrocyon dentex. Wedl, zur Helminthenfauna Aegyptens a. a, 0.
S.480.
Nach den Beobachtungen Cantor's findet man die
Conjunctiva von Chelonia Midas fast regelmässig mit
spindelförmigen Helmintheneiern besetzt, die an den En-
den in einen längeren und einen kürzeren fadenförmigen
Anhang auslaufen und mittelst eines einfachen oder dop-
pelten Häkchens an dem kurzem End faden befestigt sind.
Cobbold, dem Verf. seinen Fund communicirte, spricht
die Vermuthung aus, dass diese Eier einem ectoparasiti-
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 147
sehen Trematoden ziigehörten (Journ. micr. sc. 1861. p. 40
—43). Später hat derselbe auch (ibid. 1862. p. 170) Ge-
legenheit gehabt, die Eier im Herzbliite der Schild-
kröte aufzufinden. In einem Falle enthielt das Herz da-
neben noch zahlreiche kleine Distomen, die sich durch
eine auffallende Länge ihres Oesophagus auszeichneten,
geschlechtlich aber noch unentwickelt waren (Distomum
constrictum Leared).
Pagenstecher macht Mittheilungen über eine
(wahrscheinlich schon von Lespes gesehene) Cercarien-
form aus Trochus cinereus, deren Schw^anzanhang einen
vollständigen Saugnapf darstellt und von der kriechenden
Larve auch als solcher benutzt wird. Die Cercarie (C
cotylura Pagenst.) entsteht in einer sehr muskelkräftigen
Sporocyste, deren Vorderende eine Art Saugnapf trägt.
Eine zweite marine Cercarienform mit kurzem konischem
Schwanzanhange wurde sammt der zugehörenden Kedie
in Columbella rustica beobachtet. In Actaeon und Poly-
clinum wurden eingekapselte junge Distomen in begin-
nender Geschlechtsentwickelung aufgefunden. Zeitschrift
für wiss. Zool. Bd. XII. S. 293—306. Mit Abbild.
Anknüpfend an die ersterwähnte Thierform erörtert
Pagenstecher ebendas. die Frage nach der Bedeutung
des Cercarienschw^anzes für die Fortpflanzung auf unge-
schlechtlichem Wege, wie sich diese namentlich bei Bu-
cephalus herausstellt und mit Wahrscheinlichkeit auch bei
anderen gewöhnlichen Cercarien angenommen v/erden darf,
üeber den anatomischen Bau von Distomum con-
Jzmctum aus den Gallengängen von Canis fulvus vergl.
Cobbold, Transact. Linn. Soc. 1. c. p. 349 mit Abbild.
In der Bauchhöhle eines im Nil lebenden Bagrus
beobachtete We dl eine 9 Mm. langes Distomum incapsu-
latum, das trotz seiner beträchtlichen Grösse keine Spur
von Geschlechtsorganen erkennen Hess. Ebenso wurden
in der schnabelförmigen Grube vor dem Gehirne des He-
terobranchus anguilJaris mitunter Tausende von kleinen
(1 Mm. grossen) „Trcmatodenlarven*' d. h. geschlechtlose
Distomeen (Mo7iocerca heterobrancJn) aufgefunden. Neben
148 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
dem Mundsaugnapfe sahWedl jederseits ein eigenthüm-
liches Gebilde, das als ein aus etwa 12 nahe an einan-
dergerückten Chitinrippen bestehendes Hautskelet beschrie-
ben wird, in der Abbildung aber in gewisser Beziehung
an die Seitennäpfe von Tetracotyle erinnert. Zur Hel-
minthenfauna Aegyptens a. a. 0. S. 478.
Ebendas. (S. 477) Distoma hifurcatum^ ein 9 Mm.
langes Distomum (?) mit zweilappigem Hinterende, aus
dem Darme von Crocodilus vulgaris.
Vaillant beobachtete unter der Haut von Siren
lacertina zwei von einander verschiedene Formen ein-
gekapselter und geschlechtlich noch nicht vollständig ent-
wickelter Distomeen: Monostomum asperum und Distomum
Sirenis. Annal. des sc. nat. T. XIX. p. 347 mit Abbild.
Cestodes.
Leuckart liefert in seinem Parasitenwerke (Bd. I.
S. 157 ff.) eine durch zahlreiche neue Beobachtungen ver-
vollständigte Darstellung vom Baue und der Entwicke-
lungsgeschichte der Bandwürmer, namentlich der sog.
Blasenbandwürmer, die sich durch so vielerlei wichtige Ei-
genthümlichkeiten auszeichnen, dass man sie wohl mit
Recht als eine eigene Gruppe der Täniaden (Cystici Lt.)
betrachten darf. Besonders charakteristisch für diese
Gruppe ist ausser der Hakenbildung die Organisation der
Geschlechtsorgane und die Entwickelungsgeschichte, die
ihrerseits übrigens wiederum manche Verschiedenheiten
zeigt , so dass man zweierlei Typen der Blasenband-
würmer aufstellen kann, je nachdem die Köpfe an der
Embryonalblase selbst entstehen (Cystotaenia Lt.) , oder
an besonderen kleinen Brutkapseln, die der innern Bla-
senwand anhängen und als Einsackungen derselben zu
betrachten sind, hervorknospen (Echinococcus). Auch die
Geschlechtsorgane dieser beiden Typen sind wenigstens
insofern verschieden, als die Arten des erstem Typus am
unteren Ende des Uterus sehr allgemein mit einer ku-
gelförmigen Schalendrüse versehen sind, die bei Taenia
Echinococcus fehlt. JDas eigentliche Ovarium ist (auch bei
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 149
den ßothriocephalen) als ein nnpaares Organ der hinteren
Körperwand angenähert und durch zwei flügeiförmige Dot-
terstöcke vervollständigt, die sich bei den Täniaden in
das hintere Ende der Scheide, unterhalb des Receptacu-
lum seminis einsenken.
Die Zahl der hier abgehandelten menschlichen Bandwürmer
beläuft sich auf 10, auf 8 Täniaden (unter denen auch T. — Dipyli-
dium Lt. — elliptica, deren gelegentliches Vorkommen bei Kindern
Ref. seit Publication seines Werkes durch zwei neue Fälle bestäti-
gen kann) und 2 ßothriocephalen {m.it Bothriocephalus cordatus n. sp.,
der in Grönland bei Mensch und Hund lebt — seither aber auch
von Krabbe in Island und von Stieda in Dorpat beobachtet
wurde — ). Die specifische Verschiedenheit von T. solium und T. me-
diocanellata — die übrigens eigentlich den alten Göze'schen Namen
T. saginata tragen sollte, der auch viel bezeichnender ist, als die
Küchenmeister'sche Benennung — kann nach den Beobachtun-
gen des Verf.'s keinem Zweifel mehr unterliegen, da es demselben
gelungen ist, die Eier der letztern bei dem Kalbe zur Entwickelung
zu bringen und daraus eine Finne zu ziehen, die, trotz aller Aehn-
lichkeit mit Cyst. cellulosae in Form und Vorkommen, einen haken-
losen und geraden Kopfzapfen trägt, während die Finne von T. so-
lium, wie Verf. nachweist, schon vor Entwickelung des Hakenappa-
rates eine starke Krümmung ihres Kopfzapfens erkennen lässt.
(Man vergl. über die Zucht und die Entwickelungsgeschichte der T.
mediocanellata auch die vorläufigen Mittheilungen des Ref. in den
Nachrichten von der G. A. Universität und der k. Gesellsch. der
Wissensch. zu Göttingen 1862. S. 14 u. 195.) Wenn übrigens auch
ohne Haken, so ist die T. mediocanellata doch mit einem kleinen
saugnapfartigen Rostellum versehen, das von den früheren Zoologen,
die, wie z. B. Bremser, dieselbe als T. solium beschrieben, irrthüm-
licher Weise oftmals als Mundöffnung betrachtet wurde. Die Zucht
des Cyst. T. mediocanellatae ist für das Versuchsthier übrigens mit
grosser Gefahr verbunden, da sich die Embryonen derselben nicht
bloss über die Muskeln verbreiten, sondern mit besonderer Vorliebe
auch in dem Herzen, zwischen den Lymphdrüsen und an anderen
inneren Organen zur Entwickelung kommen. Es muss das um so
mehr auffallen, als Verf. bei seinen Versuchen mit T. solium niemals
derartige Erscheinungen beobachtet hat. Die Schweine, die dabei
verwendet wurden, blieben stets gesund und ertrugen selbst mehr-
fach wiederholte Excisionen von Muskeln — ein Verfahren, das den
Verf. in den Stand setzte, die allmähliche Entwickelung der Finnen
an demselben Versuchsthiere zu studiren und alle jene Zweifel zu
beseitigen, die noch in jüngster Zeit gelegentlich über die Bezichunr
150 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
gen zwischen dem Cyst. cellulosae und der T. solium geäussert sind.
Die eigenthümlichen Schläuche, die Raine y (J. B. 1856. S. 205 und
1857. S. 127) als erste Entwickelungsstufe der Schweinefinnen beschrie-
ben hat, haben damit nicht das Geringste gemein. Wie Verf. gefunden
hat, sind dieselben ausserordentlich häufig, vielleicht bei jedem vierten
Schweine anzutreffen. Wie die bekannten M i e s c h e r'schen Schläuche
bei Maus und Ratte' darf man sie bis auf Weiteres als sog. Psorosper-
miensäcke bezeichnen. Die Entwicklung des (von T. marginata ab-
stammenden) Cyst. tenuicoUis, die Verf. gleichfalls Schritt für Schritt
verfolgt hat, zeigt manche Aehnlichkeit mit der des Cyst. pisiformis,
besonders insofern , als die Finne bei beiden Anfangs in der Leber
lebt und erst später von da in die Leibeshöhle hineinfällt. Im
Linern der Leber sind es besondere, wahrscheinlich durch eine pa-
thologische Veränderung von Gefässen entstandene Exsudatröhren,
die den Finnen zum Aufenthalte dienen. Die Bildung des Kopfza-
pfens beginnt gewöhnlich erst nach dem Hervortreten aus der Leber,
zu einer Zeit, in der die Finnen bereits zu einer erklecklichen Grösse
herangewachsen sind. Die bandartige Verlängerung des Kopfzapfens,
welche die älteren Finnen auszeichnet, bildet sich mit der halsför-
migen Aussackung des Blasenkörpers an der Insertion des Kopfza-
pfens erst in einer späteren Zeit des Entwickelungslebens. Die
Annahme zweier verschiedener Echinococcusarten findet in dem Verf.
einen sehr entschiedenen Widersacher. Was zu dieser Annahme
geführt hat, ist eine auffallende Formveränderung der Haken, die
bei dem Uebergange in den Tänienzustand statthat und in einer
Vergrösserung der Wurzelfortsätze besteht. (Aehnliche, nur minder
auffallende Veränderungen lassen sich mit zunehmendem Alter auch
bei anderen Blasenbandwürmern beobachten.) Die Entwickelung
der Echinococcusblase geht sehr langsam vor sich. Es dauert meh-
rere Monate, bevor dieselbe bis zur Grösse einer Nuss heranwächst
und Köpfchen erzeugt. Dass diese niemals an der Körperwand di-
rekt, sondern immer nur an besondern kleinen Brutkapseln entste-
hen, ist schon oben hervorgehoben. Sie bilden sich als birnförmige
Hohlknospen, wie die Kopfzapfen der Cystotänien, aber ohne Rece-
ptaculum , und stülpen sich, meist erst nach der Entwickelung der
Saugnäpfe und des Hakenkranzes , nach innen in die Brutkapseln
hinein. Dem ersten Köpfchen folgt ein zweites u. s. w. , bis die
Zahl vielleicht ein Dutzend und darüber beträgt. Köpfchen, Brut-
kapseln und Mutterblase bleiben während des Lebens immer in di-
rektem Zusammenhange, und sind von demselben Gefässapparate
durchzogen. Die Tochterblasen entstehen nach den Beobachtungen
des Verf. zwischen den Lagen der Cuticula, zwischen denen sie eine
ängere Zeit eingeschlossen liegen. Man findet solche Tochterblasen
nicht bloss bei dem sog. Ech. altricipariens (E. hydatidosus Lt.),
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 151
sondern oftmals auch bei den solitären Formeh des sog. Ech. sco-
lecipariens (E. granulosus Lt.), nur dass dieselben hier nach Aussen
durchbrechen und neben der Mutterblase zur Entwickelung kommen.
In anderen Fällen pflanzt sich die Mutterblase aber auch durch
Knospung fort, wie der sog. Ech. multilocularis zur Genüge nach-
weist. Uebrigens haben diese verschiedenen Formen immer nur
eine individuelle und keine specifische Bedeutung. Sie stammen
alle (wie auch die zeitlebens sterilen sog. Acephalocysten) von der-
selben T.Echinococcus ab — wie das auch durch die von Krabbe
in Island und Naunyn in Berlin seither mit glücklichem Erfolge
angestellten Verfütterungen menschlicher Echinococcen an Hunden
ausser Zweifel gestellt ist. (lieber die Entwickelung des Echino-
coccus hat Verf. schon vor Publication seines Parasitenwerkes in
den Nachrichten von der G. A. Universität und der k. Gesellsch.
der Wissensch. in Göttingen 1862. S. 12 eine vorläufige Mittheilung
gemacht.)
Nach den Beobachtungen Huber's (Jahresbericht des natur-
hist. Vereins in Augsburg 1860) kommt der früher bekanntlich den
Colloidgeschwülsten zugerechnete Echinococcus multilocularis ge-
legentlich auch beim Rinde vor. Echinococcusköpfchen wurden
nicht aufgefunden ; sie sind auch bei den menschlichen Exemplaren
nur äusserst spärlich. Neben dem multiloculären Echinococcus fand
sich ein hydatiodöser Sack mit acht Tochterblasen, gleichfalls ohne
Köpfchen.
Bailiet experimentirte, wie früher mit dem Coe-
nurus und anderen Blasenbandwürmern; so jetzt mit der
Taenia e Cyst. tennicoUi (Ann. des sc. natur. T. XVI.
p. 99 — 121), und kommt dabei zu demselben Resultate,
wie die deutschen Experimentatoren, dass die Embryonen
der betreffenden Tänia sich nämlich auch bei Schafen immer
nur zu dem Cyst. tenuicollis und niemals zu dem Coenurus
entwickeln , dass T. e Cyst. tenuicoUi und T. Coenurus
mit anderen Worten verschiedene Arten sind.
Besonders interessant ist das Resultat des einen Experimen-
tes. Es betraf dasselbe ein junges Lämmchen, das binnen 6 Tagen
in 3 verschiedenen Terminen 17 Proglottiden erhalten hatte und 4
Tage nach der letzten Fütterung (mit 11 Proglottiden) crepirt war.
Bei der Section fand sich in der Bauchhöhle ein bedeutender Blut-
erguss, der aus der von zahlreichen weisslichen Striemen durchzo-
genen Leber stammte. Ein jeder dieser Striemen ergab sich als
eine Röhre, deren Wand mit Leichtigkeit isolirt werden konnte und
Blut, so wie eine Anzahl von 1 — 4 kleinen hellen Bläschen von höch-
stens 1'" in sich einschloss. Ein Theil dieser Striemen war nach
152 Leuckart: BericM üb. d. Leist. in d. Naturgeschiclite
Aussen geöffnet und hatte seinen Inhalt in die Leibeshöhle ergossen.
In der Lunge und im Netze wurden gleichfalls junge Cysticercen
gefunden , an dem ersten Orte gewöhnlich im Mittelpunkte einer
mehr oder minder grossen Ecchymose. Die Gesammtzahl derselben
wurde auf mehrere Tausend geschätzt. Verf. hält die weissen Röh-
ren für veränderte Gefasse und zieht aus seinem Befunde den Schluss,
dass die Embryonen der T. e Cyst. tenuicolli mit der Blutwelle
zunächst in die Leber gelangen , wie das auch schon aus den dem
Verf. unbekannt gebliebenen älteren Beobachtungen Leisering's
(J. B. f. 1858. S. 172) hervorging. Die übrigen Versuchsthiere blie-
ben gesund und waren auch immer nur mit wenigen Cysticercen
besetzt, obwohl sie zum Theil eine viel bedeutendere Quantität von
Proglottiden (ein Thier deren 160 Stück) verschluckt hatten.
Nachdem die Lehre von den Wanderungen und der
Metamorphose der Entozoen bisher von allen Seiten Be-
stätigung gefunden, erhebt sich in dem Schoosse der Pa-
riser Akademie eine Stimme des entschiedensten Wider-
spruchs. Pouc,het und Yerrier, die bekannten Ver-
theidiger der sog. Urerzeugung, behaupten (Cpt. rend.
1862. T. 54. p. 958) geradezu , dass die neue Lehre eine
Irrlehre sei. Die Versuche, die wir bisher als beweisend
für unsere heutigen Ansichten von der Lebensgeschichte
der Eingeweidewürmer zu betrachten gewohnt sind, seien
ohne die gehörigen Cautelen angestellt; ihre scheinbaren
Erfolge seien bloss das Spiel des Zufalls. Man sollte
meinen, dass solche Behauptungen und Beschuldigungen
nur auf Grund der überzeugendsten Thatsachen ausgespro-
chen werden dürften. Doch Alles, was die Verff. dafür
vorzubringen wissen, sind einige leichtfertige Experimente,
die ohne Kritik und Sachkenntniss angestellt wurden und
am besten mit Stillschweigen übergangen würden, wenn
sie nicht in den Annalen eines Instituts niedergelegt
wären, das man als das oberste Tribunal in naturwissen-
schaftlichen Angelegenheiten zu betrachten gewohnt ist.
Dazu kommt, dass die Entgegnung von van Beneden
(ibid. p. 1157), der die Schwächen und Irrthümer der ver-
suchten Beweisführung aufdeckte, unsere Verff. keineswegs
überzeugt, sie vielmehr in ihren Ansichten nur bestärkt
hat (ibid. p. 1207). Der Fehler der Experimentatoren be-
ruht sehr einfach darin, dass sie — in Uebereinstimmung
* der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 153
mit V. Siebold — die grosshakigen Blasenbandwürmer
des Hundes für dieselbe Species (Taenia serrata) halten.
Sie wundern sich nun, dass dieser Wurm die Schafe nicht
drehkrank macht , und dass sie bei der Verfütterung des
Coenurus nicht selten sehr viel mehr Bandwürmer in
den Hunden vorfinden, als sie Köpfe verfüttert hatten.
Auch der verschiedene Entwickelungsgrad der vorgefun-
denen Bandwürmer scheint ihnen ein unübersteigliches
Hinderniss für die Annahme, dass diese von demselben
Coenurus abstammten. Wenn die VerfF. den heutigen
Stand der Parasitenlehre genauer kannten und mit un-
serer deutschen Litteratur vertraut wären, dann würden
sie wohl Bedenken getragen haben, sich durch Publica-
tion ihrer Angriffe bloss zu stellen. Sie würden dann
auch wohl zu der Einsicht gekommen sein, dass die Con-
fusion _, über die sie sich in ihrer Replik beklagen, wo
anders existirt, als in den Schriften der Experimentalhel-
minthologen.
Nach den Beobachtungen Sappey's scheint das Al-
paca sehr allgemein von Muskelfinnen bewohnt zu sein.
Unter sechs bald nach ihrer Uebersiedelung von Peru in
Paris verstorbenen Exemplaren waren vier, und fast alle
in ausserordentlicher Menge, mit diesem Parasiten behaf-
tet. Cpt. rend. Soc. biolog. 1860. T. H. p. 178. (Leider
ist eine nähere Untersuchung dieser Parasiten unterblie-
ben, so dass wir nicht einmal erfahren, ob dieselben mit
Haken versehen waren, oder nicht.)
Köberle handelt über die bei den Menschen vor-
kommenden Cysticercen und sucht den Nachweis zu füh-
ren, dass unter dem Namen Cysticercus cellulosae meh-
rere verschiedene Arten zusammengeworfen seien. Er
unterscheidet ausser der echten Finne dieses Namens
noch zwei andere Arten : Cyst. turhinatus und Cyst. me-
lanocephalus , ohne deren Selbstständigkeit jedoch in
strengerer Weise zu begründen. Die Darstellung, die Verf.
dabei von der Entwickelung der Bandwürmer giebt, leidet
an manchen Irrthümern und Unrichtigkeiten. Des Cy-
sticerques de taenias chez l'homme (Paris 1861. 50pag.
154 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgescliiclite
avec planches. Extr. de la Gazette hebdomad. de m6d.
et de Chirurg.)
Cobbold glaubt zwei von ibm bei Phacoeboeceus
aethiopicus und Potamochoerus penicillatus aufgefundene
grosse Blasenwürmer als besondere Arten in Anspruch
nehmen zu müssen. Proceed. zool. Soc. 1861. p. 93. (Ref.
sieht sich genöthigt, in Betreff des letztern dieser beiden
Würmer den Angaben seines geehrten Freundes zu wi-
dersprechen, nachdem er sich an einem ihm freundlichst
überlassenen Exemplare von dessen Identität mit Cyst.
tenuicollis überzeugt hat. Allerdings sind die Haken des
betreffenden Wurmes ungewöhnlich klein, allein bei den
auffallenden Schwankungen der Hakengrösse gerade des
Cyst. tenuicollis dürfte das kein Grund zu einer Abtren-
nung sein, zumal fast alle Verhältnisse — Hakenform,
Bildung der Blase, Nackenband — genau in gleicher Weise
wiederkehren.)
Leisering fand bei einer unter Hirnerscheinungen
gestorbenen Gazelle eine hühnereigrosse Coenurusblase, die
zwischen den beiden Hemisphären gelegen war. Bericht
über das Veterinärwesen im Königr. Sachsen für 1861.
S. 12 u. 63.
Ebendaselbst wird eines Kalbes gedacht, bei dem v.
Nathusius, wie früher Eichler (J. B. für 1859. S. 138)
u. A. bei einem Schafbocke, den Coenurus unter der Haut
beobachtete.
Der bei den afrikanischen Völkern so häufig vor-
kommende Bandwurm ist nach Küch enmeister's Un-
tersuchungen (Deutsche Klinik 1860. Febr.) wirklich die
Taenia mediocanellata, wie man das übrigens auch schon
aus der Angabe vonBilharz (Zeitschrift der Gesellsch.
der Aerzte .in Wien 1858. I. Nr. 28) entnehmen konnte,
dass derselbe stets ohne Haken gefunden werde. Es
stellt sich überhaupt immer mehr heraus, dass die T.
mediocanellata einen ungleich grösseren Verbreitungsbe-
zirk Jiat, als man bisher vermuthete. In England hat Ref.
— allerdings überall unter dem Namen T. solium — fast
nur die T. mediocanellata zu Gesicht bekommen und in
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 155
Dänemark ist dieselbe, nach Mittheilungen von Krabbe,
mindestens ebenso häufig, als die T. solium. Ebenso ist
auch der Bandwurm der Buräten, über den K aschin
in einem leider in russischer Sprache veröifentlichten in-
teressanten Aufsatze (Petersburger med. Zeitung 1861. 1.
S. 36b) berichtet, unstreitig — schon der Grösse nach,
die durchschnittlich auf 20 Fuss angegeben wird — der
genannten Art zugehörig. Nach den Beobachtungen
Kaschin's muss dieser Bandwurm bei den Buräten min-
destens so häufig sein, wie bei den Negern oder Abyssi-
niern. Nicht bloss, dass derselbe mitunter bis zu 15 Exem-
plaren in demselben Träger aufgefunden wurde, noch
entschiedener spricht hier die Thatsache, dass ihn Ka-
schin bei 130 Sectionen nur 2 Mal vermisste und ihn
bei allen seinen kranken Buräten (etwa 500) constatiren
konnte. Und doch wurden diese Buräten nicht einmal
in ihrem Yaterlande untersucht (am Baikalsee), son-
dern in Irkuts, wo sie, zum Theil schon mehrere Jahre
lang, als Kosaken garnisonirten. Freilich kann die Hel-
minthiasis der Buräten nach den Mittheilungen, die Ka-
schin über deren Lebensweise macht, durchaus nicht
aufi'allen. Als Hirten ernähren sich dieselben ausschliess-
lich von Fleisch (besonders von Wiederkäuern), das sie
weder vollständig gar kochen, noch auch gehörig reini-
gen und überdiess von Tischen gemessen, die ebenso we-
nig, wie das Geschirr, jemals gereinigt werden. Fett,
Leber und Nieren werden roh gegessen, und das selbst
von kranken Thieren und halbfaulen Cadavern. Dazu
kommt, dass die Buräten des Winters mit dem Vieh und
den Hunden in demselben Zelte leben und so unreinlich
sind, dass Kleider und Wäsche nicht einmal nach der
Menstruation und dem Wochenbette gereinigt werden.
Natürlich unter solchen Umständen, dass die Bandwürmer
auch nicht die einzigen Parasiten der Buräten sind. Auch
Hydatiden (d. h. Echinococcen) hatVerf. in solcher Menge bei
denselben beobachtet, dass es den Anschein hat, als wenn
sie kaum weniger, als die Isländer, davon zu leiden hätten.
Ueber diese „isländischen Echinococcen'^ hat Krabbe
156 Leuckart: Bericht üb, d. Leist. in d. NaturgescMclite
neuerdings (Ugeskrift for Laeger Bd. 37, übersetzt in
Virchow's Archiv für pathol. Anat. und Physiol. Bd. 27.
S. 225 — 239) eine Reihe von Mittheilungen gemacht, die
freilich mehr in medicinischer und ätiologischer, als in
naturhistorischer Hinsicht interessant sind, immerhin aber
auch hier eine Erwähnung verdienen.
Kurz nach den oben erwähnten Publikationen des
Ref. über die Entwickelungsgeschichte des Echinococcus
erschien über denselben Gegenstand eine Abhandlung von
Naunyn (de echinococci evolutione dissert. inaug. Berol.
1862, Archiv für Anatomie u. Physiologie 1862. S.612 —
637. Tab. XV u. XVI).
Die Mehrzahl der hier mitgetheilteu Beobachtungen stimmt,
meist bis in's Einzelne, mit den Angaben des Ref. überein. Nur
in Betreff der secundären sog. Tochterblasen herrscht eine wesent-
liche Verschiedenheit zwischen beiden Forschern. Während Ref.
dieselben zwischen den Lamellen der Cuticula entstehen und erst
später Freiwerden lässt, lässt Naunyn dieselben aus einer Metamor-
phose der Köpfchen und Brutkapseln hervorgehen. Bei den Köpf-
chen beginnt diese Umwandlung im hinteren Körperende, das durch
Erweiterung der Innenhöhle zu einer Blase wird, die den Vorder-
leib mit dem Hakenkranze allmählich in sich einzieht und durch
Verdickung der Cuticula, so wie durch gleichmässige Vertheilung
des inneren Körperparenchyms einer kleinen Echinococcusblase im-
mer ähnlicher wird, nur dass derselben noch eine Zeit lang die Ue-
berreste des früheren Hakenkranzes anhängen. Bei der Blasenme-
tamorphose der Binitkapseln entsteht die Parenchymlage unterhalb
der den Innenraum auskleidenden Cuticula und zwar von Seiten der
eingeschlossenen Köpfchen, deren Substanz sich unter Verlust der
früheren Form und Individualisation auf der Cuticula ausbreitet,
während der frühere äussere Ueberzug verloren geht. Ref. hat in-
zwischen Gelegenheit gehabt, diese Angabe vollkommen zu bestäti-
gen, und theilt jetzt die Ansicht von Naunyn, dass die endogenen
Tochterblasen weitaus zum grössten Theile durch die geschilderten
Metamorphosen ihren Ursprung nehmen. Wenn er solches früher über-
sah, so rührt das wohl daher , dass er seine Untersuchungen vor-
nämlich an dem sog. Ech. scolecipariens anstellte, der bekanntlich
keine Tochterblasen einschliesst. Für diese muss er übrigens auf
das Entschiedenste den von ihm beschriebenen Bildungsprozess von
Tochterblasen zwischen den Lamellen der Cuticula — auch den
Zweifeln Naunyn's gegenüber — aufrecht erhalten. Als Aus-
gangspunkt dieser Tochterblasen fungirt eine anscheinend körnige
der niederen Thiere während der Jalne 1861 — 1862. 157
Masse, die wahrscheinlicher Weise von der sog. Parenchymschicht
des Echinococcus abstammt, aber durch die fortwährend neu sich
ablagernden Cuticularschichten allmählich immer weiter davon ge-
trennt wird.
Die Beobachtungen, die Stieda über den Bau und
die Entwickelung der Geschlechtsorgane bei Taenia om-
phalodes, so wie bei den als neu beschriebenen T, und-
nata und T. furcata, die beide bei der Spitzmaus gefun-
den wurden , angestellt hat , lassen keinen Zweifel, dass
in der Bildung dieser Organe bei den Täniaden mancher-
lei charakteristische Verschiedenheiten vorkommen, die
vielleicht später noch einmal für die Systematik sich ver-
wcrthen lassen. (Archiv für Naturgesch. 1862. I. S. 200
—209. Taf. VIII c.)
Im grossen Ganzen scheint die Anordnung der Geschlechts-
organe allerdings so ziemlich dieselbe, die wir durch Ref. für die
Blasenbandwürraer kennen gelernt haben. Ueberall Hess sich (in
den sog. unreifen Gliedern) ein Keimstock auffinden, der ungefähr
die Mitte des hinteren Gliedrandes einnahm und die Gestalt eines
rundlichen Sackes hatte, dessen oberes Segment von den grobkörni-
gen Schläuchen des Dotterstockes bedeckt wurde. Die blassen Ho-
densäckchen sind bei T. omphalodes in der einen Seitenhälfte der
Glieder zusammengehäuft, die den Geschlechtsöfifnungen gegenüber-
liegt, und in ziemlich grosser Anzahl vorhanden, während sie bei
den zwei anderen Arten nur in geringer Menge (zu vieren) ent-
wickelt sind. An der Scheide hängt ein Receptaculum seminis, das bei
den zwei letztgenannten Arten eine sehr ansehnliche Grösse besitzt
und von früheren Beobachtern gewöhnlich als Hoden gedeutet wurde.
Das Vas deferens verläuft ohne Windungen. Während der Füllung
und Entwickelung des Uterus gehen die keimbereitenden Organe,
wie bei den Blasenbandwürraern, allmählich zu Grunde. Archiv für
Naturgech. 1862. I. S. 200—209. Taf. VIII.
Salzmann beschreibt einen Fall von Taenia (Dipy-
lidium Lt.) cucumerina bei einem 16 Monate alten Kinde
und erwähnt dabei einer Anzahl von Abnormitäten der Ge-
schlechtsorgane (Fehlen der männlichen Ausführungsgänge,
einseitige Entwickelung der Genitalien, grosse Entfernung
der männlichen und weiblichen OefFnungen, Embryo von
doppelter Grösse, mit 12 Haken). Würtemberg. naturwis-
sensch. Jahreshefte 1861. S. 102. Das Vorkommen ,der
T. cucumerina (oder elliptica) bei Kindern ist schon
158 Leuckart: Bericlit üb. d. Leist. in d. Naturg-eschichte
Linne bekannt gewesen und auch durch Ref., der in-
zwischen schon wieder zwei Fälle dieser Art zur Beob-
achtung bekam, ausser Zweifel gesetzt. Y'ergl. Menschliche
Parasiten S.402.
Cobbold beobachtete bei einem jungen Hühnchen einen
Bandwurm, dessen Proglottiden lange vor ihrer vollen Ausbildung
sich ablösten und erst im isolirten Zustande zur Entwickelung ka-
men (Transact. Linn. Soc. Vol. 23. p. 356). Da der Bandwurm nicht
näher beschrieben ist, bleibt dessen Natur einstweilen unklar, doch
möchte Ref. fast vermuthen, dass er mit Da va ine's Taenia pro-
glottina (J. B. für 1860. S. 279) identisch sei, die mit Cobbold's
Art ebenso wohl den Aufenthalt im Darme der Hühner, wie auch
die Eigenthümlichkeit theilt, ihre Proglottiden ausserordentlich frühe
abzustossen.
Weinland's Taenia inegaloon, die nach der Bildung der
Eier unterschieden wurde, ist die T. mediocanellata, bei der die
primitive Eihaut im Umkreise der' dicken Schale fast constant per-
sistirt. Zoologischer Garten 1861. Nr. 7.
Je mehr sich unsere Erfahrungen über die Entwicke-
lungsgeschichte der Täniaden in den letzten Jahren befe-
stigt und abgerundet haben, desto fühlbarer ist die Un-
sicherheit und UnVollständigkeit unserer Kenntnisse in
Betreff der Bothriocephalen geworden. Mit grösstem In-
teresse mussten wir desshalb der Veröffentlichung der
Untersuchungen entgegengehen, die von Knoch in Pe-
tersburg über den Bothriocephalus latus angestellt wurden
und nach den darüber gelegentlich verlautenden Mitthei-
lungen das Räthsel dieses merkwürdigen Parasiten voll-
ständig gelöst haben sollten. Diese Untersuchungen liegen
uns jetzt in ausführlicher Darstellung vor: die Naturge-
schichte des breiten Bandwurmes mit besonderer Berück-
sichtigung seiner Entwickelungsgeschichte, 134 Seiten in
Quart mit zwei Tafeln, Petersburg 1862 (Separatabdruck
aus den Mem. Acad. imp. de Petersbourg T. V. Nr. 5, in
vorläufiger Mittheilung Virchow's Archiv für pathol. Anat.
Bd. 24. S. 453 — 461). Leider entsprechen dieselben nach
dem Urtheile des Ref. nicht in jeder Beziehung den ge-
hegten Erwartungen. Sie enthalten allerdings manch
schätzbares Material zur Naturgeschichte des Bothrioce-
phalus, sind aber weit davon entfernt, dieselbe zum Ab-
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 159
Schlüsse zu bringen. Das wichtigste Ergebniss der vor-
liegenden Untersuchungen besteht in dem (übrigens schon
— vergl. J. B. 1857. S. 126 — anticipirten) Nachweise,
dass der Embryo des Bothriocephalus mit einem Flimmer-
kleide im Wasser umherschwimmt. Die Entwickelung
geschieht erst nach einem längeren, meist mehrmonatli-
chen Aufenthalte im Wasser. In den fris ch abgelegten
Eiern erkennt man in der Regel nichts, als einen Haufen
grosser Dotterballen, die Verf. irrthümlicher Weise von
einer Klüftung herleitet, während sie nach den Beobach-
tungen des Ref., der die Embryonal -Entwickelung des
Bothriocephalus inzwischen gleichfalls verfolgen konnte,
die Absonderungsprodukte der sog. Dotterstöcke darstel-
len und keinerlei direkten Antheil an dem Aufbaue des
Embryo nehmen. Der letztere entsteht im Centrum die-
ses Haufens, der, in ähnlicher Weise, w^ie der sog. kör-
nige Dotter der Trematodeneier, allmählich der Rückbil-
dung anheimfällt. Der ausgeschlüpfte WuA^m erscheint als
ein sphäroidaler Körper, der auf der derben Cuticula mit
langen (vom Verf. viel zu kurz gezeichneten) Flimmerhaaren
besetzt ist und den eigentlichen sechshakigen Embryo in
sich einschliesst. Einige Tage lang schwimmt dieser Kör-
per, einem Volvox vergleichbar, unablässig umher, bis
schliesslich die äussere Flimmerhülle (durch Wasserauf-
nahme) platzt, und der Embryo hervortritt. Verf. meint,
dass diese freien Embryonen zu einer weitern Wanderung
unfähig seien und zu Grunde gingen, und stützt sich dabei
auf eine Reihe von Versuchen, in denen er denselben ver-
gebens zum Einwandern in verschiedene kleinere und
grössere Wasserthiere (Phryganeenlarven, Crustaceen, Plan-
orbis, Cyprinus, Gasterosteus , Rana, Salamandra) Gele-
genheit geboten. Eben so negativ waren auch die an
Fischen und Fröschen vorgenommenen Fütterungsversuche,
doch fanden sich bei einigen Versuchsthieren, besonders
den Gasterosteusarten, einzelne, zum Theil nur wenig ent-
wickelte Cestodenkapseln, die augenscheinlicher Weise
einem Bothriocephalus angehörten, für die Abstammung
von den gefütterten Keimen aber keinen bestimmteren
160 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Anhaltspunkt boten. Verf. schliesst daraus, dass der Bo-
thriocephalus latus keinen Zwischenzustand durchlebt —
ob mit Recht, darf wohl einstweilen dahin gestellt sein
bleiben. In dieser Annahme wurde Verf. dadurch be-
stärkt, däss er bei einem Hunde^ der eine Woche lang
täglich viele Hunderte schwärmender Embryonen verzehrt
hatte, nach anderthalb Monaten zwei geschlechtsreife Bo-
thriocephalen von 18 und 26" und zwei geschlechtslose
Thiere von 1 u. IV2" antraf. Obwohl eia zweiter Hund, der
drei Wochen früher geschlachtet war, trotz gleicher Be-
handlung keine Spur von Bothriocephalen zeigte, trägt
Verf. doch kein Bedenken, die gefundenen Bandwürmer
von den eingeführten Embryonen abzuleiten und darauf
hin den Satz auszusprechen, dass der Bothriocephalus
latus ohne allen Zwischenzustand direkt aus dem Embryo
hervorgehe und durch das Trinkwasser in den Menschen
eingeführt werde. Nach unserem Verf. ist es übrigens
nicht unumgän^ich nothwendig, dass der Embryo vor
der üebertragung in den späteren Wirth ein freies Le-
ben geführt hat. Selbst durch frisch abgelegte, un-
entwickelte Eier soll eine Infection erfolgen können, wie
Verf. daraus entnimmt, dass ein Hund, der mehrere Male
mit den zerschnittenen Proglottiden eines eben abgegan-
genen Bandwurms gefüttert worden, vier Monate später 7
Stück Bothriocephalen von 2" — 2' Länge enthielt. Verf.
ist der Ansicht, dass durch diese zwei Experimente die
Frage nach dem Import und der Entwickelung des Bo-
thriocephalus ihre Erledigung gefunden habe , und ist
davon so fest überzeugt, dass er es nicht einmal der Mühe
werth hält, zu erörtern, wie es zugeht, dass dieselben
Eier, die sich sonst erst nach monatlangem Aufenthalte
im Wasser zu einem schwärmenden Embryo entwickeln,
im Darmk anale eines warmblütigen Thieres alsbald zu
einem Bandwurme werden. Dass wir die Embryonal-
haken der Cestoden sonst nur als Bohrwerkzeuge kennen,
wollen wir dabei nicht einmal hoch anschlagen, obwohl
dieser Umstand doch gleichfalls zur Vorsicht hätte auf-
fordern sollen. Der Verf. würde übrigens vielleicht
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 161
minder bestimmt und sicher aufgetreten sein, wenn er
gewusst hätte, dass der Hund in den Bothriocephaluslän-
dern gar nicht selten von dem betreffenden Bandwurme
heimgesucht ist, wie namentlich für Russland schon im
vergangenen Jahrhundert von Pallas nachgewiesen
wurde. Zu einem exacten Beweise hätte es jedenfalls
einer grösseren Menge methodisch combinirter Experimente
bedurft. So lange diese fehlen, kann Ref. nicht zugeben,
dass die Frage nach der Lebensgeschichte des Bothrio-
cephalus entschieden sei. Seiner Ansicht nach wird die-
selbe auch in einer anderen Weise ihre Lösung finden,
als K noch es wollte. Obwohl er nicht glaubt, dass der
Bothriocephalus latus einen eigentlichen Cysticercuszustand
durchläuft, hält er es doch für mehr als wahrscheinlich,
dass die erste Entwickelung in einem Wasserthiere (viel-
leicht einer Fischart aus dem Gen. Salmo) durchlaufen
wird, das der sechshakige Embryo nach dem Ausschlü-
pfen aus dem Flimmerkleide von Aussen anbohrt. Eine
direkte Uebertragung durch flimmernde Embryonen oder
gar durch unentwickelte Eier glaubt er um so bestimmter
bestreiten zu dürfen, als er bei vier (jungen und alten)
Hunden, die mit beiden reichlich gefüttert waren, später
vergeblich nach Bothriocephalen suchte und eben so ver-
geblich auch selbst etwa ein Dutzend flimmernder Embryo-
nen verschluckt hat. Des anatomischen Baues von Bo-
thriocephalus wird nur beiläufig gedacht, und werden
unsere Kenntnisse darüber nur insofern erweitert, als
Verf. angiebt, dass unter der Haut des Wurmes ein ma-
schenreiches Gefässnetz hinziehe, das mit den tiefer lie-
genden Längsstämmen in direktem Zusammenhange stehe
und durch Flimmerhaare eine Körnchenströmung unter-
halte. Dass der breite Bandwurm bei seinem Träger
eben so lange, wie die Tänien ausharre, geht aus einem
von Knoch erwähnten Falle hervor, der aus dem Jahre
1842 datirt, also 20 Jahre alt ist. Die Abstossung der
reifen Gliederstrecken erfolgt besonders gegen Ende des
Winters und im Spätherbste, üebrigens lässt Verfasser
es unentschieden, ob unter dem Namen B. latus nicht
Archiv f. Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. L
162 Leuckart: Bericlit üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
vielleicht zwei verschiedene Species zusammengeworfen
wurden. Jedenfalls könne man zwei Formen unterscheiden,
von denen die eine durch Breite und Kürze der Glieder
sich auszeichne, während bei der andern die Breite ver-
hältnissmässig zurücktrete.
Ohne von den Beobachtungen Schub art's und
Knoch^s zu wissen, hat Wedl bei einem, den Bothrio-
cephaliden zugehörende Bandwurm {Tetraoampos ciho-
theca n. gen. et n. sp.) gleichfalls den von einer weitab-
stehenden Flimmerhülle umgebenen sechshakigen Embryo
beobachtet. Der Wurm bewohnt den Darmkanal von He-
terobranchus anguiUaris und könnte wegen der Yierzahl
seiner Sauggruben und der ScheitelbewafFnung auf den
ersten Blick leicht für eine Tänie gehalten werden. Frei-
lich überzeugt man sich bald, dass die Sauggruben ohne
die Muskulatur der Täniennäpfe sind, so wie weiter da-
von, dass die Haken keinen zusammenhängenden Kranz
bilden, sondern in vier Gruppen stehen, die oberhalb der
Gruben angebracht sind und je aus 9 von der Mitte nach
den Enden der Reihe an Grösse abnehmenden Haken be-
stehen. Die Geschlechtsöffnung liegt auf der Fläche
der Glieder. A. a. 0. S. 473.
Ausser dem genannten Wurme beherbergt Heterobranchus
noch eine zweite feingegliederte kleine Cestodenart, die Verf. wegen
einer an dem ünterrande der vier Saugnäpfe angebrachten Klappe
resp. der dadurch bedingten Aehnlichkeit der Saugnäpfe mit einer
Tasche als Marsypocephalus (n. gen.) rectanyulus hezeiohnei,
Wedl ebendas. S. 475.
Unter dem Peritonealüberzuge der Baucheingeweide vonSyno-
dontis Schal beobachtete W e d 1 nicht selten Wurmcysten von der
Grösse einiger Millimeter, die einen Solex mit nacktem Rostellum
und vier kreuzweis gestellten Saugnäpfen - also wohl den Tämaden
zugehörig — in sich einschlössen. Der Leib (Schwanzblase?) ent-
hielt eine helle Flüssigkeit. Ebendas. S. 476.
Tetrarhynchns niinuto- slriatus aus Brama sp., T. brems aus
. einem Seeaal von Madeira, T. quadripapillosus aus der Leber von
Alepocephalus sp., Bothriocephahis (Telrabothrium) jnnceus aus dem
Darmkanale von Sarcorhamphus papa , Baird Proceed. zool. Soc.
1862, Ann. and Mag. nat. hist. Vol. X. p. 315.
Cestoideum amadinae n. sp. Cobbold, ibid. 1861. p. 117.
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 163
Turbellarii.
Die sing veröffentlicht eine Revission der Turbel-
larien, in der die neue Litteratur ebensowohl über Den-
drocoelen (Sitzungsberichte d. Wiener Akad. Bd. XLIV.
S. 485 — 578), wie auch über Rhabdocoelen — mit Einschluss
der Nemertinen — (ebendas. Bd.XLV. S. 191 — 318) vom
systematischen Standpunkte aus verarbeitet wird.
Verf. unterscheidet in der ersten Abtheilung zwei Sectionen,
die Gruppe der Monogonopora mit 20 Geschlechtern, die sich über
8 Familien vertheilen (Anocelidea, Planaridea, Polycelidea, Proco-
tylidea, Bdelluridea, Leimacopsidea, Galeocephalidea , Procerodea)
und die Gruppe der Digonopora mit 16 Geschlechtern und ebenfalls
8 Familien (Typhloleptidea, Acephaloleptidea, Cephaloleptidea, Le-
ptoplanidea, Nautiloplanidea, Euryleptidea, Planoceridea, Stylochi-
dea). Auch die Rhabdocoelen werden in zwei grosse Gruppen zer-
fällt, die Arhynchocoela mit 15 Familien (Megastomea, Proporidea,
Acmostomea, Otocelidea, Typhloplanidea, Otophora, Vorticinea, Vor-
ticeridea, Celidotidea — die zusammen die Arh. aprocta bilden —
und Orthostomea, Anorthidea, Disorea, Anotocelidea, Stenostomea,
Microstomea — die unter sich zu einer Untergruppe, Arh. proctucha,
vereinigt sind — ) und die Rhynchocoela mit 11 Familien (Rhyncho-
scolecidea, Gyratricinea, Borlasiea, Ommatophora, Micruraea, Hypo-
loba, Acroloba — die Rh. aporoceph ala — , Prorhynchidea, Emei-
dea, Typhlonemertinea, Loxorrhochmidea, Eunemertinea — die Rh.
porocephala — ). Die erste dieser beiden Gruppen enthält 28, die an-
dere 41 Genera. Wir bedauren dem Verf. nicht in die Einzelnhei-
ten seines Systemes folgen zu können, müssen aber hinzufügen, dass
eine consequentere Verwerthung der anatomischen Daten hier und
da bestimmt eine andere und vielleicht natürlichere Begrenzung
der einzelnen Abtheilungen zur Folge gehabt haben würde. Neue
Arten sind nicht beschrieben, wohl aber manche bekannte unter
neuen Namen aufgeführt. Ebenso hat auch der Verf. die in den
ohne Text erschienenen schönen Tafeln zu der Voyage de la com-
mission scientiüque du Nord en Scandinavie, en Laponie, au Spitz-
berg et auxFaroe, pendant 1839 — 1840 surla corvette la Recherche,
publ. xDar Gaimard, die Ref. nicht zugängig sind, abgebildeten
Arten benannt und, so weit das möglich war, zu charakterisiren
versucht.
In den „Nachträgen zur Revision der Turbellarien" (ebendas.
Bd. 46. S. 1 — 16) berücksichtigt Verf. ausser Gräffe's älterer Arbeit
die Abhandlungen von Glaparede und Kefer stein, übep die
wir im Nachstehenden zu referiren haben. 4 • \
■ 1." I ■ i;.>.
164 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d, Naturgeschichte
RhynchOCOela. Claparede's Untersuchungen (rech,
anatom. 1. c. p. 57 — 82) erstrecken sich über die ganze
Gruppe der Turbellarien, sind aber mit besonderer Vor-
liebe den kleineren sog. Rhabdocoelen zugewendet.
Bei den Nemertinen waren es vorzugsweise die Verhält-
nisse der Rüsselbildung, die Verf. beschäftigten. Man hatte bisher
die Ansicht, dass das Muskelpolster, das die Waffen der bestachel-
ten Nemertinen trägt, die Rüsselhöhle oder doch wenigstens den
vorderen vorstülpbaren Theil derselben nach hinten vollständig ab-
schliesst. Claparede zeigt nun, dass diese Annahme unrichtig
ist. Er entdeckte neben dem Hauptstachel die Ausmündung eines
Canales , der aus einem kleinen, in das betreffende Muskelposter
eingebetteten flaschenförmigen Hohlräume hervorkommt und ver-
muthlich eine giftige Flüssigkeit führt. Es liegt nahe, diesen Canal
auch mit der hinteren Rüsselhöhle in Verbindung zu bringen und
letztere als die eigentliche Bildungsstätte des giftigen Secretes zu
betrachten — wie es nach den Untersuchungen von Keferstein,
die Ref. vollkommen bestätigen kann, auch wirklich der Fall ist — ,
allein Verf. hat die Existenz dieser hinteren Rüsselhöhle übersehen
und die ganze hintere Hälfte des Rüssels einfach als Rückziehe-
muskel gedeutet. Die Wurzel des Hauptstachels ist in einen Mus-
kelsack eingepflanzt, der der Wand der Rüsselhöhle angehört, ge-
wissermassen in einer Nebentasche derselben liegt. Auch die wur-
zellosen Ersatzstacheln liegen in einer eigenen Aussackung der Rüs-
selhöhle. Ueber die Bedeutung der letztern Waffen ist Verf. übrigens
im Zweifel; er hat ihre Entwickelung (die doch nicht eben schwer
zu constatiren ist) niemals beobachtet und möchte sie fast für abge-
nutzte Hauptstacheln halten. (L. c. p. 81. 82.)
Die Untersuchungen Kcferstein's (Zeitschrift für
wissensch. Zool. Bd. XII. S. 57-93. Taf. Y— VII) umfas-
sen nicht bloss den gesammten anatomischen Bau der
Nemertinen, sondern erstrecken sich auch auf deren Sy-
stematik und geben somit ein ziemlich vollständiges Bild
von dem gegenwärtigen Stande unserer Kenntnisse über
diese Thiere.
Wir heben aus den Angaben des Verf. 's zunächst hervor, dass
die Nemertinen nicht, wie man früher meinte, den sog. Parenchym-
würmern zugehören, sondern eine Leibeshöhle besitzen, die von
den Eingeweiden allerdings zum grössten Theile ausgefüllt wird,
aber immer noch geräumig genug ist, um eine von zahlreichen plat-
ten Körperchen durchmischte Flüssigkeit in sich aufzunehmen.
Zur Befestigung des Darmkanals in dieser Höhle dienen zahlreiche
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 165
Muskelzellen, die von den äusseren, behanntlich stark muskulösen
Körperwänden abgehen. DassVerf. die hintere Rüsselhöhle als ein
Drüsenrohr betrachtet, das sein Secret neben dem Hauptstachel ent-
leere, ist schon oben bei Gelegenheit der Untersuchungen Clapa-
rede's erwähnt worden; es bleibt in BetreiF des Rüssels hier nur
noch so viel zu bemerken, dass Verf. die Seitenstacheln, deren taschen-
förmige Behälter mitunter bis auf drei und noch mehr (8—10 bei
Borlasia splendida) sich vermehren, für eigenthümliche Waffen hält, die
mit einem Ersätze des Hauptstachels nichts zu thun hätten. Er stützt
sich dabei auf seine Beobachtungen an dem viviparen Prosorhochmvs
Claparedii, bei dessen Embryonen der Hauptstachel gleich An-
fangs an seiner späteren Anheftungsstelle entsteht und überdiess
nur die halbe Länge der Nebenstacheln besitzt. Das Gehirn be-
steht überall aus zwei Ganglienpaaren, die in den einzelnen Gruppen
der Nemertinen eine verschiedene Bildung haben, in sofern aber
übereinstimmen, als die Rückencommissur zwischen den beiden
vorderen Ganglien, die Bauchcommissur dagegen zwischen den beiden
hinteren ausgespannt ist. Deutliche Ganglienkugeln Hessen sich
ebenso wenig, wie deutliche Nervenfasern nachweisen. Bei Oerstedia
pallida beobachtete Verf. auf der Rückseite der unteren Ganglien
je zwei Gehörblasen mit einigen kleinen bewegungslosen Otolithen.
Auch die Kopfspalten möchte Verf. als* Sinnesorgane in Anspruch
nehmen, zumal er unter denselben überall ein Paar ovaler Körper-
chen („Seitenorgane^') auffand, die durch dicke Nerven mit dem Ge-
hirne in Verbindung standen. Von excretori sehen Gefässen hat Verf.
nirgends eine Spur gefunden, dafür aber beschreibt er ein Blutge-
fässsystem von ziemlich complicirter Bildung, besonders bei Borlasia
splendida , deren Blut roth ist, wie Menschenblut, und wie dieses,
seine rothe Farbe den zahlreich vorhandenen Blutkörperchen verdankt.
Die Entwickelung des viviparen Prosorhochmus geht auf direktem
Wege in der Leibeshöhle vor sich. Auffallend ist die Entwickelung
des Rüssels, die in verhältnissmässig später Zeit durch Einstülpung
der äusseren Bedeckungen geschieht und erst nach der Geburt
vollendet ist.
Nachdem Verf. in vorstehender Weise den Bau der Nemerti-
nen geschildert hat, macht er noch einige Mittheilungen über den
seit delle Chiaje nicht wiedergesehenen Balanoglossus clavigerus,
den Verf. übrigens trotz der flimmernden Körperoberfläclie kaum'
für einen Verwandten der Turbellarien halten möchte. Ob diese An-
sicht richtig ist, steht dahin. Ref. muss wenigstens gestehen, dass
die durch die Länge des Körpers hinziehenden zwei Kanäle ihn trotz
aller Eigenthümlichkeit so auffallend an Rüssel und Darmhöhle der
Nemertinen erinnert haben, dass er bis auf Weiteres die Auffassung
von Keferstein nicht theilen kann. Im Uebrigen giebt er gerne
166 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
zu, dass die Entscheidung über die Natur dieses merkwürdigen Thie-
res heute noch nicht spruchreif ist. Nachdem Keferstein das-
selbe der Vergessenheit entrissen hat, werden wir darüber hoffent-
lich bald ein "Weiteres und Vollständigeres erfahren. (Nach Die-
8 i n g würde Balanoglossus zu den Gephyreen gehören und zunächst
mit Bonellia verwandt sein.)
Bei dieser Gelegenheit möchte Ref. noch einmal auf den von
Grube beschriebenen sonderbaren Lithocryptus zurückkommen, von
dem derselbe früher (J. B. für 1853. S. 389) bemerkte, dass er auf
ihn mehr den Eindruck eines thierischen Organs, etwa eines Rüssels,
mache, als den eines selbstständigen Geschöpfes. Wie richtig diese
Bemerkung war, davon hat sich Ref. inzwischen an demselben Orte,
wo Grube seine Beobachtungen angestellt (Dieppe), überzeugt, in-
dem er das fragliche Gebilde als Pharynx und Oesophagus einer
schönen grünen Eulalia erkannte , die , nach Art mancher Nemer-
tinen, in der Gefangenschaft diese Organe ausstösst.
Die Systematik der Nemertinen betreffend^ so ado-
ptirt Keferstein (a. a. O. S. 53) die Schultz e'sche
Eintheilung der Nemertinen in bewaffnete (enopla) und
waffenlose (anopla) Arten. Die erste Gruppe enthält eine
einzige Familie, die der Tremacephalldae, die sich durch
die kurze, meist trichterförmige Bildung der Flimmer-
gruben auszeichnet, die zweite deren zwei, die der Rhoch-
mocephalidae und Gymnocephalidae , von denen die er-
stere langgestreckte Flimmergruben hat, die andere aber
gar keine. Auch die Organisation des Hirns zeigt in
diesen drei Familien gewisse durchgreifende Unterschiede.
Die von Keferstein zum grossen Th eile mit emendirten
Charakteren ausgestatteten Genera vertheilen sich folgen-
dermassen :
Tremacephaliden: a ohne Lappenbildung vorn am Kopfe :
Polia delle Ch.', Borlasia Kfrst. (eh. emend.), Oerstedia Quatref.
b mit liappenbildung vorn am Kopfe: Micrura Ehrbg. (incl.
Tetrastemma), Posorochmns n. gen., Lobilabrum Blainv.
Rhochmocephaliden: a ohne Lappeubildung, Lineus
Sowerby (= Borlasia Auct.) , Cerebratulus Ren. (= Meckelia) , Ne-
mertes Cuv. (char. emend.).
b mit Lappenbildung, Ophiocephalus delle Ch.
Gymnocephaliden: Cephalothrix Oerst.
Für Borlasia, Prosorhochmus und Nemertes schlägt Verf. fol-
gende Diagnose vor:
Borlasia. Kopf nicht vom Körper abgesetzt, meistens mit Au-
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 167
gen. Mund einige Kopfbreiten vom Vorderende entfernt. Kopf hin-
ten wenig verschmälert und gewöhnlich kurz.
Pros orho chmus n. gen. Kopf nicht vom Körper abgesetzt,
vorn mit drei Lappen, indem das Vorderende herzförmig ausgeschnit-
ten ist und an der Rückseite ein dritter Lappen liegt. Der Rüssel
tritt unterhalb des herzförmig getheilten Vorderrandes aus. Mit
Augen. Mund ein Paar Kopfbreiten vom Vorderende entfernt. Kör-
per von mittlerer Länge und Contractilität.
Nemertes. Kopf nicht vom Körper abgesetzt. Kopfspalten
lang, bis zur Höhe des Mundes. Meistens mit Augen. Körper platt,
von massiger Länge und Contractilität.
Beschrieben werden : Borlasia mandilla Quatref., Borlasia splen-
dida n. sp. (die Die sing wegen der eigenthümlichen Faltung der
Flimmergruben zum Repräsentanten eines eigenen Genus Ptychodes
macht), Oerstedia pallida n. sp. (= Ototyphlonemertes Kefersteinii
Dies.), Prosorhochmus Claparedii n. gen. et n. sp., Nemertes octo-
culata n. sp., Cephalothrix ocellata n. sp. , C. longissima n. sp.
ßämmtlich von St. Vaast la Hogue.
Die von Cerebratulus crassus abgesonderte Röhre be-
steht nach den chemischen Untersuchungen L. Mayer's
aus einer Substanz, die dem Arthropodenchitin sehr ähnlich,
doch keineswegs damit vollständig identisch ist. Grube's
Ausflug nach Triest S. 129 Anm.
Ebendaselbst finden sich auch mancherlei andere Mittheilungen
über Nemertinen, von denen wir hier nur so viel hervorheben, dass
Meckelia Knerii Dies, wahrscheinlicher Weise mit Cerebratulus ge-
niculatus Gr. zusammenfällt. S. 81.
Valencinia dubia Quat. wird von Die sing zu einem beson-
deren Genus Quatrefagea {Qu. insignis) erhoben. Ebenso Nemertes
polyhopla, die als P o lyhopla (n. gen.) nemertes aufgeführt ist. A. a. 0.
Bd. 45. S. 289 u. 297.
Stimpson spricht sich, in Uebereinstimmung mit Ref. ( J. B.
für 1860. S. 284) , dahin aus . dass Dunlopea Wright und Sphyroce-
phalus Schmarda mit dem Genus Bipalium St. zusammenfallen und
hebt hervor, dass auch die Planaria lunata Gr. diesem Genus zuge-
höre. Ann. and Mag. nat. hist. T. VII. p. 231.
PharyngOCOela. 0. S c h mi d t's ^Untersuchungen über
Turbellarien von Corfu und Cephalonia'^ (Zeitschrift für
wissensch. Zool. Bd. XL S. 2—30. Taf. I— IV) bereichern
unsere Kenntnisse über Pharyngocoelen nicht bloss durch
die Aufstellung einer Anzahl neuer Arten und Genera,
sondern weiter auch durch zahlreiche Angaben über den
168 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
anatomischen Bau und namentlich die Bildung der Ge-
schlechtsorgane. Besonders interessant ist der Nachweis,
dass es auch unter den marinen Dendrocoelen Formen
mit einer nur einfachen GeschlechtsöfFnuhg giebt, mit
einer Bildung also, die wir bisher als ein charakteristi-
sches Merkmal der Süsswasserdendrocoelen anzusehen
pflegten. Der innere Bau der Geschlechtsorgane zeigt
dabei freilich eine unverkennbare Aehnlichkeit mit dem
Verhalten der übrigen Meerbewohner. Uebrigens liefern
die vorliegenden Untersuchungen von Neuem den Be-
weis, dass die Organisation der Geschlechtsorgane bei
den Pharjngocoelen eine ganz ausserordentliche Mannich-
faltigkeit darbietet. Selbst bei den Süsswasserarten ist
dieselbe grösser, als man bisher wusste, wie schon aus
der Entdeckung des Verf.'s hervorgeht, dass manche die-
ser Thiere ausser dem Penis und dem Uterus, die beide
in den sog. Vorraum einmünden (verg. J. B. für 1859.
S. 142), noch ein drittes ansehnliches Organ von keulen-
förmiger Gestalt erkennen lassen, das, nach der Vermu-
thung des Verf., zur Absonderung der Eischalen dienen
möchte. Trotz dieser Mannichfaltigkeit der Bildung er-
geben übrigens gerade die Geschlechtsorgane mancherlei
wichtige Anhaltspunkte für Systematik und Diagnose der
einzelnen Arten, wie denn Verf. darauf hin z. B. den
Nachweis führt, dass die bekannte Planaria lactea von
den übrigen echten Planarien generisch (als Typus des
Gen. Dendrocoelum) zu trennen sei. Auch sonst hat Verf.
mancherlei kritisch - systematische Bemerkungen einge-
streut. Den Genusnamen Polycelis will er (mit Recht) den
vielaugigen Süsswasserformen reservirt wissen, während
die von Quatref ages u. A. mit diesem Namen bezeich-
neten Seeplanarien dem Gen. Leptoplana zugerechnet wer-
den, das wahrscheinlicher Weise auch Elasmodes Stps. in
sich aufnehmen muss. Das Gen. Prosthiostomum glaubt
Verf. dagegen beibehalten zu müssen. Er sieht den
Hauptunterschied desselben von Leptoplana in der Lage
des Rüssels, der sich bei letzterer Art hinten, bei Pro-
sthiostomum dagegen vorn öffnet.
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 169
Die von unserem Verf. beschriebenen Arten sind folgende:
I. Seeplanarien mit zwei Geschlechtsöffnungen. Leptoplana
Alcinoi n. sp., L. laevigata Quatref., Prosthioslomum hamatum n. sp.
n. Süsswasserplanarien. Dendrocoelum Nausicaae n. sp., Planaria oli~
vacea n. sp., PL sagittata n. sp. III. Seeplanarien mit einer Geschlechts-
öffnung: Gunda lobata n. gen. et n. sp., Cercyra hastuta n. gen.
et n. sp., Haga plebeja n. gen. et n. sp. IV. Rhabdocoelen. Con^
voluta infundibulum n. sp., Anoplodium parasita Schndr., Castr ada
horriJa n. gen. et n. sp., Monocelis ophioccphala n. sp. Den Schluss
der Abhandlung bildet die Beschreibung zweier Gratzer Vortexarten
{V.cuspidotvsn. sp. und F. armiger n. sp.), die sich durch die eigen-
thümliche Bewaffnung ihres Penis auszeichnen, und ein Excurs über
die Geschlechtsorgane des Dendrocoelum lacteum.
Unter den Charakteren des neuen Prosthiostomum hamatum
führt Verf. an: Männliches Begattungsorgan mit hornigem Aufsatze
und zwei Nebenblasen oberhalb des Bulbus. Dieselben Charaktere
beobachtete Eef. übrigens bei einer nahe verwandten Art von Villa
franca, die bis zu 3 und 4 Ctm. heranwächst und wegen des starken
Ausschnittes in der Mittellinie des Stirnrandes den Namen Pr. emar-
ginatum tragen mag. Die Zahl und Stellung der Augen ist wie bei
Pr. hamatum, der Rücken aber bräunlich, der Kopfrand mit zahlrei-
chen starren Spitzen besetzt. In der Form des Penis und Bulbus
finden sich manche Abweichungen von Pr. hamatum, die Ref. ver-
anlassen, beide Arten für verschieden zu halten. Um die Beschrei-
bung S chmidt's zu vervollständigen, will Ref. hinzufügen, dass
der Darm aus zwei vordem und einem hintern Schenkel besteht,
die zahlreiche, 'rechts und links neben dem hinteren Schenkel zu
einem reichen Netzwerke anastomosirende Verästelungen tragen.
Die Samenleiter besitzen ausser den vordem auch ein paar hintere
Schenkel und sind mit verästelten Ausläufern versehen, die sich hier
und da deutlich bis zu den zahlreichen, im ganzen Körper verbrei-
teten Hodenbläschen verfolgen lassen. Ganz ähnlich verhalten sich
die Oviducte, die dicht hinter dem männlichen Bulbus ausführen
und hier mit einer flaschenförmigen Begattungstasche in Verbindung
stehen.
Den Hauptcharakter des Gen. Dendrocoelum sieht Verf. darin,
dass der Penis nicht direkt im Vorräume liegt oder in diesen ein-
mündet, sondern in einer eigenthümlichen, nach den Arten variiren-
den Scheide enthalten ist. Dazu kommt ein zwiebel- oder birnför-
miges Nebenorgan am Vorräume, das starke Muskelwandungen be-
sitzt (aber auch manchen Arten des Gen. Planaria zukommt.) A. a.
0. S. 13.
Das neue Gen. Gunda stellt Verf. mit folgender Diagnose
auf (S. 16). Zwei Augen; Stirn ausgerandet mit ansehnlichen Ohr-
170 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
läppen; Gehirn unregelmässig lappig; Penis unbewaffnet, vor der
Geschlechtsöffnung ; unmittelbar hinter der Geschlechtsöffnung ein
kugliger Behälter, welcher als Receptaculum seminis und Uterus
dient und in welchen die vereinigten Eileiter direkt einmünden.
Cercyra hat (S. 17) als Diagnose : Zwei Augen ; Darmver-
zweigungen sehr deutlich, die beiden hinteren Stämme mit Quer-
anastomosen; die Samengänge vereinigen sich schon unterhalb des
Schlundes zu einem gemeinschaftlichen Gange ; der Penis mit einem
hornigen, einer Lanzenspitze gleichenden Aufsatze. Die Eierstöcke,
welche Eier und isolirte Keimbläschen (? Ref.) enthalten, liegen vor
der Basis des Rüssels; der beuteiförmige Eihalter hinter der Ge-
schlechtsöffnung.
Bei dem neuen Gen. Haga (S. 19) ist der Körper vorn abge-
rundet, ohne Spur von ohren- und tentakelartigen Fortsätzen ; die
Augen sind klein, weiter von einander abstehend, als vom Rande;
der verhältnissmässig lange Rüssel liegt in einer geräumigen Höhle,
deren Wandungen deutlich sind; der Darmkanal ist undeutlich ver-
zweigt, in den Uterusgang mündet eine besondere Samentasche ein ;
die Eileiter münden in den Uterus an der Basis des Uterusganges.
Das neue Gen. Castrada stimmt (S. 25) durch die Beschaf-
fenheit des Schlundkopfes und des Wassergefässsystems mit Meso-
stomum, an das es auch durch seine männliche Samenblase und die
Existenz eines Vorraumes erinnert, während die weibliche Samen-
tasche und der Eierstock sich wie bei Vortex verhalten. Dazu kom-
men noch mancherlei Eigenthümlichkeiten des männlichen Appara-
tes, namentlich der Umstand, dass der Ausführungsgang theilweise
ausstülpbar ist.
Die Beobachtungen über das sonderbare Schmarotzergenus
Anoplodium ergänzen in mehrfacher Beziehung die früheren Anga-
ben von Schneider (J. B. für 1858. S. 181). Die einfache Ge-
schlechtsöffnung führt direkt in Penisscheide, Vagina und Eihalter
über. "Wo die Keimdrüse sich in die Vagina öffnet, findet sich eine
rundliche Erweiterung, in der Schmidt sich die Eier mit Dotter
umlagern lässt. Das betreffende Organ wird desshalb auch als
Ovarium bezeichnet, mit einem Namen, dessen Berechtigung übri-
gens von Schneider (Archiv für Anat. u. Physiol, 4861. S. 784)
in Abrede gestellt wird. Nach letzterem bekommt das Ei seinen
Dotter schon während des Aufenthaltes in der Keimdrüse. Schnei-
der will das fragliche Gebilde nur als Receptaculum seminis gel-
ten lassen.
Convoluta besitzt nach Schmidt (S. 21) eine trichterförmige
Mundhöhle, die in einiger Entfernung hinter der Otolithenblase
gelegen ist und durch eine bogenförmige Oeffnung nach Aussen aus-
mündet. Ein vorstülpbarer Pharynx fehlt — wesshalb der Mund-
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 171
apparat denn auch von den früheren Beobachtern übersehen wurde — ;
seine Stelle wird durch Quermuskeln vertreten, die in der Wand
der Mundhöhle entwickelt sind. Die Geschlechtsorgane konnten
nur unvollständig erkannt werden, aber so viel stellt Verf. doch
ausser Zweifel, dass Convoluta abweichender Weise eine Rhabdo-
coele mit zwei Geschlechtsöflfnungen ist.
Dasselbe Resultat erhielt auch Claparede durch seine Un-
tersuchungen an Convoluta paradoxa (die derselbe übrigens — im
Gegensatze zu Schmidt — für identisch mit C. Diesingii hält und
kaum einmal von C. albocincta specifisch unterscheiden möchte).
Aber die Beobachtungen von Claparede sind vollständiger, ob-
gleich auch sie den Gegenstand vielleicht noch nicht vollkommen
erschöpfen. Die Schwierigkeiten der Untersuchung sind zum Theil
darin begründet, dass männliche und weibliche Genitalien niemals
zu gleicher Zeit zur Reife kommen, in ihrer Entwickelung vielmehr
so verschieden sind, dass man fast berechtigt ist, von besonderen
männlichen und weiblichen Individuen zu sprechen. Bei den letz-
tern findet man im Körperparenchym zerstreut zahlreiche Eizellen,
die ohne Beihülfe besonderer sog. Dotterstöcke zu ansehnlichen
Eiern heranwachsen und beim Austritte aus der zunächst hinter der
fast centralen MundöfFnung gelegenen Vulva mittelst eines beson-
deren Receptaculum seminis befruchtet werden. Die männlichen
Organe bestehen aus hellen und dünnen gewundenen Canälen, die
den ganzen Leib durchziehen und mit einzelnen bisweilen sackför-
mig erweiterten Blindästen besetzt sind. Die beiden Samenleiter
haben am Ende eine starke, mit grossen Spermatozoen gefüllte
Erweiterung (die auch von Schmidt gesehen wurde). In der
äusseren Haut finden sich ausser den sog. stäbchenförmigen Körper-
chen förmliche mit 3 oder 4 kurzen Borsten versehene Angelor-
gane (1. c p. 57—62). Bei Mesostomum marmoratum (p. 63 u. 64)
möchte Verf. die dem cylindrischen langen Penis anhängende Blase,
die M. Schultze als Samenblase in Anspruch nahm, für eine pro-
stataartige Anhangsdrüse halten, als Samenblasen aber zwei längliche
Schläuche beanspruchen, die M. Schnitze wahrscheinlich als Ho-
den deutete. Der wirkliche Hoden soll als ein ovaler mit Samenfäden
gefüllter Ballen weiter vorn gelegen sein. Prostomum caledonicum
n. sp. (p. 64—66) besitzt einen ganz colossalen retortenförmigen
Penis, in dessen Ende der kleine Hoden mit Samenblase eingebettet
liegt. (Ganz ähnlich sah es Ref. bei einer Prostomumart Nizza's.)
Von Vortex quadrioculatus Lt. beobachtete Verf. (p. 66) ein kleines
unreifes Exemplar ohne Spur von Genitalien, deren Entwickelung
später die Form der hinteren Körperhälfte bedeutend umgestaltet.
Das neue Gen. Enterostomum (E. Fincfalianum n. sp.) gehört zu
den Opistomeen, besitzt aber vier Gesichtsorgane ai;f dem wohl ent-
172 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
wickelten zweilappigen Hirnganglion und dürfte vielleicht mit dem
im letzten J. B. (S. 283) erwähnten Gen. Allostoma van Ben. zusam-
menfallen. Wie bei letzterem liegen die Hoden als zahlreiche helle
Bläschen durch die ganze vordere Körperhälfte vertheilt. Die bei-
den Samenleiter, die sich schlingenförmig zu vereinigen scheinen,
zeigen an ihrem unteren Ende eine starke Erweiterung. Die Ova-
rien liegen im Umkreise des Pharynx, zwischen den beiden Dotter-
stöcken, die sich in den Seitentheilen des Körpers hinziehen und
vorn oder hinten gleichfalls schlingenförmig vereinigt sind. Hinter
den Ovarien beobachtet man eine Samenbläse. Die Seitenstämme
des Wassergefässsysteras öffnen sich hinter dem Penis mittelst einer
ansehnlichen, innen flimmernden Endblase (p. 67 — 69).
Die Diagnose des gen. n. Ent er ostomum lautet bei Cla-
parede wie folgt: Rhabdoceles ä bouche situee dans la moitie
posterieure du corps, pharynx exsertile en forme de bayau, testi-
cules tres nombreux dans la moitie anterieure du corps.
Eine von Claparede (1. c. p. 83) gefischte Tur-
bellarienlarve von 0^3 Mm. Länge hatte einen abgeplatteten
vorn und hinten zugespitzten Kö7:per und einen einfachen,
fast den ganzen Körper erfüllenden Darm mit cylindri-
schem Pharynx. Die vordere Körperspitze war geringelt
und ohne Cilien, während sich an der Basis derselben
rechts und links ein stärkerer Flimmerkamm vorfand.
Das hintere Körperende war mit einem nadeiförmigen
Haarschopfe versehen.
Eine zweite offenbar den Dendrocoelen zngehörende
Larve (0,3 Mm.), besass einen cylindrischen Körper und
einen eben solchen Darm mit drei erst wenig entwickel-
ten divertikelförmigen Erweiterungen und einem einfachen
Munde. Die Körperoberfläche zeigte zahlreiche Papillen
und Gruppen von Nesselkapseln. Es scheint übrigens,
als wenn die Dendrocoelen eine gar lange Zeit im Wasser
umherschwärmten. Bei Dieppe hat Ref. nicht selten Le-
ptoplanen gefischt, die eine Grösse von fast 3 Mm. be-
sassen und bis auf die mangelnden Geschlechtsorgane
und die geringere Augenzahl schon vollständig mit den
unter Steinen am Uferrande vorkommenden ausgewach-
senen Exemplaren übereinstimmten.
Claparede glaubt nach seinen Untersuchungen .an
Eurilepta (Proceros) anriia n. sp. (1. c. p. TG) und Gen-
der niederen Thiere während der Jahre 18G1— 1862. 173
trostommn Mertensii n. sp. (ibid. p. 79) die sog. Darmäste
der marinen Dendrocoelen als Leberanhänge betrachten
zu dürfen; da sie ein entschiieden drüsiges Aussehen be-
sässen und keinen Darmbrei einschlössen, wie es bei den
Süsswasserplanarien der Fall sei. (Bei Prosthiostomum hat
übrigens Ref. in den Anfangstheilen der — netzförmig
anastomosirenden — Darmzweige deutliche Spuren der
genossenen Nahrungsstoffe aufgefunden.) Was man an
den männlichen Organen früher gewöhnlich als Penis
bezeichnete, nimmt Verf. mit allem Rechte als Samenblase
in Anspruch, wie das Ref. auch für Prosthiostomum und
Centrostomum sp. bestätigen kann. Der Penis liegt wei-
ter nach aussen zu und hat bei Eurylepta eine kleine
Anhangsdrüse. Die Hoden bestehen bei Eurylepta aus
5 — 6 jederseits auf den V-förmigen Samenleitern aufsit-
zenden Bläschen, während sie bei Centrostomum jeder-
seits in Gestalt von vier langen und schlanken Blind-
schläuchen direkt in die Samenbiase einmünden sollen. (Bei
einem helgolander Centrostomum fand Ref. anstatt dieser
sog. Hoden jederseits ein unverkennbares Vas deferens,
das sich in einiger Entfernung von der Samenblase in
zwei Schenkel spaltete, von denen der eine nach vorn,
der andere nach hinten lief.. Die Hoden glaubt derselbe
im ganzen Körper zerstreut zwischen den Verästelungen
des Darmes und Ovariums gefunden zu haben.)
Nach einer vergleichenden Critik der von den früheren For-
schern, besonders Ehrenberg, Oersted und Quatrefages, in
der Gruppe der marinen Dendrocoelen aufgestellten Arten glaubt
Verf. dieselben (1. c p. 69—75) folgendermassen vertheilen zu können :
I. Mit zahlreichen Rückenpapillen und Stirnausschnitt
Thysanozoon Grube.
II. Ohne zahlreiche Rückenpapillen.
1. Mund ziemlich endständig. Rüssel
cylindrisch.
a. Zwei Stirntentakel Eurylepta Ehrbg. (Pros-
ceros Quatref.).
b. Ohne Tentalel Leptoplana Ehrbg. (Pro-
thiostomum Quat.).
2. Mund mehr oder weniger central.
Der kurze und breite Rüssel mit
einigen Falten.
174 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. iu d. Naturgeschichte
a. Mit Augen.
a. Mit zwei Kückententakeln neben
dem Ocellenhaufen .... Planocera Blainv. (Stylo-
. chus Auct.)
ß. Ohne Tentakel.
* Mit zahlreichen verschieden
gestellten Augen . . . Polycelis Ehrbg.
** Mit vier Augen .... Tetracelis Ehrbg.
*** Mit drei Augen . . . Tricelis Ehrbg.
b. Ohne Augen Typhlole^Dta Oerst.
3. Mit mehr oder weniger centralem
Munde und ansehnlichem gefalteten
oder geschlitzten Rüssel.
a. Ohne Tentakel Centrostomum Dies.
b. Mit zwei Rückententakeln . . . Stylochus.
In Diesing's Revision der Turbellarien werden folgende neue
Gattungen aufgestellt:
A. Dendrocoelen: Geobia a. a. 0. S. 496 (mit G. subterra-
•nea = Geoplana subterranea Müll. Schlz.), Leimacopsis S. 519
(mit L. terricola — Prostheceraeus terricola Schmarda), Schmar-
den S. 546 (mit Seh. rubrocincta = Eurylepta rubrocincta Schm.),
Gnesioceros S. 571 (mit G. pellucidus und Mertensii, früher zu
Stylochus gerechnet). Schmarda's Genusnamen Dicelds wird, da
derselbe von Dujardin schon an einen Nematoden vergeben sei,
mit Diopsis vertauscht.
B. Rhabdocoelen : Acelis a. a. 0. S. 206 (A. crenulata =
Acmostomum crenulatum Schm.), Monotus S. 212 (— Convoluta
und Monocelis sp.), M onops S. 230 (Monocelisarten mit einem Augen-
flecken), Celidolis S. 233 (Monocelisarten mit zwei Augenflecken),
Typ hl omicr o st omum S. 235 (T. coerulescens = Strongj^lostomum
coerulescens Schm.), Atiotocelis S. 236 (Stenostomum p. p., Mi-
crostomum p. p.).
Peas e beobachtete an der Küste der Sandwichinseln fünf ma-
rine Dendrocoelen, die Gray, der darüber berichtete (Proceed. Zool.
Soc. London 1860. p. 37 und 38), zu einem Genus n. Peasea ver-
einigt: P. inconspicua, P. irrorata, P. maculata, P. reticulata, P.
tentaculata. Die sing rechnet die beiden ersten zu Leptoplana, die
anderen zu Eurylepta, Planocera. Thysanozoon.
Aus D i e s i n g's Revision hat Ref. auch eine in dem Journ. of
the Ceylon Brauch of the royal asiatic Soc. I. p. 134—138) veröffent-
lichte Abhandlung von Kelaart kennen gelernt: Description of
new and little known species of Ceylon nudibranchiata Moilusks
and Zoophytes, die ihm sonst unzugänglich ist. In dieser Abhand-
lung beschreibt Verf. — auf eine freilich sehr unzureichende Weise
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 175
— unter den Genusnamen Penula und Planaria 19 marine Dendro-
coelen, Penula ocellata, P. punctala, P. fulva, P. alba (nach Die-
sing vielleicht Arten des Gen. Leptoplana), Planaria cerebralis,
PL violacea , PI. viridis, PI. furpurea , PI. fnsca, PI. striata, PL
undulata, PL dulcis, PL zeylanica, PL annata, PI. papHionis (die
sämmtlich mit tentakelartigen Kopflappen versehen sind), PL ele-
gans, PL aurea. PL Tliesea, (die nach Diesing dem Gen. Plano-
cera zugehören) und PL (Trachyplana Dies.) meleagrina.
Die in den oben erwähnten Tafeln von Gaimard (Voy. de
la Recherche) abgebildeten Turbellarien gehören nach Diesing
theils zu dem Gen. Diopsis {D. borealis Dies.), theils zu Monops
{M. umbrinus Dies., M. elegans Dies., M. obesus Dies., M. nigro-
flavus Dies.).
Humbert's Abhandlung über Landplanarien (Mem.
Soc. pliys. Geneve T. XVI) soll in dem nächsten Berichte
berücksichtigt werden.
Unter dem Namen Planaria torva sind nach den Un-
tersuchungen Schmidt's (Zeitschrift für wissensch. Zool.
Bd,XL S. 89. Taf.X) bisher eine Anzahl verschiedener
Arten zusammengeworfen, die in ihrer Färbung allerdings
eine gewisse Aehnlichkeit zeigen, im Körperform, beson-
ders Bildung des Vorderrandes, Stellung der Augen und
Organisation der Geschlechtsapparate aber doch ganz
constante Unterschiede erkennen lassen.
Verf. unterscheidet drei braune Planarien: PL lugubris n. sp.,
PI. torva Schnitze (PI. Schultzei Dies.) und PL pvlychroa n. sp., von
denen die zweite im mittleren Deutschland am meisten verbreitet
sein möchte. Der ersten Art fehlt das (oben bei Dendrocoelum er-
wähnte) muskulöse Anhangsorgan an dem Vorhofe der Geschlechts-
organe. Sie ist schlank mit stumpfgerundetem Stirnrande, während
die zweite Art einen einfach gerundeten, die letztere einen fast zu-
gespitzten Stirnrand besitzt.
Wyman bestätigt die Angaben von Müller u. A.
über das auffallende Reproductionsvermögen der Planarien.
Proceed. Boston Soc. T. IX. p. 157.
Grube berichtet (Ausflug nach Triest S. 34) über das
sonderbare — nach Carle er den Arthropoden zugehö-
rende — Gen. Myzostomum und sucht dabei den Nach-
weis zu liefern, dass M. glabrum Lt. und M. tuberculosum
Semper zusammenfallen.
176 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
3. € i 1 i a t i.
Rotiferi.
Von C 0 h n erhielten wir neue »Bemerkungen über
Räderthiere^ (Zeitschrift für wissensch. Zool. Bd. XII.
S. 197—218. Taf. Xi:— XXII). Sie beziehen sich auf den
interessanten Conochilus volvox Ehrbg., Brachionus polya-
canthus Ehrbg. (?) und Br, Leydigii n. sp. und enthalten
ausser einer detaillirten Schilderung der äusseren und
inneren Organisation mancherlei interessante" Aufschlüsse
über die Fortpflanzungsverhältnisse, besonders des erst-
genannten Thieres, über den Bau der Männchen, Beschaf-
fenheit der Samenelemente, Entwickelung der Eier u. s.w.
Der Umstand , dass in den Colonien des Conochilus erst
Sommer- und später, zugleich mit (frei umherschwimmenden) Männ-
chen auch vorzugsweise Wintereier vorkommen, macht es nicht un-
wahrscheinlich, dass sich an einem und demselben Individuum zu
verschiedenen Zeiten verschiedene Eier ausbilden — ein Verhalten,
das wahrscheinlicher Weise auch für die übrigen Räderthiere gilt und
nur desshalb früher verkannt wurde, weil sich die Eier dieser Thiere
immer nur einzeln entwickeln und bis zu einer bestimmten Periode
keinerlei Unterschiede darbieten, obwohl sie später bekanntlich
mehrfach (durch Grösse, Schalenbildung, geschlechtliche Beschaffen-
heit des Embryo) von einander abweichen. Für die Existenz einer
Parthenogenese liess sich kein neues Moment von entscheidender
Bedeutung auffinden. Man könnte im Gegentheile die Anwesenheit
von Samenfäden bei Weibchen mit Sommer- und Wintereiern fast
dahin auslegen, dass Conochilus alle seine Eier befruchte. Die Sa-
menfäden sind von kolossaler Grösse, fast halb so lang , als die
Männchen. Sie erscheinen unter der Form eines breiten Flimmer-
bandes, das einen stecknadelförmigen dünnen Strang in sich ein-
schliesst, der nach der Uebertragung in die weibliche Leibeshöhle
frei wird, ohne seine Beweglichkeit zu verlieren. Die Eingeweide
der Weibchen sind in der vorderen Körperhälfte zusammengedrängt
und in mehrfacher Hinsicht abweichend gebaut. Das Hirn ist von
ansehnlicher Grösse, mit zwei getrennten Augen, die eine deutliche
Linse zeigen. Bei den Männchen füllt es fast den ganzen Kopf aus,
auf dem bei den Weibchen zwei Hörnchen mit je einer Tastborste
aufsitzen. Der After liegt fast auf der Höhe der Mundöfifnung. Das
Innere des messerförmigen Fusses ist von einer grossen Zellenlage
bekleidet, die wahrscheinlicher Weise zur Absonderung der Gallert-
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 177
kugel dient, in welche die weiblichen Individuen bis auf den Vor-
derleib eingesenkt sind. Zum Zwecke der Befruchtung befestigen
sich die fast vorticellenartig aussehenden (vor einiger Zeit schon von
Dybowski — ^ J. B. 1860. S. 284 — beschriebenen) Männchen an
der Halsgegend des Weibchens.
Durch Beschreibung und Abbildung seiner ^seit 27
Jahren noch wohlerhaltenen Organisationspräparate des
mikroskopischen Lebens" (Abhandl. der Berl. Akad. 1862.
S. 44) führt Ehrenberg den Beweis, dass die wesentli-
chen inneren Organe der Philodinen u. a. Rotiferen durch
besondere Wandungen abgeschlossen sind — • eine Thatsa-
che, die heute wohl Niemand mehr leugnet. Wie damit
freilich die Existenz der darmlosen Männchen widerlegt
werden soll, ist nicht recht einzusehen.
Weisse's Abhandlung „zur Oologie der Räder-
thiere" (Mem. Acad. imp. Petersbg. T. IV. 1862. 10 S.
mit 1 Tafel) enthält Beobachtungen über Form und Grösse
der (Sommer-) Eier bei verschiedenen Rotiferen mit An-
gaben über die Geburt der Embryonen und das Auftre-
ten einzelner Organe. Es ist zu bedauern, dass die Win-
tereier, die zur Unterscheidung der Gattungen und Arten
weit bessere Anhaltspunkte geben, als die Sommereier,
dabei ohne Berücksichtigung geblieben sind.
Toth liefert ein Verzeichniss der von ihm in der
Umgegend Pest's aufgefundenen Rotiferen (Verhandl. der
k. k. zoologisch -botanischen Gesellsch. in Wien 1861.
S. 19) mit 23 Arten , die sich über 20 verschiedene Ge-
nera vertheilen. Auffallend ist, dass die so artenreichen
Gattungen Notommata, Diglena, Anuraea nur mit einer
einzigen, andere, wie Brachionus, Salpina nur mit zwei
Arten verzeichnet sind. Spätere umfangreichere Forschun-
gen dürften hier wohl andere Resultate ergeben.
Cephalosiphon Limnias ist der Name eines neuen
Räderthiers aus der Familie der Floscularien, das von
Slack in Hampstead entdeckt und in dem dort erschei-
nenden Intellectual observer Nr. 1 beschrieben ist. Ref.
entnimmt diese Notiz den Mittheilungen von Prof. Wil-
li am son in den Proceed. lit. and phil. Soc. Manchester
Vol. IL p.210.
Archiv f. Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. M
178 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Das nach einer vorläufigen Mittheilung von Grube
schon früher (J. B. für 1859. S. 152) einmal erwähnte son-
derbare Gen. Seison wird von seinem Entdecker jetzt fol-
genderraassen charakterisirt (Ausflug nach Triest S. 109.
Taf.I. Fig. 5 u. 6):
Seison n. gen. Corpus elongatum , pediculatum, affixum,
medio colli instar attenuatum, parte anteriore et posteriore fusiformi-
bus. Os anticum, intus ciliis munitum, maxillae internae, posterio-
res 2, anus posteriora versus (ad extremitatem pediculi?) situs ; pe-
diculus articulatus. Intestinum rectum.
Sp. S. I< ebalia e. Corpus elongatum, pellucidum, pedicula-
tum, affixum, parte anteriore minore, posteriore maiore, fusiformi-
bus collo retractili coniunctis, articulis pediculi elongatis 3 ad 4,
sensim attenuatis, postremo recte truncato. Os anticum sub lobulo
minuto situm, intus ciliis paucis vibrantibus munitum, maxillae in-
ternae posteriores 2 triangulae, longiores quam latae, quas inter
spiculum rectum. Intestinum rectum , antice et medio tumidum,
ante pediculi extremitatem desinens. Long, paene 0,67'". Parasita,
Nebaliae Geoffroyi affixus.
Von inneren Organen konnte Verf. ausser dem Darme nur
noch ein Y - förmiges Gebilde unterscheiden, das wahrscheinlicher
Weise dem Generationsapparate zugehört. Das Vorhandensein einer
contractilen Blase mit Seitenkanälen und Flimmerlappen konnte eben
so wenig constatirt werden, wie die Anwesenheit von Ganglien und
Muskelsystem, so dass die Frage nach der systematischen Stellung
von Seison und dessen Verwandtschaft mit den Rotiferen einstwei-
len noch nicht als entschieden anzusehen ist. Den Flimmerappa-
rat könnte man allenfalls in rudimentärer Ausbildung bei unserem
Thiere wiederfinden, wobei es nur auffallen würde, dass die übrigen
festsitzenden Rotiferen ausnahmlos ein sehr entwickeltes Strudel-
organ besitzen. (Nach Beobachtungen von Hesse und van Ben e-
den, über die wir im nächsten Jahresberichte zu referiren haben,
ist Grube's Seison — = Saccobdella H. et v. B. — den Asta-
cobdellen zuzurechnen.)
Bryozoa.
Unter dem Namen Loxosoma (n. gen.) singidare
beschreibt Keferstein einen kleinen, den Bryozoen zu-
gehörenden und zumeist mit Pedicellina verwandten
Schmarotzer, der in St. Vaast mehrfach auf Capitella
rubicunda beobachtet wurde. Das Thier lebt solitär und
ist von becherförmiger Gestalt , mit einem Stiele und
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 179
einem Köpfchen, dessen schief gestutztes Vorderende mit
zehn zweizeilig gestellten Tentakeln versehen ist und eine
aus der MundöfFnung schornsteinförmig hervorragende Af-
terröhre einschliesst. Die Eier nehn^n oberhalb des
herzförmigen Magens ihren Ursprung und haben eine sehr
ansehnliche Grösse. Bei einem Exemplare sah Verf. an
der äusseren Haut einen ovalen Körper aufsitzen. Verf.
vermuthet darin eine Knospe und begründet diese An-
gabe mit der Bemerkung, dass dasselbe Exemplar auch
noch ein anderes, mit seinen Stielfusse befestigtes Indi-
viduum getragen habe. Zeitschrift für wiss. Zool. Bd. XII.
S. 131. (Ref. erinnert daran, dass er auch bei Phascolo-
soma ein solitäres Schmarotzerbryozoon beobachtet hat,
das übrigens schwerlich dem Gen. Loxosoma zugehören
dürfte.)
Während man früher der Ansicht war, dass die Ei-
zellen, die bei der Mehrzahl der mit beweglichen Lippen
versehenen Bryozoen vorkommen, erst von den Thierzel-
len aus mit ihrem Inhalte sich füllten (J. B. für 1856),
liefert Hincks jetzt den Beweis, dass dem nicht so ist,
dass die sog. Eier dieser Zellen vielmehr an Ort und Stelle
ihren Ursprung nehmen. Ob dieselben freilich mit Recht
als „Eier^ bezeichnet werden, steht dahin. Was Verf.
über die Entstehung derselben sagt, spricht eben so we-
nig dafür — sie sollen durch Zusammenballen einer ur-
sprünglich an der Aussenwand der Zelle anliegenden
Körnermasse entstehen — , wie die Abwesenheit eines
Keimbläschens. Verf. lässt es auch ungewiss, ob eine
Befruchtung stattfindet, hat wenigstens niemals Samen-
fäden im Innern der Kapseln beobachtet. Dagegen sah
er den Körnerballen nach einiger Zeit sich furchen und
unter beständiger Grössenzunahme in einen flimmernden
Embryo sich verwandeln, der dann schliesslich nach Aus-
sen ausschlüpfte. Die Eier, die im Innern der Thierzellen
erzeugt werden, bleiben dort liegen, ohne einen flimmern-
den Embryo auszuscheiden, und lassen sich noch nach der
Zerstörung der Polypen unverändert nachweisen. Verf.
meint, dass diese Gebilde eine zweite Art von Fortpflan-
180 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Zungskörpern darstellen, die sich vielleicht erst nach län-
gerer Zeit zu einem Bryozoon entwickelten. Quarterly journ.
micr. sc. 1861. p. 279.
M'GiUivr^, Notes on the cheilostomatous Polyzoa
of Victoria and other parts of Australia (Transact. Philos.
See. Yictoria 1860. p. 157 mit Abb.) sind dem Ref. ebenso
wenig, wie desselben Verf.'s Abhandlung on some new
Australian Polyzoa (ibid. p. 97 mit Abb.) zu Gesicht ge-
kommen.
Nach den Beobachtungen und Zusammenstellungen
von Hinck's finden sich an der südlichen Küste von
Devonshire in Cornwall nicht weniger als 122 verschie-
dene Bryozoen (87 Cheilostomata, 14 Cyclostomata , 7
Ctenostoraata, 3 Pedicellinea, 1 Lophopea), unter denen
folgende neue Arten : Äetea recta^ Membranipora curvi-
rostris, M. discreta, Lepralia affinis, X. ocliraceaj L. ha-
stata, L. armaia, Cellepora dichotoma, Discoporella flos-
culusy Ar achnidia (n. gen.) Itippothooides y Valkeria
tremula (Catalogue of the Zoophytes etc. Ann. and Mag.
nat.hist. T.IX. p. 22— 30, p. 200— 207, p. 303— 340, p.4S7
-475. PL VII, XII, XVI. mit Nachtrag ebendas. P.X.
p. 361—363.)
Ar achnidia n. gen. ex ord. Ctenostom. Polyzoary membra-
naceous, forming a delicate network; cells separate, distant, adnate,
connected by a creeping anastomosing fibre on shells.
A. B 0 e c k macht einige Mittheilungen über die von
ihm an der südwestlichen Küste Norwegens beobachteten
Polyzoen, besonders über zwei neue Genera: Aetiopsis
{Ae. eIo7igatan. sp. auf Tang) und Cordyle (6\ crystal-
lina n. sp. von der Schale eines Dentalium). Forh. Vi-
denskab. selsk. Christiania 1861.
Das neue Gen. Aetiopsis gleicht in der Jugend dem Gen.
Aetea, von dem es sich aber dadurch unterscheidet, dass es im
Laufe des Wachsthums ein aus mehreren stark verlängerten Zellen
bestehendes Conoecium bildet. 'Cordyle zeigt einen kriechenden
Stamm, von dem eine grosse Menge langgestielter Polypenzellen
von Cylinderform abgehen.
Ebendas. berichtet Boe ck Sinch über Membranipora Bushiana,
Lepralia urnigera^ L. cheilosloma, L. aperla und L. leprosa, sämmt-
lich neue Arten.
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 181
Busk setzt seine Untersuchungen über ßryozoen
fort und liefert in dem Journ. micr. sc. 1861. p. 77 und
153 Diagnosen und Abbildungen folgender Arten :
Scrupocellarta Mader ensis n. sp. , Membranipora irregularis
d'Orb., Lepralia tnvltispinala n. sp., Cellepora ampullacea, Eschara
tuhulata n. sp., Psil eschara Maderensis n. gen. et n. sp., Hornera
peclinata n. sp. sämmtlich aus Madera ; Membranipora delicatissima
n. sp., S piralaria ßorea n. gen. et n. sp. beide aus Australien, Cel-
lepora edax n. sp. Devonshire — lebend und fossil — , Yincularia
neozelanica n. sp., Farciminaria dichotoma v. Suhr, F. Binderi n. sp.
beide aus Australien.
Diagn. n. gen. Psilescharae e fam. Escharidearum. Poly-
zoario erecto, e ramis linearibus subcompressis composito; cellulas
in una facie tantum .gerente ; cellulis quincuncialibus , in seriebus
longitudinalibus dispositis. L. c. p. 79.
Diagn. n. gen. Spiralariae e fam. Flustridearum. Poly-
zoario ramoso ; ramis cylindricis e lamina angusta spiraliter contorta
constitutis. Cellulis ad faciem superiorem tantum spectantibus mar-
ginalibus armatis.
Ueber Tubulipora patina und deren Veränderungen während
des Grössenwachsthuras vergl. Grube, Ausflug u. s. \A". S. 83. Anm.
II. Echinodcrmata.
Agassiz wiederholt seine bekannten Ansichten
(vergl. besonders J. B. 1860. S. 293) von den morphologi-
schen Beziehungen der Echinodermen zu den übrigen sog.
Strahlthieren und behauptet , dass sich die Verwandt-
schaft dieser Thiere auch in der Entwickelungsgeschichte
zur Genüge ausspreche. Wie die Meduse in ihrer Jugend
die Form und Bildung der Polypen besitzt, so soll in
der Entwickelungsgeschichte der Echinodermen nicht bloss
der erste Zustand der Polypen (flimmernder Embryo),
sondern auch die Stufe der Akalephen (Pluteus) durch-
laufen werden. Das bleibende Echinoderm soll an der
akalephenartigen Amme, die namentlich mit den Cte-
nophoren eine unverkennbare Analogie habe, in ähn-
licher Weise hervorknospen, wie die Scheibenqualle an
182 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
dem Hydroiden. Die Behauptung von der Akalephenna-
tur des Pluteus wird freilich nicht näher begründet, und
doch wäre solches vielleicht um so nöthiger gewesen, als
die unverkennbare Symmetrie der Echinodermenlarven
diese Thiere von den radiären Akalephen sehr auffallend
unterscheidet und eine jede Beziehung zu denselben aus-
schliesst, sobald man (mit Agassiz) dem radiären Bau
an sich schon ohne Weiteres einen typischen Werth bei-
legt. Proceed. Bost. Soc. Vol. VIII. p. 226—232.
Ueber denselben Gegenstand (Homologies of the
Radiata) vergleiche man ferner auch Agassiz, Contribu-
tions to the nat. hist. Unit, states. See. Monogr. Vol. IV.
p. 375 — 380, wo die Unterschiede der Echinodermen und
Akalephen (Abtrennung des Verdauungsapparates, des
Ambulacralsystems und der Geschlechtsorgane von der
Leibeshöhle) als blosse Klassencharaktere, die den eigent-
lichen Bauplan nicht zu alteriren vermöchten, in Anspruch
genommen werden. Dass dieser Bauplan, nach desVerf.'s
Ansichten, durch die „Idea of radiation'^ ausgesprochen
ist, haben wir schon in dem vorjährigen Berichte zu be-
merken Gelegenheit gehabt — wir können darauf hier
um so eher verweisen, als die Erörterungen des Verf.'s
kein neues Moment von irgendwelcher Bedeutung für die
vorliegende Frage beibringen.
Derselbe Verfasser behandelt (Proceed. Bost. /Soc.
T. VIII. p. 235—238) auch die Homologieen der Echino-
dermen mit besonderer Berücksichtigung der Ästenden.
Nachdem er den schon von Müller hervorgehobenen
Unterschied betont hat, der in derEntwickelung der ant-
ambulacralen Zone (abactinal area) zwischen diesen Thie-
renund den Seeigeln obwaltet, und gezeigt hat, dass die
ambulacralen und interambulacralen Skeletstücke, die der
Ambulacralzone (actinal area) zugehören, bei denselben
in die Bildung der Füsschenfurchen eingehen, unterwirft
er die Skeletstücke der antambulacralenZone einer nähe-
ren Prüfung, wobei er u. a. findet, dass die sog. Margi-
nalplatten mit den anliegenden Stücken einen weit grös-
seren Wechsel darbieten, als man gewöhnlich annimmt.
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 183
Durch Aufstellung einer eigenen Terminologie glaubt
Verf. eine grössere Präcision in der Auffassung und Be-
schreibung dieser Thiere herbeiführen zu können.
Die Histoire natarelle des Zoophytes echinodermes
parDujardin et Hupe (Paris 1862. 628 S. in Octav
mit 10 Tafeln) bildet einen Theil der bekannten Suites ä
BufFon und würde als zoologisches Sammelwerk äusserst
willkommen sei, wenn die VerfF. das vorhandene Material
vollständiger benutzt und mit grösserer Kritik durchgear-
beitet hätten. Die Arten von Stimpson, Lyman u. A.
sind gänzlich übergangen, andere — die (auch sonst sehr
stiefmütterlich behandelten) Holothurien ohne Ausnahme —
bloss namentlich aufgeführt. Wenn die fossilen Formen,
besonders der Crinoiden, etwas kürzer gehalten wären,
dann würde es ohne Ueberschreitung der Seitenzahl leicht
möglich geworden sein, überall wenigstens die Diagnosen
beizufügen. Uebrigens scheint es, als wenn die eigenen
Untersuchungen der Verff. nicht eben allzu umfassend
gewesen sind, sie würden sonst wohl auch Gelegenheit
gefunden haben, den bekannten Arten mehr als die von
ihnen beschriebenen zwei neuen Specics hinzuzufügen.
Die Angaben, dieVerff. über den Bau und die Entwicke-
lungsgeschichte der Echinodermen machen, sind in hohem
Grade lückenhaft.
S a r s sammelt seine reichen Erfahrungen über nor-
dische Echinodermen (die wir in früheren Berichten, be-
sonders für 1859 und 1860, vielfach angezogen haben), in
einer eigenen Monographie : Oversigt af Norges Echino-
dermer, Christiania 1861. 160 S. in Octav mit 16 litho-
graphirten Tafeln. Es sind 79 wohl begründete Arten,
die hier aufgezählt und je nach Umständen mehr oder
minder ausführlich beschrieben werden. Bei manchen
Arten findet neben dem äusseren Baue auch der innere
eine nähere Berücksichtigung. Die Synonymie ist überall
sorgfältig berichtigt, eine Dignose aber nur da beigefügt,
wo die Untersuchungen des Verf.'s zu neuen Resultaten
geführt haben. Für die Kenntniss der nordischen Echi-
nodermen wird das Werk von Sars fortan die wichtigste
184 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Quelle sein. Die Crinoiden sind unter denselben mit 2,
die Ophiuriden mit 22, die Ästenden mit 23, die Echi-
niden mit 13 und die Holothuriden mit 19 Arten ver-
treten. Die neu aufgezählten Arten {Amphmra abyssi-
colaj PediceUaster typicus, Pteraster pulvilluSj Holothuria
ecalcarea , Ec hin o cucumis typica , Molpadia horealis)
sind nach einer vorläufigen Mittheilung schon in den
früheren Jahresberichten von uns berücksichtigt. Den
Schluss der Abhandlung bilden (S. 140) Bemerkungen
über die geographische Verbreitung der nordischen Echi-
nodermen. Nach den Ansichten des Verf. gehören die-
selben drei von einander verschiedenen Zonen an: der
aretischen, die etwa bis zu 67^ N. B. reicht (mit den Ge-
schlechtern Ophiacantha, Ctenodiscus, Pteraster, PediceUa-
ster, Molpadia, Chirodota), der borealen oder eigentlich
skandinavischen, die sich etwa bis zum 48. Grade aus-
dehnt (Ophiocoma, Amphiura, Luidia, Brisingia, Aster-
opsis, Stichaster, Cidaris, Brissopsis, Thyone) und der
lusitanisch-mittelmeerischen, deren nördliche Grenze etwa
durch den 29. Grad gebildet wird (Ophiothrix, Ophiura,
Luidia, Asteracanthion , Echinus, Cucumaria, Thyone,
Synapta). Nach den von unserem Verf. untersuchten
Petrefacten zu schliessen, sind die arctischen Arten älter,
als die übrigen, die erst in der jüngeren Glacialperiode
auftreten, und Anfangs nach Süden hin weiter ausgebreitet
gewesen.
Heller macht einige Mittheilungen über die Echi-
nodermenfauna des adriatischen Meeres und beschreibt
eine Anzahl neuer Seesterne. Sitzungsber. d. k. Akad. d.
Wissensch. Bd. 46. S. 415—435. Taf. I u. IL
1. Holothuria e.
Eine von Seiten der Berliner Akademie ausgeschrie-
bene Preisaufgabe hat Baur veranlasst, die berühmten
Schneckenschläuche der Synapta digitata einer neuen
Untersuchung zu unterwerfen. Leider hat es aber nicht
gelingen wollen, die Natur dieser wunderbaren Bildungen
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 185
weiter aufzusclillessen, als es dem ersten Entdecker mög-
lich war. Der Sclmeckenschlaucli wird in der erwach-
senen Synapta niemals und zu keiner Jahreszeit anders
als im geschlechtsreifen und Schnecken producirenden
Zustande vorgefunden. Er ist immer an derselben Stelle
des Darmgefässes befestigt, und zwar immer nur auf me-
chanische Weise, indem das vordere, muthmassliche Mund-
ende des Schlauches durch eine schlitzförmige enge Spalte,
wie ein Knopf, 'darin eingefügt ist. Die Einwanderung
des Parasiten scheint auf die ersten Jugendstadien der
Synapta beschränkt zu sein, und dieses wird nur so sel-
ten angetroffen, dass bei dem numerischen Verhältnisse
des Schneckenschlauches (1 : 100 — 200 Synapten) einst-
weilen an eine Lösung des Räthsels kaum zu denken ist.
Durch Entdeckung jugendlicher Synapten (von nur 8 Mm.)
hat übrigens Baur ausser Zweifel gestellt, dass die von
Müller so vielfach beobachtete Auricularia mit Kalk-
rädchen die Larve der Synapta digitata ist. Man trifft
die Kalkrädchen noch im hinteren Körperende der jungen
Synapta , während die übrige , anfangs wehrlose Haut
schon überall mit Ankerchen und durchbrochenen Platten
besetzt ist. Ueberdiess gelang es, die Entwickelung dieser
Jugendformen aus den schwärmenden Auricularien Schritt
für Schritt zu verfolgen. Ihre Darstellung wird Gegen-
stand einer besondern ausführlichen Mittheilung werden,
in der Verf. auch seine übrigen Erfahrungen über die
Synapta und ihre Parasiten ausführlich, so weit dieselben
Neues betreffen, darlegen wird. Ausser S. digitata kam
in Muggia übrigens noch die S. inhaerens (wahrschein-
lich mitS. Duvernaea identisch) zur Beobachtung, die sich
durch stärker klettende Haut und rein fiederförmig ver-
ästelte Tentakel unterschied, im Jugendzustande auch statt
der Kalkrädchen im Hinterleibsende eine Gruppe unre-
gelmässig eckiger Kalkstückchen trug. Berliner Monats-
berichte 1862. S. 187—197, Ann. and Mag. nat. hist. 1862.
T. X. p. 216.
Wyville Thomson beobachtete gleichfalls die
Jugendzustände der Synapta inhaerens und schildert de-
186 Leuckart: Bericht üb. d. Lei st. in d. Naturgeschichte
ren allmähliche Umgestaltung (Joiirn. micr. science 1862.
p. 131—147. PL V u. VI).
Die jüngsten Stadien, die Verf. sah, massen 0,8 Mm. Sie be-
sassen einen sackförmigen Leib (Dicke von 0,6 Mm.) mit fünf koni-
schen Tentakeln und zeigten keinerlei Spuren von Larvenorganen,
wesshalb Verf. denn auch meint, dass sie sich direkt — ohne Auri-
cularienzustand, den auch Baur nicht beobachtete oder doch we-
nigstens von dem der S. digitata nicht unterschied — aus den Eiern
hervorgebildet hätten. Der Darm war fast völlig gestreckt, im
Umkreise des Oesophagus aber bereits von den ersten Anlagen des
Kalkringes und dem ambulacralen Binggefässe umgeben. Wo die
dünnen Längsgefässe abgehen, sitzt jederseits ein kleines ovales
Bläschen mit einem rundlichen Concremente, wahrscheinlich einem
Gehörorgane. Das hintere Körperende enthält eine Anzahl eckiger
Kalkdrusen. Die Anker mit ihren Platten entstehen erst später,
wenn die Tentakel anfangen sich zu läppen. Sie erscheinen Anfangs
als einfache Stifte, deren eines Ende später in zwei Schenkel aus-
wächst. Vor den Abgangsstellen der Längsgefässe lässt sich um
diese Zeit auch ein ganglionärer Knoten von ziemlich ansehnlicher
Grösse unterscheiden. Ebenso an den Ringgefässen ausser dem
schon früher vorhandenen Kalksacke noch eine Polische Blase. Die
Entwickelung ging übrigens (in einem Aquarium) nur langsam vor
sich. Erst nach drei Monaten vermehrte sich an den jetzt fast 2 Mm.
langen Thierchen die Tentakelzahl. An zwei einander gegenüber-
liegenden Stellen bildeten sich zunächst zwei neue Tentakel, die schon
in wenigen Tagen auswuchsen, nachdem sich für sie (durch Abglie-
derung) zuvor ein besonderes Kalkstück angelegt hatte.
Sars' Oversigt etc. enthält mancherlei interessante
Bemerkungen über die Morphologie der Holothurien im
Allgemeinen (p. 108), sowie eine Darstellung des inneren
Baues von Echinocucumis typica Sars (p. 102), Molpadia
borealis Sars (p. 116) und Chirodota pellucida Vahl (p. 124).
Da die wichtigsten Eigenthümlichkeiten der erstgenannten
zwei Arten in die bereits früher (J. B. für 1859. S. 157)
mitgetheilte Diagnosen aufgenommen sind, können wir
uns hier darauf beschränken, die Diagnose der letzten
Art zu reproduciren.
Chirodota pellucida Vahl. Corpus elongatum, cylindricum (4" lon-
gum, 72" crassum), albido pellucidum, laeve, punctis fuscis adsper-
sum, musculis quinque longitudinalibus lacteis perlucentibus. Series
longitudinalis papillarum nivearum 20— 30 in intervallis horum mus-
culorum tribus iuxtappositis (ventralibus) completa , ab ore usque
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 187
ad anum extensa, in duobus caeteris (dorsalibus) incompleta, pa-
pillis 3 — 12 solummodo antice posticeque sitis, medio nuUis. Pa-
pulae rotundatae aut subovales, parum convexae, corpuscurlis imple-
tae minimis, calcareis, hyalinis, rotiformibus. planis, radiis sex, annülo
peripherico intus subtilissime crenulato. Tentacula duodecim brevia
(duodecimam longitudinis corporis partem vix aequantia), basi cylin-
drico-couica, apice dilatato -digitata, digitis utrimque 5—6, basin
versus brevioribus. Duo mesenteria (haud tertium) secundum inser-
tionem corpusculis munita molhbus uni- aut pluriserialibus, folia-
ceis, subtrigonalibus apice lato truncato, pedicello cylindrico tenui
brevissimo adnatis. (Wir brauchen wohl kaum zu erinnern, dass
die letzterwähnten Organe mit den „pantoffelförmigen" Körperchen
von Synapta identisch sind. Sie sitzen einzeln oder in kleinen
Gruppen auf einem gefässartigen Längskanale, der in den Mesente-
rien hinläuft.)
Anderson beschreibt eine anscheinend neueHolo-
thurie der englischen Küste mit einfach durchlöcherten
Kalkplatten und zwei abortiven Ambulacralreihen und
Tentakeln (Thyone ? Ref.), Ann. and Mag. nat. hist. Vol. IX.
p. 189. PL XI.
Keferstein fischte bei St. Yaast eine kleine ( 10 Mra.
lange) fusslose Holothurie mit zehn gelappten Tentakeln,
zwei Otholithenblasen neben dem Kalkringc und einem
einfachen, zur Seite des Darmes hinziehenden Eierstocks-
schlauche. Zur Bezeichnung des Thieres schlägt er den
Namen Ehabdomolgus (n. gen.) ruber vor. Zeitschrift
für wissensch. Zool. Bd. XII. S. 34.
Das Vorkommen von Fischen (Fierasfer) in Holo-
thurien wurde von Sem per auf den Philippinen häufig
beobachtet (Zeitschrift für Zool. Bd. XL S. 104). Die Pa-
rasiten leben bekanntlich in der Leibeshöhle und schei-
nen durch die sog. V^^asserlungen einzuwandern. S e m-
p er fand wenigstens einmal einen solchen Parasiten in dem
einen Lungenstamme, und dieser mass nur wenig über
die Hälfte der gewöhnlichen Grösse (4"j. Zugleich mit
diesem Fische trifft man in dem an der Leibeswand be-
festigten Aste der inneren Lungen oftmals auf einen meist
in Paaren zusammenlebenden Pinnotheres,
188 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
2. Actinozoa.
Echinida.
Nach den Untersuchungen und Darstellungen von
Agassiz (Contributions 1. c. p. 70, 71) besitzen die platten
Seeigel ausser den fünf Ambulacralgefässen noch ein
System von mehr oder minder stark verästelten Röhren,
das sich in den Interambulacralräumen verbreitet und in
der Peripherie des scheibenförmigen Körpers in einen
Ringkanal einmü ndet. Obwohl diese Röhren den Ambu-
lacralgefässen gelcichgesetzt und mit denselben zusammen
dem Gefässsysteme der Akaiephen verglichen v^^erden,
so scheint es doch dem Ref., dass es sich hier um ver-
schiedene Apparate handelt, indem die interambulacra-
len Kanäle (die an manchen Stellen auch als Lacunen
bezeichnet werden) kaum etwas Anderes, als der peri-
pherische Theil der Leibeshöhle selbst sein dürften.
Salter berichtet über den histologischen Bau und
das Wachsthum der Zähne bei Echinus, Quarterly Journ.
micr. sc. 1861. p. 216, Roy. Soc. Proceed. XI. p. 166, Ann.
and Mag. nat. bist. Yol. VlII. p. 65.
Steward macht den Bau des Kieferapparates bei
den Echiniden gleichfalls zum Gegenstande einer genauem
Erörterung, Proc. Zool. Soc. 1861. p. 53 oder Ann. and
Mag. nat. bist. T. VIII. p. 67—72.
Die Pedicellarien der Seeigel haben zu einer eigen-
thümlichen Täuschung Veranlassung gegeben, insofern
nämlich eine bei Madeira aufgefischte isolirte Klappe die-
ser Greifapparate als Unterkiefer eines äusserst kleinen
Wirbelthieres beschrieben wurde. Vgl. Wallich, Ann.
and Mag. nat. bist. Vol. X. p. 304 u. 441.
Astcrida.
Mettenheim er kann sich trotz wiederholter Un-
tersuchungen (vergl. J. B. für 1859. S. 159) nicht davon
überzeugen, dass der in den Pigmentflecken des Auges
bei den Seesternen (Asteracanthion violaceum) verborgene
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862 189
helle Kern eine Linse darstelle. Wie früher , erkannte
derselbe darin ein Agglomerat von runden, wasserklaren
Zellen, die unter sich kaum einmal zu einem zusammen-
hängenden Gebilde vereinigt waren. An dem Pigment-
fleck selbst treten zahlreiche feine Fasern, die aus der
Tiefe des Bulbus hervorkommen und sich allmählich im-
mer mehr mit Farbstoff belegen. Verf. möchte diese Fa-
sern als die Elemente des Sehnerven betrachten und ihr
Verhältniss zu dem Pigment nach Analogie des Insekten-
auges deuten. Archiv für Anat. und Physiol. 1862. S. 210.
Vulpian suchte die Frage nach dem Baue des
Nervensystems bei den Seesternen auf experimentellem
Wege zu beantworten. Er ging dabei von der bekannten
Erfahrung aus, dass ein auf die sog. Rückseite gelegter
Seestern sich durch die combinirte Thätigkeit seiner
Arme resp. der daran angebrachten Ambulacralfüsse all-
mählich umwendet. Da die isolirten Arme noch ganz
dieselbe Fähigkeit besitzen, sobald sie nur mit ihrem Ba-
saltheile versehen sind, so schliesst der Verf , dass jeder
einzelne Arm in seiner Basis ein selbstständiges Nerven-
centrum habe, das mit den Centren der übrigen Arme
aber weiter zu einem gemeinschaftlichen Systeme zusam-
menhängen müsse, weil nach dem Durchschneiden der
Interradien die frühere Correspondenz in der Thätigkeit
der einzelnen Arme aufhöre. Da es für die Constatirung
der letzten Thatsache genüge, die Bauchwand des Thiers
zu durchschneiden, so müsse das Nervensystem ferner
der oralen Körperfläche angehören. Obwohl die Resul-
tate der angestellte Experimente somit vollständig mit
den T i e d e m a n n'schen Angaben über das Nervensystem
der Asteriden übereinstimmen, gesteht Verf. doch vergeb-
lich danach mit Messer und Mikroskop gesucht zu haben.
Cpt. rend. Soc. biol. 1861. p. 196.
Wyville Thomson macht Beobachtungen über
die Entwickelung von Asteracanthion violaceum, aus denen
hervorgeht, dass der bekannte Embryonalstiel dieses Thiers
eine Gruppe von 3 — 4 förmlichen, mit Saugnäpfen verse-
henen Ambulacralfüsschen darstellt , die zur Bewegung
190 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
dienen und einen Innenraum in sich einschliessen, der
zuerst in die gemeinschaftlictie Leibeshöhle führt, später-
hin aber mit dem ambulacralen Gefässsysteme und zwar
dem Ringgefässe in Verbindung tritt. Nach der vollstän-
digen Entwickelung des späteren Ambulacralapparates
geht der Stiel spurlos zu Grunde. Die Madreporenplatte
entwickelt sich selbstständig, lange nach dem Untergange
des Stieles, und auf der gegenüberliegenden Körperfläche.
New Edinb. phil. Journ. 1861. T. XIII. p. 319. Ausführ-
licherund mit Abbildungen versehen im Journ. micr. science
1861. p. 99—109. Tab.VII.
Die Entwickelung von Pteraster zeigt sich nach den
Beobachtungen von Sars (Oversigt etc. S. 58-62. Tab. VI)
keineswegs von der des Gen. Asteracanthion und Echina-
ster so sehr verschieden, als man nach den ersten An-
gaben von Koren und D an i eisen (J. B. für 1856) ver-
muthen musste. Die Anwesenheit eines besondern Lar-
venmundes und Afters hat sich nicht bestätigt. Der
Embryo entw^ickelt sich auf direktem Wege zu seiner
definitiven Gestaltung. Es kommt dabei nicht einmal zu
der Anlage besonderer Haftorgane, wie bei den oben
genannten Geschlechtern — vielleicht in Uebereinstim-
mung mit der Thatsache , dass die Bruthöhle eine viel
geschütztere Lage hat. Die Haut, welche dieselbe über-
deckt, ist gewissermassen als Oberhaut zu betrachten.
Sie enthält zahlreiche Kalkkörperchen und steht mit den
oberen Enden der dem eigentlichen Rückenskelete auf-
sitzenden Papillen in direktem Zusammenhange. After,
Tracheen und Geschlechtsorgane münden bekanntlich
in das Innere der Bruthöhle, die oberhalb des Afters, im
Mittelpunkte, durch eine sternförmig gezackte Oefi'nung
ausführt. Die Eier haben die beträchtliche Grösse von
IMm., werden aber immer nur in geringer Menge zur
Reife gebracht. Die Anlage des Embryo geschieht da-
durch, dass sich an dem einen Dottersegmente vier schild-
förmige Verdickungen und darunter einige Saugfüsse
hervorbilden. Durch scheibenförmige Ausbreitung dieser
Anlage und Vermehrung der Schilder wie Saugfüsse ent-
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 191
steht dann ein fünfeckiger Stern, der in der Mitte seiner
Bauchfläche, da, wo sich später der Mund bildet, eine
halbkugelförmige Hervorragung trägt, die wir als Dotter-
überrest zu betrachten haben. Im Umkreise derselben
erkennt man das ambulacrale Ringgefäss, von dem fünf
radiale Längsstämme auf die fünf Arme übertreten. Zu
den Seiten dieser Stämme stehen 2 — 3 Paar Saugfüsse,
wie denn auch das Ende derselben selbst eine Art Saug-
fuss darstellt. Die Rückenfläche trägt im Centrum einen
Kranz von fünf scheibenförmigen Verdickungen (Peria-
nalschilder), an die sich nach Aussen auf den Enden
der Arme noch ein zweiter Kranz von fünf Paar Schei-
ben anschliesst. Die zuerst gebildeten vier Scheiben ge-
hören theils diesen letztern, theils aber auch den Peria-
nalschildern an.
Fr. Müller beobachtete an der Brasilianischen Küste
eine besondere Form der Porcellanen (Porcellina Müll.)
als Schmarotzer auf einigen Arten afterloser Seesterne.
Archiv für Naturgesch. 18G2. I. S. 194. (Es ist bekannt,
dass auch eine CaprellinC; Podalirius tjpicus, auf Aster-
acanthion parasitisch vorkommt.)
Nach den Untersuchungen von Stimpson ist die
von Müller und Troschel als charakteristisch für die
Familie der Asteracanthiaden angegebene Vierzahl der
Ambulacralfussreihen keineswegs durchgreifend, da es
manche Arten mit nur zwei, andere mit sechs und
acht solcher Reihen giebt. Die Stellung der Ambulacral-
füsse richtet sich überall nach der Zahl derselben, und
diese ist allerdings bei den Asteracanthiaden im Allge-
meinen grösser, als bei den übrigen Asteriden. Stimp-
son schlägt (Proceed. Bost. Soc. T. VIII. p. 261— 273) zur
Bezeichnung dieser Familie den Namen Pycnopodidae
vor und beschreibt aus derselben folgende neue Arten :
Asterias acutispina Usima, A. confevta Madeira, Ä. fissispina
Oregon- Küste, A. Lüikenii ebendah., A. paucispina Puget-Sund, A.
rvgispina Terra del Fuego, A. Troschelii Puget-Sund, A. arenicola
Küste von Carolina, A. teuer a Massachusetts-Bay, A. compta New-
Jersey, A. cribraria Behrings-Str., A. acervata ebendah., A. hexactis
Puget-Sund, A. aequalis Monierey. Die Asterias helianthoides Brdt.
192 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte.
hält Verf. für den Typus eines eigenen Gen. n. Pycnopodia, für das
er folgende Diagnose aufstellt: Body depressed, multiradiate ; rays
equal ; disk very broad, but with the inter-radial septa of its cavity
extending inward quite to the mouth, and nearly reaching the walls
of the stomach; septa thin, with only minute scattered calcareous
deposits, but strengthened near their sharp inner edges by a flexible
perdendicular band of articulating feathered plates. Dorsal skin
very sparsely provided with calcareous matter, containing only a
few small scattered tergal ossicles, bearing slender spines. On the
back of the rays these ossicles are rounded and entirely isolated,
but on the disk they are sometimes connected by a thin deposition
of calcareous matter. Ambulacral furrows very broad, with the
pores in four rows, except at the base where they form only two
rows. Interambulacral ossicles strongly developed and very regulär
in their arrangement; these of the outer row trilobate, closely ap-
proximated, and imbricated. One madreporic plate. Papulae in
Clusters. (Unter dem Namen papulae versteht Verf. die sogenannten
Tracheen.)
Aus S a r s' Oversigt u. s. w. heben wir folgende Diagnosen
hervor: Astropecten arcticus Sars (p. 34). Sinubus inter brachia
rotundatis; radio disci ad eundem brachiorum ut 1 : 2Y3 — 2V2; scu-
tis marginalibus utrimque 24, scuto terminali impari hippoerepi-
formi excepto, omnibus tuberculis conicis brevissimis undique tectis;
superioribus (in medio brachio) spatio paxillifero sexies ad octies
angustioribus, inferioribus latitudinem superiorura ter ad quater su-
perantibus, scutis adambulacralibus spinis cylindrico-conicis 10 — 14
obsitis, quarum exteriores tuberculis seu spinis brevibus scutorum
ventralium parum maiores , interiores verum sensim longiores et
tres intimae seu sulco 'ambulacrali vicinae illis in scutis ventralibus
quater vel quinquies longiores sunt. Color pallide miniatus aut
aurantiacus.
Pteraster militaris 0. Fr. Müll. (p. 57). Disco modice convexo;
brachiis longioribus ; radio disci ad eundem brachiorum ut 1:2,
paxillis dorsalibus brevioribus, conicis, apice aciculis 2 — 3, raro 4
(solummodo in paxillis perianalibus pluribus), divergentibus mobili-
bus coronato. Paxilli vagina cutanea obducti sunt , quae etiam
aciculas obvelat easque cuti dorsali exteriori affigit. Tessella ma-
dreporiformis nodulosa seu tuberculis minutis conicis irregulariter
obsita. Angulus quisque ovalis pinnis transversalibus duabus inti-
mis discretis formatur.
Pteraster pulvillus Sars (p. 72). Disco tumido seu pulvinato,
brachiis brevioribus; radio disci (in bipollinari) ad eundem brachio-
rum ut 1 : IV2 paxillis dorsalibus maioribus, cylindricis, apice aci-
culis 8 — 15 divergentibus mobilibus coronato. Paxilli vagina cuta-
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 193
nea, superne in ramos radiantes aciculas obvelantes divisa, obducti
sunt; hi rami, cuti dorsali exteriori affixi, cum iisdem de aciculis
paxillorum vicinorum venientibus sese coniungunt, ita ut rete in cute
dorsali exteriori continuum (tendinosum) formetur. Tessella madre-
poriformis laevis , sulcis linearibus aequidistantibus flexuosis seu
maeandricis ornata. Pinna transversalis intima cum eadem de sulco
ventrali vicino margine laterali connata est et ita angulum oralem
format.
Asteracanthion Mülleri Sars (p. 91). Aster, glaciali affinis,
attamen distinctus: radio disci ad eundem brachiorum (in A^/^ pol-
linari) ut 1 : 6; brachiis 5 convexis, non angulatis; spinis numero-
sioribus, minoribus, in disco et brachiis aequaliter dispositis et fere
eadem magnitudiue (in lateribus et ad ventrem brachiorum tamen
paulo longioribus), in dorso brachiorum irregulariter sparsis, inter-
dum unica serie media conspicua, in lateribus in seriebus 2 regu-
laribus longitudinalibus completis et 1—2 ventralibus versus apicem
brachiorum incompletis, omnibus seriebus aequidistantibus, disposi-
tis, spinis ad marginem sulcorum ambulacralium uniserialibus. Spi-
nae omnes (etiam in disco et ad marginem sulcorum ambulacralium)
pedicellariis munitis verticillatim circumdatae sunt. Tentacula re-
spirationis 1 — 8 (rarissime 4) in intervallis retis calcarei, ubi pedi-
cellariae (velut istae A. glacialis sparsae longiores et arctiores) plane
absunt. Tessella madreporiformis nuda, non spinis circumvallata.
Magnitudo usque ad A^/^ pollices, saepissime minor. Color supra
sanguineus, violaceus, rufus aut pallide ferrugineus, subtus albidus,
spinis rubicundo-albidis.
Goniodisctis placentaeformis und G. acutus nn. sp. von Lissa,
beide die ersten Artrepräsentanten des Gen. Goniodiscus aus den
europäischen Meeren, Heller a. a. 0. S. 419.
Astrogonium Souleyelii n. sp. Duj. et Hupe 1. c. p. 399.
Ueber das Vorkommen von Uraster glacialis und Goniaster
equestris an der Englischen Küste vgl. Hodge, Transact. Tyneside
nat.'s field club 1861. p. 62 und Howse, ibid. p. 59.
Ophiurida.
H 0 d g e's Beobachtungen über Opliiocoma rosula (Trans-
act. Tyneside naturalists field club 1861. p. 41) betreffen
— der Ueberschrift nach — besonders das Wachstlium der
Arme und der Anhänge.
Heller überzeugt sich, dass dasGen.PectinuraForb.
trotz aller Aehnlichkeit mit Ophiaracbna M. Tr. beibehal-
ten "werden muss, da es sich durch die Beschaffenheit
Arch. flu- ^'aturg. XXLS. Jahrg. 2. Bd. J^
194 Leuckart: BericM üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
seiner Mimdschilder, die ganz unter einem körnigen Ueber-
zuge versteckt sind, sehr auffallend davon unterscheidet,
und beschreibt als neu P. Forhesi von Lissa. A. a. 0.
S.422.
Ebendaselbst handelt Heller auch von dem Gen.
Amphiura und seinen adriatischen Arten, besonders A.
squamata, so wie über Ophiura, Ophiocten, Ophiolepis
und Ophiopholis Ltk., die folgendermassen unterschieden
werden.
A. Scheibe über dem Ursprünge der Arme mit deutlichem
Ausschnitte versehen und mit einer Reihe von Papillen besetzt. Ra-
dialschilder deutlich, nackt. Mundschilder ziemlich gross, schild-
oder leierförmig. Mundpapillen zahlreich.
a. Papillenkämme in der Mitte über dem Ursprünge der Arme
unterbrochen. Rücken der Scheibe mit dachziegelförmigen Schup-
pen bedeckt, die nicht von kleineren Schüppchen gesäumt sind.
Rand ziemlich stunipf. Ophiura Ltk.
b. Papillenkämme in der Mitte nicht unterbrochen, sondern
zusammenhängend, Ausschnitte klein. Scheiben oben mit rundlichen
Schuppen und überdiess mit einer gekörnten Haut überzogen. Rand
ziemlich scharf. Ophiocten Lütk.
B. Scheibe über dem Urprunge der Arme ohne oder mit klei-
nern Ausschnitten, ohne Papillenkämme. Mundschilder klein, Radial-
schilder deutlich.
a. Schuppen an der Rückenseite der Scheibe von einem
Kranze kleinerer Schüppchen umgeben. Mundschilder nach Aussen
zwischen die Arme etwas verlängert. Mundpapillen zahlreich. Ophio-
lepis Ltk.
b. Rücken der Scheibe mit einzelnen runden Schuppen, die
sich meist in zehn radiale Reihen ordnen , bedeckt. Dazwischen
Granula, welche am Rande und an der Bauchseite sich in stachel-
artige Höckerchen verlängern. Mundschilder ziemlich klein, brei-
ter als lang. Drei Mundpapillen an den Mundspalten. Ophio-
pholis Ltk.
Eine specielle Beschreibung finden ausser Ophiura TenorüM.Tr.,
0. albida Forb. (von 0. ciliata M. Tr. wohl zu unterscheiden), 0.
Gruhii n. 8p., Ophiopsila aranea Forb. (= Ophianoplus marmoreus
Sars, bei dem die im feuchten Zustande wenig deutlichen Radial-
schilder übersehen sind.)
Ophiura Normanni n. sp. Hodge, Rep. br. assoc. Cam-
bridge 1861.
OpliiQs.colex purpurea Kor. et Dub. und 0. glacialis M. Tr.,
der niederen Thiere wähi-end der Jahre 1861—1862. 195
die allein bekannten Arten des Gen. Ophioscolex, werden von Sars
folgendermassen charakterisirt (Oversigt etc. p. 12).
Ophioscolex purpurea. Scutellis brachiorum dorsalibus tenui-
bus, contiguis, trapezoidalibus, longioribus, quam latis, sulco trans-
versali bipartitis; scutellis ventralibus crassis, contiguis, duplo lon-
gioribus quam latis, subpentagonis, marginibus lateralibus concavis,
aborali convexo, angulo adorali rotundato ; spinis 3 (raro ad basin
brachiorum 4) crassis , latitudinem brachii vix aequantibus , cute
tenuiore tectis; papilla ambulacrali singula spiniformi; papillis ora-
libus 6—10, ad totam marginem oralem sitis.
Ophioscolex glacialis. Scutellis brachiorum dorsalibus cras-
sioribus; late oblongis, intervallo nudo discretis, duplo latioribus,
quam longis ; scutellis ventralibus ut in 0. purpurea, sed angulo ad-
. orali truncato ; spinis tenuioribus, cute crassissima tectis ; papillis
ambulacralibus nullis; papillis oralibus 3—6, solummodo ad interiorem
partem marginis oralis sitis.
Ebenso die nahe verwandten Arten Amphiura Ballii Thomson
und A. abyssicola Sars (ibid. p. 20).
Amphiura Ballii. Brachiis 5 mediocriter longis ; disco lobato,
pentagono, undique squamis imbricatis minoribus, versus marginem
et subtus spinis minutis, interdum adhuc in dorso spinis brevibus
tecto; scutis radialibus triangularibus divergentibus, tertiam par-
tem radii disci longitudine aequantibus ; scutis oralibus rutaeformi-
bus, angulo adorali saepissime producto ; papillis oralibus binis (abs-
que dentalibus ?) ; papilla ambulacrali singula squamiformi maiuscula ;
scutellis brachiorum dorsalibus obtuse triangularibus angulo adorali
rotundato, ventralibus subcordatis angulo adorali obtuse rotundato;
spinis lateralibus ad basin brachiorum 5, superioribus 2 latitudinem
brachii vix aequantibus, omnibus crassiusculis, rudibua. Color disci
supra fusco-ruber aut carneus, brachiorum annulis rubris.
Amphiura abyssicola. Amphiurae Ballii simillima, attamen di-
stincta; disco circulari, non lobato, squamis in medio dorso longe
maioribus et paucioribus ibique spinis longiusculis tecto ; scutis ra-
dialibus dimidiam partem radii disci longitudine aequantibus ; scutis
oralibus rutaeformibus, latioribus quam longis, angulo adorali non
producto (papillis dentalibus binis, dente tricuspide); scutellis bra-
chiorum dorsalibus triagonalibus angulo adorali acuto, ventralibus
pentagonis angulo adorali acutis , spinis lateralibus ad basin bra-
chiorum 4, suprema latitudinem brachio pauUulum longiore. Color
laete carneus seu aurantiacus, in medio dorso subfusco-carneus, spi-
nis pallidioribus.
Lyman beschreibt (Proceed. Bost. Soc. VIII. p. 75— 80) fol-
gende neue Ophiuriden: Ophioplocus (n. gen.) tessellatns, Ophio-
lepis Garretti, Ophiocoma tarlarica Sandw. Ins., 0. molaris Kings-
196 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
mill-Ins., 0. insulnria ebendah., 0. sannio ebendah-, Ophiothrix virgata
ebendah., 0. depressa ebendah,, 0. propinqva ebendah., 0. Cheneyi
Zanzibar, Astrophyton clavahim ebendah.
Das neue Gen., dessen Typus am besten durch die frühere
Ophiolepis imbricata repräsentirt wird, trägi folgende Charaktere :
Disk closely and finely scaled, above and below. Genital scales
hidden. Teeth. No tooth-papillae. Mouth-papillae. Side mouth-shields
wide and nearly, or quite, meeting within. Arm-spines arranged
along the outer edge of the side arm-plates. Upper arm-plates di-
vided, on the middle line, into halves , which, at the base of the
arm, one placed at the outer lower corner of the Joint, on each
side, being separated by a number of supplementary pieces. At
the tip of the arm the plate is simple; then it divides in two, and
the halves are gradually forced apart by the intrusion of supple-
mentary pieces. Two short genital slits, extending only half-way of
the margin of the disk, and beginning outer the mouth-shields.
Asteropora dasycladia n. sp. von Guadeloupe, trägt Arme, die,
wie bei den Ästenden, mit der Scheibe zusammenhängen. Duj ar-
din et Hupe 1. c. p. 299.
Ueber Asteronyx Loveni M. Tr. und dessen Vorkommen an
der englischen Küste vergl. Stewart, Proc. zool. Soc. 1861. p. 96
oder Ann. and mag. nat. hist, T. VIII. p. 77 — 79 mit Abbild.
3. € r i n 0 i d e a.
Nach den Angaben vonDujardin und Hupe (I.e.
p. 53) sollen zahlreiche fossile Crinoiden ohne Darmkanal
gewesen sein (?). Die Yerff. vermuthen hei diesen Thieren
einen Generationswechsel und glauben, dass die Amme
zeitlebens mit ihnen in Verbindung gestanden habe. Nach
einer näheren Begründung dieser Ansicht hat Ref. ver-
gebens gesucht; es scheint ihm auch schwer, den Bau
der Crinoiden und besonders die Bildung des Stieles mit
einer derartigen Vorstellung in Einklang zu bringen. Das
Gen. Holopus scheint den Verff. sehr zweifelhaft (p 218).
Sie halten es für möglich, dass ein Cirriped zur Aufstel-
lung desselben Veranlassung gegeben habe.
Allman macht (Rep. br. assoc. Cambridge 1862.
p. 65) einige Mittheilungen über die ersten Zustände der
Pentacrinusform von Comatula, die trotz ihrer Kürze
unser volles Interesse erwecken. Nach den Beobachtungen
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 197
desselben hat der Körper des jungen Thieres anfangs die
Form zweier mit ihren Grundflächen verschmolzener fünf-
seitiger Pyramiden. Die untere dieser Pyramiden, die
dem gegliederten Stamme aufsitzt, wird von fünf hexago-
nalen Platten gebildet (dem späteren Calyx), die fünf
kleine viereckige Platten, zwischen ihre obern Ränder
aufnehmen. In der obern Pyramide unterscheidet man
fünf dreieckige Platten die sich klappenartig aufschla-
gen und wieder zusammenlegen können. Sind dieselben
entfaltet, so bemerkt man zwischen ihren Rändern eine
Anzahl langer und biegsamer Tentakel und weiter nach
Innen, im Umkreise des Mundes, einen Kranz von kurzen
und steifen Girren, die beweglich auf dem Galyx zu
artikuliren scheinen. Die fünf Klappen hält unser Verf.
für die spätem sog. Interradialia, während er die kleinen
Platten am oberen Rande des Galyx als Radialia deuten
möchte, auf denen später die Arme des Haarsternes hervor-
sprossen würden. Mit Recht erinnert Yerf. bei der Be-
schreibung dieser Entwikelungsformen an die armlosen
Grinoiden der Yorwelt, deren abweichender Bau durch
dieselben in mehrfacher Beziehung erläutert werde.
Hey mann fand unter verschiedenen Petrefacten aus
dem devonischen Kalke der Eifel einige V2 — IV2" lange
Körperchen, die auf den ersten Blick eine grosse Aehn-
lichkeit mit Gidaritenstacheln zeigten, bei genauerer Un-
tersuchung aber als Jugendzustände von Eucalyptocrinites
rosaceus erkannt wurden, an denen die so charakteristi-
schen Zwischenschulterglieder dieser Species schon deut-
lich hervortraten. Abweichend von dem ausgebildeten
Thiere waren Krone und Stiel ohne deutliche Scheidung
zu einem birnförmigen Körper verwachsen. Sitzungsber.
der niederrhein. Gesellsch. zu Bonn 1861.
III. Coelenterata.
Green e behandelt, wie früher die Protozoen, so
jetzt die Goelenteraten in einem eigenen Lehrbuche (a
198 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschiclite
mamial of the subkingdom Coelenterata, London 1861.
271 S. in klein Octav mit zahlreichen meist fremden Werken
entlehnten Holzschnitten) und giebt darin eine gedrängte
Uebersicht über deren Bau, Entwickelungsgeschichte und
Verbreitung. Die Classifikation, die Verfasser zu Grunde
legt, stimmt im Wesentlichen mit den systematischen An-
sichten Hu xley's überein, dessen Autorität auch bei der
Darstellung des morphologischen Verhaltens maassgebend
gewesen ist.
Der Unterschied von den in Deutschland herrschenden Lehren
tritt besonders in der Gruppe der Hydrasmedusen (Hydrozoa) her-
vor, deren Entwickelungsgeschichte — mit Ausschluss der Theorie
des Generationswechsels und Polymorphismus — als einfache Meta-
morphose aufgefasst wird, bei der die verschiedenen Theile nach
einander hervorwüchsen, um entweder zeitlebens unter sich in Ver-
bindung zu bleiben (continuirliche Entwickelung), oder auch einzeln
zur Ablösung zu kommen (discontinuirliche Entwickelung). Schon
bei Hydra werden mehrere solcher Theile unterschieden: der Rüssel
als Polypite, der Stamm als Hodrosoma (oder Coenosare), das Fussende
als Hydrorhiza, die Tentakel und die Geschlechtsorgane (gonophore) ;
bei den sog. zusammengesetzten Formen ist deren Zahl und Man-
nichfaltigkeit ungleich grösser. In der zahlreichen Wiederholung
dieser Gebilde sieht der Verf. überhaupt die wesentlichste Auszeich-
nung der betreffenden Thiere. Als Individuen können jene Gebilde
nicht betrachtet werden, da Theilung und Knospung nach der Ansicht
des Verf.'s blosse Wachsthumserscheinungen sind und mit der Fort-
pflanzung, die immer nur von einem Ei ausgeht, Nichts gemein haben
(p. 72). Trotzdem aber sind die Theile, da wenigstens, w^o sie sich
abtrennen, mehr als Organe: sie sind „Zoidien" (p. 43). Was Ref. sonst
bei den morphologischen Auseinandersetzungen des Verf.'s vermisst,
ist die gehörige Würdigung der radiären Scheidewände der Leibes-
höhle bei den geschlechtsreif en Hydrozoen. WieHuxley unterschei-
det der Verf. in der Abtheilung der Coelenteraten je nach dem Man-
gel oder der Anwesenheit eines eigenen Magenrohres zwei Klassen:
Hydrozoa (= Hydrasmedusae) und Actinozoa (Polypi + Ctenophora),
die erste mit 7, die andere mit 9 Ordnungen. Als solche werden
aufgezählt unter den Hydrozoen: die Hydriden, Coryniden (= Tu-
bulariden), Sertulariden, Calycophoriden, Physophoriden (mit den
Physalien und Velellen), Medusiden (= Gymnophthalmen, die Verf.
nur zum kleineren Theile für frei lebende Zoidien hält), Lucerna-
riden (Acalephen + Calycozoen), unter den Actinozoen: die Zoon-
tharien (= Polyactinien), Alcyonarien, Rugosen und Ctenophoren.
Alle diese Gruppen werden einzeln geschildert, nachdem ihr Ge-
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 199
sammtbau vorher einer eingehenden und genauen Erörterung unter-
worfen worden.
Aus nat. hist. rev. London 1861. (p.416 — 432) erwäh-
nen wir eine Abhandlung über die allmäblige Entwicke-
lung unserer Kenntnisse von den Coelenteraten, die ge-
wissermaassen eine Ergänzung des voranstehenden Wer-
kes abgiebt und wahrscheinlicher Weise gleichfalls von
Oreene verfasst ist.
Der vierte Band von Agassiz Contributions to the
nat. bist, of the United states of America Boston 1862.
(380 S. in gross Quart mit 16 prächtig ausgeführten
Tafeln) handelt wie der dritte (1860) über Akalephen,
und zwar dieses Mal über die Gruppen der Discophoren
(S. 1-180) undHydroiden (S. 183-371) im Agassiz'schen
Sinne, die letzten also mit Einschluss der Siphonophoren,
die freilich nur kurz und fast nur mit Berücksichtigung von
Physalia behandelt werden. Yerf. schildert dabei die von
ihm beobachteten Arten in eingehender Weise, und giebt
schliesslich eine Uebersicht über die Systematik der beiden
Gruppen, mit Aufzählung der bisher beschriebenen Species
und zahlreichen kritischen Bemerkungen. Wir werden bei
späterer Gelegenheit noch mehrfach auf den reichen In-
halt diesen kostbaren Werkes zurückkommen und bemer-
ken hier nur so viel, dass es mit dem vorausgegangenen
dritten Bande die umfassendste und wichtigste Monogra-
phie der Coelenteraten darstellt. Bei der Anzeige dieses
dritten Bandes haben wir übrigens hervorheben müssen, dass
Agassiz, — von sämmtlichen Forschern vielleicht der
einzige — unsere Abtheilung der Coelenteraten nicht gel-
ten lässt und die Akalephen mit den Polypen und Echino-
dermen als gleichwerthige Classen der Radiaten betrachtet.
Auch in dem vorliegenden Bande wird vielfach gegen die
Selbstständigkeit und Berechtigung des Coelenteratentypus
opponirt und der Versuch gemacht, die alte Auffassung von
Cuvier mit neuen Gründen zu stützen. So besonders
in dem angehängten Abschnitte „on homologies of the ra-
diata^ (p. 375 — 380), den wir schon oben, bei denEchino-
dermen (S. 182), kurz angezogen haben.
200 Leuckart: Bericlit üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
1. Ctenophora.
Fr. Müller tritt (über die angebliche Bilateral-
symmetrie der Rippenquallen, Archiv f. Naturgesch. 1861.
I. S. 320 — 325) der weltverbreiteten Ansicht entgegen,
dass die Rippenquallen den bilateralen Thieren zugehörten
oder doch dazu den Uebergang machten. Allerdings muss
Verf. zugeben, dass die Anordnung der äusseren und in-
neren Thelle In unverkennbarer Weise den Numerus 2
zur Schau trage — Verf. nennt die Rippenquallen geradezu
„zweistrahlig^ — allein die beiden Hälften des Ctenophoren-
körpers seien, wie bei den übrigen Radiärthieren mit
paariger Strahlenzahl, congruent und nicht symmetrisch,
nach Ai't der Bllateralthiere. Für ein Bilateralthier ver-
langt Verf. mit anderen Worten einen Unterschied von
Rücken und Bauch, der sich bei den Rippenquallen nicht
vorfindet. Die Anschauungsweise des Verf.'s ist mathe-
matisch durchaus correct, aber Verf. vergisst dabei , dass
die Unterschiede zwischen Rücken und Bauch bei den ver-
schiedenen Bilateralthieren einen sehr ungleichen Werth
haben und möglichenfalls auch = 0 werden können. Einen
solchen Fall hat Ref. mit andern Forschern bisher In den
Rippenquallen zu finden geglaubt. Und so wird man auch
nach den Auseinandersetzungen des Verf. vielleicht ferner-
hin noch annehmen, sobald man einmal die Ueberzeugung
hat, dass ein bilaterales Thier, anstatt, wie Verf. will,
„nicht strahllg^ zu sein, ein Strahlthier Ist, bei dem die
Symmetrie zweier gegenüberliegender Radien eine Störung
erlitten hat. Um die innigen Beziehungen der strahligen
und bilateralen Thiere zu beweisen , genügt es hier die
sog. Schwimmglocken der Siphonophoren hervorzuheben.
(Vergl. hierzu auch die Bemerkungen des Ref. in dem
J. B. für 1860. S. 297).
A lim an liefert „Beiträge zur Kenntniss des Baues
und der Entwickelungsgeschichte der Berolden" (Edinb.
new. phil. Journ. T. XV. p. 283—289.)
Die Innenfläche der Verdauungshöhle trägt einen breiten
Streifen ansehnlicher Flimmerhaare mit rädernder Bewegung, die
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 201
siah vor der übrigen Flimmerbekleidung des Magens auffallend aus-
zeichnen. Am hinteren Ende setzt sich derselbe in zwei stark
flimmernde Lappen fort, die frei in den sog. Trichter hineinragen.
Die blindschlauchförmigen Anhänge der Rippenkanäle enthalten in
ihrer Wand zahlreiche platte Körperchen mit zapfenartigen Vor-
sprüngen, die dem umgebenden Gewebe zugekehrt sind , und zeigen
auch sonst mancherlei histologische Eigenthümlichkeiten. Das Körper-
parenchym soll nach dem Verf. von einem capillaren Maschengewebe
durchzogen sein, das in den tiefern Lagen deutliche Contractilität
besitze. Dass es mit dem Gastrovascularapparate zusammenhänge,
wird nicht erwähnt, wie es denn überhaupt den Anschein hat, als
wenn das betreffende System mit dem von andern Forschern be-
schriebenen Fasergerüste des Ctenophorenkörpers zusammenfalle.
Die tentakelartigen Zotten der Polarfelder sind hohl und werden von
dem Gefässsysteme aus mit Flüssigkeit gefüllt. In Betreff des Ner-
vensystems theilt Verf. die gewöhnliche Ansicht (gegen Agassiz),
doch fügt er hinzu, dass die acht Stämme an ihrem Ursprünge paar-
weise zusammenhängen. Ausserdem beschreibt er noch zwei be-
sondere kleine Stämmchen für die Tentakelfelder. Der befruchtete
Dotter verwandelt sich durch unregelmässige Klüftung zunächst
in einen runden Zellenhaufen mit einer peripherischen Lage und
einem Kerne, der von grösseren Zellen gebildet ist. Im Innern des
letztern entsteht sodann ein Hohlraum, der an dem einen Pole nach
Aussen durchbricht, während sich am anderen Pole das Gehörbläs-
chen (ocellus) mit dem Nervenknoten anlegt. Gleichzeitig machen
sich am hinteren Körpersegmente die acht Rippen bemerklich. Die
nächste Veränderung besteht in der Bildung des Gastrovascularsy-
stems, das aus den grossen Zellen des Dotterkerns hervorgeht. An-
fangs ganz gleichmässig im Umkreise der Centralhöhle vertheilt,
gruppiren sich diese Zellen an zwei einander gegenüberliegenden
Stellen zu einer fast birnförmigen Masse zusammen, die durch cen-
trale Verflüssigung hohl wird und nach der Vereinigung mit dem
hinteren Ende des Magens sich in einen an der Wand desselben
hinziehenden Anhangsschlauch verwandelt. In den Zwischenräumen
zwischen beiden Schläuchen wiederholt sich sodann derselbe Vorgang,
mit dem Unterschiede, dass die beiden neuen Anhangsschläuche nach
der Peripherie hinwachsen und durch zwei Mal wiederholte Spaltung
in die acht Radiärkanäle zerfallen , deren Anhänge erst nach der
Geburt zur Entwickelung kommen. Das Ringgefäss, das den Mund
umgiebt, scheint aus den zwei Magengefässen hervorzugehen, und
gleichfalls erst nach der Geburt mit den Radiärgefässen in Verbin-
dung zu treten. Zur Zeit der Geburt beträgt die Länge des Embryo
etwa Yg Zoll, die Länge der Rippen vielleicht die Hälfte.
Nach den Beobachtungen desselben Verf. (ibid.
202 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
p.284) phosphoresciren die Beroiden und ihre Embryonen
(auch die noch im Innern der Eier befindlichen) in einem
solchen Grade, dass sie als eine Hauptquelle des Seeleuch-
tens an den englischen Küsten betrachtet werden müssen.
Auffallender Weise beginnt dieses Leuchten aber immer
erst einige Zeit (etwa 20 Minuten) nach Eintreten der
Dunkelheit oder nach der Uebertragung in eine Dunkel-
kammer. Während des Tages findet keine Lichtproduk-
tion statt.
Clark berichtigt (Proceed. Bost. Soc. 1862. p. 50. Not.)
die von ihm herrührende Angabe von dem Vorkommen
kolossaler Zellen in dem Körperparenchym der Rippen-
quallen (Agassiz Contributions, vergl. J. B. für 1859.
S. 301) dahin, dass die Conturen dieser vermeintlichen
Zellen in Wirklichkeit blosse elastische Fasern seien, die
sich vielfach kreuzten und netzförmig zusammenträten.
2. Hydrasmedusae.
Acalephae.
Die Thiergruppe, der wir in unseren Berichten
den Cuvier'schen — ursprünglich in einem sehr viel
weiteren Sinne genommenen — Namen Acalephae gelassen
haben, ist bekanntlich dieselbe, die Agassiz als die der
Scheibenquallen s. st. oder Discophora bezeichnet und
in dem zweiten Bande seiner prachtvollen Contributions
to the nat. hist. of the United states of America p. 1 — '180.
(Tab. III — XIV) monographisch behandelt. Dass diese
Scheibenqaallen eine eigene, von den Hydroidquallen sy-
stematisch verschiedene Gruppe repräsentiren, ist heutigen
Tages fast allgemein anerkannt, wenn auch die unter-
scheidenden Charaktere nicht überall in gleicher Weise
gezeichnet sind. Was man in dieser Beziehung früher
hervorgehoben, dürfte übrigens nach den Bemerkungen
unseres Verf.'s zur genügenden Charakteristik nicht aus-
reichen (auch nicht die von Gegenbaur betonte Ab-
wesenheit des Segels, das z. B. bei Aurelia ganz unver-
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 203
kennbar vorhanden ist). Es verdient desshalb alle Beach-
tung, wenn Agassiz angiebt, in der Bildung der Ge-
schlechtsorgane eine durchgreifende Eigenthümlichkeit
seiner Scheibenquallen gefunden zu haben. Sie soll darin
bestehen, dass diese Gebilde mehr oder minder grosse
Aussackungen des gemeinschaftlichen Leibesraumes dar-
stellen, die ihren Inhalt zunächst nach Innen entleerten,
während sie bei den Hydroidquallen in der Form von
bandförmigen Einlagerungen der Radiärkanäle oder des
Mundstieles vorhanden seien (p. 6). Leider scheint es aber,
als wenn dieser Unterschied eben so unzureichend wäre,
wie die früheren. Es giebt wenigstens eine Anzahl von
Hydroidquallen (Aglaura, Rhopalonema, Eucope div. sp.
u. a.), deren Geschlechtsorgane eine sackartige Verlänge-
rung des Gastrovascularapparates in sich einschliessen, also
nach dem Typus der A gas siz'schen Discophoren gebil-
det sind. Um die „unterscheidenden Charaktere'^ ist es
überhaupt ein eigen Ding. In der Mehrzahl der Fälle
dürfte das Charakteristische einer Thiergruppe eher in
einer bestimmten Combination von Eigenschaften, als in ein-
zelnen Merkmalen gelegen sein. Diese Combinationen
entsprechen natürlich überall einer bestimmten Lebens-
form, ohne jedoch so abgeschlossen und so stabil zu sein,
wie man in früherer Zeit wohl annahm. Auch hier hat
Darwin's geniale Lehre Bahn gebrochen. Was wir als
systematische Einheiten zu betrachten pflegen, sind blosse
Sammelbilder von Strahlengebieten , die sich berühren
und ohne scharfe Grenze in einander übergehen. Der Um-
fang dieser Gebiete erscheint desshalb denn auch vielfach
wechselnd, bald grösser, bald kleiner, je nach den Mitteln,
deren sich der Systematik er bedient, um sie zu isolir^n.
Was hier bemerkt wurde, findet auch auf die vorliegende
Gruppe der Discophoren Anwendung, insofern diese näm-
lich bei Agassiz auch noch die Charybdeiden und Agi-
niden in sich fasst, die sich besonders in den letztgenannten
Formen durch die Entwicklung ihres Segels, Abwesen-
heit der Magenfäden und unbedeutende Grösse) weit von
den echten Discophoren unterscheiden, in der Bildung
204 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
ihres Gastrovascularapparates und manclierlei anderen Mo-
menten denselben aber näher stehen, als den gewöhnlichen
Hydroidquallen. Auch die Lucernariaden werden von
Agassiz den Discophoren zugerechnet. — Die Special-
untersuchungen unseres Forschers beziehen sich auf Aure-
lia , besonders A. flavidula (p. 10 — 86)^ Cjanea , bes. C.
arctica (p. 87 — 120), Pelagia mit P. cyanella und auf die
Rhizostomiden (p. 136 — 148), deren Typus an Stomo-
lo phits (n. gen.) meleagris Ag. und P o lyc lojiia (n. gen.)
frondosa Pall. des Nähern erörtert wird. Am eingehend-
sten ist Aurelia flavidula behandelt, deren Bau und Ent-
wickelung bis in's Einzelne hinein mit unübertrefflicher
Sorgfalt beschrieben wird. Natürlich ist es unmöglich,
den ganzen an Thatsachen wie Ideen so ausserordentlich
reichen Inhalt der A g a s s iz'schen Arbeit wiederzugeben.
Selbst von dem- Wichtigen wird Vieles unerwähnt bleiben.
Die Entwickelung kam bei Aurelia, Cyanea und Pelagia zur Beob-
achtung. Sie knüpft bekanntlich überall an einen flimmernden Embryo
(planula) an, der bald direkt, bald auch auf Umwegen — nach den
Gesetzen des Generationswechsel — sich in eine sog. Ephyra verwan-
delt und erst später (durch Auswachsen der Interradiallappen, Bildung
der Tentakel und Geschlechtsorgane, Erhebung der Mundarme u. s. w.)
die Gestalt des vollendeten Thieres annimmt. Schon an der Planula
kann man, bald nach der Geburt, zwei über einander liegende Schich-
ten unterscheiden , die offenbar dem sog. Ectoderm und Endoderm
der Coelenteraten entsprechen und einen Hohlraum in sich einschlies-
sen, den wir als die erste Anlage des späteren Gastrovascularappa-
rates zu betrachten haben. Der Mund bricht von Aussen her in
diese Centralhöhle hindurch, noch bevor der Embryo sich weiter
umformt. Bei den Arten mit Generationswechsel (Aurelia, Cyanea)
erfolgt jetzt die Befestigung mit dem sich allmählich immer stärker
verjüngenden apicalen (abactinalen Ag.) Pole und die Bildung der
Tentakel, die Anfangs ganz solide sind und erst allmählich von der
Körperhöhle her sich aushöhlen. Die Planula verwandelt sich mit
andern Worten in ein Scyphostoma , dessen Tentakel sich durch
mehrfach wiederholten Nachwuchs von (2 oder) 4 auf 8 und 16, sel-
ten 32 oder (von 5) auf 20, vermehren, während das cylindrisch aus-
gezogene Stammende allmählich eine ziemlich feste und durch-
sichtige Hornscheide absondert. Diese Metamorphose geschieht des
Winters und bei beiden Arten in wesentlich übereinstimmender Weise,
obwohl einzelne kleine Unterschiede schon während des Planula-Zu-
der niederen Thiere während der Jalire 1861—1862. 205
Standes bemerkbar sind. Die späteren Veränderungen Hessen sich
nur bei Aurelia verfolgen. Sie beginnen sehr bald nach der Aus-
bildung des Tentakelkranzes und werden durch eine Anfangs nur
seichte Einschnürung eingeleitet, die dicht unterhalb der Tentakel
ringförmig um den Polypenleib herumgreift und immer tiefer in
denselben eindringt. Hinter der ersten Furche entsteht unter fort-
währendem Längenwachsthume des Körpers eine zweite, dritte u. s.f.,
bis schliesslich vielleicht deren 13 vorhanden sind. Der untere Ab-
schnitt des Polypen bleibt ungetheilt und kehrt durch Neubildung
eines Tentakelkranzes zu seiner ursprüngUchen Form zurück, wäh-
rend die oberen Segmente eines nach dem anderen sich zu einer
Ephyra gestalten und aus dem früheren Verbände loslösen. Die
Beobachtungen von Agassiz bestätigen also die Angaben von
Dalyell, Sars, van Beneden (gegen Desor und Boeck) und
lassen über die Natur der hier vorliegenden Erscheinung kaum noch
länger einen Zweifel aufkommen. Die älteste Ephyra trägt noch
eine Zeit lang den ersten Tentakelkranz des Polypen, wie denn auch
die späteren Sprösslinge nicht selten statt der Lappen oder Augen-
stiele mehr oder minder vollständige Polypententakel besitzen. Ten-
takel. Lappen, Augenstiele bilden offenbar bloss verschiedene Mo-
dificationen einer gemeinschaftlichen Grundform. Selbst an der Sei-
tenfläche des Polypen sprossen hier oder da Tentakel hervor, die bald
einfach bleiben, bald auch an ihren Enden einen neuen Polypen
treiben. Ebenso können auch an den Mundcylindem der Ephyren
neue Ephyren sprossen oder selbst Längstheilungen der gesammten
Strobila stattfinden. Der Zusammenhang der Ephyren wird durch die
Mundcylinder vermittelt, deren vorderes Ende in die Rückenfläche
des vorhergehenden Thieres übergeht und schliesslich noch durch
einen dünnen Faden damit verwachsen ist. Die Planula von Pelagia,
welche keinen Polypenzustand durchläuft, wird durch Einziehung des
Mundrandes zu einer Glocke, die sich immer stärker abflacht und,
wie die Segmente der Strobila, am Piande acht Zapfen treibt, aus
deren Umwandlung sodann die Arme der Ephyra mit ihren zwei
Lappen und den zwischenliegenden Augenstielen hervorgehen. Diese
Arme sind auch noch bei den ausgebildeten Discophoren in wesent-
lich unveränderter Form vorhanden, durch die zwischen ihnen her-
vorwachsenden Interradiallappen aber in einem solchen Grade über-
wuchert, dass sie einen nur untergeordneten Theil der Scheibe aus-
machen und leicht übersehen werden. Die Tentakel (und das Segel)
bilden sich erst nach Abtrennung der Ephyren. Sie entstehen als Er-
hebungen der Interradiallappen und Anfangs immer nur in einfacher
Anzahl. Auch die sog. Magenfäden — die Agassiz übrigens einige
Male unrichtiger Weise als hohl beschreibt — sind ursprünglich
nur in geringer Menge vorhanden. Die Mundarme entstehen durch
206 Leuckart: Bericht üb, d. Leist. in d. NaturgescHclite
Auswachen der Zipfel an dem viereckigen Munde und erreichen erst
in späterer Zeit ihre volle Entwickelung. Bei Aurelia zieht auf der
Innenfläche dieser Arme eine von zwei Lippen begränzte Längsfurche
hin, die als eine Verlängerung der Mundecken betrachtet werden
muss. Ebenso verhalten sich Anfangs auch die Rhizostomiden, nur
dass hier die Lippen allmählich bis auf einzelne Stellen, die sog.
Fori, mit einander verwachsen. Zum Auslassen der Geschlechts-
stoffe dienen denselben vier Oeffnungen, die zwischen den Genital-
taschen gelegen sind und den vier Ecken des Mundes von Aurelia
zu entsprechen scheinen. Bei letzterer gelangen die weiblichen
Zeugungsprodukte und Planulä vor ihrem Austreten in besondere
kleine Beutel, die den Längslippen der Arme aufsitzen und durch
Ausbuchtung derselben ihren Ursprung nehmen. Die Arme der
weiblichen Exemplare haben auch eine grössere Länge und schlan-
kere Form, als die der männlichen, die sich übrigens zur Brunstzeit
schon an der weisslichen Färbung ihrer Genitalien unterscheiden
lassen. Auch sonst giebt es mitunter Geschlechtsunterschiede bei
den Discophoren, besonders bei Polyclonia, die an der Basis der
verästelten Arme vier Büschel von Anhängen trägt, deren verdickte
Zweigenden förmliche Nesselknöpfe bilden und bei beiden Geschlech-
tern deutliche Formverschiedenheiten erkennen lassen. Merkwür-
diger Weise bewegt sich die eben genannte Scheibenqualle übrigens
nicht schwimmend, wie die verwandten Arten, sondern mehr krie-
chend, mit Hülfe der Arme, mit denen sie sich oftmals in grosser
Menge einige Fusse unter der Meeresfläche auf den Korallenriffen
festhält. Die zahlreichen auffallenden und für die Systematik so wich-
tigen Unterschiede in dem Verhalten des Gastrovasculärapparates
entstehen erst während der Umwandlung der Ephyraform. Die
letztere hat ausser den acht langen Radialgefässen, die den Armen
entsprechen und bis in den Augenstiel hineinragen, noch acht kür^
zere Röhren, die in den Interradien gelegen sind und Anfangs eine
nur unbedeutende Länge besitzen, später aber, während der Ent-
wickelung der Interradiallappen , mächtig auswachsen. x\gassiz
unterscheidet übrigens bei den Discophoren keine Radial- und Inter-
radialgefässe, wie wir es hier gethan haben, sondern, in Zusammen-
hang mit seiner Auffassung des Akalephenbaues , ambulacrale Ge-
fässe und interambulacrale. Die ersteren sind überall in vierlacher
Anzahl vorhanden und zwischen den Geschlechtsorganen in der
Richtung der Mundwinkel (und Arme) gelegen, während die andern
in grösserer Meuge vorkommen und in der Richtung der Geschlechts-
organe gefunden werden, resp. an deren Bildung participiren. Die
Annahme von Randöffnungen bei Aurelia (Ehrenberg) beruht
auf einem Irrthume. Die Bildung des Ringkanales fällt in eine
verhältnissmässig sehr späte Zeit der Entwickelung. Sie geschieht
der niederen Thiere während der Jahre 1Ö61— 1862. 207
im Wesentlichen auf dieselbe Weise, wie die bei den höheren Schei-
benquallen bekanntlich nicht selten vorkommende Verästelung des Ge-
fässsystems, die übrigens gleichfalls erst allmählich ihre spätere Form
und Zusammensetzung annimmt. Am complicirtesten sind diese Ver-
ästelungen bei den Rhizostomiden, die sich (nach Agassiz) auch
noch dadurch auszeichnen, dass ihre Gefässe immer nur in bestimmter
Richtung einen Blutstrom unterhalten, zum Theil also centripetal,
zum anderen Theile centrifugal leiten. Die Contractilität der Wand
des Gastrovasculärapparates ist schon von anderer Seite hervorge-
hoben. Ebenso auch die Thatsache, dass der sog. Augenstiel mor-
phologisch als ein (abortiver) Randfaden aufzufassen sein dürfte.
Agassiz ist übrigens der Ansicht, dass die Benennung „Augenstiel-'
für das fragliche Gebilde völlig richtig sei, und beruft sich dabei
auf Untersuchungen von Clark, die an jungen Aurelien angestellt
wurden und hier ausführlich (p. 41 £f.) mitgetheilt werden. Nach
diesen Untersuchungen soll das Randkörperchen der Discophoren
ein zusammengesetztes Auge mit zahlreichen in einer Kugelfläche
angeordneten Linsen sein, die ein starkes Lichtbrechungsvermögen
besitzen und je einen sechsstrahligen Innenraum in sich einschliessen.
Vor der gekrümmten Vorderfläche der Linsen wird eine förmliche
Cornea und hinter denselben ein Glaskörper von kegelförmiger Ge-
stalt beschrieben, wogegen aber der bekannten Krystalle auffallender
Weise mit keinem Worte Erwähnung geschieht. Ein Nervensystem
wird nirgends beschrieben. Die Bildung der Geschlechtsorgane und
der Genitaltaschen zeigt trotz dem gemeinsamen Typus im Einzelnen
mancherlei auffallende Eigenthümlichkeiten, von denen wir hier nur
die eine hervorheben wollen, dass der durch Ausstülpung der Lei-
beshöhle entstandene Innenraum der Genitalien bei Aurelia durch
eine Zwischenwand von dem eigentlichen Gastro vasculärapparate bis
auf eine Communication am Innenrande vollständig abgetrennt wird.
Auf die von Agassiz gegebene systematische Uebersicht der Dis-
cophoren werden wir am Ende unseres Berichtes noch einmal zu-
rückkommen, und fügen wir hier nur noch das Eine hinzu, dass
uns zum Schlüsse des vorliegenden Capitels ein Excurs über die
geographische Verbreitung der Discophoren geboten wird.
Den ausführlichen und detailirten Angaben gegen-
über, die Agassiz über den Bau von Aureliä flavidula
gemacht hat, erscheinen die Mittbeilungen Mettenbei-
mer's über den nahe verwandten europäischen Vertreter
desselben Genus (Archiv für Anat. und Pbysiol. 1862.
S. 214 — 225 mit Abbild.) mehr aphoristisch. Sie bezieben
sich vorzugsweise auf die Randpapillen, die histologische
Bildung des Körpergewebes und die Bewegungserscbei-
208 Leuckart: Bericlit üb. d, Leist. in d. Naturgeschichte
nungeri; und dürften namentlich in Betreff der ersten Or-
gane unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen.
Die Randpapille der Ohrenquallen erscheint nach den vor-
liegenden Beobachtungen im Wesentlichen ganz wie bei den übrigen'
höheren Medusen gebaut (vergl. J. B. für 1856. S. 231). Sie ist ein
hohles Zäpfchen, das auch nach der Ansicht des Verf. 's einen rudi-
mentären Randfaden darstellt — Verf. begeht dabei übrigens den
Fehler, dass er die dünne Schicht glasheller Substanz, die zwischen
Endoderm und Ectoderm eingelagert ist, als den optischen Aus-
druck eines schmalen Spaltraumes in Anspruch nimmt — und im
äussersten Ende einen Haufen bewegungsloser Krystalle, die weder
durch Säuren, noch durch Alkalien angegriffen werden, einschliesst.
Dazu kommt hier aber noch ein bräunlich rother Pigmentfleck, der
dem Ectoderm angehört und in einiger Entfernung von dem Ende
in die nach oben gekehrte Fläche eingelagert ist. Verf. zweifelt
nicht, dass dieser Fleck einen Augenfleck darstellt, ist auch nicht
abgeneigt, den Krystallhaufen als ein Gehörorgan zu betrachten,
macht aber weiter darauf aufmerksam, dass der letztere die Fähig-
keit einer ausgezeichneten Lichtreflexion besitze und möglicher Weise
auch ganz nach Art eines Tapetums wirken könne. Die von unse-
rem Verf. vorgenommenen methodischen Zerstückelungen der Ohren-
qualle machen es wahrscheinlich, dass die motorischen Nervencen-
tra in dem Randtheile des Discus zu suchen sind, dass daneben aber
auch im mittleren Theile der Scheibe noch Nervencentra für die
Coordination der Einzelbewegungen vorkommen.
In Betreff der Geschlechtsorgane der höheren Schei-
benquallen haben wir ausser den schon oben theilweise
angezogenen Beobachtungen von A g a s s i z noch Arbeiten
von Jourdan, Keferstein und Strethill Wright
zu erwähnen.
Der Erstere beschränkt sich auf die Angabe, dass
er durch seine Untersuchungen an Cyanea zu Kesultaten
gekommen sei, die von den — für Chrysaora, wie wir unten
sehen werden, ganz richtigen — Angaben von Derbes
(J. B. für 18c0. S. 41Ö) weit abweichen und bei einer
späteren Gelegenheit ausführlich publicirt werden sollen.
Cpt. rend. T. 55. p. 834.
Keferstein hebt hervor, dass die Geschlechtsor-
gane bei den höheren Medusen, ganz wie bei den kleinen
Formen, in der Magenwand entwickelt würden und nur in-
sofern verschieden seien, als sich das Gallertgewebe zwi-
der niederen Thiere während der Jahre 1861-1862. 209
sehen denselben stark verdicken (resp. unterhalb dersel-
ben stark verdünnen^ d. h.^ dass die höheren Medusen
Genitaltaschen besässen). Zeltschrift für wiss. Zool. XII.
S. 30. ^Geschlechtsorgane von Rhizostoma Cuvie ii."
Die Untersuchungen von S tr ethill Wright bestäti-
gen die — dem Yerf. übrigens, wie es scheint, unbekannte
— oben schon angezogene Angabe von D e rb es, dass Chry-
saora, abweichend von den übrigen Akalephen, herma-
phroditischen Geschlechts sei. Die Samenfäden entstehen
nach unserem Yerf. in zahlreichen kleinen Säcken oder
Zäpfchen, die eben sowohl äusscrlich auf den Lippen und
den Mimdtentakeln (? Ref.), als auch im Innern der Leibes-
höhle auf der Magenwand und der Ov^rialhaut aufsitzen.
An dem letztern Orte werden die Hodensäckchen von
besondern faden- oder eiförmigen Anhängen getragen,
die in augenscheinlicher Weise an die sog. Magenfäden
der höheren Quallen erinnern, von dem Verf. aber für
andere eigenthümliche Bildungen gehalten werden. Die
Eier sollen ohne Keimbläschen sein. Auffallender Weise
gilt der hier hervorgehobene Hermaphroditismus übri-
gens nur für die ausgewachsenen Exemplare. Jüngere
Thiere sollen immer getrennten Geschlechts sein. Ann. and
Mag. nat. bist. T. VIL p. 357—359. PI. XVIII.
Nach Agassiz zerfällt die Ordnung der Akalephen
oder Discophoren (1. c. p. 149 ff'.) in drei Unterordnungen
Rhizostomeae, Semaenostomeae und Ilaplostomeae, deren
Inhalt am besten durch die nachfolgende Uebersicht des
Agassiz'schen Akalephensystems verdeutlicht wird.
Subord. Rhizostomeae. Lippen bis auf zahlreiche feine
Oeffnungen verwachsen.
Fam. Rhizostomidae. Acht einfache an der Wurzel paarweise
vereinigte Arme mit zahlreichen Randlappen, ohne Tentakel und
Nesselknöpfe. Acht Randkörper, von denen vier am Ende der Am-
bulacralkanäle angebracht sind, die vier andern in der Mitte da-
zwischen. Die Radiärkanäle bilden in der Peripherie des Schirms
ein reiches Netzwerk.
Hieher Rhizostoma Cuv. mit 6 Arten (unter denen die nordische
Rh. Cuvierii und die mittelmeerische, fälschlich damit zusammenge-
worfene Rh. pulmo , so wie Claustra Mertensii Less.) , Stomolo-
phus n. gen. {St. meleagris n. sp. von der Küste Georgia' s), Sty-
Archiv f. Naturg. XXIX. Jahrg. 2. VA. 0
210 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgescliichte
lonectes n. gen. (Orythia lutea Q. et Gaim.), Mastigias n. gen.
(Cephea papua Less.), Himantostoma n. gen. {H. Sueurii n. sp.
Chin. Küste), Catostylus n. gen. (Cephea mosaica Q. et G., C.
Wilkesii n. sp. Illiware-See), Rhac o pilus n. gen. {Rh. cyanoloba-
tus Rio de Jan.), Toxoclxjtus n. gen. (Rhiz. rosea Less., Cephea
Dubreuilli Less.), Melitaea Per. et Less., Thysanostoma n. gen.
(Melitaea brachyuraLess. = Th. Lessoni Ag.), Evagora Per. et Less.
Char. gen. n. St omolophus Ag. The arms soldered toge-
ther for their whole length, forming a large cylindrical tube and
leaving only a small entrance into its interior between its terminal
lobes. The upper bunches of the marginal lobes of the arms very
long, the lower ones peculiarly formed.
Char. gen. n. S tylo nectes Ag. Eight connate arms, each
ending in a long tricuspidated stylet and bearing a small bunch of
marginal fringes at tke base.
Char. gen. n. Mastigias Ag. Eight armes, arising from a
comparatively narrow actinostome, with a double row of interlocked
marginal folds near their base and a long simple terminal ap-
pendage.
Char. n. gen. Himantostoma Ag. Eight slender arms,
arising from a wide actinostome , ruffled with marginal folds for
their whole length, with the exception of their cuspidate termina-
tion. Fire slight marginal lobes in each segment, between two of
the eight eyes.
Char. gen. n. Catostylus Ag. The centre of the actinostome
a widely-spread horizontal flower.
Char. gen. n. Rhacopilus Ag. Four large pointed lobes in
each segment between two of the eight eyes. Large actinostome,
consisting of four pillars , between which are the large openings
leading into the four genital pouches and from which hang eight
large arms, covered with numerous folds of the marginal lobes.
Char. gen. n. Tox o clytus Ag. Eight short arms with cy-
lindrical base, widening at their extremity into broad, arrow-head
like appendages, bordered with numerous folds of the margi-
nal lobes.
Char. gen. n. Thysanostoma Ag. Eight very long papillate
arms, with a distinct round lobe, projecting outward from their base.
Fam. Leptobrachidae Ag. Mit sehr langen schlanken Armen,
die in der Nähe ihrer Enden ein kleines Bündel Randfranzen tragen.
Vier Genitaltaschen.
Hieher nur das Gen. Leptobrachia Brdt. mit L. leptopus Brdt.
und Rhizostoma loriferum Hempr. et Ehrbg.
Farn. Cassiopeidae Til. Acht Genitaltaschen, die mit den acht
Armen abwechseln.
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 211
Hieher Cassiopea Per. et le S. (C. Andromeda Esch.), Cros-
s ostoma n. gen. (Cass. frondosa Til.), Stomaster n. gen. (Cass.
canariensis Til ), Holig od adodes n. gen. (Medusa lunulata Flem.).
Crossostoma Ag. The arms form a simple eight-rayed
rosette and have numerous lateral dendritic raminifications, as in
Cassiopea, but each arm has a separate tuft of fringes at its base
Upon the rosette, and the genital pouches have no lateral or ten-
tacular pouches.
Stomaster Ag. The central rosette is double, in conse-
quence of the special combination of the separate tufts of the basal
branches of the arms. The genital pouches not divided near the
margin of the disk.
Holigo cladodes Ag. The arms are simple and only crenate
along the margin, but they have each a double crescent of dendritic
ramifications at the base and unite in the ventre to form a dou-
ble cross.
Fam. Cepheidae Ag. Arme kurz, vielfach verästelt, mit Nes-
selknöpfen und schlanken Endfäden in verschiedener Anzahl.
Hieher Cephea Per. et Les. (Medusa octostyla Forsk. und
M. ocellata Mod.), P olyrhiza n. gen. (Med. Cephea Forsk., Ceph.
fusoa Per. et Le S., C. vesiculosa Hempr. et Ehrbg.), Diplopilus
n. gen. (D. Couthauyi n. sp. Wilson's Isld.), Hidr oticus n. gen.
{H. rufus n. sp. Sunda-Str.), Cotylorhiza n. gen. (Cephea tuber-
cul ata Esch. = Rh. borbonica Esch.), Phyllorhiza n. gen. {Ph.
chilensis n. sp.).
P olyrhiza Ag. Durch die zahlreichen Endfäden von Cephea
verschieden.
Dipl opilu s Ag. The margin of the disk is divided, in each
Segment, into eight pointed lobes. The actinostome consists of four
broad arms, with numerous fringes and many slender tentacles along
their whole margin. Each flat arm is brodly furcate at its extre-
mity. (Der Scheitel der Glocke trägt oberhalb des Centralraums —
wie das auch wahrscheinlich bei Polyrhiza Cephea der Fall ist —
einen sehr ansehnlichen Aufsatz von konischer Form.)
Hidr oticus Ag. Eight short foliated arms, terminating in
eight short , club - shaped tentacles, hanging among the foliaceous
appendages. Margin of the disk crenulated.
Cotylorhiza Ag. Eine cirrenlose Cephea mit gestielten
Saugnäpfen.
P hyll orhiza Ag. Allied to Cotylorhiza, but the eight arms
divide into three fringed lobes, like de leaves of clover, instead of
being dichotomous, with numerous pendant filaments.
Fam. Polyclonidae Ag. Mit langen verzweigten Armen und
Augen, die zu den Seiten des Genitalradius stehen.
212 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Hieher ausser Polyclonia Brdt. (mit 3 Arten , unter denen
auch Cassiopea theophila Per. et Le S.), noch Salamis Less. (= Ory-
thia Q. et G.) und Homopneusis Less.
Fam. Favonidae Ag. Mit einem rüsselförmigen (sohden ?) Cen-
tralzapfen zwischen den Armen.
Hieher Favonia Per. et Le S. und Lymnorea Per. et Le S.
Sub-order Semaeostomeae Ag. Ein offener Mund, der von
vier mehr oder minder ansehnlichen Armen umgeben ist.
Fam. Aurelidae Ag. Mit flacher Scheibe und kurzen steifen
Armen. Der achtlappige Rand trägt zahlreiche kurze Tentakel
und lässt die acht Randkörper frei hervortreten. Lippenränder ge-
franzt. Radialgefässe verästelt.
Hieher Aurelia Per. et Le S. mit zahlreichen Arten, unter
denen die nordeuropäische A. cruciata Ag. (= Med. aurita Linne) und
die mittelmeerische A. aurita Milne Edw., so wie ^4. marginalis n. sp.
von Florida.
Fam. Sthenonidae Ag. Mit bündelweis vereinigten Tentakeln,
ansehnlichen Armen und verästelten dünnen Radialgefässen.
Hieher Sthenonia Esch. , Heccaedecomma Brdt. , Phacello-
phora Brdt.
Fam. Cyaneidae Ag. Mit meist bündelweis vereinigten Tenta-
keln unterhalb der tief gelappten, dicken Scheibe, mächtig ent-
wickelten Armen und zweierlei mehr oder minder weiten und am
Ende gelappten Radialkanälen. Die Unterfläche der Scheibe con-
centrisch und radiär gerunzelt.
Hieher ausser Cyanea (mit 7 verschiedenen Arten, u, a. der
nordischen C. capillata, der mittelmeerischen C. Lamarkii, C. fulva
n. sp. und C. cersico/or aus Nord -Amerika) noch S teno p tycka n.
gen. (Cyanea rosea Q. et G.), Couthouyia n. gen. (C. pendula n. sp.
Orange-Bai), Medora n. gen. {M. reticulata und M. capensis nn. sp.,
Patera Less. (?) und Donacostoma n. gen. {D. Woodii n. sp. China).
Stenoptycha Ag. The narrow band of concentric folds
alternating with radiating folds readeley distinguishes this genus
from Cyanea. The tentacles also are fewer in number and arran-
ged in a single row.
C outhouyia Ag. Closely allied to Cyanea by it sixteen
broad radiating pouches and eight large bundles of tentacles, but
it differs in having pouches nearly equal and tentacles arranged in
a Single row, Four distinct long pendant arms.
Medora Couthouy (Msc). Allied to Couthouyia, but has
the margin of the tentacular pouches divided into two broad lobes,
with ouly one tentacle between them and one on each eide of them.
Donacostoma Ag. From the centre of the actinostome
projects a fleshy proboscis, at the extremity of which are a number
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 213
of slender tentacles. Sixten bunches of tentacles arranged in a single
row in each lobe. The genital pouches are very wide and conceale
the whole actinostome, with the exception of its central peduncle,
which hangs below them. Lobes of the margin of the disk angular,
so that the margin itself appears straight and is only cleft at
intervals.
Farn. Pelagidae Gegenb. Scheibe mit zahlreichen kurzen Rand-
fäden mid vier schlanken, an der Basis verwachsenen Armen. Ra-
diärkanäle weit und ziemlich gleichförmig. Rand mit mehr oder
minder zahlreichen Lappen.
Hieher Pelagia Per. et Le S. mit 8 Arten (P. tuberculosa
Couth. Mscpt. = P. panopyra Brd,), Placois n. gen. (Pelagia dis-
coidea Esch.), Chrysaora Per. et Le S., Desmonemn n. gen. (Chrys.
Gaudichaudi Less.) , Lobocrocis n. gen. (Chr. Blossevillii Less.),
Dactylometra n. gen. (Chr. lactea Esch. und Pelagia quinque-
cirra Desor), Polybostrycha Brdt., Melanaster n, gen. (M. Mer-
tensi Ag. = Chr. melanaster Brdt.), Zygonema n. gen. {Pelaqia
volutata Couth. Mscpt., Rio), Nausithoe KöU. (ein Genus, dessen Ar-
ten Verf. übrigens als junge Pelagien mit beginnender Geschlechts-
reife betrachten möchte).
Placois Ag. The margin of the disk being divided into 32
lobes (not 16 as in Pelagia), between two and two of which alter-
nate eight eyes and eight tentacles.
Desmonema Ag. Marginal lobes very large and triangulär,
twelve in number and terminating in twelve fasciculated tentacles.
Twelve small lobes (eyes 8) alternating with the large lobes.
Lobocrocis Ag. Margin double lobed; the outer row
containing twice as many pointed lobes as the inner one, the lobes
of which are broadly rounded. Tentacles between alternate margi-
nal lobes.
Dactylometra Ag. The margin of the disk is divided in
48 lobes, sixteen of which are ocular lobes and thirty two tentacu-
lar lobes, two and two of which are separated by a short tentacle,
while there is one large tentacle between the two paires on another
outside of each pair, so that the total number of tentacles, large and
small, is 40.
Melanaster Ag. Forty eight lobes, as in Dactylometra, from
which it differs in having only three tentakles to each tentacu-
lar lobe.
Zygonema Ag. All the Segments between the eyes show
four larger lobes, subdivided by shallow indentations, from which
arise four tentacles.
Subord. Haplosiomea e Ag. Mit weiten Radialtaschen ohne
214 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Ringgefäss, einfacher Mundbildung und bläschenförmigen Rand-
körperchen.
Farn. Thalassiantheae Less. (= Aeginidae Gegenb.).
Hieher Euryale Per. et Le S., Foveolia Per. et Le S. (= Cu-
nina Esch.) mit zahlreichen Arten, unter denen viele Synonyme
(z. B. Cunina moneta Lt. und C. albescens Gegenb. = Foveolia
lineolata Per. et Le S., Cun. lativentris Gegenb. = Fov. bunoga-
ster Per., Cun. vitrea Gegenb. = Fov. mollicina Per. et Le S.),
Eurybia Esch., Campanella Bl. (= Aeginopsis Joh. Müll.) , Aegi-
nopsis Brdt., Aegina Esch. (S. st. mit Typus der Aeg. citrina), Pe-
gasia Per. et Le S. mit zahlreichen, zum Theil in sehr verschiedenen
Genera (wie Aegina, Aegineta, Pachysoma, Stenogaster, Paryphasma
u. a.) untergebrachten Arten.
Fam. Brandtidae Ag., eine Familie, die sich durch die eigen-
thümliche Lappenbildung des Scheibenrandes zur Genüge charakte-
risirt, möglicher Weise aber auch zu einer anderen Unterordnung
gehört.
Dodecabostrycha Brdt, und Quoyia n. gen. (Charybdea bico-
lor Q. et G.).
Fam. Charybdoidae Less. mit zweierlei verschiedenen Rand-
lappen.
Charybdea Per. et Le S.
Fam. Marsupialidae Less. mit einerlei Randlappen.
Marsupialis Less. (= Charybdea Auct-), Tamoya Fr. Müll.,
Bursarius Less., Chir op s almus n. gen. (= Tamoya quadrumana
Fr. Müll.).
Fam. Lucernariadae Johnst., festsitzend — sonst aber, nach
Agassiz, den Marsupialiden so nahe verwandt, wie ein Pentacrinus
den Comatuliden.
Lucernaria, Depastrum und Carduella.
Von AI. Agassiz^ dem Sohne, dürfen wir in kur-
zer Zeit gleichfalls einer grösseren Arbeit über Scheiben-
quallen entgegen sehen. Schon jetzt liegt von demsel-
ben eine kurze Mittheilung über die Scheibenquallenfauna
Massachusets vor (Proceed. Bost. Soc. Vol. VIII. p. 224), die
mancherlei auffallende Eigenthümlichkeiten darbietet. Die
zur Beobachtung gekommenen — zum grösseren Theile
übrigens den Hydroidquallen zugehörenden — Arten be-
laufen sich auf 27, von denen 17 neu sind.
Fr. Müller erwähnt gelegentlich ein brasilianisches
neues Quallengenus Trichoplea mit Randkörpern in tie-
fen Nieschen auf der Unterflächc und zwei Zoll von dem
der niederen Thiere während der Jahre 1861--1862. 215
ungetheilten Rande der zwei Spannen im Durchmesser hal-
tenden Scheibe. Archiv für Naturgesch. 1861. I. S. 305.
Anmerkung.
lieber Nausithoe vergl. Keferstein und Ehlers^
Beiträge S- 80. Die Verff. glauben, dass die bisher beschrie-
benen Arten zusammengezogen werden müssten. (Ag a s s i z
hält diese Arten, wie oben erwähnt, für junge Pelagien,
die trotz ihrer unvollständigen Entwickelung bereits in
das Stadium der Geschlechtsreife getreten seien, wie Aehn-
liches auch bei anderen Scheibenquallen vorkomme.)
Norman beschreibt eine (4V2") grosse, augenscheinlicher
Weise den echten Akalephen (Cyaneiden?) zugehörende Meduse, die
in einer Entfernung von 70 — 80 (engl.) Meilen von der Küste Nord-
humberlands gefischt wurde. Der Rand der Scheibe ist in acht
grosse Lappen getheilt, deren jeder wieder in vier kleinere zerfallen
ist. Auf derselben verlaufen 16 radiäre Erhebungen, deren jede
von einem schönen blauen Canale durchzogen wird. Ein Ringgefäss
wird nicht beschrieben, wohl aber sollen die Radialgefässe in den
grösseren Lappen zu einem Sinus sich erweitern, der auch noch
andere weiss gefärbte Canäle, die zwischen den radiären Erhebun-
gen gelegen sind , aufnehme. In geringer Entfernung vom Rande
trägt die Unterfläche der Scheibe hinter jedem dieser Sinus einen
Halbkreis von etwa 40 kurzen Tentakeln, die mit ihren Enden nach
auswärts gekehrt sind. Die Mitte eines jeden Lappens trägt ein
Auge. Die Mundanhänge werden von (vier ?) grossen gefalteten und
gefranzten Armen gebildet, neben denen nach Aussen die Ovarien
herabhängen. Rep. br. Assoc Cambr. 1861. p. 122.
Aeginida. In vorläufigem Anschlüsse an die A g a s-
siz'schen Ansichten über die systematische Stellung der
Aeginiden lassen wir hier noch anhangsweise das Wenige
folgen, das wir über diese Quallen zu berichten haben.
Dass dieselben den Hydroidquallen ziemlich fremd gegen-
überstehen, ist übrigens schon vor Agassi z mehrfach
hervorgehoben, besonders von Fr. Müller, der auch die
Beziehungen derselben zu den Charybdeiden zuerst er-
kannte und beide Familien zu einer Gruppe verband, die er
freilich nicht zu den Akalephen stellte, sondern neben
diesen, den Hydroiden und Siphonophoren als eine eigene
Ordnung der Hydrasmedusen betrachtet wissen wollte.
(Archiv für Naturgesch. 1861. I. S. 302—311.)
Die charakteristischen Eigenthümlichkeiten der neuen Ordnung
216 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
(Aeginoiden) sucht Müller in der mehr oder minder auftauenden
Starrheit und Furchung des Schirmes, dem rückenständigen Ursprung
der Fangfäden, der Anwesenheit von weiten Magentaschen ^anstatt
der Strahlgefässe und des Ringkanales) und der Bildung der mit
den Magentaschen verbundenen flächenhaften Geschlechtsorgane.
Der eben erwähnte treffliche Forscher ist auch derje-
nige, dem wir den wichtigsten Beitrag zur Naturgeschichte
der Aeginiden, über den v/ir dieses Mal zu berichten haben,
verdanken. Schon vor längerer Zeit beschrieb Kölliker
eine zu dieser Thiergruppe gehörende kleine Form mit 16
Strahlen, die auf verschiedenen Entwickelungsstufen in
der Magenhöhle einer anderen zehnstrahligen Form beob-
achtet wurde. Der Fund hätte leicht zu der Annahme
veranlassen können, dass zwischen beiden augenschein-
licher Weise auch nahe verwandten Formen ein gene-
tischer Zusammenhang obwalte, wenn die Verschieden-
heit der Zahlenv^rhältnisse u. A. dem nicht widersprochen
hätte. Kölliker bildete aus beiden Formen zwei ver-
schiedene Genera: Stenogaster und Eurjstoma (J. B. für
1853. S. 422). Unser Verf. weist nun nach, dass dieses
Verfahren trotz seiner scheinbaren Berechtigung ein irri-
ges gewesen. Allerdings sind die. Beobachtungen des-
selben nicht an der gleichen Art angestellt, sondern an
einer brasilianischen Cunina ((7. Kölliker i n. sp.), aber
bei der nahen Verwandtschaft zwischen Cunina und Eury-
stoma, so wie der Aehnlichkeit der Verhältnisse, kann die
Analogie beider Fälle keinem Zweifel unterliegen. Die
zehnstrahlige Cunina Köllikeri producirt nun, wie unser
Verf. Schritt für Schritt verfolgte, auf der Innenfläche
des Magens kleine flimmernde Knospen, die sich sehr
frühe, noch bevor sie eine besondere Organisation erkennen
lassen, ablösen und sich im Innern ihres Mutterthieres in
zwölfstrahlige Medusen verwandeln, die in abweichender
Form nach Aussen hervortreten und wohl schwerlich auf
direktem Wege zu der Gestalt der Mutterthiere zurük-
kehren. Geschlechtsorgane wurden bei der jungen Brut
niemals beachtet, dagegen aber erwiesen sich die Mutter-
thiere selbst zum grossen Theil als geschlechtsreif, aber
auffallender Weise immer nur als Männchen. Männliche
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 217
Thiere ohne Brut wurden nur zwei Mal beobachtet. Sie
waren — den brutführenden Thieren gegenüber — so
klein, dass Verf. die Vermuthung aufstellt, es möchte
die Erzeugung der Knospensprösslinge erst gegen Ende
der Samenbildung ihren Anfang nehmen. (Die gänzliche
Abwesenheit von weiblichen Organen lässt bei der grossen
Häufigkeit der Cunina fast die Vermuthung zu, dass die
Knospenbrut zu weiblichen Individuen von abweichender
Form heranwüchse. Ref.) Archiv für Naturgesch. 1861.
I. S. 42-52. Tab. IV.
Die Jungen, die unter der Form eines kugligen Zellenhaufeus
sich ablösen, werden zunächst zu einer Hohlkugel und treiben dann
einen cylindrischen anfangs hohlen Zapfen, dem nach einiger Zeit am
gegenüberliegenden Körpersegmente ein zweiter nachfolgt. Die Za-
pfen sind die ersten Anlagen der Tentakeln, deren Zahl sich rasch
auf das Doppelte und darüber vermehrt, nachdem die Leibeshöhle
des jungen Thieres nach Aussen durchgebrochen ist und demselben
Gelegenheit zu einer selbständigen Nahrungsaufnahme gegeben hat.
Die Tentakel stehen auf dem der Mundöfifnung gegenüberliegenden
Körpersegmente , so dass der noch immer flimmernde Leib zwi-
schen beiden allmählich zu einer Scheibenfläche auswachsen kann.
(Die Anwesenheit des Flimmerkleides bei den jungen Knospenspröss-
lingen beweist zur Genüge, wie voreilig man früher die flimmernde
Brut, z. B. bei Aeginopsis, als eine aus Eiern sich entwickelnde
Embryonalform in Anspruch nahm.)
Keferstein und Ehlers beschreiben eine Äegi-
neta gemmifera (n. sp.) bei der „an der Unterseite der
unteren Magenw^and^ zahlreiche Jungen hervorknospen,
die so ziemlich die ganze Fläche bedecken. Zuerst sind
es kleine kuglige Hervorragungen, dann werden sie vier-
ckig, dann rund aber mit vier kurzen Tentakeln, deren
Zahl sich bis auf 16 vermehrt. Auch die ausgebildeten
Thiere haben 16 Tentakel, Beiträge u. s. w. S. 94.
Ebendaselbst werden weiter als neu beschrieben : Aeginela Co-
rona und Cunina discoidealis.
llydroidea.
Wie oben, bei Gelegenheit der Akalephen, so haben wir
auch in unserem Berichte über die Hydroiden dieses Mal
zunächst der zahlreichen Beobachtungen zu gedenken, die
218 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Agassi z über diese Thiere angestellt und in seinen Gon-
tributions (p. 183 — 371) niedergelegt hat. Nicht weniger als
23 Arten sind es, die unser Verf. aus der vorliegenden Gruppe
der Hydrasmedusen untersucht und nach' allen Richtun-
gen hin, so weit es möglich war, beschrieben hat. Mit Aus-
nahme einer einzigen Art sind diese Formen nach Agassiz
der amerikanischen Küste eigenthümlich , doch haben
manche derselben mit ihren Europäischen Repräsentanten
eine so auffallende Aehnlichkeit, dass sich möglicher Weise
später noch mehrfach eine Artidentität constatiren lassen
dürfte. Die Mehrzahl der untersuchten Species gehört zu
der Gruppe der Tubularien, die Agassiz, wie die Ser-
tularien, als eine Unterordnung der Hydroiden betrachtet
und in eine ganze Anzahl verschiedener Familien zerlegt.
Hieher Coryne (Sarsia) mirahüis n. sp. (p. 185 — 217), Clava
leptostyla n. sp. (p. 218 — 224), Khizogeton fusiformis n.
gen. et n. sp. (p. 224 — 226), Hydractvnia polyclma n. sp.
(p. 227 — 239), Halo Charts spiralis n. gen. et n.» sp.
(p. 239 — 240), Hyhocodon prolifer n. gen. et n. sp.
(p. 241 — 249), Farypha crocea n. gen. et n. sp. (p. 249
—265), Tubulär ia Couthouyi n. sp. (p. 266—271 = Tub.
indivisa? Ref.), T hamnocnidia speotabüid et T. tenella
n. gen. et n. sp. (p. 271 — 276), Corymorpha pe7idula n. sp.
(p. 276—278), Femiaria gibhosa n. sp. (p. 278—281), Eu-
dendrium dispar n. sp. (p. 285 — 289) , Bougainvillia su-
perciliaris Ag. mit ihrem Hydroidpolypen (p. 289 — 291).
Auf diese Tubularien folgt sodann die Gruppe der Mil-
leporinen, die, wie schon früher bemerkt, nach Agassiz's
Untersuchungen an Millepora alcicornis (p. 292 — 295)
gleichfalls den Hydroidpolypen zugehört, und schliesslich
die Gruppe der Campanularien mit Clytia {Orthopyxis
n. gen.) poteriumn. sip. (p. 297 — 304), Gl. {Troch opy xis
n. gen.) bicophora n. sp. (p. 304 — 306), Gl. {Platy pyxis
n. gen.) cylindrica n. sp. (p. 306—308), Tiaropsis diade-
mata Ag. (p. 308 — 311), Laomedea amphora n. sp. (p. 311
— 315), Obelia commissuralis Mc. Gr. mit zugehörender
Laomedea (p. 315 — 321, Eucope diaphana Ag. mit Hydroid-
polypen (p. 322 — 325) und Dynamena pumila Lamx. (p. 326
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 219
— 332). Die Siphonophoren, die Agassiz bekanntlich
gleichfalls den Hydroiden zurechnet, sind durch Physalia
vertreten, über deren Anhänge Verf. einiges Neues mit-
zutheilen hat (p. 335 — 336). Die beigefügten Abbildungen
(Tab. XX— XXXV) stehen an Schönheit und künstleri-
scher Vollendung in Nichts hinter den Abbildungen über
die DIscophoren zurück und dürfen dreist als die gelun-
gensten bezeichnet werden, die jemals über Hydroiden
publicirt sind.
Zur Charakteristik der neuen Genera wollen wir zunächst hier
anfügen, dass Rhizogeton einen kleinen Hydroidpolypen mit krie-
chendem Stamme und aufrechten Polypenköpfen repräsentirt, deren
schlankes Ende mit 12 cylindrischen Tentakeln besetzt ist. Der
ganze Stock hat grosse Aehnlichkeit mit Clava, unterscheidet sich
aber dadurch, dass die Medusengemmen — wie bei Perigonimus Sars —
direkt von dem Stamme abgehen und zwischen den Polypenköpfen
stehen. Das neue Gen. Halocharis enthält solitäre Polypen, de-
ren nackter Körper fast in ganzer Länge von kurzen Tentakeln, die
in einer Spirale angeordnet zu sein scheinen, umgeben ist. (Nach
einer nachträglichen Bemerkung des Verf.'s ist dieses neue Genus
mit Corynitis Mc. Cr. identisch). Hybocodon^ Parypha, Tham-
nocnidia (und Ectopleura mit Tub. Dumortieri) sind kaum
mehr als Untergattungen von Tubularia, die theils durch die Form
und Anordnung der Mundtentakel, theils auch durch die Beschaf-
fenheit ihrer Geschlechtsthiere von einander abweichen. Auch Or-
Ihopyxis, Trochopyxis und F /«< i/ p ?/ ar i s können kaum einen hö-
heren Werth als den von üntergeschlechtem beanspruchen. — Nach
den histologischen Untersuchungen unseres Verf.'s besteht der Kör-
per der Hydroidpolypen überall aus zwei von einander verschiedenen
Zellenschichten , die auch in die Bildung der Medusoiden und Me-
dusen eingehen, hier aber gewöhnlich (besonders bei den letztern)
noch eine dritte Lage zwischen sich nehmen, wie das auch durch
die in England und Deutschland neuerlich angestellten Untersuchun-
gen ausser Zweifel gestellt ist. Dass diese mittlere (hyaline) Schicht
der Medusen von den Grundmembranen abgesondert wird, ist Verf.
entgangen. Sie stellt nach ihm eine dritte, den beiden anderen
gleichwerthige Lage (Bildungshaut) vor. Im Uebrigen wird die Ent-
wickelung der Medusenknospen von unserem Verfasser im Wesent-
lichen ebenso beschrieben, wie es von Claus und Keferstein ge-
schehen ist, in Uebereinstimmung mit letzterem auch angenommen,
dass der Mundstiel erst nachträglich sich erhebe, nachdem die vier
Kadialgefässe bereits als isolirte Bildungen angelegt sind. So na-
220 Leuckart: Bericht üb, d. Leist. in d. Naturgeschichte
mentlich bei der von Coryne mirabilis abstammenden Sarsia (S. mi-
rabilis Ag.), deren Entwickelung sehr genau geschildert und bis zu
der 7 Wochen nach der Abtrennung eintretenden Geschlechtsreife
vorfolgt wird. In anatomischer Beziehung erwähjien wir die That-
sache, dass- sich das Entoderm bei manchen Tubularien im Innern
der Stiele und Stämme zu mehr oder minder starken Längsvorsprün-
gen erhebt (Parypha) , und bei den grösseren Arten — wie das
übrigens auch schon früher beobachtet ist — sogar den ganzen in-
nern Stielraum bis auf eine Anzahl von Längskanälen, die dann
natürlich mit der Innenhöhle des Polypenköpfchens communiciren,
durchwuchert. Bei Tubularia Couthouyi schätzt A g a s s i z die Zahl
dieser Längskanäle auf 15 , bei Corymorpha sogar auf 40. Bei
letzterer stehen dieselben auch noch durch zahlreiche unregelmässige
Queranastomosen unter sich in direkter Verbindung. Pennaria trägt
an den Enden des Stammes und der Zweige sterile Polypen von
bedeutender Grösse, die sich sehr auffallend vor den kleinen Ammen-
polypen auszeichnen. Auch bei Hijdractinia siiid die Ammenpolypen
bekanntlich von den sterilen Polypen verschieden, aber nur zur
Zeit der Medusenknospung, nicht im "Winter, wo sämmtliche Polypen
denselben Bau haben. Im Uebrigen zeigen sich auch die Ammen-
polypen von Hydractinia keineswegs alle gleichgebaut. Man trifft
unter ihnen Individuen mit nur 4 und andere mit 40 und 60 (dann
allerdings sehr kleinen) Tentakeln und kann dieselben durch alle
Zwischenformen hindurch zu den randständigen sog. Spiralpolypen
verfolgen, die trotz ihrer beständigen Sterilität von unserem Verf.
als blosse Modificationen der Ammenpolypen betrachtet werden. Auch
die gewöhnlichen sterilen Polypen (Ernährungsthiere) zeigen insofern
einige Verschiedenheit, als sie in den männlichen Colonieen einen
Rüssel von ansehnlicher Länge besitzen. Auch bei Millepora konnte
Ag. zweierlei Formen von Polypen unterscheiden, von denen die
einen durch beträchtlichere Grösse und 4 oder 5 geknöpfte Tentakel
im Umkreise der rüsselförmigen Mundöffnung sich auszeichnen, wäh-
rend die anderen kleineren und beweglicheren mit Tentakeln verse-
hen sind, die über die ganze Länge des Körpers sich ausbreiten.
Medusoiden Hessen sich bei Millepora leider nicht beobachten —
ein Umstand, den wir um so mehr bedauern, als dadurch die letzten
Zweifel über die systematische Stellung dieser Thiere hinweggefal-
len sein würden. Die Polypennatur der grossen und becherförmi-
gen sog. Achselzellen der Sertularien — die ihrer Stellung nach
freilich keineswegs überall diesen Namen verdienen — ist trotz der
Abwesenheit von Mund und Tentakel gegenwärtig ziemlich allge-
mein anerkannt; wir würden die Zweifler sonst auf die in grosser
Menge hier vorliegenden Untersuchungen verweisen, die den ganzen
Entwickelungskrcis dieser merkwürdigen Bildungen erschöpfen und
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 221
deren morphologische Natur ausser Frage stellen. Auch die zuerst
von Gegen baur beobachteten sog. monomeren Kapseln des Gen.
Sertularia und einiger Campularien haben durch diese Beobachtun-
gen ihre vollständige Erklärung gefunden. Sie sind Ammen, wie
die polymeren, und nur in sofern verschieden, als ihre Medusoiden
immer einzeln zur Entwickelung kommen und den Innenraum des
Becherchens allmählich vollständig ausfüllen, ja bisweilen sogar mit
einem grösseren oder kleineren Theile ihres Körpers ;nach Aussen
aus demselben vorfallen. Statt eines einfachen Achsenkanales besit-
zen diese monomeren Ammen übrigens mitunter deren mehrere (3 — 5),
die dann in einem spitzen Winkel aus einander weichen (Clytia pote-
rium) und die Medusoiden an der Theilungsstelle hervorkommen
lassen. In dem genannten Falle besitzt die Medusoide abweichen-
der Weise auch gefiederte Radiärkanäle ohne Ringgefäss. Eine
wirkliche Medusenbrut wurde , von Coryne mirabilis abgesehen,
noch bei Hybocodon (Euphysa), Pennaria (Zanclea?), Clythia cylin-
drica, dem Hydroidpolypen von Bougainvillia, Obelia commissuralis
undEucope diaphana beobachtet. Am interessantsten unter densel-
ben ist unstreitig der SprössHng des Tubulariengenus Hybocodon,
nicht bloss, weil er einem bis jetzt erst durch wenige Arten ver-
tretenen Geschlechte angehört, sondern namentlich auch desshalb,
weil er, wie die von Green e beobachtete Steenstrupia, an der
Wurzelanschwellung seines Tentakels neue Medusen treibt. A g a s-
siz sah diese Anschwellung bei seiner Art beständig mit einem
halben Dutzend und mehr Knospen besetzt, die auf verschiedenen
Entwickelungsstufen standen und zum Theil schon selbst wieder
an ihrer Tentakelwurzel neue Knospen trugen. Die erste Anlage
dieser Knospen geschieht bereits in frühester Jugend , noch vor
Entwickelung des Ringkanales, und zwar dadurch, dass der eine
ßadiärkanal zunächst eine Ausstülpung bildet, die zu dem Tentakel
zu werden bestimmt ist, aber noch vor dem weiteren Auswachsen
die spätere Meduse in Form einer neuen Ausstülpung anlegt. Die
Medusoiden haben bei den von unserm Verf. beobachteten Arten
eine sehr ungleiche Entwickelung und erscheinen in manchen Fällen
als einfache rundliche oder längliche Bläschen, die bald zahlreiche
Eier, bald auch, bei Laomedea, nur ein einziges in sich einschlies-
sen. Bei Eudendrium dispar haben die männlichen Medusoiden, statt
der einfachen Bläschenform der weiblichen eine fast rosenkranzför-
mige Bildung mit Segmenten , die nach einander heranreifen und
ihren Inhalt entleeren. Noch abweichender verhält sich Bhizogeton,
dessen Medusoiden nach der Entleerung der GeschlechtsstoÖe zu
gewöhnlichen Polypenköpfchen werden sollen (? Ref.). Die Angabe,
dass Coryne mirabilis gegen Ende der Saison statt der Sarsien
sessile Medusoiden ohne Mund und Tentakel erzeuge, ganz wie es
222 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
L 0 V e n von C. ramosa beobachtete , lässt die Vermuthung zu,
dass unter dem obigen Namen zwei von einander verschiedene
Arten zusammengeworfen sind. Bei Clava leptostyla gelang es, das
Auswachsen der Planulae zu einem kleinen Polypen zu verfolgen
und dadurch deren ganze Entwickelungsgeschichte zum Abschlüsse
zu bringen. Ebenso bei Parypha und Thamnocnidia, die sich übri-
gens — wie auch schon anderweitig bekannt geworden — in sofern
abweichend verhalten , als hier kein' Planulazustand vorkommt, und
das weibliche Zeugungsmaterial (dasAgassiz übrigens nicht bis zu
der ursprünglichen Eiform verfolgen konnte) noch vor der Geburt
polypenartig auswächst. Anfangs ein einfacher Zellenhaufen wird
diese Masse zuerst zu einem platten sternförmigen Körper, der sich
während der Verlängerung der Arme glockenartig zusammenkrümmt,
und erst später durch Erhebung des Mundzapfens in dem Cen-
trum der concaven Körperfläche die Polypenform annimmt. Vor
Erhebung des Mundzapfens könnte man die Sprösslinge leicht für
eine junge Meduse halten, die bei den Campanularien (Obelia und
Eucpee) gleiclifalls ,durch eine frühzeitige (vor Bildung des Ring-
kanales erfolgende) Abplattung ihre Scheibenform bekommen.
Die Ansichten, die Agassiz über den morpholo-
gischen Bau der Hydroiden in vorliegendem Werke aus-
spricht; fussen auf der in Deutschland fast überall als
gültig angenommenen Theorie des Generationswechsels und
des Polymorphismus. Sie sind uns desshalb auch geläu-
figer, als die Ansichten von Greene, über die wir schon
bei Gelegenheit der Coelenteraten im Allgemeinen oben
zu berichten hatten. Noch fremdartiger aber erscheint
uns die Auffassung^ die Stre thill Wri ght seiner tabel-
larischen Uebersicht über die bisher bei den Hydroiden
beobachteten Yerschiedenheiten in der Bildungsstätte der
Geschlechtsthiere und den Entwickelungszuständen der
letztern (Ann. nat. bist. T.VIII. p. 124 sq.) folgen lässt. Ob-
wohl diese Zusammenstellung den allmählichen Uebergang
der einfachsten sog. Geschlechtskapseln in die höchst ent-
wickelten Medusenformen unverkennbar nachweist, glaubt
Verf. doch die morphologische Uebereinstimmung dieser
beiderlei Bildungen in Abrede stellen zu müssen. Ausge-
hend von der Ansicht, dass die Meduse kein einfaches
Wesen sei, sondern aus einer Anzahl radiär gruppirter
Zoidien (elements) gebildet werde, deren jedes wieder
drei morphologisch verschiedene Theile (subelements) ent-
der niederen Tliiere während der Jahre 1861 — 1862. 223
halte, ein Theilstück, das zur Fortpflanzung, ein zweites,
das zur Ernährung, und ein drittes, das zur Besitznahme
der Nahrungsmittel diene, will Verf. die Geschlechtskap-
seln nur als Vertreter der ersten dieser „Sub Clements^
gelten lassen. Die Geschlechtskapseln der Hydroiden
sollen mit andern Worten bloss den Geschlechtsorganen der
Medusen entsprechen. Da Verf. aber gleichzeitig zugiebt,
dass die drei Subelemente seiner Zoidien keineswegs im-
mer vollständig entwickelt seien und oftmals auf Kosten
des einen^ oder andern derselben schwänden, so könnte
man darin am Ende auch nach seiner Theorie eine Me-
duse mit vorwaltender Geschlechtsentwickelung sehen, zu-
mal Verf. bei diesen Thieren eine nach den Eigenthüm-
lichkeiten des Baues wechselnde Zusammensetzung aus
Zoidien zulässt. Man mag über die Morphologie der Hydroi-
den übrigens denken, wie man will, darin wird man gern
mit dem Verf. übereinstimmen, dass die Form und Bil-
dung der medusoiden Geschlechtsträger kein Motiv für
die Classifikation derselben abgiebt.
Das letztere geht auch aus der von Hincks be-
tonten Thatsache hervor, dass es Hydroiden giebt, die
trotz ihrer evidenten Verschiedenheit Medusen erzeugen,
welche zur Zeit ihrer Abtrennung in jeder Beziehung
mit einander übereinstimmen. Zu diesen Formen gehört
namentlich Stauridia producta und Coryne eximia, deren
Medusen vier geknöpfte Randfäden tragen, die mit einer
gefärbten Anschwellung entspringen und eine einfache
Mundöffnung auf der Spitze des rosenrothen Manubriums
tragen. Auch die Medusen von Coryne Sarsii sind kaum
verschieden. Rep. br. Assoc. Cambr. 1862. p. 108. Ann.
and Mag. nat. bist. T. IX. p. 459. PI. IX.
All mann beschreibt in dem Stamme von Cory-
morpha nutans ausser einem Achsenkanale noch ein Sy-
stem von peripherischen Längsröhren, die eine deutliche
Strömung enthalten und mit dem ersten zusammen in die
weite Höhle des Polypenkopfes einmünden. In der Haut-
bedeckung des Körpers liess sich eine deutliche Mus-
kulatur nachweisen. Die medusoiden Geschlechtsthiere
224 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
(Steenstrupia) entwickeln sich einige Zeit nach der Abtren-
nung ihrer GeschlechtsstofFe im Umkreise des Mundstie-
les. Rep. br. Assoc. Cambridge 1862. p. 101.
Dass Agassiz durch seine Untersuchungen über die
LeibesKöhle von Corjmorpha zu einem sehr ähnlichen
Resultate kam^ ist schon oben hervorgehoben. Auch
noch in anderer Beziehung werden die Angaben dessel-
ben über den Bau dieser kolossalen Hjdroiden bestätigt,
insofern nämlich AI der die Thatsache hervorhebt, dass die
Corymorphen nicht nackt seien, sondern eine fast gallertar-
tig durchsichtige Scheide trügen , die mit dem unte-
ren Ende sich an fremde Gegenstände anhefte. Die
Beobachtung von Aid er ist bei C. nana n. sp. angestellt,
die sich durch Kleinheit [}/2 — ^W') und geringe Zahl der
Tentakel (16^18) von der sonst nicht unähnlichen C. nutans
unterscheidet. Auch die Geschlechtsthiere sind insofern
abweichend , als sie keinem Stiele aufsitzen und eine
verhältnissmässig bedeutende Grösse haben. Uebrigens
scheint es nach den Beobachtungen des Yerf.'s, als wenn bei
C. nana auch ein geschlechtlicher Dimorphismus vorkomme.
Nur in einem Falle beobachtete Verf. nämlich die Ent-
wickelung selbstständiger Medusen (Steenstrupia), während
im andern Falle dafür sessile Geschlechtsknospen mit un-
regelmässig gelappten Randfortsätzen gesehen wurden.
