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ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN
FORTGESETZT VON W. F. ERICHS ON.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. DP- LE UCK ART IN GIESSEN
HERAUSGEGEBEN
D« F. ZI. TKOSCHSI.,
PROFESSOR AN DER FRIEDRICH- WILHELMS-UNIVERSITÄT ZU BONN.
BBEI UND TJREISSIGSTEn JAHBGANG
£rster Band.
Mit neun Tafeln.
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Berlin,
Nicolai sc he Verlagsbuchliandluiig.
(A. Eöert und L. Lindtner.)
1867.
Inhalt des ersten Bandes.
?eite
Beitrag zur Insekten-Fauna von Zanzibar, nach dem während
der Expedition des Barons v. d. Decken gesammelten
Material zusammengestellt von A. Gerstaecker
Anatomie von Helicina titanica. Von Dr. Caspar Isen-
krahe in Bonn. Hierzn Taf. I. ...
Ueber die Entstehung der Töne^ welche Palinurus vulgaris
mit den äusseren Fühlern hervorbringt, von Dr. Karl
Möbius in Hamburg. Hierzu Taf. H. Fig. 1 u. 2. .
Kurze Notiz über zwei chilenische Blutegel, von Dr. R. A.
Philippi in Santiago de Chile. Hierzu Taf. II. Fig.
A und B .
Ueber die Anwesenheit zweier Drüsensäcke im Cephalothorax
der Phalangiden, von Dr. A. Krohn
Einige Worte über Euplectella aspergillum Owen und seine
Bewohner, von C. Sem per in Würzburg
Ueber die Gattung Cremnobates Blanf. Von Troschel
Hierzu Taf. II. Fig. a . . . .
Alberti magni historia animalium, von Dr. Carl Jessen
Ueber ostasiatische Echinodermen, von E. v. Martens. Fort
Setzung. Hierzu Taf. III .
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens, von
Dr. Reinhold Hensel in Berlin
50
73
76
79
84
90
95
106
120
JIdafJi
IV
Seite
lieber die Molclie (Salamandrina) der württembergischen
Fauna. Von Dr. Leydig. Hierzu Taf. IV— VI . 163
Verzeichniss der von Dr. Gundlach auf der Insel Cuba
g-esammelten Chrysomelinen . von Dr. E. Suffrian,
Scliulrath in Münster. Fortsetzung . . . 283
Ueber Baianus armatus und einen Bastard dieser Art und des
Baianus improvisus var. assimilis Darw., von Fritz
Müller. Hierzu Taf. VII— IX . . . .329
Zur Fauna des schwarzen Meeres. Vorläufige Mittheilung von
Dr. Job. Marcusen in Odessa .... 357
Beitrag zur lusekteu-Faiiiia von Zanzibar^
Deich dem während der Expedition des Baron v. d. Decken
gesammelten Material zusammengestellt
von
A. Gerstaecker.
Unter allen Theilen des Afrikanischen Continents,
so weit sie durch Europäische Ansiedelungen und Expe-
ditionen überhaupt zugängig geworden sind^ ist in Bezug
auf seine Insektenfauna wohl kaum einer so wenig be-
kannt geworden oder man kann sagen: so vollständig
unbekannt geblieben als die Küste von Zanzibar und die
sich ihr nach innen zunächst anschliessenden Länder-
strecken. Vergebens würde man in der Entomologischen
Literatur nach einem auf jenes Gebiet bezüglichen fau-
nistischen Beitrag suchen : kaum^ dass sich in Monogra-
phieen einzelner Familien und Gattungen die eine oder
andere von dorther stammende Art verzeichnet findet.
Die hier in unserer Kenntniss noch bestehende Lücke
macht sich aber um so fühlbarer, als es gerade die Ost-
küste Afrika's ist, welcher sich zum Theil bereits seit
längerer, anderentheils in der neuesten Zeit die Forschung
vorwiegend zugewandt hat und von welcher man zugeben
muss, dass sie in Bezug auf ihre entomologische Fauna
bei weitem vollständiger bekannt geworden ist als der
grössere Theil der Westküste. Die bereits den älteren
Autoren in weiterer Ausdehnung bekannte Insektenfauna
Aegypten's hat besonders durch Klug 's Beiträgein den
Symbolae physicae einen ansehnlichen Zuwachs erhalten
und von den in diesen gleichzeitig berücksichtigten
Archiv f. Naturg. XXXIIl. Jahrg. 1. Bd. 1
2 Gerstaecker:
Ländermassen Nubien's und Abyssinien's ist die letztere
später durch Guerin's und Reiche 's bekannte Arbei-
ten, welchen das auf zwei französischen Expeditionen
gesammelte Material zu Grunde gelegt ist, wenigstens
für einzelne Insektenordnungen spezieller erläutert wor-
den. Wie sich hier, auf der nördlich vom Aequator ge-
legenen Hälfte Afrika's die Forschung ihren Weg all-
mählig von Norden nach Süden bahnte, nahm sie auf
der Südhälfte vom Hoffnungscap ihren Ausgang. Wäh-
rend die Insektenfauna des Caplandes wenigstens in den
Sammlungen seit langer Zeit reich vertreten, wenn auch
nur zum Theil und meist in Monographieen zerstreut
publicirt war, wurde in neuerer Zeit die überaus reich-
haltige des Caffernlandes besonders durch Boheman
und Loew in umfangreichen faunistischen Arbeiten
einer sorgsamen Darstellung unterzogen, bis dann schliess-
lich auch durch die Publikationen Bertoloni's, Klug's,
Hagen' s, Schaum's u. A. die Faunen der Sofala-
und Mossambique- Küste, wenngleich bei weitem dürf-
tiger als Port-Natal und die Delagoa-Bay, so doch nach
einer grösseren Anzahl charakteristischer Formen aller
Insektenordnungen zur Kenntniss kamen. Die Forschun-
gen rückten also von beiden Seiten her der Zanzibar-Küste
zu, ohne sie indessen mit in sich zu begreifen; sie blieb
ganz besonders in Bezug auf ihr Inneres bis heut zu
Tage eine terra incognita.
Diese ansehnliche zwischen dem Hochlande Abys-
sinien's und der Mossambique-Küste bestehende Lücke
in Bezug auf die Insektenfauna wenigstens theilweise
auszufüllen, bietet sich gegenwärtig eine nicht unbedeu-
tende Sammlung dar, welche während der i. J. 1862
unternommenen und anfänglich zu so grossen Hoffnungen
berechtigenden Expedition des unglücklichen Baron v.
d. Decken durch den Begleiter desselben, Dr. 0. Ker-
sten in Altenburg mit grosser und nicht genug anzu-
erkennender Mühe und Sorgsamkeit zusammengebracht
und dem Verf. dieses behufs wissenschaftlicher Verwer-
thung zugestellt worden ist. Dieselbe besteht aus In-
sekten der verschiedensten Ordnungen, deren Artenzahl
Beitrag zur Insekten-Fauna von Zanzibar. 3
im Ganzen bis jetzt noch nicht näher festzustellen war,
die sich aber in der Ordnung der Coleopteren, welche
den bei weitem grösseren Theil ausmacht, leicht auf 250
bis 280 verschiedene Arten belaufen mag.
Obwohl die durch den Widerstand der Eingebornen
nach kurzem Verlauf abgebrochene Expedition des Baron
V. d. Decken v. J. 1862 ihrer Zeit durch die Deutschen
Geographischen Zeitschriften allgemein zur Kenntniss
gekommen ist, so mag die von den Reisenden einge-
schlagene Route behufs genauerer Orientirung über den
Fundort des von ihnen gesan:imelten und weiter unten
speziell zu erörternden Materials hier nochmals in Kur-
zem vorgeführt werden. Nach ihren eigenen Mittheilun-
gen 1) brachen v. d. Decken und Dr. K ersten am
3. October 1862 von dem auf der Insel gleichen Namens
gelegenen Ort Mombas (4^' südl. Br., STYs» östL L. Paris)
zunächst in südlicher Richtung nach Wanga (4%^ südl.
ßr., 37^ östl. L.) auf, um sodann gegen Westen dem
Laufe des Küstenflusses Umba längs seines südlichen
Ufers zu folgen. Nach Ueberschreitung desselben bei
seinem von Süden herkommenden oberen Lauf wurde
eine nordwestliche Richtung über Baramu (472^ südl.
Br., 360 östl. L., 1475' hoch), Gonda (1900'), Kisuani,
Ngurungani und die Kisungu-Berge eingeschlagen und
nach 14 Tagen der See Jipe (31/2^ südl. Br., 35V4^ östl.
L.) erreicht. Von hier aus richtete sich der Marsch in
westlicher Richtung nach Usanga und auf die etwas
über 5000 Fuss hohen Ugono-Berge, welche bis zu einer
Höhe von 4000' bestiegen wurden, sodann quer über die
vom Kilimandjaro entspringenden Quellflüsse des Pan-
gani nach den Aruscha- Bergen (372^ südl. Br., 3574^
östl. L.). Da hier ein weiteres Vordringen nach Westen
durch die Eingebornen verhindert wurde, wandten
sich die Reisenden nördlich nach den Djagga-Bergen
und unternahmen von hier aus über Uru und Mossi
(4500' hoch) am 27. Novbr. eine zweite Besteigung des
1) Zeitschr. f. allgem. Erdkunde, N. F. XIV, S. 348—351 und
XV S. 141 — 152.
4 Gerstaecker:
zuerst im Jahre 1848 durch Rebmann entdeckten rie-
sigen Kilimandjaro (3^ südl. Br., 3572^ östl. L.), auf dem
sie am 29. Novbr. bis zn einer Höhe von 13^900 Engl.
Fuss gelangten. Es konnten hier die höchsten, mit
ewigem Schnee bedeckten Gipfel dieses Gebirges zu
19,858 und 20,065 Engl. Fuss und die Schneehnie zu
etwa 16,400 Engl. Fuss bestimmt, aus den zahlreichen
daselbst gesammelten Gesteinproben aber mit Sicherheit
festgestellt werden, dass man sich auf einem alten Vul-
kan befand. Die durch anhaltend ungünstige Witterung
und Mangel an Proviant gebotene Rückkehr wurde nach
langw^ierigen Irrwegen über Mossi (Moschi) und Daffeta
ausgeführt und von hier die Rückreise nach Mombas
längs des östlichen Ufers des See Jipe über die ßura-
und Endara-Berge angetreten. In Mombas langten die
Reisenden am 26. Decbr. 1862, also nach kaum drei-
monatlicher Abwesenheit wieder an.
Der Distrikt, aus welchem die von Dr. K ersten
zusammengebrachte Sammlung stammt, liegt mithin zwi-
schen dem 3*^ und 5*^ südl. Br. und dem 35« und Sl^
östl. L. Die grosse Mehrzahl der Arten wurde auf dem
sich der Zanzibar - Küste nach innen anschliessenden
Plateau in einer Höhe von 1500' bis 4000' und auf die-
sem an den verschiedensten der oben genannten einzel-
nen Orte gesammelt. Nur eine kleine Zahl von Exem-
plaren stammt von der Expedition auf den Kilimandjaro
und zwar von einer Höhe von etwa 8000' ; gerade diese
sind für die geographische Verbreitung der Insekten in
Afrika von besonderem Interesse. Obwohl diese Samm-
lung unter^ besonders erschwerenden Umständen, wie sie
eine in steter Fortbewegung begriffene Expedition durch
eine Gebirgsgegend des tropischen Afrika selbstverständ-
lich mit sich führt, zusammengebracht w^orden ist, sind
von Dr. K ersten doch alle einzelnen Arten mit ge-
nauen Angaben über den Ort und das Datum ihres
Fundes versehen und ganz besonders ist die Ordnung
der Coleopteren, welche wegen ihrer grösseren Reich-
haltigkeit und der zahlreichen unter denselben befind-
lichen neuen Arten hier zunächst in Betracht gezogen
Beitrag zur Insekten-Fauna von Zanzibar. 5
werden soll^ fast durchweg von vorzüglicher Conser-
vation.
Es wäre übereilt^ nach einer Sammlung, welche,
wie die vorliegende, in einem kurzen Zeitraum und
unter Verhältnissen zusammengebraclit worden ist, wel-
che nur das sich auf dem Wege von selbst darbietende
oder durch vorübergehende Nachforschungen zu erlan-
gende Material mitzunehmen gestatteten, ein Bild von
der Insektenfauna Zanzibar's geben und besonders auf
dieselbe Schlüsse in Betreff ihres Charakters und ihrer
Reichhaltigkeit gründen zu wollen. Sollten solche nur
einigermassen dem Sachverhalt entsprechen, so wäre
dazu begreiflicher Weise ein ganz anderes Material er-
forderlich. Bei dem vorliegenden kann es sich nur
darum handeln, das Verhältniss der unter den aufgefun-
denen Arten vorhandenen neuen zu den bereits aus
anderen Gegenden Afrika's bekannt gewordenen zu erör-
tern und diejenigen unter ihnen hervorzuheben, welche
nach den bisherigen Erfahrungen über die Verbreitung
der Gattungen und Arten als für die Gegend charakte-
ristisch angesehen werden müssen. Bei einem Ueber-
blick über die Sammlung im Allgemeinen tritt zunächst
in Betreff der Repräsentation der Familien nichts Auf-
fälliges hervor: wie in den meisten Gegenden des tro-
pischen Afrika stehen die Carabiden, die Lamellicornien ,
die Melasomen, die Vesicantien und die Curculionen an
Artenzahl oben an. Mit spezifisch tropischen Formen
von ansehnlicher Grösse und hervorstechender Form und
Färbung sind kleine und wenig prägnante in ansehnli-
cher Zahl gemischt. Doch ist das Zahlenverhältniss bei-
der je nach den Familien ein sehr verschiedenes, beson-
ders unter den Curculionen, welchen ansehnlichere For-
men, wie BraohyGerus, Hipporrhinus u. A. ganz abgehen.
Unter den durch Grösse und Form ausgezeichneten
Arten, durch welche der Fauna eines Landes ihr cha-
rakteristisches Gepräge verliehen wird, zeigt sich bei
vorwiegender spezifischer Verschiedenheit eine deutliche
Verwandtschaft mit solchen aus dem Caffernlande und
besonders von Port Natal, während sowohl eine Identität
6 Gerstaecker:
als eine nahe Beziehung zu Abyssinischen und Mossam-
biquer Arten sehr viel spärlicher auftritt. Das Verhält-
niss der neuen Arten zu den bereits aus anderen Länder-
strichen Afrika's bekannt gewordenen stellt sich nach
den bisherigen Ermittelungen im Durchschnitt wie
58 : 33, also etwa wie ÖV^ : 3, sehr wechselnd dagegen
bei den einzelnen Familien : denn während z. B. von 31
Carabiden 25, von 7 Staphylinen 6 und von 34 Lamelli-
cornien 22 neu sind, fanden sich deren unter 5 Gyriniden
nur einer und unter 11 Histeriden nur zwei.
Zu den die Fauna des Landes charakterisirenden
Formen liefert die Familie der Carabiden den wichtig-
sten Beitrag. Eine Carahis-Kri, welche weit von allen
ihren Gattungsverwandten im äquatorialen Afrika vor-
kommt, ist für die Insekten-Geographie ein Phänomen,
zumal die Gattung nach den bisherigen Erfahrungen
überhaupt der Tropenzone fehlte; das Vorkommen des
Carabus Decheni in einer Höhe von 8000' (auf dem Kili-
mandjaro-Gebirge) liefert aber wieder den Beweis dafür,
eine wie wichtige Rolle die vertikale Erhebung des
Bodens und die davon abhängige Degradation der Tem-
peratur bei der geographischen Verbreitung selbst sol-
cher Gattungen spielt, welche sich in der überwiegenden
Mehrzahl ihrer Arten genau an bestimmte Breitegrade
binden. — Ferner muss als charakteristisch das Auftre-
ten von 7 Anthia-KviQTi auf einem so verhältnissmässig
kleinen Raum, wie es der hier durchforschte ist, ange-
sehen werden; ebenso das gleichzeitige Vorkommen von
zwei ausgezeichneten Galerita- KvtQWy welche der bis
jetzt artenarmen Afrikanischen Gruppe des G. Africana
Dej. angehören. Wird diesen noch ein durch Form und
Zeichnung von allen bekannten Arten auffallend abwei-
chender Panagaeide {Craspedophorus eustalactus) hinzu-
gefügt, so* zeigt die Familie schon in den wenigen bis
jetzt aus derselben vorliegenden Arten, welche sich sonst
theils in vorwiegend tropischen, theils allgemein ver-
breiteten Gattungen bewegen , genug des Charakteri-
stischen.
Dass die aus Zanzibar vorliegenden Gyriniden
Beitrag- zur lusekten-Faima vou Zanzibar. 7
und Histeriden der Mehrzahl nach bereits bekannten
Arten angehören, bekräftigt von Neuem die bereits ge-
wonnene Erfahrung, wonach viele Arten dieser Familien
eine weite Verbreitung in Afrika haben. Die wenigen
Staphylinen fallen sämmtlich weiter verbreiteten Gat-
tungen zu und einer spezielleren Erwähnung könnte höch-
stens der Oedichirus stilicinus als einer bis jetzt arten-
armen Gattung angehörend verdienen.
Unter den Lamellicornien sind die Gruppen der
Cetonien und Coprophagen vorwiegend vertreten. Von
ersteren liegt ein eigentlicher Goliathide bis jetzt nicht
vor, dagegen neben Repräsentanten weiter verbreiteter
oder vorwiegend afrikanischer Gattungen (Flaesiorrhina,
Discopeltis j Oxythyreay Paclinoda, Diplogiiathaj Hoplo-
stomusj eine in mehrfacher Beziehung auffallende neue
Gattung fTrymodera) und je eine Art von Heteroclita
(aus dem Kilimandjaro- Gebirge) und Coenochilus. Dass
die Coprophagen sich fast ganz auf die Gattungen Ateu-
chus, Gymnojpleurus und Onthophagus beschränken, mag
nur zufällig sein; jedenfalls werden Copris und Onüis
auch in Zanzibar nicht fehlen. Unter den Melolonthiden
machen sich besonders einige auffallend grosse Coniopho-
Z^6■-Arten, von denen die eine an Leticopkolis erinnert,
bemerklich.
Die wie gewöhnlich in Afrika reich vertretenen
Melasomen zeigen in den Gattungen Zophosis, Pogo-
nohasisj Opatrum, Selenepistoma, Tentyria u. A. den ge-
wohnten Habitus , nehmen dagegen ein charakteristi-
scheres Ansehn bei Machla Hbst., Flatynotus Fab. (He-
teroscelisjj Diodontes Sol. , Phrynocolus Lac. , Adesmia
Fisch. fMaoropodaJ , Sepidium, Miorantereus Sol. und
Eupezus Dej. an. Von den Arten des Caffernlandes fast
durchgängig spezifisch verschieden, lehnen sie sich diesen
doch auf das Engste an. Als eine auffallende, mit Mos-
sambique gemeinsame Form wäre noch Dinoscelis Passe-
rinii B er toi. zu erwähnen.
Dass die Mylabriden von Zanzibar nichts beson-
ders Charakteristisches an sich tragen , kann bei der
gleichmässigen Verbreitung und der sich in bestimmten
8 G er staecker:
Gränzien bewegenden Livree aller Afrikanischen Arten
niclit Wunder nehmen; dagegen muss das Gleiche an
den dortigen C u r c u 1 i o n e n auffallen. Von grösseren For-
men ist nur ein Microcerus anzuführen, welcher mit dem
Micj\ spiniger Gerst. aus Mossambique nahe verwandt
ist; im üebrigen sind weit verbreitete und unscheinbare
Gattungen, wie Brenthus, GleonuSy Lixus, Soiohius, Ere-
mnus, Mitophorus, BaridiuSj Cossonus u. s. w. die vor-
herrschenden.
Die wenigen Longicornien, welche die Sammlung
enthält, sind gleichfalls nur dem kleineren Theile rfach
erwähnungswerth : vor allen eine der kürzlich von West-
wood (Transact. entom. soc. 3. ser. II. Proceedings p. 134)
charakterisirten Prioniden-Gattung Cantliaroctenus ange-
hörige Art mit 20gliedrigen Fühlern, welche daher, wie
es scheint, von C. BuvGliellii Westw. verschieden ist. Die
bis jetzt nur aus zwei Arten bestehende Callichromiden-
Gattung Gompsomera White erhält einen Zuwachs an
einer dritten, welche der C. elegantissima White näher
steht als der C speoiosissima Gerst. aus Mossambique.
Die im tropischen Afrika sonst so zahlreichen grösseren
Lamien-Formen haben ihren einzigen Vertreter in einer
der Ger, jaspidea Dej. sehr ähnlichen Geratites-Kvi.
Von den im Folgenden zunächst verzeichneten 91
Coleopteren haben sich bei näherer Prüfung 58 als neu,
die übrigen als bereits früher beschrieben herausgestellt.
Dass von ersteren die eine oder andere Art schon in
anderen Theilen Afrika's aufgefunden, ist wenigstens aus
der Literatur nicht nachzuweisen. Unter den 33 schon
früher beschriebenen kommen 12 (Antliia hinotatay Gal-
leida angusticollis^ Goptodera equestrisj Tachys apicalis,
Dineutes Äfricanus^ Berosus furoatus, Saprinus amoenu-
luSy Oxythyrea amabiUs , Diplognatha silicea^ Oi^yotes
Boas, Schizonyoha valida und Popilia hipuiiGtatd) auf
Port Natal, dagegen nur 2 fGetonia virginea und Phae-
nomeris BeschiiJ auf Mossambique; eine derselben ist
zuerst aus Guinea fHister oyanescens) , 5 (Ghlaeniiis
Boisduvalii, Piacodes Senegalensis, Hister tropicalis, On-
thophilus 9 costatus, Hoplostomus fuligineus) vom Senegal,
Beitrag zur Insekten-Fauna von Zanzibar. 9
3 fDineutes aereus und subspinosiis, Paederus sabaeusj
aus den Nil-Ländern bekannt geworden und die 5 übri-
gen (Saprinus spleoidens, Temnorhynchus Diana, Änomala
mixta, Trox squalidus u. Hyboso7'us llligeri) haben über-
haupt eine weite, zum Theil allgemeine Verbreitung in
Afrika.
Carabidae.
1. Myrmecoptera nohilitata. Supra ohsoure
aeneaj suhtus viridi-cyanea, palpormn hasi lahrique Linea
media fulva, elytris irregulariter quinqiöe-costatis, apice
suhspinosisj macula discoidali vittaque postica margiiiali
ehw^neis. Long. 20 milL $
Myrm. limhatae Chaud. (Bullet, d. natur. de Moscou
1860. II, p. 304, n. 3), quantum descriptio docet, simil-
lima et quoad elytrorum picturam congruens: differt vero
statura majore, corpore subtus cum pedibus cyaneo, labri
lateribus concoloribus etc. — Antennae basi cyaneae,
articulis septem ultimis fortiter compresso-dilatatis,
nigris. Mandibulae nigrae, basin versus supra eburnei,
infra laete viridi-micantes : labrum linea media fulva, basi
apiceque attenuata ornatum. Caput pone oculos globoso-
prominentes attenuatum, supra rugoso-striatum, obscure
aeneum, infra laete viridi- et cupreo-micans. Prothorax
angustus, subcylindricus , retrorsum leviter attenuatus,
ante basin et apicem profunde constrictus, medio di-
stincte sulcatus, supra transverse striatus, cupreo-micans,
pleuris splendide cyaneis, pectore viridi-metallico. Coleo-
ptera basi prothorace haud latiora (humeris omnino ob-
soletis), ultra medium usque sensim dilatata, apice singu-
latim rotundata, sutura cupreo-micante elevata, apice
spinosa, spinis brevibus, trigonis, dehiscentibus: singula
supra quinquecostata, inter costas profunde reticulato-
punctata, antrorsum cupreo-, lateribus viridi-micantia,
vitta marginal! eburnea antrorsum versus maculam discoi-
dalem (pone medium sitam) deflexa. Abdomen splendide
cyaneum, pectus cum coxis femoribusque anterioribus
viridi-cupreoque rnicans : pedes postici toti, anteriorum
tibiae tarsique cyanei, albo-setulosi.
10 Gerstaecker:
Speclmen nnicum in itinere inter ^Bura^ et lacnm
Jipe (m. Decbr. 1862) captum.
2. C arabus D ech eni. Niger , nitidus, protho-
race cordato supra ferrugineOj elytris rufo-hrunneiSj er ehre
punctato-striatisj interetitiis suboonvexis, laevibus, 4., 8.,
12. catenato-interruptis. Long. 16 mill. $
E minoribus generis Carabi speciebus, habitu gene-
rali Calosomis quibusdam haud dissimilis. Caput irapun-
ctatum, collo tumidulo, ociilis prominentibus: antennae
breviusculae, articulis singiilis ut in Car. pumilione
Erichs, formatis. Prothorax transversus^ retrorsiim for-
titer cordato-angustatus^ supra fere aequaliter convexus,
versus angulos posticos tantum depressus, lateribus anguste
elevato-marginatuS; medio subtiliter sulcatus i bique obso-
lete rugulosus: supra ferrugineus, parum nitidus, margi-
nibus Omnibus, apicali et marginalibus latius nigris.
Elytra ovata, modice convexa, punctorum seriebus 15 — 16
regularibus subsulcata, punctis majoribus trifariam cate-
nata, interstitiis ceteris paullo angustioribus, laevibus.
Specimen unicum femininum in raontibus Kilimand-
jaro, alt. 8000' captum (d. 30. m. Decbr. 1862).
Observ. Species, statura quidem et colore parum
praestans, ut prima Africae tropicae hucusque cognita
maxime memorabilis: nam inter omnes generis Carabi
species admodum numerosas nulla constat, quae cingulum
terrae tropicum incolere demonstrata sit ^).
3. Anihia hex astict a. Nigra, subnitida, pro-
thorace breviter cordato , sparsim punctato, elytris punc-
tato-sulcatis , interstitiis convexis , maculis tribus (prima
subhumerali, altera pone inedium sita, tertia subapicalij
alho-tomentosis ornatis. Long. 40 mill. ^
Anthiae Nimrod Fab. (Entom. syst. I. p. 142, n. 79)
omnium maxime affinis , differt tamen capite graciliore,
prothorace minus convexo, coleopteris paullo brevioribus,
macularum albarum numero, magnitudine, distributione.
Macula prima et secunda inter se aequales, interstitia
1) Cf. Gerstaecker, Die Chilenischen Arten der Gattung Carabus
(Linuaea entomol. XII. p. 442 £f.).
Beitrag zur Insekten-Fauna von Zanzibar. 11
6. — 8. occupantes: tertia illis minor, ante apicem in
interstitio secundo collocata.
Specimina duo ad lacum Jipe (d. 12. m. Decbr.
1862) capta.
4. Anthia bino tata Perroud (Annales d. L sog.
Linneenne de Lyon 1845 — 46. p. 11). Specimina nonnulla,
m. Novb. et Decbr. 1862 ad lacum Jipe, ad ,,Aruscha^
et ^jUru'^ collecta, ab individuis Caffris nonnisi statura
paullo majore (36 — 38 mill. longa) punctisque verticis et
pronoti profundioribns et frequentioribiis discedunt.
5. Anthia G av emo s a. Tota nigra, nitida, pilis
parcis concoloribus ohsita, vertice et pronoto crebre for-
titerque punctatis , elytris uhique regulariter et profunde
foveato-clathratis. Long. 29 — 36 mill. ^T $
Ab Omnibus Antliiae speclebus bucusque cognitis
habitu peculiari et sculptura elytrorum admodum diversa.
Caput praecipue oculis valde prominentibus insigne ideo-
que retrorsum fortiter constrictum : frontis callus medius
a lateralibus sulcis profundis secretus, fere impunctatus.
Labrum latitudine fere longius, antrorsum sensim acumi-
natum : palpi et ligula solito Anthiarum mo do conformata.
Prothorax cordatus (marluui retrorsum band productus),
ante medium capiti latitudine aequalis, supra modice
convexus, undique crebre fortiterque, pro parte etiam
rugoso-punctatus, medio profunde sulcatus : pleuris lucidis,
impunctatis. Elytra oblongo-ovata, apice oblique truncata^
foveis oblongo-quadratis in series septem dispositis co-
stisque elevatis, angustis, undulatis inter se separatis
ubique tecta. Costa suturalis crebrius, reliquae basin
versus parcius punctatae.
Species insignis, ad lacum Jipe (d. 12. m. Decbr.
1862) et ad ^^Mombas*^ copiose collecta,
6. P oly liirma spatulata. Nigra, supra opacaj
verticis prothoracisque angusti vitta media, coleop)terorum
suturali, post medium ahhreviata ibique spatulatim dilatata
7ieG non marginali einer eis. Long. 27^/2 mill. $
Pol. Caillaudii Lap. (Magas. de Zool. 1839. pl. 16)
et poliolomae Chaud. (Bullet, de Moscou 1848. I. p. 130,
n. 2) quoad picturam aliquo modo affinis, sed eljtris
12 Gerstaecker:
magis depressis, vitta suturali multo longiore satis distincta.
Caput et prothorax gracilia, angusta^ illiid labro autror-
sum convexo et subtruncatO; callo frontali medio distincte
separato, acute triangulari, anterlus iaevi, retrorsum cum
vertice dense punctato : liic latitudine dimidio fere longior,
basin versus cordato-angustatus ibique profunde bisul-
catus, praeter vittam racdiam marginalibus quoque minus
perspicuis ornatus. Eljtra apice rotundata, supra acute
quinquecostata, costis post medium sensim evanescentibus,
interstitiis profunde seriato-foveatis, serierum 1. et 6. reli-
quis paullo angustioribus. Vitta suturaiis cinerea basi
apiceque subdilatata, '^j^ longitudinis adaequans: margina-
b's parcius tomentosa, ante apicem angulatim dilatata,
suturam haud attingens. Corpus subtus nitidum^ pectus,
coxae^ femora cinereo-pilosa.
Speeimen unicum ad ^A.ruscha'^ (d. 3. m. Sept.
1862) captum.
7. Polyhirtna hihamat a. Nigra^ supra opacUj
oapite, prothoracis cordati vittis trihus, coleopterorum
macula suturali basali comimtni duabusque anteapicalibus,
hamatis^ margini laterali annexis einer eo-tomentosis. Long.
28 müL $
Pol. Ranzanii J3ertol. (Coleopt. Mozamb. p. 8, n. 5)
inter omnes maxime aftinis, elytrorum pictura discedens.
Caput latiusculum, supra inaequaliter griseo-tomentosum,
callo frontali medio parum distincto, labro antroi^suni sat
convexo et subtruncato. Prothorax latitudine parum
longior, retrorsum cordato-angustatus, ante basin utrinque
profunde sulcatus, medio canaliculatus, vittis tribus parum
conspicuis griseo-tomentosis ornatus. Coleoptera oblongo-
ovata, apice rotundata, singula supra acute sexcostata,
costis apicem versus evanescentibus seriesque fovearum
profundarum quinque includentibus: foveae serierum 1. et
2. ceteris multo majores et ad medium usque fere qua-
dratae. Macula basalis suturaiis ut in Pol. Ranzanii
parum extensa: subapicales duae a sutura margineque
laterali fere aeque' distantes, apice rotundatae, antrorsum
contra seriem fovearum quintam excisae. Corpus subtus
nitidum, pectus cum coxis grisea-tomentosum.
Beitrag zur Insekten-Fauna von Zanzibar. 13
Specirrien unicnm ad lacum Jlpe (d. 12. m. Decb.
1862) captum.
8, P o lyhirma lagenula. Nigra , mhnitida,
protkorace ohlongo, hasi apiceque fere aeque angustato,
medio GanaliculatOy einer eo-univittato: elytris hasin versus
fortius atte7iuatis, apice profunde arcuatim excisis, supra
acute octo-costatisj maculis duabus discoidalibus, altera
ante medium, altera ante apicem alho-tomentosis. Long.
19 m,ill.
Species elegantissima et diversis characteribus ad-
modum insignis. Caput prothorace latiiis, ubique rugoso-
punctatnm^ opacnni, griseo-pilosnm, vertice trlangnlariter
impresso, frontis callo medio parum perspicuO; labro
obtuse triqiietro ; ante apicem iitrinqiie deplanato. An-
tennae tenues, elongatae, elytroriim medium attingentes,
articulis tribus primis nigro-cinereoqiie hirsntis. Protho-
rax latitudine plus dimidio longior, ante medium rotun-
dato-ampliatus, basi apiceque aequaliter latus, supra pro-
funde et passim rugose-punctatus , medio canaliculatus,
nitidus, griseo-vittatus. Coleoptera ovata, basin versus
fortiter angustata ibique prothorace haud latiora, humeris
prorsus obsoletis, costis longitudinalibus fere ad apicem
usque continuatis, interstitiis uniseriatim foveatis, margine
laterali albido-, area suturali basali trigona flavescenti-
pilosa: maculis duabus discoidalibus transverse ovatis,
interstitia 4. — 6. occupantibus, spatio apicali ecostato,
frequenter punctato. Corpus infra cum pedibus ubique
griseo-pilosum.
Specimen unicum ad ^Mombas^ (d. 3. m. Octb. 1862)
captum.
9. Polyhirma q uadriplag iata. Nigra, supra
fere opaca, prothorace ohlongo, ante hasin utriiique suU
cato^ supra. aequaliter crehre pu7ictato : coleopteris oh-
longo-ovatis, apice rotundatis, ultra medium usque costa-
tis et seriatim foveatis, maculis duahus discoidalibus,
altera pone m.edium, altera ante apicem, einer eo-toment o-
sis. Long. W'^j^ mill.
Fol. tetrastigmae Chaud. (Bullet, de Moscou 1848.
I. p. 128, n. 1) - Fol. Galinieri Reiche (Ferret et Ga-
]4 Gerstaecker:
linier, Voyage en Abyssinie^ Zoologie pl. 16. fig. 1) ely-
trorum sculptiira et pictura band dissimilis, statura minore
multoqiie graciliore Pol. sorohiculatae Bertol. magis ad-
propinquans. Caput prothorace panllo latius, siipra crebre,
sed parum profunde punctatum, vertice biimpresso, frontis
Gallo medio fere obsolete, labro trapezoideo, subtruncato.
Protborax oblongus, angustus, ante medium leviter rotun-
dato-ampliatus, supra ubique punctatus, medio canalicula-
tus, pleuris lucidis, obsolete punctatis. Coleoptera basin
versus angustata ibique protborace parum latiora (bumeris
fere obsoletis), singula sexcostata, inter costas foveis ob-
longls profundis, uniseriatim dispositis impressa, costis
ultra medium usque continuatis, 2., 4., 6. elevatioribus,
6. ceteris paullo longiore : retrorsum lateribus profundius,
per discum obsoletius seriato- punctata, maculis duabus
griseo-tomentosis ornata, quarum anterior interstitia 3 — 5.,
posterior spatium aeque latum inter suturam et marginem
lateralem oceupat. Corpus subtus glabrum, nitidum, fere
impunctatum, pectoris tantum lateribus parce griseo-pilosis.
Specimen unicum (paullo detritum) ad lacum Jipe
(d. 12. m. Decbr. 1862) captum.
11. Acantho g enius sculpturatus. Totus ni-
ger, sitbnitidus, coleopteris retrorsum sat ampliaits^ trun-
cato-ovatisj süigulis acute quadricostatis, interstitiis plurise-
riatim. jpmictatis, medio sublaevibus. Long. 23 mill.
Acanth. feroci Ericbs. (Wiegmann's Arcbiv f. Na-
turgescb. IX, 1. p. 213, Ko. 8) omnium simillimus, coleopteris
retrorsum fortiter dilatatis cum eo congruens. ^enti lobus
medius lateralibus vix brevior, apice acutissimus : palporum
labialium articulus ultimus breviusculus, labrum rotunda-
tum. Caput supra fortiter rugoso-punctatum, fronte ob-
solete transverse impressa: oculi parum prominentes. Pro-
tborax cordatus, latitudine vix longior, medio profunde
sulcatus, irregulariter grosse punctatus, utrinque longitu-
dinaliter callosus. Coleoptera latitudine summa vix dimi-
dio longiora, apice late truncata, basin versus sensim an-
gustata; singulorum costae quatuor (prima suturalis) alte
elevatae, glabrae, ad apicem usque fere contlnuatae, inter-
Beitrag zur Insekten -Fauua von Zanzibar. 15
stitiorum linea media et ipsa leviter costato-elevata, nitida,
fere impunctata.
Specimen imicnm ad lacum Jipc (d. 12. m. Decbr.
1862) captum,
11. Pker op s 0 phus Kerste7ii, Niger ^ capite cmn
antennis^ prothorace (marginihus excepHsJ^ jyectore pedi-
htisque rufls, elytris apice testaceo-fimhriatis^ opacis, octo-
costatis, interstitus suhtilissime aciciilatis, costis fere duplo
latiorihus. Long. 18 — 20 mül.
Pher. arcano Erichs. (Wiegmann's Archiv f. Natur-
gesch. IX, 1. p. 212, No. 3) haud dissimilis : corpore maiore,
prothorace retrorsum fortins angiistato, ubique nigro-lim-
bato sat distinctus. Caput intra oculos utrinque obsole-
tissime aciculatum ibique leviter biimpressum: niandibulae
apice nigrae. Prothorax latitiidine paullo longior, ante
medium rotundatus, retrorsum cordatim angustatus, medio
subtiliter canaliculatus, undiqne nigro-limbatus, limbo ba-
sali et apicali iateralibus latioribus et in medio subpro-
ductis. Elytrorum costae laeves, quam in Pher. arcano
paullo magis elevatae, apicem versus evanescentes ibique
testaceae. Corpus subtus nigro-piceum, meso- et meta-
sterni macula, parapleuris abdominisque fasciis duabus (plus
minusve conspicuis) rufis.
Specimina nonnulla ad „Aruscha'^ et ad „Kissuani^
(m. Octbr. 1862j collecta.
12. Drypia setig er a. Nigro-cyanea, antennis pe-
dihusqiie concolorihus y elytris apice oblique truncatis et
siibemarginatis , swpra profunde punctato-sulcatisy inter-
stitus externis er ehre, internis parcius punotatisj 3., 5., 7.
setis nonnuUis longiorihus flavescentihus ohsitis. Long.
15 mill.
Drypt. cyanea Lap. (Etud. entomol. p. 141, No. 2)
nonnihil maior, praesertim in elytris latior. Caput crebre
et rugose punctatum, frontis linea media sublaevi, oculis
modice prominentibus, mandibulis palpisque nigro-piceis.
Prothorax ultra medium usque cylindricus, retrorsum con-
strictus, lateribus ad basin usque distincte marginatus,
supra crebre et irregulariter punctatus, hie inde transverse
16 Gerstaecker:
rugulosus. Coleoptera sat lata, retrorsum sensim ampliata,
apice late truncata, angulo anali externo acute producto :
singula supra 9 sulcata, sulcis confertim punctatis, retror-
sum subtilioribus; interstitiis elevatis, internis quatuor mi-
nus crebre punctatis, nitidioribus. Corpus supra et subtus
cinereo-setulosum. ünguiculi tarsorum integri.
Specimen unicum ad ^Mombas^^ (d. 3. m. Octbr. 1862)
captum.
13. Galer ita pr ocera. Tota nigra, vertice late
impresso, fro7ite longitudinaliter calloso-carinata, protho-
race magno, oblongo-cordafo, angulis posticis fere rectis :
elytris cyanesGentibiis , basiii versus fortiter angustatis,
apice late et rede tru7icatis, supra 9 costatis, costis alter-
nantihus altioribus, interstitiis sicbtiliter coriaceis et wii-
seriatim punctatis. Lojig. 27 mill.
Caput validum, rotundato-quadratum, supra crebre et
rugose punctatum, frontis linea media calloso-elevata, ni-
tida, fere laevi. Prothorax amplus, capite dimidio latior,
ante medium rotundato - dilatatus, apicem versus fortius
quam basi angustatus, supra sat fortiter et pro parte ru-
goso-punctatus , angulis posticis vix obtusis. Coleoptera
prothorace 2V2 longiora, pone medium quam in basi duplo
latiora, humeris obsoletis, costis 2., 4., 6. reliquis multo
minus elevatis, interstitiis latis, transverse subrugosis et
praeter sericm punctorum maiorum mediam utrinque sub-
tiliter seriato - granulatis. Corpus subtus cum pedibus
crebre punctatum et transverse rugulosum , prothoracis
pleuris nitidioribus, laevibus.
Specimen unicum ad lacum Jipe (d. 27. m. Octbr. 1862)
captum.
14. Galerit a angustipennis. Tota nigra, elon-
gata, angusta, vertice deplanato, fronte carinata, protho-
race latitudine dimidio longiore^ ante medium leviter am-
pliato, angulis posticis fere rectis: coleopteris oblong o-ovatis,
basin versus sensim ayigustatis, singulis supra 9 costatis, costis
subaequalibus , interstitiis rugoso-punctatis. Long. 24 mill.
Galer. Africanae Dej. (Spec. gener. d. Coleopt. I.
p. 190, No. 4) longitudine aequalis, sed prothorace fere
Beitrag zur Insekten-Fauna von Zanzibar. 17
dimidio longiore, elytris brevioribus et multo angustlorl-
bus, nee cyanescentibus distincta. Caput oblongo-ovatnm,
supra rugoso - punctatum , frontis linea media elevata^
laevi, nitida. Prothorax lateribiis leviter reflexus, apicem
versus paullo fortius quam basi angustatus, angulis po-
sticis subobtusis, supra aequaliter et parum profunde ru-
goso-punctatus. Coleoptera humerls omnino carentia^ la-
tidudine summa (pone medium sita) fere duplo longiora^
costis extrorsum altitudlne sensim decrescentibus^ intcr-
stitiis coriaceis, transverse rugosis^ triseriatim punctatis.
Corpus subtus cum pedibus crebre subtiliterque, protho-
racis pleurae obsolete sparsim punctatae.
Specimen unicum ad „Endara" (d. 20. m. Decbr. 1862)
captum.
15. Callcida angusticollis Bohem. (Insect.
CafFrar. I. p. 38, n. 40). — ■ Specimen unicum, a descrip-
tione Bohemaniana nonnisi ano rufescente discrepans, ad
„Mombas" (d. 3. m. Octbr. 1862) captum.
16. L asi ocera as s im ^7^6•. AeneUj iiitidula^ an-
tennis, pedibus elyirorumqiie vittis duabus sinuatis, pone
medium interruptis nee non punctis nonnullis anteapicali-
buSj suturae approximatis testaceis: elyiris p>unctaio-sulGatis,
inierstitiis planis, transverse rugiilosis. Lo7ig. 5 mill.
Las. tessellalae Klug (Naturw. Reise nach Mossam-
bique, Insekten p. 174, Taf. 9. fig. 3) simillima et forte
ejus varietas : difFert vero statura paullo minore, prothorace
breviore, retrorsum minus angustato, cum capite laetlus
viridi-cupreo, elytris subtilius sulcatis, interstitiis latloribus,
deplanatis, 6. ultra medium usque haud interrupte testaceo,
macula posteriore interstitia 3, — 6., guttarum suturaliura an-
teriore interstitium 2., posteriore 1. et 2. occupante.
Specimen unicum in itinere inter „Moschi^ et lacum
Jipe captum.
17. Tetragonoderus biguttatus Thunb. Dcj.
(Spec. gener. d. Coleopt. IV. p. 496, n. 8). — Specimen
unicum ad „Baramu" (m. Octbr. 1862) captum.
18. Tetragonoderus simplicissimus. Subtus
nigery supra obscure aeneus , antennarum. basi palpisque
apice testaceis y prothorace retrorsum minus angustatOy
Archiv f. Naturg. XXXIIl. Jahrg. 1. Bd. 2
18 ^ Gerstaecker:
elytris j)arum vrofimde striatis, in disco bipunctatis. Long^
5 w.iU.
Tetrag. bigutiato Thnnb. magnitudine subaequalis,
Tetrag. immaculato Bohem. (Fregatt. Engen. Resa^ Insekter
p. 8, n. 17)^ qiiantiim e descriptlone apparet , admodum
affinis et elytris immaciilatis cum eo congruens. Anten-
narum articuH tres primI toti, qiiarti basis nee non palpo-
rum apex testacei. Caput et prothorax obscurlus, elytra
laetius aenea. Prothoracis niargo basalis apicali vix an"
gustior. laterales fortiter rotundati, reflcxi^ angnli postici
siibrecti. Coleopterorum dlsciis levissime tantnm sericco-
micans : piinctoriim diiorum solitorum anterior striam ter-
tiam, posterior secnndani occiipans ^ stria snbmarginalis
(8.) foveis magnis, interstitia duo occiipnntibiis obsita.
Pedes picei^ femoriim basi trochanteribnsqne testaceis.
Specimina nonnnlla ad „Aruscba" (d. 3. m. Novbr.
1862) coUccta.
19. Coptodera eqncstris Bohem. (Insect.
CafFrar. I. p. 59^ n. 61). — Specimen nnicum , 6 mill.
longum in montibus „Ugono" (d. 30. m. Octbr. 1862) captum.
20. L eoia Inj p o xa n t h a. Infra cum peciihus fulvo-
tesiacea, stcpra Jiigro- picea, glahra, suhnitidaj ore, aiiienna-
ruin basi, prothorace, scutello elytrorumque margine laterali
rufescente, Itis sat profunde sulcatiö, inten^titiis convexii^j
subtilissime coriaceis. Long. 8 mill.
Leb. iiobili Bohem. (Insect. Caffrar. I. p. 52, n. 54)
paiillo maior, oblongior, colore et elytrorum interstitiis
multo convexiorlhus discedens. Caput supra irregulariter
plicatum^ bic inde obsolete punctatum: clypeus, labrura,
mandibulae rufa, antennarum articuli tres basales ferruginei.
Prothorax transverse quadratus, longitudine duplo latior,
apice utrinque late rotundatus, lateribus angulisque posti-
cis fere rectis, basi utrinque distincte excisa, marginibus
late reflexis: supra transverse aciculato-rugosus, medio ca-
naliculatus, rufo brunneus. Coleoptera subparallela, lati-
tudine dimidio longiora, apice oblique sinuato-truncata,
supra profunde sed anguste sulcata, sulcis impunctatis, tertio
tarnen foveis duabus solitis instructo, interstitiis latis, se-
riceo-micantibus, submarginali serie fovearum tuberculi-
Beitrag zur Insekten-Fauna von Zanzibar. 19
ferarnm instrncto. Pectus cum coxis femoribnsque luteo-
ferrugineum, abdomen rufescens, rctrorsiim infuscatum.
Specimen unicum ad ;,Endara" (d. 20. in. Decbr. 1862)
capfum.
21. Lehia cl e plan ata. Glahra^ ferritgineay capite
prothoraceque supra rufis , antennis basi excepta fuscisj
elytris depressis, paricm profunde sulcatia, ubigue subtilis-
sime coriaceis, nigrisj humer is, margine lateraii plagisque
duabus diso' magnis , anteriore oblonga, posteriore roiun-
dato-quadrata testaceis. Long. 8 iniU.
Caput utrinqiie aciciilato-plicatum, clypeo, labro an-
tennariim(|ue articulls tribus primis ferrnglnefs ^ rellqiiis
nigro-fuscis, apice testaceis. Prothorax transversns, loiigi-
tudine fere diiplo latior, margine antico iitrinqne rotundato^
basal! bisinuato, angulis posticis fere rcctis: snpra subtl-
liter transvcrse rngulosns, medio canalicnlatiis^ pariim ni-
tidus, rufiis, marginibus lateralibns et basali reflexis testaceis.
ScLitellum testaceiim. Elytroriim maciila liumeralis parva,
transversa, limbus lateralis testaceus ante medium subdi-
latatus: macularum discoidalium anterior fere ad medium
usque extensa, interstitia 2. — 7. occupans, retrorsum rotun-
data, antrorsum intus oblique truncata : posterior anteapi-
calis retrorsum truncata, a sutura ad interstitium 7. usque
extensa. Sulci eljtrorum impunctati, angusti, interstitia
plana, ünguiculi tarsorum quinquedentati.
Specimen unicum inter „Bura'^ et Idcumjipe(m. Decbr.
1862) captum.
22. Lebia calycina. Pallide testacea, puucscens,
capite cum palpis antennarumque basi nee non prothoracis
disco rufo-ferrugineis, coLeopteris piinctato-sulcatiSj inter-
stitiis subconvexis, crebre punctatisj macula communi post-
scutellari magna quadrata fasciaque posteriore sinuata,
trüoba, Uli afßxa nigris. Long, ö^/o mill.
Leb. Chinensi Bohem. (Fregatt. Eugenies Resa, In-
secter p. 6, n. 12) magnitudine , sculptura, colore simil-
lima, pictura tamen elytrorum distincta. Caput rufum,
minus nitidum, fronte verticeque crebrius punctatis. An-
tennae rufescenti-fuscae, articulis tribus primis ferrugineis.
Prothorax quam in Leb. Chinensi pauUo angustior, supra
20 Gerstaecker:
tiblojue sat distlncte, hie inde rugoso-punctatuS; medio late
canaliculatns^ rufo-ferrugineus, niarginibus lateralibus et
basali testaeeis. Scutellum infuscatnm. Elytra multo pro-
fiindius punetato-snleata^ interstitlls convexioribus et fortius
punetatis, macula postscntellari nigra malore, fascia po-
steriore distincte triloba, nee marginem lateralem nee
apicem attingente. Corpus subtus cum pedibus pallide
testaceum, tarsis ferruglneis , abdominis margine apicali
Infuscato.
Specimen unicum ad „Mombas'^ (m. Septb. 1862) captum.
23. Craspedophorus eustal actus. Niger,
7iigro-pilosuSj antennis compressis düatatis, capüe protho-
raceque eloncjatiSj angustis, lioc laterihus angustato, hexa-
qouo, colecpjteris ovatis, C07wexis, fortiter punctato-suicatis^
guttis decem flavis ornatis. Long. 2^/2 mill.
Isoiarso eximio Sommer (Annal. soc. entom. de
France 2. ser. X. pl. 11, fig. 1) = Epicosmo Sommeri Ch.?iud..
(Bullet, de Moscou XXXIV. 2. p. 349. n. 46) simillimus,
statura paullo minore, coleopteris oblongioribus nee non
guttarum flavarum dispositione distinctus videtur. Species
maxime insignis, Tefflo liaud dissimilis, sed oculis valde
prominentibus, antennarum vestitura, frontis parte media
convexa, scutello oblongo-triquetro ab hoc genere disce-
dens, Omnibus vero his characteribus cum Craspedophoris
congruens. Caput exsertum, collo elongato, pone oculos
supra punctato, retrorsum transverse plicato, fronte fortiter
rugoso - punctata, antrorsum tumida ibique cum clypeo
laevi. x\ntennae elongatae, validae, articulis 8 ultimis
compressis et dilatatis. Prothorax latitudine fere dimidio
longior, oblongo-hexagonus , basi apiceque aequaliter an-
gustatus, pone medium latissimus, angulis lateralibus ro-
tundatis; supra ubique grosse et reticulato-punctatus, medio
indistincte canaliculatus. Coleoptera regulariter ovata,
singula profunde 9-sulcata, in sulcis catenato-foveata, inter-
stitiis angustis, convexis, fere laevibus, quarto guttis dua-
bus (altera basi approximata, altera inter medium et api-
cem sita), sexto unica ante medium collocata ornato: guttae
duae externae interstitia 8. et 9. occupantes, anterior a
basi magis remota quam gutta interior, posterior apici
Beitrag zur Insekten-Fauna von Zanzibar. 21
magis approxlmata. Pectiis et abdominis basis utrinque
grosse punctata, pedes valldi, tarsis infra rufo-setosis.
Specimina nonniilla ad lacum Jlpe (d. 12. m. Decbr.
1862j collecta.
Observatio. In Isotarsi eximii icone guttae duae
intermediae pone medium sitae, anterioriim dnarum ex-
terna basi magis approxlmata apparet quam interna, quae
dispositio descriptioni Sommerianae haud convenit. Nostrae
speciei individua tria elytrorum pictura supra indicata om-
nino inter se conveniunt.
24. Chlaenius Boisduvalii Dej. (Spec. gener.
d. Coleopt. V. p. 625, n. 77) = Chlaen. coecus *Kh]g
(Symbol, phys. Dec. III. n. 2) = Chlaen. bipiistulatus
*Klug (Symbol, phys. tab. XXIV. lig. 3). — Specimen
masculinum ad „Mombas" (m. Septb. 1862) captum.
25. Chlaenius sor ic in u s. Suhtus niger^ supra oh-
scure aeneuSj pubescens, fere opacus, anteiinis, palpis, iro-
chanleribus, genubus tarsisque 7'ufo-ferrugineiSy femoribus
tibiisque pallidis: prothoraoe irausverso, cordato^ fortiter
pitnotato, coleopteris pimctafo-sulcatis, jyer discum aureo-y
latcribus et apice albo-pubesoentibus. Long. 11 miü. rT ?•
Chlaen. xanthacruri VViedem. (Zoolog. Magaz. II. 1,
p. 51, n. 74) habitu generali et sculptura subsimilis, at
capitc oculisque multo minoribus, elytris unicoloribus disce-
dens. Caput supra viridi-aeneum, profunde et irregulariter,
intra oculos rugoso-punctatum : mandibulae rufo-piceae,
palpi rufo-ferruginei, maxillares basi testacei, antennarum
articulus primus pallide flavus. Prothorax transvcrsus,
ante medium rotundato-ampliatus, basin versus cordato-
angustatus, marginibus lateralibus reÜexis, rufescentibus:
supra crebre et profunde punctatus, aureo-pubescens, basin
versus utrinque fortiter impressus, mcdio subtiliter cana-
liculatus. Elytrorum interstitia septem interiora aureo-
lateralia cum apice argenteo - pubescentia, undique subti-
llssirae aciculata punctisque elevatis obsita. Corpus subtus
nigrum, subnitidum: coxae rufo-piceae, pcdes pallide te-
stacei, trochanteribus, genubus, tibiarum apice tarsisque rufis.
Specimina duo ad „Baramu" (m. Octbr. 1862) capta.
26. Codes luGidus, Cblongo-ovatus, niger, supra
22 Gerstaecker:
nitidissimics, aeneo-micans, antennis pedibusque gracilibics,
tibüs posticis vix arouaiis: prothorace in inedio baseos
parum simiato, utrijiqioe profunde sulcato, coleopteris apice
ovato -rotundatis j profunde punctato - sulcatis. Long'
16^12 müL $.
Ex insigniorlbiis generis Oodis specicbus. Frons plana,
inter antennas blpunctata, sulcus clypearis subtilissimus :
antcnnac palpiquc picei. Prothorax semiorbicularis, apice
cmargiiiato-truncatus, anguHs posticis obtusiusculis, cana-
iiciila media ante basin et apiccm abbrcviata subtilissima,
impressionibus duabus posterioribus brevitcr et profunde
sulcatis. Elytrorum sulci sat profunde catenatim punctati,
interstitium tertiuni punctis duobus maioribus obsitum.
Processus prosternalis lanceolatus, prothoracis pleurae ob-
solete, meso-et metathoracis cribratira punctatae: abdomi-
nis latera subtiliter et passim rugoso-punctulata, violacco-
micantia.
Spccimen unicum ad ^Endara'* (d. 12. m. Decbr. 1862)
captura.
27. An i s odactylus fÄ?iisotarsus?J amp lic o llis,
Niger, nitidus^ antennis, palpis pedibusque rujis : protlio-
raoe transverso, lateribus ante medium rotundato-ampliatOj
retrors2im angustato, elytris sulcatis, interstitiis sublaevi-
buSj secundo pone medium bipiaictato. Long. 11 — 11^J2
milL $.
Caput brcviusculum, sulco clypeari transverso distincto,
foveis illi retrorsum annexis profunde impressis. Labrum
medio sinuatum, antrorsum 6 fovcolatum, rufo-piceum. Man-
dibulae breviusculac, extus ultra medium usque late ex-
cavatae, apice truncatae, nigro -piceae. Mentum dente
medio distincto simpllci instructum, cum labio, maxillls
palpisque rufum. Protliorax coleopteris vlx angustior,
rotundato-ampliatus, medio subtilissime canaliculatus, supra
satis convexus, lateribus pone medium nee non basi de-
planatus ibiquc dense et subtiliter punctatus, angulis om-
ni bus rotundatis. Elvtra sulcata, sulcis Impunctatis, secundo
abbrevlato quintam longitudinis partem occupante, Inter-
stitiis subconvexis, disperse et subtilisslme punctulatis, mar-
ginali punctis magnis irregularibus impresso. Corpus sub-
Beitrag zur Insekten-Fauua von Zanzibar. 23
tus nitidissimum , laeve, pectore coxisque rufo-piceis, fe-
moribus omnibns trochanteribusqne posticis dllutius rufo-
ferrugineis.
Specimina diio femlniiia ad „Endara'^ (d. 20. m. Decbr.
18(32) capta.
28. Hy p 0 li i h us pav o n i n u s. Niger ^ cyaaeo- et
viridi-micans, glaher^ aniennarum hasij palpis j pedibus,
prothoracis limho lateralij elytrorunt apicalirufo-tesiaceis:
elytris gemeliato-striafis^ interstitiis confertim. rugoso-punc-
tatis, alternis sei^ie puncto?viui ynaiorum obsitis. Long. U —
iOV2 rniil. cT $.
Hypol. acicidaio Dej. (Spec. gener. d. Coleopt. IV.
p. 173, n. 5) et üyp- Caffro ßoLem. (Insect. CafFrar. I.
p. 196, n. 206) affinis, ab illo eljtrls triplici scrie fortius
punctatis, ab boc glabrls discrepans. Caput nigrum, niti-
diim, subtfh'ter pniictatiim, Inbro mandibiib'sque piccis, an-
tennarum articuiis tribus prlmis ferrugineis. Prothorax
haud minus quam elytra laete viridi- et cyaneo-micaiis, mar-
glnlbus latcrallbus latius, apicali angustius ferrugineis:
supra ubique confertim, basin versus fortius et pro parte
rugoso-punctatus, canalicula media utrinque abbreviata in-
structus. Coleoptera prothorace vix latiora, parallela, re-
trorsufü scnsini latius fulvo-limbata, tota nuda : puncta intcr-
stitii tcrtii maiora numerosa, quinti et septimi parciora et
minus profunde impressa, noni (submarginaÜs) grossa et
catenatim coniuncta. Corpus subtus laete cyaneo-micans,
pleuris punctatis, sternis coxisque rufis.
Specimina nonnulla ad lacum Jipe (d. 12. ra. Decbr.)
ad „Bura'' (d. 2. m. Decbr.) et ad „Aruscba'' (d. 30. ni.
Octbr. 1862; coUecta.
29. Hy p 0 lit k u a A r u seh e n s is. Nigerj nitiduSj
glaher j antennis , palpis, pedibus prothoracisqiie liinbo
ferrugineis, elytris sulcatis , interstitiis parimi convexis,
disperse punciatis^ alternis pnnctis nonmdlis maioribus
obsitis. Long. 8—8^/2 mill. </ 5.
Hypol. interstitiali Bohem. (Insect. Catirar. I. p. 199,
n. 208) admodura affinis — quantum descriptio docet — et forte
ejus varietas. Corpus angustum, parallclum, caput sub-
tilissime et parce punctulatum, hie inde vix perspicue
24 Gerstaecker:
aclculatum : labrum et mandibulae rufo-picea. Prothorax
transverse quadratus, laterlbus ante medium rotundatis,
angulis posticis obtusis, anticis sat productis : siipra parce
et vi'x perspiciie, basin versus fortius et confertim piin-
ctulatus, undique subtilissime aciculatus, medio siibtiliter
canaliculatus. Scutelhim apice rufescens. Elytroriim sulci
angusti, confertim crcnulati, interstitia irregulariter pun-
ctata, 3. et 5. punctis majoribus 6 — 1, 7. duobns vel tribus,
submarginali foveis compluribus profundis obsita. Corpus
snbtiis nigro-piceum, pectore, coxis abdominisque seg-
mentorum marginibus apicalibus rufis.
Specimina duo ad ,,Aruscha" (d, 3. m. Novbr. 1862)
capta.
30. Harpalus cratognathoides. ElongaiuSj
suhparalleluSy rufo-hrunneuSj glaher^ 7iiHdiis, pedibus te-
staceis : capite prothoraceqiie tumididis, Jtoc retrorsum cor-
dato-angustato, hasi crebre p)unctato, elytris aeneo-7nican-
tibus , profunde siclcatis , iiiterstitiis convexis y laevibus.
Long. 7^/2 müL
Species singularis, Cratognathis habitu haud dissimi-
lis. Caput convexiim, laeve, fronte aeneo-micante, sulco
clypeari transverso parum distincto. Antcnnae brevius-
culac, rufo-ferrugineac, articuh's 4. — 10. latitudine dimidio
longioribus : mandibulae rufae, apice nigrae. Mentiim
dente medio brevi, obtuso instructum. Prothorax trans-
versus, ante medium rotimdatus, retrorsum fortiter angu-
status, angulis anticis obtusis, posticis rectis : supra satis
convexus, lateribus tenuiter marginatus, ultra medium
usque impunctatus, basi utrinque leviter impressus, medio
distincte canaliculatus. Scutcllum laeve. Coleoptera
prothoracis basi latiora illoque plus duplo longiora, late-
ribus ultra medium usque parallela, sulcis profundis,
laevibus instructa. Corpus subtus cum coxis rufum : pedes
fcrruginei, femoribus testaceis.
öpecimen unicum ad „Baramu'^ (m. Octbr. 1862)
captum.
31. Tachys apicalis Bohem. (Insect. Calfrar. I.
p. 228. n. 240). — Spocimen unicum, 22/3 mill. longuni,
ad „Baramu" (m. Octbr. 1862) captum.
Beitrag zur Insekten-Fauna von Zanzibar. 25
Dyticidae.
32. LacG ophilus v ermiculo sus. Ohlongo-ova-
tus, ferrugineuSy prothoracis margine hasali plagaque disci
transversa nigrisj elytris fusco-oonspersis, margine laterali
fbasi et ante medium maculatim düatatoj testaceo. Long.
41/2 m.aL
Laccoph. rivuloso Klug finsekt. von Madagascar
p. 48, n. 37) haud dissimills, sed paullo minor et protho-
racis pictiira discedens. Caput testaceo-ferrugineum, uni-
color. Prothoracis margo anticus parum infuscatus, basah's
lateribus exceptis niger, nigredine medium versus paullo
dilatata : plaga disci transversa biloba, a limbo basali
discreta. Elytra testacea, llneis parallelis, vermiculoso-
undulatis, hie inde conflucntibus, nigro-fuscis variegata,
guttis nonnullis oblongis basalibus raargineque laterali
nigredine liberis. Corpus subtus cum pedibus ferrugi-
neum, fusco-variegatum.
Specimina duo ad ,,Mombas^ (d. 16. m. Septbr.
1862) capta.
Gyrinidae.
33. Di n eu te s aereu s *Klug (Symbol, phys. tab.
34, flg. 8: Gyrinus aercus. — Aube, Spec. gener. d.
Coleopt. VI. p. 769, n. 7). — Species inter „Mombas" et
„Wanga,^ ad „Baramu,'^ ad .,Kissuani" (m. Octbr. 1862)
copiose collecta.
34. Dineutes Africanus Aube (Spec. gener.
d. Coleopt. VI. p. 771, n. 8). — Specimen unicum ad
„Moschi^ (d. 25. m. Novbr. 1862) captum.
35. Dineutes subspinosu s *Klug (Symbol, phys.
tab. 34, flg. 9: Gyrinus subspinosus. — Aube, Spec. gener.
d. Coleopt. VI. p. 786, n. 19). — Specimina numerosa
ad „Mombas" (d. 16. m. Septbr. 1862) ^oUecta.
36. Gyrinus c äff er Aube (Spec. gener. d.
Coleopt. VI. p. 712, n. 39). — Specimen unicum ad
„Endara" (d. 18. ra. Decbr. 1862) captum.
37. Orectochilus s chistaceu s. Infra cum
pedibus ferrugmeus , supra aeneus, violaceo-micans, pro-
thorace elytrisque testaceo - Umbatis j einer eo-tome7itosis,
26 Gerstaecker:
Ulms disco, horum öosta lata, elevata, pone medium ter-
minata plagaque scutellari commicni subqicadrata g,labris,
luGidis. Long, (ano excepio) S^jo mill.
Orect. Madagascariensi Aube (Spec. gener. d. Coleopt.
VI. p. 730, n. 3) omnium proximus et minoribus ejus
individuis aequalis, sed ventre ferrugineo, indumento dorsi
cinereo, coleoptcroriim plaga siiturali glabra multo bre-
vlore, angulis apicalibus externis acutioribiis discedens.
Caput violaceo-micans, clypeo vfridi-cupreo. Prothorax
pone medium transverse impressus, viridi-aeneus, fascia
transversa media subviolacea ornatus. Elytra vlolaceo-
micantia, ut protlioracis latera cinereo-tomcntosa, costa
laevigata retrorsum sensim angustata viridi-aenea, plaga
communi scutellari vioiaceo-aenea, apice emarginata, longe
ante medium elytrorum terminata, spatio sufurali illam
sequente scabroso-punctato, pilis fulvis longioribus vestito.
Pedum anticorum genua, tibiae, tarsi nee non pectoris et
abdominis latera infuscata, violaceo-micantia.
Specimen unicum ad ;,Baramu" (m. Octbr. 1862)
captum.
P a 1 p i c 0 r n i a.
38. Berosus furcatus Boliem. (Insect. CafFrar.
I. p. 590, n. 647). — Specimen uiilcum in itinere inter
„Kissuani'* et mo.ntes „Ugono" dictos (m. Octbr. 1862)
captum.
39. Cercyoitfiguratunu Breviter ovatum. con-
vexum, nigrum, nitidumy protlioracis angulis anticis ely-
trisque rufis, las apicem versus flavescentibus, basi, sutura
plagaque magna laterali nigris : elytrorum stria 4. et 5.
basi fortiter divergeatibus, 6. ibidem abbreviata. Long.
2V4 mill.
Cero. scapulari Hohem. (Insect. Caffrar. I. p. 608,
n. Q^^) quamvis admodum affine, pictura tarnen et colore
corporis differre videtiir. Caput totum nigrum, crebre
punctulatuni, sulco profundo interoculari transverso im-
pressum: palpi et antennarum basis testacea. Protiiorax
apicem versus fortiter angustatus, basi late rotundatus,
convexus, undique crebre punctulatus, nitidus, niger, an-
Beitrag zur Insekten-Fauna von Zanzibar. 27
gulis anticis sanguineis. Scutellum subtilissime punctu-
latum, nigium. Colcoptera prothorace plus triplo lon-
glora, admodum coiivexa, undique crebre punctulata, sin-
gula dccies punctato-striata et in striis subsulcata, striis
Omnibus ante apicem evanescentibus, prima (i. e. suturali)
reliquis obsoletiore et a secunda latius distante, quinta
basin versus cxtrorsum deflexa : plaga communis suturalis
antrorsum triangularitcr dilatata cum fascia basali, haec
vero in margine laterali cum plaga magna exteriore nigra
connexa. Corpus subtus nigrum , tibiac cum tarsis fer-
rugineae.
Specimina nonnuUa ad ;,Aruscba^ (d. 3. m. Novbr.
1862) collecta.
S ta p hy 1 inidae.
40. St aphy Linus cet^d o. Fusco -n iger, anten nis
pedibusque concoloribuSj undique confertim pw/^c/a/z^s,
opacus, scutello airo-tomentoso, capite, prothorace elytris-
que fulvo-pilosis^ ahdomine supra hiseriatim nigro-macii-
lato : tibiis intermediis spinosissimis. Long. 10^ j 2 rtdlL
Staph, chioroptero Grav. Erichs. (Gen. et Spec.
Stapbylin. p. 372, n. 44) subaequalis, sed antennis multo
brevioribus Staph. antiquo et Hottentotto Nordm. magis
adpropinquans. Caput breve, transverse quadratum, pro-
thorace angustius, aequaliter confertim rugoso-punctatum :
palpi rufi, antennae fuscae, articulis duobus primis apice
rufo-piceis, ultimis duobus brunneis, 2. et 3. ovatis, 4. — 10.
transvcrsis. Prothorax latitudine vix longior, apice trun-
catus, lateribus parallelus, retrorsum obtuse rotundatus:
supra capitis modo confertim punctatus , carina basali
media, fortiter abbreviata, laevi. Coleoptera basi protho-
race haud latiora, retrorsum sensim dilatata, transverse
quadrata, apice emarginata : singula maculis duabus ex-
ternis, anteriore subhumerali, longius fulvo-pilosis. Ab-
dominis segm^nta anteriora testaceo-limbata, penultimum
margine apicali fnlvo-tomentoso. Corpus infra cum pcdi"
bus piceum, subnitidum, parcius punctatum et pilosum'
tarsis infra fulvo-setosis : tibiae intermediac spinis fortio-
ribus admodum numerosis obsitae.
28 Gerstaecker:
Specimina duo ad „Aruscha^ (d. 29. m. Octbr.
1862) capta.
41. Philonthus cor dicollts. Prothoraoe ob-
long o-cor dato, er ehre et fere aequaliter pzmctato, nigerj
nitiduSj palpis, antennarum hasi^ pcctore elytrisgue rußs,
his confertim et subrugose punciatis. Long. 11 mill.
Fhil. elato Erichs. (Gen. et spec Staphylin. p. 508,
n. 138) singulari prothoracis forma affinis eoque paruni
minor: et ipse sectioni Erichsonianae 8. attribuendus.
Caput rotundato-quadratum, prothoraoe vix latius, retror-
sum leviter angustatum, basin et latera versus confertim,
in disco parcius punctatum, praeterea punctis nonnullis
majoribus (duobus transverse dispositis postocularibus,
tertia intraoculari) obsitum. Antennae piceae, articulo
1. toto, 2. et 3. basi rufis: palpi dilutius rufo-ferruginei.
Prothorax latitudine longior, admodum convexus, antror-
sum leviter rotundatus, pone medium cordato-angustatus,
supra crebre subtiliterque punctatus, parce fusco-pube-
scens, nitidus, punctis duobus majoribus lateralibus, altero
basali, altero ante apicem sito instructus. Scutellum
confertim rugoso-punctulatum, fere opacum, nigrum. Elytra
sanguinea, basin versus subinfuscata, confertim punctata,
pubescentia, pilis duobus longis, altero prope scutellum,
altero in margine laterali sito, ornata. Abdomen crebre
punctatum, nigrum, subnitidum, clialybeo-micans. Pectus
cum coxis trochanteribusque posterioribus sanguineum,
utrinque fortiter cribroso-punctatum. Tarsi fusco-ferru-
ginei, subtus fulvo-spongiosi.
Specimen unicum ad ,,Moschi^ (m. Novbr. 1802)
captum.
42. F aederus turnid ico l lis. Niger , nitidus,
nigro-pilobus, antennarum ba&i pedibiisque rufoferrugineis,
prothoraoe abdominisquc segmentis duobus ultimis sangui-
neiSj elytris cyaneis, parum profunde rugoso-punotatis :
prothoraoe convexo , obtuse ovato, obsolete et disperse
punctato. Long, 13^/2 mill.
Paed, crasso Bohem. (Insect. CafFrar. I. p. 288,
n. 315; major , praesertim gracilior. Caput rotundato-
quadratum, nigrum, nitidum, crebre sed parum profunde
Beitrag zur Insekten-Fauna von Zanzibar. 29
punctatum, fronte linea media laevi : raandibulae basi rufo-
piceae, palpl et antcnnaruin articuli duo basales (ceteri
desunt) rufo-ferruglnei. Prothorax capitc angustior, lati-
tudine evidenter longior, basin versus sensim attenuatus,
supra satis convexus, tumidulus, hie inde obsolete punc-
tatus, medio laevis, nitidus, sanguineus. Scutellum punc-
tulatum, obscure sanguineum, apice infuscatum. Coleop-
tera prothoracis basi parum latiora illoquc paullo breviora,
retrorsum leviter et sensim ampb'ata, apice conjunctim
excisa, supra subtiliter rugoso-punctata, laete cyanea.
Abdomen atrum, subtiliter punctatum, segmentis duobus
ultimis totis supra obscurius, infra dilutius sanguineis,
penultimo subtus fovea magna media oblonga, laevigata
instructo, utrinque confertim punctato. Pedes toti rufo-
ferruginei, grisescenti-pilosi.
Specimen unicum in montibus „Kilimandjaro/ 8000'
alt. (d. 28. m. Decbr. 1862) captum.
43. Paede rus ped estris. Niger, nitidus, 'parce
pilosus, palpis, antennaritTTi basi et apice, coxis, trochaii-
terihus femorumque basi ruf o-ferriigineis : prothorace ro-
tundato-quadrato, sanguineo, elytris cyaneis, fortiter ru-
goso-punctatis. Long. 9^/2 mill.
Paed, eximio Reiche (in Ferret et Galinier, Voyage
en Abyssinie, Zoologie pl. 17, fig. 1) similis et magni-
tudine aequalis, sed pedum colore sat distinctus. Caput
crebre et sat fortiter punctatum, frontis medio laevi, —
mandibulis rufo-piceis. Antennae fuscae, articulis quatuor
basalibus et apicalibus duobus ferrugineis. Prothorax
capitis fere latitudine, .quam latior paullo longior, lateribus
rotundatus, retrorsum sensim angustatus, supra satis con-
vexus, utrinque disperse punctatus, medio laevis, nitidis-
simus, laete sanguineus. Scutellum obscure rufum, punc-
tulatum. Coleoptera prothorace vix breviora, basi illo
parum latiora, ubique fortiter rugoso-punctata, laete cya-
nea, albo-setulosa. Abdomen nigrum, nitidum, crebre
cicatricoso-punctatum, nigro-pilosum. Femora antica ad
medium usque, posteriora angustius rufa : tarsi omnes picei.
Specimina duo ad „Moschi" (m. Novbr. 1862) capta.
44. Paeder US sabaeus * Erichs. (Gen. et spec.
30 Gerstaecker:
Staphyl. p. 655, n. 11). — Specimina nonnulla ad ,,Mom-
bas" collecta.
45. 0 edichirus stilicinu s. A latus j piceus, pai-
lide pilosiis, capite prothoraoeque rufo-hrunneis, elytris
niqris , parcius punctatis, abdominis segmentis testaceo-
Limhatis. Long. 6^/2 mill.
Oedich. terminato Erichs. (Wiegmann's Archiv f.
Naturgesch. IX, 1. p. 223, n. 33) vix longior, sed panlio
gracilior. Caput cum mandibiilis rufo-brunneum, laeve,
nitidum, inter antennas punctis nonnnllis symmetrice
dispositis signatnm : antennae et palpi picei. Prothorax
latitudiiie pauUo longior, lateribus rotundatiis, retrorsum
cordato-angustatus, rufo-brunneus, basin versus nigricans,
nitidus, per discum quadri-scriatim fortiter punctatus.
Scutellum nigrum, punctulatum. Coleoptera prothoracis
basi duplo latiora, rotundato-quadrata, tota nigra, nitida,
punctis majoribus basin versus crebrius, retrorsum et
lateribus parcius obsita. Abdomen subcylindricum, pi-
ceum, apice rufescens, segmentis singulis tjansverse
triseriatim punctatis, testaceo-limbatis. Pedes nigro-picei,
trochanteribus rufis, genubus, tibiarum apice tarsisque
testaceis: pectus abdominisque area media sanguinca.
Specimen unicum ad „Aruscha" (d. 29. m. Oetbr.
1862) captum.
46 . L i sj) i n 16 s singular i s . Nig er, sitpra fer e
glabevj nitidus^ subtiliter punctatus, pedibus abdominisque
segmentorum margine apicali rufis : liis utrinque reguLa-
riter oblique strigatis. Long. 4^/4, mill.
Lisp. laticolli Erichs. (Gen. et spec. Staphyl. p. 828,
n, 2) statura et habitu generali subaequalis, singulari
abdominis sculptura admodum insignis. Caput quam in
Lisp. laticolli minus latum, ante oculos angustatum, apice
subtruncatum, supra parcius punctulatum: mandibulae
rufo-piceac. Antennae breviusculae, prothoracis basin
haud attingentes, rufo-piceae, basi apiceque dilutlores.
Prothorax transverse quadratus, a basi ultra medium usque
subparallelus, dein rotuodato-angustatus, supra leviter
convexus, subtiliter punctatus, ante angulos posticos late
impressus. Scutellum punctulatum. Coleoptera prothoraci
Beitrag zur Insekten-Fauna von Zanzibar, 31
latitudine aeqnalia, parallela^ regulariter quadrata, singula
Stria suturali solita nninita. Abdomen siipra subtilissine
punctulatum, segmentis slngulis utrinque oblique strigatis,
anterioribus qninque apice angiistius, sexto latiiis sangiii-
neis: strigae parallelae in quovis segmento supra sex,
infra octo conspiciuntur.
Specimen unicum in montibiis „Ugono'^ (m. Octbr.
1862) captum.
H i s t e r i n i.
47. Placodcs Senegalensis Payk., de Mars.
(Annal. soc. entom. de France 3. ser. I. p. 232. pl. 5.
flg. VI). — Specimen iinicum ad ,,Mombas^ (m. Septbr.
1862) captum.
48. x\pobletes Migneauxi de Mars. (Annai.
soc. entom. de France 3. ser. VIII. p. 855, n. 2. pl. 15,
fig. X. 2.). — Specimina duo ad „Mombas^ (m. Septbr.
1862) capta.
49. Pia tys oma pullum. Oblongum, cyUndricum,
nigrimiy nitidum, aeneo-micanSj prothoraoe estriato, suhti-
Hter punctato, elytrorum Stria suturali utrinque, secunda
pone basui abbreviata, sequentibus tribus subi/itegris. Long.
2 mill.
E minimis liucusque cognitis speciebus. Caput con-
fertim subtiliter punctulatum , fronte utrinque sulcata,
sulcis clypeum versus convergentibus. Prothorax trans-
versus, lateribus parallelis, angulis anticis late rotundatis,
posticis rectis, basi in medio angulata: supra ubique
punctis subtilibus, basin versus majoribus obsitus. Co-
leoptera prothorace dimidio longiora, parallela, apicem
versus crebre punctata : singula sexstriata, striis eviden-
ter punctatis, suturali basI apiceque, secunda liaud procul
pone basin, sexta antrorsum dimidiatim abbreviata, quinta
omnino integra, tertia quartaque utrinque parum abbre-
viatis. Propygidium fortius, pygidium subtilius crebre
punctata, nitida, aeneo-micantia : pedes sanguinei.
Specimen unicum ad „Kissuani'^ (m. Octbr. 1862)
captum.
50. Pachy craerus cyanescens de Mars. (Annal.
32 Gerstaecker:
soc. entom. de France 3. ser. I. p. 458, n. 1, pl. 14, fig.
XII, 7.) = Hister cyanescens * Erichs, (in Klug, Jahrbuch
d. Insektenk. p. 155, n. 72). — Species ad „Kiriiime"
(d. 24. m. Decbr. 1862) et ad „Mombas^ (m. Septbr. 1862)
copiose collecta.
51. Hister latobius de Mars. (Annal. soc. entom.
3 ser. IL p. 219, n. 36. pl. 7, fig 36). — Specimen
unicum ad lacum Jipe (d. 13. m. Decbr. 1862) captum.
52. Hister tropicalis de Mars. (Annal. soc.
entom. 3. ser. II. p. 217, n. 34. pl. 7, fig. 34) - Specl-
men unicum ad „Endara^ (d. 18. m. Decbr. 1862) captum.
53. S a p r i n u s s p 1 e n d e n s '■ Erichs, (in Klug, Jahrb.
d. Insektenk. p. 178, n. 13) — Hister splendens Payk.
(Monogr. Histeroid. p. 53, n. 39, tab. IV. fig. 7). — Species
ad „Aruscha*^ (d. 3. m. Novbr. 1862), ad lacum Jipe (d.
13. m. Decbr. 1862) et ad „Endara" (d. 18. m. Decbr.
1862) copiose collecta.
54. S ap r i n u s c u p r e u s * Erichs, (in Klug, Jahrb.
d. Insektenk. p. 182, n. 27). — Specimen unicum ad
„Kiriume^ (d. 24. m. Decbr. 1862) captum.
55. Saprinus amoenulus Bohem. (Insect. Caf-
frar. I. p. 544, n. 593) de Marseul (Annal. soc. entom. 4.
s^r. II. p. 442, n. 4. pl. XII. fig. 4). — Specimen unicum
ad „Kissuani^ (m. Octbr. 1862) captum. Species Niibiae
quoque incola (Ehrenberg in Mus. Berol.).
56. Paratropus^) testitdo. Breviter ovatuSj
7iigro-pweus , supra laevis, nitiduSy antennis pedibusque
rufo-hrunneisy elytrorum Stria sutiirali basin versus, se-
cu7ido arcuato ante medium ahhreviata , tertio quintoque
integris. Long. 4 miil.
A FhyUosc. ovide de Mars. (Annal. soc. entom. 4. ser.
IL p. 34) striarum in elytris insculptarum numero et dispo-
sitione satis abhorrens. Frontis margo acutus subrotun-
datus, medio truncatus : antennarum clava ferruginea.
Prothorax margfne basali obtusangulus, apicali et lateri-
1) Paratropus = Phylloscelis de Marseul (Annal. soc. entom.
4. ser. IL p. 32). Nomen genericura Phylloscelis, ab 111. Germar
antea in ordine Hemipterorum applicatum, mutandum erat.
Beitrag- zur Insekten-Fauna von Zanzibar. 33
bus tenuiter, ante angiüos posticos latius llmbatus, sulco
marginal! ibidem profiindius impresso. Elytra prothorace
minus nitida illoque fere duplo longiora, lateribus leviter
rotundata^ apice truncata: stria sutiiralis dorsalibus miilto
subtilior, ab apice ultra medium usque extensa, dorsalium
prima abbreviata, basi suturam versus curvata^ secunda
et quarta integrae, tertia pone medium terminata. Stria
subhumeralis parum perspicua, sed fere ad medium usque
elytrorum continuatn : laterales tres sat profundae et ut
reliquae impunctatae. Corpus subtus dilutius rufo-piceum,
scapulae transverse, parapleurae longitudinaliter strigatae;
metasterni latera crebriuS; abdominis parcius et subtilius
punctulata. Pedes et sterna fere ut in PhylL ovide Mars,
conformata.
Specimen unicum ad ^Kissuani^ (m. Oetbr. 1862)
captum.
57. Onthophilus novemcostatus de Marseul
(Annal. soc. entom. 3. ser. IV. p. 563^ n. 7. pl. 11^ fig. 7).
Specimen unicum ad „Uru^ (m. Novbr. 1862) captum.
Lamellicornia.
58. F laesiorrh in a s pecularis. Glaherrimay
nitida, supra nigra, olivaceo-micayis, clypeo, protkoracis
margine laterali, elytrorum vitta lata pigidiiqtie lateribus
rufo-ferrugineis : infra cum pedihus rufa, metasterni disco
abdominisque segmentorimi marginibus nigro- oliv ac eis.
Long. IS mill.
Flaes. trivittatae Westw, (Arcan. entom. I. pl. 46.
fig. 8) statura subaequalis, elytrorum pictura magis cum
Flaes. Swanzyana Schaum i^Transact. entom. soc. of Lon-
don 1. ser. V. p. 64, n. 1) congruere videtur. Caput ut
in Flaes. trivittata formatum, supra minus confertim, sed
pauUo fortius punctatum , clypeo toto frontisque vitta
media rufis. Prothorax angustior, lateribus obsoletius
aciculatus, medium versus parcius punctatus, rufo-ferru-
gineus, nitidissimus, margine apicali maculaque disci
magna trigona, basin attingonte punctisque duobus latera-
libus fere obsoietis nigro-olivaceis. Scutellum fere gla-
brum, nigro-olivaceum : scapulae ferrugineae. Elytra
Archiv f. Naturg. XXXIII. Jahrg. 1. Bd. 3
34 Gerstaecker:
convexiiiscula , parce et subseriatim pimctulata (stria
pnnctoruDi siiturali distinctiore) , in marginis lateralis
parte posteriore et ante apicem transverse^ bic inde squa-
moso-aciciilata, ferruginea, nitida^ marginibus omnibns
(basali angustissime) nigro-olivaceis, sutiirali ante apicem
profunde sinuato. Pygidium deplanatiim, snbtiliter coria-
ceuni; opacum^ rufum^ vitta media nigricante. Processus
mesosterni quam in Flaes. trivittata magis attenuatns,
infra fere deplanatiiö, Tibiae omnes extus inermes.
Specimen imiciim ad „Mombas" (d. 13. m. Septbr.
1862) captum.
T r y m 0 d e r a , gen. nov.
Clypezfs reflexo -mar g malus j apice sinuatuSy frons
excavata. Frothorax parvus^ antrorsum declivisj lateribzcs
fere rectisj margine basali ante sciitellum simiatOj iiirin'
que oblique truncato, angulis posticis obtusis: supra ante
basin profunde biirnpressus. Scapulae brevissimae^ supra
ad scuteUum usque patentes : scutellum eloiigato-triquetrum,
apicem versus utrinque declive. Elytra pone humeros
profunde excisa^ apice singulatim rotundata, supra multi-
fariam impressa, sutura posteriore elevata, inermi. Pro-
cessus mesosterni coxas parum superans, apice truncatuSj
subcompressus. Abdomen 7naris infra late Impressum et
profunde sulcatum. Fedes graciles, tibiis anticis et po-
sticis extus unidentatis. Corjms totum 7mdum, nitidissimum.
Flaesiorrhinae affine genus^ protboracis, scapnlanim,
Processus sternalis conformatione non minus quam singu-
lari corporis sculptura distinctum.
59. Tr ymo der a aterrima. Nigra , glabra,
nitidissima, fere impunctata, prothoracis lateribus foveis-
que duabus baseos, scutelli basi et lateribus, elytrorum
margine externo et apicali fortiter aciculato-rugosis, his
supra biseriatvm impressis. Long, lö'^j^ milL $
Clypeus antrorsum leviter angustatns, supra utrinque
foveolatus, medio subsulcatus^ dense rugoso-punctatus,
lateribus retrorsum cum fronte strigosis. Protborax medio
leviter gibboso-elevatus ibiquc fere laevis, utrinque sat
declivis et oblique aciculato-strigosus, basin versus foveis
duabus magnis trigonis distantibus, extus plica elevata
Beitrag zur Insekten-Fauna von Zanzibar. 35
laevi terminatis Instructus : margine laterali blsinuato^
retrorsum incrassato^ disperse pnnctato. Coleoptera basi
prothorace multo latiora, pone hiimeros angustata^ dein
siibparallela^ singula supra obsolete unicostata, inter costam
et suturam profundiiis bis, hiimeros vcrsns extiis obsoletiiis
triimpressa, in impi'esslonibus parce seriato -pimctulata.
Pygidium parum convexum, apicem versus utrinque im-
pressum, transverse plicatum. Coxae et femora antica
fiilvo , abdominis segmenta utrinque maculatim flavo-
pilosa : taroi omnes intus rufo-fimbriati, abdominis linea
media sanguinea.
Specimen unicum in niontibus ,,Ugono^ dictis (m.
Octbr. 1862) captum.
60. Heter oc Uta (fj c or pulen ta. Nigra, nitida,
fusco-pilosa, antennis rufo-jnceis, potliorace angusto, irre-
gulariter et profunde , taterihus rugoso-pu7ictato ihique
cinereo-maculoso , coleopteris suhquadratis , fere nudis,
singulis 4 costatis, interstitiis seriatim punctatis, yruinosis.
Lo7ig. 17 milL ^.
Species admodum singularis, a HeterocL Jiaeuperi
ßurm. et Hazoorthii Gory habitu generali, sculptura et
colore satis abborrens : corpore enim breviore et robu-
sti re, clypeo paullo latiore, prothorace angustiore et
magis deplanato, elytris pone humeros vix emarginatis,
supra evidentius costatis distincta. Caput confertim pun-
ctatum, fusco-hirsutum, clypeo profunde excavato, a fronte
carina transversa acuta separato : antennarum clava magna,
quamvis capitis iongitudine brevior. Prothorax elytris
duplo brevior, apicem versus sensim angustatus, margini-
bus lateralibus flexuosis, angulis posticis rotundatis, mar-
gine basali ante scutellum sinuato , utrinque oblique
emarginato-truncato : supra basin versus et in medio par-
cius, ubique vero fortiter punetatus, fusco-pilosus, punctis
latera et apicem versus confluentibus et tomento cinereo
repletis. Scutellum elongato-triquetrum, sensim acumi-
natum, laeve, basi utrinque disperse fortiterque puncta-
tum. Coleoptera latitudine parum longiora, retrorsum
vix attenuata, apice rotundato-truncata, angulo suturali
obtuso, prominente: singulorum costae longitudinales sat
36 Gerstaecker:
elevatae, latae, nitidissimaC; disperse punctatae, prima
siituralis ad apicem usque continnata, secunda abbreviata,
ante apicem cuid quarta arcuatim conjuncta: interstitia
opaca, plumbeo-priiinosa, disperse et irregularitcr seriato-
punctata. Pygidium perpendiculare , convexum, infra
utrinque late impressum, longitudinaliter subcarinatum,
disperse cicatricoso-punctatum. Processus mesosterni
brevissimus, transverse trigonus, metasternum sulcatum.
Pectus cum pedibus anterioribus dense fiisco-hirsutum,
utrinque confertim, medio disperse punctatum. Abdomen
lucidum, medio leviter depressum ibique ferc laeve, late-
ribus cicatricoso - punctatum. Pedes quam in cetcris
Pleteroclitis graciliores^ tarsis fere filiformibus, tibiis po-
sticis brevius ciliatis, omnibus extus unidentatis.
öpecimen unicum in montibus ^^Kilimandjaro^ (d.
28. m. Decbr. 1862) captum.
61. Discopeltis lateralis. Oblonga, suhparal-
lela, nigra, subius nitida, supra opaca, tomentosa, protho-
racis margine laterali elyirorumque plaga magna externa,
humer OS attingente miniacea. Long. 12 milL
Discop. viclua Klug (Naturw. Reise nach Mossam-
biquc, Insekten Taf. 15^ fig. 9) paullo angustior, habitu
generali et coloribus Gameti aequinoctiali Fab. et haltea-
tae de Geer haud dissimilis. Caput crebre fortiterque
punctatum, clypei lobis anticis frontisque callo medio
sublaevibus. Prothorax transvcrsus, subhexagonus, late-
ribus basin versus leviter angustatus, supra parum con-
vexus, ante basin deplanatus et obsolete biimpressus,
parce subtiliterque punctatus, niger, margine laterali tote
angulisque anticis cinnabarinis. Scutellum acute trique-
trum, impunctatum, cum scapulis nigrum. Coleoptera
basi prothorace multo latiora, pone humeros fortiter
emarginata, dein subparallela, opaca, cinnabarina, plaga
communi suturali basin et apicem attingente, pone me-
dium attenuata nigra: pars exterior (cinnabarina) obsolete
septies striato-punctata. Pygidium tumidulum, disperse
cicatricoso-punctatum , nigrum, opacum. Processus ster-
nalis ut in Diso, vidua conformatus. Corpus subtus niti-
dum, disperse punctatum et breviter albido-setulosum :
Beitrag zur Insekten-Fauna von Zanzibar. 37
pedes flavescenti-fimbriati; tiblls anticis supra dentem
externum angulato-dilatatis.
Speclmen imicum prope ^Wanga^ captiim.
62. Oxytliyrea lucidicollis. Elojigata, aenea,
prothoraoe sangidneo-lirribatOj ictrinque albo-unipimctato,
elytris laete viridibus, gtcttis trihus alhis 7narginalibus
ornatis, pygidto laete rufo. Long. IP/2 rnül.
Oxyth, aeneicolli Schaum ( Annal. soc. entom. 2. ser.
II. p. 409, n. 8) simillima, sed prothorace latiore, elytro-
rum guttis albidis aliter dispositis discedens : Oxyth.
haemorrhoidali Fab. etiam affinis, a qua prothoracis disco
aeaeo difFert. Caput ob.scure viridi-aen eum, fronte forti-
ter sed quam in Oxyth. aeneicolli minus crebre punctato,
clypci lobis rufo-brunnels. Prothorax longitudine latior,
a basi ad medium usque vix angustatus, supra disperse,
apicem versus crebrius punctatus, nitidissimus, sanguineus,
plaga disci magna lobata apici adnexa viridi-cuprea pun-
ctoque laterali minuto albo ornatus. Scutellum cupreum,
laeve: scapulae cupreae, albo-maculatae. Elytra quam in
Oxyth. aeneicolli subtilius nigro - punctata et lineata,
punctis tribus, anteriore (pone medium sito) submarginali,
medio marginali, tertio apicali cretaceis. Pygidium laete
rufum, albido-setuiosum, imraaculatum : abdomen subtus
nigro-aeneura, annulis duobus ultimis rufis.
Specimen unicum ad „Baramu^^ (m. Octbr. 1862)
captum.
63. Oxythyrea amabilis Schaum (x^nnal. soc.
entom. 2. ser. IL p. 408, n. 8) var. heter ospila.
DifFert ab individuis Natalensibus, Mossambicensibus etc.
prothoracis maculis magnis lateralibus integris, oblongo-
ovatis, punctis duobus basalibus auctis : elytrorum macula
anteriore fortiter lobata (lobo antico et externo in hume-
ros continuato, interno punctorum seriem tertiam attin-
gente); media permagna, in duas dissoluta, quarum po-
sterior minor. Praeter maculas marginales puncta tria
suturae approximata conspiciuntur, quorum anterius pone
scutellum, alterum fere in medio elytrorum situm.
Specimen unicum ad ,Mombas'^ (d. 8. m. Septbr.
1862) captum.
3ß Gerstaecker:
64. Cetonia iPaclinoda' virorinea =^ Klug
(Natorw. Reise nach Mossambiqiie, Inackten p. 261, Taf.
15. fig. 11\ — Specimina quatuor, d. 4. et 15. m. Septbr.
1862 ad ,Mombas* coUecta, picturae albae dispositione
cum Cet. virginea Klug, colore viridi-olivaceo nee non
piinctiira subtiliore magis cum Cet. sohrina Gor. Perch.
(Monogr. d. Cetoines pl. 44, fig. 4) congruunt ideoque
species illas duas suppositas conjungere videntur.
65. C et Olli a fP aclino da) cph ipp i'ata. Subtus
cum capite pedibusque riifo-brininea, siepra arirantiaca,
subnitida, prothoracis macula magna trigtcetra^ scutello,
coleopterorum plaga magna communi subquadrata^ a basi
ad medium usque extensa, fascia posteriore Uli connexa
maculaqtee postJiitmerali riifo-brunneis^ Long. 23 mill.
Ceton. sinuatae Fab. Burm. (Handb. d. Entom. III.
p. 522, n. 11) inter omnes maxime afdnis, quamvis Cet.
fasciatae Fab. Burm. (ibid. IV. p. 567) et Abyssinicae
Reiche (Toyage en Abvssinie , Zoologie pl. 21, fig. 7)
pictura dorsi magis appropinquans. Caput fronte fere
laevi, clypeo rugoso-punctato, ferrugineo-limbato. Pro-
thorax ut in Cet. sinuata Fab. apicem versus minus
angustatus, in disco anteriore biimpressus, latera versus
disperse punctulatus, plaga magna media ante marginera
anticum i nigro-iimbatum) terrainata, obtuse triquetra.
Scutellum laeve. Coleoptera irregulariter et obsolete
nigro-punctulata. pone humeros rctrorsum sensim angu-
stata : plaga antica communis oblongo-quadrata thoracicae
continua, retrorsum leviter ampliata et rotundata ibique
vitta suturali brevi cum fascia posteriore flexuosa (ab
apice et margine laterali remota conjuncta, rufo brun-
nea, undique nigro-limbata : macula subhumeralis trigona.
nigro-brunnea. Processus sternalis deplanatus, rotunda-
tus, pectore laetius rufus. Pvgidium et venter rufo-
brunnea, immaculata: pedes dilutius rufi.
Specimen unicum ad .Endara^' fd. 19. m. Decbr.
1862; captum.
66. Diplognatha siliceaM. Leay, Burm. i Handb.
d. Entomol. III. p. 621, n. 1). — Specimen unicum ad
j,Endara' (d. 2U. m. Decbr. 1862} captum.
Beitrag zur Insekten-Fauna von Zauzibar. 39
67. Hoplostomiis fiilig-ineus. Oliv. Burm. (Handb.
d. Entomol. III. p. 657, n. 1). — Specimen nnicum ad
^Uru'^ (m. Norbr. 1862) captum.
68. C 0 e noöh ilus a p p e n d i c u l a t u s. ElongatuSj
paralleluSj totus rufo-hrunneus, nitidus j proihorace aequa-
liter disperse jpunctulato, hasi leviter hifcveolalo , elytris
obsolete costatis, seciindum svJuram depressiSj ante apicem
atbo-setulosis, tihiis anticis siibmuticis, posticis intus late
dentatis. Long. W'^U rnilL
A Coenoch. mauro Fab. Burm. (Handb. d. Entomol.
IV, p. .568^ statura minore nee non capitis prothoracisque
sciilptura subtiliore distinctus, a Coenocli. g labrat o Bobem.
(Insect. Caffrar. IT. p. 50, n. 743) inter alia iam colore
discrepaiis. Capnt fre jnenter sed vix rngoso -punetatnm,
vertice transverse elevato, fronte convexa, utrinque longi-
tudinaliter impiessa, clypeo distincte trisinuato, parcius
pnnctulato, nitido. Protborax suborbicularis, basi snbtrim-
catus, ante scutellum sinnatiis ibi me loveolis duabus trans-
versis laevibus slornatus : supra deplanatns, imdiqne disperse
punctiilatns, intra marginem lateralem subreßexum punetis
nonnullis maioribus et in disro linea abbreviata snbtilissima
vix impressa instrnctiis. Scutellum disperse punctulatum,
medio fere laeve : scapnlae squamoso-strigatae. Coleoptera
latitudine plus dimidio longiora, sutnram versus ultra me-
dium usque fortiter declivia, singula parum profunde bi-
sulcata, inter sulcos uni-. per discum pluriseriatim punctata,
pone excisionem lateralem leviter cicatricoso-impressa, ante
apicem setulls nonnullis crassis brevibus obsita. Pygidium
obtuse rotundatum, convexum, confertissime transversim
aciculatum. Processus prosternalis, femora anteriora sub-
tus, tibiae intermediae intus ferrugineo-fimbriata. Pectus
punctatissimum, abdomen laeve, lateribus cum coxis posticis
aciculatis. Tibiae anticae apice triangulariter ampliatae,
sub calcare intus breviter ferrugineo-fasciculatae, posticae
in margine interno dente amplissimo, late truncato in-
structae, extus ante apicem emarginatae.
Specimen unicura ad «Endara^ (d. 21. m. Decbr. 1862;
captum.
69. Temnorliynchus Diana Palis., Burm. (Handb.
40 Gerstaecker:
d. Entomol. V. p. 182, n. 2). — Specimen femininum
in ora Zanzibarica (d. 9. m. Mart. 1863) captum.
70. Oryctes Boas Fab. Burm. (Handb. d. En-
tomol. V. p. 199, n. 15). Specimen masculinum in ora
Zanzibarica captum.
71. S yrichtJiKS clathra tus. Suhdepressus,7i{ger^
nitidus y rufo-fimhriatusj vertice prothoracisque margine
antico unituberoulatis, hoc rüde panctato et in medio late
sulcato : coleopteris 'parallelis^ profunde seriato-foveatis, in-
terstitiis aiigustis, alter uis elevatiorihus. Lojig. 18 — 20^12 rräll.
Syricktho spurio Burm, (Handb. d. Entomol. V. p. 168,
n. 2) subaequalis, sed in elytris magis parallelus et sculp-
tura corporis admodum discedens. Cljpeus reflexo-mar-
ginatus, apice subcornutus, vertex rugoso-punctatus, tuber-
culo medio obtuso lacvi instructus : mandibulae acuminatae,
edentatae. Prothorax transversus, lateribus rotundatus,
apicem versus angustatus, basi bisinuatus, angulis anticis
productis : supra parum convexus, ubique irregulär! ter
grosse, apicem versus confertim punctatus, medio late
canaliculatus, tuberculo parvo pone marginem apicalem
sito instructus. Scutellum fere laeve. Coleoptera protho-
race parum latiora eoque fere duplo longiora, apice con-
iunctim obtuse rotundata, dorso subdeplanata, lateribus
declivia, supra foveis subquadratis in series decem longi-
tudinales dispositis undique tecta , foveis ipsis ocellato-
impressis : interstitia elevata, nitida, sparslm punctata, ante
apicem terminata, 3., 5., 7, ceteris altiora, subcostata : apex
elytrorum confertim et profunde punctatus. Pygidium ni-
tidum, disperse punctatum. Tibiae anticae extus fortiter
tridentatae, tarsis simplicibus.
Specimina tria ad lacuui Jipe (d. 11. m. Decbr. et
29. Octbr. 1862) coUecta.
72. Coniopholis e leph as. Bohtista, nigra, elytris
interdum brunneis, palpis antennis tarsisque rußs : capite,
prothorace pygidioque confertim rzcgoso-pimctatis, squamis
pallide ochraceis dense tectis, elytris parcius griseo-, abdo-
mine pedibusque albido-squamosis. Long. 26 ^-30 mill . J" <^.
Reliquis hucusque cognitis speciebus multo maior,
robustior, Leucopholi haud dissimilis. Caput fortiter ru-
Beitrag zur Insekten -Fauna von Zanzibar. 41
goso-punctatiim, clypel margine antico alte rcflexo, medio
leviter sinuato, fronte ab illo linea sinuata panim conspicua
separata. Prothorax transversus, antrorsum angustatus,
lateribus obtiise angulatus, minus grosse quam caput pun-
ctatus, squamis grannllformibiis ubique dense tectus. Scu-
tellum dense riigoso-punctatnm. Coleoptera oblongo-ovata,
retrorsum dilatata^ apice singulatim rotnndata, siitura cal-
loque humerali laevl elevatis: supra obsolete costata, irre-
gulariter crebre punctata, squamis flavescentl-grisels parclus
vestita. Pygidium obtuse cordatum, parum convexum,
elevato-marginatum, dense ochraceo-squamosum. Pectus
lanugine flavescenti vestitum, abdomcn subtiliter confertira
punetatum, cum pedibus albido-squamosum.
Specimina nonnuUa ad ,, Endara'^ (d. 18. m. Decbr«
1862) in copula capta.
73. (Joniopholis melolonthoides. Bufo-ferru-
gineaj nitida, punctatay supra parcius^ subtus utrinque dense
alho-squamosa, pectore lanuginoso^ antennarum clava fer-
ruginea, tibiis anticis nigro-tridentatis. Long. 23 mill.
Melolonthae hippocastatii Fab. similis et subaequalis.
Caput grosse punctatum, punctis squamas singulas maiores
gerentibus: clypeus fronte duplo longior, utrinque rotun-
datus, reflexo-marginatus, frontem versus fortiter constrictus
et linea flexuosa ab illa separatus. Antennarum clava
laete ferruginea, articulis sex praecedentibus unitis sub-
aequalis. Prothorax basi leviter bisinuatus, fere ad medium
usque parallelus, dein apicem versus fortiter angustatus,
margine laterali crenulato breviterque ciliato: supra ante
scutellum leviter impressus, per discum parcius, margini-
bus crebre punctatus, in punctis ubique squamulis minutis
subrotundis niveis obsitus. Scutellum obsolete canalicula-
tum, apice nudum. Elytra prothorace plus duplo longiora,
pone humeros parum dilatata, apice coniunctim subtruncata^
obsolete tricostata , crebre et fere aequaliter punctata et
squamulosa. Pygidium obtuse cordatum, subconvexum,
transverse rugulosum, apice laevi excepto squamulosum.
Pectus cum pedibus longe flavescenti-pilosum, abdominis
et prothoracis latera squamis albis dense tecta setisque
longioribus obsita.
42 Gerstaecker:
Specimen imicum ad ^Uru" (m. Novbr. 1862) captum.
74. Hypopholis co nspuroa ta. Ungidculis
apice ßssis, mesosterno simplice: ovataj supra fere glahra,
rufo'ferrugmca, nitida^ capite prothoraceque aeneo-mican-
tibus, elytris quadriseriatim iiigro-maculatisy crehre rugoso-
punctatis. Long, lö^/o milL
Hypopli. Sommeri Burm. (Handb. d. Entomol. IV; 2.
p. 283, n. 1) — Hyp. sulcicolli Boliem. (Iiisect. Caffrar. II.
p. 92. n. 789) minor, antrorsum magis atteniiata. Caput ae-
qnaliter riigoso-punctatiim, iiitcr puncta maiora crebre pun-
ctulatuin,riifo-brunneuin,acneo-micans, Intraocnlosalbido-pi-
losiim, clypeo rotiindato, reflexo-marginato , a fronte llnea
arcuata distincte separato. Palpi et antennae rnfo-piceae, ha-
rnm clava elongata nigra. Prothorax transvcrsns, capite band
longior, apicem versus angnstatiis, angulis anticis aciiniinatis:
supra inter puncta majora ubique punctulatus, medio profunde
sulcatus, utrinque pone oculos late impressus, rufus, nitidus,
aeneo-micans. Scutellum rufiim, prothoracis modo punctatiim.
Coleoptera prothorace basi parum latiora, lateribus ultra me-
dium usque dilatata, apice obtuse singulatira rotundata, ubi-
que rugoso-punctata^ glabra, quasi vernicata, rufa : singula
obsolete bicostata, antrorsum quadriseriatim, extus fcre ad
apicem usque nigro-viridi-maculata. Pygidium subtib'ssime
coriaceum et rugoso-punctatum, rufo-piceum, subopaciim,
pallide setulosum. Corpus infra cum podibus rufescentl-
fuscum, aeneo-micans, pcctore parce piloso, abdomine utrin-
que maculatim, ceterum aequaliter griseo-setuloso. Processus
mesosterni coxas intermedias haud superans. Pedes graciles,
tarsis elongatis, unguiculis omnibus apice profunde fissis.
Specimen unicum inter ^Moschi" et lacum Jipe
captum.
Observ. Unguiculorum conformatio in hoc genere
secundum species diversa: Hypopholis enim Sommeri
Burm. (= Hyp. sulcicoUts Bohem.) unguiculos omnes medio
fortiter dentatos, Hyp. vitfata Bohem. posteriores simplices,
anticorum internum simplicem, externum fissum praebet.
75. Schizonycha valida Bohem. (Insect. Caffrar.
IL p. 96, n. 792). — Specimen unicum ad „Endara^
(d. 19. Decbr. 1862) captum.
Beitrag zur Insekten -Fauna von Zanzibar. 43
76. S chiz ony oha r orida. Uufa, capite protho-
raceque castaneisj pectoris laterihus coxisque posticis dense,
corpore reliquo parcms alho-squamuloso : protJiorace late-
rihus crenulatOj er ehre for titer qice punctaio, in medio cal-
Loso, Long. 17 milL.
Schizon. livida King (Naturw. Reise n. Mossambique,
Insekten p. 257) simillima, sed major, squamnlis pimcto-
rum latioribus, prothoracis callis duobus transversis baseos
fere obsoletls discrepnns. Capud piceum, fronte levius
nigoso-pnnctata. Prothorax rufo-piceiis, angnlis posticis
vix prodnctis, magis obtusis, margine laterali fortius cre-
nulato^ punctis squamigeris profundins impressis. Scutellum
haud canaliculatum, disco fortiter pnnctatum. Elytra lae-
tius rufa, minus confertim, ante apicem etiam laxe pun-
ctata, Pjgidium transversiim, latera versus parcius piincta-
tum. Squamae pectoris latera coxasque posticas tegentes
albae magnae, ovatae.
Specimen unicnm ad ^jEndara'^ (d. 21. m. Decbr. 1862)
captum.
77. Trochalus c hrys omelinus. Ovatus, rufo-
hrunneuSy aeneo-micans, parum nitidus, clypeo apicem ver-
sus minus angustato, ecarinato, prothorace elytrisqice dis-
perse piinctatis, his perspicue punctato-striatis. Long. 9 mill.
Troch. picipedi Klug (Monatsber. d. Akad. d. Wiss.
1855; Naturw. Reise n. Mossambique, Insekten p. 258)
paullo minor^ parcius punctatus. Caput rufo-piceum, pri'i-
nosum, vertice laevi , fronte disperse et subtilius, clypeo
fortiter rugoso-punctato, hoc ante apicem vix constricto,
ubique elevato - marginato. Antennae rufae, clava ferru-
ginea. Prothorax antrorsum angustatus^ lateribus leviter
rotundatuS; ante scutellum bifoveatus, ubique disperse et
aequaliter punctatus, laete iridescens, subnitidus. Scutel-
lum punctatum. Coleoptera obtuse ovata, lateribus ultra
medium usque sensim dilatata, iridescentia, pruinosa, pro-
thoracis modo disperse punctata, singula 9-striata, striis
evidenter punctatis, prima (suturali) et nona subsulcatis,
margine laterali fulvo-sctuloso. Corpus subtus rufo-brun-
neum, minus convexum, mesosterno sulcato, pleuris coxis-
que posticis grosse, abdominis segmento ultimo praeceden-
44 Gerstaecker:
tibus fortius et confertim piinctato. Pedes antici simpllces,
tibiis extus bidentatis.
Specimina, duo ad lacum Jipe (d. 29. m. Octbr. 1862)
capta.
78. Tr 0 clialus cor in t h la. Breviter ovatuSj nigro-
fuscuSj suhtus 7iitidissimiis, supra opacus^pruinosus, ccypeo
ante apicem constrioto , subcarinato , prothorace crehre,
elytris parcius punotatis, liis obsolete striatis: trochanteri-
hus femoribusque anticis infra lameUatis. Long. 7 mill.
Trooh. picipedi Bohem. ^) (Insect. Caflrar. II. p. 126,
n. 822) similliinns et subaequalis : differt vero vertice
pone oculos haud impresso, confertim punctato, fronte mi-
nus profunde et parcius punctata, supra fere laevi, carina
frontali transversa multo minus elevata, clypeari media
fere obsoleta; prothorace paullo longiore, subtilius et
minus crebre punctato, pectoris lateribus minus grosse
et parcius, abdominis cingulis disperse et parum profunde
punctatis: trochanteribus et femoribus anticis subtus mi-
nus dilatatis.
Specimina duo ad lacum Jipe (d. 29. m. Octbr.
1862) capta.
79. Trochalus sulcip ennis. OvatuSy niger^
chalybeo-micanSj supra prtnnosus, clypeo rugoso-punctato,
ecarmatOj prothorace crebriuSj elytris parcius punctatiSy
Ins regulariter subsulcatis. Long. ÖVo — 7 mill.
