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ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE.
GEGKÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON W. F. ERICHS ON.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. DR- LE UCK ART IN LEIPZIG
HERAUSGEGEBEN
Dr. r. S. TEOSCBEL,
PROFESSOR AN DER FRIEDRICH- WILHELMS-UNIVERSITÄT ZU BONN.
ACHT UND DBEISSIGSTER JAHRGANG.
Zweiter Band.
Berlin,,
Nicolaische Verlagsbuchhandlung.
(A. Effert und L. Lindtner.)
1872.
Inhalt des zweiten Bandes.
Seite
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der
Vögel während des Jahres 1871. Von Dr. G. Hartlaub
in Bremen y
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Säuge-
thiere während des Jahres 1871. Von Troschel • . 43
Bericht über die Leistungen in der Herpetologie während des
Jahres 1871. Von Troschel 79
Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie während des
Jahres 1871. Von Troschel . 96
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Mollus-
ken während des Jahres 1871. Von Troschel . . . 127
Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen in der Natur-
geschichte der niederen Thiere während der Jahre 1870
und 1871. Von Dr. Rud. Leuckart. Zweite Hälfte 189
Echinodermata , . . . . 189
Coelenterata 224
Protozoa 326
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Vögel während des Jahres 1871.
Von
Dr. G. Hartiaub
in Bremen.
Wie im vorjährigen so können wir auch in diesem
Jahreshe richte mit Anerkennung und Befriedigung einer
grösseren Anzahl von Schriften gedenken, durch welche
unser ornithologisches Wissen erheblich vermehrt und
bereichert worden ist. Die Mehrzahl dieser Schriften
liegt auf dem Gebiete der Lokalfaunen und in erster
Linie verdient schon hier Sharpe's und Dresser's grosses
Werk über die Vögel Europa' s die rühmlichste Erwähnung.
Unter zahlreichen und grösstenteils sehr interessanten
Beiträgen zur Vogelkunde Asiens sei hier zunächst nur
der grossen Arbeit R. Swinhoc's über die Vögel Chi na' s
und der vortrefflichen Abhandlung Viscount Walden's
über die Ornithologie der Insel Celebes hervorgehoben.
Unter den Contribuentcn zur Erweiterung unserer Kunde
von den Vögeln Africa's nimmt R. B. Sharpe, der sehr
befähigte Nachfolger G. R. Gray's am Brittischen Mu-
seum, die erste Stelle ein. Heuglin's grosses und
wichtiges Werk über die Vögel N. 0. Africa's geht
seiner Vollendung entgegen und wird jederzeit eine hohe
Stellung in der ornithologischen Littcratur behaupten.
Archiv für Naturg'. XXXVIII. Jahrg. 2. Bd. A
2 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Sclater ist mit unverändertem Erfolge um die Vögel
Süd-America's bemüht. Dasselbe gilt hinsichtlich Nord-
america's von Sp. F. Baird, Elliot Coues und J. A.
Allen. Für Neuseeland haben die Arbeiten von Hut-
ton, Bull er und Pott's an Bedeutung gewonnen.
C. G. Giebel's „Thesaurus Ornithologiae" und G.
R. Gray's „Handlist" sind zwei Publicationen grösseren
Umfangs, von welchen letztere bis zum Schluss gediehen
ist, erstere uns nur erst zum Theil vorliegt. Beide ver-
folgen zum Theil dieselben Zwecke und Beide sind,
obwohl nicht frei von Unvollkommenheiten und Mängeln
verschiedener Art, dennoch als Books of reference von
entschiedenem Nutzen und von hervorragender Wich-
tigkeit.
Allseitig und immer mahnender werden Stimmen
laut zum Schutze der schwerbedrohten kleinen Vögel.
Gern vereinigen wir mit diesen die unsrige.
Es liegt in unserer Absicht, mit diesem unserm
25. Jahresberichte vom Leser Abschied zu nehmen. Die
zunehmende Schwierigkeit, sich nur einigermassen mit
dem vertraut zu halten, was jetzt die ornithologische
Litteratur aller Länder und aller Nationen in so reich-
lichem Masse an Neuem bringt, bestimmt uns zunächst.
Ein Wechsel auf diesem Gebiete scheint uns indessen
auch übrigens im Interesse unserer Wissenschaft selbst
wünschenswerth zu sein. Wenn wir uns bei schliess-
lichem Rückblick herzlich freuen über den gewaltigen
Zuwachs, welchen dieselbe innerhalb dieses Vicrteljahr-
hunderts erfahren hat, so bleibt uns gleichwohl noch immer
die allerwichtigste Frage zu beantworten übrig. Noch
immer bleibt es der mehr oder weniger tactvollen oder
berechtigten Willkühr des Einzelnen überlassen, über
die Begriffe „Gattung" und „Art" zu entscheiden. Noch
immer ist ein weites Auseinandergehen darauf bezüg-
licher Ansichten an der Tagesordnung, noch immer nicht
an sichere Anhaltspunkte und in Folge davon an Ueber-
einstimmung zu denken. Es ist und bleibt dies ein
schwerer Uebelstand, an dessen Abhülfe zu arbeiten unser
der Vögel während des Jahres 1871. 3
Aller Bestreben sein muss. Es bleibt unsere Ueber-
zeugung, dass diese Abhülfe nur durch «allseitige Ver-
mehrung unseres ornithologisehen Wissens zu erreichen
ist. Erst wenn wir die Anatomie jeder einzelnen Art,
ihre Lebensweise, ihre Fortpflanzung, ihre Färbungsstufen
nach Geschlecht, Alter, Jahreszeit und Klimaeinfluss,
ihre Affinitäten u. s. w. genau kennen, erst dann werden
wir der Lösung jener Aufgaben einigermassen gewachsen
sein. Darwin hat unsere Situation nicht erleichtert.
Cabanis' „Journal für Ornithologie" und der „Ibis"
bleiben in gedeihlichem Bestehen und waren mit bestem
Erfolge bestrebt, den Austausch des Wichtigeren und
Neuen auf dem Gebiete unserer Wissenschaft nach allen
Richtungen hin zu vermitteln.
In Darwin's berühmten Buche „The descent of
men" sind die Kapitel 13 bis 16 des zweiten Theils ex-
clusiv ornithologische. Der Verfasser bringt zur Unter-
stützung seiner Ansicht über geschlechtliche Zuchtwahl
sehr zahlreiche und zum grossen Theil überraschende
Belege aus der Klasse der Vögel. Sie berechtigen zu
dem Schluss, dass Waffen für Kampf, Stimmorgane, Zier-
rathe verschiedener Art, glänzende und auffallende Farben
in der Regel von den Männchen erworben sind durch
Variation und geschlechtliche Zuchtwahl und dass sie
auf verschiedenen Wegen übertragen wurden in Ueber-
einstimmung mit den Gesetzen der Vererbung, wobei die
Weibchen und die Jungen verhältnissmässig nur in ge-
ringem Maasse modificirt blieben.
C. G. Giebel „Thesaurus Ornithologiae. Reperto-
rium der gesammten ornithol. Litteratur und Namenciator
sämmtlicher Gattungen und Arten der Vögel, nebst Sy-
nonymen und geographischer Verbreitung." Erster Halb-
band. S. 1—400. (Leipzig Brockhaus). Wenn dieses
Buch auch nicht dem vollen Umfange nach hält und erfüllt,
was sein stolzer Titel verspricht, wenn über die specielle
Qualification des Verfassers zur Bewältigung einer so
riesigen Aufgabe Bedenken aufsteigen können, so bleibt
gleichwohl, was er gewollt und wirklich geleistet, im
4 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
hohen Grade anerkennenswerth. Wir zweifeln gar nicht,
dass dieses Buch das Studium unserer Wissenschaft
wesentlich erleichtern, dass es demselben in mehr als
einer Hinsicht förderlich und nützlich sein wird. Wir
denken aber um so weniger daran, hier tiefer einzugehen,
als eine lange und ernsthafte Beschäftigung mit diesen
Dingen unsere Ansprüche an eine solche Arbeit nicht
gerade herabgestimmt hat. Die grössere Hälfte dieses
Halbbandcs umfasst das Repertorium der ornithologischen
Litteratur unter 33 Rubriken. Auf Seite 256 beginnt der
nomenclatorische Theil.
„Handlist of Genera and Species of Birds, distingui-
shing those contained in the British Museum, by G. R.
Gray. Part III. Struthiones, Grallae and Anseres, with
indices of generic and specific names.* Damit ist kurz vor
dem Tode seines trefflichen, so lange Zeit hindurch für Or-
nithologie unermüdlich thätig gewesenen Verfassers, dieses
bereits von uns kurz besprochene Werk zum Schluss ge-
kommen. Der dreispaltig gedruckte Index generischer
Namen nimmt 40 Seiten ein, der speeifischer Namen
nicht weniger als 250!
A. Newton „On a method of registering natural
History Observations". Separatabdruck aus den Transact.
Norf. and Norwich Natur. Society für 1870. Brochüre
von 9 Seiten mit angehängter schematischer Tabelle. In
sehr ingeniöser Weise wird mittelst gewisser Zeichen,
also in kürzester Form, die Summe der Beobachtungen
über vorgekommene Vögelarten registrirt.
A. Brehm's geschätztes Buch „Das Leben der Vögel"
erscheint jetzt in einer von H. M. Labouchere und F.
Jesse besorgten englischen Uebersetzung, die mit wahr-
haft reizenden Originalkupfern illustrirt ist.
„Gefangcnleben der besten einheimischen Singvögel"
von Ad. und Carl Müller. 8. 180 S. Sehr empfehlens-
werth.
A. Brehm „Gefangene Vögel", ein Werk, auf dessen
Wichtigkeit wir bereits hingewiesen haben, wird eifrig
fortgesetzt und geht seiner Vollendung entgegen.
K. Th. Liebe: Einige neue Erfahrungen betreffs
der Vögel während des Jahres 1871. 5
der Züchtung einheimischer, besonders insectenfressender
Vögel: Zool. Gart. p. 343—47.
K. Russ „Die gefiederte Welt*, Zeitschrift für Vogel-
iiebhaber, Züchter und Händler. Soll vierteljährlich er-
scheinen. Bei der zunehmenden Liebhaberei für Stuben-
vögel ist eine rege Betheiligung des Publicums an dieser
Zeitschrift kaum zu bezweifeln. Dieselbe ist offenbar in
erster Linie der Vogelzucht gewidmet.
A. Geoffroy St. Hilaire „Note sur quelques re-
produetions d'oiseaux obtenues en 1868 et 1869 au jardin
d'aeclimatisation de Boulogne*, Bullet. Soc. d'aeclim. ser.
2 p. 127. Es brüteten z. B. Phasianus Reevesii, Euplo-
camus Swinhoei, Eupl. praelatus, Eupl. nobilis, Eupl. Viel-
loti, Polyplectron bicalcaratum.
J. E. Harting „The Ornithology of Sheakspearc,
eritieally examined, explained aud illustrated* 1 vol. 8.
Der Inhalt dieses Buches scheinfein sehr reichhaltiger zu
sein. Den Anfang macht eine allgemeine zoologische
Einleitung in Hinblick auf Sheakspearc. Dann folgen 9
Kapitel: 1) Eagle and larges birds of Prey, 2) Hawks
and Hawking, 3) Owl with associations, 4) Birds of Song,
5) Birds under domestication, 6) Ganie-birds and „quarry"
flown at by falconers, 8) Wild Fowl and Sea Fow],
9) Birds not tncluded in the foreg. chapt. also Papagei,
Eisvogel, Schwalbe, Strauss, Pelican.
E. Harting „Hints of Shore Shooting , with
a „chapter on skinning and preserving birds*, 1 vol. 8.
G. v.Koch. „Die Stellungen der Vögel* für Präpa-
ratoren, Ausstopfer und Freunde der Vögel. Ein Heft
mit 120 Figuren auf 10 Tafeln.
R. Förtsch „Jahresbericht des Vogelschutzvereines
zu Elbing* Elbing 1871.
„Circular der Gesellschaft der Freunde der kleinen
Vögel zu Gothenburg in Schweden* mit dem Motto :
Friede den kleinen Vögeln. Cab. Journ. f. Orn. p. 232.
v. Frau cnf cid t „Vogelschutz*, ein Vortrag geh.
Kais. Kon. Zool. Botan. Gesellsch. zu Wien.
v. Frauenfeldt „Die Grundlagen des Vogel-
schutzes*, Brochüre. Wien.
6 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
v. Homeyer „Erinnerungsschrift an die Ver-
sammlung der deutschen Ornithologen in Görlitz im Mai
1870", 55 S. Sehr gute Zusammenstellung mit 4 Anlagen,
betreffend: 1) das Hochgebirge Skandinaviens und seine
Vögel von A. E. Brehm, mit prachtvollen landschaftlichen
Schilderungen. 2) Cabanis, Sibirische Vögel, kurze Be-
merkungen über interessantere Arten, wie Turdus pelios,
Scolopax hetcrocerca, Muscicapa luteola u. s. \v. 3) Die
Eier von Opisthocomus für rabenartig erklärt, v. Ho-
meyer erscheinen sie dagegen mehr rallen-haft. 4)
v. Homeyer über portugiesische Vögel, z. B. über Ga-
lerida Thcklae, die eine gute Art sei. Das Ei nähert
sich zumeist dem von A. arborea. Als neu wird be-
schrieben: Phy llopneuste Br ehmii auf S. 48. Steht
rufa am nächsten, ist aber nicht grösser als Regulus igni-
capillus. 4) Ueber Nucifraga caryocatactes von Dr.
Wiedemann in Trient. Interessante Angaben über das
Vorkommen des Nusshähers in Südeuropa u. s. w. Liebt
Pinus cembra über Alles. Viel mit Tardus torquatus
zusammen. Früher brüteten die „Zirmgratschen" sehr
zahlreich in den Cembra-Beständen unweit Innsbruck.
Sammeln durch merkwürdigen Instinkt ihren Winter-
vorrath an Zirbelnüssen im Kröpfe. Oft über 40 Stück
der auserlesensten bei einem Vogel. Wo aber diese Vor-
räthe deponirt werden, ist noch unbekannt.
A. v. Pelz ein. Ueber die von Herrn Baron E.
v. Ransonnet von der ostasiatischen Expedition einge-
sendeten Vögel und Säugethiere", Separatabdr. aus Verh.
K. K. Zool. Bot. Ges. zu Wien. S. 99. Nennt 25 Arten
mit den Fundorten.
A. Newton „On some new or rare Birds Eggs"
Proc. Z. S. p. 55. Mit schönen Abbildungen der Eier
von Theristicus melanops, Calidris arenaria, Numenius
borealis, N. hudsonius, Chionis minor, Xema Sabini, Larus
Philadelphia, Larus Franclini. Kein Zweifel an der Echt-
heit der Eier.
W. v. Nathusius „die Structur des Vogelei's und
deren Beziehungen zur Systematik", Gab. Journ. f. Orn.
Heft 4. Wichtig. Anatomie und Physiologie. Als sicher
der Vögel während des Jahres 1871. 7
wird angenommen, dass gewisse wohldefinirte Typen der
Eise haalenstructur gewissen natürlichen Gruppen (Familien)
entsprechen, und dass der Regel nach die Stellung einer
Art zu dieser Gruppe mit grosser Bestimmtheit schon
aus der blossen Schaalenstructur au entnehmen ist. Es
scheint ferner die Domestication diesen Speciescharacter
nicht verwischen zu können. Im Gegentheil widersteht
ein constatirter Speciescharakter mit grosser Hartnäckig-
keit den Einflüssen der Variation und Domestication.
„Ein Ei im Ei" von Dr. Fr. Wahlgreen: Gab.
Journ. f. Orn. Heft 4.
Th. A. ß ruhin „die Iris der Vögel" insbesondere
der Raub-, Sumpf- und Schwimmvögel der deutschen
Fauna als unterscheidendes Merkmal der Arten, des Alters
und Geschlechts" Zool. Gart. 1870, p. 290. Sehr zu be-
achten.
W. L ü d e r „Zur Bildung des Brustbeins und Schulter-
gürtels der Vögel" Gab. Journ. für Orn. p. 321. Sehr
fleissige Arbeit, die, gestützt auf ein wie es scheint sehr
umfangreiches Material, wichtige Gesichtspunkte für ein
natürliches System der Vögel liefert. Sorgfältige Be-
nutzung der einschlägigen Litteratur.
„Ueber Vogelstimmen, insbesondere über Kukuks-
ruf und Amselschlag" von Prof. J. Oppel: Zool. Gart.
p. 33 — 56. Keines Auszugs fähig. Streng musicalisch-
analysirend. Sonderbar erscheint es immer, wenn man
Vogelgesang in Noten ausgedrückt sieht.
Anticipirend sei hier der von Ph. L. Sclater her-
ausgegebenen „Revised üst of the Vertebrated Animals
now or lately living in the gardens of the Zoological
Society of London. 1 vol. 8. (1872). Die Zahl der darin
verzeichneten Vögelarten beträgt nicht weniger als 1044!!
Europa.
Dr. A. Fritsch „Naturgeschichte der Vögel Eu-
ropa's" ist nunmehr zum Schluss gelangt. Das alles Lob
verdienende Werk enthält auf 61 Tafeln 708 Abbildungen
der Vögel Europa's in ihren verschiedenen Farben-
8 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
kleidern. (Farbendruck). Der Text ist 506 Seiten stark
und verräth durchweg Sachkenntniss und geschickte Aus-
wahl des gegebenen Stoffes.
R. B. Sharpe und H. E. Dresser „A History of
the Birds of Europe, including all the species inhabiting
the western Palaearctic region" Gr. 4to. Part I : Co-
racias garrula, Falco vespertinus, Totanus stagnatilis, Em-
beriza leueoeephala, Lophophanes cristatus, Lanius rutilus,
Querquedula crecea und Q. formosa. Part II: Falco tin-
nunculus, Glaucidium passerinum, Parus major, Lanius
exeubitor, L. nubicus, Emberiza caesia, Chettusia leecura,
Querquedula falcata. Pt. III: Somateria Stellen, Ardca
melanocephala, Numenins tenuirostris, Lanius algeriensis,
Calamophilus biarmicus, Dryocopus martius, Emberiza
citrinella, Falco cenchris; die meist lebensgrossen Ab-
bildungen in diesem schönen Werke sind vortrefflich und
der Text sucht in erschöpfender Weise zusammenzustellen,
was als gesichertes Wissen über die einzelnen Arten vor-
handen ist. Die geographische Verbreitung erfährt vor-
zugsweise Berücksichtigung. Das den Verfassern zu Ge-
bote stehende Material ist ein riesiges. Hoffentlich tritt
im Erscheinen dieser umfangreichen wahrhaft grossartigen
Publication keine längere Stockung ein. Es sind bis
jetzt 10 Theile erschienen.
G. v. Koch „Synopsis der Vögel Deutschlands",
kurze Beschreibung aller in Deutschland vorkommenden
Arten. Mit 296 Abbildungen auf 8 Tafeln. Preis 1 Thlr.
Zählt zu denjenigen Büchern, die ihrer ganzen Natur
nach sehr geeignet sind, der vaterländischen Vögelkunde
vermehrte Betheiligung zuzuwenden.
G. v^Koch „die Sänger Mitteldeutschlands oder
Abbildungen und Beschreibungen der mitteldeutschen
Sylvien". Mit 16 colorirten und 2 schwarzen Kupfertafeln.
l*/i Thlr. 8vo.
B. Borggreve veröffentlicht Nachträge und Be-
richtigungen zu seiner Vogelfauna von Norddeutschland.
Cab. Journ. für Ornith. p. 210.
Dr. E. Key „Synonymik der Europäischen Brut-
vögel und Gäste". Systematisches Yerzeichniss nebst An-
der Vögel während des Jahres 1871. 9
gaben über geographische Verbreitung der Arten mit
besonderer Berücksichtigung der Brutverhältnisse. Svo.
A. und K. Müller „Gefangenleben der besten ein-
heimischen Singvögel, Vogelwirthen und Naturfreunden
gewidmet". Ein Band von 180 S. den Anfang bildet
eine lehrbegriffiiehe Zusammenstellung. Dem folgen Ab-
schnitte über Vorkehrungen, Bauer, Nahrung, dann über
Leben in Einzelnbauern und Leben in Hecken u. s. w.
„Unsere Höhlenbrüter" von H. Schacht: Zool. Gart.
p. 129. Ausführlich und instruetiv.
Dr. A. F ri 1 8 en „die Vögel Böhmens" in Cab. Journ.
für Ornith. p. 161. Sehr gute Einleitung mit genauen
Angaben über die Quellen an Litteratur und Sammlungen.
v. Tshusi „Wanderungen im Böhmer- Walde", Cab.
Journ. für Ornith. p. 62. Gute Schilderung eines deut-
schen Urwaldes auf S. 71. Darin Muscicapa parva.
v. T ch u s i „Ornithologische Mittheilungen aus Oester-
reich: Cab. Journ. f. Orn. p, 116. Dabei über die Samm-
lung von Pfarrer Häuf in Mariahoff.
L. Steinjäger „Ornithologische Notiz aus Meran"
Cab. Journ. f. Orn. p. 122. Wenig mehr als Namen.
Dr. E. Key „die Ornis von Halle" Sieb. Zeitschr.
f. die ges. Naturwiss. p. 453. Gute, zuverlässige Be-
obachtungen über 253 Arten. Fortpflanzung, Zuchtzeit
u. s. w.
Dr. T h. Holland, „die Wirbelthierc Pommern's",
systematisch geordnet nebst Tabellen zur Bestimmung
derselben nach der analytischen Methode. Stolp 1871.
A. v. Pelz ein „Ein Beitrag zur ornithologischen
Fauna der österr. ungarisch. Monarchie" Separatabdruck
von 42 Seiten aus den Verb. K. K. Zool. Bot. Gesellsch.
Wien 1871, p. 690. Zu Grunde gelegt ist die Sammlung
im Kais. Museo zu Wien. Genaue Fundorte.
T. Salvadori „Fauna d'Italia", Ucclli. I— VII.
Sahen wir noch nicht.
E. Beitoni „Storia naturale degli uccelli che nidi-
ficano in Lombardia. Fortsetz. Bei sämmtlichen Arten
eine Abbildung des Nestjungen. Im Jahre 1870 er-
schienen Fascic. XXIV— XXVII.
10 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
*
HowardSaundcrs „ A list of the Birds of South-
Spain" Ibis, p. 94. Mit gewissenhafter Berücksichtigung
der spanischen Litteratur und vortrefflichen Beobachtungen
über die Lebensweise der einzelnen Arten. Ueber selt-
nere, wie z. B. über Aquila naevioides, ausführlicher.
Citte syriace Lonnat var. Accentoxalpinus in der Sierra
nevada; Sylvia claeica und olivetorum; Ligurinus chloro-
ticus Ehrb. in Andalusien ; Emberiza pyrrhaloides, Sturnus
unicolor, Cyanopica Cooki, Turnix, Fulica christata. Grus
virgo ist im Winter nicht selten. Hübsch über Ciconia
alba. Neben Phocnicopterus antiquorum kommt auch ery-
thraeus vor, aber seltener. Eris matura mersa ist Brutvogel.
Larus leucophaeus brütet in Menge „at the Dragonera".
v. H o m e y e r's Mittheilung über portugiesische Vögel
(Erinner.-Schr. u. s. w.) wurde bereits erwähnt. Galerida
Theklae als gute Art anerkannt.
G. Schweder „Synopsie der Vögel der Ostsee-
provinzen. 4to. 32 S. Separatabdr. aus dem Programm
des Realgymnas. zu Riga für 1870. Giebt kurze Charactere
der Gattungen und Arten, zu dem Zwecke, jeden Vogel
nach den Merkmalen des Schnabels, der Füsse und des
Gefieders leicht zu bestimmen. Keyserl. und Blasius zu
Grunde gelegt.
H. Goebel „Reise von St.. Petersburg nach Ar-
changelsk über Twer, Jaroslav, Wologda und Ustjug"
(8. Mai bis 1. Juni), Cab. Journ. für Orn. Heft I. Hübsch
über seltnere Arten, so über Terekicinerea.
H. Goebel's Arbeit über die Vögel des Unian-
schen Kreises (Gouvern. Kiew) beendigt: Caban. Journ.
für Orn. Die Eier erfahren speciclle Berücksichtigung.
Von J. Gould's „Birds of Great Britain" erschienen
pt. XIX und XX.
R. Gray „The birds of the West of Scotland, in-
cluding the outer Hebrides. 8. Glasgow 1871.
A. Mewton's Neue Ausgabe von Garrele's „British
Birds" berechtigt zu den grössten Erwartungen und ist
in raschem Vorschreiten begriffen.
v. Heu gl in berichtet in Cab. Journ. f. Ornith. über
die ornithologischen Ergebnisse seiner Reise im euro-
der Vögel während des Jahres 1871. 11
päischen Nerden (Finmcrken und Spitzbergen). Von
grossem Interesse. Somateria Strulcnsis soll sich durch
die Schnabelform und durch die Farbe der Weichtheile
von mollissima als gute Art unterscheiden. Hübsch über
Laras eburneus im Storfjiord; ebenso über Procellaria
glacialis. Vergl. daselbst auch über Tetrao hemileucurus.
Africa.
v. Heuglin's grosses Werk „Ornithologie N. O.
Africa's" geht langsam zwar aber stetig vorwärts. Es er-
schienen Heft 18 bis 23, enthaltend Fringilliden, Muso-
phagiden, Bucerotiden u. s. w. Schöne Abbildungen
von Turdus pelios, Nigrita Arnaudi, Xanthodina dentata
nebst dem Kopfe von Xanthod. pyrgita, Limnetes crassi-
rostris und den Köpfen von Hyphantornis intermedius, tae-
niopterus, vitellinus, galbula und Guerini. Brieflichen Mit-
theilungen vom Verfasser zufolge ist an der Vollendung
dieser umfangreichen Arbeit nicht zu zweifeln. Also :
Geduld! Der erste Band schliesst mit S. 850.
Fred, du CaneGodman „Natural History öf the
Azores* 1 vol. 8. London. 350 S. Aves S. 18-40. Ein-
leitend beschreibt der Verfasser seine Reise und seinen
Aufenthalt auf den Azoren und schildert die zoologisch
wenig bekannte Inselgruppe nach allen Richtungen. Die
Franzosen H. A.Morelet und H. Drouet sind die ein-
zigen Naturforscher, die uns von den Vögeln der Azoren
berichten. Godman kennt 53 Arten als dort vorkom-
mend und bespricht dieselben mehr oder weniger aus-
führlich. Nur eine scheint dieser Gruppe eigenthümlich
anzugehören, Pyrrhula murina. Der Kanarienvogel ist
überall gemein. Fringilla tintillon (= Moreleti, Puch.)
bewohnt ausser den Azoren die Insel Madeira und die
canarischen Inseln. Plectrophanes nivalis erscheint bis-
weilen auf dem Zuge, So ein Flug von etwa 20 Stück
auf Corvo im Winter von 1864 — 65. Standvögel scheinen
nur 38 Arten zu sein. Zwei geographische Kärtchen und
eine tabellarische Uebersicht der Azorenvögel nach ihrer
12 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Verbreitung in Europa, Nordafrica, Madeira und den
Oanarcn sind willkommene Beigaben.
Dr. H. Dolira „Beitrag zur Ornithologie der cap-
verdischen Inseln. Gab. Journ. f. Ornitb. S. 1. Eine
interessante physiograpbiscbe Schilderung geht voraus.
Euphorbia Tuckeyana bedeckt die höchsten Gruppen der
Berge. Es kommen 21 Arten zur Beobachtung: Neophron
perenoptems, Pandionhaliaetos, Milvus regalis, Falco tin-
nunculus, Haleyon rufiventris, Calamoherpe brevipennis
n. sp., Sylvia conspicillata, S. atricapilla, Corvus corone,
Alauda cinchtra, Fyrrlialauda nigrieeps, Gould (= fron-
talis, Licht.), Passer salicarius, P. jagoensis, Estrelda ci-
nerea schaarenweise in einigen pflanzenreichen Thälern von
Santiago, Columba livia, Nümida meleagris, Coturnix com-
munis, Ardea cinerea, A. garzetta, Phaeton aethereus, Dys-
porussula. Keuleman'sGypohierax ist ohne Zweifel Paudion.
L. Taczanowski „Beleuchtung einiger Fragen, die
Heu gl in zu einer Uebersicht der Vögel Algeriens ge-
stellt: Cab. Journ. f. Orn. Kein Zweifel, dass Porzana
marginalis nob. in der Oase Bistra vorkommt. Heuglin
constatirt das nach Untersuchung der Originalexemplare.
Genaue Beschreibung.
J. H. Gurney jun. „On the Ornithology of Al-
geria" Ibis p. 68. Mit Abbild, von Parus Ledouci. Aus-
führlich über Lanius dealbatus, Fringillaria Saharae, Ohio-
rospiza aurantiiventris Geb. (die doch schliesslich nur
auf chloris hinauslaufen dürfte), ferner über Carpodaeus
githagineus u. s. w. 141 Arten.
Capt. G. E. Shelley „Contributions to the Or-
nithology ofEgypt." Forts. Ibis, p. 38 und 309. Nament-
lich von Wichtigkeit der biographischen Noten halber.
Cypselus pallidus wird als neue Art beschrieben. Ibis
rcligiosa sei allerdings früher ein indigener ägyptischer
Vogel gewesen. (? Ref.) Capt. Shelley hat die Summe
seiner Kenntniss von den Vögeln Egyptens ganz neuer-
lich in einem stattlichen Octavbande veröffentlicht, der
mit reizenden Kupfern illustrirt ist und dessen Besprechung
dem nächsten Jahresberichte anheimfällt.
B. B. Sharpe „Catalogue of African Birds in the
der Vögel während des Jahres 1871. 13
collection etc. 1871. 76 S. mit Register. Umf'asst nur
Passeres und Picariae. Madagascar ist eingeschlossen.
Wichtig, weil der Leser Einsicht gewinnt in den Umfang
des den zahlreichen Arbeiten des Verfassers zu Grunde
liegenden Materials. Genaue Lokalitätsangaben. Als
neue Arten erscheinen Urobrachya Bocagei von Angola
und Alethe castaneonota von Fautee. Es werden 703
Arten namhaft gemacht, darunter viele der seltensten.
In der That, eine Privatsammlung ersten Ranges!
R. ß. Sharpe „On the Birds of Angola" Proceed.
Zool. Soc. p. 147. Mit Abbildungen von Pycnonotus ga-
bonensis, tricolor und barbatus, die vielleicht identisch,
(pl. VII). Eine neue Art ist Hypochera nigerrima, S. 133.
Ein zweites Exemplar von Musophaga Rossae!
R. B. Sharp e „The Birds of Camerouus" Proceed.
Z. S. p. 602. Sehr wichtig, denn man kannte von dieser
Lokalität bis jetzt nur die von Burton daselbst gesam-
melten Arten. Buceros albicristatus, immer grösser als
die Fanteerasse (Abb. der Schnäbel); Corythaix Meriani,
Gymnobuceo Peli und G. calvus (Abb. der Köpfe); Tri-
cholaema hirsutum av. jun. zuerst beschrieben; Turdus
(Jrossleyi n. sp. p. 601, pl. XLVII. Steht unserem T.
Gurneyi zunächst; Laniarius multicolor; Accipiter Hart-
laubii av. jun. beschrieben; Syrnium nuchale beschr.