Die grosse Beweglichkeit des Körpers und Kopfes, die
Verf. hervorhebt; stimmt mit der schon anderweitig nach-
gewiesenen ungewöhnlichen Entwickelung des Muskelge-
webes überein. Annais and Mag. nat. bist. Vol. IX. p. 314.
Tab. XV.
Claparede's Beobachtungen über die Entwicke-
lung der Tubularien (Bibl. univ. de Geneve 1862. T. XV.
p. 150) sollen nach einer späteren ausführlichen Mitthei-
lung im nächsten J. B. angezogen werden.
Hodge beobachtete an den Zweigen von Coryne
eximia einzelne keulenförmige Anhängsel , die je ein
junges, mehr oder weniger vollständig entwickeltes Pho-
xichilidium in sich einschlössen, und vermuthet, dass diese
Parasiten als neugeborene Thiere durch die MundöfF-
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 225
mmg der Polypen eingewandert seien, um im Innern der-
selben ihre Metamorphose zu durchlaufen. Die Wohn-
stätte der Parasiten hält Verf. für gallenartig aufgetrie-
bene Knospen. Annais and Mag. nat. hist. Vol. IX. p. 33.
(Der erste Beobachter dieses Parasitismus ist übrigens, so
viel Ref. weiss, nicht Allmann, den Verf. citirt, sondern
Gegenbau r, der das Verhältniss freilich in etwas ab-
weichender Weise deutet. „Ich fand, so bemerkt der-
selbe, Generationswechsel bei Medusen und Polypen S. 38
Anmerk., die Capitula von Eudendrium ramosum sehr
häufig durch einen Parasiten in ähnlicher Weise verän-
dert, wie bei proliferirenden Coryneen. Der Parasit w^ar
Pycnogonum, das seine Eier in den Polypenleib gelegt
hatte, die dann darin die Furchung durchmachten und sich
weiter entwickelten. So liesscn sich oft in einigen Polypen
alle Entwickelungszustände dieses Thieres überschauen.
Der Polypenleib war dabei übermässig vergrössert, seine
Tentakel eingeschrumpft und nur als kurze unregelmässig
stehende Stummel vorhanden, die verdauende Höhle ent-
weder verschwunden oder mit Pycnogonumbrut angefüllt.")
Unter dem Genusnamen Clavatella besehreibt
Hincks (Annais and Mag. nat hist. Vol. VIII. p. 75 81.
Tab. VII. u. VIII) einen kleinen gänzlich nackten Cory-
noidpolypen dessen langgestielte Köpfchen einzeln auf
dem kriechenden Stamme aufsitzen und mit einem ein-
fachen Kranze spärlicher (6—7) Tentakel versehen sind.
Der Polyp {CL prolifera), der an der Englischen Küste
nahe bei Torquay, in Menge auf Kalkstein beobachtet
wurde, ist um so interessanter, als er die Amme der merk-
würdigen Eleutheria ist, die wegen der unvollständigen
Entwickelung ihres Schirmes und ihrer Kriechbewegung
von ihrem Entdecker Quatrefages, mit Verkennung
ihrer Medusennatur, als ein frei lebender Hydroidpolyp
in Anspruch genommen wurde. Die Eleutherien knospen
in unbedeutender Entfernung von dem Stamme und sind,
gewöhnlich zu 3 oder 4 bündelweise vereinigt, an zwei
gegenüberliegenden Stellen des Polypenstieles angebracht.
Sie entstehen als kleine Auftreibungen, deren freies Ende
Archiv f. Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. p
226 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
sich kopfartig yerdickt und schliesslicli trichterförmig
abplattet, worauf dann alsbald die schon frühe gespal-
tenen sechs Tentakel hervorknospen. Die beiden End-
äste der Tentakel sind nicht gleich gebildet, wie Qua-
trefages für seine Art angiebt, sondern insofern ver-
schieden, als nur einer derselben mit einem Nesselknopfe
ausgestattet ist. Der andere trägt statt dieses Knopfes
eine Art Saugnapf, der beim Kriechen auf die von un-
serem Thierchen bewohnten Algen aufgesetzt wird.
Ebenso verhält es sich bei den von Krohn in Nizza
beobachteten Eleutherien, dieYerf. desshalb denn auch mit
denen von Devonshire für identisch hält. Beobachtungen
über den Bau und die Fortpflanzung der Eleutheria, Archiv
für Naturgesch. 1861. Bd. I. S. 157—170, Annais and Mag.
nat.hist. Tab. 116. p. 1 ff.
Den Untersuchungen K r o h n's gelang es übrigens, die Me-
dusennatur unserer Thiere auch anatomisch, durch die Entdeckung
eines förmlichen Gastrovasculärapparates, ausser Zweifel zu stellen.
Aus der bis dahin allein bekannten centralen Leibeshöhle entsprin-
gen nämlich sechs deutliche, wenn auch — wegen der geringen Ent-
wickelung des Schirmes — nur kurze Radiärkanäle, die in der Pe-
ripherie des Körpers durch ein Ringgefäss unter sich vereinigt
sind. Auch die arm- oder fussförmigen Tentakel sind iü der
Abhse von einem Kanäle, dei' Fortsetzung der Radiärkanäle, durch-
zogen. Die GeschlechtsstofFe nehmen, wie das schon Quatrefa gas
behauptet hatte, in der hinteren oder oberen Körperwand zwischen
Ectoderma und Entoderma ihren Urspruug. Hier entwickeln sich
auch die Eier zu ziemlich grossen Planulä, die die Rückenwand des
mütterlichen Leibes vor sich hertreiben, bis sie nach ihrer völligen
Ausbildung nach Aussen ausbrechen und dann frei im Wasser um-
herschwimmen. Im Innern der Embryonen erkennt man bereits
eine weite Leibeshöhle, während die Aussenwand von zahlreichen
Nesselkapseln durchsetzt ist. Männliche Eleutherien scheinen nur
selten und kamen nur ein einziges Mal zur Beobachtung. Ausser
der geschlechtlichen Fortpflanzung zeigt unsere Meduse aber auch
das Phänomen der Knospüng und zwar eben sowohl im unreifen,
wie auch im entwickelten Zustande. Die Knospen entsprechen be-
ständig den Interradien und erscheinen Anfangs als einfache Aus-
sackungen des Ringgefässes. Die Entwickelung geht ganz auf die-
selbe Weise vor sich, wie die Bildung der Medusenknospen an dem
Mutterpolypen. Die systematische Stellung von Eleutheria betreffend,
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 227
ist Krohn mit Gegenbaur, der dieselbe in die Reihe von Clado-
nema stellen möchte, mit vollem Rechte einverstanden.
Weit auffallender noch als Eleutherla ist das von
Allmann (Ann. and Mag. nat. bist. T. VIII. p. 168) be-
schriebene und abgebildete Geschlechtsthier von Dico-
ryne^ das sich weder durch seinen Bau, noch seine Ent-
wickelung unsern bisherigen Erfahrungen über den Gene-
rationswechsel der Hydroiden recht fügen will. Die Ge-
schlechtskapseln, die gruppenweise zu 10-20 an den mund-
und tentakellosen Ammen hervorknospen, haben auf den
ersten Blick eine einfache Eiform. Bei näherer Unter-
suchung unterscheidet man daran zwei in einander stek-
kende Säcke, deren innerer (endotheca) von einem Achsen-
kanale (spadix) durchsetzt ist und im Umkreise dessel-
ben eine ansehnliche Menge von Samen, oder, bei den
weiblichen Kapseln, zwei neben einander liegende Eier
mit Keimbläschen in sich einschliesst. Zwischen beiden
Säcken sieht man vom Grunde des Achsenkanales zwei
Tentakel abgehen, die einen gekammerten Bau haben.
Diese Tentakel gehören dem inneren Sacke, der zur Zeit
der Geschlechtsreife aus der äusseren Hülle hervortritt
und als ein selbstständiger Körper durch die Thätigkeit
der ihn vollständig ( auch die Tentakel ) überziehenden
Flimmerhaare umherschwimmt. Die an der Basis des
Achsenkanales befestigten zwei Tentakel werden wie ein
Paar Hörner von dem Thiere getragen. Verf. glaubt
dieselben den Radialkanälen der Medusen vergleichen
zu dürfen und sieht darin den Ueberrest einer Scheibe,
während sie den Ref. (auch durch ihren Bau) weit mehr
an die Tentakel von Aeginopsis erinnern, mit deren un-
entwickelten Zuständen das Thier (durch Form und Flim-
merkleid) auch sonst manche Aehnlichkeit hat.
Auch bei Aide r's Eudendrium capillare macht A 11-
mann (1. c.) auf manche Eigenthümlichkeiten der Ge-
schlechtsthiere und Ammen aufmerksam. Sie erscheinen
demselben so bedeutungsvoll, dass er den Hydroiden darauf
hin als Repräsentant eines eigenen Genus C arymh o go*
nium mit folgender Diagnose in Anspruch nehmen möchte.
228 Leuckart: Bericlit üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
C urymb 0 g onium n. gen. Polypes with a single verticil or
filiform tentacula. Gonophores (male) in umbelliform Clusters on the
extremities of separate non-polypiferous branches ; bilocular. Po'ypary
investing the whole of the stems and branches of the coenosarc.
Wright macht (ibid. VIII. p. 130— 132) Bemer-
kungen über flydractinia echinata, besonders deren Skelet-
bau, der, nicht selten an demselben Stocke, mancherlei
Verschiedenheiten darbietet. Nicbt bloss, dass die Stränge
des Skelets ein bald weiteres, bald auch engeres Maschen-
werk zusammensetzen; es kommt auch vor, dass sie statt
einer einzigen Röhre deren mehrere enthalten, ja selbst
zu zwei parallelen Chitinlamellen zusammenschmelzen, zwi-
schen denen sieb dann die Weichtheile des Polypen in
Form eines zarten Netzes ausbreiten.
Bei Hydractiiiia areolata n. sp. entspringen die Ge-
scblechtsthiere abweichender Weise direkt von dem lamel-
lösen Polypenstocke, ohne besondere Ammen. Sie sind
Medusen, wie die von Hydr. carnea, von denen sie sich
hauptsächlich durch Anwesenheit von acht intermediären
kleinen Tentakeln unterscheiden. Alder, ibid. 1. c.p. 312.
Tab. XIII. (Edinb. new phil. Journ. T. XV. p. 144.)
lieber die von Coryne implexa Aid. aufgeammten
Medusen mit zwei traubenförmigen Randfäden vergleiche
Alder, ibid. T. IX. PL XIV. Fig. 4. p. 312.
Auf den Wurzeln von Laminaria saccharina findet
man nicht selten einen dichten üeberzug von netzförmig
verästelten weissen Fäden, von denen zahlreiche kleine
Zweige sieb erheben, die je in einen rothgefärbten Polypen
mit vier langen und vier kurzen alternirend gestellten Ten-
takeln auslaufen. Die rothe Färbung inhärirt der Innenwand
des Polypen (endoderm), die übrigens, wie bei den übri-
gen verwandten Arten, nicht selten durch ümstülpung
nach Aussen kommt und dann zahlreiche rothgefärbte
Pigmentzellen hervortreten lässt. Der Polyp bildet eine
neue Art des Genus Atractylis, für die der Entdecker den
Namen ^. coccinea vorschlägt. Wrightin New Edinb.
phil. Journ. 1861. T. XIV. p. 150, Ann. and Mag. nat. bist.
VIII. p 130.
An letztgenanntem Orte diaofnosticirt Verf. noch eine zweite
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 229
neue Art Atractylis {Ä. palliata), die auf einer von Pagurus bewohn-
ten Schneckenschale beobachtet wurde und sich durch die Anwe-
senheit einer den Polypenstock einhüllenden dicken Schleimschicht
auszeichnet. Die Geschlechtsthiere derselben sind kleine Medusen
mit zwei langen Tentakeln und zwei Tentakelknoten.
Auch AI der beschrieb zwei neue Arten des Gen. Atractylis,
Ä. arenosa mit kurzen und weiten, fast trichterförmigen Zweigen,
die gewöhnlich mit Sandkörnchen bedeckt sind, und A. linearis, mit
schlanken Zweigen, die bis zur Höhe eines Viertelzolles heranwach-
sen, und je zwei bis drei kugelförmige Medusen mit vier kurzen
Tentakeln und einem dicken Mantel produciren. Ibid. Vol. IX. p. 313.
PI. XII. u. XIV. (Edinb. new phil. Journ. T. XV. p. 144.)
Wright's neues Gen. Cionistes {C. reticulata)
unterscheidet sich von den übrigen Tubularien durch die
einfach säulenförmige Bildung seiner AmmenpolypeU; wie
wir sie sonst bloss bei den Sertulariaden zu finden ge-
wohnt sind. Ann. nat. bist T. VIII. p. 123.
Diagn. Gen, n. Cionistes Wrght. Polypidom retiform ; ali-
mentary polype sessile , minute, white, with a single row of short
tentacles; reproductive polyps columnar, thikened toward the apex,
not terminated by a Cluster of thread-cells, bearing many genera-
tive capsules.
Die Arbeit von Kirchenpauer über die Seeton-
nen der Eibmündung enthält (a. a. 0. S. 10 — 24) ausser
der Beschreibung einer neuen Art Cordylophora (0. al-
hicoia) zahlreiche Angaben über Wachsthum und Orga-
nisationsverhältnisse der dort vorkommenden 10 Hydroi-
den, die für die Diagnostik mancherlei wichtige Winke
abgeben und auch die Frage nach der Varietätenbildung
mehrfach berühren. Wir erfahren daraus z. B. _, dass die
Laomedea gelatinosa im Laufe eines Sommers bis zu ^"
und darüber hinanwächst, dass die ringförmigen Einschnü-
rungen an den Stielen der Campanularien und Tubularien
als Merkmale specifischer Natur einen nur sehr unterge-
ordneten Werth haben u. s. w.
Die neue Cordylophora albicola wird (Quarterly Journ. micr.
science 1861. p. 284) von unserem Verf. in folgender Weise der C.
lacustris gegenübergestellt :
C. lacustris AUm. Ramulis brevibus, alternis, laevibus; capi-
tulis conoideis, acuminatis; tentaculis filiformibus: fluviatüig,
230 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
C. albicola n. sp. Ramulis alternis annulatis ; capitulis conoi-
deis, ti'uncatis, tentaculis crassis, granulatis; submarina.
Von neuen meist an Englands Küste aufgefundenen Hydroiden
haben wir ferner noch zu erwähnen:
Clara no</osrtj Wright , Edinb. new phil. Journ. P.XVI. p. 154.
Clava diffusa, Tubiclava (n. gen.) lucerna^ Eudendrium hu-
mile, Eud, vaginatum^ Perigonimus scrpens, P. minulus, P. muscus,
Tubularia bellis Rep. br. Assoc. Cambr. p. 102.
Diagn. n. gen. Tubiclavac Allm. Polype claviform, sup-
ported on the summit of free stems, which rise at intervals from
a creeping stolon and are invested by a chitinous periderm; tenta-
cula filiform scattered. Gonophores dense Clusters of sporosacs ag-
gregated immediately behind the posterior tentacula.
Podocoryne Alderi Hodge, Tynes. Transact. 1861. p. 82. Mit
Abbildung.
Corijne vaginata Hincks Ann. and Mag. nat. hist. T. VIII.
p. 295, C. vaginata ibid. p. 296, C fruticosa ibid. p. 258, Eudendrium
insigne ibid. p. 159, Halecium tenellum ibid. p. 152, Serlularia fu-
sifor7nis ibid. p. 253, Plumularia tubulifera ibid. p. 256, P. si7nilis
ibid. p. 257, Laomedea angulata ibid. p. 261. Die Camp, dumosa
Auct. wird mit ihren Verwandten ebendas. p. 293 mit folgender
Diagnose zum Typus eines neuen Gen. C alicinella erhoben: Po-
lypary filiform, creeping or erect; cells somewhat densely, corneous,
tubulär, sessile or very slightly pedunculate.
Campanularia raridentata AI der, Ann. nat. hist. Vol. IX.
p.315.
Campanularia tincta, L ineolaria n. gen. spinulosa, beide
von den Blättern der Australischen Cymodocea antarctica, Hincks,
Ann. nat. hist. VII. p. 280. PI. XII u. XIII.
Diagn. n. gen. Lineolariae Hincks. Polypary corneous,
adherent, filiform, branching; branches given off at right angles
(or nearly so) to the main stems. Cells adnate, attached to the
stem at the base ; orifice terminal. Gynothecae very large, adherent,
originating at the base of a cell.
Halecium filiforme Alder (Ann, and Mag. nat. hist» Vol. IX,
p. 315) mit unverästeltem schlanken und biegsamen Stamme.
ProleS medUSiformiS. Durch Strethill Wright wird
der Nachweis geliefert, dass die Aequoreaden ganz nach
Art der verwandten Medusen auf dem Wege des Gene-
rationswechsels entstehen. Proceed. Roy. Soc. Edinb. 1860.
in Edinb. new phil. Journ. Vol. XV. p. 144.
Verf. beobachtete die junge Brut der Aequorea ritrina und
sah sich dieselbe in eine Campanularie verwandeln, die wahrschein-
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 231
licher Weise mit Laomedea acuminata Aid. (Campanulina van Ben.)
identisch ist. Als auffallend hebt Verf. hervor, dass die grossesten
aller sog. nacktäugigen Medusen eine der kleinsten Hydroidformen
hervorbringen. Da die Menge der Radiärkanäle bei den grössern
Exemplaren von Aequorea beträchtlicher ist, als bei den kleinen,
so darf man wohl annehmen, dass deren Zahl Anfangs eine nur
geringe ist.
Ebenso sah derselbe die flimmernden Embryonen
von Thaumantias inconspictia sich festsetzen und in wenigen
Tagen zu einer Campanularia (C. raridentata Alder) aus-
wachsen. Journ. micr. sc. 1862. p. 221 mit Nachtrag p. 308.
Untersuchungen^ die A. Agassi z über die Vermeb-
rungsweise der Randfäden bei zahlreichen Hydroidmedusen
angestellt hat^ ergeben eine viel grössere Mannichfaltigkeit
in dem numerischen und topologischen Verhalten dieser
Anhänge, als man nach der Analogie mit den Polypen, de-
ren Wachsthumsverhältnisse sich bekanntlich überall durch
dieselbe Formel ausdrücken lassen, vermuthen sollte. In
manchen Medusen kehrt bei der Vermehrung der Rand-
fäden allerdings gienau das Wachsthumsgesetz der Poly-
pen wieder, aber in anderen findet sich dasselbe in dieser
oder jener Weise abgeändert. Die Zahlenverhältnisse des
ersten Tentakelsatzes (die bis zu 1 sinken und bis zu
48 steigen können"), die Anordnung der Randkörperchen,
gewisse individuelle Momente der Gruppirung — das
Alles wirkt bestimmend auf die Reihenfolge und" den Reich-
thum der einzelnen Sätze ein und oftmals in so eigen-
thümlicher Weise , dass sich nicht selten bei nahe vei'-
wandten Arten eine merkliche Verschiedenheit heraus-
stellt. Eine Regellosigkeit herrscht freilich nirgends, ob-
wohl die Formel, die das Gesetz des Zahlenwachsthums
ausdrückt, oftmals eine sehr complicirte ist. Aehnliches
gilt für die Vermehrung der Radiärkanäle, die zu der
Vermehrung der Randfäden eine unverkennbare Bezie-
hung hat, obwohl die letztern scheinbar ganz unabhängig
von den Radiärkanälen hervorknospen und schon vorhan-
den sind, wenn die Kanäle in centrifugaler Richtung her-
vorzuknospen beginnen. In Betreff der einzelnen For-
meln selbst verweisen wir auf unsern Autor, der dieselbcß
232 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgescliichte
von zahlreichen Familien und Arten bestimmt hat. Proceed.
Bost. Sog. nat. hist. Vol. IX. p. 88 — 101 mit vielen Holz-
schnitten.
Ke ferst ein und Ehler s berichten über die in
Neapel und Messina von ihnen beobachteten Quallen (Bei-
träge u. s. w. S. 78—95. Tab. XIII. u. XIY) und be-
merken dabei u. a., dass sie das von Ag assiz und Mül-
ler beschriebene Nervensystem nicht als solches anerken-
nen könnten, ^ie zweifeln überhaupt an der Essentiellität
der beschriebenen Bildung und glauben, dass eine Falte
des Schw^immsackes oder der Gallertglocke, vielleicht auch
der Contour des Ringgefässes zu der Annahme derselben
Veranlassung gegeben habe. Im Gegensatze zu dieser An-
gabe hat sich Ref. noch jüngst an einer in der Nordsee
weit verbreiteten Eucope (mit 3—6 Tentakeln zwischen
je zwei Radiärkahälen und Otholithenblasen in jedem lu-
tertentakularraume) auf das Bestimmteste von der Exi-
stenz eines besondern neben dem Ringgefässe hinlaufenden
Randfadens überzeugt. Ob derselbe freilich ein Nerven-
system darstellt, ist mit Sicherheit nur schwer zu ent-
scheiden. Das Aussehen spricht nicht geradezu dagegen,
obwohl man weder deutliche Faserung noch Ganglienzel-
lenbildung nachweisen kann. Die Anschwellungen, die
dieser Faden an der Anheftungsstelle der Randkapseln
und Tentakel zeigt, bestehen aus Zellen von ziemlich
indifferentem Charakter, während die dazwischen ausge-
spannten Commissuren eine Längsstreifung erkennen las-
sen. Die histologische Zusammensetzung des Quallen-
körpers wird von unseren Verff. wie bei den Siphonopho-
ren geschildert. Die Gallertsubstanz ist zwischen zwei
Zellenschichten eingelagert, selbst aber ohne Zellen.
Die Beobachtungen unserer Verfif. beziehen sich speciell auf
Oceania pileata Forsk. , 0. flavidula Per. , Lizzia KölHkeri Ggb.,
Cytaeis pusilla Ggb. (mit Knospen an der Basis des Magens), Cla-
donema radiatum Duj., Rhahdoon singulare (n. gen. et n. sp., ein
offenbar erst unvollständig entwickeltes Thier mit vier Radialgefässen
und einem einzigen kurzen Tentakel. Die Aussenfläche mit zwölf
dunkeln Längsstreifen versehen, die zahlreiche Nesselzellen und Pig-
mentkörner enthalten. Ref. kennt auch aus der Nordsee eine vier-
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 233
äugige Oceanide mit acht Reihen von Angelorganen auf der äusse-
ren Mantelfläche), Thaumantias mediterranea Ggb., Eucope polystyla
Ggb., E. picta n sp., E. exigna n. sp., Sminthea globosa Ggb., Sm.
campanulala n. sp. , Aglaura hemistoma Per., Trachynema ciliatum
Ggb., Rhopalonema velatum Ggb , Rh. placogaster n. sp., Geryonia
proboscidalis Forsk.
Ausserdem beschreibt K e f e r s t e i n aus St. Vaast (Zeitschrift
für wiss. Zool. XIL S. 26 mit Abbild.) nach Oceania polycirra n. sp.,
Sarsia clavata n. sp. (mit Knospen, deren Zahl Verfasser auf drei
beschränkt, während Ref. , der dieselbe Qualle im Treport beob-
achtete, deren bis sieben beobachtete, von denen drei allerdings
erst wenig entwickelt waren und auf den Stielen der drei grossesten
Knospen aufsassen) . Eucope gemmifera n. sp. (die als geschlechts-
reifes Thier gleichfalls eine Knospe trug), Siphorhynchus insig-
nis n. gen. et n. sp. Die letztgenannte neue Gattung gleicht einer
Sarsia, hat aber statt der Ocellen Randbläschen mit einfachen Oto-
lithen und einen Magensack, der von einem langen, soliden Stiele
getragen wird.
Den proliferlrenden Medusen ist nach Krolin's
Beobachtungen (Archiv für Naturgesch. 1861. Bd. I. S. 168
Anm.) auch die Geryonia proboscidah's zuzurechnen. Die
Knospen entwickeln sich hier merkwürdiger Weise im
Grunde der Magenhöhle, an dem hier — wie bei Liriope
mucronata Ggb. — frei hervorragenden untern Stielende.
Man trifft die Sprösslinge beständig von ungleicher Ent-
wicklung^ die minder entwickelten oben^ die weiter fort-
geschrittenen unten, die letztern nicht bloss mit ihren
Tentakeln, sondern auch schon mit Randkörperchen aus-
gestattet.
Durch die voranstehende Beobachtung erklärt sich
aller Wahrscheinlichkeit nach auch die Angabe von F r.
Müller, dass er einst eine Liriope catharinensis gesehen
habe, die eine aus dicht gedrängten Quallenknospen be-
stehende Aehre verschluckt habe. Der aus dem Munde weit
hervorhängende Zapfen zeigt nach der beigegebenen Ab-
bildung Knospen, die nach oben zu an Grösse ganz all-
mählich abnehmen. Archiv für Naturgesch. 1861. I. S. 51.
Tab. IV. Fig. 30.
Fr. Müller beschreibt (ebendas. 1861. 1. S. 312— 319.
Taf. IX) eine sehr ausgezeichnete neue Medusenform der
234 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Brasilianischen Küste, die mit Melicertum am meisten ver-
wandt scheint und unter dem Genusnamen Olindias {0.
sambaqidensis) mit folgenden Gattungsmerkmalen in das
System eingeführt wird.
Magen ein häutiges Rohr, Strahlgefässe vier, mit baumförmig
verästelten Geschlechtstheilen besetzt; zahlreiche rücklaufende Ge-
fässe, äusserst dehnbare Fangfäden und weniger bewegliche Ten-
takel in grosser unbestimmter Zahl ; beide hohl und mit dem Ring-
gefässe in Verbindung; Randbläschen paarweise am Grunde jedes
Tentakels.
Den Genusnamen Tint i n nabulu m Dal. möchte Müller für
die Campanulariensprösslinge mit soliden, wenig beweglichen Tenta-
keln (Eucope polystyla Gegenb., Tint. resupinatuni n. sp,, eine kleine,
stets mit umgestülpter Scheibe schwimmende Form) reservirt wis-
■sen. Ebenso hebt derselbe l^ervor, dass dies Gen. Eucope Gegenb.
eigentlich den Namen Thaumantias führen müsste, da die von E s c h-
scholtz beschriebenen Formen des letztgenannten Genus zweifel-
lose Euco]3iden seien. Ebendas. S. 311. Anm.
Grube beobachtete bei Triest eine 6V2" lange Oceania, die
trotz mancherlei Abweichungen in Tentakelzahl u. s. w. wahrschein-
lich mit 0. ampullacea Sars übereinstimmt. Ausflug nach dem
Quarnero S. 32.
Nach Agassiz gehören bekanntlich nicht bloss die
Milleporinen mit den verwandten Formen (Tabulatae Milne
Edw.), sondern auch die fossilen sog. Rugosae zu der Ab-
theilung der Hydroiden, obwohl die letztern, wie Verf.
selbst zugiebt, wahrscheinlicher Weise keine Medusen er-
zeugten und allem Anscheine nach auch sonst sehr poly-
penartig waren. Bei der Unsicherheit unserer Kenntnisse
über diese Thiere dürften übrigens manche Forscher Be-
denken tragen, dem Beispiele unseres Verf.'s zu folgen,
zumal wir bis jetzt noch kein Thier aus der Klasse der
Hydrasmedusen ohne medusoiden Zustand kennen gelernt
haben. Auch die Milleporinen werden in dieser Hinsicht
bestimmt keine Ausnahme machen, wenn sie wirklich -^
wie bei der Abwesenheit eines eigenen Magens und der
unverkennbaren Aehnlichkeit mit den Hydractinien kaum
zweifelhaft sein möchte — den Hydroidpolypen zugehören.
Uebrigens ist die Stellung der Rugosae nicht das Einzige
in dem Hydroidensysteme von Agassiz, was uns bedenk-
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 235
lieh erscheint. Auch sonst findet sich darin manche kaum
genügend motivirte Abweichung von dem Hergebrachten,
wie die nachfolgende Uebersicht dem Leser zur Genüge
zeigen wird. (Vergl. Contributions etc. p. 337 — 372.) Wir
schicken voraus, dass Aga s s i z bei der Benennung der Fa-
milien und Genera aus Prioritätsgründen bald die Hy-
droidform, bald auch die Medusen zu Grunde gelegt hat,
was dem Ref. zu mancherlei Inconvenienzen zu führen
scheint.
1. Subord. Rugosae mit den Farn. Stauridae, Cyathaxonidae,
Cyathophyllidae und Cystiphyllidae.
2. Subord. Tabula tae mit den Farn. Milleporidae, Seriatopo-
ridae, Favositidae und Thecidae, die übrigens sämmtlich der fol-
genden Unterordnung anheimfallen würden, wenn Millepora Medusen-
knospen produciren sollte.
3. Subord. Tnbulariae.
Farn. Clavidae Mc Cr. mit Clava Gm. und Syncoryne Ehr., einem
Gen., dem Yerf auch Cordylophora Allm. (Cordylomorpha Ag.) zu-
rechnen möchte.
Farn. Hydractinidae mit Hydractinia.
Fam, Sarsiadae mit Coryne Gaetn. incl. Stipula, Sarsia, Sthe-
nyo (C. Rosaria n. sp. A. Ag. Golf von Florida), Syndictyon n.
gen. A. Ag., Corynitis Mc Cr. , Candelabrum deBl. (Myriothela Sars,
Spadix Gosse), Dipurema Mc Cr. {D. conica n. sp. A. Ag. Buzzard's-
Bay), Slabberia Forb.
Char. gen. n. Syndictyon A. Ag. Spherosome goblet-shaped ;
digestive trunk shorter than in Sarsia proper; tentacular bulbe
large, with large eye -speck, tentacles hollow, short, the surface
crowded with Clusters of large lasso-cells; whole surface of sphero-
some covered with a net-work of Clusters of lasso-cells. Hieher
ausser S. reticulatum A. Ag. Boston auch Oceania thelostyla Ggb.
und Sarsia ocellata Busch.
Fam. Cytaeidae mit Cytaeis. '
Fam. Cladonemidae mit Cladonema Duj., Eleutheria Quatref/-
Fam. Eudendroidae mit Eudendrium Ehrg.
Fam, Tubularidae mit Tubularia L. s. st., Thamnocni dia n.
gen., Parypha n. gen., Ectopleura n. gen. (E. ochracea n. sp,
A, Ag. Buzzard's-Bay), Corymorpha Sars, SteenstrupiaForb., Euphysa
Forb., Hyb ocodon n. gen.
Fam. Pennaridae mit Pennaria Goldf , Globiceps Ayres, Zan-
clea Gegenb.
Fam. Bougainvülidae mit Bougainvillia Less., Margeiis Steen^
236 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
strup, Lizzia Forb., Rathkea Br., Köllikeria n. gen. (Lizzia Köl-
likeri).
Farn. Nemopsidae mit Nemopsis Ag. und Acaulis Stimps.
Farn. Berenicidae mit Berenix Per. et Le S., CuvieriaPer. etLe S.,
Willia Forb.
Fam. Nucleiferae mit Conis Br. , Turris Less., Tiara Less.,
Pandea Less., Turritopsis Mc. Cr., Mooderia Forb., Stomatoca Ag.
{St. atra n. sp. A. Ag. Golf von Florida), Rhizo gei on n, gen.
4. Subord. S er tulariae.
Farn. Aglauridae mit Aglaura Per. et Le S., Lessonia Eydoux
et Souley.
Fam. Circeidae mit Circe Br., Persa Mc. Cr., Mitra Less.
Fam. Polyorchidae mit Polyorchis n. gen. A. Ag. (Melicertum
penicillatum Eschsch.)
Char. gen. n. Polyorchis A. Ag. Spherosome bell-shaped.
Ovaries suspended as independent pouches near the base of the di-
gestive cavity: digestive cavity cylindrical, very flexible, termina-
ting in simple lips. Chymiferous tubes sending ofif numerous bran-
ches at right angles with the main stems; tentacles forming a knee
upon themselves, and having the tentacular bulb at a distance from
the circular tube. No ocelli or sensitive capsules.
Fam. Melicertidae mit Melicertum Ok. (M. georgicum n. sp. A.
Ag.), Gonionemus n. gen. A. Ag.
Char. gen. n. G onionemus A. Ag. Spherosome conical,
ovaries in alternate folds along the chymiferous tubes. Digestive
cavity flexible; tentacles attached to the circular tube by a peduncle,
not numerous. G. vertens n. sp. Golf von Georgia,
Fam. Laodiceidae (= Thaumantiadae) mit Laodicea Less. (L.
cellnlaria n. sp. A. Ag. Golf von Georgia, L. calcamta n. sp. A. Ag.
Buzzard's-Bay), Staurophora Br., Laphoea Lamx., Trichydra Wright.
Fam. Eucopidae mit Obelia Per. et Le S., Eucope Gegenb.,
Leomedea Lamx.
Fam. Oceanidae mit Oceania Per. et Le S. (0. phosphorina
Per. et Le S., 0. Janguida n. sp. A. Ag. Boston, 0. gregaria n. sp.
A. Ag. Golf von Gorgia), Eacheilota Mc Cr. (E«. duodecimalis n. sp.
A. Ag. Buzzard's-Bay), ClytiaLamx., Platypyxis n. gen., Wrigh-
tia n. gen. (Campanularia SyringaL.), Tiaropsis Ag., Orthop yxis
n. gen., Hincksia n. gen. (Camp, tincta Hincks).
Fam. Sertularidae mit Dynamena Lamx., Diphasia n. gen.
(Sert. fallax Johnst.), Amphisbetia n. gen. (Sert. operculata Lin.),
Sertularia L., Ämphitrocha n. gen. (Sert. rugosa L.), Cotulina
n. gen. (Sert. polyzonias), Lineolaria Hincks, Thuiaria Flem., Hale-
cium Ok.
der niederen THere während der Jahre 1861—1862. 237
Farn. Plumularidae mit Aglaophenia Lamx., Plumularia Lamx.
Nemertesia Lamx.
Fam. Aequoridae mit Aequorea Per. et La S. {Aeq. alhida n. sp.
A. Ag. Boston), Crematostoma n. gen. A. Ag. (Cr. flamm n. sp. A.
Ag. Golf von Gorgia), Melicerta Less., Mesonema Eschsch., Zygoda-
ctylaBr., Rhegmatodes n. gen. A. Ag. {Rh. lenuis n. sp. A. Ag.
Buzzard's-Bay, Rh. ßoridanus n. sp. A. Ag.), Stomobrachium Br.
Char. gen. n. Crematostoma A. Ag. Digestive cavity han-
ging down below the level of the circular tube ; lips of actinostome
large, lanceolate, fimbriated, and as numerous as the chyliferous
tubes, of which there are from sixty to eighty. One large marginal
tentacle opposite the base of each of the chymiferous tubes, without
intermediate ones.
Char. gen. n. Rhegmatodes A. Ag. Spherosome flat; chy-
miferous tubes numerous; digestive cavity shorty of small diameter
compared to that of the spherosome ; lips of actinostome scarcely
fimbriated. Large tentacles twice as numerous as the chymiferous
tubes and not always placed opposite them ; rudimentary tentacles
between the larger ones.
Fam. Geryonopsidae mit Eirene Esclisch. (Oceania viridula Per.
et Le S. = Geryonopsis delicatula Forb., E. coerulea n. sp. A. Ag.
Küste von Florida), TimaEsch. (7. formosa n. sp. Massachusets-Bay),
Eutima Mc. Cr. (E. limpida n. sp. A. Ag., Buzzard's-Bay, E. pyra-
midalis n. sp. Florida), Orythia Per. et Le S. , Saphenia Eschsch.
(= Dianaea Q. et G., Plancia Forb., Goodsirea Wright).
Fam. Geryonidae Eschsch. mit Geryonia Per. et Le S., deren
Arten einen den Magenstiel durchsetzenden weiten Hohlraum besitzen
sollen (? Ref.) und mit rücklaufendcn Gefässe ausgestattet sind.
Fam. Leuckartidae, deren Glieder in ihrem Magenstiele iso-
lirte Gefässe tragen und ohne rücklaufende Kanäle sind. Hieher
Leuchartia n. gen. (Geryonia proboscidalis Lt.), Liriope Ggb. (L.
tenuirostris n. sp. A. Ag., Florida), Xanthea Less.
Fam. Trachynemidae mit Trachynema Ggb. , Tholus Less.,
Sminthea Ggb., Rhopalonema Ggb., Hypsonema n. gen. (Cytaeis
polystyla Will), Gossea n. gen. (Thaumantias Corynetes Gosse).
5. Subord. Porpitidae mit Velella Lmk. und Porpita Lmk.,
die beide als Repräsentanten besonderer Familien genommen werden.
6. Subord. Physaliae mit Physalia Lmk.
7. Subord. Physophorae.
Fam. Plethosomeae mit Gleba Fork. und Vogtia Köll. (gehören
wegen Abwesenheit einer Luftblase nicht hieher).
Fam. Physophoridae mit Physophora Forsk., Haplorhiza n.
gen. (Physophora alba Q. et G.). Discolobe Esch. (= Stephanospira
Ggb. — ? Ref.), Angela Less.
238 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Farn. Agahnidae mit Agalma Esch., Crystallomia Dana, Sphy-
r ophys a n. gen. (Phj^sophora intermedia Q. et G.), Stephanomia Per.
et Le S., Forskalia KöU , Agalmopsis Sars, Haiistemma Huxl., Fhyl-
lophysa n gen. (Stephanomia foliacea Q. et G.), Cuneolaria Eysenh.
Fam. Apolemiae Less. mit Apolemia Esch.
Fam. x\nthophysidae mit Athorybia Esch.
Fam. Rhizophysidae mit Rhizophysa Per. et Le S.
8. Subord. Diphyae.
Fam. Prayidae mit Praya Q. et G., Sphaeronectes Huxl.
Fam. Diphyidae mit Diphyes Cuv., Muggiaea Busch., Huxleya
n. gen. (Diphyes biloba Sars), Galeolaria Bl.
Fam. Abylidae mit Abyla Q. et G. , Calpe Q. et G. , Bassia
Q. et G.
In dem Catalogue of the Zoophytes of Soiith-Devon
and South-Cornwall of Hincks (Ann. and Mag. nat. hist.
T.VIII. p. 152— 161. p. 251— 262. p. 290— 297 u. p. 360
—366) werden 76 Hydroiden (19 Coryniden, 35 Sertula-
riaden, 20 Campanulariaden ^ 2 Hydren) aufgeführt und
theilweise auch näher beleuchtet. Die neuen Arten sind
schon oben namhaft gemacht worden. Hier nur die Be-
merkung, dass sie von unserem Verf. nicht bloss sorg-
fältig beschrieben, sondern auch grösstentheils abgebil-
det sind.
Siphonophora.
Keferstein und Ehlers geben in ihren zoologi-
schen Beiträgen (S. 1 — 34. Taf. I — IV) eine ausführliche
Darstellung der schon in dem vorigen Berichte angezoge-
nen „Beobachtungen über die Siphonophoren von Neapel
und Messina." Sie verbreiten sich zunächst über den Bau
der Siphonophoren im Allgemeinen, wobei sie nament-
lich über die Nesselknöpfe manche schätzbare Bemer-
kung machen, und geben sodann eine Aufzählung der
beobachteten Arten mit mehr oder minder ausführlicher
Charakteristik.
Das Gen. Vogtia glauben dieYerfF. aufrecht erhalten zu müs-
sen, obgleich aus ihrer Abbildung und Beschreibung zur Genüge
erhellt, dass die V. pentacantha durch die Bildung ihres Schwimm-
kegels genau mit Hipopodius übereinstimmt und nur durch ge-
wisse specifische Formverhältnisse von H. gleba unterschieden ist.
(Die Abbildung, dieKöUiker von dem Schwimmkegel seiner Vogtia
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 239
gegeben hat, ist eine ideale Coraposition und beruht auf einer irr-
thümlichen Ansicht von der Stellung der Schwimmglocken.) Nach
der Bildung der Schwimmglocken unterscheiden die VerfF. noch eine
zweite (brasilianische) Form des Gen. Vogtia, V. spinosa, bei der
die Locömotiven an ihren vier Seitenflächen überall mit ziemlich gros-
sen, stumpfen Zacken besetzt sind. Für Diphyes turgida bestätigen
dieVerff. die Angabe von Gegenbau r, dass beiderlei Geschlechts-
stücke hier an demselben Stamme vereinigt seien. Die vier oder
fünf obersten Anhangsgruppen ihres Exemplares waren weiblich,
während die fünf unteren männliche Glocken trugen, deren Mantel
zum Theil weit , wie bei den übrigen Diphyiden, von dem Samen-
zapfen abstand. Die Yerbindungsweise der Schwimmglocken zeigt
bei den Diphyiden nach denselben Verff. so zahlreiche Verschieden-
heiten, dass es kaum möglich ist, dieselben als Gattungs Charaktere
zu benutzen.
Claus' ;,neue Beobachtungen über die Structur und
die Entwickelung der Sipbonophoren" (Zeitscbrift für wis-
senscb. Zool. Bd. XII. S 536-563. Tab. 46-49) bereichern
nicht bloss unsere Detailkenntnisse, besonders vonApolemia
und HippopodiuS; sondern enthalten auch zahlreiche interes-
sante und wichtige Angaben über den Gesammtbau der
Siphonophoren, namentlich über die Structur und die Be-
deutung des Luftsackes, so wie über deren Entwickelung.
Apolemia ist nach den Untersuchungen unseres Verf. 's eine
diöcische Physophoride , deren männliche Anhänge nach Art der
weiblichen als Träubchen an der Basis besonderer kleiner Taster
zwischen den Deckstücken und grösseren Tentakeln hervorsprossen,
aber einen viel exquisiteren Medusenbau besitzen, als diese. Dass
der Klöpfel der Geschlechtsglocke erst nachträglich nach Verflüs-
sigung des Knospenkerns sich erhebe , wie K e f e r s t e i n und E h-
lers wollten, wird von unserem Verf. mit allem Rechte in Abrede
gestellt ; derselbe hebt dabei hervor, dass es das Zellenmaterial des
Knospenkernes sei, aus dem die Samenkörperchen und Eier hervor-
gehen. Die Anhänge des Stammes entspringen, ganz wie die An-
hänge der Schwimmsäule, in einer einfachen Längslinie hinter ein-
ander und zwar an einer Stelle, die auch histologsich ausgezeichnet
ist und namentlich der sonst sehr stark entwickelten Muskulatur ent-
behrt. Für Hippopodius (dem Verf. auch Vogtia zurechnet) wird die
Existenz einer eigenen Schwimmsäule bestätigt, weiter aber die That-
sache hinzugefügt, dass die Vegetationspunkte für Schwimmgiocken
und Individuengruppen von einander gesondert seien , indem der
erstere oben an der Achse des Schwimmkegels, der andere aber
eine Strecke weit unterhalb gefunden werde, da, wo die spiralige
240 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Achse in den dickeren Körperstamm übergehe. Aus den Unter-
suchungen des Verf.'s über den Luftsack geht mit Bestimmtheit
hervor, dass die eigentliche chitinige Luftkammer, wie Ref. von
Anfang an behauptet hat, bei den mit Schwimmglocken versehenen
Physophoriden, mit einer Oeffnung versehen ist, aus der der Inhalt
nicht selten in Tropfenform hervorquillt. Aber dieser Tropfen kann
nach den Beobachtungen von Claus nicht entweichen, da die Luft-
flasche in einer völlig verschlossenen sackartigen Hülle liegt, die
so weit sie mit der Chitinwand in Berührung steht, eine deutliche
Ringmuskelschicht in sich einschliesst, unten aber, vor der Oeffnung
der Luftflasche, eine ausschliesslich elastische Beschaffenheit zu be-
sitzen scheint. Diese letztere lässt den unter dem Drucke der Mus-
kellage hervorquellenden Lufttropfen nach Aufhören der Contraction
wieder in die Luftflasche zurücktreten. (Die von Keferstein und
Ehlers bei Physophora beobachtete schlitzförmige Spaltöffnung,
durch welche die Luft nach Aussen entweichen soll, wird für eine
zufällige Verletzung erklärt.) Zur Befestigung des Luftsackes dienen
sechs radiäre Mesenterialfalten , die von der äusseren Wand des
Stammes abgehen und in regelmässigen Abständen an dem unteren
Ende desselben sich befestigen. Die von dem Verf. beobachteten
Entwickelungsstadien gehören ebensowohl den Diphyiden, wie den
Physophoriden an. In Betrefi" der erstem bestätigt Verf. die An-
gabe von Gegenbaur, dass statt eines Polypen hier zuerst eine
Schwimmglocke als Grundlage der späteren" Colonie gebildet werde.
Aber diese erste Schwimmglocke ist die obere und nicht die untere.
Auch verwandelt sich der Rest des Embryonalkörpers nicht in den
Saftbehälter, sondern vielmehr in den späteren Stamm mit seinen
Individuengruppen, den man auf dem vom Verf. beobachteten Sta-
dium als einen umfangreichen Anhang mit zahlreichen knospenarti-
gen Auftreibungen an der bereits mit Saftbehälter versehenen
Schwimmglocke deutlich unterscheiden konnte. Die vom Verf. beob-
achteten jüngsten Physophoriden maassen den Bruchtheil eines Mil-
limeters. Sie bestanden aus einem erst wenig entwickelten Polypen,
dessen oberes Ende einen kaum merklich abgesetzten Stamm bildete,
der in ganzer Länge von der Luftblase durchsetzt war und an der
Uebergangsstelle in den Polypen zahlreiche seitliche Auftreibungen
trug, von denen diß unteren sehr kleine bohnenförmigen Nesselknöpf-
chen mit fertigen Angelorganen darstellten. Die Veränderungen,
welche diese Thiere erleiden, führen zunächst zu einer scharfen
Abgrenzung des Polypen und des oberen Stammendes, welches sich
als länglich ovale Luftkammer aus dem Zwischentheile und dessen
Knospen hervorhebt. Die Nesselknöpfe werden grösser, ihre Stiele
länger, am Polypen sondern sich die einzelnen Abschnitte und Or-
gane. Allmählich bilden sich nun auch die Tentakel und Deck-
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 241
stücke, welche letztere noch vor dem Auftreten eines neuen Ernäh-
rungthieres und der Locomotiven an Zahl so beträchtlich zunehmen,
dass sie eine förmliche Deckschuppensäule zusammensetzen, in wel-
cher der Stamm mit den übrigen Anhängen vollständig eingeschlos-
sen ist. Die Nesselknöpfe haben noch immer ihre frühere einfache
Form, aber auch die Deckstücke sind kleiner, besonders die erstge-
bildeten, und von abweichender Gestaltung. Die ersten Nesselknöpf-
chen und Deckschuppen (welche letztere nach der Vermuthung des
Verf.'s sogar, wie die Schwimmsäule von Hippopodius, an einer be-
sondern Nebenachse anhängen) sind mit andern Worten provisori-
sche Einrichtungen, die späterhin, wenn die Locomotiven hervor-
sprossen, allmählich verloren gehen, wie das für die nierenförmigen
Nesselknöpfe von Agalma Sarsii schon seit längerer Zeit bekannt
ist, ßef. erinnert sich bei dieser Gelegenheit, kleine Colonien von
Agalma Sarsii beobachtet zu haben, bei denen oberhalb des kreis-
förmig gestellten Deckschuppenapparates zwei Schwimmglocken vor-
handen waren, eine Beobachtung, die freilich, wenn die vorhandenen
Deckschuppen, wie ihm wahrscheinlich dünkt, direkt aus dem ur-
sprünglichen Kranze hervorgegangen sein sollten, der Vermuthung des
Yerf.'s von der Anwesenheit einer Specialschwimmsäule kaum gün-
stig sein dürfte. Nach der Ansicht des Ref. dürfte die Mehrzahl
der von Claus beobachteten Jugendformen ebenfalls in den Ent-
wickelungskreis des Agalma Sarsii gehören. Ob der beobachtete
Entwickelungstypus unter den Physophoriden mit Schimmglocken
ganz allgemein verbreitet ist, dürfte demnach noch einigermaassen
zweifelhaft sein, aber immer ist es im hohen Grade interessant, für
eines oder einiger dieser Thiere Entwickelungsformen festgestellt
zu haben, wie wir sie bei dem Gen. Athorybia zeitlebens persistiren
sehen. Zum Schlüsse seiner Abhandlung beleuchtet Verf. die geo-
metrischen Verhältnisse des Siphonophorenbaues und weist dabei nach,
wie das auch Ref. schon früher gethan hat, dass weder in dem
Gesammtbaue, noch auch in der Bildung der einzelnen Anhänge
überall der radiäre Typus herrsche, dass dieser vielmehr vielfach einem
exquisiten Bilateraltypus Platz mache — Angaben, die namentlich
von Seiten deren alle Berücksichtigung verdienen, welche noch im-
mer an der principiellen Verschiedenheit dieser beiden Bauweisen
festhalten. Einer beiläufigen Notiz des Verf.'s entnehmen wir noch
die Angabe, dass Köll iker's Forskalia Edwardsii mit F. ophiuraLt.
und F. formosa Keferst. et E. mit F. contorta zusammenfalle.
Bei Physalia unterscheidet Agassiz dreierlei ver-
schiedene Polypen , locomotive, die des Mundes entbehren
und mit einem Senkfaden versehen sind, der sich mitun-
ter bis zu 40 u. 60 Fuss verlängert (!), nutritive mit Mund-
Arch. für Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. Q
2i2 Leuckart: Bericlit üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Öffnung und proliferirende mit Medusenknospen. Von
den zwei erstgenannten Formen giebt es grosse und kleine,
die kaum in einander übergehen dürften. Alle diese Po-
lypen stehen in grössern Gruppen auf" einem gemein-
schaftlichen Stiele neben einander. Contributions 1. c. p. 335.
Pagenstecher fand während seines Aufenthaltes
in Cette zahlreiche an Sepienschalen und andern fremden
Körpern anhaftende Ratarien, deren Beschreibung ihm zu
einer historisch-kritischen Erörterung unserer Kenntnisse
über die Velleliden im Allgemeinen Veranlassung giebt.
Zeitschrift für wissensch. Zool. Bd. XII. S. 496—527. Tab.
XL und XLI.
Die beobachteten Formen maassen 0,8—2,25 Mm. im Durch-
messer, zeigten aber in ihrem Baue keineswegs so grosse Verschie-
denheiten, als man nach den Grössenunterschieden hätte erwarten
sollen. Sie glichen sämmtlich den von Huxley in seinem Sipho-
nophorenwerke abgebildeten jüngsten Velellen und bestanden im
Wesentlichen aus einem Centralpolypen, dessen hinteres scheiben-
förmig ausgebreitetes Ende sich in einen ziemlich hohen längsge-
streiften Muskelkamm fortsetzte. Der Grund dieser Längs streifung
wird von unserem Verf. in der Anordnung der Muskeln gesucht,
während Huxley (dessen Beschreibung dem Verf. unbekannt gewesen
zu sein scheint) darin den Ausdruck der schon jetzt eingetretenen
gefässartigen Umbildung des Leibeshöhlenraumes sieht. Die Luft-
blase war ohne Aufsatz. Sie glich einer kreisrunden Scheibe, die
in einiger Entfernung von dem Mittelpunkte begann und bis an den
gelappten Rand sich verfolgen Hess. Von concentrischer Kamme-
rung wird Nichts erwähnt. Im U mkreise des Centralpolypen beob-
achtete Verf. innerhalb des zierlich gefärbten Randsaumes bei den
grösseren Exemplaren eine Anzalil länglicher und ovaler Knospen,
die er als die Anlagen der peripherischen Polypen und der Geschlechts-
knospen betrachtet, obwohl die von Huxley beobachteten späteren
Stadien (wie auch die von Ref untersuchten jungen Velellen) eher
auf die peripherischen Tentakel hinweisen, üeber die Natur dieser
Thiere ist Verf. nicht ganz im Klaren. Er weiss nicht, ob er sie
als junge Velellen oder junge Porpiten oder gar als junge Thiere
eines besondern Velellidengenus Rataria betrachten soll. So lange
wir die Ratarien nur als Jugendformen kennen, liegt nach der An-
sicht des Ref. für die letztere Annahme kein zwingender Grund
for. Es bliebe somit bloss die Wahl zwischen jungen Velellen und
Porpiten. Trotz der oben hervorgehobenen Aehnlichkeit mit Hux-
ley's jungen Velellen möchte sich Ref. für die Porpiten entscheiden.
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 243
Weniger wegen der Abwesenheit des segeiförmigen Chitinaufsatzes
auf der Luftblase (der nach Huxley auch bei Velella auf diesem
Entwickelungsstadium fehlt und erst mit den Eandtentakeln sich
bildet) , sondern wegen der runden Form der Luftblase und der
Uebereinstimmung derselben mit dem Centraltheile der Luftblase
bei den ausgebildeten Porpiten, die bei einer Vergleichung der P a-
genst echer'schen Zeichnung mit den Abbildungen von Kölliker
ganz frappant ist. Dazu kommt die Aehnlichkeit in der Färbung
der Thiere und die Angabe von Pagenstecher, dass der Mus-
kelkamm bei den grösseren Exemplaren immer mehr verstreiche,
was doch wohl schwerlich also sein würde, wenn sich im Innern
desselben später noch ein Chitinsegel bilden sollte.
Lacaze Duthiers hatte Gelegenheit, an der afrika-
nischen Küste die Prolification von Porpita zu beobachten
(Cpt. rend. T. 53 p. 851, Ann. and Mag. nat. bist. Vol. XL
p.l86). DieMedusen sind kleine Glöckchen mit einem zar-
ten Randsaume und einer kreuzförmigen Zeichnung von matt
weisser Farbe, deren Schenkel von einem braungefärbten
Körnerhaufen auslaufen. Länger als 10 Tage liessen sie
sich nicht am Leben erhalten. In dieser Zeit verlor sich
der eben erwähnte Körnerhaufen, während sich dafür in
der Mitte der Glockenhöhle allmählich ein kleines Zäpf-
chen erhob, dass man wohl als den Mundstiel der jungen
Meduse betrachten darf. Geschlechtsorgane wurden nicht
beobachtet.
Mit diesen Angaben stimmt auch die Beschreibung,
die Haeckel in seinem grossen Radiolarienwerke über
dieselben Objecte macht (S. 137. Anm.). Die wesentlichste
Eigenthümlichkeit der Porpifcamedusen findet Haeckel,
den nahen verwandten Velellamedusen gegenüber, darin,
dass die vier abgerundeten Kanten der Glocke statt einer
ganzen Reihe von Nesselorganen deren je nur zwei ent-
halten, und die vier blinden Radialkanäle, die jederseits
von einer Reihe grosser LeberzeUen gesäumt sind, durch
eine — bei Velella fehlende — sternförmige Masse run-
der, mit dunkeln Körnern und Krystallen gefüllter Zellen
ganz verdeckt werden, die bei durchfallendem Lichte
schwarz, bei auffallendem weiss erscheinen. Die Medusen
massen bei ihrer Abtrennung 0,2 Mm. und zeigten während
244 Leuckart: BericM üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
der wenigen Tage, die sie lebendig blieben, kaum irgend
eine nennenswerthe Veränderung.
Die Mittheilungen, die Costa über Diphyes (Galeo-
laria) quadrivalvis macht, beschränken sich fast ausschliess-
lich auf den Parasitismus einer kleinen Amphipode (Di-
phydicola rubens n. sp.), die in den Nesselknöpfen lebt und
sich hier auch entwickeln soll. Annuario etc. p. 91. (Die
Abbildungen, die Yerf. von den früheren Entwickelungs-
zuständen dieses Krebschens giebt, lassen übrigens den
Verdacht zu, dass die eigenthümliche Anordnung der Nes-
selkapseln hier zu einer Täuschung Veranlassung gege-
ben habe.)
3. Polyp i.
In Hinck's Verzeichniss der an der Südküste von
Devonshire und -Cornwall vorkommenden Zoophyten wer-
den (Ann. nat. bist. T. VIII. p. 360) 2 Lucernarien und
41 Polypen — unter denen nur 4 Octactinien sind —
aufgezählt.
Calycozoa.
Wie wir in unseren Berichten schon mehrfach zu
erwähnen Gelegenheit fanden, haben sich in den letzten
Jahren zahlreiche Zoologen (Huxley, Greene,Allman,
Agassiz u. A.) für eine Vereinigung der Lucernarien
mit den Scheibenquallen ausgesprochen. Dass diese bei-
derlei Thierformen viele Aehnlichkeit mit einander be-
sitzen, ist unzweifelhaft und schon vor vielen Jahren von
Ref. nachgewiesen, allein daneben existiren auch Unter-
schiede, die erheblich genug schienen , den Lucernarien
eine selbstständige Stellung neben den Scheibenquallen zu
vindiciren. Da die bisherigen Versuche, die systematische
Stellung der Lucernarien zu verändern, keineswegs durch
neue Untersuchungen und Thatsachen gestützt waren — Ref.
abstrahirt hier von den Angaben Allman's, die auf einem
anatomischen Missverständnisse beruhen (vergl. J. B. 1859.
S. 204), — so sah sich Ref. bisher noch nicht veranlasst,
die von ihm für die Lucernarien aufgestellte und vielfach
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 245
adoptirte Gruppe der Calycozoen aufzugeben. Noch
heute glaubt er dieselbe beibehalten zu dürfen, obgleich
sich inzwischen auch Keferstein und Clark in sehr
entschiedener Weise für die Medusennatur der Lucerna-
rien ausgesprochen haben, und zwar auf Grund von ana-
tomischen Untersuchungen, die denselben eine genauere
Vergleichung mit dem Baue der Scheibenquallen ermög-
lichten.
Keferstein hat seine Beobachtungen und Studien
über die Lucernarien in einer monographischen Abhand-
lung niedergelegt, die seinen „Untersuchungen über nie-
dere Seethiere^ (a. a. O. S. 1 — 25. Tab. I.) einverleibt ist
und eben sowohl den Bau dieser Geschöpfe, wie auch
deren Geschichte und Systematik eingehend berücksich-
tigt. Von den sechs Arten, die Verf. — im Anschluss
hauptsächlich an Steenstrup und Sars — unterschei-
det, wurden zwei, die L. campanulata und L. octoradiata,
die an der Küste der Normandie nicht eben selten sind
und lebend zur Beobachtung kamen, einer näheren Un-
tersuchung unterworfen, deren hauptsächlichste Resultate
etwa folgende sein dürften.
Das Körperparenchym der Lucernarien besteht, wie das der
Medusen, aus zwei zelligen Membranen, einem Ectoderm und einem
Endoderm, die durch eine mehr oder minder dicke und feste
Lage Gallertsubstanz von einander getrennt sind. Am ansehnlichsten
ist diese Gallertmasse im Stiele und an der hinteren Körperfläche
(der sog. Gallertscheibe), während sie in der vorderen oder oralen
Körperfläche (Schwimmsack Verf.) eine nur sehr unbedeutende
Dicke hat. Die letztere bildet vier zipfelförmige Taschen , die mit
ihren Spitzen bis tief in die sonst ganz einfache Leibeshöhle hinein-
ragen und durch vier „Verwachsungsstreifen" (radiäre Scheidewände)
der Gallertscheibe verbunden sind. Diese Verwachsungsstreifen
theilen die Peripherie der Leibeshöhle in vier weite Radiärkanäle,
die am Rande des Körpers durch ein Loch in den Verwachsungsstrei-
fen, „wie durch ein Ringgefäss" unter sich zusammenhängen. Die
Stielhöhle ist entweder einfach und central (L. campanulata) oder
durch eine Fortsetzung der Verwachsiingsstreifen in vier Längskanäle
getheilt. Die Muskulatur ist im Ganzen nur schwach entwickelt.
Sie besteht aus einem Ringmuskelstrange , der dem Rande des
Schwimmsackes zugehört und acht Radiärmuskeln , die (was Verf.
übersehen hat) in der hinteren Hälfte des becherförmigen Körpers
246 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
paarweise mit den Verwachsungsstreifen zusammenkommen und sich
bei L. octoradiata auch durch den Stiel hindurch verfolgen lassen.
Nach der Ablösung von den Verwachsungsstreifen verlaufen die Ka-
diärmuskeln gleichfalls im Schwimmsacke. Die "Geschlechtsorgane
erscheinen als acht Längswülste , die jederseits neben der Mitte der
Radiärkanäle gelegen sind und die Taschen des Schwimmsackes (die
somit, nach der Ansicht des Ref., als Genitaltaschen angesehen wer-
den können) hineinragen. Die Magenfäden (Innern Mundtentakel),
die den Zipfeln dieser Taschen aufsitzen und frei in den Innenraum
der centralen Leibeshöhle (Magen) hineinragen, erscheinen als Ver-
längerungen der Gallertsubstanz mit dem Endoderm, das hier, wie
sonst bloss das Ectoderm , Nesselkapseln in sich einschliesst und
flimmert. Auch die übrige Fläche des Gastrovascularsystems ist
von einem zarten Flimmerkleide überzogen. Die Tentakel sind
hohle Fortsetzungen der Körperwand , ganz wie die Randpapillen,
die sich, von der Form abgesehen, überhaupt nur durch Abwesen-
heit der Nesselkapseln und Längsmuskeln von den Tentakeln un-
terscheiden, und demnach als morphologische Aequivalente dieser
Anhänge betrachtet werden dürfen.
Die von unserm Yerf. beobachteten zwei Arten sind
in der That so quallenartig gebaut, dass man sie mit allem
Rechte einer noch festsitzenden gestielten Medusenknospe
vergleichen kann, ;,bei der der Magen bereits gebildet
und am Ende geöffnet ist, bei welcher aber die Radiär-
kanäle noch eine sehr grosse Breite haben und nur durch
schmale Querwände von einander geschieden sind; welche
dann in diesem Zustande der Entwickelung stehen bleibt,
auswächst und im Verlaufe der Radiärkanäle Geschlechts-
organe entwickelt." Trotzdem aber glaubt Ref. sich kei-
nes Widerspruches schuldig zumachen, wenn er die Ver-
einigung der Lucernarien mit den Hjdrasmedusen, bei
denen dieselben nach Kef er st ein am besten eine eigene
Ordnung bilden, als unnatürlich bezeichnet.
Schon in den Berichten für 1857 und 1859 hat Ref.
darauf aufmerksam gemacht, dass die Lucernarien trotz
ihrer äusseren Aehnlichkeit nach einem zweifachen Typus
gebaut sind, von denen der eine, der durch die L. qua-
dricornis repräsentirt werde (und auch diebeiden von Ke-
ferstein untersuchten Formen in sich einschliesst) im
hohen Grade an die Quallen erinnere, während der an-
dere durch Anwesenheit eines frei herabhängenden Ma-
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 247
genrohres an den Bau der echten Polypen sich anschliesse.
Nach erneuerten Untersuchungen (an der Helgolander
L. inauriculata und L. cyathiformis) darf Ref. diesen Aus-
spruch vollständig aufrecht erhalten. Die Deutung, die
er im letzten J. B. den Strukturverhaltnissen der L. cya-
thiformis zu geben versuchte, muss er als eine irrige zu-
zücknehmen. Die hier zwischen den Genitaltaschen und
der sog. Gallertscheibe von den Scheidewänden aus hin-
ziehenden vier Membranen bilden in der That ein (vier-
kantiges) Magenrohr, das an dem Rande des becher-
förmigen Körpers befestigt ist und von da bis an den
Anfangstheil des Stieles hinabragt. An den Enden des
Rohres communicirt der Innenraum desselben mit den
nach Aussen davon gelegenen vier Radiärkanälen und dem
hinteren Theile der Leibeshöhle, der den Stiel durchsetzt»
Es bedarf kaum der ausdrücklichen Bemerkung, dass die
hier hervorgehobenen Organisationsverhältnisse dem Me-
dusentypus völlig fremd sind, während sie andererseits
eine Beziehung zu den Anthozoen kund thun, die durch
die systematische Stellung unserer Calycozoa einen viel-
leicht ganz richtigen Ausdruck findet. Wie bei den An-
thozoen, so communiciren auch bei den polypenförmig
gebauten Lucernarien die Tentakelhöhlen mit den peri-
pherischen Taschen des Gastrovascularapparates, während
die Anordnung der Genitalien dagegen abweichend ist
und an die höheren Scheibenquallen erinnert, mit denen
unsere Thiere auch durch die Bildung ihrer Magenfäden
übereinstimmen.
Ich freue mich übrigens für das Thatsächliche mei-
ner Angaben hier auch die Autorität von Clark anfüh-
ren zu können. Nachdem dieser zuerst (Proceed. Bost. Soc.
1862. p. 48 — 50, Lucernaria coenotype of Acalephae) den
Bau der Lucernarien völlig in Einklang mit dem der Me-
dusen fand und darauf hin den Vorschlag machte, diesel-
ben als ein Verbindungsglied zwischen ,den sog. Stega-
nophthalmata und Gymnophthalmata einzuschieben, hat
er später bei unseren Thieren dieselben zwei Typen un-
terschieden, auf die Ref. schon vor einer Reihe von Jah-
248 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
ren die Aufmerksamkeit der Zoologen hinlenkte. Freilich
hat Clark die eigentliche Natur der zwischen beiden
obwaltenden Differenzen nicht erkannt. Er weiss nicht, dass
die zwischen den vier Scheidewänden hinziehenden Mem-
branen ein Magenrohr bilden, und sieht darin bloss eine
Scheidewand von untergeordneter morphologischer Be-
deutung. Doch darüber im nächsten Jahresberichte ein
Näheres. Unserm diesjährigen Berichte fällt zunächst nur
die oben erwähnte Abhandlung zu, die wir zur Genüge
charakterisirt zu haben glauben, wenn wir hervorheben,
dass ihr positiver Inhalt mit den Angaben Keferstein's
fast überall übereinstimmt. Wir fügen nur das Eine hin-
zu, dass die sog. Randkörperchen in jungen Exemplaren
gewöhnliche Tentakel darstellen. Sie werden erst allmäh-
*lich geformt und bilden im ausgebildeten Zustande Or-
gane zur Anheftung und Befestigung (anchors).
Anthozoa.
Von anatomisch- physiologischen Arbeiten über die
Anthozoen haben wir hier zunächst der Untersuchungen
von Lacaze Duthiers zu gedenken, die uns über die
Fortpflanzung und Entwickelung vorzugsweise der Edel-
coralle eine Reihe der interessantesten Aufschlüsse gege-
ben haben (1' Institut 1862. N.1465. p. 34, Cpt. rend. T. 54.
p.ll6 und 498).
Die einzelnen Individuen des Thierstockes sind an den ver-
schiedenen Zweigen der Coralle ihrer grösseren Mehrzahl nach ent-
weder weiblich oder männlich, doch findet man die Geschlechter nicht
selten auch ziemlich gleichmässig vertheilt. Selbst hermaphroditische
Individuen mit männlichen und weiblichen Kapseln werden mitunter
angetroffen. Die Zeugungsstoffe gelangen nach dem Platzen der
umgebenden Hülle in die verdauende Leibeshöhle und werden von
da durch die Mundöffnung ausgestossen. Bei den Eiern geschieht
solches aber erst nach der Verwandlung in einen flimmernden Em-
bryo, der seine ursprüngliche sphäroidale Form sehr bald mit einer
gestreckten vertauscht und dann fast wurmartig aussieht. Gleich-
zeitig bildet sich im Innern des Embryo ein Hohlraum, der an dem
einen, dünnern Ende des Körpers nach aussen hindurchbricht. Beim
Schwimmen wird das Mundende nach hinten getragen. Das gegen-
überliegende Erde vei'dickt sich allmählich immer stärker und wird
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 249
schiesslich, nachdem es sich an einen fremden Gegenstand befestigt
hat, zu einer Scheibe, in deren Mitte sich um das zapfenförmig
vorspringende Mundende alsbald die acht Arme des jungen Polypen
erheben. Durch Ablagerung der Kalkkörperchen und Pigmentmasse
nimmt diese Scheibe dann die Beschaffenheit der späteren Coralle
an. Das innere Skelet entsteht erst nach mehrfach wiederholten
Prolifikationen, wenn der Polyp bereits zu einem kleinen Bäumchen
ausgewachsen ist. Die Aussenfläche ist bei der Bildung desselben
nicht betheiligt. Es entsteht durch Incrustation der in der Achse
besonders stark angehäuften Kalkkörperchen mittelst einer Cement-
masse, die sich in immer dickeren Lagen niederschlägt.
Die Entwickelungsgeschichte von Astroides caljcu-
laris, die gleichfalls von Lacaze Duthiers beobachtet
wurde (rinstitut 1862. p. 8. No. 1462.), zeigt sehr ähn-
licbe Phasen, nur dass die Verkalkung hier viel stärker
wird und im hinteren Körperende zu einer vollständigen
Verdrängung der thierischen Substanz und einer Verwach-
sung der radiären Scheidewände hinführt. Der Schwärm-
zustand dauert 1 — IV2 Monate.
Mejer hebt gegen die Angaben von Valencie n-
nes die Löslichkeit des Hornskelets der Gorgoniden in
heisser Kalilauge hervor und glaubt, dass dasselbe von
dem Chitin der Arthropoden in chemischer Beziehung
nicht minder, als von dem Hörn der Wirbelthiere verschie-
den sei. (Ref. hat schon vor Valencie nnes, in seinem
Aufsatze über das Chitin der Wirbellosen, den Nachweis
geliefert, dass das betreffende Gebilde in kaustischem Kali
zerfalle, eine vollkommene Lösung aber nicht beobachten
können.) Kohlensaurer Kalk und Schwefel ist überall in
diesem Achsenskelet nachweisbar, der erstere mitunter sogar
in grosser Menge, sogar bei Formen aus der Gray'schen
Gruppe der Ceratophyten, deren Gerüstsubstanz mit Salz-
säure nicht aufbrausen soll. Abhandlungen der schlesischen
Gesellsch. für vaterl. Cultur 186L S. 168. Anm. u. S. 175.
Duchassaing etMichelotti veröJffentlichen eine
Abhandlung über die Polypen der Antillen (memoire sur
les coralliaires des Antilles, in den Memorie della reale
accadem.'di Torino T. XIX. p. 279—364 mit 10 Tafeln Abb.),
die durch die Beschreibung zahlreicher neuer Arten und
Genera aus fast allen Familien, so wie durch mancherlei
250 Leuckart: Bericht üb d. Leist. in d. Naturgeschichte
treffende Bemerkungen über Systematik und Verwandt-
schaftsverhältnisse eine wichtige Ergänzung unserer bis-
herigen Kenntnisse bildet. Bei den Polyactinien (Zoanthi-
den) beobachteten unsere Verff. in vielen Arten eigenthüm-
liche schlangenartig bewegliche Fangfäden^ die unterhalb
des Tentakelkranzes aus der Körperwand hervortraten
und sich gelegentlich wieder in das Innere des Leibes
zurückzogen, Gebilde, die offenbar mit den bisher bloss
bei gewissen Actinien aufgefundenen Nesselfäden identisch
sind. Den Alcyoniden fehlen diese Fäden, wie dieselben
denn auch beständig des sog. Mundvorhofes (cavite pre-
bucale) entbehren, der durch Zusammenschnürung des
Kopfscheibenrandes vor dem Tentakelkranze entsteht und
bei vielen Zoanthiden sehr anfallend ist. Ueberhaupt
ergeben sich zwischen den beiden Hauptgruppen der Po-
lypen immer zahlreichere Differenzen. So heben un-
sere Verff. hervor, dass die Polyactinien nicht bloss oft-
mals hermaphroditischen Geschlechts seien, d. h. zwischen
den Samenkapseln nicht selten auch Eikapseln zeigen, son-
dern ihre Embryonen auch sehr allgemein eine längere Zeit
bei sich beherbergen, bis dieselben einen deutlichen Strah-
lenbau angenommen haben, während die Embryonen der
Alcyoniden bekanntlich überall als sog. infusorienartige
Junge geboren werden. Die Individualisirung der Stein-
korallen zeigt sehr verschiedene Grade, wie u. a. auch
die Beobachtung unserer Verff. beweist, dass es zahl-
reiche Arten giebt, die im Umkreise einer ganzen An-
zahl von Mundöffnungen nur einen einfachen Tentakel-
kranz von ovaler Form und ebenso auch nur einen einzi-
gen Kranz von Genitalien besitzen. Im Ganzen sind
übrigens die Angaben unserer Verff. über Bau und Le-
bensweise der Polypen ziemlich dürftig. Desto reicher
aber erscheint der descriptiv zoologische Inhalt ihrer Arbeit,
wie das aus der nachfolgenden Uebersicht der neu beob-
achteten Arten zur Genüge hervorgeht.
I. Zoanthaires.
1. Zoanthaires malacodermes.
Anemonia depressa, Paraclis Guadalupensis, P. clavata, Cory-
nactis parcula, liic ord ea (n. gen.) florida, Viatrix (n. gen.) glo-
der niederen Thiere während der Jalire 1861 — 1862. 251
bulifera, Aclinodaclylus neglectus, Actino Iryx (n. gen.) Sancti Tho-
mae, Oulactis radiata, Oul. Danae, Oul. formosa, Lehrunia (n. gen.)
neglecta, Anthopleura Krebst, Zoanthus flos marinus, Z. parasiticus^
Z. nobilis , Z. tuberculatus , Isaiira neglecta , Mamillifera Anduzii,
Orinia (n. gen.) torpida, Polythoa caribaeoru/n, Bergia (n. gen.)
via lactea, G emmaria (n. gen.) Rusei, G. Siciftii.
2. Zoantlia ir es sei er obasique s.
Antipathes americana.
3. Zoantliaires sclerodermiques.
Caryophijllia dubia (?), Paterocyathus (n. gen.) Guadalupen-
51«, Paracyalhus de Filippii, Desmophyllum incertutn, D. reßexum, D.
Rosei, Stylopkora mirabilis, Reiissia (n. gen.) lamellosa , Troch-
smilia Laurenli , Tr. gracilis, Parasniilia nutans ^ Eusmilia Silene,
Dickocaenia Cassiopea, D. ptdcherrima, Pectinia disticha, P. elegans,
P. caribaea, LitJiophtjllia argemone, L, dubia, L. cylindrica, Monti-
vaullia Guesdesii, Symphyllia strigosa, S. anemone, S. conferta, S.
Aglae, S. helianthus, S, Thomasiana, S. aspera , S. cylindrica, S.
Knoxi, S. marginata, S. verrucosa, Colpophyllia astraeformis, Lepto-
ria hieroglyphica, L. fragilis, Favia incerla, F. coarctata, Heliastraea
rotulosa, H. abdita, Clypastraea oblita, Plesiastraea Carpinelti, Soleti-
astraea micans, Leptastraea caribaea, Cladocora unipedalis, Aslran-
gia neglecta, A. granulata. St eil angin (n. gen.) reptans, Mycedium
Lessoni, M. Danai, M. vesparium, Madrepora cornuta, M. Thomasiana,
M» ethica, Porites superficialis, P. incerta, P. Guadalupensis, P. aga-
ricus, Millepora gothica, Favosites Dietzi,
II. Alcyonides.
Die Alcyoniden glauben die VerfF. nach dem vonMilne Ed-
wards zunächst nur für die Zoanthiden aufgestellten Princip gleich-
falls in drei Gruppen verth eilen zu können, in die A. malacodermes,
A. sclerodermiques und A. sclerobasiques, von denen die letzte Gruppe
die Familien der Tubiporen und Cornularien, die mittlere die der
Pennatuliden und Gorgoniden einschliesst. Die hier neu beschrie-
benen Arten sind folgende:
1. Alcyonides malacodermes.
Ojeda (n. gen.) luteola, Alcyonium ceicis, Ammotkea polyan-
thes, A. parasilca, Briarea capitata, B. palma Christi, Xaenia cari-
baeorum, X. capitata.
2. Alcyonides sclerobasiques.
Primnoa rcgularis, Thesea (n. gen.) mitTh. (Gorgonia) exerta
Sol. et EH., Rusea (n. gen.) paniculata, Muricea teretiuscula, M.
elegans, Acis (n. gen.) Guadalupensis, Eunicea Esperi, Eu. distans,
Eu. Ehrenbergii, Eu. Stromeyeri, Eu. Sayoti, Eu. aspera, Eu. hirta,
Eu. laciniata, Eu. megastoma, Eu. nutans, Eu. anceps, Eu. fusca, Eu.
lugubriSf Plexaura corticosa, PL mutica, Gorgonia oblita, Pterogorgiß
252 Leuckart; Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
lutescens ^ Ft. festiva, Leptogorgia flavida , Villogorgia (n. gen.)
nigrvscens, Verrucella Guadalnpensis.
3. Alcyonides sclerodermi ques. .
Clavularia Rusei.
Zur Charakteristik der neuen zum Theil sehr ausgezeichneten
Genera reproduciren wir hier die von den Verff. gegebene Be-
schreibung.
Ricordea D.M. p. 367. Animaux charnus actiniformes fixes
par leur base. Ils sont simples dans leur jenesse, c'est ä dire qu'ils
n'ont alors qu'une seule bouche, et deviennent composes lorsque
leur developpement est complet. A cette derniere epoque, ces
animaux ont 5 bouches situees ou centre du disque recouvert, par-
tout ailleurs, de tentacules courts, obtus et non entierement re-
tractiles.
Via t rix D. M. p. 319. Animal actiniforme, court, semblable ä
un disque avec des vesicules natatoires autour du bord calicinal, et
a la base des tentacules ; il est completement libre et flotte avec une
grande facilite ä l'aide de ces vesicules, mais avec la bouche en
bas ; souvent la partie posterieure du disque est en contact avec le
niveau des eaux.
Actinotrijx D.M. p. 321. Des actinies, dont le corps pre-
sente peu de longueur ; haut de 3 — 4" lignes, le disque surpasse le
diametre d'un pouce ; les tentacules marginaux sont tres courts, cy-
lindriques et simples; les appendices sont clair-semes en sorte que
l'on n'en compte que 3 ou 4 sur la direction de l'un des rayons du
disque; ceux qui avoisinent la bouche sont des petits tubercules
simples ou bilobes ; ceux du milieu du disque sont plus compliques,
et ont 2 ou 3 lobes, quelquefois 4; enfin ceux qui sont les plus
exterieurs ont de 4 ä 5 lobes; ils sont aussi plus grands que les
autres et atteignent j'usqu'ä une ligne de longueur. Los dits ten-
tacules sont au nombre d'environ 134.
Lehr unia D. M. p. 324. Des actinies dont le corps est de-
pourvu de faux polypieroides tout en ayant des tentacules simples
et des tentacules composes; les tentacules internes sont subegaux,
et ä peu pres de la meme longueur ou diametre que le disque, tan-
dis que les grands appendices, ou tentacules externes peu nombreux,
se dichotomisent de maniere ä terminer en divisions tres nom-
breuses.
Anthopleura D. M. p. 324. Corps cylindrique , allonge,
ayant des pores lateraux nombreux et petits, etendus en lignes depuis
les bords du disque jusque sur le pied, chaque ligne comprenant
environ 14 pores; tentacules disposes autour de la bouche, effiles
par le bout ; circle marginal ; bord du disque garui dun seul rang
der niederen Tliiere während der Jahre 1861 — 1862. 253
d'appendices aplatis, triangulaires, entiers ou incises, et ayant a leur
sommet un petit globule blane.
Orinia D.M. p. 328. Corps cylindrique, actiniforme, large-
ment fixe par sa base, disque circulaire, strie radiairement, ayant
une bouche centrale et une circonference garnie de tentacules courts,
nombreux et lanceoles, disposes en un circle unique et marginal.
Ces tentacules sont inegaux , les plus grands etant separes Tun de
l'autre par des tentacules plus petits. La surface du disque pre-
sente des orifices tubuleux. ayant la forme de petits tubes cylindri-
ques dont les bords sont garnis de granulations.
Bergia D. M. p. 330. Polypes tres-courts formant un re-
seau cateniforme ä la surface des eponges et naissant les unes des
autres par des propagules qui ont leur origine a la partie superieure
ou cephalique.
Gemmaria D. M. p. 331. Des Polythoes dont les teguments
sont durcis par le depot des matieres terreuses, et les polypes ne
sont point soudes les uns aux autres, restants libres dans toute
l'extension du corps ä l'exception de la base.
P a t er ocy athus J). M. p. 335. Differe du genre Bathy-
cyathus parce qu'il est libre et du genre Brachycyathus par sa
forme turbinee. Par sa couronne simple de palis il se rapproche du
premier des dits genres. La partie superieure de la muraille est
fortement striee et l'on compte dans l'espace d'un centimetre 7 gran-
des stries separees par d'autres plus petites.
Reussi a D'. M. p. 339. Polypier rameux, ä rameaux courts
en forme de lobes; etoiles petites, larges de ^2 ^ Vs ^^ lig^i^, elles
sont separees l'une de l'autre par une muraille qui deborde et
forme un reseau autour des cellules ; lamelies au nombre de dix,
epaissies ä leur bord exterieur, et se reunissant ä la columelle qui
est solide et saillante en forme d'axe.
Stell angia D. M. p. 356. Polypierites naissant d'une base
mince, etalee et calcaire, laquelle est finement striee en dessus ; mu-
raille nue, costulee et grenue. Lamelies tres - inegales, saillantes,
finement denticulees, granulees sur leur face; columelle tres large,
mais tres lache et papilleuse.
Ojecla D. M. p. 290. Des Alcyoniens nus dont les spicules
sont si petites, qu'elles ne peuvent se voir qu'ä l'aide du micro-
scope, elles ressemblent assez bien a de petites nummulites dont les
bords seraient profondement ciseles. Cette desposition leur donne
l'apparence d'une etoile ä plusieurs rayons.
These a D. M. p. 294. Des gorgoniens dont l'ecorce formee
de squamules contient des spicules tant ä la surface qu'interieure-
ment. Les cellules sont pustuliformes, disposees d'une maniere sub-
254 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschiclite
alternante sur les rameaux et ayant leurs parois formees par des
squames et une Ouvertüre radiee.
Rusea D. M. p 294. Axe corne, ecorce mince, cretacee;
cellules longuement pedicillees, campaniformes, offrant 8 grosses
cötes, et une Ouvertüre fermee par 8 valves qui sont les traces des
bras des polypes.
Acis D. M. p. 295. Sclerenchyme compose par trois gros
spicules fusiformes et decouvertes. Les loges sont subalternes, se-
parees entre elles. squameuses, pustuliformes avec une Ouvertüre
terminale radiee.
Villogorgia D. M. p, 308. Des especes rameuses dont la
surface laineuse ressemble ä du velour si on l'examine ä la loupe.
Avec le secours du meme Instrument on n'apergoit dans le coenen-
cbyme ni squames , ni spicules. Les cellules sont saillantes ; l'axe
est point calcaire.
Johnson handelt über die Actinienfauna von Madeira
und beschreibt dabei (Proceed. zool. Sog. 1861. p. 298, Ann.
and mag. nat. hist. Vol. IX. p. 177) folgende neue Arten:
Phellia vestita, Acti7iia virgata, Bvnodes Literi, Alicia {n.
gen.) mirabilis. Das neue Gen. Alicia, das sich durch die festen
Warzen, die seinen Schaft bedecken, auszeichnet, charakterisirt Verf.
wie folgt: Base adherent at pleasure; greatly exceeding column.
Tentacles simple. Margin of disk simple, without spherules. Co-
lumn beset with stalked appendages.
Ebendas. beschreibt Verf. als neu noch Saccanthus maderensis
(p. 184) und Cornularia atlanlica (p. 178).
Strethiil Wright überzeugt sich von der nahen
Verwandtschaft seiner Peachia Fultoni (J. B. für 1860.
S . 338) mit Müller's Philomedusa Vogtii und glaubt
beide dem Gen. Halcampa Gosse einreihen zu können.
Ann. and mag. nat. hist. Vol. VIII. p. 133.
Den neuen Genusnamen A'aw «Äiop ms verv^^erthet
Kefer stein zur Bezeichnung einer fusslosen Actinie,
die in zwei Arten {X. hilateraiis und X. vütatus) in den
-feinen Spalten der Granitfelsen bei St. Vaast lebt und
sich von der sonst nahe verwandten Edwardsia vorzugsweise
dadurch unterscheidet, dass sich die äussere Haut in zahl-
reiche fussartige Warzen erhebt, die zum Anheften und
Kriechen dienen. Zeitschrift für wiss. Zool. Bd. XII. S. 32.
A. Agassiz entdeckt an der Amerikanischen Küste
eine neue Art des Gen. Arachnactis {A. hrachiolata), die
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 255
durcli die Verhältnisse ihrer Tentakelbildung auffallend
an die Pluteiisformen der Echinodernien erinnern soll.
Proceed. Bost. Sog. T. IX. p. 159. Eine ausführliche Be-
schreibung wird für später vorbehalten.
Zoanthus rubricomiSj eine noch unbeschriebene Art
von der englischen Küste, Iloldsworth Proceed. zool.
1861. p.99; Ann. and mag. nat. hist. T. "VII. p. 484.
Gvryn Jeffreys berichtet über Exemplare von Cva-
thina Smithii, die statt der gewöhnlichen Cylinderform
die Gestalt eines umgekehrten Kegels haben, und glaubt
diese Abnormität darauf zurückführen zu können, dass
dieselben auf Serpulaceenschalen angesiedelt seien. Rep.
br. assoc. Manchester 1861. p. 147.
Holdsworth berichtet über das Vorkommen von
Caryophyllia clavus an der englischen Küste und versucht
den Nachweis, dass die Verbreitung der Korallen von der
Beschaffenheit (Wärme, Reinheit) des Wassers abhängig
sei. Proceed. zool. Soc. 1862. June, Ann. nat. hist. T. XI.
p. 145.
Allopora maderensis Johnst. n. sp. (Proceed. zool. Soc. 1862.
June, Ann, nat. hist. T. XI. p. 142) hat zweizeilige, alternirend ste-
hende Poren und vermittelt dadurch den Uebergang zu Stylaster.
Flabellvm campanulatum und FL nobile nn. sp., die erste von
den Philippinen, Holdsworth, Proceed. zool. Soc. 1862. June, Ann.
nat. hist. T. XI. p. 143.
Mörch hebt die Aehnlichkeit hervor, die zwischen
dem von Adanson unter dem Namen Jelin als Vermetus
beschriebenen Objecte und dem fossilen Pleurodictyon ob-
waltet, und erörtert die Frage, ob die ^in beiden Fällen
(auch bei Hetrocyathus und Hetropsammia) von dem Po-
lypenskelete umschlossene Röhre dem Polypen selbst oder
einem fremden Organismus angehöre, ohne dabei jedoch
zu einer bestimmten Entscheidung zu kommen. Annais
des sc. nat. T. XV. p. 369. (Ref. besitzt Exemplare von
Hetrocyathus, deren eines noch ganz deutlich die Substanz
der umwachsenen Schneckenschale erkennen lässt, so
dass er kein Bedenken trägt, sich der bekannten Ansicht
von Milne Edwards anzuschliessen, nach der der be-
treffende Polyp auf einer — vielleicht noch eine Zeitlang
256 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
lebenden und fortwachsenden — Schnecke sich ansiedele.
Man vergl. hierzu auch die Beobachtungen über Zoan-
thus auf Schneckenschalen, J. B. für 1860. S. 342.)
Gray macht einige Mittheilungen ■ über die Yere-
tillinen des Britischen Museums, die zum Theil neu sind
( VeretiUum s. Sarcobelemnon Cantoriae und Lituaria au-
stralis) f und behauptet bei dieser Gelegenheit, dass die
Gen. CarVernularia und Sarcobelemnon nur irrthümlicher
Weise von VeretiUum abgetrennt seien, da er auch bei V.
cynomorium vergebens nach einem Kalkstabe gesucht,
dafür aber in der cjlindrischen Achse dieselben vier Längs-
kanäle gefunden habe, die als charakteristisch für die
erstgenannten Genera angegeben werden. (Proceed. zool.
Soc. 1862. Febr., Ann. nat. bist. Vol. X. p. 73—76.) Diese
Behauptung stützt sich übrigens nur auf Untersuchung
eines einzigen Exemplares, das möglicher Weise falsch
bestimmt war — denn der Kalkstab von VeretiUum ist
in der That ohne grosse Schwierigkeiten aufzufinden und
bei V. pusillum sogar von einer verhältnissmässig ganz an-
sehnlichen Stärke.
Das bisher nur durch eine einzige Art repräsen-
tirte Genus Spoggodes Less., das sich durch die häu-
tige Beschaffenheit seines Sklerenchyms , wie durch die
äusserlich aufgelagerten und namentlich im Umkreis der
Polypenzellen massenhaft angehäuften spindelförmigen
Kalknadeln auszeichnet, ward durch Gray's Untersu-
chungen mit einer ganzen Anzahl neuer Arten bereichert.
Dieselben vertheilen sich nach der Stellung der Polypen-
zellen über zwei Untergenera: Spoggodes mit gruppenweis
vereinigten Zellen und Spoggodia mit isolirten Zellen. Zu
dem ersten gehört ausser der alten Sp. florida noch Sp.
sjpinosa, zu dem zweiten Sp. unicolor, Sp. divaricata und
Sp. ramulosa, sämmtlich von der Küste Nord-Australiens
oder Neu-Guineas. Proceed. Zool. Soc. 1862. Febr., Ann.
nat. hist. Vol. X. p. 69, 70 mit Holzschnitten.
Nahe verwandt ist das der Gruppe der bewaffneten
Alcyonien (Fam. Nephthyadae Gr.) zugehörende neue
Gen. MorchellanUy das seinen Namen von der Aehn-
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 257
lichkeit mit einer Morchel bekommen hat, aber nur oben
in seinen polypentragenden Köpfen mit Kalknadeln ver-
sehen ist. Gray, ibid., gleichfalls mit Holzschnitten.
Char. gen. n. Morchellana Gray. The coral subclavate, co-
riaceous, subcalcareous, and loosely cellular within; the stem sub-
cylindrical elongate, hard, coriaceous and minutely granulär on the
surface. Head formed of numerous irregularly dispersed short-lobed
prominences which are covered at the end with diverging conical
prominent polype - cells. The lobes and cells being strengthened
with superficial fusiform spicules, slightly covered with the skin of
the coral; the polypes entirely retractile. Sp. M. spinulosa Gray,
aus dem Ind. Ocean.
Unter dem Genusnamen S ölen ocaulon beschreibt
derselbe Autor (Proceed. Zool. Soc. 1862. Febr., Ann. nat.
bist. T. X. p. 147, mit Holzschnitt auf p. 149) eine neue
eigenthümliche Corallenform der nordaustralischen Küste,
die mit Coelogorgia M. Edw. am besten den Typus einer
besondern, durch die röhrenförmige Beschaffenheit ihrer
lederartigen Achse, zur Genüge charakterisirte Familie
bildet. Der Stamm von Solenocaulon ist unten rund und
zweiglos, oben vierkantig und verästelt, mit weiten Po-
lypenzellen, die in einfacher oder doppelter Reihe neben
einander stehen und durch eine eigenthümliche Anord-
nung der umgebenden Kalkstacheln ein achtstrahliches
Aussehen annehmen. ( Da das Achsenskelet der Gor-
goniden keine Zellen trägt, so dürfte der hohle Stamm
von Solenocaulon wohl kaum als solches betrachtet werden
können. Ref.) Sp. n. 8jp. toriuosum Gray.
Ein zweites neues Genus, B e llonella wird auf
eine kleine Coralle gegründet, deren cylindrischer Stamm
aus einer Anzahl verklebter Röhren besteht. Das obere
Ende bildet ein halbkugelförmiges Köpfchen, auf dem die
einzelnen Polypenzellen mit ihren eckigen Oeffnungen nach
aussen -vorspringen. Die Polypen sind völlig retractil,
die Basis der Röhre mit längsgeordneten Kalkstacheln be-
legt. Sp. n. Bell, granulata von dem Bellonariffe. Gray, 1. c.
Das bisher nur durch eine einzige Art vertretene
Gen. Acanthogorgia Gray wird durch Johnson um
zwei neue Arten bereichert, A, Grayi (Proceed. zool. Soc.
Archiv f. Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. R
258 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
1861. June, Ann. nat. hist. T. IX. p. 75.) und Ä. atlan-
tica (11. cc. 1862. June, T. XI. p. 140.), die beide aus der
Nacbbarschaft Madeira's stammen. Das Aclisenskelet der-
selben soll, wie bei Antipathes, faserig sein.
Grube beschrieb unter dem neuen Genusnamen
Lithoprimnoa [L. arctica) eine Gorgonidenform aus
Norwegen, die sich durch die Kleinheit und sparsame
Vertheilung der Polypen, die eigenthümliche Art der
Verästelung und vorzugweise durch die Zusammenset-
zung des Achsenskelets aus abwechselnden Lagen von
Hörn- und Kalksubstanz von den verw^andten Arten un-
terscheiden sollte, bat sieb aber später davon überzeugt,
dass dieselbe mit Primnoa lepadina zusammenfällt, die,
an vollständig erhaltenen Exemplaren, im unteren Tbeile
genau dieselbe Bildung zeigt und erst in einer Höhe
von etwa 3 Zoll das früher fast ausschliesslich berücksich-
tigte abweichende Aussehen annimmt. Abhandl. der
schlesischen Gesellsch. für vaterl. Cultur 1861. S. 167 —
176. Tab. III. mit Nachtrag ebendas. 1862. Febr.
Möbius „neue Gorgoniden des naturhistorischen
Museums zu Hamburg'^ handelt über Solanderia verru-
cosa n. sp. aus der Algoabay (mit Kieselnadeln in der
Epidermis, wenig vertieften Polypenzellen und cylindri-
schen, rundum Polypen tragenden Zweigen), Lophogorgia
crista n. sp. ebendah., Gorgonia radula n. sp. St. Thom6
und Muricea horrida n. sp. Peru. (Yerhandl. der K. L. C.
Akad. Bd. XXIX. 12 S. mit 3 Tafeln Abb.) In Betreff
der bei Solanderia aufgefundenen Kieselnadeln ist zu be-
merken, dass dieselben, wie die Hartgebilde der Spongien,
von einem Achsenkanale durchsetzt sind, demnach auch
wahrscheinlicher Weise dem betreffenden Polypen bloss
als fremde Körper aufliegen.
Weiter erwähnen wir von neuen Arten : Primnoa imbricata und
Mopsea arbuscvlvm, die letztere von Madeira, Johnston, Proceed.
zool. Soc. 1862. Nov. (Ann. nat. hist. T. XI. p. 299.)
Ueber das Vorkommen der Yirgularia Christii Kor.
et Dan. an der englischen Küste berichtet AI der Tynes.
transact. 1861. p. 60, Ann. nat. hist. Vol. IX. p. 316. '
der niederen Thiere während der Jalire 1861 — 1862. 259
Poriferi.
Den vorläufigen Mittheilungen, die Bowerbank
über den zweiten Thcil seiner Untersuchungen „on the
anatomy and phjsiology of the Spongiadae'^ veröffent-
licht (Proceed. zool. Soc. 1861 , Ann. and. Mag. nat. bist.
Vol. VIII. p. 420), entnehmen wir die Notiz, dass der-
selbe ausser dem Horngewebe und den Weichtheilen
der Schwämme deren Gesammtbau und Lebensweise zum
Gegenstande hat. Der dritte Theil ist (Proceed. etc.
1862. Juni, Ann. etc. Vol. X. p. 144) wesentlich systemati-
schen Inhalts. Verf. adoptirt darin die Gr a nt'sche Einthei-
lung der Schwämme in Kalkschwämme, Kicsclschwämme
und Hornschwämme, und gründet auf dieEigenthümlichkei-
ten des Skeletbaues eine grosse Anzahl neuer Genera, die
sich, namentlich in der zweiten Ordnung, über eine grosse
Zahl von Unterordnungen vertheilen. Ein Weiteres dürfen
wir uns wohl bis zu unserem nächsten Berichte vorbehal-
ten, der die inzwischen in den Transact. philos. soc. er-
schienenen Abhandlungen selbst zu berücksichtigen hat.
Der erste Theil dieser Untersuchungen verbreitete
sich bekanntlich (J. B. für 1858. S. 223) über die Hart-
gebilde der Schwämme. Zahlreiche der von Ehrenberg
so vielfach in Erd- und Grundproben aufgefundenen und
beschriebenen „Spongolithen^ sind dadurch einer gene-
tischen Analyse zugänglich geworden. Leider hatte es
aber der Verf. unterlassen, auf die Arbeiten Ehrenberg's
Rücksicht zu nehmen. Um so dankenswerther ist es, dass
Ehrenberg selbst eine Rückführung seiner Formen auf
die von Bowerbank beobachteten Bildungen versucht
hat, und die Resultate seiner Vergleichung in einer synony-
mischen Tabelle zusammenstellte (Berliner Monatsberichte
1861. S. 452). Es sind übrigens zunächst nur die Kiesel-
formen, die dabei in Betracht kommen, da die kalkerdi-
gen Spongolithen der Grantien (Coniasterum und Conio-
campyla) „als vermuthliche unentwickelte Jugendverhält-
nisse von Kalkkorallen unter den Zoolitharicn verzeichnet
werden, bis weitere Forschungen mehr Berechtigung zum
Einreihen der Grantien bei den Spongien geben.^
260 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgescliiclite
ßowerbank widerspricht der Angabe von K Ol-
li k er, dass die in den Hornfasern vieler Schwämme vor-
kommenden Kanäle von dem Eindringen parasitischer Ve-
getabilien herrührten, und bezieht sich dabei auf die Structur
der Kieselnadeln, die ja gleichfalls solche Canäle in sich
einschlössen. Transact. micr. soc. 1860. p. 187.
Durch C a r t e r's neuere Untersuchungen hat sich die
frühere Behauptung, dass die Wimperorgane der Spon-
gillen ihre Flimmerhaare ausser lieh trügen, als irr-
thümlich erwiesen. Ann. and Mag. nat. bist. T.VIII. p.290.
Obwohl Ehrenberg auch nach dem Erscheinen
der Schultze'schen Monographie über Hjalonema (J. B.
für 1860. S. 350) seine Ansicht noch festhält, dass es sich
hier nur um ein Kunstprodukt („eine mehrtheilige humori-
stische oder industrielle Composition der Japanesen^) han-
dele (Berl.Manatsheftel861. S.450), kann es doch nach den
Mittheilungen von v. Martens keinem Zweifel mehr un-
terliegen, dass M. Schnitze durchaus im Rechte ist,
wenn er in diesen sonderbaren Gebilden Schwämme mit
lang ausgewachsenen Kieselfäden sieht, die nur gelegent-
lich von Polypen aus dem Geschlechte der Mammillife-
ren besetzt sind. v. Martens hatte in Japan Gelegen-
heit, diese Geschöpfe, wenn auch nicht im lebenden, so
doch in einem verhältnissmässig frischen und gut erhal-
tenen Zustande zu untersuchen, so dass man seinen An-
gaben (Berl. Manatsberichte 1861. S. 480) ein entscheiden-
des Gewicht beilegen darf. Uebrigens bemerkt derselbe
dabei, dass die Japanesen allerdings mit den Glasfaden-
büscheln der Hyalonemen allerlei Künsteleien vornähmen,
sie fester zusammenbänden und klebten, selbst mehrere
mit einander in dieser oder jener Weise vereinigten und
auch wohl künstlich auf Steinen befestigten, als wenn sie
dort gewachsen wären.
Ueber 0. Schmidt's Monographie der adriatischen
Spongien (Leipzig 1862. 88 S. in Fol. mit 7 Tafeln) soll
im nächsten Berichte ausführlich gehandelt werden.
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 261
IV. P r 0 t 0 z 0 a.
Ha e ekel ist, wie Ca r leer (vergl, S. 69) nicht
abgeneigt, den Kreis der Protozoen in die Abtheiiungen
der Infusorien und Rhizopoden aufzulösen, die, von der Zu-
sammensetzung aus Sarkode abgesehen, kaum mehr ge-
meinsame Charaktere besässen, als die Echinodermen und
Coelenteraten. Radiolarien S. 209. Anm.
Dem (anonymen) Berichterstatter über die neuere
Protozoenlitteratur in der Nat. bist. rev. London 1860^
p. 34 scheint es am natürlichsten, die Protozoen in Sto-
matoda und Astoma einzutheilen, und in der ersten Klasse
als Ordnungen die Infusorien und Noctiluciden, in der
zweiten die der Rhizopoden, Spongiden und Gregarini-
den zu unterscheiden.
1. Infusoria.
Durch die Untersuchungen von Bai biani und St ein
ist die Existenz einer geschlechtlichen Fortpflanzung bei
den Infusorien ausser Zweifel gestellt. Aber wenn auch
in der Hauptsache übereinstimmend, weichen die Anga-
ben beider Forscher über die Einzelnheiten der betref-
fenden Vorgänge doch beträchtlich von einander ab. (Vgl.
J. B. für 1858 u. 1860.) Balbiani lässt die Infusorien
sich gegenseitig befruchten, während Stein eine Selbst-
befruchtung annimmt und den sog. Begattungsact als eine
mit der Geschlechtsreife gleichzeitig stattfindende Längs-
theilung auffasst. Die Eier, die nach dem Erstem als
solche abgelegt werden, sollen sich nach dem Andern
noch im mütterlichen Leibe zu acinetenförmigen Jungen
entwickeln, die nach Aussen ausschwärmen und vielleicht
erst auf Umwegen wieder zu der Form des Mutterthieres
zurückkehren. Auch Balbiani bat diese Schwärm-
sprösslinge oftmals beobachtet, aber er kann sie nicht für
Junge halten , sondern glaubt, dass sie parasitische In-
fusorien, wirkliche Acineten, seien, die von Aussen ein-
wanderten und im Innern ihrer Wirthe sich vermehrten»
262 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgöschichte
Diese Widersprüche beginnen sich allmählich zu
lösen, obwohl wir noch immer weit davon entfernt sind,
einer vollen und sicheren Erkenntniss aller hier in Be-
tracht kommenden Verhältnisse uns rühmen zu dürfen.
Balbiani hat seine früheren Untersuchungen noch-
mals controllirt und mit zahlreichen neuen Beobachtun-
gen zu einer ^Monographie verarbeitet (rech, sur les phe-
nomenes sexuels des Infusoires Paris 1861. 130 S. mit 3
Kupfertafeln, abgedruckt aus dem Journ. phys. de l'homme
et des anim. T. IV. p. 102 u. 194), in der er nach einem
historischen üeberblicke über unsere Kenntnisse von dem
Geschlechtsleben der Infusorien zunächst den anatomi-
schen Bau der Geschlechtsorgane verfolgt und sodann
die Erscheinungen schildert, die den Eintritt der Brunst
und die Entwickelung der Geschlechtsprodukte begleiten.
Es sind übrigens bloss die Flimmerinfusorien, die Verf.
im Auge hat. Nicht bloss die Inf. flagellata, auch die
Acinetinen bleiben ausgeschlossen , die letztern mit der
ausdrücklichen Bemerkung , dass bei ihnen noch keine
geschlechtliche Fortpflanzung bekannt sei. Die Bildung
der Schwärmsprösslinge, die sich hier so leicht beobach-
ten lasse, sei wahrscheinlicher Weise als eine unge-
schlechtliche Vermehrung zu betrachten.
Aus der historischen Einleitung heben wir hervor, dass die
paarweise Vereinigung der Infusorien in der Querrichtung (Ehren-
berg's Längstheilung) schon von Seiten vieler älterer Beobachter
als eine Begattung gedeutet wurde. 0. Fr. Müller beobachtete
bei Paramaecium sogar direkt, wie die beiden Thiere sich einander
näherten, mit ihrer Mundfurche sich gegenseitig umfassten und viele
Stunden lang verbunden blieben, eine Thatsache, die unser Verf. bei
einer grossen Menge von Infusorien zu constatiren Gelegenheit fand.
In der Art, dem Orte und der Innigkeit dieser Vereinigung finden
sich übrigens bei den einzelnen Formen mancherlei Verschiedenhei-
ten, die grösstentheils, wie es scheint, von der Bildung der äus-
seren Geschlechtsöffnungen abhängen. Es war nämlich ein Irr-
thum, wenn Verf. früher die Ansicht hatte, dass die Infusorien wäh-
rend des Begattungsactes ihre Mundöffnungen auf einander leg-
ten und auf diesem Wege ihre Samenballen austauschten. Statt
der Mundöffnungen fungiren dabei die Geschlechtswege, die ge-
wöhnlich allerdings ganz in der Nähe der erstem — vor denselben
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 263
— nach Aussen ausführen und bei mehreren Arten (Trachelius, Pa-
ramaecium, Stentor, Stylonychia) ganz bestimmt und deutlich von
unserem Verf. erkannt wurden. Bei Paramaecium Hess sich auch
der Nachweis führen, dass die männlichen Organe dicht neben den
weiblichen und mit denselben zusammen ausmünden. Besondere äus-
sere Geschlechtsorgane fehlen. Die Vereinigung geschieht theils
auf mechanischem Wege, indem die Lippenränder einander umfas-
sen, theils auch durch eine Art Kitt, der im Umkreise der Ge-
schlechtsöffnungen ausgeschieden wird und die Grenzen der beiden
Leiber mitunter völlig verwischt. Bei Stylonychia tritt eine voll-
ständige Verwachsung der Vorderleiber ein, die nach der Begattung
übrigens gleichfalls wieder gelöst wird. In anderen Fällen ist die
Vereinigung verhältnissmässig locker, so dass beide Thiere dabei
zu fressen fortfahren. Dass die Dauer der Begattung sich gewöhn-
lich über mehrere Tage ausdehnt, ist vom Verf. schon früher beob-
achtet worden. Sie beginnt vor vollständiger Ausbildung der Ge-
schlechtsorgane und dauert bis zur Uebertragung der Samenfäden
in die weiblichen Theile. Dass eine solche Uebertragung stattfindet,
konnte allerdings nicht direkt beobachtet werden, da die Samen-
fäden wegen ihrer Dünne nur dann erkennbar sind, wenn sie in
dichten Bündeln beisammen liegen , doch lässt sich dieselbe mit
Sicherheit erschliessen , da der Hoden nach der Begattung ge-
schrumpft ist. Auf diese Schrumpfung, folgt später ein vollstän-
diger Schwund der männlichen Organe, wie denn auch die weibli-
chen Theile nach dem Ablegen der Eier in der Regel zu verschwin-
den scheinen. Eine Neubildung tritt an die Stelle der früheren
Organe, die ihre Rolle ausgespielt haben. Mit Anwendung verdünnter
Essigsäure lässt sich die allmähliche Entwickelung dieser Gebilde
Schritt für Schritt verfolgen. Man überzeugt sich auf diese Weise,
dass die ersten Anfänge der weiblichen Organe (der sog. Nucleus)
bei allen Infusorien eine einfache Zelle mit bläschenförmigem Kern
und feinkörniger Inhaltsmasse darstellen. Aber nur selten bleibt
diese primitive Eizelle einfach, zu einem einzigen Ei sich entwickelnd
(Chilodon). In der Regel geht damit, bald schon' vor der Begat-
tung, bald auch später, eine mehr oder minder auffallende Verän-
derung vor sich, in Folge deren sich daraus eine ganze Anzahl von
Eiern (2, 4, 12, 20, ja selbst 50 und 100) hervorbilden. Diese Ver-
änderung besteht in einer meist mehrfach wiederholten Theilung,
die entweder zunächst bloss den Kern betrifft, oder sich auch gleich
Anfangs auf das ganze primitive Ei ausdehnt. Auf die letztere Weise
entstehen die sog. vielfachen Nuclei der Infusorien (Stentor, Stylo-
nychia u. s. w.), die übrigens nach unserem Verf. immer von der-
selben zarten Hülle um^hlossen sind, gewissermaassen also in einer
gemeinschaftlichen Eiröhre liegen. Eine solche Hülle fehlt überhaupt
264 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgescliichte
nirgends an dem Eierstocke der Infusorien, obwohl sie sich mitunter
kaum wahrnehmen lässt. Zur Zeit der Begattung bildet dieselbe
eine nach der Geschlechtsöffnung hingerichtete canalartige Fort-
setzung, die aller Wahrscheinlichkeit nach zur Aufnahme der Sa-
menfäden bestimmt ist. Der primitive Zustand des Hodens ist im
Wesentlichen derselbe, wie der des Ovariums. Auch der Hoden ist
Anfangs eine Zelle (Nucleolus), nur kleiner und heller, als die pri-
märe Eizelle, der sie dicht anliegt. Auch die Schicksale dieser
Zelle haben mit denen der primären Eizelle eine grosse Aehn-
lichkeit, indem sich dieselbe früher oder später gewöhnlich gleich-
falls theilt. In vielen Fällen halten beiderlei Theilungsprocesse
völlig gleichen Schritt, so dass neben jedem weiblichen Ei eine
männliche Samenzelle gefunden wird, doch im Allgemeinen ist die
Zahl der letztern eine geringere. Ob die einzelnen Samenzellen,
wie die Eier, in einer gemeinschaftlichen Umhüllung liegen, konnte
auf dem Wege der Beobachtung nicht entschieden werden. Eine
jede Samenzelle bildet ein Bündel zarter Fäden, die da, wo die
Theilung erst spät , nach Ausbildung der Samenelemente vor sich
geht, gleichfalls mit getheilt werden, und schwillt dabei zu einer
sehr ansehnlichen Grösse an. Bewegungen konnten an den Samen-
fäden nicht beobachtet werden. Ebenso wenig gelang es jemals
diese Gebilde frei in der Leibeshöhle oder im Nucleus aufzufinden.
Allerdings enthält der letztere bisweilen stäbchenförmige Körper-
chen, die von früheren Beobachtern auch wohl als Samenfäden ge-
deutet wurden, allein dieselben sind von den wahren Samenelemen-
ten verschieden und werden als Vibrionen in Anspruch genommen.
Auch die Hoden sollen mitunter solche Vibrionen enthalten. Dass
der Zahl dieser parasitischen Geschöpfe nach der Ansicht unseres
Verf. 's auch die acinetenförmigen Jungen der Infusorien zugehören,
ist schon oben bemerkt worden. Die einzige Veränderung, die Verf.
an den befruchteten Eiern bemerkt hat, besteht in dem Schwunde
des Keimbläschens. Sonst behalten dieselben ganz ihre frühere Be-
schaffenheit, so lange sie im Körper ihrer Mutter verweilen. Ue-
brigens hat Verf. das Eierlegen nicht gesehen; er erschliesst es
bloss aus dem Umstände , dass die Zahl der Eier einige Zeit nach
der Begattung sich immer mehr verringert, und wird in dieser Auf-
fassung dadurch bestärkt, dass er in den Behältern, in denen er
Infusorien nach der Begattung isolirt hatte, einige Male Körperchen
auffand, die ganz die Beschaffenheit der befruchteten Eier besassen.
Was wir im Voranstehenden ausgezogen haben, dürfte so
ziemlich die Hauptresultate des vorliegenden wichtigen Werkes ent-
halten. Daneben giebt es allerdings noch zahlreiche interessante
Einzelnheiten, für die wir auf das Original verweisen müssen. Nur
das Eine wollen wir noch erwähnen, dass Verf., einer beiläufigen Be-
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 265
merkung zu Folge, den Infusorien einen weiten Darmschlauch vin-
dicirt, der in einer geräumigen Leibeshöhle gelegen sei und diese
fast völlig ausfülle.
Wenn oben angegeben wurde, dass die Differenzen,
die in der Lehre von der geschlechtlichen Fortpflanzung
der Infusorien bis jetzt bestanden, ihrer Ausgleichung
entgegen gingen, so bezog sich das zunächst auf den Um-
stand, dass Stein durch fortgesetzte und erneuerte Un-
tersuchungen jetzt gleichfalls zu der Ansicht von der
geschlechtlichen Natur der scheinbaren Längstheilung
(Syzygie St.) bekehrt wurde. Allerdings ist dadurch eine
vollkommene Conformität mit Balbiani noch keines-
wegs hergestellt. Dass die Syzygie eine Begattung sei,
wird von unserem Verf. auch jetzt noch in Abrede ge-
stellt. Derselbe betrachtet sie als eine Art Conjugation,
durchweiche die geschlechtlicheZeugung vorbereitet werde,
und sieht einen Beweis für die Richtigkeit dieser Auf-
fassung u. a. darin, dass er bei Paramaecium mitunter
drei Individuen zu einem gemeinschaftlichen Körper von
prismatischer Form vereinigt sah. Auch die eigenthüm-
liche Form der Syzygie bei Stylonychien und Euploten
wird in diesem Sinne gedeutet. Nicht bloss nämlich, dass
hier die beiden 'Individuen am Vorderende mit einander
vollständig verschmelzen, wie Balbiani angiebt, viel
auffallender ist es , dass während der Syzygie hier in
jedem der beiden ursprünglichen Individuen mit einem
besondern Peristom ein neues kleineres Individuum an-
gelegt wird, welches, wenn alle seine wesentlichen Organe
vorhanden sind, sich mehr und mehr ausdehnt, während
die noch übrigen Reste der ursprünglichen Individuen nach
und nach resorbirt werden. Aber noch vor vollständiger
Resorption dieser Reste reissen die neuen Individuen los,
um nun die eigentliche geschlechtsreife Generation zu re-
präsentiren. Sitzungsber. der Kön. Böhmischen Gesellsch.
der Wissenseh. 1861. Dec. S. 62.
Ebendas. berichtet Stein auch vOn der geschlechtlichen Fort-
pflanzung und den Embryonen der Stentoren, die nur an der vor-
deren Hälfte ihres walzenförmigen Körpers Wimpern tragen, hinten
aber bis auf einen Kranz von 8 -9 fingerförmigen und geknöpften
266 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Tentakeln völlig nackt sind. Die Hoden der Stentoren, die Bal-
biani beschreibt und abbildet, scheint Verf. nicht beobachtet zu
haben; er ist wenigstens geneigt, einzelne Exemplare mit spindel-
förmigen Körperchen in den blasig oder schlauchartig entwickelten
Theilstücken des Nucleus für männliche Individuen zu halten.
Noch bestimmter glaubt sich Stein von dem geschlechtli-
chen Dualismus der Vorticellineu überzeugt zu haben. Schon frü-
her hatte derselbe mehrfach bei diesen Thieren kleine knospenar-
tige Auswüchse beobachtet, die auf ihrer Spitze eine Oeffnung be-
sassen; er findet nun jetzt, dass diese Auswüchse immer nur bei
solchen Exemplaren vorkommen, deren Nucleus in zahlreiche kleine
ovale Körperchen zerfallen ist, die zum Theil auch in den Innen-
raum der Auswüchse übertreten. Da ähnliche Körperchen bei den
mit Embryonalkugeln versehenen Thieren in einer eigenen kleinen
Aushöhlung hinter dem sog. Vorhofe gesehen wurden, glaubt Verf.
dieselben als Samenelemente in Anspruch nehmen zu können. A. a.
0. 1859. S. 85.
Ueber die Embryonalkugeln der Trichodinen vergl. ebenda-
selbst S. 87.
Wie St ein, so sieht auch Engel mann die von ihm
bei Zcahlreichen Infusorien beobachtete und sorgfältig
studirte Syzygie als eine Conjugation an, durch welche
die geschlechtliche Fortpflanzung vorbereitet werde. Zur
Naturgesch. der Infusorien, Zeitschrift für wiss. Zool.
Bd. XL S. 347—393 mit 4 Taf. Abbild.
Bei den Oxytrichinen und Euplotinen sind die Thiere nach der
Trennung äusserlich und innerlich stets ganz andere, als sie bei
Beginn der Copulation waren, doch gehen sie nach einigen Tagen
allmählich wieder in die ursprüngliche Form zurück. Die übrigen
holotrichen Infusorien zeigen nach der Copulation entweder gar
keine oder doch nur sehr geringe und bald schwindende äussere
Veränderungen. Neben der geschlechtlichen Conjugation, bei der
die Thiere immer nur mit einem je nach der Lage des Mundes
grösseren oder kleineren Theile des Vorderkörpers verschmelzen, un-
terscheidet Verf. übrigens noch eine zweite Form, die mit der ge-
schlechtlichen Fortpflanzung keinerlei Zusammenhang habe und in
der vollkommenen Verschmelzung zweier Individuen zu einem ein-
zigen Thiere bestehe. Verf. beobachtete dieselbe namentlich bei
gewissen Oxytrichinen, bemerkt aber dabei, dass sie wahrscheinlich
auch den Aspidiscinen, Vorticellinen und Acinetinen zukomme. — Die
Schwärmsprösslinge derAcineten sind nach unserem Verf., wie nach
Balbiani, das Resultat einer ungeschlechtlichen Fortpflanzung.
Sie entstehen nicht aus Eiern oder Embryonalkugeln, sondern, wie
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 267
schon früher mehrfach constatirt ist, durch Umlagerung eines zapfen-
förmigen Fortsatzes des mütterlichen Nucleus. Ob solches aber auch
für die von Claparede beobachteten kleine Schwärmsprösslinge
gilt, ist zweifelhaft. Dem Anscheine nach nehmen diese letzteren
ohne Zuthun des mütterlichen Parenchyms aus der Substanz des
Kernes ihren Ursprung, wie das Verf. auch für die geschlechtlich er-
zeugten Embryonen der übrigen Infusorien behauptet. Balbiani's
Zweifel an der legitimen Abstammung dieser Jungen scheinen dem
Verf. trotz der unverkennbaren Aehnlichkeit mit Acineten grundlos.
Die Umstände , unter denen diese Schwärmsprösslinge sich ent-
wickeln und den Körper ihrer Träger verlassen, sprechen vielmehr
alle für deren Abstammung aus den Embryonalkugeln. Ueberhaupt
findet der Verf. keine Veranlassung, von der Darstellung abzugehen,
die Stein von der geschlechtlichen Fortpflanzung der Infusorien
gegeben hat. Bei Paramaecium und Chilodon konnte er auch die
Anwesenheit von Samenfäden im Nucleus vollkommen bestätigen. Sie
waren stäbchenförmig mit einem schwach abgesetzten etwas dicke-
ren Vorderende und einer Länge von 0,004 Mm. Die von Stein
bei vielen Oxytrichinen beobachtete spaltförmige Höhle im Nucleus,
deren Anwesenheit Verf. vollständig bestätigt, — Balbiani be-
trachtet diese Spalträume als Zeichen einer Theilung — scheinen ihm
für das Eindringen der Samenfäden nicht ohne Bedeutung.' Bei
Onychodromus gelang es übrigens auch die von Balbiani wahr-
scheinlicher Weise ganz richtig als Geschlechtsöffnung gedeutete
Spalte auf dem Peristomfelde aufzufinden. Carchesium aselli lässt
seine Embryonen gleichfalls durch eine Spalte in der Nähe des Pe-
ristomrandes hervortreten. Dieselben sind äusserst klein, von rund-
licher Form und am vorderen Bande mit einer oder zweien Zonen
von langen Wimpern versehen. Ueberhaupt liefert Verf. mancherlei
schätzbare und interessante Beiträge zur Vervollständigung unserer
Kenntnisse von den Fortpflanzungsverhältnissen der Vorticellen. (Was
er früher einmal als einen eben ausschlüpfenden Embryo beschrie-
ben hatte — vergl. J. B. für 1859. S. 248 — hat er inzwischen als
die aus dem heftig contrahirten Thiere hervorgequollene Wimper-
scheibe erkannt.) Auch über das Vorkommen und die Verbreitung
des Nucleolus bei den Infusorien macht Verf. zahlreiche neue An-
haben, für die wir, wie überhaupt für alle Einzelnheiten, auf die vor-
liegende reichhaltige Arbeit selbst verweisen müssen.
Die ;,Notes and corrections on tlie Organisation of
Infusoria^ von Gart er (Ann. and Mag. nat. bist. T. VIII.
p. 281—290) enthalten eine Reihe von Bemerkungen und
Verbesserungen früherer Angaben.
Zunächst berichtigt Verf. die Angabe von der Existenz be-
268 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgescliichte
sonderer Leberzellen bei Ostotoma (J. B. für 1856. S. 275) daliin,
dass die Körper, die damals in dieser Weise gedeutet wurden, blosse
Sarcodetropfen gewesen seien. Die contractile Blase wird nach wie
vor als Excretionsorgan betrachtet und mitsammt dem analogen
Gebilde der Rotiferen, das nach den Beobachtungen des Verf. seinen
Inhalt in das umgebende Wasser entleert und nicht von da auf-
nimmt, als Niere in Anspruch genommen. Die Beobachtung leben-
diger kleiner Yorticellen im Innern von Amöben erinnert an das
Verhältniss von Epistylis zu dem gefrässigen Amphilej)tus und wurde
jetzt auch vom Verf. dahin gedeutet, dass die Amoeba ihre Insassen
nicht erzeugt, sondern gefressen habe. Ebenso glaubt Verf. die
„acinetenartige Embryonen" von Stylonychia, Nassula u. a. als pa-
rasitische Formen betrachten zu müssen , wie er sich denn auch
davon überzeugt hat. dass die von ihm beschriebene Umwandlung
des Protoplasma und des Chlorophylles von Chlamydococcus u. a.
Algen in Bhizopoden gleichfalls auf einem derartigen Parasitismus
beruhe.
Ehrenberg wiederholt seine Ansichten von dem
Baue der „Poly-gastern'^ und glaubt namentlich die Exi-
stenz eines von eigenen Wandungen umschlossenen Darm-
kanales durch Beschreibung und Abbildung von 27 Jahre
alten mikroskopischen Präparaten, die durch methodische
Auftrocknung gewonnen wurden, bei Ophrjdium und Epi-
stylis nachweisen zu können (Abhandl. der Berl. Acad.
1862. S. 47).
Man sieht an den Abbildungen ausser den mit Carmin oder
Indigo erfüllten „Magenbiasen" ein gestrecktes oder (Epistylis) .ge-
krümmtes bandförmiges Organ, das augenscheinlicher Weise imbi-
birt und nicht mit körnigem Farbstoffe gefüllt ist. Es wird als
Vorderdarm in Anspruch genommen , obwohl es nirgends — mit
Ausnahme einer einzigen Stelle — mit den Magenblasen in nach-
weisbarem Zusammenhange steht , und überhaupt Nichts Anderes
als den sog. Nucleus darstellt. Ebendaselbst wird auch eine Anzahl
von Diatomeen mit Farbepartikelchen im Innern abgebildet und
der sog. Nabel, der nach seinem optischen Verhalten eine Verdickung
ist, als eine trichterförmige Oeffnung gedeutet. Dass die Diatomeen
unter gewissen Umständen Farbemasse aufnehmen, ist unzweifelhaft
(und auch in unsern Berichten mehrfach anerkannt) , allein daraus
folgt am Ende deren thierische Natur noch nicht mit zwingender
Nothwendigkeit. Wissen wir doch, dass auch die Lymph- und Blut-
körperchen gelegentlich Farbepartikelchen in ihr Inneres einschlies-
sen, wie das in neuester Zeit namentlich von Häckel mehrfach
beobachtet wurde (Radiolarien S. 103. Anm.).
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 269
Engelmann machtauf das Vorkommen zahlreicher
unzweifelhafter Kerne in der äusseren Hülle der Nocti-
lucen aufmerksam und schliesst daraus auf die Yielzellig-
keit dieser Geschöpfe. Auch die im Innern des Körpers
radienartig hinziehende Sarkodemasse , wie das Gewebe
des schwingenden Fadens glaubt derselbe als das Produkt
einer Zellendifferenzlrung in Anspruch nehmen zu kön-
nen. Zeitschrift für wiss. Zool. Bd. XII. S. 564—566.
lieber das Verhalten, des Stielmuskels der Vorticel-
len in polarisirtem Lichte vergl. Rouget, Journ. de phy-
siol. T.V. p.218.
D'Udekem beginnt die Herausgabe einer Descri-
ptlon des Infusoires de la Belgique mit der Familie der
Vorticellinen (Mem. Acad. roy. deBelg. T. XXXIV. 32 S.
und 5 Tafeln in Quartoj.
In der Einleitung desavouirt der Verf. die von ihm früher
vertretene Acinetentheorie, von deren Unhaltbarkeit er vorzugsweise
dadurch überzeugt wurde, dass er Gelegenheit fand, die Abstammung
der Epistyliskapseln von Amphileptus in der von Lachmann und
Claparede beschriebenen Weise zu constatiren. Unter den von
unserem Verf. beobachteten und beschriebenen 36 Arten werden als
neu aufgezählt: Vorticella brevistyla, V. sphaerica, Zoothamnitim
macrostylum auf Asellus aquaticus, Z. elegans, Epistylis pyriformis
auf Tipulaceenlarven, E. iubefecis, Cothurnia pyxidiformis, C. val-
vata, C, gigantea, C. globosa, Gerda fixa, G- inclinans.
Ehrenberg macht in der Gesellsch. naturf. Freunde einige
Mittheilungen über ein neues mit Vaginicola verwandtes Infusorium,
das statt der wirbelnden Stirnscheibe einen dünnen und langen
fadenförmigen Stirnfortsatz besitzt, dessen Anfang und Ende Flim-
merhaare trägt, während die Mitte kammartig steif bewimpert ist.
Zur Bezeichnung dieser neuen Thierform wird der Name Drepa-
nidinm pectinatum in Anwendung gebracht. Bonplandia 1861. S. 317.
Strethill Wright beschreibt zwei neue Arten
Lagotia (== Freya)^ L. ohstetrica und L. stylifer, und be-
richtet über die Art und Weise, wie diese Thiere ihre
Schale mittelst der flimmernden Kopflappen aufbauen.
Ausser der Chitinlage, die sich bei L. producta in ein
spiraliges Band auflöst , unterscheidet man in derselben
noch eine sarkodeartlge innere Schleimschicht. Edinb. new
270 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschiclite
phil. Journ. T. XVI. p. 153, Journ. micr. sc. 1862. p. 219.
Tab. IX.
Nach Stein gehören übrigens die von Wrigbt
früher unterschiedenen Species des Gen. Lagotia wahr-
scheinlich sämmtlich — nur in Betreff der L. atropurpurea
ist Verf. zweifelhaft — mit Freya aculeata und Fr. ampulla
derselben Species an, und zwar der Vorticella ampulla 0.
Fr. Müll., die schon 1824 von Bory St. Vincent zum
Typus eines besondern Gen. Folliculina (F. ampulla) erho-
ben wurde. In Uebereinstimmung mit unserem Berichte
sucht Stein die nächsten Verwandten dieser zierlichen
Thiere in dem Geschlechte der Stentoren, das mit dem Gen.
Folliculina am besten zu einer eigenen kleinen Familie der
heterotichen Infusorien (Stentorina) verbunden werde. Amtl.
Bericht über die Karlsbader N. F. V. S. 161.
Ebenso überzeugte sich Stein auch von der Identität des
Stentor multiformis (Vorticella 0. Fr. Müll.) und St. coeruleus, der
seinerseits wieder mit St. polymorphus, Mülleri und Roeselii zu-
ßammenfällt. A. a. 0.
Das Gen. Tintynnus muss nach Stein dagegen aus
der Familie der Stentorinen entfernt und den peritrichen
Infusorien zugerechnet werden, da es, von dem adoralen
Wimperapparate abgesehen, einen wesentlich nackten Leib
hat. Am deutlichsten ist dieses bei T. fluviatUiSj die mit
ihren gallertartigen Hülsen im Siisswasser lebt (Prag)
und jederseits nahe am vorderen Körperende nur einige
steife, nicht wimpernde Borsten trägt, während T. inqui-
linus auf der einen Körperseite nach vorn zu, auf der
andern nach hinten zu eine Längsreihe feiner Wimpern
besitzt, mittelst deren sich das Thier in der Hülse auf-
und abbewegen kann. Eine dritte neue Art, die vielleicht
ein besonderes Genus bildet, und frei ohne Hülse (bei
Wismar) beobachtet wurde, war auf dem Körper mit dicht
stehenden Längsrippen versehen, die äusserst kurze Wim-
pern trugen.
Die von Ha e ekel beobachteten Tintynniden mit gitterförmig
durchbrochener Kieselschale (J. B. 1860. S. 367) gehören nach einer
späteren Angabe unseres Verf.'s zum Theil der von Ehrenberg
gegründeten Gattung Dictyocysta an. Besonders häufig ist bei
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 271
Messina eine Art, welche J. Müller schon 1841 im Danninhalte
von Comatula auffand und mit einer Kanzel verglich. Radiolarien
S. 140. Anm.
Unter dem Genusnamen Mesodinium charakterisirt Stein
(amtl. Bericht a. a. 0.) ein sehr kleines, in sumpfigen Gewässern
nicht seltenes peritriches Infusorium, dessen ganz nackter Körper
durch eine etwa vor der Mitte gelegene Einschnürung in ein klei-
nes kopfartiges und ein grösseres hinterleibsartiges Segment ge-
theilt ist. In der ringförmigen Einschnürung stehen sehr lange
griffelartige Wimpern, mittelst deren das Thier ebenso geschickt
spinnenartig kriechen, wie auch sich weit fortschnellen kann. Der
Mund liegt am vorderen Ende des Kopfes, der After am hinteren
Körperende.
Das ebendaselbst aufgestellte neue Gen. Peritromus St.
enthält eine höchst interessante marine lufusorienform (von Wismar),
die bei dem ersten Anblicke wie Chilodon cucullus aussieht, sich
aber dadurch vor allen anderen Infusionsthierchen auszeichnet, dass
sie das Vermögen besitzt, von der gesammten Peripherie plötzlich
heftig zusammenzuschnellen, so dass der Körper unter Bildung con-
centrischer Falten einen viel kleineren Umfang einnimmt. Die Be-
wimperung des nierenförmigen Thieres gleicht ganz der von Chilodon
cucullus, es ist aber eine genau eben solche Zone langer adoraler
Wimpern vorhanden, wie bei Kerona polyporum. Das neue Thier
liefert den Beweis, dass die der Familie der Chlamydodonten von
Stein im Systeme angewiesene Stelle unter den hypotrichen In-
fusionsthierchen die richtige war.
Die der Länge nach zusammenschnellenden Oxytricha - Arten
Cl. und L's. bilden nach Untersuchung einer hieher gehörenden
(wahrscheinlich mit Trichoda felis 0. Fr. M. identischen) Art ein
neues durch schiefe parallele Bauchwimperreihen charakterisirtes
Genus Epiclintes St. Ebendas. S. 162.
Oxytricha longicaiidata und Cliaelospira marina, zwei neue
Meeresinfusorien vgl. S tr. Wri ght, Edinb. new phil. Journ. T. XYI.
p. 155, Journ. micr. sc. 1862. p. 220. PI. IX.
Ref. findet in dem Dickdarme des Schweines ein
Flimmerinfusorium , das ihm mit dem von Malmsten
zwei Mal bei dem Menschen beobachteten Paramaecium (?)
coli identisch scheint. Die Mnndöffnung bildet eine weite
Spalte von dreieckiger Form, die nicht seitlich angebracht
ist , sondern median liegt, so dass das Thier unmöglich
dem Gen. Paramaecium zugerechnet werden kann. Bei
der grossen Häufigkeit, in der dasselbe den Darm eines
272 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschiclite
jeden Schweines bewohnt^ darf man letzteres wohl als
den gewöhnlichen Träger des Parasiten in Anspruch neh-
men und das Vorkommen bei dem Menschen nur als
Ausnahme ansehen. Archiv für Naturgeschichte 1861. I.
S. 80—86 mit Abbild._, oder Ann. and Mag. nat. hist.
Vol. VIII. p. 473. MenschL Parasiten I. S. 146.
Stein theilt (Amtl. Ber. Karlsb. N. F. V. S. 165)
die Ansicht des Ref., dass dieses im Mastdarme des Schwei-
nes so häufig vorkommende Infusorium mit Malmst en's
Paramaecium (?) coli identisch sei, hat sich aber weiter
davon überzeugt, dass die am vordem Körperende gele-
gene kurze Mundspalte, die vielleicht richtiger als Peri-
stom zu bezeichnen sei , linkerseits längere und stärkere
Wimpern besitzt, wie Balantidium entozoa Clap. L., dem
das fragliche Infusorium auch sonst so nahe stehe, dass
man es füglich demselben Genus einverleiben könne.
(Bei einer früheren Gelegenheit, Sitzungsber. der Königl.
Böhmischen Gesellsch. der Wiss. 1860. S. 44, glaubte Stein
das sog. Paramaecium coli als ein Leucophrys in Anspruch
nehmen zu dürfen.)
Das Genus Balantidium ist übrigens reicHer an Arten, als man
bisher annahm. Stein kennt noch zwei andere: B. elongatinn aus
dem Mastdarme der Tritonen und B. duodeni aus dem Dünndarme
von Eana esculenta , eine Art, die den üebergang zu Nyctotherus
Leidy bildet, dem ausser N. ovalis und N. velox (J. B. XXI.
S. 100) auch noch Plagiotoma cordiformis Cl.-L. und - PL Gyoryana
Cl.-L. zugerechnet werden müssen. Die Gattung Plagiotoma Duj.
ist einzig auf das im Darmkanale der Kegenwürmer schmarotzende
PI. lumbrici zu beschränken, das einen wesentlich anderen Bau be-
sitzt, als die Arten des Gen. Nyctotherus.
Stein gelang es, durch einen glücklichen Zufall
die vielfach (auch von ihrem Entdecker selbst) verkannte
Leucophrys patula Ehrbg. wiederzufinden und sich davon
zu überzeugen, dass dieselbe eine selbstständige gute Art
repräsentire. Vergl. Sitzungsber. der K. Böhm. Gesellsch.
der Wissensch. 1860. S. 44.
Ebendaselbst wird unter dem neuen Genusnamen
Gyrocyrus eine sehr sonderbare Infusorienform be-
schrieben, die den Trichodinen verwandt scheint und
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 273
möglicher Weise mit Caenomorpha medusula Perty iden-
tisch ist.
Körper birnförmig, mit schwach vorspringender Kante, die sich
in einen spiralig um den Leib gewundenen, anscheinend glocken-
förmigen Mantel fortsetzt. Vorn ein stark flimijaerndes Peristom.
Der ganze freie Hinterrand des Mantels trägt eine einfache Reihe
locomotiver Wimpern. Das hintere Körperende in einen pfriemen-
förmigen, leicht spiralig gedreheten Schwanz verlängert.
In der umfangreichen Gruppe der holotrichen Infu-
sorien unterscheidet Stein ausser einigen bis jetzt noch
nicht näher zu charakterisirenden Typen vier Familien, die
Opalinen, Enchelinen, Trachelinen und Cinetochilinen.
Die erstem sind bekanntlich mundlos, die zweiten mit ter-
minalem, die übrigen mit bauchständigem Munde verse-
hen, der bald einfach ist (Trachelinen), bald auch eine un-
dulirende Hautfalte trägt (Cinetochilinen). Sitzungsber. d.
K. Böhmischen Gesellsch. der Wiss. 1860. S. 56.
Zu der Familie der Opalinen gehören ausser dem Gen. Opa-
lina s. st. (0. ranarum et 0. dimidiala n. sp.) , bei denen die con-
tractile Blase fehlt und die Stelle des Kernes durch zahlreiche kleine
kernartige Gebilde vertreten ist, das Gen. n. D is c ophry a mit
Saugscheibe, H oplit ophry a mit mehr oder minder w inklich ge
bogenen Hornstacheln, Anoplophrya, das bis auf contractile Be-
hälter und Nucleus mit Opalina übereinstimmt. Die Familie der
Enchelinen setzt sich aus Prorodon, Holophrya, Urotricha, Perispira
St., Plagiopogon St., Coleps, Enchelys, Enchelyodon, Lacrymaria,
Trachelocerca und Trachclophyllum zusammen, die Fam. der Tra-
chelinen aus Dileptus, Trachelius, Loxodes, Loxophyllum und Am-
phileptus, die der Cinetochilinen aus Lembalion, Pleuronema, P l a-
giopyla n. gen., Cinetochilum, Trichoda, Pleurochilidium n.
gen., Glaucoma und Ophryoglena.
P l a g i opyl a St. hat viele Uebereinstimmung mit Pleuronema,
doch ist das Peristom nicht longitudinal, sondern quer, vom rechten
Seitenrande bis fast zur Körperachse verlaufend {PL nasula n. sp.).
Plevrochilidium St. ist durch einen starren, sehr platt-
gedrückten Körper von Nierenform ausgezeichnet , der sich nach
vorn verdünnt und in der rechten Körperhälfte schief abgestutzt
ist. Die Mundöffnung, ein kurzer, fast ohrförmiger Längsspalt dicht
am rechten Seitenrande {PI. strigilalnm n. sp.).
Wie diese beiden neuen Genera, so werden übrigens auch die
andern Trachelinen nach neuen Beobachtungen sorgfältig charakteri-
Archiv f. Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. S
274 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. NaturgeschicMe
sirt, und von Ophryoglena zwei neue Arten, 0. oblonga und 0. coeca,
beschrieben.
Das neue Gen. Ptychostomum St. wurde auf
ein holotricLes Scbmarotzerinfusorium gegründet, das in
dem Darmkanale von Saemiris lebt und einen^ stark ab-
geplatteten nierenförmigen Körper hat, der in ganzer
Länge gestreift und mit verhältnissmässig dichten Wim-
pern besetzt ist. Der Mund nimmt geöffnet fast das ganze
vordere Ende der Baucbfläche in Anspruch und gleicht
dabei einem flachen Saugnapfe. Am abgestumpften Hinter-
leibsende ein undulirender Hautsaum. Sitzungsber. der K.
Böhmischen Gesellsch. der Wiss. 1860. Dec. S. 61.
Später (ebendas. 1861 Juni S. 85) fügt Stein dieser ersten
Art (Pr. saenuridis) noch eine zweite aus dem Darmkanale von Pa-
ludina impura und simiHs hinzu: Pt. paludinarum. Auch Trichodi-
nopsis paradoxa CL-L. scheint dem Gen. Ptychostomum zuzugeho-
ren obwohl der undulirende Hautsaum hier eine andere und stär-
kere, saugnapfartige Entwickelung hat. Das Pt. Paludinarum ist
übrigens wahrscheinlich schon von de Filippi beobachtet und als
Trematodenembryo beschrieben. Ein gleiches Schicksal hat bekannt-
lich auch die sog. Leucophrys Anodontae Ehrbg. gehabt, die aber,
als holotriche Form, dem Gen. Leucophrys nicht belassen werden
darf und am besten als Typus eines hesondevn Gen. Co nchopht hi-
rus betrachtet wird. Das von Steenstr u p in den Fühlern von
Succinea amphibia beobachtete und ebenfalls mit Cercarienammen
in Beziehuno- gebrachte Infusorium gehört zu demselben Genus
(C Steenstrupi St.), das mit Ptychostomum und Isotricha viel-
leicht am besten eine eigene kleine Familie bildet. Die zwei schon
früher unterschiedenen Formen des (bekanntlich im Pansen der
Wiederkäuer schmarotzenden) Gen. Isotricha werden jetzt als zwei
besondere Arten, I. intestinahs und I. prostoma, m Anspruch ge-
nommen. o •
Auch aus der Familie der Opalinen beschreibt Stein einige
neue Arten: Hoplitophrya securiformis , H. secans und //. pungens,
die beiden ersten aus dem Darme von Lumbriculus variegatus, die
'letzte aus Saenuris variegata. A. a. 0. S. 1861. Juni.
Claparede beobachtete gleichfalls zahlreiche Opalmen (Rech,
anatom. sur les Annelides etc. p. 85-89): Opal, lineata Schnitze aus
Clitellio arenarius (die übrigens von der gleichnamigen Art Lac n-
mann'sund Clapa rede's verschieden ist, wesshalb für letztere
jetzt der Name Op. prolifera vorgeschlagen wird), 0. filum ebendah
0 ovala aus Phyllodoce sp., 0. convexa gleichfalls aus emer Phyl-
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 275
lodoce, 0. pachijdrili aus Pachydrilus verrucosus. In den Samen-
taschen von Clitellio arenarius wurde eine Art beobachtet, die sich
durch Differenzirung des Körpersparenchyms in Rindenschicht und
Marksubstanz 5 so wie durch Abwesenheit der Prolification an das
sonst ganz isolirt stehende Gen. Dicyema (J. B. für 1857. S. 188)
anschliesst. Yerf. benennt dieses Thier mit dem Genusnamen P a-
chyd er m on {P. acuminatum) und fügt demselben später (Rech. anat.
Oligochetes p.38. Note) noch eine zweite Art, P. elongalum, hinzu,
die bei CUtellio ater, gleichfalls in den Samenbehältern, gefunden wird.
üeber Opalinen im Darme der Nemertinen und besonders 0.
qnadrata n. sj). vergl. Ke ferst ein, Zeitschrift für wissensch, Zool.
Bd. XII. S.70.
Ein im Mastdarme der Blatta orientalis nicht selten vorkom-
mendes monadenartiges Infusorium mit einem Schöpfe langer wal-
lender und flatternder geisseiförmiger Wimpern wird zum Typus
eines eigenen Gen. Lofhomonas erhoben. Stein, a a. 0. 1861. S. 49.
Ausser den bisher erwähnten neuen Infusorien ha-
ben wir ferner noch eine Anzahl von Arten zu erwähnen,
die Engelmann in der schon oben angezogenen schö-
nen Abhandlung (Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. XL S. 378fiP.)
beschrieben hat.
Chasmatostoma (n. gen.) reniforni e , Lacrijniaria elegans,
Conchophthirus curtus aus dem Körperschleime von Unio crassus,
Microthorax (n. gen.) pusillus, M. svlcatus , Drepanostoma
(n. gen.) striatum, Gastrost yla (n. gen.) Steinii, Pleurotricha se-
tifera, Uroleptis mobilis, U. ayilis, Oxytricha strenua, 0. parallela,
0. micans, 0. similis, Astolyzoon (n. gen.) fallax, Carchesium
aselli, Epistylis nympharum.
Char. n. gen. Chasmatostoma Englm. (Gen. Colpoda äff.)
Körper formbeständig , nierenförmig , etwas plattgedrückt, gleich-
förmig bewimpert. In der Mitte der platten Bauchseite eine ovale
kleine Mundspalte mit innen befestigter undulirender Membran.
M icr 0 thor ax Eglm. (Gen. Cinetochilum et Pleurochilidium
St. a£f.). Körper gepanzert, plattgedrückt, fast oval, hinten breit
abgerundet, gleichförmig gewimpert. Mund in einer rundlichen
Peristomvertiefung in der linken Körperhälf^e dicht vor dem Hin-
terende gelegen. Nucleus und contractiler Raum einfach. Kleine
Thiere.
Drepanostoma Eglm. (Gen. Chilodon äff.). Körper formbe-
ständig, biegsam, langgestreckt, vorn und hinten nach links sanft
verschmälert, mit platter Bauch- und gewölbter Rückenseite. Die
ganze Bauchseite in Längsreihen mit gleich langen Wimpern be-
setzt, die platte Rückenseite trägt nur längs der beiden Seiten-
276 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschiclite
ränder eine Reihe steifer borstenförmiger Wimpern. Mund unter
einer fast sichelförmigen Hornleiste unweit des Vorderendes dicht
am linken Seitenrande gelegen. Zwei Kerne je mit einem Nucleolus ;
kein scharf umschriebener contractiler Raum.
G aslroslyla Eglm. (Gen. Oxj^trichina aif.). Körper formbe-
ständig, elliptisch, nach vorn verschmälert, hinten mehr oder weni-
ger stumpf abgerundet. Fünf bis sechs starke grififelförmige Stirn-
wimpern; eine Reihe borstenförmiger Wimpern zieht sich von rechts
vorn quer über die Bauchseite bis zu den vier oder fünf starken
Afterwimpern , von denen nur wenige den Hinterrand überragen.
Die zwei Randwimperreihen werden nach hinten zu länger und stär-
ker und gehen in einander über. Ausserdem einzelne Bauchwim-
pern. Keine borstenförmige Endwimpern. Yier Kerne.
As tylozo 0 n Eglm. (e fam. Vorticellinorum). Körper contractu,
ungestielt, fast glockenförmig, mit scharf zugespitztem und nach der
Rückenseite geneigtem Hinterende. Oberfläche platt, ein vorstreck-
bares mit einer Wimperspirale besetztes Wirbelorgan ; Peristomrand
wulstig verdickt. Am Hinterrande eine oder zwei starke Schnell-
borsten. Nucleus kurz nierenförmig.
Die im Osterprogramme der Coburger Recalschule
für 1862 von Eberhard beschriebenen und abgebildeten
Infusorien sind von Stein (Sitzungsber. der K. Böhmi-
schen Gesellsch. der Wissensch. zu Prag 1862. Apr.) einer
Critik unterzogen und trotz der neuen Benennungen fast
alle auf bekannte Formen zurückgeführt.
Das Strombidium polymorphum Ebr. ist hiernach = Metopus
sigmoides Gl. et L., Chythridium Steinii Ebr. = Didinium nasutum
St., Sisyridion cochliostoma Ebr- == Bursaria flava Ehrbg., Ophryo-
glena cinerea Ebr. = 0. oblonga St., Balantidium pellucidum Ebr.
= Enchelys sp. , Gystidium titubans Ebr. = Leucophrys patula
Ehrbg. (?) , Hemicyclium lucidum Ebr. = Aspidisca denticulata
Ehrbg. (?). Als neu bleibt nur Loxocephalus Ivridus, Diceras viri-
Jans, Pelecydio7i baibatulvm (von dem Gen. Amphileptus durch die
Lage des Mundes in der Seitenkante des Halstheiles verschieden)
und Siagonophorus loricatus , der letztere Avahrscheinlicher
Weise eine Süsswasserform des Stein'schen Gen. Scaphidiodon.
Ebendaselbst liefert St ei n auch den Nachweis, dass
die von Wrzesniowski in Warschau beobachtete und
(Annal. des sc. nat. T. XVI. p. 327) als neu beschriebene
Leucophrvs Claparedii keine Leucophrys ist und sammt
der L. patula Clap. et L. mit Spirostomum (Climacosto-
mum St.) virens Ehrbg. zusammenfällt. Die von demselben
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 277
Beobachter als neu beschriebene Oxytricha sordida dürfte
nach Stein's Annahme kaum von 0. pellionella ver-
schieden sein. TrachelophyUum apiculatum Cl. et L., das
Wrzesniov^^ski abbildet, um an dem Verhalten der
Kothballen neben der contractilen Blase zu zeigen, dass
letztere eine besondere Membran besitze, trägt nach Stein
einen von den Körperwimpern durchbohrten Gallertmantel.
Sehr eigenthümlich ist ein von Eberth im Darme
der Hühner und Enten aufgefundenes kleines Infusorium,
das besonders in den Lieberkühn'schen Drüsen vorkommt
und diese nicht selten gänzlich ausfüllt. Es hat einen
halbmondförmigen Körper mit verdicktem concaven Rande
und bewegt sich durch die ündulationen des convexen
Randes, der gewissermaassen einen Flimmersaum darstellt.
Die Parasiten haben manche Aehnlichkeit mit den im
Blute der Fische und anderen Kaltblütern vorkommenden
Flimmerkörpern, so wie mit Valentin's Trypanosoraa.
Zeitschrift für wiss. Zool. Bd. XI. S. 99 mit Abbild. (Ref.
möchte zur systematischen Benennung den Genusnamen
Sae7i olophus — 8. Eherthi — vorschlagen und fügt
hinzu, dass die von Lambl in dem Darmschleime eines
an Enteritis verstorbenen Kindes beobachteten amöbenar-
tigen Körper zum Theil sehr auffallend an die Eberth'-
schen Parasiten erinnern. Lambl, aus dem Franz-
Joseph-Kinder-Spitale in Prag I. S.363. Tab. XVIII. Vgl.
auch Leuckart, menschl. Parasiten I. S. 140.)
Nach den Beobachtungen von Hick's sollen die
Schwärmlinge des Volvox globator in gewissen Fällen ge-
gen Ende des Herbstes statt der eingekapselten Winter-
sporen einen Haufen ruhender Zellen produciren, die
ohne bestimmte Ordnung in einer gemeinschaftlichen Ge-
linmasse eingebettet sind und durch fortgesetzte Theilung
mitunter zu ansehnlichen Colonieen heranwachsen. Quar-
terly Journ. micr. sc. 1861. p. 281.
Derselbe wiederholt seine früheren Angaben über
den amöboiden Zustand von Volvox (vgl. J. B. 1860. S. 369)
und glaubt jetzt auch den Uebergang dieser Amöboiden in
sphäroidale Flimmerkörper beobachtet zu haben. Aehn-
278 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
liehe Beobachtungen werden von Algen und anderen Ve-
getabilien beigebracht. Ibid. 1862. p. 96. PI. IV. Ref.
kann den Verdacht nicht unterdrücken, dass es sich hier
um gewisse — auch von andern Forschern, besonders Car-
ter und Pringsheim, unter ähnlichen Verhältnissen ge-
sehene — Schmarotzer handele, und wird auch durch die
vom Verf. dagegen beigebrachten Gründe nicht von der
Richtigkeit seiner Auffassung überzeugt.
Unter dem Titel „vegetabilische Quellen von Infu-
sorien^ theilt W e i s s e (Melanges biolog. Bull. Acad. imp.
Petersbg. T. IV. 1861. Sept.) ein paar Beobachtungen über
Schwärmsporen mit, die theils das weit verbreitete Schma-
rotzergenus Chytridium, theils auch Pringsheim's Py-
thium entophytum betreffen und, wie unser Verf. selbst jetzt
angiebt, darauf hinweisen, dass unter den kleineren In-
fusorien, besonders Monaden, mancherlei vegetabilische
Elemente versteckt sein mögen, die bisher für Thiere ge-
halten worden sind.
Abweichend von Weisse (und Pringsheim) glaubt
Carter übrigens die beweglichen Körper im Innern von
Pythium als Parasiten ansehen zu müssen, die das Proto-
plasma nach Amöbenart in sich aufnehmen. Ann. and
Mag. nat. bist. T. VIII. p. 289.
Rhizopoda.
Wir haben in unserem vorjährigen Berichte der An-
sichten gedacht, die M. Schnitze über den Bau und die
Zusammensetzung der Protozoen aus mehr oder minder
zahlreichen und verschieden differenzirten Protoplasma-
klümpchen ausgesprochen hat. Es scheint, dass der Verf.
durch seine Theorie den richtigen Ausdruck für die histo-
logischen Organisationsverhältnisse dieser einfachen Thiere
gefunden und die Widersprüche gelöst hat, die anscheinend
zwischen den empirisch nachgewiesenen Thatsachen und
den Anforderungen der Theorie obwalteten. Nachdem Verf.
seine Ansichten mit specieller Berücksichtigung der Rhi-
zopoden bei Gelegenheit einer Erörterung über die hi-
stologische Natur der sog. Muskelkörpcrchen (Archiv für
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 279
Anat. u. Physiol. 1861. S. 19) nochmals wiederholt hat,
sind dieselben von Ha e ekel in der weiter unten zu er-
wähnenden klassischen Monographie über Radiolarien voll-
ständig adoptirt und durch eine ganze Reihe der minutiöse-
sten Untersuchungen gestützt worden. Auch Ref. erklärt sich
gerne damit einverstanden. Er hat vielfache Gelegenheit
gehabt, durch Beobachtung beschälter Rhizopoden das That-
sächliche der Protoplasmalehre (Bildung, Zusammenschmel-
zen und Einziehen der Pseudopodien, so wie das Phäno-
men der Körnchenströmung) zu bestätigen und findet in
der Annahme von Schnitze durchaus nichts Gezwun-
genes oder gar Ungeheuerliches, wie das von anderer Seite
geschehen ist. (Vgl. Reichert, Sitzungsb. der Berl. Akad.
1862. S. 406, Archiv für Anat. und Physiol. 1862. S. 638).
Es scheint freilich, als w^enn hier mehr ein gewisses aprio-
ristisches Bedenken, besonders die Befürchtung, es möch-
ten die festen Errungenschaften der Zellentheorie in den
seit den Zeiten der Naturphilosophen vergessenen „Ur-
schleim^ versinken, zu Gerichte gesessen habe, als die
Unbefangenheit der Beobachtung. Allerdings beruft sich
Reichert bei seiner Opposition auf Beobachtungen, die
er bei einer nicht näher bestimmten Triestiner Miliola
und Rotalia angestellt habe, allein der böse Zufall muss
unserem Berliner Histologen gar ungüstige Objecte vor-
geführt haben. Er würde sonst wohl kaum gewagt ha-
ben, das Zusammenfliessen der Scheinfüsse und die Körn-
chenströmung für eitel Trug zu erklären und die An-
nahme solcher Vorgänge auf Rechnung einer optischen
Täuschung zu schieben.
Carpenter bringt die schon im letzten Jahresber.
angezogenen allgemeinen Resultate seiner Foraminiferen-
Untersuchungen von Neuem zum Abdrucke, nat. hist. rev.
1860. p. 185 &.
Die von Carpenter in Gemeinschaft mit Parker
und Rupert Jones herausgegebene Introduction to the
study of the Foraminifera, London 1862 soll eine vollständige
Zusammenstellung unserer heutigen Kenntnisse über die
Foraminiferen bieten und ausser dem Historischen na-
280 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
mentlich die Naturgeschichte und die Wachsthumsver-
hältnisse derselben sorgfältig erörtern. Ref. hat bis jetzt
noch keine Gelegenheit gehabt, das (von • der Ray Society
publicirte) Werk einzusehen. Er kennt bis jetzt nur die
von Carpenter in der nat. hist. rev. London 1861.
p. 456 — 472 veröffentlichte Abhandlung über die systema-
tische Eintheilung der Rhizopoden, in der Verf. den Nach-
weis versucht, dass die früheren Systeme vonDujardin,
d'Orbigny, Schnitze und Claparede verfehlt sind,
weil dieselben statt der physiologisch wichtigsten Mo-
mente meist nur Punkte von untergeordneter Bedeutung
(Anwesenheit oder Abwesenheit einer Schale, deren ein-
fache oder gekammerte Bildung u. s. w.) berücksichtigten.
Nach Ansicht des Verf.'s unterscheidet man in der Klasse
der Rhizopoden am besten drei Ordnungen, die der Re-
ticularia, Radiolaria und Lobosa mit folgender Charak-
teristik.
1. Reticularia. Der Körper besteht aus einem kör-
nigen Protoplasma von homogener Beschaffenheit, ohne
Schichtung, Kern und contractile Blase. Die Pseudopodien
zeigen dieselbe gleichförmige Structur. Sie entstehen und
vermehren sich durch häufige Verästelung und umschliessen
Alles, was mit ihnen in Berührung kommt. An der Sub-
stanz des Körpers und seiner Ausläufer beobachtet man
eine beständige und regelmässige Körnchenströmung.
2. Radiolaria. Das Körperparenchym beginnt sich
in zwei übereinander liegende Schichten zu differenzi-
ren, von denen die innere (endosarc) halbflüssig und kör-
nig, die äussere (ectosarc) zäh und durchsichtig ist. Im
Innern erkennt man einen Kern und eine contractile
Blase (überall? Ref.). Die Pseudopodien sind mehr oder
weniger strahlenförmig und gewöhnlich nach aussen zu
verdünnt. Sie werden von der Aussenlage des Körperpa-
renchyms gebildet und zeigen nur geringe Neigung zur
Verästelung und Verschmelzung. Eine regelmässige Körn-
chenströmung fehlt, obgleich man nicht selten fremde auf
der Oberfläche anhängende Körnchen sich bewegen sieht.
3. Lobosa. Mit vollständig differenziitcm Endosark
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 281
und Ectosark. Das erstere eine körnige Flüssigkeit, das
letztere mehr oder weniger häutig, mit Kern und con-
tractiler Blase im Innern. Die Pseudopodien bilden sich
in geringer Anzahl und von ansehnlicher Stärke. Sie
erscheinen als lappige Fortsetzungen des Körpers ohne
Verästelung und Verschmelzung. Ihre Ränder sind scharf
begrenzt und zeigen niemals irgend eine Körnchenströ-
mung, obwohl die Körnermasse im Innern hin- und her-
strömt.
Alle drei Ordnungen enthalten neben den beschäl-
ten Formen auch nackte, die erste z. B. das Gen. Lie-
berkühnia , die zweite Actinophrys, die dritte Amocba.
Das letzte Gen. bildet mit den beschälten Arcellen, Dif-
flugien u. a. die Familie der Amoebinen, die einzige, die
wir in der Ordnung der gelappten Rhizopoden unter-
scheiden können. Bei den Radiolarien steigt die Zahl
der Familie auf vier (Actinophryina, Acanthometrina, Po-
lycystina und Thalassicollina). In der Ordnung der Re-
ticularia unterscheidet Verf. zwei Unterordnungen, die
Imperforata , deren Pseudopodien nur von einer Stelle
abgehen, resp. durch ein Loch an der Schale hervortre-
ten, und die Perforata mit siebförmiger Schale, bei denen
die ganze Körperoberfläche Pseudopodien bildet. Die
erstere enthält drei Familien, die Gromida (incl. Lieber-
kühnia) mit häutiger, die Miliolida (incl. Cornuspira) mit
porcellanartiger und die — bis jetzt erst wenig gekannte
— Lituolida mit sandiger Schale. Bei den Perforata hat
die Schale nicht bloss stets eine kalkige Beschaffenheit,
sondern auch eine viel complicirtere Struktur, theils in-
sofern, als eine jede Kammer ihre besondern Wände
hat, die Scheidewände also doppelt sind , theils auch
dcsshalb, weil hier zu dem gewöhnlichen Skelet nicht
selten noch ein Zwischenskelet mit einem besondern
(nutritiven) Röhrensystem hinzukommt. Natürlich, dass
diese Verschiedenheiten neben andern, die sich in dem
Zusammenhange der einzelnen Kammern und den all-
gemeinen Wachsthumsverhältnissen auffinden lassen, bei
der Aufstelhing der einzelnen Familien, die hier freilich
282 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
viel schwieriger ist^ ihren Ausdriick finden müssen. Lei-
der aber hat der Yerf. einstweilen unterlassen, seinen
systematischen Versuch auf diese Familien auszudehnen.
Um so erfreulicher ist es, dass ein deutscher For-
scher, der um unsere Kenntnisse der fossilen Foraminife-
ren hochverdiente Paläontologe Reuss in seinem „Ent-
würfe einer systematischen Zusammenstellung der Fora-
miniferen^ (Wiener Sitzungsber. Bd. 44. S. 355-396) diese
Lücke ausfüllt. Auf die Gestalt der Schale ist dabei
mit Recht ein nur geringes Gewicht gelegt, während die
Struktur derselben, besonders das Fehlen oder die An-
wesenheit von Poren und Porenkanälchen, und deren che-
mische Zusammensetzung als maassgebende Momente be-
nutzt sind. Die Eigenthümlichkeiten des Systemes erge-
ben sich am besten aus der nachfolgenden Ueb ersieht, der
wir nur so viel vorausschicken, dass Verf. (auf Stein's
Autorität hin) ausser den Radiolarien, Proteinen (Gym-
nica und Monocyphia) und Foraminiferen an dritter Stelle
auch noch die Gregarinen der Klasse der Rhizopoden
zurechnet.
Die Foraminiferen werden als Rhizopoden ohne contractile
Blase charakterisirt, deren Pseudopodien sich durch Länge, reich-
liche Verästelung und Anwesenheit einer Körnchen Strömung aus-
zeichneten. Anfangs glaubte Verfasser die Gruppe dieser Foramini-
feren nach der Einfachheit oder Kammerung der Schale in zwei
Abtheilungen (Monomera und Polymera) bringen zu können, einer
angehängten Nachschrift zu Folge hat er sich aber später von der
Unzulänglichkeit einer derartigen Systematik überzeugt und die
ohnehin sehr artenarmen Familien der ersten Abtheilung mit denen
der zweiten verbunden. Dadurch ist namentlich auch möglich ge-
worden, die Formen mit poröser Kalkschale sämmtlich zu einer
gemeinschaftlichen Gruppe zu vereinigen.
A. Foraminiferen mit porenloser Schale.
% Mit sandig-kieseliger Schale.
1. Lituolidea mit den Gen. Ammodiscus R. (einkammrig),
Nubecularia — , Hapl osiiche R. -j-, Lituola — (sämmtlich
vielkammrig).
2. Uvellidea (sämmtlich vielkammrig). Gen. Trochammina — ,
Valvulina — , Verneuüina -|- , Tritaxia U. +, Atax o-
phragmium'R. +? P lec aniumU. -h, Clavulina — , Gau-
dryina, Bigenerina.
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 283
33. Mit compakter porcellanartiger Kalkschale.
3. Squamulinidea (?). Gen. Squamulina (einfach).
4. Miliolidea mit den Unterfamilien:
a) Cornuspiridea. Gen. Cornuspira — (einfach).
b) Miliolidea genuina (sämmtlich, wie auch die folgende
Unterfamilie , zusammengesetzt). Gen. : Uniloculina, Bi-
loGulina — , Spiroculina — , Triloculina — , Qiiinque-
loGulina — .
c) Fabularidea mit dem Gen. Fabularia.
5. Peneroplidea (zusammengesetzt). Gen. Peneroplis — , Verte-
bralina — , Hauerina — .
6. Orbitulitidea (zusammengesetzt). Gen. Cyclolina 4-, Orbi-
tulites — , Orbitulina +, Orbiculina — , Alveolina. —
B. Mit poröser Schale.
21. Mit glasig fein poröser Kalkschale.
7. Spirillinidea (einfach). Gen. Spirillina — .
8. Ovulitidea (einfach). Gen. Ovulites +.
9. Rhabdoidea.
a) Lagenidea (einfach). Gen. Lagena — , Fi ssuri na^. +.
b) Nodosaridea (wie sämmtliche folgenden Unterfamilien
und Familien zusammengesetzt). Gen. Nodosaria — .
c) Vaginulinidea. Gen, Vaginulina — .
d) Frondicularidea. Gen. Frondicularia — , Rhabdo go-
wiwm R. 4-, Amphimorphina +, DentalinopsisB.. -j-,
Flabellina +.
e) Glandulinidea. Gen. Glandulina — , P secadinm R. +,
Lingulina — , Lingulinopsis +.
f) Pleurostomellidea. Gen. Pleurostomella R.
10. Cristellaridea. Gen. Cristellaria — .
11. Polymorphinidea. Gen. Bulimina — , Virgulina — , Poly-
morphina — , Uvigerina — , Strophoconus — , Robertina — ,
Sphaeroidina — , D i m or^hina R. — .
12. Cryptostegia. Gen. Chilo s t omella R. +, All o mor-
phin a R. -{-.
13. Textilaridea. Gen. Textilaria — , Proroporus +, Sagraina+,
Vulvulina — , Bolivina — , Cuneolina +, Gemmulina, Schi-
z op ora R. +.
14. Cassidulinidea. Gen. Cassidulina — , Ehr enh er g i n a R. — .
33. Mit mehrfach poröser Kalkschale.
15. Rotalidea. Gen. Rotalia — , Patellina — , Rosalina — .
Truncatulina — , Planorbulina — , Globigerina — , Spiro-
botrys.
S. Mit kalkiger, von verzweigten Canalsy steinen durchzogener Schale.
284 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Natui'gescliichte
16. Polystomellina. Gen. Polystomella — , Nonionina — , Fu-
sulina +.
17. Nummulitidea. Gen. Nummulites — , Amphistegina — ,
Operculina — , Heterostegina — , Cycloclypeus , Orbitoi-
tes — , Conulites +.
In Betreff derDiganosen sowohl der Familien (die freilich durch
Einreihung der in der ursprünglichen Uebersicht abgetrennten mo-
nomeren Formen mehrfacher Modifikation bedürfen), wie auch der
Gen. — unter denen viele von unserem Verf. zuerst begründet und
emendirt sind — müssen wir auf das Original selbst verweisen. Die
Zeichen + und — hinter den einzelnen Genera beweisen, dass das
betreffende Genus ausschliesslich (+) oder doch zum Theil (— )
fossil ist. Die Gromiden, die anfangs gleichfalls den Foraminiferen
zugerechnet wurden, fehlen in unserer Uebersicht, Sie gehören nach
des Verf. neuster Ansicht zu den Difflugien (Monocyphia).
Auf die Verschiedenheiten in der chemischen Zu-
sammensetzung der Foraminiferenschalen hat übrigens
Verf. schon bei einer früheren Gelegenheit aufmerksam
gemacht (Sitzungsber. der K. Böhmischen Gesellsch. der
Wissensch. 1859. S. 78)^ auch damals schon manche tref-
fende Bemerkung über den systematischen Werth der-
selben angefügt. Bis zu diesen Mittheilungen war man
bekanntlich aligemein der Ansicht, dass die Schalen der
Foraminiferen nur selten und ausnahmsweise Kieselsäure
enthielten^ ein Umstand, der sich dadurch erklärt, dass die
Kieselsäure vielleicht niemals allein, sondern immer mit
einer meist sogar sehr überwiegenden Menge von Kalk-
karbonat vereinigt die Schalensubstanz der Foraminiferen
zusammensetzt.
Parker und Jones setzen ihre werthvollen kriti-
schen Untersuchungen „on the nomenclature of the Fo-
raminifera^' fort und behandeln dieses Mal die Gen. Al-
veolina (Ann. and mag. nat. bist. T. VIII. p. 161—168),
Operculina (ibid. p.229) und Nummulina (ibid. p. 230-238).
Das erstgenannte Gen. betreffend, so glauben die Verff. mit
Rücksicht auf die Gleichmässigkeit der Struktur bei allen von ihnen
untersuchten lebenden und fossilen Formen nur eine einzige Art,
A. melo, annehmen zu dürfen, diese aber je nach der Besonderheit
der äusserem Gestaltung in eine Anzahl von Varietäten zerlegen zu
müssen. Selbst die zahlreich beschriebenen Nummulinenarten —
d'Archiac und Haime führen deren nicht weniger als 55 auf —
der niederen Thiere währ'end der Jahre 1861 — 1862. 285
wollen Verff. auf eine einzige zurückführen, deren Grundform die N.
perforata repäsentiren soll.
Wall ich hebt hervor, dass der Kern der Bilocu-
linaschalen constant von einer kleinen Miliola gebildet
v^erdo; und zieht daraus den Schluss, dass die erstere eine
bloss individuelle Entwickelungsform der letztern sei.
Ann. and mag. nat. bist. T. VIII. p. 56.
Derselbe macht darauf aufmerksam, dass die Ober-
fläche mancher Foraminiferen (besonders gewisser Globi-
gcrina- artiger Formen , die Verf. als Coccosphären be-
zeichnet) von eigenthümlichen kleinen Körperchen besetzt
sei, die eine Schild- oder Scheibenform besitzen und auf
ihren freien Flächen eine oder zwei Oeffnungen tragen.
Welche Bedeutung diese Körperchen (Coccolithen) haben,
ist einstweilen noch gänzlich unbekannt. Ibid. p. 52.
In einer späteren Mittheilung hebt derselbe Beob-
achter (ibid. T. IX. p. 30) die Thatsache hervor, dass die
eben erwähnten Coccosphären wie die Globigerinen nach
momentaner Berührung mit kalter Fluorsäure (und der
dadurch bewirkten Austreibung von Kohlensäure) die ihnen
zukommende Eigenschaft, in polarisirtem Lichte dunkle
Kreuze zu zeigen, verlieren.
Nach den Untersuchungen von Max Schultze
(Verband], des naturh. Vereins der pr. Rheinlande und
Westphalen XIX. S. 13) gehört das bisher den Millepori-
nen zugerechnete Polytrema miniaceum nach der Struktur
der Kalkschale und der Natur des organischen Inhalts
unzweifelhaft zu den Polythalamien und zwar der Gruppe
der x\cervulinen. Von besonderem Interesse ist es, dass die
meisten Exemplare von Polytremen Kieselspicula, und oft
in grosser Menge, enthalten, die natürlich von parasitischen
Spongien (meist Clionen) herrühren. Verf. zweifelt kei-
nen Augenblick, dass es sich bei den Gattungen Carpen-
teria und Dujardinia, die man wegen eines ähnlichen
gemeinschaftlichen Vorkommens von Polythalamienschalen
und Kieselnadcln als Uebergänge zwischen den Polytha-
lamien und Spongien hat ansehen wollen, ganz eben so
verhält, und vermuthet in den genannten Thieren (J. B.
286 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
1858. S. 224) überhaupt sehr nahe Yei wandte von Po-
lytrema.
Reu SS handelt über die Familie der Frondiculari-
deen, die in früheren Perioden_, besonderszur Kreidezeit,
durch zahlreiche x\rten vertreten war, und charakterisirt
dabei ausser den Gen. Frondicularia, Flabellina, Amphi-
morphina auch noch die neuen Geschlechter lihabdo-
g o n iu m und D ent a lin o ps is , die übrigens beide nur
im fossilen Zustande bekannt sind. Sitzungsber. der K.
Böhmischen Gesellsch. der Wissensch. 1860. S. 78.
Ebenso über die Familie der Peneropliden mit Pe-
neroplis , Vertebralina (= Articulina), Hauerina, Spirolina
(= Coscinospira) , Haplophragmium n. (+), Lituola. A.
a. 0. S.68.
Auch die Familie der Lagenideen wird von demsel-
ben lind zwar ausführlich, mit den einzelnen Arten, mo-
nographisch dargestellt. Sitzungsber. der kais. Akad. d.
Wissensch. ßd. 46. S. 308—342 mit 5 lithogr. Tafeln.
Die Famihe umfasst nur zwei Genera, Lagena mit runder und
Fi s surina ^euss mit querer spaltenförmiger Mündung. Die erstere
wird mit 37, die andere mit 8 Arten aufgeführt, unter denen die
neuen sämmtlich fossil sind.
Die unter den Namen Lin gulino psis , Ataxo-
plirag mium (e fam. üvellidearum) , Haplostiche
(e fam. Lituolidearum), Schizophora (Mischtypus der
Textilariden und Glandulineen) neu aufgestellten und
charakterisirten Genera stützen sich gleichfalls auf fossile
Formen. Sitzungsber. der K. Böhmischen Gesellsch. der
Wissensch. 1860. S. 23, 52, 1861. S. 16, 12.
Auch sonst hat R e u s s durch Beschreibung der „Fora-
miniferen des norddeutschen Hils und Gault^ (Sitzungsber.
der Kais. Akad. der Wissensch. Bd. 46. S. 1—100. Taf. I
— XIII) und der „Foraminiferes du crag d'Anvers'^ (Bul-
let. Acad. Brux. T. XV. 28 S. mit 2 Taf. Abbild.) unsere
Kenntnisse der vorweltlichen Arten vielfach bereichert.
Nicht minder durch seine „paläontographischen Beiträge^
(Sitzungsber. der Kaiserl. Akad. der Wissensch. Bd. 44.
S. 301—342 mit 7 Tafeln.)
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 287
Carter's Untersuchungen über Polythalamlen; und
besonders deren Skeletbau, beziehen sich gleichfalls vor-
zugsweise auf fossile Arten. (Ann. and Mag. nat. bist.
T. VIII. p. 309— 333, p. 366— 382, p. 446— 470. Tab. XV
-XVII).
Die betreffenden Arten gehören zu den Gen. Operculina, Num-
mulites, Alveolina, Orbitoites, Conti Utes n. gen., Orbitolina, Cy-
clolina , Heterostegina , Cycloclypeus , Orbiculina und Orbitolites.
Das gen. n. C onul it es trägt folgende Diagnose : Conical, compres-
sed, discoidal, consisting externally of a spiral layer of rhomboidal
Chambers extending from the apex to the circumference ; fiUed up
internally with convex layers of compressed columnar Chambers in-
terspersed with white columns of Condensed shell-substance ; white
columns opake, conical, their sharp ends resting on the inner aspect
of the Spiral layer, and their large ones terminating at the base of
the cone, which presents a slightly convex granulär surface. Sp. n,
fossil. C. Coohi Cart. 1. c. p.457.
Das von Costa (Annuario etc. p. 94) aufgestellte neue Genus
F l eur OS t om i n a gleicht einer Triloculina, deren Oeffnung die eine
Körperseite statt des Endes einnimmt. Sp. n. PI. bimucronata.
Weitere neue Arten werden von Ehreuberg beschrieben:
Aristerosfira Bacheana, A. Baileyi, A. discus, A. glomerata,
A. Liopentas, A. Mauryana, A. microtetras, A. pachyderma, A. porosci,
A, scutata, Biloculina{7) profundissi7na, Dexiopora{7) megapora, Glo~
higerina glomernlus, Grammostomnm caudatum, Gr. (?) euiyleptum, Gr.
pinna, Gr. pilulare, Gr. hedyglossa, Heterostomum nucula, Marginulina
demersa, 31. ßoridana, M. mexicana, Megathyra ootheca, Miliola dacty-
lus, M. prunum, M. spinosa, Nonionina borealis, P haner ostornum al-
loderma, Ph. glohulus, Ph. micromega, Ph. microporntn, Ph. paeonia,
Planulina abyssicola, PL depressa, PI. groenlandica, PL globigerina,
PL laevigala, PL leptoderma, PL porosa, Pylodexia glomeriilus, P.
Uvula, Rosalina (?) hexas, Rotalina (?) profunda., R. (?) tiirgida, Spi~
roloculina lancea, Spiroplecla nana, Strophoconns fundicola, Textila-
ria (?) Bacheana, T. grammaslomum, T. (?) groenlandica, T. trochus,
T. nniseriafa, sämmtlich aus Tiefgrundgruben der Davisstrasse und
bei Island, Berliner Monatsber. 1861. S. 302—308.
Arcella macrostoma n. sp. aus der Magdalenengrotte. Ehren-
barg Berl. Monatsber. 1862. S. 597.
Wright beharrt auf der Ansicht, dass die von ihm
beschriebene merkwürdige Corethria sertuiariae, obwohl —
wie Ref. schon im vorigen J. B. hervorgehoben hat —
generisch mit dem von Claparede und Lachmann
288 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
den Acliietinen zugerechneten Ophryodendron abietinum
identisch , den Rhizopoden zugehöre. Der fast bewe-
gungslose dicke Körper derselben, der auf fremden Ge-
genständen befestigt ist, schickt von dem einen Ende einen
langen und dünnen halsartigen Stiel aus, der in eine
Menge tentakelartiger Pseudopodien ausläuft» Der Stiel
kann sich so dehnen, dass er 30 Mal so lang wird, wie
der Leib, und sich ein ander Mal vollständig in denselben
zurückziehen. Die Pseudopodien bewegen sich nicht selten
kräftig gegen den rüsselförmigen Stiel, als ob sie Etwas
in die zähe Substanz desselben hineindrücken wollten, wie
man das übrigens auch bei der Nahrungsaufnahme der
Actinetinen bisweilen beobachtet. Edinb. new phil. Journ.
1861. T. XIIL p. 322.
Eine geauere Vergleichung mit Ophryodendron abietinum hat
Wright übrigens davon überzeugt, dass seine Art eine zweite Spe-
cies des Gen. Ophryodendron darstelle (Journ. micr. sc. 1862. p. 221),
die als Ophr. sertulariae zu bezeichnen sei und sich nach folgender
Charakteristik leicht unterscheiden lasse :
Ophr. abietinum Cl. L. Body turbinate, attached by a sucto-
rial disk at its lower extremity. Trunk conical. arising from a deep
excavation in the Upper surface of the body. Body covered with
thread-cells.
Ophr. serlvlariac S. W. Body oblong, cushion-shaped, attached
by its side. Trunk, when extended, a flat ribbon, more than twenty
times as long as the body, attached within a slight depression on
the Upper surface on one end of the body. Body destitute of
thread-cells .
Der Stiel der gleichfalls von Wright entdeckten
Zooteira religata (J. ß. 1859. S. 262) besteht nach neueren
Untersuchungen, gleich dem der Vorticellen, aus einer
elastischen Scheide, in deren Achse ein starker Muskel-
faden hinläuft. Sonst lässt sich das Körperparenchym,
wie bei Arctinophrys, in zwei von einander verschiedene
Gewebsmassen zerlegen, von denen die äussere (ectoderm)
sich in die pseudopodienartigen Tentakel fortsetzt, wäh-
ren die innere dem Anscheine nach eine mehr nutritive
Bedeutung hat. Dicht oberhalb des Stieles knospen nicht
selten neue Zooteiren, die sich unter der Form kleiner
Actinopluyiden abtrennen, sich aber sogleich nach ihrer
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 289
Lösimg fixiren und durch Stielbildung die Gestalt der
ausgebildeten Thiere annehmen. Edinb. new phil. Journ.
T. XVI. p. 154, oder Journ. micr. sc. 1862. p. 217, an letz-
terem Orte mit schönen Abbild, auf TabYIII u. IX.
Die Untersuchungen des eben genannten Forschers
haben uns auch noch mit einigen anderen marinen Rhi-
zopoden bekannt gemacht, die nicht minder merkwürdig
sind, als die zuletzt erwähnten.
JJnter dem 1^ dornen D endr 0 phrya radiata beschreibt
derselbe zunächst einen neuen verästelten Rhizopoden, der
auf Algen und Finstren befestigt ist und eine ziemlich grosse,
mitunter mehrere Linien lange Schale trägt, deren Rand in
ein System von häutigen , oftmals mit fremden Körpern
überzogenen Röhren sich fortsetzt. In der Jugend fehlt die
Schale, und dann erscheint das Thier als ein unregelmäs-
siges System verästelter Radien, die von einem gemein-
schaftlichen Punkte ausstrahlen. Sitzt dasselbe auf der
Unterfläche von Steinen, dann erheben sich die Zweige
nicht selten von der Unterlage, um von ihren Enden die
zarten Pseudopodien abgehen zu lassen. Durch Säuren
wird die Schale nicht angegriffen, wesshalb denn auch
Verf. vermuthet, dass sie aus Kiesel bestehe. Edinb. new
phil. Journ. p. 153, Ann. nat. bist. T. VIII. p. 122.
An letzterem Orte werden übrigens die Formen mit aufrech-
ten Zweigen als Repräsentanten einer eigenen Art, D. erecla, be-
trachtet. Die Sarkode derselben soll eine zartfaserige Beschaffenheit
besitzen und zahlreiche helle Körperchen von hohem Brechungsver-
mögen, wie Eier, in sich einschliessen.
Auf den Polypenstöcken von Sertularia pumila lebt
nicht selten in grosser Masse ein anderes kleines Thier
dieser Gruppe mit einem flaschenförmigen Körper, der
auf einem langen und steifen Stiele sitzt und in eine
dicht anliegende zarte Zelle eingeschlossen ist, aus deren
vorderer Oeftnung eine Anzahl schlanker oder, je nach
dem Contractionszustande, geknöpfter, Pseudopodien her-
vorgestreckt wird. Wright hat demselben den Namen
Lecythia (n. g.) elegans gegeben. New Edinb. phil. Journ.
p. 183, Ann. and mag. nat. bist. p. 123. PI. V. Fig. 10.
W r i g h t's Untersuchungen erstrecken sich übrigens
Arch. für Natuvg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. T
290 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgescliiclite
nicht bloss auf die Formen nnd Organisationsverhältnisse
der Rhizopoden , sondern anch auf deren Fortpflanzung.
Sie machen es im höchsten Grade wahrscheinlich, dass
die schon seit längerer Zeit in den Kammern der Poly-
thalamien bekannten Ballen Eier sind, die sich, je nach
ihrer Grösse, bald direkt und in toto, bald auch vielleicht
erst nach vorhergegangener Klüftung mit ihren einzelnen
• Theilenin junge Thiere umbilden. Bei Truncatulina konnte
Verf. in diesen Ballen ein deutliches Keimbläschen mit
Keimfleck nachweisen , was bei anderen Arten (Gromia^
Miliola, Rotalina, Orbulina) unmöglich war. Wo die Eier
eine bedeutende Grösse haben (Truncatulina, Orbulina),
da füllen sie einzeln die Zellen vollständig aus, während
sie in anderen Fällen zu mehreren neben einander gefun-
den werden. Die Einatur dieser Körper ist um so wahr-
scheinlicher, als Verf. den oberen Theil einer Gromia
einst mit einer milchigen Substanz gefüllt sah, die sich bei
näherer Untersuchung als eine Körnermasse mit unver-
kennbarer Samenbewegung auswies. Die Entwickelung
lebendiger Jungen im Innern der Kammern konnte Verf.
bei Spirillina bestätigen. Ann. and mag. nat. bist. T. VII.
p. 360— 363. Mit Abbild. (New Edinb. phil. Journ. 1861.
T. XIV. p. 151 u. 154.)
Dass Wright auch bei Dendrophrya eiartige Kör-
perchen im Innern auffand, ist schon oben erwähnt wor-
den. Ebenso sah er es bei Ophryodendron, und hier ge-
lang es auch, deren allmähliche Umformung in Embryo-
nen zu beobachten. Diese Embryonen sind birnförmig
mit abgeflachter flimmernder Bauchfläche. Sie schwimmen
eine Zeit lang langsam umher und treiben auf dem zu-
nächst nur kurzen und plumpen Halse eine kleine Anzahl
(3 — 4) Pseudopodien. Edinb. new phil. Journ. T. XIV.
p. 153, Ann. and Mag. nat. bist. 1. c. Tab. IV.
Auch Carter spricht in seiner Abhandlung „on the
structure of the larger Foraminifera^ (Ann. and mag. nat.
hist. Vol. VIII. p.246 — 251) von grösseren und kleineren
eiartigen Körperchen (propagative spherules) die in den
Kammern der Polythalamien vorkämen. Freilich sollen
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 291
diese Gebilde durch die das Gehäuse nach verschiedener
Richtung durchsetzenden Kanäle nach Aussen gelangen
und erst dann in ein neues Thier, auch zunächst immer
nur in eine einzige Kammer, die dann durch Knospung
später noch andere hervorbrächte, auswachsen. Die Schale,
deren Zusammensetzung aus verschiedenen, schon durch
Carpenter bekannt gewordenen Schichten mit ihren
Kanalsjstemen genauer beschrieben wird, betrachtet Verf.
insofern wenigstens als eine innere, als er sie äusserlich
von einer Schiebt thicrischer Substanz überlagert sein
lässt. Ausser den Keimkugeln soll diese Substanz, wie
die der Spongillen (Verf.) auch noch Stärkemehl enthal-
ten. Die der eigentlichen Kalkschale aufliegenden Verdik-
kungsschichten werden (gegen Carpenter) nach wie vor
als massenhafte Anhäufungen von Kalknadeln beschrieben.
Reu SS bestätigte an fossilen Formen die interessante
Thatsache, dass die Orbulincn blosse Endkammei^n von
Globigerina sind, die sich zur Zeit der Fortpflanzung von
dem Mutterthiere abgelöst haben, indem er nicht bloss in
den erstem die jungen Globigerinen nachwies, wie das
früher schon von Pourtales und Krohn geschehen
war, sondern auch einzelne grosse Exemplare von Globi-
gerina bulloides auff'and, deren letzte Kammer eine aus
2 — 3 kugligen Kammern zusammengesetzte Globigerina
in sich einschloss. Sitzungsber. der K. Böhmischen Ge-
sellsch. der Wissensch. 1861. S. 14.
Radiolaria. Die schon mehrfach erwähnte Monogra-
phie von Ha e ekel über „die Radiolarien'^ (Berlin 1862.
572 S. in Folio mit einem Atlas von 35 prachtvoll ausge-
führten Kupfertafeln) dürfen wir als den ersten Versuch
einer vollständigen Naturgeschichte dieser interessanten
Thiergruppe betrachten, da sie nicht bloss den Bau und
die Lebensgeschichte derselben erschöpfend behandelt,
sondern auch alle bis jetzt beobachteten lebenden und
fossilen Arten in den Kreis ihrer Darstellung hinein-
zieht. Es ist ein unermesslich reiches Detail, das uns
hier vorliegt, das Resultat mühevoller Studien und einer
ausdauernden gewissenhaften Forschung, nach Form und
292 Leuckart: Bericlit üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Inhalt gleich vollendet und würdige den Namen des Mannes
zu tragen, dessen Andenken es der Schüler pietätsvoll
gewidmet hat.
Den Beginn dieser klassischen Monographie bildet eine ge-
schichtliche Einleitung (S. 1 — 25), in welcher neben den Verdiensten
Ehrenberg's um die Kenntniss der fossilen Gehäuse die Beob-
achtungen Huxley's und vor Allem die Forschungen J. Müller's,
der zuerst die Radiolarien als eine eigene, den Polythalamien ana-
loge RhizopodengTuppe erkannte (J. B, 1858. S. 250), gebührend ge-
würdigt werden. Auf diese Einleitung folgt sodann (S. 25 — 159)
eine anatomisch-physiologische Schilderung des Organismus unserer
Thiere, die unser besonderes Interesse in Anspruch nimmt. Aus-
gehend von den zusammengesetzten Formen sucht Verf. zunächst einen
Ueberblick über die wichtigsten Typen zu gewinnen, worauf er
dann die wesentlichen Eigenthümlichkeiten im Körperbau der Ba-
diolarien in folgender Charakteristik zusammenfasst : ,.Der Körper
aller Badiolarien besteht aus einer von einer festen Membran um-
schlossenen Kapsel, der Centralkapsel, welche in eine weiche Schleim-
schicht, den Mutterboden oder die Sarkodematrix, eingebettet liegt,
von der nach allen Seiten feine, einfache oder verästelte und ana-
stomosirende Fäden, die Pseudopodien, ausstrahlen. Die Central-
kapsel enthält constant zahlreiche kleine Bläschen mit Körnchen,
welche durch eine schleimartige, feinkörnige Zwischensubstanz (intra-
capsulare Sarcode) getrennt sind, und Fett in Form kleiner Körn-
chen oder grosser Oelkugeln, ausserdem häufig, aber nicht immer,
Pigment, verschiedene zellenartige Einschlüsse, seltener Krystalle und
Concretionen, bisweilen auch im Centrum eine zweite , innerste,
dünnwandige Blase, die Binnenblase. Ausserhalb der Centralkapsel
in dem Mutterboden liegen gewöhnlich, nur die Acanthometriden
ausgenommen, zahlreiche kuglige , gelbe Zellen, zuweilen auch
dunkle, körnige Haufen von Pigment. Bei einigen Gattungen ist
dieser ganze weiche Körper noch von einer umfangreichen Zone
wasserheller dünnwandiger Blasen, den Alveolen, umgeben, zwischen
denen die nach aussen strahlenden Pseudopodien, entsprungen aus
der Sarcodematrix, verlaufen. Bei den zusammengesetzten, polyzoen
Badiolarien bilden diese Alveolen die Hauptmasse des Gesellschafts-
körpers, Bei den allermeisten Badiolarien, mit einziger Ausnahme
der Gattungen Thalassicolla, Thalassolampe und Collozoum, ist dieser
"Weichkörper mit einem sehr verschiedenartig gestalteten Skelete
verbunden, welches gewöhnlich aus Kieselerde, zuweilen aber auch
aus einer organischen Substanz besteht, und entweder ganz ausser-
halb der Centralkapsel liegt (Ectolithia) oder, dieselbe mit radialen
Theilen durchbohrend , bis in ihre Mitte hineintritt (Entolithia).
der nicLlercii Thicre während der Jahre 1861 — 1862. 293
Dasselbe besteht bald aus vereinzelten Kieselstücken (Spicula), bald
aus mehreren, von einem gemeinsamen Mittelpunkte ausstrahlenden
Stacheln, bald aus einer einfachen oder zusammengesetzten Gitter-
kugel oder einer in concentrische Kammern abgetheilten Scheibe
oder einem schwammigen Fachw^erke." Bezüglicb des Skeletes, das
in so ausserordentlicher Mannicbfaltigkeit die zartesten und zier-
lichsten aller Skeletgewebe entwickelt, bespricht Verf. zunächst die
chemisch-physikalischen und histologischen Eigenschaften, dabei die
interessante Thatsache hervorhebend, dass dasselbe keinesw^egs, wie
schon erwähnt, in allen Fällen aus Kieselerde, sondern ausnahms-
weise aus einer organischen Substanz bestehe. Die Arten, bei wel-
chen mit Bestimmtheit der theilweise oder völlige Mangel der Kie-
selerde constatirt werden konnte, sind: Dorataspis loricata, dlodon,
polyancistra; Acanthometra dolichoscia, compressa, sicula, quadri-
folia, cuspidata, Claparedei; Amphilonche complanata, messanensis,
tetraptera, belonoides, heteracantha, elongata, anomala ; Acanthostau-
rus purpurascens, hastatus; Xiphacantha serrata, spinulosa. Bei
einem Theile aber scheint die organische Substanz, für die Verf.
die Bezeichnung Acanthin einführt, späterhin durch Kieselerde ganz
oder theilweise substituirt zu werden, wenigstens nach der verschie-
denen Resistenz jüngerer und älterer Individuen von Amphilonche
tetraptera u. a. gegen Schwefelsäure zu schliessen. Möglicher Weise
sind auch die Stacheln der vorweltlichen Acanthometren aus orga-
nischer Substanz gebildet gewesen, und es würde sich dann der
auffallende Umstand erklären, dass in den mächtigen Polycystinen-
lagern von Barbados und den Nikobaren die Acanthometrenstacheln
völlig fehlen. Die aus reiner Kieselsäure gebildeten Skelete sind
stets amorph -homogen glashell, lichtbrechend und durchsichtig.
Nur die dicke Schale von Dorataspis solidissima ist undurchsichtig,
schwärzlich und in radialer Richtung ungleichmässig gestreift, fast
wie krystallinisch. Eine Färbung findet sich nur bei Thalassopla-
nota morum (stahlblaue' Spicula) und Lithophyllium foliosum (vio-
lette dreitheilige Kieselblätter). In der Regel sind die Kieseltheile
spröde und zerbrechlich, dagegen die sehr feinen Nadeln und Sta-
cheln sehr elastisch ; nur selten sind dieselben hohl und dann bei
Lebzeiten des Thieres mit Sarcode gefüllt. Röhrige und hohle Kie-
selstangen mit geöffneten Enden zeichnen folgende Gattungen aus:
Thalassoplanota cavispicula, Aulacantha scolymantha, Coelodendrum
ramosissimum und gracillimum, Aulosphaera trigonopa und elegan-
tissima. Dagegen wird für die Stacheln der Acanthometren der
von Claparede und Müller behauptete centrale Kanal geleugnet,
da selbst die Methode der Gasinjection auf Zusatz von Schwefel-
säure zu keinem Resultate führte. Es scheinen zwar auch hier die
Sarcodefäden aus der Spitze des Stachelendes hervorzutreten, in
294 Leuckart: Bericht üb, d. Leist. in d. Naturgeschichte
Wirklichkeit aber liegen sie nur dem Stachel an. In formeller
Hinsicht unterscheidet Verf. eine Keihe von Stufen der Skeletbil-
dung. Den aus mehreren einzelnen unverbundenen Stücken beste-
henden Skeleten, wie wir sie bei Sphaerozoum italicum und Aula-
cantha finden , schliessen sich die aus mehreren einzelnen verbun-
denen Stücken zusammengesetzten Skelete, z. B. von Aulosphaera
und den Acanthometriden an. Bei der grossen Mehrzahl der letz-
tern, allen Acanthometren im engeren Sinne, sind es 20 Stacheln,
welche das Skelet mit einer bestimmten mathematischen Ordnung
zusammensetzen. Dieselbe war von J. Müller für Acanthometra
elongata und Haliomma tabulatum nachgewiesen, ohne dass er ihre
allgemeine Gültigkeit in so grosser Ausdehnung geahnt hatte. Dieses
seinem Entdecker zu Ehren genannte MüUer'sche Stellungsgesetz lässt
sich nach Häckel folgendermassen zusammenfassen. „Zwischen zwei
stachellosen Polen stehen fünf Gürtel von je vier radialen Stacheln;
die vier Stacheln jedes Gürtels sind gleichweit von einander und
auch gleichweit von demselben Pole entfernt und alterniren so mit
denen der beiden benachbarten Gürtel , dass alle 20 zusammen in
vier Meridianebenen liegen." Auch für die Ethmosphaeriden, Om-
matiden und Astrolithiden gilt das Gesetz. Es folgen dann die
gehäusartig abgeschlossenen Skelete der Polycystinen, die sich ent-
weder als homogene solide Schalen, wie bei Diploconus fasces, oder
als gijiterförmig durchbrochene Schalen , als Sphaeroidschalen , als
Cystoidschalen , als Discoidschalen, als Spongoidschalen, erweisen.
Alle diese Skeletformen bespricht der Verf. nach ihren morphologi-
schen Beziehungen in eingehender Darstellung und gewinnt auf
diese Weise eine Grundlage für die Bestimmung der Verwandtschaft
nach dem Skelete. Sodann wendet sich Verf. zur Betrachtung des
Weichkörpers , an welchem er die Centralkapsel und den extra-
capsularen Weichkörper unterscheidet. Erstere hat vorzugsweise
ein morphologisches und systematisches Interesse, wie sie ja über-
haupt den einzigen Differenzialchare.kter der Radiolarien begründet.
Ihre Form ist meist rein kugelig, bei vielen Acanthometriden und
Ommatiden indess ellipsoidisch verlängert, in der Mitte und an den
Enden kolbig angeschwollen z. B. bei Amphilonche elongata, bis-
quitförmig, wahrscheinlich bei allen Zygocyrtiden. Bei den Cyrtiden
erscheint sie in der Regel kegelförmig, bei Carpocanium, Cyrtocalpis
dreilappig, bei den Eucyrtidiumarten meist vierlappig, bei allen Di-
sciden, Spongocycliden undSpongodisciden(Sx)ongurus ausgenommen)
scheibenförmig von zwei Seiten comprimirt, sehr eigenthümlich vier-
seitig prismatisch endlich bei Amphilonche anomala. Die meist sehr
dünne Kapselmembran entbehrt erkennbarer grösserer Poren und
verhindert die direkte Communication des Kapselinhalts mit dem
Mutterboden selbst da, wo sie von den radialen Skeletnadelii durch-
der niederen Tliiere während der Jahre 1861 — 1862. 295
brechen wird. Chemisch sehr resistent, häufig fast wie Chitin, er-
langt sie in einzelnen Fällen eine bedeutendere Dicke und eine feine
wahrscheinlich auf Poren zu beziehende Streifung. Zu dem con-
stanten Inhalte der Kapsel zählt Verf. 1) kuglige wasserhelle Bläs-
chen, die sogar bei vielen Arten die Hauptmasse des Inhalts bilden
und eine ziemliche constante Grösse von 0,008 Mm., selten mehr
als 0,01 Mm. und weniger als 0,005 Mm., haben. Sie scheinen aus
einer zarten Membran und einem wasserklaren, durchsichtigjen In-
halte zu bestehen, häufig aber enthalten sie je ein (selten 2 — 3) wand-
ständiges kleines fettgiänzendes Körnchen von höchstens 0,001 Mm.
Grösse, das aber möglicher Weise auch dem Bläschen aufliegt. 2)
Eine feinkörnige schleimige Grundsubstanz, die intracapsulare Sar-
code, die nach ihren physikalischen und chemischen Eigenschaften,
besonders aber nach den Erscheinungen der Bewegung, welche an
angestochenen Kapseln von Colliden beobachtet werden konnten, mit
der extracapsularen Sarcode des Mutterbodens identisch ist. Wahr-
scheinlich stehen beide Substanzen in einer mehr oder minder un-
mittelbaren Wechselwirkung durch die Porenkanäle der Kapselwand,
wo solche vorhanden sind, jedoch nur in so weit als die zähflüssigen
Schleimtheilchen, nicht aber die darin suspendirten Formelemente,
durchtreten. An lebenden Acanthometern sieht man die radia-
len Körnchenstreifen innerhalb der Kapsel sich ganz direkt in die
von der Kapsel ausstrahlenden Pseudopodien fortsetzen. Bei den
grösseren Radiolarien dürfte möglicher Weise die Binnenblase als
das Sarcodecentrum, als Ausgangspunkt der strahlenden Fadenmasse
zu betrachten sein, o) Das Fett, welches entweder in kleinen Körn-
chen oder in grösseren Kugeln von sehr wechselnder Menge auf-
tritt. Die letztere steht in einem geraden Verhältnisse zu der Masse
des Skeletes , so dass an eine hydrostatische Bedeutung gedacht
werden kann. Meist ist das Fett farblos, lichtbrechend, zuweilen
indessen dunkelroth oder orangegelb gefärbt. Bei allen Polyzoen er-
füllt in der Regel nur eine einzige grosse Fettkugel die Mitte einer
jeden Centralkapsel. Als nicht constante Theile des Inhaltes der
Centralkapsel zählt Verf. auf: 1) das intracapsulare Pigment, auf
welchem hauptsächlich die charakteristische Färbung der Radiola-
rien beruht. Am verbreitetsten ist die gelbe, rothe und braune
Färbung, indessen kommt auch blau, purpurroth, violettroth, seegrün
und olivengrün vor. Selten ist die Färbung aus zwei, fast nie aus
mehreren Farben zusammengesetzt. Wahrscheinlich ganz allgemein
haftet dieselbe an geformten Elementen, Körnchen, Bläschen, Oel-
kugeln oder wirklichen Pigmentzellen. Letztere sind unregelmäs-
sige Bläschen von 0,005, 0,02— 0,04 Mm. Durchmesser mit deutli-
cher Membran, Kern und Kernkörperchen, häufig im Stadium der
Abschuürung und Theiluug begriffen. 2) Alveolenzellen, die indessen
296 Leuckart: Bericlit üb d Leist. in d Naturgeschiclite
nur den Collidengattungen Thalassolampe und Physematium eigen-
thümlich sind. Hier wird der Raum zwischen Binnenblase und
Centralkapselmembran von einem lockern oder dichtem Aggregat
von grossen kugligen, mit einem kernartigen Gebilde versehenen
Blasen ausgefüllt, zwischen denen sich das Schleiinnetz der Sarcode-
stränge ausspannt. Es sind daher, im Gegensatze, zu den extracap-
sularen Alveolen, Alveolenzellen, die ohne bestimmte Ordnung, grosse
und kleine, neben- und übereinander liegen. Der wandständige Kern
derselben ist ein langes und schmales, dunkelgezeichnetes, an bei-
den Enden spindelförmig verlängertes Stäbchen, welches ein (selten 2)
dunkeles, rundliches Körnchen umschliesst. Nur einmal wurden bei
Physematium Einschlüsse beobachtet, welche man auf eine endogone
Vermehrung der Zellen hätte beziehen können, indem ein grosser
Theil der Blasen 5 — 20 kleinere kernlose Alveolen in sich ein-
schloss. 3) Centripetale Zellengruppen, die nur bei Physematium Mül-
leri beobachtet wurden. Es sind kegelförmige Gruppen von je 3 — 9
(meist 4 — 5) verlängerten birnförmigen Zellen, welche ihrer ganzen
Länge nach an einanderliegen, mit der abgerundeten Basis an der
Innenfläche der Kapselmembran, mit der fein und lang ausgezoge-
nen Spitze nach dem Mittelpunkte der Centralkapsel gerichtet Die
Spitzen derselben scheinen geöffnet, wenigstens strahlte fast con-
stant von der Spitze einer jeden Zellengruppe ein feiner mit dem
Sarcodenetze anastomosirender Schleimfaden aus. Vielleicht, ver-
muthet Verf., ist auch die Basis der konischen Zellen und der ent-
sprechende Theil der Kapselmembran durchbohrt und dient zur
direkten Communikation der innerhalb und ausserhalb der Kapsel
strömenden Sarcode, zumal über jeder Zellenpyramide ein äus-
serer trübschleimiger Hügel von Körnern und Bläschen aufliegt,
von dem ein stärkeres Pseudopodien-Bündel abgeht. 4) Eigenthüm-
liche, den amyloiden Körpern ähnliche Concretionen, bei Thalassi-
colla nucleata, Thalassosphaera bifurca, einem Acanthochiasma und
einer Acanthometra beobachtet. Sie liegen theils einzeln oder in
mehrfacher Zahl in wasserhelle kuglige Blasen eingeschlossen , theils
frei in der Grundmasse und sind in chemischer Beziehung durch ihre
leichte Löslichkeit in Alkalien und Säuren bemerkenswerth. 5) Kry-
stalle, ebenfalls bisher nur bei den Thalassicollen und Polyzoen ge-
funden. Sie liegen eingeschlossen in wasserhelle Blasen und sind
Garben oder Kugeln aus langen dünnen radialen Nadeln zusammen-
gesetzt, wie solche bereits durch Schneider und Müller be-
schrieben wurden. 6) Die Binnenblase oder centrale Zelle Müller's,
eine in der Mitte der Centralkapsel liegende zarthäutige Blase, die
vorzugsweise bei den CoUiden und Ethraosphaeriden auftritt, viel-
leicht aber auch eine weitere Verbreitung hat.
Der extraoapsulare Weichkörper, mit Ausnahme der Polyzoen,
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 297
so wie von Thalassicolla und Aulacantha minder umfangreich als die
Centralkapsel, ist seinem Hauptbestandtheile nach der Mutterboden
der Pseudopodien. In dieser Substanz treten geformte Elemente als
Einschlüsse auf, und zwar: 1) eigenthümliche gelbe Zellen, welche
nur den Acantliometriden fehlen. Eine besondere Bedeutung für
die Auffassung des Protozoenleibes wird mit Recht diesen Bildungen
desshalb zugesprochen, weil sie die einzigen mit Bestimmtheit als
echte Zellen nachweisbaren Formelemente des Rhizopodenkörpers
sind. Dieselben liegen nicht nur in dem Mutterboden zerstreut,
sondern auch in der Fadenzone an den Pseudopodien, wohin sie
wahrscheinlich mit den Körnchenströmungen in langsamer Bewegung
geführt werden. Am zahlreichsten treten sie bei den ThalassicoUi-
den und Sphaerozoiden, nächstdem bei den Cladococciden und Spon-
gosphaeriden auf, und zwar mit wechselndem Verhältnisse ihrer
Grösse gewöhnlich zwischen 0,008 Mm. und 0,012 Mm. Durchmesser.
In der Regel von kugliger, seltener ellipsoidisch verlängerter oder
scheibenartig comprimirter, selbst polygonaler Form, bestehen sie
aus einer festen scharfconturirten Membran mit Farbestoffkörnchen
in einem flüssigen, gefärbten Inhalte und einem Kerne. In chemischer
Beziehung bleiben sie gegen concentrirte Mineralsäuren und kau-
stische Alkalien eine Zeit lang unverändert, nur dass ihre Färbung
in einen sehr blassen grünlich-gelben Ton abbleicht, im Gegensatze
zu den intracapsularen Zellen der Acanthometren. Ihre Zellennatur
wird vor allem durch die Vermehrung auf dem Wege der Thei-
lung bewiesen; dasselbe kuglige Nucleusbläschen zerfallt zunächst
in der ellipsoidisch verlängerten Zelle in zwei Hälften, um die
sich der Inhalt in der Art gruppirt, dass zwischen ihnen eine ring-
förmige Einschnürung entsteht. Dieselbe greift tiefer bis zum Zerfall
in zwei gleiche kuglige Hälften, um die sich eine Membran bildet, so
dass zwei Tochterzellen in der Mutterzelle liegen. 2) Pigment, auf
Thalassicolla nucleata und zanclea, Aulacantha, Thalassoplancta,
Coelodendrum beschränkt. Dasselbe besteht der Hauptmasse nach
aus einem feinkörnigen Staube, mit grösseren unregelmässig eckigen
und rundlichen Körnern von verschiedener Grösse gemischt. 3) Die
Alveolen, ebenfalls auf die Colliden und Polyzoen beschränkt und
bei den erstem der Art vertheilt, dass die kleinsten rings auf der
Aussenfläche der Kapselmembran, die grössten in der Peripherie
liegen. Kernartige Gebilde wie in den intracapsularen Alveolen
wurden niemals beobachtet, ausgenommen in eigenthümlichen Blasen
in der Umgebung der Kapsel von Thalassicolla zanclea.
Eine sehr eingehende Schilderung giebt sodann Verf. von
der Sarcode, welcher in physiologischer Hinsicht bei weitem die
grösste Bedeutung, die Vermittelung der Empfindung, Bewegung,
Ernährung und Skeletbildung, vielleicht auch theilweise der Fort-
298 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
pflanzung, zugeschrieben wird. Für die Strömungserscheinungen
der Körnchen und Bläschen glaubt er den Grund in den Bewegun-
gen der homogenen strukturlosen Grundsubstanz zu erkennen, deren
kleinste Theilchen — Sarcode -Primitivtheilchen — die Fähigkeit
haben sollen, ihre gegenseitige Lagerung beliebig nach allen Di-
mensionen de* Raumes hin zu verändern. An den breiteren und
dickeren Fäden sieht man häufig die einen Körnchen hinauf, die
andern in centripetaler Richtung herabfliessen, aber ebenso wie die
Körnchen werden auch, wie bereits J. Müller beobachtete, fremde
Körper mit fortbewegt , sei es an der Oberfläche oder im Innern
der Fäden, je nach der Dicke der letztern. Auch die wellenförmig
fortschreitenden Contraktionen der Fäden werden als Beweis her-
angezogen, dass die Contraktilität der Sarcode die Ursache aller
Bewegungserscheinungen sei. Häufig Hess sich an kurzen und dicken
Fäden eine sehr langsam fortschreitende Contraktionswelle des
Sarcodestroms nachweisen, welche bis zur Fadenspitze ging und
dann umkehrte. Nachdem Yerf. sodann die Identität der Sarcode bei
Radiolarien und Foraminiferen hervorgehoben, wendet er sich, um die
Verwandtschaften dieser Substanz zu untersuchen, zu dem Protoplasma
der thätigen Pilanzenzelle, und kommt zu dem Schlüsse, dass unter
allen von dem Baue und den Lebenserscheinungen der Radiolarien
erkannten Thatsachen keine einzige der bereits von C o h n und
ünger behaupteten und besonders von M. Schnitze betonten
Identität der Sarcode und des Protoplasma widerspricht. In che-
misch-physikalischer Beziehung ergiebt sich kein Unterschied, eben-
sowenig in histologischer, da alle Versuche, für die Sarcodemasse eine
organologische Differenzirung anzunehmen durch die positive Beob-
achtung v^dderlegt werden. Durch diese lässt es sich als Thatsache
erweisen, dass an der Stelle eines Zellenaggregats oder eines Com-
plexes verschiedener anderer histologisch - difPerenzirter Elementar-
theile etwas ganz vorhanden ist, nämlich eine durchaus homogene
contractile Flüssigkeit. Ebenso wird die Uebereinstimmung in den
Lebenserscheinungen und Bewegungen anerkannt. In der Energie
der Sarcodebewegungen und Körnchenströmungen finden sich zwi-
schen den verschiedenen Gattungen und Familien der Radiolarien
nicht minder grosse Unterschiede als bei verschiedenen Polythala-
mien und den Protoplasmanetzen der verschiedenen Pflanzen. Aus
einer Reihe von Betrachtungen, unter denen namentlich die (oben
erwähnten) Mittheilungen über die Blutzellen von Echinodermen und
der Wirbellosen überhaupt wichtig erscheinen, glaubt Verf. sodann
zum Schlüsse berechtigt zu sein, dass alle thierischen und pflanzlichen
Zellen zu irgend einer Zeit ihres Lebens contractu sind. Aller Zellen-
inhalt ist contractu; alles Contractile ist Zelleninhalt oder Zellensub-
etanz; Protoplasma, Sarcode ist freies Protoplasma; das sind die Thesen
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 299
des Verf.'s. Nur dadurch wird es mö,^lich, die Sarcode der Zellen-
theorie zu unterwerfen, dass wir sie für das freie Protoplasma einer
einzigen oder mehrerer hüllenloser Zellen erklären, in der nur noch
die Zahl der (oft wenigstens) persistirenden Kerne die Menge der
dazu verwandten Zellen bezeichnet. Dass auch der Sarcode der Ra-
diolarien und Foraminiferen diese Bedeutung zukommt, wird durch
die Sarcodekerne bewiesen, die am zahlreichsten bei den Colli-
den, insbesondere in der intracapsularen Sarcode von Thalasso-
lampe, margarodes , vorkommen. Als eine Eigenthümlichkeit der
Radiolariensarcode wird sodann die Quellung der abgestorbenen
Leibesmasse zu einer voluminösen Gallerte hervorgehoben, die zu-
weilen auch bereits während des Lebens zu Stande kommt und auf
Imbibition von Wasser beruht. Die Beschaffenheit und das Aussehen
der Sarcode variirt bei den einzelnen Arten aber auch nach an-
deren Verhältnissen, z. B. nach der Menge der aufgenommenen
Nahrung. Die wechselnde Quantität der Körnchen führt auf die
Frage ihrer Bedeutung, und diese lässt sich bei dem Wechselver-
hältnisse, welches in ihrer Menge mit der der Vacuolen, Bläschen,
Anastomosen u. s. w. besteht, dahin bestimmen, dass die Körnchen
aus den aufgenommenen und verdauten Stoffen unmittelbar hervor-
gehen, wie etwa die Chyluskörnchen im Darme höherer Thiere. Die
Zahl der Pseudopodien scheint die der Polythalamien meist zu über-
treffen. Am geringsten ist sie bei den Acanthometriden, deren Gal-
lertcilien und Cilienkränze in der Umgebung der Stacheln nichts
anderes als verkürzte Pseudopodien sind. Eine Sarcode -Geissei,
deren consistente Masse der Körnchen entbehrt, wurde nur bei drei
Gattungen, Euchitonia, Spongocyclia und Spongasterias , wahrge-
nommen. Die Sarcode der polyzoen Radiolarien erscheint nament-
lich durch die Art der Verbindung der Einzelwesen interessant.
Die Sarcode bildet hier ein durch die ganze Thiercolonie zwischen
den Alveolen ausgespanntes vielverzweigtes Netz, in dessen Kno-
tenpunkten die Einzelthiere (aber nur auf der Oberfläche der Alveo-
lenaggregate) ihren Sitz haben. Die Hauptmasse und die Ernäh-
rungsflüssigkeit ist allen Individuen gemeinsam, wie auch die
Körnchenströmung alle Nester mit einander innig verbindet. Auch
die gelben Zellen und extracapsularen Oelkugeln werden allenthalben
umhergeführt und gehören der Gesammtheit an, so dass die Auffas-
sung nicht unberechtigt erscheint, die in dem polyzoen RadiolarieU'*
körper ein Einzelthier mit multiplen Organen sieht. Es kehrt die so
oft besprochene Frage ob Organ, ob Individuum auch hier wieder.
Vom morphologischen Standpunkte aus erscheinen die Nester mehr
als Individuen einer Colonie, vom physiologischen mehr als Organe
eines Individuums. — Ein neuer Abschnitt des Werkes beschäftigt
sich mit den Lebensersclieiliungen der Radiulaiieii, Mit dem Man-
300 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschiclite
gel an differenzirten Gewebstheilen ist nacli der Ansicht des Verf.'s
der Mangel irgend welcher Differenzirung der Funktion untrennbar
verbunden, und alle Funktionen, welche bei höheren Thieren durch
Nerven, Muskeln, Sinnes- und Verdauungsorgane verrichtet werden,
sind dem primitiven gleichartigen Gewebe der S'arcode anvertraut.
Empfindung ist mit Sicherheit zu beweisen, obwohl die beobachteten
Erscheinungen nicht hinreichen , ein Bewusstsein und einen Willen
in den Bewegungen darzuthun. Die Reizbarkeit äussert sich besonders
gegen die Einflüsse des Lichtes, indem sich z. B. die Colliden und
Polyzoen im Glasgefässe nach der Lichtseite hin bewegen, ferner der
Wärme, der mechanischen Berührung und der veränderten Mischung
des Wassers. Die Thierchen ziehen sich in der heisseren Jahreszeit
in grössere Tiefen des Meeres zurück, auf Erschütterung und Druck
ziehen sie ihre Pseudopodien theilweise oder völlig ein ; sie ver-
wandeln sich bei höheren Graden der Einwirkung sogar in eine
von Körnchen durchsetzte homogene Gallerte. Die Empfindlichkeit
gegen mechanische Einwirkungen ist so stark , dass die blosse Be-
rührung des Netzes und die Reibung an dessen Maschenwänden
ausreicht, die zarten Thierchen zu tödten. Auch gegen Verände-
rungen des Seewassers sind sie ungleich empfindlicher als Polytha-
lamien. Selbst auf die resistenzfähigsten (Sponguriden, Discoiden)
wirkt die durch den Absatz des pelagischen Mulders hervorgeru-
fene Zersetzung so zerstörend, dass am zweiten Tage nach der Fi-
scherei nur noch selten lebende Individuen anzutreffen sind. Die Be-
wegungen gleichen im Allgemeinen denen der Polythalamien, wenn-
gleich sie meist viel weniger in die Augen fallen, und sind auf das
Strömen der zähflüssigen Sarcode zurückzuführen. Die Locomo-
tionsvorgänge müssen schon desshalb Verschiedenheiten bieten, weil
die Radiolarien nicht wie die Polj^thalamien auf festen Gegenständen
kriechend sich bewegen, sondern in der See schwimmend schweben.
Es scheint, dass die Fäden der im Wasser schwebenden Thiere die
meiste Zeit hindurch nach allen Seiten ausgestreckt sind und nur
behufs der Ingestion der Nahrungsstoffe, so wie nach mechanischen
Beleidigungen eingezogen werden. Wahrscheinlich sind es die schwa-
chen Bewegungen und Ausbreitungen der Pseudopodien, durch welche
sich die Thiere schwebend in jeder beliebigen Höhe des Wassers erhal-
ten, empor und niedersteigen können, während das Flottiren an der
Oberfläche so zu erklären sein möchte, dass sie sich an der Unter-
seite des Wasserspiegels, der durch die innigere Cohäsion der Was-
sertheilchen an der Berührnngsstelle mit der Luft eine Art Was-
sermembran bildet, mittelst der ausgebreiteten Pseudopodien be-
festigen und wie Planorbis und Lymnaeus kriechend fortbewegen.