Praecedente minor, angustior. Caput nigro-piceum,
rugoso-punctatum, vertice fere laevi, chalybeo-micante,
cljpeo elevato-marginato, ante apicem subconstricto, supra
haud carinato, a fronte linea impressa separate. Palpi
et antennae rufo-ferrugineae. Prothorax longitudine fere
duplo latior, antrorsum angustatus, lateribus leviter rotun-
datus, supra sat crebre, basin versus obsoletius punctatus,
ante scutellum bifoveolatus, chalybeo-micans. Scutellum
punctulatum. Coleoptera obtuse ovata, lateribus ultra
medium usque sensim dilatata, distincte longitudinaliter
1) Noxnen, aiitea (a. 1855) ab III. Klug speciei Mossambicensi
datum, mutandum: speciem porro „Trochalum Bohemani"
nominandam mihi placet.
Beitrag zur Insekten-Faima von Zanzibar. 45
sulcata et in sulcis punctata^ interstitiis leviter convexis,
disperse punctatis. Corpus siibtns nitidissimum, metaster-
num sulcatum; pleiirae coxaeque posticae grosse, abdo-
minis cingula subtilius et disperse punctata. Pedes
antici simplices, fulvo-pilosi, tibiis extus bidentatis.
Species ad lacum Jipe (d. 29. m. Octbr. 1862)
copiose collecta.
80. S er ica ab er r ans. Ovata, rufo-ferrugineaj
punctata, flavesGentl-püosa, clypeo hiloho, supra excavato^
prothorace hasi utrinqiie profunde impresso, elytris sul-
catis et suttiram versus subcostatis. Long, 8 mill.
Caput obscure rufum, fortiter rugoso-punctatum,
clypeo antrorsum angustato^ apice fortiter sinuato, reflexo-
marginato, supra utrinque profunde excavato ibique
parce subtiliterque punctato. Antennae 10- articulatae,
clava triphyll a parva, ferruginea. Prothorax trapezoideus,
lateribus parum rotundatus, angulis omnibus acuminatis:
supra gibboso-convexus; crebre punctatus, pilosus, ante
scutellum utrinque profunde foveolatus. Scutellum ob-
longo-triquetrum, confertim punctatum. Coleoptera ovata,
retrorsum leviter tantum dllatata, lateribus pone medium
evidenter marginata, undique crebre punctata et flave-
scenti-pilosa, longitudinaliter sulcata^ interstitiis alternis
disci (suturali, tertio, quinto) ceteris pauUo convexioribus.
Pygidium gibbum, obtuse triquetrum, punctulatum, pilo-
sum. Tibiae anticae fortiter tridentatae: femora postica
admodum dilatata, compressa, tibiae tarsique postici
rufo-picei.
Specimen unicum ad „Endara'^ (d. 20. m. Decbr.
1862) captum.
81. Anomal a (Heteroplia) mixta Fab. Burm.
(Handb. d. Entomol. IV, 1. p. 234, n. 4) var. fMeiolonthaJ
pleheja 0\in. r= Anorn. mixta * Klug (Erman's Reise p. 35,
n. 83). — Specimen unicum, 22 mill. long., in ora Zan-
zibarica (a. 1865) captum.
82. An 0 mala (He t er o p liaj ancilla. Ohlonga,
suhparallela, nitida, testacea, clypei margine antico, tibiis
posticis tarsisque omnibus rufo-pioeis, elytris seriato-pun-
ctatiSf obsolete tricostatis. Long. 15 mill.
46 Gerstaecker:
Anoin. Ypsüo Wied. Burm. (Handb. d. Entomol. IV,
1. p. 235, n. 6) similis et subaequalis. Caput fere ut in
hac specie formatuni, ociills magnis, fronte angusta, ver-
tlcem versus sensim parcins punctata, testacea, clypeo
rufesccnte, rugoso-punctato , marglne elevato infuscato.
Palpi rufi: antennarum clava haud elongata. Prothorax
apicem versus angustatus, lateribus leviter rotundatus, in
medio baseos subtruncatus, margine apicali medio haud
producto, supra disperse et parum profunde j)^^iictatus,
unicolor. Scutellum parvum, parce punctatum. Elytra
retrorsum parum diiatata, sat profunde striato-punctata,
sutura interstitiisque tribus disci obsolete costatis. Pygi-
dium obtuse triquetrum, convexum, cicatricoso-punctatum.
Pectus testaceo-pilosum, abdominis scgmenta et femora
postica seriato-setosa. Tibiae anteriores ferrugineae, an-
tlcae nigro-tridentatae, posticae rnfo-brunneae. Pedum
posteriorum unguiculi simplices, anticorum externus lissus.
Specimen unicum ad „Kiriume" (d. 24. m. Decbr.
1862) captum.
83. Ä710 ma la Kersten i. Ovata, tes tacea, supra
glabra, nitida, clypeo, tibiis posticis tarsisque omnihus
rufo-piceis: oapite rugoso-, prothorace suhtilins^ elytris
fortius seriato-punctatis , his obsolete tricostatis. Long.
18 mill.
Anom. fuscipedi Bob. (Insect. Caifrar. II. p. 62,
n. 760) colore similis, sed multo major, robustior. Caput
ubique confertim rugoso-, in vertice paullo parcius pun-
ctatum, parum nitidum, ferrugineum, clypeo rufo-brunneo,
nigro marginato. Palpi et antennae rufae, liarum basis
clavaque ferrugineae. Protborax latus, ad medium usque
parallelus, dein apicem versus fortiter angustatns, angulis
anticis prodiictis, acuminatis: supra fere aequaliter subti-
lius punctatus, nitidus, testaceus, limbo apicali maculisque
duabus lateralibus parum distinctis infuscatis. Scutellum
transverse triquetrum, punctiüatum. Elytra retrorsum
ultra medium usque sat dilatata, pone humeros elevato -
marginata, supra irregulariter seriatim punctata, trifariam
leviter costata. Pectus tenuiter griseo-pilosum : mesoster-
num haud productum. Tibiae anteriores rufae, anticae
Beitrag zur Insekten-Fauna von Zanzibar. 47
extus nigro-bidentatae, posticae tarsique omnes rnfo-picei.
Pedum anteriorum nnguiciiliis externus bifidiis , cetei i
simplices.
Specimen iinicum ad ^Endara" (d. 22. m. Decbr.
1862) captum.
84. An 0 mala tendinosa. Ovata, testacea, supra
glahra, nitida, capiie i:>rot]ioracisque macula discoidali
nee non punctis duobus lateralihus piceis, elytris 7iigri-
cantibusy flavo-costatis. Lo7ig. 16 mihi.
Anom. varioolori Schönb. Burm. (Handb. d. Entom.
IV, 1. p. 250, n. 26) affinis, sed paiiUo major, minus
convexa. Caput ut in bac specie formatum et coloratum.
Protborax latior et brevior, apicem versus fortlus angu-
status, angulis anticis magis productis etacutioribus: supra
subtilius disperse punctatus, medio obsolete canaliculatus,
nitidus, ferrugineus , pLaga media transverse quadrata,
retrorsum in medio interrupta, marginem anticum attin-
gente punctis que duobus laterallbus nigro-piceis. öcutel-
lum testaceum, fusco-limbatum , in medio fere laeve.
Coleoptera basi protborace vix latiora, retrorsum dilatata,
apice conjunctim rotundata, supra fortiter, suturam versus
minus regulariter seriato-punctata, olivaceo-nigra, nitida,
singula costis tribus aequaliter distantlbus, linea suturali
plagaque externa subbumerali testaceis. Corpus subtus
testaceum, nitidum, pectore tenuiter flavo-piloso. Pedes
ferruginei, tibiis apice rufescentibus, tarsis piceis. Tibiae
anticae bidentatae: pedum anteriorum unguiculus externus
bifidus, ceteri simplices. Mesosternum baud productum.
Specimen unicum ad „üru (m. Novbr. 1862) captum.
85. Popilia bipunctata Fab. Burm. (Handb. d.
Entom. IV. 1. p. 306, n. 25). — Specimina nonnulla ad
„Wanga'*' (a. 1863) collecta.
86. P b a e n 0 m e r i s B e s c k i 1 Mannerb. Burm. (ibid.
IV, 1. p. 335, n. 1). — Species in ora Zanzibarlca et ad
„Wanga^ (a. 1863) copiose reperta.
87. Adoretus c e phalo tes. Oblongus, suhparal-
leluSf iiigrO'fuscus^ supra aeneo-micans , griseo-püosics,
elytris setulis raris albidis quinqueseriatis obsitis : capite
amplissimOf tibiis anticis extus tridentatis. Long. 14^^ '^''^iHo
48 Gerstaecker:
Ädor. puncti2)e?i7n Bohem. (Insect. Caffrar. IL p. 67,
n. 765) major, corpore magis parallelo, capite prothorace-
que latioribus, elytrorum setulis rarioribus discedens :
Ador. vestito Reiche (Ferret et Galinier, Voyage en
Abyssinie III. p. 349, n. 1 , pl. 21 , lig. 3) subaequalis,
sed femoribiis posticis muticis, elytrorum sculptura et
vestitnra distinctns Caput iibique fortiter rugoso-puncta-
tum, aeneo-micans , disperse setnlosum, clypeo semicircu-
lari, fronte leviter convexa, ociilis fere quadruple latiore.
Antennae palpique rufo-brunnei. Prothorax brevissiraus,
basi bisinuatus, lateribus rotundatus, apicem versus angu-
status, supra confertim sed capite pauUo subtilius rugoso-
punctatus, fuscus, subaeneus. Scutellum rugoso-puncta-
tum. Coleoptera basi prothorace angustiora, ad medium
usque sensim dilatata, dein angustata: supra ubique con-
fertim punctata et transverse rugulosa, prothorace densius
pubescentia, singula setulis albis parum numerosis, in
series quinque dispositis ornata. Corpus infra cum pedi-
bus nigro-piceum, nitidum, griseo-pilosum : tibiarum anti-
carum dens superior reliquis brevior, magis obtusus.
Specimen unicum ad lacum Jipe (d. 13. m. Decbr.
1862) captum.
88. Adoretus Jip e?isis. Elongatus j subparal-
leluSj testaceuSj alho-pilosus ^ capite ahdominisque disco
ferrugineis^ tarsis rufo-piceis: prothorace crebre, parum
profunde punctato, elytris obsolete costatis, parce albo-
setulosis. Long. lO^/o niilL
Ador, subcostato Klug (Naturw. Reise nach Mossam-
bique^ Insekten p. 261) similis et affinis, corpore supra
densius piloso, capite crebrius punctato, clypeo fortius
rotundato, elytrorum costis magis obsoletis distinctus.
Caput latum, rugoso-punctatum, opacum, rufo-ferrugineum,
clypeo nigro-limbato. Prothorax brevis , lateribus angu-
lisque posticis rotundatis, punctis dorsi nusquam confluen-
tibus, linea media fere laevi. Elytra kteribus ad medium
usque leviter dilatata, undlque crebre punctata, longitudi-
naliter quinquecostata, costis parum elevatis, setulis cras-
sioribus erectis albis parce vestitis. Abdomen nitidum.
Beitrag zur Insekten-Fauna von Zanzibar. 49
disco glabrum et longitudinaliter impressum. Pedes testa-
cei, genubus infuscatis : tibiae anticae nigro-tridentatae.
Specimen unicum ad lacum Jipe (d. 29. m. Octbr.
1862) captum.
89. Hybosorus lUigeri Reiche (Annal. sog.
entom- de France 3. ser. I. p. 88) = Scarahaeus arator
Illiger (Magaz. f. Insektenk. II. p. 210, n. 7). — Speci-
men Tinicum in insula Mombas (m. Septbr. 1862) captum.
90. Trox (Omorgus) s qu alidus Oliv. (Entomol.
I. n. 4. p. 12. pl. 2, fig. 12). — Species in montibus
^Aru^cha^ (d. 3. m. Novbr. 1862) copiose collecta.
91. Trox fOmorgusJ haccatus. Ovatus, niger^
opaousy prothorace lateribus distincte crenulato, elytris
crehre et aequaliter seriato-tubercidatis, tihiis ariticis extus
obsolete hidentatis. Long, 13 — 13^/2 if^ül.
Trogi radula * Erichs. (Archiv f. Natnrgesch. IX, 1.
p. 235, n. 62) == Tr. varioloso - Bohem. (Insect. Caffrar.
II. p. 378, n. 1056) major, robustior, granulisque elytro-
rum majoribus, magis congestis discrepans : Trog, varicoso
Erichs. (Archiv f. Naturgesch. IX, 1. p. 235, n. 61) minor
elytrisque aequaliter granulosis distinctus. — Caput et
prothorax fere ut in Tr. varicoso Er. conformata, sed
hujus margo lateralis obtuse septemdentatus, inter dentes
breviter ciliatus. Coleoptera ovata, basin versus angu-
stata, apice obtuse rotundata, lateribus antrorsum fortius,
retrorsum obsoletius crenulata: supra satis convexa, sin-
gula tuberculis ovatis numerosis, in series decem reguläres
dispositis, dense et aequaliter obsita (tuberculis serierum
1. et 10. tantum minoribus). Tibiarum anticarum dens
apicalis valde dilatatus, compressus, subquadratus, nitidus:
superiores duo externi brevissimi, obtusi.
Specimina duo in itinere inter lacum Jipe et „Aruscha"
(d. 2. m. Novbr. 1862) capta.
Berlin, 1. Juli 1866.
Archiv f. Naturg. XXXIII. Jahrg. l.Bd.
Anatomie von Helicina titanica.
Von
Dr. Caspar Iseiikrahe
in Bonn.
(Hierzu Taf. I.)
Die Familie der Helicinaceen, insbesondere also auch
die Gattung Helicina^ von welcher eine Species, Hei. tita-
nica, in Bezug auf ihre anatomischen Verhältnisse in ge-
genwärtiger Arbeit beschrieben werden soll, wurde, weil
sie solche Schnecken umfasst, die auf dem Lande leben
und also durch Lungen athmen, bis in die neueste Zeit
zu den Pulmonata operculata gestellt und als eng ver-
bunden mit der vielumfassenden Gattung Cyclostoma an-
gesehen. Als Hauptunterschied der beiden Familien wurde
angegeben, dass die Helicinaceen einen Deckel mit Spi-
ralen, die Cyclostomaceen dagegen einen Deckel mit
concentrischen Schichten besitzen.
Seitdem nun aber durch die Arbeiten von Prof.
Troschel das Gebiss der Schnecken als Unterschei-
dungsmerkmal mit Erfolg verwertbet und in die Wissen-
schaft eingeführt war, trat folgender merkwürdige Um-
stand zu Tage. Obgleich nämlich die Helicinaceen durch
Lungen athmen und mit einem Deckel versehen sind —
also, wenn es eine natürliche Ordnung Pulmonata oper-
culata gibt, nothwendig zu dieser gehören müssen; —
obgleich sie ferner in Bezug auf Schale und alle dieje-
nigen Verhältnisse, welche früher für die Classlfikation
allgemein im Gebrauche waren, mit den Cyclostomaceen
Anatomie von Helicina titanica. 51
eine Aehnlichkeit hatten^ die bis dahin von Niemand be-
zweifelt v^orden^ so stellte sich dennoch heraus, dass die
Helicinaceen, vp^as die Organisation ihrer Zungenplatten
betrifft, mit den Cyclostomaceen und mit der ganzen übri-
gen Abtheilung der Pulmonata operculata nur gezwungen
und mit einer unnatürlichen Deutung der einzelnen Theile
zusammengebracht werden konnten. Die Seitenplatten der
Radula von Cyclostoma sind kammartig eingeschnitten,
die von Helicina dagegen sind bis auf den Grund gespal-
ten, und zerfallen in Folge dessen in eine grosse Anzahl
lamellenförmiger Platten: ein Unterschied, welcher, so-
bald manTaenioglossaundRhipidoglossa einander bestimmt
gegenüber stellt, die Familie der Helicinaceen mit Noth-
wendigkeit in die letztere Abtheilung hinüberziehen muss.
Die Erforderlichkeit einer solchen Umstellung spricht
Prof. Troschel selbst aus; und obwohl er in seinem
Werke : „Ueber das Gebiss der Schnecken" die herge-
brachte Reihenfolge noch innehält, so findet sich doch
schon in seinem „Handbuch der Zoologie" von 1864 die
Familie der Helicinaceen als die erste in der fünften Gruppe
der diöcischen Gasteropoden, nämlich unter den Rhipido-
glossen wieder.
Unter solchen Umständen ist es einleuchtend, von
welch hohem Interesse eine eingehende Anatomie einer
Helicina sein müsse. Denn da es sich in Bezug auf eine
natürlich e Classifikation immer darum handelt, an wel-
chen Ort der bedeutendere Theil seiner Organe ein Ge-
schöpfhinstellt, so ist klar, dass weder Lunge, noch Zunge
allein endgültig entscheiden können, und es wird also
darauf ankommen, nach welcher Seite sich die übrigen
Organe mehr hinwenden, ob nach den Cyclostomaceen
oder nach den übrigen Rhipidoglossen, etwa nach den
Neritaceen, deren Zungenplatten denen der Helicinaceen
am ähnlichsten sind.
Durch die Güte des Hrn. Prof. Troschel nun wurde
ich in die Lage gesetzt, eine Anzahl Exemplare von He-
licina titanica untersuchen zu können. Diese Exemplare
hatte der berühmte Reisende auf Cuba, Hr. Dr. G u n d-
lach, dem Hrn. Prof. Troschel als Geschenk zur ana-
52 Isenkralie:
tomi'schen Untersuchung übersandt- Sie waren in Wein-
geist schon einige Jahre conservirt; und ob sich gleich
nicht die Spur von Verwesung oder Zerstörung bei ihnen
zeigte, so hielt es doch ausserordentlich schwer, die ein-
zelnen Theile in ihrem wahren Zusammenhange mitein-
ander zu erkennen. Denn Vieles war so spröde gewor-
deu; so verschrumpft und zusammengetrocknet, dass es
manchmal der schärfsten Aufmerksamkeit kaum gelang,
zu entdecken, ob etwa mehrere Kanäle miteinander ver-
wachsen oder verklebt waren, ob sie in einander über-
gingen oder nicht, u. s. w. Ausserdem ist Heiicina tita-
nica unter ihren Verwandten zwar eine titanische Gestalt,
allein an und für sich betrachtet ist sie doch ein kleines
Geschöpf und kaum so gross wie eine ausgewachsene Helix
nemoralis.
Aus diesen beiden Gründen mussten nicht bloss man-
che Organe unaufgeklärt bleiben, histologische Untersu-
chungen konnten kaum mit Erfolg angestellt werden, und
es kann auch nicht fehlen, dass wohl einige Irrthümer in
meine Beobachtungen sich eingeschlichen haben. Diese
zu berichtigen, bleibt einem Spätem vorbehalten, der etwa
in der Lage ist, frische Exemplare untersuchen zu kön-
nen. Nur muss ich bitten, meine Fehler nicht etwa dem
Mangel an Vorsicht, Ausdauer und Gewissenhaftigkeit,
sondern der Ungunst der Umstände, und etwa noch einer
unvollkommenen Geschicklichkeit meinerseits Schuld ge-
ben zu wollen. Ich zögere nicht, meine Untersuchungen
hier zu veröffentlichen, da die Anatomie der Gattung
Heiicina bisher fast völlig unbekannt ist. Man weiss nur,
dass sie durch Lungen athmen, und von einer grösseren
Zahl von Arten ist die Zungenbewaffnung bekannt.
Schon an der äusseren Gestalt unserer Heiicina im
Ganzen und im Einzelnen ist Manches zu sehen, was Be-
achtung verdient.
Wenn Rang\) behauptet, das Thier wäre „tres
Spiral,^ so verstehe ich nicht was das heissen soll. Das
1) Manuel de l'histoire naturelle des MoUusques et leur co-
quilles par M. Sander Rang. Paris 1829. p. 179.
Anatomie von Helicina titanica. 53
Thier ist im Ganzen sehr wenig spiralig. Kaum eine ein-
zige Windung wird vollständig beschrieben. Der hintere
Theil des Leibes ist zu einer abgerundeten, stumpfen, fast
kugelförmigen Masse verschmolzen. Diese Form des Thie-
res ist geeignet die Vermuthung hervorzurufen, dass das-
selbe auf keine andere Weise einen so gestalteten Hinter-
leib in seiner Schale bergen könne, als wenn es die in-
neren Wände derselben etwca durch Resorption zu zer-
stören im Stande wäre. Das Vorkommen einer solchen
Resorption der innern Theile der Spira ist nun auch vor
einiger Zeit bei mehreren Schneckengattungen, unter de-
nen sich auch Helicina befindet, nachgewiesen worden
von T. Bland^). Manchmal ist an dem abgestumpften
Leibesende des Thieres noch ein unbedeutender höcker-
artiger Fortsatz wahrzunehmen, den man wohl als Rudi-
ment oder üeberbleibsel der spiralen Windungen ansehn
kann.
Das Thier trägt seine Schale mittelst zweier starker
Längsmuskeln, welche vorn, zu beiden Seiten des Kopfes
mit der muskulösen Fussmasse verwachsen sind, von da
an seitwärts längs des Körpers herabgehen und endlich
sich mit ziemlich glatten Ansatzflächen von der Gestalt
einer Ellipse nach aussen wenden, um sich an die Schale
anzuheften. Zwischen diesen beiden starken Längsmuskeln
spannt sich ihrer ganzen Länge nach unterseits eine ziem-
lich feste und dicke Haut aus, welche verschiedene Zwecke
zu erfüllen hat, namentlich aber auch den bei der Arbeit
des Fressens thätigen Organen zum eigentlichen Stütz-
punkt dient. Diese Haut erscheint an ihrem vordersten
Theile beträchtlich verdickt und endigt mit einem faltigen
und lappigen Fortsatz, auf welchem der Deckel festsitzt.
Oberseits sind die beiden beschriebenen Längsmuskel
auch durch eine Haut und zwar durch den sogenannten
Mantel mit einander verbunden, welche ein ganz anderes
1) Annais of the Lyceum of natural history of New-York.
Vol. VI. New-York 1858. p. 75. XIII. On the Absorption of Parts
of the Internal Structure of their Shells by the Animals of Stoastoma,
Lucidella, Trochatella, Helicina and Proserpina by T. Bland.
54 Isen krähe:
Ansehen hat, als die untere, und blos dazu da zu sein
scheint, damit die Gefässe der Lunge sich auf ihr aus-
breiten (Fig. l.c; Fig. 6.c; Fig. 11. g). Diese Haut tiber-
wölbt den Nacken des Thieres und bildet die obere Wand
der Athemhöhle. An ihrem vorderen Ende (Fig. l.d;
Fig. 6. a) zeigt sie sich ebenfalls merklich verdickt, und
an dieser Stelle ist es auch, wo an die innere Fläche der-
selben sich ein anderes seltsames Organ (Fig. 6. f; Fig.
ll.f) anlegt, welches mit ihr verwachsen und also auch
wohl als ein zu gewissem Zwecke dort angebrachter Aus-
wuchs der Nackenhaut zu betrachten ist. Es ist dies
nämlich ein aus starken Muskelfasern gebildetes Organ,
welches das vordere Ende des einen Längsmuskels mit
dem des anderen verbindet. Dasselbe verdickt sich dabei
von beiden Seiten nach der Mitte zu bald mehr, bald
minder; und da es auch nur mit einer verhältnissmässig
schmalen Fläche an der über ihm liegenden Haut befestigt
ist, so besitzt es ganz das Ansehen sowie die Beweglich-
keit einer Klappe. Zu welchem Zwecke dem Thiere
an dieser Stelle eine solche bewegliche Klappe dienlich
sein kann, ist leicht einzusehn. Denn der Mantel ist an
seinem ganzen vorderen Rande frei, und nirgends, als
blos an beiden Seiten mit dem Kopfe verwachsen ; und
es entsteht auf diese Weise zwischen Kopf und Mantel
eine grosse, hufeisenförmige, klaffende Spalte, welche in
die Lungenhöhle führt. In dieser Lungenhöhle münden
nun aber auch der Darmkanal und die Geschlechtstheile;
und zwar zur rechten Seite des Kopfes dicht hinter der
eben beschriebenen Klappe. Bringt man nun mit diesem
Organe die obenerwähnte Verdickung des vordem Thei-
les der Unterhaut des Thieres in Verbindung, so ergibt
sich, dass durch diese beiden Gebilde zusammen ein voll-
ständiger muskulöser Ring hergestellt wird, welcher vor-
trefflich geeignet ist, die klaffende Oeffnung der Athem-
höhle zu verschliessen.
Die in Spiritus aufbewahrten Thiere hatten sämmt-
lich den Kopf und die Hälfte des Fusses in die Lungen-
höhle hinein zurückgezogen. Es war also nicht zu er-
kennen, wie das Thier aussieht, wenn es sich in seiner
Anatomie von Helicina titanica. 55
natürlichen Lage befindet^ Kopf^ Fuss und Nacken vor-
gestreckt. Man muss die NackenKaut lostrennen, um den
Kopf mit den Fühlern und Augen sehen zu können. Die
Schnauze ist verhältnissmässig klein, und wenn sie auch
in dem Zustande, in dem sie (Fig. 2. f) abgebildet ist, ein
w€nig zurückgezogen sein mochte, so erreicht sie doch
in ihrer natürlichen Ausdehnung niemals diejenige Grösse,
welche nach Moquin-Tandon PL XXXVII Fig. 3, 4,
24, 32 und 39 Cyclostoma hat. Die beiden Fühler können
nicht eingestülpt, sondern blos etwas zusammengezogen
werden. An der Basis der Fühler stehen nach aussen
auf zwei Höckern die Augen. Von einem Flimmerepi-
thelium, welches die freie Oberhaut der übrigen Mollusken
bedeckt, oder von Borsten, wie sie Clapar ede i) an den
Fühlern von Neritina fluviatilis beschreibt, habe ich an
meinen Spiritusexemplaren nichts beobachten können.
Wenn wir nunmehr von deu äusseren Theilen zur
Beschreibung der inneren übergehn, so wird es nicht
unpassend sein, mit demjenigen Organ den Anfang zu
machen, welches das ganz besondere Interesse, das wir
an Helicina nehmen, eigentlich verschuldet: mit der Ra-
dula.
Die Radula von Helicina titanica ist meines Wissens
noch von Niemand beschrieben. In dem Werke von Prof.
Troschel über das Gebiss der Schnecken sind aus der
Gattung Helicina 5 Species besprochen : H. subfusca, con-
vexa, tropica, rotunda und submarginata. Von diesen 5
Species dürfte wohl H. tropica diejenige sein, deren Zun-
genplatten mit denen unserer titanica die meiste Aehnlich-
keit haben. Die Form und x\nordnung der einzelnen Plat-
ten ist im Wesentlichen ganz die nämliche. Nur hat die
erste Zwischenplatte am freien Rande 5, die zweite 6
kleine Zähnchen. Die dritte, ovale Zwischenplatte ist wie
bei H. tropica an dem kleinen, umgekrempten Vorderrand
mit 3 Zähnchen versehen , die aber manchmal sehr
undeutlich sind. Die innere Seitenplatte zeigt in ihrem
1) Anatomie und Entwickelimgsgeschichte der Neritina fluvia-
tilis von Edouard Claparede. pag. 115.
56 Isenkrahe
Bau keine Verschiedenheit von der bei tropica, und trägt
an ihrem Vorderrand 7 starke Zähne. Von den Lamellen
tragen die vorderen 2 Spitzen, darauf kommen einige mit
3, und von da scheint die Zahl der Spitzen allmählich
bis 5 anzuwachsen ; die letzten Lamellen sind, wie gewöhn-
lich, breit und ganzrandig.
In Bezug auf die Kiefer bemerkt Prof. Troschel,
dass sie allen Helicinaceen fehlen ; auch ich habe bei He-
licina titanica keinen gefunden.
Was nun ferner die Zungenknorpelstücke unserer
Schnecke betrifft, so hat es ein grösseres Interesse, dar-
über etwas Eingehenderes mitzutheilen, einerseits, weil
man besonders in der letzten Zeit angefangen hat, diesen
Gebilden eine grössere Aufmerksamkeit zu schenken i),
andererseits, weil diese Zungenknorpel grade bei Helicina
titanica ausserordentlich gross und schön zu sehen sind.
Die ausführlichste Beschreibung von Zungenknorpeln ist
wohl diejenige, welche Claparede in der erwähnten
Abhandlung von Neritina fluviatilis gibt ; und ich muss
gestehn, dass unter allen Abbildungen und Beschreibun-
gen von Zimgenknorpeln, -»die mir überhaupt zu Gesichte
gekommen ^), keine Form von Zungenknorpeln der der
Helicina titanica so ähnlich sieht, wie eben die der Ne-
ritina.
Die Zungenknorpel der Helicina titanica bestehn aus
vier einzelnen Stücken, zwei grösseren und zwei kleine-
ren, welche paarig angeordnet sind. Die vorderen Stücke
(Fig. 3. a) sind die grösseren, die hinteren (b) die klei-
neren. Jedes der grösseren Stücke hat ungefähr die Ge-
1) So dass Clap«,rede sogar von einer Verwerthung der-
selben für die Classifikation in eben dem Sinne, wie es mit der Reib-
membran selbst geschehn ist, spricht. Vgl. Claparede, Anat. u.
Entwg. d. Ner. fluv. pag. 155.
2) Vgl. besonders: Voyage de l'Astrolabe- Zoologie par MM.
Quoy et Gaimard. tome III. Paris 1835. — Histoire naturelle des
Mollusques de France par A, Moquin-Tandon. Paris 1855. —
E. Claparede: Cyclostomatis elegantis anatome. Berl. 1857, und
Anat u. Entw. d. Ner. fluv. — Troscliel: Das Geb. der Schnecken
u. A. m.
Anatomie von Helicina titanica. 57
stalt eines schmalen, gleichschenkeligen Dreiecks, dessen
Spitze aber vorn etwas schief abgeschnitten ist, so, dass
der eine Schenkel (d) wreniger, der andere (c) etwas mehr
nach vorn hervorragt. Ausserdem liegen die beiden Schen-
kel nicht in derselben Ebene, sondern sind um ein Ge-
ringes gegeneinander verschoben, und erscheinen auch an
und für sich jeder ein wenig gebogen. Nun sind die drei
Ränder des Dreiecks (c, d, f) ziemlich verdickt und bilden
drei Leisten, welche durch eine dünnere Masse mit ein-
ander verbunden sind. Daher kommt es, dass diese Knor-
pelstücke sich am Rande undurchsichtig, in der Mitte
dagegen so durchsichtig zeigen, dass man unter dem Mi-
kroskop deutlich die innere, zellige Knorpelstruktur wahr-
nehmen kann. Diese dünnere Zwischenmasse (e) nun ver-
bindet die Ränder in der Weise mit einander, dass jedes
dieser Knorpelstücke nach innen ein wenig konkav, nach
aussen konvex erscheint. Demjenigen Theile, welchen
Claparede bei Neritina den „Aufsatz des vorderen
Zungenknorpels" nennt, entspricht bei Helicina die eben
erwähnte, oben etwas vorspringende Spitze (g) des län-
geren Schenkels.
Die Gestalt des hinteren Knorpelstückes weiss ich
nicht (b) besser, als mit einem Pferdehufe zu vergleichen ;
nur ist dasselbe im Ganzen platter und am Rande nicht
scharf, sondern abgerundet. Beide Knorpelstücke a und b
setzen sich nicht in gerader Richtung an einander an,
sondern das kleinere tritt mehr nach aussen und unten.
Dadurch entsteht an dieser Stelle eine grössere Einbuch-
tung, durch welche die Radula mit ihrer Scheide sich
erstreckt.
Mit diesem Theile ist der Zungenknorpelapparat, wie
oben schon angedeutet, angewachsen an diejenige Haut,
welche sich unter dem Bauche des Thieres zwischen den
beiden früher besprochenen Längsmuskeln hinzieht. An
dieser Stelle liegt auch ein Nervenganglion, von dem wir
später noch reden werden, und welches wahrscheinlich
alle die zahlreichen Muskeln, von denen die Knorpel um-
geben sind, mit Nerven versorgt.
Die beiden eben besprochenen Knorpelstücke bilden
58 Isenkrahe:
ein förmliches Gelenk. Diejenige Stelle, wo sie anein-
ander gefügt sind, ist von einer schmalen Haut überdeckt,
welche man wohl als eigentliche Gelenkhaut nehmen
darf. Ausserdem sind die beiden Knorpelkomplexe durch
eine muskulöse Querhaut der Länge nach miteinander
verbunden; ganz ebenso, wie es nach Clap are de's Be-
schreibung bei Neritina der Fall ist.
Die Speicheldrüsen von Helicina titanica (Fig.
4. b) sind verhältnissmässig ausserordentlich gross. Zu
beiden Seiten der Speiseröhre erstrecken sie sich breit
schlauchförmig ziemlich weit nach hinten. An den bei-
beiden äusseren Rändern sind sie glatter, an den inneren
dagegen faltig gerunzelt. Sie legen sich um den Aeso-
phagus und die Zungenscheide herum und heften sich an
beide Organe mit sehr zahlreichen Fäserchen und Aeder-
chen an. Die Ausführungsgänge sind nicht, wie es sonst
bei den Schnecken ziemlich allgemein der Fall ist, röh-
renförmig verschmälert, sondern fast ebenso breit, wie die
Drüsen selbst, und die Oeflnung, durch welche der Spei-
chel sich in den Schlund ergiesst, scheint mir kein rund-
liches Loch, sondern eine Spalte von beträchtlicher Länge
zu sein.
Auch die Zunge und ihre Scheide sind lang und
zwar so sehr, dass sie noch um ein Beträchtliches hinter
den Speicheldrüsen hervorragen. Dabei zeigen sie sich
in ganz merkwürdigerweise gekrümmt. Nämlich an der
Steile, wo die Speicheldrüsen aufhören, biegen sie sich
von unten herauf an der rechten Seite des Aesophagus
in die Höhe, und legen sich dann nach links ganz um
denselben herum (Fig. 4. c).
Die Speiseröhre (Fig. 4.a) führt vom Munde mit ei-
nigen Krümmungen nach kurzem Laufe in den Magen,
und zwar nicht in den vorderen, sondern in den mehr
nach hinten gerichteten Theil desselben. Claparede
beschreibt den Neritinenmagen ausführlich, und spricht
dabei von einem merkwürdig gestalteten Organe, welches
einerseits als Leiste an dem ganzen Magen herablaufe und
sich dann mit kammförmigen Zacken um den hintern blin-
den Sack herumlege. Bei Helicina habe ich nun ein
Anatomie von Helicina titanica. 59
Organ gefunden^ welclies im Grimde mit dem von Cla-
parede beschriebenen jedenfalls identisch^ in seinem Auf-
treten aber noch viel merkwürdiger und bizarrer ist. Er-
stens verläuft nämlich den ganzen Magen entlang eine
Leiste von gelblich-weisser Farbe (Fig. 5. Ab. Bb). Cla-
pared e hat an Querschnitten kein Lumen v^ahrgenommen,
ich auch nicht. Dieses Organ scheint nun eine Drüse zu
sein, die aber bei meinen Spiritusexemplaren gar keine
deutliche Struktur, sondern bloss eine homogene, ziemlich
feste, talgartige Substanz erkennen liess.
An ihrem hinteren Theile sodann (Fig. 5.AV, Bb')
wird diese Leiste so breit, dass sie als ein ziemlich dicker
Ueberzug den ganzen Magen umgibt. Nun aber erscheint
dieses Gebilde nicht, der Form des Magens entsprechend,
abgerundet, sondern setzt sich noch weiter in höchst son-
derbaren Gestalten fort. Es schickt einzelne freie Aus-
wüchse aus, welche (B e) ganz merkwürdig krumm, zackig
oder hornartig geformt sind. Von diesen legt sich der
eine oder andere gewöhnlich so dicht an die äussere Haut
an, dass seine weissliche Farbe deulich absticht von der
braunen Leber oder der gelblichen Geschlechtsdrüse.
Manchmal stand der kugelig körnige Inhalt der Ge-
schlechtsdrüse in so naher Beziehung zu diesem zum Ma-
gen gehörigen Organe, dass die einzelnen Körner in der
weisslichen Substanz wie in Wachs oder Talg abgedrückt
oder eingebettet erschienen. Durch diesen Umstand konnte
man leicht zu der Ansicht verführt werden, dass die ganze
hinter dem Magen liegende weisse Masse mit ihren Hör-
nern und Zacken, die sich in solchen Fällen um die Ge-
schlechtsdrüsen herumlegten und stellenweise sogar tief
in dieselben hineindrangen, ein wesentlicher Theil des Ge-
schlechtsapparates wäre. Indessen einerseits kam diese
Masse ganz in derselben Weise bei beiden Geschlechtern
vor ; anderseits zeigte sich auch bald, dass ein solches
Ineinanderschmelzen manchmal sehr wenig, manchmal gar
nicht stattfindet.
Die weisse talgartige Masse bleibt immer in ziemlich
gleicher Ausbildung an derselben Stelle ; und es kommt
nur auf eine grössere oder geringere Entwickelung der
60 I s e n k r a h e :
Geschlechtsdrüse an, ob eine nähere oder weniger nahe
Verbindung beider Theile miteinander herbeigeführt wird.
Einmal sogar habe ich gesehn, dass das weissliche Organ
nirgends von der Geschlechtsdrüse berührt wurde, son-
dern rings von brauner Lebersubstanz umgeben war.
Bei dem Magen kann man nun zwei Seiten unter-
scheiden, erstens diejenige, welche, nach innen gekehrt,
den Oesophagus aufnimmt und den Darm entsendet (Fig.
5. B); zweitens diejenige, welche nach aussen gekehrt,
also direkt von der Oberhaut überdeckt ist (Fig. 5.A).
Jede von diesen beiden Seiten ist von einem netz-
artigen Gewebe von Gefässen überzogen, welches aber,
wie es auf beiden Seiten ein verschiedenartiges Ansehn
hat, so auch verschiedenen Zwecken zu dienen scheint.
Das Netz an der innern Seite (B c) ist mehr aderig,
aus vielen feineren und einzelnen gröberen Fäden zu-
sammengewebt. Es gehört der Leber an und erstreckt
sich ziemlich gleichmässig über den ganzen Magen und
über die angrenzenden Theile des Darmes. Das auf der
Aussenseite liegende Gewebe (Ac) habe ich wesentlich
zarter und feiner gefunden. Es lagert sich als eine dünne
Schicht zwischen der Haut und dem Magen, besonders
an dem oberen weisslich drüsigen Anhang desselben, und
füllt dessen Ausbuchtungen, die zuweilen sehr verschie-
denartig geformt sind, aus. Ich meine wahrgenommen
zu haben, dass dieses zarte Netz sich besonders nach der
Gegend hin fortsetzt, wo das Herz sich befindet in Ge-
sellschaft einer Drüse, von der später noch die Rede sein
soll. Aus diesem Grunde ist es nicht unwahrscheinlich,
dass das zuletzt besprochene Gebilde dieselben Funktio-
nen erfülle, wie sonst die Lvmphgefässe.
An dem vorderen abgerundeten Theil des Magens
tritt der Darm (Fig. 5. Bd, 4e) hervor. Gewöhnlich ist
er anfangs, grade wie der Oesophagus von gelblicher
Farbe, häutig und faltig; manchmal ist er aber auch gleich
zu Anfang schon von einem dunkelschwarzen Stoffe dicht
erfüllt. Sobald der Darm aus dem Magen getreten, kehrt
er im Bogen um und beschreibt in unmittelbarer Nähe
des Magens eine Curve von ungefähr einer und einer
Anatomie von Helicina titanica. 61
halben Windung. Dann klappt er sich plötzlich ganz um
und läuft an seinen früheren Windungen wieder vorbei
bis zum Magen. Nun zieht er, gleichfalls im Bogen, un-
ter dem Magen her und schliesst sich zuletzt dicht an die
Geschlechtstheile an. Beide treten gemeinsam neben dem
Herzen vorbei in die Lungenhöhle und erstrecken sich
darin in wenig gebogener Linie bis zu der vorderen
Klappe, wo die Mündungen sind. (Fig. 4. e, f ; Fig. 6. e, d ;
Fig. ll.e,d.) Hierbei muss ich noch bemerken, dass es
mir in den meisten Fällen nicht gelingen wollte, zwei
Oeffnungen daselbst zu entdecken, und dass es deshalb
fast scheint, als wenn After und Geschlechtsöffnung an
ihrem äussersten Ende mit einander verschmolzen wären.
Im Vorigen habe ich beiläufig des Ausführungsgan-
ges des Geschlechtsapparates Erwähnung thun müssen.
Es wird nun zur Deutlichkeit der Vorstellung beitragen,
wenn ich jetzt gleich auch von diesem Organe ausführ-
licher rede.
Der Geschlechtsapparat von Helicina titanica ist
durch seine Form und Einrichtung von verwandten Gat-
tungen so weit entfernt, dass ich nach der Analogie an-
derer Schnecken nicht im Stande bin mit Sicherheit zu
entscheiden, welche der beiden Formen, die an verschie-
denen Exemplaren auftreten, die männlichen oder die
weiblichen sind. Ueberhaupt ist diese Entscheidung, wel-
che Form die männliche und welche die weibliche sei,
viel schwieriger, als man wohl zu glauben geneigt ist ;
einerseits, wie gesagt, weil sich weder bei Cjclostoma
noch bei Neritina noch bei den vielen anderen Schnecken-
arten, deren Anatomie ausführlicher beschrieben ist, und
deren Geschlechtsapparate ich mit einander zu ver-
gleichen Gelegenheit hatte, eine Analogie findet, welche
die Sache entscheiden könnte; anderseits, weil bei Spi-
ritusexemplaren eine mikroskopische Untersuchung der
Elemente, aus denen diese Organe sich zusammensetzen,
wie leicht einzusehn, ausserordentlich schwierig und un-
sicher ist. Ich muss gestehn, dass ich weder Spermato-
zoiden noch Eier mit Sicherheit habe auffinden können.
Sollte daher Jemand einmal ganz frische oder doch besser
Öä Isen krähe:
conservirte Exemplare zur Untersuchung verwenden kön-
nen, so wird er wohl das, was ich hier als meine x\nsicht
ausspreche, zum Theil entweder zu berichtigen, oder mit
bessern Beweisen, als ich sie bringen kann, zu unterstützen
im Stande sein.
Wenn man mehrere Exemplare unserer Schnecke
nebeneinander hält und sie äusserlich vergleicht, so zeigt
sich bei genauer Betrachtung folgender Unterschied. Auf
der rechten Seite des Mantels ziehn sich unter demselben
neben einander zwei Kanäle hin, ein schwarzer und ein
gelblichweisser ; welche beide, besonders aber letzterer,
durch diese Haut deutlieh sichtbar sind (vgl. Fig. 1). Der
erste ist der Darmkanal, der zweite gehört zum Ge-
schlechtsapparat. Bei einzelnen Individuen nun zeigt sich
dieser gelbe Geschlechtsgang sehr scharf und ziemlich
breit quer gestreift ; und zwar in einer Weise, dass man
auf den ersten Blick geneigt ist, zu glauben, man sehe
eine schmale Röhre, welche sich in kurzen parallelen
Windungen aneinandergelegt habe und so als ein ziem-
lich breiter Kanal vom Grunde der Lungenhöhle aus bis
an deren Mündung hin sich erstrecke. Trennt man den
Mantel los, so bemerkt man, dass auf der inneren Seite
dieser Gang ebenfalls, nur nicht ganz so scharf, querge-
streift ist.
Bei anderen Individuen dagegen zeigt sich der Ka-
nal von aussen zwar auch etwas quergestreift, aber viel
undeutlicher und viel feiner. Im Allgemeinen sieht die-
ses gestreifte Organ mehr aus wie ein Polster, welches
entweder ursprünglich durch eine derartige Schichtung,
oder aus einer anfangs homogenen Substanz durch Ein-
trocknung diese eigenthümliche Form angenommen hat.
Wenn man nun einen Geschlechtsapparat von der
zuerst beschriebenen Form weiter verfolgt, so findet man,
dass er die Einrichtung besitzt, wie sie in Fig. 9 zu zeich-
nen versucht wurde. Der erwähnte Kanal (a) verschmä-
lert sich mit einem Male bedeutend und bildet gewisser-
massen den Stiel (b) zu einem Gebilde (c), welches auf
den ersten Anblick wie eine kleine längliche, von ihrem
Inhalt strotzende Drüse oder Blase aussieht. Dieses Organ
Anatomie von Helicina titanica. 63
sitzt in der Mitte auf dem stilförmigen Fortsatz des un-
teren Kanales auf und legt sich, in der Richtung mit die-
sem parallel; an ihn an.
Wenn man dasselbe mit einer scharfen Lupe be-
trachtet, so lässt sich erkennen, dass es keine Drüse, son-
dern nur eine Verschlingung (Fig. 10) der sich wieder ein
wenig erweiternden dünnen Röhre (Fig. 9. b) ist, welche
von dem unteren Kanal (a) hinaufsteigt. Indessen die
einzelnen Theile der Schlinge sind so fest miteinander
verbunden, dass es mir nie gelingen wollte, sie auseinan-
der zu präpariren. An der anderen Seite führt nun ein
dünneres Röhrchen (d) zu einer grossen gelblichen Drüse
(e), welche aus einer feinkörnigen Masse besteht und mit
der Leber so eng zusammenhängt, dass eine trennende
Membran zwischen beiden nirgends wahrnehmbar ist.
Ausser dem erwähnten findet sich aber noch ein
merkwürdiges Organ, welches mit dem Geschlechtsapparat
jedenfalls zusammengehört. Neben der beschriebenen Yer-
schlingung c nämlich kommt, wenn man dieselbe lostrennt,
ein elliptisch abgerundetes Häutchen oder Bläschen zum
Vorschein, welches bald zart und durchsichtig, bald von
etwas dickerer und soliderer Beschaffenheit ist (f), mit
einem Stiel (g), welcher neben dem Ausführungskanal (a)
hinläuft und sich ungefähr bis zu dessen Mitte hin ver-
folgen lässt, wo er mit demselben verschmolzen zu sein
scheint. Dieses Gebilde lässt sich wohl am besten als
receptaculum seminis aufiassen. Wenigstens wüsste ich
nicht, dass ein solches Bläschen bei den Geschlechtsthei-
len der Gasteropoden anders auftrete. Es ist dies ein be-
merkenswerther Umstand, welcher besonders darauf hin-
deutet, dass diese eben beschriebene Form der Fortpflan-
zungsorgane die weibliche sei.
Die andere Form des Geschlechtsapparates ist in
Fig. 8 abgebildet. Die Drüse Fig. 8.a unterscheidet sich
von der ebenerwähnten Fig. 9. e schon auf den ersten
Blick dadurch, dass die Körner, aus denen sie sich zu-
sammensetzt, viel grösser sind und eine mehr eiförmig-
längliche Gestalt haben. Im Leibe des Thieres nehmen
übrigens beide dieselbe Lage ein. Bald ist nun die
64 Isenkrahe:
Drüse (8.a) gross, so dass die Leber kaum Platz hat, als
eine dünne Schicht sich auf dem Magen zu lagern ; bald
ist sie sehr wenig entwickelt, und dann nimmt die braune
Lebermasse um so mehr Raum ein.
Der Gang (b), welcher den Inhalt der Geschlechts-
drüse (a) abzuleiten bestimmt ist, gleicht dem Ausfüh-
rungskanal der Zwitterdrüse bei Helix. Er ist in seinem
ganzen Verlaufe mannigfaltig geschlängelt und gewun-
den. Während er an der Stelle, wo er aus der Drüse
austritt, ganz fein und schmal ist, wird er allmählich
dicker, bis er sich in der Mitte schlauchförmig erweitert
hat ; und am andern Ende verjüngt er sich nach und nach
wieder.
Dieser Gang führt nun direkt zu einer zweiten son-
derbaren Drüse (Fig. 8. c), welche folgendermassen ein-
gerichtet ist. Man sieht ein langes und ziemlich breites
Organ, welches auf derjenigen Fläche, die in unserer Ab-
bildung vorgekehrt ist, die also in ihrer natürlichen Lage
bei der Schnecke auf die Lungenhöhle zu gerichtet liegt
und einen Theil der obern Wandfiäche derselben bildet,
bloss eine undeutliche Querstreifung zeigt ; sonst ist diese
Oberfläche ziemlich glatt. Auf der entgegengesetzten
Seite aber, welche in natürlicher Lage der Lungenhöhle
abgekehrt ist und von der obern Haut überdeckt wird,
da zeigt sich, dass das ganze Organ aus einzelnen quer
nebeneinander liegenden, fast runden Stäbchen oder Fäd-
chen besteht. Von solchen Stäbchen lassen sich mehrere
Lagen deutlich unterscheiden. An der linken Seite schei-
nen die einzelnen kleinen Stäbchen alle frei zu sein; an
der rechten hingegen gehn sie aus der zusammenhängen-
den Masse, welche auch die zuerst beschriebene vordere
Fläche bildet, hervor. An der Spitze des ganzen Organes
ragen die Stäbchen, wie an der Figur zu sehn ist, noch
etwas nach aussen über. An dieser Spitze selbst, wo
einerseits der gewundene Aus führungsgang (b) der Ge-
schlechtsdrüse (a) einmündet, entspringt nun andererseits
wieder ein neuer Gang (d). Dieser geht an der in un-
serer Figur abgekehrten Seite der Drüse c geraden We-
ges herunter und bleibt zuweilen bis an das untere Ende
Anatomie von Helicina titanica. 65
derselben hinter ihr versteckt; zuweilen tritt er aber auch
seitwärts hervor und läuft nebenher, wie es in Fig. 8 ab-
gebildet ist. Dieser Gang ist nicht rund, sondern sein
Querschnitt ist überall elliptisch und die beiden Kanten
sind fast scharf. Ueberhaupt sieht der ganze Gang aus,
als wenn er eigentlich kein Leitungskanal wäre. Denn
es zeigt sich nirgends recht ein Unterschied zwischen der
eigentlichen Röhrenwand und einem Inhalt derselben.
Das Ganze ist mehr eine homogene Masse und hat auf
der Oberfläche eine feine, aber scharfe Querstreifung. An
seinem untern Theile wird der Gang d etwas breiter und
verbindet sich, wie es scheint, wieder mit der Drüse (c).
Von dieser Stelle an wird der Geschlechtskanal häutig (e)
und ist gewöhnlich leer. Vielleicht kann dieser Theil
als Penis ausgestülpt werden. Die Mündung liegt, wie
schon erwähnt, dicht bei dem After hinter der Klappe,
welche die Lungenhöhlenöffnung verschliesst.
Was nun die vielen Sonderbarkeiten betrifft, welche
sich in der Einrichtung dieses Geschlechtsapparates ge-
zeigt haben, so ist wohl zu bedenken, dass der Zustand,
in welchem die Schnecken untersucht wurden, ein ganz
abnormer und veränderter war. Durch das Gerinnen und
Eintrocknen des flüssigen Inhaltes mancher Drüsen und
Kanäle können oft solche Veränderungen mit den ein-
zelnen Organen vorgegangen sein, dass der ursprüngliche
Zusammenhang der Theile ganz und gar umgewandelt
worden ist. Und wenn nun jetzt eine solche eigenthüm-
liche Struktur auch noch so markirt auftritt, wie z. B.
bei den Stäbchen der Drüse c Fig. 8, so kann man den-
noch nicht schliessen, dass diese auch von Natur so ge-
wesen sein müsse. Es ist immer noch möglich, dass eine
lebendige Helicina an Stelle der Drüse c mit ihren
Stäbchen ein Organ besitzt, welches von oben bis unten
mit einer ganz- oder halbflüssigen homogenen Materie er-
füllt ist.
Wenn man nun vorläufig einmal eine Deutung der
beiden Geschlechtsapparate versuchen soll, so dürfte es
wohl am richtigsten sein, der Andeutung, welche das
oben erwähnte Bläschen (Fig. 9. f) gibt^ Folge zu leisten,
Archiv f. Naturg. XXXIII. Jahrg. l.Bd. 5
66 I s e n k r a h e :
und diesen ganzen Apparat (Fig. 9) als weiblich zu be-
zeichnen, den in Fig. 8 dargestellten dagegen als männ-
lichen.
Es Hessen sich auch nach dieser Deutung wohl ei-
nige Analogien mit Neritina fluviatilis aufstellen. Fig.9. f
wäre das receptaculum seminis, wie Claparede Fig. 30. f»
Das drüsige Organ a ist jedenfalls eine Nebendrüse des
Geschlechtsapparates und entspricht der bei Neritina eben-
falls vorkommenden Nebendrüse Fig. 30. a.
Was die männlichen Organe betrifft, so wäre in un-
serer Fig. 8 und Claparede's Fig. 29 die Drüsen a die
Hoden, b die ductus deferentes, c in der unserigen und
d bei Claparede die Nebendrüsen und e die Penes.
Es lässt sich nun allerdings nicht verkennen, dass
diese Analogien mangelhaft sind und keine beweisende
Kraft in Anspruch nehmen können ; aber soviel thun sie
dennoch dar, dass die Geschlechtsorgane einer Neben-
einanderstellung von Neritina und Helicina kein Hinder-
niss in den Weg legen.
Wenn wir nunmehr zur Betrachtung des Respira-
tionsapparates übergehen, so machen wir zuerst die Wahr-
nehmung, dass derselbe, wie zu erwarten war, in seinen
wesentlichen Theilen nicht merklich abweicht von dem
der übrigen Lungenschnecken.
In Moquin-Tandon's Tafeln finden sich verschie-
dene Abbildungen, welche die Athmungsorgane von Helix
und anderen Schneckenarten darstellen. Wenn diese
Zeichnungen im Einzelnen richtig und genau sind, dann
muss ich vor allem die Bemerkung machen, dass unsere
Helicina ein Respirationsgewebe besitzt, welches ausser-
ordentlich viel feiner gewirkt ist (Fig. 11. g), als das aller
derjenigen, die M o quin- Tan do n behandelt. Das Ge-
webe ist bei Helicina so fein, dass ein ausgezeichnetes
Auge dazu gehört, um unbewaffnet die Hauptaderstämme,
ja die Lungenvene selbst erkennen zu können. Und an
einigen Stellen reicht sogar eine scharfe Lupe nicht hin,
um das Netz in seine einzelnen Fäden aufzulösen.
Die ganze über dem Kopfe ausgespannte freie Haut
ist nun, wie schon erwähnt worden, mit dem Adergewebe
Anatomie; von Helicina titanica. 67
der Lungengefässe inwendig überzogen. Längs des Dar-
mes zieht sich die Lungenvene hin. An der Stelle, wo
dieselbe eben in das Herz einmündet (1), findet sich ein
muskulöses Organ (h)^ durch welches die Lungenhaut mit
der Kopfhaut verwachsen ist, und welches eigentlich den
hintern Grund der Lungenhöhle bildet. Etwas weiter
nach hinten zeigt sich noch ein zweitei" ähnlicher Quer-
muskel (ij, und diese beiden nun heften sich- nebeneinan-
der an den grossen Längsmuskel (b) des Thieres an.
Durch diese beiden Muskel wird hinter der Lungen-
höhle eine zweite, kleinere Höhle gebildet, in welcher das
Herz mit seinen zugehörigen Organen sich befindet. Das
Herz (k) stellt sich als ein zartes, hohles, länglichrundes
Bläschen dar, verhältnissmässig grösser, als es bei ande-
ren Schnecken vorkommt. An der vorderen Seite, neben
dem Darm, mündet die Lungenvene (1) hinein. Die Aorta
(m) hingegen tritt auf der anderen Seite an der unteren
Fläche des Bläschens heraus, durchbohrt sofort die untere
Wand der Höhle, in welcher das Herz liegt, verzweigt
sich dann und verschwindet unter der Masse der faserigen
Theile der Leber und der übrigen daselbst befindlichen
Organe.
Bei den meisten Schnecken hat sich vor dem Her-
zen noch eine Vorkammer gefunden. Bei Helicina ist
diese entweder gar nicht vorhanden, oder wahrscheinlicher
so klein oder zart, dass ich sie nicht gesehn habe.
Neben dem Herzen liegt nun noch eine Drüse von
gelblich grauer Farbe (n). Es wird dieselbe Drüse sein,
welche Moquin-Tandon „glande precordiale^ zu nennen
pflegt. Dieselbe hat fast die Gestalt eines Flügels, indem
sie sich vom Darm, welchen sie theilweise überdeckt, im
Bogen um das Herz herumlegt, ohne aber direkt mit dem-
selben verwachsen zu sein.
In welcher Beziehung diese Drüse eigentlich zum
Herzen stehe, und welche Aufgabe sie zu erfüllen habe,
darüber lässt sich noch mit Bestimmtheit nichts angeben.
Moquin-Tandon's Name Präcordialdrüse ist deswegen
wohl auch einstweilen der beste, weil er über diese un-
gelöste Frage gar nichts entscheidet.
68 Isenkrahe:
Wenden wir uns nun endlich noch zu demjenigen
Organe, welches im Allgemeinen sowohl, als auch beson-
ders bei den Untersuchungen über die Verwandtschafts-
und Familienverhältnisse unter den Thieren von der gröss-
ten Wichtigkeit ist : zum Nervensystem. Der Nerven-
schlundring von Helicina titanica (Fig. 7) ist aus vier
Ganglien zusammengesetzt. Die bedeutendste von diesen
Ganglienmassen ist diejenige, welche unter dem Schlünde
liegt (a). Dieselbe hat im Allgemeinen die Gestalt eines
EUipsoides, nur in der Mitte zeigt sich eine kleine, aber
deutlich wahrnehmbare Einbuchtung. Hierdurch ist man
denn auch wohl berechtigt, diese Nervenmasse als eine
aus zwei Ganglien zusammengeschmolzene zu betrach-
ten. Von diesem unteren Schlundganglion führt jeder-
seits ein ziemlich breiter einfacher Strang (b) zu einem
seitlichen Ganglion (c), welche beide, kaum halb so gross
wie das untere, im Aligemeinen eine kugelige oder birn-
förmige Gestalt haben. Auf der andern Seite sind diese
beiden Ganglien c auch durch eine Comissur d, die aber
bedeutend dünner als die beiden seitlichen ist, verbunden.
Das vierte zum Schlundring gehörige Ganglion (e)
ist das kleinste. Es liegt ein wenig vor und unter dem
unteren Schlundganglion a und hängt mit diesem durch
einen ziemlich dicken Nervenstrang zusammen.
Von diesem Ganglion laufen vier Fäden in Gestalt
eines Kreuzes aus, zwei nach beiden Seiten hin, einer
geht nach vorn und ist sehr kurz, der vierte endlich geht
nach hinten und ist von allen der längste.
Von dem grossen untern Nervenganglion (a) gehen
sechs Stränge ab; zwei ziemlich starke nach beiden Sei-
ten, denjenigen welche von dem vorderen kleinsten Gan-
glion nach den Seiten ausgehen, parallel. Diese Stränge
theilen sich bald jeder in drei Fäden, unter denen ein
dicker und zwei feine sind. Ausserdem gehen neben der
breiten Comissur, jederseits nach aussen gerichtet, noch
zwei feine Nervenfäden ab.
An jedem der beiden seitlichen Ganglien (c) habe
ich fünf Ausläufer gezählt. Unter diesen gehen drei fei-
Anatomie von Helicina titanica. 69
nere nach innen und zwei dickere nach aussen ab.
Der eine von den letzteren erstreckt sich etwas nach
vorn und theilt sich nach kurzem Lauf in drei feine
Fäden ; der andere etwas dickere geht zu den Fühlern
und Augen.
Der eben erwähnte, von dem vordersten unteren
Ganglion (e) nach hinten abgehende Nervenfaden (f) er-
streckt sich unter dem Zungenknorpelapparat fort und
führt zuletzt zu einem kleinen Bauchganglion (g). Das-
selbe liegt auf dem untersten Theile der Zungenknorpel,
an derjenigen Stelle, wo diese mit der unter dem Bauche
des Thieres zwischen den beiden Längsmuskeln ausge-
spannten Haut verwachsen sind. Ueber dieses Ganglion
ist im Früheren beiläufig schon Rede gewesen. Von ihm
gehen noch zwei Fäden aus. Der eine davon (h) führt
zu der Geschlechtsdrüse; der andere (i) lässt sich bis zum
Magen verfolgen, und hängt an der Stelle, wo der Oeso-
phagus einmündet und das früher beschriebene weisslich
drüsige Organ (Fig. 5. Be) sich ansetzt, durch sehr feine
Verästelungen mit diesem zusammen.
Zum Schlüsse wollen wir denn nun bei der Frage,
wohin die Helicinaceen im Systeme der Gasteropoden zu
stellen seien, auch noch das Nervensystem mitreden las-
sen, ein Organ, dessen Stimmberechtigung gewiss Niemand
in Abrede stellen kann.
Es wäre zu wünschen, dass von allen Schnecken,
an deren Verwandtschaft mit Helicina man denken könnte,
das Nervensystem recht bekannt wäre. Allein nur von
Cyclostoma und Neritina" kenne ich so ausführliche Be-
schreibungen und Abbildungen, dass danach ein Vergleich
im Einzelnen möglich ist. Denn sowohl die von Mo-
quin-Tandon, als auch die von Quoy et Gaimard
gegebenen Bilder von den Nervensystemen einzelner
Schnecken sind nicht genau und speciell genug, um zu
einer eingehenden Zusammenstellung tauglich zu sein und
eine durchschlagende Entscheidung geben zu können.
Inzwischen sind ja auch Cyclostoma und Neritina eigent-
lich die beiden streitenden Parteien, und so kann es
dennoch zum Ziele führen, wenn wir die beiderseitigen
70 I s e n k r a h e :
Ansprüche nach C lapar ede's i) Darlegung genau und
gewissenhaft gegeneinander abwägen.
Legen wir Clapa rede's Tafeln neben die unsrige,
so bemerken wir zuerst^ dass beide Claparede'schen Bil-
der den unsrigen keineswegs in der Weise gleichen, dass
nicht noch bedeutende und wesentliche Unterschiede statt-
fänden. Was zuerst Cyclostoma betrifft, so liegen da die
oberen Schlundganglien sehr hoch und sind nur durch
eine kurze Comissur verbunden; während sie bei Helicina
ganz seitlich liegen und durch eine beträchtliche Comis-
sur zusammenhängen. Bei Cyclostoma haben dieselben
oberen Ganglien bloss nach aussen Ausläufer und zwar
vier, nach innen keine ; bei Helicina gehn zwei Fäden
nach aussen, nach innen drei. Bei Cyclostoma sind die
Seitencomissuren wenigstens viermal so lang als die obere j
ausserdem sind sie unterbrochen von zwei Ganglien, die
Clapa rede Ganglia pharyngea lateralia nennt, und wel-
che die beiden Comissuren in vier Stücke trennen, von
denen keines dem anderen gleich ist. Bei Helicina sind
die seitlichen Comissuren ungefähr ebenso lang, wie die
obere, und sind ununterbrochen. Von einem den Ganglia
pharyngea lateralium entsprechenden Gebilde ist nichts zu
sehen. Bei Cyclostoma senden die unteren Schlundgan-
glien zahlreiche Fäden nach hinten, von denen keiner zu
einem Bauchganglion führt. Dagegen gehn von den bei-
den Ganglia pharyngea lateralia zwei Nervenstränge ab,
welche sich kreuzen und beide ein ßauchganglion mit
einigen Ausläufern tragen. Bei Helicina geht von den
unteren Schlundganglien ein einziger Nervenfaden ab,
welcher in seinem Verlaufe zu einem Bauchganglion führt.
Auf der andern Seite liegen nun bei Neritina grade wie
bei Helicina die oberen Schlundganglien mehr zur Seite
und sind durch eine beträchtliche Comissur verbunden.
Dieselben haben Ausläufer nach aussen und innen, nach
aussen zwei wie bei Helicina, nach innen vier. Die seit-
lichen Comissuren haben sich der Länge nach in zwei
1) Vgl. Claparede, Anatomie von Neritina, Taf. lY Fig.
und von Cyclostoma elegans, Taf. I Fig. 7.
' ' '"' Anatomie von Helicina titanica. 71
parallele Fäden gespalten; aber sie sind, vde bei Heli-
cina, ungefähr ebenso lang, wie die obere Comissur. Fer-
ner sind sie ununterbrochen, da auch hier von Ganglia
pharyngea lateralia nichts zu sehen ist Clapar^de hat
kein Bauchganglion abgebildet. Ob nun in der That eines
oder mehrere vorhanden sind, oder nicht: die Nerven,
welche nach hinten abgehen und also möglicherweise zu
einem solchen führen könnten, hängen jedenfalls, wie bei
Helicina, mit den unteren Schlundganglien zusammen.
Mag nun ein Jeder diesen Verhältnissen soviel Wichtig-
keit beilegen, als ihm gut dünkt: eine bedeutend grössere
Aehnlichkeit des Nervensystems unserer Helicina mit dem
der Neritina steht nach diesen Betrachtungen fest.
Wenn wir nun das ganze Ergebniss der gegenwär-
ttgen Untersuchungen über die anatomischen Verhältnisse
von Helicina titanica zusammenfassen wollen, so stellt sich
uns vor allem die Thatsache dar, dass die Abtheilung der
Pulmonaten zu der Lunge gar keine weiteren Unter-
stützungen ihrer Ansprüche bekommen hat, die Rhipido-
glossen hingegen mehrere ^). Zu der so auffallenden
1) In dem bekannten »Journal de Conchyliologie«, herausg.
von Crosse und Fischer, 1865 p, 240, maclit Herr Crosse bei
Gelegenheit der Anzeige eines von O.M. L, Moerch geschriebenen
Cataloges von Conchylien folgende Bemerkung : »L'auteur (Moerch)
adopte en grande partie la Classification de M. le docteur Troschel
basee exclusivement sur l'armature linguale des mollusques. Ce Sy-
steme a l'inconvenient de separer quelquefois des animaux fort voi'
sins par l'ensemble de leurs caracteres, par leur aspect general,
par leur maniere de vivre et differents par une seule cöte de leur
Organisation. Certaines divisions de l'auteur nous paraissent con-
testables. Ainsi pour n'en citer qu'un exemple nous ne pouvons
admettre que les Cyclostomes fassent partie d'un ordre (Taenioglos-
sata) et les Helicines d'un autre (Rhipidoglossata).« Hätte Herr
Crosse die inneren Theile von Helicina selber anatomisch un-
tersucht, 'so v^^ürde er ohne Zweifel zu ähnlichen Schlüssen gekom-
men sein, wie ich sie im Vorigen gezogen habe. Auf wen sonst er
sich aber zu stützen gedenkt, wenn er um des angeführten Grundes
willen das Troschel'sche System verurtheilt, möchte ich wissen; denn
in der ganzen Litteratur konnte ich keine einzige Angabe über die
inneren Theile einer Helicina (mit xlusnahme der radula) entdecken.
72 Isenkrahe: Anatomie von Helicina titanica.
Uebereinstimmung in der Einrichtung der Zungenplatten
ist man berechtigt, die Aehnlichkeit der Zungenknorpel,
das Vorhandensein eines sonderbaren, sonst nirgendwo
aufgefundenen Organes bei dem Magen, und vor allen
Dingen das Zeugniss des Nervensystems hinzuzufügen.
Wenn also Herr Crosse keinen bessern Beleg zur Erhärtung seiner
Behauptung beizubringen wusste, als Helicina und Cyclostoma, so
steht sie auf sehr schwachen Füssen. Die Wahl grade dieses Bei-
spiels war als Stütze seiner Ansicht eine äusserst unglückliche.
Moerch selbst gibt nun aber auch im Späteren (p. 396) eine Ant-
wort, in welcher er dem Herrn Crosse auch den letzten Boden
unter den Füssen wegzuziehen droht. Er vergleicht nämlich die
Schalen von Helicina und Cyclostoma miteinander und kommt merk-
vmrdigerweise zu dem Resultat, dass es mit der Uebereinstimmung
dieser beiden auch nicht weit her sei, und dass besonders der Deckel
von Helicina mit dem von Cyclostoma kaum verglichen werden könne
und viel mehr an Neritina erinnere. Dem versprach nun H. C r o s s e
in der nächsten Lieferung eine Erwiederung folgen zu lassen. Ich
aber habe darin über diesen Punkt nichts gefunden.
lieber die Entsteliiiug der Töne,
welche Palinurus vulgaris mit den äusseren
Fühlern hervorbringt,
von
Dr. Karl üöbiiis
in Hamburg.
Hierzu Taf. H. Fiof. 1 und 2.
In einem der zwölffüssigen Wasserbehälter des Aqua-
riums im zoologischen Garten zu Hamburg werden neben
Hummern und Taschenkrebsen mehrere Exemplare von
Palinurus vulgaris Latr. gehalten, welche an der West-
küste Frankreichs gefangen wurden. Zuweilen gaben
diese Thiere, wie Herr A. Lloyd, der Kustos des Aqua-
riums, bemerkte, Töne von sich. Dies geschah nur dann,
wenn sie mit ihren grossen äusseren Fühlhörnern starke
Bewegungen machten, z. B. wenn sie dieselben gebrauch-
ten, um Angriffe ihrer Kammeraden beim Essen abzu-
weisen. Nachdem mir dies Herr Lloyd mitgetheilt hatte,
habe ich die Töne auch gehört. Sie sind dem Knarren
ähnlich, welches entsteht, wenn man das Oberleder eines
Stie'fels gegen ein Stuhl- oder Tischbein drückt. Dieses
Knarren lassen die Palinuren auch hören, wenn man sie
aus dem Wasser hebt; es klingt dann noch lauter, als
man es aus dem Wasser heraus vernimmt.
Das Instrument, mit dem sie diese Töne erzeu-
gen, ist eine runde Platte, welche an dem untersten der
beweglichen Glieder ihrer äusseren Fühler sitzt. Man
findet sie oben an der inneren Seite derselben. Sic be-
74 M ö b i u s :
steht aus einer Haut von ungefähr ein Mm. Dicke, unter
welcher eine Höhlung ist. Die Oberfläche dieser Haut
zerfällt in zwei verschieden gebauete Felder.
1) Das Randfeld (Taf. H, Fig. la) ist halbmond-
förmig und hat leichte unregelmässige Runzeln. Bei etwa
dreihundertmaliger Vergrösserung bemerkt man darauf
kleine schuppenförmige Abtheilungen und auf einer jeden
ein Härchen. (Taf. II, Fig. 2.) Alle die Härchen wenden
ihre Spitze gegen den freien Rand der Platte.
2) Das zweite Feld (Taf. H, Fig. Ib) ist elliptisch
und hat parallele Furchen; Haare trägt es nicht.
Das Knarren entsteht dadurch, dass die behaar-
ten Felder der Fühlerplatten intermittirend über glatte,
steife Flächen gleiten. Diese Flächen befinden sich an
dem festen Ringe, mit welchem das erste bewegliche
Fühlerglied verbunden ist ; sie bilden die Seitenflächen
des Keiles, der die beweglichen Stämme der äusseren
Fühler von einander trennt. An diesen Flächen bemerkt
man feine Ritzen, welche nur durch das Reiben der
Knarrplatten entstanden sein können, da sie dieselbe Rich-
tung haben, welche die Härchen der Platten beim Gleiten
beschreiben.
Intermittirend wird das Gleiten der Knarrplatte durch
die Haare, welche sie trägt, weil sich die Spitzen der-
selben gegen die aufwärtsgehende Bewegung
stemmen. Wenn die Knarrplatte abwärts gleitet,
so entsteht kein Ton, weil dann die Härchen keine Un-
terbrechungen im Gleiten verursachen können; denn bei
dieser Bewegung werden sie von ihrer Wurzel an ge^en
die Spitze hin an die Platte angedrückt. .[c,': od;;
Das gefurchte Feld der Knarrplatte bringt keinen
Ton hervor, wenn es über die Fläche des Keiles gleitet.
Es leistet aber Widerstand gegen die rückwärts gedräng-
ten Haare, da es dicker und steifer als das behaarte Feld
ist. Ausserdem geben seine Riefen dem Gange der gan-
zen Platte grössere Sicherheit, da sie diejenige Richtung
haben, in welcher die Bewegungen ausgeführt werden.
An abgehäuteten nassen Fühlern kann man diesel-
ben Knarrtöne erzeugen, welche die lebenden Thiere her-
lieber die Entstehung der Töne bei Palinurus. 75
vorbringen; an Spiritusexemplaren wollten sie mir nicht
gelingen. Ich vermuthe aber, dass alle Arten von Pali-
nurus, deren Fühler mit einer behaarten Platte versehen
sind, knarren können.
Man wird durch diese Mittheilung an das erinnert
werden, was Joh. Müller in seiner Abhandlung: „Ueber
Fische, welche Töne von sich geben* (Archiv f. Ant.
1857 S. 249) von Dactylopterus sagt. Dieser bringt näm-
lich (so heisst es dort S. 273 und 274) vermöge der Ge-
lenke des Kiemendeckels ein lautes Knarren hervor, wel-
ches durch ein intermittirendes Gleiten der Gelenkflächen
aufeinander zu entstehen scheint.
Erklärung der Abbildungen.
Taf. II, Fig. 1. Knarrplatte am äusseren Fübler von Palinu-
rus vulgaris Latr., zweimal vergrössert. a das behaarte Feld, b das
gefurchte Feld. '^'J^^^ ?■
Taf. 11, Fig. 2. Ein Stückchen des behaarten Feldes, SOOfach
vergrössert. Oben sind schuppenförmige Abtheilungen ohne ihre
Haare gezeichnet.
\c. hr^.
■ <^/pJi 4*«:^'^ ^t^j^" i
Kurze Notiz über zwei Chilenische Blutegel,
von
Dr. R. A. Philippi
in Santiago de Chile.
Hierzu Taf. II, Fig. A. und B.
Den ersten dieser imbeschrlebenen Blutegel erhielt
ich durch Herrn Dr. Fonk in Puerto Monti. Derselbe ist
ziemlich weich, stark zusammengedrückt, mit ziemlich
scharfen Seitenrändern, 972 Linien (20 mm.) lang, etwas
über 3 Linien (7 mm.) breit. Das Kopfende ist etwas
eingezogen, unmittelbar dahinter verbreitert sich der Kör-
per merklich, erreicht aber die grösste Breite erst in drei
Vierthcilen der Länge. Die Farbe ist ein sehr blasses,
röthliches Braun, welches auf der Bauchseite bedeutend
heller, fast weiss wird, und, unter dem Vergrösserungs-
glase betrachtet, durch braune Punkte hervorgebracht
wird, die auf jedem Ringe in drei bis vier unregelmässi-
gen Querreihen stehen, während die sehr flachen Ein-
schnitte zwischen den Ringen farblos sind. Der Kopf
zeigt keine deutlichen Ringe, der übrige Körper lässt
deren etwa sechszig unterscheiden. Die Mundöffnung
befindet sich wohl an der Spitze des Kopfendes, ich muss
her bekennen, dass ich sie weder sehen noch durch eine
Borste entdecken kann. Am Hinterende des Körpers auf
der Unterseite findet sich ein sehr deutlicher Saugnapf
von 172 Linie (3 mm.) Durchmesser. Die Eingeweide
schimmern nicht durch. Sehr deutlich sind die 'Augen :
sie stehen in zwei genäherten, nach vorn convcrgirenden
Linien, vier auf jeder Seite, und sind die ersten beiden
Philippi: Kurze Notiz über zwei Chilenisclie Blutegel. 77
Paare einander am meisten genähert. Fig. A zeigt in a
das Tliier in natürlicher Grösse von der Rückenseite, in b
von der Bauchseite gesehen ; c ist der vordere Theilf von
oben gesehen vergrössert. — Ich habe das Thier im Mu-
seum von Santiago als Ther omy zooi palle7is aufgestellt.
Den zweiten Blutegel fand Herr Landbeck im Mai
d. J. beim Abbalgen eines Flamingos in der Speiseröhre
desselben noch lebendig im flüssigen Blute herumkriechen,
trotzdem der Flamingo wenigstens 36 Stunden vorher
geschossen war ; er zog sich zusammen, dehnte sich aus,
kurz er schien sehr munter zu sein, starb aber als ihn
Herr Landbeck ins Wasser setzte, nach ein paar Stun-
den. Er warf ihn darauf in Spiritus, und brachte mir
ihn den andern Morgen in Papier gewickelt, aber noch
ganz frisch. Ich warf ihn sogleich wieder in Spiritus,
und untersuchte ihn Tags darauf. Das Thier ist dunkel
braunroth, hart und iederartig, in die Quere gerunzelt,
aber nicht eigentlich geringelt, 7 Linien [Ib mm.) lang,
beinah 3 Linien (6 mm.) breit, am hintern Ende IV3 Li-
nien (3V2 mm.) dick ; hinten ist der Körper abgerundet,
im grössten Theil der Länge aber parallel, und dann
allmählich nach dem Kopfende hin verschmälert und zu-
gespitzt. Am Kopfende sieht man auf der untern Seite
deutlich einen quergestellten, etwa 2/3 Linien langen Mund,
doch gelang es mir nicht eine Borste durch denselben
einzuführen ; am hintern Ende ist unten ein kreisrunder,
kleiner, nur 1 Linie oder 2 mm. im Durchmesser halten-
der Saugnapf. Auf der Unterseite nimmt eine breite,
seichte Längsrinne den hintern Theil des Körpers etwa
in zwei Fünfteln der Länge ein, darauf folgt eine flache,
vertiefte, längliche Stelle in der Mitte des Bauches, wel-
che hinten ziemlich scharf begränzt ist, nach vorn aber
sich allmählich verliert. Nur die vordere Hälfte des Kör-
pers hat eine deutliche Kante jederseits und zeigt auf
der Bauchseite eine grosse Menge schmaler Ringe, wie
bei einem gewöhnlichen Blutegel und ist bedeutend wei-
cher als die hintere Hälfte und als die Oberseite ; die
hintere Hälfte ist an den Seiten gerundet, nicht kantig.
Auf der Rückenseite sieht man zehn bis zwölf Querfur-
78 Philippi, Kurze Notiz über zwei Chilenische Blutegel.
chen, die aber nicht in einer graden Linie von einer Seite
zur andern verlaufen, sondern in der Mitte durch einen
bogenförmigen, hinten convexen, vorn offenen Eindruck
unterbrochen sind. Augen konnte ich nicht sehen. Auf
der Bauchseite sieht man vom Mund aus eine weissliche
Längslinie durchschimmern, die etwa den vierten Theil
der Körperlänge einnimmt. Da ich von diesem Thier,
dem ich vorläufig den Namen Dermobdella pur pur ea
beigelegt habe, um die lederartige Beschaffenheit anzuzei-
gen, so wie vom vorigen nur ein Exemplar besitze,
mochte ich es nicht aufschneiden um die inneren Organe
zu untersuchen. In Fig. B ist in a das Thier von oben
in natürlicher Grösse, in Fig. b von unten gezeichnet,
Fig. c und d stellen Rückenseite und Bauchseite schwach
vergrössert vor.
Heber die Anwesenheit zweier Drüsensäcke im Ceplia-
lotherai der Pkalangideu^
von
Dr. A. Krohu.
Auf dem Dorsalschilde der Kopfbrnst, dicht an jedem
der beiden Seitenränder desselben, kurz bevor letztere
mit dem Vorderrande zusammentreffen, findet sich bei
den Phalangiden eine länglichrunde, bereits von Latreille
gesehene Oeffnung, durch die sich die Spitze einer feinen
Nadel leicht bis zu einer gewissen Tiefe einsenken lässt.
Jede dieser Oeffnungen ist von einer in Form eines oft
schwärzlich gefärbten Walles oder Chitinringes vorsprin-
genden Verdickung der Hautdecke umfasst und führt in
einen rundlichen, häufig faltig gerunzelten, im Cephalo-
thorax gelegenen Sack, der durch einen kurzen engen
Kanal oder Hals mit der Oeffnung communicirt. In
manchen Arten (Cerastoma cornutum, Phalangium parie-
tinum) fallen die beiden Säcke, nach vorsichtiger Ab-
lösung des Rückenschildes, durch ihre dunkelziegelrothe
oder dunkelbraune Farbe sofort in die Augen, w^ogegen
sie in andern Arten (Opilio histrix, Leiobunum rotundum)
ganz pigmentlos erscheinen, daher anfangs leiqht zu
übersehen sind ^).
Beide schon von dem hochverdienten Treviranus
beobachteten aber irrthümlich auf zwei seitliche Augen
1) Bei Opilio histrix zeigt nur der Hals der Säcke einen
schwärzlichen oder braunröthlichen Anflug.
80 Krohn:
bezogenen Säcke, erweisen sich bei einer genaueren
Untersuchung als Drüsen, deren feinerer Bau an den
mancher Insektendrüsen erinnert. Zunächst unterscheidet
man eine sehr zarte von Tracheenverzweigungen umspon-
nene Aussenhülle oder T. propria, auf diese folgt ein aus
secernirenden Zellen zusammengesetztes Epithel, welches
von einer die Höhle des Sackes begrenzenden, sehr
durchsichtigen, Jn zahlreiche feine Fältchen aufgewor-
fenen Cuticula oder Intima überzogen ist. Diese Intima
geht an der Aussenöfinung continuirlich in die Hautdecke
über und erweist sich somit als eine wenngleich sehr
verfeinerte Einstülpung der letztern in den Sack.
Die secernirenden Zellen liegen in einer einfachen
Schicht dicht nebeneinander und enthalten ausser einer
trüben feinkörnigen Substanz einen rundlichen Kern, und
jn der Nähe des letztern noch einen vacuolartigen
Hohlraum, der den Kern mehr oder weniger an Umfang
zu übertreffen pflegt. Jede Zelle scheint durch ein äus-
serst feines Ausführungskanälchcn mit der Intima in Zu-
sammenhang zu stehen. Von der Anwesenheit dieser
Kanälchen wird man sich nach Einwirkung einer schwa-
chen Kalilösung auf den Sack, wodurch zwar die Zellen
und das Pigment aufgelöst werden, die Kanälchen sammt
der faltenreichen Intima aber um desto deutlicher zur
Anschauung kommen, leicht überzeugen. Am deutlich-
sten lässt sich die Zellenlage bei Leiobunum wahrnehmen.
Bei Cerastoma cornut. und Phalang. parietim., wo
die Säcke, wie schon angeführt, von dunkelziegelrother
oder dunkelbrauner Farbe sind, liegt das aus sehr win-
zigen Körnchen bestehende Pigment zwischen der Zel-
lenschicht und der Intima, scheint jedoch zum Theil
wenigstens auch zwischen die Zellen sich herabzusenken.
Die Zellenschicht reicht hier bis an den Hals des Sackes,
und sind die Excretionskanälchen um Vieles länger als
bei Leiobunum rotund. und Opilio histrix, dabei stark
verknäuelt, in ähnlicher Weise etwa wie das Blutgefäss
im Glomerulus der Wirbelthiernieren. Opilio histrix, die
grösste der in unserer Gegend einheimischen Arten, wo
die Zellen ebenfalls bis zum Halse der verhältnlssmässig
Ueb. d. Anwesenheit zweier Drüsensäcke im Cephalothorax etc. 81
umfangreichen Säcke zu verfolgen sind, besitzt die kür-
zesten aber auch die weitesten, bloss in einfache Schlin-
gen umgebogene Kanälchen. Bei Leiobunum nehmen
dagegen die Zellen nur den Grund des Sackes ein, oder
reichen auch wohl zuweilen um ein Weniges höher hinauf^
während die Kanälchen zwar kürzer und weniger stark
gewunden, aber nicht minder fein als bei den beiden
zuerst erwähnten Arten sich zeigen.
Bei allen den genannten Arten scheinen die Kanäl-
chen, kurz bevor sie die Intima erreichen um in die
Höhle des Sackes zu münden, allmählich etwas weiter
zu werden. Ganz zweifelhaft bleibt es indess, von wel-
chem Theile def Zelle das Kanälchen seinen Ursprung
nimmt. Trotz mancher Versuche ist es mir nämlich bis
jetzt nicht gelungen, irgend eine Mischung ausfindig zu
machen, die geeignet gewesen wäre, den unmittelbaren
Zusammenhang des Kanälchens mit seiner Zelle darzu-
thun. Gleichwohl lässt sich nach der Analogie mit eini-
gen Insectendrüsen vermuthen, dass das Kanälchen von
dem vacuolartigen Hohlraum abgehe. Nach den Beob-
achtungen Leydig's nämlich findet sich ein ähnlicher,
wenngleich mit einer selbstständigen Membran versehener
Hohlraum in den Zellen der im Rüssel einiger Dipteren
anzutreffenden Speicheldrüse. Wie aus Leydig's treffli-
chen Abbildungen zu ersehen, sieht man hier das Excre-
tionsröhrchen ganz entschieden aus jenem Bläschen ent-
springen 2).
In Bezug auf das Sekret der Drüsensäcke muss ich
mich auf einige wenige Mittheilungen beschränken, die
freilich nicht der Art sind, um irgend einen sichern
Aufschluss über die nähere Beschaffenheit desselben und
seine Verwendung während des Lebens zu geben. In
den Säcken einiger Individuen von Phalangium und
Leiobunum nämlich nahm ich sehr kleine krystallinische
Ablagerungen wahr, die bei durchfallendem Lichte eine
2) Leydig: Zur Anatomie der Insecten, Müller's Arch. 1859,
p. 69 sq. Taf. 2. Fig. 19. (Musca vomitoria) und Taf. 3, Fig. 26.
(Tabanus •bovinus).
Archiv f. Hatuig. XXXIU. Jahrg: 1. Bd. 6
82 Krohn:
strohgelbe Farbe hatten und quadratischen oder rhombi-
schen Täfelchen zu gleichen schienen. Darunter fand
sich in einem einzigen Falle ein entschieden ausgebilde-
ter und grösserer Krystall, der einem Octaeder mit flach
abgestutzten Spitzen zu entsprechen schien. Bei einem
andern Exemplar von Leiobunum dagegen zeigten sich
die Säcke prall von einer milchweissen Flüssigkeit aus-
gedehnt; die unter dem Mikroskop als aus zahlreichen,
kleinen, farblosen Fettröpfchen bestehend sich ergab.
Beim Rückblick auf die einschlägigen Beobachtun-
gen einzelner Vorgänger sei zum Schluss noch angeführt,
dass Teviranus, ohne Zweifel durch die rundliche Gestalt
der Säcke, mehr noch durch das dunkelbraune Pigment
in denselben verleitet, sie bei Phalang. opilio Linn. (Ph.
parietinum de Geer), wie schon oben angezeigt, für zwei
accessorische oder seitliche Augen ansah ^). Die Aussen-
öffnungen der Säcke hielt er für die Hornhäute dieser
angeblichen Augen, obwohl Latreille bereits mehrere Jahre
früher deren wahre Natur erkannt, aber freilich ohne
nähere Beweisgründe sie als Luftlöcher (Stigmata) ange-
sprochen hatte. Dieser Ansicht sind ' noch gegenwärtig
manche neuere Forscher, namentlich Leydig ^) und Meade ^)
zugethan. Was endlich Tulk betrifft, so findet sich in
dessen bekannter Abhandlung ^) nichts, was wesentlich
von Treviranus' Ansicht abweicht '^).
3) G. R. Treviranus: Vermischte Schriften, Bd. 1, p. 25.
4) Leydig: Zum feineren Bau der Arthropoden. Müller's Arch.
1855, p. 433.
5). Meade: Monograph on the British species of Phalangiidae.
Annais of natur. hist. Vol. 15. Ser. 2. p. 395.
6) Tulk : Anatomie des Phalang. opilio. Froriep's neue Notizen,
30. Bd. p. 144.
7) Es sei mir erlaubt, hier eine etwas abseits liegende An-
gelegenheit zu berühren. In dem nämlichen Bande der Annais of
natur. hist. (Ser. 3. Vol. 16). in welchem mein Aufsatz über den
männlichen Zeugungsapparat der Phalangiden (dies. Arch, 1865)
übersetzt erschien, findet sich eine kurze, bald darauf eingerückte
Notiz von Herrn J, Lubbock, in welcher derselbe anzeigt, dass er
schon vier Jahre vor mir in einer in den Philosophical Transactions
veröffentlichten Abhandlung, denselben Gegenstand und zwar in
üeb. d. Anwesenheit zweier Drüsensäcke im Cephalotherax etc. 83
einer mit meinen Beobachtungen im Wesentlichen übereinstimmen-
den Weise erörtert habe. J. Lubbock war so gefällig mir diese
wichtige, von mir übersehene Abhandlung (Notes on the generative
Organs in the Annulosa, 1. c. 1861, p. 610) zu übersenden, woraus
ich denn allerdings ersehe, dass J. Lubbock vollkommen berechtigt
jst die Priorität in Bezug auf die richtige Deutung des früher
misskannten Hodens und den Nachweis seines Zusammenhanges mit
dem vas deferens durch die beiden Kanäle, die ich in meinem Auf-
satz als vasa efferentia bezeichnet, zu beanspruchen. In derselben
Abhandlung finden sich bereits auch einige Andeutungen über die
feinere Structur der accessorischen Geschlechtsdrüsen , in deren
Zellen ich neuerlich, beiläufig bemerkt, ausser dem Kern ebenfalls
einen vacuolartigen Hohlraum angetroffen habe.
Bonn, den 10. October 1866.
•1/
Einige Worte über Euplectella aspergillum Owen und
seine Bewohner.
Von
€* Sempcr
in Würzburg.
Die letzten Nummern der Annais of Natural Histor 7
für December 1866 p. 487 und Januar 1867 p. 44 haben
uns zwei kleine Aufsätze von John Edward Gray über
einen philippinischen Schwamm gebracht, der bereits den
Reisenden Quoy und Gaimard bekannt, von Owen 1841
unter dem Gattungsnamen Euplectella genauer beschrieben
ward. Wie es scheint gehörte dieser Schwamm bisher
zu den grössten Seltenheiten in unsern Museen, und erst
in den letzten Jahren ist eine grössere Zahl von den
Philippinen herstammender Exemplare nach Europa ge-
kommen. Da ich selbst einen nicht unbeträchtlichen An-
theil an dieser Vermehrung der Museumsschätze zu be-
sitzen glaube, und eine bedeutende Zahl derselben theils
hier, theils auf den Philippinen zu sehen Gelegenheit
hatte, so werde ich mir einige Bemerkungen über die-
selben erlauben. So lange ich nur einige Prioritätsan-
sprüche hätte begründen können, glaubte ich stillschwei-
gen zu dürfen. Jetzt dagegen, wo es scheint, als ob die
einfachsten Verhältnisse durch das Zuthun unserer Ge-
lehrten, die sich nicht scheuen naive Phantasieen eines
Fischervolkes durch wissenschaftlichen Apparat stützen
zu wollen, confus gemacht zu werden versprechen, glaube
ich mit meinen eignen BeobacKtungen an's Licht treten
zu dürfen.
Semper: Einige Worte über Eiiplectella aspergillum Owen etc. 85
Unter dem Namen „regadera^ i) werden diese
Schwämme in Cebu, einer der Inseln der Visaya's von
den Fischern zu Kauf gebracht. Ich selbst sah im Laufe
mehrerer Jahre dort 7 oder 8 Exemplare ; wie ein recht
intelligenter Mestize der Stadt mir sagte, sollten im Gan-
zen bis dahin (1864) etwa 12 — 14 Exemplare überhaupt
nach Europa gesendet worden sein. Da aber fast alle
diese Exemplare, von Spaniern gekauft, nach Spanien
gelangten und hier wohl grösstentheils als Schaustücke
in den Prachtzimmern von Privatleuten blieben, so er-
klärt sich, dass seit Owen's und Bowerbank's Untersu-
chungen keine weiteren Nachrichten über diese Organis-
men in Besitz der wissenschaftlich-en Welt gelangten.
Neuerdings nun scheinen die Fischer von Cebu den
eigentlichen Fundort aufgefunden zu haben; es deuten
wenigstens die jetzt seit meiner Rückkehr im Jahre 1865
rasch sich mehrenden Exemplare der Euplectella darauf
hin. Dies war, als ich dort lebte, wohl noch nicht der
Fall. Auf einer Schleppnetztour, die ich 1864 um die benach-
barte Insel Bohol und im Kanal zwischen Cebü und
ßohol machte, ankerte ich zwei Tage lang auf 120 Faden
Tiefe an der Stelle, wo die Fischer von S. Nicolas bei
Cebü angaben, die Euplectella gefunden zu haben. Da
ich vergebens nach ihnen fischte, so liegt die Vermu-
thung nahe, dass man mich ebenso gut, wie alle andern
Europäer, täuschte, um nicht durch Preisgeben des Fund-
ortes den Preis der Schwämme herabzudrücken — eine
1) „regadera" heisst Giesskanne. Die falsche Schreibweise des
Herrn Henry Chevalier und Gray ,,rigederos'* erinnert mich lebhaft
an eine Zeit, wo ich mich vergebens bemühte einem englischen
Seemann die richtige Aussprache einiger spanischen Namen beizu-
bringen. Das spanische e und a wurden von ihm consequent wie
i und e ausgesprochen. Ganz dieselbe Rechtschreibung scheint oben
angewandt zu sein. Ich möchte mir erlauben, hier eine 3. nun
wieder verdeutschte Schreibweise des spanischen Wortes ,,regadera"
beizufügen, nemlich so etwa „reidschidiros." Durch so glückliche
Umlautung können wir hoffen, allmählich diese Bezeichnung als echt
malaiisch wieder auf den Philippinen einzuführen. Wenigstens
haben die versuchten Ableitungen des Wortes „Papua" das Mögliche
in verwandter Beziehung geleistet.
86 S e ra p e r :
Tactik, die bekanntlich nicht blos malaiische Fischer zu
üben pflegen. Da ich im Fischen unglücklich geblieben
war, so kaufte ich ein Exemplar an, das leider nicht
mehr frisch und stark gebleicht war. Seitdem erhielt
ich durch einen guten Freund 14 Exemplare, die bis
auf 2 vollständig erhalten waren und auch fast alle den
Krebs enthielten, den ich selbst schon lange kannte und
dessen Vergesellschaftung mit diesem Schwamm zuerst
von Gray bekannt gemacht worden war.
Wie Gray richtig bemerkt, halten die Spanier in
Cebü und Manila diesen Schwamm für das selbstverfer-
tigte Haus seiner Insassen. Diese Meinung scheint jetzt,
nach Gray's letztem Aufsatze zu schliessen, von einem
französischen mir unbekannten Naturforscher Namens Tri-
moulet von Bordeaux adoptirt worden zu sein. Wenn
Gray hinzusetzt „the (spanish ?) fishermen's theory has
found one scientific supporter at least,'^ so möchte
ich das Wort „scientific*^ nur cum grano salis angewandt
sehen. In der That genügt die alleroberflächlichste Kennt-
niss vom Bau der Schwämme einerseits, und der Gewohn-
heiten der Crustaceen andrerseits, um zu erkennen, dass
diese Ansicht wohl in dem Gehirne eines malaiischen
Fischers entstehen durfte, dass aber ihre wissenschaft-
liche Vertretung zu einer der haarsträubendsten Auf-
gaben gehören möchte, dei' sich zu unterziehen nur We-
nige Lust und Muth finden würden. Freilich, man muss
Entdeckungen machen ; wenn sie auch nur eine kurze
Zeit in Mode kommen und anerkannt werden, so genügt
das wohl schon zur Erlangung der gewünschten Ehren.
Ich halte es für überflüssig, nach den schönen Beobach-
tungen Owens und Bowerbank's über diese Schwämme,
abermals ihre feinere Structur zu erörtern, um die Be-
hauptung zu bekräftigen, dass jener französische Gelehrte
einen Irrthum begehen muss und wird.
Und wenn nur das auch so ganz richtig wäre, was
Trimoulet behauptet, nemlich „que c'est le nid d'un
crustace de la section des Isopodes nageurs.*' Allerdings
lebt ein Isopode, eine echte Acgaart, in diesem Schwamm,
aber sie nicht allein, ja sogar häufiger als diese findet
Einige Worte üb. Euplectella aspergilliim Owen u. seine Bewohner, 87
man in ihm ein Pärchen eines hübschen Palaemoniden,
den ich leider nach den mir vorliegenden stark verstüm-
melten Exemplaren nicht. -^ generisch bestimmen kann.
Wären des Herrn T r i m o u 1 e t's ^renseignements- . ein
wenig vollständiger gewesen, so würde er auch von den-
selben Spaniern in Cebii gehört haben, dass die ^cuca'^-),
nemlich meine Aega spongiophila m., immer nur einzeln
gefunden wird^, dass dagegen die ^^camarones^ ^), jene
eben erwähnten Palaemoniden, immer zu zweien in ihm
leben. Ein Ehepaar und sein Hausfreund ! und ihren
vereinten Bestrebungen ist es vermuthlich nach Tri-
mouiet gelungen, das so zierliche Kieselgewebe des gan-
zen Schwammes aussen und innen zu weben. Beide
Formen von Krebsen waren mir lange bekannt. Von der
einen, der Aega spongiophila, entwarf ich mühsam genug
eine Zeichnung in Cebü, indem ich das Thier nach allen
Richtungen vor einige grössere Löcher in der Endplatte
zu bringen suchte, da ich den Schwamm selbst nicht zer-
stören durfte ; die beiden Palaemoniden waren dagegen
in allen mir damals zu Gesicht gekommenen Exemplaren
zu sehr verstümmelt, um sie unter solchen Hindernissen
zeichnen zu können. Da ich augenblicklich ausser Stande
bin, Zeichnungen von den mir jetzt in mehreren Exem-
plaren vorliegenden Krebsen anzufertigen, so muss ich
mich vorläufig mit einer kurzen Beschreibung begnügen ;
doch hoffe ich eine genauere, mit Abbildungen begleitete
Beschreibung bald folgen lassen zu können.
Äega spovgiopidia v. sp.
Das Kopfglied ist vorne abgerundet und stark nach
unten gebogen. Die beiden Augen sind sehr gross, be-
rühren sich aber nicht, sondern lassen die in eine kleine
Spitze auslaufende Stirn zwischen sich, an deren Seiten
2) ,,cuca" ist abgekürzt von dem spanischen Worte , cuca-
racha/' mit dem in Spanien sowohl alle Blatta-arten, als auch die
Asellinen bezeichnet werden.
3) „camaron" heisst im Spanischen jeder Palaemonide des
süssen wde salzigen Wassers. Beide Bezeichnungen geben abermals
einen Beweis, wie richtig ungebildete, sogenannte wilde Völker häufig
in ihren Anschauungen durch ihre geschärften Sinne geleitet werden.
88 S e m p e r :
die breiten Basalglieder der Antennen entspringen. Das
erste Glied der obern Antennen ist fast viereckig, doppelt
so breit als die Stirnspitze lang, das zweite Glied etwas
kleiner; das dritte Glied ist dünn, cylindrisch und reiclit
bis zur Mitte der Augen, der Endfaden ist vielgliedrig
und geht nicht bis ganz an den Hinterrand des ersten
Thoracalsegmentcs. Die unteren Fühler entspringen mit
zwei kurzen aber breiten Gliedern, die nächsten drei
langen und cylindrischen Glieder reichen bis nahe an
das Ende der innern Fühler und die kleingliedrige End-
geissel geht bis an den Anfang des Abdomens. Die
Epimeren der 7 Glieder des Vorderkörpers sind gross,
lanzettförmig. Das erste Glied des Postabdomens ist das
schmälste; das vorletzte das breiteste. Das letzte Abdo-
minalgiied ist vorne gradrandig, hinten stark bogig. Die
Lamellen der Abdominalschwimmflosse sind spitz oval,
und treten nicht über den Hinterrand des letzten Glie-
des hervor.
Die Beschreibung der Palaemonide will ich vorläu-
fig noch zurückhalten, da icli die Hoffnung habe, sie bald
nach vollständigen in Spiritus conservirten Exemplaren
besser machen zu können, als es mir jetzt nach den ge-
trokneten und theilweise zerstörten Thieren möglich sein
würde.
Zum Schlüsse will ich nur noch einige Bemerkun-
gen über den Schwamm selbst machen, ßowerbank's
Tadel gegen R. Owen hat indem erwähnten Artikel von
J. E. Gray seine gebührende Abweisung erfahren. Wenn
aber Gray ohne Weiteres den von Quoy und Gaimard
beschriebenen Schwamm für identisch mit dem philippi-
nischen erklärt, so muss ich mich hiergegen erklären,
so lange nicht genauere Untersuchungen beider Formen
die Identität beweisen. Die Quoy- und Gaimard'sche Art
stammt bekanntlich von den Molukken und nicht von
den Philippinen, Gray müsste also jedenfalls auch diesen
Fundort mit angeführt haben. Uebrigens mache ich nicht
diese Bemerkung, um eine „Art^ zu retten, sondern weil
Einige Worte üb. Euplectella aspergilluin Owen u. seine Uewohnei'. 89
es mir leid um den schönen Owen'schen Namen Eu-
plectella aspergillum tliiit, dei' in seiner Speciesbezeich-
nung eine einfache Uebersetzung des vom Volksmund
erfundenen „regadera'^ gibt, und so dies Thier wohl bes-
ser bezeichnet, als der so gemeine lateinische Ausdruck
^speciosa^ oder die volksthümelnde Gray'sche Benennung
^ Venus Flower-basket."
Würzburgi den 19. Januar 1867.
lieber die Gattung Cremiiobates ßlanf.
Von
T rose hei.
Hierzu Tai. II. Fig. a.
William Blanford, der verdienstvolle Forscher
im Gebiete der Ostindischen Gasteropoden, hat im Jahr
1863, Annais nat. hist. XII. p. 184 pl. IV. Fig. 1—7,
eine in ihrer Ijebensweise eigenthümliche Schnecke als
neue Gattung beschrieben, die er Cremnobates nannte.
Er betrachtet sie als ein Mitglied der Littorinenfamilie,
bringt aber doch allerhand Zweifel zur Sprache, stellt
Vergleiche mit verschiedenen Gattungen auch anderer
Familien an, so dass die Feststellung ihrer verwandt-
schaftlichen Verhältnisse nach den Blanford'schen
Mittheilungen noch nicht als endgültig angesehen wer-
den kann.
Nach der Schilderung von Blanford kommt diese
Schnecke häufig an den steilen nackten Felsen in dem
Syhadri oder W^estern Ghats-Gebirge in der Nähe von
Bombay vor. Diese Berge bestehen ganz aus basaltischer
Lava, erheben sich plötzlich vom Meeresufer zu einer
Höhe von 200() F. und bilden einen ausserordentlich steilen
abschüssigen Abhang. Wegen der Nähe des Meeres und
bei dem plötzlichen Wechsel der Bodenerhebung ist der
Regenfall vom Juni bis October während des südwest-
lichen Monsoon's sehr bedeutend und die Oberfläche der
Felsen wird fast continuirlich nass gehalten. Im Decem-
bcr fand Blanford kriechende Exemplare nur an den
nassen Felsen an einer Stelle, wo ein kleiner Wasser-
Troschel: Ueber die Gattung Cremnobates Blanf. 91
Strom an einem Felsenabhange herabrieselte; an anderen
Stellen waren sie in Spalten und Höhlen imbeweglich
an den Felsen anhaftend. Wenn Blanford hiernach
auf eine amphibische Lebensweise, wie sie ja auch von
vielen Littorinen bekannt ist, schliesst, hat er gewiss
recht; indessen hätte er auch daraus schliessen können,
dass diese Thiere entschieden vom Wasser abhängig sind,
und dass sie ihre Lebensäusserungen sistiren, wenn ihnen
Feuchtigkeit fehlt, wie es so viele Schnecken thun.
Diese Lebensweise hat ihn auf die Vermuthung gebracht,
die Schnecke möchte lungenathmend sein, und eine
Uebergangsstufe zu den Cyclostomaceen bilden. Er hat
auch wirklich keine Kiemen gefunden, gesteht aber selbst,
dass er sich in diesem Punkte nicht recht traut. Mir
scheint die Lungenathmung im hohen Grade unwahr-
scheinlich, ich weise sie zurück, bis sie sicherer nachge-
wiesen wird. Blanford sagt selbst, die Stellung unter
den Familien der gedeckelten Landschnecken würde
schwierig zu bestimmen sein, wenn sich die Lungenath-
mung bestätigen sollte.
Andere Charaktere nämlich unterscheiden sie von
denselben: die pfriemförmigen Fühler und der unge-
theilte Fuss trennen sie von Cyclostoma, der Deckel mit
wenigen Windungen und dem excentrischen Nucleus von
Cyciophorus, der Mangel des langen Rüssels von Trunca-
tella, und sowohl Deckel wie Tentakeln von Hydrocena,
welche letzteren sonst in der Lebensweise Aehnlichkeit
mit ihnen haben. Alle Charaktere der Schale, des Dek-
kels, des Thieres, mit einziger Ausnahme der Lunge, wei-
sen ihr eine Stellung unter den Littoriniden an, und zwar
in der Nähe von Fossar und Lithoglyphus. So führt
Blanford selbst aus. Er fügt hinzu, jene Berge haben
ohne Frage in verhältnissmässig neuer geologischer Zeit
noch ein marines Felsenriff gebildet, und es möchte keine
unlösbare Frage sein, ob vielleicht Cremnobates von den
Littorinen oder den Fossarus in gerader Linie abstamme.
Bei dieser Lage der Sache war mir ein Exemplar
von Cremnobates Syhadrensis sehr willkommen, welches
das Bonner naturhistorische Museum von Herrn C. Wes-
92 Troscliel:
sei in Hamburg erwarb. Es war mit dem vollständigen
Deckel versehen und die Hoffnung lag nahe^ dass hinter
ihm das eingetrocknete Thier noch vorhanden sei. Ich
weichte die Schnecke in Wasser auf und versuchte daraus
die Radula zu präpariren, die ganz unzweifelhaft zu einer
weiteren Erkenntniss der verwandtschaftlichen Beziehun-
gen unserer Schnecke führen musste. Wenngleich meine
Hoffnung nicht ganz getäuscht wurde, so musste ich doch
zu meinem grossen Bedauern erfahren, dass das Schnek-
kenthier schon soweit in Fäulniss übergegangen war, dass
die Radula nicht mehr im Zusammenhange erhalten war.
Sie zerfiel bei dem Kochen in Aetzkali, und ich fand
nur eine Anzahl einzelner Platten, von denen nur hier
und da noch zwei oder drei aneinander hingen. Ich kann
daher auch nur solche einzelne Platten, ohne sie in situ
zu haben, zur Vergleichung mit anderen Schnecken be-
nutzen. Immerhin halte ich es aber für nicht unwichtig
für die Deutung von Cremnobates, sie in der Abbildung
vorzulegen, und daran vergleichende Bemerkungen zu
knüpfen.
Blanford hat schon selbst die Radula gesehen. Er
macht jedoch über sie nur die kurze Angabe : „die Zun-
genmembran sei sehr lang, eine aus einem grossen Exem-
plar genommene mass 17 Millim., die Platten seien sie-
benreihig, aber verschieden von denen der Cjclostoma-
ceen.^ Selbstredend können wir damit der Lösung des
Zweifels nicht näher treten, wenngleich die beträchtliche
Länge der Radula eine Beziehung zu den Littorinen wahr-
scheinlich macht. In unserer Figur habe ich ein Glied
aus der Radula dargestellt, wie ich sie aus den einzelnen
Platten zusammensetzen konnte. Die Mittelplatte hat am
vorderen Rande fünf abgerundete Zähne, die an Grösse
keine grosse Differenz zeigen. Vorn ist diese Platte am
breitesten, verschmälert sich nach der Mitte und wird am
Hinterrande wieder etwas breiter. Eine Basallamelle habe
ich nicht bemerken können. Diese Mittelplatte gleicht
sehr der von Littorina irrorata Say (Gebiss der Schnek-
ken I. Taf. X. Fig. 15), wenn man sich die Basallamelle
fort denkt. Die Zwischenplatte hat den für die Litto-
Ueber die Gattung Cremnobates Blanf. 93
rinen so charakteristischen Ausschnitt am Hinterrande ;
an ihrer Schneide stehn fünf spitze Zähne, deren mitt-
lerer der längste und grösste und nach innen gerichtet
ist. Die innere Seitenplatte ist schmal, hat aber am inne-
ren Seitenrande einen grossen vorstehenden Lappen ; ihr
Schneidentheil macht mit der Platte einen Winkel; die
Schneide selbst trägt fünf spitze Zähne, deren mittlerer
wie an der Zwischenplatte als eine Spitze hervorragt.
Die äussere Seitenplatte hat einen breiten Vorderrand mit
fünf fast gleichen stumpfen Zähnen; die Platte ver-
schmälert sich nach der Mitte und wird nach hinten
wieder breiter. Die Zahl der Glieder ist nicht zu ermit-
teln. Die Breite der Mittelplatte ist 0,45 Mm.
Fragen wir nun nach der Verwandtschaft der Gat-
tung Cremnobates, soweit das Gebiss darüber Auskunft
giebt, so bestätigen sich die Vermuthungen Blandfort's
keinesweges. Die Radula hat weder mit Lithoglyphus
noch mit Fossarus Aehiilichkeit, wie eine Vergleichung
mit den Figuren im Gebiss der Schnecken leicht ergiebt
Sie hat an der Mittelplatte weder die Basalzähne von
Lithoglyphus (1. c. I. Taf. VII. Fig. 12), noch findet sich
irgend eine Aehnlichkeit in der Gestalt der Platten.
Bei Fossarus (1. c. Taf. XII. Fig. 14) lässt die Gestalt
und Bezahnung der sämmtlichen Platten keine Ver-
gleichung zu. — Dagegen stimmen alle einzelnen Platten
sehr gut mit Littorina überein. Die Ausbuchtung hinten
an der Basis der Zwischenplatten ist sehr charakteristisch,
die Gestalt der Seitenplatten passt recht gut. Die Mit-
telplatten haben keine Basallamellen und sind länger als
breit; dadurch unterscheiden sie sich von Littorina und
nähern sich Tectus an.
Mit Rücksichtnahme auf die Zerfällung der Gattung
Littorina, wie ich sie Gebiss der Schnecken I. p. 131
dargestellt habe, wird sich Cremnobates folgendermassen
einreihen :
A. Deckel mit zwei Windungen.
a. Mittelplatte der Radula mit Basallamellen, Schale
ungenabelt, — Littorina.
94 Troschel: lieber die Gattung Cremnobates Blanf.
b. Mittelplatte der Radula ohne Basallamellen, Schale
genabelt, — Cremnobates Blanf.
ß. Deckel mit vier Windungen, Mittelplatte der Radula
länger als breit ohne Basallamellen — Tectus Montf.
C. Deckel mit sechs Windungen, Mittelplatte der Radula
mehr als dreimal so lang wie breit, ohne Basal-
lamellen — Nina Gray.
Dieses Resultat hat seine Gültigkeit in der Voraus-
setzung, dass die Basal- Ausdehnung der Mittelplatten
wirklich fehlt. Sollten diese dünnen Lamellen vorhanden
gewesen und nur bei der Zerstörung der unterliegenden
Membran mit zu Grunde gegangen sein, was bei dem
Erhaltungszustande der Mundtheile an meinem einzigen
Exemplare nicht unmöglich ist, dann würde in den Mund-
theilen kaum ein Unterschied der Gattung Cremnobates
von Littorina zu finden sein. Die Schale unterscheidet
sich immer durch den Besitz des oJBfenen Nabels.
Alberti niagni historia auimaliuni.
Yon
Br. Carl Jessen.
Durch Herrn Ed. v. Martens darauf aufmerksam
gemacht, dass Albert des Grossen Zoologie auch für den
Leserkreis dieser Zeitschrift nicht ohne Bedeutung ist,
erlaube ich mir hier einige Notizen mitzutheilen, welche
für die Benutzung des Werkes und namentlich auch der
bisher vorhandenen Ausgaben nicht ohne Interesse sein
dürften.