Barboza du Bocage. Aves das possessoes por-
tugezas da Afr. oeeid. Quinta lista. Die Lokalitäten, wo
gesammelt wurde, sind Huilla, Capangombe, Angola, Ca-
sengo. Wieder 77 Arten! Neu sei Crateropus gutturalis.
Lamprocolius sycobius, Numida Verreauxi, Bradyornis
ruficauda von Angola; Cypselus aequatorialis v. Müll.,
Angola; C. melba von Huilla; Nycticorax europaeus von
Mossamedes und Bissao.
Layard „Notes on South African Ornithology"
Ibis p. 226. Barbatula Eytoni n. sp. Bechuanagegend;
Telephonus trivirgatus sei „the small tropical race" von
erythropterus ; Anthus Göüldi, A. cinnamomeus und sor-
didus seien nur eine Art; dann über Ixos tricolor.
Layard „über die Seevögel beobachtet auf einer
Reise vom Cap nach England, nebst einer iVnmerkung
14 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
über einige Vögel der Luciabav". Hier wurden geschossen
Numida Verreauxi, Ardea rufiventris, Hoplopterus crassi-
rostris, Buphaga erythrorhyncha und Laniarius quadricolor.
Tli. Ayres und J. H. Gurney „Additional notes
on the territory of the Transvaal-republic" Ibis, p. 143.
Sehr reichhaltig. Ardea calceolata und A. flaviinana Sandev.
seinen = ardesiaca, Wagl. Ardea rufiventris Sand. (pl.
IX Fig. opt.) könne semirufa sein. „Turdus olivaceus"
früherer Listen sei T. Deckeni. u. s. w. Zahlreiche treff-
liche Noten über Lebensweise.
J. H. Gurney „Remarks on certaia species ofAbys-
sinian Birds" Proceed. Z. S. p. 147. Allerlei Erwiede-
rungen auf die Arbeit von Finsch über Jesse's Vögel.
R. B. Sharpe „Contributions to the Ornithology
of Madagascar" pt. n. Proceed. Z. S. p. 313. Nachträg-
liches und Neues. Oriolia Bernieri ist juv. von Artamia
leucocephala. Ueber Tylas Edouardi. Mystacornis lebt
auf dem Boden in dichtem Walde, nicht auf Schilf. Ber-
nieria und Mystacornis stehen Xenocichla nahe. Core-
thrura insularis abgeb. pl. XXXII. Cypselus gracilis
n. sp. unterscheide sich von parvus und unicolor. Von
Cossypha imerina werden verschiedene Kleider zuerst
beschrieben. Zwei neue Exemplare von Hypherpes co-
rallirostris, „one of the most eurious birds exstant"! Be-
schreibung des av. jun. von Vanga curvirostris. Porzana
pygmaea Naum. auf Madagascar.
J. C. Melliss über introducirte Vögel auf St. He-
lena: Ibis, p. 367. Merkwürdige Versuche, europäische
Arten einzuführen, gelangen nur zum Theil, so z. B. mit
dem Sperling und der Schwarzamsel.
Asien.
Von J. Gould's „Birds of Asiaa erschien pt. XXIII,
mit den prachtvollen Abbildungen von Polyplectron chin-
quis, Perdix barbata, Pittabengalensis, P. oreas, Psaropholus
Trailli, Psaropholus ardens, Ofldiphaps nobilis, Accentor
montancllus, Accentor rubidus, Accentor erythropygius,
Zosterops simplex, Z. erythropleurus, Parus venustulus,
Staphida torqueola Swinh. und Pterorhinus Davidi, Swinh.
der Vögel während des Jahres 1871. 15
Allan Hume „My scrapbook or rough notes on
Tndian Oology and Ornithology* Part. I, Nr. 2. Geht
bis S. 422. Ein drittes Heft, Znsätze und Verbesserungen
enthaltend, soll den ersten Band beschliessen (Rapaces).
Ueberaus fleissige Arbeit voll Kenntniss und Critik. Sehr
ausführliche Beschreibungen. Haliaetos pelagicus bleibt
zweifelhaft als indischer Vogel. Milous major n. sp. viel
grösser als govinda. Ephialtes plumipes n. sp. p. 397.
Von Kotegurh. Ninox affinis Tytl. von den Andamanen
sei als Art sehr zweifelhaft u. s. w.
Allan Hume „Stray notes on Ornitbology in In-
dia" Ibis, p. 23. Darin allerlei Nachträgliches zu den
Rough Notes. Saxicola Kingi n. sp. p. 29. Jodhpoor.;
Acrocephalus macrorhynchus n. sp. p. 31 aus dem Sut-
ledge Thal. Sylvia orphea ganz wie in Europa; ebenso
Sylvia cinerea von Aboo; Iduna salicaria, Pall. Budytes
citreolus; Ploceus megarhynchus n. sp. von Kumaon;
Alauda arvensis! Labore; Anthus spinoletta; Butalis ci-
nerea. Ob Muscicapa paron wirklich verschieden von
leucura?
Dr. F. Stoliczka „A contribution to Malayan Or-
nithology" Journ. As. Soc. Beng. XXXIX. pt. 2.
Vi'scount Waiden „Observations on Dr. Sto-
liczka's Contrib. to Malayan Ornitbology* Ibis, p. 158.
Mit Abbild, von Criniger gularis und Cr. phaeocephalus.
Critische Notizen über zahlreiche Arten. Was eigentlich
Bucco Lathami, sei nicht mehr auszumachen; jedenfalls
falle diese dunkle Art nicht mit Heyi zusammen ; etwas
über die drei Irena-arten, die Stoliczka nur als Rassen
betrachtet.
Allan Hume „ Additional observations regarding
sorae species of birds noticed by M. W. T. Blanford in
bis ornithol. notes from Southwest- and North-India" Journ.
As. Sov. Beng. 1870, pt. 2 p. 113. Der nordindische Re-
präsentant von Spizaetos dewa wird beschrieben als Sp.
simillimus n. sp. Alcippe Brucei könne man nicht unter-
scheiden von A. poiocephala. Casornis spilonotus habe
er von Oudh erhalten.
J. C. Jerdon „Notes on some new species of birds
IG Hartlaub: Bericht üb. d. Lcist. in d. Naturgeschichte
from the N. E. Frontier of India" Journ. As. Soc. of
Beng. 1870, p. 59. Erste Beschreibung von Ceriomis
Blythi, Lophopliorus Sclateri und Cypselus tectorum.
J. C. J:erdon „Supplenientary notes to the Birds
of India" Ibis, p. 234 und 235. Sehr wichtig. Scheint
auf grösseren Umfang berechnet. Abb. von Cypselus in-
fumatus (tinus, Swinh.) Zu den Rapaces liefert Obrist-
lieutenant D elme Radcliffe „a few remarks" im Ibis,
p. 363, indische Raubvögel betreffend. Wichtig z. B.
über Falco atriceps.
J. C. Jerdon „Notes on the birds of India, by
A. C. Mc' Master" Madras 1870.
W. T. Blanford „List of birds collected or ob-
served in the Wardha Valley and its vicinity etc.
und: Notes on Colon. Mc'Master's List of Birds from
Nagpore: Journ. As. Sov. of Beng. XL, pt. 2. (1871).
W. T. Blanford „Notes on a collection of birds
from Sikkim* Journ. As. Cov. Beng. XLI. p. 152. Mit
color. Abbildungen von Phylloscopus pallidipes und Pel-
lorneum Mandelli auf pl. VIT und von Propasser saturatus
auf pl. VIII. Interessante Abhandlung. Man vergl. z. B.
über Milvus melanotis Temra. & Schleg., eine prachtvolle
weitverbreitete Weihe Indien's; ferner über Huhua ni-
palensis, Graucalus Macei und seine Rassen, Phylloscopus
pallidipes n. sp., Tickellia Hodgsoni (Moore), Pellorneum
Mandelli n. sp., Euspiza rutila, einer Novität für die Ornis
Indiens, Propasser saturatus n. sp. u. s. w.
Jules Verreaux „Note sur les especes nouvelles
d'oiseaux recueillies par Mr. Fabbe Armand David dans
les montagnes du Thibet chinois" Nouv. Arch. du Mus.
VI. p. 33. Von 32 neuen und zum Theil höchst merk-
würdigen Arten werden sehr kurze und kaum genügende
lateinische Diagnosen ausgetheilt. Keine Maasse!
G. R. Gray „A fasciculus of Birds of China" 4.
Lond. 1871. Giebt die ursprünglich von Swainson auf
Stein gezeichneten meist lebensgrosscn Abbildungen von
folgenden 12 Arten: Myiophonus caeruleus, Hypsipetes
leueoeephala, Collurio schach, Acridotheres nigricollis,
Sturnus scriceus, Coccothraustes melanurus, Francolinus
der Vögel während des Jahres 1871. 17
sinensis, Perdix thoracica, Eulabeornis striatns, Gallinula
cristata, Querquedula formosa und Querq. falcata. Kurzer
erläuternder Text.
R. Swinhoe „Revised catalogue of the birds of
China" Proceed. Zool. Soc. p. 337. Von eminenter Be-
deutung. 675 Arten! Als neu werden angenommen:
AquiFa amurensis, Cecropis aretivitta, Sitta amurensis,
Locustella tacsanowskia, Motacilla baicalensis (= paradoxa?
Ref.), Spizixos cinereicapillus, Suthora suffusa, Lanius
incertus, Dicrurus cathoecus, Alauda Wattersi, Alaudula
cheleensis, Areoturnix Blakistoni, Hemipodius viciarius,
Haematopus osculans. Sodann über Fulix Baeri Radde
(Reis. Süd. Ost. Sibir. p. 376, t. XV), Oreopneuste Da-
vidii, M. Edw. (Arch. du Mus. c. fig.), Aegithaliseus fnli-
ginosus, J. Verr. (N. Arch. Mus. t. VIII Bullet, p. 36);
Suthora gularis, J. Verr. von Moupin, Juhina diademata
von Moupin. Auch verschiedene neue Gattungen: z. B.
Herbivocula Flcmingii. Auffallende Notiz über den Stimm-
laut von Upupa epops u. s. w.
A. Adams „Travels of a naturalist in Japan and
Mandschuria" Lond. 1870. Soll Noten über die Lebens-
weise verschiedener Vögel enthalten.
J. Cabanis „Ueber sibirische Vögel" in v. Hö-
rn eye r'sErinner.-Schr. Kurze Bemerkungen über Turdus
pelios, Scolopax heterocerca, Muscicapa luteola, die =
M. mugimaki sei, u. s. w.
v. Ball „Brief notes on the Geology and on the
Fauna in the neighbourhood of Naucowry Harbour, Ni-
cobar Islands. Journ. As. Soc. Beng. 1870, pt. 2 p. 25
Bemerkungen über 25 beobachtete Arten.
v. Ball „Notes on birds observed in the neigh-
bourhood of Port Blair, Andaman Islands" Journ. As.
Soc. Beng. 1870, pt. 2 p. 240. Berichtet von 22 Arten.
ViscountWalden „Ueber die Vögel von Celebes"
Proc. Zool. Soc. ofLond. p. 329. Hauptsächlich nach den
Sammlungen Dr. A. B. Meyer's. Kennt 193 Arten aus
38 indischen und 23 australischen Gattungen. Neun ge-
nera sind Celebes eigenthümlich, nämlich Meropogon,
Monachalcyon, Ceycopsis, Artamides, Gazzola, Strepto-
Archiv für Naturg-. XXXVIII. Jahrg. 2. Bd. B
18 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
citta, Enodes, Scissirostrum, Megacephalon ; Cittura auch
auf den Sanghirinseln, Prioniturus auch auf den Philip-
pinen, Basilornis auch aufCeram. Wichtige tabellarische
Uebersichten. Die Gattungen Criniger und Rhipidura
fehlen merkwürdiger Weise, Coracias und Myiolestes sind
vorhanden. 65 Arten sind bis jetzt als Celebes eigen-
thümlich bekannt, 20 kommen auch auf den Sanghirinseln
vor oder auf der Sulagruppe; 55 zeigen deutlich indische
Verwandtschaft ; 14 sind ganz australische, 28 beiden Re-
gionen eigen. Acht Arten sind auf die Moluccen be-
schränkt. Der nächste Jahresbericht wird von sehr aus-
führlicher in noch höherem Grade interessanten Arbeit
über die Ornithologie von Celebes zu berichten haben,
welche Lord Waiden in den Transactions der Zool.
Gesellschaft veröffentlicht hat und die mit schönen Ab-
bildungen illustrirt ist.
America.
E. Harting „Catalogue of on Arctic collection of
Birds presented by Mr. John Barrow to the University
Museum at Oxford" Proceed. Z. S. p. 110. Sehr in-
teressant. Eurinorhynchus pygmaeus von der Choris-
Halbinsel; Laru3 Sabini von der Melvilleinsel; Fulica
americana noch unter dem 70° Gr. N. Br., Aegialites
mongolicus von der Halbinsel Choris; 4 Phaleris Arten
von der Küste von Kamtschatka; Larus eburneus in der
Barrowstrasse; Larus occidentalis von der Choris- Halb-
insel u. s. w.
Ueber Ankunft und Brütezeit einiger nordameri-
kanischer Zugvögel von Th. A. Brüh in in Milwaukie;
Zoolog. Garten, p. 10 — 18. Populär, aber nicht unwichtig.
Elliott Coues „Notes on the history of Fort
Macon, N. C. and vicinity: Proceed. As. N. Sc. of Philad.
p. 13. Kurze Angaben über die einzelnen Arten, z. B.
Zeit ihres Aufenthaltes. Ausführlicher über Ammodromus
caudacatus, A. maritimus, Quiscalus major, die Aegialites-
arten, Rallus crepitans, Larus smithsonianus, atricilla und
Philadelphia, Sterna regia, acuflavida, Forsten und an-
tillarum; endlich über Rhynchops. (Lebensweise),
der Vögel während des Jahres 1871. 19
J. Gr. Cooper „The Naturalist in California" Amer.
Natur. III. p. 182—189. Enthält zahlreiche Bemerkungen
über Vögel jenes Gebietes.
J. G. Cooper „Fauna of the Montana-Territory:
Amer. Natur. III. p. 73—84. Zählt 89 Arten auf. Kurze
biographische Notizen.
J. A. Allen „On the Mammals and Winter Birds
of East Florida, with an examination of certain assumed
specific characters in Birds and sketch of tke Bird-Fauna
of Eastern North-America. Mit fünf Kupfertafeln. Se-
paratabdruck aus dem Bullet, of the Mus. of Compar.
Zoology atHorward College, Cambridge (Massach.) vol. IL
J. A. 'Allen „Notes on an Ornithological recon-
noissance of portions of Kansas, Colorado, Wyoming and
Utah". Aus dem Bullet, of the Mus. of Compar. Zool.
at Horward College etc. p. 113 bis 183. Ausführliche
und sehr wichtige Abhandlung, die namentlich auch bei-
tragen soll, den Begriff lokaler Rassen in der Orni-
thologie zu befestigen. Die im hohen Grade instructive
Einleitung enthält darüber eine grössere Anzahl be-
merkenswerther Beobachtungen und sucht viele der so-
genannten guten Arten auf climatische oder geographische
Rassen zu reduciren. Jedenfalls ist dabei der stufenweise
Uebergang einer Form in die andere, durch ganze Gruppen
von Formen hindurch, die so zu sagen um einen gemein-
schaftlichen Typus herum rangiren, eine interessante und
bedeutsame Thatsache. Es werden 9 separate Listen der
Vögel von 9 zum Theil weit von einander entfernten Lo-
kalitäten der Ebenen und Centraltheile der Felsengebirge
mitgetheilt. Jeder dieser Abschnitte eröffnet eine kurze
geo- und physiographische Einleitung. Ueber seltnere
Arten ausführlicher, so über Harporhynchus rufus, Plec-
trophanes ornatus, Calamospiza bicolor, Panyptila mela-
noleuca u. s. w.
Von S. F. Baird's grossem Werke über die Or-
nithologie Californiens, über dessen ersten Band bereits
referirt wurde, ist noch keine Fortsetzung erschienen.
Die Lokalitäten, wo hauptsächlich gesammelt wurde, sind;
das Coloradothal um Fort Mojave, die Gegend um St.
20 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Diego und S. Pedro, ferner S. Barbara und die Inseln
der Küste; dann Theile der Sierra Nevada und die Küsten-
gegend von Baulinasbay bis St. Cruz.
„Natural History of thc Tres Marias and Socorro,
by Col. Andrew J. Greysön. Brochüre von 45 S. Boston.
Die Tres Marias-Inseln liegen etwa 70 Meilen westlich
von San Blas und etwa 90 südlich von Mazatlan. Die
Insel Socorro liegt etwa 240 Meilen westlich von den
Marias. Interessante geographische Einleitung. Auf der
Tres Marias wurden 52 Arten gesammelt, über die an-
ziehend berichtet wird. Vergl. über Falco nigriceps, Cass,
Hypotriorchis rufigularis, Prittacula cyanopygia, Ckry-
sotis Levaülanti , Trogon ambiguus, Turdus flaviros-
tris, Sw., Turdus Grayi, Granatellus Francescae, Pa-
rula insularis, Myiarchis Lawrencii, Habrostomus Agla-
jae, Jcterus Greysoni, Pyranga bidentata, Circe lati-
rostris , Pyrrhophaena Greysoni. Die Avifauna dieser
Inselgruppe ist also jedenfalls eine sehr eigentümliche,
indem wie es scheint vier der genannten Arten derselben
ausschliesslich angehören. Zu den genannten 2 Colibri's
kommen noch fünf Arten, welche Cap. J. Xanthus daselbst
beobachtete. Ueber Socorro, der grössten der Revilla-
gigedo-Inseln, war bisher zoologisch gar nichts bekannt.
Geographisches und historisches Vorwort. Greyson
beschreibt ausführlich seine Reise dahin sowie den Auf-
enthalt auf der Insel. Von den 14 daselbst beobachteten
Arten sind nicht weniger als 7 Socorro exclusiv ange-
hörig, nämlich Conurus holochlorus var. brevipes, Baird,
Harporhynchus, Graysoni, B., Pipilo Carmani, Lawr.,
Troglodytes insularis, B., Zenaidura Graysoni, B., und
Micrathene Whitneyi, Coop. Gemeinschaftlich mit Tres
Marias ist Parula insularis. Chamaepelia pallescens ist
weiter verbreitet.
Alfredo Duges „Catalogo de Animales obser-
vados en la repüblica Mexicana". Naturaleza vol. I. p.
137. Ein mit Hülfe von Jules Verreaux zu Paris an-
gefertigter Namenscatalog der Vögel zählt 228 Arten auf.
A. Ernst „Apuntos para la fauna ornithologica de
Venezuela" Vargasia 1870 p. 195—98. c. tab. Genau nacli
der Vögel während des Jahres 1871. 21
Sclater's und Salvin's Bearbeitung* Goering'seher
Sammlungen. Abbild, von Brachygalba Goeringi, Suble-
gatus glaber und Euscarthmus impiger.
W ill. H. Dale „An afternonon in Nicaragua" Am er.
Natur. III. p. 35 — 39. Behandelt einige in den Wäldern
um Greytown erlegte Vögel.
P. L. Sclater „On the Birds of the Island of St.
Lucia, West-India". Procced. Z. S. p. 263. Wichtig und
neu. Geographisch-zoologische Einleitung. Viele der
sogen, kleinen Antillen sind uns ornithologisch fast ganz
unbekannt, so Antigua, Barbuda, Montserrat, Nevis, St.
Vincent. S clater bespricht 25 Arten, von welchen Viele
zu den grössten Seltenheiten zählen. Wir heben hervor:
Margarops Herminieri, M. montanus, Rhamphocinclus
brachyurus, Cinclocerthia macrorhyncha, Myadestes geni-
barbis, Icterus laudabilis, n. sp. (pl. XXI), Tyrannus
rostratus, Orthorhynchus ornatus, Mycobius latirostris,
Verr. N. Arch. du Mus. II. Bull. p. 22 t. 3, fig. 2. Ist
der Insel eigenthümlich.
Zur Ornithologie Cuba's veröffentlicht Dr. Jean
Gundlach in Caban. Journ. f. Ornith. „Neue Beiträge"
auf S. 265. Die Litteratur über die Vögel Cuba's erfährt
eine strenge Prüfung und Critik. Dasselbe gilt vom
Vorkommen der einzelnen Arten. Eigene Beobachtungen
sollen folgen. Sehr wcrthvolle für Cuba fast erschöpfend
zu nennende Arbeit.
Zoologische Notizen aus Puerto-Rico von Herrn
Bello yEspinosa: Zool. Gart. p. 348. Nennt 60 dort
vorkommende Vögelarten, und zwar vorwiegend bekannte
nordamericanische. Kein Papagei darunter!
P. L. Sclater „On the Birds of Oyapoc" Proc.
Zool. S. p. Der Fluss Oyapoc trennt Cajenne vom nörd-
lichen Brasilien. Das Gebiet ist ein ornitbologisch wenig
bekanntes. Es wurden 19 Arten gesammelt. Hetero-
pelma igniceps n. sp. Gemisch von Cajenne-Arten mit
solchen vom oberen Amazonos, also z. B. Euphonia ru-
fiventris, Hetcrocnemis argentata, Pipra filicauda, u. s. w.
J. F. Hamilton „Notes on birds from the province
of St. Paulo, Brazil" Ibis, p. 301. Handelt von 45 Arten.
22 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Die Lokalität wird kurz geschildert und allerlei berichtet
über die Lebensweise der beobachteten Vögel. Von einem
Papagei, Triclaria cyanogastra, wird der recht angenehme
Gesang gerühmt.
Claude W. Wyatt „Notes on some of the birds
of the United States of Columbia" Ibis IL p. 113, 319
und 373. Mit Karte. Sehr reichhaltig und von grossem
Interesse. Gesammelt wurde während einer Fahrt den
Magdalenastrom aufwärts und wieder zu Thal, dann
aber und zwar hauptsächlich auf der östlichen Cordillere
des Staates Santander. Die einzelnen Excursionen werden
sehr anziehend beschrieben und der Leser gewinnt le-
bendige Anschauung von der dortigen Landschaft und
deren gefiederten Bewohnern. Die seltensten Arten kamen
zur Beobachtung. Erst auf S. 320 beginnt die Auf-
zählung von 210 Arten. (Der Name Merula euryzona
wurde von Dubus niemals veröffentlicht: Ref.) Vergl.
über Cassicus flavicrissus, Trogon personatus, Monasa pal-
lescens, Caica pyrilia, einen der seltensten Papageien,
welchen Wyatt in der Umgebung von Canfa und S.
Niclas sowie am See Paturia antraf. Es wurden 26 Co-
libriarten gesammelt, unter ihnen Heliangelus Clarissa,
Lesbia amaryllis, SpathuraUnderwoodii, Oxypogon Guerini.
P. L. Sclater „On the Birds in the vicinity ofLima,
Peru, with notes on their habits by Prof. Nation of Lima".
Proceed. Z. S. p. 491» Vergl. über Phrygilus alaudinus,
Spermophila telasco, Euscarthmus fulviceps n. sp., Anae-
retes albocristatus, Amazilia pristina G., einem Colibri,
von dem es heisst „singing delightfully at intervals".
W. H. Hudson „Eilfter Brief über die Ornithologie
von Buenos Ayres" Proceed. Z. S. p. 258. Sehr inte-
ressant über Upucerthia dumetoria, über Centrites niger,
Cinclodes fuscus, Geronticus melanopis, Bernicla magel-
lanica etc. Ein zwölfter Brief auf S. 326 berichtet aus-
führlich über Hirundo leucorhoa.
P. L. Sclater „On the landbirds of Juan Fer-
nandez" mit Abbild, von Anaeretcs fernandezianus und
Oxyurus masafuera, Phil. Landb., ferner über Eustephanus
der Vögel während des Jahres 1871. 23
Leyboldti und E. fernandensis. Die Insel besitze vier
ihr eigenthümlich angehörende Arten. Ibis, p. 178.
R. O. Cunnjngham „Notes on the Natural History
of the straits of Magellan and the Westcoast of Pata-
gonia" London. Hamilton. Soll auch Ornithologisches
enthalten.
C. Sundevall „On ßirds from the Galopagos Is-
lands" Proceed. Z. Gr. p. 129. Es werden 26 auf der
Reise der „Eugenie" gesammelte Arten namhaft gemacht.
Aber nur Namen und Fundorte. Es wurden die Inseln
Chatham, Charles, James, Albemarle und Indefatigable
durchforscht. Dann folgen ausführliche lateinisch ge-
schriebene Beobachtungen über Camarhynchus proste-
melas, Haematopus palliatus, Pelecanus fuscus, Dysporus
cyanops und fuscus, Mimus melanotis, Ardea plumbea
n. sp. in verschiedenen Kleidern, Sphemscus mendiculus
n. sp., wie demersus, aber viel kleiner. Auch über
Mimus parvulus, Buteo galopagoensis, Myiarchus magni-
rostris, Ardea violacea, Mimus trifasciatus.
Australien.
Eine sehr zeitgemässe Zusammenstellung unserer
Kenntnisse von den Vögeln der Sandwichinseln verdanken
wir P. L. Sclater: Ibis, p. 357. Ein Mr. Dole von Hono-
lulu sammelt dort und veröffentlicht in den Proceed. Bost.
Soc. of N. H. XII, p. 294, eine „Synopsis of the birds
hitherto described from the Hawaian Islands". Diese
zählt 48 Arten auf, „little more than half the Avifauna
of the group" (? Ref.). Sclater kennt fünfzehn gute
Arten aus der Ordnung der Passeres. Aber jedenfalls
sind hier weitere Nachforschungen sehr geboten. Nach
eigener Untersuchung des einzigen Exemplares von En-
tomyza angustipluma in Philadelphia schlägt Sclater
den generischen Namen Chaetoptila für dieselbe vor.
Ueber Paudion solitarius als eigene Art wagt Sclater
nicht zu entscheiden. Vielleicht doch nur eine kleine
Varietät von P. fluviatilis. Für Taenioptera obscura schlägt
Sclater den Genusnamen Phaeornis vor. Möglicher-
24 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
weise falle diese Gattung mit Chasiempis Gab. zusammen.
Hypoloxias und Psittirostra betrachtet Sclater als aber-
rantc Formen desselben Typus, zu dem Drepanis und
Heinignathus gehören. Papageien scheinen auch nach
Mr. Dolens Erfahrung nicht vorzukoommen. Bis jetzt
können nur etwa 40 Arten als gesicherte von der Hawai-
gruppe constatirt werden, und zwar 18 Land- und 22
Wasservögel.
Hartlaub & Finsch „On a collection of birds from
Sawai and the Rarotonga-Island's in the Pacific" Proceed.
Z. S. p. 21. Behandelt 13 Arten von Sawai und 7 von
der Rarotonga-Gruppe. Drei neue Species sind Monarcha
dimidiatus , Aplonis cinerascens und Ptilinopus raro-
tongensis. Ein zweites Exemplar von Lobiospiza nota-
bilis, aber leider wieder nur ein jüngerer Vogel.
Von Sylvester Diggles „Ornithology of Au-
stralia" kam pt. 21 heraus mit den Abbildungen von Buteo
melanosternon, Halcyon pyrrhopygias, H. sordidus, My-
zomela erythroeephala, M. sanguinolenta, M. pectoralis,
M. nigra, M. obscura, Geopelia tranguilla, G. euneata,
Polytelis Alexandrae, Dendrocygna Eytoni und aixuata.
Edw. Hill „Lord Howe's Island" Sydney 1870.
Beschreibt Excursionen im Innern der Insel und gedenkt
dabei der auf derselben beobachteten Vögel. Am Schluss
eine Liste von 14 vom Director des Museums in Sidney be-
stimmten Arten. Der „Woodhen" genannte Vogel ist
Ocydromus sylvestris. Porphyrio albus sei dem Aus-
sterben nahe, wenn nicht schon ausgestorben. (Nach
v. Pelz ein bekanntlich ein Notornis!)
Fr. Wollaston Hutton „Catalogue of the Birds
of New Zealand, with diagnoses of the species" 1 vol.
85 S. Keine synonymischen Citate. Es werden 160 Arten
als einheimische aufgezählt, und 52 als introducirte, aus
Europa, Australien und selbst aus America. Unter er-
steren erscheint Alauda arvensis, die jetzt ganz allgemein
ist; ebenso Linaria cannabina, Fringilla coelebs, Fr. chloris,
Turdus merula und T. musicus! Als neu wird Collurio-
cincla concinna beschrieben p. 15. Apteryx Oweni und
australis sollen dennoch zwei Arten sein. Von A. maxima
der Vögel während des Jahres 1871. 25
will Hutton einen Tarsus und Fuss von den Quellen des
Aorere-river besitzen. Der Tarsus sei volle 3 Zoll lang.
Himantopus melas sei gute Art. Creadion cinereus ist
der jüngere Vogel von caruneulatus.
Capt. F. W. Hut ton „On the nest and eggs of
some species of New Zealand Birds not previously des-
cribed" Transact. and Proc. N. Zeal. Instit. III. p. 111.
Diebetreffenden Arten sind: Creadion caruneulatus, Rallus
pectoralis, Procellaria Parkinsonii, deren Nest 1500' hoch
unter Baumwurzeln entdeckt wurde, Graculus varius, von
welcher Art eine Nestcolonie auf hoher Uferwaldung
stand, und Sula serrator.
W. Buller „Critical notes on the Ornithological
portion of Taylor's „New Zealand and its inhabitants"
London 1870, in Transact. and Proc. N. Z. Instit. III.
p. 11. Sehr verdienstlich, denn das genannte Buch scheint,
was den ornithologischen Theil anbetrifft, von lrrthiimern
zu wimmeln.
W. Buller „Further notes on the Ornithology of
New Zealand" Transact. and Proc. N. Z. Instit. III. p. 37.
Von grossem Interesse. Anthornis auriocula sei eine gute
Art, Xenicus Haasti ebenfalls. Dagegen sei Sphenoeacus
fulvus mindestens dubios und Callaeas olivaceus müsse
fallen. Sehr instruetiv werden die Papageien Neuseelands
abgehandelt. Dann über die Apteryx mit Abbild, von
Kopf und Fuss auf pl. XII. b. Buller hält A. australis
und Mantelli für gleichartig. Fleissige gute Arbeit.
T. H. Potts „On the Birds of New Zealand" 1. c.
p. 59. Fortsetzung von vol. II. p. 49. Hauptsächlich der
Fortpflanzung der neuseeländischen Vögel gewidmet und
mit niedlichen kleinen Abbildungen in Holzschnitt illus-
trirt. Diese betreffen: Falco novae Zelandiae, Zosterops
lateralis, Pogonornis cineta, Petroica albifrons, Mohoua
albicilla, Rhipidura flabellifera, Podiceps rufipectus, Ocy-
dronms australis; Nistplatz von Nestor meridionalis; vor-
treffliche Beobachtungen über 30 Arten. Petroica albi-
frons sei ein vorzüglicher Sänger. Die Lebensweise der
Nestor-Arten geschildert. N. notabilis sei eine exclusiv
alpine Speeies, die die unzugänglichsten Gebiete der
26 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
südlichen Alpen, so z. ß. das Quellgebiet des Havelock-
river bewohne. Fortpflanzung noch unbekannt. Sehr in-
teressant über Anarhynchus. Die seitliche Biegung des
Schnabels solle dazu dienen unter Steinen den sich zurück-
ziehenden Insecten zu folgen „by making the circuit of
a waterworn stone with far greater ease than if it had
been furnished with the straigt beak of the plower". Auf
pl. VI die Köpfe von Anarhynchus und Charadrius
bicinctus.