Eine kriechende , wälzende oder schleppende Ortsbewegung an fe-
sten Gegenständen möchte nur ausnahmsweise vorkommen , wie
der niederen Tliiere während der Jahre 18G1— 1862. 301
solches Verf. an CoUiden, Cyrtiden u. s. w. , welche sich an der
Wand des Glasgefässes anhefteten, beobachten konnte. Die Ernäh-
rung erfolgt wie bei den Polythalamien einfach durch die Assimi-
lationsthätigkeit der Sarcode, und sind Strömungsbewegungen der
sichtbare Ausdruck der verschiedenen Ernährungsvorgänge. In die
Centralkapsel treten niemals fremde umflossene Nahrungskörper ein,
während in dem extracapsularen Mutterboden sehr häufig kleine
Meer-Algen, Diatomeen, Infusorien, Tintynnoiden u. s. w. angetroffen
werden. Während weder die Centralkapsel noch die Alveolen irgend
eine Betheiiigung bei der Ernährung zu besitzen scheinen, kommt
den gelben Zellen eine bestimmte Funktion bei der Verdauung zu.
Sie sind Verdauungsdrüsen in der einfachsten Form, deren beim Ber-
sten frei werdender Saft zur Auflösung der aufgenommenen Nahrung
durch die Sarcode mitwirkt, was nicht nur ihr massenhaftes Ent-
stehen und Vergehen, sondern auch die überraschende Aehnlichkeit
mit den Leberzellen von Porpita, Velella und den Siphonophoren
wahrscheinlich macht. Die Nahrungsaufnahme erfolgt unter merk-
würdigen Erscheinungen. In dem Momente, wo der fremde Körper
die Fadenoberfläche berührt, scheint sofort eine stärkere Strömung
nach dieser gereizten Stelle hin einzutreten, und indem sich dieser
Erregungszustand den benachbarten Fäden mittheilt, wird auch der
Sarcodestrom gegen diesen Punkt hingeleitet. Namentlich tritt das
Zusammenströmen der Sarcode bei Aufnahme grösserer Körper über-
raschend auf. Das wichtigste Sekretionsprodukt der Sarcode ist
das Skelet, an welchem die feinen Kieselnetze bei vielen Formen
dauernd das Bild der feinen, weichen, vielfach verschmolzenen Pseu-
dopodien darstellen und gewissermaassen als verkieselte Sarcodenetze
anzusehen sind, lieber die Fortpflanzung gelang es dem Verf. nur
bei den Polyzoen sichere Beobachtungen zu machen, bei denen die
Einzelthiere sich durch Theilung und innere Keimbildung vermehren.
Der bekannten Müll er'schen Beobachtung über Acanthometra wird
eine ganz ähnliche über Polyzoum punctatum an die Seite gestellt,
wo gleichfalls in der Centralkapsel ein lebhaftes Gewimmel kleiner
Körperchen sichtbar war, welche sich als wasserhelle Bläschen von
0,008 —0,01 Mm. Durchmesser mit dunkeln hellglänzenden Körnchen
und je einem wetzsteinförmigen Krystall erwiesen. Wahrscheinlich
handelte es sich in beiden Fällen um eine Fortpflanzung durch leb-
haft bewegliche Keime, wie denn überhaupt die Centralkapsel als das
Fortpflanzungsorgan der Radiolarien zu betrachten sein möchte. Verf.
vermuthet, dass der Inhalt derselben zum grossen Theil zur Bildung von
Keimkörnern verwendet wird, und dass mit der einmaligen Erzeugung
dieser schwärmenden Embryonen der Lebenscyclus der Thiere er-
schöpft sei. Vielleicht entwickeln sich die in der Centralkapsel
gelegenen Keime noch innerhalb des Mutterleibes zu ausgebildeten
302 Leuckart: Bericht üb d. Leist. in d. Naturgeschichte
Embryonen, was eine Beobachtung an Acanthometra wahrschein-
lich macht. Im Inhalte der Centralkapsel fanden sich hier einmal
fünf kuglige Kapseln von 0,01G Mm., aus denen je 10 äusserst dünne
radiale Stacheln hervorragten. Die Polyzoen vermehren sich durch
einfache Theilung oder endogene Keimbildung der Centralkap-
seln, so wie durch Ablösung einzelner Nester und Gründung von
neuen Colonien. Lebende isolirte Nester unterscheiden sich in nichts
von den zu einer Colonie verbundenen Nestern, nur scheinen die
Alveolen erst aufzutreten , wenn bereits mehrere Nester gebildet
sind. Vielleicht lassen sich auch die Einschnürungen der Meerqual-
ster auf ein Zerfallen in mehrere kleinere Thiergesellschaften bezie-
hen. Der Theilungsvorgang der Centralkapseln beruht auf bestimm-
ten Gesetzen. Die Form wird zuerst ellipsoidisch verlängert, und
der centrale Oeltropfen geht in zwei auseinander. Sodann erfolgt
eine Einschnürung, so dass die vergrösserte Kapsel bisquitförmig
erscheint, bis endlich durch völlige Trennung zwei junge Nester mit
centralem Oeltropfen nebeneinander liegen. Eine bestimmte Anord-
nung der in Theilung begriffenen Nester im Verhältnisse zu den
sich nicht theilenden Nestern kommt bei Collosphaera vor, indem
hier nur die innern noch schalenlosen Individuen sich theilen. Da-
gegen scheint bei den Thalassicoliiden noch nach der Entwickelung
des Skeletes die Theilung möglich. Die Vermehrung durch endo-
gene Keimbilduug besteht darin, dass der gesammte Inhalt der
Centralkapsel in viele gleiche Portionen (Tochternester) zerfällt, de-
ren jede sich mit einer Membran umgiebt. Wahrscheinlich gehen
dann die Tochternester durch Platzen der Kapsel auseinander. Die
Bedeutung der centralen Oelkugel und ihr merkwürdiges, oft sehr
abweichendes Verhalten konnte nicht befriedigend erklärt werden.
Zu einer befriedigenderen Einsicht gelangte Verf in die Vorgänge
des Wachsthums. Bei einer Beihe von Badiolarien ist anzunehmen,
dass gar kein Wachsthura des Skeletes stattfindet , sondern dass
dasselbe zu einer gewissen Zeit momentan mit einem Male in seinem
ganzen Umfange gebildet wird. Dies gilt für die einfachen gegit-
terten Sphaeroidschalen ohne Stacheln und wird bewiesen aus den
bereits erwähnten Eigenthümlichkeiten der Fortpflanzung von Col-
losphaera, bei der die sich theilenden centralen Nester nie von
irgend welchen Gitterstückchen umfasst werden. Dasselbe beweisen
die Zwillingsmissbildungen der Schalen von peripherisch vollkom-
men fertigen Nestern, welche so zu erklären sind, dass im Momente
der Schalenabscheidung die beiden Nester nicht fern genug lagen.
Das Wachsthura der radialen Stacheln ist entweder ein reines Län-
genwachsthum oder ein gleichzeitiges Längen- und Dickenwachs-
thum. Nur bei Coelodendrum findet in den hohlen verzweigten Kie-
selröhren eine continuirliche Resorption des Kieselskeletes und Er-
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 303
satz desselben durch ein neues statt. Die drei bereits von J. Mül-
ler unterschiedenen Formen des Schalenwachsthums (unipolares,
bilaterales und multipolares) findet Verf. an zahlreichen Beispielen
bestätigt, die in seinem Werke eine specielle Erörterung erfahren.
Die Frage nach dem Beweise der thierischen Natur der Radio-
larien veranlasst den Verf. zu einer Reihe von Betrachtungen über
die Unterschiede des thierischen und pflanzlichen Lebens überhaupt.
Empfindung und Bewegung sind nach Hä ekel keine Kriterien mehr,
da man bei niederen Thieren nur Reizbarkeit, die auch den Pflanzen
zukommt, nicht Bewusstsein nachweisen kann, und die Bewegungen
der Sarcode mit denen des Protoplasma völlig übereinstimmen.
Ebenso wenig existiren in den Erscheinungen der Ernährung und
Fortpflanzung entscheidende Gegensätze, so dass auch aus diesen Vor-
gängen die thierische Natur der Radiolarien nicht bewiesen werden
kann. Dagegen erkennt Verf. mitGegenbaur in der feinern Struk-
tur einen durchgreifenden Unterschied an. Er betrachtet die Viel-
zelligkeit als Differenzialcharakter des thierischen Lebens. Aus der
Beschaffenheit des Sarcodeleibes, der bei den Radiolarien wegen der
zahlreichen Sarcodekerne als das verschmolzene Protoplasma zahl-
reicher Zellen anzusehen ist, so wie aus dem Einflüsse selbstständig
gebliebener Zellen folgt demnach die thierische Natur. Auch bei
Actinophrys Eichhorni beobachtete H ä c k e 1 zerstreute Sarcodekerne.
Er stellt die Vermuthung auf, dass sich überhaupt bei allen Acytta-
rien diese Bildungen finden werden, woraus sich die Folgerung ab-
leitet, dass alle echten Rhizopoden (Acyttarien und Radiolarien) als
Thiere anzusehen sind. In eingehender Weise handelt sodann Verf.
von der Verbreitung der Radiolarien (S. 166 — 191). Alle bis jetzt
lebend beobachteten Radiolarien wurden an der Oberfläche des
Meeres gefischt, im Gegensatze zu den Polythalamien, welche auf
dem Grunde des Meeres leben. Indess führen auch jüngere Polytha-
lamien, Globigerinen und Orbulina universa eine gleiche pelagische
Lebensweise. Wie J. Müller bei St. Tropez , so fischte auch
Häckel diese Formen fast täglich in Messina, namentlich im Fe-
bruar. In diesem Alter sind die erwähnten Polythalamien mit Mas-
sen haarförmiger Kalkröhrchen ausgestattet, die ihnen vielleicht das
Flottiren erleichtern. Die Radiolarien führen dagegen beständig eine
pelagische Lebensweise. Ihr Auftreten an der Oberfläche hängt von
der Beschaffenheit der See und des Wetters ab. Die reichste Aus-
beute liefern klare windstille Tage bei nicht zu hellem und warmem
Wetter, wenn der Meeresspiegel recht glatt und wellenlos, und die
Masse der übrigen pelagischen Thiere nicht zu gross ist. Weniger
als gegen die Wellenbewegung und Anhäufung von Schmutz und
Erdtheilen im Seewasser sind sie gegen den Regen empfindlich. Der
Hafen von Messina aber scheint durch seine geschützte Lage so wie
304 Leuckart; Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
durch die täglich zweimal eintretende, von Nordost kommende Strö-
mung für das Vorkommen der Radiolarien äusserst günstig. Es
scheint, als wenn dieselben auch in den tieferen Wasserschichten
verbreitet sind, wenigstens fanden sie sich in einer Tiefe von 13
Fuss gleich zahlreich , und an heiteren, sonnigen Tagen waren die
Acanthometren und Polycystinen in einer Tiefe von 5 — 6 Fuss häu-
figer als oben. Sind die Radiolarien, wie Haeckel mit Müller
annimmt, in grossen Wassermassen bis zu einer bedeutenden Tiefe ver-
theilt, so erklärt sich hieraus die vonEhrenberg gefundene That-
sache, dass ihre Kieselskelettheile mit zunehmender Tiefe ebenfalls
zunehmen, sehr natürlich, ohne Ehrenberg's Theorie von der
unterseeischen, die tiefsten Abgründe bevölkernden Fauna beipflich-
ten zu müssen. Es scheint dem Verf die von Ehrenberg gege-
bene Analysenreihe überhaupt nicht genügend, um die allgemeinen
weitreichenden Schlüsse desselben zu begründen. Nach den vor-
liegenden Angaben kann man vielmehr nur vermuthen, dass im All-
gemeinen, kleine Schwankungen abgerechnet, von einer gewissen
mittleren Tiefe an die Zahl der Polycystinenschalen nach unten hin
steigt, die der Polythalamienschalen abnimmt. Auch sind die Mit-
theilungen Ehrenberg's nicht im entferntesten zum Beweise aus-
reichend, dass die Radiolarien in so bedeutenden Meerestiefen leben.
Es scheint überhaupt sehr unwahrscheinlich, dass in Abgründen von
10,000 — 26,000 Fuss Tiefe noch lebende Organismen ausdauern kön-
nen (? Ref.).
Die bereits in Haeckel's vorjähriger Abhandlung gegebenen
historischen und kritischen Erläuterungen über die Stellung der
Radiolarien zu den Rhizopoden werden in speciellerer Darlegung
(p. 194' — 213) ausgeführt und durch zahlreiche treffliche Bemerkun-
gen unterstützt.
Die systematischen Ansichten unseres Verf.'s (S. 213— 237) er-
hellen am besten aus der hier nachfolgenden Uebersicht der natür-
lichen Familien und Subfamilien der Radiolarien:
A. Radi ol ar ia monozoa (monocyttaria). Radiolarien mit
einer einzigen Centralkapsel, oder isolirt lebende Einzelthiere.
A. a. Ectolithia. Monozoe Radiolarien ohne Skelet oder
mit extracapsularem Skelet-
I. Collida. Skelet fehlt oder besteht nur aus mehreren einzel-
nen zusammenhangslosen , rings um die Centralkapsel zerstreuten
Stücken (spicula). Centralkapsel kugelig.
1. Thalassicollida (Gen. ThalassicoUa, Thalassolampe). Skelet
fehlt völlig.
2. Thalassosphaerida (Gen. Physematium, Thalassosphaera,
Thalassoplanota). Skelet besteht aus mehreren einzelnen , unver-
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 305
bundenen Stücken, welche in tangentialer Lagerung die Centralkap-
sel umgeben.
3. Aulacanthida (Gen. Aulacantha). Skelet besteht aus mehre-
ren einzelnen, unverbuudenen Stücken, welche die Centralkapsel
theils in tangentialer, theils in radialer Lagerung umgeben.
IL Äcanlhodesmida. 4. Acanthodesmida. (Gen. Lithocircus,
Zygostephanus, Acanthodesmia, Plagiacantha, Prismatium, Dictyocha.)
Skelet besteht aus einigen wenigen, oft unregelmässig verbundenen
Bändern oder Stäben, welche ein lockeres Geflecht mit wenig weiten
Lücken, aber kein eigentliches Gittergehäuse zusammensetzen. Cen-
tralkapsel in dem leeren Räume in der Mitte des Geflechts, nicht von
Balken durchsetzt, meist von kugeliger Form.
IIL Cijriida. Skelet besteht aus einer einfachen oder durch
longitudinale oder transversale Stricturen in zwei oder mehrere theils
über, theils neben einander liegende Glieder abgetheilten Gitter-
schale von sehr verschiedener Gestalt (Grundformen: Kugel, El-
lipsoid, Cylinder, Spindel). Trotz der verschiedenartigsten Gestalt
ist stets eine bestimmt ausgesprochene ideale Längsaxe erkennbar,
deren beide Pole ganz verschieden gebildet sind. Der erste oder
obere Pol (Apicalpol, Scheitelpol) ist kuppeiförmig gewölbt und
übergittert, der zweite oder untere Pol (Basalpol , Mündungspol)
meist mit einer weit offenen Mündung oder mit ganz verschiedener
Gitterbildung. Das Wachsthum der Schale beginnt mit der Bildung
des ersten Poles und hört am zweiten auf. Die Centralkapsel ist
im oberen Theile der Schale eingeschlossen und gegen den untern
hin meist in mehrere Lappen gespalten.
5. Monocyrtida. (Gen. Pylosphaera, Haliphormis, Cyrtocalpis,
Litharachnium, Cornutella, Spirillina, Halicalyptra , Carpocanium).
Gitterschale einfach, ungegliedert, ohne Strictur.
6. Zygocyrtida. (Gen. Dictyospyris, Ceratospyris, Cladospy-
ris, Petalospyris). Gitterschale durch eine mittlere longitudinale
Strictur in zwei gleiche, nebeneinander liegende Glieder geschieden.
7. Dicyrtida. (Gen. Dictyocephalus, Lophophaena, Clathro-
canium, Lamprodiscus, Lithopera, Lithomelissa, Arachnocorys, Dictyo-
phimus , Eucecryphalus , Anthocyrtis , Lychnocanium). Gitterschale
durch eine transversale Strictur in zwei ungleiche, über einander
liegende Glieder geschieden.
8. Stichocyrtida. (Gen. Lithocampe, Eucyrtidium, Thyrsocyr-
tis, Lithocorythium, Pterocanium, Dictyoceras, Lithornithium, Rho-
palocanium, Pterocodon, Podocyrtis, Dictyopodium). Gitterschale
durch zwei oder mehrere transversale Stricturen in drei oder meh-
rere, über einander liegende ungleiche Glieder geschieden.
9. Polycyrtida. (Gen. Spyridobotrys , Lithobotrys , Botryo-
campe, Botryocyrtis). Gitterschale durch zwei oder mehrere, theils
Archiv f. Naturg. XXIX. Jahrgr. 2. Bd. U
306 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
longitudinale, theils transversale Stricturen in drei oder mehrere,
theils neben, theils über einander liegende ungleiche Glieder ge-
schieden.
IV. Elhmosfhaerida. Skelet besteht aus einer einzigen einfa-
chen, extracapsularen, sphäroiden Gitterschale, oder aus mehreren
concentrischen, in einander geschachtelten und durch radiale Stäbe
verbundenen Gitterkugeln, deren innerste die concentrische kuge-
lige Centialkapsel umschliesst.
10. Heliosphaerida. (Gen. Cyrtidosphaera, Ethmosphaera, He-
liosphaera). Skelet besteht aus einer einzigen extracapsularen Gitter-
kugel mit oder ohne radiale Stacheln.
11. Arachnosphaerida. (Gen. Diplosphaera, Arachnosphaera.)
Skelet besteht aus zwei oder mehreren concentrischen, in einander
geschachtelten und durch radiale Stäbe verbundenen extracapsularen
Gitterkugeln.
y. Aulosphaerida. 12. Aulosphaerida. (Gen. Aulosphaera. )
Skelet ist zusammengesetzt aus mehreren einzelnen hohlen, theils
radialen, theils tangentialen Röhren, von denen diese als Netzbal-
ken eine einfache Gitterkugel zusammensetzen, während jene als
radiale Stacheln von deren Knotenpunkten ausgehen. Centralkapsel
kugelig, schwebt frei in der Mitte der Gitterkugel.
A.b. Entolithia. Monozoe Radiolarien mit extracapsularem
und intracapsularem Skelete.
yi. Coelodendrida. 13. Coelodendrida. (Gen. Coelodendrum).
Skelet beseht aus einer von der kugeligen Centralkapsel umschlos-
senen sphäroiden (?) Gitterschale, von der mehrere hohle, die Kapsel
durchbohrende (?) radiale Stacheln ausgehen.
yil. Cladococcida. 14. Cladococcida. (Gen. Rhaphidococcus,
Cladococcus.) Skelet besteht aus einer von der kugeligen Central-
kapsel umschlossenen Gitterkugel, von der mehrere einfache oder
verzweigte, solide, die Kapsel durchbohrende radiale Stacheln aus-
gehen.
yill. Acanthrometrida. Skelet besteht aus mehreren radialen
Stacheln, welche die Centralkapsel durchbohren und in deren Cen-
trum sich vereinigen, ohne eine Gitterschale zu bilden. Die extra-
capsularen gelben Zellen, die allen übrigen Radiolarien zukommen,
fehlen allgemein. Die Pseudopodien bleiben am todten Thiere als
Cilienkränze auf den die Stacheln umhüllenden Gallertscheiden sichtbar.
15. Acanthostaurida. (Gen. Acanthometra, Xiphacantha, Am-
philonche, Acanthostaurus, Lithopera.) Skelet ist zusammengesetzt
aus 20 nach M ü 1 1 e r's Gesetze symmetrisch vertheilten radialen
Stacheln, welche in der Mitte der Centralkapsel in einander ge-
stemmt und durch Anlagerung verbunden sind.
16. Astrolithida (Gen. Astrolithium , Staurolithium. ) Skelet
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 307
besteht aus 20 nach Mü lief's Gesetze symmetrisch vertheilten ra-
diäleü Stacheln, welche in der Mitte der Centralkapsel zu einem
einSiigön Untheilbaren sternförmigen Stücke verschmolzen sind.
17. Litholophida. (Gen. Litholophus.) Skelet zusammenge-
setzt aus mehreren radialen, ohne bestimmte Anordnung nach ver-
schiedenen Seiten divergirenden Stacheln, deren Enden in einem
gemeinsamen Mittelpunkte innerhalb der Centralkapsel durch Anla-
gerung verbunden sind.
18. Acanthochiasmida. (Gen. Acanthochiasma. ) Skelet zu-
sammengesetzt aus radialen Stacheln, welche die Centralkapsel dia-
metral durchsetzen, mithin zweimal durchbohren, und in deren Cen-
trum sich berühren, aber, ohne sich zu verbinden, an einander vor-
übergehen.
IX. Diploconida. 19. Diploconida. (Gen. Diploconus.) Skelet
besteht aus einer homogenen, nicht gegitterten Kieselschale, welche
die Centralkapsel umschliesst und in deren Längsaxe ein langer,
die Kapsel der Länge nach durchbohrender Stachel verläuft, dessen
Mitte mit dem mittleren Theile der Schale verbunden ist. Die von
der eingeschlossenen Centralkapsel ausstrahlenden Pseudopodien tre-
ten bloss durch zwei weite Oeffnungen (Mündungen) an den beiden
gleichgebildeten Endpolen der Längsaxe hervor.
X. Ommalida. Skelet besteht aus einer einzigen extracapsu-
laren sphäroiden Gitterschale oder aus mehreren concentrischen, in
einander geschachtelten und durch radiale Stäbe verbundenen sphä-
roiden Gitterschalen. Die Centralkapsel wird stets von (mindestens)
einer Gitterschale umschlossen und von radialen, von der letzteren
centripetal ausgehenden Stäben durchbohrt, welche sich in oder um
deren Centrum vereinigen.
20. Dorataspida. (Gen. Dorataspis, Haliommatidium.) Skelet
besteht aus einer einzigen einfachen sphäroiden Gitterschale, welche
die Centralkapsel einschliesst, und von der radiale Stacheln aus-
gehen, die die letztere durchbohren und in deren Centrum in ein-
ander gestemmt sind.
21. Haliommatida. (Gen. Aspidomma, Haliomma, Tetrapyle,
Heliodiscus, Ommatospyris, Ommatocampe.) Skelet besteht aus zwei
concentrischen, durch radiale Stacheln verbundenen sphäroiden Git-
terschalen, von denen die eine innerhalb, die andere ausserhalb der
Centralkapsel liegt.
22. Actinommatida. (Gen. Actinömma , Didymocyrtis, Cro-
myomma, Chilomma.) Skelet besteht aus drei, vier oder mehr con-
centrischen, durch radiale Stacheln verbundenen sphäroiden Git-
terschalen, von denen ein Theil innerhalb, ein Theil ausserhalb der
Centralkapsel liegt.
XI. Spongurida. Skelet gan2 oder theilweise schwammig, be-
308 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschiclite
steht entweder im äusseren Theile oder in der ganzen Masse aus
einem regellos gehäuften Aggregat lockerer Fächer oder unvollkom-
mener Kammern. Centralkapsel von dem schwammigen Skelete
durchzogen und umschlossen.
23. Spongosphaerida. (Gen. Rhizosphaera , Spongosphaera,
Dictyoplegma, Spongodictyum.) Skelet im äusseren Theile unregel-
mässig schwammig, in der Mitte der Centralkapsel mit zwei oder
mehreren concentrischen, in einander geschachtelten und durch ra-
diale Stäbe verbundenen regulären Gitterkugeln.
24. Spongodiscida. (Gen. Spongodiscus, Spongotrochus, Spon-
gurus, Dictyocoryne , Rhopalodictyum.) Skelet durch und durch
unregelmässig schwammig, mit regellos gehäuften Fächern.
25. Spongocyclida. (Gen. Spongocj'^clia, Stylospongia, Spong-
asteriscus.) Skelet im äusseren Theile unregelraässig schwammig,
in der Mitte mit mehreren, in regelmässige concentrische Ringe ge-
ordneten Reihen von Fächern oder Kammern.
VII. Discida. Skelet eine flache oder linsenförmig biconvexe
Scheibe, aus zwei ' parallelen oder concav gegen einander gewölb-
ten, durchlöcherten Platten zusammengesetzt, zwischen denen meh-
rere concentrische Ringe oder die Windungen eines Spiralbalkens
verlaufen. Indem letztere durch radiale Balken geschnitten werden,
entstehen zwischen beiden Platten regelmässige cyclisch oder spira-
lig geordnete Reihen von Kammern. Centralkapsel scheibenförmig,
in der Scheibe eingeschlossen und von deren Kammerwerk durch-
zogen.
26. Coccodiscida. (Gen. Lithocyclia, Coccodiscus, Stylocyclia,
Astromma, Hymeniastrum.) Die centrale Kammer der gekammer-
ten Scheibe allseitig von einer einzigen oder von mehreren concen-
trischen, in einander geschachtelten und durch radiale Stäbe ver-
bundenen sphäroiden Gitterschalen umschlossen. Die um die äusserste
Gitterschale sich anlagernden Kammerreihen sind in concentrische
Ringe geordnet.
27. Trematodiscida. (Gen. Trematodiscus, Perichlamydium,
Stylodictya, Rhopalastrum, Histiastrum, Euchitonia, Stephanastrum.)
Die centrale Kammer der gekammerten Scheibe nicht von den übri-
gen verschieden, welche sich in concentrische Ringe um dieselbe
anlagern.
28. Discospirida. (Gen. Discospira, Stylospira.) Die centrale
Kammer der gekammerten Scheibe nicht von den übrigen verschie-
den, welche sich in Spiralwindungen um dieselbe anlagern.
XIII. Liihelida. 29. Lithelida. (Gen. Lithelius.) Skelet ku-
gelig oder ellipsoidisch, besteht aus mehreren, mit ihren Flächen ver-
bundenen parallelen Scheiben, deren jede, wie eine Discospiride, aus
einer Reihe von Kammern besteht, die spiralig um die Axe der
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 309
Scheibe laufen. Diese allen Scheiben gemeinsame Axe, um welche
alle Spiralen Karamerreihen herumlaufen, steht bei den ellipsoiden
Formen senkrecht auf der längsten Axe des Ellipsoids. Central-
kapsel kugelig oder ellipsoidisch, in der Schale eingeschlossen und
von deren Kammerwerk durchzogen.
B. Radi olaria polyzoa {P olycy ttari a). Radiolarien
mit mehreren Centralkapseln, oder gesellig lebende Thiercolonien.
XIV. Sphaerozoicia. Skelet fehlt oder besteht aus mehreren
einzelnen, zusammenhanglosen, rings um die Centralkapseln zerstreu-
ten Stücken (spicula).
30. CoUozoida. (Gen. CoUozoum.) Skelet fehlt völlig.
31. Rhaphidozoida. (Gen. Sphaerozoum, Rhaphidozoum.) Ske-
let besteht aus mehreren einzelnen, unverbundenen Stücken, welche
in tangentialer Lagerung die Centralkapseln umgeben.
XY. Collosphaerida. 32. Collosphaerida. (Gen. CoUosphaera,
Siphonosphaera.) Skelet besteht aus einfachen Gitterkugeln , von
denen jede eine Centralkapsel umschliesst.
Der zweite specielle Theil dieser klassischen Monographie ent-
hält (S. 243 — 570) die systematische Beschreibung der Familien,
Gattungen und Arten der Radiolarien, wobei, wie schon oben be-
merkt, auch die von Ehrenberg u. A. beschriebenen lebenden
wie fossilen Formen Berücksichtigung finden. Die Zahl der beschrie-
benen Arten beträgt im Ganzen 332, unter denen 169 von unserem
Verf. in Messina lebend beobachtet und mit wenigen Ausnahmen
ikonographisch dargestellt sind. Unter den letztern sind 146 sog.
novae species, die über eine beträchtliche Menge neuer Geschlech-
ter sich ertheilten, zum grössten Theile aber nach einer früheren
Mittheilung des Verf.'s schon im letzten Jahresberichte von uns
angezogen sind. Die zum ersten Male hier aufgezählten und be-
schriebenen Arten sind folgende:
Thalassicolla zanclea, Thal a s s ol amp e (n. gen.) margarodes,
Zygostephanus (n. gen.) Mülleri, Pefalospyris aracknoides, S p y~
ridobotrys (n. gen.) trinacria, Bolnjocnmpe hexalhalamia, Acan-
Ihometva Wageneri, Äcanlhochiasma rniescens Krohn (Madeira). Ha-
liommatidium feneslratum, Spongosphaera helioides, Spongodiscus me-
diterraneus, Spongolrochus arachnivs , Spongotroclius heleracanlhvs,
Diclijocoryne euchilonia, Slylospongia Iluxleyi, Coccodiscvs (n.
gen.) Darwinii , EuchiloJiia Bechmamii, Euchilonia Gegenbauri, Eu-
chilonia Krohnii (Madeira), Slylospira (n. gen.) Dvjatdinii, Di-
scospira operculina, Lilhelius nlreoHna.
Ebenso lassen wir hier die Diagnosen der zum ersten Male
aufgestellten neuen Genera folgen:
Th ala s solamp e. Skelet fehlt völlig. Centralkapsel ku-
gelig, schliesst im Centrum eine einfache kugelige Binnenblase ein,
310 Leuckart: Beriolit üb. d. Leist. in d. Natiirgeschickte
und ist gefüllt mit grossen, kugeligen wasserhellen Alveolenzellen
und kleinen ähnliclien Bläschen, zwischen denen ein ausgebreitetes
Netz von Sarcodeströmen sich hinzieht. Die Aussenfläche der Cen-
tralkapsel ist von einem Mutterboden ohne Alveolen und ohne
Pigment umlagert, in welchem gelbe Zellen zerstreut sind und von
dem die Pseudopodien ausstrahlen.
Thalas s osphaera. Skelet wird d\irch mehrere einzelne
solide, nicht hohle Spicula vertreten, welche in tangentialer Rich-
tung rings um die Centralkapsel in der Matrix zerstreut sind. Cen-
tralkapsel kugelig, mit kleinen Bläschen und Körnchen gefüllt, ent-
hält keine centripetalen Zellengruppen und keine Alveolenzellen.
(Sp. Thal, morum Müll. u. a.)
Thalassoplancta. Skelet wird durch mehrere einzelne
hohle röhrenförmige Spicula vertreten, welche in tangentialer Rich-
tung rings um die von Pigmenthaufen umlagerte Centralkapsel zer-
streut sind. Centralkapsel kuglig, mit kleinen Bläschen und Kör-
nern gefüllt, enthält keine centripetalen Zellengruppen und keine
Alveolenzellen. (Sp. Th. cavispicula Hack.)
Zygoslephanus. Skelet besteht aus zwei gleichen einfa-
chen, glatten oder mit Zacken und Aesten besetzten Kieselringen,
welche in der Art verbunden sind, dass ihre beiden Ebenen sich
gegenseitig halbiren und senkrecht auf einander stehen. (Sp. Zygo-
stephanuä MüUeri Häckel.)
P ri smatium. Skelet besteht aus wenigen geraden oder
leicht gebogenen Kieselstäben , welche in der Weise regelmässig
verbunden sind, dass sie den Kanten eines regulären Prisma ent-
sprechen. In der Mitte des prismatischen Raumes sehwebt die
Centralkapsel. (Sp. Prismatium tripleurum Häckel.)
Dicty oceras. Gitterschale mehrgliederig, durch zwei oder
mehrere ringförmige Querstricturen tu drei oder mehrere über ein-
ander liegende ungleiche Glieder abgetheilt, mit gegitterten (nicht
einfachen) Anhängen am zweiten Gliede , ohne Anhänge an der
Mündung, welche einfach, weit, nicht übergittert ist, (Sp. Dictyoce-
ras Yirchowii Häckel.)
Spyridobotrijs. Gitterschale mehrgliederig , durch eine
ringförmige Querstrictur in zwei über einander liegende ungleiche
Glieder abgetheilt, von denen das zweite (untere) wieder durch eine
halbringförmige Läugsstrictur (parallel der Längsaxe) in zwei ne-
ben einander liegende gleiche Glieder zerfällt; die Mündung (am
Basalpole der Schale) übergittert. (Sp. Spyridobotrys trinacria n. sp.)
Staur olithium. Skelet besteht aus 20 radialen, symmetrisch
nach MüUer's Gesetz vertheilten Stacheln ohne Querfortsätze,
welche in der Mitte zu einer homogenen Masse verschmolzen sind,
und von denen die vier rechtwinklich gekreuzten Stacheln der yer-
der niederen Thiere während der Jahre 1861—1862. 311
tikalen und horizontalen Hauptaxe länger und stärker, oder auch
anders gestaltet sind, als die übrigen 16 Stacheln. (Sp. Stauroli-
thium cruciatum Häckel.) ^
Heliodiscus. Skelet besteht aus einer biconvexlinsenför-'
migen extracapsularen Rindenschale, welche von den beiden Polen
der stark verkürzten Längsaxe aus zusammenwächst und sich durch
radiale, die linsenförmige Centralkapsel durchbohrende Stäbe mit
der kugeligen concentrischen intracapsularen Markschale verbindet.
(Sp. Heliodiscus phacodiscus Häckel u. a.)
Cr omy 0 m ni a. Skelet besteht aus vier oder mehreren concen-
trischen und durch Radialstäbe verbundenen kugeligen oder ellipsoi-
den Gitterschalen, von denen ein Theil innerhalb, ein Theil ausser^
halb der Centralkapsel liegt; die äusserste Gitterschale ohne vor-
tretenden ringförmigen Aequatorialgürtel. (Sp. Cromyomma qua-
druplex Häckel.)
Spongodiclyum. Skelet besteht aus einer kugeligen oder
rundlichen schwammigen Rinde, welche sowohl innerhalb als aus-
serhalb der Centralkapsel entwickelt ist und drei concentrische ku-
gelige oder sphäroide gegitterte (intracapsulare) Markschalen un-
mittelbar umgiebt. Keine radiale Stacheln. (Sp. Spongodictyum
trigonizon Häckel.)
Spongocyclia. Skelet eine kreisrunde oder verschieden
gestaltete , flache oder biconvexe schwammige Scheibe ohne alle
Anhänge, im inneren Theile aus kreisrunden concentrischen Ringen
von regelmässig geordneten Kammern, im äussern aus regellos ge-
häuften Kammern zusammengesetzt. (Sp. Spongocyclia cycloides
Häckel u. a.)
S tylo sp ong ia. Skelet eine kreisrunde oder verschieden ge-
staltete, flache oder biconvexe schwammige Scheibe, mit einfachen
griffel- oder nadeiförmigen radialen Stacheln, im inneren Theile aus
kreisrunden concentrischen Ringen von regelmässig geordneten Kam-
mern, im äusseren aus regellos gehäuften Kammern zusammenge-
setzt. (Sp. Stylospongia Huxleyi Häckel.)
Spoiifi as t er iscu s. Skelet eine kreisrunde oder verschieden
gestaltete , flache oder biconvexe schwammige Scheibe mit brei-
ten armartigen radialen Fortsätzen, die mit der Scheibe in einer
Ebene liegen. Diese bestehen, gleich dem äusseren Theile der
Scheibe, aus schwammigem Fächerwerk mit regellos gehäuften Kam-
mern, während die Mitte der Scheibe aus kreisrunden concentri-
schen Ringen von regelmässig geordneten Kammern zusammenge-
setzt ist. (Sp. Spongasteriscus quadricornis Häckel.)
Coccodiscus. Skelet eine flache oder biconvexe, kreisrunde'
oder länglichrunde, gekammerte Scheibe, in der Mitte mit drei oder
mehr concentrischen, kugeligen oder sphäroiden Gitterschalen, welche
312 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
aussen von mehreren concentrischen, durch Radialbalken verbunde-
nen und zwischen zwei porösen Deckplatten eingeschlossenen Kreis-
balken umgeben sind. Keine Anhänge am Scheibenrand. (Sp. Coc-
codiscus Darwinii Häckel.)
Discospira. Skelet eine flache oder biconvexe , fast kreis-
runde, gekammerte Scheibe, zwischen deren beiden porösen Deck-
platten die Windungen eines unterbrochenen Spiralbalkens verlau-
fen, welche durch Radialbalken verbunden sind. Keine Anhänge am
Rande der Scheibe. (Sp. Discospira helicoides Häckel, Discospira
operculina Häckel.)
Stylospira. Skelet eine flache oder biconvexe, fast kreis-
runde, gekammerte Scheibe, zwischen deren beiden porösen Deck-
platten die Windungen eines unterbrochenen Spiralbalkens verlaufen.
Diese letzteren sind durch Radialbalken verbunden, welche sich am
Rande der Scheibe in einfache, griffel- oder nadeiförmige, radiale
Stacheln verlängern, die in der mittleren Horizontal -Ebene der
Scheibe liegen. (Sp. Stylospira Dujardinii n. sp.)
C 0 llozoum. Mehrere durch Sarcodenetze verbundene Cen-
tralkapseln (Einzelthiere) sind in ein gemeinschaftliches Alveolen-
Aggregat (Thierstock) eingebettet. Skelet fehlt völlig. (Sp. Collo-
zoum inerme J. Müll. u. a.)
Rh ap hid ozo u m. Skelet wird durch mehrere einzelne, so-
lide Spicula von zweierlei oder mehrerlei verschiedener Gestalt ver-
treten, welche gewöhnlich in tangentialer Lagerung rings um jede
der gesellig verbundenen Centralkapseln in deren Matrix zerstreut
sind. (Sp. Rhaphidozoum acuferum Häckel.)
Zu den Arten, die unser Yerf. neben den von ihm selbst beob-
achteten in Betracht zieht, gehören auch die von Ehrenberg in
den Berl. Monatsberichten 1861. S. 295 — 301 kurz charakterisirten
Species, die wie nachstehend benannt sind:
Acanthosphaera haliphorinis , Ac. (?) zonaster , A mphi c e n-
tria (n. gen.) salpa, Botiyocampe inflata Bail., Carpocanium arach-
nodiscus , C. cornutum Bail. (?), Chilomma Saturnus , Cornutella (?)
pygmaea, C. (?) annulata Bail., Cycladophora (?) Davisiana, Diclyo-
cephalits hispidus, D. pyntm, Eucyrtidium cornutella, Eu. cuspidatum
Bail., Ell. hispidum , Eu. hypcrhoreum Bail., Eu. tumidulum Bail.,
Eu. increscens, Eu. linealum, Eu.{^) ocellotum, Eu. quadriarticulatum,
Eu. C?) reliculum, Flustrella {7) haiiomma , Fl. spiripora , Halicaly-
ptra(?) hexathyris, Lithobotrys borealis , Lithomelissa (?) hicornis,
Pterocodon Davisianus^ Rhopalodictyum subacutum , Rh. truncalum,
Schizomma quadrilobnm, Spongaster tclras, Spongodiscus favus. Sämmt-
lich aus Tiefgrundproben des nördlichen atlantischen Oceans.
Diagn. n. gen. Amphice nlriae (e polycystinis compositis ?).
Lorica turgida subcylindrica cellulosa, spongiacea, nucleo nuUo.
der niederen Thiere während der Jahre 1861 — 1862. 313
Cellularum irregularium magnaram series externae obliquae. Uter-
que finis truncatus spinosus. Forma paradoxa. (Dürfte nach Ha-
ck e 1 mit dem schon früher von letzterem aufgestellten Gen. Spon-
gurus zusammenfallen.)
Die sonderbaren Myx omyceten betreffend, so ent-
scheidet sich Wigand auf Grund zahlreicher eigener
Untersuchungen — wie es Ref. scheint, mit allem Rechte
— dahin, dass es das Pflanzenreich sei, dem dieselben
nach wie vor verbleiben müssten. Jahrbücher für wis-
sensch. Botanik IIL (Zur Morphologie und Systematik der
Gattungen Trichia und Arcyria) S. 1 — 58 mit 3 Tafeln
Abbildungen.
Ebenso spricht sich auch Po körn y (Bonplandia
1862. S. 72) aus, während de Bary seine Ansicht von
der Thiernatur derselben aufrecht erhält (Flora, 1862),
ohne jedoch neue (Gründe dafür beizubringen.
Auch Cienkowsky möchte sich nicht direkt für
die Thiernatur dieser wunderbaren Organismen erklären,
obwohl er in den hyalinen Protoplasmafäden (PlasmodiumC.)
contractile Yacuolen entdeckte und auch die Aufnahme
fremder Körper von Seiten der aus den Sporen hervor-
gekrochenen amöbenartigen Jugendzustände (Myxamö-
ben C.) ausser Zweifel stellte. Er scheint eher geneigt,
die Myxomyceten als eine Uebergangsgruppe von Thier
zu Pflanze zu betrachten, da in ihnen so vielerlei animali-
sche Kennzeichen mit vegetabilischen innig verwebt seien.
Die von den Myxamöben gefressenen Stärkemehlkörnchen
wurden übrigens nach einiger Zeit unverändert wieder
ausgeworfen, während die aufgenommenen Sporen sich
mit ihrem Inhalte der Protoplasmamasse beimischten. Trotz
der Leichtigkeit, mit der die Myxamöben auch sonst mit
einander verschmelzen, bleiben die Plasmodien generisch
verschiedener A.rten doch stets isolirt neben einander.
Jahrbücher u. s. w. a. a. 0. S. 325 — 337.
Gregarinae.
Von Eberth erhielten wir ausführliche Mittheilun-
gen über die dem Gen. Monocystis zugehörenden Gre-
314 Leuckart: Bencht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte etc.
garlnen der Cephalopoden^ die uater der äusseren Haut,
in den Körpermuskeln, den Venenanhängen, der Darm-
wand und den Geschlechtsorganen oftmals in ausser-
ordentlicher Menge gefunden werden. Die Gregarine
ist eine völlig runde bewegungslose Zelle mit grossem
Kerne und Kernkörper, die bis zur Grösse von 2 Mm.
heranwächst und dann ohne vorhergegangene Conjugation
sich in eine Psorospermienkugel verwandelt. Der Kern
der Gregarine geht hierbei verloren und der körnige In-
halt derselben ballt sich in einzelne kleine Kugeln zu-
sammen, die je mit einer festen kapselartigen Hülle sich
umkleiden. In der Regel enthält jede Psorospermie einen
Kern, doch giebt es auch Exemplare mit 3 und 4 Ker-
nen, selbst solche, die ausser dem Kerne einige zusam-
mengerollte Fäden enthalten. Zeitschrift für wissensch.
Zool. Bd. XI. S. 397 mit Abbild.
Claparede stiess bei seinen Untersuchungen über
den Bau der Anneliden auf zahlreiche meist neue For-
men von Gregarinen, die er beschreibt und abbildet (1. c.
p. 89 — 92), ohne dabei jedoch der Lebensgeschichte die-
ser noch immer so problematischen Geschöpfe ein neues
Moment hinzuzufügen. Die beobachteten Arten stam-
men aus Pachydrilus semifuscus, aus verschiedenen Phjl-
lodocearten (5 Species), so wie aus Capitclla capitata
(= Gr. hastata Lt.) und gehören sämmtlich zu dem Stein'-
schen Gen. Monocystis.
Nach einer beiläufigen Bemerkung von Leydig
(Archiv für Anat. u. Physiol. 1862. S. 191) hat dieser in
neuerer Zeit eine Beobachtung gemacht, die ihm Grund
zu der Annahme giebt, dass die Psorosperraien und die
damit unzweifelhaft verketteten Gregarinen den pflanzli-
chen Gebilden zuzurechnen seien. Das Object dieser
Beobachtung verspricht Verf. bei einer späteren Gelegen-
heit ausführlich zu behandeln.
Bericht über die wisseiischaftlicheii Leistungen im
Gebiete der Entomologie während des Jabres I86S.
Von
A. Clerstaecker
in Berlin.
Wenn der geistvollen Darwin'sche Theorie über
die Entstellung der Arten durch Erblichkeit und Natur-
Auswahl von ihren Gegnern, wie z.B. R. Wagner ein
ebenso schnelles Zurücksinken in die Vergessenheit pro-
phezeiet worden ist, wie sie zahlreiche Bewunderer und
Anhänger gefunden hat, so scheint sich dies wenigstens
im Bereiche der Entomologie vorläufig nicht zu bestäti-
gen. Im Gcgentheil haben sich auf diesem Gebiete, wel-
ches allerdings ganz vorzugsweise dazu angethan ist, für
diese Lehre ebenso zahlreiche als gültige Beweise zu
liefern, von Jahr zu Jahr immer mehr Stimmen, wie
Brunner, Claus, Pascoe, Bates u. a. für dieselbe
erhoben, wenn es gleich an Gegnern (Wollaston), deren
Beweisführungen sich übrigens meist leicht widerlegen
lassen, nicht ganz gefehlt hat. Sehen wir von denjenigen
ab, welche aus ängstlicher Sorge um Festhaltung des
doctrinären Artbegriffes sich gegen die D arwin'sche Theo-
rie verwahrten, so waren es bekanntlich in erster Reihe
die Geologen, welche dieselbe zu bekämpfen suchten, ob-
wohl die geringe Beweiskraft der geologischen Befunde
schon wegen der verschwindend geringen Zahl der bis
jetzt bekannt gewordenen, vielleicht auch überhaupt con-
servirten Reste der Vorwelt von Darwin selbst in über-
zeugendster Weise dargelegt worden ist — und während
es doch andererseits sich schon von vornherein als viel
ergiebiger empfohlen haben müsste, die Theorie an
316 Gerstaecker: Bericlat üb. d. wissenscli. Leistungen
den lebenden Geschöpfen zu prüfen. Unter diesen sind
aber offenbar solche, welche einerseits in grosser Zahl
von Individuen, andererseits in zahlreichen, einander oft
nahestehenden Formen auftreten, wie es gerade bei den
Arthropoden der Fall ist, diejenigen, welche am ersten
Resultate für einen etwaigen Nachweis der allmähligen
Umformung einer Art in eine andere liefern dürften, wenn
man sich nur nicht darauf beschränken zu können glaubt,
dieselben nach todtem Materiale zu studiren, sondern sich
die Mühe giebt, sie in ihrem Wesen und Treiben, beson-
ders auch in ihren mannigfachen Wechselbeziehungen —
wo möglich aber unter noch ganz intakten Naturverhält-
nissen zu beobachten. Gerade unter solchen Verhältnissen,
in einer noch ganz jungfräulichen und von allen Cultur-
Eingriffen noch völlig verschonten Natur, in dem 600 Mei-
len langen Thale des Amazonenstromes_, ist nun ein ebenso
unermüdlicher als sorgfältiger , mit gediegenen Kennt-
nissen und feinem Urtheile in gleichem Maasse ausgestatte-
ter Beobachter, W. Bat es an die Lösung der Frage von
der Constantheit, resp. temporären Veränderlichkeit der
Arten gegangen, welche er ganz im Dar win'sche Sinne
beantworten zu müssen glaubt. In der höchst interes-
santen Einleitung zu einem speciellen Thema („Contribu-
tions to an Insect Fauna of the Amazon Valley. Lepi-
doptera. Heliconidae." Transact. Linnean soc. of London
XXIII. p. 495 ff.) spricht derselbe auf Grund zahlreicher,
an Ort und Stelle vielfach wiederholter Beobachtungen
es als seine Ueberzeugung aus, dass sich noch heut zu
Tage aus den existirenden Arten allmählich und zwar
durch Vererbung bestimmter Eigenschaften neue hervor-
biiden; er will sogar den „process of the creation of ncw
species^ bei einigen Arten durch alle Stadien hindurch
verfolgt haben.
Die Unterlage zu den Beobachtungen des Verf.'s bildet die
Rhopaloceren- Gruppe der Heliconier, jene schon durch ihre Arten-
fülle für Süd- Amerika so charakteristische Sippe, welche in Betreff
der Feststellung der Arten bekanntlich die grössten Schwierigkeiten
darbietet. „Die Vermuthung," sagt der Verf. , ,.dass viele dieser
Heliconier - Arten nur Loeal - Modifikationen anderer seien, hat sich
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 317
durchaus als begründet erwiesen. Unter der grossen Zahl vollkom-
men sicherer Arten kommen einige vor, welche eine grosse Ver-
ändern chkeit zeigen; diese, glaube ich, geben Aufschluss über den
Ursprung der anderen. Diejenigen, welche die sichersten Resultate lie-
fern, sind Mechanitis Polymnia, Ithomia Orolina und Illinissa, Cerati-
nia Ninonia und die Lycorea- Arten. Die Varietäten derselben zeigen
alle verschiedenen Uebergänge zwischen einfachen individuellen Ab-
weichungen und deutlich markirten Lokalvarietäten oder Racen,
welche letztere nicht von wirklichen Arten zu unterscheiden sind,
wenn zwei oder mehrere von ihnen an derselben Lokalität und
zwar, ohne dass sie sich gegenseitig kreuzen, zusammen gefunden
werden. Diese Arten scheinen mir bei sorgsamem Studium zu dem
sicheren Schlüsse zu führen, dass viele der jetzt von einander ver-
schiedenen Heliconier - Arten aus Lokalvarietäten entsprungen sind,
welche sich von Abänderungen weit verbreiteter, präexistirender Arten
abgezweigt haben; denn diese bestimmten Formen oder Arten wei-
chen nicht wesentlich von unzweifelhaften Varietäten der genannten
Arten ab. Der Schöpfungsprozess neuer Arten wird, glaube ich,
bei den Ithomien und verwandten Gattungen durch die entschiedene
Neigung dieser Insekten, zur Paarung ausschliesslich genau über-
einstimmende Individuen zu wählen, beschleunigt — und dies er-
möglicht es auch, dass eine Zahl nahe verwandter nebeneinander
existiren, oder dass stellvertretende Formen zusammen mit ihren
nächsten Verwandten leben, ohne sich mit ihnen zu amalgamiren."
(Diese Beobachtung ist von ganz besonderem Interesse, da sie zeigt,
wie sogenannte „zoologische" Arten sich mit der Zeit in sogenannte
„physiologische" umwandeln , deren wesentliche Verschiedenheit R.
Wagner besonders urgiren zu müssen glaubt. Ref.). „Der Weg,"
fährt Verf. fort, „den die Natur bei Bildung dieser zahlreichen Lo-
kalarten eingeschlagen hat, ist, glaube ich, bei Mechanitis Polymnia
deutlich ausgeprägt; wir sehen hier die Herstellung derselben in
ihrem ganzen Verlaufe. Die Art ist weit verbreitet und variirend;
die äusseren Existenzbedingungen an gewissen Lokalitäten sind einer
oder mehreren hier existirenden Varietäten günstiger als anderen,
die mehr begünstigten dominiren daher über die anderen. Wir fin-
den in diesem sehr instruktiven Falle alle Stadien des Prozesses
von dem Ursprünge der Bildung einer Lokalvarietät (var. Egaensis)
bis zur vollständigen Abzweigung einer solchen, nämlich der von
allen Autoren als eigene Art angesprochenen var. Lysimnia. Bei
dieser Art werden die meisten Lokalvarietäten mit ihrer Stamm-
form durch Individuen verbunden, welche alle Abänderungs stufen
darstellen: und natürlich nur hieraus wissen wir, dass es eben Va-
rietäten sind." Nachdem der Verf sodann gezeigt, dass die Heli-
conier bei einzelnen Arten der Gattungen Papilo, Pieris Leptalis,
818 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Ithomeis, Dioptis, Pericopsis u. a. eine oft täuschende Nachbildung
gefunden haben , d. h dass letztere ihnen oft in Form, Grösse,
Färbung und Zeichnung so merkwürdig ähnlich sehen, dass jene
ihnen gleichsam als Modell gedient zu haben scheinen, liefert er an
einer Reihe von Beispielen den höchst interessanten Nachweis, dass
entsprechende Racen oder Arten der sogenannten ,,mimetic species"
die Lokalformen der Heliconier Schritt für Schritt begleiten, indem
sie in ganz ähnlicher "Weise wie jene abänderen. So finden sich
z. B. einige Leptalis-Formen ausschliesslich in demjenigen Verbrei-
tungsdistrikte , welchen die Ithomien , deren Ebenbilder sie sind,
bewohnen; nur sind erstere sehr selten, letztere sehr häufig, indem
sie etwa im Individuen -Verhältnisse von 1 : 1000 stehen. Beide
ebenso interessante als merkwürdige Umstände, nämlich das gleich-
zeitige Auftreten zweier oder mehrerer constanter Racen derselben
Art an einer und derselben Lokalität — und zweitens das Variiren
einer zweiten, generisch ganz verschiedenen Art genau nach dem Vor-
bilde einer der Racen jener ersten — Umstände, die einerseits zu
auffallend sind, andererseits sich aber zu oft wiederholen, um als
zufälliges Zusammentreffen angesehen werden zu können — glaubt
Verf. nur aus der natural selection erklären zu können. „Den Ur-
sprung der Lokalvarietäten," sagt er, „oder Racen kann man nicht
aus einer direkten Einwirkung physikalischer Verhältnisse auf die In-
dividuen herleiten, da bei vollständiger Congruenz dieser Verhält-
nisse an Lokalitäten von geringer Ausdehnung die am meisten von
einander abweichenden Varietäten beisammen vorkommen. Ebenso
wenig können jene Racen in einer Generation durch Zufall oder
durch ein einmaliges Variiren in jedem einzelnen Falle entstanden
sein. Es ist daher klar, dass hier einige andere Momente wirksam
sind, um planmässig und nach bestimmten Richtungen hin die all-
mählichen Varietäten hervorzubringen , welche Generation nach Ge-
neration entstehen, bis daraus Formen resultiren, welche gleich den
Racen von Leptalis Theonoe sowohl von ihren Stammeltern als von
ihren Schwesterformen gleich auffallend verschieden sind. Dies
Moment kann kein anderes als die Natur - Auswahl sein und zwar
werden die Vermittler derselben insektivore Thiere sein , welche
allmählich diejenigen Spielarten und Varietäten vertilgen, welche
den Ithomien nicht ähnlich genug sind, um eine Verwechselung
mit diesen zu veranlassen." Schon diese wenigen hervorgehobenen
Stellen aus der Abhandlung des Verf.'s, von welcher ein den Inhalt
desselben nur annährend erschöpfender Auszug die Gränzen dieses
Berichtes weit überschreiten würde, werden die weitgreifende Wich-
tigkeit seiner Beobachtungen auch nach anderen Seiten hin zur
Genüge erkennen lassen; insbesondere ist es die bisher vollkommen
anrichtige Fassung des Begriffes einer Lokalvarietät (vgl. z. B. auch
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 319
Staudinger, Entomol. Zeitung 1862. p. 341 f.), welche nach den
Beobachtungen von Bat es ganz aufgegeben werden muss, da nach
ihm sogar die äussersten Extreme einer Varietäten-Reihe an glei-
chen Lokalitäten vorkommen können, ohne durch Kreuzung wieder
in einander überzugehen.
Die unter den Arthropoden bis jetzt zur Kenntniss
gekommenen Fälle von parthenogenetisclier Fortpflan-
zung wurden von v. Siebold in einem vor der Akade-
mie der Wissenschaften zu München gehaltenem Vor-
trage ^lieber Parthenogenesis" (auch abgedruckt in der
Stett. Entom. Zeit. XXIII. p. 417 — 436) in ebenso klarer
als unparteiischer Weise besprochen und den Widersa-
chern dieser Lehre gegenüber von Neuem begründet.
Verf. vermag in der Parthenogenesis nichts Wunderba-
reres und von der allgemein gültigen Zeugungstheorie
Abweichenderes zu erblicken als in dem gleichfalls län-
gere Zeit hindurch mit Unglauben aufgenommenem Ge-
nerationswechsel, während er andererseits den früher von
ihm statuirten scharfen Gegensatz zwischen der unge-
schlechtlichen Fortpflanzung der viviparen Blattläuse und
der ohne Einwirkung des Sperma vor sich gehenden ge-
schlechtlichen Entwickelung aufrecht zu halten versucht.
(Vielleicht möchte gerade ein Aufgeben dieses Gegensatzes
der Parthenogenesis das ihr noch anklebende Wunder-
bare und Exceptionelle nehmen, besonders nachdem eine
sichere Unterscheidung von Eiern un-d Keimen während
ihrer ersten Anlage zur Unmöglichkeit geworden ist; eine
Parallelisirung der von den Aphiden-Ammen producirten
Keime mit der Knospenbildung bei den Pflanzen möchte
wohl auf grössere Schwierigkeiten stossen, als ein Ver-
gleich dieser Keime mit wirklichen Eiern, denen sie schon
durch ihre Entstehung in homologen Organen nahe treten.)
Derselbe Gegenstand wurde auch von Dr. Breyer
in einem Aufsatze: „Des especes monomorphes et de la
Parthenogenese chez les Insectes'^ ( Annal. soc. entom.
Beige VI. p. 69 — ^129) behandelt; ausser den parthenoge-
netischen Hymenopteren und Lepidopteren werden hier
auch die viviparen Aphiden herangezogen.
Kann nun gleich die Existenz einer parthenogenetischen
320 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Fortpflanzung bei einer Reihe von Gliederthieren nach den
ebenso sorgsamen als oft wiederholten Beobachtungen v.
Siebold's, Leuckart's, Bar t helemy's u. A. keinem
Zweifel unterliegen^ so fehlt es doch nicht an Versuchen,
dieselbe zu verdächtigen und als auf Täuschung beruhend
darzustellen. So stellt z.B. Tigri in einer Mittheilung an
die Akademie der Wissensch. zu Paris (Compt. rend. LV.
p. 106) die Vermuthung auf, dass die erwähnten Fälle von
parthenogenetischer Eierablage bei Bombyx mori möglicher
Weise auf die zuweilen vorkommenden Doppelcocons,
innerhalb deren das Weibchen vom Männchen befruchtet
worden sein könnte, zurückzuführen seien und imputirt
mithin den betreffenden Beobachtern eine Täuschung der
gröbsten Art, deren sich wohl kaum ein Laie schuldig
machen möchte. — Auch Schaum (Berl. Ent. Zeitsch.
VII. p. 93) gesteht, sich mit der Parthenogenesis nicht
befreunden zu können und glaubt dieselbe durch eine Hy-
pothese Pring sheim's, wonach die Bienenkönigin und
die eierlegenden Arbeiter Zwitter (mit Hoden neben den
Ovarien) sein könnten (!), abfinden zu dürfen. Frei-
lich hätte dann die Differenzirung der Art in männliche
und weibliche Individuen, wie sie bei den Insekten allge-
mein und ganz besonders auffallend bei den Bienen im äus-
seren Körperbau durchgeführt ist, keinen Sinn mehr; freilich
müssten dann vereinzelte (spontan entwickelungsfähige
Eier legende) Weibchen einer und derselben Bombyx-
Art Zwitter sein, während alle übrigen wirkliche Weib-
chen sind — indessen, wer weiss!, vielleicht lassen sich
auch für diese Umstände Hypothesen aufstellen, durch
welche wie durch die obige nichts gewonnen, dagegen
an Stelle des Wunderbaren das vollständig Undenkbare
gesetzt wird.
Schon im vorigen Jahresberichte wurde erneuerter
Untersuchungen über die Erzeugung von Eigenwärme
bei den Gliederthieren Erwähnung gethan; dieselben sind
ausser von Girard auch von H. Lecoq aufgenommen
und Mittheilungen darüber an die Akademie der Wissen-
schaften zu Paria gemacht worden („De la transformation du
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 321
mouvement en chaleur cliez les animaux", Compt. rend.
de l'acad. LV. p. 191 f.). Beim Beginne des abendlichen
Fluges zeigt der Körper von Sphinx convolvuli und pi-
nastri die Temperatur der Luft, erwärmt sich, aber in so
schneller Steigerung, dass bald eine höhere Wärme als
bei den Säugethieren, bis zu derjenigen des Blutes der
Vögel erreicht wird. Ist dieser Wärmegrad zu Stande
gebracht, so bewirkt er einen Stillstand des Fluges, der
erst am nächsten Abend wieder beginnt. Verf. glaubt,
dass die Wärme -Erzeugung hier auf mechanischen Ursa-
chen, nämlich auf der Reibung der Muskeln aneinander
beruhe. Allerdings sei es auch denkbar, dass der aus den
Blüthen aufgesogene Zucker durch die in die Tracheen
eindringende Luft verbrannt werde ; nur scheint es dem
Verf. zweifelhaft, dass diese Verbrennung im Insekte
eine Wärme erzeuge, welche diejenige der warmblütigen
Thiere übertrifft.
Girard (Note sur la chaleur propre des Insectes ä
propos de la communication de M. Lecoq, ebenda LV.
p. 290) glaubt der Annahme von Lecoq entgegen, dass
auch bei den Insekten gleichwie bei den warmblütigen
Thieren die W^ärme-Erzeugung auf der Respiration beruhe.
Wie gross die Menge der eingeführten Luft während des
Fluges der Insekten sei, habe Blanchard, die Existenz
einer Hautrespiration habe Newport nachgewiesen.
Derselbe setzte (Annal. soc. entom. 4. ser. II.
p. 345f.) seine im vorigen Jahre begonnenen „Rechcrches
sur la chaleur animale des Articules" mit folgenden Re-
sultaten fort : Schmetterlingspuppen zeigten im Winter
meist genau die Temperatur der Luft oder blieben nur
sehr wenig hinter derselben zurück. Bei unter gleichen
Verhältnissen aufbewahrten Pieris -Puppen zeigten sich
oft merkliche Temperatur-Unterschiede, welche Verf. auf
eine periodische Sistirung der Ausbildung zum Schmet-
terlinge, mit der dann ein Sinken der Temperatur ver-
bunden w^äre, zu schieben geneigt ist. Unter den Hemi-
pteren zeigte Lygaeus apterus eine kaum merklich höhere,
Pentatoma dagegen eine wärmere Temperatur als die
Archiv f. Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. y
322 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissenscli. Leistungen
Luft. Dass bei den Männchen mancher Insekten trotz
ihrer geringeren Körpergrössc eine höhere Wärme als
bei den Weibchen prodncirt wird, konnte Verf nachträg-
lich noch an Aglia tau nachweisen. Einen leichten Grad
der Eigenwärme bemerkte derselbe ferner an Porcellio
und Armadillo, ebenso an mehreren Myriopoden (Litho-
bius, Poljdesmus, Geophilus und Julus); bei ersteren er-
klärt er dieselbe aus der Lungenathmung, bei letzteren
aus ihrer hornigen Körperbedeckung; welche keine starke
Ausdünstung zulasse. (?)
H. Dor,Dela vision chez les Arthropodes (Bullet,
univ. de Geneve, Archives d. scienc. phys, et natur. XII
p. 328 — 349, auch auszugsweise in's Englische übersetzt:
„On vision in the Arthropoda/ Annais of nat. bist. 3. ser.
IX. p. 230 ff.). . — Yerf. recapitulirt in dieser Abhandlung
nach einleitender kurzer Erörterung des Baues der zu-
sammengesetzten Arthropoden- Augen die von Joh. Mül-
ler, Gottsche, Leydig, Leuckart und Claparede
aufgestellten Seh-Theorieen und lässt sich sodann, da die
Mülle r'sche Theorie bereits als unhaltbar nachgewiesen
worden ist, besonders auf eine Prüfung der Leydig'schen
ein. Er glaubt dieselbe am besten auf optischem Wege
erledigen zu können und berechnet daher mit Benutzung
des Leeuwenhoe k'sche Experimentes genau den Fokal-
abstand der Brechungslinsen (Cornea-Facetten) durch vor-
herige Feststellung sowohl der Grösse des abzuspiegeln-
den Objektes als der Entfernung desselben vom Mikros-
kope. Der Fokalabstand der Facetten ist bekanntlich je
nach ihrer Wölbung bei den verschiedenen Arthropoden
ein verschiedener (Verf. berechnet ihn bei Dytiscus auf
V45 Mill. , bei Musca vomitoria auf V21 Mill.) ; in allen
Fällen wird aber das Bild rückwärts von der hinteren
Linsenoberfläche erzeugt. Dasselbe tritt auch bei solchen
Insekten auf, welche wie Tabanus eine geringe Convexi-
tät der Linsen haben, hier aber sehr weit hinter den
Linsen, so dass es bisher übersehen wurde (Claparede).
Schon hiermit ist für den Verf. die Leydig'sche Theo-
rie, wonach sich das Bild auf der vorderen Fläche des
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 323
CrystallkÖrpers bilden soll, widerlegt, da letzterer oft
in unmittelbarem Contakt mit der hinteren Linsenfläche
steht. Ausserdem kam aber Verf. durch mehrfach wie-
derholte genaue Berechnungen und Messungen an Ma-
croglossa zu dem Resultate, dass der Fokalabstand der
Linse jedesmal mit der Länge des Crystallkegels über-
einstimmt (Vi6 MilL), in welcher Beziehung es von Inter-
esse ist, dass einer schwach gewölbten Cornea ein stark
verlängerter Crystallkegel (bei Tabanus Tmal so lang
als die Cornea dick) entspricht. Hiernach glaubt Verf.
ohne Bedenken jede Facette des zusammengesetzten Ar-
thropoden - Auges als analog mit dem einfachen Auge
der Wirbelthiere hinstellen zu dürfen; die linsenförmige
Cornea entspricht der Cornea und dem Crystallapparat im
Wirbclthierauge, der Crystallkörper mit seiner Umhüllung
der Retina als Ausbreitung des Opticus. Der Mechanismus
des Sehens ist derselbe wie beim Menschen, nur ist es
nicht recht begreiflich, wie sich auf einer konischen Re-
tina deutliche Bilder erzeugen können; das Sehen mit
12,000 Augen (Libellen) ist nicht schwerer zu erklären
als dasjenige mit zwei Augen (bei den Wirbelthieren).
Einige kurze Betrachtungen über die Segmentirung
des Körpers bei den Insekten, Arachniden und Myriopo-
den nebst Bemerkungen über die Analogieen , welche
zwischen den Ringen des Kopfes und Thorax bei diesen
drei Klassen bestehen, theilte S. Scudder (Proceed. Bo-
ston soc. of nat. bist. IX. p. 69) mit. Dieselben lehnen
sich den gegenwärtig über diese Verhältnisse allgemein
angenommenen Anschauungen im Wesentlichen an, nur
dass Verf. bei den Myriopoden von einem Cephalothorax
spricht, der in der That hier ebenso wenig wie bei den
Insekten existirt.
I. Insekten.
Ein für die weitere Entwickelung und Pflege der
gesammten Insektenkunde ebenso wichtiges als unent-
324 Gerstaeoker; Bericlit üb. d. wissensch. Leistungen
behrliches Werk ist H. Hagen's BIbliotheca entomolo-
gica, die Literatur über das ganze Gebiet der Entomolo-
gie bis zum Jahre 1862. (2 Bde in 8. Leipzig 1862-63.
1. Bd. A— M. 566 S., 2. Bd. N— Z, nebst Sachregister.
512 S.) — eine Arbeit^ mit welcher der Verf. von Neuem
ein rühmliches Zcugniss von einer seltenen, unermüdli-
chen Arbeitskraft und nicht minder von einer Sorgsam-
keit und Genauigkeit ablegt, wie sie gerade bei biblio-
graphischen Arbeiten von der grössten Wichtigkeit, aber
nichts destoweniger am wenigsten häufig zu finden ist.
Die Grundlage des Werkes bilden Collektaneen, welche
Verf. ursprünglich zu seinem eigenen Gebrauch etwa 25
Jahre hindurch angelegt und fortgeführt hat, und welche
Nachträge und Emendationen zu den bekannten Werken
gleichen Inhalts von Eise It, P ercher on, Agassiz
u. A. aufzunehmen bestimmt waren. Nur auf diesem Wege
war es möglich, der Arbeit eine ebenso grosse Vollstän-
digkeit im Allgemeinen als Exactheit im Einzelnen zu
geben, zwei Vorzüge, deren die genannten früheren Werke
in hohem Grade entbehren, und welche einer in möglichst
kurzer Zeit und eigens zu dem genannten Zwecke zu be-
wältigenden Durchsicht und Zusammenstellung eines so
immensen Materials selbstverständlich abgehen müssen.
Der Weg, den Verf. bei seiner Arbeit eingeschlagen hat,
ist der, dass er unter den in alphabetischer Reihenfolge
aufgeführten Namen der Autoren, welche von möglichst
vollständigen biographischen Notizen begleitet werden,
die sämmtlichen von ihnen sowohl in Sammelschriften als
selbstständig herausgegebenen Arbeiten dem vollständigen
Titel nach und unter Anführung der davon existirenden
Uebersetzungen und Auszüge nach der Jahreszahl ihres
Erscheinens verzeichnet und ihnen (behufs bequemerer Ci-
tirung in dem nachfolgenden Sachregister) eine laufende
Nummer voranstellt. Alle von ihm selbst verglichenen Ab-
handlungen , V5 der Gesammtzahl sind, um ihre Authenti-
cität zu verbürgen, mit einem * bezeichnet, bei allen übri-
gen die Quelle, denen sie entlehnt sind, angeführt — eine
Einrichtung, die gegenüber den zahlreichen Irrthümern
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 325
früherer Bibliograpliien ebenso nothwendig als nützlich
war. Als Anhang folgt dem bis S. 306 des zweiten Ban-
des reichenden Autoren-Verzelchniss ein solches von den
anonymen Schriften, welche, wo der Autor nicht zu er-
mitteln war, nach dem in denselben behandelten Gegen-
stand (z. B. Apis mellifica, Bombyx mori, schädliche In-
sekten) zusammengestellt sind. Den Schluss bildet ein
mit grosser Sorgfalt ausgearbeitetes, für das Auffinden
von Einzelnheiten sehr wichtiges, systematisch gegliedertes
Sachregister (Bd. 2, S. 399—512) mit folgenden Haupt-
categorien: 1) Hülfsmittel, Allgemeines. 2) Allgemeine
Entomologie. 3) Spezielle Entomologie; die acht Ord-
nungen der Insekten sind hier bis auf die Familien herab
in systematischer Reihenfolge aufgeführt. 4) Anatomie.
5) Physiologie. 6) Biologie. 7) Nutzen durch Insekten.
8) Schaden durch Insekten. — ■ Alle diese Categorieen
sind wieder in zahlreiche engere Abtheilungen zer-
gliedert und unter diesen dann alle den Gegenstand be-
treffenden Abhandlungen In der Weise citirt, dass der
Name des Autors nebst der Nummer, welche seine Ab-
handlung Im alphabetischen Yerzelchnisse führt, aufge-
führt ist.
Yersin überreichte der Akademie der Wissenschaf-
ten zu Paris eine Abhandlung über die Physiologie des
Nervensystems der Insekten (Gryllus campestris), aus wel-
cher ein Auszug in den Comptes rendus 10. Fevr. 1862
(Tome LIV., p. 273 f.) und In Guerins Revue et Ma-
gasin de Zoolog. XIV, p. 67 mitgetheilt sind. Die Haupt-
ergebnisse seiner Untersuchungen, welche seine früheren
über denselben Gegenstand ergänzen (vergl. Jahresbe-
richt 1856, p. 12 f.) sind In Kurzem folgende:
Die Coordination der Beweg-ungen wird durch eine gleichzeitige
Durchschneidung beider Commissuren an irgend einer Stelle der
Bauchganglienkette nicht beeinträchtigt; im Gegentheile wird die
Ortsbewegung unregelmässig , wenn nur eine einzelne Commissur
vor dem Metathorax-Ganglion oder wenn mehrere einzelne Commis-
suren durchschnitten werden , von denen wenigstens eine vor dem
zweiten Ganglion hegt. — Da bei den Articulaten fast alle Nerven
von den Ganglien entspringen, so scheint die Bauchganglienkette
326 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
derselben funktionell dem Eückenmarke der Wirbeltbiere zu ent-
sprechen. Die mitgetheilten Experimente scheinen zu ergeben, dass
die Gesammtheit der Kopf- und Thoraxganglien die Coordination
der Ortsbewegungen vermitteln.
Die bereits im vorigen Jahresberichte p. 17 erwähnte
Abhandlung von E. Faivre: ^Recherches sur les pro-
prietes et les fonctions des nerfs et des muscles de la vie
organique chez le Dytique'^, über deren Inhalt nach einer
vorläufigen Mittheilung in den Comptes rendus 1861 be-
richtet wurde, ist in den Annales des scienc. natur. 4. ser.,
Zoologie XVII. p. 329—361 jetzt vollständig abgedruckt.
Rieh. Hill, ,,0n Insect Vision'^ und „On the sleep
of Insects^ (Jamaica quart. Journal of literat., science and
art, Kingston 1861. p. 182 u. p. 207) sind zwei Abhand-
lungen, die dem Ref. nur dem Titel nach aus der Nat.
bist, review 1862. p. 221 bekannt geworden sind.
Fahre hat seine schon früher mitgetheilten Unter-
suchungen über das Verhältniss des Corpus adiposum zur
Urinabsonderung bei den Insekten (vergl. Jahresbericht
1856, p. 9 f.) weiter verfolgt und ein vorläufiges Resume
derselben in den Comptes rendus 11. Aout 1862, (TomeLY,
p. 280 f.), Rev. et Magas. de Zool. XIV. p. 312 f. mitge-
theilt. Diesem zufolge sieht F. das Corpus adiposum als
das Organ an, in welchem sowohl beim ausgebildeten
Insekt als bei der Larve und Nymphe die Harnsäure
sich bildet, und welches also die Rolle eines Reinigungs-
Apparates spielt, in welchem das Blut die dem Organis-
mus untauglichen Stoffe absetzt. Gleichzeitig sind in
demselben die während des Larvenzustandes angesammel-
ten und für den Nymphenzustand nöthigen plastischen
Elemente angehäuft, so dass bei dieser doppelten Funk-
tion des Organes der Name „Tissu uroplastique" passen-
der als der gebräuchliche „Tissu adipeux*^ erscheint.
Bei den carnivoren Hymenopteren-Larven häuft sich die Harn-
säure, welche vom Corpus adiposum abgesondert wird, in den Zel-
len dieses Organes in der Form von weissen Körnchen an; die
Ursache dieser Anhäufung liegt in der behinderten Ausscheidung
fester Excremente. Bei sämmtlichen Insekten der verschiedensten
Ordnungen und was auch die Nahrung der Larve sei, findet eine
gleiche Anhäufung von Harnsäure im Corpus adiposum vor und
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 327
während des Nymphenzustandes statt; daher ist auch der Fettkör-
per des so eben zur Entwickelung gekommenen Insektes, gleichfalls
wegen der unterbrochenen Absonderung von Excrementen, mit Harn-
säure angefüllt. Auch beim ausgebildeten Insekte entsteht die Harn-
säure im Corpus adiposum, ohne sich jedoch in den Bildungszellen
anzusammeln; vielmehr wird sie in demselben Maasse, wie sie sich
bildet, aus dem Fettkörper abgeführt und ist daher in diesem nicht
nachweisbar Ein gleiches findet bei den frei lebenden und Excre-
mente absondernden Larven der Insekten statt. Die Abführung der
Harnsäure aus dem Corpus adiposum wird je nach den Arten durch
den Chylusmagen, die Blinddärme des Magens oder die Vasa Mal-
pighi bewirkt. Die letzteren speziell haben für die Harnabsonde-
rung nur die Bedeutung von Ausführungskanälen und müssen (?) da-
her gleich dem Chylusmagen noch eine specielle Function besitzen;
es hindert daher nichts, sie als Gallenorgane anzusehen, welche nur
sekundär die Ausscheidung der Harnsäure vermitteln (?), Bei eini-
gen Schmetterlingslarven und einigen Orthopteren (Imago) kaun
das Corpus adiposum seine Harnabsonderungen unter die Haut ab-
lagern und in dieser gelbe, weisse und rothe Flecke und Harnsäure
erzeugen.
üeber die Funktion und das Verhalten der Insek-
tenflügel beim Fluge hat M. Girard auf Grund einer
grösseren Reihe von Versuchen Mittheilungen gemacht.
(Note sur diverses experiences relatives a la fonction des
ailes chez les Insectcs, Annales d. 1. soc. entomol. 4. ser.
IL p. 153 — 162.) Er bestätigt zunächst experimentell die
Straus-Duer kheim'sche Theorie, v^onach die Mög-
lichkeit des Fluges bei jedwedem Thiere auf einer grös-
seren Widerstandsfähigkeit des Vorderrandes des Flug-
organes und auf einer allmähligen Verminderung dersel-
ben nach hinten beruht. Nachdem er sodann bei den
Insekten in functioneller Beziehung drei Typen von Flug-
organen unterschieden hat, je nachdem beide Flügelpaare
(Libellen, Neuropteren), das hintere Paar allein (Coleop-
tera, Orthoptera, Hemiptera) oder das vordere Paar für
sich (Hymenoptera, Lepidoptera, Diptera) den Flug ver-
mitteln, weist er speziell für die hauptsächlichsten Insek-
tenformen aller Ordnungen die Modificationen oder Stö-
rungen des Fluges, welche durch Abtragung oder Ver-
letzung des einen oder anderen Flügelpaares hervorgeru-
fen werden, nach und kommt hierbei in Allgemeinen zu
328 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
dem Ergebnisse, dass nur dann eine Flngbewegung mög-
lich sei, wenn das dieselbe vermittelnde Organ, gleichviel
ob durch ein oder beide Flügelpaare repräsentirt, durch
eine derbere Beschaffenheit seines Vorderrandes befähigt
ist, den Luftdruck zu überwinden.
Macht man auf künstlichem Wege, z. B. durch Auftragung
von Gummi arabicum den Hinterrand der Flügel der Dipteren (Eri-
stalis) oder von Libellen (Agrion, Libellula) ebenso dick wie den
Vorderrand, so wird die Möglichkeit des Fluges suspendirt. Es be-
ruht dies nicht etwa auf einer zu grossen Beschwerung des Flü-
gels; denn wenn die gleiche Quantität Gummi auf den Vorderrand
gestrichen wurde, so war das Flugvermögen nicht aufgehoben, son-
dern nur beeinträchtigt. Dass übrigens eine gleiche Dicke des
Vorder- und Hinterrandes der Flügel letztere zum Fluge unfähig
macht, zeigen die Flügeldecken der Käfer, Acridier u. s. w. — die
mit gleich gebildeten Flügeln versehenen Agrionen fliegen mit nur
einem Flügelpaare, gleichviel ob dem vorderen oder hinteren, fast
ebenso gut, als wenn beide unversehrt sind; ebenso wenn man
beide Flügel schon vor der Mitte ihrer Länge abschneidet. Libel-
lula fliegt nach Abtragung der Hinterflügel fast ebenso fertig wie
mit beiden Paaren, ebenso Ephemera ; bei den Perliden und Sem-
bliden sind beide Paare zum Fluge nöthig. Die Phryganiden kön-
nen nicht mit den Hinterflügeln allein fliegen, obwohl die vorn und
hinten gleich starken Vorderflügel gleichsam nur Deckflügel sind; bei
der Scliwäche der Muskulatur in den Hinterflügeln dienen sie jedoch
zum Ueberwinden des Widerstandes. — Bei den Hymenopteren und
Lepidopteren sind die Hinterflügel allein niemals im Stande, den
Flug zu vermitteln, doch finden in Bezug auf ihre Mitwirkung da-
bei Unterschiede statt; so vermögen die Hummeln und Wespen,
ferner auch die Smerinthus-Arten nach Abtragung der Hinterflügel
nicht mit den Vorderflügeln allein zu fliegen, während dies bei den
Tagfaltern, den Catocalen und Borabyces sehr wohl geht. Bei den
Sphingiden wurde nach Abtragung der Haftborste kein Unterschied
im Fluge bemerkt: die Ti pularien und Syrphiden zeigten sich nach
Abtragung der Halteren in ihrer Flugkraft beeinträchtigt.
Eine interessante Beobachtung, wonach es auch In-
sekten giebt, welche momentan willkührlich ihre Körper-„
färbe verändern können, ist im Bullet, soc. entom. 1862,
p. 32 mitgetheilt. de Lacerda fand bei Bahia eine Coc-
cinella (Artname nicht angegeben) von schöner rother
Körperfärbung mit zwei schwarzen Flecken auf den Flü-
geldecken, welche, auf seine Hand gesetzt, plötzlich gelb
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 329
oder ganz hellroth, am Seitenrande der Flügeldecken aber
durcbsichtig^ welsslich wurde. Nach einigen Minuten nabm
sie wieder die erste, dann noch dreimal hintereinander
abwechselnd die zweite Färbung an. — S a 1 1 e (ebenda
p. 32) glaubt In dem Insekte eine Cassida vermuthen zu
dürfen, da er In Mexiko an einer solchen ähnliche Er-
scheinungen beobachtet habe.
lieber das sogenannte Bauchgefäss der Schmetter-
linge und die Muskulatur der Nervencentren bei Insekten
hat L eydig Untersuchungen angestellt und nähere Mlt-
theilungen darüber im Archiv f. Anat. u. Physiol. 1862.
p. 565 — 578 gemacht. Den mit dem Bauchmark der Schmet-
terlinge in engem Zusammenhange stehenden Längsstrang,
welcher von Treviranus und Newport als Bauch-
gefäss (analog der Suprasplnal-Arterle der Myriopoden)
gedeutet, von Leuckart als „gefässartiges Gebilde'^ be-
zeichnet, ausserdem auch von Dufour beschrieben wor-
den ist, weist Verf. als einen bindegewebigen Strang
nach, welcher dem Bauchmarke aufliegt und sich bei Quer-
schnitten deutlich als unmittelbare Fortsetzung des Neuri-
lems zu erkennen giebt. Derselbe hat die Gestalt eines
Längsbandes ohne Lumen, welches sich nach unten zu einem
medianen, sich zwischen die Commlssuren eindrängenden
Kamme verjüngt. Die zahlreichen, von demselben unter
rechtem Winkel abgehenden quergestreiften Muskeln (von
Treviranus für Gefässe gehalten) Inseriren sich bei-
derseits an der Innenfläche der Bauchwand und dienen
vermuthllch dazu, die Ganglienkette Ihrer ganzen Länge
nach zu heben. Eine solche Muskulatur des Bauchmar-
kes findet sich nun auch bei anderen Insektenordnungen
(Dipteren, Hymenopteren und Orthopteren), ohne dass
jedoch hier von dem bindegewebigen Längsstrange eine
Spur zu entdecken Ist. Bei den Dipteren (TIpula) ent-
springen die Muskeln von den Bauchschienen und setzen
sich mit pinselförmigen Ausbreitungen an das Neurllem
selbst an, während sich bei den Hymenopteren (Bombus,
Cimbex) eine ganze, nur stellenweise durchbrochene Mus-
kelhaut quer über die Ganglienkette herüberspannt. Am
330 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Baiichmarke der Coleopteren hat. Verf. eine solche Mus-
kulatur bisher nicht aufgefunden; dagegen sah er vom
Pharynx entspringende Muskelbündel sich an die Ober-
und Unterseite des Ganglion infraoesophageum inseriren.
Braxton Hicks, On the nerve proceeding to the
vesicles at the base of the halteres and on the subcostale
nervure in the wings of the Insects (Transact. Linnean soc.
XXIII. p. 377— 379). Verf. beschreibt die (bereits von
Leydig dargestellte) Ganglienbildung an dem in die
Halteren der Dipteren und dem in die Vena subcostalis
der Insektenflügel eintretenden Nerven. Gleich Leydig
fand er Nervenfasern mit bipolaren Ganglienkugeln (er
nennt dieselben ^langgestreckte Ganglienzellen mit gros-
sem Nukleus^ ), bestreitet aber die aus denselben hervorge-
henden terminalen Stäbchen Leydig's, welche er auf
optische Täuschung schiebt. Er selbst fand an ihrer Statt
eine zweite (terminale) Anschwellung der Nervenfaser,
in welcher gleichfalls ein Nucleus hervortrat (Halteren
von Eristalis und Rhingia). An den Ganglien der Hin-
terflügel einer Lamia fand er zwei bis drei Nuclei in
jeder Anschwellung der Nervenfasern, während die ter-
minale Verdickung nach seinen Abbildungen hier fehlt.
Die vom Verf. beobachteten Strukturen sind (p. 377)
durch Holzschnitte erläutert.
L. Dufour, Etudes sur la larve du Potamophilus
(Annales d. scienc. natur. 4. ser. XVH. p. 162 — 173, pL 1.
Im Auszuge: Compt. rendus de l'acad. d. scienc. 10. Fevr.
1862. Tome LIV. p. 260 f., Rev. et. Magas. de Zool. XIV.
p. 64 ff.) machte Mittheilungen über das Vorkommen eines
doppelten Tracheensystemes bei der Larve von Potamo-
philus, welche durch Stigmen und Schwanzkiemen gleich-
zeitig athmet. Das verlängerte und gabelig gespaltene
Endsegment des Hinterleibs trägt jederseits drei Büschel
fadenförmiger Kiemen, welche mit den beiden Längsarte-
rienstämmen communiciren ; diese münden am vorderen
Ende des Körpers in zwei Stigmata, welche nicht wie
gewöhnlich dem Pro-, sondern dem Mesothorax eigen
sind. Am Hinterleibe finden sich jederseits acht Stigmen,
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 331
von denen jedes einen dünnen Tracheenstamm abgiebt,
der sich zweimal gabiig theilt; jeder dieser vier Aeste
erweitert sich zu einer grossen, langgestreckt cylindri-
schen Luftblase, an welcher der Spiralfaden deutlich bleibt
und aus deren Ende wieder kleinere Tracheenzweige zum
Magen abgehen. Da jedes Hinterleibssegment beiderseits
vier solche Luftblasen enthält, beträgt die Gesammtsumme
derselben 64. Die doppelte (Luft- und Wasser-) Ath-
mung der Larve ist durch ihre Lebensweise bedingt; an
Holzbalken und Pfählen meist unter Wasser lebend, wird
sie beim Zurücktreten des letzteren zuweilen zur Luft-
athmung gezwungen. Die zahlreichen Luftblasen in der
Hinterleibshöhle mögen ihr nach der Ansicht des Verf.'s
zum Schwimmen dienen, wenn sie durch die Wellen von
ihrem gewohnten Sitze losgerissen wird.
Tuffen West, The foot of the Fly, its structure
and action; elucidated by comparison with the feet of
other Insects. Pt. L (Transact. Linnean soc. XXHL p. 393
— 419. tab. 41 — 43). Nach einer historischen Einleitung,
in welcher die wichtigsten Untersuchungen über die Haft-
organe an der Fusssohle der Stubenfliege sowohl als an-
derer Insekten von G. Power (1664) an bis auf Gosse
(1859) recapitulirt werden, theilt Verf. seine eigenen Beob-
achtungen über die Structur der Fussklauen, der Pulvil-
len und der mit Haftapparaten besetzten Sohlenglieder
verschiedener Insekten mit, indem er dieselbe durch stark
vergrösserte Abbildungen (von den drei zur Abhandlung
gehörigen Tafeln ist vorläufig nur eine, Taf. 42 publicirt)
erläutert. Er weist die in eine trichterförmig vertiefte
Scheibe endigenden Haftorgane, wie sie an der Sohle der
männlichen Yorderfüsse am bekanntesten sind von Dyticus
und den höchsten Grad der Entwickelung erreichen, als
Modification der gewöhnlichen Borsten und Haare der Cu-
ticula nach und glaubt, dass bei der durch sie vermittelten
Adhäsion nur die in dem Trichter befindliche atmosphäri-
sche Luft wirke. Diese Haftorgane treten nur in Funk-
tion, wenn ein festes Anklammern (z. B. bei der Copula)
bewirkt werden soll, oder wenn die Fläche, auf der das
332 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Insekt läuft, ohne alle Unebenheiten, sondern vollkom-
men glatt ; ist sonst berühren sie gar nicht den Bo-
den, welcher gewöhnlich nur von den an ihrer Aussen-
seite befindlichen stärkeren und längeren „guard hairs^
(weil sie die zarteren Haftapparate unversehrt zu erhal-
ten bestimmt sind) beschritten wird. — Die Pulvillen der
Fliege will Yerf. als Aequivalent eines sechsten Tarsen-
gliedes angeschen wissen; die Fussklauen, welche nach
ihm modificirte Haare sind und stets vom letzten Fuss-
gliede der Insekten entspringen, sollen nach seiner Beob-
achtung weder bei den Dipteren noch bei den Hymeno-
pteren am fünften Tarsengliede angeheftet sein. (Ein
Auszug aus der Abhandlung unter dem Titel „On cer-
tain appendages to the feet of Insects subservient to hol-
ding or climbing" findet sich im Journal proceed. Lin-
nean soc, Zoology VI. p. 26 ff.)
Yon Rathke's „Studien zur Entwickelungsge-
schichte der Insekten" (vgl. Jahresber. 1861. p. 14 f.) sind
weitere Fragmente in der Stett. Entom. Zeitung XXHI.
p. 389 — 408 durch Hagen publicirt worden; dieselben
bestehen in Aufzeichnungen über die Eier und deren Ent-
wickelung von einigen Libellulinen und Phryganiden. Die
an letzteren angestellten Beobachtungen sind besonders
ausführlich und um so interessanter, als sie mit den Un-
tersuchungen Zaddach's über denselben Gegenstand in
allen wesentlichen Punkten übereinstimmen.
Mitford (Proceed. entom. soc. 1861. p. 3) erhielt
fruchtbare Eier aus einer Copulation zwischen Nyssia
hispidaria fem. und Phigalia pilosaria mas und erzog aus
denselben mehrere Bastarde beiderlei Geschlechts (die
grössere Zahl der erzielten Puppen ging durch einen
Zufall zu Grunde). Die männlichen Individuen glichen
in Grösse der N. hispidaria, in Färbung und Zeichnung
mehr der Ph. pilosaria, während die Fühler und Beine
eines Weibchens in gleicher Weise wie bei der weibli-
chen Ph. pilosaria geringelt waren.
Schon im letzten Jahresberichte (p. 20) wurde eines
Hermaphroditen der Honigbiene Erwähnung gethan, wel-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 333
eher in Frankreich beobachtet wurde. Ein zweiter, der
von Smith (Proceed. entom. soc. 1862. p. 89 f.) näher
beschrieben wird und aus Schottland stammt, scheint in
der Bildung der verschiedenen Körpertheile zu jenem fast
in direktem Gegensatze zu stehen:
„Grösse und Gesammthabitus der einer Arbeiterbiene. Kopf
männlich, mit grossen, sich in der Mittellinie berührenden Augen ;
Fühler beiderseits weiblich , zwölfgliedrig. Mandibeln wie bei den
Arbeitern, an der Spitze nicht gezähnt , Flügel rechts männlich,
links von Arbeiterform. Beine rechts theilweise männlich, Vorder-
und Mittelbeine vollständig, das hintere zwar männlich, aber mit
Haaren gefranzt, das Basalglied des Tarsus ausserhalb männlich ;
d. h. gewölbt und platt , innerhalb jedoch quergerieft und bebor-
stet, die folgenden Glieder ganz männlich; das linke Hinterbein
vollständig wie beim Arbeiter. Hinterleib mit geradem weiblichen
Stachel."
Aehnliche Zwitterbildungen wurden gleichzeitig
auch In Deutschland beobachtet und durch Dönhoff
und Wittenhagen (Bienenzeitung 1860. p. 174 u. 209.
1861. p. 119) näher beschrieben; doch verlieren diese
Einzelfälle wesentlich an Interesse durch einen in Con-
stanz entdeckten Bienenstock, welcher dergleichen Bie-
nenzwitter in grosser Anzahl und in den verschiedensten
Combinationen männlicher und weiblicher (Arbeiter-)
Körpertheile bereits drei Sommer hintereinander produ-
cirt, und welcher unter dem Namen des Engst er'schen
Stockes dadurch bereits berühmt geworden ist. Nach den
von Menzel (Bienenzeitung 1862. p. 167 u. 186 und in
einer Abhandlung betitelt: „Ueber die Geschlechtsver-
hältnisse der Bienen im Allgemeinen und über die Be-
fruchtung der Königin, über Parthenogenesis und Zwit-
terbildung im Besonderen,^ Mittheil. d. Schweizerischen
Entomol. Gesellsch, IL p. 15 — 30) über denselben gemach-
ten vorläufigen Mittheilungen werden diese Zwitter in
einer besonderen Wabe, deren Zellen in der Grösse die
Mitte zwischen Drohnen- und Arbeiterzellen hallen,
neben regulären Drohnen und Arbeitern producirt, von
letzteren aber sofort nach ihrem Ausschlüpfen aus dem
Stocke vertrieben. Die von Menzel über die innere
Organisation dieser Zwitter gemachte Angabe, dass ihre
334 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Gescblechtsorgane stets verkümmert und nach einem Ty-
pus gebaut seien^ ist gegenwärtig bereits durch v. Sie-
bold widerlegt und kann auch vom Ref. als unbegrün-
det bezeichnet werden, da derselbe in einem von ihm
untersuchten Exemplare, welches äusserlich männliche und
Arbeiter - Charaktere in ziemlich gleicher Vertheilung in
sich vereinigte, neben vollständig entwickelten, paarigen
und von Spermatozoen strotzenden Hoden einen ausgebil-
deten Stachelapparat mit Giftblase und Giftdrüse vorfand.
lieber einen sogenannten gemischten Zwitter von
Aglia tau Ochsenh. machte Fallou (Bullet, soc. entom.
1862. p. 35) eine kurze Mittheilung. Vorderflügel aus
männlichen und weiblichen Theilen gemischt, Hinterflügel
männlich; Fühler weiblich, nur die Spitze des linken
nach Art des Männchens gekämmt ; Hinterleib von weib-
licher Form.
Ferner erwähnte auch Newman („Pseudogynous
specimen of Liparis dispar," Proceed. entom. soc. 1862.
p. 70) eines Falles von unvollständigem Hermaphroditis-
mus bei Liparis dispar, der von besonderem Interesse ist.
Ein sonst nach allen Charakteren weibliches Exemplar
zeigte männliche Fühlhörner ; dasselbe wmrde drei Stun-
den lang von einem Männchen begattet und lebte nach-
her noch drei Tage hindurch, ohne jedoch Eier abzulegen,
die sich überhaupt nicht im Hinterleibe vorfanden. —
Westwood bemerkt nachträglich (ebenda p. 77) zu die-
ser Mittheilung, dass die Fühler des besagten Exemplares
nicht rein männlich seien, sondern zwischen männlichen
und weiblichen Fühlern die Mitte hielten.
Osten-Sacken (Stett. Entom. Zeit. XXIIL p. 127
und 408 ff".) gab Fortsetzungen seiner interessanten „Ento-
mologischen Notizen^ über die Lebensweise und die
Wechselbeziehungen verschiedener Nord-Amerikanischer
Insekten unter sich sowohl als zu der übrigen organischen
Welt. Er schliesst dieselben mit einigen Bemerkungen
über „Harmonieen in Farbe und Form'^, in welcher er
einerseits auf die in bestimmten Verbreitungskreisen vor-
herrschenden Farben mancher Insektengruppen aufmerk-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 335
sam macht (z. B. Chrysomelen in Nord-Amerika weiss-
gelb oder röthlicli, in Europa meist metallisch), anderer-
seits die Färbungs - Analogieen zwischen Insekten ver-
schiedener Ordnungen oder von Insekten mit Pflanzen-
theilen hervorhebt.
Verloren, On the comparative influence of perio-
dlcity and temperature upon the development of Insects
(Transact. entom. soc. 3. ser. I. p. 63 — 69). Verf. führt
ans, dass während bekanntlich manche Insekten (Satur-
nla) In ihrer Entwlckelung von der Temperatur abhängig
seien, andere unabhängig von dieser einen bestimmten
Zeltraum von Wochen oder Tagen, viele selbst eine be-
stimmte Tageszeit In Ihrem Ausschlüpfen aus der Puppe
innehielten. Die Zucht einer grossen Anzahl von Sphinx
Ilgustri hat dem Verf. Gelegenheit geboten, über das
Zahlenverhältniss der im ersten zu denen erst Im zweiten
Jahre auskriechenden , ferner über die Data ihrer Ent-
wlckelung (Mittelzelt 21. Juni), über das Zahlenverhält-
niss zwischen Männchen und Weibchen u. dgl. anzustel-
len, welche er hier In ausführlicher Weise mitthellt.
Nach Montrouzier (Bullet, soc. entom. 1862. p. 4)
verfallen auf Neu-Caledonien trotz des Mangels einer die
Vegetation sistlrenden kalten Jahreszelt manche Insekten
in eine Art Erstarrung; so fand Verf. zu einer bestimm-
ten Jahreszeit Phasma- Arten unter Baumrinde versteckt
und In vollständig lethargischem Zustande.
Girard, Note sur les larves d'Insectes employees
comme amorce pour la peche (Annal. soc. entom. 4. ser.
II. p. 351 f.). Verf. bezeichnet als Insektenlarven,' welche
in Frankreich als Köder beim Angeln verwandt werden,
ausser Muscinen - Larven (Asticots) auch diejenigen von
Chlronomus plumosus (Vers de vase) und von Phrjgani-
den (Porte-bois, Porte-sable); zuweilen werden auch die
Larven verschiedener Heuschrecken , nachdem sie der
Hinterbeine beraubt sind, benutzt.
G. V. Frau e il f e 1 d, Beitrag zur Insektengeschichte
aus dem Jahre 1861 (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch.
336 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissenscla. Leistungen
zu Wien 1862. p. 1171 — 1178) handelte abermals über
verschiedene durch Insekten (Dipteren und Coleopteren)
an Pflanzen verursachte Missbildungen ; über dieselben ist
gehörigen Orts nähere Mittheilung gemacht.
Unter den mannigfachen Beziehungen^ in denen die
Insekten zur Pflanzenwelt stehen, ist wohl keine wun-
derbarer und interessanter als die durch erstere bewirkte
Befruchtung mancher zur Selbstbegattung nicht befähig-
ter Monöcisten. Diesen bereits durch Spreng el für die
Orchideen nachgewiesenen Vorgang hat Ch. Darwin
in seinem berühmt gewordenen Werke: ;,0n the various
contrivances by which British and foreign Orchids are
fertilised by Insects'^ (London 1862. 8. 365 pag.) einer
ebenso geistvollen als interessanten Darstellung unterzo-
gen. Durch eine detaillirte Erörterung der Struktur und
Lage der Befruchtungsorgane und besonders der männ-
lichen Pollinien bei sämmtlichen Englischen und einer
Reihe ausländischer Orchideen (erstere den Gattungen
Orchis, Aceras, Ophrys, Gymnadenia, Habenaria, Epi-
pactis, Cephalanthera, Spiranthes und Malaxis angehörend)
so wie durch Mittheilung vielfacher von ihm angestellter
Versuche liefert Verf. den Beweis, dass eine Selbstbe-
fruchtung bei den Orchideen zu den Seltenheiten gehöre
(Ophrys apifera durchweg, Cephalanthera grandifolia in
unvollkommener Weise) und dass die Befruchtung fast
durchweg nur durch Insekten vermittelt werde. Beson-
ders häufig bewirken dieselbe wenigstens im Inlande die
Schmetterlinge, deren Verf. im Ganzen 23 Arten (die Mehr-
zahl den Noctuinen, einige den Rhopaloceren und Chclo-
niarien angehörend) aufführt und unter denen er einzelne
Exemplare mit sieben und selbst mit elf am Saugrüssel
anhaftenden Pollinien beobachtete; viel weniger häufig
werden Hymenopteren (Bienen, darunter auch Apis mel-
lifica) mit Orchideen-Pollinien an der Zunge angetroff'en.
Mittels der aus einer Blüthe entführten Pollinien befruch-
ten die Insekten nicht nur diese selbst, sondern auch eine
grössere Anzahl anderer, welche sie nach und nach des
Nektars halber besuchen.
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 337
In einer weiteren Fortsetzung der Kaltenbach'-
schen Zusaramenstellinig der ^Deutschen Pliytophagen aus
der Klasse der Insekten'^ (Verhandl. d. naturhist. Ver. d.
Prenss. Rheinlande und Westphalens XIX. p. 1 — ^106)
werden achtzig fernere Pflanzengattungen mit den An-
fangsbuchstaben G bis L nebst den an ihnen bisher in
Deutschland beobachteten Insekten abgehandelt. Unter
letzteren findet sich eine grössere Anzahl solcher, die
der Verf. theils als neu beschreibt, theils nach ihren bis-
her unentdeckten früheren Ständen bekannt macht; beson-
ders trifft dies die Familien der Aphiden, Muscinen, Ten-
thrediniden, Tineinen und Curculionen. — Von besonders-
zahlreichen Insektenarten werden unter den hier abge-
handelten Pflanzengattungen folgende angegriffen: Ga-
lium52A., Genista47; Geranium 14, Geum 17, Glechoma
und Globularia je 7, Gljceria 13, Gnaphalium 16, He-
dera 11, Hedysarum 14, Helianthemum 12, Heracleum 14,
Hieracium 40, Holcus 13, Hordeum 16, Humulus 13, Hy-
pericum 26> Impatiens 10, Inula 17, Iris 14, luglans 13,
luniperus 23, Lactuca 37, Lamlum 22, Lathyrus 20, Ligu-
strum 20, Linaria 14, Lolium 7, Lonicera 61, Lotus 24,
Luzuia 8, Lychnis 23 und Lythrum 12 A.
Unter den Werken und Mittheilungen, welche schäd-
liche Insekten behandeln, ist zunächst eine neue (dritte)
Ausgabe von Thadd. Will. Harris' ,.A treatise on
some of the Insects injurioiis to Vegetation" (Third edi-
tion, Boston 1862) zu erwähnen, welche mit zahlreichen
(278) in den Text eingedruckten Holzschnitten und acht
illuminirten Kupfertafeln (96 Figuren enthaltend) ausge-
stattet, unter Agassiz's Leitung von Charles Fl int,
Sekretair der landwirthschaftlichen Gesellschaft für Massa-
chusetts, herausgegeben und ausser mit Nachträgen aus den
hinterlassenen Manuskripten des Verfasser's mit Zusätzen
von Le Conte, Uhler, Morris, Norton und Baron
0 s t e n-S a c k e n versehen ist. (Nach einer Anzeige in Silli-
man's Americ. Journal XXXIII. p. 434 sind ausser der
dem Ref. vorliegenden Pracht-Ausgabe zwei geringer aus-
gestattete und dadurch billigere gleichzeitig publicirt wor-
Archiv f. Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. "W
338 Gerstaecker: Bericht üb, d. wissensch. Leistungen
den.) Anch in der gegenwärtigen Ausgabe ist das be-
sonders in Nord-Amerika berühmt gewordene und hier
weit verbreitete Werk des Verf.'s als ein schon durch die
populäre und gefällige Darstellung des Gegenstandes sehr
nützliches und empfehlenswerthes zu bezeichnen^ wenn es
gleich noch der Vereinigung zahreicher Beobachter be-
dürfen wird, um ihm eine gleiche Exaktheit in der wis-
senschaftlichen Feststellung des Details zu verleihen, wie
wir sie z. B. in dem freilich durch zahlreiche Vorarbei-
ten gestützten Ratze bur g'schen Werke finden. Jedoch
auch schon in der vorliegenden Form bietet das Har-
ris'sche Werk bei einem Vergleiche mit dem eben ge-
nannten inländischen zahlreiche interessante Anknüpfungs-
punkte dar und wird Manchem um so willkommener sein,
als es neben den wirklich schädlichen Insekten Neu-Eng-
land's gleichzeitig andere durch Lebensweise, Färbung,
Grösse u. s. w. ausgezeichnetere mit Berücksichtigung
ihrer Nahrungspflanzen, ersten Stände u. dgl. vorführt
und somit eine Einsicht in die bemerkenswerthesten Insek-
ten aller Ordnungen gestattet.
So führt der Yerf. z. B. unter den Lepidopteren , welche
überhaupt am ausführlichsten abgehandelt sind, neben den wenigen
schädlichen Arten der Rhopaloceren (Papilio Asterias und Turnus,
Pontia oleracea, Vanessa Antiopa und interrogätionis Fab.) auch
eine Reihe von Argynnis- und Melitaea-Arten, die auf Disteln und
Nesseln lebenden Cynthia Cardui, Vanessa Atalanta und Milberti,
ferner eine Reihe von Hesperien und Hipparchien auf. ohne dass
dieselben sich jemals als schädlich gezeigt hätten, ja ohne dass von
vielen derselben nur die Raupen bekannt wären. Ebenso erwähnt
er ausführlich der zahlreichen Saturnia — , ferner gewisse Callimor-
pha- und Arctia-Arten, augenscheinlich nur wegen ihres allgemeinen
Vorkommens und ihrer Schönheit halber. Um die bekanntesten
und typischen Formen vorzuführen, geht er bei den anderen Ord-
nungen z. B. aufPhasma, eine Reihe von Acridiern (darunter nur eins
schädlich), Tabanus. Asilas, Laphria, Midas, Cynips u. a., welche mei-
stens nichts weniger als schädlich sind, ein. Ueberhaupt gewinnt man
aus dem Ha r r i s'schen Werke die üeberzeugung, dass Nord-Amerika
im Vergleiche mit Europa auffallend wenige sehr schädliche, d. h.
wirklich verheerende Arten aufzuweisen hat; Cicada septemdecim,
Cecidomyia destructor und tritici scheinen alle anderen in den Hin-
tergrund zu drängen und werden daher nebst dem im Anhange ab-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 339
gehandelten ,,army - worm'' (keine Sciarä, sondern Leucania unipun-
ctata Haw.) auch vorzugsweise eingehend traktirt. Analpgieen mit
Europa finden sich mehrfach: Clisiocampa Americana ist die ent-
sprechende Ringelraupe der Obstbäume wie C. neustria , Cossus
Robiniae der Vertreter von C. ligniperda , Pygaera ministra (an
Aepfelbäumen) und Clostera Americana (Pappeln) von Pyg. buce-
phala u. s. w. Dagegen überwiegen nach den bisherigen Erfahrun-
gen die schädlichen Cerambyciden an Zahl sehr bedeutend die
Bestrichen in Amerika, die in Europa so verheerend auftretenden
Lipariden mangeln hier gänzlich; anstatt des gefürchteten Pachy-
tylus migratorius kennt man als zuweilen schädlich nur das kleine
Acridium femur-rubrum und der Amerikanische Repräsentant von
Gryllotalpa (G. brevipennis) hat bis jetzt noch nirgends merklichen
Schaden angerichtet. — Das Werk bildet in der gegenwärtigen Aus-
gabe einen starken 8. Band von 640 Seiten , dessen acht Kupfer-
tafeln in Stich und Colorit nichts zu wünschen übrig lassen; die
zahlreichen eingedruckten Holzschnitte sind von sehr verschiede-
nem "Werthe, in manchen Theiien (z. B. Sphingiden, Saturnien)
meisterhaft, in anderen, wie z. B. Vanessa Cardui und Atalanta,
Thecla Augusta u a. ganz unkenntlich und unbrauchbar. — Die dem
Texte angehängten Bemerkungen von Le Conte, Osten-Sacke n,
Uhler u. s.w., welche meist die Nomenklatur der Arten betreffen,
sind in synonymischer Beziehung sehr wichtig.
Benj. Walsb^ Insects injurious to Vegetation in Illi-
nois (^Transact. of the Illinois state agricult. sog. for 1861)
ist der Titel eines zweiten über schädliche Insekten Nord-
Amerika's handelnden Werkes, welches dem Ref. nicht
zu näherer Einsicht vorgelegen hat.
Nach Osten-Sacken (Stett. Entom. Zeit. XXIII.
p. 409 f.) wird in Nord-Amerika unter ^Heerwurm" (Armj
Worm) nicht das zahlreiche Auftreten von Sciara-Larven,
sondern dasjenige einer Noctuen-Raupe (Leucania extra-
nea Guen.) verstanden. Die Raupe verwüstet ausser Wie-
sen auch Roggen-, Mais- und Sorghum-Felder und wan-
dert in langen Zügen, wxlche 60 Engl. Ellen in zwei
Stunden zurücklegen sollen. Erst i. J. 1861 trat die
Raupe in den westlichen Staaten verheerend auf; ihre
Feinde sind eine Exorista und mehrere Ichneumonen.
Nach demselben (ebenda p. 410) ist Conotrachelus
nenuphar Ilbst., Plum weevil) den Pflaumen-, Pfirsich- und
Kirschbäumen sehr schädlich, indem das Weibchen seine
340 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Eier in die noch unreifen Früchte legt und diese dadurch
abfallen macht. Man hat bemerkt, dass solche Aeste,
welche über Wasser hängen, von dem "Käfer verschont
bleiben und begründet hierauf verschiedene Verfahren,
die Larve durch Wasser von der Erde, in welche sie zur
Verwandhing geht, abzuschneiden.
Ashton (Proceed. entom. soc. of Philadelphia!,
p. 141) machte Mittheilung über massenhaftes und schäd-
liches Auftreten der Aphis avenae Fab. am Hafer in Nord-
Amerika (Washington Countj) ; ihre Uebergriffe wurden
durch Coccinella-Larven, besonders durch Cocc. quinque-
notata und novemnotata vermindert.
S. Rathvon, Entomology and its relations to the
vegctable productions of the soil, with reference to both
destructive and-beneficial Insects (Report of the commis-
sioner of patents for the year 1861. Agriculture. Washing-
ton 1862. p. 585 — 620) Verf. behandelt in populärer Dar-
stellung die Naturgeschichte einer Reihe nützlicher und
schädlicher Colcopteren aus den Familien der Carabiden,
Dyticiden, Silphiden, Staphylinen, Lamellicornien, Curcu-
lionen, Buprcstiden, Elateren und Cerambyciden, w^elche
er durch Abbildungen im Holzschnitte illustrirt.
On the destruction of noxious Insects by means of the Py-
rethrum Willemoti , translated from the French by C. Willemot
(ebenda p. 222— 251).
Ratzeburg (Forstliche Blätter, Zeitschr. f. Forst-
und Jagdwesen herausg. von Grunert 5. Hft. p. 149
—201) gab unter dem Titel „Forstinsekten-Sachen" einen
Bericht über die neueren Erfahrungen, die forstschädli-
chen Insekten betreffend. Als Forstinsekten, welche bis-
her als solche noch gar nicht oder nur höchst unvollkom-
men bekannt waren, wird Pissodes piniphilus, als in ihrer
Schädlichkeit zwar bekannte, aber noch wenig beobach-
tete Pissodes hercyniae, Cryptorhynchus lapathi, Rhyn-
chites betuleti und alliariae, Anthonomus pomorum, Cal-
lidium luridum, Cantharis obscura, Lithosia depressa, Tor-
trix dorsana, Hercyniana und nanana, (Sciaphila) histrio-
nana, Tinea sylvestrella , Hyponomeuta cognatella, Sirex
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 341
glgas, juvencus und spectrum^ Tenthredo morio, Nematus
angnstus, abietum und Gryllus gryllotalpa aufgeführt.
Dieselben werden sowohl in ihrer Lebensweise näher er-
örtert als in Bezug auf den von ihnen herrührenden
Schaden und die zu ihrer Vertilgung dienlichen Mittel
besprochen.
Gleichsam als Ergänzung hierzu dienen die von F.
Grebe (ebenda p. 202 ff.) mitgetheilten „speziellen, den
Harz -Rüsselkäfer im Königl. Hannoverschen Lautenthaler
Forstreviere betreffenden Erfahrungen.'^
Ferner publicirte Ratzeburg eine in forstwissen-
schaftlicher Beziehung ebenso interessante als wichtige
kleine Gelegenheitsschrift: „Ueber die Nachkrankheiten
und die Reproduktion der Kiefer nach dem Frasse der
Forleule^ (Berlin 1862, 8. 40 S.V Ausser den Wirkungen
des Frasses von Noctua piniperda auf die Kiefer wird da-
rin das nach einem solchen erfolgte massenhafte Auftreten
des Pissodes piniphilus, dessen Lebensweise geschildert
wird, behandelt.
Derselbe gab endlich (Forstliche Blätter, 5. Hft.
p. 132—148) unter dem Titel ,,Die Dassel- oder Biesfllc-
gen, Dasseln, Oestrus Lin.^ eine auf die neueren For-
schungen Brauer's begründete Darstellung der Natur-
geschichte der dem Wilde eigenthümlichen Oestriden
und schloss daran Bemerkungen über die forstliche Be-
deutung und die Vertilgung der Hirsch-Engerlinge.
Nach Paris (Bullet, soc. entom. 1862 p. 19) wurden
durch die Raupe von Oenophthira Pillerana Fab. in der
Champagne so grosse Verwüstungen am Welnstockc an-
gerichtet, dass im Juni und Juli kein Blatt mehr zusehen
war. Im Jahre 1862 war die Zahl der Raupen plötzlich
eine sehr geringe; dagegen zeigte sich eine schwarze
Spinne (nach Sichel Lycosa saccata) in grosser Anzahl.
Letztere wird als Vertllgerln der Raupe gemuthmasst.
Nach Berce (ebenda p. 31) wurde die Raupe der
Acrolepla pygmaeana (Tinea Lefebvriella Dup.) zwei Jahre
hindurch den Birnbaum-Plantagen so schädlich, dass letz-
tere dadurch fast ganz zerstört wurden.
342 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Benj. Walsh, „Fire - blight : two new foes of
the apple and pear'^ (Prairie -Farmer , Chicago, 6. Sep-
tember 1862) glaubt^ dass der Brand der Aepfel- und
Birnbäume weniger durch Scolytns pyri, wie allgemein
geglaubt wird, als durch zwei Tettigonia- Arten, welche
er unter dem Namen Tettig. malelica und maligna als
neu beschreibt, hervorgerufen werde. Die Lebensweise
der letzteren und ihre Einwirkuno^en auf die Bäume wer-
den vom Verf. näher erörtert. (Vgl. auch Cicadellina !)
Nach Newman (Proceed. cntom. soc. 1862, p. 96)
zerstörte die Larve der Zeuzera aesculi in einigen Ge-
genden Englands junge Stämme von Eschen in grosser
Anzahl.
Heber sehr ausgedehnte Verwüstungen an Weiss-
tannen-Beständen bei Karlsbad durch die Raupe einer
Tortrix (nach Batzeburg's Bestimmung Tortr. histrio-
nana, was Stein in Prag bezweifelt) machte Forstmei-
ster Koch auf der Naturforscher-Versammlung zu Karls-
bad Mittheilungen. (Amtl. Bericht über die 37. Versamml.
Deutsch. Naturf. u. Aerzte zu Karlsbad, p. 167.)
Ebenda (p. 168) berichtete Rogen h o fer über mas-
senhaftes Auftreten des Jassus sexnotatus Fall., welcher
im Mai inNieder-Oesterreich an der Ungarischen Gränze an
Weizen und Gerste bedeutende Verwüstungen anrichtete.
(Im Jahre 1863 trat dieselbe Art verwüstend am Getreide
in Schlesien auf. Ref.)
Körnicke (Schriften d. physik.- Ökonom. Gesellsch.
zu Königsberg IL, Sitzungsbericht p. 5) machte Mitthei-
lungen über die von Bruchus rufimanus SchÖnh. in den
Samen der Ackerbohne (Vicia faba Lin.) angerichteten
Verheerungen.
Kirchner, Notiz über häufiges Auftreten des Apion
punctifrons Kirby in Erbsen (Lotos XL p. 104). In acht
aus Mähren gebrachten Motzen waren sämmtliche Erb-
sen von dem genannten Käfer bewohnt.
Grunert, „Heuschreckenschwärme^ (Forstliche Blät-
ter 5. Hft p, 238 ff.) machte darauf aufmerksam, dass aus-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 343
ser der Wanderheuschrecke zuweilen auch kleinere Ar-
ten, wie Gomphocerus lineatus und grossus, biguttulus,
Tettix subulata und bipunctata durch massenhaftes Auf-
treten den Feldern und Wäldern schädlich würden. Gom-
phocerus cothurnatus erschien in Oestcrreich (Anninger
und Wiener Wald) in einem grossen eingewanderten
Schwärme und entblätterte Eschen und Pyrus Aria, griff
aber auch die Nadeln der Tannen an.
Ja ekel, Ueber die Wander- , Zug- und Strich-Heuschrecken
(Oedipoda migratoria) in Bayern (Corresp, -Blatt d. zoolog. - minera-
log. Vereins in Regensburg XV. p. 158 £f.). Historische Notizen über
das Auftreten der Heuschrecken in Bayern als Nachtrag zu der
früheren Publikation des Verf.'s (1859) über denselben Gegenstand.
Cornelius, „LIbellenziige im Bergischen'^ (Stett.
Entom. Zeit. XXIII. p. 463, Verhandl. d. naturhist. Ver-
eins d. Preuss. Rheinlande XIX. p. 321— 329) berichtete
über einen am 19. Mai 1862 zwischen Elberfeld und Düs-
seldorf beobachteten Zug der Libellula quadrimaculata.
Derselbe flog bei klarem Himmel dem Winde entgegen,
etwa 5 bis 6 Fuss hoch über der Erde und war etwa
30,000 Fuss lang und 4(30 Fuss breit. Seinen Höhendurch-
messer auf öFuss angenommen und auf den Kubikfuss nur
40 Exemplare Libellen gerechnet, so würde der ganze Zug
etwa eine Zahl von 2400 Millionen Individuen enthalten
haben. Derselbe ging in etwa 50 Minuten an den einzel-
nen Orten vorüber und war so dicht, dass die Luft davon
grau und schwarz erschien.
Von den zahlreichen Abhandlungen über die Zucht
des inländischen sowohl als der verschiedenen exoti-
schen Seidenspinner erwähnen wir als von vorwiegend
entoraologischem Interesse nur folgende :
Gueri n-M 6ne vill e, Beschreibung einer neuen
Eichen-Seidenraupe aus Japan (Bombyx Yama-Ma'i). Aus
dem Französischen übersetzt in den Mittheilungen des
Central-Instituts für Akklimatisation in Deutschland III.
1862, p. 51— 56. Ausführliche Beschreibung aller Stadien
des Spinners vom Ei bis zum Schmetterlinge.
Einen ausführlichen Bericht über die Zucht der Sa-
344 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissenscli. Leistungen
turnia Cynthia in Holland lieferten deRoo van West-
maas und de Graaf (;, Verslag over de opkweeking der
Satiirnia Cyntliia in Nederland'^, TijdscKr. voor Entomol. V.
p. 113 — 159, pl. 7 11. 8;. Neben einer detäillirten Beschrei-
bung sämmtliclier Entwickelungsstadien vom Ei bis zum
Schmetterlinge werden statistische Notizen über die Zahl
und das Gewicht der abgelegten Eier, über die Dauer
der verschiedenen Häutungen bei den Kaupen, über das
Geweicht der Cocons und des zur Erzielung derselben
verwandten Aylanthus-Laubes, über die Kosten der Füt-
terung u. s. w\ gegeben. — Der Abhandlung schliesst sich
eine kleine Mittheilung von C. Mulder (Bijdrage tot
de ontleedkundige kennis van Saturnia Cynthia, ebenda
p. 160 — 171, pl. 9) an, in welcher der Verf. Untersuchun-
gen über die Spinngefässe der Cynthia-Raupen in ihren
verschiedenen Altersstadien zur Kenntniss bringt.
John Morris, The Allan thus silk worm of China
(Bombyx Cynthia) im Report of the commissioner of pa-
tents for the year 1861, Agriculture. Washington 1862,
p.374 — 382, ist gleichfalls ein Bericht über die Zucht der
Saturnia Cynthia.
F. Buhse, Notiz über die Einführung neuer Seiden-
raupen in Europa (Corresp.- Blatt d. naturf. Vereins zu
Riga XIII. p. 147— 152 und Zeitschr. d. Moskauer Akkli-
matisations-Vereins f. 1862, Heft 9). Es wird hier be-
sonders die in China betriebene Zucht der Bombyx Pernyi
mit den Blättern der Chinesichen Kastanien-Eiche (Quer-
cus castanea Chinensis) behandelt.
Ueber die Krankheit der inländischen Seidenraupe
wurden auch in diesem Jahre wieder verschiedene Mit-
theilungen an die Akademie der W^issensch. zu Paris von
Joly (Compt. rendus LIV. p. 274), Chavannes (p. 671),
Plagniol (p. 1156), Brouzet (p. 1188), und Guerin-
Meneville (p. 1266) gemacht.
„Die Pilzsucht der Insekten'^ ist ein kleiner Auf-
satz von L. Kirchner (Lotos XII. p. 73 ff.) betitelt, in
welchem Verf. nach einigen historischen Bemerkungen
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 345
28 Fälle von Pilzbildungen auf einheimischen Insekten
verschiedener Ordnungen namhaft macht.
A. Laboulbene, Note sur des Helminthes para-
sites du genre Mermis sortis du corps du Gryllus dome-
sticus et du Djtiscus marginalis (Annal. soc. entom. 4. ser.
II. p. 576). Das Exemplar von Gryllus^ in welchem eine
Mermis beobachtet wurde ^ befand sich noch im Nym-
phenzustande; der Wurm bohrte sich an der Seite des
Leibes heraus. Mehrere Exemplare des Dytiscus margi-
nalis lieferten sieben Mermis, von denen sechs männlich
waren; eine derselben fand sich frei in der Bauchhöhle
des Käfers.
Gordiaceen wurden auch von M ontrouzi er (Bullet,
soc. entom. 1862. p. 4) auf Neu-Caledonien in einer Man-
tis und in einer Pentatoma- Art beobachtet. In ersterer
Gattung sind sie so häufig, dass bei den Eingeborenen
der Glaube herrscht, die in den Seen Neu-Caledoniens
zahlreich vorhandenen Fadenwürmer würden von der Man-
tis erzeugt.
Goureau (ebenda p. 2) erzog aus einer und dersel-
ben Raupe (Hadena brassicae) drei Parasiten : Eulophus
ramicornis Nees in 16, Ichneumon spec. in 1 und Siphona
geniculata Meig. in 2 Exemplaren. Die beiden ersteren
Arten entwickelten sich aus der lebenden Raupe, die bei-
den Puppen der Siphona fanden sich in der vertrockneten
Haut derselben nach ihrem Absterben.
Nach einer Mittheilung von Meyer-Dür (Mittheil.
d. Schweiz, entom. Gesellsch. I. p. 28) waren dem ver-
storbenen Bremi schon i. J. 1850 als in der Schweiz
einheimisch 10,113 Insekten- Arten bekannt, nämlich: 3158
Coleoptera , 1635 Hymenoptera, 1739 Lepidoptera, 2255
Diptera, 321 Neuroptera, 272 Orthoptera und Mallophaga
und 733 Hemiptera. (Mithin sind daselbst noch viele Ar-
ten zu entdecken.)
Derselbe (ebenda IL p. 32 ff.) stattete „Sammel-
berichte über entomologische Vorkommnisse aus Burg-
dorf im Sommer 1862^ ab , in welchem seltnere Arten
aus allen Ordnungen mit Ausnahme der Lepidopteren
346 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
atjfgezälilt und mit Angaben über ihr Vorkommen ver-
sehen werden.
Killias, j-Insektenverzeichniss aus Puschlav" (Jahresber. der
naturf. 'Gesellsch, Graubündens YII. p. 102 — 108). In demselben
werden einige Graubündner Coleoptera , Hemiptera , Hymenoptera
und Diptera namhaft gemacht.
A. Becker, ^Botanische und entomologische Mit-
theilungen^' (Bullet, d. natur. de Moscou 1862, IL p. 332
— 355) setzte seine Aufzählung der von ihm um Sarepta
gesammelten und beobachteten Insekten aus den Ordnun-
gen der Lepidoptera, Coleoptera, Hemiptera, Hymeno-
ptera und Orthoptera weiter fort und gab über die Le-
bensweise, die Nahrungspflanzen u. s. w. mehrerer Nach-
richt. Mit der Bestimmung der Arten haben sich ver-
schiedene Deutsche und Russische Entomologen befasst.
Als das einzige grössere faunistische Werk dieses
Jahres ist zu erwähnen : Naturwissenschaftliche Reise nach
Mossambiqne von W. Peters, Zoologie 5. Theil. Insekten
und Myriopoden (Berlin 1862. Imp. 4. 566 S., 34 col.
Tafeln). — Die Insekten (758 Arten) sind auf 526 Seiten
vonLoew (Diptera), Hagen (Neuroptera • im Linne'-
sehen Sinne), Schaum (Hemiptera und Orthoptera im
engeren Sinne\ Hop ff er (Lepidoptera), Klug (Coleo-
ptera, erste Hälfte) und dem Ref. (Coleoptera, zweite
Hälfte und Hymenoptera), die Myriopoden (16 Arten) auf
den 26 übrigen Seiten vom Herausgeber bearbeitet. Die in
Stich und Zeichnung gleich vollkommenen Tafeln sind das
Werk Wagenschi ehe r's und des verstorb. Wienker.
Die in dem (seit d. J. 1851 bearbeiteten) Werke publicirten
neuen Arten sind bereits in den Jahresberichten 1852 — 58 angeführt;
es mögen daher hier nur einige Bemerkungen über die numerischen
Verhältnisse der Mossambi quer Insektenfauna zu derjenigen des übri-
gen Afrika ihren Platz finden. Nach Abzug einiger von anderen
Lokalitäten (Madagascar, Zanzibar und West- Afrika) herrührender
Arten verbleiben für Mossambique in runder Summe 750, von denen
etwa % bis jetzt hier allein (oder ausserdem nur bei Port-Natal)
aufgefunden worden sind, während die übrigen ^/^ theils über Süd-
Afrika in weiterer Ausdehnung, theils zugleich über West- und
Nord-Afrika , einige auch gleichzeitig über Europa und Asien ver-
breitet sind. Am bedeutendsten stellt sich das Verhältniss der bis
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 347
jetzt auf Mossambique beschränkten Arten zu schon anderwärts
bekannt gewordenen bei den Coleopteren (nämlich wie 3 : 1, indem
273 Arten neu, 91 bekannte sind) und bei den Neuropteren (4 : 1).
Bei den Hymenopteren und Dipteren überwiegen die spezifischen
Mossambiquer Arten die weiter verbreiteten um mehr als das Dop-
pelte, während bei den Orthopteren beide Categorieen ziemlich
gleich stark vertreten sind; unter den Hemipteren herrschen die
weiter verbreiteten Arten um Vg (30 : 20), bei den Lepidopteren so-
gar um das Doppelte (72 : 35) vor. — Ausser den Gattungs- und
Artbeschreibungen enthält das Werk eine detaillirte Anatomie der
Termiten von Hagen (p. 69 — 83. Taf. 3 u. 4), welche unterdessen
bereits in Linnaea entomol. XII. 1858. p. 290 ff. reproducirt ist
und besonders beachtenswerthe Angaben über den Circulations-Ap-
parat dieser Insekten enthält; ferner eine Notiz über die Verbrei-
tung und Abänderungen der Honigbiene (p. 440) , welcher Gegen-
stand seitdem vom Ref gleichfalls anderwärts ausführlicher behan-
delt worden ist.
Eine zweite faunistisclie Arbeit^ gleichfalls Afrika
betreffend, ist dem Ref. vorläufig nur aus einer Anzeige
im Bullet, sog. entora. 1862. p. 63 bekannt geworden:
L. Maillard, Notes sur l'ile de la Reunion (ßourbon)
Paris 1862, 8. avec planch. col. An der Bearbeitung der
Insekten haben sich A. Dey rolle (Coleoptera), Lucas
(Orthoptera und Myriopoda), Signoret (liemiptera), de
öelys-Longchamps (Neuroptera), Sichel (Hymeno-
ptera), Guenee (Lepidoptera) und Bigot (Diptera) be-
theiligt.
Einige Notizen über die auffallendsten der von ihm
in der westlichen Bejudah- Steppe und in der Landschaft
Sennaar beobachteten Insekten (und Arachniden) veröf-
fentlichte R. Hartmann in der Zeitschr. f. allgem. Erd-
kunde, N. F. XIL p. 196 u. XIIL p.27 f. Die daselbst
angeführten Arten sind vom Ref. bestimmt worden.
Kurze Mittheilungen über die Insektenfauna von
Amboina, in welcher die Hauptrepräsentanten der einzel-
nen Ordnungen hervorgehoben und besprochen werden,
sind aus dem schriftlichen Nachlasse von D ole schall in
den Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien XIL
p. 803 f. abgedruckt.
Fauvel (Bullet, sog. Linneenne de Normandie VL
348 Gerstaecker; Bericlit üb. d. wissensch.. Leistungen
p. 128 — 145) setzte seinen „Catalogue des Insectes re-
cueillis a la Guyane frangaise par E. Deplanche^ mit der
Aufzählung der Hemiptera (38 Arten) und Lepidoptera
(86 Arten) fort; die letzteren gehören der Mehrzahl nach
(76 A.) den Rhopaloceren an. — Ebenda VI. p. 166 ff.
werden nachträglich noch einige Orthopteren und Ilyrae-
nopteren aufgezählt und eine Anzahl Nester von Wespen
und anderen Hymenopteren , so wie einige merkwürdige
Cocons beschrieben.
Unter den Beiträgen zur Kenntniss fossiler Insekten
beschäftigt sich eine kleine x\bhandlung von H. Hagen:
„A comparison of the fossil insects of England and Ba-
varia'^ (Entom. Annual f. 1862. p. 1 — 10) mit einem Ver-
gleiche zwischen den Insektenresten aus den Solenhofe-
ner und Eichstädter Schichten und denjenigen aus dem
Englischen Lias undWealden. Ein wesentlicher Unterschied
zwischen beiden stellt sich schon in der Art der Erhal-
tung heraus, welche mit Sicherheit auf eine verschie-
dene Einschlussweise hindeutet; während die Bayerischen
Schichten meist sehr schön conservirte, in allen Körper-
theilen complete Exemplare enthalten und daher einen
Einschluss durch sehr allmählige Auflagerung vermutheu
lassen, liefern die Englischen Schichten meistens Trümmer
oder einzelne Bruchstücke, w- eiche vermuthlich erst nach ge-
waltsamer Zerstörung der Individuen durch äussere Agen-
tien in das Gestein eingebettet worden sind. Im Uebrigen
zeigt, die Insektenfauna beider Schichten eine sehr nahe
Verwandtschaft und in einigen Arten vielleicht gar eine
Uebereinstimmung, während sie andererseits von der Fauna
Aix's, Radoboj's und Oeningens ebenso verschieden ist
wie von der Bernstein -Fauna und der jetzt lebenden.
Die Insektenreste der Bayerischen Schichten gehören zu
einem Dritttheile den Odonaten, zu ebenso viel den Or-
thopteren und Hemipteren (besonders riesigen Bclostomi-
den und Nepiden) an; das letzte Dritttheil besteht aus
Coleopteren, Hymenopteren und Dipteren. Die Odona-
ten treten in Solenhofen nur im Zustande der Imago auf,
gerade im Gegensatz zur Rheinischen Braunkohle und zu
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 349
Oeningen und Eadoboj^ wo Larven und Puppen vorwie-
gend sind.
Von 450 Solenhofer Insekten sind 150 Neuroptera (im älteren
Sinne) und darunter 136 Odonaten ; von wirklichen Neuropteren sind
nur die Gattungen Corydalis, Chrysopa, Apochrysa und Nymphes
in einzelnen Arten aufgefunden worden. Unter den Odonaten sind
die Gruppen der Libellulma (4 A.), Aeschnina (1 A.) , Gomphina
(7 A.), Calopterygina (11 A.) und Agrionina (4 A.) vertreten; Ter-
miten finden sich in 2, Ephemeren in 4 Arten. Die Solenhofer Or-
thopteren (im engeren Sinne) gehören den Familien der Locustinen
und Blattinen an; letztere sind hier im Ganzen seltener als in den
Englischen Schichten. — Ausser in dem oben citirten Aufsatze sind
die vorstehenden Angaben auch enthalten in der Einleitung zu des
Verf. 's Abhandlung „Ueber die Neuropteren aus dem lithographi-
schen Schiefer in Bayern" (v. Meyer, Palaeontographica X. 2. p. 96
— 105), w^elche bei den Orthopteren (Pseudoneuropteren) näher be-
rücksichtigt wird.
C. V. Hey den, ^Gliederthiere aus der Braunkohle
des Niederrbeins, der Wetterau und der Rübn'^ (von
Meyer, Palaeontographica X. p. 62— 82. Taf. 10) machte
durch Abbildungen und Beschreibungen neben zwei (un-
ten speziell angeführten) Entomostraken und Acarinen
eine Reihe von Insekten aus verschiedenen Ordnungen,
meist der Sammlung von Kr antz in Bonn angehörend, be-
kannt, unter denen mehrere auffallend schön erhalten
sind. Die Mehrzahl gehört den Coleoptcren an; nächst-
dem sind die Hymenopteren und Dipteren am zahlreich-
sten vertreten.
Die Arten sind unter folgenden Namen beschrieben: a) Co-
leoptera: Peltis coslulata, Onitis 3I(fgus, Anoplognallius Jiltcnanus, Pc-
rolis Hausmovni, rtdiln, Direrca Toschei, Ancylocliira pristina, Agri-
lus Baueri , Limonius optabilis Heer (?) , Liiciola extincla, Uloma
avia, Uroclon priscus, Crrjplorlnjtickus rcnudus, Dorcadion emeritum,
Oherea praenioriua, Heslliesis immorlna (mit einer am After hängen-
den Mermis antiqua Heyd.), Lina Welteratica und populeti Heer,
Cassida inleremla und Coccitiella anliqna. — b) Orthoptera: Blalla
pavperala. — c) Hymenoptera: Osmia carbonum, Anlhophora effossa
und Apis donniians. — d) Neuroptera: Corydalis? (Nur ein ein-
zelnes Hinterbein, nach Hagen eher einem Termes angehörend.)
— e) Lepidoptera: Neplicnln fossiiis (nach dem Minengange einer
Larve auf einem Blatte von Jugians acuminata aufgestellt). — f) Di-
ptera: Bibio tertiarius, Merodon Gennari , Culicites tertiaiius, Ceci-
350 Gerstaecker: Bericlit üb. d. wissensch. Leistungen
domy ia ? dvhia (nach kleinen gallenartigen Auswüchsen auf der Blatt-
fläche von Juglans acuminata als Cecidoniyia gedeutet), Fungicola
(auf schlangenförmige Gänge mit Larven -Excrementen an der Un-
terseite eines Polyporus foliatus ? basirt). — Anhangsweise beschreibt
Verf. noch einen DytiscKs avimculvs (weibliche Flügeldecken) aus
einem Stücke Phonolith-Tuff des Höhgau's.
Giebel, (^ Wirbclthiere und) Insektenreste im Bern-
stein" (Zeitschr. für d. gesammt. Natnrwiss. XX. p. 311 —
321) machte 16 für neu angesehene Bernstein -Insekten
verschiedener Ordnungen (aus dem Naturalien-Cabinet in
Coburg) bekannt.
Von Hemipteren : Poiocera venidosa, Ricania mullinervis, Pen-
tatoma Scliaurolhi und Cercopis anrala. Von Orthopteren: Blafla
rufireps und elliptica, Chaeloessa hvctialata. Von Coleopteren : Hel-
Itiomor'pha pvologaea, Chlaenws elecfrinus, Clerus succini. Von Le-
pidopteren: Atigeronn eleclrina. — Von Dipteren: Culex Loewi, Lo-
mntia gracilis , Tachina sttccini und Eriphia setosa. — Von Hyme-
nopteren: Chrysis viridicynnea.
Eine kurze Mittheihmg über Insekten im Siciliani*
sehen Bernstein machte Hagen (Stett. Entom. Zeit. XXIII.
p. 512 f. und Entomol. weekl. Intellig. 1861. p. 167). Dreis-
sig in der Oxforder Sammlung enthaltene, von Hope
in Catanea gekaufte Stücke Sicilianischen Bernsteins ent-
hielten Dipteren, Ameisen, Käfer und Termiten; letztere
bestanden in einem geflügelten Individuum, welches einer
neuen , im Preussischen Bernsteine fehlenden Art ange-
hörte und in Arbeitern, welche in Preussen überhaupt
noch nicht gefunden worden sind.
Orthoptera.
Sam. Scudder, Materials for a monograph of the
North-American Orthoptera including a catalogue of the
known New-England species (Journal of the Boston soc. of
nat. bist. VII. p. 409-480). Verf. giebt durch diese Arbeit
einen sehr schätzenswerthen Anstoss zur vollständigeren
p]rforschung der bis jetzt noch wenig beachteten Ortho-
pteren-Fauna Nord - Amerika's. Von einer Aufzählung
und Beschreibung der Arten eines engeren Gebietes der
Vereinigten Staaten, nämlich Neu-England's ausgehend,
zieht er gleichzeitig in verschiedenen Gattungen die ihm
im Gebiete d Entomologie während des Jalires 1862. 351
aus anderen Theilen Nord -Amerika's vorliegenden Ar-
ten mit heran und bringt auf diese Art ein recht ansehn-
liches neues Material zur Kenntniss. Die Zahl der bis
jetzt aus Neu-England bekanrrten Arten beläuft sich auf
78 (darunter 2 Forficulina^ 7 Blattina, 1 Phasoiide, 11 Gryl-
lodea, 16 Locustina und 41 x\cridiodea) , während aus
anderen Gegenden noch 37 fernere, im Ganzen also 115
verschiedene Arten behandelt werden.
H. de Saussure setzte seine vorläufigen Diagno-
sen neuer Amerikanischer Orthopteren mit der Familie
der Blattinen fort (Revue et Magas. de Zoologie XIV.
p. 163 und 227 ff.). Es werden aus derselben 54 neue
Arten bekannt gemacht.
Brunner (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu
Wien XIL p. 87 — 96) machte vorläufige Mittheilungen
über die während der Weltumsegelung der Fregatte No-
vara gesammelten Orthopteren. Dieselben bestehen in
einer Aufzählung der gesammelten Arten nach den von
ihnen bewohnten Lokalitäten; die darunter befindlichen
neuen sind nur als solche bezeichnet, vorläufig aber nicht
beschrieben. Von Gibraltar werden 6, von Madeira 5,
von Rio-Janeiro 25, vom Cap der guten Hoffnung 42, von
St. Paul 2, von Ceylon 15, von Madras 4, von den Nico-
baren 16, von Singapore 3, von Batavia 53, von Manila 9,
von Hongkong 16, von Shanghai 6, von Aukland 13,
von Sidney 17, von Taiti 10 und aus Chile 9 Arten ver-
zeichnet.
de Selys-Longchamps, Catalogue raisonne des
Orthopteres de Belgique (Annales soc. entom. Beige VI.
p. 130—158. — Im Separatabdruck : Bruxeiles 1862, 8.
34pag.) Seit der i. J. 1838 durch W^csmael geliefer-
ten Aufzählung der Orthopteren Belgien's (30 Arten)
sind daselbst 12 fernere Arten aufgefunden worden, so
dass das vom Verf. gegebene Verzeichniss gegenwärtig
deren 42 enthält. Dieselben werden in Bezug auf ihre Ver-
breitung, Erscheinungszeit, Häufigkeit u. s. w^ näher erör-
tert und mit Bemerkungen über ihre Varietäten versehen.
Die einzelnen Familien sind folgendermassen vertreten:
352 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissenscb. Leistungen
Forficulina 2^ Blattina 1, Gryllodea 4, Locustina 10, Acri-
diodea 19 Arten.
Benj. Walsh, List of the Pseudoneuroptera of
Illinois containsd in the cabinet of the writer, with de-
scriptions of over forty new specics and notes on their
structural afFinities (Proceed. acad. nat. scienc. of Phila-
delphia 1862. p. 361—402). Eine sehr werthvolle Arbeit,
die erste Frucht der Hagen'schen Synopsis der Nord-
Amerikanischen Nenropteren^ durch welche der Verf. die
Artenkenntniss der Pseudoneuroptercn dieses Welttheils
wesentlich fördert und erweitert. Unter 110 von ihm
verzeichneten, in Illinois einheimischen Arten aus den
Familien der Termiten, Psocinen, Perlarien, Ephemerinen
und Odonaten werden 43 als neu beschrieben, für eine
grössere Anzahl solcher von früheren Autoren (besonders
Say und Walker) bekannt gemachten aber durch aus-
führlichere Charakteristiken gleichzeitig ein näheres Ver-
ständniss eröffnet. — Die Arten vertheilen sich auf die
einzelnen Familien folgendermassen : Termitina 1 A.,
Psocina 13 A. (6 neu), Perlariae 17 A. (9 neu), Ephe-
merina 26 A. (16 neu) und Odonata 53 A. (12 neu).
Ueber fossile Pseudoneuroptercn liegen zwei Ab-
handlungen von Hagen vor, in welchen eine Reihe
auffallender neuer Formen aus dem lithographischen Schiefer
und der Braunkohle bekannt gemacht und besonders die
Familie der Odonaten wesentlich bereichert wird:
1) „Ueber die Neuroptercn aus dem lithographischen
Schiefer in Bayern" (v. Meyer's Palaeontographica X. 2.
p. 96 — 145, Taf. 13 — 15). — Nach einer die Insekten des
lithographischen Schiefers im Allgemeinen behandelnden
Einleitung (vgl. oben unter Insekten) giebt Verf. eine
vorläufige Uebersicht der aus dem lithographischen Schie-
fer von Solenhofen und Eichstätt in der paläontologischen
Sammlung zu München enthaltenen Neuropteren imLin-
n e'schen Sinne, von denen nur vier den eigentlichen
Neuropteren (3 Hemerobiden, 1 Corydalis), die übrigen
33 Arten den Pseudoneuroptercn (27 Odonaten, 2 Termi-
ten, 4 Ephemerinen) angehören. Auf eine Zusammen-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 353
Stellung der Literatur und eine Critik der darin erwähn-
ten Arten lässt Verf. die Beschreibung mehrerer neuer
oder weniger bekannter Pseudoneuropteren und eines
Orthopteren aus derv. Meyer' sehen Sammlung unter bei-
läufiger Erwähnung mehrerer ihm nicht aus eigener An-
schauung bekannter Arten früherer Autoren folgen. Die
ersteren, zugleich auf den beifolgenden Tafeln abgebildet,
sind folgende:
Termes heros, Ephemer a cellulosae Ephem,? procera, mortua,
Agrion? Eichsfaetfense , Euphaea'i miiltinervis , Euph. longiventris,
lleterophlebia aequalis n. A, , Petalia? longialata Germ." (Aeschna
multicellulosa etBavarica Gieb.), Petalura? Wittei Gieb., Anax Char-
pentieri Hag. — Anhangsweise wird Locusta? amanda als neue Art
beschrieben.
2) ^jNeuroptern aus der Braunkohle von Rott im
Siebengebirge^ (ebenda X. 6. p. 248—269, Taf. 43—45).
Nach einer Uebersicht über die bis jetzt aus der Braun-
kohle bekannten Insekten werden Beschreibungen und
Abbildungen von folgenden neuen Arten gegeben:
a) Termiten: Calotermes Rhenanus. b) Perlarien: Leuctra
antiqua. c) Odonaten : Libellula cellulosa und Ictinus für (beide im
Zustande der Imago), Libellula Ceres, Cassandra, Aeschna Dido, Agrion
Thais und Mysis (im Zustande der Nymphe).
Termitina. Buckley, Description of two new species of Ter-
mites from Texas (Proceed. entom. soc. of Philadelphia I. p. 212 —
215) beschrieb Termes (Eutermes) cinereus (Arbeiter und Nasuti) und
Termes tubiformans (Arbeiter, Soldaten und Weibchen?) als n. A.
aus Texas Erstere Art legt im Erdboden Kammern von 1 — 2 Zoll
Länge, welche durch Gänge verbunden sind, an; die Nasuti mach-
ten etwa Yj — Vi ^^^ ganzen Colonie aus. Die zweite Art construirt
dünne Röhren von Lehm über der Oberfläche des Bodens, welche
4 — 6 Zoll hoch und Ys — V2 ^^ll dick sind und meist an Grashalme
u. dgl. befestigt werden; unterhalb dieser Cylinder finden sich auch
Zellen im Erdboden.
Tollin, „Zur Naturgeschichte der Termiten" (Stettin. Entom.
Zeitung XXIIL p. 215ff. , nebst einem Nachworte von H. Hagen)
beobachtete zu Bloemfontein in der Cap-Colonie eine nicht näher
bestimmte Termite in ihrem Treiben. Auf ebener Erde fand sich
eine kleine, nur ^/g Zoll Diam. messende Oeffnung, aus welcher die
geflügelten Individuen sich mit Mühe hervorarbeiteten; an dieser
Oeffnung fanden sich weder Soldaten noch sonstige Wachen, so dass
die grosse Mehrzahl der ausschlüpfenden Geschlechtsthiere von einer
Archiv f. Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. X
354 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
daselbst lauernden Ameise getödtet wurde. Die von dieser ver-
schonten Individuen erhoben sich zu einem kurzen Fluge von zwei
Minuten, während dessen übrigens nicht die Begattung stattfindet
und erledigten sich, herabgefallen, der Flügel", um nun emsig zu
graben. Die Anlage einer neuen Colonie erfolgt stets durch ein
einzelnes Pärchen, welches sich gemeinschaftlich in den Boden
eingräbt.
Eine kurze Mittheilung über die Termiten der westlichen
Bejudah-Steppe (Sennaar), von den Arabern „Ardah" genannt, machte
R. Hartmann (Zeitschr. f. allgem. Erdkunde N. F. XII. p. 196);
die von ihnen verfertigten Lehmkegel sind 5 — 15 Fuss hoch. (Die
vom Yerf. mitgebrachte Termite ist Term. destructor Smeathm.)
Lopismatidae. Lucas, „Note sur le Machilis maritima, In-
secte aptere de l'ordre des Thysanures" (Rev. etMagas. de Zool. XIV.
p. 481 ff.). Verf. macht auf das häufige Vorkommen des Petrobius
maritimus Leach an der Küste der Normandie und auf die nächt-
liche Lebensweise desselben aufmerksam. Am Tage zeigt sich das
Thier selten, sondern verbirgt sich unter Steinen am Meeresstrande ;
dagegen fand es sich während der Nacht in grosser Menge auf dem
Hafendamme und an den Brustwehren des Hafens von Honfleur, an
dessen senkrechten Wänden es mit grosser Schnelligkeit umherlief.
Blattina. de Saussure (Rev. et Magas. de Zool. XIV.
p. 163 — 171 und p. 227 — 234) machte folgende neue. Amerikanische
Arten durch Diagnosen bekannt: Polyzosteria Mexicana und Azleca
aus Hoch- Mexiko, Anaplecta fulgida und fallax aus Guatemala,
Blatta Poeyi und porcellana aus Cuba, Tarusca aus Mexiko, bifas-
ciata aus Brasilien, Totonaca aus den heissen Theilen Mexiko's, Cu-
bensis aus Cuba, borealis aus Nord-Amerika, Zapolcca und Mysteca
aus den heissen Gegenden Mexiko's , buprestoides und capitata aus
Cuba, gracilis aus Brasihen, Thyrsocera Mexicana, Tolteca^ Sallei
und Gueriniana aus Mexiko, dubia aus Brasilien, Ischnoptera Uhle-
riana aus Pennsylvanien, Couloniana aus Nord- Amerika, Peruana aus
Peru, Nortoniana aus Nord-Amerika, occidentalis, consobrina, Mexi-
cana und Azteca, die beiden letzteren aus den heissen Gegenden
Mexiko's, Periplaneta Mysteca aus den gemässigten Strichen dessel-
ben Landes. — p. 227 ff. : Nyctobora Mexicana, Epilampra {Nololam-
pra Sauss.) lucida aus Brasilien, {Planes Sauss.) Mexicana, Phoraspis
Mexicana, Paratropes lycus aus Brasilien, histrio aus Süd- Amerika,
subsericeus aus Surinam, Corydia (Holocompsa) Azteca aus dem
heissen Mexiko, Panchlora Azteca ebendaher, Cubensis, Anlillarum
und Poeyi aus Cuba, Zendala und hyalina aus Guatemala, Mexicana^
moxa aus Bolivia und glatica aus Brasilien, Proscratea Peruana^ Ze-
tobora {Tribonidium Sauss.) monnstica aus Brasilien, {Phortioeca Sauss.)
PeruanOf Hormetica trilobita aus Brasilien und Chilensis , Blabera
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 355
Mexicana und capucinct, letztere aus Brasilien. — Die vom Verf.
errichteten neuen Untergattungen sind gleichfalls mit Diagnosen
versehen.
Snellen van Vollenhoven, Beschrijving eener nieuwe
soort van Kakkerlak uit Sumatra, Archiblatta Hoevenii (Tijdschr.
voor Entomol. V. p. 106 ff. pl. 6) machte unter dem Namen Archi-
blatta (nov. gen.) Hoevenii eine höchst merkwürdige neue Blatti-
nen-Form von Sumatra bekannt , welche den bis jetzt für die Fa-
milie gültigen Charakteren in mehrfacher Beziehung entgegentritt.
Nach der Abbildung zu urtheilen scheint eine ziemlich auffallende
habituelle Aehnlichkeit mit Eremophila vorhanden zu sein. Der
Kopf ist frei, nicht vom Prothorax bedeckt, dieser vorn abgestutzt,
länger als breit, nach hinten etwas erweitert, die Schenkel nicht
flachgedrückt, die Schienen dünn, die mittleren nur innerhalb schwach
gedornt, die hintersten stark verlängert und nur von der Mitte ab
sparsam gedornt ; die beiden Flügelpaare sind nicht ausgebildet,
sondern nur durch (in der Mitte verwachsene) Schuppen angedeutet.
Die Art: Arch. Hoevenii ist 50 Mill. lang, glänzend röthlich kasta-
nienbraun.
Scudder (Journal Boston soc. nat. bist. VII. 1862. p. 416 ff.)
glaubt Periplaneta orientalis und Americana nach den Verschieden-
heiten ihrer Hinterflügel zwei verschiedenen Gattungen zuertheilen
zu müssen; für erstere Art stellte er den Fischer'schen Gattungs-
namen Slylopyga wieder her, während er die zweite unter Peripla-
neta belässt. — Auf Blatta Pennsylvanica de Geer gründet er eine
neue Gattung Platamodes, welche zunächst mit Periplaneta verwandt
ist, sich aber durch schmaleren, mehr verlängerten Körper, durch
fast parallelen Innenrand der Augen, die den Körper überragenden
Vorder- und Hinterflügel, regelmässig gerundete Lamina supraana-
lis, kürzere und weniger abgeflachte Raife u. s. w. unterscheidet.
— Als (zweite) neue Art gehört dazu : Plat. \inicolor aus Massachu-
setts. — Die Gattung Ectobia Westw. ist in Nord-Amerika durch
E. germanica und zwei neue Arten: Ect. lithophila und flavocincla
vertreten. — C ry p t oc er cus, nov. gen. , mit Polyzosteria ver^
wandt, in beiden Geschlechtern flügellos ; Prothorax mit verdicktem
Vorderrande, der über dem Kopfe leicht kappenförmig aufgerichtet
ist, Augen klein, fast kuglig gewölbt, Schenkel breit, ohne Stacheln;
Schienen dicht mit solchen besetzt, Tarsen ohne Haftlappen zwi-
schen den Klauen; Appendices anales nicht hervortretend, männli-
che Griffel sehr klein , die cylindrischen haarigen Raife in beiden
Geschlechtern nur bis zur Spitze der dreieckigen Lamina supraanalis
reichend. — Art: Crypt. punctulatus aus Virginien und Pennsylva-
nien. — Pycnoscelus^ nov. gen., der vorigen Gattung nahe ver-
wandt, gleichfalls flügellos (nur Männchen bekannt), mit grosse-
356 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissenscK Leistungen
rem Kopfe, mehr halbkreisförmigem Prothorax, mehr genäherten,
birnförmigen Augen, stärker abgeflachten Schienen u. s. w. — Art :
Pycn. obscurus aus Massachusetts.
Lucas, „Note sur la Perisphaera glomeriformis" (Annal. soc.
entom. 4. ser. IL p. 130) gab eine vorläufige Notiz über eine neue
in Cochinchina und auf Manila lebende Perisphaera-Art, die nicht
nur einer Glomeris oder einem Armadillo auffallend gleicht, sondern
sich im Leben auch wie diese zusammenrollt.
Mantodea. Chaetoessa Burmeisteri Giebel (Zeitschr. für die
gesammt. Naturwiss. XX. p. 316) als n. A. von Neu-Feiburg in Bra-
silien beschrieben.
Gryllodea. S cu d d er (Boston Journ. of nat. bist. VII. p. 424 ff.)
beschrieb Tridaclylus terminalis als n. A. aus Massachusetts, minu-
tus aus Illinois, Gryllotalpa longipennis, Grylhis angustus, neglectus^
niger (Harris i. 1.) xm^Nemohius vittatus alsn.A. aus Massachusetts.
Locastina» Bates („Description of a remarkable species of
singing Cricket from the Amazons, supposed to be new to science",
Journ. of Entomoi. I. p. 474 ff. pl. 22) machte unter dem Namen
Chlor oco elus (nov. gen.) Tanana eine sehr auffallend gebildete
neue Heuschrecke von Obydos am Amazonenstrome bekannt, welche
sich durch stark hauchig oder blasig aufgetriebene Deckflügel des
Männchens auszeichnet. Verf. stellt seine neue Gattung mit Thli-
boscelus Serv. in Vergleich, mit der sie allerdings nahe verwandt
ist ; bei weitem näher steht sie jedoch (nach einem männlichen
Exemplare des hiesigen Museums zu urtheilen) der Gattung Cyrto-
phyllus Burm. (Loc. perspicillata Fab.), mit welcher man sie sogar
recht gut vereinigen könnte, da die Unterschiede der Brasilianischen
Art von der Nord -Amerikanischen kaum mehr als spezifische Be-
deutung haben. Bei ersterer sind die Fühler kürzer, die Vorder-
schenkel mehr zusammengedrückt und dadurch etwas breiter, die
Deckflügel noch stärker bauchig aufgetrieben und die Rippung des
Vorderfeldes dichter; ist die Abbildung des Hinterleibes richtig, so
würde auch die lange spateiförmige Verlängerung des letzten Bauch-
segmentes fehlen (bei dem hiesigen Exemplare ist der Hinterleib
verstümmelt).
Scudder (Journ. Boston soc. of nat. bist. VII. 1862 p. 432 ff.)
gab eine erneuete Uebersicht und Auseinandersetzung der Nord-
Amerikanischen Rhaphidophora-Arten, welche sich ihm nach genaue-
rer Untersuchung als drei verschiedenen Gattungen angehörig her-
ausgestellt haben, von denen keine mit der S ervi 11 e'schen Gattung
Rhaphidophora genau übereinstimmt. Die 13 ihm gegenwärtig be-
kannten Arten vertheilen sich folgendermassen : 1) C euthophi-
lus , nov. gen. , von Rhaphidophora durch viel kürzere Beine, die
Längs Verhältnisse der Glieder an den Maxillartastern (1. u. 2. sehr
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 357
klein, oder unter einander gleich, 3. beiden zusammen gleich, 4.
von 7^ Länge des dritten, 5. fast so lang wie 3. u. 4. zusammen),
den Mangel der Enddornen an Vorder- und Mittelschenkeln, die
starke Entwickelung der Enddornen an den Hinterschienen, die nicht
zusammengedrückten Tarsen und durch die Kürze der Raife ab-
weichend. — Ausser Rhaph. maculata Say, lapidicola Burm., scabri-
pes Hald., stygia, Agassizii und gracilipes Scudd. gehören hierher
als neue Arten: Ccutk. brevipes Grand Manan, Uhleri Maryland, di-
vergens Nebraska, Intens und niyer Illinois, Californianus San Fran-
cisco. — 2) Haden oecus, nov. gen., für Rhaph. subterranea Scudd.
errichtet; an den Maxillartastern das 1. Glied kurz, das 2. doppelt
so lang, das 3. reichlich doppelt so lang als das 2., das 4. fast so
lang, das 5. länger als das 3. ; ausserdem von Rhaphidophora durch
gewölbte Augen und unbedornte Mittelhüften unterschieden. — 3)
Tropidischia, nov. gen., auf Rhaph. xanthostoma Scudd. begrün-
det; an den Maxillartastern das 1. u. 2. Glied kurz, das 3. mehr denn
doppelt so lang als das 2. , das 4. fast so lang wie das 3., das 5.
fast so lang wie das 3. u. 4. zusammengenommen. — Einen Ueber-
gang zwischen Ceuthophilus und Daihinia Hald. bildet die neue
Gattung Udeopsylla , für Daihinia robusta Hald. und Ud. nigra,
u. A. vom Red- River errichtet ; von Daihinia durch längere und
schlankere, weniger gedornte Beine, schlankeren Körper und kleine-
ren Kopf, kürzere Kiefertaster und die Tarsenbildung (1. u. 4. Glied
lang, gleich gross, 2. u. 3. sehr kurz) unterschieden. — Von Cyr-
tophyllus Burm. werden zwei Arten: C. concavum Say (perspicilla-
tum Serv.) und C. perspicillata Fab. Burm. unterschieden , unter
Phylloptera Serv. zwei neue Arten: PhyL rotundifolia und caudata
beschrieben. — Für Phylloptera retinervis Burm. wird eine neue
Gattung Microcentrum errichtet und Micr. affilialum und thora-
cicum, letztere aus Florida, als n. A. beschrieben. — Fernere neue
Arten sind: Conocephalus robustus Cape Cod, unciriatus (Harris) Ala-
bama, crepitans Texas, Xiphidium brevipennis (sie!) Massachusetts,
ensifer Illinois, Orchelimuni vulgare (Harris) und concinnum Cape Cod,
longipennis (sie !) Texas,
J. P. E. Frdr. Stein, „Ueber Drymadusa spectabilis Stein"
(Berl. Ent. Zeitschr. VI. p. 420) hat sich zwar nachträglich davon
überzeugt, dass die von ihm errichtete Gattung mit Decticus imd
Gampsocle'is nahe verwandt ist, hält sie aber immer noch für näher
verwandt mit Pterolepis und zwar wegen der Bedomung der Beine
(die er freilich kurz darauf wenigstens für die Schienen für unwich-
tig erklärt). Als Unterschiede von Decticus und Gampsocleis weiss
Verf. zwar nur spezifische und relative Merkmale anzuführen, glaubt
aber seine Gattung allen persönlichen Motiven zum Trotze schon
darum aufrecht erhalten zu müssen, weil sie mindestens ebenso gut
358 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
wie Gampsocleis sei; „dies wird sich noch deutlicher herausstel-
len, wenn erst Gamps. gratiosa Brunner publicirt ist." (? ! Gewiss
apokryph! Eine unpublicirte Art, die man nicht kennt, kann man
doch wohl nicht als beweisend anführen!)
Acridiodea. Scudder (Journ. Boston soc. of nat. hist. 1862.
p. 454 fif.) gab eine Aufzählung und Beschreibung von folgenden
Nord - Amerikanischen Gattungen und Arten: Ofiomala hrachyptera
n. A. Massachusetts, Chloealtis (Harris = Chrysochraon Fisch.) con-
epersa Harr., viridis und punctulata n. A. Connecticut, Stenobothrus
curtipennis Harr., melanopleurus, longipennis, speciosus, maculipen-
nisj aequalis, bilineatus und propinquans n. A, aus Massachusetts
und Connecticut , Tragocephala infuscata und viridifasciata Harr.,
Arcyptera (Stetheophyma Fisch.) lineala, platyptera , gracilis n. A-,
Pezotettix borenlis, Caloptenus 3 A. (C. punctulahis n. A. Maine),
Acridium 4 A. {Acr. ruhiginosvm n. A.) , Oedipoda 14 A., darunter
neu: Oed. rugosa^ pellucida und costalis^ letztere aus Texas, Tettix
5 A. (T. triangularis aus Massachusetts und rugosa aus Florida
n. A.). — Tettigidea, nov. gen, auf Acridium laterale Serv. und
Tettix polymorpha Burm. begründet. — Batrachidea Serv. 2 neue
Arten: Batr. cristata und carinatct, beide aus Massachusetts.
Türk (Wien. Ent. Monatsschr. VI. p. 81) führt Stenobothrus
crassipes Ocsk. und Stauronolus annulipes (früher vom Verf. irrig
als Staur. Genei Ocsk. aufgeführt, gegenwärtig als neu beschrieben)
als für Niederösterreich neue Arten an. — Ebenda p. 201— 211. Taf. 2
handelt derselbe über die in Europa vorkommenden Tettix-Arten,
deren er nur vier unterscheiden zu können glaubt, nämlich ausser
T. subulata und bipunctata Lin. noch die von Fischer als Varietät
zu T. subulata gestellte Tett. meridionalis Bamb. und Tett. de-
pressa Bris. Verf. setzt die Unterschiede dieser vier Arten, welche
besonders in der Bildung des Prothorax-Kieles zu suchen sind, aus-
einander und beschreibt die beiden letzteren ausführlicher; auf Taf. 2
sind alle vier Arten nebst ihren charakteristischen Theilen ab-
gebildet.
Lucas, ,.Note sur l'Acridium albipes de Geer" (Annal. soc.
entom. 4. ser. IL p. 373) gab eine nähere Charakteristik des seltenen
Acridium albipes de Geer (mit violetten Hinterflügelu), dessen Va-
terland Cayenne ist.
ForfiCUlina. Scudder (Journal Boston soc. of nat. hist. VII.
p. 415) beschrieb Spongophova bipunctata als n. A. aus Massachusetts
und Labia minula ebendaher und aas Virginien.
H. Dohrn (Stett. Entom. Zeitung XXIII. p. 225—232. Taf. 1.
fig. 1— 3) beschrieb acht in Mexiko einheimische Forficulinen:
Pygidicrana Saussurei n. A., Forficesila suturalis Burm- (?) , F or-
dne IIa (nov. gen, , auf Forf. maritima Gene, gegründet) Aiteca,
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 359
Psalidophora parallela Westw. Ancistrogaster spinax n. A., Forficula
taeniata und lugubris n. A. und Apterygida ruficeps Burm.
Psocina. Walsh (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia
1862. p. 361 ff.) machte folgende neue Arten aus Illinois bekannt:
Psocus purus, semistr latus, perplexus, pollutus und amabilis (zur Ab-
theilung mit zweigliedrigen Tarsen und geschlossener, viereckiger
Diskoidalzelle gehörend), Psocus geologus n. A., aus der Gruppe mit
zweigliedrigen Tarsen und offener Diskoidalzelle-
Perlariae. Walsh (a. a. 0. p. 363 ff.) beschrieb folgende
neue und weniger bekannte Arten aus Illinois : Acrvneuria Rupinsu-
lensis n. A., Perla ßavescens, varians und decipiens (zur Gruppe mit
zweiästiger Hülfsader und drei Ocellen gehörend), Perla occipitalis
(Pictet ?). — Perla producta, fumipennis und elongata, zur Gruppe
mit nur einem aus der accessorischen Subcostalader entspringenden
Aste, sehr langem Hinterleibe, zwei Ocellen und mehreren subco-
stalen und postcostalen Queradern gehörig. — Chloroperla bilineata
(Say?), hrunnipe.nnis und nana n. A.
Ephemerina. Walsh (a. a. 0. p. 367 ff.) gab zwei auf ver-
schiedene Merkmale gegründete analytische Tabellen zur Bestimmung
der in Nord -Amerika einheimischen Ephemeren-Gattungen (Baetis,
Potamanthus, Palingenia, Ephemera, Cloe und Caenis) und fügte
denselben zwei neue unter den Namen Ephemerella und Baetisca
hinzu. Dieselben stimmen im Flügelgeäder mit Cloe und Caenis
überein, unterscheiden sich aber von beiden durch die Bildung der
männlichen Augen, welche einfach und zusammenstossend sind;
beide haben vier Flügel, von denen die hinteren gross und dicht
geädert sind. Während bei Ephemerella die drei Schwanzborsten
gleich lang sind, ist bei Baetisca die mittlere rudimentär. — Yerf.
beschreibt ferner folgende Arten aus Illinois: Baetis (subgen. A.) fe-
morata Say, altemata (Say?) — (subgen. B.) arida (Say?), sicca
n. A., (subgen. C.) debilis (Walker?), Potamanthus cupidus Say,
Potam. ? odonatus , Palingenia (subgen. A.) vittigera, (subgen. B.)
limbata Pict., (subgen. C.) flavescens n. A., interpunctata Say, pul-
chella und terminata n. A., Ephemera decora (Walker?) und ßaveola
n. A., Ephemerella (Leptophlebia Westw. ?) excrucians und consimi-
lis n. A. , Baetisca obesa Say , Cloe (subgen. A.) ferruginea n. A.,
(subgen. B.) fluctuans n. A., nnicolor (Hagen?) und vicina (Hagen?)
— (subgen. C.) dubia und mendax n. A., Caenis hilaris Say.
Odonata. E. de Selys-Longchamps, ,.Synopsis des Agrio-
nines, 2. legion: Lestes" (Bullet, de l'acad. royale de Belgique 2. ser.
XIII. p. 288 — 338) setzte seine in Gemeinschaft mit Hagen unter-
nommene, vorläufig synoptische Bearbeitung der Agrioniden-Gruppe
mit der schon durch den Ursprung des Sector subnodalis und me-
dianus (nach Art der Calopteryginen) und das langgestreckte Pte-
860 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
rostigma leicht kenntlichen Gattung Lestes, welche Verf. als eine
vollkommen natürliche und fest in sich abgeschlossene anerkennt,
fort. Die Gattung umfasst nach der vorliegenden Uebersicht ge-
genwärtig 50 Arten, von denen 7 auf Europa, 11 auf Asien, 4 auf
Afrika, 7 auf Australien und 21 auf Amerika kommen und von de-
nen 25 hier zum ersten Male beschrieben werden. Die Arten wer-
den nach geringfügigen Unterschieden im Flügelgeäder und nach der
Bildung der weiblichen Appendices in fünf Untergattungen vertheilt,
von denen Lestes 46 Arten, die übrigen vier nur je eine umfassen;
letztere sind ausser Sympycna Charp. (L. fasca v. d. Lind.): Mega-
lestes {M. major Selys aus Indien) , Ärchilestes (L. grandis Ramb.)
und Platylestes (L. platystyla Ramb.).
Eine weitere Fortsetzung dieser Bearbeitung desselben Yerf.'s
ist: ,.Synopsis des Agrionines, 3. legion: Podagrion" (ebenda 2. ser.
XIV. p. 5 — 44). Die Gruppe Podagrion hat ein einzelliges Ptero-
stigma und einen regelmässigen unteren Sektor des Triangel; sie
unterscheidet sich von Pseudostigma durch das normale Stigma,
von Lestes durch den Ausgangspunkt der Sectores medianus und
subnodalis und durch die Form des Vierecks, von Platycnemis durch
das längliche Stigma und die Anwesenheit zweier eingeschobenen
Sektoren, von Agrion durch dieselben Merkmale und die Form des
Vierecks , von Protoneura durch das Stigma, die eingeschobenen
Sektoren und den vollständigen unteren Sektor des Dreiecks. —
Die hierher gehörenden Arten sind auf die Tropengegenden beider
Erdhälften beschränkt und fallen 9 Gattungen zu: 1) Paraphle-
bia, nov. gen. mit 1 Art (P. Zoe Hagen, Mexiko. 2) P hilogenia,
nov. gen. mit 2 Arten aus Süd -Amerika. 3) Podagrion, nov.
gen. mit 6 Arten aus Süd - Amerika. 4) He l er agrion nov. gen.
mit 12 Arten aus Süd-Amerika. 5) Perilestes (Hagen) nov. gen.
mit 1 Art aus Süd -Amerika. 6) Chlor olestes, nov. gen. mit 5
Arten vom Cap der guten Hoffnung , z._ B. Agr. longicaudum, tes-
sellatum und fasciatum Burm. 7) Argio lestes, nov. gen. mit 3
Arten aus Australien, z.B. Agr. australis Ramb. 8) P odoles tes,
nov. gen. mit 1 Art von Malacca. 9) Amphilestes, nov. gen.
mit 1 Art von Malacca.
Walsh (Proceed. acad. nat. scienc. of Philadelphia 1862.
p. 383) gab ausfülirliche Charakteristiken von folgenden theils neuen,
theils unvollständig bekannten Arten aus Illinois: Hetaerina Rnpin-
sulensis n. A., Lestes eurina (Say?), inaequalis n. A. , Agrion spec
(ohne Namen beschrieben), hinotatnm n. A., Herpetogomphus? Rupin-
sulensis , Macrogomphtts? spiniceps , Gomphtis vastus (Hagen i. lit.),
mit seinen beiden nächsten Verwandten : Gomph. fraternus Say und
adelphus Selys in Vergleich gestellt, Gomphus Graslinellus, fluvialis
und amnicola n. A., Macromia Illinoiensis und ftatipennis n. A., Cor-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1892. 361
dulia tenebrosa (Say?). Den Beschreibungen schickt Verf. Bemer-
kungen über die Nomenklatur der an den Schenkeln der Libelluli-
nen constant auftretenden Längsbinden, so wie über die Färbung
des Libellenkörpers im Allgemeinen voraus.
de Selys-Longchamps (A.nnal. soc ent. Beige VL p. 159)
fügte seinem Verzeichnisse der Belgischen Odonaten noch Libellula
depressiuscula und Agrion tenellum hinzu.
H. Hagen, „On 0. Fr. Müller's arbeider over Danmarks
Odonater-' (Schioedte's Naturhist. Tidsskr. 3. Raek. L p. 94— 103)
lieferte eine kritische Revision und Beleuchtung der 32 von 0. F.
Müller beschriebenen Dänischen Libellulinen.
Thysanura.
Fodnridae. Von z^^ei gleichzeitig erschienenen, für
die Kenntniss dieser Familie wichtigen Abhandlungen von
J. Lubbock (;,Notes on the Thysanura. Parti. Smyn-
thuridae", Transact. Linnean soc. of London XXIII, 3.
p. 429—448. pl. 45 u. 46. ^Part II. Smynthuridae et Podu-
ridae." ebenda p. 589— 601. pl. 59) und E. v. Olfers
(„Annotationes ad anatomiam Podurarum^, Dissert. inaug.
Berolin. 1862. 34 pag. in 8. c. tab. 4 lith.) behandelt die
erste neben einer systematischen Aufzählung und Be-
schreibung der vom Verf. in England beobachteten Gat-
tungen und Arten der Smynthuren und Poduren die anato-
mischen Verhältnisse der Smynthuriden, die zweite in
einer Darstellung der Morphologie und Anatomie der Po-
duren im Allgemeinen einzelne einer erneuerten Untersu-
chung besonders bedürftige spezielle Punkte, wie beson-
ders die Morphologie der Mundtheile , des Verdauungs-
apparates im Allgemeinen, des Haftorganes, der Spring-
gabel, u. s. w.
Lubbock (a. a. 0. p. 430) bereichert zunächst die Gruppe
der Smynthuriden , welche bisher nur aus Smynthurus Latr. und
Dicyrtoma Bourl. bestand , mit einer neuen Gattung Papirius,
welche durch viergliedrige Fühler ohne deutliche Knickung und an
denen das kurze Endglied geringelt erscheint, charakterisirt ist;
ausserdem ist diese Gattung aber von Smynthurus auffallend durch
die Respirationsorgane verschieden, so dass Verf. die Stellung der
einen neben der anderen nur für eine künstliche ansieht. Drei Eng-
lische Arten: Pap. cnrsor xm^Saundersii (p. 436 ff.) und nigromacu^
362 Gerstaecker: Berieht üb. d. wissensch. Leistungen
Infus (p. 589) werden ausführlich beschrieben ; ausserdem Smynthurus
Buskii (p. 431) und aureus (p. 589) als n. A. Bei der Charakteristik
dieser Arten geht Verf. u. A. auch besonders ausführlich auf die
Zusammensetzung des Mundes ein , an welchem "er eine Oberlippe,
ein Paar Mandibeln, ein erstes und zweites Maxillenpaar, ein Ta-
sterpaar, eine Zunge und eine Unterlippe beschreibt und abbildet.
(Aus den Abbildungen ist zu ersehen, dass das sogenannte zweite
Maxillenpaar nichts anderes als die Hälfte der Unterlippe ist ; was
der Verf. als Taster anspricht, ist schon deshalb, weil das betreffende
Organ weder den Maxillen noch der Unterlippe ansitzt, in seiner
morphologischen Bedeutung sehr zweifelhaft und gewiss nicht mit
den gewöhnlichen Insekten-Tastern homolog). — Die innere Anato-
mie der Smynthuriden betreffend, so vermisste Verf. die von Ni-
co 1 e t für den Tractus intestinalis angegebene Abschnürung eines
Intestinum tenue vom Magen ; ebenso wenig vermochte er weder bei
den Smynthuriden noch bei den übrigen Poduren eine Spur von
Malpighischen Gefässen (nach Nie ölet sechs) zu entdecken. Bei
der Beschreibung der Respirationsorgane macht Verf. die auffal-
lende Angabe, dass bei Smynthurus nur zwei Stigmata vorhanden
seien, welche überdem an der Unterseite des Kopfes, dicht unter-
halb der Fühler liegen sollen ; die Verästelung der Tracheen ähnelt
mehr derjenigen der Myriopoden und Tracheen-Arachniden als der-
jenigen der übrigen Insekten. Bei Papirius hat Verf. überhaupt
gar keine Tracheen auffinden können und vermuthet daher hier
eine Hautrespiration. Die vonNicolet nicht aufgefundenen weib-
lichen Generationsorgane bestehen nach L. nur aus einer einzelnen
kurzen und breiten Eiröhre jederseits ; im Oktober fanden sich Smyn-
thurus-Weibchen mit reifen Eiern, etwa 40 an Zahl. Auch die (an
Papirius untersuchten) Hoden stellen jederseits einen einfachen
Schlauch dar, welcher in ein dreieckiges, zugleich eine accessori-
sche Drüse aufnehmendes Reservoir einmündet ; ausser den an einem
Ende stark geknöpften Spermatozoon enthalten die Hoden zahlreiche
ovale grünliche Körperchen von 0002" Länge, ähnlich wie bei Che-
lifer und Obisium. Schliesslich giebt Verf. eine eingehende Be-
schreibung des am Bauche befindlichen Haftorgans von Smynthurus.
— In seiner zweiten Abhandlung (a. a. 0. p. 589 ff.) beschreibt Verf.
folgende von ihm in England beobachtete Gattungen und Arten
aus der Po duren- Gruppe: Orchesella filicomis Tempi., fastuosa Nicol.,
rufescens Lin., 'pilosa n. A., Degeeria nigromaculata Tempi., nivalis
Nicol. . cincta n. A. und platani Nicol. — Temple t 07ii n, nov. gen.
Körper lang, cylindrisch, mit geknöpften Haaren und Schuppen be-
deckt, mit acht fast gleich grossen Segmenten; Fühler länger als
der Kopf, fünfgliedrig, das Basalglied kurz, die drei folgenden gleich
lang, das letzte geringelt ; Basaltheil der Springgabel mehr denn halb
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 363
so lang als die beiden Endlamellen. — Die Gattung ist auf Podura
nitida Tempi, begründet. — Isotoma fuliginosa Tempi , Anglicana
n. A. (pl. 59. fig. 8), lineain n. A. (pl 59. fig. 9), Macrotoma plumbea
n. A. (pl. 59. flg. 11—14), minor n, A. (fig. 15), Lepidocyrtus argen-
tatus Bourl. (?), Lipura ambulans Lin. und curticina Bourl., Anoura
muscorum Tempi, und granaria Nicol.
V. Olfers (a. a. 0.) erörtert zunächst die verschiedenen For-
men der Epidermoidal- Bildungen, welche in Form von Schuppen,
einfachen und Drüsen -Haaren auftreten, sodann das Centralorgan
des Nervensystems, von dessen beiden Bauchganglien das vordere
die Nerven für die beiden ersten Beinpaare, das grosse hintere
für das dritte abgeben soll. Die Angaben des Verf.'s über die Re-
spirationsorgane von Smynthurus weichen von denen Lubbock's
wesentlich ab und bieten mehr Wahrscheinlichkeit dar; auch v.
Olfers fand nur zwei Stigmata, die aber nach ihm an der Unter-
seite des Thorax und zwar hinter der Insertion des ersten Bein-
paares liegen. Aus dem Stigma jeder Seite entpringen drei Haupt-
tracheenstämme, von denen der grösste nach rückwärts verlaufende
sich in drei Hauptäste theilt; die feinsten Verzweigungen dersel-
ben bilden zahlreiche Glomeruli , welche mit grossen zelligen Luft-
säcken , die an der Bauchseite liegen und ihrer weissen Farbe
halber durch die Hautbedeckungen hindurchscheinen, in Verbindung
zu stehen scheinen. — Ebenso weicht Verf. in seiner Beschreibung
der Mundtheile mehrfach von Lubbock ab: Die Mundöffnung wird
nach ihm einerseits durch die Oberlippe , andererseits durch eine
aus einem Basalstücke und zwei daran beweglich eingelenkten ova-
len Lappen bestehenden hinteren Mundklappe verschlossen; ausser-
dem findet sich jederseits noch eine borstentragende Lamelle (Pal-
pus maxillaris Burmeister). Die eigentlichen Kauorgane liegen unter
diesen äusseren Mundklappen versteckt; sie bestehen aus einem
Mandibel- und Maxillenpaare, so wie aus einer vorn viertheiligen
Unterlippe, welche ebenso wenig wie die Maxillen eigentliche Taster
führt. (Was Verf. für letztere zu halten geneigt ist, möchte wohl
eher den äusseren Laden äquivalent sein). Auf dem Oesophagus
liegend und durch einen Ausführungsgang in die Mundhöhle mün-
dend wurde eine umfangreiche Speicheldrüse beobachtet, zwischen
dem Magen und Mastdarme ein kurzer abgeschnürter Theil mit
dicken Wandungen gefunden, in welchen vier Vasa Malpighi (N i c o-
let 6, Lubbock 0) einmündeten. — Die Geschlechts Verhältnisse
der Poduren sind dem Verf. zufolge deshalb bisher unbekannt ge-
blieben, weil man die Copulation bei erwachsenen Individuen beob-
achten zu müssen glaubte, während dieselbe bereits im jugendlichen
Alter erfolgt. Nach der Begattung wachsen nur die Weibchen, über-
treffen dann aber die Männchen um das Vierfache an Grösse.
364 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Smynthurus aquaticus begattet sich bei einer Grösse von 0,3 Mill.
und zwar in der Weise, däss das Männchen mit seinen Fühlhörnern,
die dazu mit Haftapparaten versehen sind, die Fühler des Weibchens
ergreift und von diesem vier bis fünf Tage auf dem Rücken um-
hergetragen wird. Hiernach legt das Weibchen die Eier ab und
erreicht dann in 12 bis 14 Tagen seine vollkommene Grösse von
0,7 Mill. Die Ovarien des Weibchens sind nach des Verf.'s Beob-
achtungen vielästig, die Hoden des Männchens stellen jederseits
einen einfachen, gewundenen Schlauch dar und zeigen bei ihrer Ver-
einigung eine kuglige Samenblase. Die Geschlechtsöfifnung mündet
in den After, oberhalb des Mastdarms. — Bei Beschreibung des
äusseren Körperbaues geht der Yerf. specieller auf die Fühlerbildung
bei den verschiedenen Gattungen, ferner auf die Unterschiede der
Tarsen- und Klauenbildung, auf die Construktion des ventralen
Haftapparates und den Mechanismus der Springgabel ein. Die sy-
stematische Stellung der Poduren betreffend, so verwirft Verf. ihre
Unterordnung bei den Orthopteren und glaubt, dass sie einen Ue-
bergang von den Insekten zu den Isopoden (Oniscus) darstellen.
(Verf. schreibt statt Isopoden mehrmals irrig „Chilopoden") ; er
sucht diese Stellung durch Analogieen in der Bildung der Mund-
theile, des Tractus intestinalis und der Respirationsorgane zu be-
gründen, wogegen jedoch zu bemerken ist, dass die Poduren nach
ihrer Körpersegmentirung nur zu den eigentlichen Insekten gebracht
werden können, mit denen sie auch in der Zahl und Form ihrer
Mundtheile eine alleinige Uebereinstimmung zeigen.
Zwei kleinere Mittheilungen über Poduren sind:
Baim. Kaiser, ,.Der Schneefloh, Achorutes murorum Gerv."
(Jahrb. d. naturhist. Landesmuseums in Kärnthen V. 1862. p. 71 ff.)
handelt über massenhaftes Auftreten dieser Art und bringt Beobach-
tungen über ihre Lebensweise bei.
R. Beck, On the scales of Lepidocyrtus (spec), hitherto ter-
med Podura - scales and their value as tests for the microscope
(Transact. microscop. soc. of London, new ser. X. 1862. p. 83 ff.,
pl. 10). Verf. giebt Abbildungen von den Schuppen einer Lepido-
cyrtus-Art, welche er in Bezug auf ihre Beweiskraft für die Güte
eines Mikroskops bespricht.
Neuroptera.
P. Wormald, List of Trichoptera and Neuroptcra
captured near London in 1861 (Zoologist 1861. p. 7803).
Ist dem Ref. nur dem Titel nach bekannt geworden.
Hemerobini. Rogen hofer, Beitrag zur Kenntniss der Ent-
wickelungsgeschichte der Mantispa styriaca Poda (pagana Fab.),
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 365
Verhandl. d. zoolog. -botan. Gesellscb. zu Wien 1862. p. 583 fif. —
Verf. beobachtete , dass aus dem Eiersacke einer Lycosa, welche
Behufs der Zucht von Schmarotzern von ihm aufbewahrt wurde, eine
Nymphe von Mantispa pagana hervorging und fand das Cocon dersel-
ben innerhalb des Lycosa-Gespinnstes vor. Die Larve unserer einhei-
mischen Mantispa nährt sich mithin aller Wahrscheinlichkeit nach
von Spinneneiern und möchte sich, wie der Verf. gewiss mit Recht
vermuthet, in ihrer Jugend in den Spinnensack einbohren; freilich
ist ihm das Auffmden der Larve in Lycosa - Gespinnsten bis jetzt
nicht geglückt.
Gleichzeitig wurde von White (Proceed. entom. soc. 1861.
p.29) die interessante Mittheilung gemacht, dass eine Mantispa-Art
sich in Mehrzahl aus einem Neste der Polybia scutellaris Sauss. bei
Montevideo entwickelte.
M. Girard, Indication et discussion d'un nouveau caractere
generique du genre Hemerobius et description de deux especes nou-
velles de ce genre, recueillies par le R. P. Montrouzier et desig-
nees par lui sous les noms de H. chloromelas et stigma (Annales
soc. entom. 4. ser. IT. p. 597 — 614. x^l- 9- hg- 5 — 9). Der neue Cha-
rakter, den der Verf. in einer elf Seiten langen Abhandlung für
Hemerobius (d. h. Chrysopa) und die übrigen Hemerobiiden-Gattun-
gen, ausserdem auch für Panorpa nachweist und in seiner Bedeutung
diskutirt, ist die Zusammensetzung der Subcosta der Flügel (oder
vielmehr was Verf. für die Subcosta hält), aus zwei dicht neben
einander laufenden, aber deutlich geschiedenen Flügelnerven, welche
er bei keinem Französischen Autor erwähnt findet. (Wenn Verf.
meint, dass auch Burmeister dieser beiden Nerven nicht erwähnt,
so beruht dies nur auf Mangel an Verständniss der B ur meiste r'-
schen Angaben ; dass die Subcosta des Verf.'s keine einfache Längs-
ader ist, wissen die Deutschen Autoren sehr wohl, denn sie bezeich-
nen diese beiden Adern als Subcosta und Radius. Freilich ist dem
Verf. nicht einmal S ch neide r's Abhandlung über Chrysopa be-
kannt; sonst hätte er in den darin befindlichen vortrefflichen Ab-
bildungen die beiden Nerven seiner Subcosta als deutlich getrennt
und auch benannt finden können.) — Die beiden vom Verf. weit-
schweifig beschriebenen und auf pl. 9 abgebildeten Arten: Hemero-
bius Stigma und chloromelas stammen von Lifu (Neu - Caledonien) ;
letztere ist eine Chrysopa, erstere gehört nach den langen Fühlern
und dem abweichenden Flügelgeäder einer von Chrysopa abzuson-
dernden, auch in Südamerika vertretenen Gattung an.
Trichoptera. M'Lachlan, Characters of newspecies of exotie
Trichoptera, also of one new species inhabiting Britain (Transact.
entom. soc. 3. ser. L p. 301 — 312) bemerkt zur geographischen Ver-
breitung der Trichopteren, dass die Gruppen der Phryganiden und
366 Gerstaecker: Bericht üb, d. wissensch. Leistungen
Limnephiliden nach den bisherigen Erfahrungen südlich vom Ae-
quator ganz fehlen und macht folgende neue exotische Gattungen
bekannt : 1) Colp omera^ nov. gen. aus der Gruppe der Phryga-
niden, von Phryganea hauptsächlich durch die am Hinterrande mit
drei Ausbuchtungen versehenen Vorderflügel unterschieden. — Art:
Colp. Sinensis aus Nord - China. 2) Oeconessus, nov. gen. aus
der Sericostomiden - Gruppe, von deren übrigen Gattungen es auf-
fallend durch die Flügeladerung abweicht: Die Vorderflügel sind
kurz und breit, mit stark gebogener Costa, welche von der Basis
bis zum Pterostigma einwärts schmal gefaltet ist; Diskoidalzelle
lang und schmal, Ramus thyrifer nicht vor der Anastomose gega-
belt, daher nur acht Spitzenzellen. — Art : Oec. Maori von Neu-
seeland. — 3) P seudonema, nov. gen. aus der Leptoceriden-Gruppe,
von Leptocerus, mit der sie im Allgemeinen viele Aehnlichkeit hat,
durch dreisporige Hinterschienen und robusten Hinterleib unter-
schieden. Art: Pseud. ohsoleia von Neu - Seeland — Neue Arten
sind: Hydroptila albiccps aus Neu -Seeland, Ascalaphomerus ßni~
timus aus Nord-China, Leptocerus cognatus von Auckland und Neu-
seeland, canescens und exignus aus Australien, Macronema hospita
aus Shanghai, lavla von Hongkong, australis (Monopseudopsis in-
scriptus Walker; die Gattung ist nach dem Verf. nicht von Ma-
cronema verschieden , der Artname in dieser bereits vergeben) aus
Neu-Holland, Hijdropsyche fimbriala aus Neu-Seeland und Rhyacophila
mundo n. A. aus England.
Derselbe, „Notes on British Trichoptera, with descriptions
of new species" (Entomol. Annual f. 1862. p. 21 — 37) fügte der von
Hagen zusammengestellten Trichopteren-Fauna Englands dreizehn
weitere Arten hinzu, von denen Philopotamus scoticus neu ist und
hier zuerst beschrieben und abgebildet wird , während Phacopteryx
brevipennis und Stenophylax vibex Curt. , Leptocerus grossus und
aterrimus Steph. , Aphelocheira flavomaculata Steph. und Tinodes
pusillus Curt. als bereits bekannte Englische Arten nachzutragen,
Agrypnia picta Kol., Stenophylax concentricus KoL, radiatus Ramb.,
Leptocerus fulvus Ramb., Setodes notata Ramb. und interrupta Fab.
in England neuerdings aufgefunden worden sind. Verf. erörtert diese
Arten näher in ihren Charakteren, Varietäten und ihrer Synonymie,
bereits früher aufgezählte in ihrer Verbreitung.
Derselbe, „Descriptions of the British species of the genus
Stenophylax" (Transact. entom. soc. 3. ser. I. p, 232—240. pl. 9). Verf.
giebt Beschreibungen von neun ihm bekannten Englischen Arten der
Gattung Stenophylax, für deren Unterscheidung er hauptsächlich die
(auf pl. 9 abgebildeten und ausführlich beschriebenen) Appendices ana-
les des Männchens heranzieht. Die Arten sind folgende : Sten. vibex
Curt., hierogiyphicus Steph. (striatus Kol., vibex Hag.), striatus Pict.,
im Grebiete d. Entomologie während des Jalires 1862. 367
lateralis Steph. (latipennis Steph.), cingulatus Steph., latipennis Curt-
(pantherinus Pict.), stellatus Curt., radiatus Ramb. und concentricus
Kol. (vibex Brauer.)
Holostomis M'LachlaniY^^hÜQ (Proceed. entern, soc. 1861. p. 26)
n. A. aus Nord-Indien, kurz charakterisirt.
Edw. Parfitt, Notes on the family Phryganidae (Zoologist
1861. p. 7370), dem Ref. nicht zugekommen.
Coleoptera.
Dass das Studium der Coleopteren in Bezug auf
ihre ersten Stände und deren Lebensweise unter den
Entomologen allmählig an Ausdehnung gewinnt und be-
reits jenseits des Oceans Interesse erweckt hat, ist in
Rücksicht auf die grossen Lücken, welche auf diesem
Felde noch auszufüllen sind, eine besonders erfreuliche
Erscheinung. Während sonst der diesjährige Bericht
einen auffallenden Mangel an hervorragenden Leistungen
im Bereiche der Coleopterologie erkennen lässt, sind ge-
rade die Beiträge zur Kenntniss der Larven diesmal um
so ergiebiger ausgefallen.
E. Perris lieferte zu seiner „Histoire des Insectes
du pin maritime'^ in den Annales d. 1. soc. entomol. 4. ser.
IL p. 173 — 243. pl. 5 und 6 „ein Supplement aux Co-
leopteres et rectifications" , in welchem er neben ergän-
zenden Bemerkungen zu bereits erörterten Arten eine
Reihe von bisher unbekannten in Bezug auf ihre früheren
Stände zur Kenntniss bringt. Die exakte Untersuchungs-
weise, welche schon an den früher vom Verf. publieirten
Abhandlungen rühmend hervorgehoben wurde, zeichnet
auch den vorliegenden Abschnitt der Arbeit in gleicher
Weise aus und wie die früheren so behandelt auch der
gegenwärtige wieder eine grössere Anzahl von Gattungen,
welche wie Dromius, Bembidium, Astatoptery x (nov.
gen. Trichopterygidarum), Epuraea, Pediacus, Berginus,
Dinoderus, Hymenorus, Novius und Scymnus in Bezug
auf ihre Entwickelungsgeschichte noch vollständig unbe-
kannt oder wenigstens nur lückenhaft untersucht waren. —
Den Schluss der Arbeit bildet eine Erläuterung der
sämmtlichen vom Verf. an Pinus maritima aufgefundenen
368 Gerstaecker: Bericlit üb. d. wissensch. Leistungen
und auf 12 Tafeln in 610 Figuren dargestellten Coleopte-
ren-Larven.
Schioedte (Naturhist. Tidsskr. 3. Raek. I. p. 193—
232. tab. 3 — 10) begann eine Abhandlung: ;,De metamor-
phosi Eleutberatorum observationes, Bidrag til Insekternes
Udviklingshistorie^, welche sich durch ebenso meister-
hafte und lebensvolle Abbildungen als durch präcise
Charakteristiken der ersten Stände einer grösseren An-
zahl einheimischer Käfer, vorläufig aus den Familien der
Gyriniden, Palpicornien und Silphiden, auszeichnet. Die
genaue Untersuchung und der Vergleich einer grösse-
ren Anzahl von Arten und Gattungen derselben Fa-
milie haben den Verfasser in den Stand gesetzt, nicht
nur die aus den Larven entlehnten Charaktere der ein-
zelnen Familien sehr viel schärfer zu präcisiren, als es
bisher der Fall war, sondern auch innerhalb der Fami-
lien bestimmte Gruppen, welche den auf die ausgebil-
deten Insekten begründeten meistens genau entsprechen,
abzugränzen.
Eine gleich sorgsame und für die Larvenkenntniss
ergiebige Arbeit ist 0 s ten- Sacken's „Description of
some larvae of North-American Coleoptera" (Proceed. en-
tom. soc. of Philadelphia I. p. 105 — 130. pl. 1). Unter den
14 vom Verf. bekannt gemachten Larven North-Amerika-
nischer Coleopteren gehört die Mehrzahl solchen Gattun-
gen an, über deren ersten Stände bisher Nichts bekannt
war und unter letzteren sind wieder Copris , Ptiloda-
ctyla , Zenoa (Rhipiceridae) und Parandra von beson-
derem systematischen Interesse. Eine der beschriebenen
Larven, vielleicht als aberrirende Form den Elateriden
angehörend, ist dem Verf. betreffs ihrer weiteren Verwand-
lung unbekannt geblieben. — Die sowohl in der vorste-
henden als der Perris'schen Arbeit enthaltenen neuen
Larvenformen sind an ihrem Orte speziell erwähnt worden.
Coquerel, Description de larves de Coleopteres
de Madagascar (Annales soc. entomol. de France 4. ser. IL
p. 104 — 108. pl. 3). Die beschriebenen Larven gehören
den Familien der Carabiden und Cerambyciden an.
im Gebiete d. Entomologie während des Jalires 1862. 369
A- Laboulbene^ ^Descriptions de plusieurs larves
de Coleopteres, tavec remarques^ (ebenda 4. ser. II. p. 559
— 575, pl. 13) machte die Larven einiger einheimisclien Co-
leopteren aus den Familien der Carabiden, Stapliylinen und
Curculionen bekannt und erläuterte ihre Charaktere durch
Abbildungen. — Derselbe behandelte ferner in Ge-
meinschaft mit L. Dufour (ebenda p. 146) die Larve
von Nosodendron, Dufour ausserdem (Annal. d. scienc.
nat. 4. ser. XVII. p. 162 ff.) diejenige von Potamophiius
und Macronychus. (Siehe darüber bei den betreffenden
Familien.)
Eine grössere Anzahl neuer exotischer Gattungen
imd Arten aus verschiedenen Familien der Coleopteren
machte wieder Pascoe, ^^Notices of new or little known
genera and species of Coleoptera" (Journal ofEntomol. I.
p. 319—370, pl. 16 u. 17) bekannt. Die Melirzahl dersel-
ben gehört der Familie der Cerambyciden, einzelne fer-
ner den Trogositen , Cucujiden, Dasytiden_, Lampyriden,
Melasomen und Anthribiden an.
Derselbe, ,,0n some new Coleoptera from Lizard-
Island, North - eastern Australia^ (Annais of nati bist. 3.
ser. IX. p. 461 — 467) machte neun neue auf der an der
Nord-Ostspitze Australiens gelegenen Lizard-Insel aufge-
fundene Arten verschiedener Familien bekannt, denen
sich noch eine neue Anthribiden-Gattung von den Neuen
Hebriden ^nschliesst.
Die in kurzer Zeit von M a c g i 1 1 i v r a y zusammengebrachte
Sammlung Coleopteren von der Lizard-Insel (etwa 700 Individuen)
enthielt nach Pascoe nur eine geringe Anzahl von Arten, unter
denen Lomaptera und Chariotheca (an die Indische Archipel-Fauna
erinnernd) vertreten waren, während die gemeinsten Australischen
Gattungen, wie Castiarina, Temognatha, Lamprima, Anoplognathus,
Belus, Phoracantha, Saragus, Amycterus u. a. ganz fehlten, Yerf.
hat von den neuen Arten nur die interessantesten beschrieben.
A. Fauvel, Coleopteres de la Nouvelle Caledonie,
recueillis par E. Deplan che (Bullet, soc. Linneenne de
Normandie VIL 1862. p. 120—185, pl. 9—10 b.). Verf.
giebt nach einleitenden Bemerkungen über die topogra-
phischen Verhältnisse und den Charakter der Insekten-
ArcMv für Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. Y
370 Gerstaecker: Bericht üb, d. wissensch. Leistungen
fauna von Neu-Caledonien im Allgemeinen eine systema-
tisclie Aufzählung von 50 daselbst durch Deplanche^
und zwar meist in der Umgegend von Port-de-France
gesammelten Coleopteren^ von denen er die neuen Ar-
ten ausführlich beschreibt, während er andere, bereits von
Boisduval und Montrouzier mangelhaft charakteri-
sirte nochmals näher erörtert. Einige Arten aus den
Familien der Oedemeriden, Curculionen und Cerambjci-
nen bilden neue Gattungen, welche durch Abbildung der
charakteristischen Körpertheilc erläutert werden.
F a i r m a i r e und G e r m a i n setzten ihre .^Revision
des Coleopteres du Chili'^ in den Annales d. 1. soc. entom.
4. ser. II. p. 721 ff. mit einer Uebersicht der Arten zweier
Melolonthiden- Gattungen (Maypa und Listronyx) fort.
Chevrolat, „Coleopteres de l'ile deCuba; Notes,
synonymes et descriptions d'especes nouvelles^^ (Annales
soc. entom. 4. ser. IL p. 245 ff.) beabsichtigt eine Zusam-
menstellung der aus Cuba bisher bekannt gewordenen
Coleopteren mit Beschreibung der neuen Arten zu lie-
fern. Zunächst ist der Anfang mit den Cerambyciden
(siehe diese !) gemacht.
Als Beiträge zur Kenntniss der Käferfauna Nord-
Amerika' s sind zu nennen: G. Hörn, Description of
some new North - American Coleoptera (Proceed. entom.
soc. of Philadelphia I. p. 187 f.), desselben Monograph
of the species of Trogosita inhabiting the United States
(Proceed. acad. nat. scienc. of Philadelphia 1862. p. 82);
ferner verschiedene Beiträge von Le Conte: Notes on
the species of Calosoma , of Brachinus inhabiting
the United States (ebenda p. 52 u. 523 ff.), Synopsis of
the Mordellidae of the United States (ebenda p. 43 ff.)
und Note on the Classification of Cerambycidae with de-
scriptions of new species (ebenda p. 38 ff.)
Fay, „On winter coUecting" (Proceed. entom. soc.
of Philadelphia I. p. 194 — 198) stellte ein systematisches
Verzeichniss von Coleopteren zusammen, welche in Ohio
während der Winterzeit gesammelt wurden; es sind etwa
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 371
120 Arteii; welche vielfach Gattungen angehören, die im
teraperirten Europa nicht zu überwintern pflegen.
Morawitz, Vorläufige Diagnosen neuer Coleopte-
ren aus Südost-Sibirien (Bullet, de Facad. de St. Peters-
bourg V. p. 231—265, Melanges biolog. IV. p. 180-288).
Es werden 63 neue Arten aus dem Amur-Lande beschrie-
ben (siehe Cicindelidae und Carabidae).
Andr. Murraj, On the geographica! relations of
the Coleoptera of Old-Calabar (Transact. Linnean soc. of
London XXIII. p. 449 — 455, pl. 47). Nach den Untersu-
chungen des Ve/f. bildet die Coleopteren- Fauna Old-
Calabar's ein eigenthümliches Glied der Westafrikanischen
Coleopteren-Fauna im Allgemeinen, welches im Ganzen
wenig mit derjenigen Süd- und Nord-Afrika's gemein hat,
dagegen eine auffallende Analogie mit der Fauna des
äfjuatorialen Ostafrika's und in einigen Fällen auch mit
derjenigen Ostindiens erkennen lässt. Besonders interes-
sant und in die Augen fallend sind ihre Analogieen mit
Süd-Amerika, welche der Verf. durch eine Reihe von
Beispielen erläutert.
Verf. wählt dazu solche Gruppen und Gattungen, welche nicht
eine allgemeine Verbreitung haben, wie z. B. Galerita, Goniotropis,
Belionota, Parandra u. a., und stellt aus diesen die einander am
ähnlichsten Arten Old-Calabar's und Süd-Amerika's gegenüber : Ga-
lerita femoralis Murr. — G. unicolorDej. (Trinidad), Lia clavicornis
Murr. — L. affinis Lap. (Brasilien), Goniotropis Wylei Murr. — G.
castaneaDej. (Neu-Granada), Stenochia longipennis n. A. — St. vio-
lacea Fab. (Brasilien), Belionota Champioiii n. A. — Actenodes cha-
lybeitarsis Chevr. (Mexiko), Lampetis pipcrata n. A. — Psiloptera
equestris Oliv. (Brasilien), Farandra Beninensis n. A. — P. brunnea
Fab. (Nord-Amerika), Dorycera spinicornis Fab. — Polyzoa Lacor-
dairei Serv. (Süd- Amerika).
de Paiva, Descriptions of two new species of Co-
leoptera from Angola (Annais of nat. hist. 3. ser. IX. p. 19
— 21). Die beiden Arten gehören den Buprestiden und
Lamiarien an; Wollaston (ebenda p. 21 f.) schliesst
ihnen zwei Curculionen von derselben Lokalität an.
Wollaston beabsichtigt , die Käferfauna der Ca-
narischen Inseln in gleicher Weise wie diejenige von
Madeira zu bearbeiten und veröffentlicht gegenwärtig
372 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
verschiedene einzelne Beiträge zu einer solchen: Brief
diagnostic characters of new Canarian Coleoptera^^ (An-
nais of nat. hist. 3. ser. IX. p. 437—442) sind vorläufige
Diagnosen von 15 neuen Arten aus verschiedenen Fami-
lien, während in drei anderen Abhandlungen: „On the
Calathi of the Canary Islands (Annais of nat. hist. 3. ser.
IX. p. 341 ff.), „On the Canarian Malacoderms^ (Journal
of Entom. I. p. 421 ff.) und ,,0n the Ptinidae of the Ca-
nary-Islands'^ (Transact. entom. soc. 3. ser. I. p. 190 ff.)
spezielle Familien monographisch bearbeitet werden. In
einer vierten grösseren Abhandlung:
„On the Euphorbia infesting Coleoptera of the Ca-
nary-Islands^' (Transact. entom. soc. 3. ser. I. p. 136 — 189,
pl. 7) führt Wollaston einleitungsweise die Ansicht aus,
dass die für eine bestimmte Gegend charakteristischen
Insekten sich vorwiegend an die in jener Gegend prädo-
minirenden Pflanzen halten und bezeichnet als solche für
die Canarischen Inseln die Laurus- und Euphorbia-Arten.
An letzteren hat Verf. bereits 48 den verschiedensten
Familien angehörende Coleopteren aufgefunden, welche
er hier ausführlich beschreibt und zum Theil abbildet.
Die Hälfte dieser Arten ist neu, mehrere derselben bil-
den neue Gattungen; die bereits bekannten, meist schon
früher vom Verf. selbst beschriebenen werden sämmtlich
in ihrer Charakteristiken nochmals reproducirt.
Endlich behandelt Verf. auch eine für die Canari-
schen Inseln besonders charakteristische Käfergruppe in
seinem weiter unten ausführlicher besprochenen Aufsatze
„Notes on Tarphii^ (Journal of Entomol. I. jd. 371 ff.)
Gleichzeitig sucht Wollaston die Käferfauna von
Madeira fortwährend zu vervollständigen. In einem Ar-
tikel: „On additions to the Madeiran Coleoptera" (An-
nais of nat. hist. 3. ser. X. p. 287—293 und p. 331—342)
fügt er seinen früheren Aufzählungen 12 fernere Arten
hinzu, mit deren Einschluss sich die Gesammtzahl jetzt
auf 658 Arten stellt. Von den hinzukommenden werden 7
als neu beschrieben ; bereits anderweitig bekannte sind :
Leucohimatium elongatum Er., Lixus anguinus Lin. ?, Cae-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1882. 373
nopsis Waltoni Schönh. und Platystetliiis cornutus Grav.
Eine vielleicht neue Longitarsus - Art ist nicht benannt
worden. Am Schlüsse giebt Verf. für einige früher von
ihm beschriebene Arten Berichtigungen in Betreff ihrer
Nomenklatur.
Den gegenwärtigen Bestand der Europäischen
Käferfauna verzeichnete Schaum in einem neuen ^Cata-
logus Coleopterorum Europae, editio secunda aucta et
eraendata". (Berlin 1862. 130 S. 8.). Nähere Auskunft
über die bei Zusammenstellung desselben adoptirten Grund-
sätze giebt derselbe Berl. Ent. Zeitschr. VI. p. I — V.
Aube, Coleopteres nouveaux d'Europe et observa-
tions entomologiques (Annal. soc. entomol. 4. ser. II. p. 71
— 74). Beschreibung von vier neuen Europäischen Arten.
C. A. Dohrn (Stettin. Entom. Zeit. XXIII. p. 119j
zählte eine Reihe für die Europäische Fauna neue Coleo-
pteren, die meisten von Sarepta^ einige von den Azoren
auf; zu letzteren würde auch der nach den Azoren aller-
dings nur eingeführte Taeniotes scalaris Fab. gehören.
Reiche, Especes nouvelles de Coleopteres apparte-
nant ä la faune circamediterraneenne (Annales soc. entom.
4. ser. II. p. 539 — 546). In dieser Fortsetzung des im- vori-
gen Jahrgange derselben Zeitschrift p. 361 begonnenen
Beschreibung von neuen Coleopteren der Mittelmeerlän-
der macht Verf. 12 neue Arten verschiedener Familien
bekannt.
Ders^elbe, Especes nouvelles de Coleopteres^ de-
couvertes en Corse par M. Beliier de la Chavi-
gnerie en 1861 (ebenda 4. ser. II. p. 293—300). Beschrei-
bunc: von zwölf neuen Corsikanischen Arten verschiede-
ner Familien.
Schaufuss; Diagnoses de Coleopteres nouveaux
(ebenda 4. ser. II. p. 309 ff.). Dreizehn neue Arten ver-
schiedener Familien aus Spanien und Griechenland wer-
den vorläufig durch Diagnosen bekannt gemacht. — An-
dere neue Arten, gleichfalls meist aus Spanien, beschrieb
derselbe in den Sitzungsberichten der Gesellsch. Isis zu
Dresden 1861. p. 47 ff. und 1862. p. 66 u. 198 ff.
374 Gerstaecker : Bericlit üb. d. wissensch. Leistungen
Eairmaire, MIscellanea entomologica 5. partie
(Annal. soc. entom. 4. ser. II. p. 547 — 558) gab Charakte-
ristiken von 21 theils neuen, theils weniger, bekannten Co-
leopteren verschiedener Familien aus Südfrankreich und
Spanien.
de Saulcy, Description de deux nouveaux genres
et de quatre nouvelles especes de Coleopteres propres ä
la faune Frangaise (ebenda 4. ser. IL p. 281— 291, pl. 8).
Die vom Verf. beschriebenen Gattungen und Arten ge-
hören den Familien der Carabiden, Staphylinen, Clavige-
rinen und Silphiden an.
Brisout de Barneville, Description de trois
Insectes Coleopteres nouveaux, qui se trouvent en France
(Rev. et Magas. de Zoologie XIV. p. 23—25).
Fauvel (Bullet, soc. Linneenne de Normandie VII-
p. 334 ff.) machte Mittheilungen über die während einer
Excursion an die Küste der Normandie erbeuteten Coleo-
pteren. — Eine zv^eite Aufzählung Normannischer Arten
ist ebenda VI. p. 158 ff. gegeben.
Jaubert et Robert de Luc, Prodrome d'histoire
naturelle du Departement du Var. 2. partie. Catalogue
des Insectes Coleopteres, public par la societe d'etudes
scientifiques de Draguignon. (Draguignon, 8.) Ange-
zeigt in Nat. bist, review 1862. p. 221, dem Ref. nicht zur
Einsicht vorliegend.
A. Parys, Addenda au catalogue des Coleopteres
(Annales soc. entom. Beige VI. p. 177 — 184) gab als Nach-
trag zum Käfer -Verzeichnisse Belgiens eine Aufzählung
von 129 durch ihn selbst in Belgien aufgefundener Arten.
L. Möller, Fauna Mulhusana : Coleoptera (Zeitschr.
f. d. gesammt. Naturwiss. XX. p. 81-176). Ein reichhaltiges
systematisches Verzeichniss der im Mühlhauser und einem
Theile des Langensalzaer Kreises bis jetzt beobachteten
Coleopteren, im Ganzen 1938 Arten umfassend. Bei den
einzelnen Arten sind Angaben über Fundorte, Häufigkeit,
Nahrungspflanzen u. s. w. gemacht.
Prell er, die Käfer von Hamburg und Umgegend,
ein Beitrag zur Nordalbingischen Insektenfauna. Hamburg
im Gebiete d- Entomologie während des Jahres 1862. 375
1862. 8. — Gleichfalls ein sehr reichhaltiges Verzelchniss,
welches sich auf die Zahl von 2136 in der Hamburger
Umgegend aufgefundenen Arten, unter denen einige an-
hangsweise als neu beschrieben werden, erstreckt.
Kleinere Beiträge zur geographischen Verbreitung
einiger seltenerer Käfer in Deutschland so ^vie Nachrich-
ten über ihr Vorkommen und ihre Lebensweise lieferten
Scriba, V^^ilken und Fuss (Berl. Ent. Zeitschr. VI.
p. 276—280 und p. 427 f.).
Jul. Müller stellte (Verhandl. d. naturf. Vereins
in Brunn I. p. 211—245) ein systematisches Namensver-
zeichniss der bis jetzt in Mähren und Oesterreichisch-
Schlesien aufgefundenen Coleopteren zusammen. Die in
der näheren Umgegend Brunn' s vorkommenden Arten
sind besonders bezeichnet.
J. V. B olla, Beitrag zur Kenntniss der Coleopteren-
Fauna Presburgs (Verhandl. d. Vereins f. Naturk. zu Pres-
burglV. Jahrg. p. 23—44) verzeichnete die während meh-
rerer Jahre von ihm in der Umgegend Presburgs gesammel-
ten Coleopteren; bisher scheinen hauptsächlich die durch
Grösse und Färbung hervorragenden Formen seine Auf-
merksamkeit in Anspruch genommen zu haben.
Sti erlin (MittheiJungen der Schweiz. Entom. Ge-
sellsch. IL p. 5 — 14 und p. 57 — 66) beschrieb eine ento-
mologische Excursion nach dem Engadin und stellte
ein systematisches Verzeichniss der während derselben
gesammelten Coleopteren zusammen. Von einer grösse-
ren Anzahl von Arten werden Lokalvarietäten charakte-
risirt, einige ausserdem als neue beschrieben. — Ebenda
I. p. 41 fF. handelt Verf. über einige neue oder wenig
gekannte Arten der Schweizerischen Käferfauna (Cy-
phon nitidulus Thoms. , Rhagonycha elongata var., Cocci-
nella inquinata und rufocincta Muls., Agriotes sobrinus
Kies. u. a.) ; die beiden neuen Arten sind gehörigen Orts
angeführt.
Einen zweiten Beitrag zur Coleopteren -Fauna des
Ober -Engadins, insbesondere der Umgegend von St.
Moritz lieferte Luc. v. Heyden im Jahresberichte der
376 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
naturf. Gesellsch. Graubündens VIII. p. 1 — 52. Verf. giebt
ein reichhaltiges systematisches Verzeichijiss der von ihm
selbst und seinem Vater, Senator C. v. Hey den wäh-
rend eines dreimaligen Aufenthaltes im Ober-Engadin
(Juli und August) gesammelten Coleopteren, welche er
durch die von Heer und StierHn ebendaselbst beob-
achteten Arten vervollständigt. Es sind im Ganzen 186
Gattungen vertreten ; die einzelnen Arten sind mit Be-
merkungen über Fundorte, Varietäten, frühere Entwicke-
lungsstadien und deren Nahrungspflanzen versehen.
Dietrich, .,Neue Käferarten für die Fauna der
Schweiz" (Stettin! Ent. Zeitung XXIII. p. 515— 518) gab
eine systematische Aufzählung von 86 in der Schweiz
aufgefundenen Arten.
Die von Stau ding er und Wocke in Finmarken
gesammelten Coleopteren , 130 an Zahl verzeichnete
Schneider (Stettin. Eni;. Zeitung XXIII. p. 325— 341 \
Dieselben vertheilen sich auf 25 Familien, unter denen
die Melasomen (wohl nur zufällig) ganz fehlen. Am reich-
sten sind die Carabiden (24 A.), Staphylinen (23 A.) und
Curculionen (14 A.) vertreten; eine i^rt wird als neu
beschrieben.
Von C. G. Thomson's „Skandinaviens Coleoptera,
synoptiskt bearbetade" sind i. J. 1861 der dritte und i. J.
1862 der vierte Band erschienen ; ersterer enthält ausser
dem Schlüsse der Staphylinen die Familien der Psela-
phiden und Clavigerinen, letzterer die unter der Catego-
rie der Clavicornes Latr. vom Verf. vereinigten Familien
der Silphiden (nebst Anisotomiden), Scydmaeniden, Tri-
chopterygier, Clambiden, Scaphidier, Phalacriden, Nitidu-
larien, Peltiden, Byturiden, Micropepliden (von den Sta-
phylinen abgesondert und hier eingeschaltet^ Dermesti-
den, Byrrhier und Histeriden. Sowohl in der Abgränzung
als Anordnung der Familien Vv^eicht der Verf. mehrfach
von der bisher gebräuchlichen Systematik ab , besonders
aber in der Begränzung der Gattungen, deren Zahl er
fast in allen Familien beträchtlich vermehrt; auch an
neuen Arten fehlt es in seinem Werke- nicht. — Bei der
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 377
allgemeineren Verbreitung, deren sich das Werk des Verf.
als der die Europäische Fauna behandelnden Literatur
angehörig zu erfreuen hat, glauben wir hier auf eine
Spezificirung seines Inhalts verzichten zu können.
Einen siebenten Beitrag zur Käferfauna Griechen-
lands lieferten Schaum und Kr a atz (Berl. Ent. Zeit-
schr. VI. p. 101 — 126), ausserdem auch Beschreibungen
einzelner neuer Arten aus anderen Theilen Europas (eben-
da p. 263— 272 ).