Mich haben zunächst Arbeiten für die Von Ernst
Meyer in Königsberg einst unternommene und jetzt von
mir vollendete Ausgabe der Botanik Alberts des Grossen
(Alberti Magni de vegetabilibus libri VII. Berolini, Reimer.)
mit Alberts Thiergeschichte in vielfache Berührung ge-
bracht. Dieselbe enthält nämlich eine sehr grosse An-
zahl von Pflanzennamen, welche ich für die Feststellung
der Schreibart besonders bei den 482 Paragraphen des
6. Buches der Botanik benutzt habe, in denen die specielle
Pflanzenkunde Alberts enthalten ist. Dabei fand ich sehr
bald, dass die Ausgaben, und namentlich die letzte und
am häufigsten benutzte von Jammy, für die historia
animalium ebenso unzuverlässig sind, v^ie die de vegeta-
bilibus, bei denen eben dieser umstand zur Herstellung
der neuen Ausgabe genöthigt hat.
Als ich mich unter diesen Umständen nach neuen
Hülfsmitteln umsah, kam mir die bisher, so viel ich weiss,
96 Jessen:
in naturwissenschaftlichen Kreisen noch unbekannte That-
sache zur Kenntniss, dass das Originalmanu s cript
von Alherti magni historia animalium noch immer in
der Stadt Köln aufbewahrt wird und gegen-
wärtig der dortigen Stadtbibliothek angehört.
Durch die Geneigtheit des Magistrats und die freund-
lichste Vermittelung des so wohl bekannten Archivars der
Stadt, Herrn Dr. Ennen, erhielt ich die kostbare Hand-
schrift zu längerer Benutzung zugesandt.
Ein ebenso mühseliges als langwieriges Studium der
zum Theil sehr schwer entzifferbaren Handschrift mit
ihren eigenthümlichen Abkürzungen hat mir nicht nur
für meine ursprüngliche Absicht reiche Ausbeute, sondern
auch manche andere Aufschlüsse gewährt. Für die Zoolo-
gie würde meine Untersuchung sehr leicht viele specielle
Nachweise haben liefern können , wenn mir der Aufsatz
des Herrn v. Martens, welcher unter einem so einfachen
Titel die eingehenden Untersuchungen über die Säuge-
thiere Alberts enthält (Archiv f. Naturgesch. 24. Jahrg.
1. B. 111 S. Bemerkungen über einige Säugethiere u. s.w.)
früh genug bekannt geworden wäre, um die citirten
Thiernamen gleich mit in den Kreis meiner Untersuchun-
gen ziehen zu können. Es ergiebt sieb nämlich aus ge-
nauer Vergleichung der Handschrift mit den Ausgaben
(oder wenigstens mit der Jammy'schen) und aus der
Untersuchung der einzelnen Theile der Handschrift in
Verbindung mit den spärlichen Citaten gleichzeitiger
Schriftsteller folgendes :
1. Die Handschrift unterscheidet sich durch unregel-
mässige, sehr wechselnde Schreibweise bedeutend von
den gewöhnlichen, handwerkmässig hergestellten Copien
des Mittelalters. Bei genauerer Untersuchung findet man
leicht, dass an mehreren Stellen ein neuer Anfang ge-
macht ist, der an Grösse und Deutlichkeit von dem vor-
hergehenden abweicht. Damit wechseln viele sehr klein
und rasch oder undeutlich beschriebene Seiten. Man
erkennt daran , dass eine öfter überarbeitete Original-
handschrift vorliegt, denn es ist offenbar an vielen Stel-
len eine vorangehende Seite später geschrieben als die
Alberti magni historia animalium. 97
olgende. Jene frühere Seite ist dann eng und dicht
beschrieben.
2. Der Abschnitt über die Falken im 23. Buche,
welcher in den letzten Büchern allein eine Capiteleinthei-
lung besitzt^ ist der älteste, oder einer der ältesten Theile
des ganzen Werkes. Er allein wird vor 1250 als Theil
der historia animalium von Vincent de Beauvais
citirt, dem alle anderen Theile des Werkes nachweislich
unbekannt waren.
3. Hauptsächlich ist das Werk in und nach der
Zeit geschrieben, in welcher Albert Bischof von Begens-
burg war, also nach dem März 1260. Dass denselben ein
längerer Aufenthalt in Köln und der Besuch der nörd-
lichen Küstenländer und anderer Theile Deutschlands
voraufgegangen ist, darauf deuten viele Citate. Auch wäre
es nicht unmöglich, dass einige der ersten Bücher eben
so wie jene Kapitel über die Falken, schon früher, etwa
in Köln , geschrieben worden sind , ja ich habe mich bei
der Aehnlichkeit dieses letztgenannten Abschnittes mit der
Falknerei Friedrich IL und der Erwähnung des Guilielmus
falconarius regis Roberti des Gedankens nicht erwehren
können, dass derselbe in Italien, vielleicht schon während
der langen Studienzeit des Albertus , welche bis in sein
dreissigstes Lebensjahr sich ausdehnte, abgefasst sei. Ein
Citat, welches auf Köln als Abfassungsort gedeutet wer-
den könnte, habe ich nirgends gefunden, wohl aber ist
Eegensburg als solcher deutlich genug bezeichnet. Ein
geographisches Inhaltsverzeichniss zur Thiergeschichte,
welches ich mit Hinweglassung mancher fabelhaften, dem
Albertus nur durch unsichere Citate bekannten Namen
entworfen habe und hier anfüge, wird die nöthigen Nach-
weise dafür liefern.
4. Von den gedruckten Ausgaben weicht die Hand-
schrift ausserdem noch dadurch ab, dass in ihr zwei
kleinere Werke, welche ursprünglich selbstständig abge-
fasst waren, und welche auch so wiederholt abgedruckt sind,
in die Thiergeschichte eingefügt sind, das eine De origine
animae als lib. 20, das andere De motibus processivis
als lib. 22. Dies ist geschehen, nachdem schon die Ab-
Archiv f. Natujg:. XXXIII. Jahrg; 1. Bd. 7
98 Jessen:
Schrift (oder Abschriften?) genommen waren, auf denen
unsere gedruckten Ausgaben der Thiergeschichte beruhen.
Dass diese Einschaltungen später nach Vollendung des
Werkes geschehen sind, zeigt die Handschrift deutlich.
Auch habe ich an dem genannten Orte ausführlich
die Ursachen sowohl für die ursprünglich separate Ab-
fassung, wie für die spätere Einschaltung auseinander
gesetzt und namentlich diese bei dem Werke noch für
genauere Feststellung der Zeit der Abfassung der natur-
historischen Schriften Alberts benutzt. Am deutlichsten
erkennt man den späteren Zusatz in der nur sehr unvoll-
kommen durchgeführten Abänderung der Bezifferung der
neu eingefügten wie der schon vorhandenen späteren
Bücher, denn es ist durch diese Zusätze in der Hand-
schrift üb. 20 der gedruckten Ausgaben zu lib. 21 und
lib. 21-26 zu lib. 23—28 geworden. Dabei ist als Ein-
leitung und erstes Kapitel von lib. 20 ein bisher unge-
drucktes kleines Kapitel eingeschoben , welches den Zu-
sammenhang von lib. 20 — 28 mit den vorhergehenden
motivirt. Eine Abschrift dieses schwer leserlichen Kapitels
habe ich genommen. Darin erklärt Albert alle folgenden
Bücher (21 — 28) für seine Originalarbeit (digressio) ,. w^o-
mit er aber nicht sagen will, dass er keine anderen
Schriftsteller benutzt und angeführt habe, sondern nur,
dass er darin nicht den Text des Aristoteles oder eines
anderen Schriftstellers zu Grunde lege und interpretire.
5) Die Ausgaben, oder wenigstens die von mir be-
nutzte Jammy'sche, sind in den Einzelheiten und nament-
lich in den Eigennamen ganz unzuverlässig.
Jammy hat überhaupt nur die früheren Ausgaben un-
genau abdrucken lassen und mit kecker Hand verändert
und auf seine Art verständlich gemacht. Das gilt, wie
ich nicht zweifele , für alle von ihm herausgegebenen
Schriften des Albertus. Ungewöhnliche, namentlich
deutsche Namen sind daher, selbst wenn sie anscheinend
richtig sind, höchst unsicher. So ist, um nur ein Bei-
spiel zu erwähnen, „Malakya regio maioris Asiae (Ma-
lakka)" bei Jammy zu „Valachia regio maris Asiae'^
(lib. 8 tr. I. c. 1.) geworden. Ja es erstrecken sich die
Alberti magni historia animalium. 99
Abweichungen über Titel und Text, so dass man in kei-
nem Punkte sicher sein kann, Alberts Ansicht wirklich
vor sich zu haben. Meist sind es freilich nur einzelne
Worte, welche falsch oder ausgelassen sind, aber solche
Fälle fehlen schwerlich auf irgend einer Seite.
Alle diese Punkte habe ich in den Zusätzen zu mei-
ner Ausgabe (Cap. III. De autographis Alberti libris
pag. 672j ausführlich behandelt und so strenge,* als die
oft sehr geringen und vereinzelten Notizen es erlaubten,
begründet, und muss daher darauf verweisen. Dabei
möchte ich aber auch darauf aufmerksam machen, dass
die libri VII de vegetabilibus für den Zoologen keines-
wegs ohne Bedeutung sind. Es geht dieses Werk näm-
lich der historia animalium voran und vergleicht in den
ersten Büchern die Pflanzen immer mit den Thieren, so
dass erst aus der Combination beider Werke ein voll-
ständiges Bild von Alberts des Grossen Kenntniss der
Thiere und ihres Baues sich zusammenstellen lässt. Es
steht z. B. De veget. lib. V. §. 18 (tr. I. cap. II. ultimo)
folgendes : in animalibus est aliquid transiens a cerebro
aut ab 60, quod est loco cerebri per corpus, quod est
vicarius cerebri, quod vocatur nucha, et transit per totam
corporis longitudinem aut in dorso animalium aut inferius
per pechts et suh venire sicut in cancro et scorpw?ie et
aliis qtiibitsdam. Das ist, so weit mir die Literatur be-
kannt ist, wohl die erste Nachricht über den Bauclraerven-
strang der Insecten.
Wenn ich nun noch auf Einzelnes näher eingehen
darf und zwar besonders mit Rücksicht auf den erwähn-
ten Aufsatz des Herrn v. Martens, so möchte ich zu-
erst gegen die hergebrachte aber schon von v. Martens
selbst mehrfach eingeschränkte Behauptung, Albertus
habe wenige Originalbeobachtungen gemacht und Com-
pilation sei sein Hauptzweck, in soweit protestiren, als
ich vielmehr nach wiederholter Prüfung seiner vielen
naturhistorischen Schriften umgekehrt behaupten möchte:
Albertus ist überall Original, selbst da, wo er
zu kopiren scheint. Man muss nur bedenken, dass
er nicht schreiben konnte, wie er wollte, sondern dass
100 Jessen:
die Gefahr der Verketzerung immer hinter ihm stand
und oft seine Feder regirt hat, wie z. B. bei seinen auch
von V. Martens citirten Schlussworten. Man pflegt bei
den arabischen Gelehrten diesen Umstand immer zur Ent-
schuldigung zu betonen und hervorzuheben, aber man
darf nicht vergessen, dass in der christlichen Kirche zu
jener Zeit kaum geringere Eifersucht und Verdächtigung
gegen alles Neue zu Felde zog. Alberts Botanik beweist
es auf das aller deutlichste , dass er sich nicht unter,
sondern nebenAristoteles stellte, dass er die Fehler
seiner ächten oder unächten Werke ohne Weiteres ab-
weist, ja dass er bisweilen gradezu durch Einschieben
einer Verneinung einen ihm falsch erscheinenden Satz in
das Gegentheil umwandelt. Als Beweis hierfür brauche
ich wohl kaum weiteres beizubringen, als folgende beiden
Aeusserungen des Albertus in der Botanik: „Aber alles,
was von Anfang an in diesem Buche mitgetheilt ist,
scheint recht unklar zu sein, ausgenommen nur das, was
ich selbst im ersten Kapitel meiner Meinung gemäss aus-
gesprochen habe. Diese Unklarheit ist, meine ich, die
Schuld derer, welche das Buch des Aristoteles übersetzt
haben, das ich in den beigebrachten Kapiteln mitgetheilt
und erklärt habe (lib. I. tract. I. cap. IX initio, oder
lib. I. §. 58 meiner Ausgabe); und ferner: „Alles dieses
(voranstehende) ist von den Alten, welche von der Natur-
geschichte der Pflanzen reden, uns überliefert und scheint
in nicht geringer Verwirrung zu sein. Deshalb wollen
wir von neuem anfangen und die allgemeinen Verhält-
nisse des Pflanzenlebens in ihrer natürlichen Ordnung
darstellen, mit dem Allgemeinen beginnen und zum Spe-
ciellen hinabgehen (lib. IL tract. I. cap. I initio, oder
lib. II. §. 1 meiner Ausgabe)." Uebrigens habe ich mich
über seine Darstellungs- und Anschauungsweise schon
ausführlich in meiner „Botanik der Gegenwart und Vor-
zeit 1864", sowie an andern Orten ausgesprochen und
mich seitdem immer mehr davon überzeugt, dass er nichts
sagt, was er nicht geistig reproducirt und sich klar ge-
macht hat, wenn er nicht wie v. Martens ebenfalls
ganz richtig bemerkt, Sachen nach Hörensagen und als
Alberti magni historia animalium. 101
zweifelhaft einfach referirt. In der Botanik beschreibt
er solche Dinge^ die er nicht glaubt, wiederholt als Aus-
sprüche der Besprecher oder Zauberer (incantatores), selbst
wenn er sie aus dem Avicenna geschöpft hatte. Sein
Hauptzweck ist allerdings, wie das v. Märten s durch-
aus richtig darstellt, ein Handbuch der Anatomie, Phy-
siologie und Zoologie, oder vielmehr, wenn man seine
eigene Erklärung zu Anfang der Physica berücksichtigt, ein
Lehrbuch der Naturgeschichte zu liefern, von dem die
Botanik den 18., diese Zoologie den 19. und letzten Band
bildet. Ich habe in der Einleitung zu meiner Ausgabe
auch diesen Punkt besprochen und die betreffenden Stellen
abdrucken lassen. Ferner aber meine ich, muss man
auch, um gerecht zu sein, es nicht gering anschlagen,
dass er diesen kolossalen Plan nicht bloss gefasst, sondern
auch bis an's Ende durchgeführt hat. Er hält
sich dabei an den Aristoteles — und was konnte er
denn auch derzeit besseres thun? — aber er ist weit davon
entfernt, ihm blindlings nachzusprechen. Sein ausge-
sprochener Vorsatz ist von vornherein, den Aristoteles
zu commentiren. Das hat er durchgeführt, aber in so
eigenthümlicher Weise, dass er des Aristoteles Sätze,
ja oft die einzelnen Worte des Satzes als Bausteine ver-
wendet, um aus ihnen und, seinen eigenen Worten neue
Sätze und wie gesagt, oft neue Ideen und neue Behaup-
tungen zu bilden. In meiner Ausgabe der Botanik kabe
ich diese einzelnen, aus der Uebersetzung des Pseudo-
Aristotelischen Werkes De plantis aufgenommenen Worte
gesperrt drucken lassen und muss darauf verweisen, denn
in Worten lässt sich ein Bild dieses eigenthüralichen,
eben so mühsamen wie scharfsinnigen Processes schwer
wiedergeben. Will man in der Zoologie das Aristoteli-
sche von dem, was Albertus selbst eigen ist, leicht und
sicher unterscheiden, so sollte man nach derselben Weise
eine neue Ausgabe des grossen Werkes veranstalten,
welche denn freilich bei den Mängeln unsrer Ausgaben,
der Unrichtigkeit der überlieferten Thiernamen und der
unvergleichlichen Sicherheit, welche die Erhaltung des
Originalmanuscriptcs bietet, in jeder Weise zu empfehlen
102 Jessen:
wäre. Dabei will ich jedoch nicht verhehlen, dass das
richtige Lesen des Originals nicht ganz leicht, noch ohne
längere Uebung zu erlernen ist, wie das schon ein Blick
auf die beiden Seiten daraus lehren wird , welche ich
meiner Ausgabe in so vorzüglicher photolithographischer
Nachbildung durch die Gebrüder B o r ch ar d in Berlin habe
beigeben können^ dass dieselben von dem Originale, dem
sie auch in Grösse ganz gleich sind, fast nicht zu unter-
scheiden sind. Will man aber wirklich eine Uebersicht
über des Verfassers Gesammtkenntniss der Thiere ge-
winnen, so wird eine blosse kritische Ausgabe der historia
animalium nach dem oben schon Angedeuteten nicht ge-
nügen, sondern aus seinen übrigen naturhistorischen
Werken müssen die sehr zahlreichen eingestreuten Be-
merkungen von kundiger Hand mit Geduld und Sorgfalt
ausgezogen und je nach Umständen als Anmerkungen
oder als Zusätze dem Werke beigegeben werden. Da-
bei dürfte sich denn allerdings das Feld seiner Kennt-
nisse und seiner Beobachtungen nicht unwesentlich er-
weitern. Die Arbeit selbst ist freilich keine kleine, aber
wenn man bedenkt, dass alle Naturforscher, welche sich
mit Albertus nur einigermassen eingehend beschäftigt
haben, und von denen es genügen wird, Cuvier,
Schneider, Humboldt und Meyer zu nennen, die
hohe Bedeutung dieses ersten deutschen Naturforschers
gleichförmig anerkannt haben, so dürfte es sich wohl der
Arbeit lohnen. Die leichte Zugänglichkeit der Hand-
schrift, welche bis auf die ersten 2 — 3 Blätter vollständig
ist und nur hie und da einige Streifen vom Rande, so
wie 1 oder 2 Blätter aus dem spätem Texte verloren hat,
setzt derselben doch ungleich engere Grenzen, als wenn
es sich darum handelte, erst die Handschriften wie bei
der Botanik aus der Schweiz, Frankreich und England
herbeizuschaffen oder sie in diesen Ländern selbst auf-
zusuchen.
Ausser den eigenen Beobachtungen bietet dieses
W^erk des Albertus aber auch ebenso wie seine übrigen
eine überaus reiche und sorgfältige Literatur, wenn auch
nicht zu läugnen, dass sein Zeitgenosse Vinccnz de
Alberti magni historia animalium. 103
ßeauvais (Vincentms Bellovacensis) über eine viel reich-
haltigere Bibliothek zu gebieten hatte. Aber freilich eine
königliche Munifizenz wie diesem stand Albertus nicht
zur Seite, und Frankreich war damals überdies ja wie an
literarischer Bildung, so namentlich an literarischen Hülfs-
mitteln Deutschland weit überlegen. Gleichwohl ist aber
von Andern oft schon die Belesenheit Alberts anerkannt
worden. So hat noch in neuester Zeit Herr M. Joel in
dem „Jahresbericht der Fränkerschen Stiftung (Breslau
1863)^ gezeigt, wie sorgsam Albertus die Ansichten des
Moses Maimonides in andern Schriften wiedergege-
ben hat, und Ed. Taube hat in seiner Dissertation
(Tractandorum scriptorum graecorum physiognomonicorum
praeparatio, Breslau 1862) nachgewiesen, dass gerade aus
der historia animalium sich das Werk des griechischen
Physiognomikers P o 1 e m o n fast ganz vollständig würde
wieder herstellen lassen. Wobei ich denn nicht unter-
lassen will, daran zu erinnern, dass ja Ernst Meyer
früher schon ebenso aus Alberti de vegetabilibus den
Text des Nicolai Damasceni de plantis wesentlich ver-
bessert hat. Die Zahl der Schriftsteller, deren Werke
Albertus wirklich in Händen gehabt hat, zu bestimmen,
ist freilich sehr schwer, denn bekanntlich citiren die
mittelalterlichen Schriftsteller unbedenklich nach abgelei-
teten Quellen. Das hat, wenn ich nicht sehr irre, Al-
bertus selbst mit einem von ihm so oft genannten Schrift-
steller wie Plinius gethan, von dem er entweder gar
nichts, oder nur ein kleines Fragment im Original ge-
kannt zu haben scheint. Eine oberflächliche Zählung er-
giebt für die Bücher de animalibus mindestens 70 Au-
torennamen.
Das Resultat, welches man aus alle dem ziehen
muss, kann kein anderes sein, als dass Albertus magnus
eigene Untersuchungen mit ausgebreiteter kritischer Lite-
raturkenntniss verband, und ich wüsste nicht, was man
von einem Naturforscher mehr verlangen oder mehr sagen
könnte. Dass seine eigenen Untersuchungen nicht zahl-
reich sfeien, kann Niemand behaupten, der bedenkt, dass
dieselben sich über die ganze Natur erstreckten, und dass
104 Jessen:
sie schon als nennenswerth anerkannt sind, so in der
Mineralogie und physischen Geographie, wie in der
Zoologie und Botanik, lieber die übrigen naturwissen-
schaftlichen Fächer aber hat meines Wissens in neueren
Zeiten noch Niemand eine eingehende Untersuchung an-
gestellt, während dagegen die Leistungen in den philo-
sophischen Wissenschaften als nicht minder eminent von
den frühesten Zeiten schon anerkannt sind. Dagegen
war seine Methode oder' richtiger die Methode seiner Zeit
eine entsetzliche und alle logische Schärfe und Klarheit,
welche er besass, ist wie begraben in der Weitschweifig-
keit und in den endlosen Wiederholungen, mit denen er
jeden neuen Satz wieder ab ovo vor Missdeutungen sicher
zu stellen und ungeübten Lesern begreiflich zu machen
sucht. Dazu kommt die zumal in den Ausgaben oft ganz
unbegreifliche Sprache, halb deutsch, halb lateinisch, und
oft ganz barbarisch durch die Einmischung von Worten
und Sätzen aus den Uebersetzungen, welche nach arabi-
schen Quellen ohne alle Rücksicht auf Latinität und die
Verständlichkeit verfasst, in so vielen Fällen Alberts
einzige Zuflucht waren.
Orts?erzeichniss aus Alberti magni de libris de aiiimalibus.
Von den Zahlen bezieht sich die erste auf das Buch (1.), die
zweite (römische) auf den Tractat , die dritte (arabische) auf das
Kapitel. In den Bücheru , wo eine solche Eintheilung fehlt , habe
ich den Namen des Thieres , dessen Beschreibung zu vergleichen
ist, auf die Zahl des Buches folgen lassen.
In villa mea super Danubium expertus sum 1. 7 I. 6 ante medium.
Danubius 1. 3 I. 1, 1. 4 II. 3, 1. 7 II. 3 init. et fin., 4 init.; 1.8 IV. 4,
1. 24 Alec. Ezoce Nasus.
habitatio nostra 47". ab aequinoct. 1. 7 I. 6 init.*)
terra nostra quae est Germania superior. 1. 17 I. 3.
Germania superior quae Suevia est 1. 8 II. 6.
*) Anmerkung. Diese Angabe halte ich für einen Schreib-
fehler des Albertus, statt 49^ unter dem Regensburg Hegt, denn
unter dem 47'^ hat Albertus unseres Wissens nie gewohnt.
Alberti magni historia animalium.
105
Aethiopia 1. 2 1. 3, 1. 3 II. 9.
Africa 1. 2 I. 4.
Alamania 1. 2 I. 2, 1. 7 I. 5.
Ambardor 1. 3 11.9.
Anglia 1. 1 1. 6, 1. G II. 1, 1. 24 allech.
V. Britania.
Anglicum mare 1. 2 I. 7.
Apulia 1. 24 dentrif,
Arantes 1.2 1.2.
Asia 1. 25 salamandra.
Austria 1. 2 I. 5.
Bardania 1. 3 IL 9.
Brabaiitial.2ll.4, 1.4. IL 1.
Britania 1. 23 falc. 24, 1. 24 mo-
nachus.
Canideon 1. 6 IL 2.
Cartbago 1. 2 I. 4.
Colonia 1. 7 L 6 fin., III. 3, l. 8
I. 2, 1. 24 cetus, salmo.
Comani 1. 2 I. 2, 1. 3 IL 9.
Constantia, lacus apud 1. 24 bor-
borcha.
Constantinopolis 1. 6 IL 3.
Coruo regione 1. 3 IL 9 fin.
Dacia (= Dania) 1. 2 L 4, 1. 16 IL 1 0,
1. 24 allech.
Delphica insula 1. 4 I. 6.
Egyptus 1. 2 I. 3, 5.
Flandria 1. 2 L 7, L 4 I. 3, 1. 8
IL 1, 4. V. Hollandia.
Gallia 1. 1 I. 6, IL 9, 1. 24 allech.
Germania 1. 1 IL 9. 1. 2 I. 8, 1. 5
IL 2, L 6 L 1, II. 2, 1. 24 tor-
tuca, V. Alamania, Teutonia.
Germanicum mare 1. 1 IL 6, l. 2
L 7, 1. 4 L 1, 3, 8, IL 14, 1. 6
IL 1. 1. 24 borbocha, delphi-
nus , V. Oceanus , v. 1. 24 ce-
tus, gladius.
Gothia 1. 7 IIL 2.
Graecia 1. 2. L 2.
Hispania 1. 25 lacerta.
Hollandia L 1 I. 6, L 3 IL 9, 1. G
LI. 1. 24 cetus.
Holsatia 1. 16 IL 10.
Hybernia 1. 25 introduct.
India 1. 2 I. 4, 1. 5 IL 2, 1. 24 draco.
Italia 1. 26 stapestris.
Livonia 1. 7 L 4, III. 2 , 1. 23
falc. 24.
Lombardi 1. 6 IL L
Malakya 1. 8 I. 1 (Valachia Ed.)
Mauri 1. 3 IL 9.
Namuriense castrum 1. 5 IL 1 .
Oceanus = m. Germanicum 1. 1
I. 6, 8, 1. 2 L 8, 1. 24 allech.
Oriens 1. 5 IL 2.
Osilia 1. 1 I. 6.
Ostonum terra 1. 1 L 6, 1. 7 IIL 2.
Parthi 1. 2 I. 2, 3.
Phrygia 1. 3 IL 1,
Phrysia 1. 3 IL 9, 1. 13 IL 2, 1. 24
cetus.
Polonia 1. 7 L 5.
Provincia 1. 25 lacerta.
Prusci L 2 I. 3.
Pruteni 1. 3 II. 9, 1. 23 falc 24.
Kenus 1. 7 I. 4 init.
Roma 1. 24 dentrix.
Ruscia 1. 7. L 5.
Ruteni 1. 23 falc. 24.
Saxonia 1. 2 I. 4.
Sclavia 1. 2 I. 2. 1. 7, 1. 7 I. 5, 1. 23
falc. 24.
Sclaviae mare 1. 2 I. 2, 7.
Sicilia 1. 24 dentrix.
Slavonia 1. 2 I. 3.
Stauria Phrysiae locus 1. 24 cetus.
Suecia 1. 7 L 4, IIL 2, 1.16 IL 10,
1. 23 falc. 24.
Suevia 1. 8 IL 6.
Tartari 1. 3 IL 9.
Teutonia 1. 24 allech.
Treveriura 1. 23 vultur.
Ungaria 1. 2 I. 2, 3, 5.
Vangoniones 1. 23 vultur.
Vindilita augusta 1. 8. IL 6.
Wormacia 1. 23 vultur.
Zelandia 1. 3 IL 9, L 6 L 1.
lieber ostasiatisehe Eehinodermen,
Yon
Dr. E. T. Iflartens.
(Fortsetzung.)
(Hierzu Tafel III.)
Nach dem Druck der in den zwei vorhergehenden
Jahrgängen dieses Archivs mitgetheilten Bemerkungen
ist einiges weitere Material, theils auch noch von meiner
Reise, theils ^us anderen Quellen herrührend mir zur
Kenntniss und Untersuchung gekommen, was mich zu
folgenden ergänzenden Mittheilungen veranlasst; zugleich
füge ich die Beschreibung einer neuen westindischen Artbei.
1. Echmaster purpureus Gray sp.
Othilia purpurea und 0. Luzonica Gray Ann. and
Mag. nat. bist. VI. 1840. p. 282.
Echinaster fallax und E. Eridanella (Val.) Müller
und Troschel Syst. Ast. S. 23. 24.
Müller und Troschel schreiben ihrem fallax
fünf, zuweilen sechs Arme zu, ihrem Eridanella, wovon
sie drei Exemplare kannten, sechs Arme und zwei Ma-
dreporenplatten. Gray giebt für Othilia Luzonica an:
rays 5 or 6. Ich habe drei Exemplare auf Amboina ge-
funden, zwei mit sechs Armen, eines mit fünf. Das eine
sechsarmige hat zwei Madreporenplatten , welche durch
einen Arm von einander getrennt sind ; vier seiner Arme
sind ziemlich gleich gross, 4 — 6mal so lang als der Schei-
benhalbmesser, die zwei übrigen, durch einen der grossen
von einander getrennt, sind an der Basis von ähnlicher
V. Martens: Ueber ostasiatische Echinodermen. 107
Dicke, aber in ihrer weiteren Erstreckung plötzlicli in
allen ihren Bestandtheilen verkleinert, höchst wahrschein-
lich an dieser Stelle einst verstümmelt und wieder im
Nachwachsen begriffen; das zweite sechsarmige Exemplar
ist eine Kometenforra, der längste und stärkste Arm 7mal
so lang als der Scheibenhalbmesser, die zwei benachbar-
ten schon merklich kürzer, die nächsten noch etwas kür-
zer und der sechste dem ersten gegenüberliegende end-
lich der kürzeste, kaum 4mal so lang als der Scheiben-
halbmesser, mithin die Arme ganz regelmässig nach ihrer
Stellung an Länge abnehmend. Eine Spur einer etwa
stattgefundenen Verletzung habe ich nicht gefunden;
eine Madreporenplatte ist an dem kleinen getrockneten
Exemplare auch nicht mit Bestimmtheit zu erkennen.
Zu den schon im vorigen Jahrgange S. 60 angege-
benen Fundorten innerhalb des indischen Archipels kommt
noch hinzu: Neu-Irland, von Quoy und Gaimard ge-
sammelt (Eridanella M. Tr.) und Molukken , im Leidner
Museum.
Die Beschreibung der beiden Arten bei Müller
und Troschel unterscheidet sich fast nur dadurch, dass
für fallax zwei bis drei, für Eridanella nur eine Längs-
reihe von Stacheln nach aussen von der Armfurche an-
gegeben werden. Die Stacheln stehen auf dem übrigen
Theil des Armes zerstreut, ordnen sich aber in der Nähe
der Armfurche in Längsreihen, um so deutlicher und
regelmässiger, je näher derselben, so dass, wenigstens an
den mir vorliegenden Exemplaren man eine, zwei oder
drei Längsreihen annehmen kann, je nachdem man stren-
gere oder laxere Ansprüche an den Begriff Reihe macht.
Die getrockneten Exemplare aus dem rothen Meere von
Hemprich und Ehrenberg haben ihre dunkelrothe
Farbe vollständig erhalten, meine getrockneten von Am-
boina weniger, die in Spiritus aufbewahrten Ebrenberg'-
schen des Berliner zoologischen Museums sind jetzt mit-
telbraun und ebenso ein in Spiritus befindliches von mir
aus Amboina. Das einzige Bedenken gegen die Vereini-
gung der Form aus dem rothen Meer und derjenigen von
den Molukken und Neu-Irland ist für mich nur der Um-
108 V. Märten s:
stand, dass alle sechs Exemplare des rothen Meers, wel-
che im Berliner zoologischen Museum aufbewahrt sind,
ganz regelmässig fünf gleiche Arme und nur eine Ma-
dreporenplatte haben und ebenso in der Description de
l'Egypte, Echinodermes pl. 4. fig. 3 die Art abgebildet ist.
Uebrigens geben Müller und Troschel selbst für
ihren fallax „zuweilen" sechs Arme und das eine von
mir auf Amboina gesammelte fünfarmige Exemplar be-
weist, dass der Unterschied in der Armzahl mit dem Un-
terschied des geographischen Vorkommens wenigstens
nicht in allen Fällen zusammentrifft.
Diese individuell variirende Vermehrung der Arme
und der Madreporenplatten hat vorliegende Art mit der
im vorigen Jahrgang S. 65 besprochenen Linckia multi-
foris und auch mit Asterias tenuispina gemein ; eine
weitere und zwar westindische Art, welche dieselbe Er-
scheinung zeigt, ist Linchia or?iithopus Val. Müller
und Troschel geben nur fünf Arme, aber zwei Madre-
porenplatten an; das Berliner zoologische Museum hat
vom Naturalienhändler Salmin zwei Exemplare aus Su-
rinam erhalten, welche beide sechs Arme und zwei Ma-
dreporenplatten haben. Auch bei ihnen wie bei Echina-
ster purpureus und der Mehrzahl der Exemplare von
Linckia multiforis sind es zwei benachbarte Interbrachial-
räume, welche die Madreporenplatten enthalten, jeder eine.
2. Echi7iaster solaris Schmidel.
Das im vorigen Jahrgang S. 60 erwähnte Exemplar,
das ich bei Zamboanga, (Insel Mindanao) gesammelt, das
seiner Grösse wegen in einem grösseren Glase mit Fischen
aufbewahrt worden war, ist von mir wieder aufgefunden
worden, und ich füge eine kurze Beschreibung desselben
im Folgenden bei : Dreizehn unter sich gleiche Arme ;
fünf convexe durch dunkle Farbe ausgezeichnete Madre-
porenplatten auf der Scheibe in etwas ungleicher Ent-
fernung vom Mittelpunkte. Die Rückenstacheln glatt,
bis zur Spitze der Arme gleich gross, daher die Arme
alle wie abgestutzt erscheinen. Rückenhaut chagrin-artig;
kein vorstehendes Balkennetz macht sich auf der Rücken-
Ueber ostasiatische Echinodermen. 109
fläche bemerklich. Die Bauchhaut zwischen den Armen
feiner granulirt und diese Granulation zieht sich an dem
unteren Theile der Bauchstacheln etwas hinauf; zunächst
dem Munde ist die Bauchhaut ganz nackt und glatt. Die
Furchenpapillen nicht immer drei, eine längere und zwei
kürzere auf einer Platte, wie Müller und Troschel
angeben, sondern oft, an demselben Arme, gleichviel ob
nahe oder ferne dem Munde , auch zwei längere oder
zwei kürzere, oder eine längere und eine kürzere, auch
wohl zwei längere und eine kürzere. Gegen die Spitze
der Arme zu häufiger nur zwei als drei Furchenpapillen.
Die längeren durchschnittlich halb so lang als die näch-
sten Bauchstacheln, Im üebrigen passt Troschel's Be-
schreibung auf das vorliegende Exemplar.
8. Linchia {Metrodira) suhulata Gray.
Gray Ann. Mag. n. h. 1840. VI. p. 282. Scytaster
s. Müll. Trosch. Syst. d. Ast. p. 36.
Fünf Arme. Scheibenradius zum Armradius wie 1 :5-6.
Arme im Durchschnitt cylindrisch, von Anfang an dünn
und gleichmässig in ihrer ganzen Länge dünner werdend.
Rücken der Scheibe und der Arme mit ziemlich grossen
feingekörnten Plättchen, auf den Armen erst in drei, dann
zwei Reihen, mit einzelnen Stacheln, und dazwischen
auffallend grosse einzeln gestellte Poren. Seiten der
Arme mit zwei, nahe den Armwinkeln drei Reihen fein-
gekörnter, fast quadratischer Platten. Zunächst der Arm-
furche Querreihen von je drei kleinen, an ihrer Basis
durch eine Haut verbundenen Stacheln, nach innen un-
mittelbar in die einzeln stehenden Furchenpapillen fort-
gesetzt. Madreporenplatte in der Mitte zwischen Mitte
und Armwinkel. Farbe braun, Scheibe dunkler. Arm-
radius 22 Mill.
Auf Amboina. Ein Exemplar von mir gefunden.
4. Fteraster crihrosus m. Taf. III. Fig. 2.
Grosser Radius etwas mehr als das Doppelte des
kleinen, Rückenseite flach, mit nackter Haut überzogen,
aus welcher an den Knotenpunkten des Balkennetzes
llO V. Martens:
kurze cjlindrisclie nackte Stacheln hervorstehen; die ver-
tieften Maschen zwischen dem Balkennetze zeigen zahl-
reiche Tentakelporen, bis über 40 in einer Masche.
In der Mitte des Rückens eine weite runde Oeffnung,
von einem Zaune von Stacheln umkränzt, welche durch
eine Haut flossenartig untereinander verbunden sind ; diese
Oeffnung führt in die geräumige, den grössten Theil der
Rückenfläche einnehmende Brut- und Athem-Höhle, de-
ren Bildung, so wie ihre Paxillen und je einzeln an der
Innenseite der Paxillen liegende Athemröhrchen mit der
genauen Beschreibung übereinstimmen, w^elche Sars
(Norges Echinodermer, Christiania 1861. p. 50 — 57 Taf. 4
und 5) davon in Betreff" des Pteraster militaris gege-
ben hat.
Der Rand und die Unterseite in den Winkeln zwi-
schen den Armen sind ebenso beschaff"en wie die Rücken-
seite, nackthäutig mit Stacheln auf den Knoten des Balken-
netzes. An jeder Seite der Armfurchen steht eine Reihe
von Querkämmen, deren jeder von 3 — 5 Stacheln gebil-
det wird , welche durch eine Haut in querer Richtung
(rechtwinklig auf den Radius) verbunden sind ; die Sta-
cheln jedes einzelnen Kammes nehmen nach aussen an
Grösse zu. Die äussersten Stacheln sämmtlicher Kämme
sind durch eine zweite Haut , der Armfurche parallel,
wiederum unter sich verbunden ; diese zweite Flossen-
haut geht da, wo die Arme in die Scheibe eintreten,
(nicht erst in den Armwinkeln) unmittelbar von einem
Radius auf den andern über. Die innersten Querkämme,
jeder fünf Stacheln enthaltend, kommen ganz nahe an
die entsprechenden der benachbarten Armfurchen, ohne
durch eine Haut mit diesen verbunden zu sein, w^ohl aber
sind sie durch eine Haut mit je einem grösseren, auswärts
von ihnen liegenden Stachel verbunden (Fig. 2 c), solche
grössere Stacheln finden sich demgemäss zehn im Umkreis
der Mundöflnung.
Armradius des grössten Exemplars 54, Scheibenra-
dius 26, Höhe 14 Millimeter, Weite der Rückenöff'nung
31/2 Mill.
An der ostafrikanischen Küste bei Zanzibar durch die
lieber ostasiatische Echinodermen. 111
Mitglieder der Expedition des unglücklichen Barons von
der Decken im Frühjahr 1865 gesammelt.
Es sind meines Wissens bis jetzt drei Arten von
Pteraster beschrieben, zwei aus Norwegen und einer aus
Südafrika. Letzerer, Ft. Capensis Gray, Proceed. Zool.
Soc. 1847. p. 83, unterscheidet sich nach einer mir freund-
lichst von Dr. Günther mitgetheilten Skizze sogleich
durch die weit geringeren Concavitäten zwischen den
Armen; sein ümriss ist an unserer Figur durch die punk-
tirte Linie zur Vergleichung angedeutet. Damit stimmt
überein, dass Gray, 1. c, die Figur als subpentagonal
beschreibt ; ferner soll bei dem Capenser die Rückenseite
angeschwollen sein und die Knotenpunkte des ßalken-
netzes Gruppen von sehr kleinen Stacheln (ossicula)
tragen, während bei dem unsrigen die Stacheln einzeln
stehen und massig gross sind; endlich erwähnt Gray
mit keinem Worte der zahlreichen Poren in den Maschen,
und verneint das Vorhandensein der zehn grösseren Sta-
cheln rund um den Mund, welches unsere Art mit den
zwei norwegischen gemein hat. Diese, Pt. militaris Müll,
sp. und Pt. pulvillus Sars unterscheiden sich nach Sars
unter anderem von einander dadurch, dass bei Pteraster
militaris die Verbindung der innersten Querkämme sich
ebenso verhält, wie bei unserem Pt. cribrosus, dagegen bei
Pt. pulvillus die innersten Kämme mit ihren Nachbarn, aber
nicht mit jenen grösseren Stacheln durch eine Haut ver-
bunden sind. Hiernach, so wie in der allgemeinen Ge-
stalt und der Rückenbedeckung stellt sich das Exemplar
des Berliner anatomischen Museums, welches in Müller's
und Troschel's System der Ästenden S. 128 unter Pt.
militaris erwähnt wird, als pulvillus heraus. Beide ent-
behren der zahlreichen Poren auf der Rückenseite.
5. Gymnasteria carinifera Lam.
Auch auf Zamboanga, Insel Mindanao, von mir ge-
funden.
6. Gomaster pentagonulus Lam.
(Synonyme s. Bd. XXXI. S. 354.)
Ebenda gefunden.
112 V. Martens:
7. Gomaster {Stellaster) equestris Retz.
(Bd. XXXL S.356. 359.)
Ein käuflich erworbenes Exemplar, angeblich aus der
chinesischen See, zeigt fünf Gruppen von kleinen Höckern
auf dem Scheibenrücken, was eine weitere Variation der-
selben darstellt, und die oben tuberculosus genannte Art
wieder enger an equestris anschliesst.
8. Archaster Hesperus M. Tr.
Syst. d. Asterid. p. ^Q.
Ein kleines Exemplar (Scheibenradius 7, Armradius
23 Mill.) in der südchinesischen See auf dem Wege von
Singapore nach Siam 14. November 1861 mit dem Schlepp-
netz aufgefischt.
Zu der Miiller'schen Beschreibung kann nach diesem
Exemplar sowohl als dem Originalexemplar der Berliner
Sammlung hinzugesetzt werden, dass die ventralen Rand-
platten ausser dem einen grossen platten Stachel keine
kleineren, sondern vier Körnchen tragen, und dass alle
Randplatten durch merkliche Zwischerfurchen von ein-
ander getrennt sind, im Gegensatze zu A. typius.
9. Encope aberrans m.
Der unpaare vordere und die paarigen nach
vorn gelegenen Einschnitte sind nur durch
schwache Einkerbungen angedeutet, die hinte-
ren paarigen Einschnitte sind auch kurz, nur V12 der gan-
zen Schalenlänge betragend, und durch einen ihrer eige-
nen Länge gleich kommenden Zwischenraum von der
Spitze der Ambulakralblätter getrennt. Die morphologi-
sche Mitte der Schale, wovon die Ambulakralblätter aus-
gehen, liegt auch in der Mitte der Schalenlänge, aber
die grösste Höhe ist hinter demselben, in ^3 ^^^ Länge.
Die paarigen vorderen Ambulakralblätter liegen beinahe
rechtwinklig zum Längsdurchmesser,' doch sind sie ein
wenig nach vorn gerichtet. Die unpaare hintere Oeffnung
ist ebenso kurz wie die paarigen hinteren Einschnitte
und liegt noch innerhalb der Spitzen der Ambulakral-
lieber ostasiatische Echinodermen. 113
blätter; dicht vor ihr liegt auf der Unterseite die birn-
förmige Analöffaung. Der Rand ist- stumpf, der Hinter-
rand ist gerade, der vordere bogenförmig.
Länge der Schale 130 MilL, Breite ebensoviel, Höhe
18 MilL, unpaares vorderes und paarige hintere Ambu-
lakralblätter 46, paarige vordere nur 40 Mill. lang. Zwi-
schenraum zwischen dem unpaaren vorderen Ambulakral-
blatt und der entsprechenden Einkerbung des Randes
16 Mill., zwischen den paarigen vorderen Blättern und
den entsprechenden Einkerbungen 20 Mill.
Aus der Campechebai im westindischen Meer, durch
den Naturalienhändler C. Wessel in Hamburg erhalten.
Diese Art scheint mir zunächst verwandt mit der
fossilen Encope Michelini Ag., welche Lütken noch als
Varietät der lebenden emarginata betrachtet ; sie unter-
scheidet sich aber von beiden durch die geringe Ent-
wicklung der Einschnitte und Oeffnungen, welche in der
hinteren Hälfte nur kurz, in der vorderen zu blossen
Einkerbungen reducirt sind.
10. Spatangus planulatus Lam. Taf. 3. Fig. 1.
Lamarck animaux sans vertebres, ed. 2. III. p. 326.
Agassiz undDesor catalogue raisonne p. 113. Ann.
sc. nat. 1847. p. 7.
Gray, catalogue of the recent Echinida of the
British Museum p. 48.
Im vorigen Jahrgang dieses Archivs XXXII. 1866.
S. 180 habe ich diese Art nur kurz angeführt, da ich
kein Exemplar davon vor mir hatte, und hole daher die
Beschreibung desselben hier nach, um so mehr als mei-
nes Wissens noch keine Abbildung von ihm publicirt
w^ar, und die citirten Beschreibungen mancher Eigenthüm-
lichkeiten nicht erwähnen.
Schale sehr flach, im Umriss birnförmig, indem
sie im Ucbrigen oval, aber am hintern Ende auffallend
zugespitzt ist. Keins der A mbulakralblätter ver-
tieft, das unpaare vordere ganz verkümmert, ohne
durchgehende Poren, sondern statt derselben nur stcUen-
Archiv f. Naturg. XXXIII. Jahrg. 1. Bd. 8
114 V. Martens:
weise kleine iiadelsticliartige Vertiefungen zeigend, das
ganze Blatt schmal, glatt, und in der Peripherie der
Schale nur eine leichte Einbiegung des Umrisses veran-
lassend. Die vorderen paarigen Ambulakralblätter bei-
nahe rechtwinklig davon abstehend' die hinteren stark
nach hinten gerichtet, nahezu wie bei Brissus columbaris
und compressus (siehe dieses Archiv XXXII. S. 185), die
hinteren etwas länger und breiter als die vorderen, alle
vier dreimal so lang als breit und beinahe die Peripherie
erreichend. In beiden vorderen und beiden seitlichen
Interambulakralräumen der Oberseite befinden sich ausser
den kleineren auch unter sich an Grösse ungleichen
Höckern noch andere weit grössere, von einem
stark vertieften engen Hofe umgebene und
oben einen brüst w^ar zen förmigen Aufsatz tra-
gende; diese Brustwarzenhöcker stehen in 7 — 8 concen-
trischen, der Peripherie parallelen Reihen in der Weise,
dass in der innersten Reihe nur einer, in der folgenden
zwei, in der dritten vier stehen ; von da an nimmt ihre
Zahl minder regelmässig zu und stehen auch oft etwas
kleinere, im Uebrigen ähnliche zwischen den ganz gros-
sen; die siebente Reihe zählt durchschnittlich in einem
der vorderen Interambulakralräume 12, in einem der mitt-
leren seitlichen 16 solcher Höcker; in der achten dicht
am Rande stehenden Reihe sind alle weniger gross und
noch etwas zahlreicher. Diese Reihen sind nicht ganz
streng eingehalten, sondern etwas unordentlich; die Höcker
derselben Reihe stehen in den äusseren, der fünften bis
siebenten, um die Grösse ihres eigenen Durchmessers
von einander entfernt, in den inneren Reihen um mehr
als ihren Durchmesser. Der hintere unpaare In-
terambulakralraum entbehrt dieser grossen
brustwarzenartigen Höcker und zeigt ausser den
ganz kleinen nur noch mittelgrosse, einfache, welche in
zikzakförmige weit von einander abstehende Reihen ge-
ordnet sind und den bei Spatangus purpureus vorhande-
nen gleichen. Dieser hintere Interambulakralraum ist
stumpf dachförmig (die Dachfirste in der Mittellinie der
ganzen Schale) und läuft am hinteren Ende in einen kur-
Ueber ostasiatische Echinodermen. 115
zen Vorsprnng aus ähnlich wie bei Echinolampas ovifor-
mis; an der Unterseite dieses Yorsprungs liegt die Anal-
öffnung und unter ihr ein breites rundliches Feld mit
etwa 40 brustwarzenförmigen Höckern, welche ähnlich
gebaut sind wie die in den paarigen Interambulakralräu-
meu; aber merklich kleiner. Dieses Subanalfeld ist wie
die Analöffnung selbst schief nach unten und hinten
gerichtet und es wird von einer glatten Binde umgränzt,
welche sich nach oben nicht kreisförmig schliesst, son-
dern von beiden Seiten her an der Analöffnung endigt.
Eine Peripetal-Binde ist nicht vorhanden. Der Rand der
Schale ist stumpf und mit kleinen Höckern besetzt, welche
sich meist in Reihen ordnen. Die Unterseite ist
ganz flach und ein grosses Stück derselben
vom Munde nach hinten bis zum Subanal felde
in einer Breite, w^elche die Hälfte der ganzen Schalen-
breitc ist, kahl, d. h. ohne Höcker und Stacheln. In
dem Räume vor dem Munde und seitlich von dem eben
bezeichneten kahlen Felde bis zum Rande stehen grosse
Höcker, von denen manche die Dimensionen der grossen
der Oberseite erreichen und auch von einem, doch min-
der tiefen, Hofe umgeben sind; sie stehen gedrängter
als jene obern und tragen schwach gebogene blassgelbe
dünne, bis 4 Mill. lange Stacheln. An der Vorderseite des
Mundes treten das vordere unpaare und die beiden nach
vorn gelegenen paarigen Ambulakralzüge wiederum auf
als kahle seichte Thäler, welche sich mit der Entfernung
vom Munde rasch verschmälern und zunächst dem Munde
jederseits zwei , weiterhin nur je eine Ambulakralpore
und Ambulakralfüsschen zeigen. Die seitlichen divergiren
in einem beinahe rechten Winkel von dem mittleren un-
paaren und erreichen den Rand nicht, während der letzt-
genannte über den Rand hinweglaufend in den entspre-
chenden verkümmerten der Oberseite unmittelbar über-
geht; zugleich ist er zu beiden Seiten, die paarigen nur
längs ihrer vorderen Seite^ von einer glatten Binde be-
gleitet. Es ist also an der Unterseite gerade derjenige
Ambulakralzug der best entwickelte, welcher an der
Oberseite verkümmert ist. Die Unterlippe iHinterlippc)
116 V. Märten st
des Mundes ist flach, ihr Vorderrand bildet einen conve-
xen Bogen.
Länge der ganzen Schale 46Mill. , Höhe zwischen
Mund und Wirbel 16^ im hinteren Drittel ITMilL
Aus dem chinesischen Meere durch den Hamburger
Naturalienhändler Salmin für das Berliner zoologische
Museum erhalten. Zu den im vorigen Jahrgange aufge-
zählten Fundorten dieser Art kommt nach den Exempla-
ren des Britischen Museums noch Borüeo und die phi-
lippinische Insel Masbate hinzu, so dass die Art als all-
gemein verbreitet in den indischen Meeren gelten kann.
Dieselbe Art scheint auch in Japan vorzukommen, nach
einem mir freundlichst von Herrn Oudemans in Amster-
dam mitgetheilten Exemplar, und auch in den zwei Fi-
guren 1 und 3 der dritten leider nicht veröffentlichten
Echlnodermentafel zur Fauna Japonica sehe ich keine
wesentlichen Unterschiede. Dagegen giebtAl. Agassiz
für seine Maretia alta (Proceed. Acad. nat. sc. Philadelphia
1^63. p. 360) einige merkliche Unterschiede von Sp. pla-
nulatus an. Gray hat neuerdings in den Proceed. zool.
soc. 1866. p. 170 einen Spatangus variegatus aus der chi-
nesischen See beschrieben, dessen Hauptunterschied nur
in der Färbung zu liegen scheint.
Diese drei Arten unterscheiden sich demnach auf-
fällig von dem Typus der Gattung, Spatangus purpurcus,
und den wenigen anderen diesem ähnlichen Arten der
Jetztwelt:
1) Durch das Verschwinden der vorderen Furche.
2) Durch den Unterschied in der Ausbildung der
Höcker zwischen den vier paarigen und dem hinteren
unpaaren Interambulakralraum der Oberseite.
3) Durch das glatte ßauchfeld.
4) Durch die flache, nicht aufgeblasene Gestalt der
ganzen Schale.
5) Durch die schmale und längere Form der vier
Ambulakralblätter der Oberseite.
Diese Unterschiede sind ungefähr ebenso bedeutend,
wie diejenigen zwischen Brissus und Plagionotus, welche
letztere ich auch nicht als eigene Gattung anerkennen
Ueber ostasiatische Echinodermen. 117
möchte (s. dieses Archiv XXXII. S. 185). Gray selbst
hat nur eine Untergattung mit dem sinnlosen Namen
Maretia daraus gemacht^ Catal. Echinid. 1855. p. 48,
welche er durch die unter 3) und 5) angeführten Unter-
schiede charakterisirt, während er vom Skulpturunter-
schiede des hinteren Interambulakralraums gar nichts sagt
und die Charakterisirung der ganzen Gattung Spatangus,
nicht etwa der Untergattung des purpureus, mit den Wor-
ten beginnt: shell thin, swollen; ambulacra broad, . , . .,
the odd anterior one in a deep groove, was alles nicht
auf Sp. planulatus passt, so dass mich erst eine Bleistift-
skizze des Exemplars im Britischen Museum, welche ich
meinem Freunde Dr. Günther verdanke, von der Ue-
bereinstimmung mit der vorliegenden Art überzeugte. D e-
so.r in der neuen Bearbeitung der fossilen Echiniden
hat, ohne Maretia zu erwähnen, für nahe verwandte ter-
tiäre Seeigel die neue Gattung Hemip atagus aufge-
stellt und charakterisirt dieselbe dadurch, dass der hin-
tere Interambulakralraum nicht, wie die anderen vier
zweierlei Höcker habe, während bei Spatangus alle fünf
in dieser Hinsicht gleich seien. Dieser Unterschied sieht
auf dem Papier schärfer aus als in der Natur; in der
That ist der Unterschied zwischen diesen Feldern schon
bei unserem planulatus auffallend genug und doch trägt
der hintere Interambulakralraum grössere Höcker, die
ebenso angeordnet sind, wie bei Spatangus purpureus,
und auch D e s o r's typische Art von Hemipatagus, H.
Hoffmanni aus den Pliocaenschichten von Bündten, zeigt
nach den Exemplaren der hiesigen palaeontologischen
Sammlung im hinteren Interambulakralraum neben den
ganz kleinen noch andere grössere ebenfalls in schiefe
Reihen gestellte Höcker, bei allen also enthalten alle fünf
Interambulakralräume zweierlei Höcker und der Unter-
schied beschränkt sich in Wahrheit darauf, dass die grös-
seren derselhen bei Sp. purpi>reus im hinteren Räume
nur ein wenig, bei Sp. planulatus und (Hemipatagus)
Hoffmanni ebenda auffällig kleiner als in den vier ande-
ren sind. Desor erwähnt auch in dieser neuen Arbeit
des Sp. planulatus gar nicht, weder unter Spatangus noch
118 V. Martens:
unter Hemipatagns, während er doch sonst die lebenden
nicht ausser Acht lässt und im Catalogue raisonne den
planulatus mit dem Hoffmanni in dieselbe Unterabtheilung
von Spatangus gesetzt hat. Die vier anderen oben auf-
geführten Hauptunterschiede zwischen Sp. planulatus und
purpureus treffen nun auch keineswegs bei den fossilen
Arten mit jenem Skulpturunterschied zusammen : so zei-
gen gerade der für Hemipatagus typische Sp. Hoffmanni,
so wie Sp. pustulatus Schafhäutl aus der oberbairischen
Molasse (Leonhard's Jahrbuch für Mineralogie 1854. S. 524.
Taf. 8. Fig. T) die tiefe vordere Furche des Sp. purpu-
reus, und der erstere ist auch nicht flachgedrückt, son-
dern hinreichend hochgewölbt. Sp. depressus Dubois
(Voyage au Caucase, atlas geol. pl. 4. fig. 16) aus den
Nummulitcnschichten der Krim, ebenfalls ein Hemipata-
gus bciDesor, ist zwar flach wie unser planulatus, aber
im Umfang fast kreisförmig , ohne hinteren Vorsprung.
Dagegen dürfte Sp. praelongus Herklots (Junghuhn fos-
siles de Java, IV. partie, Echinodermes, Leiden 1854. 4.
p. 11. Taf. 2. Fig. 6) so weit ich aus der Beschreibung
und Abbildung urtheilen kann, wahrscheinlich von dem
lebenden planulatus des indischen Oceans nicht zu un-
terscheiden sein , obwohl allerdings die anderen mit
jenem gefundenen und beschriebenen fossilen Seeigel von
Java nicht mit den mir bekannten lebenden zusammen-
zufallen scheinen.
Ich benutze den Raum der Tafel, um eine Abbildung
des im vorigen Jahrgang Bd. XXXII. S. 179 beschriebe-
nen, noch nicht abgebildeten Nucleolites epigonus von
der Insel Adenare zu geben.
• Erklärung der Abbildungen.
Taf. III.
Fig. 1. Spatangus planulatus Lam.
la von oben \ -^ ^^^türlicher Grösse.
Ib von unten j
1 c Analffeld, IVijinal vergrögsert.
Ueber ostasiatische Echinodermen. 119
Fig. 2. Pteraster cribrosus m. Eines der kleineren Exemplare in
natürlicher Grösse oben. Die punktirte Linie deutet den
Umriss des minder tief eingeschnittenen Pt. Capensis Gray
zur Vergleichung an,
2 b. Ein Stückchen der Rückenfläche, dreimal vergrös-
sert, um die Poren in den Maschen zu zeigen.
2 c. Das Paar grösserer Stacheln nahe dem Munde und
seine Hautverbindung mit dem innersten Quer-
kamme der Unterseite, worin diese Art mit Pt.
militaris Müll, übereinstimmt und von Pt. pulvil-
lus Sars, sich unterscheidet.
Fig. 3. Nucleolites epigonus m. (Jahrg. XXXII. S. 129).
a) von oben
b) von unten . , .. i • , r, -
, , . ^ ' m naturlicher Grosse.
c) von hinten
d) von der Seite
e) Oberseite doppelt vergrössert.
Beiträge zur Keiintniss der Wirbelthiere
Südbrasiliens.
Von
Dr. Reinhold Hensel
in Berlin.
Während eines mehrjährigen Aufenthaltes im Süden
Brasiliens und zwar vorzugsweise im Innern der Provinz
S. Pedro do Rio Grande do Sul habe ich Gelegenheit
gehabt, nicht unbedeutende Sammlungen aus den meisten
Classen des Thierreiches in bisher naturhistorisch noch
nicht untersuchten Gegenden zusammenzubringen. Nur
der im Jahre 1831 im Rio Doge verunglückte Reisende
Sello hat die genannte Provinz als Naturforscher mehr-
fach durchzogen, doch ist von seinen Sammlungen nur
Weniges nach Europa gelangt, was um so mehr zu be-
dauern ist, als diese Provinz, auf der Grenze zweier Klimate,
in ihrer südlichen Hälfte aus reiner Campos-Gegend be-
steht, in der nördlichen dagegen der Wald-Region des
übrigen Brasiliens angehört, ihre Fauna also von beson-
derem Interesse für die geographische Verbreitung der
Thiere ist. In folgenden Blättern beabsichtige ich daher,
vorläufig das Wichtigste aus der Naturgeschichte der Wir-
belthiere der von mir bereisten Gegenden mitzutheilen.
Leider ist bis jetzt ungefähr nur die Hälfte meiner Samm-
lungen in Berlin angelangt, so dass das Material, welches
gegenwärtig von mir untersucht werden kann, sehr weit
davon entfernt ist, ein einigermassen vollständiges Bild
der ganzen Wirbel thierfauna des südlichsten Brasiliens
darzustellen.
Hensel: Beiträge zur Kenntn. d. Wirbelthiere Südbrasieliens. 121
Batracliier.
Ceratophrys Boieit (M. zu Wied, Beiträge zur Na-
turg. Brasiliens. Bd.I. 1825. p. 592).
Ein nur 36 Mm. langes Exemplar eines Hornfrosches,
welches ich im ürwalde der Provinz Rio Grande do Sul
sammelte, weicht zwar sehr bedeutend von den mir vorlie-
genden Exemplaren der C. Boiei ab, allein da seine geringe
Grösse auf einen Jugendzustand zu deuten scheint, so
ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen , dass wir es
hier trotz aller Abweichungen nur mit einer jungen C.
Boiei zu thun haben, und dass vielleicht bei dieser Gattung
die Altersverschiedenheiten grösser sind, als sie sonst bei
den Batrachiern nach vollendeter Metamorphose zu sein
pflegen. Das fragliche Exemplar hat keine Knochen-
schilder in der Rückenhaut. Das Trommelfell ist unsicht-
bar; statt des Hörnchens finden sich auf dem oberen
Augenliede mehrere spitze Papillen, deren mittelste die
grösste ist und vielleicht noch zu einem Hörne auswach-
sen kann. Oberhalb eines jeden Auges, jedoch etwas
mehr nach hinten zu, sieht man eine kleine rundliche An-
schwellung des Schädels ähnlich einer Parotis. Der all-
gemeine Habitus ist plump, krötenartig. Das ganze Thier
ist mit Papillen bedeckt, die auf seiner Oberseite und der
Aussenseite der Extremitäten spitz, auf der Unterseite
dagegen niedrig sind, so dass hier die Haut ein gekörn-
tes Aussehen hat.
Eine bestimmte Anordnung der Papillen lässt sich
nur an manchen Stellen erkennen; so beginnt z. B, eine
Reihe von 10 derselben auf der äusseren Seite der Kno-
chenanschwellung des Scheitels und verläuft schwach
S-förmig gebogen nach hinten, um auf dem Schulterblatt
zu enden. Eine andere Linie dicht aneinander gereihter
Papillen beginnt auf der Aussenseite der äussersten Zehe,
verläuft auf dem Aussenrande der Sohle und lässt sich
bis in die Kniekehle hinein verfolgen. Ein langes, von
Papillen eingefasstes Rückenfeld wie bei C. Boiei fehlt
gänzlich. Auch an den Seiten des Rumpfes und der
122 Heiisel:
Aussenseite der Arme sieht man die Papillen in kurzen
Strecken reihenweise gruppirt. Im Gesicht von den Augen
nach der Schnauzenspitze unterscheidet man leistenförmige
gebogene Anschwellungen wie bei C. Boiei, an denen die
runden Nasenlöcher liegen. Die Verhältnisse der Fuss-
und Handbildung sind wie bei C. ßoiei, nur finde ich
am Hinterfuss die Schwimmhäute ein wenig grösser, und
dass am Carpus das innere der beiden äusseren Tuberkeln
merklich kleiner ist, als das äussere. Die Farbe, welche
sich im Weingeist nicht verändert hat, ist oberhalb ein
schmutziges Graubraun, welches auf etwas hellerem Grunde
einige dunklere Zeichnungen hat, die am besten sichtbar
werden, wenn man das Thier im Weingeist und bei gün-
stiger Beleuchtung betrachtet. Dann bemerkt man im
Gesicht und auf dem Oberkiefer fünf dunklere Bänder,
theils von der Crista des Gesichtes, theils von dem un-
teren Augenliede nach dem Oberkiefer, Mundwinkel und
der Schulter verlaufen. Ein ähnlich gefärbter Fleck be-
findet sich auf dem Scheitel zwischen den Augen, ver-
schmälert sich zwischen den mehrfach erwähnten ovalen
Knochenauftreibungen des Schädels und endet wieder
breiter geworden ungefähr zwischen den Schultern. Die
Augen verbindet ein schmaler weisser Streifen, der quer
durch den Scheitelfleck geht und sich in die vordere
Papillenreihe des oberen Augenliedes verliert. Oberhalb
des hinteren Augenwinkels beginnt ein dunkler Streifen,
der unregelmässig gekrümmt die schon erwähnte S-för-
mige Papillenreihe enthält, und auf dem Schulterblatt
einen gelblichen Fleck nach dem Rücken zu begrenzt.
Auf den Armen sind einige dunklere Bänder bemerkbar,
und auch auf den Beinen entdeckt man mit einiger Auf-
merksamkeit und bei günstiger Beleuchtung dunklere
Querbänder. Die Unterseite ist graubraun, auf dem Bauche
mit orangefarbenen Flecken ähnlich wie bei Bombinator
igneus. Die Kehle ist einfarbig rauchgrau. Wie man
sieht , weicht das Thier erheblich von C. Boiei ab,
obgleich ein Exemplar dieser Art von 70 Mm. Länge
und ein anderes sehr schlecht erhaltenes von 58 Mm.
Länge in keiner Weise von einander verschieden waren,
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 123
sondern dieselben Anschwellungen des Schädels und, so
weit man es erkennen kann^ auch dieselbe Ausbildung
des Rückenfeldcs zeigten.
Fyxicephalus americamfs Dum. Bibr. Erpet. gen. YIIT.
1841. p. 446, lebt zahlreich in der Umgegend von Porto
Alegre auf den mit kurzem Grase bewachsenen Flächen
in Erdlöchern, ähnlich denen der Mäuse. Das Thier sitzt
den Tag über im Innern seiner Wohnung nahe dem Aus-
gange, zieht sich aber bei einer herannahenden Störung
in die Tiefe zurück. Die Abbildung bei d'Orbigny,
Voyage dans l'Amer. merid. Tom. V. Rept. pl. 14. fig. 1 — 4
hat in Farbe und Zeichnung keine Aehnlichkeit mit den
13 von mir gesammelten Exemplaren , deren grösstes
43 Mm. lang ist.
CystignatJius ocellatus (Rana ocellata L.).
• Diese Species vertritt in Brasilien unsere Rana escu-
lenta und hält sich gleich dieser immer in der Nähe des
Wassers auf, um bei Störungen sogleich hinein flüchten
zu können. Nach zahlreichen in der Umgegend von Rio-
Janeiro und in der Provinz Rio- Grande do Sul gesam-
melten oder beobachteten Exemplaren variirt sie nicht so
sehr, als man zuweilen anzunehmen geneigt gewesen ist.
Alle Exemplare besassen den grossen, dunkeln Fleck
zwischen den Augen, nur in der Zahl und Yertheilung
der Flecke des Rückens kommen einige Abweichungen
vor. Bei jüngeren Individuen sind die Zeichnungen leb-
hafter und schärfer. Die schmalen Leisten oder Hautfal-
ten des Rückens finden sich bei den grössten Exempla-
ren so deutlich wie bei kleinen ; sie werden also wohl in
ihrer Entwicklung nicht vom Alter bedingt, sondern
vielleicht von dem Erhaltungsgrade des Individuums,
denn sie sind deutlicher, wenn dasselbe in starkem Spi-
ritus conservirt wurde. Die Zehen besitzen einen Haut-
saum; der äussere an der 5. Zehe setzt sich am Aussen-
rande des Metatarsus fort und endet neben und ausserhalb
des äusseren Tarsaltuberkels um mehr als dessen Durch-
messer von ihm entfernt. Der innere Saum der ersten
124 Hensel:
Zehe erstreckt sich bis an die Innenseite des innern Tar-
saltuberkels; verschwindet hier bei grösseren Individuen,
lässt sich aber bei'kleineren, obschon sehr undeutlich,
noch längs des Tuberkels verfolgen; hinter diesem er-
scheint er in der früheren Stärke und läuft anfangs an
der Innenseite der Sohle, geht jedoch etwas auf die Hin-
terseite des Tarsus und endet hier in der Nähe der Ferse,
ohne jedoch diese selbst zu erreichen. Diese Falte oder
Leiste scheint für die Cystignathus-Arten mit deutlich sicht-
barem Trommelfell charakteristisch zu sein, wenigstens
vermisse ich sie bei C. (Eupsophus Fitz.) nodosus, dessen
Trommelfell verborgen ist. Gleichwohl ist ihr Vorkom-
men nur von den Herren Reinhard t undLütken^) be-
rücksichtigt worden. Die Fortpflanzungsweise dieses
Frosches hat etwas Eigenthümliches. Er legt nämlich
im Frühjahre, nachdem er (wenigstens in Rio -Grande
do Sul) Winterschlaf gehalten hat, seine Eier nicht un-
mittelbar in die Pfütze, in der er sich während der
Paarungszeit aufhält, sondern höhlt da, wo das Ufer
flach und schlammig ist, schüsseiförmige Vertiefungen
von vielleicht 1 Fuss Durchmesser aus, die ebenfalls
mit Wasser gefüllt, aber durch einen Erdwall, den Rand
der Schüssel , von dem allgemeinen Wasserbecken ab-
gesperrt sind. Hier nun laicht er -) , und während die
ausgeschlüpften Larven warten, bis durch einen der in
dieser Jahreszeit nicht seltenen Regengüsse das Wasser
so steigt, dass die Brutbehälter mit der Pfütze in Verbin-
dung treten, haben sie bereits eine Grösse erreicht, die
sie einem grossen Theile der ihnen durch kleine Fische
u. s. w. drohenden Gefahren entgehen lässt. Bleiben
die Frühlingsregen zu lange aus, wie im Jahre 1864, so
trocknen viele der Schüsseln aus, und ihre Brut geht zu
Grunde. Die Larven haben grosse Aehnlichkeit mit de-
1) Bidrag til kundskab om Brasiliens Padder ogKrybdyr. l.Afdl.
p. 26. in Vid. Medd. nat. Forening for 1861. Kjöbenhavn p. 166.
2) In den Sitzungsberichten der Gesellschaft naturforschender
Freunde zu Berlin vom 19. März 1867. S. 10. Z. 30 muss es »laicht«
statt »liegt« heiasen.
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 125
nen der Rana esciilenta und erreichen auch ungefähr die
Grösse derselben. Die Stimme der männlichen Frösche
(Rana pachypus Spix ^) zur Paarungszeit ist eine unge-
wöhnliche , sie wird in weiter Entfernung gehört und
gleicht dann ganz täuschend dem Schallen der Axtschläge,
wenn Zimmerleute im Takte einen Balken beschlagen.
Daher hatte auch Steffen (De ranis nonnullis observa-
tionibus. Berol. 1815. 4. cum 1 Tab.) in seiner Beschrei-
bung des Skeletes dieser Art, sie als Rana latrans be-
zeichnet. Das grösste der gesammelten Exemplare hat
eine Länge (Kopf und Rumpf) von llOMm., das kleinste
von 19 Mm.
Cystignathus wystaceus (Rana mystacea Spix 1. c.
p. 3. Tab. IIL fig. 1 u. 3) 2).
Unter dem genannten Namen ist von Spix ein
Frosch beschrieben worden, den alle nachfolgenden Her-
petologen mit dem Cyst. ocellatus identificirt haben. Ein
von mir im Urwalde der Provinz Rio - Grande do Sul
häufig beobachteter und gesammelter Batrachier scheint
mir, obgleich ganz verschieden von C. ocellatus, doch
die Rana mystacea Spix zu sein. Allerdings gleicht der
fragliche Cystignathus in der Gestalt wenig der von
Spix gegebenen Abbildung, denn er ist plump, fast
krötenähnlicli gebaut, allein er stimmt ziemlich genau
in Farbe und Zeichnung, wie man es aus nachfolgender
Beschreibung sehen wird, und ist ausserdem identisch
mit- den im Berliner Zoolog. Museum als C. ocellatus var.
mystacea aufgestellten Exemplaren. Man wird also wohl
die Schlankheit in der Abbildung bei Spix auf Rechnung
einer Ungenauigkeit bringen müssen.
Nach zehn vorliegenden, erwachsenen Exemplaren
ist die Farbe der Oberseite im Allgemeinen aus Braun
und Blau, bei einigen helleren Exemplaren auch aus Blau
1) Animalia nova s. Spec. nov. Ranarum. Monach. 1824. p. 2.
Tab. II. flg. 1.
2) Auf der citirten Tafel ist irriger Weise Fig. 2 statt Fig. 1
angegeben.
126 H e n s e 1 :
und Grau gemischt. Zwei schwarzbraune Streifen be-
ginnen an der Schnauzenspitze zuweilen in unmittelbarer
Berührung mit einander, zuweilen durch einen kleinen
Zwischenraum getrennt. Jeder Streifen umschliesst das
Nasenloch seiner Seite und geht sodann durch das Auge,
so zwar , dass das untere Augenlied in ihn zu liegen
kommt, ohne jedoch selbst gefärbt zu sein. Auf der kur-
zen Strecke zwischen Auge und Trommelfell behält der
Streifen die Breite, welche er vor dem Auge besass, ver-
schmälert sich aber plötzlich unmittelbar vor dem Trom-
melfell, welches vorn, hinten und unten von einem hellen
Saume umgeben ist, und läuft dicht an seinem oberen
Rande nach hinten, um hinter ihm etwas verschmälert
nach hinten und unten zu gehen und vor der Schulter
zu enden. Auf dem Oberkiefer verläuft von vorn nach
hinten ebenfalls ein schwarzbrauner Streifen , der den
Mundwinkel überspringt und in der Nähe des ersten
Streifens aufhört. Hinter dem Auge, oberhalb des Trom-
melfelles, entspringt jederseits ein anderer dunkler Strei-
fen, der längs des Kückens nach hinten verläuft, von dem
der anderen Seite fast so weit entfernt ist wie der Ab-
stand der hinteren Augenwinkel von einander beträgt,
und endlich in der Nähe der Oberschenkel endet, nach-
dem er sich gewöhnlich vorher schon in einzelne Flecke
aufgelöst hat. Der Raum zwischen den beiden Rücken-
streifen ist, wie die Oberseite des Kopfes, im Allgemei-
nen einfarbig, doch sieht man fast immer noch zwischen
ihnen in der Nähe des Afters bis beinahe in die Gegend
des Os sacrum die Andeutung zu zwei anderen Streifen
in mehreren an einander gereihten dunkeln Flecken.
Bei zwei Exemplaren linden sich einige undeutliche, ver-
waschene Flecke zwischen den Augen und im Nacken.
Die Seiten des Rumpfes unterhalb des Rückenstreifens
sind mit unregelmässigen, dunkeln Flecken bedeckt, die
zuweilen in der Nähe des Rückenstreifens durch reihen-
weise Anordnung eine Andeutung von je zwei Seiten-
streifen erkennen lassen. Nach dem Bauche zu lösen
sich die Flecke der Seiten in immer kleinere punkt-
förmige auf, bis sie endlich am Rande des Bauches ganz
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 127
verschwinden. Die Vorder- und Hinterseite der Arme
zeigen je einen dunkelbraunen Längsstreifen, durch wel-
che die wie der Rücken gefärbte Aussenseite des Armes
von der grauweissen Innenseite getrennt wird. Am
Unterarme werden die Streifen oft undeutlich und lösen
sich in dunkle Punkte auf. Die Vorder- und Hinterseite
der Beine sind ebenfalls dunkelbraun gefleckt, und zwar
die Letztere mehr als die Erstere. Die Aussenseite hat
dunkelbraune Querbänder, die, wie bei allen Batrachiern,
mit einander correspondiren, wenn das Bein dicht an den
Leib gezogen ist, wie bei sitzender Stellung des Frosches.
In diesem Falle zählt man fünf Querstreifen, welche auf
dem Unterschenkel am deutlichsten ausgebildet sind, und
sich dann auch mehr oder weniger deutlich über Ober-
schenkel und Fuss verfolgen lassen. Die Unterseite des
ganzen Thieres ist schmutzig hellgrau, nach der Median-
linie zu heller, fast weiss, an der Kehle bis an die Sym-
physe des Unterkiefers mehr oder weniger bräunlich
marmorirt. Wie schon oben bemerkt wurde, ist die Ge-
stalt des ganzen Thieres fast krötenähnlich, namentlich
sind die Hinterbeine sehr kurz und dick, wie geschwol-
len. Diesr Dicke rührt grösstentheils von der Entwicke-
lung der Muskeln her, doch trägt auch die Beschaffenheit
der Haut einiges dazu bei. Diese ist nämlich, obgleich
im Allgemeinen ganz glatt, doch so reich an Schleimdrü-
sen, dass das Thier äusserst schlüpfrig ist, und nur sehr
schwer mit den Händen festgehalten werden kann. Erst
dann, wenn man so fest zudrückt, dass man fürchten muss,
das gefangene Thier zu zerquetschen, ist man im Stande,
dasselbe in den Händen zu behalten. Ganz besonders
zahlreich sind die Drüsen auf der Aussenseite der Hin-
terbeine, namentlich der Unterschenkel, so dass hier die
durchschnittene Haut ausserordentlich dick erscheint.
Auch bemerkt man auf der ganzen Aussenseite der Hin-
terbeine zahlreiche weissliche Punkte oder vielmehr kleine
Hinge, welche vielleicht die Ausführungsgänge einzelner
Drüsen kenntlich machen. Die Seiten des Rumpfes, be-
sonders die rudimentären Scitenstreifen sind etwas w^arzig.
Die Finger, mehr aber noch die Zehen, sind sehr zuge-
128 H e n s e 1 :
spitzt und entbehren durchaus jeder Spur eines Haut-
saumes. Die Höcker unter den Gelenken der einzelnen
Phalangen sind höher und spitzer als bei C. ocellatus.
Die beiden Tuberkeln des Carpus sind zwar ziemlich
flach, aber dick und fleischig, das äussere, grössere, liegt
fast in der Mitte des Carpus und ist etwas herzförmig,
aber so gestellt, dass die beiden Hälften den beiden äus-
seren Fingern entsprechen. Das innere Tuberkel ist
etwas schmäler als jenes und liegt schon auf dem Meta-
carpus des innersten Fingers. Besondere Bildungen, wel-
che den Höckern an dem inneren Finger des männlichen
C. ocellatus entsprächen, finden sich nicht, so dass sich
die Geschlechter äusserlich nicht unterscheiden, nur in
einem Falle und auch nur auf einer Seite fand sich auf
der Dorsal- Seite des inneren Fingers auf dem Gelenke
zwischen Metacarpus und erster Phalange ein kleines,
weiches an der stumpfen Spitze braungefärbtes Höcker-
chen. Am Tarsus finden sich zwei Höcker, doch ist der
innere, mit dem des C. ocellatus verglichen, wenig ent-
wickelt und durch die dickere Haut unkenntlicher ge-
macht, der äussere ist sehr rudim-entär und leichter durch
die Lellerc Farbe als durch seine Höhe aufzufinden. Da,
wie oben schon angegeben wurde, die Hautsäume der
Zehen fehlen, so vermisst man auch die Falten dos Tar-
sus, von der äusseren ist keine Spur zu bemerken, an
der Stelle der inneren bemerkt man aber eine weissliche
Linie, welche wohl eine Aenderung in der Textur der
Haut zeigt, aber nicht erhaben, also keine eigentliche
Falte ist. Ihre Farbe verdankt sie den in einer Reihe
geordneten kleinen Kreisen, die schon oben in Verbin-
dung mit den Hautdrüsen genannt wurden. Die Gau-
menzähne liegen in zwei convexen in der Mitte von em-
ander getrennten Querreihen, doch liegt der Scheitel der
Convexität dem inneren Ende etwas näher als dem äus-
seren. Jenes erstreckt sich etwas weiter nach hinten als
dieses, welches hinter den Choanen nach innen vor de-
ren Mittellinie beginnt. Die grosse Zunge ist nach vorn
wenig verschmälert, hinten kaum oder gar nicht ausge-
schnitten. Die Fortpflanzungsweise dieses Frosches ist
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 129
sehr eigenthümlich. Er geht niemals ins Wasser, obgleich
Spix 1. c. p. 3 von der Rana mystacea sagt: ^habitat ad
Bahiam in aqua fluviatili.*' Daher laicht er auch nicht
in den Pfützen selbst, sondern macht in ihrer Nähe, aber
immer noch innerhalb der Grenzen, bis zu denen das
Wasser nach heftigem Regenwetter steigen kann, unter
Steinen, faulenden Baumstämmen u. s. w. eine Höhlung
ungefähr so gross wie ein gewöhnlicher Tassenkopf. Diese
füllt er mit einem weissen, zähen Schaume aus, der die
grösste Aehnlichkeit mit recht festem Schaume aus ge-
schlagenem Eiweiss hat. In der Mitte dieser Schaummasse
befinden sich die fahlgelben Eier. Die jungen Larven
besitzen zuerst die Farbe der Eier und zeigen äussere
Kiemen, werden jedoch bald auf der Oberseite dunkler und
später grünlichbraun, unten grauweiss, fast siib erweiss, so
dass sie in ihrem Habitus den Larven der Rana esculenta
nicht unähnlich sind, nur scheint bei ihnen die Schwanzflosse
nicht ganz so stark entvv^ickelt zu sein. Steigt das Was-
ser der Pfütze bis an das Nest, so begeben sie sich in
jene und unterscheiden sich ferner in der Lebens v/eise
nicht von den Larven anderer Batrachier; nur bemerkt
man schon jetzt an ihnen eine reichlichere Schleimab-
sonderung und eine wahrscheinlich damit zusammenhän-
gende grössere Lebenszähigkeit. Trocknen nämlich zu
flache Pfützen in Folge eines Regenmangels vollständig
aus, so sterben die Larven der übrigen Batrachier, nur
die des C mystaceus ziehen sich unter schützende Ge-
genstände, Bretter, Baumstämme u. s. w. zurück und blei-
ben hier klumpenweise zusammengeballt liegen, um die
Rückkehr des Regens abzuwarten. Hebt man den ber-
genden Gegenstand in die Höhe, so wimmelt der ganze
Haufen durcheinander, und man sieht, dass er sich immer
noch eines ziemlichen Grades von Feuchtigkeit zu er-
freuen hatte. Je grösser die Larven in den Nestern wer-
den, um so mehr schwindet der Schaum, der ihnen zur
Nahrung dient. Ob sie aber jemals, ohne in's Wasser
gelangt zu sein, in ihren Nestern oder später nach Vertrock-
nung der Pfützen in ihren Zufluchtsörtern eine vollständige
Metamorphose durchmachen können, habe ich nicht beob-
Archiv f. Naturg. XXXIII. Jahrg. 1. Bd. 9
130 Hensel:
achtet, doch dürfte es kaum anzunehmen sein, da die
jungen Thiere noch bis zu einer nicht unbeträchtlichen
Grösse mit den Rudimenten des Schwanzes versehen
sind. Sechs Exemplare von 21 — 24 Mm. Länge waren
schon vollständig entwickelt, eins dagegen, nur 20 Mm.
lang, hatte noch ein etwa* 12 Mm. langes Rudiment des
Schwanzes. An diesen jungen Thieren sieht man noch
deutlicher, als an den alten, den Drüsenreichthum der
Haut, die namentlich an den Rückenstreifen und den bei-
den unvollständigen Seitenstreifen jederseits mit zahlrei-
chen Warzen versehen ist. Bei einem Individuum ist
selbst der Rücken zwischen seinen beiden Streifen stark
runzelig. Die Farbe ist ähnlich der der alten, nur der
Raum zwischen den beiden dunkeln Streifen des Ge-
sichtes und des Oberkiefers sehr hell, fast weiss. Bei
zwei etwas dunkler gefärbten Exemplaren sind die Rük-
kenstreifen und die beiden unvollständigen Seitenstreifen
noch mit weissen Punkten versehen. Die Stimme dieses
Frosches besteht in einem Pfiff, der ähnlich dem eines Glau-
cidium nur schwächer, namentlich des Abends oft hinter-
einander ausgestossen wird. Herr Dr. Steind achner ^)
hat, wie aus der Angabe der Zeichnung und auch der
Stimme hervorgeht, offenbar diese Species vor Augen
gehabt, aber mit C. ocellatus identificirt. Länge des gröss-
ten Exemplares 57 Mm.
Cystignathus gracilis Dum. Bibr. 2)
Drei Exemplare eines Frosches, die ich im Sommer
1864 — 65 im Urwalde der Provinz Rio - Grande erhielt,
halte ich für Cyst. gracilis Dum. Bibr., obgleich sie nicht
so lebhaft gefärbt sind, wie die citirte Abbildung bei
d'Orbigny, denn die schmalen Seitenstreifen sind blass,
fast weiss, der breite Rückenstreifen dagegen hellbräun-
lichgrau. Da ich meine Exemplare unter alten Baum-
1) Verhandlungen der k. k. zoolog.-botan. Gesellsch. in Wien.
Bd. XIV. 1864. p.270.
2) Erpetelogie gen. Tom. VIII. ,.p. 406. d'Orbigny Voyage
dans l'Amerique meridionale Tom. V. Rept. 1847. p. 10. PI. XIII.
fig. 5-7.
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 131
stammen gefunden habe, während die kleinen benachbar-
ten Pfützen ausgetrocknet waren, so ist es wohl möglich,
dass der längere Aufenthalt im Trocknen eine Modifika-
tion der Farbentöne hervorgerufen hat. Andere erheb-
liche Unterschiede sind wohl nur auf Ungenauigkeiten
in der Abbildung zurückzuführen, z. B. die starke Ent-
wickelung der Tarsal-Höcker und die gradlinige Anord-
nung der Gaumenzähne bei Cyst. gracilis, während ich
die Tarsalhöcker nur schwach entwickelt finde, ja der äus-
sere ist sogar ganz rudimentär und eigentlich nur ein hel-
ler Punkt ohne in die Augen fallende Erhabenheit, und
die beiden Reihen der Gaumenzähne sind sehr deutlich
convex. Doch stimmt der allgemeine Habitus, die schlanke
Form und der spitze Kopf mit der vorspringenden
Schnauze. Auf der Oberseite des Thieres befinden sich
mehrere deutliche Längsleisten oder -Falten, und zwar
zähle ich deren jederseits vier, die erste und innerste der-
selben beginnt auf dem Scheitel oberhalb der Augen, ohne
jedoch eine Linie zu erreichen, welche die Mitte beider
Augen verbinden würde, sie ist braun und endet neben
dem After ; die zweite beginnt an der Hinterseite des
oberen Augenliedes, verläuft der ersten fast parallel, nur
nach hinten unbedeutend divergirend und endet am Be-
ginne der Schenkelbeuge, also vor dem Ende der ersten;
sie ist in der vorderen Hälfte mehr oder weniger grau
oder braun, in der hinteren weiss, je weiter zurück um
so deutlicher. Eine dritte Leiste beginnt genau im hin-
teren Augenwinkel und läuft mit der vorigen deutlich di-
vergirend nach hinten und unten, so dass sie schon in
der Schenkelbeuge selbst endet und der Seite des Kör-
pers angehört ; sie ist rein weiss, doch im vorderen Theile
weniger deutlich als im hinteren. Zwischen diesen drei
Hauptleisten befinden sich aber noch mehr oder weniger
deutliche Nebenleisten, nämlich eine zwischen der 1. und
2. Leiste, die nach vorn zu so undeutlich ist, dass sich
ihr Anfangspunkt nicht mit Sicherheit angeben lässt, nach
hinten zu wird sie deutlicher, aber auch zugleich unre-
gelmässiger und zuweilen unterbrochen ; sie geht unge-
fähr so weit wie die zweite Leiste. Zwischen dieser und
332 Hensel:
der dritten Leiste finden sicli die Andeutungen zu zwei
ZwiscKenleisten^ welche einen gemeinsamen Ursprung
zu haben scheinen, aber schon auf den Seiten des Kör-
pers aus unregelmässig geordneten drüsigen Erhabenhei-
ten bestehen. Ihr Ende in der Gegend der Schenkel-
beuge ist auch nicht sicher anzugeben. Ausser den ge-
nannten Leisten verläuft noch eine feine, weissliche Linie
genau in der Mittellinie des Rückens dicht hinter der
Schnauzenspitze beginnend bis zum After. Sie ist nur
in ihrer hinteren Plälfte ein wenig erhaben, also höch-
stens als eine Zwischenleiste zwischen den beiden in-
nersten Hauptleisten zu bezeichnen. Auch die Hinter-
beine sind auf ihrer Aussenseite mit weissen Längslinien
gezeichnet. Auf dem Oberschenkel und zwar mehr nach
seiner Vorderseite zu bemerkt man drei derselben aber
ziemlich undeutliche ; auf seiner Hinterseite findet sich
zuweilen ein schmaler weisser Streifen dicht an der Grenze
der Aussen- und Innentiäche. Auf dem Unterschenkel
sieht man ebenfalls drei Linien; die äusserste ist die
deutlichste und rein weiss, zuweilen an einzelnen Stellen
unterbrochen und von der weissen Innenfläche durch ein
breites schwarzbraunes Längsband getrennt. Die zweite
Linie nimmt fast die Mitte der Aussenseite des Unter-
schenkels ein, ist undeutlicher als die vorige und er-
reicht allmählich verschwindend nicht das Fersengelenk,
die dritte, weiter nach hinten gelegen, ist nur rudimentär,
zuweilen fehlend, und reicht höchstens bis zur Mitte des
Unterschenkels. Am Fuss sind zwei schmale weisse
Streifen bemerkenswerth, welche die schwarzbraune Sohle
einfassen, und deren schmälerer, äusserer von der Aus-
senseite der äussersten Zehe herkommt , während der
breitere, innere von dem inneren Tarsaltuberkel entspringt,
aber von der weissen Innenfläche des Fusses nur unvoll-
kommen geschieden ist. An der Hinterseite des Vorder-
armes verläuft ebenfalls eine nicht sehr deutliche weisse
Linie nach innen zu durch einen dunkelbraunen breiten
Streifen begrenzt. Die Grundfarbe der ganzen Oberseite
des Thieres und der Aussenseite der Extremitäten ist
hell bräunlich grau. Alle Zeichnungen sind von schwarz-
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Siidbrasiliens. 133
brauner Farbe, und zwar findet sich wie bei Cyst. my-
staceus ein solcher Nasenstreif und ein Oberkieferstreifen,
der aber nicht den Rand des Oberkiefers berührt, lie-
ber den Augen auf dem Scheitel sind zwei Flecke. Die
beiden innersten Hauptleisten des Rückens verlaufen in
dunkeln Streifen, die sich auch auf der Unterseite der
zweiten und dritten Leiste zuweilen mehr oder weniger
in einzelne Flecke aufgelöst finden. Zwischen den Haupt-
leisten entstehen durch zerstreute Flecke mehr oder we-
niger deutliche Andeutungen von Streifen, die in Bezie-
hung zu den Zwischenleisten treten. Die Aussenseite der
Hinterbeine ist mit Querbändern versehen, deren man auf
dem Unterschenkel ungefähr sieben bis acht unterscheiden
kann. Die ganze Unterseite und die Innenseite der Ex-
tremitäten ist weiss mit Ausnahme einiger braunen Flecke
am Unterkiefer. Die drei beschriebenen Exemplare hat-
ten eine Länge von 54, 55 und 57 Mm. Zwei junge In-
dividuen, die an derselben Stelle und unter denselben
Verhältnissen gefangen wurden, sind 12 und 13 Mm. lang,
das grössere derselben besitzt noch ein kleines etwa
1,5 Mm. langes Rudiment des Schwanzes, das kleinere
ist schon vollkommen entwickelt.
Fleurodema Darwinii Bell. Zool. of the Vovage of
Beagle Part V. Reptiles, London 1843. p.36. Plt! XVIL
fig. 3.
Zwei Exemplare aus der Umgegend von Montevideo
durch Herrn von Gülich erhalten, scheinen mir den
Beweis zu liefern, dass die genannte Species in der That
von P. Bibronii Tsch. verschieden ist. Bei elf Exempla-
ren dieser letzteren Art, welche das Berliner zoolog. Mu-
seum aus Chile besitzt und deren einige, wie P. ele-
gans Bell 1. c. fig. 4 ^) gezeichnet sind, ist der innere
1) Es ist zu beraerken, dass Hr. Dr. Steindachner (Sit-
zungsberichte der k. Acad. der Wissensch. Bd. XLVIII. Abthl. I.
Wien 1863. p. 186. Taf. I. fig. 1-5 eine neue Species ebenfalls als
P. elegans aufgestellt und neuerdings in den Amphibien des zool.
Theiles der Novara-Expcdition p, 14 wiederholt beschrieben hat,
ohne die schon von Bell 1. c. aufgestellte Art zu erwähnen.
134 Hensel:
Tarsalhöcker immer bedeutend stärker entwickelt, als der
äussere, während bei den beiden Exemplaren von Mon-
tevideo und einem dritten, welches als Liuperus mar-
moratus ebendaher durch Herrn A. Dumeril an das
hiesige zoologische Museum (Catal. Reptil. Nr. 4594) ge-
langte, der äussere Tarsalhöcker grösser und schneidend
ist, während der innere, kleinere eine etwas konische
Form hat. Da bei Unterscheidung dieser Species das
Vaterland zu berücksichtigen ist, so kann hier nicht un-
erwähnt bleiben, dass in der „Classifikation der Batra-
chier u. s. w. von J. J. Tschudi, Neuchatel 1839'' (M6-
moir. de la soc. de sc. nat. de Neuchatel Tom. II. 1839)
p. 48 und p. 85 bei der Aufstellung des Gen. Pleurodema
mit der Species P. Bibronii, letztere freilich ohne Dia-
gnose, angegeben wird, dass die Exemplare dieser Art,
welche dem Autor vorgelegen haben, von d'Orbigny
aus Montevideo nach Paris gebracht wurden, während
es in der Erpet. gen. Tom. VIII. p. 412 heisst : „Cysti-
gnathus (Pleurodema) Bibroni se trouve an Chili, d'ou
nous l'avons regu par les soins des trois savants natura-
listes voyageurs suivants, MM. Gay, Gaudichaud et Ey-
doux." Die Beschreibung der Reptilien in d'Orbigny's
„Voyage dans l'Amerique merid. Tom. V. Paris 1847 '^
enthält Nichts über ein Pleurodema von Montevideo.
Liuperus falcipes nov. spec.
Oberseite des Körpers mehr oder weniger mit fla-
chen Warzen bedeckt; zwei erhabene Linien beginnen im
Nacken hinter den Augen, nähern sich einander auf den
Schultern fast bis auf die Hälfte ihres ursprünglichen
Abstandes von einander, um sich hinter den Schultern
wieder von einander zu entfernen und so eine x-förmige
Figur zu bilden. Trommelfell nicht sichtbar. Finger frei,
über dem Carpus an der Unterseite des Vorderarmes ein
kleiner Höcker ; Zehen ohne Schwimmhäute aber mit aus-
gezeichneten Hautsäumen, zwei Höcker am Tarsus. Der
innere Hautsaum der innersten Zehe berührt den Tar-
salhöcker derselben Seite und setzt sich noch hinter die-
sem als starke etwas sichelförmig gekrümmte Hautleiste
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 135
auf dem Tarsus fort^ um ungefähr in der Mitte von des-
sen Länge mit einer unmerklichen Anschwellung zu
endigen.
Die Warzen der Oberfläche sind bei manchen Exem-
plaren wenig ausgebildet, immer aber ist die erhabene
x-förmige Zeichnung auf den Schultern deutlich zu se-
hen, bei einzelnen Exemplaren enden die sie bildenden
erhabenen Linien erst in der Gegend des Os sacrum und
bilden dann eine Figur ähnlich der, wie sie Herr Stein-
dachner^) bei Liuperus ephippifer abbildet. Gaumen-
zähne fehlen, die kleinen Choanen liegen weit auseinan-
der nach den Oberkiefern hingerückt. Die vier Finger
sind ziemlich zugespitzt, ohne Hautsaum, der erste der-
selben ist der kürzeste, der dritte der längste, der zweite
und vierte gleich lang. Ein grosser, rundlicher und fla-
cher Höcker nimmt die Mitte des Carpus ein, ein ähnlicher
etwas länglicher den Ballen des inneren Fingers, bei den
Männchen ist er ungefähr so gross wie der Höcker des
Carpus, bei den Weibchen erheblich kleiner. Merkwür-
dig ist ein kleines Tuberkel an der Unterseite des Un-
terarmes ungefähr um den Durchmesser des Carpalhök-
kers von diesem entfernt und auf der Grenze des letzten
und zweiten Drittels des Unterarmes gelegen; die Spur
eines zweiten aber ziemlich undeutlichen Tuberkels be-
merkt man darüber, ungefähr auf der Grenze des zweiten
und ersten Drittels des Unterarmes, doch etwas näher
dem Eilenbogen. Die Zehen sind gleich den Fingern
zugespitzt, die vierte die längste, die dritte etwas länger
als die fünfte. Der äussere Hautsaum der fünften Zehe
erreicht nicht das äussere Tuberkel des Tarsus, sondern
endet vor ihm in einer Entfernung, die dem Abstände
der beiden Tarsaltuberkel von einander gleich ist, zu-
weilen ist sie kleiner als dieser. Der Metatarsus ist glatt,
ohne alle Höcker oder Warzen, die beiden Tarsaltuber-
kel sind gleich gross. Der innere Hautsaum der ersten
Zehe endet in der Mitte der Unterseite des Tarsus und
1) Verhandlungen der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien.
Bd. XIV, 1864. p. 277. Tab. XIV. fig. 1,
136 Hensel:
zwar etwas angeschwollen, so dass man sein Ende eigent-
lich als einen dritten kleinen Tarsalhöcker betrachten
kann. Farbe und Zeichnung variiren sehr. Im Allge-
meinen ist die ganze Oberseite hellgrau mit etwas dunk-
leren, undeutlichen Zeichnungen. Man erkennt einen
dunkeln Scheitelfleck, der die Augen mit einander ver-
bindet. Andere Flecke befinden sich zwischen den er-
habenen Rückenlinien oder oft als Fortsetzung des iSchei-
telfleckes; oder auch isolirt. Bei einzelnen Individuen Ist
die ganze Rückenfläche sehr fein dunkelgrau punktirt,
oder grössere schwarze Punkte begleiten jede Rücken-
linie aussen und innen. Die Oberseite wird zuweilen
dunkler und ist selbst graubraun, doch lassen sich die
dunkleren Flecke immer noch deutlich erkennen. Bei
einigen hellgrauen Exemplaren geht ein gelber Rücken-
streifen von der Schnauzenspitze bis zum After, bei an-
deren entspringt ein gelbliches Band hinter dem Auge
und läuft nach hinten immer breiter werdend auf der
Grenze zwischen Rücken und Seite bis nach der Schen-
kelbeuge. Die Aussenseite der Hinterbeine hat schräge
Bänder von der Farbe der dunkeln Rückenflecke, zwei
derselben sind deutlich zu unterscheiden, ein drittes, am
Knie, ist undeutlich sie laufen gradlinig über die Hinterex-
tremitäten, wenn diese an den Leib gezogen sind. Die
Unterseite ist bei grauen Exemplaren weiss, an der Kehle,
am Unterkiefer und zwischen den Armen mit einzelnen
hellgrauen verwaschenen Punkten, bei den braunen Exem-
plaren gelblich weiss, überall mehr oder weniger braun-
grau raarraorirt. Der einfache, grosse Kehlsack der Männ-
chen Ist rein gelb oder ein wenig grau punktirt. Unter
30 erwachsenen Exemplaren war das grösste, ein Weib-
chen, 17,5 Mm. lang. Die Länge seines Unterschenkels
betrug 8 Mm. , die Männchen erreichen nicht die Grösse
der Weibchen. Die Querfortsätze des Kreuzbeines sind
nicht erweitert.
Diese kleinsten unter allen Batrachiern halten sich in
Pfützen und Gräben in der Nähe des Ufers auf, da w^o
Gras im Wasser steht. Ihre Stimme gleicht täuschend
der der Grillen. Sie schweigen, sobald eine Störung
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 137
naht und verbergen sich auf dem (xrimde des Wassers
zwischen dem Gras, so dass sie nicht leicht zn entdek-
ken sind.
Die Herren Rei nhar dt und Lütken^) haben im
Jahre 1861. I.e. p. 32 eine Gattung Gomphobates mit drei
neuen Species aufgestellt. Ich habe ebenfalls drei zu
dieser Gattung gehörige Arten im ürwalde von Rio-
Grande do Sul gefunden^ doch ist es mir ohne Verglei-
chung der Originalexemplare nicht möglich gewesen, mit
vollständiger Sicherheit ihre Identität mit den von den
genannten Autoren aufgestellten nachzuweisen, ich werde
sie daher nur mit Fragezeichen aufFühren.
Gomphobates marmoratus f Reinh. Ltk. 1. c. p. 35.
Tab. IV. fig. 4.
Ein 29 Mm. langes Exemplar mit grossem, äusser-
lich doppelten Kehlsack stimmt in Zeichnung und Ge-
stalt sehr genau mit der von Reinhardt und Lütken
1. c. Taf. IV. flg. 3 gegebenen Abbildung des Gomphobates
notatus, besitzt auch die zwei schwarzen Flecke zu beiden
Seiten des Steissbeinendes, allein die beiden unteren Tar-
salhöcker sind viel stärker ent wickelt und gleichen durch-
aus denen des G. marmoratus in Tab. IV. fig. 4 c. 1. c. Dage-
gen stimmt wieder das Verhältniss in der Länge der Zehen
nicht mit dem in dieser Figur dargestellten, da sie schlan-
ker sind und die fünfte derselben, obschon etwas kürzer als
die dritte, doch bis an das drittletzte Gelenk derselben
reicht. Vielleicht ist auf diesen Unterschied nicht viel zu
geben, da hierin die citirte Abbildung Fig. 4 c mit Fig. 4
auch nicht stimmt, wo das Verhältniss mehr dem an
meinem Exemplare gleicht. Die Zunge stimmt überein
mit Fig. 4 a 1. c, doch ist der Kopf viel mehr zugespitzt,
als er nach dieser Abbildung zu sein scheint. Ein klei-
nes vollkommen ausgebildetes Exemplar von 14 Mm.
1) Bidrag til kundskab om Brasiliens Padder og Krybdyr.
c. 4. Tay. Kjöbenhavn (aus Vid. Medd. fra den nat. Forening
for 1861).
138 Hensel:
Länge stimmt in allen Verhältnissen, namentlich in der
Entwickelung der unteren Tarsalhöcker mit dem grösse-
ren Exemplare, so dass ich es unbedenklich für ein Jun-
ges derselben Species halte.
Gomphobates notatua f Reinh. Ltk. 1. c. p. 33. Tab. IV.
fig.3.
13 ausgewachsene und 25 junge Individuen glaube
ich zu dieser Species zählen zu müssen, obgleich auch
hier nicht unbedeutende Unterschiede vorhanden sind.
Alle Exemplare , die im Wasser , während der Paa-
rungszeit gefangen wurden, sind sehr dunkel. Die
Grundfarbe der Oberseite ist mehr oder weniger grau-
braun mit dunkleren Zeichnungen, die im Ganzen fei-
ner zu sein scheinen, als in der Abbildung dieser Art
1. c. Tab. IV. fig. 3. Die nach der Paarungszeit im
Trocknen gefundenen Individuen sind auf der Oberseite
sehr hell, lehmfarben, mit sehr wenig bemerkbaren Zeich-
nungen. Alle haben ein dunkles Seitenband, welches
als schmaler Streifen schon an der äussersten Schnau-
zenspitze beginnt, das Nasenloch enthält und am vorde-
ren Augenwinkel endet , um sich hinter dem Auge als
ein immer breiter werdendes Band fortzusetzen und hii\-
ter der Mitte der Seite oder kurz vor der Schenkelbeuge
ohne scharfe Grenze zu enden. Autfallenderweise sind
sie bei den helleren Exemplaren am dunkelsten , fast
schwarz. Allen Individuen fehlen die beiden schwarzen
Flecke in der Nähe des Afters, dagegen besitzen zwei
derselben zwei grosse schwarze, hell umsäumte Flecke
in der Schenkelbeuge, so dass sie bei an den Leib gezo-
genen Oberschenkeln von diesen vollständig verdeckt
werden. Die Tarsalhöcker sind klein und entsprechen
den in den citirten Abbildungen bei Reinhardt und L ü t-
ken, oder den von Dr. Stein dachner ^) (Liuperus
albonotatus) dargestellten. Die Fortpflanzung findet im
Monat September, besonders im Anfange desselben statt.
1) Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien 1864.
Bd. XIV. Taf. XVI. fig. 4.
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 139
Man bemerkt zu dieser Zeit faustgrosse Klumpen weissen
Schaumes auf den Pfützen in der Nähe des Ufers, wo
gewöhnlich noch etwas Gras wächst, und trifft dann in
unmittelbarer Nähe des Schaumes eine kleine Gesellschaft
dieser Frösche von vier bis sechs Individuen an, wahr-
scheinlich mehrere Männchen um ein Weibchen, die an
der Oberfläche des Wassers nach Art des Bombinator
igneus ruhend, ein seltsames anhaltendes Gewimmer aus-
stossen, welches fast wie der entfernte Gesang feiner
Kinderstimmen klingt, oder vielleicht einem Chore kleiner
Cicaden zugeschrieben werden könnte. In der Mitte des
Schaumklumpens befindet sich ein Haufen hellgelber
Eier. Ist an diesen die Entwickelung bereits deutlich
sichtbar, so zerstreut sich die ganze Gesellschaft der
Sänger. Junge Exemplare von 8V4 Mm. Länge haben
ihre Umwandlung schon beendet oder besitzen noch einen
sehr kleinen Rest des Schwanzes. Das grösste der er-
wachsenen Exemplare, eines der beiden mit dem schwarzen
Seitenfleck versehenen, ist fast 31 Mm. lang, die übrigen
haben im Allgemeinen nur eine Länge von 24 — 26 Mm.
Gomphohates Kroyerif Reinh. Lütk. I.e. p. 36.
Ein einzelnes im Urwalde von Rio-Grande gefange-
nes Exemplar eines Gomphohates dürfte vielleicht der
genannten Species angehören. Die Oberseite ist braun-
grau in drei verschiedenen Abstufungen der Dunkelheit.
Die Grenze zwischen Rücken und Seite und zum Theil
schon die Seite selbst ist am hellsten, etwas dunkler die
Mitte des Rückens, vorn den Raum zwischen den Augen
einnehmend, nach hinten zu sich verschmälernd. Zwi-
schen beiden Theilen ist die dunkelste Gegend, ein Strei-
fen, der an den Augen spitz beginnt, nach hinten zu
breiter wird und neben dem After endet. Von der
Schnauzenspitze nach dem Auge geht ein etwas dunkle-
res Band, an dessen oberem Rande das Nasenloch liegt.
Hinter dem Auge verläuft es als Seitenband über die
Schulter, an der Seite des Körpers bis gegen die Schen-
kelbeuge. Unter ihm befindet sich von der Schnauzen-
spitze bis nach der Schulter ein schmaler weisslicher
140 Hensel:
Streifen^ während der Oberkiefer selbst wieder bräun-
lichgrau ist. Die Aussenseite der Hinterbeine ist mit
dunkleren Bändern verschen , doch gehen diese , wenn
die Beine an den Leib gezogen sind, nicht gradlinig über
diese, sondern im Zickzack. Die Unterseite ist gelblich-
grau etwas dunkler marmorirt. Der Rücken hat zahlrei-
che Falten und Leisten, die in der Gegend des Nackens
entspringen und ziemlich gradlinig nach hinten verlaufen.
Von den Tarsalhöckern ist als charakteristisch zu bemer-
ken, dass der obere, verhältnissmässig kleine Tuberkel
von dem inneren der beiden unteren w^eniger weit ent-
fernt ist, als dieses von dem äusseren, während bei den
beiden vorher beschriebenen Arten das Verhältniss ein
umgekehrtes ist. Die Länge ist 19 Mm.
Engystoma ovale^ Eana ovalis Schneid. Hist. Amph.
p. 13.
Fünf ausgewachsene Exemplare unter faulem Holze
in ausgetrockneten Pfützen des Urwaldes von Rio-Grande
gefunden, besitzen säramtlich den charakteristischen, mehr
oder weniger breiten , gelblichweissen Streifen an der
Hinterseite der Oberschenkel. Die ganze Oberseite des
Körpers und die Aussenseite der Extremitäten sind grün-
lichgrau, ganz fein und kaum bemerklich gelblich mar-
morirt, die Unterseite gelblichweiss. Die Kehle zwischen
den Unterkiefern mehr oder weniger grau. Von Herrn
Dr. Stein dachner ^) wird angegeben, dass über dem
Scheitel ein .feiner, heller Querstrich von dem hinteren
Winkel des einen Auges zu dem des anderen laufe. Bei
meinen Exemplaren findet sich an der angegebenen Stelle
nur eine Falte, die ich auch in der Abbildung (Oxy-
rhynchus bicolor) bei Guerin ^) und für E. carolinense
beiHolbrook ^) sehe. Doch ist diese Falte bei dem
1) Verhandl. der k. k. zoolog. -botan. Gesellsch. in Wien.
Bd. XIV. p. 285.
2) Iconographie du Regne Animal. Tom. I. Pich, des anim.
verteb. 1829-44. Reptil. PI. 27. fig. 2.
8) North - Araerican Herpetology. 1836. Vol. I. PI. 10 (durch
einen Fehler statt 11) und 1842. Vol. V. PI. VI.
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 141
lebenden Thiere, oder so lange es noch nicht aus dem
Weingeist genommen wurde , nicht sichtbar, sie kommt
vielmehr erst dann zum Vorschein, wenn das Letztere statt-
gefunden hat, und die Verdunstung des Weingeistes ein-
getreten ist; sie verschwindet auch nicht mehr, wenn das
Thier in diesen wieder zurückversetzt wird. In den oben
citirten Abbildungen kann man das Licht der Falte leicht
für einen hellen Streifen halten. Das grösste der fünf
Individuen ist 25 Mm. lang. Vier junge Exemplare von
derselben Lokalität, deren kleinstes noch nicht 12 Mm.
Lang ist, haben schon die Körpergestalt und Farbe der
Alten, nur ist die Unterseite gelblichgrau.
Bufo d'Orbignyi Dum. Bibr. Erpet. 1841. p. 697.
Lebt zahlreich in der Nähe von Porto Alegre an
denselben Orten und unter denselben Verhältnissen wie
Pleurodema Darwinii. Exemplare, die ein so grelles Co-
lorit gehabt hätten, wie die Abbildung bei d'Orbigny
(Voyage dans l'Amer. merid. Paris 1847. Tom. V. Reptil.
Pich. 15. lig. 5 — 7) zeigt, sind mir niemals vorgekommen.
Die Stimme, welche das Thier bei feuchtem Wetter und
gegen Abend aus seiner Höhle erschallen lässt, ist ein
helles Glucken, ähnlich dem Ausfliessen des Wassers aus
einer Flasche mit engem Halse. Das grösste der neun von
mir gesammelten Exemplare hat eine Länge von 56 Mm.,
grössere Individuen wurden nicht beobachtet.
Bufo agua Latr. Rept. IL p. 13.
Diese Species gehört, ungeachtet ihrer Grösse wie
ihrer Häufigkeit in Südamerika und in den Sammlungen
Europas, zu den am wenigsten gekannten Arten der Ba-
trachier, wie schon die grosse Zahl der hierher gehörigen
Synonyme beweist. Da diese grosse Kröte in Rio-
Grande do Sul sehr häufig ist, so habe ich Gelegenheit,
einige Irrthümer berichtigen zu können. Als wichtigstes
Resultat führe ich an, dass der B. Lazarus Spix ^) das
1) Spec. nov. Ranarum. Monach. 1824. p. 21. Tab. XVII. fig. 1.
142 Hensel:
Männchen und B. ictericus Spix ^) das Weibchen ist.