Accipitres»
Vultundae. Dr. A. Girtanner. Beitrag zur Naturgeschichte
des Bartgeier's der Centralalpen-Kette« Verh. St. Gall. Naturw.
Gesellsch. 1869—70, und Zoolog. Garten, p. 241—47.
James Orton über den Condor der äquatorialen Anden : Ann.
and Mag. N. H. p. 185. Allgemein gehalten, aber ganz hübsch.
Falconidae. E. F. v. Homeyer über Gennaia und Falco in
Cab. Journ. p. 39. Sehr wichtig. Es wird also eingehend erörtert
über F. tanypterus, der gleichartig mit Feldeggii sein soll, dann
über sämmtliche ächte Arten beider Gattungen, v. Homeyer deutet
Levaill. t. XIX nicht, wie meist bisher geschehen, auf Buteo ta-
chardus, sondern auf Pernis apivorus.
A. Newton »Brief an Elliott Cones über die nordischen
Edelfalken« Proceed. Acad. Phil. pt. 2, p. 24. Also über F. can-
dicans, islandicus und gyrfalco. Jede Meinungsäusserung über Fragen
der hochnordischen Ornithologie aus dem Munde Newton's ist von
grösstem Gewicht.
Man vergl. Schlegel über Astur nov. Hollandiae Observat.
p. 3. Es handelt sich um ein kleines ganz weisses Exemplar von
der Insel Mefoor in der Geelvinksbay.
Ferner HowardSaunders über verschiedene südeuropäische
Adler, namentlich über Aquila imperialis und A. naevioides: Pro-
ceed. Z. S. p. 37.
Buteo tachardus wurde abermals in Thüringen geschossen:
Cab. Journ. p. 109.
R. B. Sharpe äussert sich eingehend über Machaerirhamphus
Andersoni: Proceed. Z. S. p. 501. Er ist entschieden für die An-
nahme von 2 Arten.
Neue Arten sind: »Falco Hendersoni, Hume, von Yarkandc
Ibis, p. 407. — Milous major, Hume Scrap-book Ind. Orn. — Aquila
amurensis, Swinh. Proceed. Z. S. p. 338. Wie clanga, aber grösser.
— Spizaetos simülimus, Hume, Journ. As. Soc. Beng. 1870, p. 113.
Abbild. Buteo melanosternon in Diggl. Orn. of Austr. pt. 21.
der Vögel während des Jahres 1871. 27
Strigidae. Ueber Otus madagascariensis vergl. Schlegel Ob-
serv. zool. IV. p. 1.
J. Murie »On the sternum and viscera of Pel's Owl« Broch.
Cambridge 1871.
Ueber Micrathene Whitneyi auf Socorro vergl. Grays. N. H.
Tres Marias and Soc. p. 42.
Neu: Scotopelia Usheri, Sh. Ibis, p. 101, pl. 12. Von Fantee.
— Ephialtes Jerdoni, Wald. (= Scops malabaricus, Jerd.) Ibis,
p. 112. — Eph. plumipes, Hume, Scrap-book Ind. Orn. Kotegurh.
»Ueber die Nahrung der Schleiereule« von Pfarrer Jäekel:
Zool. Gart. p. 138 — 45. Von entschiedenem Interesse.
Psittaci.
J. J. Halley »A monograph of the Psittacidae or Parrot fa-
mily of Australia« Fol. Nr. 1.
»Der Nachtpapagei oder Kakapo« Zool. Garten p. 83 — 89.
Gute Zusammenstellung des Bekannten.
Ueber die Papageien Neuseelands vergl. die oben besprochenen
Arbeiten von Hutton, Potts und Buller.
Sehr ausführlich schreibt über die Psittaciden Centralameri-
ca's 0. Salvin: Ibis, p. 86. Mit Abb. von Conurus Finschi n.
sp. p. 91.
Vergl. auch G. Lawrence über verschiedene Papageien Arne-
rica's, namentlich über Conurus Finschi und dessen Unterschied von
C. diadematus; ferner über Con. Levaillanti von Mexico.
Sclater bleibt bei seiner Ansicht, dass Conurus aeruginosus
L. nicht av. jun. von pertinax, sondern eine gute Art sei. Proc.
Z. S. p. 494.
Psittacus timneh, Fräs, eine gute Art: Sclat. 1. c. 494.
Ebenso Tanygnathus albirostris: Sclat. 1. c. p. 494.
Ueber Conurus holochlorus var. brevipes von Socorro-Island
sowie über Chrysotis Levaillanti von den Tres Marias vergl. J. Gray-
so n 1. c. Auch Lawr. Ann. Lyc. N. Y.
Sehr wichtig sind Schlegel's Mittheilungen über die Papa-
geien der Molukken und der Papualänder in den Observ. de Zool.
4. Dort über Eclectus personatus, S. 4 von den Inseln Meosnum,
Jobie und Soek. Zahlreiche Varietäten einer und derselben Art.
Ebendas. über Nasiterna pygmaea von Waigion, Guebseh, Salwattie,
Mysol, Arou. Nur wenig individuelle Abweichung. Schlegel unter-
scheidet also 1) N. pygmaea, 2) N. pygmaea salomonensis und 3)
N. pygmaea geelvinkiana von Mefoor und Soek.
Reinhard über Ära macao in Mexico: Ibis, p. 370.
E. Friedel »Papageien in der englischen Vogel weit« Zool.
28 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Gart. p. 65. Berichtet über die merkwürdigen Versuche Ch. Bux-
ton's, tropische Vögel, namentlich Papageien, in der wildlebenden
Vogelwelt Englands einzubürgern.
Neue Arten: Loriculus catamene, Schleg. 1. c. p. 7. Insel
Sanghir. — L. aurantiifrons, Schi. ib. Mysol. — Trichoglossus Bo~
senbergii, Schi. ib. von Sock. — Lorius tibialis, Sclat. Proceed. Z.
S. p. 499. pl. XL und Ibis, p. 372. Woher? — Trichoglossus Mey-
eri, Wald. Ann. Mag. p. 281. Nordcelebes. Bestimmt verschieden
von flavoviridis. Auch in der Bremer Sammlung. — Cacatua gym-
nopsis, Sclat. Proc, p. 490. Südaustralien c. fig. cap. (mit den Köpfen
der verwandten Arten C. Ducorpsii und C. sanguinea.)
Abbild. Trichoglossus Mitchelli, Gr. Proceed. Z. S. pl. XLI.
Lebend im Zool. Garten zu London. — Polytelis Alexandrae, Diggl.
Orn. Austr. pt. 21.
Picariae.
Picidae Neue Arten: Picus Lüfordi, Sharpe Ann. and Mag.
N. H. p. 457. Von Epirus. Steht leuconotus zunächst. — Picus
Desmursi, Verr. Nouv. Archiv, du Mus. VI. p. 33. Chines. Thibet.
— Picoides \funebris, Id. ib. Ebendaher. Beide vom Pater David
entdeckt. — P. leucopterus, Salvad. Atti Acad. Sc. Torin. VI. 129.
Centralasien. (Ob = P. Feliciae, Cab. ?) — P. melanauchen, Heugl.
Orn. N. 0. Afr. I. p. 808. Ost- und Centralabyssinien. Steht P.
abyssinicus zunächst.
Der früher von Heu gl in als Picus punctuligerus mit ? auf-
geführte Specht wird von ihm jetzt Picus oälius unterschieden
1. o. p. 820.
Vortreffliche Abbildungen der Spechte Europa's bei Sharpe
& Dress. Birds of Europ. vol. I.
TrogOnidae. Neue Art: Trogon eximius, Lawr. Ann. Lyc. N.
S. X. Von Panama. Früher als Tr. viridis aufgeführt 1. c. p. 290.
Capitonidae. Von C. H. T. Marshall's und G. F. L. Mar-
shall's »Monograph of the Capitonidae« erschien part 7 mit den
schönen Abbildungen von Xantholaema rosea, Megalaema javensis,
Meg. mystacophanes, M. Humei von Borneo (Ibis 1870, p. 536),
M. Frauclini, Tetragonops rhamphastinus, Gymnobucco calvus und
Xylobucco scolopaceus.
Neue Art: Barbatula Eytoni, Lay. Ibis, p. 216. Bechuana-
gegend.
Goraciädae. B. R. Sharpe, Ueber die Coraciidae der äthi-
opischen Region mit Tafel der descriptiven Charactere. Gute critische
Zusammenstellung: Ibis, p. 184 und 270.
Neue Art: Eurystomus ivaigiouensis, Elliott, Ibis p. 203.
Scheint in der Mitte zu stehen zwischen E. azureus und crassirostris
von den Salomon-Inseln. Jetzt 8 gute Arten.
der Vögel während des Jahres 1871. 29
Aliedinidae. R. B. Sharpe »A monograph of the Aliedinidae
or family of Kingsfishersa: Introduction. London, 1871. Sehr voll-
ständige und instructive Zusammenstellung des Allgemeinen, also
Geographische Verbreitung, Lebensweise, Litteratur, analytische
Uebersicht sämmtlicher Arten u. s. w. Part XIV und XV bringt
die Abbildungen von Ceryle rudis, Alcyone affinis, A. Lessonii Cass.,
Pelargopsis Fraseri, Sh„ P. moluccensis, Ispidina Lecontei, Halcyon
Lindsayi, H. Hombroni, H. albicilla, H. vagans, H. Juliae, H. leuco-
pygia von den Salomoninseln, Tanysiptera nais, T. galatea, T. Sa-
brina, T. Ellioti, T. Riedelli (Celebes ?), T. Emiliae n. sp. von
Raon (Bernstein).
Vergl. Schlegel über Tanysiptera Schlegelii, Rosenb. Ob-
servat. Zool. IV. p. 12. Insel Soek. — Tan. Carolinae, Schleg. n.
sp. Insel Mefoor. Sehr abweichend in der Färbung, indem auch
die Unterseite blau ist.
Abbild. Halcyon pyrrhopygia, Diggl. Orn. of Austr. pt. 21.
Meropidae. Dr. A. B. Meyer hat Meropogon Forsteni auf
Celebes wiedergefunden: Caban. Journ. f. Ornith. p. 230. Umgebung
von Rarucan auf Nordcelebes. Lebt in schwer zugänglichen Wäldern
auf den höchsten Bäumen.
Bucerotidae. Ueber Buceros subcylindricus vergl. Sclat. Pro-
ceed. Z. S. p. 490 c. fig. cap. Lebend im Zoolog. Garten.
Neue Art: Buceros casuarinus, G. R. Gray Ann. Mag. N. H.
p. 437, pl. XVII. (cap.) Nur der Kopf mit dem vollständigen Schnabel
bekannt. Brit. Museum. Wahrscheinlich von Westafrica.
Musophagidae. J.Reinhardt »Om en hidtil ukjendt knogle;
Hovedskallen hos Turakoerne (Musophagidae) med nogle Bemaek-
ninger om de lignende knogle hos andre Fuglefamilier«. Mit einer
Tafel. Aus den Vidensk. Meddelels. fra den naturh. Foren i Kjö-
benh. Den Schltiss dieser Abhandlung bildet ein Resume in fran-
zösischer Sprache. Das os uncinatum ist gleichgestaltet bei Phoeni-
cophaeus, den Tourako's, Zanclostomus, Rhinortha. Eudynamis; das
os lacrymo-palatinum bei Fregata und vielen Sturmvögeln (Diomedea,
Puffinus, Pelecanoides, Daption, Fulmarus und Ossifraga).
H. Exton »Ueber die Haube von Schizorhis concolor« Ibis
p. 107. Wird allerdings aufgerichtet und wieder gesenkt.
Von MusophagaRossae ist in Angola ein zweites Exemplar
gesammelt worden: Vergl. R. B. Sharpe 1. c.
»Turacoes and their distribution« by Ph. L. Sclat er: The
Student and Intellect. observer. vol. II. Nr. 1.
Cuculidae. Vergl. Schlegel über die Gentropus- Arten der
Molukken und der Papualänder : Observ. Zool. IV. Centropus Mene-
bicki ist sehr weit verbreitet; C. Bemsteinii n. sp. von Salwattie;
30 Hartlaub: Bericht üb. d, Leist. in d. Naturgeschichte
C. spilopterus, Gr. von den Ke-Inseln und C. violaceus Q. etG. von
der Insel Soek.
J. H. Gurney über Cuculus gularis als untsrschieden von ca-
norus : Ibis p. 103.
Dr. E. Rey »Ueber Kukukseier« Cab. Journ. f. Orn. p. 225.
Interessante Zusammenstellung zahlreicher Funde. Viele derselben
sprechen für die bekannte Theorie von Baldamus. Sicherer Nach-
weis über 64 Eier.
Coccyzus americanus zum 5. Mal in England wild: Proceed.
Z. S.'p. 299.
Caprimulgidae. Neue Arten sind: Caprimulgus cinnamomeus,
Sharpe, von Layos. Ibis p. 14. — Capr. enarratus, G. R. Gray.
Madagascar. Brillante Art. Ann. and Mag. p. 428.
Gypselidae. Als neu wird beschrieben: Cypselus pallidus
Shelley, Contr. Orn. Eg. Ibis p. 47. — C. gracilis, Sharpe, Proc.
Z. S. p. 315. Madagascar.
Abbild. Cypselus infumatus, Sei. Ibis pl. X.
Cypselus melba verzeichnet Barboza duBocage von Huilla im
portug. Westafrika.
Hirundinidae. Eine neue Art ist Cecropis aretwitta, Swinh.
Proc. Proc. Z. S. .p. 346 (in früheren Berichten von Swinhoe für
daurica gehalten). Pekin.
Trochilidae. J. Orton »lieber die Trochiliden der äquatorialen
Andesa Ann. and Mag. N. H. p. 189. Allerlei hübsche Notizen über
Verbreitung, Fortpflanzung, Nahrung.
Sehr interessante Bemerkungen über 26 Colibri-Arten Colum-
biens bei Claude Wyatt; Ibis 1. c. Unter ihnen viele der sel-
tensten.
Ueber Circe latirostris und Pyrrhophaena Graysoni, Lawr.
auf Tres Marias vergl. Grays. Nat. Hist. Tres Marias and Soc. p.
24, 25. Auf Socorro scheint kein Colibri zu leben.
Neue Arten: Chlorostilbon caribaeus, Lawr. Ann. Lyc. N. Y.
X. Insel Curacao. — Spatliura sölstitialis; Gould, Ann. Mag. N. H.
p. 62. Ecuador. Man kennt jetzt 6 Arten dieser Form) — Eu-
pherusa poliocerca, Elliott, Ann. Mag. N,H. p. 266. Putla in West-
mexico — Cyanomyia viridis^ Ell. ib. Putla. (Jetzt 7 Arten) —
Helianthea osculans, Gould., Proceed. Z. S. p. 503. Peru. — Heli-
angelus squamigularis, G ib. Columbian. — Heliomaster albicrissus
G. ib. Ecuador. — Lesbia chlorura, G. ib. Peru? — Eriocnemys
russata, G. ib. Ecuador.
Ueber Polytmus leueorhous vergl. Gould 1. c. p. 525. Und
über Eugenes speetabilis: Lawr. Ann. Lyc. N. S. X. San Jose.
der Vögel während des Jahres 1871. 31
Passeres,
Pittidae. Salvadori meint die Verschiedenheit von Pitta
Bertae und cyanoptera festhalten zu müssen: Ibis, p. 248.
Vergl. Schlegel über P. Mackloth Observ. Zool. IV. p. 15.
Und ebendas. über P. novae Guinea. Geogr. (Verbreitung!) Lokale
Rassen.
Neue Arten: Pitta Boseribergii, Schleg. 1. c. Insel Soek. —
P. arquata, Gould, Ann. Mag. N. H. p. 340. Borneo. Zu P. gra-
natina etc.
Abbild. Pitta oreas: Gould, B. of As. pt. XXIII. — P.
bengalensis ib.
Dendrocolaptidae. Eine neue Art ist Synallaxis maculata,
Lawr. Ann. Lyc. N. S. vol. X. Peru.
Abbild. Anaeretes fernandezianus : Ibis, pl. VII, Fig. 1. —
Oxynrus mas-afuerae: ib. fig. 2.
Meliphagidae. Ueber Zosterops lateralis auf Neuseeland und
dessen Wanderungen vergl. Buller: Transact. and Proceed. N. Zeal.
Instit. III. p. 15 mit Abbild, auf pl. 3 Interessante ausführliche Mit-
theilung. Lebensweise. Erstes Aufreten. Ob diese Art wirklich
eingewandert oder ob sie dem äussersten Süden Neuseelands ur-
sprünglich angehörig war, bleibt noch zweifelhaft. Bull er hält das
letztere für sehr wahrscheinlich. Zuerst bemerkt im Winter 1856.
Abbild. Zosterops simplex: Gould, B. of As. pt. XXIII. —
Z. erythropleurus, ib.
Nectariniadae. Neue Arten : Promerops Gumeyi, J. Verr. Pro-
ceed. Z. S. p. 135, pl. VIII. Um Natal. — Nur wenig verschieden
von P. capensis. — Nectarinia Duyvenbodii, Schleg. Observ. zool.
IV. p. 14. Sanghir-Inseln. — Irrisor castaneiceps, Sh. Ibis. p. 414.
Fautee. Ibis, p. 414.
Vergl. Salvadori über Anthopyga lodoisia als verschieden
von N. flavostriata, Wall. Ibis, p. 248.
Goerebidae. Die Gattung Certhiola, auf deren critische Aus-
einandersetzung bereits Sundevale mit Erfolg bedacht gewesen war,
hat eine vortreffliche Bearbeitung erfahren durch Dr. 0. Finsch:
Verhandl. Zool. Botan. Gesellsch. zu Wien p. 739. Separatabzug von
52 S. Es werden nur 10 Arten als wirklich gute anerkannt und
mit eingehender Critik als solche nachgewiesen. Auf die schwierige
Sichtung der Synonyme ist specielle Mühe verwendet. Eine eilfte
Art, die Finsch noch nicht kannte, ist Certhiola Caboti, Baird von
Oonsumel. Dieselbe steht bahamensis zunächst.
Gotingidae. Neue Arten. Heteropelma igniceps, Sclat. Proc.
Z. S. p. 750. Cajenne. — Vireosylvia magister, Lawr. Ann. Lyc.
N. S. X. Belize.
32 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Vireo hypochrysaeus, Sclat. ist die gewöhnliche Art der Tres
Marias: Grays. 1. c. p. 23.
Ebendaselbst über Myiadestes obscurus: S. 19.
Timalüdae. Neue Arten: Turdinus striatus, Waiden, Ann.
and Mag. N. H. p. 242. Khasia-hills. Bestimmt verschieden von
macrodactylus. —^PeUorneum subochraceum, Swinh. Ann. Mag. N.
H. p. 237. Tenasserim. — Criniger Finschi, Salvad. Att. Acad. Sc.
nat. Torin. vol. VI. Borneo. — Xerophila pectoralis, Gould, Ann.
Mag. p. 192. Port August, Südaustralien. — Crateropus gutturalis,
Barb. Angola. — Pellorneum MandeUi, Blanf. J. As. Soc. of Beng.
v. XLI. pl. 4.
Den von uns beschriebenen Crateropus atripennis (Syst. Ornith.
Westafr.) glaubt Sharpe als eigene Art, die er Cr. Haynesi nennt,
»capite nigro« unterscheiden zu müssen.
Oriolidae. »Wie baut der Pirol sein Nest« von Ad. Müller
Zool. Gart. p. 275—79.
Abbild. Psaropholus Trailli: Gould, B. of As. pt. XXIII. —
Ps. ardeus, ib.
Tyrannidae. P. L. Sclater »Notes on the types of Tyran-
nula mexicana of Kaup and T. barbirostris of Swainson: Proceed.
Zool. Soc. Erstere sei wohl ein kleineres Exemplar von Tyr. Coo-
peri, Baird; letztere sei gleichartig mit ßlazicus tristis Gosse, von
Jamaica. Vergl. über Myiarchus mexicanus noch GraysonN. Hist.
Tres Marias etc. p. 20.
P. L. Sclater »Remarks on the species of the genera Myio-
zetetes und Conopias: Proceed. Z. S. p. 751. Acht Myiozeteteo-Arten
und drei Conopias werden synonymisch gesondert.
Neue Arten: Attüa cinnamomeus, Lawr. Ann. Lyc. N. Y. vol.
X. Mazatlan. — Todirostrum^ superciliare, Id. ib. Venezuela? —
Elaenia Maiilvainii, Id. ib. Venezuela? — Empidonax fulgvipectus,
Id. ib. Mexico. — Myiozetetes gracilis, Id. Proceed. As. N. Soc. Philad.
p. 234. Peru. — Euscarthmus fulviceps, Sei. Proc. Z. S. p. 492. Peru.
— Empidonax atrirostris Id. ib. Venezuela? — Myiarchus yuka-
tensis, Id. ib. (früher von Lawrence als mexicanus aufgeführt).
Vergl. über Empidonax difficilis, Baird.: Grays. N. Hist. Tres
Marias etc. p. 20. Daselbst auch über Myiarchus Lawrencii, Gir.
Dicruridae. Neue Art: Dicrurus cathoecus, Swinh. Pr. Z. S.
p. 377. China.
Laniidae. Laniarius nigritliorax, Sharpe, von Accra (Haynes)
scheint eine schöne neue Art zu sein. Nächstverwandt mit multi-
color, Gray, unterscheidet sie sich »pectore nigro« — Lantus in-
certus, Swinh. Pr. Z. S. p. 366. China.
Abbild. Collurio schach: Gray, Fascic. B. of Chin. pl. 4.
der Vögel während des Jahres 1871. 33
Muscicapidae. Neue Arten : Monarcha Brehmii, Rosenb. Schleg.
Observ. IV. p. 14. Insel Soek. — M. dimidiatus, Hartl. & Finsch
Proc. Z. S. p. 28 Rarotonga. — Artomyias Usheri, Sharpe. Fantee
Ibis, p. 416. (Ob nicht av. jun. von faliginosus?) — Culicipeta (?
Ref.) yunanensis, Anders. Poceed. Z. S. p. 213.
Vergl. Sharpe über Butalis epulata: Ann. and Mag. N. H.
p, 214. descr. jun.
Niltava leueotis, Hume, soll ein Kunstproduct sein mit dem
Rumpf von N. sundara und dem Kopf von Parus cinereus: W. E.
Brooks in litt.
Mniotiltidae. Neue Arten: Parula insularis, Lawr. Ann. Lyc.
N. H. New York, v. X. p. 4. Tres Marias. Dazu auch Grayson,
Nat. Hist. Tres Mar. and Socorro, p. 19. — Serpophaga grisea,
Lawr. Ann. Lyc. N. Y. X. Costarica.
Ueber Granatellus Francescae, Baird, vergl. Grays. N. Hist.
Tres Marias etc., p. 19.
Turdidae. Neue Arten: Mimus nigrüoris, Lawr. Ann. Lyc.
N. Y. X. p. 137. Mexico. — Turdus Crossleyi, Sh. Proc. Z. S. pl.
XLVII. Cameroons. — Turdus mystacinus, Ch. Dode, Proceed. Z.
S. p. 481. Turkestan. Scheint atrigularis sehr nahe zu stehen. —
Turdus auritus, Verr. Nouv. Arch. Mus. V. p. 34. Chinesisch.
Thibet. — Merula Gouldi, Id. ib. Chin. Thibet. — Geocichla tricoJor,
Hume, Ibis, p. 408. Yarkand. — Cinclosoma (?) Artemisiae, A. David,
Ann. p. 256. Moupin im West-Szechuen. — Trocliälopteron simile,
Hume, Ibis p. 408. Yarkand. — Tr. formosum, J. Verr. Nouv. Arch.
V. p. 35. Chines. Thibet. — Tr. Ellioti, Verr. ib. — Tr. Blythii,
Verr. ibid. Chines. Thibet. — Pterorhinus maximus, Verr. 1. c. pl.
3, Fig. 1. Chines. Thibet. — Pterorh. lanceolatus, Verr. 1. c. ibid.
— Janthocincla lunulata, Id. ib. pl. 3, fig. 2. — Alcippe poecüotis,
Id. ib. — Hypsipetes yunanensis, Anders. Proceed. Z. S. p. 213. —
Podoces humilis, Hume, Ibis, p. 418. Yarkaud. — Podoces Hender-
soni, Id. ib. — Harporhynchus Graysoni, Law. Ann. Lyc. N. Y. X.
Insel Socorro. Darüber auch Grayson, N. Hist. Tres Marias etc.
p. 40. — Alethe castaneonota, Sh. Catal. Afr. B. Fäntee. — Spizixos
einer eicapillus, Sw. Pr. Z. S. p. 370. China.
Vergl. Heu gl in über Turdus olivacinus, Bp. in Caban. Journ.
f. Ornith. p. 206. Genaue Unterschiede von T. olivaceus.
Abbild. Turdus pelios: Heugl. Orn. N. O. Afr. — Ptero-
rhinus Davidii, Gould, B. of As. pt. XXIII. — Hypsipetes leucoce-
phalus: G. R. Gray, Fascic. B. of Chin. pl. 2. — Myiophonus cae-
ruleus, ib. pl. 1. — Pycnonotus gabonensis: Proc. Z. S. pl. VII. —
P. tricolor, ib. fig. 2. — P. barbatus, ib. fig. 3.
Saxicolidae. G. R. Gray hält Heuglin's Cossypha imerina
Archiv für Naturg. XXXVIII. Jahrg. 2. Bd. Q
34 Hartlaub: Bericht üb. d. Lei st. in d. Naturgeschichte
für möglicherweise verschieden von der meinigen und schlägt den
Namen C. Sharpei für dieselbe vor: Ann. and Mag. N. H. p. 429.
Neue Arten : Saxicola Kingi, Hume, Ibis, p. 29, 406. Indien. —
8. Hendersoni, Hume. Ibis p. 408. Yarkaud.
Sylviidae. Carl Arlt »Ueber Sylvia fluviatilis und ihr Vor-
kommen um Breslau« : Cab. Journ. f. Ornith. Sehr ausführlich.
Tristram in seinen »Notes on sorae Passerine birds« (Ibis,
p. 231) meint, Sylvia Maacki sei doch nicht gleichartig mit Phyllosc.
fuscatus, Bl.
Tristram »Notes on certain Sylviadae« Ann. and Mag. N.
H. p. 28. Phylloscopus brevirostris, Strickl. sei eine sehr gute Art
und häufig in Palästina. Ph. trochilus sei genau derselbe Vogel in
Syrien, Algerien und Kleinasien. Eine etwas grössere Form aus
Algerien, wahrscheinlich Type von Sylvia icterina, T. möchte er
Ph. major benannt wissen.
Phyllopneuste Swartzi, Radde, von Baikalsee ist nach Tri-
stram = Phylloscopus viridanus, Blyth und = Abrornis tenuiceps,
Hodgs. ~ Ph. Eversmanni, Middend. sei = Ph. sylvicultrix, Swinh.
Total verschieden davon sei Ph. Eversmanni, Bp. (= icterina, Evers-
m.). — Phylloscop. fuscatus, Bl. sei = Phyllopneuste sibirica, Midd.
u. s. w. Ibis, p. 109.
Jerdon hält Prinia albogularis, Waiden, für gleichartig mit
Pr. Hodgsoni, Bl.: Ibis, p. 112.
»Die bei Münster in Westphalen beobachteten Varietäten des
Blaukehlchens (Lusciola coerulecula) von Dr. H. Landois: Zool.
Gart. p. 353.
Neue Arten: Suya albosuperciliaris, Hume, Ibis p. 409. Yar-
kand. — Suya supercüiaris, Anders. Proc. Z. S. p. 212. West-
yünnan. — Syphia Hodgsoni, Verr. Nouv. Arch. du Mus. VI. p. 34. —
Abrornis acanthizoides, Verr. ib. p. 37. Beide aus dem chines. Thi-
bet. — Arundinax davidianus, Verr. 1. c. Ebendaher. — Cisticola
ruficollis, Wald. Ann. Mag. N. H. p. 241. Debrooghur. Steht Gra-
minicola bengalensis zunächst. — C.melanocephala, Anders. Proc. Z.
S. p. 212. Westyünnan. — Accentor multistriatus, A. David, Ann.
p. 256. Moupin im östl. Szechuen. — Phyllopneuste Brehmii, v.
Hom. Erinner.-Schr. p. 48. Portugal. — Calamoherpe brevipennis,
Dohrn Cab. Journ. f. Orn. Capverden. — Phylloscopus pallidipes,
Blanf. J. As. of Beng. V. XLI. pl. 7. — Locustella taczanoivskn, Swinh.
Proc. Z. S. p. 355. China.
Abbild. Locustella lanceolata: Mewes Ornithol. jactragdser,
tili större delen sämlade under en resa i Nordvestra Russl. pl.
XIV. — Phyllopneuste Middendorfii, ib. pl. XV. — Ph. borealis-,
ib. — Accentor montanellus : Gould, B. of As. pt. XXIII. — A.
rubidus, ib. — erythropygius, ib.
der Vögel während des Jahres 1871. 35
Motacillidae. Neu: Motacitta baikalensis, Sw. Proc. Z. S. p.
363. China. (== paradoxa ?Ref.)
Troglodytidae. Neue Arten: Cistothorus aequatorialis, Lawr.
Ann.Lyc. N. Y. vol. X. Ecuador. — Troglodytes insularis, Lawr. ib. p. 3.
von der Insel Socorro. Vergl. darüber auch Grays. Nat. Hist. Tres
Marias etc. p. 41. — Pnoepyga troglodytoides, Verr. Nouv. Arch.
Mus. VI. p. 34. Chines. Thibet. — Catherpes Sumichrasti, Lawr.
Proc. As. Philad. p. 233. Vera Cruz.
Sittidae. Neue Art: Sitta sinensis, J. Verr. Nouv. Arch. du
Mus. VI. p. 34. Chines. Thibet. — S. amurensis, Swinh. Proc. Z.
S. p. 350.
Paridae. Th. Lorenz »Die Lasurmeise (Parus cyanus)« Caban.
Journ. f. Ornith. p. 124. Oestliches Sibirien. Streicht bis Moscau.
Sehr gute ausführliche Mittheilung. Lebensweise, Gefangenschaft etc.
Neue Arten: Poecile baikalensis, Swinh. Ann. and Mag. N.
H. p. 257. Transbaikalien. Steht carolinensis zunächst. Ohne
Zweifel neu. — Parus britannicus, Sharpe: Ann. Mag. N. H. p. 437.
»dorso seraper olivaceo-fulvo« !! — Acredula Irbii, Sh. Proceed. Z.
S. p. 312. Gibraltar. Steht Acr. rosea, Bl. zunächst, aber »dorso
pulchre unicolore — cinereo« — Aegithalus Cardli, Th. Ibis, p. 415.
Damaraland (früher von Sharpe für A. minutus gehalten). — Clio-
lornis paradoxa, J. Verr. Nouv. Arch. du Mus. VI. p. 35. Chines.
Thibet. — Sutlwra alfonsiana, J. Verr. ib. Chin. Thibet. — S. gu-
laris, Id. ib. Chin. Thibet, — S. brunnea, J. Anders. Proceed. Z.