Miller, „Ergebnisse einer entomologischen Reise
nach Cephalonia^ (Wien. Ent. Monatsschr. VI. p. 269, 320
u. 341 ff.) stellte nach einer Schilderung der topographi-
schen und climatischen Verhältnisse der Inseln Corfu und
Cephalonia ein systematisches Verzeichniss der von ihm
auf beiden gesammelten Coleopteren zusammen. Die dar-
unter befindlichen neuen, 13 an Zahl, werden beschrie-
ben, die übrigen mit Bemerkungen über ihre Lebensweise,
Nahrungspflanzen u. s. w. versehen. Die Arbeit ist für
die Kenntniss der geographischen Verbreitung vieler Ar-
ten von besonderem Interesse.
Reiche, Notes synonymiques sur divers Col6opt^-
res (Annal. soc. entom. 4. ser. II. p. 79 f.) erörterte die
Synonymie von 16 Arten verschiedener Familien.
Reiche et Schaum, Discussion critique sur la sy-
nonymie de plusieurs especes de Coleopteres (ebenda
p. 353— 368). Sechszehn Seiten lange Dispute über die
xArt-Identität, rcsp. Verschiedenheit einiger Gyrinus- und
Harpalus-iVrten ; auch über Phloeozetaeus und Singilis ha-
ben sich die Verf. noch nicht einigen können.
Weitere synonymische Bemerkungen über Coleo-
pteren wurden von Schaum, v. Chaudoir und Kr a atz
(Berl. Ent. Zeitschr. VI. p. 298— 302 u. p. 431 ff.), ebenso
von Motschulsky (Etudes entomol. XL p. 1 — 14) bei-
gebracht; letzterer debattirt unter dem Titel „Fabricats
Berliiiois'*' über eine Reihe von Schaum und Kraatz
beschriebener Gattungen und Arten.
Endlich machte Mäklin „Zur Synonymie einiger
nordischer Käferarten" (Acta soc. scient. Fennicae VII.
S78 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
p. 133 fF.) folgende meist auf Vergleich von Original-
Exemplaren beruhende Mittheilungen :
Agonum Lehmann! Chaud. kann nicht auf Carabus pelidnus
Payk. , unter welchem ein Patrobus und zwei Anchomenus-Arten
vermengt sind, bezogen werden. — Harpalus despectus Sahlb. =
Amara (Celia) sylvicola Zimm., Bembidium Grapii Gyll. = Sahlbergi
Dej., Ilybius Prescoiti Mannerh. = IL fenestratus Fab. var., Hydro-
porus pallens Aube = Marklini Gyll., Helophorus fennicus Payk. =
rugosus Oliv., Helophorus borealis Sahlb. = lapponicus Thomps.,
Bolitochara suturalis Mannerh. = Aleochara praetexta, Staphylinus
orbiculatus Payk. = Stilicus affinis Er., Omalium laeviusculum Gyll.
=- fucicola Kraatz, Scaphidium ^Dusillum Gyll. = Ptenidium apicale
Er., Nitidula castanea Sahlb. = obscura Fab. var., Nitidula lateralis
Sahlb. = Cryptarcha spec. (strigata var. ?) , Cryptophagus umbrinus
Gyll. = Atomaria fumata Er., Cryptophagus affinis Sahlb. = Ato-
maria umbrina Gyll. (= fumata Er.), Atomaria morio Kol. = co-
gnata Er.. Dermestes glaber Sahlb. = Megatoma undata Lin. ab-
gerieben, Dermestes holosericeus Sahlb. = Attagenus obtusus Gyll.,
Dircaea livida Sahlb. = ephippium Schaum, Aphthona nigritarsis
Motsch. = Haltica Erichsonii Zetterst.
Von Mocquery's Recueil de Coleopteres anormaux
ist i. J. 1862 ein fünftes Heft erschienen^ welches die
Abbildung und Beschreibung von sechszehn ferneren Mon-
strositäten von Käfern enthält, unter denen ein Acinopus
mit dreifachem Beine (das eine derselben nur im Schen-
kel ausgebildet, die beiden anderen vollständig), eine Julo-
dis mit doppelter Schienen- und Tarsenbildung und ein
Hister cadaverinus mit drei Tarsen an einer Schiene die
merkwürdigsten sind; mehrere zeigen nur unsymmetrische
oder verkümmerte Halsschild- und Flügeldeckenformen.
Carabidae. de Chaudoir, Descriptions sommaires d'especes
nouvelles de Cicindeletes et de Carabiques de sa collection (Revue
et Magas. de Zool. XIV. p. 484 — 490). Beschreibung von 21 neuen
exotischen Arten beider Hemisphären.
Cicindelidae. — de Chaudoir (a. a. 0. p.484f.) be-
schrieb Hiresia Mniszechii, Stirinamensis und dimidialicornis als n. A.
aus Surinam, Telracha aptera (femoralis Chaud. antea) aus dem In-
nern Brasiliens.
Schaum, ..Die Cicindeliden der Philippinischen Inseln, 2.
Stück" (Berl. Ent. Zeitschr. VI. p. 172 ff.) beschrieb Cicindela (He-
ptadonta) melanopyga, Cicind. conicollis, consyicua, Clara var. sua-
vissima^ fugax, nana, macilenta, excisa, Therates vigilax^ Tricondyla
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 379
tenlricosa , planiceps und cavifrons als n. A. von den Philippinen.
— Therates fulvicollis Thoms. hält Verf. für Ther. fasciatus Fab.
var., Ther. bidentatus Chaud. für Ther. labiatus var. und Ther. De-
jeanii Chaud. für Ther. dimidiatus var. Auch über mehrere Tricon-
dyla-Arten folgen noch synonymische Bemerkungen.
Morawitz (Bullet, de l'acad. de St. Petersbourg V. p. 236.
Melanges biolog. lY. p. 187 f.) Cicindela Sachalinensis , Raddei und
Amurensis als n. A. aus Südost -Sibirien, erstere von der Insel Sa-
chalin.
Fauvel (Bullet, soc. Linneenne de Normandie III. p. 127 ff.)
gab eine erneuete Charakteristik der auf Neu-Caledonien vorkom-
menden Distipsidera-Arten, deren er drei unterscheidet: Dist. Mnis-
zechii Thoms. (= Oxycheila arrogans Montrouz.), Deplanchei n. A.
(praeced. var.?) und affmis Montrouz.
Auch Lucas (Bullet, soc. entomol. 1862, p. 26) belegte mit
dem Namen Distipsidera mediolineata eine neue Art derselben Gat-
tung aus Neu - Caledonien , deren Unterschiede von Dist. affmis er
erörtert. (Daher vermuthlich mit der Fauvel'schen Art identisch.)
Pascoe (Annais of nat. bist. 3. ser. IX. p 462) beschrieb
fenier Distipsidera Grutii als n. A. von der Lizard-Insel.
Motschulsky (Etud. entom. XI. p. 22) will die Gattung
Cicindela (nach Ausschluss der Arten mit oberhalb gefurchten Tar-
sen) nach Unterschieden in der Zahnung und Kielung der Oberlippe,
nach der Länge der Beine u. s. w. — Unterschiede, welche bekannt-
lich nur spezifischen Werth haben — in zwölf Gattungen auflösen,
von denen 7 hier zuerst errichtet werden: Habroscelis Hope, Ha-
hrotarsa nov. gen. (Cic. nitidula Dej.), H a br o d er a noY. gen.
(C. nilotica Klug). Cylindera Westw. , Eumecus nov. gen. (C ger-
manica Lin,), Cicindela Lin. (C riparia Lin.), Laphyra Dup., My-
riochile nov. gen (Cic aegyptiaca Klug), C ul o ch'roma nov. gen.
(Cic. sexpunctata Fab.), Calomera nov. gen. (C. decemguttata
Fab.), Calochroa Hope (C. chinensis Fab.) und Calostola nov.
gen. (Cic. Assamensis Parry). • — Tricondyla rhaphidioides Schaum
(= Derocrania laevigata Chaud.) führt Verf. auf. Tricond. Nietneri
Motsch. zurück.
Carabici. — Westwood, Notice of a new species of the
Carabideous genus Mormolyce (Annais of nat. bist. 3. ser. X. p. 96)
beschrieb Mormolyce Haqenhachii als n. A. von Sumatra , durch
spitze Vorderwinkel des Thorax und einen gerundeten, aufgeboge-
nen Schulterlappen der Flügeldecken ausgezeichnet.
H. Deyrolle, Description de deux nouvelles especes du genre
Mormolyce (Annales soc. entom. 4. ser. II. p. 313 f pl. 11. fig. 1 — 3)
machte ausser der oben genannten, von ihm gleichfalls Morm. Ha-
genbachii genannten Art eine dritte unter dem Namen Morm. Ca-
380 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Steinaudi von Malacca bekannt und erörterte gleichzeitig die Va-
rietäten der Morm. phyllodes Hag., von denen er eine zugleich mit
den beiden neuen Arten abbildet. Alle drei Arten leben nach d e
Castelnau nicht unter Baumrinde, sondern unter umgestürzten
Baumstämmen auf der Erde, in der Nähe von Sümpfen.
Fast zu gleicher Zeit publicirte auch Thomson auf einem
Flugblatte von drei Seiten (Paris 1862. 8.) eine ..Monographie du
genre Mormolyce', in welcher ausser Mormolyce phyllodes Hagenb.
dieselben zwei neuen Arten und zwar Morm. Hagenbachii Westw.
unter dem Namen i>/orm . hlattoides n. A., die zweite gleichfalls unter
dem Namen Morm. Caslehiaudi beschrieben werden.
Schioedte (Naturhist, Tidsskrift stiftet af H. Kroyer, ud-
givet af J. C. Schioedte, 3. Raek. I. p. 149 — 192) gab unter dem
Titel: „Danmarks Harpaliner' eine erneuete Uebersicht und kri-
tische Bearbeitung der in Dänemark einheimischen Harpalinen unter
Yorausschickung einer Eintheilung und Abgränzuug der Gattungen.
Verf. theilt unter gleichzeitiger Berücksichtigung der Südeuropäi-
schen und exotischen Formen die Harpalinen in zwei Gruppen: 1)
eigentliche Harpalinen und 2) Stenolophinen. Bei ersteren sind die
Stipites der Kielertaster vorn schief abgestutzt und die innere Lade
der Maxillen an der Spitze eingekrümmt, bei den Stenolophinen
dagegen die Stipites der Kiefertaster vorn ausgezogen, so dass sie
das erste Tasterglied überragen, die Innenlade der Maxillen an der
Spitze verlängert, hervorgestreckt, der Körper glatt. (Zu letzterer
Gruppe gehören ausser Stenolophus , Balius und Acupalpus auch
Daptus, Batoscelis und Agonoderus, obwohl Daptus sich in Betreff
der Fühler wie die eigentlichen Harpalinen verhält.) Die Harpali-
nen-Gattungen unterscheidet Verf. folgendermassen : 1) Palpi articulo
ultimo fusiformi. Corpus reticulosum. Tarsi anteriores maris dila-
tati. a) Paraglossae setis lateralibus nullis. a) Ligula nuda, men-
tum lobis lateralibus acuminatis ; setae plantares maris acetabulatae.
f ) Corpus distincte reticulosum, setae ambulatoriae prothoracicae po-
steriores nullae : Anisodactylvs. ff) Corpus obsolete reticulosum, seta
ambulatoria utrinque prope angulos posteriores prothoracis : Diachro-
mus. ß) Ligula superne ante apicem pilosa, mentum lobis lateralibus
obtusis, emarginatis; setae plantares maris lamellatae: Ophonus. b)
Paraglossae setis lateralibus instructae ; setae x^lantares maris la-
mellatae : Hai'palus. — 2) Palpi articulo ultimo attenuato ; corpus laeve,
tarsi antici maris dilatati; paraglosse setis lateralibus nullis, setae
plantares maris lamellatae : Bradycellns. — Die drei Gattungen der
Stenolophinen sondern sich folgendermassen: Palpi articulo ultimo
fusiformi. a) Ligula quadriseta: Balius. b) Ligula biseta: Stenolo-
phus. — 2) Palpi articulo ultimo attenuato : Acupalpus. — Der
specielle Theil der Arbeit, welcher die Charakteristik der Gattun-
im Gebiete d. Entomologie während des Jalires 1862. 381
gen und Arten enthält, erstreckt sich über folgendes Material : Ani-
sodactylus 3 A., Diachromus 1 A., Ophonus 4 A., Harpalus 23 A.,
Bradycellus 6 A., Balius 1 A. (B. consputus Duft.), Stenolophus 4 A.
und Acupalpus 4 A. — Die Harpalus- Arten theilt Yerf. nach der
Borstenbildung des Hinterleibs und der Schenkel in zwei Haupt-
gruppen: Setae amlmlatoriae abdominales pilis nuUis intermixtae;
setae ambulatoriae femorales pärciores et graciliores, foveolis setigeris
minutis. «) Abdomen pubescens: z. B.- Harp. ruficornis, griseus,
aeneus, u. a. ß) xibdomen glabrum: z. B. Harp. rubripes, fulvipes,
tardus u. a. — b) Setae ambulatoriae abdominales pilis longioribus
inaequalibus intermixtae; setae ambulatoriae femorales copiosae,
validiores , foveolis setigeris plerumque profundius impressis. y)
Abdomen pubescens: z.B. Harp. calceatus. d) Abdomen glabrum:
z. B. Harp. honestus, Froelichii. ferrugineus u. a.
La Conte (Notes on the species of Calosoma inhabiting the
United States, Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1862. p. 52 f.)
vertheilt die Nord - Amerikanischen Calosoma- Arten in sechs Grup-
pen, von denen die beiden ersten das vierte Glied der männlichen
Vordertarsen unterhalb behaart zeigen, während es bei den vier
letzten glatt ist. Zur ersten Gruppe (mit verlängertem Körper)
gehören C. externum Say, macrum Le C. und prolractum n. A. von
Arizona; zur zweiten (mit nach hinten verengtem Thorax) C. scru-
tator Fab., Willcoxi Le C. und frigidum Kirby. Die dritte Gruppe
(Thorax hinten dreibuchtig , drittes Glied der männlichen Vorder-
tarsen unten glatt) ist auf C. Sayi Dcj. beschränkt; zur vierten
(drittes Glied der männlichen Vordertarsen unterhalb behaart) gehö-
ren C. prominens, lugubre und triste Le C. , obsoletum Say und
carhonalum n. A. aus Neu-Mexiko und Ober-Texas. In der fünften
und sechsten Gruppe sind die Vordertarsen des Männchens wie in
der vierten, der Thorax aber nicht hinten abgestutzt, sondern aus-
gerandet; die fünfte enthält geflügelte (4 bekannte), die sechste un-
geflügelte (5 bekannte) Arten.
Derselbe (Note on the species of Brachinus inhabiting the
United States, ebenda 1862. p. 523 ff.) setzte die Unterschiede der
22 ihm bekannten Nord - Amerikanischen Brachinus- Arten in einer
analytischen Tabelle auseinander. Alle sind von rother Färbung
mit blauen, grünen oder schwarzen Flügeldecken und lassen sich
am besten nach der Form und Skulptur des Thorax unterscheiden;
übrigens sind viele nach der Ansicht des Verf.'s durchaus arbiträr,
a) Grosse Arten mit punktirtem Thorax und divergirenden Hinter-
winkeln desselben ; Flügeldecken gerippt, nach hinten allmählich
erweitert, mit deutlichen, obwohl abgerundeten Schultern: Br. tor-
mentarius und strenuus Le C. . alternans Dej. b) Mittelgrosse Ar-
ten; Flügeldecken nach hinten allmählich erweitert, gerippt, mit
382 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissenscli. Leistungen
undeutlichen Schulterecken, Fühler und Hinterleib dunkel: Br. per-
plexus Dej. (viridis und Le Conttei Le C, viridipennis Dej.), Ameri-
canus Le C. c) Mittelgrosse oder grössere Arten; Flügeldecken
nach hinten nur leicht erweitert, gerippt, mit deutlichen Schulter-
ecken; Thorax sparsam und fein punktirt, mit hervorragenden Hin-
terecken: Br. ballistarius Le C. und fumans Dej. (cyanopterus, suf-
flans, perplexus und similis Le C, libratorDej ). d) Kleinere Arten
mit breiten, stark gerippten Flügeldecken; Thorax matt, gerunzelt
und punktirt . Hinterecken leicht hervortretend ; Hinterleib nicht
gebräunt : Br. costipennis Motsch. (Le Contei Motsch.),- Tschernikhii
Mann, und carinulatus Motsch. e) Kleinere Arten mit sparsam punk-
tirten, hinten sehr stark eingeschnürten, nicht längerem als breiten
Thorax ; Flügeldecken hinten gewölbt, mit deutlichen Schulterecken:
Br. fidelis Le C, Kansanus Le C. , cordicollis Dej. (conformis und
velox Le C, ? cephalotes Dej.), stygicornis Say, rejectus Le C. (cor-
dicollis Le C.) , janthinipennis Dej. , quadripennis Dej. , medius,
ovipennis und pumilio Le C , lateralis und conformis Dej.
Wo Ilaston, On the Calathi of the Canary-Islands (Annais
of nat. hist. 3. ser. IX. p. 341— 353) machte auf den auffallenden
Umstand aufmerksam, dass, während in ganz Europa nur 20 gut
unterschiedene Calathus - Arten vorkommen , die kleine Canarische
Inselgruppe deren 16 besitzt. Dieselben sind von eigenthümlichem
Habitus, den ihnen der flachgedrückte, elliptische Körper verleiht;
auf Teneriffa kommt noch die besondere Eigenthümlichkeit hinzu,
dass bei fast allen Arten die alternirenden Zwischenräume der
Flügeldecken mit einer Längsreihe grosser Punkte versehen sind.
Mit drei Ausnahmen sind alle Arten Waldbewohner ; eine x\rt (C
adscendens) kommt bis 8000 Fuss Höhe vor. — Die 16 vom Verf.
beschriebenen Arten sind : a) Schienen in beiden Geschlechtern
einfach: C. s-phonrokies, actiminatns , rvfocastaneus und carinatus
(Brülle) von Teneriffa, aoiena von Canaria - Grande , abaxoides
Brülle (?), adscendens und rechts (fulvipes Brülle) von Teneriffa, sint-
plicicollis von Lanzarote. • — b) Mittel- und Hinterschienen beim
Männchen innen mehr oder weniger dicht gewimpert: C. ciliatus,
avclus, angvslvlvs, depressns (Brülle?) von Teneriffa, appendiculatus
und harbalus von Canaria Grande und sprelus von Hierro.
Derselbe (ebenda 3. ser. IX. p. 438) diagnosticirte Licinus
ManriquianuSf Broscus rutilans und Pogonus Grayi als n. A. von
den Canarischen Inseln und (ebenda X. p. 287) Trechus minyops n. A.
von Madeira.
Chaudoir setzte seine ,.Materiaux pour servir ä l'etude des
Carabiques' im Bullet, d. 1. soc. d. natur. de Moscou 1862. II.
p. 275— 320 mit einem dritten Abschnitte fort, in welchem er eine
Reihe von Gattungen aus der Gruppe der Truncatipennen in Bezug
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 383
auf ihre Arten von Neuem revidirt. Unter Casnonia vereinigt Verf.
jetzt wieder die im J. 1848 auf Kosten derselben aufgestellten Gat-
tungen Casnonia, Plagiorhytis und Apiodera, von deren Unhaltbar-
keit er sich überzeugt hat und sondert nur die unter Plagiorhytis
gehörenden Arten als Untergattung ab. Von den 46 ihm jetzt be-
kannten Arten werden folgende als neu beschrieben : a) Kopf rück-
wärts verengt, mit dünner Basis (Gruppe der Casn. Pennsylvanica
Lin.) : C australis von Melbourne, letrasticjma aus Mexiko, cyanes-
cews von Ega, Iripuslvlata vonMinas Geraes, punct icollis \on Ca,jenne,
amoena aus Neu-Granada, Balesii und hrevipejinis vom Amazonen-
strome. — b) Kopf oval mit gewölbtem Scheitel und eingeschnürter
Basis (Gruppe der C. pustulata Dej. , fusca Reiche u. s. w.) : Casn,
longipennis von Neu-Freiburg. variolosa aus Neu-Granada, viridicol-
lis aus Columbien, Leprieuri Lap. von Cayenne (nochmals beschrie-
ben), afßnis und oliväcea von Ega, rvfopicea und JSalalensis von
Port Natal, octdala von Tranquebar, suhdistincta aus Mexiko, pitbes-
cens und marmovala von Ega im Thale des Amazonenstromes. —
c) Flügeldecken an der Spitze vierdornig (Gruppe der C. maculi-
cornis Gory) : Casn. quadripinosa und spinigera von Ega, gibba von
Bahia. — d) Kiefertaster -Endglied kürzer als das vorhergehende
(Plagiorhytis) : Casn. corrusca aus Neu-Granada und elegans Guer.
nochmals beschrieben. — Eine neue Gattung Smeringocera be-
gründet Verf. auf Casnonia lineola Dej . wegen der mit langen Haa-
ren gewimperten Fühler , an denen überdies einige Basalglieder
knotig erscheinen. — Von Stenidia vv^erden die sieben bekannten
Arten aufgezählt. — Dicraspeda, nov. gen. , von Casnonia, mit
welcher Gattung sie in ihren Charakteren übereinstimmt, habituell
auffallend abweichend: der Kopf ist nicht hinter den Augen ver-
längert, die Einschnürung desselben sehr schwach, der Hals dick,
das Halsschild herzförmig, wenig länger als breit, mit breit nieder-
gedrückten Seitenrändern. — Art : Dicr. hrvnnea von Celebes. —
Die bisherigen Gattungen mit Einschluss von Ophionea und Oda-
cantha bilden die Gruppe der Odacanthiden; zu der darauf folgen-
den Gruppe Physocrotaphidae, welche Verf. charakterisirt, rechnet
er drei Gattungen : Helluodes Westw. , Physocrotaphiis Parry und
P og onoglo ssus, nov. gen. , von der vorhergehenden durch unbe-
haarte Taster, deren Endglied zusammengedrückt, etwas erweitert
und schief abgestutzt ist, durch die Fühler, an denen das dritte
Glied nicht länger als die übrigen und das zweite bis vierte etwas
glänzend ist, so wie durch den kurzen, einfachen, fast abgerundeten
Kinnzahn unterschieden. — Art : Pog. vaiidicornis von Java. — Die
Gruppe der Polystichidae umfasst die Gattungen: 1) Eunostus mit
2 Arten, davon die in der Rev. et Magas. de Zool. diagnosticirte
neue E. Gueinzii nochmals beschrieben. 2) Ancy^str og lo ssus^
384 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissenscli. Leistungen
nov. gen., auf Tricliognathus strangulatus Dej. Cat. begründet, aus-
gezeichnet durch die in einen sehr feinen, zurückgebogenen Haken
endigende Ligula. — Drei Arten: Anc. gracilis aus Mexiko, stran-
gulatus (Dej.) von Cayenne und dimiiUalicorms von Ega. 3) Zu-
phium mit 26 Arten; davon neu: Z. pictum aus dem Portugiesischen
Senegambien, erythrocephalum von Malabar und Coromandel, anslrale
von Melbourne, Celehense von Celebes, Balesii, aequinocliale und pu-
sillnm von Ega und Mexicanmn von Vera-Cruz. 4) Diaphorus Dej.
(Der Name muss wegen Diaphorus Meig. , Diptera 1824 geändert
werden. Ref.) 11 Arten, davon neu: D. BatesH, polystickoides und
elegans von Ega, subfasciatus von Bahia und Parä. 5) Mi seh o-
vephalus^ nov. gen., von Diaphorus durch folgende Merkmale un-
terschieden: Die beiden Endglieder der Kieferfcaster verlängert,
das letzte gerade abgestutzt und kaum erweitert; Kopf oval mit
langem, dünnem Halse , der das Ansehen eines fast cylindrisch-ke-
gelförmigen Pedunculus hat; Hinterecken des Thorax mit langem,
dünnem, aufgerichtetem Dorne bewehrt. — Art: Misch, spinicollis
von Ega.
Chaudoir (Rev. et Magas. de Zool. XIV. p 486 ff.) beschrieb
Carabiis procevulus als n. A. aus Japan, Fasimachus {Molobrus) snb~
angulalus aus Mexiko, (Mohbrns) conlicollis aus Central - Amerika,
Sallei aus Vera-Cruz, Stoi-lhoclonlus Ac.geon von Tamatave auf Ma-
dagascar, Ghjplvs pnnctuUdus vom Bar-el-Abiad, ßasolia attenuata
aus Venezuela, elongata aus Brasilien , Eccoplomenus obscuricollis
vom Gabon, Triplogenius Waterhousei Vaterl. unbek. , Catascopus
costulatus aus Malacca, Piezia Ander ssonii vom See N'Gami, Euno-
slus Gueinüi von Port Natal, Clenodactyla punetieoUis von Cayenne,
Stenidia abdominalis von Port Natal, Pseudomorpha Pilnlei von Yu-
catan und Adelotopus cyliudricus von Melbourne.
Morawitz (Bullet, de l'acad. de St. Petersbourg V., Melang.
biolog. IV. p. 190 ff.) machte als neue Arten aus Südost - Sibirien
bekannt: Notiophilus impressifrons . Elaphrus Dauricus ^ Carabus
Maacki! Wulffiusi , venuslus , Schaumi , lineolalus , Raddei , Nebria
Ussuriensis , anthracina , Baicalensis , Leislvs laticollis, Demetrias
Sibiriens, Dromius quadrafieollis, Lebia cribricollis und bifetiestrata,
Chlaenius hospes und cireumduelus, Pogonus faseialopunctatus, Spho-
drns graeilipes (in leptopus emendirt) , Calathus nilidulus , proximus
und orbieollis , Taphria Nordmatini und congrna, Anckomenus (Ago-
num) fallaxy Pterostichus (Poeeilvs) sumptuosus, (Lagarus) sulcitarsis,
crassieollis , Pier, aberrans, {Lyperus) prolongalvs , (Omaseus) ro-
tundangulus und forlis, Pier, discrepatis, (Argulor) neglectus und
subfvscus , (Platysma) fugax, (Steropus) alncer , eximivs , nigellus,
crassiceps, procaxMndSchrenckii, Amara{Bradytns) pallidula (Motsch.),
sinuaticollis und distingtienda, (Leirus) tumida und peregritia, {Triaena)
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 385
Iridens, (Celin) marfftnicollis, Harpalus capilo^ pallidipcnnis, nigrans
und obesus , Slenolophtts propinquns. — Ta chy c e Hus, nov. gen.
Kinn mit scharfem Mittelzahne. Ligula mit fast gerundeter Spitze
und häutigen, an der Spitze abgerundeten, sie selbst überragenden
Paraglossen, Taster mit spindelförmigem, spitzem Endgliede, Ober-
lippe ausgerandet; Vordertarsen des Männchens mit vier stark, die
mittleren mit kaum erweiterten Gliedern, welche unterhalb schup-
pig, oberhalb rauhhaarig sind. — Art : Tach. ciirtnlus, 5 Mill. —
Trechus dorsistriatus, Bembidium (Peryp/ius) deplanutum, Bemb. per-
simile und Tachypus angulicollis. Der Charakteristik dieser Arten
schickt Verf. eine Uebersicht der Carabiden-Fauna von Südost-Sibi-
rien, besondern dem Amur -Lande voraus, welche durch die Beur-
theilung zahlreicher von Russischen Autoren (besonders Mot-
schulsky, Menetries u. A.) aufgestellter Arten, die als synonym
eingezogen werden, von Wichtigkeit ist.
Derselbe (Bullet, de l'acad. de St. Petersbourg V. p. 321
328, Melang. biolog. IV. p. 237 -247) veröffentlichte vorläufige Dia-
gnosen neuer Carabiden ausHakodade: Carabus Albrechli, Pkeropso-
phus Jessoejisis. — Lebidia nov. gen. Kinn tief ausgerandet, ohne
deutlichen Mittelzahn, Ligula an der abgerundeten Spitze mit zwei
Borsten, die häutigen Paraglossen sie selbst weit überragend, die
innere Maxillarlade vor der Spitze aussen mit einem Büschel aehr
feiner Haare, die Taster mit abgestutzt ovalem Endgliede; Pro-
thorax quer, mit fast gerader Basis, viertes Tarsenglied zweilappig,
Fussklauen gekämmt. — Art: Leb. octoguttala. — Punagaeus robu-
stus und rubripes, Chlaenius naeviger, Dyscolus splendcns und Ja-
ponicus^ Plerostichus (Lagarus) nimbatus, (Lyperus) fuligineus, Pier.
Thunbergi, Amara rongrua , Anisodactylus punctatipennis, Harpalus
tridens, Japonicus und discrepans, Tachypus nubifer und Bembidium
{Peryphus) cognatum.
Motschulsky (Etud. entora. XI. p. 24 ff.) machte folgende
neue Arten und Gattungen bekannt: Tachypus semilucidus n. A. aus
Japan. Die Gattung Tachys in ihrem jetzigen Umfange glaubt Verf.
aus sehr heterogenen Elementen zusammengesetzt und einer Auf-
lösung in mehrere Gattungen für bedürftig; dieselben sollen eine
besondere Gruppe „Tachyaires ', welche zwischen den Bembidien
und Trechen die Mitte hält, bilden. 1. Gruppe. Fühler verlängert,
aus länglichen Gliedern bestehend: Tachylopha, nov. gen. mit ge-
wölbtem, ovalen, glänzendem Körper und in der Mitte glatten
Flügeldecken. ~ Art: Tachyl. ovata Motsch. (= Tach. albicornis
Schaum). — Tachyura, nov. gen. mit gewölbtem Körper und an
der Naht tief gefurchten Flügeldecken (Typen : Tach. Fockii, hae-
morrhoidalis und 4 signata aus Europa, zahlreiche Amerikanische
und Asiatische Arten). — Tachys (T. bistriata, dimidiata, vittata u. a.)
Archiv f. Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. 2
386 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
und Lymnastis, nov. gen., mit niedergedrücktem Körper; bei
letzterer Gattung (z. B. Lymn. Indicum Motsch.) sind die Flügel-
decken vielstreifig und das dritte Glied der Maxillartaster erwei-
tert. — 2. Gruppe. Fühler nicht oder kaum langer als der halbe
Körper, kräftig, gegen die Spitze hin verdickt und aus kurzen Glie-
dern zusammengesetzt: Tachymenis, nov. gen. (z. B. Tach. mi-
nuta Fab.) mit niedergedrücktem, fast gleichbreitem Körper und
F olyde ris, nov. gen. (z. B. Tach. aequinoctialis und andere exo-
tische Arten) mit leicht gewölbtem, ovalen Körper. — Als neue,
der Tachys - Gruppe angehörende Arten werden beschrieben : Ta-
chyura brtinnicoUis aus den Südstaaten Nord-Amerika's, rnfula von
Panama, Tachys flavicollis ebendaher, aeiieipenuis aus den Südstaa-
ten, lugubris von Panama, subfasciata von Marseille, lanlilla von
Panama, Lymnastis puUvlus aus Ostindien, Tachymenis reßexicollis
von Neu- York, marginicollis von Neu-Orleans, umbrosa aus Ostin-
dien, Folyderis aequinoctialis und brevinscnla von Panama, testaceo-
limbata und glabreUa aus den Südstaaten, Andalvsica aus Süd-Spa-
pien und Algier , -ieMe//« aus Ostindien, minuscula von Panama,
Elaphrojms gracilis aus Ostindien. — Die Gruppe der Trechenbe-
reichert Verf. mit zwei neuen Gattungen: Trechisibns, nov. gen.
(Art: Treck, aeyieus aus Chile) und C nid es, nov. gen. (Art: Cnid.
rostratns von Panama), beide ausführlich charakterisirt, aber nicht
in ihren Unterschieden von den bekannten Gattungen erörtert ; aus-
serdem mit folgenden neuen Arten: Atiophlhabnns longicornis aus
der Grotte Lubnik in Krain, striatns , Menetriesii und centricosus
aus der Mammuth-Höhle, costulatus aus Krain, cordicollis aus der
Grotte Yranitzna-Jama, rosiralus, trechioides, robustns und oülongus
aus Krain, Eucnems snblimbalns aus dem Holländischen Guyana. —
Im Ferneren giebt Verf. eine Charakteristik der Gruppe der Lachno-
phoriden, zu welcher er die Gattungen Ega, Lasiocera, Stigmaphorus,
Lachnophorus und Lachnothorax, nov. gen. (Art; Lachn. bigut-
tatus n. A. von Tranquebar) zählt; letztere Gattung ist vom Habitus
der Casnonien, mit sparsamen, aufrechten Haaren bekleidet und hat
einen nach hinten stark halsartig verschmälerten Kopf. — Zur
Gruppe der Lebiiden kommen: Arsinoe trimaculata n. A. vom Cap,
Lebida, nov. gen. auf die Arten mit behaarten Flügeldecken, wie
Leb. fulvicollis und pubipennis gegründet, denen Verf. Leb. xiola"
ceipennis aus Südfrankreich, chloriventris aus Algier und pilosella
aus Spanien und Frankreich als n. A. hinzufügt. — D r y malus,
nov. gen., sich den Dromien anschliessend, im Habitus der Gattung
Badister ähnelnd, durch verdickte Schenkel und dunkel getäfelte
Flügeldecken ausgezeichnet. — Art: Dvym. tessellatvs vom Cap. —
Den Brachiniden endlich zählt Verf. eine neue Gattung Crepido-
s t oma zu, welche ein stark beilförmiges, abgeflachtes Endglied der
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 387
Lippentaster, ein leicht ovales und abgestutztes Endglied der Kie-
fertaster hat und an deren Fühlern das dritte Glied fast von der
Länge des ersten ist ; Flügeldecken wie bei Aptinus abgekürzt, aber
auf dem Rücken ganz niedergedrückt. — Art: Crep. rnfescens vom
Cap der guten Hoffnung.
de Saulcy (Annales soc. entomol. 4. ser. IL p. 285. pl. 8,
fig. 5) machte eine neue Gattung R ei c heia (d. h. nach Reiche
benannt) aus der Scaritiden-Gruppe bekannt, welche sich von Dy-
schirius hauptsächlich durch die fast ganz verkümmerten Augen zu
unterscheiden scheint. Die Stelle, wo diese sonst liegen, ist ein
ovaler, glatter Wulst ohne Facetten, während die äusserst kleinen,
kaum sichtbaren Augen sich in einer, vom vorderen Dritttheil jenes
Wulstes herabsteigenden, schrägen Furche, nahe dem Ursprung der
Fühler vorfinden sollen. — Art: Reich, lucifvga aus Frankreich
(Collioure), an Flussufern lebend, V/.^ Mill. lang. — Gautier des
Gottes (Bullet, soc. entom. 1862. p. 49) will die Gattung Reicheia
nicht gelten lassen, sondern hält die R. lucifuga für einen Dyschirius ;
dieselbe Ansicht vertritt Schaum (ebenda p. 49).
Eine zweite neue Scaritiden-Gattung machte de Castelnau
(..Note sur un Scaritide gigantesque de Laos", Rev. et Magas. de
Zool. XIY. p. 305) unter dem Namen M o u h otia (nach dem Ent-
decker Mouhot) bekannt, welche ganz den Habitus von Pasimachus
und Emydopterus hat, sich aber von beiden durch breites, abge-
flachtes, innen gewinkeltes und an der Spitze abgerundetes Endglied
der Kiefertaster, durch die breite, kurze und am Aussenrande aus-
gebuchtete Oberlippe und durch das Endglied der Lippentaster,
welches noch stärker erweitert als das der Kiefertaster und beii-
förmig ist , unterscheidet. — Die Art : Mouh. gloriosa ist 55 Mill.
lang, stammt aus Laos und zeichnet sich durch breiten, feurig rothen
Saum des Halsschildes und der Flügeldecken aus.
Dieselbe Gattung und Art wurde fast gleichzeitig von Schaum
(Proceed. entom. soc. of London 1862. p. 94) unter dem Namen
Sc aritarchu s (nov. gen.) Midas diagnosticirt. Verf. hält die
Gattung für zunächst verwandt mit Carenum und unterscheidet sie
davon durch das breit dreieckige Endglied der Kiefertaster, die
einfach und leicht ausgebuchtete Oberlipj)e, den herzförmigen Pro-
thorax mit deutlichen Ecken und die einzähnigen Mittelschienen.
Derselbe gab (Annales soc. entom. 4 ser. H. p. 68. pl. 2.
fig. 1) eine Abbildung und Diagnose von Damaster Fortunei Adams,
nachdem er ihn zuvor im Bulletin derselben Zeitschr. unter dem
Namen Dam. oxuroides bekannt gemacht hatte.
Derselbe (Berl. Ent. Zeitschr. VI. p. 101 — 114) gab zahlreiche
Nachträge und Berichtigungen zu seiner im ersten Bande derselben
388 Gerstaecker: BericM üb. d. wissensch. Leistungen
Zeitschrift gelieferten Aufzählung der Carabicinen Griechenlands
Eine grössere Anzahl der dort aufgeführten Arten wird wieder aus-
gemerzt, andere auf früher beschriebene zurückgeführt, endlich
werden etwa 60 neu aufgefundene hinzugefügt. -Unter letzteren
werden folgende als neu beschrieben: Aptinus lugubris, Pterostichus
Tieffenbachii, (Molops) spartanus, Zabrus validus, sublilis und reßexus,
Harpalus polyglyptus, Stenolophiis Iransversalis, Anophlhahnus Krue-
peri (aus einer Höhle des Parnass), Bembidium Dalmatinum, grandi-
penne und quadrifossulatum.
Derselbe (ebenda VI. p. 263 u. 417) beschrieb Pterostichus
Baldensis als n. A. vom Monte-Baldo, Trechus marginalis aus Sie-
benbürgen uiid dem Bannat, Anophthalmus Kiesenwetteri aus einer
Grotte in Croatien. — Sphodrus Schmidtii und dissimilis Schauf.
hält er nur für Abänderungen von Sph. Schreibersii Küst., ebenso
Sph. Fairmairei Schauf. für Varietät von Sph. Peleus Schauf.
Schaufuss (Annales soc. entom. 4. ser. II. p. 309) diagno-
sticirte Carabus Brabeus und Nebria sobrina als n. A. aus West-
Spanien , beschrieb ferner (Rev. et Magas. de Zool. XIV. p. 491,
Sitzungsberichte d. Gesellsch. Isis zu Dresden 1862. p. 190 ff.) Ne-
bria Andalusica (Name nachher in degener ata umgeändert), Leistus
constrictns, Brachinus variventris, Cymindis Vogelii, Platyderus va-
rians, Haptoderus Cantabricus und Leiocnemis rotiindicollis aus Spa-
nien, (Sitzungsberichte der Gesellsch. Isis 1862. p. 66 f.) Sphodrus
Milleri n. A. vom Altai, Pterostichus dux und Cantabricus aus
^ Spanien. • — Ferner (Verhandl. d. zoolog.-botau. Gesellsch. zu Wien
1862. Sitzungsber. p. 18) Sphodrus modestus und gracilipes als n. A.
aus dem Narenta-Thale in Dalmatien, mit wenigen Worten diagno-
sticirt.
Fairmai re (Annales soc. entom. 4. ser. IL p. 547 f.) setzte
gegen Schaum die Unterschiede seiner Nebria Lareynii von N.
Orsini und seines Leistus puncticeps von L. Rhaeticus Heer ausein-
ander und beschrieb Lionychus maritimus als n. A. von Collioure.
Den Namen von Trechus politus ändert er als schon vergeben in
Trechus Bruckii um.
Einzelne neue Arten sind ferner: Ophonus Fauvelii de Mathan
(Annales soc. entom. 4. ser. IL p. 244) aus Frankreich, Anophthal-
mus Milleri Friwaldszky (Wien. Ent. Monatsschr. VI. p. 327) aus
der Szokolovatzer Grotte in Ungarn, Pterostichus {Tapitiopterus)
ßligranus Miller (ebenda p 322) von Cephalonia und Scletiophorus
Baladicus Fauvel (Bullet, soc. Linneenne de Normandie VII. p. 131)
aus Neu-Caledonien.
Cornelius (Stettin. Ent. Zeit. XXIII. p. 78) besprach die
fünf bei Elberfeld vorkommenden Notiophilus - Arten, unter denen
auch der bis jetzt in Deutschland noch nicht beobachtete Not. ru-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 389
fipes Curt. figurirt. Derselbe wurde am Khein in grösserer Anzahl
gefunden und wird hier nochmals charakterisirt.
Coquerel (Annales soc. entom. 4. ser. ü. p. 104 ff. pl. 3)
gab Beschreibung und Abbildung der muthmasslichen Larven von
Scarites Madagascariensis Dej. und Panagaeus festivus Klug von
Madagascar ; beide fanden sich in Gemeinschaft mit den Käfern in
Gräben vor. An ersterer Larve hebt Verf. (übereinstimmend mit
Schaum, dessen Beschreibung einer Scarites-Larve er nicht gekannt
zu haben scheint) als auffallend den Mangel der Ocellen hervor.
P erris (Annales soc. entom. 4. ser. IL p. 173 ff. pl. 5. lig. 502
— 516) machte die unter der Kinde von Pinus maritima lebenden
Larven des Dromius quadrinotatus und Bembidium nanum bekannt.
Die Larve der ersteren Gattung unterscheidet sich von derjenigen
von Bembidium durch hornigen und mehr erweiterten Hinterleib,
längere Gabelzinken des Endsegmentes und einen unpaaren Nach-
schieber; sie findet sich in den Zellen der Larven von Pissodes
notatus, denen sie nachstellt. Die Larve des Bembidium, an deren
Maxillen Verf. die Aussenlade wie gewöhnlich zweigliedrig (nicht
wie Coquerel bei Aepus und Schaum bei Bembidium dreiglie-
drig) fand, lebt in Gesellschaft von Bostrichen-Larven, deren Häute
und Excremente sie nebst Poduren verzehrt.
Laboulbene (ebenda 4. ser. IL p. 562. pl. 13. fig. 8— 15)
gab Beschreibung und Abbildung der Larve des Calathus gallicus
Fairm. Laboulb., welche in Gesellschaft des Käfers bei Fontainebleau
gefunden wurde ; Verf. bestätigt durch erneuete Untersuchung der
Larve von Aepus Kobinii. dass die Kiefertaster derselben vierglie-
drig (nicht dreigliedrig, wie Coquerel angiebt), die Lippentaster
dagegen nur zweigliedrig (nicht dreigliedrig) seien.
Dyticidae. H. Clark, On the Mexican species of Hydropori
(Annais of nat. bist. 3. ser. X. p. 173— 184) lieferte Beschreibungen
von 16 Mexikanischen Hydroporus - Arten aus den von T r u q u i
veranstalteten Sammlungen, a) Thorace haud striolato. 1) Rodun-
dati: Hydr. Portmanni, Lc Conf.ei, Bryanslonii. 2) Breviter ovati :
Hydr. Roffei , decemsignatns. 3) Oblongi : Hydr. Wardii, Kingii,
aequinoctialis, infauslus und infacetus, — b) Thorax striola utrin-
que basali. 1) In elytris continuata: Hydr. Fryii, Magensis, Char-
lottiij Emilianus und adumbratus. 2) Thoracis striola in elytris haud
continuata: Hydr, apicahis.
Derselbe (ebenda p. 326) beschrieb Hydroporus tinctus als
n. A. aus England, dem H. palustris Lin. zunächst stehend.
Derselbe („Catalogue of the Dytiscidae and Gyrinidae of
Australia, with descriptions of new species", Journal of Entomol. I.
p. 399—421) beschrieb unter gleichzeitiger Aufführung der wenigen
bisher von anderen Autoren aufgestellten Arten folgende neue Arten
390 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
aus Australien: Haliplus testudo Moreton-Bay, cfMsfrrt/is Süd- Austra-
lien, fnscatus Adelaide , gibbus Moreton-Bay, Pelobius Australasiae
Adelaide, niger Moreton-Bay, Hyphydrus humeralis^ Blanchardi und
Johnsonii Victoria, australis Süd - Australien und Caledoniae Neu-
Caledonien , Hydroporus (Thorax ohne eingegrabene Linien :) Ho-
wittii Adelaide und Melbourne, hamatus und Gardnerii Melbourne,
interrogationis Adelaide, Thoreyi Tarangoo , niyro - adumbratus Süd-
Australien 5 insculptilis Adelaide, Blaheii , undecimmaculatus , gra-
vidus Port Essington , Bahewellii Moreton-Bay, (Thorax jederseits
mit eingegrabener Linie:) H. Gilbertii, penicUlatus und Wollaslonii
von Melbourne , multimaculatus Süd- Australien, //ansarc/ü Moreton-
Bay, sinuatocollis, Meadfootii Melbourne, bistrigatus, Shuchardii und
amabilis Moreton-Bay, gemellus Süd - Australien und compactus
Adelaide.
Derselbe (..Descriptions of species of the genus Hydropo-
rus Clairv., new to the European or British Catalogues'', ebenda L
p. 468-474) beschrieb Hydroporus Andahisiae n. A. von Malaga, c/e-
relictus n. A. von der Insel Orkney (Schottland) und celafus n. A.
aus England (in Flüssen lebend). Hydroporus halensis Fab. und
quinquelineatus Zetterst. führt Verf. als in England einheimisch auf
und giebt von ersterem eine nochmalige Beschreibung.
Le Conte (Proceed. acad, nat. scienc. of Philadelphia 1862.
p. 52l£f.) lieferte eine „Synopsis of the species ofColymbetes inha-
biting America, north of Mexico", in welcher er 23 Arten der Gat-
tung aufzählt und kurz charakterisirt. Dieselben werden folgender-
massen angeordnet: A. Flügeldecken retikulirt, Klauen an den Hin-
tertarsen nicht auffallend in der Grösse verschieden: a) Körper
gewölbt, Flügeldecken sehr fein retikulirt. Vorder- und Mitteltarsen
des Männchens sehr schwach erweitert (Ilybius Er.): f) Basis des
Thorax breit gerundet: Col. ungularis, biguttulus, fraterculus, lara-
maeus und ignarus Le C, quadrimaculatus Aube und picipes Kirby.
ff) Basis des Thorax zweibuchtig. Hinterwinkel verlängert, spitz:
Col. sinualus n. A. Dacotah — b) Körper leicht gewölbt, Flügeldecken
grob retikulirt, Vorder- und Mitteltarsen stark erweitert (Meladema
Lap.) : Col. angustus (Agabus ang. Le C). — B. Fussklauen der Hinter-
tarsen sehr ungleich: a) Vorder- und Mitteltarsen mit stark erwei-
terten Gliedern und mit kleinen Haftnäpfchen unterhalb : f) Flügel-
decken mit zahlreichen vertieften Querlinien (Cymatopterus Esch.):
G. obscuratus Mannerh. , seminiger, longulus, strigosus, exaratus,
densus und Drewseni Le C. , sculptilis Harr., dolabratus Payk. und
Grönlandicus Aube. ff) Flügeldecken nicht quergestreift (Ptantus
Esch.): Col. binotatus Harr., divisus und agilis Aube. b'; Vorder-
und Mitteltarsen des Männchens sehr schwach erweitert (Colymbe-
tes Clairv.): Col. caiidus Aube.
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 391
Reiche (Annales sog- entom. 4. ser. IL p. 293) machte Hy~
droporus coarcticoUis und Uamhuri n. A. aus Bächen in Corsika be-
kannt ; ersterer aus der Verwandtschaft des H. opatrinus, letzterer
aus der des H. Escheri und lepidus.
Miller (Wien. Ent. Monatsschr. VI. p. 276) Hydroporus Joni-
cus n. A. aus Corfu.
Wollaston (Annais of nat. bist. 3. ser. IX p. 438) Hydro-
porus Clarkii n. A. von den Canarischen Inseln (diagnosticirt).
Stier lin (Mittheil. d. Schweiz. Entom. Gesellsch. II. p. 14)
beschrieb eine Varietät des Hydroporus nivalis Heer aus der
Schweiz.
Gyrinidae. S c h i o e d t e (Xaturhist. Tidsskr. 3. Raek. I. p. 207 ff.
tab. 3) erörterte aniäyrinus marinus die noch wenig genau gekannte
Körperbildung der Gyrinen- Larven. Als wesentliche Charaktere
derselben sieht er die ausgebildeten, mit zwei Klauen versehenen
Tarsen, den Mangel der Stigmata, die gewimperten Kiemenanhäge
der Hinterleibssegmente, die gleichfalls in Kiemenform auftretenden
Cerci des hervortretenden neunten Körperringes, so wie den mit
vier beweglichen Ilaken versehenen und als Nachschieber dienenden
Analring an.
Palpicornia. Die Larvenkenntnis s dieser Familie ist durch
Schioedte (Naturhist. Tidsskr. 3. Raek. L p. 209— 223. tab. 4— 7)
in ausgezeichneter Weise gefördert worden. Verf. giebt Charakte-
ristiken und Abbildungen der Larven von Helophorus grandis und
granularis, Berosus spinosus, Hydrophilus caraboides, Ilydrous ater-
rimus, Hydrobius fuscipes, Philhydrus testaceus, Cercyon analis und
litoralis, Sphaeridium scarabaeoides und bipustulatum , von denen
fünf theils ganz unbekannten, theils nur oberflächlich in Bezug auf
ihre Larven erörterten Gattungen angehören. Auf dieses ansehn-
liche Material hin konnte Verf. nicht nur die Charaktere der Fa-
milie in Rücksicht auf ihre ersten Stände näher als es bisher der
Fall war, präcisiren, sondern auch mehrere Haupttypen der Larven
unterscheiden. Für die Hydrophiliden-Larven im Allgemeinen sieht
er als wesentlich charakteristisch an : Die klauenförmigen, zuweilen
fehlenden Tarsen, das terminale achte Stigmenpaar, die frei hervor-
tretenden Mundtheile , die sehr kurze Gelenkmembran der Unter-
kiefer, die Verwachsung des Clypeus und den Mangel einer Ober-
lippe, die spitz sichelförmigen, geschlossenen Mandibeln, die
kleine, zugespitzte oder fehlende Ligula, den Mangel eines Halses
an dem hervorgestreckten Kopfe und den sehr kurzen , unbe-
wehrten Aualring. — Unter den vom Verf. behandelten Larven
sondert sich diejenige von Helophorus durch quere, mondförmige
Stigmen mit erhabenem, aussen erweitertem, luftführendem Peritrem,
durch das bedeckte achte Stigmenpaar, hervortretendes neuntes
392 Gerstaecker: Bericht üb. d, wissensch. Leistungen
Hinterleibssegment, durcb die aussen von den Stirnwinkeln entsprin-
genden Fühler und durch den Mangel einer Bekleidung durch eine
Luftschicht ab. Bei allen übrigen Gattungen sind die Stigmen
rund, die des achten Paares bedeckt, das neunte Hinterleibs segment
versteckt, die häutigen Theile der Körperoberfläche mit einer Haar-
bekleidung, welche zu einem Luftüberzuge dient, versehen, die Füh-
ler oberhalb des Stirnwinkels eingefügt. Während die Helophorus-
Larven seitliche , zusammengehäufte , runde und gewölbte Ocellen
haben, in ihrer Lebensweise amphibisch sind und ihre Beute im
Laufe zu erjagen suchen, besitzen die Larven von Berosus, Hydro-
philus, Hydrous, Hydrobius und Philhydrus oberhalb liegende, ziem-
lich grosse , entfernt stehende , längliche und flache Ocellen, leben
nur im Wasser, sehen nach oben und in die Weite u,nd erhaschen
ihre Beute rücklings. Die Larven von Cercyon und Sphaeridium
endlich besitzen oberhalb liegende, kleine, zusammengehäufte, ge-
rundete und abgeflachte Ocellen, leben in feuchter Erde oder im
Miste und machen meistens Jagd auf die Larven von Zweiflüglern;
sie sehen nach oben und nur in der Nähe. — Auch die Nymphen
der verschiedenen Gattungen erörtert Verf. in ihren Unterschieden
und Merkmalen; während bei Helophorus, Berosus, Hydrophilus und
Philhydrus die Pterothecae des Metathorax von obenher sichtbar
sind, sind dieselben bei Cercyon und Sphaeridium bedeckt. Bei den
Nymphen von Helophorus und Berosus finden sich je vier zur Bewe-
gung dienende Dornen auf der Rückenseite des Hinterleibsringe,
bei Hydrophilus und Philhydrus dagegen sechs.
Eine Abbildung und Beschreibung der Larve des Helophorus
glacialis Heer, im Engadin von ihm gesammelt, gab L. v. Hey den
(Jahresber. d. naturf. Gesellsch. Graubündens YIH. p. 32).
Miller (Wien. Ent. Monatsschr. VL p. 277) beschrieb Berosus
Hispanicus Küst., den er nach Stücken von Corfu nur für eine Va-
rietät des Ber. affinis hält.
Ochthebius Pyrenaeus Fauvel (Bullet, soc. entom. 1862. p. 40)
ist eine n. A. aus den Pyrenäen.
Staphylinidae. Fauvel, Notice' sur quelques Aleochariens
nouveaux ou peu connus et description de larves de Phytosus et
Leptusa (Annales soc. entom. de France 4. ser. H. p. 81 — 94). Verf.
hält das Vorkommen der Falagria-Arten in Ameisenhaufen für ein
zufälliges, giebt eine ausführliche Beschreibung nebst Abbildung
von der Larve des Phytosus nigriventris (pl. 2. fig. 14), indem er
gleichzeitig die Lebensweise des Käfers erörtert und die Stellung
der Gattung neben Leptusa befürwortet, giebt sodann eine verglei-
chende Charakteristik der Larve von Leptusa fumida Er., welche
von der durch Perris beschriebenen Larve der Lept. analis nicht
unbeträchtlich abweicht, und beschreibt Leptusa rupestris als n. A.
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 393
aus den Alpen der Dauphinee. Die für Silusa rubra Er. errich-
tete Gattung Stenusa Kraatz verwirft Verf. in Uebereinstimmung
mit Diival als durchaus unhaltbar, hält Haploglossa pulla Gyll. und
nidicola Fairm. sowohl nach ihren Unterschieden als ihrem Vor-
kommen für zwei verschiedene Arten und beschreibt Aleochara al-
fjarum und GodeJinaisi als n. A. vom Strande der Normandie. Letz-
tere Art wird (Bullet, soc. entom. 1862. p. 40) auf Homalota Fair-
mairei Bris, zurückgeführt.
Derselbe (Annales soc. entom. 4. ser. II. p. 292) machte
eine neue Gattung Arena bekannt, welche mit Phytosus und Le-
ptusa zunächst verwandt sein und ersterer Gattung auch im Habitus
gleichen soll. Ligula verlängert, ungetheilt, Paraglossen kaum her-
vorragend, Lippentaster wie bei Leptusa. Fühler kürzer als Kopf
und Thorax, mit verlängerten drei ersten Gliedern; alle Schienen
in beiden Geschlechtern dicht und lang gewimpert, Vordertarsen
viergliedrig , Metatarsus der Hintertarsen verlängert. — Art: Ar.
Octavii von der Küste der Normandie. — Oxytelus Oceanus n. A.
ebendaher.
Derselbe (Bullet, soc. Linneenne de Normandie VI. p. 16
und 42) zählte 7 für Frankreich neue Staphylinen auf und beschrieb
Oxytelus Perrisii als n. A, , am Strande bei der Ausmündung der
Orne aufgefunden.
de Saulcy (Annales soc. entomol. 4. ser. IL p. 289. pL 8.
fig. 6) charakterisirte eine zweite neue, zur Gruppe der genuinen
Aleocharinen gehörende neue Gattung üCra« «Ätrt, welche sich durch
gedrungene, breite Körperform und die Länge der Mittel- und Hin-
tertarsen auszeichnet, an denen wie an den viergliedrigen Vorder-
tarsen das erste Glied verkürzt ist. An den FüWern sind die drei
ersten Glieder langgestreckt, das dritte noch mehr als die beiden
ersten; die Mundtheile sind nicht untersucht. — Art: Kr. attophila
aus Frankreich (Port-Vendres) unter Steinen, in Gesellschaft der
Atta capitata. — Nach Bris out de Barneville (Bullet, soc.
entom. 1862. p. 49) ist diese Gattung und Art identisch mit Homalota
laevicollis Muls- Rey.
Derselbe (ebenda 4. ser. II. p. 69. pl. 2. fig. 5 — 9) beschrieb
Megarthrus Bellcvoyi als n. A. aus Frankreich (Metz) und gab eine
ümrissfigur vom Halsschilde sowohl dieser neuen als der übrigen
bekannten Arten der Gattung.
Für eine von F u s s bei Ahrweiler aufgefundene neue Aleo-
charine stellte Kraatz (Berl. Ent. Zeitschr. VI. p. 404 f.) den (sich
durch besondere Euphonie auszeichnenden) Gattungsnamen Borbo-
ropora auf, während Fuss zur Anerkennung dafür die Art Borb.
Kraatüi nennt. Die Art hat den Habitus einer etwas flach ge-
drückten, grossköpfigen Falagria, doch sind die Beine und Vorder-
394 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
tarsen merklich, kürzer , die Mandibeln viel schlanker und mehr
hervorgestreckt als bei den übrigen Aleocharinen, die rechte (dem
Texte zufolge) in der Mitte der Innenseite mit einem sehr grossen,
starken Zahne (welcher sich auf der Tafel jedoch an der linken
Mandibel gezeichnet findet) bewehrt, während die linke (nach dem
Texte) an der entsprechenden Stelle nur stark verbreitert ist.
Derselbe (ebenda p. 316 ff.) beschrieb Aleochara Milleri
n. A. von Wien, lygaea vom Rhein, ßlnm aus Oesterreich, ferner
Aleoch. cunicalorum Krtz., crassicornis Lac und clavicornis Redt.,
(p. 267) Myrmedonia Hampei n. A. aus Croatien, Homalota spinicol-
lis ebendaher und Quedivs fallaciosus von Berlin. — Homoeotarsus
Chaudoiri Hochh. kommt auch in Griechenland vor (p. 121).
Derselbe schrieb eine zehn Seiten lange Abhandlung über
Diochus Er. und Rhegmatocerus Motsch. (Wien. Ent. Monatsschr. VI.
p. 55 — 64), die nicht von besonderem sachlichen Interesse ist.
Gautier des Gottes (Annal. soc. entom. 4. ser. II. p. 75ff.)
stellte eine neue Gattung Paed er um orpkns auf, welche sich von
Paederus durch dickeren Körper, ,.par un enorme pedoncule trans-
versal' des Kopfes bei seiner Einfügung in das Halsschild, durch
kugligen, geschwollenen Prothorax von länglich viereckiger Form
und durch leicht zweilappiges viertes Tarsenglied der Hinterbeine
unterscheiden soll. — Art: Paed, pedoncularius (sie!) aus Carama-
nien (Tarsus). — Ausserdem beschreibt Verf. Paederus minutus und
ventricosns als n. A. aus Piemont.
Wol laston (Transact. entomol. soc. 3. ser. I. p. 184 ff.) be-
schrieb Homalota Canariensis, putrescens, cacti, vagepunctata, Xan-
tholimis marfiinalis, Dolicaon nigricollis und rnßcollis als n. A. von
den Canarischen Inseln.
Einzelne neue Arten sind ferner: Ischnoglossa depressipennis
Aube (Annal. soc. entom. 4. ser. II. p. 71) aus Frankreich, Lithocharis
Aveyronnensis de Mathan (ebenda p. 244) aus Frankreich, Euryusa
Wochii Schneider (Stett. Entom. Zeit. XXIII. p. 330) aus Finmarken,
Philorinvm rvficolle und Anihohium Scribae Schaufuss (Sitzungsber.
d. Gesellsch. Isis 1861. p. 47 und 1862. p. 147) aus Südspanien.
A. Tennstedt, Catalogue des Staphylinides de Belgique
(Annal. soc. entom. Beige VI. p.26— 88) ist eine systematische Auf-
zählung von 540 bis jetzt in Belgien beobachteten Staphylinen unter
Angabe ihrer Fundorte und Häufigkeit.
H. Hochhuth, Beiträge zur näheren Kcnntniss der Staphy-
linen Russlands II. (Bullet, d. natural, de Moscou 1862. II. p. 1 — 113).
Verf. liefert ein systematisches Verzeichniss von Staphylinen, die in
verschiedenen Theilen des Russischen Reiches (mit Einschluss der
Asiatischen Provinzen) gesammelt worden sind und beschi'eibt die
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 395
von Motschulsky bereits im J. 1860 durch kurze Diagnosen be-
zeichneten neuen Arten ausführlich. Da letztere bereits in diesen
Berichten namhaft gemacht worden sind, braucht hier auf dieselben
nicht noch einmal eingegangen zu werden; hinzuzufügen ist der
(p. 98) von Hochhuth beschriebene Coprophitus? pennifer (Motsch.
i. lit.) aus dem Caucasus.
Water house, Descriptions of the British species of the
genus Gyrophaena (Transact. entomol. soc 3. ser. I. p. 241 — 252).
Ausführliche Beschreibungen von zehn in England bis jetzt aufge-
fundenen Gyrophaena - Arten : Gyr. pulchella Heer, afiinis Mannerh.,
laevipennis Krtz., gentilis Er., nana Payk.. fasciata Marsh, (congrua
Er.), spec. dubia (beschrieben, aber nicht benannt), lucidula Er.,
minima Er., manca Er. und strictula Er. (laevigata Heer?).
Derselbe, Notice of an unrecorded British species of Phi-
lonthus, Phil, scutatus ofErichson (Entom. weekl. intellig. 1862.
p. 232). — Ueber dieselbe Art handelte Janson (ebenda X. p. 6).
— J. Power, Description of Philonthus prolixus (Zoologist 1861.
p. 7325).
Scriba (Berl. Ent. Zeitschr. VI. p. 273) beschrieb Homalota
cadaverina und liliputana Brisout als zwei für die Deutsche Fauna
neue Arten. — üeber andere von Brisout de Barneville be-
kannt gemachte Arten dieser Gattung machte Kr aatz (ebenda p.275)
ergänzende und synonymische Mittheilungen
Sti erlin (Mittheil. d. Schweizer, entom. Gesellsch. II p. 58)
beschrieb eine Varietät von Anthopliagus spectabilis Heer (ob eigene
Art?) vom Rosatsch-Gletscher.
Laboulbene (Annal. soc. entom. 4. ser. II. p. 559. pl. 13.
üg. 1—7) gab eine ausführliche Beschreibung und Abbildung der
Larve des Staphylinus chloropterus Panz. (in Gesellschaft des Käfers
zu Fontainebleau gefunden).
Pselaphidae. Water house, Descriptions of the British
species of the genus Euplectus, family Pselaphidae (Transact. entom.
soc. 3. ser. I. p. 45 — 52;. Verf. giebt ausführliche Beschreibungen
nebst synonymischen Erörterungen von folgenden in England bisher
aufgefundenen Euplectus-Arten: Eapl. Kunzei Aube, Dennii (sangui-
neus Denny?), Kirbyi Denny (Fischeri Aube), nanusAube (Reichen-
bachii Dennyj, signatus Reichenb (signatus et Kirbyi Aube), Kar-
stenii Reichenb., ambiguus Aube (pusillus Aube, Denny; und bicolor
Denny (glabriculus GylleDh,?,.
Derselbe (Proceed. entom. soc. 1861. p. 4) machte über drei
für England neue Bryaxis-Arten Mittheilung : Bryax. Helferi Schmidt,
Lefeburei Aube? fem. und simplex n. k. Letztere wird vom Verf.
(Transact. entom. soc. 3. ser. I. p. 135) ausführlich beschrieben.
396 Gerstaecker; Bericlit üb. d. wissensch. Leistungen
,Cienistes Staudingeri Schaufuss als n- A. aus Südspanien be-
schrieben : Sitzungsber. d. Gesellsch. Isis in Dresden 1861. p. 47.
Miller (Ueber Machaerites spelaeus Mill. und Bythoxenus
subterraneus Motsch., Wien. Ent. Monatsschr. VI. p. 372) stellte die
beiden genannten Arten als spezifisch verschieden, aber als einer und
derselben Gattung (Machaerites) angehörig hin.
Clavigerini. de Saulcy (Annal. soc. entom. 4. ser. II. p.288.
pl. 8. fig. 2) machte unter dem Namen Claviger Poit^aui eine neue Art
aus Frankreich (Port - Vendres) bekannt, welche in der Kopf- und
Fühlerbildung ziemlich die Mitte zwischen den beiden bekannten
Europäischen Arten hält; dieselbe wurde in Gesellschaft der For-
mica flava unter Steinen gefunden.
Silphidae. S chice dt e (Naturhist. Tidsskr. 3. Raek. I. p.224£f.
tab. 8 — 10) erörterte die Larven von Necrophorus vespillo, ruspator
und mortuorum, Silpha rugosa und obscura, Choleva fusca, Aniso-
toma glabra und Agathidium mandibulare. Die Larven von Necro-
phorus und Silpha haben an den Mandibeln kein Retinaculum und
keine Mahlfläche, die Mandibeln sind schmaler, an der Spitze schief
abgestutzt, fast zweispitzig, gesägt; bei den Larven der drei übri-
gen Gattungen dagegen sind die Mandibeln mit Eetinaculum und
Mahlfläche versehen , an der Basis stark erweitert , an der Spitze
gespalten, am Bücken gebogen. Die Larven von Choleva und Ani-
sotoma sind im Habitus einander sehr verwandt, was für die engen
Beziehungen zwischen beiden Gattungen sprechen würde; auffallend
ist, dass Silpha rugosa und obscura in der Körperbildung ihrer
Larven so merklich von einander abweichen, dass man letztere als
zwei verschiedenen Gattungen angehörig betrachten würde.
Nach Osten-Sacke n (Stett. Entoni. Zeit. XXIIL p. 408) ist
Necrophorus Americanus vorzüglich auf Schlangen, welche in Nord-
Amerika besonders zahlreich sind (ungefähr 150 Arten bekannt)
angewiesen ; er gräbt eine lange röhrenförmige Grube in die Erde,
in welche der hineingeschleppte Cadaver genau passt.
Gaillot (Bullet, soc. entom. 1862) fand Leptinus testaceus in
grösserer Anzahl am Fusse alter Eichen unter abgefallenen Blättern;
der Erdboden unter diesen war von Mäusen durchwühlt und mit
Excrementen und Haaren derselben untermischt. Da W a g a einen
Leptinus auf einer lebenden Spitzmaus fand (Jahresber. 1857. p. 85),
so liegt die Vermuthung nahe, dass das Thier sich vorzugsweise
gerne in der Nähe von Murinen und Insectivoren hält,
de Saulcy, Observations sur les genres Choleva, Catops et
Catopsimorphus (Annal. soc. entom. 4. ser, 11. p. 281 ff.). Verf.
spricht sich für eine Trennung der Gattungen Choleva (C. ciste-
loides und Verwandte) und Catops aus und diskutirt die Verschie-
denheiten, welche die in Frankreich vorkommenden Arten der Gat-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 397
tung Catopsimorphus unter einander darbieten; dieselben scheinen
ihm so gToss zu sein, dass entweder die Gattung als solche ganz
aufzugeben und mit Catops zu vereinigen oder in mehrere aufzulö-
sen sei. Den bisher bekannten Arten fügt er (p. 286. pl. 8. fig. 4)
eine neue unter dem Namen Catopsimorphus Josephinae aus Frank-
reich (Port-Vendres) hinzu; dieselbe lebt unter Steinen in Gesell-
schaft von Atta.
Schaufuss (Stett. Entom. Zeit. XXIII. p. 126) erörterte die
Unterschiede seines Quaestus Bonvouloiri von dem früher beschrie-
benen Adelops Bonvouloiri Jacq. du Yal, welcher derselben Gat-
tung angehört; den Namen der ersten Art ändert er in Quaestus
Dohrni um.
H. Brisout de Barneville (Bullet, soc. entom. 1862.
p. 37) glaubt, dass Cyrtusa femorata und minuta Schmidt von E r i ch-
s 0 n mit Unrecht zu einer Art vereinigt worden seien ; er setzt die
Unterschiede beider auseinander.
Trichopterygia. Perris (Annales soc. entom. 4. ser. IL p.l81.
pl. 5. flg. 520) machte eine neue Gattung Astatoptertjx bekannt,
welche sich durch auffallend grossen und besonders stark verbrei-
terten Prothorax , nach hinten kegelförmig zugespitzten Hinterleib
und abgekürzte, einzeln abgerundete Flügeldecken, besonders aber
durch die Bildung der Fühler auszeichnet: auf die beiden verdickten
Basalglieder folgen drei verkehrt kegelförmige und an Länge zu-
nehmende ; das sechste und siebente Glied sind von der Länge des
fünften, aber eben so breit wie lang, das achte elliptisch, das neunte
leicht spindelförmig, fast cylindrisch und länger als die beiden,
gleichfalls elliptischen Endglieder. Auffallend ist eine sexuelle Dif-
ferenz in den Fühlern: das fünfte bis achte Glied ti'agen nämlich
oberhalb eine dichte Franze langer und feiner Haare beim Männ-
chen, während diese dem Weibchen fehlt. — Die unter der Rinde
von Pinus maritima lebende Art ist bald geflügelt, bald flügellos
und findet sich in Gesellschaft von Formica pubescens Latr. ; sie
wird vom Verf. Ast. laticollis genannt und nebst ihrer Larve, wel-
che derjenigen von Trichopteryx und Ptilium sehr ähnlich ist, aus-
führlich beschrieben und abgebildet.
A. Matthews, Discovery of a new species of Ptilium new
to the British Fauna and a description of a new species of that ge-
nus (Zoologist 1861. p. 7409). Ist dem Ref. nicht zugekommen.
Nach Matthews (Bullet, soc. entom. 1862. p. 9) ist Ptilium
filiforme Aube identisch mit Pt. coarctatum Halid.
Histerini. Zwei neue Gattungen dieser Familie machte Wol-
laston (Transact. entom. soc. 3. ser. I. p. 157 £f. ^\.7. fig. 7 u. 9)
bekannt: 1) Eu tri plus, nov. gen., kleine Form von der Grösse
und dem Habitus der Gattung Paromalus, nach dem Verf. von allen
398 Gerstaecke r: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
bis jetzt bekannten Gattungeii durch deutlich sechsgliedrige Füh-
lergeissel, abgesetzte, solide Fühlerkeule, an der Spitze stark haken-
förmige Innenlade der Maxillen und einen langen, nach aussen ge-
krümmten Enddorn des Innenwinkels der Yorderschienen- Spitze
unterschieden. — Art: Entr. pnlricola von den Canarischen Inseln,
unter Euphorbien-Rinde lebend (auch Annais of nat. bist. 3. ser. X.
p. 292 diagnosticirt). -^ 2) Enhrachium, nov. gen., eine kleine,
gedrungene Form, durch die Bildung des Kinnes und der Sterna
an Epierus erinnernd, aber die Körperoberfläche dicht und gleich-
massig punktirt, kurz behaart, die Flügeldecken ohne Streifung, der
Proihorax mit tiefer Seitenfurche ; sehr ausgezeichnet sind die Vor-
derschienen, welche an der Spitzenhälfte ihres Aussenrandes in Form
einer abgesetzten, breiten Lamelle erweitert sind. — Drei Arten:
Euhr. ovale, poliliim und pnnctatmn von den Canarischen Inseln, die
beiden ersten unter Euphorbien-Rinde.
de Marsen l's Supplement ä la monographie des Histerides
(Annales soc. entomol. 4. ser. II. p. 5 -48. p. 437—516 u. p. 669—720.
pl. 4, 7, 12, 16 u' 17) ist mit drei weiteren Fortsetzungen beendigt
und damit die von gi'osser Sorgsamkeit zeugende, umfangreiche
Arbeit des Verf.'s vorläufig abgeschlossen worden. Die Zahl der in
der Monographie enthaltenen Arten ist durch den Nachtrag um fast
300 vermehrt worden, so dass sich gegenwärtig ein Bestand von
lOlO beschriebenen Arten herausstellt; von diesen kommen 81 auf
die Gruppe der Hololeptiden , 27 auf die Trypaneiden , 512 auf die
eigentlichen Histeren, 12 auf die Hetaeriden, 285 auf die Sapriniden
und 93 auf die Abraeiden. — Die in das J. 1862 fallenden Schluss-
lieferungen der Arbeit behandeln folgende Gattungen: Carcinops
mit 11 neuen Arten, Paromalus mit 7, Pelorurus mit 1 n. A. —
Phyll ose clis, nov. gen. (vergebener Name ! Hemiptera) , sich zu-
nächst an Notodoma anschliessend, im Habitus und der Sternalbil-
dung mit Monoplius und Eretmotes verwandt, ganz besonders durch
die Form der Beine sehr ausgezeichnet; an diesen sind nämlich
sowohl Schenkel als Schienen bei beträchtlicher Kürze auffallend
breit, blattartig flachgedrückt, während die Tarsen aus äusserst
kurzen Gliedern bestehen, — Art : Phyll. oticies vom Senegal. —
PhoTonotus, nov. gen., durch die Bildung der Fühlerfurche mit
Paromalus , Carcinops und Dendrophilus, durch das an der Basis
eingeschnittene Prosternum, welches die Spitze des Mesosternum
aufnimmt, mit Pelorurus, Monoplius, Onthophilus u. s. w. überein-
stimmend, ausgezeichnet durch die Skulptur der Körperoberfläche,
welche auf dem Prothorax und der Scheibe der Flügeldecken mit
vereinzelten tropfen artigen Tuberkeln besetzt ist. — Art: Phox.
hibercidahis von Cayenne. — Scapicoelis, nov. gen.. mit Eret-
motes zunächst verwandt, durch den unregelmässig blattförmig er-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 399
weiterten Fühlerschaft, an welchem die Geissei in der Mitte des
Aussenrandes entspringt, leicht kenntlich ; Pronotum mit doppeltem
Seitenstreifen, Fühlerkeule compakt, am Ende filzig, Endglied der
Taster eiförmig, dasjenige der Kiefertaster an der Basis aufgetrieben.
— Art: Scap. tihialis von Parä. — Eretmotes 2 neue Arten, Sapri-
nus 36, M yrm et es, nov. gen. für Saprinus piceus Payk. errichtet,
Teretrius 4n. A.; Terapvs, nov. gen.. wohl die auffallendste Form
der ganzen Familie durch die starke Verlängerung und Plumpheit
der Mittel- und Hinterbeine, den stark aufgeworfenen und in der
Mitte eingeschnittenen Seitenrand des Prothorax und die narbige
Skulptur der ganzen Körperoberfläche ; Metasternum sehr gross und
nach hinten stark verbreitert, so dass die Einlenkung der Hinterbeine
ganz auf die Seite gerückt ist, Hinterschienen ausserhalb zweibuch-
tig, an der Spitze in weiter Ausdehnung schräg abgestutzt. — Art:
Ter. Mniszechi aus Mexiko — Plegaderus 2 neue Arten. Bacanius 1,
Acritus 3, Phelister 1 und Epierus 1 n. A. — Wie bisher so sind
auch die im Supi)lemente l)eschriebenen Arten sämmtlich in ebenso
naturgetreuen als elegant ausgeführten Abbildungen wiedergegeben ;
in letzterer Beziehung steht die Arbeit des Yerf.'s unter den ento-
mologischen Monographieen bis jetzt wohl als ünicum da.
Margarinotus gnttifcr Hörn (Proceed. entom soc. of Philadel-
phia I. p. 187) als n. A. von Nebraska beschrieben.
Nitidulariae. Eine Bearbeitung der Nord- Amerikanischen Tro-
gosita- Arten hat G. Hörn geliefert: Monograph of the species of
Trogosita, inhabiting the United States (Proceed. acad. nat. scienc.
Philadelphia 1862. p. 82—88). Verf. beschreibt im Ganzen 21 Ar-
ten, zu denen noch vier ihm. unbekannte , von früheren Autoren
aufgestellte kommen; erstere werden folge ndermas-^en angeordnet:
A) Achtes und neuntes Fühlerglied gleich gross: Trog mauritanica
Lin. und nitida n. A. (letztere von Sierra-Leone nach Philadelphia
eingeführt). — B) Achtes Fühlerglied viel kleiner als das neunte.
1) Thoraxseiten ausgebuchtet oder gerundet, vor den spitzen Hin-
terwinkeln stark ausgeschweift: Trog. Califomica, crassicornis und
pleiiralis n. A. aus Californien , limbalis Melsh. — 2) Thorax fast
quadratisch mit massig gerundeten Seiten und spitzen Hinterwin-
keln, a) Gewölbte Arten: Tr. corticalis Melsh., dubia Melsh., inter-
media n. A. aus Kansas und semicylindrica n. A. aus Georgia, b)
Flachgedrückte Arten: Tr. nana Melsh., collaris Sturm und sinuata
Le C. — 3) Thorax breit, quer, Seiten stark gerundet, Hinterwinkel
stumpf: Trog, cucvjiformis n. A. aus Pennsjdvanien, nigrita n. A.
aus Kansas, castanea Melsh., bimaculata Melsh., laticollis n. A. Süd-
und Weststaaten, obscnra n. A. aus Illinois, rugosipcnnis n. A. aus
Pennsylvanien. — 4') Thorax breit, Seiten stark gerundet, Hinter-
winkel kaum ausgeprägt: Trog, ohtusa n. A. aus Pennsylvanien.
400 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Derselbe (Proceed. entomol. soc. of Philadelphia I. p. 187)
gab eine nochmalige Beschreibung von Trogosita marginata Palis.
Beauv. aus Ohio und Louisiana.
Pas CO e (Journal of Entomol. I p. 319 ff.), machte Melamhia
maura n. A. vom See N'Gami, memnonia aus Ceylon und funebris
aus Cambodja bekannt.
Eine neue zur Trogositen - Gruppe gehörende Gattung Lei-
paspis machte Wo Ilaston (Transact. ent. soc. 3. ser. L p. 1400".
pl. 7. fig. 1) bekannt. Sie unterscheidet sich von Trogosita, mit der
sie in dem Metallglanze der Körperoberfläche, in der Bildung der
Fühler und Mundtheile übereinstimmt, durch schmaleren, fast cylin-
drischen Körper, kürzere Fühler, längeren Kopf und Thorax, ganze
und vorn gerundete Augen, deren Facettirung grösser ist und wel-
che vom Yorderrande des Prothorax weit entfernt sind, endlich auch
durch den Mangel des Schildchens. — Drei Arten: Leip. caulicola
von Teneriffa, in verfaulten Stämmen von Euphorbia Canariensis,
lauricola unter Laurus-Rinde, pinicola unter loser Rinde von Pinus
Canariensis, die beiden letzten von Teneriffa und Palma. — Trogo-
sita Intens und recta n. A. (ebenda p. 143 f.) in Euphorbien auf Lan-
z arote und Teneriffa.
C. A. Dohrn (Stett. Entom. Zeit. XXIIL p. 158) beschrieb
Parumia Westwoodii n. A. aus Chile und setzte ihre Unterschiede
von Paromia dorcoides Westw. (aus Columbien? oder Neu-Holland ?)
auseinander.
Perris (Annal. soc. entom. 4. ser. II. p. 184 ff. pl. 5. fig. 525
— 534) machte die ersten Stände von Epuraea obsoleta Fab. und
die Nymphe von Temnochila coerulea bekannt. Die Eier der ersten
Art, welche bekanntlich dem ausquillenden Safte der im Frühlinge
geschlagenen Fichten nachgeht , werden vom Weibchen unter die
Rinde gelegt ; die daraus hervorgehenden Larven leben in dem sauer
und schleimig werdenden Safte, von dem sie sich ernähren und gra-
ben sich zur Verwandlung in die Erde ein. — Nemosoma elonga-
tum traf Verf. gleichfalls an Pinus maritima und zwar in den Gal-
lerien von Bostrichus laricis und bidens an.
Kaltenbach (Verhandl. d. naturhist. Ver. d. Preuss. Rhein-
lande XIX. p. 84) beschrieb die Larve von Brachypterus gravidus
Illig., welche sich von den Blüthen und dem Samen der Linaria
vulgaris ernährt.
Lathridii. Wollaston (Annais of uat. bist. 3. ser. X. p. 290)
beschrieb jV et ophtha! mus scvlpturatus n. A. von Madeira.
Colydii. Wollaston, „Notes on Tarphii, with the descri-
ption of an allied genus" (Journal öf Entomol. I. p. 371—387. pl. 18
und 19) beschrieb zunächst eine mit Tarphius sehr nahe verwandte
Ostindische Gattung Tarphiodes, nov. gen. , welche sich durch
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 401
grössere Augen und entwickeltes Skutellum, weniger verkürztes Me-
tasternum und borstige Beine, deren letztes Paar zugleich mehr ge-
näherte Hüften zeigt, durch den Mangel der Furchen zum Einschla-
gen der Fühler auf der Unterseite des Prothorax so wie durch
längeres und mehr spindelförmiges Endglied der Taster unterschei-
det. — Zwei Arten: a) Körper grösser, Augen gross, borstig, Schild-
chen deutlich , Hinterflügel entwickelt: Tarph. Boicringii von Pulo-
Penang. b) Körper kleiner, Augen kleiner, nackt, Schildchen sehr
klein , Hinterflügel verkümmert {Tarphio s oma , subgen. nov.) :
Tarph. Indiens von Malabar. — • Indem der Verf. sodann die geo-
graphische Verbreitung der Tarphius - Arten, welche abgesehen von
den beiden genannten aberrirenden Formen auf Sicilien (T. gibbu-
lus) und auf die Insel-Gruppen von Madeira und den Canarien (auf
ersterer 19, auf letzterer 9 xirten) beschränkt sind, so wie deren Le-
bensweise und Flügellosigkeit in Betracht zieht, versucht er den Nach-
weis, dass für diese Gattung wie für viele andere die Darwin'sche
Theorie der Abstammung von einer gemeinsamen Eltern-Form,
welcher er überhaupt nicht besonders zugeneigt scheint, nicht wohl
anwendbar sei. — Hieran schliesst sich eine Charakteristik der
neun auf den Canarischen Inseln entdeckten neuen Arten, welche
gleich den oben genannten auf den beifolgenden Tafeln abgebildet
sind; ihre Namen sind: Tarphius simplex, camelus , Canariensis,
erosuSf quadratus. congestus, gigfis, caiidalus und deformis.
Derselbe (Annais of nat. bist. 3. ser. X. p. 289) beschrieb
Tarphius anguslulus als n. A. von Madeira und (Transact. entom. soc.
3. ser, I. p. 146) Europs duplicatus n. A. von den Canarischen Inseln.
F. Pascoe, „On some Australian Colydiidae" (Journ. of
Entom. I. p. 460— 468) beschrieb als neue x\rten : Derelaphrus ignarus
von Sidney, riV/wr/^Ms von Adelaide, Bakewellii von Melbourne und Sid-
ney, colydioides von Sidney, Bothrideres equinus, taeniatus, musivus
und merus von Melbourne, lobalus von Sidney, servus und versutus
von Melbourne, Fenthelispa secuta und ahscura von Melbourne. —
Bei den Gattungen Deretaphrus und Bothrideres giebt der Verf.
analytische Tabellen zur Bestimmung sämmtlicher bisher bekannt
gewordener Australischer Arten.
Schau fu SS (Annal. soc. entom. 4. ser, IL p. 309) diagnosti-
cirte Corficus diaholicus als n. A. aus Griechenland und beschrieb
(Sitzungsber. d. Gesellsch. Isis zu Dresden 1861. p. 49) Anommalus
pusillus als n. A. aus Sachsen.
Gucujidae. Wollaston (Transact. entom. soc. 3. ser. I.
p. 147 ff. pl. 7. fig. 2 u. 3) charakterisirte zwei neue Gattungen die-
ser Familie: 1) Caul onornu s, nov. gen., nach des Verf.'s Angabe
zwischen der Colydier-Gattung Europs und Laemophloeus gleichsam
die Mitte haltend , jener im Habitus, dem verlängerten Prothorax
Archiv f. Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. AA
402 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
und den abgestutzten, verkürzten Flügeldecken gleichend, diesem
sich durch den Seitenstreifen des Prothorax, die Maxillen und Ober-
lippe so wie durch das verkleinerte achte Fühlergiied mehr nä-
hernd. — Art: Ctnil. ihyzophagoides in Euphorbien -Zweigen auf
Lanzarote und Teneriffa. 2) P vi s t ose elis, nov. gen., mit Pedia-
cus zunächst verwandt, aber durch einfachen, seitlich nicht gezäh-
nelten Prothorax, gleich grosse mittlere Fühlerglieder, schmalere
Aussen- und an der Spitze hakige Innenlade der Maxillen, in der
Mitte hornige Ligula, an der Spitze nicht ausgerandetes Kinn, beim
Männchen gekrümmte und innerhalb stark gezähnelte Hinterschienen,
endlich durch grosses erstes Tarsenglied unterschieden. — Art :
Frist, deplanatns unter Euphorbien-Kinde auf Teneriffa und Palma.
Pascoe (Journal of Entomol. I. p. 321 ff.) beschrieb Brontes
lucius n. A. von Sidney, nigricans von der Moreton-Bay, Jno ephip-
piata und trepida von Dorey auf Neu-Guinea.
Kr a atz (Berl. Ent. Zeitschr. VI. p. 127 ff.) Aeraphilus gemi-
nus n. A. aus Süd-Europa, talpa von Hyeres, ßhulatus und ferrugi-
neus aus AndalusieUj indem er die Gattung Aeraphilus gegen J a c-
quelin Duval aufrecht erhalten will. Zu Cathartus Reiche zieht
Verf. ausser Cath. cassiae auch den Silvanus advena. (Dass Ca-
thartus nicht zu den Colydiern, sondern in die nächste Verwandt-
schaft von Silvanus gehört, hat bereits Ref im Jahresberichte 1854.
p. 49 nachgewiesen.)
Perris (Annal. soc. entom. 4. ser. IL p. 190 f. pl. 5. fig. 535
—543) machte die Entwickelungsgeschichte des unter der Rinde
von Pinus maritima und Eichen lebenden Pediacus dermestoides Fab.
bekannt. Die Larve, deren Kopf, drei Thorax- und sieben erste
Abdominalsegmente quer eiförmig und von einander stark abge-
schnürt sind, zeichnet sich durch ein sehr langgestrecktes, fast
gleich breites, nur nach hinten beiderseits winklig erweitertes achtes
Abdominalsegment aus, auf welches noch ein schmales und in einen
verkehrt Y-förmigen Gabelfortsatz endigendes neuntes folgt.
Gryptophagidae. Cryptophagus signatns Brisout de Barneville
(Rev. et Magas. de Zool. XIV. p. 23) n. A. aus Hyeres und Algier,
Cryptophagus fusiformis Wollaston (Transact. entom. soc. 3. ser. I.
p. 156) n. A. von Teneriffa, Telmatophilus brevicollis Aube (Annal.
soc. entom. 4. ser. IL p. 72) n. A. aus Frankreich (Beziers).
lieber die generische Verschiedenheit der Gattung Leucohi-
matium Rosenh. von Paramecosoma (gegen Jacquelin Duval)
handelte nochmals Dr. Kraatz (Berl. Ent. Zeitschr. VI. p. 133).
Perris (Annal. soc. entom. 4. ser, IL p. 192. pl. 5. fig. 544) be-
schrieb Larve und Nymphe von Cryptophagus acutangulus Gyll. ; erstere
findet sich in abgestorbenen Stämmen von Pinus maritima und scheint
von den Excrementen der Larven von Leptura testacea zu leben.
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 403
ThorictidäO Thorictus Canariensis und gigas Wollaston (An-
nais of nat. hist. 3. ser. IX. p. 439) als n. A. von den Canarischen
Inseln diagnosticirt.
Mycetophagidae. Wollaston (Transact. entom. sog. 3. ser. I.
p. 153 f. pl. 7. flg. 4 u. 6) machte eine neue mit Diphyllus zunächst
verwandte Gattung Thalles tus bekannt, welche er nebst jener
einer besonderen Familie Telmatophilidae (Jacq. Duval) zuertheilt.
Die Gattung unterscheidet sich von Diphyllus durch längere Fühler,
an denen besonders die mittleren Glieder mehr verlängert sind,
durch mangelnden inneren Seitenstreifen des Prothorax, schlankere
Schienen, enger verbundenes erstes und zweites Tarsenglied und
blasse Färbung der Arten (wie Typhaea). — Zwei Arten : Thal,
subellipticus und typhaeoides in Euphorbien-Zweigen, auf den Cana-
rischen Inseln.
Mijcetophagus Salicis Bris out de Barneville (Rev. et Magas. de
Zool. XIY. p. 24) n. A., bei Paris in Weidenschwämmen gefunden.
Perris (Annal. soc. entom. 4. ser. IL p. 193 ff. pl. 6. fig, 545
— 555) beschrieb die ersten Stände und die Entwickelungsgeschichte
von Berginus tamaricis. Die Larve ist langgestreckt , hat quer
eiförmige, stark von einander abgeschnürte Thorax- und Hinterleibs-
ringe (von welch' letzteren der fünfte am breitesten ist) und ein
viereckiges, mit zwei kurzen Spitzen versehenes Endsegment. Die
Eier werden vom Weibchen in die männlichen Blüthenzapfen von
Pinus maritima gelegt , von deren Pollen sich die Larven in Ge-
sellschaft derjenigen des Rhinomacer attelaboides ernähren und in
deren Inneren sie sich auch verpuppen. Die Entwickelungsperiode
dauert von Mitte Mai bis Mitte Juli's, Verf. bestätigt die systematische
Stellung der Gattung Berginus unter der Mycetophagiden durch die
nahen Beziehungen, welche die Larve zu den bereits bekannten
dieser Familie hat.
Dermestidae. Perris (a. a. 0. p. 196 ff. pl. 6. fig. 556— 563)
beschrieb Trogodenna teslaceicorne als n. A. aus Süd-Frankreich und
seine im Holze von Pinus maritima lebende Larve, welche sich von
den abgeworfenen Häuten und den Excrementen der sich in ihrer
Gesellschaft findenden Larven von Leptura, Xanthochroa und Rhyn-
colus ernährt.
Byrrhini. L. Dufour (Notices entomologiques, Annal. sog.
entom. 4. ser. IL p. 146) gab eine nochmalige Beschreibung der
Larve von Nosodendron fasciculare, an welcher er die von Chapuis
und Candeze vermissten Abdominalstigmen (zu sieben Paaren)
nachweist. Letztere werden noch näher von Laboulbene („Sur
les stigmates de la larve du Nosodendron fasciculare, ebenda p. 149 ff.
pl. 2. fig. 3) erörtert. Das erste Paar der Stigmen findet sich auf
der Unterseite des Mesothorax, die sieben folgenden an den Seiten des
404 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissenscli. Leistungen
ersten bis siebenten Abdominalringes, jedoch so, dass das dem ersten
Hinterleibsringe angehörende Paar oberhalb der Seitenlinie , die
übrigen unter der Gränzlinie der Rücken- und Bauchhalbringe ver-
borgen liegen. Ob ein Paar Höcker auf der Oberseite des achten
Hinterleibsringes ebenfalls mit Stigmen versehen sind, lässt Verf.
dahingestellt.
Parnidae. L. Dufour (Annales d. scienc. natur. 4. ser. XVII.
Zoologie p. 162 — 173. pl. 1) machte die muthmassliche Larve der
Gattung Potamophilus bekannt , welche er im Adur an Baumstäm-
men, an denen sich einige Monate vorher der Käfer (Pot. acumina-
tus) in Menge fand, angeklammert traf. lieber das doppelte Re-
spirationssystem dieser Larve ist schon oben (siehe unter Insekten !)
berichtet w^orden. Der Körper derselben ist lang gestreckt, der
Rücken vierkielig, der Kopf mit fünf Ocellen jederseits und zwei-
gliedrigen Fühlern versehen, die einzelnen Segmente des Thorax und
Hinterleibes kurz und quer, stark abgeschnürt, das letzte Segment
lang, gabiig getheilt; die drei Beinpaare verhältnissmässig lang, in
eine starke Klaue 'endigend. — Yon inneren Organen wird ausser
dem Tracheensysteme der Tractus intestinalis beschrieben und abge-
bildet; auf den Oesophagus folgt ein kleiner Kau- und diesem ein
langer Chylusmagen, an dessen hinterem Ende vier lange Vasa Mal-
pighi ausmünden; das Intestinum ist kaum halb so lang als der
Magen.
Gleichzeitig und unter denselben Bedingungen mit der Pota-
mophilus - Larve fand Dufour die muthmassliche Larve von Ma-
cronychus, welche er ebenda p. 226 ff. pl. 1. fig. 10 beschreibt und
abbildet (Notice sur une larve presumee du Macronychus). Sie ist
der vorhergehenden im Allgemeinen ähnlich , aber schmaler, der
Prothorax doppelt so lang als der Mesothorax, das Endsegment des
Hinterleibes kürzer und nur an der Spitze leicht ausgerandet, sonst
mit ebenso zahlreichen Kiemenfäden besetzt. Die von Cohtarini
gegebene, sehr aphoristische Beschreibung der Larve stimmt auf
die vorliegende ebenso wenig, wie seine Angabe, dass die Eier des
Macronychus- Weibchens auffallend gross seien, mit Dufour's Beob-
achtungen harmonirt.
LamelliCOrnia. — Dynastida e. — Ueteronychus australisFan-
vel (Bullet, soc. Linneenne de Normandie VIL p. 137) n. A. aus
Neu-Caledonien.
Cetoniariae. — Ref. (dies. Archiv f. Naturgesch. XXVIII.
p. 862 f.) beschrieb Phaedinms Jagori n. A. von Luzon und gab eine
vergleichende Diagnose von Phaed. Cumingii AVaterh.
Melolonthidae. — Fairmaire (Annal. soc. entom. 4 ser.
II. p. 721—746. pl. 18) hält die Gattungen Accia Gurt, und Sericoi-
des Guer. nicht von Maypa Blanch. verschieden und glaubt, dass
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 405
erstere nur auf Weibchen (mit kleiner, dreigliedriger Fühlerkeule),
gegründet sei. Listronyx Guer. unterscheidet sich ebenfalls nur
durch gezähnte Fussklauen von Maypa und diese Zähnelung variirt
überdem je nach den Arten bis fast zur Unkenntlichkeit, Aus der
Gattung Maypa Blanch. beschreibt Verf. 24 Arten, welche bis auf
M. viridis Sol. (Gay) sämmtlich neu sind und folgende Namen füh-
ren: M. palpalis, andina, lotigipes, obesa, obscura, snbcostala, con-
vexa, sylvatica, piligera, delicahila, lineolala, ptibesccns, rngosida,
chlorosticta, olivacea. monticola, Chilena, sinualocoUis, rufocastanea,
opacipennis, dnbin, comata und sulcato- punctata. Die Gattung Li-
stronyx Guer. bereicbert Verf. mit sechs neuen Chilenischen Arten :
L. castanea, variegata, frigida, pallida, teslita und livida. — Ein
Theil der Arten ist durch Abbildungen der Fühler, Taster und
Fussklauen auf pl. 18 erläutert.
Reiche (Annal. soc. entom. 4. ser. 11. p. 539 ff.) beschrieb
Amphicoma [Etilasia) nilidicoUis n. A. von Beirut, Rhizotrogns cilia-
tus aus Sicilien , Fnldermanni (Dej.) vom Caucasus, submarginatus
(Dej.) aus Spanien, pativelis (Mannerh.) aus Südspanien, taisalis aus
Sicilien, {AviphimaUus) nomadicus aus den Pyrenäen und Aplidia
attenuata (Gene i. lit.) aus Sardinien. — Ebenda p. 294 f. : Rhizotro-
gns insvlaris und Bellieri n. A. aus Corsika, erstere auch auf Sar-
dinien einheimisch.
Derselbe (Bullet, soc. entom. 1862. p. 41) rectificirte die
Synonymie von acht durch Blanchard und Burmeister be-
schriebenen Macrodactylus-Arten.
Rhizotrogns Rosalesi Fairmaire (Annal. soc. entom. 4. ser. II.
p. 549) n. A. von Cordova, sehr ähnlich dem Algerischen Bhizotro-
gus crassus, Monofropus Slanditigeri Schaufuss (Sitzungsber. d. Ge-
sellsch. Isis zu Dresden 1861. p 48) n. A. aiis Südspanien. — Xy-
lonychus Orpheus und Gnaphalopoda Deslongchampsii Fauvel (Bullet,
soc. Linneenne de Normandie VII. p. 138 ff.) n. A. aus Neu-Ca-
ledonien.
Stierlin (Mittheil. d. Schweiz, entom. Gesellsch. II. p. 58)
beschrieb Melolontha hippocastani var. albicans Stierl. aus dem
Engadin.
Copridae. — v. Harold (Berl. Ent- Zeitsch. VI. p. 398 f.)
beschrieb Oiithocharis picta n. A. von Ega, flamcornis und puncti-
collis aus Brasilien, Scatimus ovatus aus Mexiko und Onitis Castel-
naui von Zanzibar. Ausserdem giebt Verf. synonymische Bemer-
kungen über Walker'sche Arten und ändert die Namen mehrerer
bereits beschriebener als schon vergeben um.
Osten-Sacken (Proceed. entom. soc. Philadelphia!, p. 105.
pl. 1. fig. 1) machte die Larve von Copris Carolina Lin. bekannt.
406 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Dieselbe verbindet mit den gewöhnlichen Charakteren der Lamelli-
cornien-Larven eine sehr auffallende Körperform ; der Hinterleib ist
nämlich äusserst kurz und breit, von der Seite gesehen nach bei-
den Richtungen von gleichem Durchmesser, der Bauch ebenso stark
verkürzt wie der Rücken weit ausgedehnt. Die Larve lebt in Kugeln
von Dünger, welche IV^ Zoll im Durchmesser haben, im Sande
eingegraben,
Aphodiidae. — v. Harold, Beiträge zur Kenntniss einiger
coprophagen Lamellicornien, 3. u. 4. Stück (Berl. Ent. Zeitschr. VL
p. 138 u. 379 ff.) lieferte Beschreibungen von folgenden Aphodius-Ar-
ten : Aph. crenntus (Dej. Cat.) von Luzon, Beninensis von Old-Cala-
bar, discolor Er, , marginellus Fab., orientalis n. A. aus China,
Bohemani (ferrugineus Boh.) aus dem Caffemlande, elongatulus Fab.,
desertus Klug, russatus Er, , impurus Roth und rubricosus Bohem.
(zusammen eine engere Gruppe bildend); ferner Aph. confusvs (Dej.
Cat.) aus Aegypten und vom Senegal, contractus Klug, scolytoides
Luc. , bostrichoides Har. , dimidiatus Roth , haemorrhoidalis Lin.,
sagittarius Har., Dejeanii n. A. vom Cap, fossor Lin. und sorex Fab.
(eine fernere Gruppe bildend). — Aph. procems n. A. vom Cap und
uro Stigma von Java und Ceylon. — Aus der Gruppe des Aph. de-
pressus, rufipes und luridus folgende neue Arten: Aph, Mexicanus,
puncticeps , villosipes und luriditenlris (Klug i. lit.) aus Mexiko,
ustulatus aus Nord-Indien, capicola vom Cap, Siculus aus Sicilien,
antiquus aus dem östlichen Sibirien und Wollastoni aus Algier und
den Canarischen Inseln. — Ebenda p. 402 f. synonymische Bemer-
kungen über von Walker beschriebene Aphodien und Chiron pun-
cticollis n. A. aus dem Caffernlande.
Derselbe, Note sur l'identite de l'Aphodius atramentarius
Er. avec l'Aphodius depressus Kugel. (Annal. soc, entom. 4. ser. IL
p, 301 — 308) begründete in ausführlicher Weise die Identität der
beiden genannten Arten.
Orphnidae. — Eine neue Gattung C ^ « e f o n j/ a; wurde von
Schaum (Berl. Ent. Zeitschr. YI. p. 265) bekannt gemacht. Sie ist
von Aegialia-artigem Habitus, aber zunächst mit Hybalus verwandt,
durch den Mangel der Augen, viergliedrige Yordertarsen und den
Mangel der Fussklauen ausgezeichnet; an Stelle der letzteren ist
das Endghed der Tarsen mit zwei Borsten besetzt. Der Körper ist
glatt, der Kopf in beiden Geschlechtern unbewehrt, das erste Glied
der Hintertarsen so lang wie die folgenden zusammen , an der
Spitze erweitert, — Art: Chaet. rohnstus aus Serbien und von Con-
stantinopel.
Lucanini. — Catalogue des Lucanides de la collection de
M. James Thomson, suivi d'un appendix renfermant la descri-
ption des coupes generiques et specifiques nouvelles (Annales soc.
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 407
entomol. 4. ser. II. p. 389—436). Der vom Verf. zusammengestellte
Catalog seiner Lucanen - Sammlung weist die ansehnliche Zahl von
190 Arten auf, wohl die grösste in einer Sammlung vereinigte.
Eine grössere Reihe zum Theil sehr ausgezeichneter neuer Arten
wird im Anhange eingehend beschrieben, auch die Zahl der Gattun-
gen um einige vermehrt: Cfiiasognathiis Mtiiszeckii und Reichei aus
Chile, Sphenof)7iathus Miirrayi aus Venezuela, Lcnnprima amplicollis
Moreton-Bay, C anthar ol ethrus nov. gen. , auf Pholidotus Reichei
Hope und Canth. Georgius n. A., ebenfalls aus Columbien stammend,
begründet. — Odontolahis Slevensii n. A. von Menado. — Neolu-
canns, nov. gen., für Luc. Baladevus Hope. — Claclognathus cili-
pes n. A. von Ostindien, mandibnlaris aus Japan, astericus aus Bor-
neo, Prosopocoilus crenicoUis aus Nord -Indien, faher aus Guinea,
Megaloprepes, nov. gen. (vergebener Name ! Libellulina) auf Luc
tarandus Thunb. errichtet, Dorctts {Eurytrachelus) semirugosus aus
Sylhet, diabolicus aus Japan, Ternatensis von den Molukken, Cera-
mensis von Ceram, Klugii aus Ostindien, Parriji von Celebes, exa-
ratus (Dej. Cat.) aus Sjlhet, velnlinus und cylindricus aus Nord-In-
dien, Aegus insipidvs von Menado, adelphus von Borneo, Scortizus
cribratvs von Bahia, cuniculus (Dej. Cat.) aus Brasilien, Nigidius
Delcgorguei von Port Natal, nitidus vom Senegal und Gaboon, Fi-
gulus integricollis von den Mariannen, Austvalictis und clivinoides
aus Australien, vulnevaius aus Madagascar, Ceratognathus Westtcoodii
aus Australien und helotoi'des aus Neu-Seeland.
Schaufuss (Sitzungsber. d. Gesellsch. Isis zu Dresden 1862.
p. 198) beschrieb Platycems spinifer als n. A. aus Spanien, C. A.
Dohrn (Stett. Entom. Zeit. XXIIL p. 155) das bisher unbekannte
Weibchen des Macrocrates bucephalus Burm.
Bland (Proceed. entom. soc. Philadelphia I. p. 263) erwähnt,
dass der seltene Dorcus brevis Say bei Neu- Jersey wieder aufge-
funden worden sei; er giebt eine Abbildung des Männchens im
Holzschnitt.
Buprestidae. H. Deyrolle, Description de deux nouvelles
especes de Buprestides (Annal. soc entom. 4. ser. H. p. 537 f. pl. 11.
fig. 4 u. 5) machte zwei prachtvolle neue Arten : Ckrysochroa Ca^
stehiaudi von Malacca und Sumatra und Colobogaster Desmarestii
von Cayeune bekannt.
Murray (Transact. Linnean soc. of London XXIII. p. 451.
pl. 47. flg. 5 u. 6) Belionola Ckampioni und Lampetis piperata n. A.
von Old-Calabar.
Sphenoptera Bertheloti Paiva (Annais of nat. bist. 3. ser. IX.
p. 20) n. A. aus Angola, Acmaeodera eis ti WoWaston (ebenda IX.
p. 439) n. A. von den Canarischen Inseln und Anlhaxia meJancholica
Kraatz (Berl. Ent, Zeitschr. VI. p. 121) n. A. aus Griechenland.
408 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Lucas, Note sur le Julodis cicatricosa (Annal. soc. entom.
4. ser. IL p. 764). Kurze Mittheilung über häufiges Vorkommen der
genannten Art bei Biskara, über eine Varietät derselben und über
die Unterschiede des Männchens.
Nach Ashton (Proceed. entom. soc. Philadelphia!, p. 142)
finden sich alle Chalcophora - Arten und auch andere Buprestiden
(Dicerca) bei Neu-York im September und überwintern als vollkom-
mene Insekten. Chalcophora liberta Germ, lebt von den Nadeln der
Pinus strobus und rigida.
Perris (Annal. soc. entom. 4. ser. IL p. 200) fand die Larve
von Anthaxia praticola im Holze von Pinus maritima, unter deren
Astrinde das Weibchen die Eier ablegt.
V. Hey den (Berl. Entom. Zeitschr. VI. p. 61) beschrieb die
Larve und Puppe von Trachys minuta; erstere minirt die Blätter
von Salix caprea, aurita u. a. im August und September. Der Käfer
entwickelt sich schon Ende Septembers und überwintert.
Elateridae. Schaufuss (Annal. soc, entom. 4. ser. II. p. 310)
diagnosticirte Cardiophorus chflexus und longicornis als n. A. aus
Südspanien und beschrieb (Sitzungsber. d. Gesellsch. Isis 1861. p. 48
und 1862. p. 199) Afhous Cantahricus , Campylus Kiesemcetteri und
Elater anrileguUis als n. A. ebendaher.
Elater concolor und Cnjptohyptius Meyeri Stierlin (Mittheil. d.
Schweiz, entom. Gesellsch. IL p. 42) n. A. aus der Schweiz, Agrioles
muri?ivs Miller (Wien Ent. Monatsschr. VI. p. 343) n. A. von Cepha-
lonia, Coptoslethns globulicollisWollaaton (Annais of nat, hist. 3. ser.
IX. p. 440) n. A. von den Canarischen Inseln und Ludius Boisduvalii
Fauvel (Bullet, soc. Linneenne de Normandie VII. p. 143) n. A. aus
Neu-Caledonien.
Eucnemidae. Osten-Sacken (Proceed. entom. soc Phila-
delphia!, p. 112. pl. 1. fig. 3) machte die Larven von Fornax badius
Melsh. und orchesides Newm. ? bekannt, welche in allen w^esentlichen
Merkmalen mit der von Coquer el beschriebenen Fornax-Larve aus
Madagascar übereinstimmen.
Gebrionidae. W e s t w o o d , Description du genre Sclerodes,
Coleoptere appartenant ä la tribu des Cebrionites (Rev. et Magas.
de Zool. XIV. p.373f. pl. 16). — Unter diesem Titel druckt Gue-
rin eine von West wo od bereits im J. 1849 zur Publikation in
den Genera des Insectes eingesandte Beschreibung des Sclerodes
Jlarrisii aus Massachusetts ab, welcher nach der Abbildung nicht zu
den Cebrioniden gehören kann. Von diesen weicht das nur 5 Mm.
lange Insekt schon durch die nicht zum Graben geformten und der
Enddornen entbehrenden Schienen ab. Die Fühler sind fast von
Körperlänge, fadenförmig, die Glieder mit Ausnahme der drei kur-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 409
zen und knopfförmigen ersten langgestreckt; die pentamerischen
Tarsen haben ein herzförmiges viertes Glied und einfache Klauen.
Die systematische Stellung der Gattung ist weder aus der Beschrei-
bung noch aus der Abbildung ersichtlich.
Rhipiceridae. Osten-Sacken (Proceed. entom. soc. Phila-
delphia!, p. 107 ff. pl. 1. flg. 2) machte die Larve von Zenoa picea
Palis. bekannt, welche in Gemeinschaft mit dem ausgebildeten In-
sekte unter Baumrinde in Illinois gefunden wurde. Dieselbe zeigt
eine grosse üebereinstimmung mit der vonCandeze als muthmass-
lich dem Campsosternus Templetoni angehörend beschriebenen Larve,
von der sie sich fast nur durch den Mangel der Ocellen und kür-
zere Fühler unterscheidet (so dass Verf. die Candeze'sche Larve
für diejenige von Callirrhipis Templetonii zu halten geneigt ist). Die
Larve besitzt ein Thorax- und acht Abdominalstigmen; die Can-
deze'sche Angabe von nur sechs Hinterleibs- und keinem Thorax-
stigma beruht darauf, dass Candeze die Stigmen selbst übersehen
und für diese eine Reihe darüber liegender Grübchen gehalten hat.
Dascillidae. Osten-Sacken (ebenda p. 109 u. 115 ff. pl. 1.
flg. 3) machte die Larven von Ptilodactyla elaterina Illig. und von
Prionocyphon discoideus Say bekannt. Erstere, in Gemeinschaft
mit Puppen und dem ausgebildeten Insekte in einem verfaulten
Baumstumpfe gefunden, hat mit derjenigen von Cyphon nicht die
geringste Aehnlichkeit, erinnert vielmehr in Form und Körpertextur
an die Elateriden- Larven, von denen sie jedoch in ihren übrigen
Charakteren wesentlich abweicht. — Letztere (die Prionocyphon-
Larve) stimmt in allem Wesentlichen mit der Larve von Cyphon
überein; nach einer beigefügten Beobachtung von Benj. Walsh
streckt diese Larve beim Schwimmen aus der Afterspalte einen
Büschel feiner Fäden, in der Länge von vier Hinterleibssegmenten
hervor. Dieser ofienbar der Athmung dienende Apparat besteht aus
drei Paaren schön doppelt gekämmter Fäden.
Malacoderma. — Lampyridae. — Pascoe (Journal of En-
tomol. L p. 323. pl 16. fig. 7) machte eine neue Gattung Oehotyra,
mit Dioptoma sehr nahe verwandt, bekannt, welche wie diese mit
fast ganz freiem Kopfe, grossen, unten zusammenstossenden, hinten
eingeschnürten Augen versehen ist, aber sich durch gesägte Füh-
ler unterscheidet; dieselben sind kurz, zwölfgliedrig und ihre beiden
ersten Glieder verdickt. Flügeldecken viel kürzer als der beim
Männchen achtringlige Hinterleib. — Art: Och. seminsta von Malabar.
Peragallo, Note pour servir ä l'histoire des Lucioles (Annal.
soc. entom. 4. ser. II. p. 620 f.) machte Mittheilungen über die Le-
bensweise und die Art des Leuchtens der Luciola Lusitanica, w^elche
meist Bekanntes enthalten. Ein einziges vom Verf. beobachtetes
Weibchen fand sich, während zahlreiche Männchen des Abends leb-
410 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
haft umherflogen, ruhig auf einem Blatte sitzend; Verf. sah, dass
dasselbe beim Eierlegen eine Legeröhre von der halben Länge des
Hinterleibes hervorstreckte.
Telephoridae. — Stierlin (Mittheil. d. Schweiz, entom.
Gesellsch. IL -p. 58 f.) beschrieb Khagonycha femoralis Brülle, grös-
sere Stücke aus dem Unter-Engadin, Uliagonycka rhaetica n. A. und
eine Varietät von Malthodes trifurcatus Kiesw.
Wollaston (Journ. of Entomol. I. p. 424 ff.) Malthinus mu-
tabilis und croceicoUis als n, A. von den Canarischen Inseln.
Guerin, Description de trois Coleopteres Malacodermes de
l'Amerique meridionale (Rev. et Magas. de Zool.XIV. p. 265 ff. pl. 13)
beschrieb Malthinus elerjatis und Chevrolatii n. A. aus Brasilien und
gab gleichzeitig eine Abbildung von Lobetus torticollis Kiesw. aus
Caracas,
Eine kurze Beschreibung der Larve und Puppe von Malthodes
guttifer gab L v. Hey den (Jahresber. d. naturf. Gesellsch. Grau-
bündens VIII. p. 22).
Melyridae., — Wollaston, ,.0n the Canarian Malacoderms "
(Journ. of Entom. I. p. 421 — 450. pl. 20) machte die von ihm auf den
Canarischen Inseln gefundenen Malacodermen bekannt, welche durch
ihre ansehnliche Artenzahl (31) auffallend gegen die sehr viel gerin-
gere (9) der noch dazu sehr viel durchforschteren Madera-Gruppe ab-
stechen. Dieselben gehören mit alleiniger Ausnahme von zwei Mal-
thinus-Arten (vergl. Telephoridae) sämmtlich den Malaehiern und
Dasytiden, und zwar merkwürdiger Weise zur Hälfte (16 Arten) der
Gattung Attalus an ; keine derselben ist mit einer der Maderenser
Arten identisch. Es sind folgende: Pecteropns anguslifrons (pl. 20.
fig. 1), Attalus rußcollis, pellucidus Woll. (Pecteropns), ovatipennis,
hisculptiiratus, rugifrons, ornatissimus (pl. 20. fig. 2), chrysanlhemi
(Anthocomus analis Härtung nee Panz), commixtus, laevicollis , po-
sticus, anthicoides (pl. 20. fig. 4) , tuberciilafus , obscurus , sttbopacus,
metallicvs, aenescens. — Mi er o mime t es , nov. gen. (pl. 20. fig. 5)
mit Attalus im Körperbaue, den Mundtheilen und Beinen überein-
stimmend, der Kopf aber etwas grösser und wie der Prothorax ge-
wölbter, die Vordertarsen des Männchens viergliedrig und einfach ;
von Troglops durch lang spindelförmiges oder fast kegelförmiges
Endglied der Kiefertaster, kleineren und gewölbten Kopf, viel län-
gere Fühler u, s. w. unterschieden. — Zwei Arten: Micr. alutaceus
und ? jncundvs. — C ej»hal oq o n i a, nov. gen. (pl. 20. fig. 6), mit
Troglops im Gesammthabitus und d-en viergliel^igen Vordertarsen
des Männchens übereinstimmend, aber durch breiteren, auf der Stirn
tiefer ausgehöhlten Kopf, einen Mittelhöcker in dieser Aushöhlung,
durch grössere Augen, kurzes drittes Fühlerglied (kaum länger als
das zweite), sehr langes zweites Glied der Vordertarsen und die
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 411
häutig gesäiTmten vier Basairinge des Hinterleibes unterschieden. — -
Art: Ceph. cerasina, — Dasyles snhaenescens (nigricornis Brülle?),
clispar, Dolichosoma Hartungii , Haplornemus sciilpturatus, vestitus,
Melyrosoma costipenne, hirtuin und ßavescens.
Pascoe (Journal of Entom. I. p. 322 f. pl. 16. üg. 6) machte
eine neue Gattung Phenace aus der Dasytiden-Gruppe, vom An-
sehen einer Oedemeride , bekannt. Augen seitlich hervortretend,
ganzrandig, Fühler fadenförmig, unterhalb der Augen entspringend,
das zweite Glied verkürzt, die übrigen länglich; Oberlippe unter
dem Kopfrande verborgen, die Mandibeln daher ganz frei, lang und
schlank. Flügeldecken langgestreckt, gleich breit. Schienen mit
Endsporen, Tarsen schlank, das erste Glied etwas länger als die fast
gleich grossen übrigen. — Art: Phen- oedemerina vom N'Gami-See.
Neue Arten sind ferner: Malachius semilimhatus und latepla-
giatus Fairmaire (Annal. soc. entom. 4. ser. II. p. 550) aus Südfrank-
reich, Altalns Jonicus und Haplocnemvs rvßpes Miller (Wien, Ent.
Monatsschr. VI. p. 344) von Cephalonia, Malachius graecus und te-
nellus Kraatz (Berl. Ent. Zeitschr. VI. p. 122) aus Griechenland, ar~
mifrons aus Serbien, bvevicornis aus Andalusien und Anlhocomus
varitarsis aus Italien (p. 269).
Reiche (Annal. soc entom. 4. ser. II. p. 296) beschrieb das
Männchen von Malachius longicollis Er. aus Corsika und theilt mit,
dass Charopus dispar Fairm. ein Malachius (mit Mal. longicollis
zunächst verwandt), so wie dass Malach. angusticoUis Luc. das Weib-
chen von Malach. Mauritanicus Luc. sei.
Perris (ebenda p. 201. pl. 6. fig. 564 — 571) beschrieb die er-
sten Stände des Malachius marginellus Fab. Die Larve findet sich
unter der Rinde von Pinus maritima, wo sie in Gemeinschaft mit
derjenigen des Opilus moUis Jagd auf die Larven von Dinoderes
substriatus und Anobium angusticolle macht.
Byturidae. — v. Kiesenwetter „Ueber die systemati-
sche Stellung von Telmatophilus, Byturus und einigen verwandten
Gattungen^' (Berl. Entom. Zeitschr. VI. p. 407 ff. Taf. 3) spricht sich
gegen die Verbindung von Telmatophilus und Byturus zu einer
besonderen Familie Telmatophilidae (Jacq. Duval) aus, da neben we-
sentlichen Uebereinstimmungen mehrfache Unterschiede zwischen
beiden existirten, wie denn z. B. die Hinterfiügel von Telmatophilus
ganz nach dem Nitidularien- , diejenigen von Byturus ganz nach dem
Melyriden - Typus gebaut seien. Hieran schliesst sich ein ziemlich
extensiver Exkurs über die systematische Wichtigkeit des Flügel-
geäders bei den Käfern, der schliesslich zu dem Resultate führt, dass
Byturus mit seinem Melyriden-Flügeltypus nicht zu den Melyriden,
sondern zu den Nitidularien gehören soll, während Telmatophilus
mit dem Nitidularien-Flügeltypus in die Familie der Cryptophagi-
412 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
den gestellt wird. Die beiden Gattungen können also nach der
Ausführung des Verf.'s trotz mehrfacher wesentlicher Uebereinstim-
mungen nicht vereinigt bleiben, weil ihre Hinterüügel zwei ganz
verschiedenen Typen angehören; dabei stellt er dann aber Byturus
in die Familie der Nitidularien, mit denen er in der Flügelbildung
gar nichts gemein hat. Wenn Verf. die Ansicht Erichs on's und
des Ref., wonach die Gattung Byturus sich am nächsten den Mely-
riden anschliesst , eine zuversichtliche nennt, so kann man die sei- «
nige, wonach sie zu den Nitidularien und nur gar in die Nähe von
Cychramus gestellt werden soll, nur eine höchst unglückliche nen-
nen, welche von gänzlicher Yerkennung der wesentlichen Charaktere
zeugt. Zwar findet Yerf. die Tarsenbildung übereinstimmend (diese
Uebereinstimmung reducirt sich aber nur auf dieselbe Zahl der
Glieder), bemerkt aber dabei nicht , dass die Bildung der Schenkel
und Schienen, welche die Nitidularien viel mehr charakterisirt, der
Gattung Byturus ganz fehlt und dass diese hierin viel eher den
Brachypteren (wohin sie schonL atr eille brachte) gleicht. — Was
Telmatophilus betrifft, so weicht derselbe bei sonstiger Ueberein-
stimmung mit Cryptophagus immerhin sehr wesentlich durch die
Tarsenbildung ab.
Cleridae. Wollaston (Transact. entom. soc. 3. ser. I. p. 163.
pl. 7. fig. 5) beschrieb Clerus Paivae als n. A. von den Canarischen
Inseln, in Colorit und Zeichnung einem Omadius gleichend und dia-
gnosticirte (Annais of nat. bist. 3. ser. IX. p. 440) Corynetes fimeta-
rius als n. A. ebendaher.
Schaufuss (Annal. soc. entom. 4. ser. IL p. 310) diagnosticirte
Enoplium scntellatum als n. A. aus Griechenland.
Perris (ebenda p. 204) beschrieb die Nymphe von Opilus
mollis (aus Pinus maritima), D o e b n e r (Berl. Ent. Zeitschr. VI. p. 67)
die bereits anderweitig bekannte Larve von Opilus domesticus.
Xylophaga. Wollaston, On the Ptinidae of the Canary Is-
lands (Transact. entom. soc. 3. ser. I. p. 190—214. pl. 8) besprach zu-
nächst die Eigenthümlichkeiten in der Bildung der Mundtheile der
Ptiniden, da dieselben von Sturm durchaus unrichtig, von Boiel-
d i e u lückenhaft und von Jacquelin duVal wenigstens ohne be-
sonderen Hinweis auf ihre Auszeichnungen dargestellt worden sind.
Die Mandibeln sind durchweg auffallend breit, der Stipes der Ma-
xillen aussen von der Einlenkung des Tasters hakenförmig ausgezo-
gen, Kiefer- und Lippentaster durch stark verlängertes und ge-
krümmtes Basalglied ausgezeichnet, das Kinn sehr stark entwickelt,
aus einem sehr grossen dreieckigen Vorder- und einem kurzen,
queren Basalglied bestehend. — Die Familie der Ptiniden ist eine
für die Canarischen Inseln charakteristische, indem sie daselbst
durch 14 Arten, von denen vier neue Gattungen bilden, vertrete^
im Gebiete d. Entomologie ^'ährend des Jahres 1862. 413
ist: 1) Casapus, nov. gen., schon im Habitus sehr auffallend durch
breitschultrige, nach hinten stark birnförmig verengte Flügeldecken ;
Endglied der Lippentaster mit ausgehöhlter Spitze, Mandibeln mit
sehr stumpfer, schief abgestutzter Spitze, Basalglied der Hinterfüsse
beim Männchen verdickt, Metasternum kurz. Schildchen undeutlich,
Flüdeldecken an der Basis mit grossen Schwielenhöckern, polirt,
Hinterflügel fehlend. — Fünf grosse, bis zwei Linien lange Arten:
Cas. Bonvovloiri, dilalicoUis, aUicola, radiosns und siihcahus. —
2) Dignomus, nov. gen. Körper langgestrecj^t, gleich breit, Au-
gen sehr gross und stark hervortretend, Fühler und Beine sehr
schlank, letztere mit auffallend langen Tarsen, deren Basalglied an
den beiden hinteren Paaren stark verlängert ist. In den übrigen
Charakteren theils mit Casapus, theils mit Ptinus übereinstimmend.
— Art: Dign. grocilipes. — 3) Ptinus Lin. mit 1 Art: Pt- testaceus
Oliv. ? (advena Woll. ?). — 4) Mezium Curt. mit 1 Art : Mez. sulca-
tum Fab. — 5) Nitpus Jacq. Duval mit 1 Art: Nit. gonospermi
Jacq. Duv. — 6) Sphaericus Woll. mit 2 Arten: Sph. simplex und
gihbicollis. — 7) Piarus, nov. gen., von den beiden vorhergehen-
den Gattungen durch beträchtlichere Grösse, durch dichte Beklei-
dung des Körpers mit starren, aufrechten Haaren, durch deut-
liches dreieckiges Schildchen, weniger verkürztes vorletztes Hin-
terleib ssegment und stumpfer gezähnte Mandibeln unterschieden. —
Art: P. basalis. — 8) P i o t e s , nov. gen., mit Casapus durch das
verdickte Basalglied der Hintertarsen beim Männchen so wie durch
die Schwielenbildungen des Prothorax verwandt, dagegen in den
Mundtheilen fast mit Ptinus übereinstimmend ; von Piarus durch die
Bildung des Thorax und der Hintertarsen, schärfer gezähnte Man-
dibeln und längeren, schmaleren Fortsatz des Stipes der Maxillen
unterschieden — Arten: P. inconstans und vestita.
Derselbe (Annais of nat. bist. 3. ser. IX. p. 440) diagnosti-
cirte Dinnderus brnnneus als n A. von den Canarischen Inseln.
Perris ( Annal. soc. entom. 4. ser. II. p. 204 — 217. pl. 6.
flg. 572 — 586) beschrieb die ersten Stände und die Entwickelungs-
geschichte von Ptinus dubius Sturm, Dorcatoma chrysomelina Sturm,
Dinoderus substriatus Payk. und Cis laminatus Mellie. Das Weib-
chen von Ptinus dubius legt im Mai seine Eier in die männlichen
Blüthenzapfen von Pinus maritima, von deren Pollen sich die Larve
ernährt und in welchen sie sich nach schnellem Wachsthume und
nach Ausschwitzung einer klebrigen Masse durch Verkittung der
Pollenkörner einen Cocon zur Verpuppung bildet. — Die Larve von
Dorcatoma chrysomelina lebt in der auf Pinus maritima wuchernden
Dedalaea maxima und verpuppt sich innerhalb derselben gleichfalls
in einem Cocon. — Die Larve von Dinoderes substriatus, welche
von denApate- und Xylopertha-Larven durch verschiedene Merkmale
414 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
abweicht, vermittelt gleichsam den Uebergang zwischen diesen einer-
und den Ptinus- und Anobium-Larven andererseits. Die Eier wer-
den vom Weibchen in Stämme gelegt, welche bereits von Bostri-
chen angegriffen sind; die Larve gräbt unter der Rinde einen ge-
wundenen Gang , ohne das Holz anzugreifen und verpuppt sich in
diesem ohne Cocon. — Bei Gelegenheit der Beschreibung der Larve
von eis laminatus Mellie berichtigt Verf. seine frühere Angabe über
die Struktur der Fühler von Ennearthron cornutum (Larve), welche
wie bei Cis viergliedrig sind; ausserdem vertheidigt Yerf. seine
Ansicht über die Verwandtschaft der Cissiden mit den Cryptopha-
giden gegen Jacquelin Duval, welcher sie zu den Apatiden
und Lyctiden stellen will.
Nach Zawadzki (Verhandl. d. naturf. Vereins in Brunn L
p. 68) nährt sich Gibbium scotias von Pflanzenfasern jeder Art, u. a.
von Zündschwamm, der in Ungarn aus den Blättern der Artemisia
vulgaris bereitet wird.
Melasoma. Pascoe (Journal of Entomol. L p. 324 ff. pl. 16)
machte folgende neue Gattungen bekannt : Et h ns, nov. gen. (pl. 16.
flg. 2) von Stenosis - artigem Habitus, aber durch Längsrippen auf
dem Prothorax und den Flügeldecken von dieser Gattung unter-
schieden ; Kopf vorn erweitert, hinten halsartig verengt, Augen vom
Prothorax entfernt, hinten getheilt. Fühler derb, gegen die Spitze
allmählich verdickt, das zweite Glied küi-zer als das dritte. Kinn
fast fünfeckig, die Unterlippe bedeckend; Beine kräftig, Schenkel
leicht gekeult. — Zwei Arten : E. carhonarius von Malabar und
stenosiiles aus Slam. — Aposyla, nov. gen. (pl. 16. flg. 4), nach den
grossen und weit hervortretenden Vorderhüften vom Verf. zu Calcar
und Boros gestellt, denen die Gattung auch in der langgestreckten
Körperform gleicht. Fühler ziemlich kurz, mit leicht markirter
dreigliedriger Keule, das erste Glied zum Theil in der Fühlergrube
verborgen; Augen gross, rund, Prothorax herzförmig, kaum länger
als breit. — Art: Ap. picea aus Neu-Holland (Queensland). — Rhy-
pasma, nov. gen. (pl. 16. fig. 3) vom Verf. in die Nähe von Zophe-
rus und Nosoderma gestellt, denen die Gattung auch abgesehen von
der sehr geringen Grösse (2 Lin.) , habituell gleicht, nur dass der
Prothorax und die Flügeldecken der Länge nach scharf gekielt sind.
Sie unterscheidet sich von Zopherus durch den Mangel der Fühler-
grube auf der Vorderbrust, von Nosoderma durch elfgliedrige Fühler,
welche dünn sind und eine deutlich abgesetzte , dreigliedrige Keule
haben. — Art: Rhyp. pusillum von Parä. — Chartopteryx binodosus
n. A. aus Queensland, Cyphaleus insignilns ebendaher, Osdara lae-
vicollis von Ceylon, — 0 zo typu s , nov. gen., mit Osdara Walk,
nahe verwandt, aber durch den von der Stirn nicht getrennten
Kopfschild, den Mangel des Schildchens, durch die gegen die Spitze
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 415
hin stark verengten Schienen und die Kürze der Tarsen, an denen
das Klauenglied so lang wie die übrigen zusammen ist, unterschie-
den; habituell ferner durch gewölbten Körper, kürzere Fühler und
den vorn buckligen Prothorax abweichend. — Art : Oz-. setosus von
Ceylon. — Ebenda p. 460 bemerkt Verf., dass seine Gattung Apo-
syla mit Synercticus Newm. zusammenfällt.
Mäklin, Die Arten der Gattung Acropteron Perty, mono-
graphisch dargestellt. (Acta societ. scient. Fennicae VII. p. 103 ff.).
Nach einer wiederholten, ausführlichen Charakteristik der Gattung
Acropteron (Sphenosoma Dej. Cat.) liefert Verf. eine sehr eingehende
Auseinandersetzung von 22 derselben angehörenden Arten, welche
ihm mit alleiniger Ausnahme des Acr. pallipes Sol. aus Chile sämmt-
lich zum Vergleiche vorgelegen haben und die der Mehrzahl nach
hier zum ersten Male beschrieben werden. Verf. vertheilt dieselben
in zwei Gruppen: a) Die eingedrückte Basallinie des Prothorax in
der Mitte verstrichen oder ganz unterbrochen : Acr. rufipes Perty
(Toxicum geniculatum Germ.?), actiirtinalnm w. A. von Parä, nigripes
Germ., ruficorne,vio(leshfm, castanenm n. A. Brasilien, c?/priüen/re und
viride n. A. Bahia, stimulemn und lineare n. A. Brasilien. — b) Die
eingedrückte Basallinie des Prothorax in der Mitte nicht unterbro-
chen, überall gleich tief: Acr. nigvicorne n. A. Brasilien, brurmeum
n. A. Costarica (nicht Brasilien, wieVerf irrig angiebt), fastifjiatnm
und picipes n. A. Columbien, agriloides n. A. Mexiko, aeneum Perty,
leres und hnniile n. A. Brasilien, transversicolle und ahbrerialum
n. A. aus Columbien , crenalicolle n. A. aus Cayenne. — In einer
nachträglichen Notiz (Stettin. Entom. Zeit. XXIII. p. 514) wird
Acropt. nigricorne Mäkl. vom Verf. auf (das mit Acropt. rufipes Perty
nicht identische) Toxicum geniculatum Germ, zurückgeführt.
Kraatz (Berl. Ent. Zeitschr. VI. p. 91 ff. Taf. 2) gab eine
ergänzende Beschreibung und Abbildung des auch in Griechenland
aufgefundenen Microtelus asiaticus Sol., an dem er besonders die
Bildung der Augen erörtert. Ferner giebt er unter Erläuterung der
Gattungscharaktere eine Aufzählung der zur Gattung Dichillus Jacq.
Duval gehörenden Europäischen Arten (im Ganzen acht) und be-
schreibt als neu: Dich, svbtitis aus Sicilien, laeviusctilus aus Qran,
nitidus aus Mesopotamien und Stenosis Italica. Die Gattung Oede-
nocera Reiche soll als identisch mit Dichillus eingezogen werden;
(dieselbe ist jedoch mit grösserem Rechte als Dichillus aufrecht zu
erhalten, da sie sowohl in der Skulptur der Flügeldecken als ganz
besonders in der Fühlerbildung von Stenosis bei weitem mehr als
die nur in der Augenbildung differirende Gattung Dichillus ab-
weicht). — Im Anschlüsse hieran bemerkt Schaum (Ueber die
Gattung Pachycera Esch., ebenda p.'lOO), dass Stenosis atra Herbst.,
welche Eschscholtz irrig für Akis laevigata ansah, als Typus
416 Gerstaecker: Bericht üb. d, wissensch. Leistungen
der Gattung Pacliycera anzusprechen und dass letztere in ihrer Selbst-
ständigkeit begründet sei.
Einzelne neue Arten sind ferner: Hypophloeus evphorbiaeWol-
laston (Transact. entom. soc. 3. ser. I. p 183) und Hypophloeus no-
civus WoUaston (Annais of nat, hist. 3. ser. IX. p. 442) von den
Canarischen Inseln, HeJops arhoricola Wollaston (ebenda 3. ser. X.
p. 338) von Madeira, Stenochia longipennis Murray (Transact. Lin-
nean soc. p. 452. pl. 47. fig. 4 a) von Old-Calabar, Gonocephalnm och-
thebioides Fauvel (Bullet, soc. Linneenne de Normandie VII. p. 145),
Omolipus socins und Chaviolheca amaroides Pascoe (Annais of nat.
hist. 3. ser. IX. p. 463) von der Lizard-Insel, Holops giganteus Kr AB.tz
(Berl. Ent. Zeitschr. VI. p 124) aus Griechenland.
Miller (Wien, Ent. Monatsschr. VI. p. 347) setzte die Unter-
schiede von Podonta oblonga Oliv, und nigrita Fab. auseinander.
Osten-Sacke n (Proceed. entom. soc. Philadelphia!, p. 123)
beschrieb die Larve und Puppe von Centronopus anthracinus Knoch,
von denen ersterCj in Eichenstümpfen lebend, sehr übereinstimmend
mit der Larve von Tenebrio gebildet ist.
Perris (Annal. soc. entom. 4. ser. II. p, 220. pl. 6. fig. 588 —
592) machte die Nymphe von Uloma Perroudi Muls. und die ersten
Stände nebst Entwickelungsgeschichte von Hymenorus Doublieri
Muls. bekannt; die Larve des letzteren lebt in Pinus maritima.
Lagriariae. Mäklin, „Brasilianische Arten der Gattung Sta-
tira Latr." (Acta societ. scient. Fennicae VII. p. 145 ff.) machte Sta-
tira gemmifer, catcnata, meleagris, aegrola, viridipennis (Encycl. ?),
genicuJala, longicollis, aplendicans, r\ißfrons, amoena, micans, nigra,
rufa, pallida, thoracica, ßamconiis, elegans^ festiva, lugubris, sutU"
ralis, debilis, figurata und lagrioides als n. A. aus Brasilien bekannt;
mit Einschluss der von früheren Autoren beschriebenen Arten be-
trägt die Zahl der bi& jetzt bekannten Brasilianischen 25.
Lagria preiiosa Beiche (Annal. soc. entom. 4. ser. II. p. 544)
n. A. aus Natolien,
Melandryadae. Schneider (Stett. Entom. Zeit. XXIII. p. 336)
besclirieb eine kleine Form der Dircaea laevigata von 27^ Lin.
Länge aus Fiumarkeu, welche er für das Männchen hält.
Mordellina. Le Conte, Synopsis of the Mordellidae of the
United States (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1862. p. 43 —
51). Anstatt der fünf früher von ihm angenommenen Gattungen
(vergl. Jahresbericht 1859—60, p. 132) stellt der Verf. jetzt für die
Nord- Amerikanischen Mordellinen deren acht fest: 1. Gruj)pe: Ana-
spini. Hinterleib ohne Anal-Verläng'erung, Fussklauen nicht ge-
spaltein, Hinterhüften massig gross. — a) Vorder- und Mitteltarsen
mit gleich grossem dritten und vierten Gliede. «) Fühler lang,
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 417
gegen die Spitze hin kaum verdickt: 1) Diclidia, nov. gen ß)
Fühler kürzer, mit fünf breiteren Endgliedern : 2) Pentaria Muls. —
b) An Vorder- und Mitteltarsen das vierte Glied sehr klein : 3) Ana-
spis auct. — 2. Gruppe: Mordellini Endsegment des Hinterlei-
bes verlängert , kegelförmig , Fussklauen gespalten und gekämmt,
.Hinterhüften sehr gross. — a) Hinterschienen mit eirem kleinen
Kerb an der Spitze, Augen fein facettirt. a) Schildchen hinten aus-
gerandet, Augen nicht bis zum Hinterhaupte reichend: 4) Tomoxia
Cost. ß) Schildchen dreieckig, Augen bis zum Hinterhaupte rei-
chend : t) Analfortsatz ausgerandet, Endglied der Kiefertaster stark
in die Quere erweitert, beilförmig ; 5) Glipa Le C. ff) Analfortsatz
ganz, Endglied der Maxillartaster dreieckig oder leicht beilförmig:
6) Mordella auct. — b) Hinters chienen und Hintertarsen mit schrä-
gen Kerben an der Aussenseite, Augen grob facettirt: «) Hinter-
schienen ohne Kerb an der Spitze : 7) G lip o des, nov. gen. ß)
Hinterschienen mit deutlichem Kerb vor der Spitze: 8) Mordelli-
stena Cost. — Die Gattung Diclidia ist nur durch eine Art: D.
laetula Le C. aus Texas, vertreten, die Gattung Pentaria Muls. durch
drei, Anaspis durch acht Arten. Von den drei Tomoxia-Arten wer-
den zwei:.?', lineella und inclusa als neu diagnosticirt, Glipa Le C.
umfasst nur Mord, hilaris Say. Von 15 Mordella- Arten sind flJ. ir-
rorata und inßammala, von Glipodes Le C. eine {Gl. helva aus Geor-
gia) neu; unter den zahlreichen (51) Morde llistena-Arten werden M.
bicinctella aus den südlichen Staaten, arida aus Pennsylvanien, lepi-
dula aus den mittleren und Südstaaten, vapida aus Pennsylvanien,
decorella aus den Weststaaten, miliiaris aus den Mittel- und Nord-
staaten, tosta aus Georgia , picicornis aus den mittleren Staaten,
cervicalis von Neu -York, amica aus Georgia, infima aus Süd-Caro-
lina, grammica und ancilla aus Georgia, Andreae, varians, ushilata,
semiusta, ruficeps aus den Mittel- und Südstaaten, impatiens aus
Süd-Carolina, convicla aus Kentucky, morvla vom oberen See, am-
hustn au:j den Südstaaten, unicolor, hebruica, leporina aus den Mit-
tel und Südstaaten, pityptera, arif/usta und vittigera als n. A. auf-
gestellt. Sämmtliche Arten werden in analytischen Tabellen kurz
charakterisirt.
Vesicantia. Schaufuss diagnosticirte (Annal. soc. entom.
4. ser. n, p. 310) Alosimus cinctus als n. A. aus Griechenland, führt
dieselbe aber später (Sitzungsberichte d. Gesellsch. Isis zu Dresden
1863. p. 31) auf Alosimus noticoUis Muls. ßey zurück. — Silaris
s/)/e/»f/ic/ws Schaufuss (Sitzungsber. d. Gesellsch. Isis 1861. p. 49) n. A.
aus Südspanien, Stenoria thoracica Kraatz (Berl. Ent. Zeitschr. VI.
p. 126) n. A. aus Griechenland.
Oedemeridae. Fauvel (Bullet, soc. Linneenne de Normandie
VII, p, 150) machte eine neue Gattung Lepturidea bekannt, wel-
Archiv f. Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. BB
418 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
che eine auffallende Aehnlichkeit mit einer Leptura haben soll, den
Pyrochroiden durch die Form des Kopfes, der Kiefertaster und
Fühler, den Lagriarien durch die Form des Prothorax nahe s'telit,
aber nach ihren wesentlichen Charakteren der gegenwärtigen Fa-
milie angehört; das Männchen zeichnet sich durch verdickte Hin-
terschenkel aus. — Art: Lept. Deplanchei aus Neu-Caledonien.
Oedemeva quadritiervosn Reiche (Annal, soc. entom. 4. ser. 11.
p. 296) n. A, aus Corsica, Oedemera Natolica Reiche (ebenda p. 544)
n. A. aus Tarsus.
CurCUlionina. S ti e r 1 i n (Berl. Ent. Zeitsch. YI. p. 358-378) lie-
ferte einen ersten Nachtrag zu seiner Revision der Europäischen Otio-
rhynchus-Arten, in welcher er ausser Berichtigungen und Zusätzen
zu den früher beschriebenen die Charakteristik von folgenden neuen
giebt: Otiovh. Rhaeticns 'EtUgdidm, ///s/;«n»/s Nordspanien, Perezi Ga-
lizien, Intens Griechenland, Schoenherri Nizza, excursor Andalusien,
trislis Griechenland, Milleri Croatien, Dauricus Sibirien, nivalis En-
gadin, mu& Dalmatien, Carniolicus, Dolomilae Tyrol, Noui Pyrenäen.
Von den ihm unbekannten Schö nherr'schen Arten fügt Verf. die
Diagnosen bei. (Otiorh. Rhaeticus und nivalis werden vom Yerf.
ausserdem in den Mittheilung, d. Schweiz, entom. Gesellsch. II. p. 61
beschrieben.)
Miller (Wien. Ent. Monatsschr. YI. p. 280 u. 348 ff.) beschrieb
Baridins Jonicus als n. A. von Corfu, Apioti montanum, Folydrosus
jucundus, Phyllobius ApoUinis und montamis, Otiorhynchus Jovis und
Orchestes hirlellus als n. A. von Cephalonia.
Fairmaire (Annal. soc. entom. 4. ser. IL p. 551 ff.) Bva-
chyderes aurovittatus n. A. aus Murcia, lineolatus und yrisescens aus
Andalusien, sparsvtns von Lissabon, Sicnlns, ovipennis (Andalusien),
Rhytirrhinus Stahleaiii Pyrenäen, Peritelus ' nigrans Südfrankreich,
Troglorhynchus Martini aus der Grotte Yille-Franche in den östli-
chen Pyrenäen, Otiorhynchus Noui und Acalles hiimerosus aus den
Pyrenäen.
Waterhouse, Note on the Strdngylorhinus ochraceus of
Schönherr, and descriptions of two nearly allied species ofCur-
culionidae from Australia (Transact. entom. soc. 3. ser. I, p. 227 —
231). Yerf. giebt eine nochmalige Beschreibung des Strongylorhi-
nu9 ochraceus Schh.von Yandiemensland und macht eine neue Gat-
tung At elicus aus der Gruppe der Erirhiniden bekannt, über die
er schon in den Proceed. entom. soc. 1861. p. 26 eine vorläufige
Mittheilung gemacht hatte. Dieselbe unterscheidet sich von Stron-
• gylorhinus durch gekrümmten Rüssel, durch die Fühler, deren zwei-
tes Geisselglied kurz und deren siebentes mit der Fühlerkeule ver-
schmolzen ist, endlich ganz besonders durch den vollständigen
Mangel der Fussklauenj das dritte erweiterte Tarsenglied ist unge-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 419
theilt und ohne Grube auf seiner Rückenseite. — Zwei neue Arten :
Atel, inaequalis von Vandiemensland und ferrugineus von Adelaide.
Derselbe, Descriptions of the British species of the genus
Tychius (Proceed. entom. soc. 1862. p. 79 f.) zählte elf Englische
Arten der Gattung Tychius auf. von denen er die weniger bekann-
ten, wie Tych. Kirbyi, junceus, tomentosus, Schneiden, meliloti und
nigrirostris, so wie eine neue als Tych. brevicorms kurz charakterisirt.
Derselbe (Proceed. entom. soc. 1861. p. 12) unterschied
Ceulorhynchvs inornahis als n. A. aus England, dem C. sulcicollis
sehr ähnlich, aber mit röthlichen Tarsen und sparsamer Beschup-
pung der Bauchseite, auf Erysimnm alliaria lebend.
Von Kraatz (Berl. Ent. Zeitschr. VI. p. 115 ff. Taf. 2) wurden
unter dem Namen Melacinops (nov. gen.) rhinomacer und Auch-
mer es thes (nov. gen.) Kiesenwelleri zwei neue in Griechenland auf-
gefundene Gattungen bekannt gemacht, von denen erstere in gleichem
Verhältnisse zu Phyllobius zu stehen scheint, wie die zweite zu Po-
lydrusus und Metallites. Beide zeichnen sich durch eine in ihrer
Gruppe ungewöhnliche Verlängerung und Verschmäl erung des Rüs-
sels aus, welche der ersteren, bei welcher überdem die Augen weit
herabgerückt sind , eine habituelle Aehnlichkeit mit Rhinomacer
verleiht. Während bei Auchmeresthes (welche Gattung aach auf
den Jonischen Inseln vorkommt) die gegen den Unterrand des Au-
ges hin verlaufende Fühlerfurche deutlich ausgeprägt ist und die
nahe Verwandtschaft mit Polydrusus ebenso deutlich wie der Ge-
sammthabitus bekundet, fehlt diese Furche bei Metacinops gänzlich ;
daher ist letztere Gattung auch wohl nicht, wie der Verf. es be-
fürwortet, zu Polydrusus, sondern besser zu Phyllobius und Verw,
zu bringen.
F a u V e 1 (Bullet, d.i. soc. Linneenne de NormandieVII. p. 154 ff.)
machte fogende neue Gattungen und Arten aus Neu-Caledonien be-
kannt: B alad a e US, nov. gen., soll sich durch die Form des Ko-
pfes und des Fühlerschaftes, durch die kräftigen Beine, die geschwun-
genen Vorderschienen, die Höcker der Flügeldecken u. s. w. den
Gattungen Cyphus und Platyomus, andererseits durch den Gesammt-
habitus, die Länge der Fühlerglieder, die Bildung der Fühlerkeule
und der Tarsen der Gattung Sitones nähern. Verf. stellt die Gat-
tung zu den Brachyderiden ; in der Abbildung des Kopfes ist das
zweite Fühlerglied von auffallender Bildung, indem dasselbe sich
von der Geissei scharf absetzt und gleich dem ersten (Fühlers chaft)
an der Spitze knopfartig angeschwollen erscheint. — Art: Bai. Ur-
villei. — Trigonopterus, nov. gen. aus der Baridius-Gruppe, ha-
bituell durch die in Form eines langgestreckten Dreieckes nach
hinten stark verengten und zugespitzten Flügeldecken sehr ausge-
zeichnet ; die Fühlerkeule viergliedrig, der Rüssel ziemlich kurz und
420 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
kräftig, wenig gebogen, fast von Kopfbreite, der Kopf nicht einge-
schnürt; Schildchen fehlend, Schenkel angeschwollen, Brust mit
tiefer Rinne. — Art: Trig. insignis. — M e chis tx) c e ms. nov. gen.
aus der Crj^ptorrhynchiden-Gruppe, auf Coelosternus impressus Montr.
begründet ; die Gattung steht nach dem Yerf. zwischen Cratosomus
und Cryptorrhynchus und zeichnet sich durch sehr langen, dünnen
Rüssel, durch dichte Beborstung der Fühlergeissel und der langge-
streckten Keule u. s. w. aus. — Cryplorrhynchvs pacificus n. A.
H. Brisout de Barneville (Annales soc. entom. 4. ser.
II. p. 625 — 668) veröffentlichte eine „Monographie du genre Gymne-
tron", in welcher er 48 meist Europäische Arten der Gattung auf-
führt und beschreibt. Verf. vertheilt dieselben in drei Gruppen,
von denen die erste 16 Arten ohne Brustrinne zum Einschlagen des
Rüssels, die beiden anderen (vom Verf. nicht gegensätzlich charakte-
risirten) die Arten mit Brustrinne umfassen. Einige Arten hat Verf.
nicht selbst gekannt und daher mit den Schönherr'schen Cha-
rakteristiken aufgefährt ; als neu werden beschrieben : a) ohne
Brustrinne: Gymn. laliuscnhis (Jacq. Duval) aus Südfrankreich, ty-
chioiJes aus Andalusien, elongatns (Chevr.) aus Südfrankreich, hae^
morrhoidnlis aus Italien und Fyrenaeus. — h) Mit Brustrinne : G.
litorens aus Südfrankreich und Sarepta, lanigemm (sie !) aus Algier
und herharnin (Dej.) aus Frankreich. — c) Mit Brustrinne (Cleopus
Sufifr): G. saholae (Oliv.) aus Persien und mericHonalis aus Süd-
frankreich und Algier.
Ch. Brisout de Barneville, Methode dichotomique appli-
quee aux Tychius de France- et description de quelques especes
nouvelles des genres Tychius et Miccotrogus (Annal. soc. entom.
4. ser. IL p. 765 — 780). Verf. giebt eine Bestimmungstabelle für 31
Arten der Gattung Tychius (unter denen sich noch einige generisch
verschiedene und bereits von Jekel mit Recht ausgeschiedene Ar-
ten, wie Tych. scabricoUis, sparsutus und squamosus befinden) mit
ausführlicherer Beschreibung der neuen und unvollständig bekann-
ten. Die neuen (aus Frankreich stammenden) Arten sind folgende:
Tych. medicajinis, albovittalus, curlus , fevioralis^ bicolor, elegantu-
lus, funicularis, ritßpennis, curxirostre (sie!), longicollis und pt/milus.
— Miccotrogus Pyrenaeus wird gleichfalls als n. A. beschrieben.
Fuchs (Jahresber. der naturf. Gesellsch. Graubündens VII.
p. 55 ff., Berl. Ent. Zeitschr. VI. p. 423) machte Balaninvs Bhaelicus
n. A. aus Chur, crncifer aus Tyrol und Federn ontanns aus Piemont
bekannt.
Wollaston, On two new Rhynchophorous Insects from An-
gola (Annais of nat. bist. 3. ser. IX. p. 21 f.) beschrieb Piazomias
Welwitschii und Sciobius Paivanus n. A. von Angola. (Dieselben
Arten wurden unter gleichem Namen auch von Gast eil o de Paiva
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 421
•»
in der Gazeta medica de Lisboa 1862. No. 11, Rev. et Magas. de
Zool. XIV. p. 361 beschrieben.) — Ebenda p. 441 Cleonus Jehelii
als n. A, von den Canarischen Inseln diagnosticirt , und ebenda 3.
ser. X. p. 332 Laparocerus unchdatus n. A. von Madeira beschrieben.
Schaufuss (Annal. soc. entom. 4. ser. II. p. 311) diagnosti-
cirte Tanymeciis dilatnlus und Orchestes longulus als n. A. aus Grie-
chenland und (Sitzungsber. d. Gesellsch. Isis 1861. p. 49 f.) Tlnjlaci-
tes preciosHS, Strophosomvs Baeticus und Phytonotnus corpidentus als
n. A. aus Südspanien.
Aube (Annal. soc. entom. 4. ser. II. p. 73) beschrieb JSano-
phijes nigritarsis als n- A. aus Sicilien und bemerkte, dass Nanoph.
spretus Jacq. Duval mit Nan. Chevrieri Boh. identisch sei. — Fer-
ner macht Verf. Bemerkungen über zwei Varietäten des Apion Ger-
mari, von denen die eine auf Mercurialis tomentosa, die andere auf
Mercurialis annua lebt.
Einzelne neue Arten sind ferner: Cnthormiocerus squamidatus
und Otiorhynchus intnisns Reiche (Annal. soc entom. 4. ser. II.
p. 297) von Corsika, Tychius elepkas Kraatz (Berl. Ent. Zeitschr. VI.
p. 271) aus Andalusien, Mononychus spermaticus Becker (Bullet, d.
natur. de Moscou 1862. II. p 349) aus Sarepta (nur mit wenigen
Worten charakterisirt; die Larve zerstört die Samen von Iris aequi-
loba) , Magdrilinus exaralus Brisout de Barneville (Rev. et Magas,
de Zool. XIV. p. 24.) von Hyeres und Pycnopus Gerslaeckeri Jekel
(Stettin. Ent. Zeit. XXIII. p. 156) von Cayenne.
M ä k 1 i n , Bemerkungen über Tanymecus circumdatus Wiedem.
(Acta soc. scient. Fennicae VII. p. 129 ff.). Verf. setzt die. Unter-
schiede der beiden von Schönherr irrig zusammengezogenen Ta-
nymecus circumdatus Wied. aus Bengalen und Tan. albomarginatus
Gyllenh. aus Aegyj)ten und Senegambien auseinander.
Laboulbene (Annal. soc. entom. 4. ser. II. p. 565 ff. pl. 13)
beschrieb die Larve und Puppe von Apion violaceum Kirby (erstere
in den Stengeln von Rumex acetosa lebend), von Apion haematodes
Kirby (Larve und Puppe orangefarben, erstere Gallen an den Blü-
then und Blattstielen von Rumex acetosella bildend) und von Phy-
tonomus meles Fab. var. trifolii Hbst. (Larve auf den Blättern und
Blüthen von Trifolium pratense). — Die Maxillartaster von Ceuto-
rhynchus assimilis fand Verf. übereinstimmend mit Perris zwei-
gliedrig.
Kaltenbach (Verhandl. des naturh. Ver. d. Preuss. Rhein-
lande XIX p. 75 und 83 ff.) beschrieb die Larve von Phytonomus
suspiciosus Hbst. (grün, raupenähnlich), im Juni die Blätter und
Blüthenknospen von Lotus uliginosus und Lathyrus pratensis ver-
zehrend und sich in einem w^eitmaschigen , grünlichen Gespinnst
verpuppend), ferner von Apion aeneum und radiolus Germ, (die
422 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch, Leistungen
Larve der erster en Art in den Gipfeltrieben, der letzteren im Sten-
gel verschiedener Malvaceen), endlich von Gymnetron antirrhini Payk.
und linariae Panz. (die Larve der ersteren Art in den Blüthen
und jungen Kapseln, der letzteren in Gallen an- den Pfahlwurzeln
von Linaria vulgaris).
V. Hey den (Berl. Ent. Zeischr. VL p. 63) beschrieb die Larve
und Puppe von Rhamphus flavicornis Clairv. ; erstere minirt die
Blätter von Birken, Aepfel- und Kirschbäumen und überwintert. Die
Verpuppung erfolgt im Frühlinge.
V. Frauenfeld (Verhandl. d. zoolog. -botan. Gesellsch. zu
Wien 1862. p. 1176 f. Taf. 12) bildete die von Mecinus collaris an
Plantago maritima und die von einem unbekannten Apion an Orni-
thopus scorpioides erzeugten Auswüchse ab.
Anthribidae. Pascoe (Annais of nat. bist. 3. ser. IX. p. 466)
machte eine neue Gattung ßythoprotus bekannt , deren einzige
bis jetzt bekannte Art: Btjth. lineatus von den Neuen Hebriden eine
auffallende habituelle Aehnlichkeit mit der Columbischen Melolon-
thide Macrodactylus, flavolineatus zeigen soll. Die Gattung scheint
mit Ectatotarsus zunächst verwandt ; die Beine, besonders die vor-
deren sind verlängert, der Prothorax seitlich gerundet, nach vorn
verschmälert, die Fühler zusammengedrückt, mit gefurchten Gliedern
und kurzer, kaum dickerer Keule.
Derselbe (Journal of Entomol. I. p. 329 ff. pl. 16) beschrieb
Apolecta fucata n. A. von Ceram, Mecocevus insignis und maculosus
von Ceram, «//flcfi/s von Cambodja. — Doeothena, nov. gen. (pl. 16.
fig. 1), von der kurzen, gedrungenen Form des Araeocerus und Ver-
wandten, mit kaum von der Basis abgesetzter Querleiste des Pro-
thorax , ausgezeichnet durch sehr lange , haarförmige Fühler mit
schlanker dreigliedriger Keule, gegen w^elche hin sich das vorher-
gehende Glied allmählich verdickt, und ausserdem durch die starke
Erweiterung des zweiten und dritten Fussgliedes. Rüssel ganz
kurz, Fühler zwölfgliedrig, Augen gross, tief ausgerandet. — Art:
D. platifpoda aus Neu-Guinea. — Pioenia, nov. gen. (pl. 16. fig. 8),
gleichfalls eine kurze, gedrungene Form wie Araeocerus, mit ganz
basaler Carina des Prothorax; Rüssel ganz kurz, Fühler in einer
Grube an der Unterseite desselben und dicht bei den Augen ein-
gefügt , kurz und gedrungen , mit länglich ovaler, dreigliedriger
Keule , Augen gross, rund, Fussklauen an der Basis stark gezähnt.
— Art: P. saginata von Borneo. — 7jygaenodcs monstrosus n. A.
von Port Natal (pl. 16. fig. 5) und J^essiara scelesta von Mysol (Neu-
Guinea).
Derselbe (Proceed. entom. soc. 1862, p. 71) machte auf eine
Art von Dimorphismus bei dem Männchen von Xenocerus semilu-
ctuosus Blanch. aufmerksam; neben Exemplaren mit regulär gebilde-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 423
ten (sehr langen) Fühlern kommen solche mit ganz kurzen vor, die
kaum länger als das vorletzte Fühlerglied der regulären Männchen
sind. Auch bei anderen Xenocerüs-Arten, so wie bei der Gattung
Mecocerus kommt dieselbe Erscheinung vor.
Araecerus insidaris Fauvel (Bullet, soc. Linneenne de Norman-
die VII. p. 152) n. A. aus Neu-Caledonien.
Lucas (Bullet, soc. entom. 1862. p- 18) erhielt Caryoborus
languidus Schönh. aus den Samenkörnern der Cassia foetida.
Brenthidae. Pascoe, „Notes on the Brenthidae^ (Journal of
Entomol. I. p. 388 — 394) machte folgende neae Gattungen und Arten
bekannt : Ec toc evin s, nov. gen., in vieler Beziehung mit Arrheno-
des verwandt, habituell jedoch mehr Rhaphirhynchus gleichend; von
letzterem durch die Form des Kopfes, welcher klein und hinten fast
gelappt ist einen sehr kurzen Hals und die Augen nahe der Basis
zeigt, ferner durch die Kleinheit der Mandibeln und besonders durch
den Küssel verschieden, welcher verlängert, gefurcht, an der Basis
runzelig und an der Spitze plötzlich flügelartig erweitert ist. —
Art: Ect. Wallacei von Batchian. — Orychodes, nov. gen., auf
diejenigen Arrhenodes - Arten (serrirostris Fab., digramma Boisd.)
begründet, welche einen langen und schlanken Rüssel, sehr kleine
Mandibeln und einen hinter den Augen plötzlich ausgeschnittenen
Kopf haben. — Art: Or. pictus von Batchian. — J thy st enus (neuer
Name für Leptorhynchus Guer.) Wallacei n. A. von Arn, fvmosus
und linearis von Batchian, ophiopsis von Dorey auf Neu-Guinea. —
Prodector, nov. gen., mit Diurus nahe verwandt, unterschieden
durch die erweiterte Spitze des Bussels, die Länge des zweiten Füh-
lergliedes, welches länger als das erste ist, und den gefurchten Pro-
thorax. — Art: Prod. laminalus von Menado. — Dinrus dispar n. A.
von Borneo (das Weibchen von demjenigen des D. furcillatus Schh.
unterschieden). — Miolispa^ nov. gen., von Trachelizus durch
nicht gefurchten Prothorax, den quadratischen, an der Basis abge-
stutzten und kurzhalsigen Kopf, den kurzen , gebogenen , ander
Basis dreifurchigen und an der Spitze erweiterten Rüssel und die
Fühler unterschieden; letztere sind kurz und dick, bei der Mitte
des Rüssels eingefügt und haben drei grössere, durchblätterte End-
glieder. — Art: Miol. snturalis von Amboina und Batchian. —
Zem i 0 s es, nov. gen., soll eine auffallende habituelle Aehnlichkeit
mit Hypocephalus haben; zunächst mit Taphroderes und Cyphago-
gus verwandt, von denen er durch den kurzen und dicken Rüssel
abweicht ; von Calodromus durch kurze Hinterbeine unterschieden.
Schienen sehr kurz, an der Spitze staghlig, die vorderen unten ge-
zähnt , Tarsen kurz , zusammengedrückt, unterhalb gewimpert. —
Art: Zem. porcatus von Pt. Natal.
Bostrichidae. Wol laston (Transact. entom. soc. 3. ser. I.
424 Gerstaecker: Bericht üb. d. mssensch. Leistungen
p. 167) beschrieb Aphanarthrum armatum als n. A. von Lanzarote
und Leiparthrum Lowei n. A. von Teneriffa, beide in Euphorbien
lebend.
Derselbe (Annais of nat. hist. 3. ser. IX. -p. 441) diagnosti-
cirte Tomicus nohilis als n. A. von den Canarischen Inseln.
Aube (Description de deux nouvelles especes d'Hypoborus,
Annal. soc. ent. 4. ser. ü. p. 387) beschrieb neben Hypoborus ficus
Er. als neue Arten : Hypoborus niori aus Morus alba und Uyp. geni-
stae aus Genista horrida.
Perris (ebenda p. 218) Tomicus oblitns n, A. aus Südfrank-
reich und Guaderrama, unter der Rinde von Pinus maritima und
sylvestris lebend.
Kellner (Berl. Ent. Zeitschr. VI. p. 280) fand Cryphalus bi-
nodulus Ratzeb. in dünnen Stämmen von Populus tremula im Thü-
ringer Walde.
Longicornia. L e C o n t e (Note on Ihe Classification of Ceram-
bycidae, with descriptions of new species, Proceed. acad. nat. scienc.
Philadeli)hia 1862. p. 38 — 43) machte auf einen für die Systematik
der Familie wichtigen Charakter, nämlich die bald feine, bald grobe
Facettirung der Augen aufmerksam. Bei den Lamiarien ist die
grobe Facettirung die Regel und nur die Gattungen der Saperda-
Gruppe (Saperda, Tetraopes, Oberea , Dysphaga u. a.) zeigen eine
feine; bei den Lepturiden dagegen kommt mit Ausnahme von Cen-
trodera Le C. nur letztere vor. Auch bei den Cerambyces genuini
ist die feine Facettirung vorwiegend; Ausnahmen bilden Distenia,
Eburia, Elaphidion, Ibidion, Criocephalus u. a. Nachdem Verf. mit
Hinzuziehung dieses Charakters und gleichzeitig nach der Form und
Bildung der Vorderhüften die Lamiarien und Cerambyces genuini
systematisch gegliedert hat (ohne jedoch nach des Ref. Ansicht be-
sonders natürliche Gruppen zu erzielen: es kommt z. B. Distenia
neben Eburia und Elaphidion zu stehen, es werden ferner Rosalia
und Purpuricenus , die in verschiedene Hauptgruppen gestellt wer-
den, von Callichroma und Verwandten durch die viel heterogeneren
Trachyderiden getrennt u. s. w.) , giebt er Diagnosen von 21 neuen
Nord-Amerikanischen Arten, von denen zwei zugleich neue Gattun-
gen bilden.
Chevrolat, Coleopteres de l'ile deCuba; Notes, synonymies
et descriptions d'especes nouvelles : Familles des Cerambycides et
des Parandrides (Annales soc. entomol. 4. ser. II. p. 245—280). Eine
Aufzählung von 80 Cubaniscl\en Arten aus den Gruppen der Prio-
niden, Cerambyciden und Lamiarien, mit Beschreibung zahlreicher
neuer und synonymischer Erörterung der bereits bekannten; einige
verwandte Arten aus Jamaica werden im Anhange beschrieben.
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 425
James Bland, Descriptions of several new species of Ce-
rambycidae in the collection of the entomological society of Phila-
delphia, with observations of some already described (Proceed. ent.
SOG. of Philadelphia I. p. 267—276). Verf. beschreibt zwölf theils
neue, theils unvollständig bekannte Nord-Amerikanische Arten aus
verschiedenen Gruppen.
Mulsant (Annal. scienc. nat. d. 1. soc. d'agricult. de Lyon
3. ser. VI. p. 302 — 466) hat eine neue Umarbeitung seiner „Longi-
cornes de France" begonnen, in welche er nebst den seit der ersten
Ausgabe neu hinzugekommenen Französischen Arten auch hin und
wieder andere Arten Süd -Europa's, welche zu jenen in nächster
Verwandtschaft stehen, aufnimmt. Die neue Bearbeitung ist sonst
ganz nach dem Vorbilde der früheren angelegt und beginnt mit
der gewöhnlichen, weit ausgedehnten literarischen Einleitung. Bis
jetzt liegen die Prioniden und die Cerambyces genuini bis zur Gat-
tung Clytus vollendet vor.
Prionida e. — Chevrolat (Annal. soc. entom. 4. ser. II.
p. 268 fif.) zählte 13 Cubanische Prioniden unter Erörterung ihrer
Synonymie auf und beschrieb Monodesmus nothus (Vaterland? Ja-
maika?) , Elateropsis (nov. gen.. auf Prionus lineatus und fuligi-
nosus Fab., Solenoptera fulvipes Chevr. und Verwandte begründet)
venustus (Dej. Cat.) , fimbriatus , sericeiventris und subputictalus als
n. A. von Cuba, ebeninus und quinquenotatns von Jamaica, Mallodon
carplor und Parandra cubaecola von Cuba.
Fernere neue Arten sind : Parandra Benincnsis Murray (Trans-
act. Linnean soc. XXIII. p. 4.52. pl. 47. fig. 7 a) von Old-Calabar und
Prionus innocuus Le Conte (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia
1862. p. 43) aus Neu-Mexiko.
Nach Osten -Sacken (Stettin. Entom. Zeit. XXIII. p. 414)
hat Megaderus bifasciatus Dup. eine besondere Vorliebe für Drucker-
schwärze; in Texas, wo derselbe häufig ist, frisst er sehr gierig
von den Ankündigungszetteln die Buchstaben weg.
Derselbe (Proceed. entom. soc. Philadelphia I. p. 118f. pl. 1.
fig. 6) machte die Larve von Parandra brunnea Fab. bekannt, welche
nach allen Charakteren eine Longicornen-Larve ist und vorwiegend
mit derjenigen der Prioniden übereinstimmt; bei der abweichenden
Bildung "des Käfers ist diese üebereinstimmung seiner Larve von
besonderer systematischer Wichtigkeit.
Von Coquerel (Annal. soc. entom. 4. ser, II. p. 107 f. pl. 3)
wurde die Larve der Macrotoma corticina Klug, welche in umge-
stürzten Baumstämmen auf Madagascar gemein ist , bekannt ge-
macht.
VonDoebner (Berl. Ent. Zeitschr. VL p. 64 f. Taf. 3) die
Larve und Puppe von Aegosoma scabricorne Fab. , welche sich im
426 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Stamme von Populus italica fanden. Von den begatteten Weibchen
erhielt Verf. Eier abgelegt ; die Generation scheint vier- öder we-
nigstens dreijährig zu sein.
Cerambyces genuin i. — LeConte' (Proceed. acad. nat.
scienc. Philadelphia 1862. p. 41 f.) machte eine neue Gattung Oxo-
plus, mit Tylosis zunächst verwandt, bekannt, welche sich durch
elfgliedrige Fühler in beiden Geschlechtern , durch einen scharfen
Seitendorn des Thorax und an der Spitze fast abgestutzte Flügel-
decken unterscheidet. Die Arten sind roth und schwarz gefärbt
und gleichen im Habitus den Purpuricenen. — Drei Arten: 0. cora-
linus aus Neu-Mexiko, cruentus und ?narfjinahis vom Cap St. Lucas.
— Ferner: Elapkidion subpubescens von Neu-Yersey, Heterac/ilhes
nohilis und Stenosphenus higens aus Texas, Clylus approximalns aus
Kansas, horridus aus den mittleren Staaten, Ficroplalus? florida-
nus n. A.
Pascoe (Journal of Ent. I. p. 355 ff. pl. 17) beschrieb folgende
neue Arten und Gattungen : Stemacanthus Batesii von Parä, Sleiiycjra
contracta vom Amazonenstrome, Sthehnus morosns aus Caraccas,
Phoracantka stiperans von Vandiemensland, Ceresium apiculalum von
Batchian, Clytus patronus und stenothyreus von Batchian, diophthal-
imts von der Moreton-Bay, deterrcns vom N'Gami-See und notabilis
von Japan. — Zoedia, nov. gen. (pl. 17. flg. 3), mit Tillomorpha
und Euderces verwandt, der Kopf ist indessen fast quadratisch,
hinten halsförmig eingeschnürt , der Prothorax fast so breit wie
lang, vorn stark verschmälert, beiderseits mit stumpfem Höcker;
Fühler fadenförmig, von Körperlänge, das Basalglied verlängert und
mit gekeulter Spitze, die Glieder vom dritten an fast gleich lang.
Zwei Arten: Zoed. friatifinlaris von Melbourne und dhisa von der
Känguru -Insel. — Mcsolita, nov. gen. (pl. 17. fig- 7), mit Tillo-
morpha und Clytus verwandt, aber auffallend durch den vollständi-
gen Mangel der Schulterecken an den Flügeldecken, welche sich an
der Basis genau der Breite des Thorax anschliessen und nach hin-
ten birnförmig erweitert sind. Fühler fadenförmig, länger als der
Körper, mit kurzem und verdicktem Basalgliede, Prothorax eiförmig,
gewölbt, Mittel- und Hinterbeine verlängert, mit gekeulten Schen-
keln. — Zwei Arten: Mcs. transversa und lineolata aus Queensland,
(Neu-Holland). — Callidium inscriptum n. A. aus Queensland, Tme-
sistermis exaratvs von den Aru-Inseln, lersus von Goram (Moluk-
ken) und herbaceus von Mysol, Syllitus Farryi aus Australien. —
Doesus, nov. gen. (pl. 17. fig. 4), von Telephorus-artigem Habitus,
auch ah Vesperus erinnernd, obwohl Kopf und Thorax viel länger
sind und letzterer seitlich einen deutlichen Kiel -zeigt. Fühler fa-
denförmig, an der Basis getrennt, das erste Glied kurz und an der
Spitze verdickt. — Art: Does. telephoroides aus Ostindien. — Ani-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862, 427
mes, nov. gen., auf Psilomerus? macilentus Pasc, begründet (pl. 17.
fig. 6), in die Nähe von Methia Newm. gestellt. — Macrones acicu-
laris von Adelaide, Acyphoderes brachialis aus Brasilien, Hesthesis
nlorator von Melbourne und Distichocern mutator aus Queensland.
Bland (Proceed. entom. soc. of Philadelphia!, p. 270 £f.) be-
schrieb Elmria? Vlkei als n. A. aus Nieder - Californien , Eriphus
Penrsalli aus Nebraska, Crossidius pulchrior n. A. ebendaher, Cal-
lidiutn ? albofasciatum aus Pennsylvanien und Call. {Phymatodes) se-
mkirculare n A. ebendaher. — Clytus araneiformis Oliv, (von St.
Domingo), welcher in einem Exemplare in Philadelphia gefunden
wurde , so wie zwei Varietäten von Purpuricenus humeralis Oliv,
werden ebenfalls beschrieben.
Chevrolat (Description des Clytides du Bresil, Annales soc.
entom. 4. ser. IL p. 49 — 67) gab eine Aufzählung der ihm bekannten
Brasilianischen Arten der Gattung Clytus und Verwandten, im Gan-
zen 39 an Zahl, von denen folgende als neu beschrieben werden:
Cyltene designata, falsa, cotisimilis, anarantha, patruelis und ininuta,
Neoclyhis ypsilon und Burmcisteri^ Mecometopus centurio, accensus,
placens, Mniszechii und iiisignis, Tilloniorpha corticina. — Apelo-
cera. nov, gen., durch verlängertes und an der Spitze mit einem
langen Dorne bewehrtes drittes Fühlerglied ausgezeichnet, auf Clytus
spinicoris Chevr. und eine neue , mit Clyt. compressicollis Lap. ver-
wandte Art: Apel. Waltli begründet. — Mygalohas, nov. gen.,
mit Tillomorpha Blanch. und Epipedocera Chevr. (Clytoides Blanch.)
zunächst verwandt; Art: Myg. fermgineus aus Brasilien.
Derselbe (Description de Clytides Americains, ebenda 4.
ser. II. p. 517 — 536) verzeichnete ferner die in Guyana (14 A.), Chile
und Peru (8 A.), in der Argentinischen Republik (2 A.) und auf den
Antillen (10 A.) vorkommenden Clytiden, w^elche , so weit sie neu
sind nebst einigen im Nachtrage beigefügten Arten aus Mexiko und
Neu-Granada beschrieben werden. Letztere sind: Mecometopus cras-
sicornis (Dej. Cat.), amahilis (Dej. Cat.) , Maronensis, consanguineus
und fvnereus n. A. aus dem Französischen Guyana, Cyllene Boliviana,
exsanguis (letztere aus La Plata und Patagonien), difficilis von Cuba,
Evrysceiis Dejeanii von St. Domingo, Cyrlophorus nivicinclus (ebenda
p. 264 als Tillomorpha? niticincla vorläufig diagnosticirt) von Cuba.
Aethecerus^i nov. gen., mit Clytus sens. strict. (Plagionotus Muls.),
nahe verwandt, durch die Länge der männlichen Fühler, welche
fast doppelt so lang als der Körper sind, ausgezeichnet; beim
Weibchen sind sie nur von Körperlänge und haben an der Spitze
gewinkelte Glieder. Die Gattung ist auf' Arhopalus Wilsoni Le Conte
aus Mexiko und Texas begründet. — Tillomorpha haematocephala
n. A. von Orizaba, Apilocera Guerinii aus Neu-Granada und Bou-
cardi von Vera-Paz (Mexiko).
428 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Derselbe (Revision des genres Eriplius et Mallosoma Serv.
du groupe des Clytides et description de trois nouveaux genres,
dont un doit etre rapporte au groupe des Callidiites, ebenda 4. ser.
II. p. 747 — 763) gab eine Aufzählung von 10 Eriphus- und 6 Mallo-
soma-Arten, unter denen Eriphus pnrpvratvs (Klug in Dej. Cat.) aus
Brasilien, Bahiensis von ^ahia,, haemaloilerus aus Bolivia, lineatocollis
von Cayenne und lucttiosus aus Brasilien als n. A. beschrieben wer-
den. — Die drei neuen Gattungen sind: Entomosterna, nov. gen.^
in Bezug auf seine systematische Verwandtschaft vom Verf. nicht
näher erörtert ; soll im Habitus theils den Sphenothecus-, theils den
Heterothops-Arten gleichen. Fühler beim Männchen von IV2 Kör-
perlänge, beim Weibchen nicht die Spitze der Flügeldecken errei-
chend, ihr 3. bis 8. Glied am Ende spitzwinklig ; Mittelbrust hinten
winklig ausgerandet. — Die fünf neuen Arten zerfallen in zwei
Gruppen: a) Prothorax uneben, leicht eckig, Beine dünn, verlän-
gert, die Hinterschenkel um ein Dritttheil ihrer Länge die Spitze
der Flügeldecken überragend: Eni. cmentala aus Mexiko. — b)
Prothorax ein wenig länger als breit, abgerundet, gewölbt, unbe-
wehrt, Hinterschenkel nicht die Flügeldecken-Spitze überragend : Ent.
sanguiniventris und mmiatocoUis aus Mexiko, ebiivala und trucidata
aus Yucatan. — C yph os terna, nov. gen., mit der vorigen Gattung
nahe verwandt , auf Eriphus ornaticollis und nigripennis Dej. Cat.
begründet ; Mittelbrust hinten abgestutzt, nur schwach ausgerandet,
in der Mitte mit einem glänzenden Höcker besetzt, Fühler beim Männ-
chen viel länger als der Körper, beim Weibchen nur bis auf zwei
Dritttheile der Flügeldecken reichend. — Sechs Arten: Cyph. qua-
drilineata und emarginata aus Yucatan, bicolor aus Mexiko, tripun-
ctata aus Bolivia, ornaticollis und nigripennis aus Brasilien. — Al~
l 0 e si a, nov. gen. aus der Callidium-Gruppe, mit Rhopalopus Muls.
nahe verwandt, auf Callidium aeneipenne Dej. Cat. (mit var. hilare Dej.
und nitidipenne Dej.) aus Neu-Granada begründet; Verf. ändert den
Namen dieser i^rt in All. chloropkana um und beschreibt eine zweite
Art aus Venezuela als All. bivitluta.
Derselbe (Annales soc. entom. 4. ser. IL p, 256 ff.) zählte
37 Cubanische Cerambyciden unter Erörterung ihrer Synonymie auf
und beschreibt folgende als neu : Elaphidion bidens, quadritubercula-
tum, albosignatum, tomentosutn, lanatum, signaticolle und guttiventre,
Trichrous ßlipennis, Lampromerus7 attenualus, Cyllene difßcilis, Ebu-
ria octomaculata (Dej. Cat.), Duvalii (stigma Duv. nee Oliv.), Coele-
buria pulverea (Dej. Cat.} und Eburodacrys Havanensis.
Einzelne neue Arten sind ferner: Clytus BelUeri Gautier des
Gottes (Annal. soc. entom. 4. ser. II. p. 77) von Corsika, mit Cl.
rhamni zunächst verwandt, Callidium cw/>r/pe/meKriechbaumer (Stett.
Entom. Zeit. XXIII. p. 208. Taf. 1. fig. 4) aus dem bayerischen Ge-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 429
birge, Ohrivm hicolor Kraatz (Berl. Ent. Zeitschr- VI. p. 126) aus
Griechenland, Tragocerus fortnosns Pascoe (Annais of nat. hist. 3.
ser. IX. p. 463) von der Lizard-Insel und Navomorpha Douei Lucas
(Bullet, soc entomol. 1862. p. 27) von Neu-Caledonien (nur vorläufig
charakterisirt und in ihren Unterschieden von Nav. lineata erörtert).
Osten-Sacken (Proceed. entom. soc. Philadelphia I. p. 121.
pl. 1. fig. 7) machte die Larve und Puppe von Arhopalus pictus
Drury bekannt ; erstere stimmt in ihren übrigen Charakteren mit
den Cerambyciden - Larven, in dem Mangel der Beine dagegen mit
den Lamien - Larven überein und vermittelt daher gleichsam beide
Gruppen.
Lamiariae. — Bates setzte in seinen „Contributions to an
Insect fauna of the Amazon valley. Coleoptera, Longicornes" (Annais
of nat. hist. 3- ser. IX. p. 117, 396 u. 446 ff.) die Aufzählung und
Beschreibung der von ihm im Thale des Amazonenstromes gesam-
melten und beobachteten Lamiarien fort: A^thomerus antennator
Fab., rnfescens und Lacordairei n. A. , Myoxinus (uov. gen.) pi-
ctus Er., Alphus centrolineatus, senilis^ scutellaris, Steirastoma de-
pressum Fab. , melanogenys White, coenosuin und aethiops n. A.,
Platysternus hebraeus Fab., Polyrrhaphis spinosa Drury, angustata
Buq., hijslricina, gracilis und Paraensis n. A., Jansoni Pascoe, Tri-
gonopeplus bispecularis White, Chal astinus, nov. gen., auf Ani-
socerus Egaensis White begründet, Phacellocera Batesii Pascoe und
limosa n. A. aus Venezuela (anhangsweise charakterisirt), Anisocerus
onca White mit 'zwei lokalen Varietäten [A. Fonleboemis und Oli-
vencius), Gymnocerus capucinus White, dulcissimus White, cratoso-
moides und crassus n. A., monachinus White, Onychocerus scorpio
Fab. und concenlricus n. A., Xylolribus simulans, Hoplistocerus glo-
riosus und Cyclopeplus Batesii Thoms. — Bei einigen Arten giebt
Verf. interessante Notizen über Lebensweise, geographische Ver-
breitung, Abänderungen u s. w. ; Aethomerus Lacordairei hat im Le-
ben eine täuschende Aehnlichkeit mit einer von Pilzen bedeckten
Schmetterlingspuppe, wie sie sich häufig an Baumästen findet; Cy-
clopeplus Batesii gleicht ausnehmen d dem Corynomalus discoideus,
der mit ihm dieselben in Zerstörung begriffenen Baumstämme beflog.
Pascoe (Journal of Entomol. I. p. 334 ff. pl. 17) machte fol-
gende neue Gattungen und Arten bekannt: Goephanes, nov. gen.
(pl. 17. fig. 2), vom Verf. vorläufig zur Acanthocinus-Gruppe, in die
Nähe von Liopus gestellt. Kopf mit vollkommen quadratischem
Gesichte, Augen klein, ganz seitlich, Fühler um Ys länger als der
Körper, das erste und dritte Glied auffallend länger als die übrigen,,
alle Glieder aussen behaart. Prothorax rundlich, unbewehrt, Flü-
geldecken breiter , niedergedrückt , Beine mit keulig erweiterten
Schenkeln. — Art: G. luctuosus von Madagarcar. — Agelasta Mon-
430 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
hotii, rupta und catenata von Cambodja, Kifhona suffusa, pannosa und
excisa von Cambodja, arrofjans von Borneo, Symphyletes pubiventris von
Kangooroo - Island , rariolosus von Melbourne, Ahryna pardalis von
Ceram, vomicosa von Cambodja. — Aprophata, nov. gen., auf die
von New man beschriebenen Abryna eximia, fausta und notha von
den Philippinen begründet, welche von den eigentlichen Abrynen
durch gerundeten Kopf mit gewölbter Stirn und Scheitel , durch
eiförmige Flügeldecken und weitere vordere Hüftpfaunen abweichen.
■ — Meton, nov. gen., von Monohammus dadurcli unterschieden, dass
das letzte Fühlerglied des Männchens nicht länger als das vorher-
gehende ist; überdem im Habitus wesentlich abweichend. — Mono-
hammus Heclor von Ceram (würde zur Gattung Rhamses Thoms. ge-
hören, welche Verf. mit Recht verwirft). — Cer eop sius, nov. gen.,
von Monohammus durch die genäherten Fühler, verlängertes und
fast cylindrisches Basalgiied derselben, das Endglied, welches kaum
länger als das vorhergehende ist, die Form des Thorax, dessen
ganze Seiten zur Bildung des Dornes beitragen, die an der Basis
verbreiterten, mehr dreieckigen Flügeldecken u. s. w. abweichend ;
begründet auf M. praetorius Er. (Elpeuor Newm.) . quaestor und
lictor NewTH., Helena White u. a. — Imantoceru arenosa n. A. von
Cambodja (mit Imant. penicillata Hope und plumosa Oliv, näher
verglichen), Pseclrocera (nov. gen.) auf Gnoma plumigera Westw.
begründet, P alimna (nov. gen.) für Golsinda tessellata Pasc, er-
richtet, Cacia histrionica n. A. von Ceram, Eris annulicornis von
Cambodja, Praonetha subfasciata von Cambodja, undnlala und costa^
lis von Batchian, penicillata von Cambodja, ligata von Java, Tr a-
chy Stola (Dej. Cat.) nov. gen. (näher charakterisirt) granulata von
Borneo. — Briinus, nov. gen. (pl. 17. fig. 5), auf Dorcadion? spi-
nipenne Pasc, errichtet, von Dorcadion durch deutliche Fühlerhöcker
und die grössere Länge des Mesothorax, welche eine beträchtliche
Trennung der Vorder- und Mittelhüften bedingt, unterschieden. —
Athemistus pubescens n. A. von Port Philipp. — Echthi st a lus^
nov. gen., von Ceraegidion durch stark auseinanderweichende Füh-
lerhöcker, gezähntes Prosternum und die bedeutende Länge der
Fühler, deren einzelne Glieder mit Ausnahme des zweiten fast von
gleicher Länge sind, abweichend. — Art: Echth. spinosus aus Me-
xiko? (oder Australien?). — Serixia ornata (pl. 17. fig. 9) und ce-
phalotes von Batchian, sedata aus Siam. — Eumathes (Dej. Cat.),
nov. gen., von Hebestola durch gezähnte Fussklauen und gekieltes
Mesosternum unterschieden.
Derselbe (Annais of nat. bist. 3. ser. IX. p. 464) beschrieb
Symphyletes velustus, Niphona irata, Zyyocera luctuosa, Meton tropi-
cws, Mycerinus aridus als n. A. von der Lizard-Insel.
Chevrolat (Annales soc. entom. 4. ser. II. p. 246— 256) gab
im Gebiete d. Entomologie währe*nd des Jahres 1862. 431
eine Aufzählung und Beschreibung von 28 Lamiarien Cuba's, die er
zugleich in synonymischer Beziehung erörtert; als n. A. werden
darunter beschrieben: Sieirastoma Poeyi, Leptostylus calcarius, Älci-
dion scurra (Klug i. 1.), biuslus (Klug i. 1.), Ecyrus annulatns, Calo-
cosmns (nov. gen., auf Amphionycha venusta und dimidiata Chevr.
und Verwandte begründet) nuptus , speciosus (Dej. Cat. = Hemilo-
phus venustus Jacq. Duvalj und nigripennis , Ataxia spinipennis,
Desmiphora lanata Dej. Cat. = ?Sap. hirticollis Oliv.), Estola pilo-
sula (Dej. Cat.) und rubifjinosn, Vhidola maculicornis und lanuginosa
(Dej. Cat.;, Euthuorus grandis.
Chevrolat, Description d'especes de Dorcadion d'Espagne
(Berl. Ent. Zeitschr. VI. p. 337—348} gab eine Aufzählung und Be-
schreibung von 29 in Spanien einheimischen Dorcadien, von welchen
13 bereits beschrieben, die übrigen neu sind. Letztere sind : Dorc.
encaushwi, Ghilianii, allcrnatum, niqrolincaluni, Segocianum, Dejeanii
(Hispanicum Dej. Cat.), circumcinclum, Aiiasi, albicans (Dej. Cat.),
longipenne, Reichei ^ sitturale, Slaudingeri , aiinulicorne , sericinum
und Castilianum. — Von diesen hält Kraatz (ebenda p. 349) D.
Staudingeri für das Männchen von D. suturale ; Kiesenwetter be-
spricht ausserdem noch die Bestimmung des Dorc. molitor Fab.
Kraatz (Revision der Französischen Dorcadion-Arten, ebenda
p. 351 ff.) hält Dorc. Navaricum, monticola, meridionale und mendax
Muls., ferner Pyrenaeum Germ, und quadrilineatum Küst. für Varie-
täten von Dorc. fuliginator Lin. und Dorc. Donzelii Muls. für Va-
rietät von D. molitor Fab.
Eine neue Gattung P r osac anlhu s (Blanch. i. lit.) aus der
Mesosa-Gruppe charakterisirte Fauvel (Bullet, d. 1. soc.Linneenne
de Norm andie VII. p. lG3f.j; sie unterscheidet sich von Prosoplus
Blanch. durch kürzere und nicht gewimperte Fühler, das in eine
Spitze endigende letzte Glied der Kiefertaster, den nach vorn ge-
rückten Seitendorn des Prothorax u. s. w. — Art : Pros. Chevrolati
von Neu-Caledonien. — Ebendaher: Leptonota albovittata n. A.
Le Conte (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1862.
p. 39 f.) Aediiis oÜiqvus aus Kansas, Neu - Mexiko und Californien,
Decfes Texamis, Liopus regnlaris aus Ohio, Pogotiochcrvs nubilus von
Neu- York, Monohammus ocuiahis aus Wisconsin und Telvops jucimda
aus den mittleren Vereinigten Staaten
Bland (Proceed. entom. soc Philadelphia I. p. 267 f.) be-
schrieb Moyicilema laevigalum als n. A. aus Kansas und snbrvgostim
aus Nieder-Californien.
Tragiscoschema Welicitschii de Paiva (Annais of nat. hist.
3. ser. IX. p. 20) n. A. von Angola, Stenostola alboscutcllata Kraatz
(Berl. Ent. Zeitsch. VI. p. 124) n. A. aus Griechenland; Stenostola
tiliae Küster soll das Weibchen von St. nigripes Fab. sein.
432 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Wo Ilaston (Transact. entom. soc. 3. ser. I. p. 177 f.) hält
Leprosoma asperatum (Dej.) Thoms. für identisch mit Lamia gibba
Brülle und nennt die Art daher Leprosoma gibbum; dieselbe lebt
in todten Euphorbien-Stämmen auf Teneriffa. — Ebenda (p. 181)
beschreibt derselbe Blabinohis (= Deroplia Dej.) pilosus n. A. von
Lanzarote.
Nach Rogenhofe r (Verhandl. zoolog.-botan. Gesellsch. zu
Wien 1862. p. 586) wurde Morimus funestus Fab. neuerdings auch
in Oesterreich aufgefunden.
Bohnert fand die seltene Saperda phoca zu mehreren Exem-
plaren auf Wollweiden bei Demmin in Vorpommern (Berl. Ent.
Zeitschr. VI. p. 280).
Osten -Sacken (Proceed. entom. soc. Philadelphia I. p. 122)
beschrieb die Larve von Psenocerus supernotatus Say , welche in
der Abwesenheit der Beine und der Lage der Thoraxstigmen mit
den übrigen Lamien-Larven übereinstimmt.
Nach Fairmaire (Annal, soc. entom. 4. ser. IL p. 557) ist
Phytoecia Grenieri Fairm. identisch mit Ph. erythrocnema Lucas
aus Algier.
Lepturidae. — Le Conte (Proceed. acad. nat. scienc.
Philadelphia 1862. p. 41) machte eine neue Gattung P yrotr i chus
bekannt, welche mit Encyclops zunächst verwandt ist, sich aber
durch die tief ausgerandeten Augen und die Längsverhältnisse der
Fühlerglieder unterscheidet; das dritte imd vierte Glied sind zu-
sammengenommen nicht länger als das fünft«. Der Körper ist
linear, der Kopf bei den Augen plötzlich zusammengeschnürt, der
Thorax mit einem spitzen seitlichen Tuberkel bewehrt, die Flügel-
decken besonders hinterwärts stark gerandet. — Art : Fyr. vitlicollis
aus Californien. — Leptura rufibasis von der Hudsons-Bay, saucia
aus den mittleren Staaten, rw^ceps aus Georgia und Cenlrodera suh-
lineata aus den mittleren und westlichen Staaten, n. A. (ebenda p. 40).
• Bland (Proceed. entom. soc. of Philadelphia L p. 269 f.) be-
schrieb Desmocerus elongatus als n. A. aus Virginia, Ganroles abdo-
minalis ebendaher, und hält Toxotus trivittatus Say für eine von
Tox. vittiger Band, verschiedene Art.
Rhamnvsium 6'raecwm Schaufuss (Annal. soc. entom. 4. ser. II.
p. 311) als n. A. aus Griechenland diagnosticirt.
Sti erlin (Mittheil. d. Schweiz, ent. Gesellsch. II. p. 63) gab
vergleichende Beschreibungen von Pachyta sexmaculata und tri-
fasciata (Fab. ?), letztere Art nach Exemplaren, welche von der
Redtenbacher'schen Beschreibung mehrfach abweichen.
Ghrysomelinae. Baly, Descriptions of new species of Phyto-
phagous Beetles (Annais of nat. bist. 3. ser. X. p. 17 — 29). Beschrei-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 433
bung von zwanzig exotischen Arten der alten "Welt, den Gruppen
der Crioceriden. Eumolpiden und Cbrysomelinen angehörend.
Derselbe, Descriptions of new genera and species of Phy-
tophaga fJournal of Entomol. I. p. 450—459. pL 21). Charakteristik
einer neuen Eumolpiden- und sechs neuer Halticinen - Gattungen,
ferner mehrerer neuer Arten aus bereits bekannten Gattungen der
Halticinen.
Waterhouse („Notes on Chrysomelidae in the Linnean and
Banksian CoUections", Transact. entom. soc. 3. ser. I. p. 18 — 28) hat
die von Linne in der Fauna Suecica und im Systema natura unter
Chrysomela beschriebenen Arten nach den Originalstücken in der
Linne'schen Sammlung zu London untersucht (im Ganzen 65 Ar-
ten) und giebt über dieselben ausführliche Nachrichten. Unter Chrys.
Goettingensis findet sich neben dieser Art auch Timarcha coriaria,
unter Chrys. graminis (= graminis Sufifr.) auch Chr. menthastri
Suffr. (= graminis Steph ), Chrys. aenea Lin. ist = Lina cuprea
auct., Chr. padi Lin. = Cyphon coarctatus , Chrys. armoraceae Lin.
= Phaedon cochleariae Gyll. (= betulae Suffr.), Chrys. viminalis
Lin. = Gonioctena viminalis Suffr. var. Unter Chrys. decempun-
ctata Lin. sind Gonioct. rufipes und decempunctata Steph. (= vimi-
nalis Suffr.' vermengt. Chrys. haemorrhoidalis Lin. = Gonioctena
spec. ignota, Chrys. oleracea Lin. umfasst zwei Arten: Graptodera
oleracea und erucae Steph. (= consobrina All.), Chrys. chrysoce-
phala Lin = Cryptocephalus punctiger Gyll., Chrys. erythrocephala
Lin. = Psylliodes rufilabris All., Chrys. helxines Lin. = Crepido-
dera fulvicornis auct. und aurata Marsh, vermischt, Chrys. exoleta
Lin. = Teinodactyla femoralis All., Chrys. holsatica Lin. = Cyphon
padi auct., Chrys. barbareae Lin. = Cryptocephalus flavipes Fab.
Suffr., Chrys. merdigera Lin. = Crioceris brunnea Fab., Chrys. cal-
mariensis Lin. = Galleruca lythri Gyll., Chrys. cyanella Lin. =
Lema puncticoUis Curt. (= rugicollis Suffr.). Bei den hier nicht
aufgezählten Arten hat sich die bisherige Deutung als richtig heraus-
gestellt. — Verf lässt ausserdem Notizen über verschiedene Fa-
hr icius'sche Chrysomelen aus der Banks'schen Sammlung folgen.
Sagridae. — Snellen van Yollenhoven, Jets over het
cocon van Sagra Boisduvalii Dej. (Tijdschr. voor Entomol. V. p. 97 f.
pl. 5). Verf. giebt eine Beschreibung und Abbildung des Puppen-
gespinnstes von Sagra Boisduvalii ; dasselbe ist länglich eiförmig,
32 Mill. lang, hart, erdbraun, von rauher Oberfläche. Es fanden
sich mehrere solcher Cocons zusammen in einem Wurzelstücke eines
Javanischen Baumes.
Crioceridae. — Baly (Annais of nat. hist. 3. ser. X. p. 17)
beschrieb Lema frontalis als n. A. von der Lizard-Insel (Nord-Ost-
Australien) und Bowringii von Pulo-Penang.
Archiv f. Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. CC
434 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
L, V. Hey den ( Jahresber. d. naturf. Gesellscli. GraubündensVIIL
p 44) machte die im Engadin auf Lilium Martagon lebende Larve
der Crioceris alpina Redtenb. bekannt.
Cryptocephalidae. — Stierlin (Mittheil, der Schweiz,
entomol. Gesellsch. 11. p. 64) unterschied Cryptocephalus Rhaeticus
(Heyd. i. lit.) vom Bernina als eigene Art von Crypt. flavipes Fab.
Schaufuss (Annal. soc. entom. 4. ser. II. p. 312) diagnosti-
cirte Packybrachis regius und Snffrianii als n. A. aus Südspanien.
Eumolpidae. — Baly (Journal of Entom. I. p. 450) machte
eine neue Gattung Vyrofida bekannt, mit Chrysopida nahe ver-
wandt und in der Bildung der Vorderbrust übereinstimmend, durch
kürzeren, gedrungeneren Körper, kürzere Beine, die weder verdickt
noch bewehrt sind , kürzeren , hervorragenden Kopf und weniger
hervorspringende Augen unterschieden. — Art : Pyrop. sumptuosa
von Malacca. — Colasposoma Downesii n. A. aus Indien und Eu-
ryope monslrosa von -Port Natal beschrieb derselbe (Annais of nat.
hist. 3. ser. X. p. 19).
Wollaston' (Annais of nat. hist. 3. ser. IX. p. 441) diagno-
sticirte Pseudocolaspis obscuripes und splendidula als n. A. von den
Canarischen Inseln.
Parhnephorus rugaticollis Miller (Wien. Ent. Monatsschr.VI.
p. 281) n. A. von Corfu, Psevdocolaspis nibripes Schaufuss (Annal.
soc. entom. 4. ser. II. p. 311) n. A. aus Griechenland, Chalcoplacis
antipodum Fauvel (Bullet, soc. Linneenne de Normandie VII. p. 167)
n. A. aus Neu-Caledonien.
Chrysomelae genuinae. — C. Stäl, Monographie des
Chrysomelides de l'Amerique. I. 11. üpsal. 1862 — 63 ( zusammen
176 pag. in 4., Separat- Abdruck aus den Nov. Acta societ . scient.
Upsalensis, 3. ser. IV). Verf. hat sich seit mehreren Jahren in sehr
eingehender Weise mit dem Studium der Amerikanischen Chryso-
melen beschäftigt und sich zur Herausgabe des vorstehenden Wer-
kes, von dem vorläufig die beiden ersten Lieferungen vorliegen (die
zvfeite im J. 1863 erschienene wird hier der Uebersichtlichkeit halber
gleich mit angezogen) ein sehr ausgedehntes Material zugänglich
zu machen gewusst, nämlich ausser den Staatssammlungen zu Stock-
holm, Berlin, Wien und Paris auch alle bedeutenderen Privatsamm-
lungen Deutschlands, Englands und Frankreichs in ihrem gegenwär-
tigen Artenbestande erschöpft. Durch diesen Umstand erwuchs ihm
zugleich der Vortheil, die Nomenklatur und Synonymie meist nach
den Originalexemplaren feststellen zu können. Ursprünglich nur
mit dem Plane umgehend, die Gattung Doryphora Illig. monogra-
phisch zu bearbeiten, sah sich Verf. bald aus dem Grunde, dass die
Gränzen dieser Gattung festzustellen beträchtliche Schwierigkeiten
auftauchten, zu einer weiteren Ausdehnung seiner Untersuchungen
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 435
veranlasst und diese führten zu dem Kesultate, dass nicht nur die
Doryphoren, sondern auch die Mehrzahl der für Amerikanische
Chrysomelen aufgestellten Gattungen, wie Cosmogramma, Desmo-
gramma, Zygogramma , Deuterocampta , Proseicela , Leptinotarsa,
Calligrapha u. s, w. von der Gattung Chrysomela (im Sinne der
Autoren für>die Europäischen x\rten) nur durch habituelle und Grup-
pen-Charaktere, nicht aber durch strikte generische Merkmale ver-
schieden seien und deshalb wieder mit ihr vereinigt werden muss-
ten. In einer der Artenbeschreibung vorangeschickten synoptischen
Tabelle nimmt Yerf, nur 13 Amerikanische Chrysomelen-Gattungen
an, von denen Timarcha 2 . Chrysomela beim Schlüsse der zweiten
Lieferung schon 327 Arten umfasst. Dieselben sind nach der Be-
schaffenheit der Fussklauen, der Bildung des Brustbeins, der Form
Skulptur , Bekleidung und Farbe des Körpers, der Fühlerbildung
u. 8. w. unter 16 verschiedene Gruppen gebracht, welche den früheren
Gattungen Doryphora (264 A.) , Elytrosphaera (12 A.), Strichosa
(1 A.) , Proseicela (5 A.) , Leptinotarsa und Myocoryna (27 A.) und
Deuterocampta (14 A.) entsprechen. Die bei weitem grössere Zahl
der neuen Arten war vom Verf. bereits in der Öfvers. Vetensk. Akad.
Förhandl. vorläufig diagnosticirt worden; einige nachträglich hin-
zugekommene finden sich zuerst in der Arbeit selbst aufgestellt.
Baly (Annais of nat. bist. 3. ser. X. p, 20 ff.) beschrieb Chry-
somela eximia und Wallacei als n. A. aus der Mandschurei, Krishnu
aus Indien, Grulii von Rangoon, Bonvouloirii aus Indien, Stevensii
von Rangoon, ÄustraUca erudila und (Stcthomela) gibbosa vom Daw-
son's-River, Plagiodera Trimeni vom Cap, viridimllala von Port Na-
tal, cinctipennis aus Indien, Gonivclena scutellaris, thoracica und ae-
neipennis aus Nord-China, rubripentiis und nigroplagiata aus Japan.
Fauvel (Bullet, soc. Linneenne de Normandie VII. p. 177 f.)
Paropsis panlherina und Sidneyensis als n. A. von Sidney.
Stierlin (Mittheil. d. Schweiz, entomol. Gesellsch. II. p. 65)
Phratora major als n. A. aus dem Engadin und Lina alpina nach
Engadiner Exemplaren von 7000' Höhe.
Reiche (Annal. soc. entom, 4. ser. II. p. 298) Phratora pu-
mila als n. A. von Corsika.
Gallerucariae. — Baly (Journ, of Entom. I. p. 451 ff.
pl. 21) machte folgende neue exotische Arten und Gattungen aus
der Halticinen-Gruppe bekannt: Podontia spectabilis aus Nordchina,
Päd.? basalis von Mysol, vittala von Port Natal (auch Pod. 14-pun-
ctata Fab. wird in ihren Abänderungen erörtert). — Xenidea,
nov. gen. (pl. 21, fig. 4), mit Plectroscelis verwandt, von eiförmigem,
stark gewölbtem Körper mit punktstreifigen Flügeldecken, senk-
rechtem, der Länge nach gekieltem Gesichte, kleinem, etwas verdick-
tem zweiten und fast doi^pelt so langem dritten Fühlergiiede, an
436 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
der Basis jederseits eingedrücktem Prothorax, an der Spitze ge-
kämmten , oberhalb gefurchten Hinterschienen und fast die halbe
Länge des Hintertarsus messendem ersten Gliede. . — Art: Xen. al-
tcrnata von Aru und Neu - Guinea. — Plectrotetra, nov. gen.
(pl. 21. flg. 3), durch den langgestreckten, fast gleichbreiten Körper
an gewisse Gallerucen (z. B. Ehaphidopalpa) erinnernd, mit ent-
sprechend langen Fühlern, deren drittes bis fünftes Glied beim
Männchen nach aussen gegen die Spitze hin etwas erweitert ist.
Prothorax quer viereckig, Flügeldecken viel breiter als dieser, mit
abgesetzten Schulterecken und paarig gestreift - punktirt, Vorder-
und Mittelschenkel leicht, die hinteren stärker verdickt, die vorde-
ren Schienen beim Männchen aussen vor der Spitze mit starkem
Dorne bewehrt, die hintersten in einen zusammengedrückten, stum-
pfen Fortsatz ausgezogen, Fussklauen gespalten, der innere Zahn
etwas kürzer und eingekrümmt. — Art: Plect. ClarJiii von Oaxaca.
— N onarthra, nov. gen. (pl. 21. fig. 1). von eiförmigem, gewölb-
tem Körper, sehr ausgezeichnet durch kurze, gegen die Spitze hin
allmählich verdickte, nur neungliedrige Fühler, deren Glieder vom
vierten ab erweitert und flachgedrückt sind. Halsschild klein, halb-
kreisförmig , Flügeldecken fein punktirt , mit vor der Mitte leicht
erweitertem Seitenrande. — Zwei Arten: Non. imriabilis aus Nord-
Indien und ornata von Penang. — Psylliodes Brettinghami n. A. aus
Ostindien. — Acrocrypta, nov. gen. (pl. 21. fig. 6 — im Texte
steht irrig: fig. 5), mit Acroleuca Chevr. zunächst verwandt, durch
kürzere, dickere, mehr zusammengedrückte und erweiterte Fühler,
so wie durch das fast kuglig verdickte , grosse vorletzte und das
ganz kurze, verborgene Endglied der Kiefertaster unterschieden ;
Körperform sehr kurz eiförmig, gedrungen. — Zwei Arten: Acr.
Moukotii und dimidiata von Cambodja. — Camoena, nov. gen.
(pl. 21. flg. 5 — nicht fig. 7, wie im Texte angegeben). Körper
länglich eiförmig . massig gewölbt , Gesicht dreieckig, zweites und
drittes Fühlerglied verkürzt, Thorax trapezoidal, vor der Basis mit
einer Querfurche, Flügeldecken zerstreut und fein punktirt; Hinter-
schienen mit kurzem Enddorne, Tarsen an der Spitze derselben
eingefügt. — Art: Com. tibialis aus Brasilien. — Medonia, nov.
gen. (pl. 21. fig. 7, nicht fig. 6, wie im Texte angegeben ist). Kör-
per regelmässig eiförmig, Gesicht fast senkrecht, dreieckig, Augen
gross, hervorragend, zweites Fühlerglied kurz, drittes mehr denn
doppelt so lang ; Thorax stark verkürzt und nach vorn verengt, Flü-
geldecken fein und zerstreut punktirt. — Art: Med. BntesiiYOiiEga,.
F. Kutschera setzte seine Beiträge zurKenntniss der Eu-
ropäischen Halticinen in der Wien. Ent. Monatsschr. VI. p. 47, 97
und 215 ff. mit drei neuen Abschnitten fort. In denselben wird die
Gattung Haltica mit der achten Gruppe Balanomorpha (5 A.. darun-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 437
ter Bai. ambigua n. A.) abgeschlossen und ausserdem die Gattung
Longitarsus abgehandelt ; letztere umfasst 15 Arten, unter denen
Long, aeneus (fuscoaeneus Foudr., nee Redtenb ), cuprinus und ab-
sinthii (Bach i. lit.) als neu beschrieben werden.
Fauvel (Bullet, soc. Linneenne de Normandie VII. p. 168 ff.)
beschrieb Adimonia Caledonica und Monolepta semiriolacea als n. A.
aus Neu-Caledonien.
Aube (Annal. soc. entom. 4 ser. 11. p. 74) Lvpertis Garieli
als n. A. aus den Basses-Alpes, Reiche (ebenda p. 298j Graptodera
impressicollis als n. A. aus Gorsika und Sardinien und (p. 545) Ma-
lacosoma Gaudionis als n. A. aus Macedonien.
Cassidariae. — Monographia Cassididarum auct. C. Bohe-
man. Tomus quartus (Supplementum). Holmiae 1862. (8- 504 pag.).
— Nach Abschluss seiner in drei Bänden publicirten Monographie
ist dem Verf. ein ansehnliches Material an neuen Arten (372) zu-
gegangen , welches zum Theil zwar schon in einem Cataloge des
British Museum (Coleoptera pt. IX) beschrieben w^orden ist, in dem
vorliegenden Supplementbande aber durch weitere Nachträge be-
reichert nochmals veröffentlicht wird. Zugleich dient dieser Band, der
ausser den Beschreibungen der neuen Arten ein systematisches Ver-
zeichniss der in den früheren Bänden beschriebenen enthält (in welches
die hinzugekommenen gehörigen Orts eingeschaltet werden) als Sach-
register für das ganze Werk, welches nunmehr über 1700 Arten umfasst,
von denen 1668 dem Verf. aus eigener Anschauung bekannt geworden
sind. Der bedeutendste Zuwachs ist denjenigen Gattungen geworden,
welche schon in der ersten Bearbeitung eine sehr beträchtliche An-
zahl von Arten umfassten, wie Mesomphalia (208 A.), Cassida (230 A.)
und Coptocycla (469 A ). Als Einleitung giebtVerf. eine interessante
Uebersicht über die geographische Verbreitung der ganzen Gruppe
sowohl als der einzelnen Gattungen und Arten. Hiernach ist die neue
Welt (mit 1235 A.) fast dreimal so reich als die alte (453), indem auf
Europa 49, auf Asie^ 185, auf xlfrika 219, auf Australien 36, aufNord-
amoj'ika 203 und auf Südamerika 996 Arten kommen. In Asien sind
die meisten Arten auf Ostindien (75 A.), Java (35 A.). die Philippinen
(16 A.) und Ceylon (13 A.), in Afrika auf das Cap (39 A.), Madagas-
car (38 A.), das Caffernland (34 A.), Old - Calabar (24 A.), Senegam-
bien (23 A.), in Amerika auf Brasilien (614 A.), Mexiko (135 A.),
Guyana (108 A.), Columbien (103 A.), Bolivia (76 A.), Peru (48 A.)
und Buenos-Ayres (22 A.) concentrirt. — Nicht eine einzige Art ist
der alten und neuen Welt gemeinsam, von 38 Gattungen kommen
nur 3 beiden zu ; acht Gattungen sind der alten, 27 der neuen eigen-
thümlich.
Smith zeigte in der Entomologischen Gesellschaft zu London
438 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
eine lebende Aspidomorpha St. Crucis vor, welche 56 Tage unter-
wegs war und noch 60 Tage in London lebte ; während ihrer letzten
Tage wurde der lebhafte Goldglanz ihrer Oberseite dunkel kupfer-
farbig. (Proceed. entom. soc. 1861. p. 12 und 18).
Erotylidae. F a u v e 1 (Bullet, soc. Linneenne de Normandie VIL
p. 171 f.) beschrieb Episcapha Reichet und Äustrocaledonica als n. A.
von Neu-Calodonien.
Hörn (Proceed. entom. soc. of Philadelphia L p. 188) Lan-
guria Uhleri n. A. von Baltimore und Triplax frontalis aus Texas.
Waterhouse, Notes on the species of Triplax of Stephens'
Illustrations and collection (Transact. entom. soc 3. ser. I. p. 129).
Nachuntersuchung der Stephens'schen Typen ist Triplax castanea
Steph. = russica, Tr. bicolor Steph. = ruficollis Lac, Tr. ruficoUis
Steph. = nigriceps Lac.
COCCinellina. Als neue Arten wurden beschrieben: Adonia
Corsica und Coccinella obliquata aus Corsika von Reiche (Annal.
soc. entom. 4. ser. II.. p. 299 f.), Epilachna angusticollis aus Andalu-
sien von demselben (ebenda p.-545). Coccinella Andersoni aus Ma-
deira von Wollaston (Annais of nat. hist. 3. ser. X. p. 337), Epi-
lachna Montrouzieri und Blanchardi aus Neu-Caledonien von Fauvel
(Bullet, soc. Linneenne de Normandie VII. p. 174), Novius decempvn-
ctatus aus Andalusien von Kraatz (Berl. Ent. Zeitschr. VI. p. 272).
Waterhouse (Proceed. entom. soc. 1861. p. 4 und Transact.
entom. soc. 3. ser. I. p. 132 ff.) unterschied von Scymnus discoideus
Illig , den er näher charakterisirt , zwei bisher damit vermengte
Arten als Scymnus Mnlsanti und limbatus (Kirby mscrpt.) aus Eng-
land. — Ferner macht derselbe (Proceed. entom. soc 1861. p. 6)
Mittheilungen über die von Stephens beschriebenen Clambus- Ar-
ten und erörtert die drei bei London vorkommenden Clamb. minu-
tus Sturm, armadillus de Geer und pubescens Redtenb.
Nach Vinson (Bullet, soc. entom. 1862. p. 26) ist Rodalia
Guermesina Muls. ein auf Isle Bourbon sehr nüteliches Insekt, wel-
ches einen sehr häufigen und fast allen Bäumen und Sträuchern der
Insel sehr schädlichen Coccus vertilgt. Verf. macht kurze Mitthei-
lungen über die ersten Stände der Coccinelle und ihre Lebensweise.
Perris (Annal. soc entom. 4. ser. IL p. 225 ff. pl. 6. fig. 593
— 610) beschrieb die ersten Stände von Coccinella (Calvia) 14-gut-
tata Lin.j Novius cruentatus Muls. und Scymnus marginalis Rossi.
Die Larven aller drei Arten leben unter der Rinde von Pinus mariti-
ma, die erste derselben nährt sich von Blattläusen ; die Nahrung der
beiden letzteren, welche unter einander habituell recht wesentlich
abweichen, ist dem Verf. unbekannt geblieben.
Doebner (Berl. Ent. Zeitschr. VI. p. 67) erörterte die Larve
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 439
und Puppe von Epilachna 11-maculata Fab.; die Larve lebt im Juli
auf Bryonia dioica.
Hymenoptera.
F. Smith, Catalogue of Hymenopteroiis Insects col-
lected bj Mr. A. Wallace in the islands of Ceram,
Celebes, Ternate and Gilolo (Journal proceed. Linn. soC;
ZoologyVI. p. 36 — 66. pl. 1). Aufzählung von 148 Ar-
ten, welche dem grösseren Theile nach den Hymeno-
pteris aculeatis angehören und unter denen die Formlca-
rien besonders reich vertreten sind. Etwa die Hälfte der
aufgeführten Arten wird vom Verf. als neu beschrieben.
Derselbe, Descriptions of new species of Austra-
lian Hymenoptera and of a species of Formica from
New-Zealand (Transact. entom. soc. 3. ser. I. p. 53 — 62).
Die Mehrzahl dieser als neu beschriebenen Australischen
Arten gehört den Apiarien, einzelne den Porapiliden, Cra-
broniden und Vesparien an ; ihre Gesammtzahl beträgt 20.
Derselbe, Descriptions of new species of aculeate
Hymenoptera, collected at Panama by R. W. Stretch,
with a list of described species and the various localities
where they have previously occurred (ebenda 3. ser. I.
p. 29 — 44). Ausser verschiedenen neuen Arten von Hy-
menopteris aculeatis (Formicinen, Mutillarien, Pompiliden,
Vesparien und Apiarien) werden auch einige neue Ich-
neumoniden von Panama beschrieben.
Einige neue exotische Hymenoptera aculeata wurden
ferner von Ach. Costa im Annuario del museo zoolo-
gico. Anno I. (Napoli 1862. 4.) p. 66 und 96 ff. bekannt
gemacht.
T. Cresson, A Catalogue of the described species
of several families of Hymenoptera inhabiting North-
America (Proceed. entom. soc. of Philadelphia I. p. 202
—211 und p. 227— 238). Dieses sehr nützliche Arten-
verzeichniss der bis jetzt bekannt gemachten Nord-Ame-
rikanischen Hymenopteren , welches mit dem Citat der
ersten Beschreibung und mit dem Fundort jeder Art ver-
sehen ist, erstreckt sich vorläufig auf die Familien der
440 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Cynipiden, Evaniiden, Iclineumoniden, Braconiden, Clial-
cidier, Proctotrypiden^ Chrysiden, Crabroniden und Larri-
den. Eine Fortsetzung desselben für die noch übrigen
Familien wäre der leichteren Uebersicht des Materials
halber sehr wünschenswerth.
Edw. Norton^ Description of several new Hyme-
noptera (ebenda I. p. 198 — 200; machte fünf neue Ten-
thrediniden und eine Ibalia aus Nord-x\merika bekannt.
E. Brischke, Die Hyraenopteren der Provinz
Preussen (Schriften d. physikal.-ökonom. Gesellsch. zu
Königsberg IL p. 1—37, p. 97—118 und IIL p. 1—14).
Yerf. vervollständigt das schon früher durch v. Siebold
zusammengestellte Verzeichniss der Preussischen Hyme-
nopteren zunächst durch Aufzählung der (in jenem noch
ganz fehlenden). Arten der Gattung Ichneumon, deren
ihm 253 bekannt geworden sind ; mehrere derselben wer-
den als neue Arten beschrieben , andere bisher nicht be-
stimmbare ohne Beilegung eines Namens kurz charakte-
risirt. — Von den durch v. Siebold bereits verzeich-
neten Familien der Hymenoptera aculeata giebt Verf.
eine erneuete und durch reichen Zuwachs vermehrte Auf-
zählung; die Apiarien sind durch 199, die Vesparien
durch 29 , die Crabroniden und Pompiliden durch 146,
die Heterogynen durch 13, die Chrysiden durch 29 und
die Formicarien durch 35 Arten repräsentirt.