Ich habe die Thiere in grosser'Menge in Paarung beob-
achtet, aber immer dieselbe Geschlechtsdifferenz gefun-
den. Natürlich sind nicht alle Individuen beider Ge-
schlechter gleich schön ausgefärbt, wie in den Abbildun-
gen bei Spix, und viele Männchen haben auf der weiss-
lichen Unterseite und der Aussenseite der Hinterbeine
verwaschene graue Flecke, auf der letzteren selbst Bän-
der dieser Farbe, so dass sie dann den B. maculiventris
Spix 2) vorstellen, allein doch fehlt ein vollständiger Ue-
bergang in Farbe und Zeichnung beider Geschlechter.
Auch sind bei den Männchen die Warzen der Oberseite
des Körpers und der Aussenseite der Extremitäten im-
mer mit zahlreichen kleinen Hornspitzen besetzt, während
diese bei den Weibchen fehlen. Exemplare wie der B.
agua bei Spix 1. c. Taf. XV habe ich nie bemerkt. Das
grösste der von mir beobachteten Individuen, ein Weib-
chen, war 138 Mm. lang. Die Fortpflanzung findet im
Winter statt, namentlich im Juni, und dauert mehrere
Monate hindurch, so dass man selbst noch im Oktober
die langen Eischnüre findet. Nur wenn die Wärme unter
den Gefrierpunkt sinkt und die Pfützen zufrieren, wird
das Paarungsgeschäft unterbrochen. Dann verstummt der im
tiefen Bass ausgcstossene Triller der Männchen und die
Thiere ziehen sich in ihre Wohnungen in der Nähe des
Wassers unter Steinen und Baumstämmen zurück, um den
baldigen Eintritt einer wärmeren Temperatur abzuwarten.
Die Larven dieses Thieres, welche in der Jugend schwarz
erscheinen, sind unverhältnissmässig klein im Vergleiche
zur Grösse der Alten, denn sie haben schon bei einer
Länge von 10 Mm. ihre Metamorphose vollendet. Indi-
viduen von 30 Mm. Länge sind in ihrer Färbung noch
ganz verschieden von den Alten, ohne dass jedoch bei
ihnen hierin schon Geschlechtsunterschiede zu bemerken
wären. Bis zu der angegebenen Grösse sind sie auf der
Oberseite bräunlich- oder gelblichgrau mit symmetrisch
1) L. c. p. 20. Tab. XVI. fig. 1.
2) L. c. p. 19. Tab. XIV. fig. 1.
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 143
vertheilten, dunkelbraunen Flecken, die an ihrer Peripherie
dunkler, nach der Mitte zu heller braun von einem schma-
len hellen Saume umgeben sind. Man kann einen zu-
weilen unpaaren, gewöhnlich in zwei symmetrische Hälf-
ten getheilten Scheitelfleck zwischen den Augen gelegen
unterscheiden. Auf diesen folgt jederseits ein schmaler
Fleck oberhalb des vorderen Endes der Parotis, hierauf
folgen zwei kleine Flecke ungefähr der Mitte der Paro-
tis entsprechend zu beiden Seiten dicht an der Mittel-
linie des Rückens gelegen, die nur unbedeutend heller ist
als dessen übrige Grundfarbe. Diese beiden Flecke lie-
gen so nahe an einander, dass sie bei einzelnen Indivi-
duen mit einander verschmelzen. Der übrige Theil des
Rückens wird von drei Fleckenpaaren eingenommen, die
in ungleichen Abständen auf einander folgen, und deren
letztes zu beiden Seiten des Steissbeinendes gelegene klein
ist, während die beiden vorderen die grössten der Ober-
seite sind. Ausser diesen Hauptflecken finden sich zer-
streut noch andere kleine, die weniger constant, immer
aber doch symmetrisch vorhanden sind. Die Aussenseite der
Hinterbeine hat Querbänder von der Farbe jener Flecke;
man zählt deren drei auf dem Unterschenkel, die sich
gradlinig auch auf Oberschenkel und Fuss erstrecken,
ohne jedoch hier immer so deutlich zu sein wie dort.
Die Unterseite ist grau mit feinen gelblichweissen Punk-
ten, die oft so dicht gedrängt stehen, dass die Grund-
farbe mehr oder weniger verdrängt wird.
Bufo arenarum nov. spec.
Die Leisten des Schädels massig stark entwickelt,
schwächer als bei B. agua. Parotis lang und schmal, in
der vorderen Hälfte breiter als in der hinteren, hat in
der Mitte der Unterseite einen dreieckigen mit der Spitze
nach unten gerichteten Fortsatz. Am Hinterende der
Parotis beginnt eine Reihe kleiner Drüsen, die sich bis
in die Schenkelbeuge erstreckt. Trommelfell deutlich
sichtbar, höher als breit. Der Innenrand des Tarsus
kantig. Die warzige Oberseite aschgrau, mit einigen dunk-
leren, schwärzlich contourirten und bei einzelnen Indivi-
144 Hetisel:
duen auch mit hell gelblichgrauen verwaschenen Flecken.
Aussenseite der Hinterbeine wie die Oberseite des Kör-
pers gefärbt mit dunkleren Querbinden, deren drei auf
dem Unterschenkel; die erste derselben am Knie un-
deutlich. Die ganze Unterseite, die Innenseite der Ex-
tremitäten, der Oberkiefer und die untere Seite der Pa-
rotis schmutzig gelblichweiss.
Sieben Individuen, deren grösstes 75 Mm. lang ist,
wurden bei der Ötadt Rio-Grande do Sul gefangen, wo
sie bei Nacht auf den trockenen Sanddünen umherlaufen,
bei Tage sich unter den Wurzeln der Sträucher gesell-
schaftlich verbergen.
Bufo dorsalis f Spix Anim. nov. s. sp. nov. Rana-
rum. Monach. 182-1. p. 22. Tab. XVII. fig. 2.
Diese Species gehört, wie so viele der von Spix
beschriebenen Arten, zu denen, die gegenwärtig ohne
Untersuchung der Originalexemplare kaum noch zu ent-
ziffern sind. Ich kann daher eine Kröte, die sich nicht
selten im Urwaide der Provinz Rio-Grande findet, nur
mit grossem Zweifel hierher ziehen. Sie gehört in gut
ausgefärbten Exemplaren zu den schönsten Batrachiern.
In diesem Falle überzieht den ganzen Rücken ein leb-
haftes Rothbraun, dessen Grenzen überall sehr scharf sind,
da hier das Rothbraun dunkler, fast schwarzbraun wird
und nach aussen von einer ganz feinen, gelblichen Linie
begrenzt ist. Vom Scheitel, d. h. zwischen den Augen,
entspringend läuft ein gelber Streifen in der Mitte des
Rückens bis zum After. Zwischen den Augen in ihrer
vorderen Hälfte befindet sich eine helle gelblichgraue
Querbinde, die unmittelbar mit dem Rückenstreifen zu-
sammenhängt, aber w^eniger gelb als dieser ist. Von ihr
bis zur Gesichtskante befinden sich wieder zwei rothbraune
Flecke von einander durch eine gelbliche Linie getrennt,
die als eine Fortsetzung der Rückenlinie zu betrachten
ist. Vom hinteren Theile des oberen Augenliedes er-
streckt sich ein helles gelblichgraues Band über die lange
und schmale Parotis auf der Grenze zwischen Rücken
und Seite bis nach der Schenkelbeuge, in deren Gegend
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 145
es schwefelgelb gefärbt ist. Dcas deutlich sichtbare Trom-
melfell liegt in einem grossen dunkeln Flecke von der
Farbe des Rückens, der sich nach unten bis nach dem
Mundwinkel hin erstreckt, nach hinten zu aber in ein
dunkelrothbraunes Band übergeht, welches ziemlich schmal
an der Unterseite der Parotis, darauf etwas breiter, fast
so breit wie das Trommelfell hoch ist, an den Seiten des
Körpers bis nach der öchenkelbeuge verläuft. Vom un-
teren Augenliede erstreckt sich ein gelblichweisser Strei-
fen schräg nach hinten gerichtet bis zum Oberkiefer, in-
dem er nach hinten zu von dem gleichfalls bis zum
Oberkiefer laufenden Theile des dunkeln Ohrenfleckes,
nach vorn zu von dem mehr oder weniger vollständig
wie dieser gefärbten Gesichte begrenzt wird. Auf der
gelblichgrauen Aussenfläche der Extremitäten sieht man
rothbraune Binden, und zwar drei auf dem Unterarme,
fünf auf dem Unterschenkel, doch läuft von oben her
gezählt die erste unmittelbar mit der untersten Schen-
kelbinde in einen grossen Fleck zusammen, die zweite
ist vollständig isolirt, die dritte ist mit der vierten zum
Theil verschmolzen, die fünfte ist am wenigsten entwickelt
und mit der ersten Binde des Fusses vereinigt. Die Hin-
terseite der Schenkel ist mit kleinen citrongelben Flecken
oder Punkten geziert. Die ganze Unterseite ist schmutzig
gelblichgrau. Bei weniger vollständig ausgefärbten Exem-
plaren verwandelt sich die rothbraune Farbe des Rückens
so wie aller Zeichnungen mehr in grau, doch bleiben
auf ersterem vier Paar dunklere Stellen jedoch ohne
scharfe Begrenzung am längsten erhalten, und zwar im
Nacken, auf den Schultern, auf dem Kreuzbein uud vor
dem Ende des Steissbeines. Diese Reihenfolge bezeich-
net zugleich den Grad ihrer Deutlichkeit, so dass das
vorderste Paar sich am längsten erhält, selbst bei solchen
Individuen, deren Rücken sonst grau erscheint und nur
zu. beiden Seiten des Mittelstreifens einen schmalen röth-
lichbraunen Saum hat. Bei solchen Individuen lässt sich
auch die Zahl der Binden auf den Extremitäten nicht
mehr vollständig ermitteln. Die ganze Oberseite des Thie-
res ist mit flachen wenig in die Augen fallenden Wärz-
Archiv für Naturg. XXXIU. Jahrg. 1. Bd. K)
146 Hensel:
eben bedeckt, dagegen sind diese bei den Männchen mit
zahlreichen sehr feinen Hornspitzen besetzt, ähnlich wie
bei B. agua, am deutlichsten in dem hellen Räume unter-
halb der Parotis und hinter dem Trommelfell. Bei ein-
zelnen Individuen findet sich zu jeder Seite des Rücken-
streifens eine Reihe hellgrauer, kleiner Warzen bis zu
15 an der Zahl. Ausgezeichnet durch ihre Rauheit sind
bei beiden Geschlechtern die ganze Fusssohle und der
Handteller , indem diese Theile mit zahlreichen kleinen
Höckerchen besetzt sind, die bei den Männchen, wenig-
stens einzelne, aber stärker entwickelte Hornspitzen tra-
gen; die Finger sind frei, doch ist ein dicker Hautsaum
wenigstens angedeutet. Am Carpus ein grosser mit der
Spitze nach den Fingern hin gerichteter Ballen; nach
innen zu ein kleiner, schon am Metacarpus des innersten
Fingers gelegener. Am Tarsus zwei Höcker, deren in-
nerer etwas stärker entwickelt ist. Die Schwimmhäute
sind am Fusse nur schwach entwickelt, höchstens bis zur
Mitte der dritten Zehe reichend, der dicke Hautsaum
der abgestumpften Zehen deutlich, der innere des Dau-
mens in eine nicht sehr deutliche Leiste an der Innen-
seite des Tarsus fortgesetzt, die vorzüglich durch die
kleinen Tuberkeln, mit denen sie besetzt ist, in die Au-
gen fällt. Das grösste der neun von mir gesammelten
Individuen, die sämmtlich in der Paarung begriffen wa-
ren, hat eine Länge von 73 Mm. Die Parotis ist 16 Mm.
lang und ungefähr 4 Mm. breit. Der Unterschenkel
31,5 Mm. lang. Die Oberseite des Schädels ist concav, da
die Leisten desselben deutlich entwickelt sind. Wie aus
der gegebenen Beschreibung hervorgeht, ist eine sichere
Bestimmung der Species gegenwärtig noch nicht aus-
führbar. Man könnte an den B. ornatus Spix ^) denken,
besonders bei Berücksichtigung der von dem Prinzen zu
Wied gegebenen Beschreibung -) und Abbildung ^) dieser
1) L. c. p. 21. fig. XVI.
2) Beiträge zur Naturgeschichte Brasiliens. Bd. I. Weimar 1825.
p. 558.
3) Abbildungen zur Naturgeschichte Brasiliens, Taf. fig.
Beiträge zur Kermtniss der Wirbelthiere SücH^rasiliens. 147
Species, welche durch einen vierfachen Rückenfleck aus-
gezeichnet sein soll, wie er auch bei einigen Exempla-
ren nait wenig ausgebildeter Färbung der von mir be-
schriebenen Species zu bemerken ist, allein bei dieser ist
die Oberseite des ziemlich schmalen Schädels deutlich
concav, bei dem B. ornatus dagegen flach, ohne Leisten.
Wegen des dunkeln Seitenbandes liegt auch ein Vergleich
mit dem B. cinctus M. z. Wied ^) nahe, der von neueren
Herpetologen -) mit B. ornatus Spix gewiss mit Unrecht
identificirt worden ist, allein der Prinz zu Wied bemerkt
1. c. p. 565 von jener Species ausdrücklich: „Kopf und
Körper breit krötenartig, mit dickem Hängebauch,'" wäh-
rend schon oben der mehr schlanke, froschartige Habitus
der von mir gesammelten Art hervorgehoben wurde. Das-
selbe gilt von dem Bufo melanotis Dum. Bibr. Erpetol.
p. 710, von dem es 1. c. heisst : „Cette espece, qu'on pour-
rait prendre au premier aspect pour un Crapaud agua etc/^
und dessen Parotis als „ovalaire ou subtriangulaire^ an-
gegeben wird.
Die Fortpflanzung findet zu derselben Zeit und unter
gleichen Verhältnissen wie bei dem B. agua statt. Die
Männchen haben ebenfalls eine trillernde aber viel schwä-
chere Stimme. Die Larven dieser beiden Arten gleichen
einander sehr, doch erkennt man die kleinen Exemplare
des B. agua leicht*an der grösseren Plumpheit, den kür-
zeren Extremitäten und geringeren Rauhigkeit der Fuss-
sohlen.
Bufo ornatus Spix 1. c. p. 21. Tab. XVL
Eine kleine , 34 Mm. lange Kröte glaube ich für
diese Species halten zu müssen. Sie ist schmutzig grau-
lichgelb, auf der Unterseite etwas heller. Die dunklere
Oberseite zeigt vier Fleckenpaare von graubrauner Farbe,
das erste ist zusammengeflossen und bildet ein undeut-
liches, schmales Querband zwischen den Augen, das zweite
1) Beiträge ii. s. w. p. 564 und Abbild, n. s.w. Taf. fig-.
2) Günther, Catal. Batr. Sal. 1858. p. 64. Steindachner.
Novara-Exped. Zool. Amphibien p. 46.
148 Heil sei:
Paar ist klein, undeutlich und liegt ungefähr am An-
fange der Wirbelsäule, das dritte deutlichere liegt un-
gefähr zwischen oder hinter dem hinteren Ende der Pa-
rotiden, das vierte ähnlich dem vorhergehenden, bezeich-
net die Gegend des Os sacrum oder den Anfang des
Öteissbeines. Die Parotis stellt ein niedriges, stumpfwink-
liges Dreieck vor, dessen Basis nach unten zu sieht,
während der stumpfe Winkel nach der Wirbelsäule hin
gerichtet ist. Das kleine aber deutlich sichtbare Trom-
melfell liegt in einem dunkeln Flecke, der bis nach dem
Oberkiefer herabgeht, bis wohin sich auch ein weisslicher
Streifen von dem unteren Augenliedc aus erstreckt. Auf
der Aussenseitc der Extremitäten kann man undeutliche
dunklere Bänder unterscheiden, deren drei sich auf dem
Unterschenkel befinden, doch ist nur das mittlere der-
selben deutlich sichtbar. Der breite und kurze Kopf ist
sehr flach und entbehrt fast aller Leisten. Die Gegend
der Ossa nasofrontaiia ist gegen die ebene Stirn zwischen
den Augen deutlich erhaben. Ganz dieselben Verhältnisse
zeigen vier etwas grössere Exemplare dieser Species im
hiesigen zoologischen Museum, welche von Herrn Dr. v.
Martens in Rio de Janeiro gesammelt wurden, nament-
lich gleicht das eine derselben von schwärzlicher Farbe
in Bezug auf das Rückenkreuz sehr der von dem Prinzen
zu Wied l. c. gegebenen Abbildung. Ob aber dieser
Autor den wirklichen B. ornatus Spix beschrieben und
abgebildet hat, wird sich erst durch eine Untersuchung der
betreflenden Original-Exemplare zu München und Neu-
wied entscheiden lassen.
Bufo melanoHsf Dum. Bibr. Erpet. g^n. Tom.VlU.
p. 710.
Ein in Rio de Janeiro gefangenes Exemplar einer
Kröte glaube ich der genannten Species zuschreiben zu
müssen, obgleich diese zu den Arten gehört, deren Selbst-
ständigkeit noch keineswegs entschieden ist. Der B. me-
lanotis ist von den Herren Günther 1. c. p. 64 und
Steindachner, Novara-Exped. 1. c. p.46 zu B. ornatus
gezogen worden, doch gewiss mit Unrecht, da von ihm
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 149
in der Erpetologie gen. I.e. gesagt wird: ^Cette espece,
qii'on pourrait prendre au premier aspect poiir un Crapaiid
agna/ während wohl bei dem B. ornatus eine solche
Verwechselung nicht leicht möglich ist. Das vorliegende,
in zu starkem Weingeist etwas erhärtete und 73 Mm. lange
Exemplar hatte im Leben eine bräunlichgelbe, lederfarbene
Ober- und eine etwas hellere, schmutziggelbliche Unter-
seite ohne alle Zeichnungen, das grosse, deutlich sicht-
bare Trommelfell liegt in einem grossen braunen Fleck,
der den ganzen Raum zwischen dem Auge und dem
Mundwinkel einnimmt, nach vorn zu unter dem Auge
einen dunkleren Rand hat, während der davor liegende
Theil des Oberkiefers hell gelblich gefärbt und (^egen
den Ohrfleck in schräger Richtung scharf abgegrenzt ist.
Die kleine etwas nach unten gerichtete Parotis hat eine
gerade Unterseite, während der obere Rand mehr einen
flachen Bogen bildet, so dass sich die nur sehr unvoll-
kommene Figur eines stumpfwinkligen Dreiecks ergiebt.
Der Kopf ist ziemlich breit und flach, seine Kanten sind
schwächer entwickelt als bei Bufo agua, und gleichen
sehr denen des B. ornatus, nach dem oben beschriebenen
Exemplare dieser Art zu urtheilen. Herr (4 u i ch en ot ^)
hat den B. melanotis Dum. Bibr. von neuem nach den
von dem (trafen v. Castelnau in Brasilien gesammelten
Exemplaren beschrieben , ohne jedoch sichere Merkmale
für eine Unterscheidung von B. ornatus oder für eine
Identifikation mit B. dorsalis anzugeben.
Crotiüodaotijluii Gaudichaudu Dum. Bibr. Erpet. gen.
Bd. Vlll. 1841. p. 635.
Zwei Individuen dieser kSpecies wurden bei Rio de
Janeiro Anfangs December 1863 gefunden. Das grössere
ist 31 Mm., das kleinere '22 Mm. lang. Die Oberseite
beider ist grünlichgrau mit undeutlicher, etwas dunklerer
Marmorirung. Die Aussenseite der Hinterbeine ist mit
Bändern versehen, deren man auf dem Unterschenkel
1) Castelnau, Expedit, dans l'Amer. du Sud. Part. 7. Zool.
'2. Reptiles. Paris 1855. p. 89.
150 Hensel:
drei zählen kann. Beide Exemplare scheinen männlichen
Geschlechts zu sein, denn das grössere derselben hat an
der Innenseite jedes Daumens drei schwarze Hornspitzen,
das kleinere besitzt deren links nur eine, rechts zwei.
Die Hautsäume an dem inneren \) Rande des Tarsus und
an den Zehen sind stark entwickelt, bei dem grösseren
Exemplare deutlich abstehend, bei dem kleineren, welches
durch zu starken Weingeist etwas hart geworden ist, ha-
ben sie sich umgelegt, lassen sich aber durch Abheben
leicht sichtbar machen. Finger und Zehen sind mit
Haftscheiben versehen, die jedoch nicht so entwickelt
sind wie bei Hyla. Ihre Oberseite wird durch einen
Spalt von der Spitze aus in zwei Theile getheilt, die
jedoch eine gemeinschaftliche -Sohle besitzen. An den
Fingern sind die Haftscheiben weniger entwickelt, als an
den Zehen, und stellen, von der Unterseite gesehen, nur
eine unbedeutende, quer abgestutzte Anschwellung der
letzten Phalange vor, doch ist noch von oben her die
Zweitheilung zu erkennen. Der Gattung Crossodactylus
fehlen die Gaumenzähne, allein das grössere Exemplar
besitzt auf der linken Seite eine Gruppe Gaumenzähne,
nach innen von der betreffenden Choane gelegen, auf der
rechten Seite ist keine Spur davon vorhanden. Zur Ver-
gleichung konnte noch ein Exemplar im iiiesigen zoolo-
gischen Museum (Catal. Rept. Nr. 4396) benutzt werden,
welches Herr Dr. v. Martens in der letzten Hälfte des
Monat Mai 1860 gleichfalls in der Umgegend von Rio de
Janeiro gesammelt hat. Dasselbe hat ungefähr die Länge
des grösseren der so eben beschriebenen Exemplare und
ist ohne Zweifel auch ein Männchen, da es an der In-
nenseite jedes Daumens zwei Dornen besitzt. Die Ober-
seite des Körpers ist einfarbig, grünlich mit etwas me-
tallischem (jlanze, die Bänder auf den Hinterbeinen sind
nicht so deutlich, wie an den beiden vorher beschriebe-
nen Individuen. Die Haftscheiben verhalten sich wie bei
1) In der Erpet. geu. 1. c. und im Catal. Batrach. sal. von
Günther p. 90 wird der Hautsaum an den Aussenrand des Tarsus
verlegt.
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 151
diesen. Die Hantsäiime am Tarsus und an den Zehen
sind auf blosse llautkanten reducirt, die sich kaum über
die Fläche der Haut erheben; aber gleichwohl ganz deut-
lich sichtbar sind. Da dieses letztere Exemplar zu einer
ganz anderen Jahreszeit gefangen wurde, so ist wohl
möglich, dass die Entwickelung der Hautsäume von der
Jahreszeit resp. von der Fortpflanzung abhängt, ungefähr
wie der Kamm des Triton cristatus. Durch die Herren
Reinhardt und Lütken i. c. p. 37 u. 99. Tab. III.
flg. 2, ist ein neues Genus T ar sopt erus mit der Species
T. trachystontus aufgestellt worden, das sich zunächst an
Liuperus anschliessen , aber durch die Hautsäume der
Hinterfüsse und die Endausbreitung ihrer Zehen davon
unterscheiden soll. Doch scheint die Gattung mit Cros-
sodactylus vollkommen identisch zu sein, obgleich den
genannten Autoren das oben erwähnte Exemplar des C.
Gaudichaudii aus dem Berliner zool. Museum zur Ver-
gleichung vorgelegen hat und von ihnen für einen ächten
Laubfrosch erklärt worden ist. Eigenthümlich ist nur für
T. trachjstomus die Bewaffnung dei' Oberlippe mit zahl-
leichen kleinen Hornspitzen, wovon ich an den drei mir
vorliegenden Exemplaren des Crossodactylus Gaudichaudii
keine Spur vorgefunden habe. Vielleicht sind sie auch
nur eine sexuelle Bildung, die mit der Fortpflanzung zu-
sammen hängt.
Hf/lodes abbreviatus (Hyla abbreviata Spix 1. c. p. 17.
Tab. XL flg. 4. Ololygon abbreviatus Steindachner *) No-
vara Exped. Zool. Bd. L x\mphibien. Wien 1867. p. 65.
Tab. IV. flg. 16).
Fünf erwachsene Exemplare eines Frosches, die
ich in den Spalten einer flüstern Sandsteinhöhle des Ur-
waldes von Rio-Grande fand, schehien mir zu der oben
1) Da in der von Herrn Fit z in g er mitgetheilten »Ausbeute
der österreichisch. Naturf. u. s. w.« (Sitzungsberichte der Wiener
Akademie Bd. 42. Wien 1861. p. 383 -416) nur die Namen der neuen
Gattungen und Arten ohne jede Diagnose publicirt sind, so ist auf
diese Arbeit hier nicht weiter Rücksicht genommen worden.
152 Hensel:
genannten eigenthümlichen, von Herrn Dr. Steindach-
ner 1. c. beschriebenen und abgebildeten Art zu gehö-
ren. Die flache Gestalt des Thieres, welche aus der ci-
tirten Abbildung bei Stein dachner nicht deutlich zu
erkennen ist, befähigt dasselbe sich in engen Spalten der
Gesteine aufzuhalten, aus denen es nur mit Mühe hervorzu-
holen ist. Die Grundfarbe der Oberseite ist hell blaugrau
mit ganz unregelmässigen schwarzbraunen Flecken, die so
untereinander zusammenhängen, dass die Grundfarbe nur
in kleinen über die ganze Oberseite zerstreuten Flecken
und Punkten zum Vorschein kommt. Beständig ist ein
schmaler Streifen von der Farbe des Grundes, welcher
die beiden Augen und zwar in deren vorderer Hälfte mit
einander verbindet. Die Grundfarbe der Aussenseite der
Extremitäten ist weniger bläulich als die des Rückens
und mehr fleischfarben mit grau, und die Bänder, deren
man auf dem Unterschenkel 4 — f) zählen kann, sind
deutlich braun. Die einfarbige gelbe Unterseite ist ganz
glatt und hat selbst auf der Unterseite der Oberschenkel
nur wenig entwickelte Warzen. Das deutlich sichtbare
Trommelfell ist fast genau so gross wie das Auge (nach
Hr. Steindachner 1. c. IY2 — IVöü^al so gross). Die
Spitzen der Finger und Zehen, welche jeder SchM-immhaut
entbehren, sind kolbig angeschw^ollen, etwas flach und quer
abgestutzt, doch sind keine Haftscheiben deutlich entwik-
kelt. Am Tarsus linden sich zwei Höcker, ein innerer,
der lang und schmal ist und ein äusserer, nur klein und
rundlich- Auch die Höcker unter den Gelenken der
Zehen zeichnen sich durch verhältnissmässige Schmal-
heit aus. Die Männchen besitzen auf c]er Innenseite
des Metacarpus des ersten Fingers einen Haufen kleiner
spitzer Stacheln von schwarzer Farbe , ebenso auf der
Oberseite des Gelenkes zwischen Metacarpus und erster
Phalange, einige Dornen auch auf der Oberseite dieser
letzteren, gegen das Ende hin ; auf der Oberseite des zwei-
ten Fingers zählt man sieben Dornen, und selbst auf der
Oberseite des dritten Fingers, etwas mehr nach der In-
nenseite zu, zählt man noch 1 — 3 Dornen. Die Gaumen-
zähne liegen in zwei Gruppen zwischen den grossen Choa-
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 153
nen ; sie beginnen spitz fast in gleicher Linie mit dem
Vorderrande derselben, convergiren nach hinten^ indem sie
immer breiter werden und enden dicht hinter einer Li-
nie, welche den Hinterrand beider Choanen verbindet,
nur durch einen schmalen Zwischenraum von einander
getrennt. Die Zunge, welche vorn fast so breit ist wie
hinten, ist hier nicht ausgeschnitten. Die Querfortsätze
des Kreuzbeins sind etwas verbreitert, ungefähr wie bei
Hyla arborea. Das grösste Individuum, ein Weibchen,
Ist 49 Mm. lang. Durch Herrn Dr. Stein dachner ist
1. c. p. 64 eine Diagnose der Gattung Ololygon mitge-
theilt worden, doch ergiebt sich aus derselben nicht die
Nothwendigkeit einer Trennung dieser Gattung von Hv-
iodes , daher dieser letztere Gattungsname beibehalten
wurde. Der Hylodes abbreviatus würde innerhalb dieser
Gattung zur Gruppe Lithodytes Fitz, gehören und scheint
auch im Habitus die grösste Aehnlichkeit mit Hylodes
lineatus Dum. Bibr. (Rana lineata Schneid.) zu besitzen,
der von Herrn Cope (Proc. Philad. Soc. 1863. p. 153)
gleichfalls zu dieser Gruppe gestellt worden ist. Ob die
Species mit Recht auf die Hvla abbreviata Spix l. c. zu-
rückgeführt werden muss, wie Herr Dr. Steindachner
sec. Fitzinger angenommen hat, und worin ich ihm
gefolgt bin, wird sich erst durch eine Vergleichung der
Originalexemplare dieser Art im Museum zu München
ermitteln lassen. Der Bau und die Lebensweise der Lar-
ven ist sehr eigenthümlich. Diese sind nämlich ganz
flach und ihr glatter Bauch stellt eine Art Saugscheibe
vor, so dass sie im Stande sind, auch vor dem Erscheinen
der Beine sich mit grosser Schnelligkeit an vollständig
senkrechten Felswänden auf und nieder zu bewegen, so-
bald diese nur von einer dünnen Schicht Wasser bespült
werden. Dieser Lebensweise gemäss ist auch im Uebri-
gen der Bau des Körpers eingerichtet. Der Schwanz, un-
gefähr doppelt so lang als der Körper, ist in seiner vor-
deren Hälfte nicht seitlich zusammengedrückt, sondern so
breit wie hoch, nur in der hinteren Hälfte w^ird er etwas
schmäler und trägt erst im Enddrittel einen schwach ent-
wickelten Flossensaum. An der Unterseite der beiden
154 He n sei:
vorderen Drittel des Schwanzes Ist noch ein Rudiment
des Flossensaumes vorhanden, allein es ist hier ganz flach
und etwas verbreitert, so dass es gewissormassen eine
Sohle bildet, die in der vorderen Hälfte der Unterseite
des Schwanzes sogar in der Mittellinie zu einer Furche
vertieft ist und somit als eine Fortsetzung der grossen
Saugscheibe des Bauches betrachtet werden kann ; dem-
gemäss ist auch die Afterröhre nicht cylindrisch wie bei
den Larven unserer Frösche , sondern abgeplattet, and
ihre Oeffnung nicht kreisrund, sondern ein querer Spalt.
Die Mundöffnung ist verhältnissmässig sehr gross mit stark
entwickelten Lippen, mittelst deren sich die Larven wahr-
scheinlich auch an senkrechten Flächen festhalten können.
Junge Thiere von 9 Mm. Länge haben schon ihre Um-
wandlung vollendet oder zeigen noch ein kleines Rudi-
ment des Schwanzes. Die Larven sind auf der Unter-
seite einfarbig gelblich, auf der hellgrauen Oberseite dun-
kelgrau marmorirt , so dass sie nur mit Mühe an den
grauen Felsw^inden entdeckt werden könuen. Nach Voll-
endung der Metamorphose wird die ganze Oberseite
dunkler, doch kann man bei 14 Mm. langen Exemplaren
schon die Zeichnung der Alten erkennen, nur ist jetzt
die Kehle grau mit weisslichen Punkten, diese letzteren
verschwinden wieder, so dass sie sich bei 25 Mm. langen
Exemplaren nur noch am Unterkiefer finden.
Hyla mesophaea ^) nov. sp.
Der Rücken in seiner ganzen Breite rothbraun, die
Farbe vorn und an den Seiten scharf abgesetzt, am After
ohne bestimmte Grenze in die Farbe der Hinterbeine
übergehend. Die Grenze dieses grossen Rückenfleckes
ist auf dem Scheitel eine grade Querlinie, die ungefähr
der Mitte der Augen entspricht, die beiden Vorderecken
des Fleckes erstrecken sich jedoch nicht auf die ober n
Augenlieder, sondern liegen nach innen von diesen. Das
ganze Gesicht so wie der übrige Theil des Kopfes ist
hell aschgrau, ebenso ein breites Band, welches auf' der
1) fAiaog-(f)(u6g.
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 155
(Irenze zwischen Rücken und Seiten den ganzen Riicken-
fieck einfasst und oberhalb des Trommelfelles aus der
Farbe des ganzen Gesichtes seinen Ursprung nimmt. An
der Hinterseite des Trommelfelles beginnt ein graubrau-
ner Fleck, der über die Schulter weg sich über die Sei-
ten dos Rumpfes hinzieht, nach dem Bauche zu heller
wird und ohne scharfe Grenze in die Farbe des Bauches
übergeht. Die ganze Aussen- und Oberseite aller Extre-
mitäten ist einfarbig bräunlichgrau, etwas heller als der
Rücken, ohne jede Spur von Bändern oder Flecken. Die
ganze Unterseite ist einfarbig hell gelblichgrau.
Die warzige sammetartige Haut, aus der sich jedoch
keine besonderen Höcker erheben, erinnert an Hyla ve-
nulosa (Rana venulosa Laur.), mit der die Species auch
durch die Gestalt des Kopfes zunächst verwandt ist, doch
ist die ganze Gestalt des Thieres .schlanker als bei die-
ser Species und gleicht z. B. eher der der Hyla prasina
Burm. Das deutlich sichtbare Trommelfell ist kleiner
als das Auge. Alle Haftscheiben sind stark entwickelt.
Die Finger sind zw^ar frei, doch findet sich zwischen den
drei äusseren Fingern eine Bindehaut, die zwischen dem
dritten und vierten Finger etwas entw^ickelter ist als
zw^ischen jenem und dem zweiten. Die ganze Ober- und
Innenseite des Daumenmetacarpus ist von einer gelblich-
braunen Anschwellung eingenommen, so dass das vorlie-
gende Individuum, dessen Geschlechtstheile nicht unter-
sucht wurden, wohl als männlich zu betrachten ist. Selbst
auf dem Metacarpus des zweiten Fingers findet sich noch,
gewissermassen als eine Fortsetzung jener Anschwellung,
ein kleiner gelblicher Fleck. Die Schwimmhäute der
Zehen sind gut entwickelt , und obgleich an der vierten
Zehe die Haftscheibe und die vorhergehende Phalange
frei hervorragen, so lässt sieh doch hier, wde an allen Ze-
hen, namentlich von der Sohle aus gesehen, die Schwimm-
haut als schmaler, etwas verdickter Hautsaum bis an die
Haftscheibe verfolgen, wo er als äusserer Rand ihrer
Dorsalfläehe auftritt. Am Tarsus findet sich nur ein
Höcker am Innenrande, der jedoch ganz an diesen ge-
rückt, auffallend lang und schmal ist, seine Länge ist
156 Hensel:
gleich dem Querdurchmesser der Haftscheibe des zweiten
Fingers, seine Breite etwas kleiner als die Hälfte der Länge,
doch ragt der Höcker nur wenig hervor und ist durch
einen dicken Hautsaum mit der ersten Zehe verbunden,
an deren Innenrande dieser bis nach der Haftscheibe ver-
läuft. Die Iris ist dunkelblaugrau mit silberfarbenen
Flecken. Die starken Gaumenzähne stehen in zwei ziem-
lich kurzen Reihen, sechs bis sieben auf jeder Seite, zwi-
schen den Hinderrändern der Choanen. Die Reihen sind
wenig gebogen, die concave Seite nach hinten und con-
vergiren ^twas nach vorn. Wie man sieht, ist die Ver-
wandtschaft mit der Hyla venulosa (H. zonata Spix 1. c.
p. 17. Tab. XII. fig. 1 ) nicht zu verkennen, doch ist zu
bemerken, dass das hiesige zoologische Museum ein von
Sel^lo in Brasilien gesammeltes Exemplar (Cat. Rept.
3112) besitzt, welches, obgleich schon etwas verbleicht, in
Zeichnung, Farbe und Grösse so genau mit dem beschrie-
nen übereinstimmt, dass der Gedanke an eine eigethüm-
lich gefärbte Farbenvarictät aufgegeben werden muss.
Dem betreffenden Exemplare des Berliner Museums fehlt
die Anschwellung am Metacarpus des Daumens, so dass
es wohl als weiblich zu betrachten ist. In der Färbung
und Zeichnung ähnelt die Species sehr der Hyla palliata
Cope (Proc. Acad. Philadelph. 1863 (1864) p. 47) von Pa-
raguay, unterscheidet sich aber von ihr leicht durch die
Grösse des Trommelfelles, die unterbrochene Reihe der
Gaumenzähne, die concave Zügelgegend u. s. w.
Hyla maxima (Rana maxima Laur. Syn.Rept. p. 32.
H. faber M. z. Wied. Abbild, u. s. w. Hg. 1, 2).
Zwei Larven und ein Individuum nach s('hon vollen
deter Metamorphose, die zusammen in einer ausgetrockne-
ten Pfütze unter Holz gefunden wurden , scheinen mir
ihrer Grösse und Farbe wegen der genannten Species
anzugehören. Die beiden Larven, deren grössere 34 Mm.
lang ist, besitzen noch ansehnliche Rudimente des Schwan-
zes. Ihre Farbe war gelblichgrau, ist aber durch den
Spiritus etwas bläulich geworden, die ganze Oberseite
des Körpers ziemlich einfarbig, nur auf dem Schwanzru-
Beiträge zur Keiintniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 157
dimente sieht man dunklere Punkte. Beide besitzen an
der Innenseite des Metacarpus des Daumens einen kleinen
weichen Höcker, der sie wohl als männlich charakterisirt.
Das junge bereits entwickelte Exemplar ist 30 Mm. lang,
die Oberseite von heller Lehmfarbe, hat einige verwach-
sene, etwas dunklere Flecke, eine schwärzliche Median-
linie, die an der Schnauzenspitze beginnt und in der Mitte
des Kückens endet. An den Seiten des Rumpfes sieht
man einige graue Punkte. An der Aussenseite aller Ex-
tremitäten sieht man dunklere grüngelbe Bänder, deren
auf dem Unterschenkel deutlich sieben zu zählen sind.
Obgleich die Mundspalte schon ausgebildet ist und die
Gaumenhöcker sichtbar sind, so lassen sich mit der Lupe
noch keine Zähne darauf erkennen. Das Trommelfell ist
noch niclit sichtbar.
Hyla Vautieri. Zoolog, of the voyage of Beagle.
Part V. Bell, Reptil. London 1843. p. 45. PI. XIX. %. 3.
21 erwachsene Individuen dieser Species, die sämmt-
lich in den Höhlungen und Spalten alter Zaunpfähle auf
einer Colonie im Urwalde von Rio - Grande gefangen
wurden, lassen erkennen, wie weit die Merkmale dieser
Art variabel sind. Die Grundfarbe der Oberseite wech-
selt vom sepiabraun durch braungelb bis hell gelblich-
grau mit dunkelbraunen bis dunkelbraungrauen Flecken.
Unter diesen sind constant , ein dreieckiger Fleck zwi-
schen den Augen mit der Spitze nach hinten gerichtet,
zwei mehr oder weniger halbmondförmige Flecke in der
Gegend der Schulterblätter mit der concaven Seite nach
aussen gekehrt, und zwei ähnliche aber unregelmässigere
Flecke in der Gegend des Kreuzbeins. Bei den meisten
Individuen finden sich noch andere kleinere Flecke ohne
Ordnung über den ganzen Rücken zerstreut vor. Auf
der Aussenseite des Unterarmes kann man zwei Binden
von der Farbe der Rückenflecke unterscheiden, deren
untere jedoch meist schon auf dem Carpus sitzt, auf dem
Unterschenkel sieht man deren drei. Die warzige Un-
terseite ist schmutzig gelblichweiss, nur die ganze Kehle
oder die Gegend des Unterkiefers ist fein grau marmorirt.
158 Hensel:
Die Seiten des Rumpfes so wie die Hiiiterseite der Ober-
schenkel ist häufig braun und gelblichweiss gefleckt. Zu-
weilen sind die Bänder der Oberschenkel in braune und
weissgelbe Flecken aufgelöst. Bei einigen Individuen ist
die ganze Oberseite des Körper mit hellgelben Punkten
bedeckt. Die Männchen besitzen einen einfachen grossen
Kehlsack und auf der Oberseite des Daumenmetacarpus
einen grossen, rauhen Fleck von gelblicher Farbe. Die
Querfortsätze des Kreuzbeins sind schmäler als bei Hyla
arborea. Die Stimme ist ein lautes Quarren, welches
namentlich während eines Regens aus den Spalten der
Mauern und Zaunpfählc hervortönt. Auf Pflanzen habe
ich diese ^Art nie angetrotfeu. Das grösste Exemplar,,
ein Weibchen, ist 42 Mm. lang. Bei jungen Thieren, die
zuweilen schon bei einer Länge von 12 Mm. ihre Meta-
morphose vollendet haben, sind die Zeichnungen des
Rückens nicht so deutlich wie bei den alten und nicht
selten in eine feine Marmorirung aufgelöst.
Hyla rubicundula Rhdt. et Ltk. 1. c. p. ö7.
Drei Exemplare dieser Species wurden in der Nähe
von Porto Alegre gesammelt. Sie sind auf der Ober-
seite fleischfarben in verschiedener Schattirung, und zwar
ist das erste derselben bräunlichfleischfarben mit einigen
verwaschenen grauen, wenig abstechenden Flecken, das
zweite reiner fleischfarben (durch den Spiritus etwas gelb-
lich) mit einer Menge ganz feiner, grauer Punkte, das
dritte ganz einfarbig blass fleischfarben. Bei allen be-
ginnt am Nasenloch ein brauner Streifen, der immer brei-
ter werdend bis an das Auge geht und sich hinter die-
sem als braunes Band an den Seiten des Rumpfes hin-
zieht und zwar bei den dunkelsten Individuen fast bis
gegen die Schenkelbeuge zu verfolgen ist, bei den an-
deren dagegen schon früher aufhört. Dieses Band ist
nicht gleichfarbig, sondern der obere und untere Rand
sind dunkler, die Mitte heller. Von aussen, oben und
unten wird das Band von einem schmalen, weissen Saum
umgeben. Das undeutlich sichtbare Trommelfell liegt
innerhalb des Bandes. Das zweite der beschriebenen
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 159
Exemplare hat die grösste Aehnlichkeit mit der Hyla
rhodopepla Günth. Catal. Batrach. sal. p. 112. Plt. VlI.
iig*. E; lind ich würde es unbedenklich zu dieser Art ge-
zählt haben, wenn nicht die Verhältnisse der Schwimm-
häute andere wären. Bei derH. rhodopepla (I.e. p. 112)
erstrecken sie sich nämlich über ein Drittel der Finger
und sind an den Zehen vollständig, während bei den
von mir beschriebenen Exemplaren die Finger frei, die
Zehen aber nur zur Hälfte mit Schwimmhäuten versehen
sind, da sich die H. rubicundula von H. rhodopepla (Rhdt.
et Ltk. 1. c. p. 58) durch ein ähnliches Verhalten un-
terscheidet, so dürften wohl die drei oben beschriebenen
Exemplare jener Species zuzuzählen sein. Das grösste
derselben hat eine Länge von 23 Mm. Die Thiere leben
(ausser der Paarungszeit) in grosser Anzahl auf Hecken
oder den grossblättrigen Pflanzen, welche die Sümpfe
an den Flussufern erfüllen. Bei trockner Witterung sind
sie stumm, aber sobald die ersten Regentropfen fallen,
erheben sie ihre feine Stimme, die etwa an den Ton eines
kleinen Glöckchens erinnert.
Hyla hracteator nov. sp.
Die Oberseite ist gelblich lehmfarben (in Spiritus
gelblichgrau) mit etwas dunkleren bräunlichgrauen un-
regelmässigen Flecken. Bei dunkleren Individuen verflies-
sen diese Flecke mit einander, so dass die dann braun-
gelbe Grundfarbe nur an einzelnen Stellen zum Vorschein
kommt. Von dem Nasenloch zieht sich ein schmaler brau-
ner Streifen nach dem Auge, von diesem ein breites dun-
kelbraunes Band nach den Seiten des Rumpfes bis gegen
• dessen Mitte hin, dahinter bis zur Schenkelbeuge Flecke
von gleicher Farbe auf hellem Grunde. Auf der Ober-
seite des Bandes vom Auge an ein weisser oder gelbli-
cher Saum, ebenso auf seiner Unterseite, doch hier un-
deutlich schon von der Schnauzenspitze an, deutlich nach
dem Mundwinkel hin und bis zur Schulter sich erstrek-
kend. Die Aussenseite der Extremitäten wie die Ober-
seite des Rückens gefärbt, an den Armen mit kleinen
undeutlichen Flecken, an den Beinen mit Querbändern,
160 Heusei:
die jedoch nicht immer deutlich ausgebildet sind. Vor-
der- und Hinterseite des Oberschenkels, der Unterschen-
kel, so weit er sich an den Oberschenkel, und der Fuss,
so weit er sich an den Unterschenkel anlegt, mit schwarz-
braunen Flecken, die warzige Unterseite des Thieres ein-
farbig gelb bis gelblichgrau, die Analfalte gelblich. Die
Zunge stumpf herzförmig, an der Hinterseite fast ganz-
randig. Die Gaumenzähne in zwei kleinen nahe anein-
anderstehenden Gruppen oder kurzen Reihen zwischen
den Hinterrändern der kleinen Clioanen und fast schon
hinter diesen. Das deutlich sichtbare Trommelfell klein;
sein Durchmesser halb so gross wie der des Auges. Die
Haftscheiben massig entwickelt, wie bei Hyla arborea.
Die Finger frei, nur zwischen den drei äusseren eine
Bindehaut. Die Schwimmhaut der Zehen nur halb ent-
wickelt. Die vierte Zehe ragt mit den llaftscheiben und den
beiden vorhergehenden Phalangen aus ihr hervor, die übri-
gen Zehen liegen vollständiger in der Schwimmhaut. Am
Innenrande des Tarsus ein schmaler Höcker. Die Männ-
chen besitzen einen sehr grossen gelblichgrauen Kehlsack,
dessen Kehltheil mit grösseren Warzen versehen ist, als
der Bauch. Nach den Aesten des Unterkiefers zu ver-
dünnt sich die Haut des Kehlsackes, wird glatt und bil-
det jederseits nach dem Mundwinkel hin einen etwas
herabhängenden Beutel. Auch haben sie an der Innen-
seite des Daumenmetacarpus nahe seinem unteren Ende
einen Höcker mit einem hellen Dorn. Die Querfortsätze
des Kreuzbeins sehr breit mit einem halbmondförmigen
Aussenrande. Fünf erwachsene Männchen und drei Weib
chen wurden im Urwalde der Provinz Rio-Giande ge-
sammelt. Die ersteren halten sich zur Paarungszeit im
Winter auf den breiten Blättern der Wasserpflanzen auf
und besitzen eine metallische Stimme, welche genau dem
Tone gleicht, der durch ^^chlagen mit einem Hammer
auf Blech hervorgebracht wird, daher sie auch von den
Colonisten als Blechschmiede bezeichnet werden. Doch
auch die Weibchen, welche im Sommer aus den Spalten
alter Zaunpfähle hervorgeholt wurden, hatten eine schwa-
che Stimme, die fast wie „klick, klick, klingt klang, und
Beiträge zur Kenntniss der Wirbelthiere Südbrasiliens. 161
immer bei Beginn eines Regens gehört wurde. Das
grösste der Männchen hat eine Länge von 49 Mm., das
grösste Weibchen ist 48 Mm. lang.
Ich würde diese Species für Hyla nasica Cope (Proc.
Philadelph. 1862. (1863) p. 354) gehalten haben, doch ist
(nach Cope) bei dieser Art die Zunge elliptisch, die
Kehlgegend „faintly areolated,^ und ihre Gaiimenzähne
stehen „weiter nach vorn als bei H. Vantieri," während
bei unserer Art in allen Fällen die Gaumenzähne sehr
deutlich weiter nach hinten zu stehen.
Ausserdem wurde noch von mir in der Nähe von
Porto Alegre ein Exemplar eines Frosches gesammelt,
das jedoch, da es todt auf einem Wege gefunden
wurde, nicht hinreichend gut erhalten ist, um seine sy-
stematische Stellung zu ermitteln. Besonders sind die
Spitzen der Finger und Zehen durch Vertrocknen sehr
zusammengeschrumpft, so dass sich nicht entscheiden
lässt, ob das fragliche Individuum ein Cystignathus oder
Hylodes ist. Fast scheint es, als seien die Spitzen der
Finger und Zehen angeschwollen gewesen, ohne jedoch
eigentliche Haftscheiben zu bilden, etwa wie bei Cysti-
gnathus Missiessii Eyd. et Soul. ^), der übrigens auch ein
Hylodes sein kann. Die Oberseite ist bräunlich (vielleicht
durch die schlechte Erhaltung) ; auf der Aussenseite der
Hinterbeine, besonders auf dem Oberschenkel sieht man
undeutliche Binden. Die ganze Unterseite ist einfarbig,
schmutzigweiss, nur an der Kehle mit graubraunen Punk-
ten. Der Unterkiefer bräunlich mit kleinen weissen Flek-
ken. Das deutlich sichtbare Trommelfell klein , sein
Durchmesser kleiner als der halbe Durchmesser des Au-
ges. Die Gaunienzähne in zwei nach hinten coavergiren-
den Reihen weit hinter den kleinen Choanen ; die Zunge
herzförmig, hinten nur seicht eingebuchtet. Die Quer-
fortsätze des Kreuzbeins dünn, cvlindrlsch. Alle Finger
frei, ebenso, die Zehen, doch bei letzteren eine deutliche
1) Voyage de la ßonite Zool. Tom. I. Paris 1841. p. 148. Atlas,
Rept. PI. 10. fig. 2.
Archiv f. Naturg. XXXUI. Jahrg. 1. Bd. H
1()2 Heil Bei: Beiträge zur Keimtii. d. Wirbelthiere Südbrasiliens.
Bindehaut, ausgenommen zwischen der vierten und fünften.
Am Innenrande des Tarsus, dicht an der ersten Zehe ein
längliches Tuberkel. Hinterextremitäten verhältnissmässig
sehr lang. Länge des Kopfes und Rumpfes 32 Mm., der
Hinterbeine 72 Mm.
Siphonops indistincius Rhdt. et Ltk. 1. c. p. 63.
Zahlreiche bei Porto Alegre gesammelte Exemplare
dieser Art stimmen genau mit der von den Herren Rein-
hardt und Lütken 1. c. gegebenen Diagnose: „porus
frenalis inter nares et oculos intermedius; annuli indi-
stincti et incompleti, haud albomarginati." Wenn daher
Herr A. Dumeril ^) von derselben Species nach einem
Exemplare des Pariser Museums angiebt: „fossette fre-
nale intermediaire a roeii'et a la narine dont eile est un
peu plus rapprochee que de l'oeil; plis circulaires et
complets, bordes de blanc,^ so liegt in den beiden Dia-
gnosen ein Widerspruch , der sich wohl nur durch eine
unrichtige Bestimmung erklären lässt ; denn wenn auch
Herr Dumeril glaubt, die Deutlichkeit der Falten an
dem Pariser Exemplare Hesse sich vielleicht dadurch er-
klären , dass dasselbe anfänglich in zu starkem Spiritus
conservirt worden sei , so muss ich dagegen bemerken,
dass alle von mir gesammelten Exemplare gleichfalls
durch zu starken Spiritus erhärtet sind, ohne dass sich
jedoch die Hautfalten über den Rücken verfolgen Hessen.
Das grösste Exemplar, 456 Mm. lang, hat ungefähr 82
Ringe, ein etwas kleineres deren 86. Das kleinste, 158 Mm.
lange Exemplar zeigte keine Spur der KiemenöÖnungen.
1) Memoires de la Soc. imper. des sc. nat. de Cherbourg.
Tom. IX. 1863. p. 318.
lieber
die fflolehe (Salauiaiidrinaj der württembergisclien
Fauna.
Von
Dr. Leydig.
(Hierzu Taf. IV-VI.)
Der Verfasser gegenwärtiger Blätter, seit zehn Jah-
ren in Tübingen wohnhaft, hat während dieser Zeit ne-
ben anderen Stildien auch auf die Fauna des Landes seine
Aufmerksamkeit gerichtet. Er erlaubt sich jetzt dasje-
nige, was ihm der Mittheilung werth erscheint, zu ver-
öffentlichen und macht den Anfang mit den in der üe-
berschrift genannten Batrachiern.
Aus den Arbeiten , welche Verzeichnisse der in
Deutschland vorkommenden Amphibien geben , erfährt
man, dass über die meisten Striche hin der grosse und
der kleine Wassersalamander (Triton cristatus und Tri-
ton taeniatus) verbreitet sind. In vielen Gegenden, be-
sonders von bergigem Charakter, gesellt sich der Berg-
salamander (Triton alpcstris) hinzu. Sehr selten aber,
ja insoweit mir bekannt geworden, bisher nur aus einem
einzigen deutschen Lande, wird auch noch eine vierte
Art aufgeführt, der Triton helveticus Razoum. (Tr. pal-
matus Schneid.).
Was die hiesige Gegend anbetrifft, so sind ebenfalls
seit Langem die drei zuerst genannten Arten als ein-
heimische Formen erkannt und verzeichnet worden. Ich
finde aber zu meiner Freude, dass die Tübinger Gegend
auch die vierte Art, den Triton helveticus Raz. besitzt;
diese interessante Species ist es denn auch, welche ich
einer allgemeineern Beachtung empfehlen wollte.
Da es indessen nicht wohlgethan ist, eine Art rein
abgelöst von den verwandten Formen zu besprechen, so
führe ich bezeichneten Molch in Gesellschaft der übri-
164 Leydio:
gen Famillenglieder vor. Hierbei habe ich mich nicht
auf die Aeusserlichkeiten des Thierköipers beschrankt,
sondern manchfache, den inneren Bau und die Lebens-
erscheinungen betreffende Beobachtungen hinzugefügt und
ich glaube nicht, dass man dies gerade missbiUigen kann.
Aus der Literatur über die Svnonymie sind nur
diejenigen Werke namhaft gemacht, welche ich selbst in
Händen hatte; zu meinem Bedauern konnte ich mir im Au-
genblicke einige Schriften nicht verschaffen. Was mir aber
erreichbar war, habe ich mit Aufmerksamkeit verglichen
und bin dabei vielleicht nach der Ansicht von Manchen all-
zusehr auf Einzelheiten eingegangen. Doch denkt wohl
auch ein oder der andere Leser wie ich, dass nämlich
nicht bloss die unmittelbare Beschäftigung mit der Natur
und das Bemühen ihr etwas abzugewinnen, geistigen Ge-
nuss gewähre ; es sei auch nicht minder anziehend zu
verfolgen, wie sich die Dinge der Natur im Geiste des
Menschen, im Laufe der Zeit, verschiedenartig abgespie-
gelt haben. Insbesondere gilt dies für mich auch be-
züglich der iconographischen Darstellungen ; in ihnen
findet Auffassung und Technik gewisser Zeitabschnitte
einen treuen Ausdruck. Den Aenderungen, Steigerungen
und Rückschritten nachzugehen, kann in gleichem Masse
vergnügen, wie sonst kunstgeschichtliche Studien es thun.
Und wie an Werken der bildenden Kunst die Antheil-
nahme des Beschauers wächst, wenn nicht bloss die Na-
tur einfach nachgebildet, gleichsam abgeschrieben wird,
sondern auch ein Stück der Individualität des Künstlers,
von seiner Art die Natur zu sehen, aus dem Bilde her-
vorblickt, so können auch naturhistorische Zeichnungen
eine ganz besondere Wirkung ausüben und eine nähere
Beleuchtung gar wohl verdienen. — Und endlich, wie eigen
muthen uns die älteren Druckwerke an! Die Scheu, mit
welcher man gerade diese Thiergruppe betrachtete, und
dann wieder der da und dort bemerkbare Zweifel, ob
denn auch die Kenntniss von solchen Geschöpfen wirk-
lich in den Bereich des Wissenswerthen aufzunehmen sei!
Ueber die Molche der württembergischen Fauna, 165
Familie : jSalaniaiidriiia.
Kaltblütige Wirbelthiere, mit nackter, drüsiger
Haut. Habitus gestreckt, mit langem Schwänze und
vier Füssen (eidechsenartig). After eine Längsspalte.
Zun^e festsrewachsen. Zahne im Oberkiefer, Unter-
kiefer und am Gaumen: überall in mehren Reihen
stehend; Krone zweispitzig, Wurzel des Zahns eine
Art SockeL Ohr äusserlich nicht sichtbar. Larven
mit Kiemen: das fertige Thier ohne Kiemen.
Die „Gaiimenzähne'' stehen auf den Vomera Cu-
vier (Palatina bei Rusconi, Bojanus), die hier zugleich die
oft nicht gesondert Torhandcnen Ossa palatina vertreten.
Anscheinend setzen sich die Zahnreihen auch auf das Os
sphenoideum fort, was sich aber anders gestaltet, wenn
man den Schädel bis zum Auseinanderfallen der ihn zu-
sammensetzenden Knochen macerirt. Es zeigt sich dann,
dass es doch nur die Vomera sind, welche die Gaumen-
zähne tragen; dabei aber nach hinten in eine lange, feine
Leiste auslaufen, welche sich dem Basiiartheile des Os
sphenoideum innig anlegt, zuletzt aber, wovon das Ein-
zelne unten, wieder frei abstehen kann.
Die mikroskopische Untersuchung der Zähne über-
haupt, welche ich an unseren Tritonen, Salamandern (und
Fröschen) vornahm, hat mich ferner einige Punkte er-
kennen lassen, welche mir Beachtung zu verdienen schei-
nen. Erstens finde ich , bei Triton und Salamandra
(ebenso bei Rana, Hyla und Bombinator), dass jeder Zahn,
im reinen unverletzten Zustande, in zwei Spitzen endigt,
welche wieder in ihrer Form gew^isse Abänderungen
nach den einzelnen Gattungen darbieten. Zweitens ste-
hen die Zähne nirgends, weder in den Kinnladen, noch
am Gaumen, einreihig, sondern durchaus, also auch an
den Kiefern, in mehreren Reihen.
In keinem Werke der mir zugängigen Literatur
wird der so charakteristischen zweizinkigen Form der
Zahnkrone Erwähnung gethan ; selbst nicht in den Schrif-
166 Leydig:
ten, welche die Zähne näher ins Auge fassen. In der
Abhandlung von Tschudi, Classification der Batra-
chier 1) lieisst es z. B. ausdrücklich: ;,Die Spitze (der
Zähne der Batrachier) ist entweder scharf oder abge-
rundet." Das bekannte Buch Owen's über die Zähne 2)
sagt von den Zähnen des Triton, sie seien ,,sharp-poin-
ted cones."
Und was ihre Anordnung in mehren Reihen be-
trifft, so hat man zwar schon länger bemerkt, dass bei
nordaraerikanischen Salamandern und Tritonen die Zähne
am Gaumen gehäuft stehen, aber bezüglich der Kie-
fer unserer einheimischen Batrachier lassen alle mir be-
kannt gewordenen Abbildungen nur eine Reihe erblicken.
Owen sagt bestimmt: die Zähne seien „arranged in a
Single close-set row;" und Tschudi hebt es als „eine
bedeutende Abweichung" hervor, dass die innere Seite des
Unterkiefers der Gattung Siren von Zähnchen in mehren
Reihen besetzt sei. Später hat auch der Zeichner der Fi-
guren zum Werke von D u m e r i 1 und B i b r o n ^) bei
mehren nordamerikanischen Formen Andeutungen von dop-
pelten Zahnreihen in den Kinnladen gegeben. — Auch an
den Abbildungen, welche Ru sconi undDuges (Anton)
von den Schädeln der Tritonenlarven geliefert haben, sind
deutlich die mehrfachen Zahnreihen am „Vomero-pala-
tin" zu sehen. Doch meint der Letztgenannte, dass diese
Zahnreihen im erwachsenen Thier „se reduisent en une
seule rangee."
Mir hat sich herausgestellt, dass bei unsern einhei-
mischen Schwanzlurchen nicht bloss die Gaumenzähne
gehäuft stehen, sondern dass auch die Zähne der Kinn-
laden in mehr e n Reihen, zum mindesten zweizeilig, sich
folgen. Und es sei gleich einstweilen gesagt, dass ich bei
unsern Fröschen (Rana, Hyla, Bombinator) für die obere
Kinnlade dasselbe finde. Mit dieser Beobachtung ist zu
1) Memoires de la Societe des sciences naturelles de Neuchatel,
Tom. 11. 1839.
2) Odontography, 1840—45.
3) Eipetologie, PI. 101. Plethodou, Bolitoglossus.
Ueber die Molche der württeinbergischeii Fauna. 167
den Charakteren, welche die Verwandtschaft der Amphi-
bien mit den Fischen darthun, ein neues Glied gekom-
men; denn während man sich früher darauf beschränken
musste, das „Fischartige'^ im Zahnsystem der Batrachier
in den Gaumenzähnen zu finden, zeigt sich jetzt, dass
auch die ßezähnung der Kinnladen, insofern sie mehr-
zeilig ist, an diejenige der Fische erinnert.
Ein weiterer allgemeiner Charakter der von mir un-
tersuchten einheimischen Amphibien ist ferner, dass die
Zähne immer derart im Epithel der Mundhöhle vergra-
ben sind, dass nur die Spitze der Zahnkrone frei hervor-
ragt, die kleineren Zähne aber völlig vom Epithel verhüllt
bleiben. Selbstverständlich kann man , um sich hievon
zu überzeugen, nur frische Thiere zur Hand nehmen.
Endlich sei schon jetzt der Entwickelung des
Zahnes im Umrisse gedacht. Nach eigenen früheren Beob-
achtungen ^) schien es mir, als ob die Zähne unserer Ba-
trachier nicht in Zahnsäckchen entstünden, sondern als
frei unter dem Epithelüberzug verkalkende Papillen. Die
Wiederaufnahme dieser Studien zeigt mir indessen, dass
die Entwickelung auch der Zähne der Batrachier nahe
heran an die Weise geht, welche in neuerer Zeit von den
Zähnen der Säugethiere nachgewiesen wurde. Ich sehe
nämlich 1) dass der Zahn, genauer gesagt, die Zahnkrone,
in Säckchen ihren Ursprung nimmt ; 2) dass dieses Zahn-
säckchen eine reine Epithelbildung ist; 3) dass auch die
Zahnpapille in ihren Anfängen ein epithelialer Zapfen
ist; 4) dass die Zahnsubstanz als verkalkende Cuticular-
bildung entsteht und endlich 5) dass erst später die Zahn-
krone mit verkalkenden Theilen der Lederhaut der Mu-
cosa und des darunter folgenden Knochens in Verbin-
dung tritt. Die Einzelheiten, welche sich auf die Form,
den Bau und die Entwickelung der Zähne beziehen, werde
ich bei Besprechung der Gattungen vorlegen.
Es gehören die Molche zu jenen Thieren, welche in
1) Histologie S. 30o. S. 328.
168 Leydig
unseren Breitegraden gleich den übrigen Amphibien und
Reptilien nur in der guten Jahreszeit sich zeigen; den
Winter aber, zurückgezogen in schützende Verstecke, in
einer Art Scheintodt hinbringen ^). Nur die Larven der
Wassersalamander können unter günstigen Umständen,
im nicht zugefricrenden Wasser, und indem sie ihre letzte
Metamorphose aufschieben, au^jh über Winter im wachem
Zustande getroffen werden.
I. Gattung: Triton, Laurenti. (Wassermolch).
Habitus schlank. Sch^vanz seitlich zu-
sammengedrückt, flössen- oder sc hwerdt för-
mig; im Frühjahr mit Hautkamm, der sich auf
die Rückenfirste fortsetzen kann. Ohne Drü-
senwulst in der Ohrgegend und (fürs freie
Auge) ohne Drüsen reihe längs des Körpers.
Füsse dünn, vorne mit «vier, hinten mit fünf
Zehen; in der Sohle zwei kleine Ballen, stär-
ker an den Hinter- als an den V o r d erfüsse n.
1) Es iüteressirt vielleicht manchen Leser die Bemerkung,
dass dieses Abtreten der Amphibien und Reptilien vom Schauplatz
während der kalten Monate selbst in Südeuropa im Wesentlichen
sich eben so verhält, w^ie bei uns in Deutschland, Während eines
Winteraufenthaltcs in Cagliari, auf der Insel Sardinien, südlicher
als Neapel, war ich nicht wenig erstaunt, von der so merkwürdigen
Reptilienfauna dieses Landes gar nichts auffinden zu können. Ich
bekam weder den »Tiligugu« (Scincus ocellatus Forsk.) noch den
Discoglossus sardus T^chud. (Rana sardoa Gene) oder den Euproctus
Rusconii Gene, welch' letzterer freilich überhaupt nur dem nördli-
chen und mittleren Theil der Insel angehört, noch irgend eine an-
dere der gesuchten Arten lebend zu Gesicht; das einzige Reptil,
welches keinen Winterschlaf hielt und an sonnigen Tagen zum Vor-
schein kam, war die »Caliscertula« (Podarcis muralis Wagl ), von
welcher schon Cetti, Anfibi di Sardegna, Sassari 1777, sagt: ». . .
ne si asconde nel verno, se non accadendo giornate aspre e tristi.«
Und dass diese Eidechse w^ohl allgemein hierin eine Ausnahme von
ihren Verwandten zu machen scheint, ergiebt sich auch aus den so
sorgfältigen Mittheilungen Duges' (Anton) über die Lacerten von
Südfrankreich (Ann. d. sc. nat, XVI.) ; auch dort zeigt sich Podar-
cis muralia den ganzen Winter hindurch bei heiterem Wetter.
lieber die Molche der württembergischen Fauna. 169
Iris metallisch gelb. Zähne mit Sockel, dünn,
die zwei Zinken der Krone sehr fein zuge-
spitzt. Die Gaumenzähne als Ganzes zwei
gerade (nicht gebogene) Streifen bildend.
Im Frühjahre, während der Zeit der Fortpflanzung,
ist der Aufenthaltsort der Tritonen das Wasser,
allwo sie behend und in schönen Bewegungen schwim-
men. „In aqua eleganter agilis" sagt schon Laurenti.
Später lassen sie sich auf dem Lande finden, an feuchten
Stellen, verborgen unter Steinen, Baumwurzeln, zwischen
Rinde und Holz alter Stöcke und wie ich mit Andern
wiederholt beobachtet, mitunter stundenweit von allem
Wasser entfernt. An Regentagen, namentlich gegen
Abend, begegnete ich ihnen hin und wieder auf Wald-
wegen, wohl auch sehr früh Morgens, wobei sich die
meisten etwas imbehülflich fortbewegen; nur der Triton
alpestris benimmt sich auch auf dem Lande sehr rasch.
Manche Autoren führen als charakteristisch an: „Die
Tritonen leben beständig im Wasser,'^ was nach dem Vor-
anstehenden nicht ganz genau ist. Das fertige Thier
sucht dieses Element zur Verrichtung des Fortpflanzungs-
geschäftes auf; nach Beendigung desselben bleiben zw^ar
viele Thiere, Männchen wie Weibchen im Wasser, bis
zum Herbst, andere indessen verlassen dasselbe und wer-
den zu Landthieren so gut, wie die Erdsalamander. Dies
ist namentlich, wie wohl Viele wissen, der Fall mit dem
Weibchen von Triton taeniatus, das regelmässig später
aufs Trockne geht.
Unter Umständen scheinen die Wassermolche selbst
sehr lange ohne Wasseraufenthalt existiren zu können.
Ich habe mehr als einmal beobachtet, dass Tümpel, in
denen sie zahlreich anzutreffen waren, durch warme
Sommer völlig austrockneten und mehre Jahre ohne alles
Wasser blieben. Es betrifft zum Theil ganz vereinzelt
liegende Pfützen, z. B. in einem Steinbruche auf einem
Berge, wo weit und breit kein anderes Wasser ist, das
die Thiere hätten aufsuchen können. Nicht ohne Stau-
nen sah ich dann, dass wenn nach Verfluss so langer
Zeit bei einem eintretenden regnerischen März die Tum-
170 Leydig:
pel sich von neuem füllten , auch die Tritonen wieder
da waren.
Die Nahrung besteht in Insecten , Krebsthieren,
Würmern, Schnecken. In der Gefangenschaft lassen sie
sich am bequemsten lange Zeit mit Regenwürmern er-
halten, wobei sie jedoch eine Art, welche in der Nähe
der Mistbeete häufig ist (^Lumbricus olidus Hoffm. ?), nur
ungern zu sich nehmen. — Auch die Larven sind, ent-
gegen der allgemein verbreiteten Angabe, dass sie phy-
tophag seien, nach meiner Erfahrung, ebenfalls carnivor;
sie lieben am meisten die kleinen Krebsthiere (Entomo-
straceen), und zwar nicht bloss etwa erst in späterer
Zeit, nachdem sie vierbeinig geworden, sondern schon
die ganz kleinen, eben erst aus dem Ei gesehlüpften
Thierchen nehmen ausschliesslich animalische Kost zu
sich. Ich habe viele Individuen, welche ich aus Eiern
erzog, unter das Mikroskop gebracht und der Darm zeigte
sich immer mit Lynceiden, Daphniden, Cypriden vollge-
stopft 1).
1) Ich möchte bei dieser Gelegenheit gleich bemerken, dass
die bisher geltende Meinung, die Larven der Frösche und Kröten
seien Pflanzenfresser und würden erst nach der Metamorphose
Fleischfresser, zum mindesten nicht allgemein richtig, vielleicht aber
überhaupt nicht richtig ist. Von der Larve des Bombinator igneus z. B.
kann ich mit Bestimmtheit sagen, dass sie nicht phytophag ist. Zu
Hause im Glase gehalten und obschon mit Wasserlinsen und andern
Pflanzen versehen, frassen die stärkern, noch völlig fusslosen, Lar-
ven die schwächeren vor meinen Augen auf. Noch lieber bewältig-
ten sie zarte Larven von Tritonen. Ich reichte ihnen Stücke zer-
schnittener Regenwürmer und sah wie sie eifrig davon das Weichste
sich abnagten. Es gab mir früher oftmals zu denken, wie die Brut
von Bombinator selbst in Pfützen von trübem Wasser und ohne
allen Pflanzenbesatz, mitten auf Wegen, gleichwohl gut heran-
wuchs. Die mikroskopische Untersuchung des Darminhalts löst das
Räthsel. Die Larven nähren sich, indem sie, gleich den Regen-
würmern, ihren Darm ununterbrochen mit Schlammerde füllen und
damit kleine thierische Wesen, wie Infusorien, Räderthiere, Daphni-
den, aber auch Diatomeen in Menge einschlürfen. Einmal aufmerk-
sam geworden, konnte ich mich auch bei der Larve von Rana escu-
ieuta, welche mir noch zu gleicher Zeit zur Hand war, von dersel-
Ueber die Molche der württembergischeii Fauna. 171
Die Wassersalamander sind schon vor Jahren für
mich Gegenstand manchfacher anatomischer Untersuchung
gewesen^ wobei ich mehre Beiträge zur Kenntniss des
inneren "Baues zu liefern im Stande war. So ist z. B.
durch mich zuerst bekannt geworden, dass im Gekröse
des Darms eine sehr entwickelte glatte Musculatur sich
vorfindet, deren Bündel theilweise schon für das freie
Auge sichtbar sind ^). Dann ist von mir die wahre Glan-
dula Thymus und Glandula thvreoidea zuerst aufgefunden
worden -) ; ferner gab ich Mittheilungen über das Harn-
und Geschlechtssystem ^), so wie auch noch über andere
Organe. Später habe ich mich über die Elemente des
metallisch glänzenden Pigmentes gelegentlich ausgespro-
chen ■*), so wie über das Gewebe des verdickten Schwan-
zes im Frühjahre, namentlich über Eigenthümlichkeiten
der grossen Kerne der Fettzellen ''). In neuerer Zeit habe
ich abermals verschiedene anatomische Studien an diesen
Thieren gepflogen, worüber ich an einem anderen Orte
ben Ernährungsweise überzeugen. Zu den Larven von Bombinator
ins Glas gesetzt, füllten sie ihren Darm ebenso mit der rothen Mer-
gelerde, ohne dass im untersuchten Darminhalt eine Spur von verdau-
ten Wasserlinsen oder andere Pflanzenreste sich fanden. Bei Wein-
geistexemplaren von Hyla, auf den Darminhalt geprüft, war die
Hauptmasse Schlamm, in welchem sich zahlreiche Infusorien, Dia-
tomeen und Algen befanden , indessen hier doch auch einzelne
Pflanzenfragmente, die aber in dem Schlamm schon gerade so gut
gewesen sein konnten, wie die ebenfalls zahlreich mit aufgenomme-
nen Quarzkörner. Alle diese Beobachtungen hatte ich längst ge-
macht, als ich vor Kurzem in der Zeitschrift : Zoologischer Garten,
Frankfurt 1S66. S. 370 auf folgende mir interessante Notiz stiess :
»Die Kaulquappen nähren sich nicht ausschliesslich von Pflanzen,
sondern fressen auch thierische Stoffe, wie Hr. Lloyd und ich(Mö-
bius) hier gesehen haben. Wir trafen neulich eine Larve der
Knoblauchskröte (Pelobates fuscus) beim Benagen eines todten Fisch-
chens an.«
1) Anat, histol. Unters, über Fische und Reptilien, S. 44.
2) A. a. 0. S. 61.
3) A. a. 0. S. 77 und in meiner Histologie.
4) Archiv f. Anat. u. Physiol. 1859. S. 686. Anmerkg.
öj Bau d. thierisch. Körpers S. 14. S. 46.
172 L e y d i g
berichten werde. Hier mögen nur zwei Bemerkungen
eine Stelle finden.
Ich habe gesehen, dass die Kieferdrüse, welche
ich beim Landsalamander imd Frosch entdeckte i), auch
bei Triton zugegen ist. Sie liegt nicht unmittelbar in
der Schnauzenspitze, sondern etwas weiter nach hinten;
ist einfach rundlich-länglich, ohne Lappenbildung.
Die zwei rundlichen S c h w^ i e 1 e n , Sohlenballen, der
Vorder- und Hintcrfüsse bestehen bei näherer Unter-
suchung nur aus Haut, ohne eine innere feste Grundlage,
also ohne knorpeligen Kern. Man unterscheidet daran
bloss die Lederhaut, mit den gewöhnlichen kleinen Haut-
drüsen und die Epidermis, welch' letztere sich kaum ver-
dickt zeigt.
Aus der Gruppe der Lebenserscheinungen
möchte ich besonders auf den auch bei diesen Thieren
vorkommenden Farbenwechsel aufmerksam machen.
Es geben zwar die verschiedensten Beobachter an,
dass die Wassersalamander in ihrer Färbung grosse Ver-
schiedenheiten darbieten; doch ist damit immer nur ge-
meint, dass nach Alter, Geschlecht und individueller Bil-
dung Farbenabänderungen auftreten. Ich finde aber
nirgends bemerkt, dass es auch bei dieser Thiergruppe
bewegliche Farbzellen oder Chromatophoren gebe,
und doch ist dieses, wovon ich mich überzeugt habe,
der Fall.
Die Männchen des Triton alpestris sind bekanntlich
in den ersten Tagen des April im Wasser und bei guter
Beleuchtung von solcher Schönheit der Färbung '^), dass
1) Anat. bist. Unters, über Fische u. Reptilien, S. 36.
2) Das Thier bat in dieser Tracht nicht verfehlt, auf die
verschiedensten Beobachter Eindruck zu machen. Razoumowsky,
der es 1789 im schweizerischen Jura beobachtet hat, spricht von
ihm als einer »Variete tres belle« und bemerkt richtig dazu: »il
faut observer que les couleurs qua nous venons de decrire ne sont
sensibles que dans l'eau.« Mehrere deutsche Forscher ergehen sich
in Lobeserhebungen über »die schöne Farbe;« unterscheiden darnach
üeber die Molche der wiirttembergischen Fauna. 173
man sich angezogen fiihlt^ diesen vorübergehenden Schmuck
auf das Papier zu fixiren. Als ich nun ein solches Thier,
welches mir innerhalb eines geräumigen Aquariums nicht
immer Stand halten wollte, in ein enges Glas versetzte,
um es bequemer abmalen zu können, bemerkte ich nicht
ohne Ueberraschung, dass der jetzt ängstlich sich bewe-
gende Triton von seinem Farbenschmelz, bei ganz glei-
cher Beleuchtung, etwas eingebüsst habe. Die Färbung
war entschieden matter geworden. Als ich dann das
Thierchen wieder in seine frühere geräumige, Wasser-
pflanzen enthaltende, Wohnung gebracht hatte, legte sich
augenscheinlich nach und nach seine Aufregung, und
nach Verlauf von etwa einer halben Stunde war es wie-
der von der gleichen glänzenden Färbung wie bevor es
in das enge Glas gesperrt wurde. Schon diese Beob-
achtung musste mich an ähnliche Erfahrungen beim Laub-
frosch erinnern und an Chromatophoren denken lassen.
Aber ich stiess bald auf noch grelleren Farbenwechsel.
Ich hatte zu Hause im geheizten Zimmer (Anfang
April) ein Pärchen unseres Triton, dessen Männchen auf
dem schönsten Schieferblau des Fiückens keine Spur von
lederbraunen Inselflecken zeigte. Auf der zoologischen
Anstalt hielt ich zu gleicher Zeit gefangene Thiere in
einem ungeheizten Zimmer. (Temperatur im Freien Mit-
tags + 6, -^ 1, + 9, -f 100 K.) Alle diese im kalten
Räume lebenden Thiere hatten ein w^esentlich anderes, sehr
hellfarbiges Aussehen; und was insbesondere die Männ-
chen betraf,, so zeigten sie auf einem lichten Schiefer-
. grau grosse, deutlich abgegrenzte lederbraune Inseln.
Da ich diese, wie ich vermeinte, Farbenvarietät aufs Pa-
pier bringen wollte, Hess ich mir ein solches Pärchen
nach Hause und ins geheizte Zimmer tragen. Aber siehe
da, die Färbung, welche ich mit dem Pinsel festhalten
wollte, hielt nicht Stand. Schon bei der Ankunft nach
dem Transport waren beide Geschlechter etwas dunkler
auch wohl die Art geradezu als den »schönen Wassersalamander.«
BeiPrinz Bonaparte heisst unser Triton: »graziosoBatrachio« und
ähnlich bei Andern.
174 Leydig:
geworden. Beim Weibchen wechselte das lichte Schie-
fergrau in ein dunkles Schieferblau, auf dem aber die
braunen Flecken sich noch abhoben; beim Männchen hin-
gegen waren die Tags vorher so deutlichen lederbraunen
Flecken geradezu verschwunden, die Thiere erschienen
jetzt oben einfach dunkel schieferblau mit feinen schwärz-
lichen Punkten.
Recht auffallend war mir auch der Farbenwechsel
an Triton helveticus, Razoum. Gegen Ende April bei
warmem Wetter , -i- IS*^ R. im Schatten , malte ich ein
Männchen dieser Art, welches, nebenbei gesagt, bei
näherer Besichtigung gar angenehme Farbentöne zeigt,
musste aber meine Arbeit unterbrechen. Tags darauf,
als ich das Bildchen fertig machen wollte, war Südwind
eingetreten und die Luftwärme auf + 22« R. im Schatten
gestiegen; der Triton hatte sich jetzt merklich verändert,
er war um vieles heller geworden, als er Tags zu-
vor war.
Da mancherlei Pigmentstoffe in der Haut zugegen
sind, so wird man fragen dürfen, an welchem Pigment
sich die Bewegungen kundgeben. Vorderhand glaube
ich annehmen zu können, dass, z. B. bei Triton alpestris,
es vorzugsweise das schw^arze oder dunkelkörnige ist,
welches die Contractionsphänomene zeigt. Die Haut-
wird dunkel, wenn diese Pigmentzellen sich stark verä-
stelnd die Fache gewissermassen überspinnen; die Haut
wird hell und die lederbraunen Flecken kommen zum
Vorschein, wenn sich das dunkelkörnige Pigment auf
Punkte zusammenzieht. Die eigentlich contractile Sub-
stanz ist, worauf ich ^) früher zuerst hinwies, der hyaline
Inhalt, d. h. Protoplasma der Bindegewebskörper : „die
Pigmentkörner in diese contractile Substanz eingebettet
folgen natürlich den Bewegungen, ja machen das ganze
Phänomen überhaupt erst sinnenfällig. ^
Aber nicht bloss die mit dunklem Pigmente gefüll-
ten Bindegewebskörper der Lederhaut sind bewegliche
Farbzellen, sondern auch in der Epidermis scheint es
1) Histologie S. 105.
lieber die Molche der württembergischen Fauna. 175
Chromatophoren zu geben. Ich habe schon vor langer
Zeit auf ^verzweigte Pigmentfignren^ aufmerksam ge-
macht ^), welche auch in der Oberhaut der Amphibien
und Reptilien zugegen seien. An Larven von Tritonen
bemerke ich nun, dass diese dunkeln, ästigen Pigment-
zellen , welche mit ihren Ausläufern weit zwischen die
gewöhnlichen Epidermiszellen sich ausbreiten können,
sich andererseits auf eine ganz rundliche Form zurückzu-
ziehen vermögen. Dasselbe sah ich bei den Larven von
Salamandra maculosa und selbst bei erwachsenen Blind-
schleichen und Nattern, wie ich ein andermal im Weite-
ren zu erwähnen haben werde.
Die Zahl der Reptilien und Amphibien ist schon
ziemlich gross, bei welchen man das Vermögen des Far-
benwechsels beobachtet hat. Ausser dem Chamäleon ist
es die ganze Gruppe der sog. dickzüngigen Eidechsen
(z. B. Draco, Calotes), welche im AfFecte die Farbe än-
dern. Noch jüngst theilt Bates in seinem Werke: der
Naturforscher am Amazonenstrome, mit, dass der gemeine
Leguan ebenso stark die Farbe wechsele wie das Cha-
mäleon und daher auch bei den Portugiesen wirklich
Chamäleon heisse. Auch gewisse Ophidia suspecta, wie
Dryinus oxjbelus verfärben sich im Zorn. Bei unseren
einheimischen Batrachiern ist man zuerst am Laubfrosch
und der grünen Kröte, später am Grasfrosch auf dieses
Phänomen aufmerksam geworden. Durch obige Beob-
achtungen ist dargethan, dass die Erscheinung des Far-
benwechsels auch bei den Wassermolchen vorkommt.
Die Verfärbung steht unter dem Einflüsse des Ner-
vensystems und hängt von dessen Stimmung ab. Aufre-
gung, Angst, Schreck, dann höhere oder niedere Tempe-
ratur sind wirkende Momente. Nur unterscheiden sich
die einheimischen Amphibien von denjenigen warmer
Länder darin, dass der Farbenwechsel nicht so lebhaft ist
wie dort, und was insbesondere die Tritonen anbelangt,
so ist mir wahrscheinlich, dass nur ein auf Farben ge-
übtes und achtsames Auge die Unterschiede bemerkt.
1) Histologie S. 97.
176 Leydig:
Die Tritonen geben für gewölinlicli keinen Ton von
sich. Berührt man sie aber etwas rasch und unsanft^ z. B.
indem man sie ans dem Glase fängt, so beurkimden sie
durch einen hellen quäckenden Ton, dass sie nicht
stimmlos sind. Diese Thatsache ist längst bekannt und
konnte auch unmöglich denen entgehen, welche sich mit
lebenden Thieren beschäftigten. Sie wird z. B. vor mehr
als fünfzig Jahren (1802) vonW olf f in Stu r m's Deutsch-
land's Fauna erwähnt. Bruch, welcher jüngst (1864)
schöne Studien über das Leben der Batrachier im Freien
veröffentlichte, glaubte, indem er bloss Handbücher zu
Rathe zog, zuerst erkannt zu haben, dass die Tritonen
nicht stumm seien.
1. Art : Triton crisfaiiis Laur. (Grosser Wasser-
salamander.)
Lacertus aquaticus. G essner, De quadrupedibus ovi-
paris, 1554.
Salamandra aquatilis. C a m c r a r i u s , Symbola et erable-
mata, 1590—1604. Cent. IV, LXX.
Salamandra aquatica s. Batrachon vera. Wurf ba in, Sa-
lamandrologia 1683.
Grosse Salamandre noir. Dufay, Mem. de rAcademie
roy. de scienc Annee 1729.
(? Lacertus africanus. S eba, Locuplet. rerum natural.
thesaurus, T. I. 1734.)
Lacerta palustris. L i n n e, Systcma naturae, 1766.
Triton cristatus , Gessneri, Wurfbainii, carnifex. Lau-
renti, Synops. reptilium 1768.
Salamandra laticauda. Bonnaterre, Erpetologie 1789.
Triton cristatus. Schrank, Fauna boica Bd. I. 1798.
Salamandra cristata , pruinata. Schneider, Historia
amphibiorum, 1799.
Salamandra cristata. Latreille, Salamandres de Fran-
ce, 1800.
Ueber die Molche der württembergischen Fauna. 177
Salamandra cristata. Beckstein^ Anmerkungen und
Zusätze zur Uebersetzung von de laCep^de's Na-
turgesch. d. Amphibien, 1800.
Lacerta palustris. Sturm, Deutschlands Fauna, 1803.
Lacerta lacustris. Blumenbach, Handbuch der Natur-
gesch. (11. Aufl. 1825).
Salamandra cristata. Daudin, Hist. natur. des Reptiles,
1802-1804.
Salamandra platycauda. Rusconi, Amours des Salaman-
dres aquatiques, 1821.
Molge palustris. Gravenhorst, Rept. mus. zool. Vra-
tlslav. 1829.
Triton cristatus. Bon aparte, Iconografia della Fauna
italica, 1836.
Triton cristatus. Tschudi, Classificalion der Batra-
chier, 1839.
Hemlsalamandra cristata. D u g e s (Alfred), Ann. d. scienc.
natur. T. XVII. 1852.
Triton cristatus. Dum er 11 und Bibron, Erpetologle
generale, 1854.
Triton cristatus. De l'Isle du Dreneuf, Ann. d. scienc.
nat. 1862.
Triton cristatus. De Bett a, Monografia degll amfibi uro-
deli itallani, Mem. dell' istituto Veneto, 1862.
Ken nze ichen.
Länge 5 bis 6 Zoll, das Weibchen auch bis 6V2 Zoll.
Kopf abgeflacht, vorn abgerundet (krötenartig). Haut
grobkörnig (drüsig). — Grundfarbe des Rückens, der
Seiten, des Schwanzes, der Oberseite der Extremitäten
ein dunkles Braun. Darauf grössere zerstreute, schwarze
Flecken. Ausserdem mit weissen, gern truppweise bei-
sammenstehenden Punkten besät. Grundfarbe der Bauch-
seite von der Kehle an bis zu den Zehenspitzen gelb;
darauf schwarze Flecken von verschiedener Grösse und
Gestalt. — Die zwei Sohlenballen gelblich. — Iris gold-
gelb, mit einem schwarzen senkrechten Strich, welcher
ArchiT f Natur» XXXIII Jahrg. 1. Bd. 12
ifÖ Leydig:
einseitig von der Pupille nach abwärts geht. — Grössere
Drüsenporen am Kopf, am frischen Thier undeutlich. —
Die zwei Gruppen der Gaumenzähne sind zwei nahezu
parallele Streifen.
Männchen, im Hochzeitskleid. Mit hohem, scharf
gezackten Hautkamm über dem Rücken und Schwanz,
schon weit vorne am Kopf zwischen den Augen begin-
nend und bis zur Schwanzspitze sich erstreckend; über
der Wurzel des Schwanzes mit tiefer Bucht, wie unter-
brochen. — Kloakengegend sehr verdickt. — Das Gelb
der Bauchseite ein gesättigtes Orange, welches sich nicht
über die Bauchkante des Schwanzes forterstreckt. Schwanz
an der Seite mit weissbläulichem perlmutterfarbenem
Streifen. Kehle ausser den dunkeln Fleckchen mit sehr
zahlreichen weissen Warzen.
W^eibchen, im Hochzeitskleid. Ohne Hautkamm,
daher auch der Schwanz schmäler. — Kloake weniger ver-
dickt. — Das Gelb der Bauchseite heller, mehr ins Schwe-
felgelbe ziehend, erstreckt sich an der Bauchkante des
Schwanzes bis an dessen Endspitze. Der weisse Seiten-
streifen des Schwanzes nur in Spuren vorhanden Kehle
nur mit den dunkeln Fleckchen, sonst glatt.
Farbenvarietäten; Poren am Kopf;
Rückenkamm.
Die Thiere der hiesigen Gegend können insofern
abändern, als die braune Grundfarbe der Rückenseite
bald heller, bald dunkler ist. Bei heller Grundfarbe he-
ben sich alsdann die schwarzen Flecken bestimmter ab
und der Kopf insbesondere gewinnt ein hübsch marmo-
rirtes Aussehen.
Die Weibchen sind im Allgemeinen dunkler und im
lebenden Zustande mitunter geradezu schwarz. (Nach
längerem Liegen in Weingeist tritt jedoch auch hier,
indem die Grundfarbe zu einem hellen Lederbraun ab-
bleicht, die Fleckenzeichnung hervor). Ferner sind die
weissen Pünktchen mitunter zahlreicher als beim Mann-
lieber die Molche der \\'ürttembergischen Fauna. 179
eben nnd verthellen sich dann auch über die Dorsalseite
der Extremitäten und bis zur Schwanzspitze. Manche Weib-
chen zeigen auf der Rückenlinie, wo beim Männchen sich
der Kamm erhebt, einen schwach gelblichen Strich, ge-
wissermassen als Spur der Kammbildung.
Reichenbach hat in jüngster Zeit Nachricht von
„einem hochgelben Triton^ gegeben, bei w^elchem die
rothgelbe Farbe der Unterseite sich auch über die
Oberseite ausdehnte, mit etwas wenigen schwarzgelben
Flecken ^).
Auf der Iris kann ausser dem erwähnten senkrech-
ten Streifen sich noch eine Anzahl schwärzlicher Wölkchen
einfinden, ja in solcher Menge, dass die gelbe Grund-
farbe fast zum Verschwinden gebracht wird. Noch habe ich
bei Thieren im Freien, Ende Juli, neben den feinen dun-
keln Pünktchen einen schwärzlichen Ring, in einiger Ent-
fernung von der Pupille beobachtet.
Exemplare, welche durch längeres Liegen im Wein-
geist abgeblasst sind, lassen, was an dunkeln und frischen
Individuen schwieriger zu sehen ist, die grossen Drüsen
oder Hautporen und ihre Vertheilung gut erkennen 2).
Auf der Oberseite des Kopfes zähle ich, mit der Lupe,
jederseits etwa 40 Poren in theils ganzen, theils unter-
brochenen Linien ; ebenso leicht ist ein Trupp von etwa
12 hinter dem Auge zu unterscheiden, dann eine Partie
von etwa ebenso vielen in der Oberkiefergegend; in grös-
seren Abständen ziehen sie an der Kehlseite des Unter-
kiefers hin. Vom Kopf weg erstrecken sie sich an der
Seite des Leibes bis zum Schwänze, stehen aber dabei
ziemlich vereinzelt, so dass sie hier wahrzunehmen einige
Aufmerksamkeit erfordert. Man kann auch sagen: die
Poren erinnern in ihrer Vertheilung durchaus an die
Stellung der Oeffnungen der Schleirakanäle und Gallert-
röhren der Fische. Denn wie dort unterscheidet man :
1) einen Hauptzug über dem Auge zur Nasengegend; 2)
unter dem Auge hin einen anderen Zug ; 3) desgleichen
1) Zoologischer Garten. 1866. Nr. 2.
2) Siehe Figur 24 u. 25.
180 I.eydig:
am Unterkiefer hin; endlich 4) zur Seite des Körpers in
den Schwanz hinein. Dabei sind die Oetfnungen von
verschiedener Grösse, wie solches ja auch z. B. am Kopf
der Chimaera monstrosa der Fall ist.
Durchschneidet man ein in Weingeist gehärtetes
Thier in der Ohrgegend, so lässt sich bemerken, dass
obschon äusserlich sich keine sog. Parotis abzeichnet, diese
Bildung doch eigentlich nicht fehlt, da die Zahl der gros-
sen Hautdrüsen an dieser Stelle nicht unbedeutend ist.
Daher ist es richtig, wenn Duges von „parotides dif-
ficiles ä delimiter, exceptö en arriere" spricht.
Die Höhe des Kammes beim Männchen zur Laich-
zeit, den sie gegen das Weibchen „avec gräce et coquet-
terie" bewegen, ändert, wie es scheint, nicht bloss nach
den Individuen einer und derselben Gegend, sondern
auch nach den Landstrichen überhaupt ab. So meldet
z.B. Schrank in seiner Fauna boica, dass bei den Thie-
ren dieser Art um Linz in Oberösterreich der Kamm eine
„ausserordentliche Grösse" habe; De Betta führt das
Gleiche von den Thieren um Modena an. Ebenso, ge-
legentlich einer Recension der Bonaparte'schen Fauna
italica bemerkt Michahelles (Isis 1833), dass im Gegen-
satze zu den Thieren um Rom die der Münchner Gegend
einen Kamm bis zu 6'" Höhe erhalten können.
Wenn nach der Fortpflanzungszeit der Kamm bis
auf schwache Zacken geschwunden ist, sinkt auch die
übrige Lederhaut etwas ein und die Drüsenwärzchen tre-
ten jetzt schärfer hervor. Noch mehr ist letzteres der
Fall bei Thieren, welche bereits auf dem Lande getroffen
werden; beim Weibchen insbesondere sind unter diesen
Umständen die weissen über die Seiten des Leibes ein-
gestreuten (Drüsen-) Punkte oder Wärzchen sehr zahl-
reich geworden. Es zieht sich jetzt eine Art Reif, pruina,
über die Haut. Dagegen ist beim Männchen der schöne
perlmutterfarbige Strich auf der Seitenfläche des Schwan-
zes völlig verloren gegangen. — Zu den Hautentwicke-
lungen der Frühjahrszeit gehört auch ein Saum am Ober-
kiefer, welcher besonders nach dem Mundwinkel hin sehr
Ueber die Molche der württerabergischen Fauna. 181
stark sein kann und dem Thiere eine entschieden fisch-
artige Mundbildung verleiht. Vergl. Figur 25.
Form der Pupille; Zähne; Schädel.
Die Pupille ist für die gewöhnliche Besichtigung
rund. Beim Absterben des Thieres lässt sich aber wahr-
nehmen, dass sie nach unten, in der Mitte, in einen schwa-
chen Winkel einspringt ; was desshalb interessant ist, weil
auch bei anderen einheimischen Batrachiern, abgesehen
vom Bombinator, die für gewöhnlich rund oder queroval
aussehende Pupille, diesen Winkel hat; wozu sich auch
noch ein oberer, gegenüberstehender gesellen kann. Die
Pupille des Frosches haben schon frühere Beobachter
(GustavCarus z.B.) einem „quer liegenden Rhombus^
verglichen; aber das gleiche sehe ich bei der gemeinen
Kröte (Bufo cinereus), beim Laubfrosch (Hyla arborea);
während bei der grünen Kröte (Bufo viridis) wieder der
obere Winkel fehlt und damit die Pupille nur einem lang
gezogenen Dreieck zu vergleichen ist. Auch von Sala-
mandra maculosa werde ich etwas ähnliches mitzutheilen
haben, so dass eben die einfach oder mehrfach winklige
Einknickung der Pupille sich als ein gemeinsamer Zug
in der Organisation der einheimischen Batrachier heraus-
stellt; wozu ich noch bemerken möchte, dass der untere
Winkel auf das Verbleiben einer embryonalen Bildung zu-
rückgeführt werden kann. Bruch hat ebenfalls die For-
men der Pupille bei Fröschen und Kröten genauer er-
örtert ^), worauf ich seiner Zeit zurückkommen werde.
Von den Zähnen der beiden Kiefer sagen die
Beobachter aus, dass sie „sehr fein^ seien und „kaum
bemerkbar.^ Dies letztere rührt nach meiner Erfahrung
davon her, dass sie bis zur Spitze hinauf im Epithel
1) Beiträge zur Naturgesch. und Classification der nackten
Amphibien, Würzburger naturwiss. Zeitschr. 1862. — Neue Beob-
achtungen zur Naturgeschichte der einheimischen Batrachier. ebenda-
selbst 1863.
182 Leydig:
vergraben sind. Nur die Zahnkrone ragt eigentlich frei
hervor. Dass bisher Niemand die doppelte Zahnreihe in
den Kiefern bemerkt hat, sondern Alle nur von einer
einfachen'^ Reihe sprechen, habe ich schon erwähnt. Es
ist daran wohl die Untersuchungsmethode Schuld; an Schä-
deln, welche in herkömmlicher Weise präparirt und ge-
trocknet werden, ist die zweite, aus so kleinen Zähnen
bestehende Reihe, schwierig oder gar nicht mehr zu se-
hen; hingegen tritt sie sehr deutlich hervor, wenn man
den Kopf oder die Kiefer von frischen oder in Weingeist
gelegenen Thieren mit Kalilauge behandelt. Der ein-
zelne Zahn ist gerade ^) oder gekrümmt, manche fast ha-
kig gebogen; die zwei braunen Endzinken gehen in Spitzen
aus, welche schärfer sind als beim Landsalamander, aber
nur bei sehr behutsamer Behandlung erhalten bleiben.
Jeder Zahn steht auf einem Sockel, den ich einer Zahn-
wurzel vergleichen möchte.
Am Gaumen -) bilden die Zähne, als Ganzes be-
trachtet, zwei Längsstreifen^ welche, was sehr charakte-
ristisch im Gegensatze zu den übrigen einheimischen
Arten wird, nahezu parallel verlaufen und nach vorne
nur eine gelinde Neigung zum Zusammentreten zeigen.
Duges (^a. a. 0. PL 1. Fig. 13) zeichnet sie ganz parallel,
ebenso Isle de Dreneuf (a. a. 0. PL 12. Fig. 3, a).
Doch steht im Texte des Erstgenannten „presque paral-
IMes.^ Verglichen mit den anderen Arten, wo sie zu-
sammen ein umgekehrtes lateinisches V bilden, kann man
die Streifen auch füglich als parallel bezeichnen; wäh-
rend, wenn man dieselben für sich, ohne Seitenblick auf
die andern Species, ins Auge fasst, an ihnen ein leises
Abweichen vom Parallelen zum Zusammenneigen nach
vorn, doch auch unverkennbar ist. Jeder der zwei Zahn-
streifen besteht abermals aus mehreren Zahnreihen. —
Einige der früheren Abbildungen, wie z.B. dieCuvier'-
sche in den Recherches sur les ossemens fossiles lassen
die zwei Zahnstreifen nach vorn bogenförmig zusammen-
1) Siehe Figur 19.
2) Figur 10.
üeber die Molche der württembergischen Fauna. 183
schliessen, was entschieden irrig ist. Jede bleibt für sich
und es existirt vorne ein freier Raum zwischen beiden,
so gut wie hinten, nur kleiner. Schon mit der Lupe lässt
sich dies mit Sicherheit wahrnehmen , noch besser mit
dem Mikroskope. — Einzelne Gaumenzähne sind besonders
stark hakig gekrümmt.
Der rein präparirte Schädel (Fig. 9 und 10") zeigt
ebenfalls specitische Eigenthümlichkeiten auf. Von oben
gesehen erscheint die Oberfläche von der Mitte der
Stirnbeine an, nach vorn über die Nasenbeine und die
Oberkiefer weg, rauh, wie von Schrunden durchzogen;
dazwischen mit grubigen Eindrücken. In letztere legen
sich, so lange noch die Weichtlieile darüber wegge-
hen, die blinden Enden der grossen Hautdrüsen. Diese
Sculptur der Stirn- und Nasengegend, welche auf den
vorhandenen Abbildungen entweder gar nieht oder nur
flüchtig dargestellt ist, mangelt zwar, wie wir sehen wer-
den, auch den andern Arten nicht völlig, aber beim Tri-
ton cristatus ist sie am ausgeprägtesten und schon dem
freien Auge deutlich. — In der Mittellinie der Stirn,
hinter den Nasenöfl:nungen, markirt sich eine längliche
Grube, die z. B. bei Triton alpestris zu einer ausgedehn-
teren Längsspalte werden kann. — Der Augenhöhlenfort-
satz des Stirnbeins ist nur ganz schwach angedeutet, so
dass man wieder im Vergleiche zu den anderen Arten,
und namentlich bei der Ansicht von oben, sagen kann,
er fehle völlig. — Am L^ebergange der Scheitelbeine in
das Hinterhauptssegment erscheint der Schädel oben und
seitlich weniger eingezogen, daher mit seichterer Furche.
— Es ist selbstverständlich, dass bei einer Durchmuste-
rung einer grösseren Anzahl von Schädeln sich nach dem
Alter und Geschlechte kleine Verschiedenheiten zeigen,
besonders finde ich dies in der Form und Ausbildung der
Muskelleisten auf dem Occipitalsegmente \).
1) Beim Abzeichnen der Schädel, auch der andern Species,
ist mir aufgefallen, dass, wenn man genau zusieht, bei keinem die
beiden Seitenhälften vollkommen symmetrisch sind, vielmehr öfters
recht merklich ungleich. Es springt dies freiUch erst gewöhnlich
bei Vergreeserung des Schädels iu die Augen.
184 Leydig:
Entwickelung.
Triton cristatus laichte Anfangs April im Zimmer
bei 150 R.; im Freien, + ll» R.Mittags im Schatten, fand
ich Mitte April die ersten Eier. Letztere sind grösser
als die der drei anderen Arten und von gelbgrünlichem
Aussehen. Wie alle einheimischen Species heftet auch
diese Art die Eier einzeln an Gegenstände, welche sich
im Wasser vorfinden, am liebsten im Freien an lebende
Pflanzen. Doch müssen die Thiere nach Umständen auch
mit abgestorbenen Grashalmen, Holzstücken und Steinen
vorlieb nehmen. In der Gefangenschaft und geängstigt,
z. B. zu mehren in einem engen Gefässe, lassen sie auch
eine grössere Anzahl Eier, als kurze Schnur zusammen-
hängend, auf einmal abgehen und ohne sie anzukleben
auf den Boden des Glases fallen.
Ob das Ei langsam oder rascher zum Embryo sich
umgestaltet, hängt sehr von der höheren oder niederen
Temperatur ab.
Die Larven des Triton cristatus sind schon von der
frühesten Zeit an leicht zu unterscheiden. Das aus dem Ei
gekommene Thier behält noch eine Weile den gelbgrün-
lichen Ton der Grundfarbe, welchen schon der Dotter an
sich hatte. Später, wenn das Gelbgrün durch die Ausbil-
dung von zwei schwarzen Rückenbinden und dem Auf-
treten von anderem schwärzlichen Pigmente mehr und
mehr zurückweicht, macht unsere Larven ein weisslicher,
sehr schmaler Saum, welcher die sonst lichte Schwanz-
flosse umzieht, kenntlich. Bei durchgehendem Lichte ist
das den weissen Saum erzeugende Pigment braungelb.
Mitte Juli sind die Larven von sehr schönem Ausse-
hen. Sie haben jetzt etwa zwei Zoll Länge, der Kopf ist
fischartig oder erinnert noch mehr an den von Siren
lacertina; die vier Extremitäten haben etwas sehr graci-
les, insbesondere sind die Zehen verhältnissmässig sehr
lang und zart; die Kiemen, namentlich die oberste, sind
ungemein entwickelt. Am breiten Schwanz hat sich ein
anderes charakteristisches Merkmal ausgebildet, darin be-
stehend, dass derselbe in einen mehrere Linien langen
Ueber die Molche der württembergischen Fauna. 185
Faden ausgeht, was an den Schwanzfaden des erwachse-
nen Triton helveticus Razoum. gemahnen könnte, von dem
des letztern aber darin verschieden ist, dass hier bei der
Larve von Triton cristatus der Faden allmählich entsteht,
während er dort nach einem Absatz beginnt. Der weisse
Saum der Schwanzflosse hat sich verbreitert und greift
auch in einzelnen Flecken etwas weiter herein. — Ausser
einem feinen schwärzlichen, sich über die Schwanzflosse
verbreitenden Netzwerk von Pigment unterscheidet man
auch eine iVnzahl grösserer schwarzer Tupfen und eine
Reihe kleiner gelber Punkte zur Seite des Leibes und
Schwanzes. Sonst ist die Grundfarbe des Rückens ein
lichtes Olivenbraun, darauf vereinzelte schwarze Punkte.
Die Seiten und der Bauch zeigen Goldglanz. Auch die
Vorderseite der drei Kiemen, richtiger Stiele der Kie-
men, haben bei guter Beleuchtung Goldglanz.
Bei Larven, welche ich Anfang September einfing,
war das metallische Pigment des Körpers geschwunden.
Die Grundfarbe erschien jetzt als ein lichtes Olivengrau,
von dem sich schwarze Flecken, so wie weissliche, etwas
verwaschene Stellen ^) gut abhoben. Der Bauch hatte
schon ein schwaches Gelb mit Spuren der dunkeln Flec-
ken. Längs der Mittellinie des Rückens ein mattgelber
Längsstrich; auch die weissen Hautwärzchen der Seite
waren jetzt aufgetreten. Die Kiemen sind bereits sehr
zurückgebildet; die äussere Gestalt im Ganzen und We-
sentlichen ist die der alten Thiere, während zugleich mit
dem fischartigen Aussehen auch die Fischfarben — Sil-
ber- und Goldglanz — geschwunden sind.
Die jetzt sich anschliessende Form ist der interes-
sante Triton carnifex Laur.
Wenn der Laich des Triton cristatus sich bei guter
Temperatur stetig entwickeln konnte und den Larven
hinlängliche Nahrung nicht abging, kann man den Triton
carnifex schon Ende August zu Gesicht bekommen. —
1) Durch diese weis suchen Flecken zeigen die Larven von
Triton cristatus eine gewisse Verwandtschaft zu den Larven von
Triton alpestns.
186 Leydig:
Er hat die Grösse etwa von Triton alpestris; am Halse
bemerkt man noch eine starke Rinne und Hautfalte, auf
Spuren der Kiemenspalte deutend. Haut höckerig. —
Färbung im Allgemeinen vom Charakter derjenigen des
erwachsenen Triton cristatus, aber in allen Farbentönen
noch matt und mit einigen Besonderheiten. Grundfarbe des
Rückens ein Olivengrau, das aber sehr durch dunkle Flecken
zurückgedrängt ist, so wie durch weisse Körnchen und
Flecken, letztere besonders zahlreich in der Backenge-
gend, an der Seite des Leibes und Schwanzes. Bauchseite
blass orange, fleckenlos oder mit Spuren von Makeln, nur
in der Brustgegend sind meist schon eine Anzahl kleiner
schwarzer Flecken aufgetreten. Das Orange der Bauch-
seite erstreckt sich als Saum nicht nur ventral bis
zur Schwanzspitze, sondern auch von da auf
die Dorsalkante des Schwanzes und weiter
nach vorn über die ganze Rückenlinie weg
bis zur Mitte des Kopfes, also genau ebenso weit
als später beim Männchen der Kamm sich verbreitet.
Es erleidet gar keinen Zweifel, dass diese jugend-
liche, vielleicht weibliche, Form des Triton cristatus
der Laur e nti'sche Triton carnifex sei. Das scheinbar
Abweichende erklärt sich aus dem Umstände, dass der
genannte Beobachter das Thier ausserhalb des Wassers
antraf („in praeruptis umbrosis, sabulisque)^, allwo dann
ganz wie bei Triton alpestris und dem erwachsenen Tri-
ton cristatus die Rückenseite in ein gleichmässiges Dunkel
oder Schwarz sich umsetzt, während sie beim Wasser-
aufenthalte in oben bezeichneter Weise marmorirt ist. —
Die ;,digiti teretes, acuti^ beziehen sich ebenfalls auf ein
junges Thier; denn es ist ja etwas allgemeines, dass die
Zehen der Tritonen anfangs lang und zart sind, und sich
erst nach und nach verkürzen und verdicken.
An Larven von Triton cristatus, deren Kiemen eben
hervorsprossen, gewahre ich, dass alle Hautstellen, wel-
che ich auf diesen Punkt besah, mit Wimpern bekleidet
sind; allerdings mit solchen von äusserster Feinheit,, so
lieber die Molche der württembergischen Fauna. 187
dass sie theilweise nur in ihrer Wirkung erkennbar wa-
ren. Etwas später, an Larven von 3 bis 4 Linien Länge,
scheint eine gewisse Umänderung des Flimmerbesatzes
in der Weise statt zu haben, dass sich einzelne Büschel
stärkerer Ciiien entwickeln, während die feinen Härchen
dazwischen eingehen. Man bemerkt sowohl am Kopfe als
auch am Schwänze dergleichen vereinzelte Büschel stär-
kerer Flimmerhaare, welch' letztere übrigens schon vor
mir einem anderen Forscher ^) aufgefallen sind. Nur
auf den Kiemen erhält sich, und zwar so lange diese
Organe existlren, der vollständige Wimperbesatz. Die
Cilicn sehe ich dort sowohl an Larven von der eben be-
zeichneten Grösse, als auch an ganz ausgewachsenen
(Ende Juli), und zwar wieder von doppelter Art: die einen
sind äusserst fein, schwer erkennbar, dazwischen stehen
Büschel stärkerer und längerer Wimpern.
In den Kiemenfranzen verlaufen anfänglich einfache
Gefässschlingen ; nach und nach verbinden sich die bei-
den Stämme der Schlingen durch Queräste und wenn
endlich die Larven ihre ganze Ausbildung erreicht ha-
ben, ist das Capillarnetz in dem einzelnen Kiemenfaden
so dicht, wie etwa in einer Darmzotte der Säugethiere.
— Die Larven vermögen die Kiemen zu bewegen, na-
mentlich legen sie dieselben öfters ganz nach rückwärts,
wie Hasen ihre Ohren. Ich finde, wie schon vor Jahren
(Histologie S. 381) bei Salamanderlarven und dem Pro-
teus, auch hier im Innern der Kiemen deutliche querge-
streifte Muskeln, so wie einen nus dunkelrandigen Ele-
menten bestehenden und die Muskeln begleitenden Nerv.
Vorkommen.
Triton cristatus ist weit über Europa verbreitet; ja
wenn man ohne weiteres sich an die Angaben bei S e b a
1) Gegenbau r, Grundzüge der vergleichenden Anatomie,
S. 394. Anmerkung : » Um so merkwürdiger ist das von mir
beobachtete Vorkommen zahlreicher Wimperbüschel am Schwänze
und an anderen Körperstellen von liarven der Tritonen.«
188 Leydig:
und Latrellle halten wollte, so wäre er auch in Afrika,
Asien und Amerika einheimisch. In Europa fehlt er, so
gut wie alle die drei folgenden Arten, auf der Insel Sardi-
nien ^). Aus der hiesigen Gegend gedenkt der Botaniker
Schübler 2) zuerst unseres Triton; in anderen Gegen-
den Württembergs haben ihn v. Martens ^) und Plie-
ninger^) beobachtet, und zwar letzterer mit dem Bei-
satze: „in fast allen stehenden Gewässern.'^ Auch hier
bei Tübingen mag sich das Thier wohl in früherer Zeit
ebenfalls zahlreicher gefunden haben, als gegenwärtig,
wo Gräben und Sümpfe , zum Leidwesen der Naturfor-
scher, völlig zu verschwinden drohen.
Geschichtliche und kritische Bemerkungen.