S. p. 211 von Westyünnan. — S. suffusa, Swinh. Pr. Z. S. p. 372.
China. — Siva cinereiceps, Id. ib. Chin. Thibet. — S. ruficapilla, Id.
ib. p. 37. Chin. Thibet. — Minla Jerdoni, Id. ib. — Proparus
Sioinhoei, Id. ib. — Yuhina diademata, Id. tom. V. p. 35. — Parus
pekinensis, A. David ib. — Mecistura vinacea, Id. ib. — Mec. füli-
ginosa, Id. ib. Diese Arten sind säramtlich Entdeckungen des um ,
unsere Wissenschaft hochverdienten Lazaristenpaters A. David.
Abbild. Parus Ledouci, Ibis pl. III. — Parus venustulus,
Gould, B. of As. pt. XXIII.
Tanagridae. Neue Art: Buarremon sordidus, Lawr. Ann. Lyc.
N. Y. X. p. 137. Bogota.
Pyranga bidentata Sw. vertritt diese Gruppe als Standvogel
auf den Tres Marias: Grays. N. Hist. etc. p. 23.
Ploceidae. Vergl. Sharpe über Spermospiza haematina: Ann.
Mag. N. IL p. 237. Wäre, was sehr wahrscheinlich, das sehr alte
Männchen von Sp. guttata.
Neu: Urobrachya Bocagei, Sh. Angola. Catal. Afr. B. —
Ploc. megarhynchus, Hume. Ibis, p. 36. Kumaon. — Hypochera ni-
gerrima, Sh. Proc. Z. S. p. 133. Angola.
Abbild. Nigrita Arnaudi: Heugl. Ornith. N. 0. Afr. t. XX.
36 Hartlaub: Bericht üb. d. L eist, in d. Naturgeschichte
fig. opt. — Köpfe von Hyphantornis interniedius, taeniopterus, vi-
tellinus, galbula und Guerini: Heugl. Orn. N. 0. Afr.
Fringillidae. Dr. K. Russ: Zur Characteristik einiger fremd-
ländischer Finken: Cab. Journ. f. Orn. p. 14. Also über Crithagra
Hartlaubi, Cr. albigularis, Carpodacus purpureus u. s. w.
Vergl. Tristram über die bekannten 9 Pyrrhula- Arten : Ibis,
p. 231 u. s. w.
T. Salvadori »Intorno alle Fringilla citrinella: Atti Acad.
Sc. Torin. VII. Dec. 1871.
R. B. Sharpe »Ueber Crithagra albigularis« Ann. Mag. N.
H. p. 236.
P. L. Sclater »A revision of the species of the genus Sper-
mophila« Ibis, p. 1.
Baldamus über Serinus pusillus bei Smyrna: Caban. Journ.
f. Orn. p. 229. Interessant. Beschreibung zahlreicher Kleider. 6
Exemplare durch die Herrn Betant und Gonzenbach.
Neue Arten: Crithagra leucoptera, Sh. Ann. Mag. N. H.
p. 235. Südafrica. — Bolospingus nuchalis, Elliott; Ibis, p. 462,
pl. XL Orijjoco. — Carpodacus trifasciatus, J. Verr. Nouv. Arch.
Mus. VI. p. 39. Chines. Thibet. — C. Edwardsi, Id. ib. Chines.
Thibet. — C. vinaceus, Id. ib. Chines. Thibet. — Poliospiza eroco-
pygia, Sh. Ibis, p. 101. Damaraland. — Propasser saturatus, Blanf.
J. A. S. Beng. vol. XLI. pl. 8. Sikkim. — Procarduelis rubescens,
Blanf. Proc. Z. S. p. 693, pl. LXXIX. Himalaja. — Passer ammo-
dendri (?) Ch. Dode. Himmeisgeb. in Turkestan. — Haemophila Su-
michrasti, Lawr. Ann. Lyc. N. Y. X. Tehuantepec. Steht melano-
tis am nächsten. — Pipilo Carmanni, Lawr. Ann. Lyc. N. Y. X. p. 7.
Socorro-Island. Vergl. darüber Grays. N. H. Tres Marias, p. 40.
Abbild. Xanthodina dentata: Heugl. Ornith. N. 0. Afr. t.
XXII. Fig. 1. — X. pyrgita: ib. fig. 2 (der Kopf). — Spermophila
nigrorufa Ibis, pl. 1. — Sp. pileata: ib. — Sp. aurita. ib. pl. 2. —
Sp. ocellata, Sei. ib. pl. 2. — Coccothraustes melanurus : Gray, Fascic.
B. Chin. pl. 6.
Alaudidae. Vergl. R. B. Sharpe: On the Alauda bimaculata
Menetr. Ann. Mag. N. H. p. 179. Sei gleichartig mit A. torquata,
Bl. und mit A. alboterminata, Cab. Tristram hat Exemplare aus
Palästina.
»Zur Geschichte der Gattung Alauda« von C. Giebel: Zeitschr.
für die ges. Naturwiss. p. 267. Critik der aufgestellten genera und
subgenera nebst synonymischem Artenverzeichniss.
Neue Arten: Miraffra borneensis, Swinh. Ann Mag. N. H.
p. 257. — M. parva, Id. ib. Von Wallace auf Flores gesammelt. —
Alauda Adamsi, Hume, Ibis p. 405. Indus. Nördliches Sciude. —
Golerida magna, Hume, ib. Yarkand. — Pyrgilauda Davidiana,
der Vögel während des Jahres 1871. 37
J. Verr. Nouv. Arch. du Mus. VI. p. 40. — Älauda Wattersi, Sw.
Proc. Z. S. p. 389. China. — Alaudula cheleensis, Id. ib. China.
Icteridae. Vergl. Elliott Coues über Bullock's Oriole:
Amer. Natur, vol. V. Nov. 1871. Sehr hübsch und ausführlich.
Fortpflanzung.
Neue Arten: Icterus formosus, Lawr. Ann. Lyc. N. Y. vol. X.
Tchuantepec. — I. laudabilis, Sei. Proc. Z. S. pl. XXI. Insel St. Lucia.
Ueber Icterus Graysoni Cass. auf den Tres Marias vergl.
Grays. Nat. Hist. Tres Mar. and Socorro, p. 22. Eine der pracht-
vollsten Arten.
Sturnidae. Vergl. Schlegel über G#acula anais: Observ.
Zool. IV. p. 18. Von Sorong und Bondey auf der Nordküste der
Geelvinks-Bay. Etwas abweichend, aber nur 1 Ex.
Ueber ein schaarenweises Erscheinen von Pastor roseus in
Krain vergl. Zoolog. Garten, p. 253.
Neue Arten: Aplonis magnus, v. Rosenb. bei Schleg. Observ.
p. 18. Insel Soek. — Sturnus nitens, Hume, Ibis, p. 410. Yarkand.
— Aplonis cinerascens, Hartl. Finsch, Proc. Z. S. p. 29. Rarotonga.
W. Bull er »Onthe strueture and habits of the Huia (Hetero-
locha Gouldii)« Tr. & Proc. W. Zeal. Instit. III. p. 24, pl. 4. (Köpfe).
Sehr interessant. Fortpflanzung noch unbekannt. Die systematische
Stellung dieser Form ist ganz kürzlich durch Garrodd festgestellt:
Zool. Soc.
Abbild. Acridotheres nigricollis: Gray. Fascic. B. of Chin.
pl. 4. — Sturnus sericeus, ib. pl. 5.
Paradiseidae. Dr. G. Elliott »Review of the genus Ptiloris«
Proceed. Z. S. p. 580. Unterscheidet 1) Pt. paradiseus. Südost-
australieu. 2) St. Victoriae. Bernardinseln (N. 0. Austral.). 3) Pt.
magnificus. Neuguinea und 4) Pt. Alberti von Cap York.
Vergl. Schlegel über Paradisea papuana, regia und speciosa
auf Jobie: Observ. Zool. IV. p. 17.
G. R. Gray »Note zu Ptiloris Alberti« Ann. Mag. N. H. p.
365. Gould und. Andere halten diesen Vogel für nicht verschieden
von Pt. magnificus.
Corvidae. Sehr instruetiv schreibt über Nucifraga caryocatactes
und namentlich über die noch so unvollständig bekannte Fort-
pflanzung dieser Art v. Tchusi. (Separatabdr. aus Verh. Zool. Bot.
Gesellsch. Wien 1871.)
Und ebenso wichtig: Dr. Wiedemann in Trient über das
Vorkommen des Nusshehers in Südeuropa und namentlich in Tyrol :
v. Homeyer, Erinner.-Schr. u. s. w. Vierte Anlage.
Salvadori »Intorno al Garrulus Lidthi« Att. R. Acad. Sc.
Torin. vol. VII. Separatabdr. Nunmehr mit Sicherheit als Japan-Vogel
nachgewiesen.
38 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Neue Art: Eurystomus ivaigiouensis, Elliott, Ibis. p. 203.
Acht gute Arten bekannt.
Coluiubac.
Ueber zahlreiche Tauben der Molukken und der Papualänder
finden sich interessante Mittheilungen bei Schlegel Observat. Zool.
IV. p. 19 u. s. w.
Vergl. daselbst über Ptilinopus cinctus von der Insel Wetter
(10 Meilen nördlich v^n Timor). Ptil. albocinctus Wall, kaum davon
verschieden. Zwei Rassen dieser Art sind Ptil. cinctus florensis und
Ptil. cinctus lettiensis.
Dann über Ptilin. Rivolii: ib. p. 21. Geographische Ver-
breitung.
Ueber Ptilin. viridis, stirps geelvinkiana Schleg. ib. p. 23. Ist
Ptil. Muschenbroekii, v. Rosenb.
Ferner über Ptil. humeralis Wall., Ptil. iozonus und Ptil.
coronatulus : ibid. p. 26. Geogr. Verbreitung der lokalen Varietäten.
Carpophaga pinon jobiensis : ib. p. 26.
Endlich über die Leptoptila- Arten jener Gegenden, L. ery-
throptera, L. Stairii, L. pampusan.
»Die Taubenpost«. Vortrag u. s. w. von Baron F. v. Droste-
Hülshoff: Zoolog. Garten, p. 103—117. Sehr interessant und
zeitgemäss.
Neue Arten sind: Ptilinopus Miquelli, Schleg. Observ. Zool.
IV. p. 22. Inseln Meosnum und Jobie. — Ptil. speciosus, v. Rosenb.
ib. Inseln Mefoor und Soek. — Leptoptila Hoedtii, Schleg ib. p. 31.
Insel Wetter. — Homoptila deeipiens, Salvad. A. H. Acad. Sc. Torin.
VI. p. 131. Brasilien. Soll von rufaxilla verschieden sein. — Lep-
toptila Bonapartei, Lawr. Ann. Lyc. N. Y. X. Mexico. — Zenaidura
Graysoni, Lawr. ib. Sokorro-Insel. Darüber auch Grays. N. Hist.
Tres Marias etc p. 41. — Turtur aldabranus, Sclat. Proceed. Z. S.
p. 692. c. fig. Corallenklippc von Aldabra. — Ptilinopus raro-
tongensis, Hartl. Finsch Proc. Z. S. p. 30.
Abbild. Otidiphaps nobilis: Gould B. of As. pt. XXIII.
Gallinae.
Phasianidae. In T.T.Co oper's »Travels of a pioneer of Com-
merce in China« etc. wird auf S. 182 berichtet, das Bischof Chauveau
auf der Missionsstation Ta-li-pin im westlichen Szechuen sich dadurch
vor Nahrungsmangel sehützt, dass er seine Vorrathskammer mit
Phasianus Amherstiae versorgt.
der Vögel während des Jahres 1871. 39
L. D. Carreau (Apostol. Missionar inThibet): Faisan de Lady
Amherst: Bullet. Soc. d'Acclim. ser. II. vol. VII. p. 502.
Interessante Notizen über diese prachtvolle Art in der Gegend
von Ta-li-pin und Ta-tsien-lou an der Grenze von Thibet.
Vergl. G. Elliott über Argus ocellatus, J. Verr. MS. Ann.
and Mag. N. H. p. 119. Bekanntlich 4 Federn in der Pariser
Sammlung. Detaillirte Beschreibung.
Vergl. über den Haushahn: Dr. W. Stricker, Zool. Gart,
p. 229.
Neue Arten: Argus bipunctatus, T. W. Wood Ann. Mag.
N. H. p. 67 c. Fig. Sehr abweichende Färbung der Primärschwingen,
die bei Argus Grayi ähnlich denen von A. giganteus sind. — Eu~
plocamus Andersoni, Ell. Proceed. Z. S. p. 137. Burmah. — Phasi-
anus Sladeni, Anders. = Ph. elegans, Ell. Westyünnan. — Cros-
soptilon caerulescens, David, Compt. rend. LXX, p. 538, könnte der
ächte Phasianus auritus von Pallas sein : Sclat. Proceed. Z. S. p. 495.
Aus der Gobi.
Abbild. Polyplectron chinquis: Gould, B. of As. pt. XXIII.
Numididae. Numida Edouardi ist also gleichartig mit N. Ver-
reauxi: Proceed. Z. S. p. 496.
Eine neue Art ist: Numida Granti, Elliott, von Ugogo: Pro-
ceed. Z. S. p. 584. Nach einer colorirten Zeichnung Grant's auf-
gestellt.
Tetraonidae. Barboza duBocage »Sur l'existance et l'ha-
bitat de Francolinus rubricollis« etc. Jörn. Sc. Math, physic e
natural. Lisb. Nr. XL Eingehend über sämmtliche Francoline des
Mus. in Lissabon. Fr. rubricollis sei gleichartig mit Fr. Sclateri.
Zahlreiche Exemplare aus Mossamedes, Caconda, Huilla, Quillengua,
Barra do Dande.
A. Newton Brief an Elliott Coues über die fünf Lagopus-
Arten Europa's: Proceed. Acad. Phil. p. 24. (L. scoticus, albus,
alpinus, rupestris und hemileucurus.) Wichtig.
A. Newton »Ueber Lagopus hemileucurus auf Spitzbergen«
Ibis, p. 248. Sei doch wohl als gute Art anzuerkennen. Dr. 0.
F in seh ist anderer Ansicht. Heuglin stimmt dagegen mit
Newton überein.
»Züchtung nordamerikanischer Baumwachteln « Zool. Gart.
S. 90 — 91, von Baron v. Freyberg.
Neue Arten: Bambusicola Fytchii, Anders. Proceed. Z. S.
p. 214-^pl. XI. Yünnan. — Areoturnix Blakistoni, Swinh. Proc. Z.
S. p. 401. China. — Hemipodius viciarius, Id. ib. China.
Abbild. Perdix barbata: Gould, B. of As. pt. XXIII. — Fran-
colinus sinensis : Gray Fascic. B. of Chin. pl. 7. — Perdix thoracica,
ib. pl. 8.
40 Hartlaub: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Megapodidae. Ueber die Mcgapodius-Art von der Insel Nuipo
(Frenndsch. Gruppe): M. Huttoni, Bullet. Transact. Proc. N. Zeal.
Inst. III. p. 14. Vielleicht gleichartig mit M. Burnabyi, von welcher
Art ja nur ein Ei bekannt. Wohl verschieden von M. Pritchardi.
Grallae.
Rallidae. A. E. Brehm »Zur Fortpflanzung des Purpur-
huhn's (Porphyrio smaragnotus) in der Gefangenschaft« Cab. Journ.
f. Ornith. I. Beschreibung der Jungen in allen Kleidern.
Hartlaub & Finsch, über Pareudiastes pacißcus: Proceed.
Z. S. p. 21, pl. 2. fig. bon. Zwei Exemplare von Sawai. Merk-
würdige Form, deren Flugfähigkeit wohl die geringste.
Vergl. Lawrence über Kallus ktngirostris : Ann. Lyc. N. Y. X.
Dann: Lawrence u. 0. Salvin über Porzana concolor als
verschieden von P. guatemalensis : Ibis, p. 370.
Neue Arten: Porzana bicolor Wald. Ann. Mag. N. H. p. 47.
Darjeeling.
Abbild. Corethrura insularis Sh. Proceed. Z. S. pl. XXXII. —
Eulabeornis striatus, Gray, Fase. B. of Chin. pl. IX. — Gallinula
cristata, ib. pl. X.
Scolopacidae. L. Taczanowski schreibt sehr eingehend über
die ostsibirischen Numenius-Arten : Caban. Journ. f. Ornith. p. 56
und 395. Numenius nasicus (arquata bei Pall.), N. australis, der
sehr genau beschrieben wird, und phaeopus, der überall gemein.
Ausführlich auch über N. nasicus.
Numenius borealis scheint in Island wild vorzukommen : Pro-
ceed. Z. S. p. 299.
CharadrÜdae. J. A. 0 g d e n : Synopsis der Gattung Chettusia
(Lobivanellus) und Beschr. einer »neuen« Art: CJi. nivifrons aus
Fazoglo: Proc. Ar. Philad. pl. 1. fig. pulchr. Nennt 16 Arten. (Diese
neue Art ist indessen = Limnetes crassirostris).
Abbild. Limnetes crassirostris bei Heugl. 0. N. 0. Afr.
Neue Art: Haematopus osculans, Sw. Proc. Z. S. p. 405. China.
Otididae. Abbild. Otis maculipennis in Caban. Journ. für
Ornith. XIX.
Rhinochetidae. James Murie »On the Dermal and Visceral
Structure of the Kagu, Sunbittern and Boatbill« Transact. Zool.
Soc. p. 465. Mit Abbild, auf pl. LVI und LVII. Mit Abbildung
eines jungen Männchens von Cancroma nach dem Leben.
Mars hall »Quelques observations sur la splanchnologie de
Rhinochetos jubatus: Aren. Neerland tome V.
Ardeidae. A. C. Purdie »On a supposed new species of
Bittern from the lake-district above Queenstown in New-Zealand
der Vögel während des Jahres 1871. 41
(Ardeola novae Zealandiae!)« Transact. Proc. N. Zeal. Instit. III.
p. 99. Wird etwas später mit Ard. pusilla Gould's als gleich-
artig erklärt.
Neue Art: Ardea plumbea, Sundev. Pr. Z. S. p. 127. James-
Island: Galopagos.
Abbild. Ardea rufiventris, Sundev. Ibis, pl. IX.
Ciconüdae. Ch. Hume über das Nisten von Mycteria australis
in Indien: Ibis, p. 110. Zuweilen bedient sich Haliaetos leucoryphus
und Gyps calvus dieser Nester.
Anseres.
Anatidae. R. B. Sharp e »On the American Eider-duck« Ann.
Mag. N. H. p. 51. mit vergleichender Abbild, der Schnäbel. Die
neue Art : Somateria Dresseri, sei grösser mit viel stärkerem Schnabel
(cera lata rugosa« klingt sehr dubiös!). Die Färbung des Kopfes
scheint allerdings etwas abweichend zu sein.
A. G. Nord vi »Anas Stellen in Europa brütend« Caban.
Journ. für Ornith. p. 208. An der Küste von Russisch Finnmarken.
üeber Fulix Baeri, Radde (Reise in S. 0. Sibir. p. 376 pl. XV.
vergl. Swinh. Proc. Z. S. p. 419.
A. Newton schreibt in dem schon erwähnten Briefe an Ell i-
ott Coues auch über die fünf europäischen Anser-Arten: Proceed.
Acad. Philad. p. 24. (Anser ferus, segetum, brachyrhynchus, albi-
frons und erythropus.) Sorgfältige Revision der Synonyme.
»Cygnus TJmoini n. sp.« Hume, Ibis, p. 413 vom Yubbeefluss
dürfte nach Salvin's Ansicht doch nur av. jun. von C. olor sein.
Abbild. Querquedula formosa: Sharpe &Dress. Birds ofEur.
part I t. 8 und G. R. Gray, Fascic. B. of Chin. pl. XI. — Q. fal-
cata: Sh. & Dress. 1. c. pt. II und G. R. Gray, Fascic. B. of Chin.
pl. XII.
Laridae. 0. Salvin and Ph. L. Sclater »A revised list of
the Neotropical Laridae« Proc. Z. S. p. 564. Es werden nur 32 Arten
als endgültig gute anerkannt. Nur eine Rhyncbops-Art. Sehr
gründliche Arbeit. Dann 2 Anous, 1 Naenia, 1 Phaetusa, 10 Sterna,
1 Gelochelidon, 2 Onychoprion, 1 Hydro chelidon, 11 Larus, 1 Leuco-
phaeus, 1 Lestris.
W. H. Hudson schreibt in einem seiner ornithologischen
Briefe aus Buenos Ayres auch sehr hübsch und ausführlich über
Larus cirrhocephalus : Proceed. Z. S. p. 4.
Neue Art: Sternula placens, Gould,' Ann. and Mag. N. II.
p. 192. Torres-Str.
Chroicocephalus Saundersi, Swinh. Proc. Zool. Soc. p. 173.
42 Hartlaub: Bericht, üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte etc.
pl. XXII aus China ist gleichartig mit Larus Schimperi, Schleg.
Mus. P. B.
Ueber den Nistplatz von Sterna caspia auf Sylt vergl. K. Mö-
bius. Zool. Garten p. 195.
Pelecanidae. Pelecanus Sharpei, Barb. duBocage. n. sp. Jörn.
Sc. Lisb. Nr. XI. (Daraus Separatabdruck) von Angola, Casengo.
Mit einer critischen Uebersicht der Pelecane. Scheint in der That
eine gute Art zu sein »macula magna pectorali cinnamomeo-casta-
nea«. Gehört zu der Form onocrotalus, minor u. s. w. Beschreibung
dreier Exemplare in verschiedenem Alter.
Podicipidae. W. T. L. Travers »Notes on the habits of Po-
diceps cristatus« Transact. and Proceed. N. Zeal. Instit. III. p. 113.
Ausführlich. »Inland lakes of the Middle Island«.
Spheniscidae. Neue Art : Spheniscus mendiculus, Sundev. Proc.
Z. S. p. 129. Galopagos.
Alcidae. T. H. Potts »Notes on the Egg of Alca impennis
in the Museum of the writer: Tr. and Proc. N. Zeal. Instit. III.
p. 109. Bekanntes.
Struthiones.
Struthionidae. W. H. Fl o wer »On the skeleton ofCasuarius
australis« Proceed. Z. S. p. 32. Nord-Queensland.
R. 0. Cunninghäm »Note on some points in the Osteology
of Rhea americana and Rhea Darwinii« Proceed. Z. S. p. 108, pl.
VI und Via.
M. Des m eure »Reproduction d'Autruches ä Florence« Bullet.
Soc. d'Acclim. ser. 2. vol. VII. p. 205. Die Hauptrolle beim Brüten
übernahm das Männchen, dem zwei Weibchen beigegeben waren.
Dr. F. L. Prestre »Etudes sur la reproduction et la do-
mestication de l'Emeu de la nouvelle Hollande« Bullet. Soc. d'Ac-
clim. ser. 2. vol. VII. p. 104. Die Beobachtungen wurden im Garten
des Verfassers zu Caen angestellt.
Casuarius australis wurde am Lower Herbert erlangt: Proceed.
Z. S. p. 547.
Aepyornithinae. In Colon. Henry Jule's vortrefflichem Werke
»The Book of Ser Marco Polo« befindet sich eine sehr getreue
chromolithographische Abbildung des Ei's von Aepyornis im Brit-
tischen Museum.
Apterygidae. Apteryx Mantelli wird jetzt auch von Sclater
als Art aufgegeben: Proceed. Z. S. p. 496.
Nachtrag. Die oben erwähnte Colluriocinda n. sp. von Neu-
seeland ist Graucalus melanops.
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Säugethiere während des Jahres 1871.
Von
Troschel.
Das interessante Buch vonWallace „Beiträge zur
Theorie der natürlichen Zuchtwahl, deutsch von A. B.
Meyer, Erlangen 1870" gehört seiner Natur nach kaum
in den Bericht über eine besondere Thierklasse. Es ent-
hält geistreiche Erörterungen über allgemeinere Gesetze,
wobei freilich Beispiele aus den einzelnen Thierklassen
angezogen werden. In Betreff der Säugethiere ist nur
weniges hervorzuheben. In dem Abschnitt über Mimicry,
worunter die Nachahmung anderer Thiere des Schutzes
wegen, oder um sich die Beute leichter zu verschaffen,
gemeint ist, eine Verstellung oder Verkleidung, wTird
p. 122 als einziger Fall echter Mimicry bei Säugethieren
die Gattung Cladobates angeführt, und Verf. meint, dass
durch die Aehnlichkeit mit den harmlosen Eichhörnchen
dieselbe in den Stand gesetzt werde, sich leichter ihre
Nahrung zu verschaffen. Diese Erklärung erscheint doch
wenig zutreffend, und ebensogut könnte die ganze Ord-
nung den Insectenfresser in ihrer Aehnlichkeit mit den
Nagern als Mimicry aufgefasst werden. Den Nutzen der
Haarbedeckung der Säugethiere p. 394 setzt Verf. in den
Schutz gegen die Strenge des Klimas und besonders
gegen den Regen, weshalb das Haar oben stärker, und
44 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
von oben nach unten gerichtet sei. Die Wichtigkeit der
Färbung für das Verstecken wird an mehreren Säuge-
thieren hervorgehoben, so die weisse Farbe bei aretischen
Thieren, welche auf Schneefeldern und Eisbergen leben,
und der aretische Fuchs, der Hermelin und der Alpen-
hase sollen nur im Winter weiss werden, weil im Sommer
die weisse Farbe mehr eine Gefahr als ein Schutz sei.
Andere nordische Thiere wechseln nicht die Farbe, z.B.
der Zobel, und er soll des Schutzes der Farbe nicht be-
dürfen. Die bunte Farbe mancher Thiere wird auch als
nützlich für manche Thiere bezeichnet, so soll der Tiger
mit seinen verticalen Streifen den verticalen Stämmen des
Bambus gleichen, um sich vor der nahenden Beute zu
verbergen (!).
Hartwig wies Verslagen en Mededeelingen Akad.
V. p. 367 auf den Antheil hin, welchen J. E. Doornik
an der Darwinschen Hypothese gehabt hat, namentlich
durch seine Schrift: Wijsgeerig-natuurkundig ondersoek
aangaande den oorspronkelyken mensch en de oorspron-
kelyke stammen van deszelfs geslacht. Amsterdam 1808.
A Manual of zoology for the use of students, with
a general introduetion on the principle of zoology. By
Henry Alleyne Nicholson. 1870.
Advanced Text-book of zoology, for the use of
schools. By H. Alleyne Nicholson. 1870.
An introduetory text-book of zoology, for the use
of junior classes. By H. Alleyne Nicholson. 1871.
General outline of the Organisation of the animal
kingdom,and manual of comparative anatomy. By Thomas
Rymer Jones. 4. edition. London 1871.
Descriptive Anatomy of the Horse and Domestic
Animals, compiled chiefly from the manuscripts of the
late Thos. Strangcways by J. W. Johnston and
T. J. Call. Edinburgh 1870. Ist ein Handbuch für
Studirende der Thierheilkunde.
Cli am b er 1 in legte seine Ansichten von der Wich-
tigkeit des Nervensystems für die Bestimmung des Ranges
der Wirbelthiere dar, hält sich jedoch ganz allgemein,
und hebt nur die Beziehungen hervor, die seiner Meinung
der Säugethiere während des Jahres 1871. 45
nach besondere Beachtung verdienen. Bulletin of the
Wisconsin Academy 1871 p. 76.
Böttcher, Ueber Entwicklung und Bau des Ge-
hörlabyrinthes nach Untersuchungen an Säugethieren.
Erster Theil. Dresden 1869 mit 12 Tafeln. Erschien im
35. Bande der Verhandlungen der k. Leopoldo-Carolini-
schen Akademie.
Reichert liess seinen Beitrag zur feineren Ana-
tomie der Gehörschnecke beim Menschen und den Säuge-
thieren, zweite Abtheilung, in seinem Archiv für Anat.
u. Phys. 1871 p. 117 mit Zusätzen wieder abdrucken.
Paladin o, Ueber die feinere Structur und die Phy-
siologie der Tasthaare. Bullettino dell' Assoc. dei Natura-
listi e Medici 1870 p. 87.
Dietl, Untersuchungen über Tasthaare. Wiener
Sitzungsber. 64 p. 62 mit zwei Tafeln. Der Bau des
Haarbalgs, seine Blutgefässverhältnisse und Nervenreich-
thum, die Papille und der Bewegungsapparat werden
beschrieben.
Ciacco, Dell'anatomia sottile dei corpuscoli paci-
nici dell' uomo ed altri mammiferi e degli uccelli, con
considerazioni esperimentali intorno al loro ufficio. Me-
morie della R. accademia delle scienze di Torino. XXV.
p. 181 mit 5 Tafeln. 1871.
Flow er gab An Introduction to the Osteology of
the Mammalia. London 1870 heraus.
Flo w er beschäftigte sich mit der Beziehung zwischen
den Theilen, welche den Schulter- und den Becken-Gürtel
der Säugethiere zusammensetzen. Journal of anatomy and
physiology IV. 1870 p. 239. — Durch diese Arbeit ver-
anlasst sprach auch Humphry ib. V. 1871 p. 67 seine
Ansicht über diesen Gegenstand aus.
Darwin hat im zweiten Bande p. 210 — 276 seines
Werkes „die Abstammung des Menschen und die ge-
schlechtliche Zuchtwahl" übersetzt von Victor Carus,
die secundären Sexualcharaktere der Säugethiere be-
sprochen, und dabei namentlich die Waffen, die Stimme,
die Entwickelung des Haars und die Farbe berück-
sichtigt.
46 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Siedamgrotzky schrieb eine, wie es scheint, sehr
gründliche und beachtenswcrthe Abhandlung über die
Stmctur und das Wachsthum der Hornscheidcn der
Wiederkäuer und der Krallen der Fleischfresser in dem
Bericht über das Veterinärwesen im Königreiche Sachsen
für das Jahr 1870 mit vier Tafeln Abbildungen.
Noll hielt einen Vortrag über Mittel und Wege
zur Ausbreitung der Thiere, worin also auch von den
Wanderungen der Säugethiere mehrfach die Rede ist.
Zool. Garten p. 170, 204, 237, 269.
Walter schrieb in der Zeitschrift Lotos 21 p. 56
und 67 über einige Zwischenformen unter den Wirbel-
thieren , unter denen auch mehrerer Säugethiere Er-
wähnung gethan wird, weshalb wir den Aufsatz hier
kurz anführen.
ßran d t aus Petersburg hielt in Berlin einen Vortrag
über untergegangene, grosse Säugethiere und solche, die
dem Verschwinden nahe sind, Mammuth, Stellersche
Seekuh und Elen. Schliesslich sprach er sich gegen den
Darwinismus aus und erkennt im Elen einen Urtypus
der hirschartigen Thiere, welcher für ein nördliches Klima
bestimmt war. Sitzungsber. der Ges. naturforschender
Freunde zu Berlin 1871 p. 43.
Harting warf einen Blick auf die Ausbildung der
zoologischen Wissenschaft, indem er einen Vergleich
einiger der bekanntesten Systeme, Linne, Van der Hoeven,
Cuvier, zog. Verslagen en Mededeelingen koninkl. Akad.
V. p. 252. Verf. spielt darin bereits auf den Gedanken
zu einer neuen von ihm vorzuschlagenden zoologischen
Nomenclatur an, wie sie ib. p. 311 ausgeführt ist. Davon
ist in unserem Archiv 1871 p. eine Uebersetzung er-
schienen. Das grösste Hinderniss gegen die Einführung
dieses Vorschlages scheint die Wandelbarkeit des Sy-
stemes selbst zu sein.