F. Smith, Notes on Hymenoptera observed during
the past season ; some observations on Hymenopterous
parasites and a monograph of the family Chrysididae
(Entom. Annual for 18G2. p. 69—104). Die Mittheilungen
des Verf.'s betreffen Arten aus den Familien der Api-
arien, Heterogynen, Formicarien und Chrysiden; die
wichtigeren unter denselben sind gehörigen Orts ange-
führt.
Sichel, Observations hymenopterologiques (Anna-
les soc. entom. 4. ser. II. p. 119 u. 595 f.). Bemerkungen
über einzelne Arten aus den Familien der Apiarien, Ten-
thrediniden und Evaniiden, welche gleichfalls bei diesen
angeführt werden.
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 441
Apiariae. Bei Gelegenheit der 11. Wanderversammlung Deut-
scher Bienenwirthe zu Potsdam im September 1862 wurde vom
Ref. eine kleine Schrift: ,,Ueber die geographische Verbreitung und
die Abänderungen der Honigbeine nebst Bemerkungen über die aus-
ländischen Honigbienen der alten Welt" publicirt (Potsdam 1862. 8.
75 S. — Im Auszuge wiedergegeben : Bienenzeitung XVHI. Jahrg.
December 1862. S. 284—289, in's Englische übersetzt : On the geo-
graphica! distribution and varieties of the Honey-bee, with remarks
upon the exotic Honey-bees of the Old-World, Annais and magaz.
of nat. hist. 3. ser. XL p. 270—283 und p. 333—347). Es wird in
derselben auf historischem Wege die vielfach verbreitete Annahme
zu widerlegen gesucht, dass die Honigbiene aus den wärmeren
Strichen der alten Welt nach Europa eingeführt worden sei und
sowohl die ursprüngliche als die durch Uebersiedelung bewirkte
Verbreitung derselben erörtert. Die erstere wird für Europa, ganz
Afrika von Algier bis zum Cap und die grössere nördliche Hälfte
Asiens bis nach China hin nachgewiesen ; die letztere beschränkt
sich auf verschiedene Länder Amerika's. Mit der weiten Verbrei-
tung der Biene in der alten Welt ist eine mannigfache Veränder-
lichkeit in Grösse und Färbung verbunden, welche die älteren Au-
toren zur Aufstellung einer Reihe vermeintlicher Arten (Ap. ligu-
stica Spin., cerifera und remipes Pall., fasciata, Adansonii und uni-
color Latr., caffra und nigritarum Lepel., cerana Fab. u. a.) veran-
lasste, welche jedoch ohne allen spezifischen Werth ist. — Ausser Apis
mellifica sind bis jetzt nur drei Arten der Gattung, sämmtlich auf
Ostindien und die daran gränzenden Inselgruppen beschränkt und
gleichfalls unter zahlreichen, auf Färbungs-Abänderungen beruhen-
den Namen beschrieben, bekannt geworden, nämlich: Apis dorsata
Fab. (nigripennis Latr., bicolor Klug, zonata Guer., zonata Smith),
welche beträchtlich grösser als Ap. mellifica und mit dreizehn Bor-
stenreihen am Metatarsus der Hinterbeine (Arbeiter) versehen ist, Apis
Indica Fab. (socialis Latr., Peronii und Perrottetii Guer., nigro-
cincta Smith) und Apis florea Fab. (Indica Latr., mas: Ap. lobata
Smith), beide kleiner als Apis mellifica und in der Zahl der Bor-
stenreihen am Metatarsus der Hinterbeine mit ihr übereinstimmend.
Miss Staveley, Notes on the form of the comb (Pecten)
in different Andrenidae and Apidae, and on the alar hooks of the
species of Sphecodes and Halictus (Proceed. zoolog. soc. of London
XXX. p. 118—123 und Annais of nat. hist. 3. ser. X p. 152 ff.) Die
Verfasserin macht auf eigenthümliche Haargebilde auf der Chitinhaut
der Maxillen bei den Apiarien aufmerksam, welche sie durch stark
vergrösserte Abbildungen im Holzschnitte erläutert. Dieselben fan-
den sich bei 27 verschiedenen Apiarien-Arten gleichmässig vor und
bestehen in einer grösseren Anzahl langer, leicht gekrümmter, kamni-
442 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
artig aneinander gereihter Dornen; bei den Andreniden und bei
Panurgus zeigt sich diese Dornreihe an der Basis der Lade, innen
vor der Einlenkung des Tasters, während sie bei den genuinen
Apiarien an dem Aussenrande des Stipes, dicht vor der Einlenkung
des Tasters angebracht ist. Sie fehlt den Gattungen Sphecodes,
Halictus. Dasypoda, Epeolus, Coelioxys, Osmia und Chelostoma. —
P'emer fand Verf. an der Spitze der Maxillen von Epeolus und
Osmia kurze röhrenförmige Gebilde, aus deren Lumen ein feiner
Dom hervortritt, und welche, wie die Verf. ganz richtig bemerkt,
den Röhrchen des Spinnfeldes bei den Araneinen ähnlich sind. —
Endlich wurden die Hafthaken der Hinterflügel von Sphecodes und
Halictus abgebildet, welche zum Theil durch auffallend gi-osse Zwi-
schenräume getrennt sind.
S. Bretton, Nogle jagttagelser over humlerne (Schioedte's
Naturhist. Tidsskr. 3. Raek. L p. 76— 93); Verf. macht in dieser (in
dänischer Sprache abgefassten) Abhandlung ausführliche Mittheilun-
gen über die Entwickelungsgeschichte der Hummeln nach Beobach-
tungen an Nestern von Bombus lapidarius. Bei dem Interesse, wel-
ches gegenwärtig die Fortpflanzungsweise der geselligen Hymeno-
pteren in Anspruch nimmt, wäre es wünschenswerth, die Abhand-
lung des Verf.'s durch eine Uebersetzung allgemeiner zugänglich zu
machen. Das Eierablegen der Arbeiterhummeln hat Verf. ebenso
wie Hub er beobachtet.
Smith (Entom. Annual f. 1862. p. 74 ff.) berichtete über das
Vorkommen einiger seltener und bemerkenswerther Bienen in Eng-
land und gab eine Aufzählung der von ihm selbst als Parasiten an-
derer Bienen beobachteten Arten: Epeolus variegatus Parasit von
Colletes Daviesana, Nomada varia von Halictus rubicundus, Nom.
furva von Hai. morio, Nom. solidaginis von Hai. abdominalis, Nom.
Jacobaeae von Andrena fulvicrus, Nom. ruficornis von Andr. nigro-
aenea, Nom. lateralis von Andr. longipes, Nom. baccata von Andr.
argentata, Nom. ochrostoma von Andr. labialis, Nom. borealis von
Andr. Clarkella, Nom. armata von Andr. Hattorfiana, Nom. Germa-
nica von Andr. fulvescens, Nom. sexfasciata von Eacera longicornis,
Coelioxys quadridentata von Megachile argentata, Coel. vectis von
Meg. maritima, Coel. simplex von Meg. Willughbiella, Coel. um-
brina von Saropoda bimaculata, Stelis aterrima von Osmia auru-
lenta, Stel. phaeoptera von Osm. fulviventris, Stel. octomaculata von
Osm. leucomelana, die beiden Melecta-Arten ohne Unterschied para-
sitisch bei Anthophora retusa und acervorum.
Derselbe (Journ. proceed. Linnean soc, Zoology VL p. 59 f.)
beschrieb Nomia clavata und modesla als n. A. von Gilolo, Mega-
chile aterrima von Tondano, placida von Gilolo, laboriosa von Ter-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 443
nate, Xylocopa volatilis und diversipes von Celebes und perforator
von Ternate.
Derselbe (Transact. entom. soc. 3, ser. I. p. 40 und p. 57 ff.)
Halietus Hesperus, Ceralina eximia und placida, Trigona mellarius
(sie!) und laboriosa als n. A. aus Panama, LamprocoUeles venustus
n. A. aus Süd- Australien, cladocerus (durch gekämmte Fühler aus-
gezeichnet) von Sidney, Euryglossa ephippiala und hicolor von Ade-
laide, Dasycolletes ruhellus aus Süd-Australien, Anthoglossa sericea,
Prosopis metallicus , No7nia argentifrons , Andrena advena , Scrapter
carinata und hicolor, Megachile vstulafa , senex und modestus (sie!)
aus Australien.
Derselbe (Proceed. entom. soc. 1862. p. 31) machte kurze
Mittheilungen über das aus Pflanzenfasern gefertigte Nest einer
Anthidium-Art vom Cap der guten Hoffnung, in welchem sich Leu-
cospis ornata (?) als Parasit fand; ferner — dass sich in den
sehr grossen Dornen einer Capensischen Acacien-Art Zellen eines
Hylaeus finden, welche gleichzeitig Eier, Larven und Bienen ent-
halten.
Radochkoffsky, Sur quelques Hymenopteres nouveaux ou
peu connus (Bullet, d. natural, de Moscou 1862. 1. p. 589—598. pl. 6)
gab Beschreibungen und colorirte Abbildungen von Bombus Vosne-
senskii n. A. aus Californien, Amurcnsis aus Südsibirien, Tschit sehe-
rini (Altaicus Radochk. ant.) aus Sibirien, Anthidium auripes Eversm.,
Bartholomei n. A. von Lenkoran, reptans und Sibiricum Eversm.,
Caucasicum n. A. von Dagestan und Greyi n. A. aus Ostsibirien. —
Femer (Stett. Entom. Zeit. XXIII. p. 271. pl. 1. fig. 5) Beschreibung
und Abbildung von Megachile Dohrni n. A. aus Russland (mas
et fem.)
Sichel, Sur des Conopiens parasites d'Hymenopteres (Anna-
les soc. entom. 4. ser. II. p. 120. pl. 14. fig. 2 u. 3) beschrieb Bom-
bus thoracicns als n. A. von Montevideo und theilte zugleich mit,
dass eine ebenfalls neue Art, Conops dimidiatipennis, deren Schma-
rotzer sei. In einer Schachtel mit zahlreichen Exemplaren der ge-
nannten Hummel, welche aus Montevideo an ihn eingesandt wurde,
fand sich ein während der Seereise ausgeschlüpftes Exemplar des
Parasiten abgestorben vor. Andere Fälle vom Schmarotzen der
Conops-Arten in Apiarien werden gleichzeitig angeführt (vgl. Co-
nopidae!).
L. Kirchner, Die Schmarotzer der Bienen (Lotos XII. p. 39 ff.)
gab eine Zusammenstellung der an der Honigbiene, den Hummeln
und den einsamen Sammelbienen vorkommenden Schmarotzer, meist
den Insekten angehörend.
A. Costa (Annuario del museo zoologico I. p. 68) machte
Bemerkungen über Halietus viridis und diversipennis Lepel., wel-
444 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
che abgesehen von ihrer Geschlechtsverschiedenheit von Lepeletier
nach Unterschieden im Flügelgeäder als Species getrennt werden.
Nach C o s t a's Beobachtungen stellen sich die Verschiedenheiten im
Flügelgeäder als individuelle heraus.
Nach Tegetmeyer (Proceed. entom soc. 1861. p. 28) hält
Dr. Leitch die Annahme, dass auf Erziehung einer Bienenkönigin
das bessere Futter influencire, für grundlos und glaubt vielmehr, dass
hier die durch das Ansammeln zahlreicher Bienen in der Nähe der
Weiselwiegen erzeugte höhere Temperatur wirksam sei; durch Mes-
sungen mittelst eines subtilen Thermometers lasse sich feststellen,
dass die Temperatur in der Nähe der Weiselwiegen höher als ir-
gendwo im Stocke sei. (Die obige Annahme wird ebenda p. 33 wi-
derlegt.)
A. Büchting, Bibliographie für Bienenfreunde oder Ver-
zeichniss der in Bezug auf die Bienen von 1700 bis Mitte 1861 in
Deutschland und der Schweiz erschienenen Bücher und Zeitschriften.
(Nordhausen 1861. 75 S. in 16.). Becensirt von Hagen in Stett.
Entom. Zeitung XXIII. p. 123.
Vespariae» H. de Saussure („Sur divers Vespides Asiatiques
et Africains du musee de Leyden", Stett. Entom. Zeitung XXIII.
p. 129 —141 und p. 177 — 207) machte folgende neue Arten dieser
Familie bekannt: Icaria copinria von Java, socialis vom Indischen
Archipel?, cjvcgaria aus Neu -Holland, plebeja von Gorontalo, Ca-
pensis aus Süd-Afrika und Polistes Snelletii aus Japan, Eumenes py-
riformis von Java und Sumatra, Rhynchivm Vollenhoveni von Java,
Snelleni von Borneo, Javaman, Chinense, argentatum Fab. (= me-
tallicum Sauss.) , Odyyierus (Ancistrocems) cylindricus von Celebes,
{Pseudodynerus) cxiymis von Java, {Epsilon) aureus von Timor, gut-
tiilalus (= multipictus Smith) von Sumatra, armahis von Celebes,
mucronatus von Guinea, {Anlepipona) pocilhim von Timor und meri-
dionalis vom Cap. Ausserdem giebt Verf. wiederholte Beschreibun-
gen einer Reihe schon von Smith charakterisirter Arten so wie
Nachträge und Verbesserungen zu seinen Etudes sur la famille des
Vespides , z. B. eine neue Anordnung der Arten innerhalb der Gat-
tungen Icaria und Rhynchium.
Smith (Journal proceed. Linnean soc, ZoologyVI. p.58) be-
schrieb Odynerus fallax als n. A. von Gilolo und Ischnogaster auri-
frons von Celebes (Transact, entom. soc. 3. ser. I. p. 37 ff.) Odynerus
productus, Eumenes placidus, Polistes modestus und Polyhia simillima
als n. A. von Panama und (ebenda p. 56) aus der Gruppe der Ma-
sariden: Paragia deceptor als n. A. von Australien.
Th. Bold, Gurions instinct of Wasps (Tynes. Transact. V.
1861. p. 102) ist dem Ref. nicht zugänglich gewesen.
Crabronina. Smith (Journ. proceed. Linnean soc. Zoology VI.
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 445
p. 55 f.) machte Sphex ferox n. A. von Amboina und Celebes, Lar-
racla chnjsobapta von Tondano auf Celebes und Pkilanthus notatulus
von Menado bekannt. — Ferner (Transact. entom. soc. 3. ser. I.
p. 55) Gonjtes bellicosus und eximius als n. A. von Adelaide.
Costa (Annuario del museo zoologico I. p 66 f.) Sphex sum-
ptuosa und chlorargyrica, Enodia piibidorsum als fragliche n. A. aus
Brasilien.
Nach Osten-Sacken (Stett. Entom. Zeit. XXIII. p. 411) baut
Pelopoeus lunatus ein gleiches Nest wie Eumenes fraterna Say (?)
und ist ebensowenig wie andere- Nord - Amerikanische Arten der
Gattung Parasit von Wespen. Trypoxylon benutzt die verlassenen
Pelopoeus-Nester für seine Brut, theilt dann aber die Zellen der letz-
teren durch eine Scheidewand; in anderen Fällen baut nach Walch's
Beobachtung Trypoxylon auch ein eigenes Nest.
Fompilidae. F. Smith, Descriptions of new species of Me-
xican Pompilidae, belonging to the genera Pompilus, Agenia, Prio-
cnemis, Notocyphus and Ferreola (Journal of Entom. I. p. 395 — 399).
Die hier als neu beschriebenen Mexikanischen Arten heissen: Pom-
pilus marcidus, lorridns, regalis, ßavopiclus, Agenia Monfezumia, or-
biculala, coerulipes, Priocneniis velox, Notocyphus plagiatus, albopi"
ctus, Ferreola variegala und formosa.
Derselbe beschrieb (Transact. entom. soc. 3. ser. I. p. 35 u. 54)
Pompilus anceps als n. A. von Panama, Pompilus raptor und male- .
sius als n. A. von Sidney; ferner (Journ. proceed. Linnean soc,
Zoology VI. p. 54) Pompilus praedator n. A. von Menado, rußfrons
von Ternate und Mygnimia cognata von Ternate.
Costa (Annuario del museo zoologico I. p. 67) beschrieb das
bisher unbekannte Männchen von Pepsis floralis Lepel.
Buckley, „The Tarantula (Mygale Hentzii Gir.) and its de-
stroyer (Pompilus formosus Say)" in Proceed. entom. soc. of Phila-
delphia I. p, 138. Verf. giebt eine Schilderung von der Art und
Weise, wie Pompilus formosus Say die in Texas häufige Mygale
Hentzii, obwohl sie mindestens von dreifachem Körpergewicht ist,
durch einen oder mehrere Stiche paralysirt und zur Nahrung für
seine Larven in das Nest schleppt.
Heterogyna. Smith (Journal proceed. Linnean soc, Zoology
VI. p. 50 ff.) beschrieb Melhoca thoracica (pl. 1. %• 5) als n. A. von
Celebes, Thynnus atrafus fem. von Gilolo, {Agriomyia) vagans mas et
fem. von Gilolo (pl. 1. fig. 1, 2), Scolia captiva und ambigua von
Gilolo (mit zwei Submarginalzellen und einem Nervus recurrens),
morosa von Tondano auf Celebes (mit zwei Submarginalzellen und
zwei Nervi recurrentes), apicala und intrudens ebendaher (mit drei
Submarginalzellen und einem Nervus recurrens).
446 Gerstaecker: Bericlit üb. d. wissenscli. Leistungen
Derselbe (Transact. entom. sog. 3. eer. I. p. 35) machte
Mutilla araneoides und xanlhoveiala als n. A. von Panama bekannt.
Costa (Annuario del museo zoologicoJ. p. 96 f.) Scolia {La-
cosi) urochrysia und Elis {Campsomeris) formosella als n. A. unbe-
kannten Vaterlands.
Smith (Entomol. Annual f. 1862. p. 78) vermuthet, dass die
Larve der Tiphia femorata parasitisch in einer Aphodius -Larve lebe;
er fand das Insekt mehrmals unter Kuh- und Pferdedünger.
Ghrysididae. Ein von sehr sorgfältigem Studium dieser Fa-
milie zeugendes selbstständiges Werkchen ist F. Chevrier's „De-
scription des Chrysides du bassin duLeman" (Geneve 1862. 8. 134 pag.),
in welchem Verf. eine systematische Aufzählung und eine sehr sorgsame
Beschreibung der am Genfer See während 15jährigen speciellen
Sammeins von ihm beobachteten Gattungen und Arten der Chrysi-
den liefert. Die Familie ist an der bezeichneten Lokalität besonders
reich vertreten , indem ausser Euchroeus alle bekannten Europäi-
schen Gattungen daselbst aufgefunden worden sind und zusammen
45 Arten umfassen, nämlich 1 Stilbum, 24 Chrysis , 5 Hedychrum,
3 Holopyga , 8 Elampus , 3 Cleptes und 1 Parnopes. Unter diesen
werden 4 Arten als neu beschrieben : Chrysis Saussurei und Dahl-
bomi, Holopyga Jnrinei (Hedychrum lucidum Lepel.) und Sichelii.
Wenn es vorwiegend in dem Plane des Yerf.'s lag. die ihm vorlie-
genden Arten nach allen Seiten hin genau zu charakterisiren und
zu unterscheiden, so hat er nebenbei auch der Synonymie, obwohl
dieselbe von Dahlbom in sehr gründlicher Weise durchgearbeitet
war, seine Aufmerksamkeit zugewandt und ist mit derselben in meh-
reren Fällen zu abweichenden Resultaten gekommen. Darin, dass
Hedychrum regium Fab. das Männchen von Hed, lucidulum Fab.
sei, ist Verf. mit Dahlbom in Einklang und hier gerade nicht ganz
im Rechte, da nach den Erfahrungen des Ref. von Hedychr. regium
(mit ganz blauem Thorax) beide Geschlechter (in copula gefangen)
vorkommen. Von der Form Hed. lucidulum (mit kapferrothem Pro-
und Mesonotum) sind dem Ref. bis jetzt allerdings auch nur Weib-
chen vorgekommen, so dass es scheint, als ob das Männchen nur
in einer, das Weibchen in beiden Farbenvarietäten aufträte.
Smith (Entomol. Annual f. 1862. p. 80ff.) machte Mitthei-
lungen über den von ihm beobachteten Parasitismus mehrerer Chry-
sis-Arten an anderen Hymenopteren und gab eine Aufzählung und
Beschreibung der bis jetzt bekannt gewordenen Englischen Arten
der Familie, deren Zahl sich nach Abzug von zwei Shuckard'-
schen Arten (welche sich als Süd -Europäer herausgestellt haben)
auf 22 stellt: Cleptes 2 A., Chrysis 20 A., Euchroeus 1 A., Hedy-
chrum 5 A., Omalus 3 A. und Elampus 1 A. (Die Benennung der
Hedychrum- Arten des Verf. 's wird schwerlich gebilligt werden kön-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 447
nen ; da das von D a h 1 b o m nicht gekannte Hed. ardens Curt. ge-
wiss nichts anderes als Hed. fervidum Fab. Dahlb. ist, kann letz-
tere Benennung mit dem Beisatz Lepeletier nicht für Hed. rutilans
Dahlb., wie das Smith thut, verwandt werden, abgesehen davon,
dass die vom Verf. als Hed. fervidum Lepel. beschriebene Art mit
dem dabei citirten Hed. rutilans Dahlb, gar nicht identisch zu sein
scheint.)
Assmus s, Enumeratio Hymenopterorum chrysidiformium
gubernii Mosquensis (Bullet, d. natur. de Moscou 1862. H. p. 264 —
270) gab eine Aufzählung von 27 im Gouvernement Moskau gesam-
melten Chrysiden: 2 Cleptes , 3 Omalus , 2 Elampus, 1 Holopyga,
5 Hedychrum. 13 Chrysis und 1 Euchroeus.
Formicariae. F. Smith. Descriptions of some new species of
Ants from the Holy Land, with a synonymic list of others previously
described (Journal proceed. Linn. soc. Zoology VI. p. 31 — 35). Verf.
giebt eine Aufzählung von zehn in Syrien und Palästina gesammel-
ten Arten, die ihm in Kücksicht auf den Fundort von ganz beson-
derer Wichtigkeit scheint. Bei den bekannten Arten wird die Sy-
nonymie zusammengestellt , die neuen beschrieben ; letztere sind :
Formica biparlila, Myrmica jvcunda, gracillima und punica, alle vier
nur nach Arbeitern charakterisirt.
Derselbe (ebenda VI. p. 36 ff.) beschrieb Formier consangui-
nea, circvmsperta, leucophaea, virulens, gibba (Tapinoma) und albipes
(Tapinoma) als n. A. von Tondano auf Celebes, tropica von Gilolo,
PoUjrhachis Orsyllus, lUuliliae, (Jlenus, Democles, Valerus, trispino-
sus, Diaphantus, Amaniis, Cleophaties, exasperatus, Vibidia, Numeriaf
Uipj)omancs, Lycidas, Zopyrus und Earylus als n. A. von Celebes
(Tondano) und Pohjrh. Chaonia von Gilolo, Odontomachus hjrannicus,
Ponera maligiia, nitida und mulabilis von Celebes (Tondano), Myr-
mica pedeslris, rußceps, fnscipennis, perlinax und opaca von Ton-
dano , insolens von Menado auf Celebes , vexalor von Ternate, Cre-
matogaster ampuUarius, Solenopsis laboriosa (Tondano) und pungens
(Menado) von Celebes, Catanlacus flagiliosus und Echinopla dubitata
von Tondano.
Derselbe (Transact. entom. soc. 3. ser. I. p. 29 ff.) beschrieb
als n. A. von Panama : Formt caalbofasciata, striata, simillimaf cor-
rusca. Tapinoma instabilis, Ectatomma scabrosa, Pseudomyrma mode-,
sfa, Myrmica reticulata, glaber (!) und polita.
Derselbe (A list of the genera and species belonging to
the family Cryptoceridae , with descriptions of new species ; also a
list of the species of the genus Echinopla. — Transact. entom. soc.
3. ser. I. p. 407 — 416. pl. 12 u. 13) lieferte eine Aufzählung der bis
jetzt bekannt gewordenen Crj'^ptoceriden, denen er die Beschreibung
einiger neuen hinzufügt: Cryptocerus 34 A. , neu: Crypt. cognatus
448 Gerstae cker:^Bericlit üb. d. wissensch. Leistungen
von Ega, Meranoplus 13 A., neu: Mer. armalus von Sumatra und
oieanicus von der Moreton-Bay, Cataulacus 9 A. und Ceratobasis 1 A.
Die Gattung Echinopla, von der 7 Arten aufgeführt werden, bringt
Verf. jetzt zur Formicinen-Gruppe. Von den neuen und noch nicht
abgebildeten Arten giebt Verf. auf den zwei beifolgenden Tafeln 19
Umriss-Figuren in starker Vergrösserung.
Derselbe (ebenda p. 53) beschrieb Formica advena als n. A.
von Neu-Seeland.
Einige neue exotische Ameisen-Gattungen und Arten beschrieb
ferner J. Roger (Berl. Ent. Zeitschr. VI. p 233—254. Taf. 1). Eine
neue Gattung Monacis gründet Verf auf die bisher zu Polyrha-
chis gerechnete Form, spiuicollis Klug und bispinosa Oliv, (fungosa
Fab.), welche sich durch flachere Augen, ovalen oder herzförmigen
Kopf, vorn zweidorniges Pronotum, die in einen spitzigen Stachel
ausgezogene Schuppe und dadurch, dass das erste Hinterleibsseg-
ment kaum länger als das zweite ist, unterscheiden. — Ausser den
beiden genannten Arten gehören der Gattung zwei neue, hier be-
schriebene : Mon. mucronifern von Cayenne und dolonigera aus Neu-
Valencia an. — Als Hemioptica, nov. gen wird eine zweite Po-
lyrhachis - ähnliche Form abgesondert , w^elche durch grossen, ge-
wölbten, von der Seite gesehen fast rhombischen Kopf, durch die
auf einem ohrförmigen Vors^Drunge sitzenden und nur auf dessen
Vorderseite beschränkten, rückwärts dagegen ausgehöhlten Augen,
ganz besonders auch durch einen das Meso- und Metanotum tren-
nenden tiefen Querspalt (nur beim Arbeiter) ausgezeichnet ist. —
Art: Hern, scissa aus Ceylon und Ostindien. — Formica clavigera
n. A. aus Pennsylvanien. — Acropygn, nov. gen., mit Formica
zunächst verwandt, durch die elfgliedrigen Fühler und den langen,
zugespitzten Hinterleib (nach Art von Methoca) leicht zu erkennen;
Kopf quadratisch, Augen klein, seitlich, Clypeus vorn leicht, aber
weit ausgerandet, die fünfzähnigen Mandibeln nicht erreichend; Kie-
fertaster kurz , zweigliedrig, Lippentaster dreigliedrig, Flügel beim
Weibchen mit einzelner geschlossener Cubitalzelle. — Art : Acrop.
acutiventris, wahrscheinlich von Ceylon. — Dolichoderus scabridiis n.A.
aus Australien, Leptogenys falcata Rog. im männlichen Geschlechte
beschrieben. — Mystrivm. nov. gen., mit Amblyopone und Stigma-
tomma zunächst verwandt ; Kopf niedergedrückt, quadratisch, am Hin-
terrande tief ausgebuchtet, am Vorderrande fein gesägt und mit zwei
Zähnchen besetzt; Fühler zwölf gliedrig, Mandibeln stark klaffend,
schmal, langgestreckt, mit löffeiförmiger Spitze und gezähnter Schneide,
Schuppe nicht vom übrigen HinterleiLe abgetrennt, an diesem das
zweite Segment vom ersten abgeschnürt ; Vorderflügel mit geschlos-
sener Diskoidal- und zwei gleichen Cubitalzellen. — Art: Mystr.
mysticum von Madagascar. — Ooceraea, nov. gen., eine Myrmi-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 449
ciden-Form mit länglich-viereckigem, niedergedrücktem Kopfe, nahe
am Vorderraude des letzteren entspringenden, sehr kurzen Fühlern,
an denen nur der Schaft und das eiförmige Endglied stärker ent-
wickelt, die übrigen Glieder sehr klein sind, rückwärts ausgehöhl-
tem Thorax, aus zwei sehr dicken kubischen Knoten bestehendem
Petiolus und kurzen Beinen. — Art: Ooc. fragosa von Ceylon. —
Labidof) eny s . nov. gen., mit Strumigenys Smith zunächst ver-
wandt, aber durch sechsgliedrige Fühler, dei-en Endglied gross und
von Schaftlänge ist, während die vier Mittelglieder ganz kurz sind,
ferner durch die Form der Mandibeln, welche klaffend, sichelförmig,
an der Basis aussen erweitert und an der Spitze zweizähnig sind,
unterschieden. Kopf gross, verkehrt herzförmig, hinten tief ausge-
buchtet, längs des Seitenrandes ausgehöhlt; Thorax ohne alle Fur-
chen, Metanotum zweizahnig. — Art: Lab. lyroessa von Ceylon. —
Py ramica, nov. gen., der vorigen Gattung sehr nahe stehend und
in der Kopf- und Fühlerbildung wesentlich übereinstimmend; die
Mandibeln sind aber viel langgestreckter , aussen nicht erweitert
und an der Spitze innen zwei- (Arbeiter) oder vier- (Weibchen)
zähnig; Meso- und Metanotum beim Arbeiter durch eine Furche
geschieden. — Art: Pyr. Gundlachi von Cuba. — In Betreff des
Myrmecocystus melligerus erwähnt Yerf. seiner generischen Ueber-
einstimmung mit Cataglyphis viatica Fab.
Derselbe (ebenda p. 255 — 262. Taf. I) setzte seine Beiträge
zur Kenntniss der Ameisenfauna der Mittelmeerländer mit einem
zweiten Stück fort. Camponotus cruentatus Latr. wird nach beiden
Geschlechtern, Formica crepusculascens (= Prenolepis nitens Mayr
fem.) im männlichen, Micromyrma melanocephala Fab. nach Arbei-
tern beschrieben, Micr. pygmaea Duf. in ihren Unterschieden von
Tapinoma erratica erörtert. Atta dentiyera n. A. aus Syrien und
Mesopotamien, gemella n. A. von Mallorca. — Phacota, nov. gen..
mit Atta zunächst verwandt, aber durch kreisrunden Kopf und elf-
gliedrige Fühler unterschieden; Mandibeln klein, schmal, Thorax
ohne Querfurche, Metanotum gewölbt, ohne Zähne, Hinterleib oval,
grösser als der Kopf. Nur Arbeiter bekannt. — Art : Phac Sichelt
von Malaga.
Derselbe (ebenda p. 283 ff.) stellte eine grössere Reihe
synonymischer Notizen über Ameisen zusammen, unter denen be-
sonders eine auf Prüfung der Original-Exemplare begründete Erör-
terung und theilweise nochmalige Beschreibung von 22 Fab rici u s'-
schen Arten wichtig ist. Anhangsweise werden hier als neue Arten
beschrieben: Camponotus anricomns aus Mexiko, Fabricii aus Suri-
nam und Monomorhim Senegalense.
G. Mayr hat unter dem Titel : „Myrmekologische Studien"
(Verhandl. d. zoologisch-botan. Gesellsch. zu Wien 1862. p. 649—776.
Archiv f. Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. J)D
450 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Taf. 19. — Im Separatabdruck : Wien 1862. 8. 128 S.) einen um-
fangreicben Beitrag zur Kenntniss exotischer Ameisen geliefert, wel-
cher zunächst durch die Bearbeitung der während der Novara-Ex-
pedition gesammelten Arten veranlasst, unter gleichzeitiger Beisteuer
der dem Yerf. in Wien zu gänglichen Sammlungen eine weitere Aus-
dehnung gewonnen hat. Derselbe besteht neben zahlreichen syno-
nymischen Bemerkungen und Ergänzungen zu den Beschreibungen
früherer Autoren in der Charakteristik einer ansehnlichen Zahl neuer
Arten, unter denen abermals mehrere zu besonderen Gattungen ab-
gezweigt werden. Um letztere in ihren Beziehungen zu den bereits
bekannten Gattungen leicht fasslich darzustellen , hat Verf. wenig-
stens für die beiden Gruppen der Formicinen und Porieriden, wo
ihre Zahl bedeutender ist, eine analytische Tabelle der ihm über-
haupt bekannten Gattungen entworfen, in dem beschreibenden Theile
aber die neuen noch ausführlich charakterisirt. Als solche sind
unter den Formicinen anzuführen: 1) Cyphomyrmex, nov. gen.,
von allen übrigen Gattungen durch die stark erweiterten, am Vor-
derrande des Kopfes beginnenden und bis zu den Hinterecken rei-
chenden Stirnleisten und durch zwei zwischen diesen liegenden
Längsleisten unterschieden. — Art: Cyph. mimilus von Cuba. 2)
Lepfomyrmex, nov. gen., auf Form, erythro cephala Fab. aus
Neu-Holland begründet. 3) Acanthomyops, nov. gen., für A.
claviger Roger errichtet. 4) Iridom y rmex, nov. gen., für Form,
purpurea Smith und eine neue Art /. nitida aus Neu-Holland. —
Zu der vom Verf. von den Poneriden abgesonderten Gruppe Odon-
tomachidae kommt als neue Gattung: S t enomyrm eT„ für Odont.
emarginatus Fab. und gladiator Smith; zur Gruppe der Poneriden:
1) Trapeziop^lt a, nov. gen., für Ponera maligna Smith. 2) Stre-
bloynathus, nov. gen., für Pon. aethiopica Smith. 3) Odonlo-
p one r a, nov. gen., für Pon. denticulata Smith. 4) B o thr op o ner a,
nov. gen., für Pon. pumicosa Bog. 5) D i a c amm a, nov. gen., für Pon.
rugosa Guill. und vagans Bog. 6) L ob op el t a, nov. gen., für Pon.
diminuta und mutabilis Smith. 7) Megaponcra, nov. gen., für
Pon. foetens Fab. 8) F al tothy r eu s, nov. gen., für Pon. tarsata
Fab. 9) Typhi omyrm ex , nov. gen., von Nycteresia Rog. durch
die am Ende keulenförmig verdickte Fühlergeissel, deutliche Nähte
des Thorax und ungezähnte Fussklauen unterschieden; auf eine
ganz augenlose Art vom Amazonenstrome: Typhi. Rogenhoferi ge-
gründet. — Die Gruppe der Myrmiciden wird durch zwei neue
Gattungen: Is chnomyrmex (für Myrm. longipes Smith) und Phei-
dologeton (für Pheid. ocellifera, Solenopsis laboriosa und Pheid.
silenus Smith)* bereichert. — Die vom Verf. beschriebenen zahlrei^
chen neuen Arten, welche sich auf eine grosse Zahl von Gattungen
vertheilen, brauchen hier nicht speciell namhaft gemacht zu werden,
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 451
da die Arbeit für das Studium exotischer Ameisen unentbehrlich
ist; bei der Gattung Myrmecia analysirt Verf. die Charaktere der
17 bekannten Arten in einer Tabelle.
Walsh (Proceed. entom. soc. Philadelphia I. p. 310 f.) machte
Formica aphidicola und lalipes als n. A. von Illinois bekannt.
L. Dufour (Notices entomdlogiques, Annal. soc. entom. 4.
ser. IL p. 141) beschrieb die von S avigny (pl. 20. fig. 1) abgebil-
dete, aber nicht charakterisirte Ameise unter dem Namen Formica
Savignyi nach Arbeitern und Männchen.
W, H. F eng er (dies. Archiv f. Naturgesch. XXVIII. p 282 —
352. Taf. 10 — 12) lieferte eine ..Allgemeine Orismologie der Ameisen,
mit besonderer Berücksichtigung des Werthes der Classifikations-
merkmale", in welcher er alle einzelnen Körpertheile der Ameisen
nach den mannigfachen Modifikationen, denen sie bei den inländi-
schen Gattungen und Arten unterworfen sind, erörtert und dabei
manche den früheren Untersuchern entgangene Eigenthümlichkeit
theils von speziellem, theils auch von allgemeinem Interesse her-
vorhebt. In einzelnen Fällen hat der Verf. geirrt, z. B. in der An-
gabe von nur zwei Stigmen am Thorax der Ameisen (aus seinen
Beschreibungen und Zeichnungen geht hervor , dass er nur das
Meso- und Metathoraxstigma bemerkt hat, dass ihm dagegen das
Prothoraxstigma , welches freilich nur bei den Arbeitern freiliegt,
beim Männchen und Weil)chen dagegen versteckt liegt, entgangen
ist) ; — ebenso in dem Umfange, den er dem Metathorax zuschreibt,
da nur der Theil desselben, welcher vor dem Metathoraxstigma liegt
und an dem das dritte Beinpaar angelieftet ist, als solcher aufzu-
fassen ist , während die zwischen den beiden Stigmen liegende Rück-
seite morphologisch entweder einem vierten Thorax- oder einem
ersten Abdominalsegment aequivalent angesehen werden muss. — Von
Interesse ist die Deutung, welche Verf. nach Beobachtung an leben-
den Ameisen dem kammförmig gezähnten Sporn der Vorderschienen
als Reinigungsapparat für Fühler und Taster zu geben versucht; die
Ameisen ziehen nämlich letztere Organe,um sie von anhaftenden Kör-
pern zu befreien, zwischen dem Kamme und dem ihm gegenüberlie-
genden ausgerandeten Metatarsus hindurch und erreichen ihren Zweck
um so besser, als die Entfernung der Kammzähne von einander ge-
rade der Stärke der Fühlerhaare u. s. w. entspricht.
Osten-Sacke n, „Ueber stallfütternde Ameisen' (Stett. En-
tom. Zeit XXIII. p. 127) erwähnt zweier Nord-Amerikanischer Amei-
sen, welche Aphiden-Colonien einhegten; die eine umgab einen mit
einer Lachnus-Art besetzten Zweig mit einem röhrenförmigen Fu-
teral aus einer graubraunen , fdzartigen Masse ; die andere hegte
Aphiden in ein kugelförmiges, aus Sand gebautes, V/^ Zoll im
Durchmesser haltendes Gehäuse ein.
452 Gerstaecker; Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Gideon Lincecum, Notice on the liabits of the ,.Agri-
cultural Ant' of Texas, Myrmica malificiens Buckley (mitgetheilt
vonCh. Darwin, Journ. proceed. Linnean soc, ZoologyYI. p. 29ff.)
machte über die genannte Texanische Ameise folgende Angaben.
An trockenen Stellen gräbt sie eine Höhlung, welche sie mit einem
Walle umgiebt, während sie an Orten, die zeitweise überschwemmt
werden, den Bau in Form eines Kegels über der Erdoberfläche auf-
führt. Alle Pflanzen in der nächsten Umgebung des Baues werden
von den Ameisen ausgerodet bis auf eine Grasart, deren Aehre Körner
enthält, welche denen des Reis gleichen ; dieses Gras wird im Gegen-
theile von den Ameisen besonders gepflegt und seine Körner, wenn
sie gereift sind, in die Vorrathskammern eingetragen. Tritt anhal-
tend nasses Wetter ein, so wird der nass gewordene Vorrath von
den Ameisen herausgebracht, um ihn an der Sonne zu trocknen.
Mittheilungen über eine grosse Colonie der Formica rufa
machte van Bemmelen (Tijdschr. voor Entomol. V. p. 21 ff).
Smith (Entomol. Annual f. 1862. p. 70 ff.) bereicherte das
Verzeichniss der Britischen Ameisen um die neuerdings in England
aufgefundene Myrmica unifasciata und machte weitere Mittheilungen
über das Vorkommen der Myrmica laevigata (Oecophthora pusilla
Heer) in England, indem er zugleich Abbildungen derselben giebt.
Desselben ,.A contribution to the natural history of Ants"
(Zoologist 1861. p. 7612) hat dem Ref. nicht zur Einsicht vorgelegen.
Ichneumonidae. Die von Brise hke (Schriften der physikal.-
ökonom. Gesellsch. zu Königsberg II. p 1 ff.) für die Provinz Preus-
sen aufgezählten Ichneumon - Arten vertheilen sich auf die W e s-
mael' sehen Untergattungen folgendermassen : Chasmodes 2 A.,
Exephanes 2 A., Ichneumon 93 A. (/, varians als n. A. beschrieben,
4 andere ohne Namen charakterisirt), Hoplismeuus 2 A., Limerodes
1 A., Amblyteles 30 A. {A. aterrimus und nitidus n. A , drei andere
nicht benannt), Trogus 1 A., Automalus 1 A., Acolobus 1 A., Hepio-
pelmus 2 A. (1 unbenannt beschrieben), Anisobas 1 A-, Listrodromus
1 A., Hypomecus 1 A.. Probolus 2 A., Eurylabus 1 A., Pristiceros
1 A., Platylabus 17 A. (2 A. unbenannt beschrieben), Apaeleticus
1 A.. Gnathoxys 1 A., Herpestomus 5 A. (f/. brunnicctns n. A., eine
andere unbenannt), Colpognathus 1 A., Dicaelotus 2 A.. Centeterus
6 A. (drei unbenannt beschrieben), Phaeogenes 38 A. (Pli. bicolor,
variabilis, nigratus, glaucus und Irochanleratus n. A, , elf andere
unbenannt beschrieben), Diadromus 10 A. [D. bipvnctatus und pyg-
maeus n. A.), Oiorhinus 1 A., Aethecerus 5 A., Oronotus 1 A. (un-
benannt beschrieben), Ischnus 2 A. und xilomya lA. — Eine grosse
Anzahl der durch Grav enhor st und Wesmael bereits beschrie-
benen Arten erörtert der Verf. in ihren Färbungs-Abweichungen
und sonstigen Varietäten.
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 453
Th. Desvignes, Descriptions of new species of the genus
Bassus (Transact. entom. soc I. p. 215—222) machte folgende neue,
in England aufgefundene Bassus-Arten bekannt: Bass. riifocinctus,
maculatus.picitans, scabrosus, albicinctus, frennfor, thoracicus, fJamis ,
planus und pulchellus; ausserdem beschrieb er das Weibchen von
Bassus compressus Brit. Mus. Catal, und von B. elegans Grav.
Derselbe, Descriptions of two new species of Ephialtes
(ebenda p. 226) beschrieb Ephialtes facialis und albicinclus als n. A.
aus England.
Smith (Journal proceed. Linnean soc, ZoologyVI. p. 62 f.)
Ichneumon pallidipechis n. A. von Celebes, Mesostenus ilecoratus von
Gilolo, Cryptus ferrurjineus von Tondano, Rhyssa nobilitator von Ce-
lebes, Xxjlonomvs flnvifrons Yon (j\\o\o. Epixorides (nov. gen.) cha-
lybeator von Ceram. Die neue Gattung Epixorides steht zwischen
Xorides und Xylonomus in der Mitte, hat einen länglich cylindri-
schen Thorax und ein flaches quadratisches Schildchen; Marginal-
zelle der Vorderflügel sehr lang, beiderseits zugespitzt, zweite Cu-
bitalzelle beim Beginne sehr schmal, Diskoidalzelle mit winkligem
Aussenrande und einer Anhangsader an demselben. (Abbildung
pl. 1. flg. 3).
Goureau (Bullet, soc. entom. 1862. p. 2) erzog aus einem
Eiergespinnst der Epeira diadema sechs Weibchen von Pimpla ocu-
latoria im Mai ; später im Juli aus demselben Gespinnst zwei Männ-
chen von Heraiteles melanarius Grav und sechs Exemplare des
Pezomachus agilis Grav. (fem.). Verf. schliesst hieraus, dass die
beiden letzteren .als Männchen und Weibchen derselben Art ange-
hören. (Vgl. dazu Jahresbericht 1859—60. p. 199.)
Evaniidae. Smith (Transact. entom. soc. 3. ser. I. p. 43) machte
eine neue Gattung Leplofoenus bekannt, welche mit Foenus in der
Kürze der Fühler, mit Megischus durch den kugligen Kopf, mit
Pelecinus durch das fast ganz obliterirte Flügelgeäder übereinstimmt.
Die Fühler sind dreizehngliedrig, kürzer als der Thorax, ihr Schaft
kurz, die beiden ersten Geisselglieder sehr klein, das dritte länger
als der Schaft, die drei Endglieder zusammengedrückt und schein-
bar ein Glied bildend; der Kopf ist zur Aufnahme des Fühler-
schaftes tief ausgehöhlt. — Art. Lept. peleciniformis von Panama.
Ebendaher stammt Megischus niyer, n. A.
Sichel (Annal. soc. entom. 4. ser. IL p. 123) führte seine i. J.
1860 aufgestellte Gattung Bothriocerus auf Megischus Brülle zurück.
Braconidae. Eine für die Systematik dieser Familie sehr wich-
tige Arbeit ist Foerster's „Synopsis der Familien und Gattungen der
Braconen" (Verhandl. d. naturh. Ver. d, Preuss. Bheinlande und
Westphalens XIX. p. 225-288. Taf. 3), in welcher er durch analy-
tische Tabellen sowohl die innerhalb der Familie abzugränzen-
454 Gerstaecker: Bericlit üb. d wissen seh. Leistungen
den Gruppen (vom Yerf. unpassend als ..Familien" bezeichnet) als
die den letzteren angehörenden Gattungen festzustellen versucht.
Bei der Abgränzung der von ihm errichteten 26 Gruppen geht
Verf. von der W e s m a e l'schen Eintheilung in Exödontes, Cyclostomi,
Cryptogastres , Areolares und Polymorphi als einer im Ganzen na-
turgemässen aus und zerlegt ganz besonders die nur durch negative
Charaktere verbundenen, sonst aber die heterogensten Elemente in
sich vereinigenden Polymorphi in zahlreiche (15) Gruppen ; nächst
den Polymorphi erfahren die We smae l'schen Cyclostomi die aus-
gedehnteste Zergliederung, nämlich in 7 Gruppen. Unter den Cy-
clostomi sondern sich die Braconoidae von allen übrigen Grup-
pen dadurch ab, dass das Hinterhaupt nicht vollständig vom Scheitel
getrennt, der scharfe Rand desselben nämlich nicht durchgehend
ist; von den übrigen, wo dies der Fall ist, haben die Euspathi oi-
dae einen gestielten, die folgenden Gruppen einen ungestielten
Hinterleib, nämlich (mit zwei Cubitalzellen :) die Hecaboloidae
und (mit drei Cubitalzellen:) die Doryctoidae, Hormioidae,
Rhogadoidae undRhy ssaloid ae. Die Doryctoidae unterschei-
den sich von den drei folgenden durch kubischen, hinter den Augen
nicht verengten Kopf, letztere unter einander durch den Verlauf der
Mittelader und die Skulptur des 2ten und 3ten Hinterleibssegmen-
tes. — Auf Kosten der We smae l'schen Cryptogastres werden die
beiden Gruppen der Sigalphoidae (mit zwei) und der C h e 1 o-
n o i d a e (mit drei Cubitalzellen) gebildet, während die Areolares
drei Gruppen abgeben: die Microgasteroidae mit behaarten
Augen, die Agathidoidae mit kahlen Augen und rüsselförmig
verlängerten Unterkiefern nebst Unterlippe und die Eumicrodoi-
dae mit nackten Augen und nicht verlängerten Mundtheilen. —
Die Polymorphi Wesmael's sondert Verfasser zunächst in solche
mit deutlich , meist lang gestieltem und in solche mit kurz oder
gar nicht gestieltem Hinterleibe. Zu ersteren gehören die Grup-
pen der Pachylommatoidae (mit verlängerten, verdickten
oder sehr breiten Hinterhüften und Hinterschienen), die Aphidioi-
dae (mit nur einer oder ohne geschlossene Humeralzelle) , die
Euphoroidae (mit zwei geschlosseneu Humeralzellen und zwei
Cubitalzellen) und die Perilitoidae (mit zwei Humeral- und
drei Cubitalzellen); zu letzteren: a) mit zwei Cubitalzellen: die
Brachistoi dae (hintere mittlere Schulterzelle geschlossen), die
Blacoidae (dieselbe an der Spitze offen, Legebohrer gerade vor-
stehend) und die Liophronoidae (Bohrer abwärts und gegen
die Hinterleibsbasis hin gekrümmt). — b) mit drei Cubitalzellen : die
Ichneutoidae (mit kurzem Radialfelde), die Helconoidae,
Macroceutr oidae, Diospiloidae und Opioidae (mit ver-
längertem Radialfelde) ; eretere mit verdickten Hiuterschenkeln und
im Gebiete d. Entomologie während des Jahree 1862. 455
sehr grosser Stirngrube, letztere drei mit nicht verdickten Hinter-
schenkeln und kleinerer Stirngrübe. — Die WesmaeTschen Exo-
dontes endlich werden in die beiden Gruppen der Alysipidae
(mit drei) und Dacnusoidae (mit zwei Cubitalzellen) aufgelöst.
— In demselben Verhältnisse wie die Zahl der Gruppen ist auch
diejenige der Gattungen vom Verf. vermehrt worden; dieselbe
stellt sich nach ihm -auf 208, und zwar -in folgender Vertheilung :'
1) Braconoidae 8 Gatt.: Iphiaulax nov. gen. (Brac, impostor
Scop.), Vipio Latr. (Brac. desertor Fab.), Bracon Fab. (Brac. minu-
tator Fab.), Phanomeris nov. gen. (Exothecus abnormis Wesm.),
Xenar cha nov. gen. (Colastes lustrator Halid.), Xijnobiu$ nov.
gen. (n. k.), Exothecus Wesm. (Ex. affinis Wesm.), Bathystomus
nov. gen. (n. A.) und Pliysipolis nov. gen. (Colastes meditator
Halid.). — 2) Euspathioidae 1 Gatt. (Spathius Nees). — 3) Hecabo-
loidae 10 Gatt.: Lysitermus nov. gen. (n. A.), Caetiophanes
nov. gen. (Brac, incompletus Katz.), Acrisis nov. gen. (n. A.),
Araphis Ruthe, Ecphylus nov. gen. (Brac. silesiacus Ratz.), Mio-
colus nov. gen. (n, A.), liecabolus Gurt., M onolexis und P oly-
stenus nov. gen. (n. A.) und Pambolus Halid. — 4) Doryctoidae
8 Gatt: Hcdysomns nov. gen. (n. A.), Coeloides Wesm., Alany-
colus nov, gen. (Brac. denigrator Nees), Ca enopachys nov^ gen.
(Brac. Hartigii Ratz ), Histeromerus und Dendrosoter Wesm., Hete-
rospilus und Doryctes Halid. — 5) Hormioidae 2 Gatt.: Chremylus
Halid. und Hormius Nees. — 6) Rhogadoidae 5 Gatt.,: Petalodes
und Pelecystoma Wesm., Ademon und Clinocentrus Halid , Rogas
Nees. — 7) Rhyssaloidae G Gatt. : Rhyssalus und Colastes Halid.,
Atoreutus, Phaenodus und Noserus nov. gen. (n. A.), 0 n-
coph eines nov. gen. (Exoth. minutus Wesm.). — 8) Sigalphoidae
4 Gatt.: Sigalphus Nees (S. caudatus Nees), Allodorus (S. semi-
rugosus Nees), Sc h izop rymnus (S. obscurus Nees) und P^ly-
degmon nov, gen. (n. A.). — 9) Chelonoidae 5 Gatt (von Juri ne
und Wesmael). — 10) Microgasteroidae 8 Gatt.: Cardiochiles
Nees, Acaelius Hai., Dirrhope Foerst., Mirax Hai., Microgaster Latr.,
Eccliles (n. A.), A p an l el es (Micr. obscurus Nees) und M icr opl i-
tis (Micr. sordipes Nees) nov. gen. — 11) Agathidoidae 3 Gatt.:'
Agathis Latr., Disophrys (lehn, inculcator Lin.) und Cremnops
(Agath. deflagrator Nees; nov. gen. — 12) Eumicrodoidae 4 Gatt.:
Orgilus Halid., Cenostomus (n. A), Diatmetus (Bassus gloria-
torius Banz.) Axwdi Eumicr o dus (lehn, caiculator Fab.) nov, gen.
— 13) Pachylommatoidae 2 Gatt. : Eur yplerna nov. gen. (Pachyl.
Cremieri Breb.) und Pachylomma Breb. — 14j Aphidioidae 13 Gatt. ;
Toxares Hai., Eiassus Wesm., Monoctonus und Praon Hai., Coelo-
notus (n. A.) , Acutus (n. A.) nov. gen., Aphidius Nees, Para-
lipsis (Aph enervis Nees), J^y sipklebus (Aph. dissolutus Nees),
456 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Diaeretus (Aph. leucopterus Halid.), Adialytus (n. A.) und Li-
polexis (n. A.) nov. gen., Trioxys Halid. — 15) Euphoroidae
11 Gatt,: Cosmophorus Ratz., Streblocera Wesm. , Eu t anycer us
(n. A.) 5 Syntretus (Microct. vernalis Wesm.), Eustalocerus
(Microct. clavicornis Wesm.) und Wesmaelia (n. A.) nov. gen.,
Microctonus Wesm., Euphorus Nees , Peris tenus (Micr. barbiger
Wesm.). Dinocampus (Perilit. terminatus Nees) und Loxoce-
pkalus (n. A.) nov. gen. — 16) Perilitoidae 3 Gatt.: Perilitus Nees,
Zem ioies (Peril. albitarsis Nees) und P rot elu s (Peril. chrysopb-
thalmus Nees) nov. gen. — 17) Brachistoidae 2 Gatt. : Bracbistes
Wesm. und Eubadizon Nees. — 18) Blacoidae 4 Gatt.: Pygostolus
Halid., Goniocormus nov. gen. (Blac. paganus Halid.), Blacus
Nees und Ganychorus Halid. — 19) Liophronoidae 4 Gatt.: Lio-
phron Nees, Syrrhizns (n. A.), Ancylocentrus (Ancyl. excrucians
Halid.) und Allurus (Ancyl. muricatus Halid.) nov. gen. — 20)
Ichneutoidae 2 Gatt.: Iclmeutes Nees und Proterops Wesm. — 21)
Helconoidae 2 Gatt.: Helcon Nees und G ymno s celus nov. gen.
(Helc. tardator Nees). — 22) Macrocentroidae 4 Gatt.: H omo lo-
hn s nov. gen. (Phylax discolor Wesm ), Zele und Macrocentrus Gurt,
und Atnicroplus nov. gen. (Rogas coUaris Nees). — 23) Diospiloi-
dae 5 Gatt. : Aspidogonus Wesm., Diospilus Halid., Microtypus Ratz.,
Lacc ophrys (n. A.) und Anos tenus (Taphoeus irregularis Wesm.)
nov. gen. — 24) Opioidae 25 Gatt. , ausser Gnamptodon Halid. und
Opius Wesm. (Brac. pygmaeator Nees), sämmtlich neu: M es o tag es
{n.A.), Ly t a er a (n. A.), Rhinoplii s (n. A.), Zetetes (n.A.), Chi-
lotrichia (Op. blandusHalid.), ß i o s f er es (Brac carbonarius Nees),
Steno spilus (n.A.), Rhabci o spilv s (Op. placidus Halid.), Dia-
chasma (Op. fulgidusHalid.), Eurytenes (Op. abnormisWesm., (// o l-
co nof MS (Op. comatusWesm.), Apodesmia (ji. A.), All o typu s (Op.
irregularis Wesm.), Phaedrotoma (n.A.), Eutrichopsis (n.A.),
Therobolus (Op. ruficeps Wesm.), Hypocynodus (Op. crassipes
Wesm.), Cryptonastes (n.A.). Hypolabis (Op. pallipes Wesm,),
Biophthor n (Op. bajulus Halid.), D esfnios t om a (Op. parvulus
Wesm.), Nos op oea (Op. cingulatus Wesm.), Utetes (Op. testaceus
Wesm.) — 25) Alysioidae 43 Gatt. ; mit Ausnahme von Chasmodon
Halid. und Alysia Latr. (auf AI. manducator Fab. beschränkt)
sämmtlich neu aufgestellt: Panerema (n. A.) , Aphaer et a (AI.
cephalotes Hab), Syncrasis (AI. fucicola Hai.), Pha enolyta (Ph.
Halidayi= AI. fuscipes Hai.), Cosmiocarpn (AI. Aurora Hai.), Sym-
phanes (n.A.), Pentaplevra (AI. pumilio Nees), Hypostr opha
(n.A.), Epioli sl a (n. A.) , G oni ar cha (AI. lucicola Hai.), Dia-
spasta (AI. contracta Hai.), Tnnycarpa (AI. gracilicornis Nees),
C rat ospila (AI. CirceHal.), Idias t a (AI. maritima Hai.), Anarcha
(n.A), Strophaea (AI. rufidens Nees), 0 pis end ea (n. A.), Pro-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 457
sapha (AI. speculum Hai.), Acrobela (n. A.), Mesocrina (n. A.),
Mesothesis (n. A.), H o viopky l a (AI. pullata Hai.), i>ij 5 op/t//« ora
(n. A.), Ade Iura (AI. florimelaHal.), Jdiolexis (AI. punctigera Hai.),
Acli si s (n. A.\ Phaen ocarp a (AI. picinervis Hai.), Sathra (n. A.),
As Ohara (AI. tabida Nees), Sp anist a {n. A.), Dapsil arthr a (AI.
Apii Curt.), Ischnocarpa (AI. pumiia Nees), Anisocyrta (AI.
perdita Hai.): Dinotretna (n. A.), Coloboma (n. A.), Spanome-
ris (n. A.) , Delocarpa (n. A.), Dipiesta (AI. compressa Hai),
Aspilot a (AI. ruficornis Nees), Heier olexis (n. A.) und G r a m-
mospila (AI. Isabella Hai.) — 26) Dacnusoidae 25 Gatt, : Synaldis
(Alys. concolor Nees), Aphanta (n. A.), Symphya (Sig. mandibu-
laris Nees), Chaenusa Hai, Chorebus Hai., Exotela (n. A.), Ame-
tria (Dacn. uliginosa Hai.), Agonin (Dacn. adducta Hah), Epi-
ni icta (Dacn. marginalis Hai ) , P achy s em a (Dacn. macrospila
Hai.), Brach ystropha (n. A.), Copidma Schioedte. Coelinius Nees,
M e s ora (Dacn. gilvipes Hai.), Isomerista (n. A.), Tr i sis a (n. A.),
Tanystroph a (n. A.),Rhizarch a (AI. areolaris Nees), G yr ocatnpa
(AI. affinis Nees), Synelix (n. A.) , Dacnusa Halid., C oloneu r a
(n. A.), Stiphrocera (n. A.), .Lip o scia (n. A.j wnd Phaenol exi s
(AI, petiolata Nees) nov. gen. — In einem Nachtrage (p. 279) will Verf.
die Gruppe Braconoidae auf Iphiaulax, Vipio und Bracon beschränken,
die übrigen sechs Gattungen als eigene Gruppe Exothecoidae
abtrennen, zu welcher als neu noch Ly t opylu s kommt; ausserdem
folgen hier synonymische Bemerkungen über eine Reihe bereits
publicirter, zum Theil in die vorhergehenden Tabellen aber nicht
aufgenommener Gattungen.
Aus Ruthe's Nachlass über Deutsche Braconiden ist durch
Reinhard (Berl. Entom. Zeitschr. VI. p. 1 — 58) ein drittes Stück
veröffentlicht worden, welches ausführliche Beschreibungen von 37
Arten der Gattung Meteorus Haliday (Perilitus Nees pars) nebst
einer analytischen Tabelle zur Bestimmung derselben enthält. Die
beschriebenen Arten sind folgende: Met albitarsis Nees, chrysoph-
thalmus Nees, deceptor Wesm., ictericus Nees, pallipes Wesm., con-
finis, fallax, pleuralis, iiqiiis, nicjritnrsis, facialis, Neesii, oculatus,
punctiventris, dvbius, obscurellus, amhigmts und gracilis n. A. aus
der Umgegend Berlin's, similator Nees, albicomis n. A., brevipes
(Wesm.?), brunnipes n. A., abdominator Nees, pulchricornis Wesm.,
scutellator Nees, unicolor Wesm , consors n. A., versicolor (Wesm. ?),
bimaculatus Wesm. , decoloratus n. A. , laticeps Wesm. , cinctellus
Nees, laeviventris Wesm., medianus n. A. (rubens var. Nees ?), rubens
Nees, fragilis Wesm. und luridns n. A. — Reinhard giebt an-
hangsweise neben verschiedenen synonymischen Erörterungen noch
Charakteristiken von Meteorus longicaudis Ratz., formosus Wesm.
und obsoletus Wesm. ,
458 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Beiträge zur Kenntniss einiger Braconiden - Gattungen gab
H. Reinhard (ebenda VI. p. 321 fF.). — 1) Zur Systematik der
Gattung Microctonus Wesm. — Verf. giebt hier eine Zusammen-
stellung der bekannten Arten aus den Gattungen Microctonus Wesm.
(6 A ), Perilitus Nees (20 A.), Streblocera Westw. (2 A.), Rhopalq,-
phorus Halid. (1 A.) und Euphorus Nees (20 A.) unter Erörterung
ihrer Synonymie, indem er besonders mehrere der von Ruthe be-
schriebenen Arten auf ältere von Curtis, Haliday und H e r r i c h-
Schäffer zurückführt und Perilitus foveolatus als n. A. beschreibt.
— 2) die Gattung Diospilus Halid., unter v^elcher Verf. 11 Arten
aufführt und charakterisirt. Neu sind vier Arten: Diosp. rußpes,
morosus, rohuslus und inßexus. — 3) Die Gattungen Leiophron und
Centistes. Erstere ist durch fünf, letztere durch zwei Arten ver-
treten; neu: Leiophron saxo.
Smith (Journal proceed. Linnean soc, Zoology VI. p. 65) be-
schrieb Bracon ingens n. A. von Celebes, {Myosoma) penetrans von
Cerara und Agathis striata von Gilolo.
Microgaster Weiteniceheri Am.er\iiig (Lotos XII. p. 197) als n. A.
diagnosticirt, wurde zugleich mit Pteromalus diachymatis Ratzeb. und
Entedon confmis Ratzeb. aus Puppen von Orchestes quercus erzogen.
Goureau (Bullet, soc entom. 1862. p. 16) erzog aus den
Früchten von Berberis vulgaris neben fünfzig Exemplaren der Try-
peta Meigenii Loew zwanzig Individuen einer von ihm für neu ge-
haltenen Alysia-Art {Älys, ferrugalor benannt, aber nicht be-
schrieben).
PrOCtotrypidae. Thomson, Sveriges Proctotruper, TribusXI.
Epyrini. (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XVIII. p. 451). Die vom
Verf. ausführlich charakterisirte Gruppe der Epyrinen ist in Schwe-
den durch vier Gattungen vertreten, nämlich ausser Epyris Westw.,
Episemus Foerst. und Goniozus Foerst. durch eine neue Gattung
An 0 XUS Thoms., welche mit Episemus und Goniozus in der Bil-
dung des Mesonotum und Abdomen übereinstimmt, dagegen durch
behaarte Augen, kleines Flügelstigma und den Mangel eines Appen-
dix an der Basalzelle abweicht. Verf. diagnosticirt alle fünf Schwe-
dischen Arten der Gruppe als neu: Anoxus boops^ Goniozus disligmus,
Episemus nitidus und variabilis und Epyris hilineata.
Nach Reinhard (Berl. Ent. Zeitschr. VI. p. 298) ist Holope-
dina polypori Foerst. identisch mit Cephalonomia formiciformis Westw.
Ghalcididae. Walker, Notes on Chalcidites and characters
of undescribed species (Transact. entom. soc. 3. ser. I. p. 345 — 397)
machte nach einigen Bemerkungen über die Synonymie und die geo-
graphische Verbreitung mehrerer bereits bekannter Arten eine grosse
Anzahl neuer aus verschiedenen Ländern bekannt: Leucospis semi-
rufa von Makassar, M etam orpka (nov. gen , uacli dem Verf. zna-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 459
nächst mit Megastigmus verwandt, aber mit deutlicher Hinneigung
zu den LeuQOspiden) lencospoides von Bootan, Smiera referator und
illata von Ega Epiiranus impulsator von Makassar, o6se/'raior von
Sierra Leone, ruptator von Pt Natal, Chalcis comitator aus Mexiko,
pendator von St. Domingo, restituta von Jamaica, implexa von Ega,
decreta von Santarem, separata von Ega, concitalor von Santarem,
Polyctor aus West- und Süd- Afrika, responsator aus Nord-Indien,
inclinalor und sociator von Sarawak, nitator aus Nord -Austra-
lien, Halticella ensator von Sarawak, dncafor von Amboina, prope-
rator von Java, tentator von Singapore, signator von Java, molator
und gladiator von Sarawak, declarator von Ega, basalis von Parä,
liberator von Pt. Natal, proctotuperator (sie!) von Singapore, lanceo'
lator von Aru und Batchian, minator von Port Natal, rersator aus
Süd-Afrika, spinator von Singapore, üeqnator von Makassar, mode"
rator von Algier, fabricator aus Adelaide, simplcx von Sierra Leone,
dubitnlor und remotor von Santarem, figurator vom Gambia, siilcator
und ßnator aus China, indignator und internata aus Vandiemensland.
— Sosxetra, nov. gen., soll nach dem Verf. eine sehr merkwür-
dige Gattung sein (worin dies besteht, geht aus der Charakteristik
nicht hervor) , welche in ihren Merkmalen theils mit den Chalei-
diern (Flügeladerung), theils mit den Cynipiden übereinstimmt, —
Art : Sos. transversa von Ega. — Smiera transitita aus Ost-Florida,
Epitranus formicarius von Port Natal, Chalcis microlinea (!) von
Port Natal, Agamerion Gelo Walk. (Weibchen) von Adelaide. —
Aximaj nov. gen., soll einige Aehnlichkeit mit Dirhinus haben,
sich aber durch gerade und schlanke Hinterschenkel und Hin-
terschienen unterscheiden und würde somit in der Familie der
Chalciden sehr abnorm erschein«!; auch mit den Eurytomiden
und Euchariden sollen Verwandtschaften vorhanden sein. — Art:
Ax. spinifrons von St. Paul. — Euryloma Cape.nsis von Port Na-
tal, Perilampics gloriosfis aus Mexiko, discolor von Port Natal,
Eucharis smaragdina von Vandiemensland , piceicornis von Sid-
ney , delicatula aus Australien?, implexa von Vandiemensland, rn-
flventris von Adelaide , conligens von Sarawak, Thoracnntka CAjnif-
sea von Santarem, pallescens vuid slriatissima von Villa Nova, in-
exagens, reßexa und ßavicomis von Santarem, atrata Vaterl. nicht
angegeben, alta aus Brasilien, surgens und apta von Santarem,
Schizaspidia prelendens von Villa Nova, plagiata von Para, cyanea
von Amboina, Palmon instructus vonKongkong. — Ec damtia, nOY.
gen., mit Palmon und Callimome zunächst verwandt, von ersterer
Gattung durch fadenförmige Fühler und schlanke Hinterschenkel,
von letzterer durch langen Pedunculus des Hinterleibs unterschie-
den. — Art: Ecd. macrotelus von Sierra Leone. — Pteromalus
altifrons und Ckeiropachys genualis von Pt. Natal, LaeJaps (Halid.,
460 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Gattung cliarakterisirt) picta und decorata von Ega, Calosoter hi-
fasciatus von Sarawak, Epistenia sculata von Parä, basalis von Ta-
payos, aequalis von St. Paul. Lycisca hastala \ind apicalis von Ega.
— Balcha (nov. gen., mit Stenocera zunächst verwandt) cylindrica
von Pt. Natal , Piiojiopehna consors aus Neu -Granada, pvrpurea
und splendens vom Amazonenstrome und Entedon pertnrbatum von
Pt. Natal.
Haliday, Caracteres de' deux nouveaux genres d'Hymenopte-
res de la famille des Chalcididae de la collection du Dr. Sichel
(Annales soc. entom. 4. ser. II. p. llöf). 1) ¥ hil omid e $, nov. gen.
aus der Perilampus-Gruppe. Fussklauen unterhalb gezähnelt, Aro-
lium nicht sichtbar, Kopf zur Aufnahme der Fühler tief ausgehöhlt,
E-pistom quer, Backen kurz ,. Prothorax ungerandet, Parapsiden
des Mesothorax fast parallel, diejenigen des Skutellura convergirend.
Das Stück der Flügelader jederseits des Radialastes wenig länger als
dieser; erstes Hinterleibssegment sehr kurz. — Art: ^Phil. Paphivs
von Cypern. — 2) Chirolophus, nov. gen. aus der Eupelmus-
Gruppe. Männliche Fühler gewedelt, die Glieder sehr ungleich, die
unteren der Geissei sehr kurz, die mittleren verlängert. — Art:
Chir. eques aus Algier.
Smith (Transact. entom. soc. 3. ser. I. p. 42) machte Smiera
captiva als n. A. von Panama bekannt.
L. Dufour (Notices entomologiques, Annal. soc. entomol. 4.
ser. II. p. 145) Enlophns stenostignut n.A. aus Catalonien. als Parasit
der Larven von Tephritis Jasoniae erzogen.
Gynipidae. Thomson, Försök tili uppställning och beskrifning
af Sveriges Figiter (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XVIII. p. 395
— 420). Als Figitiden im weite^cen Sinne fasstVerf. alle parasitisch
in anderen Insekten lebenden Cynipiden auf und stellt sie daher
in abweichender ümgränzung (von H a r t i g und Reinhardt) als
Parasiticae den Inquilinae (d. h. allen in Gallen vorkommenden
Formen , gleichviel ob dieselben deren Erzeuger oder nur Ein-
wohner sind) gegenüber. Diese parasitischen Cynipiden zerfallen
nach ihm in 7 Gruppen, deren Unterschiede in einer analytischen
Tabelle erörtert, und welche im Folgenden nebst den in Schweden
einheimischen Gattungen und Arten cliarakterisirt werden: 1. Eu-
coilidae mit 4 Gattungen: Kleidotoma Westw. 14 Arten {Kl. ha-
lophilüf maritima, sculellaris, pentatoma, alhipennis, tetratonta, he-
terotoma, rvficortiis, brevicornis und (fryphus neu), Cothonaspis Hart.
4 A. (C bistrialo und incrassata neu). G lanr n s pidia, nov. gen.
1 A. (Eucoila subtilis Dahlb. = Cothon. micropterus Hart.) und Eu-
coila Westw. 18 A. {Euc. filicornis, octotoma, albipennis, etmealoma,
tritoma, parvula. hetevotoma, fovealis, rußpes, yracilis, agaricola,
claripennis und ßoralis neu) — 2. Ibaliidae mit 1 Gatt Ibalia. —
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 461
3. Figitidae. a) Allotriina mit 1 Gatt. x4.11otria Westw. 22 A.
{All. xanthocera^ crassicor?iis, ramulifera, fracticornis, brevis, basalis,
xatithopa, nigrivenlvis , hrevilarsis, p.icipes , xaiithocephala , nigrita,
citripes , fuscipes und haJlerata neu). — ]S) Anacharina mit 2
Gattungen: Anacharis Dalm. 3 A. und Aegilips Hai. 4 A. {Aeg. su-
bitlifera neu). — c) Figitina mit 6 Gattungen : L o nchid i a, nov.
gen. (Fig. maculipennis Dahib.) 3 A. {Loncli. clavicomis und lisso-
notn neu), Figites Latr. 7 A. (F. validicomis, maritimns, capilulatus
neu), Amblynotus Hart, 2. A., Sarothrus Hart. 3 A. (8. opacus neu),
Melanips Hai. 1 A. und Psilogaster Hart. 1 A. — d) Onychiina
mit 3 Gattungen: Aspicera Dahlb. 2 A., Onychia Hai. und Homa-
laspis Gir. 1 A — Viele der von den früheren Autoren beschriebenen
Arten hat Verf. nicht mit Sicherheit eruiren können und sie daher
als fragliche Synonyme zu seinen unter neuen Namen beschriebe-
nen Arten gesetzt.
Osten-Sacken (Proceed. entom. soc. of Philadelphia I.
p. 241 — 259) machte weitere Mittheilungen über Nordamerikanische
Eichen-Gallwespen, welche seine früheren Angaben ergänzen und
theilweise berichtigen („Additions and corrections to the paper en-
titled: On the Cynipidae of the North-American Oaks and their
galls".) Unter den runden Eichen-Gallen, welche Verf. früher d^er
Cynips confluens Harr, (fem.) zuschrieb, glaubt er jetzt drei Arten
unterscheiden zu können, welche er als Cy7iips (juercus spoyigifica,
coccincae und inanis charakterisirt und zugleich mit Gyn. quercus
aciculata und centricola 0. S. nochmals in Vergleich stellt. Die
aus den Gallen erzogenen Insekten sehen sich so ähnlich, dass sie ge-
genwärtig kaum sicher zu unterscheiden sind. Wichtig ist, dass die
eine als Gyn. spongifica bezeichnete runde Galle neben Weibchen
auch Männchen ergab, so dass die früher als männlich angesehene
spindelförmige Galle möglicherweise doch einer anderen Art ange-
hören könnte, von der dann das Weibchen noch zu entdecken wäre.
Nach Walsh's Beobachtungen scheinen jedoch Männchen nur aus
den Frühlingsgallen (neben Weibchen) hervorzugehen, während die
Herbstgallen bis jetzt nur Weibchen (Gyn. aciculata, centricola) lie-
ferten. — Als n. A. beschreibt Verf. C\jnips pez-omachoides, [Syner-
ges?) lignicola xmdi Cynips quercus Operator und bespricht ausserdem
noch eine Reihe von Gallen verschiedener Eichen, deren Insekt bis
jetzt nicht bekannt geworden ist.
Norton (ebenda I. p. 200) beschrieb Ibalia ensigcr als n. A.
aus Pennsylvanien.
Lucas, Un mot sur le Diastrophus rubi, Hymenoptere galli-
cole de la famille des Gynipsides (Annal. soc. entom. 4 ser. II.
p. 369 ff.) bezeichnet als den Urheber und Bewohner der von ihm
an Brombeeren beobachteten Gallen gegen Dufour (vgl. Jahres-
462 Gerstaecker: Bericht üb. d wissensch. Leistungen
bericht 1861. p. 205), der darunter eine Cecidomyia vermuthete, den
Diastropbus rubi Hart., von dem er zahlreiche weibliche Exemplare
erzog; nebenbei ging auch der Parasit dieser Art, Callimorae rubi
Schrank, aus der Galle hervor.
P. Inchbald, Ueber Cynips gkchomae und Cynips rosae
spinosissimae (Entom. weekly Intellig. X. p. 179). — F. Smith, A
few observations on Cynips lignicola and Gyn. radicis (Zoologist 1861.
p. 7330).
Tenthredinidae et üroceridae. Snellen van Yollenhoven
(Tijdschr. voor Entomol. V. p. 49-71) setzte seine Beschreibung
der Niederländischen Blattwespen mit Cimbex axillaris Panz., Phy-
matocera aterrima Klug, Nematus Salicis Lin., Nematns Welewaalli
(sprich: Utevali) n. A. midi T^emafvs IrimacvlaluaYoWeYih.. (schon von
deGeer gekannt) fort. Alle fünf Arten sind auf pl. 1—4 nebst ihren
Larven sehr schön abgebildet.
Thomson (Entomologiska bidrag, Öfvers. Vetensk. Akad.
Förhandl. XIX. p. 611—639) gab eine Aufzählung und Beschreibung
der in Schweden einheimischen N"eraatus-Arten, deren er mit Ein-
schluss von Croesus Leach (2 A.) und Cryptocampus Hart. (2. A.)
im Ganzen 55 aufführt. Die darunter befindlichen neuen Arten
sind: Nem. piliserra, ochropus, punticeps, armalus, callicerus, ßlicor'
nis, insignis. punctiphuris, excisus, plevralis, hrnchyacunlhus (= N.
coeruleocarpus Hart.?), villosus, longiserra. leptocephalns, aestivus,
ischnocents (gallarum Hart.?), parvilnbris und (Cryptocampus) buc-
catus. — Einleitungsweise trennt Verf. die Tenthrediniden von den
Uroceriden in einer von Dahlbom, Hartig u. a. etwas abwei-
chenden Weise, indem er nicht wie letzterer, das Hauptgewicht auf
die Zahl der Sporen an den Vorderschienen legt (wonach Cephus
zu den Uroceriden kommt), sondern auf die Thoraxbildung. Bei
den Tenthrediniden (incl. Lyda, Xyela und Cephus) erreicht der
von den beiden convergirenden Linien eingeschlossene Mittellappen
des Mesonotum nicht das Schildchen, was dagegen bei den mit
festerer Körpertextur begabten Uroceriden (Xiphidria , Sirex und
Oryssus) stets der Fall ist und zAvar so, dass derselbe beim Schild-
chen abgestutzt erscheint. — Die Blattwespen selbst vertheilt Verf.
dann in zwei Unterfamilien : Tenthredinides mit halbkreisförmig
ausgeschnittenem Hinterrande des Prothorax und L y d i d e s mit fast
gerade abgestutztem Hinterrande. Erstere zerfallen in Cimbicina,
Hylotomina und Tenthredinina, letztere in Lydina, Xyelina und
Cephina.
Kalt enb ach (Verhandl. d. naturhist. Ver. d. Preuss. Rheinl.
XIX. p. 17 ff.) erörterte die Lebensweise der ersten Stände von
folgenden Deutschen Arten: Tenthredo (Emphytus) carpini Hart.
(Larve an den Wurzelblättern von Geranium Robertianum, Blatt-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 463
wespe in der Färbung der Beine stark variirend) , Fennsa rubi Boie
(p. 20, Larve in den Blättern von Rvibus caesius , dumetorum, dis-
color u. s. w., auch von Geum urbanum minirend), Tenthredo spec?
(p. 52, eine auf Hypericum perforatum gefundene Larve ausführlich
beschrieben) , Tenthredo spec. ? (p. 57, eine auf Impatiens lebende
Larve beschrieben), Monojihndnvs Iridis n. A. (p. 60, die Blattwespe
nebst der an den Blättern von Iris pseudacorus lebenden Larve be-
schrieben) und Seiandria luteolaKlug (p. 104, Larve an den Blättern
von Lysimachia vulgaris).
E. Norton, Catalogue of American species of Tenthredo, as
arranged by Hart ig (Proceed. Boston soc. of nat. hist. IX. p. 116
— 122). Das vom Verf. zusammengestellte Artenverzeichniss Nord-
Amerikanischer Blattwespen erstreckt sich auf folgende Gattungen:
Athalia 1 A., AUantus 3 A . Macrophya 18 A., Tenthredo 3 A. und
Strongylogaster 35 A. — Eine Anzahl darunter befindlicher neuer
Arten werden anhangsweise beschrieben : AJacrophya plmicinctus (sie !)
Californien, Tenlhredo (Taxonns^ nigrisoma (!) Massachusetts, uni-
cinclus und dulilalvs Connecticut, Siro7igylogaster mullicolor Mary-
land, nnicns Neu -York, Tenthredo simiivieus Connecticut. Bei die-
sem Verzeichnisse nimmt Yerf. schon Bezug auf eine von ihm be-
reits im J. 1861 publicirte Arbeit:
E. Norton, On the Hymenoptera of tlie genus AUantus in
the United States (Boston Journal soc. of nat, hist. VII. p. 236 — 260),
in welcher er die Gattung AUantus noch im weiteren Sinne (nach
Klug) auffasst und darunter 46 Nord- Amerikanische Arten aufführt
und beschreibt, welche sämmtlich der Abtheilung mit nicht an der
Spitze verdickten Fühlern angehören. Dieselben sind folgendermas-
sen angeordnet: a) Fühler mit weisser Spitze: All. terminalis Say,
mellosus n. A. Connecticut und Pennsylvanien, apicalis Say, abdomi-
nalis, trisxjUabus, niger und grandis n. A. Connecticut, b) Fühler
mit weisser Basis und Spitze : All. varins n. A. Connecticut, c)
Fühler mit weisser oder gelber Basis : All. basilaris Say, dubius,
bicinctus und inlennedius n. A. Connecticut und Massachusetts,
cestus, goniphorus und epicera Say. d) Fühler schwarz oder dun-
kel : t) Hinterleib ganz oder zum grössten Theile roth : All. palli-
pes Say , pinguis, trosvhiSi rnfcscens, tocitvs, lardns, tricolor, signalus
und mellinus n. A. ff) Hinterleib mit gelben oder rothen Querbin-
den: All. rvfocitictus, piceocinclns, dejeclus und dissitnilis n. A., ver-
ticalis und bifasciatus Say. fff) Hinterleib schwarz: All. angulifer
und lobatus n. A., ventralis Say, leucostoma Kirby , flavomarginis,
atroviolaceus , rufopeclvs und albomnciiUüiis n. A., rufipes, pannosus,
externus und epinotus Say, ßavicoxae (sie!), incertns, flavolineatus
und obesns n. A.
Derselb e („Notice of several new species of Tenthredinidae,"
464 Gerstaecker: Bericht üb. d. wisseiisch. Leistungen
Proceed. entom. soc. of Philadelphia!, p. 143 f.) beschrieb als n.A. :
Allanhis excaratns Maryland, Strongylogaster mtilticinctus Virginia,
Tenthrcdo 14:-piinctahis Virginia, Euura orbitalis Connecticut, Lyda
semicinctus (sie!) Virginia, Xyela tricolor Kansas und Xiphydria
attenuatus (sie!) Pennsylvanien.
Derselbe „A description of several new HjTnenoptera ' (ebenda
I. p. 198 f.) beschrieb TenUiredo Californicvs n. A. aus Californien,
Fenvsa curttis (sie!) Pennsylvanien, Craesiis lalitarsus, Lyda abdo-
minalis und fasciata aus Pennsylvanien.
Derselbe, „On the synonyms of Cimbex Americana" (ebenda
I. p. 201) hält Cimbex decemmaculata d'Urban für das Weibchen
von C. Americana Leach und zieht als Varietäten zu letzterer: C.
ulmi Peck (^ $), Viardi Lepel. ($), luctifera Klug (^ $), Lapor-
tei Lepel. {(^) und Kirbp Lepel. {(^).
Sichel (Sur l'Hylotoma formosa fem., Annal. soc. entom. 4.
ser. II. p. 119) traf im August 1861 einExemplar der Brasilianischen
Hylotoma formosa, Klug lebend in seiner Wohnung zu Paris an. Er
glaubte dasselbe anfänglich durch Amerikanische Kaufmann swaaren
eingeführt, überzeugte sich aber später (p. 595), dass es sich aus
Cocons, welche ihm zwei Jahre früher aus Brasihen zugekommen
waren, entwickelt hatte.
Zawadzki (Verhandl. d. naturf. Vereins in Brunn I. p. 67)
beschrieb eine mit Tenthredo vaga verwandte, wahrscheinlich neue
Art (ohne sie jedoch zu benennen) nebst ihrer Larve; letztere lebt
in Gallen der Blätter von Salix fragilis.
Wallace (Proceed. entom. soc. of London 1862. p. 90 f.)
machte Mittheilung über das Eierablegen des Nematus ventricosus
Klug auf Stachelbeerblätter (bis 120 Eier an der Unterseite eines
Blattes) und über die zweckmässigste Zeit zur Vertilgung derselben.
Lepidoptera.
^Die geographische Verbreitung der Schmetterlinge
Deutschlands und der Schweiz'^ von Ad. und Aug.
Speyer ist mit einem zweiten Theile (Leipzig 1862. 8.
320 p.ag.j, welcher die Noctuinen im weiteren Sinne be-
handelt, fortgesetzt und damit das Werk nach Angabe
der Verff. vorläufig überhaupt abgeschlossen worden,
indem die noch zu mangelhafte Kenntniss der übrigen
Familien in Bezug auf ihre Verbreitung eine der bishe-
rigen entsprechende Bearbeitung unmöglich macht. Un-
ter Noctuinen werden in der vorliegenden Arbeit die
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 465
Gruppen der Cymatophoriden, Noctuinen, Deltoiden,
Cliloephoriden, Noliden und Brephiden ^rstanden^ wel-
che zusammen in Deutschland und der Schweiz durch
556, oder mit Hinzurechnung von 24 in Bezug auf Ihr
Heimathsrecht noch nicht vollständig gesicherten durch
580 Arten vertreten sind. Dieselben werden in Bezug
auf ihre Verbreitung in entsprechender Weise wie die
vorhergehenden Familien erörtert und die sich aus den
Einzelnbeobachtungen ergebenden allgemeinen Resultate
übersichtlich zusammengestellt. Dasselbe geschieht am
Schlüsse des Werkes noch einmal für die Deutschen Ma-
crolepidopteren (excl. Geometriden) im Ganzen, nachdem
zuvor Nachträge zu dem ersten Theile geliefert wor-
den sind.
Auch bei den Noctiünen zeigt sich eine Verminderung der Ar-
tenzahl von Süden nach Norden und ebenso, wenn auch weniger
markirt als bei den Tagfaltern, von Osten nach Westen. Die reichste
Lokalität ist Wien (369 A.), dann folgen Frankfurt a/M. (270 A.)
und Oftringen im Aargau (272 A.) ; diesen schliessen sich wieder
zunächst Breslau (259 A.), Regensburg (245.A.), Braunschweig (243 A.),
Danzig (239 A.), Hamburg (228 A.), Leipzig (219 A.) und Aachen
(190 A.) an. Als ausschliesslich transalpin haben sich 38, als auf
den Südosten beschränkt 21, als der Schweiz eigenthümlich 14 Ar-
ten herausgestellt ; 60 Arten kommen überall, 67 weitere fast überall,
QG in den meisten Gegenden vor, so dass 193 Arten als der Mini-
malbestand einer am wenigsten begünstigten Lokalität, während
287 Arten als der mittlere Gehalt angesehen werden können. Für
die Verbreitung in vertikaler Richtung ergiebt eine ungefähre Be-
rechnung 520 Arten der Hügelregion (davon 40 dem Gebirge eigen-
thümlich), 280 der Bergregion (davon 48 wie vorher), 90 der subal-
pinen Region (43 Gebirgs-Arten) . 27 alpine (19) und 8 subnivale (7)
Arten. Da die Gesammtzahl der Europäischen Noctuinen sich auf
808 Arten stellt, so besitzt Deutschland mit Einschluss der Schweiz
etwa ^3 der Europäischen; Asien hat mit Deutschland 284 Arten,
also die grössere Hälfte, Afrika 32 bis 34, Nord-Amerika 43, Süd-
Amerika 7, Australien 5 Arten gemein. (Zu den in Afrika vor-
kommenden Deutschen Arten kann Ref., auf die hiesige Sammlung
gestützt, Leucania lithargyrea aus Algier, für Nord- Amerika Dipte-
rygia pinastri aus Carolina, für Süd-Amerika Agrotis segetum aus
Chile und Plusia ni aus Columbien hinzufügen, so dass sich für
Afrika 33 bis 35, für Nord-Amerika 44 und für Süd-Amerika 9 in
Deutschland einheimische Arten ergeben.) — Die Gesammtzahl der
Archiv f. Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. EE
466 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Deutschen Macrolepidopteren (excl. Geometriden) beträgt 1006 Ar-
ten, von denen si^h überall oder fast überall 281 finden und von
denen die kleinere Hälfte, 445 über den ganzen Umfang des Ge-
bietes verbreitet ist. Das Alpenland ist der falterreichste Theil des
ganzen Faunengebietes und zwar scheint die Hügelregion noch etwas
reicher als die Tiefebene zu sein ; der zehnte Theil der dem südli-
chen Gebiete angehörenden Arten ist montan. Die Alpen sind für
die Begrenzung der Verbreitung von geringem Gewichte, da 7io ^^^
Deutschen Arten das Gebirge nach Süden überschreiten. Das Vor-
kommen von -/s ^6^ Europäischen Arten in Deutschland bestätigt
sich wie für die Noctuinen auch für die Macrolepidopteren im All-
gemeinen .
Zur Systematik der Schmetterlinge" hat K. Die-
trich (Stett. Entom. Zeit. XXIII.p. 466— 479) eine Reihe
kritischer Bemerkungen geliefert, welche die verwandt-
schaftlichen Beziehungen und die Abgränzung von Gat-
tun<^'en und Gruppen unter den Familien der Rhopalo-
ceren, Cheloniarien, Cossinen, Bombyciden und Noctui-
nen betreffen ; Verf. knüpft dieselben an eine Revision
und Critik der von Koch, Walker undGuenee inner-
halb jener Familien getroffenen systematischen Anordnung.
Die beigebrachten Bemerkungen zeugen von einem gründ-
lichen Studium des Gegenstandes und sind oft sehr
treifend, in einigen Fällen freilich zu ^ beanstanden, wie
z. B. die, dass die Gastnien nahe Verwandte von Gastro-
pacha trifolii, rubi u. a. sein sollen. Von allgemeinerem
Interesse ist die Beobachtung des Verf.'s, dass zwischen
Männchen und Weibchen der mit einer Haftborste ver-
sehenen Heteroceren ein constanter Unterschied in Be-
zug auf dieses Organ existirt. Die Männchen haben näm-
lich stets an der Vorderrandsader der Vorderflügel eine
Art Oehr, in welches die Haftborste eingelenkt ist; die
Weibchen, welchen dieses Oehr fehlt, haben dagegen auf
der Vena interno-media einen kleinen Haarbüschel, wel-
cher der Haftborste als Halter dient.
Eine gleichfalls sehr eingehende Untersuchung der
systematisch wichtigen Merkmale in den verschiedenen
Familien der Heteroceren hat Brackenridg e-C 1 e m e n s
(„Synopsis of families of Heterocera'^, Proceed. entomol.
soc' of Philadelphia 1. p. 173—181) geliefert. Verf. be-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 467
absiclitigt, durch ßine von ihm zusammengestellte ana-
lytische Tabelle ein Mittel an die Hand zu geben, um in
jedem Falle die Familie, weicher irgend ein Lepido-
pteron aus der Abtheilung der Heteroceren angehört,
aufzufinden. Er verwerthet in derselben hauptsächlich die
vielfachen Modificationen des Fliigelgeäders (zu deren
Erkennung er das Abschuppen der Flügel empfiehlt), ne-
benbei auch andere leicht in die Augen fallende Merk-
male, wie die Ausbildung, resp. den Mangel der Ocellen,
des Saugrüssels u. s. w. Bei der EIntheilung nach dem Flü-
gelgeäder stellt Verf. die wichtigsten und weitgreifcndsten
Unterschiede obenan und geht dann allmählich zu immer
feineren und mehr nebensächlichen über. In erster Stelle
wird z. B. die Anwesenheit, resp. der Mangel einer Haft-
borste an der Basis der Hinterflügel, sodann die Anwe-
senheit oder der Mangel einer Costalader an den Hinter-
flügeln zur Sonderung von grosseren Gruppen benutzt;
innerhalb dieser führt die dichotomisch angelegte Tabelle
häufig auf eine und dieselbe Familie zu wiederholten
Malen, je nachdem das zur Anal7:se benutzte Merkmal
nach verschiedenen Richtungen hin modificirt auftritt.
Hat somit die Tabelle mehr den Zweck, die systemati-
sche Stellung einer Gattung nachzuweiscji, als die ein-
zelnen Familien gegen einander abzugrenzen, so werden
doch durch dieselbe wenigstens mittelbar auch die Cha-
raktere der letzteren nach allen Seiten hin präcisirt.
Walleng ren. Gm de tili Lepidoptera Clostero-
cera Dumer. hoerande familier och slägten (^Gfvers. Ve-
tensk. Akad. Förhandl. XIX. p. 177 — 202). Verf. ver-
sucht für die von Dumeril aufgestellte (aber aller Ho-
mogenität entbehrende) Gruppe „Closterocera'^ eine allge-
meine Charakteristik zu entwerfen und vereinigt unter
derselben die neun Familien: Castniae , Charideoidac
(Wallengr.), Sphingoidae, Thyrioidae, Atychioidae, Setia-
riae, Syntomides, Anthroceroidae und Heterogynides, de-
ren unterscheidende Merkmale er in einer Tabelle erläu-
tert. Das Gleiche geschieht mit den diesen Familien
angehörenden Gattungen, unter denen Verf. hauptsäch-
468 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
lieh die von ihm selbst aufgestellten berücksichtigt, wäh-
rend er von den sonst bekannt gemachten nur einige
Ochsenh eimer'sche, B oisdu val'sche und bei den
Sphingiden einige Burmeis ter'sche, also eine spärli-
che Auswahl mit heranzieht. Der Zweck der Abhand-
lung ist demnach nicht recht einleuchtend.
Von Seiten des British Museum sind in diesem Jahre
publicirt worden: 1) List of the specimens of Lepidopte-
rous Insects in the coUection of the British Museum by F.
Walker. Part XXIV. Geometrites. London 1S62. 8. (Fort-
setzung der in den vorhergehenden Berichten angezeig-
ten Aufzählung der Gcometriden^ von p. 1021 — 1280 rei-
chend;. 2) Specimen of a Catalogue of Ljcaenidae in
the British Museum by W. C. Hewitson. London 1862.
(gr. 4. 15pag. -8 col. Taf.). Ein ikonographisches Pracht-
werk, nach dem Vorbilde der früher erschienenen Equi-
tes angelegt, aber bereits mit der vorliegenden ersten
Lieferung in seinem Erscheinen sistirt; für die Heraus-
gabe von gut gearbeiteten Werken scheinen dem Bri-
tish Museum die Fonds zu fehlen, während es mit dem
Drucke von unbrauchbaren leider allzu freigebig ist.
Glücklicher Weise hat der Verf. des letztgenannten Wer-
kes die Fortsetzung desselben auf eigene Hand unter-
nommen.
F. Walker, Characters of undescribed Lepido-
ptera in the collection of W. Saunders (Transact. en-
tom. soc. of London 3. ser. I. p. 70— 128 und p. 263— 279).
Im ersten Theile der Abhandlung macht Verf. eine
grosse Anzahl neuer exotischer Gattungen und Arten
aus verschiedenen Ländern, den Familien der Chelonia-
rien, Bombyciden, Noctuinen und Pyraliden angehörend,
im zweiten ausser einer Sphingide nur Bombyciden und
zwar meist aus Australien und Südafrika (einige auch
aus Ostindien und vom Amazonenstrome) bekannt.
Derselbe, Characters of undescribed Lepidoptera
in the collection of A. F ry (ebenda 3. ser. I. p. 253 — 262).
Die hier beschriebenen Arten sind sämmtlich von Fry
in der Umgegend von Bio-Janeiro gesammelt und gehö-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862, 469
ren den Familien der Cheloniarien, Bombyeiden imd Noc-
tuinen an.
Specimen faunae lepidopterologicae riparum fluminis
Negro superioris in Brasilia septentrionali , aiictoribus C.
et R. Felder (Wien. Ent. Monatsschr. VI. p. 65—80,
p. 109—126, p. 175—192 und p. 229—234). Es werden 191
Arten aufgezählt, von denen die grosse Mehrzahl (173) den
Rhopaloceren, die übrigen den Familien der Sphingiden,
Bombyeiden, Cheloniarien und Uraniiden angehören. Die
zahlreichen darunter befindlichen neuen Arten werden be-
schrieben, andere bereits bekannte in ihren Abänderungen
besprochen. Auch über die verwandtschaftlichen Bezie-
hungen verschiedener Gruppen und Gattungen werden
Bemerkungen eingeflochten.
Dieselben Verff. gaben eine Fortsetzung ihrer „Le-
pidoptera nova a Gar. Semper in insulis Philippinis
collecta" (vgl. Jahresbericht 1861. p. 166) in der Wien.
Ent. Monatsschr. VI. p. 282—294. Die hier als neu be-
schriebenen 34 x\rten von den Philippinen gehören sUmmt-
lich den Rhopaloceren an.
Dieselben publicirten ferner „Observationes de Lepi-
dopteris nonnullis Chinae centralis et Japoniae^ i^ebendaVI.
p. 21 — 40). Die Verff. verzeichnen hier eine in den Chine-
sischen Provinzen Kiang-Su und Tsc -Klang gemachte
Ausbeute von Lepidopteren, denen sie gleichzeitig einige
durch V. S i e b 0 1 d in Japan gesammelte beifügen. Im
Ganzen werden 70, mit einer Ausnahme den Macrolepido-
pteren (inclus. Geometriden) angehörende Arten aufge-
führt, welche theils in ihren Abänderungen erörtert, theils
als neu beschrieben werden.
Catalogue of the Heterocerous Lepidopterous In-
sects collected at Sarawak in Borneo by A. R. W allac e,
with descriptions of new species, by F. Walker (Jour-
nal proceed. Linnean soc, Zoology VI. p. 82 — 145 und
p. 171—198). Verf. giebt eine Aufzählung von 269 bei
Sarawak auf Borneo gesammelten Lepidopteren aus den
Familien der Sesiarien, Sphingiden, Cossinen, Chelonia-
rien, Bombyeiden und Noctuinen, von denen die meisten
470 Gerstaecker; Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
als neue Arten, die zugleich vielfach neuen Gattungen
angehören, beschrieben werden.
C. Felder, (Verhandl. zoolog.-botan. Gesellsch. zu
Wien. XIL p. 473 — 496) stellte ein Verzeichniss der von
den Naturforschern der Novara gesammelten Macrolepi-
dopteren^ I. Rhopalocera, zusammen. Unter 209 an den
verschiedenen von der Novara berührten Lokalitäten ge-
sammelten Arten befinden sich 40 neue Arten, von de-
nen zwei neuen Gattungen angehören, ausserdem 16 neue
Lokalvarietäten ; erstere werden durch Diagnosen festge-
stellt, letztere in ihren Abweichungen von der Stammart
erörtert. — Anhangsweise beschreibt Verf. noch eine
neue Saturniden-Gattung aus Chile.
Von P. M i 1 1 i e r e's ^.Iconographie et description de
chenilles et Lepidopteres inedits" sind im J. 1862 die
4. und 0. Lieferung (Separatabdruck aus den Annales soc.
Linneenne de Lyon VlII. p. .177—205 und p. 209— 240.
avec 8 planch. col.) erschienen, in welchen der Verf.
die Naturgeschichte von 18 meist Südfranzösischen Lepi-
dopteren verschiedener Familien durch Beschreibung und
Abbildung ihrer verschiedenen Verwandlungsstufen erör-
tert. Einige der beschriebenen irrten sind neu ; die colo-
rirten Abbildungen sind von vorzüglicher Ausführung.
Ch. F. Dubois' ^Lepidopteres de l'Europe, leurs
chenilles et leurs chrjsalides^ sind i. J. 1862 mit Lief. 25
— 32 fortgesetzt worden; dieselben enthalten Abbildun-
gen der sämmtlichen Entwickelungszustände von 25 fer-
neren einheimischen Arten aus den Familien der Rhopa-
loceren, Sesiarien, Cheloniarien, Bombyciden und Noc-
tuinen.
Catalogue methodique des Lepidopteres d'Europe^
pouvant etre employe comme etiquettes pour le classe-
ment des collections. Paris 1861. (8., 48 pag. pr. 1 fr.
50 cts ). Systematisches Namensverzcichniss der Euro-
päischen Macrolepidopteren, mit Einschluss der Geomc-
ti'iden 2701 Arten umfassend.
H e r r i c h - S c h ä f f e r, Systematisches Verzeichniss
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 471
der Schmetterlinge von Europa. 3. Aufl. 1862. (8., 28 S.).
Als Tauschverzeichnlss auf Postpapier gedruckt.
Kritische Bemerkungen zu dem Catalog der Lepi-
dopteren Europa's und der angränzenden Länder von
Staudinger und Wocke stellte Speyer (Stettin. En-
tom. Zeit. XXIII. p. 161 — 171) zusammen.
Mo esc hl er (Wien. Ent. Monatsschr. VI. p. 129—
139^ Taf. 1) lieferte ^Beiträge zur Schmetterlingsfauna
von Labrador'^, in welchen er Beschreibungen und x\b-
bildungen von neun neuen^ den Heteroceren und Micro-
lepidopteren angehörenden Arten giebt und nachträglich
noch sechs in Labrador aufgefundene Europäer ver-
zeichnet.
Als Fortsetzung der im letzten Jahresberichte (p. 167)
erwähnten Zusammenstellung der Lepidopteren- Fauna
Finmarken's nach den von S t a u d i n g e r und W o c k e
daselbst veranstalteten Sammlungen gab Wocke (Stett.
Entom. Zeit. XXIII. p. 30—78 und p.' 233— 257) ein Ver-
zeichniss der Microlepidopteren (Pjraliden bis Pteropho-
riden) Finmarken's. Den einzelnen Arten sind specielle
Angaben über Flugzeit, Fundort u. s. w. beigefügt und
viele derselben in Bezug auf ihre climatischen und indi-
viduellen Abweichungen ausführlich erörtert. Von den
verzeichneten 17 Pyraliden sind 1, von den43 Tortricinen
3 und von den 68 Tineinen 8 Arten neu; 2 Pterophori-
den bereits bekannt.
Stainton (Entomol. Annual f. 18G2. p. 105—118)
verzeichnete 15 in England neu aufgefundene Lepido-
pteren (2 Bombyciden, 2 Noctuinen, 4 Geometriden, 1
Crambide, 1 Tortrix und 5 Tineinen) , welche er theil-
weise zugleich beschreibt und (Nonagria elymi und Xvlina
conformis) abbildet und berichtete ausserdem über die
während des Jahres 1861 in England beobachteten seltne-
ren Arten.
Ausserdem betrifft die Britische Lepidopteren-Fauua: G. Gor-
d 0 n, List of Lepidoptcra hitherto fouiid within the province of
Norva}»- etc., arranged according to Doubleday's List, 2. edit. (Zoolo-
gist 1861. p. 7663).
Fologne, Note sur quelques Lepidopteres observes
472 Gers ta ecken Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
en Belgique (Annal. soc. entom. Beige VI. p, 170 — 175).
Eine Aufzählung von 66 in Belgien beobachteten Arten
(meist Microlepidopteren) mit Bemerkungen über Erschei-
nungszeit und Fundorte.
T. Snellen's „Aanteekeningen over Inlandsche Lepidoptera"
(Tijdschr. voor Entomol. V. p. 172 — 180) enthalten Angaben neuer
Fundorte für eine grössere Reihe Niederländischer Lepidopteren.
S 1 0 1 1 w e r k; Dritter Nachtrag zum Verzeichnisse
der Schmetterlinge aus dem Kreise Crefeld (Verhandl.
d. naturhist. Ver. d. Preuss. Rheinlande XIX. p. 289 —
296). Verf. verzeichnet hier 44 fernere Arten, von de-
nen 8 den Rhopaloceren bis Geometriden, die übrigen
den Tortricinen und Tineinen angehören; die Zahl der
Crefelder Lepidopteren steigt dadurch auf 994 Arten.
Funk, Die Sphingiden und Bombyciden der Bam-
berger Umgegend (Fünfter Bericht d. naturf. Gesellsch.
zu Bamberg p. 49 — 56 \ Von Sphingiden (inclus. Sesia-
rien und Zygaeniden) werden 36, von Bombyciden (inclus.
Cossinen und Cheloniarien) 108 Arten nebst Angaben
über Häufigkeit und Fundorte aufgezählt.
Nickerl (Lotos XI. p. 153 ff.) lieferte Nachträge
zur Synopsis der Lepidopteren-Fauna Böhmens, in wel-
chen er vierzig theils in Böhmen neu aufgefundene, theils
wenig verbreitete Arten aufzählt und in ihrem Vorkom-
men erörtert. Dieselben gehören den Rhopaloceren, Bom-
byciden und Noctuinen an.
V. Prittwitz setzte seine Abhandlung über ,,die
Winterformen und Generationen der schlesischen Falter'^
siehe Jahresber. 1861. p. 168) in der Stett. Entom. Zei-
tung XXIII. p. 481 — 512 mit den Sphingiden und Bom-
byciden im weiteren Sinne fort. Von Sphingiden über-
wintert als Falter nur eine Art (Macroglossa stellatarum),
als Puppe 18, als Raupe 33 (sämmtliche Sesiarien und
Zygaeniden) ; sechs Arten haben zwei Generationen. —
Von Bombyciden überwintern 13 Arten im Ei, 67 als
Raupe, 40 als Puppe, keine Art als Imago ; 20 Arten haben
zwei Generationen.
Derselbe (ebenda p. 142 — 153) lieferte „Bemer-
kungen und Zusätze zu W i 1 d e*ß systematischer ßeschrei-
im Gebiete d^ Entomologie während des Jahres 1862. 473
bung der Raupen^. Die Zusätze betreffen theils die ein-
schlägige Literatur, theils die Raupen und ihre Nah-
rungsflanzen selbst.
Einzelne Beiträge zur Kenntniss der Lepidopteren
Corsika's lieferte B eil i er de laChavigerie: 1) Lepi-
dopteres nouveaux et chenilles observes en Corse (Annal.
SOG. entom. 4. ser. IL p. 379 f. pl. 9) und 2) Varietes
nouvelles de Lepidopteres observees en Corse (ebenda
4. ser. IL p. 615 f. pl. 14). Die neuen Arten und Varie-
täten gehören den Familien der Bhopaloceren, Noctuinen
und Geometriden an.
T. Sn eilen (Notice sur la faunc Lepidopterologi-
que de l'ile de Sicile, Tijdschr. voor Entomol. V. p. 100
— 105) machte einige von Mann nicht aufgeführte Sici-
lianische Lepidopteren namhaft. Es sind neun Arten,
welche den Geometriden, Pyraliden und Tortricinen an-
gehören ; ausserdem folgen noch einige Bemerkungen über
Papilio Pherusa Dahl und Nostradamus Fab.
Staudinger (Stett. Entom. Zeit. XXIII. p. 257—
271) machte einige neue Griechische Lepidopteren, den
Familien der Rhopaloceren und Geometriden angehörend,
bekannt.
Neue Südrussische Lepidopteren aus der Umgegend
Sarepta's wurden von Christoph (Stett. Entom. Zeit.
XXIIL p. 220-224) und von Moeschier (Wien. Ent.
Monatsschr. VI. p. 139-148. Taf. 10) beschrieben; es sind
zusammen zehn Art^n, welche den Familien der Chelo-
uiarien_, Noctuinen und den Microlepidopteren angehören.
J. Mann stellte (Wien. Ent. Monatsschr. VI. p. 356
und 373 ff. Taf. 3) ein systematisches Verzeichniss der
i. J. 1851 bei Brussa in Klein-Asien von ihm gesammel-
ten Schmetterlinge zusammen, welches im Ganzen die
bedeutende Zahl von 1012 Arten nachweist; Rhopalo-
cera 112 A., Sphingidae (incl. Sesiarien und Zygaeniden)
39 A., Bombycidae (incl. Euprepiidae) 56 A., Noctuina
122 A., Geometridae 160 A., Pyralidae und Crambidae
141 A., Tortricina 126 A., Tineina 230 A., Pterophoridae
23 A. Die einzelnen Arten sind mit Notizen über Le-
474 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
bensweise, Häufigkeit ii. s. w. versehen, 13 derselben
(darunter 1 Lithosiide und 1 Noctuine, die übrigen Mi-
crolepidopteren) als neu beschrieben und auf der beifol-
genden Tafel abgebildet.
V. Hey den „(Fragmente aus meinen entomologi-
schen Tagebüchern'', Stett. Entom. Zeit. XXHI. p. 171—
176 und p. 360 — 367) machte die ersten Stände und de-
ren Lebensweise und Entwickelungsgeschichte von zwan-
zig ferneren Lepidoptcren, den Geometriden und Micro-
lepidopteren (grüsstentheils Tineinen) angehörig, bekannt.
M'Lachlan, Remarks on the supposed influence
of the food of the larvae in causing variations in Lepido-
ptera (Entomol. weekl. intellig. X. p. 157).
Ro essler („üeber den Nachtfang«, Wien. Ent. Monatsschr.VI.
p. 152 — 157) erörterte die für den Fang von Bombyciden, Noctui-
nen, . Geometriden und anderen Nachtfaltern vortheilhaften Bedin-
gungen und gab eine Aufzählung der von ihm bei Wiesbaden zur
Nachtzeit in grösserer Anzahl gesammelten Arten.
Rhopalocera. W. H. Edwards setzte seine „Descriptions of
certain species of diurnal Lepidoptera found withiu the limits of
the United States and British America" (Proceed. acad. nat. scienc.
of Philadelphia 1862. p. 54—58 und p. 221—226) mit zwei ferneren
Abschnitten fort, welche die Beschreibung von 18 neuen Nord-Ame-
rikanischen Arten aus den Gruppen der Nymphaliden, Lycaeniden,
Equites, Satyriden und Hesperiden enthalten.
Ebenso führten C. und B. Felder ihre „Lepidoptera nova
Columbiae diagnosibus collustrata" (Wien. Entom. Monatsschr. VI
p. 409 — 427) mit einer Series tertia weiter, in welcher 34 neue
Bhopaloceren verschiedener Gruppen aus Bogota und Venezuela be-
kannt gemacht werden.
Bob. Trimen, Bhopalocera Africae australis: a catalogue
of South - African Butterflies : comprising descriptions of all the
known species with notices of their larvae, pupae, localities, habits,
seasons of appearance, and geographica} distribution. Part. I. Papi-
lionidae, Pieridae, Danaidae, Acraeidae and Nymphalidae. (Cape
Town 1862. 8. 190 pag.) Der vorliegende erste Theil des Werkes,
welches eine systematische Aufzählung und Beschreibung aller Süd-
afrikanischen TagFchmetterliiige zu geben bestimmt ist, enthält sehr
eingehende Charakteristiken von 105 den Gruppen der Equites,
Pieriden, Danaiden, Acraeiden und Nymphaliden angehörenden Ar-
ten, meist nach beiden Geschlechtern und öfter mit gleichzeitiger
Berücksichtigung der ersten Stände. Die Synonymie vieler Arten
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 475
wird unter vollständiger Anführung der betreffenden Literatur näher
erörtert; neben der Beschreibung einiger neuer Arten ist auch eine
nochmalige Charakteristik der von Boisduval in Delegorgue's
Reise bekannt gemachten von Interesse.
Eine Fortsetzung dieser Arbeit bilden zwei kleinere Abhand-
lungen desselben Verf. 's : .,0n some new species of South African
Butterflies" (Transact. entom. soc. of London 3. ser. I. p. 279-291)
und „On some new species of South African Butterflies, collected
in British Caffraria by W. d'Urban" (ebenda 3. ser. L p. 398 —
406), welche die Beschreibung von 22 neuen in der Cap-Colonie
vom Verf. selbst und im Caffernlande von d'IIrban gesammelten
Rhopaloceren aus den Gruppen der Satyriden. Lycaeniden und Hes-
periden enthalten.
Die von Hewitson's Exotic Butterflies i. J. 1862 ausgege-
benen Hefte haben dem Ref. bis jetzt noch nicht zur Einsicht vor-
gelegen und muss daher ein Bericht über dieselben bis zum näch-
sten Jahre ausgesetzt bleiben.
Equites — Felder (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch.
zu Wien XIL p. 483 ff.) beschrieb Papilio Scottianus als n. A. von
Sidney, ferner Pap. Pammon Lin. var. JSikobams von den Nikobaren
und Pap. Pammon Lin, var. Jaranus von Batavia. — Ferner (Wien.
Ent. Monatsschr. VL p 22) Papilio Mencius (Alcinous var. Gray Catal.)
und Pap. Pammon Lin. var. borealis aus China, (p. 6-5) Papilio Ana-
ximenes und Enrotas \\. A. aus dem nördlichen Brasilien, (p. 282)
Ornithoplera Magellanus, Papilio Semper'i (Jupiter Boisd. i. 1 ), llip-
ponous, Hysfaspes, Melanllius , Euplirales und Leptocircus Decius
(Meges Boisd. i. lit.) als n. A. von den Philippinen.
Edwards (Proceed. acad. nat. scienc. of Philadelphia 1862.
p 225) beschrieb Pamassius Smintheiis (Doubled.) aus Californicn
nach beiden Geschlechtern.
Ridings (Proceed. entom. soc Philadelphia I. p. 278) gab
Beschreibung nebst Abbildung im Holzschnitt von Papilio Daunus
Boisd. aus Kansas (bisher nur aus Mexico bekannt) und verglich
diese Art mit Pap. Turnus.
Pieridae. — Felder (Verhandl. zoolog.-botan Gesellsch.
zu Wien. XH. p. 493) begründete auf Pieris Erota Luc, Marchalii
Guer., Helvia Latr , Gayi Blanch. u. a. eine neue Gattung Hespero-
charis, mit Eucheira Westw. zunächst verwandt und zwischen diese
und Euterpe zu stellen. Dieselbe weicht von allen bekannten Pie-
riden-Gattungen durch die Bildung der Discocellular- und die Stel-
lung der oberen Diskoidalader der Vorderflügel ab, von denen er-
stere longitudinal , letztere von der Subcostalis weit entfernt und
der unteren Diskoidalader ziemlich genähert ist; die Taster sind
schlank, nadeiförmig und gleich der Stirn dicht und lang mähneu-
476 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
artig beborstet. — Ebenda p. 474 £f. Terias Platnea und Nisella n.
A, von Rio -Janeiro, Terias Mhobarensis n. A. von den Nikobaren,
Pieris Galalhea n. A. von Sambelong.
Derselbe (Wien. Ent. Monatsschr. VI. p. 23) beschrieb Go-
nopteryx Aspasia Menetr. var. acnmhiata und Terias Anemone n. A.
aus Central-China, (p. 67 ff.) Euterpe Bellona Cram. var. Negrina,
Euterpe Calymnia, Leucadia, Callidri/as Wallacei und Leucidia El-
phos als n. A. aus dem nördlichen Brasilien, (p. 284 fif.) Pieris Bianca,
Luzonensis, ISathalia (Boisd. i. lii.), Domitia (P. Nero Fab. var. Char-
pentieri Boisd.), Zamboanga, Aslerope und Agave (Boisd. i. lit.), Za-
mora, Pieris Nephele Boisd fem., P. Boisduvaliana (P. Nephele
Boisd. fem. Feld, antea), lllana, Eronia Boebera Eschsch., Phocaea
Feld. fem. und Terias Alilha n. A. von den Philippinen, (p. 409 f.)
Leptalis Cordillera und Arcadia n. A. von Bogota.
Bates (Transact. Linnean soc. of London XXIII. pl. 55 u. 56)
gab Abbildungen von 14 verschiedenen Formen der bis in's Un-
glaubliche variirenden Leptalis Theonoe Hew. von Cupari, San
Paul, Ega u. s. w., ebenso Abbildungen von Leptalis Nehemia, Am-
phione und Orise. Höchst interessant und beachtenswerth sind die
Angaben, welche Verf. über die Beziehungen dieser Leptalis-Formen
zu den ihnen ähnlichen Heliconiern macht (p. 504 ff.).
Trimen (Rhopalocera Africae australis p. 52 u. 56) beschrieb
Antkocharis Anligone (Boisd. i. lit.) und Keiskamma (d'ürban i. lit.)
als n. A. aus Süd-Afrika.
Sam. Scudder, On the genus Colias in North- America
(Proceed. Boston soc. of nat. bist. IX. 1862. p. 103 — 111) unterwarf
nach Ausscheidung von C. Caesonia Stoll und Eurydice Boisd. (=
Wosnesenskii Menetr.), welche zur Gattung Zerene Hübn. zu brin-
gen sind, die bisher beschriebenen Nord- Amerikanischen Colias-Ar-
ten einer eingehenden Critik, indem er z. B. für C. Philodice God.
sowohl verschiedene Varietäten als auch für das Weibchen dieser
Art eine gelbe und weisse Form nachweist. Sodann macht Verf.
durch ausführliche Beschreibungen drei neue im Norden vorkom-
mende Arten bekannt , deren Flügelzeichnung zugleich im Holz-
schnitt dargestellt wird: Colias Labradorensis, interior vom Oberen
See und aus British Amerika und occidentalis aus dem Golf von
Georgia und British Amerika.
Staudinger (Stett. Entom. Zeit. XXIII. p. 257) beschrieb
Colias Heldreichii als n. A. aus Griechenland, 7—8000' hoch im
Veluchi-Gebirge vorkommend; mit C. Aurorina Herr. -Seh. zunächst
verwandt, Männchen mit purpurschillernder Oberseite der Flügel,
Weibchen mit gelb- und weissflügliger Form. — Ausserdem macht
Verf. (p. 269) nachträgliche Mittheilungen über die Varietäten der
Pieris Krüperi.
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 477
V. Prittwitz (ebenda XXIII. p. 146f.) gab eine genaue Be-
schreibung der Raupe, Puppe und des daraus gezogenen Schmet-
terlings von Colias Myrmidone. Die Raupe lebt auf Cytisus capita-
tus Ende Juli's , der Falter entwickelt sich nach 10 — 12 Tagen
Verf. vergleicht Colias Edasa und Myrmidone und findet, dass sich
die Raupen fast noch mehr ähneln als die Falter, so dass die Art-
verschiedenheit beider für ihn mindestens zweifelhaft ist.
Newman, Interesting fact in the economy of the genus
Colias (Zoologist 1861. p. 7359) ist dem Ref. nicht zugänglich ge-
wesen.
Lycaenidae. — Specimen of a Catalogue of Lycaenidae
in the British Museum, byW. C. Hewitson. London, printed by
Order of the Trustees, 1862. (gr. 4. 15 pag., 8 col. Taf.). Der Text
enthält eine Aufzählung von 67 Arten der Gattungen Eumaeus
(3 A.), Epitola (1 A.), Phyfcala (1 A.), Ogyris (8 A.) und Amblypo-
dia (53 A.) unter Erörterung ihrer Synonymie und mit kurzen Be-
schreibungen der neuen Arten ; die vorzüglich ausgeführten und
besonders schön colorirten Tafeln bringen Abbildungen von 51 der
verzeichneten Arten nach der Ober- und Unterseite und häufig nach
beiden Geschlechtern. Neue Arten sind: Ofiyris Orontas , Olane,
Amaryllis und Oroetes aus Australien , ÄmbJxjpodia Hercules von
Makassar und Java, Amytis aus Australien und von den Aru-Inseln,
Amanlas von Cej'lon und Makassar, Aceles von Makassar, Anarle
Vaterl. unbek., Alce von den Aru-Inseln, Anthore von Batchian,
Alitaeus von Makassar, Achelous von Singapore, Idonias von Jata,
auiea von Sarawak, Bazalus von Silhet und Java, Agabe aus Ostin-
dien, Absevs und Ainmon von Singapore, Acron von Batchian, Diarcli
und Aresle aus Ostindien, Anniella von Singapore, Fulla von Boi-
rou, Agesias von Borneo , ]\Iula von Java, Uypomuta (Amphimuta
Feld.) aus Ostindien, Agelastus, Alea und Alrax aus Ostindien,
Amisena von Singapore, Ameria und Anila aus Siam.
Trimen (Transact. entom. soc. 3. ser. I. p. 280 ff. u. p. 400 ff.)
beschrieb Lycacna Melhymna , Calharina , Niohe ^ Krtysna , Zeritis
Croesus, Mars und Aylaspis als n. A. aus Süd- Afrika ; ferner d'Ur-
bania, nov. gen., anscheinend mitPentila zunächst verwandt, aber
durch viel längere Taster und kurzen Hinterleib unterschieden;
Flügel oberhalb ohne Metall- oder Seidenglanz, unterhalb braun
und weiss gescheckt. — Art: d'ürb. Amakosa aus dem CaÖernlande.
Neue Arten ebendaher: Lycaena Anhi, Siicani, Kama und Gaika.
Felder (Verhandl. zoolog. -botan. Gesellsch. zu Wien XIL
p. 474) beschrieb Thecla Beon Cram. var. Janeirica von Rio-Janeiro,
(p. 478) JSais (älterer S wain s o n'scher Name für Zeritis Boisd.)
Ahneida n. A. vom Cap, (p. 481) Myrina Areca, Lycaena Kankena^
Kinkurha von den Nicobaren, (p. 483 f.) Lycaena macrophthalma von
478 G-erstaecker: Berklit üb. d. wissensch.' Leistungen
Pulo Milii, Lyc. Manluetia und Komlulana n. A. von Kondul, Myrina
Kaniorta von Sambelong, (p. 487) Lycaena Serica und Milelus Chi-
nensis von Hongkong, Lyr, Praxiteles von Shanghai, Holochila
(neuer Gattungsname für Erina Swains.) absimilis und Lycaena Ao-
vae-Hollanrliae aus Sidnej^ (p. 495) Lycaena Kandaspa Horsf. var.
Caledonica aus Neu-Caledonien.
Derselbe (Wien. Ent. Monatssclir. YL p.24) beschrieb TAcc/a
grandis n. A. von Ning-po in China, (p. 289 ff.) Vhaedra tagalica
(Anops Bulis Bois. i. lit.), obsoleia, nesophüa, Myrina Manilana^ dis-
cophora, Lefebvrei , Tlieda (Boisd. i. lit.), Orphevs (Boisd. i. lit.),
Jalajala, Lazarena , Hypolycaena Tmolns , Tharrytas (Boisd i. lit.)
und Aslyla (Boisd. i. lit.) als n. A. von den Philippinen.
Edwards (Proceed. acad. nat. scienc. of Philadelphia 1862.
p. 55 f.) machte Tkecla Acadica und laela als n. A. von London in
Nord -Amerika und Lycaena neglecta aus Massachusetts, Neu -York
und AVisconsin bekannt. — Ebenda p. 223 ff. : Tliecla Californica und
viridis als n. A. aus Californien, affinis von Utah, Belirii und Shasta
aus Californien, Pembina vom Winnipeg-See ; ausserdem das Weib-
chen von Lycaena Scudderii Edw.
Lycaena Boldenarvm White (Proceed. entom. soc. of London
1861. p. 26) n. A, von Neu-Seeland, kurz charakterisirt.
Lycaena Helena Staudinger (Stett. Entom. Zeit. XXIII. p. 265)
n. A. aus dem Peloponnes, 6 — 7000' hoch im Taygetos-Gebirge, mit
Lyc. Semiargus zunächst verwandt.
Eine Aberration der Lycaena Phlaeas, in England gefangen,
wurde von Ruspini (Proceed. entom. soc. 1862. p. 62) erwähnt. —
Lycaena Aegon var. Corsica und Lyc. Agestis var. calida wurden
von Belli er de la Cha vign erie (Annal. soc. entom. 4. ser. II.
p. 615. pl. 14. flg. 5 u. 6) beschrieben und abgebildet.
Milliere (Annal. soc. Linneenne de Lyon VIII. p. 229 f. pl. 4)
beschrieb und bildete die Raupe von Lycaena Baetica, auf Colutea
arborescens Lin. lebend, nebst dem Schmetterling ab.
Eryci-=nidae. — Bates (Transact. Linnean soc. of London
XXIII. p. 541) machte eine neue, in ihrer Erscheinung den Ithomien
auffallend ähnliche Gattung Ithomeis bekannt, welche mit Pheles
zunächst verwandt ist, sich aber schon dadurch unterscheidet, dass
in den Vorderflügeln der zweite Subcostalast nicht vor, sondern
hinter dem Ende der Zelle abgeht. Die Vorderflügel sind- in ähnli-
cher Weise wie bei Ithomia verlängert, glasartig und haben weiss-
liche Flecke nahe der Spitze, r— Fünf neue Arten vom Amazonen-
strome : Ithomeis aurantiaca , Stalachlhina, Heliconina, mimica und
salelliles.
Felder (Wien. Ent. Monatsschr. VI. p. 70 ff.) beschrieb Eu-
rybia Franciscana (Bates i. lit.) als n. A, aus Nord-Brasilien, Hell-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 479
copis Endymion Cram. var.^ Cupido Lin. var. ?, Erycina Laodomia
und Callias n-. A. ebendaher. — Oreslias, nov. gen., von Limnas
und Pheles durch viel dünnere Fühler, kürzere und kräftigere Beine,
so wie durch das Flügelgeäder unterschieden : der vierte Subco-
stalast der Vorderflügel geht unterhalb der Spitze der Costa ab, die
Diskoidalader der Hinterflügel ist den Subcostalästen mehr genähert
als bei Limnas, die obere Diskoidalader ist frei, die untere fast in der
Mitte der Diskocellular-Ader entspringend. — Art: Orest. (Limnas)
Vitula Hewits. — Br ac h y glenis , nov. gen., von der vorherge-
henden Gattung durch sehr kurze Diskoidalzelle beider Flügelpaare,
durch den von der Costa mehr entfernten vierten Subcostalast der
Vorderflügel und durch schlankere und längere Beine unterschieden.
— Art: Brach. Eslhemn. — Monelhe Albertus n. A. von Rio-Negro
und von Bogota. — Ebenda p. 410 ff. : Evrybia Donna .^ Necyria Lin-
diflii und Alesosenna Phelina n. A. von Bogota. — 1 1 homi op si s^
nov gen., vermuthlich identisch mit der vorher angeführten Gattung
Ithomeis Bates , nach Felder durch sehr dünne, an der Spitze
wenig verdickte, ganz mit kleinen Schuppen besetzte Fühler, kurze,
anliegend beschuppte Taster, so wie durch ungeschwänzte, verlän-
gerte, mit der bei Ithomia gewöhnlichen Zeichnung versehene Flügel
charakterisirt. — Zwei Arten: Ithom. Corena von Bogota und Aslrea
aus Venezuela.
Acraeidae. — Neue Arten sind: Acraea Terpsinoe und
Neyra Felder (Wien. Ent Monatsschr. VI. p. 78) aus Nord-Brasilien,
Acraea Eresia, Trinacria und Callianthe Felder (ebenda p. 417) von
Bogota, Acraea Eulerpe Felder (Verhandl. zoolog.-botan. Gesellsch.
Xn. p, 475) von Rio - Janeiro und Acraea Frotea Trimen (Rhopal.
Afric. austr. p. HO) vom Cap.
Nymphalidae. — Snellen vanVollenhoven, „Bijdrage
tot de Kennis van hat vlindergeslacht Adolias" (Tijdschr. voor En-
tomol. V. p. 181 — 207. pl. 10 — 12) zählte nach einer erneueten Cha-
rakteristik der Gattung Adolias 32 im Leydener Museum befindliche
Arten derselben auf, von denen er mehrere bereits bekannte (be-
sonders durch Moore beschriebene) noch näher erörtert, die 14
darunter befindlichen neuen aber ausführlich beschreibt und in co-
lorirten Abbildungen darstellt. Letztere sind: Adolias apicalis^
Diardi, bipiinctala, Iiidras, Asparasa und clalkrata von Borneo,
LndeJiinfjii von Sumatra, octogesima und Varnna von Java und Bor-
neo, pardalis, Stirjas, Agnis und Blvmei von Java, Gandarva Vaterl.
unbek. — Adolias Dirtea Fab. erörterte Verf. ausführlich in ihren
verschiedenen Varietäten von Java und Borneo.
Hewitson, Descriptions of Butterflies from the collections
of A. R. WaUace and W. C. Hewitson (Proceed. zoolog. soc.
of London XXX. p. 87 — 91. pl. 9 u. 10) gab Beschreibungen und
480 Gerstaecker: Bericht üh. d. wissensch. Leistungen
Abbildungen von Mynes leucis Boisd. in sieben Varietäten von My-
sol, Dorey, Ofifack, Batchian und Aru und bereicherte die bisher
nur durch eine Art vertretene Gattung Terinos mit vier neuen:
Terinos Tethys von Mysol, Taxiles von Celebes, Tenthras aus Ostin-
dien und Terpander von Borneo. Jede dieser Arten zeigt eine be-
sondere Modifikation des Flügelgeäders, so dass deren innerhalb
der Gattung bereits fünf bestehen.
Edwards (Proceed, acad. nat. scienc. of Philadelphia 1862.
p. 221 f.) beschrieb Argijnnis ^okomis n. A. aus 'den Rocky-Moun-
tains und Californien, Gropka Pannus von Neu-York und Limenitis
Eululia (Doubled.) aus Californien. — Ebenda p. 54: Argxjnnis Atlan-
tis n. Ä. aus den Nordstaaten und Canada.
Derselbe, Descriptions of certain species of Diurnal Lepido-
ptera found within the United States, figured in Doubledays Genera,
but undescribed (Proceed. entom. soc. of Philadelphia I. p. 221 ff.)
beschrieb Argymiis Astarie (Doubled.) vom Oregon und aus Cali-
fornien, Melitaea Chalcedon und Anicia (Doubled.) aus den Rocky-
Mountains und Californien, Timetes Coresia (Doubled.) aus Texas.
Derselbe; „Notes upon Grapta comma Harr, and Grapta
Faunus Edw." (ebenda I. p. 182 f.) erörterte die Unterschiede beider
Arten, von denen die letztere mit der Europäischen Yan. C-album
nahe verwandt, aber auch nach Stainton's Urtheil davon speci-
fisch verschieden ist. Von Grapta comma beschreibt Verf. die Raupe,
welche er auf Nesseln in den Wäldern der Catskill-Mountains fand.
Derselbe, „Note on Argynnis Cybele und Arg. Aphrodite"
(mitgetheilt von Walker in den Proceed. entom. soc. of London
1862. p. 74 f.). Verf. diskutirt die Artrechte beider Falter, von wel-
chen ganz analoge Varietäten vorkommen, die zwischen beiden in
der Mitte zu stehen scheinen.
Felder (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien 1862.
p. 476) beschrieb Callicore Janeira als n. A. von Rio-Janeiro, p. 482 :
Junonia Asterie Lin. var. Nihobariensis von den Nikobaren, p. 484:
Cethosia ISikobarica als n. A. von Kondul, Messaras Erymanthis
Drury var. JSihobarica von Sambelong, Junonia Asterie Lin. var.
Javana von Batavia, p. 492 : Diadema Auge Cram. var. Otaheitae
von Taiti.
Derselbe (Wien. Ent. Monatsschr. VI. p. 24£f.) Argynnis Ne-
rippe n. A. aus Japan, Arg. Anachjomene n. A. aus China und wies
Damora Paulina Nordm. als Weibchen von Argynnis Sagana Doubled.
nach — P ar apl esia, nov. gen., mit Pentheraa Doubl, nahe ver-
wandt, durch das dem Scheitel an Länge nicht gleichkommende
zweite Tasterglied, gleich lange obere und mittlere Diskocellular-
ader der Vorderflügel , kürzere Flügel . Beine und Hinterleib, brei-
tere und an der Spitze nicht ausgezogene Vorderflügel unterschie-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 481
den. — Art: Parapl. Adelma aus China. — Athyma Sulpitia Cram.
var. ISingpoana aus China, Apalura Here und Japonica n. A. aus
Japan. — Ebenda p. 109 : Colaenis Phaetusa Lin. var., Agraulis Lu-
cina, Eresia Berenice, Junonia Lavinia Cram. var. occidentalis, Eu-
nica Flora , Phasis, Epiphile ISegritia n. A., Pandora Prola Boisd.
var.; Batesia, nov. gen., mit Pandora Boisd. undAgeronia Hübn.
zunächst verwandt, jener im Habitus und der Form des Hinterlei-
bes, dieser in der Form der Zelle in den Vorderflügeln gleichend:
von beiden durch kürzere Fühler, die zugleich weniger deutlich
gekeult sind , verhältnissmässig längere und an der Rückenseite
zottig beschuppte Taster , abwärts gebogene obere Diskoidalader
der Vorderflügel und die schmalere und längere Zelle der Hinter-
flügel unterschieden. — Art : Bat. Hijpochlora aus Nord-Brasilien,
— Eubacfis Salpensa, CaUicore Lidwina, Catagramma Salamis. Cat.
Tolima Hewits. var. , Callithea Degandii Hewits. var. , Pyrrkogyra
Lysanias . Heterochroa Alala Hewits. var. ISegra , Het. Ephesa
Menetr. ?, Het. Ximetia, Urraca , Apatura Linda, Griseldis , Apat.
Zunilda God. var, , Prepona Amphimachus Sulz. var. , Nymphalis
Eurypyle., Glaucej Glaucone, Leuctra, Anassa, Odilia (Cram. ?), Pro-
togonius Fabius Cram. var. und Siderone Isidora Cram. var., alle
aus dem nördlichen Brasilien. — Ebenda p. 419 ff. : Eresia Castilla,
Eurema Lindigii, Eunica Olympias , Araticana, Siderone, Vulcanus
und Thebais als n. A. von Bogota.
Trimeij (Rhopaloc. Afric. austr. p. 140 u. 177) Junonia He-
cate n. A. von Port Natal und Nymphalis Jahlusa (Boisd. i. lit.) aus
dem Innern Süd-Afrika's.
Milliere (xinnal. soc. Linneenne de Lyon VIII. p. 196 pl. 4)
gab eine Abbildung und Beschreibung von einer prachtvollen Aber-
ration der Argynnis Aglaja mit ganz zusammengeflossener schwarzer
Zeichnung der Oberseite und grossen Perlmutter-Spiegelflecken auf
der Unters eite der Hinterflügel.
Bellier de la Chavignerie (Anna^. soc. entom. 4. ser. II.
p, 616) erwähnte einer Varietät von ArgjTinis Paphia (var. immacu-
lalo), welche auf Corsika constant vorkommt, Berce (Bullet, soc.
entom. 1862. p. 30) einer Aberration derselben Art im männlichen
Geschlechte mit zusammengeflossenen schwarzen Flecken der Ober-
seite der Flügel.
Benteli (Mittheil. d. Schweiz. Entom Gesellsch. II. p. 30)
bezweifelt die Art-Identität von Melitaea Merope und Artemis haupt-
sächlich auf Grund ihrer verschiedenen Lebensweise.
Rogenhofer (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien
XII. p. 1225) beschrieb die Raupe -vund Puppe der Vanessa Egea
Cram. (triangulum Fab.) nach lebenden Exemplaren von Lussin pic-
colo; die Raupe lebt nicht, wie R o s s i angiebt, auf Weiden, sondern
Archiv f. Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. FF
482 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
im April auf Parietaria diffusa an Steinmauern und Felsen. — Verf.
erwähnt gleichzeitig- eines spitzen, häutigen Fortsatzes an der Unter-
seite des ersten Brustringes dieser Raupe, der sich auch an anderen
Raupen der Gattungen Vanessa, Melitaea und Argynnis, so wie an
manchen Noctuen-Raupen vorfindet.
Biblidae. —Felder (Wien. Ent. Monatsschr. VI. p. 121)
unterschied diese Gruppe von den Nymphaliden durch viel stärker
zusammengedrückte, weit auseinanderstehende Taster, von den Saty-
riden durch die Gestalt der Raupen, von beiden durch das deutlich
ausgebildete , abgestumpfte und nickende Endglied der Taster. —
Als n. A. wird beschrieben : Olina Caecilia aus dem nördlichen
Brasilien.
Heliconidae et Danaida e. — V/. Bat es, Contributions
to an Insect Fauna of the Amazon Valley. Lepidoptera: Heliconi-
dae (Transact. Linnean soc. of London XXIII. p. 495 — 566 pl. 55, 56).
In einer bereits zu Anfang unseres Berichtes besprochenen höchst
lehrreichen Einleitung erörtert der Verf. ausführlich die geographi-
sche Verbreitung,' die Abänderungen, die Lebensweise u. s. w. der
Brasilianischen Heliconier und macht zugleich auf die sie nachahmen-
den Arten aus den Gruppen der Equites , Pieriden , Eryciniden,
Cheloniarien u. a., welche ihren Vorbildern unter den Heliconiern
merkwürdiger Weise oft Schritt für Schritt folgen, aufmerksam. In
systematischer Beziehung" kann Verf. die Gruppe der Heliconier
nicht als eine conforme ansehen , sondern betrachtet sie als aus
zwei verschiedenen Elementen zusammengesetzt: 1) Acraea - artige
Heliconier (nur Heliconius und Eueides) mit sehr kleiner Zelle der
Hinterflügel, deren beide Radialadern als Aeste der Subcostalis er-
scheinen und deren Costaiis bis zur Spitze verlängert ist. Larven
dornig. Kopf breit, Taster dick. 2) Danais-artige Heliconier (hierzu
alle übrigen Gattungen) mit sehr grosser Zelle der Hiuterflügel,
deren beide Radialnerven nicht als Aeste der Subcostalis erscheinen
und deren Costaiis kurz ist, nicht bis zur, Spitze reicht. Larven
ungedornt, mit Höckern versehen. Kopf klein, kuglig, Taster dünn.
(Letztere Gruppe ist Verf. jetzt geneigt, mit Felder ganz zu den
Danaiden zu stellen, wie in einer der Abhandlung nachträglich ange-
hängten Note bemerkt wird.) Die Zahl der aus beiden Gruppen
am Amazonenstrome beobachteten Arten ist, abgesehen von den
zahlreichen Lokalvarietäten, 94, nämlich 67 Danais-, und 27 Acraea-
ähnliche; die Artenzahl nimmt von Osten gegen Westen hin zu,
doch sind einzelne Lokalitäten sehr reich an Arten (64), andere
auffallend arm (5). Auf die verschiedenen Gruppen und Gattungen
vertheilen sich diese Arten folgendermass'en : a) Danainae. 1) Danais
3 A. — b) Danais-artige Heliconier : 1) liycorea 4 A. 2) Ituna 1 A.
3) Methona 2 A. 4) Thyridia 1 A. 5) Dircenna 2 A., neu : Dirc.
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 483
Epidero (Boisd. i. lit.). 6) C alli t/i omia, nov. gen., Kopf, Taster
und Fühler wie bei Dircenna, von der sie das Geäder der Hinter-
flügel , welches Olyras gleicht , unterscheidet. Hinterflügel beim
Männchen kurz, fast quadratisch, beim Weibchen elliptisch ; die
untere Disco - Cellularader gerade, in stumpfem Winkel gegen die
Mediana gestellt, die mittlere gewinkelt, beim Männchen sehr lang
und auswärts gegen die Flügelspitze hin gerichtet. Vorderschienen
und — Tarsen des Männchens rudimentär, nur als kleines Knöpfchen
an der Schenkelspitze erscheinend, — Drei neue Arten: Call. Ale-
xirrkoe, Zeuxippe und Thornax. 7) Ceratiüia 7 A., neu: Cer. Xan-
thostola, Anastasia und Manaos. 8 Sais 1 A. 9) Mechanitis 2 A.,
darunter neu: Mech. Theaphia. 10) Napeoge?ieSj nov. gen., auf
Sais Cyrianassa Doubl., Ithomia Inachia , Ercilla, Jthra, Corena
Hew. u. a. begründet, von Sais durch das Flügelgeäder und die männ-
lichen Vorderbeine abweichend; an letzteren sind Schiene und Tarsus
eingegangen, der Schenkel aber nicht verkürzt. — 12 Arten, dar-
unter neu: JSap, Tunanlina, Adelphe, Pyrois, thcvanthes und Croco-
des. Anhangsweise wird Nap. Xanthone als n. A. von Bahia be-
schrieben) 11) Ithomia 23 A, darunter neu: Ith. poecila, Tucuna,
Primula und i\epliele. 12) Aielinaea, nov. gen.. am nächsten mit
Olyras und Thyridia verwandt, von beiden durch die Vorderbeine
des Männchens, an denen die Schienen und Tarsen zwar mehr oder
weniger verkürzt, aber nie auf einen runden Knopf reducirt sind,
und durch die kurzen, der Stirn dicht anliegenden Taster unter-
schieden, von Thyridia ausserdem durch sehr lange und dünne Füh-
ler abweichend. (Typen : Pap. Egina Cram., Mneme Lin., Mecha-
nitis Maenius und Maelus Hew.) 8 Arten, darunter neu : Mel. Lud/er
und pardalis (Maelus Hew. pars). 13) Tithorea 2 A., neu: Tith.
Cupnrina. — c) Eigentliche Heliconier : 1) Heliconius 19 A., darun-
ter neu: Hei. Aurora, Leucadia, Estrella und (anhangsweise beschrie-
ben von Cayenne:) Xanthocles. 2) Eueides 8 A., neu: E. Lampeto.
— In besonders zahlreichen und scharf ausgeprägten Varietäten
treten von bekannten Arten folgende auf: Heliconius Melpomene
Lin. (Varietäten: Callycopis Cram., Elimaea Erichs., Lucia Cram.,
Erythraea Cram., Andremona Cram., Udalrica Cram., Cybele Cram.,
Tyche und Hippolyte Bates) , Ithomia Orolina Hew. (Varietäten :
Aureola, Oncidia, Chrysodonia und Aureliana Bates) und Mechanitis
Polymnia Cram. (Varietäten : Egaensis Bates mit mehreren Abstu-
fungen, Mazaeus Hew. und Olivencia Bates). — Auf den beiden fol-
genden, sehr schön colorirten Tafeln hat Verf. besonders von sol-
chen Arten und Varietäten Abbildungen gegeben, welche verschie-
denen Leptalis-, Itliomeis ■ und Dioptis-Arten gleichsam als Vorbilder
gedient haben, d. h. denen letztere mehr oder weniger auffallend
gleichen. (Der allgemeine Theil der Abhandlung ist im Auszuge
4 84 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
wiedergegeben im Journal of proceed. Linnean soc, Zoology VI.
p.73— 77.)
Felder (Verliandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien XJI.
p. 475) beschrieb Ithomia Vhhjsto (Boisd. i lit.) von Rio-Janeiro,
p. 479: Enploea Frauenfeldi und Scherzeri , Danais Ceylanica als
n. A. von Ceylon, p. 482 : Enploea Novarae und Espeii von den
Nikobaren, Danais Nesippus von Sambelong und p. 488: Danais
similis Lin. var. Chinensis von Hongkong.
Derselbe (Wien. Ent. Monatsschr. VI, p. 74 fF.) unterscheidet
die Gruppe der Danaiden von allen übrigen Suspensis durch die an
der Basis zweigablige Vena interna der Vorderflügel und durch die
Gestalt der Raupen, von den Nymphaliden und Bibliden durch die
Bildung der Taster. Hiernach werden ausser Euploea, Danais und
Hestia die bisher als Heliconier angesehenen Gattungen : Hamadryas,
Tithorea, Lycorea, Ituna, Olyras, Eutresis, Athesis, Methona, Thy-
ridia, Dircenna, Ithomia und Mechanitis den Danaiden zugezählt. —
Als neue Arten und Varietäten aus dem nördlichen Brasilien wer-
den beschrieben: Danais Archippus Fab var., Ituna Lamyra Latr.
var., Lycorea Pales, Thyridia Ino , Ithomia Eurimedia Cram. var.
neyricola, Ith. Zavaletta Hewits. var., Ith. Pharo (Inachia var. Hewits.),
Ith. Astrea Cram. var. , Afjarista und Epicharme n. A., Mechanitis
Menecles Hewits. var. und Maelus Hewits. var. (pardalis Bates i. lit.).
— Aus der Gruppe der Heliconiden, welche Verf. auf die Gattungen
mit einfacher Vena interna der Vorderflügel beschränkt und von
den Nymphaliden vorläufig durch die drehrunden, oft stark zusam-
mengedrückten, gegen die Spitze hin kegelförmig verengten, stark
divergirenden Taster mit etwas nickendem Endgliede unterscheidet,
werden beschrieben: Heliconins Äerotome, Äglaope und Amaryllis als
n. A. aus dem nördlichen Brasilien. — Ebenda p. 413 ff. wird eine
neue Gattung Ä4hy r t is Sius der Danaiden- Gruppe aufgestellt, wel-
che zwischen Eutresis und Mechanitis in der Mitte steht, sich von
letzterer durch die von der Vena mediana weit entfernte Vena dis-
coidalis der Hinterflügel und viel kürzere Medianäste, von denen
die beiden ersten überdem gebogen sind, unterscheidet. — Art:
Ath. Mechanitis von Bogota. — Mechanitis Idae, Dircenna Panlhyale
(KoUar i. lit.), Ithomia excelsa, Susiana n. A. von Bogota und Ecua-
dor; ferner aus der Heliconier-Gruppe ebendaher: Heliconins Eu-
phone (Kollar i. lit.), Messerie, Ithaca und Cassandra.
Morphidae. — Felder (Verhandl. d. zoolog.-botan. Ge-
sellsch. zu Wien XII. p. 476) beschrieb Pavonia Eurylochus Cram.
var. Brasiliensis von Rio- Janeiro. (Wien. Ent. Monatsschr.VI. p. 122 f.)
Opsiphanes Cassina, Pavonia Euphorbus (Idomeneus Lin. fem var.
Cram.), Morpho Menelaus Lin. var. occidentalis aus dem nördlichen
Brasilien , (ebenda p. 422 f.) Pavonia Telamonius und Lycomedonj
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 485
Morpho Iphiclus n. A. von Bogota. — Ferner (Wien. Ent. Monats-
schr. VI. p. 27 £f) S t icho phthalma , nov. gen., von Thaumantis
Hübn. durch kleineren Kopf, kürzere Fühler, viel längere, nach
dem Geschlechte' verschiedene Taster und durch das Flügelgeäder
unterschieden; die Vena subcostalis der Vorderflügel ist vierästig,
die Aeste alle frei, die obere Vena discoidalis von den Subcostal-
ästen weiter entfernt als von der unteren Vena discoidalis, die un-
tere Vena discocellularis in der Mitte stark gekrümmt. — Die Gat-
tung ist auf Stich. Howqua Westw. begründiet.
Satyridae. — Hewitson, On Pronophila, a genus of the
Diurnal Lepidoptera, witli figures of the new species and reference
to all thosewhich have been previously figured or described (Trans-
act. entom. soc. 3. ser. I. p. 1 — 17. pL 1 — 6). Nach vorausgeschick-
ten Bemerkungen über die Charaktere der Gattung Pronophila, über
ihre geographische Verbreitung und die auffallenden Abänderungen,
welchen einige Arten unterworfen sind, giebt Verf. eine Aufzählung
und Beschreibung von 39 Arten, unter denen die grosse Mehrzahl
neu ist und auf den beifolgenden Tafeln abgebildet wird: Pron. Va-
repa von Guayaquil, Phila und Phaea aus Neu-Granada, Peruda vom
Amazonenstrome, Plotina aus Venezuela, Pylas , Peucestas und Pal-
lantisans Neu -Granada, Physcoa aus Bolivia , Phanias von Minas
Geraes, Poesia aus Granada, Pisonia, Piletha und Prylanis aus Vene-
zuela, Panyasis Vaterl. nicht angegeben. Pausia aus Bolivia, Paneis
vom oberen Amäzonenstrome, Porina Vaterl.?, Proerna, Phoenissa
und Polusca von Bogota, Porsenna und Protogenia aus Neu-Granada,
Prochyta aus Bolivia, Phaseiis aus Venezuela, Palrohas aus Mexiko
und Perperna Vaterl. unbekannt. Die Gattung Lasiophila Feld, wird
eingezogen; Las. Cirta Feld, ist identisch mit Pronophila Praeneste
Hewits.
Edwards (Proceed. acad. nat. scienc. of Philadelphia 1862.
p. 57 f.) beschrieb Pamphila venia und rurea als n. A. aus Illinois,
ferner das noch unbekannte Weibchen von Chionobas Taygete Hübn.
von der Hudsons-Bay.
Felder (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien. XII.
p. 493) Cyllo Leda var. Taitensis von Taiti, (Wien. Ent. Monatsschr.
VI. p. 28 f.) Lasiommata Gaschkevitschii Menetr., Lasiommata Bre-
meri und Muirheadii n. A. aus China, (ebenda p. 124 ff.) Antirrhaea
Heia, Haetera Hortensia, Astyoche Er. var., Lena Lin. var. Brasi-
lietisis, Pireta Cram.? var. Aurora, Piera Lin. var. Negra, Taygetis
Cleopatra, Neonympha Flelle Gram.?, Pimpla und fallax n. A. aus
dem nördlichen Brasilien, (ebenda p. 424) Antirrhaea Philaretes, Phi-
lopoenien, Lindigii und Geryon, Taygetis Calliomma und Daedalma
Dorinda n. A. von Bogota.
Trimen (Transact. entom. soc. of London 3. ser. I. p. 280)
486 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Yfklhima Hebe n. A. von Port Natal und (ebenda p. 399) Salyrus
fiendrophihis n. A. aus dem Caffernlande.
W. F. Kirby (Proceed. entom. soc. of London 1862. p. 85)
Coenonympha Mandanc n. A. aus der Ukraine.
Girard (Annal. soc. entom. de France 4. ser. II. p. 348 f.)
machte Mittheihingen über das Variiren von Satyrus Hero und Ar-
canius („Quelques mots sur l'etude des variations chez les Insectes
en gen-eral et en particulier sur les variations des Satyrus Hero et
Arcanius").
Hesperidae. — Trimen (Transact. entom. soc. of London
3. ser. I. p. 287 ff.) beschrieb Ismene Stella, Pyrgvs Elina, Nisoyiiades
Umhra, Pompkila Micipsa und Erynnis als n. A. aus Süd -Afrika,
(ebenda p. 404 ff.) Nisonifuhs Pnto, Cyclopides Macomo und Hesperia
Amaponda n. A. aus dem Caffernlande.
Felder (Yerhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien XII.
p. 477) Hesperia Ares n. A. von Rio-Janeiro, An cylo xypha, nov.
gen., mit Hesperia zunächst verwandt, aber von dieser sowohl wie
von den übrigen Gattungen der Gruppe durch die Bildung des
dritten Tastergliedes verschieden, welches dem dicht beschuppten
und vorn bauchigen zweiten an Länge fast gleich , nackt , sehr
schlank, dolchförmig und leicht gebogen ist. — Auf Hesp. Numitor
Fab. und Ancyl. Corades n. A. von Rio-Janeiro begründet. — Ebenda
p. 480 ff. Isoteinon vittaUts n. A. von Ceylon, Pterygospidea Helferi
von Pulo Milu , atigulata von Hongkong , Hesperia Fortunei von
Shanghai, Telcsto Kbcliii, Dovbledayi, Leachii und Hesperia Sperthias
n. A. von Sidney. (p. 494) Carler ocephalus exornalns und polyspilus
von Chile.
Derselbe (Wien. Ent. Monatsschr. VI. p. 29 ff.) machte eine
neue Gattung Plesioneur u bekannt, welche sich von Pamphila
Westw. durch robusteren Habitus, dickere Fühler, viel breitere Zelle
der Vorderflügel , genäherte untere Diskoidalader und die beiden
letzten Medianästc derselben, so wie durch gemeinsam entsiDringen-
den zweiten und dritten Medianast der Hinterflügel unterscheidet.
— Art: Ples. cvrvifascia aus China. — Isoteinon, nov. gen., von
Cyclopides Hübn. durch viel längere Fühler, die fast wie bei Ptery-
gospidea gekeult sind und durch den die Hinterflügel nicht über-
ragenden Hinterleib unterschieden. — Art: Isut. lamprospilns von
Ningpo in China. — Neue xlrten ebendaher: Pamphila Confucins und
Pteryyospidea sinica. — Ebenda p. 178 ff. beschreibt Verf. folgende
neue Arten und Gattungen aus dem nördlichen Brasilien : Tamyx'is
Phidias Lin. var., Maenas Fab. var., Vulcanus Cram. — Oxynetra,
nov. gen. , von Tamyris durch kleineren Kopf, viel schmalere und
längere, herabgebogene, sehr s^jitze Fühlerkeule, kürzere Taster, ge-
näherte Aeste der Subcostaliy in den Vorderflügeh-i breitere Diskoi-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 487
dalzelle, gerade mittlere und unterste Diskocellularader, welche mit
dem Aussenrande gar nicht parallel laufen, durch vom dritten wei-
ter entfernten zweiten Medianast als vom ersten, viel breitere und
fast doppelt so lange Diskoidalzelle der Hinterflügel, welche zwei
Dritttheilen der Costa gleichkommt u. s. w., abweichend. — Art :
Oxyn. semihyalina. — C on orjualhns , nov. gen., von Thracides
AVestw. durch schmalere Diskoidalzelle der Yorderflügel, den der
Basis mehr genäherten ersten Subcostalast der Hinterflügel, grösse-
ren Kopf, längeren Fühlerhaken, stärker erweiterte Taster, deren
zweites Glied deutlich kegelförmig und allmählich in das dritte
übergehend, und deren Endglied weniger deutlich abgesetzt ist,
unterschieden. — Art: Con. Piaton. — Euc'avuis Vulturnus, Porcitts,
Oryx, Brachius Hübn. var., nndi Alleles {KoWo^riAit.). — Ancistro-
campta, nov. gen., von Chaetocnema Feld, durch weniger deut-
liche Fühlerkeule mit kurzem Endhaken, mehr genäherte letzte Me-
dianäste der Vorderflügel , kurz behaarte Hinter schienen mit vier
Sporen, schmalere und längere Vorder- so wie durch kürzere Hin-
terflügel abweichend. - Art: Anc. Stjllius. — Chaetoneura, nov.
gen., von Helias Fab. durch die mit einem langen, stai'k zurückge-
bogenen Haken versehene Fühlerkeule, stärker erweiterte Taster
und die unterhalb an der Basis mit langer dichter mähnenartiger
Behaarung bekleidete Innenader der Vorderflügel (nur beim Männ-
chen?) unterschieden, — Art: Chaet. Hippalus. — Phareas priscus
n. A. (Ueber die innerhalb der Gattungen Phareas und Helias auf-
tretenden Modifikationen in der Schienen- und Fühlerbildung macht
Verf. nähere Angaben.)
Hesperia vialis Edwards (Proceed. acad. nat. scienc. of Phila-
delphia 1862. p. 58) n. A. aus Illinois.
Meyer-Dür (,, Ueber Werneburg's Gruppe B. der schecken-
saumigen Arten der Falter-Gattung Hesperia", Mittheil. d. Schweiz.
Ent. Gesellsch. I. p. 19 — 24) weist Hesperia serratulae Ramb. als
identisch mit Hesp. fritillum Hübn. nach, verwirft den Namen H.
Alveus Hübn. als einer nicht zu entziffernden Art angehörig und hält
Hesp. carthami Hübn. (mit var. onopordi Ramb. und Moeschleri
Keferst.) für eine von H. Cynarae Boisd. verschiedene Art. — Ebenda
p. 39 f. giebt Verf. eine Auseinandersetzung der Charaktere von
Hesp. cirsii, Alveolus und fritillum.
Zeller, The larva of Pamphila Actaeon (Entom. weekl. In-
tellig X. p. 163). Dem Ref. nicht zugekommen.
Sphingidae. Felder (Wien. Ent. Monatschr. VI. p. 187) grün-
dete eine neue Gattung l so cjnathus auf Sphinx Scyron Cram. und
Caricae Lin. ; er unterscheidet dieselbe von Anceryx Boisd. durch
weniger hervortretende Stirn, dicht angedrückte Taster, nicht ab-
gestutztes Endglied derselben, so wie durch kürzeren und gedruu-
488 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
generen männlichen Hinterleib. — Art: Isogn. Swaiifsotiii aus dem
nördlichen Brasilien.
Daphnnsa orbifera Walker (Journal proceed Linn. soc, Zoo-
logyVI. p. 85) n. A. von Sarawak auf Borneo, ' Andriasa emhescens
Walker (Transact. ent. soc. 3. ser. I. p. 263.) n. A. von Port Natal.
Lintner („Metamorphoses of Ceratomia quadricornis Harr.'',
Proceed. entom. soc. Philadelphia I. p. 286 — 293) gab eine ausführ-
liche Schilderung von der ganzen Entwickelungsgeschichte der ge-
nannten Sphingide, welche er aus Eiern erzog; die Raupe wird in
allen Stadien genau beschrieben.
Maitland (Tijdschr. voor Entomol. V. p. 20 f.) stellte von
Neuem Untersuchungen über den Ursprung des eigenthümlichen
Gewimmers der Acherontia Atropos an. Verf trug bei einem le-
benden Exemplare die Chitiuhaut des Kopfes zwischen den Augen
ab und legte dadurch den Oesophagus frei, der sich abwechselnd
ausdehnte und zusammenzog. Da wo der Rüssel seinen Ursprung
nimmt, bildet der Oesophagus eine Klappe, welche durch die aus-
und einströmende -Luft in Vibration versetzt wird und durch diese
Bewegung den bekannten Ton hervorruft.
Sesiariae. Walker (Journ. proceed. Linnean soc, Zoology VL
p. 82 f.) beschrieb Aegeria chalybea, Sannina ■pvlchripennis und ru-
fißnis , Melittia fasciafa , Bonia (nov. gen.) nnicolor, Tyrictaca
(nov. gen.) aplcnlis als n. A. von Sarawak. Bei der Gattung B o-
nia werden die Fühler als dicht, die Schenkel und Schienen als
an der Spitze breit gewimpert, die Flügel als sehr schmal und un-
durchsichtig angegeben und hinzugefügt, dass die Gattung die Ae-
geriiden mit den Tineinen zu verbinden scheine. Bei Tijricfaca wird
der Körper als robuster, die Fühler als glatt, die Beine als kurz,
etwas erweitert und die Hinterschienen als dicht buschig angegeben.
Aegeria? qninquecavfJafa Ridings (Proceed. entom. soc. of
Philadelphia I. p. 277) als n. A. aus Virginien beschrieben und im
Holzschnitt abgebildet; sehr auffallend durch fünf lange haarförmige
Anhänge an der Hinterleibsspitze (ausser dem Afterbüschel.)
Mann (Wien. Ent. Monatsschr. YI. Taf. 3. fig. 1 u. 2) bildete
Sesia luctuosa Lederer von Brussa nach beiden Geschlechtern ab.
Gossini. Epialvi lujperhorevs Moeschler n. A. von Labrador
(ebenda p. 129. Taf. 1. fig. 1) beschrieben und abgebildet.
Walker (Journ. proceed. Linnean soc. of London, Zoology VL
p. 177) beschrieb Zeuzera roricyanea und Degia (nov. gen.) impa-
rata und deßciens als n. A. von Sarawak auf Borneo.
Gheloniariae. Staudinger, die Arten der Lcpidopteren-
Gattung Ino Leach nebst einigen Vorbemerkungen über Lokalva-
rietäten (Stettin. Entom, Zeit. XXHI. p. 341—359). Nachdem Verf.
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 489
seine Ansichten über Zeit- und Lokalvarietäten unter Heranziehung
verschiedener Europäischer Rhopaloceren erörtert hat, discutirt er
den Werth der Merkmale, welche zur Artunterscheidung innerhalb
der Gattung Ino dienen können vind kommt zu dem Resultate, dass
beim Mangel anderer in die Augen fallender Unterschiede die Füh-
lerbildung der Männchen noch den sichersten Anhalt gewährt, ob-
wohl auch sie beträchtlichen Schwankungen, wenigstens in der Zahl
der Glieder, unterworfen ist. Yerf. theilt die 15 ihm vorliegenden
Europäischen Arten in zwei Gruppen: a) Fühler in eine Spitze
endigend: Ino ampelo^DhagaBayle, pruni S.V., Amasina Herr. -Seh.,
chloros Hübn. (var. sepium Boisd.). tenuicornis Zell., globulariae Fr.
(mit var.? notata Zell.), cognata Ramb. (mit var.? incognita Stand.),
Budensis Speyer (mit var. Volgensis). — b) Fühler in eine Kolbe
endigend: Ino staticesLin., GeryonHübn., «nceps n. A., obscura Zell.,
chrysocephala Nick., Mannii Led. , Heydenreichii Led (mit var.?.
crassicornis Stand.).
Die von Moe schier (Wien Entom. Monatsschr. VI. p. 139.
Taf. I. fig. 11) beschriebene und abgebildete Jno Volgensis von Sa-
repta ist vermuthlicij. dieselbe, welche von Stau ding er mit I. Bu-
densis Speyer vereinigt wird.
Von Milliere (Annal. soc. Linneenue de Lyon VIII. p. 221f.
pl. 3) wurde Zijgaena Generensis als n. A. aus der Umgegend Genfs
beschrieben und abgebildet; es ist die kleinste bekannte Art, mit
Zyg. fausta und hilaris zunächst verwandt. — Ebenda p. 234. pl. 4
wird Naclia punctata Fab. nebst Raupe (von Lichenen lebend) ab-
gebildet und beschrieben.
B e r c e , Description d'une nouvelle espece de Lepidoptere
(Annal. soc. entom. 4. ser. II. p. 386. pl. 9) gab Beschreibung und
Abbildung von ISaclia servnla n. A. von Hyeres, vielleicht nur Lo-
kalvarietät von N. punctata. (Vergl. damit die von Milliere ge-
gebene Abbildung der N. punctata.)
Stainton, „A chapter on Zygaena Minos" (Entomol. Annual
f. 1862. p. 50—68) gab eine Zusammenstellung der von verschiede-
nen Autoren (Zeller, Freyer, Hering, Herrich-Schäffer,
Newman und Doubleday) über Zygaena Minos und eine muth-
raasslich davon zu trennende, nahe verwandte Art, Zy_</. mibigena
Newm. (Zoologist 1861) geäusserten Ansichten.
Newman, Occurrence of Zygaena Achilleae in Ireland (Zoo-
logist 1861. p. 7565 und 7676). — Rogenhof er. Ueber das Vor-
kommen von Zygaena scabiosae Esp. in Oesterreich (Verhandl. d.
zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien XII, ^. 586).
Nola impura als n. A. von Brussa wurde von Mann (Wien.
Entom. Monatsschr. VI. p 368. Taf 3. fig, 3) beschrieben und ab-
gebildet. •
490 Gerstaecker: Bericht üb d. vvissensch. Leistungen
Benteli (Mittheil. d. Schweiz. Entom. Gesellsch. II. p. 31)
hält Setina ramosa aus geographischen Gründen für eine von Set.
aurita verschiedene Art.
T. Snellen (Tijdschr. voor Entomol. V. p.lU. pl. 5. fig. 4)
machte eine schöne Farbenvarietät von- Nemeophila russula fem.
bekannt.
Bates (Transact Linnean soc. of London XXIII. pl. 55) gab
Abbildungen von vier Ithomia - ähnlichen Dioptis-Arten vom Ama-
zonenstrome: Diflpfis Aeliana, Jlerdina, Onec/a und C?yma (Doubled.).
Felder (Wien. Ent. Monatsschr. VI. p. 31) diagnosticirte als
n. A. aus der Zygaeniden-Gruppe : Ina Ckinensis, Rhaphido g na l h a
(nov. gen.) sesiaeformis , Acjlaope fasciata und Heterusia Aedea Lin.
var. septentrionicola aus China. — Ferner (ebenda p. 36) aus der Ar-
ctiiden-GrupjDe : Aloa leucothorax, Cyme Chinensis, Syntomis germana
und Muirheadii als n. A. ebendaher. — Ebenda p. 192 und p. 229 ff. :
Camria sericea n. A. aus dem nördlichen Brasilien. — Hornoeo-
chroma, nov. gen., zu den spannerförmigen Arctiiden, bei welchen
die untere Diskoictalader aus der Mitte der Discocellularader ent-
springt, gehörend, im Habitus den Gattungen Aletis Walk, und Phae-
gorista Boisd. gleichend; von Sangalis Walk, durch die verlängerten
Flügel, die an der Basis stark verengte und durch eine deutliche
Ader getheilte Zelle der Vorderflügel, welche fast zwei Dritttheile
der Costallänge zeigt, durch die schmale und noch längere Zelle
der Hinterflügel, den grösseren Kopfj längere und schlankere Beine,
breiter gekämmte Fühler, den Mangel metallisch glänzender Schup-
pen u. s. w. unterschieden. — Art : Hom. Aletis aus dem nördlichen
Brasilien. — Ebendaher: Sangala sacrata, gloriosa Walk, var., Xan-
thyris (Boisd. i. lit., als neue Gattung diagnosticirt) flaveolataLin.,
Phaeochlaena Josia , Esthema plagifera , Histioea Proserpina var.,
Andr 0 Charta (nov. gen., von Charidea unterschieden) Meones
Gram., Eunoinia dubia und Macrocneme Maja Fab. — Einleitungs-
weise (p. 189 ff.) spricht sich Verf. über die Gränzen der Familie
der Arctiiden aus, welche er auf die Agaristiden, Aganaiden, Lipa-
riden, Arctiiden und Syntomiden der Autoren ausgedehnt wissen
will, und zu welcher er auch noch Gattungen wie Diloba, Simyra,
Demas, Acronycta, Bryophila. Diphthera (bisher zu den Noctuen, No-
todonten und Lipariden gerechnet) u. a. bringen zu müssen glaubt ;
die Gränzen der Familie gegen die Notodontiden und Geometriden
werden näher erörtert.
Walker (Journ. proceed. Linnean soc, Zoology VI. p. 85 ff.)
machte zahlreiche neue Arten und Gattungen von Sarawak auf
Borneo bekannt. Aus der Agaristiden - Gruppe : Eusemia hijugata,
hesperioides, mollis Walk, var., Aegocera postica, Phaegorisla cato-
caioides. — Aus der Zygaeniden-Gruppe : Syntomis tetragonaria, ege~
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 491
naria, producens, decorata, derivata, Iransitiva, intermissa, separabi-
lis, divisura, expandens, lonfjipennis, detracla, albiplagrt, flatiplafia,
hasifera und Phauda lensipennis. — Aus der Lithosiiden-Gruppe :
Nycleniera abraxoides, Euschema ghinrescens, resvmpta, transducta,
^ recessa, Cyclosia noctipennis (sie !), pieridoides Herr. -Seh. ? , pieroi-
des, tenebrosa, dissimulala und ßcla, Chnlcosia coliadoidea und /Vrt-
gilis^ Arycanda hestinoides, Pidorus, sordidus. Didina (nov, gen.)
thecloides, Milleria (Herr.-Sch. := Laurion Walk,) bifasciata, Soritia
bipartita, Hypsa priratn , Caranusca (nov. gen., mit Hj^psa zu-
nächst verwandt) rubrifera, Ihjpoprepia crvcialu, rnbrigntta, eupre-
pioides, divisa, perpusilla, Litkosia maynißca, intacfrt, leucanioides^
nigricans , aspersa, apicalis , roltindipennis, nodicornis, fasciculosa,
simplex , reversa, muricolor, fuligittosa, nebulosa. kypoprepioides,
synfomoides, xylinoides, tortricoides und discalis, Blavia (nov. gen.,
nach dem Yerf. vielleicht nicht zu den Lithosiiden gehörend) cali-
ginosa, Mantala (nov. gen.) timoides, Teulisma (nov. gen) pla-
giata und chiloides, Tegnlata (nov. gen.) hi^ida. Cor cur a (nov.
gßn.) torta , Lyclene trifascia, bizonoides, diffusa, imposita, sequens^
cnneifera, ctineigera, distrihnla, vagilinea, turbida, crassa. strigicosta,
tineoides, bipnnclata, vagigtilta und nlrigntta, Chundana (nov. gen.)
lugubris, Ligidia (nov. gen. vergebener Name, Crustacea !) deci-
sissima, Pisara (nov. gen.) opalina und ? acontioides , Etanna
(nov. gen.) basalis, erastioides, florida, Bizone determinatus pudens,
inconclusa, conclusa und coslißmbria, Cham ait a (nov. gen.) Iricho-
pteroides und crassicornis. — Aus der Arctiiden-Gruppe : Knmenes
contrahcns, Scarpona (nov. gen., nach dem Verf. vielleicht ebenso
wie die vorige Gattung in näherer Verwandtschaft zu den Drepanu-
liden stehend) ennomoides, Cerasana (nov. gen.) anceps und S a-
liocleta (nov. gen.) nonngrioiden.
Derselbe (Transact. entom. soc. of London 3. ser. I. p. 70 ff)
machte aus der Sau ndor s'schen Sammlung folgende neue Arten
und Gattungen bekannt: Dioptidae: Dioptis kyelosioides \on Bogota.
— Euschemidae: Euschema nbrvpta aus Assam , C el er ena (nov.
gen , im männlichen Geschlechte durch stark verdickte Hinterschie-
nen mit drei sehr langen Sporen und aufgetriebene Metatarsen aus-
gezeichnet; die zweite untere Ader ist in den Vorderflügeln von
der dritten dreimal, in den Hinterflügeln viermal so weit als von
der ersten entfernt) divisa aus Silhet, Terina Anteinsa aus West-
afrika und Ter.? Aryhasa von Ceram. — Lithosiidae : Litkosia de-
specta vom Cap. — Arctiidae: Hypercompa Argus aus Hindostan,
Ecpantheria gulo aus Venezuela und Elysius ? signatus aus Brasilien.
— Ebenda p. 253 (von Ery bei Rio -Janeiro gesammelt:) Aucula
(nov. gen. aus der Lithosiiden-Gruppe) josioides nmi Addua (nov.
gen. aus der Arctiiden-Gruppe) inclusa.
492 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Bombycidae. B r e y e r (Annal. soc. entom. Beige VI. p. 15 f.,
pl. 1) bestätigt die interessante Beobachtung F. Schmidt's, wo-
nach das Weibchen der Orgyia ericae nicht das Cocon verlässt,
sondern innerhalb desselben verbleibend, vom Männchen begattet
wird. An einer grösseren Anzahl durch Zucht erhaltener Exemplare
konnte Verf. feststellen, dass das Weibchen sich innerhalb seiner
Puppenhülle umdreht, so dass es mit dem Kopfe gegen das Schwanz-
ende derselben gerichtet innerhalb des Cocons angetroffen wird;
durch die Oeffnung des letzteren steckt es seine Geschlechtsöffnung
zur Begattung hervor.
Gleichfalls an die BeobJiphtung S chmi dt's anknüpfend machte
Christoph in Sarepta (Stett. Entom. Zeit. XXIII. p. 154) Mitthei-
lungen über den noch merkwürdigeren Begattungsakt der Orgyia
dubia. Das mit sehr kleinem Kopfe und Fühlern so wie mit äus-
serst schwachen und kurzen Beinen versehene Weibchen sprengt
innerhalb des geräumigen Raupengespinnstes die dünne Puppen-
haut, ohne jedoch im Stande zu sein, sie vom Kopfe zu entfernen
und ohne je das Gespinnst selbst zu verlassen. Das Männchen
fliegt schon eine halbe Stunde nach dem Ausschlüpfen auf das weib-
liche G.espinnst herauf und bohrt sich, mit dem Kopfe und Beinen
so wie zuletzt auch mit den Flügeln nachhelfend, in das Kopfende
der weiblichen Puppenhülle hinein, um hier den (mehr als einen
halben Tag w^ährenden) Begattungsakt zu vollziehen. Natürlich
kehrt es in sehr kläglichem Zustande aus dem engen Räume zu-
rück; es lebt nachher noch zwei Tage.
Stainton, „On the abnormal habits of some females of the
genus Orgyia-' (Journ. proceed. Linnean soc, Zoology VI. p. 156 —
164) stellte die bisherigen Beobachtungen über die Copulation der
verschiedenen Orgyia - Arten zusammen und machte auf die Analo-
gieen aufmerksam, welche zwischen den Weibchen von Orgyia ru-
pestris, trigotephras, ericae und dubia, welche abweichend von Org.
antiqua und gonostigma nicht das Puppen-Cocon verlassen, sondern
innerhalb desselben begattet werden und den Weibchen der Psy-
chen und Solenobien bestehen, aufmerksam.
Psyche tenella Speyer (Stett. Entom. Zeit. XXIII. p.212) n. A.
aus der Schweiz, 7200' hoch in der Nähe des Monte Rosa gefangen.
Notizen über das Vorkommen und die Raupengehäuse einiger
Englischen Psyche-Arten (Ps. fusca, radiella, salicolella, intermedi-
ella, roboricolella) gab Mitford (Proceed. entom. soc. 1861. p. 3).
F. Moore, On the Asiatic silk-producing Moths (Transact.
entom. soc. 3. ser. I. p. 313 — 322) gab eine erneuete (vergl. Jahres-
bericht 1859—60. p. 247) Aufzählung der bis jetzt bekannten Asia-
tischen Seidenspinner, welche gegen die frühere mit 13 Arten ver-
mehrt ist und deren gegenwärtig 43 verschiedene Arten nachweist.
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 493
Verf. macht bei den einzelnen Arten Mittheilungen über die Fut-
terpflanze ihrer Raupe, über Bastardirungen mit nahe verwandten
Arten, so weit solche bekannt geworden sind und macht zwei neue
Gattungen bekannt : 1) ]S e o r i s , nov. gen. , mit Loepa zunächst
verwandt, aber dadurch unterschieden, dass die Augenflecken auf
den Vorderflügeln klein und gewinkelt, die der hinteren sehr gross
sind. Männliche Fühler stark zweikämmig und ganz bis zur Spitze
des Schaftes gefiedert. — Art: N. Hutloni n. A. von Mussoree in
Nord- West-Indien. — 2; Caligula, nov, gen., Flügel gross, Vor-
derflügel des Männchens mit sichelförmiger, des Weiljchens mit ge-
rundeter Spitze. Fühler des Männchens dicht doppelkämmig, bis zur
Spitze gefiedert. Raupe dicht mit langen Haaren bedeckt. — Die
Gattung ist auf Saturnia Thibeta und Simla Westw. , und auf S.
Japonica Moore begründet.
Sn eilen van Vollenhoven (Rev. et Mag. de Zool. XIV.
p 337. pl. 14) gab Beschreibung nebst Abbildung \on*Satnrma in-
sularis von Java und Sumatra, der Sat. Cynthia und Arrindia sehr
nahe stehend, und vielleicht mit Sat. Cynthia Gram, (nee Drury)
und Lunula Walk, identisch. — Guerin (ebenda p. 339) knüpfte
an diese Beschreibung Bemerkungen über die Unterschiede dieser
Art von Sat. Cynthia und Arrindia, zu denen sie übrigens mögli-
cher Weise nur als lokale Abweichung' gehöre. Ausserdem (ebenda
p. 344 if. pl. 14. fig. 2) machte Guerin einen neuen Seidenspinner
von Madagascar unter dem Namen Bomhyx {Artaxa?) Fleuriolii (auf
der Tafel steht: B. Flcvrieansii) bekannt, welcher nicht viel grös-
ser als B. mori ist und diesem näher zu stehen scheint als der
Gattung Saturnia. Sein Cocon ist oval , ganz geschlossen, so gross
wie das des Seidenspinners, aber von grauer Farbe ; die haarigen
Raupen leben auf Cytisus cajanus.
Felder (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellscli. zu Wien. XII.
p. 496) charakterisirte eine neue geschwänzte Saturnien - Gattung
aus Chile (Valparaiso) unter dem Namen Cercophana, mit Po-
lythysana Walk, zunächst verwandt; männliche Fühler sehr breit
gekämmt, Kammäste einfach, Taster lang, den stark zurückgezogenen
Kopf weit überragend, ihr drittes Glied schlank, nickend. Die un-
tere Diskoidalader der Vorderflügel von der oberen entfernt, die
der Hinterflügel von den Subcostalästen weit abstehend; die letzten
Medianäste dieser weit untereinander getrennt. — Art : Cerc. Frau-
en feldii diagnosticirt.
Derselbe (Wien. Ent. Monatsschr. VI. p. 33 ff.) machte fol-
gende neue Gattungen und Arten aus China und Japan bekannt:
Arclioblepsis (nov. gen. aus der Limacodiden-Gruppe, in dieser
nur mit Scopelodes AVestw. einigermassen verwandt , in der Bil-
dung des Kopfes, Thorax, der Flügel und der Vena mediana der
494 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Hinterflügel übereinstimmend) ruhida , Attacus Walkeri (At. Gyn-
thia var. ß. Walk.), Actias Selene Hübn. var. ISingpoatui , Gastro-
pacha quercifolia Lin. var. cerridifolia und Phalaera Ningpoana, n.
A. — Ebenda p. 188 Asthenia geometraria n. A. aus dem nördli-
chen Brasilien.
Grote (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1862. p. 59 f.)
beschrieb Plalypteryx fabula, geniciila und formidn als n. A. von
Neu- York, indem er die Gattung noch als den Noctuinen zugehörig
ansieht. — Ebenda p. 359 f. führt Verf. seine Piatypt, formula auf
Drepana rosea Walk, zurück, welche selbst wieder mit Cilix Ameri-
cana Herr.-Sch. identisch ist. Nach ihm gehört aber die Art weder
zu Drepana noch zu Ciiix . sondern muss nebst Drep. marginata
Walk, eine eigene Gattung Drijopteris bilden. Dieselbe charakteri-
sirt sich durch doppelt gekämmte Fühler beim Männchen, einfache
beim Weibchen, kurze Taster, breite Flügel, von denen die vorde-
ren stumpf Sichelförmig sind und einen nahe der Mitte gerundeten
Aussenrand haben; der Körper ist gedrungener als bei Platypteryx,
kürzer als die Hinterflügel.
Walker (Journ. proceed. Linnean soc, Zoolog. YI. p. 124 u.
171 ff) beschrieb als neue Gattungen und Arten von Sarawak auf
Borneo: Aus der Lipariden- Gruppe: Oigyia nigrocrocea , nebulosa,
osseala, dimidiala und varia, Artaxa signiplaga, metaletica und Art. ?
ruptata, Lacida costiplaga und slrigifvmbria , Melia cuneifera, Am-
sacta lithosioides , Redoa micacea , trcmsiens , marghialis und per-
fecta, Evproctis fucipetinis , xanthomcla , munda , divisa und gittfi-
striga, Cassidia (nov. gen., mit Euproctis nahe verwandt, aber
durch die in der Richtung des Hinterleibes ausgezogenen Hinter-
flügel mit gewinkeltem Aussenrande unterschieden) obtusa , Dasy-
chira apicalis, signifera und longipennis , Ernolatin (nov. gen.,
von Dasychira durch stark gekielten Hinterleib und an der Spitze
fast rechtwinklige Vorderflügel mit geschv>'eiftem Aussenrande un-
terschieden) signata, Lynianttia marghialis. — Aus der Notodonti-
den-Gruppe : Alim al a (nov. gen., mit Pterostoma verwandt) lima-
codoides, Casckara (nov. gen., durch den innen erweiterten und
gewimperten, ausserhalb ausgeschweiften Innenrand der Yorderflügel
den Gattungen Lophopteryx und Spatalia ähnelnd) punctifera, Exacrela
smaragdiplena, Ichthynra dorsalis, Dediama basivacua, Janassa ceri-
goides, Eleale (nov. gen., mit Edema verwandt) plnsioides, Sacnda
(nov. gen.) decora, Agabra (nov.gen.) irilineata, Sarbena (nov.gen.)
lignifera, Amatissa (nov. gen.) inornafa, Gaug amela (nov. gen.)
utrifrons, Anigraea (nov. gen.) rubida, Thelde (nov. gen.) patula,
All ata (nov. gen.) argenlifera und albonotata , P husiana (nov.
gen.) albifrons, A r m i aiia (nov. gen.) lativitta, Chatracharta (nov.
gen., mit Parathyris verwandt) tortricoidcs. — Aus der Limacodi-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 495
den-Gruppe : Miresa orthosioides , Ayssin cnpreiplaga , cupreistriga^
rudis , cruda , rubicunda , rvbriplaga , ?vestusta und ?bigultata, Pa-
rasa hvmeralis , ISarosa velulina , JSaprcpa attacoides, albicollis und
albiceps, Spsica basalis und congrua, Bethur a (nov. gen, mit Sco-
pelodes verwandt) minax, Alt ha (nov. gen.) tiitea , Dar na (nov.
gen.) plana, Arrhapa (nov. gen.) fronlaUs und B ir t hama {iiOY.
gen.) obliqua. — Aus der Drepanuliden - Gruppe : Drepana quadri~
punctata und micacea. — Aus der Bombyciden -Gruppe: Megasoma
basimacula, Gunda (nov. gen.) ochracea.
Derselbe (Transact. entom. soc. of London 3. ser I. p. 75 ff.)
beschrieb als neue Arten und Gattungen aus der Saunde rs'schen
Sammlung. Aus der Lipariden-Gruppe : Eloria canesce?is aus Bra-
silien, Cingilia (nov. gen., mit Eloria verwandt) huvieralis aus
den Vereinigten Staaten, Euproclis atrigutta aus West-Afrika, Eny~
dra (nov. gen, mit Anaphe Walk, verwandt — Name unter den
Mammalien längst vergeben :) cinctigutta von Port Natal und Lyman-
tria metarhoda von Ceylon. — Aus der Notodontiden-Gruppe: Nolo-
donla scitipennis Yaterl. unljek., Heterocampa thyatiroides aus Ca-
nada, Sorama inclyla aus Neu-Süd-Wales, Fhalera cossoides aus'
Silhet, Gopha (nov. gen., mit Rosama Walk, zunächst verwandt) wjic-
tipennis aus Brasilien, Chadisr a (nov. gen , mit Rilia Walk, zunächst
verwandt) bipars aus Hindostan — Aus der Limacodiden-Gruppe :
Miresa divergens aus Süd-Amerika, Athrula (nov. gen.) saturnioides
aus Brasilien. — Aus der Drepanuliden- Gruppe : Apha ? lanuginosa
aus Silhet. — Aus der Saturniden- Gruppe: Sosxetra (nov. gen.,
mit Phanata Walk, verwandt) grata aus Brasilien — Aus der Bom-
byciden-Gruppe : Lasiocampa inoblrusa aus Hindostan, Caphara
(nov. gen., mit Megasoma Boisd. verwandt) marginala von Port Na-
tal, Cislissa (nov. gen., mit Eriogaster Germ, zunächst verwandt)
expansa Vaterl. unbek., Trichhira ?albiplaga vom Cap und Bata'
tara (nov. gen., mit Bombyx Hübn. nahe verwandt) fusifascia vom
Amazonen-Strom.
Derselbe (ebenda 3. ser. I. p. 264 ff.) aus der Lipariden-
Gruppe: Euproctis punclilinea n. A. West -Afrika, Cispia venosa
Hindostan, Lyinantria rvfopvnctata Pt. Natal, Colussa varia (Darala
variaWalk. antea) var., latifera und directa von Moreton-Bay, ^/7to-
dia semirosea, Choara indicalor und Darala cinctifera von More-
ton-Bay, Dar. lineosa und quadriplaga Australien, Dreata caniceps
Moreton-Bay, Jana semirosea Hindostan. — li h ago ni s (nov. gen.,
mit zweifelhafter Verwandtschaft , weder zu den Lipariden noch
Notodontiden passend) bicolor aus Californien. — Aus der Noto-
dontiden-Gruppe: Dalana ruficollis Pt. Natal, Ab e IIa (nov. gen.,
mit Bilia nahe verwandt) cos/a/is Moreton-Bay, Ela (nov. gen., mit
der vorigen Gattung nahe verwandt) leucophaea Australien, Clo-
496 Gerstaecker: Bericlit üb. d. wissensch. Leistungen
slra (nov. gen., habituell sehr an Notodonta erinnernd) fenebriplaga
Hindostan. — Aus der Limacodiden-Gruppe : Miresa albihasis More-
ton-Bay. — Aus der Drepanuliden - Gruppe : Apha suhdives Hindo-
stan , Tagora Irigvlla Ilindostan. — Aus der Saturniden - Gruppe :
Anlheraea (lativilta Pt. Natal, Hyperchiria rnhrilnna vom Amazonen-
strorae. — Aus der Bombyciden-Gruppe: Lebcda wefcrp/tr/fa Moreton-
Bay, Poecilocampa pluvilinca vom Amazonenstrome, Poecil. ?nigri-
ventris und Baubota (nov. gen.) sfauropoides Yon der Moreton-Bay,
Sc na (nov. gen.) plusioides von Port Natal. (Die zahlreichen vom
Verf. in allen drei Abhandlungen aufgestellten neuen Gattungen smd
mit ganz allgemein gehaltenen und meist nichtssagenden Angaben
versehen, auch nicht mit den bekannten Formen verglichen, so dass
sie hier nur dem Namen nach aufgeführt werden konnten.)
Derselbe (ebenda 3. ser. I. p. 254 f.) aus der Lipariden-
Gruppe: Compsa (nov. gen.) salurala von Rio-Janeiro. — Aus der
Notodontiden - Gruppe : Blera (nov. gen.) cernroides, Lwca (nov.
gen.) herbida, ISagidusa (nov. gen.) xylocampoides, Phastia (nov.
gen.) basalis , Rifargia (nov- gen.) ivylinoides n. A. von Rio-
Janeiro.
A, Keller (Stett. Entom. Zeit. XXIII. p. 284) bemerkt, dass
Liparis dispar in einigen Tlieilen Württemberg's, z. B. bei Reutlin-
gen fast ganz fehlt.
W. Shipstone, ün the habits of Bombyx Callunae (Zoolo-
gist 1861. p. 7359).
Kirchner, „Zur Biologie des Bombyx pini' (Lotos XL
p. 212 f.) behandelte die Schmarotzer der Eier dieses Spinners: Te-
leas phalaenarum Nees, Encyrtus embryophagus Hart, und Chryso-
lami)us sülitarius Hart.
Noctuina. Die Europäische Fauna wurde durch folgende neue
Arten bereichert: Caradrina Milleri Schultz (Stett. Entom. Zeit.
XXHL p. 367. Taf. L fig. 6) von Misdroy in Pommern, Plusia excelsa
Kretschmar (Berl. Ent. Zeitschr. VI. p. 135. Taf. I) von St. Peters-
burg (gleichzeitig werden Notizen über die Raupe der Plusia mi-
crogamma und interrogationis beigebracht p. 281), Caradrina seli-
noidesBeWier de la Chavignerie (Annal. soc. entom. 4. ser. IL p. 379.
pl. 9. fig. 1) von Corsika, Aporophylla australis var, morosa Beliier
(ebenda p. 616. pl. 14. fig. 7) von Corsika, Thalpochares Moeschteri
und nnda Christoph (Stett. Entom. Zeit. XXIII. p. 220 f.) von Sa-
repta, Dianlhoecia Christophi Moeschier (Wien. Ent. Monatsschr. VI.
p, 235) ebendaher, Acronycta orientalis Mann (ebenda p. 370. Taf. 3.
fig. 4) von Brussa, Agrolis Wockei, comparata, Staudingeri, Septem^
trionalis und Brephos infans Moeschier (ebenda p. 130 ff. Taf. 1.
fig. 2 — 6j von Labrador.
T. Snellen (Tijdschr. voor Entomol. V. p. 111. pl. 5. fig. 5)
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 497
machte eine auffallende Zeichnungsvarietät von Anarta myrtilli
bekannt.
A. Keller (Stettin. Entom. Zeit. XXIII. p. 284) machte Mit-
theilungen über das Vorkommen von Cerastis serotina Ochsenh.
(Raupe und Schmetterling) in Württemberg.
Fologne (Annales soc. ent. Beige VI. p. IGl, pl. 2) bildete
die Raupe von Hadena Luneburgensis (lutulenta var.) ab, Bellier
de la Chavignerie (Annal. soc. ent. de France 4. ser. II. p. 379,
pl. 9. flg. 2) die Raupe von Agrotis sagittifera, welche auf Corsika
an Peucedanum paniculatum lebt.
Rogenhof er (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zuWien
XII. p. 1227 ff.) beschrieb die Raupe und Puppe von Ilydroecia lu-
nata Freyer (illunata Guenee) ; erstere lebt bei Mehadia im Wur-
zelstocke von Peucedanum longifolium; ferner die Raupe von Cu~
cullia formosa Rog., welche auf Artcmisia camphorata Vill. lebt.
Milliere (Annales soc. Linncennc de Lyon VIII. p. 183, 197
und 218. pl. 2) gab Boschreibungen und Abbildungen der verschie-
denen Entwickelungsstände von folgenden Arten: Heliophobus his-
pida Ilübn. (Raupe auf niederen Pflanzen, Gramineen u. s. w.), Apo-
rophylla australisBoisd. (Raupe ebenso), Iladena Solieri Dup. (Raupe
in Südfrankreich häufig an Küchengewächsen, denen sie in den Gär-
ten schädlich wird) und Noctua glareosa Esp.
A. Grote („Additions to the catalogue of United States Le-
pidoptcra', Proceed. entom. soc. of Philadelphia I. p. 218 f.) beschrieb
lleliothis umbvosus (sie!) als n. A. von Long Island und wies die
Europäischen Noctua plecta und pinastri auch als Nord-Amerika-
ner nach.
Felder (Wien. Entom. Monatsschr. VI. p. 37 f.) diagnosticirte
zwei neue Gattungen und Arten aus Central-China : Scolopocneme,
nov. gen. , mit Bryophila Tr. und Galleriomorpha Feld, verwandt,
von beiden durch die mit dichten, dornartigen Borsten, bekleideten
Ilinterschienen, von ersterer ausserdem durch robusteren Habitus,
von letzterer durch ansteigende Palpen unterschieden. — Art : Scol.
hufonia. — Orthogonia, nov. gen. (vergebener Name, Coleoptera!),
von Mania Tr. durch wenig hervortretenden Thoraxkamm, die bei
der dritten Medianader gewinkelten Vorderflügel und durch längeres
zweites Tarsenglied unterschieden. — Art : Orlh. Sera.
Walker (Journ. proceed. Linnean soc, ZoologyVI. p. 178 IT)
beschrieb als neue Gattungen und Arten von Sarawak auf Borneo :
Diphthera jucunda, Acroncyta rubiginostt, Leucania hamifeia, roseili-
nea, simillima und ?abbreviala, Nonagria seticornis, Bessara (nov.
gen.) quadralipennis , Didigua (nov. gen.) purpureoscripfa, Bel-
ciana (nov. gen., auf Dandaca biformis Walk, errichtet), YAgera
(nov. gen., einigermassen der Gattimg Aquis ähnlich) orbifera,
Archiv f. Nuturg-. XXIX. Jahrg. 2. Bd. QQ
498 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Beana (nov, gen.) polychroma ^ XJrhona (nov. gen.) suhlineata,
Savara (nov. gen., mit Nephelodes verwandt) contraria, Dipterygia
vagivitta, Frodenia reclusa, Mamestra prodita, Agrotis inconclusa und
infisca, Thalatha (nov. gen., auf Orthosia sinens Walk, begründet),
Barhesola (nov. gen.) defixa, Chor a (nov. gen., mit Dabarita
verwandt) repandens nnd curvifera, Celaena? ohstrncta, Amyna? sub-
tracta, Dianthoecia scriptiplena, Oh an a (nov. gen., mit Dianthoecia
verwandt) pulchrilinea, Hadena duplicilinea , Ancara piinctiplaga,
Data (nov. gen., mit Ancara verwandt) thalpophiloides, Barasa
(nov. gen.) acronyctoides, Caedcsa (nov. gen., mit Polia verwandt)
agropoides, Seria (nov. gen.) cyathicornis, Nebrissa (nov. gen.)
bimacula , Xylina calida , ?Iativitta und perversa , Batracharta
(nov. gen.) obliqua, Ariola continua, includens und deßexa, Digba
(nov. gen.) nninotata.
Derselbe (Transact. entom. soc. of London 3. ser. L p.259 fF.)
als neue Arten von Rio- Janeiro: Hadena opima, Poaphila plagiata
und ? figurata, Pliurys mensurata und Hypena"^ scissilinea. — Ebenda
p. 311 wird eine neue Gattung Phomacisa aus der Gruppe der
Glottulidae aufgestellt und auf eine neue Art Phom. Piffardi (White
i. lit.) von Halifax in Neu-Schottland begründet.
Derselbe (ebenda 3. ser. L p. 87 fif.) beschrieb als n. A. aus
der Saund er s'schen Sammlung: Laphygma obliterans, Xanlhia ba-
salis und Hadena incidta vom Cap. Epimecia angulata und Pane-
merin lateralis ans RindostsiTi, Gora (nov. gen., mit Anthoecia Boisd.
zunächst verwandt) aequalis aus Brasilien, Aconita antica von Port
Natal, Azamora basiplaga vom Amazonenstrome, Hydrelia? curvi-
fera von Ceylon, Xanthoptera? alboßava aus Honduras, ? cupreoviri-
dis aus West-Afrika, Anthophila? plana aus Hindostan, Pcnicillaria
Areusa vom Amazonenstrome, Erysthia (nov. gen.) obliquata Va-
terl. unbek , Badara (nov. gen. aus der Plusien-Gruppe) vacillans
vom Cap, C Ott 0 bar a (nov. gen., mit Anomis Hübn. verwandt)
concinna vom Amazonenstrome, Gaphara (nov. gen.) sobria Vaterl.
unbek., JSaenia signiplena vom Amazonenstrome, Homopfera discalis,
gratiosa nnd pimctilinea aus Brasilien, C owf/af e (nov, gen., mit Poa-
phila Guen. verwandt) kypenuides aus China, Phurys continua, As t ha na
(nov. gen., mit Mocis Hübn. verwandt) erectn Vaterl. unbek. und di-
rcc^a aus Brasilien, Baniana inaequalis aus Brasilien, Gammac e (nov.
gen., mit Baniana verwandt) magniplaga aus Brasilien, Bemigia con-
sistens ebendaher, Gangra (nov. gen., mit Bemigia verwandt)
atripustula Vaterl. unbek. , Focilla abrupta vom Amazonenstrome,
Episparis exprimens und Selenis divisa aus Hindostau, Thermesia?
absumens vom Amazonenstrome , Marthama conspersa ebendaher,
Hypena bisignalis und pyralalis aus Brasilien, aemnsalis vom Cap,
murina aus Brasilien, Boana (nov. gen.) semialba ebendaher, So-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 499
phronia? Capensis, Bononia (nov. gen.) niveilinea, Herminia ino-
stentalis, ? figuralis, Bleplina responsatis und pcnicillalis sämmtlich
aus Brasilien, Bleplina intractalis und 7 frontalis vom Cap, Locastra
rudis aus Hindostan, Bertula excelsalis, Bocana marginalis, Gizama
anticalis, Crymona (nov. gen.) receptalis, Bolica (nov. gen.) «r-
mala, sämmtlich aus Brasilien.
üraniidae. Felder (Wien. Ent. Monatsschr.VI. p. 232 f.) re-
capitulirte und kritisirte die von verschiedenen Autoren über die
systematische Stellung der üraniiden geäusserten Ansichten, indem
er sich selbst der Boisduval- Guene e'schen (zwischen Noctui-
nen und Geometriden) anschliesst und zugleich die bereits von
H e r r i c h - S c h äff e r betonte Analogie zwischen Urania und Nycta-
lemon einer- und Saturnia andererseits hervorhebt.
Geometridae. In F. Walke r's Fortsetzung des Verzeichnisses
der Spanner des British Museum (Pt. XXIV. 1862) wird die fünf-
zehnte Gruppe der Fidonidae mit 71 Gattungen beendigt und aus-
serdem die Gruppen der Zerenidae mit 18, der Ligidae mit 7, der
Hybernidae mit 3 und der Larentidae mit den 17 ersten Gattungen
(von 33) abgehandelt. Die Zahl der als neu beschriebenen exo-
tischen Arten ist sehr beträchtlich; die beiden erstgenannten
Gruppen werden auch durch verschiedene neue Gattungen bereichert.
Felder (Wien. Ent. Monatsschr.VI. p. 39f) diagnosticirte
Rhyparia gramlaria, Abraccas coinpositala {Guen.'?), inlerruptaria und
Sictdodes strtgatula als n. A. von Ning-po in China.
Moeschier (ebenda p. 136 f. Taf. 1. fig. 7 und 8) machte
Lygris liigubrala und Cidaria phocata als n. A. von Labrador be-
kannt.
Staudinger (Stett. Ent. Zeit. XXIII. p. 266 ff.) charakteri-
sirte eine neue Gattung Spart a, von Lobophora durch den Mangel
des Saugrüssels und der Haftborste an den Hinterflügeln, so wie
durch die eigenthümliche Form der Flügel unterschieden ; Vorder-
flügel sehr breit , der Hinterrand so lang wie der Costalrand und
doppelt so lang als der Innenrand, Hinterflügel sehr schmal, ver-
längert, beim Männchen mit einem eigenthümlichen Anhang an der
Basis des Innenrandes, — Art : Spart, paradoxaria aus dem Tay-
getos-Gebirge im Peloponnes. — Gnophos Gruneraria neue Art
ebendaher.
Bellier de la Chavignerie, Description de trois Lepido-
pteres nouveaux d'Espagne (Annal. soc. entom. 4. ser. IL p. 127 f.
pl. 1. fig. 2 —4) gab Beschreibung und Abbildung von Hemer ophila
Barcinonaria , Camptogramma uniformata und Acidalia dorycniala
n. A. von Barcelona; von letzterer Art wird zugleich die auf Dory-
cnium lebende Raupe abgebildet und beschrieben. — Ebenda p. 380.
500 Gerstaecker: Bericlit üb. d. wissensch. Leistungen
pl. 9. fig. 3 wird Boarmia Bastelicaria als n. A. von Corsika be-
schrieben und abgebildet.
Larentia Zumsfeinaria de la Harpe (Mittheil. d. Schweiz. Ent.
Gesellsch. I. p. 24) n. A. aus der Schweiz, Äcidalia corritalaria
Kretschmar (Berl. Ent. Zeitschr. VI. p. 136. Taf. 1) n. A. Europa.
Milliere (Annal. soc. Linneenne de Lyon VIII. p. 180, 190,
211 und 223 ff., pl. 1 — 3) gab Beschreibungen und Abbildungen der
verschiedenen Entwickelungsstadien von folgenden Südfranzösischen
Arten: Macaria aestimaria (Raupe auf Tamarix gallica), Enpithecia
glohularicda n A. (Raupe bei Marseille und Hyeres auf Globularia
Alypum Lin.) , Calamodes occitanaria Dup. (Raupe auf Thymus Ser-
pyllum), Fidonia concordaria Hübn. (Raupe auf Genista sagittalis
und scoparia) , Ehoptria asperaria Hübn. (Raupe in Südfrankreich
und Andalusien auf Cistus monspeliensis Lin., vom Spanner mehrere
Varietäten abgebildet) und Eubolia malvata Ramb. (Raupe in Süd-
frankreich auf Lavatera olbia und arborea Lin , Spanner in mehreren
Varietäten abgebildet).
V. Hey den (Stett. Ent. Zeit. XXIII. p. 171) beschrieb die
Raupe und Puppe von Gnophos glaucinaria Hübn. ; erstere fand
er in den Weinbergen bei Rüdesheim Mitte April's auf Sedum
album.
R 0 e s s 1 e r, Zur Naturgeschichte von Bapta pictaria Curt. und
Epioue vespertaria Lin. (parallelaria S. V.) Wien. Ent. Monats-
schr. VI. p. 212 ff. ; von beiden Arten werden die Raupen beschrieben.
W. Prest, Description of the larva of Epione vespertaria
(Zoologist 1861. p. 7322).
Harpur Crewe, ..Notes on Eupithecia Larvae" (Entomol.
Annual f. 1862. p. 38 — 49) machte die Raupen und ihre Lebensweise
von sieben ferneren Eupithecia - Arten bekannt : Eup. tripunctata
Herr.-Sch ; Raupe im September an den Blüthen von Angelica syl-
vestris und gelegentlich auch an Heracleum Sphondylium, Imago im Mai
und Juni. — Eup. trisignata Herr.-Sch., Raupe mit der vorigen zu-
sammen im September an Blüthen der Angelica sylvestris. — Eup.
dodonaeata, Raupe aus Eiern erzogen auf Eichen, Schmetterling im
Mai und Jani. — Eup. pusillata, Raupe im August an den Blüthen von
Thymus Serpyllum, Eup. subfulvata, Raupe im November an Blättern
und Blüthen von Achillea millefolium, Eup. succenturiata, Raupe an
Artemisia vulgaris. — Ausserdem giebt Verf. noch nachträgliche
Notizen über das Vorkommen und die Lebensweise einer Reihe von
anderen Arten der Gattung.
Doubleday and Crewe, Notes on new or little known
British Eupitheciae (Zoologist 1861. p. 7566).
Kaltenbach (Verhandl. d. naturf. Ver. d. Preuss. Rhein-
lande XIX. p. 26) beschrieb die Raupe der Eupithecia Centaurearia
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862, 501
S. V., welche auf Centaurea jacea, Pimpinella saxifraga, Daiicus Ca-
rota u. a. lebt.
Martin („Longevite de deux Phalenites ä l'etat de chrysa-
lide", Annal. soc. entom. de France 4. ser. IL p. 795) erwähnte
zweier Fälle von auss ergewöhnlich langer Puppenruhe bei Geometri-
den. Ein Exemplar der Eupithecia venosata entwickelte sich erst
nach 23 Monaten, mehrere Exemplare der Pelurga comitata erst
24 Monate nach der Verpuppung der Raupen. — Einen ähnlichen
Fall bei Chesias spartiata, von der sich mehrere Exemplare erst
nach 16 Monaten entwickelten, theilte Goossens (Bullet, soc. en-
tom-»1862. p. 40) mit.
Pyralidae et Crambidae. Walker (Transact. entom. soc. of
London 3. ser. L p. 118 ff.) machte folgende neue exotische Arten
aus der Saund ers'schen Sammlung bekannt: Pyi-alis inlermedialis
aus Haiti, extemalis und ?va7'ipes aus Brasilien, proximalis aus Hin-
dostan, nigricalis aus Tasmanien, costigeralis von Sidney, cervinalis
aus Tasmanien. — Asopidae : Salbia varialis vom Amazonenstrome
und Asopia depressulis vom Cap. — Hydrocampidae : Oliyostigma
nmoenalis und exhibitalis aus Brasilien , Calachjsta insitlalis von
Haiti. — Margarodidae : Glyphodes rutilalis vom Amazonenstrome,
Marqaronia miricostalis von Parä. — Botydae: Asiura insolitalis
von Sarawak, Bohjs additnlis und ineffectalis aus Brasilien , rectife-
ralis aus Neu-Caledonien, Scopnla desistalis aus Brasilien. — Scopa-
ridae: Scoparia fascialis aus Canada , slupidalis aus Brasilien und
Bonchis (nov. gen.) scoparioides von Parä.
Mann (Wien. Ent. Monatsschr. VL p. 385 fif., Taf. 3, fig. 5—
10) gab Beschreibungen und Abbildungen von folgenden neuen Ar-
ten von Brussa: Bolys biterfialis, lulosalis, saxicolalis, Nephopteryx
insignella und ßorella.
Wecke (Stett. Ent. Zeit. XXIIL p. 39 f.) beschrieb Myelois
Altensis als n. A. aus Finmarken.
V. Hey den (ebenda p. 172) machte die Raupe von Botys
lancealis bekannt ; dieselbe lebt bei Frankfurt a. M. Mitte Oktober's
zwischen zusammengesponnenen Blättern von Eupatorium can-
nabinum.
Mi liiere (Annal. soc. Linneenne de Lyon VIII. p. 231, pl. 4)
bildete Phycis Etiella Tr. nebst der auf Colutea arborescens Lin.
lebenden Raupe ab.
Knaggs (Proceed. entom. soc. of London 1861. p. 19) machte
verschiedene Eigenthümlichkeiten von Acentropus niveus, den Schmet-
terling und seine Eier betreffend, namhaft, welche seine Zugehörig-
keit zu den Lepidopteren beweisen.
F y 1 e s , lieber Achroia grisella ( Entom. weekl. Intellig. V.
p. 179).
602 Gerstaecker; Bericht üb. tl. wissensch. Leistungen
Tortricina. Wocke (Statt. Ent. Zeit. XXIII. p. 52 ff.) be-
schrieb Fenthii\a moeslana und concrelana so wie Grapholillia bi^
scutana als n. A. aus Finmarken.
Moeschier (Wien. Ent. Monatsschr. VI. p. 138, Taf. 1, fig. 9
und 10) Tortrix algidana als n. A. von Labrador, (ebenda p. 140,
Taf. 1. flg. 14 und 15) Sciaphila nodtdana und Phlkoroblaslis Chri-
stophana als n. A. aus Sarepta.
Mann (ebenda p. 394 ff., Taf. 3, fig. 11—13) Conchylis porcu-
lana und salebrana, Grapholitha nigritana als n. A. von ßrussa.
Gärtner (ebenda p. 328 f.) beschrieb die Raupe und Puppe
und deren Lebensweise von Conchylis flagellana Dup. ; erstere, lebt
im Marke der abgestorbenen Stengel von Eryngium campestre, über-
wintert in denselben und verpuppt sich erst im Juni des folgenden
oder selbst des zweiten Jahres.
V. Heyden (Stett. Ent. Zeit. XXIIL p. 173) fand ebenfalls
die Raupe dieser Art erwachsen überwinternd in den Stengeln von
Eryngium campestre und erzog den Wickler daraus Anfang Juli's.
Tineina. Brackenridge Clemens („New American Micro-
Lepidoptera ', Proceed. entom. soc. of Philadelphia I. p. 131 — 137)
beschrieb folgende neue Nord- Amerikanische Arten und Gattungen:
Opostega (die Zeller'sche Gattung wird ausführlich charakterisirt)
albogaleriella, Tricholaphe alacella, Solenobia? (Gattung ausführlich
charakterisirt) WaUhella, Nepticula fuscotibiella, bifasciella und Pla-
tanella , Lyonetia (Gattung ausführlich charakterisirt) speculella. —
Tenaga, nov. gen. Hinterflügel lanzettlich, ohne Diskoidalzelle,
Vorderflügel oval - lanzettlich , mit sehr schmaler und unterhalb
der Flügelmitte liegender Diskoidalzelle; Subcostalader undeutlich,
einen Costalast vom Basaldritttheile und zwei andere nahe dem Ende
der Zelle absendend, von denen der zweite gegabelt und von der
Gabelungsstelle bis zu seinem Ursprünge sehr verdünnt ist. Nahe
diesem letzteren Aste entspringt ein anderer, gegen seine Basis
hin sehr verdünnter Gabelast. Kiefertaster und Rüssel unsichtbar.
— Art: Ten. potniliella. — IJybronia, nov. gen. Hinterflügel von
ähnlicher Form und Aderung wie bei Tenaga; die Diskalader giebt
hinter der Mitte des Flügels einen Ast zum Innenrande ab, welcher
sich im letzten Flügeldritttheile gabelt und einen Ast zur Costa,
den anderen zum Innenrande sendet. Vorderflügel oval -lanzettlich,
die Subcostalis giebt einen Costalast hinter dem Basaldritttheile ab
und bildet eine grosse sekundäre Zelle. Fühler mehr als halb so
lang als die Vorderflügel, Kiefertaster lang, gefaltet, vier- oder fünf-
gliedrig, Saugrüssel sehr kurz. — Art: Utjbv, servxdella. — Dysodia
margavitana n. A. aus Illinois und Florida.
Derselbe (ebenda p. 147 f.) beschrieb die in den Blättern von
Ipomoea purpurea minirende Raupe von Bedellia somnulentella (=
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 503
Staintoniella Brack.), welche zweimal im Jahre auftritt; ebenso die
Puppe nebst ihrem Cocon. — Als Minirer von Sycamoren-Blättern
(Platanus occidentalis) sind dem Verf. ausser Nepticula Platanella
noch zwei andere bekannt geworden, welche wie jene eine doppelte
Generation haben; Verf. beschreibt vorläufig die Raupen und die
Form der Minen, während ihm die Imagines noch unbekannt sind.
Der siebente Band von Stainton's „Natural history of the
Tineina," in Verbindung mit Zeller, Douglas und Frey bear-
beitet (London 18G2. 251 pag. c. 11 tab col.), bringt die durch sehr
schöne Abbildungen erläuterte Darstellung der Naturgeschichte von
12 Arten der Gattung Bucculatrix Zell. (Buc. aurimaculella, nigri-
comella, cidarella, ulmella, crataegi, Demaryella. maritima, giiapha-
liella , Ratisbonensis , frangulella , hippocastanella und cristatella)
und von zwölf weiteren Arten der (bereits im ersten Bande des
Werkes bearbeiteten) Gattung Nepticula (Nept. minusculella , tiliae,
lonicerarum, Weaveri, argyropeza. arcuata, centifoliella, argentipe-
della, alnetella, atricollis, myrtilella und Poterii).
H. V. Heine mann hat unter dem Titel: „Einige Bemerkun-
gen über die Arten der Gattung Nepticula" (Wien. Ent. Monatsschr.
VI. p 237 — 268 und p. 301— 320) umfassende Mittheilungen über die
einheimischen Nepticulen gemacht, durch welche nicht nur die
Kenntniss der Arten sehr wesentlich erweitert, sondern auch die
Naturgeschichte der Gattung im Allgemeinen gefördert worden ist.
Verf. berichtet zunächst über die Arten, welche nur in einer Ge-
neration auftreten, theilt seine Beobachtungen über die Lebens-,
dauer und Häutung der Raupen mit (Verfasser vermuthct ausser
der bereits bekannten einen Häutung nach der Form der Minen
noch eine zweite) und erwähnt in Betreff der vertikalen Verbrei-
tung der Arten, dass er noch bei einer Höhe von 2860' im Ober-
harz Nept. Weaweri und zwei andere Arten beobachtet habe. An
den Schmetterlingen selbst erörtert Verfasser ausführlich die Modifi-
kationen des Flügelgeäders, sodann die zur Eintheilung in Gruppen
besonders brauchbaren Merkmale, welche ausser der verschiedenen
Länge der Fühler besonders in einer verschiedenartigen Beschup-
pung der Vorderflügel-Fransen bestehen; je nachdem diese Schup-
pen breit und an der Spitze dunkel gefärbt oder schmal sind, ver-
th eilen sich die Arten in solche mit deutlicher oder mit fehlender
Fransenlinie. Nach diesen und anderen Merkmalen vertheilt Verf.
die 84 ihm bekannten Arten in 18 Gruppen und unterscheidet sie
innerhalb der letzteren auf analytischem Wege. Hieran schliesst er
eine ausführliche Charakteristik von 33 theils neuen, theils weniger
bekannten Arten: Nept. pomella St., aeneella n A. (pygmaeella
Herr. - Seh ?), samiatella Zell., atricapitella St., nitidella und basi-
guttella n. A., Nylandriella Herr.-Sch., latifasciella Herr.-Sch., pre-
504 Gersta ecken Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
tiosa n. A. , aeneofasciella Herr. -Seh., fragariella (v. Heyd. i. lit.)
n. A., ulmivora (Frey i. lit) und speciosa. n. A , alnetella St., dul-
cella n. A., continuella und betulicola St., inoequalis n, A., Poterii
und glutinosae St., distinfiiietula n. A. , loitella St., turicella Herr.-
Sch., hemargyrella Zell., agrimoniella Herr.-Sch., atricoUis und an-
gulifasciella St., rubivora "Wocke, arcuatella Herr.-Sch., obliquella
n. A., myrtilella und Weaweri St., simplicella n. A.
Stainton's „Observations on British and Continental Tineina"
(Entomol. Annual f. 1862. p. 119— 140j enthalten Mittheilungen über
die ersten Stände, die Entwickelungsgeschichte und die Nahrungs-
pflanzen zahlreicher inländischer Arten nach des Verf. eigenen, so
wie nach Hofmann's, Barrett's, Frey's u. A. Beobachtungen.
Derselbe, „Descriptions of nine exotic species of the genus
Gracilaria" (Transact. entom. soc. of London 3. ser. L p. 291— 300.
pl. 10} gab Beschreibungen und sehr schöne Abbildungen von fol-
genden neuen Arten: Gracilaria formosa, plagiata und albomargi-
nafrt von der Moreton - Bay, resplendens, quadrifasciala (Larve die
Blätter von Urena lobata minirend) und Gemoniella von Calcutta,
Calicella von der Moreton-Bay, Terminaliae (Larve die Blätter von
Terminalia Catappa minirend) und nilidtda von Calcutta.
Wocke (Stett. Entom. Zeit. XXIIL p. 67 u. 236 ff.) beschrieb
als n. A. aus Finmarken: Talaeporia borealis, Gelechia perspersellüy
Ornix pohjgrammella, Poeciloptilia montanella und grisescens, Nepti-
cula tristis , Lapponica und comari.
Christoph (ebenda p. 222 f.) Coleophova phlomidella und
gypsophilae als n. A. von Sarepta, nebst ihren Raupensäcken; die
Raupe der ersten Art lebt auf Phlomis pungens, die der zweiten
von den Samenkapseln der Gypsophila paniculata.
Mo eschler (Wien. Ent. Monatsschr. VI. p. 141. Taf. 1. fig. 14
und 15) Cryptolechia Sareptensis und Depressaria venosnlella als n.
A. ebendaher, Mann (ebenda p. 402 ff. Taf. 3. fig. 14 u. 15) Leci-
thocera flavissimella und Tinagma vihratorieUa als n. A. von Brussa.
Felder (ebenda p. 40) Hyponomeula polystigmcllus (siel) von
Ning-pa in China.
Milliere (Annal. soc. Linneenne deLyon VlIL p. 177 ff. und
p. 209. pl. 1) beschrieb AlvcHa oJbiaella als n. A. von Hyeres und
Toulon nebst Raupe und Puppe; erstere lebt auf Tamarix gallica.
Verf. hält die Art von Gelechia tamariciella Zell, für verschieden
und zunächst mit Tinea xylostella Fr. Dup. verwandt (so dass sie
hiernach zur Gattung Plutella Sehr, gehören würde. Ref.). — Fer-
ner ßutalis dorycniella n. A. nebst Raupe (auf Dorycnium suffruti-
cosum) und Puppe aus Südfrankreich.
Fologne (Annal. soc. entom. Beige VL p. 162— 169. pl. 2)
erörterte die Lebensweise und die Naturgeschichte der ersten Stände
im Gebiete cl. Entomologie während des Jahres 1862. 505
von folgenden Arten : Cosmopteryx Drurella (Raupe die Blätter von
Huraulus lupulus minirend), Nepticula gratiosella Staint. (Raupe in
den Blättern des Weissdorns), Nepticida nitens n. A. (Raupe in den
Blättern von Agrimonia Eupatoria), Gelechia naeviferella Dup. (Raupe
in den Blättern von Chenopodium), Gel. bifractella Dougl. (Raupe
in den Samen von Conyza squarrosa), Gelechia rosalbella n. A. —
Mehrere der genannten Arten sind in ihren verschiedenen Ständen
auf pl. 2 in sehr eleganter Weise abgebildet. — Derselbe (ebenda
p. 23 f ) fand bei Dinant in Belgien 27 Nepticula- und 13 Lithocolle-
tis-Arten; die Raupe von Teichobia Verhuella minirt unter den
Fruktifikationen von Scolopendrium vulgare.