Als grösste Art der deutschen Fauna und von nicht seltenem
Vorkommen hat Triton cristatus schon in sehr früher Zeit das In-
teresse auf sich gezogen und erscheint in bildlicher Darstellung
zum erstenmal zugleich mit dem Landsalamander. Es ist lehrreich
diese alten Icones vergleichend zu betrachten, um daraus zu ent-
nehmen, wie langsam es mit dem Fortschritt ging und wie schwer
es hielt, nur die Formen naturgetreu aufzufassen.
So habe ich des Camerarius *) Symbola et emblemata
1) Vergl. die treffliche Synopsis reptilium Sardiniae indigeno-
rum, 1838, von Gene.
2) In Memmin ger's Beschreibung von Württemberg 1820.
S. 230; dann in Eis enba ob's Beschreibung und Geschichte der
Stadt und Universität Tübingen 1822. S. 658.
3) In Memminger's Beschreibung von Württemberg 1841.
S.311.
4) Württembergische naturwiss. Jahreshefte 1847. S. 204.
*) Bibron und Dumeril (a. a. 0.) citiren bezüglich dieses
Schriftstellers sehr irrig und kaum aus eigenem Nachschlagen. Der
von ihnen genannte »Camerarius Rodolph« ist Rudolph Jacob
Camerer (Camerarius), geboren in Tübingen 1665 und gestorben
1721 als »Professor Tubingensis.« Ob sich derselbe auch mit zoo-
logischen Studien befasst, ist mir nicht bekannt geworden; aber er
ist der Verfasser des berühmten, in elegantem Latein geschriebenen
Uriefes anValentini m Giessen : De sexu plantariim, worin zuerst
Ueber die Molche fler württembergischen Fauna. 189
(1590—1604) vor mir, wo unser Triton, stark verkleinert, am Ufer
einer Flusslandschaft sitzt , während zwei andere seines Gleichen
Kopf und Vorderbeine aus dem Wasserspiegel emporheben; aus
einer Wolkengruppe fällt ein scharfer Regen herab, denn die »Sa-
lamandra aquatilis degit in fluminibus et stagnorum ripis et per
fulgetra et tempestates caput exerit.« Das ganze Bildchen, so wie
alle übrigen des Buches, vergegenwärtigen das kindlichheitere We-
sen der damaligen Gelehrten in ansprechender Weise. Der Was-
sersalamander des Camerarius sieht aber nach dem Umrisse des
Kopfes, Haltung des Schwanzes und der Beine einem Wiesel fast
ähnlicher als dem vorzustellenden Geschöpfe. Doch scheint das
unser alter Autor schon selbst gefühlt zu haben; er erklärt, dass
er eine bessere Figur zu geben sich bemühe, als diejenige desMat-
thiolus sei, muss aber dabei von seinem Künstler melden: »sed
nee hie sculptor omne punctum tulit.«
Ein Landsmann von C a m e r e r, der ebenfalls Nürnbergische
Arzt Wurf bain hat später (a. a. 0.) nicht bloss ein besonderes
Capitel den »Salaraandrae iconibus« gewidmet, sondern stellt auch
unseren Triton in natürlicher Grösse, von oben und unten, dar ^).
Wahrscheinlich um seine Figuren ins rechte Licht treten zu machen,
lässt er eine Tafel mit Copien aus Aldro vandi und Matthiolus
vorausgehen; und man muss auf den ersten Blick zugestehen, dass
seine eigenen Figuren gelungener sind als die der Andern. Aber
der Kopf hat noch immer ein viel zu gewölbtes, säugethierähnliches
Aussehen, und die Zehen des Thieres scheint der Künstler recht
flüchtig betrachtet zu haben. Nicht nur, dass er sie in scharfe
Krallen ausgehen lässt, sondern es kommt ihm auch um eine Zehe
mehr oder weniger nicht an. Das Thier von oben (a. a. 0. Tab. II.
Fig. 3) hat an den Vorderbeinen richtig vier Zehen und an den liin-
fast gleichzeitig mit Grew in London das Vorhandensein zweier
Geschlechter im Pflanzenreich erkannt und wissenschaftlich begrün-
det wurde. Dieser Camerarius ist es auch, dessen Porträt Linne,
wie ich finde, unter die Zahl jener Botaniker (»excellentissimorum
botanicorum«) aufgenommen hat, mit deren Bildnissen er die Wände
seines Hauses geschmückt. (Hortus Upsaliensis 1745. p. 207.) —
Der oben Gemeinte hingegen und Darsteller des Triton ist Joachim
Camerarius und war Arzt in Nürnberg. Sein mir vorliegendes
Werk ist von seinem Sohne, Ludwig Camerarius, edirt.
1) Das Werk von Schwenk feld: Theriotropheum Silesiae,
Lignicii 1603, war mir nicht zugänglich, was ich um so mehr be-
dauere, als auch schon dort unseres Triton gedacht wird. Es meldet
dies wenigstens Kaluga in seiner »Systematischen Beschreibung
der Schlesischen Amphibien und Fische 1815.«
190 Leydig:
teren fünf; auf den Kücken gelegt (Fig. abermals drei) erhält es
plötzlich auch an den Vorderbeinen einen fünften wohlentwickelten
Finger. Vermag man von solchen Fehlern abzusehen, so sind die
Figuren brav und lassen jedenfalls das Thier bestimmt erkennen.
Die Beschreibung im Texte (a. a. 0. S. 65) ist gut, auch wird dort
die verschiedene Zahl der Zehen an den Vorder- und Hinterbeinen
richtig bemerkt.
Die zwei Figuren bei G essner (a. a. 0. S. 27) sind, was de-
ren Auffassung im Ganzen betrifft, nicht übel gerathen; im Einzel-
nen hat es aber der Zeichner auch nicht genau genommen. Vor-
der- und Hinterbeine haben z. B. alle nur vier Zehen. Sowohl aus
der Vertheilung von Hell und Dunkel, als auch aus den Worten :
*Venter et caudae pars ima luteo aut flavo colore apparent,« geht
hervor, dass das abgebildete Thier ein Weibchen ist. Das Männ-
chen scheint Gessner nicht gekannt zu haben; er hätte sonst
nicht, bezweifelnd, sagen können : »Monachi interpretes Mesuaei scri-
buntj caudam ei latam esse ut anguillae (quod non satis convenit)
ad natandum aptam.«
Wie schwer es auch noch geraume Zeit nachher den Natur-
forschern fiel, eine getreue Zeichnung des Wassermolches zu ent-
werfen, ersieht man aus der Abhandlung Dufay's. In Worten be-
schreibt er unseren Triton nach beiden Geschlechtern richtig und
genau; aber die von ihm selbst gelieferte Zeichnung (a. a. 0. PI. 11.
fig. 1) lässt den Kopf zu aufgetrieben erscheinen und durch einen
dünnen Hals viel zu sehr vom Stamme abgesetzt, wodurch ein ganz
naturwidriger Habitus entsteht. Sonst ist die Figur, offenbar weil
hier Beobachter und Zeichner in einer Person vereinigt waren,
correcter als alle vorausgegangenen. — Unser Wurfbain wird
bei Dufay constant »Wrfbanius« genannt, zum tröstlichen Beweis,
dass die Franzosen hierin sich immer gleich waren.
Von mehren Autoren wird das Tritonpaar, welches Seba (a.
a. 0. Tom. I. Taf. XIV. fig. 2, 3) abbilden liess und nach seiner
Angabe vom Cap der guten Hoffnung erhalten hatte, zu Triton cri-
status gezogen. Ich zweifle, ob dieses geschehen kann. Wenn ich
auch die abweichende Form des Kopfes, die Länge der Zehen u.
dergl. nicht hoch anschlagen möchte, aus Gründen, wie sie in den
voranstehenden Bemerkungen liegen; so bleibt es doch sehr aufiallig,
dass über das ganze Thier weg, vom Hals bis zur Schwanzspitze,
grössere weisse Flecken gezeichnet sind. Nach meiner Vermuthung
möchte es sich um eine mit unserem Triton correspondirende, aber
verschiedene Art handeln. Derselben Ansicht bin ich bezüglich der
zwei Figuren auf Taf. 89. Am wenigsten gehört Tom. II. Taf. XII.
fig. 7 zu Triton cristatus ^).
1) Nachträglich finde ich in der Isis 1833 eine »Deutung der
üeber die Molche der württembergischen Fauna. 191
Die als Inauguraldissertation geschriebene Abhandlung desWie-
ner ArztesLaurenti ist eine in mehrfachem Betrachte interessante
Schrift. Der Verfasser, von lebhaftem Naturell, giebt seiner Meinung
über den Werth oder Unwerth der Arbeiten Anderer ungezwunge-
nen Ausdruck^); selbst mit dem damals noch lebenden Linne
geht er ziemlich unwirsch um ^}. — Unser Autor hat bei seinen Stu-
dien der Reptilien namentlich das Bedürfniss des Arztes im Auge.
Die der Schrift beigegebenen Figuren möchte ich einem Maler von
Profession zuschreiben ; gar viele zeichnen sich, insbesondere die
Eidechsen, durch lebendige Stellung aus , welche festzuhalten nur
der Hand eines geübten Künstlers zu gelingen pflegt. — Vom er-
wachsenen Triton cristatus enthält das Buch keine Abbildung, son-
dern es wird auf Dufay und Wurfbain verwiesen. Das junge
Thier hat er als eigene Art, den unterdessen so oft besprochenen
Triton carnifex (a. a. 0. Tab. IL fig. III), aufgeführt. Meine Beob-
achtungen hierüber siehe oben S. 185. — Noch sei bemerkt, dass
die von Laurenti zuerst eingeführte Trennung und Aufstellung
des Genus Triton, w^elche jetzt allgemein acceptirt ist, längere Zeit
nicht zum besten aufgenommen wurde. Sie sei eine »distributio
perversa et arroganter facta,« Hess man sich vernehmen.
In dem Werke Bonnaterre's findet sich (PI. 11. fig. 4 a,
fig. 4 b) eine Originalfigur vom Männchen und Weibchen. Der Kopf
ist hier noch immer arg verfehlt, namentlich beim Weibchen durch
abgesetzte, rundlich vorspringende Nase den Säugethieren angeähnlicht.
Auch den Beinen ist durch die Art sow^ohl wie sie im Rumpfe mit
starker Musculatur wurzeln, so wie durch ein sich heraushebendes
Fersenbein ein entschiedener Säugethiercharakter aufgeprägt. Der
Künstler zeichnete, noch immer befangen vom Traditionellen, nicht
genau nach der Natur.
Schneider's Salamandra cristata ist das im Wasser ange-
troffene Thier zur Fortpflanzungszeit, im Mai, und zwar in beiden
Geschlechtern. Verschiedene Autoren, z. B. noch Dumeril und
in S eb a's Thesauro rerum natural, enthaltenen Abbildungen von Lur-
chen, von Wag 1er,« wo Taf. XIV. fig. 2 u. 3 ebenfalls nicht auf
Triton cristatus, sondern auf eine »wahrscheinlich nordamerikanische
Art« bezogen wird. Hingegen lässt er Fig. 4, 5 auf Taf. 89 für Tr.
palustris Merr., welcher gleich Tr. cristatus Laur. ist, gelten.
1) Vergl. z.B. a. a. 0. p. 5; Plinius erhält den Ehrentitel:
mendaciorum pater, u. dergl.
2) Z. B. p. 39: »Linnaeus interrogat: an forte larva lacer.
tae agilis? Inepta questio! Cl. du Fay ostendit , hunc generare
oviparum; ostendit praeterea et pinxit metamorphoses. Legat Lin-
naeus et cessabit tandem interrogare.«
192 Leydig:
Bibron beziehen Schneider's S. cristata nur auf das Männchen
und müssen dabei übersehen haben, dass er sagt: »in dissecta ova
mnlta reperi;« ferner dass er ausdrücklich bemerkt: »ferainam ar-
guebat primum sub aspectum absentia cristae serratae.« Als Seh. im
Herbst, im Oktober, weit entfernt vom Wasser das Thier zum zwei-
tenmal f^and, hielt er es für eine neue Art und beschrieb es unter
dem Namen S. pruinata, im Hinblick auf die Puncta griseo alba
minutissima, womit die Seiten des Leibes besät waren. Es sind
indessen, wie ich oben bemerkt, gerade beim Weibchen schon wäh-
rend des Wasseraufenthaltes die weissen Wärzchen sehr entwickelt
und zahlreich ; an Thieren, ausserhalb des Wassers angetroffen, fal-
len sie noch mehr in die Augen. Nicht minder die übrigen Angaben,
namentlich die »acies caudae inferior crocea,« passen auf das Weib-
chen. — Das Schnei de r'sche Werk empfiehlt sich auch durch ein
klares, durchsichtiges Latein, sehr verschieden z. B, von der »diffi-
cilis verborum structura« des alten Wurfbain.
Bei Latre'ille ist das Männchen im Hochzeitskleide nicht
übel gezeichnet. Nur ist der Leib von einer Höhe und Dicke, wie
er wohl schwerlich gesehen worden und dabei im Verhältnisse zur
Länge des Schwanzes zu kurz. Da dazumal die Kenntnisse über
die Anatomie des Thieres noch auf den Figuren des Jacobäus
beruhten,, so Hess LatreiUe von den Eingeweiden des weiblichen
Thieres eine neue bildliche Darstellung geben, durch welche aller-
dings die Figuren des Vorgängers in den Schatten gestellt wurden.
Die Abbildung ist auch desshalb interessant, weil sie, laut danken-
der Anerkennung Latreille's, unter Mithülfe Cuvier's entstan-
den ist.
Alle bis jetzt namhaft gemachten Beobachter hatBechstein
übertroffen, welcher zuerst die deutschen Arten nicht nur gut sich-
tete, sondern auch die besten Aufschlüsse über ihre Lebensweise
gab und die Entwickelung studirte. Auch von seinen Abbildungen
ist zu rühmen, dass wenn sie sich auch nicht gerade künstlerisch
auszeichnen, doch die charakteristischen Merkmale unverkennbar
wiedergeben. Bibron und Dumeril scheinen von diesem Autor
wenig gewusst zu haben, da sie denselben sonst schwerlich über-
gangen haben würden. — Die Beschreibung des Triton cristatus is t
sehr genau. So finde ich z. B. hier zuerst erwähnt, dass »der gold-
gelbe Stern der Augen« in der Mitte dunkelbraun unterbrochen
und also fast zweiringig sei ; ferner gedenkt er zuerst der zwei
Ballen in der Fusssohle u. dergl.
Hatten schon im 16. und 17. Jahrhundert zwei Nürnberger,
Joachim Camerarius und Wurfbain, besagten Wassersala-
mander ihrer Aufmerksamkeit gewürdigt, so reiht sich am Ende
des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts an die Genannten ein
dritter Naturforscher aus der gleichen alten Reichsstadt , Jacob
lieber die Molche der württembergischeu Fauna. 193
Sturm, dessen Abbildungen schon Ca vi er »exceilentes figures«
nennt und von denen er ein andermal sagt, dass sie sich durch »exacti-
tude« auszeichnen. Sturm veröffentlichte bald nachBechs tein die
colorirte Abbildung unserer Art in beiden Geschlechtern, wovon
ihm das Weibchen besonders gut gerathen ist. Beim Männchen hat
er das Platte, Flossenartige des Schwanzes nicht zu treffen gewusst,
so dass dadurch dieser Körpertheil bis zur Mitte dick cylindrisch
erscheint ^). — Mir auffallend und mit meinen Beobachtungen im
Widerspruche ist es. dass er die Bauchseite des Männchens hellgelb,
die des Weibchens dunkelorange colorirt, während ich das Umge-
kehrte mir angemerkt habe. Sollte dies nach Gegenden vielleicht
verschieden sein? Auch Bechstein's Angaben würden in diesem
Punkte mit Sturm übereinstimmen.
Wenn man Blumenbach hier citirt, so kann dies nur da-
mit gerechtfertigt werden, weil derselbe bekannt gewordene Ver-
suche über die Reproductionskraft an »einem Wassermolche der
grossen Art« angestellt hat. Seine Lacerta lacustris ist denn wohl
auch nach der Diagnose : L. nigra, dorso lateribusque verrucosis,
abdomine flavo, nigro-maculato, die in Rede stehende Art. Indem
er aber (in der oben citirten Auflage) hierzu auf Laura nti Tab. II.
Fig. 4 hinweist, hat er sich stark versehen, denn diese Figur stellt
das Weibchen von Triton alpestris vor.
Weit über alle vorausgegangenen bildlichen Darstellungen ra-
gen in Auffassung und technischer Vollendung die mit Deckfarben
colorirten Figuren III, IV auf PI. I und Fig. I, Fig. II auf PL H
des angeführten Werkes von Rusconi, eines nicht bloss äusserst
feinen Beobachters, sondern auch hoch begabten Künstlers. — Auf
Fig. IV der ersten Tafel ist neben Anderem der Kamm des brün-
stigen Männchens in voller Entwickelung als eigentliche Flatter-
haut, wie bei L a t r e i 1 1 e gezeichnet, während auf den übrigen frü-
heren Figuren, selbst bei Bechstein und Sturm, nur die Rüc-
kenlinie besetzende Zacken zu sehen sind. — Da der italienische
Forscher die Figuren zu obiger Abhandlung nicht bloss selbst ge-
zeichnet und gestochen, sondern auch eigenhändig illuminirt hat,
so darf man wohl das Colorit für getreu halten und daraus den
Schluss ziehen, dass der Triton cristatus im wärmeren Oberitalien
merklich anders gefärbt ist als diesseits der Alpen. Die Grund-
1) In der ziemlich werthlosen Schrift : Fauna boica von R e i-
der und Hahn, Nürnberg 1832, werden die zwei Sturm'schen
Figuren mit kleinen Veränderungen, welche sie als Originalfiguren
erscheinen lassen sollen, in lithographischer Nachbildung und ver-
grössert; benutzt.
Archiv f. Nafnig. XXXIII. Jahrg. 1. Bd. 13
194 Leydig:
färbe erscheint als ein sehr helles Olivenbraun, die dunkeln Flecken
darauf mit hellem Hofe, die obere Seite des Kopfes beim Männchen
mit marmorirter Zeichnung. Nun habe ich zwar auch von unserer
deutschen Art Thiere mit schön marmorirtem Kopfe vor mir ge-
habt, doch nie den hellen Hof um die dunkeln Flecken beobachtet.
Das Weibchen hat bei Rusconi nicht nur eine sehr deutliche,
helle Rückenlinie, sondern letztere wird über den Hinterbeinen
(vergl. Fig. IH. PI. I) und längs des Schwanzes zu einem niedrigen
Kamm. Dann ist die Fleckenbildung am Uebergange von der dun-
keln Rückenseite in das Gelbe des Bauches verschieden von derje-
nigen unseres Triton. Endlich die gelbe Iris (vergl. das Weibchen
auf PI. H) zeigt in einiger Entfernung von der Pupille zwar einen
vollständigen dunkeln Ring , aber keine Spur von dem oben von
mir erwähnten senkrechten Halb strich. Selbst in kleinen Eigen-
schaften des Schädels, den Rusconi vom erwachsenen Thier und
von der Larve in verschiedener Ansicht darstellt, Hessen sich Un-
terschiede auffinden, so z. B. dass später auf der Rückenfläche des
Schädels alle Näthe geschwunden seien (PI. IV. Fig. II), die Gegend
um die Nasenöffnungen glatt, ohne schrundige Sculptur wäre u. dgl.
Doch möchte ich hierauf kein Gewicht legen, da diese Zeichnungen
des Schädels, trotzdem dass sie äusserst correct in der Vertheilung
von Licht und Schatten sind, worin sie allen mir bekannt gewor-
denen voranstehen und nach den strengen Regeln des Kupfersti-
ches ausgeführt (die Schattenstriche in ihrer Gesammtheit bilden
Grenzlinien) , doch nicht in allen Punkten genügen. Die Zähne
der Kiefer sind z. B. viel zu gross und zu weit auseinander ; dann
fehlt das Vieleckige im Umriss des verbreiterten Endes des Keil-
beinkörpers, u. s. w. Mehr aber als solche Ausstellungen fällt ins
Gewicht, dass unser trefflicher Anatom meint, Gaumenzähne anzu-
nehmen, sei ein Irrthum ; die Gaumenbeine besässen nur »petites
dentelures,« Oberkiefer und Zwischenkiefer besässen allein wirkli-
che Zähne, und darnach auch seine Figur hält. Hier ist der Irr-
thum auf Seite Rusconi's. Auch ist unrichtig wenn er sagt, jeder
Zahn sei in eine Alveole eingepflanzt. Hingegen ist sehr interes-
sant, was er auf Fig.JV und Fig. V (zwei Schädel der Larve) von
der Umbildung und Orts Veränderung der Gaumenbeine (Vomera
Cuv.) veranschaulicht. Die »pointes coniques,« mit denen die Kno-
chen sich besetzt zeigen , sind doch kaum , obschon unser Autor
dies offenbar verwirft , etwas anderes gewesen , als Zähne , die
hier deutlicher als später in drei bis vier regelmässigen Reihen
stehen. (Durch D u g e s , Anton , sind diese Verhältnisse später,
1835 , an den Larven des in Frankreich vorkommenden Triton
marmoratus noch genauer dargestellt worden.) —Von den übrigen
anatomischen Untersuchungen sind, wie bekannt, die über das Ge-
fässsystem, insbesondere über die Umwandlung der Aortenbogen,
Ueber die Molche der württemLergischen Fauna. 195
vorzüglicher Art, und Fig. IV und Fig. VI auf PI. V erscheinen daher
bis in die neueste Zeit vielfach copirt.
Gravenhorst durchgeht und beschreibt die in der Breslauer
zoologischen Sammlung aufgestellten Individuen, worunter verschie-
dene aus Oesterreich eingeschickte Exemplare sich befinden , die
mancherlei kleine Besonderheiten in Farbe und Gestalt darboten.
— In vergrössertem Massstabe ist der Kloakenwulst vom Männ-
chen und Weibchen abgebildet, auch in drei Figuren die »partes
internae« von beiden Geschlechtern veranschaulicht. Diese Zerglie-
derungen (a. a. 0. Tab. XVII. Figg. 1, 2, 3) wollen indessen, ob-
schon die Schrift als Prachtwerk angelegt ist, nicht allzuviel be-
deuten. Sie zeigen von den Eingeweiden nichts anderes, als was
man nach einfacher Eröffnung der Leibeshöhle vor sich sieht; zwar
sauber in Punktmanier gestochen und colorirt. Am ehesten möchte
die das Weibchen versinnlichende Figur Dem, der sich noch zu
Orientiren hat, erwünscht sein, da sie die vollständig entwickelten,
vielfach gewundenen, den Anfänger leicht irreführenden Eileiter in
natürlicher Lage zeigt. Auf der Figur, welche die Leibeshöhle des
Männchen darstellen soll (Fig. 1), ist ohne weiteres zu tadeln, dass
die Hoden und die Fettkörper in Stich und Colorit ganz gleich ge-
halten sind, so dass sich die Hoden völlig wie eine Partie des Fett-
körpers ausnehmen; dazu kommt noch der Fehler des Kupferstechers,
dass die Conturen der (blau colorirten) Lungen (Canalis, seu pars
supera, pulmonum) continuirlich der Art in die der Hoden übergehen,
als ob diese die blasigen Enden der Lungen wären. — Ueber den Tri-
ton carnifex Lauren ti bemerkt bereits unser Autor richtig, dieses
»animal dubium« möge vielleicht ein jüngeres Thier des Triton cri-
status sein.
Mit besonderem Interesse habe ich mir die colorirten Figuren
in des Prinzen Bonaparte Fauna italica angesehen. Ein zoolo-
gisches Werk in Rom erschienen, von römischen Künstlern gezeichnet
und lithographirt, muss, selbst wenn der Herausgeber nicht von so
hohem gesellschaftlichen Range gewesen wäre, unsere Antheilnahme
erregen. Die Tafel, welche den Triton cristatus, in Rom »tarantola
d'aqua« genannt, nebst zwei anderen Arten enthält, ist von Carl R u s p i
gezeichnet und wenigstens in Einzelheiten sorgfältiger als die Tafel,
welche die noch übrigen Arten darstellt und von QuattrocchiM
1) Doch kann ich nicht umhin auszusprechen, dass diesem
Künstler (Quattr oc chi) die Eidechsen in der obigen Fauna ganz
ausnehmend gelungen sind. Er vvusste durch die Richtung des
Kopfes, Krümmung des Leibes, durch Stellung der Beine u. s. w.
das Hastige, ja Gewaltsame in der Bewegung dieser Thiere sehr
getreu auf dem Papier festzuhalten.
196 Leydig:
herrührt. Aber es ist doch gar Manches als nicht naturgetreu da-
ran auszusetzen. So erscheint das Männchen über alle Massen
dickbauchig, wie man bei uns nie, und schwerlich auch in Italien,
ein derartiges Individuum zu Gesicht bekommen wird. Dann tritt,
namentlich beim Weibchen, wieder der Fehler auf, von dem sich die
Zeichner von Batrachiern, wenn sie nicht selbst Naturforscher sind,
so schwer losmachen: der Kopf nämlich ist viel zu sehr gewölbt
und die Schnauze zugespitzt, so dass er im Gesammtumriss nebst
der stark aufgetriebenen Kehle schon an die Kopfbildung der Gecko's
z. B. an Hemidactylus gemahnt, aber durchaus nicht die von Triton
ist. (Durch denselben, noch übertriebenen Fehler, hat der gleiche
Zeichner den Kopf von der gemeinen Kröte zur Carricatur verbil-
det.) Merkwürdig ist mir, wie Ruspi die Pupille unseres Triton
gehalten hat. Ich habe oben (S. 181) mitgetheilt, dass die im Leben
runde Pupille beim Absterben des Thieres sich winklig zusammen-
ziehen kann; doch sah ich nur einen unteren Winkel. Die in Rede
stehenden Figuren aber (Männchen und Weibchen) haben eine deut-
liche rautenförmige Pupille. Und ich möchte um so eher in diesem
Punkte an die Genauigkeit des Zeichners glauben, als er auch den
dunklen Strich in der gelben Iris anbringt, freilich ausser dem un-
teren auch einen oberen. — Den Triton carnifex, der auf derselben
Tafel von der Rücken- und Bauchseite recht kenntlich abgebildet
ist, behandelt der Yerf. zuerst als eine besondere, von Tr. cristatus
durchaus verschiedene Species. Später aber — er spricht davon
unter Triton alpestris — ist er zu der richtigen Erkenntniss ge-
kommen, dass das Thier nichts anderes sei, »che il T. cristatus
giovane.«
In C u vi e r's Regne animale illustre, Reptiles par Duvernoy,
PI. 40. Fig. 2, ist das Männchen unseres Triton eolorirt abgebildet,
im Ganzen recht gut. Namentlich ist hier die nach hinten ent-
wickelte, an manche Fische erinnernde, lappige Bildung der Ober-
lippe getreu wiedergegeben. Dagegen hat es etwas störendes, dass
die Schwanzflosse an dem zur Abbildung auserlesenen Thier gerade
eine zufällige Form darbietet: es fällt der obere Flossensaum etwa
in der Mitte des Schwanzes plötzlich ab, wie verstümmelt, anstatt
sich bis zur Schwanzspitze mit allmählicher Absenkung zu verlieren.
— Auf derselben Tafel erscheint, aus den Recherches sur les osse-
mens fossiles reproducirt, der Schädel von der Seite, oben und un-
ten ; sehr brauchbar zur Belehrung über die Zusammensetzung und
die Grenzen der einzelnen Knochen, dagegen mit Ausserachtlassung
der feineren Bildungen, durch welche sich der Schädel des Triton
cristatus von dem der anderen Species unterscheidet. In letzterer
Beziehung ist der Anfang gemacht bei Duges (Alfred), dessen Ab-
bildung (a. a. 0. PI. 1, Figg. 12, 13) zwar einen schematischen Cha-
rakter hat, aber doch die runzelige Beschaffenheit des Yorderkopfes
üeber die Molche der württembergischen Fauna. 197
andeutet. Ueberhaupt ist der Abhandlung des Genannten nachzu-
sagen, dass sie auf gründlichen Studien ruhend, die Verwandtschafts-
verhältnisse der Urodelen untereinander klar auseinander zu le-
gen sucht.
In dem Atlas zu der Erpetologie generale von B i b r o n und
D u m e r i 1 sind über die in Rede stehende Art drei Abildungen ent-
halten, wovon die eine (PI. 94. Fig. 3) die geöffnete Rachenhöhle
vorstellt »pour montrer la langue et les dents,« die zwei anderen
(PI. 102. Figg. 2, 3) den Schädel von oben und unten veranschauli-
chen. Was die erstere Figur betrifft, so ist an" ihr ein wesentlicher
Fehler zu rügen. Die zwei Streifen der Gaumenzähne sind auf der
Zeichnung vorne und hinten weit auseinander und neigen in der
Mitte etwas zusammen, so dass jeder Zahnstreifen, wenn auch nur
ganz leise, an die S-förmige Krümmung des gleichen Theiles bei
Salamandra maculosa erinnert. In Wirklichkeit ist aber jeder der
beiden Zahnstreifen ganz gerade, ohne alle Spuren von Krümmung.
Auch habe ich noch zu berichtigen, dass die Zahnstreifen keines-
wegs, wie auf der Figur der Fall ist, über die Choanen hinaus
nach vorne sich erstrecken, sondern sie hören in gleicher Höhe mit
ihnen auf. Besser sind die von einem anderen Künstler herrühren-
den Schädelzeichnungen in vergrössertem Massstabe ; doch machen
sie bei aller Eleganz und technischen Ausführung den Eindruck,
als ob dem Zeichner die einzelnen Kopfknochen nicht recht geläufig
gewesen wären, wesshalb sich z. B. im Occipitalabschnitt durch
scharfe Lichter und Schatten ein etwas wirres Hügel- und Thäler-
wesen einstellt. Auffallend ist mir auch, dass bei den Französischen
Autoren die medianen Löcher am Gaumen völlig anders erschei-
nen, als ich es sehe und in meiner Abbildung wiedergegeben
habe. Ich finde bei allen Schädeln eine grössere längliche Oeffnung
an der Vereinigungsstelle der beiden Vomera, dann weiter nach
vorn , im Zwischenkiefer eine um vieles kleinere von rundlicher
Form. Letztere fehlt auf der citirten Figur; wohl aber erscheint,
nach hinten von der grossen, unmittelbar zwischen den Anfängen
der Leisten der Gaumenzähne, eine von mir niemals bemerkte, zweite
längliche Oeffnung.
Die Abhandlung von De l'Isle du Dreneuf (a. a. 0. PI. 12.
Figg. 3, 3 a) enthält ebenfalls in sauberer Zeichnung und vergrös-
sert den Schädel des Triton cristatus, von oben und unten, um
die Unterschiede von dem nahe verwandten Triton marmoratus ^)
1) Der Schädel dieser Art, von oben und unten, vergrössert
und in einfacher Contourzeichnung wurde schon von Anton D u-
ges, 1835, a. a. 0. abgebildet. Auch die specielle Myologie siehe
bei Genanntem, Figg. 125 und 126 (Tab. XVII).
198 Leydig:
und dem neuen Triton Blasii hervortreten zu lassen. Da hierbei
genannter Forscher, und mit Recht, Werth auf die An- oder Abwe-
senheit des Processus orbitalis des Stirnbeins legt und denselben
für Triton cristatus ganz in Abrede stellt, so möchte ich im An-
schlüsse an das Seite 183 Bemerkte wiederholen, dass man denselben
bei der Ansicht des Schädels von oben läugnen kann, obschon die
Schädellinie an dieser Stelle ein wenig ausbiegt; aber bei Betrach-
tung von unten unterbricht denn doch bereits ein schwacher Vor-
sprung die Linie, als Anfang dessen, was bei den anderen Arten
sich in entschiedener Weise zum Orbitalfortsatz gestaltet. — Ich
kann nicht unterlassen, meine Freude über die drei Abbildungen
des neuen Triton Blasii in natürlicher Grösse und colorirt, auszu-
drücken. Obschon ich diese Art nicht selbst gesehen habe, die-
selbe aber zum Formenkreis des Triton cristatus gehört, so lässt
sich doch fühlen und bemerken, wie correct die Zeichnung, wie na-
turgetreu und künstlerisch zugleich die Auffassung ist. Namentlich
das brünstige Männchen von der Seite, schreitend, mit völlig ent-
wickeltem Rückenkamm, ist ein kleines Meisterstück. Das Colorit
der Originalzeichnung wird wohl in gleicher Weise sorgfältig ge-
wesen sein, was noch für den aufmerksamen Betrachter, selbst trotz
der kleinen Lässigkeiten, deren sich die lUuministen gemeinhin
schuldig zu machen pflegen, durchblickt. Die Figuren nähern sich
in ihrem Werthe denen von R u s c o n i.
2. Art : Triton alpestris Laur. (Mittlerer oder
Bergsalamander).
Salamandra aquatica. Wurfbain, Salamandrologia 1683.
Triton alpestris, salamandroides. Laurenti, Synopsis
reptilium 1768.
Lacerta palustris, variet. subtus ignea, Razoumowsky,
Hist. nat. .du Jorat 1789.
Triton alpestris, salamandroides. Schrank, Fauna
boica 1798.
Triton alpestris. Schneider, Histor. Amphib. 1799.
Salamandra cincta. Latreille, Salamandres de France.
1800.
Salamandra ignea. Bechstein, Anmerkungen und Zu-
sätze zu de ia C e p e d e's Naturgesch. der Amphi-
bien löOO.
lieber die Molche der württemberg-ischen Fauna 199
Salamandra rubriventris. D au diu, Hist. d. Rept. 1803.
Triton alpestris. Sturm (Ko ch ), Deutschlands Fauna
1828.
Molge ignea. Gravenhorst, Reptil, mus. zool. Vra-
tisl. 1829.
Triton alpestris. Reider und Hahn, Fauna boica 18B2.
Triton alpestris. Bon aparte, Iconografia della Fauna
italiana 1836.
Hemitriton alpestris. Dug^s (Alfred), Urodeles de
France 1852.
Triton alpestris. B i b r o n und D u m e r i 1 ^ Erpetolo-
gie 1854.
Triton alpestris. De Betta, Monografia degli amfibi
urodeli ital. 1862.
Kennzeichen.
Länge 3 bis 31/2 Zoll, das Weibchen bis 4 Zoll. Kopf-
breitlich und weniger abgeflacht, daher etwas dicklich,
vorne abgerundet, (noch mehr krötenartig als bei der
vorausgegangenen Art). — Grundfarbe der Rückenseite
schiefergrau , darauf dunklere bräunliche Flecken von
zackiger Form. An der Seite des Leibes, Kopfes, der
Lippen, Oberseite der Extremitäten, Seite des Schwanzes
rundliche, schwarze Flecken. Bauchseite orangeroth, un-
gefleckt. — Iris goldgelb, mit Einmischung von Schwarz.
Drüsenporen am Kopfe beim frischen Thier undeutlich.
— Die beiden Zahnstreifen am Gaumen bilden ein um-
gekehrtes weit offenes lateinisches V.
Männchen im Hochzeitkleid. Kleiner und dünn-
leibiger. Haut glatt. Auf der Rückenlinie mit niedrigem,
ungezackten Kamm , erst hinter dem Kopfe beginnend
und in den oberen Flossensaum des Schwanzes sich ver-
lierend. Schwanz sehr verbreitert. Kloakengegend stark
verdickt. Das Schiefergrau der Grundfarbe, bei scharfer
Beleuchtung mit schwärzlichen Punkten, neigt mehr ins
Blaue, ja an der Seite des Leibes, an der Grenze zum
200 Leydig:
Orange des Bauches ist eine rein hellblaue Zone. Die Rei-
hen schwarzer rundlicher Flecken an der Seite des Ko-
pfes und des Leibes liegen auf einem weisslichen Grunde,
können auch zu Streifen zusammenfliessen. Das Orange
der Bauchseite in der Mitte fast feuerroth, nach den Seiten
etwas blasser ; an der Kehle gewöhnlich mit einigen spär-
lichen Flecken. Grundfarbe des Rückenkammes ein Weiss-
gelb, unterbrochen von senkrechten, kurzen schwarzen Bin-
den ; nicht selten greifen zwischen die von oben kommenden
Binden kurze, dunkle, dreieckige Flecken von unten her
ein. Oberer und unterer Flossensaum des Schwanzes
ebenfalls blass- oder weissgelblich mit dunkeln Flecken;
an der Wurzel des Schwanzes mit stark gelblichem Ton,
als letztem Ausläufer des Orange der Bauchseite. An
der Seite des Schwanzes eine Reihe bläulichweisser
Flecken.
W^ e i b c h e n im Hochzeitkleid. Grösser, dickbau-
chiger, gestreckter. Haut am Rücken feinkörnig. Meist
ohne alle Spur von Kamm auf dem Rücken. Schwanz
weniger verbreitert. Kloaken gegend weniger verdickt.
Grundfarbe der Rückenseite entweder ein helles oder ein
dunkles Grau, selbst ins Schwärzliche ziehend, seltner
bläulich, darauf dunkle Pünktchen. Die grossen braunen,
zackigen Inselflecken, auch stellenweise zusammenflies-
send, sind nicht bloss zahlreicher als beim Männchen,
sondern heben sich auch schärfer ab; sie sind hellbraun
bei lichterer, dunkelbraun bei dunklerer Grundfarbe. Die
schwarzen Fleckenreihen zur Seite, kleiner und zackiger,
grenzen unmittelbar an das Orange des Bauches; liegen
auch selten in einer lichten, w^eisslichen Zone, oder wenig-
stens umgeben von weisslichen Punkten. Kehle beständiger
gefleckt. Das Gelb des Bauches erstreckt sich, unter-
brochen von einzelnen schwarzen Flecken, an der Bauch-
kante des Schwanzes bis zu dessen Spitze.
Farbe na band erungen; Kopfporen.
In beiden Geschlechtern kommen mancherlei gros-
Ueber die Molche der württembergischen Fauna. 201
sere oder kleinere Farbenabänderungen vor. Die Kehle
beim Männeben kann ganz ungefleckt sein; gewöhn-
lich besitzt sie einige wenige Flecken ; ich hatte aber auch
ein lebendes Thier vor mir^ das an gedachter Stelle stark
schwarz pigmentirt war. — Das Weibchen für gewöhn-
lich ohne alle Spur eines Rückenkammes^ kann als stell-
vertretend eine gelbliche oder hellbräunliche Rückenlinie
besitzen, ja sogar einen wirklichen schwach erhabenen,
punktirten Rückensaum. Ich hielt längere Zeit ein sol-
ches Thierchen mit Rückenkamra, das ich in einem kal-
ten Waldbache, wo sich nur Larven vom Erdsalamander
vorfanden, angetroffen hatte. — Nicht selten sind Weib-
chen, bei welchen die seitliche Zone schwarzer Flecken
auf weisslichem Grunde sich von der übrigen Rücken-
farbe und Zeichnung gar nicht abhebt. — Die Grundfarbe
steigert sich auch beim W^ eibchen hier und da zu einem
schönen Blau, in welchem Falle dann die Inselflecken
schwärzlich waren. — Diese Flecken, von denen schon
oben gesagt wurde, dass sie stellenweise zusammenflies-
sen können, bilden nicht selten auf diese Weise eine Art
von zackigem Längsband an der Seite des Leibes. — Das
Schwarz auf der goldgelben Grundfarbe der Iris erzeugt
entweder (bei beiden Geschlechtern) einen senkrechten
Theilungsstrich, abwärts von der Pupille, oder es bildet
zwei wagerecht gestellte, dunkle Wölkchen ; oder beides,
der senkrechte Strich und die zwei Wölkchen sind so
verschmolzen, dass die Iris mehr als zur Hälfte dunkel
wird und nur nach oben gelb bleibt.
Die Drüsen reihen (Poren) oben auf dem Kopfe
sind für die gewöhnliche Besichtigung, am frischen Thiere
kaum erkennbar, man würde sagen können: sie mangeln;
erst an Thieren, welche durch längeres Liegen im Wein-
geist abgebiasst sind, werden sie mit der Lupe und eini-
ger Mühe, erkennbar.
Bei Thieren, welche man vom Frühjahre bis Herbst
in Zimmeraquarien hält, ändert sich Farbe und Aussehen
nach der Fortpflanzungszeit in nicht geringem Grade.
202 Leydig:
Der Farbenschmuck des Männchens, am lebhaftesten bis
Mitte April, nimmt von da an rasch ab und ist häufig
schon Anfangs Mai verschwunden. Die Thiere sind jetzt
nicht bloss dunkler, ja manche fast schwarz geworden,
sondern auch die Hautoberfläche geht vom Glatten ins
entschieden Körnige über; was ich mir daraus erkläre,
dass mit dem Schwund des Kammes gleichzeitig in der
ganzen Haut das Bindegewebe einsinkt, sich zurückbildet
und jetzt die grösseren Drüsensäckchen als Wärzchen her-
vortreten lässt. Anfang Juni war die früher glatte Haut
des Männchen deutlich körnig geworden. Noch mehr ist
dieses beim Weibchen, dessen Haut immer feinkörnig ist,
der Fall ; sie ist jetzt ins Rauhkörnige übergegangen. An
der Seite des Leibes, an der Unterfläche der Beine sind
die Wärzchen ebenso weiss gefärbt, wie bei Triton cri-
status. Das ist denn auch das Aussehen von solchen Thie-
ren, welche man im Freien, nach der Fortpflanzungszeit,
ausserhalb des Wassers antrifft.
Um so mehr überraschte mich eine Erfahrung, wel-
che darthut, dass unter anderen Umständen die Färbung
sich im Wesentlichen lange Zeit erhält. Es wurde im
Frühjahre eine Anzahl unseres Bergsalamanders in einen
steinernen, schattig stehenden Trog im Garten eingesetzt
und reichlich mit Regenwürmern gefüttert. An diesen
Thieren war Mitte Juni die Färbung noch äusserst leb-
haft, insbesondere das Blau der Männchen an der Seite
des Körpers und am Schwänze so rein, wie es sonst nur
am Uebergang zum Gelbroth des Bauches zu sein pflegt.
Ferner waren die grossen Flecken von sehr scharfem
Umriss und bei mehren Individuen zu einem zackigen
Längsband an der Seite des Leibes zusammengeflossen,
während sie sich am Schwänze netzförmig verbanden.
Gegen Ende August, wo ich zum letzten Mal nach den
Tritonen sah, war die Schärfe der Zeichnung noch eben
dieselbe; dabei hatten die Thiere ein sehr wohlgenähr-
tes, fast fettes Aussehen, die Männchen sowohl wie die
Weibchen. Der Farbe fehlte nur der zarte Reif, den das
Männchen im Frühjahre hat und selbstverständlich die Flos-
senhaut des Rückcuö und des Schwanzes.
lieber die Molche der württembergischen Fauna. 203
Im Weingeist ändert sich nicht nur bald das Orange-
roth des Bauches in ein schmutziges Weiss um, sondern
auch die Grundfarbe des Rückens blasst nach und nach
in ein lichtes Lederbraun ab.
üeber vitalen Farbenwechsel vergleiche oben S. 172,
Schädel; Zähne; Kloakenpapillen.
Der Schädel ^) dieser Art hat so scharfe Eigen-
thümlichkeiten, dass er sich gut erkennen lässt. Zunächst
kennzeichnet ihn gegenüber von dem der übrigen einhei-
mischen Species im Ganzen ein gewisses verkürztes, wie
gedrungenes x^ussehen. Dann besitzt er einen stark vor-
springenden, nach rückwärts gewendeten Augenhöhlen-
fortsatz des Stirnbeins. Während man den Schädel ske-
letirt, lässt sich leicht bemerken, dass von diesem Fort-
satze des Stirnbeins ein starkes Band nach hinten zum
Tympanicum geht, uns desshalb von besonderer Bedeutung,
weil bei Triton helveticus, dann auch bei anderen, z. B.
bei Euproctus, Pleurodeles, an dieser Stelle ein völliger
Knochenbogen aus dem rückwärts gewendeten Processus
frontalis und einem vorwärts gewendeten Processus tym-
panicus zu Stande kommt. — Unterhalb dieser bei un-
serer Art sehnigen Brücke zieht sich schräg eine tiefe
Muskelfurche hin, welche von rechts nach links her nach
oben in der Mittellinie spitz zusammentreffend, auf den
Scheitelbeinen eine scharfe Leiste abgrenzt, wodurch der
Schädel im Ganzen vor dem Hinterhauptssegmente wie stark
eingeschnürt erscheint. Auf dem Stirnbein (Frontalia poste-
riora j, welches im Allgemeinen glatt ist, markirt sich eine
feine Rinne, welche bei dem Orbitalfortsatze entspringt
und nach vorne geht, hier auch einige Seitenrinnen auf-
zeigt. Die Rinne dient dem Stamm des Nerven, welcher
vom N. trigeminus sich abzweigend, Stirn- und Nasenge-
gend versorgt, — Von den bei Triton cristatus so sehr
1) Vergl. Figur 11 (Schädel von oben) ; Figur 12 (Schädel
von unten).
204 Leydig:
ausgeprägten Gruben (für die grossen Hautdrüsen) sind
auch hier auf dem Nasenbeine Spuren vorhanden, -^ie
man zwar kaum mit freiem Auge, aber deutlich mit der
Lupe wahrnehmen kann. — Charakteristisch bei der An-
sicht von oben ist auch eine Längsspalte, in der Mittel-
linie, hinter den Nasen Öffnungen, begrenzt vom inneren
Rande der aufsteigenden Aeste des Zwischenkiefers.
Bei der Ansicht von unten fällt als besonderes Kenn-
zeichen auf, dass die Zahn streifen am Gaumen, ge-
nauer die rückwärts gehenden Ausläufer der Vomera
(Palatina) stark divergiren, so dass sie ein weit geöffne-
tes, umgekehrtes lateinisches V bilden. Wobei aber noch
zu bemerken, dass sie auch nach vorne, wo sie ganz zu-
sammenzustosscn scheinen, dies in Wirklichkeit doch nicht
thun, sondern getrennt, also für sich, bleiben. — In An-
betracht weiterer kleinerer Merkmale, als da sind: Um-
riss der Platte des Keiibeinkörpers, Ausbildung der Mus-
kelleisten darauf und ähnliches, verweise ich auf die von
mir beigegebenen Figuren 11 u. 12, welche ich möglichst
naturgetreu gehalten habe.
Das brünstige Männchen dieser und der nächsten
Arten lässt aus den beiden Wülsten der halbgeöffneten
Kloakenspalte einen Büschel anscheinend steifer , zarter
Haare hervortreten. Dieselben sind, wie die mikrosko-
pische Untersuchung darthut, sehr lange zarte Papillen,
welche aber einige besondere Eigenschaften darbieten.
Zunächst scheinen sie mir contractil zu sein; dann sehe
ich, dass jede Papille als Träger des Ausführungsganges
von Kloakendrüsen dient. Man verfolgt in ihrem Innern
einen hellen, sich an der Spitze der Papille öffnenden
Strang, welcher der Drüsenweg ist. Die Blutgefässe er-
strecken sich nicht bis zur Spitze der Papille. Nervöse
Elemente fehlen. Die Aussenfläche überzieht ein Epithel.
Zur Entwickelu ng.
Unter allen den einheimischen Arten laichte mir
Triton alpestris im Zimmer am frühesten; Anfangs April.
lieber die Molche der württembergischen Fauna. 205
Mitte Mai erfolgte ein Stillstand ; dann mit Beginn Juni,
als plötzlich höhere Temperatur (+ 24öR.) eintrat, heftete
das Weibchen eine Menge Eier, viel mehr als früher, an
die Wasserpflanzen.
Die gelegten Eier sind von granbrauner Farbe. Die
ganz jungen Larven haben ein bräunliches Aussehen mit
zwei dunkeln Rückenstreifen.
Bei halberwachsenen Larven, etwa aus Mitte oder
Ende Juli, ist die Grundfarbe der Oberseite ein helles
Olivenbraun, unten und seitwärts Gold- oder Silberglanz.
Der Schwanz zeigt auf hell olivenfarbenem Grunde ein
dichtes Netz dunkler Pigmentirung.
Später, im x\ugust, erhalten sie ein sehr charakte-
ristisches Aussehen durch das Auftreten heller Flecken
von unregelmässiger Form und ziemlicher Grösse. Die-
selben an der Seite des Leibes sich hin erstreckend, wer-
den nach und nach immer lichter, grösser, hängen auch
unter einander zusammen und heben sich um die ange-
gebene Zeit von der lederbraunen Grundfarbe schön ab.
Schon ehe diese letztere Zeichnung eingetreten ist,
vermag man die Larven unseres Triton alpestris unschwer
von denen des Triton cristatus und des Triton taeniatus
weg zu kennen, selbst wenn sie zufällig ganz gleiche Grösse
mit einander haben sollten.
Bei den Larven von Triton cristatus geht der Schwanz
in einen langen Faden aus ; hier beim Tr. alpestris endigt
er abgestumpft. (Die Form erinnert an die Schwanzflosse
der Larven von Salamandra maculosa, entfernt sich aber
von dieser wieder dadurch, dass denn doch eine kleine
Spitze aus dem sonst rundlichen Ende absteht.) Bei den
Larven von Tr. cristatus ferner findet sich ein weisslicher,
von besonderem Pigmente herrühender Saum um die
Schwanzflosse, welcher bei Tr. alpestris fehlt. Endlich
ist das schwarze Pigment auf der Schwanzflosse bei Tr.
alpestris mehr gleichmässig dicht gegittert ohne auö'al-
lende grössere Flecken; während bei Tr. cristatus zu dem
Netzwerke noch eine Anzahl grösserer schwarzer Flecken
hinzutritt.
206 Leydig:
Sind einmal an den Seiten des Leibes bei der
Larve von Tr. alpestris die lichten Flecken auf lederbrau-
nem Grunde erschienen^ so werden die Thiere auf den
ersten Blick kenntlich.
Von den Larven des Triton taeniatus unterscheidet
sich die des Tr. alpestris dadurch, dass erstere nicht bloss
im Habitus schlanker und zarter ist, sondern auch in der
Färbung durchweg heller. Im Näheren ermangelt der
Schwanz der dunkelgitterigen und marmorirten Zeich-
nung; er besitzt im Gegentheile hier nur wenig einge-
streutes dunkles Pigment und dieses zeigt eine andere
Art der Vertheilung: der Schwanz ist mehr punktirt.
Dann wird für Tr. taeniatus sehr auszeichnend eine gelbe
Punktreihe der Seitenlinie, welche bei Tr. alpestris fehlt.
Bei Larven von Triton alpestris, welche ich Ende
September erhielt, machte sich auf der Mittellinie des
Rückens ein ähnlicher gelbröthlicher Streifen bemerklich,
wie er bei jener Form des jungen Tr. cristatus, welcher
als Triton carnifex unterschieden wurde, in besonderer
Ausprägung hervortritt. Doch zeigte sich gegenüber von
Tr. carnifex der Unterschied, dass der gelbröthliche Strei-
fen nur von der Länge einiger Linien vollkommen deut-
lich und selbst ziemlich breit war, dann aber weiter nach
hinten nur spur weise verlief.
Es waren solche Larven -um diese Zeit, abgesehen
von den zwar noch vorhandenen, aber sich rückbildenden
Kiemen bereits von der Gestalt der alten Thiere, insbe-
sondere hatten die Beine und Finger nicht mehr das gra-
cile und verlängerte Wesen, was sie früher ausgezeich-
net; auch der Schwanz nicht mehr den breiten zarten
Flossensaum. Die Farbe des Rückens war die oben ange-
gebene, so eigenthümlich weiss gefleckte; das metallische
Pigment der Seite war geschwunden, dafür nach unten
zu, eine Reihe schwarzer kleiner Tüpfel erschienen, so
wie die weissen Hautkörnchen.
lieber die Molche clerwürttembergischen Fauna. 207
Man bat bisher im Allgemeinen dafür gehalten, dass
die Kiemen bei den Tritonen nicht über das Larvenle-
ben hinausdauern ; die Grenze des Larvenlebens aber
pflegt man in die Zeit, in w^elcher die Produete der Ge-
schlechtsthätigkeit, Eier und Samen, sich entwickeln, zu
setzen. Es scheint aber, dass unter gewissen beengen-
den Umständen das schon geschlechtsreife Thier noch die
Tracht einer Larve beibehalten^ mithin kiementragend
bleiben kann.
Es lässt sich dies aus einer interessanten Beobach-
tung schliessen, welche wir de Filippi verdanken ^).
Derselbe gewahrte in einem Gebirgssee Tritonen, welche
nach Grösse und Gestalt völlig ausgewachsenen Thieren
(Triton alpestris) glichen, mit allen Zeichen der Reife,
— aber sie besassen noch die Kiemen. Auch für die
mikroskopische Untersuchung des Innern der Thiere
mussten die Kiemen als „un anacronismo^ erscheinen;
denn die Hoden der Männchen enthielten fertige Zoo-
spermien , die Eierstöcke der Weibchen entwickelte
Eier 2).
De Filippi hebt mit Recht hervor, dass diese That-
sache zu einer Stütze der Descendenz-Theorie verwendet
werden könne; sie bringt offenbar die Wassermolche in
eine noch nähere, directere Verwandtschaft zu den Fisch-
molchen, als dies bis jetzt angenommen worden war. Man
1) Sulla larva del Triton alpestris. Arcliivio per la Zoolo-
gia, 1861.
2) Nachträglich sehe ich. dass schon vor geraumer Zeit der
in seinen Beobachtungen so genaue S ehr eib er s, gewesener Di-
rector des Naturalienkabinets in Wien, ähnliche Thatsachen ermit-
telt hat (Isis 1833. S. 330). Er fand Larven mit sehr entwickelten
Kiemen, aber das ganze Thier von der Grösse »ausgewachsener,
mannbarer Individuen,« und wiederholte Sectionen lehrten, »dass
die Geschlechtsorgane sehr entwickelt waren, zumal zeigten sie »von
Eiern strotzende Ovarien.« Schreibers zieht daraus den Schluss,
dass die Larven den Act der Metamorphose verlängern oder ver-
kürzen können, wie es die Umstände erheischen; und stellt darauf
hin Versuche an, aus denen hervorgeht, dass die letzte Verwand-
lung, d. h. Verlust der Kiemen, sich »gewaltsam procrastinieren
lasse.«
208 Leydig:
darf die Erscheinung in erster Linie als eine Anpassung
an äussere Existenzbedingungen betrachten und ich möchte
dabei an eine andere in neuerer Zeit mehrmals erwähnte
Beobachtung erinnern. Es wird behauptet, dass ^^Kröten
an feuchten und doch des stehenden Wassers ganz ent-
behrenden Orten im Stande sind, sich aus dem Ei un-
mittelbar zur reifen Form zu entwickeln, ohne dazwischen
fallende Kiemenbildung.^
Vorkommen.
Es findet sich diese Art in den Alpen, den Mittel-
gebirgen und sonst noch in bergigen Gegenden von
Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Italien; viel-
leicht auch da und dort in der Ebene. Hier bei Tübin-
gen, wo bereits vor langen Jahren Schübler die x\.rt
erkannt hat, kommt sie zusammen mit den anderen Spc-
cies in einigen Tümpeln vor, beginnt aber, da sie allzu
häufig weggefangen wird, etwas seltener zu werden. Als
Glied der Württembergischen Fauna wird sie auch bei
V. Martens und Plieninger aufgeführt. Ich selbst
beobachtete diese Species noch in den schweizerischen
Alpen, im bairischen Hochland, im Schwarzwald, in der
Rhön. Im Mainthal vermisse ich sie. Im Nassauischen
ist sie nach Kirschbaum „überall häufig." Dass un-
ser Triton auch den Rheingegenden bei Bonn angehört,
erfuhr ich durch Hrn. v. M e n g e r s h a u s e n , der lebende
Exemplare von dort mit nach Tübingen brachte.
Geschichtliche und kritische Bemerkungen.
Gegenwärtige Species wird zum erstenmal beschrieben und
gezeichnet von Wurfbain (a. a. 0. p. 64. Tab. II. Fig. 4). Er er-
zählt, dass er diesen Wassersalamander aus der Gegend der dama-
ligen Universität Altdorf ^) , zum reichsstädtischen Gebiete von
1) Nach Matth. Merian: »eine berühmbte hohe Schul,
weilen die Herren Professores fleissig und fundamentaliter dociren.«
Ueber die Molche der württembergischen Faunca. 209
Nürnberg gehörig, und meines Wissens am Saume des fränkischen
Jurazuges gelegen, erhalten habe. Sogleich erkennt er auch, dass
die Art neu sei, »a nuUo hactenus. quam scio, authorum descripta^,
und bildet sie unverkennbar ab. Man sieht der Figur ferner mit
Sicherheit an, dass sie das Männchen vorstellt; im Uebrigen kann
man freilich die Zeichnung kaum rühmen. Das Thier ist, nament-
lich was Kopf und Vorderleib betrifft, viel zu massig ausgefallen;
auch war wieder (wie beim Tr. cristatus) die Zahl der Zehen dem
Künstler etwas gleichgültiges. Der rechte Vorderfuss hat drei, die
übrigen alle vier Zehen.
Laurent i, welcher der Art zuerst den Namen alpestris bei-
legte, hatte hierbei offenbar nur das Weibehen vor sich (a. a. 0.
Tab. II. Fig. IV), w^elches er überdies nicht im Wasser, sondern auf
dem Lande »in Etshero monte« antraf; womit denn auch seine
Beschreibung des Thieres (,a. a. 0. p. 142) gut zusammenstimmt.
Es ist die Farbe des Weibchens, post nuptias und ausser dem Was-
ser lebend. Da Laurenti keine Ahnung hat, dass die W^urf-
bain'sche Salamandra aquatica auf Tab. II. Fig. 4, als Männchen
zu seinem Triton alpestris gehört, dasselbe auch offenbar ihm gar
nie unter die Augen gekommen war, so macht er aus dem Wurf-
ba in 'sehen Thier eine neue Art: Triton salamandroides.
Auch bei Schrank, welcher diese Art zuerst für das baieri-
sche Gebirge nachwies (a. a. 0. und baierische Reise 1786. S. 156)
figuriren Männchen und Weibchen als besondere Species. Das Männ-
chen ist ihm »Alpentriton, Triton alpestris;« das Weibchen >molch-
artiger Triton, Triton salamandroides.« Doch bemerkt er, sie kä-
men zusammen vor.
Schneider hat unseren Triton nicht selbst beobachtet, son-
dern beschreibt ihn nach Laurenti (a. a. 0. p. 71); aus eben dem
Grande hat er auch nicht erkannt, dass Razoumowsky mit
Lacerta palustris variet. subtus ignea, den Triton alpestris und zwar
das Männchen gemeint habe. Mit welchem Rechte, darf man fra-
gen, setzen neuere Faunisten anstatt Laurenti's den Namen
Schneid er's als Autorität zu Tr. alpestris?
Nach Laurenti hat zuerst wieder Latr eil le den Berg-Molch
bildlich (a. a. 0. PI. V. Fig. 5) dargestellt, zwar nicht besonders gut,
aber doch nach dem niedrigen, hell punktirten Kamm und der dun-
kel punktirten Seitenbinde des Leibes recht kenntlich. Auch hat
unser Autor die beiden Geschlechter bereits unterschieden, obschon
mir seine Diagnose : »La femelle a le bord superieur de la queue et
l'arete dorsale jaunätres« nicht recht ausreichend scheint.
Das Verdienst gegenwärtige Art sicher und richtig nach bei-
den Geschlechtern erkannt und genau festgestellt zu haben, ge-
bührt Bec hstei n. Er nennt die Art: Salamandra ignea, wegen des
einfarbig feuerfarbenen Unterleibes; oder mittlerer Wassersalaman-
A-rchiv f. N^iturg. XXXIII. Jahrg:. 1. Bd. 14
210 Leydig:
der, weil er in der Grösse auf den Tr. cristatus folgt; endlich
Brunnensalamander, weil er denselben in Wald- und Bergteichen
mit Quellwasser gefunden hat. Unser Autor giebt vom Männchen
und Weibchen (a. a. 0. Taf. 20) Figuren, welche, wenn auch nicht
gerade von besonderem künstlerischen Charakter, doch sehr brauch-
bar sind und vor Verwechselung der Arten behüten können.
Gleichzeitig mit unserem deutschen Landsmann untersuchte
der französische Herpetolog Daudin fragliche Art, kam aber in
der Kenntniss derselben nicht so weit, als von Bechstein zu
rühmen war. Denn Daudin hat nur das Weibchen beobachtet,
welches er unter dem Namen la Salamandre ä ventre orange (Sala-
mandra rubriventris) beschreibt und kenntlich, obschon wenig cor-
rect, abbildet (P. 239).
In Deutschland war man seit dem Vorgang Bechsteins über
diese Art ziemlich im Reinen; wenn wir von der Verwirrung, wel-
che Fitzinger in einer mir nicht zugängigen Abhandlung noch
einmal angerichtet zu haben scheint, absehen. So werden in dem
fünften Hefte der Sturm'schen: Fauna Deutschlands, welches nach
langer Unterbrechung — das vierte Heft erschien 1805 — im Texte
vom Forstrath Koch besorgt wurde, Männchen und Weibchen in
richtiger Zeichnung dargestellt. Die Figuren scheinen mir nicht
mehr von Jacob Sturm, Vater, sondern von F riedrich Sturm,
Sohn, herzurühren. Auch ist die Methode des Stiches gegen früher
geändert: anstatt der Strichlagen wird Punktmanier angewendet.
Am Colorit, das überhaupt besser sein könnte, ist störend, dass die
Extremitäten geradezu grün gehalten sind.
Gravenhorst kennt den sexuellen Unterschied ebenfalls
gut; gedenkt auch der Jungen, doch ohne von dem Stadium zu
wissen, wo sie in so auffälliger Weise weisslich auf lederbraunem
Grunde gefleckt sind (vergl. meine Beobachtungen S. 205).
Der »Naturhistoriker Dr. Hahn,« wie er sich nennt, trägt in
seiner Fauna boica vor: »Männchen und Weibchen (des Triton
alpestris) sind gleich gefärbt.« Wenn man sich darüber verwundern
wollte, wie ein Naturforscher, der in gleicher Stadt mit Jacob
Sturm zusammenlebt und dessen Werke plünderte , sich so ausspre-
chen konnte, so klärt sich dies wohl durch Betrachtung der »fein
ausgemalten Tafel« auf. Denn es ist aus ihr offenbar, dass das fünfte
Heft der Sturm'schen Fauna dazumal noch nicht erschienen war,
als Dr. Hahn das Textblatt und die Tafel seines Alpentriton aus-
gab. (Dass das Titelblatt der Abtheilung : Amphibien, die Jahres-
zahl 1832 trägt, thut nichts zur Sache, denn dieses erschien erst
am Abschlüsse des Ganzen). Unser Autor muss diesmal, da das
Sturm'sche Werk ihm noch keine Stütze und Belehrung bietet,
auf eigenen Füssen stehen und wie wenig ihm solches gelingt zeigt
dasjenige, was er über das Männchen und Weibchen sagt. Die bei-
lieber die Molche der württembergischen Fauna. 211
den von ihm gelieferten Figuren, wovon der eine Triton mit etwas
bedenklicher Beinstellung am ausgesplitterten Rande eines Brettes
hinanturnt, lassen sich nur auf weibliche Thiere beziehen.
Die Figuren 2 und 3 auf der letzten Tafel von des Prinzen
Bonaparte »Amfibi« sind, obschon von einem wirklichen Künst-
ler (Quattr occhi) gezeichnet, doch nicht ganz genau. Es haben
z. B. an Figur 2 die Zehen, namentlich der Vorderbeine, eine zu
grosse Länge; sie könnten für die Zehen der Larven passen (s. oben
S. 206); beim fertigen Thier sind sie in natura kürzer und stumpfer.
Genannte Figur mag sich auf ein Weibchen beziehen, doch ist dann
die Färbung nicht ganz die gewöhnliche. Getadelt darf werden, dass
der Colorist, als er gerade im Zuge war mit vollem Pinsel die
Grundfarbe des Rückens aufzutragen , auch der Iris die gleiche
Farbe (Blau) zuertheilte. Figur 3 war vielleicht in der Zeichnung
nach einem Männchen post nuptias angelegt , erscheint aber von
dem eilfertigen Coloristen ebenfalls zu einem Weibchen umge-
schaffen. Betrachtet man nämlich den Rand des Rückens genauer,
so hat der Zeichner hier einen niedrigen Saum angedeutet, mit
Fleckenbildung ; dann erst folgt die Wölbung des eigentlichen
Rückens. Die in Natur gelbliche Grundfarbe des Saumes oder des
in Zurückbildung begriffenen Kammes hervortreten zu lassen, ist
wohl dem >^Maler« als unnöthige Arbeit vorgekommen, er hat ihn
lieber mit vollem Pinsel überstrichen: »Fa presto!«
Bei den Französischen Zoologen ist die Kenntniss unserer Art
immer eine unvollständige gewesen. Ohne auf B onnaterr e, wel-
cher einfach Laurenti citirt, Bezug nehmen zu wollen, so hat,
wie oben schon bemerkt, D a u d i n nur das Weibchen gekannt ; um-
gekehrt scheint Alfred Duges' Beschreibung sich bloss auf das
Männchen zu beziehen, wenigsten finde ich ausser der Erwähnung
des Kammes keine Bemerkung, die den grossen sexuellen Unter-
schied anzeigte. Ja nicht ohne Ueberraschung sehe ich, dass selbst
noch in einem Hauptwerke, wie doch Bibron's und Dumeril's
Erpetologie generale bezeichnet w^erden darf, die Verfasser ledig-
lich das Weibchen kennen und geneigt sind den Triton palmatus
Schneider hierzu als Männchen zu nehmen. »Cette espece (Tri-
ton alpestris) et la suivante (Triton palmatus) ne sont peut-etre que
des Varietes de sexe.« Diesem Irrthume hätten die Genannten un-
möglich verfallen können, wenn sie unseren Bechstein, der
mehr als fünfzig Jahre vorher den Sachverhalt aufgeklärt und von
dessen Werk sie doch nach einer Citation unter Salamandra macu-
losa wissen, zu Rathe gezogen hätten.
De B e 1 1 a, der neueste Autor, kennt die Art gut, führt viele
Farbenabänderungen auf und giebt eine reiche Zusammenstellung
der Synonymie.
212 Leydig:
3. Art : Triton taeniatus, Schneid. (Kleiner Wasser-
salamander.)
La petite Salamandre Dufay, Mem. de l'Acad. roy. an-
n^e 1729.
Salamandra exigua, Triton parisinus, Tr. palustris. Lau-
renti, Synopsis rept. 1768.
Salamandra taeniata. Schneider, Historia amphib. 1799.
Salamandra punctata, abdominalis. L a t r e i 1 1 e, Salaman-
dres de France, 1800.
Salamandra taeniata. Bechstein, Bemerkungen und Zu-
sätze zur Uebersetzung von de la Cepede's Na-
turgesch. d. Amphib. 1800.
Salamandra punctata, elegans^ abdominalis. Daudin,
Hist. nat. d. Rept. 1802—4.
Lacerta taeniata. Sturm-Wolf, Deutschlands Fauna,
1803.
Salamandra exigua. Rusconi, Amours des salamandres
aquatiques, 1821.
Molge taeniata. Gravenhorst, Rept. mus. zool. vra-
tisl. 1829.
Triton lobatus. Otth, in litteris?
Triton lobatus. Tschudi, Classification der Batrachier,
1839.
Triton lobatus, Tr. palmatus. Bon aparte, Iconogr. della
fauna italica, 1839.
Triton punctatus. D u g e s (Alfred), Urodeles de France,
1852.
Triton punctatus. B i b r o n und D u m e r i 1 , Erpetologie,
1854.
Triton punctatus et palmatus. de Betta, Monogr. degli
amfibi urodeli ital. 1862.
Ken n zeichen.
Länge 2V2 Zoll, seltener 3 Zoll. Haut glatt. Tracht
des Thieres im Ganzen zarter, schmächtiger als die vor-
hergehende Art. Schnauze weniger platt und stumpf.
Ueber die Molche der württembergischen Fauna, 213
(Kopf überhaupt mehr froschartig). Am Rumpf, bei wohl-
genährtem Zustande , keine vorstehenden Seitenlinien.
Oben auf dem Kopfe jederseits eine unregelmässige Dop-
pelreihe eingedrückter Punkte (grosse Drüsen), mit freiem
Auge gut sichtbar. Schwanz am Ende zugespitzt, mit-
unter lang, fast fadig; aber doch entsteht der Faden all-
mählich, nicht unter plötzlichem, staffelartigen Absatz.
— Grundfarbe oben olivengrün oder braun ; an den Seiten
ein zartes Weissgelb; bei guter Beleuchtung und schräg
einfallendem Lichte mit schwachem Silberglanz. Bauch
orangegelb. Am Rücken und am Bauche schwarze Flec-
ken. Durch die goldgelbe Iris zieht ein schwacher, dunk-
ler Querstreif. Ueber der Wurzel der Hinterbeine ein
länglicher senkrecht gestellter Fleck von heller Farbe.
Ballen der Sohle dunkel. — Die beiden Zahnstreifen am
Gaumen bilden zusammen ein umgekehrtes enges lateini-
sches V.
Männchen im Hochzeitkleid. Schwanz sehr breit.
Kamm im Nacken beginnend, bei voller Entwickelung
eine sehr hohe Flatterhaut, rundlich gekerbt, über dem
After nicht unterbrochen, vielmehr dort besonders hoch.
— Haut besät mit feinen weisslichen Punkten (kleine
Hautdrüsen). — Zehen der Hinterfüsse mit Lappensaum ;
hauptsächlich entwickelt am äusseren Fingerrand, nur in
Spuren oder gar nicht am inneren Rande. — Sattes Oli-
vengrün am Rücken; Mitte des Bauches von bald kräf-
tigem, bald schwächerem Orange, das sich jederseits der
Kloake als Streifen auf den unteren Flossensaum des
Schwanzes, doch nicht bis zur Spitze forterstreckt. Die
dunklen Flecken rundlich , gross und am Leibe und
Schwänze in Längsreihen; oben und seitlich am Kopfe zu
Längsstreifen verbunden , von welchen der das Auge
treffende in der Iris seine Spur zurücklässt. Am Schwänze
über dem gelben Saume ein perlmutter - blauer Streifen,
entweder ganz oder durch dazwischen gesetzte dunkle
Flecken unterbrochen ^).
1) Yergl. Figur 1 (Kopf von oben) ; Figur 3 (Leibesstück und
hintere Extremitäten); Figur 5 (Schwanzspitze); Figur? (senkrech-
ter Durchschniti des Leibes).
214 Leydig:
AV ei beben im Hochzeitkleid. Grösser, mit auf-
getriebenem, oft sehr dicken Bauche. Schwanz mit ge-
ringem Flossensaume oben und unten, daher im Ganzen
schmal. Ohne Kamm, als Spur davon eine niedrige me-
diane Rückenleiste. Zehen der Hinterfüsse ohne Lappen-
saum. — Grundfarbe ein helleres Olivengrün — oder braun ;
das Weissgelb der Seite bei guter Beleuchtung mit schwa-
chem Goldglanz. Das Orange des Bauches meist wenig
kräftig, über die Kloake weg sich ununterbrochen auf die
untere Kante des Schwanzes forterstreckend. Die zackigen
Kloakenränder schwarz. Die dunklen Flecken auf der
Grundfarbe klein, doch meist dicht gestellt (gesprenkelt);
häufig nicht bloss am Kopfe, sondern auch am Leibe und
Schwänze zu zarten, zackigen Binden vereinigt.
Abänderungen in Farbe und Gestalt.
Durchmustert man eine grössere Menge von Thie-
ren, so trifft man auf mancherlei kleinere und grössere
Abweichungen. Die Grundfarbe ist bald heller, bald
dunkler ; Grösse, Zahl und Vertheilung der dunkeln Flec-
ken zeigen mancherlei Verschiedenheiten. Das Orange
des Bauches, sonst gewöhnlich beim iMännchen besonders
kräftig, kann auch bei diesem ganz schwinden. Ich
hatte lebende Exemplare vor mir mit rein weisser, leicht
silberiger Grundfarbe am Bauche. Ferner giebt es Weib-
chen, bei welchen das Orange des Bauches ebenso in-
tensiv ist wie bei Männchen von regelrechter Färbung.
Ein seltsames Aussehen boten diese Thiere im Früh-
jahre 18(34 in hiesiger Gegend durchweg dar. Im April
des genannten Jahres waren bei lang andauerndem Ost-
winde alle Gräben noch wasserlos, so dass die Tritonen,
in grosser Gesellschaft, unter Steinen in der JSiähe der
leeren Tümpel, lange auf Regentage warten mussten. Un-
ter diesen Verhältnissen, der Einwirkung des Lichtes
entzogen, hatten die Thiere die Farbe fast völlig einge-
büsst; sie besassen fast nur noch einen hellgraulichen
Ueber die Molche der württembergischen Fauna. 215
Anflug, ungefähr so, wie Pflanzentheile aussehen, welche
im Dunkeln getrieben haben.
Im Weingeist erbleicht die Grundfarbe bei beiden
Geschlechtern gar sehr ; da sich hingegen die dunkelen
Flecken erhalten, und nach Jahre langem Liegen in die-
ser Flüssigkeit immer schärfer hervortreten können, so be-
kommt dadurch die Haut ein sehr reich geflecktes Ausse-
hen, wird pantherfellartig.
Bei der folgenden Art wird ein flacher Rücken mit
seitlich vortretenden Kanten mit zu einem Kennzeichen
der Species. Der Rumpf zeigt diese Beschaffenheit auch
bei der besten Ernährung und sonstiger Rundung. Hier
bei Triton taeniatus kommt eine derartige Rückenform
nur unter gewissen Umständen vor. Es machen sich die
seitlichen Kanten z. B. im ersten Frühjahre, nach dem
Erwachen, so wie überhaupt bei schlechter Ernährung
bemerklich. Nach der Fortpflanzungszeit, wenn beim
Männchen der Rückenkamm und die Hautsäume der Hin-
terfüsse eingehen, sinkt auch der übrige Körper etwas
ein und wird kantig. An solchen Männchen war mir
auch bezüglich der Farbe auffallend, dass am Schwänze
nicht bloss der blaue Streifen gesättigter ist als früher,
sondern auch das Orange der Schwanzwurzel lebhafter,
fast roth, während jenes des Bauches verblasst erscheint.
Die Weibchen verlassen, nachdem sie die Eier ab-
gesetzt, das Wasser und verkriechen sich an feuchte,
schattige Orte. Sie bekommen alsdann eine eigenthüm-
liche entweder helle oder dunkelbraune Farbe mit vielen
kleinen Wärzchen an der Seite des Leibes; ihr Aussehen
hat jetzt etwas eingetrocknetes, mumifizirtes; der Schwanz
ist fast rund geworden. Man hat früher dergleichen sehr
veränderte, in Gärten, Wäldern, auf Wiesen und Feldern
gefundene Thierchen als eine besondere Art genommen
und hie und da auch wohl als „Erd- oder Gartensalaman-
der" bezeichnet.
.^^/^US-
216 Leydig:
Schädel; Zähne.
Der skeletirte Kopf ^) zeigt sich abermals ganz
specifisch geartet. Nach seiner allgemeinen Tracht hat
er gegenüber von den anderen etwas seitlich zusammenge-
zogenes; dabei aber ist er im vorderen Abschnitt, in der
Schnauzengegend, merklich gewölbter, daher von unten
angesehen an dieser Stelle ausgehöhlter, mit tiefem
Schatten. — Der nach hinten gerichtete Orbitalfortsatz des
Stirnbeins ist noch stärker als bei Tr. alpestris und ge-
winnt wieder, bei der Ansicht des Schädels von unten
her, an Länge. Die Seitenfurche (Muskelfurche) vor
dem Occipitalabschnitt finden wir noch tiefer und schär-
fer gerandet, besonders nach hinten, als beim Bergsa-
lamander.
Was aber ferner, abgesehen von kleineren Verschie-
denheiten, wie sie aus vergleichender Betrachtung der
Figuren entnommen werden können , besonders in die
Augen springt, ist die Sculptur auf der Wölbung des
Schnauzentheiles. Hier bemerkt man nicht bloss eine
mittlere, nach hinten etwas verbreiterte Längsgrube,
welche ihr Homologon in der Grube und Spalte bei Tr.
cristatus und Tr. alpestris hat; sondern auch nach rechts
und links von ihr ziehen zwei vertiefte Streifen, mit er-
höhten Rainen dazwischen, convergirend nach vorne;
gewisscrmassen als Fortbildung und Ausbreitung der bei
Tr. alpestris nur angedeuteten Gruben und Rinnen.
Was man am Schädel sieht, ist eigentlich schon in
der Färbung der Haut des Kopfes angezeigt: die dem
Tr. taeniatus so eigene, scharf ausgeprägte Längsstreifung
am Kopfe drückt die Längsfurchen am Knochenge-
rüste aus.
Diebeiden Zahnstreifen am Gaumen unterschei-
den sich leicht darin, dass sie nach hinten viel weniger
divergiren, als solches bei Tr. alpestris und bei Tr. hcl-
veticus der Fall ist.
1) Vergl, Figur 13 (Schädel von obien); Fig. 14 (Schädel von
unten).
Ueber die Molche der württembergischen Fauna. 217
Larven.
Vierbeinige Lcirven, etwa um die Zeit Mitte Juli,
stehen denen von Tr. alpestris an Grösse nach und sind
von entschieden schlankerem, zarteren Habitus. Ihre
Farbe ist ein lichtes Olivenbraun; der Schwanz in nur
geringem Grade fein schwarz punctirt. Dann zeichnet
sie , gegenüber von den Larven des Bergsalamanders,
ganz besonders eine Reihe gelber Punkte aus, w^elche am
Leibe genau nach der Seitenlinie verläuft , dann am
Schwänze etwas in die Höhe biegt, um aber auch dort
bis zu dessen Ende sich fortzuziehen. Diese Tupfenreihe
kommt zwar auch den Larven des Tr. cristatus ^) zu,
aber dass mit^ letztem die Larven des Tr. taeniatus weder
früher noch jetzt verwechselt werden können, habe ich
bereits oben (S. 205) auseinandergesetzt.
Vorkommen.
Gegenwärtiger Triton ist wie für Deutschland über-
haupt, so auch für die hiesige Gegend die gemeinste Art.
Auch in den meisten andern Ländern Europa's (Frankreich,
Schweiz, Schweden, Italien, Griechenland) ist sie nachge-
wiesen; nach Gene fehlt sie der Insel Sardinien.
Geschichtliche und kritische Bemerkungen.
Bereits 1729 hatDufay (a. a. 0. S. 138) unseren Triton rich-
tig unterschieden und zwar nach beiden Geschlechtern. Der vor-
linneischen Zeit gemäss giebt er dem Thier keine systematische
Benennung, sondern heisst sie einfach la petite Salaraandre, troi-
sieme espece.
Lauren ti hat nach der Dufay'schen Beschreibung die Art
Triton parisinus aufgestellt, ohne zu bemerken, dass seine Salaman-
1) Bei Rusconi (a. a. 0. PI. II I. Fig. 18, Juillet) genau nach
ihrer verschiedenen Biegung am Leibe und Schwänze abgebildet.
21S . Leydig:
dra exigua das Weibchen zu diesem parisiniis ist. Denn es erleidet gar
keinen Zweifel, dass die von dem Wiener Arzte auf Tab. III. Fig. 4
abgebildete und unter der Bezeichnung Salaraandra exigua beschrie-
bene Form ein kleines, noch nicht ausgewachsenes Weibchen ist, und
zwar in der Tracht ausserhalb des Wassers. (»In vallis humidis et
ad sepes fruticosas, subtus lutosas.«) Wie sehr bei Exemplaren
dieser Art der Schwanz eingeschrumpft sein kann, geht auch daraus
hervor, dass unser Autor, welcher doch selbst das Genus Triton
vorzüglich nach der Beschaffenheit des Schwanzes von Salamandra
abtrennt , gerade diesen Triton wieder als einen Salamander an-
spricht. — Ferner muss ich aber auch Lau renti's Triton palustris
(a. a. 0. Tab. IV. fig. 2) für das Weibchen unseres Tr. taeniatus erklä-
ren und zwar in der Tracht während seines Wasseraufenthaltes.
Linne's Lacerta palustris (Fauna suecica) ist ebenfalls der
taeniatus, denn es wird bemerkt, dass die Zehen der Hinterfüsse
beim Männchen »lobati« seien.
Schneide r's Salamandra taeniata (a. a. 0. p. 58) ist das
Männchen. An der sonst guten Beschi-eibung ist nur auszusetzen,
das er den völlig nagellosen Thieren »digitorum ungues« beilegt.
Richtiger finde ich schon hier erwähnt : »ani margo posterior fim-
briatus seu ciliatus,« womit doch v/ohl das Büschel feiner, blasser
Borsten gemeint ist, welches hier (aber auch ebenso bei der vor-
ausgegangenen und der nachfolgenden Art) an brünstigen Männchen
hervortritt ^). — Auch wird der »Verruca« an den Vorder- und Hinter-
füssen gedacht als eines »digiti rudimentum« und hinzugefügt, dass
etwas Aehnliches auch bei Fröschen und Kröten sich finde. — Die Sa-
lamandra palustris desselben Schriftstellers ist das Weibchen zu sei-
ner taeniata, worüber mir bei genauerem Vergleiche keinerlei Zwei-
fel geblieben ist; was übrigens auch, wie ich später sah, schon
Bechstein erkannte, den Französischen Herpetologen aber ent-
gangen zu sein scheint.
Razoumowsky's (Hist. du Jorat) Lacerta palustris A. sub-
tus lutea ist das Männchen unseres taeniatus; hingegen seine Va-
rietät B. subtus ignea, ist, wie bereits oben erwähnt wurde, Triton
alpestris.
Auch Latr ein e hält noch die beiden Geschlechter für ver-
schiedene Arten. Seine Salamandra punctata ist das Männchen im
Hochzeitkleid. Die Figur (a. a. 0. PL VI. Fig. 6 A) ist lebendig auf-
gefasst, namentlich der Kopf nach seiner flachen, spitzigen Be-
schaffenheit gut getroffen. Bei der Wiedergabe der Lappenfüsse
1) Auch in der Dissertation Finge r's (De Tritonum genita-
libus 1841) lesen wir von »albis aculeis,« welche au gedachter Stelle
zu bemerken seien.
Ueber die Molche der württembergischen Fauna. 219
hat der Künstler sein Auge wohl nicht allzu lange auf dem Object
haften lassen. Die Salamandra punctata, femina, ist wieder das
Männchen post nuptias. Das wirkliche Weibchen ist, was er unter
Salamandra abdominalis, mas, abbildet. Auch diese Figur ist recht
gut; was sich aber nicht wiederholen lässt für das »jeune individu«
derselben S. abdominalis.
Ganz vortrefflich sind die Auseinandersetzungen Bechstein's
über beide Geschlechter nach ihrer Gestalt, Farbe, Lebenserschei-
nungen. Auch seiner Synonymie trete ich durchaus bei; ich war
zu denselben Deutungen gekommen, ehe ich mir das Bechstein'-
sche Werk verschafft hatte. Nur im Hinblick auf den Triton car-
nifex Laurenti hat der thüringische Beobachter fehlgegriffen,
indem er ihn als eine Varietät des Weibchens von taeniatus nahm,
während er in Wirklichkeit (s. oben S. 185) als junges (und zwar
weibliches) Thier zu Triton cristatus gehört.
Die colorirten Abbildungen bei Sturm, Männchen und Weib-
chen vorstellend, sind gut. Nur an den Lappenfüssen des Männ-
chens vermisst man ungern die Conturen, welche die Zehen von
dem Hautsaume zu trennen haben. Auf der Figur sehen die Ze-
hen aus, wie wenn sie selber unförmlich verbreitert wären. (Der drei
Sturm'schen Abbildungen hat sich Dr. Hahn bemächtigt, um sie
in seiner Fauna boica als Originale auftreten zu lassen, nachdem
er sie zuvor durch kleine Veränderungen unkenntlich gemacht zu
haben glaubt.)
Bei Daudin wird das Weibchen abermals als besondere Spe-
cies beschrieben unter dem Namen Salamandra abdominalis. Das
Männchen im Hochzeitkleid und mit Lappenfüssen ist seine Sala-
mandra elegans; seine Salamandra punctata ist das Männchen post
nuptias.
Künstlerisch und technisch vollendet ist die colorirte Abbil-
dung vom Männchen und Weibchen im Liebesspiel, welche Rus-
coni gegeben hat (a. a. 0. PI. L Fig. 1 u.2). Da der Genannte zu
den allergenauesten Beobachtern gehört, so darf man wohl aus die-
sen Figuren den Schluss ziehen, dass unsere Art in Oberiialien einige
Eigenthümlichkeiten zeigt. So sind namentlich die Lappensäume
an den Zehen der Hinterfüsse beim Männchen sehr entwickelt.
Gewöhnlich ist, nach meiner Erfahrung an deutschen Exemplaren,
nur der äussere Rand der Zehen umsäumt, und zwar am stärksten
an der äussern Zehe ; von da werden die Lappen alimählich kleiner
zur inneren Zehe. Doch habe ich allerdings auch Thiere gefangen,
bei welchen die Lappen auf beiden Seiten der Zehen sich hinzie-
hen; indessen waren sie auch dann von hellem Aussehen. Bei
Rusconi gehen die Lappen, und zwar nicht gekerbt oder einge-
schnitten, rings um die Zehe und sind dunkel gehalten. Das Colo-
rit des ganzen Thieres hat einen gewissen satten bräunlichen Ton.
220 Leydig:
Von sorgsamen Studien zeugen die Abbildungen (a. a. 0.
Tab. XI) und der Text bei Gravenhorst. Er durchgeht zahl-
reiche Exemplare der Breslauer Sammlung, nach beiden Geschlech-
tern und ihren verschiedenen Lebensaltern. — Ein Fehler, der bei
ihm so gut wie bei Bechstein und vielen Anderen bis zum neu-
sten Autor (de Betta) vorkommt, ist der, dass Gravenhorst
meint, der von französischen Zoologen unterschiedene Tr. palmipes
sei ebenfalls zu Tr. taeniatus zu ziehen. Ich werde auf diesen
Punkt ausführlicher bei der nächsten Art zu sprechen kommen,
möchte aber schon hier erwähnen , dass weibliche Exemplare des
Tr. palmipes (Tr. palmatus Schneider) unserem Autor vorgelegen
haben, denn das auf Tab. XII. Fig. 1 als Molges taeniatae varietas
(mit einem Fragezeichen) gut abgebildete und p. 80 näher erörterte
Thier ist sicherlich das Weibchen der nächstfolgenden Art gewesen.
— Auf Tab. XVII erblickt man auch mehrere anatomische, eben-
falls colorirte und auf Tr. taeniatus sich beziehende Figuren. Doch
können dieselben auf Beifall keinen sonderlichen Anspruch machen,
Fig. V, Leibeshöhle des Männchen vorstellend, zeigt sogar eine etwas
bedenkliche Unklarheit; für die beste Figur halte ich noch die er-
öffnete Leibeshöhle des Weibchen (Fig. VIII). mit den Windungen
des Eileiters, in welchen gerade Eier herabsteigen.
De B e 1 1 a's Abhandlung enthält eine Tafel Figuren, welche
zur Versinnlichung der mancherlei Abänderungen fraglicher Art
dienen soll. Ich stimme, indem ich die Abbildungen näher betrachte
und den Text vergleiche, dem italienischen Beobachter vollkommen
bei, dass die von ihm dargestellten Figuren alle ein und dasselbe
Thier sind, nämlich der Tr. taeniatus (Tr. punctatus). Aber unser
Autor ist in völligem Irrthume befangen, wenn er meint, er habe
auch damit (sub Fig. 5) den wahren Tr. palmatus abgebildet. Die-
ser findet sich nicht auf der Tafel und de Betta scheint so wenig
wie mancher Andere den wahren Tr. palmatus unter den Händen
gehabt zu haben, worüber man das Weitere im Nächstfolgenden
vergleichen möge.
4. Art: Trit07i helveticus Razoumowsky.
Lacerta paradoxa s. helvetica. Razoumowsky, Hist.
nat. du Jorat, 1789.
Salamandra palmata. Schneider, Historia natur. am-
phib. 1797.
Salamandra palmipes. L atreille, Salamandres de Fran-
ce, 1800.
Salamandra palmipes Daudln, Hist. nat. desRept. 1803.
üeber die Molche der württembergischen Fauna. 221
Triton palmatus. Diiges (Alfred), Sur les ürodeles de
France, Ann. d. scienc. nat. 1852.
Triton palmatus. Bibr on u. D um eril, Erpetologie 1854.
Kennzeichen.
Länge 3bis3V2Zoll. Habitus schlank, Kopf frosch-
artig, d. h. weniger platt und stumpf. An der Seite des
Rückens her, auch bei wohlgenährtem Körper sehr aus-
geprägt, eine Längsleiste; Rücken daher ausser der mitt-
leren Linie mit zwei Seitenkanten. Haut glatt. Die Dop-
pelreihe eingedrückter Punkte (Drüsen) oben auf dem
Kopfe fürs freie Auge nicht unterscheidbar. Flossenhaut des
Schwanzes bei durchgehendem Lichte heller als bei allen
übrigen Arten. Schwanzende wie abgestutzt, mit einer
frei hervorstehenden Endspitze oder Endfaden , dessen
Länge verschieden ist nach dem Geschlechte und selbst nach
den Individuen. — Grundfarbe oben olivenbräunlich und
gelblich, mit schwachem Goldglanz bei guter Beleuchtung,
darüber weg dunkle Flecken und Streifen; unten schwach
orangefarbig, ungefleckt. — Die zwei Streifen der Gau-
menzähne divergiren nach hinten sehr stark ; bilden dem-
nach ein weit offenes umgekehrtes lateinisches V.
Männchen im Hochzeitkleid. Auf dem Rücken
kein Kamm, sondern statt dessen nur eine Kante oder
Leiste, die sich auf dem Schwänze zum oberen Flossen-
säume entwickelt; durch diesen und den unteren Flossen-
saum wird der Schwanz hoch, lanzettförmig. Aus dem
Ende ragt ein freier, schwärzlicher Faden bis zu drei
Linien Länge hervor. Hinterfüsse mit vollständiger
Schwimmhaut zwischen den Zehen. Ballen der Vorder-
und Hinterfüsse weisslich. Kloake stark wulstig vorsprin-
gend; Aussenfläche gegen die Spalte hin warzig. Bei
guter Beleuchtung erscheint die Grundfarbe des Kopfes,
des Rückens bis zur Seitenkante, der Rückensaum am
Schwänze olivenbraun ; an der Seite des Kopfes, obern
Hälfte des Leibes, Seite des Schwanzes gelblich mit Me-
tallschimmer; die untere Seitenhälfte des Leibes ist weiss-
222 Leydig:
lieh, ebenfalls mit Metallglanz ; daran schliesst das schwa-
che Orange des Bauches. lieber der Wurzel der Hin-
terfüsse (Lendengegendj hat sich die Grundfarbe zu einem
lichteren, senkrechten Streifen aufgehellt. Durch die der
Grundfarbe aufgesetzten dunkleren Flecken bekommt der
Kopf oben ein zierlich marmorirtes Aussehen; ein dunk-
ler Streifen, indem er von der Schnauzenspitze über die
Seite des Kopfes, mitten durch das Auge, weggeht, zieht
auch (viel schärfer als bei Triton taeniatus) eine Binde
in gleicher Richtung durch die sonst goldgelbe Iris; ebenso
sind die vorderen Extremitäten marmorirt und klein ge-
fleckt. Die Flecken auf dem Rücken, den Seiten sind
zahlreich und bunt durcheinander gestellt, von unregel-
mässiger Gestalt, am Leibe von oben nach unten kleiner
werdend. Kehle und Bauch sind ungefleckt; hie und da
mit einzelnen kleinen, dunkein Tupfen, die sich aber
doch eigentlich nur in den Seitentheilen finden und die
Mitte des Bauches frei lassen. Das Orange des Bauches
erstreckt sich in bloss schwacher Spur auf die untere
Schwanzkante. Die Kloakenwölbungen fast ganz schwärz-
lich, ins Bläuliche. Am Schwänze stehen die dunkeln
Flecken in einer oberen und unteren Längsreihe. Die
Zwischenräume der unteren Fleckenreihe nimmt die bläu-
lich irisirende Binde ein. Der ganze Schwanz ist durch-
sichtiger als bei den anderen Arten, so dass bei gehöri-
ger Stellung zum Lichte die Vena caudalis als rother
Streifen deutlich sichtbar wird. Der freie Endfaden des
Schwanzes ist immer schwärzlich, ebenso die Schwimm-
haut der Hinterfüsse immer dunkel; die Zehen heben sich
davon gelblich ab ^).
Weibchen im Hochzeitkleid. Gestreckter, dick-
bauchiger; auch grossköpfiger. Schwanz niedriger; der
freie Endfaden desselben nur eine halbe oder höchstens
eine Linie lang, kann auch wohl ganz fehlen. Zehen der
Hinterfüsse ohne Schwimmhaut. Der Ballen am Aussen-
rande (sechste Zehe) stärker vorspringend. — Der dunk-
1) Vergl. Figur 2 (Kopf); Figur 4 (Leib und hintere Extre-
mität) ; Figur 6 (Schwauzspitze) ; Figur 8 (Durchschnitt des Leibes).
lieber die Molche der württembergischen Fauna. 223
lere Ton der Grundfarbe erstreckt sich weiter über die
Seiten herab ; dadurch sowohl als auch weil sich die
Flecken, abgesehen von der Seitenbinde quer durch das
Auge , weniger scharf abheben , auch kleiner sind, er-
scheint das ganze Thier einfarbiger. Kloake orangefar-
big, an den Rändern der Spalte häufiger orange, seltener
schwärzlich ; das gleiche Orange, gesättigter als am Bauche,
erstreckt sich über die untere Kante des Schwanzes bis
zu dessen letztem Drittel.
Se iten wüls te ; Schädel; Gaumenzähne;
Kopfdrüsen; Schwanzfaden.
Legt man Querschnitte durch den Leib des ganzen
Thieres, so bekommt man schon bei sehr geringer Ver-
grösserung gute Bilder über das Verhalten der zweir
Seit en kanten. Sie werden erzeugt lediglich von der
Haut; die Musculatur des Stammes nimmt daran keinen
Antheil. In diesen Vorsprüngen der Haut liegen grös-
sere beuteiförmige Drüsen. Man sieht eben, dnss diese
Seitenwülste des Triton helveticus den Seitenwülsten der
Gattung Rana entsprechen und den gleichen Bau haben.
Ich habe in Figur 8 und in Figur 7 den Durchschnitt von
genanntem Triton und von Tr. taeniatus zum Vergleiche
einander gegenübergestellt.
Sehr merkwürdig verhält sich der Schädel. Kann
es nach Dem, was ich über Farbe und äussere Gestalt
vorgebracht habe, auch keinen Augenblick zweifelhaft
sein, dass unser Triton eine von Tr. taeniatus durchaus
verschiedene Art ist, so wird dieses durch die ganz eigen-
artige Beschaffenheit des Schädels noch mehr bekräftigt.
Schon von aussen lässt sich an Thieren, welche längere
Zeit in W"eingeist gelegen haben , bemerken , dass am
Schnauzentheile bestimmte Zeichnungen — Erhöhungen
und Vertiefungen — sich abheben, abweichend von denen
bei Tr. taeniatus. Nach Entfernung der dünnen und den
Knochen sehr fest aufliegenden Haut erscheint das Schä-
deldach hinter den NasenöfFnungen viereckig mit einer
224 Leyd !,!>•:
mittleren länglich ovalen, und zwei seitlichen eckigen
Gruben. Ein Blick auf die Figuren 13 und 15 belehrt,
dass man es zwar mit keiner ganz neuen Sculptur zu
thun habe, wohl aber mit einer Abänderung dessen, was
schon bei Tr. taeniatus sichtbar ist.
Eine wirklich neue und sehr in die Augen sprin-
gende Bildung ist nun aber eine Knochenbrücke, welche
sich vom Stirnbein schräg nach aussen und hinten zum
Os tympanicum entwickelt hat, womit der Triton heive-
ticus von allen anderen einheimischen Arten sich weit ent-
fernt. Die Knochenbrücke entsteht so, dass der Orbital-
fortsatz des Stirnbeins sich verstärkend weiter nach rück-
wärts reicht und mit einem ihm entgegenkommenden
Fortsatze des Os tympanicum sich verbindet.
Die grossen Drüsen am Kopfe — Kopfporen —
fehlen auch hier nicht. Für die erste Besichtigung er-
scheinen sie als „eingedrückte Punkte ; die mikroskopi-
sche Untersuchung weist nach, dass man es mit grösseren
Drüsensäckchen zu thun habe.
Vom End faden des Schwanzes lässt sich bei nä-
herer Prüfung ersehen, dass er das Endstück der Chorda
dorsalis in sich schliesst, umgeben von einer schwachen
Fortsetzung des Flossensaumes.
Zeit des Laichens; Larven.
Unter allen einheimischen Arten begann unser Tri-
ton am spätesten seine Eier abzusetzen, nämlich erst Ende
April. Mitte Mai, als kühleres Wetter eingefallen war,
erfolgte eine Pause; dann im Juni hefteten die Thierc
eine Menge Eier, viel mehr als früher, an die Wasser-
pflanzen. Die Männchen stellten noch in dieser Jahres-
zeit (Juni) den Weibchen nach und machten mit dem
seitlich gebogenen Schwänze ihre Flatterbewegungen wie
im ersten Frühjahr ^).
1) Ich habe auch beobachtet, dass ein männlicher Triton pun-
ctatus, welcher mit einem weiblichen Triton helveticus zusammen im
Glase gehalten wurde, letzterem Weibchen in gleicher Weise den Hof
machte, als ob es seiner Art angehöre.
lieber die Molche der württembergischen Fauna. 225
Die abgesetzten Eier sind kleiner als jene der übri-
gen Arten, dabei der Dotter zur Hälfte bräunlich, zur
Hälfte gelbweiss.
Die weitere Zncht im Zimmer missglückte mir im
letzten Sommer. Mitte September erhielt ich jedoch Lar-
ven aus dem Freien, welche sowohl von den Larven des
Tr. cristatus als auch von denen des Tr. alpestris und
denen des Tr. taeniatus verschieden waren, so dass ich
sie schon aus diesem Grunde für die des Tr. helveticus
ansprechen durfte. Die Thiere waren nahe daran die
Kiemen zu verlieren; der Rücken hatte schon durch die
zwei Seitenwülste das kantige iVussehen, am Schwänze
sprang das Endspitzchen vor und die Hinterfüsse hatten
eine etwas dickliche Beschaffenheit. Alles Eigenschaf-
ten, welche die Diagnose auf die in Rede stehende Art
lenken mussten. Was die Färbung betrifft, so war die
Grundfarbe der Rückenseite ein lichtes Lederbraun, dar-
auf verlief in der Mittellinie des Rückens ein etwas dunk-
lerer Strich , dann zur Seite der beiden Rückenkanten
je eine Reihe schwach silbriger Flecken, fast wie ein
Band, das sich bis zum Schwanzende — dem oberen Flos-
sensaume entsprechend — hinzog. Gegen die Seiten des
Leibes nahmen die weissmetallischen Punkte zu und der
Bauch zeigte schönen continuirlichen Goldglanz. An der
unteren Kante des Schwanzes begann hinter der Kloake
ein schwacher Streifen von Orange.
VorkommenundVerwandtschaftsverhältnisse.
Triton helveticus wird hier zum erstenmal als ein
Glied der Württemberger Fauna aufgeführt. Die vater-
ländischen Zoologen haben das Thier bisher entweder
gar nicht unter den Augen gehabt oder es zu Tr. taenia-
tus gestellt. Da die Verschiedenheit zwischen beiden
Arten eine sehr grosse genannt werden muss, so ist viel-
leicht die erster e Annahme die wahrscheinlichere.
Es will mich bedünken, als ob der Triton helveti-
cus nur dem westlichen Europa angehöre. Ich bin zwar
Archiv f. Naturg. XXXIII. Jahrg. 1. lid. 15
226 Leydig:
nicht im Stande die mancherlei faimistischen Aufzählun-
gen über Russische Amphibien zu vergleichen, welche
in den Schriften der naturforschenden Gesellschaft in
Moskau stehen ^) und kann noch weniger wissen, ob sie
überhaupt kritisch bearbeitet sind. Doch scheint es nach
einem Citat, das ich anderwärts finde, als ob nur „Tri-
ton punctatus" (Tr. taeniatus) als einheimische Art ge-
nannt werde. Ob das vorlinneische mir ebenfalls nur dem
Namen nach bekannte Werk Historia naturalis curiosa
regni Poloniae 1721, von Rz aizy nski, etwas für unsere
Frage brauchbares enthält, muss ich dahin gestellt sein
lassen; ebenso bezüglich des „Versuches einer Naturge-
schichte von Livland, von J. B. Fischer 1791.^ Sehr be-
daure ich, dass mir Rathke's Arbeit: die in Ost- und
\¥estpreussen vorkommenden Wirbelthiere,Preuss. Provin-
cialbl. 1846, unzugänglich ist.
üeber Schlesien kann ich nachsehen: August Ka-
luza. Systematische Beschreibung der Schlesischen Am-
phibien und Fische 1815, welches unseren Triton nicht
aufführt. Doch wäre darauf wenig Werth zu legen, da
der Autor auch des Tr. alpestris nicht gedenkt, der doch
nach Gravenhorst „in aquis stagnantibus circa Vra-
tislaviam" häufig ist. Für unsere Frage iässt sich aber
auch aus dem Werke des Letztgenannten abnehmen, dass
in Schlesien Tr. helveticus fehlt. In Galizien und der
Bukowina scheint die Art ebenfalls nicht vorhanden zu
sein, wenigstens nach Zawadzki's Fauna der genannten
Provinzen zu schiiessen. Auch J. Erber in Wien, ein
eifriger und glücklicher Sammler der Amphibien führt
unter den „Amphibien der österreichischen Monarchie*'
(Zooi-bat. Gesellschaft in Wien 1864) nur Triton crista-
tus, Tr. alpestris und Tr. taeniatus auf. Noch einige an-
dere Schriften 2) über die Wirbelthierfauna von Ost- und
1) Z. B. Dvigubsky, Notices sur quelq. ßept. de la Russie,
Mem. Sog. nat. Moscou 1802; Andrzejowsky, Eept. Volhyniae,
Podoliae et Gubermi Chersonensis, ibid. 1832; Krynicki, Observa-
tiones quaedam de Reptilibus indigenis, Bull. Soc. nat. Moscou 1837.
2) Tobias, Wirbelthiere der Oberlausitz 1865; ferner Bielz,
lieber die Molche der württembergischen Fauna. 227
Norddeutschland sind mir unzugänglich^ aber die ange-
führten, von mir verglichenen geben doch schon einen
ziemlichen Anhaltspunkt für meine Vermuthung.
Was Italien anbetrifft, so wird zwar der Tr. palma-
tus (Tr. helveticus) von Bonaparte und de Betta ge-
nannt, aber als synonym mit taeniatus angesehen. Keiner
der Beiden hat, wie ich nachher zeigen werde, den wah-
ren palmatus (Tr. helveticus) vor sich gehabt; woraus
abzunehmen sein möchte, dass die Art sich auch nicht
in den von ihnen durchforschten Gegenden vorfindet.
Sehr beachtenswert^ ist nun, dass die Zoologen der
"Westschweiz und in Frankreich die Art kennen und von
Anfang an als selbstständige Form unterschieden haben.
Frankreich, auf dessen Boden sich in Europa die meisten
Arten von Schwanzlurchen vorfinden, scheint auch für
den Tr. helveticus den eigentlichen Herd seiner Verbrei-
tung abzugeben. Und was uns besonders interessiren
darf: in diesem Lande, so wie in Italien (Toscana, Insel
Sardinien), dann weiter westwärts in Spanien und Por-
tugal lebt eine Gruppe von Tritonen , zu denen unser
Triton helveticus in engerer verwandtschaftlicher Be-
ziehung durch gleich näher zu beleuchtende Eigenthüm-
lichkeiten des inneren und äusseren Baues zu stehen
scheint.
Erstens durch den Knochenbogen am Schädel.
Im Anfange der dreissiger Jahre wurde man zuerst an
einigen südeuropäischen Tritonen gewahr, dass „ein knö-
cherner Bogen vom Stirnbein rückwärts zum Quadrat-
bein" gehe. Zuerst geschah diese Beobachtung durch
den Nürnberger Zoologen Micha helles an Wassermol-
chen, welche Waltl aus den Cisternen Andalusiens
mitgebracht hatte ^). Nur sind vom Genannten die Ossa
Fauna d. Wirbelth. Siebenbürgens 1856; Heinrich, Mährens und
Schlesiens Fische. ReptiUen und Vögel 1856; Struck und B o 11,
die Reptilien Mecklenburgs, im Arch. d. Verh. d. Freunde f. Natur-
gesch. in Mecklenburg. 11. Heft; Neumann, Naturgesch. d. Schle-
sisch-Lausitzer Amphibien, im neuen Lausitzer Magazin Bd. IX. 1831.
1) Isis 1630. Das Thier in natürlicher Grösse, der Schädel
228 Leydig:
tympanica hierbei fälschlich als Ossa frontalia posteriora
gedeutet. — Etwas später bereiste Gene i) die Insel Sar-
dinien, um deren Fauna näher kennen zu lernen und traf
im nördlichen und mittleren Theile der Insel einen Tri-
ton, der den gleichen Knoehenbogen besass. Beide Tri-
tonen wurden zu Genera erhoben : Michahelles nannte
den spanischen Pleurodeles Waltli, Gene den sardini-
schen Euproctus Rusconii. — In dem gleichen Jahrzehend
beschrieb Schlegel 2) einen Triton aus Japan, welcher
dieselbe Knochenarkade zeigt. Auch dieser wurde von
Tschudi als neues Genus, unter der Bezeichnung Cy-
nops subcristatus abgegrenzt. (Im Text bei Letzterem
steht, wahrscheinlich wohl durch einen Schreibfehler, die
Ossa parietalia seien es, welche sich nach hinten durch
einen Fortsatz mit einem Fortsatze des Quadratbeins ver-
binden. Die Figur zeigt deutlich, dass es „Ossa fronta-
lia" heissen sollte.)
Die vorgenannten Autoren erblickten in der Kno-
chenbrücke „eine sonderbare Abweichung" vom Triton-
schädel; Micha helles insbesondere erklärt sich dahin,
dass nur bei einigen Krokodilarten etwas Aehnliches
vorkomme.
Fast zwanzig Jahre später untersuchte Alfred Du-
ges (a. a. 0.) die französischen Tritonen und indem er
seine Aufmerksamkeit auch der Schädelbildung zuwandte,
zeigte er fragliche Knochenbrücke von einer ganzen Reihe
französischer Arten an : Triton cinereus Daud., Tr. ru-
gosus Dum., Tr. puncticulatus Dum., Tr. Bibronii Dum.,
Tr. repandus Dum., Tr. palmatus Schneid, und endlich
Tr. vittatus Valenc. Die zwei letztern Hess er unter der
Gattung Triton, aus den übrigen machte er die Gattung
Hemitriton.
von oben und unten vergrössert dargestellt ; doch die Schädeltheile
offenbar mit nicht ganz geübter Hand.
1) Synopsis ReptiUum Sardiniae indigenorum 1838. Das ganze
Thier und der Schädel in sehr guter, von Comba geHeferter Ab-
bildung.
2) In der Fauna japonica. Mir nicht zugängig, sondern nur
aus Tschudi's Abhandlung bekannt.
Ueber die Molche der vvürttembergischen Fauna. 229
Dieser erstaunliche Reichthum von Arten verringert
sich zwar, wenn man in der Erpetologie von Bibron
und Diimeril 1854 erfährt: es sei zu vermuthen, dass
Tr. cinereuS; rugosus, puncticulatus, Bibronii, repandus
als Alters- und Geschlechtsverschiedenheiten sämmtlich
zu Euproctus Rusconii Gene gehören. Uebrigens erscheint
in dem letzt angezogenen Werke die uns zunächst be-
schäftigende Knochenbrücke in Originalfiguren abgebildet
an Pleurodeles Waltli, Triton puncticulatus , Euproctes
Poireti und Triton symmetricns (einer nordamerikanischen
Form).
Die aufgezählten Arten von Tritonen scheinen mit
unserem Triton helveticus zweitens darin übereinzustim-
men, dass sich die mediane Rückenkante zu keinem
eigentlichen Kamm, auch nicht während der Fortpflan-
ziingszeit, entwickelt.
Von Triton (Pleurodeles) Waltli kenne ich vier Ori-
ginal-Abbildungen des ganzen Thieres, nämlich die von
Michahelles, dann die von Tschudi, von Bona-
parte und endlich die bei Bibron und Dumeril.
Nirgends ist ein Rückenkamm zu sehen; auf der Figur
bei Tschudi insbesondere hört der niedrige Flossen-
saum des Schwanzes da auf, wo dieser in den Rücken
übergeht. Auch bemerkt Michahelles ausdrücklich,
dass „bei allen Exemplaren nicht eine Spur von einer
Rückenflosse^ vorhanden w^ar; möchte aber darin, wohl
im Hinblick auf die ihm bekannten vaterländischen Ar-
ten, mehr „einen zufälligen Mangel'^ erblicken ^). Die
Abbildung in dem Atlas der französischen Herpetologen,
welche ein ungemein grosses Exemplar vorstellt, lässt
ebenfalls deutlich den niedrigen, etwas gekerbten Flos-
sensaum des Schwanzes über den hinteren Extremitäten
aufhören.
Noch bestimmter wissen wir bezüglich des Triton
1) Diese Ansicht hat unserAutor später in einem mir g-ünsti-
gen Sinne geändert; denn in einer Kritik über Bonap arte's
Fauna italica (Isis 1833) sagt er: »Ich bin nun gewiss,
dass das Genus Pleurodeles nie einen Rückenkamm aufsetzt.«
230 Leydig:
(Euproctus) Rusconii, dass kein Rilckenkamm vorhanden
ist. Auf der sorgfältig gehaltenen, von der Rückenseitc
dargestellten Figur bei G ene ist zwar eine scharfe Rücken-
linie zu sehen, aber kein Kamm, und der genannte Zoo-
loge, welcher beide Geschlechter genau und bündig be-
schreibt, sagt „crista omnino nulla.^ Damit stimmt auch
völlig die in der Fauna italica des Prinzen Bonaparte
befindliche Figur, welche das Thier von der Seite dar-
stellt, überein. Denselben Mangel zeigt die Figur des
Triton ( Hemitriton ) asper Duj. (repandus Dum. ) bei
Duges sowohl wie auch im Atlas von Bibron und
Dumeril, so wie noch in dem letztgenannten Werke
der Triton puncticulatus.
Dagegen kommt vielleicht mehren der genannten
Arten, ähnlich wie unserem Tr. helveticus, ein Seiten-
wulst am Rücken zu. Auch für diese Vermuthung ge-
ben mir einige der citirten Figuren einen Anhaltspunkt.