Ueber Milne Edwards Recherches des Mammiferes,
wovon die Vorrede schon 1868 unterzeichnet ist, und
wovon 11 Lieferungen erschienen sind, bin ich^ erst jetzt
zu berichten in der Lage. Verf. äussert sich zunächst
der Säugethiere während des Jahres 1871. 47
über die Classification und giebt über die Eintheilung
folgende Uebersicht (p. 40):
1. Sous-classe. Mammiferes norm aux. Bassin bien developpe,
portant une paire de membres et depourvu d'os sus-pubiens; ma-
melles ä decouvert ; cerveau pourvu d'un raesolobe bien constitue.
A. Phalange des Hematogenetes. Doigts onguicules, en general
au nombre de cinq; des dents sur le devant de la bouche.
a. Legion des Micrallantoides. Dents mächelieres essentiellement
broyeuses ou räpeuses; condyles de la mächoire inferieure
arrondis ou allonges.
ct. Cohorte des Primates. Des mains; cerveau offrant des
circonvolutions; Systeme dentaire complet.
1. Ordre des Bimanes. Pouce opposable aux membres an-
terieurs seulement.
2. Ordre des Quadrumanes. Pouce toujours opposable aux
membres posterieurs et presque toujours aux membres
thoraciques.
ß. Cohorte des Plebeiates. Jamais de mains aux membres
anterieurs et presque jamais aux membres abdominaux;
Systeme dentaire souvent incomplet.
3. Ordre des Chiropteres. Des ailes; trois sortes de dents.
4. Ordre des Insectivores. Pas d'ailes; trois sortes de dents.
5. Ordre des Bongeurs. Deux sortes de dents seulement
(pas de canines).
b. Legion des Mesdllantoides. Dents mächelieres tranchantes;
condyles de la mächoire inferieure tres-elargis transver-
salement.
6. Ordre des Carnivores. Pattes conformees pour la marche.
7. Ordre des Pinnes ou Amphibies. Pattes conformeses es-
sentiellement pour la natation.
B. Phalange des Hyraciens. Pieds plantigrades et subongules;
doigts au nombre de quatre; Systeme dentaire complet; pas
de trompe.
C. Phalange des Proboscidiens. Doigts subongules et au nombre
de cinq; une trompe.
D. Phalange des Megallantoidiens. Membres ongules; des
dents incisives; jamais cinq doits; digitigrades.
10. Ordre des Pachydermes solidongules ou Perissodactyles.
Estomac impropre ä la rumination; pieds non fourchus.
11. Ordre des Pachydermes bisulques: Estomac impropre a
la rumination; pieds fourchus.
12. Ordre des Camelides. Estomac conforme pour la rumi-
nation; pieds fourchus, phalangigrades.
48 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
13. Ordre des Tragulides. Pieds fourchus; estomac con-
forme pour la rumination et divise en trois reservoirs.
14. Ordre des Pecorides ou Buminants ordinaires. Pieds
fourchus; quatre reservoirs stomacaux.
E. Phalange des Edentes. Membres subongules; pas de dents
sur le devant de la bouche.
II. Sous-classe. Pinniferiens ou Mammiferes pisciformes.
Bassin rudimentaire; ni membres abdoniinaux, ni os sus-pubiens ;
membres thoraciques completement transformes en nageoires.
16. Ordre des Sirenides. Doigts composes, comme d'ordi-
naire, pas trois phalanges au plus; narines anterieures.
17. Ordre des Cetaces ou Souffleurs. Certains doigts com-
poses de plus de trois phalanges; narines frontales.
III. Sous classe. Didelphiens ou Mammiferes implacentaires.
Bassin bien developpe, portant des os sus-pubiens et des pattes
posterieures ; en general une poche mammaire ; cerveau sans me-
solobe.
18. Ordre des Marswpiaux. Os coracoidien rudimentaire;
im vagin tres-developpe.
19. Ordre des Monotremes. Os coracoidien s'articulant avec
le sternum et l'omoplate; pas de vagin proprement dit.
Die erschienenen 11 Hefte enthalten dann 1. Be-
merkungen über den Hippopotamus von Liberia p. 43 —
66. 2. Studien über die Säugthier-Fauna China's, p. 67
— 229. 3. den Anfang einer Abhandlung über die mam-
malogische Fauna des östlichen Tibet, besonders der
Provinz Moupin p. 231 — 240. Auf diese Abschnitte
kommen wir unten noch zurück.
Gill erklärt sich dahin, dass die Morphologie der
einzig richtige Führer zu einem natürlichen System sei,
Teleologie und physiologische Anpassung dagegen führen
zu den unnatürlichsten Zusammenstellungen; die Ver-
wandtschaften seien nur bestimmbar durch die Summe
ihrer Uebereinstimmungen in morphologischen Charak-
teren und nicht durch die Modificationen eines einzelnen
Organs; die Thiere und Pflanzen der gegenwärtigen
Epoche seien Ableitungen mit Modification von früheren
Formen in unbegrenzter Ausdehnung; daher sei eine An-
ordnung organisirter Geschöpfe in einer einzigen Reihe
unmöglich; in der Abschätzung des Werthes der Gruppen
müsse man Linne folgen, jedoch mit solchen Abweichungen,
der Säuge thiere während des Jahres 1871. 49
die unsere erweiterte Kenntniss erfordert. Mit diesen
Principien kommt er zu folgender Eintheilung der Säuge-
thiere :
Subclassis Monodelphia. I. Primates mit den Ordnungen
Anthropoidea und Lemuroidea. II. Ferae mit den Ordnungen
Ferae (Subordo Fissipedia und Pinnipedia) und Cete (Subord. Zeu-
glodontes, Odontoceti, Mysticeti). III. Insectivora, Ordn. Insecti-
vora und Chiroptera. IV. Ungulata, Ordn. Ungulata (Subord. Ar-
tiodactyla und Perissodactyla), Hyracoidea, Proboscidea, Sirenia.
V- JRo dentia, Ordn. Glires (Subord. Simplicidentata und Duplici-
dentata). VI. Edent ata Ordn. --■ Subclassis Didelphia, Ordn. Mar-
supialia. — Subclassis Ornithodelphia, Ordn. Monotremata.
Sclater machte Bemerkungen über seltene oder
wenig bekannte Säugethiere, welche in dem zoologischen
Garten zu London leben. Proc. Zool. Soc. p. 221 — 240.
Diese Bemerkungen beziehen sich auf Macacus lasiotus Gray,
Macacus assamensis, Macacus maurus; Ateles grisescens Gray, Ateles
cucullatus Gray auf pl. 14 abgebildet, Ateles variegatus Wagn. mit
berichtigter Synonymie. Ateles melanochir mit Abbildung auf pl. 15
und dps Schädels in Holzschnitt, Cebus lunatus = leucogenys Gray,
Pithecia leucocephala, Pithecia satanas (P. chiropotes Humb. und
P. chiropotes Hoffm. werden als nahe verwandte Arten unterschieden,
Hapale chrysoleucos, Lemur macaco mit Berichtigung der Syno-
nymie. Lemur mongoz auf pl. 16 Männchen und Weibchen abge-
bildet. Lemur brunneus v. d. Hoeven, Lemur flavifrons, Mellivora
leuconota Sei., Urus nasutus Sei., Hystrix cristata L., Hystrix longi-
cauda Marsden, Atherura fasciculata Waterh., Phacochoerus Aeliani,
Cervus pseudaxis Eyd. Soul., Cervus Alfredi Sei., Cervus pudu Mol.
auf pl. 17 abgebildet, Halmaturus erubescens mit Abbildung des
Schädels in Holzschnitt.
Aus den monatlichen Accessions-Catalogen, welche
das Museum in Calcutta veröffentlicht, geht hervor, dass
die Sammlungen in stetigem und raschen Zunehmen be-
griffen sind.
Les petits Quadrupedes de la maison et des cbamps
par Eng. Gayot. Paris 1871. Dieses Werk erschien
in zwei Abtheilungen. Die erste enthält die Nagethiere,
die zweite die übrigen.
Europa. Robert Brown machte in einem Briefe
an J. E. Gray Bemerkungen über die aretische Zoologie,
worin auf das Vorkommen einiger Säugethiere Bezug
genommen wird. Annais nat. iiist. VII. p. 64.
Archiv für Natur*. XXXVIII. Jahrg. 2. Bd. D
50 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Heuglin fand auf Nowaja-Semlja Myodes obensis
und torquatus, so wie Arvicola obscurus oder doch eine
diesem sehr nahe stehende Art Bull, de St. Petersbourg
16 p. 567.
G erard, Essai d'une faune historique des Mammi-
feres sauvages de PAlsace. Colmar 1871. Verf. giebt
die Geschichte der bemerkenswerthesten Säugethiere,
welche wild leben, die sich nicht dem Dienste des Menschen
als Hausthiere gefügt haben. Er hat sich nicht die Auf-
gabe gestellt, eine wissenschaftliche Beschreibung der
Thiere zu geben, da die Thiere dieser Provinz im All-
gemeinen mit denen anderer Länder derselben Breite
übereinstimmen; sondern er hat nachgeforscht, welche
Thiere der Elsass ein besessen und nun verloren hat,
welche eingewandert sind, er hat die Beziehungen des
Menschen zu den wilden Thieren geschildert, sei es durch
die Jagd, den Volksglauben, die Medicin, Zu- und Ab-
neigung; er hat versucht, die historische Fauna der Thier-
rassen darzustellen, welche durch ihre natürliche Wichtig-
keit, ihre Zahl, ihren Einfluss auf die menschliche
Imagination und Sensibilität, ihren Nutzen oder Schaden
mit dem Menschen das Privilegium theilen auf der Erde
die Veränderungen hervorzubringen, welche wir Ge-
schichte nennen. Er behandelt dann in diesem Sinne
13 Fledermäuse, Catus ferus, Lynx vulgaris, Canis lupus,
Vulpes vulgaris, Meles vulgaris, Martes obietum, Martes fo-
ina, Foetorius putorius, Mustela vulgaris und herminea, Lutra
vulgaris, Ursus arctos, Erinaceus europaeus, 6 Spitzmäuse,
Taipa europaea, Sciurus vulgaris, Arctomys Marmotta,
Myoxus glis und nitela, Muscardinus avellanarius, Mus
rattus und decumanus, Cricetus frumentarius, Mus mus-
culus, sylvaticus und minutus, Arvicola amphibius, ter-
restris, glareolus, agrestis, arvalis, subterraneus und Na-
geri, Castor fiber, Lepus timidus und cuniculus, Equus
feralis, Alces jubata, Tarandus rangifer, Dama platyceros,
Cervus elaphus, Capreoius vulgaris, Rupicapra europaea,
Ibex alpinns, Bonasus bison, Bos urus, Sus scrofa. Das Buch
enthält viel Interessantes und empfiehlt sich der Beachtung
der Zoologen sowohl wie zur unterhaltenden Leetüre.
der Säugethiere während des Jahres 1871. 51
In einem Aufsatze von Leydig „Beiträge und Be-
merkungen zur württembergischen Fauna mit theilweisem
Hinblick auf andere deutsche Gegenden", in den Würt-
tembergischen naturw. Jahresheften 27 p. 199. spricht
Verf. mit Nachdruck aus, dass. auch die Katzen Anal-
drüsen besitzen, und dass zuweilen junge Katzen Ohr-
pinsel haben, wie die Luchse. Ausserdem ist noch von
dem Vorkommen der drei Myoxus-Arten die Rede.
Das Triester Museum enthält von Säugethieren, die
im adriatischen Meere leben, Physeter macroeephalus,
Delphinus (Tursio) vulgaris, Delphinus (Rhinodelphis)
delphis, Phoca vitulina und Pelagius monachus. Elenco
sistematico degli animali del mare adriatico riuniti nella
separata divisione deila Fauna adriatica del Museo, von
Stossich zusammengestellt.
Africa. Bian f ord gab in Holland and Hozier Record
of the expedition to Abyssinia Vol. IL 1870 p. 386 eine
Liste der von ihm auf der Expedition gesammelten Thiere.
2 Quadrumana, 1 Chiroptera, 8 Carnivora, 5 Pachyder-
mata, 1 Proboscidea, 11 Ruminantia, 12 Rodentia, zu-
sammen 40 Arten.
Die Bemerkungen welche Gevrey in seinem Buche
Essai sur les Comores. Pondichery 1870 p. 66 über die
Fauna dieser Inseln macht, haben nur wenig Wertlv, da
nicht einmal die Species bestimmt, sondern nur die fran-
zösischen Namen angegeben sind. Von Säugethieren
sollen dort leben: 1 Affe, 1 Zibethkatze, 3 Insectenfresser,
3 Nager, 4 Fledermäuse, 2 Wallfische.
Asieu. Heuglin zeigte an, dass er Spalax typhlus
und Mustela sarmatica auch in Kleinasien gesammelt habe,
und dass sie südwärts bis zum.Taurus zu gehen scheinen.
Bull. St. Petersbourg 16. p. 569. -
Forsyth, The Highlands of central India, Notes
on their forests and wild tribes, natural history and sports.
London 1871. Enthält mancherlei Notizen, die sich auf
dort lebende Thiere beziehen, namentlich auf deren Jagd.
So z.B. p. 55. Im Narbadä-Thal kommen vor: Antilope
52 Troschel: Bericht üb. <5L Leist. in d. Naturgeschichte
cervicapra, Gazella Bennettii, Portax pictus, die dort
gejagt werden. Letztere ist eine Lieblingsspeise der
Tiger und Panther; aber sie zieht sich am Tage in die
niedrigen Hügel zurück und ist da mehr diesen Räubern
ausgesetzt, als in den Ebenen, wo sie Nachts weidet. Die
Raubthiere der offenen Ebenen sind Felis jubata, Canis
pallipes und Canis aureus. — p. 104. Der Bison und
der Büffel, welche den ganzen östlichen Theil der Central -
Provinzen bewohnen, sind abgebildet und beschrieben;
auch Tetraceros quadricornis wurde in den Mähädeo-Hills
erlegt. Als Raubthier wird Vulpes Bengalensis erwähnt.
— p. 213. In der Teak Region wurden beobachtet:
Portax pictus, der mehrere Tage ohne zu trinken leben
kann, der Bison, Rusa aristotelis, Axis maculatus, Cer-
vulus aureus, Tetraceros quadricornis. — p. 253 — 313. Dem
Tiger ist ein ganzes Kapitel gewidmet. — p. 419. Im
fernen Osten leben viele wilde Thiere in den Wald-
schluchten der Hügel. Panther wurden fast jede Nacht
gehört, auf der Höhe waren viele Hasen, auch leben dort
Felis chaus, Paradoxurus musanga, Felis Caracal.
Milne-Edwards hat seine Abhandlung über die
mammalogische Fauna des östlichen Tibet und insbesondere
des Fürstenthums Moupin mit der Beschreibung von
Rhinopitheeus (Semnopithecus) Roxellanae begonnen.
Moupin ist von Nepaul, Boutan und Assam durch die
höchsten Spitzen des Himalaya getrennt, und ist von
hohen Bergen bedeckt. Obgleich mit Aegypten in gleicher
Breite ist Moupin doch auf den Berggipfeln mit ewigem
Schnee bedeckt und selbst in den Niederungen sind die
Winter sehr hart. Dort sammelte der Abbe* Armand
David in einer Meereshöhe von 2129 Meter in einem der
grösseren Thäler fast ein Jahr hindurch. Seine Ausbeute
soll den Inhalt der Abhandlung bilden. Rccherches des
Mammiferes p. 231.
Auch Blanchard machte in Comptes rendus 72 p. 807
einige Bemerkungen über die Fauna des Fürstenthums
Mou-pin in Tibet. Von Säugethieren erwähnt er den
Ursus melanoleucus des Abbe David, der weiss ist, mit
schwarzen Ohren und Gliedmassen, und die der Gattung
der Säugethiere während des Jahres 1871. 53
Aeluropus Alph. Milne-Edwards bildet; von "Wiederkäuern
gibt es dort Budorcas taxicolor, einige Hirsche und An-
tilopen.
Milne Edwards lieferte einen Beitrag zur Säuge-
thier-Fauna von China. Die Fauna des Nordens gleicht
keineswegs so den umliegenden Gegenden, wie man es
annehmen zu können glaubte. Im Allgemeinen theilt sie
die Charaktere der nördlichen und südlichen Faunen des
grossen asiatischen Continentes, aber sie enthält eine
Menge Arten, deren Vorhandensein sonst noch nicht fest-
gestellt war, und unter den ihr eigenthümlichen Thieren
solche, deren Existenz unter einem so kalten Klima be-
merkenswerth ist. So lebt auf den westlichen Gebirgen
von Tche-ly eine neue Art Macacus, der nördlichste von
allen Affen. Spermophilus und Siphneus, die nördliche
Thiere sind, leben dort neben grossen Panthern und
einem Tiger, der von dem der heissen Ebenen Indiens
nicht speeifisch verschieden zu sein scheint. Die Arten
sind im Allgemeinen verschieden von den Japanischen
und einige bilden neue und interessante Typen. Es werden
dann sehr ausführlich besprochen und beschrieben: Si-
phneus Armandii, Fontanierii, spüurus n. sp. ; Arvicola
mandarinus; Cricetus griseus, obscurus, longicaudatus ;
Mus humiliatus, plumbeus; Gerbillus unguieulatus, psam-
mophilus; Dipus annulatus; Spermophilus mongolicus;
Sciurus Davidianus; Pteromys melanopterus, xanthipes,
Scaptochirus moschatus; Moschus moschiferus; Cervus xan-
thopygus, mandarinus; Antilope caudata; Meies lepto-
rhynchus, leucolaemus; Putorius Fontanierii; Felis Fon-
tanierii, irbis, chinensis, miorotis n. sp., tristis n. sp.,
manul; Macacus tcheliensis. Recherches des Mammiferes
p. 67—229.
v. Pelzein verzeichnete die durch v. Ran sonnet
von der ostasiatischen Expedition eingesendeten Säuge-
thiere in Verhandl. zool. bot. Gesellsch. in Wien 21
p. 100. Es sind Semnopithecus comatns und spec?, Stenops
javanicus Geoffr., Pachysoma braehyotis Müll., Vespertilio
tralatitius und macellus Temm., Crocidura fuseipus Pet.,
54 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Mus musculusL., Sciurus vittatus Raffl., Tragulus canchil
var. fulviventris Gray.
America. Cooper verglich die Fauna von Californien
und ihre geographische Verbreitung mit der anderer Ge-
genden. Proc. California Acad. IV. p. 61—81. Cali-
fornien umfasst eine grössere Menge natürlicher Regionen
und eigenthümlicher zoologischer Districte als irgend
ein anderes Gebiet der vereinigten Staaten. Es hat eine
Seeküste von über 600 Meilen und erstreckt sich etwa
200 Meilen von der Küste, mit einem Flächenraum von
155500 Quadratmeilen. Wir beschränken uns hier zunächst
auf die Angaben über die Säugethier-Fauna. Verf. hält
12 Säugethiere für eigenthümlich für Californien: Putorius
xanthogenys Gray, Vulpes littoralis Baird, Spermophilus
Beecheyi Rieh, und Harrisii Aud., Thomomys bulbivorus
Rieh., Perognathus parvus Peale, Reithrodon longicauda
ßaird, Hesperomys californicus Gamb., Neotoma fuseipes
Cp., Arvicola edax Lee, Lepus californicus Gray und
Trowbridgii Baird. Es werden dann 8 Regionen unter-
schieden: L das Colorado-Thal mit 23 Säugethier-Arten,
wovon sich Didelphys californicus, Macrotns californicus,
Lepus callotis und Cervus mexicanus nicht weiter nach
Westen auszudehnen scheinen. 2. Die Wüsten-Region,
westlich vom Colorado-Thal, fast ohne Vegetation, Sper-
mophilus Harrisii, Perognathus penicillatus und Hespe-
romys eremicus kommen nicht westlich von dieser Region
vor; 3. der südliche Küstenabhang mit 48 Säugethiereu,
wovon Vulpes littoralis, Thomomys umbrinus, Neotoma
mexicana und Hesperomys sonoriensis sich nicht nach
Norden erstrecken ; 4. mittlere und nördliche Küsten-
Region, 6 Arten gehn nicht weiter nach Norden, 12 nicht
weiter nach Süden; 5. das Tulare-Thal, 250 Meilen lang
und 60 Meilen breit; 6. die südliche Sierra Nevada östlich
von diesem Thal, dort lebt ein Hase in einer Höhe von
12000 bis 15000 Fuss, sonst wenig bekannt; 7. das Sa-
cramento-Thal 175 Meilen lang und 50 breit; 8. die nörd-
liche Sierra Nevada, der übrige Theil Californiens, östlich
vom Sacramento; in dieser und der vorigen Region hat
Verf. 80 Säugethiere gesammelt. Schliesslich ist die Insel-
der Säugethiere während des Jahres 1871. 55
Fauna von Sta. Catalina, Sta. Barbara, San demente und
San Nicolas untersucht; von ihnen sind angegeben: 2
Vulpes, Enhydra marina, Macrorhina angustirostris, Arcto-
cephalus Gillespiei, Phoca Pealii, Spermophilus Beecheyi,
ein Hesperomys,ein Arvicola, ein Delphinusundeine Balaena.
Otto zeigte nach Mittheilungen vonTramnitz an,
dass im nördlichen Grönland Rennthiere, Moschusochsen,
Polarfüchse in Menge, Lemminge und Hermeline, Eis-
bären und das Wallross vorkommen. Die Thiere kennen
dort wegen der seltenen Anwesenheit von Menschen keine
Gefahr; nur der Eisbär ist im Herbste scheu und furcht-
sam, im Frühjahr ausgehungert wird er furchtbar und
macht grosse Vorsicht nöthig. Sitzungsber. der Isis in
Dresden 1870 p. 199.
Allen hob die Hauptzüge der Fauna der Prairien
hervor. The American Naturalist V, p. 4. Wenn man
von Osten her die Prairien betritt, begegnet man einem
merklichen Wechsel in der Säugethier-Fauna. Während
wenige Arten ganz verschwinden, sind viele auf die
schmalen Waldstreifen beschränkt, welche die Ströme
begrenzen, so dass sie aufhören charakteristisch zu werden.
Das gilt namentlich für die Nager, Carnivoren und Fleder-
mäuse. Anderseits werden einige andere Arten, welche
auf offene Gegenden angewiesen sind, zahlreich, und von
ihnen sind einige den Prairien eigentümlich. Fleder-
mäuse sind gering an Zahl. Die Katzen, Lynx rufus
und Felis concolor, auch der Bär, sind selten in den
Prairien, ebenso die Wiesel. Dagegen behalten die Stink-
thiere, Füchse und Wölfe, wegen der geringeren Ab-
hängigkeit vom Waldaufenthalt, nicht nur ihre relative
Häufigkeit, sondern werden noch durch einige eigen-
tümliche Prairie- Arten vermehrt. Canis latrans, Vulpes
tulvus, Taxidea americana und besonders im Süden Me-
phitis bicolor Gray treten hier zuerst auf. Wegen der
reichlichen Nahrung sind die Prairien, ausser für Cervus
virginianus, die Heimath des Elches und des Büffels. Von
Nagern verschwinden nur zwei Arten an der Grenze der
Prairic, Sciurns hudsonius Pall. und Arctomys monax
Gmel. Dagegen sind Hesperomys Michiganensis, Sciurus
56 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d Naturgeschichte
Ludovicianus, Spermophilus tredecim-lineatus und Frank-
lini, und Geomys bursarius charakteristisch und zahlreich
für die Prairie. Die Faunen der Prairien sind nicht von
einem so hohen Typus wie die der angrenzenden, ver-
schiedenartigeren, bewaldeten Districte unter demselben
Breitengrade. Da gibt es weniger Raubthiere und mehr
Nager, deren Vorwiegen grösser ist, als im Osten.
Hoy theilte mit, dass das Elch im Jahr 1863 noch
in Wisconsin existirte, aber jetzt wahrscheinlich ausge-
storben ist; der Hirsch (Moose) kommt noch zahlreich
vor. Der letzte Büffel wurde 1832 getödtet. Die An-
tilope lebte einst in Wisconsin, der Moschusochse, Ma-
stodon und Mammuth haben dereinst auch hier gelebt. Der
Panther wird bald verschwinden. Der Biber wird noch
lange nicht ausgerottet sein. Die Otter wird sich noch
länger halten. Der Hirsch wird bald ausgerottet sein.
Bulletin of the Wisconsin Academy 1871 p. 62.
Allen, On the Mammals of East Florida. Bulletin
of the Museum of Comparative Zooiogy at Harward
College. Cambridge Mass. Vol. IL No. 3, ohne Jahres-
zahl. Die Halbinsel Florida ist niedrig und hat grosse
sumpfige Flächen. Das Land ist leicht wellig, aber die
höheren Züge erreichen selten mehr als 70 Fuss und die
höchste Erhebung bleibt unter 200'. Ein grosser Theil
vom nördlichen Florida ist mit offenen Nadelholz-Wäldern
bedeckt. Sie erheben sich oft zu trockenen Hügeln, aber
grosse Flächen sind so niedrig, dass sie während eines
Theils des Jahres überschwemmt sind. Es werden 35
Arten Säugethiere aufgezählt, nämlich Felis concolor,
Lynx rufus; Canis lupus, Vulpes virginianus; Putorius
lutreolus, Lutra canadensis, Mephitis mephitica, bicolor;
Procyon lotor, Ursus aretos; Cariacus virginianus; Tri-
chechus manatus, 7 Fledermäuse, 2 Insectenfresser, 13
Nager, Didelphys virginiana.
Moritz Wagner bringt in seinem Buche „Natur-
wissenschaftliche Reisen im tropischen x\merika. Stuttgart
1870" einige Abschnitte, die sich auf Zoologie, namentlich
auf die geographische Verbreitung der Thiere beziehen.
So wird p. 115 gesagt, die Fauna der Säugethiere des
der Säugethiere während des Jahres 1871. 57
Isthmus stimme mit der Fauna der südlichen und mitt-
leren Ccntralamcrika's zusammen. Mycetes, Ateles und
Cebus sind zahlreicher an der atlantischen, Callithrix und
Ckrysothrix an der pacifischen Abdachung. Von Chiro-
pteren kommt Anoma villosa am Golfe von Panama und
am Golfe von Nicoya vor. Procyon cancrivorus, Di-
delphys cancrivora über die ganze Landenge verbreitet.
Felis onga und discolor leben zurückgezogeu und versteckt,
häufiger ist F. pardalis. Die Nagethiere sind durch eigen-
tümliche Arten der Gattungen Flabrothrix, Calomys und
Loncheres bezeichnet, jedoch mit eigenen Species, ferner
kommt Lepus silvaticus vor und eine Varietät von Sciurus
variabilis. Von Edentaten sind zu erwähnen Choloepus
didactylus, Xenurus verrucosus und Dasypus novemcinctus,
dann Tapirus amerieanus, Dicotyles torquatus, Cervus rufus.
Forner wird p. 303 der Charakter und die geographische
Verbreitung der Fauna der Provinz Chiriqui geschildert.
Verf. erkennt zwar die grösste Charakterverwandtschaft
der vorkommenden Familien und Gattungen mit der
Fauna der westlichen Länder von Südamerika, aber da-
gegen ist die Uebereinstimmung der gleichen Arten bei
den Thieren entschieden minder gross als bei den Pflanzen.
Er nimmt an, für Säugethiere seien die Meerengen, welche
einstmals die Isthmen von Choco und Panama spalteten,
kein Hemmniss der Wanderung gewesen. Eine noch
unbeschriebene Chrysothrix ist der Provinz Chiriqui eigen-
thümlich, Mycetes und Ateles dagegen sind mit den am
Orinoco und Amazonenstrom lebenden Arten identisch.
Unter den Carnivoren herrscht die grösste Ueberein-
stimmung mit Südamerika. Procyon cancrivorus, der
Jaguar und Kuguar sind durch das ganze Land verbreitet.
Didelphys cancrivora, Bradypus didaetylus, Dasypus no-
vemcinctus und unicinetus kommen vor. Mus decumanus
ist mit spanischen Schiffen eingewandert und zur Land-
plage geworden. Cervus rufus kommt in sämmtlichen
Provinzen Panama's eben so häufig vor, wie in Mexico.
Dicotyles torquatus irrt heerdenweise durch die Wälder;
Tapirus suillus fand Verf. am Vulkan von Chiriqui bis
zur Höhe von 6000 Fuss.
58 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Aus einer Notiz über die Thierwelt von Portorico,
welche v. Martens aus dem Spanischen des Herrn
Bello y Espinosa daselbst entnommen hat, sehen wir,
dass ausser den Hausthieren Pferd, Esel, Rind, Schaf,
Ziege, Schwein, Hund und Katze, sowie den zum Ver-
gnügen gehaltenen Kaninchen und Meerschweinchen, und
endlich der wahren Plage der Haus- und Feldmäuse, —
im wilden Zustande auf der Insel nur noch Fledermäuse
vorkommen, diese aber in grosser Menge. Zool. Garten
p. 348.
Cnnningham bemerkte über die Fauna der Ma-
gellanstrasse und des Westlichen Patagoniens, dass von
Säugethieren daselbst vorkommen : Felis concolor, zwei
Arten Rinder, ein Mephitis, ein Otter, Otaria jubata, Ar-
ctocephalus falklandicus, das Guanaco, eine Art Hirsch.
Kein Beuteltbier ist im eigentlichen Patagonien ange-
troffen, aber Didelphys clegans, nicht selten in der Nähe
von Conception, kommt auf der Insel Chiloe vor. Report
of the British Assoc. advaneement of science, held at
Liverpool p. 114.
Quadrnmana.
Catarrhinae. Bischoff beschrieb das Gehirn eines Chim-
panse, nach einem in Hamburg gestorbenen Exemplare. Sitzungs-
ber. der Akad. zu München 1871 p. 98.
Macalister untersuchte die Muskulatur eines Chimpanse
und hob diejenigen Punkte hervor, welche von früheren Autoren
nicht beachtet waren. Im Ganzen fand Verf. die Gesichts- und
Kopfmuskeln menschenähnlich, die Nacken- und Laryngealmuskeln
mehr anthropoid als pithecoid, die Rückenmuskeln theils anthropoid,
theils pithecoid, die Muskeln der oberen Gliedmassen weichen vom
menschlichen Typus zum Theil ab, die der unteren Gliedmassen sind
pithecoid. Annais nat. hist. VII. p. 341.
Champneys beschrieb die Muskeln und Nerven von Tro-
glodytes niger und Cynocephalus anubis. Journ. of anat. and phys.
VI. p. 176—211.
Max Schultze legte den Schädel eines männlichen Chim-
panse vor, und erörterte seine Eigenthümlichkeiten. Sitzungsberichte
der niederrheinischen Ges. in Bonn p. 14.
Anderson beschrieb eiuen neuen Affen Macacus brunneus
von Bhamo. Proc. zool. soc p. 628.
der Säugethiere während des Jahres 1871. 59
Platyrrhinae. Bartlett beobachtete während eines vier-
jährigen Aufenthaltes am oberen Amazonas, im östlichen Peru zehn
Affen-Arten, nämlich Ateles variegatus Wagn., Ateles ater, Lagothrix
infumatus, Mycetes seniculus, Saimaris ustus Geoffr., Callithrix cuprea
Spix, Nyetipitliecus Osergi Geoffr., Pithecia monachus Geoffr., Ha-
pale pygmaea Spix, und Midas Devillie. Letzterer ist abgebildet.