Breyer (ebenda p. 21 f. pl. 1) fand die Raupe von Roesler-
stammia assectella in den Blüthenstielen von Allium Cepa, welche
sie zerstört und dadurch die Blüthe nicht zur Samenbildung kom-
men lässt. Verf. giebt von der Raupe eine Beschreibung und Ab-
bildung.
Kaltenbach (Verhandl. d. naturh, Ver. d. Preuss. Rheinl.
XIX. p. 15, 31 und 43) beschrieb die Raupe von Nemotois violellus
S. V. (im August und September an den Blüthen und unreifen Früch-
ten der Gentiana asclepiadea und pneumonanthe) , Lithocolletis he-
lianthemi Herr.-Sch. (Raupe im Juni und wieder im Herbst auf He-
lianthemum) und Cosmopteryx Draryclla Fab. ? (im August und
September die Blätter von Holcus australis minirend). lieber letztere
Art vergl. oben F o 1 o g n e !
V. Hey den (Stett. Entom. Zeit. XXHI. p. 173 ff. und p. 360 ff.)
erörterte die ersten Stände und deren Naturgeschichte von folgen-
den Europäischen Arten: 1) Nemophora pilulella Hübn. Raupe nebst
Sack beschrieben; im Taunus unter losen Steinen in Fichtenwäldern.
2) Depressaria propinquella Tr. Raupe im Juni und Juli an den
Blättern von Arctium lappa und Serratula arvensis. 3) Gelechia
scabidella Zell. Raupe und Puppe beschrieben ; erstere Anfang Juli's
bei Frankfurt a. M. an Rumex acetosella, deren Samen sie in ihr
Gespinnst verwebt und verzehrt. 4) Gelechia BvahmieUa n. A.. die
Raupe minirt in den Fiederblättern der Jurinea Pollichii im Mai,
Juli und Oktober. 5) Gelechia acuminatella Sirc. Raupe im Oktober
die Blätter von Carduus palustris minirend. 6) Gracilaria hemidacty-
lella S. V. Raupe bei Darmstadt auf allen drei Ahorn - Arten im
August und September; verfertigt am Blattrande eine Düte von 1
Zoll Länge. 7) Gracilaria fidella Reutti. Raupe die Blätter des Ho-
pfens Ende August's minirend; macht ein papierartiges, flaches,
glänzend weisses Gespinnst. 8) Gracilaria limosella F. R. Raupe mi-
nirt die Blätter von Teucrium chamaedrys; Mitte September's bei
Mainz. 9) Gracilaria Kollarieila F. R. Raupe minirt die Blätter von
Sarrotrium scoparium und (seltener) Genista germanica; zwei Ge-
506 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
nerationen im Juni und September. 10) Mompha divisella Wocke,
Raupe und Puppe beschrieben. 11) Stephensia Brunnichiella Lin.
Raupe minirt die Blätter von Clinopodium vulgare Anfang Juli's.
12) Elachista Raschkeella Tisch. Raupe die Blätter von Epilobium
angustifolium minirend ; zwei Generationen im Sommer und Herbst.
13) Tischeria dodonea Staint. Raupe im September Eichenblätter
minirend. 14) Bucculatrix cidarella Tisch, Raupe frei an Erlenblät-
tern, Anfang Oktober's. 15) Nepticvla fragariella n, A. Raupe Ende
Oktober's die Blätter von Fragaria vesca minirend. 16) Nepticula
Freyella Heyd. Raupe minirt die Blätter von Convolvulus sepium
und arvensis im August und September.
Stainton, „On a new mining larva , recently discovered''
(Report of the 31. meeting of the British assoc. of science , Trans-
act. p. 159) erwähnt der Entdeckung der ersten Micropteryx-Larven
durch Kaltenbach und Hofmann; dieselben zeichnen sich
durch eine leichte seitliche Hervorragung am fünften Körperringe,
gänzlichen Mangel der Beine und stark verschmälerte Endsegmente
aus. — In den Proceed. entom. soc of London 1862. p. 60 f. giebt
Verf. auch eine Charakteristik von der Micropteryx -Puppe. Die-
selbe ist besonders dadurch bemerkenswerth, dass der Hinterleib
eine sehr freie Bewegung hat und dass die Flügel scheiden , Beine
und Fühler ganz frei vom Körper abstehen. Obwohl sich die Beine
nicht spontan bewegen können, werden sie doch öfter durch den
Hinterleib verschoben. Es ist diese Mittelform zwischen einer Le-
pidopteren- und Trichopteren -Puppe um so interessanter, als auch
die Imago von Micropteryx zu Zweifeln über ihre systematische
Stellung in der einen oder anderen Ordnung Anlass gegeben hat.
lieber denselben Gegenstand handeln: J. Scott, „The larva
of Micropteryx" (Entom. weekl. Intellig. X. p. 3) und Stainton,
„Larva of Micropteryx" (ebenda X. p. 15) und ,.Micropteryx Spar-
manni' (ebenda X. p. 233).
Stainton, „A notice of Gelechia subdicurtella and its larva"
und ,.0n the larva of Gelechia cauligenella Schmid^' (Entomol. weekl.
Intellig. X. p. 22 und p. 100). — Frey, Ueber Ornix Pfafifenzelleri
(ebenda X. p. 164).
Stainton, A few words on the synonymy of Laverna Lan-
giella (Transact. entom. soc. of Lor.don 3. ser. I. p. 223 — 225) stellt
die Synonymie von Laverna Langiella und epilobiella Schrank nach
der Priorität folgendermassen fest: 1) Lav. epilobiella Römer (=
Langiella Hübn. Tr. = niveipunctella Staint. =■• fulicclla Herr. -Seh )
2) Lav. fulvescens Haw. (— epilobiella Schrank, Tr. = nebulclla
Steph. Curt.
Pterophoridae. Mo eschler (Wien. Ent. Monatschr. VI.
p. 143, Taf. 1. flg. 16) beschrieb Aciptilus Volgenssis als n. A von
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 507
Sarepta, Mann (ebenda p. 409, Taf. 3. fig. 16) Oxyptilus brachydac-
tylus var, Poggei von Brussa.
Gärtner (ebenda VI. p. 330f,) machte die Raupe und Puppe
von Platyptilus Fischeri Zell, bekannt; die Raupe lebt während
ihrer Jugend im Marke der vertrockneten Stengel von Gnaphalium
dioicum, später (im nächsten Frühlinge) in den Herzblättern der
jungen Triebe , welche sie am Grunde benagt und dadurch wel-
ken macht.
Milliere (Annal. soc. Linnecnne de Lyon VIII. p. 193, pl. 3)
gab Beschreibung und Aljbildung von Pterophorus plagiodactylus
Fisch. Roesl. nebst Raupe, welche bei Hyeres auf Globularia aly-
pum Lin. lebt.
Diptera.
Die Anwendung der Photographie zur bildlichen
Darstellung naturhistorischer Objekte wird selbst nach den
im Ganzen spärlichen bisher vorliegenden Versuchen in
ihrer weit greifenden Bedeutung kaum mehr verkannt
werden dürfen ; es ist die einzige Methode, welche wenig-
stens bei grösserer Vollendung in der Technik eine voll-
ständige Garantie für absolute Richtigkeit und Naturtreue
des Dargestellten gewährt. Unter den bisherigen Ver-
suchen haben sich die Darstellungen histiologischer Ob-
jekte im Ganzen eines grösseren Beifalles zu erfreuen
gehabt; die Schwierigkeiten, welche sich bei der Wie-
dergabe von morphologischen G egenständen herausstellten,
hingen hauptsächlich von der Auswahl der letzteren ab.
Einen hohen Grad der Vollendung zeigen die seit einer
Reihe von Jahren in der Hof- und Staatsdruckerei zu
Wien unter der Leitung des Direktors Au er von Wels-
bach ausgeführten und in einem wahrhaft grossartigen
Maassstabe angelegten Darstellungen von Dipteren-Flü-
geln, welche sich gegenwärtig zu einem ikonographischen
Prachtwerk ersten Ranges gestaltet haben. Dasselbe ist
unter dem Titel: „Die Europäischen Bohrfliegen (Trype-
tidae), bearbeitet von H. Loew, erläutert durch photo-
graphische Flügel-Abbildungen'' (Wien 1862. Fol. 128 pag.,
26 tab.) in einer verhältnissmässig geringen Anzahl von
Exemplaren publicirt worden und vermuthüch gar nicht
in den Buchhandel gekommen. Die 26 Tafeln desselben
508 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
enthalten je vier photographische Bilder von Flügeln in
einer Grösse von 5 — 6 Zoll Längsdurchmesser, im Gan-
zen also 104 Bilder, welche durchweg -als sehr gelungen
zu bezeichnen sind und unter denen die Flügel mit git-
terartiger Zeichnung sich durch besondere Eleganz her-
vorthun. Der von dem ausgezeichneten Kenner der Trj-
peten, von H. Loew bearbeitete Text enthält eine auf
bedeutendes neues Material begründete monographische
Bearbeitung der Europäischen Arten, auf welche wir an
ihrem Orte specieller zurückkommen.
Monographs of the Diptera of North-America, pre-
pared for the Smithsonian Institution by IL Loew.
Part I. edited with additions by R. 0 s t e n - S a c k e n.
Washington 1862. (8. 221 pag. 2 tab). — Nachdem der
Yerf. einleitungsweise die Terminologie der Dipteren und
unter dieser besonders eingehend das Flügelgeäder abge-
handelt hat, giebt er eine Charakteristik der von ihm an-
genommenen 63 Familien, von denen 10 auf die Nemo-
cera, 51 auf die Brachycera und 2 auf die Coriacea kom-
men und erörtert unter besonderer Hervorhebung der
in Nord-Amerika vertretenen Gattungen die näheren Be-
ziehungen der überhaupt innerhalb der einzelnen Familien
bisher aufgestellten. Sodann folgen vier Monographien,
von denen drei : „On the North-American Trypetidae,
iSciomyzidae und Ephydrinidae^ von Loew, eine vierte :
„On the North-American Cecidomyidae" von Osten-
Sacken herrührt. Von den beiden Tafeln gehört die
erste der letztgenannten Monographie an, während die
zweite 29 Abbildungen von Trypeten-Flügeln enthält.
H. Loew, Diptera Americae septentrionalis indi-
gena. Centuria secunda (Berl. Ent. Zeitschr. VI. p. 185 —
232). Verf. giebt in dieser zweiten Centurie lateinische
Beschreibungen von neuen Nord-Amerikanischen Arten aus
den Familien der Tipularien, Asilinen, Empiden, Leptiden,
Dolichopoden und Muscarien.
Derselbe ..lieber Griechische Dipteren^ (ebenda
p. 69 — 89) gab ein systematisches Verzeichniss von 93
durch Kr ü per in Griechenland gesammelten Dipteren,
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 509
unter welchen 15 neue oder weniger bekannte ausführ-
lich beschrieben werden.
Derselbe, ^Ueber einige bei Varna gefangene
Dipteren"" (Wien. Ent. Monatsschr. YI. p. 161—175) zählte
71 in Bulgarien gesammelte Arten verschiedener Fami-
lien auf, von denen eine grössere Anzahl in ihren Eigen-
thümlichkeiten und Abweichungen von der gewöhnli-
chen Form erläutert, ausserdem 10 als neue Arten be-
schrieben werden.
Derselbe, „Sechs neue Europäische Dipteren""
(ebenda p. 294—300). Dieselben gehören den Sjrphiden,
Dolichopoden und Muscarien an.
E gger machte in zwei weiteren Fortsetzungen seiner
„Dipterologischen Beiträge"" (Verhandl. d. zoolog. - botan.
Gesellsch. zu Wien. XII. p. 767—784 und p. 1233—1236)
19 neue Arten aus den Familien der Syrphiden und
Muscarien bekannt; dieselben stammen aus Schlesien,
Oesterreich und Ungarn.
Bigot, Dipteres nouveaux de la Corse decouverts
dans la partie montagneuse de cette ile par M. Be 11 ier de
la Chavignerie pendant l'ete de 1861. (Annal. soc.
entom. de France 4. s6r. IL p. 109 — 114). Die fünf hier be-
schriebenen neuen Corsikanischcn Arten gehören den
Familien der Bombyliarien, Sjrphiden und Oestriden an.
Von bereits früher angezeigten Werken ist S c hi n e r's
dipterologischcr Theil der Fauna Austriaca im J. 1862
mit dem sechsten bis achten Hefte fortgesetzt worden.
Durch die beiden ersteren wird der erste, 674 Seiten starke
Band abgeschlossen, in weichem ausser den früher er-
wähnten Familien die Tachinarien, Dexiarien^ Sarcopha-
giden, Muscinen und Anthomyziden abgehandelt sind.
Der zweite Band beginnt mit den Acalypteren , von de-
nen vorläufig die Gruppen der Cordylurinen, Scatopha-
ginen , Thyreophorinen, Helomyzinen , Heteroneurinen,
Dryomyzinen, Sciomyzinen, Tetanocerinen, Dorycerinen
und Ortaliden abgeschlossen vorliegen. — Die Grund-
sätze, welche ihn bei der Bearbeitung der Muscariae aca-
lyptcrae und bei der Eintheilung derselben in Gruppen
510 Gerstaecker: Bericht üb. d. wisseiisch. Leistungen
geleitet haben, erörtert Verf. in der Fortsetzung seines
^Commentares zum dipterologiscben Tlieile der Fauna
Austriaca^ (Wien. Ent. Monatsscbr. VL p. 143 u. 428 ff.),
in welchem gleichzeitig die neu aufgestellten Gattungen
charakterisirt werden.
Ebenso ist C. Rondani's „Dipterologiae Italicae
prodromus'^ mit einem ferneren Bande, Vol. 5 (auch un-
ter dem Titel : Species Italicae ordinis Dipterorum, Pars 4.
Parma 1862. 239 pag. erschienen) bereichert worden. Der-
selbe bildet nicht die Fortsetzung des einen Theil der
Tachinarien enthaltenden dritten Bandes (welche viel-
mehr der erst im J. 1864 erschienene vierte Band bringt),
sondern enthält die Gruppen der Phasiinen, Dexiarien,
Muscinen und Stomoxyden abgehandelt. Während Verf.
Stomoxys auf Grund ihres abweichenden Rüssels von den
Muscinen im engeren Sinne als eigene Gruppe abtrennt,
vereinigt er In nicht eben glücklicher Weise unter seiner
Gruppe der Dexiarien auch die Sarcophagiden , deren
Gattungen er in ziemlich bunter Reihenfolge mit jenen
der eigentlichen Dexiarien vermischt.
Walker setzte seine Verzeichnisse der von Wal-
lace im Ostindischen Archipel gesammelten Dipteren
mit einem „Catalogue of DIpterous Insects collected at
Gilolo, Ternate and Ceram hj Mr. R. Wallace, with
descriptions of new species^ (Journal proceed. Linnean
soc. Zoology VL p. 4 — -23) fort. Von Gilolo werden 59
Arten aufgezählt, von denen 32 als neu beschrieben wer-
den (die Mehrzahl den Muscarien angehörig), von Ternate
13 Arten (4 neu), von Ceram 14 Arten (7 neu). Nächst
den Muscarien sind die Asillnen am zahlreichsten ver-
treten (12 neue Arten), die übrigen Familien nur durch
• vereinzelte Arten oder überhaupt nicht.
S c h e i b e r's „Vergleich. Anatomie und Physiologie
der Oestriden -Larven^ ist im 45. Bande der Sitzungsbe-
richte der Akad. d. Wissensch. zu Wien (ßS S., 3 Taf.)
mit dem zweiten Theile fortgesetzt und beendigt worden.
Derselbe umfasst im vierten Capitel eine Darstellung der
äusseren und inneren Respirationsorgane und im fünften
im Gebiete d. Entömolog-ie während des Jahres 1862. 511
eine gleiche des chylo- und uropoetischen Systems (Mund-
theile und Schlund^ Darmkanal, Speicheldrüsen, Malpi-
ghische Gefässe und Fettkörper).
Die äusseren Respirationsorgane sind bei den Oestriden-
Larven nach zwei verschiedenen Typen gebaut, je nachdem gleich-
zeitig eine Luft- und Wasserathmung (Gastrus) oder nur eine Luft-
athmung (Hypoderma, Cephenomyia, Cephalomyia) bewerkstelligt
werden soll. Bei der Beschreibung des äusseren Respirationsappa-
rates der Gastrus-Larven geht Verf. von den Untersuchungen v. d.
Kolk's aus. deren Resultate er mit seinen eigenen Beobachtungen
in Vergleich stellt. Die in der Mitte der Stigmenplatte, zwischen
den beiden Kiemenplatten liegende Oeffnung hält der Verf. gleich
V. d. Kolk für durchsetzt, weil sich, wenn die Larven in heisses
Wasser geworfen wurden , aus dem hinteren Körperende ein conti-
nuirlicher Strom grosser Gasblasen entwickelte ; einen Erweiterungs-
und Schliessmuskel konnte er jedoch an derselben nicht auffinden.
Die in den Kiemenplatten gelegenen Kiemenkanäle (v. d. K o 1 k)
sind nach des Verf.'s Beobachtung Halbkanäle, welche nach aussen
durch die äusserste Membran der Kiemenplatten geschlossen sind
und nach innen mittelst des schwammigen Gewebes mit der Luft-
kammer communiciren ; dieselben sind durch quergelagerte Platten in
viele untereinander communicirende Lokulamente getheilt. Dagegen
ist der zwischen dem äusseren und inneren Blatte der mittleren
Schicht der Kiemenplatten gelegene Raum nicht, wie v. d. Kolk
glaubt, in Zellen (Bläschen) getheilt. Während bei der Luftathmung
die Stigmenöffnung in Funktion tritt, vermitteln bei der Wasser-
athmung die Kiemenkanäle den Gasaustausch; da^i poröse Gewebe
der Luftkammer dient dabei durch seine zahlreichen, feinen Lücken
als ein Reservoir für die gegen den Sauerstoff der umgebenden Flüs-
sigkeit auszutauschende Kohlensäure, Dieselbe Funktion (und Struk-
tur) haben die beiden von v. d. Kolk als drüsige Organe aufge-
fassten keulenförmigen Körper, welche sich am Eingange der beiden
am Vorderende des Körpers gelegenen Stigraenöffnungen vorfin-
den. — An den inneren Respirationsorganen der Gastrus-Larven
weist Verf. die von den acht Lungentracheen ausstrahlenden Lun-
genbläschen als modificirte Fettkörperzellen nach, mit welchen sie
auch unmittelbar zusammenhängen. Der Zweck derselben ist nach
des Verf.'s Ansicht der, dass bei den schlechten respiratorischen
Verhältnissen, unter denen tlie Gastrus-Larven leben, die Be-
rührungsoberfläche des Blutes mit dem respiratorischen Medium
möglichst vergrössert werden musste, was in der Nähe des Rücken-
gefässes am vollständigsten bewirkt werden konnte. — Bei den
Hypoderma-, Cephenomyia- und Cephalomyia - Larven findet nur
512 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Luftrespiration statt; daher fehlt jede Stigmenöffnung und die bei-
den Haupttracheenstämme sind nach aussen durch fein poröse Plat-
ten abgeschlossen; eine durchscheinende, centrale Stelle derselben
ist nicht durchbohrt, sondern mit einer, auf einem härteren Chitin-
rahmen ausgespannten, feinen Chitinhaut verschlossen (als Rudiment
der bei den neugeborenen Larven vorhandenen Athmungsfortsätze
anzusehen). Das Tracheen System der Hypodermen zeichnet sich durch
zwei in der Mitte des Körpers gelegene Tracheenblasen, welche
zahlreiche Aeste an den Darmkanal abgeben, aus. Ueber den fei-
neren Bau der Oestriden - Larven -Tracheen giebt Verf. an, dass er
all denselben abweichend von Leydig drei deutlich isolirbare Häute
aufgefunden habe; nämlich ausser der äusseren peritonealen und der
innersten durch den Spiralfaden lokal verdickten Chitinhaut eine
mittlere , strukturlose Bindegewebsmembran , welche bei Gastrus
einfach, bei Hypoderma und Cephenomyia mit grossen runden, ova-
len oder polygonalen Zellen versehen ist.
Bei der Beschreibung des Tractus intestinalis geht Verf. nach
Erörterung der Mundtheile besonders ausführlich auf die Muskula-
tur des Schlundes und die denselben umgebenden Schlundplatten
ein. Am Darmkanale, welcher je nach den Gattungen eine verschie-
dene Länge zeigt, ist bei den Hypodermen ein Vormagen äusser-
lich nicht abgesetzt, wie es bei den übrigen Gattungen der Fall
ist; bei den Gastriden münden in den Vormagen zwei perlschnur-
förmige , drüsige Organe ein. Hmterwärts vom Chylus - Magen,
welcher bei den Hypodermen der längste Abschnitt des Tractus ist,
bei den übrigen Gattungen durch eine Einschnürung getheilt er-
scheint, ist ein Dünn-, Dick- und Mastdarm abgesondert. Alle
Abschnitte des Darmes werden auch in Bezug auf ihre histologi-
schen Eigen thümlichkeiten ausführlich erörtert. — Schlund - Spei-
cheldrüsen besitzen alle Oestriden - Larven ; Magen- Speicheldrüsen
ausserdem die Gastrus- und Cephenomyia-Larven. — Die vier Vasa
Malpighi münden je zu zweien vereinigt auf der Gränze zwischen
Chylus-Magen und Dünndarm in den Tractus ein; bei Hypoderma
sind ihre Enden blind und frei, bei Gastrus durchbohren dieselben
die Wand des Dickdarms an gesonderten Stellen und zwar so, dass
die zwei vorderen, zuerst gelb gefärbten sich zuvörderst in den Fett-
körper verlieren, aus welchem sie, milchweiss gefärbt, wieder her-
vorkommen, während die beiden hinteren ganz gelb gefärbten direkt
zum Dickdarme verlaufen. Bei Cephenomyia und Cephalomyia sind
die hinteren Vasa Malpighi ganz gelb gefärbt und blind endigend,
die vorderen zuerst ebenso gebaut, gehen dann aber plötzlich m
zwei kurze, weite, plattwandige Canäle über, welche mit einem gelb-
braunen , bei durchfallendem Lichte dunkelbraun gefärbten Inhalte
versehen sind.
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 513
Auch F. Meine rt, ^Bidragtil en kritik afSchroe-
der van der Kolk's anatomie a£ Hestebremsens larve'^
(Schioedte's Naturbist. Tidsskr. 3. Raeke I. p. 104— 118)
unterwarf die von Schroeder van der Kolk gemach-
ten Angaben über die Speicheldrüsen, Chylus- und Gal-
lengefässe, sowie über die Respirationsorgane der Larven
von Gastrus equi einer erneueten Prüfung und theilte die
in mehreren Punkten abweichenden Resultate seiner eige-
nen Untersuchungen mit.
Besonders hervorzuheben ist die mit derjenigen Scheiber's
im direkten Widerspruche stehende Ansicht des Verf.'s über die
Struktur der Stigmenplatten; die mittlere Oeffnung derselben ist
nach ihm nicht durchsetzt, sondern nur eine verdünnte Hautstelle
(also wie bei den übrigen Oestriden-Larven). Dagegen sind die bei-
den seitlichen Kiemenplatten zur Aufnahme von Luft geeignet, indem
die Kiemenkanäle durch feine Schlitze mit derselben communiciren.
J. Lubbock („On the development of Loncho-
ptera", Transact. entom. soc. 3. ser. I. p. 338 — 344. pl. 11)
machte die Larve und die Entwickelungsgeschichte von
Lonchoptera bekannt, welche besonders dadurch von In-
teresse ist, dass sie einen ähnlichen Vorgang implicirt^
wie er von Fahre bei den Meloiden-Larven nachgewie-
sen und als Hypermetamorphose bezeichnet worden ist.
Nachdem nämlich die erste, sehr auffallend geformte und
schon durch die geringe Zahl ihrer Körpersegmente
(ausser dem Kopfe nur neun) ausgezeichnete Larve ihre
volle Grösse erreicht hat, bildet sich nach x\bhebung der
Körperhaut innerhalb dieser eine sehr verschieden ge-
staltete zweite Larvenform , aus vierzehn Körperringen
bestehend, hervor, welche nun die Haut der ersten Larve
sprengt und sich in die (vermuthlich tonnenförmige) Puppe
verwandelt.
Die erste Larvenform von Lonchoptera misst bei vollständiger
Entwickelung 7? ^^oll in der Länge ; sie ist flachgedrückt, durch-
scheinend , am ersten Körpersegmente mit vier, am letzten mit zwei
langen Borsten und längs des Seiten- und Hinterrandes der einzel-
nen Segmente mit niederliegenden Dornen besetzt. Die zweite Lar-
venform ist walzig, fleischig und ohne die Auszeichnungen der er-
sten; sie verlässt die erste Larvenhaut, indem sie das dritte bis
fünfte Segment derselben durchbricht. Neben dem äusseren Kör-
Archiv f. Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. HH
514 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
perbaue erörtert Yerf. auch einige anatomische Verhältnisse der
ersten Larve. Er glaubt, dass die Gattung Lonchoptera zu den
Notacanthen und zwar in die Nähe von Sargus gestellt werden
müsse. (Die Aehnlichkeit zwischen der Lonchoptera-Larve und de-
nen der Stratiomyiden ist jedoch nur eine ganz oberflächliche, die
Verschiedenheit der ausgebildeten Dipteren eine vollständige. Ref.)
Eine nicht näher bestimmte Dipteren-Larve machte
ferner Hart Vinen (Description of a curious form of
Dipteroiis larva, Journal proceed.Linnean soc.^ Zoology VI.
p. 1 — 3) durch Beschreibung und Abbildung bekannt. Die-
selbe ist dünn, fadenförmig und am Afterende mit aus-
spreitzbaren Borsten versehen.
Tipulariae. Baron Osten -Sacken („Characters of the lar-
vae of Mycetophilidae", Proceed. entom. soc. of Philadelphia I p. 151 —
172. pl. 2) gab eine durch Abbildungen erläuterte, eingehende Be-
schreibung des gesammten äusseren Körperbaues der Mycetophiliden-
Larven nach Untersuchungen an Mycetophila , Sciara, Scioj)hila und
Bolitophila. Als gemeinsame Larvencharaktere der Familie haben
sich ihm herausgestellt ein deutlicher, horniger Kopf, eine fleischige,
von einem hornigen Rahmen umgebene Oberlippe, hornige, flache,
lamellenförmige Mandibeln, welche an der Innenseite gezähnt sind;
Maxillen mit grosser, lederartiger Innenlade und hornigem Aussen-
stücke mit kreisförmigem Ausschnitte an der SjDitze . eine kleine,
meist rudimentäre, hornige Unterlippe und ein fleischiger Körper
mit acht Stigmenpaaren. — Nach Beschreibung der Puppe stellt
Verf. die bisher bekannt gewordenen Nachrichten über die Lebens-
weise der Larve von Mycetophila, Cordjda, Bolitophila, Sciophila,
Leja, Ceroplatus und Sciara zusammen und charakterisirt anhangs-
weise eine durch abweichendes Flügelgeäder ausgezeichnete neue
Sciara-Art als Sc. toxonenra von Washington nebst ihrer Larve und
Puppe. Den Schluss der Abhandlung bildet ein Verzeichniss der
Schriften, welche Nachrichten über Mycetophiliden-Larven enthalten.
Bigot (Annales soc. entom. 4. ser. II. p. 109. pl. 1. fig. 1)
machte eine neue Gattung A pis t o m y i a bekannt, welche im Ha-
bitus an die Limnobiiden erinnernd, von diesen durch sehr rudi-
mentäres Flügelgeäder abweicht und auch durch die Fühler- und
Rüsselbildung ausgezeichnet ist. Die Fühler sind kurz, nur acht-
gliedrig, das zweite Glied bei weitem am längsten, keulenförmig,
das dritte und letzte eiförmig, die dazwischen liegenden rundlich ;
von der Bildung des sehr verlängerten Rüssels lässt sich trotz der
sehr vergrösserten Abbildung keine genauere Vorstellung gewinnen.
Flügel nur mit vier einfachen Längsadern , welche durch keine
Queradern verbunden sind, Beine sehr lang und dünn, ganz beson-
im Gebiete cl. Entomologie während des Jahres 1862. 515
ders die des dritten Paares. — Art: Ap. elegans aus den Gebirgen
Corsika's, 3V2 Mill.
Loew (Berl. Ent. Zeitschr. VI. p. 72) beschrieb Tipuln cau-
dalula als n. A. aus Griechenland, (ebenda p. 186 f.) Corethra tritittata
aus Nord-Amerika (Maine) und SimuHum quadriviltatvm von Cuba.
Walker (Journal proeeed. Linnean soc, Zoology VI. p. 4)
Limnobia enchroma als n. A. von Gilolo.
Osten-Sacken (Stett. Ent. Zeit. XXIII. p. 128) wies bei
Trichocera drei, an lebenden Exemplaren deutlich erkennbare Punkt-
augen nach.
Derselbe (ebenda p. 80) gab eine Notiz über die Metamor-
phose von Cecidomyia pini; er glaubt, dass ihr Cocon ebenso wie
dasjenige der Cecid. destructor nur aus ihrer abgelösten Körper-
haut bestehe, welche bei ersterer Art mit harziger Substanz ge-
tränkt ist.
Derselbe veröffentlichte ( Monographs of the Diptera of
North- America I. p. 173 — 205, Taf. I) eine grössere Abhandlung „On
the North-American Cecidomyidae", welche hauptsächlich den Zweck
hat, das Studium der Gallmücken so wie ihrer Produkte auch in
Nord- Amerika anzuregen. Yerf. lässt sich daher ausführlich über
die bisher unter den Cecidomyien aufgestellten Gattungen, deren
Flügeltypen er durch Holzschnitte erläutert , als ganz besonders
über das aus der Natur- und Entwickelungsgeschichte der Gallmü-
cken durch Europäische wie Nord - Amerikanische Beobachter be-
kannt Gewordene aus. Zu den die Abtheilung Anaretina (Loew) bil-
denden Gattungen wird eine neue, Trilozyga Loew hinzugefügt, wel-
che wie Catocha Halid. deutliche Ocellen, behaarte Flügel und die
dritte Längsader gegabelt hat, bei der aber der Gabelast stark
S-förmig geschwungen ist. — Der spezielle Theil der Abhandlung
enthält eine Aufzählung der von den früheren Autoren beschrie-
benen und eine Charakteristik der vom Verf. selbst beobachteten
Gallmücken. Letztere zerfallen in solche, welche ihm im Zustande
der Imago (theils mit, theils ohne Metamorphose und Lebensweise)
bekannt geworden sind, und in solche, welche Verf. bisher nur
nach den von ihnen erzeugten Pflanzendeformationen kenneu ge-
lernt hat; auch den letzteren sind unter Charakteristik ihrer Gal-
len vorläufige Namen beigelegt worden. Die beschriebenen Arten
sind: Diplosis Caryae O.-S., Cecidomyia solidaginis Loew, hirtipes
O.-S. (aus Gallen von Solidago), serrtilafae O.-S (an Alnus serru-
lata), Lasioptera vilis O.-S. und Cecidomyia chrysopidis Loew (an
Chrysopis mariana). Die nur nach ihren Gallenbildungen bekannt
gewordenen Arten sind : Cecidomyia caryaecola, sanguinolenta, tuhi-
cola^ holotricha , persicoides, cynipsea und glutinosa von Carya-Ar-
ten, carbonifera und racemicola von Solidago, C. vaccinii von Vac-
516 Gerstaecker: Bericlit üb. d. wissensch. Leistungen
cinium, Cec. pini inopis und brachynteroides von Pinus inops, Cec.
ocellaris von Acer rubrum, pellex von Fraxinus Americana, Cec.
7iiteipila, ernhescens^ symmetrica und poculum von Eichen - Arten,
Cec. viticola vom Weinstocke, Cec. pndibunda von- Carpinus Ameri-
cana, Cec. liriodendri und tulipiferae von Liriodendron tulipiferum,
Cec. strobiloides von Weiden, Cec. impatientis von Impatiens fulva,
Cec. farinosa von Rubus villosus und Cec. agrostis von Agrostis
lateriflora (?).
V. Frauenfeld (Verhandl. zoolog.-botan. Gesellscb. zu Wien
XII. p. 1174. Taf. 12) erörterte die Lebensweise der Larven und
die von diesen an Phragmites communis erzeugten Gallenbildungen
von drei Gallmücken: Lasioptera arundinis Seh., Lasioptera flexuosa
Winn. und der als n. A. beschriebenen Cecidomyia inclusa.
P, In ch bald, On Cecidomyia Salicis Schrank and Cecid. taxi
(Entom. weekl. Intellig. X. p. 61 u. 76).
Tabaniaa. Tabanns sems Walker n. A. von Ceram (Journal
proceed. Linnean soc, Zoology VI. p. 20).
Asilina, Loe-w (Berl. Ent. Zeitschr. YI. p. 188 ff.) beschrieb
zehn neue Leptogaster- Arten aus Nord- Amerika: Lept. badius aus
Illinois , pictipes ebendaher , varipes Distr. Columbia, murinus von
Nebraska, lestaceus von Neu- York, incisuralis aus Illinois, favilla-
ceus aus Connecticut, obscuripes von Cuba, temiipes Distr. Columbia
und flavipes von Nebraska.
_D er selbe (Wien. Ent. Monatsschr. YI. p. 163) Frotophanes
crassicauda als n. A. aus Yarna, und (Berl. Ent. Zeitsch. YI. p. 75 ff.)
gab ausführliche Charakteristiken von Laphria auriflua und empy-
rea Gerst.
Walker (Journal proceed, Linnean soc, Zoology YI. p. 5, 18
und 20 f ) beschrieb Dnsypogon solutus, semifilatus, Laphria setipcs^
flagellata, Trupanea Gilolona, Äsilus condecortis, Ommalius platyme-
las als n. A. von Gilolo, Asilus normaiis und Leptogaster exacta
(sie!) als n. A. von Ternate, Laphria ostensa^Ommalins inextricatus
und Leptogaster magnicollis als n. A. von Ceram.
Empidae. L o e w (Berl. Ent. Zeitschr.YI. p. 193 ff.) beschrieb als
n. A. aus Nord-Amerika: Brachy Stoma bimimmns Distrikt Columbia,
nigrimana aus Illinois, Syneches albonotatus Distrikt Columbia, Empi^
b'arbata aus Californien, nvda aus Illinois, spectabilis aus Maryland,
Pachymeria brevis Distr. Columbia, Rhamphomyta vittata , testacea,
rata, miilabitis, aperta, frontalis, polita, impedita, exigva und uni-
macnlata aus Illinois , higens aus Californien, Hilara vmbrosa aus
Illinois, fevdorata und nnicolor aus Maryland, velutina Distr. Colum-
bia, nigriventris aus Pennsylvanien, trivittata, mutabilis, brevipila
und atra aus Illinois, leucoptera aus Florida, gracilis aus Pennsyl-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 517
vanien, hasalis aus Illinois, Cyrtoma halteralis Distr. Columbia, lon-
(jipes und pilipes aus Illinois, Clinocera simplex von der Hudsons-
Bay, lineata aus Pennsylvanien, Hemer odromia valida von der Hud-
sons-Bay, obsoleta und notata aus Illinois, scaptilaris aus Maryland
und Pennsylvanien , defecta und vittata Distr. Columbia, Drapetis
pubescens von Neu- York und Stilpon varipes aus Pennsylvanien.
Derselbe (Wien. Ent. Monatsschr. YI. p. 167 ff.) erörterte
die Charaktere der in drei auffallenden Yarietäten auftretenden
Empis maculata Fab. (var. 3 = Empis affinis Egger) und beschrieb
Empis Haeini, rava und nigerrima als n. A. von Yarna, erstere auch
vom Balkan.
Henopii. Nach Osten-Sacken (Stett. Ent. Zeit. XXIII.
p. 128) ist Eulonchus smaragdinus Gerst. in Californien häufig und
abweichend von den übrigen Henopiern sehr flüchtig.
Bombyliarii. Loew (Berl. Ent. Zeitschr. YI. p. 77 ff.) be-
schrieb Ploas bivittata, Exoprosopa pectoralis , Anthrax obliterata
und vagans, Argyromoeba velox als n. A. aus Griechenland.
Derselbe (Wien. Ent. Monatsschr. YI. p. 164) beschrieb
Disckistus nigriceps als n. A. von Yarna. — Ausserdem erörtert
Yerf. die Unterschiede der mit Mulio Pallasii Loew verwandten
Arten von der Gattung Chalcochiton, zu der sie ohne Grund gestellt
worden sind.
Bigot (Annal. soc. entom. de France 4. ser. p. 111 ff.) be-
schrieb Bombylius mus und Phthiria notata als n. A. von Corsika.
Nach Osten-Sacken (Stett. Ent. Zeit. XXIII. p. 411) wurde
eine Toxophora-Art aus dem Neste von Eumenes fraterna Say (?)
erzogen; die Gattung lebt also gleich Bombylius und Anthrax pa-
rasitisch.
Therevidae. Thereva consdta Walker (Journal proceed. Lin-
nean soc, Zoology YI. p. 8) n. A. von Gilolo.
Evett (Proceed. entom. soc. of Philadelphia I. p. 217) sam-
melte mehrere Exemplare von Tabuda fulvipes Walker bei Neu-
Jersey und stellte somit Nord-Amerika als Yaterland dieser (ohne
nähere Angabe beschriebenen) Art fest.
Leptidae. LepHs sordida Loew (Berl. Ent. Zeitschr. YI. p. 74)
n. A. aus Griechenland, Leptis ochracea Loew von Neu -York und
costata Loew aus Californien n. A. (ebenda p. \Q1 i.)^ Suragina sig-
nipennis Walker (Journal, proceed. Linnean soc-, Zoology YI. p- 8)
n. A. von Gilolo.
Dolichopodidae. Loew (Berl. Ent. Zeitschr. YI. p. 211 ff.) be-
schrieb als n. A. aus Nord-Amerika : Dolichopus albiciliatns, socius,
fulvipes und pvaeustus aus Illinois, setosus aus Massachusetts, Ta-
chytrechus angustipennis Distr. Columbia, Chrysotus cornutus, picti-
518 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
€ornis , Hydrophorus parrus und Sywpycnus nodatus aus Illinois,
Psifopvs melampus und dimidiatus aus Mexiko, leiier aus Pennsyl-
vanien.
Dolichopus hilaris Loew (Wien. Ent. Monatsschr. VI. p. 297)
n. A. aus der Umgegend von Meseritz (vom Ref. auch in Mehrzahl
bei Berlin gefangen).
StratiOmyidae. Oxycera Umhala Loew (Berl. Ent. Zeitschr. VI.
p. 73) n. A. aus Griechenland, Bolbomyia nana Loew (ebenda
p. 187 f.) n. A. aus Washington, Strafiomys cinctilinea und Solva hybo-
toides Walker (Journ. proceed. Linnean soc, Zoology VI. p 4) n A.
von Gilolo.
Syrphidae. Loew (Wien. Ent. Monatsschr. VL p. 294 ff.) be-
schrieb Volucella elegans n. A. aus Si^anien, Platynochaelus Mac-
quarti (setosus Macq.) aus Sicilien, (ebenda p. 165) Merodon Grae-
cus n. A. von Varna und aus Griechenland, (Berl. Ent. Zeitschr. VI.
p. 83 f.) Merodon aurifer und planiceps n. A. aus Griechenland.
Egg er (Verhandl. zoolog. -botan. Gesellsch. zu Wien XII.
p. 783) Microdon brevicornis n. A. aus den Oesterreichischen Alpen,
kleiner als M. devius, mit fast weisslicher Behaarung und kürzerem
Endgliede der Fühler.
Bigot (AnnaL soc. entom. 4. ser II. p. 113) Paragus sexarcua-
lus als n. A. von Corsika.
Osten-Sacken (Stett. Ent. Zeit. XXIIL p. 412) beobachtete
Somula decora in emsiger und lange anhaltender Verfolgung einer
Wespe; die Fliege warf sich in einem günstigen Augenblicke auf
die Wespe, schien ein Ei auf dieselbe abzulegen und entfernte sich
dann. Bei der Aehnlichkeit zwischen Somula \ind einer Wespe ist
ein Parasitismus schon von vornherein wahrscheinlich. — Derselbe,
„Zur Lebensweise von Baccha' (ebenda p. 412) bemerkt, dass eine
Nord-Amerikanische Baccha-Art im Larvenzustande sich von einem
Coccus nähre , welcher eine grosse Plage der Orangenbäume ist.
Aehnliches hat Guerin von Baccha cochenillivora aus Guatemala
angegeben.
E 1 d i 1 1, Ueber die früheren Zustände von Microdon mutabilis
(Schriften d. physik.-ökonom. Gesellsch. zu Königsberg II. Sitzungs-
berichte p. 9). Historische Mittheilungen über die früher als Schnecke
beschriebene Microdon-Larve.
GonopidäB. Sichel (Sur des Conopiens parasites d'Hymeno-
pteres, Annal. soc. entom. 4. ser. II. p. 120f., pl. 14. fig. 4) gab Be-
schreibung und Abbildung von Conops dimidiatipennis n. A. von"
Montevideo , Parasit von Bombus thoracicus Sichel. — Aus einer im
April 1861 in Algier gefangenen Chalicodoma Sicula Rossi zog Verf.
im August desselben Jahres ein Männchen von Conops vittatus
Fab., ein Weibchen derselben Art aus einem fast ein ganzes Jahr
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 519
zuvor gefangenen Bombus lapidarius. zwei andere Exemplare end-
lich aus Bombus sylvarum , welche gleichfalls bereits seit Jahres -
frist getödtet waren (p. 595). Verf. führt ausserdem noch einige
andere, das Parasitiren der Conops- Arten betreffende Beobach-
tungen an.
Oestridae. Die interessanteste diesjährige Entdeckung im Be-
reiche der Oestriden ist die zu Ibenhorst in Ostpreussen vom Ober-
förster U 1 r i c h aufgefundene und von Brauer (Verhandl. zoolog.-
botan. Gesellsch. zu Wien XII. p- 973 ff.) unter dem Namen Cephe-
nomyia Ulrichii beschriebene Kachenbremse des Elennthieres. Die-
selbe ist den bisher bekannten Cephenomyien im Ganzen sehr ähnlich,
jedoch grösser als diese und durch rein weiss behaarte Hinterleibs-
spitze so wie durch schwarzhaarige Beine ausgezeichnet. Das ein-
zige bis jetzt vorliegende Exemplar derselben Hess sich Mitte Sep-
tembers um die Mittagszeit auf einen so eben erlegten Elchhirsch
nieder. (Das erwähnte zweite, an Ratzeburg eingesandte Exem-
plat war eine Hummel. Ref.)
Eine neue Gattung Therobia, auf Trypoderma abdominalis
Wied. aus Bengalen begründet, charakterisirte Brauer (ebenda
p. 1231). Dieselbe unterscheidet sich von Cuterebra schon durch die
nackte Fühlerborste, ferner durch kleineren Körper, das Flügelge-
äder, die grossen, tief herabsteigenden Augen, schmales Gesicht
und durch sechs Paare von Borsten zur Seite der Gesichtsrinne.
Coquerel et Mondiere, Note sur des larves de Dipteres
developpees dans des tumeurs d'apparence foronculeuse au Senegal
(Annales soc. entom. 4. ser. IL p. 95—103, pl. 3, fig. 1). Die beiden
Verf. beobachteten zwei Fälle von entzündlichen Geschwülsten am
Arme und an der Schulter von Soldaten, die am Senegal stationirt
waren; bei näherer Untersuchung derselben erwies sich als der
Urheber eine auf der vorderen Körperhälfte mit feinen Widerhäk-
chen besetzte Musoinen-Larve, von welcher eine detaillirte Beschrei-
bung nebst Abbildung gegeben wird. Ausser am Menschen fand
sich dieselbe in grösserer Anzahl in der Haut eines Hundes, wel-
cher daran zu Grunde ging. Da die Fliege nicht gezogen wurde,
so beruht die Vermuthung der Verff , dass die Larve einem Oestri-
den angehöre, nur auf der analogen Lebensweise mit dem Ver
macaque aus Cayenne. Die Eingeborenen bezeichneten als die der
Larve angehörige Fliege eine Idia-Art, welche von Coquerel an-
hangsweise als neue Art beschrieben wird.
Westwood (Proceed. entom. soc. of London 1861 p. 18) er-
wähnt einer Oestriden-Larve aus dem Menschen von Honduras, wel-
che sich durch grössere Schlankheit und auffallend starke Haken-
kränze von den übrigen bekannten Oestrus-Larven unterscheiden
soll, (die in neuester Zeit von verschiedenen Autoren abgebildeten
520 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Larven aus der Haut des Menschen scheinen dem Verf. dabei noch
unbekannt gewesen zu sein) und welche Westwood zu der An-
nahme einer eigenen auf den Menschen angewiesenen Oestru-s-Art
zu bestimmen scheint. — Eine sich anschliessende Notiz von Bat es
constatirt , dass er selbst am Amazonenstrome von einer solchen
Larve heimgesucht worden sei ; er hält dieselbe für einen zufälli-
gen Eindringling beim Menschen, da sie nach seiner Erfahrung ur-
sprünglich bei Affen und zwar hier in Mehrzahl vorkomme.
Coquerel et Salle, Notes sur quelques larves d'Oestrides
(Annales soc. entom. 4. ser. IL p. 781—794. pl. 19). Die beiden
Verff. erwähnen zunächst die Beobachtungen Del egorgue's, wonach
Süd- Afrika einen grossen Reichthum an Oestriden darbietet; zahl-
reiche von ihm erbeutete Individuen verschiedener Antilopen-Arten
beherbergten Larven sowohl in den Stirnhöhlen als unter der Haut,
Rhinoceros simus und bicornis deren viele im Magen. Leider ist
von keiner dieser Larven bisher das entwickelte Insekt zur Kennt-
niss gekommen. — Die Kenntniss der Nordamerikanischen Oestri-
den-Larven bereichern die Yerff. wesentlich durch eingehende Be-
schreibungen und Abbildungen zweier Cuterebra -Larven aus der
Haut des Nord-Amerikanischen Sciurus aureogaster Bachm. und des
Lepus palustris Bachm. ; ferner einer von allen bisher bekannten we-
sentlich abweichenden Larve aus der Haut eines jungen Hundes aus
Mexico und einer Dermatobia - Larve aus der Haut eines Maulesels
von Cayenne, welche dem Ver macaque sehr nahe steht oder viel-
leicht sogar damit identisch ist. — Schliesslich wird noch über die
Bildung der hinteren Stigmen bei diesen Larven und bei derjeni-
gen der Hypoderma Diana gehandelt, auch Abbildungen von den-
selben gegeben.
Brauer (dies. Archiv f. Naturgesch. XXVIIL p. 210 f., Ver-
handl. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien 1862. p. 505 — 510) lieferte
einen „Beitrag zur Lösung der Frage, wie die Hypoderraen-Larven
unter die Haut ihres Wohnthieres gelangen". Verf. beobachtete
an der Larve von Hypoderma Diana eine zweimalige Häutung, wel-
che jedesmal beträchtliche Formveränderungen zur Folge hat.
Während des bisher ganz unbekannt gebliebenen ersten Larvensta-
diums , welches vom Mai bis zum Januar des folgenden Jahres
dauert, finden sich eigenthümlich gebaute Mundtheile, welche offen-
bar das Einbohren in die Haut des Wohnthieres vermitteln. Die-
selben bestehen aus einem unpaaren geraden Spiess, welcher einem
queren Chitinbalken aufsitzt und mittels dieses hervorgeschoben
werden kann , ausserdem aus zwei seitlichen , winklig gebogenen
Haken. Während dieses ersten Stadiums ist die fast gleich dicke,
durchsichtige Larve bereits mit Vorderstigmen versehen; in dem
nur kurze Zeit (vom Januar bis Februar) dauernden zweiten Sta-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 521
dium wird sie keulenförmig, d. h. vorn viel dicker als hinten und
entbehrt bereits der oben geschilderten drei Mundwerkzeuge. Wäh-
rend dieses Stadiums tritt die Bedornung der Körperoberfläche und
auch die Deckelfurche an den ersten vier Ringen auf, während Vor-
derstigmen nicht wahrgenommen werden konnten. Im dritten, vom
Januar bis April dauernden Stadium ist die Larve hinten breiter
und dicker als vorn und abermals in der Form des Mundes und
der Stigmen, so wie in der Bedornung verschieden ; die Yorderstig-
men erscheinen hier als zwei sehr kleine, mikroskopische Pünktchen
auf der Kreuzung der Deckelfurche und des Hinterrandes des er-
sten Ringes. Auffallend ist das nur während der letzten Wochen
ihrer Lebensdauer stattfindende, dann aber sehr rapide Wachsthum
der Larve, welche bis zum Herbst durch ihre Kleinheit bisher ganz
der Beobachtung entgangen ist.
Nach Lucas (Bullet, soc. entom. 1862. p. 14) findet man die
Larven von Hypoderma Diana häufig im Magen des Staars (Sturnus
vulgaris), welcher nach F. Prevost's Beobachtung sie dem Dam-
wilde und den Rehen aus der Haut ausbeisst. (Sollte diese Beob-
achtung genau und die Bestimmung der Larven sicher sein, so wäre
damit Hypoderma Diana auch als Parasit von Cervus dama nach-
gewiesen.)
L. Kirchner, Beitrag zur Oestrus - Larven Krankheit der
Schafe (Lotos XL p. 112 ff.) bespricht die Unterschiede in den Sym-
ptomen , welche bei den Schafen durch Oestrus - Larven in den
Sinus frontales und durch Coenurus im Gehirn hervorgerufen wer-
den. Bei Schafen, deren rechter Sinus frontalis mit sechs Oestrus-
Larven besetzt war , fehlte das bei Coenurus gewöhnliche Niesen
und die Drehung des Kopfes nach beiden Seiten, während das
Drehen nach einer Seite hin, ferner Röthung der Conjunktiva,
Stumpfsinn, so wie Zucken der Ohren und Glieder gleichfalls
auftraten.
Bigot (Annal. soc- entom. 4. ser. H. p. 113) unterschied Hy-
poderma Bellicri als n. A. von Corsika; dieselbe soll sich von Hyp.
bovis durch schwarz behaartes Schildchen unterscheiden.
Die Abhandlungen von Scheiber und Me inert über die
Anatomie der Oestriden-Larven siehe unter Diptera !
Muscariae. Yon Walker (Journ. proceed. Linnean soc, Zoo-
logy VI. p. 9 ff.) wurden Rulilia saphirina und fervens Walk, var.,
Gymnostylia luteicornis, Atomogaster hiseriata und triseriata, IJe-
lomyza intervenla, Lamprogaster superna^ Plahjstoma polens und pe-
ctoralis, Dacus strigifer, fnrcifer, exspectus, perplexus, Sophira pun-
ctifera, Orialis punctifascia, aequifera, concisivitta, Trypeta retorta,
Calohata gutticollis und diffundens als n. A. von Gilolo, (p. 19 f.)
Dexia parallela und Rutilia excelsa als n. A. von Ternate, (p. 22)
522 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch Leistungen
Oxycepkala alienata, Dacus absoluhis und Sophira bipars als n. A.
von Ceram bekannt gemacht.
Coquerel (Annales soc. entom. 4. ser. II. p. 96 note) be-
schrieb Idia Bigott als n. A. vom Senegal, der Rhinia testacea Hob.
Desv. sehr nahe verwandt. Dieselbe wurde von den Eingebornen
als diejenige Fliege bezeichnet, welche ihre Eier in die Haut des
Menschen ablegt. (Vgl. Oestridae !)
Loew machte in einer weiteren Fortsetzung seines ,Bidrag
tili kännedomen om Afrikas Diptera" (Ofvers. Vetensk. Akad. För-
handl. XIX. p. 3 — 14) ausser den 26 bereits im letzten Jahresberichte
erwähnten Trypeten folgende neue Afrikanische Arten und Gat-
tungen vorläufig durch Diagnosen bekannt : Dacus scnher Caffernland,
binotatus Cap, viliatus Guinea und Cap, Sapromyza ringens und ter-
minalis Cap, trinotala und guttulata Macq. Caffernland. Physogenia
submetallica ebendaher, Lanxania clypeatci Cap, alrovirens, imiecora,
oblonga und chlorogaslra Caffernland. — C es tr o tus, nov. gen.,
mit Prosopomyia zunächst verwandt; Stirn breit, geschwollen, Ge-
sicht gross, gewölbt , Backen sehr breit, Stirnrand der Orbita breit,
gewimpert, Clypeus leicht hervortretend, Fühlerborste gefiedert;
Flügel zierlich weiss und schwarz gefleckt. — Drei Arten: Cestr.
turrilus und variegntus Caffernland, megacephalus Cap. — Tetanocera
geniculata Caffernland, Sepedon pleuriticus, convergens und testaceus
vom Cap, Notiphila obscuricornis und bipunctata vom Swakop, igno-
bilis vom Cap, Taralimyia confJvens, limbata und albonotata Caffern-
land. — C ory tho phor a, nov. gen. aus der Notiphilinen-Gruppe-
Zweites Fühlerglied leicht gedornt, Fühlerborste mit sehr langen
Fiedern, Gesicht lang, gerade abfallend, nackt, Augen rund. Backen
sehr breit , Peristom gross, nackt, Clypeus leicht hervortretend,
Schildchen dick, Flügel lang, die Costa bis zur Mündung der vier-
ten Längsader reichend, die hintere Querader schief, nahe dem
Flügelrande; Beine verlängert, Mittelschienen oberhalb mit einigen
starken Borsten, — Art : Cor. longipes aus dem Caffernlande. —
Ochthera praedaloria, ckalybescens und Parydra burcuhnta neue Arten
ebendaher.
Derselbe (Berl. Ent. Zeitschr. VI. p. 217 ff.) beschrieb als
n. A. aus Nord-Amerika : Lispe sociabilis Distr. Columbia, Trypefa
sarcinata aus Carolina, atra von Neu-York, {Tryp. nigerrima n. A.
aus Brasilien, anhangsweise beschrieben), geminata aus Pennsylva-
nien, iimida aus Mexiko . ahstersa Nord-Amerika, finalis aus Cali-
fornien, Lanxania alboviftata von Cuba, Scoliocentra helvola aus
Illinois, Anoi'ostoma marginata English-River, Blepharnptera pubescens
aus Massachusetts, armipes von der Hudsons-Bay , tristis Winnipeg,
Allophyla laevis English-River, Heloniyza apicalis Distr. Columbia,
assimilis von der Hudsons-Bay, phimata von Neu-York, latericia
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 523
aus Connecticut, longipennis von Neu-York, Diplocenlra helva North-
Red River, Psilopa nobilis Distr. Columbia, Amiota humeralis Distr.
Columbia, leucostoma aus Pennsylvanien, Drosophila dimidiata aus
Illinois, amoena Distr. Columbia, tripunctata und advsta von Wa-
shington, ampelophila und punctulata von Cuba.
Derselbe (ebenda p. 85 f ) beschrieb Tetanocera formosa n.
A. und Platystoma tegularia Loew ? aus Griechenland und charakteri-
■sirte eine neue Trypetinen-Gattung Hyp enidium, vom Habitus der
Gattung Oedaspis, in der Flügelzeichnung mit Hemilea übereinstim-
mend : Augen sehr hoch und schmal, Hinterkopf aufgeschwollen,
drittes Fühlerglied länglich mit scharfer Yorderecke, Sauglappen
des Rüssels lang behaart, Thorax oberhalb mit zwei Borstenpaaren,
Schildchen vierborstig, Schenkel ziemlich verdickt, die beiden ersten
Paare unterhalb mit dornförmio-en Börstchen; die beiden Queradern
einander sehr genähert, die Analzelle mit scharfem, aber nicht in
eine Spitze ausgezogenen Hinterwinkel. —Art: fJypen. Graecum n. A.
Derselbe (Wien. Ent. Monatsschr. YI. p. 172 ff.) machte
Dorycera hybride/, Tetanops psnmmophila, Platystoma subfasciata als
n. A. von Yarna bekannt und erörterte eine Yarietät von Tetano-
cera rufifrons Fab. (vielleicht eigene Art) ebendaher. — Rhicnoessa,
nov. gen., fast vom Habitus der Malacomyia sciomyzina Hai., aber
die Hülfsader an der Wurzel der ersten Längsader anliegend und
w^eiterhin vollständig mit ihr verbunden, das Gesicht nicht ausge-
höhlt, Clypeus nicht hervortretend und der Rüssel nicht dick. Durch
ersteres Merkmal von den Phycodromiden, zu denen sie Yerf. aber
vorläufig trotzdem stellen möchte, abw^eichend. — Art: Rhicn. ci-
nerea von Yarna.
Derselbe (ebenda p. 298 ff.) beschrieb Lispe pilosa n. A. von
der Küste der Nordsee, Blepkaroplera alpina aus der Schweiz und
Sepedon Uispanicus aus Andalusien.
Egger (Dipterologische Beiträge, Yerhandl. d zoologisch-bo-
tan. Gesellsch. zu Wien XII. p. 767 ff.) beschrieb Lonckaea finnosa
und Fsila debilis n. A. aus Oesterreich, Chlorops Scholtzii aus Schle-
sien, Enrina calva aus Ungarn, Ephydva macellaria von Triest, Pe-
riscelis Winnertzii, Drosophila distincta, Opomyza Nalhaliae aus Oe-
sterreich, Leucopis silesiaca und nigricornis, letztere aus Krain,
Ceratomyza flavicornis vom Littorale, Gonia maculipennis aus Ungarn
und Klein-Asien. — Ebenda XII p. 1233 ff. : Phora flexnosa, distincta,
Bernnthi, Giraudii, nigricornis und brachyneura als n. A. aus Oe-
sterreich.
Yon Kaltenbach (Yerhandl. d. naturhist. Yer. d. Preuss.
Rheinlande XIX. p. 21ff.) wurden folgende aus Pflanzen gezogene
Muscinen theils in ihren früheren Entwickelungsstadien, theils als
neu beschrieben: Phytomyza Glechomae n A., Larve in den Blättern
524 Gerstaecker: Bericlit üb. d. wissensch. Leistungen
«,
von Glechoma hederacea minirend, (p. 32 f.) Phytomyza Helosciadii
(nicht näher beschrieben). Larve in den wurzelständigen Blättern
von Helosciadium nodiflorum minirend ; Phytomyza heraclei (albiceps
Meig.?), Larve besonders die Wurzelblätter" von Heracleum sphon-
dylium minirend. (p. 54 u. 56) Phytomyza ilicis (viduata Meig.?),
Larve im Spätsommer rundliche, oberseitige Minen in den Blättern
von Hex aquifolia anlegend; Agromyza lutea Meig-, nebst der die
Blätter von Impatiens minirenden Larve beschrieben, (p. 61) Agro-
myza atra Meig., Larve die Blätter von Iris pseudacorus minirend,
(p. 83) Phytomxjza linariae n. A., Larve die Blätter von Linaria vul-
garis minirend, (p. 93) Agromyza xylostei und lonicerae n. A., beide
nebst Larve und Puppe beschrieben; die Larve der ersteren Art
minirt in zwei Generationen die Blätter von Lonicera periclymenum,
xylosteum und Symphoricarpus racemosus, die der letzteren ebenfalls
zweimal im Jahre die Blätter der Lonic. periclymenum, (p. 101 f.)
Agromyza flavifrons Meig. ? (Fliege und Larve beschrieben), die
Larve minirt die Blätter der Lychnis dioica ; Anlhomyia Lychnidis
n. A., Larve im Wurzelstocke derselben Pflanze lebend.
„üeber die Europäischen Helomyzidae und die in Schlesien
vorkommenden irrten derselben" hat H. Loew (Breslau 1862. 8.
80pag., Separatabdruck aus der Zeitschr. f. Entomol. d. Vereins
für Schlesische Insektenkunde zu Breslau, 13. Jahrgang) gehandelt.
Verfasser diskutirt einleitungsweise ausführlich den der Gruppe der
Helomyziden zu gebenden Umfang, welche er auf die auf Kosten
der Meigen'schen Gattung Helomyza errichteten Gattungen und
auf Heteromyza Fall, (im beschränkten Sinne, Typus : Het. oculata
Fall.) beschränken zu müssen glaubt. Die von Zetterstedt zu
den Helomyziden gestellten Gattungen Actora, Orygma, Coelopa, Co-
promyza und Limosina schliesst Verf. davon aus ; Coelopa (irrthüm-
lich steht Actora gedruckt) und Orygma bilden nach ihm zusammen
mit Phycodroma (Malacomyia Hai.) und Oedopar e a (nov. gen.
für Heteromyza buccata errichtet) eine eigene Gruppe Phycodromi-
dae, während er Actora vorläufig zu den Sciomyziden stellen will.
Die nahe Verwandtschaft von Thyreophora und Schoenomyza mit
den Helomyziden wird anerkannt, beide jedoch gleichfalls davon
ausgeschlossen ; letztere wird in nähere Beziehung zu Coenosia und
Cordylura gebracht. — In der angegebenen Einschränkung charak-
terisirt sich die Gruppe der Helomyziden folgendermassen : „Mund-
rand mit Knebelborsten, Fühler kurz, die beiden ersten Glieder
wenig entwickelt, das dritte Glied eiförmig oder rund, flach. Stirn
nur mit einer oder zwei Seitenborsten. Thorax mit vier Borstenreihen,
nie blos auf seinem hinteren Ende beborstet. Flügelgeäder voll-
ständig, die Wurzelzellen massig gross. Die erste Längsader nie
auffallend kurz, die Hülfsader vollständig, gegen ihr Ende hin sich
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 525
von der ersten Längsader mehr entfernend; Flügelrippe stets, in-
dessen zuweilen sehr kurz beborstet. Alle Schienen auf der Aus-
senseite vor ihrem Ende mit einer aufgerichteten Borste ; Mittelschie-
nen an der Spitze von mehreren ansehnlichen Borsten gespornt;
Vorder- und Hinterschienen stets ohne andere Borsten." Yon den
Helomyziden in dieser Abgränzung unterscheiden sich 1) die Scio-
myziden durch die grösseren ersten Fühlerglieder und den Mangel
der Knebelborsten, 2) die Phycodromiden durch den Mangel der
Knelielborsten und der Borsten am Flügelrande, 3) die Heteroneu-
riden durch letzteres Merkmal und die mehr verkürzte erste Längs-
ader der Flügel, 4) die Borboriden durch sehr entwickelten Clypeus,
verkürztes erstes Glied der Hinterfüsse und die Unvollständigkeit
der Hülfsader, 5) die Geomyziden durch den höher gewölbten, nur
hinterwärts beborsteten Thorax, die auffallend verkürzte erste Längs-
ader und die dicht an sie herangedrängte Hülfsader. — Die Helo-
myziden zerfallen nach Loew in zwei Gruppen: a) Helomyzina,
ohne Schulterborste und b) Blepharopterina, mit Schulterborste.
Erstere umfassen nur die Gattung Helomyza mit 22 Arten (darunter
neu: HeL inomala Deutschland und Schweden, variegata = rufa
Meig., Süd-Europa und Klein - Asien, foeda Insel Rhodus, pectoralis
Deutschland und Italien, hispanica Andalusien, laetifrons = tigrina
Zett. , Deutschland und Schweden, pilimana Harz, Riesengebirge,
Zetter stedti = pallida Zett , Europa, montana Deutsches Gebirge,
vaginata Schlesien, parva Schlesien, Steyermark, femoralis Schlesien).
Die Blepharopterina umfassen 9 Gattungen, unter denen Allophyla
nov. gen., keine Borste über der Basis der Vorderhüften hat (einzige
Art: All. atricornis Meig.), während diese allen übrigen zukommt.
Unter letzteren zeichnet sich Sc o /iocen <ra , nov. gen. (Helom.
villosa Meig.) durch gekrümmte Sporen der Mittelschienen so wie
durch lange und weiche Behaarung aus ; bei den übrigen sieben Gat-
tungen sind die Sporen der Mittelschienen gerade und die Behaa-
rung gewöhnlich. Bei Crymobia, nov. gen. (Cr. hiemalis n. A.
Deutschland, vom November bis Februar) steht die kleine Quer-
ader unter der Mündung der Hülfsader, bei den folgenden jenseits
derselben und zwar ist unter diesen bei Anorostoma nov. gen.
(nur exotische Arten) der vordere Mundrand obliterirt , bei den
übrigen deutlich entwickelt. Auffallend kleine Augen besitzen die
beiden Gattungen E c f 0 ;> f 0 7n e r a nov. gen., mit unbeborsteten Mit-
telschienen (7 Arten: Eccopt. ornaf« Schlesien, longiseta Meig., filata
n. A. Deutschland, microps Meig., pallescens Meig., excisa n. A. aus
dem Harz und emarginata n. A. aus Steyermark und Krain) und
Oecothea nov. gen. mit beborsteten Mittelschienen (2 Arten : Oec.
fenestralis Fall und praecox n. A. aus Aachen), Augen von gewöhn-
licher Grösse die Gattungen Blepharoptera Macq. (13 Arten, z. B.
526 Gerstaecker: Bericht üh. d. wissensch. Leistungen
sen'ata Lin., caesia Meig., neu: Bleph. spectabilis Krain und Süd-
frankreich, biseta Steyermark, ßavicornis Meseritz, rariabilis Schle-
sien und Harz, cineraria Sachsen und Schlesien, vrassipes Glatz und
Cassel, pvsilla Klein-Asien und Griechische Inseln) und Heteromyza
(H. atricornis Meig.) , beide mit vier Borsten in den Mittelreihen
des Thorax, endlich Tep hr o cklamy s nov. gen. mit drei Borsten
ebenda (5 Arten: Tephr. magnicornis n. A. Posen, tarsalis Zett., ru-
fiventris Meig. = laeta Zett. und laeta Meig,). Die Artenzahl der
bis jetzt bekannten Helomyziden beläuft sich für Europa auf 53,
für Schlesien auf 34. Die in der vorstehenden Abhandlung beschrie-
benen neuen Arten sind ausserdem (25 an Zahl) in der Wien. Ent
Monatsschr. YI. p. 126 — 128 („Novae Helomyzidarum in Europa vi-
ventium species descriptae") durch vorläufige Diagnosen bekannt
gemacht worden.
Ferner lieferte Loew (Monographs of the Diptera of North -
America I. p. 103 — 128) eine monographische Bearbeitung der Nord-
Amerikanischen Sciomyziden, welche durch drei Gattungen daselbst
vertreten sindi 1) Sciomyza Fall. 4 A., darunter von Europäischen:
Sc. nana und obtusa Fall., neu : Sciom. pubera. 2) Tetanocera Dum.
14 A., zum Theil schon früher vom Verf. beschrieben; als neu kom-
men hinzu: Tet. dam Trenton Falls, valida, sparsa Mittel-Staaten,
costalis Illinois, plebeja Mittel-Staaten. 3) Sepedon Latr. 3 A. (be-
kannt). — Anhangsvreise wird Dryomyza simpIex n. A. aus den Mit-
telstaaten beschrieben.
Derselbe (ebenda p. 129 — 172) ,.0n the North - American
Ephydrinidae • reproducirt die schon früher von ihm eingeführte
Eintheilung der Ephydrinen in die drei Gruppen der Notiphilina,
Hydrellina und Ephydrina und analysirt die bis jetzt bekannten
Gattungen derselben. Der specielle, die Charakteristik der Gattun-
gen und Arten enthaltende Theil weist für Nord-Amerika folgen-
den, schon jetzt sehr reichen Bestand nach : a) Notiphilina : 1) Di-
chaeta Meig. (2 Europäische Arten). 2) Notiphila Fall. 5 A. (sämmt-
lich neu: Nat.- scalaris , hella, vittata, carinala und vnicolor). 3)
Paralimna Loew lA. (neu: Par. appendiculalu). 4) Discomyza Meig.
1 A. [Disc. balioptera von Cuba). 5) Psilopa Fall. 5 A. (sämmt-
lich neu : Ps. aciculata, umhrosa und coeruleitentris von Cuba, sco-
riacea von Neu- York, aha aus den Mittelstaaten. 6) Discocerina
Macq. 5 A. (neu: Disc. lacteipennis , parva und orbitalis von Wa-
shington. — b) Hydrellina : 1) Hydrellia Desv. 6 A. (neu : U. ischiaca,
hypoleuca, obscuripes, scaptdaris und valida Mittelstaaten). 2) Phil-
hygria Stenh. 3 A. (neu: Ph. /"Mscicorm's Mittel-Staaten). — c) Ephy-
drina: 1) Ochthera Latr. 4 A. (0. mantis de Geer und 3 neue: Ochtk.
exsculpta, tubercnlafa und rapax. 2) B r a chy d eti tera, nov. gen.,
von Parhydra und Halmopota durch die nur bis zur dritten Längs-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 527
ader reichende Costa unterschieden. — Art: Br. dimidiata Wa-
shington. 3) Parhydra Stenh. 5 A. (neu: Par. hituherculata und qua-
drituberculata, breviceps und paullula. 4) Ephydra Fall. 1 A. (neu :
Eph. airovirens). 5) Scatella Desv. 3 A. (neu: Sc. fatillacea und
lugens Mittelstaaten).
Derselbe (ebenda p. 49—102, Taf. 2) „On the North-Ameri-
can Trypetidae- begreift unter der Gruppe der Trypetiden die bei-
den alten Gattungen Trypeta Meig und Dacus AYied., von denen
die erste durch Kob. Desvoidy, Macquart, Walker n. A. in
zahlreiche Untergattungen (welche übrigens zum Theil den Ortaliden
angehören) zerspalten worden ist. Die jenen beiden Gattungen ent-
sprechenden Gruppen der Trypetina und Dacina (letztere nach Aus-
scheidung der Ortaliden - Gattung Senopterina Macq.) unterscheiden
sich dadurch, dass in ersterer fünf, in letzterer nur vier Segmente am
Hinterleib des Weibchens ausgebildet sind. Nach einer sehr ein-
gehenden Charakteristik der Trypetiden stellt Verf. als ihre wesent-
lichen Merkmale folgende hin: 1) Der weibliche Legebohrer ist
hornig, dreigliedrig, einfach zugespitzt; der an der Spitze unge-
theilte Penis des Männchens entspricht ihm an Länge. 2) Die Stirn
ist in beiden Geschlechtern breit und am vorderen Theil ihres Sei-
tenrandes mit Borsten besetzt, welche eine von den vom Scheitel
herabsteigenden unabhängige Reihe bilden. 3) Am Ende der Mit-
telschienen fmden sich Sporen, sonst fehlen Borsten mit wenigen
Ausnahmen ganz. 4) Das Flügelgeäder ist sehr vollkommen ausge-
bildet; die Hülfsader biegt sich jäh gegen den Vorderrand und
wird am Ende undeutlich. — Durch das zweite und vierte Merk-
mal werden die Trypetiden stets sicher von den Ortaliden abge-
gränzt. — Auf den speziellen Theil übergehend, verzeichnet Verf.
zunächst sämmtliche von früheren Autoren aus Nord- Amerika be-
schriebene Arteu, dieselben in Bezug auf ihre Selbständigkeit, resp.
Zusammenfallen mit anderen , ihre Zugehörigkeit zu der in Rede
stehenden Gattung (mehrere sind Ortaliden) u. s. w. beurtheilend.
Von den fünfzig aufgezählten Arten sind 5 von Harris nur be-
nannt, nicht beschrieben, 14 mit anderen synonym, 7 zu den Orta-
liden zu verweisen; unter den 24 als selbständige verbleibenden sind
dem Verf. nur 5 aus eigener Anschauung bekannt geworden, wel-
che er nebst 22 neuen beschreibt und in ihren Flügelzeichnungen
abbildet. Letztere sind: Tryp. discolor und svspensa Cuba, fralria
Ver. Staaten, unicolor New Granada, insecta Cuba|, palposa Nord-
Wisconsin, suavis, cincpdata, polita, rohindipennis^ clalhrala Mittel-
Staaten, humilis Cuba, solida^inis Neu-York, seriata Mittelstaaten ,
solaris Georgia, aequalis Illinois, fesllta Pennsylvanien, hella Wa-
shington, latifrons Carolina, melanogaslva Cuba, Vernoniae Penn-
sylvanien. Die vom Verfasser schon früher und 16 von anderen
528 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Autoren beschriebene Arten werden in einem Anhang zusammen-
gestellt.
Was Yerf. in der vorstehenden Arbeit über die Familie der
Trypetiden im Allgemeinen beigebracht hat, bildet in ziemlich über-
einstimmender Weise zugleich die Einleitung zu seinem bereits
oben erwähnten Prachtwerke : „Die Europäischen Bohrfliegen (Try-
petidae)" Wien, 1862. fol , nur dass er hier noch eine Yertheilung
der zahlreichen, gegenwärtig auf 119 Arten gestiegenen Europäi-
schen Trypeten in kleinere (Unter-) Gattungen vornimmt. Abgese-
hen von den die Gruppe der Dacina bildenden beiden Gattungen
Ceratitis und Dacus werden vom Verf. 21 solcher Untergattungen
angenommen und zwar kommen von diesen 15 auf die Abtheilung
mit ungegitterten, 6 auf diejenige mit gegitterten Flügeln, a) Un-
gegitterte: Platy par ea nov. gen., 3 A. (Tr. poecilojDtera Sehr.,
caloptera Lw. und discoidea Fab ), Euphranta, nov. gen. (Tr. con-
nexa Fab.), Aciura Desv. 3 A., Hemilea, nov. gen. (Tr. dimidiata
Costa), Anomoea Walk. 1 A., Acidia Desv. 4 A., S pilo gr apha,
nov. gen. 4 A. (Tr. abrotani Meig., hamifera Lw., artemisiae Fab.
und Zoe Meig.) , Zon oso ma, nov. gen. 2 A. (Tr. alternata Fall.
und Meigenii Lw.) , Rhagoletis, nov. gen. (Tr. cerasi Lin.), 0 e-
daspis, nov. gen. 4 A. {fissa n. A., multifasciata und Schineri Lw.,
WiedemanniMeig.), Rhac ochlaena, nov. gen. (Tr. toxoneura Lw.),
Trypeta Meig. 17 A., (Tr. hexachaefa n. A.), Ensina Desv. 1 A. (Tr.
sonchi Lin.), Myopites Breb. 2 A., Urophora Desv. 13 A. — b) Ge-
gitterte : Sphenella Desv.t 1 A. (Tr. marginata Fall.), Carpho-
tricha, nov. gen. 3 A. (Tr. guttularis Meig., pupillata Fall, und stri-
gilata Lw.), Oxj^hora Desv. 6 A., Oxyna Desv. 16 A. {Tr. obesa,
parvula und stenoptera n. A.), Tephritis Latr. 27 A., Urellia Desv.
8 A. {Tr. ßlaginis n. A.).
Endlich lieferte Loew (Berl. Ent. Zeitschr. VI. p. 90) nach-
trägliche Bemerkungen über einige Afrikanische Trypetinen und
diagnosticirt Trypeta gracilipes als n. A. aus Aegypten.
Goureau (Bullet, soc. entom. 1862. p 16) berichtete über eine
Zucht von Tephritis Meigenii Loew aus den Samenkörnern von
Berberis vulgaris ; als Parasiten der Fliege beobachtete er eine
Alysia (A. ferrugator Grav.).
L. Dufour, Description de la gallo de la Jasnonia giutinosa
et du Thephritis qui la produit (Annales soc entom. 4. ser. IL
p. 143. pl. 2. fig. 4) beschrieb Tephritis Jasnoniae als n. A. aus Ca-
talonien; die Larve 'derselben bildet gallenartige Anschwellungen
des Blüthenbodens von Jasnonia giutinosa, deren sie hzuweilen meh-
rere an derselben Pflanze finden. Als Parasit der Larve wird Eu-
lophus stenostigma Duf. beschrieben.
Derselbe (Notices entomologiques, Annal. soc. entom. 4. ser.
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 529
II. p. 131 ff. pl. 2. fig. 2) machte durch ausführliche Beschreibung
und Abbildung eine ihm unbekannte Wasserlarve, welche sich im
Adour unter der Rinde eingesenkter Holzstämme findet, bekannt.
Dieselbe hat die grösste Aehnlichkeit mit den Ephydra-Larven, in-
dem sie ähnlich geformte Pseudopoden an den Hinterleibssegmenten
und eine entsprechende Gabelung des Endsegmentes zeigt ; sie ist
aber sehr viel grösser (8 bis 10 Lin. lang) und an den kürzeren
Gabelzinken des hinteren Körperendes mit dichter, die Respiration
vermittelnder Behaarung besetzt. Die auch ihrer inneren Organi-
sation nach, besonders in Bezug auf das Respirationssystem erör-
terte Larve möchte der Verf. — allerdings nur auf ihre Grösse hin
— vermuthungsweise der Gattung Sepedon zuschreiben. (Der Grösse
und dem Aufenthalte nach möchte dabei auch wohl an Hydromyza
livens zu denken sein. Ref.)
„Zur Biologie der Tachinen". Notiz von L. Kirchner (Lotos
XI. p. 87).
Die durch Lipara lucens. ruiitarsis und similis an Phragmi-
tes communis erzeugten Auswüchse erörterte von Fra ue nfeld
(Verhandl. d. zoolog.-botan Gesellsch. zu Wien 1862. XII. p. 1171 ff.
Taf. 12). Auf 100 Exemplare der L. lucens kommen bei der Zucht 20
der L. rufitarsis und nur 1 der L. similis; die Auswüchse der bei-
den letzten Arten sind nicht von einander zu unterscheiden, dagegen
von dem der ersten Art sehr verschieden. Als Inquilinen wurden
beobachtet Chlorops tarsatus. Leptomyza gracilis und Crassiseta cor-
nuta Meig. ; ausserdem legt Cemonus unicolor Fab. in der Larven-
kammer seine Brutzellen an.
Nycteribiidae. Ref. (Sitzungsber. d. Gesellsch. naturf. Freunde
zu Berlin, 18. Febr. 1862) wies bei Nycteribia die von West wo od
der Gattung abgesprochenen Halteren nach. Sie bestehen wie ge-
wöhnlich aus einem kugligen Knopfe, welcher einem dünnen Stiele
aufsitzt und finden sich in einer Grube der Rückenseite, an der In-
nenseite des dritten Hüftpaares eingelenkt. Schon hiernach können
die Ctenidien der Nycteribien bei ihrer ventralen Lage nicht als Ru-
dimente der Vorderflügel angesehen werden.
llemiptera.
^jBeiträge zu einer Kritik der von Fieber in den
Jahren 1858—1861 veröffentlichten Schriften über Rhyn-
choten (Heteropteren)'' lieferte G.Flor (Wien. Ent. Mo-
natsschr. VI. p. 1 ii. 40 fF.). Verf. spricht sich in denselben
besonders gegen die von Fieber bei der AnfstelKing
von Gattungen befolgten Grundsätze und lässt sich über
den Werth von Gattungsmerkmalen überhaupt in sehr
Archiv f. Nalurg. XXIX. Jahrg-. 2. Bd. H
530 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissenscli. Leistungen
belierzlgenswerther und einsichtsvoller Weise ans. Indem
er im Ferneren anf eine grosse Reihe von Einzelnheiten
des Fi eb er'schen Werkes näher eingeht, beleuchtet und
berichtigt er zahlreiche seiner die Untei'schiede von Gat-
tungen sowohl als Arten betreffenden Angaben.
C. Fuss, .,Zur Rhynchoten- Fauna Siebenbürgens^
(Verhandl. d. Siebenbürg. Ver. f. Naturwiss. zu Hermann-
stadt XIIL 1862. p. 3 — 19) stellte ein systematisches Yer-
zeichniss der in Siebenbürgen bis jetzt aufgefundenen
Hcmipteren zusammen, welches mit Ausschluss der noch
nicht näher beobachteten Pflanzenläusc im Ganzen 262
Arten nachweist. Die Heteropteren sind von Fieber,
die Homopteren vonA. Dohrn und Signoret bestimmt
worden. Den Artnamen sind Angaben über Fundort und
Erscheinungszeit belgefii£;t.
Fr ey - G e s s n e r , „Beitrag zur Hcmipteren -Fauna
des Ober -Yv alh's" (Mittheiluugen der Schweiz. Entom.
Gesellsch. I. p. 29-37) gab eine systematische Aufzählung
von 148 im Ober-Wallis aufgefundenen Hcmipteren (mit
Ausschluss der Pflauzenläuse), unter denen eine als neue
Art beschrieben wird.
Tweede naamlijst van Inlandsche Hemiptera, bijeen-
gcbragt door W. de Graaf, A. Six en S neuen van
VoUenhoven (Tijdschr. voor Entoraol. V. p. 72 — 96). —
Ueber die erste Hälfte dieses Verzeichnisses ist im Jah-
resber. 1859 — 60. p. 312 Mittheilung gemacht; in der vor-
h'egenden zweiten sind die Cicadinen und Phytophthiren
verzeichnet, deren verschiedene Familien im Ganzen durch
149 Arten vertreten sind. (Mit Einschluss der 189 Hetero-
pteren ist demnach die Niederländische Hemiptcren-Fauna
durch 338 Arten repräsentirt.) Die Arten vertheilen sich
auf die einzelnen Familien in folgender Weise : Fulgorina
15 A., Membracina 2 A., Cicadellina 65 A., Psyllodes 8 A.,
Aphidina 46 A. und Coccina 13 A. Die darunter befind-
lichen acht neuen Arten werden durch Yollenhoven
kurz charakterisirt.
J. W. Douglas and J. Scott, A list of British
Hemiptera (Heteroptera) , with allied species found in
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 531
Northern and Central-Europe which may be expected to
occnr in Britain. — Angezeigt in Proceed. entom. soc. of
London 1862. p. 69.
W. Crotch, Notes on Hemiptera (Entomol. weekl. Intellig.
1861. p. 227). Dem Ref. nicht zu Gesicht gekommen.
Signor e t, Espece.s nonvelles ou peu connncs d'He-
mipteres trouves en Corse par M. Belli er de la Cha-
vignerie (Annal. soc. ent. de France^ 4. ser. II. p. 375
— 378). Beschreibung von sechs nßuen und weniger be-
kannten Corsikanischen Arten verscliiedener Familien.
Derselbe, Quelques especes nouvelles d'Hemipte-
res de Cochinchina (ebenda p. 123—126, pl. 1). Di'e sie-
ben neuen, aus. Cochinchina stammenden Arten, welche
hier charakterisirt werden, gehören den Familien der Re-
duviden und Fulgorinen an.
Derselbe, Description d'Hemiptercs nouveaux de
Jurimaguas et Moyabamba, Perou (ebenda p. 579 — 588,
pl. 15). Abbildung und Beschreibung von 23, zum Theil
sehr ausgezeichneten neuen Arten verschiedener Familien
aus Peru.
Hemiptera Mexicana enumeravit speciesque novas
descripsit C. Stäl. (Stett. Entom. Zeit. XXIII. p. 81— 118,
273—281, 289—325 und 437—462). Die vom Verf. gege-
bene Aufzählung der Mexikanischen Hemipteren erstreckt
sich auf sämmtiiche Familien der Geocoriden und auf
die Nepiden, welche zusammen durch 344 Arten vertre-
ten sind. Die Zahl der als neu beschriebenen Arten ist
sehr beträchtlich ; ebenso hat sich Verf. die Gattungen
nach Kräften zu vermehren angelegen sein lassen.
von E 1 1 e n r i e d er, Eerste Bijdragc tot de kennis
der Hemipteren van den Indischen Archipel (Natuurkund.
Tijdschr. voor Nederlandsch Indie XXIV. 1862. p. 130—
174, c. tab. 6). Verf. beginnt eine von ihm projektirte
Hemipteren -Fauna der Ostindischen Inselgruppen mit
einer Aufzählung und Beschreibung der Pentatomiden
Sumatra' s, welche eine grössere Anzahl neuer Gattungen
und Arten enthält. (Siehe Pentatomidae !)
Stäl, Nova methodus famib'as quasdam Hemiptero-
632 Gerstaecker: BeiicM üb. d. wissenscli. Leistungen
rum disponendi Ofvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XVIII.
p. 195-212). Einzelne Gruppen aus den Familien der
Pentatomiden^ Lygaciden, Galgulinen^ Nepinen und Ful-
gorinen werden in Bezug auf ihre Systematik erörtert,
durch neue Gattungen bereichert und zum Theil auch
die Beschreibung neuer Arten hinzu gefi1g:t.
Derselbe, Novae vel minus cognitae Homoptero-
rum formae et species (Berl. Ent. Zeitsch. VI. p. 303 — -315).
Die hier charakterisirten neuen Gattungen und Arten ge-
hören fast ausschliesslich der Familie der Fulgorinen an.
F. Walker, Characters of undescribed species of
Homoptera in the collection of F. P.Pasc oe (Journal of
Entomol. I. p. 303 — 319, pl. 15). Die meist aus Australien
und Brasilien stammenden neuen Gattungen und Arten
gehören den Familien der Stridulnntia, Fulgorina, Mem-
bracina und Cicadellina an; bei der sehr oberflächlichen
Beschreibung derselben lässt sich ein annäherndes Ur-
theil fast nur aus den Abbildungen gewinnen, welche
überdem noch fast durchgängig falsch beziffert sind.
Derselbe (Proceed. entom. soc. of London 1861.
p. S) theilte einige Bemerkungen über die zwischen der
Europäischen und Nordamerikanischen Insektenfauna be-
stehenden Uebereinstimmungen mit besonderem Bezüge
auf die Hemipteren mit; eine Reihe Nord-Amerikanischer
Arten, welche Europäischen sehr nahe stehen und theil-
weise vielleicht mit denselben identisch sind, wird auf-
gezählt.
C. Stäl („Synonymisk^ och systematiska anteck-
ningar öfver Hemiptera'^, Ofvers. Vetensk. Akad. Förhandl.
XIX. 1862. p. 479 — 504) lieferte eine grosse Menge syno-
nymischer Berichtigungen, besonders nach Autopsie der
von Walker aus dem British Museum beschriebenen
Hemipteren; oft ist eine und dieselbe Art unter verschie-
denen Namen, häufig auch unter ganz verschiedeHen Gat-
tungen beschrieben. Ausserdem wird über eine Reihe
durch Dallas, Hope, Guerin, Signoret und B u r-
m e i s t e r beschriebener Arten Auskunft gegeben.
Pontatomidae. Stäl (Stett. Entom. Zeit. XXIII. p. 81 -118)
im Gebiete d. Entomolog-ie während des Jahres 1862. 533
charakterisirte folgende neue Arten und Gattungen aus Mexiko:
Uomoemus punctelhis und Protens. — Dystns, nov. gen,, von Pa-
chycoris durch behaarte Körperoberfläche, das Halsschild, welches
vorn breiter als der Kopf ist, die näher an den Augen entspringenden
Fühlhörner und convexe Bauchseiten unterschieden. — Art: üyst.
puberuhis. — Zophoessa moesta, socia , Megaris atrahda, Stiretrus
flavipes, crucifer, Oplomiis mumlns, mittabilis, Proteus, (Ferillus) con~
fluens Herr.-Sch., (Perilliis) virgahfs und circttmcinctvs, Telepta fvs-
cescens , pulchi'icornis , congrex , Cloelia, Jole, Thetis . Phyllochirus
lepidns, Thijreocoris coernlescens, gültiger, qnadrisignatns, Cyrtomenus
emargmalns. — P angaens, nov. gen. auf Aethus margo Dali, und
Fang, piceatus, n. A. begründet. — Discocephala notulata und cly-
peata, Phineus (nov. gen.) fuscopunctatvs, Ochlerus lartareus, Chlo-
rocoris atrispinus, Broclnjmena kaedula, Euschisfns (Lycipta) spurculns,
hiformis , stremius , Padaeus (nov. gen., mit Euschistus verwandt,
auf Mormidea irrorata Herr.-Sch. begründet) verrucifer. Berecyn-
thns (nov. gen., für Prooxys crenatus Am. Serv. errichtet), Prooxys
geniculatus, Oehalns, nov. gen. (für Mormidea Typhaeus Dali),
Mormidea angnstata , pictiventris und Ivgens Fab. , Thyanta casta.
Murgantia, nov. gen. (für Strachia tessellata Am. Serv., bifasciata
Herr. - Seh. . histrionica Dali, und munda Stäl errichtet) , Nezara
jurgiosa, Pallantia, nov. gen. (für Rhaphigaster macula Dali.},
Arocera principalis und melanopygia, Taurocerns Achilles und IJector,
Edessu taNrina, nigricornis, arietina, olivacea , haedina, praecellens,
lineigerci, patricia, jnrgiosa, jnnix, punciicornis, vinnla, lepida, rixosa,
pvdica und pudibunda, Olhia (nov. gen., von Edessa durch die nach
hinten spitz lappenförmig ausgezogenen Hinterecken des Halsschil-
des unterschieden) caprina. — Anhangsweise beschreibt Yerf. fol-
gende Amerikanische Arten und Gattungen: Megaris laevicollis von
Rio- Janeiro, Sdrrtrus consors von Bahia, 0 echalia (nov. gen., auf
Arma Schellenbergi Guer , patruelis und pacifica Stäl begründet).
Eutyrhynchns ducalis von Rio~Janeiro, Phoeacia (nov. gen., für
Discocephala lineaticeps Stäl), Pheredus (nov. gen., neben Ma-
cropygium und Ochlerus) Pluto aus Columbien, Phalaecus (nov.
gen, für Macropygium pustulatum de Geer) , Thyanta juvenca aus
Chile, Cinxia (nov. gen. für Strachia MmhataFab), B a grada (nov.
gen., für Strachia picta Herr.-Sch.) , Edessa lineata und punticeps
aus Brasilien.
Derselbe, „Genera Paramecocoridi affinia synoptice dispo-
sita" (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XVHI. p. 199) analysirte in
einer Tabelle die Charaktere der in fünf neue Gattungen zerlegten
Gattung Paramecocoris und der mit ihr zunächst verwandten En-
nius (nov. gen., auf Sciocoris ater Dali, errichtet), Sephela Am.
Serv., Cocains (nov. gen., für Sciocoris leucogrammus Germ) und
534 Gerstaecker: Bericlit üb. d. wissensch. Leistungen
Myrochea Am. Serv. — Die fünf auf Kosten von Paramecocoris er-
richteten Gattungen sind: D y man t i s, nov. gen., für Halys planus
Fab. und Param. binotatus Stäl, C aij s tru s, nov. gen., für Param.
marginiventris Stäl, Erachtheus, nov. gen., für Param. lutulentus
Stäl und Strachia spinosa Sign., Paramecocoiis sens. strict. für P.
ventralis und longulus Germ., ellipticus und phaleratus Stäl, vitti-
venlris und lavtus n. A. aus dem Caffernlande — schliesslich La-
prius, nov. gen., für Param. gastricus Thunb. — Eine neue Art
von Dymantis ist D. suhtittata aus dem Caffernlande (Sciocoris planus
Herr.-Sch.?, nee Fab.).
Die von Ellen rieder (Natuurk. Tijdschr. voor Xederl. Ind.
XXiy. p. 130 ff.) beschriebenen und auf 6 beifolgenden Tafeln abge-
bildeten neuen Gattungen und Arten von Sumatra sind: Audine-
tia, nov. gen, aus der Asopiden - Gruppe, von Arma Hahn durch
die Anwesenheit eines Bauchzahnes, von Canthecona Am. Serv. durch
unbewehrte Vorder schenke! , von den übrigen Gattungen durch ge-
zähnte Vorderschienen unterschieden. — Art: Aud. aculeata. —
Amyotea nov. geij., der Gattung Zicrona ähnlich, aber von dieser
wie von Catostyrax durch kurzen Bauchzahn, von Canthecona durch
unbewehrten Thorax und Schenkel abweichend. — Zwei Arten : Am.
dystercoides und nigripes. — Platynopus minor (varius Am. Serv.),
Cydnus rarociliafus n. A. — Hahnia, nov. gen., von Cydnus durch
mehr flachgedrückten Körijer, schlankere Fühler, längere Hinter-
schienen und halb elliptische Augen mit unterhalb stehendem, hori-
zontalen Dorne unterschieden. — Art: Hahn, yibbula. — DaJpada
angidicoUis , obtusicollis , Halys finttula, Netroscia snicirentris n. A.
— C appae a (nov. gen., mit Halys verwandt, aber von kürzerer
und flacherer Körperform) multilinea, Stollia (nov. gen.) fuligi-
nosa und reclipes, Evrydema Sianatrana, depressa, Strachia ßammnla,
Ventatoma cruciata (Fab.?), JSez^ara smaragdula (Fab.?), raropunc-
tala^ griseipennis und pellucida , Rhaphigaster gidtipennis , albidcns^
Mvcanum Ralandii, Hypencha reriki, PhyllocephaJa Sumatrana , Te-
troda histeroides Fab. var. Sumatrana und Gonopsis Setadjemdei n.
A. — Von mehreren bereits bekannten Arten giebt Verf. wieder-
holte Beschreibungen nach lebenden Exemplaren und macht mehr-
fach ausführliche Mittheilungen über die Larvenzustände , die Ent-
wickelungsgeschichte, Lebensweise und die Anatomie derselben; auf
Taf. 6. sind die Geschlechtstheile einiger Arten in vergrössertem
Maassstabe dargestellt.
Sehirus rotvndipemiis Dohru (Stett. Ent. Zeit. XXHL p. 211)
n. A. aus Sicilien, Coryzorhaphis Spinolae Signoret (Annal. soc. ent.
de France 4. ser. II. p. 579, pl. 15, fig. 1) n. A. aus Peru.
Ueber die Synonymie von Sciocoris umbrinus und Europaeus
vgl. Signoret, Annal, soc. entom. 4. ser. II. p. 375.
im Gebiete ci, Entomologie während des Jahres 1862. 535
Coreodes. Stäl (Stett. Entom. Zeit. XXIII. p. 273 u. 289 ff.)
machte folgende neue Arten und Gattungen aus Mexiko bekannt:
Sephina vinula, limhata, Lycamhes varicolor. — Flavius, nov. gen.,
von Meropachys durch zweibuchtigen Hinterrand des Thorax und
leicht hervortretende, gerundete Hinterwinkel desselben, der Länge
nach leicht erhabenes Mesosternum, unterhalb nahe der Mitte mit
einem Höcker versehenen Kopf u. s. w. unterschieden. — Arten :
Flav. lineuticornis und fingiiis. (Ferner trennt der Verf. von Mero-
pachys als eigene Gattungen ab: Hirilcus, nov. gen. für Mer.
granosus Herr.-Sch. und gracilis Burm. und Gracchus, nov. gen.
für Mer. integer Burm.). — Pachylis Hecfor, Melucha qttadrhittis,
Archimerus Aestor. scrupulosus. — C a p a nev s, nov. gen. (=• Mo-
zena Am. Serv. ?), von Archimerus durch vorn nicht gefurchtes Me-
sosternum, gerundete Vorderwinkel des Thorax u, s. w. unterschieden.
— Arten: Cap. midtispintts, Acfälles, auricnlatus (Mozena spinicrus
Am. Serv.), rubronotatus, Vatcs, tetricus, odiosus und spurcvs, Piezoga-
ster scutellaris. — M amuri us, nov gen., von Piezogaster durch kie-
lig-erhabenen und hervortretenden oder mit einem vorwärts gerichte-
ten Dorn bewehrten mittleren Kopflappen, die nur wenig stärker als
die Mittelbeine auseinander stehenden Hinterbeine und die innen mit
keinem grösseren Zahne bewehrten Hinterschenkel des Männchens
unterschieden. — Art: 3Jaiu. Mopsns. — JSematopus lepiclus. Tlieognis
lineosus, Aarni'a femoruta , Scamurius jicrgiosus und dUeclus. Hi/pse-
lonotus lineatus und puncliventris , Cebrenis nov. gen. (auf Hyp-
selonotus pulchellus Herr.-Sch. begründet), C oUatia (nov. gen., mit
Zebrenis und Zicca verwandt) emarginata, Anasa cunspersa, inacu-
lipes, capctneodes, spinivepSj nofatipennis , liligiosa und lugens. —
Cimolus, nov. gen., von Anasa durch mehr genäherte Fiihlerhöcker,
deren Zwischenraum nur von dem Mittellappen des Kopfes ausgefüllt
wird, und kürzeren Rüssel unterschieden. — Art: Cim. vitticeps. —
Margots inornalus , Madura perßda, Hannostes nebulosus und Jadera
laleralis. — Anhangsweise werden ausserdem beschrieben: Pachylis
Pharaonis Fab. von Minas Geraes, faltax unbek. Vaterl., Theognis
fasciofafus aus Neu-Granada, Margns grapiosternus aus Antiochia
in Neu-Granada, Maduva fuscoclavala von Rio-Janeiro , longicornis
aus Venezuela . Corduba macva aus Sierra-Leone und Jadeva pecto-
ralis aus Brasilien. — Die bekannten Gattungen der Rhopalidens
Anisosceliden und die mit Archimerus zunächst verwandten werden
vom Verf. in ihren Unterschieden durch analytische Tabellen er-
örtert.
Derselbe (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XIX. p. 203 ff.)
gab eine Aufzählung und Charakteristik der in Schweden einheimischen
Coreiden nebst Erörterung ihrer Synonymie. Sämmtliche aufgeführte
Arten sind bereits bekannte: Alydus 1 A., Verlusia 1 A., Syroma-
586 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
stes 1 A., Spathocera 1 A., Dasycoris 2 A., Nemocoris Sahlb. (=^
Ceraleptus Costa) 1 A. (N. Falleni Sahlb. == Cer. maculatus Stein),
JBathysolen 2 A., Pseudophloeus lA., Rhopalida 1 A., Rhopalus 1 A.,
Corizus 7 A.
Signoret (Annal. sog. ent. de France 4. ser. IL p. 375) be-
schrieb Ceraleptvs Bellieri und Maccevethtis Corsicus als n. A. von
Corsika, (ebenda p. 579 ff. pl. 15, fig. 2) Zoreva vicitia, divisa, Mega-
podius seilt eil atv s , Petalops Baraquini , Leptoscelis cyanea , serrata,
Hypselonotus thoracicus und ClfiTigralla annulaia als n. A. aus Peru.
Flor (,.Zwei neue Europäische Rhynchota heteroptera aus
der Gattung Berytus", "Wien. Ent. Monatsschr. VI. p. 43 f.) beschrieb
nach näherer Erörterung der für die Artunterscheidung in dieser
Gattung wichtigen Merkmale Berytus rotundatns und pilicornis als
n. A. aus Südfrankreich.
J. Scott (Entomol. Annual f. 1862. p. 156) gab Beschreibung
und Abbildung von Metatropis rufescens Herr. -Seh. (elegans Burm.)
aus England.
Lygaeodes. Signoret (Annal. soc. entom. 4. ser. 11. p. 582,
pl. 15, fig. 3) machte eine neue Gattung Lecadra bekannt, welche
zwischen Ectatops und Largus steht und sich schon habituell durch
eine auffallende Bildung des Prothorax, dessen Seitenränder und
Hinterwinkel lappenartig ausgebreitet und gerundet, am freien Rande
aber verdickt sind, ausgezeichnet. Kopf geneigt, fast vertikal, Augen
etwas gestielt, Ocellen fehlend ; Fühler ziemlich dick, von halber Kör-
perlänge, ihr erstes Glied fast so lang wie die drei folgenden zusam-
men, das dritte am kürzesten. Rüssel die Mittelbeine nicht über-
ragend, Vorderschenkel an der Spitze mit einem Dorne. — Art:
Lee. abdominalis aus Peru. — Ebendaher: Largus trochantereiis n. A.
Stäl (Stett. Entom. Zeit. XXIII. p. 308) beschrieb als n. A.
aus Mexiko : Lygaeus elatus, truculentus , trvx, rtfßceps . circumlitus,
rubriger, 'ihoracicuSf vittiscutis , pallescens, pallidocinctus^ brevicollis,
Tullns, Geocoris lividipennis, Plociomcra Servillei, piliger a, litigiosa,
oblonga, Myodocha giraffa , Tkeraneis cliens , Dysdercus albidiventris
und mimvs. — Anhangsweise begründet Verf. folgende neue Gat-
tungen: Germalus^ nov. gen., mit Geocoris und besonders mit He-
nestaris nahe verwandt, für Henest. Kinbergii und sobrina Stäl. —
Haemus, nov. gen., gleichfalls mit Henestaris nahe verwandt, für
H. oculus cancri de Geer. — Gyndes, nov. gen., mit Plociomera
zunächst verwandt, für Ploc. Malaya Stäl, Font ejn s , nov. gen.,
für Plociomera sidnica Stäl und Heraens, nov. gen., mit Myo-
docha verwandt, für Plociomera triguttata Guer.
Derselbe (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XVHI. p. 195—
199) lieferte eine „Dispositio synoptica generam Pyrrhocoridarum",
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 537
in welchei- die Gattungen Largus und Acinocoris Hahn, F ihre n u s,
nov. gen., Ectatops Am. Serv., Theraneis Spin,, Arhaphe Herr. -Seh.,
Macrocheraia Lef., Physopelta Am. Serv., Odontopus Lap., Dindy^
mus nov. gen., Dysdercus Am. Serv., Cenaeus nov. gen., Pyr-
rhocoris Fall, und Dermatinus Stäl in einer analytischen Tabelle
charakterisirt werden. Die neue Gattung F ihr enus unterscheidet
sich von Largus und Acinocoris durch stark gewölbten, kugligen
Vorderlappen des Thorax und gedornte Vorderhüften,- Basalglied
des Küsseis von Kopflänge, die beiden gleich langen folgenden etwas
länger; Schenkel unterhalb stachlig, die vordersten ausserdem mit
zwei grossen Dornen bewehrt. — Art : Fihr. gihbicollis aus Mexiko.
— Die Gattung Dindymns wird von Dysdercus durch den nicht bis
zu den Augen in das Halsschild eingesenkten Kopf unterschieden
und umfasst Dysdercus augur Thunb., Thunbergi und thoracicus
Stäl, Pyrrhocoris rubiginosus Burm. und hypogastricus Herr. -Seh.,
vielleicht auch P. bicolor Herr -Seh. — Die Gattung Cenaeus unter-
scheidet sich von Dysdercus durch mehr ovalen Körper und den bei-
derseits deutlich nach vorn gekrümmten dritten und vierten Ein-
schnitt des Bauches. Es gehören dazu Pyrrhocoris carnifex Fab., pec-
toralis und nigriceps Stäl — Als neue Arten werden aufgestellt:
Largus convivus , lonqulus, hipustulatus und socius aus Mexiko, dis-
color von S. Paul (Brasilien), crassipes unbek. Vaterl. und falidicus
aus Brasilien, Dysdercus ßavolimhalus und roncinnus aus Mexiko, Jon-
girostris aus Brasilien und scrupulosns von Sierra -Leona.
Derselbe (ebenda XIX. p. 210 ff.) gab eine Aufzählung und
Charakteristik der in Schweden einheimischen Lygaeiden unter mehr-
facher Rectificirung ihrer Nomenklatur und Synonymie: Blissida 1 A.,
Lygaeida 1 A., Nysius 3 A., Ischnorhynchus 1 A., Rhyparochromida
2 A., Ophthalmicus 4 A., Pterotmetus 4 A. {Pier, gracilis Boh. n. A.),
Megalonotus 3 A., Drymus 2 A., Plinthisus 1 A., Tropistethus 1 A.,
Peritrechus 3 A., Homalodema 2 A., Eremocoris 2 A., Scoloposte-
thus 1 A., Trapezonotus 2 A., Rbyparochromus 5 A., Gonianotus
2 A., Phygadicida 1 A., Cymida 2 A., Oxycarenida 1 A., Geoco-
rida 2 A.
Temnosletliiis pinicola Frey-Gessner (Mittheil. d. Schweiz. En-
tom. Gesellsch. I. p. 37) n. A. aus dem Ober- Wallis.
Capsini. Stäl (Stett. Entom. Zeit. XXHI. p. 316 ff.) machte
folgende neue Arten und Gattungen aus Mexiko bekannt: Reslhenia
plagigera, Ivteigera, piclicollis, oruaticollis, Högbergi, hivillis, lati-
pennis, vitlifrons, ritliceps , Brackycoleus alacer ^ nigriger , orfiahilus^
Calocoris jurgiosns , fasciativenlris , IJemcocneviis albitarsis, Lyg^^s
Sallei, Megacoelum ruhrinerve , Valdasus famularis. — Garganus
(nov.. gen., für Capsus fusiformis Say und Cyllecoris gracilentus
Stäl errichtet) albidivittis, Fulvius (nov. gen.) anthocorides, Eccri-
538 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
tofarsvs f]enerosns , eucosmns , paUidirostris und mmuhilvs. — An-
hangsweise wird Resthenia rnhrovittata als n. A. aus Nord-Amerika
beschrieben.
Membranacei. Stäl (ebenda p. 323 und 437 £f.) beschrieb als
n A. aus Mexiko: Tinf/is fuscigera, clecens , Mo7icmthia {Phyllonfo-
chila) palricia (wird im Verein mit Mon. formosa, munda, simulans
und flexuosa zu einer eigenen Untergattung Gargaphia erhoben),
Depodius (DysGcJius?) crenulaius und emarginalus^ U e su s (nov. gen.,
für Aradus cordatus Fab. und flaviventris Burm. errichtet) annuliger,
Artageriis histricus , Mezira moesta , liligiosa und ovata , Phijmata
annidipes, Macrocephnhis ificisns, clieus, lepidus und Falleni.
RedUVini. Stäl (Entom. Zeitung. XXIII. p. 441 ff.) machte
folgende neue Arten aus Mexiko bekannt : Saica fuscipes, iibialis.
Bactrodis spimilosus , Gnathobleua liligiosa, Sinea inlegra, coronata,
sanguisuga , raploria und defecta. — Äscra, nov. gen., mit Sinea
und besonders mit Acholja verwandt, dumh nicht eingeschnürten
Thorax mit geradjsn Seitenrändern und leichtem mittleren Querein-
druck unterschieden. - Art: Ascr. tabida. — Repipta fuscipes^ tau-
rus Fab., nigronolala , tuberculigera , snbinermis . Roccotiota oclo-
spina, Hiranetis sangnitieiventvis , Milyns zebra, Notocyrtus dromeda-
rius, Zelus grassa7is, nugax, niimus, nmbratilis, ambuJans, exsangvis,
Janus, litigiosus , rnficeps und lelvacanthns , Apiomerus elatus , snb-
piceus, moeslvs und tiigripes, Pihiginia crudelis, Macrops hislrionicus,
Leogornis venalor , Valuta setulosa . riidis , Thymbreus crocinoplervs^
Pirates gnltatipcnnis , Nabis nigriventris und Salda ornata. — Für
die Gattung Bactrodis errichtete Yerf. eine neue Unterfamilie Bac-
trodida, für Opistoplatys Westw. (= Decius Stäl) und Tribelocephala
Stäl eine gleiche unter dem Namen Tribelocephalida. Anhangsweise
errichtete neue Gattungen sind: Acholla, nov. gen., mit Sinea
zunächst verwandt, für Reduvius sexspinosus Wolff (Harpactor sub-
armatus Herr. -Seh.), Phorus, nov. gen., für Pirates femoratus de
Geer und Fnsius, nov. gen. für Pirates rubricosus Stäl (= P. basi-
collis Sign.). — Zelus luridus n. A. aus Carolina und Pirates areui-
ger n. A. aus Neu-Granada, anhangsweise beschrieben.
A. Dohrn (Stett. Ent. Zeit. XXIII. p. 210f.) beschrieb Nabis
Christophi und Sareptanus als n A. aus Sarepta.
Signoret (Annal. soc. entomoh 4. ser II. p. 125 f.) Rasahns
apicalis, Sycanns atrocoeruleus , Eulyes Dohrni und Pelalocheirus
ticimis als n, A. aus Cochinchina, (ebenda p. 583 f. pl. 15, fig. 4 — 6)
Pachynomns ocellalus , Spiniger macidatus^ Heniartes curvipes und
Dipludiis plagialus als n. A. aus Peru.
Ploteres. Uydrometra fasciata Signoret (Annal. soc, entom.
4. ser. IL p. 376} n. A. aus Corsika.
im Gebiete d, Entomologie während des Jahres 1862. 539
Galgulini. Stäl, Genera Mononychidarum synoptice disposita
(Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XVIII. p. 201) vertheilte die Ar-
ten der Gattung Mononyx in vier verschiedene Gattungen, deren
Unterschiede er in einer analytischen Tabelle erörtert. Unter dem
Namen P hin Uns, nov. gen. scheidet er Monon. grandicollis Germ.,
sordidus Herr.-Sch. , limigenus Stäl und rotundicoUis Sign, nach
leichten und ganz relativen Unterschieden in der Bildung des Meso-
sternalkieles von Mononyx aus. Die Gattungen Mntinns, nov. gen.
(Mon. alaticollis Stäl) und Scylaecus , nov. gen. (Galg. macrotho-
rax Montr.) weichen von Mononyx durch den vor dem Schildchen
nicht oder nur leicht ausgebuchteten Thorax und undeutliche Mem-
bran der Deckfiügel ab.
Nepini. Stäl (Öfvers. Yetensk. Akad. Förhandl. XVIII. p. 201
—207) gab eine Uebersicht der Gattungen in der Naucoriden-, Ne-
piden- und Belostomiden-Gruppe , deren Unterschiede er in analy-
tischen Tabellen erörtert. Die Gattung Naucoris will er in fünf
Gattungen zerlegen , indem er Naucoris Geoffr. auf N. maculatus
Fab., scutellaris und obscuripennis Stäl beschränkt, dagegen Nauc.
cimicoides wegen der hinterwärts nicht gerandeten Augen und der
an der Basis nicht jäh erweiterten Vorder Schenkel zu einer neuen
Gattung Ilyocoris erhebt. Ebenso unterscheidet sich Borhoro-
coris (nov. gen.) pallescens n. A. aus Columbien von Limnocoris
Stäl nur durch die ausserhalb gerandeten Augen, während Lncco-
coris, nov. gen. (mit N. spurcus und limicola Stäl) von den übri-
gen dadurch abweicht, dass die Oberlippe das zweite Rüsselglied
ganz bedeckt. — In der Nepiden- Gruppe wird den Gattungen Tel-
matotrephes , Nepa , Ranatra und Cercotmctus eine fünfte neue un-
ter dem Namen Curicta, nov. gen. hinzugefügt, bei welcher der
Körper ziemlich langgestreckt, der Thorax länger als an der Basis
breit, der Kopf etwas schmaler als der Vorderrand des Thorax, die
Vorderschenkel unterhalb vor der Mitte beiderseits stumpf gelappt
und die Vorderschienen kaum länger als der halbe Schenkel sind.
— Art : Cur. scorpio aus Mexiko. — Nepa Afzelii n. A. von Sierra-
Leona, Ranatta loncfipes und taripes n. A. aus Java, vnhlentala von
Rio-Janeiro und quadricientata aas Mexiko; Ran. annulipes Stäl aus
Brasilien nochmals charakterisirt. — In der Belostomiden-Gruppe
kommt zu den sieben bereits bekannten Gattungen (unter denen
Verf. seine Gattung ßorborotrephes immer noch beibehält, obwohl
sie längst als identisch mit Limnogeton Mayr nachgewiesen ist)
eine achte neue Bcnacns (für Belostoma Haldemanum Leidy er-
richtet) hinzu, welche sich von Belostomum durch unterhalb zum
Einschlagen der Schienen nicht gefurchte Vordersohenkel und gleich
lange Tarsenglieder der Vorderbeine unterscheidet. Verf. giebt
nochmalige Charakteristiken von Benacus Haldemanus Leidy (Belost.
540 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
harpax Stäl), Belostorna colossicum, niloticum und patruele Stäl und
von Bei. grisea Say (grande var. Americanum Leidy).
Derselbe (Stett. Ent. Zeit. XXIII. p.459fif.) beschrieb als
neue Gattungen und Arten aus Mexiko: Amhrysus (nov. gen, von
Naucoris besonders durch den in der Mitte ausgebuchteten Yorder-
rand des Thorax unterschieden) Signoreti , melanoptertis und pndi-
cus. — Abedns, nov. gen., Perthostoma zunächst verwandt, aber
habituell abweichend und durch die an der Spitze schmal häutig
gesäumten Deckflügel, so wie durch kurze , fast ovale Appendices
der Aidotheka unterschieden. — Art: Ab. ovatus und hreviceps. —
Serpkns, nov gen.. auf Belostoma dilatatus Say begründet.
Notonectici, C. Fuss (Verhandl. d. Siebenbürg. Ver. zu Her-
mannstadt XIII. p. 4) beobachtete das Eierlegen von Corisa Geof-
froyi in der Gefangenschaft. Es zeigten sich in dem das Thier ent-
haltenden Wasser zuerst dünne, durchsichtige, hautartige Blättchen
bis 5 Lin. Länge und 3 Lin. Breite, auf welche dann je zwei bis drei
rundliche, seitlich etwas zugespitzte, weissgelbe Eier abgesetzt wurden,
Stridulantia. In Silliman's Amcric. Journal XXXIII. p. 433
wird von Neuem das regelmässig nach einem Zeitraum von 17 Jah-
ren erfolgende Auftreten der Cicada septemdecim bestätigt. In Con-
necticut (New Haven County) trat dieselbe im Juni 1860 massen-
haft auf, was an derselben Lokalität zum letzten Male im Jahre
1843 der Fall gewiesen war. Die Mittheilung ist von E, C. Her-
rick gemacht, der durch Erkundigungen verbürgte Nachrichten,
von dem Erscheinen der Cicade in jener Gegend während d. J.
1792, 1809, 1826 und 1843 erhalten hat.
AValker (Journal of Entomol. I. p. 303 f.) beschrieb Cicada
abbreviata von Adelaide, cotigrva Moreton-Bay, sericeivilta Sidney,
dcntivitta aus Slam.
Fulgorina. lieber einige Neapolitanische Formen dieser Familie
handelte Ach. Costa (Annuario del museo zoologico, Anno I. 1862.
p. 60 ff.). Tr y p etimorpha nov. gen., vom Verf. der Gruppe der Ci-
xiiden beigezählt und folgendermassen charakterisirt: Vertex planus,
horizontalis, marginatus, latitudine paullo brevior, antice obtuse an-
gulatus ; frons verticalis, tricarinata , latitudine altior. Antennae
breviusculae, articulo 3. minutissimo, obconico, secundi dorso ver-
ticaliter insidente, seta longa oblique ascendente. Pronotum latitu-
dine postica paullo brevius, antrorsum angustatum, antice subtrun-
catum, postice obtusangulo-emarginatum. Mesonotum transversum,
postice late rotundatum. Scutellum minutum. patulura, semicircu-
lare. Elytra elongata, abdominis apicem attingentia vel superantia,
subpellucida, venis tribus discoidalibus longitudinalibus venulisque
transversis interpositis, margine omni venulis transversis ornato.
Tibiae posticae margine postico bispinosae. — Zwei Arten: Trt/p.
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862, 541
fenestrata und psyllipennis aus dem Königreich Neapel, 4 u. 5 Mill.
lang, Taf. 2 abgebildet. — Ebenda p. 71ff. giebt Verf. eine „Re-
vista de' generi e delle specie di Folgoridei e Dictioforidei dell'
Italia meridionale continentale", in welcher er folgende Arten und
Gattungen beschreibt und durch Abbildungen erläutert: 1) Btirsi-
nia nov. gen. „Caput valde productum, productione tetraedra, lateribus
parallelis : fronte tricarinata carinulaque altera in quavis facie laterali.
Pronotum transversum, mesonoto brevius. Elytra abbreviata, postice
truncata, omnino coriacea, obsoletissime reticulato-venosa. Tegulae
elytrorum alaeque nullae." Auf Fulgora hemiptera Costa begründet,
Tav. IL flg. 16 u. 17 abgebildet. — 2) Dictyophora Germ, auf Fulg.
europaea Lin. beschränkt und hiernach wiederholt charakterisirt ;
eine Varietät der Art wird als Dict. europaea, var. rosea beschrie-
ben. — 3) i\ep fir opsia , nov. gen. „Caput antice breviter pyra-
midato-productum, vertice fronteque tricarinatis, carinis frontalibus
in clypeum continuatis. Oculi reniformes , infra sinuosi, antennae
in oculorum sinu insertae, minus breves, validae. Pronotum trans-
versum, mesonoto multo brevius ; mesonotum fere aeque longum ac
latum, subtriangulare. Elytra coriaceo-hyalina, venis discoidalibus
longitudinalibüs tribus apice coniunctis venulasque ad marginem
posticum mittentibus : areolis nullis. Tibiae posticae calcare mobili
valido compresso lato, oblique truncato praeditae. — Auf Fulgora
elegans Costa (1834) gegründet. — 4) Elidiptera Spin, mit 1 Art:
Elid. advena Spin, (beschrieben).
Walker (Journal of Entomol. I. p. 304 ff. pl. 15) machte
folgende neue Gattungen und Arten bekannt: Zamila, nov. gen.
pl. 15. fig. 2 (im Text steht irrig : fig. 3), mit Prolepta zunächst ver-
wandt; Kopf mit lang und spitz ausgezogenem Scheitel, zusammen-
gedrückt, so dass er von der Seite breiter als von oben erscheint,
länger als der Thorax. Prothorax kurz, zweikielig, Mesothorax
klein ; Deckflügel undurchsichtig, an der Spitze abgerundet. — Art :
Zam. lycoides aus Siam. — Poiocera ßssiluna n. A. von Rio- Janeiro.
— Hesticus, nov. gen., pl. 15. fig. 6 (im Texte steht irrig: fig. 5),
eine ausgezeichnete Form mit sehr langer Fühlerborste, flachge-
drückten Yorderbeinen, an denen ausserdem die Schienen blattartig
erweitert sind, sehr langgestreckten, die Spitze des Hinterleibes
weit überragenden hyalinen Deckflügeln, welche nur zwei Reihen
Queradern haben und sehr kurzem, am Vorderrand doppelt ausge-
buchtetem Prothorax. — Art: Hest. picfus von Rio-Janeiro. — Di-
ctyophora sauiopsis n. A, von Dacca, semireticnlata von Pt. Natal.
— Thessitns^ nov gen. (pl. 15. fig. 4) , wird vom Verf. als mit
Elidiptera verw^andt angegeben, scheint aber nach der Abbildung
mit Eurybrachis Guer. identisch. — Art: Thes. mortifolia aus Siam.
— Elidiptera alba n. A. von Rio-Janeiro, Issus lineolalus von der
542 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Moreton-Bay, Hemisphaerins cassidoides, chilocoroides und scymnoi-
des aus Siam, Elasmoscelis perforata aus Siam, Flatoides desifjnata
und nivisignata (sie!) aus Siam, discifjvKa und pvncticosla, von der
Insel Key bei Neu-Guinea. — D e chi tvs, nov. gen. (pl. 15, fig. 7)
soll nach Angabe des Yerf.'s mit Cotrades und Serida verwandt,
nach Stäl (ebenda p. 480) mit Eurybrachis identisch sein, welch'
letzterem die Abbildung jedenfalls widerspricht, da hier der Meso-
thorax von grosser Ausdehnung und starK gewölbt ist und von einer
Erweiterung der Stirn nichts zu bemerken ist : eher möchte die
Gattung zur Gruppe von Ricania gehören. — Zwei Arten: Deck.
aphroplioroides und Deck.? plyeloides von der Moreton-Bay. — Ri-
cania chrysopoides n. A. von Sidney, Colobeslhes exaltatn von Timor,
Poeciloplera hipunctata aus Siam, roseicincla von der Moreton-Bay,
ervbescens und consociala von Batchian. — Massila., nov. gen.,
pl. 15. fig. 3 (im Texte steht irrig: fig. 2). nach dem Verf. mit Poe-
ciloptera verwandt und durch die am Costal- und Aussenrande aus-
geschweiften Deckflügel abweichend. (Nach der Abbildung scheint
gar keine nähere Beziehung zu Poeciloptera zu existiren. eher noch
zu Cixius). — Zwei Arten: Mos. sicca und nnicolor von der More-
ton-Bay.
Stäl (Berl. Ent Zeitschr. VI. p. .303 ff.) will auf Fulgora dila-
tata Westw. und obscurata Fab. eine neue Gattung En rys the us.
auf Amyele amabilis Westw. und sodalis Stäl eine neue Gattung
Cyrpoptus, auf Poeocera tibialis Germ, eine neue Gattung Cu-
re t i a, auf Poeocera venosa Germ, und costata Fab. (= semivitrea
Stäl) eine neue Gattung Hypaepa gründen, welchen jedoch ganz
relative und besser als spezifische aufzufassende Unterschiede zu
Grunde liegen und die daher nicht angenommen zu werden ver-
dienen. (Es wäre besser, die zahlreichen auf ganz unwesentliche
Merkmale begründeten schon bestehenden Fulgorinen - Gattungen
einzuziehen, als deren fortwährend neue und noch dazu auf ganz
vereinzelte Arten zu gründen. Tief.). — Plniclus stilUfer u. A. aus
Mexiko, Cahjpfoprochts cxsiccatus aus Brasilien, CyrpQptns snavis
Vaterland nicht angegeben. — Oliarus, nov. gen.. auf Cixius pal-
lidus Herr. - Seh., St. Helenae und Franciscanus Stäl u. A, begrün-
det; Oecleus, nov. gen., mit Cixius ver\\^ndt, der Kopf jedoch
viel schmaler als der Thorax, der Scheitel schmal, mit erhabenen
Seitenrändern, die Stirn länglich eiförmig, der Länge nach leicht
ausgehöhlt, an der Spitze mit einer Ocelle, die Seitenränder erwei-
tert, der Clypeus dreieckig, in der Mitte und zu beiden Seiten ge-
kielt. Deckflügel doppelt so lang als der Hinterleib, das Corium
von der Basis zwei Adern aussendend, von denen die innere nahe
der Spitze des Clavus gegabelt ist , die äussere zwei Längsadern
vor und hinter der Mitte nach innen schickt. — Zwei Arten : Oecl.
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 543
setniniger und decens aus Mexiko. — Myndus (nov- gen., mit Oe-
cleus verwandt) piclifro?is aus Neu-Yersey und sordidipennis aus Penn-
sylvanien. — Grynia, nov. gen.. mit Alcestis verwandt, von die-
ser durch die Bildung der Deckflügel unterschieden; diese sind ge-
meinsam gewölbt, oval, lederartig, das Corium mit vier rippenar-
tigen Längsadern, weiche sich hinter der Mitte gabeln und ver-
schwinden. — Art: Crtjii. nigricoxis von Vera Cruz. — Flatoides
Guerinii Sign, wird zur Gattung Tropiduchus Stäl gebracht. —
Locnsa, nov. gen., von Elasmoscelis durch die Kopfbildung unter-
schieden; der Scheitel ist nicht hervorgezogen, etwas quer, die
Seitenränder nicht erweitert, die Stirn verlängert, mit zwei allmäh-
lich convergirenden Leisten , der Clypeus in der Mitte und beider-
seits gekielt. — Art: Lac. fuscofasciata aus Ostindien. — Bruc/io-
morpha Irisiis und fiavovittata aus Wisconsin, pallidipes und Jocosa
aus Süd - Carolina und nasuta aus Pennsjdvanien als n. A. ganz
k\xrz dio-gnosiicirt; Peltojiotns histrionicus n. A. aus Wisconsin, scw-
rilis aus Daurien ; Hysteropterum discolor Germ. (Issus) und Aca-
nonia bivittata Say (Flata = Amphiscepa malina Germ, beschrie-
ben. — Seliza, nov. gen.. auf Poecilo]Dtera vidua Stäl begründet,
Ar ela te. nov. gen.. auf Poeciloptera limbatella Stäl. — Tarundia
cinctipennis n. A. von Sierra-Leone, Dclphax ornata und villala aus
Süd- Carolina. — Die Gattung Colobesthes glaubt Verf. am besten
mit Flata Fab. vereinigt, Nephesa Ans. Serv. stellt er von den Ri-
canien weg in die Nähe der vorigen; Phalaenomorpha incubans
und Pochazia fumata Am Serv. werden nochmals charakterisirt.
Derselbe, „Genera Issidarum synoptice disposita'- (Öfvers.
Vetensk. Akad. Förhandl. XVIII. p. 207— 212) stellte eine analyti-
sche Tabelle zur Unterscheidung der zahlreichen Gattungen der
Issiden- Gruppe auf. welche zugleich durch einige neue bereichert
wird : ßil bili s, nov. gen. (für Hysteropterum modestum Stäl er-
richtet), von Feaethus Stäl (mit ..tegmiuibus vitreis") durcli „tegmi-
nibus pellucidis'' unterschieden; Eriphyle^ nov. gen. (auf Issus
iongifrons Walk, begründet), Cihyra, nov. gen. (für Issus te-
studinarius Stäl), Flarina, nov. gen. (Art: Flav. grannlaia aus
Ostindien), von Acrometopum durch gespaltene, breite, unregel-
mässig netzartig geäderte Flügel unterschieden, Duri v m, nov. gen.
(= Acrometopus Sign., nee Stäl), von Acrometopum durch wenig
vor den Augen hervorragenden Kopf abweichend. — Issns palruelis
n. A. aus Oran; ausserdem Cibyra testudinaria Stäl von Pulo Pe-
nang und Eupilis Malaya Stäl (Issus Malayus St. ant.) von Malacca
nochmals charakterisirt.
Signoret (Annal. soc. entom. 4. ser. IL p. 123 f., pl. 1. fig.,
5 u. 6) machte Aphaena Paulinia und Cyrene yVeatuoodii als n. A. aus
Cochinchina bekannt; erstere ist eine durch dieFärbuug der Flügel
544 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
und einen langen, dünnen, hornförmigen Stirnfortsatz ausgezeichnete
Art. — Phijliiphajita marfjinalis n. A. ebendaher. — Ebenda p. 586,
pl. 15, fig 9 : Dictyophoro. {Nersia) ni(jromarginataMndt.Ricania sexma-
culata als n. A. aus Peru. — Ebenda p. 377 : Dictyophora hemiptera
(Costa? — ob neue Art?) und Cixius limhatvs n. A. aus Corsika.
Membracinä. Ach Costa (Annuario del museo zoologico,
Anno L p. 70 f.) beschrieb Memhracis rcctangula als fragliche n. A.
aus Brasilien, ferner Membracis tectigera var. und Membr. consobrina
var. ebendaher.
Walker (Journal of Entom. I. p 315 ff.) machte Otnolon,
nov. gen. mit Oxygonia nahe verwandt, bekannt Kopf etwas schjna-
1er als der Thorax , Scheitel spitz dreieckig , mit vorn gegabelter
Furche, Stirn sehr klein; Prothorax zu einer hohen, oberhalb ab-
gerundeten Platte, hinten in einen langen, bis zum Endrande der
Deckflügel reichenden Dorn ausgezogen; oberhalb der letzteren
noch zwei kurze Spitzen. Deckflügel frei, hyalin, mit vier Haupt-
längsadern und einer Reihe Queradern. — Arten: Om. tridens und
varius von Parä. - — Pterygia subminax n A. Yaterl. nicht angege-
ben . Oxyrhachis spinicornis und ponderifer von der Moreton-Bay,
Hoplophord cicadoides , Oxygonia lineosa und Horiola biplaga von
Rio- Janeiro
GerCOpina» Signoret (Annal. soc. entom. 4. ser. IL p. 585 f.,
pl. 15, fig. 7 u. 8) gab Beschreibung und Abbildung von Monecphora
tibialis und hicolor n. A. aus Peru.
JaSSina. Signoret (ebenda p. 586 ff. pl. 15, fig. 10 und 11)
Teltigotiia bisellata, Peruviana, libidinosa und salnx n. A. aus Peru.
Snellen van Volle nhoven (Tijdschr. voor Entomol. V.
p. 81 ff.) Paropia vilis , Jassus apicalis und tongeciliatus, Typhlocyba
aurantiaca, fasluosa und agathina n. A. aus den Niederlanden.
Stäl (Berl. Ent. Zeitschr. VI. p. 303) errichtete auf Ptyelus
hyalinipennis und viridicans Stäl eine neue Gattung C ary s tu s.
Walker (Journ. of Entomol. L p. 318 f, pl. 15, fig. 5 — im
Text steht irrig fig. 6. — ) machte eine neue Gattung Rhotidus be-
kannt, welche durchaus nicht, wie der Verf. angiebt, in näherer
Verwandtschaft mit Ledra steht, da die Abbildung einen länglich
dreieckigen, an der Spitze etwas abgestumpften Kopf und einen
mit bogigem Vorderrande auf denselben übergreifenden Prothorax
zeigt. — Art: Rhof. cuncatus von der Moreton-Bay. — Gypona ni-
gra n. A. ebendaher und Tettigonia Caicus n A. von Rio-Janeiro.
Benj. Walsh, ,,Fire-blight: two new foes of the apple and
pear" (Prairie Farmer, Chicago. 6. Sept) berichtet über den an
Obstbäumen durch vier Arten der Gattung Typhlocyba Germ , von
denen zwei neu sind, angerichteten Schaden und giebt in einer ange-
hängten wissenschaftlichen Notiz nähere Nachricht sowohl über die
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 545
Gattung im Allgemeinen als über eine Reihe von Arten. A. Fitch
hat in Neu- York bereits 58, Walsh in Illinois 45 Typhlocyba-Arten
aufgefunden; in den Vereinigten Staaten überhaupt möchten deren
vielleicht 250 existiren. Schon Fitch hat die Gattung in drei Un-
tergattungen: Typhlocyba, Empoa und Er tj ihr oneura gesondert, wel-
chen Walsh hier noch zwei neue: Empoasca und Chlor onewa hin-
zufügt. Typhlocyba wird auf diejenigen Arten beschränkt, bei
denen die Deckflügel am inneren Endrande durch eine Ader gesäumt
erscheinen , was bei den übrigen Gattungen nicht der Fall ist. Bei
Empoasca und Empoa ist die äussere Spitzenzelle der Deckflügel
dreieckig, bei Chlor onenra und Erythronetira viereckig. — Als neue
Nord-Amerikanische Arten beschreibt "Walsh: Typhlocyba aurea und
hinotala von Rock-Island, pallidula aus Süd-Illinois, Empoasca viri-
(lescens, consobrina und obtusa, Empoa albicans, Chlor oneura abnor-
mis, maleßca und maligna, Erythroneura australis, ziczac und octo-
notata, sämmtlich aus Illinois. (Zu Erythroneura gehören von be-
kannten Arten: Tettig. obliqua Say, basilaris Say , vitis Harr.,
vulnerata, vitifex und tricincta Fitch.) Hemer odromia superstitiosa
Say verfolgt diese Typhlocyben und saugt sie aus.
PsyllOdes. Fr. Loew (Beiträge zur Kenntniss der Rhyncho-
ten, Verhandl. d. zoolog. - botau. Gesellsch. zu Wien XII. p. 105 f.
Taf. 10) erörterte durch Beschreibung und Abbildung die drei Typen
des Geäders der Vorderflügel bei den Psylloden. Bei Psylla, Livia,
Diraphia , Rhinocola , Euphyllura und Spanioneura bildet die Sub-
costa ein Stigma, der Radius mündet in die Flügelspitze und der
Cubitus ist deutlich. Bei Livilla, Arytaina, Aphalara und Aniso-
stropha fehlt das Stigma, der Radius mündet in den Aussen- (Vor-
der-) Rand und der Cubitus ist gleichfalls ausgebildet. Bei Trioza
endlich ist der Cubitus sowohl als das Stigma eingegangen. —
Psylla ixophila beschreibt Verf. als n. A. im Nymphen- und Imago-
Stadium; er hält diese auf Viscum album lebende Art von Psylla
visci Curt. für verschieden. Arytaina radiata Foerst. wurde auf
Cytisus nigricans gefunden.
Aphidina. Benj. Walsh, „On the genera of Aphidae found
in the United States" (Proceed. entom. soc. of Philadelphia! p. 294
— 311) gab eine Zusammenstellung der in den Vereinigten Staaten
vorkommenden Aphiden -Gattungen, deren Zahl sich nach den bis-
herigen Beobachtungen auf zehn beläuft: Aphis, Calaphis, Callipte-
rus, Lachnus, Eriosoma?, Thelaxes, Byrsocrypta, Pemphigus, Cher-
mes und Phylloxera. Die Unterschiede derselben werden in einer
synoptischen Tabelle kurz erörtert, die bisher beschriebenen Arten
unter jeder zusammengestellt und diesen Charakteristiken neuer
Arten angeschlossen: Aphis quercifoliae , Rudbechiae, bella , vitis
(Scopol! ?), carduella, maidis (Fitch?). — Calaphis , nov. gen.
Archiv f. Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. ß;g;
546 Gerstaecker: Berich.t üb. d. wissenscli. Leistungen
Fühler lang, linear, siebengliedrig, das 4. Glied kürzer als das 3.,
das 5. kürzer als das 4., das 6. weniger denn halb so lang als das
5., das 7. doppelt so lang als das 6. Prothorax mehr denn halb so lang
als der übrige Brustkasten , Honigröhren mittelgross. Flügel von
denen der Gattung Aphis durch den Mangel der vierten Ader und
die Stärke der Diskoidaladern abweichend. — Art: Cal. betulella. —
Lachnus Caryae Harr., Eriosoma? fungicola und '? coinicola n. A.,
Thelaxes ulmicola Fitch, Byrsociypta pseudobyrsa und vagahunda
n. A., Pemphigus fonnicarius und formicetorum n. A. , Phylloxera
caryae-globuli n. A. beschrieben. Mit Einschluss dieser neuen Ar-
ten beläuft sich die Zahl der bis jetzt bekannten Nord-Amerikani-
schen Aphiden auf 70: die als neu beschriebenen stammen aus Illinois.
Kaltenbach (Verhandl. d. naturhist. Ver. d. Preuss. Pthein-
lande XIX. p. 16, 57 u. 97 f.) beschrieb Aphis geranii n. A. (Ammen,
gesellig unter den Blättern und zwischen den Gipfeltrieben von Ge-
ranium pusillum und molle), Aphis Balsamines (Ammen und geflü-
o-elte Weibchen, in kleinen Gesellschaften an der Mittelrippe der
Unterseite der Blätter von Impatiens noli me tangere) , Aphis loti
(Weibchen, auf Lotus coruiculatus) und Aphis Luzulae (Ammen und
geflügelte Weibchen, in den Blattscheiden von Luzula albida).
Snellen van Vollenhoven (Tijdschr. voor Entomol. V.
p. 95. pl. 5) gab Beschreibung und Abbildung von Dryobius riparius
n. A. aus Holland
Goccina. Fr. Loew (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch.
zu Wien XH. p. 110) bezeichnete einen auf Viscum album gefun-
denen, aber nicht näher beschriebenen Aspidiotus als Asp. visci n.
A. und erwähnt ein auf Berberis vulgaris lebendes Lecanium, wel-
ches vielleicht Lee berberidis Schrank ist.
Snellen van Vollenhoven (Tijdschr. voor Entomol. V.
p. 94) beschrieb Lecanium rosarum n. A. aus Holland.
R. Beck, On a Coccus upon a Rosebush (Transact. mi-
croscop. soc. of London, new ser. X. 1862. p. 16 f. pl. 4) macht nur
die einfache Mittheilung, dass er einen Coccus in beiden Geschlech-
tern in grosser Anzahl auf Rosensträuchern gefunden habe und dass
sich aus demselben mehrfach ein „Ichneumon" (nach der Abbildung
ein Pteromaline) entwickelt habe. Die Mittheilung ist ohne allen
wissenschaftlichen Werth.
3. Myriopoden.
Chilopoda.
Hör. Wood, On the Chilopoda of North- America,
with a catalogue of all the specimens in the collection of
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 547
the Smithsonian Institution (Jonrn. acad. nat. scienc. of
Philadelphia 2. ser. V. p. 5 — 52). Verf. liefert in dieser
auf das reiche Material des Museums der Smithsonian
Institution und desjenigen zu Cambridge begründeten und
für die Artenkenntniss der Chilopoden wichtigen Arbeit
zunächst eine Aufzählung und Beschreibung der in Nord-
Amerika einheimischen Arten, mit welcher er jedoch zu-
gleich eine systematische Aufzählung sämmtllcher bis jetzt
aufgestellten (auch der in den Vereinigten Staaten nicht
repräsentirten) Gattungen und eine Charakteristik der
ihm aus den genannten Sammlungen vorliegenden Arten
anderer Weltthclle verbindet. Eine kurze Einleitung han-
delt über die Körpersegmentirung und die Bildung der
Gliedmassen, welche sich, wie auch die Systematik des
Verf.'s eng an Ne wpor t anschliesst ; der Inhalt des spe-
ciellen Thelles ist folgender:
1. Fam. Cermatiidae. Cermatia 111. mit 1 Nord-Amerik.
Art (C. forceps Rafin.). Ausländische neue Arten sind : Cerm. clu-
nifera und ttibercnlata von Hongkong, slraba von Oahu, u. sp. (nicht
benannt) von Japan.
2. Fam. Lithobiidae. (Irriger Weise werden 15 anstatt
16 Rückens cliilder angegeben.) Lithobius Leach mit 4 Nord-Ame-
rik. Arten, darunter L. p«?/f«(^ens von Fort Tejon n. A. — Botkro-
polys, nov. gen. auf die Lithobius - Arten mit punktförmigen und
in 3 bis 4 Reihen angeordneten Hüftgruben begründet (während
Lithobius auf die mit einer Reihe grosser Gruben versehenen Arten
beschränkt wird), mit drei neuen Arten: Bolhr. «o&i7js Illinois, Xanti
Californien, und bipunclatns Rocky-Mountains.
3. Fam. Scolopendridae. Scolopendra Lin. mit 9 Nord-
Amerik. Arten, darunter neu: Scol. Copeiana und bispinipes aus
Californien. (Ausserdem beschrieben: Scol. modesta Cap Verdische
Inseln, compressipes Feejee- Inseln und repens Sandwich - Inseln.)
— Cormocephalus Newp. (nicht in Nord- Amerika vertreten) zwei
neue Arten: C. viridis Hongkong und monilicornis Neu-Granada. —
Cryptops Leach mit 2 Nord-Amerik. Arten. — Opisthemega (! !)
nov. gen., wird vom Verf nur mit Zweifel als verschieden von
Theatops Newp. angesehen, von welcher Gattung sie der Mangel
der Ocellen unterscheidet. — Eine Art : Op. spinicnnda aus Illinois.
— Theatops Newp. mit 1 Art. — Scolopocryptops Newp. mit 4 A.
(sexspinosa Newp., gradlis, spinicnnda und Janalipes n. A. aus Ca-
lifornien), ausserdem Scol. quadraticeps n. A. aus Neu-Granada.
4. Fam. Geophilidae. Mecistocei3halus Newp. mit 3 Nord-
548 Gerstaecker: Bericlat üb. d. wissensch. Leistungen
Amerik. Arten: Mec. fultvs (attenuatus Say?), melanonotus Georgia
und limatus Californien ; ausserdem beschrieben : Mec. rubriceps n.
A. Bonin -Inseln, pilosus Hongkong, Tahitiensis Taiti und spissus
Oaliu. — Geophiius Leacb mit 4 Nord- Amerik. Arten : G. cephalicus,
laevis, bteoicornis und bipuncticeps (eine fünfte unbenannt). — Stri-
gamia Saeg. mit 13 Nord- Amerik. Arten, darunter neu: Str. bothrio-
pus, bidens, laevipes, taeniopsis, maculaticeps (Colorado), laticcps (Te-
xas), cephalica und parviceps Californien, epileptica Füget -Sund,
chionophila Red -River; ferner an ausländischen Arten: Strig. tae-
niophera (sie!) Loo- Choo- Inseln, tropica Nicaragua und filicornis
Costarica.
Scolopendridae. Dr. Ludw. Koch, Die Myriapoden-Gattung
Lithobius. Nürnberg 1862. (8. mit 2 Taf.). Der Hauptinhalt der
Schrift bildet eine auf sehr genauer und eingehender Untersuchung
sämmtlicher Körpertheile beruhende Auseinandersetzung von 42 dem
Verf. aus eigener Anschauung bekannter Arten, unter denen 27 als
neu beschrieben werden und welche mit zwölf Ausnahmen sämmtlich
in Deutschland einheimisch sind; von den übrigen stammen je eine
aus Brasilien, Algier, Frankreich, Griechenland, Dalmatien, Idria
und Spanien, drei aus dem südlichen Tyrol, zwei aus Nord-Ame-
rika. Die Merkmale, welche der Verfasser zur Feststellung und
Unterscheidung der Arten herangezogen hat , sind abgesehen
von der bereits früher benutzten Zahl der Augen, Fühlerglieder
und der Kerbzähne an der sogenannten Kinnplatte : 1) Die Form
der Dorsal-Platten der Körperringe, von denen gewisse bei manchen
Arten hinterwärts gezähnt sind, während sie bei anderen sämmtlich
unbewehrt erscheinen. 2) Die Anwesenheit, resp. der Mangel einer
Furche auf dem letzten Beinpaare ; ebenso die Bewehrung desselben
mit Stacheln. 3) Die Form, Zahl und Anordnung der eigenthümlichen
Gruben (Löcher ?) , welche in einer Vertiefung der Hüfte der vier
letzten Beinj)aare liegen. 4) Die Anordnung der Augen, so wie
ihre gegenseitigen Grössenverhältnisse. 5) Die Form der äusseren
weiblichen Genitalorgane u. s. w. — Die neuen Arten sind: a) Mit
Zahnfortsätzen an bestimmten Rückenschildern : Lith. festiws Baye-
risches Hochgebirge, transmarinus und »norf/rta- Neu-Orleans, trilineatus
Bahia, Parisiensis Frankreich, muscorum, horlensis, sordidns, fossor^
piceus, coriaceus, velox, bucculentus, venator, minimus, immutabilis
und macilentus, sämmtlich aus Deutschland (meist Bayern). — b)
Ohne Zahnfortsätze an den Rückenschildern: Lith. alpinus Tyrol,
grannlalMS Vaterl. unbek., crassipes, snlcatus, aervginosus, mutabilis^
cinnamomeus Deutschland, lucifngus südliches Tyrol, lubricus Nürn-
berg und carinalus Griechenland. — Ausser diesen werden beson-
ders viele der vom Forstrath Koch bekannt gemachten Arten ein-
gehender beschrieben ; 28 dem Verf. unbekannt gebliebene von New-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 549
port,Koch, Gervais u. A. sind am Schlüsse aufgezählt. — In
einem vorausgeschickten allgemeinen Theile (S. 1 — 21) behandelt
Verf. die äussere und innere Körper- Anatomie so w^ie die Lebens-
weise der Gattung. Am Kopfe lassen sich, wie dies bei der Häu-
tung deutlich hervortritt, ein Schädel-, ein Stirn- und ein Augen-
fühlersegment unterscheiden. Die Zahl der Körperringe giebt der
Verf. irrig auf 15 an, indem er die erste auf den Kopf folgende
kurze Dorsalplatte , welche mit der zangentragenden Kinnplatte
correspondirt, übersehen hat. Auch die für die Fresswerkzeuge
von ihm angewandte Nomenklatur (das erste tasterförmige Bein-
paar bezeichnet er als Maxillartaster, das zweite klauenförmige als
Unterlippe) möchte, nachdem bereits L atr eil le und Brandt hier
den wirklichen Sachverhalt angedeutet, zu beanstanden sein. In
biologischer Hinsicht ist hervorzuheben, dassVerf. das Ablegen der
Eier, die Häutung und die Art und Weise, wie die Lithobien sich
ihre Beute verschaffen und verzehren, beobachtet hat und hierüber
Mittheilungen macht.
Scolopendra brachypoda Peters (Naturw. Reise nach Mossam-
bique V. p. 529) n. A. aus Mossambique. — Ebenda wird der Gat-
tungsname Ptychotrema (für Branchiostoma Newp. substituirt) in
Tr ema top tychus umgeändert und angegeben, dass die Gattung
überhaupt nicht mit der Newport'schen identisch sei, von der sie
sich durch weniger schlanke Gliedmassen und co -förmige Stigmen
unterscheidet.
Vi ct. Sill („Dritter Beitrag zur Kenntniss der Crustaceen
und Arachniden Siebenbürgens, Verhandl. d. Siebenbürg. Ver. für
Naturwiss. zu Hermannstadt XIII. 1862. p. 25 ff.) gab Beschreibungen
von Lithobius calcaratus Koch und Geophilus acuminatus Leach,
beide in Siebenbürgen einheimisch.
Arth. Adams, On the habits of a Chinese Myriapod (Zoo-
logisfc 1861. p. 7660) hat dem Ref. nicht vorgelegen.
Chilognatha.
Jalodea. Polydesmus Mossambicus Peters wird jetzt (Natur-
wiss. Reise nach Mossambique V. p. 533 f.) zur Gattung Eurydesmus
Sauss. gebracht und in zwei Arten: Eur. Mossambicus und oxyr/o-
nus n. A. von Sena zerlegt. — Die Gattungen Spirostreptus, Julus
und Spirobolus Brandt werden als wohl begründet anerkannt und
nochmals in ihren Unterschieden erörtert; Spirocyclistus Br. wird
mit ersterer Gattung vereinigt, Pelmatojulus Sauss. (mit polsterarti-
ger Auftreibung der beiden vorletzten oder des letzten Tarsenglie-
des bei den Männchen) als Gattung verworfen und die Arten der-
selben unter Spirobolus und Spirostreptus vertheilt.
550 Gerstaecker: Bericlit üb. d. wissensch. Leistungen
3. Arachniden.
C. L. Düleschall, Tweede Bijdrage tot de ken-
nls der Aracliniden van den Indischen Archipel (Acta
societ. scient. Indo-Neerlandicae V.) ist eine 60 Seiten in
4. umfassende und mit 17 lithogr. Tafeln ausgestattete
zweite Abhandlung des Verf.'s über die Arachniden von
Java und Amboina (die erste v^urde im Jahresber. 1857,
p. 282 angezeigt), in v^elcher derselbe unter 116 über-
haupt aufgezählten x\rten 99 als neu beschreibt und ab-
bildet. Von den neuen Arten, unter denen mehrere als
Typen neuer Gattungen angesehen werden , gehören 94
den Araneinen, 4 den Phalangiern und 1 den Acarinen
an. Die Beschreibungen sind ziemlich aphoristisch ge-
halten und geben nur die sich dem Auge sofort darbie-
tenden Auszeichnungen, besonders in der Farbe, an, ohne
dagegen auf wesentliche Unterscheidungsmerkmale einzu-
gehen. Die Tafeln enthalten ausser den Abbildungen der
Thiere selbst auch Detailzeichnungen.
V. öill, Dritter Beitrag zur Kenntniss der (Crusta-
ceen und) Arachniden Siebenbürgens (Verhandl. d. Sie-
benbürg. Ver. f. Naturwiss. zu Hermanostadt XIII. 1862.
p. 25 — 33 undp. 38— 48). Verf. beschreibt in demselben
folgende in Siebenbürgen aufgefundene Arten:
a) A r a n e in a : Araaurobius ferox Koch, Drassus murinus Hahn,
Lycosa fumigata Koch, monticola Sund., Attus pubescens Walck.,
Thomisus laevipes Lin., dorsatus Fab., Tegenaria civilis Walck.,
Singa sanguinea Koch, nitidula Koch, Argyroneta aquatica Lin.,
Epeira ceropegia Walck., agalena Walck., sericata Koch, Linyphia
montana Walck., resupina Koch, terricola Koch, Theridion varians
Hahn, Pachygnatha Degeerii Koch und Micryphantes isabellinus
Koch. — b) Phalangidae: Egaenus convexus Koch, ictericus
Koch, Opilio lucorum Koch. — c) Acarina: Trombidium assimile
Herrn, und Oribates fuscipes Koch.
Arthrogastra.
Scorpiodea. L. Dufour, Note critique sur le Scorpio Savi-
gnji Duf. (Aunales soc. entom. 4. ser. IL p. 139) gab eine nähere
Charakteristik des von Savigny (pl. 8. üg. 1) abgebildeten, aber
nicht beschriebenen Egyptischen Scorpions, für den er den Namen
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 551
Scorpio Savignyi annimmt. Verf. macht auf die Unrichtigkeit der
von Gervais in Bezug auf diese Art gegebenen Citate aufmerksam.
Priomirtis villosus und Isrhnnrus Hahnii Peters (Monatsberichte
d. Berl. Akad. d. Wissensch. 1862. p. 26) n. A. aus West-Afrika
(Herero-Land).
Phrynidae. Ref. (SItzungsber. d. Gesellsch. naturf.
Freunde zu Berlin , 18. März 1862) machte die Mitthei-
lung, dass die Gattung Phrynus übereinstimmend mit
Scorpio lebendig gebärend sei. Die in trächtigen Weib-
chen von Phrynus Grayi aufgefundenen Embryonen zei-
gen von den durch Rathke bekannt gewordenen des
Scorpions mehrere wesentliche Abweichungen, besonders
in der Art der Gliedmassen-Entwickelung : bei noch kaum
bemerkbarer Gliederung der Beine sind die Fussklauen
bereits deutlich entwickelt und am ersten der drei Gang-
bein-Paare findet sich ein scharf abgesclinürtcr Trochan-
ter, welcher den beiden hinteren, wie auch dem Geissel-
Beinpaare fehlt.
Fhalangidae* Erneu ete Untersuchungen über das
Nervensystem der Afterspinnen (Phalangium) hat F. Ley-
dig angestellt und die Resultate derselben im Archiv f.
Anat. u. Physiol. 1862. p. 196—202 mitgetheilt. Nach Tre-
V i r a n u s' und T u 1 k's Angaben sollte eine besondere Eigen-
thümlichkeit der Central-Ganglienmasse bei den Phanlan-
giern darin bestehen, dass sie durch radiäre, quergestreifte
Muskeln, welche von den Seiten des Thoraxganglions ent-
springen, hin und her bewegt werden könne. Leydig
weist nun nach, dass sich die von den beiden genannten
Forschern beobachteten Muskeln allerdings in der Umge-
bung des Thoraxganglion vorfinden, aber nicht mit die-
sem direkt in Verbindung stehen, sondern sich an einer
unter dem Ganglion liegenden H-förmigen inneren Ske-
letplatte beiderseits inseriren. Diese Skeletplatte, welche
eine besondere Form des Chitingewebes zu repräsentiren
scheint, ist es nun auch, welche, wie aus Tulk's Be-
schreibung deutlich hervorgeht, von diesem irrig für das
Ganglion selbst gehalten worden ist, während sie nach L.
dasselbe nur stützt.
L. Koch, Bemerkungen zur Arachniden-Familie der
552 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissenscli. Leistungen
Opilioniden (Correspondenzblatt des zoolog. - mineralog.
Vereins in Regensbnrg XV. p. 131 — 144). Unter 24 vom
Verf. behandelten Opilioniden werden folgende ausführ-
licli beschrieben :
Platybnnus agilis n A. aus der Umgegend Nürnberg's, Opilio
nigricans (Koch, Arachn.) mas, petrensis n. A. aus dem Oetz-Thale
inTyrol, Leiobunum bicolor Fab. fem., limbatum n,A. aus München
(an den Häusern der Stadt) und dem Bayerischen Hochgebirge, Äe-
mastoma quadricorne bei Nürnberg. — Cerastoma curvicorne (Koch
Arachn.) ist vielleicht nur eine Varietät von Cer. cornutum, C.
brevicorne Koch vielleicht nur der Jugendzustand desselben. Die
übrigen Arten werden in ihrer Verbreitung, Häufigkeit u. s. w.
erörtert.
Doleschall (Tweede Bijdrage tot de kennis der Arachniden
p 3 f.) beschrieb Pkalangium testaceum, viride, variegatnm und mil-
canicmn als n. A. von Java; die ersteren drei mit zwei, das letzte
mit sechs Ocellen.
Solpugina. Die bereits im Jahresbericht f. 1858. p. 255
erwähnte Abhandlung L. Dufour's über Solpuga ist jetzt
unter dem Titel: ^Anatomie, physiologie et histoire natu-
relle des Galeodes^ im 17. Bande der Memoires presen-
tes par divers savants ä l'academie des sciences (Paris,
1862) p. 338 — 446 , mit 4 Tafeln vollständig erschienen.
Nach einer Einleitung, welche einem Vergleiche zwischen
Scorpio und Solpuga gewidmet ist, giebt Verf. zunächst
eine sehr ausführliche, auf alle einzelnen Theile einge-
hende Schilderung des äusseren Körperbaues der Solpu-
ginen, an welchem er nach seiner Angabe viele wichtige
und von seinen Vorgängern übersehene Eigenthümlich-
keiten, welche u. a. auch für die Unterscheidung der
Arten von Bedeutung sind, aufgefunden hat. Ein zweiter
Abschnitt, welcher mit einer (nicht ganz vollständigen)
Aufzählung der bisher bekannt gemachten Arten der Fa-
milie beginnt, enthält die Beschreibung von elf Nord-
Afrikanischen x\rten, unter denen einige aus Algier stam-
mende neu sind. Der dritte, die anatomischen Verhält-
nisse der Solpuginen behandelnde Abschnitt verbreitet
sich über das Nervensystem, den Respirations- und Cir-
kulations-Apparat, die Muskulatur, die Verdauungsorgane
und den beiderseitigen Geschlechtsapparat. — Die vier
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 553
der Abhandlung beigefügten Tafeln , welche theils der
ArtenkenntnisS; theils der Darstellung der anatomischen
Verhältnisse gewidmet sind^ sind von vorzüglicher Aus-
führung.
Bei der Betrachtung des Hautskeletes der Solpuginen wider-
setzt sich Verf. zwar der Annahme von der Existenz eines Cepha-
lothorax, giebt aber wenigstens zu, dass der erste Körperring kein
vollständiger Kopf, vielmehr nur ein „hemicephale" sei, der auch
kein Gehirnganglion einschliesse. An den beiden Ocellen, deren
Struktur sonst nicht näher erörtert wird, hat es den Verf. über-
rascht, an der von ihm als Choroidea gedeuteten Pigraentschicht keine
Pupille, welche doch zum Sehen nöthig sei , auffinden zu können (!).
Unbegreiflich ist es dem Verf., wie man die am Kopfringe ent-
springenden Greifklauen in Deutschland habe Kieferfühler nennen
können, da sie doch augenscheinlich zum Ergreifen und Zermalmen
der Nahrung gebildet und also nur Mandibeln seien; seine wohl
etwas zu lebhafte Phantasie lässt ihn unter den Zähnen ihrer bei-
den Zangen Schneide-, Fleisch- und Mahlzähne herausfinden und
besonders überrascht es ihn, bei einer Art 32 solcher Zähne, also
gerade so viel wie beim Menschen zu entdecken. Da nun doch aber
Fühler vorhanden sein müssen, so entschliesst sich Verf., zwei am
Vorderrande des Kopfringes auf zwei Höckerchen entspringende
Borstenhaare als Rudimente von Fühlern anzusehen, wenn ihn auch
der Umstand, dass bei anderen Arten nur eine unpaare solche
Borste vorhanden ist, in dieser Deutung wieder zweifelhaft macht.
— An den beiden Tasterpaaren bespricht Verf. besonders das schon
früher von ihm beobachtete, an der Spitze des Endgliedes hervor-
stülpbare Haftorgan , während er das an der unteren Mundwand
hervortretende zipfelförmige Organ als Saugrüssel deutet und seine
Zusammensetzung aus zwei paarigen Platten (nach ihm Maxillen,
nach Savigny Lippentaster) und dem unpaaren, pinselförmigen
Stück nachweist. Die an der Basis des letzten Beinpaares befind-
lichen gestielten Platten glaubt Verf. funktionell mit den Kämmen
des Skorpions identificireu und sie also als Reizorgane bei der Be-
gattung ansprechen zu dürfen.
Ueber die Lebensweise der Algerischen Solpuginen sind dem
Verf. Nachrichten von zwei seiner in der Sahara stationirten Lands-
leute (Dours und Dastugue) zugegangen. Nach diesen sind die
Solpugen keine Nachtthiere, wie Olivicr angiebt, sondern gerade
während der stärksten Mittags hitze am lebhaftesten in ihrer Thä-
tigkeit; sie graben sich mit den Greifzangen runde Vertiefungen in
den Sand, in deren Mittelpunkt sie auf Beute lauern oder sie be-
steigen sogar hochstenglige Pflanzen, wie Disteln, Umbelliferenu.s. w..
554 Gerstaecker; Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
um daselbst Insekten (Acridium, Mylabris) zu fangen. Sie selbst
werden von den grossen Spliegiden, welche sich sonst gerade auf
die grössten Arachniden werfen, nicht eingetragen; vom Menschen
verfolgt, wenden sie sich gegen ihn um und setzen sich heftig zur
Wehr. Das Weibchen hütet seine es umgebenden Jungen (sechs
bis fünfzehn) und führt ihnen Raub zu, während es das Männchen,
von dem es sich hat begatten lassen, grausam verzehrt. Mehrere
Individuen zusammengesperrt, bekämpfen sich sogleich wüthend;
von acht solchen war nach kurzer Zeit nur noch eins am Leben,
welches die Leichen der übrigen sogleich verzehrte. Sonst können
sie übrigens auch mehrere Wochen lang ohne Nahrung leben. Ein
Colonist in Ponteba erhielt von einer grossen Solpuga einen Biss
in die Wade; es folgte galliges Erbrechen, sehr lebhafter Schmerz
in der Wunde und im Schenkel , s])äter starke Anschwellung und
Härte des Gliedes, welche erst nach 17 Tagen vollständig besei-
tigt war.
Das vom Yerf. zusammengestellte Artverzeichniss der Solpu-
ginen, in welchem' z. B. zwei von Gervais in Gay's Chilenischer
Fauna als Galeodes morsicans und variegata so wie eine von Koch
aus Andalusien als Gluvia minima beschriebene fehlen, beläuft sich
auf 46 Arten aller Welttheile mit Ausnahme Australiens. Zu den
Modifikationen in der Gliederzahl der Tarsen, nach denen Koch
verschiedene Gattungen aufstellte, kommt nach Dufour bei drei
grossen Algerischen Arten (Gal. brunnipes , quadrigerus und nigri-
palpis) eine neue, nämlich die Zahl von acht Tarsengliedern an den
Hinterbeinen. Die vom Verf. beschriebenen und abgebildeten Alge-
rischen Arten sind: Gal. barbarus Luc, Dastuguei n. A., intrepidus
Duf., Lvcasii n. A., melanus Oliv., phalangista Sav., brunnipes und
nigripalpis n. A., ochropns und curtipes n. A. (die beiden letzteren
in einem Nachtrage beschrieben).
Bei der Darstellung des anatomischen Baues nimmt Yerf.
mehrfach Bezug auf die von Blanchard und Kittary über die
Anatomie von Solpuga gemachten Angaben, deren Richtigkeit er
wiederholt angreift; die Kittary'sche Abhandlung, obwohl vor 14
Jahren erschienen, ist ihm übrigens erst nach Abschluss seiner Un-
tersuchungen bekannt geworden. Das Ganglion supraoesophageum ist
nach ihm nicht in Continuität mit der Bauchganglienmasse (Kit-
tary), sondern liegt derselben nur auf; auch fehlt das von Kit-
tary angegebene grosse runde Loch an seinem hinteren Ende für
den Durchtritt des Oesophagus. Aus dem Gehirnganglion entsprin-
gen nur die Augennerven , während die zu den Greifklauen (Man-
dibeln Duf.) gehenden Nerven gleich denen der beiden Taster- .und
der drei Beinpaare aus der Bauchgangiienmasse ihren Ursprung
nehmen sollen. Von den drei aus dem hinteren Ende der letzteren
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 555
hervorgehenden Nervenstäramen gabeln sich die beiden seitlichen
zu einem Aste für die Geschlechtsorgane und die Leber; der un-
paare mittlere giebt vor dem schon von Kittary angegebenen
Ganglion einen einzelnen Nerven ab , während aus dem Ganglion
selbst zwei solche entspringen. — Ausser den beiden Prothoraxstig-
men hat Verf. an den von ihm untersuchten Arten stets nur zwei
Stigmenpaare, nämlich an der Bauchseite des zv/eiten und dritten
Hinterleibsringcs gefunden, dagegen das von Kittary angegebene
unpaare fünfte vermisst. Bei den Arten mit kammförmigen Stigmen
Hessen sich die damit communicirenden Tracheenstämme, aber keine
Stigmenöffnung, die nach innen durchgeht, auffmden; dagegen war
eine solche in Form, einer runden Oeffnung bei denjenigen Arten
nachweisbar, denen die Kämme ausserhalb fehlen (z. B. Gal. nigri-
palpis, Lucasii u. a.). Das Vas dorsale ist nach der Angabe des
Verf.'s ein ganz einfacher, sehr zarter Schlauch ohne Einschnürun-
gen und Verzweigungen, selbst ohne seitliche Oefifnungen; eine Blut-
circulation findet nach ihm bei Solpuga ebenso wenig wie bei allen
Tracheen- Articulaten statt — ein Thema, welches Verf. bekannthch
von jeher mit besonderer Vorliebe traktirt hat und auch hier wie-
der auftischt. — Unter den Organen des Verdauungssystems fand
Verf. die Speicheldrüsen nach zwei verschiedenen Typen gebaut;
bei G. barbarus bestehen sie aus einem einfachen Schlauch, welcher
kneuelförmig verschlungen ist, während bei G. nigripalpis zwei sol-
che sehr voluminöse Convoiute vorhanden sind, welche durch drei
isolirte Schläuche mit einander zusammenhängen und aus deren
oberem sechs parallele und in ein gemeinsames Reservoir ausmün-
dende Canäle abgehen. Den im Thorax liegenden Magen mit seinen
dünnen, bis in die Schenkel hineingehenden Divertikeln fand Verf.,
wie ihn bereits Kittary angegeben hat; eine Klappe auf der Gränze
zum Intestinum (Ventricule chylifique) hat er vermisst. Das Coe-
cum bot ihm eine sehr schöne und auffallende Struktur dar, indem
seine Wandungen scharf geschiedene , parallel laufende Muskel-
bündel, welche durch quere, ringförmige Bänder unterbrochen sind,
erkennen Hessen. — Den von Savigny angegebenen Geschlechts-
unterschied bei Solpuga, dass die mit einem Cirrhus-artigen Anhang
der Kieferfühler versehenen Exemplare die Männchen seien, hat
Verf. durch die Untersuchung der Geschlechtsorgane bestätigt; in-
dessen fehlt bei jungen Individuen des Mäimchens dieser Anhang
noch vollständig. Die Hoden sind zu vieren vorhanden und beste-
hen jederseits in zwei vollständig isoHrten, sehr dünnen, einfachen,
in zahlreichen Schlingen aneinandergelegten Canälen von 5- bis 6-
facher Körperlänge; jeder Hodenschlauch hat einen besonderen Aus-
führungsgang, der zu einer voluminösen Vesicula seminalis (Dufour)
anschwillt und aus dieser wieder als isolirter Ductus ejaculatorius
556 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
hervortritt. Diese vier Ductus münden dann paarweise vereinigt
in eine Art von Cloake ; von einem Begattungsorgane ist keine Spur
vorhanden, die männliche Geschlechtsöffnung gleicht vollständig der
weiblichen. (Bei einer zweiten vom Verf. untersuchten Art: Gal.
nigripalpis vereinigen sich die beiden Hodenschläuche jeder Seite
zu einem gemeinsamen, stark angeschwollenen Ausführungsgang).
Beim Weibchen findet sich jederseits nur ein einzelnes Ovarium in
Form eines langgestreckten Schlauches, an dessen Aussenseite sich
zwei bis drei Reihen unilokulärer Eierkapseln nachweisen lassen.
Der kurze Ausführungsgang erweitert sich dicht vor der Ausmün-
dung in die Vulva zu einer zwiebeiförmigen Tasche, welche mit
derjenigen der anderen Seite verschmilzt. Die Begattung scheint
bei den Algerischen Solpugen im Mai vor sich zu gehen ; nach der-
selben fallen die Eier aus ihren Loculi in den Ovarial-Schlauch, in
welchem die Embryonal -Entwickelung vor sich geht (etwa Mitte
Juni's). Verf. beschränkt sich auf die Angabe, dass die Solpugen
gleich Scorpio ovovivipar seien, ohne über die Form des Embryo
weitere Mittheilungen zu machen.
Araneina.
Eine Abhandlung von E. Claparede: Recherches
sur l'evolution des Araignees (Utrecht 1862) ist dem Ref.
leider nur dem Titel nach bekannt geworden.
Tuffen West, On some points of interest in the
structure and habits of Spiders (Report of the 31. meeting
of the British assoc, Transact. p. 162 j. Die Mittheilung
des Verf.'s enthält zunächst einige allgemeine Angaben
über die Färbung des Körpers und der Augen bei den
Spinnen, über ihre Gespinnste und Instinkte u. s. w. ; so-
dann Notizen über die Lebensweise einiger Arten, wie
Atjpus Sulzeri, Argyroneta aquatica und die in den Koh-
lengruben vorkommende Neriene errans.
R. Beck, „On the viscid lines in a Spider's web"
(Transact. microscop. soc. of London, new ser. X. 1862.
p. l7j beobachtete, dass die aus einer klebrigen Substanz
bestehenden Tröpfchen, welche sich an den concentrischen
Fäden des Spinnen-Netzes zeigen, in dem Moment, wo
der Faden aus dem Körper hervortritt, noch nicht vor-
handen seien; nach kurzer Zeit entstehen aber an den
Fäden wellenförmige Biegungen und zugleich treten in
im Gebiete d. Entomologie wälirend des Jahres 1862. 557
regelmässigen Abständen abwechselnd grössere und klei-
nere Tröpfchen des Klebestoffes auf.
Amyot, De la prodiiction des fils des Araignees,
de la fabricatlon de leurs toiles et de l'ascension de ces
fils dans les airs (Annal. soc. entom. de France 4. ser. IL
p. 163 — 172). Verf. giebt eine Zusammenstellung der von
den verschiedenen Autoren beigebrachten Ansichten über
die Entstehung des (besonders auf weite Dimensionen
durch die Luft ausgespannten) Spinnenfadens, die Con-
struction der Gewebe und über den sogenannten fliegen-
den Sommer. Indem er die verschiedenen Ansichten dis-
kutirt, fügt er eigene, den Gegenstand betreffende Beob-
achtungen bei.
J. Blackwall's „A history of the Spiders of Great
Britain and Ireland/ deren erster Theil im vorigen Jah-
resberichte p. 242 angezeigt wurde, liegt gegenwärtig in
einem stattlichen Quartbande von 384 Seiten und 39 von
zahlreichen Abbildungen dicht gefüllten Tafeln vollendet
vor. Auf letzteren sind 272 Arten nach beiden Geschlech-
tern und oft durch zahlreiche Detailfiguren erläutert, dar-
gestellt; bei manchen sind auch die Eiersäcke in ihrer
eigenthümlichen Art der Anheftung an Blättern , Wur-
zeln und dgl. abgebildet.
Der Inhalt der zweiten (Schluss-) Lieferung des Werkes ist
folgender: Farn. Theridiidae: Theridion Walck. 27 Arten (Ther.
auratum und haematostigtnaTemTplet. mscpt. n. A.), Pholcus Walck.
1 A. — Farn. Linyphiidae: Linyphia Latr. 33 A. {Lin. nasata
Tempi, mscpt. n. A.), Neriene Blackw. 48 A. {Ner. pilosa, pallidula
und carinata Tempi, mscpt. n. A.), Walckenaera Blackw. 32 A.,
Pachygnatha Sund. 3 A. — Fam. Epeiridae: Epeira Walck. 31 A.,
Tetragnatha Latr. 1 A. — Fam. Dysderidae: Dysdera Latr. 3 A.,
Segestria Latr. 2 A. , Schaenobates Blackw. 1 A., Oonops Tempi.
1 A. — Fam. Scytodidae: Scytodes Latr. 1 A.
Die von D 0 lese hall (Tweede Bijdrage tot de ken-
nis der Arachniden van den Indischen Archipel, p. 5 ff.)
beschriebenen und abgebildeten neuen Gattungen und
Arten von Java und Amboina sind in systematischer Rei-
henfolge folgende:
Ctenha Malayana n. A. von Amboina. — Pelecodon, nov.
558 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
gen. Mygalidaruin. „Ocelli 6, parvi, non cumulati, per paria dispo-
siti, elevatione thoracis acuminata impositi. Thorax quadratus, an-
tice latior, in parte anteriore in processum acuminatum , oculos
gerentem, elevatus. Mandibulae porrectae, inagnae, a latere com-
pressae, margine superiore valde arcuatae, aeque altae ac longae,
margine nnguiculari denticulatae. Maxillae longissimae, divergen-
tes et recurvatae, denticulatae, basi palpos gerente, hinc ad apicem
usque angustae. Labellum subnullum. brevissimum. Palpi pedifor-
mes; pedes tumidi, corpore breviores, 4.3.2.1. — Genus propter
numerum oculorum nulli Mygalidarum generi affine; ob structuram
maxillarum inter Acanthodon et Calommata locandum." — Art: Fe-
lecodon sundaicus von Java — Drassus Incluosus von Java und
moestus von Amboina, Lycosa {Tarentnloides) Boiei und lebakensis
von Java, malayana und innocua von Amboina, Dolomedes albocin-
ctus von Java, imifasciatus von Amboina, Deinopis Kollari und
Sphasus striolatvs ebendaher, SpJi. signifer von Java, Salficus roseo-
fascialus, ruficapillus, culicivorus, convergeiis, pavo, auricapillus, ßa-
vobilineatus und- atricapiUvs aus Java, forceps, coeruleostriatus, Blee-
keri, tenustus, simiahts, viridifasciatus, fuhovittahis und floricola
von Amboina, Irochilus, cephalotes , latidens von 3?i\ü,, fimbriatus,
formica, reguhjs, sexpuyictatus, seniiater und bufo von Amboina, am-
pleclens und zoslerifer von Java, Epeira {Nephila) Kttklii und har-
pyia von Java, viriülpes von Amboina, margarilacea von Java, {Ar-
gyopes) catemilata, versicolor, Reinwardtii und mullipuncia von Java,
ornatissima von Amboina, {Epeira sens. strict.) de Haanii, hispiday
spectabilis, caput lupi und halanus von Amboina, bogoriensis und
Junghuhnii von Java, {Evryzoma) paradoxa von Java, (Bifidae) ex~
anthemata und bifida von Amboina, (Sect. G.) nigrotriviltata, nigro-
tarsalis, rhodoslernon, indislincta, perspicillataYOnJdiWa. — Plcctana
leucomelas, ßavlda, roseolimbata und mediofusca von Java, Iricolor
von Amboina. — Plenromma, nov, gen. „Cephalothorax antice
in tuberculum oblongum, ocellos gerens. productus. Ocelli octo
parvi, sex in prolongatione thoracis siti, in series duas dispositi,
quarum inferior ex 4, altera ex duobus composita ocellis ; ocelli
duo ab his remotissimi , in antica parte thoracis positi, unus in
■quoque latere. Labium breve, trianguläre, rotundatum. Maxillae
breves, latae, parallelae. Abdomen magnum, perpendiculare, tu-
berculatum , marginibus elevatis, crenulatis. Organa setifera brevia.
Pedes mediocres 1.2.4.3., in quiete ad corpus attracti. — Genus
ob dispositionem ocellorum nulli affine, ex habitu inter Epeiridas
locatum." — Art: Pleur. moluccum von Amboina, — Tetragnatha
nepaeformis von Java, Vloborus domeslicus von Amboina, Linyphia
Javensis von Harriang (Java). — Inaequitelae : Scytodes pallida und
domeslicii von Amboina, Theridion sundaicwn von Java, Ther. ? tu-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 559
bicolum, Tegenaria ockracea und dolomedes von Amboina. — Den'
drolycosa, nov. gen. ,.Ocelli 8 minimi, aequales, in facie ante-
riore cephalothoracis in series duas dispositi:. series prima altera
brevior, recta, secunda curvata, concavitate retrorsum directa. La-
bium aeque altura ac latum, apice angustatum; maxillae labio pa-
rum longiores, basi angustae, dein dilatatae, apice parum conniven-
tes. Mandibulae perpendiculares, parvae. Pedes mediocres, corpore
parum longiores , 4.1.3.2., setulosi. Organa setifera brevia. —
Genus ob oculos minimos aequales peculiare, habitu inter Dolomedem
et Tegenariam censendum." — Art : Dendr. fnsca von Amboina. — La-
terigradae: Sparassus Boiei von Java, Delena pltt mip es \on Amhoina,
Olios zonatus xmdL testaceus, Philodromns Diardi, Thomisus tulcanicus,
stellifer, cinerascens und dissimilis, sämmtlich von Java, Thom. spe-
ctahilis und dilatatus von Amboina. — Botryogaster, nov. gen.
j.Ocelli 8 parvi, aequales, sex in cumulum circularem marginis tho-
racici anterioris occupantem dispositi, duo alii ab his remoti, unus
in quoque annulo eiusdem marginis. Abdomen crassum, postice
truncatum, papillis rotundis numerosis obtectum. Pedes lateraliter
extensi 1.2.3.4., corpus longitudine aequantes/' — Art : Bolr. coe-
rulescens von Java. — P l at y tliomi s u s , nov. gen. ,,Ocelli 8 parvi,
aequales , in cumulos daos rhombiformes anteriorem thoracis partem
occupantes dispositi. Mandibulae tumidae, perpendiculares. Corpus
aplanatum, thorax abdomen latitudine aequans. Pedes 4 anteriores
reliquis multo longiores, omnes lateraliter extensi, sat graciles. tarsis
fortiter unguiculatis. — Genus inter Thomisum et Delenam locan-
dum, fortasse cum hocce coniungendum. — Art: Fiat, phryniformis'
von Java.
J. Blackwall^ Descriptions of iiewly discovered
Spiders from the Island of Madeira (Annais of nat. bist.
3. ser. IX. p. 370 — 382j. Beschreibung von elf neuen
Araneinen von Madeira.
Dieselben sind: Thomisns spinifer , Ciniflo affinis, Veleaa pal-
lens , Mithras ßavidus und dubius , Thevidion eiegans, JSeriene pigra,
Epeira le?iliginosa , Tetragnatha lineata, Dysdera diversa und Oeco-
hius naniis Blackw. Auf die Gattung Oecobius Luc. errichtet Verf.
eine eigene Familie Oecobiidae mit folgenden Charakteren: Acht
Spinnwarzen; das unterste kürzeste Paar nur aus einem einzelnen
Gliede bestehend und der ganzen Länge nach vereinigt, Beine nach
den Arten von verschiedener relativer Länge, Metatarsus des letzten
Paares auf der Oberseite mit einem Calamistrum versehen.
Derselbe, Descriptions of newlj discovered Spi-
ders captured in Rio-Janeiro by Job n Gray and Ham-
let Clark (ebenda 3. ser. X. p. 348—360 u. p. 421—439).
560 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Beschreibung von 29 neuen Araneinen aus der Umgegend
Rio-Janeiro's.
Dieselben sind: Lijcosa inornata, Sphasus luietis, Saliicus pla-
cidus, radians, prorvptus, delicatvs, cephalicvs , properns, scihdus,
festivus, minax, Thomisus gibbosus , Eripus spinipes Sparassvs stß-
vaticus und maculatus , Drassus insignis , Clubiona subßava, fasciala
und affinis, Tkeridion coniferum, Epeira lepida, elegans, mulliguttata,
fumida, grammica, luteola, tristis, gracilipes und mncronata.
E. Keyserling. Beschreibung einer neuen Spinne aus den
Höhlen von Lesina (Verhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien
XII. p. 539— 544. Taf. IG). Verf. erhielt aus den Höhlen der Insel
Lesina ' ausser Stalita taenaria Schioedte, von der er das Weibchen
beschreibt und abbildet, eine zweite augenlose, nebst Stalita zu den
Tubitelae Latr. gehörende Spinne . auf welche er eine neue Gat-
tung Hadites begründet, die sich von Tegenaria und Agelena
Walck. eigentlich nur durch den Mangel der Augen entfernt. — Die
Art ist IJad. tegenarioides benannt und auf Taf. 16 nebst Details
abgebildet.
Günther, On an apparently undescribed Spider from Cochm-
china (Annais of nat. bist. 3. ser. X. p. 299. pl. 8) machte unter dem
Namen Cyphagogus Mouhotii eine merkwürdig gestaltete' Spinne
bekannt, deren nähere Verwandtschaft und generische Merkmale
zwar nicht weiter erörtert sind, welche aber zu den Orbitelae zu
gehören scheint. Den (bereits seit langer Zeit bei den Curculionen
vergebenen) Gattungsnamen Cyphagogus hat der Verf. gewählt,
weil der Hinterleib nach vorn zu einem hohen, kegelförmigen
Buckel, dessen Spitze in einen langen, schlangenförmig gewundenen
Fortsatz ausläuft, aufgetrieben ist.
A. Vinson, Description d'une nouvelle espece d'Arachnide
appartenant a la faune de Madagascar (Rev. et Magas. de Zool. XIV.
p. 371 f., pl. 16. fig. 9) gab Beschreibung und Abbildung von Gaste-
racantha Madagascnriensis n. A. von Tamatava.
L. Koch, ..Zur Ai>achniden-Gattung Tetragnatha Walck.« (Cor-
resp. Blatt d. zoolog.-mineralog. Ver. zu Regensburg XVI. p. 79f.).
Verf. fand, dass unter Tetragnatha extensa Walck. zwei verschie-
dene Arten zusammengeworfen worden 'seien , welche er als Tetr.
extensa und striata n. A. beschreibt und in ihren Unterschieden
erörtert.
Dole schall (Verhandl. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien XH.
p. 805) beobachtete, dass eine Mygale Javanica eine zu ihr gesperrte
Loxia oryzivora durch Einschlagen ihrer Klauen in den Rücken des
Vogels augenblicklich tödtete ; der Vogel starb binnen 17 Sekunden
an Symptomen von Tetanus. Verf. selbst wurde von einem 9 Lin. lan-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 561
gen Salticus in den Finger gebissen; der Biss verursachte einen
äusserst heftigen Schmerz, welcher ungefähr acht Minuten andau-
erte und ein Gefühl von Lähmung im Arm hervorrief.
Buckley, „The Tarantula (Mygale Hentzii Gir.) and its de-
stroyer" (Proceed, entom. soc. oftPhiladelphia I. p. 138) machte Mit-
theilungen über die Lebensweise der in Texas häufigen Mygale
Hentzii Girard ; dieselbe wird von Pompilus formosus Say zur Nah-
rung für seine Larven eingetragen.
J. Robertson, A new British Mygale (Annais of nat. hist.
3. ser. X. p. 240) erwähnt des Vorkommens der Dysdera erythrina
Latr. in England.
Dav. Morison, On a Spider (Neriene errans) inhabiting Goal
Mines (Tynes. Transact. V. 1861. p. 49)
Uej3er das Vorkommen von Epeira fusca Walck. und Tege-
naria civilis Koch in bedeutender Tiefe des Schemnitzer Bergwerkes
machte v. Frauenfeld (Verhandl. zoolog. - botan. Gesellsch. zu
Wien 1862. Sitzungsber. p. 35) eine kurze Mittheilung. Bökh fügt
derselben synonymische Notizen über beide Arten hinzu.
Ueber die Lebensweise von Eresus Kollari Rossi und über
sein Vorkommen in Oesterreich berichtete Rog en hofer (Verhandl.
zoolog. -botan. Gesellsch. zu Wien XII. p. 585).
Acarina.
Hydrachnidae. C. v. Hey den ( Palaeontographica X. p. 63.
Taf. 10. fig. 27 — 29) machte Limnochares anliquus als fossile Art aus
der Niederrheinischen Braunkohle bekannt. Zugleich giebt Verf.
eine Abbildung der früher von ihm beschriebenen, einem Phytoptus
antiquus zugeschriebenen Acarinen - Gallen , welche sich übrigens
nicht auf den Blättern einer Salix , sondern der Passiflora Brauni
Ludw. finden, auf Taf. 10. fig. 1.
Ixodidae. Doleschall (Tweede Bijdrage tot de kennis der
Arachniden p. 2) machte Ixodes moluccus als n. A. vom Amboina
bekannt.
Acaridae. R. L. Maddox, On the generation of Acari in a
Nitrate of Silver Bath (Transact. microscop. soc. of London, new
ser. X. 1862. p. 96 ff.). Verf. fand auf der Oberfläche einer Lösung
von Argentum nitricum, welche in einer dicht verkorkten Flasche
aufbewahrt wurde, in grosser Anzahl eine Milbe, welche nicht näher
bestimmt werden konnte ; dieselbe ist im Holzschnitt dargestellt.
A. Laboulbene et Gh. Robin, Description de l'Acarus
(Tyroglyphus) entomophagus Laboulb. et observations anatomiques
sur le genre Tyroglyphus (Annales soc. entom. de France 4. ser. II.
p. 317—338. pl. 10). Nach erneueter Feststellung und Diskussion
Archiv f. Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. LL'
562 Gerstaecker: Bericht üb, d. wissensch. Leistungen
der Gattungscharaktere von Tyroglyphus geben die beiden Yerff.
eine durch Abbildungen erläuterte, ausführliche Beschreibung des
in schlecht conservirten Insektensammlungen und besonders an ölig
gewordenen Insekten vorkommenden Tyroglyphus entomophagus , n.
A. Derselbe ist die kleinste der bisher bekannt gewordenen Tyro-
glyphus-Arten und zeichnet sich durch fast cylindrischen Körper
mit parallelen Seitenrändern so wie durch die Kürze der Beine aus.
Die im Titel der Arbeit hervorgehobenen anatomischen Beobach-
tungen beziehen sich nur auf die einzelnen Theile des Hautskeletes.
Vergleiches halber werden neben der neuen Art auch Tyroglyphus
siro Lin. und lougior Gerv. nochmals beschrieben.
0. Delafond et H. Bourguignon, Traite pra-
tique d'entomologie et de pathologie comparees de la
Psore ou gale de rhomme et des animaux domestiques
(Memoires pres. par divers savauts ä l'acad. d. scienc. XVI.
Paris 1862. p. 277—922. PI. 1—7). Mit der im vorigen
Jahresberichte ' angezeigten Arbeit von Fürstenberg in
der Zeit ihres Erscheinens fast zusammenfallend und von
entsprechendem Umfange wie jene^ ist die vorliegende Ab-
handlung der beiden Verfasser ihrem Inhalte nach doch
wesentlich verschieden. Während die Fürst enberg'-
sche in erster Reihe auf eine genaue und allseitige Be-
obachtung der verschiedenen Krätze erzeugenden Milben
eingeht, mithin eine vorwiegend zoologische ist, über-
wiegt in der Delafond und Bourguigno n'schen Ar-
beit der pathologische und therapeutische Theil den zoo-
logischen um ein Bedeutendes und zwar ist dies nicht nur
in extensiver, sondern ganz besonders auch in intensiver
Hinsicht der Fall. Man sieht es dem von p. 286 — 361
reichenden Abschnitte, welcher die Classification, Zoologie
und Physiologie der Acariden behandelt, an mehr als
einer Stelle an , dass die Verff. auf diesem Felde nicht
ganz zu Hause sind und sich besonders auch nicht über-
all mit den auf den Gegenstand bezüglichen Untersu-
chungen ihrer Vorgänger vertraut gemacht haben. Trotz-
dem enthält die Arbeit auch in diesem Theile schon we-
gen des reichhaltigen darin verwertheten Materiales vieles
Beachtenswerthe und wird auch in der zoologischen Li-
teratur über die Krätzmilben immerhin ihren Platz be-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 563
haupten. Die von den beiden Yerff. nntersiichten Milben
stammen von der Haut des Menschen, des Maki, des Bä-
ren, der Hyäne, des Fncbses, Hundes, Löwen, der Katze,
des Wombat, des Hasen, der Maus, des Elephanten, des
wilden und zahmen Schweines, des Pferdes, Kameles, Lla-
mas, Schafes, Ochsen und der Hühner.
Die VerfF. wollen aus den Krätzmilben (Acariens psoriques)
eine eigene Ordnung der Arachniden machen und darunter drei
..Familien" unterscheiden, welche sie Sarcoptes, Dermatodectes und
Sarcodermatodectes (im zoologischen Sinne also Gattungen) nennen.
(Der letztere, nicht eben glücklich gebildete Käme, welcher für die
Gattung Symbiotes Gerl. eingeführt wird, geht glücklicher Weise
ein, da Fürstenberg bereits für die entsprechende Milbe die
Gattung Dermatophagus aufgestellt hat). Unter Sarcoptes werden
dann vier verschiedene Gattungen (genres) unterschieden, welche
zoologischen Arten zu entsprechen scheinen, nämlich ausser S. com-
munis (soll ausser auf dem Menschen auf 10 verschiedenen Thieren,
vielleicht selbst auf 13 vorkommen) : Sarc. notoedres (auf Katzen,
vielleicht auch auf der Gemse), Sarc. sicygones (auf Hunden und
Wildschweinen) und Sarc. anacanthes = S. mutans Rob. (auf Hüh-
nern und vielleicht auch auf der Maus). Auf eine kritische Fest-
stellung der Arten, welche gerade bei dem vorliegenden Thema von
höchster Wichtigkeit ist und die Basis aller pathologischen Unter-
suchungen abgeben muss , haben sich die Verf. nicht näher einge-
lassen. — Bei der Charakteristik der oben genannten drei Gattun-
gen gehen die Verf. zunächst ausführlich auf die einzelnen Theile
des Hautskeletes ein und erörtern ausserdem verschiedene Capitel
aus der Physiologie, besonders die Fortpflanzung der Krätzmilben.
In Betreff der Respiration verbleiben die Verfif. bei der schon früher
von Bourguignon aufgestellten Behauptung, dass die Milben
beim Mangel aller Stigmen (vgl. damit Fürstenberg, Jahresber.
1861. p. 252) einzig und allein durch die Mundöffnung athmen. Das
Ausschlüpfen des Acarus communis aus dem Ei wurde am 11. Tage
nach Ablage des letzteren beobachtet , die Begattung der beiden
Geschlechter nur bei Dermatodectes. — Die sieben beifolgenden
Tafeln enthalten sauber ausgeführte Abbildungen vom Sarcoptes des
Menschen, Hundes, Löwen, Eber, Pferdes und der Katze, vom Sar-
codermatodectes der Ziege , vom Dermatodectes des Schafes und
Rindes.
Giuseppe Orsolato, Di un nuovo animaletto parassita
delle intestine umane e dei fenomeni morbosi determinati (Rivista
periodica dei lavori della academia in Padova X. 1862. p. 99 ff. c. tab.).
Weder aus der unzulänglichen Beschreibung noch aus der sehr
564 Gerstaecker: ßericlit üb. d, wissenscli. Leistungen
mangelhaften Abbildung , welche eine rauhhaarige Milbe mit her-
vorgestrecktem Rüssel darstellt , lässt sich eine annähernde Vor-
stellung von dem während des Frühlings im Darmschleime des Men-
schen beobachteten Thiere gewinnen.
Pantopoda.
Die Entwickelimgsgeschichte der Pycnogoniden^ deren
Kenntniss sieb bisher nur auf das durch Kröyer bekannt
gemachte erste Larvenstadium und ein von Gegen baur
und A 11 m a n beobachtetes parasitisches Vorkommen junger
Individuen an Hydroiden (Coryne) beschränkte (vgl. Jahres-
bericht 1859-60. p. 357) ist durch die interessanten Beobach-
tungen von G. Ho dg e („Observations on a species of Py-
cnogon^ Phoxichilidium coccineum Johnston, with an at-
tempt to explain the order of its development, ^ Annais
of nat. bist. 3. ser. IX. p. 33 — 43. pl. 4 u. 5) in ihren Haupt-
momenten aufgedeckt worden und nach der Darstellung
des Verf.'s mit höchst merkwürdigen biologischen Vor-
gängen verknüpft. Die sich aus sehr eigenthümlich
gestalteten, mit vier langen Fäden versehenen Eiern ent-
wickelnden Embryonen verlassen, mit drei Paaren von Ex-
tremitäten (von denen das vorderste in eine Scheere, die
beiden hinteren in lange Fäden endigen) ausgestaltet,
den an dem überzähligen Beinpaar des Weibchens ange-
hefteten Sack, um sich zunächst frei im Wasser zu be-
wegen. Bald darauf finden sie sich in anscheinend dege-
nerirten Hydroiden- Knospen, welche die Form eines
Säckchens angenommen haben und in welche sie viel-
leicht durch die Verdauungshöhle des Mutterpolypen
(Coryne) gelangt sind , eingekapselt und zwar in einer
Form, welche auf eine retrograde Metamorphose hindeutet.
Es sind nämlich jetzt die Extremitäten bis auf das Schee-
renfusspaar ganz verschwunden und an Stelle der beiden
geisseltragenden Beinpaare nur drei Einkerbungen am
Körper sichtbar. Die weitere Entwickelung geht ver-
muthlich auf Kosten der in der Verdauungshöhle der Hy-
droide flottirenden NahrungsstofFe vor sich und bekundet
sich in der Ausbildung von drei Paaren von Gangbeinen,
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 565
mit welchen ausgerüstet die jungen Pycnogonen den von
ihnen an der Hydrolde erzeugten Sack verlassen. Die
Entw^ickelung des vierten Beinpaares erfolgt erst nach
dem Ausschlüpfen und zwar aus zwei hinter dem dritten
Beinpaare hervorsprossenden Wülsten.
Die rundlichen Eier, welche sich in den Brutsäcken des Pho-
xichilidium coccineum finden, zeigen nach dem Kopfende des Embryo
hin eine Einkerbung, an der hinteren Hälfte ihrer Peripherie sechs
kuglige Anschwellungen, deren beiden ersten zu jeder Seite die
langen Fäden in ihrem Ursprünge entsprechen. Während sich diese
vier kugligen Wulste zu zwei Beinpaaren ausbilden , entwickeln
sich die beiden Hemisphären zur Seite der vorderen Einkerbung
zu den Scheereufüssen; die Grösse des Embryos beträgt zu dieser
Zeit nur ^500 — Vioo Zoll. Er ward in dieser Form, vielleicht nach-
dem er eine Häutung durchgemacht hat, frei und wird nun auf
eine dem Verf. unbekannt gebliebene Art an den Enden der Coryne-
Knospen eingekapselt. Dass die ihn verschliessenden Säckchen,
welche jedesmal dem Ende eines Coryne- Armes aufsitzen, dem Hy-
droiden angehören und nicht vom Pycnogoniden herrühren , lässt
sich aus ihrer Struktur, welche derjenigen der Knospen gleicht, er-
kennen. Am wahrscheinlichsten ist es dem Verf., dass das junge
Thier in die Verdauungshöhle der Coryne gelangt , in dieser aber
nicht untergeht, sondern entweder aktiv oder passiv aus derselben
in die noch jungen Knospen übersiedelt und, indem es sich hier
festsetzt , deren Entw ickelung hemmt , so dass die es umgebende
Cyste weiter nichts als eine Deformation der Coryne-Sprosse selbst
ist. Die encystirte erste Form des Embryo, an welcher ausser den
Scheerenfüssen kein Beinpaar entwickelt ist , misst Yse Zoll; die
Ruptur der Cyste durch das mit drei Beinpaaren versehene junge
Thier geschieht durch die Scheerenfüsse, während die übrigen Beine
nach und nach und sehr langsam durch die Oeffnung hervorgezogen
werden. — In Betreff der systematischen Stellung der Pycnogoniden
spricht der Verf. die Ansicht aus, dass, wenn irgend welche Zweifel
an ihrer Verwandtschaft mit den Crustaceen bestanden hätten, die-
selben durch Kenntniss der Entwickelungsgeschichte jetzt vollständig
beseitigt sein müssten. (Nach des Ref. Ansicht bestätigt dagegen
sowohl die Ijarvenform als die Bildung und Zahl der Gliedmassen
die schon in verschiedener Beziehung nachgewiesene Zugehörigkeit
der Pycnogoniden zu den Arachniden.) — Die beiden der Abhand-
lung beigefügten Tafeln enthalten die Darstellung der Eier, Embryo-
nen, der verschiedenen Entwickelungsstadien des jungen Thieres, der
Cystenbildungen an Coryne, so wie eines ausgewachsenen Phoxichi-
lidium.
566 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch Leistungen
4. €rustaceeii.
Fr. Müller (dies. Archiv f. Naturgesch. XXYIII.
p. 354) sprach sich bei Gelegenheit der Beschreibung
einer Stomatopoden-Larve gegen die (bekanntlich zuerst
von Brandt angeregte) Ziirlickfiihrung der Körperseg-
mentirung der Crustaceen auf diejenige der Insekten als
eine gezwungene aus, welche nach seiner Ansicht durch
die Entwickehmgsgeschichte v^nd erlegt werde. Die fünf
Gangbeinpaare der Crustaceen will er nicht dem Abdo-
men, sondern der Brust zuertlieilen und betrachtet sie
als einen den Insekten ganz fehlenden Zuwachs zu
letzterer. (Trotzdem wird die Richtigkeit der Brandf-
schen Auffassung, wonach der Cephalothorax der Deca-
poden der Brust und dem Hinterleibe der Insekten in
Gemeinschaft entspricht, nicht verkannt werden können
und erhält dieselbe durch die Entwickelungsgeschichte ge-
rade die kräftigste Stütze. Ref.)
Derselbe (ebenda p. 356 iF.) handelte über das
Vorkommen der eigenthümlichen „Stäbchen" an den in-
neren Fühlern der Crustaceen, w^elches nach seinen Un-
tersuchungen ein ziemlich ausgedehntes ist. Er vermisste
sie nur bei Bopyrus, Cymothoa, Ligia und Orchestia.
Dieselben werden näher erörtert und abgebildet von Pa-
gurus, Hippolyte?, Mysis, Squilla, Sphaeroma, einem jun-
gen Bopyrus (w^o Verfasser sie nach seiner Angabe im
Alter vermisste), Tanais, Caprella, Gammarus und einem
Copepoden. Verf. glaubt diese Stäbchen (wie Leydig)
nur als Geruchsorgane deuten zu können.
Das bereits im vorigen Jahresberichte p. 259 er-
wähnte Vorkommen mariner Crustaceen in Schwedischen
Binnen- Seen wurde durch Loven in einer Abhand-
lung: „Gm nägra i Vettern och Venern funna Crustaceer^
(Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandi. XVIII. p. 285 ff.) ein-
gehend erörtert und in seiner allgemein naturgeschicht-
lichen so wie hauptsächlich in seiner geologischen Bedeu-
tung besprochen. Von den fünf im Vettern-See aufge-
fundenen marinen Formen ist nur eine, Mysis relicta neu,
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 567
die anderen bereits bekannt. Es sind folgende : Idothea
entomon Lin. (etwas kleiner und schmaler als die Exem-
plare aus dem Meere, Schale dünner; eine genaue Be-
schreibung ist beigefügt)^ Pontoporeia affinis Lindstr., Gam-
marus loricatus Sab. und der zuerst im Baikal-See ent-
deckte Gamm. cancelloides Gerstf.; letztere Art wurde
ausser im Vettern-See auch von Ced er ström im Ve-
nern-See gefunden. — In dieselbe Categorie gehört ferner
die von Lilljeborg (ebenda XIX. p. 391 ff.) beschriebene
Cythere relicta, n. A., welche abweichend von den übri-^
gen, im Meere lebenden Arten der Gattung in der Um-
gegend Upsala's entdeckt wurde.
Malm (Forhandl. ved de Skandinaviske Naturforsk.
ottende möde i Kjöbenhavn, 8—14. Juli 1860. p. 619 f.)
machte einige für die Skandinavische Fauna neue Crusta-
ceen bekannt , unter denen sich eine neue Gattung der
Lernaeoden befindet,
Ueber die in der Kieler Bucht von ihnen beobach-
teten Crustaceen machten A. Meyer und K. Moebius
(dies. Archiv f. Naturgesch. XXVIII. p. 233) vorläufige
Mittheilungen; bemerkenswerth ist das Vorkommen einer
Diastjlis-Art.
AI fr. Merle Norman, On the Crustacea (Echino-
dermata and Zoophytes), obtained in deep-sea drcdging off
the Shetland Isles in 1861 (Report of the 31. meeting of the
British assoc. for advanc. of science, Transact. p. 151 f.).
Eine vorläufige Notiz, dass bei den Shetland-Inseln 140
Arten von Crustaceen gesammelt worden sind, von de-
nen 7 Podophthalmen und 11 Edriophthalmen für England
neu waren. Die Podophthalmen , unter denen auch eine
neue Gattung C t enomys is ist, werden in Bezug auf
ihre Unterscheidungsmerkmale von den nächst verwandten
Arten kurz erörtert, die Edriophthalmen nur namentlich
aufgeführt.
Arthur Adams, Notes on certain Crustacea observed ab-
road (Zoologist 1861. p. 7319). Dem Ref. nicht zugekommen.
Vi ct. Sill, Dritter Beitrag zur Kenntniss der Cru-
staceen (und Arachniden) Siebenbürgens (Verhandl. des
568 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
Siebenbürg. Ver. f. Naturwiss. zu Hermannstadt XIII.
1862. p. 25 ff.)-
Yerf. giebt Beschreibungen von folgenden in Siebenbürgen
aufgefundenen Arten : Oniscus asellus Lin., Poröellio sylvestris Koch,
trilineatus Koch, Armadillo variegatus Latr., Cypris ophthalma Koch,
und Cyclops pulchellus Koch.
Alph. Milne Ed^ward s, Faune carcinologique de
l'ile Bourbon (Separatabdruck aus Maillard's Isle de la
Keunion) ist dem Ref. bis jetzt nur aus einer Anzeige in
den Annal. d. scienc. natur. 4. ser. XVII. p. 362 bekannt
geworden. Nach einem hier gegebenen kurzen Bericht
über die Arbeit sind darin die Crustaceen der Reunions-
Insel aufgezählt und mehrere neue beschrieben; als die
merkwürdigsten werden genannt :
1) Lithoscaptns paradoxus, nov. gen. et spec, in selbst-
gegrabenen Löchern der Polypengattung Maeandrina lebend, Dro-
mia und Ranina zunächst stehend, aber den Macruren durch starke
Entwickelung des Postabdomen, dem indessen die Schwanzflosse
fehlt, sich nähernd. 2) Enoplomet o pus pictus, nov. gen. et spec.
aus der Familie der Astacinen. 3) Parthenope spinosissima n. A.
4) Huenia depresset n. A.
Decapoda.
Unsere Kenntniss von der Embryologie und der
Larven-Metamorphose der Decapoden, welche bei ihren
grossen Lücken der Forschung noch ein ebenso weites
wie ergiebiges Feld darbietet, ist auch in diesem Jahre
durch mehrere wichtige Beiträge bereichert worden.
F. Müller in Desterro (dies. Archiv f. Naturgesch.
XXVIII. p. 194—199. Taf. 7) machte eine vorläufige Mit-
theilung über die Verwandlung der Porcellanen, welche
nach ihm eine durch mehrfache Eigenthümlichkeiten aus-
gezeichnete Zoea-Form besitzen. Der von dem Vorder-
rande des Rückenschildes entspringende Stachel kommt
der drei- bis fünffachen Länge des Rückenschildes selbst
gleich, während die beiden am Hinterrande entspringenden
bald kürzer oder wenigstens nicht viel länger (Porcellana),
bald gleichfalls dreimal so lang als der Rückenschild
selbst {P or cellinaj nov. gen.) sind. An der Schwanz-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 569
flösse ist der mittlere Theil auf Kosten der beiden seit-
lichen besonders stark entwickelt^ rautenförmig und je-
derseits mit fünf langen gefiederten Borsten besetzt. —
Die Porcellanen sind nach der Ansicht des Verf.'s Krab-
ben^ welche auf der Stufe der Megalopen stehen geblie-
ben sind; gleich wie bei den übrigen Krabben fehlen
ihrer Zoea-Form die fünf eigentlichen ßeinpaare, indem
sich aus den Schwimmfüssen derselben die späteren Kie-
ferfüsse entwickeln.
Verf. hat seine Untersuchungen an zwei an der Brasilianischen
Küste häufigen (nicht näher beschriebenen) Porcellana-Arten, so wie
an einer auf Seesternen schmarotzenden, von Porcellana wesentlich
verschiedenen Form {Porcellina stellicola , nov. gen. et spec,
Taf, 7. fig. 1 abgebildet) angestellt und erläutert an der Larvenform
derselben besonders die Bildung der beiden Fühlerpaare, der Mund-
theile und der beiden Schwimmfusspaare , ferner von inneren Or-
ganen den Magen, das Herz und das Nervensystem. Die Larve der
einen Porcellana-Art lernte er in zwei verschiedenen Stadien der
Entwickelung kennen und zwar die weiter vorgeschrittene Form
schon im Begriffe, sich abermals zu häuten ; dieselbe unterschied
sich in dieser Periode von der jüngeren Larvenform durch zwölf
Borsten der Schwanzflosse und durch ein Paar kurzer, ungeglieder-
ter Anhänge an jedem der vier vorhergehenden Körperringe.
Derselbe (ebenda p. 353— 361 . Taf. 13) machte in
einem ;,Bruchstück zur Entwickelungsgeschichte der Maul-
füsser'^ eine 3,25 Mill. lange Larvenform eines Stomato-
poden, aller Wahrscheinlichkeit nach der Gattung Squilla
angehörig^ bekannt, welche durch die glashelle Durch-
sichtigkeit des Körpers so wie durch ihre Form einer
Alima gleichen soll (nach der Abbildung zu urtheilen aber
wohl noch mehr an die Gatt. Squillerichthus erinnert).
Ausser den sehr grossen, kegelförmigen, paarigen Stiel-
augen zeigt die Larve ein kleines unpaares Stirnauge, am
Rückenschilde ausser den vorderen und hinteren paari-
gen Dornen einen Stirnstachel. Hinter den Kieferpaaren
sind zwei Beinpaare sichtbar, deren zweites bereits die
Form von Raubbeinen hat; die sechs folgenden Körperringe
sind noch ohne Anhänge, während die vier ersten Ringe
des Postabdomen je ein Paar zweispaltiger Schwimm-
füsse tragen. Die Schwanzflosse stellt ein grosses, vier-
570 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
eckiges, ungetheiltes Blatt dar. — Bei 10 Mill. Länge
gleichen die jungen Squillen schon fast ganz den er-
wachsenen, sind aber noch glashell und mit dem Stirn-
auge der früheren Larvenform versehen. •
A. Lereboullet hat in seinen „Recherches d'em-
bryologie comparee sur le developpement du brechet,
de la perche et de l'ecrevisse'*' (Memoires pres. p. div.
sav. ä l'acad. d. scienc. XYIL 1862. p. 447—805, avec 6
planch.) von Neuem die Embryologie des Flusskrebses
(so wie zweier verwandten, im Elsass einheimischen Arten
der Gattung Astacus) von der ersten Bildung des Eies
im Ovarium bis zum Ausschlüpfen des jungen Thieres
verfolgt und einer ausführlichen Darstellung unterworfen.
Der den Flusskrebs behandelnde Theil der Arbeit reicht
von p. 650 — 768 und zerfällt in vier Capitel, von denen das
erste die Veränderungen des Eies von seiner Entstehung
bis zu seiner vollständigen Ausbildung, das zweite die
ferneren Umbildungen desselben von der Befruchtung bis
zum Auftreten des Embryonalflecks, das dritte die Ent-
wickelung des Embryo bis zur Anlage des Herzens, das
vierte die im Embryo vorgehenden Veränderungen bis
zum Verlassen der EihüUe darstellt. V^enn Verf. in allen
wesentlichen Punkten genau zu demselben Resultat wie
Rathke in seiner classischen Abhandlung gekommen ist
und somit von neuen Thatsachen wenigstens nichts be-
sonders in die Augen Springendes aufzuweisen vermag,
so können seine Untersuchungen im Detail und zwar
besonders in Bezug auf die histologischen Verhältnisse
des Eies immerhin als eine willkommene Ergänzung der
Rathke'schen angesehen werden. Freilich übergeht er
manche, durch die im Bereiche der Entwickelungsge-
schichte während der letzten Jahre angestellten Unter-
suchungen als besonders wichtig hingestellte Punkte
ganz mit Stillschweigen, so u. a. die Befruchtung des Eies
selbst; da er den Zeitpunkt, in welchem die Befruchtung
stattgefunden, nicht hat ermitteln können, so ist er auch
darüber im Unklaren geblieben, welche Veränderungen
in den Elementarbestandtheilen des Eies von dieser direkt
im Gebiete d. Entomologie während des Jalires 1862. 571
resiiltiren und wie weit diejenigen reichen, welche unab-
hängig von derselben zu Stande kommen. — Von den
beifolgenden Tafeln erläutern die Embryologie des Fluss-
krebses drei; da es sich bei der Darstellung um eine
vergleichende Embryologie der Wirbel- und Gliederthiere
handelte, so werden die Unterschiede in der Entwicke-
lung der Fische und des Krebses am Schlüsse der Ab-
handlung gegensätzlich erörtert.
Eine interessante Embryonalform machte auch M.
Sars in einer besonders erschienenen Abhandlung: „Be-
skrivelse over Lophogaster typicus, en maerkwaerdig form
af de lavere tifoddede krebsdyr"" (Christiania 1862. 4. 37
pag. c. tab. 3, Universitätsprogramm für 1862. 2. Hälfte)
bekannt. Die Weibchen der mit den Mysiden zunächst
verwandten neuen Gattung Lophogaster sind dadurch sehr
merkwüdig, dass sie an den sieben Beinpaaren des Ce-
phalothorax grosse Blätter tragen , welche zusammenge-
legt eine Bruthöhle nach Art der Isopoden bilden, in
welcher sich die Eier entwickeln. Diese sowohl wie die
Embryonen sind von auffallender Grösse, erstere 1 Milk,
letztere 3 Mill. lang. Der Embryo verlässt das Ei in
einem noch ganz unausgebildeten Zustande, noch mit einer
beträchtlichen Dottermasse versehen, mit grossen, blasenför-
migen Augen, convexer Bauch- und concaver Rückenseite
und nur mit den Anlagen der beiden Fühlerpaare und
der Mandibeln (in Form von freigewordenen Gliedmassen)
ausgestattet ; alle übrigen Gliedmassen sind erst durch
Einkerbungen angedeutet.
Mit Rücksicht auf eine bisher unbekannte Kiemen-
bildung bei derselben Gattung Lophogaster sprach sich
Sars (a. a. 0. p. 28 ff.) gleichzeitig gegen die (auch schon
vom Ref. in den letzten Jahren fallen gelassene) Tren-
nung der Latr eille'schen Ordnung Stomatopoda von
den Decapoden als eine nicht mehr haltbare aus. Die Un-
terschiede in Betreff der Kiemen, welche bei den Deca-
poden vom Cephalothorax bedeckt, bei den Stomatopoden
frei liegen sollen, sind bereits durch Gattungen wie Hip-
polyte, Sergestes u. a. schwankend geworden, werden
572 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
aber durch Lopliogaster ganz aufgehoben. Bei diesem
Gattung bestehen die Kiemen aus drei divergirenden
Aesten, ähnlich wie bei Euphausia, und zwar ist der obere
Ast vom Cephalothorax bedeckt, während der untere
und (wenn er vorhanden) auch der mittlere frei in das
Wasser herabhängt. Es ist somit ein direkter Uebergang
in dem Verhalten der Kiemen zwischen Decapoden und
Stomatopoden gegeben ^ so dass Verf. letztere mit Recht
nur als eine niedere Entwickelungsstufe in der Reihe der
ersteren gelten lässt.
Die allgemeine Systematik der Decapoden in ihren
auf das Verhalten der äusseren Fühler zu basirenden Modi-
fikationen gegen die bisherigen Anordnungen hat Strahl
(vgl. Jahresber. 1861. p. 267) in einem ferneren Aufsatze
^lieber die Stellung der Dana'schen Familie Bellidea^
(dies. Arch. f, Naturgesch. XXVIII. p. 270 ff.) zu beleuchten
fortgefahren. Verf. geht in der vorliegenden Abhand-
lung besonders auf die Gränzen der sogenannten Ano-
muren und ihre Beziehungen zu den Macruren ein ; die
von Dana zu ersteren gestellten Bellidea verhalten sich
in Betreff der Vulvae wie Macruren, in Betreff der äus-
seren Fühler dagegen w^ie ßrachyuren und sind also zu
den operkularen Decapoden zu verweisen.
C. Heller, „Neue Crustaceen, gesammelt während
der Weltumsegelung der K. K. Fregatte Novara. Zweiter
vorläufiger Bericht. I. Decapoda'^ (Verhandl. der zoolog.-
botan, Gesellsch. zu Wien XII. p. 519 — 528). Lateinische
Diagnosen von 48 während der Novara-Expedition an ver-
schiedenen Lokalitäten gesammelten neuen Decapoden,
von denen einige zugleich neue Gattungen bilden.
Derselbe verzeichnete in seinen „Untersuchungen
über die Litoralfauna des Adriatischen Meeres^ (Sitzungs-
ber. d. Akad. d. Wissensch. zu Wien XLVL 1862, p. 415
— 448. mit 3 Taf.) 86 meist von ihm selbst im südlichen
Theile des Adriatischen Meeres gesammelte Decapoden,
unter welchen 1 Brachyure und 2 Macruren als neu be-
schrieben und abgebildet werden.
Desselben „Beiträge zur näheren Kenntniss der
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 573
Macrouren'' (ebenda XLV. p 389—426. c. tab. 2) enthalten
Charakteristiken und Abbildungen einer grösseren Anzahl
neuer, theils Europäischer, theils ausländischer Arten aus
den Familien der Loricaten, Astacinen und Cariden; dar-
unter auch zwei neue Gattungen.
Laughrin (Observations on the choice of food in theCodand
Ling, Journ. proceed. Linnean soc, Zoology VI. p. 165f.) verzeich-
nete 29 verschiedene Crustaceen, sämmtUch den Decapoden ange-
hörig, welche er im Magen des Stockfisches antraf; dieselben ge-
hören den Gattungen Achaeus, Alpheus, Atelecyclus, Cancer, Cory-
stes, Eurynoma. Galathea, Gebia, Gonoplax, Hyas, Inachus, Munida,
Nika, Pagurus, Portunus. Scyllarus, Squilla und Stenorhynchus an.
A 1 p h . M i 1 n e Edwards, Monographie d es Cru-
staces fossiles de la familie des Canceriens (Annales d.
scienc. natur. 4. ser. XVII. Zoologie p. 31 — 85. pl. 1 — 10.)
Yerf. ergeht sich einleitungsweise in einigen ziemlich
oberflächlichen Betrachtungen über den Umfang und die
Eintheilung der Gruppe der Cancerinen, d. h. der nur
mit Gangbeinen versehenen Cyclometopen, aus welchen
eine nicht eben umfangreiche Bekanntschaft mit der hier
einschlagenden Literatur hervorleuchtet. Eine neue von
ihm vorgeschlagene Classifikation dar Cancerinen ergiebt
9 Gruppen: Cancerides, Oethrides (gewiss eher als mo-
dificirte Oxyrrhynchen zu betrachten), Carpilides , Piri-
melides, Liagorides, Xanthides, Eriphides, Galenides und
Trapezides. — • Die im speziellen Theil der Arbeit be-
schriebenen fossilen Krabben gehören der Gruppe der
Carpilidae an ; es sind im Ganzen 16 Arten, welche sich
auf fünf Gattungen verth eilen und die auf den beifolgen-
den zehn Tafeln durch zahlreiche und schöne Abbildun-
gen erläutert sind.
Die beschriebenen Gattungen und Arten sind: Atergafis du-
bius n. A., P ala e ocavf ili US , nov. gen., auf Cancer macrochei-
lus Desm. begründet und ausser diesem noch Pal. stenurus Reuss,
Aquitanicus (Canc. Boscii Burguet), Klipsteini Meyer, ignotus n. A.
umfassend. P hly et enorl es , nov. gen., mit Actaea und Actaeodes
nahe verwandt, durch eine auffallende Skulptur der Schalenoberfläche,
welche zahlreiche perlenförmige Erhöhungen zeigt, bemerkenswerth.
— Zwei Arten: Phlyct. tnberculosus und puslulostis. — Harpaeto-
car cinns, nov. gen., auf Cancer punctulatus Desm. begründet, aus-
574 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissenscli. Leistungen
serdem noch Harp. macrodactylus M. Edw., quadrilobatus Desm.
und drei neue Arten : Harp. rodundatus, ovalis und Souverbiei um-
fassend. — Reussia granosa M. Coy und Buchii Reuss.
Ueber eine Anzahl tertiärer Decapoden aus den
Alpen, von Oeningen und dem Taunus handelte H. v.
Meyer (Palaeontographica X. p. 147— 178. Taf. 16— 19).
Dieselben gehören der Mehrzahl nach gleichfalls den
Cancerinen, ausserdem den Grapsinen und (eine) den Ma-
cruren an.
Aus dem Nummulit der Alpen werden beschrieben und abge-
bildet: Xanthopsis nodosa M'Coy (Cancer hispidiformis v. Meyer),
Xanth. Bruckmanni v. Meyer (hispidiformis Reuss). Xanth. Kressen-
bergensis v. Meyer, tridentata und Sohihofenensis v. Meyer, Lio-
psaUs KHpsteini v. Meyer, Colpocaris bullata v. Meyer, Xantholithus
verrucosus Schafh. und Cancer punctulatus Desm. — Aus dem Mo-
lasse-Mergel von Oeningen:» Graps us speciosus v. Meyer und Ho-
melys minor v. Meyer. — Aus dem Sphaerosiderit am Taunus :
Grapsus? Taunicvs und Portunites? Breckenheimensis n. A.