So können wir auf der Abbildung des Triton (Pleurode-
les) Waltli bei Michahelles über zwei Drittel des
Leibes weg über und hinter den Vorderbeinen beginnend,
eine scharfe Schattenlinie bemerken, die, wenn man sie
nicht auf eine seitliche Kante oder einen Längsvorsprung
deuten darf, ganz unmotivirt wäre; denn sie steht ausser
Bezug zu dem allgemeinen, die Rundung des Leibes vcr-
sinnlichenden Schatten. Bestimmter spricht für meine
Ansicht die ins Einzelne ausgeführte Figur bei Bibron
und Dum er iL Hier erscheint der Wulst in sicherster
Weise abgegrenzt: man sieht wohin die Medianlinie des
Rückens zu liegen käme, wenn man den schmalen, über
den Hinterbeinen aufhörenden Flossensaum nach vorn
verlängerte. Nach aussen davon ist in klarer Weise eine,
durch zwei Schatten begrenzte, lichte Wölbung abgesetzt,
die nur dem Seitenwulste bei Tr. helveticus entsprechen
kann ^). — Bei Triton (Euproctus) Rusconii scheint der
1) Michahelles hat bei Aufstellung des von W altl mit-
gebrachten spanischen Triton zur Gattung Pleurodeles sich ausser
dem Knochenbogen am Schädel auch auf die Entwickelung der Rip-
pen bezogen und darnach auch das neue Genus benannt. Er meint
lieber die Molche der württembergischen Fauna. 231
Rumpf nichts derart zu haben, bei Gene heisst es:
;,truncus convexus*' und in dieser Weise stellen sich auch
die Abbildungen dar. — Hinwiederum ist Triton puncti-
culatus in dem Atlas bei Bibron und Dumeril sol-
cher Gestalt schattirt, als ob die Rückenebene zu beiden
Seiten plötzlich steil abfiele, was dann wieder in dem von
mir angenommenen Sinne gedeutet werden könnte.
Endlich erblicke ich auch eine gewisse weitere Ver-
wandtschaft zwischen Triton helveticus und Triton (Eu-
proctus) Rusconii in den „tibiis posticis calcaratis.^ So-
wohl bei Gene als auch bei Bonaparte ist dieser
„Sporn" oder sechste Zehe auf den Abbildungen sehr
ausgeprägt; und ganz wie bei Tr. helveticus ist der Theil
gerade beim Weibchen zu einem ,,Tuberculum magniim
prominens seu calcare" geworden.
(a. a. 0.) die Rippen seien bei den Tritonen »nur angedeutet, sehr
knorpelig, nie vollkommen knöchern,« hingegen bei Pleurodeles seien
sie »vollständig ausgebildet, articuliren durch zwei Köpfchen mit
jedem Querfortsatze und endigen sich in eine scharfe Spitze.« Ich
habe mir die Rippen von unseren vier einheimischen Arten rein
präparirt und finde, dass sie in Form und Ausbildung denen des
Pleurodeles kaum nachstehen. Denn auch hier entspringt jede Rippe
aufs deutlichste mit zwei Köpfchen, ist knöchern, am Ende zuge-
spitzt und was die Länge betrifft, so hat auch hierin Pleurodeles
keinen Vorzug, wie uns die Figur 4 bei genanntem Autor, Wirbel
und Rippe vergrössert darstellend, belehrt. Bei Pleurodeles so gut
wie bei allen unseren einheimischen Tritonen gehen die Rippen
nicht über den Bereich der Rückenmusculatur hinaus. Die seltsame,
unter die Charaktere aufgenommene Angabe bei Bibron und D u-
meril, dass die freien Enden der Rippen die Haut durchbohren
und als Knochenstacheln vorspringen, wäre freilich etwas höchst
überraschendes , beruht aber wohl nur auf schlecht conservirten
Exemplaren. Merkwürdig bleibt mir immerhin die colorirte Ab-
bildung bei denselben Autoren, allwo zur Seite des Leibes, in der
Gegend der Rippenenden, weisse Spitzen, je eine über einem ro-
then Fleck, vorstehen. Etwas ähnliches zeigt auch die Figur bei
Tschudi. Doch sind, wie ich vermuthe, die Spitzen oder Dornen
von gleicher Art, wie sie im kleineren Massstabe über die ganze
Haut vorzukommen scheinen.
232 Leydig:
Von dieser im Vorhergehenden besprochenen meist
südeuropäischen Gruppe von Tritonen, weiche durch den
Besitz eines knöchernen Bogens am Schädel, Mangel des
Rückenkammes , vielleicht auch durch Seitenwül^e des
Rumpfes und einen besonders starken Fussballen an den
Hinterextremitäten der Weibchen unter sich wohl in nä-
herer genetischer Beziehung stehen , geht nur Triton
heiveticus am meisten, von Frankreich und der West-
schweiz aus , ostwärts und nördlich, nach Deutschland
herein; wie weit im Ganzen, bleibt noch zu erforschen.
Durch mich ist er im Obigen bei Tübingen nachgewiesen
worden ; vor einigen Jahren schon wurde er im Nassaui-
schen erkannt und zwar zuerst durch den kürzlich ver-
storbenen ausgezeichneten Entomologen v. Hey den aus
Frankfurt a. M., der das Thier bei Königstein aufland;
dann beobachtete die Art Kirschbaum ^) in der Um-
gegend von Wiesbaden. Der letztgenannte Zoologe be-
nennt das Thier nach Schneider: Triton palmatus und
es geht aus der Charakteristik mit Sicherheit hervor, dass
wirklich Tr. palmatus Schneid., oder nach der von uns
angenommenen Terminologie, Triton heiveticus Razou-
mowsky gemeint sei. — Mir ist früher weder im Tauber-
thal, noch im Mainthal, noch sonst in deutschen Gegenden
das Thier unter die Augen gekommen; ich habe es zum
erstenmal in Tübingen kennen gelernt, wo es übrigens
nicht häufig und nur an einigen Stellen zu finden ist.
Geschichtliche und kritische Bemerkungen.
»
D^r Entdecker der Species, die uns länger als die übrigen
deutschen Arten beschäftigt hat, und zwar des Männchens, ist Graf
Razoumowsky (a. a. 0. p. 111). Er beobachtete die Art im
Waadland, bei Vernens, im März 1788 : sie sei nicht absolut rar,
aber doch viel weniger häufig als die anderen Arten. Das Thier
wird genau und richtig beschrieben, auch die unterscheidenden Merk-
male sind klar hervorgehoben. Die beigegebene Abbildung (a. a. <).
PI. II. Fig. 5) ist zwar, wie alle Figuren des Werkes, etwas hart
1) Reptilien und Fische des Herzogthunis Nassau, 18G5.
Uebei' die Molche der württembergischen Fauna. 238
und von ungeübter Technik, aber doch so durchaus kenntlich ge-
zeichnet, dass schon darnach das Thier immer als gute Art seine
Rechte hätte behalten sollen.
Zehn Jahre später hat Schneider (a. a. 0. p. 72) nach den
Angaben R az oumo wsky's die Charaktere mehr systematisch ge-
gliedert und die Art unter der Bezeichnung Salamandra palmata
aufgestellt. Da indessen Schneider dem Thier bloss einen neuen
Namen gegeben hat, ohne es selbst je vor Augen gehabt zu haben,
so scheint es mir billig, das Andenken des Entdeckers damit zu
ehren, dass man dessen Bezeichnung beibehält, wenn sie auch nicht
gerade glücklich gewählt ist.
Nach Razoumowsky ist unser Molch wieder beobachtet
worden in Frankreich, zuerst von Latreille, dessen Abhandlung
ich mir erst am Schlüsse meiner Arbeit zu beschaffen vermochte;
aber alsdann aus derselben mit besonderem Vergnügen ersah, dass
dieser für die systematische Gruppirung und Unterscheidung der
Arten mit besonderem Talente ausgestattete Forscher, unseren Was-
sermolch selbstständig aufgefunden und sogleich als gute Art er-
kannt hat. Erst ^hinterdrein wird er aufmerksam, dass Razou-
mowsky das Thier schon beschreibt und abbildet. Latreille
weist darauf hin, dass die Art eine gewisse Aehnlichkeit mit Triton
punctatus (Tr. taeniatus) habe, aber er hebt unter Anderem richtig
und bestimmt hervor »la forme de leur dos, qui ä trois aretes ab-
outissant ä la queue, et dont celle du milieu n'est que l'epine dor-
sale,« dann »la figure le leurs pattes posterieures, dont les doigts
sont reunis par une membrane noirätre«, endlich »leur queue se
termine brüsquement en un petit filet cylindrique, court et noirä-
tre.« Die Figuren, zwei Männchen vorstellend, sind nicht beson-
ders gerathen ; doch das Schwarxzfädchen, der eckige Rücken und die
Färbung , insoweit der Kupferstich dies ausdrücken kann , sind
daran zu sehen; hingegen die Schwimmfüsse könnten um vieles
besser sein.
Dass auch Daudin nach Latreille wirklich fragliche Art
vor sich gehabt habe, geht unzweifelhaft aus seinen Worten und der
Abbildung hervor. Er nennt sie Salamandra palmipes und unter-
scheidet sie gut von seiner Salamandra elegans (Männchen von Tr.
taeniatus), bemerkt auch bezüglich der Hinterfüsse treffend: »on
peut dire, en quelque sorte, et par comparaison, que la Sala-
mandre palmipede a les pieds posterieurs des canards , et que
l'elegante a les siens comme ceux des grebes.« An der Ab-
bildung (a. a. 0. p. 239) wäre, wie eigentlich an allen Figuren in
dem D au din'schen Werke, manches zu tadeln, aber sie leistet doch
den Dienst, dass Jemand, der in der Determinirung unseres Was-
sermolches noch unsicher und etwa geneigt wäre, denselben als
234 Leydig:
Varietät unter Tr. taeniatus zu suchen, sofort beim ersten Blick
auf diese Figur, eine andere Ansicht fassen und das Specifische der
vorliegenden Organisation anerkennen sollte.
Dies ist aber keineswegs immer der Fall gewesen. Vielmehr
hat man besonders in Deutschland, dann auch anderwärts, entweder
einfach die Daudin'sche Abbildung als »sehr schlecht« beseitigt
und den Tr. palmatus »als schlechte Art« synonym mit Tr, taenia-
tus genommen; oder mau suchte das an ihr leicht und unverkenn-
bar hervortretende Eigenthümliche (Mangel des Rückenkamms, An-
wesenheit des Schwanzfadens) als Zufälligkeiten zu deuten. So ist
Bechstein der Ansicht, die Salamandra palmata Schneider sei ein
Männchen von Triton taeniatus, welches nach mehren Häutungen
den Rückenkamm abgelegt habe. Aehnlich spricht sich Graven-
horst aus und bringt, wie Vorgenannter, das Thier unter Triton
(Molge) taeniatus. Für mich geht daraus hervor, dass weder in
Thüringen, Gegend von Waltershausen bei Gotha, wo der treffliche
Bechstein die Tritonen untersuchte, der fragliche Triton sich
vorfindet, noch in Schlesien; denn auch Gravenhorst zeigt ein
scharfes Auge für die äussere Körperform und, indem er die Indi-
viduen der Breslauer Sammlung durchgeht, kommen ihm mehrere
Exemplare eines Triton unter die Hand, von unbekannter Herkunft,
die er sofort als etwas besonderes erkennt und als »Individua in-
certa: an mares immaturi?« nämlich zu Triton taeniatus stellt. Ich
glaube mich nicht zu irren, wenn ich das auf Tab. XII. Fig. 1 (a,
a. 0.) schön abgebildete Thier für das Weibchen unseres Triton
helveticus (palmatus) erkläre.
Der Irrthum der zwei letztgenannten Zoologen kehrt in ver-
schiedenen Schriften wieder, von denen ich noch Finger's Disser-
tation : De Tritonum genitalibus, Marburg 1841, nennen möchte,
wo ebenfalls ausgesprochen wird, Triton palmatus sei der Triton
taeniatus »nonnunquam fimbriis extremitatum posteriorura instru-
ctus«; was darzuthun scheint, dass auch bei Marburg der Tr. hel-
veticus (palmatus) nicht vorkommt. — Michahelles spendete dem
Prinzen Bonaparte (Isis 1833) besonderes Lob, dass er den Tri-
ton palmatus (Sal. suisse Raz.) zu taeniatus gezogen habe. Der
Irrthum ist immer der gleiche: man meinte das mit Schwimmhäu-
ten an den hinteren Extremitäten versehene Männchen von Tr. tae-
niatus sei eins mit dem Tr. helveticus Raz. und Sal. palmipes Latr.
Aus der Zahl der Zoologen deutscher Zunge möchte ich aber
noch zwei nennen, welche schon vor längerer Zeit mir auf den
richtigen Weg gerathen zu sein scheinen. Der eine davon, Wag-
ler, verspricht in seinem »Natürlichen System der Amphibien 1830«,
dass er »die bis jetzt bekannten europäischen Wassermolchgattun-
gen näher kennen zu lehren und ihre höchst verworrene Synonymie
ins Reiue zu bringen bemüht sein« werde. Ein früher Tod hat
Ueber die Molche der württembergischen Fauna. 235
ihn an der Ausführung verhindert; aber es ist bemerkenswerth, dass
er bereits in genanntem Werke die »Salamandra palmata Latr., la
Salamandre suisse Razoum.« als besondere Art und verschieden vom
Tr. taeniatus Schneid, aufzählte (a. a. 0. S. 208). Und da, wo er
von den Krokodilen spricht, sagt er nebenbei, es gebe Wassermol-
che (Triton palmatus) mit einer sehr entwickelten Schwimmhaut
zwischen den Zehen der Hinterfüsse. Wagler, seiner Zeit an
einer grösseren Sammlung (in München) thätig, hat wahrscheinlich
nur Weingeistexemplare vorgefunden, denn im Münchner Gebiet so
wenig als in Franken, an welchen beiden Orten der Genannte doch
namentlich gesammelt hat, findet sich, meiner Erinnerung nach,
der fragliche Triton. — Der andere Beobachter ist Dr. Otth. In
Tschudi's mehrfach citirter Abhandlung steht: »die Synonymie
unserer europäischen Arten ( von Triton nämlich) ist äusserst
schwierig und muss als Gegenstand einer eigenen Arbeit gewählt
werden; ich verweise desshalb auf Hrn. Dr. Otth's Untersuchungen,
der sich mit diesem Gegenstande schon längere Zeit beschäftigt
hat.« Ich finde in der Literatur nirgends eine Andeutung, dass
diese Arbeit erschienen wäre, wohl aber bedünkt mir das Ergebniss
der Untersuchungen, welches in die Schriften der persönlich Be-
kannten überging , das gewesen zu sein, dass ein Triton lobatus
Otth, also ein Wassermolch mit Schwimmlappen oder einem Tau-
cherfuss, und ein Triton palmatus oder ein Wassermolch mit ächter
Schwimmhaut oder einem Entenfuss, wieder aufgestellt wurde. Die
Synonymie hatte sich noch nicht ganz abgeklärt, denn bei Ts c hudi
wird zwar richtig Salamandra palmata Latr. und der Razou-
mowsky'sche Triton zusammengestellt , aber ganz irrig auch Sa-
lamandra taeniata Bechstein dazu gerechnet, der doch als gleichbe-
deutend mit Triton lobatus Otth unter diesem hätte stehen sollen.
Otth mochte als Schweizer leicht Gelegenheit gehabt haben, den
Triton helveticus (palmatus) im lebenden Zustande zu beobachten.
Da Frankreich das wahre Vaterland unseres Molches ist, so
haben, wie schon oben gesagt wurde, die älteren und neueren zoo-
logischen Schriftsteller dieses Landes, soLatreille, Daudin,
Cuvier, Alfr. Duges das Thier gekannt, obschon sie sich auch
zum Theil in der Synonymie vergriffen haben. Es ist z. B. falsch,
wenn Duges die Salamandra exigua Laur., S. taeniata Schneider,
mit S. palmata Schneid, zusammenwirft. Auch der ältere Duges
(Anton D.) hat oö"enbar beide Arten nicht auseinander gehalten,
wenn er in seiner bekannten trefflichen Abhandlung über die Ba-
trachier (Mem. d. mus. d'hist. nat. 1835. p. 156) davon spricht, dass
das Männchen des palmipes seinen Kamm verliere. Dies kann sich
nur auf den taeniatus beziehen, nicht auf palmipes, dessen Männ-
chen keinen Rückenkamm hat. Ob die von unserem Autor vergrös-
sert abgebildeten Laiveu daher wirklich dem palmipes und nicht
236 Lcydi^:
auch zum Theil dem taeniatus angehören , lässt sich kaum sagen.
Die zwei neuesten französischen Herpetologen , Bibron und
Dumeril, scheinen, wie das schon aus dem hervorgeht, was ich
oben bei Tr. alpestris getadelt, den Tr. helveticus Raz. nicht selbst
gesehen oder verglichen zu haben. Denn wie wäre es sonst mög-
lich, dass sie äussern, es möge vielleicht der Tr. palmatus Schneid,
als Geschlechtsverschiedenheit zu Tr. alpestris Laur. gehören. Es
sind das ja zwei gründlich verschiedene Thiere. Dass sie dann auch
in ihrer Synonymie den Fehler begehen, die S. exigua Laur. und
die S. exigua Rusconi zu S. palmatus zu stellen, will einem solchen
Irrthum gegenüber wenig heissea. Doch bemerke ich im Hinblick
auf die Figur bei dem italienischen Forscher, dass die dort sich
findende Entwickelung der Schwimmlappen an den Hinterfüssen
vielleicht Dem, welcher den wahren palmatus (helveticus) nicht
kennt, irre leiten könnte ; aber schon die Schwanzbildung spricht
dagegen. Auch sagt Rusconi ausdrücklich: »les pieds du male
ne point palmes mais lobes.«
Auch de Betta kennt unseren Molch nicht. Der von ihm
(a, a. 0. Fig. 5) als »Triton palmatus aut.« abgebildete ist das
Männchen des Tr. taeniatus. Die Zeichnung der lappigen »subpal-
mate«, Hinterfüsse ist übrigens nicht naturgetreu. Man wird nie
ein Thier finden . bei welchem die Zehenspitzen von dem Lappen-
saume überragt werden, wie das etwa an den Schwimmfüssen der
Robben der Fall ist. Aber aus dem Irrthum des Genannten, wel-
cher v;ie so viele Andere meinten, den Tr. palmatus Schneid, unter
Tr. taeniatus bringen zu müssen, geht für mich hervor, dass die
Art im Venetianischen Gebiete fehlt; vielleicht auch in ganz Italien,
wenn man hiezu die Bemerkungen des Prinzen Bonaparte auf-
merksam vergleicht, der ebenfalls den wahren palmatus nicht ab-
bildete, sondern nur den Tr. taeniatus. — Ich möchte die Ansicht
hegen, dass mit Hülfe meiner Zeichnungen und Angaben fortan
Jeder im Stande sein wird zu wissen, ob er den wahren Tr. palma-
tus vor sich habe, oder nicht.
IL Gattung: Salamandra, Wurfbain. (Erdmolcli.)
Habitus plump; Schwanz drehrund, ohne
Flossensaum. Seiten des Leibes und Schwan-
zes mit Quer furchen, letzterer daher wie ge-
ringelt; (die Furchen durch die Anordnung
der Stammmusculatur bedingt). Kopf mit Drü-
senwulat in. der Ohrgcgcnd; ausser zerstreu-
lieber die Molche der württembergischen Fauna. 237
teil Drüsen in der Seite, mit einer Doppel-
reihe von Drüsen nach der ganzen Länge des
Rückgrates. Füsse di cklich , vor ne mit vier,
hinten mit fünf Zehen. Ballen in der Sohle
wenig entAvickelt, kaum unterscheidbar. Iris
dunkel. Zähne mit Sockel (Wurzel), dünn, aber
doch dicker als bei Triton; die zwei Zinken
der Krone weniger fein zugespitzt. Die Gau-
menzähne als Ganzes zwei bogig geschweifte
Reihen bildend.
Die Gattung ist lebendig gebärend. — Manche Auto-
ren (z. B. Schrank, bairische Fauna) verlegen den
Wohnort des gefleckten Salamanders in „kleine Bäche f ich
habe gleich andern Beobachtern die Thiere nur zur Zeit,
wo die Jangen ins Wasser abgesetzt werden, in diesem
Elemente getroffen; ausserdem auf dem Lande an feuch-
ten, kühlen Orten. Ganz zufällig ist es wohl, wenn der
schwarze Salamander, welcher seine Jungen aufs Land
absetzt, im Wasser gesehen wurde. — Die Erdmolche
sind durchaus einer wasserreichen Atmosphäre sehr bedürf-
tig; sie nehmen das Wasser auf und verlieren es wieder
in der trockenen Luft, nach Rusconi's Vergleich, wie
ein Schwamm. Von diesem Wasserreichthum hängt wohl
auch die weiche Beschaffenheit des Körpers ab. Lau-
ren t i legt der Sippe ganz richtig ein „Corpus mollissimum"
zu. W^ill man den gefleckten oder den schwarzen Sala-
mander längere Zeit im Zimmer aufbewahren, so ge-
schieht dies nach meiner Erfahrung am besten in grossen
Gläsern mit gläsernem nur ein Luftloch besitzendem
Deckel; wodurch leicht eine feuchte Luft andauernd er-
halten werden kann.
In den Bewegungen haben die Salamander etwas
unbehülfliches, tölpeliges, mitunter geradezu komisches ^).
Ihr Naturell ist ein ruhiges, wie es scheint wenig erreg-
bares. Dass sie aber doch nicht ohne Leidenschaft sind.
1) »Der Salamander ist in seinem Einhergehen fast treg und
langsam, von wegen seiner grossen kelte und schleichet gar nahe
wie ein Schneck.« Alber ti magui Thierbuch, 1545.
238 Leydig:
zeigt ein ;,Combat vrainient singulier^, den der vorhin
genannte italienische Forscher, der gründlichste Kenner
der Naturgeschichte dieser Thiere , im Einzelnen be-
schreibt 1). — Thiere, in Gefangenschaft gehalten, sind
Nachts munterer, als bei Tage.
Als Nahrung dienen ihnen Regenwürmer, Insec-
ten 2j, kleine »Schnecken; doch nur so lange sich diesol-
1) Da das Werk von R u s c o n i über den Lands alamander
selten ist, — es existiren nur hundert Exemplare — , so sei der
Fall im Auszuge erzählt. Genannter Anatom, in Pavia lebend, Hess
sich von Zeit zu Zeit frische Salamander (S. maculosa; von den
Bergen um Como bringen und um sie für seine Studien aufzube-
wahren und ihre Lebensweise beobachten zu können, setzte er sie
in eine gemauerte Grube, welche zuvor, durch hineingelegte Ziegel
und Backsteinstücke wohnlicher gemacht wurde. Rusconi be-
suchte den Ort oft, theils um seinen Gefangenen Nahrung zu brin-
gen, theils um sie zu belauschen. Eines Tags wurde ein neu von
Como angelangter Salamander zu den andern in die Grube gebracht.
Mit Staunen sieht unser Gewährsmann, wie sogleich einer der alten
Bewohner über den Ankömmling herfällt; es entspinnt sich ein
Kampf, bei welchem zuletzt die beiden Gesellen, in einander ver-
schlungen, auf die Seite fallen. Da steigert sich der Grimm und
jeder sucht über den andern Herr zu werden, bis es dem einen ge-
lingt auf den Rücken des andern und in gute Position zu gelangen.
Dieser obere quält jetzt den untern in seltsamer Weise. Indem er
nämlich den Kopf nach rechts und links in reibender Bewegung über
den des Gegners hin- und herführt, sucht er mit den Seitenrändern
des Unterkiefers auf die Augen des andern zu wirken, wie wenn
sein Vorsatz wäre, sie ihm auszutreiben. Auch musste dies Manoeu-
vre sehr schmerzhaft sein, denn der untere Salamander sich in Flucht
setzend, bemühte sich zu verkriechen, um des Feindes los zu wer-
den. Durch R u s c 0 n i von einander getrennt, begannen sie, wieder
zusammen gelassen, sogleich den Kampf von Neuem. Einen Monat
später liess sich bei gleicher Gelegenheit dasselbe Schauspiel beob-
achten. — Man sollte solche Vorkommnisse, die bei Manchem kaum
eine andere Bedeutung, als die von Anekdoten haben, viel mehr
beachten und prüfen, um, nachdem man erst die das einfacher or-
ganisirte Thier bewegenden Strebungen kennen gelernt, die ver-
wickeiteren psychologischen Processe der höchsten Thiere vielleicht
entziffern zu lernen.
2) Schrank erzählt als Merkwürdigkeit, dass Fr ö lieh (der
bekannte württembergische Naturforscher und Schüler des Erstem)
Ueber die Molche der württembergischen Fauna. 239
ben bewegen. Hält man eine Anzahl von Larven des
gefleckten Salamanders zusammen in einem Gefässe, so
kann die ganze Gesellschaft, welche gemeinhin ruhig am
Boden liegt, in Aufregung gerathen, nachdem einmal
einer anfängt, nach einem zappelnden Wurm etwa zu
schnappen; sie schnappen jetzt alle, nicht etwa auch nach
dem Wurm, der nur dem einen zunächst liegt, sondern
gegen einander selber. Man bemerkt, dass eben Alles,
was innerhalb ihres Gesichtskreises zuckt, sie zum Zu-
schnappen, ohne weitere Ueberlegung, bestimmt. Auch
bei den Salamandern sind die Larven gleich nach der
Geburt carnivor; am liebsten verzehren sie die kleinen
Orustaceen (Daphniden, Lynceiden u. s. w.); gerne neh-
men sie auch kleine Anneliden, wie z. B. Arten von En-
chytraeus, die man sich in grösserer Menge beschaffen
kann, zu sich. Klein geschnittene Regenwürmer ver-
schlucken sie zwar auch, aber auf die Dauer sagt ihnen
diese Kost nicht zu ; sie würgen die Stücke wieder aus.
Dem erwachsenen Thier aber bilden in der Gefangen-
schaft die Regenwürmer eine Lieblingsspeise.
L Art: Salamandra maculosa Laur. (Gefleckter
Erdmolch.)
Salamandra G e s s n e r , de quadrupedibus oviparis, 1554.
Salamandra terrestris vera nigra maculis luteis. Aldro-
vandi, de quadrupedibus etc. 1637.
Salamandra terrestris. Wurfbain, Salamandrologia 1683.
Grosse Salamandre. Perrault Mem. de Facad. roy. d.
sc. (Depuis 1666 jusqu'a 1699), 1734.
Salamandra. Seba, Thesaurus locupletiss. 1740.
Salamandra maculosa. (Proteus tritonius, Larve?) Lau-
renti, Synops. reptilium 1768.
den ganzen Darmkanal einer zergHederten Salamandra atra mit den
unverdauten Flügeldecken des seltenen »äugigen Sonnenkäfers« an-
gefüllt fand.
240 L e y d i o- :
SaLamandra terrestris. Bonnaterre, Tabl. Enc. metb.
Rept. 1790.
Salaraandra terrestris. Schneider, Historia amphib.
1799.
Salamandre terrestre. Latreille, Hist. nat. d. Salaman-
dres, 1800.
Gemeiner Erdsalamander. B e c h s t e i n , in der Ueber-
setzung von la Cep^de's Naturgeschichte d. Amphi-
bien, 1800.
Lacerta salamandra. Sturm, Deutschlands Fauna, 1804.
Salamandra terrestris. Daudin, Hist. nat. des Rept. 1803.
Lacerta salamandra. Kaluza, Schlesische Amphib. und
Fische 1815.
Triton corthyphorus. Wagler, die Amphibien, Heft I.
1820.
Salamandra terrestris. Funk, de sal. terr. vita, evolu-
tione, formatione, 1827.
Salamandra maculosa. Gravenhorst, Rept. mus. zool.
Vratislav. 1829.
Salamandra maculosa. Wagler, Syst. d. Amphib. 1830.
Salamandra maculosa. Reider-Hahn, Fauna boica, am-
phib. 1832.
Salamandra maculosa. Bon aparte, Fauna ital. 1837.
Salamandra maculosa. Tschudi, Classifik. d. Batra-
chier 1838.
Salamandra maculosa. Zawadzki, Galizisch-bukowini-
sche Wirbelthiere 1840.
Salamandra maculosa. Alfred Duges, Ann. d. sc. nat.
1852.
Salamandre terrestre. Rusconi, Hist. nat. etc. Ouvrage
posthume public parMorganti, 1854.
Salamandra maculosa. Bibron u. Dumeril, Erpetolo-
gie 1854.
Salamandra maculosa. De Bett a, ürodeli ital. 1862.
Ueber die Molche der württembergischen Fauna. 241
Kennzeichen.
Länge 5 bis 6V2 Zoll. Haut, abgesehen von stär-
keren Hügeln (Drüsen) und Runzeln, glatt, glänzend ; bei
beginnendem Eintrocknen erscheint sie (für die Betrach-
tung mit der Lupe) durch das Einsinken der kleinen Haut-
drüsen dicht- und feingrubig, wie die Oberfläche eines
Fingerhutes. Zehen mehr rundlich. Grundfarbe ein tie-
fes Schwarz, an der Bauchseite etwas heller; lebhaft
gelbe Flecken über den ganzen Körper.
Männchen und Weibchen sind ohne besondere
äussere Kennzeichen, mit Ausnahme der Kloakengegend.
Diese ist am Männchen beiderseits von der Längsspalte
merklich geschwollen, beim Weibchen platt.
Farbenabänderungen.
Die gelben Flecken, welche unserem Thiere
eine so auffallende Zeichnung geben, w^erden „unregel-
mässig'^ genannt, was man im Ganzen gelten lassen kann.
Vergleicht man indessen eine grössere Anzahl von Mol-
chen auf Form und Vertheilung der gelben Flecken, so
lässt sich doch kaum verkennen, dass ihnen etwas regel-
mässiges in der Anordnung zu Grunde liegt, was aber
freilich nicht selten wieder fast völlig verwischt ist. An
fünfzig Exemplaren, die ich auf diesen Punkt verglei-
chend durchging, ergab sich Folgendes:
Man kann für die Rückenseite zwei gelbe Längs-
binden annehmen, von der Schnauze bis zur Schwanz-
spitze sich erstreckend und zur Seite von einzelnen grös-
seren Flecken begleitet. Bei keinem Individuum des ge-
dachten Halbhunderts waren zwar die Binden in dieser
Ausdehnung vollständig erhalten , sondern bei allen da
und dort durchbrochen jOder in Flecken aufgelöst. An
der Schnauzenspitze zeigt sich bei vielen ein unpaarer
Fleck, gewissermassen als Stelle der Convergenz der bei-
den Binden. Am stätigsten sind diejenigen Theile der
Rückenbinden, welche über das Auge und die Ohrgegend
Archiv f. Naturg XXXIII Jahrg; 1. Bd. 16
242' Leydig:
weggehen um von da mit oder ohne Unterbrechung als
wirkliche Längsbinden über den Rücken bis zur Schwanz-
Wurzel hinzulaufen. Erscheint ihr Zusammenhang zum
öftern unterbrochen, so giebt es zwei Reihen von Längs-
flecken. Sowohl die Binden als auch die Fleckenreihen
können da und dort commissurartig verbunden sein, wor-
aus bald hufeisenförmige, bald H- förmige Zeichnungen
entstehen. Auf dem Schwänze sind wegen dessen ge-
ringerer Breite die Fleckenreihen von vorne herein ein-
ander näher gerückt und die Spuren des paarigen Cha-
rakters .werden seltener. Vielmehr sieht man eine mediane,
bald mehr gerade, bald buchtige Längsbinde, oder diese
aufgelöst in Flecken, deren Gestalt mitunter recht deut-
lich ein Verschmelzen aus zwei Seitenhälften anzeigt.
Was auf der Rückenseite des Schwanzes fast als Regel
mit den Längsbinden geschieht, kann schon auf der
Rückentläche des Leibes eingetreten sein; es liegen mir
Exemplare vor, bei welchen der Charakter der Duplicität
in der gelben Zeichnung nur am Kopfe vorhanden ist,
während über den Rücken und Schwanz weg eine un-
paare, schlangenförmig gekrümmte, in mehrere Stücke
aufgelöste Längsbinde zieht.
Dass auch schon Andere die grosse Mannichfaltigkeit
in der gelben Rückenzeichnung in der Weise aufgefasst
haben, ist begreiflich; wie denn z. B. auch ein früherer
Autor anstatt von „unregelmässigen Flecken" von „fasciis
flavis duabus dorsalibus saepius interruptis'^ spricht.
Bezüglich der Flecken an der Bauchseite lässt sich
diese Ansicht weniger begründen. Hier tritt das Gelb in
geringerer Menge und etwas matter auf, doch könnte man
sie auch hier in zwei Längsreihen ordnen. An den fünf-
zig Exemplaren war solches bei dreien der Fall, allwo
die zwei Reihen von der Brustgegend bis über die Schwanz-
wurzel gingen. Bei den anderen Individuen schwankte
die Ordnung , die Flecken standen stellenweise ganz re-
gellos ; wieder bei anderen waren sie fast alle verschwun-
den oder nur noch in Spuren, als kleine Tüpfel, zugegen.
Die Kehlgegend erhält sich immer gefleckt. Bei
allen Exemplaren sah man dort, entweder den beiden
üeber die Molche der württembergischen Fauna. 243
Hälften des Unterkiefers entsprechend, eine halbmondför-
mige Makel, die in der Mitte auch wohl ganz durchschnit-
ten sein konnte, oder es gesellen sich noch andere gelbe
Stellen dazu, bis endlich die ganze Kehlgegend die
gelbe Farbe trägt.
Der Abnahme des gelben Pigmentes an der Bauch-
seite geht auch parallel, dass die Unterseite des Schwan-
zes häufig ganz schwarz ist; in seltneren Fällen erblickt
man auch hier einen gelben Längsstreifen oder Flecken-
reihen.
Auf den Extremitäten ist das Gelb so vertheilt, dass
der Dorsalseite der Hauptabtheilungen, also dem Oberarm,
Vorderarm und der Hand, ebenso Oberschenkel, Unter-
schenkel, Fuss, im allgemeinen ein Flecken zukommt.
Im Einzelnen zeigen sich wieder mancherlei Verschieden-
heiten in der Form, Vor- und Zurückbildung der Makeln:
sie können zu Querbinden sich gestalten, besonders gern
pflegt der auf die Hand oder den Fuss kommende Fleck
die Finger und Zehen in verschiedener Weise zu tüpfeln
und zu bändern. — Wie schon am Kopfe und Rumpfe
die Fleckenbildung von Rechts und Links bei keinem
Individuum sich genau symmetrisch entspricht, so gilt
das gleiche bezüglich der Extremitäten.
Pupille; Schädel; Zähne.
Am lebenden Thier habe ich die Pupille nie an-
ders als von runder Form gesehen. An einigen Exem-
plaren aber, welche frisch in starken Weingeist gewor-
fen wurden, verengte sich die Pupille in der Weise, dass
sie die Gestalt eines nach unten gewendeten Dreieckes
annahm mit seitlicher Einbuchtung. Ich möchte darnach
schliessen, dass die Gattung Salamandra auch durch den
Besitz einer unter Umständen eckigen Pupille mit den
Tritonen (und ungeschwänzten ßatrachiern) übereinstimmt.
Der Schädel ist von flachem Aussehen, aber ein-
fach glatt, ohne die mancherlei Sculpturen, Grübchen,
Furchen und Leisten, wie sie bei den Tritonen vorkom-
244 Leyclig:
men. Zwischen den aufsteigenden Schenkeln des Zwi-
schenkiefers macht sich eine weit geöffnete Spalte von
ovaler Form bemerklich.
Die zwei Streifen der Gaumenzähne ^) sind stark
S-förmig gekrümmt; die beiden Streifen verschmelzen
vorne keineswegs mit einander, sondern es bleibt eine
Lücke dazwischen. Um die von mir gezeichnete bogige
freie Fortsetzung nach aussen zu sehen, ist eine sorgfältige
Maceration nöthig, etwa mit Zuhülfenahme von etwas Ka-
lilauge.
Hier beim gefleckten Salamander habe ich die Zähne
auch auf ihre E nt wickeln ng studirt und wahrgenom-
men, dass sie in erster Zeit lediglich dem Epithel ange-
hören und erst später mit der Lederhaut und den Kno-
chentheilen sichin Verbindung setzen. (Vgl. oben S. 167.)
Was man als Anfang von Zahnentwickelung sieht,
sind kugliche Ballen von Zellen, welche im Grunde des
die Kiefern und Gaumenbeine überziehenden Epithels
liegen und sich durch dunklere Beschaffenheit der Zellen
mit bestimmter Umgrenzung abheben. Sie stellen das
werdende Zahnsäckchen vor. Der Ballen sondert sich
in der Weise, dass im Innern eine schwache, halbkreis-
förmige Lichtung entsteht, nach welchem Vorgange man
von einem dickwandigen Säckchen und innerer kurz-keg-
liger Warze (Papille) sprechen könnte ^). Das nächst
anschliessende Stadium zeigt schon das Auftreten der
Zahnkrone ^) in der Art eines zarten die Papille decken-
den Zahnscherbchens. Das Bild im optischen Längsschnitt
des Zahnsäckchens zeigt daher zwar noch die dickzellige
Wand und die von ihr hinterwärts sich erhebende, eben-
falls zellige, kurze Papille, aber diese bis zu ihrem Grunde,
umhüllt von einer dunkelrandigen , verkalkten Lage.
Rings um diese zieht eine schwache Lichtung, die aber
vielleicht im ganz unbehelligten „Zahnsäckchen^ noch
geringer ist; es ist wahrscheinlich, dass die Zellen der
1) Vergl. Figur 17.
2) Vergl. Figur 23, a, b.
3) Figur 23, c.
lieber die Molche der württeiubergischen Fauna. 245
Wand unmittelbar auf dem kalkigen Ueberzuge der Pa-
pille aufsitzen.
Denn der letztere oder die Zahnsubstanz entsteht
doch kaum anders als etwa der kalkige Hautpanzer eines
Krebses, nämlich einfach als Cuticularbildung. Die Zel-
len der Papille eben so wie die der Wand scheiden ho-
mogene Lagen ab, die Kalk aufnehmen und damit ihre
Härte und starke Beschattung erhalten. Mit dem Dicker-
werden oder der Anhäufung der Cuticularlagen erschei-
nen die Poren- oder Zahnkanälchen. Doch sind diese in
dem Stadium, von welchem hier die Rede ist, noch nicht
vorhanden.
Bemerkenswerth dürfte sein, dass gleich beim ersten
Auftreten der Zahnkrone diese eine zweispitzige Form
hat, wovon die eine Spitze tiefer steht als die andere.
Die weiteren Entwickelungsstadien zeigen das Säck-
chen verlängert, ins Ovale ausgezogen; die Zahnkrone
im Innern hat jetzt zwei sehr wohl ausgebildete Spitzen
von gelblicher Randfärbung. Das Zahnbein ist im oberen
Umfang der Krone verdickt, mit feinen, quer durchsetzen-
den Streifen oder Zahnkanälchen versehen ; nach unten
geht es noch dünn aus. An der Papille des Säckchens,
Zahnpulpe, lässt sich jetzt eine kuglige Wurzel und eine
fadige Verlängerung nach oben unterscheiden — sehr
ähnlich einer Haarpapille. Die Zahnpulpe hat ein zelli-
ges Gefüge, lichter im fadigen oberen Theile als in dem
zwiebeiförmig verdickten unteren Abschnitt. Auch die
Wand des Säckchens bleibt rein zellig, wobei die Elemente
hauptsächlich quer gelagert sind.
Bisher ist die nun fast fertige Zahnkrone ^) ledig-
lich im Epithel der Schleimhaut entstanden, ohne dass
es mir gelungen wäre zu sehen, wie die bindegewebige
Schicht zum Zahnsäckchen in Beziehung getreten wäre.
Und doch muss dieses, nachdem die Krone einigermassen
fertig ist, geschehen, denn die später vorhandene Zahn-
wurzel, oder was ich oben auch häufig den Sockel des
1) Ich habe bereits vor längerer Zeit einen »jungen Zahn von
Salamandra« in meiner Histologie S. 303 abgebildet.
246 Leydig:
Zahnes nannte, verlangt ein solches Heranwachsen und
Verknüpfung der bindegewebigen Schicht mit dem EpiT
thel. Die Zahnwurzel betrachte ich als eine Verkalkung
der gleichen Bindegewebslage, aus welcher auch die Zahn-
furche der Kiefern entsteht. Und aus dieser nach dem
Ursprungsorte ganz verschiedenen Entstehung der Krone
und der Wurzel erklärt es sich, warum im fertigen Zahn
eine so scharfe quere Grenze zwischen diesen beiden
Abtheilungen des Zahns bleibt, ähnlich wie bei grossen
beweglichen Zähnen in den Kinnladen der Knochenfische,
z. B. des Hechtes.
Was das histologische Verhalten des fertigen
Zahnes betrifft, so ist vielleicht folgendes der Erwähnung
werth. Ein eigentlicher Schmelz fehlt; was man so nen-
nen könnte, ist die compactere, weil weniger von Kanäl-
chen durchzogene, Grenzschicht des Zahnbeins. Die Fär-
bung dieser Schicht ist an den Spitzen der Krone ein
mehr oder weniger lebhaftes Rostbraun. Das Zahnbein
erscheint von dicht gestellten, sich verästelnden, feinen
Kanälchen, welche aus der Zahnhöhle ihren Ursprung
nehmen, wie schräg gestreift. Die Aussenfläche der Zahn-
krone ist glatt und glänzend.
Die Substanz der Wurzel scheint keine Kanälchen
zu besitzen, obschon sie sonst, wie auch in der Licht-
brechung, dem Zahnbein verwandter ist als der gewöhnli-
chen Knochensubstanz; ihre Aussenfläche ist nicht glatt,
sondern schwach streifig oder unregelmässig gefurcht.
Die Höhle in der Krone und in der Wurzel zeigt
von oben bis unten eine höckerige Oberfläche, bedingt
durch verschieden grosse, warzig vorspringende Kalk-
kugeln. Die gleichen Kalkkugcln setzen sich auch da,
wo Krone und Wurzel aneinander stossen, nach aussen
fort und lassen den freien Rand eigenthümlich höckerig
erscheinen i).
Die Zahnpulpe, welche früher von rein zelh'ger oder
epithelialer Natur war, hat sich jetzt, was Glycerinpräparate
sehr gut auf^igen, in der Weise gesondert, dass ihre
1) Vergl. Fig. 21: ein Zahn bei starker Vergrösserung.
üeber die Molche der württembergisehen Fauna. 247
äussere Scliicht zwar auch jetzt noch deuth'ch zellig. wie
ein Epithel, ist; aber ihr Inneres erscheint von schwach
fasrigem Aussehen. Auffallend ist mir, dass ich niemals
Blutgefässe, geschweige denn etwa Nerven, im Innern
der Pulpe zur Anschauung bringen konnte. Die am
Grunde der Zahnwurzel befindliche Oeffaung steht, wie
ich solches an den Gaumenzähnen wahrnahm, mit den
Knochenmarkräumen im Zusammenhang und ebenso der
Inhalt dieser mit der Zahnpulpe.
Noch dürfte über Form und Stellung der Zähne
einiges im Weiteren zu bemerken sein.
Die Zähne der Kiefern sowohl als diejenigen des
Gaumens sind im Wesentlichen von gleicher Form; Un-
terschiede finden sich nur darin, dass die einen grösser,
die andern kleiner, die einen mehr, die andern weniger
gekrümmt sind. Am Unterkiefer z. ß. sind die Zähne,
welche dem vorderen Theile der beiden Kieferhälften
angehören, am längsten; sie werden allmählich kürzer
nach den beiden Gelenkenden hin ; in gleichem Verhält-
nisse steht die Tiefe und Breite der Kieferrinne. Die
Krümmung der Zähne geht selbstverständlich einwärts
nach der Mundhöhle zu. Bei besonderer Ausbildung der
beiden Endspitzen und insbesondere bei Betrachtung der
Gaumenzähne unter geringer Vergrösserung kann es den
Anschein haben, als ob die braunen Spitzen für sich be-
stehende und nur dem Zahne aufgesetzte Theile wären,
wie ich es z. B. in Figur 20 dargestellt habe. Das Ver-
ständniss klärt sich erst auf bei Besichtigung des Zahnes
von verschiedenen Seiten. Die Spitzen endigen bei Sa-
lamandra, verglichen mit Triton , woselbst sie äusserst
scharf und fein sind ^), etwas stumpfer.
Bei der bereits vierbeinigen Larve sind die Gau-
menzähne so deutlich in mehrere Reihen gestellt, dass es
Niemandem entgehen kann, und auch in dem nachgelas-
senen Werke von Rusconi (PI. IV. Fig. 12) schön aus-
gedrückt ist. Dass aber auch im fertigen Thier die Kie-
fer- und Gaumenzähne nicht bloss aus einer Reihe be-
1) Vergl. Fig. 19.
248 Leydig:
stehen, scheint den Beobachtern entgangen zu sein.
Freilich besteht nur die vorderste Reihe aus grösseren,
hingegen die weiter einwärts folgenden aus kleinern Zäh-
nen ^). Auch mag die Untersuchungsmethode Schuld
gewesen sein, dass man die letzteren übersehen hat; be-
handelt man aber die Schädel mit Kalilauge und Glyce-
rin, so lässt sich z. B. an dem isolirten, von den Weich-
theilen befreiten Unterkiefer schon mit der Lupe die
zweite Zahnreihe (vergl. Fig. 22) gut sehen : die Zähn-
chen erscheinen als glänzende, gelbliche Punkte. Im
Unterkiefer zähle ich etwa 50 solcher kleinen Zähnchen,
in unregelmässiger Reihe stehend, während die grossen
der vorderen Reihe etwa die Zahl 70 erreichen.
Was mir aber noch im Besondern bei einer derar-
tigen ganz behutsamen Behandlung der Kiefern aufge-
fallen, ist der Umstand, dass die einzelnen Zähne in
ihrer Stellung nichts weniger als strenge Ordnimg ein-
halten: die einen neigen sich etwas gegen einander, die
anderen biegen sich hinwieder von einander weg; da
und dort bleibt auch eine grössere Lücke, indem sie grup-
penweise zu zwei, vier, fünf und mehr zusammenhalten.
Die zwei S-förmig gekrümmten Streifen der Gaumen-
zähne bilden vorne keine Vereinigung; was bemerkt sein
mag, daDuges (Alfred) z.B. eine solche zeichnet, wäh-
rend der genaue R u s c o n i richtig an dieser Stelle eine
Lücke lässt. Nach rückwärts standen bei den von mir
untersuchten Exemplaren die Ausläufer der bezahnten
Gaumenbeine weit nach aussen vom Körper des Keil-
beins ab, nur in der Schleimhaut liegend.
Wie bei allen Batrachiern, welche ich bisher auf
diesen Punkt untersuchte, sind auch sämmtliche Zähne
unseres Salamanders so in das Epithel vergraben,
dass am frischen Thier nur die Endspitzen der Krone
daraus hervorragen.
1) Siehe Fig. 21 u. Fig. 22.
Ueber die Molche der württembergischen Fauna. 249
Hautdrüsen der grösseren Art; Hautpigment.
Es gehören dazu die sogenannten Parotiden und
einzelne Drüsen der Wangengegend, dann die Doppel-
reihe, welche auf der Mittellinie des Rückens vom Nacken
bis zur Schwanzspitze verläuft,, endlich zerstreute Bälge
an den Seiten des Leibes. Wie sich diese grösseren Fol-
likel, nach abgezogener Haut, dem freien Auge darstellen,
ist bereits vor längerer Zeit durch Funk (a. a. 0.) gut
gezeichnet worden. Etwas später hat J oh. Müller die
Tafeln zu seinem bekannten Drüsenwerke mit dem Durch-
schnitt der sog. Parotiden, zweimal vergrössert, eröffnet.
Die Form dieser Drüsen anbelangend, so mag viel-
leicht bemerkt sein, dass sie die eines länglichen Beutels
ist. Bei der gewöhnlichen Präparation aber, insbesondere
bei Schnitten durch die Haut kann diese Gestalt mannich-
fach verändert sein, sehr häufig erscheint jetzt der Drü-
sensack rundlich und in die Breite gehend.
Die Grenzhaut, Tunica propria, der Drüsen zeigt
sich, wie das immer bei den Hautdrüsen der Wirbelthiere
der Fall ist, als eine Einstülpung der Lederhaut und hat,
was sonst bei Drüsen nicht gewöhnlich ist, eine schwarze
Pigmentirung, ebenfalls als Zugabe von der Lederhaut
her. Ich sehe dies namentlich schön an den Drüsen der
Bückenlinie, welche in zierlicher Weise schwarz umspon-
nen sind 1).
Nach innen von der Grenzhaut breitet sich eine
Lage glatter Muskeln aus. Es sind die gewöhnlichen
Fasern und nach der Länge des Drüsensackes ange-
ordnet 2).
Dann folgt weiter nach innen die Lage der Secre-
tionszellen, welche durch ihre ungemeine Grösse unsere
Aufmerksamkeit erregen ^). Die Bezeichnung „Zellen^
erscheint für diese Gebilde wenig passend. Es sind lange
Cylinder oder Würste, aus fest-weicher Substanz beste-
1) Siehe Fig. 27, a, b.
2) Figur 27, c.
3) Figur 27, d.
250 Leydig-:
hend, ohne Membran, welche in einfacher Lage die Wand
des Drüsenraumes bedecken. Nahe ihrem hinteren Ende
beherbergen sie im Innern ihrer Substanz einen Kern von
dem umfange des Keimbläschens jüngerer Eier dessel-
ben Thieres ^); die Kernkörper — ich zähle deren meist
drei — haben ebenfalls eine Grösse, welche diejenige
der Blutkörperchen unseres Erdmolches sehr übertrifft.
und was an ihnen noch bemerkenswerth ist : ihre Lage-
rung zu einander deutet auf eine Entstehung durch Längs-
theilung hin.
Die Mitte des freigelassenen Drüsenraumes nimmt
das abgeschiedene körnige Secret ein.
Wer vielleicht von meinen früheren Mittheilungen
über die Hautdrüsen des Erdmolches ^) Notiz genommen
hat, wird bemerken, dass es mir gelungen ist, vom Bau
dieser Organe, namentlich was die Musculatur betrifft,
jetzt mehr zu sehen als früher. Es war mir dazumal
trotz aller aufgebotenen Mittel nicht möglich gewesen,
Muskeln „in der bindegewebigen Wand'^ aufzufinden, so
dass ich genöthigt war, die bekannte bei Reizung der Haut
so energisch eintretende Entleerung des Secrets entweder
auf Rechnung einer contractilen Bindesubstanz zu setzen
ffder eine Corapression der Drüsen von Seite der Stamm-
musculatur anzunehmen. In jener Zeit war mir noch
nicht klar geworden, dass die Muskeln der Hautdrüsen,
so insbesondere diejenigen der Schweissdrüsen bei Säu-
gethieren, nicht wie man von vorne herein vermuthen
sollte, nach aussen von der Tunia propria liegen, sondern
sehr unerwarteter Weise nach innen. Ich habe mich
von diesem Lagerungsverhältniss bei verschiedenen Säu-
gern, zuletzt noch an den Schweissdrüsen des Rindes,
überzeugt. Und dies ist denn auch die Lage der Muskeln
an den grossen Hautdrüsen der Batrachier.
Man überzeugt sich davon am sichersten dadurch.
1) Ich habe bereits früher von den Hautdrüsen der Caecilia
etwas Aehnliches beschrieben, aber Salamandra lässt die Gattung
Caecilia in diesem Punkte weit hinter sich. Histologie S. 86. Fig. 46.
2) Anat.-histol. Untersuchungen üb. Fische u. ReiJÜlien. S. HO.
Ueber die Molche der württembergischen Fauna. 251
dass man von Thieren, welche in starkem Weingeist er-
härtet wurden, Querschnitte von den Drüsen abträgt und
mit Essigsäure behandelt. Da erscheint^ indem wir von
aussen nach innen gehen, zuerst eine mehr lockere bin-
degewebige, mit schwarzem Pigment versehene Zone, die
sich nach innen in einen hellen, unpigmentirten, homo-
genen und ziemlich dicken Saum verliert. Dann folgt
eine, unter bezeichneten Umständen, meist wellig verlau-
fende Zone, welche sowohl von dem erwähnten Grenz-
saume nach aussen, als auch von den Secretionszellen
nach innen sich abhebt und als eine selbstständige Lage
sich kund giebt. Die weitere Prüfung^ namentlich sol-
cher Stellen, welche etwas schräg getroffen sind, thut
dar, dass wir die Muskellage vor uns haben ^)-
Vom Hautpigmente unseres Molches wäre her-
vorzuheben, dass das tiefe Schwarz — color aterrimus
heisst es schon bei älteren Schriftstellern — zum Theil
seinen Grund in der Färbung der Epidermis hat. Bei
allen Amphibien und Reptilien, welche* ich bisher auf die
Beschaffenheit der Haut untersuchte, erschien die Haupt-
masse des schwarzen Pigmentes in der Lederhaut abge-
lagert, während die Oberhaut entweder gar keine oder
doch nur spärliche Pigmentkörner enthielt, so dass dem-
nach immer eine das Schwarz der Lederhaut mildernde
Schicht darüber gebreitet war. Hier aber beim Erdmolch
sehe ich an der Haut des Rückens, dass die Zellen der
Epidermis ebenso mit schwarzem Pigmente angefüllt sind,
1) Bei Betrachtung des Lagerungsverhältnisses der Muskeln
zu den Secretionszellen nnd in Erwägung der Entstehungsweise der
Hautdrüsen kann man kaum anders als anzunehmen : die Muskel-
zellen seien aus den umgewandelten tiefsten Epidermiszellen hervorge-
gangen. Hierzu möchte ich noch ein paar andere Beobachtungen
anziehen. Ich habe auf gewisse Contractilitätserscheinungen in Thei-
len der Epidermis schon längst aufmerksam gemacht (Haut der
Süsswasserfische, Zeitschr. f. wiss. Zool. 1850); ferner habe ich jetzt
auch an den verästelten Pigmentfiguren in der Epidermis der Ba-
trachier Gestaltveränderungen w^ahrgenommen. Aus all diesem geht
für mich hervor, dass gewissen Zellen der Oberhaut ein stärkerer
Grad von Contractilität allgemeiner zukommen mag.
252 Leydig:
wie es mit dem Gewebe der oberen Partie der Leder-
haut der Fall ist. Daher denn auch die unser Thier aus-
zeichnende Sammtschwärze.
An ganz jungen Salamandern , kurz nachdem sie
Landthiere geworden, ist weder das Schwarz noch das
Gelb so intensiv, wie später. Und desshalb verfärben
sie sich in Weingeist bald derartig, dass die Hautfarbe
nicht mehr hinreicht sie als junge Erdmolche erkennen
zu lassen.
Zur Zeugung und Entwickelung.
Wenn ich nach einer einmaligen Abzahlung urthei-
len wollte, müsste ich annehmen, dass die Zahl der Männ-
chen grösser ist als diejenige der Weibchen. Unter fünf-
zig aufgesammelten Exemplaren fanden sich sieben und
dreissig Männchen und dreizehn Weibchen. Doch meine
ich irgendwo gelesen zu haben, dass ein Beobachter das
Umgekehrte erfahren hat.
Noch Niemand hat den gefleckten Erdmolch sich be-
gatten sehen. Vor langer Zeit schon hatte ich wahrge-
nommen, dass in der Kloake trächtiger W^eibchen ge-
wöhnlich Spermatozoiden anzutreffen seien ^) ; ich schloss
daraus, dass wohl auch bei dieser Art ein ßegattungsact
stattfinden möge, wie Schreibers einen „Amplexus^
beim schwarzen Salamander gesehen. Die Zeit der Be-
gattung, welche wohl auf dem Lande geschieht, scheint
vom April an sich durch den ganzen Frühling und Sommer
zu erstrecken; wenigstens ist bekannt, dass man frühere
und spätere Entwickelungsstufen des Embryo innerhalb
des Uterus in jedem Monat antreffen kann.
Die Eier der übrigen ßatrachier, insoweit sie bis
jetzt hierauf untersucht wurden, machen einen vollstän-
digen Furchungsprocess durch. Bei unserem Salamander
hingegen scheint nur eine partielle Furchung Statt
zu finden, was sich aus Betrachtung der Figuren, welche
1) Auat.-histol. Untersuch, üb. Fische u. Rept. 1853.
Ueber die Molche der württember^schen Fauna. 253
der genaue Riisconi auf PI. V. Fig. 3—6 giebt, folgern
lässt. Man sieht dort nämlich die ersten Furchnngslinien,
in unzweifelhafter Weise, auf den einen Eipol beschränkt.
Im weiteren Verlaufe der Entwickelung tritt ein
anderer merkwürdiger Punkt auf, welcher schon mehr-
mals das Interesse der Beobachter auf sich gezogen hat.
Es ist dieses ein Dotter sack, um den sich der hievon
abgeschnürte Embryo herumkrümmt. So viel ich finde,
hat zuerst Perrault dies roh aber sehr deutlich ge-
zeichnet ^). Er nennt den Dottersack Placenta. In un-
seren Tagen hat die Bildung Gustav Carus^) wieder
wahrgenommen, dann Graven hörst ^) gut abgebildet,
endlich Rusconi^) nach allen Stadien in unübertrefflich
schöner Weise vorgeführt.
Der Embryo macht im Uterus seine Entwickelung
so weit durch, bis er zu einer schwärzlichgrauen vierbei-
nigen, mit Kiemen und abgerundetem Ruderschwanz ver-
sehenen Larve geworden ist, welche dann von der Mutter
ins Wasser abgesetzt wird. Fehlt es an Wasser, so soll,
nach der Angabe mehrer Beobachter, der weibliche Sa-
lamander die Jungen an Orten gebären, die wenigstens
feuchter Natur sind. Wahrscheinlich sind bei solchen
neugeborenen Larven alsdann während des längeren Zu-
rückgehaltenseins im Uterus auch die Kiemen bereits in
der Rückbildung begriffen.
Die breitköpfigen Larven, deren sonstige Gestalt und
Farbe ich schon berührt habe, sind auf den ersten Blick
von einer Tritonlarve zu unterscheiden , ganz" abgese-
hen davon, dass man sie schon zu einer Zeit (Mitte April)
im Wasser finden kann, wo es noch keine vierbeinigen
Tritonenlarven von solcher Grösse, selbst nicht bei dem
günstigsten Frühlingswetter, giebt. Auch wählen die
1) A. a. 0. PI. IG.
2) Lehrbuch der vergleichenden Zootomie. Ausführlicheres soll
in der (mir nicht zugänglichen) Dresdener Zeitschr. f. Natur- u. Heil-
kunde Bd. I. stehen.
3) A. a. 0. Tab. XV. Fig. III IV, V.
4) A. a. 0.
254 Leydig:
Salamander, wenn es ihnen frei steht, für ihre Brut an-
dere Gewässer als die Tritonen. In hiesiger Gegend fin-
det man die Salamanderlarven besonders gerne im küh-
len beschatteten Wasser enger Thalschluchten ^).
Dass der gefleckte Erdsalamander lebendig gebärend
sei, ist seit der Zeit des Mauritius Hoff mann, Wurf-
bain undPerrault (zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts)
bekannt, wird aber öfters irrigerweise als Entdeckung spä-
teren Autoren zugeschrieben. Der Vorgang bleibt im ver-
gleichenden Hinblick auf Frösche, Kröten und Tritonen
bemerkenswerth und man begreift, warum bis in die jüngste
Zeit die Thatsache immer wieder, wie wenn sie etwas
neues wäre, zur Besprechung kommt. Die Zahl der Neu-
geborenen ist verschieden. Frey er in Triest meldet,
dass ein Salamander im März während eines Tages 72
Junge geboren habe -). Die geringste Zahl mag etwa
ein Dutzend betragen, die Mittelzahl ist 3U bis 40.
Von meinen eigenen neueren Studien über die Lar-
ven unseres Salamanders werde ich an einem anderen
Orte berichten und jetzt nur einiges über die histologi-
sche ßeschaft'enheit des Hautpigmentes erwähnen.
Während die Salamandra maculosa, nachdem sie aus
1) Daraus erkläre ich mir auch, warum in einer bestimmten,
z. B. der hiesigen Gegend, die Individuenzahl der Erdsalamander
grösser ist, als die der Wassermolche. Indem die weibliche Sala-
mandra maculosa ihre Jungen in kaltes Bergwasser ablegt , wo es
weder Tritonen noch Fische giebt, wohin auch kein Storch kommt,
der aufräumen könnte, sondern wo nur der Flohkrebs (Gammarus),
Insectenlarven und Planarien leben; so sind die jungen Salamander
weniger Gefahren ausgesetzt und eine gute Zahl der Neugeborenen
wird das Leben durchbringen. Nicht so ist es bei den Tritonen.
Hier werden die Eier in offene sonnige Gewässer gelegt, in denen
sich noch andere räuberische Thiere, wie Wasserkäfer, Libellenlar-
ven u. dergl. vorfinden. Ja die alten Tritonen selber scheinen die
jungen, zarten Lärvchen als Leckerbissen anzusehen und schnappen,
wenigstens im Aquarium, bei sonstiger reicher Fütterung ihre eigene
Brut eifrig weg. Und so mögen auch draussen im Freien viele Tri-
tonen schon verunglücken, ehe sie dazu gelangen das Wasser zu
verlassen.
2) Verhandl. d. zool.-botan. Gesellschaft in Wien 1862.
lieber die Molche der württembergischen Fauna. 255
einem Wasserthier ein Landthier geworden ist, kein me-
tallisch glänzendes Pigment mehr bat, selbst nicht in der
Iris, so verhält sich hierin die Larve wesentlich anders.
Nicht bloss dass die Iris goldfarbenes Pigment zeigt, auch
an den Seiten des Leibes, am Schwänze haben sich nach
und nach bei den im April geborenen um Mitte Mai, auf
der schwärzlichgrauen Grundfarbe goldglänzende kleine
Flecken eingestellt, welche das Thier sehr schmücken.
Weiter abwärts gegen den Bauch hin ist ebenfalls, und
zwar ein continuirlicher, schwacher Goldglanz erschie-
nen. Der Bauch selber ist fast farblos hell, ebenso die
Wurzel der vier Beine. Ende Juni hatte das goldglän-
zende Pigment noch mehr zugenommen, namentlich gegen
den Rücken hin, aber auch der Bauch schimmert jetzt
völlig in dieser Farbe. Aus der Mittellinie der letztge-
nannten Gegend schimmert das Blutroth der starken Vena
epigastrica hindurch.
': Man kann somit sagen: auch der gefleckte Landsa-
lamander besitzt, so lange er durch Kiemenathmung und
Flossenschwanz an die Fische erinnert, das bei Fischen
so weit und allgemein verbreitete irisirende Hautpigment;
zugleich mit der Kiemenathmung verliert sich diese Art
Farbstoff.
An Larven, welche im April geboren w^urden, ge-
schah dieses im Zimmer bei den einen Anfang Juli, bei
andern erst Ende des Monats. Das Gelb und das Schw^arz
erhält erst nach und nach seine Sättigung ; der Bauch
ist längere Zeit noch hell, bloss schwärzlich angelaufen.
Das Gelb der Haut entsteht nicht aus den irisiren-
den Pigmentkörperchen, sondern für sich. Nachdem be-
reits das erstere in grösserer Menge aufgetreten ist, lassen
sich noch bei gehöriger, starker Vergrösserung zwischen
den nicht irisirenden gelben Farbtheilchen Spuren des
irisirenden herausfinden. Das gelbe nicht irisirende ist
ein Pigment eigener Art, vielleicht am nächsten verwandt
dem braunkörnigen.
. Larven von diesem Stadium suchten, obschon sie
noch Kiemenstummeln an sich hatten, aus dem Wasser
herauszukommen und starben wenn ihnen dies unmöglich
256 Leydig:
gemacht war, woraus hervorgeht, dass sie um diese Zeit
den Wasseraufenthalt nicht mehr vertragen.
Vorkommen.
Der gefleckte Erdmolch ist weit über Europa ver-
breitet, ohne sich jedoch überall zu finden ; er fehlt z. B.
auf der Insel Sardinien nach Gene. In Württemberg
scheint er an vielen Stellen zu leben. Um Tübingen ist
er häufig in den feuchten Thälern des Schönbuch und
im Burgholz, wie denn auch bereits Schub 1er, im Jahre
1820, denselben als ein Glied der hiesigen Fauna be-
zeichnet hat. In grosser Menge wird er neckarabwärts
bei Rommeisbach, Jahr aus Jahr ein, gefangen. Häufig
ist er auf der Alp, z. B. bei Urach; doch auch dem Un-
terlande fehlt er nicht, v. Martens sagt von ihm, dass
er in Maulbronn „sehr häufig" sei, nach Kurr findet er
sich im Oberamt Marbach. (Ich habe das Thier auch im
Taubergrund : Vorbachthal bei Rothenburg; im Wald bei
Burgbernheim beobachtet ; dagegen fehlt es nach meiner
Erfahrung im Mainthale bei Würzburg, und stellt sich
erst weiter unten bei Rothenfels ein.)
Tags über bei trockenem Wetter wird man des Mol-
ches, da er, wie schon bemerkt, einer feuchten Atmo-
sphäre zu seiner Existenz durchaus bedürftig ist, selten
und nur zufällig ansichtig werden; er hält sich dann an
schicklichen Orten verborgen. Nach einem warmen Re-
gen, auch wohl Abends oder in der Morgenfrühe sieht
man sie hervorkommen und hiebei ist es schon manchem
Beobachter aus alter und neuer Zeit aufgefallen, dass sie
an einer bestimmten Localität in ungemeiner Menge ge-
legentlich zu treflPen sind, wie wenn sie sich gesellschaft-
lich zusammengethan hätten. „Man könnte ganze Korn-
säcke voll davon anfüllen," haben Autoren im vorigen
Jahrhundert öfters gesagt.
Rusconi theilt mit, dass im Frühjahre zuerst die
Weibchen, dann die Männchen, zuletzt die jüngeren Thiere
ihr Winterquartier verlassen. Ich wäre geneigt gewe-
tJeber die Molche der württembergischen Fauna. 257
sen die Reihenfolge anders zu bilden. Ich besuche näm-
lich seit Langem ein Waldthal hiesiger Gegend, wo ich
etwa Anfangs April, bei guter Temperatur, jungen noch
nicht fortpflanzungsfähigen Thieren zuerst begegne — ähn-
lich wie sich auch bei den Fröschen die Jungen, viel-
leicht weil unerfahrener, zuerst hervorwagen, — später
sind die alten Salamander da. Die letztern habe ich
öfters überrascht, wie sie damit beschäftigt waren in den
das Thal durchrieselnden Bach ihre Jungen abzusetzen.
Geschichtliche und kritische Bemerkungen. ^
Der gefleckte Erdmolch hat vor Alters so gut wie noch heut
zu Tage die Aufmerksamkeit der Menschen in hohem Grade auf
sich gezogen und kann zu den Thieren gerechnet werden, welche
allgemeiner bekannt sind. Aristoteles, Plinius wissen man-
cherlei von ihm zu erzählen ; insbesondere ist der Letztere sehr übel
auf das Thier zu sprechen : »inter omnia animalia maximum esse
Salamandrae scelus,« behauptet er; auch Albe r tu s Magnus giebt
eine wunderliche Beschreibung (Thierbuch, 1545). Desshalb er-
scheint sein Bildniss sogleich als man anfing die naturhistorischen
Druckwerke mit iconographischen Darstellungen zu versehen. Es
ist bemerkenswerth, dass die Figur unseres Thieres, wohl des plum-
pen Habitus wegen, von Anfang an den Künstlern besser gelang,
als es mit derjenigen der schlanken Wassermolche der Fall gewe-
sen. So finde ich die Abbildung bei Gessner (a. a. 0. p. 74), ob-
schon in technischer Beziehung ein Holzschnitt von rauher Art,
was die Zeichnung anbetrifft, ganz vortrefflich. Die Haltung des
Kopfes und der Beine ist, wenn auch der Autor nicht ausdrücklich
bemerkt hätte: »figura haec ad vivum expressa est.« genau dem
lebenden Thier abgelauscht. Auch in den Einzelheiten ist sie
richtig: sie giebt z. B. die Doppelreihe der vom Nacken bis zur
Schwanzspitze verlaufenden Hautbälge gut an.
Die Figur bei Aldrovandi (a. a. 0. p. 641). ebenfalls Holz-
schnitt, steht der Ge ssner'schen Abbildung sehr nach, ganz davon
abgesehen, dass sie gar gross und dick gerathen ist. Den letzteren
Punkt betreffend wäre es möglich, dass in der That ein Riesen-
exemplar vorgelegen hätte, da Schreibers ^) beobachtet hat,
1) Vergl. Schweigger, Handbuch d. skeletlos. u. ungeglieder-
ten Thiere.
Archiv f. Jfatnrg XXX TU Jahrg-. 1 Bd , 17
258 Leydig:
dass Salamander, welche man in nassem Lehm Jahre lang unter-
hält, sehr lang werden, wobei sich die Zahl der Wirbel vermehre;
auch Piie hinger ^) giebt an, man fände Molche bis zu lü Zoll
Länge. Indessen scheint der für AI dro vandi arbeitende Künstler
überhaupt die Neigung gehabt zu haben, kleinere Thiere grösser
anzulegen als sie in Wirklichkeit sind. — Das »Salamandrae scele-
ton,« welches nur den Schädel und die Wirbelsäule vorstellt, ist
oberflächlich gehalten und kaum brauchbar, wie denn z. B. auf der
linken Seite die Rippenrudimente als solche abgegrenzt sind, wäh-
rend sie auf der rechten Seite durchweg in die Processus transversi
aufgenommen wurden, u. dergl. — Den Text durchgeht man auch
bei diesen beiden Autoren nicht ohne Interesse, da uns darin das
Denken und Meinen einer lange entschwundenen Zeit zurückgeru-
fen wird.
Wurfbain hat die Figur bei Aldro vandi in Kupferstich
nachbilden lassen; sie ist aber als Oopie noch schlechter ausgefal-
len. Hingegen ist die Original-Zeichnung des Erstgenannten (a. a.
0. Tab. II. Fig. 2) recht brav und jedenfalls besser als solches von
den Tritonen zu sagen war. Angenehm berührt es den Leser iu
dem Nürnbergischen Arzt einen Naturforscher kennen zu lernen,
der schon dazumal sich nicht mit der äusserlichen Betrachtung des
Thieres begnügt, sondern auch dessen Bau und Entwickelung stu-
dirt. Doch ist zu bemerken, dass die von ihm gelieferte Anatomie
wenig original ist. Er hatte namentlich einen Vorgänger, dessen
Arbeiten er stark benutzt hat: den Oligerus Jacobäus, Pro-
fessor in Kopenhagen. Ich konnte mir nicht die Acta Hafniensia
zugänglich machen, in welchen 1676 zuerst dessen Abhandlung er-
schien, sondern vermochte mir nur die separat und zehn Jahre
später herausgegebenen »De ranis et lacertis observationes 1686,«
(ohne die Kupfer) zu beschaffen. Durchgeht man die Angaben und
die Figuren, so wird klar, dass hier der Bau des Wassersalaman-
ders und des Landsalamanders durcheinander gemengt sind. Dies
vorausgeschickt, möchte ich doch nicht unterlassen, einen kleinen
Abriss über diese alten zootomischen Studien folgen zu lassen, da
wir diesen Bestrebungen immerfort ein freundliches Andenken zu
gönnen haben.
Der Gang ist bei Wurfbain folgender. Nach einer warmen
Lobrede über die Bedeutung anatomischer Studien, unterwirft er
selber mehrere Thiere dem Messer und kommt zu dem Ergebniss,
dass der Molch, obschon der Tracht nach den Eidechsen nahe ste-
hend, doch im Bau sich mehr wie ein Frosch verhalte. Bezüglich
des Hautsystems gedenkt er des Wulstes hinter dem Auge, der
1) Reptilien Württembergs.
üeber die Molcbe der württembergischen Fauna. 259
Oefifnungen auf der 0])erfläclie, des milchartigen Saftes. Der Wulst
wird demnach gleich richtig als »Glandula« gedeutet, während in
viel späterer Zeit (1790) Bonnaterre darin »d'oreilles« erblicken
wollte. Im Knochen Systeme gehen die Figur und der Text zum
Theil weit auseinander. Das Skelet bezieht sich auf den Triton, für
die Einzelheiten hatte der Zeichner noch kein Auge: ganze Par-
tien, der Schädel z. B. sehen aus, als ob sie nicht ordentlich abge-
fleischt worden wären, Hand- und Fusswurzel sind Ein Knochen,
an den hinteren Beinen ist eine Zehe jederseits vergessen , die
Querfortsätze der Wirbel sind über alle Massen breit gehalten, von
einer Abgliederung der Rippenrudimente natürlich keine Spur u. s. w.
Doch gefällt mir , dass das Skelet nach seiner Haltung — Krüm-
mung des Kopfes und der Wirbelsäule, Stellung der vier Extremi-
täten — richtig die Fortbewegung des lebenden Thieres fixirt.
Auch im Text wird trotz aller Einfachheit der Betrachtungsweise
gar Manches richtig hervorgehoben. Der Raum für das Gehirn sei
doch eigentlich sehr klein (cerebri sedes valde angusta) ; ausser den
Kieferzähnen kämen auch Gaumenzähne vor; der Carpus bestehe
>ex octo minoribus ossiculis.« In der Zeichnung sind sie, wie schon
bemerkt, alle in einen einzigen Knochen aufgegangen. Des so eigen-
thümlichen Knorpels am Vorderrande der Beckenplatte, den die
Späteren als »Cartilago ypsiloides« bezeichnen und den man in neue-
rer Zeit den Beutelknochen der Marsupialia verglichen hat, scheint
in folgenden Worten P]rwähnung zu geschehen: »Ossicula duo, pro-
cessibus binis sursum vergentibus ad materiam potius cartilagineam
referenda.« — Ueber Nervensystem und Sinnesorgane sind die Mit-
theilungen spärlich. Das Gehirn sei sehr klein (quantitas cerebri
admodum exigua) und auf die Deutung der einzelnen Theile wird
kaum eingegangen. Es habe eine »formam pyramidalem,« womit
wohl die Grosshirnlappen oder das Vorderhirn gemeint sind ; daran
schliesse sich eine »portio subrotunda,« was sich wohl auf das Mit-
telhirn (Vierhügel) bezieht, obschon er den Theil dem »Cerebellum«
vergleicht. Das eigentliche Cerebellum ist ja nur ein schmales,
wahrscheinlich dazumal kaum bemerktes, Markbändchen hinter dem
Mittelhirn. Von den äusseren Theilen des Auges w^erden die Lieder
erwähnt, von den inneren Theilen die »humores,<i namentlich die
rundliche Linse. Dass unser Zootom noch nichts mit dem Gehör-
organe anzufangen wusste, ward nicht befremden können. Er sagt :
»de auribus salamandrae, de quibus altum apud authores silentium,
nee mihi quidquam constat, quamvis in eis investigandis maxime
laboraverim.« Haben doch erst hundert Jahre später (1757) der
Göttinger Professor Zinn und Geoffroy in Paris (1778) den An-
fang zur Kenntniss dieses Organs gemacht. Mehr erfährt man über
die eigentlichen Eingeweide , obschon genauer besehen nur das
erwähnt wird, was man bei der gewöhnlichen Eröffnung des Thieres
260 Leydig:
bemerkt. Er gedenkt des Bauchfells und dessen Pigmentzellen
(»punctulis nigricantibus , hinc inde conspersum«) ; es erzeuge
diese Haut nach vorn eine Art Zwerchfell, der Magen sei gerade
gerichtet, der Darm bilde einen gewundenen Knäuel, die Leber, mit
einer Gallenblase versehen, sei länglich, gross und dreilappig. Von
den Nieren kennt er, wie aus der Abbildung hervorgeht, nur den
hinteren massigeren Theil, nicht aber den vorderen in einen Faden
auslaufenden Abschnitt. Vom Geschlechtsapparat bespricht er die
Eierstöcke, den Eileiter, den Uterus; beim Männchen die Hoden.
Dass der Autor noch keine Ahnung davon hatte, wie der Ausfüh-
rungsgang der Nieren, Harn- und Samenleiter zugleich sei, kann
nicht verwundern: unser Nürnberger Arzt ist kein Swaramer-
damm, wenn auch Zeitgenosse desselben. Die Fettkörper werden
richtig als »Sacculi oleosi« bezeichnet; das Herz sei klein, mit
schwarzen Punkten besprengt; die Lungen längliche, hellglänzende
mit Luft gefüllte Säcke, weit hinab in die Bauchhöhle sich erstrec-
kend. (Angaben die sich in Wort und Bild wohl zunächst auf Tri-
ton beziehen.) Mit Rücksicht auf die Fortpflanzung spricht er sein
Vergnügen aus , sich von der Richtigkeit der Angaben Anderer
überzeugt zu haben, dass der Salamander vivipar sei. Ein in Ge-
fangenschaft fünf Monate gehaltenes Weibchen gebar auf einmal
vier und dreissig Junge. »Mirabundus conspicio !« Sie starben
ihm alle weg, aber sie waren auch todt werthvoll, daher »illos Sala-
mandrinos foetus plantarum instar exsiccatos, chartisque agglutina-
tos, adhuc penes me, studiose asservo.«
Die Figuren, welche Wurfbain aus Jacobäus entlehnt
hat, werden ferner reproducirt inBlasius' »anatome animalium,
1681; endlich noch einmal in Valentini's Amphitheatrum zooto-
micum, 1720, Tab. XL, Dort lerne ich denn auch die das ganze
Thier vorstellende, aber sehr übel gerathene Abbildung des Land-
salamanders, welche von Jacobäus herrührt, kennen. Der Gies-
sener Professor hätte offenbar , wenn er nicht die G e s s n e r'sche
nehmen wollte , besser getban , die Originalfigur bei Wurfbain
zu copiren. Der Salamander des Jacobäus hat einen Schildkrö-
tenkopf, am Hals eine Art Wamme u. dergl. ; die einzige Aehnlich-
keit des über alle Massen naturungetreuen Bildes bleiben fast nur
die hellen Flecken auf dunklem Grunde.
Als der talentvollste unter den Beobachtern, welche sich in
der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit der Naturgeschichte
des in Rede stehenden Thieres beschäftigten, ist der Franzose Per-
rault zu bezeichnen, nicht umsonst eines der berühmtesten Mit-
glieder der damals in der Entstehung begriffenen Akademie der
Wissenschaften in Paris. Die Arbeit desselben erschien erst nach
seinem 1688 erfolgten Tode, im Jahre 1734. Zunächst sind die
zwei Kupfertafeln in mehrfachem Betrachte interessant. Die erste
Ueber die Molche der württembergischen Fauna 261
giebt eine weite Landschaft, im Vordergrunde, auf einem sich um-
biegenden Wege, den Salamander in natürlicher Grösse. Dieser ist
kaum zu loben, im Ganzen wie im Einzelnen fällt er gegen die
G e s s n e r'sche Figur ab. Wohl aber ist die Landschaft in Vorder-»
Mittel- und Hintergrund richtig abgestuft und gefällig componirt.
Jedenfalls scheint mir das Ganze ein Zeugniss von Geschmack und
Formensinn abzulegen, sticht auch sehr gegen unsere jetzige nüch-
terne Weise Naturobjecte vorzuführen, ab. Dass übrigens der Künst-
ler als Landschafter gewandter war, als im Figurenzeichnen, ergiebt
sich auch aus der zweiten oder anatomischen Tafel , wo namentlich
die Darstellungen des ganzen, von der Bauchseite geöffneten Thieres,
z. B. was Form und Länge der Zehen betrifft, nichts weniger als
naturgetreu genannt werden können. Eine Figur stellt den geöff-
neten Rachen des Thieres vor und ist mir von Bedeutung wegen
der Gaumenzähne. Alle Abbildungen über den Schädel des gefleck-
ten Landsalamanders, welche mir bekannt geworden sind, lassen die
zwei Streifen der Gaumenzähne nach hinten zu bald aufhören. Am
meisten verkürzt erscheinen sie auf der Figur des Salamander-
schädels, welche Cuvier in seinen Recherches sur les ossemens
fossiles niedergelegt hat; aber auch bei Funk ^), Bibron und
Dum er 11, selbst bei Rusconi, mangelt nach hinten die bogen-
förmige Fortsetzung nach aussen, welche an den Schädeln . die
ich mir zu diesem Zwecke präparirt hatte, von derselben Ausdeh-
nung sind, wie man es bei Perrault sieht. Darnach könnte man
annehmen, dass es hierin individuelle Abweichungen giebt und viel-
leicht auch gerade noch bei jüngeren Thieren die verlängerte Bie-
gung nach aussen sich vorhanden zeige, als Rest der früheren,
fischähnlichen Verbindungsbrücke zwischen dem Suspensorium des
Unterkiefers und dem Rachengew^ölbe. Doch ist mir das wahrschein-
lichere, dass in Folge der Präparationsmethode das fein auslaufende
Ende der Gaumenbeine in obigen Fällen abgebrochen war. — Die
Zähne, welche die Kinnladen und Gaumenbeine besetzen, sind bei
ihrer Kleinheit, wenn man nicht den Schädel sehr vergrössert dar-
stellen will, schwierig naturgetreu wiederzugeben. Perrault zeich-
net sie ohne Bedenken als derbe Perlenschnüre, welche genannte
Knochen garniren. Bei den Spätem erscheinen die Zähne einfach
als Zackenrand der Kinnladen und der Gaumenbeine, selbst wenn
die Autoren, wie z. B. Funk, den Schädel mehrmal vergrössern
Hessen. Sogar bei R usconi, der auch solche Dinge nicht für ge-
1) Ich meine den Schädel, a. a. 0. Taf. 3. Fig. 2. Auf Fig. 8
(derselben Tafel) das Rachengewölbe vorstellend, stimmt die stark
geschweifte Figur der Gaumenbezahnung ebenfalls mit meiner Beob-
achtung.
262 Leydig:
ringfügig hielt, bemerkt man, dass diese Theile ihm, einem Künst-
ler, der sonst immer sicher war, wie man einen Gegenstand zu be-
handeln habe, Schwierigkeit bereiteten. Früher, in der Zeichnung
des Tritonschädels, hatte er sich damit geholfen, dass er die Zahl
der Zähne verringerte , und den einzelnen Zahn im Verhältnisse
zum Schädel stärker vergrösserte, als es sein sollte. Bei diesem
Verfahren konnte er freilich den einzelnen Zahn als deutlichen Kegel
mit besonderer Schattirung auftreten lassen, aber es geschah auf
Kosten der Richtigkeit. Daher er denn später in seinen meisterhaf-
ten Figuren, welche den Landsalamander illustriren, die Zahnreihen
ebenfalls als lichte Perlenreihen veranschaulicht, sie aber doch
stellenweise in kurze Kegel auszieht, wodurch das Bild der Wahr-
heit sehr nahe kommt. Dabei ist ihm freilich ein Kupferstecher
(Bramati) zur Seite gestanden, dessen Genauigkeit zu besitzen,
sich nicht jeder deutsche Kupferstecher rühmen kann. — Dass Per-
rault bereits den Dottersack des Embryo sammt dem grossen
Blutgefässe darauf, veranschaulicht, wurde schon oben (S. 253) zum
Theil erwähnt; die Figur entspricht etwa der Fig. 6 auf PI. I bei
Rusconi. ^Chaque Salamandrean (dans oviductus) etoit comme
un petit Serpent noir, n'ayant encore point de pieds ; il etoit attache
par le ventre a une boule etant apparemment le placenta« ist die
Deutung bei Perrault. Es ist aus dem Angeführten selbstver-
ständlich, dass unser Autor bereits vollkommen wusste. der Sala-
mander sei ein vivipares Thier.
Eine Originalfigur aus etwas späterer Zeit ist die bei Seba
(a. a. 0. Tom. II. Tab. 12) , welche, da sie im Allgemeinen richtig,
wenn auch nicht ausgezeichnet ist, öfters copirt wurde, so z. B. in
Statins Mülle r's Natursystem von Linne, 1774. Der Kupferstich
bei Seba nimmt sich, besonders nach der Art der Schraffirung,
wie eine Federzeichnung aus. Nach dem Leben ist die Abbildung
schwerlich gemacht, denn das Maul erscheint wie zum Schreien weit
geöffnet, was nicht zu den Eigenschaften der Molche gehört.
Mehr noch als dieSeba'sche Abbildung wurde in deutschen,
französischen und englischen Werken die Rose l'sche colorirto Ab-
bildung des Salamanders, auf dem Titelkupfer der Historia natur.
ranarum nostr. 1758 befindlich, nachgestochen. Obschon ich mich
zu den besondern Verehrern des trefflichen Nürnberger Natur-
forschers zähle und der Betrachtung seiner Platten schon manchen
vergnügten Augenblick verdanke , so gefällt mir doch gerade
diese Abbildung, von Andern »egregie pictum« genannt, nicht
ganz. Das Thier erscheint zwar in lebendiger Haltung, mit aufge-
richtetem Kopfe, aber der Mund, den der Molch im Leben so hart-
näckig verschlossen hält, ist leicht offen gezeichnet und die Iris
roth gemalt, da sie doch in Wirklichkeit nie anders als duukel ge-
lieber die Molche der württembergischen Fauna. 263
troffen wird ^). Dann hat auch der linke Hinterfuss ein Gelenk zu
viel bekommen, indem der Oberschenkel in der Mitte geknickt er-
scheint. Ich erkläre mir diese Mängel, wie sie in der Art sonst
nicht auf den Rösel'schen Tafeln aufgefunden werden, aus der
Entstehung der fraglichen Platte. Der Autor hatte bei der An-
kündigung des Werkes »ein schönes illuminirtes Titelblatt« den
Abnehmern versprochen; später von den »Liebhabern beständig an
das versprochene Titelblatt erinnert«, macht er endlich dazu den
Entwurf, malt ihn aus, aber den Stich lässt er von einem anderen
Nürnberger Künstler (Tyroff) besorgen, während er die übrigen
Platten auch selbst radirt hat.
Bei Laurenti (a. a. 0. Tab. II. Fig. 2) wird ein »Proteus
tritonius« aufgeführt und gezeichnet, der bei Andern als die Larve
eines Triton gilt, den ich aber für die Larve von Salamandra zu hal-
ten geneigt wäre. Hierzu bestimmt mich vorzüglich die Form des
Schwanzendes. Wie oben erörtert, so habe ich die Larven ver-
schiedener Tritonarten in mehi^n Altersstufen vor mir gehabt und
ebenso zahlreiche Larven vom Erdmolche. Bei allen obigen Arten
von Tritonlarven ist das Schwanzende zugespitzt, ja selbst wie fadig
verlängert; nur bei denen von Triton taeniatus kann man durch
die Schwanzform noch am ehesten an die Larven von Salamandra
erinnert werden, wobei aber immerhin der Unterschied bleibt, dass
aus dem breit abgerundeten Ende noch eine Spitze hervorragt.
Denn bei den Larven des Erdmolches sehe ich nur ein verbreitert
abgerundetes Ende ohne Spitze, ganz so, wie auf der Laurenti'-
schen Figur. Ferner könnte für meine Annahme sprechen, dass
die fragliche Larve in ganz kaltem Gebirgswasser (in lacu frigidis-
simo, qui est in alpe Etscher) getroffen wurde. Nun werden, wie
oben erwähnt , die jungen Salamander vom Mutterthiere gerade
gern in kühle, schattige Bergwässer abgesetzt und nur die Lar-
ven von Triton alpestris könnten in ähnliche Localitäten gerathen,
auch hat schon L au renti gefragt: »an gyrinus tritonis alpestris ?«
Allein die Larven dieser Art sind, abgesehen von der bezeichneten
Form des Schwanzendes, in der Grösse, wie sie die Abbildung zeigt,
1) Rösel ist wohl Schuld, dass fast hundert Jahre nachher
eine mit besonderer Sorgfalt (von Klein) gezeichnete und gelun-
gene Abbildung ebenfalls ein rothe Iris erhält. Es geschieht dies
in Cuvier's Regne animal illustre, 1849, Rept. PI. 40. In diesem
Werke wurden ganz offenbar viele Amphibien nach Weingeistexem-
plaren des Museums gemalt, an w^elchen die Färbungen bekanntlich
fast immer geändert sind. Der Colorist nahm in unserem speciel-
len Falle wahrscheinlich zu Rösel seine Zuflucht, der doch nach
dem Loben gemalt hatte !
264 Leydig:
schon so eigenthümlich hell auf lederbraünem Grunde gefleckt, dass
unser Autor dieser Farbe wohl näher gedacht hätte. Wenn er fer-
ner sagt : »Caput majusculum, antice obtusissimum«, so passt die-
ses sehr gut auf die Larven von Salamandra, nicht aber auf dieje-
nigen von Triton. Das Abdomen war röthlich »von der durch-
scheinenden Lunge«, was wohl heissen sollte: »von der durchschei-
nenden Leber,« oder vielleicht noch wahrscheinlicher war damit die
durchschimmernde Vena epigastrica gemeint.
Eine Originalzeichnung ist abermals die Figur in dem Werke
des Abbe Bonnaterre. Die Gliedmassen, insbesondere die Zehen
gar dick, Haut namentlich am. Kopf und Hals wie getäfelt. Auch
der Text unbedeutend; das beste ist das ausführliche Citat ausMau-
pertuis, Beobachtungen über das Lebendiggebären des Salaman-
ders. Journal de Normandie Nr. 50. 1788.
Bei Schneider liest man in schöner Zusammenstellung das,
was Andere über unser Thier beobachtet haben, ohne dass der Au-
tor aus eigener Untersuchung etwas Neues hinzuzufügen in der
Lage war.
Bechstein als eifriger Beobachter der Thierwelt im Freien
theilt mehrere Notizen zu der Uebersetzung des La Cepede'schen
Werkes mit. Die Figur 2 auf Taf. 17, welche vielleicht als Original
gelten soll, ist eine verbesserte Ausgabe der Rösel'schen Zeich-
nung. Das ganze Thier kleiner gehalten; die Schwanzspitze einge-
schlagen; der geknickte Schenkel des einen Hinterfusses jetzt ge-
rade; die Drüsensäcke der Rückenlinie schärfer hervorgehoben.
Auch bei Sturm erscheint der Rösel'sche Molch in ver-
kleinerter Nachbildung; aber ausserdem giebt unser Künstler auch
die ebenfalls colorirte, getreue Darstellung nach einem lebenden
Exemplare, nur wieder, um sie dem einmal gewählten Format des
Werkes anpassen zu können, merklich verkleinert.
Beachtung verdient auch die Figur von D u p o n c h c l bei
Latreille, da Letzterem darum zu thun war, die in Frankreich
heimischen Formen durch genaue Zeichnungen kenntlich zu machen ;
gegenüber den »portraits dont le dessin est inexact ou peu oor-
rect, qui ne presentent les objets que grossierement et presque
Sans detail«, wie er sich über die Arbeiten seiner französischen
Vorgänger äussert. Jedenfalls sieht man der neuen Abbildung an,
dass sie aus der Hand eines aufmerksamen Zeichners kommt; der
rechte Vorderfuss leidet übrigens noch an dem oft vorkommenden
Fehler, dass er durch breites sich Absetzen vom Vorderarm allzu-
sehr an Handformen der Säuger erinnert; auch habe ich trotz der
vielen Exemplare, die mir vor die Augen kamen, nie die hellen
kleinen Flecken gesehen, womit Schnauze und Stirn dicht besprengt
sind. x\ndere Autoren rechneu die Abbildung zu den *huius spe-
Ueber die Molche der württembergischen Fauna. 265
ciei icones elegantissiraas et accuratissimas.« Latreille lässt durch
seinen Freund, den »citoyen Coquebert« das ganze Skelet in natür-
licher Grösse, dann Hand und Fuss vergrössert, darstellen; für uns
desshalb interessant, weil sie zu jener Zeit das beste waren, was
man hatte, obschon z. B. der Schädel kein Detail giebt. Erst der
Freund und »citoyen Cuvier« hat hier später das Licht aufgesteckt.
In dem einige Jahre darauf erscheinenden Werke D a u d i n s
sind alle den Erdmolch betrefienden Figuren Copien , aber sehr ent-
stellt und obendrein seltsam colorirt. durch eine Art Farbendruck,
oder richtiger buntfarbigen Kupferdruck. (Uebrigens existiren auch,
und wahrscheinlich häufiger, gewöhnliche schwarze Abzüge.) Auf
PI. IV findet sich das Skelet, aus Latreille genommen und ver-
kleinert; der geöffnete Salamander auf PI. XIV (so wie alle übrigen
Figuren dieser Tafel) ist dem Werke Tomson's, Observ. phys. de
amphibiis 1794, entlehnt.
Es sei jetzt auch einer Originaltafel aus der Jugendarbeit
eines deutschen Herpetologen von Ruf gedacht, welche fast verschol-
len ist ; wenigstens finde ich sie nirgends bei Salamandra maculosa
erwähnt, obschon sie mir hieher zu gehören scheint. — Im Jahre
1820 begann nämlich der dazumal sehr jugendliche Wagler »der
Philosophie Candidat und der Naturwissenschaft Lehrer am Gym-
nasium zu Erlangen« Amphibien »nach der Natur gezeichnet und
gemalt« herauszugeben und wollte gleich im ersten Hefte die va-
terländische Fauna mit einem »Büschelmolch« bereichern, den er
»auf einer naturhistorischen Excursion bei Hetzles, drei Stunden über
Erlangen« entdeckt hatte. Er beschreibt dessen Aeusseres, giebt
auch einige zootomische Notizen und zwei colorirte Abbildungen in
Lithographie, gezeichnet von dem dazumal ebenfalls noch sehr jun-
gen Friedrich Sturm (dem Sohne von Jacob Sturm). Ueber
dieses erste Heft und den neuen Büschelmolch fällt denn sogleich in
der Isis von Oken, 1820. S. 337, ein höhnischer Recensent her.
Man kann nun allerdings die Wagler'sche Ankündigung seines
neuen Werkes kaum ohne Lächeln lesen und möchte dem jugend-
lichen Grosssprecher eine gelinde Abfertigung wohl gönnen; aber
der Recensent verfährt doch gar zu absichtlich und beurkundet sich
als ein allzu hämischer Gesell, wer er auch mag gewesen sein. Indes-
sen hat er erreicht, dass Wag 1er sein Unternehmen nicht nur
nicht fortsetzte, sondern es später geradezu ignorirte und desshalb
auch in seinem »Natürlichen Systeme der Amphibien, 1830« den
»Büschelmolch« weder bei Triton noct bei Salamandra citirt hat.
Und doch verdient er es, nach meiner Meinung ; schon der guten
Zeichnung und des (auf meinem Exemplare) sehr sorgfältigen Co-
lorites wegen. Der 'Recensent in der Isis hat das Thier für die
Larve eines Wassermolches erklärt ; mir ist hingegen wahrschein-
licher, dass es die Larve vom gefleckten Erdsalamander ist, und
266 Leydig:
zwar in dem Stadium, wo bald die Kiemen ganz schwinden und die
Larvenfärbung in diejenige des jetzt aufs Land gehörenden Thieres
sich umzusetzen beginnt. Wollte man eine Tritonlarve vermuthen,
so könnte die Diagnose nur auf Triton cristatus gerichtet werden.
Bei Figur a (a. a. 0.) spricht für diese Deutung die lichte Färbung
zu beiden Seiten der Rückenlinie und der gedrungene Habitus des
Thieres, Figur b (Weibchen nach Wagler), kann indessen in
keinem Stück auf Triton cristatus gedeutet werden; hier redet Alles
für Salamandra maculosa. Nicht nur erscheint in dem breiten Kopf,
dicken Leib, plumpen Füssen, die Tracht des Salamanders unverkenn-
bar, sondern auch in der Färbung. Nach meiner Beobachtung tau-
chen die gelben Flecken zuerst über dem Auge, der Ohrdrüse, und
zu beiden Seiten der Rückenlinie auf; anfänglich etwas matt und
erst nach und nach satter werdend; sehr frühe wird auch die Wur-
zel der Beine gelblich. Alles dieses findet sich richtig auf der von
Sturm wahrscheinlich nicht bloss gezeichneten, sondern auch co-
lorirten F'igur.
Ein und ein halb Jahrhundert nach der Salamandrologia von
Wurfbai n (1683) erscheint die Schrift Funk's (1827), welche in
ähnlicher Weise wie dort unser Thier monographisch behandelt und
in erfreulicher Weise die Fortschritte, welche unterdessen die Wis-
senschaft gemacht hat, vor Augen legt. Auch dieser neuere Au-
tor ^) entfaltet grosse Gelehrsamkeit, indem er nicht bloss griechi-
sche und lateinische Schriftsteller über den Salamander citirt, son-
dern auch im Hebräischen und Arabischen sich bewandert zeigt,
die Minnelieder so gut liest, wie den Araadeus Hoff mann und
Schiller, Jedenfalls finde ich das Capitel: Salamandrae terrestris
historia literaria sehr lesenswerth ; man sieht deutlich, wie lebhaft
das Thier die Phantasie des Menschen beschäftigt hat. Das Werk
zieren ferner nach der Natur gezeichnete und mit Genauigkeit ge-
stochene Figuren des ganzen Thieres, von welchen Oken zur Zeit
als er für seinen Atlas zur Naturgeschichte die Abbildungen sam-
melte, Fig. 1 copiren liess und sie damit wohl für die beste der da-
maligen Zeit erklärte. Ferner liefert unser Autor eine sich über alle
Systeme erstreckende, wenn auch nicht alle mit gleicher Vollstän-
digkeit behandelnde Anatomie. Die dazu gehörigen Abbildungen sind
technisch alle sehr gut, ja mit solcher Aufmerksamkeit behandelt,
dass z. B, die Methode des Stich's, ob Strich- oder Punktmanier nach
der Beschaffenheit der Objecte mit Verständniss angewendet und
gewechselt wird. Nur lässt sich bei manchen Figuren heraus fühlen,
dass der Zeichner und Zergliederer zwei verschiedene Personen wa-
1) Starb ein Jahr nach der Herausgabe seines Werkes, auf
der Heimreise von Wien nach Berlin (1828),
Ueber die Molche der württerabergischen Fauna. 267
ren. indem sich in der Wiedergabe gewisser feiner Einzelheiten eine
etwelche Unsicherheit bemerklich macht. Die anatomische Darstel-
lung wird eröffnet mit der Section eines ganzen (weiblichen) Thie-
res, wie solches in ähnlicher Weise von Perrault und Tomson
bereits geschehen ist. (Gravenhorst [a.a.O.] und Gustav C a-
rus [Zootomie, Atlas] haben noch einmal Originalzeichnungen über
den situs viscerum des Landsalamanders gegeben.) — Dann folgt
bei unserm Autor das Skelet, welches zwar im Ganzen eine gute
Figur ist, aber um diese Zeit — es waren 27 Jahre seit der Ver-
öffentlichung der Latreil le'schenTafel verflossen — hätte genauer
sein können. So z. B. werden die Rippen alle in gleicher Art ge-
halten, während ich an einer frisch präparirten Wirbelsäule an den
vier ersten Paaren einen sehr auffälligen Fortsatz sehe, welchen
die Rippe nach oben , aus der Mitte entsendet. Bei näherer Be-
trachtung (mit der Lupe) ergiebt sich überhaupt, dass jeder der
starken Querfortsätze der V/irbel eigentlich aus zwei zusammenschmel-
zenden Elementen oder Querbälkchen besteht; jede Rippe daher nach
der ganzen Länge der Wirbelsäule zweiwurzelig ist. An den vier
ersten Rippen erhalten sich aber die zwei Röhren, welche an den
übrigen im weiteren Verlaufe zu einem einzigen Rippenknochen zu-
sammenschmelzen, nicht nur in gewissem Sinne gesondert, sondern
nachdem sie sich über der Wurzel verbunden , divergiren sie wie-
der, indem das eine dorsal, das andere ventral sich wendet. Erste-
res hört früher auf und bildet den Tkeil, welchen man bei der er-
sten Besichtigung als eine Art Processus uncinatus der Rippe an-
sprechen möchte. (Ganz das Gleiche, nur zarter und weniger aus-
gebildet bemerke ich am Skelete der Tritonen). Dass Funk noch
manche Knorpelstücke am Skelete übersehen hat, hängt wohl mit
der dazumal allgemein gehandhabten etwas einseitigen Untersuchungs-
methode zusammen. Ich sehe z. B., dass >n der Rippe des zweiten
Wirbels eine breite schaufeiförmige aus schönem Hyalinknorpel be-
stehende Platte ansitzt; am nächstfolgenden, also am dritten Wir-
bel ist die Platte schon um vieles kleiner und zu einem beiläufig
dreieckigen Knorpelstück geworden ; endlich an allen übrigen Rip-
pen der Wirbelsäule bemerkt man nur ein kleines Knorpelstückchen
an deren freiem Ende. Der Schädel, den er für sich und ver-
grössert a. a. 0. Tab. 3. Fig. 1 u. 2 darstellt , ist dem Autor zum
Theil sehr unverständlich geblieben : der das Gehörlabyrinth ein-
schliessende Theil ist ihm processus mastoideus ossis temporalis,
den vorderen Theil des Keilbeinkörpers (u) nennt er os palatinum
u. dergl. Ueber die myologischen Figuren erlaube ich mir kein
Urtheil, da ich die Stammmusculatur des Salamanders noch nicht
im Einzelnen studirt habe, w^ohl aber möchte ich an dieser Stelle der
sehr schönen, künstlerisch gefassten , Zeichnung gedenken, welche
sich über die Myologie unseres Thieres in den Eriäuterungstafeln
268 L e y d i g :
zur vergleichenden Anatomie von Carus nnd Otto findet und in
die verschiedensten Werke übergegangen ist. Am besten sind bei
Funk die Zeichnungen über die Eingeweide gerathen; hervorzu-
heben wäre z. B. Fig. 10 auf Tab. 3. Hingegen scheint er dem
Studium der Entwickelungsgeschichte ferne gestanden zu sein, we-
nigstens fallen unter den von Fig. 1 1 bis Fig. 26 sich erstreckenden
Eiern und Embryonen wunderliche Bildungen in die Augen; doch
zeigen einige, z. B. Fig. 18. b die Abschnürung des Embryo vom
Dottersack. Dem Verständnisse zugänglicher waren dem. Autor die
neugeborenen Jungen und sie sind daher auch nach dem äusseren
und inneren Bau recht gut illustrirt.
Auch Gravenhorst (a. a. 0.) beschreibt nicht bloss die
im Breslauer Museum befindlichen Exemplare nach gewöhnlich zoo-
logischer Weise, sondern widmet einen besondern Abschnitt den
Eingeweiden, namentlich den Fortpflanzungswerkzeugen; auf vier
colorirten Tafeln sind der situs viscerum, männliche und weibliche
gesondert, die Nieren, Embryen abgebildet; im Ganzen recht hübsch,
aber ohne dass viel Neues dabei herausgekommen wäre.
Auf der durch lebendiges Colorit vielleicht bestechenden Figur
bei Hahn (-Beider) hat die Iris wieder einmal fälschlich eine
Goldfarbe, anstatt einfach schwarz zu sein. . Die Quelle, aus welcher
für unsern Autor die Worte des Textes fliessen, ist Stur m's Fauna,
daher auch wie dort es von der Fortpflanzung heisst: »das Weib-
chen gebärt auf trocknem Lande.«
Ein sehr grosses Exemplar neben einem ganz jungen Thier,
ist in Bonap arte's Fauna italica dargestellt und zwar beide in
recht naturgetreuer Haltung. Der Kopf, welcher noch in der Schrift
des zuletzt genannten Autors (Hahn) sehr verfehlt ist, erscheint
hier trefflich gelungen. Ueberhaupt sieht man auf den ersten Blick,
dass die Figuren von einem Zeichner von Fach (Peter Quatt-
rocchi) herrühren; was jedoch, wieso häufig, nicht verhindert hat,
dass in der Ausführung Nachlässigkeiten sich eingeschlichen haben.
Dazu rechne ich z. B. die Schattirung des linken Hinterfusses, der,
indem er ringsherum gleichmässig tief schwarz mit vorne aufge-
setztem Lichtstreifen ist, sich von der Natur sehr entfernt und das
Aussehen eines hohen steifen Stiefelschaftes von Glanzleder annimmt.
Fast in einer gewissen Uebereinstimmung mit der in Schattirung und
Colorit etwas auf Effect zielenden Figur steht auch der vom Prin-
zen Bonaparte geschriebene Text, insofern er sich ebenfalls durch
lebhafte Färbung auszeichnet, mit mancher würzenden persönlichen
Zugabe.
Ein Schreibfehler ist es wohl, wenn bei Tschudi (a. a. 0.
S. 56) gesagt wird , unsere beiden europäischen Arten seien Sa-
lamandra maculata und Sal. terrestris : der Autor wollte offenbar
Ueber die Molche der wüi-ttembergischen Fauna. 269
statt terrestris sagen: atra In meinem Exemplare der Abhandlung
fehlt leider das Blatt, welches S. 91 u. 92 enthält und damit die
nochmalige Aufzählung' der Species von Salamandra enthalten
sollte.
Hier an dieser Stelle möge es mir gestattet sein, auch mei-
ner Arbeiten über den Landsalamander zu gedenken, wie dieselben
in der Schrift: Anatomisch-histologische Untersuchungen über Fische
und Reptilien 1853, dann in meiner vergleichenden Histologie 1857,
enthalten sind. Ich beschrieb eine neue Drüse, als Kieferdrüse an-
zusprechen, in der zuerst angeführten Abhandlung S. 36; die Muscu-
latur. Epithel, Drüsen des Schlundes, so wie die peritoneale Umhül-
lung von Magen und Darm anlangend, endlich über die Muskelhaut
und Schleimhaut dieser Organe s. S. 4L Im Gekröse habe ich ein
System glatter Muskeln aufgefunden (S. 44) ; den Bau der Milz erör-
tert (S. 47), Notizen über die Leber und Gallenblase gegeben (S. 52) ;
im Herzen echte Knorpelstreifen entdeckt (S. 53). Ferner habe ich
die Beschaffenheit der Musculatur desTruncus arteriosus nach ihrem
feineren Verhalten zuerst erkannt, ebenso den Bau der sog. Carotis-
drüse (S. 55) erörtert und dargethan, dass sie in die Reihe der mus-
culösen Anschwellungen am Arterien sj^steme gehöre. Weiterhin
habe ich über Beziehungen, welche zwischen dem Blut- und Lymph-
gefässsystem obwalten, so wie über die Blutkörperchen gehandelt.
Was die Respirationsorgane betrifft, so wurden von mir, während
man dem Thier früher nur eine häutige Luftröhre zuschrieb, die
knorpeligen Theile nachgewiesen (Histolog. S. 572), die Musculatur
der Lunge besprochen , in den Kiemen der Larven (S. 60) die An-
wesenheit eines Muskels zuerst erkannt. (In einem neueren Werke
über die Perennibranchiaten und Derotremen, Hamburg 1864, lese
ich die Bemerkung : »dass auch die Larven der Salamander und Tri-
tonen ihre Kiemenbüschel bewegen können, ward von mehreren
Forschern berichtet. Ob diese Bewegung indessen nur eine Folge
der Bewegung der Kieraenbogen sei, oder auf der Action eigener
Muskeln der Kiemenbüschel beruht, ist nicht ermittelt worden.«
Wer sich überzeugen will, dass diese Frage schon Jahre lang vorher
erledigt worden war, möge ausser »Fische und Reptilien S. 60« viel-
leicht noch meine Histol. S. 381 nachsehen. Oben S. 187 war auch
bereits von den gleichen Muskeln der Tritonenlarven die Rede.)
— Die Schild- und Thymusdrüse des Salamanders sind von mir zu-
erst aufgefunden und deren feinerer Bau bekannt gemacht worden.
Unsere Kenntnisse über die Fortpflanzungsorgane der beiden Ge-
schlechter wurden von mir durch neue Beobachtungen vermehrt
(Fische u. Rept. S. 74 u. 85), so wie denn auch die Harn- und Ge-
schlechtswerkzeuge von Männchen und Weibchen von mir zum er-
stenmal vollständig (Histol. S. 526; 527) in ihren homologen Theilen
dargestellt worden sind. (Auf den sonst schön gezeichneten Tafeln
270 Leydig:
bei Gravenhorst. die ich dazumal noch nicht kannte, herrscht
hierüber noch völlige Unklarheit.) — Ueber den Bau der Zirbel, die
vorher nach den vorhandenen Abbildungen des Gehirns zu schliessen,
ganz übersehen worden war, so wie über den Hirnanhang siehe Fi-
sche u. Rept. S. 98 und so sei nur noch summarisch einiges andere
aufgeführt : Nachweis von Mittelformen zwischen echt dunkelrandi-
gen und blassen Nervenfasern, ebendas. S. 94; Sklerotika, Choroidea,
Retina S. 95 (von den Stäbchen der Retina, welche beim Landsala-
mander unter allen einheimischen Thieren am grössten sind, wurde
gezeigt, dass diese Gebilde, welche dazumal allgemein als rein ho-
mogen galten , eine Zusammensetzung aus Inhalt und Hülle besit-
zen); Aufschlüsse über die Nebennieren S. lOf; Schleimzellen in der
Haut der Larven S. 107 u. s. w.
Unter Allen, welche sich mit dem Studium des gefleckten
Landsalamanders jemals abgaben, gebührt ohne Widerrede die Palme
dem Italiener Mauro Rusconi ^). Und Jeder, welcher sich für
Zoologie interessirt, wird sich dem Dr. Joseph Morgantizn
Dank verpflichtet fühlen, dass er das Werk nach dem Tode des
Verfassers ans Licht gestellt hat. Wir erblicken in Rusconi nicht
bloss ein grosses Talent für Beobachtung, sondern auch für geistige
Reproduction des Gesehenen. Wie oftmals z. B. haben im Laufe
der Zeit zum Theil tüchtige Künstler sich versucht, ein gutes Bild
von unserem Thier zu entwerfen, und es ist auch Diesem oder Jenem
gelungen; aber vergleicht man damit die Figur 13 auf PI. I bei
Ru s c 0 ni »Salamandre terrestre mettant au jour ses petits dans l'eau«,
so müssen alle vorausgegangeneu Zeichnungen zurücktreten. Hier
herrscht die strengste Naturtreue in jeder Einzelheit des Körpers,
— in der verschiedenen Länge und Stellung der Zehen, Ringfalten
des Körpers, Verstreichen derselben über der Uterusgegend u. dgl. — ;
nirgends eine Spur von etwas Willkührlichem oder Eingebildetem;
selbst dem Gesichte des Thieres w^usste unser Forscher einen gut-
müthigen, fast ängstlichen Ausdruck zu geben. Ich halte es für
unmöglich, dass diese Figur in Correctheit der Zeichnung, Anwendung
von Licht und Schatten, Haltung und künstlerischer Auffassung je
könne übertroffen und etwas noch besseres an ihre Stelle gesetzt
werden. Und so sind alle die iconographischen Leistungen. Wie
reizend ist nicht die Entwickelung und Metamorphose veranschau-
licht! Welchen Genuss gewährt es zu vergleichen, wie sich gegen-
über den Bestrebungen der Vorgänger auch hier die Genauigkeit
1) Von den Lebensumständen Rusconi's ist mir nur be-
kannt geworden, dass er in jüngeren Jahren »pubblico repetitore
di Fisiologia« an der Universität Pavia war; später scheint er die
akademische Laufbahn verlassen zu haben. Er starb 1849.