Proc. zool. soc. p. 217.
Gray äusserte sich nochmals über den Ateles, den er für das
Weibchen von A. Bartlettii hielt, und schiebt die Schuld seines
Irrthums grossentheils auf Sclater. Annais nat. hist. VII. p. 18. —
Eine fernere Bemerkung von Gray s. ib. p. 163. — Sclater be-
stätigt nach Vergleichung eines typischen Exemplars von Ateles va-
riegatus die Identität mit A. Bartletti Gray. Proc. zool. soc. p. 39.
Arctopitheci. Midas Geoffroii ist Proc. zool. soc. p. 479 pl.
08 abgebildet.
ProsimÜ. Alph. Milne-Edwards fand wichtige embryo-
logische Differenzen, welche die Lemuriden von den eigentlichen
Affen trennen. Die glockenförmige Placenta ist ihnen eigentümlich
und nähert sie mehr den Raubthieren als den Affen. Auch das
Gehirn, der Schädel, das Gebiss und die Hände entsprechen dem.
Er sieht deshalb die Halbaffen als eine eigene Ordnung an. Er hat
die Gattungen Propithecus, Lepilemur, Hapalemur und Chirogalus
auf die Placenta untersucht.
Fitzinger hat die Ordnung der Halbaffen oder Aeffer (Hemi-
pitheci) einer Revision unterworfen. Die erste Abtheilung, Wiener
Sitzungsberichte Bd. 62 p. 589 bringt die Familie der Maki's (Le-
mures), welche aus 7 Gattungen besteht: Lichanotus mit 1 Art, Ha-
brocebus mit 1, Propithecus mit 1, Lemur mit 19, Hapalemur mit 2,
Chirogaleus mit 5, Galeocebus mit 1 Art. Die zweite Abtheilung
bringt die übrigen Familien Bd. 62 p. 685, nämlich die Familie der
Schlafmaki's, Stenopes, mit 2 Stenops, 3 Nycticebus und 1 Pero-
dicticus; die Familie der Galago's, Otolicni, mit 3 Microcebus, 10
Otilicnus, und 4Tarsius; die Familie der Flattermaki's, Galeopitheci,
mit der durch 7 Arten vertretenen Gattung Galeopithecus.
Lichanotus mitratus Peters Berliner Monatsber. p. 360 von
Madagascar.
Propithecus Eäwardsi und candidus Grandidier Comptes rendus
72 p. 231 von Madagascar.
Ueber die Färbung von Varecia rubra Gray vergl. Proc. zool.
soc. p. 297.
Prosimia rufipes Gray Annais nat. hist. VII. p. 339 von Ma-
dagascar.
Grube sprach im 48. Jahresbericht der schlesischen Ges. für
vaterl. Cultur p. 65 über das Gebiss des Galeopithecus volans L.
60 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
und über seine Stellung im System, ohne seine eigene definitive
Ansicht zu äussern.
Yolitaiitia.
Schob 1 untersuchte, in M. Schultze's Archiv für mikrosk.
Anat. VII. p. 1 Taf. 1 — 5 die Flughaut der Fledermäuse, namentlich
die Endigung ihrer Nerven. In der Flughaut, liegen die elastistischen
Balken, quergestreifte Muskeln, Blutgefässe, Haarbälge und deren
Anhangsdrüsen, Nerven und deren Endigungen eingebettet. Verf.
findet, dass die sensitiven Nerven der Chiropteren-Flughaut in
doppelter Weise enden: dunkelrandige Nerven in eigentümlichen
Terminalkörperchen, blasse Nervenfasern in einem subepidermoidalen
Terminalnetz. Er nimmt an, dass die terminalen Körperchen wegen
ihrer Analogie mit anderen Tastorganen, ihrer regelmässigen Ver-
keilung und ihres Zusammenhanges mit Haaren das überaus feine
Tastvermögen der Flughaut vermitteln, während die blassen Termi-
nalnetze das Gefühl für Temperatur, Schmerz u. s. w. ermöglichen.
Zur Untersuchung ist vorzüglich Vesperugo serotinus benutzt.
Job er t stellte Untersuchungen an Fledermäusen an, und
wiederholte namentlich die Spalanzanischen Versuche. Erst beim
zweiten Fluge kannten die Thiere die Hindernisse und vermochten,
sie zu vermeiden. Das Thier bedient sich der Schenkelflughaut bei
der Einnahme der Nahrung, und bewahrt daselbst die Beute. Ein
Vesp. murinus frass in der Gefangenschaft täglich 18 bis 28 Mai-
käfer. Dass diese Haut zur Aufnahme des Jungen bei der Geburt
benutzt wird, wird bestätigt. Comptes rendus 73 p. 388.
Pettegrew über die Physiologie der Flügel, eine Analyse
der Bewegungen, durch welche das Fliegen bei den Insecten, Fleder-
mäusen und Vögeln hervorgebracht wird. Proceed. Royal Soc. of
Edinburgh 1871 p. 336.
Fitzinger hat seine Kritische Durchsicht der Ordnung der
Flatterthiere oder Handflügler (Chiroptera) in den Sitzungsberichten
der Wiener Akademie fortgesetzt und beendigt (vergl. vorj. Ber. p. 55.)
In der fünften Abtheilung Bd. 62 p. 353 ist die Gatt. Nycticejus
mit 17 Arten, Lasiurus mit 13 Arten, worunter Nattereri neu, Am-
blyotus mit 1 Art, Murina mit 1 Art, Harpyiocephalus mit 1 Art,
Nyctiptenus mit 1 Art, Aeorestes mit 4 Arten, Natalus mit 1 Art.
Die sechste Abtheilung Bd. 62 p. 527 bringt die Gattungen Mini-
opterus mit 7 Arten, Nyctophylax mit 12 Arten. Comastes mit 4
Arten. Endlich die siebente Abtheilung Bd. 63 p. 203—295 enthält
die Gattungen Vespertilio mit 26, und Myotis mit 11 Arten.
Noll hat am 2. Januar in den finsteren Räumen der Burg
Rheinfels eine Jagd auf Fledermäuse angestellt. Er erhielt eine
Ausbeute von 99 Stück: 84 Vespertilio pipistrellus, 5 Plecotus
der Säugethiere während des Jahres 1871. 61
auritus, 8 Vespertilio murinus, 1 Synotus barbastellus und 1 Rhino-
lophus hipposideros. Zool. Garten p. 142.
Dobson stellte Proc. Asiat. Soc. of Bengal. 1871 p. 210—
215 neun neue Arten Indischer und Indochinesischer Vespertilioniden
auf, nebst Bemerkungen über die Synonymie und Classification
einiger anderer Arten derselben Familie: Nycticejns emarginatus,
unbekannten Vaterlandes, Vesperus pachyotis Kasia Hills. Anderson!
Moni ein. Yunan, Pipistrelliis affinis vonBhamaw, Yunan, Austenianus
Bengalen, annectans Assam, Vespertih'o Nipalensis Nipal. Blanfordi
Sikkim.
Dobson. Description of four new Species of Malayan Bats,
from the collection of Dr. Stoliczka: Journ. Asiat. Soc. of Bengal.
Vol. 40 part. II. 1871 p. 260: Cynopterus brachysoma von den An-
damanen, Macroglossus spelaeus pl. X. fig. 3, 4 von Moulmein,
Phyllorliina nicobarensis pl.'20 fig. 2 von den Nicobaren, Asellia
Stoliczkana pl. 20 fig. 1 von Penang.
Als Nachtrag zu seiner Monographie der Gattung Atalapha
(vergl vorj. Ber. p. 56) bemerkt Peters, dass Atalapha pallescens
Peters == A. Gravi Tomes, und Atalalapha caudata Tomes = A. Ega
Gervais ist. Berliner Monatsber. p. 332.
Peters las, Berliner Sitzungsber. p. 301. über die Gattungen
und Arten der Hufeisennasen, Rhinolophi. Er vertheilt die Arten
in drei Gattungen, nämlich 29 Rhinolophus Geoffr.. darunter als neu
Rh. arcuatus von Luzon, truncatus von Batjan, acuminatus aus Java;
24 Phyllorhina Bonap. wovon neu Ph. trifida (Proc. zool. soc. 1871)
von Burma, amboinensis (bicolor Temminck) von Amboina, Doriae
von Borneo, coronata von Mindanao; 1 Coelops. In der Gattung
Rhinolophus werden die Subgenera Coelophyllus, Aquias Gray, Phyl-
lotis Gray, unterschieden, in der Gattung Phyllorhina die Subgenera
Rhinonycteris Gray, Doryrhina, Asellia Gray, Phyllorhina Gray,
Gloionycteris Gray, Macronycteris Gray, Rhinophylla und Speorifera
Gray, Chrysonycteris Gray, Sideroderma, Ptychorhina, Cyclorhina,
Thyreorhina, Syndesmotis.
Die eben erwähnte Phyllorhina trifida ist von Peters Proc.
zool. p. 513 beschrieben, mit Abbildung des Kopfes in Holzschnitt.
Mit dieser Art kamen drei andere Fledermäuse von Burma.
Dobson beschrieb eine neue Gattung aus der Familie Rhi-
nolophinae Triaenops mit sehr complicirtem Nasenaufsatz, Tr.
persicus aus Persien. Proc. Asiat. Soc. of Bengal, 1871 p. 133 aus
Persien.
Pipistrellus shiraziensis Dobson ib. p. 134 aus Persien.
Schneider beschreibt Dysopes Cestonii als eine für die
Schweiz neue Fledermaus. Er bildet sie ab, und schildert ihre
Lebensweise, da er sie einige Wochen lebend erhalten konnte.
62 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Neue Denkschriften der allg. Schweizerischen Gesellschaft. 24.
Zürich 1871.
Vespertilio auratus Dobson Journ. asiat. soc. of Bengal.
40 IL p. 186 pl. X. f. 1—2. von Darjeeling.
D o b s o n stellte eine neue Fledermausgattung Stenopterus auf
mit einer Phalanz im vierten Finger, zwei im dritten und drei im
zweiten, und mit sehr schmalen Flügeln. Proc. Asiat. Soc. of
Bengal. 1871 p. 77.
Insectivora.
Erinacei. S ahler tz hat Studien über das Zahnsystem und
den Ersatz der Zähne beim Igel, Erinaceus europaeus, gemacht.
Vidensk. Meddelelser fra naturh. Foreningi Kjobenhavn 1871 p. 350
mit Tafel IX. Er sieht den vierten Zahn des Oberkiefers und den
dritten des Unterkiefers als den Eckzahn an, da bei dem jungen
Igel der vierte Zahn unmittelbar hinter der Naht des Zwischenkiefers
steht. Wenn beim alten Thiere dieser Zahn bis 3 Mm. von der
Naht entfernt scheint, so hat dies darin seinen Grund, dass der
Oberkiefer mehr und mehr einen Theil des Zwischenkiefers bedeckt;
entfernt man diese schuppenartige Bedeckung, dann sieht man, dass
der Zahn unmittelbar hinter der Naht eingekeilt ist. Daraus folgt
dann auch die Deutung des Eckzahnes im Unterkiefer. Der Igel
hat nach der Geburt kein reines Milchgebiss. Beim Neugeborenen
hat der Schädel eine Länge von 16 Mm.; erst wenn er 33 Mm. lang
ist, durchbrechen die Zähne das Zahnfleisch, und bei Schädeln von
44 bis 54 Mm. findet man das Gebiss in voller Function. Dann be-
stehen die oberen Schneidezähne aus zwei Milchzähnen und einem
bleibenden, die oberen Backzähne aus einem bleibenden, auf welchen
zwei Milchzähne und dann drei wahre Backzähne folgen ; im Unter-
kiefer aus einem Milchzahn und einem bleibenden Schneidezahn,
einem bleibenden Eckzahn, einem bleibenden Backzahn gefolgt von
einem Milchzahn und drei wahren Backzähnen. Der Zahnwechsel
beginnt erst wenn das Thier fast ausgewachsen ist und alle wahren
Backzähne entwickelt sind, er wird beendigt bevor das Thier den
ersten Winterschlaf antritt. Auch der obere Eckzahn ist dem Zahn-
wechsel unterworfen. Schliesslich erörtert dann Verf. eine Formel
für das Gebiss, wie er sie für die zweckmässigste hält, und in der
zugleich das Milchgebiss bezeichnet wird.
Ueber die Namen des Igels äussert sich v. Martens ausführlich
Zool. Garten p. 196. Ebenso über die Namen des Maulwurfs und
der Spitzmaus ib. p. 232.
Gentetina. Mivart bildete aus Erinaceus madagascariensis
Shaw (Centetes seinispinosus Cuv.) eine neue Gattung Hernie entet es,
deren Skelett abgebildet und ausführlich beschrieben wird. Er hat
der Säugethiere während des Jahres 1871. 63
ausserdem seit seiner Publication über die Osteologie der Insecti-
voren auch Skelete von Rhynchocyon und Petrodromus bekommen,
ebenso von Ericulus. Die Zahl der Gattungen der Insectenfresser
ist auf 24 gestiegen, und Verf. stellt die osteologischen Charactere
derselben zusammen. Er ordnet die Insectenfresser in neun Fa-
milien: Galeopithecidae (Galeopithecus), Macroscelididae (Macrosce-
lides, Petrodromus, Rhynchocyon), Tupaiidae (Tupaia, Ptilocercus,
Uylomys), Erinaceidae (Gymnura, Erinaceus), Centetidae (Centetes,
Hemicentetes, Ericulus, Echinops. Solenodou), Potamogalidae (Pota-
mogale), Chrysochloridae (Chrysochloris, Chalcochloris), Talpidae a.
Talpina (Scalops, Scapanus, Condylura, Talpa), b. Myogalina (Uro-
trichus, Myogale), Soricidae (Sorex). Proc. zool. soc. p. 58—79.
Auch Giebel beschrieb den Schädel von Centetes semispinosus
Cuv. und bildete ihn in der Zeitschr. für die ges. Naturwiss. 37
p. 57 Taf. II ab. Er hat 6/6 Schneidezähne, die Eckzähne eine bis
fast zur Spitze reichende Rinne, und oben wie unten sind 3+3
Backzähne vorhanden. Da diese Art im Zahnsystem und Schädel-
bau erheblich genug von dem C. ecaudatus abweicht, so bildet Verf.
aus ihm eine eigene Gattung, die er Ericius nennt, und ihr die
Stellung zwischen Centetes und Solenodon in der Familie Cente-
tina anweist.
Talpina. Eimer untersuchte die Schnautze des Maulwurfs
als Tastwerkzeug. M. Schultze's Archiv für mikr. Anat. VII p. 181.
Taf. 17. Das Vorderende der Schnautze ist mit feinen Punkten über-
säet, die Papillen mit eigenthümlichen Nevenendigungen sind. Die
Tastfläche, die eine Ausdehnung von etwa 30 □ Mm. hat, ist von
mehr als 5000 Papillen besetzt, was für die Gesammtsumme allein
der Tastkegel beiläufig 105000 Nerven ausmacht. Dieser ungeheure
Nervenreichthum erklärt auch leicht die bekannte Thatsache, dass
schon ein leichter Schlag auf seine Schnautze den Maulwurf tödtet.
Bianconi verglich die Grabwerkzeuge des Maulwurfs mit
denen der Maulwurfsgrille, erkannte in ihnen eiue grosse Aehnlich-
keit und bildete sie auf zwei Tafeln ab. Memorie della Accademia
delle scienze delP Istituto di Bologna IX. 1869 p. 125.
Carnivora.
Ursina. Graf zu Münster schildert die Lebensweise und
die Gewohnheiten des Landbären, Ursus arctos, im Zool. Garten
p. 97. Männchen und Weibchen halten einen Winterschlaf. Beim
ersten Schnee tritt ein heftiger Durchfall ein, und der Bär leckt
sich stark an der Seite, wobei er viele Haare hinunterschluckt.
Diese bilden sich zu runden Pfropfen im Darm zusammen, wodurch
alle Functionen des Darmkanals während des Winters aufhören.
Die Bärin jungt Anfangs Januar, und ernährt dann ihre Jungen bis
64 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Ende März ohne selbst Nahrung zu sich zu nehmen. Was die Blut-
wärrae im Winterschlaf betrifft, so fand sie Verf. im December und
Anfang Januar 30 — 31 GradReaum., im März schoss er einen, dessen
Blut nur 25 Grad hatte.
Max Schmidt beschreibt, Zool. Garten p. 304, den Anden-
bär, Ursus ornatus.
Beswick-Perrin schilderte die Myologie der Gliedmassen
des Kinkajou, Cercoleptes caudivolvulus. Proc. zool. soc. p. 547 — 559.
Vicerrina. Viverra civetta ist Proc. zool. soc. p. 299 pl. 29
abgebildet.
Peters erkennt nun auch Eupleres Goudotii Dogere aus Ma-
dagaskar als eine den Crossarchus nahestehende Raubthiergattung
an, während das Gebiss früher Veranlassung gegeben hatte, dieses
Thier mit den Insectivoren zusammenzustellen. Sitzungsber. der Ges.
naturf. Freunde 1871 p. 97.
Gray ist nach neuen Exemplaren von Eupleres Goudoti von
Madagascar der Ansicht, dass diese Gattung zu den Viverriden ge-
höre, und in der ersten Section dieser Familie mit behaarten Fuss-
sohlen eine besondere Tribus Euplerina bilden müsse. Proc. zool.
Soc. p. 297.
Galidia elegans und concolor haben nach Gray eine nackte
Binde an der Sohle der Hinterfüsse, die Nase ist etwas vor den
Zähnen vorstehend und hat unten eine deutliche Furche. Die Krallen
von Galidia und Eupleres sind gekrümmt, comprimirt und spitz.
und theilweise retractil, sind aber offenbar immer von dem Erdboden
erhoben, damit sie spitz bleiben. Proc. zool. soc. p. 297.
Ganina. Flower über den Bau des Carpus beim Hunde.
Journ. of anat. and phys. VI. p. 62.
Max Schmidt macht darauf aufmerksam, dass von zwei
Polarfüchsen, Canis lagopus, das Weibchen schwarzbraun, das Männ-
chen weiss ist. Es ist zu erwarten, ob diese Färbung in allen Jahres-
zeiten dieselbe bleibt. Zool. Garten p. 303.
Feiina. Schoepff beschreibt, wie er junge Tiger von einer
Hündin gross ziehen Hess. Zool. Garten p. 371.
Hensel machte auf die Schädeldifferenzen der beiden Ge-
schlechter bei den Raubthieren aufmerksam, und erläuterte sie an
Felis concolor. Sie liegen nur in dem Gesichtsschädel und den-
jenigen Verhältnissen des Hirnschädels, welche von der Musculatur
desselben abhängen. Er behauptet ferner, dass die Hauskatze auch
in Südamerica gedeihen könne, und nur aus Mangel an Pflege dort
verkümmere. Sitzungsber. der Ges. naturforschender Freunde zu
Berlin 1871 p. 30.
Dode beschreibt Felis tigris rar. amurensis, welche er am
der Säugethiere während des Jahres 1871. 05
Amur gesammelt hat, und erwähnt einer dort vorkommenden Va-
rietät von Felis uncia. Proc. zool. soc. p. 480.
Holdsworth über die Verbreitung und Lebensweise von
Felis rubiginosa aus Ceylon und eine Varietät derselben. Ib. p. 756.
Elliot überzeugte sich im Leydener Museum, dass Felis
aurata Temm. von F. moormensis Hodgs. verschieden sei, dagegen
gehören F. celidogaster Temm. und neglecta Gray zu aurata Temm.
Er unterscheidet dann, unter Berichtigung der Synonymie, Felis
aurata von der Goldküste, moormensis von Nepal, Sumatra und
Borneo, und rubiginosa von Ceylon, und beschreibt eine neue Art
F. euptilura aus Indien mit kurzem buschigen Schwänze, welche
pl. 76 abgebildet ist.
Felis microtis und tristis Milne-Edwards Ptecherches des Mam-
miferes aus China.
Pinnipedia.
Phocina. Flower berichtet über das Vorkommen von Phoca
hispida an der Küste von Norfolk, und stellt die Synonymie dieser
Art zusammen. Proc. zool. soc. p. 506.
Turner zeigt den Fang eines Halichoerus grypus an den
Küsten von Fife und Forfar an. Das Thier war V\^ lang und ein
altes Weibchen. Journal of anatomy and physiology IV. 1870 p. 270.
Webb beschrieb Seehunde der Gattung Stenorhynchus, welche
an der Ostküste von Otago gefangen wurden. Dieselben wardeil
später vonHector als St. leptonyx bestimmt. Tränsact. and Proc.
New Zealand Institute II. p. 28. — Einen in der Bucht von Lyt-
telton gefangenen Seehund bestimmte Fräser als eine Varietät von
Stenorhynchus leptonyx Cuv., verwandt mit Phoca Leopardina Ja-
meson. Ib. p, 33.
OtaHna. Davidson gab an, dass das Weibchen des Seelöwen
das ganze Jahr über an der Küste bleibt, das Männchen kommt nur
auf kurze Zeit, etwa zwei Monate, und frisst während dieser Zeit
nicht, wogegen die Weibchen heerdenweise auf Nahrung ausgehen.
Zu Point Arena wurde ein Männchen geschossen, welches eine
Lanzenspitze in seinem Körper hatte, wie sie von den Eingebornen
von Alaska angewendet werden, woraus sich schliessen lässt, dass
dieser Seelöwe etwa 1200 geographische Meilen weit hergekommen
war. Proc. California IV. p. 132.
Philippi stellte eine neue Pelzrobbe Otaria argentata von
Juan Fernandez und Masafuera auf. Berliner Monatsber. p. 558 mit
Abbildung des Schädels. Peters bemerkt dazu, dass diese Art mit
C. falklandica Shaw, nigrescens Gray und Philippii Peters die Gattung
oder Untergattung Arcto phoca bilden.
Hector beschrieb zwei alte Exemplare von der Neuseelän-
Archiv flir Natur«. XiXVM. Jahrg. 2. lid. E
66 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
dischen Ohrrobbe, Männchen und Weibchen, Phoca ursina Forster.
und gab die Maasse von ihnen. Annais nat. hist. VIII. p. 29. —
Er gab ib. p. 427 Beschreibung und Maasse eines Schädels, wozu
Gray bemerkt, dass die Art wahrscheinlich zu Arctophoca gehöre,
aber von A. Hookeri verschieden sei.
Rodentia.
Anderson machte Bemerkungen über einige Nager von Yar-
kand. Er beschrieb Arctomys bobac und hemachalanus, Lagomys
curzoniae und Lepus tibetanus. Proc. zool. soc. p. 559.
Sciuri. Eine Varietät von Sciurus palliatus Peters beschrieb
Bianconi Memorie della Accademia di Bologna IX 1869 p. 199.
Anderson machte Proc. zool. soc. p. 139 drei neue Eich-
hörnchen bekannt: Sciurus Sladeni aus Ober-Burmah, Gordoni von
Bhamö und quinquestriatus von Ponsee am Kakhuen-Gebirge. Letztere
Art ist abgebildet.
Brüh in gab von einem gefangeneu Leopardenziesel, Spermo-
philus Hoodii, Nachricht. Zool. Garten p. 376.
Jillson beschrieb das Betragen des Prairie-Dog in der Ge-
fangenschaft, und seinen Bau. Th Amer. Naturalist V. p. 24. Mit
dorn Namen Prairie-Dog bezeichnet man dort Cynomys ludovicianus.
Palmipedia. In einer neuen Zeitschrift »Archives of science«,
welche zu Vermont erscheint, Vol. I. p. 97 schildert Parker das
Leben und die Bauten der Biber von Orleans. Er hält die Intelli-
genz derselben sehr hoch.
Marina. Schöbl erkannte, Schultze's Arch. für mikr. Anat.
VII. p. 260, Taf. 21—24 das äussere Ohr der Mäuse als wichtiges
Tastorgan. Er untersuchte fast ausschliesslich albinotische Exem-
plare der Hausmaus. Das Ohr hat einen wahrhaft fabelhaften Nerven-
reichthum, und Verf. konnte auch eigenthümliche Tastgebilde und
ein blasses Endnetz sensitiver Nerven nachweisen.
Landois beschrieb den Nestbau einiger einheimischen Mäuse,
nämlich von Mus minutus mit Abbildung, Paludicola amphibius unter
der Erde angelegt, und Hypudaeus glareolus über dem Boden, jedoch
sehr versteckt. Zool. Garten p. 161.
Ueber den Namen Maus vergl. v. Martens zool. Garten p. 355.
Ebenso Hamster, Lemming, Ziesel.
Kolazy schilderte die Lebensweise von Mus rattus Var. alba,
die er wegen ihrer liebenswürdigen Eigenschaften lieb gewann.
Verhandl. zool. bot. Ges. in Wien 21 p. 731. Diese Ratten waren
sehr fruchtbar.
Bull er beschreibt die in Neu-Seeland einheimische Ratte als
Mus Novae Zelandiae. Sie wird verdrängt von der eingeführten Mus
der Säugethiere während des Jahres 1871. 67
decumanus, und bot früher ein Nahrungsmittel für die Eingeborenen.
Transact. and Proc. New Zealand Institute III. p. 1 mit Abbildung.
Wiecbmann citirt im Mecklenburger Archiv 24. p. 66 den
Bericht von Henriette von Byern aus der Gartenlaube 1870
No. 4 über eine singende Maus, der uns freilich im vorigen Bericht
entgangen war.
M ä k 1 i n machte eine Bemerkung über die Verbreitung von
Sminthus vagus Pall. Das Thier ist selten im südlichen Schweden,
aber verbreitet in den östlichen Theilen Europas und erstreckt sich
weit in Sibirien hinein. Öfversigt Finska Vetensk. Soc. Forhand-
lingar XIII. p. 10.
Georhychi. Siphneus spilurus Milne-Edwards Recherches des
Mammiferes aus China.
Macropoda. v. Boretz hatte Gelegenheit einige Exemplare
von Dipus aegyptiacus in der Gefangenschaft zu beobachten, und
schildert die Lebensweise dieser niedlichen Thiere im Zool.Garten p. 57.
Subungulata. Auch He n sei bestätigt, dass das Meerschwein-
chen wegen der bedeutenden Differenzen in der Form der Nasen-
beine und der Stirnbeinfortsätze der Oberkiefer nicht von Cavia
aperea abstammen könne. Sitzungsber. der Ges. naturforschender
Freunde zu Berlin 1871 p. 31.
Reibisch fand bei Hydrochoerus capybara Schwanzwirbel
und Schlüsselbeine. Sitzungsber. der Isis hx Dresden 1870 p. 80.
Edentata.
Bradypoda, Gray hat sich mit den Faulthieren des Bri-
tischen Museums beschäftigt. Poe. zool. soc. p. 428. Er theilt sie
in zwei Tribus: I. Choloepina mit der Gattung Choloepus, wovon
Ch. didaetylus und Hoffmanni beschrieben werden. II. Bradypodina
mit den Gattungen Bradypus und Arctopithecus. Die Arten dieser
letzteren Gattung bringt er in folgende Uebersicht. I. Pelz massig
lang und ziemlich storr, dunkel grau; Rücken mit einem Dorsal-
streifen und deutlichen weissen Flecken ; Männchen mit einem grossen
gelben Fleck weicher Haare am Rücken, a. Stirn, Wangen. Kinn
und Kehle mit kurzen, aufrechten, storren gelben Haaren. 1. Arct.
cuculliger Wagl. 2. gularis Rüpp., b. Nase und Stirn mit kurzem
weichen gelben Haar bedeckt, welches aufrecht ist bis zum hinteren
Theil der Stirn; Wangen, Kinn und Kehle mit dünnem derberen
Haar bedeckt, wie der übrige Körper. 3. Arct. Blainvillei Gray,
4. boliviensis, 5. marmoratus Gray, c. Nase, Stirn, Wangen und Kinn
mit zurückgebogenem Haar, wie der Rücken, welches kürzer und
nach vorn über die Nase gelegt ist. 6. Arct. castaneieeps von Ni-
caragua. II. Pelz grau, lang, schlaff, zuweilen sehr undeutlich mit
weissen Flecken marmorirt. a. Männchen mit einem grossen gelben
68 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
weichen Haarfleck auf dem Rücken, 7. Arct. griseus Gray, b. Männ-
chen mit einem schmalen Fleck weisser Haare auf dem Rücken,
8. Arct. flaccidus Gray. — A. castaneiceps, griseus und flaccidus sind
auf drei Tafeln abgebildet, ausserdem Schädel von Choloepus di-
dactylus, Arctopithecus boliviensis, castaneiceps und griseus in
Holzschnitt.
Gray macht auf die verschiedene Entwickeluug der Zähne
bei Choloepus, Bradypus und Arctopithecus aufmerksam. Annais
nat. hist. VII. p. 451.
Fitzinger hat in den Sitzungsberichten der Academie in
Wien Bd. 63. I. p. 331—405 die Arten der natürlichen Familie
der Faulthiere (Bradypodes) nach äusseren und osteologischen Merk-
malen aufgezählt und beschrieben. Er unterscheidet 12 Arten Bra-
dypus und 3 Arten Choloepus. Erstere sind Bradypus pallidus, dor-
salis, columbicus, unicolor, infuscatus, marmoratus. brachydactylns,
cuculliger, gularis, crinitus, torquatus, affinis; letztere Choloepus
guianensis, brasiliensis und Hoffmanni.
Arctopithecus griseus Gray Annais nat. hist. VII. p. 302 von
Costa Rica.
Cingulata» Fitzinger hat in Wiener Sitzungsber. 64 p. 209
— 276 und p. 329—390 eine Revision der natürlichen Familie der
Gürtelthiere (Dasypodes) vorgenommen. Nach einer Einleitung,
worin namentlich osteologisehe Angaben niedergelegt sind, beschreibt
er die Gattungen und Arten. Er unterscheidet 1 Cheloniscus, 4 Xe-
nurus, 2 Euphractus, 1 Dasyphractus, 2 Chaetophr actus, 7 Dasypus,
1 Cryptophractus, 1 Tolypeutes, 1 Sphaerocormus, 1 Chlamydophorus,
1 Calyptophractus, also 22 Arten in 11 Gattungen.
Burmeister veröffentlichte osteologisehe Notizen zur Kunde
der Panzerthiere Südamerika^, und schilderte zunächst das Zungen-
bein der Armadillos. Reichert und Dubois-Reymond Archiv für Anat.
undPhys. 1871 p. 418 mit Abbildungen. Ferner schliesst sich daran
der Halstheil der Wirbelsäule, wobei die Verwachsung der Wirbel
bei fossilen und lebenden Arten beschrieben wird, und die ver-
schiedenen Typen der Vorderfüsse. In diesem letzteren Abschnitt
weist er die Eigenthümlichkeit seiner Gattung Praopus nach, wohin
Dasypus longicaudus, peba, hybridus und hirsutus Burm. gehören.
Die Verschiedenheit der Fussbildung wird durch Abbildungen von
Praopus longicaudus, Dasypus (Tolypeutes) conurus, D. (Euphractus)
villosus, D. (Priodontes) gigas und der fossilen Panochthus bullifer
und Hoplophorus ornatus erläutert.