Derselbe, „Zu Palpipes priscus aus dem lithogra-
phischen Schiefer in Bayern^ ( ebenda X. p. 299 — 304.
Taf. 50j stellte erneuete Untersuchungen über die Orga-
nisation und die Verwandtschaft dieses zuerst vom Grafen
Münster als Phalangites priscus zu den Phalangiern,
nachher von Roth unter dem obigen Namen zu den
Araneiden gezählten fossilen Arthropoden an. Den von
Roth gesehenen oder wohl nur supponirten Hinterleib
konnte Verf. an acht ihm vorliegenden Exemplaren nir-
gends auffinden, dagegen ein fünftes Beinpaar nachwei-
sen; mit Einschluss der gleichfalls beinförmigen Taster
hätte das Thier also sechs Extremitätenpaare und könnte
demnach keine Arachnide sein. Zu den Decapoden glaubt
der Verf. es aus demselben Grunde und zugleich wegen
des Mangels von Scheeren nicht rechnen zu können und
hält es daher für eine Form, welche sich in unserem auf
lebende Organismen gegründeten System nirgends gut
unterbringen lässt. (Nach der Ansicht des Ref. möchte
das fragliche Thier am ersten als Decapoden-Larve aus
der Verwandtschaft von Phyllosoma zu deuten sein; hier-
für sprechen nicht nur die mit Phyllosoma ganz überein-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 575
stimmenden Zahl- und Längsverhältnisse der Extremitäten,
sondern auch ganz besonders der von der Basis des dritten.
Gliedes entspringende Geisselanhang, der von v. Meyer
als Dorn bezeichnet wird.)
Gancrina. — Oxyr rhyncha. — Eurynome fewMtcorw/s Malm
(Forhandl. Scandinav. Naturforsk. 8. möde, p. 619) n. A. aus den
Scandinavischen Meeren; Inachus dorynchus Leach wird als neu für
die Skandinavische Fauna aufgeführt.
Menaethius hrevirostris Heller (Verhandl. d. zoolog.-botan. Ge-
sellsch. zu Wien XII. p. 519) n. A. von Madras, Ebalia Costae Hel-
ler (Sitzungsber. Wien. Akad. d, Wissenscli. XL VI. p. 435, Taf. 3.
fig. 21) n. A. aus Istrien.
Cyclometopa. — Derselbe (Verband, d. zoolog -botan.
Gesellsch. zu Wien XII. p. 519 f.) diagnosticirte Atergalis elegans n.
A. von Taiti, Xantho telraodon von x\ukland, Carpilodes gramtlatus
von Taiti und den Nikobaren, Lupa kirsuta von Manila und Aukland,
Carupa laetiuscula von Taiti.
Strahl, Ueber Cancer Calypso und Tyche Hbst. (dies. Arch.
f. Naturgesch. XXVIII. p. 266 ff ) giebt von beiden Arten eine nä-
here Charakteristik nach den Herbst'schen Originalen. Erstere
gehört zur Gattung Pilumnoides, für welche Verf. (aber durchaus
mit Unrecht) den Namen Calypso Hbst. einführen will, so dass dann
die Art Calypso Herbstii heissen soll ; letztere gehört zu Halimede
de Haan und ist damit wahrscheinlich Chlorodius fragifer Adams
und White identisch.
Malm (a. a. 0. p. 619) diagnosticirte den für die Skandina-
vische Fauna neuen Corystes Cassivelaunus Bell.
W. Macintosh, Observations and experiments on Carcinus
Maenas (Prize Thesis). 8. London 1861. Dem Kef. nicht zuge-
kommen.
Catometopa. — Von Heller (Verhandl. d. zoolog-botan.
Gesellsch. zu Wien XII. p. 520 ff.) wurden folgende neue Arten und
Gattungen diagnosticirt : Thelpimsa Chilensis und W aller stör ß, letz-
tere von Ceylon, Madras, den Nikobaren und Taiti, Paratkelphusa
dentipes von Java, Macrophthalmus hicarinalvs von den Nikobaren,
Gelasimns variegatus von Madras. Heloecius areolatus von Sidney,
Metaplax hirtipes von Aukland, Pachygrapsus intermedius und Gra-
psus declivifro7is von Rio- Janeiro, Graps, depressvs von Taiti, Hete-
rograpsns harbigerus von Aukland. — Epi g r ap su s, nov. gen., von
Cyclograpsus durch den Mangel der gebarteten Linie am dritten
Gliede der äusseren Pedes maxillares unterschieden. — Art: Ep.
politus Taiti. — Perigrapsiis, nov, gen. Cephalothorax rück-
wärts verengt, mit einem Zahne hinter dem Orbitalwinkel, Stirn
576 Gerstaecker: Bericlit üb. d. wissensch. Leistungen
schmaler als die halbe Schalenbreite, massig- abwärts gebogen, ge-
schwungen; Orbitae verlängert, aussen offen, der innere Suborbi-
tallappen breit, zahnförmig und die Stirn nicht berührend. Drittes
Glied der äusseren Kieferfüsse etwas länger als breit, nach der
Basis hin verengt, gleichfalls ohne gebartete Linie ; Hinterbeine mit
stachligem Finger. — Art: Per. excelsus von Taiti. — Plaguse-
tes, nov. gen. Cephalothorax stark convex, fast quadratisch, seit-
lich gezähnelt, Stirn stark abschüssig, über den kleinen Fühlern
ausgerandet; diese über die Stirn hervorragend, die grossen mit
ihrem Basalgliede den inneren Augenhöhlenspalt ausfüllend. Mund
vorn leicht verengt, nicht gesäumt, Epistom eben, nicht hervorra-
gend ; äussere Maxillarfüsse wie bei Plagusia, aber der Schaft des
Tasters stark erweitert. Scheerenfüsse etwas ungleich, Wandelbeine
kürzer, mit gerundeten Gliedern und scharfem Endnagel, weiblicher
Hinterleib siebenringlig. — Art: Plag, elatns aus Chile. — Meta-
sesarma granularis n. A. Taiti.
Raninoidea. Alph. Milne Edwards machte der Akademie
der Wissenschften zu Paris Mittheilungen über die Existenz von
Crustaceen aus der Familie der Ranininen während der Kreidepe-
riode (Compt. rendus 25. Sept. 1862, Rev. et Magas. de Zool. XIV.
p. 375 ff.). Verf. fand im grünen Sandstein von Maine und in ande-
ren Schichten der Kreideformation Reste eines Crustaceum, welches
von den früheren Autoren zu den Corystiden gebracht worden ist,
aber in der That der gegenwärtigen Familie und zwar einer neuen
Gattung Raninel In angehört Er unterscheidet zwei Arten der
Gattung, welche er vorläufig als Raninella Trigeri und elongata
bezeichnet und glaubt, dass derselben Gattung auch die von Bink-
horst bekannt gemachten Notopocorj^stes Muelleri und Eumorpho-
corystes sculptus angehören. (,;Sur l'existence de Crustaces de la
famille des Raniniens pendant la periode cretacee", Compt. rendus
de l'acad. LV. p. 492 ff.)
Pagurini. Heller (Verhandl. d, zoolog.-botan. Gesellsch. zu
Wien Xll. p. 524 f.) diagnosticirte Coenobita violascens, Pagurus lar
und Paguristes ciliatus als n. A. von den Nikobaren, Clibanarius
barbalus von Aukland und semistriaius von Taiti.
Galatheidea. K in ah an, Synopsis of the species of the fami-
lies (Crangonidae and) Galatheidae, which inhabits the seas around
the British Isles (Dublin quart. Journ. of science H. p. 202 ff. pl. 15
— 20) gab eine Uebersicht folgender an der Küste Grossbritanniens
vorkommender Galatheiden, welche er^sämmtlich näher beschreibt
und abbildet: Galathea squamifera Leach, Andrewsii Kin., dispersa
Sp. Bäte, nexa Emblet. und strigosa Lin.
Heller (Verhandl, d. zoolog. - botan. Gesellsch, zuWienXH.
p.523f.) diagnosticirte Porcellana leporina und frontalis als n. A.
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 577
von Rio-Janeiro, penicillata, mUllnris, barbata und inermis von den
Nikobaren und digitalis von Gibraltar.
F. Müller (dies.Arch. f. Natarg. XXVIIT. p. 194. Taf. 7) bil-
dete eine durch sehr kurze äussere Fühler, schmale Scheeren und
länglichen, fast eiförmigen Rücken schild ausgezeichnete neue Por-
cellaniden-Form ab, für welche er den Namen F orc ellin a (nov.
gen.) siellicola vorschlägt. Eine nähere Charakteristik wird nicht
gegeben ; die Art lebt schmarotzend auf Seesternen an der Küste
Brasiliens. Eine andere Art, Porcellana Creplini benannt, fand Verf.
paarweise in den Röhren des Chaetopterus pergamentaceus.
Loricata. Heller (Sitzungsber. d. Wien. Akad. d. Wissensch.
XLV. p. 393) beschrieb Falinurns Hügelii als n. A. aus dem Indi-
schen Ocean und (Yerhandl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. in Wien XII.
JD. 525) Pal. Faulensis als n. A. von St. Paul.
J. Couch, Note on the occurrence of the Crustacean Scylla-
rus arctus in England (Journ. proceed. Linnean soc. Zoology VI.
p. 78) bestätigt das Vorkommen des Scyllarus arctus an der Eng-
lischen Küste; ein wohlerhaltenes Exemplar wurde in dem Magen
eines Stockfisches aufgefunden.
Astacina. Dieser Familie wurde von Hei 1er (Sitzungsber. d.
Wien. Akad. d. Wissensch. XLV. p. 389. Taf. 1) eine in mehrfacher
Beziehung ausgezeichnete neue Gattung Folycheles zugewiesen,
welche nach seiner Ansicht die Astacinen mit den Cariden verbin-
det. In der Form des Cephalothorax so wie in der Skulptur des
Hinterleibsrückens gleicht diesell)e der Gattung Crangon, mit der sie
auch in der fast gleich hohen Einlenkung der Fühler übereinstimmt.
Von den fünf Beinpaaren tragen die vier ersten Scheeren und das
vorderste zeichnet sich durch besondere Länge und Schlankheit aus;
die Kiemen sind büschelförmig, die Augen ganz rudimentär, die
äusseren Fühler in eine , die innere in zwei Geissein endigend. —
Art: Fol. typhlops aus Sicilien.
Die Gruppe der Thalassinen wurde von demselben (ebenda
XLVI. p. 436. Taf. 3) gleichfalls mit einer neuen Gattung, Cal-
linxis benannt, bereichert. Dieselbe steht in nächster Verwandt-
schaft mit Laomedia de Haan und Calliadne Strahl, von welcher
letzteren sie sich durch die in ein flaches, dreieckiges, in der Mitte
gefurchtes Rostrum verlängerte Stirn, durch das einfach gebildete
zweite Beinpaar und durch die Form der Schwanzflosse unterschei-
det ; von Laomedia , mit der sie in der äusseren Form fast ganz
übereinstimmt, unterscheidet sie die Bildung der Mundtheile. Das
erste Beinpaar endigt in eine stark verlängerte, schmale Scheere;
das zweite und fünfte sind subcheliform gebildet. — Art: Call,
Adrialica aus Zara und dem Quarnero.
Strahl's Nachtrag zu seiner Abhandlung über Thalassinen
Archiv f. Naturg-. XXIX. Jahrg. 2. Bd. MM
578 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
(Monatsber. d. Berl. Akad. d. Wissensch. 1862. p. 133 &.), welcher
schon in den Separatabdruck der carcinologischen Abhandlungen
des Verf.'s mit aufgenommen war, ist bereits im vorigen Jahresbe-
richte (p. 274) berücksichtigt worden.
Rieh. Ho WS e, On the occurrence of Nephrops Norvegicus
on the coast of Northumberland (Tynes. Transact. V. 1861. p. 59).
Dem Ref. nicht zugekommen.
Caridina. Strahl (Monatsber. der Akad. der Wissensch. zu
Berlin 1861. p. 551) machte eine neue Gattung Jagoria bekannt,
welche mit Euphema, Oplophorus und Ephyra zunächst verwandt
ist und sich besonders durch einen zusammengedrückten und nach
vorn gerichteten Dorn oben auf der Mitte des dritten Hinterleibs-
ringes auszeichnet. Die vier vorderen Beinpaare zweiästig , das
fünfte einfach und zugleich das längste: die beiden ersten Paare
in Scheeren endigend, die übrigen monodaktyl. Der Stirnfortsatz
nach vorn über die Deckschuppe der äusseren Fühler hinausragend,
unterhalb vierzähnig; Geissei der inneren Fühler dreiästig. — Art:
Jag. serrata von Trinidad, 9 — 10 Lin. lang.
Heller (Beiträge zur näheren Kenntniss der Macrouren,
Sitzungsber. d. Akad. d. Wissensch. zu Wien XLV. p. 395 ff. Taf. 1
und 2) gab Beschreibungen und Abbildungen von folgenden neuen
Cariden: Pt erocaris , nov. gen. (Taf. 1. fig. 7 und 8), wohl die
wunderlichste bisher bekannt gewordene Form der Familie, mit
grossen, schildförmigen seitlichen Ausbreitungen des Cephalothorax
und Hinterleibs , unter welchen die Beine sowohl als die Kiemen
frei liegen. Die Oberseite des Körpers ist rauh, filzig : vom Cepha-
lothorax gehen jederseits zwei schildförmige Ausbreitungen, eine
kleine vordere und eine grosse hintere, die erste zum Theil be-
deckende aus : der von dem Hinterleibe ausgehende Seitenlappen
ist wieder fast doppelt so gross als der vorhergehende zweite (des-
sen hinteren Theil er gleichfalls bedeckt) und birgt an seiner Un-
terseite nach hinten noch drei kleinere Lappen, welche sich als Aus-
breitungen der letzten Abdominalringe zu erkennen geben. Yon
den fünf Beinpaaren sind die beiden ersten scheerentragend, das
zweite länger als das erste und mit gegliedertem Carpus versehen;
äussere Fühler mit einer, innere mit zwei Geissein. — Art: Pter.
typica von Amboina, 10 Lin. lang, 9 Lin. breit. — Neue Arten sind
ferner: Virbins gracilis aus dem Adriatischen Meere. Alphevs pla-
tyrkxjnchus und laevimanus (= Cryptophthalmus ventricosus und
Costae Costa) ebendaher , Arete Diocleliana und Pelias scriptvs
ebendaher, Pel. amethysleus aus dem Mittelmeere, migratorins aus
dem Adriatischen Meere, dem Garda-See und aus Aegypten, Cari-
dina fossarnm aus Schiraz, laevis von Java, Palaemoii {Leander) In-
diens von Java und Borneo, {Palaemon sens. strict ) Nattereri aus
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 579
dem Rio-Negro in Brasilien , Sundaictis von Java, Idae von Borneo,
vagvs von Amboina, Amazonicus aus dem Amazonenstrome, Brasi-
liensis aus einem Bache in Brasilien. Desansvri aus Neu-Granada,
Javanicus, Kiloticus (Roux i. lit.), Penaeus membranaceus und fo-
liaceus Risso aus dem Mittelmeere (beide näher charakterisirt) und
Penaeus Kroyeri von Rio-Janeiro n. A. — Ferner: Pandalus Hathkii
Heller n. A. von Lissa und Lesina (ebenda XL VI. p. 441).
Derselbe (Verhandl. d. zoolog. -botan. Gesellsch. zu Wien
XIL p. 525 ff.) gab Diagnosen von folgenden während der Novara-
Expedition gesammelten neuen Arten: Caridina ctirtiroslris und
Alrhens socialis von Aukland, Alpheus crassirnanns, Pelias notatus
und Leander distans von den Nikobaren, Leander seremis von Sid-
ney , modeslns aus Shanghai, Pnlaemon speclnbilis von Taiti, rudis
und scabriculus von Ceylon, superbtis und Sine7isis von Shanghai,
Penaeus sculplilis aus Java und Tahitensis von Taiti.
Kinahan, Synopsis of the families Crangonidae (and Gala-
theidae) which inhabit the seas around the British Isles (Dublin
quart. Journ. of science II. p. 195 — 207. pl. 8 — 20) gab eine Ueber-
sicht und Charakteristik nebst Abbildung der an den Englischen
Küsten vorkommenden Cran^oniden. Es sind folgende: 1) Crangon
2 A.: Cr. vulgaris Hbst., Crang. (subgen. nov. Sleiracrangon,
Abdominalringe bis zum fünften oberhalb glatt der sechste und das
Mittelstück der Schwanzflosse mit einer Längsfurche versehen) All-
manni Kinah — 2) Cheraphilus (neuer Name für Pontophilus Leacli)
4 A. : eher, bispinosus Westw., trispinosus Bell, Pattersonii Kin. und
spinosus Leach (cataphractus Edw.). — 3) Aegeon Risso 2 A. : Aeg.
fasciatus Risso und sculptus Bell.
Schizopoda. H. Kroyer, Et Bidrag til kundskab om krebs-
dyrfamilien Mysidae (Naturhist. Tidsskr. stiftet af H. Kroyer, udgi-
vet af J. Schioedte, 3. Raek. I. p. 1 — 75. tav. 1— 2) lieferte sehr
ausführliche, durch Abbildung der charakteristischen Körpertheiie er-
läuterte Beschreibungen von sechs nordischen Mysis-Arten : Mysis fle-
xuosa Müll. , oculata Fab., vulgaris Thomps., cornnta, lalilans und
arctica n. A., welchen bei einer nachträglichen Diagnosticirung noch
Mysis inermis Rathke als siebente angeschlossen wird. Yerf. geht
bei den Charakteristiken der einzelnen Arten besonders auch auf
die Bildung des Gehörorganes ein und beschreibt von einigen auch
den Embryo, welcher z. B. von Mysis arctica auf Taf. I. fig. 5 ab-
gebildet ist. — Im Anschlüsse hieran macht Verf. noch einige andere
mit Mysis in nächster Verwandtschaft stehende Formen bekannt:
Cynlhia inermis aus dem Atlantischen Ocean (47^ und 14^ n. Br.).
— Anchialus, nov. gen., in der Bildung der oberen Fühler, der
Mandibeln und Maxillen mit Mysis übereinstimmend, der Cephalo-
thorax gross, ohne Ausbuchtung am Hinterrande, Augen ohne schwär-
580 Gerstaecker: Bericht äh. d. wissensch. Leistungen
zes Pigment , untere Fühler mit fast rudimentärem Blattanhange,
die Kiefer- und Thoraxfüsse aus einem fussförmigen Aste, einem
Taster und einer Geissei bestehend. Das Endglied des ersten Kie-
ferfusses in eine starke Klaue verwandelt, das vierte Glied des hin-
teren Kieferfusses erweitert und mit dem fünften und sechsten
ein Greiforgan bildend; alle Thoraxbeine haben ein Endglied
ohne Klaue , w^elches aber in drei kleinere Glieder getheilt ist, die
Abdominalbeine sind gross, unter einander fast gleich, mit vierecki-
gem Basalstücke und je zwei Ruderästen (das erste nur mit einem),
ausserdem mit rundlich - dreieckiger Athemplatte. Der mittlere
Schwanzanhang hinten tief ausgeschnitten, mit gedornten Rändern;
der innere Ast der seitlichen Schwanzanhänge an der Basis mit
einem Gehörsacke und kugligen Otholiten. — Art: A7ich. fypicvs aus
dem Atlantischen Ocean, 14'^ n. Br. — Promijsis Galateae n. A. aus
dem Ostindischen Meere. — Dymns, nov. gen., mit Myto Kroyer
zur Subfamilie Sceletininae Dana gehörend, welche sich den Mysi-
den in mehrfacher Beziehung anschliesst. Kiemen und Gehörorgane
am Schwänze fehlend, Geissein der oberen Fühler fast rudimentär,
nicht gegliedert, Mandibel ohne Taster ; zwei Paar Kieferfüsse. sechs
Thoraxbeinpaare, alle aus dem Fuss- und Palpentheile bestehend,
der erste Kieferfuss ausserdem mit Geissei. Die beiden vorderen
Thoraxbeinpaare mit rudimentärer Scheere ; von den sechs Abdo-
minal-Beinpaaren das letzte nicht mit dem Schwänze verwachsen.
— Art: Dym. fypvs von Grönland. — Mit Ausnahme der letzten
Gattung, von der noch Abbildungen geliefert w^erden sollen, sind
alle beschriebenen Formen durch Zeichnungen erläutert.
Loven (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XVIIL p. 285) be-
schrieb Mysis relicta als n. A. aus dem Vettern-See in Schweden.
Die von Sars in einer separat erschienenen Abhandlung
(Beskrivelse over Lophogaster typicus. Christiania 1862. 4. c. tab.3)
ausführlich charakterisirte , bereits oben erwähnte merkwürdige
neue Gattung Lop ho g as t e r, welche wir als mit den Schizopoden
wohl zunächst verwandt, hier anführen, zeichnet sich durch fol-
gende Merkmale aus: Körper Cariden - förmig , Cephalothorax mit
freiem Hinter- und Seitenrande, hinten tief ausgeschnitten, so dass
die beiden letzten Brustringe frei bleiben ; Stirn breit, die grossen
Augen bis zur Cornea bedeckt, die inneren Fühler mit sehr kurzem
und dickem Pedunkulus, sehr langer äusserer und kurzer innerer
Geissei, die äusseren mit weniger dickem, viergliedrigem Pedunku-
lus, breiter Schuppe und einfacher Geissei. Sieben gleichgestaltete
Beinpaare (d. h. die beiden letzten Maxillenfusspaare mit einbegrif-
fen) mit langem viergliedrigem Palpus, die sechs ersten Paar^ mit
zwei- bis dreiästigen Kiemen versehen , deren oberer Ast vom
Rückenschilde bedeckt wird. Postabdomen fast wie bei Mysis, aber
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 581
die Epimeren stärker ausgezogen, die fünf ersten Ringe desselben
mit gleichgebildeten Beinen versehen ; die äussere Endlamelle der-
selben grösser als die innere. Weibchen mit einer durch platten-
artige Anhänge der Thoraxbeine gebildeten Bruthöhle. — Art: Loph.
typicus von der Norwegischen Küste, 1 — P/g Zoll lang.
Amphipoda.
Von Spence Bate's und Westwood's History
of British sessil-ejed Crnstacea sind im J. 1862 die vierte
bis zehnte Lieferung erschienen^ in welchen mit Einschluss
der erst irn J. 1863 herausgegebenen elften Lieferung die
Abtheilung der Gammarinen und zugleich der erste Band
des Werkes zum Ahschluss gebracht wird. Für den zweiten
Band bleiben mithin nur die Hyperinen und die soge-
nannten Laemodipoden (Amphipoda aberrantia) reservirt.
Die Familie Gammaridae (siehe vor. Jahresbericht p. 282) v/ird
mit folgenden Gruppen und Gattungen weiter geführt : 4) Phoxides :
Grayia Bäte 1 A., Weslwoodilla Bäte 2 A., Oediceros Kroyer 1 A.
{Oed. parvimanus n. A ) , Monoculodes Stimps. 2 A. , Kroyera Bäte
(vergebener Name! Copepoda) 2 A. (Kr. altamarina n. A.), Amphi-
lochus Bäte 1 A. , Dnricinia Bäte 1 A. , Sulcator Bäte 1 A. Uro-
thoe Dana 4 A., Liljeborgia Bäte 2 A. (L. Shellandica n. A), Phae-
dra Bäte 2 A. (1 A. fossil) , Isaca Edw. 1 A., Iphimedia Rathke
(Microcheles Kroyer) 2A., O^ms Bäte (vergebener Name ! Aves) 1 A.,
P er eiono tus nov. gen. 1 A. (Oniscus testudo Moutagu), Acan-
thonotus Owen 1 A. — 5) Gammarides : Dexamine Leach 3 A. {D.
Vedlomensis n. A.), Atylus Leach (Nototropis Costa) 3 A., Pherusa
Leach 2 A., Calliope Bäte 4 A (C. Fimjalli n. A.) . Eusirus Kroyer
1 A., Leucothoe Leach 2 A., Gössen Bäte 1 A., Aora Kroyer (Lalaria
NicoL, Lonchomerus Bäte) 1 A., S t imp s oni a Bsiie lA., Microdeutopus
Costa (Lembos Bäte) 4A., Protomedeia Kroyer (Leptocheirus Zadd.,
Ptilocheirus Stimps.) 2 A., Bathyporeia Lindstr. (Thersites Bäte) 3 A.,
Niphargus Schiödte 3 A., Crangonyx Bäte 1 A., GammarellaBate 2 A.
(G. Normanni n. A.), Melita Leach (Ceradocus Costa, Maera Dana) 4 A.,
Maera Leach (Leptothoe Stimps.) 1 A., Eurystheus Bäte 2 A., Ania-
f/wZ/rt (Amathia Rathke) 1 A., Gammarus auct. 8 A. (2A. zweifelhaft),
Megamaera Bäte 5 A., Ei sei a du s nov. gen. 1 A. (E. lonfjicaiida-
tns n. A.).
Die Familie der Corophiidae umfasst : 1) Podocerides : Am-
phithoe Leach 4 A. , Sunamphithoe Bäte 2 A. , Podocerus Leach
(Ischyrocerus Kroyer, Cratophium Dana, Elasmopus Costa) 6 A.,
Cerapus Say (Erichtlionius Edw.) 2 A., Dercothoe Dana 1 A., Sipho-
582 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
noecetus Kroyer 3 A., Naenia Bäte 4 A, — 2) Corophiides : Cyrto-
phium Dana (Laetmatophilus Bruzel.) 1 A., Cratippus Bäte 1 A-,
Dryope Bäte 2 A , Corophium Latr. 3 A.
Die Familie Cheluridae enthält nur die Gattung Chelura Phi-
lippi (Nemertes White) mit 1 A.
A. Boeck, ;,Bemaerkninger angaaende de ved de
norske Kyster forekommende Amphipoder'^ (Forhandlin-
ger ved de Skandinaviske Naturforskeres ottende möde i
Kjöbenhavn^ 8. — 14. Juli 1860. p. 631 — 677) machte vor-
läufige Mittheilungen über eine grössere Anzahl neuer,
an der Norwegischen Küste von ihm aufgefundener Am-
phipoden (mit Einschluss der Laemodipoden ), welche
die im vorigen Jahresberichte angeführte Zusammenstel-
lung der Schwedischen Amphipoden-Fauna von Bruze-
lius in allen Theilen, besonders aber in den dort nicht
vertretenen Familien der Hyp erinen und Caprellinen we-
sentlich ergänzen und vervollständigen. Die neuen Arten
Averden ohne Diagnosen in Dänischer Sprache charakte-
rislrt, mehrere zu neuen Gattungen erhoben; vermuthlich
beabsichtigt der Verf., sein Material noch in einer aus-
führlicheren Arbeit zu veröffentlichen.
Die Familie der Hyperinen ist an der Norwegischen Küste
nur durch zwei Gattungen, Hyperia und Lestrigonus vertreten, von
denen jede mit einer neuen Art: Hyp. spinipes und Lestrig. Boeckii
bereichert wird. — Eine zweite, sich den Hyperinen zunächst an-
schliessende neue Familie belegt Verf. mit dem Namen Frostomatae;
sie beschränkt sich bis jetzt nur auf eine einzelne neue Gattung
und Art: Trisc ki z os t o m a liaschii. — Zur Familie Gammarina
kommen folgende neue Arten und Gattungen : Anonyx serratus, pin-
giiis, obtusifrons und Bruzelii, Icknopus spinicornis, Fontoporeia ar-
mata, Ampelisca spinipes, Stenotkoe Danai, Eusirus longipes, Iduna^
nov. gen., auf Gammarus brevicornis Bruz. und fissicornis Sars be-
gründet, Epidesura, nov. gen. für Amphithoe compressa Lilljeb.,
Dexamine Tliea n. A., Gammarus Bald n. A., Amphit liop si s (nov.
gen. auf Amphithoe bicuspis, elegans, laeviuscula und tridentata
begründet) glaber und longicaudala^ Podoceropsis (nov. gen. Co-
rophidarum) Sophia, Amphithoe grandimana, Heia (nov. gen.) mon~
strosa. — Zur Familie der Caprellinen kommen als neu: Aegina
echinata und laevis, Aeginella (nov. gen.) spinosa, Caprclla Es-
markii, laticornis und punctata. Ausser der Beschreibung dieser
neuen Formen bringt der Yerf. vielfache Bemerkungen in Betreff der
Abgränzung der von früheren Autoren aufgestellten Gattungen bei.
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 583
Gammarinä. Costa (Annuario del museo zoologico I. 1862,
p. 801'., Taf. 2. fig. 18) beschrieb und bildete ab Lysianassa filicomis
n. A. von Neapel, von den übrigen bekannten Arten auffallend durch
sehr lange, fadenförmige Geissei der unteren Fühler abweichend.
Hyperina. Derselbe (ebenda p. 90. Taf. 3) veröffentlichte
„Osservazioni sulla Diphya quadrivalvis e su' Crostacei che si svi-
luppano entro i bottoni delle appendici urticanti." Nach diesen fand
Verf. in knopfartigen Anschwellungen der Nesselorgane von Diphyes
quadrivalvis lebhaft roth gefärbte Embryonen eines Crustaceum,
welches er vorläufig mit dem Namen Diphy icola (nov. gen.) rubens
belegt. Die Embryonen lagen in der Hülle zusammengekrümmt,
die Thoraxbeine an die Brust gezogen und waren mit den Abdomi-
nalbeinen in steter Bewegung ; sie glichen im Allgemeinen der Gat-
tung Phrosina, ohne sich indessen auf eine ausgebildete Form zu-
rückführen zu lassen. Wie das Ei in den Nesselorganen der Diphyes
encystirt wird und zu welcher Zeit das junge Crustaceum die Hülle
verlässt, ist dem Verf. bis jetzt nicht bekannt geworden.
Claus' „Bemerkungen über Phronima sedentaria Forsk. und
elongata nov. spec," (Zeitschr. f. wissensch. Zoolog. XH. p. 189 f.
Taf. 19) ergänzen in mehrfacher Beziehung die von Pa genst e eher
über dieselbe Gattung publicirten Beobachtungen. Verf. beschreibt
zuerst den an jungen Individuen sehr deutlich zu übersehenden Bau
des Herzens und den Blutkreislauf. Das Herz erstreckt sich vom
Ende des Kopfes bis in die Mitte des sechsten Thoraxringes, hat
drei Paar venöser Ostien, dem 2. bis 4. Thoraxringe entsprechend
und giebt an seinem hinteren Ende eine bis in das 3. Abdominal-
segment reichende Aorta abdominalis ab. Auch am vorderen Ende
des Herzens findet sich eine Oeffnung ; ob aus derselben eine Arterie
in den Kopf geht, Hess sich nicht sicher ermitteln. — Die Zahl der
Ganglienpaare stellt der Verf. abweichend von Pagenstecher auf
10 fest; im Bereiche des Thorax, wo Pagenstecher sechs solche
angiebt, finden sich in der That nur fünf. — In Betreff der Natur
des Phronima - Gehäuses glaabt Verf. gleichfalls, dass es der leere
Mantel eines salpenartigen Thieres sei; in der noch kleinen Hülle
eines jungen Phronima-Individuum glaubte er mit ziemlicher Sicher-
heit den Mantel eines Pyrosoma zu erkennen, welches ihm gleich-
zeitig zur Beobachtung vorlag. — Mit der Beschreibung und Ab-
bildung der neuen Art: Phronima elongata wird gleichzeitig eine
wiederholte von Phronima sedentaria gegeben.
In einer weiteren Abhandlung: ..lieber Phronima elongata
Claus" (Würzburger naturwiss. Zeitschr. III. p. 247 ff. Taf. 6) ver-
vollständigt derselbe Verf. seine erste Beschreibung des Weibchens
der genannten Art und giebt zugleich über das muthmassliche
Männchen Nachricht. Dasselbe unterscheidet sich durch kürzeren,
584 Gerstaecker: Bericht üb. d, wissensch. Leistungen
gedrungeneren Bau des Postabdomen und seiner Fussanhänge, ganz
besonders aber durch die Form der Fühler, welche in zwei sehr
entwickelten Paaren auftreten. Die oberen bestehen aus einem
dicken, zweigliedrigen Schafte, dessen zweites Glied sehr lang und
aufgetrieben ist und aus einer 13-gliedrigen, hakenförmig gegen den
Schaft hin gekrümmten Geissei; die unteren sind ebenfalls lang^
aber gerade und dünn geisselförmig , gegliedert.
Spence Bäte (Annais of nat. bist. 3. ser. X. p. 440) erklärt
ein von Dr. Wal lieh in derselben Zeitschrift p. 304 für den Un-
terkiefer eines unbekannten, nur V20 Zoll langen Wirbelthieres aus-
gegebenes Fragment für den Scheerenfinger einer Phrosina und
giebt eine Abbildung desselben im Holzschnitt.
Caprellina. Lütken (Forhandl. Skandinav. Naturforsk. ot-
tende möde iKjöbenhavn p. 590 ff.) machte vorläufige Angaben über
die im Kopenhagener Museum vorhandenen nordischen Cyamus- Ar-
ten, deren er acht unterscheidet; die meisten haben bestimmte
Wohnthiere, wie z. B. die auf Balaenoptera longimana lebende Art
von Cyamus ceti verschieden ist. Auf dem Narval finden sich zwei
Arten nebeneinander, von denen eine bereits in der Zoologia Danica
abgebildet ist; diese wird vom Verf. mit dem Namen Cyanws no-
dosus belegt.
Isopoda.
Bopyrini. Nachdem die Familie der ßopyrinen in
den letzten Jahren durch mehrere von C 0 r n a li a, L i 1 1-
jeborg und Hesse bekannt gemachte ^ höchst merk-
würdige neue Formen aus den Europäischen Meeren be-
reichert worden war, durfte man mit Recht auf die den
Tropengegenden eigenthümlichen als vermuthlich in Form
und Lebensweise noch bei weitem interessanteren beson-
ders gespannt sein. Die Mittheilungen, welche F. Mül-
ler (dies. Archiv f. Naturgesch. XXVIII. p. 10 ff., Taf. 2)
über die Lebensweise und die Körperbildung des- ,,Ento-
niscus Porcellanae, einer neuen Schniarotzerassel'^ von der
Brasilianischen Küste bekannt macht, sind nun in der
That der Art, dass dadurch selbst die kühnsten Erwar-
tungen übertroffen worden sind. Das Weibchen eines
schmarotzenden Isopoden, welches in einem dünnhäutigen
Schlauche zwischen Leber, Darm und Herz eines Deca-
poden (Porcellana) gelegen ist, dessen Kopf Augen und
Fühler verloren und den Magen in sich aufgenommen
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 585
hat^ dessen Brust zu einem regungslosen , ungegliederten^
mit ungeheuren Brutblättern besetzten Schlauche gewor-
den ist und dessen lang wurm förmiger, äusserst bewegli-
cher, mit säbelförmigen Beinen besetzter Hinterleib im
Anfange seines ersten Segmentes das Herz gleich wie
in einem Bruchsacke beherbergt — da ist wohl des
Wunderbaren so viel und mehr vereinigt, als nur irgend
wie geahnt werden konnte !
Das Weibchen des Entoniscus (nov. gen.) Porcellunae er-
reicht eine Länge von 10 bis 15 Mill. und trägt eine so vollständige
Deformation aller Theile d^s Arthropodenkörpcrs zur Schau, dass
man dasselbe aus der Abbildung kaum als ein Thier überhaupt, viel
weniger als eine Assel erkennt. Yerf. fand zuweilen zwei und selbst
drei Individuen in der Eingeweidehöhle eines und desselben Wir-
thes ; besonders bemerkenswerth ist , dass sich zwischen den sehr
grossen und in sehr barocker Weise zerschlitzten Brutblättern neben
Eiern gleichzeitig alle Entwickelungsstufen der Nachkommenschaft
vorfinden. Das nur 0,8 Mill. lange Männchen hat einen verlängert
birn- oder fast keulenförmigen Körper, indem die Segmente des
Postabdomen an Breite auffallend gegen die des Vorderkörpers zu-
rückstehen , und zeichnet sich durch ganz kurze , stummeiförmige
Beine (an den sechs ersten Körperringen) aus, mit denen es sich
indessen auf dem Körper des Weibchens ziemlich schnell zu bewe-
gen vermag. Die Larvenform ist derjenigen von Bopyrus und Liriope
im Allgemeinen ähnlich und wie diese mit deutlich gegliederten
Fühlern und Beinen versehen. — Der Schlauch, in welchem das Ent-
oniscus -Weibchen eingehüllt liegt, lässt sich bis an die Gelenkhaut
zwischen dem Cephalothorax und dem ersten freien Leibesringe der
Porcellana verfolgen und Verf. vermuthet daher, dass er durch Ein-
stülpung dieser Gelen kliaut von Seiten des eindringenden Parasiten
entstanden sei. Als besonders bemerkenswerth hebt Verf. noch das
oft gleichzeitige Vorkommen des Entoniscus mit dem weiter unten
(vgl. Cirripedia) erwähnten Lernaeodiscus hervor und glaubt den-
selben dadurch erklären zu müssen , dass letzterer durch seinen
Sitz einen Anschluss des Hinterleibes an den Brustschild der Por-
cellana hindert und so dem Entoniscus den Zugang zu der Bauch-
höhle erleichtert. (Möglicher Weise könnte auch zwischen den
beiden genannten Formen ein ähnliches Verhältniss wie zwischen
Liriope und Peltogaster existiren. Ref.) — Uebersetzung in's Eng-
lische : ,,0n Entoniscus Porcellanae, a new parasitic Isopod Crusta-
cean" (Annais of nat. hist. 3. ser. X. p. 87 ff. pl. 2).
ÄSellina. W. Stimpson, On an oceanic Isopod found near
586 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
the south-eastem shores of Massachusetts (Proceed. acad. nat. scienc.
of Philadelphia 1862. p 133) beschrieb Idothea robusta n. A., mit
Id. margaritacea Dana zunächst verwandt, im Leben von tief blauer
Farbe unter der silberglänzenden Körperbehaarung.
J). Stevenson, Notice of the ravages of Limnoria terebrans
on Creosoted Timber (Edinburgh new philos, Journ. XVI. p. 152).
Poecilopoda.
Gray (Annais of nat. hist. 3. ser. X. p. 99) erzählte eine amü-
sante Geschichte von Limulus Polyphemus : „The King Grab, Limu-
lus Polyphemus . found on the English Coast.** Der Molukkenkrebs
wurde neuerdings mehrfach lebend nach Liverpool gebracht und
findet sich auch lebend im Londoner Zoologischen Garten. Mr.
Walker, der Nordpolfahrer nahm vor Kurzem ein lebendes Exem-
plar mit sich nach Paris für den Jardin des plantes; da er es aber
dort nicht anbringen konnte, warf er es auf der Ueberfahrt zwischen
Boulogne und Dover in das Meer. Der Molukkenbrebs muss nun
bei Dover an das Land gespült worden sein, denn er ist seitdem
schon mehrmals an der dortigen Küste gefunden worden. Gray
glaubt dies erwähnen zu. müssen, um irrigen Annahmen über ein
spontanes Vorkommen des Krebses an der Englischen Küste vor-
zubeugen (!).
Branchipoda.
PhyllOpOda« C. Chyzer, „Crustacea phyllopoda faunae Pes-
thinensis" ist der Titel einer mit 7 Tafeln ausgestatteten, in einer
Magyarischen Zeitschrift publicirten Abhandlung, welche dem Ref.
nicht zugekommen ist. Nach Angabe des Verf.'s in den Verhandl. d.
Siebenbürg. Ver. f. Naturwiss. zu Hermannstadt XIII. p. 56 sind darin
folgende Arten aus der Umgegend von Pest abgehandelt: Estheria
cycladoides Joly , Pesthinensis Brühl, Limnetis brachyuinis Müll.,
Apus cancriformis Schaff., Branchipus Hungaricus Chyzer, stagnalis
Schaff., torvicornis Waga und ferox Edw.
Derselbe (Nachtrag zu V. Sil l's Mittheilung über Artemia
salina, Verhandl. d. Siebenbürg. Ver. f. Naturwiss. XIII. 1862) gab
einen historischen Ueb erblick über die jene Art behandelnde Lite-
ratur von Schlosser bis auf Leydig.
Grube, Bemerkungen über die Phyllopoden, besonders über
die Phyllopoden mit zweiklappiger Schale (40. Jahresbericht der
Schlesisch. Gesellsch. f. vaterl. Cultur p. 43 f.). Verf. erörtert den
Bau der Schale bei Estheria, welche aus lauter über einander ge-
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 587
lagerten Blättern besteht, von denen jedes neu gebildete sich unter
das zunächst vorher entstandene anlegt und dasselbe an allen Rän-
dern überragt. Dies kann nur dadurch erklärt werden, dass bei
den durch das Wachsthum ))edingten Häutungen des Thieres nur
die, die Innenseite der Schale auskleidende Membran mit der Kör-
perhaut abgeworfen wird, das äussere Blatt jedoch, um die Schale
zu verdicken , bestehen bleibt. Die Zahl der Schichten der Schale
(bei Esth. donaciformis 33 bis 40) deutet daher auf die Zahl der
Häutungen des Thieres hin, deren nach Joly's Beobachtungen bei
Esth. cycladoides in fünfzehn Tagen sechs erfolgten, — Ferner
giebt Yerf. eine vorläufige Charakteristik von Apns Numidicus n. A.
aus Algier, zur Gruppe des A. cancriformis gehörend, von diesem
aber schon durch beträchtlich kürzere Schale abweichend.
W. Baird, Description of several new species of Phyllopo-
dous Crustaceans belonging to the genera Estheria and Limnetis
(Proceed. zoolog. soc. of London XXX. p. 147 — 149. pl. 15. Annais
of nat. hist. 3. ser. X. p. 391-393.) Die vom Yerf. beschriebenen
und abgebildeten Arten sind : Estheria Jonesi von Cuba , Dunheri
von Zimapan in Mexiko, Lofti von Bagdad aus dem Tigris, Rnbidgei
von Port Elisabeth in der Cap-Colonie, Macgillivrayi gleichfalls vom
Cap, Caldwelli aus dem Winnipeg-See in Nord-Amerika und Lim-
netis Gouldii aus Canada. Yon allen Arten sind nur die Schalen
beschrieben, welche zwar für die Artbestimmung nicht unwichtig,
aber jedenfalls nicht das Interessanteste an diesen Thieren sind.
Arthur Adams, Note on Lepidurus glacialis (Zoologist
1861. p. 7403) ist dem Ref. nicht zugänglich gewesen.
GladOCera. Claus (lieber Evadne mediterranea , n. sp. und
polyphemoides Leuck., Würzburger naturwiss. Zeitschr. III. p. 238 ff.
Taf. 6) erörterte mit Bezug auf die Loven'sche Abhandlung von
Neuem die Organisation der Gattung Evadne an einer im Hafen
von Messina aufgefundenen neuen Art, Ev- mediterranea, welche
nach dem Yerf. unter zwei (auf Taf 6. fig. 1 und 2 abgebildeten)
recht auffallend verschiedenen Formen (ob nicht verschiedene Arten?)
auftritt, so wie ferner an der von Helgoland stammenden (zur Gat-
tung Podon Lilljeb. zu verweisenden) Ev. polyphemoides Leuck.
An dem von Leuckart als Saugnapf nachgewiesenen Organe,
welches Yerf. in gleicher Weise deutet, konnte er nur radiäre, da-
gegen keine Ringfasern bemerken. Eine Kapsel, in der nach Ley-
dig der Bulbus des Daphniden - Auges befestigt sein soll, wurde
bei Evadne vermisst und die Anwesenheit desselben auch bei Daph-
nia in Zweifel gezogen ; nur ein oberes und unteres blasenförmiges
Suspensorium und das auch von Leydig angegebene blasige Ge-
webe wurden als Befestigungsmittel des Bulbus vorgefunden. An
den langgestreckten Krystallkegeln des Auges wurde keine Segmen-
588 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
tation (Leydig) beobachtet, dagegen ein unmittelbarer Uebergang
derselben in die Substanz der Nervenstäbchen nachgewiesen; die
von Leuckart angegebene dreifache Form der Krystallkegel wird
bestätigt. Die von Loven vermissten blinden Anhänge des Ma-
genabschnittes sind nach Cl. wie bei den Daphniden vorhanden.
Bei den Weibchen fanden sich vollständig ausgebildete Embryonen,
in anderen Fällen ein einzelnes Winterei im Körper selbst, nicht
im Brutraume. Vom Nervensystem konnte Verf. ausser dem Gehirn
einen Bauchstrang mit vier Anschwellungen und den davon austre-
tenden Nerven nachweisen.
Scho edler, ..Die Lynceiden und Polyphemiden der Umge-
gend Berlin's (Jahresbericht d. Dorotheenstädt. Realschule zu Ber-
lin 1862. 26 pag. in 4. mit 2 Taf.) setzte seine früher (vgl. Jahi-es-
ber. 1858 p. 244) erwähnten Untersuchungen über die bei Berlin
vorkommenden Branchiopoden mit genauen Gattungs- und Artcha-
rakteristiken aus der Lynceiden-Gruppe fort. Die von Baird in
ihren Merkmalen nur angedeuteten Gattungen Eurycercus , Chy-
dorus und Alona werden näher begründet und folgende Arten der-
selben aus der Umgegend Berlins ausführlich beschrieben und durch
Abbildungen erläutert : Eurj^cercus lamellatus Müll., Chydorus sphae-
ricus Müll, globosus Baird, nitidus und caelatus n. A., Älona spini-
fera n. A., affinis Leyd., lineata Fisch, und snlcata n. A. Einige
von anderen Autoren aufgestellte Arten werden gleichfalls mit her-
angezogen und in Bezug auf ihre Selbstständigkeit beurtheilt. —
Den schwarzen Gehirnfleck der Lynceiden vermag Verf. auch jetzt
nicht als Augenrudiment anzuerkennen , auch widersetzt er sich
der Bezeichnung als „Haftorgan'' für das auf der Gränze von Kopf
und Rückenschale gelegene räthselhafte Organ, dessen sich die Lyn-
ceiden nach seinen Beobachtungen niemals zum Festhalten bedienen.
(Eine Fortsetzung und Beendigung dieser Arbeit liegt gegenwärtig
in einer selbstständig erschienenen Abhandlung des Verf.'s v. J.
1863 vor.)
A. Euren. Om märkliga Crustaceer af ordningen Cladocera,
funna i Dalarne (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XVIIL p. US-
US. Taf. 3). Verf. giebt zunächst nähere Auskunft über Daphnia
setigera Müll. (Gattung Latona Straus), deren Ruder- Antennen nicht,
wie Müller angiebt, drei einfache Endäste führen, sondern wie
bei allen übrigen Gattungen der Familie nur zwei. Der eine Ast
ist dreigliedrig und zwar ist das erste und letzte dieser Glieder sehr
kurz ; der andere Ast ist zweigliedrig und erscheint nur dadurch
zweiästig, dass das Basalglied seitlich von der Einfügung des
Spitzengliedes nach vorn stark verlängert ist. (Eine Abbildung der
Ruder-Antennen ist auf Taf. 3. fig. 1 gegeben.) — Unter dem Namen
Acantkoleberis denlala bildet Verf. eine neue Art ab, welche durch
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 589
einen scharfen , frei hervortretenden Zahn an der Rückenlinie der
Schale ausgezeichnet ist (Taf. 3. fig. 2). Endlich bildet er (fig. 3)
eine mit Holopedium Zadd. verwandte, gleichfalls mit sechs Bein-
paaren versehene Form ab , ohne sie jedoch zu benennen ; dieselbe
hat zweiästige Ruder- Antennen und verbindet daher Holopedium
mit den übrigen Daphniden.
G. 0. Sars, Om de i Omegnen af Christiania forekommende
Cladocerer (Forhandl. Vidensk. Selskab. i Christiania, aar 1861. Chri-
stiania 1862. p. 144—167 und p. 251—302) gab eine Uebersicht der
in der Umgegend von Christiania von ihm beobachteten Cladoceren,
welcher er eine eingehende Charakteristik der daselbst vertretenen
neuen Gattungen und Arten voranschickt. Nach der vom Verf.
gegebenen Uebersicht der Arten ist die Fauna von Christiania eine
besonders reichhaltige : a) Sididae 4 Gatt, mit 4 Arten, b) Elytro-
phoridae (Holopedium) 1 Gatt, und Art. c) Daphnidae 5 Gatt, mit
24 A. d) Bosminidae 1 Gatt, mit 7 A, e) Lyncodaphnidae 6 Gatt,
mit 7 A, f) Lynceidae 13 Gatt, mit 27 A. g) Polyphemidae 4 Gatt,
mit 5 A. h) Leptodoridae 1 Gatt, mit 1 A. Im Ganzen 76 Arten. —
Die Abhandlung des Verf. zerfällt in zwei Theile, von denen der
erste die Beschreibung von folgenden Gattungen und Arten enthält :
Daphnia longispina Müll, (von welcher D. longispina Schoedl. ver-
schieden ist), lonrjiremis und cristata n. A-, Bosmina longirostris
Müll, und obtvsiroslris n. A. , Ilyocryptns, nov. gen. auf Acan-
thocercus sordidus Liev. begründet, Di- e p anothri x, nov. gen. mit
einer neuen Art : Drep. sentigera (Artname später in Drep. hctmata
umgeändert), zwischen der vorhergehenden Gattung und Acanthole-
beris stehend, Ophryoxns, nov. gen. mit einer neuen Art: Ophr.
gracilis, von Macrothrix und Acantholeberis durch die von der Spitze
des Rostrum pendeiförmig herabhängenden Fühler des ersten Paares
abweichend. — Alona rectangula, falcala und pygmaea n. A., elon-
gata (=- Lync. macrurus Liev. Zadd.). Chydorvs piger und Pleuroxus
laevis (Artname später in FL hastatus umgeändert) n. A. und M o-
nospilus, nov. gen. mit einer neuen Art: Mon. dispar, welche sich
durch gänzlichen Mangel der Augen auszeichnet und nur den un-
paaren schwarzen Pigmentfleck beibehalten hat — Im zw^eiten Theile
behandelt Verf. folgende Formen: Holopedium gibberum Zadd. (die
von Z a d d a c h als krankhaft bezeichnete gallertige Absonderung
an der Oberfläche des Körpers weist Verf. als eine natürliche und
constante nach), welche Gattung Verf. von den Sididen trennen und
zu einer eigenen Familie Elytrophoridae erheben will (dieser Fami-
lien-Name ist als irreleitend zu verwerfen, da eine ältere Gattung
Elytrophora unter den Siphonostomen existirt). — Limno si cl a, nov.
gen. (in der Form an Daphnella brachyura erinnernd, durch ihre
Charaktere den Uebergang zu Sida bildend) frontosa, Daphnia pulex
590 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
auct., pennata Müll., ovata, Schoedleri (= D. longispina Schoedl.),
hastata, lacustris, rosea, cavifrons, carinatn und cucuUata n. A-,
Ceriodaphnia quadrangula Müll. , rotunda Straus , reticulata Jur.,
pulchella und megops (? = D. quadrangula Liev. Leyd.) n. A., Bos-
mina Lilljeborgii, lacnstris und nitida n. A., Bosm. cornuta Jur.,
Jlyocryptus aciilifrons r\. A. , Streblocerus {nov. gen.) minvtus,
Alona tenuicandis, costata, intermedia und guttata n. A., Chydorus
latus, Anchistr opus (nov. gen.) emargi7iatus, Pleopis Leuckartii
(= Evadne polyphemoides Leuck.) und tninutus n. A. — Die Grup-
pen, unter welche Verf. sowohl die von ihm aufgestellten neuen als
die bereits bekannten Gattungen vertheilt, werden in ihren unter-
scheidenden Charakteren näher erörtert.
Die schon im vorigen Jahresberichte p. 289 angezogene Le-
ptodora hyalina Lilljeb. findet sich auch in den Forhandlinger ved
de Skandinaviske Naturforskeres ottende möde i Kjöbenhavn p. 585 ff.
ausführlich beschrieben.
Eine Notiz von R. Hogan „On Daphnia Schaefferi" (Report
of the 31. meeting of the British associat. f. advanc. of science,
Transact. p. 146) enthält nichts Neues von Bedeutung. Um frisch
ausgeschlüpfte Individuen fortpflanzungsfähig zu machen, war nach
des Verf.'s Beobachtung ein Zeitraum von 14 Wochen nöthig.
C. V. Hey den (v. Meyer's Palaeontographica X. p. 62. Taf. 10.
fig. 25) machte Daphnia -Ephippien aus der Braunkohle von Rott
bekannt; dieselben finden sich in grösserer Anzahl beisammen und
in Gesellschaft von fossilen Insekten, besonders von Hymenopteren
und Dipteren. Die Ephippien sind V2 Lin. lang, Vs Lin. breit und
enthalten je zwei Eier.
Ostracodea. Norman (Contributions to British Carcinology II.
On species of Ostracoda new to Great Britain. Annais of nat. hist.
3. ser. IX. p. 43— 51. pl. 2 u. 3) gab Beschreibungen und Abbildun-
gen von folgenden für England neuen Muschelkrebsen : Cypris pun-
ctillata n. A., aculeata Lilljeb., monslrifica n. A., Candona serrata,
Cythere marginata, badia, contorta, (Bairdia) iiißata (= B. subdel-
toidea var, Jones), (Bairdia) mytiloides und Cythereis fimbriata Römer.
W. Baird (Description of some new species of Entomostra-
cous Crustacea, Annais of nat. hist. 3. ser. X. p. 1 — 5. pl. 1) machte
Candona d'Urbani als n. A. vom Cap der guten Hoffnung , Cypris
unispinosa von den Sandwichs - Inseln und Jamaica, Texasiensis (!)
aus Texas, Chittyensis und Yallahensis von Jamaica und Verreauxii
aus Chile bekannt. Candona d'Urbani erzog der Verf. in London
aus Eiern, welche ihm in Schlamm aus Süd- Afrika gesandt wurden;
derselbe wurde, da er ausgetrocknet war, im Januar mit reinem Was-
ser Übergossen. Die Thierchen erschienen im A^rii aus den Eiern
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 591
und waren Mitte Mai's ausgewachsen; die Art ist die grösste be-
kannte, nämlich 3 Lin. lang.
Lilljeborg (Beskrifning öfver tvä arter Crustaceer af ord-
ningarna Ostracoda och Copepoda, Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl.
XIX. p. 391 ff. tab. 3) beschrieb Cythere relicfa als n. A. aus der
Umgegend von Upsala, abweichend von den übrigen Arten der
Gattung nicht im Meere lebend. Verf. fand (gegen Zenker's An-
gabe) zwei Maxillenpaare, nämlich ausser dem mit einem grossen
Kiemenanhange versehenen ersten und bisher allein beschriebenen
ein sehr kleines, aus zwei eingliedrigen, in der Mittellinie verwach-
senen Blättchen bestehendes (welches jedoch, nach seiner Form
und Einlenkung zu urtheilen, jedenfalls nicht als Kiefer fungi-
ren kann).
J. Kirkb y (Annais of nat. bist. 3. ser. X. p, 203. pl. 4) gab
nochmalige Beschreibungen und Abbildungen von Cythere (Bairdia)
plebeja Reuss und Schaurothiana Kirb. nach Permischen und Exem-
plaren der Kreideformation.
Copepoda.
Unter dem Titel: ^Untersuchungen über die Orga-
nisation und Verwandtschaft der Copepoden" und: ^Ueber
die morphologischen Beziehungen der Copepoden zu den
Malacostraken, Phyllopoden, Cirripedien und Ostracoden^
(Würzburg, naturw. Zeitschr. IIL p. 51—103 u. 159—167)
hat Claus eine Resume der wichtigsten Resultate seiner
jetzt auch auf zahlreiche marine Copepoden-Formen aus-
gedehnten Untersuchungen, welche in einem später (1868)
erschienenen grösseren Werke ausführlich dargelegt sind^
gegeben. In dem ersten die Morphologie behandelnden
Abschnitte geht der Verf. auf alle einzelnen Organsy-
steme der Reihe nach ein und erörtert, auf den Vergleich
zahlreicher Gattungen gestützt, die Hauptmodificationen,
denen dieselben unterliegen. Besonders hervorzuheben sind
hier die Resultate, zu denen Verf. durch die Untersuchung
der marinen Formen über die Entwickelung der Extremi-
täten und über die Anlage des Nervensystems, welche
von seinen früheren Angaben abweichen, gelangt ist. Aus
dem dritten Extremitätenpaare der Larve entstehen näm-
lich nicht sämmtliche Mundtheile, sondern ausschliesslich
die Mandibeln der Cyclops-Form, während die Maxillen
592 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
sich aus dem in Form kurzer Lappen lieryorsprossenden
vierten Gliedmas: ^npaar der Larve entwickeln; die vier
Kieferflisse gehören nach dem Verf. als äussere und in-
nere Aeste eines und desselben Gliedmassenpaares einem
einzigen Leibesringe an. — Die bereits von Zenker an-
gegebene, vom Verf. aber bisher vermisste Bauchgang-
lienkette hat er jetzt an Calaniden und Pontelliden beob-
achtet und hier an dem bis zum 3. oder 4, Thoraxsegment
sich erstreckenden Bauchstrange meist sieben ganglionäre
Anschv^ellungen aufgefunden, Vielehe Nerven zu den ihnen
entsprechenden Extremitäten aussenden. — In dem zvp-ei-
ten, die Systematik behandelnden Theile giebt Verf. eine
Charakteristik der sechs von ihm unter den freilebenden
Copepoden angenommenen Familien und eine Analyse
der denselben angeliörenden Gattungen, ^Yelche zum Theil
durch ihn selbst errichtet werden.
Diese sechs Familien sind: 1) Cyclo2:)idae mit den Gattungen
Cyclo^DS auct.f Cy dop in a, nov. gen. und Oithona Baird. 2) Har-
pactidae: Euterpe und Longip eflia, nov. gen., Tachidius Lilljel).,
Canthocamptus "Westw., Cleta, D actyl opus und Th alest r i s, nov.
gen., Harpacticus M. Edw., Westwoodia Dana. Amymone Claus, Se-
tella (= Miracia) Dana, Tisbe Lilljeb. 3) Peltididae: Porcellidium,
Oniscidium und Eupelte Claus , Alteutha Baird, Zaus Goods. 4)
Corycaeidae : Corycaeus, Copilia und'Antaria Dana, Ltihh ockia und
Pachy s om a (vergebener Name! Coleoptera) nov. gen., Saphirina
Thomps., Saphir inella, nov gen. und Monstrilla Dana. 5) Calani-
dae : Cetochilus Rouss., Calanus Leach, C alanella, H emic al anus,
Pleur omni a , H et er o chact a und L eii ckartia, nov. gen., Dias
Lilljeb. (= Acartia Dana), Temora Baird, Undina Dana, Euchaeta Phil.,
Candace Dana, Cyclopsine M. Edw. (= Diaptomus Westw.) und
Ichthyophorba Lilljeb. (= Calanopia und Catopia Dana). 6) Pon-
tellidae: Irenaeus Goods. (= Anomalocera Baird), Pontella Dana,
Pont ein na, nov. gen. und C alanop s, nov. gen.
Die morphologischen Beziehangen der Copepoden zu den übri-
gen Crustaceen-Typen erläuternd, versucht der Verf. die Gleichwer-
thigkeit bestimmter Körpersegmente und Extremitäten einerseits
an Calanus. Lepas, Daphnia, Cj-pris und der Nauplius- Form der
Copepoden, andererseits an einem eigentlichen Decapoden, Euphausia,
Leucifer, Cuma und Cyclops durch Gegenüberstellen der morpholo-
gisch entsprechenden Theile nachzuweisen.
M. Sars, Beskrivelse med Afbildninger af fire nye
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 593
parasitiske Copepoder (Förhandl. Vidensk. Selskab. i Chri-
stiania 1861. p. 134 — 143) machte vier neue Cyclops-för-
mige Gattungen von Schmarotzerkrebsen bekannt, welche
parasitisch auf Anneliden gefunden wurden und durch
ihre Merkmale zwischen den Ergasiliden, Corycaeiden
und Cyclopiden die Mitte halten. Vorläufig sind nur die
Gattungsmerkmale festgestellt , die Arten nur benannt
worden.
1) Eoli clicola, nov. gen. Corpus subdepressum, breviuscu-
lum, postice attenuatum, segmentis feminae decem, maris undecim
compositum. Abdomen thorace angustius. Caput cum segmento
primo thoracis coniunctum , plus quam semicirculare. Rostrum
frontale haud prominens neque fissum. Antennae primi paris se-
ptemarticulatae, secundi paris pediformes, validae, quadriarticulatae,
articulo ultimo unguibus .duobus armato. Maxillipedes feminae
breves, triarticulati, articulo ultimo apice bicuspide (quasi chelato),
maris longi, validi, subcheliformes, quinquearticulati, articulo ultimo
ungue praelongo valido arcuato formato. Rami pedum trium pa-
rium prirnorum ambo triarticulati. ramus interior quarti paris biar-
ticulatus. Pedes quinti paris rudimentarii, parvi, simplices (non
biramosi), uniarticulati. Sacculi oviferi duo oblongi. — Art: Eol.
tenax, 1 Mill. lang, auf Eolis Drummondii. — 2) T er eb ellicola^
nov. gen. Corpus feminae depressiusculum, subelongatum , antice
latius, postice attenuatum, segmentis undecim comp 'situm. Abdomen
thorace angustius, caput cum segmento primo tlioracico coniunctum,
subsemicirculare, fronte productiuscula. Rostrum frontale haud pro-
minens neque fissum. Antennae primi paris sexarticulatae, secundi
paris pediformes, triarticulatae, articulo ultimo unguibus quatuor
armato. Maxillipedes breves, triarticulati, subcheliformes, articulo
ultimo ungue valido arcuato formato. Rami pedum quatuor parium
primorum ambo triarticulati. Pedes quinti paris bene evoluti, an-
tecedentes magnitudine aequantes, sed simplices (non biramosi),
biarticulati. Sacculi oviferi duo, subelongati. — Art: Ter. reptfms,
iVgMill. lang, auf Terebella spcc. — 3) S a b ellip hilus, nov. gen.
Corpus subteres, elongatum, postice attenuatum, segmentis decem
compositum; abdomen thorace angustius. Caput feminae cum seg-
mento primo thoracico coniunctum, valde elongatum, maris a tho-
race disiunctum. Rostrum frontale subtus porrectum , profunde
bifurcatum. Antennae primi paris septemarticulatae, articulis duo-
bus primis plus (feminae) minusve (maris) dilatatis; antennae se-
cundi paris pediformes, validae, quadriarticulatae, articulo ultimo
unguibus tribus, penultimo unico armato. Maxillipedes mediocres,
triarticulati, articulo ultimo unguiculato, Rami pedum quatuor pa-
Archiv f. Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. J^jq-
594 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
riuTO primorum ambo triarticulati. Pedes quinti paris rudimentarii,
minimi , simplices (non biramosi) , uniarticulati. Sacculi oviferi
duo elongati, subcylindrici. — Art : Sab. elongatus, % MilL (mas)
— 2 Mill. (fem.) lang, auf Sabella Sarsii Kroyer. — 4) Chonefhi-
Ins, nov. gen. Corpus elongatum, teres seu lateraliter compres-
siusculum, feminae antice arctius, medio latius, thoracee segmen-
tis quatuor composito, maris antice latius, thorace e segmentis sex
composito. Abdomen thorace angustius, quinquearticulatum. Caput
a thorace disiunctum. Rostrum frontale subtus porrectum, profunde
bifurcatum. Antennae primi paris brevissimae, quinquearticulatae,
articulis duobus primis valde dilatatis spinisque validis armatis, ul-
timis tribus retro flexis (angulum fere rectum cum illis formanti-
bus), arctioribus, flagella seu appendices duas membranaceas, tenues,
cylindricas, uniarticulatas, apud marem longissiraas, gereutes. An-
tennae secundi paris pediformes, validae, quadriarticulatae, articulo
ultimo unguibus tribus armato. Maxillipedes feminae minuti, maris
validi, quadriarticulati, subcheliformes, articulo ultimo ungue valido
arcuato formato, - Solummodo tria paria pedum natator. biramoso-
rum, ramis ambobus triarticulatis. Pedes quarti paris rudimentarii,
minuti, simplices (non biramosi) , uniarticulati. Sacculus oviferus
unicus, dorsalis, subglobosus. — Art: Chon. dispar^ 1 — V/^ Mill.
lang, auf Chone papulosa.
Cyclopidae. Lilljeborg (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl.
XIX. p. 395 f. tab. 3 g) beschrieb und bildete in seinen einzelnen
Körpertheilen ab: Diaptomus saliens n. A. aus Alpenseen bei Bergen
in Norwegen und aus dem Mälar-See in Schweden.
Notodelphyidae. Hesse (,.Observations sur des Crustaces
irares ou nouveaux des cotes de France. 1. article. Coiliacola seti-
gera". Annales d. scienc. natur. 4. ser. XVII. Zoologie p. 343—355.
pl. 18) machte unter dem barbarischen Namen Coiliacola (vox hy-
brida!) seliger a eine in der Eingeweidehöhle von Phallusia canina
und intestinalis lebende Schmarotzerform bekannt, welche er der
Gruppe der Caliginen zuertheilen und in die Nähe von Nogagus
stellen will, die aber offenbar der gegenwärtigen Familie angehört
und in nächster Verwandtschaft mit Ascidicola Thoreil steht, ohne
indessen nach der Abbildung mit dieser generisch zusammenzufal-
len. Auf den Cephalothorax folgen vier durch scharfe Einschnitte
geschiedene Segmente und diesen als fünftes die in zwei seitliche
Hälften getrennte Bruttasche ; das Postabdomen ist linear, fünfringlig,
mit zwei schmalen Endgriffeln. Das erste Fühlerpaar ist wie bei
Ascidicola gestaltet, das zweite in ein Greiforgan umgewandelt;
auf drei kräftigere Basalglieder folgt ein dünnes, langgestrecktes mit
doppelter Endklaue. An den Spaltbeinen ist der äussere Ast zwei-
gliedrig und mit zehn gekrümmten Haken bewehrt, der innere ge-
im Gebiete d., Entomologie während des Jahres 1862. 595
ringelt und mit fünf äusserst langen Borsten besetzt. Die Länge
des Thieres beträgt 4—5 Mill. ; die vom Verf. beschriebenen und
abgebildeten Embryoneu zeigen die bekannte Form der Copepoden-
Larven.
Siphonostoma. Eine merkwürdige, auf Nereis Beaucoudrayi
Aud. beobachtete Schmarotzerkrebsgattung wurde von Kefe r stein
(Zeitschr. f. wissensch. Zoologie XII. p. 461 ff. Taf. 42. fig. 1—4)
unter dem Namen iSereicola beschrieben und abgebildet. Dieselbe
steht der Gatt. Selius Kroyer zunächst und ist von breit eiförmi-
gem, ungeringeltem Körper, von dem sich nur ein kleines dreiecki-
ges Postabdomen absetzt ; die beiden Fühlerpaare sind dreigliedrig ,
die hinter dem Saugmunde inserirten Maxillarfüsse kurz, hakenför-
mig, zweiästige Abdominalfüsse nur in zwei sehr kleinen Paaren
vorhanden, ein drittes nur in Form kleiner Warzen angedeutet. An
der Spitze des Postabdomen zwei fadenförmige, gegliederte Appen-
dices; zwei grosse, langgestreckte Eiersäcke. — Art: Ner. ovaUr,
2 Mill. lang, Eiersäcke ausserdem 3 Mill.
M. Sars (Beretning om et nyt lernaealignende Krebsdyr, Sa-
bellacheres gracilis Sars, a. a. 0. p. 41 ff.) machte eine neue, wohl
mit Lamproglena Nordm. zunächst verwandte Gattung Sabellache"
res bekannt, deren einzige Art Sa6. gracilis auf der Haut von
Myxicola Sarsii angeheftet gefunden wurde. Die Charaktere der
Gattung lauten: „Corpus feminae valde elongatum, lineare, subcy-
lindricum, obscure aut prorsus uon segmentatum. Caput oblongiim,
a thorace longissimo haud disiunctum, antennis duabus brevibus
pauciarticulatis . ore infero in rostrum breve conicum productO.
Pedum thoracicorum tria paria distantiora, quorum duo anterius
sita, tertium in media longitudine corporis, omnia natatoria, bira-
mosa. ramis triarticulatis. Abdomen minimum, triarticulatum : sac-
culus oviferus unicus, maximus, cylindricus, dorsalis, cum extremi-
tate corporis posteriore fere continuus. Mas ignotus."
Malm (Forhandl. Skandinav. Naturforsk. ottende möde i Kjö-
benhavn p. 620) diagnosticirte eine neue mit Tracheliastes und Ba-
sanistes verwandte und einen Uebergang zu Anchorella bildende
Gattung Vanbenedenia folgendermassen : „Fem. Cephalothorax
brevissimus, latissimus (multo latior quam longior), constrictione
distincta ab abdomine separatus. Os suctorium elongatum, obtuse
conicum, superne pedibus thoracicis omnino tectum, infra ad basin
maxillaribus secundi paris munitum. Pedes thoracic! breves, crassi,
rigidi, per totam longitudinem approximati, vix mobiles. Abdomen
elongatum, punctatum (indistincte subannulatum?), postice appen-
dicibus destitutum. Sacci oviferi elongati, vix tamen abdomine duplo
longiores, subfiliformes. Mas ignotus." — Art: Vanh. Kroyeri auf
Chimaera monstrosa.
596 Gerstaecker: Bericlit üb. d. wissenscli. Leistungen
Will. Turner and S. Wilson, On the structure of Chon-
dracanthus Lophii with observations on its larval form (Edinb. new
pMlosoph. Journ. XV. p. 290). Kurzer Auszug aus einer in der
Royal Society zu Edinburgh gelesenen Abhandlung, nichts Neues
enthaltend.
Dieselben, On the structure of Lernaeopoda Dalmanni, with
observations on its larval form (ebenda XVI. p. 139 f.). Weibliche
Individuen der genannten Art aus der Nasenhöhle von Raja batis
werden nebst den Embryonen kurz charakterisirt.
Anhangsweise erwähnen wir hier noch einer merkwürdigen, von
J. Steenstrup („Philichthys Xiphiae, en ny snylter hos Svaerd-
fisken," Overs. Kgl, Danske Vidensk. Selsk. Forhandl. f. aar. 1861.
p. 295 — 305. pl. 2) bekannt gemachten Schmarotzergattung Fhi-
lichthy s , welche , obwohl möglicher Weise den Anneliden ange-
hörig, wenigstens eine auffallende Form- Analogie mit einigen Ler-
naeenartigen Crustaceen erkennen lässt. Steenstrup selbst ist
bei seiner Ünbekanntschaft mit der Jugendform dieses Thieres in
Zweifel, ob er es den Crustaceen oder Anneliden beizählen soll,
wenn er sich schliesslich auch mehr der letzteren Ansicht zuneigt.
Für die Zugehörigkeit zu den Crustaceen würde eine ziemlich prä-
gnante Theilung des Körpers in ein Kopf- , Brust- und Hinterleibs-
stück so wie die paarigen Anhänge sprechen, dagegen die grosse
Zahl (zwölf) der Hinterleibsringe. — Die Art: Phil. Xipkiae wurde
in ausgehöhlten Löchern der Kopfknochen eines Xiphias gladius
gefunden.
Cirripedia.
Fr. Müller („Die Rhizocephalen^ eine neue Gruppe
schmarotzender Kruster^)^ dieses Archiv f. Naturgesch.
XXYIII. p. 1 — 9. Taf. 1) machte, ohne noch die Unter-
suchungen Lilljeborg's über die mit Peltogaster zu-
nächst verwandten Formen zu kennen, eine neue x\rt der
Gattung Sacculina so wie eine merkwürdige neue Gat-
tung L ernae 0 discus aus Brasilien, beide gleichfalls
am Hinterleibe von Decapoden schmarotzend, bekannt und
begründete mit Rücksicht auf die Jugendformen so wie
auf die auch von ihm erkannte Zwitternatur der erwach-
senen Individuen eine neue zwischen Siphonostomen und
Cirripedien einzuschaltende Ordnung Rhizocephala,
w^elche demnach mit der von Lilljeborg aufgestellten:
im Gebiete d. Entomologie während des Jahres 1862. 597
Suctoria identisch ist. Verf. bestätigt übrigens durch seine
ganz unabhängig angestellten Untersuchungen über den
Körperbau dieser Schmarotzer die von Lilljeborg ge-
machten Angaben in allen wesentlichen Punkten, beson-
ders auch in Betreff der gleichzeitigen Anwesenheit von
Hoden und Eierstöcken: er erweitert dieselben überdem
durch den Nachweis eigenthümlicher (von Li llj ebor g
nur nebenher erwähnter) Saugorgane, welche sich in
Form sehr langer und vielfach verästelter Röhren von
der Mundöffnung bis tief in das Innere des Wirththieres
hineinerstrecken und dessen Darmkanal wie Wurzeln um-
stricken. Dass diese Wurzeln durch den Hals mit dem
unter dem Eierstocke liegenden Ernährungssacke com-
municiren, lässt sich daraus ersehen, dass bei Losreissung
des Schmarotzers von seinem Wlrthe die blassrothe Fär-
bung des ersteren durch Entleerung der sie hervorru-
fenden Flüssigkeit sofort schwindet. — Das in die Brut-
höhle einströmende Wasser dient der Ansicht des Verf.'s
zufolge nur dem Athmen der Eier, welche alle gleich
alt sind, eine totale Furchung erleiden und die Embryo-
nen zu gleicher Zeit ausschwärmen lassen ; die Entwicke-
lung neuer Brut erfolgt unmittelbar nach dem Ausstos-
sen der vorhergehenden.
Die vom Verf. errichte neue Gattung L ernaeodisctts stimmt
im Körperumriss fast ganz mit Sacculina überein, zeichnet sich
aber durch eine eigenthümliche lappenartige Zerschiitzung der
Seiten des Brutsackes aus , welche beiderseits den Eierstock über-
ragen und dem Thiere ein recht elegantes Ansehn verleihen. — Die
Art : Lern. Porcellanae, an der Unterseite des Schwanzes einer Bra-
silianischen Porcellana schmarotzend, ist 10 Mill. breit. — Die vom
Verf. beschriebene und abgebildete Sacculina purpurea (ob ein Pel-
togaster?) lebt am Hinterleibe eines kleinen Pagurus und ist 6 Mill.
lang. Die Larvenzustände beider Formen sind ziemlich auffallend
verschieden: der junge Lernaeodiscus ist von mehr keilförmigem
Körper , dessen Vorderrand breit und von den Seitenrändern durch
einen hakenförmigen Vorsprung abgesetzt ist, der Rückenschild im
Verhältniss klein; die Larve der Sacculina ist mehr eiförmig, der
Rückenschild gross, das Stirnauge fehlend. — (Die Abhandlung des
Verf.'s ist in's Englische übersetzt: „On the Rhizocephala , a new
group of parasitic Crustacea", Ann als of nat. bist. 3. ser. X.
p. 44 ff. pl. 2.)
598 Gerstaecker: Bericht üb. d. wissensch. Leistungen
J. Anderson, ^On the anatomy ofSacculina, with
a descriptlon of the specles" (Annais of nat. bist. 3. ser.
IX. p. 12 — ^19. pl. 1) gab eine Beschreibung und Abbil-
dung von Sacculina im Larven- und gesohlechtsreifen Zu-
stande und erörterte die Anatomie des letzteren.
Am ausgewachsenen Thiere beschreibt Verf. den Mantel mit
dem Pedunculiis und der Geschlechtsöffnung, welch' letztere nach
seiner Beobachtung gleichzeitig zum Wasserathmen dient, indem beim
lebenden Thiere unter Zusammenziehungen und Ausdehnungen des
Körpers aus jener Oeffnung ein Ein- und Ausströmen des Wassers
stattfindet. Die unter dem Mantel liegende Körperhaut, vom Verf.
Coriam genannt, besteht aus zwei Lagen, deren äussere als Matrix
für Bildung des neuen Mantels fungirt. Zwei auf der Oberfläche
der Ovarien vorhandene Höckerchen, welche in der Mitte eine Ver-
tiefung erkennen lassen, hält Verf. für die Oeffnungen der Ovidukte,
durch welche die Eier aus den Ovarien in den Brutraum treten.
Die beiden von Lilljeborg als Hoden bezeichneten Körper be-
schreibt Verf. gleichfalls, scheint sie aber zugleich als Cementdrüsen
aufzufassen. — Ausser Sacculina carcini Thomps. beschreibt er eine
zweite , an Cancer pagurus vorkommende Art unter dem Namen
Saccul. triangulär is^ welche sich in der Regel gesellschaftlich findet;
bei ihr ist der Längsdurchmesser grösser als der quere, (Auf die
Li 11 j eb 0 rg'sche Abhandlung hat Verf. bei der seinigen noch nicht
Rücksicht genommen.)
Gerbe, ;,Sur les Sacculina^ (Extrait d'une lettre
adressee ä M. van Beneden, Bullet, de l'acad. de Bel-
gique 2. ser. XIII. p. 329). Yerf. fand Sacculina-Exem-
plare an Cancer maenas, Xantho floridus, Portunus mar-
moreus und Galathea squamifera und konnte sowohl den
Embryo im Ei als die jungen Larven, deren Unterschiede
von einander er erörtert , beobachten. An den jungen
Larven einer und derselben Art will er bereits namhafte
Unterschiede, welche er für geschlechtliche zu halten ge-
neigt ist, aufgefunden haben. (?)
Arth. Adams, On the rapid growth of Cirripedes (Zoolo-
gist 1861. p. 7321) hat dem Ref. nicht zu näherer Einsicht vor-
gelegen.
Bericht über die Leistungen in der Natiirgesehiclite
der Säugethiere während des Jahres 1862.
Von
Troschel.
Unser bisheriger Berichterstatter über die Klasse
der Säiigethiere , Herr Dr. H e n s e l in Berlin , hat im
Herbste 1863 eine wissenschaftliche Reise nach Südame-
rika unternommen, die auf zwei Jahre berechnet ist. So
sehr ich ihm und der Wissenschaft zu diesem Unterneh-
men Glück wünsche, musste ich es doch im Interesse
unseres Archives schmerzlich bedauern, diesen tüchtigen
Mitarbeiter zu verlieren. Wenn ich mich entschlossen
habe, diesmal und auch wohl noch für ein Jahr diesen
Jahresbericht selbst zu übernehmen, so hatte ich dabei
hauptsächlich als Zweck im Auge, uns für die Zukunft
Herrn Dr. Hensel als Berichterstatter zu erhalten. Dies
würde nicht leicht gewesen sein, wenn ich einen anderen
Gelehrten für diese Arbeit gewonnen hätte, da ein solcher
schwerlich bloss für zwei Jahre sich der Mühe würde unter-
zogen haben. Unter solchen Umständen darf ich wohl ganz
besonders die Nachsicht der geehrten Leser in Anspruch
nehmen , zumal mir Herr Dr. Hensel erst sehr spät,
kurz vor seiner Abreise, seinen Entschluss bekannt machte,
den diesjährigen Bericht nicht mehr zu bearbeiten. Wer
die Schwierigkeit kennt, die neueste Litteratur vollstän-
dig zusammen zu bringen, wird sich nicht beklagen, dass
diesmal viel zu wünschen übrig bleibt.
George Gulliver will die Blutkörperchen der
W^irbelthiere für die Zoologie verwenden, indem er die
600 Troscliel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschiclite
Wirbelthiere in Yertebrata apyrenaemata und V. pyrenae-
mata theilt. Zu ersteren gehören die Säugethiere^ zu letz-
teren die eierlegenden Wirbeltbiere. Die Säugetbiere haben
nämlich zwei Arten von rothen Blutkörperchen ; die erste
oder vergängliche Art verschwindet in einer frühen Pe-
riode des intrauterinen Lebens und wird durch die zweite
oder dauernde Art ersetzt. Die erstere Art ist eine Zelle
mit einem Kern, die zweite Art hat keinen eigentlichen
Kern. Dagegen besitzen die Blutkörperchen der Vögel,
Amphibien und Fische das ganze Leben hindurch einen
Kern, gleichen also der ersten Art der Säugethiere. Die
relative Grösse der Blutkörperchen einer ganzen Zahl
von Wirbelthieren ist angegeben und durch Holzschnitt-
Abbildungen anschaulich gemacht. Proc. zool. soc. p. 9L
Ueber die Entwickelung des Bückenmarkes beim
Menschen, den Säugethieren und den Yögeln schrieb
Lock hart Clarke Philosophical Transactions of the
Royal Society of London Vol. 152. IL p. 911-938. pl. 45-48.
Ueber die Beziehungen des Vomer, des Siebbeins
und der Zwischenkieferknochen schrieb Cleland in Phi-
losophical Transactions of the Royal Society of London
Vol. 152. Part. L p. 289—321. Hauptsächlich beziehen sich
die Betrachtungen auf die Säugethiere ; es schliessen sich
jedoch auch einige Bemerkungen über die entsprechenden
Knochen der Vögel, Amphibien und Fische an.
Martens schrieb eine Abhandlung „Sur l'osteologie
comparee des articulations du coude et du genou chez les
Mammiferes, les oiseaux et les reptiles" in den Annales
des scienc. nat. XVII. 1862. p. 244— 271. Vergl. den Ber.
über 1857. p. 33.
Ueber den Schliessungsprozess des Foramen ovale
im Herzen des Menschen und der Säugethiere schrieb
Bruch in der Abhandl. der Senkenbergischen naturfor-
schenden Gesellschaft IV. p. 46.
Crisp hat sich mit der Gallenblase der Wirbelthiere
beschäftigt. Er untersuchte 306 Arten, nämlich 132 Säuge-
thiere , 99 Vögel , 43 Reptilien und 32 Fische und erör-
terte hauptsächlich die Lage, Gestalt und die Grösse (Ca-
der Säugethiere während des Jahres 1862. 601
pacität) der Blase^ so wie die Abwesenheit derselben bei
gewissen Thieren. Sie fehlt unter den Nagern bei Hy-
drochoerus capybara, Sciurus maximns^ Dipiis und Castor
zibethicus; bei allen Pachydermen mit Ausnahme der
Schweine^ jedoch auch bei Dicotyles ; sie fehlt ferner
unter den Wiederkäuern bei den Gattungen Lama, Cervus,
und mehreren Antilopen^ so wie bei der Angora-Ziege.
Das Rind hat die grösste Gallenblase unter den Land-
thieren. Die Gallenblase fehlt bekanntlich einer Anzahl
von Vögeln^ jedoch, wie es scheint, keinem Reptil und
keinem Fisch. Proc. zool. soc. p. 132 — -139.
In Erman's Archiv für wiss. Kunde von Russland
XXI. p. 465 und 493 ist eine Arbeit von Brandt abge-
druckt ^^Bemerkungen über die Wirbelthiere des nörd-
lichen europäischen Russlands, besonders des nördlichen
Urals, ein Beitrag zur näheren zoologisch geographischen
Kenntniss Nordost-Europa's.^ Dieselbe war bereits 1856
in Hofmann's Werke „Der nördliche Ural ct.'^ erschienen
(vergl. den Bericht über das Jahr 1856 p. 5). Durch die-
sen Abdruck wird die interessante Arbeit dem deutschen
Publicum leichter zugänglich gemacht.
In der ,,Natuurlijke historie van Nederland'^, in der
Schlegel die Wirbelthiere bearbeitet hat, ist ein Bänd-
chen den Säugethieren gewidmet. Die Säugethierfauna
stimmt natürlich mit der deutschen so ziemlich überein. In-
teressant sind die Angaben über das Aussterben einiger
Arten. So ist das wilde Schwein seit 40 Jahren in Hol-
land ausgerottet. Der letzte Biber wurde 1801 getödtet,
nachdem schon im vorigen Jahrhundert die Fälle der Erle-
gung als Seltenheiten notirt wurden. Wölfe sind in diesem
Jahrhundert nicht mehr in Holland getödtet worden, da
der 1857 getödtete aus einer Menagerie entsprungen zu
sein schien; doch sollen in harten Wintern von Zeit zu
Zeit noch Wölfe aus dem Ardennen -Walde übertreten.
In alten Zeiten (943) lebten auch Bären in Holland. Das
Elenn scheint auch schon in sehr alten Zeiten ausgerottet
zu sein. Auch das Rennthier scheint nach Julius Caesar
auf dem Festlande Europas gelebt haben. Ob früher
602 Troschel: Bericht üb. cl. Leist. in d. Naturgeschichte
aucli der Auerochs und die wilde Katze in Holland vor-
gekommen sind, ist nicht ermittelt
Die noch jetzt in Holland wild lebenden Thiere sind die fol-
genden : Canis vulpes, Mustela martes, putorius, erminea, vulgaris,
Lutra vulgaris, Meles taxus ; Phoca vitulina; Vespertilio auritus,
barbastellus, noctula, murinus, serotinus, pipistrellus, mystacinus,
dasycneme ; Talpa europaea, Sorex vulgaris, pygmaeus, araneus,
fodiens, Erinaceus europaeus; Sciurus vulgaris, Mus decumanus,
rattus, musculus, sylvaticus, minutus, Arvicola amphibius, arvalis,
glareola, Lepus timidus, cuniculus; Cervus elaphus, capreolus ; Del-
phinus delphis, rostratus, tursio, orca, phocaena, melas, micropterus,
hyperoodon, Balaenoptera physalus. — Von gezähmten Säugethieren
w^erden aufgeführt : Canis familiaris, Felis domestica, Cavia cobaya,
Cervus dama, Bos taurus, Capra hircus, Ovis aries, Sus scrofa,
Equus caballus und asinus. Auf 20 Tafeln sind zwanzig Säugethiere
sehr hübsch abgebildet.
Unter dem Titel ^Materialien zur Bayerischen Fauna.
Ein Beitrag zur Geschichte der geographischen Verbrei-
tung der Säugethiere" sammelte Jacke 1 im Correspon-
denzhlatt des zoolog.-miner. Vereins in Regenshurg XVI.
p. 83 zahlreiche Notizen über das Vorkommen der Säuge-
thiere. Die über den Bär (Ursus arctos) reichen von 1395
bis in die neueste Zeit; die über den Wolf (Canis lupus)
p. 89 gehen bis zum Jahr 1400 zurück, auch von diesem
sind noch in den letzten Jahren einige Vorkommnisse ge-
meldet; dasselbe gilt vom Luchs (Felis lynx) p. 109; da-
gegen finden sich über die Wildkatze (Felis catus) we-
nige ältere Nachrichten. In einer Fortsetzung p. 121 v^ird
dann über die Insektenfresser gehandelt. Hier werden
keine historische Notizen mehr gegeben , sondern nur
Einiges über die Lebensweise, ihre Vertilgung oder ver-
schiedene Curiosa berichtet, vom Maulwurf (Talpa euro-
paea ) und von sechs Spitzmäusen (Crossopus fodiens,
Sorex alpinus, Sorex vulgaris, Sorex pygmaeus, Crocidura
leucodon und Crocidura Araneus.
Die Säugethierfauna Würtembergs konnte durch
Kr au SS Würtembergische Jahreshefte 1862. p. 32 um
folgende Arten vermehrt werden: Vesperugo Nathusii
Keys. Blas., Vespertilio mystacinus Leisl., Vespertilio Dau-
bentonii Leisl., Crocidura leucodon Wagl., Crocidura Ära-
der Säugethiere während des Jahres 1862. 603
neus und eine Gemse, welche am 22. Septbr. 1859 bei
dem alten Schloss Wartstein auf der Markung Erbstetten
geschossen wurde. Letzterer ist nicht das Bürgerrecht zu-
zugestehen^ vielmehr wird, wohl mit Recht , vermuthet,
dass sie aus den Bayrischen Alpen oder dem Vorarlberg
verjagt worden sei.
Derselbe machte ib. p. 36 auf einige Farbenva-
rietäten würtembergischer Säugethiere aufmerksam, und
beschrieb namentlich zwei weisse Dachse, einen graulich-
weissen und einige schwärzliche Füchse, schwarze und
rein weisse Eichhörnchen, weissgraue, weissgescheckte
und rothgelbe Hasen, einen weissen Rehbock und silber-
graue und röthlichgelbe Maulwürfe.
Theobald beobachtete bei Chur Talpa coeca Savi,
den Blindmaulwurf, und Sorex alpinus, vermuthet auch,
dass Sorex pygmaeus in Graubünden vorkomme. Die
Schncemaus, Hypudaeus nivalis, findet sich in ganz Bün-
den über der Waldregion bis auf Gletscherinseln und
Spitzen von 10 — llOOOFuss. Verf. erzählt, dass sich der
Gipfel des Piz Languard mit Mäusen bevölkert hat, seit-
dem derselbe stark besucht wird, und die Gäste Abfälle
von Victualien liegen lassen. Jahresbericht der naturf.
Gesellsch. Graubündens. Chur 1862. p. 99.
In einem Berichte über die Terramara -Lager der
Emilia von Pigorini und S tr ob el (Torino 1862, und
im Auszuge Mittheilungen der antiquar. Ges. in Zürich
Bd. 14) wird erwähnt, dass in jenen Pfahlbauten Ober-
Italiens folgende Säugethiere ausgegraben wurden: Eine
Hunderasse, die dem Torfhunde nahe stand, zwei Schweine-
rassen, zwei Pferderassen, Kuh, Ziege und Schaf; von
wilden Thieren Edelhirsch, Reh^ Eber und eine Wasser-
maus. — Die Weichthierreste sind lauter Arten, die noch
jetzt im Wasser oder auf- dem Lande in der Po-Ebene
oder auf den Apenninenhügeln leben.
Verany hat eine Zoologie des Alpes-maritimes ou
catalogue des animaux observes dans le departement (Ex-
trait de la Statistique generale du departement) Nice 1862
verfasst. Von Säugethieren sind hiernach die Quadru-
604 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
manen, Edentaten und Beutelthiere in dem Departement
nicht repräsentirt^ scheinen auch daselbst niemals reprä-
sentirt gewesen zu sein. Aus den übrigen Ordnungen
der Säugethiere werden genannt: 4 Fledermäuse, 11 Car-
nivoren, 3 Insectivoren, 11 Nagethiere, 1 Wiederkäuer
(die Gemse), 1 Dickhäuter (das Wildschwein), 2 Pinni-
pedien, 5 Cetaceen. Fast alle Arten sind weit in Europa
verbreitet, ja sind mit Ausnahme von Lynx vulgaris, Vul-
pes melanogaster. Hartes sylvestris Gm., Arctomys mar-
motta, Sciurus Italiens, Rupicola capella und der marinen
Arten, die bei uns im mittleren Deutschland am häufig-
sten vorkommenden Thiere.
Nach der Aufzählung vonJeitte les im Prodromus
Faunae Vertebratorum Hungariae superioris in Verhandl.
d. zoolog.-botan. Gesellsch. in Wien XII. p. 248 leben in
Ungarn 52 Säugethier-x\rten.
Es sind 11 Volitantia (Rhinolophus hipposideros, Pleeotus
auritus, Vesperugo Noctula, Nathusii, pipistrellus, Nilssonii, seroti-
nus, Vespertilio murinus, Bechsteinii, Nattereri, mystacinus); — 4
Insectivora (Talpa europaea, Crocidura leucodon, araneus, Erinaceus
europaeus) ; — 15 Carnivora (Felis catus, lynx ; Canis lapus, familia-
ris, vnlpes, Ursus arctos, Meles taxus, Mustela martes, foina, Foe-
torius putorius, sarmaticus, erminea, vulgaris', lutreola, Lutra vulga-
ris); — 13 Nagethiere (Sciurus vulgaris, Spermophilus Citillus,
Arctomys marmota, Myoxus glis, avellanarius, Cricetus frumentarius,
Mus decumanus, sylvaticus, musculus, Arvicola amphibius, arvalis,
Lepus timidus, variabilis); — 6 Ruminantia (Cervus elaphus, ca-
preolus, Ovis aries, Capella rupicapra. Bos taurus, bubalus); — 2
Einhufer (Equus caballus, asinus); — 1 Vielhufer (Sus scrofa).
J. E. Gray verzeichnete einige Säugethiere vom
Camaroon-Gebirge, gesammelt durch Capt. B\irton, Consul
in Fernando Po. Proc. zool. soc. p. 180. Es sind 5 Arten,
von denen 4 neu; sie sind unten näher bezeichnet.
Nachdem Bai kie in dem Athenäum, 16. August 1862
sich geneigt gezeigt hatte, an die Existenz des Einhorns
in Afrika zu glauben, behandelt Haughton Annais nat.
bist. X. p. 363 diese Frage und hält es für ein fabelhaf-
tes Thier.
Ueber die Höhengrenzen der Thiere, wie sie in den
Hochgebirgen Indiens beobachtet wurden, theilten die
der Säugethiere während des Jahres 1862. * 605
Gebrüder v. S c L 1 a g i nt w e i t als Auszug aus ihren ;,Re-
siilts of a scientific mission to India and High Asia'^ mit.
Archiv für Natur gesch. p. 253.
Ueber die Hausthiere von Manila und Java macht
V. Martens nähere Mittheilungen. Es ist namentlich von
Ziegen, Pferden, Schweinen, Hunden, Katzen und Affen
die Rede. Zoologischer Garten HL p. 8.
Swinhoe lehrt die Säugethiere der Insel Formosa
an der Küste von China kennen. Ohne Anspruch auf
Vollständigkeit zu machen zählt Verf. folgende 18 Säuge-
thiere auf:
Macacus cyclopis n. sp., Ursus tibetanus?, Leopardus brachyu-
rus n. sp., Felis viverrina Hodgs., Yiverra pallida, Paguma larvata
Gray, delictis siibaiirnntiaca n. sp ., Talpa insularis n. sp., Sciurus
erythraeus, Sc. Maclellandi , Fteromys grandis n. sp. , Sciuropterns
kaleensis n. sp., Lepus sinensis, Porcula taivana n. sp , Cervulus Ree-
vesii, Capricornis Swinhoii Gray, Cervus taivanus Blyth, C. Swinhoii
Sclater. Ausserdem werden einige Fledermäuse erwähnt, deren Be-
stimmung und Beschreibung von T o m e s zu erwarten steht. Die
Kenntniss der Fauna dieser Insel, die bisher noch ziemlich unbe-
kannt war, ist durch diesen Beitrag wesentlich gefördert. Die neuen
Arten werden unten noch besonders angeführt. Proc. zool. soc.p. 347.
Ueber die Säugethierfauna von Amboina erwähnt
Dole schall in einer kurzen Notiz, Verh. des zool.-bot.
Vereins zu Wien XII. p. 802, dass Affen nicht vorkom-
men; die 15 geogr. Meilen entfernte Insel Batjan ist der
östlichste Punkt, wo Affen vorkommen. Einige Fleder-
mäuse, ein Eichhörnchen und mehrere Cuscus-Arten leben
in den Wäldern; die Häuser wimmeln von Ratten (Mus
decumanus) und von Spitzmäusen, die abscheulich stinken
und überall hineinkriechen. Der Amboinsche Hirsch (Rusa
moluccensis) ist ein niedliches Thier. Andere wilde Thiere
scheinen nicht vorzukommen.
Ueber den Charakter der Säugethierfauna von Neu
Guinea bemerkt Pu eher an (Comptes rendus 44. p. 447) ;
Revue et mag. de zoologie p. 73, dass bei allen Arten,
mit Ausnahme der beiden dort lebenden Fledermäuse,
die Hintergliedmassen länger seien als die Vorderglied-
massen, und sieht darin sowohl eine Eigenthümlichkeit, wie
eine Uebereinstimmung mit der ornithologischen Fauna.
606 Troschel: Bericht üb. d, Leist. in d. Naturgescliichte
Berthold Seemann sagt in ;,Viti, an account
of a Government Mission to the Yitian or Fijian Islands.
Cambridge 1862.^ p. 381, es gebe dort wenig Sauge-
thiere : eine Ratte , vier Cetaceen und 5 Fledermäuse,
unter denen Notopteris Macdonaldi. Zv^ei sind schwanz-
los , zwei habe Schwänze. Hund und Schwein waren
die einzigen Haussäugetbiere. Die weissen Ansiedler haben
Rinder, Pferde, Ziegen, Schafe, Kaninchen und Katzen
eingeführt.
Den Schluss des Verzeichnisses der auf seiner Reise
in Nordamerika beobachteten Säugethiere (vergl. vor. Ber.
p. 96) gab Prinz Maximilian zu Wied in unserem
Archiv p. 65 — ^190 nebst Taf. 4 — 6. Daselbst sind die Nager
und die Wiederkäuer meist in ausführlicher Darstellung
abgehandelt.
Uebor folgende Arten finden wir die Beobachtungen desVerf.'s
niedergelegt: Sciurus cinereus L., Sc, rufiventer Geoffr., Sc. hudso-
nius L., Sc. niger L. ; Pteromys volucella L. ; Tamias Lysteri Rieh.,
T. quadrivittatus Say; Spermophilus Hoodii Sab.; Cynomys ludovi-
cianus Raf. : Arctoniys monax L., Jaculus labradorius Sab.; Geomys
bursarius Shaw.; Tomomys rufescens Wied; Mus decumanus Fall.;
Hesperomys leucopus Raf., H. indianus Wied, H. leucogaster Wied;
Neotoma floridana Say, N. Drummondii Rieh.; Fiber zibethicus L.,
Hypudaeus riparius Ord.; Perognathus fasciatus Wied; Castor ame-
ricanus Fr. Cuv. ; Lepus americanus Erxl., L. sylvaticus Bachm.,
L. campestris Bachm. ; Erethizon dorsatus; Cervus canadensis Erxl.,
C. virginianus Gmel., C. macrotis Say, C. alces americanus, Antilo-
capra americana Ord. ; Ovis montana Cuv. ; Capra americana Rieh.,
Bos americanus Gmel.
Verrill beobachtete während eines Aufenthaltes
auf der Insel Anticosti während des Sommers 1861 fol-
gende Säugethiere :
Vulpes fulvus Rieh, nebst Var. argentatus, Mustela ameri<jana
Turton, Lutra canadensis Sab., Ursus americanus Fall., Phoca groen-
landica Müll., Lepus americanus Erxl., Balaenoptera rostrata?, Me-
gaptera?, Megaptera spec. und Fhocaena communis. Froc. Boston
Soc, IX. p. 135.
Cooper führt Proc. of the California Acad. 1861.
p. 121 als eine Bereicherung der Califo mischen Fauna
folgende Säugethiere an:
Vulpes velox Aud. Bachm. , Tliomomys umbrinus Baird, Hes-
der Säugethiere während des Jahres 1862. 607
peromys austerus Baird, Hesperomys Sonoriensis Le Conte, Lepus
callotis Wagl.
In einem Buche von Mayne ^,Foiir years in british
Columbia and A^ancouver-Island, an account of their forests^
rivers, coasts, gold fields and resources for colonisation.
London 1862'^ findet sich p. 414 ein Verzeichniss der auf
Vancouver-Island lebenden Säugethiere.
Diese sind: Ursus americanus, horribilis (kommt nicht auf der
Insel vor). Ursus lotor , Mustela martes , Putorius vison , Mustela
lutra, Enhydra marina, der rothe und der schwarze Wolf, der rothe
und der Silberfuchs , Felis concolor, Seehunde, Eichhörnchen sind
häufig und sollen gut schmecken , Arctomys monax. Katten und
Mäuse sind gemein, Castor canadiensis, Hasen und Kaninchen schei-
nen zu fehlen, Cervus Canadiensis und Columbianus kommen zahl-
reich vor. Die Berg - Ziege und das Bergschaf finden sich in den
Gebirgen von British Columbien. Verf. kennt sie nicht von Vancou-
ver-Island. Bos americanus hat sich neuerlich auch in Columbia
gezeigt.
Baril^Comte de la Hure nennt in „L'empire du
Bresil , monographie complete de l'empire Sud-Ameri-
cain. Paris 1862." p. 119 die bekannteren Säugethiere, ohne
dass dieser Aufzählung ein besonderer wissenschaftlicher
Werth beigelegt werden könnte.
Der zoologische Garten in London enthielt im Juni
1862; nach einem Verzeichnisse ^List of vertebrated ani-
mals living in the gardens of the zoological society of
London 1862^^ 188 Arten Säugethiere, nämlich 18 Affen,
52 Carnivora mit Einschluss einer Phoca, 51 Wiederkäuer,
8 Schweine, 1 Hippopotamus, 5 Einhufer, 1 Tapir, 1 Hy-
rax, 1 Rhinoceros, 1 Elephas , 3 Edentata, 27 Nager, 1
Pteropus, 18 Marsupialia.
In der Zeitschrift „der zoologische Garten" heraus-
gegeben von Weinland finden sich auch im dritten
Jahrgange zahreiche Notizen über Säuge^^^hiere, von denen
wir die wichtigsten unten herausheben.
(tuadrumana.
Mayer machte eine Erörterung über den Unter-
schied des Menschen vom Affen, wobei er dem Psycho-
608 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. NaturgeschicMe
logen die erste, dem Anatomen die zweite Stimme zu-
spricht. Verhandl. des natnrh. Vereins der preuss. Rhein-
lande n. Westphalens XIX. Sitzungberichte p. 195.
üeber den hinteren Lappen des Gehirnes der Qua-
drumanen hat Fl o wer Untersuchungen angestellt. Phi-
losophical transactions of the Royal societj Vol. 152 I.
1862. p. 185-201. pl. 2 und 3.
Yerf. hat zahlreiche Arten aus den verschiedenen Familien
untersucht und kommt zu folgenden Kesuitaten: 1) Die hinteren
Lappen existiren bei allen Quadrumanen und sind bei allen durch
die Gegenwart einer tiefen Längsfurche auf ihrer inneren Oberfläche
charakterisirt. 2) Die verhältnissmässige Länge dieses Gehirntheiles
variirt bei verschiedenen Gliedern der Reihe, aber ist bei manchen
Affen grösser als beim Menschen, und erreicht sein Maximum bei
den kleineren Arten der Familie Platyrhina. 3) Die Tiefe und Zu-
sammensetzung der charakteristischen Windungen der grauen Rin-
densubstanz in der Umgebung jener Furche ist eines der schärfsten
Kennzeichen des typischen Affengehirns, in sofern sie am grössten
sind bei Cercopithecus, Macacus, Cynocephalus und Cebus. geringer
bei den anthropoiden Affen , und am geringsten von allen , im
Verhältnisse zur Masse der Hirnsubstanz in diesen Lappen, beim
Menschen.
Simiae. Sanford schilderte in einem längeren Vortrage vor
der Connecticut Academy, der in Silliman's American Journal 33.
p. 48— 64 abgedruckt ist, den Gorilla. Die Geschichte seiner Entdek-
kung, die Anatomie und seine Lebensweise bilden den Gegenstand
dieses Vortrages.
Ueber den Gorilla vergleiche eine Notiz von S chaaffhaus en
in den Verhandl. des naturh. Vereines des preuss. Rheinlande und
Westi)halens XIX. Sitzungsberichte p. 160.
Wilder beobachtete ein lebendes junges Weibchen vom Chim-
panse (Troglodytes niger), welches von der Küste von Senegambien
nach Amerika gebracht worden war. Es war erst zwei Fuss hoch.
Nebst einigen Bemerkungen werden die Maasse angegeben. Proc.
Boston Soc. IX. p. 113.
Wilder hat ferner Beiträge zu der vergleichenden Myologie
des Chimpanse. Troglodytes niger, geliefert, nachdem er Gelegenheit
hatte, die eine Seite eines jungen männlichen Thieres von zwei Fuss
Höhe zu zerlegen. Verf. vergleicht die Muskeln mit denen des Men-
schen und hat für den Vergleich aucli Affen aus den Gattungen Ma-
cacus , Cynocephalus und Ateles zerlegt. Boston Journal of natural
history VII. p. 352—384.
der Säugethiere währoiid des Jahres 1862. 609
J. E. Gray glaubt eine Haut des Cliimpanse, welche er vom
Camaroon-Gebirge ohne Schädel erhielt, für eine eigene Art, die er
vorläufig Trofflodytes vellerosus nennt, ansehen zu müssen, da sie
mit viel reichlicherem und weicheren Haare bedeckt, und am Rücken
braun ist, wegen der langen braunen Spitzen des schwärzlichen
Haares. Proc. zool. soc. p. 181.
Schroeder van der Kolk und W. Vrolik haben das
Gehirn des Orang-Utang abgebildet. Verslagen Akademie Amster-
dam Xm. 1862. p. 1 . Taf. I.
Eine neue Art Macacus cyclopis vonFormosa ist durch Swin-
hoe Proc. zool. soc. p. 350. pl. 42 beschrieben, von welcher er ein
Paar an den zoologischen Garten zu London geschenkt hat. Dieser
Afi'e unterscheidet sich von M. rhesus durch den runden Kopf, das
flache Gesicht , den nackten Yorderkopf , dunkelbärtige Wangen,
kragenartigen Bart und buschigen fusslangen Schwanz.
Slack hat Proc Philadelphia p. 507 die Quadrumanen mit
Greifschwanz einer Revision unterworfen. Er sagt, keine Abtheilung
der Säugethiere sei weniger durchgearbeitet als die der amerikani-
schen Quadrumanen. Die grosse Abänderung der Farbe in manchen
Arten nach Alter und Geschlecht, und ihre verhältnissmässige Sel-
tenheit erschweren das Studium ungemein. Reihen von Exemplaren
sind selbst in den grossen Museen Europas selten. In der Nomen-
klatur folgt Verf. streng der Priorität, was freilich sehr ungewohnte
Namen wieder einführt. Ich habe mich schon öfter gegen diese
Methode scheinbarer Gerechtigkeit ausgesprochen. — Verf. unter-
scheidet unter den amerikanischen Affen zwei Subfamilien : C e b i-
nae mit 6 und Hapalinae mit 5 Backenzähnen. Die erstere zer-
fällt wieder in drei Tribus: 1) Lagothrices. Cauda prehensili,
apice subtus calva, dentes primores erecti. 2) Cebi. Cauda laxa,
villosa, dentes primores erecti. o) Pitheciae. Cauda laxa, villosa,
dentes primores obliqui. — In die erste dieser Gruppen, welche den
Gegenstand der vorliegenden Abhandlung bildet, gehören vier Gat-
tungen : 1) SapajouLac. (Ateles Geoffr.) mit 7 Arten: S. paniscus
Lac. ater, facie tota nuda, Cornea, palmis tetradactylis ; Guiana. S.
ater Cuv. ater, palmis tetradactylis, facie nigra ; Guiana. S. penla-
dactylus Geoffr. ater, palmis subpentadactylis, pollice minimo, facie
nuda cupreaque ; Guiana. S. 6eeke6w//i Briss. niger, palmis tetradacty-
lis, ventre cruribus et caudae parte interiore ochreoleucis ; Guiana,
Brasilien, Peru. S. Geoffrotjii Kühl ater, ventre et artibus interne
stramineis, macula triangulari frontali aurea aut nigra, dorso nigro;
fem. straminea aut fuliginosa, genubus et manibus nigris, macula
frontali nigra; Brasilion, Bolivia. S. marginatus GeojQTr. niger, pilis
faciem cingentibus partim albis, syncipite albo; Brasilien, Para. S.
hybridus Geoffr. supra griseo-brunneus, infra albidus macula frontali
Archiv f. Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. 00
610 Troscliel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
semilunari aut triangulari alba ; Neu-Granada. 2) Brachyteles
Spix (Eriodes Geoffr.) mit 1 Art B. arachnoides Brasilien. 3) La-
gothrix Geoffr. (Gastrimargas Spix) mit 1 Art L. Humboldtii. Bra-
silien. Bülivia, Venezuela, Peru. 4) Aluatta. Lac. (Mycetes 111.
Stentor Geoffr.) mit 5 Arten A. senicvla Lacep. corpore fulvo-fusco
aut aurescente, capite collo ante brachiis. femoribus et cauda ca-
staneis, barba longa rufescente, facie pectoreque nudis et nigris ;
Brasilien, Ecuador, Venezuela, Neu-Granada A. vrsina Geoffr. adul-
tas fuscus . fulvus ; catulus pilis nigris, apicibus fulvo-fuscis, arti-
bus nigris aut fuscis ; Brasilien. A. nigra Geoffr. atra, fem. et iu-
niores straminei nigrovarii; Brasilien, Paraguay, Bolivia. A. Beel-
zehiih L. nigra, pilis ad basin brunneis, manibus fuscis aut griseis;
Brasilien, Paraguay. A. pallialu Gray nigra, pilis ad basin fulvis
lateralibus longis; Neu-Granada.
Weinland schildert zwei Arten von Klammeraffen, einen
schwarzen (Ateles paniscus L.) und einen braunen, der vielleicht
neu sein möchte (Ateles Beelzebuth Var. triangulifera Weinl.), die
er lebend beobachten konnte. Zool. Garten III. p. 201.
Flower hatte Gelegenheit ein im zoologischen Garten zu
London gestorbenes Exemplar von Pithecia monachus Geoffr. (Pithe-
cia hirsuta Spix) anatomisch zu untersuchen. Ausführlich wird das
Gehirn beschrieben , dasselbe ist aach in Holzschnitt abgebildet,
üeber den Zahnbau, die Zunge, die Lunge, den Magen und Darm-
kanal, die Leber und die Zahl der Wirbel linden sich Angaben.
Schliesslich sind die Wirbelzahlen von 29 Affen der neuen Welt
tabellarisch zusammengestellt. Die Rückenwirbel schwanken zwi-
schen 12 und 15, die Lendenwirbel zwischen 4 und 7. die Kreuz-
wirbel sind stets 3, die Schwanzwirbel zwischen 18 bis 33. Proc.
zool. soc. p. 326. pl. 37.
PrOSimii. Bartlett unterschied Proc. zool. soc. p. 347. pl.41
eine neue Art Lemur leucomystax von Madagaskar, welcher lange
weisse Barte hat, worin die Ohren fast ganz verhüllt sind.
Flower hat das Gehirn des Javanischen Lori (Stenops java-
nicus) unter.sucht. Es gleicht sehr dem Gehirne von Lemur. Verf.
will die beiden Gattungen an der üblichen Stelle im Systeme, bei
den Affen, lassen, da sie gewisse Punkte in der Struktur des Ge-
hirns mit diesen gemein haben, sie bilden aber in mancher Bezie-
hung, namentlich in der Kürze der hinteren Lappen eine abwei-
chende Gruppe . einen Uebergang zu den Chiropteren, Carnivoren
und anderen niederen Säugethieren. Proc. zool. soc. p. 103.
Owen hat das Aye-Aye (Chiromys madagascariensis Cuv.)
anatomisch untersuchen können und über die Resuluate dieser Un-
tersuchungen in den Proceedings zool. soc. p. 11 und 13; Annais
nat. hist. IX. p. 482 kurz berichtet. Bei der Vergleichung der aus-
der Säugethiere wäh-end der Jahres 1862. 611
seren Charaktere , der Osteologie und des inneren Baues rait den
Halbaffen und Nagethieren ergiebt sich, dass dieses Thier am näch-
sten mit den Lemurinen verwandt ist; es wird sich nach den zoo-
logischen Charakteren an Otolicnus crassicaudatus und AUeni an-
schliessen.
Ebenda p. 222 theilte Bartlett Bemerkungen über das
lebende Aye-Aye mit, welches er im zoologischen Garten zu London
zu beobachten Gelegenheit hatte. Das Thier schläft bei Tage, zeigt
nur Nachts einige Lebhaftigkeit. Zum Ergreifen der Nahrung be-
nutzt es nur die linke Hand und zwar mit grosser Geschwindigkeit.
Es frass keine Insekten, sondern Milch, Honig und Eier. Verf. vermu-
thet, dass es Pflanzensäfte einnehme, nachdem es Bäume mit seinen
grossen Zähnen verwundet habe. Der Koth gleicht dem kleiner
Kaninchen.
Eine Notz über dasselbe Thier vergl. auch Revue et mag. de
Zoologie p. 363.
Volitantia.
In der Familie Pteropini stellte Murray eine neue Gattung
Sphiir ocephalus auf. Die Zahnformel ist — '- '- • ^ • 1 • 1 • 2
3.2.1.4.1.2.3*
Kopf sehr gross und länglich ; Lippen gross und ausgebreitet ; Ohren
ziemlich gross ohne Tragus; Daumen und Zeigefinger der Hand mit
Krallen, die übrigen Finger ohne Krallen; kein Schwanz. Die neue
Art S-ph. lubrosus lebt in Old-Calabar, ist 7" lang und hat 28" Flü-
gelspannung. Proc zool. soc. p. 8. pl. 1 ; Annais nat. hist. IX. p. 479.
Verf. äussert in einer nachträglichen Note, dass nicht unwahrschein-
lich diese Fledermaus identisch mit der von Allen in den Proceed.
Philadelphia 1861 (vergl. vor. Ber. p. 113) beschriebenen Hypsigna-
thus monstrosus sei. Für diesen Fall würde der Allen'sche Name
die Priorität haben.
Pteropus scapulatiis Peters Berliner Monatsberichte p. 574 vom
Cap York in Neu -Holland. — Pt. ckrysauvheu Peters ib. p. 576 von
der Insel Batjan.
J. E. Gray legte eine von den Sandwichinseln durch Pease
eingesandte Fledermaus vor; die als das einzige einheimische Säuge-
thier jener Inselgruppe bezeichnet wird, und die dort so selten zu
sein scheint, dass nur wenige der Eingebornen sie kennen. Gray
bestimmte die Art als Lasiunts Grayii, welche in Chili lebt. Da-
durch zeigt sich eine Aehnlichkeit der Sandwich-Fauna in einiger
Beziehung mit der der Westküste Amerika's. Proc. zool. soc. p. 143.
Harrison Allen beschrieb Proc. Philadeljphia p. 246 zwei
neue Fledermäuse der Smithsonian Institution, nämlich Lasiurus
intennedius von Matamoras und Vesperlilio nitidus aus Californien,
612 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Erstere steht in der Mitte zwischen L. Grayi Tomes und L, cine-
reus de Beau; letztere ist sehr ähnlich mit V. mystacinus Leis., ist
aber grösser, hat einen kleineren Daumen und kürzeren Schwanz und
ist rothbraun.
Ebenda p. 248 gründete derselbe Yerf. auf Yespertilio palli-
dus Le Conte von Californien eine neue Gattung A71 t r ozon s, die
er folgendermassen charakterisirte : Kopf ziemlich gross ; Nase hoch,
schmal; Schnauze winklig, stumpf; Naslöcher endständig, ihre
äusseren Ränder verbinden sich oben in einer Querlinie; Augen
gross ; Ohren länger als der Kopf, nicht vereinigt ; Schädel lang,
nicht flach , hinten schwach gekielt , vorn verschmälert. Zähne
4.1.2.1.4
5.1.4.1.5*
Das Britische Museum erhielt von Wallace eine in Morty-
Insel gefundene Fiedermaus, die Gray von den übrigen Cynopte-
rus- Arten wegen der ausserordentlichen Länge des Schwanzes als
ein Subgenus abtrennt, welches er Uronycteris nennt. Diese
neue Art heisst Cynoplerus {Uronycteris) albitenler. Proc. zool. soc.
p. 262; Annais nat. hist. X. p. 397.
Insectivora.
Crocidura morio J. E. Gray Proc. zool. soc. p. 180. Braun-
schwarz mit weissen Zähnen; Füsse dünn, schwach; Schwanz fast
so lang wie Rumpf und Kopf, sehr dünn, geringelt mit sehr kurzem
eng anliegenden Haare.. 2^4", Schwanz 2". Camaroon- Gebirge,
7000' üb. d. M.
Zu der Gattung Neosorex, welche Baird 1857 aufstellte, zählt
Ver rill Proc. Boston Soc. IX. p. 164 ausser der typischen Art N.
navigator Baird und Sorex fimbripes Bachm. auch Sorex palustris
Richards., mit welcher letzteren Neosorex albibarbis für identisch
gehalten wird. — Ferner beschreibt derselbe zwei Weingeist-Exem-
plare von Sorex Thompsoni Baird aus Maine. — Hieran schliesst
sich das Verzeichniss der sieben in Neu - England vorkommenden
Arten der Soriciden. Es sind die folgenden: Neosorex palustris
Verill, Sorex platyrhinus Linsley, Sorex Fosteri Rieh , Sorex Coo-
peri Bachman, Sorex Thompsoni Baird, Blarina talpoides Gray, Bla-
rina angusticeps Baird.
Cope beschrieb Proc. Philadelphia p. 188 eine neue Art die-
ser Gattung JSeosorex albibarbis, die sich von N, navigator durch
kürzeren Schwanz und kürzere Hinterfüsse, so wie durch dunklere
Farbe unterscheidet. Sie wurde am Profile-See, im Franconia-Gebirge,
New-Hampshire entdeckt.
der Säugethiere während des Jahres 1862. 613
Tnlpa insidaris Swinhoe. Proc. zool. soo. p. 356 von Formosa.
Das Auge hat keine Lieder, die Haut überzieht das Auge. Länge
ÖVio'S Schwanz V2" J.&^^^lich-schwarz, unterhalb blass.
Carnivora.
Feiina. Weinland ist geneigt, Felis poliopardus Fitz, nicht
für eine eigenthümliche Art, sondern für einen Blendling, etwa von
Felis onga und dem javanischen Melas zu halten, der in Europa in
der Gefangenschaft erzeugt sein möchte. Das Thier ist abgebildet.
Zool. Garten III. p. 227.
Leopardus japonensis ist eine neue japanesische Art von J. E.
Gray Proc zool. soc. p 262. pl. 33. Gelblich mit unregelmässigen
schwarzen Flecken, Schwanz mit vier schwarzen Ringen am Ende.
Das Thier ist 4' 6", der Schwanz 2' 10" lang.
Leopardus brachyurus Swinhoe Proc. zool. soc. p. 352. pL 43
von Formosa, wovon Verf. nur einige Häute aus dem Innern der
Insel erhielt, unterscheidet sich von den verwandten Arten durch
den kurzen nur 1^4 Fuss langen Schwanz, der undeutlich schwarz
gebändert ist.
Viverrina. Dr. Sacc fand, dass ein Paar ägyptische Mangusten
(Herpestes) sich in seiner Fabrik in Barcelona als treffliche Ratten-
vertilger bewährten ; er hofft sie dort einheimisch zu machen. Zool.
Garten III. p. 214.
Mustelina- Aujubault hat bereits 1857 im Bulletin de la
soc. d'agriculture, sciences et arts de la Sarthe t. XIII bekannt ge-
macht, dass bei der Stadt Maus Putorius lutreola auf der rechten
Seite der Loire vorkomme. Diese Beobachtung ist nun auch in Re-
vue et magasin de Zoologie p. 77 veröffentlicht worden.
Grill berichtete über ein Hermelin in der Gefangenschaft
Zool. Garten HI. p. 228.
Helictis subauranliaca Swinhoe Proc. zool. soc p. 355. pl. 44
von Formosa. Eine weisse Linie vom Hinterhaupte bis auf die
Mitte des Rückens, ein grosser orange- weisser Fleck am Vorder-
kopf; eine dunkel purpurbraune Linie von Auge zu Auge über der
Schnauze, ein schwarzer Fleck an jeder Wange.
Ursina. H. de Saussure bestätigt, dass die Nasenbären
auch in Mexiko, und zwar gar nicht selten, vorkommen. Er schil-
dert ihre Lebensweise und erklärt die beiden Arten Nasua socialis
und solitaria für wirklich verschiedene Species, deren Unterschiede
er auseinander setzt. Zoologischer Garten III. p. 27 u. 52.
Aucapitaine weist durch Anführung von Stellen einiger
Corsischen Schriftsteller nach, dass im 16. Jahrhundert auf Corsica
Bären gelebt haben. Revue et mag. de Zoologie p.261.
614 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Zwei junge Bären von Japan im zoologischen Garten in Lon-
don ähneln einigermassen dem Ursus americanus. Sie haben eine
Andeutung eines weissen Fleckens an der Kehle, der aber leicht
am erwachsenen Thiere verschwinden möchte. Sclater vermuthet
in ihnen eine neue Art, und nennt sie Ursus japonicvs (Proc. zool.
soc. p. 186) indem er sich darauf beruft, dass die einzige von Japan
bisher bekannte Art Ursus torquatus (tibetanus) sei. Später be-
richtigt er (ib. p. 261) , dass schon Schlegel die Eigenthümlich-
keit des Japanischen Bären erkannt, und ihn gleichfalls Ursus japo-
nicus genannt habe.
Piniiipedia.
Nach der Mittheilung von J. E. Gray Proc. zool. soc. p. 202
war ein eben geborenes Junges von Callocephalus foetidus mit dich-
tem silbergrauen Pelze bedeckt; es war 2' 8' lang, die Vorder-
tatzen 6", die Hintertatzen 8" lang, letztere 7" breit; die Schwimm-
häute sind mit Haaren bedeckt und die Krallen wohl entwickelt und
schwarz ; die Bartfäden sind weiss, wohl entwickelt und etwas wellig.
Rodentia.
Eines zahmen Eichhörnchens erwähnt Woldrich. Lotos
1862. p. 43.
Sciurns isahella J. E. Gray Proc. zool. soc. p. 180. pl. 24.
Gelbbraun mit 4 breiten Rückenstreifen, Unterseite weissgrau;
Schwanz schwach geringelt; 1", Schwanz b". Camaroon - Gebirge,
7000' üb. d M.
Scivropterns haleensis Swinhoe Proc. zool. soc. p. 359 von
Formosa. Schwanz -/s der Körperlänge, oberhalb röthlich lederfar-
big, dunkelbraun gefleckt, unten hell, rosig an den Seiten und unter
den Schenkeln; Zähne weiss.
Pleromys qrandis Swinhoe Proc. zool. soc. p. 358. pl. 45 hat
einen langen, schwarzen, buschigen Schwanz, ist oberhalb rothka-
stanienbraun, und unterhalb röthlich, wird mit dem Schwänze über
4' lang. Formosa.
Bei Wittenberge an der Elbe wurde im December 1861 ein
Biber erlegt, wie Möbius anzeigt. Zoolog. Garten HL p. 89.
Bartlett schilderte Proc. zool. soc. p. 267 die Gewandtheit
und Schnelligkeit, mit der ein Canadischer Biber im zoologischen
Garten in London einen Baum von 30" Umfang in mehrere Stücke
zernagte.
Eine Vergleichung des Schädels einer Ratte, die er als neu
für die britische Fauna ansieht, mit Mus rattus hat Salter Jour-
nal of the Proc. of the Linnean Society VI p. 66—73 angestellt und
der Säugethiere während des Jahres 1862. 615
durch Holzschnitt - Abbildungen erläutert. In einer Schlussbemer-
kung erklärt Verf. jene Ratte für Mus alexandrinus, schliesst sich
aber der Ansicht an, dass die verschiedenen Rattenspecies vielmehr
geographische Rassen seien ; es sei gewiss, dass die verschiedenen
Ratten Bastarde erzeugen , deren Nachkommenschaft auf mehrere
Generationen fruchtbar sei. Er bezeichnet die Ratten als eine
merkwürdige Stufe zwischen wilden und Hausthieren, und hält sie
nach allen Beziehungen für ausgezeichnet befähigt zu Rassenbildung.
Mus maura Gray Proc. zool. soc p. 181. Haar weich und
seidenartig, oben schwarz, mit braunen Haarspitzen; unten weiss-
lich, indem die schwarzen Haare weisse Spitzen haben; Zähne sehr
klein, orange; Ohren rund, massig; Seiten der Nase und Augen-
ränder schwarz; Augen mit sehr kurzen Haaren bedeckt; Schwanz
sehr lang, dünn, enggeringelt mit dünnem kurzen anliegenden Haar.
4Yi"5 Schwanz 5". Camaroon-Gebirge, 7000' üb. d. M.
Fat io beschrieb Revue et mag. de Zoologie p. 224 und p. 257.
pl. 12 eine neue Feldmaus iF///of/es Äü-o/or, vertice dorsoque subnigris;
lateribus cinerascentibus: abdomine pedibusque albis ; auribus magnis,
vellere multum longioribus ; cauda admodum longa , supra nigra,
infra alba. Sie lebt bei Bern in einer Höhe von 1800 Metres.
Thier, Schädel und Gebiss sind abgebildet.
Enryotis irvorata Gray Proc. zool. soc. p. 181 vom Camaroon-
Gebirge, 7000' üb. d.M.
Auf Reichert's Abhandlung „Beiträge zur Entwickelungsge-
schichte des Meerschweinchens' in den Abhandlungen der Berliner
Akademie vom Jahre 1861. p. 97 — 216 mit 8 Tafeln kann hier nur
kurz verwiesen werden.
Edentata.
Brehm schildert das Leben eines Faulthieres (Choloepus
didactylus), wie er es im Käfig beobachtete. Zool. Garten HI. p. 111.
Kr au SS unterschied ein neues Gürtelthier aus Surinam unter
dem Namen Dasypus Kappleii in diesem Archiv p. 19 und bildete
von ihm den Schädel, so wie zur Vergleichung den Schädel von
Dasypus Peba Burm. ab.
Ruminantia.
Reichenbach erklärte, dass das Knacken der Rennthiere
durch ein Zusammenschlagen der Hufe beim Aufheben des Fusses
entstehe Sitzungsber. der naturw. Gesellsch. Isis 1862. p. 12.
Eine Notiz über die Lebensweise des Hochwildes im Taunus
giebt Rolle und bemerkt, dass der Hirsch lernt, gewisse Bäume
zu schälen. Zool. Garten III. p. 211.
616 T rose hei: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Krauss beschrieb einen Rehbock mit monströsem Geweihe
Würtemberger Jahreshefte 1862. p. 43.
Sclater glaubt vier Hirscharten der Chinesischen und Japa-
nischen Küsten unterscheiden zu können: 1). Cervus sika Temm.
Sieb. (Rusa japonica Gray) von Japan; 2) Cervus pseuclaxis Eyd.
Soul, von Nord-China; 3) Cervus taevanus Blyth von Formosa (vgl.
auch Proc. zool. soc. p, 362) ; 4) Cervus Swinhoii nov. spec. von
Formosa (vergl. auch Proc. zool. soc. p. 364). Das im zoologischen
Garten in London lebende Männchen der letzteren Art ist 2' 8"
hoch; Kopf, Nacken und Vorderschenkel sind grauschwarz, mehr
röthlich am Rücken, am Rumpfe und dem Hinterviertel in ein tie-
fes kastanienbraun übergehend ; Schwanz ziemlich lang und sehr bu-
schig mit grauschwärzlichen Haaren; Innenseite der Schenkel und
Unterseite des Bauches rehfarbig, an der Innenseite der Schenkel ins
Hellocherfarbige übergehend. Proc. zool. soc. p. 150. pl. 17.
Ein neuer Buschbock von Natal ist von J. E. Gray Annais
nat. hist. X. p. 400; Proc. zool. soc p. 263 beschrieben worden:
Cephalophus bicolor pl. 34. Er unterscheidet sich durch seine ge-
ringe Grösse . er ist nur 10" hoch und wiegt nur 3 Pfund, ist sehr
ähnlich mit C. Whitfieldii. Der Pelz ist weich, braun ; Steiss, Hinter-
schenkel, Kinn, Kehle, Brust, Bauch, Innenseite der Vorderschenkel,
ein breiter Ring über den Vorderhufen und ein breiter Fleck am
Gesichte rein weiss ; Ohren schwarz, innen weiss ; keine Hörner im
weiblichen Geschlechte.
J. E. Gray beschrieb eine neue Antilope von der Insel For-
mosa, die er Capricomis Swinhoei nannte. Proc. zool. soc. p. 263.
pl. 35. Vergl. auch ib. p. 361.
Ueber die Eland-Antilope (Antilope oreas Pall) vergl. Wein-
land im zool. Garten III. p. 241 und 261.
Herm. v. Nathusius theilte seine Beobachtungen über
einen auffallenden Rassenunterschied in der Trächtigkeitsdauer der
Schafe mit. Zool. Garten III. p. 102. Trotz sonst ganz gleicher
Verhältnisse tragen die Merinos constant die Frucht durchschnitt-
lich sechs Tage länger als die Southdowns.
Soliduugula.
In einer physiologischen Erörterung über den Huf des Pfer-
des, betrachtet Voigtländer das Wachsthum und die Ernährung
des Hornschuhes und den Mechanismus, oder die rein nach mecha-
nischen Gesetzen durch die Schwere des Körpers hervorgerufenen
Bewegungen. Sitzungsberichte der Gesellsch. Isis 1862. p. 209—216.
Im zoologischen Garten zu London leben vier Arten von wil-
den Eseln. Ueber sie machte Sclater Bemerkungen. Sie sind
der Säugethiere während des Jahres 1862. 617
1) Asinus hemionus aus Nord-Asien, 2) Asinns indictis aus Cutch,
3) Asinus hemippus aus Persien und Syrien, 4) Asinus taeniopus aus
Abyssinien. Proc. zool. soc. p. 163.
IHiiltiingula.
Valenciennes berichtete der Akademie zu Paris über einen
männlichen Elephanten, der in die Menagerie des Museums einge-
treten ist, und der von Ceylon stammt. Comptes rendus ; Revue et
mag. de zool. p. 63.
Nach Weinl an d's Mittheilung im Zool. Garten III. p. 127
unterscheidet Schlegel den Elephanten der Insel Sumatra als
eigene Species, die einen Uebergang zwischen dem indischen und
afrikanischen Elephanten bilden soll, und bisher mit dem indischen
verwechselt wurde. Die Backenzähne sollen ihn unterscheiden, es
ist aber nicht angegeben, wie.
Weinl and berichtet, dass die Trächtigkeitsdauer des Nil-
pferdes nur 10 Monate beträgt. Zool. Garten III. p. 219.
üeber die Lebensweise des Klippschliefers (liyrax habessini-
cus) berichtet B rehm. Zool- Garten III. p. 270.
J. E. Gray hat sich durch die Untersuchung und Verglei-
chung des Japanesischen Schweines überzeugt, dass dasselbe nicht
bloss eine eigene noch unbeschriebene Art der Gattung Sus ist, die
man bisher nur im Hausthierstande beobachtet hat, sondern dass
sie sogar eine eigene Abtheilung in der Gattung Sus bilde. Die
neue Art wird Sus pliciceps genannt. Die beiden Abtheilungen
werden folgendermassen unterschieden : 1) Su s. Gesicht glatt, oder
fast glatt, Schädel konisch, die Oberseite der Nase gerundet, Gau-
men schmal. Dahin S. scrofa, indicus, vittatus. 2) C enluri o s us.
Gesicht tief und symmetrisch gefurcht, Schädel flach am Vorder-
kopfe, die Oberseite der Nase flach, an den Seiten gekielt , Gaumen
breit. Dahin S. pliciceps. Der Schädel ist in Holzschnitt ab-
gebildet.
Porcula taivana Swinhoe Proc. zool. soc p. 360 von Formosa.
Dieses kleine Bergschw^ein soll die Streifen und Flecke der Jugend
auch im erw^achsenen Zustande behalten. Das Haar an Kopf, Kinn,
Schultern und Schenkeln ist hellgelblichbraun, das am Scheitel mit
schwarzen Spitzen; die Oberseite des Körpers ist längsgestreift mit
Schwarz und hell Gelbbraun. Werden wegen ihrer Häufigkeit den
Feldern nachtheilig, leben heerdenweise und sollen sich bei Tage
in Felshöhlen verbergen; in der Dämmerung steigen sie dann in
einer Reihe zu ihren erwählten Futterplätzen ; sie sind scheu und
schwer zu schiessen.
Eine kurze Notiz über Phacochoerus aethiopicus, welcher im
618 , Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
zoologischen Garten in London plötzlich gestorben war s. in Proc.
zool. SOG. p. 212.
Cetacea.
Kr aus s beschrieb in Reichert und Du Bois-Reymond's Ar-
chiv p. 415 zwei Skelete und einen Schädel des surinamischen Ma-
natus aus dem Maronistrome. Hauptsächlich wurde der Schädel
berücksichtigt, der auch abgebildet ist.
In einer vorläufigen Notiz ..einige Worte über die verschie-
denen Entwickelungsstufen der Nasenbeine der Seekühe (Sirenia)'*
sagt Brandt, dass die Knöchelchen, welche Cuvier bei Manatus
als Nasenbeine deutete, auf keine anderen Schädelknochen bezogen
werden können, dass die Nasenbeine der Sirenen aber sehr merk-
würdige, sogar individuUe Abweichungen bieten, die sich bis zur
Verkümmerung so wie umgekehrt zur völligen Verschmelzung mit
den Stirnbeinen steigern können. Bull, de St. Petersbourg V. p. 10.
Nach Brandt hat Rhytina Stelleri entschieden 7 Halswirbel,
wobei sich jedoch, wie bei Halicore, den Pachydermen und den mei-
sten Wiederkäuern die erste Rippe mit dem vorderen Theile ihres
Köpfchens in eine Gelenkvertiefung des siebenten Halswirbels legt.
Bei Manatus dagegen verbindet sich die vordere Hälfte der ersten
Rippe mit dem sechsten Halswirbel; deshalb können dieser Gattung
nur sechs Halswirbel zugeschrieben werden, obgleich der erste
Rückenwirbel im Baue eher einem Halswirbel entsprechen würde.
Bulletin de l'x^Lcad. de St. Petersbourg V. p. 7.
Möbius beschreibt die Verfolgung einer Schaar grosser Del-
phine in der Kieler Bucht, von der jedoch nur ein Stück erlegt
wurde. Zoologischer Garten III. p. 39.
Einen neuen Del j) hin, den Macgillivray in Nordaustralien
entdeckte, und davon zwei Schädel nach London schickte, beschrieb
J. E. Gray unter dem Namen Delphinus calalania. Proc. zool.
SOG. p. 143.
Reinhardt machte eine Bemerkung über den Stosszahn des
Narwal in Meddelelser p. 326. Veranlasst wurde dieselbe durch eine
Angabe des Professor Lilljeborg in einer üebersicht über die
skandinavischen Wale, die er in der Jahresschrift der Universität
üpsala 1861 und 1862 mitgetheilt. Demnach soll, wenn er an der
rechten Seite des Oberkiefers sitzt, er auch selbst spiralig nach
rechts gedreht sein, anstatt nach links. Lilljeborg beruft sich
auf eine Figur von Blas ins. Verf. setzt nun auseinander, dass
die Blasius'schen Figuren über Walfische verkleinerte Copien nach
Cuvier seien, und dassCuvier's Figuren zum Theil ohne Spiegel,
also verkehrt; gestochen seien. Verf. hat selbst zwischen 30 and 40
der Säugethiere während des Jahres 1862. 619
Schädel untersucht, aber fand niemals den Zahn an der rechten
Seite. In den Europäischen Museen werden mindestens zehn zwei-
zähnige Schädel aufbewahrt, darunter 5 in Kopenhagen. In allen
sind die beiden Zähne von rechts nach links gewunden. Verfasser
schliesst, wenn ein Zahn rechts gewunden vorkommen sollte, dann
müsste es sein etwa wie bei den Linksflundern als eine Abweichung.
Dies nimmt jedoch Verf. nur als eine entfernte Möglichkeit an,
weil dies vielleicht den Schlüssel zu einer Angabe von Scoresby
geben könnte, dass er einmal einen weiblichen Narwal von 13 V2
Fuss gefangen habe , welcher ausnahmsweise einen 4' ':" langen Zahn
hatte, an der linken Seite und rechts gewunden.
Gervais berichtet, dass am 18. Juni 1862 ein "Walfisch (Ror-
qualus antiquorum) an der spanischen Küste gestrandet sei. Nach
dem Verf. kommen vier grosse Walfischarten im Mittelmeere vor.
Bulletin de l'acad. de Belgique XIV. p. 186.
Narsupialia.
M'Coy bemerkt Annais nat. hist. IX. p. 147, dass Dasyurus
nicht ausschliesslich in Tasmanien, wie fälschlich behauptet worden,
einheimisch sei, sondern auch auf dem Festlande Australiens im
Yarra-Gebirge vorkomme. Derselbe hat sich auch überzeugt, dass
Canis Dingo wirklich ein eingebornes Thier sei, theils weil er an
Individuenzahl nach dem Innern zunimmt, theils weil seine Knochen
in den Knochenhöhlen mit lebenden und ausgestorbenen Thieren
in gleichem Erhaltungszustande gefunden werden.
Pury bezeiclmet die Känguruhs als keineswegs furchtsame
Thiere. Sie sollen sogar Jäger und Hunde angreifen, den Menschen
mit ihren kräftigen Armen (?) umfassen, um ihn zu ersticken. Bul-
letin de la soc. de Neuchatel VI. p. 38.
Die Wombat's (Phascolomys latifrons) brauchen ihre mächti-
gen Krallen nicht zum Graben ; sie kratzen nur damit den Rasen
auf, um den Boden ihrer Lagerstätte zu erneuern. So berichtet
Albert Geoffroy St. Hilaire im Zool. Garten III. p. 119.
Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
während des Jahres 1863.
Yon
Troschel.
Otto Deiters veröffentlichte ausgezeichnet gründ-
liche Untersuchungen über das innere Gehörorgan der
Amphibien im Archiv für Anatomie und Physiologie p. 262
—310 und erläuterte die schwierigen mikroskopischen
Ergebnisse durch drei Figurentafeln. Leider ist der fleis-
sige, talentvolle junge Gelehrte uns kürzlich durch den
Tod entrissen worden.
Untersuchungen zur vergleichenden Anatomie der
Wirbelsäule bei Amphibien und Reptilien von Gegen-
baur. Leipzig 1862. 4. mit 4 Tafeln. Wichtiges Werk,
auf dessen Inhalt hier nicht specieller eingegangen wer-
den kann. Die Untersuchungen beziehen sich auf den
Bau der Wirbel bei Coecilia, den Perennibranchiaten, den
Derotremen, den Salamandrinen, auf die Entwickelung
der Wirbel der ungeschwänzten Amphibien; ferner auf
die Wirbel der Reptilien, der Ascalabotae und der Vögel.
In einem Schlussabschnitte sind die Ergebnisse zusam-
mengestellt.
Blanchard hat nachgewiesen, dass die Schuppen
der Eidechsen von Kanälen durchzogen sind, wodurch sie
befähigt werden Feuchtigkeiten oder feuchte Luft einzu-
saugen, und somit als Hülfsorgan für die Respiration
zu dienen, indem die Lungen für diese Function nicht
vollständig genügen. Am vollständigsten Ist diese Haut-
Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Herpetologie u. s. w. 621
respiration bei den Scincoiden ausgebildet. Auch in den
Schuppen der Schlangen linden sich ähnliche Kanäle. An-
nales des scIences naturelles XV. 1861. p. 375 — 381.
Harting hat ein recht anziehendes Buch über die
Baukunst der Thiere in holländischer Sprache geschrie-
ben ^De Bouwkunst der Dieren; ein boek voor allen,
die de Natuur liefhebben. Groningen 1862.'^ Daselbst
werden unter den Amphibien nur zwei Baiikünstler ge-
nannt: Alligator lucius und Crocodilus biporcatus. Beide
bauen Nester, um ihre Eier zu beschützen. Der Ansicht,
dass die Nester der Kaimans dazu dienen sollen, durch
Verrotten des Grases Wärme zu erzeugen (vergl. den
Bericht 1842 p. 171) thut Verf. keine Erwähnung.
Cope machte Notizen über einige Reptilien der alten
Welt bekannt. Proc. Philadelphia p. 337. Verf. spricht
daselbst über Atheris squamatus (Echis squamatus Hal-
low.), Natrix leopardina, Tyria gracIHs (Zamenis graci-
lis Gthr.), Contia modesta (Ablabes modestus Gthr.), Rho-
ptura Pet. ; — Cryptoblepharus Wahlbergii Smith, Ger-
rhosaurus Bibronii Smith, Lacerta strigata Eichw. ; —
Dactyletra laevis Gthr.
Nach dem 1862 erschienenen Verzeichnisse der Wir-
belthiere des zoologischen Gartens In London, befanden
sich in demselben 10 Arten Schildkröten, 4 Krokodile,
10 Eidechsen, 21 Schlangen, 17 ßatrachier, zusammen 62
Reptilien.
Das Bändchen von Schlegel's 1862 in Haarlem
erschienenem Werke „Natuurlljke historie van Nederland,
Gevervelde dieren" welches die Amphibien enthält, weist
nach, dass in Holland 4 Eidechsen (3 Lacerta, 1 Anguis),
3 Schlangen (1 Coronella, 1 Natrix, 1 VIpera) und 9 Ba-
trachier (1 Hyla, 2 Rana, 2 Bufo, 1 Bombinator, 1 Sala-
mandra, 2 Triton) vorkommen. Alle Arten sind beschrie-
ben und auf 11 Tafeln abgebildet; das Wichtigste über
ihre Lebensweise ist angegeben.
Li Ungarn kommen nach Jeit teles, Verhandl. der
zoolog. -botan. Geselisch. in W^ien. XII. p. 278 von Am-
phibien vor : 1 Schildkröte , 5 Eidechsen , 4 Schlangen,
622 Troschel: Bariclit üb. d. Leist. in d. Herpetologie
vielleicht auch Coluber trabalis PalL, 9 Batrachier. Aus-
serdem soll in den unterirdischen Gewässern der soge-
nannten Drachenhöhle bei Demenfalva ein dem Hypoch-
thon ähnliches Thier vorkommen.
In der bereits oben bei den Säugethieren erwähnten
Zoologie des Alpes-maritimes zählt Veranj von Am-
phibien auf: 3 Schildkröten, 7 Eidechsen^ 9 Schlangen und
7 Batrachier. Die Schildkröten kommen nur gelegentlich
vor indem die Testudo graeca eingeführt ist. Unter den
Schlangen ist nur eine giftige , Vipera aspis. Frösche
und Kröten sind sehr häufig. Die Batrachier sind die
gewöhnlichen weit in Europa verbreiteten Arten.
Von Strauch erhielten wh in den Memoires de
l'academie imperiale des sciences de St. Petersbourg Tome
IV. einen „Essai d'une Erpetologie de l'Algerie.'' Die
daselbst beschriebenen 6 Schildkröten leben alle auch in
Europa, von den 38 Eidechsen kommen lö auch in Eu-
ropa vor, von den 23 Schlangen sind 10, und von den
9 Batrachiern sind 8 zugleich europäisch, so dass von den
76 Amphibien die grössere Hälfte, nämlich 49 Arten der
herpetologischen Fauna Algeriens und Europas gemein-
schaftlich sind. Ja es finden sich in;Algerien nicht bloss
Arten des südlichen Europas, sondern selbst einige, wie
Tropidonotus natrix , die bis in den Norden Europas rei-
chen. Verf. hebt ferner hervor , dass der Atlas nicht
eine Scheidelinie zwischen der europäischen und afrikani-
schen Fauna bilde, beide gehen vielmehr unmerklich in
einander über. Die echt afrikanischen Arten Algeriens
zeigen die meiste Analogie mit denen Aegyptens. Die
sehr verbreitete Ansicht, dass die um das Mittelmeer ge-
legenen Länder übereinstimmende Faunen besässen, er-
klärt Verf. für nicht ganz zutreffend , indem namentlich
Aegypten hiervon eine Ausnahme mache, wo nur eine
kleine Zahl solcher Arten gefunden werde , die um das
Mittelmcor herum sich ausbreiten. Vcrgl. auch eine An-
zeige in Revue et mag. de Zoologie p. 454.
Peters gab eine Uebersicht einiger von dem Mis-
sionär Hahn im Herero-Lande an der Westküste von
während des Jahres 1862. 623
Afrika gesammelten Amphibien. Es sind 16 Arten^ von
denen 7 als nen beschrieben werden. Berliner Monats-
berichte p. 15.
Derselbe verzeichnete ebenda p. 271 die von v. Bar-
nim und Hartmann auf der Reise durch Aegypten, Nu-
bien und den Sennaar gesammelten Amphibien. Das Ver-
zeichniss enthält 1 Crocodil, 2Schildkröten, 19Eidechsen, 11
Schlangen und 2Batrachier, zusammen 35 Arten. Auf drei
der Schlangen gründet Verf. neue Gattungen s. unten.
In Lad isla US Magyar's Reisen in Südafrika
Band 1 nennt Verf. einige Reptilien^ die in Bihe leben.
Aus dem Nachlasse von Victor in machte Grill
Zoologische Notizen der von demselben im Caplande ge-
sammelten Thiere in Kongliga Svenska Vetenskaps Aka-
demiens Handlingar IL Stockholm 1860 bekannt, und
verzeichnet daselbst p. 60 von Amphibien 5 Schildkröten,
1 Eidechse und 7 Schlangen, unter denen jedoch keine neu.
In einer Reise nach dem Amur von Maak, St. Pe-
tersburg 1859, welche ganz in russischer Sprache ge-
schrieben ist, findet sich auch p. 152 ein Verzeichniss von
Amphibien.
Es enthält 14 Arten: Zootoca vivipara, Eremias velox. Coe-
lopeltis Dione, Vipera berus , Trigonocephalus Halys, T. Blomhoffii,
Trionyx Maakii, Bufo vulgaris, Bufo variabilis, Bufo calamita, Rana
esculenta Yar. japonica , Rana temporaria. Rana cruenta und Tri-
ton n. sp.
Von Reptilien kommnn im Thal des Flusses Usura,
zufolge Maak's Reise im Thal des Flusses Usura. St. Pe-
tersburg 1861. 4. p. 189—193 dreizehn Arten vor.
Es sind die folgenden : Lacerta (Zootoca) vivipara, Coelopeltis
dione, Trigonocephalus Blomhoffii, TngonocepUalus vittolus n. sp.
Brandt, Cohher amnrensis n. sp. Brandt, Trionyx Maakii, Rana tem-
poraria, Rana esculenta, Hyla arborea, Bufo vulgaris, B. variabilis,
B. calamita, B. cruciata. Dennoch hat dieses Thal vor dem Amur
voraus : Trigonoc. vittatus und Coluber amurensis, Hyla arborea und
Bufo cruciata.
üeber Australische Schlangen und ihre geographi-
sche Verbreitung macht Krefft einige Bemerkungen.
Proc. zool. soc. p. 224.
624
Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Herpetologie
M'Coy schildert in Kürze die Amphibienfauna der
Colonie Victoria im westh'chen Neu-Holland iVnnals nat.
hist. IX. p. 147. Einige Eidechsen und Frösche werden
genannt; unter letzteren eine Art Lymnodynastes, die in
der trockenen wasserarmen Gegend bei Tage sich tief in
die Erde eingräbt und nur Nachts auf Nahrung ausgeht.
Unter den zahlreichen Schlangen ist nur eine giftige,
Acanthophis antarctica, und zwar sehr selten.
In „Yiti, on account of a Government mission to
the Vitian or Fijian Islands. Cambridge 1862^^ bezeich-
net B e rth old Se em a nn die Reptilien auf den Fidschi-
Inseln als wenig zahlreich an Arten. Es kommen etwa
10 Schlangen vor, aber keine über 6 Fuss lang; emige
werden gegessen ; viele leben auf Bäumen. Ein Frosch,
Platymantis vitianus ist gemein; drei Arten Schildkröten
kommen vor; von Eidechsen ein Chamäleon und vier an-
dere Arten, wovon Chloroscartes fasciatus Günth. die
grösste ist.
Nach Cooper Proc. California Acad. 1861. p. 123
kommen in Californien auch folgende, bisher dort noch
nicht beobachtete Reptilien vor : Pituophis bellona Baird
Gir., Masticophis testaceus B. G. , Salvadora grahamiae
Baird. Gir.
In Mayne's ,,Four years in British Columbia and
Vancouver- Island. London 1862^ ist p. 419 gesagt, dass
einige Schlangen vorkommen, die jedoch nicht giftig smd;
Eidechsen und Frösche sind häufig. Die Indianer essen
die Schlangen.
In Volume XII. Book IL Part III. der Explorations
and surveys for a Railroad route from the Mississippi
river to the pacific Ocean 1860. p. 292 findet sich ein
Bericht von Cooper über die Reptilien, welche beim 47.
und 49. Breitengrade gesammelt wurden. Dazu gehören
11 Tafeln. Beschrieben sind 1 Schildkröte, 6 Eidechsen,
21 Schlangen und 7 Batrachier. Zwei neue Eutaenien
s. unten.
Reinhardt und Lütken verdanken wir einen
Beitrag zur Herpetologie der westindischen Inseln, na-
während des Jahres 1862. 625
mentllch der dänisch - westindischen. Vidensk. Medde-
lelser fra den natiirhist. Forening i Kjöbenhavn 1862.
p. 153—291.
Das Yerzeichniss der bekannten Arten enthält 20 Batrachier,
wovon 4 auf Cuba , 5 auf Jamaica , 9 auf Haiti , 1 auf Portorico, 4
auf den Jungfern-Inseln, 5 auf den Caraiben, 2 auf Trinidad leben;
96 Schlangen, darunter 6 giftige, 2 auf den Bahama's, 21 auf Cuba
8 Jamaica, 13 Haiti, 4 Portorico, 4 Jungfern-Inseln, 37 Caraiben,
17 Trinidad; 114 Eidechsen, 3 auf den Bahamas. 31 Cuba, 22 Ja-
maica, 17 Haiti. 3 Portorico, 19 Jungfern-Inseln, 34 Caraiben, 8
Trinidad; 4 Krokodile, 2 auf Cuba, 1 Jamaica, 1 Haiti, 3 Caraiben,
2 Trinidad ; 14 Schildkröten, 1 auf den Bahamas, 7 Cuba, 6 Jamaica,
1 Haiti, 1 Portorico, 5 Jungfern-Inseln, 5 Caraiben. Somit sind von
Westindien im Ganzen 248 Arten bekannt , von den Caraiben 84,
Cuba 65, Jamaica 42. Haiti 41, Jungfern-Inseln 32, Portorico 9, Ba-
haraa- Inseln 6. Auf den dänisch- westindischen Inseln leben da-
gegen nur 28 Arten, nämlich 3 Batrachier, 4 Schlangen, 16 Eidech-
sen und 5 Schildkröten. Ueber viele einzelne Arten werden dann
weitere Abschlüsse gegeben, mehrere neue Arten werden beschrie-
ben. Die von Cope Proc Philadelphia p. 151 beschriebenen Laub-
frösche sind in dieser Arbeit noch nicht berücksichtigt.
Cope lieferte Proc. Philadelphia p. 346 ein Yerzeich-
niss der während der Explorationen der Parana, Para-
guay, Vermejo und Uruguay Rivers durch Capt. Page
gesammelten Reptilien.
Yon den 70 dem Verf. bekannten Species sind 18 identisch
mit solchen, die im Gebiete des Amazonenstromes und der östlichen
Brasilianischen Küstenströme vorkommen ; nur 3 Arten sind in Chili
gefunden ; mindestens 40 Arten sind dem Paraguay-District eigen-
thümlich. 25 Arten und 4 Gattungen werden für neu gehalten.
Das Yerzeichniss dieser Sammlung enthält 1 Schildkröte, 32 Schlan-
gen, 1 Amphisbaena , 11 Eidechsen und 14 Batrachier, zusammen
59 Arten. Die neue Arten s. unten.
Daran schliesst sich ib. p. 355, gleichfalls von Cope
ein Verzeichniss einer Sammlung von Darien. Von den
32 Arten Reptilien sind 14 neu, die jedoch meist schon
vom Verf, in denselben Proceedings beschrieben sind.
InBaril Comte de la llure, l'empire du Bresil,
Monographie complete de l'empire sud-americain. Paris
1862 ist p. 122 — 128 ein Abschnitt über die Reptilien ent-
halten. Die Reptilien Brasiliens sind zahlreich. Die Ge-
Archiv f. Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. PP
626 Troschel: BericM üb. d. Leist. in d. Herpetologie
fahr für die Bewohner sei aber sehr übertrieben worden,
indem sie mir nach einem Angriffe von ihren Giftwaffen
Gebrauch machen. Man trifft sie oft in den Wohnimeren,
aber sie thim keinen Schaden. Verf. erzählt, dass w^enn
man eine Schlange neben einem Hause getödtet habe, als-
bald eine zweite derselben Art sichtbar werde, die die
erstere zu suchen scheine und sich leicht an demselben
Orte tödten lasse ; er schiiesst daraus, dass sie paarweise
leben. Fast alle Schlangen Brasiliens sollen lebendig ge-
bärend sein.
Cliclouü.
Jacquart beschrieb Annales des sciences naturel-
les XVI. p. 303 — 326 das Herz von Chelonia Midas und
vergleicht es mit dem der Schlangen. Verf. hatte schon
1855 zwei Abhandlungen über das Herz der Schlangen
veröffentlicht. '
Unter dem Titel „Chelonologische Studien, mit be-
sonderer i3eziehung auf die Schildkrötensammlung der
Kais. Akademie zu St. Petersburg'^ hat Strauch eine
grosse Arbelt über die Ordnung der Schildkröten in den
Memoires de l'academle iniperialc des sciences de St.
Tetersbourg Tome V. 1862 veröffentlicht, welche alle Be-
achtung verdient. In dem ersten Abschnitte erörtert
Verf. die Charakteristik der Familien und Gattungen und
versucht in einer synoptischen Tabelle die Bestimmung
auch solcher Exemplare möglich zu machen, von denen
nur die Schale vorliegt. Auch ist er bemüht die Syno-
nymleder Gattungen zu entwirren. Der zweite Abschnitt
enthält eine Aufzählung der Im zoologischen Museum der
Petersburger Akademie vorhandenen Schildkröten, nebst
Bemerkungen über dieselben.
Verf. unterscheidet nur drei Familien, die er fülgendermassen
charakterisirt.
1. Testudinida. Rückensclnld oval, Brustschildknoclien zu einer
Platte verwachsen, die höchstens in der Mitte offen bleibt; beide
mit Hornplatten gedeckt; Trommelfell sichtbar; Gang- oder Schwimm-
füsse; Krallen von verschiedener Forin, vorn 5, zuweilen 4, hinten
4. selten 5 oder 3. Terrestrisch oder amphibisch. Zerfällt in zwei
Tribus: 1. Chers emy da. Becken frei nicht mit dem Brustschilde
während des Jahres 1862. 627
verwachsen; höchstens 2 Gularplatten , oft nur eine, selten keine;
können Kopf und Hals einziehen. Dahin die Gattungen: Testudo
(mit Einschluss von Homoptis) 28 Arten, Chersina Gray 4 Arten,
Pyxis Bell. 1 Art, Cinixys Bell. 3 Arten, Manouria Gray 3 Arten,
Terrapene Merr. 3 Arten, Emys Wagl. 4 Arten, Clemrays Wagl.
62 Arten. Dermatemys Gray 1 Art, Platysternon Gray 1 Art. Macro-
clemmys Gray 1 Art, Chelydra Schweigg. 1 Art, Staurotypus Wagl.
1 Art, Aromochelys Gray 5 Arten, Cinosternon Spix 13 Arten. 2.
Chelyda- Becken mit dem Brustschilde verwachsen, ausser den 2
Gularplatten immer eine Integularplatte ; Kopf und Hals werden auf
die Seite geklappt. Dahin die Gattungen : PeltocephalusD. B. 1 Art,
Podocnemis D. B. 5 Arten, Sternothaerus Bell 6 Arten, Pelomedusa
Wagl. 4 Arten, Platemys D. B. 16 Arten . Hydromedusa Wagl. 3
Arten, Chelodina 5 Arten, Chelys Dum. 1 Art.
2. Trionychida. Rückenschild oval , flach gewölbt, mit knö-
chernem Discus und weichem Bande ; Brustschildknochen getrennt ;
keine Hornplatten; Naslöcher in einen weichen Rüssel verlängert;
fleischige Lippen ; Trommelfell versteckt ; dreikrallige Schwimmfüsse ;
Kopf einziehbar. Leben im süssen Wasser. Dahin die Gattungen:
Trionyx Gray 20 A., Cycloderma Peters 4A., Emyda Gray 3 Arten.
3. Cheloniida. Rückenschild herzförmig; Knochen des Brust-
schildes getrennt; Trommelfell verborgen ; Flossenfüsse ; Vorderfüsse
länger als die hinteren; Krallen rudimentär; Kopf nicht zurück-
ziehbar. Leben im Meere. Zerfällt in 2 Tribus : 1. Sphargi-
d i n a. Schale von dicker Lederhaut überzogen, keine Krallen. Gatt.
Dermatochelys Blainv. mit 1 Art. 2. Chelonina. Schale mit
Hornschildern gedeckt, 1 oder 2 Krallen. Dahin die Gattungen:
Chelone Brongn. 10 Arten, Thalassochelys Fitz. 3 Arten.
Unter den im zweiten Abschnitte beschriebenen 66 Arten des
Petersburger Museums ist eine Art, Clemmys Wosnessenshyi aus dem
Rio-Sacramento in Californien, neu.
Cyclemys Mouhoti Gray Annais nat. hist. X. p. 157 vom Lao
Gebirge.
Batagur pic^a von Borneo und £//io<i von Südindien im Kistna-
Fluss Gray Proc. zool. soc. p. 264-
Dogania Güntheri Gray Proc. zool. soc. p. 265 aus Indien. Zur
Vergleichung ist auch die bekannte Art dieser Gattung D. subplana
charakterisirt.
Williams gab Nachricht von einer Land - Schildkröte aus
Westindien, die vor über 50 Jahren nach Europa gebracht war; sie
war weiblichen Geschlechts. Yor vier Jahren wurde ihr eine an-
dere Schildkröte männlichen Geschlechts beigesellt, und nun legte
das Weibchen Eier , aus welchen Junge auskrochen. Proc. zool.
soc. p. 266.
628 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Herpetologie
Saiirii.
CrOCOdilini. Icones ad zootomiam illustrandam. Das
Skelet der Krokodilinen dargestellt in 20 Tafeln zur Er-
leichterung des Selbststudiums. Sämmtlich nach der Na-
tur gezeichnet, in Zink gestochen und erläutert von C
B. Brühl. Wien lb62. Zahlreiche und lehrreiche Ab-
bildungen, wozu eigentlich nur eine Tafelerklärung den
Text bildet. Da Verf. die Tafeln selbst angefertigt hat,
ist der Preis sehr billig.
In einer Synopsis der Arten der Crocodile unterscheidet J, E,
Gray Annais nat. hist. X. p. 265 sieben Gattungen, von denen Oo-
pholis und Bombifrons in Asien und im nördlichen Australien, Cro-
codilus, Halcrosia und Mecistops in Afrika, Palinia und Molinia im
tropischen Amerika leben. Die Arten vertheilen sich folgender-
massen in die Gattungen: 1) Oopholls mit zwei Arten 0. poro-
sus Sehn. (Crocodilas biporcatus Cuv.) und 0. poudicheriatws. 2) B om-
bifrons mit B. trigonops Gray und Siamensis Sehn. 3) Palinia
mit P. rhombifer Cuv. und. Moreletii Dum. 4) Cr oc od Uns mit Cr.
vulgaris Cuv. 5) Molima mit M. americana Sehn, und intermedia
Graves (Cr. Journei Bory). 6) Halcrosia (ist identisch mit Osteo-
laemus Cope Proc. Philadelphia 1860. p. 549) mit H. frontata Mur-
ray. 7. Mecistops mit M. cataphractus Cuv.
Crocodilus frontalus Murray Proc. zool. soc. p. 213 von Old
Calabar.
J E. Gray theilt Annais nat. hist. X. p. 327 die Alligatoren
folgendermassen ein. I. Bauchschilder hart, knochig, ein Schild bil-
dend ; Augenlieder mit einer inneren Knochenplatte ; Nackenschilder
paarig, ein längliches Schild bildend , Nasenbeine kurz. Im tropi-
schen Amerika. 1) Jacare. Eine Knochenleiste zwischen den Augen,
Augenlieder zum Theil fleischig, gestreift oder runzlig. J. nigra
Spix, latirostris Daud., lonjiscvtata n. sp. aus dem tropischen Ame-
rika , occUala n. sp. See von Santa Cruz de la Sierra, punctulata
Spix. 2) C a i m a n. Keine Knochenleiste zwischen den Augen , Au-
genlieder ganz knochig, glatt. C. trigonatus Sehn, und palpebro-
sus Natt. II. Bauchschilder dünn ; Augenlieder fleischig, glatt, Nak-
kenschilder paarig, getrennt, Nasenbeine verlängert, die Naslöcher
trennend. Nordamerika. 3) All i q ato r Gesicht breit, deprimirt. A.
Mississippiensis Daud.
Ameivae. In einer Synopsis der Arten der Gattungen Hol-
cosus Cope und Ameiva Cuv. zählt Cope Proceed. Philadelphia p. 60
für erstere zwei Arten, für letztere 21 Arten auf. Neu sind darunter
während des Jahres 1862. 629
Ameiva. enfrnpia von Neu-Granada, laeniura von Haiti, thoracica
von den Bahamas, lae(a von Rio- Janeiro, -jwlops von St. Croix,
hifronlala von St. Thomas. — .-1. Bliaei und 0(?/-s/ec/tJ Reinhardt und
Lütken Meddelelser p. 232 von St. Thomas und St. Croix Die Verff.
glauben in Cope's A. polops ihre A. Riisei, und in A. bifrontata
ihre A. Oerstedii zu erkennen. Sie geben p. 244 eine Uebersicht
der Hauptmerkmale der ihnen näher bekannten 6 Arten.
Lacertae. Von Lereboullet's Preis-Arbelt, ;,Re-
cherclics d'embryolof^Ie comparee siir le dcveloppement
de la Truite, du Lez<ard et du Limnee erschien die Ab-
handlung* über die Embryologie der Eidechse (Lacerta
stirpium) in den Annales des sciences naturelles XYII.
p. 89 — 157, begleitet von drei Tafeln.
W. V. Vest erzählt den Kampf einer Hauskatze mit einer
Eidechse (Lacerta agilis), in welchem die Katze dem kleinen tapfe-
ren Thiere nichts aTihaben konnte. Verhandl. des siebenbürgischen
Vereins zu Hermannstadt XIH. 1862. p 110.
Lacerta (Zooloca) echinata Cope Proc. Philadelphia p. 189 von
Westafrika.
Chamaeleontes, Heinrich Müller hat das Auge des Cha-
mäleon anatomisch und histiologisch untersucht, und an ihm beson-
dere Eigenthümlichkeiten gefunden. Namentlich hat die Retina die
Aufmerksamkeit des Verf. auf sich gezogen. Es scheint wohl, dass
das Chamäleon mit einem sehr scharfen Sehvermögen begabt ist,
da die Retina im ganzen Hintergrunde des Auges nach dem Typus
des gelben Fleckes im menschlichen Auge gebaut ist. Würzburger
naturwissensch. Zeitschr. HI. p. 10 — 42.
Agamao. Aqama planiceps Peters Berliner Monatsberichte p. 15
aus dem Herero-Lande.
Chi or ose a r ie s Günther n. gen. in der Agamenfamilie Proc.
zooL SOG. p. 188. Kopf kurz, Körper und Schwanzbasis comprimirt,
Schwanz sehr lang; Kopf von zahlreichen glatten, kleinen Schil-
dern bedekt , alle Schuppen gekielt , klein , die des Bauches und
Schwanzes grösser, an der Kehle konisch; Schenkelporen in einer
langen Reihe, keine Analporen; ein niedriger Kiel auf dem Nacken,
eine Reihe grösserer scharfer Schuppen längs der Mittellinie des
Rückens und Schwanzes; 5 Zehen an allen Füssen mit scharfen
Krallen , die mittlere Zehe längs dem Basalgliede gefranzt ; ein
kleiner Kehlsack und eine Querfalte ; keine vorspringenden Schuppen
am Ohr. Chi. fasciahts von den Feedjee-Inseln pl. 25.
Gervais beschrieb das Skelet des Moloch horridus Gray
aus Neuholland. Annales des sciences naturelles XV. 1861 p. 86 — 90.
630 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Herpetologie
Iguanae. BasiUscus (Cristasaura) nuchalis Cope Proceed. Phi-
ladelphia p. 181 von Nicaragua.
Anolis {Acantholis) argillaceus von Cuba, A. {Ctenocercus) roe-
lestinus von Haiti. A. {Anolis) cybotes von Haiti, A, (Coccoessvs)
pentrapion von Neu-Granada, A. (Dracontura) limifrons von Vera-
gua, A. (Dracontura) poecilopus von Neu-Granada, A, {Draconlurn)
viltigerus von Neu - Granada , A. (Gastrotropis) radulinus von Neu-
Granada, A. (Gastrotropis) concolor Nicaragua sind neue Arten von
Cope Proceed. Philadelphia p. 181. — A. dominicensis und Riisei
von Haiti, Trinitatis von Trinidad Reinhardt und Lütken Meddelel-
ser p. 261 und 264.
Liocephalus personatus Haiti, Irigeminatus Haiti, raviceps
Cuba , macropns Cuba , melanoclilorns Haiti sind Arten von Cope
Proc. Philadelphia p. 184.
Microlophus spinulosus Cope ib. p. 351 von Paraguay.
Scartiscus Cope nov. gen. aus der Ignanenfamilie Proc.
Philadelphia p. 182. Sc. caduciis von Paraguay.
Geckones. Phyllodactylus spatulatus Cope Proc. Philadelphia
p. 176 von Barbadoes. — ?k. Reissii Peters Berliner Monatsber.
p. 626 aus Guayaquil.
Sphaeriodactyltis microlepis Reinhardt und Lütken Meddelel-
ser p. 278 von St. Croix.
Gymnodactylns no^a/ws Reinhardt und Lütken ib. p. 280 von Haiti.
Ptychopleurae. Gerrkosaurus tritittatns Peters Berliner Mo-
natsberichte p. 18 aus dem Herero-Lande
Zonurus puslulatus Peters Berliner Monatsberichte p 19 aus
dem Herero-Lande.
Brachypus pallidiceps Cope Proc. Philadelphia p. 356 von
Truando.
M ancus macrolepis Cope Proc. Philadelphia p. 339 von Natal.
Stimmt bis auf die Abwesenheit der vordem Gliedmassen so gut
mit Chamaesaura anguina überein, dass Verf. zweifelt, ob die Tren-
nung gerechtfertigt sei.
Eine Monographie der Gattung Cercosaura und der mit dieser
Gattung verwandten Eidechsen aus Südamerika lieferte Peters in
den Abhandlungen der Berliner Akademie 1862. p. 165—225 mit
drei Tafeln Die Gruppe Cercosauri verbindet die Ameivae mit den
Chalcides, so dass alle diese zusammen nur eine einzige natürliche
Familie bilden. Es werden hier 25 Arten beschrieben, die in fünf
Gattungen vertheilt sind ; nämlich : 1) Cercosaura WagL mit den
Subgenera Cercosaura (3 Arten) und Pantodactylus D. B. (3 Arten);
2) Iphisa Gray mit den Subgenera Iphisa Gray (1 Art) und Pero-
dactylus Reinh. Lütk. (lArt); 3) Placosoma Tschudi (1 Art) ; 4) Le-
pidoBoma Spix (1 Art); 5) Ecpleopus 1). B. mit den Subgenera Ec-
während des Jahres 1862. 631
pleopus (1 Art), Pholidobolus (1 Art), Aspidolaemus (1 Art), Oreo-
saurus (2 Arten), Euspondyhis Tsch. (4 Arten), Argalia Gray (3 Ar-
ten), Xestosaurus (1 Art), Proctoporus Tsch. (2 Arten). — Neu unter
denselben sind folgende Arten: Cercosnura humilis aus Brasilien,
Cercosanra {Panioclachjlus) arrjub/s von Sta. Fe de Bogota, Evpleo-
pvs (P/iolicIobolus) inonlivm von Ecuador, Erpleopus {Aspidolaemus)
affinis ohne nähere Angabe des Fundortes, EcpJ. {Oreoscnnus) stria-
tus von Neu-Granada, Ecpl. (Oreoscfin-us) lucluusns aus Venezuela,
Ecpl. (Evspondylus) ncutiroxtris aus Venezuela, Ecpl. {Xestosaurus)
Bogoleusis von Sta. Fe de Bogota.
ScinCOidei. Mabuia fulcjida Jamaica , cvprescens St. Thomas,
unimarcjinaia Panama, lanceolala Barbadoes ; — Emoea frenata von
Paraguay, Cope Proc Philadelphia p. 185.
Mabuia dorsiviltala Cope ib. p. 350. Paraguay.
Cyclodus fasciahts Lütken Meddeiel. p. 292 aus Neuholland.
Tretiosciacvs Cope n. gen. aus der Scincoidenfamilie; aus-
gezeichnet in der ganzen Familie durch den Besitz von Schenkel -
poren ; sonst ähnlich mit Heteropus Fitz. T. castanicterns von Neu-
Granada. Proc. Philadelphia p. 184.
Tiliqita dvra Cope Proc. Philadelphia p 190 von Westafrika.
Euprepes aciitilahris und oUvacevs , und Eviueccs relicvlatus
Peters Berliner Monatsberichte p. 19 aus dem Herero-Lande.
Diplofjlossics sienurns Cope Proc. Philadelphia p. 185 von Haiti.
Weinland stellte in den Abhandl. der Senckenbergischeu
Gesellsch. IV. p. 132 Taf. V. Fig. 1. eine neue Scincoidengattung
Embryopiis auf, die im Besitz von 4 Zehen an jedem Fuss mit
Tetradactylus Dum. Bibr. übereinstimmt, sich von derselben aber
durch den Besitz nur eines Frontoparietalschildes , eines Occipital-
schildes, fein gekielter Schuppen des Körpers, und Schuppen an der
Unterseite des Schwanzes, die von denen an der Oberseite nicht ver-
schieden sind, unterscheidet. Die neue Art E.Hahirhii lebt auf Haiti.
Brachymeles Leuvknrlii Weinland Abh. der Senckenbei'gischen
Gesellschaft IV. p. 140. Taf. V. Fig. 3 von Neuholland.
Die Gattungen Delma und Aprasia Gray wurden von Lüt-
ken vollständiger charakterisirt, und eine neue Art D. Eölleri, so
wie A. pulchella Gray beschrieben. Meddelelser p. 296.
Gymnophthahnns nitidus Reinhardt und Lütken Meddelelser
p. 226. von. den dänisch- westindischen Inseln.
Amphisbaenae. Ampkisbaeua camura Cope Proc. Philadelphia
p. 350 Paraguay. — A. antillensis Reinhardt und Lütken Meddelel-
ser p. 224 von St. Thomas und St. Jan. — A. quadrifrons Peters
Berliner Monatsberichte p. 25 aus dem Herero-Lande.
Amphisbaena innocens Weinland Abhandl. der Senckenber-
gischeu naturf. Gesellsch. IV. p. 137. Taf. V. Fig. 2. von Haiti.
632 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Herpetologie
Serpeiites.
In Betreff der vom Referenten hervorgehobenen Thatsache,
da SS den Schlangen mit wenigen individuellen Ausnahmen nur ein
einziges Foramen mentale zukomme, bemerkt Jan Archivio per la
zoologia IL p. 69, dass er auch bei Zamenis viridiflavus und Dro-
micus antillensis zwei Foramina als individuelle Ausnahme gefun-
den habe. Bei Stenorhina Degenhardti fand er bei allen Exempla-
ren 2 Foramina mentalia an jeder Seite. Der Unterkiefer von Ty-
phlops reticulatus aus der Ordnung Epanodonta hat an dem kur-
zen stachelförmigen Unterkiefer kein Foramen mentale , während
das Articulare am vorderen Ende zwei deutliche Foramina hat.
Stenostoma albifrons und dimidiatum, die zu den Catodonta gehö-
ren, haben dagegen das Foramen mentale auf dem Dentale hinter den
Zähnen, deren die erstere Art 3, die zweite 4 besitzt. (Somit weisen
sich also die Typhlopiden auch als wirkliche Schlangen aus.)
P u t n a m ist nach Untersuchung zahlreicher Exemplare bei
Gelegenheit der Bestimmung der Sammlung des Museum für com-
parative Zoologie zu dem Resultate gekommen, dass die Zahl der
Schlangen-Arten, wie sie Baird und Girard in ihrem Catalog auf-
stellen, beträchtlich vermindert werden müsse. So z. B. hält er
Coluber sirtalis L. , Tropidonotus bipunctatus Schi., Tropidonotus
tenia Dekay, Coluber parietalis Say, Eutaenia radix Baird Gir , Eu-
taenia dorsalis B. et G. und Eutaenia Haj'denii B. et G. sämmtlich für
identisch mit Tropidonotus ordinatus Holbr. Ferner hält er Eutaenia
Faireyi B. et G, und Eutaenia proxima B. et G, für synonym von
Tropidonotus saurita. Proc. Boston soc. IX. p, 60. Vergl. dazu eine
Notiz p. 69.
Opoterodonta. Peters vertheidigt in unserem Archiv p. 35
seinen Typhlops flavoterminatus gegen eine frühere Bemerkung
Jan's, und knüpft daran eine Kritik der Abbildungen in den ersten
Lieferungen von Jan's Iconographie des Ophidiens.
Ornichücephalus }yeslennanni Lütken Meddelelser p. 306. fig. 5
aus Ostindien.
Stenostoma melanoterma Cope Proc. Philadelphia p. 347 von
Corrientes.
Peropodes. Crisp hat den Darmkanal eines Python reticu-
latus untersucht und fand den Oesophagus 6' lang, 473 Unzen Was-
ser fassend; der Magen war 18" lang und fasste 74 Unzen Wasser;
der Dünndarm von 9' 6" Länge enthielt 204, der Dickdarm von 2'
11" Länge 142 Unzen Wasser. Die Länge des Thieres betrug 15', die
ganze Länge des Darmkanals 20' 4" und fasste 744 Unzen.> Wasser.
Verf fand bei allen Schlangen den Oesophagus sehr lang und weit,
während des Jahres 1862. ' 633
und hält es daher für ganz möglich, dass die Giftschlangen ihre
Jungen verschlacken , ohne dass diese mit dem Magensafte in Be-
rührung kommen. Proc. zool. soc. p. 210.
Sclater berichtet von einem weiblichen Python Sebae, wel-
cher im Reptilien -Hause des zoologischen Gartens in London Eier
gelegt hatte. Männchen und Weibchen, welche sich in demselben
Behältniss befanden, wurden in Beziehung auf ihre Temperatur ver-
glichen. Es ergab sich eine Temperaturdifferenz von 6 bis 20*^ C.,
welche nur auf Rechnung des Brutgeschäftes gebracht werden
konnte. Proc. zool. soc. p. 365; Annais nat. hist. IX. p. 310.
Epicrates crasstts Cope Proc Philadelphia p. 349 vom Pa-
rana River.
Abbott erzählt von einer grossen, 12 Fuss langen Schlange,
die er in Arracan mit 48 Eiern fand. Nach drei Monaten , in de-
nen er ;die Schlange mit nach Calcutta genommen hatte, glaubte
er trotz der Bebrütung durch die Schlange, die in der Zeit jede
Nahrung verweigerte, die Eier seien verdorben. Als er jedoch
eines derselben öffnete, fand er darin eine junge, lebendige Schlange.
Wegen der Abreise hatte er nicht erfahren, was aus den übrigen
Eiern geworden ist. Die Schlange, welche Verf. eine Boa nennt,
war ohne Zweifel ein Python. Proc. zool. soc. p. 108.
Evnectes notoens Cope Proc. Philadelphia p. 70 vom Para-
guay River.
Bei der Erwähnung eines Exemplares von Loxocemus bicolor
sagt Günther, dass er auf das Vorhandensein der Stummelfüsse
keinen grossen Werth lege, nicht einmal als specifischen Unter-
schied. Annais nat. hist. IV. p. 55.
Eine Uebersicht über die Familien der Eryciden und Tortri-
ciden gab Jan in unserem Archiv p. 238.
Colubrina. In dem ersten Hefte des zweiten Bandes des
Archivio per la Zoologia p. 1 lieferte Jan eine „Enumerazione
sistematica delle specie d'Ofidi del gruppo Calamaridae." Verf. un-
terscheidet folgende 28 Gattungen, die in 4 Subfamilien gebracht
werden: I. Calamarinae. Zähne glatt. Gatt. Calamaria Boie mit 12
Arten, neu C. Cuvieri und occipitalis beid'e von Java; ? s ev d or au-
dio n auf Rabdion torquatum Dum. Bibr. gegründet. IL RabdOSO*
minae. Zähne glatt. Gatt. Rabdosoma I). B. mit 15 Arten, neu
R. Pöppigi Brasilien, brevifrenum Brasilien, peruviaimm Peru, univit-
tahim Caraccas, zebrinum, occipitoalbuin Ecuador, trivirgatum , pun-
ctGvittatum Antillen, dnhinm Bogota, varium Santa Cruz ; Adelphi-
cos mit einer neuen Art A. qnadrivirgalnm von Java; Platypteryx
D. B. mit 1 Art; Ebpoides Boie mit 4 Arten, neu E. Sicbohli von
Mexiko; Carphophis D. B. mit 1 Art; Virginia Baird Girard mit 2
Arten; Conoeephalus D. B. mit 1 Art} Chersodromus Reinh. mit 1
634 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Herpetologie
Art; Streptophorus D. B. mit 3 Arten; Stenognathus D. B. mit 1
Art; Rabdion D. B. mit 1 Art; Aspidura Wagl. mit 2 Arten, neu
A. carinata von Ceylon; Brachyorrhos Kuhi mit 1 Art. III. Elapo«
morphinae. l) Zähne glatt. Gatt. Elapolinus' mit 1 neuen Art £.
Picteii; Elapops Gthr. mit 1 Art; Homalosoma Wagl. mit 7 Arten,
neu H. melanocephalum von Bairut, coronelloicles aus Syrien, bnlio-
lum; Oligodon Boie mit 6 Arten, neu 0. propinqvus von Java, spi-
naepunctahis von Java. 2) Zähne gefurcht. Gatt. Amblyodipsas Peters
mit 2 Arten; Eiapomorphus Wiegm. mit 12 Arten, neu E. accedens
von Bahia, dimidiaius aus Brasilien; Uriechis Peters mit 1 Art;
Homalocranion D. B. mit 5 Arten, neu hl. Wnqneri aus Florida. IV.
Probletorhinidae. l) Zähne glatt. Gatt. Prosymna Gray mit 2 Arten;
Cheilorhina de Fil. mit. 1 Art; Ficimia Gray mit 1 neuen Art F.
elaiacroma: Oxyrrhina mit drei neuen mexicanischen Arten 0.
rarians, de Filippii und macuhita. 2) Zähne gefurcht. Gatt. Stenorhina
D. B. mit 1 Art.
Oligodon Teinpletoni, afßriis und breticavda Günther Annais nat.
hist. IX. p. 57. Die erstere ist aus Ceylon, die letztere von dem
Anamällay-Gebirge.
Arrhyton fulvum und bivittatum Cope Proc. Philadelphia p. 82
von Cuba
Elapomorphns mexicanns Günther ib. p. 57. pl. 9. fig. 1. aus
Mexiko.
Silybura brevis und Beddomii Günther Annais nat. hist. IX.
p. 56 von dem Anamallay-Gebirge.
Tropidonotus orientalis Günther Annais nat. hist. IX. p. 59.
pl. 9- fig. 3. aus dem nördlichen China.
Eutaenia alt ata und Haydcni Kennicott Explorations and sur-
veys for a Railroad route ct. XII. Book II, Part III. p. 296. Letztere
ist abgebildet.
Nat rix Günther nov. gen. Annais nat. hist. IX. p. 124. Phy-
siognomie von Tropidonotus ; Körper dick, cylindrisch, Bauch gerun-
det, Schwanz ziemlich lang ; Schuppen glatt, in 19 Reihen ohne Api-
calgrube; Afterschild ganz, Subcaudalschilder zweireihig ; Zähne von
gleicher Länge, ungefurcht, massig N. laevissima pl. IX. fig. 4 von
Ostindien.
Günther beschrieb in diesem Archiv p. 49 eine neue Art
Coronella laevis, die einen gefurchten Zahn hinten im Oberkiefer
besitzt. Er äussert daselbst seine Ansichten von dem systematischen
Werthe der Furchenzähne bei den Schlangen.
Coronella brevis Günther Aunals nat. hist. IX. p. 58 von einer
kleinen Insel an der Küste von Mogador.
Pliocercus euryzoiius Cope Proc Philadelphia p.^72 von Neu-
Grauada.
während des Jahres 1862. 635
C o p e unterscheidet Proc. Philadelphia p. 75 fünf Gruppen
von Dromicus : 1) Ophi om o rphus Fitz. Körper kurz, dick; Kopf
distinct; Schuppen ohne Poren; Schwanz kurz dick, Ys ^^r Länge.
2) Lygophis Fitz. Körper dünn, verlängert; Schuppen ohne Po-
ren; Schwanz Y^ der Länge. 8) Dromicus Bibr. Körper mittel-
mässig oder kurz, Kopf wenig distinct; Schuppen ohne Poren;
Schwanz Ys ^^^ Länge, 4) Liophis Wagi. Körper, verlängert,
dünn; Kopf distinct; Schuppen einporig; Schwanz Yi cler Länge.
5) Alsophis Fitz. Körper mittelmässig ; Kopf distinct, spitz;
Schuppen zweiporig; Schwanz Ys der Länge.
Verf. beschrieb dann folgende neue Arten dieser Gruppen:
Alsophis Vndii Bahamas, Sancticrucis St. Croix, melauichmts Haiti,
ftmerens Jamaica; — Liophis perfvscns Barbados, subfasciatus Para-
guay, epijiephalus Neu -Granada, Putiiamii Martinique; — Dromicus
parvifrons Haiti, exignns St. Thomas; Lygophis rutilus Paraguay,
flavifrenahis Rio-Yermejo, dilepis Paraguay.
Alsophis portoricetisis Reinhardt und Lütken Meddelelser p. 221
von Portorico.
Liophis viridis Günihev Annais nat. hist. IX. p. 58. pl. 9. fig.2
von Pernambuco. — L. Andreae Reinhardt und Lütken Meddelelser
p. 214 von Cuba,
Hypsirhynchus scalaris Cope Proc. Philadelphia p. 72 von Haiti.
Dromicus mentalis Günther Annais nat. hist. IX. p. 128. pl 9.
fig. 9. Westindien.
Jaltris Cope nov. gen. Proc. Philadelphia p. 73 verwandt
mit Dromicus, aber weit verschieden durch die Bezahnung, darin
ähnlicher mit Psammophis. J. vultuosa von Haiti.
Colorhogio Cope nov. gen. ib. p. 81 gehört nach der Be-
zahnung zu den Diacranteria; nur ein Postfrontalschild. C. redimita
von Cuba.
Spilotcs Salvini Günther Annais nat. hist. IX. p. 125. pl. 9. fig. 5
von Guatemala.
Zamenis gracilis Günther Annais nat. hist. IX. p. 125. West-
indien.
Bascanion anthicnm Cope Proc. Philadelphia p. 338 von Slam.
Homalochilus 7nullisectus und strigilalus CoT^a ib. p. 70; letztere
von den Bahamas.
Tachynectes chrysostictus Cope. ib. p. 71 vom Amazonenflusse.
Aus Herpetodryas tricolor Schleg., Cyclophis tricolor Gthr.
bildete Günther Annais nat. hist. IX. p. 126 eine eigene Gattung
P hragmit ophis , die sich von Cyclophis durch die Verwachsung
des Zügelschildes mit dem hinteren Stirnschilde unterscheidet.
Hydrophobus Günther nov. gen. ib. p. 127. Kopf schwach
deprimirt, breiter als der Nacken; Körper und Schwanz ziemlich
636 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Herpetologie
dünn, comprimirt, die Bauchscbilder an den Seiten winklig; Zügel-
schild deutlich, 2 vordere und 2 hintere Augenschilder ; ein Nasen-
schild. Schuppen in 14 Reihen, glatt, kurz, rundlich, mit einer
Grube an der Spitze. Zähne gleich lang, derb. H. semifasciatus
pl. 9. fig. 6 unbekannten Vaterlandes.
Philodryas Reinhardlii Günther Annais nat. bist. IX. p. 127.
pl. 9. fig. 7. Brasilien. — Ph. /«^/ros/r/s Cope Proc. Philadelphia p. 73
von Paraguay.
R h a m 7io p h i ä nov. gen. Günther Annais nat. bist. IX. p. 129.
Schuppen glatt mit einer einzigen Grube an der Spitze, die der
Yertebralreihe und der äussern Reihe sehr breit, die übrigen sehr
schmal; Bauchschilder schwach gekielt; Augen sehr gross. Hintere
Maxiilarzähne sehr gross und comprimirt. Rh. aelhiopissa pl. 10
aus West-Afrika.
P hyll 0 sir n Cope nov. gen. Proc. Philadelphia p. 349. Ver-
wandt mit Ahaetulla, Bezahnung syncranterisch; zwei Nasal-, ein
Zügel- und ein Präocularschild. Körper cyliudrisch ; zwei grössere
mittlere dorsale Schuppenreihen, welche allein gekielt sind ; Postab-
dominalschild ganz ; Pupille rund. Ph. flavescens Paraguay.
Thrasops inarginatus Cope ib. von Paraguay.
Peters hat Berliner Monatsberichte p. 272 drei neue afrika-
nische Schlangengattungen gegründet:
Ly to r hyjic h u s , gegründet auf Heterodon diadema Dum.
Bibr., Simotes diadema Gthr. , gleicht im Habitus den Aspidelaps,
steht sonst den Zamenis am nächsten.
Rhagerhis, gegründet auf Coelopeltis producta, unterschei-
det sich' von Coelopeltis durch ganz anderen Kopibau, in welcher
Beziehung sie sich den Rhamphiophis nähert , die sich durch den
Mangel der Zähne auf dem vorderen Ende des sehr verkürzten
Oberkiefers und die ungefurchten Körperschuppen von ihr ent-
fernen.
Heterophis, gegründet auf eine neue Art, ist im Aeussern
den Heterodon ähnlich, schliesst sich aber durch alle wesentlichen
Merkmale eng an Causus an. //. resimus aus dem Sennaar.
Psammophis taetiiata Günther Annais nat. bist. IX. p. 126.
Indien.
Proteroglypha. Peters hat Berliner Monatsberichte p. 635
die Schädel einiger Elaps-Arten untersucht und fand durch die Ver-
schiedenheiten die nach geographischen Rücksichten aufgestellten
Gattungen Callophis, Elaps und Poecilophis bestätigt. Der Schädel
von Elaps calligaster veranlasst den Verf. diese Art als eigene Gat-
tung unter dem Namen // e m i b n n g a r u s abzutrennen.
Elaps pynhocryptus Cope Proc. Philadelphia p. 347 von Pa-
raguay.
während des Jahres 1862. 637
Callophis nigrescens Günther Annais nat. hist. IX. p. 131.
Diemansia cucidlala von Sidney und torquala pl. 9. fig. 10
von den Percy-Inseln Günther Annais nat. hist. IX. p. 129.
Hoplocephalus temporalis Südaustralien pl. 9. fig. 11 und H.
nigrescens Sidney pl. 9. fig. 12. Günther Annais nat. hist. IX. p. 130.
Krefft hat erkannt, dass Furina textilis Dum. Bibr. nur der
Jugendzustand einer Schlange ist, die er nicht zu bestimmen vermag.
Proc. zool. soc. p.l49.
Hijdrophis laetis Lütken Meddelelser p. 309"^ fig. 6 aus Ost-
indien.
Solenoglypha. Die Beschreibung der Giftdrüse von Vipera und
Cerastes, welche Soubeiran in den Annales de la soc. Linneenne
de Maine-et-Loire t. IV. veröffentlicht hat, ist in Revue et mag. de
Zoologie p. 356 abgedruckt.
Ein kurzer Bericht von Shortt, datirt aus Chingleput über
Daboia elegans (Vipera Russellii) findet sich Proc. zool. soc. p.251.
Durch Untersuchungen über die craniolugischen Verschieden-
heiten der Grubenottern (Trigonocephali) fand sich Peters Berli-
ner Monatsberichte p. 670 veranlasst die Familie in 6 Gruppen zu
zerlegen. Er benutzte dazu vornämlich die Beschaffenheit des Gau-
mens dieser Schlangen.
Bei dieser Gelegenheit beschrieb er p. 674 eine neue Art
Botkriechis lateralis aus Costa Rica und Veragua.
Bolhrops diporus Cope Proc. Philadelphia p. 347 vom Ver-
mejo-River.
Batrachia.
Im Anschlüsse an eine frühere Mittheiliing über
Pelobates fuscus ^vergl. vor. Bericht p. 176) hat ßrucli
Beiträge zur Naturgeschichte und Classification der nack-
ten Amphibien Würzburger naturwiss. Zeitschr. III. p. 181
geliefert. Verf. hat sehr interessante eigene Beobachtun-
gen über die Lebensweise der einheimischen Batrachier
angestellt^ durch deren Resultate manche frühere Annah-
men berichtigt werden. Wir können die Leetüre dieser
Schilderungen nur empfehlen. Pelobates fuscus ist kein
Wasserthier, sondern entschiedenes Landthier, welches
sich tief in die Erde eingräbt. Die vielseitigen Beob-
aclituRgen führen dann den Verf. zu einer neuen Einthei-
lung der imgesclnvänzten Batrachier, unter denen mit
Vorbehalt^ ob bei ausländischen Formen der Charakter
638 Troschel: Bericlit üb. d. Leist. in d. Herpetologie
in der Pupille durchgeht, drei grosse Abtheihingen un-
terschieden werden: 1) Cy cl o g lenides mit runder
Pupille, Ranoides und Hyloides ; 2) P lagio g lenides
mit querspaltiger Pupille, Bufonides; ^)'Ortho g l enides
mit senkrechter Pupille. Letztere Gruppe gliedert sich
folgendermassen : a; P elobatide s mit Messerschwiele,
deren eine Gattung Cultripes Müll, ohne Parotiden, die
andere Scaphiopus Holbr. mit Parotiden versehen ist. b)
Pelodytides ohne Messerschwiele, von denen Bombi-
nator Wagl. keine Parotiden besitzt; die übrigen haben
Parotiden und entweder die Gaumenzähne in 2 Gruppen
mit Schallblase Pelodvtes Fitz., oder die Gaumenzähne
in einer Reihe ohne Schallblase Alytes Wagl.
Ueber die letzten Endigungen der Nerven in den
Muskeln des Frosches machte Koelliker in der Würz-
burger naturwissensch. Zeitschr. III. p. 1 eine vorläufige
Mittheilung.
Manz Ueber den Mechanismus der Nikhaut-Bewe-
gung beim Frosche. Berichte über die Verb, der naturf.
Ges. zu Freiburg i. B. B. IL p. 391.
Ueber die Verknöcherung der Wirbelsäule bei den
Batrachiern schrieb Bruch Würzburger naturwiss. Zeit-
schr. III. p. 225.
Higginbottom stellte neue Versuche über den
Einfluss des Lichtes auf die Entwickelung der Frosch-
eicr und Froschlarven an. Royal society Journal 1862.
Annais nat. bist. IX. p. 238.
In den Mittheilungen aus dem Osterknde XVI. 1862. p. 62
wird von einem ungenannten Verfasser den Fröschen eine Beschä-
digung der Karpfen in Teichen zur Last gelegt, indem sich diesel-
ben mit den Vorderbeinen in den Augen oder an den Kiemen der
Fische anklammern, und mit den Hinterbeinen die Schuppen des
Hintertheiles losarbeiten.
Hylae. Hyta acvminata und rmsica Cope Proc. Philadelphia
p. 354 aus Paraguay. — h. phaeota Cope ib. p. 358 von Turbo in
Darien.
Hypsihoas raniceps Cope Proc. Philadelphia p. 353 von Ric-
Vermejo.
Hylodes antillensis von St. Croix, St. Thomas und St. Jan,
während des Jahres 1862. 639
H. Riisci von St. Thomas Remhardt und Lütken Meddelelser 1862.
p. 209.
Cope beschrieb Proceed. Philadelphia p. 151 folgende neue
Laubfrösche: Ihßodes dimidialvs von Cuba, lentvs St. Thomas, au-
riculalus Cuba, ciinealns Cuba, plnnirostris Bahamas, Ilallowellii
Neu- Granada. Innerhalb der Gattung Hylodes Dum., die nun 23
Arten umfasst, unterscheidet Yerf. 5 Gruppen, nämlich : C r a v g a-
s l 0 r Cope , Hylodes Fitz., Li th o d y t e s Fitz., E uhy a s Fitz.,
B a tra chy l a Bell.
PhyJlobafes limbalus Cuba, und eine neue Gattung L ^/ s « j[) s m s.
Der innere Finger der Vordergliedmassen ist den drei äusseren
gegenüber gestellt; Grundglied der äusseren Hinterzehe ganz frei
von dem der zweiten; alle Finger mit breiten Schwimmhäuten;
Haftscheiben schwach entwickelt ; Vomerzähne in zwei Haufen;
Zunge breit, fast ganzrandig; Haut oben runzlig, unten nicht glatt.
L. limelliiin von Paraguay. Vergl. auch ib. p. 351.
Crancjcistor ptilchrifjulus Cope Proc. Philadelphia p. 357 von
Truando.
Peters stellte Berliner Monatsber. p. 232; Annais nat. bist. X.
p. 159 eine neue Gattung von Laubfröschen V l e clr o maiilis auf,
die den Hylodes nahe steht, und sich durch das Vorhandensein von
Parotiden und zwei Dornen an der inneren Seite der Hand unter-
scheidet; die Finger haben keine Haftscbeiben , die Haftscheiben
der Zehen sind klein. Fl. Wagnevi von der Westseite der Anden in
Ecuador.
Uyperolivs concolor (Ixalus concolor Hallow. Ms.) von West-
Afrika, cinctivenlris ^ spinilions, sugillatus und coci'otis sind neue
Arten von Cope Proc. Philadelphia p. 342 von Umvoti in Natal.
Crnmenifera p?/s///a Co]3e Proc. Philadelphia p. 343 von Umvoti
in Natal.
Scytopis nov. gen. Cope Proc. Philadelphia p. 354 in Gün-
ther's Familie Pelodryadidae hat Kiefer- und Vomerzähne, Zunge hin-
ten wenig frei, Ohr vollkommen entwickelt, Trommelfell nicht verbor-
gen; Kreuzwirbel erweitert ; Zehen mit Schwimmhäuten ; grosse Paro-
tiden, welche verschmelzen und den vorderen Theil des Rückens
und den Kopf bis zur Schnauze bedecken. 8c. kebes aus Paraguay.
rhyllomedusa az-urea Cope Proceed. Philadelphia p. 355 aus
Paraguay.
Stein dachner beschrieb zwei neue Laubfrösche aus der
Gruppe Osteocephalus, nämlich 0. Imtrimis Fitz. MS. und flavo-
linealvs beide aus Brasilien. Archivio per la zoologia IL p. 77. Tav. 6.
Peters konnte nach Untersuchung des Originalexemplares
aus dem Münchener Museum von dem Wagler'schen Hemiphractus
scutatus den Besitz von Unterkieferzähnen bestätigen , und dieser
640 Troschel: Bericht üb- d. Leist. in d. Herpetologie
merkwürdigen Gattung eine zweite Art H. fnsciatus hinzufügen, die
im Pastassa-Thale an der Ostseite der Anden in Ecuador lebt. Die
Gattung besitzt eine geringe Erweiterung an den Zehenspitzen und
gehört deshalb zu den Laubfröschen. Beide Arten sind abgebildet.
Berliner Monatsberichte p. 144.
Ranae. Fatio entdeckte bei Genf einen Frosch, der von
den bekannten europäischen Arten verschieden ist, und den er Rana
gracilis zu nennen sich vornahm. Verf. hat aber erkannt, dass er
mit Rana agilis Thomas identisch sei. Dieser Frosch ist Revue et
mag. de Zoologie p. 81. pl. 6 u. 7 beschrieben und abgebildet.
C o p e beschreibt eine neue Art Pyxicephalus Proc. Philadel-
phia p. 352, ohne ihr einen Namen zu geben.
Phrynocerus tesludiiiiceps Cope Proc. Philadelphia p. 157 von
Panama.
Dicroglossus angnstirostris Cope ib. p. 341.
Phr ynobatr achns Günther nov. gen. Proc. zool. soc. p. 190.
Haut mit grossen flachen Warzen ; Finger ganz frei; Zehen mit hal-
ben Schwimmhäuten, Kopf zugespitzt, Zunge länglich, hinten tief
eingeschnitten, keine Vomerzähne, Eustachische Röhren klein, Pau-
kenfell ganz verborgen. Pkr. natalensis von Port Natal.
Cyctignat/ms podicipinns von Paraguay und poeciiochilus von
Neu-Granada Cope Proceed. Philadelphia p. 156.
In der Familie Ranae ist von Lütken Meddelelser p. 302 eine
neue Gattung P t er ophrytius aufgestellt : dentibus supramaxillari-
bus, palatinis vero nuUis nee plantis nee palmis palmatis, digitis po-
sterioribus membrana vero cinctis, apice haud dilatatis, tarso haud
alato , parotides adsunt. Pf. verrucosus von Neuholland, fig. 4.
Bufones. Cope giebt Proc. Philadelphia p. 358 eine üeber-
sicht der Untergattungen der Gattung Bufo, welche ihm annehmbar
scheinen, nebst Aufzählung der bekannten Arten.
Bufo hnematiticus von Neu Granada , potilns von Nicaragua
und conifcrus von Neu-Granada Cope Proceed. Philadelphia p. 157.
— B. diptichus Cope ib. p. 353 aus Paraguay. — B. stomaticus Lüt-
ken Meddelelser p. 305 von Ostindien.
Chilophryne dialopha Cope Proc. Philadelphia p. 341 von den
Sandwichinseln.
Ebenda p. 344 berichtet Cope über Peltaphryne empusa
Poey von Cuba. Die früher noch nicht charakterisirte Gattung un-
terscheidet sich von Bufo und Chilophryne durch die knöcherne
Bekleidung des Kopfes. Dahin gekört auch P. peltocephala.
Aglossa. Wyman beschrieb die Larven von Dactylethra ca-
pensis. Sie waren 3 — 4" lang und hatten die Hinterbeine mehr oder
weniger ausgebildet. Der Kopf ist flacher. Kopf und Schwanz sind
länger als bei den übrigen Fröschen. Der Mund ist weiter, die
während des Jahres 1862. 641
Lippen sind fleischig und haben weder Papillen noch hornige An-
hänge an der Unterlippe, auch ist kein Schnabel an der Oberlippe
vorhanden ; an jedem Mundwinkel findet sich ein langer Bartfaden
u. s. w. Proc. Boston soc. IX. p. 155.
Gaudata. Finkh meldet einen Fall, dass ein Hund, der
einen Salamander (Salamandra maculosa) gebissen und ins Maul ge-
nommen, nach einer halben Stunde starb, und schliesst daraus auf
die giftigen Eigenschaften der Salamander. Würtemberger Jahres-
hefte 1862. p. 132.
Putnam beobachtete die Eier und die jungen Larven von
Plethodon erythronotus. Die erstere findet man in Haufen von 6
bis 11 Stück; die Larven verlieren die Kiemen schon am dritten
Tage nach dem Ausschlüpfen. An Farbe gleichen diese Larven
schon den erwachsenen Thieren. Proc. Boston soc. IX. p. 173.
JSeurergus crocatus Cope Proc. Philadelphia p. 343. Die
Gattung gleicht Hemisalamandra mit Ausnahme der Zunge , die
vielmehr mit Euproctus and Glossoliga übereinstimmt.
De risle du Dreneuf hat bei Nantes eine neue Art Triton
Blasii entdeckt , mit orangefarbigem , schwarzgeflekten Bauche.
Annales des sciences naturelles XVII. p. 363. pl. 12.
Anteekningen over de Anatomie van den Cryptobranchus ja-
ponicus door Dr, F. J. J. Schmidt, Dr. 0. J. Goddard en Dr.
J." van der Hoeven jun. Haarlem 1862. 4. mit 12 Tafeln. Dieses
Werk, welches ich noch nicht selbst eingesehen habe, soll interes-
sante Aufschlüsse über das merkwürdige Thier geben. Der erste
der oben genannten Verfasser bearbeitete die Eingeweide und das
Gefässsystem; der zweite die Bewegungsorgane, der dritte die Or-
gane im und am Kopfe. Die Verwandtschaft mit Menopoma geht
aus diesen Untersuchungen hervor.
Ehren berg machte bei Gelegenheit einer Mittheilung über
die mikroskopischen Lebensformen als Nahrung des Höhlensalaman-
ders, Berliner Monatsberichte p. 579, auch einige Notizen über den
Proteus anguineus selbst, die sich theils auf die dunklere Färbung,
die er in der Gefangenschaft erlangte, theils auf die Beschafi"enheit
der Kiemen beziehen.
Archiv f. Naturg. XXIX. Jahrg:. 2. Bd. QQ
Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
während des Jahres 1863.
Von
Troschel.
Günther setzt mit regstem Eifer sein grosses
Werk über die Fische fort. Wir ersehen mit Freude aus
dem 1862 erschienenen vierten Bande, dass Verf. seinen
anfänglichen Plan sehr erweitert hat, dass er sich nicht
auf die Stachelflosser beschränken, sondern alle Fische
in seinen Katalog aufnehmen will. Demnach ist denn auch
der Titel des ganzen Werkes umgeändert und heisst jetzt
Catalogue of the fishes in the British Museum. Der vor-
liegende Band enthält die stachelflossigen Pharyngogna-
ten und die Anacanthinen. Auf die einzelnen Familien
komme ich unten wieder zurück.
Da Kner zu denjenigen Zoologen gehört, die sich
in neuerer Zeit erfolgreich mit dem Studium der Fische
beschäftigt haben, so scheint es von Interesse sein ich-
thyologisches System raitzutheilen, wie er es in seinem
Compendium der Zoologie für Hörer medicinisch-phar-
maceutischer Studien. Dritte Auflage , Wien 1862 auf-
gefasstt hat. Er legt das Cuvier'sche System zu Grunde
mit Berücksichtigung der von J. Müller vorgenommenen
Modificationen , nennt jedoch auch das seinige wegen der
grossen Schwierigkeiten, die in der ausnehmenden Un-
beständigkeit der einzelnen Eigenschaften liegen, nur ein
provisorisches.
Er unterscheidet 10 Ordnungen: 1) Leptocardii, 2) Cy-
clostomi, 3)Selachiif 4) Ganoidei, 5) Plectognathi, 6)
L üphobr anchii, 7) Malacopteri {Arthropteri) mit den
Troschel: Bericht üb. d, Leist. in d. Ichthyol, u. s, w. 643
Gruppen Siluroidei, Salmonoidei, Gyprinoidei, Clupeoidei, Esocidae
mit Einschluss der Scomberesoces, Pleuronectides, Gadoideif Ängiiil-
loidei, Gyninotidae, 8) F s eeu d a can thi {Haplopteri) dahin die
Helmichthyides, Taenioidei, Blemtioidei, Gobioidei mit Einschluss der
Discoboli, Balrachoidoi (Pediculati) , 9) Acanthopteri mit den
Gruppen Teuthyes, Sqnamipe?ines, Scomberoidei mit Einschluss von
Gasterosteus , Mngiloidei , Labroidei mit Einschluss der Holconoti,
Vseudolabrini (Pomacentrini, Chromides, Pseudochromides), Labyrin-
thicif Sparoidei^ Sciaenoidei, Cataphracti, Percoidei, 10) Dipnoi.
Eilhard Schulze beobachtete ganz junge Fische
um einen Beitrag zur Kenntniss der Endigungs weise des
Hörnerven bei den Fischen zu liefern. Reichert und Du
Bois Archiv p. 381.
Hartmann schrieb in Reichert und Du Bois Rey-
mond's Archiv p. 508 — ^526 über die Endigungsweise der
Gehörnerven im Labyrinthe der Knochenfische.
In einer Abhandlung über das Gehörorgan der
Fische geht Fischer darauf aus zu zeigen, dass die
Linea lateralis ein mit dem Gehörorgan eng verbundenes
und für dasselbe höchst nothwendigcs Organ darstelle. Er
meint, dass die Fische bei dem Mangel von Ohröffnungen
gleichsam durch den Körper hören. Schliesslich spricht
Verf. über das feine Gefühl der Fische an der Oberflä-
che des Körpers, Sitzungsberichte der Gesellsch. Isis
1862. p. 70—82.
Franz Eilhard Schulze, der die becherförmi-
gen Organe der Fische, wie sie Leydig nennt, die an der
Oberfläche der Fische vorkommen, untersucht hat, neigt
sich zu der Ansicht, dass sie eher für die Perception
chemischer als mechanischer Einwirkungen geeignet seien.
Die Fische, deren Haut fortwährend der chemischen Ein-
wirkung der im Wasser gelösten Substanzen ausgesetzt
ist, würden demnach mittels dieser Organe gleichsam
eine Art Geschmacksempfindung haben. Zeitschr. für wis-
sensch. Zoologie XII. p. 218.
Als Entgegnung auf einen Aufsatz von Hartmann
(vergl. vor. Bericht p. 182) über die electrischen Organe
der Fische hat sich Max Schnitze im Archiv für Ana-
tomie p. 470 geäussert. Er glaubt, dass die abweichenden
644 Tr ose hei: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
Ansichten Hartmann's in Betreff der Endigung der Nerven
von Torpedo dadurch zu erklären sind, dass derselbe nicht
frische Exemplare untersuchte; die Behauptung, dass bei
Malapterurus der Nerv die electrische Platte durchbohre,
bevor er in dieselbe eintrete, wird von Max Schultze
festgehalten u. s. w. — Dagegen vertheidigt seine An-
sicht Hartmann mit gleicher Gereizheit ib. p. 762.
lieber die Art der Entstehung der Electricität beim
Zitterrochen hat Moreau Aufklärung zu erhalten ge-
sucht. Er fand die Theorie befestigt, welche annimmt,
dass die Electricität eine Folge der chemischen Reactio-
nen der unter dem Nerveneinfluss stattfindenden Secretio-
nen sei. Annales des sciences nat. XVIL p. 5. pl. 15.
Valatour hat Untersuchungen über die Magen-
drüsen und die Muskelhäute desNahrungskanales bei den
Knochenfischen und den Batrachiern angestellt. (Annales
des sciences naturelles XVI. p. 219 — 285. Taf. 5 und 6.)
Die Beobachtungen beziehen sich auf den Aal, Barsch,
Hecht, Quappe und einige Arten der Karpfenfamilie ; so
wie auf den Frosch und die Kröte.
Kn e r hat in den Wiener Sitzungsberichten Bd. 46. 1.
p. 477 den sogenannten Spornschuppen, d. h. den grös-
seren in der Achsel der paarigen Flossen liegenden
Schuppen der Fische eine nähere Aufmerksamkeit gewid-
met. Er hält sie, gewiss mit grössten Recht, für brauch-
bar als Classificationsmerkmal, indem sie nicht bloss durch
ihr Vorhandensein oder Fehlen, sondern auch durch ihren
Bau Verschiedenheiten zeigen. Sie finden sich nur bei
Knochenfischen, niemals bei echten Knorpelfischen.
Hyrtl bildete einige Wirbelsynostosen und Wir-
belsuturen bei Fischen ab, und fügt mehrere interessante
osteologische Eigenthümlichkeiten bei. Denkschriften der
Akad. zu Wien XX. p. 95 mit 3 Tnfeln.
Die Beobachtungen sind bildlich dargestellt und beziehen sich
auf Polypterus bichir , Amia calva, Thynnus vulgaris, Stromateus
griseus (eigenthümliche Bildung des ersten Flossenträgers der
Schwanzflosse) , Butirinus macrocephalus , Heterotes Ehrenbergii,
Chirocentrus dentex, Alausa finta , Catla Buchanani , Catostomus
Sueurii, Hydrocyon Forskalii, Gymnarchus niloticus, Ciarias Hassel-
während des Jahres 1862. 645
quistii, Zoarces viviparus, Gymnotus electricus , Gadus morrhua,
Ostracion und Diodon.
Eine ausgedehnte Arbeit von Lereboullet ;,Re-
cherches d' Embryologie comparee sur le developpement
du brochet, de la perche et de l'ecrevisse" erschien in
Memoires presentes par divers savants ä l'Aead. des sc.
de rinstitut de France XVII. 1862. p. 447 und reicht, so-
weit sie die beiden Fische betrifft, bis p. 650. Wir müssen
uns begnügen auf die Arbeit selbst zu verweisen, da
einen einigermassen genügenden Auszug zu geben, der
Raum nicht gestattet.
Lereboullet hat die Eier des Hechtes studirt,
um die Ursachen zu den Monstrositäten zu erforschen.
Die meisten derselben entstehen dadurch, dass zwei Pi^i-
mitivstreifen sich bilden, die näher oder ferner von ein-
ander liegen, und mehr oder weniger mit einander ver-
schmelzen. Annales des sciences naturelles XVI. p. 359
— 368. Weitere Bemerkungen machte Verf. Comptes ren-
dus 54. p. 761 ; Revue et mag. de Zoologie p. 171.
Malm hat einen Syngnathus typhle beobachtet, der
zwei Schwänze besass. Bei Eidechsen kommt dies öfter
vor. Verf. erklärt solche Fälle dadurch, dass der Schwanz
halb abgebrochen sei, und dass an dieser Stelle ein neuer
Schwanz neben dem alten gebildet w^erde, der jedoch
immer kleiner bleibe als der erste. Annales des sc. nat.
XVIII. p. 356.
Unter den Fischen nennt Harting in seinem Buche
„de bouwkunst der dieren, Groningen 1862^ mehrere
Baukünstler. Callichthys asper, Doras costatus, Cyclo-
pterus lumpus, die Stichlinge und Mallotus villosus.
In faunistischer und geographischer Beziehung ist
eine ganze Reihe von Arbeiten zu erwähnen
S c h i ö d t e hat die von Kroyer gegründete Naturhi-
storisk Tidsskrift, welche eingegangen war, im Jahre 1861
wieder aufgenommen. Im ersten Bande p. 233—310 ist
ein Beitrag zur nordischen Ichthyologie von Henrik Kroyer
enthalten.
Darin beschreibt Verf. 1) die grönländischen Liparis-Arten.
L. Fabricii Kr., tunicata Reinh., Montagui Don-, lineata Kr., Rein-
646 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
hardi Kr. (L. gelatinosus Reinh.) ; 2) Gymnelis viridis Fabr. ; 3) die
grönländischen Lumpenus - Arten : L. aculeatus Reinh. , Fabricii
Reinh., medius Reinh., gracilis Reinh., lampretaeformis Walb., letz-
tere von Island und zur Yergleichung beschrieben ; . 4) die Lycodes-
Arten: L. perspicillura Kr., nebulosus Kr.; 5) Stichaeus praecisus
Kr., punctatus Fabr.
Loven sprach über die Ausbreitung der Eismeer-
fauna über einen Theil des Nordischen Festlandes K. Ve-
tenskaps Academiens Förhandlingar 1862. p. 463. Daselbst
ist von Cottus quadricornis , Liparis barbatus , und dem
Strömming die Rede.
Malm fand Phjcis furcatus und Malva abyssorum
im Kattegat. Ofversigt af Kongl. Vetensk. Akad. För-
handlingar 1861. p. 39.
J. E. Gray zeigt den Fang vonDiodon pennatum an
der Küste bei Charraouth an. Annais nat. bist. IX. p. 260.
In der Natuurlyke historie van Nederland hat Schle-
gel die Wirbelthiere bearbeitet. Er nennt die holländi-
sche Fischfauna arm an Arten und bringt dafür fol-
gende Erklärung bei. In Betreff der Süssvrasserfische sei
überhaupt das westliche Europa ärmer als das östliche
und namentlich als das ausgedehnte Donaugebiet; auch
können solche Fische, welche in schnell fliessenden Ge-
birgswässern und in klarem Wasser leben, in Holland
nicht erwartet werden. Der Mangel geschützter Buchten
mit Wasserpflanzen und der darauf lebenden Welt kleiner
Thiere, die einförmige, flache Küste mit starker Bran-
dung sind auch dem Leben der Seefische ungünstig. Zu-
gleich soll Grossbritannien wde eine Vormauer den Zugang
der Fische des Oceans hindern. Dagegen ist die Indi-
viduenzahl nützlicher Fische an den holländischen Küsten
und in den Flussmündungen sehr gross. Der Häring, Salm,
Aal, Barsch, und Hecht werden besonders hervorgehoben,
ebenso Clupea aloso , die Verf. auffallender Weise noch
immer für identisch mit Clupea finta hält. Es werden
105 Arten beschrieben, von denen 101 Arten auf 21 Ta-
feln abgebildet sind.
Jeitteles hat in seinem Prodromus faunae verte-
bratorum Hungaiiac superioris, Verhan'dl. zoolog.-botan.
während des Jahres 1862. 647
Gesellsch. in Wien XII. p. 288 von Fischen 46 Species
verzeichnet : 7 Percoiden, 1 Cataphracten, 23 Cyprinoiden,
3 Salmonoiden , 1 Esox , 3 Cobitis, 1 Siliirus, 1 Lota, 2
Acipenser, 1 Ammocoetes. Ausserdem Gasterosteiis acu-
leatus, Salmo salar und Anguilla fluviatilis, die Verf.
nicht selbst untersuchen konnte. Von östlichen Formen
treten auf: Lucioperca volgensis, Cottus poecilopus, Cy-
prinus acuminatus, Pelecus cultratus^ Acipenser Gmelini.
Als Repräsentant der Fauna Italiens kommt Barbus Pe-
tenyi vor.
Der im Jahre 1860 von Kessler in Kiew erschienene,
in russischer Sprache geschriebene „Bericht über eine
zoologische Reise an die Nordküste des schwarzen Meeres
und in die Krym'^ ist in Erman's Archiv für die Kunde
von Russland XXI. p. 108 besprochen und dadurch auch
für Deutsche zugänglich gemacht worden.