Ueber die Molche der württembergischen Fauna. 271
des Sehens und das Vermögen, das dem inneren Sinn angeeignete
mit dem Ange und der Hand eines Künstlers wiederzugeben, sich
gehoben hat. Mit Uebergehung der anderen anatomischen, meister-
haften Figuren sei nur noch auf Fig. 1. PI. V hingewiesen, welche
in vergrössertem Massstabe das Lymphgefässsystem versinnlicht !
Nicht davon zu reden, welche Arbeiten vorausgehen müssen, ehe
das Material für eine derartige Darstellung gewonnen ist, möchte
ich nur aussprechen, dass um eine solche Figur zu componiren,
eine Vereinigung von Kenntnissen, Geschmack und souveräner Be-
herrschung der Technik gehören, wie sie sich selten beisammen zu
finden pflegen. Auch darf man nicht mit Stillschweigen übergehen,
dass die Kupferstecher: Bramati und Citterio die Zeichnungen
ihres berühmten Landsmannes in grösster Reinheit und Vollendung
in den Stich übersetzten. Die Behandlung des Stiches ist Aquatinta-
manier und verräth durchaus Schule und Tradition. Unseren deut-
schen Kupferstechern im naturhistorischen Fache wären diese Plat-
ten als nachahmungswürdige Muster sehr zu empfehlen.
2. Art : Saiamandra atra Laur. (Schwarzer
Erdmolch.)
Saiamandra atra. Laurent!, Synopsis reptil. 1768.
Saiamandra atra. Schrank, Fauna boica. 171)8.
Saiamandra atra. Schneider, Hist. amphib. 1799.
Salamandre noir. Latreille, Salamandrcs de France,
1800.
Salamandre noir. Daudin, Hist. nat. d. Rept. 1803.
Lacerta atra. Sturm, Deutschlands Fauna, 1807.
Saiamandra atra. G i s 1 1 ^ Bemerkuugen über einige Lur-
che. Isis 1829.
Saiamandra atra. Gravenhorst, Rept. mus. zool. Vra-
tislav. 1829.
Saiamandra atra. Wagler, Syst. d. Amphib. 1830.
Saiamandra atra. Hahn-Reidcr, Fauna boica, 1882.
Saiamandra atra. Bon aparte, Fauna ital. 183 i^.
Saiamandra atra. Zawadzki, Galizisch - bukowinische
Wirbelthiere 1840.
Saiamandra atra. Duges (Alfred), ürodeles de France,
Ann. d. sc. nat. 1852.
272 Leydig:
Salamandra atra. B i b r o n und D ii m e r i 1 , Erpetologfe
1854.
Salamandra atra. De Bett a, ürodeli italiani 1862.
Kennzeichen.
Länge 4 bis 5 Zoll. Haut glatt, glänzend, daneben
mit vielen gröbern Runzeln ; von den grösseren Hautdrü-
sen ragen, besonders die der Seitenlinie, als rundliche
Hügel (Warzen) vor. Farbe durchaus schwarz. Zehen
mehr platt.
Männchen und Weibchen ohne besondere äussere
Kennzeichen; nur die Kloaken wülste des Männchens schei-
nen auch hier (wie beim gefleckten F^rdmolch) etwas stär-
ker zu sein als die des Weibchens.
Zur Farbe und den Drüsen der Haut.
Das im Leben tiefe Schwarz der Haut erhält sich
an Weingeistexemplaren nicht so dauerhaft, wie bei er-
wachsenen Exemplaren des geflecktes Erdmolchs; es geht
vielmehr im Weingeist nach und nach in ein ganz lichtes
Braun über. Hierdurch werden aber schon fürs freie
Auge alle Drüsen sehr deutlich.
Man unterscheidet, ausser dem Ohrwulste, die er-
wähnte längs der Seite des Leibes sich hinziehende Reihe
kugliger Vorsprünge ; dann auch zwei dicht beisammen-
liegende, aber nicht vorspringende, Längsreihen über
dem Rückgrathe. (Beim gefleckten Landsalamander fal-
len die letzteren mehr in die Augen, als die ersteren;
wenn jedoch an hochträchtigen Weibchen die Haut des
Hinterleibes stark gedehnt erscheint, heben auch hier die
Drüsen der Seitenlinie sich gut ab.) Nächst diesen sehr
grossen Drüsen machen sich über die ganze Hautfläche
in grösster Menge verbreitet , kleinere bemerklich, fürs
freie Auge als weissliche Punkte. Endlich zwischen die-
sen stehen nochmals, wie das Mikroskop lehrt, ganz win-
Ueber die Molche der württembergischen Fauna. 273
zige Säckchen, so dass man demnach im Hinblick auf die
Grösse dreierlei Arten von Drüsen unterscheiden kann.
Schädel; Zähne.
Der Schädel^) des schwarzen Salamanders stimmt
in der Gesammtansicht sehr mit demjenigen des gefleck-
ten überein, wie ich an drei von mir rein präparirten
Köpfen bemerken konnte. Nur ein vierter Schädel wich
in sofern mehr ab, als er eine entschieden seitlich zusam-
mengedrückte Beschaffenheit hatte, sowohl im Schnauzen-
theile als namentlich in der Gegend der Scheitelbeine.
Er wurde dadurch im Ganzen gewölbter ; von unten be-
trachtet erschienen die Felsenbeine einander sehr genähert
und das ovale Fenster mehr nach unten als nach aussen
gerichtet; zwischen ihnen war der Körper des Keilbeins
eher vertieft als gewölbt. Es muss weiteren Untersuchun-
gen vorbehalten bleiben, zu entscheiden ob das nur eine
individuelle Bildung war oder den Thieren einer bestimm-
ten Localität allgemeiner zukommt.
Die drei andern erwähnten Schädel sind alle einan-
der gleich und von flacher Beschaffenheit. Sie sind be-
deutend kleiner als der Schädel der S. maculosa, und
von oben betrachtet fällt mir unter den kleineren Abwei-
chungen auf, dass das bei S. maculosa zwischen den
aufsteigenden Schenkeln des Zwischenkiefers befindliche
weit-ovale Loch, bei S. atra eine enge einfache Längs-
spalte darstellt. Von unten angesehen sind z. B. im Um-
risse des Keilbeinkörpers, der Flügelbeine manche kleine
Abweichungen bemerklich, am meisten aber sind es die
zwei Streifen der Gaumenzähne, welche eine Verschie-
denheit andeuten. Sie sind bei S. atra etwas weniger
gebogen, fast mehr dem Geraden sich nähernd, erstrecken
sich auch nicht so weit nach hinten und aussen; jedoch
immer noch um ein gutes Stück weiter als die vorhan-
denen Zeichnungen sehen lassen. Die von mir beige-
1) Vergl. Fig. 18.
Archiv f. Naturg. XXXIII. Jahrg. 1. Bd. 18
274 Leydig:
gebene Figur ist naturgetreu nach einem in sehr schwa-
cher Kalilauge gereinigten Schädel genommen. Bei der
gewöhnlichen Präparationsweise geht das frei und hakig
auslaufende Ende der Gaumenbeine verloren.
Ent Wickelung.
Der schwarze Salamander bietet, was seine Entwicke-
lung betrifft, äusserst merkwürdige Verhältnisse dar, wel-
che ein treffendes Beispiel liefern, wie eine Organisation
unter gewissen Existenzbedingungen abändert und sich
äusseren Verhältnissen anpasst. Der so nahe stehende
gefleckte Salamander lebt an Orten , wo es ihm wohl
meistens gelingen wird, seine Jungen nicht nur ins Was-
ser, sondern auch in solches, welches reichliche Nahrung
darbietet, abzusetzen. Dem schwarzen Salamander hin-
gegen sind durch irgend eine Kette von Ursachen und
Wirkungen die höheren Alpengegenden zum Aufenhalte
geworden, wo es dem Thier schwieriger werden mochte
Localitäten aufzufinden, in denen ein neugeborenes mit Kie-
men athmendes Junge, Monate lang verweilen und sich
nähren könne. Die Organisation des Mutterthieres änderte
demnach, vielleicht unter dem Drange der Umstände, so
ab, dass der Zeitraum, den die neugeborenen Jungen von
Salamandra maculosa frei im Wasser verleben, hier bei
Salamandra atra im Mutterleibe, im Uterus, zugebracht
wird. Das neugeborene, 20 bis 22 Linien lange. Junge ^)
ist ganz vollkommen entwickelt, ohne Kiemen; ist sofort
Landthier und bedarf keines Wasseraufenthaltes ^).
1) Die neugeborenen Jungen von Salamandra maculosa haben
nur 12 bis 15 Linien Länge.
2) Der Verlust der gelben Flecken bei Sal. atra gegenüber
von Sal. maculosa so wie das Kleinerbleiben in der ganzen Gestalt
lässt sich an die zuerst durch Heer bekannt gewordenen Verände-
rungen anreihen, welche bunt- und lebhaftfarbige Käfer nach und
nach in höheren Alpengegenden erleiden, und wovon ich mich selbst
an mehren Arten überzeugt habe. Die so prächtige Chrysomela
üeber die Molche der württembergischen Fauna, 275
In inniger Verbinduiig damit steht ein anderer Vor-
gang. Bei Salamandra atra so gut wie bei Salamandra
maculosa treten zahlreiche Eier , dreissig, vierzig und
mehr, aus dem Eierstock in den Uterus ein; während
diese aber beim gefleckten Salamander alle zu Embryo-
nen sich umgestalten können und das Thier auf einmal
eine ganze Menge von Jungen zur Welt bringt, gebärt
der schwarze nur zwei Junge, je eines auf je einen Ute-
rus kommend. Alle übrigen Eier bleiben nicht nur un-
entwickelt, sondern ihre Dotter, zu einer gemeinschaft-
lichen Masse zusammenfliessend, werden von den zwei
einzig sich entwickelnden Larven verschluckt und ver-
daut, dienen mithin als Nahrung.
Man verdankt die Entdeckung dieser interessanten
Dinge Schreibers ^), der sich viel mit dem Studium
des schwarzen Salamanders abgegeben und Hunderte, ja
w^ie er selbst sagt, Tausende von Individuen unter den
Händen hatte. Seine Funde kamen so unerwartet, dass
gerade der Forscher, w^elcher sie am meisten hätte wür-
digen sollen, Rusconi, eine spöttische Ungläubigkeit
darüber an den Tag legte. Doch ist ihre Richtigkeit von
Anderen bestätigt worden.
Während des Lebens im Mutterleibe entwickelt der
Fötus ausserordentlich lange Kiemenbüsche 1. Schon
bei der Salamandra maculosa sind die Kiemen etwa um
die Zeit wo zwar die vordem Extremitäten vorhanden
jind yierzehig sind, die hinteren aber erst als Stummeln
cerealis z. B. wird schon auf geringeren Höhen, wie auf der Spitze
des Gaisbergs bei Salzburg, nicht nur kleiner, sondern ihr Farben-
schmelz verliert sich ins Schwärzliche ; auf grösseren Höhen wird
sie gleich verwandten Arten ganz schwarz.
1) Isis 1833. Die Untersuchungen Schreibers wurden be-
reits 1811 bis 1813 angestellt, kamen aber erst spät zur Veröffent-
lichung, Die Handzeichnungen blieben in der Mappe dieses Gelehr-
ten, so wie auch 91 Blätter »bildhcher Darstellungen des inneren
Baues, der Fortpflanzung und der Metamorphose aller inländischen
Land- und Wassersalamander.« Den Fachgenossen standen sie zur
Besichtigung offen. Vergl. den Bericht über die Naturforscherver-
sammlunff in Wien 1832.
276 Leydig:
hervorsprossen, die Kieraenfäden ebenfalls sehr lang und
einige reichen fast bis in die Nähe der hinteren Fuss-
stummeln. Schon Rusconi, der dies sehr schön abbil-
det, bemerkt hierzu: ,,ä cette epoque la longeur des bran-
chies est surprenante.^ Noch weiter nach hinten gehen
sie aber im Stadium ihrer höchsten Blüthe bei Salaman-
dra atra. Wenn man sieht, dass bei den frei im Wasser
sich entwickelnden Tritonen die Kiemen niemals eine
derartige Länge erhalten, so möchte man schliessen, dass
der Aufenthalt im Uterus etwas für diese Organisation
Mitbedingendes sei.
Ob sich bei den Embryonen von Salamandra atra
auch ein D Otter sac k bildet? Es ist dies nicht bloss in
Hinsicht der nahen Verwandtschaft mit Salamandra ma-
culosa von vorne herein wahrscheinlich , sondern ich
möchte in bestimmterer Weise die Existenz eines solchen
dem Umstände entnehmen, dass ein anderer Wiener Na-
turforscher, der ebenfalls viele Studien über dieses Thier
gepflogen hatte, Czermak, einen Vortrag über die
Entwickelung des „Nabelbläschens'' bei Salamandra atra
gehalten hat. (Berichte üb. d. Naturforscherversammlung
in Wien 1832. 4. Sitzung der zoologischen Abtheilung.)
Vorkommen.
Der schwarze Salamander gehört ausschliesslich al-
pinen und subalpinen Gegenden an. In Württemberg
kommt er daher lediglich dort vor, wo im äussersten
Südosten des Landes ein Stück subalpiner Höhen über
die Grenze streicht. Ich habe das Thier aus dieser Ge-
gend, von Isny, erhalten. In dem Abschnitte „Thier-
reich" zu Memminge r's Beschreibung von Württem-
berg 1820 sagt Schübler, wohl etwas unbestimmt und
allgemein: Salamandra atra haust „in einzelnen Gegen-
den des Landes." In der Auflage desselben Werkes vom
Jahre 1841, wo das „Thierreich" in sehr ansprechender
Weise durch G. v. Martens dargestellt ist, wird, was
beinahe aufi:allen könnte, der Art nicht mehr gedacht.
Ueber die Molche der württenibergischeu Fauna. 277
Plieninger im Verzeichnisse württembergischer Repti-
lien, 1847, führt das Thier wieder auf: „es gehört den
Gebirgsgegenden an, soll jedoch auch bei Stuttgart ge-
funden worden sein." In der neuesten Auflage der Be-
schreibung von Württemberg, 1863, Thierreich von Kurr
bearbeitet, heisst der Fundort fraglicher Spccies vielleicht
wieder zu allgemein „Oberschw^aben." Oder sollte wirk-
lich in ganz Oberschwaben zugleich mit dem Alpenschutt
und mancher Alpenpflanze auch Salamandra atra sich er-
halten haben?
In früheren Excursionen sammelte ich Thiere in den
Baierischen und Salzburger Alpen, wo sie, bei Partenkir-
chen und Berchtesgaden z. B., im Munde des Volkes zu-
sammen mit dem gefleckten Salamander den Namen „ Weg-
narren^ tragen; ferner in der Schweiz, z. B. hinter Bad
Pfäffers; dann noch in Tjrol, z. B. bei Reutte, Meran.
Am letzteren Orte heissen sie „Tattermann'^ i). Durch
Zawadzki erfahren wir, dass sich die Art auch auf den
Alpen der Bukowina vorfindet.
Geschichtliche und kr it isc he Bem erkungen.
Die Art wurde zuerst von Laurent! aufgefunden: »in alpe
Etscher Austriae et Loibel inter Carinthiam et Carnioliam,« und in
die Wissenschaft unter guter Charakteristik eingeführt. Auch die
Abbildung ist, abgesehen von einigen Einzelheiten, z. B. dem allzu
1) Nach Milde (Ein Sommer in Südtyrol, botanische Zeitg.
1864) wird dieser Name vom Lateinischen, von atra Salamandra, ab-
geleitet; in ähnlicher Weise wie »Marinkele« von Mantis religiosa und
»Tschigalle« von dem italienischen »cigala.« Es hat dieses viel
für sich, nur möchte ich bezüglich des »Taterman« bemerken, dass
die Bezeichnung in Oesterreich allgemeiner zu sein scheint, vielleicht
auch an Orten, wo das welsche Element weniger tief ins Land ge-
drungen ist, als in Südtyrpl; wenigstens ist mir auffallend, dass
Laurenti im Jahre 1768, indem er vom schwarzen Molche aus
der Alpe Etscher und Loibel spricht, sagt: »Austriacis Tattermandl.«
Sollte dies nicht auf einen deutschen Ursprung des Namens hin-
weisen ?
278 Leydig:
starken Hervortretenlassen der Seitendrüsen , wie wenn es zwei
Keihen aufgesetzter Knöpfe wären, den etwas plumpen Zehen u.
dergl. sehr gut zu nennen.
Wenn nach Aufstellung dieser Art und wohl begründeter
Abgrenzung vom geflecKten Erdmolche manche Autoren das Thier
nur für eine Varietät von Salamandra maculosa ansehen wollten,
so möchte ich hierzu bemerken, dass dieses doch nur von Solchen
geschehen ist, welche den schwarzen Erdmolch nicht selber vor
Augen hatten. Wir wollen ganz absehen vonGmelin (Joh. Friedr.),
da dessen Arbeit , die Ausgabe von L i n n e's Natursystem , um
Cuvier reden zu lassen »tout indigeste et denue de critique et de
connaissance des choses« ist und daher nicht weiter zu beachten.
Der treffliche Beobachter Latreille, welcher fragweise meint, es
möge der Laurenti'sche Salamander eine Varietät sein, setzt aus-
drücklich bei: »je ne la point vu.« Schneider ist in derselben
Lage ; nicht minder Bechstein, der nur die Molche in den Ber-
gen von Thüringen untersuchte, wo sich aber Salamandra atra, als
alpines Thier, nicht findet. Es ist da leicht begreiflich, dass diese
Autoren nur nach der Beschreibung in den Büchern urtheilend, der
Ansicht sein konnten, es handle sich um eine ungefleckte Varietät
von kleiner Statur.
Alle Beobachter hingegen, welche das Thier, namentlich auf
Alpenreisen, lebend vor sich sahen, standen nicht einen Augenblick
an, die specifische Verschiedenheit anzuerkennen. So schon in frü-
her Zeit Schrank, welcher auf seinen gegen Ende des vorigen
Jahrhunderts unternommenen wissenschaftlichen Reisen in die bai-
rischen, tyrolischen und Salzburger Alpen, das Thier »allenthalben
auf dem hohen Alpengebirge« findet und hervorhebt, es sei »von
dem gefleckten Molch gewiss verschieden.« Eine Ansicht, die jetzt
keiner weiteren Begründung mehr bedarf.
Von Originalabbildungen , welche leicht begreiflich nicht so
zahlreich sind als diejenigen vom gefleckten Salamander, sind mir
ausser der Laurenti'schen nur noch die bei Sturm und Bona-
parte bekannt geworden. Die Hahn'sche Abbildung ist bloss
scheinbar eine originale; ihr Vorbild war die Sturm'sche Zeich-
nung. Mir sagt die älteste Figur, also die des Entdeckers, abge-
sehen von den oben angedeuteten Ausstellungen noch am meisten
zu; an der Abbildung in der Fauna italica, welche im Ganzen das
ihr von Andern beigelegte Prädicat : »une bonne figure« verdienen
mag, habe ich auszusetzen, dass der Leib und die Beine viel zu
glatt, wie polirt, sich ausnehmen, während thatsächlich zahlreiche
grössere Runzeln sich über die Oberfläche hinziehen. Die Extremi-
täten sind am naturgetreusten auf der Sturm'schen Tafel ausge-
fallen. — D u g c s (Alfred) hat eine Zeichnung des Schädels von oben
Üeber die Molche der württembergischen Fauna. 279
und des aufgesperrten Rachens, halbschematisch, gegeben. Ich selbst
habe eine genauere Darstellung des Schädels, von unten, und vergrös-
sert, vorliegender Abhandlung beigefügt.
Jetzt zum Schlüsse noch die Frage: wohin gehört Salamandra
fusca Gessner- Laurenti ?
Es will mich bedünken, als ob mit diesem Namen sich ein
arges Missverständniss in die Synonymie eingeschlichen habe; und
aus der Wahrnehmung, dass der Irrthum in gleicher Weise, bis auf
die citirte Seitenzahl herab, bei zahlreichön Schriftstellern wieder-
kehrt, scheint mir hervorzugehen, dass Einer vom Andern ohne
Prüfung abgeschrieben hat.
Bei Laurenti (a. a. 0. p. 42) heisst es: Salamandra fusca.
Diagn. Tota fusca, absque maculis, absque splendore. — Habitat in
alpibus. — Inventor Conradus Gessnerus, quum hunc percussisset,
suecus ex plaga lacteus dimanabat.
Als Sa vi in den Apenninen Toscana's und Gene auf der
Insel Sardinien (in montibus circa Iglesias) einen merkwürdigen
neuen Molch, dessen Zehen unter Anderem an allen vier Füssen
durch Schwimmhaut verbunden sind, übrigens den Tritonen näher
steht als den Salamandern, entdeckt hatte, und von Bonaparte
die Bezeichnung Geotriton fuscus erhielt, wurde die Gessner'sche
Salamandra fusca als Synonym zu diesem Geotriton fuscus herüber-
genommen. Auch dieses geschah zuerst durch Prinz Bonaparte,
kehrt dann wieder bei Gene, Bibron undDumeril und Andern,
bis auf den neuesten Autor de Betta (1864). Alle diese in die
Fussstapfen des Vorgängers tretenden Autoren citiren: Quadr. ovip.
Lib.II. p. 82. Schlage ich nun Gessner nach, indem ich die Aus-
gabe : Tiguri, Froschoverus 1554, benutze, so steht auf der grossen
Folioseite 82 kein Wort von Salamandra fusca, sondern sie ent-
hält eine endlose Aufzählung der Remedia adversus haustam sala-
mandram. Hingegen findet sich p. 75 die uns interessirende Stelle.
Nachdem Gessner von der schwarzen Farbe, dem Glanz und den
Flecken der Haut gesprochen, fährt er fort: »Memini tamen ali-
quando in alpibus reperire unam huius generis, quae tota erat
fusca, absque splendore, corporis forma alioqui simili, cauda brevi,
et lacteo succo percussa similiter manebat, ut etiam lacerti aquatici,
quos nostri Wassermollen, idest salamandras aquaticas vocant.«
Ueberlegt man nun, dass der Züricher Naturforscher unter »in
alpibus« wohl keine andern als die Schweizeralpen verstand, jeden-
falls nicht die Apenninen, in den Schweizeralpen aber ausser dem
gefleckten Salamander nur noch der schwarze und die Wassermolche
vorkommen, so liegt auf der Hand, dass entweder der letztere (Sal.
280 Leydig:
atra) gemeint sei, wobei das »fusca, absque splendore« auf ein im
Branntwein aufbewahrtes, braun und glanzlos gewordenes Thier zu
deuten wäre; oder wenn sich das »fusca, absque splendore« auf das
lebende Thier bezieht — und dieses ist doch nach der ganzen Fas-
sung der Stelle das wahrscheinlichere - so bleibt die allein rich-
tige Erklärung die, dass Gessner auf ein Weibchen von Triton
taeniatus gestossen sei, welches bekanntlich, nachdem es das Was-
ser verlassen, in der Tracht den Salamandern ähnelt, dabei von
brauner Farbe und in auffalliger Weise glanzlos wird. (Vergl. oben
S. 215.) Aber die fragliche Salamandra fusca auf den Geotriton
beziehen wollen, ist rein aus der Luft gegriffen und auch durch
gar nichts zu rechtfertigen. — Nicht unerwähnt möchte ich lassen,
dass Hahn, welcher sich niemals tief in literarische Studien einge-
lassen hat , und vielleicht desshalb unbefangener sich erhielt, in
seiner Fauna boica zur Synonymie der Salamandra atra setzt: Sa-
lamandra fusca Laurenti. mit dem Hinzufügen: Ein im Weingeiste
verblichenes Exemplar. Ohne diese letztere Deutung gerade hin
verwerfen zu wollen, ziehe ich doch, in genauer Abwägung aller
Umstände, vor in der Salamandra fusca, absque splendore Gess-
ner s, das Weibchen des Triton taeniatus in der Tracht
seines Landaufenthaltes zu erblicken.
Erklärung der Abbildungen.
Taf. IV.
x4.11e Figuren dieser Tafel sind mit der Lupe vergrössert.
Fig. 1. Kopf von Triton taeniatus Schneid. Männchen.
„ 2. Kopf von Triton helveticus Razoum. (Tr. palmatus Schneid.)
Männchen.
,, 3. Leibesstück und hintere Extremitäten von Triton taenia-
tus Schneid. Männchen.
,, 4. Leibesstück und hintere Extremitäten von Triton helveti-
cus Razoum. Männchen.
,, 5. Schwanzspitze von Triton taeniatus Schneid. Männchen.
,, 6. Schwanzspitze von Triton helveticus Razoum. Männchen.
,, 7. Senkrechter Durchschnitt vom Leibe des Triton taeniatus
Schneid. Männchen.
,, 8. Senkrechter Durchschnitt vom Leibe des Triton helveticus
Razoum. Männchen.
üeber die Molche der württembergischen Fauna. 281
Taf. V.
Die Figuren 9 bis 18 sind nach Vergrösserung mit der Lupe ge-
zeichnet; Fig. 19 und 21 bei geringer, Fig. 23 bei starker Ver-
grösserung des Mikroskops.
Schädel des Triton cristatus Laur. von oben.
Schädel des Triton cristatus Laur. von unten.
Schädel des Triton alpestris Laur. von oben. (Männchen.)
Schädel von Triton alpestris Laur. von unten. (Weibchen.)
Schädel des Triton taeniatus Schneid, von oben. (Männchen.)
Schädel des Triton taeniatus Sehn, von unten. (Männchen.)
Schädel des Triton helveticus Razoum. von oben. (Männchen.)
Schädel des Triton helveticus Razoum. von unten. (Weibchen.)
Schädel von Saiamandra maculosa Laur. von unten.
Schädel von Saiamandra atra Laur. von unten.
Zähne vom Unterkiefer des Triton cristatus Laur.
Gaumenzähne von Saiamandra maculosa Laur.
Zähne vom Unterkiefer der Saiamandra maculosa Laur,
Der grosse gehört der ersten Reihe an, die zwei um vieles
kleinern der zweiten Reihe.
Taf. VI.
Figur 24 und 25 sind mit der Lupe vergrössert; Figur 22 und 26
unter geringer, Figur 23 und 27 unter starker Vergrösserung des
Mikroskops.
Fig. 22. Stück vom Unterkiefer der Saiamandra maculosa Laur.
Man unterscheidet die beiden Zahnreihen.
,, 23. Entwickelung der (Gaumen-) Zähne von Saiamandra ma-
culosa Laur.
a. Zahnsäckchen ;
b. Zahnpapille ;
c. Zahnkrone.
,, 24.1 Kopf von Triton cristatus Laur. Männchen. Zur Versinn-
,, 25./ lichung der Vertheilung der Kopfporen.
,, 26, Hautschnitt von Saiamandra maculosa Laur.
a. Oberhaut (Epidermis);
b. Lederhaut (Corium);
c. Musculatur unter der Haut;
d. kleine Drüsen;
e. grosse Drüse: « Hülle, ß Muskeln, y Secretions-
zellen der Drüse.
282 Leydig: Ueb, d. Molche d. württembergischen Fauna.
Fig. 27. Stück Querschnitt einer grossen Hautdrüse, zur weiteren
Versinnlichung des histologischen Baues.
a. Eigentliche Tunica propria, mit welcher die nächste
Schicht ununterbrochen zusammenhängt.
b. pigmentirte lockere Hülle (b^ durchschnittener Nerv) ;
c. die Muskellage im Querschnitt;
d. die hinteren Enden von drei der riesigen Secretions-
zellen. (d^ Zellsubstanz, d^ Kern, d^ Kernkörperchen.)
Verzeichiiiss der von Dr. Guiidlach auf der Insel
€uba gesammelten Clirysomelinen.
Von
Dr. £. Suffrian,
Schulrath in Münster.
(Fortsetzung; s. Jahrgang XXXII. p. 337.)
XIII. Chrysioitiela Linn.
Die Armuth der Cubanischen Käferfauna an eigent-
lichen Chrysomelen bildet gegen deren Reiehthum an
Cryptoceplialiden und, wie sich später ergeben wird,
auch an Haitiken einen sehr auffallenden Gegensatz, und
mit ihr verbindet sich eine nicht minder grosse Armuth
an Formen, deren überhaupt nur drei auftreten, und von
denen auch nur eine einzige, bis dahin den grossen An-
tillen ausschliesslich eigenthümliche durch mehr als eine
einzige Art vertreten wird. Diese letztere Gruppe bietet
zwar einige habituelle Abweichungen dar, und ist deshalb
auch schon als eine besondere Gattung angesehen und
benannt, aber von Hrn. Stäl in seinem verdienstlichen
Werke über die Amerikanischen Chrysomelen (S. 201)
mit vollem Rechte wieder mit der (xattung Chryso-
mela vereinigt worden; die beiden übrigen Arten gehö-
ren den von ihm als besondere Gattungen aufgeführten
Gruppen Plagiodera (Lina Meg. Redten b.) und
Phaedon an; — eine Trennung, die sich bei der Be-
handlung der Arten eines ausgedehnten und deshalb ar-
tenreichen Landstrichs wohl rechtfertigen lässt, deren es
aber bei der Aufzählung der wenigen auf einem so be-
284 Suffrian:
schränkten Gebiete, wie die Insel Ciiba es bietet, einhei
mischen Arten nicht zu bedürfen scheint.
a. Umriss breit eUiptisch, seitlich etwas zusammen-
gedrückt, an beiden Enden ziemlich gleichraässig stumpf
zugerundet ; Fühler kurz und gedrungen, nach der Spitze
hin leicht verdickt, von heller (meist weisslicher) Fär-
bung. Das Halsschild an den Seiten grob punktirt, die
Deckschilde mehr oder weniger unordentlich punktstreifig.
Leucocera Chv.
79. Chr. semi lutea Stäl Chrys. de l'Amerique
204. n. 392. Die von dem Autor gegebene Beschreibung
bedarf noch einiger Ergänzungen. Im Habitus weicht
die Art etwas von den übrigen ab : der Kopf ist mit Füh-
lern, Halsschild und Beinen (bis auf die Hüften und
Schenkclwurzeln) ziegelröthlich gelb, der übrige Körper
stahlblau, unterseits glänzend, die Flügeldecken matt und
glanzlos, die Augen und Kinnbacken schwarz, die Scheibe
des kurzen Halsschilds deutlich und massig dicht punk-
tirt, mit ziemlich glänzendem Zwischengrunde. Die Punkt-
streifen fein und aus vereinzelten Punkten gebildet, die
fünf oberen ziemlich regelmässig, etwas wellig, auch die
beiden äusseren fast ganz regelrecht verlaufend ; der breite
Raum zwischen dem 5ten und 8ten Streifen hinter der
Schulterbeule fast bis zur Wölbung hin mit vereinzelten,
meist regellos durch einander geworfenen Punkten be-
streut, zwischen denen sich stellenweise noch abgerissene
Reste der ursprünglichen Punktstreifen erkennen lassen.
Der Zwischengrund kaum punktirt und bei sehr schrä-
ger Beleuchtung matt seidig schimmernd. Der letzte Bauch-
ring bei einem der vorliegenden Stücke (dem d^?) mit
einem leichten Quereindruck.
Von Dr. Gundlach wurde diese Art unter dem
Sammlungsnamen Leucocera bicolor Chv. eingesandt, wel-
chen Stäl (wahrscheinlich der weit älteren Chr. bicolor
Fab. wegen) mit Recht geändert hat.
80. Chr. insulana Jacq. Duv. Stäl ibid. 204. n.
390. Unter diesem Namen hat G. successiv zwei nicht
völlig übereinstimmende Thiere eingesandt, deren gegen-
seitiges Verhäitniös bei dem Mangel einer grösseren Au-
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 285
zahl von Individuen mir noch nicht recht klar gewor-
den ist.
Der zuletzt geschickte Käfer, weicher mir wegen
des „Thorax punctulatuSy lateribus crebre sat foriiter pu7i-
ctatus^ die echte von Jacqu el in D u val bei Ramon de
Sagra VII. p. 302 beschriebene Art zu sein scheint, ist etwa
272'" lang und IVs'" breit, sonach ziemlich breit und
flach elliptisch , hell röthlich lehmgelb, mit unscheinbar
schmutzig gebräuntem Endgliede der Fühler, die Knie
ein wenig dunkler geröthet, die Scheibe des Halsschilds
mit vereinzelten, aber deutlichen, hinterwärts stärkeren
Punkten bestreut. Die Punktstreifen der Deckschilde von
massiger Stärke, hinterwärts etw^as abgeschwächt, aus
sehr vereinzelt stehenden Punkten gebildet ; auf dem hin-
terwärts verbreiterten 7. Zwischenräume einzelne unordent-
lich vertheilte, an Stärke denen in den Streifen gleichende
Punkte eingestreut, die Zwischenräume selbst aber glatt
und glänzend, hier und da mit vereinzelten, äusserst fei-
nen Pünktchen besetzt. Stäl a. a. O. gedenkt zwar jener
gröberen Punkte auf dem 7ten Zwischenraum nicht, wohl
aber der feineren Punktirung auf der Scheibe des Hals-
schilds, ebenso der Vereinzelung der Punkte in den Strei-
fen und ihrer Abschwächung nach hinten, und deshalb
glaube ich seinen Käfer hieher ziehen zu müssen, we-
nigstens soweit er sich dabei auf die bekanntlich auch
von Jacq. Du val benutzte Chevrolat'sche Sammlung
bezieht.
Der zweite Käfer ist bei fast gleicher Länge schmaler,
seitlich mehr zusammengedrückt, verhältnissmässig höher
gewölbt, bei gehöriger Ausfärbung viel dunkler geröthet,
auch die Punkte auf den Flügeldecken selbst meist noch
mit einem feinen, bräunlichen Hofe umgeben. Von der
feinen Punktirung auf der Scheibe des Halsschilds zeigt
sich kaum eine schwache Spur, dagegen sind die Punkt-
streifen auf den Deckschilden viel gröber , der 7te ist
hinten etwas wellig gebogen , auch wohl gestört und
schon von der Mitte ab durch einzelne überzählige Punkte
verdoppelt, aber der ausser ihm liegende Zwischenraum
nicht erweitert, ebenso wenig mit zerstreuten überzähligen
286 Suffrian:
Punkten besetzt. Endlich aber sind die Schulterbeulen
stärker aufgetrieben, und, im Gegensatze gegen die oben
beschriebene Form, die Punkte in den sie aussen umzie-
henden Vorder enden des 9ten Streifens sehr dicht an-
einander gerückt. Hierher gehören die von mir nochmals
verglichenen, von Stäl a. a. 0. erwähnten (und früher
von Prof. Poey eingesandten) Stücke der Dohrn'schen
Sammlung.
Ob die beiden vorstehend beschriebenen Formen
nur Varietäten bez. die verschiedenen Geschlechter einer
und derselben Art, oder verschiedene Arten sind, müssen
vs^eitere Erfahrungen ergeben. Letzteres ist mir jedoch
das am vs^enigsten Wahrscheinliche.
81. Chr. Ny dia Stäl ibid. 203. n. 388. Von die-
ser, von Stal a. a. O. als Species ignotae patriae be-
schriebenen, sonst noch unter dem Sammlungsnamen Chr.
maculipennis Chv. bekannten Art liegen zv^^ei mit jener
Beschreibung genau übereinstimmende ^ vor, und v^äre
derselben nur noch hinzuzusetzen, dass der Nacken mit
einem verwaschenen, heller oder dunkler bräunlich gelben
Querflecke gezeichnet ist, die Fussgliedcr gleichfalls heller
oder dunkler gebräunt sind, die Scheibe des Halsschilds
zwar sehr zerstreut und fein, aber doch deutlich punk-
tirt erscheint, und von den drei Randflecken der Flügel-
decken der vordere mehr ihrer Wurzel als ihrem Sei-
tenrande angehört, der mittlere grössere aber sich als
abgekürzte Querbinde bis zur Mitte der Flügeldecken
ausdehnt.
82. Chr. testaceipes Stäl ibid. 203. n. 389. In
Dr. Gundlach's letzter Sendung ist diese Art nicht
wieder mitgekommen; ich kann jedoch davon zwei frü
her von ihm an Herrn Ri eh 1 übersandte Stücke verglei-
chen, von denen sich eins jetzt in der Sammlung meines
Freundes Dohrn befindet und von Hrn. St. wohl nur
übersehen worden ist. Nach diesen stimmt der Käfer,
wie auch von St. bemerkt wird, in allen Merkmalen,
selbst in dem bräunlichen Nackenflecke, mit dem vorher-
gehenden überein; nur mangelt der Fühlerspitze der
rauchgraue Anflug der Chr. Nydia, und die Beine sind
Verzeiclm. d. anfd. Insel Caba gesammelt, Chrysomelinen. 287
rostroth; ausserdem aber scheint das Halsschild etwas
kürzer und dessen Scheibe etvras feiner und zerstreuter
punktirt zu sein. Etwas Bestimmtes wage ich bei der
geringen Zahl der von beiden mir vorliegenden Stücke
hierüber nicht zu entscheiden^ bin aber doch sehr ge-
neigt, die gegenwärtige Art mit St. für eine rothbeinige
Form der vorhergehenden zu halten, wo dann in Hinsicht
der Färbung der Beine ein gleicher Fall, wie bei der
nordamerikanischen Chr. serpentina Rogers oder unserer
Chr. coUaris L. vorliegen würde.
83. Chr. sexguttata Chv. Stal ibid. 202. n.
386. Von dieser Art scheint St. nur das cT gekannt und
beschrieben zu haben. Das $ ist bei etwas feinerer Punk-
tirung nicht glänzend, sondern zeigt auf Halsschild und
Deckschilden nur einen schwach metallischen Schimmer,
weicher sehr auffallend gegen den trotz der groben Punk-
tirung der Deckschilde spiegelblanken Zwischengrund
derselben bei dem (/, und noch stärker gegen dessen
glänzende Scheibe des Halsschilds absticht. Die Gestalt
der Flecke ist bei acht mir vorliegenden Stücken sehr
beständig, auch ihre Grösse nur sehr geringen x\bwei-
chungen unterworfen. Der obere Fleck neben dem Schild-
chen ist ziemlich kreisrund, nur selten etwas quer gezo-
gen; der vordere Randfleck hinter der Schulter streckt
sich, besonders bei den grösseren Stücken, schon etwas
in die Quere, und der den äussersten Punktstreifen nie-
mals erreichende Hinterfleck ist stets mehr oder weniger
in der Quere ausgedehnt, bei einem Stücke sogar hinten
nierenförmig ausgerandet. Bei einem der vorliegenden
^ spielen Kopf und Deckschilde leicht ins Grünliche,
während das Halsschild schön purpurviolett, wie die Deck-
schilde unserer Chr. cuprea Fab., erscheint. Die von
Stal a. a. O. aufgeführte Var. b ist keine Varietät, son-
dern besteht aus unvollkommen ausgefärbten Stücken,
bei denen nicht selten auch die Färbung der Oberseite
nur durch ein schmutziges, leicht metallisch angeflogenes
Gelbbraun oder Pech braun gebildet wird.
84. Chr. cubana Stal ibid. 205. n. 394. Der Autor
ist geneigt, in dieser Art lediglich eine Form der Chr,
288 Suffrian:
apicicornis Chv. zu erkennen ; ich kann ihm darin jedoch
nach fünf von mir verglichenen; Stücken nicht beitre-
ten, finde sie vielmehr, mit gleich langen Exemplaren
der Chr. apicicornis verglichen, schmaler , gestreckter,
dabei merklich flacher, und alle Stücke auch in der Zahl,
Grösse und Stellung der drei hellen Flecke völlig über-
einstimmend. Die letzteren sind gestellt, wie bei Chr.
6-guttata, aber merklich kleiner, der hintere gleichfalls
ein wenig quer ausgezogen, die Färbung etwas stärker
ins Gelbliche fallend als bei der genannten Art. Der
schmutzig bräunliche Fleck an der oberen Hälfte des
Endgliedes der Fühler ist viel schwächer als bei Chr.
apicicornis, und die bei letzterer stets weisslichen Taster
sind bei der vorliegenden Art schmutzig braun. Die Fuss-
glieder sind bald an allen, bald nur an den vorderen
Füssen bleichgelb, bei einem Stücke an den Mittel- und
Hinterfüssen bläulich angelaufen, bei zweien, von denen
eins sich noch durch eine stärker punktirte Scheibe des Hals-
schilds und eine mehr ins Grünliche fallende Oberseite
auszeichnet, ganz stahlblau. Stücke, von denen man mit
Stäl a. a. 0. sagen könnte: „Tibiae testaceo-pelluctdae^
sind mir bis jetzt nicht zu Gesicht gekommen.
üebrigens enthalten die Angaben von Stal a. a. O.
noch einzelne Widersprüche, zu deren Lösung das mir
vorliegende, obwohl ziemlich reichhaltige Material nicht
ausreicht. Die Diagnose verlangt einen Käfer mit einem
gelblichen Hinterfleck auf jeder Flügeldecke, die var. b
einen solchen mit einem kleinen Fleck am Schildchen
und einem etwas grösseren hinter der Schulter, und die
Beschreibung spricht statt dieser letzteren von einer Form
mit drei hellen Flecken auf jeder Flügeldecke, wie sie
sich bei dem von mir als Chr. cubana angenommenen
Käfer auch wirklich vorfinden. Dagegen passt das Merk-
mal: „tibiis tarsisqice testaceis, Ulis v io lac e o-in dutis" mohX
auf jenen, vielmehr ganz genau auf einen etwas grösse-
ren Käfer, welchem nicht die vorderen, sondern der hin-
tere Fleck fehlt, und in dem ich nach Habitus, Sculptur
und sonstiger Färbung eine merkwürdige Var. der Chr.
apicicornis erkennen möchte. Auch die von Jacq u clin
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 289
Duval bei Ramon de Sagra 1. 1. p. 302 beschriebene
Chr. apicicornis mit drei Flecken auf jeder Flügeldecke
kann nach der Angabe: „tibiis tarsisque rufo-testaceis"
wohl nur auf eine solche gefleckte Form der Chr. api-
cicornis passen : die normale Form dieser letzteren scheint
der letztgenannte Autor gar nicht gekannt zu haben, we-
nigstens wird ihrer in der Diagnose nicht gedacht.
85. Chr. apicicornis Chv. Stäl ibid. 205. n.
395. Sowohl Chevrolat (in Guer. Mag. de Z. 1838.
p. 286) als auch Stäl a. a. 0. beschreiben nur die Form
mit ungefleckten Deckschilden, die auch in den Samm-
lungen die gewöhnliche ist und daher als die typische
zu betrachten sein wird. Die Art selbst gehört zu den
allerveränderlichsten der ganzen Gattung. An den weis-
sen Fühlern sind bald der die beiden letzten Glieder,
bald ist nur das Endglied geschwärzt, und auch diese
Färbung wechselt zwischen einem tiefen Schwarzbraun
und einem schmutzigen Hellbraun, ist aber meist um so
dunkler, je weiter sie sich ausdehnt. An den Beinen
sind bald die Schienen und Fussglieder weisslichgelb mit
kaum stahlbläulich angelaufenen Knieen, bald dehnt sich
letztere Färbung, besonders an den Hinterbeinen, bis zur
Mitte der Schienen aus. Daran schliessen sich Stücke
mit stahlblauer , nur am unteren Ende ins verwaschen
Gelbliche fallenden Schienen, bis letztere endlich ganz
stahlblau werden und die Fussglieder allein jene schmutzig
gelbliche Färbung behalten , ohne dass sich jedoch in
solchem Falle ein bestimmter Zusammenhang zwischen
der Farbe der Schienen und der Fühlerspitzen erkennen
Hesse. Umgekehrt ist bei einem der vorliegenden Stücke
selbst die untere Hälfte der Schenkel verwaschen gerö-
thet Auch die Taster sind gelblich weiss, meist mit
verwaschen gebräunten Enden. Die Farbe der Ober-
seite ist gewöhnlich ein schönes dunkles, stark glän-
zendes Stahlblau; unter den von G. eingesandten Stücken
ist jedoch auch Eines dunkelerzgrün (mit gelblichen Ta-
stern und Schienenenden), ein anderes stahlblau mit hell
bläuHchgrünem Halsschilde (Fussglieder und der grössere
untere Theil der Schienen gelb), und eines purpurviolett,
Archiv f. Naturg. XXXllI. Jahrg:. l.Bd. 19
290 Suffrian:
wie unsere deutsche Chrys. piirpurascens Grm. (das vor-
hin erwähnte mit unten verwaschen gerötheten Schenkeln).
Von gefleckten Varietäten kenne ich nur das unter der
vorhergehenden am Ende erwähnte vierfleckige Exemplar,
welches in der Färbung der Beine ganz genau mit dem
vorgedachten purpurvioletten Stücke übereinkommt; die
von Jacq. Duvai bei Ramon de Sagra a. a. O. beschrie-
bene sechsfleckige Form habe ich noch nicht gesehen.
Ueber das Vorkommen der Art bemerkt Hr. Che-
vrolat a.a.O.: „Trouve (nämlich von Hrn. Lanier) a six
Heues au N. E. de la ville de Cienfugos^ sous fecorce du
Quabari et sous quelques cryptogameSj dans une savane ä
300 metres d^ eUvation au dessus du niveau de la mer."
Eine wesentliche Erweiterung erhält diese Angabe durch
eine briefliche Mittheilung meines Freundes Riehl, nach
welcher ein mir gleichzeitig zur Ansicht übersandtes
Stück der gewöhnlichen stahlblauen Form im botanischen
Garten zu Göttingen aus Orchideen-Knollen von Havana
gezogen worden ist.
Noch bemerke ich, dass auch die von Stäl ange-
zogenen Stücke der Dohrn'schen Sammlung mir zum
Vergleiche vorgelegen haben.
86. Chr. Poeyi Chv. Dieser schöne Käfer liegt
mir in zwei sehr abweichenden Formen vor, deren ge-
genseitiges Verhältniss mir noch nicht recht klar ist,
und die daher eine eingehendere Erörterung erfordern.
Die erste dieser Formen zeigt auf den Deckschilden
eine ziemlich breite gemeinsame hochrothe Wurzelbinde,
welche; von einer Schulter bis zur andern hinziehend,
nur einen schmalen Querfleck auf und innerseits jeder
Schulterbeule frei lässt, und in der Mitte durch das blau
verbleibende Schildchen und einen dreieckigen, mit der
Spitze das Hinterende des Schildchens erreichenden Aus-
schnitt unterbrochen ist. Die äussern Hinterecken dieser
Binde reichen jederseits gewöhnlich bis zum zweiten
Drittel der Flügeldeckenlänge , die rothe Färbung setzt
sich dann aber auf dem umgeschlagenen Rande noch
weiter hinterwärts fort. Bei einem der vorliegenden
Verzeichn. d. auf d. Insel Ciiba gesammelt. Chrysomelinen. 291
Stücke zeigt sich weiter nach hinten auch noch ein durch
eine schmale Verbindung mit dem Seitenrande zusam-
menhängender rother Querfleck. An den Beinen sind
die Fussglieder und der untere Theil der Schienen, letz-
terer je weiter nach hinten desto beschränkter und mit
mehr verwaschener Begränzung, schmutzig rothgelb. Die
Farbe der Oberseite ist ein glänzendes Stahlblau, wie bei
Chr. apicicornis, die Punktirung mindestens ebenso derb
wie bei dieser Art, die Streifenbildung aber weit regel-
mässiger, und nur hinter den Schulterbeulen einigermas-
sen gestört. Dieser Käfer ist unzweifelhaft die von Che-
V r ol a t in Guerin Mag. etc. 1838. p. 285 beschriebene Chry-
somela Poeyi ; die Beschreibung gedenkt der Varietäten
mit und ohne Hinterfleck, und wenn er auch die macula
secunda seiner Hauptform als ^rotundata^' bezeichnet, so
steht damit nicht im Widerspruche , dass dieser Fleck
nicht auch (wie bei dem oben beschriebenen Stücke) durch
eine schmale Verbindung nach dem Seitenrande hin über-
fliessen können, üebrigens sind die Fühlerenden stets
leicht geschwärzt, obwohl Chevrolat die Fühler ein-
fach als „-pallidae^ bezeichnet.
Eben so unzweifelhaft gehörtauch die von Jacqu e-
lin Duval bei Ramon de Sagra a. a. 0. p. 301 (der
franz. Ausgabe) beschriebene Chr. Poeyi hierher. Der
Autor nennt seine Art zwar „ohsoure aenea" und ihre
Flügeldecken „subtiliter subseriatim punctata" aber erste-
res ist nur eine (ohnehin durch die Abbildung berichtigte)
Ungenauigkeit des Ausdrucks, und derselben Bezeichnung
der Sculptur bedient er sich auch in seinen Angaben
über Chr. apicicornis. Das Wesentliche ist die Bezeich-
nung der Flecke als „coGcineae^" wie sie auch die beige-
fügte Abbildung tab. 11. fig. 6. darstellt; es ist hier ein
Stück abgebildet, wie es Chevrolat a. a. O. beschreibt
(möglicher Weise dieses Stück selbst, da Jacq. Duval
die Chevrolat'sche Sammlung für seine Arbeit benutzt hat)^
mit einem vom Seitenrande getrennten rundlichen Hinter-
fleck, während seltsamer W^eise die Diagnose die Lage
des Flecks als „po7ie Tnedium ad marginem exteriorem^
angiebt, wie sie jenes oben erwähnte Gundlach'sche
292 Suffrian:
Exemplar ciuch wirklich zeigt. Der Varietät ohne Hinter-
fleck wird von dem Autor gleichfalls gedacht.
Einen ganz anderen Käfer aber beschreibt S t a 1 a,
a. 0. 204. n. 343 als Chr. Poeyi; obwohl er dabei nicht
allein auf die obgedachte Che vrolat'sche Beschreibung,
sondern auch auf dessen von ihm verglichene Sammlung
Bezug nimmt. Auch dieses Thier habe ich in drei nach
und nach von G. eingesandten Stücken von mir. Sie
gleichen im Bau der echten Chr. Poeyi, sind aber ebenso
gross, theilweise noch grösser als die grössten Stücke
derselben ; die Farbe der Oberseite ist ein mattes, nur
leicht schimmerndes aber keinesweges glänzendes, etwas
helleres Blau, die vordere Querbinde der Deckschilde ist
nicht roth, sondern hell strohgelb, bei einem Stücke sehr
bleich und zugleich ziemlich schmal, bei den beiden an-
deren dunkler, breiter, und bei deren einem sogar hinter
dem Schildchen längs der Naht zukommenfliessend. Jedes
dieser Stücke trägt hinter der Mitte auf jeder Flügeldecke
noch einen mit breiter Basis an den Rand gelehnten,
gleichfalls strohgelben Fleck, welcher bei zweien quer
dreieckig und in eine Spitze ausgezogen, bei dem dritten
innerseits abgerundet ist. Bei dem erwähnten Stücke mit
schmalerer und hellerer Vorderbinde hängt letztere mit
jenem Hinterflecke nur durch einen feinen, bei den beiden
anderen durch einen breiten Randsaum zusammen, und
ebenso ist bei diesen auch der umgeschlagene Rand der
Deckschilde gelb, wie es S t a 1 a. a. 0. von seiner
var. b. der Chr. Poeyi verlangt. An den Beinen sind
die Schenkel stalblau. Schienen und Füsse bleich stroh-
gelb mit schmutzig gebräunten Knien. Die Punktstrei-
fen sind, besonders auf dem blauen Theile der Deck-
schilde fein, etwas wellig, und stellenweise unregelmässig
verdoppelt. Auch Stäl nennt die Flügeldecken „nmms
regulariter — punctulata ," und ich bezweifle deshalb
nicht, dass ich wirklich seine Chr. Poeyi var. b vor mir
habe, wenn mir gleich seine Stammform ohne den hin-
teren Randfleck der Flügeldecken noch nicht vorgekom-
men ist.
Was nun das gegenseitige Verhältniss beider Käfer
Verzeichn. d. aufd. Insel Cuba gesammelt. Chrysomeliuen. 293
betrifft, so würde ich beide als einer Art angehörig be-
trachten, von welcher die Chr. Poeyi Chv. Jacq. Duvai
das \^, und die Chr. Poeyi Stäl das $ bildet, und sonach
die Abweichungen in der Färbung, Zeichnung und Sculp-
tur als Geschlechtsmerkmale ansehen. Wie damit Stäls
Angabe, dass er von seiner Chr. Poeyi beide Geschlechter
vor sich gehabt habe, sich vereinigen lasse, weiss ich
freilich nicht zu erklären; und es bleibt daher, wenn
nicht etwa bei Stäl ein Irrthum vorgekommen ist, nur
die Annahme übrig, dass von der echten Chr. Poeyi Chv.
das $ noch unbekannt, und Stäls Käfer eine eigene Art
sei, deren mit Chr. Poeyi übereinstimmende Zeichnung
lediglich auf einer gerade in dieser Gruppe so häufig
vorkommenden Analogie beruhen würde. Das Wahre
wird erst durch fernere Beobachtungen an Ort und Stelle
ermittelt werden können.
lieber das Vorkommen des Thiers bemerkt Hr. C h e-
vrolat a. a. 0. nach Lanier: „Cet insecte a ete recueilli
pr^s de la vüle de Cienfugos. ün le trouve dans les mois
de mars et avrü ä la hase du petiole de la feuüle d^un
palmier nomme ^ Guano hlanco o Juraguano J 11 se main-
tient entre le tronc et le petiole et il est diffioile de Ve7i
arracher. On le renoontre encore sous Vecorce de la gua-
cima (Guazuma)^ mais pas aussi frequemment." Jacq.
Duval a. a. O. beschränkt sich auf eine Wiederholung
derselben, jedoch etwas abgekürzten Angaben.
87. Chr. optica m. Viridi-aenea nitida, antennis
palpisque pallidis, tibiis tarsisque, maculis duabus fasciaque
abbreviata postica elytrorum rufis, his profunde punctato-
striatis, striis 7ma et 8va postice turbatis. Long. 3V2 — 4'" ;
lat. 21/3— 2V2'".
Von dieser schönen und anscheinend seltenen Art
liegen mir nur zwei Stücke vor, deren eines sich in der
letzten G.'schen Sendung befand, während ein zweites
von Dr. G. früher an Hrn. Riehl mitgetheilt worden
ist. Sie gleicht im Habitus einigermassen der von mir
als- Chr. cubana Stäl angenommenen Art, ist aber be-
deutend grösser, ziemlich gleichbreit, vorn und hinten
plötzlich breit zugerundet, und oben ziemlich flach ; die
294 Suffrian:
Farbe, die Zeichnungen abgerechnet, ein schönes dunkles
Blaugrün mit starkem Glänze, Fühler und Taster, wie in
der ganzen Gruppe , weisslich gelb. Die Scheibe des
Halsschilds spiegelblank, mit wenigen feinen und zer-
streuten Pünktchen besetzt, die aber dem Glänze keinen
Eintrag thun. Die Punktstreifen auf den Deckschilden
kräftig und im Ganzen regelmässig, der Zwischenraum
zwischen dem 7ten und 8ten hinterwärts erweitert und
mit einer wenig feineren Punktirung bestreut, wodurch
beide Streifen und theilweise auch noch der sechste zum
Ausweichen gedrängt, gestört und stellenweise verdoppelt
werden : die Zwischenräume fast flach und gleichfalls
stark glänzend. Die Zeichnung roth, auf jeder Flügel-
deck die drei gewöhnlichen, jedoch etwas abweichend
gestalteten Flecke bildend. Der innere , zunächst am
Schildchen liegende Vorderfleck ist etwas quer gezogen,
der äussere gleichfalls in die Quere gestreckt, innerseits
verschmälert und anscheinend aus zwei neben einander
stehenden Fleckchen zusammengeflossen, aussen nach vorn
verlängert, aber unterhalb der frei bleibenden Schulter-
beule die Schulter selbst nicht erreichend, dagegen auf
den umgeschlagenen Rand übergreifend; der hintere zu
einer innerseits abgekürzten, aber doch bis zum zweiten
Punktstreifen reichenden Querbinde ausgedehnt. Letztere
ist an beiden Enden nach vorn und hinten verbreitert,
in der Mitte beiderseits ausgebuchtet, und erhält dadurch
die Gestalt einer ziemlich regelmässigen, doppeltconcaven
Linse, durch welche sich die Art sogleich vor allen ver-
wandten kenntlich macht. Die Unterseite ist mit den
Schenkeln und dem oberen Theile der Schienen trüb blau-
grün mit ziemlichem Glänze; Hüften, Schenkelwurzeln und
Knie trüb gebräunt, die unteren Schienenhälften mit den
Fussgliedern roth, bei dem (^ etwas heller als bei dem
$. Das letztere unterscheidet sich von dem cT ausserdem
durch einen etwas grösseren Körper, eine etwas feinere
Punktirung an den gestörten Stellen der Flügeldecken,
und den Bau des letzten Hinterleibsringes, welcher abge-
rundet, und nicht wie bei dem ^ abgestutzt ist.
Ueber die Frage, ob die nachstehend aufgeführten
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 295
Thiere wirklich selbstständige Arten , oder nur Formen
einer einzigen vielgestaltigen Art sind, habe ich unge-
achtet eines ziemlich ausgedehnten, mir zum Vergleiche
vorliegenden Materials nicht zu einer ganz bestimmten
Entscheidung gelangen können. Dr. G. hat sie sämmtlich
nicht allein unter sich, sondern auch mit Chr. apicicornis
vereinigt, welcher letzteren Ansicht ich in keiner Weise
beizupflichten vermag; aber auch ihre Vereinigung unter
sich wird durch keine üebergänge vermittelt, und ich
führe sie deshalb einstweilen als eigene Arten auf, um
die Aufmerksamkeit auf sie hinzuleiten, so wenig ich mir
auch verhehle, dass die vollständige Bekräftigung oder
Widerlegung dieser Ansicht nur von wiederholten Beob-
achtungen an Ort und Stelle, insbesondere von der Ent-
deckung der früheren Stände und der Erziehung dieser
Thiere vom Ei ab zu erwarten sein wird.
88. Chr. rubropustulata m. Chaljbea nitida,
antennis albis apice nigricantibus, palpis tibiarum apice
tarsisque rufis, elytris rubroguttatis profunde punctato-
striatis, striis undulatis, postice versus latera confusis.
Long. 2—31/2; lat. IV2— 274'".
Im Ganzen von dem Bau der Chr. apicicornis und
dieser Art auch in der schwärzlichen Färbung der letz-
ten Fühlerglieder ähnlich, aber seitlich etwas stärker
zusammengedrückt, deshalb mehr gleichbreit, die Punk-
tirung auf dem hinteren Drittel der Flügeldecken aussen
zu einem dichten kaum eine Spur von Punktstreifen auf-
weisenden Gewirre zusammengedrängt, nur der neunte
Streifen daselbst einigermassen ausgebildet, vorn theil-
weise verdoppelt. Taster, Füsse und der untere Theil
der Schienen fuchsroth, die Fühler weiss mit einem leich-
ten Stich ins Gelbliche: die Farbe des übrigen Körpers
bei acht vorliegenden Stücken ein reines, dunkles, stark
glänzendes Stahlblau, mit schwarzem Schildchen und dun-
kelrother, lackartig aufgetragener und deshalb die Punk-
tirung mehr oder weniger deckender Zeichnung der Flü-
geldecken. Für die letztern wird, obgleich mir nur ein
einziges derartiges Stück vorliegt, nach der Analogie der
verwandten Arten die Form mit drei getrennten Flecken
296 S uffrian:
auf jeder Flügeldecke als die normale angenommen wer-
den müssen. Die Stellung dieser Flecke ist wie bei Chr.
cubana, also einer nahe an der Wurzel, der zweite etwas
quer gezogene am Seitenrande hinter der Schulterbeule,
und ein dritter, gleichfalls etwas quer gestreckter ziemlich
weit hinten und ein wenig vom Rande entfernt. Bei jenem
einzigen Stücke dieser Form sind die Flecke nur klein und
schwach vorhanden, und aus ihr entwickeln sich die übri-
gen Formen dadurch, dass die Flecke hinterwärts schwin-
den und vorn sich wenigstens theilweise vergrössern. Es
entsteht dadurch zunächst eine Var.
ß. mit nur zwei Flecken auf jeder Flügeldecke, indem
der hintere geschwunden ist. Dies ist die gewöhnliche
Form, und bei einem Stücke derselben ist auch der vor-
dere Randfleck hinter der Schulter so weit abgeschwächt,
dass von ihm nur noch ein mit Mühe zu erkennender
kleiner und trüber Wisch übrig geblieben ist. Dagegen
sind bei einer War.
y, die beiden vorderen Flecke so weit vergrössert,
dass sie zu einer ziemlich breiten geschweiften, seitlich
die Schulterbeule umziehenden Querbindc zusammenflies-
sen. Diese schöne Form kommt in der Zeichnung man-
chen Stücken der Chr. Poeji sehr nahe, unterscheidet
sich aber von denselben auch ausser der geringeren Breite
und der dunkleren Färbung dieser Querbinde leicht da-
durch, dass letztere, auch wenn sie seitlich den Rand er-
reicht, doch niemals auf den umgeschlagenen Theil des-
selben übergeht, wie dies bei Chr. Poeyi der Fall ist.
Bestimmte Geschlechtsmerkmale habe ich nicht
wahrnehmen können ; unter den vorliegenden Stücken
der var. y befindet sich jedoch ein sehr grosses, bei wel-
chem die Punktiruug der Deckschilde besonders hinter-
wärts weit schwächer ist als bei den übrigen, und ich
bin geneigt, darin das $ dieser Art zu erkennen.
89. Chr. hexaspila m. Nigro - cyanescens , an-
tennis albis apice nigricantibus, elytris rubroguttatis pro-
funde punctato-striatis, striis undulatis versus latera con-
fusis. Long. 22/3— 31/2'" ; lat. P/s— 2 Vs'".
Verzeichn. d, auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 297
Auch von dieser Art habe ich fünf, in Gestalt und
Färbung, auch — bis auf das Fehlen des Hinterflecks
bei einem Stücke — in der Zeichnung genau überein-
stimmende Exemplare vor mir. Sie ist im Ganzen etwas
grösser als Sie vorhergehende Art, die Farbe der Oberseite
ein nur leicht ins Bläuliche fallendes Schwarz mit schwa-
chem durchaus metallischem Glänze, der sich jedoch wie-
der auf der deutlich stahlblauen Unterseite nebst Schen-
keln und Schienen einstellt. Die Fühler sind, wie bei
der vorhergehenden, weiss mit schmutzig geschwärztem
Endgliede, die Taster und Fussglieder dagegen einfarbig
schwarz. Die Flügeldecken tragen drei lackartig auf-
getragene, meist recht grosse dunkelrothe Flecke in der
gewöhnlichen Stellung; dieselben sind fast kreisrund,
oder, wenn sie sich zu verkleinern beginnen, verkürzt und
dadurch scheinbar in die Quere , der Schulterfleck ins
Schräge gezogen ; eine solche Verkürzung tritt dann be-
sonders bei dem Hinterfleck ein , welcher bei einer, in
einem einzigen Stücke vorliegenden Var.
ß. ganz geschwunden ist. Als eine Ausnahme muss
ich es dagegen betrachten , dass bei einem Stücke der
Grundform unter unveränderter Grösse des Hinterflecks
die beiden vorderen bis auf 74 der gewöhnlichen Grösse
verkleinert sind, und dabei von dem Schulterflecke nur
dessen hinteres, die Schulter nicht erreichendes Ende
übrig geblieben ist.
Die Sculptur betreft'end, zeigt die Scheibe des Hals-
schilds eine zwar auch zerstreute, aber viel deutlichere
Punktirung als bei den vorhergehenden Arten ; die Punkt-
streifen auf den Flügeldecken sind, ob auch wellig und
häufig durch Verdoppelung, nach aussen auch durch
überzählig eingemengte Punkte gestört, doch nirgends
dadurch ganz unkenntlich gemacht, dabei die einzelnen
Punkte auf dem letzten Viertel der Flügeldecken mehr
oder weniger deutlich ausgerissen und durch diese feinen
Risse in Verbindung gebracht. Bei drei, übrigens keine
Sculpturverschiedenheit zeigenden Stücken sind die Punkte
in und zwischen den Streifen , besonders hinterwärts,
merklich feiner und die Streifen selbst etwas regelmässi-
296 Sufirian:
ger; ich glaube deshalb nicht zu irren, wenn ich diese
Stücke für die $ der Art halte.
90. Chr. a m a r e 1 1 a m. Nigro - cyanescens , an-
tennis albis apice nigricantibus, elytris macula antica mar-
gineque laterali interrupto rubris, profunde punctato-stria-
tis, striis undulatis, versus latera confusis. Long. 2^1%" \
lat. IV2'".
Von dieser schönen , von Dr. G und lach in der
letzten Zeit nicht wieder eingesandten Art habe ich zwar
nur zwei Stücke vor mir, und bin deshalb nicht ganz ge-
wiss, ob sie nicht etwa nur eine merkwürdige Form der
vorhergehenden bildet; aber beide Stücke sind in ihrer
Eigenthümlichkeit so übereinstimmend, dass eine Verei-
nigung mit jener meinem Gefühle widerstreitet, und ich
sie deshalb bis zur Auffindung von Zwischenformen und
Uebergängen als eigene Art festhalte. Mit jener stimmt
sie überein in der schwarzen Färbung von Tastern und
Füssen, ebenso in der dunkeln, wenn auch nicht eigent-
lich matten, doch nur leicht schimmernden und nicht
metallisch glänzenden Oberseite, deren Farbe jedoch nicht
ins rein Bläuliche, sondern bei einem jener Stücke ins
Grünliche, bei dem andern ins Bläulichgrüne überspielt.
Die Sculptur der Deckschilde gleicht der derjenigen
Stücke, die ich für die ^ der vorhergehenden halte, die
Stücke selbst sind aber noch kleiner als die kleinsten
jener cT, dabei schlanker, seitlich mehr zusammengedrückt
und hinterwärts stärker zugespitzt. Die Zeichnung be-
steht in einem grossen rothen Querfleck an der Wurzel
der Flügeldecken , einem grossen , schrägen, auch die
Schulterbeule deckenden Schulterflecke, welcher von er-
sterem nur durch einen schmalen, den hier tiefer einge-
drückten fünften Streifen begleitenden Zwischenraum ge-
trennt wird, und einem die ganze hintere Hälfte der
Flügeldecken umspannenden, mit seinem lang ausgezoge-
nen Hinterende fast die Naht erreichenden , vorn jäher
abbrechenden, mit der vorderen Hälfte (dreieckig oder bo-
gig) nach Innen erweiterten rothen Rande, dessen Vor-
derende von dem Hinterende des Schulterflecks nur durch
einen, kaum dtn vierten Theil des Seitenrandes einneh-
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 299
menden Zwischenraum getrennt wird. Ich halte es des-
halb nicht für unmöglich, dass sich Stücke finden, bei
denen dieser Rand mit dem Schulterflecke, und letzterer
wieder mit dem Vorderflecke zusammenhängt, so dass dann
die Deckschilde mit einem gemeinsamen , ein grosses
schwärzliches Mittelfeld einschliessenden rothen Rande
umgeben sein würden. Uebrigens bleibt die scharfe Aus-
senkante der Flügeldecken, wie bei dem Schulterflecke,
so auch bei jenem rothen Rande, nebst dem umgeschla-
genen Theile des Flügeldeckenrandes stets schwarz.
b. Umriss verkehrt -eiförmig, mit kurzem, flachem
Halsschilde und hinterwärts etwas buckelig ansteigendem
Rücken, die Deckschilde mit einem flach erhöhten nicht
punktirten Rande umzogen. Fühler kurz und gedrungen,
mit schnurförmiger , kräftiger Keule, die Schienen längs
der ganzen Aussenseite rinnenförmig ausgehöhlt. Plagio-
dera Stäl a. a. 0. 293. Lina Redtenb. F. Austr. ed. IL
917. Chrysomelae G aller uGoideae Suffr. Linn. Ent. V. 190.
Ent. Zeit. 1858. S. 387.
91. Chr. cruentipennis Jacq. Duv. ap. Ram.
de Sagr. 1. 1. 303. Plagiodera cruentipennis Stäl 1. 1. 295.
n. 3. Nach der Färbung des ganzen Körpers hat der
erstgenannte Autor richtig die erzgrünliche , weniger
zweckmässig Hr. Stäl a. a. 0. die blutrothe Farbe der
Deckschilde als deren Grundfarbe angenommen. Die
Stücke mit überwiegend rothen Deckschilden, wie sie
Stäl vor Augen gehabt zu haben scheint, werden von
Jacquelin Duvai lediglich als Varietät betrachtet,
und sind in der von ihm beigefügten Abbildung (tab. 11.
flg. 7) im Ganzen gut dargestellt. Die Naht ist hinten
in eine stumpfdreieckige Spitze ausgezogen, welches üm-
standes Jacquelin Duval weder in der Beschreibung
noch der Abbildung gedenkt; Stäl erwähnt seiner zwar,
nicht aber auch der weiteren Eigenthümlichkeit, nach
welcher jene Spitze zugleich leicht aufgebogen erscheint.
In den Sammlungen kommt der Käfer auch noch unter
dem (von Jacquelin Duval wegen der von mir frü-
her beschriebenen Chr. cruentata aus Portugal verworfe-
nen) Namen Chr. cruentata Klug, eben so auch als Lina
300 Suffrian:
marginata Sturm Cat. vor; den Sturm'schen Käfer habe
ich gleichfalls zu vergleichen Gelegenheit gehabt.
c. Umriss kreisförmig oder kurz eiförmig, mit grade
convergirenden Rändern des Halsschilds; die Deckschilde
punktstreifig, die Fühler kurz und derb, mit fünfgliedri-
ger, walzenförmiger Keule; auch die Beine kurz und kräf-
tig, mit einwärts gekrümmten, aussen flach gerinnten
Schienen. P/^aeö^o^Latr. Redt. Stäl (a. a. 0. 316). Chry-
somelae glohulosae Suffr. Linn. Ent. V. 243. Ent. Zeit.
1858. S. 394.
92. Chr. splend i da Chev. Phaedon splendicans
Stäl a. a. 0. 320. n. 11! (nach den Stücken der D ohr n'-
schen Sammlung). Die Art gehört zu der dritten a. a. O.
von mir aufgestellten Abtheilung dieser Gruppe, da die
Vorderhüften nur durch eine schmale in der Mitte ge-
kielte Längserhöhung geschieden sind. Die Färbung der
Unterseite erscheint sehr veränderlich. Bei allen mir
vorliegenden Stücken sind die Vorderhüften, bei einigen
auch noch die übrigen und die Schienenenden gebräunt:
ebenso sind bei zwei Stücken alle Bauchringe hinten breit
und deutlich röthlich gesäumt, und bei einigen erscheint
die Mitte der Hinterbrust und der vordere Tlieil des Hin-
terleibes schön goldgrün. Auf den Deckschilden sind
die flachen Zwischenräume überaus fein querrunzlig. Der
Che vr ol at'sche Artname „splendida^ ist von Stäl in
„splendicans" geändert worden: ein solches lateinisches
Wort existirt jedoch nicht, und ich habe deshalb die äl-
tere Ch evrolat'sche Benennung wieder hergestellt.
XIV. Coelomera Erichs.
93. C. liturata m. Luteo-grisea punctulata parce
pubescens, antennarum apice , elytrorum lituris duabus
postice coeuntibus metasternoque nigris. Long. 374'" ;
lat. IV4"'.
Die Benennung dieser Gattung rührt allerdings von
Hrn. Chevrolat her, ihre unterscheidenden Merkmale
sind jedoch zuerst von Erichson (in diesem Archive
1847. I. S. 165) festgestellt worden, und deshalb ist der
Verzeichn. d. auf d. Insel Ciiba gesammelt. Chrysomelinen. 301
letztgenannte Autor auch erst als der Begründer dersel-
ben zu betrachten. Auf Cuba ist dieselbe allein durch
die vorliegende Art vertreten, welche bei täuschender
Aehnlichkeit mit manchen unserer Europäischen Galle-
ruken aus der Gruppe der G. nymphaeae Fab. sich doch
auch habituell von denselben durch den Mangel erhöhter
Längslinien auf den Flügeldecken und deren abgerundete
hintere Nahtecke unterscheidet. Die ganze Oberseite ist
fein und dicht punktirt, dabei dünn angedrückt greishaa-
rig, Kopf und Halsschild nur dünn behaart, aber doch
nur schwach glänzend. Die Stirn mit feiner Längslinie,
die Fühler ziemlich kurz, aber derb und kräftig, das
dritte (längste) Glied reichlich doppelt länger als das
zweite, das vierte etwas kürzer als das dritte, aber doch
auch noch länger als das zweite, mit w^elchera dann das
fünfte wieder gleiche Länge zeigt. Die drei unteren
Glieder bis zu der geschwärzten Spitze des dritten sind
lehmgelb, die folgenden schwarz mit heller geringelter
Wurzel des vierten und fünften. Das Halsschild ist
fast doppelt länger als breit , oben etwas uneben, mit
einem tiefen Längsgrübchen vor der Mitte, nach vorn
verschmälert und leicht zusammengedrückt ; die Vorder-
ecken fast rechtwinklig , die Seiten vor der Mitte breit
zugerundet, die Hinterecken kurz zugespitzt und etwas
emporgerichtet, vor ihnen ein kräftiges, etwas gekrümm-
tes Querfältchen. Die Deckschilde sehr flach gewölbt
und hinterwärts etwas verbreitert, hinten einzeln breit
gerundet, mit wenig aufgeworfener Naht und nur schwach
hervortretenden Schulterbeulen. Die Farbe schmutzig
greisgelb mit zwei verwaschenen schwärzlichen Längs-
binden auf jeder Flügeldecke, welche an der Wurzel
(und zwar die äussere auf der Schulterbeule) beginnend,
sich (besonders die innere) hinterwärts einander zu ver-
breitern und zuletzt auf der Wölbung in allerdings sehr
verwaschener W^eise zusammenfliessen. Unterseite und
Beine sind gleichfalls schmutzig greisgelb, die Fussglie-
der und die umgeschlagenen Seiten des Halschilds leicht
geschwärzt, die Hinterbrust tiefer schwarz, die Innenkante
der Hinterschenkel nach den Knien zu etwas erweitert
302 Suffrian:
und der Länge nach leicht eingedrückt. Das letzte Hin-
terleibssegment des einzigen vorliegenden Stückes zeigt
am Hinterrande einen kurzen Längseindruck, und ist des-
halb wahrscheinlich ein J". Von den beiden Krallenzähn-
chen ist das innere merklich kleiner als das äussere.
XV. Galleruea Fab.
94. G. opacipennis Jacq. Duv. Coelomera
opacipennis Jacq. Duv. apud Ramon de Sagra l. 1. p. 304.
Setzt man mitErichson a. a. O. (wo zuerst die
Unterschiede einer Anzahl der von Hrn. Chevrolat aus-
gesonderten Galleruciden - Gattungen genauer auseinan-
dergesetzt worden sind , -das wesentliche Merkmal der
Gattung Coelomera in die derben Fühler mit stark ver-
grössertem dritten Fühlergliede, so findet die Bemerkung
desselben Autors, dass von den. hierher gebrachten Arten
die meisten wieder mit der Gattung Galleruea zu verbinden
sein möchten, vor Allem auf die vorliegende Art Anwen-
dung, die ich in keiner Weise von unseren Europäischen
Galleruken zu trennen vermag. Ausserdem aber wird
auch die von Jacq. Duvai a. a. O. gegebene Diagnose
einer Aenderung bedürfen. Dr. G. hat nämlich mit G.
opacipennis und unter gleicher Nummer einen Käfer ein-
gesandt, welcher sich bei fast völliger Uebereinstimmung
mit jener nur durch etwas geringere Grösse, schwarzes
Endglied der Fühler, und schön dunkelblaue, an der
Naht in eine etwas kürzere Stachelspitze ausgezogene
Flügeldecken unterscheidet, und den ich deshalb unbe-
denklich als das </ der genannten Art annehme. Die
Diagnose muss sonach-folgendermassen lauten :
G. opacipennis. Lutea punctulata griseo-pubescens,
thorace brevissimo transversim profunde impresso, elytris
pectoreque ohscurioribus, his sutura acuminato-spinosa.
cT Antennarum articulo ultimo nigro, elytris nigro-
violaceis postice brevius acuminatis.
$ Antennis apice sordide nigricantibus, elytris brun-
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 303
neis versus latera coerulescentibus, postice longius acu-
minatis.
Long. 3— 31/3'"; lat. 1—1 VV"'-
Die kurzen Fühler sind ebenso kräftig wie bei Coe-
lomera iiturata, aber das dritte Glied ist etwas kürzer
als das vierte; die Farbe bei dem ^ rein lehmgelb mit
schwarzem Endgliede, dem $ trüber gelb, die beiden
oberen Glieder schmutzig geschwärzt. Das Halsschild
überaus kurz, tief quer gefurcht und dadurch vorn und
hinten stark aufgetrieben, der Hinterrand in der Mitte
ausgebuchtet, seitlich nach vorn und aussen abgeschrägt
und dann in eine kurz aufgerichtete stachelspitzige Hinter-
ecke auslaufend. Das öchiidchen länger als breit, aus
breiter Basis hinterwärts mit ausgebuchteten Seiten ver-
schmälert und dann kurz zugerundet. Die Flügeldecken
flach gewölbt, mit kurzer innerseits durch einen sehr
flachen Eindruck abgesetzter »Schulterbeule , längs der
vorderen Hälfte des Öeitenrandes tief eingedrückt, hinten
an der Naht in eine bei dem ^ kürzere, bei dem 5 län-
gere Spitze ausgezogen, und ausserhalb derselben ent-
sprechend ausgebuchtet, sehr fein punktirt und dicht an-
liegend greishaarig. Die Farbe bei dem ^ rein und schön
dunkelblau; bei dem $ ist diese Färbung nur den Seiten-
rand entlang zu bemerken, während sie je weiter nach
der Naht zu desto mehr in ein schmutziges Braun über-
geht: die Spitze bei beiden Geschlechtern verwaschen und
durchschimmernd greisgelb. Unterseite und Beine gleich-
falls schmutzig greisgelb, Schienen und Füsse bei dem $
auf der Aussenseite trüb geschwärzt , wovon bei dem </
nur an dem breiten dritten Fuss- und dem Krallengliede
eine Spur zu bemerken ist. Die Hinterbrust ist bei bei-
den Geschlechtern jederseits schwärzlichblau, in der Mitte
gelblich; und der bei beiden vorliegenden Stücken stark
eingetrocknete Hinterleib anscheinend ohne besondere
Auszeichnung.
95. G. venustula Mus. Ber. Nigra punctulata
parce pubescens, ore antennarum basi thorace pedibusque
luteis, thorace latcribus impresso, elytris albido-lineatis,
horum vitta apiceque ferrugineis.
304 Suffrian:
(^ Elytris ad angtiliim sntnralem leviter emargina-
tis, abdominis segmento ultimo linea abbreviata impresso.
$ Elytrorum apice integro, abd. segmento ultimo
simplici.
Long. 12/3'"; lat. 2/3-'.
Aus der nächsten Verwandtschaft der Nordamerikani-
schen G. notata und notulata Fab., aber bei gleicher Läage
noch schmaler und flacher, an der eigenthümlichen Zeich-
nung der Deckschilde leicht kenntlich. Der Kopf der Länge
nach etwas eingedrückt mit feiner Mittellinie, Halsschild
und Mundtheile mit den drei unteren Gliedern der kräf-
tigen Fühler lehmgelb, das zweite und dritte Glied auf
der Oberseite geschwärzt. Das sehr kurze und breite
Halsschild ist jederseits tief quer eingedrückt, vor und
hinter diesem Eindrucke beulig aufgetrieben , auf der
Mitte deutlich längsrinnig ; der Hinterrand daselbst leicht
ausgebuchtet, die Hinterwinkel abgeschrägt, die Ecken
selbst am vorderen Ende dieses Abschnitts als kurze
Spitzen bemerklich. Die Farbe einfach lehmgelb. Das
Schildchen quer viereckig, hinterwärts etwas verschmä-
lert und daselbst abgerundet, bräunlich. Die Deckschilde
etwa 2V4mal länger als breit, fast gleichbreit, und auf
dem Rücken sehr flach gewölbt, die länglichen Schulter-
beulen innerseits und unterwärts an den Schultern durch
flache Längseindrücke abgesetzt, die hinteren Nahtwinkel
bei dem </ spitz, wenn auch nicht eigentlich vorgezogen,
bei dem $ abgerundet. Die Oberfläche fein aber dicht
punktirt, schwarz, durch eine kurze schwärzliche Behaa-
rung matt, die etwas erhöhte Naht, eine den Seitenrand
begleitende öfters abgeriebene Längslinie, und eine zw^eite
zwischen Naht und Schulterbeulen liegende, fast bis zur
Spitze reichende fein erhöhte Längslinie (der ursprüng-
liche zweite Zwischenraum) auf jeder Flügeldecke stärker
weiss behaart; und gleiche Behaarung zeigt dann noch
eine breite, hinterwärts sich verschmälernde, hinten in
die breit gelblich gesäumte Spitze überfliessende rost-
rothe Längsbinde, deren breiteres Vorderende sich an die
Innenseite der Schulterbcule anlehnt. Die Unterseite
schwarz, die Vorderbrust mit den Beinen und dem Saume
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Clirysomelinen. 305
der hinteren Bauchringe gelbh'ch, die Mitte der Schen-
kel und die Aussenkante der Schienen manchmal mehr
oder weniger geschwärzt. Das letzte Hinterleibssegment
des cT auf der hinterern Hälfte mit einer deutlich ein-
geschnittenen^ jederseits von einem rundlichen Eindrucke
begleiteten Längslinie, des $ einfach.
XVI. l>iabrotica Erichs.
Auch für diese Gattung hat erst Erichson a.a.O.
S. 166 bestimmte Merkmale angegeben, denen nur noch
hinzuzusetzen ist, dass das dritte Fühlerglied entweder
dem vierten gleich ist, oder von demselben an Länge
noch übertroffen wird. Eine Andeutung hierüber hat der
Autor zwar bei seiner Sect. 1. (a. a. 0.) gegeben, wäh-
rend bei Sect. 2. (S. 169) der Gegensatz, wahrscheinlich
durch ein Versehen, weggeblieben ist. Bei der Aufzäh-
lung der einzelnen Arten behalte ich die von Erichson
angenommenen Unterabtheilungen bei, habe sie aber theil-
weise umgestellt, weil die Arten mit flachem, nicht ein-
gedrücktem Halsschilde und zerstreut punktirten Deck-
schilden sich habituell unmittelbar an die folgende Gat-
tung Cerotoma anschliessen.
a. Thorax bifoveolatus ; elytra punctato-striata.
96. D. innuba Fab. Crioceris innuba Fab. Ent.
Syst. IL 12. n. 49. Syst. Eleuth. I. 451. n. 11. Diabrotica
innuba Jacq. Duv. ap. Ramon de Sagra 1. 1. p. 305.
Die von beiden Autoren gemachten Angaben leiden
an mancherlei üngenauigkeiten, so wenig ich auch an
der Richtigkeit der Gun dlach'schen Bestimmung zwei-
feln kann. Fabricius bezeichnet die dunkle Färbung
richtig als schwarz {„ater"): Fühlerund Beine sind aber
nicht rostroth, sondern schmutzig lehmgelb, mit gebräun-
ter Spitze der ersteren und mehr oder weniger ausge-
dehnter schwärzlicher Färbung der unteren Schenkel-
und oberen Schienenhälften und der Fussglieder, Auch
die Angabe in seiner Diagnose: „elytris margine vittaque
suturali flavü" ist unrichtig, sofern die gelbliche Rücken-
binde nicht auf oder an der Naht liegt, sondern den (brei-
Archiv f. Naturg. XXXIil. Jahrg. l.Üd. 20
306 Snffrian:
teren) zweiten und dritten Zwischenraum nebst der zwi-
schen beiden liegenden Furche einnimmt. Jacquelin
Duval dagegen scheint ein ganz schlecht ausgefärbtes
Stück vor sich gehabt zu haben, da er die Körperfarbe
als pechschwarz, die dunkle Färbung (nach meiner Auf-
fassung: Zeichnung) der Flügeldecken gar als braun be-
zeichnet; letztere ist bei gut ausgefärbten Stücken scharf
begränzt und rein schwarz. Zu bemerken ist noch, dass
das vierte Fühlerglied um die Hälfte länger ist als das
dritte, dass das Halsschild ausser den beiden typischen
Eindrücken der Gruppe noch ein drittes kleines Grübchen
vor der Mitte des Hinterrandes zeigt, dass die beiden in
der gelblichweissen Flügeldeckenbinde liegenden Rippen
breiter, höher und glänzender sind als die Rippen auf
dem schwarzen Grunde , und dass endlich die Naht-
winkel sich hinten in kurze Stachelspitzen verlängern,
neben denen die Flügeldecken leicht aber deutlich aus-
geschweift sind. Bei dem ^ ist der letzte Bauchring
in der Mitte kurz ausgerandet und an dieser ausgerande-
ten Stelle dreieckig eingedrückt.
97. D. bivittata Fab. Crioceris bivittata Fab.
Syst. Eleuth. I. 455. n. 26. Diabrotica bivittata Jacq. Duv.
l 1. p. 306.
Die Farbenvertheilung ist im Ganzen die der vor-
hergehenden Art, nur ist das Schwarz spiegelblank; die
Fühler sind pechbraun mit verwaschen hellerer Wurzel,
das 8te und 9te Glied, meist auch die Wurzel des lOten
weiss, der obere Theil des letzteren mit dem Endgliede
wieder schmutzig gebräunt. Zuweilen jedoch sind die
Fühler so hell, dass die vier unteren Glieder hell lehm-
gelb, und nur das 5te bis 7te nebst dem Endgliede ge-
schwärzt erscheinen. Das Halsschild zeigt auch bei die-
ser Art das kleinere (hier dreieckige) hintere Grübchen
vor dem Schildchen. Im Vergleiche mit der vorherge-
henden sind die Punktstreifen viel schwächer ausgeprägt,
die Punkte derselben feiner, dichter zusammengedrängt,
die Streifen dadurch verdoppelt, theilweise unkenntlich
gemacht, so dass sich auf dem Rücken jeder Flügeldecke
nur eine sehr breite, schwielig erhöhte, spiegelglatte
Verzeichn. d. aufd. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 307
Längslinie emporhebt^ und ausserhalb derselben nur noch
zwei feinere fadenförmige Linien (der 6te und 8te Zwi-
schenraum) sichtbar werden. Jene breitere Längslinie
stellt unverkennbar den vierten Zwischenraum dar, und
innerseits derselben zeigt sich wenigstens vorn noch der
sich bald verlierende schwielige Ansatz des zweiten Zwi-
schenraums. Die helle Längsbinde auf den Flügeldecken
hat auch hier Fabricius a. a. O. in der Diagnose un-
richtig als eine „vüta suturalis" bezeichnet, was er in
der Descr. richtiger in eine „vitta versus suturam^ ver-
wandelt. Die Unterseite ist schwarz mit bleich gelben
Beinen, die umgeschlagenen Seiten des Halsschilds und
die Kniee sind dunkler lehmgelb, die Fiisse schmutzig ge-
bräunt, ebenso die Vorderschenkel und Vorderschienen auf
der Aussenkante bräunlich. Die Nahtwinkel sind bei allen
von mir verglichenen Stücken abgerundet. Fabricius
nennt ganz allgemein Südamerika als Heimath seiner
Art, doch zweifle ich auch hier an der Richtigkeit der
Bestimmung nicht.
Auch bei dieser Art wird die von Fabricius rich-
tig als seh wa rz bezeichnete Farbe der Deckschilde von
Jacquelin Duval a. a. 0. braun genannt. Letzteres
ist jedoch nur bei schlecht ausgefärbten Stücken der Fall,
deren mir auch eines zum Vergleiche vorliegt.
98. D. annulata m. Atra thorace ferrugineo, ore,
antennarum basi femorumque apice, tibiis posticis an-
nulo, elytris vitta margineque laterali pallidis. Long. 3'";
lat. IVe"'.
Der vorhergehenden täuschend ähnlich, und doch
wieder von derselben sehr verschieden. Die Abweichun-
gen zeigen sich zunächst in der Färbung; am Kopfe ist
nämlich nur der obere Theil glänzend schwarz, der un-
tere von den Fühlern ab hell weisslichgelb mit schwarzen
Tastern. Die Fühler sind schwarz, nur die drei unteren
Glieder weiss mit einer schwärzlichen Längslinie auf der
oberen Seite. Auch die Beine sind schwarz, der untere
grössere Theil der Schenkel und ein breiter verwasche-
ner Ring auf der Mitte der Hinterschienen weiss , die
Krallen an allen Füssen bräunlich. Auf den Flügel-
308 Suffrian:
decken sind die weisse Rand- und Mittelbinde merklich
schmaler als bei der vorhergehenden Art^ dagegen ist
die Punktirung etwas deutlicher, erkennbarer in Streifen
geordnet, und ausser dem breiteren vierten Zwischenräume
treten auch noch nach Aussen der 6te und 8te rippen-
förmig hervor; schwächer sind dort der 5te und 7te, nach
Innen der 2te und 3te zu bemerken, so dass die Flügel-
decken dadurch bei sehr schräger Beleuchtung als unre-
gelmässig gefurcht erscheinen. Der hintere Nahtwinkel ist
bei dem einzigen vorliegenden Stücke scharf zugespitzt und
der Spitzenrand daneben seicht ausgeschweift. Die Unter-
seite ist an Kopf und Halsschiid mit der Vorderbrust hell-
gelb, im Uebrigen schwarz, dünn, aber ziemlich lang greis-
behaart; der letzte Bauchring des einzigen vorhandenen
(wahrscheinlich cT) Stückes in der Mitte tief ausge-
buchtet.
b. Thorax bifoveolatus ; elytra vage punctulata ob-
longa.
99. D. pule he Ha Dej. Phyllobrotica pulchella
Jacq. Duv. 1. 1. p. 307. Dieser hübsche Käfer, welcher
in den Sammlungen auch unter der Benennung Phyllo-
brotica nobilitata Dej. bekannt ist, ist auch von Jacque-
lin Duval a. a. O. der Gattung Phyllobrotica beige-
zählt worden. Setzt man aber mit Pt e dt en b ach er (F.
Austr. ed. IL S. 930) das unterscheidende Merkmal die-
ser Gattung in die am Grunde gezähnten Krallenhäk-
chen (und eine andere Verschiedenheit habe ich auch
nicht auffinden können, da alle anderen Abweichungen
lediglich habituelle sindj, so gehört die vorliegende Art,
bei der jedes Krallenhäkchen in zwei lange, pfriemlich
zugespitzte und denen der übrigen Diabrotiken gleichende
neben einander stehende Zähnchen (das innere ein we-
nig kürzer und daher scheinbar etwas nach hinten ge-
rückt) gespalten ist, entschieden nicht zu Phyllobrotica,
und ich habe um so weniger Bedenken, sie mit Diabro-
tica zu verbinden, als sie damit auch in dem dicken dritten
Gliede der Kinnladentaster übereinkommt. Ueberdem
hat auch schon Erich son eine überaus nahe verwandte
südamerikanische Art (Diabrotica lucifera Erichs. Wiegm.
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 309
Archiv 1847. I. p. 166. n. 2. aus Pern) zu derselben Gat-
tung gebracht.
Die vorliegende Art selbst ist von Jacq. Duval a.
a. O. gut diagnosirt und auch tab. IL fig. 8 im Ganzen
kenntlich abgebildet worden, wenngleich die Figur die
beiden ziemlich grossen dreieckigen Eindrücke auf dem
Halsschilde nur undeutlich erkennen lässt. Der von dem
Autor gegebenen Beschreibung habe ich nur hinzuzuset-
zen, dass die mittleren Fühlerglieder (das 6te bis 8te,
manchmal auch noch der obere. Theil des öten) nicht
schwarz, sondern nur schmutzig geschwärzt sind, und
dieselbe Färbung auch an der äussersten Spitze des End-
gliedes zum Vorschein kommt, dass bei schwarzer Farbe
des Kopfes doch Kinnbacken und Taster schmutzig gelb
sind, auch die beiden (dreieckigen) Beulen über den Füh-
lern gewöhnlich tief gebräunt erscheinen, und dass der die
vorderen 2/5 der Deckschilde wegnehmende gemeinsame
Vorderfleck jederseits den abgesetzten Seitenrand sammt
dessen umgeschlagenem Theile frei lässt. In der Gestalt
dieses (eigentlich eine breite gemeinsame Querbinde bil-
denden) Vorderflecks finde ich keine erheblichen Ver-
schiedenheiten, wohl aber in dessen Mitte bei einem Stücke
auf jeder Flügeldecke einen kleinen verwaschenen, aber
doch sehr kenntlichen gelblichen Querfleck. Der hintere
Fleck ist gewöhnlich länglichrund, der Naht, der Spitze
und dem Aussenrande sehr nahe kommend, seltner etwas
verkürzt und dadurch mehr kreisrund, bei einem der vor-
liegenden Stücke auf jeder Flügeldecke hinten durch
einen schmal dreieckigen, auf V4 ^^^^ Länge eindringen-
den gelblichen Ausschnitt zerrissen. Von Geschlechts-
merkmalen habe ich keine Andeutung wahrgenommen.
c. Thorax aequalis ; elytra vage punctulata, oblonga,
postice parum dilatata.
100. D. impressa m. Lurida, capite, antennarum
articulis 5 — 8vo ultimoque, scutello, metasterno tibiis tar-
sisque nigris, elytris laevibus vix punctulatis, in medio
transversim impressis. Long. 2^4'"; lat. IV4'".
Der Kopf glänzend schwarz mit gekieltem Kopf-
schilde, die Fühler dünn und schlank, das zweite und
310 Suffrian:
dritte Glied von gleicher Länge , letzteres ein wenig
breiter als das erstere, das vierte doppelt so lang wie die
beiden vorhergehenden zusammengenommen, auch noch
ein wenig länger als das 5te. Die Farbe der vier unte-
ren, so wie des 9ten und lOten weiss, das 5te bis 8te
und das Endglied schwarz, das 5te auf der Unterseite
manchmal nur schmutzig gebräunt. Das gerandete Hals-
schild von dem Bau der verwandten Arten, fast quadra-
tisch, flach gewölbt, mit kurz schwielig zugespitzten Vor-
der- und Hinterecken, hinterwärts etwas verschmälert und
vor dem Schildchen leicht ausgebuchtet, spiegelglänzend,
schmutzig lehmgelb. Das fast gleichseitig dreieckige
Schildchen glänzend schwarzbraun oder schwarz. Die
länglichen Deckschilde hinterwärts etwas verbreitert, inner-
seits der gestreckten Schulterbeulen leicht eingedrückt,
seitlich breit gerandet, die Oberfläche fein und ziemlich
zerstreut- auch nicht tief punktirt, jeder Punkt mit einem
grösseren durchscheinenden Hofe umgeben, mit spiegel-
glattem Zwischengrunde, der Rücken vor der Mitte quer
eingedrückt. Die Farbe ein schmutziges, lehmgelbliches
Greis, in jenem Eindrucke ins bleich Grünliche fallend,
und weiter hinterwärts mit einem verwaschenen gleich-
falls bleich grünlichen Wolkenflecke, welche grünlichen
Stellen wahrscheinlich bei dem lebenden Thiere eine
andere und lebhaftere Färbung zeigen werden. Unter-
seite und Beine sind gleichfalls bleich lehmgelb, Hinter-
brust und Parapleuren nebst Schienen und Fussglicdern
schwarz. Die Krallen fuchsroth, jedes Häkchen in zwei
lange, dünne und spitze Zähnchen gespalten. Der hin-
tere Nahtwinkel ist bei allen vorliegenden Stücken ab-
gerundet und der letzte Bauchring ohne Auszeichnung.
101. D. relicta Klug. Sordide lutea antennis apice,
scutello, elytrorum maculis quinque fl, 2, 2) scutellari-
que communi , metasterno, tibiis tarsisque fuscis, eljtris
punctulatis. Long. 2V4'" ; lat. IV^^".
Etwa von der Grösse der vorhergehenden Art, aber
flacher, hinterwärts etwas stärker verbreitert, und auch
die allerdings angedeuteten Eindrücke auf dem Rücken
der Deckschildo nur wenig sichtbar. Die F.u.bo ein
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 311
schmutziges^ einen Stich ins Röthliche zeigendes, auf der
hinteren Hälfte der Flügeldecken mehr verblichenes Lehm-
gelb, der Kopf eben so schmutzig pechbräunlich, Ober-
lippe und Mundtheile schwarz. An den Fühlern, bei de-
nen das dritte Glied um die Hälfte länger als das 2te,
das 4te noch etwas länger ist als die beiden vorherge-
henden zusammengenommen, sind die drei unteren Glie-
der weisslichgelb, die folgenden vom 4ten ab in immer
stärkerem Grade schmutzig gebräunt. Das Halsschild ist
an den Seiten hinter der Mitte stark ausgeschweift und
breit gerandet, mit spitzen etwas aufgebogenen Vorder-
und Hinterecken, vor dem Schildchen leicht ausgebuchtet.
Das gleichseitig dreieckige, glänzende Schildchen pech-
braun. Die Deckschilde flach gewölbt, auf der Mitte
leicht quer niedergedrückt, mit kräftigen, innerseits durch
einen leichten Eindruck abgesetzten Schulterbeulen. Die
Oberfläche dicht und ziemlich fein punktirt, mit massigem
Glänze, die Zeichnung durch schlecht begränzte, schmutzig
braune Flecke gebildet, deren, einen gemeinsamen Yor-
derfleck abgerechnet, auf jeder Flügeldecke noch fünf
vorhanden sind. Jener liegt auf der Naht, unmittelbar
hinter dem Schildchen und zeigt eine unregelmässig rau-
tenförmige Gestalt, dazu kommt dann vorn ein einzelner,
fast schwarzer Längsfleck auf der Schulterbeule, und
die übrigen sind dahinter in zwei Paare gestellt, deren
sich das erste vor, das andere hinter der Mitte befindet.
Die Flecke des ersteren stehen auf dem Quereindrucke,
sind etwas in die Quere gezogen, einander fast berührend,
und stellen dadurch eine unterbrochene Querbinde dar ;
die hinteren Flecke sind etwas kleiner, unregelmässig
zugerundet und durch Zurücktreten des äusseren etwas
schräg nach aussen und hinten gerichtet. Unterseite und
Schenkel sind gleichfalls schmutzig gelb, bleicher als die
Oberseite, die Hinterbrust nebst Schienen und Fussglie-
dern schmutzig gebräunt. Die Krallenhäkchen etwas
kürzer aber kräftiger als bei der vorhergehenden Art, die
hinteren Nahtwinkel der Flügeldecken abgerundet, und
der letzte Hinterleibsring ohne Auszeichnung.
102. D. loricata Klug. Lutea, antcnnis (basi ex-
312 Suff ri an:
cepta), elytrorum fasciis tribus, tibiis tarsisque nigris,
thorace transverso , elytris densius punctulatis. Long.
373^"; lat.lVs'".
Bei einem im Ganzen gleichen Habitus mit den vor-
hergehenden ist die vorliegende Art grösser, hinterwärts
kaum verbreitert^ daher gestreckter, auch durch die sehr
dichte Punktirung der Flügeldecken von ihnen abwei-
chend. Am Kopfe sind die beiden Beulchen über dem
Längskiele des Kopfschildes ziemlich stark aufgetrieben,
Stirn und Nacken fein runzlig punktirt, Oberlippe, Mund-
theile und Fühler, bis auf das schmutzig gelbliche Wur-
zelglied der letzteren, schwarz. An den Fühlern ist das
dritte Glied fast doppelt länger als das zweite, und das
vierte noch um die Hälfte länger als das dritte. Das
Halsschild ist verhältnissmässig länger als bei den vor-
hergehenden Arten, nicht so lang wie vorn breit , hin-
terwärts stark verschmälert, seitlich nur fein gerandet,
und die fast abgerundeten Hinterecken nur als sehr kurze
eckige Schwielen erkennbar. Der Hinterrand vor dem
Schildchen ist nur schwach ausgebuchtet, und vor ihm
zeigt sich ein kleiner, rundlicher Eindruck. Das Schiid-
chen selbst ist gleichseitig-dreieckig, hinten kurz abge-
rundet und glänzend pechbraun. Die Deckschilde flach
gewölbt, fast glcichbreit und reichlich doppelt länger als
breit, vorn jederseits der Naht der Länge nach seicht ein-
gedrückt, die kräftigen Schulterbeulen innerseits je durch
einen kurzen, breiten Eindruck abgesetzt, ziemlich fein
aber dicht punktirt, mit lackglänzendem Zwischengrunde.
Die Farbe trüb lehmgelb mit drei gemeinsamen schwar-
zen, an den Rändern etwas unregelmässig begränzten
Querbinden, die vordere doppelt breiter als jede der
beiden anderen ; die zweite liegt hinter der Mitte, die dritte
vor der Spitze und ist an beiden Ecken verschmälert: die
gelbe Grundfarbe wird durch diese schwarzen Querbinden
gleichfalls in vier helle Querbinden getheilt, welche an
Breite ungefähr einander und der mittleren schwarzen
Querbinde gleich kommen, und deren vordere durch das
dunklere Schildchen unterbrochen ist. Unterseite und
Schenkel sind gleichfalls schmutzig gelb, die Parapleuren
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 313
gebräunt, Schienen und Fussglieder schwärzlich; an den
Mittel- und Hinterbeinen die breite Aussenfläche der
Schenkel mit einer schwärzlichen Längslinie gezeichnet.
An den Flügeldecken sind die hinteren Nahtwinkel ab-
gerundet, und der letzte Bauchring ist ohne weitere Aus-
zeichnung.
103. D. cyanospila m. Rufa laevissima, antennis
pallidis, capite, elvtrorum maculis duabus, abdominis apice
pedibusque chalybeis. Long. ^^W" '^ lat. ^j^'".
Von der Gestalt der D. relicta, aber kleiner, und an
der einfachen Färbung und Zeichnung, so wie dem Man-
gel kenntlicher Punktirung auf den Deckschilden leicht
von den verwandten Arten, durch das letztere Merkmal
auch von der nahe stehenden folgenden Art zu unter-
scheiden. Der Kopf mit den Mundtheilen dunkel stahl-
blau, die Beulen über dem Kiele des Kopfschilds kurz,
aber kräftig, der Nacken über den letzteren leicht quer
niedergedrückt. Die Fühler bleich gelblich, fast weiss,
das dritte Glied kaum um die Hälfte länger als das zweite,
das vierte wieder um die Hälfte länger als das dritte,
und etwa dem fünften gleich. Das Halsschild hinter-
wärts leicht verschmälert, vor dem Schildchen sanft aus-
gerandet und schwach niedergedrückt, mit etwas aufge-
bogenen Vorderecken und kurzen, breiteren aber scharfen
Hinterecken. Das Schildchen gleichseitig-dreieckig, hin-
ten kurz abgerundet. Die Deckschilde fast doppelt länger
als breit, hinterwärts ein wenig verbreitert, längs der Naht
abgeflacht und zuweilen vorn leicht eingedrückt, mit je
einem stärkeren Eindruck innerseits der grossen, halb-
kugeligen Schulterbeulen. Die Oberfläche ohne deutli-
che Punktirung, glatt und glänzend, wie am Halsschilde
und Schildchen schön ziegelroth, mit zwei grossen stahl-
blauen Flecken auf jeder Flügeldecke; ein vorderer quer
viereckiger auf der Schulter, deren umgeschlagenen Rand
freilassend, aber nach Innen so weit ausgedehnt, dass der
hinterwärts verbreiterte mittlere Raum zwischen den Vor-
derflecken beider Flügeldecken nicht völlig der Breite
jedes einzelnen gleichkommt, der hintere ein noch
grösserer unregelmässig eiförmiger Schrägfleck vor der
314 Suffrian:
Wölbung, mit dem breiteren Hinterende an den Aussen-
rand gelehnt, mit dem schmaleren Vorderende schräg
nach der Naht zu gerichtet, von der er hier etwa so weit
wie von dem Schulterflecke entfernt bleibt. Das Pygi-
dium und der letzte Bauchring sind gleichfalls stahlblau,
der Vordersaum des letzteren mit der ganzen übrigen
Unterseite roth; auch die Beine stahlblau mit rothen
Schenkelwurzeln und Hüften. Die hinteren Nahtwinkel
bei allen (vier) mir vorliegenden Stücken abgerundet und
das letzte Hinterleibssegment einfach.
104. D. semicyanea m. Rufa punctulata, tho-
race transverso, antennis fuscis, tibiis tarsisque anteriori-
bus, puncto eljtrorum humerali corporisque parte dimidia
postica chalybeis. Long. I73— IV2'"; ^at. V2— Vi2'"-
Von dem Habitus einer mittelgrossen Haltica, aber
unverkennbar hierher gehörig, und auch in der Färbung
der vorhergehenden Art nahe verwandt, zugleich die in
der Cubanischen Käferfauna sich so oft wiederholende
Verbindung rother und stahlblauer Färbung in gleicher
Weise darstellend, wie sie dort an einzelnen Arten der
verschiedensten Familien (Malacodermen, Cerambyciden
u. a.) wieder gefunden wird. Der Kopf der vorliegen-
den Art zeigt den gewöhnlichen Bau, die beiden Beulen
zwischen den oberen, inneren Augenrändern sind breit
und flach, auch der darüber liegende Querelndruck ist
nur seicht, an den Fühlern das zweite Glied ziemlich
stark aufgetrieben und eiförmig, das dritte um die Hälfte
länger, und das vierte noch etwas verlängert, die folgen-
den etwa dem letzteren gleich. Die Farbe ein schmutzig
angelaufenes Gelbbraun mit helleren unteren Gliedern.
Das Halsschild ist nicht völlig so lang als vorn breit,
hinten kaum ausgebuchtet, mit fast abgerundeten Hinter-
ecken. Das Schildchen gleichseitig -dreieckig, die Farbe
hier, wie die an Kopf und Halsschild, ein schönes, glän-
zendes Ziegelroth. Die Deckschilde um etwa 2/3 länger
als breit, hinterwärts etwas verbreitert, flach gewölbt und
auf der Naht hinter dem Schildchen leicht eingedrückt,
die eckig heraustretenden Schulterbeulen innerseits je
duich einen schmalen Längscindruck abgesetzt. Die
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 315
Oberfläche fein und ziemlich dicht punktirt, glänzend^
vorn roth, ein Längsfleck auf der Schulterbeule und die
grössere Hinterhälfte der Flügeldecken stärker glänzend
stahlbLau, vorn mit scharfer, abgerundeter Begränzung, so
dass die rothe Grundfarbe an der Naht und dem Seiten-
rande etwas stärker hinterwärts vordringt. Auch auf der
Unterseite ist der ganze vordere Theil des Körpers roth,
nur die Schienen und Füsse des vorderen und mittleren
Beinpaars schwarzblau mit röthlichen Knien und zuwei-
len leicht geschwärzten Schenkelspitzen, dagegen der
Hinterleib mit den Hinterbeinen blau, mit bräunlichen
Knien und gerötheten Hüften und Schenkelwurzeln. Der
letzte Hinterleibsring einfach und die hinteren Nahtwin-
kel abgerundet.
Mit diesem mir gegenwärtig in vier völlig gleichen
Stücken vorliegenden Käfer und unter derselben Nummer
hat Dr. Gundlach nun noch ein einzelnes Exemplar
eines anderen Käfers geschickt, welcher bei allgemeiner
Uebereinstimmung in Gestalt, Bau und Färbung sich durch
etwas geringere Grösse, den Mangel des durch einen
leicht getrübten Schatten vertretenen Schulterflecks, hel-
lere fast ins weisslichgelbe fallende Färbung des Unter-
kopfes und der unteren Fühlerglieder, kräftigere Fühler
überhaupt , und einen ganz abnormen Bau der Fühler-
enden unterscheidet. An diesen ist nämlich das letzte
Glied eiförmig aufgetrieben, so dass es bei gleicher Länge
mit dem entsprechenden des oben beschriebenen Käfers
um die Hälfte breiter erscheint ; das vorletzte aber ist noch
stärker verbreitert und dabei auf der oberen Seite löffei-
förmig ausgehöhlt , auch eine schwächere Fortsetzung
dieser Längsfurche noch auf dem vorhergehenden (neun-
ten) Gliede wahrzunehmen. Ueber das Verhältniss bei-
der Käfer zu einander ist von Dr. G. nichts bemerkt
worden ; ich glaube jedoch nicht zu irren, wenn ich in
dem oben beschriebenen kleineren Stücke mit den ab-
weichend gebauten Fühlerenden des cT der vorliegenden
Art erkenne, und die geringere Grösse, und die Ab-
weichungen in der Färbung des Kopfes und der Füh-
ler, so wie den angegebenen Bau dieser letzteren für le-
316 Suft'rian:
diglich sexuelle Unterschiede halte. Ob der Mangel
des blauen Schulterflecks gleichfalls als solches, oder nur
ak eine zufällige Farbenabänderung aufzufassen sei, müs-
sen spätere Beobachtungen ergeben.
d. Thorax aequalis, elytra ventricosa.
105. D. thor acica Fab. Crioceris thoracica Fab.
Syst. Eleuth. I. 457. n. 36. Diabrotica thoracica Jacq.
Duval. ap. Ramon de Sagr. 1. 1. p. 305.
Die Beschreibungen beider Autoren scheinen mir
nach den mir vorliegenden Stücken die beiden Ge-
schlechter dieser Art zu bezeichnen. Bei Fabricius
Käfer ist das (deutlich gekielte) Kopfschild mit den Mund-
theilen schwarz, und nur der grössere obere Theil des
Kopfes rostgelb; alle Stücke von dieser Beschaffenheit
zeigen zugleich die hintere Nahtecke jeder Flügeldecke
in eine kräftige Stachelspitze verlängert, an welche sich
die breite Rundung der Flügeldecke mit einer leichten
Ausbuchtung anschliesst, und ich halte deshalb diese
Stücke für die (/. Bei dem von Jacquelin Duval
beschriebenen Käfer ist dagegen von dem Kopfschilde
nur der untere Theil verwaschen gebräunt, mit etwas
stärker gebräunten Mundtheilen, und bei den so gefärb-
ten Stücken ist die Verlängerung der Nahtecken nur
kurz und schwiclenartig, ohne dass dadurch eine eigent-
liche Spitze gebildet würde. In solchen Stücken glaube
ich die $ zu erkennen. Die Querbinden auf den Flügel-
decken sind bei nicht zu alten Exemplfl.ren stets rein
weiss, wie es auch Fabricius angiebt; Stücke, bei de-
nen die vordere Binde die Naht erreicht, wie sie Jacq.