Atkinson erörterte einige Punkte der Osteologie von Chla-
mydophorus truncatus. Report of the 40. Meeting of the British
Association for the advancement of science held at Liverpool p. 110;
Journal ol anatomy and physiology V. 1871. p. 1-16 mit pl. I.
der Säugethiere während des Jahres 1871. 69
Gray macht auf die verschiedene Anheftung des Rückenschildes
in der Mitte des Rückens bei Chlamyphorus truncatus aufmerksam.
Bei einem Exemplar ist es der ganzen Länge nach angeheftet, bei
einem andern nur an zwei Stellen, etwa lf4 Zoll lang, über der
Schulter und in der Mitte des Rückens. Annais nat. hist. VII p. 447.
Vermilinguia. Tamandua tetradactyla L. ist Proc. zool. soc.
p. 546 pi. 43 abgebildet.
Auch im Zool. Garten p. 321 sind zwei interessante Ameisen-
fresser aus dem zoologischen Garten zu London. Orycteropus aethio-
picus und Tamandua tetradactyla, abgebildet und geschildert.
Gray glaubt, dass alle Arten von Manis im Alter einen voll-
ständigen Jochbogen haben, der bei den Jungen nicht verknöchert
und bei der Präparation entfernt ist. Annais nat. hist. VII. p.
449. — Dazu zeigt Barron ib. p. 138 an, dass an dem Skelet einer
sehr jungen Manis von Westafrica im Haslar Museum der Jochbogen
durch ein sehr dünnes Knorpelband gebildet sei, das die Jochfort-
sätze des Oberkiefers und des Schläfenbeins verbinde.
Bianconi stellte es in Zweifel, ob die von Peters erwähnte
Art Manis Temminkii Smith wirklich zu dieser Art gehört. Me-
morie della Accademia di Bologna IX. 1869 p. 200.
Multungula.
Proboscidea. Watson machte Mittheilungen über die Ana-
tomie des Indischen Elephanten, und zwar zunächst über die Ein-
geweide des Thorax. Journ. of anat. and phys. VI. p. 82—94. Herz
und Traehee sind auf pl. 6 abgebildet.
Kollmann untersuchte die Structur der Elephantenzähne.
Münchener Sitzungsber. 1871 p. 243.
Donitz beschrieb den Bau der Nieren des africanischen Ele-
phanten. Sitzungsber. der Ges. naturforschender Freunde zu Berlin
1871 p. 25.
Brandt schrieb zur Feier des hundertjährigen Geburtstages
des Stifters der Gesellsch. der Naturforscher zu Moskau, Fischer
von Waldheim, Bemerkungen über einen merkwürdigen krankhaft
veränderten Mammuthschädel des Museums der k. Akad. zu St.
Petersburg; 2 Seiten Text und eine Tafel.
Ueber die neuerlich im Norden Sibiriens aufgefundenen oder
doch angekündigten Leichen vom Mammuth berichtet v. Schrenk
Bull, de St. Petersbourg 16 p. 147. Der Erfolg solcher Ankündi-
gungen hat die Hoffnung, vollständige Leichen zu finden, sehr her-
abgestimmt.
Obesa. Bartlett schilderte Proc. zool. soc. p. 255 die Geburt
eines Hippopotamus, die er mit eigenen Augen beobachtete.
70 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Milne-Edwards gab als ersten Artikel in seinem Werke
»Recherches pour servir ä l'histoire naturelle des Manimiferes« p. 48.
Bemerkungen über den Hippopotamus von Liberia (Chaeropsis Li-
beriensis). Das ganze Thier, Skelett und Schädel sind abgebildet.
Anisodactyla. Murie lieferte einen Beitrag zur Kenntniss des
malayischen Tapir, Rbinochoerus sumatranus, indem er das Aeussere,
den Rüssel, die Eingeweide und die Muskeln beschrieb. Der Rüssel
hält die Mitte zwischen Elephas und Rhinoceros, die Nasensäcke
erinnern an Saiga. der Magen neigt zu den Wiederkäuern u. s. w.
Journ. of anat. and phys. VI. p. 131 — 167 mit Taf. VIII.
Tapirus Bairdi ist Proc. zool. soc. p. 627 pl. 1 nach einem
jungen lebend nach London gebrachten Exemplare abgebildet.
Sclater nahm aus der Thatsache, dass am 11. Sept. 1870
ein Africanisches Rhinoceros lebend in London ankam, wie er meint,
das erste seit den Tagen des Römischen Amphitheaters, Gelegenheit
etwas über Rhinocerosse Africa's zu sagen, und die Abbildung eines
jungen Männchens von Rhinoceros bicornis zu geben. The Student
and Intellectual observer IV. 1870 p. 321.
Ein Nashorn, Rhinoceros unicornis, brach im zoologischen
Garten zu London, wie Sclater beschreibt, sein Hörn ab, welches
sich aber, nach starkem Blutverlust, bald wieder erzeugte. Proc.
zool. soc. p. 8-
Setigera. Referent zeigte einen einäugigen missgestalteten
Schädel eines Schweines vor. Sitzungsber. der niederrheinischen Ges.
in Bonn p. 77.
Gray fand an zwei Schädeln von jungen Phacochoerus aethio-
picus die Bezahlung sehr ähnlich wie bei Sus, er hält das Vor-
handensein von oberen und unteren Schneidezähnen für den normalen
Zustand, aber die oberen variiren in Form und Grösse. Annais
nat. hist. VIII. p. 138.
Soliduugula.
Sanson unterscheidet in der Gattung Equus vier Gruppen,
Equus, Hemionus, Zebra und Asinus. In der letzten Gruppe will er
zwei Arten trennen : Equus asinus africanus, welcher dolichocephal
ist und im Tertiärbecken des Nil vorkommt, über ganz Asien, Eu-
ropa und das nördliche Africa verbreitet und als der Diener des
Menschen bekannt ist, und Equus asinus europaeus, der brachycephal
ist und im europäischen Tertiärbecken des Mittelmeers einheimisch
ist. Er ist grösser, nur im nördlichen Africa und am oceanischen
Ufer des südlichen Frankreich verbreitet und wird zur Erzeugung
der Bastarde angewendet. Comptes rendus 72 p. 689.
Wood-Masou beobachtete an einem Pferde von Bagdad
einen Polydactylismus. Die Rudimente der vierten Zehe an jedem
der Säugcthiere während des Jahres 1871. 71
Vorderfuss hatte sich zu einem überzähligen Finger ausgebildet.
Proc. Asiat. Soc. of Bengal. 1871 p. 18 pl. T.
Ruminantia.
Cervina. Ulrich gab in der Zeitschr. für Forst- und Jagd-
wesen IV. 1871. p. 69-95 Beiträge zur Naturgeschichte des Elch-
wildes, wie er sie in den Revieren zu Ibenhorst nach seinen ge-
sammelten Erfahrungen zusammengestellt hat.
Von Friesen gab eine Uebersicht der Hirschgeweih-Sammlung
im k. Jagdschlosse Moritzburg in Bezug auf Grösse und Stärke. Es
sind 71 Stücke. Sitzungsber. der Isis in Dresden 1870 p. 83.
Gray bildete in Proc. zool. soc. p. 601 das monströse Geweih
eines Rehbocks in Holzschnitt ab.
Hamilton theilte mit, dass nach einem Briefe von Arnott
Hydropotes inermis immer 5—6 Junge wirft, was bemerkenswert!!
ist, da die Arten der Gattung Cervus gewöhnlich nur ein Kalb haben,
Cervus dama wirft zwei, sehr selten drei, Cervus capreolus nie mehr
als zwei. Proc. zool. soc. p. 258.
Cavicornia. Gray beschrieb die Arten der Cephalophoridae
im britischen Museum, unter denen zwei neue. Er kennt 16 Arten
aus Westafrica, 6 aus Ostafrica und 3 aus Südafrica. Es werden
dann näher bezeichnet Grimmia nictitans vom Cap, splendidula von
Guinea, irrorata von Natal mit Abbildung des Schädels, Campbelliae
von Sierra Leone, Burchelli von Angola; Terpone longiceps von
Gaboon; und 17 Arten Cephalopus, worunter C. melanoprymnus pl.
44 von Gaboon und nigrifrons pl. 46 neu. Auch C. dorsalis ist
pl. 45 abgebildet, so wie mehrere Schädel in Holzschnitt.
Gray beschreibt den Schädel von Neotragus saltianus von
Abyssinien. Annais nat. hist. VIII. p. 141.
Brooke hat drei grössere Arten der Gattung Tragelaphus
einer Revision unterzogen, Proc. zool. soc. p. 482, um sie vor Ver-
wechselung zu bewahren. Er unterscheidet sie folgendermassen :
A. Haar der Seiten glatt und kurz, gestreift mit weissen Binden,
die von einem weissen Rücken streifen herabsteigen, a. Farbe tief
kastanienbraun, Streifen scharf markirt, zahlreich; Hörner glatt,
schwer; Nacken, Rücken und Bauch ohne Mähne, Schwanz rinds-
artig: Vorderbeine vorn mit dunklen Flecken, T. euryceros. b. Farbe
dunkel blaugrau, wenige schwach markirte Streifen; Hörner rauh,
massig; Nacken, Rücken und Bauch mit Mähne; Schwanz hirschartig
und behaart, Vorderbeine lohfarbig unter dem Knie, T. Angasii.
B. Haar der Seiten grob und lang ohne Streifen, Hufe lang. c. Farbe
rostbraun, Nacken mit Mähne. Hörner glatt, schlank, stark gekielt.
T. Spekii. — Tragelaphus euryceros ist auf pl. 39 abgebildet, die
Schädel mit den Hörnern von allen drei Arten in Holzschnitt,
12 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Layard gab an, dass Damalis pygarga fast ausgestorben
sei, und machte Bemerkungen über ihr Vorkommen. Proc. zool.
soc. p. 625.
Gray bildete aus der chinesischen langschwänzigen Antilope,
Antilope crispa Radde und Antilope caudata Milne-Edwards eine
neue Gattung Ur otragus , die wie Capricornis eine nackte Muffel
hat, aber sich von ihr durch den Mangel der Suborbitalgrube im
Schädel vor der Augenhöhle unterscheidet, und einen langen Schwanz
mit langem Haarbüschel am Ende besitzt. Die Art nennt er U.
caudatus. Annais nat. hist. VIII. p. 371.
Blyth identificirt den Aethiopischen Pegasus des Plinius mit
einer Art der Gattung Ovis. Smith hatte denselben Bos (?) pegasus
genannt. Annais nat. hist. VIII. p. 204.
Putnam gab an, dass der Buffalo oder Bison, Bos americanus
früher fast über die ganzen Vereinigten Staaten verbreitet war, jetzt
jedoch auf die Prärien zwischen dem Missouri und den Rocky Moun-
tains beschränkt ist, wo er in Heerden von Tausenden die Ebenen
schwärzt, so weit das Auge reicht. Mit dem Fortschreiten der Ci-
vilisation wird er noch mehr zurückgedrängt werden und endlich
aussterben. Bull. Essex Institute III. p. 147.
Natautia.
In einer Synopsis der oberen Abtheilungen der Cetaceeu, Proc.
und Communications of the Essex Institute VI. p. 121 gab Gill
folgende Uebersicht :
I. Zeuglodontia Zwischenkiefer war verbreitert, normal
zwischen die Oberkiefer eingeschoben, den Endtheil und den vorderen
Theil des Seitenrandes des Oberkiefers bildend; Nasenlöcher vorn;
Zwischenkieferzähne in normaler Zahl (3 -f- 3), conisch, Oberkiefer-
zähne 2- oder 3wurzelig. 1 Farn. Basilosauridae Naslöcher vorn,
Nasenbeine lang. Gatt. Basilosaurus Harl. = Zeuglodon Owen.
2 Farn. Gynorcidae Naslöcher weit hinten, Nasenbeine kurz. Gatt.
Cynorca Cope, Squaladon Grat., Colophonodon Leidy . Stenodon
Vanben.
IL Zwischenkiefer vorn verschmälert, nur die Spitze des Kiefers
bildend, die Oberkiefer bilden die ganzen Alveolarränder des Kiefers;
Naslöcher nahe dem Scheitel, Zähne wenn vorhanden, alle ein-
wurzelig.
1. Denticeie. Zähne nach der Geburt vorhanden, Oberkiefer
ohne Fischbein, Aeste des Unterkiefers durch Symphyse vereinigt;
Riechorgan rudimentär oder fehlt; Nasenbeine an die Stirnbeine
gedrängt und am Hiuterende bedeckt.
A. Schnauze des Schädels mit rundein Ende.
a. Oberkiefer schnabelartig und verschmälert, oder leisteuartig
der Säugethiere während des Jahres 1871. 73
rund um deu Rand; Schädel mit dem Seheitel nach vorn gewendet;
Supraoccipitale nicht nach vorn seitlich über die Schläfengruben
ragend; Stirnbeine oben nur als hakenförmige Ränder hinten um
die Oberkiefer sichtbar.
3. Farn. Platanist idae. Rippenknorpel nicht ossincirt;
Tubercular- und Capitular-Gelenke der Rippen hinten vereinigt;
Thränenbeine mit den Jochbeinen verschmolzan. Augenhöhle sehr
klein. Subfam. Iniinae mit der Gatt. Inia d'Orb., Pontoporiinae mit
den Gatt. Pontoporia Gray und Lophocetus Cope, und Platanistinae
mit der Gatt. Platanista Cuv.
4. Farn. Delpliinidae Rippenknorpel fast verknöchert; die
letzten Rippen nur mit den Querfortsätzen der Wirbel durch den
Tuberkel verbunden: Augenhöhlen massig. Subfam. Delphin apterinae
mit der Gatt. Delphinapterus Lac. = Beluga Gray und Monodon L.,
Delphininae mit den Gatt. Delphinus L., Tursiops Gerv. == Tursio
Gray, Lagenorhynchus Gray, Sotalia Gray, Steno Gray, Leuco-
rhamphus Lillj. — - Delphinapterus Gray von Lac, Pseudorca Reinh.,
Orca Gray, Orcaella Gray, Phocaena Gray, Neomeris Gray, Sagmatias
Cope, GlobiocepJialinae mit der Gatt. Globiocephalus Gray.
5. Farn. Ziphiidae. Rippenknorpel nicht ossincirt; die hin-
teren Rippen nur durch das Capitular-Gelenk mit den Wirbeln ver-
bunden; Thränenbeine von den Jochbeinen getrennt. Subfam. Zi-
phiinae mit den Gatt. Ziphius Cuv. = Epiodon Gray, Berardius
Duv., Mesoplodon Gerv. = Ziphius Gray, Dioplodon Gerv., und
Anarnacinae mit der Gatt. Anarnacus Lac. = Hyperoodon Lac.
b. 6. Farn. Phy seter idae. Oberkiefer weder schnabelförmig
noch gerandet, Schnauze hoch an der Stirn und den Mund über-
ragend; Schädel hinten hoch und nach hinten convex; Supraocci-
pitale seitlich über die Schläfengruben ragend; Stirnbeine oben als
aufrechte dreieckige, oder rückwärts sichelförmige Keile zwischen
Oberkiefern und Supraoccipitale sichtbar. Subfam. Physeterinae mit
den Gatt. Physeter L. = Catodon Gray, + Physeter Gray, + Me-
ganeuron Gray und Kogiinae mit den Gatt. Kogia Gray und Cal-
lignathus Gill.
B. 7. Fam. Bhabdosteidae. Schnauze des Schädels in
einen dünnen, geraden Schnabel, vorgezogen, Zwischenkiefer und
Oberkiefer bilden einen Cylinder, der an seinem vorderen Theile
Zähne trägt. Gatt. Rhabdosteus Cope.
2 Mysticete. Zähne vor der Geburt absorbirt und ver-
schwunden; Oberkiefer mit Fischbeinplatten, Unterkieferäste nicht
durch Naht verbunden; Riechorgan deutlich entwickelt, Nasenbeine
nach vorn vorragend, und am Hinterende frei.
8. Farn. B alaenopteridae. Nackenwirbel ganz oder zum
Theil getrennt, 4 Finger. Subfam. Ägaphelinae mit der Gatt. Aga-
74 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
phelus Cope und Rhachianectes Cope, Megapterinae mit den Gatt.
Mcgaptera Gray und Eschrichtius Gray, und Balaenopterinae mit
den Gatt. Physalus Gray, Sibbaldius Gray und Balaenoptera Lac.
9. Farn. Balaenidae. Nackenwirbel verwachsen, 5 Finger.
Gatt. Balaena L., Eubalaena Gray, Hunterius Gray, Palaeocetus Seeley.
Brandt berichtet über den Fortgang seiner Studien über die
Cetaceen, welche einst das grosse zur Tertiärzeit von Mitteleuropa
bis Centralasien hinein ausgedehnte Meeresbeckeu bevölkerten, und
wozu ihm ein sehr reiches Material zu Gebote stand. Bull, de l'acad.
de St. Petersbourg. Septbr. 1871.
Halm beschrieb im 9. Bande der Kongl. Svenska Vetenskaps-
Akad. Handlingar No. 2. Stockholm 1871 die Wallthiere der
schwedischen Museen. Es sind 44 Arten, unter denen Pontoporia
tenuirostris, Steno consimüis, Clymenia Burmeisteri, Gldbiocephalus
propinquus als neue Arten bezeichnet sind.
Turner über den trächtigen Uterus und die Anordnung der
Fötal-Häute bei den Cetaceen. Proc. Royal Soc. of Edinburgh
1871. p. 407.
Sirenia. Paul Marcoy beschrieb in seinem Buche Voyage ä
travers l'Amerique du Sud de l'Oeean paeifique ä l'Ocean atlantique,
Paris 1869 im 2. Bande p. 153 den Fang eines Manati (Lamantin)
zu Mabuiso und bildete den Fötus desselben ab. Daselbst p. 203
wird auch der Kampf eines Jaguar, der dort Tiger genannt wird,
mit einem Lamantin geschildert.
Delphinidae. Clark erhielt für das Museum in Cambridge
ein Narwallskelet mit zwei vollständig entwickelten Stosszähnen.
Er bildete den Schädel in Holzschnitt ab, und zählte die zehn Skelete
mit zwei Stosszähnen auf, die sich in Europäischen Museen befinden,
spricht auch über die Angaben der Schriftsteller, wonach der Zahn
der rechten Seite sich entwickelt haben soll. Proc. zool. soc. p. 42.
In Vol. VII. Part. II. der Transactions of the zool. soc. 1870
erschien die Beschreibung des Skeletes des chinesischen weissen
Delphins (Delphinus sinensis Osbeck) von Flow er mit zwei Tafeln.
Murie beschrieb die Zähne, Mundhöhle, Pharynx und Larynx,
die Articulation des Unterkiefers, die Schnaufhöhle mit ihren Kam-
mern und Muskeln, die Nieren, den Penis und die Pelvo-Caudaltheile,
so wie die Fettdecke und einige Muskeln des Körpers von Lageno-
rhynchus albirostris Gray. The Journal of the Linnean Society XI.
p. 141 mit einer Tafel.
Den bereits früher erwähnten Delphin des Irawady (vergl. vorj.
Ber- p. 67) beschreibt nun Anderson als eigene Art der Gattung
Orcella (Gray schreibt Oraella), und nennt ihn Orcella fluminalis.
Proc. zool. soc. p. 142.
Murie beschrieb Gratapus Rissoanus Desm. Das Thier ist
der Säugethiere während des Jahres 1871. 75
in drei Ansichten abgebildet, und die weichen Theile sind geschildert.
Journal of anatomy and physiology V. 1871 p. 118—138.
Ziphiidae. Knox, welcher dreimal ein Thier aus der Familie
Ziphidae zu sehen und zu untersuchen Gelegenheit hatte, fand vom
im Unterkiefer jederseits einen Zahn, der grösstentheils in der Zahn-
höhle steckte, und mit seiner kleinen Spitze unter dem Zahnfleisch
verborgen war. Dazu gab Verf. einige Maase seiner Thiere. Trans-
act. and Proc. New Zealand Institute III. p. 125. — In einem Nachtrage
vermuthet Verf., dass im Foetus zahlreiche Zähne vorhanden sein
würden, denn er fand in dem sehr weiten Kanal für den Zahnnerven
eine Masse, die aus grossen Nervenfäden und Blutgefässen bestand,
die offenbar Zweige, wenn nicht zu Zähnen, doch zu der Alveole
und dem Zahnfleisch abgaben. Wäre die Entwickelung dieser muth-
masslichen Zähne zu Stande gekommen, dann wäre es ein Physeter
geworden. Bei der Section eines fötalen Mysticetus fand Verf. zahl-
reiche Zähne in beiden Kiefern, die noch vor der Geburt der Ent-
wickelung des Fischbeins Platz machen. Verf. fragt, ob diese Thiere
ausgewachsen sind, und ob diese Zähne schliesslich vordringen
würden? Das eine war 9 Fuss, die beiden andern 27 Fuss lang.
Hector Hess die im Vorhergehenden erwähnten Schädel auf Tafel
XIV— XVII abbilden.
Knok spricht ib. p. 130 von einem Cetaceenzahn, den er dem
Ziphius Sowerbii Gray zuschreiben möchte.
Ans der obigen Abhandlung über die Ziphiidae zieht Gray
Annais nat. hist. VIII. p. 115 die Charaktere für die Gattung Be-
rardius. Er hält die beiden, von Knox und Hector beschriebenen
Exemplare für verschiedene Species, in dem grösseren erkennt er
Berardius Arnuxii, das kleinere nennt er Berardius Hectori.
Haast berichtete Transact. and Proc. New Zealand Institute
II p. 190 über einen nahe der Mündung des Avon gestrandeten
Wallfisch, den er für Berardius Arnuxii hielt.
K refft hat in einem Briefe über Dioplodon seychellensis, und
Mesoplodon sowerbiensis gesprochen und Photographien eingesandt.
Flower fand letztere übereinstimmend mit Ziphius Layardi. Proc
zool. soc. p. 630.
Gray machte Annais nat. hist. VII. p. 291 eine weitere Be-
merkung über Dioplodon sechellensis (vergl. vorj. Ber. p. 68) und
bildete die zweite Rippe, die Armknochen und die Scapula in Holz-
schnitt ab.
Krefft nannte einen neuen Wallfisch aus der Familie der
Ziphoiden Mesoplodon Güntheri und sandte die Photographie eines
Zahnes an das Britische Museum. Gray fand diesen Zahn so ab-
weichend, dass er eine neue Gattung indicirt findet, der er den
76 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Namen Call i don beilegt. Der Zahn ist in Holzschnit abgebildet.
Annais nat. hist. VII. p. 368.
Physeteridae. Turner berichtet über einen Physeter von 60
Fuss Länge, der im Jahr 1829 bei Dunstaffnage in der Nähe von
Oban an der Küste von Argyleshire gefangen war, nebst Bemerkungen
über andere Exemplare, die an der Küste von Schottland vorge-
kommen sind. Proc. Royal Soc. of Edinburgh 1871 p. 365.
Balaenoidea. Brandt findet die Classificationen von Gray,
Lilljeborg und Gill nicht ausreichend und gab eine neue Eintheiluug
der Bartenwale (Balaenoidea) mit Berücksichtigung der unterge-
gangenen Gattungen derselben. Bull, de l'acad. de St. Petersbourg
16. p. 113. Den von ihm angedeuteten Classificationen nach den
äusseren Theilen, oder nach der verschiedenen Bildung der Nasen-
beine und Muscheln, zieht Verf. als eine ungleich natürlichere An-
ordnung diejenige vor. wobei nach Möglichkeit der ganze, für die
fossilen Formen allein massgebende, Skeletbau und besonders das
Verhalten des Schädels berücksichtigt, das Verhalten der äusseren
Theile jedoch keineswegs vergessen wurde. Die Bartenwale bilden
ungeachtet der hinzugefügten fossilen und da die gemuthmasste
Existenz von Balaenodonten sich nicht bestätigt hat, eine von den
Delphinen streng geschiedene Unterordnung, die jedoch den Zeuglo-
donten und den Sirenien näher steht als den Delphinen. Sie zer-
fallen in 1. Balaenidae mit der Gattung Balaena (Genera Balaena.
Eubalaena, Hunterius, Caperea, Neobalaena und Macleayius Gray
nee non? Palaeocetus Seeley et Protobalaena Du Bus), 2. Balae-
nopteridae mit den Subfamilien a. Balaenopterinae mit den Gat-
tungen Kyphobalaena Eschr. (Farn. Megapteridae Gray) et Ptcro-
balaena Eschr. (Balaenoptera Lacep. e. p.. Farn. Physalinidae et
Balaenopteridae Gray), b. Cetotheriopsinae mit der Gatt. Cetotheri-
opsis Brandt (Balaenodon Meyer, Aulocete Vanbened.) c. Cetotherinae
mit der Gatt. Cetotherium Brandt et Plesiocethus Vanbened., nee
non, ut verisimillime videtur, Pachyacanthus Brandt. Schliesslich
spricht sich Verf. gegen Gill aus, der meint, die Bartenwale seien
mit den Delphinen aus den Zeuglodonten der Tertiärzeit in Folge
einer nach zwei verschiedenen Richtungen erfolgten Entwicklung
hervorgegangen, die einerseits Delphiniden, andererseits Bartenwale
zu Wege brachte. Ihm erscheint als die naturgemässe Scböpfungs-
hypothese, die jedoch erst noch des Nachweises bedürfe, dass selbst
alle höheren, echten Thierarten aus niederen zahlreichen Urformen
nach Maassgabe der Entwiekelungsgeschichte entstanden seien. Die
Faunen der Tertiärzeit enthielten, so viel wir bis jetzt wissen, nur
bereits fertige, überaus zahlreiche, artliche wie generische Typen,
keine Urtypen. Die zahlreichen selbstständigen Urtypen gehörten
einer älteren Zeit an.
der Säugethiere während des Jahres 1871. 77
Gervais über die Anatomie der Cetaceen ans der Abtheilung
der Balaeniden, Comptes rendus 72 p. 663.
Turner weist nach, dass die sogenannten zweiköpfigen Rippen
der Wallfische nur individuell und nicht als generische Charaktere
zu verwenden sind. Demnach müssen die Gattungen Sibbaldius,
Rudolphius und Hunterius, sofern sie nur auf diesen Charakter be-
gründet sind, eingezogen werden. Solche zweiköpfige Rippen kommen
auch bei Menschen vor, und man wird solche Individuen nicht ge-
nerisch trennen wollen. Journal of Anatomy and Physiology V.
1871 p. 348.
Turner spricht ib. p. 361 von den Querfortsätzen des sie-
benten Halswirbels bei Balaenoptera Sibbaldii. Derselbe besitzt im
fötalen Zustande einen oberen und unteren Querfortsatz, wie die
übrigen Halswirbel. Demnach scheint es, als ob die Delphine der
Tertiärperiode der Fötalperiode einiger jetzt lebenden Cetaceen
entsprechen.
Bird gab Nachricht von einer Balaenoptera Sibbaldii. welchen
Wallfisch die Isländer Steypireyör, die Norweger Rorqual nennen.
Er war 85 Fuss lang, und hatte 12 und 15 Fuss Durchmesser. Im
Jahr 1866 wurde einer von 110 Fuss gefangen, der soviel wog wie
3000 Menschen. Verf. sah einen Fötus von 1740 Pfund und 18 Fuss
1 V2 Zoll Länge. Der Speck ist 6 bis 8 Zoll dick ; ein reifer Foetus
hatte keine Spur von Speck. Report British Assoc. for the advan-
cement of science held at Liverpool p. 112.
Turner beschrieb Sternum und die Ossa innominata von
Balaenoptera Sibbaldii nach einem Weibchen, das bei Longniddry
am Firth of Forth gestrandet war. Journal of anatomy and physio-
logy IV. 1870 p. 271-281.
Cope machte eine nachträgliche Bemerkung über Balaenoptera
oder Sibbaldius sulfureus, verschieden von B. antarctica Gray. Amer.
philos, soc. XII. p. 108.
Struthers über einige Punkte in der Anatomie einer grossen
Balaenoptera Musculus, von 64 Fuss Länge. Es handelt sich um das
knöcherne Rudiment der Hintergliedmassen, das Becken, die Muskeln
der Finger, die Rippen, deren 16 Paar vorhanden sind, Nacken-
wirbel. Journ. of anat. and phys. VI, p. 107 pl. VII.
Die Abhandlung von Van Beneden sur une Balaenoptere ca-
pturee dans l'Escaut en 1869, wovon schon früher Nachricht ge-
geben war, ist in Mem. de l'äcad. de ßelgique Tome 38. 1871 er-
schienen und von zwei Tafeln begleitet.
Cope beschreibt ein Wallfischskelet aus dem Caraiben-Meere
von 32 Fuss Länge, das er für einer neuen Art angehörig hält, und
Megaptera bellicosa nennt. Proc. Amer. philos. soc. helu r' !
delphia XII. p. 103.
78 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte etc.
Knox unterscheidet Transact. and Proc. New Zealand Insti-
tute II. p. 21 vier Arten von Bartenwalen, nämlich Balaena mysti-
cetus von 55 — 65 Fuss mit 52 Wirbeln, 12 Rippen und Barten von
9 — 17 Fuss, Rorqualus major von 80 — 100 Fuss mit 65 Wirbeln,
15 Rippen und Barten von 4 — 5 Fuss, Rorqualus minor von 20 — 25
Fuss mit 48 Wirbeln, 11 Rippen und Barten von 5 Zoll, und eine
vierte Art Triggerfin, Sulphurbottom von 30 — 55 Fuss Länge, deren
Anatomie unbekannt ist. Von Rorqualus major ist das Skelet nebst
den Beckenknochen, von minor das ganze Thier abgebildet. — In
einem Anhange zu obigem Aufsatze giebt Hector ein Verzeichniss
der im Museum zu Wellington befindlichen Cetaceen : Balaena raar-
ginata Gray mit Abbildung des Schädels, Bernardius Arnuxii Duv.,
Lagenorhynchus clanculus und Globiocephalus macrorhynchus Gray.
Die Note von Gray in den Annais nat. hist. VI. p. 154, in
welcher auf Balaena marginata eine neue Gattung Neobalaena auf-
gestellt ist, und die bereits im vorj. Bericht p. 69 erwähnt wurde,
ist in Transactions New Zealand Institute III. p. 123 abgedruckt.
Fischer macht Bemerkungen über die Wallfische von Biscaya,
Balaena biscayensis Vanbeneden, und glaubt mehrere Arten annehmen
zu müssen. Comptes rendus 72 p. 298.
Marsupialia.
Pedimana. Chironectes variegatus kommt nach Sclater im
Fluss Meddellin in Columbien vor, also weiter nördlich als bisher
bekannt. Proc. zool. soc. p. 702.
Macropoda. Pagenstecher beschrieb einen Embryo von
Macropus major. Verhandl. des naturh. medic. Vereins zu Heidel-
berg V. p. 186; Annais nat. hist. VIII. p. 292.
Monotremata.
Coues beschrieb ausführlich die Myologie von Ornithorhynclius
in Proceed. and Communications of the Essex Institute VI. p.
127—173.
Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
während des Jahres 5878,
Von
Troschel.
Beitrag zur Anatomie der Retina vom Frosch, Sala-
mander und Triton, von E d m u n d L a n d o 1 1. M. Schnitze' s
Archiv für mikr. Anat. VI. p. 81 mit Taf. 9.
Hasse hat indem zweiten Heft seiner anatomischen
Studien, Leipzig 1871, drei Abschnitte, welche dem Ge-
hörorgan der Amphibien gewidmet sind, nämlich: p.