Die Zahl aller Fiscbspecies, die man bis jetzt in dem nord-
westlichen Theile des schwarzen Meeres und in den Flüssen, die
in denselben münden, gefunden hat, beläuft sich auf 151, nämlich
11 Percoiden, 8 Cataphracten, 2 Sciaenoiden, 4 Sparoiden, 6 Mugi-
loiden, 5 Scomberoiden, 7 Blennioiden, 20 Gobioiden, 3 Gadoiden, 1
Ophidium, 3 Pleuronecten, 9 Labroiden, 1 Chromid, 1 Belone, 1 Silu-
roid, 42 Cyprinoiden, 5 Salmonen , 2 Esoces, 4 Clupeoiden, 6 Syn-
gnathoiden, 6 Sturiones, 1 Squalus, 2 Raja, 2 Cyclostomen. Nach
ihrer Verbreitungsweise sind darunter 68 Seefische, 11 Zugfische, 6
die im süssen wie im salzigen Wasser vorkommen, 7 Mündungsfische,
60 Süsswasserfische
Einen Bericht über den Fischfang und die Fische
bei Odessa siehe ib. p. 137, sowie über den Fischfang
bei Eupatoria p. 149.
Die Angabe^ dass Beobachtungsthürme, welche jetzt
an den Küsten des Schwarzen Meeres beim Makrelen-
fange dienen, schon im Altherthume bekannt waren, und
die den thurmähnlichen Gerüsten zu vergleichen sind,
deren sich die ürbewohner von Kamtschatka zum Fange
des Salmo orientalis bedienen, indem von ihnen aus die
herannahende Beute schon von fern gesehen wird, hat
A. Er man veranlasst dieses Hülfsmittel vom optischen
Gesichtspunkte näher zu beleuchten und zu berechnen.
Archiv für die Kunde von Russland. XXI. p. 154.
648 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
Nach Jeitteles Verhandl. d, zoolog.-bot. Gesellsch.
in Wien XII. p. 113 kommt Lucioperca volgensis auch
bei Wien vor.
Verany veröffentlichte in seiner Zoologie des Alpes
maritimes p. 33 — 55 ein langes Verzeichniss der Fische,
welche im Departement vorkommen. Er spricht sich zu
Gunsten der Erlaubniss, die ganz junge Brut der Sar-
dinen (poutina) fangen zu dürfen aus , bis zu der Zeit,
wo sie sich mit der silberfarbigen Haut bedeckt; dann
solle der Fang verboten werden, weil die Fischlein dann
fast ungeniessbar werden, und der Nutzen den Schaden
nicht aufwiegen kann. Verf. macht darauf aufmerksam,
dass manche Fische nach den lokalen Verhältnissen sehr
verschieden an Geschmack sind. So ist Centrolophus
pompilius in fast allen Städten des Mittelmecres verach-
tet, geschätzt in Genua ; Phycis blennoides ist beliebt in
Nizza und wird nach Genua versandt; Mugil wird in Nizza
geschätzt, in Genua verachtet. Von manchen Arten wird
erwähnt, dass sie durch das Eintreten in die Flüsse und
durch den Aufenthalt im süssen Wasser unschmackhaft
werden. Dies gilt namentlich von Labrax lupus C. V.
und Mugil.
Von Nardo erhielten wir ein Verzeichniss der
Fische, welche in der Provinz Venetien und adriatischen
Meere leben. Atti del Istituto Veneto V. p. 785.
Nach der Zusammenstellung des Verf. finden sich in dem ange-
gebenen Gebiete 47 Selachier, 6 Sturionen, 28 Cyprini, 10 Ophisoma-
ta, 28 Gadi, 62 Percae, 49 Blennii, 39 Scombri, 37'Pharyngognathi, 3
Gymnodontes, 1 Scleroderm, 6 Hyperoartii im Sinne des Prinzen C.
L. Bonaparte. Als Anhang verzeichnet Verf. geographisch-öcono-
misch - statistische Gruppen, und zwar a) in geographischer, b) in
öconomischer Beziehung. Unter a werden aufgezählt : 1) Arten, die
sich in allen süssen Gewässern Venetiens finden und nicht ins Meer
gehen (18) 2) Arten, die in einigen fliessenden süssen Gewässern
vorkommen (7). 3) Die in die Flussmündungen und ins Meer her-
absteigen (10). 4) Marine Arten, die in die Flüsse gehen (3). 5)
Arten, die im Brakwasser leben (6). 6) Seefische, die mehr in den
Lagunen leben und dort laichen (11). 7} Seefische, die in den La-
gunen leben, aber sich nicht darin fortpflanzen (24). 8) Solche, die nur
gelegentlich in die Lagunen eintreten (8). 9) Fische, die sich be-
während des Jahres 1862. 649
sonders zu den Valli salse aufsteigen (17). 10) Fische, die in
Menge an dem venetianischen Strande oder nicht fern davon leben
ohne in die Lagunen zu gehen (34). 11) Fische des hohen Meeres,
die im Golf von Venedig selten sind (94). Unter h werden unter-
schieden : 12) Arten, die nicht gegessen werden (19). 13) Arten,
die als Speise geschätzt sind, und die einen Handelsartikel bil-
den (34). 14) Arten, die gegessen werden, aber geringeren Wer-
thes sind (76). 15) Arten, die eine Anwendung für industrielle
Zwecke haben, die Haut zum Poliren (5), die Schwimmblase als
Bindemittel zur Bereitung der unechten Perlen (1 Argentina sphy-
raena). 16) Arten, welche eingesalzen oder getrocknet in den
Handel kommen (6).
In den Memorie della Reale Accademia delle Scienze
di Torino Tom. XXI. beschrieb Canestrini einige wenig
bekannte oder neue Fische des Mittelmeeres, und gab
Abbildungen von ihnen. Die einzelnen Arten sind unten
namhaft gemacht.
Gulia, Tentaraen ichthyologlae Melitensis. Melitae,
16. 1861 ist mir nicht vor Augen gekommen.
Ladislaus Magyar schildert in seinen Reisen
in Südafrika Bd. 1. p. 306 die Fischerei in dem Kimban-
da-Lande.
Piotrowski erzählt ^Meine Erlebnisse in Russland
und Sibirien, aus dem Polnischen von Königk, Posen 1862^
p. 90, dass sich von Fischen In Sibirien in grosser Menge
Hechte, Karpfen, Bleie, Störe u. s. w. finden. Ausserdem
fange man den Stirlad, dessen angenehmer Geschmack ge-
rühmt v^nrd, Ist wohl der Sterlett? In dem Bnikalmeere
finde sich ein Fisch, Omal, der dem Iläringe sehr ähnlich
sei. Die Fische sind in Sibirien beispiellos billig.
lieber den Fischfang der am Amur wohnenden Gil-
jaken berichtete Arthur Nord mann In Bulletin de la
soc. Imp. de Moscou tom. 34. 1861. p. 227. Besonders der
Fang der Störe und der Lachsarten wird geschildert.
Die Menge der In die Flüsse steigenden Lachse wird als
eine enorme bezeichnet. Vergl. auch Erman Archiv für
Kunde von Russland XXI. p. 331.
In Maacks „Reise im Thal des Flusses Usura St.
Petersburg 1861" 4. sind p. 194—203 folgende in russi-
scher Sprache beschriebene Fische verzeichnet.
650 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d Ichthyologie
Perca Clnia-tsi Basilewski, Gradus Iota L., Silurus Asotus Pall.y
Bagrtis sinensis Brandt n. sp. , Bagrus calvarius Basilewski, Gobius
mongolicus Brandt n. sp. , Gobius vssuriensis Brandt n. sp. , Barbus
abramoicies Brandt n. sp., Cyprinus Carpio L. ,• Cypr. Carassius L.,
Cypr. leptocephalus Fall-, Cypr. lacustris Fall , Leuciscus usnriensis
Brandt n. sp., Abramis pekinnensis Basil. , Salmo fluViatilis Fall.,
Salmo coregonoides Fall, Salmo lagocephalus Fall , Esox lucius L.,
Acipenser sturio L., A. orientalis Fall., Ammocoetes branchialis.
Bleeker hat es unternommen, ein neues iclithyo-
logisches Prachtwerk herauszugeben, welches auf 29 Lie-
ferungen berechnet ist, ,, Atlas ichthyologique des Indes
orientales neerlandaises, public sous les auspices du gou-
vernement colonial neerlandais. Amsterdam fol." Im Jahre
1862 sind bereits 6 Lieferungen erschienen. Die Abbil-
dungen sind in schönen Farben und mit grosser Sorgfalt,
meist nach dem Leben, in Farbendruck ausgeführt, und
überhaupt ist das Werk glänzend ausgestattet; es setzt
den vieljährigen ausdauernden Forschungen des Verf.
die Krone auf und wird dazu helfen, nunmehr die zahl-
reichen Arten der Fische, die Verf. aus jenen Erdgegen-
den beschrieben hatte , mit grösserer Leichtigkeit und
Sicherheit zu bestimmen , als es bis jetzt möglich war.
Durch das pünktliche und schnelle Erscheinen der Lie-
ferungen steht eine baldige Vollendung des ganzen Wer-
kes in Aussicht. — Die ersten sechs Lieferungen ent-
halten die Abtheilung Lahrij welche in zwei Familien
zerfällt. Die Familie der 8 c ar oiden ist vertreten
durch die Gattungen Callyodon Gron. mit 5 Arten, Sca-
richthys Blkr. mit 2 und Pseudoscarus Blkr. mit 47 Arten.
Die Familie der Lahr oiden zertheilt Verf. bekanntlich
in mehrere Gruppen, die folgendermassen vertreten sind :
Cheiliniformes mit 13 Arten Cheilinus, 1 Pseudocheilinus,
1 Epibulns, 2 Cirrhilabrus, 3 Duymaeria; Fseudodacifor-
mes mit 1 Pseudodax ; Cheüioniformes mit 1 Cheilio;
FseudolahrifGrmes mit 4 Gomphosus, 10 Julis, 2 Hologym-
nosus, 1 Pseudocoris, 3 Coris, 7 Anampses, 3 Hemicoris,
7 Platyglossus , 23 Halichoeres, 1 PseudoJulis, 2 Lepto-
julis, 1 Macropharyngodon, 8 Stethojulis, 2 Güntheria, 2
Hemitautoga, 3 Hemigymnus, 3 l^ovaculichthys, 1 Cymo-
während des Jahres 1862. 651
lutes ; Novaculaeformes mit 1 Novacnla , 2 Xyrichthys , 5
Hemipteronotus; Labrichthytformes mit 1 Labrichthys , 2
Labroides, 1 Diproctacanthus ; Cossyphiformes mit 1 Xi-
Iphocheilus, 4 Cossyphiis^ 4 Cboerops. Somit kommen im
Indischen Archipel 180 Labri vor, die mit 42 Bogen
Text und 48 Tafeln abgeschlossen sind und den ersten
Band des Werkes bilden. — In der sechsten Lieferung
beginnt dann die Abtheilung Siluri mit der Uebersicht
der Familien und Gattungen.
Bleeker hat auch nach seiner Rückkehr nach Eu-
ropa fortgefahren Beiträge zur Fischfauna einiger Inseln
des Indischen Archipels zu liefern, welche in den Be-
richten der Akademie zu Amsterdam erschienen sind.
Daselbst findet sich im 14. Bande p, 95 ein „neunter Ar-
tikel über die Insel Ternate", veranlasst durch eine Samm-
lung von 27 Arten des Herrn Bernstein. Zehn Arten waren
Ton Ternate noch nicht bekannt.
Desgleichen p. 99 eine „sechste Abhandlung über
die Fauna der Insel Batjan" in Folge einer Sendung
desselben Herrn Bernstein, wovon 10 Arten für die Insel
neu waren. Verf. fügt ein systematisches Verzeichniss
der sämmtlichen, nunmehr von Batjan bekannten Arten
hinzu, deren Zahl 229 beträgt.
Der 15. Band der genannten Berichte enthält einen
dreizehnten Beitrag für die Insel Amboina wozu eine
Sammlung des General - Gouverneurs Pahud angeregt
hatte. Alle diese Fische , 87 Arten , stammten von der
Meerenge von Hitu. Van ihnen sind 1 1 neu für die Fauna ;
zwei Myripristis sind neue Arten. Ausser ihnen wird
Chaetodon melanopus C. V. beschrieben und als eigene
Art anerkannt, während ihn Verf. früher zu Chaetodon
chrysozonus gezogen hatte.
Dole seh all rühmt in den Verhandl. der zool.-
bot. Gesellsch. in Wien XIL p. 803 den Reichthum und
die Farbenpracht der Fische Amboina's. Er sah Toxotes
jaculator spritzen, Naseus- und Balistes-Arten grunzten in
seinen Händen. Man angelt dort die Fische ohne Köder
mit feinen Kupferdrähten, die eine Art Schlinge bilden.
652 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
Von Fischen der Colonie Victoria nennt M' C o y
Annais nat. bist. IX. p. 149 namentlich diejenigen, welche
auf den Markt kommen imd als Nahrungsmittel verwen-
det werden. Der wichtigste ist Pagrüs unicolor , dem-
nächst Oligorus Macquariensis, ferner viel seltener aber
feiner ein Sciaenoid , den Verf. mit Sciaena aquila des
Mittelmeeres für identisch hält. Auch Dajaus diemensis,
Sillago punctata und drei Arten Platycephalus werden
viel gegessen. Aus Orthragoriscus Mola wird Thran ge-
wonnen.
In Vol. XII. Book II. Part. III. 1860. p. 307—368
der Explorations and surveys for a Railroad route from
the Missisippi river to the pacific Occan findet sich ein
Bericht von Suckley über die Fische, welche beim 47
— 49. Breitengrade gefunden wurden. Das 1. Kapitel
handelt ausführlich über die Salmoniden. Daselbst wer-
den 18 Arten beschrieben , von denen 14 der Gattimg
Salmo, 2 der Gattimg Fario, 1 der Gattung Salar, 1 der
Gattung Thaleichthys angehören. Im zweiten Kapitel
sind die übrigen Fische beschrieben , 51 Arten , unter
denen keine neue. Dazu gehören 21 Tafeln mit Ab-
bildungen.
Die Proceedings of the California Academy of na-
tural Sciences, welche mir erst jetzt von den Jahren 1859
und 1860 zugänglich geworden sind, enthalten mehrfache
Beiträge von Ayres zur Kenntniss Californischer Fische.
Ueber die einzelnen wird unten berichtet.
Ueber eine reiche Sammlung von Fischen, welche
Xanthus bei Cap St. Lucas in Nieder-Californien zu-
sammengebracht und an die Smithsonian Institution ein-
gesandt, erstattete Gill Proc. Philadelpliia p. 140. p. 242
und p. 249 Bericht. Darin ist eine grosse Zahl neuer
Arten beschrieben, die unten namhaft gemacht sind, und
von denen Verf. Hoffnung giebt, dass er ihre Kenntniss
in einer besonderen Bearbeitung durch Abbildungen ver-
vollständigen werde. Dass Verf. durch Wiederherstel-
lung älterer Gattungsnamen für die jetzt gebräuchlichen
und allgemein bekannten eine Art Gerechtigkeit übt, hat
während des Jahres 1862. 653
den Nachtheil, dass dem Gedächtniss ziigemiithet wird,
das einmal Gelernte und Gewohnte wieder zn vergessen,
um sich Neues dafür einzuprägen. Ich glaube nicht, dass
der Gewinn bei diesem Verfahren den Nachtheil über-
wiegt und halte dadurch entstehende Verwirrung für un-
vermeidlich. So ist hier statt Cossyphus Cuv. Harpe,
statt Apogon Cuv. Awiia Gron. wieder eingeführt. Letz-
teres Wort ist als Name für einen Ganoidfisch allgemein
bekannt.
Ueber eine andere von Hub bar d zusammenge-
brachte Sammlung californischer Fische berichtet Gill in
derselben Zeitschrift p. 274. Sie enthält 5 neue Arten; zwei
repräsentiren ganz neue Genera, welche unten notirt sind.
Mayne rühmt in seinem Buche „Four years in
British Columbia and Vancouver Island. London 1862"
p. 419 den Reich thum an Fischen. Die Gewässer sind
buchstäblich mit Fischen erfüllt. Salmon, Cod, Halibut,
Sturgeon, Herring, Trout, Smelt, Seaperch, Hake, Sar-
dines, Anchovy, Flatfish, Dogfish werden genannt und
ein sehr fetter Fisch von der Grösse des Härings, den
die Indianer Houlakan nennen, liefert einen Thran, der
anstatt des Leberthranes verwendet wird.
Gill machte Bemerkungen über die Gattungen und
andere Gruppen cubanischer Fische in Proc. Philadel-
phia p. 235. Verf. knüpft an die neueren Beobachtungen
und das System von Poey an, und spricht seine An-
sichten über sehr zahlreiche Gattungen aus, welche ein-
zeln anzuführen hier nicht thunlich erscheint, weil sonst
der ganze Aufsatz wiedergegeben werden müsste. Am
Schluss weist Verf. auf eine starke Analogie zwischen
den Faunen Japan's und des westindischen Archipels hin
und führt dieses an einer Reihe von Beispielen aus.
B a r i 1, C o m t e d e 1 a H u r e sagt in seinem Werke
„l'Empire du Bresil, Monographie complete de Fempire
sud-americain. Paris 1862" p. 135 der Ocean sei an den
Küsten Brasiliens reich an Fischen. Freilich scheint Verf.
auch die Wallfische , Delphine und Hummer zu den Fi-
schen zu zählen. Auch die Menge der Flussfische wird
654 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
gerühmt, und die hauptsächlichsten Arten werden auf-
gezählt.
Die Fische sind meist in den zoologischen Gärten
sparsam vertreten. Das Yerzeichniss der Wirbelthiere
des zoologischen Gartens zu London , welches 1862 im
Juni erschien, weist 23 Arten Fische nach, unter denen
13 Seefische, die wohl alle Bewohner der Aquarien sind.
Dipnoi.
Spencer Cobbold hat über die Schädelknochen
von Lepidosiren annectens geschrieben. Verf. bezeichnet
die Bildung des Schädels als ausserordentlich eigenthüm-
lihh; drei oder höchstens vier Knochen schliessen die
Schädelhöhlc ein, während vier andere das Gesicht bil-
den, zwei zur Bildung der Kiefer verwendet werden;
ausserdem einige Knochen-Anhänge mit Einschluss des
Zungenbein-Apparates. Proc. zool. soc. p. 129.
Im vorigen Berichte ist eine Bemerkung über Pro-
topterus von S t e i n d a c h n e r in den Verhandl. der zool.-
botan. Gesellsch. zu Wien XL p. 366 übersehen worden.
Auch Verf. hält die drei Fortsätze über den Vorder-
gliedmassen für Kiemen; er findet jedoch, dass sie bei
fortschreitendem Wachsthum desThieres allmählich kleiner
werden, und endlich bei Exemplaren von mehr als 3'
Länge gänzlich fehlen. Er hält deshalb die Kiemen nur
für das embryonale Leben und für die erste Jugendzeit
für bedeutungsvoll, und hält es nicht für unmöglich, dass
auch bei Lepidosiren, von dem man in den Museen nur
erwachsene Exemplare kenne, in der Jugend Kiemen
vorhanden wären.
Teleostci.
Acanthopteri.
Percoidei. Steindachner fand bei einigen Percoiden, näm-
lich bei sämmtlichen Arten der Gattungen liabrax, Lepibema, La-
tes und Lucioperca, auf der Schwanzflosse ausser der Hauptseiten-
während des Jahres 1862. 655
linie noch zwei Seitenäste, die mit dem Hauptaste in keinem sicht-
baren Zusammenhange stehen. Verhandl. der zool.-bot. Gesellsch.
zu Wien XII. p. 504.
Stein da chner machte ib. p.497 kritische Bemerkungen zu
Gill's Monograph of the Genus Labrax (vergl. den Bericht über 1860.
p. 141). Zunächst hält Verf. Labrax elongatus Cuv. für nicht spe-
cifisch verschieden von L. lupus, von Cuvier nach der mangelhaften
Abbildung in der Descr. de l'Egypte beschrieben und daher die
Gattung Dicentrarchus Gill. für unzulässig. — Für die amerikani-
schen Arten, die sich durch den fein gesägten unteren Vordeckel-
rand von der europäischen Art unterscheiden, wendet S t ein da ch-
ner den Namen Lepibema Rafin. an, verwirft dagegen die Gill'schen
Gattungen Roccus und Morone, indem er die sämmtlichen unter-
scheidenden Merkmale für nicht stichhaltig erklärt.
Gill versetzt die Gattung Etelis zu den Sparoiden und be-
richtigt die Synonymie de;r Gattung so wie der von ihm dahin ge-
zogenen drei Arten E. carbunculus C. V., Serrauus oculatus C. V,
und E. coruscans Val. Proc. Philadelphia p. 445.
Gill hat in der Subfamilie Percinae zwei neue Gattungen ge-
gründet, nämlich Chor istist um auf Liopropoma rubre Poey und
Siniperca auf Perca chua-tsi Basilewski. Prcc. Philadelphia p. 15.
Cerna macrogenis Sassi ist von Canestrini Mem. Accad.
di Torino XXI. tav. I. fig. 1 abgebildet.
Epinephelus scllicauda Gill Proc. Philadelphia p. 250 von Ca-
lifornien.
Stereolepis Ayres n. gen. Percoideorum. Proc. California
Acad. 1860. p. 28. Schuppen klein, sehr hart, ciliirt am Körper,
den Wangen und an der Basis der zweiten Dorsale, der Anale,
Pectorale und Caudale ; zwei aneinauderstossende Dorsalen, die
erste mit sehr starken Stacheln, niedriger als die zweite, die zweite
mit dicker fleischiger Membran; die Anale ähnlich der zweiten
Dorsale ; Ventralen unter den Pectoralen ; Zähne äusserst zahlreich,
gedrängt, sehr fein, in beiden Kiefern, am Gaumen und vorn am
Vomer; Operculum und Praeoperculum ohne Dornen und Zähnelung ;
Kiemenspalten unten nicht vereinigt. Die Art St. gigas von Cali-
fornien ist p. 55 abgebildet.
Lutjanus novemfasciatus Gill Proc. Philadelphia p. 251 von
Californien.
Priacanlhns altus Gill Proc. Philadelphia p. 132 von Rhode-
Island. — Fr. insularum Johnson Proc. zool. soc. p. 179 von Madeira.
Rhijpticus Xanti und maculatus Gill. Proc. Philadelphia p. 250
von Californien.
656 Troschel: Bericlit üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
Amia {Apogon) retrosella Gill Proc. Philadelphia p. 251 von
Nieder- Californieii .
üranoscopidae. B 1 e e k e r gab in den Berichten der Akademie
zu Amsterdam XIV. p. 113 und Ännales des sc. nat. XVI. p. 375
eine Notiz über die Gattung Trachinus und ihre Arten. Indem er
bei der Gattung Trachinus nur Tr. draco L. , araneus C. V. und arma-
tus Schi, lässt, und derselben vorläufig und zweifelhaft noch cornu-
tus Guich. anfügt , trennt er T. radiatus C. V. und pardalis n. sp.
von der Goldküste als besondere Gattung P seudotrac hinus, und
Tr. vipera Cuv. als dritte Gattung Echiichthys. — Günther
bemerkt Annais nat. bist. X. p. 301 zu vorstehendem Aufsatze, indem
er die von Bleeker gegebenen Gattungsdiagnosen abdruckt, dass
Trachinus araneus nicht zu diesen Gattungen passen will, und daher
vielleicht eine vierte Gattung fordern würde; dass die zweite Sei-
tenlinie bei Echiichthys keine eigentliche Seitenlinie sei; und dass
T. armatus Schi, sehr variire.
Trickodon linealus Ayres Proc. California Academy 1860. p.60
von San Francisco.- Ist abgebildet.
Gill hält Proc. Philadelphia p. 501 die Gattungen Leptosco-
pus und Dactyloscopus für näher verwandt mit den Trachiniden als
mit den Blenniiden, indem er namentlich hervorhebt, die Angabe
Günther's, dass die Eückenflosse nur aus Stacheln bestehe, sei
unrichtig, es seien nur 11 oder 12 Stacheln vorhanden, auf welche
22—31 gegliederte und getheilte Strahlen folgen. Verf. sieht sie
als eine eigene Familie an, die er L epto s c np oidae nennt, die
nahe mit den üranoscopoiden verwandt ist, aber sich durch die
langstreckige Form, den Verlauf der Seitenlinie, die vorn längs dem
Rücken verläuft, sich dann herabkrümmt und nur in der Mitte sich
bis zum Anfange der Schwanzflosse fortsetzt, die lange Rücken- und
Afterflosse hinlänglich unterschiede. Es werden dann drei Subfa-
milien unterschieden: 1) Leploscopinae mit verzweigten Brust-
flossenstrahlen, vollständigen Bauchfiossen mit fünf weichen Strahlen.
Gatt. Leptoscopus Gill. und Craptalus Gthr. 2) ]\] yxad agnin ae
mit einfachen gegliederten Brustflossenstrahlen, unvollständigen
Bauchflossen mit drei weichen Strahlen , weit hinter dem Nacken
beginnender Rückenflosse. Gatt. Myxodagnus Gill, DactylagnusGill.
3) Dactyloscopinac wie vorige, die Rückenflosse beginnt aber am
Nacken. Gatt. Dactyloscopus Gill. Die neue Gattung Dactylagnus
und die neue Art D. mundns von St. Lucas wird beschrieben.
Cirrbitoidei. Eine Synopsis der Familie der Cirrhitoiden hat
Gill Proceed. Philadelphia p. 102 geliefert. Den Umfang der Fa-
milie fasst Verf. wie Günther, nur dass er die Gattung Haploda-
ctylus mit hierher zieht. Es werden vier Subfamilien unterschieden:
während des Jahres 1862. 657
1) Cirrhitinae Gill. Stacheltheil der Rückenflosse länger
als der weiche, mit 10 oder 9 Stacheln ; 10 . 16 Wirbel. Dahin die
Gattungen: Amh ly c irr hilu s Gill, die Rückenflosse beginnt über
dem Rande des Vordeckels (Cirrhites fasciatus C. V.) ; Cirrhitus
Lacep. mit neun Arten, von denen C alternatus von den Sandwich-
inseln neu ; Cirrhitickthijs Blkr. mit 4 Arten ; 0 xy cirrhit es
Blkr. mit 1 Art.
2) Haplodactylinae Gthr. Stacheltheil der Rückenflosse
so lang wie der weiche mit 14 bis 17 Stacheln, schneidende Zähne.
Von der Gattung Haplodactylus C.V. mit 4 Arten trennt Gill
H. arctidens und meandratus Richards, als Gattung Dactylosar-
gus, weil alle Kieferzähne dreispitzig sind, und H. lophodon Gthr.
als Gattung Crinodus wegen des Mangels der Vomerzähne und
der einreihigen Zähne im Unterkiefer.
3) C h i ronematinae Gill. 13 — 15 Stacheln in der Rücken-
flosse, die Membran hinter jedem tief eingeschnitten, kleine konische
Zähne. Gatt. Chironemus mit 3 Arten.
4) Lafridinae Gill. 15—23 Stacheln in der Rückenflosse,
kleine konische Zähne, 14 . 20 Wirbel. Dahin die Gattungen Latri-
d op s is Gill pinna analis dorsali coterminalis, radiis 30 plusve, palatum
edentulum (Anthias ciliaris Blkr.); Lafris Richards, pinna analis
dorsali coterminalis, radiis 25 plusve, dentes vomerini, 1 Art ; M e n-
dosoma Gay dentes in maxilla superiori solum, 3 Arten; Dacty-
lopagru s (im Texte steht Dactylosparus ; Cheilodactylus carpone-
mus und 2 andere Arten); Chil odac tylns Lac. (Chil. fasciatus
und 2 andere Arten) ; Ac antholatris Gill (Gh. monodactylus Gthr.) :
Chirodactylus Gill (Ch. Antonii C. V. und 2 andere Arten);
G onii stius Gill (Ch. zonatus C. V. und 2 andere Arten); Nema-
tod actylus Richards. Nur drei Kiemenhautstrahlen. 1 Art. — Es
fällt auf, dass die Charaktere in der schematischen Uebersicht nicht
immer mit den Beschreibungen übereinstimmen, wodurch die Be-
nutzung der Abhandlung erschwert und unsicher wird.
Cirrhitns betmirus Gill Proc. Philad. p. 259 von Californien.
Polynemidae. Für Polynemus tetradactylus C. V. und tridacty-
lus Blkr. gründete B 1 e e k e r Berichte der Akad. zu Amsterdam
Bd. 14. p. 123 eine neue Gattung E/ewfAer onema, indem der äus-
sere Rand ihrer Kiefer durch kleine Zähne rauh ist, und die obere
Lippe fehlt, die untere nur am Mundwinkel bemerkbar ist.
PsfiUdOChromideS. Catopra siamensis von Siam und C. tetra-
canlhns von Ostindien Günther Proc. zool. soc. p. 191. pl. 27.
Pseudochromis perspicillatus Günther ib. p. 193. pl. 27 von China.
Cataphracti. Gill vereinigt die Gattungen Temnistia Richards.,
Hemilepidotus Cuv. und Scorpaenichthys Girard zu einer eigenen
Gruppe in der Cottoidenfamilie, die er T e m n isliae nennt. He-
Archiv f. Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. Rß,
658 Ti'oschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
milepidotus Gibsii von San Francisco wird als neue Art beschrieben.
Proc. Philadelphia p. 13.
In der Verwandtschaft von Scorpaena stellte Johnson eine
neue Gattung Setarches auf, die folgende Charaktere hat : Kopf
und Körper comprimirt , keine Grube am Nacken , Scheitel ohne
Dornen, Vordeckel bewaffnet, Cycloidschuppen, ohne Hautlappen;
eine in zwei Abtheilungen getheilte Rückenflosse, keine Pectoral-
anhänge ; hecheiförmige Zähne in den Kiefern, am Vomer und am
Gaumen ; Seitenlinie eine breite schuppenlose Furche ; sechs oder
sieben Kiemenhautstrahlen ; wenige Appendices pyloricae; keine
Schwimmblase. S. Günthcri von Madeira. Proceed. zoolog. soc.
p. 177. pl. 23.
Centropogon mannoratus Günther Proc. zool. soc. p. 190. pl. 27
von der Moreton-Bay.
Bleeker erklärt in Verslagen Acad. Amsterdam Bd. 14. p. 140
folgende Gattungen für identisch: Micropus Gray = Caracanthus
Kroyer = Amphiprionichthys Blkr. = Centropus Kner. Der erst-
genannte Name hat die Priorität.
Ayres beschreibt in Proc. California Acad. 1859. p. 25 drei
Arten Sebastes von San Francisco, jnämlich S. tiigrocinctus, heho-
macnlatus (abgebildet p. 57), elongalus (abgeb. p. 58).
Für die Arten der Gattung Sebastes mit 11 bis 12 Bücken-
stacheln und mit Gaumenzähnen wendet Gill den Namen Seba-
slichthys an. Proc. Philadelphia p. 329. Dahin Sebastes nigrocin-
ctus Ayres.
Oxylcbius picfus Gill Proc. Philadelphia p. 277 von Califor-
nien. Die Gattung wird verglichen mit Zaniolepis Gir. und Chi-
rus Steller.
Sciaenoidei. Gill kennt fünf Species von Sciaenoiden von
Californien. und setzt bei Gelegenheit deren Namliaftmachung generi-
sche Differenzen dieser Familie auseinander, welche in der Notiz
selbst nachzusehen sind, da ein näheres Eingehen den Abdruck des.
ganzen Aufsatzes erfordern würde. Proc. Philadelphia p. 16.
Johnins nobilis Ayres Proc. California Acad. 1860. p. 77. fig. 20
von San Francisco.
Seriphus Ayres ib. p. 80. n. gen. in der Nähe von Johnius.
Zwei getrennte Dorsalen, Kiemenspalten vereinigt; sechs Kiemen-
hautstrahlen ; keine Cirrhen ; Zähne in beiden Kiefern scharf, fast
gleich gross, in zwei oder einer Reihe, keine am Vomer und Gau-
men; schwache Analstacheln. S. politus von Californien.
Umhrina dorsalis und Janti Gill Proc. Philadelphia p. 257 von
Californien.
Pristipomatidae. Haemulon ScudderU, sexfascialus und flati'
gvttatus Gill Proc. Philadelphia p. 253 von Californien.
während des Jahres 1862. 659
Eine neue Gattung Ortho st oechus Gill ib. p. 255 unter-
scheidet sich von Haemulon nur durch die Anordnung der Schuppen
über und unter der Seitenlinie in Längsreihen und durch den ge-
raden Verlauf des vorderen Theils der Seitenlinie. 0. maculicauda
von Californien.
Eine andere neue Gattung Microlepidotus Gill ib. p. 255
unterscheidet sich von der vorigen durch die Schuppen über der
Seitenlinie in schiefen Reihen ; von ihr und Haemulon durch kleine
Schuppen, kleinen Mund, kleine Afterflossendornen. M. inornatus
von Californien.
Daselbst gründet Gill noch zwei neue Genera: G enytr enius
auf Pristipoma bilineatum, melanopterum und eine neue Art G. in-
terruptus von Californien ; G enyalremns auf Diagramma cavifrons.
Sparoidei. In der Gattung Gerres, die Gün th er als beson-
dere Familie Gerridae bei den Pharyngognathen behandelt, da nach
Kner's Beobachtungen die unteren Schlundknochen in der Mitte
zusammenstossen (sie sind jedoch nicht verwachsen, sondern an einan-
der beweglich), sind Catalogue p. 252 im Ganzen 28 Arten beschrie-
ben, einschliesslich dreier neuen G. altispinis aus dem Ganges, phi-
lippinus von den Philippinen, gigas von den Tonga-Inseln.
Auch Bleeker erkennt die Gattung Gerres, Berichte der
Akad. zu Ansterdam Bd. 14. p. 141, als eine besondere Familie in
der Nähe der Embiotocoiden an.
Diapterus californiensis und gracilis Gill Proc. Philadelphia
p. 245 von Nieder-Californien.
Mulloidei. Upeneus dentalns Gill Proc. Philadelphia -p. 256 von
Californien.
Upeneus prayensis C. V. weicht sehr auffallend in der Bezah-
nung von den übrigen Arten dieser Gattung ab. Die Zähne stehn
oben in zwei Reihen ; die äusseren bilden zwei Gruppen , deren
hintere am Mundwinkel nur 2 — 3, die vordere nahe der Symphyse
3 — 4 längere Zähne enthält. Bleeker gründet daher Berichte der
Akad. in Amsterdam Bd. 14. p. 133 auf ü. prayensis eine eigene
Gattung Pseudnpenens, und glaubt, auch ü. maculatus C. V.
werde dahin gehören.
Squamipennes. Aus der Familie der Schuppenflosser beschrieb
Gill Proc. Philadelphia p. 243 folgende Arten von Nieder-Califor-
nien als neu: Sarothrodus nigriroslris, Holacanthus strigatus, Poma"
canthodcs zoniplectus.
Die Gattung Pimelepterus Lac. beschränkt Gill Proc. Phila-
delphia p. 245, auf die Arten mit niedriger Rücken- und Afterflosse,
und fügt eine neue Art von Nieder-Californien P. analogus hinzu.
Die Arten, deren weiche Rücken- und Afterflosse sehr hoch sind,
660 Troschel: Bericlit üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
P. tahmel Rüpp., Dussumieri und RaynaldiC. V. trennt er als eigene
Gattung unter dem Namen Opisthistius.
Labyrinthici. Die von Hyrtl aufgefundene neue Rippenart
(vergl. vor. Bericht, p. 203) und das Labyrinth von Polyacanthus
Hasselti' sind in Wiener Denkschriften XXI. p. 11 beschrieben und
abgebildet.
Den Osphromenus olfax zählt v. Martens den gezähmten
Thieren auf Java zu. Zoologischer Garten III. p. 64.
Atherinidae. Ayres beschrieb in Proc. of the Californian
Academy Oct. 1860. p. 73 zwei neue Arten der Gattung Atherino-
psis, A. afßnis und tenuis von San Francisco, deren erstere früher
mit A. californiensis Gir. verwechselt, letztere von Girard 1854 als
Basilichthys beschrieben worden w^ar. Die Gattungen Basilichthys
und Heterognathus erkennt Verf. nicht an.
Scomberoidei. Gill spricht sich Proc. Philadelphia p. 124
über die Umgrenzung und das Arrangement der Scomberoid-Fa-
milie vorläufig aus , indem er eine schematische Uebersicht der 18
von ihm dahin gezählten Gattungen giebt und die typischen Arten
derselben nennt. Als Gill'sche Gattungen figuriren hier: Gram-^
malorycnus^ (Thynnus bilineatus Rüpp.), Gymnosarda (Thynnus
unicolor Rüpp.), Orycnopsis (Scomber unicolor Geofifr.), Lepi-
docyhinm (Cybium flavobrunneum Smith), Ac anth ocybium (Cy-
bium sara Benn.), Thyrsitops (Thyrsites lepidopoides C. V.), Eu-
pl eur 0 gr a m m u s (Trichiurus muticus Gray). — Die übrigen von
Günther den Scomberoiden zugezählten Gattungen vertheilt Verf.
anders. Naucrates, Cubiceps, Neptomenus, Platystethus und Elacate
scheinen ihm zu den Carangoiden zu gehören; Echeneis ist der
Repräsentant einer eigenen Familie ; ebenso Gasterochisma und No-
meus ; Ditrema gehört zu den Embiotocoiden (was auch Günther
Catalogue IV- p. 245 ausgeführt hat) ; die Cyttina erhebt er zur
eigenen Familie mit den Gattungen Zeus Art., Zenopsis Gill (Zeus
nebulosus Temm. Schi.) Cyttus Gthr. und Cyttopsis Gill (Zeus ro-
seus Lowe). Die Stromateina werden auch zur eigenen Familie er-
hoben, ebenso die Centroloj^hinae, ferner Brama und Taractes ; Pte-
ractes Gron. und Pterocombus Fries ; Diana und Luvarus ; Coryphaena;
Capros und Antigonia; Equula und Gazza u. s. w. Das gäbe eine
Menge neuer Familien !
Gill macht Proc. Philadelphia p. 328 die Bemerkung, dass
die Scomberoiden in erster Jugend ein mit drei Dornen bewaffnetes
Praeoperculum besitzen, über und unter denen gemeiniglich kleinere
vorhanden sind, die später alle in der Substanz des Knochens ab-
sorbirt werden.
Eine kurze Notiz über Scomber scombrus im schwarzen Meere
siehe Lotos 1862. p. 63.
während des Jahres 1862. 661
Referent fand, dass sich die unteren Wirbelfortsätze bei
Thynnus pelamys, welche das Bonner Museum durch Dr. Carl Wolff
aus Madeira erhalten hatte, zu Bogen vereinigen, um die Schwimm-
blase zu schützen. Verhandl. des naturh. Vereines d. preuss^ Rhein-
lande und Westphalens XIX. Sitzungsber. p. 107.
Canestrini beschrieb Centrolophus crassus C. V.? und C
porosissimus n. sp. von Nizza. Mem. Accad. di Torino XXI. tav. IL
lig. 1 und flg. 5.
Es mark beschrieb Brama Raschii in Forhandl. Vidensk.
Selsk. Christiania Nov. 1861.
Poronottis simillius Ayres Proc. California 1860. p. 84. Fig. 23.
Schedophilus elongatus Johnson Proc. zool. soc. p. 175 von
Madeira.
Als den Typus einer eigenen Familie zwischen Carangoiden
und Coryphaenoiden beschreibt Gill eine neue Gattung Nemati-
st ins mit langstreckigem comprimirten Körper, zwei in einer Scheide
zu verbergenden Rückenflossen, Bauchflossen unter den Brustflossen,
mit einem langen dünnen Stachel und sechs Strahlen. IV. pectoralis
von Californien.
Garangidae. Auch von den Carangoiden sagt Gill Proc. Phi-
ladelphia p. 430, dass sie in früher Jugend drei Dornen am Yor-
deckel haben, nebst kleineren darüber und darunter; auch ist die
erste Rückenflosse in dieser Periode entwickelt und Zähne sind
vorhanden. Später werden die Dornen des Vordeckels absorbirt,
während bei manchen die erste Rückenflosse verkümmert und zu-
weilen als freie Dornen erscheint, noch später gehen die Zähne
verloren. So kommt es, dass verschiedene Alterszustände als ver-
schiedene Gattungen aufgestellt worden sind. Er stellt dann eine
Synopsis der Arten, welche an der Ostküste von Nordamerika leben,
zusammen. Dabei unterscheidet er mehrere Gruppen 1) Caran-
ginae, Seitenlinie mit Platten bedeckt, Gatt. Decapterus Bleeker
Trachur ops Gill von voriger durch den Mangel der falschen
Flossen unterschieden (Caranx Plumieri C. V.), Faratractus Gill
ohne Hundszähne sonst wie folgende (Caranx pisquetus C.V.) Caran-
gus Gir., C ar angops Gill mit sehr niedrigen Suborbitalknochen,
sammetartigen Zähnen in den Kiefern (Caranx falcatus Holbr.) und
Blep harichtky s Gill (Blepharis Cuv. , weil der Name schon bei
den Pflanzen vergeben, unnöthiger Weise umgetauft). 2) Vomerii-
nae Seitenlinie unbewaffnet, Körper stark zusammengedrückt und
hoch, Profil fast vertical , mit den Gatt. Vomer Cuv., Selene Lac,
Argyreiosus Lac. , 3) Chlor o scomhr in ae Seitenlinie unbewafinet,
Körper comprimirt, unterhalb schneidend, Profil schief und gerad-
linig, After hinter den Bauchflossen, Gatt. Chloroscombrus Gir.
(Seriola cosmopolita C.V). 4) Irac/itwof in« e, Seitenlinie unbewaff-
662 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
net, Körper weniger zusammengedrückt mit convexem Bauche ; After
mitten oder hinter der Mitte; Bauch kürzer als die Afterflosse, die
der weichen Rückenflosse gleichkommt, Gatt. Trachynotus Cuv. 5)
Centronotinae wie vorige aber Bauch fast gleich der Afterflosse,
die kürzer ist als die weiche Rückenflosse, Gatt. Naucrates Cuv.,
Zonichthys Swains. (Seriola Cuv.), Halatr actus Gill von voriger
durch längeren Kopf unterschieden (Seriola Boscii und zonata C. V.)
6) Pomatominae, Seitenlinie hinten nicht gerade oder gleich mit
der Axe, sondern etwas darüber, Gatt. Pomatomus Lac. (Temno-
don Cuv.).
Trachurops brachyckirns Gill Proc. Philadelphia p. 261 von
Californien.
Decapterus hypodus Gill Proc. Philadelphia p. 262 von Cali-
fornien.
Unter den Caranx unterscheidet B 1 e e k e r Berichte der Akad.
in Amsterdam Bd. 14. p. 135 noch eine neue Gattung, die keine
falschen Flossen hat, und in den Kiefern einreihige konische Zähne
besitzt; auf der Zunge finden sich auch Zähne, sie fehlen jedoch
an Vomer und Gaumen. Zu dieser Gattung H ein i caranx gehört
eine neue Art H. marginatus von Guinea.
Bleeker glaubt, Berichte der Akad. in Amsterdam Bd. 14.
p. 134 , dass Cuvier von seinem Porthmeus argenteus nur junge
Exemplare gekannt habe, und giebt für die Gattung eine verbes-
serte und vervollständigte Diagnose. Die natürliche Stellung sei
bei Chorinemus, nicht bei Nauclerus.
Trichiuridae. Neslarchus n. gen. Johnson Proc. zool. soc.
p. 173 zeichnet sich besonders unter den Gattungen dieser Familie
durch den Besitz vollständiger Bauchflossen und eines dolchförmigen
Stachels hinter dem After aus. N. nasutus von Madeira ist pl. 22
abgebildet.
Teuthyes. Frionurus punctatus Gill Proc. Philadelphia p. 242
von Nieder-Californien.
Taenioidei. Ein an den Felsen von St= Andrews angetriebenes
verstümmeltes Stück eines Regalecus Banksii ist von Walker An-
nais nat. bist. X. p. 13 beschrieben worden. Es war ohne Kopf
und Schwanz, 7' 2" lang und 12" hoch.
Gobioidei. Canestrini hat die Gobius des Golfes von Genua
einer Revision unterworfen Archivio per la zoologia I. p. 121. Wie
auch bei anderen Fischen ist die verhältnissmässige Grösse des
Auges und des Kopfes nach dem Alter sehr verschieden und hat
die Aufstellung von Arten veranlasst. Verf. unterscheidet und be-
schreibt folgende Arten, die auch sämmtlich abgebildet sind: G.
guttatus C. V. (capito C. V., limbatus C. V.), G. jozo L. (nebulosus
Risso. longiradiatus Risso), G. punctipinnis n. sp., G. >ruentatiis
während des Jahres 1862. 663
Gm., G. niger L., G. geniporus C. V., G. quadrimaculatus C. V., G.
zebrus Risso , G. Lesueurii Risso , G. marmoratus Risso (reticulatus
e.V., leopardinus Nordra.?), G. minutus Penn., G. elongatus n. sp.,
G. albus Parn. (Aphia meridionalis Risso, G. aphya Sassi, pelluci-
dus Kessl.), G. pusillus n. sp.
Encycl 0 g obiu s Gill unterscheidet sich von Lepidogobius
in der Form , Nacktheit des Kopfes und kleinere zweite Rücken-
flosse. Dahin Gobius Newberrii Girard. Proc. Philadelphia p. 330.
Bei Gelegenheit der Beschreibung einer neuen Art Amblyopus
sagitta Proc. zool. soc p. 193. pl. 27 von Californien giebt Günther
von der Gattung Amblyopus nach seiner Auffassung folgende Ein-
theilung: A. Zähne in einer Binde, die Aussenreihe stärker, a) Mehr
als 25 weiche Strahlen der Rückenflosse, Amblyopus C. V. Ostin-
dien, b) Weniger als 20 weiche Strahlen in der Rückenflosse, Go-
bioides Lacep. Peru und Guayaquil. B. Zähne in einfacher Reihe,
Tyntlastes Californien, dahin die neue Art.
DiSCOboli. Eumicrotremus Gill unterscheidet sich von Cy-
clopterus durch die kleineren Kiemenöffnungen in der Höhe der
Augen und durch die Entwickelung der stachligen Rückenflosse.
Dahin Cycl. orbis Günther.
C aularchus Gill, auf Lepadogaster reticulatus Gir. gegrün-
det, unterscheidet sich von Gobiesox durch die fast gleiche Grösse
der Rücken- und Afterflosse und die fast horinzontale Richtung der
sechs schneidenden Vorderzähne des Unterkiefers. Proc. Philadel-
phia p. 330.
BlenniOidei. Apodlchthys sanguinens Gill Proc. Philadelphia
p. 279 von Californien.
Fistularldae. Ueber Brevoorts Gattung Aulichthys und ihre
Verwandtschaft mit Aulorhynchus äusserte sich Gill. Proc Phila-
delphia p. 233.
Anacanthini.
Günther unterscheidet in seinem Catalogue of the
fishes in the British Museum Vol. IV. p. 317 unter den
Anacanthini 7 Familien : Gadopsidae, Lycodidae, Gadidae,
Ophidiidae, Macruridae, Ateleopodidae und Pleuronec-
tidae. Erstere sechs Familien werden als Anacanthini
Gadoidei der siebenten Anacanthini Pleuronectoidei gegen-
über gestellt.
Die Familie Gadopsidae besteht nur aus der Gattung Gadop-
sis Richards, mit einer Art. Die Familie Lycodidae enthält drei
Gattungen : Lycodes Reinh. mit kleinen Bauchflossen, 9 Arten, wor-
664 T r 0 s c h e 1 : Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
unter L. variegatns von den Falklandinseln neu , Gymnelis Reinh.
ohne Bauchflossen mit gleichen Kiefern, 4 Arten, wovon G. pictus
neu, Ur onect es Gthr. n. g. ohne Bauchflossen mit längerem Un-
terkiefer, 1 Art, Ophidium Parrii Ross.
Die Familie Gadidae umfasst 21 Gattungen a) 3 Dorsalen und
2 Analen , Gadas 18 Arten , Gadiculus Guich. 2 A., b) 2 Dorsalen
und 2 Analen, Mora Risso 1 A., Halargyreus Gthr. n. g. von
voriger Gatt, durch den Mangel der Yomerzähne verschieden 1 neue
Art H. Johnsonii von Madeira, c) 1 getrennte vordere Dorsale, die
Schwanzflosse mit der zweiten Dorsale und der Anale vereinigt,
Strinsia Rafin. 1 Art. d) Zwei Dorsalen und eine getrennte Anale,
Merluccius 3 A., Lotella Kaup 4 A., L. fulginosa neu , Physiculus
Kaup 1 A., Uraleptus Costa 1 A., P s endo p hy eis Gthr. 1 Art.,
Phycis Cuv. 6 A., Pk. rostratus neu, Laemonema Gthr. 2 A., L.
robustitm von Madeira neu (vergl. Johnson Proc. zool. soc. p. 171.)
Haloporphyrus Gthr. 1 A., Lota Cuv. 1 A., Molva Nilss. 3 A.,
Hypsiptera Gthr. 1 A., Couchia Thomps. 2 A., Motella Cuv. 5 A.,
Raniceps Cuv. 1 Art, Bregmaceros Thomps. 1 A. e) Eine Dorsale
und eine Anale Gatt. Brosmius Cuv. 2. A.
Die Familie Ophidiidae zerfällt in 5 Gruppen: 1) Br otulina
Bauchflossen vorhanden, an den Schultergürtel angeheftet, 8 Gattun-
gen Brotula Cuv. 4 A., neu B. ensiformis von Aneiteum , Lucifuga
Poey 2 A., Sirembo Bleek. 2 A., Hiphog adu s Gthr. 1 A., Dine-
matichthys Bleek. 2 A., Bythites Reinh. 1 A., Pteridium Scop. 1 A.,
Brotulophis Kaup. 1 A. 2) Ophidina statt der Bauchflossen ein
Paar zweifadige Filamente: Gatt. Ophidium Cuv. 6 A., Genypterus
Phil. 3 A., 3) Fierasferina ohne Bauchflossen, After an der
Kehle: Gatt. Fierasfer Cuv. 9 A., neu F. offmis, caninns, Enchelio-
phis Müll- 1 A. 4) Ammodytina ohne Bauchflossen, After fern
vom Kopfe , Kiemenspalten sehr weit, Kiemenhäute nicht vereinigt :
Gatt. Ammodytes Art. 6 A, Bleek er ia Günther n. gen. 1 neue
Art Bl. kallolepis. 5) C ongrog ad ina ohne Bauchflossen, After ent-
fernt vom Kopfe , Kiemenspalteu massig , Kiemenhäute unten ver-
einigt, nicht an den Isthmus angeheftet : Gatt. Congrogadus Gthr.
(Machaerium Richards.) 2 A., Haliophis Rüpp. 1 Art.
Die Familie Macruridae umfasst 3 Gattungen, Macrurus Bloch
8 A., Coryphaenoides Gunner 3 A., M alac ocephalus Gthr. n. g.
von beiden vorigen Gattungen durch sehr kleine Schuppen unter-
schieden mit 1 Art.
Die Familie Ateleopodidae enthält nur eine Gattung Ateleo-
pus mit 1 Art. Einen Anhang bildet die Gattung Xenocephalus
Kaup mit 1 Art.
GadOidei. Cobbold theilte in Journal of the Proceed. Lin-
während des Jahres 1862. 665
nean Sog. VI. p. 145 histologische Beobachtungen über das Auge
des Kaubliau (Morrhua vulgaris) mit.
Laughrin verzeichnete die Crustaceen, welche er in dem
Magen des Kabliau fand, um die Nahrung dieser Fische festzustellen.
Journal of the Proceed. Linnean Soc. VI. p. 165.
Brosmius marginatus, welchen Ayres 1854 beschrieben hatte,
wird Proc. California Acad. 1860. p. 52 zur eigenen Gattung I! a-
lias erhoben: Zähne in beiden Kiefern, am Vomer und an den
Gaumenbeinen ; Dorsale und Anale lang, nicht mit den Caudale ver-
einigt: keine Bartfäden; Ventralen schmal nich fleischig — Gün-
ther setzt diesen Fisch Catalogue IV. p. 375 in die Bleeker'schen
Gattung Dinematichthys.
Aus der Familie der Gadoiden werden von Johnson als in
Madeira vorkommend beschrieben : Uraleptus Maraldi Risso , Hala-
pophyrus lepidion Günther, Macrourus coelorhynchus Risso (M. atlan-
ticus Lowe) und Macrourus laevis Lowe. Annais nat. bist. X. p. 164
— Ferner ib. p. 274 als Fortsetzung Phycis blennoides Bl. S.
Anoplopoma n. gen. Ayres Proc California Acad. 1859
p. 27. Kopf und Wangen fast ohne Dornen, Schuppen klein, un-
scheinbar, ciliirt, bedecken den ganzen Körper und Kopf, und stei-
gen auf die Caudale, zweite Dorsale, Anale und Pectorale; Zähne
gleichmässig, zahlreich, klein, an beiden Kiefern, Gaumenbeinen und
vorn am Vomer; Kiemenspalten unter der Kehle nicht vereinigt,
zwei getrennte Dorsalen , Strahlen der ersten schwach stachlig;
Ventralen hinter den Pectoralen. A. merlangus ist 1860 p. 53 ab-
gebildet.
Pleuronectae. Die Familie der Pleuronectiden theilt Gün-
ther Catalogue IV. p. 400 in 34 Gattungen, die folgendermassen
gruppirt werden: I. Kiefer und Bezahnung fast gleich an beiden
Seiten. A. Die Dorsale beginnt am Nacken. Gatt. Psettodes Benn.
1 Art. B. Die Dorsale beginnt über dem Auge, Gatt. Hippoglossus
Cuv. 2 Arten, Hippoglossoides Gottsche 2 Arten, Tephritis Gray 1
Art C. Die Dorsale beginnt vor dem Auge an der Schnauze. Gatt.
Rhombus 7 Arten , P hryn orhombus Gthr. 1 Art, Arnoglossus
Bleek. 6 Arten , A. lophotes Europa neu , Citharus Bleek. 1 Art,
Brachyplenra Gthr. 1 Art. B. novae zeelandiae neu, Samaris Gray
1 Art 5 Psettichthys Girard 1 Art , Citharichthys Gir. 2 Arten , C.
spilopterus Amerika und Afrika neu, Hemirhombus Bleek. 3 Arten,
Pseudorhombus Bleek. 14 Arten, Ps. multimaculatus , pentophthalmus
von China neu, Paralichthys Gir. 1 Art, Rhomboidichthys Bleek. 13
Arten, davon neu R. leopardinus , assimilis China II. Mundspalte
schmal, die Bezahnung an der blinden Seite viel mehr entwickelt. A.
Das obere Auge nicht vor dem unteren, beide Brustflossen vorhan-
den. Gatt. Pleuronectes Art. 22 Arten, neu PL cHgrammus von der
666 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
Vancouver - Insel . Parophrys Gir. 5 Arten , neu P. Ayresii Califor-
nien , Ps ammodiscns Gthr. 1 Art Ps. ofellatus neu, Amm ötr e-
tis Gthr. 1 Art A. ?-osrrafMS Norfolk-Bay neu, Rhomb o s olea Gtihv.
3 neue Arten Rh. monopus , tapirina, leporina von Neuseeland und
Australien, Peltorhamphus Gthr. 1 Art P. novae zeelandiae neu.
B. Augen entwickelt und rechts, das obere vor dem unteren, Kör-
per beschuppt, Brustflossen zuweilen rudimentär oder fehlend, Gatt.
Solea Cuv- 34 Arten, neu S. microcephala Australien, margaritifera,
indica Madras , scutwn Panama, mentalis Para, fonsecensis Golf von
Fonseca, fimbriata ebendaher, Par dachirus Gthr. 2 Arten, Lia-
chirtts Gthr. 1 neue Art L. nitidus, Synaptura Cant. 19 Arten,
neu S. ci?iercfscens, Aesopia Kaup 1 Art. C. Augen entwickelt und
rechts, das untere nicht vor dem oberen, Körper ohne Schuppen.
Gatt. Gymnachirus Kaup 2 Arten, neu G. fascialus. D. Augen rudi-
mentär. Gatt. Soleotalpa Gthr. eine neue Art S. nnicolor von West-
indien, Apionichthys Kaup 1 Art. E. Augen links, keine Brustflos-
sen. Gatt. Ammopl enr ops Gthr. 1 Art, Aphoristia Kaup 1 Art,
Plagusia Cuv. 3 Arten , Cynoglossus Buchanan 29 Arten , neu tri-
grammus China, xiphoidens Siam, bretis Ganges.
Bleeker handelt in den Berichten der holl. Akad. Bd. 13
über einige Gattungen der Familie der Pleuronectoiden. Es sind
nicht alle Gattungen in diese Uebersicht aufgenommen. Verf. be-
rücksichtigt hauptsächlich das Gebiss. Diese Arbeit ist bereits von
Günther benutzt worden.
Hippoglossus californicus Ayres Proc. California Acad. 1860.
p. 29, abgebildet p. 59 von San Francisco, gehört bei Günther Ca-
talogue in die Gattung Pseudorhombus.
Parophrys Hubbardii Gill Proc. Philadelphia p. 281 von Ca-
lifornien.
Gill veröffentlicht ib. p. 330 neue Gattungsnamen für einige
Pleuronectoiden, ohne sie zu charakterisiren. So nennt er Pset-
tichthys umbrosa Lepidopsetta Pleuronichthys guttulatus Hy-
psopsetta, Psettichthys sordida Gir. Orthopsetla und Hippoglos-
SU3 californicus Üropsetta.
Pharyngognathi.
In die Abtheilung Acanthopterygii pharyngognathi
hat Günther in Folge der Kner'schen Entdeckung von
der Verwachsung der unteren Schlundknochen bei Gerres
diese Gattung als eigene Familie gezogen, so dass nun-
mehr diese Abtheilung aus 5 Familien besteht : Pomacen-
tridae, Labridae, Embiotocidae, Gerridae und Chromides.
während des Jahres 1862. 667
Die Gerridae aus ihrem früheren Verbände bei den Spa-
roidon herausznreissen ist mir nicht imbedenklich, wäh-
rend sich allerdings nicht leugnen lässt, dass die Schlund-
knochen dicht neben einander liegend ein Dreieck bilden,
und auch andererseits einige Aehnlichkeit mit den Em-
biotocidae vorhanden ist. Eigentlich verwachsen sind je-
doch die Schlundknochen nicht ; sie liegen dicht neben-
einander, sind aber beweglich verbunden.
Labroidei. Bleeker's im vor. Bericht p. 212 besprochener
Conspectus Labroideorum ist auch in den Verslag-en en Mededee-
lingen der koninklyke Ahademie van Wetenschappen Deel XIII. ab-
gedruckt.
Ebenda erschienen vonBleeker: Synonyma Labroideorum
indo-archipelagicorum hucusque observatorum revisa, adjectis spe-
cierum novarum descriptionibus. Dort werden 125 Arten aufge-
zählt mit ihren Synonymen, die nach dem System des eben genann-
ten Conspectus geordnet sind. Am Ende des Aufsatzes werden
dann folgende neue Arten beschrieben : Ckeilinns Hoevenii von Am-
boina, Cheilinus celebicus (descr. emend.), Cheiliniis oxyrliyncJms von
Celebes, Amboina. Batjan, Gomphosus notostigma ohne nähere Va-
terlandsangabe, Novacula javanica, Halichoeres Kneri beide von Java.
Die Eintheilung der Labridae in Günther's Catalogue ist mit
einigen Abänderungen übereinstimmend mit der früher gegebenen
Uebersicht (vergl. vor. Bericht p. 211). Hier werden 46 Gattungen
angenommen. Ich beschränke mich auf Angabe der neuen Arten:
Choerops riihescens von Australien, Xiphochilns robustus von Mauri-
tius, Cossyphus tredecimspinosus, C. iinimaculatus (identisch mit C.
oxycephalus Blkr.) von Australien, Lahrichthys gyvinogenys von Au-
stralien, L. pimctulata vom Swan River, Duymaeria coeruleomaculata
von den neuen Hebriden, Doratonotns megalepis aus dem Carai-
benmeere, Cheilinus mossamhicvs (Ch. radiatus Pet. non Bloch), Ch.
Orientalis (Ch. coccineus Blkr. non Rüpp.), Platyglossus opercularis
von den Fidschi-Inseln, P. tenuispinus von China, Novacula aneiten-
sis von den neuen Hebriden, Julis aneitensis ebendaher, J. melano-
ptera von Ceylon, J. bicolor, J. nitida von Jamaica, Gomphosus sand-
vicensis , Coris atlantica von Sierra -Leone, C. elongala von den
neuen Hebriden, C. semipartila von Mauritius, C. longipes von den
neuen Hebriden, Scarus aracanga von Jamaica, C strigafus, Pseu-
doscarus aracanga von Jamaica , Ps. caudofasciatus von Mauritius,
Odax frenatus von Australien, 0. Richard sonii (0. pullus C. V.).
Cossyphus oxycephalus Bleeker Berichte der Akad. zu Amster-
dam Bd. 14 p. 129 von Japan.
668 Troschel: Bericht üb, d. Leist. in d. Ichthyologie
Harpe(= Cossyphus Cuv.) diplotaenia und fectoralis Gi\\\
Proc. Philadelphia p. 140 von Nieder-Californien.
Johnson erklärt Annais nat. hist. X. p. 161, dass Lowe's Cre-
nilabrus trutta in Günther's Gattung Centro)abras gehöre , und
dass Acantholabrus viridis, romeritus und romerus von den canari-
Bchen Inseln mit derselben Species identisch seien.
Pseudolahrus Güntheri Bleeker Berichte der Akad. in Amster-
dam Bd. 14. p. 131 von Australien.
Julis lucasanus Gill Proc. Philadelphia p. 142 von Nieder-Ca-
lifornien. — J. semicinctus Ayres Proc. California Acad. 1860. p. 32
von Nieder-Californien.
Xirichthys mundiceps Gill Proc. Philadelphia p. 143.
Iniistius raundicorpus Gill ib. p. 145.
Scartis melanotis von St. Croix und maschalespilos von Suri-
nam Bleeker Berichte der Akad. zu Amsterdam Bd. 14. p. 126.
Pomacentridae. In dieser Familie unterscheidet Günther Ca-
talogue p. 2 acht Gattungen : Amphiprion Bl. mit 17 Arten, darunter
A. tricolor von Australien neu, Premnas Cuv. mit 1 Art, Dascyllus
Cuv. mit 8 Arten Lepidozygus n. gen. auf Pomacentrus tapeino-
soma Blkr. gegründet, und von Pomacentrus durch grössere Schup-
penzahl und konische Zähne unterschieden , Pomacentrus mit 44
Arten, worunter neu P. robustus, obtusirostris, inlerorhitalis, letztere
aus dem Indischen Archipel, Glyphidodon Lacep. mit 52 Arten,
wovon G. afßnis von China, florvlentus aus dem indischen Ocean, as-
similis aus Ostindien, dispar von Amboina neu, Parma n. gen. von
Glyphidodon durch grössere Zahl der Schuppen unterschieden, mit
4 Arten 0. microlepis von Neu-Südwales, Gl. rubicundus Gir. (Hy-
psypops rubicundus Gill), squamipennis von Australien, polylepis von
der Norfolk Insel, Heliastes mit 16 Arten.
Aus der Familie der Pomacentroiden beschrieb Gill Proc.
Philadelphia p. 145 mehrere neue Arten von Nieder-Californien:
Euschist odus (nov. gen. mit tief eingeschnittenen Zähnen) decli-
vifrons; Hypsypops (mit hohem Praorbitalknochen und ganzen
Zähnen) dorsalis ; Pomacentrus rectifraenum , ßavilatus , Bairdii , qua-
drigutta ; Chromis (Fiircaria) atrilohata und Glyphidodon Troschelii. —
Unter dem Texte werden bei dieser Gelegenheit Euschistodus de-
clivifrons von Panama und Dascyllus allisella von den Sandwich-
Inseln aufgestellt.
Glyphidodon Westermanni Bleeker Berichte der holländ. Akad.
B. 15 von Java.
Ayres stellte Proc. California Acad. 1860. p. 81 eine neue
Gattung Camarina auf. Schuppen deutlich, ciliirt, am ganzen
Körper und an den Wangen und sich auf alle Flossen ausdehnend;
eine lange Dorsale, vorn stachlig, Anale kurz mit 3 Stacheln; Dek-
während des Jahres 1861. 669
kelapparat ohne Dornen und Zähne ; Kiemenspalten vereinigt ; Zähne
zahlreich, gedrängt, in beiden Kiefern, die vorderen gross , dach-
ziegelartig, gelappt; hinter diesen eine gedrängte Masse ähnlicher
kleinerer Zähne , keine am Vomer und Gaumen. C nigricans von
Californien.
Holconoti. Die in der Familie Embiotocidae aufgestellten Gat-
tungen, deren Zahl schon von Agassiz auf neun reducirt war, ver-
einigt Günther Catalogue p. 244 alle und identificirt sie mit der
Schlegel'schen Gattung Ditrema , nur Hysterocarpus Gibbons mit
zahlreicheren Rückenstacheln behält generische Berechtigung. In Di-
trema nimmt Günther 16 Arten, in Hysterocarpus 1 Art an. Neue
Arten sind nicht darunter.
Bleeker bestätigt Berichte der Akad. zu Amsterdam Bd. 14,
dass Ditrema Schi, zu den Embitocoiden gehört , und stellt diese
Gattung in die Nähe von Ennichthya.
Gill nimmt Proc Philadelphia p. 275 in dieser Familie zwei
Subfamiiien an: Embiotocinae, deren strahlige Rückenflosse
länger ist als die stachlige, mit 13 Gattungen; H y s t er ocarpinae,
deren Stacheltheil der Rückenflosse länger ist als der strahlige,
dahin nur die Gattung Hysterocarpus. — Hyperprosodon analis
Agass. wird als eigene Gattung Uypocritichthys abgetrennt,
Hyperprosodon Agassizü als neue Art bezeichnet.
Chromides. In der Familie der Chromiden unterscheidet Gün-
ther Catalogue 19 Gattungen: Etroplus C Y. mit 2 Arten, Chro-
mis Cuv. mit 15, Ch. latus von Westafrika neu, Sarotherodon Rüpp.
mit 2, Hemichromis Pet. mit 4, U. guttaius vom Cap neu, Acara Heck,
mit 17, A. gymnopoina, adspersa von Barbados neu, Theraps Gün-
ther mit 1 neuen Art Th. irregnlaris von Guatemala, Heros Heck,
mit 26, wovon neu //. parma von Mexiko, temporalis , margarilifer,
melanyrus, spilvrns, vrophthalmns^ aureus^ afßnis, Salvini, microphthal-
tmis , Godmanni , intermedius , angulifer sämmtlich von Guatemala,
anfochlhon von Brasilien, M es onauta Gthr. mit 1 Art (Heros in-
signis Heck.) Fetenia Gthr. mit 1 neuen Art P. splendida vom
See Peten, Uaru Heck, mit 2 Arten, U. obscurum vom Fluss Cupai
neu, Hygrngonus Gthr, mit 1 Art (Lobotes ocellatus Agass.),
Cichla Cuv. mit 4, Crenicichla Heck, mit 9, C. obtusirostris von Bra-
silien , acutirosfris vom Fluss Cupai, Chaetobranchus Heck. , mit 3,
Ch. robnstvs von Guiana neu, Mesops Gthr. mit 2, nämlich Geo-
phagus cupido Heck, und einer neuen M. taenialus vom Fluss Cupai,
Satanoperca Gthr. mit 7, wovon S. macrolepis von Demerara,
Geophagus Heck, mit 1, Symphysodon Heck, mit 1, Pterophyllum
Heck, mit 1 Art.
Die Peters'sche Gattung Hemichromis vermehrte Gill Proc.
Philadelphia p. 134 um drei Arten: H. auritus vom Gaboon, bima-
670 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
cnJafus von Liberia und elongains (Chromichthys elongatus Guich.)
vom Gaboon. Schliesslich werden die afrikanischen Gattungen der
Chromiden Tilapia Smith , Haligenes Gthr. und Hemichromis Peters
durch Diagnosen unterschieden.
K n e r bildete die von H e c k e 1 in den Annalen des Wiener
Museums beschriebenen Fische Pterophyllum scalare, Symphysodon
discus und Monocirrhus polyacanthus in den Wiener Sitzungsberich-
ten Bd. 46, I. p. 294 ab, und gab neue Beschreibungen. Ein defini-
tives Urtheil über ihre Stellung im System behält er sich für eine
andere Gelegenheit vor, bespricht jedoch schon hier Beziehungen
zu einigen Familien. Namentlich findet er die beiden ersten Gat-
tungen ähnlich den Squamipennen, will auch eine Mahnung an die
Sparoiden in ihnen finden ; die letztere scheint er geneigt in die
Nähe von Capros zu bringen.
Indem B 1 e e k e r den Etroplus suratensis als typische Art der
Gattung ansieht . welche schneidende Zähne in den Kiefern besitzt
und keine Schuppen am Grunde der Rücken- und Afterflosse, wäh-
rend Etroplus coruchi zweireihige Zähne hat , wovon die der äus-
seren Reihe dreispitzig sind, und Rücken- und Afterflosse am Grunde
eine Schuppenscheide besitzen, gründet er Berichte der Akad. zu
Amsterdam Bd. 14. p. 125 auf letztere eine eigene Gattung Ps en-
de tr op In s.
Pliyisoistoini.
Silnroidei. In den Berichten der holländ. Akademie Bd. 14.
p. 400 hat Bleeker auf Trachelyopterus taeniatus Kner eine neue
Gattung Tr ac hely opt erichthys gegründet. — Ebenso erhebt
er ib. p. 403 die drei bekannten Arten der Gattung Cetopsis zu
eigenen Gattungen. C. coecutiens Ag. behält den Namen Cetopsisj
C. candira Ag. heisst H emi cet o p si s und C. gobioides Kner
Pseudocelopsis.
Nachdem Verf. ib. p. 390 über einige Veränderungen in seinem
System der Siluroiden gesprochen, bildet er aus Silurus Japonicus
Schi., den er früher seiner Gattung Silurichthys einreihte, eine
eigene Gattung Parasilnrns, deren Stellung durch eine schema-
tische Unterscheidung der 16 Gattungen der Siluriformes verdeut-
licht wird. — In der Gruppe Pangasii erkannte er ebenfalls, dass
mehrere Arten eigene Gattungstypen bilden müssten, so nennt er
Eutropius brach ypopterus Blkr. P senden tr opiv s, Pimelodus vacha
Buchan. Eulr o p i i chthys^ Pangasius polyuranodon Blkr. P s en-
do p ang asins. Auch die Gattungen der Gruppe Pangasii wurden
übersichtlich zusammengestellt.
Endlich beschreibt Bleeker ib. p. 371 folgende neue Arten
während des Jahres 1862. 671
der Welsfamilie von Surinam: Plalystacns nemctophorus, Parahemio-
don typus, Arins Dieperinki, Uexanenmlichlhys hymenorihinos, 11. su-
rinamensis, Nehima dubia, Psendorhamdia ascila (Mystas ascita Gron.),
Heptapterus Surinam ensis.
Johnson machte Bemerkungen über Alepidosaurus ferox,
der bei Madeira vorkommt. Während Lowe diesen Fisch zu den
Taenioiden stellte, Valenciennes ihn den Salmoinden zuzählte, Ri-
chardson ihn zu den Sphyraenoiden und dann zu den Scopeliden
rechnete, brachte ihn Günther (vergl. dies Archiv 1860. p. 121) zu
den Siluroiden. Yerf. hält die Auffassung Günther's für die rich-
tige. Proc. zool. soc. p. 126.
Die Arten von Alepidosaurus, deren Bauchflossen einen Sta-
chel und 12 Strahlen besitzen, fasst Gill Proc. Philadelphia p. 127
zur Untergattung C an l opus zusammen ; dahin A. altivelis Poey
und die neuen Arten A. horealis im Puget's Sound, serra von Ca-
lifornien und Pocyi von den Antillen.
Gyprinoidei. Versuch einer Monographie der Cyprinoiden
Livlands nebst einer synoptischen Aufzählung der europäischen Arten
dieser Familie von Dr. Benedict Dybowski Dorpat 1862. Inau-
guraldissertation.
Nach der Beschreibung eines neuen Ichthyometers und Auf-
zählung der Literatur giebt Verf. eine Einleitung, in welcher haupt-
sächlich die Terminologie abgehandelt, und die zur Unterscheidung
benutzten Charaktere abgewogen werden. Durch das Wachsthum
erleiden die Cyprinoiden folgende Veränderungen : der Kopf nimmt
weniger an Grösse zu, besonders in der Länge; das Auge wird
relativ kleiner und rückt tiefer herab ; der Körper nimmt an Höhe
und Dicke zu; Rückenflosse und Afterflosse erlangen eine bedeuten-
dere Länge, während ihre Höhe sich verringert, die Ecken run-
den sich mehr ab; die Schwanzflosse und die paarigen Flossen ver-
kürzen sich; auch die Schuppen verändern ihre Gestalt; die Farbe
wird im Allgemeinen dunkler , auch das Roth der Flossen. — In
Beziehung auf die geographische Verbreitung der Fische macht
Verf. darauf aufmerksam, dass das Vorkommen von Fischen in ab-
geschlossenen Gewässern von dem in gemischten oder offenen Fluss-
systemen w^ohl unterschieden werden muss. Unter ersteren versteht
Verf. diejenigen, welche gar keinen Abfluss haben, oder nur einem
Meere zufliessen; unter letzteren diejenigen, welche natürlich oder
durch Kanäle mit mehreren Meeren in Verbindung stehen. An
ersteren müssen die typischen Formen eines Landes studirt werden,
die Fauna der gemischten Gewässer enthält oft eingewanderte
Formen. So z. B. müssen Leuciscus Friesii, Rhodeus amarus und
Owsianka Czernayi, die ausser dem Flusssystem den dortigen Ge-
wässern fehlen, als Einwanderer aus dem Dniepr, der mit der Düna
672 Troschel: Bericht üb. d, Leist. in d, Ichthyologie
durch den Beresina - Kanal zusammenhängt , gelten. — Die Fauna
der Cyprinoiden gestaltet sich in den russischen Ostseeprovinzen
so, dass in den geschlossenen Stromgebieten Formen leben, welche
dem Norden Europas eigen sind und beinahe .alle auch auf der
Skandinavischen Halbinsel vorkommen; die Fauna der Düna dage-
gen entspricht mehr der von Mitteleuropa, jedoch nimmt Squalius
cephalus hier die Stelle von Squalius Dobula ein Zufolge einer
Tabelle kommen von 46 Arten in der Donau 34, im Dniepr 32, in
der Weichsel 26, in der Düna 22, im Embach 16 vor. — Bei der
Eintheilung der europäischen Cyprinoiden fühlte Verf. das Bedürf-
niss die Heckel'schen Gattungen in grössere Gruppen zu vereinigen.
Er behält als Hauptabtheilungen die Heckel'schen Pachychili und
Temnochili bei. Erstere theilt er dann in vier Gruppen ein: 1)
Auf dem Vorderrücken eine mittlere Schuppenreihe. A) Mund end-
ständig oder halbunterständig, a) Die Rückenflosse bedeutend länger
als die Afterflosse: Karpfen, Cypriniformes. b) Die Rücken-
flosse und die Afterflosse von beinahe gleicher Länge: Plötzen
Leuci sc iformes. B) Der Mund oberständig, die Afterflosse länger
als die Rückenflosse : Lau b en, AI bumi for mes. 2) Auf dem Vor-
derrücken zwei parallele Schuppenreihen, zwischen denen die Haut
eine Raphe bildet: Brachsen, Abramiform.es. — Bei den ein-
zelnen 24 Gattungen sind alle europäischen Arten unterschieden, die
in Livland vorkommenden ausführlich beschrieben.
Ueber das Darmepithel des Cobitis fossilis s. Eberth in
Würzburger naturwissensch. Zeitschrift HI. p. 44.
Bleeker hat die Gattungen der Cobitoiden-Familie in den
Berichten der holländ. Akademie B. 15 revidirt, dabei theils einige
Namen geändert, theils einige neue Gattungen aufgestellt. Er ordnet
sie folgendermassen : I. Pinnae ventrales. A. Oculi liberi. a. Spina
suborbitalis libera bifurcata. a. Pinna dorsalis ante ventrales inci-
piens, caudalis biloba Gatt. Botia Gray (Hymenophysa McCL, Schi-
stura McCl.) 10 Arten ß. Pinna dorsalis tota post ventrales sita, cau-
dalis integra Gatt. Somileptes Swns. 1 Art. b. Spina suborbitalis
libera nulla. «. Dorsum carina adiposa post pinnam Gatt. Paracobitis
Blkr. 1 Art. ß. Dorsum carina adiposa nulla Gatt. Acanthocobitis
Pet. 8 Arten, Nemacheilus v. Hass. 30 Arten. B. Oculi velati. a.
Spina suborbitalis libera bifurcata. «. Caput alepidotum Gatt. Co-
bitis Art. 13 Arten, Acanthopsis v. Hass. 3 Arten, Acanthophthalmus
V. Hass. 3 xirten. ß. Caput squamosum Gatt. Lepidocephalus Blkr. 1 Art,
Lepidocephalichthys Blkr. 3 Arten, b. Spina suborbitalis libera nulla
Gatt. Misgurnus Lac, 13 Arten. IL Pinnae ventrales nuUae Gatt.
Apua Blyth 1 Art.-
Cobiiis larvata De Filippi Memorie dell' Accademia di Torino
XIX. 1861. p. LXXI. aus Piemont.
während des Jahres 1862. 673
Salmonoidei. Bmch stellte in den Abhandl. der
Senkenbergischen naturf. Gesellsch. IV. p. 73 — 130 eine
Vergleichung des Schädels mit der Wirbelsäule des Lachses
an, und fügte eine Aufzählung sämmtlicher Skelettheile
desselben nach der Art ihrer Zusammensetzung hinzu. Ein
interessanter Beitrag zur Wirbeltheorie des Schädels.
H ardin schrieb über die Laclisarten, welche im Wenern vor-
kommen. Öfversigt af Kougl. Vetensk. Akad.FörhandLllSBl. p. 381.
Widegren schrieb über die Schwedischen Salmoniden in
K. Vetensk. Acad. Förhandl. 1862. p. 517—594 mit Taf. 4—13. Es
werden abgehandelt Salmo salar L., S. trutta L., Coregcrius oxyr-
rhynchns L., C. fera Jur., C. lavaretus L., C. Nilssonii Yal., C. nie-
galops n. sp. Die Synonymie von S. trutta ist sehr zusammengezo-
gen, dahin wird auch S. fario L. gerechnet und die neueren davon
unterschiedenen Arten.
Günther hat die Ansicht gewonnen, dass die Salmonoiden
der verschiedenen Localitäten Englands nicht alle derselben Species
angehören. Er glaubt , es werde sich eine ganze Eeihe von Arten
unterscheiden lassen. Für jetzt beschreibt er drei neue Arten
Salmo \Villou(jhbii pl. 5 (the Charr of Windermere), S. cambricus
pl. 6 (the Torgoch of Llanberris und S. Grayi pl. 7 (the Freshwater
Herringof Lough Melvin). Proc. zool. soc. p. 37.
Gervais erstattete der französischen Akademie einen gün-
stigen Bericht über seine Acclimatations-Versuche des Salmen in
dem Bassin des de l'Herault. Comptes rendus Bd. 44. p. 147 ; Revue
de zool. p. 30.
Einer monströsen Lachsforelle (truite de riviere) thut Cou-
lon Erwähnung. Bulletin de la soc. de Neuchatel VI. p. 53. —
Favre bemerkt ebenda, dass eine solche von 30 Pfund in dem
See gefangen worden sei.
Gill unterscheidet die beiden Gruppen der Salmonoiden-Fa-
milie, Salmoninae und Argentininae durch die Verschiedenheit des
Magens und der Appendices pyloricae. Erstere haben keinen Blind-
sack und zahlreiche Appendices pyloricae; letztere besitzen einen
Blindsack und fünf Appendices pyloricae. In einer schematischen
Uebersicht werden die Gattungen der Argentininae zusammengestellt;
diese sind: Mallotus, Osmerus, Hypomesus , Argentina, Silus und
Retropinna. Letztere Gattung ist auf Argentina retropinna Richards,
gegründet und zeichnet sich durch die weit hinten über dem After
gelegene Rückenflosse aus. Proc. Philadelphia p. 14.
Gill sieht Proc. Philadelphia p. 330 Salmo Kennerlyi Suckley
als eigene Gattung Hypsi fario an, die sich durch comprimirten
Körper, vorstehende Schnauze u. s. w. unterscheiden soll.
Archiv f. Natur-. XXIX. Jahrg. 2. üd. gg
674 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
Ayres bildet Proc. California Acad. 1860. p. 62 eine neue
Art Osmerus thaleichthys von -San Francisco ab. Die Charaktere
stimmen -theils mit Osmerus, theils mit Thaleichthys Gir. überein,
und Verf. ist der Ansicht, dass auch die Gattung . Thaleichthys nicht
von Osmerus getrennt werden dürfe, da sie zuweilen Zähne am
Gaumen besitze. Er nennt daher die typische Art Osmerus pa~
cifictis.
SCOpelini. Aus der Familie der Scopeliden beschrieb John-
son als bei Madeira vorkommend Gonostoma denudata Bonap (Ga-
steropelecus acanthurus Cocco), Scopelus Bonapartei Yal. (Lampa-
nj^ctus Bonapartii Fauna ital. und Paralepis coregonoides Hisso. An-
nais nat. hist. X. p. 279.
Alepocephalidao. Alepocephalus rostratus Risso ist von
Johnson, der ihn bei Madeira erhalten hatte, beschrieben wor-
den. Annais nat. hist. X. p. 285.
Clupeacei. Mitchell machte in Report British assoc. advanc.
sc. held at Manchester p. 149 eine Mittheilung über die Wanderung
der Heringe. Verf. huldigt wie fast alle Neueren der Ansicht, dass
die Heringe nicht vom hohen Norden kommen, sondern dass sie
nach dem Laichen an den Küsten nur zu den benachbarten Meeren
gehen.
Ziegler bezeichnet dagegen den Hering als einen Wander-
fisch. Sitzungsber. der Gesellsch. Isis 1862. p. 12.
P e a c h theilte eine durch Peter Reid zusammengestellte
Statistik der Heringsfischeri ib. p. 156 zusammen. Wir theileu hier
die Summen der letzten 8 Jahre in Barrels mit, welche von North-
umberland bis Lewis gefangen worden : 1854 — 348,881 ; 1855 —
461,549; 1856 — 337,443; 1857 — 329,251; 1858— 393,035: 1859
— 294,143; .1860 — 439,879; 1861 — 467,966 Barrels.
Älausa californica Gill Proc. Philadelphia p. 281 von Cali-
fornien.
Mormyri. Bei Gelegenheit der Aufstellung einer neuen Gat-
tung aus der Familie der Mormyriden hat Gill eine Uebersicht der
Gattungen dieser Familie gegeben. Proc. Philadelphia p. 443. Er
unterscheidet zwei Subfamilien : 1) M o r m y r i nae , die Rückenflosse
beginnt vor den Bauchflossen, Afterflosse sehr kurz. Vomer von den
vorderen Fortsätzen der Gaumenbeine verdeckt, Cerebellum ganz
verdeckt. Gatt. Mormyrus Linn.. Mormyrodes Gill- 2) l^etroce-
p halinae, die Rückenflos.se beginnt hinter den Bauchflossen, Af-
terflosse lang; Vomer unbedeckt, Cerebellum und Vierhügel mehr
oder weniger unbedeckt. Gatt. Isichlhys nov. gen. Afterflosse
kürzer als die Rückenflosse (/. Hcnryi von Liberia), Marcusenius
Gill. Mormyrops Müll., Gnathonemus Gill, Hyperojjiscus Gill, Petro-
cephalus Marcusen.
während des Jahres 1862. 675
Günther hat in diesem Archive p. 64 eine neue Art Mormy-
rns Petersli von Old-Calabar beschrieben.
Apodes. Muraena mordax Ayres Proc. California Acad. 1860.
p. 30 von der Insel Cerros.
Fseudomuraena nov. gen. Johnson Proc. zool. soc. p. 167.
Dorsale, Anale und Caudale vereinigt, keine Brustflossen; Kiemen-
öffnungen seitlich; keine Zähne an der Mittellinie des Gaumens, in
den Kiefern einreihige gesägte Zähne mit einem Tuberkel an der
hinteren Basis. Unterscheidet sich von Muraena durch den Zahn-
bau. Fs. maderensis von Madeira
Thyrsoidea allantica Johnson ib. p. 168 von Madeira.
Johnson beschrieb einen aalartigen Fisch, bei Madeira ge-
fangen, als Saccopliarynx ampuUaceus (Ophiognathus ampullaceus Har-
wood), indem er ihn mit Saccopliarynx flagellum Mitch. derselben
Gattung angehörig erkennt. Annais nat. bist X. p. 277.
Johnson sieht einen Fisch von Madeira, der eine neue Gat-
tung Sy7iaphobranchus bildet, als den Typus einer eigenen Fa-
milie an. die wie die Symbranchidae die Kiemenöffnungen dicht bei
einander an der Bauchseite hat, sich aber von ihnen durch den Be-
sitz von Flossen unterscheidet. Die senkrechten Flossen sind ver-
einigt . Brustflossen vorhanden, vier Kiemen, eine Reihe spitzer
Zähne in jedem Kiefer mit einer äusseren Binde kleiner Zähne,
Zähne am Vomer und an der Mittellinie des Gaumens, Schuppen an
der Haut. S. Kaupii Proc. zool. ^^oc p. 169.
Plectognatlii.
Bemerkungen über die Anatomie des Mondfisches, Orthrago-
riscus Mola, macht Cleland, Report British assoc. advance scien-
ces held at Manchester p. 138.
Orlhragoiiscus analis Ayres Proc. California Acad. 1860. p. 31
von Californien ist p 54 abgebildet. D. 19. A. 17.
l^ophobranchii.
Als Vorläufer einer grösseren Arbeit gab Gill Proc Phila-
delphia p. 282 eine kurze Synopsis der Lophobranchier der West-
küste von Nordamerika. Es werden aufgezählt 2 Hippocampus,
wobei H. grcicilis vom Cap St. Lucas neu,Dermatostethus pun-
ctiphmis von San Diego, eine neue Gattung, die nahe verwandt mit
Syngnathus ist, öSyngnathus, und Doryrhamphus californiensis vom
Cap St. Lucas; zusammen 9 Arten.
G76 Troscliel: Bericht üb. d. Leist. in d. Iclithyologie
Gauoidei.
GhOndrOStei. Spatularia angustifolium Kaup Archiv für Na-
turgesch. p. 298 von Japan.
Selachii.
Squali. In einer Abhandlung ,.Ueber die Classifikation der Fa-
milien und Gattungen der Squali von Californien', Proc. Philad. p. 483,
macht Gill einige Abänderungen in der Eintheilung dieser Fische
bekannt. In der Familie Galiorhinoidae wird eine neue Gattung
Rhinolriacis aufgestellt, die einzige neue Art Rh. Henlei lebt
in Californien — In der Familie Heterodontoidae unterscheidet
Verf. neben der Gattung Heterodontus zwei neue: Tropidodus
(Cestracion pantherinus VaL) und G yr oplettr o dus (Cestracion
Francisci Gir.). — In der Familie Xotodanoidae wird die Gattung
Notorhynchus Ayres- anerkannt. — In der Familie Spinacoidae wird
Squalus uyatus als eigene Gattung Enloxy chirus abgetrennt.
Für Cestracion Francisci Gir. wendet Gill einen neuen Gat-
tungsnamen Gyroplcur odus an. Proc. Philadelphia p. 331.
Laemargus rostratus Müll. Henle ist von Canestrini Mem.
Accad. di Torino XXI. tav. IL fig. 2—4 abgebildet.
Squatina californica Ayres Proc. California Acad. 1859. p. 29
von San Francisco. Ist ib. 1860. p. 56 abgebildet und nunmehr
Rhina californica genannt.
RajaO. Laeviraja bramante Sassi hat Canestrini Mem. Ac-
cad. di Torino XXI. tav. I. fig. 2 — 5 bildlich dargestellt.
H olorhinus Gill unterscheidet sich von Myliobates durch
die quere ganze Schnauze ; die mittleren Zähne sind sehr breit, und
die seitlichen hexagonalen haben fast gleiche Grösse. Dahin Rhi-
noptera vespertilio Gir. Proc. Philadelphia p. 331.
Chimaerae. Chimaera Colliei, welche keine Afterflosse besitzt,
und deren männliche Geschlechtsanhänge dreitheilig sind, nennt Gill
als eigene Gattung Hydrolayus. Proc. Philadelphia p. 331.
Cyclostomi.
Petromyzon tridentatus Rieh. , tridentatus Gir. (der Species-
name wird in epihexodon geändert), ciliatus Ayres und astori Gir. er-
halten von Gill einen neuen Gattungsnamen Entosphettus, ohne
dass jedoch diese Gattung charakterisirt würde. Proc. Philadelphia
p. 331.
während des Jahi-es 1862. 677
Cederström spricht seine Zweifel an der Richtigkeit der
Beobachtung, dass Ammocoetes branchialis der Larvenzustand von
Petromyzon sei, aus. Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad. Förhaud-
lingar 1861. p. 93.
Leptocai'dii.
M. Schnitze erhielt von Fritz Müller in Desterro bra-
silianische Exemplare von Amphioxus, die ausser geringerer Grösse
keinen Unterschied von den europäischen zeigten. Yerhandl. des
naturh. Vereins der preuss. Eheinlande und Westphalens XIX. Sit-
zungsberichte p. 197.
Bericht über ilie Leistungen in der Naturgeschichte
der Mollusken nährend des Jahres 1863.
Von
T r 0 s c h e I.
Eine Doppelliefcriing 17 u. 18 der Novitates concho-
loglcae von Pfeiffer brachte auf 6 Tafeln eine ganze
Heihe von Abbildungen seltener Schnecken, die alle be-
reits in den letzten Jahren, allermeist auch in den Ma-
lacozoologischen Blättern publicirt waren. Es sind fol-
gende Arten :
Helix Leucothoe Pfr., guanensis Poey, scabrosa Poey, emar--
ginata Gundl. , notata Poey, Rangeliiia Pfr., lamellicosta Gundl.,
guantaiiamensis Poey ; Trochatella subunguiculata Poey ; Chondro-
poma Gutierrezi Gundl. , marg.inalbum Gundl. . Sagebieni Gundl.,
perlatum Gundl. ; Diplopoma architectonicum Gundl. ; Choanopoma
eburneum Gundl, auricomum Giuidl.; Helicina Briarea Poey, tita-
nica Poey, silicea Morelet, Pocyi Pfr., Bayamensis Poey, Mayarina
Poey, malleata Pfr., Salvini Ti-istr., jugulata Poey; Helix probosci-
dea Pfr., molliseta Pfr., Mysolensis Pfr.
Von der zweiten Abtheilnng der Novitates concho-
logicae, die Meeres-Conchylien enthaltend, herausgegeben
von D unk er brachte uns das Jahr 1864 die vierte Lie-
ferung. Die 10 abgebildeten Arten sind gleichfalls bereits
früher veröffentlicht.
Es sind: Bulla valida Dkr., Mitra arenacea Dkr., Murex Bel-
chcri Hinds. Var., Cassis glabrata Dkr., Marginella Burchardi Dkr.,
Fasciolaria tulipa L. Var., Anomalocardia latruncularia Rom , Ta-
pes Carpenteri Rom., Cytherea arguta Rom., Limenia Rom., Gom-
phina melauaegis Rom.
Yon Küster's neuer Ausgabe des Systematischen
Conchylien-Cabinets von Martini und Chemnitz er-
Ti'oschcl: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgesch. u. s, w. ()79
schienen im Jahre 1862 die Lieferungen 179 — ISo. Die-
selben enthalten Abbildungen ans den Gattungen Unio,
Limnaeus^ Tclfina, Chama und Janthina. Der Text be-
zieht sich auf die Gattungen Unio, Limnacus^ Paludomus,
Clausilia, Cylindrella, Umbrelhi und Tylodina^ über wel-
che unten entsprechenden Ortes weiter berichtet wird.
Ebenso wird unten auf die in Sowerbys Thesau-
rus Conchyliorum Part XXI. enthaltenen Monographien
der Gattungen Galeomma und Scintilla und der Familie
der FissurcUiden zurückzukommen sein.
Von der ,,Conchologia iconica; or ügures and de-
scription of the shells of Molluscous animals, with critical
remarks on their synonymes, affinities, and circumstances
of habitation by L ovo 11 Re e v e erschienen während des
Jahres 1862 die Lieferungen 214 — 223, die den Monogra-
phien der Gattungen Trochus , Cyclostoma , Leptopoma,
Vitrina, Phasianella, Öimpulopsis , Crania, Orbicula, Tri-
dacna, Hippopus, Paludina, Zizyphinus und Chondropoma
gewidmet sind. Ueber den Inhalt der einzelnen Mono-
graphien werden wir unten weiter berichten.
Von Bronn's grossem Werke „Die Klassen und
Ordnungen des Thierreiches, wissenschaftlich dargestellt
in Wort und Bild'^ erschien im Jahre 1862 die erste Ab-
theilung des dritten Bandes, welche die Malacozoa ace-
phala enthält, so wie der Anfang (Lief. 17 — 22) der zwei-
ten x\btheilung, worin die Malacozoa cephaJota begonnen
sind. Wie in den übrigen bereits erschienenen Abthei-
lungen dieses Werkes hat der zu früh dahin geschiedene
Verf. die aus bewunderungswürdiger Belesenheit hervor-
gegangene Gelehrsamkeit niedergelegt, und wirkt so
dankenswerth für die Verbreitung der erlangten Kennt-
nisse auch über die Abtheilung der Mollusken. Die Mol-
lusca acephala theilt er in vier Klassen: Bry acephala
(Bryozoa s. Polyzoa) p. 19— 102, AsGidiacephala (T\\-
nicata) p. 103 — 223, Br achionac e phala (Palliobran-
chia s. Brachiopoda) p. 214 — 316, Elai acephala (La-
mellibranchia) p. 317-518. Die Mullusca cephalota zerfallen
in drei Klassen: 8 caplio p o da s. Prosopocephala (Den-
680 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
taliiim), Gastro 2? oda s. Pselapliocephala, Ceiyhalo-
poda s. ßrachlonocephala. Hiervon sind die Larvenköpfe
Scaphopoda p. 523-566 vollständig abgehandelt ; von den
Fühlerköpfen ( Pselaphocephala ) die Rnd'erfüsser Ptero-
poda, oder wie sie Verf. lieber nennen will Ruders ch wim-
mer Coponaiitae p. 582 — 650, worauf denn zunächst die
Opisthobranchia folgen, deren Vollendimg dem Verf. nicht
verstattet war. Die Fortsetzung der Mollusken hat K e-
f er stein übernommen.
Otia conchologica. By Augustus A. Gould 8.
Boston 1861. Ist mir nicht zu Gesicht gekommen.
Mörch stellte die Synonymie der Genera der Mol-
lusken, welche Link in dem zweiten Bande des Katalo-
ges des Rostocker Museums aufgestellt hatte, fest. Proc.
zool. soc. p. 226.
Fischer berichtet im Journal de Conchyl. X. p. 276
über ein sehr seltenes Buch von Humphrey „Museum
Calonnianum, specification of the various articles which
compose the magnificent museum of natural history col-
lected by M. de Calonne in France ct. London 1797^. Es
ist ein einfacher Auctions-Catalog, ohne Diagnosen, und
der Berichterstatter tadelt es mit vollem Rechte, dass
man neuerlich vielfach die Humphrey'schen Gattungsna-
men wieder hervorgesucht hat, um die allbekannten und
jedem Conchyliologen geläufigen Lamarck'schen Namen
zu verdrängen ; z. B. Calyptra für Calyptraea Lam., Crypta
für Crepidula, Dactylus für Marginella, Obeliscus für Py-
ramidella ct.
Von der Sammlung der Conchylien des Herrn A. D.
Brown erschien ein Catalog, Princeton 1861. Darin sind
1856 Arten verzeichnet.
Römer tritt gleich anderen Zoologen in den Kampf
gegen das übertriebene Auffinden älterer Namen für die
gewohnten Gattungsnamen ein, und belegt seinen Satz
„dass unter Umständen die Priorität um jeden Preis ein
Uebel ist ^, durch einige treffende Beispiele. Malak.
Bl. p. 26.
Bereits 1860 hat Robert Garne r ein Heft mit 6^
der Mollusken währcTid des Jahres 1862. 681
Tafeln^ welclics mir erst jetzt durch gütige Uebersendung
des Verf. bekcannt geworden ist, herausgegeben. Es führt
den Titel ,.Figures illustrating the struture of varions in-
vertebrate animals (Mollusksand Articiüata). London 1860."
Der Text bildet nur eine kurze Tafel-Erklärung.
Die Abbildungen beziehen sich auf die Anatomie von Argo-
nauta, Sepiola atlantica, Loligo media, junge Sepia aus dem Ei,
Circulatidnsorgane von Sepia, Cleodora, Hyalea, Ovula , Magilus,
Natica glaucina, Doris tuberculata. Eolis (Cavolina) versicolor, Helix
aspersa, Limnaeus stagnalis. Aplysia, Chitonellus, Chiton raargiuatus,
Dentalium, Hipponyx, Onchidium, Acmaea virginea u. s. w.
In seinem Buche „de bouwkunst der dieren ^ Gro-
ningen 1862^^ hat Harting auch einen Abschnitt über
das Bohren der Muscheln, p. 171 — 192. Während Verf.
bei Pholas und Teredo mechanisches Bohren annimmt,
schreibt er den übrigen bohrenden Muscheln Modiola, Sa-
xicava, Gastrochaena, Lithodomus u. s, w. eine Säure zu.
Er macht geltend, dass die letzteren nur in Kalkfelsen
bohren und zieht das Vorkommen von starker Mineral-
säure in den Speicheldrüsen von Dolium herbei; — der
strenge Beweis bleibt jedoch noch zu führen übrig. —
Derselbe Verf. führt ib. p. 309 an, dass viele Mollusken
das Vermögen besitzen Fäden zu spinnen, namentlich Li-
tiopa, Cerithium, Rissoa, Physa. Auch Janthina, so wie
die Byssus tragenden Muscheln werden zu den Spinnern
gezählt.
lieber die Frage, auf welche Weise sich die Ilelices
in Felsen einbohren, hat Bo uchar d - Cha nter eaux in
den Annales des sciences naturelles XVI. p. 197 — 218
sich ausführlich geäussert. Er machte vieljährige Beob-
achtungen im Bourbonnais zu Bois-dcs - Koches und ent-
scheidet sich dahin, dass die Thiere ein chemisches Mittel
anwenden, um den Kalk aufzulösen, in welchem sie boh-
ren. Er sah Stückchen blaues Lacmus -Papier , w^elches
er unter den Fuss der Schnecken brachte, sich röthen.
Der vordere Theil des Fusses soll bei der Arbeit beson-
ders thätig sein, und diesem wird denn auch vorzugs-
weise die Ausscheidung eines sauren Saftes zugeschrie-
ben. Auch das Bohren anderer Thiere, namentlich das
682 T rose hei: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Durchbohren von Muschelschalen durch Bucciniim und
Purpura erklärt Verf. durch einen sauren Saft, der aus
dem Magen des Thieres kommen soll ; er sah solche
Durchbohrung in 4-r~6 Minuten bewerkstelligen. (Es ist
mir auffallend, das Verf. gnr nicht der Möglichkeit Er-
wähnung thut, dass die Schnecke den Kalk mit der be-
waffneten Radula abschabt, und ihn frisst. Dies ist mir
um so wahrscheinlicher, als die gebohrten Höhlungen im-
mer so glatt und rein sein sollen, und da auch Teredo
das ausgeschabte Holz frisst, von dessen Spänchen man
den ganzen Darmkanal erfüllt findet. Ref.). Die geschil-
derten Höhlungen sind auf einer Tafel abgebildet.
Baron de Ryckholt hat sich auf einige paläonto-
logische Deductionen eingelassen, wobei er auf die Con-
chyliologie unserer Erdepoche einige Anwendung macht.
Journal de ConchyJ. X. p. 28.
British Conchology ; or an iVccount of the Mollusca
which now inhabit. the British Isles and the surrounding
Seas. Vol. I. Land and Fresh water Shells. By John
Gwyn Jeffreys. Ist mir nur aus der Anzeige in An-
nais nat. liist. X. p. 53 und Journal de Conchyl X. p. 294
bekannt geworden. Dieser Band ist von 9 Tafeln begleitet.
Die Einleitung behandelt in sechs Kapiteln die Classifi-
cation, die Organisation und die Lebensweise, die Bildung
und chemische Zusammensetzung der Schale , die Bezie-
hungen zur Aussenwelt, die geographische Verbreitung
und die Fundorte. Dann folgt die Aufzählung der ein-
zelnen Arten.
Der verheissene Bericht über die Resultate des Ticf-
see-Schleppnetzfanges in Shettland von G wy n G e f f r e y s
(vergl. vor. Bor. p. 226) ist im Report British Association
advanc. scicncc held at Manchester 1S61. p. 170 erschie-
nen. Ein vorläufiger Bericht über die Schleppnetz-Com-
mission für Mersey und Dee wurde ib. p. 188 von Col-
li n g Av 0 0 d und B y e r l ey erstattet.
Von Mace erschien ein „Essai d'un cataloguc des
Mollusqucs marins, terrestres et fluviatiles vivaut dans les
der Mollusken während des Jahres 1862. 683
environs de Clierboiirg et de Valognes'^ in den S6anccs du
congrös scientifique de France tenii a Clierboiirg en 1860.
Der Band der Natimrlike Historie van Ncderland,
welcher die Weichthicre und die niederen Thiere enthält,
ist von Herklots bearbeitet. Verf. berücksichtigt die
Anatomie, die Terminologie und die Lebensweise der
einzelnen Gruppen der Mollusken. Die meisten Arten
sind abgebildet.
Kirchenpauer hatte als Amtmann zu Ritzebüttel
Gelegenheit die Sectonncn der Elbroündung, wenn sie
gereinigt und neu angestrichen werden, auf die daran ange-
siedelten Thiere und Pflanzen zu untersuchen. Er hat über
diesen Gegenstand eine Abhandlung in den Abhandl. des
naturw. Vereins in Hamburg IV. 3. Abth.'1862. geschrieben.
Von Mollusken wurden daselbst nur Mytilus edulis L.
und Teredo navalis gefunden, und zwar erstere nicht viel
oberhalb Cuxhaven, von verschiedener Grösse, an den
Tonnen, welche nur 6 Monate lang im Wasser gelegen
hatten, nicht über IV4" lang.
A. Meyer und Möbius gaben in diesem Archiv
p. 229 eine vorläufige Uebersicht der Fauna der wirbel-
losen Thiere der Kieler Bucht, über welche ein beson-
deres Werk unter der Presse ist. Sic fanden von Mol-
lusken 13 Conchiferen, 28 Cephalophoren und mehrere
Tunicaten. Die Zahlen sind seitdem noch erhöht worden.
Ein Verzeichniss von Mollusken, welche Kessler
während einer Reise an die Nordküste des schwarzen
Meeres und in die Krym gesammelt hatte, findet sich in
Ermans Archiv für die Kunde von Russland XXL p. 12L
Es enthält 28 Land- und Süsswasser - Mollusken (10 Helix,
6 Bulimus, 1 Achatina, 2 Pupa, wovon eine neu, 4 Clausilia, 1 Lim-
naeus, 1 Bythinia, 1 Melanopsis, 1 Neritina, 1 Dreissenia), 22 marine
Schnecken (1 Patella, 4 Rissoa, 1 Truncatella, 2 Cerithium, 1 Lit-
torina , 4 Trochus, 3 Phasianella. 1 Calyptraea. 1 Pleurotoma, 2
Buccinum, 1 Columbella, 1 Conus), und 22 marine Muscheln (1 Ostrea,
1 Pecten, 2 Mytilus, 4 Carclium, 2 Lucina, 1 Yenerupis, 3 Yenus,
3 Tellina. 1 Donax. 1 Mesodesma, 1 Corbula, 1 SolSn, 1 Teredo).
In den Verhandlungen des Siebenbürgischen Vereins
684 Tr ose hei: Bericht üb. d Leist. in d Naturgeschichte
zu Hermannstadt XIII. 1862 hat Bielz fortgefahren Vor-
arbeiten zu einer Fauna der Land- und Süsswassermol-
lusken Siebenbürgens zu saramehi.
Aus der Familie der Auriculaceen kommen vor Carychium
minimum p, 19; Limnaea auricularia p. 35 (wohin auch ovata Dr.
und vulgaris Pfr. gezogen werden), peregra, minuta. stagnalis p. 50,
palustris p. 69; Physa hypnorum und fontinalis p. 71 ; Planorbis
contortus, corneus (wohin similis Bielz und ^transsylvanicus Lang als
Varietäten) p. 82, complanatus L. (marginatus Dr.), vortex, septem-
gyratus Zgl., spirorbis, albus Müll, (hispidus Drap.), nautileus L.,
nitidus Müll., fontanus Montg. (complanatus Drap.); Ancylus fluvia-
tilis und lacustris; Acme fusca, Cyclostomus costulatus p. 113; Val-
vata j)iscinalis und cristata -p. 136 , Paludina vivipara p. 152, By-
thinia tentaculata L., Troscheli Paasch (Pal. transsylvanica Bielz,
similis Stein nee Dr.), Lithoglyphus naticoides Fer. p. 170, Neritina
transversalis Zigl. p. 192 ; — Cyclas Cornea L. und calyculata Drap,
p. 193, Pisidium fontinale Pfr., cuneatum n. sp., obtusale Pfr. p. 219,
Unio pictorum, batavus, Anodonta cygnea und cellensis. Unio am-
nicus Zgl. und crassus Retz. werden zu batavus gezogen, ebenso
Anodonta piscinalis Nils, und rostrata Kok. zu A. cygnea.
Zu dem im Jahre 1857 gegebenen Verzeichnisse der
Mollusken Graubündens lieferte Am Stein in dem Jah-
resber. d. naturf. Gesellsch. Graubündens VII. 1862. p. 127
einen Nachtrag, worin drei Arten (Helix aculeata Müll.,
hortensis L. und Limnaeus stagnalis Müll.) als für Bün-
den neu angegeben und für mehrere Arten neue Fund-
orte bezeichnet werden.
Ebenda p. 130 theilte Am Stein ein kleines Ver-
zeichniss von Conchylien mit, die im südlichen Tessin
gesammelt wurden. Es sind im Ganzen 19 Arten.
Bourguignat hat begonnen in der Revue et mag.
de Zoologie p. 430 und 465 eine Malacologie des Vier-
waldstädter-See's und seiner Umgebungen zu veröffent-
lichen.
Er zählt auf: 3 Arion, 5 Limax, 1 Milax Gray (die Gattung
wird für gut erklärt und identisch mit Amalia Heynemann), 3 Yi-
trina, 4 Succinea, 15 Zonites, 26 Helix, 2 Bulimus, 1 Ferussacia,
1 Balia, 12 Clausilia, 5 Pupa, 1 Vertigo. Einige neue Arten der
Gattungen Limax, Zonites und Clausilia sind unten namhaft gemacht.
G 0 d e t vermehrte die Molluskenfanna von Neucha-
tel um drei Arten: Helix pygmaea Drap., Helix aculeata
der Mollusken während des Jahres 1862. 085
Müll, und Acme lineata Hartm. Bulletin de la soc. des
sc. nat. de Neuchatel V. p. 45.
Das Verzeichniss der Mollusken, welches V e r a n y
in seiner Zoologie des Alpes maritimes Nice 1862. p. 72
— 95 giebt, enthält natürlich eine ganze Reihe von Arten.
Verf. macht einige Bemerkungen über die essbaren Ar-
ten, oder über ihren sonstigen Nutzen oder Schaden.
Einen Beitrag zur Kenntniss der Molluskenfauna
der Balcaren lieferten D o li r n und Heyne m a n n, indem
sie ein Verzeichniss von 43 Arten Landschnecken ver-
öffentlichten. Malak. Bl. p. 99. Einige neue Arten siehe
unten.
Im Journal de Conchyliologie X. p. 301 — 371 ist ein
Verzeichniss der marinen Conchylien der algerischen
Küsten von Weinkauff abgedruckt. Es enthält 2 Bra-
chiopoden, 161 Conchiferen in 53 Gattungen, 286 Gaste-
ropoden in 76 Gattungen, 1 Pteropoden, 5 Cephaiopoden.
Nur drei neue Arten sind in diesem Cataloge aufgestellt
und von Dunker beschrieben, eine Eulima, eine Turbo-
nilla und eine Turritella ; sie sind unten namhaft gemacht.
Die Nachforschungen A u c a p i i: a i n e's über die
Land- und Süsswasser - Mollusken des hohen Kabyliens
ergeben (Revue et mag. de Zoologie p. 144), dass diese
Fauna 1 Arion, 1 Limax , 16 Helix , 1 Bulimus, 1 Lim-
naeus , 1 Physa , 2 Ancylus , 1 Cyclostomns , 1 Paludina
und 1 Unio enthält, also zusammen 26 Arten.
Yerf. theilt Kabylien in drei Zonen. Die dritte von 1200 —
2381 Metres Höhe, in der mindestens drei Monate Schnee liegt, liat
7 Arten: Ancylus costatus, Helix Gougeti, kahyliana, cedretorum,
hieroglyphicula , Paludina idria und Limnaeus minutus; die zweite
Zone von 700 bis 1200 Metres mit einem Monat Schnee hat 11 Ar-
ten: Helix candidissima, variabilis, intersecta, lanuginosa, lenticula,
Bulimus decoUatus, Limnaeus minutus, Ancylus fluviatilis, Cyclo-
stomns sulcatus, Paludina idria und Arion rufus ; die erste Zone
von 130 bis 700 Metres hat 13 Arten: Limax agrestis, Helix aperta,
melanostoma, candidissima, aspersa, lactea, intersecta, striata,
cespitum, pyramidata, lenticula, Physa contorta, ünio pictorum.
William und Henry Blanford haben im Jour-
nal of the Asiatic soc. of Bengal XXX. p. 247^ eine An-
zahl neuer Landconchyjien beschrieben und auf zwei Ta-
GS6 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in cl.Naturg'eschichte
fein abgebildet^ die tbeils ans den Nilgiris, tlieils aus
den südindisclien Ebenen stammen ; die übrigen sind ans
den Sammlungen der Herren King nnd Foote^ hauptsäch-
lich ans den Shevroys-Bergen, den Kolamnllies^ den Pat-
chanmllies, nnd den Karlyenmullies, deren erste und vierte
6000' hoch einige Meilen nordöstlich von Salem liegen,
die zweiten etwas niedriger und etw^a 41) Meilen nord-
westlich von Trichinopoly, und die dritten nördlich von
Trichinopoly nnd nicht über 300('' hoch. Die neuen Ar-
ten sind unten angeführt.
Ein dritter Beitrag zu der Indischen Malacologie von
William T. Blanford enthält Beschreibungen neuer
mit Deckel versehener Landschnecken von Pegu, Arakan
und dem Kliasi- Gebirge, ib. XXXI. p. 135. Daselbst wer-
den 8 neue Arten Alycaeus, ein neuer Cyclophorus und 1
neue Diplommatina beschrieben.
Bei einem Besuche des Puppa doung, eines ausge-
brannten Vulkanes in Ober Burma fand Blanford sehr
wenige Landschnecken; nur je eine neue Art von Aly-
caeus und Diplommatina waren häufig. Er fand auch
Helix Huttoni, die im Himalaya-Gebirge von Landour bis
Sikkim vorkommt, nnd die auch dem Verf. aus dem Nil-
giris Süd-Indiens bekannt ist. Journal x^siatic society of
Bengal 1862. p. 223.
Eine Notiz von Debeaux über die lebenden Mol-
lusken, welche er im nördlichen China beobachtete, und
welche zuerst im Recueil de memoires de medecine, de
Chirurgie et de pharmacie railitaires VI. 1861. p. 481 er-
schienen war, ist in Revue et mag. de Zoologie p. 214
vollständig abgedruckt. Das darin enthaltene Verzeich-
niss der in den Provinzen Chang-toung und Pe-chy-ly
beobachteten lebenden Mollusken ist nur oberflächlich
bestimmt.
x\.r t h u r Ad a m s bemerkt über die Molluskenfauna
Japan's, dass sie im Norden von der Ochotskischen, im
Süden von der Indo-pacifischen Provinz begrenzt wird,
und dass sie Beiträge von beiden empfängt.
Litorina graudis und subtenebrosa. Cryptochiton Stellen und
der Mtilluskeii während des J-ahres 1862. 687
Amiciüa amiculata kommen südlich vom ochotskischen, Littorina si-
nensis und Acauthochites scutiger nördlich vom gelben Meere vor.
Die grossen nordischen Arten von Neptunea und Buccinum und aus
der Velutinafamilie gedeihen an ihrer Nordgrenze, während gegen
die südliche Cypraeen, Oliven und Conus auftreten. Die neutrale
(legend, wo sich Nord und Süd treffen, scheint bei der Tsuka-
Strasse. oder das Südende von Yesso und das Nordende von Niphon
zu sein. Eigenthümlich scheinen der japanischen Fauna die Gat-
tungen Zeidora, Cranopsis, Mörchia , Cyrilla und Enida zu sein,
von Species Eburna japonica und flaliotis japonica. Annais nat.
hist. IX. p. 298.
B e r t h 0 1 d See m a n n |>Iebt in ., Vi ti , an aeconnt
of a Government Mission to thc Vitian or Fijian Islands.
Cambridge 1862'^ p. 386 an, dass diese Inselgruppe von
zahlreichen Salz-, Siisswasser- und Landmollusken be-
wohnt werde. Von ihnen w^erden nur einige genannt,
wie Cypraea aurantium, die allein hier vorkomxmt, Ovula
Ovum, die als Verzierung gebraucht wird, Triton varie-
gatus, woraus man Trompeten macht, u. s. w.
Eine Skizze der Geschichte der Conchyliologie in
den Vereinigten Staaten erschien in Folge von Tryon's
List of American wi'iters on recent conchologj (vcrgl. den
vorigen Bericht p. 225) in Silliman's American Journal
33 p. 16L
Ein Verzeichniss der vom 47. bis 49. Breitegrade
gefundenen Mollusken findet sich im Vol. XII. Book IL
Part III. der Explorations and surveys for a Railroad
route from the Mississippi River to thc Pacific Ocean.
Es enthält 6 Muricidae, 10 Buccinidae, 1 Natica, 1 Cerithium,
5 Melaniadae. 1 Turritella, 3 Littorinidae, 2 Turbinidae, 1 Haliotis,
2 Fissurellidae , 7 Patellidae , 4 Chitonidae, 7 Helicidae, 1 Limax,
10 Limnaeaceae, 2 Bulla, 2 Ostreidae, 5 Mytilidae, 1 Area, 4 Unio-
nidae, 2 Cardiadae, 1 Lucina, 1 Cyclns n sp. ohne Namen von der
Insel Whidliy, 3 Veneridae, 1 Mactradae, 4 Tellinidae, 2 Solenidae,
2 Myacidae, 1 Anatinidae, 1 Pholas.
James Lewis hat seine Aufmerksamkeit wiederum
auf einige Süsswassermoliusken gerichtet, die früher in
seiner Nähe bei Mohawk nicht gefunden waren, und die
er daher für eingeschleppt hält. So ist Paludina rufa
Hald. seit 1856, Melania virginica Gmel seit 1858, Melania ?
688 Troschel: Bericht üb. cl. Leist. in d. Naturgeschichte
isogona Say seit 1862 und Sphaerium solldulum Prime
var. distortum seit 1860 bemerkt worden. Proc. Boston
Soc. IX. p. 160.
Nach Rein kommen auf den Bermuda-Inseln keine
Süsswasserconch jlien vor ; Landschnecken etwa 20, See-
conchylien etwa 180 Arten. Zool. Garten III. p. 142.
Zur Molluskenfauna von Cuba giebt Pfeiffer Ma-
lakozool. Blätter p. 1 eine Fortsetzung, zu der eine neue
Sendung des dort lebenden Dr. Gundlach, dem die Con-
chyliologie schon so reiches Material von jener Insel ver-
dankt, den Stoff darbot. Es werden 39 theils seltene, bis-
her minder gekannte, theils neue irrten verzeichnet. Choa-
nopoma hystrix und Tudora Wrighti sind abgebildet. —
Eine fernere Fortsetzung folgt ib. p. 121, wo die Gattung
Truncatella abgehandelt und fernere 17 Arten verzeichnet
werden; letztere sind unten namhaft gemacht.
J. BarilComte de laHure verzeichnet in seinem
Buche „l'PJmpire du Bresil, Monographie complete de
TEmpiie Sud-Americain. Paris 1862^^ p. 136 von Mollus-
ken 18 Arten, die an der ganzen Küste von Brasilien
vorkommen, 4 von Pernambuco bis zum Norden Brasi-
liens, 4 von Bahia bis zum Norden Brasiliens, 39 von
Rio de Janeiro bis zum Norden Brasiliens, 20 an der Küste
von Santos bis Victoria, 8 an der Küste von Rio de Ja-
neiro bis zum Süden Brasiliens, 2 an der Küste von San-
tos bis zum Süden Brasiliens, 8 an der Küste von Pa-
ranagua bis zum Süden Brasiliens.
Cephalopoda.
x\u bert hat in der Zcitschr. für wissensch. Zool. XII.
p. 372 — 408 dasjenige hervorgehoben, was Aristoteles in
zoologischer, anatomischer und naturgeschichtlicher Be-
ziehung gewusst und in seinen Schriften niedergelegt Iiat.
Zunächst sucht Verf. die Cephaloden des Aristoteles zu
bestimmen. Es sind deren neun : arjTtia ist Sepia offici-
nalis, Tevd^ig — Ijoligo vulgaris, Tevd-og = Sepioteuthis,
TCoXimovgcl — Octopus vulgaris, jtoXvjtovg ß =?, Ekeöcovrj
= Eledone x, ßoXiTaiva =^ ? Tremoctopus violaceus, vav-
der Mollusken während des Jahres 1862. 689
Ttlog = Argonauta, ttoXvttovq g-' = ? Nautilus. — In dem
anatomischen Abschnitt ist Verf. geneigt, das Segeln der
Argonauten nicht so schlechtweg für Fabel zu erklären,
und handelt ausführlich über den Hectocotylismus. Die
ganze Abhandlung ist lehrreich und dankenswerth. Zur
Ausfüllung der vielen Lücken in unserer Kenntniss von
den Cephalopoden empfiehlt Verf. die Durchforschung
der griechischen Meere.
Den grossen Cephalopoden des Mittelmeeres, den
Aristoteles Tevd-og nannte, bestimmt Gervais Comptes
rendus Bd. 44. p. 148; Revue de zool. p. 31 als Ommastre-
phes pteropus. Vergl, auch Sitzungsberichte der naturw.
Gesellsch. Isis in Dresden 1862. p. 8.
Crosse und Fischer schrieben im Journal de
Conchyl. X. p. 124 über die riesenhaften Cephalopoden.
Sie bringen zahlreiche Angaben der Schriftsteller aller
Jahrhunderte zusammen, und stellen fest, dass es im Mit-
telmeere sehr grosse Ommastrephes gebe, dass in den
nordischen Meeren riesige Cephalopoden vorkommen, die
Steenstrup Architeuthis dux und monachus genannt
hat, und dass im stillen Ocean ebenfalls grosse Thiere
dieser Klasse gefunden worden sind. Das von Bouyer
im December 1861 bei Teneriffa gesehene Thier glauben
die Verff. als einen Lollgo bestimmen zu können und
nennen es L. Bouyeri. Sie neigen sich schliesslich der
Ansicht, dass die Cephalopoden ein sehr hohes Alter bei
unbegrenztem Wachsthume erreichen, und dass die riesigen
Exemplare den bekannten Arten angehören.
Albany Hancock machte Bemerkungen über die
Anatomie und Physiologie der zweikiemigen Cephalopo-
den, welche sich auf das Wassergefässsystem und das Blut-
system beziehen. Report British Assoc. advanc. sciences
held at Manchester p. 166.
Gabb beschrieb einen neuen Cephalopoden Ommastrephes
Tryonii von Californien. Proc. Philadelphia p. 483. Derselbe ist
abgebildet.
Archiv f. Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. TT
690 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschiclate
Gasteropoda.
James Lewis beschrieb die Nveichen Theile eini-
ger Nordamerikanischen Schnecken, namentlich von Am-
nicola limosa, Amnicola grana, IMelania snbuiaris, Melania
exilis, Cyclostoma lapidaria, Paliidina integra, Paludina
decisa, Pahidina riifa ct. Proc. Philadelphia p. 587 — 594.
Eine kurze Notiz von Henry ß 1 a n f o r d über einige
Schnecken von Ceylon (Aulopoma, Paludomus, Nanina)
vergl. Proc. zool. soc. p. 108.
Eine mathematische Betrachtung über das Ei von
Planorbis corneus von Warner findet sich Proc. Phila-
delphia p. 525.
Taenioglossa.
CyclOtacea- -Cyclolns TraillU Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 116.
pl. 12. fig-. 4 von Madras. — C. granulatus Pfeiffer ib. p. 275 von
Ecuador. — C. vortex Weinland Malak. Bl. p. 90 u. 94 von Haiti
— C. Kalryenensis Blanford Journal Asiat. Soc. of Bengal XXX.
p. 352. pl. 2. flg. 1 vom Kalryen-Gebirge.
Cyclostoma lychnus Morelet Kevue et mag. de Zoologie p. 478
von der Insel Poulo-Condor. Scheint wegen des doppelten Peristoms,
dessen innerer Rand ganzrandig, der äussere mit einem dreieckigen
Kanäle versehen ist, und wegen des aus vielen Windungen beste-
henden Deckels' zur Gattung Opisthoporus zu gehören.
Rhiostoma Bernardii Pfeiffer Journal de Concliyl. X. p- 45. pl. 6.
fig. 5 von Siam, — B.k. Hainesii und siwplicilabreVfe\ffeY Vroc. zool.
soc p. 115. pl. 12, flg. 8 u. 7 von Camboja. Daselbst fig. 9 ist zur
Vergleichung auch R. Housei Haines abgebildet.
Alycaens Caroli Semper Journ. de Concliyl. X. p. 148 von
Luzon. — Ä. Mouhoti und bacca Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 275 von
Camboja. — A. Footei Blanford Journal Asiat. Soc. of Bengal XXX.
p. 348. pl. 1. fig. 2 von den KolamuUies. — A. Ingrami Arakan, hu-
milis Pegu, graphicus Pegu, vestitus Arakan, succincus Arakan, poly-
gonoma Arakan, nitidus Arakan, Theohaldi Khasi-Gebirge Blanford
Journal Asiat. Soc. of Bengal 1862. p. 135.
Cyclophorvs salurnus Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 116. pl. 12.
flg. 6 von Camboja. — C. laomontanus von Camboja, haematomma
von PiCuador, Pfeiffer ib. p. 276. — C. malleatus Blanford Journal
Asiat, soc. of Bengal 1862. p. 249. pl. 1. fig. 4 vomShevroys-Gebirge.
— C, patens Blanford Journal Asiat, soc. of Bengal 1862. p. 135.
der Mollusken wälii-end des Jahres 1862. 691
Aus Cyclostomus troclilea V^ms. und einer neuen Art J. Ko~
lamulliense bildet Blanford ib. XXX. p. 348 eine neue Gattung
Jerdonia, welche nicht zu Cyclostomus gehört, wohin Pfeiffer
die Art stellt, sondern wegen des aus vielen Windungen bestehen-
den und concentrischen Deckels sich an Cyclophorus anschliesst.
Die Monographie der Gattung Leptopoma , welche in der
216. Lieferung der Conchol. iconica von Lovell Reeve erschien,
umfasst 51 Arten, die auf 8 Tafeln abgebildet sind. Von neuen Arten
sind zu nennen: B. menadensc von der Insel Menado, decipiens von
der Insel Batchian, cinclelhim von Ternate, globulosnm von Batchian,
Mouhoti von Camboja, pvlicarium von Batchian. nigricans sämmt-
lich von Pfeiffer in der Cuming'schen Sammlung bestimmt.
Leptopoma Partei Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 116. pl. 12. fig. 5
von den Polillo-Inseln. — L. papuanum Neu-Guinea, Mathildae Min-
danao, Pfeifferi Camiguia, trochus Mindanao, Caroli Luzon Dohrn
Proc. zool. soc. p. 181-
JHybocystis Mouhoti Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 276 von Camboja.
Calavhis recnrvatns Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 116. pl. 12.
flg. 2 vom Nilgerri - Gebirge. — C. Blanfordi Dohrn ib. p. 202 von
Ceylon.
Diplominatina Kingiana B\sinfoYd Journ. Asiat, soc. XXX. p. 348.
pl. 1. fig. 2 von den Kolamullies. — D. sperata Blanford ib. XXXI.
p. 135 aus Arakan.
Arinia scalatella Dohrn Proc. zool. soc. p. 184. Yerf. vermu-
thet die Gattung sei zu den Pupinaceen zu stellen ; die Gestalt
ähnelt Streptaulus, es fehlt jedoch die Röhre, der Deckel weicht sehr
von dem der Gattung Diplommatina ab.
Piipina Oltonis Luzon, ventrosa Australien, Pfeiß'eri Australien
Dohrn Proc. zool. soc. p. 184. — P. Vescoi Morelet Revue et mag.
de Zoologie p. 479 aus Cochinchina.
Callia Wallacei Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 117. pl. 12. fig 1
von Ceram. — C. splendens Dohrn ib. p. 183 Australien.
CyclOStomacea. Die Monographie der Gattung Cyclostoma ist
in Lovell Reeve's Conchol. iconica Lief. 215 u. 217 auf Taf. 9 bis
23 beendigt, und enthält hier 161 Species. Unter dem Namen Cy-
clostoma fasst Verf. die Gattungen Cyclostomus, Otopoma, Choano-
poma und Lithidion zusammen , die alle einen kalkigen spiralen
Deckel mit wenigen Windungen besitzen. Neu sind folgende Arten
der Cuming'schen Sammlung: caffnan Beck MS.: Peamannaeanum
Chitty MS. von Jamaica; auricomum, decoloratum, Datidinoti, mininm,
fragile und ebtirneum Gundlach MS. von Cuba.
Cyclostomus Habichi Weinland Malak. Bl. p. 86 u. 92 von Haiti.
— C. saxorum Weinland ib. p. 88 u. 94 von Haiti. — C. RoJlei
Weinland ib. p. 89 u. 94 von Haiti. — C. Hydii Weinland ib. p. 90
692 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
u. 95 von den Bahama-Inseln. — C. Harlvigianus Pfeiffer ib. p.203
aus Süd- Afrika.
Otopoma obtusum Pfeiffer Malak. Bl. p. 202 von Zanzibar.
Choanopotna serraficosta Weinlaud Malak. Bl. p. 89 und 94
von Haiti.
Cistula tnitra Weinland Malak. Bl. p. 88 u. 94 von Haiti. —
C. capillacea Pfeiffer ib. p. 154 von Cap Haitien.
Tudora Wrighti Pfeiffer Malak. Bl. p. 4. Taf. 1. fig. 4. 5 von
Cuba. — T. Ahtiana Pfeiffer ib. p. 4 von Cuba. — T. albescens
Weinland ib. p. 87 u. 92 von Haiti. — T. umbricola Weinland ib.
p. 88 u. 94 von Haiti.
Zu der Monographie der Gattung Chondropoma in Lovell
Reeve's Conchol. icon. Lief. 223 sind auf 8 Tafeln 63 Arten abgebil-
det. Neu sind davon: Ch. rufo - piclum, abnatum, latvm, marginal-
hum alle vier Gundlach MS. von Cuba, und Ch, Hjalmersoni Pfeif-
fer MS.
Chondropoma Gundlachi Arango y Molina Journal deConchyl.X.
p. 408 von Cuba. — ' Ch. solare Pfeiffer Proc. zool. soc. p 277 un-
bekannten Vaterlandes. — Ch. Ernesti Pfeiffer Malak. Bl. p. 5 von
Cuba. — Ch. Emilianum Weinland ib. p. 87 u. 94 von Haiti. — Ch.
subaurictilatum Pfeiffer ib. p. 154 von Cumana.
Pfeiffer hat an Exemplaren von den Bahama-Inseln das
echte Chondropoma semilabre Lam. erkannt, berichtigt die Syno-
nymie, und nennt sein Ch. semilabre nunmehr Ch. Weinlandi. Malak.
Bl. p. 95.
Cyclostoma {Licina) refe Weinland Malak. Bl. p. 195 von Haiti.
TrUHCatellacea. Truncatella labiosa Souverbie und Tr. semi-
costata Montrouzier Journal de Conchyl. X. p. 242. pl. 9. fig. 9 u. 10
von Neu-Caledonien.
Pfeiffer verzeichnet von Cuba vier Arten von Truncatella
aus der Gruppe , die fern vom Meere lebt, darunter Tr. Wrightii
neu, und aus der küstenbewohnenden Gruppe sechs Arten. Malak.
Bl. p. 121.
Paludinacea. Von der Monographie der Gattung Paludina er-
schienen bei Lovell Reeve Conchologia iconica die ersten 4 Tafeln
mit 21 Arten. Darunter neu : F. gigantea v. d. Busch MS. aus Ben-
galen und Central-Afrika, wohl nur Varietät von bengaleusis, Cn-
mingii Hanley MS. Philippinen, ampullacea Charpentier MS. Italien,
viridis Hanley MS.
Vivipara texana Tryon Proc. Philadelphia p. 451 aus Texas.
Bourguignat zählt Revue et mag. de Zoologie p. 107 und
in seinen Spicileges malacologiques fünf europäische Arten der Gat-
tung Vivipara auf, unter denen F. acerosa aus der Donau bei Bel-
grad neu. In dem Bei'ichte über diese Notiz erklärt sich Crosse
der Mollusken während des Jahres 1862. 693
im Journal de Conchyl. X. p. 292 für Beibehaltung des eingebürger-
ten Namens Paludina Lam , welcher Ansicht Referent beistimmt.
Vivipara stelmapkora Bourguignat ib. p. 116 von Nord-China.
Paludina liirida von Saigon und turbinata von Canton Morelet
Revue et mag. de Zoologie p.479.
In einer Zusammenstellung der Arten der Gattung Vivipara
Lam., die sich in der kaiserlichen Sammlung befinden, zählt von
Frauenfeld (Verhandl. zoolog.-botan. Ges. in Wien XII. p. 1161)
43 Arten auf nebst 11 Arten der Untergattung Melantho und 1 Art
der Untergattung Laguncula. Für die gewöhnliche Sumpfschnecke
Paludina vivipara wird ein neuer Name Vivipara vera eingeführt;
als neu werden beschrieben : F. Haldemanniana Shuttlw. Ostflorida,
essingtonensis Shuttlw. Port Essington, lineolata Mouss. Sumatra,
■ürtri'a/rt Pondichery, polita Süd -Afrika, Maheyana Grat. Malabar,
fallax Madras, formosnla Java, polyzonata.
Tryon giebt Proc Philadelphia p. 451 die Charaktere für die
in den Vereinigten Staaten vorkommenden Subgenera der Gattung
Vivipara an, nämlich: Tulotoma Haldeman, Melantho Bowdich und
Haldemania n. subg. Der Typus der letzteren ist V. subcarinata
Say. Für dieselbe Art und mit Angabe derselben Charaktere des
Deckels hat Referent bereits 1857 in seinem Gebiss der Schnecken
p. 100 das Subgenus Lioplax gegründet, welches daher die Prio-
rität hat.
Von der Gattung Paludomus hat Küster in seinem Conchy-
lien-Cabinet mit den ersten 10 Arten den Anfang gemacht.
Die Arten der Gattung Bithjmia zählte v. Frauenfeld Ver-
handl. d. zool.-bot. Gesellsch. in Wien XII. p. 1145 auf. Er zählt
dahin 30 Arten, unter denen 13 neue, die durch kurze Beschreibun-
gen kenntlich gemacht werden. Er benutzte namentlich das Ma-
terial der kaiserlichen und der Cuming'schen Sammlungen. Auch
bulimoides aus dem Nil wird hierher gerechnet; Verf. hat des Re-
ferenten Untersuchungen im „Gebiss der Schnecken" I. p. 100, wo
diese Art als eigene Gattung Cleopatra abgetrennt wurde, nicht
beachtet. Die neuen Arten sind: B. Letockac von Estramadura,
Shnttleworthi aus China , tristis von Schiraz in Persien , proxima
Tyrol , Küsteri (= decipiens Küster), vertiginosa Neu -Holland,
der Deckel fehlt und ist vielleicht zu Vivipara gehörig, Mojewshyi
Dalmatien, Kroatien, Ungarn, meridionalis Spanien und Calabrien,
Schradei-i ohne Vaterlandsangabe, vmbratica See Menzsileh undEstra-
madura. perfecta Nordamerika, Deckel fehlt, africana Westafrika,
Adatnsii Ganges, ceranospatana Bengalen.
Von der Gattung Nematura Benson beschreibt v. Frauen-
feld ib. p. 1158 elf Arten aus der Cuming'schen Sammlung unter
den daselbst ihnen beigefügten Namen. Die Synonymie ist nicht
694 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
beigefügt, nämlich : JV. strigulata Bens. Borneo, polifa Sow. Singa-
pore und Java, glahrata Adams Pulo-Penang, puncticulatn Ad., mo-
nilifera Bens., deltae Bens., cingulata Bens. Pulo-Penang, oliva-
cea Ad. , ventricosa Quoy Java, minima Sow. Charlsworth, frustil-
lum Bens.
Petit de la Saussaye erklärt Melania Charreyi Morelet
für eine Varietät von Rissoa ulvae (Paludina mnriatica Lam., Cy-
clostoma anatinum Drap, und vielleicht auch = Paludina baltica
Nilss, Journal de Conchyl. X. p. 213.
Hydrobia Peraudieri, acerosa, Bi'ondeli, arenaria, elachista und
Bythinia pycnocheilia, perforata, desertorum, pycnolena, Letourneuxiana
sind neue Arten von Bourguignat Revue et mag. de Zoologie
p. 93; und Spicileges malacoloqiques, sämmtlich von Algerien. —
Bythinia codia ib. p. 117 von Pisa in Italien.
Michaud fand Hydrobia Simoniana Dup. lebend in der
Salzquelle Fouradada bei Tantavel in der Nähe von Perpignan m
den Pyrenäen. Journ. de Conchyl. X. p. 377.
Amnicola depressa Tryon Proc. Philadelphia p. 452 von Jowa
— Bei Gelegenheit der Beschreibung dieser Art stellt Verf. für die
Arten mit verlängertem Gewinde ein Subgenus Pomatiopsis auf.
Melaniacea. Von Brot erhielten wir einen Catalogue syste-
matique des especes qui composent la famille des Melaniens. Ge-
neve 1862. 8. Verf. theilt die Familie folgendermassen ein: I. Oper-
culo concentrico. Gatt. Paludomus Swains. 61 Arten. IL Operculo
spirali. a. Apertura integra. Gatt. Leptoxis Raf. (Auculotus Say)
45 Arten, Gatt. Melania mit 21 durch kurze Diagnosen charakteri-
sirten Gruppen ohne Namen und mit 632 Arten, b. Apertura antice
producta. Gatt. Jo mit 9 Arten, c. Apertura antice truncata.
Gatt. Melanopsis mit 28, und Hemisinus mit 36 Arten, d. Apertura
postice sinuata. Gatt. Gyrotoma mit 33 Arten, e. Apertura antice
et postice sinuata. Gatt. Pirena mit 13 Arten. — Das ergiebt eine
Summe von über 857 Arten. Möchte die längst vom Verf. vor-
bereitete Monographie bald erscheinen!
Eine neue Gatung Trypanosfoma wurde in der Melanien-
familie von Lea Proc. Philadelphia p. 169 aufgestellt: testa conica,
apertura rhomboidea, inferne subcanaliculata ; labro expanso ; colu-
mella laevis, inferne contorta; operculum corneum, ad spirans per-
tinens. Als Typus wird Melania canaliculata Say genannt , entspricht
also der Abth. A. der Gatt. Melania bei Brot. Folgende 45 neue
Arten werden durch Diagnosen gekennzeichnet : T. dux, Thortonii,
Troostii, incurvum, PosleUii, Tnomeyi, Plorescense, Clarhii, Alaba-
mense, ligatum, Pybasii, olivacettm, vioniliferum^ Letcisii, moriforme^
viride, Showallerii, Anthonyi, slrialum, Harlmanii, Jayiy Spillmanii,
Christyi^ labialum^ Whitei , Estabrookii, Knoxvillense, attenuatum,
der Molluskeu wäkreud des Jahres 1SÜ2. 695
suhalaefonne, toitum, pallichini, pannmt, modestum, simplex^ minor ,
piimilum, biviltatum, Vanuxcinii., Irivittatuin, Lrochulns^ Sycamoretise,
Chakasahaense, Tennesseense Knoxense , canalitium. Alle aus ver-
schiedenen Gegenden Nord- Amerika'« • — T. Henry anum Tennessee.
rostellatum Alabama , strictum Südcarolina , lativittatum Alabama,
Carolmense Südcarolina, luteum Südcaroliua, dignum Alabama Lea
ib. p. 272.
Go niobas is nov. gen. Lea Proc. Philadelphia p. 262. Testa
vel conica vel fusiforrai; apertura rhomboidea, inferne subangulata;
columella superne interdum incrassata ; operculum corneum, ad spi-
ram pertinens. Verf. unterscheidet hier die verschiedenen Gattun-
gen der Melanienfamilie, welche in Amerika vorkommen. Folgende 82
neue Arten sind aus verschiedenen Gegenden Nordamerikas : G. oscu-
lata, Brumbyi, Grosvenorii, parDU, spinella, Estabrookii, Praiiiensis,
Etoicakensis, Draytonii, tenebrovitlata, Spillmanii, flava, Anthonyi,
Gabbiana, Bridgesiana, intercedens , Ohiensis, cinerea, Vanuxemii,
Spartenburgensis, auricoma^ Georgiatia, Vanxiana, Whitei, Binneyiana,
Tuomeyi, fabalis, gibberosa, Lyonii, Pybasii , Duttonii, Doolyensis,
Viennaensis, strenua, sparus, difßcilis, Bairdiana, inclinatis, indtita,
Lindsleyi, Thorlonii, intervcnienSf continens, cerea, viridicata. Leidyana,
Abbevillensis, amoena, paupercula, proletaria, inconstans, inediocris,
crispa, ornatella, olivella, purpurellaf cineretla, Christyi, instabilis,
Gerhardtii, itifuscata, mutabilis, cnida, rubella, macella, rubiginosa,
ucheeusis , inoscuhtta , Barratlii , rubricata , Benloniensis ^ negata,
Eliiottii , ßavesceus , Halleubeckii , Canhyi, Couperii, Dotcnieniana,
Tryoniana, granata, Stewardsoniana, cadtis.
Strephobasis carinata und oh'varia Lea Proc. Philadelphia p. 273
von Tennessee.
Litkasia vittata Alabama und Downiei Cumberland River Lea
Proc. Philadelphia p. 273.
Bei Gelegenheit der Beschreibung einer neuen Art Pirena
Debeauxiana von West-Afrika Journal de Conchyl. X. p. 402, pl. 13.
fig. 6 giebt Crosse ein Verzeichniss der lebenden Arten dieser
Gattung. Verf. zeigt, dass der Name Pirena Fer. die Berechtigung
vor Faunus Montf. und Ebena Schum. habe. Er theilt die Gattung
in zwei Sectionen : a) mit spitzen pfriemförmigen Schalen, 6 Arten
in den asiatischen Meeren, b) mit weniger schlanken Schalen, meist
abgestutzt und dornig, 6 Arten an den Küsten Afrika's.
Littorinacea. LUlorina Souvcrbiana Crosse Journal de Con-
chyl. X. p. 53. pl. 1. flg. 6. 7 von Nord-China.
Rissoina Montrouzieri Souverbie Journ. de Conchyl X. p, 237.
pl. 9. fig. 5 von der Insel Art. — R. semiplicata Pease Proc. zool.
30C. p. 242 von den Südsee-Inseln.
Pease fügt den sechs von den Sandwich-Inseln bekannten
696 Troschel: Bericht üb. cl. Leist. in d. Naturgeschichte
Arten der Gattung Rissoina eine neue R. granulosa pl. 13. fig. 10
hinzu, und tauft R. multicostata Garret in R. cos tuli fern um. Journ.
de Conchyi. X. p. 381.
Pyramidellidae. Arthur Adams zählte . Proc. zool. soc.
p. 231 die- Arten der Gruppe Obeliscinae aus der Familie Pyrami-
dellidae, welche in Japan gefunden worden sind, auf. Er fand die
meisten bei einer Durchmusterung des Schalen-Sandes. Von dem
Thiere von Syrnola cinctella wird erwähnt, dass es schnell krieche;
es ist halbdurchsichtig weiss, die Tentakeln sind breit und dreieckig,
die Augen dazwischen dicht beieinander ; das Mentum ist sehr ver-
längert und zweilappig am Ende ; der Fuss ist schmal. Verf. un-
terscheidet vier Genera: Obeliscus Montf. mit 8 Arten, neu 0.
Irifasciatus und eburneus; Syrnola Ad. die jDfriemförmigen glatten
Formen, 19 Arten, neu S. lactea, serotina, subulina, pistillum, cy-
lindrella, columnella, daedala; Styloptygma Ad. die pupaförmi-
gen, an beiden Enden verengten Schalen, 7 Arten, neu St. taenia-
tum j lendix, gibbum, cereum, larvula, subuliforme ; Elusa Ad. die
pfriemförmigen längsgefalteten Formen, 7 Arten, neu E. castanea,
badia, strigulata, cinnaniomea.
Turbonilla Weinhauffi Dunker Journal de Conchyi. X. p. 343.
pl. 13. fig. 9 von Algier.
Eulimacea. EuUma subcylindrata Dunker Journal de Conchyi.
X. p. 342. pl. 13. fig. 7 von Algier. — E. exilis Pease Proc. zool.
soc. p. 242 von den Südsee-Inseln.
Apicalia A. Adams Annais nat. bist. IX. p. 295. Testa di-
storta, polita, imperforata, subulata; anfractibus irregularibus. supre-
mis in mucronem dispositis ; apertura oblonga labio simplici. Verhält
sich zu Eulima wie Mucronalia zu Leiostraca. A. gibba von Japan.
Mucronalia exilis Adams ib. von Japan.
Styliferidae. Stylifer apiculalus Souverbie Journal de Conchyi.
X. p. 238. pl. 9. fig. 6 Neu-Caledonien.
GorithiäCOa. Lumpanla CMmm^j Crosse Journal de Conchyi. X.
p. 54. pl. 1. fig. 10. 11 von Nord-China.
Triphoris comtatum Montrouzier Journal de Conchyi. X. p. 236.
pl. 9. fig. 4 von der Insel Art.
Arthur Adams fand die Gattung Alaba, die er früher als
Subgenus von Cerithiopsis betrachtete, nachdem er in Japan das
lebende Thier zu beobachten Gelegenheit hatte, näher verwandt mit
Litiopa. Er theilt sie in drei Subgenera : Alab a mit 24 Arten,
Diala mit 5 Arten und Styliferina mit 3 Arten. Unter die-
sen sind neu: Alaba vibex Australien, pulchra Adelaide, Blanfordi
Slam, monile Port Lincoln, zebrina Tsu-Sima, pagodula St. Vincents
Golf, imbricata O.-Siraa, felina Takano-Sima, Incida Takano-Sima,
inflata 0. -Sima, subungulata Tsu-Sima; Diala sulcifera O.-Sima,
der Mollusken während der Jahres 1862. 697
rußlahris Port Lhicoln, lauta Port Adelaide ; Syiliferina goniochila
Mino-Sima, lepida Yobuko. Annais nat. hist. X. p. 293.
Turritellacea. TurrHella umhUicata Dunker Journal de Con-
chyl.X, p. 354. pl. 13. fig 8 von Algier.
Vermetacea. Der Schluss von Mörch's Arbeit über die Ver-
metiden (vergl. den vorj. Bericht p, 247) ist in Proceed. zool. sog.
p. 54-^83 enthalten. Daselbst werden folgende Gattungen abge-
handelt: Bivonia Gray mit 7 Arten, worunter B. subtriquetra
fossil, sutilis Central - Amerika und constrictor Australien neu;
Thylncodes Guettard mit 27 Arten und 5 Untergattungen. Die
Untergattung Thyläcodes enthält 21 Arten, wovon neu Th, Riisei
St. Thomas, eruciformis Californien, natcdensis Natal, oryzata Cen-
tral-Amerika und China; die Untergattung Tetranema Mörch eine
Art longißlis Haifischbai; die Untergattung Hatina Gray 1 Art; die
Untergattung Lemintina Eisso 1 Art; die Untergattung Cladopoda
Gray 3 Arten.
Galyptraeacea. CryjUa lamellosa Adams Annais nat. hist, IX.
p. 297 von Japan.
Fischer untersuchte Journal de Conchyl. X. p. 1. pl. 2 das
Thier von Hipponyx antiquata. Er fand es sehr verschieden von
Pileopsis durch die Gestalt des Kopfes, die völlige Abwesenheit des
Fusses u. s. w., dagegen bieten die Kiemen, die Zunge und die
Geschlechts - Organe Aehnlichkeit mit Pileopsis. Das Fehlen des
Fusses hält Verf. für wichtig genug um eine eigene Familie Hip-
ponycidae aus ihnen zu bilden ; das Vorhandensein oder Fehlen einer
kalkigen Unterlage nicht genügend für eine Trennung in Gattungen,
ja nicht einmal in Species. Die Vorstellung, die Hipponyx seien
zwittrig , nämlich so , dass sie zu gewisser Zeit alle männliche,
später alle weibliche Organe besitzen , scheint gänzlich zu ver-
werfen.
In derselben Zeitschrift p. 17 ^kommt Crosse auf den früher
von ihm beschriebenen Capulus Danieli zurück, den er nunmehr in
die Gattung Hipponyx als H. Danieli stellt, und ein Verzeichniss
der bekannten Arten der Gattung Hipponyx hinzufügt. Verf. kennt
18 lebende und 22 fossile Arten. Nur von 16 lebenden Arten ist
das Vaterland bekannt. Im Antillen-Meere leben 4 Arten , im
stillen Ocean an Central- Amerika 5, an der Westküste Afrika's 2,
Oceanien besitzt 7 Arten. Keine Art kommt in Europa oder Asien
vor. Der stille Ocean hat 12 von den 16 Arten.
PediCUlariacea. Denliora Pease nov. gen. aus der Familie
der Pedicularien Proc. zool. soc. p. 240, testa ovata, labro subin-
flexo , piano, lirato, posteriore, vix expanso ; columella plana vel
excavata, intus compressa, dentata. D. ruhida von den Sandwich-
Inseln.
698 Troschel: Bericht üb. d. I^eist. in d. Naturgeschichte
AmphipcräSidäO. AmpMperas semistriata Pease Proc. zool, soc.
p. 241 von den Südsee-Inseln.
Cypraeacca. Alcock fand, dass die Cypraeen eine Schnauze
besitzen, die jedoch vollkommen zurückziehbar ist/ Darin hatte er
ganz recht; dass die Zähne der verschiedenen Species beträchtlich
abweichen, ist eine sehr allgemeine Bemerkung, die nur in gewis-
sem Sinne richtig ist. Keport British Assoc. advanc. sciences held
at Manchester p. 137.
Ctjpraea granulata Pease Proc. zool. soc. p. 278 von den Süd-
seeinseln.
Ranellacea. Dunker stellte Proc. zool. soc. p. 238 einige
neue Arten Bursa = Pianella aus der Cuming'schen Sammlung auf:
B. asperrima China, Grayana Rothes Meer, Cumimjiana Neu-Cale-
donien, lumida Neu-Seeland, fusco-costata Californien, concinna Ro-
thes Meer, lamellosa Japan.
Toxoglossa.
ConOidea. Conus Barthelemyi Bernardi ist Journal de Con-
chyl. X. p. 46. pl. 1. fig. 12 abgebildet. — C. Duvali Bernardi ib.
p. 404. pl. 13. fig. 3 von Guadeloupe. — C. purus Pease Proc. zool.
soc. p. 279 von den Südseeinseln.
Pleurotomacea- Swcula engonata, tiochdifera, rugata] Drillia
impressa, distans , arata, bella, ebiirnea; Mangelia virginiana Conrad
sind Proc. Philadelphia p. 284 als neu mit Diagnosen versehen. —
Drillia nodulosa Pease Proc. zool. soc, j). 279 von den Südseeinseln.
Clathurella maculosa Pease Proc. zool. soc. p. 242 von den
Südsee - Inseln. — Cl. bicarinata Pease ib. p. 243 von den Kings-
mill-Inseln.
Cythara strignta Pease Proc. zool. soc. p. 242 von den Süd-
see-Inseln.
Gancellariacea- Eine Notiz über die Gattung Cancellaria zur
Yervollständigung des Crosse'schen Arten -Verzeichnisses und zur
Berichtigung einiger Vaterlandsangaben gab Petit delaSaus-
saye im Journal de Conchyl. X. p. 220.
Rbachiglosisa.
Volutacea- Marginella cylindrica Pease Proc. zool. soc. p. 244.
von den Kingsmill-Inseln.
Mitra Uzielliana Crosse ist Journ. de Conchyl. X. p. 50. pl, 1.
fig. 2 abgebildet. — M. hystrix Montrouzier ib. p. 240. pl. 9. fig. 8
von Ncu-Caledonien. — M. Sophiae Crosse ib. p. 253. pl. 10. fig- 6
der Mollusken während des Jahres 1862. 699
von Neu-Caledonien. — M. citharoidea unbekannten Vaterlandes
und Lowei von den Canarischen Inseln Dohrn Proc. zool. soc- p. 203.
Turricula (Costellaria) pyramidella Adams Annais nat hist. IX.
p. 297 von Japan.
Olivacea- Dactylus eboreus Conrad Proc. Philadelphia p. 287
von Virginia.
Fasciolariacea. Busycon carinatum und filosuin Conrad Proc.
Philadelphia p. 286 von Virginieu — B, plagosnm, spinosutn, elegans
Conrad ib. p. 583 von Nord-Amerika.
Latirus squamosus Pease Proc. zool. soc. p. 240 von den Süd-
see-Inseln.
Muricidae. Arthur Adams verzeichnete die Arten der
Gruppe Muricinae, welche in Japan gefunden worden sind Proc.
zool. soc. p. 370. Es sind 4 Arten Murex, neu M. sohrinus; 2 Chi-
coreus Montf. ; 5 Pteronotus Swains., neu Ft. brachypleron, Gouldi^
Stimpsoni, 3 Phyllouotus Sv/ains., neu Ph. coronatus, acanthophorus,
unifasciatus; 5 Cerastoma Conr. ; 2 Ocenebra Leach, 3 Muricidea
Swains., neu ili. puteola, 2 neue Typhis Montf., T. Montforlii, japo-
nica : 10 Trophon Montf . , neu T. fimbriatulum, concinnum, lantillnm^
zusammen 37 Arten.
Murex monachus und Talienwhanensü Crosse Journal de Con-
chyl. X. p. 55. pl- 1. fig. 8 u. 9 von Talienw^han in Nord-China. —
M. Macgillivrmji Dohrn Proc. zool. soc. p. 203 von Australien.
Fusus (Sipho) /iyi(/wi- Mörch Journal de Conchyl. X. p. 36. pl. 1.
flg. 1 von Terra nova.
Neptunea Cumingi Crosse Journal de Conchyl. X. p. 51. pl. 5.
flg. 12 von Nord-China.
Chrysodomns Middendorßi Explor. and Surveys for a Railroad
route XII. II. part III. p. 370 Strasse Juan de Fuca.
Fisania Montrouzieri Crosse Journal de Conchyl. X. p. 251.
pl. 10. flg. 7 von Neu-Caledonien. — P. strigata Pease Proc. zool.
soc. p. 241 von den Südsee-Inseln.
Golumbellacea. Columbella pUcaria Montrouzier Journal de
Conchyl. X. p. 234. pl. 9. fig 3 von der Insel Art. — C. pusilla Pease
Proc. zool. soc. p. 244 von den Kiugsmill-Inseln.
Anachis coslellifera Pease Proc. zool. soc. p. 279 von den Süd-
see-Inseln.
Amycla communis, avara var. granulifera, reticulala Conrad
Proc. Philadelphia p.287 von Maryland und Virginia.
Engina tuberculosa Pease Proc zool. soc. \). 243 von den Süd-
see-Inseln.
Buccinea. Ueber die Synonymie von Buccinum Orbignyi Payr,
vergl. Petit de la Saussaye im Journ. de Conchyl. X. p. 222.
Nassa Gallandiana Fischer Journal de Conchyl. X. p. 37 von
700 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Portugal. — NassaGibhsii Exi:ilor. for a RailroadrouteXII,2. part 3.
p. 371 von Puget Sound.
Tritia scalaris, — Bullia ovata, Marylandica Conrad Proc.
Philadelphia p. 286 von Maryland.
Ricinula Beeveana Crosse Journal de Conchyl. X. p. 47. pl. 1.
flg. 3 von den Marquisen-Inseln. Ebenda ist auch R. Ozenneana ab-
gebildet.
Sistrum affine Pease Proc. zool. soc. p. 244 von den Kings-
mill-Inseln.
Ptenoglossa,
Scalariacea Scala soluta Adams Annais nat. hist. IX. p. 296
von Japan.
Solariacea. Sylvanus Hanley beschrieb Proc. zool. soc.
p. 204 folgende neue Solarium- Arten: Solarium Cumingii, Dunkeri
Ostindien, Reevei, regiuvi, Taylori, Soverbii Tunis.
Rhipidogloisisa.
Helicinacea. Helidna Nodae Arango Journal de Conchyl. X.
p. 409 von Cuba. — //. yorkensis von Cap York, reticulata von Cap
Flattery in Australien Pfeifier Proc. zool. soc. p. 277. — H. Jean-
nereti und Neebiana Pfeiffer Malak. Bl. p. 6 u. 8 von Cuba. — H.
Emmerlingi Pfeiffer ib. p. 130 von Cuba. — H. coronula Shuttl. und
Mac Murrayi Pfeiffer ib. p. 155 von Jamaica. — H. Faustinii, Iris
und transpareris Weinland ib. p. 196 von Haiti.
Trochatella Mouhoti Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 277 von Cam-
boja. — 7V. Metkfessßli Pfeiffer Malak. Bl. p. 8. von Cuba. — Tr,
Eugeniana Weinland ib. p. 197 von Haiti.
Schasicheila Bahamensis Pfeiffer Malak, Bl. p. 154 von New-
Providence.
Alcadia mammilla Weinland Malak. Bl. p. 197 von Haiti.
Lticidella {Prosopis) sulcata Weinland Malak. Bl. j)- 198 von
Haiti (vergl. auch p. 201).
Stoastoma Haitiamim Weinland Malak Bl. p. 198 von Haiti.
HydrOCaenacea. Hydrocena {Otnphalutropis) fvlvida Pfeiffer
Joui'nal de Conchyl. X. p. 44. pl. 6. fig. 4 von Slam. — H. {Ompha-
lolropis) ceramensis Pfeiffer Proc. zool. soc. p, 117 von Ceram. —
//. Cheynei Dohrn und Semper Malak. Bl. p.207 von der Insel Pe-
lew. — H. fasciolata von Bangkok und lirata aus Cochinchina Mo-
rdet Revue et mag. de Zoologie p. 478.
Trochacea. Elhalia Candida und polita Adams Annais nat.
hist. IX. p. 296 von Japan.
Nachdem die Gattung Trochus bereits in der 213. Lieferung
der Mollusken während des Jahres 1862. 701
vonLovell Reeve's Conch. iconica begonnen und auf acht Tafeln bis
zur 43. Species fortgeführt war, erschien Fortsetzung und Schluss in
Lief. 214 und 220 auf Tafel 9—16 bis zur 99. Species. Darunter
sind folgende neue Arten: Trochns girgyllus von China, diminutivus
von Oahu. aculeatus, lapillus, smaragdvs, nigropunctatus Natal, vivi-
dus, callicoccns , tabidus Australien , obesus, laciniatus , tenebricus,
textilis Cap, murrevs, sugiilatus, crebrigranatus, histrio, tricatenatus,
metallicus, oblitus, venelus von den Molukken.
Clancnlus Thomasi und Dauieli Crosse Journal de Conchyl. X.
p. 405. pl. 13. fig. 4 u. 5 von Neu-Caledonien.
Ein Verzeichniss der Arten der Gattung Craspedotus Philippi,
wovon auch eine Art C. limbatus Phil. (Monodonta limbata Phil.)
im Mittelmeere lebend vorkommt, gab de Ryckholt im Journal
de Conchyl. X. p. 410. Er kennt 37 fossile Arten.
Eiichelus maculosns Pease Proc. zool. sog. p.243 von den Süd-
see-Inseln.
Leiotrochns distans Conrad Proceed. Philadelphia p, 288 von
Maryland.
Eine Notiz von Pagenstecher über Muskelquerstreifung
bei Trochus zizyphinus findet sich Verhandl. d. nat. med. Vereins
zu Heidelberg II. p. 212. — Die Zungenknorpel und die daranhän-
genden Muskeln, w^elche eben die Querstreifung zeigen, sind Zeitschr.
für wiss. Zoologie XII. p. 306. Taf. 29. fig. 6, 7 abgebildet.
Lovell Reeve machte in der Conchologia iconica Lief. 222
den Anfang der Gattung Zizyphinus, von welcher 65 Arten auf 8
Tafeln erschienen sind. An neuen Arten sind darunter zu erwäh-
nen : Z. splendidns Philippi MS. Australien, castra Sw^an-River, lu-
ridus Nuttall MS. Califurnien. incertns Tasmanien, scobinatus Adams
MS. Bombay, similaris Torres-Strasse, monile Ost-Australien, flam-
miger Dunker MS., vexillum Australien, ocellatus, zebuensis Adams
MS. Philippinen.
Die Gattung Phasianella, w'ie sie bei Lovell Reeve Con-
chologia iconica Lief. 218 erschienen ist , enthält 20 Species auf
sechs Tafeln; darunter neu: Ph. sanguinea, zebra Gray MS., venosa,
reticulata, lentiginosa sämmtlich vom Swan-Rivcr, nivosa von Ceylon
und den Philippinen, fulgurata von Australien, jaspidea von Zanzi-
bar, aethiopica Philippi MS. von den Seychellen, histrio von den
Philippinen, rubra Pease MS. Sandwichinseln, strigata Westafrika.
Stomatella picta Montrouzier Journal de Conchyl. X. p. 239.
pl. 9. fig. 7. Neu-Caledonien.
Fissnrellacea. Die Monographie der Fissurelliden erschien
in Sowerby's Thesaurus Part XXI. Verf. unterscheidet innerhalb
der Gattung Fissurella Sectionen : 1) Schale mit deutlichem inneren
Rande, 27 Arten j 2) Schale ohne inneren Rand, 32 Arten; 3) Rand
702 Troscliel: Berictit üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
gezäliiielt, Apex nach vorn geneigt (Lucapina), 65 Arten. — In der
Gattung Fissurellidea werden 10 Arten unterschieden , Pupillaea
enthält 1, Clypidella 2, und Macrochisma 12 Arten.
Emargimda clalhrata Pease Proc. zool. soc. p. 241 von den
Südsee-Insehi.
Zeiciora reticvlala Adams Annais nat. hist.IX. p. 298 von Japan.
Scissurella Munieri Fischer Journal de Conchyl, X. p. 390. —
Muni er Chalmas beschreibt ib. p. 391 eine neue fossile Art Sr.
Deshayesn und fügt ein Verzeichniss der bekannten Arten dieser
Gattung bei. Er unterscheidet drei Gruppen: a) Schale flach oder
wenig gewölbt, 10 Arten, b) Schale an der letzten Windung mit
zwei Winkeln, 1 Art. c) Schale konisch. 7 Arten. Von diesen 18
Arten sind 5 fossil; drei von diesen letzteren kommen aber auch
lebend vor, also kennt Verf. im Ganzen 16 lebende Arten.
A. Adams stellte neue Arten der Familie Scissurellidae aus
den Meeren von China und Japan Annais nat. hist. X. p. 346 auf:
Scissurella cnrinata von Okosiri, modesta von Tabu-Siraa, miranda
von Mino-Sima; Anatomus japonicus, lamellahis, turbinalus, alle drei
von Mino-Sima, concinnus von Rifunsiri, mirißcvs von Lo-shan-kow,
staminens von Tsu-Sima.
Docoglossa.
Patellacea. Eine Notiz von Petit de la Saussaye über
Linnes Peteila mamillaris s. im Journal de Conchyl. X. p. 225.
Eine Bemerkung über die Variationen von Tecturella grandis
von Carpenter s. Report British association advanc. sciences
held at Manchester p. 137.
Ghitonidae. Auf eine kurze Mittheilung über die Chitoniden
von Godet, Bulletin de la soc. des sc. nat. de Neuchatel V. p. 28
ist hier nachträglich aufmerksam zu machen.
Arthur v. Nordmann sammelte auf seiner ersten Reise
nach dem Amur (auf der zweiten Expedition fand der junge I "or-
scher in Nortschinsk im östlichen Sibirien durch 13 Messerstiche
einen beklagenswerthen Tod) den riesigen Chiton Stelleri an der
westlichen Küste der Insel Salachin. namentlich bei Due und Ssa-
kato, wo er häufig beim Sturme an das Ufer geworfen wird.
Alexander v. Nordmann, der Vater, giebt eine Abbildung
Bull, de Moscou 1862. tab. IV.
Dentaliacea. Dentalwm caroUnense Conrad Proc. Philadelphia
p. 288 von Nord-Carolina.
Pulmonata.
Baudelot hat neue Studien über die Generations-
der Mollusken während des Jahres 1862. 703
Organe der zwitterigen Gasteropoden gemacht. Annales
des sc. nat. XIX. p. 135—222 und p. 268-294.
Im ersten Kapitel behandelt er das Historische, das zweite
Kapitel enthält die anatomische Beschreibmig der Geschlechtsorgane
von Arion rufus . Helix pomatia, Helix aspersa , Limax cinereus,
Limnaeus stagnalis, Planorbis, Doris tuberculata, Eolis papillata,
Paludina vivipara; im dritten Kapitel erörtert Verf. die physiolo-
gische Erklärung. Er verwirft die Meckel'sche Theorie, nach der
zwei Schläuche in einander steckten, deren äusserer die Eier, deren
innerer die Sijermatozoiden erzeugen sollte, und nach der die Aus-
führungsgänge ebenfalls in der Weise getrennt wären, dass die Eier
mit dem Sperma in keine Beziehung kämen; gegen die Gratiolet'-
sche Theorie bestreitet er die Ansicht, dass die Spermatozoiden in
dem Receptaculum seminis einer Metamorphose unterworfen wären.
— Das Resultat seiner Untersuchungen ist, dass er annimmt: 1)
die Zwitterschnecken besitzen eine Geschlechtsdrüse, die zugleich die
Eier und den Samen getrennt von einander erzeugt: 2) die Ovula
und das Sperma, anfangs getrennt, kommen später in unmittelbare
Berührung, sie gelangen auf demselben Wege bis zu dem Vas de-
ferens ; 3) von dort nehmen sie einen verschiedenen Weg, das Sperma
dringt in das Vas deferens ein, die Ovula gehen in den Oviduct;
4) die Anordnung der Organe spricht gegen die völlige Trennung
der beiden Geschlechtsprodukte, die von dem Sperma umspülten
Ovula müssen nothwendig eine gewisse Menge desselben in den
Oviduct mitnehmen; 5) das ejaculirte Sperma wird in einer Sa-
mentasche aufgenommen; 6) das Sx^erma in dieser Samentasche
unterscheidet sich in nichts von dem S^Derma im Samengange. — Dass
bei der Vermischung der Ovula mit dem Sperma eine Befruchtung
nicht zu Stande kommt, glaubt Verf. von der zu geringen Entwicke-
lung der Ovula abhängig; die Ovula werden erst später befruchtungs-
fähig, und die Befruchtung geschieht in Folge einer Begattung.
Sporleder tbeilt wieder Beobachtungen über das
Leben einiger Schnecken mit. Malak. Bl. p. 112-121. Meh-
rere Schnecken sperrte er frühzeitig ab^ um zu beobachten,
ob sie ohne Befruchtung oder vermittelst Selbstbefruch-
tung Eier legen könnten; es geschah nicht. Auch über
monströse Schalenbildung bei Planorbis vortex wird be-
richtet. Die weiteren Beobachtungen beziehen sich auf
Helix pisana, welche Kohl frisst; H. cingulata^ welche
viele Eier legte; Clausilia italia, wovon ein Exemplar vier
Monate brauchte, um völlig ausgewachsen zu sein; Pupa
umbilicata, die lebendig gebärend ist.
704 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Limacea. Heynemanu hat Malak, Bl. p. 33 die Schriften,
weiche in diesem Jahrhundert über Limaceen erschienen sind,, be-
sprochen : er sucht die von den verschiedenen Schriftstellern erwähn-
ten Arten zu bestimmen. Dieser Aufsaz bildet einen neuen Bei-
trag zu den schätzenswerthen Untersuchungen des Verfassers über
die bisher ziemlich vernachlässigten Nacktschnecken.
Die Nacktschnecken aus der Umgebung Stettins und in Pom-
mern hat Lehmann beschrieben, Malak. Bl. p. 156. Er unter-
scheidet folgende Arten: Arion ater List., subfuscus Fer., hrunneus
n. sp., hortensis Fer., flavus Müll.; Limax cinereus List., arborum
Bouch-Chant., agrestis L., cinctus Müll., brunneus Drap. Geschlechts-
organe, Kiefer und Zungenzähne dieser Arten sind auf 4 Tafeln ab-
gebildet.
Einen neuen Limax von Mallorca deuteten Heynemann und
Dohrn Malak. Bl. p. 101 an, ohne ihn zu benennen.
Limax heJveliciis Bourguignat Revue et mag. de Zoologie p. 432
bei Luzern.
Humbert besehrieb Bevue et mag. de Zoologie p.417. pl. 17
eine neue Gattung Tennentia, welche er mit Arion, Geomalacus,
Drusia, Girasia und Mariaella, zu welchem letzteren er Clypeicella Val.
MS. und Yisqueneiia Desh. als Synonyme zieht, vergleicht. Der Mantel
ist ganzrandig, Athemöffnung in der Mitte seines Randes, Schleim-
porus bildet eine senkrechte Spalte, After am hinteren Rande der
Athemöffnung, Geschlechtsöffnung hinter dem rechten Fühler; ein
inneres Schalenrudiment in dem hinteren Theile des Mantels. T.
Thwaitesii von Ceylon.
Helicea. Einige kurze Bemerkungen über ein Paar ginheimi-
sche Heliceen von Reibisch finden sich in den Sitzungsberichten
der naturw. Gesellsch. Isis in Dresden 1862. p. 230.
Testacellacia. Eine Notiz von Lovell Reeve über den
Bau des Mantels von Testacella nebst Abbildung des Thieres, findet
sich Journal of the Proceed. Linnean Soc. VI. p. 153.
Oleacina madesta Pfeiffer Malak. Bl. p. 99 von Mexiko.
Spiraxis Mohriana und Berendti Pfeiffer Malak. Bl. p. 97 aus
Mexiko. — Sp. hebes Blanford Journal of the Asiat. Soc. of Bengal
XXX. p. 361. pl. 1. flg. 15 von den Nilgiris.
Die Gattung Cylindrella hat in Küster's Conchylien-Cabinet
ihren Abschluss gefunden. Sie ist von Pfeiffer bearbeitet und
enthält 96 Arten, die in neun Gruppen zerfallen. In den diesjäh-
rigen Heften sind nur die beiden letzten Arten gegeben.
Cylindrella scahrosa Gundlach. Hilleri Pfeiffer und Wrightii
Pfeiffer Malak. Bl. p. 131. — C. suluralis Weinland ib. p. 194
von Haiti.
der Mollusken während des Jahres 1862. 705
Vitrinea. Die 78 Arten der Gattung Vitrina sind in Lo-
vell Reeve's Conchologia iconica Lief. 217 bis 219 auf 10 Tafeln
dargestellt. Als neu sind beschrieben: V. magnifica , inflala von
Sidney, australis Pfeiffer MS. von Ost - Australien. — F. Pfeifferi
Newcomb Proc. California Acad. 1861. p. 92 von Carson Valley in
Californien.
Nanina Sylvana und myop Dohrn und Semper Malak. Bl. p. 206
von Mindanao.
Zonites pilaticus vom Pilatus und rigiacus vom Rigi Bouro-ui-
gnat Bevue et mag. de Zoologie p. 437 u. 439.
Für Helix nitida Müll, gründet Lehmann eine eigene Gat-
tung Zonotoid es, die sich in der Zahn- und Kieferbildung wie
Zonites verhalten soll, von ihr aber durch den Besitz eines Pfeiles
und einer langgestielten Blase ali.weicht. Malak. Bl. p.lll. Bei
Martens gehört diese Art in die Gattung Hyalina.
Helicacea. Bland machte Bemerkungen über eine Anzahl
nordamerikanischer Helix-Arten in Annais of the Lyceum of New-
YorkVn. p. 420. Ausser drei neuen Arten H. Downieana pl. 4.
fig.23 u. 24 von Tennessee, triodonloides fig. 11. 12 Texas, labrosa
fig. 19 Arkansas beziehen sich die Bemerkungen auf H. alternata
Say, mordax Shuttleworth, Cumberlandiana Lea, tridentata Say, in-
flecta Say, Rugeli Shuttl., hirsuta Say, stenotrema Fer., spinosa
Lea, Edgariana Lea, monodon Kackett, appressa Say, palliata Say,
obstricta Say , vultuosa Gould. Am Schlüsse findet sich eine Be-
merkung über die gezähnten Helices Nordamerika's und eine fernere
über die Abänderung bei Helix-Arten im westhchen Nordamerika.
Lowe zeigt an, dass der Baron do Castello de Paiva Helix
calva Lowe und H. coronula Lowe, die früher nur fossil in Madeira
bekannt waren, nun auch lebend gefunden hat. Annais nat. bist. X.
p. 93. — H. tetrica Paiva ib. p. 95 von der Insel Deserta.
Helix {Callicochlias) Annae Semper Journal de Conchyl X
p. 146. pl.5. fig. 8. 9 von den Philippinen. - Helix palumba Sou-
verbie ib. p. 248. pl. 10. fig. 1 ohne Angabe des Vaterlandes. - R. .
(Xerophila) Homeyeri Dohrn und Pleynemann Malak. Bl. p. 103 von
Mallorka. - //. (Tnrricula) ISewha Dohrn und Caroli Dohrn und
Heynemann ib. p. 106 ebendaher. - H. Heynemanni von Taiti, aU
veare und Browneana von Jamaika, Pfeiffer ib. p. 151. — H. Cari-
haea Weinland Malak. Bl. p. 195 von den Bahama -Inseln.' — H
Bryani Pfeiffer ib. p. 204 von den Bahama- Inseln. - //. superlita
Morelet Revue et mag. de zoologia p. 477 vonWampoa und Canton.
"^^'"^ ^''''''^^ ' gonioc/nla , ptychostyla, breviseta und tenella
Pfeiffer smd neue Arten von Slam. Journal de Conchyl. X. p. 39.
pl.5u. 6. — Ebenso ib. p. 227. pl. 10 H. cryptopleuraSU^nstralien,
Angasiana ebendaher, Celebensis Celebes, Cochinchinensis Cochin-
Archiv f. Naturg. XXIX. Jahrg. 2. Bd. tjtj
706 Tro schal; Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgechichte
China. -— H. litanica Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 117, pl. 12. fig. 3
vom Nilgerri-Gebirge. — H. Danae, mitis, pliito, benigna, illustris,
rostrella, deliciosa^ laomoyitann, hun-ida, Emma alle von Camboja,
lizardensis von der Lizard - Insel, novognineensis von Neu-Guinea,
Banner i Macgiil. von Australien, mysolcnsis und niollisela von der
Insel Mysol, aurora von Waigiou, exacta von Neu-Guinea, biomphßla
von Ceram Pfeiffer Px'oceed. zool. soc. p. 268, einige sind ab-
gebildet.
Helix Bridgesii von San Pablo , Traskii von Los Angeles,
Nevvcomb Proc. California Acad. 1861. p. 91. — IL Carpenteri von
Tulare Valley, Ayresiana Nord- Oregon Newcomb ib. p. 103.
Die Gebrüder Blanford beschrieben im Journal of the Asiatic
Soc ofBengalXXX. p. 351 folgende neue Arten : ilelix bilirata pl. 1.
fig. 7 von den Shevroys und Kolamuliies , Todarum fig. 8, mucosa
fig. 9, euompfmlus, Iricariiiata flg. 10, tertiana üg. 11. asperans fig. 12,
injussa flg. 13 alle von den Nilgiris, daghoba pl. 2. fig. 2 von den
Patcuamullies und KalryenmuUies. febriiis pl. 2. hg. 4 von den Kai-
ryenmuUies.
Cochlostyla (Axina) Garibaldiana Dohrn und Semper Malak.
Bl. p. 206 von Luzon.
Bnlimus Crossei Pfeiffer Journal de Conchyl. X. p. 43. pl. 5.
flg. 1 von Siam. — B. {^lelanieUa) Pichardi Arango ib. p. 409 von
Cuba. — B. pkoebus von Ecuador, Hömeri von Camboja , pkryne
Peru, luridus Neu - Caledonien, stibangulaius Camboja Pfeiffer Proc.
zool. soc. p. 274. — H. Costaricensis und pluvialis Pfeiö'er von Co-
starica Malak. BL p. 153. — B. Bahamensis Pfeiffer ib. p 204 von
den Bahama-Inseln. — B. praetermissus von Salem und orbus von
Trichinopoly Blanford Journal of the Asiat. Soc. of Bengel XXX.
p. 360, letztere Art ist pl. 1. fig. 14 abgebildet.
Achatina Berendti Pfeiffer Malak. Bl. p. 98 aus Mexiko. — A.
panptrcula von Kolamuliies, Patchamullies und Shevroys, lamulica
von Trichinopoly, mullorum von Madras Blanford Journal of the
Asiat. Soc. of Bengal XXX. p. 862; erstere und letztere sind ab-
gebildet.
Pupacea, HarperPease giebt dem Ferussac'schen Namen
Helicter den Vorzug vor dem allgemein verbreiteten Swainson's
Achatinella, und setzt die Geschichte dieser Gattung auseinander.
Er beschreibt dann zwei neue Arten H. proximus und Hutchinsonii
von den Sandwichinseln. Proc. zool. soc. p. 3. — Achatinella An-
thonii Newcomb Proc. California Acad. 1861. p 93 von den Sand-
wichinseln.
Tornatellina striata Newcomb ib. von den Sandwichinseln.
Macroceramiis Grobei Pfeiffer Malak, Bl. p. 131 von Cuba.
Fupa Mariemi Weinland Malak. Bl. p. 194 von den Bahama-
der Mollusken während des Jahres 1862. 707
Inseln. — P. capillacea Dohrn und Semper ib. p. 207 vonMindanao.
— P. taurica Kessler in Ermati's Archiv für die Kunde von Russ-
land XXI. p. 127 aus der Umgegend von Jalta.
Enneu buibuhis Morelet Revue et mag. de Zoologie p. 477 von
der Insel Poulo-Condor. — £. Saletneusis Blanford Journal of the
Asiatic Soc. of BengalXXX. p. 359. pl. 2. fig. 8 von Kalryen.
Von einer neuen Art Vertigo ventrosa, die am Schilfe eines
Weihers bei Frankfurt vorkommt, untersuchte Heyne mann Ma-
lak. Bl. p. 11. Taf. 1. fig. 8 auch das Gebiss. Der Kiefer ist ein
schmales horngelbes Streifchen, die Zahnplatten stehen in 96 Quer-
reihen, und 49 Längsreihen. Sie sind vierecldg und tragen am um-
gebogenen Vorderrande drei Spitzen.
Die Gattung Clausilia ist in Küster's Conchylien - Cabinet zu
Ende geführt, indem als Schluss in den vorliegenden Lieferuno-en
die Arten 225 bis 360 hinzugefügt sind. Sie ist von Küster be-
arbeitet. Als neue Arten werden beschrieben CJ. T album Dalma-
tien. cylindricollis Dalmatien. leiicostemma Dalmatien, curzolana Ze-
lebor Dalmatien, Meschendorferi Bielz Siebenbürgen, Haueri Bielz
Siebenbürgen, undulata Mühlf,
Clausilia Mouhoti Proceed. zool. soc. p. 274. pl. 36. fig. 5 von
Camboja. — Cl. leucopknjna Parreyss Malak. Bl. p. 204 aus Sicilien.
— 67. helvetica Bourguignat Revue et mag. de Zoologie p. 471 von
Ruoppigen in der Schweiz.
Reibisch hielt einen Vortrag über Clausilia. Sitzungsber.
der naturw. Gesellsch. Isis 1862. p. 11, in welchem die Gattung im
Allgemeinen geschildert wurde.
Sti'eptaxis siamensis Pfeiffer Journal de Conchyl. X. p. 42. pl. 6
fig. 5 von Slam. — St. Mouhoti von Siam, pellucens und porrecta
von Camboja Proc. zool. soc. p. 273. — St. Footei Blanford Journal
of the Asiat. Soc. of Bengal XXX. p. 358. pl. 2. fig. 6 von Pat-
chamullay.
Succinea. In Lovell Reeve's Conchologia iconica Lief. 218
sind zwei Tafeln d-er Gattung Simpulopsis mit 14 Arten erschienen*
von denselben ist S. cordovana von Mexiko neu.
AuriCUlacea. Ein neues Hohlen - Carychium, Zospeum Schau-
fussi, welches Schau fuss in einer Höhle in Spanien sammelte,
beschrieb v. Frauenfeld in den Verhandl. d. zool.-bot. Gesellsch.
in Wien XII. p. 969.
Alexia balearicaJyo\\vi\ und Heynemann Malak. Bl. p. 110 von
Mallorka.
Ptecotrema Souverbii Montrouzier Journ. de Conchyl. X. p. 246.
pl. 9. ng. 12 von Neu-Caledonien.
Laimodonta conica Pease Proc. zool. soc. p. 242 von den Süd-
seeinsehi.
70P Troscliel: Bericlit üb. d. Leist. in d. Naturgescliiclite
Pedipes Jouani Montrouzier Journal de Conchyl. X. p. 244. pl. 9.
fig. 11 von Neu-Caledonien.
Limnaeacea. Norman berichtigt seine früb,ere Notiz (vergl.
der vorj. Bericht p. 260), dass Physa acuta in der Nähe von London
und im botanischen Garten zu Kew vorkäme, dahin, dass der er-
stere Fundort gestrichen werden müsse. Er sieht die Art nun als
mit Wasserplianzen eingeschleppt an. Annais nat. bist. IX. p. 185.
Physa (Ameria) Aliciae Lovell Reeve Proc. zool soc. von
Südaustralien. Ist in Holzschnitt abgebildet. — Ph. coromandelica
von Coromandel und Hochstetleri von Sandspit Massacre-Bay Nelson
Dunker Malak. Bl. p. 150. — Ph. costala Newcomb Proc. California
Acad. 1861. p. 104 aus Californien; zeichnet sich durch 10 — 14 er-
habene Ijängsrippen auf der letzten Windung aus.
Planorbis circmnspissus Morelet Pievue et mag. de Zoologie
p. 477 von Saigon. — PI. planulatus Explor. for a Railroad route XII.
IL part 3. p. 378 aus den Seen der Insel Whidby.
Die Entwickeluugsgeschichte von Limnaeus stagnalis hat L e-
reboullet in den Annales des sciences nat. XVIII. p. 87 — 211
veröffentlicht. Fünf Tafeln begleiten diese Arbeit.
Küster hat im Martini - Chemnitz'schen Conehylien - Cabinet
die Gattung Limnaeus begonnen und bis zur 69. Art fortgeführt,
auch bereits 11 Tafeln mit hübschen Abbildungen dazu geliefert.
Folgende Arten v^erden für neu angesehen: L. effusns Dalmatien,
Sandrii Dalmatien, microcephalns Meklenburg, doliolum Dalmatien,
ampulla Siebenbürgen , virens Oberitalien , vulneratus Dalmatien,
siculns Sicilien. hadius Dalmatien, subnlatns Dunker Mexiko, auri-
cula Ostindien, oliva Bengalen, umlaasianus Südafrika, megaspida
Brasilien?, singaporinus Ostindien. Es wird schwer sein die Art-
berechtigung mancher derselben aufrecht zu erhalten; auch muss
es auffallen, dass Verf. von mehreren Arten nicht einmal die Stelle
citiren konnte, an der sie zuerst beschrieben sind. Man darf sich
hieraus wohl den Schluss erlauben, dass er die Originalbeschreibun-
gen gar nicht verglichen hat, sondern die Stücke unter den Namen
annahm, wie sie ihm von Freunden mitgetheilt wurden.
Bourguignat glaubt, dass unter Limnaeus stagnalis bisher
acht Species confundirt seien. Revue et mag. de Zoologie p. 54,
auch Spicileges malacologiques. Es sind L. stagnalis, horealis, elo-
phila. raphidia, colpodia, Doriana, psilia, Tomasellii, die alle durch
Diagnosen charakterisirt sind, und die auf gewisse Theile Europa's
beschränkt sein sollen. So kommt L. stagnalis nur in Schweden,
Dänemark und Deutschland, borealis in Schweden und im nördlichen
Russland, elophila und Tommasellii in Frankreich, der Schweiz und
dem nördlichen Itaben, Doriana im südlichen Italien und Sicilien,
der Mollusken während des Jahres 1862. 709
eolpodia in der Türkei, raphidia in Dalmatien, psilia in Frank-
reich vor.
Limnaea spndicea Morelet Revue et mag. de Zoologie p. 478
von Saigon.
Wotobraiichiata.
Möbiiis spricht im zooi. Garten III. p. 269 über
einige nacktkiemige Schnecken der Ostseeaqnarien.
Doridae. Doris testudinaria Risso und D. Loveni (D. muri-
cata Loven) sind von Alder und Hancock Annais nat. hist. X.
p. 261 beschrieben.
Crimora nov. gen. Alder und Hancock Annais nat. hist. X.
p. 263 in der Subfamilie der Polycerinae. Körper limaxartig; Man-
tel fast obsolet, ein Segel mit ästigen Anhängen über dem Kopfe
und einen warzigen Rand an den Seiten des Rückens bildend;
Rückententakeln blättrig, in Scheiden zurückziehbar; Mundtenta-
keln höckrig. Kiemen federförmig, nicht zurückziehbar, etwa zwei
Drittel unter dem Centrum des Rücken^s ; Schwanz kurz ohne Leiste.
Auf der Radula stehn jederseits 26 Seitendorne von dreierlei Art,
keine Mittelplatte. C. papillrtfa von Guernsey. Die Gattung ist
verwandt mit Placomophoras Rüpp.
Eolididae. Doto cuspidata Alder und Hancock Annais nat.
hist. X. p. 264 von Shetlaud.
Elysiadae. Pagen Stecher beschrieb die Geschlechtsver-
hältnissc vonActaeon viridis. Er erkannte eine Zwitterdrüse, welche
in kuglige Läppchen zerfällt, deren Ji'des in seinem Innern sowohl
Eier als Samenfäden entwickelt. Diu Eier liegen näher dem Blind-
ende, die Samenelemente mehr nach dem Stiele zu und mehr cen-
tral. Ausserdem wird eine Eiweissdrüse und eine Prostata gedeutet.
Verhandl. des nat. med. Vereins zu Heidelberg 1862. p. 209 ; Zeitschr.
für wissensch. Zoologie XII. p. 283.
Limapontiadae. Limapontia depressa Alder und Hancock An-
nais nat. hist. X. p. 264 aus der Mündung des Hylton Dene bei Sun-
de rland.
Bullacea. Von einer Anzahl neuer Arten der Familien Cylich-
nidae, Bullidae und Philinidae von China und Japan giebt Arthur
Adams Annais nat. hist. IX. p. 150 die Diagnosen: Cylichnajaponica,
pruxini(t, venu^lula, rlmalti, latuncula, lepidala , coiuchrina., paral-
lela, assimilis, piimila . canclidnla, inedita. — Tornalina delicattila,
succincla. — Volvuln opalinn^ spectaiilis, ctjlhi 'rella, ovuliuff, ra-
diola, allenuala. — ^- IJaminea fulgida, lucida, slricjosa. — Scaphander
japonicus, Cnminnli, eloruialus^ sufcalinus, SieLvldii, dilatnius. — Älys
amphorella, scrobiculata. — lioxania puncliilala. — Alicula Iranslu-
710 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d Naturgeschichte
cens, secalina, volvnlina. — Sao follicvJvs, fihiala, elliptica. — Phi-
line scalplOy crenata, acutangula, striolafa.
Kleinella .sw/c^^a Adams Annais nat. hist. IX. p. 205 von Japan.
Monopleuro1>raiicbiata.
Plenrobranchidae- Die Gattungen ümbrella und Tylodina sind
von Küster im Conchylien-Cabinet, erstere mit 3, letztere mit 4
Arten bearbeitet worden.
SiphOnariacea. Sivkonarin depressa Pease Proc. zool. boc. p. 279
von den Südsee-Inseln.
Ancyloidea. Bourguignat hat in seinen Spicileges malaco-
logiques Paris 1862 die Gattung Ancylus behandelt, die er bekannt-
lich in zwei Gruppen zertheilt hat, Ancylastrum und Velletia. Er
kennt im Ganzen 80 Arten. Von Ancylastrum kommen in Europa
24 Arten vor, worunter 7 fossile ; in Afrika 9 eigene und 4 die auch
in Europa gefunden werden ; in Asien 4, in Oceanien 1 und in Ame-
rika 36. Die 6 Arten von Velletia, wovon 4 fossile, sind alle euro-
päisch. Als neu werden beschrieben : A. Tibenanns Sicilien, Peraudieri,
caliculatvs , platylenvs^ Brondeli und epipedns von Algerien , pla-
carius , aorus und plagioxus aus Brasilien ; adelinus , Pfeifferi und
complanatns aus Cuba.
Bourguignat stellte ferner in der Nähe der Gattung Gund-
lachia Pfr., zu deren bekannter Art er zwei neue G. Poeifi und Ade-
losia von Cuba hinzufügt, Revue de Zoologie p. 13 ; Spicileges ma-
lacologiques, zwei neue Gattungen auf:
P oey a testa supra gundlachiformi, infra ancyliformi ; apice
postico dextrorsum dejecto, ac valde compresso, obtusissimo, sine
culmine distincto ; apertura maxima, peristomate simplice. P. Gund-
lachioides von Cuba.
Brondeli ci testa ancyliformi, semper nitente laevissimaque,
ac plus minusve e culmine ad aperturain radiantibus planis ador-
nata; apice semper mamillato-coarctato, adpresso, postico, recurvo
ac Yj spiraliter sinistrorse spiram lateralem praebente ; peristomate
simplice, acuto, plus minusve undulato. Dahin Ancylus Drouetia-
nus Bourg. und eine neue Art B. gihbosu von Algerien. Sie sollen
auch ausser dem Wasser leben.
Brachiopoda.
Morse bespricht die Lage der Schalen bei den Bra-
chlopoden^ und vergleicht diese Thiere mit den Tiinicaten
und Muscheln. Er nimmt die Schalen für eine obere und
der Mollusken während des Jahres 1862. 711
untere, oder vielmehr für die Hämal- und Neural -Re-
gion. Proc. Boston Sog. IX. p. 57. — L. Agassiz er-
klärt ib. 68 die Schale der Brachiopoden für eine vordere
und hintere. Er vergleicht Lingula mit einem Bryozoon,
und erklärt das Schloss der erstem für homolog mit dem
Stiele des letzteren. Lingula müsse mit dem Stiele ab-
wärts gedacht werden, so dass das Schloss auf die ent-
gegengesetzte Seite und im rechten Winkel zu dem der
Lamellibranchiaten zu liegen kommt. Den Fuss der La-
mellibranehiaten nimmt er für homolog mit dem Stiele
der Bryozoen.
Nach Petit de la Saussayeist Terebratula monstruosa
Scacchi eine Monstrosität von T. truncata. Journal de Conchyl.
X. p, 218.
Die ausführliche und pründliche Monographie der Brachiopo-
den-Gattung Thecidea von Lacaze Du t hier s, über die im vori-
gen Berichte p. 264 eine Anzeige gemacht ist , befindet sich, be-
gleitet von 5 Tafeln in den Annales des sciences naturelles XV. 1861.
p. 259—330.
Bei einer Revision der Geschichte, Synonymie und geographi-
schen Verbreitung der lebenden Cranien und Orbiculae zählt L o-
vell Reeve in ersterer Gattung 3, in letzterer 7 Arten auf. An-
nais nat. hist. X. p. 126.
Die Gattungen Crania und Orbicula sind von Lovell Reeve
in der 220. Lief, der Conchologia iconica abgehandelt, jede auf einer
Tafel. Crania besteht aus 4 Arten : C. turbinata Poli, Süssii von
Sidney, rostrala Hoeninghaus fig. 3 a b und anomala Müll. — Orbi-
cula enthält 7 Arten : 0. Stella Gould, Antillarum d'Orb., lamellosa
Brod.j laevis Sow , tenuis Sow., Cumingii Brod., ostreoides Lam.
Lauiellibraucbiata.
Rolleston hat seine früheren Ansichten (vergl.
Bericht über 1859. p. 350 ) über die Beziehungen des
Wassergefässsystems zu dem Oviducalsystem bei den La-
mellibranchiaten in Folge neuer Untersuchungen geän-
dert. Seine Ansicht über das Vorhandensein eines Was-
sergefässsystems bleibt die alte^ die über das Oviducal-
system nennt er eine irrthümliche. Das Nähere möge in
der Abhandlung selbst Philosophical Transactions of the
712 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Royal Society of London Vol. 152. I. 1862. p. 29 nachge-
sehen werden, wo acht Experimente beschrieben werden.
Ostreacea. Seine Ansicht, dass es nicht thunlich sei, in der
Ostsee Austernbänke anzulegen, hat v. Baer neuerlich bestätigt
gefunden. Die Localität, wo die Austern an der Westküste von
Schleswig, bei Flensburg, gedeihen, fand er ausserordentlich günstig.
Auch erwähnt er einer Schrift von Eschriclit „Om den konstige
Oestersavl i Frankrigog om Anlag af konstige Oesterbanker i Liira-
fjorden. Kjöbenhavn 1860. 8.", die mir nicht bekannt geworden ist,
und daher in unseren Berichten nicht erwähnt werden konnte.
Der Liimfjord, welcher den nördlichen Theil von Jütland in ganzer
Breite durchzieht, war früher im Westen durch einen schmalen
Uferwall von der Nordsee getrennt. Derselbe wurde 1825 durch-
brochen, so dass das Salzwasser der Nordsee eindringen konnte,
und seitdem haben sich Austern darin gezeigt. Bulletin de St. Pe-
tersbourg V. p. 61.
lieber die Anlage von Austernbänken bei der Insel Re ,.Note
sur les huitrieres artificielles des terrains emergents'' berichtete C o s t e
der Pariser Akademie. Revue et mag. de Zoologie p. 444.
Östren Taliemnhanensis Crosse Journ. de Conchyl. X. p. 149.
pl. 6. fig. 6 von Nord- China.
Meuron hat im See von Neuchatel eine Anomia ephippium
gefunden, welche noch das Thier enthielt. Man vermuthet, dass
diese marine Muschel dort hingeworfen war. Bulletin de la soc.
des sc. nat. de Neuchatel V. p. 238.
Pectinacea. Keferstein untersuchte die Augen von Pecten
maximus. Zeitschr. für wissensch. Zoologie XII. p. 133. Er fand,
dass dem Auge der Glaskörper ganz fehlt, und dass das, was man
früher dafür nahm, der lichtempfiudende Apparat sei, und den
Stäbchen im Wirbelthier - Auge entspreche. Er tritt somit den
Anschauungen Krohn's und Leydig's bei.
Fischer gab Journal de Conchyl. X. p. 205. pl. 11 Nachricht
über die Anatomie der Gattung Himiites. welche in der Jugend
Pecten pusio ist. und welche die Eigenthümlichkeit darbietet, dass
sie im Mittelmeere stets die Form von Pecten pusio behält, wäh-
rend sie sich im Kanal in Hinnites sinuatus umbildet. Nach allen
anatomischen Merkmalen ist Hinnites ganz mit Pecten überein-
stimmend.
Arcacea. Pectunculus zonalis Lam. ist nach Petit de la
Saussaye eine Varietät von P. violacescens. Journal de Con-
chyl. X. p, 217. — P. formosus Reeve lebt an den Cap Verdischen
Inseln ib. p. 224.
Jeffreys fand Limopsis aurita bassi lebend bei den Shet-
der Mollusken während des Jahres 1862. 713
land-Inseln, und untersuchte das Thier. Er nennt die sechs leben-
den Arten dieser Gattung. Annais nat. hist. X. p. 343.
Arthur Adams beschrieb 9 neue Arten der Gattung Limo-
psis Proc. zool. soc. p. 229: Limopsis japonica , ohliqnn, Cvminqi,
rrennla und Forshah'i alle von Japan, Philippii unbekannten Fund-
ortes, abyssicola vom Cap, Macqillivrayi und Woodwardi von der
Eidechsen-Insel in der Torres-Strasse.
Cyrilla rfecMss«^« Adams Annais nat. hist. IX. p. 295 von Japan.
Nncalacea. Die Untersuchung der Thiere von Nucula nucleus
und Leda senegalensis hat Recluz Journal de Conchyl. X. p. 119
überzeugt, dass sie generisch verschieden sind, ja dass sie in ver-
schiedene Familien getrennt werden müssen, indem Nucula zu den
Asiphonophoren, Leda zu den Disiphonophoren gehört.
Avicalacea. Amcvla radiata Kingsmill Inseln und A. brunnea
Sandwich-Inseln Pease Proc. zool. soc. p. 244.
Mytilacea. lieber die drei Mytilus-Arten Eusslands, M- mini-
mus Poli, M, latus Chem.n. und M. edulis L. schrieb A. v. Nord-
mann im Bulletin de Moscou tom. 35. 1862. p. 408. Er bildet
einige Varietäten vdu M. latus ab, so wie namentlich eine Riesen-
form von M. edulis, welches eine Breite von 235 Mm. hat, bei einer
Länge von 97 Mm.
Crenella spectnbilis^ decorata, cornea, scnlptilis crocea, cnsta
A. Adams x\nnals nat. hist. IX. p 228 von Japan. — Cr. Vignonl
Petit de la Saussaye Journal de Conchyl. X. p. 250. pl. 10. fig. 7.
Modiolaria pusio Arthur Adams Annais nat. hist. IX. p. 229
von Japan.
Najades. W. von Vest hat sich mit der Frage über die
Abreibung der Wirbel bei den Unionen in Verhandl. des siebenbür-
gischen Vereins zu Hermannstadt XIII. 1862. p. 105 beschäftigt. Er
meint, dass beim Eingraben in den Schlamm die Epidermis durch
Reibung verletzt, und dass dann auf chemischem, noch mehr aber
auf mechanischem Wege der Kalk der Schale zerstört werde.
Isaac Lea, der unermüdliche Forscher der Unionen, hat wie-
der in dem Journal of the Academy of natural sciences of Phila-
delphia Vol. V. p. 53 — 109 neue Unioniden aus den Vereinigten Staa-
ten beschrieben und auf 18 Tafeln abgebildet. Die Diagnosen dieser
Arten sind sämmtlich schon in den Proceedings der Academie zu
Philadelphia in den Jahren 1857 — 1861 abgedruckt, daher schon in
unseren Berichten erwähnt. — Zufolge einer Introduction , welche
Verf. seinen Separatabdrücken beigefügt hat, sind aus den Verei-
nigten Staaten jetzt 607 Arten bekannt ; nämlich 520 Unio, 28 Mar-
garitana und 59 Anodonta. Verf. vermuthet noch einen grossen
Zuwachs zu dieser Zahl, indem namentlich Texas, Louisiana, Mis-
sissippi und Alabama noch weite Strecken enthalten, die noch nicht
714 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
durchforscht sind, und Florida noch ein fast jungfräuliches Gebiet
für die Untersuchung* ist.
Ebenda p. 187 — 216 hat derselbe Verfasser neue Unioniden
der Vereinigten Staaten und des arktischen Amerika, deren Dia-
gnosen theils schon früher, theils im Jahre 1862 in den Proceedings
der Philadelphia - Academie veröffentlicht sind durch ausführliche
Beschreibungen und Abbildungen auf 10 Tafeln sicherer festgestellt.
Unio arandidens von Arkansas, speciosus Texas, Leibii Michi-
gan, Gerhardtii Georgia, Mcrcerii Georgia, Arkansasensis Arkansas,
Bealei Texas sind neue Arten von L e a Proceed. Philadelphia p. 168.
— U. paramattensis Neu-Süd- Wales, Pdzii China, Lea ib. p. 176.
Die Gattung Unio ist von Küster in seinem Conchylien-
Cabinet von No. 257 — 312 fortgeführt, und damit abgeschlossen.
Daran schliessen sich unmittelbar die Gattungen Plagiodon Lea
mit 1 Art , Margaritana Schum. mit 11 Arten und Monocondylea
d'Orb. , welche mit der ersten Art begonnen ist. Als neu ^-erden
beschrieben: Unio turcicvs Parreiss Kleinasien, Kotschyi Küster
Kleinasien, pumilio Parr., semiplicatvs Küster Neuholland, sennaariensis
Küster Sennaar, Gabonensis Küster Gabon; — Margaritajia fragilis
Mousson Java.
Benson beschrieb folgende neue Arten der Gattung üniö
aus Indien und Burma: Unio Jenkinsianus aus Assam, pachysoma
Assam , Theca Bundelkhund, macileiihis Kohilkhund, flavidens Gan-
ges , Smaragdites Assam, triemholvs Rohilkhund, plagiosoma Bun-
delkhund, laevirostris Chunar, Pinax Rohilkhund, Leioma Bombay,
crispisulcatus Burma, Pugio Ava. Annais nat. bist. X. p. 1.95.
Unio imperialis aus Sümpfen beim Fluss Meina und ahnormis
von Bangkok Morelet Revue et mag. de Zoologie p. 480.
Monocondtilaea WheatJeyi Lea Proc. Philadelphia p. 176 aus
dem Tigris in Assyrien.
Godet glaubt in dem See von Neuchatel drei Arten von
Anodonten unterscheiden zu dürfen: A. cellensis Schrat., Charpen-
tieri Küst. und arealis Küst. Er hält es für möglich , dass diese
Formen nur locale Varietäten seien; immerhin sei es interessant,
die Gegenwart dieser drei Typen zu constatiren, zumal die dortige
conchyliologische Fauna übrigens so wenig verschieden von den
benachbarten Cantonen sei. Bulletin de la soc. de Neuchatel VI. p. 71.
Anodonta Leonensis aus Texas, Williamsii aus dem Potomac-
River, Tryonii aus dem Delaware sind neue Arten von Lea Proc
Philadelphia p. 169.
Astartidae. Conrad gründete Proc. Philadelphia p. 288 auf
Astarte triquetra eine neue Gattung P a r astar te, hoch, dreieckig,
gleichseitig, bauchig ; Epidermis blass und glänzend; Schloss der rech-
ten Schale mit einem dicken Zahn und tiefem und ziemlich langen
der Mollusken während des Jahres 1862. 715
Kanal in der Schlossplatte vor dem Zahn; linke Schale mit zwei
gleich divergirenden Zähnen.
Solemyidae. Reoluz hat Journal de Conchyl. X. p. 109 das
Thier der Gattung Solemya untersucht, um sich über die systema-
tische Stellung dieser Gattung zu entscheiden. Er findet wenig
Verwandtschaft mit Solen. Solemya ist eine zweimuskelige Muschel
mit zwei Siphonen, ohne Mantelbucht, mit innerem liigament; So-
len dagegen hat eine Mantelbucht und ein äusseres Ligament.
Galeommidae. Der Part XXI. von Sowerby's Thesaurus Con-
chyliorum bringt die Monographien der Gattungen Galeomma und
Scintilla, die zusammen zwei Tafeln in Anspruch nehmen. Erstere
umfasst 9 Arten, letztere deren 47. Bei Scintilla w^erden 3 Gruppen
unterschieden: 1) Arten mit einem Hiatus am Bauchrande, 11 Arten,
2) Arten ohne Hiatus, 21 Arten, 3) Arten mit einem Hiatus am
Laterodorsal-Rande, 15 Arten.
Galeomma japonica A. Adams Annais nat. bist. IX. p 228
von Japan.
Leptonidae. Lepton japonlcnm A. Adams Annais nat. bist. IX.
p. 228 von Japan.
Tellimya japonica A. Adams Annais nat. bist. IX. p. 225
von Jaj)an.
Lucinacea. Eine Monographie der Gattung Woodia, von der
auch eine Art W. digitaria (Lucina digitalis Lam.) im Mittelmeere
lebend vorkommt, lieferte 0. S emper Journ. de Conchyl. X. p. 141.
Cryptodon japonims, manchvrictis, oblonfjus, plicatus, sulcatuSf
subquadratus. svborhicularis A. Adams Annais nat. bist. IX. p. 227.
Myrtea. gibha, reticulata, fimbriatula, lamellata, plicahila, obe-
sula, decussata, circinnata, delicahila A. Adams Annais nat. bist. IX.
p. 225 von Japan.
Ghamacea. Der Gattung Tridacna sind in der 221. Lief, der
Conchologia icon. von Lovell Heeve 8 Tafeln gewidmet, auf
welchen 9 Arten dargestellt sind ; darunter neu : T. rvdis Philippi-
nen, compressa, Cumingii Philippinen, ferrvqinen.
Daran schliesst sich die Gattung Hippopus, deren eine be-
kannte Art auf einer Tafel abgebildet ist.
Cardiacea. Verticordia Deshayesiana Fischer Journal de Con-
chyl. X. p. 35. pl. 5. flg. 10 — 11 von China. — V. japonica und mul-
ticostafa A. Adams Annais nat. bist. IX. p. 223 von Japan. — Fi-
scher macht eine fernere Bemerkung über die Gattung Yerticordia
Journ. de Conchyl. X. p. 378 und zählt die 5 lebenden und 4 fossilen
Arten der Gattung auf, w^elche bis jetzt bekannt geworden sind.
Verf. hält es für möglich, dass V. japonica Adams mit seiner V.
Deshaysiana identisch sei. Nach der Beschaffenheit des Thieres ge-
hört die Gattung in die Nähe der Isocardien.
716 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
GyClädeä- Cyrena sphaerica, acuta und fortis, die schon im
vorigen Jahre von Temple Prime aufgestellt waren, sind Journ.
de Conchyl. X. p, 386 abgebildet.
Corbiculn Larnauflieri von Siam und mediocris ohne Vater-
landsangabe Temple Prime Annais of the Lyceum of New- York
VII. p. 480. — Derselbe bildete seine C. Lydigiana und prolongata
so wie eine neue Art gracilis von Java im Journal de Conchyl. X.
p. 388. pl. 14 ab.
Batissa elegans Prime Journal de Conchyl. X. p. 385. pl. 13.
flg. 1 unbekannten Vaterlandes. — B. sphaericula von Java und so~
lidula unbekannten Vaterlandes Prime Proc. zool. soc. p. 2. — B.
Primei Morelet Revue et mag. de Zoologie p. 480 aus Nord-China.
Temple Prime setzte die Monographie der Gattung Sphae-
rium (vergl. vorj. Bericht p. 268) fort, und beschrieb zu den frühe-
ren 14 Arten noch fernere 24, so dass die Gattung auf 38 Arten
anwächst. Neue Arten sind nicht darunter. Proc. Philadelphia p. 28.
Pisidium Novae ZeUmdiae Prime Proc. zool. soc. p. 3 von
Neu-Seeland. — P. acddentale Newcomb Proc. California Acad. 1861.
p. 94 von San Francisco.
Temple Prime hat seine Glanconome ]glauca, die er schon
im vorigen Jahre aufgestellt hatte, im Journal de Conchyliologie X.
p. 383. pl. 14. fig. 5 abbilden lassen; ebenso zwei neue Arten GL
sumatrensis ib. fig. 3 von Sumatra und Cumincfi fig. 4 von Malacca.
Veneracea. Few?/s (Gemma) M^nÄrt^/cw.s/s Temple Prime Annais
of the Lyceum of New- York VlI. p. 482.
Römer lieferte Malak. Bl. p. 58 — 86 eine kritische üeber-
sicht der Arten aus der Cythereengruppe Cnryatis (Pitar olim).
Dass Verl, den altern Namen ändert, v/eil derselbe als Masculinum
unbequem wird und überhaupt dem Verf. nicht gefällt, ist nicht zu
loben, da jeder unnütze Namen mehr Verwirrung veranlasst. Verf.
nimmt 45 Arten an, wozu vielleicht noch einige zweifelhafte Arten
hinzutreten müssen.
Cytherea (Tivela) hians Phil, wurde von Römer früher zu
Tivela planulata citirt, ist aber nun nach Erlangung von Exem-
plaren von Mazatlan als eigenthümliche Species anerkannt. Malak.
Bl. p. 57.
Von Römer erhielten wir Malak. Bl. p. 137 eine kritische
Uebersicht sämmtlicher Arten aus der Cythereengruppe Lioconcha
Mörch. Es sind 20 Arten, die in drei Gruppen vertheilt werden.
Im Zusammenhange mit den Novitates conchologicae, und als
ein Supplement derselben, in gleichem Formate und Ausstattung
erschien eine Monographie der Molluskengattung Dosinia Scop.
(Artemis Poli) von Ed. Römer. Im Jahre 1862 wurde die erste
Lieferung derselben ausgegeben, in welcher 19 Arten Beschrieben
der Mollusken während des Jahres 1862. ' 717
werden. Wir müssen im nächsten Berichte auf diese Monographie,
die Frucht sorgfältigster Forschung, noch einmal zurückkommen.
Cxjpricardia spathulata Souverbie Journ. de Conchyl. X. p. 233.
pl. 9. fig. 2 von der Insel Art.
Fetricola pseudolima Souverbie Journ. de Conchyl. X. p. 231.
pl. 9. flg. 1 von der Insel Art.
Nach Recluz Journal de Conchyl. X. p. 114 gehört die Gat-
tung Venericardia weder zur Venusfamilie , wohin sie L a m a r c k
stellte, noch zu Cardita, wozu sie die meisten späteren Conchylio-
logen rechneten, sondern müsste eine eigene Familie bilden.
Tellinacea. ßernardi hat in prächtiger Ausstattung eine
Monographie des genres Galatea et Fischeria Paris 1860. 4 her-
ausgegeben. — Nach einer Schilderung der Anatomie ist Verf. der
Ansicht, dass die Gattung Galatea näher mit Donax als mit Cyclas
verwandt sei. Verf. kennt 14 Species, die er in 7 Gruppen ordnet,
deren letztere die Gattung Fischeria ist. Unter den Arten sind
neu : G. Kochii Centralafrika, Lubachii Afrika, Heiikelomii Afrika,
Cumingii Dunker MS. Gabon, Caillimidi Afrika. — Die Gattung
Fischeria wird als ein Zwischenglied zwischen den Gattungen
Galatea, Cyrena und Iphigenia bezeichnet. Sie unterscheidet sich
von den Galateen durch den rudimentären Zustand der seitlichen
Schlosszähne der rechten Schale und durch die verlängerten Seiten-
zähne, von den Cyrenen durch die minder zahlreichen Schlosszähne,
die Tiefe der Mantelbacht und Abwesenheit der Seitenzähne in der
rechten Schale, von den Iphigenien durch die Gegenwart der Sei-
tenzähne, die Dicke der Schale u. s. w. — Die Art F. Delessertii
lebt in den Flüssen am Cap Palmas in Guinea. — Die Abhandlung
von neun Tafeln begleitet, auf deren einer die Anatomie darge-
stellt ist.
Mesodesma Reenlsii von Neuseeland, anodontina und aequilatera
sind neue Arten von Römer Malak. Bl. p.- 184.
Ervilia japonica A. Adams Annais nat. bist. IX. p. 224 von
Japan.
Gorbulacea. Corbula amplexa A. Adams Annais nat. bist. IX.
p. 223 von Japan.
Pholadidae. Tryon hat Studien über die Classification und
Synonymie der lebenden Pholaden gemacht und sie in den Proceed,
Philadelphia p. 191—221 veröffentlicht. Er unterscheidet in der
Ordnung Pholadacea zwei Familien: I. Pholadidae mit zwei Sub-
familien: 1) P holadinae, bei denen die Schalen vorn klaffen, und
niemals im Alter geschlossen werden, dahin die Gattungen Pholas L.,
Dactylina Gray, Xylophaga Turton, Talona Gray, Barnea Leach,
Monothyra Tryon, Navea Gray und Zirphaea Leach. 2) Jouan-
nelina e, bei denen die vordere Oeffnung in der Jugend ofifen ist,
718 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
im Alter durch eice Platte geschlossen wird; mit den Gattungen
PenitellaVal., Pholadidea Turton, Parapholas Conrad, Jouaunetia Desm.,
Martesia Leach. 11. Teredidae mit drei Subfamilien; 1) Tere-
d i 71 ae mit freien Schalen in einer Röhre, welche unregelmässig
cylindriscb, zuweilen stark gewunden ist; bohrt in Holz. 2) T e r e-
dininae. Schalen mit einer accessorischen vorderen dorsalen
Platte ; ihre Ränder im Alter in eine Kalkröhre verlängert ; Röhre
häufig gekammert (fossil). 3) Kwphi na e. Ohne Schalen; Röhre
keulenförmig cylindriscli , in Sand eingesenkt ; bohrt niemals in
Holz. — Die vorliegende Abhandlung behandelt die Familie der
Pholadidae. Nach einem alphabetischen Index der Species und
einem alphabetischen Index der Autoren folgt das systematische
Yerzeichniss der Species mit den Synonymen und Angabe des Va-
terlandes.
In derselben Zeitschrift p. 453 folgt dann die Familie Tere-
didae. Daselbst werden aus der Subfamilie Teredinae die Gattun-
gen Teredo L. mit 17 Arten, wovon eine dem Subgenas Calobates
Gould angehört, Uperotis Guett. mit einer Art, Xylotrya Leach mit
7 Arten beschrieben. Zur Subfamilie Teredininae gehört das fossile
Genus Teredina Lam. Die Subfamilie Kuphinae enthält die Gatt.
Kuphus mit 1 Art.
Fischer hat im Journ. de Conchyl. X. p. 371. pl. 15. fig. 1. 2
das Thier von Jouannetia Cumiugi nach einem Weingeistexemplare
von Neu-Caledonien beschrieben und abgebildet; auch zwei neue
Arten dieser Gattung aufgestellt: J. Duchassain^i Desh. pl. 15. fig. 3
von Panama und J. Vignoni von West-Afrika.
Diplothyra ist eine neue Gattung von Tryon aus der
Familie Pholadidae, Subfam. Jouannetinae, die sich von Martesia
durch die doppelte oder getheilte dorsale Platte unterscheidet ; die
Hauptplatte liegt gerade über den Wirbeln, an sie schliesst sich
vorn eine kleinere an. Die Art D. Siuithii kommt von Tottenville,
Staten Island, wo sie in Austern bohrt. Proc. Philadelphia p. 449.
Tuiiicata.
Franz Eilhard Schulze hat die Struktur des Tunica-
tenmantels und sein Verhalten im polarisirten Lichte untersucht.
Zeitschr. für wissensch. Zoologie XII. p. 175.
Gegenbaur beschrieb in Reichert's und Du Bois' Archiv
p. 149 eine bei Helgoland gefundene Ascidie, Didemnum gelatino-
sum, an der er die Entwickelungsgeschichte verfolgen konnte. Aus
einem Ei gehen zwei unter einander verbundene Individuen hervor,
von denen das eine früher als das andere zur Ausbildung kommt,
der Mollusken während des Jahres 1862. 719
obgleich beide schon von Anfang an gleichzeitig in der Larve an-
gelegt waren. Der Embryo besitzt ein Auge, einen Schwanz und
dreierlei Anhänge: saugnapftragende, pelottenförmige und knospen-
artige. Das Auge, der Schwanz und die saugnapftragenden An-
hänge gehen später verloren, die pelottenförmigen bestehen fort;
das eine knospenartige bildet sich zu dem Magen des Haupt-Indi-
viduums um , das andere wird zu dem zweiten Individuum. Verf.
erkennt in dieser Entwickelungsweise ein Verbindungsglied mit den
zusammengesetzten A seidien.
Eine neue Asciden-Gattung von den Bellona-Riffen 21^51' S. Br.
159° 28' 0. L. beschrieb Macdonald Journal of the Proc. Linn.
Soc. VI. p. 78 unter dem Namen Pera HuxleyL Das Thier ist von
einer lederartigen Hülle umgeben, die wie eine Schupftabaksdose
von einem Deckel geschlossen werden kann. Es ist in Holzschnitt
abgebildet.
Bonn, Druck von Carl Georgi.
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