Duval beschreibt, sind mir bis dahin nicht zu Gesicht
gekommen. Dagegen ist namentlich die vordere in ihrer
Breite sehr veränderlich, gewöhnlich in der Mitte ein-
geschnürt, und wie aus zwei Flecken zusammengeflossen,
und bei einer Form ß wirklich in zwei getrennte Quer-
flecke zerrissen. Diese Form, welche vielleicht als die
normale zu betrachten ist, hat sich zwar nicht in den
Gundlach'schen Sendungen vorgefunden, ist mir aber
früher von Erichson als Cubanischer Käfer aus dem
Mus. Berol. mitgetheilt worden.
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 317
Mit der hinteren Binde hängt die vordere durch den
hell gelblich gefärbten, umgeschlagenen Rand der Flügel-
decken zusammen, auch fällt der untere Theil der Schie-
nen gewöhnlich mit den Fussgliedern ins Bräunliche.
XVII. Cerotoma Erichs.
Auch diese Gattung hat erst durch Erich son a.
a. 0. S. 169 eine genauere Charakteristik erhalten. Al-
lerdings kommt von den beiden Hauptmerkmalen, die er
zur Unterscheidung dieser Gattung von der vorhergehen-
den hervorhebt, das eine {„oculi rotundati^ gegen die
oculi ovales der Diabrotikenj auf ein Mehr oder Weni-
ger hinaus, da die eirunden Augen sich auch bei manchen
Diabrotica-Arten bis zum fast Kreisrunden verkürzen, und
das zweite („Antennae marin dijformes'^) hat als ein ledig-
lich sexuelles Merkmal für die Unterscheidung der Gat-
tung keine Bedeutung. Dagegen lässt sich das Längs-
verhältniss des zweiten und vierten Fühlergliedes sehr
wohl benutzen, um die von den* Autoren zu Cerotoma
gebrachten Arten, von der (zumal in der obigen vierten
Rotte) habituell sehr ähnlichen, aber schon hinlänglich
artenreichen Gattung Diabrotica zu unterscheiden. Bei
jenen ist nämlich nicht das vierte, sondern das dritte
Fühlerglied das längste, und reicht in der Länge nicht
bloss über das zweite, sondern auch über das vierte sehr
merklich hinaus.
106. C. denticornis Fab. Crioceris denticornis
Fab. Ent. syst. IL 24. n. 52. Syst. Eleuth. L 457. n. 87.
Cerotoma denticornis Jacq. Duv. apud Ramon de Sagr.
p. 304.
Fabricius kennt von dieser Art nur das ^, und
hat auch dieses ungenau beschrieben, sofern er den Kopf
als schwarz angiebt, während doch nur die Oberlippe
nebst dem hinter den gebräunten Stirnbeulen liegenden
Theile des Nackens schwarz Ist. Eben so bezeichnet er
in der Descr. in der Ent. Syst., im Widerspruch mit sei-
ner Diagnose, nur den margo anterior der Flügeldecken
als gelb, und gedenkt der seitlichen spitzen Verlängerung
318 Suffrian:
des vierten Fühlergliedes gar nicht. Jacquelin Du-
val hat beide Geschlechter kenntlich beschrieben, und
auch a. a. 0. Tab. IL Fig. 8 a eine im Ganzen richtige
Abbildung von dem Fühler des ^ gegeben; seine Be-
schreibung des dritten Fühlergliedes ist aber ebenfalls
ungenau. Dieses Glied ist nämlich nach oben drei-
eckig erweitert, erst bis zur Mitte leicht abgeflacht,
dann eingedrückt, quer abgestutzt, und über diesen Quer-
schnitt hinaus der äussere Rand noch so weit verlän-
gert, dass diese Verlängerung bis zur Wurzel des
vierten Gliedes V^ ^^^^ ^^^ Länge des ganzen Gliedes
bildet; der innere Rand dagegen ist in eine feine, kür-
zere Stachelspitze ausgezogen , deren Verlängerung ge-
rade auf die Spitze von der seitlichen Verlängerung des
vierten Gliedes treffen würde, so dass hier ein dem vier-
ten Gliede und dem oberen Viertel des dritten Gliedes
gemeinsamer Ausschnitt gebildet wird. Auf den Flügel-
decken haben beide Autoren das Schwarz als Grund-
farbe angenommen, von keinem aber wird erwähnt, dass
sowohl die mittlere gekrümmte Querbinde als der hintere
Mondfleck mit ihren Enden in den hellen Seitenrand
einmünden ; die Spitze der Flügeldecken würde jeden-
falls treffender als weisslichgelb mit einem gemeinsamen
schwarzen Querfleck in ihrer Mitte beschrieben werden
können.
Fabricius nennt nur im Allgemeinen Südamerika
als Heimath dieser Art, und eben daher (aus Venezuela)
stammt auch ein Stück in meiner eigenen Sammlung.
k\s Futterpflanze wird von Fabricius a. a. O. (mit Be-
zugnahme auf Pflug) Dolichos si7iensis angegeben, eine
Pflanze, als deren Vaterland Linne (Sp. pl. IL p. 1019. n. 1)
Ostindien, und damit übereinstimmend Decondolle (Prodr.
IL p. 399. n.25) Ostindien und China nennt. Auf Cuba
scheint der Käfer zu den selteneren zu gehören, da er
von Dr. G. nur einmal und in einem einzigen Pärchen
eingesandt worden ist.
Verzeichn. rl. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 319
XVIIL liiiperuis Geoffr.
107. L. malachioides Chv. Ferrugineus, an-
tennis apice nigris, thorace siibquadrato, elytiis dense
punctulatis clialybeis. Long.!'"; lat. V3'".
Von dieser zierlichen Art liegt mir nur ein einzi-
ges Stück vor, welches aber zu deren Charakteristik voll-
ständig ausreicht. Der ganze Käfer ist hell rostroth, nur an
den Fühlern das Iste und noch mehr das 5te Glied gebräunt,
die sechs oberen schwarz mit dünner angedrückter greiser
Behaarung; eben so sind die fast halbkugligen ziemlich
stark hervortretenden Augen schwarz. Das Halsschild
ist fast quadratisch, etwas breiter als lang, und ohne Ein-
drücke. Die länglich viereckigen, gleichbreiten, flach ge-
wölbten Deckschildc sind schön glänzend stahlblau, sehr
dicht und ziemlich fein punktirt. Der Längskiel auf dem
Kopfschilde , die Beulen auf der Stirn und der leichte
Quereindruck hinter denselben sind ganz wie bei Diabro-
tica, mit welcher Gattung der Käfer auch verbunden
werden musste, wenn er nicht von derselben durch den
Bau seiner Fusskrallen wesentlich abwiche. Denn die
Häkchen jeder Kralle sind nicht wie bei jener Gattung,
nochmals in zw^ei spitze Zähnchen gespalten, sondern ein-
fach, und je am Grunde mit einem sehr kleinen Zähnchen
besetzt. Sonst kommt der Käfer mit Diabrotica auch in
dem Bau der Fühler überein, indem deren drittes Glied
(und zwar um etwa die Hälfte) länger ist als das zweite,
aber kürzer als das vierte, welches letztere fast die Länge
des zweiten und dritten zusammen erreicht.
Wodurch sich die in neuerer Zeit durchweg zur
Annahme gelangte Gattung Phyllobrotica eigentlich
durchgreifend vonLuperus unterscheide, ist mir immer
noch nicht recht klar geworden. Die von Redtenba-
cher Fauna Austr. ed. IL S. 930 und 931 für beide Gat-
tungen angegebenen Merkmale sind entweder nur habi-
tuell, oder übereinstimmend, oder schliessen einander
nicht aus, wie dies namentlich bei dem Längsverhältnisse
des zweiten bis vierten Fühlergliedes der Fall ist. Ich
320 Suffrian:
bin deshalb der Meinung, dass Phjllobrotica und Liipe-
riis wieder vereinigt werden müssen, und finde auch zur
Trennung der Gattung Calomicrus Dillw. Steph. von
Luperus keinen zwingenden Grund vor, da, wie Redte n-
b ach er a. a. O. S. 931 Note ganz richtig bemerkt, diese
letztere Gattung sich von Luperus nur durch die gleiche
Länge des zweiten und dritten P'ühlergliedes unterscheidet.
In dem Wesentlichen, dass nämlich von jenen drei Füh-
lergliedern nicht, wie bei Ccrotoma, das dritte, sondern,
wie bei Diabrotica, das vierte Fühlerglied das längste ist,
stimmen alle drei Gattungen überein, und ich vermag
deshalb in ihnen für jetzt nur im Ganzen natürliche Un-«
terabtheilungen von Luperus zu erkennen, die den Rang
eigener Gattungen erst dann allenfalls in Anspruch wer-
den nehmen können, wenn, was noch keinesweges der
Fall, die Gattung Luperus mit Arten überladen und da-
durch einer weiteren Zersplitterung bedürftig geworden
sein wird.
Uebrigens hat sich in Re d te nbach er's a. a. 0.
gegebener Charakteristik ein unangenehmer Schreib- oder
Druckfehler eingeschlichen, indem es (S. 932 oben) statt:
„Flügeldecken [Deckschilde] . . . doppelt so breit als
lang'^ heissen muss : „doppelt so lang als breit."
108. L. placidus Mus. Ber. Ferrugineus, anten-
nis apice , tibiis tarsisf jue posterioribus nigris , thorace
elongato bifoveolato, elytris disperse punctulatis obscure
chalybeis. Long. lVi2'^'; lat. Vs'".
In Dr. Guudlach's letzter Sendung war die Be-
nennung L. placidus Mus. Berol. der vorhergehenden Art
als Synonym beigefügt worden: früher hat er jedoch
unter jenem Namen einen anderen Käfer eingesandt, wel-
chen ich mit dem vorher beschriebenen nicht verbinden
kann, den ich vielmehr trotz der mangelhaften Beschaf-
fenheit des einzigen davon vorliegenden Stückes für eine
selbstständige Art halte , und dem daher auch jene Be-
nennung verbleiben muss. Er gleicht nach Färbung und
Farbenvertheilung im Ganzen der vorhergehenden Art,
nur sind die ganzen Fühler bis auf die drei unteren pech-
bräunlichen Glieder schwarz, und ausserdem noch die
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 321
Schienen und Fiisse an den Mittel- und Hinterbeinen
schwärzlich. Die Deckschilde sind dunkler stahlblau,
ebenso fein aber viel sparsamer punktirt und deshalb
stärker glänzend; den Hauptunterschied aber bildet die
Gestalt des Halsschilds, welches seitlich hinter der Mitte
viel stärker ausgeschweift, daher merklich verschmälert,
überhaupt länger als breit ist, und zugleich auf der hin-
teren Hälfte die beiden neben einander liegenden drei-
eckigen Eindrücke zeigt, die sich auch (s. oben) bei so
vielen Diabrotiken finden. Endlich ist bei gleicher Breite
mit der vorhergehenden Art die Länge des Körpers etwas
grösser, so dass die vorliegende dadurch schlanker und
gestreckter erscheint.
XIX. Blepharida Rogers.
In den hierher gehörigen Thieren begegnet uns ein-
mal wieder eine von denjenigen Käferformen, welche sich
nicht in den durch unseren systematischen Schematismus
bedingten Rahmen einfügen wollen. Im Habitus schlies-
sen sie sich unverkennbar an die echten Chrysomelen
oder, wenn man lieber will, an einzelne Colaspiden-
forraen an, denen sie sich auch durch die kräftigen, ge-
spaltenen Krallenhäkchen nähern; die aufgetriebenen,
ohne Zweifel ein Springvermögen andeutenden Hinter-
schenkel (bestimmte, auf Beobachtungen sich gründende
Angaben liegen darüber leider noch immer nicht vor)
und der, ob auch kurze doch deutliche Sporn an dem
unteren Ende der Hinterschienen zeigen eine ebenso un-
verkennbare Annäherung an die Haitiken, von denen
sie sich wieder, wie von den Galleruciden überhaupt,
durch die weit getrennten Fühler entfernen. Man darf
sich daher auch nicht darüber wundern, dass die Auto-
ren, je nachdem sie eine oder die andere jener Eigen-
thümlichkeiten als die wesentlichste ins Auge fassen,
diese Thiere auch in sehr verschiedenen Gruppen der
Chrjsomelinen-Familie untergebracht haben. Forster,
der erste Entdecker der bekannten Nordamerikanischen
Art, stellte sie zu den eigentlichen Chrysomelen, und
Archiv f. Naturg:. XXXIIT Jahrg: 1 Bd. 21
322 Suffrian:
darin sind ihm, bei deren späteren Vertheilimg in meh-
rere Gattungen, Fabricius, Olivier und noch in letz-
terer Zeit Rogers (Proceedings of the Acad. of Nat. Sc
of Philadelphia 1856. S. 29, vergl. Ent. Zeit. 1858. p.240)
gefolgt, obwohl schon Illiger, ohne die Uebereinstim-
mung mit den echten Chrysomelen zu verkennen, sie
(Magaz. VI, p. 161) wegen der aufgetriebenen Hinterschen-
kel zu den Haitiken versetzt hatte. Zu dieser Auffassung
lUigers ist gegenwärtig auchStäl (Monogr. des Chry-
someles de l'Amerique p. 4) zurückgekehrt, indem er,
der Anordnung der Katalogisten sich anschliessend, die
schon von Chevrolat aus diesen Thieren gebildete Gat-
tung ßlepharida zunächst mit Podontia Dalm. zu-
sammenstellt und mit dieser den Galleruciden, speciell
den Haitiken zuweist. Die Uebereinstimmung mit Po-
dontia zeigt sich namentlich in dem Bau der Hinterschen-
kel und -Schienen, welche z. ß. bei Pod. 14-punctataLin.
Fabr. genau wie bei der südafrikanischen ßlepharida
irrorata Boh. gebaut sind : dagegen ist bei Podontia der
innere Zahn der gespaltenen Krallenhäkchen gegen den
äusseren verschwindend klein und daher nicht ohne Mühe
erkennbar, ebenso ist der Dorn auf der Innenseite des
Unterendes der Hinterschienen sehr kurz. Endlich sind
bei Podontia die Gelenkköpfe der Vorderhüften deutlich
in die Quere gezogen, fast doppelt länger als an dem zu-
gerundeten Innenrande breit, während dieselben bei ßle-
pharida nach Aussen noch stärker verschmälert und hin-
ten tief eingedrückt erscheinen. Sonach unterliegt m. E.
die vielfache Uebereinstimmung von Podontia und ßlepha-
rida einem Zw^eifel nicht; was aber von den hervorgeho-
benen Eigenthümlichkeiten lediglich auf blosser Analogie
beruhe und wie sich dadurch auch die systematische Stel-
lung beider Gattungen bedinge, würde noch eine weitere
Untersuchung erfordern, für welche mir jetzt weder das
erforderliche Material noch auch die unentbehrliche Müsse
zu Gebote steht, und auf die ich deshalb um so eher ver-
zichten zu können glaube, als wir dieselbe bald in einge-
henderer Weise und erschöpfenderem Umfange von dem
Fortschreiten von Lacordaire's Genera des Coleopt^-
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 323
res u. s. w. zu erwarten haben werden. Es mag deshalb
hier nur bemerkt werden, dass der letztgenannte Autor
(Mon. des Phytoph. I. p. XXVII. Note 1). Podontia (und
dem entsprechend auch wahrscheinlich Blepharida) mit
Rücksicht auf den Bau des dritten Fussgliedes derEumol-
piden zugesellt.
Dass übrigens der (ohnehin ganz sprachwidrig gebil-
dete) Name Blepharida mit dem Namen der viel älte-
ren Orthopterengattung Blepharis collidire und des-
halb geändert w^erden müsse, habe ich schon in der Ent.
Zeit. 1858. S. 241 bemerkt. Ausgesondert und benannt
ist die Gattung allerdings zuerst von Hrn. Chevrolat,
charakterisirt dagegen erst von Rogers a. a. 0., und
Letzterer daher als ihr eigentlicher Urheber zu betrachten.
109. Bl. irrorataChv. Lutea antennis, tibiis tar-
sisque nigricantibus, thorace laevi, elytris ferrugineis ila-
voguttatis, punctato-striatis, striis ultra medium geminatis.
Long. 32/3'" ; lat. 11/2'".
Bl. irrorata Chv. in Guer. Revue et Mag. de Zool.
1864. n. 6. p. 180.
Mit demselben Namen hat zwar Hr. Prof. Bohe-
man schon früher eine vom Vorgebirge d. g. Hoffnung
stammende Art belegt; da dieselbe jedoch meines Wis-
sens noch nicht beschrieben worden ist, so wird die vor-
liegende den ihr von Hrn. Chevrolat ertheilten, übri-
gens ganz passenden Namen behalten müssen. Der Autor
hat jedoch seiner Diagnose keine weitere I^eschreibung
beigegeben, und es erschien mir daher zweckmässiger,
jene sehr lang gerathene Diagnose hier durch eine kürzer
und bestimmter gefasste zu ersetzen und dafür die dort
mangelnde Beschreibung beizufügen.
Der oben genannten Afrikanischen Art nähert sich
die vorliegende durch das glatte, nicht punktirte Hals-
schild und die gelblichweissen Spritzflecke aus den Deck-
schilden, andererseits aber steht sie mit derselben in einem
entschiedenen Gegensatze durch den schmalen, gestreck-
ten Körper, die ganz stumpfen Hinterecken des Hals-
schilds, und die auf ein Geringstes zurückgebrachte Ano-
324 Suffrian:
malie der Beine , während die eigenthümliche Scnlptur
der Deckschilde sie eben sowohl von den beiden nord-
amerikanischen Arten, als von jener entfernt. Der Kopf
schräg vortretend , mit aufgetriebenen Unterenden des
Kopfschilds , zwischen den Fühlern eine , jederseits
durch eine kurze Längsfurche von dem Fühlerhöcker ge-
trennte Längsbeule , und zwischen den oberen inneren
Augenrändern jederseits noch ein schwächeres Grüb-
chen. Die Farbe schmutzig lehmgelb mit schwärzlichen
Kinnbacken. Die Fühler von V4 der Körperlänge, faden-
förmig, schmutzig schwarzbraun, die unteren Glieder an
der Unterseite der Spitze heller, was jedoch je weiter
nach oben desto mehr verschwindet. Das kurze Hals-
schild mit einigen unregelmässigen Eindrücken, übrigens
glatt und ziemlich glänzend, die Hinterecken noch stum-
pfer abgerundet als bei Bl. stolida Fab., die vorderen
kurz aufgebogen und durch eine unscheinbare, dahinter lie-
gende Ausbuchtung etwas abgesetzt. Das Schildchen halb
eiförmig, schmutzig gelbbraun. Die Deckschilde fast doppelt
länger als breit, seitlich stark zusammengedrückt, daher der
Körper merklich gestreckter und schlanker als bei den
verwandten Arten ; die Schultern eckig heraustretend, die
Punktstreifen ziemlich fein, von der Wurzel bis über die
Mitte hinaus unregelmässig verdoppelt, dadurch in leichte
Furchen eingedrückt, welche auf dem letzten Drittel bei
der Bildung von einfachen aber kräftigeren Streifen sich
mehr vertiefen, und die Zwischenräume in leichter Wöl-
bung hervortreten lassen. Die Oberfläche lackglänzend,
die Farbe ein sehr helles Rostgelb, mit einer Unzahl
kleiner runder, regellos verbreiteter, auch nicht auf bei-
den Flügeldecken gleichmässiger und fast nirgends zu-
sammenfliessender gelblichweisser Tropfen bestreut, von
denen sich sogar auf dem ' umgeschlagenen Rande eine
Längsreihe vorfindet. Unterseite und Schenkel schmutzig
lehmgelb, mit massigem Glänze, die Schienen und Füsse
schwärzlich mit heller durchscheinenden Fussgliedern.
Die Hinterschenkel nicht so stark verdickt als bei Bl.
stolida und meticulosa, weshalb sich ihr Innenrand vor
den Knien auch nur in sanfter Biegung verschmälert.
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen 325
ohne hier einen zahnartigen Absatz zu bilden: die Schie-
nen aller Beine am unteren Ende leicht zusammenge-
drückt, nur sehr wenig — und am kenntlichsten noch an
den Hinterbeinen — erweitert, aber gleichfalls ohne die
bei den meisten anderen Arten der Gattung mehr oder
weniger deutlich hervortretende Zahnbildung. Zu weite-
rer generischer Trennung würde sich übrigens diese letz-
tere Eigenthümlichkeit um so weniger eignen, als der
Bau dieser Theile überhaupt bei den verschiedenen Ar-
ten manchen Verschiedenheiten unterworfen ist ; so z. B.
zeigt sich der Zahn an den Mittelschienen der vorgedach-
ten Boheman'schen Art ungleich stärker als bei Bl. sto-
lida Fab., während der Bau der Hinterschienen bei jener
kaum von dem der vorliegenden Cubanischen Art ab-
weicht. Der Dorn an der Spitze der Hinterschienen ist
bei der letzteren fein und kurz, daher nur bei günstiger
Beleuchtung wahrnehmbar; ebenso ist auch an den ge-
spaltenen Krallenhäkchen der innere Zahn merklich fei-
ner und kürzer als der äussere.
Eine vor Jahren einmal von Dr. Gundlach an
Hrn. Riehl in Cassel in einem einzelnen Stücke über-
sandte, in dessen letzten Sendungen aber nicht wieder
mitgekommene und daher wahrscheinlich auch nicht wie-
der aufgefundene Colaspis von Cuba ist mir nachträg-
lich von dem Herrn Besitzer zur Beschreibung mitge-
theilt worden, und deshalb im Jahrg. XXXII dieses Archivs
Bd. I. S. 324 einzuschalten als
64b. (110). C. nigricornis m. Purpurea subvi-
rescens profunde punctata, antennis (basi excepta) tibia-
rum apice tarsisque nigris, thorace lateribus rotundato,
elytris densius punctato-sulcatis, interstitiis convexis costae-
formibus. Long. 4^4'"; lat. 22/3'".
Noch etwas grösser als die grössten Stücke der bei-
den vorhergehenden Arten, und von denselben auch aus-
ser der Farbe des Körpers leicht an der schwarzen Fär-
bung von Fühlern und Beinen, so wie an der ganz ab-
326 Suffrian:
weichenden Sculptur der Deckschilde zu unterscheiden.
Die Farbe des ganzen Käfers ist ein schönes, dunkles,
etwas ins Veilchenblaue fallendes Purpurbraun, und zeigt
auf der Oberseite, namentlich der Deckschilde, einen leich-
ten, besonders bei schräger Beleuchtung stärker erschei-
nenden Anflug von Erzgrün ; abweichend davon sind nur
die Augen, der obere grössere Theil der Fühler von
deren viertem Gliede ab, die grössere Unterhälfte der
Schienen und die Füsse schwarz. Dabei ist der Kopf
grob aber nicht sehr dicht punktirt, zwischen den Au-
gen breit und seicht eingedrückt: an den fadenförmigen
Fühlern ist das zweite Glied eirund, die oberen fünf sind
ein wenig zusammengedrückt und dadurch erweitert, der
Fortsatz des Endgliedes ist kurz aber deutlich, und dabei
merklich dünner als das Endglied selbst; von den ein-
zelnen Gliedern ist auch hier das fünfte das längste, und
noch merklich länger als das zweite und dritte zusam-
mengenommen. Das kurze Halsschild ist an den Seiten
abgerundet, deutlich gerandet, Vorder- und Hinterecken
scharf, und erstere etwas aufwärts gebogen. Die Ober-
fläche grob punktirt, mit zwei deutlichen Quereindrücken,
je einem hinter der Mitte zunächst am Seitenrande. Das
Schildchen um die Hälfte länger als breit, die grössere
Vorderhälfte gleichbreit mit etwas ausgebuchteten Sei-
ten, der hintere Theil dann plötzlich im Bogen verschmä-
lert und kurz zugespitzt. Die Deckschilde gestreckt, hin-
terwärts viel flacher abfallend als bei den vorhergehen-
den Arten, von den Schultern ab sich in sehr flachem
Bogen verschmälernd ; die Naht in eine kurze Spitze
ausgezogen, die halb eiförmigen Schulterbeulen eckig
heraustretend. Die Oberfläche dicht punktirt, die Zwi-
scheni'äume der ursprünglich angelegten, aber nicht mehr
recht erkennbaren Punktstreifen als kräftige, glänzende,
rundlich - leistenförmige Längsrippen emporgehoben , de-
ren, die gleichfalls erhöhte Naht ungerechnet, auf jeder
Flügeldecke acht vorhanden sind. Von diesen ist die
siebente nach vorn abgeschwächt und am Vorderende ganz
erloschen , die achte feiner als die übrigen, mit ihrem
Vorderende schlag auf die Schulterbeule zulaufend, von
Verzeichn. d. auf d. Insel Cuba gesammelt. Chrysomelinen. 327
den oberen sechs brechen die vierte und fünfte auf der
Wölbung ab, wahrend die drei inneren mit dem Hinter-
ende der sechsten sich erst an der Spitze in einem regel-
losen Punktgewirre verlieren. Zwischen diesen Rippen
erscheinen dann die ursprünglich vorhanden gewesenen
Punktstreifen in Gestalt vertiefter Längsfurchen, die sich
wegen der abnehmenden Breite der Flügeldecken hinter-
wärts verengen und dadurch die Punktirung zumal zu-
nächst an der Naht wieder zu unregelmässigen Streifen
zusammendrängen, während dieselbe nach vorn hin den
Rücken entlang ebenso unregelmässige, aber verdoppelte
und verdreifachte Streifen bildet, ausserhalb der vierten
Rippe aber sich so dicht zusammenschiebt, dass hier auf
der erweiterten Fläche zwischen den Rippen gar keine
Streifenbildung mehr erkennbar ist. Ausserdem zeigt jede
Flügeldecke noch hinter dem ersten Viertel der Länge
einen tiefen Quereindruck, welcher sich, wenn gleich ab-
geschwächt, seitlich hinter der Schulterbeule bis zu dem
umgeschlagenen Seitenrande abwärts zieht. Die Unter-
seite ist mit den Schenkeln glänzend und etwas heller
geröthet als die Oberseite, die Hinterbrust spiegelglatt,
der Hinterleib mit den Schenkeln fein- und dabei letztere
ziemlich dicht punktirt; die Mittel- und Hinterschienen
unterwärts messerförmig verbreitert, gleichfalls dicht punk-
tirt, kurz anliegend greishaarig, auf der breiten Aussen-
fläche mit einer feinen erhöhten Längslinie besetzt. Die
untere Hälfte der Schienen mit nach oben verwaschener
Begränzung geschwärzt, ebenso die Fussglieder schwärz-
lich; an den Hinterschienen tritt diese dunklere Färbung
jedoch nur auf der Aussenseite besonders bemerkbar her-
vor. Der letzte ßauchring des einzigen vorliegenden
Stückes ist am Hinterrande bogig ausgeschnitten und vor
diesem Ausschnitte quer niedergedrückt.
Eine vor Jahren mir von Moritz Wagner mitge-
theilte, so viel ich weiss noch nicht beschriebene Art aus
Costa rica (Colaspis deleta m.) steht der vorbeschrie-
benen Art zwar sehr nahe, unterscheidet sich jedoch von
derselben genugsam durch ein glattes Halsschild, feinere
Punktirung und schwächere, hinterwärts fast (. rhiscUende
328 Suffrian: Verz. d. auf d. Ins. Cuba ges. Chrysomelinen.
Rippenbildung der Deckschilde, hellere Färbung der Füh-
lerwurzeln und den Mangel des metallischen Anflugs auf
der mehr ins Blutröthliche fallende Oberseite des Kör-
pers, so dass ich an deren specifischer Verschiedenheit
nicht zweifeln kann.
(Der Schluss folgt im nächsten Jahrgange.)
A
A
K-
lieber Baianus armatus und einen Bastard dieser Art
und des Baianus improTisus yar. assimilis Darw.
Von
Fritz Müller.
(Hierzu Taf. VII-IX.)
I.
Darwin hat bei Acasta purpurata, die in der Rinde
einer Isis, so wie bei Acasta cyathus und sulcata, die in
Schwämmen leben, am äusseren Aste des vierten Paares der
Rankenfüsse den vorderen Rand einiger der unteren
Glieder mit starken abwärts gekrümmten Zähnen be-
wehrt gefunden, durch welche, wie er glaubt, diese Glie-
der in kieferähnliche Gebilde verwandelt und wunderbar
passend werden, irgend welche Beute zu fassen. (Dar-
win, Balanidae S. 84 und S. 311.) Von keinem anderen
Rankenfüsser ist bis jetzt eine ähnliche Bewaffnung be-
kannt geworden.
Als ich zum ersten Male in einen Schwamm einge-
bettete Balaniden traf, sah ich mich natürlich sofort nach
dieser Bewaffnung um und hatte die Freude, beide Aeste
eines der Rankenfüsse mit ähnlichen aber in weit grösse-
rer Zahl entwickelten Zähnen ausgerüstet zu finden.
Allein bei näherer Untersuchung ergab sich zu meiner
grossen Ueberraschung, dass bei meiner Art nicht das
vierte sondern das dritte Paar die Zähne trug und dass
dieselbe keine Acasta war, sondern ein ächter Baianus
mit porösen Wänden und poröser Basis, im Gehäuse kaum
zu unterscheiden von ßalanus trigonus Darw.
330 Müller:
Vorkommen. Dieser Baianus armatuSj wie ich
ihn wegen der reichen Bewaffnung seiner Ranken nenne,
lebt fast ausschliesslich in Schwämmen. Die drei ersten
aufeinandersitzenden Gehäuse, zwei noch mit dem Thiere,
traf ich am Strande ausgeworfen und ziemlich abgerieben;
sie schienen nicht einem festen Körper aufgesessen zu
haben und an geschützten Stellen, besonders unter der
tief ausgehöhlten Basis des einen , fand sich lockere
Schwammmasse, die sich nach den Nadeln als einer hier
nicht seltenen grossen schwefelgelben Papillina entstam-
mend bestimmen Hess. Da indess diese Papillina, (und
vielleicht überhaupt die ganze Gattung Papillina Schmidt)
nichts anderes ist, als eine Vioa, die sich in Schnecken-
häusern und anderen Kalkgebilden ansiedelt, sie durch-
löchert und mit der Zeit fast ganz verzehrt, um endlich
sie weit überwuchernd zu kuchenförmigen Massen anzu-
wachsen, die bis über einen Fuss Durchmesser erreichen
können, so blieb es zweifelhaft , ob in diesem Falle der
ßalanus den Schwamm oder der Schwamm den Baianus
aufgesucht hatte und dies um so mehr , da die Gehäuse
mehrfach von dem Schwämme angefressen waren. — Spä-
ter habe ich den Baianus armatus oft und zahlreich in
einer Reniera wiedergefunden, die in Gestalt, Farbe und
Nadelform der Reniera aquaeductus Schmidt nahe steht
und sich besonders durch ihr sehr entwickeltes, so leicht
wie beim Badeschwamm auswaschbares Fasergerüst aus-
zeichnet. Sehr selten (nur einmal traf ich bis jetzt drei
Stück), ist der Baianus in einem unserer gemeinsten
Schwämme, der als dunkelrothe mit steilen zackigen Berg-
gipfeln besetzte Masse ganze Felswände überzieht und
in seinen Hartgebilden an Reniera digitata Schmidt sich
anschliesst. — Um so häufiger ist er dagegen an einem
achtstrahligen Polypen, Carijoa rupicola F. M. ^), der etwa
1) Carijoa rupicola (Fig. 56). Der ganze bis 0,15 Meter hohe,
gerade aufsteigende oder leicht gebogene, etwa 2 Mm. dicke Stamm
des Polypenstocks wird gebildet von einem einzigen Polypen, der
seine Tentakel am Ende desselben entfaltet und dessen Leibeshöhle
den ganzen Stamm durchzieht. Der Polyp kann sich ins obere
lieber Bai. armatus u. einen Bastard dieser Art. 331
mannstief unter dem mittleren Wasserstande an einem
einzeln stehenden Felsen (nicht weit vom Ufer am Süd-
Ende des Stammes zurückziehen. Dieser znrückziehbare Theil ist
schneeweiss. Die gefiederten Tentakel laufen in einen dünnen End-
faden aus, der knotig erscheint, wie ihre schlanken seitlichen An-
hänge. Unterhalb des Tentakelkranzes finden sich einige zarte Kalk-
nadeln. Die das Magenrohr umgebenden Scheidewände setzen sich
durch die ganze Länge des hohlen Stammes fort als acht schwach
vorspringende Längslinien; zwei derselben, die nebeneinanderliegen,
tragen einen wellig gebogenen häutigen Saum mit verdicktem Rande,
in welchem sich ebenfalls in der ganzen Länge des Stammes die
dunkelgefärbten, bräunlich violetten Eier entwickeln. Die Wand des
Stammes ist unten bis etwa 0.5 Mm. dick; nach oben wird sie dün-
ner und biegsam ; im unteren Theile erscheint der Stamm glatt, im
oberen weicheren Theile von acht Längsfurchen durchzogen. Vor-
springende Kalknadeln fehlen. Die Wand erhält Festigkeit durch
dichtgedrängte Kalknadeln (Fig. 57) , die in der Achse parallelen
Ebenen in allen möglichen Richtungen gelagert sind, sie sind ge-
rade oder schwach gebogen mit mehr oder minder zahlreichen
Knoten unregelmässig besetzt, die einen sind länger (durchschnitt-
lich 0,25, einzelne über 0,5 Mm.), schlanker, glatter ; die anderen,
durch Zwischenformen in erstere übergehend, kürzer, plumper, mit
zahlreicheren, stärkeren Yorsprüngen besetzt. Letztere finden sich
stellenweise mit einander verschmolzen. — Von dem Stamme ent-
springen zahlreiche Aeste , meist 4 — 5 in nahezu gleicher Höhe ;
die grosse Mehrzahl derselben bleibt kurz (etwa 4 Mm. lang) und
einfach ; einzelne verlängern sich und treiben dann ihrerseits wieder
seitliche Zweige. Aeste und Zweige gleichen in ihrem Baue voll-
ständig dem Stamme. Jeder trägt am Ende einen Polypen und ist
von dessen Leibeshöhle durchzogen. Die Leibeshöhlen der einzel-
nen Polypen, die als Stamm, Aeste und Zweige den Polypenstock
zusammensetzen, stehen nicht mit einander in Verbindung. Vom
unteren Ende des Stammes entspringen dünnere Röhren , die als
Wurzeln dienen und wo sie glatten Flächen aufliegen, sich oft ab-
platten und verbreitern. Bisweilen verwachsen zwei benachbarte
Aeste oberflächlich mit einander; häufiger geschieht dies bei den
Wurzeln. — Am Lichte verbleicht die Farbe der getrockneten Polypen-
stöcke sehr rasch vollständig. Auch frisch sind einzelne Stöcke fast
farblos, andere aber auch weit dunkler gefärbt, als der Fig. 76 dar-
gestellte. — Der Name Carijoa ist abgeleitet von dem der Bewohner
unserer Insel zur Zeit der Entdeckung durch die Europäer, der Carijös.
— Ausser dem dottergelben Ueberzuge finden sich minder häufig
noch 4 oder 5 Reniera-Arten der Carijoa aufsitzend, dunkelroth,
332 Müller:
ende der Praia de fora) wuchert und dichte schwach ver-
ästelte bis 0,15 Meter hohe Gebüsche bildet. Den etwa
2 Mm. dicken fleischfarbenen Stamm dieses Polypen pflegt
ein dunkeldottergelber Schwamm mit stecknadelförmigen
Kieselnadeln als dünne Kruste zu überziehen und an sol-
chen schwammbedeckten Polypenstämmen fehlt nur sel-
ten der Baianus armatus; er sitzt da manchmal zu 10 — 12
dicht aneinandergedrängt und ist ebenfalls bis zur Mün-
dung von dem Schwämme überkleidet. — An demselben
Felsen leben noch vier andere Balaniden ; zu oberst, über
dem mittleren Wasserspiegel, Chthamalus stellatus, an
der unteren Grenze dieser Art und meist dicht von ihr
bedeckt, Tetraclita porosa, besonders an der Seeseite ; ein
wenig tiefer sitzen einige grosse Gehäuse von Baianus
tintinnabulum, dann folgt, bis ins Bereich der an der
Landseite des Felsens angesiedelten Carijoa hinabreichend,
Baianus improvisus var. assimilis. Letzteren findet man
auch in einzelnen Stöcken an Carijoa, bisweilen dem B.
armatus aufsitzend, oder ihm als Unterlage dienend. Ein
einziges Mal habe ich einen kleinen nur 8 Mm. hohen
B. tintinnabulum an Carijoa angetroffen.
Bisweilen, doch ziemlich selten, findet man B. ar-
matus an Felsen festgewachsen. Einmal traf ich zwei
Gehäuse in Gesellschaft von zahlreichen B. improvisus
var. assimilis an einer lebenden Purpurschnecke. End-
lich besitze ich zwei Stück, die neben einander auf
der Röhre einer Serpula (Eupomatus floribundus F. M.)
sitzen, welche dicht daneben zwei Gehäuse von B. im-
provisus var. assimilis trägt. Dieser gemeinste aller hie-
sigen Balanen findet sich bisweilen sogar in Reniera als
Begleiter des B. armatus vor.
Allgemeines Aussehen. Das Gehäuse des B.
armatus ist nach Gestalt und Farbe sehr wechselnd in
seinem allgemeinen Aussehen (Fig. 1 — 13). Zum grossen
blassviolett, grünlichgrau und schneeweiss gefärbt; man kann sich
nichts Bunteres denken, als ein solches gleichzeitig, wie ich es ge-
sehen habe, von all diesen Schwämmen durchsetztes und umhülltes
Carijoagebüsch.
lieber Bai. armatus u. einen Bastard dieser Art. 333
Theile ist, wie bei anderen Arten, so auch hier diese
Verschiedenheit bedingt durch die Unterlage, auf der sich
das Thier angesiedelt hat. Am regelmässigsten sind da-
her im Allgemeinen die in weiche Schwämme eingebet-
teten Gehäuse, deren Entwickelung nirgends auf Hinder-
nisse stösst. Man findet dieselben hier meist ^teil kegel-
förmig, bisweilen fast cyllndrisch (Fig. 11), den Längs-
durchmesser (vom Rostrum zum Kiel) meist etwas grösser
als den Querdurchmesser, Rostrum und Kiel ziemlich
gleich hoch, die Basis stets hohl und zwar meist in ho-
hem Grade. Hierin also stimmt B. armatus mit dem
verwandten B. spongicola überein und unterscheidet sich wie
dieser von den schwammbewohnenden Acasta, bei denen
die Basis mit starker Wölbung vorspringt. Selbst in Re-
niera aber fehlen sehr abweichende Formen nicht; ich
habe Gehäuse gesehen, bei denen das Rostrum nur halb
so hoch und wieder andere (Flg. 12), bei denen es über
doppelt so hoch war, als der Kiel.
Besonders mannichfaltig ist die Gestalt der auf Ca-
rijoa sitzenden Gehäuse (Fig. 1—9 u. 13); sie ist verschie-
den, je nachdem sie längs oder quer, oder schief dem
Polypenstamme aufsitzen, der meist eine tiefe Furche in
der Basis bildet. Diese ist in der Richtung der Furche
verlängert und dies hat wieder EInfluss auf das ganze
Gehäuse, so dass noch In der Mitte der Höhe die Breite
von 2/5 bis Vs der Länge wechselt. Nicht selten sind die
einzelnen Gehäusstücke von sehr verschiedener Höhe,
bisweilen die sämmtlichen Stücke der einen Seite dop-
pelt so hoch als die der anderen (Fig. 6). Selten ist die
Furche der Basis zu einer vollständigen Röhre geschlos-
sen; so in Fig. 9, wo man zwischen Rostrura und Seiten-
stück die Oeifnung der In der Mitte der Basis beginnen-
den Röhre sieht, oder in Fig. 13, wo die Oeifnung oben
vom Seiten- und Kielseitenstücke, seitlich und unten von
Rostrum und Kiel begrenzt wird. — Einmal traf ich Ba-
ianus armatus der Spitze eines Zweiges aufsitzend (Fig. 5)
und hier bildete die Basis um den Zweig ein kegelförmi-
ges Rohr, länger als die halbe Höhe des Gehäuses; der
Durchmesser der Basis war nur halb so gross als die
334 Müller:
Länge der Mündung. In anderen Fällen wieder (Fig. 8)
ist die Basis über doppelt so lang als die Mündung. x\uch
in der Mitte bauchig aufgetriebene Gehäuse kommen vor
(Fig. 2 u. 9). Eine besonders auffallende Form ist die,
welche ich Fig. 13 (A von hinten^ ß von der Seite) ge-
zeichnet habe. Das Gehäuse sitzt quer auf dem Carijoa-
stamme. Rostrum und Kiel sind ungewöhnlich breit,
fast gleichseitig dreieckig; sie umfassen den Stamm und
stossen unter ihm auf einer Seite in einer scharfen Kante
zusammen; dagegen sind die Wände der Seiten- und
Kielseitenstücke nur ganz schmale Streifen. Doch man
müsste hundert und aber hundert andere und wieder an-
dere Formen zeichnen, wenn man die ^lannichfaltigkeit
dieser an Carijoa angesiedelten Balancn erschöpfen wollte.
Vorherrschend ist indess auch hier und ebenso bei den
an Felsen sitzenden Gehäusen eine steile Kegelform. Die
beiden an Purpura beobachteten Gehäuse waren flacher
als gewöhnlich, ihre Wände minder steil, die Basis grös-
ser im Vergleiche zur Mündung.
Die Oberfläche der Wände ist meist glatt, seltener
mit unbedeutenden Längsrippen versehen; stärkere Rip-
pen pflegen die an Felsen sitzenden Gehäuse zu haben. Die
Farbe der Wände ist bald ganz blass, bald sind sie hel-
ler oder dunkler schmutzig bräunlich purpurn gestreift.
Die Radien pflegen eine mehr oder minder deutliche
schmutzige Purpurfarbe zu zeigen. Nicht selten zeigt
sich eine aufl'allende Farbenverschiedenheit zwischen den
beiden Seiten desselben Gehäuses; kann man hierbei an
den Einfluss des Lichtes denken, so ist diese Erklärung
nicht anwendbar auf eine Gruppe von drei Gehäusen,
von denen das unterste grösste ungewöhnlich dunkel ge-
färbt, das zweite daraufsitzende fast weiss ist, und das
dritte jüngste, das dem zweiten aufsitzt, besonders deut-
liche weissliche Rippen und dazwischen hellbraune Streifen
hat. Die Scheide ist blass ; die Deckelstücke bald blass,
bald dunkel, meist aber wenigstens nach der Spitze zu
röthlich.
Die Oberhaut fand ich nie an den Radien, selten in
Spuren am unteren Theile der Wände erhalten: doch be-
TJeber Bai. armatus u. einen Bastard dieser Art. 335
sitze ich ein Exemplar ans Reniera, dessen Wände noch
vollständig von einem gelblichen Häutchen bedeckt sind
und dessen Radien ausserdem durch ihre weisse Farbe
sich auszeichnen (Fig. 11).
So verschieden nun in Gestalt und Färbung die
Gehäuse des Bai. armatus auch sein mögen, so stimmen
sie doch alle vollständig überein in der eigenthümlichen
Form ihrer Mündung, die an die des Bai. trigonus erin-
nert, aber abweichend von letzterer Art stets deutlich
gezähnt ist ^). Die Radien sind immer schief, am meisten
die des Rostrum; ihre freien Ränder pflegen mit der
Wand des Rostrum einen Winkel von etwas unter, mit
der des Seitenstücks von etwas über 60^ zu bilden und
etwa in der Mitte den Alae des Seitenstücks zu begeg-
nen. Ebenso begegnen sich etwa in der Mitte die Rän-
der der Radien des Seitenstücks und der Alae des Kiel-
seitenstücks , während die Ränder der Alae des Kiels
erst dicht an den Wänden der Kielseitenstücke auf deren
Radien stossen. Wie die Zähnelung der Mündung, so
sieht man als zweite Eigenthümlichkeit an allen wohler-
haltenen Gehäusen, dass das Rostrum an der Mündung
etwas nach innen gebogen ist. Betrachtet man die Mün-
dung von oben (Fig. 14), so tritt die Zähnelung derselben
nicht hervor und man sieht dann auf die grösste Breite
der Mündung als Basis einerseits ein gleichschenkliges
Dreieck aufgesetzt, dessen Spitze mit einem Winkel von
50 — 54'^ von dem Kiele gebildet wird, andererseits ein
niedriges Trapez, dessen ein wenig nach innen gebogene
kleinere Basis die Radien des Rostrum bis zu ihrem Kreu-
zungspunkte mit den Alae der Seitenstücke bilden. Die
Seiten des Dreiecks reichen von der Spitze des Kiels bis
nahe an die Spitzen der Seitenstücke ; die Höhe des Tra-
pezes ist etwa V4 ^^^ ^^r des Dreiecks, die Höhe des
1) Die einzige, aber wohl nur scheinbare Ausnahme bilden
die drei Gehäuse, die ich am Strande ausgeworfen gefunden habe;
ihre Mündungen sind ganzrandig und ungezähnt; doch glaube ich,
dass sie ihre Zähne erst beim ümherroUen im Meere und in der
Brandung verloren haben.
336 Müller:
Dreiecks ungefähr seiner Basis^ der grössten Breite der
Mündung gleich. Die kleinere Basis des Trapezes misst
etwa 2/3 der grösseren. — Fünfeckige Mündungen, aus
einem Dreieck und einem Trapez gebildet, die die grösste
Breite der Mündung zur gemeinsamen Basis haben, kom-
men auch sonst bei Balanen vor, z. B. bei B. improvisus
var. assimilis ; eigenthümlich aber ist dem B. armatus die
geringe Höhe des Trapezes. Noch niedriger, fast ver-
schwindend, wird dasselbe bei B. trigonus, so dass hier
die Mündung wie ein gleichseitiges Dreieck mit zwei
leicht abgestumpften Ecken aussieht. — Legt man eine
Ebene durch die Spitze von Kiel und Rostrum, parallel
der durch die Spitzen der Seitenstücke gehenden Gera-
den, oder um es mehr praktisch als mathematisch auszu-
drücken, legt man ein Lineal in der angegebenen Rich-
tung auf die Spitzen von Kiel und Rostrum, so sieht man,
dass die Spitzen der Kielseitenstücke nicht ganz diese
Ebene erreichen, und dass die Spitzen der Seitenstücke
noch etwas weiter davon abstehen. Es muss auffallen, wie
ungemein selten und in wie geringerem Grade die Regel-
mässigkeit der Mündung durch die grössten Unregel-
mässigkeiten des Gehäuses gestört wird.
Grösse. In dem mit Reniera aquaeductus verwand-
ten Schwämme fand ich nur kleinere Gehäuse, deren
Durchmesser der Basis und deren Höhe selten 8 Mm.
erreichte; grösser werden sie an Carijoa oder an Felsen;
die grössten, die ich gesehen, sind die drei aus Papillina.
Hier einige Maasse;
IL m. IV. V. VI. VII.
I. Mittel aus 8 Messungen ; Gehäuse aus Reniera.
II. Mittel aus 5 Messungen ; Gehäuse an Carijoa
sitzend.
Ueber Bai. armatus u. einen Bastard dieser Art. 337
III. Mittel aus 5 Messungen ; Gehäuse an Felsen
sitzend.
IV. Mittel aus 20 Messungen, worunter die vorste-
henden 18 inbegriffen sind.
V. und YI. Zwei der Gehäuse aus Papillina, die
dem dritten leeren Gehäuse aufsitzen; V hat den Kiel,
VI das Rostrum der Mündung des unterliegenden Ge-
häuses zugewandt; indem nun bei ersterem das Rostrum
über 4mal so lang ist als der Kiel, bei letzterem der Kiel
fast 3mal so lang als das Rostrum, werden die Ebenen
der Mündungen aller drei Gehäuse nahezu gleichlaufend.
VII. Gehäuse, das einer Purpura aufsitzt.
S c u ta. Die Schilder sind sehr schmal ; der Schliess-
rand (occludent margin) ist fast oder völlig doppelt so
lang als der Basalrand, der Rückenrand (tcrgal margin)
wenig kürzer als der Schliessrand. Die Spitze ist meist
schwach aufwärts gebogen, die Aussenfiäche mit stark
vorspringenden Anwachsstreifen und 1 bis 6 Längsreihen
meist sehr tiefer, oft (Fig. 15) ansehnlich weiter Gruben
bedeckt. Bei 28 aufs Gerathewohl herausgegriffenen Thie-
ren fanden sich im unteren Theile der Schilder einmal
jederseits 2, achtmal 3, ebenso oft 4, einmal 5, einmal
6 Reihen; ferner 6mal auf dem einen Schilde 3, auf dem
anderen 4, zweimal einerseits 4, andererseits 5, endlich
einmal auf einer Seite 5, auf der anderen 6 Grubenreihen.
Eine einzige Reihe von Gruben habe ich nur bei den beiden
auf Purpura sitzenden Thieren gesehen. Auf der Innen-
seite des Schildes (Fig. 16) sieht man eine nicht sehr breite
Gelenkleiste (adductor ridge), die bis über die Hälfte
oder selbst bis zum unteren Drittel des Schildes reicht und
hier abgerundet oder mit einer kleinen Spitze endet. Die
Adductorleiste ist unbedeutend und reicht kaum weiter
als die Gelenkleiste nach unten. Bisweilen findet sich
eine sehr zarte scharfe Längsleiste zwischen Gelenk- und
Adductorleiste. Für den musculus depressor lateralis ist
eine meist schmale und tiefe Grube vorhanden. Nament-
lich bei grösseren Thieren sind die Schilder oft von un-
gewöhnlicher Dicke.
Terga (Fig. 17, 18). Diese stimmen ganz mit der
Archiv f. Naturg. XXXm. Jahrg. 1. Bd. 22
338 Müller:
von Darwin für Balanus trigonus gegebenen Beschrei-
bung überein. Die 6 — 7 Leisten für den musculus de-
pressor^) überragen nie den ßasalrand des Rückenstücks.
1) Darwin's Angaben über die Wirkung der drei Muskel-
paare, die vom Deckel nach dem Grunde des Gehäuses niedersteigen,
scheinen, mir nach dem, was ich namentlich an Tetraclita porosa ge-
sehen, nicht ganz richtig zu sein. Durch die depressores scnti la-
terales wird nach Darwin der Deckel geöffnet. Plötzliche Zusam-
menziehungen der depressores rostrales bewirken wahrscheinlich die
Schläge, die das Thier mit der schnabelförmigen Spitze der Terga
austheilt. Durch die gemeinsame Zusammenziehung der drei Paare
wird der Deckel mit überraschender Kraft niedergehalten. Gehoben
kann der Deckel nur werden durch den Druck des Körpers gegen
die Basis (Darwin, Balanidae S. 62).
"Versucht man den Deckel einer Tetraclita porosa aus dem
Gehäuse zu schneiden, so wird das Messer überall freien Weg finden
bis auf zwei einander gegenüberliegende Stellen in der Gegend der
Sporen. Hier liegt der Deckel der Scheide eng an; die Haut, die
die Basis des Deckels mit der Scheide verbindet, ist hier schmäler
und fester als sonst. So wird durch diese beiden Stellen eine frei-
lich etwas verschiebbare Achse gebildet, um die sich der Deckel
drehen kann. Man kann nun an frischen Thieren leicht die einzel-
nen Muskeln fassen und anziehen und so über ihre Wirkung Auf-
schluss erhalten. Wie schon die Befestigungsweise des Deckels er-
warten lässt, wird durch die depressores tergi der Kielrand der
Rückenstücke niedergezogen, dagegen die Rostralecke der Schilder
gehoben und der Schlussrand nimmt eine fast wagerechte Lage an
(Fig. 52). Diese Muskeln allein bewirken das kräftige Niederhal-
ten des geschlossenen Deckels; derselbe stützt sich dabei mit dem
Kielrande der Rückenstücke gegen die Scheide, die an dieser Stelle
mehr oder weniger deutliche ^Spuren der Abnutzung zu zeigen
pflegt. Durch die depressores scuti aber, die laterales sowohl als
die rostrales, wird die Basis der Schilder niedergezogen, der Kiel-
rand der Rückenstücke gehoben und der Schliessrand nimmt eine
mehr oder weniger steile Lage an (Fig. 53). Weil nun seine Spitze
weiter hervortritt, erscheint dabei der ganze Deckel gehoben; das
ist aber nur scheinbar; man kann dieses Erheben der Spitze auch
hervorbringen, indem man statt von innen an den depressores scuti
zu ziehen, von aussen die Rostralecke der Schilder niederdrückt. —
Ein Heben und Senken des ganzen Deckels findet überhaupt nur in
ziemlich beschränktem Masse statt; in wie weit dabei ein Anstem-
men des Körpers gegen die Basis mitwirkt, lasse ich unentschieden.
üeber Bai. armatus u. einen Bastard dieser Art. 339
Die Borstenreihen auf den Anwcaclisstreifen der Deckel-
stücke sind bei Baianus armatus, namentlich auf dem Schilde,
stärker entwickelt als bei den wenigen anderen Arten,
die ich vergleichen konnte. Kurz und zart sind sie auf
der Kielseite (Fig. 19), bis über 0,2 Mm. lang und zart
auf der Schildseite (Fig. 20) des Rückenstücks; von glei-
cher Länge, aber w^eit dicker und dichtgedrängt auf dem
Schilde (Fig. 21). Es wechseln längere und kürzere Bor-
sten, doch nicht als zwei scharf geschiedene Formen,
wie es z. B. bei Bai. improvisus var. assimilis (Fig. 22)
der Fall ist. Die Chitinstränge (tubuli Darw.) die von
den Borsten aus wellig gebogen die Deckelstücke durch-
setzen, verjüngen sich rasch zu zarten Fäden, die man
beim Zerzupfen der durch Säure entkalkten Deckelstücke
leicht aus der umgebenden Masse herauszieht ^).
Die Stücke des Gehäuses. Die Röhren, wel-
che die Wände durchziehen, sind ziemlich weit, im
obersten Theile dicht ausgefüllt , ohne quere Scheide-
wände. Die Innenfläche der Wände ist meist in ganzer
Länge, bisweilen nur unten längsgerippt. Die Radien
'sind aussen glatt, glänzend, mit feiner Streifung in dop-
pelter Richtung, die eine den Scheidewänden, die andere
Das Oeflfnen des Deckels wird, glaube ich, nur durch das An-
drängen des Thieres gegen die Deckelspalte hervorgebracht; die
depressores laterales können ihn nicht öffnen. Wie man sich leicht
an Deckeln überzeugt, die man mit der verbindenden Haut heraus-
genommen hat , drehen sich nämlich beim Oeffnen und Schliessen
die beiden Hälften des Deckels um eine durch die Rostralecke der
Schilder und die Kielecke der Eückenstücke gehende Achse- w^as
über dieser Achse liegt, entfernt sich beim Oeffnen von der Mittel-
linie; was darunter liegt, nähert sich derselben. Die depressores
scuti lateralis aber gehen von unterhalb der Drehungsachse gelege-
nen Punkten nach unten und etwas nach aussen, können also un-
möglich ihre Ansatzpunkte der Mittellinie nähern, wie es zum Oeff-
nen des Deckels nöthig wäre.
1) Bei Tetraclita porosa, wo die Chitinstränge bis zum Ende
ziemlich dick bleiben, sah ich aus deren Ende ein blasses Fädchen
hervorragen, als wenn ein Nerv in die Stränge einträte; zwischen
den Borsten und den Chitinsträngen scheint eine Art Gelenk zu
bestehen.
340 Müller:
der Naht (sutural edge) gleichlaufend ; die erstere Strei-
fung ist immer weit deutlicher; sie ist nicht bedingt
durch Vorspringen der Scheidewände. Bei den Radien
des Rostrum und der Seitenstiicke steht diese Streifung
ziemlich senkrecht auf der Wand der Seitenstücke, bei
den Radien der Kielseitenstücke senkrecht auf der Wand
dieser Stücke. Innen sind die Radien, so weit sie nicht
den Alae aufliegen, oft durch die vorspringenden Schei-
dewände feingerippt; meist sind diese Rippen sehr deut-
lich, bisweilen aber kaum wahrzunehmen und bisweilen
sind die Radien innen ganz glatt. An den Scheidewän-
den der Radien, deren Zwischenräume bis zur Naht dicht
ausgefüllt, aber oft durch röthliche Färbung von den
weissen Scheidewänden ausgezeichnet sind, habe ich keine
deutliche Zähnelung erkennen können. Die Nähte der
Alae sind glatt. Die Scheide hat einen scharfen, frei
nach unten vorspringenden Rand.
Basis. Die Basis ist porös. Nur in sehr seltenen
Fällen springt sie über den unteren Rand des Gehäuses
vor. Auch bei den in Schwämmen angesiedelten Thie-
ren sind die Kittr ö hr en (Fig. 54. 55) wohl entwickelt,
während sie von Darwin bei Acasta vermisst wurden.
Nach der Behandlung der Basis mit Säure erscheinen sie
als farblose, leere Röhren. Ihre Verästelung ist verschieden
bei verschiedenen Thieren, aber genau dieselbe für die
verschiedenen älteren und jüngeren Röhren desselben
Thieres, so dass also die Aeste jedes jüngeren Kreises
denen der älteren inneren gleichlaufen. Nicht selten kom-
men blind endende Ausläufer vor (Fig. 55, a. b). Am
Rande der Basis, den man selten wohlerhalten unter das
Mikroskop bekommt sah ich die Kittröhren in sehr feine
netzförmig verbundene Reiserchen sich theilen, ähnlich
wie es Darwin von Bai, tintinnabulum beschreibt und
abbildet (Darwin, Balanidae. PI. 28. Fig. 4, a).
Mund th eile. Die Oberlippe (Fig. 23) hat drei
nahe beisammen stehende Zähne zu jeder Seite des mitt-
leren Einschnitts. Die Kinnbacken (Fig. 24 — 26) ha-
ben vier deutliche Zähne; der fünfte fehlt bisweilen völ-
lig; meist aber ist er als kleiner Höcker über der unte-
lieber Bai. armatus u. einen Bastard dieser Art. 341
ren Ecke des Kinnbackens zu unterscheiden; ich habe
einmal bei demselben Thiere den fünften Zahn auf einer
Seite ungewöhnlich deutlich entwickelt gesehen, während
er auf der anderen vollständig fehlte. Die Kiefer ha-
ben einen geraden Rand, mit einer ganz winzigen Kerbe
(Fig. 27) unter den obersten Borsten, oder ohne eine
solche (Fig. 28). Für die untersten Borsten ist kein Vor-
sprung vorhanden. Die oberste und die beiden untersten
Borsten sind nur wenig länger als die längsten der mitt-
leren. Nur etwa ein Drittel des oberen Kieferrandes ist
behaart.
Rankenfüsse. Erstes Paar: der längere Ast
ist etwa doppelt so lang, als der kürzere, bisweilen noch
länger und hat fast doppelt so viel (18 — 20) Glieder; die
letzten Glieder sind bedeutend länger als die unteren,
walzenförmig und am Ende mit einem fast vollständigen
Kranze von Borsten besetzt. Der kürzere Ast hat meist
9 — 11 kurze Glieder mit dicht beborstetem Vorsprunge
an der Beugeseite, der an den mittleren Gliedern am be-
deutendsten ist.
Zweites Paar: Kurz, plump, dicht beborstet; der
vordere oder äussere Ast mit 11 — 13 Gliedern, etwa nnr
Vs — V4 länger als der innere; dieser ist 9 — 10-gliedrig
und etwa so lang, als der kürzere Ast des ersten Paares.
— An abgeworfenen Häuten und meist auch sonst sieht
man den längeren Ast gerade ausgestreckt, den kürzeren
leicht gekrümmt.
Drittes Paar: Vom Grunde dieses Fusspaars zieht
sich eine dicht mit langen dünnen Haaren besetzte Linie
nach dem Rücken in die Höhe. Ihrer Länge und Gestalt
nach halten die Ranken dieses Paares die Mitte zwischen
den kurzen und plumpen Ranken des vorhergehenden
und den langen schlanken Ranken der folgenden Paare.
Der unbedeutend längere vordere oder äussere x\st hat etwa
15 — 17 Glieder, der hintere 1 oder 2 weniger. Die Aeste
sind ungefähr so lang wie der längere Ast des ersten
Paares. Eine grössere oder geringere Zahl der Glieder
beider Aeste sind an der Beugeseite mit starken ge-
krümmten Zähnen bewaänet; bei jüngeren Thieren ist
342. Müller:
die Bewaffnung schwächer und auf einige der mittleren
Glieder beschränkt; bei grösseren Thieren pflegen nur
die beiden letzten Glieder des äusseren, die vier oder
fünf letzten Glieder des inneren Astes der Zähne zu ent-
behren. Immer ist die Bewaffnung des äusseren Astes
(Fig. 44) stärker als die des innern. — Diese hakig nach
abwärts gebogenen Zähne (Fig. 46) halten nicht nur den
oberen Theil des stark vorspringenden Randes der Beu-
geseite der Glieder besetzt, sondern erstrecken sich von
da aus, allmählich kleiner werdend und endlich in win-
zige Spitzchen übergehend, über einen grösseren oder
geringeren Theil der Aussenfläche der Glieder. Dieser
mit Zähnen und Haken besetzte Theil erhebt sich meist
als flache Wulst ein wenig über seine Umgebung. Aus-
ser den Zähnen der Beugeseite finden sich besonders an
den unteren Gliedern spitze nach oben stehende Dörnchen
an der Streckseite, einige ebenfalls aufwärts gerichtete
Dornen an der Aussenseite des oberen Randes und ebenda
oft mehrere Gruppen sehr zarter Spitzchen.
Die mittleren Glieder des äusseren Astes tragen nach
innen von dem Zahnbesatze zwei bis vier Borstenpaare;
zu diesen gesellt sich früher oder später eine erst ein-
fache dann mehrfache Reihe von Borsten am Innenrande
des oberen Endes der Glieder und endlich an den letzten
Gliedern ein dichter unregelmässiger Borstenbesatz, der
oft einen grossen Theil der Innenfläche bedeckt. Am
inneren Aste sind schon an den unteren Gliedern die
Borsten der Innenfläche zahlreicher.
Viertes bis sechstes Paar: Die Ranken der
letzten drei Fusspaare findet man selten alle unversehrt;
bald fehlt der einen, bald der anderen ein grösseres oder
kleineres Stück. Diese Verluste werden bekanntlich mehr
oder minder vollständig ersetzt, indem sich in den letz-
ten der gebliebenen Glieder eine Zahl von neuen Glie-
dern bildet und nach der nächsten Häutung in Thätig-
keit tritt. Die Häufigkeit solcher Verstümmelungen er-
laubt kaum, etwas über die Gliederzahl dieser Ranken zu
sagen. An den letzten Paaren kann dieselbe bis über
45 steigen, und ihre Länge ist oft mehr als 3mal so gross,
üeber Bai. armatus u. einen Bastard dieser Art. 543
als die des dritten Paares. Die Glieder aller dieser
Ranken sind dünner, aber weit länger als die der vorde-
ren Paare ; die oberen Glieder tragen an der Beugeseite
fast immer vier Borstenpaare, am vierten Fusspaare manch-
mal nur drei.
Am vierten Fusspaare pflegt die Rückenseite des er-
sten Gliedes des äusseren Astes mit ziemlich starken auf-
v^ärts gerichteten Zähnchen bewehrt zu sein; an den mitt-
leren Gliedern beider Aeste, besonders aber des äusseren,
findet man meist ausser den kurzen spitzen Dornen an der
Aussenseite des Endrandes in deren Nähe noch mehr
oder minder zahlreiche aufwärtsgerichtete Dornen über
die Aussenfläche des Gliedes zerstreut; in seltneren Fäl-
len verwandeln sich diese Dornen am äusseren Aste in
abwärts gerichtete schwach gekrümmte Zähne, so dass
dann (Fig. 47) eine ähnliche aber freilich weit schwächere
Bewaffnung entsteht, als am dritten Paare.
Das fünfte Fusspaar ist ausgezeichnet durch einen star-
ken, etwas gekrümmten, aufwärtsgerichteten Zahn (Fig. 48),
der am Anfange der Rückenseite des zweiten Stielglie-
des steht; meist folgt ihm noch ein ähnlicher kleinerer
Zahn, seltener deren zwei (Fig. 48), oder gar keiner.
Am sechsten Fusspaare sind die Stielglieder und
die ersten Glieder der Ranken auf der Rückenseite mit
sehr zahlreichen kurzen, anliegenden, aufwärtsgerichteten
Spitzchen bedeckt.
Ruthe. Am Grunde der Ruthe, zwischen ihr und
dem After, ist der gewöhnliche kegelförmige Fortsatz
vorhanden ; die Ruthe, zu mehrfacher Länge der Ranken
ausdehnbar, ist nur mit wenigen kurzen Haaren besetzt.
Eier: 0,17 Mm. lang; 0,09 Mm. dick. An den Lar-
ven finde ich nichts Besonders, sie sind denen von Te-
traclita porosa sehr ähnlich.
Verwandtschaft. Der nächste Verwandte des
Baianus armatus ist B. trigonus. Ob überhaupt ersterer
nicht besser als blosse Abart zu betrachten und als B.
trigonus var. armatus zu bezeichnen sei, wird nur nach
Vergleichung mit zahlreichen Exemplaren des B. trigo-
nus von verschiedenen Fundorten zu entscheiden sein.
344 Müller:
Doch lässt sich für seine Artberechtigung anführen, dass
B. trigonus bisher nur im indischen und stillen Meere
und nicht im atlantischen, dass er nur an Schalen von
Weichthieren und an Holz und nicht in Schwämmen ge-
funden wurde; dass bei ß. trigonus das Gehäuse meist
flach und gerippt, die Mündung ganzrandig und fast
gleichseitig, bei B. armatus das Gehäuse meist steil ke-
gelförmig und glatt, die Mündung stets deutlich gezähnt
und fünfeckig ist; dass die Schilder beiB. armatus schmäler
sind, dass die bei B. armatus nie vermisste, beim ersten
Blick in die Augen fallende Bewaffnung des dritten Fuss-
paares von Darwin bei B. trigonus ebensowenig er-
wähnt wird, als der ebenfalls bei B. armatus stets vor-
handene starke Zahn am Stiele des fünften Paares.
Die auf Carijoa sitzenden Gehäuse erinnern biswei-
len, bei vorwaltender Entwickelung in die Länge, be-
sonders wenn zugleich die Basis etwas vorspringt, im
allgemeinen Aussehen an die auf Gorgonien lebenden
Arten, die bei Darwin die Section B. der Gattung Ba-
ianus bilden; doch ist diese Aehnlichkeit eben nur Folge
der ähnlichen Befestigungsweisc und kaum Zeichen einer
näheren Verwandtschaft. — Im Uebrigen gilt von unse-
rer Art, was Darwin über die verwandtschaftlichen Be-
ziehungen des B. trigonus sagt.
Bedeutung der Bewaffnung der Ranken.
Wenn auch nicht in gleich mächtiger Weise entwickelt,
findet sich eine ähnliche Bewaffnung der Ranken mit
Dornen und Spitzchen doch auch bei anderen Balanen.
Bei einzelnen Exemplaren von B. improvisus var. assimilis
finden sich diese sonst aufwärts gerichteten Dornen an der
Aussenseite der Glieder des dritten (Fig. 50) und vierten
(Fig. 51) Fusspaares sogar nach abwärts und rückwärts
gerichtet, wie bei B. armatus. — Man findet diesen Besatz
mit Dornen und Spitzchen fast ausschliesslich an den dem
Rande der Deckelspalte zugewandten Flächen; so an der
Aussenseite der mittleren Paare und an der Rückenseite
des letzten Paares. An dieser Stelle können sie nicht
zum Fange irgend welcher Beute, sondern kaum zu etwas
Anderem dienen, als zum Reinhalten der Deckelspalte.
lieber BaL armatus u. einen Bastard dieser Art. 345
Man sieht in der That an lebenden Thieren, dass gerade
die Ranken des dritten und vierten Paares, deren Aus-
senflächen besonders reich bedornt sind, beim Vorstrecken
und Einziehen der Ranken dicht am Rande der Deckel-
spalte hinstreichen.
Dass nun gerade bei schwammbewohnenden und
sonst keineswegs einander nahestehenden Arten diese
BewaffnuDg zu mächtigen gebogenen Zähnen entwickelt ist,
weist auf einen Zusammenhang zwischen der eigenthüm-
lichen Bewaffnung und dem eigenthümlichen Aufenthalts-
orte hin, und es liegt die Vermuthung nahe, dass die
Zähne dazu dienen, die rasch wuchernde Schwammmasse
zu zerreissen und zu entfernen, welche die Mündung des
Gehäuses zu überwachsen droht. Bemerkenswerth ist
dabei der Umstand, dass bei Acasta die Zähne am äus-
seren Aste des vierten, bei ßalanus armatus an den Ae-
sten des dritten Fusspaares stehen. Man könnte diesen
Umstand in ähnlicher Weise zu Gunsten der Darwin'-
schen Ansicht von der Entstehung der Arten verwerthen,
wie die verschiedene Bildung des hinteren Eingangs zur
Kiemenhöhle bei den verschiedenen luftathmenden Krab-
ben ^). Baianus armatus ist weit näher mit anderen nicht
schwammbewohnenden Balanen verwandt, als mit Acasta;
B. armatus und spongicola einerseits, die Acastaarten an-
dererseits können somit die Gewohnheit sich in Schwäm-
men anzusiedeln nicht von einem gemeinsamen Urahnen
geerbt haben. Einrichtungen, die auf diesen eigenthüm-
lichen Wohnplatz sich beziehen, müssen sich unabhängig
von einander bei den einen und den anderen gebildet
haben und es kann daher nicht befremden, dieselben bei
Baianus armatus und bei Acasta an verschiedenen Stellen
des Leibes entwickelt zu linden.
II.
Die Balanen galten bis vor Kurzem allgemein als
sich selbst befruchtende Zwitter. Dass indess wenigstens
1) Siehe Fritz Müller, Für Darwin. Leipzig 1864. S. 20.
346 Müller:
nicht in allen Fällen Selbstbefruchtung stattfindet, wurde
durch eine merkwürdige Beobachtung Darwin's bewie-
sen, der bei mehreren ßalanus balanoides die Ruthe ver-
stümmelt und geschlossen und nichts desto weniger in
deren Gehäusen wohlentwickelte Larven fand (Darwin
Balanidae S. 101). Mir ist es schon lange zweifelhaft ge-
wesen, ob überhaupt die Selbstbefruchtung Regel sei.
Wozu die oft den dreifachen Durchmesser des Gehäuses
übertreffende Länge der Ruthe, wenn dieselbe ausserhalb
des Gehäuses nichts zu suchen hat ? — Einige neuer-
dings gemachte Beobachtungen haben mich in diesem
Zweifel bestärkt.
Man weiss, dass die Balanen sehr empfindlich gegen
das Licht sind ^), dass sie ihre Ranken sofort einziehen
und den Deckel schliessen, sobald man z. B. mit der
Hand zwischen ihnen und dem Fenster hinfährt. Merk-
würdig ist dabei, dass einzelne Thiere viel scheuer, andere
wieder dreister sind, dass erstere immer sich länger ge-
schlossen halten, letztere sich rascher hervorwagen und
sogar an das in regelmässigen Zwischenräumen wieder-
holte Vorüberfahren der Hand sich gewöhnen. Aehnliche
geistige Verschiedenheiten fand ich auch, beiläufig be-
merkt, zwischen den Thieren einer Gruppe von Eupoma-
tus floribundus. — Als ich nun einmal, diese Beobachtun-
gen wiederholend, dem Spiele der Ranken einiger Baia-
nus armatus zusah, die ich frisch von Carijoa genommen
und von ihrem Schwammüberzuge gesäubert hatte, sah
ich, wie einer derselben plötzlich mit dem Schlagen der
Ranken aufhörte, sie einige Secunden unbeweglich und
1) Die Empfänglichkeit der Balanen gegen Lichteindrücke ist
nicht abhängig von den durch Leid y entdeckten Augen. Ich hatte
einen grossen Bai. tintiunabulum lebend aus seinem Gehäuse ge-
nommen und von dem Deckel abgelöst, mit welchem die Augen in
Verbindung blieben. Derselbe lag in einem Teller mit Wasser mit
halbentrollten Ranken. So oft ihn der Schatten der Hand traf,
rollte er mit einer plötzlichen Bewegung die Ranken ein. Bei B.
tintinnabulum sind die Augen sehr deutlich; bei B. armatus habe
ich sie noch nicht gefunden und die geringere Grösse der letzteren
Art trägt daran nicht Schuld ; denn auch bei kleineren B. tintin-
nabulum sind sie sehr leicht nachzuweisen.
lieber Bai. arraatus u. einen Bastard dieser Art. 347
weit ausgespreizt hielt, und wie während dessen die Ruthe
sich zu äusserster Länge vorstreckte und wie tastend
oder suchend herumfuhr. Ich beunruhigte nun meine
Thiere nicht weiter mit dem Schatten der Hand, um wo
möglich dieses neue Schauspiel sich wiederholen zu sehen
und in' der That sah ich bald aufs Neue nicht nur bei
diesem, sondern noch bei drei oder vier anderen Thie-
ren mehrmals dieselbe p]rscheinung. Ich legte nun diese
brünstigen Thiere dicht nebeneinander, um ihnen eine ge-
genseitige Begattung zu erleichtern; allein so oft die
langgestreckte Ruthe in den Bereich der Ranken eines
Nachbars kam, wurde sie von denselben hin- und herge-
schleudert, ohne dass dieser still hielt, um ihr Einlass
zu gewähren. Darauf untersuchte ich zwei der Thiere
und fand den ganzen Ruthenkanal dicht mit Samen ge-
füllt, aber bei beiden auch Eier, die bereits die Furchung
durchgemacht hatten, also einer Befruchtung nicht mehr
bedurften. Bei einer solchen Füllung der Ruthe hatte
wohl, indem sie sich zu äusserster Länge ausdehnte, Same
ausgetrieben werden müssen, (was ich auf einem weissen
Teller nicht hatte sehen können) ; zugleich war aber bei
der Länge der meist in seitlicher Richtung sich aus-
streckenden Ruthe dieser Same dem durch die eigenen
Ranken erzeugten Strudel entzogen und nachbarlichen
Thieren, die dessen bedürfen mochten, anheimgegeben
worden. — AufFallenderweise habe ich die damals gleich-
zeitig an vier oder fünf Thieren gemachte Beobachtung
noch nicht wiederholen können, obwohl ich mehrfach
bei zahlreichen frischen Thieren mich danach umgese-
hen habe.
Die zweite Beobachtung, die zu beweisen scheint,
dass zuweilen sogar eine Befruchtung zwischen verschie-
denen Arten von Baianus vorkömmt, ist die folgende:
Unter den an Carijoa erbeuteten Balanen, die ich nach
dem ersten Anblicke als Bai. improvisus var. assimilis
bestimmt hatte, war mir einer (Fig. 29) durch etwas röth-
liche Färbung aufgefallen, wie ich sie sonst nie bei die-
ser unendlich häufigen Art gesehen hatte. Als ich ihn
näher ansah, fand ich statt der schmalen mit einem gelb-
348 Müller:
liehen Häutchen bedeckten Rcidlen des Bai. assimilis, (wie
ich im Folgenden der Kürze wegen statt Bai. improvisus
var. assimilis sagen will), die wohlentwickelten glänzenden
Radien des Bai. armatus mit ihrer eigenthümlichen Strei-
fung. Dabei war aber die Form der Mündung, das An-
sehen der Schilder und der Wände mit ihren durchschei-
nenden Streifen und den bei der röthlichen Färbung
doppelt deutlichen Querwänden ihrer Röhren ganz wie
bei Bai. assimilis. Unter Hunderten von Bai. armatus
hatte ich nie entfernt ähnliche Wände, Mündung, Schil-
der, unter ungezählten Tausenden von Bai. assimilis nie
entfernt ähnliche Radien getroffen ; — ich konnte nicht
umhin, mir allen Ernstes die Frage vorzulegen, ob ich
nicht einen Bastard der beiden Arten vor mir habe, de-
ren Eigenthümlichkeiten hier so wunderbar vereinigt
waren. Ich habe später noch drei dieser vermuthlichen
Bastarde getroffen ; zwei derselben sassen wie der erste
unmittelbar auf Carijoa, der dritte (Fig. 30) auf einem
Bai. assimilis ; umgekehrt sass einem der anderen ein Bai.
assimilis auf. Eine nähere Untersuchung dieser vier Thiere
ergab nun Folgendes :
xlllgemeines Aussehen. In der Form der
deutlich gezähnten Mündung (Fig. 31), deren grösste Breite
beinahe in die Mitte zwischen Kiel und Rostrum fällt, in
den durchscheinenden Streifen der glatten Wände und der
eigenthümlichen in Worten schwer wiederzugebenden
Krümmung ihrer Ränder glichen alle vier Thiere dem
Bai. assimilis, in der Bildung der Radien, bis auf den
etwas schiefer verlaufenden Rand, dem Bai. armatus. Die
Färbung war bei einem etwas röthllch, bei den übrigen
fast weiss, bei zweien im unteren Theile des Gehäuses
gelblich. Zufällig, in Folge ihrer Befestigungsweise, war
bei allen die Basis weit länger als breit und das Rostrum
höher, bei einem über doppelt so hoch als der Kiel.
Grösse. Mittel aus den Massen der vier Gehäuse:
Länge der Basis 7,1 Mm.; Breite derselben 3,7 Mm. ; Länge
der Mündung 4,3 Mm. ; Breite derselben 3,4 Mm. ; Höhe
des Rostrum 8 Mm. ; des Kiels 4,4 Mm.
Scuta (Fig.oS. 34). Der Basalrand der Schilder
üeber Bai. armatus u. einen Bastard dieser Art. 349
hat über ^4 ^^^ Länge des Schliessrandes und ist sogar
länger als der Rückenrand ; auf der Aiissenfläche , die
keine Spur von Gruben oder Längsstreifen zeigt, springen
die Anwachsstreifen nur massig vor; auf der Innenseite
ist eine starke Adductorleiste vorhanden, die nach oben
mit der Gelenkleiste verschmilzt und nach unten fast bis
zum Basalrande zu verfolgen ist. Die Grube für den
depressor lateralis ist flacher und mehr rundlich, als bei
Bai. armatus Rögel ist.
Terga (Fig. 35. 36). Die Rückenstücke sind -wie
die Schilder, denen des Bai. assimilis weit ähnlicher als
denen des Bai. armatus, und von ersteren kaum durch
den etwas breiteren Sporn verschieden. Sie sind breiter
als bei Bai. armatus ; der Sporn, der noch nicht Vs der
Breite der Basis einnimmt, ist fast um seine eigene Breite
vom Schildrande entfernt ; eine flache Längsrinne nimmt
fast die ganze Breite des Spornes ein. Die Leisten für den
depressor carinalis sind sehr stark entwickelt und überra-
gen den Basalrand.
Besonders neugierig war ich auf die Behaarung der
Deckelstücken, da hierin Bai. armatus und assimilis sehr
von einander abweichen ; bei B. armatus stehen kurze
zarte Haare auf der Kielseite (Fig. 19), lange schlanke
Haare auf der Schildseite (Fig. 20) der Rückenstücke,
lange starke dicht gedrängte Haare (Fig. 21) auf den
Schildern; bei Bai. assimilis (Fig. 22) finden sich überall
mit je 1 — 3 der längeren zarten Haare abwechselnde kurze
dicke Dornen. Ich war überrascht, bei dem vermuthli-
chen Bastarde weder die eine noch die andere, noch
auch eine mittlere Bildung zu finden. Auf dem Rücken-
stücke (Fig. 37) standen zu beiden Seiten der haarfreien
Rinne ziemlich lange und zarte Haare ; auf dem Schilde
waren dieselben kürzer, aber weder dicker noch gedräng-
ter. Ich will bemerken , dass ich diese Haare nur bei
einem Thiere untersucht habe.
Stücke des Gehäuses. Die Stücke des Gehäu-
ses, die sich bei Bai. assimilis schon beim lebenden Thiere
leicht auseinandernehmen lassen , hielten bei dem einen
(Fig. 29 gezeichneten) Thiere, wo ich sie trennte, selbst
350 Müller:
nach dem Kochen in Kalilauge noch recht fest zusam-
men. Die Wände, von denen bereits erwähnt ist, dass
ihre ziemlich weiten Röhren im oberen Theile zahlreiche
Scheidewände besitzen, sind innen in ihrer ganzen Länge
längsgerippt. Der frei nach unten vorspringende Rand
der Scheide ist schmaler als bei Bai. armatus, aber stär-
ker entwickelt, als bei Bai. assimilis.
Mundtheile. Die Oberlippe glich bei dem
einen Thier (Fig. 38) ganz der von Bai. armatus ; auch
bei den anderen hatte sie jederseits nur drei Zähne; aber
bei zweien (Fig. 39) war der äussere Zahn weit von den
anderen entfernt, und bei dem vierten (Fig. 40) waren
die beiden äusseren Zähne dicht zusammengerückt und
etwas von dem inneren entfernt ; weder das Eine, noch
das Andere ist mir bei Bai. armatus vorgekommen, erste-
res dagegen oft bei Bai. assimilis. Von den zahlreichen
Zähnchen, die bei Bai. assimilis die Ränder des mittleren
Einschnittes besetzt halten, war nichts zu sehen.
Die' Kinnbacken (Fig. 41. 42) hätte man eben-
sowohl für die eines Bai. armatus als eines Bai. assimilis
halten können, da sie sich bei diesen beiden Arten nicht
erheblich unterscheiden.
An den Kiefern waren bei allen vier Thieren die
mittleren Borsten kürzer als es bei Bai. armatus, länger
als es bei Bai. assimilis gewöhnlich ist (Fig. 43) ; wie bei
letzterer Art war mehr als die Hälfte des oberen Randes
behaart.
Ranken fü SS e. Erstes Paar: Der längere
19— 22-gliedrige Ast war bei drei Thieren etwa doppelt
so lang, beim vierten nur um 74 länger, als der kürzere,
der bei zweien 14 Glieder hatte, (bei den anderen 11 und
13). Eine so grosse Gliederzahl ist mir bei Bai. armatus
nicht vorgekommen ; bei Bai. assimilis ist sie oft noch
grösser (15—18). Bedanntlich sind bei letzterer Art die
beiden Aeste in der Regel fast gleich lang; doch habe
ich auch bei ihr schon einen Unterschied von 9 Gliedern
(15 und 24) beobachtet.
Zweites Paar: 13 — 16 Glieder am äusseren, 12—
13 am Innern Aste ; bei ßal. armatus 11 — 13 an jenem,
üeber Bai. annatus u. einen Bastard dieser Art. 351
9—10 an diesem; bei einem Bai. assimilis, den ich eben
zur Hand habe, zähle ich 17 und 16.
Drittes Paar (Fig. 45): Bei drei Thieren fand ich
am äusseren Aste 13 — 16, am inneren 12 — 14 Glieder:
das vierte hatte auf einer Seite 13 und 12, auf der ande-
ren 21 und 20 Glieder! — Beborstung und Bewaffnung
dieses Fusspaares war bei allen vier Thieren die des Bai.
assimilis; die Borsten an der Innenfläche der Glieder wa-
ren sehr zahlreich (Fig. 45) und auf der Aussenseite fan-
den sich nur gerade , meist aufwärts gerichtete kleine
Dornen und Spitzchen (Fig. 46).
Viertes bis sechstes Paar: Die Beugeseite der
oberen Glieder trug am fünften und sechsten Paare der
Rankenfüsse bei allen vier, am vierten bei drei Thieren
fünf Borstenpaare ; das vierte Thier hatte an den Gliedern
des vierten Fusspaares nur vier Borstenpaare. — Bei Bai.
assimilis ist sechs die gewöhnliche Zahl der Borstenpaare
an den Gliedern der hinteren Ranken. Die Aussenfläche
der Glieder war am vierten Paare in ähnlicher Weise
bewaffnet, wie am dritten. Von dem starken Zahne, der
bei Bai. armatus am Stiele des fünften Paares steht, war
bei keinem der vier Thiere eine Spur zu finden.
Ruthe wie bei Bai. armatus; bei Bai. assimilis ist
dieselbe in der Regel mit längeren und zahlreicheren Haa-
ren besetzt.
Verwandtschaft. Der eben dargelegte Befund
scheint mir keine andere Annahme zuzulassen, als die,
dass wirklich die vier Thiere Bastarde sind von Bai. ar-
matus und Bai. assimilis. — Wollte man sie nicht als
solche gelten lassen, so müsste man sie entweder als
Abart, sei es des Bai. armatus, sei es des Bai. assimilis,
oder auch als eigene Art betrachten.
Nun aber haben bei B. armatus die Wände niemals
durchscheinende Längslinion oder Querscheidew^inde in
den sie durchziehenden Röhren, niemals fällt die grösste
Breite der Mündung fast in die Mitte zwischen Kiel und
Rostrum; die Schilder sind immer bedeutend schmäler;
nie wurden die Grubenreihen der Aussenfläche vermisst,
nie auf der Innenfläche inne bis nahe zum Basalrande zu
352 Müller:
verfolgende Adductorleiste gesehen ; die Rückenstücke
haben nie einen so schmalen Sporn, nie eine Längsrinne,
nie über den Basalrand vorspringende Leisten für den
musc. depressor; niemals wurden die starken gekrümm-
ten Zähne an den Ranken des dritten Paares, nie der
starke Zahn am Stiele des fünften Fusspaares vermisst,
niemals mehr als vier Borstenpaare an den hinteren Ran-
ken gefunden u. s. w.
Bei Bai. assimilis dagegen, einer hier so gemeinen
Art, dass jede Scherbe, jede Schuhsohle, jedes Tauende,
das einige Zeit im Meere gelegen, von ihr bedeckt ist,
habe ich niemals eine ähnliche röthliche Färbung gesehen,
wie sie einer der vermuthlichen Bastarde zeigte, immer
fand ich die Radien ganz schmal, mit dünnem Häutchen
bedeckt, niemals breit und glänzend; immer zwischen den
Haaren der Deckelstücke kurze Dörnchen (Fig. 22) und
den Sporn schmaler; immer die Oberlippe mit zahlreichen
(Fig. 22 — 28) Zähnen besetzt, und bei den freilich nicht
sehr zahlreichen Thieren, die ich dieser Tage darauf an-
gesehen, fand ich immer, wenigstens an einigen Gliedern
der hinteren Ranken sechs Borstenpaare, anderer kleine-
rer Unterschiede nicht zu gedenken.
Man sieht die Unterschiede von der einen wie von
der anderen Art sind zu bedeutend für eine blosse Ab-
art; sie würden bedeutend genug sein, um unsere Thiere
als eigene Art zu betrachten, wenn dem nicht andere Be-
denken entgegenständen. Balanen - Arten pflegen nie,
wo sie einmal vorkommen, so vereinzelt aufzutreten, dass
man im Laufe eines Monats nicht mehr als vier Stück
sollte zusammenbringen können ^). Und wie wunderbar
wäre es, wenn zwischen Bai. armatus und Bai. assimilis
am Stamme von Carijoa noch eine dritte Art sich an-
1) Teil kann nicht genau sagen, unter welcher Zahl von Bai.
armatus die vier Bastarde gefunden wurden , da ich eine grosse
Menge der ersteren verbraucht habe, ohne sie zu zählen ; es mögen
etwa 400 gewesen sein. Einen Monat oder länger habe ich täglich,
so oft das Meer nicht zu bewegt war, an dem Carijoaf eisen getaucht
und an den heraufgeholten Polypen nicht selten mit einem Male
30 bis 40 Balanen erbeutet.
lieber Bai. armatus u. einen Bastard dieser Art. 353
siedelte, die in so eigenthümlicher Weise zwischen bei-
den die Mitte hielte, wie unsere Thiere es thun, die fast
in Allem, w^odurch sie sich von Bai. assimilis entfernen,
in der Färbung des einen Gehäuses, in der festeren Ver-
bindung seiner Stücke, in der Bildung der glänzenden
gestreiften Radien, im Baue der Oberlippe, übereinstim-
men mit Bai. armatus, die fast in Allem, wodurch sie
sich von Bai. armatus entfernen, in der Bildung der
Wände, der Mündung, der Deckelstücke u. s, w., über-
einstimmen mit Bai. assimilis und wieder in andern Ver-
hältnissen, wie in der Zahl der Borstenpaare an den hin-
teren Ranken, genau zwischen beiden in der Mitte stehen.
Nach alledem scheint es mir das Einfachste und
Natürlichste, die überraschende Mischung der Merkmale
von Bai. armatus und assimilis, die unsere Thiere zeigen,
aus einer wirklichen Mischung zu erklären, dieselben also
als Bastarde der beiden x\rten zu betrachten.
Warum aber, wird man bei dieser Annahme fragen
müssen, sind Bastarde von Balanen nicht ungemein häufig,
wenn sie überhaupt vorkommen ? Die verschiedenen Ar-
ten pflegen ja so gewöhnlich sich mit- und durcheinander
anzusiedeln, dass man nicht selten drei und mehr Arten
in derselben Gruppe vereinigt findet. — Ich kann darauf
nur mit Vermuthungen antworten. Um Bastarde von
Pflanzen zu erzielen, muss man die Narbe sorgfältig ge-
gen den Blüthenstaub der eigenen Art abschliessen ; wird
auf die Narbe zugleich Blüthenstaub der eigenen und
einer anderen Art gebracht, so bleibt letzterer wirkungs-
los. In ähnlicher \\ eise mag bei Thieren, w^enn auf das
Ei gleichzeitig Same der eigenen und einer anderen Art
einwirkt, letzterer wirkungslos bleiben. Wo nun ver-
schiedene Baianusarten in Menge beisammen sitzen, wird
den Eiern nie Same der eigenen Art fehlen, also keine
Bastarderzeugung stattfinden. Eine solche wird nur ein-
treten können, wenn die Eier eines Thieres nur mit Sa-
men einer fremden Art in Berührung kommen. Dies
konnte nun leicht der Fall sein bei einem vereinzelten Bai.
assimilis, der sich in ein Carijoagebüsch verirrt hatte und
hier, tief versteckt, nur von Bai. armatus umgeben war.
Archiv f. Natujg. XXXIII- Jahrg; 1. Bd. 23
354 Müller:
— Ist diese Erklärung richtige so würden unsere Bastarde
aus durch Samen des Bai. armatus befrucliteten Eiern des
Bai. assimilis hervorgegangen sein.
Eine weitere Frage, welche diese Bastarde anregen, ist
die, warum dieselben von Bai. assimilis gerade die. Bildung
der Wände, der Deckelstücke, der Ranken u.s. w., von Bai.
armatus gerade die Bildung der Radien^ der Oberlippe u. s.w.
angenommen haben. — Man wird sagen können, dass die nur
Quergestreiften Schilder, die schwach bewehrten Ranken
des Bai. assimilis, dass die breiten glatten Radien, die
sechszähnige Oberlippe des Bai. armatus sich weniger
von dem in der Gattung gew^öhnlichen Verhalten entfer-
nen, als die tiefgrubigen Schilder und die mächtigen
Zähne an den Ranken des Bai. armatus, als die schmalen
hautbedeckten Radien, und die mit 22 — 28 Zähnen be-
setzte Oberlippe des Bai. assimilis. Aehnliches gilt von
der einförmigen Behaarung der Dcckelstücken. Damit
aber ist der Thatbestand nur unter einen gemeinsamen
Gesichtspunkt gefasst und nicht erklärt. Darüber hinaus
wird man, wie gewöhnlich, so auch hier ohne D a r w i n's
Lehre von der Entstehung der Arten kaum kommen kön-
nen. Betrachtet man aber die Arten einer Gattung als
Abkömmlinge einer gemeinsamen Urform und sieht dabei
in üebereinstimmung mit einer bekannten Erfahrung der
Gärtner ihre verschiedenen Eigenthümlichkeiten als um
so besser befestigt, als um so weniger veränderlich an,
je früher sie erworben wurden, je länger sie sich schon
unverändert fortgeerbt haben , so wird begreiflich, dass
vor allen fest die schon der Urform eigenen Merkmale
haften und dass diese daher bei Kreuzung zweier Ar-
ten sich leichter auf den Mischling übertragen werden,
als später erworbene Eigenthümlichkeiten von Vater oder
Mutter.
Man wird von diesem Gesichtspunkte aus, glaube
ich, manche Eigenthümlichkeiten der Bastarde erklären
können und umgekehrt vielleicht in manchen Fällen von
der Form der Bastarde auf die Urform der Gattung zu-
rückschliessen dürfen, letzteres natürlich nur mit grosser
Vorsicht; denn schon die Thatsache, dass die von Mann-
üeber Bai. armatus ii. einen Bastard dieser Art. 355
eben der einen mit Weibchen einer anderen Art erzeug-
ten Mischlinge nicht übereinstimmen mit den von Männ-
chen der zweiten mit Weibchen der ersten gezeugten,
liefert den Beweis^ dass noch andere Umstände bei der
Gestaltung der Mischlinge in Betracht kommen.
ErklaruBg der Abbildungen.
Taf. VlI.
Taf. VII. Fig. 1—28 sind mit Ausnahme von Fig. 22 von Balanits
nrmalus, die folgenden mit Ausnahme von Fig. 32 von einem
Bastarde dieser Art und des Balnnus iniprovisus var. assimilis
Darw. entnommen.
Fig. 1 — 13. Baianus armntvs und zwar 1 — 9 und 13 von Carijoa.
Fig. 2 sitzt dem Rostrum eine anderen B. armatus, Fig. 5 der
Spitze eines Carijoazweiges auf. Fig. 13 zeigt dasselbe Thier,
A von der Kielseite, B in seitlicher Ansicht. Fig. 10 von einem
Felsen ; der einspringende Winkel der Basis ist bedingt durch die
umliegende Schale einer kleinen Miesmuschel. Fig. 11 u. 12 aus
einem mit Reniera aquaeductus Schmidt verwandten Schwämme.
In allen diesen Figuren, wie in Fig. 29 u. 30 bedeutet c Ca-
rina, r Rostrum.
Fig. 14. Umriss der von oben gesehenen Mündung des Gehäuses.
» 15. Schild von aussen (mit besonders grossen Gruben und ent-
fernten Anwachsstreifen).
» 16. Ein anderes (besonders breites) Schild von innen.
» 17. 18. Rückenstück von aussen und von innen.
» 19 — 21. Borsten der Deckelstücke, nach Behandlung derselben
mit Säure, und zwar Fig. 19 von der Kielseite, Fig. 20 von
der Schildseite des Rückenstücks. F'ig. 21 vom Schilde.
» 22. Borsten vom Rückenstücke eines Baianus improvisus var.
assimilis.
» 23. Oberlippe von Salamis armatus.
» 24. Kinnbacken.
» 25. 26. Untere Ecke zweier anderen Kinnbacken.
» 27. 28. Kiefer.
» 29. Bastard von Bai. armatus und Bai. improvisus, einem
Carijoastamme aufsitzend. Von diesem Thiere sind Fig. 31,
33—38, 41—43 entnommen.
» 30. Ein zweiter Bastard, dem Kiele eines Bai. improvisus var.
assimilis aufsitzend, der seinerseits an Carijoa sass. Von
diesem Thiere ist Fig. 39 entnommen.
» 31. Umriss der von oben gesehenen Mündung des Gehäuses
von dem Bastard Fig. 30.
356 Müller: Heb. Bai. armatus n. einen Bastard dieser Art.«
Fig. 32. Umriss der Mündung von Bai. improvisus var. assimilis.
r> 33. 34. Schild von aussen und von innen.
» 35. 36. Rückenstück von aussen und von innen.
» 37. Borsten von den Anwachsstreifen des Rückenstücks.
» 38 — 40. Oberlippe von drei verschiedenen Thieren.
» 41. Kinnbacken.
» 42. Untere Ecke desselben.
» 43. Kiefer.
Taf. VIII.
Fig. 44. Vorderer Ast des dritten Paares der Rankenfüsse von Bai.
armatus, von innen, weshalb nur die den Rand überragen-
den Zähne sichtbar sind.
» 45. Derselbe Ast von dem Bastard, von aussen.
» 46. Neuntes Glied vom äusseren Ast des dritten Fusspaars, von
einem grossen Baianus armatus, von aussen.
» 47. Zehntes Glied vom äusseren Ast des vierten Fusspaars, von
B. armatus, von aussen.
» 48. Zweites Stielglied des fünften Fusspaars von B. armatus.
» 49. Siebentes Glied vom äusseren Ast des dritten Fusspaars,
von dem Bastard, von aussen.
» 50. Dasselbe Glied von einem Bai. improvisus var. assimilis,
von aussen.
» 51. Zehntes Glied vom äusseren Aste des vierten Fusspaares,
von Baianus improvisus var. assimilis, von aussen.
» 52. 53. Senkrechter Durchschnitt des Gehäuses von Tetraclita
porosa, um die Wirkung der Musculi depressores zu er-
läutern. Auf den Sporen ist durch einen Punkt die Stelle
angedeutet, um welche die Muskeln den Deckel drehen;
in Fig. 52 sind die depressores tergi, in Fig. 53 die de-
pressores scuti zusammengezogen.
Taf. IX.
Fig. 54. 55. Kittröhren aus der Basis von zwei in Beniera ange-
siedelten ßa/flnws armatus. R.Rand der Basis, a', a", a"',
b', b", b'" blinde Ausläufer; a' b' sind die ältesten, a'" b"'
die jüngsten derselben.
» 56. Ccrijoa rupicola, zum Theil von einem gelben Schwämme
überzogen und mit Baianus armatus besetzt.
» 57. Kalknadeln dieses Polypen.
DesterrO; im Februar 1865.
Zur Fauna des schwarzen Meeres.
Vorläufige Mittheilimg
Dr. Joh. Marcusen,
Prof. an der Kais. Neiirussischen Universität zu Odessa.
I. Wirbellose Thiere.
Was bis jetzt von wirbellosen Thieren des schwar-
zen Meeres bekannt geworden ist, verdankt man den
Untersuchungen Rathke's, Nordmann's, Midden-
dorffs und Kessler's. Nach denselben konnte man
glauben, dass aus vielen Abtheilungen gar keine oder
nur einige wenige Repräsentanten darin gefunden wer-
den. Eine zweijährige Untersuchung desjenigen, was an
den Ufern von Odessa und in ihrer nächsten Umge-
bung *) gefunden wurde (also nur eines sehr kleinen
Bezirks), lehrte mich, dass die Sache sich nicht ganz so
verhält, und dass dieses Meer nicht so gar arm an thie-
rischen Formen ist, wie man bis jetzt glaubte.
Ich gebe nun ein Verzeichniss des bis jetzt Gefun-
denen, und kann nicht umhin hiebei zu bemerken, dass
mir beim Herbeischafien des Materials der Präparator
des hiesigen zoologischen Cabinets, Hr. Widhalm aus
Regensburg, sehr behülflich gewesen, und dass derselbe
die Sammlung hiesiger Thiere gut präparirt und con-
*) Einige aus der Krim herrührende Thiere, die in das Ver-
zeichniss aufgenommen sind, befanden sich in unserem zoologischen
Cabinet.
358 Marcusen:
servirt, den Liebhabern zu stellen erbötig ist. Eine ge-
naue Beschreibung mit Abbildungen einiger, wie es
scheint, neuer Species, wird später von mir veröffentlicht
werden, wenn die zum Theil uns jetzt fehlende Literatur
herbeigeschafft sein wird. Der Mangel an letzterer trägt
auch die Schuld, dass bei mehreren Thieren des Verzeich-
nisses nur der Genusname ohne Speciesbezeichnung auf-
geführt wird.
Was von mir im schwarzen Meere zum ersten
Mal gefunden wurde, ist mit einem Stern vor dem Na-
men bezeichnet.
Schwämme: * Suberites domuncula.
* Esperia — ein Paar Arten.
Colenteraten; * Medusa aurita.
* Sarsia pulchella Forbes.
* „ tubulosa Forbes.
Campanularia geniculata.
„ volubilis.
Syncoryne nov. spec.
Actinia zonata Rathke (Krim).
* Pleurobrachia rhododactyla Ag.
Anneliden: Nereis pulsatoria Rathke.
„ Dumerilii Rathke.
* Phyllodoce laminosa.
* Eteone sp.
Polynoe granulosa Rathke.
* Syllis monilaris.
Spirorbis pusilla Rathke. Bei ihr
wurde auch die Entwickelung der
Jungen im Trichter beobachtet.
Nais ein paar Arten.
* Fabricia quadripunctata.
* Borlasia sp.
Mehrere Planariaarten.
* Meckelia sp.
Dendrocoelum lacteum.
Crustaceen: Carcinus maenas Leach.
Pilumnus villosus Risso (Phi. spinulosus
Kessler.)
Zur Fauna des schwarzen Meeres. 359
Crnstaceen; Portunus holsatus Fabr.
Xantho rivulosus Riss.
Telphusa flnviatilis Latr. (Krim).
Pacliygrapsus marmoratus Stimps. (Gra-
psus varius Kessl.) Krim.
* Planes Linnaeana Leach.
Diogenes varians Dana (Pagnrus pon-
ticus Kessl.)
Porcellana longicornis Rathke (unterschei-
det sich in etwas von der gewöhn-
lichen).
* Gebia Helleri — mihi.
Astacus leptodactylus Eschsch.
Crangon maculatus Rathke.
Palaemon adspersus Rathke.
„ elegans Rathke.
* Athanas nitescens Leach.
* Mjsis spinulosus Leach.
* „ chamaeleon M. Edw.
* „ noY. sp. ähnlich der truncata Hell.
* „ vulgaris.
* Podopsis Slabberi van Beneden.
* Bodotria arenosa Goods.
* Leucon Leuckartii nov. spec. mihi.
* Olbia, nov. genus ex famil. Cumaceorum.
Talitrus locusta Linn.
Orchestia littorea Montagu.
* „ mediterranea Costa.
* Montagua pontica mihi — ähnlich der
M. marina Sp. B.
* Bathyporeia pontica mihi — ähnlich der
B. Robertsonii Sp. Bäte, mit calceola am
unteren Fühler, aber auch einer cal-
ceola am oberen.
* Ampelina Gaimardii Sp. Bäte.
* Dexamine pontica mihi — mit gefieder-
tem Kiemenplättchen.
* Calliope grandoculis.
* Microdentopus gryllotalpa Sp. Bäte.
360 Marcusen:
Crnstceen: * Microdentopus nov. spec.
* „ nov. spec.
Gammarus gracilis Rathke.
„ locusta Linn. pilosns var. mihi.
Amphitoe picta Rathke.
* Podocerus pulchellus M. Edw.
* ;, ähnlich dem falcatus Sp. Bäte.
* „ ähnlich dem pelagiciis S. Bäte.
* Cerapus ponticus mihi.
* Siphonoecetes n. sp.
* Corophiiim Bonellii M. Edw.
* „ bidentatum mihi.
* y, ähnlich dem crassicorne.
Idothea tricuspidata.
Jaeridina Nordmanni M. Edw.
* Liriope sp.
Bopyrus sqiiillarnm.
Cyclops sp.
* Arpacticus sp.
* Temora sp.
* Zous pontica n. sp. mihi.
* Caudace Claiisii mihi.
* Tetraclita porosa.
Ein paar Baianusarten.
* Halocypris sp.
Mollusken: Mehrere Arten Bryozoen, wie Flustra.
Tendra zostericola Nordm.
* ßotryllus roseus.
* Sagitta triptera.
* Teredo navalis Linn.
Cardium edule Linn.
Pholadomya plicata Middendorff.
Mytilus latus Chemn.
Trochus varius Gm.
Rissoa oblonga Desm.
Buccinum reticulatum L.
Paludina impura Lam.
Tergipes Edwardsii Nordm.
Zur Fauna des schwarzen Meeres. 361
Wenn manches von anderen Forschern schon aufge-
führte und beschriebene in meinem Verzeichnisse fehlt,
so kommt es daher^ weil mir persönlich selbige nicht
vorgekommen sind. Aus obigem Verzeichnisse ersieht
man aber, dass im schwarzen Meere auch Thiere aus
Abtheilungen vorkommen, die darin bis jetzt noch nicht
gefunden worden waren. Zu letzteren gehören Schwämme,
die paar Sarsien (wahrscheinlich Entwickelungsstadien
von Corynen) — eine Ctenophore: die Pleurobrachia
rhododactyla; Turbellarien, Rhabdocoelen. Am meisten
Mannigfaltigkeit zeigt das Verzeichniss der Crustaceen.
Hier zeigen sich Macruren, Brachyuren, Pteryguren, Tha-
lassiniden, Carididen, Anomobranchiaten und Cumaceen;
Repräsentanten aus sämmtlichen Abtheilungen der Amphi-
poden und Isopoden, Copepoden und Cirrhipedien. Unter
den Mollusken stossen wir aufBryozoen, ein paar Tunica-
ten und die Sagitta ausser dem schon bekannten.
Aber es fehlen Cephalopoden, es fehlen Echinoder-
men — x\btheilungen, an denen das mittelländische Meer
so reich ist.
Ist das schwarze Meer wirklich ein Theil des mit-
telländischen Meeres ? Von einigen wird es ohne Wei-
teres als solches betrachtet. So finden wir in dem schät-
zenswerthen Werke des Herrn C. Heller: Crustaceen des
südlichen Europas — Crustacea podophthalmia. Wien
1863 — das schwarze Meer als ,, Abtheilung der Mediter-
ranprovinz" aufgeführt. Nach Hrn. Heller ^jCnthält das
schwarze Meer die geringste Anzahl von Arten, nämlich
15. Als besonders demselben eigenthümlich ist ein Ge-
lasimus coarctatus hervorzuheben, denn der Crangon ma-
culatus ist höchst wahrscheinlich nur eine locale Varietät
des Crangon vulgaris. Die Anomobranchiaten mangeln
gänzlich, ebenso aus der Unterordnung der Eubranchia-
ten: die Familie der Oxyrhyncha, Oxystoraata, Apterura,
Loricata, Thalassinidae und Cumaceen.'^
Nach dem oben angegebenen Verzeichnisse gilt der
eben citirte Ausspruch nur in beschränkter Weise. Von
Podophthalmia haben wir, falls wir, wie Hr. Heller, die
Cumaceen hinzurechnen wollen, 23 Arten, Der Odessa
362 Marcusen:
als eigenthümlieh zugeschriebene Gelasiraus coarctatus ist
daselbst während zwei Jahren nicht ein einzigesmal ge-
fangen worden, und ich möchte fast glauben, er sei M il ne
Edwards durch ein Versehen als aus Odessa stammend
zugekommen. Die Thalassiniden sind durch Gebia Hel-
leri vertreten; von Astaciden kommen ausser den Süss-
wasserkrebsen , der Crangon, Palaemon noch Athanas
nitescens vor. Von Anomobranchiaten zeigen sich meh-
rere Arten Mysis und die zu denselben zu zählende
Podopsis.
Ausserdem ist dem schwarzen Meere eigenthümlich
eine grosse Zahl von Curaaceen, von denen wenigstens
drei Genera und vielleicht mehrere Arten vorkommen.
Von Amphipoden leben darin Repräsentanten fast
aller Familien, und zwar auch solche Arten unter ihnen,
welche bis jetzt noch nicht im mittelländischen Meere ge-
funden worden sind, wie Bathyporeia pontica; mehrere
Nesterbauer, wie Podocerus, Cerapus und Siphonoecetes-
Arten.
Von Isopoden finden wir dem schwarzen Meere
eigenthümlich die Jaeridina Normanni, eine Liriope u. m. a.
Aus dem eben angeführten geht hervor, dass das
schwarze Meer vom mittelländischen verschieden ist, dass
die gemeinschaftlich in beiden vorkommenden Formen
mehr kosmopolitischer Natur sind, wie Carcinus maenus,
Xantho rivulosus, Eriphia spinifrons, Portunus holsatus,
Porcellana longicornis, Pachygrapsus marmoratus etc., hin-
gegen scheinen die dem schwarzen Meere eigenthümli-
chen Formen ganz dem mittelländischen zu fehlen, wie
die Cumaceen. Ueberhaupt scheint das schwarze Meer
hinsichtlich seiner Crustaceen mehr Aehnlichkeit mit nor-
dischen Meeren zu haben. Für letzteres sprechen die
Gegenwart der Cumaceen, der Bathyporeia, der Podo-
ceren, der Siphonoecetes, die grosse Zahl von Mysisar-
tcn. Dann finden wir im schwarzen Meere die Fabricia
quadripunctata, die in den nordischen Meeren vorkommt;
nicht aber die ihr ähnliche aber doch unterschiedenen Am-
phicore mediterranea. Wir finden also mehr Aehnlich-
keit der im schwarzen Meere vorkommenden Formen mit
Zur Fauna des schwarzen Meeres. 363
denen des Sund, des Kattegat und an der schottischen
und schwedischen Küste, bei Grönland u. s. w. Hängt
dieses vom Salzgehalte ab ? Es möchte fast so scheinen,
denn wenn im mittelländischen Meere auf 1000 Theile
36 bis 39 Theile Salz kommen, so treffen wir im Katte-
gat und Sund auf 1000 Theile nur 11 bis 19 Theile. Im
schwarzen Meere beträgt der Salzgehalt 15 auf 1000.
Schliesslich muss ich bemerken, dass nur ein klei-
Theil des schwarzen Meeres nach seiner Fauna untersucht
worden ist und dieser kleine Theil nur die Ufer betrifft ;
die Tiefe hingegen noch von Niemanden untersucht wor-
den ist. Höchst interessant wäre auch eine eingehende
Untersuchung derjenigen Strecken, wo das schwarze
Meer und das Marmora-Meer an einander grenzen. Ob
hier nicht die Faunen beider Meere neben einander vor-
kommen? Ob hier nicht Uebergangsformen gefunden
werden? Ich hoffe mit der Zeit an die Lösung dieser
Frage zu gehen.
Briefliche Mittlieilung.
Buenos Aires d. 24. August 1867.
In dem mir Anfangs dieses Monats zugegangenen
vierten Hefte des Jahrg. 1866 Ihres Archivs u. s. w. finde
ich S. 370 die Beschreibung und Abbildung (Taf. VIII)
eines muthmasslich für neu ausgegebenen Insektes, unter
dem Namen Lystra cerifera, welches bereits vor mehr als
25 Jahren von mir in meiner : Genera Insectorum als
Lystra auricoma Klug bekannt gemacht und mit einer
höchst genauen colorirten Abbildung versehen worden
ist (auf der Tafel, welche die Inschrift Lystra führt und
in der Reihenfolge des Inhalts unter 20 stehtj. Das frag-
liche Insekt befand sich seit langer Zeit in der entomo-
logischen Sammlung zu Berlin, eingeschickt von Hrn.
Deppe^ Bruder des Ihnen wohlbekannten Rendanten. Ich
ersuche Sie, dieser Notiz eine Stelle in Ihrem Archiv zu
gönnen, falls dieselbe nicht schon anderweitig darin zur
Sprache gebracht sein sollte.
H. B u r m e i s t e r.
Verbesserungen.
S. 80. Z, 13 V. unten statt parietim lies parietiu.
S. 83. Z. 2 u. 5 V. oben statt J. Lubbock lies Herr Lubbock,
S. 83 Z. 6 V. oben statt ist lies war.
Bonn, Druck von Carl Georgi
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