225 das Gehörorgan der Schildkröten mit Taf. 11 — 15;
p. 300 die Morphologie des Gehörorgans der Eidechsen
von Clason mit Tafel 16, 17; p. 377 das knöcherne
Labyrinth der Frösche mit Tafel 18. — Das Labyrinth
der Schildkröten fand Hasse in evidenter Uebereinstim-
mung mit den Vögeln. Nach Clason scheint, abgesehen
von der höheren Entwicklung der Schnecke, das übrige
Labyrinth der Eidechsen den Selachiern näher zu stehen
als den Batrachiern; die Eidechsen scheinen in dieser
Beziehung mit Uebergehen der Batrachier ein direktes
Bindeglied zwischen den Selachiern und Schildkröten
zu bilden.
Sirena stellte Untersuchungen an über den Bau
und die Entwicklung der Zähne bei den Amphibien
und Reptilien. Verhandl. der physik. medicin. G eselisch.
in Würzburg II. p. 124 Taf. IX, und Sitzungsber. 1871
80 Troschel: Bericht über die Leistungen i. d. Herpetologie
p. 1. Als Material benutzte er Siredon pisciformis, Triton
palustris, Rana temporaria, Lacerta agilis, Euprepes mul-
ticarinatus, Arnphisbaena fuliginosa, Anguis fragilis und
Platydactyhirf verns.
Wailace deutet in „Beiträge zur Theorie der na-
türlichen Zuchtwahl, deutsch von A. B. Meyer, Erlangen
1870" p. 115 die Aehnlichkeit mancher Giftschlangen der
Gattung Elaps mit anderen harmlosen Schlangen in der
Färbung für Mimicry, d. h. Aehnlichkeit für den Zweck,
andere Thiere dadurch zu täuschen, und der Uebersetzer
glaubt in einer Note noch andere Schlangen-Beispiele
der Mimicry anführen zu dürfen. Auch viele der kleinen
Baumfrösche sollen zweifellos Nachahmer sein, da sie in
ihren natürlichen Stellungen oft nicht von Käfern oder
anderen Insecten zu unterscheiden seien. Nachahmung
in der Stellung und in den Geberden mag als Mimicry
gelten, aber, dass natürliche Färbung, wo sie bei ver-
schiedenen Thieren ähnlich wird, in diese Kategorie
gebracht wird und mit diesem Ausdrucke bezeichnet wird,
erscheint bedenklich.
Cope sprach in der 19. Versammlung Amer. Assoc.
for the advancement of science zu Troy. Proceedings
p. 194 — 247 über die Homologien einiger Reptilienschädel
und die systematische Anordnung dieser Klasse. Der
erste Abschnitt bezieht sich hauptsächlich auf ausge-
storbene Formen, die aber für seine Betrachtungen be
deutungsvoll werden. In dem anderen Abschnitt erörtert
Verf. seine Ansichten über Systematik im Allgemeinen
und wendet sie dnnn auf die Reptilien an. Er kommt
zu 11 Ordnungen: 1. Omiili osaur ia> 2. D ino sauria ,
3. Crccodilia, lebende Fam. Gavialidae, Crocodilidao,
4. Säur opt ery gia , 5. Anom odontia, 6. loht iiy o-
pterygia, 7. Rhyn oko cepitalia (Sphenodontidae), 8;
Testudinata a. Athecae Fam. Sphargididae, brCrypto-
dira Fam. Cheloniidae, Trionychidae, Eniydidae, Cino-
sternidae, Testudinidae, c. l'ieurodira Fam. Podocnemi-
didae, Chelydidae, Hydraspididae,. Pelomeduäidae, Ster-
nothaeridae, 9. LacertUia a. Bliiptoglossa Fam. Cha-
maeloontidae, b. Paohyglossa Fam. Aganiidae, c. Nycti-
während des Jahres 1871. 81
saura Farn. Gecconidae, d. Pleurodonta Farn. Anolidae,
Iguanidae; Anguidae, Gerrhonotidae, Xenosauridae, Helo
dermidae ; Varanidae ; Teidae, Lacertidae, Zonuridae, Chal-
cididae, Scincidae, Sepsidae; Anelytronidae, Acontiidae,
Aniellidae, e. Ophio&auri Farn. Aniphisbaenidae, Trogo-
nophidae. 11. Ophidia a. Scolecopkidia Farn. Typhlo-
pidae, Stenostomidae, b. Tortricina Farn. Tortricidae, Uro-
peltidae, c. Asinea Farn. Xenopeltidae, Honialopsidae,
Colubridae, Rhabdosornidae, d. Proteroglypha Farn. Ela-
pidae, Najidae, Hydrophidae, e. Solenoglypha Farn. Atra-
ctaspidae, Causidae, Viperidae, Crotalidae.
In einem Briefe von Louis Agassiz an Benjamin
Peirce über den Tiefsee-Schleppnetzfang spricht derselbe
die Hoffnung aus, dass aus den grossen Tiefen Thier-
formen zu Tage kommen werden, die eine Verbindung
der jetzt lebenden Fauna mit der ausgestorbenen her-
stellen möchten. Er erwartet von Amphibien ähnliche
Gestalten wie Ichthyosaurus, Plesiosaurus und Ptero-
dactylus, von Fischen Verwandte von Lepidoiden, Sau-
roiden, Pycnodonten, Coelacanthen, Amioiden und Glypto-
lepis u. s. w. Bulletin of the Museum of Comparative
zoology III. p. 49.
Von faunistischen Arbeiten können wir die folgenden
erwähnen:
Europa. Jacke l zählte die Kriechthiere und Lurche
des Königreichs Bayern auf. Correspondenz-Blatt des
zoolog. mineral. Vereins in Regensburg. 25. Jahrg, p.
81—101. 1 Schildkröte, selten und wie Verf. vermuthet,
aus der Gefangenschaft entkommen, 6 Eidechsen, 4
Schlangen, 9 ungeschwänzte und 5 geschwänzte Ba-
trachier. Es werden einige Fälle erzählt, wo die graue
Kröte für Vögel giftig und tödtlieh wirkte. Ein Iltis und
ein Maulwurf zeigten Abscheu gegen sie, und weigerten
von ihr zu fressen.
In einem Elenco sistematico degli animali del Mare
adriatico des Museums in Triest von Stossich werden
Chelonia midas und caretta als im adriatischen Meere
lebend angegeben.
Africa. In Holland and Hogier, Record of the ex-
Archiv für Naturg'. XXXVIII. Jahrg. 2. Bd. F
82 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Herpetologie
pedition to Abyssinia Vol. II. 1870 p. 395 verzeichnete
Blanford 2 Chelonicr, 14 Saurier, 7 Ophidier und 8
Batrachier, zusammen 31 Arten.
Steindachner hat die während einer Reise in Se-
negambien gesammelten Reptilien in den Sitzungsber.
der Wiener Akademie ßd. 62. I. p. 326 verzeichnet. Es
sind 3 Schildkröten, 9 Saurier, 10 Schlangen, 5 Batrachier,
darunter zwei neue Geckonen.
Gevray sagt in seinem Essai sur les Comores, Pon-
dichery 1870 p. 66, dass> dort 3 Schlangen, von denen
keine giftig, 7 Eidechsen, 2 Frösche und 2 Schildkröten
vorkommen.
Asien. Jerdon machte Bemerkungen über die Indische
Herpetologie in Proc. Asiat. Soc. of Bengal 1870 p. 66
— 85. Er beabsichtigt ein Werk über die Reptilien Indiens
herauszugeben, und äussert sich vorläufig über die Hin-
zufügung von Arten, die bisher für die Indische Fauna
nicht bekannt waren, berichtigt die Synonymie mancher
Arten, und stellt eine neue Schildkröte und eine neue
Schlangengattung Stoliczkia auf mit Vorbehalt, in
welche Familie sie gehört. Aus den Berichtigungen der
Synonymie heben wir folgende hervor: Eumeces Hima-
layanus Gthr. — Mocoa Sikimensis Blyth, Eumeces indicus
Gthr. = Lygosoma Dussumierii Dum. Bibr., Oriotiaris
Ellioti Gthr. xs Calotes tricarinatus Blyth u. s. w. Die neuen
Arten sind auch nur vorläufig aufgeführt, und nur durch
einige Züge bezeichnet. Sie sind unten namhaft gemacht.
Anderson beschrieb Proc. zooi. soc. p. 149 — 211
eine Reihe indischer Reptilien, die sich in der Sammlung
des Indischen Museums in Calcutta befinden. Sie sind
theils ein Zuwachs zu der Indischen Fauna, theils unvoll-
ständig bekannt. Es sind 115 Arten, nämlich 4 Schild-
kröten, 29 Eidechsen, 57 Schlangen und 25 Batrachier. Verf.
lehnt sich an Günthers Werk über die Indischen Reptilien
an und lässt die Synonymie fort, so weit sie von Günther
gegeben ist. Nur ein Hydrophis ist als neu beschrieben.
Anderson A list of the Reptilian accession to the
Indian Museum, Calcutta, from 1865 to 1870, with a
description of some new species. Journal of the Asiat.
während des Jahres 1871. 83
Soc. 40. IL p. 12. Das dortige Museum erhielt in den
letzten 4x/2 Jahren 255 Species, wovon 60 neu oder jüngst
beschrieben sind; sie vertreten 13 Genera. Einige neu
beschriebene Arten s. unten.
Stoliczka, Notes on new or little known Indian
Lizards. Proc. Asiat. Soc. of Bengal 1871 p. 192. Eine
grössere Zahl von Arten wird mit anderen identificirt,
einige neue werden aufgestellt. So ist Ophiops Jerdoni
Blyth = Pseudophiops Jerdoni = Ps. Theobaldi == Ps.
Beddomei Jerdon; Hemidactylus Pieresii Kelaart = ma-
culatus D. B. = Sykesi Gthr.; H. frenatus = punctatus
Jerdon; H. Leschenaulti = Kelaarti Theob. = marmo-
ratus Blanf. ; H. Coctaei = Bengaliensis Anders.; Ny-
cteridium platyurus Schneid. = N. Schneiderianum Shaw
= Himalayanum Anders. : Gymnodactylus nebulosus ist
nicht = nebulosus Blyth, G. maculatus Bedd. nicht =
maculatus Steind., G. marmoratus Bedd. nicht = marmo-
ratus D. B.; Characia (Oriotiaris) tricarinatus Blyth =
0. Elliotti Gthr.
Stoliczka machte Proc. Asiat. Soc. of Bengal 1871
p. 192 Bemerkungen über eine Anzahl Indischer und
Burmesischer Schlangen. Daselbst sind drei neue Typhlops
und ein neuer Tropidonotus aufgestellt. — In dem Journal
Asiat Soc. 40 Part. II. p. 421—445 erschien dann die
bezügliche Abhandlung über eine grössere Zahl In-
discher und Burmesischer Schlangen, die nicht allein
gewisse Variationen in den Charakteren der Arten, oder
ihre Identificirung mit andern erörtert, sondern auch
die geographische Verbreitung der verschiedenen Formen
behandelt. Die meisten dieser Schlangen gehören zu den
Familien der Typhlopiden, Colubriden und Dipsadiden.
Das Bedürfniss nach genauen Angaben über die geo-
graphische Verbreitung der Indischen und Burmesischen
Schlangen, namentlich für diejenigen der südlichen Ab-
hänge des Himalaya, hebt Verf. hervor. Eine Anzahl
unzuverlässiger Angaben über das Vorkommen gewisser
Formen des Flachlandes und der Höhen von 9000 bis
12000 Fuss, oder selbst von Tibet und Ladak haben sich
in die Indische Zoologie eingeschlichen, namentlich durch
84 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Herpetologie.
die gelegentlichen vagen Berichte der Gebrüder Schlag-
intweit und anderer Sammler, und haben den Euro-
päischen Zoologen zu allerhand falschen Ideen Veran-
lassung gegeben, sei es in der Anpassung des Himalaya
an verschiedene Faunen, sei es die Fügsamkeit der Or-
ganisation gewisser Arten, die sie befähige, sehr ver-
schiedene Erhebungen und Klimate zu bewohnen. Tro-
pische und subtropische Formen kommen oft weit im
Innern des Himalaya vor, aber sie sind immer auf die
tiefen, warmen und feuchten Thäler beschränkt, während
auf den grösseren Höhen ganz in der Nähe eine durchaus
verschiedene Fauna existirt. Bei den einzelnen Arten
ist Günther1 s Schrift „Reptiles of British India" citirt.
Ed eli ng bearbeitete eine herpetologische Sammlung,
die durch Pruys van der Hoeven zu Redjang auf Sumatra
angelegt war. Sie enthält 4 Saurier, 24 Schlangen, von
denen drei neu sind. Eine zweite Sammlung durch Roe-
landt zu Palembang enthält 5 Saurier, 20 Schlangen und
zwei Batrachier, wobei eine neue Art. Natuurk. Tijdschr.
voor Nederlandsch Indie 31. 1870 p. 376.
Peters beschrieb 19 Amphibien von Sarawak auf
Borneo als neue Arten, die sich in der Sammlung des
Marquis Doria in Genua befinden. Berliner Monatsber.
p. 569—581. Alle sind unten namhaft gemacht.
Australien. Krefft's The suakes of Australia, an
illustrated and descriptive catalogue of all the known
species. Sydney 1869 wird von Günther in der Zeit-
schrift The Nature II. 1870 p. 64 sehr gerühmt. Das Buch
enthält 80 bekannte Arten, und ist von 12 Tafeln begleitet.
Bull er beschrieb 13 Eidechsen als in Neu-Seeland
lebend, nämlich 2 Hinnulia, 4 Mocoa, 6 Naultinus und
1 Sphenodon (Hatteria). Unter ihnen belinden sich drei
neue Arten, die auf einer Tafel abgebildet sind. Trans-
actions and Proe, New Zealand Institute III. p. 4.
America. Cooper in seiner Fauna von Californien
und ihre geographische Verbreitung, Proc. California Acad.
IV. p. 61 giebt aus dem Colorado-Thal 2 Eidechsen, 5
Schlangen und 2 Batrachier an, aus der Wüsten-Region
15 Reptilien, aus dem südlichen Küstenabhange 5 Rep-
während des Jahres 1871. 85
tilien, von dem mittleren und nördlichen Küstenabhange
eine Eidechse, Gerrhonotus multicarinatus, aus dem Tu-
lare-Thal 8 Reptilien.
Moritz Wagner hat in seinen „Naturwissenschaft-
lichen Reisen im tropischen Amerika, Stuttgart 1870"
p. 117, Bemerkungen über die Reptilien des Isthmus von
Panama. Ausser anderen weiter verbreiteten Schlangen
sind dem Isthmus eigenthümlich Teieuraspis Schlcgelii,
Leptophis intermedius und Ablabes tesseliatus. Von Ei-
dechsen sind erwähnt Norops auratus, Tropidolepis spi-
nosus und Alligator veraguensis Sieb.
In der Provinz Chiriqui sind nach M. Wagner ib.
p. 308 aus der Klasse der Amphibien unter den Sauriern
besonders die Familien der Baum- und Erdagamen durch
eigenthümliche Arten ausgezeichnet, z. B. Chondropleura
inornata Fitz. Auch unter den Schlangen, welche Chi-
riqui mit Costarica gemeinsam hat, ist die Zahl der
eigenthümlichen Arten, deren Verbreitung über den Isth-
mus von Panama nicht hinauszugehen scheint, besonders
gross: Erythrophthalmus bitorquatus, Lamprosoma Wag-
neri_, Dipsas Scherzeri, Hecate viridis, Crotalus bifasciatus.
Moritz Wagner, sagt ib. p. 587, von Amphibien
kommen in der Hochebene des Cotopari einige eigen-
thümliche Arten vor, von denen jedoch nur wenige bis
zu den unteren Gehängen des Vulkans reichen, darunter
Aspidolaemus affinis, Hyla marsupiata und eine schwarze
Kröte Phryniscüs laevis. Letztere ist das einzige Am-
phibium, das noch in der Region von 11000 Fuss erscheint.
Eidechsen kommen nur bis 10400 Fuss vor und von den
zahlreichen Schlangen der mittleren Andesgehänge scheint
keine die Höhengrenze von 9000 Fuss zu überschreiten.
Nach Bello y Espinosa giebt es auf Portorico
zwei Iguana, eine Chalcis, eine Anolis, welche die Farbe
willkürlich ändert, dann drei Frösche; eine grosse Sphargis
coriacea wurde daselbst gefangen. Zool. Garten p. 350.
Paul Marcoy, Voyage ä travers Famerique du
Sud de Tocean paeifique a l'ocean atlantique. Paris 1869.
4°. in 2 Bänden. Dieses Werk enthält zwar nicht eigent-
lich Zoologisches ; indessen sind doch einige auf Thiere
86 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Herpetologie
bezügliche Schilderungen eingestreut, die wohl die Be-
achtung verdienen. So Bd. I p. 627 ein Massacre der
Schildkröten durch die Conibos. — Im^ zweiten Bande
p. 83 eine recht hübsche Abbildung der Chelys matamata.
Peters berichtete, Berliner Monatsber. p. 397, über
eine von Abendroth in dem Hochlande von Peru ge-
machte Sammlung von Amphibien. Sie enthält 2 Schild-
kröten, 7 Eidechsen, 16 Sehlangen, 10 Batrachier, zu-
sammen 35 Arten. Einige werden für neu gehalten,
s. unten.
Cunningham fand an der Magellanstrasse nur
ein Reptil, Ptygoderus pectinatus, aber an der Westküste
Patagoniens finden sich zwei Amphibien bis zum 51. Grad
s. Br., nämlich Hylodes leptopus, und die Gattung Nan-
nophryne. Report British Assoc. advanc. of science Liver-
pool p. 114.
Chelonii.
Chersinae. Sclater hältTestudo tabulata Walb. and Testudo
carbonaria Spix für verschiedene Arten. Proc. zool. soc p. 743.
J. E. Gray kommt nochmals auf seine Testudo chilensis
(vergl. vorj. Ber. p. 76) zurück, und vertheidigt sich gegen Sclater.
Annais nat. hist. VIII. p. 15. — Darauf erwiederte Sclater ib.
p. 161. — Vergl. ferner Gray ib. VIII. p. 70. — Philippi be-
stätigt, dass in Chili keine Schildkröten vorkommen, und dass Gray's
Testudo chilensis bei Mendoza in der Kepublik Argentina gesammelt
sei. Demnach hält Sclater an dem Namen T. argentina fest. Proc.
zool. soc. p. 480. — Endlich bestätigt auch Weisshaupt, dass er
selbst die von ihm nach England gebrachten Schildkröten bei Men-
doza gesammelt habe. Ib. p. 744.
Gray machte Bemerkungen über Testudo Phayrei und Scapia
Falconeri in Annais nat. hist. VII. p. 445, und behauptet deren Ver-
schiedenheit. — Stoliczka äussert sich ib. VIII. p. 212 brieflich,
dass er sich von der Identität überzeugt habe. Diese Angabe ver-
anlasst Gray ib. p. 320 die Identität anzuerkennen, nennt nun die
Schildkröte Scapia Phayrei und stellt die Synonymie zusammen. —
Es folgt dann ib. p. 324 eine ausführliche Anticritik gegen Gray von
Anderson. Letzterer bildet Proc. zool. soc. p. 425 Brustbein und
die ganze Schildkröte vom Rücken gesehen als Testudo Phayrei in
Holzschnitt ab. — Vergl. auch Gray in Proc. zool. soc. p. 515.
Emydae. Chavanne und ebenso Fatio sind der Meinung,
während des Jahres 1871. 87
dass Cistudo europaea im Genfer See vorkomme, aber dort nicht
einheimisch sei. Bull. Soc. Vaudoise X. p. 696.
Gray hat von der im vorigen Jahre aufgestellten Rhino-
clemmys mexicana weitere Exemplare bekommen, und bildet sie Proc.
zool. soc. p. 296 pl. 28 ab.
Damonia oblonga Gray Annais nat. hist. VIII. p. 367 von
Batavia.
Pangschura sylhetensis Jerdon Proc. Asiat. Soc. of Bengal
1870 p. 66.
Ghelidae. Gray zeigt an, dass das britische Museum aus dem
Burnett River in Australien Chelymys macquaria und Elseya lati-
sternon erhalten habe. Annais nat. hist. VIII. p. 291.
Chelomys Krefftii Gray ib. p. 366 aus Burnett's River.
Gray bildete aus einer Schildkröte, die er früher als Varietät
von Chelymys macquaria angesehen hatte, eine neue Gattung Eu-
chelymys, die auch ein Nackenschild besitzt, aber sich durch zwei
Bartfäden am Kinn, einen härteren Scheitel des Kopfes und durch
die Grösse der fünften Wirbelplatte unterscheidet, welche mindestens
so breit ist wie die andere. Die beiden Arten E. sulcifera und
spinosa stammen aus Nordaustralien. Annais nat. hist. VIII. p. 117.
Gray hält Podocnemis unifilis Troschel für synonym mit P.
Dumeriliana. Ref. kann das von Schomburgk gesammelte Exemplar
nicht mehr vergleichen, da es sich im Berliner Museum befindet.
Annais nat. hist. VIII. p. 68. — Sclater äusserte sich Proc. zool.
soc. p. 36 in entgegengesetztem Sinne. — Sclater kommt später ib.
p. 745 nochmals auf diese Art zurück. Er widerlegt die Behauptung
Gray's, dass der einzige Bartfaden ein Charakter der Familie Pel-
tocephalidae sei, und theilt mit, dass Bartlett auf seinen Reisen am
Amazon vier Arten Podocnemis gefunden habe, nämlich 1. P. ex-
pansa Schweigg. = Emys amazonica Spix, 2. dumeriliana Schweigg.
= Emys macrocephala Spix, 3. Bartlettia pitipii Gray = Emys ery-
throcephala Spix, 4. P. unifilis Trosch. Verf. giebt die Möglichkeit
zu, dass es die junge P. dumeriliana sei, aber es sei noch nicht
bewiesen.
Gray erhielt eine Pelomedusa subrufa, eine africanische Art,
von Bahia, und fragt, ob sie in Südamerika eingeführt sei? Annais
nat. hist. VIII. p. 140.
Sclater hält eine Pelomedusa vom oberen Zambesi für eine
eigene Art, möchte aber nach einem Exemplare keine Species auf-
stellen. Proc. zool. soc. p. 325.
GMlotae. Nachdem Anderson in Proc. zool. society p. 154
eine Schildkröte unter dem Namen Trionyx Phayrei Theobald
beschrieben hat, der er das Synonym Trionyx jeudi Gray beifügte,
übte Gray Annais nat. hist. VIII. p. 83 eine Kritik über die Arten.
88 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Herpetologie
Er spricht sich dahin aus, dass die Anderson'sche Art eine Lan-
demania, die Theobald'sche sehr wahrscheinlich ein Aspilus oder
eine Dogania sei.
Sanri.
Gray glaubt eine neue Entdeckung gemacht zu haben, wenn
er die Haftorgane der Eidechsen, die sogenannten Penes, als solid,
nicht durchbohrt beschreibt, und sie Claspers, Haken nennt. Das
ist eine bekannte Thatsache. Annais nat. bist. VII. p. 283.
Crocodilini. Nach Forsyth, The Highlands of central India.
London 1871 p. 42 ist der in den Flüssen und Teichen der centralen
Provinzen vorkommende Krokodil identisch mit dem Oberindiens,
Crocodilus biporcatus. Gavialis gangeticus kommt in diesen Pro-
vinzen nur im Mahanadi-River vor, der sich in den Meerbusen von
Bengalen ergiesst.
Rfaynchocephali. Knox machte einige Bemerkungen über die
Tuatara (Hatteria punctata Gray), indem er einige Punkte hervor-
hebt, über die seine Ansicht von Günther abweicht. Transact. and
Proc. New Zealand Institute II. p. 17.
Ameivae. Tejus rufescens Günther Proc. zool. soc. p. 541 von
Mendoza, mit Abbildungen der Köpfe dieser Art und T. teguexin
in Holzschnitt.
Ameiva bifrontata Peters Berliner Monatsber. p. 398 von Pebas.
Lacertae. Mehwald hat in Norwegen Coronella laevis im
62° n. Br. und Lacerta agilis noch im 63° n. Br. gesehen. Sitzungs-
ber. der Isis in Dresden 1870 p. 159.
Agamae. Japalura microlepis und planidorsata Jerdon Proc.
Asiat. Soc of Bengal 1870 p. 66.
Oreocalotes major Jerdon ib. p. 66.
G-onyocephalus Doriae Peters Berliner Monatsher. p. 570 von
Borneo.
Stellio Dayanus Stoliczka Proc. Asiat. Soc. 1871. p. 194 von
Hurdwar.
Iguanae. Peters charakterisirte Berliner Monatsber. p. 644
in der Gattung Tropidurus Wied vier Subgenera: 1. Tropidurus
Wied, 2. Microlophus D. B., 3. Craniopeltis Peters wohin Cr.
Grayii Bell und eine neue Art Cr. bivittata von der Galapagos-Insel
Chatam, 4. Laemopristus Peters mit einer neuen Art L. occi-
pitalis aus Peru.
Wallace sah, dass ein Phrynosoma in Californien aus den
Augen eine rothe Flüssigkeit spritzte, wie es schien zur Ver-
teidigung. Proc. zool. soc. p. 2.
Ascalabotae. W. Blanford erkannte in seinem Hemidactylus
marmoratus nur eine kleine Varietät von H. Leschenaultii : ebenso
während des Jahres 1871. 89
hält er H. Kelaarti Theob. nur für Varietät derselben Art. Proc.
Asiat. Soc. of Bengal 1871. p. 173.
Hemidactylus affinis Steindachner Wiener Sitzungsber. 62
p. 228 von Dagana und Gorea. — H. bengaliensis Anderson Jour-
nal Asiat. Soc. 40. II. p. 14 aus Bengalen; ist nach Stoliczka
Proc. Asiat. Soc. 1871. p. 193 = H. Coctaei. — H. giganteus vom
Gadavari Thal bei Badrachalam und H. (Doryura) mandelianus aus
Sikkim Stoliczka Proc. Asiat. Soc. 1871. p. 193.
Nycteridium Himalayanum Anderson Journal Asiat, Soc. 40.
II. p. 15 von Darjeeling; ist nach Stoliczka ib. p. 194 = N. pla-
tyurus Schneid.
Pentadactylus dorsalis Peters Berliner Monatsber. p. 569 von
Sarawak, Borneo. — P. Jchasiensis Jerdon Proc. Asiat. Soc. of Ben-
gal. 1870 p. Q6.
Knox weist Transact. and Proc. New Zealand Institute II.
p. 20 die Meinung zurück, als ob sich der abgerissene Schwanz von
Naultinus Greyii regeneriren könne. Als er aufmerksam die Trennung
des Schwanzes beobachtete, fand er, dass ein feiner Faden allmählich
einen Kanal des Schwanztheiles verliess, und erkannte diesen als
das Rückenmark. Das soll die Reproductionskraft unmöglich machen !
Naultinus sulphureus Buller ib. III. p. 4 von Neuseeland.
Eublepharis fasciatus Jerdon Proc. Asiat. Soc. of Bengal
1870 p. 66.
Pristurus longipes Peters Berliner Monatsber. p. 566 von Kursi
bei Aden.
Gymnodactylus incertus Peters Berliner Monatsber. p. 397 von
Pebas. — G. consobrinus Peters ib. p. 569 von Sarawak, Borneo. —
Gr. Kotschyi Steindachner Wiener Sitzungsber. 62. p. 329, Taf. I.
fig. 1 aus Gorea. — G. Lawderanus Stoliczka Proc Asiat. Soc. 1871.
p. 194 von Kumaon in Indien.
Stenodactylopsis n. gen. Steindachner Wiener Sitzungsber.
62 p. 343. Vereinigt in der Zehenbildung Eigenthümlichkeiten der
Gattung Stenodactylus und Phyllodactylus. Die Unterseite der
schwach deprimirten Zehen ist mit körnigen konisch zugespitzten
Schüppchen besetzt, auf welche zwei ovale Plättchen folgen, zwischen
welchen zuletzt ganz hinten der kleine Nagel, klauenförmig umge-
bogen, bemerkbar ist; Sclrwanz dick, spindelförmig mit viereckigen
platten Schuppen. St. pulcher Taf. II. Fig. 3—5 vom Swan River
in Neuholland.
Ptychopleurae. Chalcides (Hap alolepis) Abendrothii nov. sub-
gen. Peters Berliner Monatsber. p. 399 von Sarayacu.
Scinci. Scineus mitranus Anderson Proc. Asiat. Soc. of Bengal
1871. p. 115.
90 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Herpetologie
Hinulia gracilipes St eindachn er Wiener Sitzungsber. 62. p. 342.
Taf. V. aus Neuholland. — H. variegata Buller Transact. and Proc.
New Zealand Institute III. p. 4 von Neu-Seeland.
Mocoa striata Buller Transact. and Proc. New Zealand In-
stitute III. p. 4 von Neu-Seeland. — M. sacra Stoliczka Proc. Asiat.
Soc. 1871 p. 194 von Parisnäth in West-Bengalen.
Lygosoma (Mocoa) nitens Peters Berliner Monatsber. p. 573
von Borneo. — L. punctulatum Peters ib. p. 646 von Port Bowen,
Nordost-Australien.
Anderson bringt Proc. Asiat. Soc. of Bengal 1871 p. 180
Blyth's Eurylepis taeniolatus (Plestiodon scutatus Theob.) zur Gatt.
Mabouia, beschreibt ferner als neue Art Mabouia Blytliiana, und
stellt Plocederma melanura Blyth (Laudakia tuberculata Gray) in
die Gattung Stellio.
Eumeces (Mabouya) Nattereri Taf. III. fig. 4 aus Brasilien,
E. (Mabouya) adspersus Taf. IV. fig. 1 von den Samoa-Inseln, E.
(Mabouya) singaporensis Taf. IV. fig. 2 von Singapore, E. (Senira)
Dumerüii Taf. III. fig. 5 von Zanzebar Steindachner Wiener Sitzungs-
ber. p. 339.
Peters bemerkt, Berliner Monatsber. p. 400, dass Mabuia
fulgida Cope = Euprepea spilonotus Wiegm., und M. cuprescens
Cope = E. semitaeniatus Wiegm. ist.
Amphixestus nov. subgen. Peters Berliner Monatsber p. 573,
nur durch die ganz glatten Schuppen von Tropidophorus verschieden.
A. Beccarii von Sarawak auf Borneo.
Egernia Krefftii Peters Berliner Monatsber. p. 30 aus Sydney.
Euprepes (Biopa) punctatostriatus Peters Berliner Monatsber.
p. 31 aus Singapore. — E. (Euprepis) Isselii Peters ib. p. 567 von
Keren im Bogoslande. — E. (Tiliqua) praeornatus und percarinatus,
E. (Mabuya) parietalis Peters ib. p. 570 von Borneo, percariuatus
von Java. — E. damaranus Steindachner Wiener Sitzungsber. 62
p. 338 Taf. III. fig. 1—3 aus der Cap-Gegend. — E. novemcarinatus
von Ober-Burmah und longicaudatus von Cachar Anderson Proc. Asiat.
Soc. 40. II. p. 12.
Günther machte ein Verzeichniss der zu der Familie Sepidae
gehörigen Eidechsen, nebst Bemerkungen über einige Arten. Es
sind 2 Sphenops. 2 Scelotes. 8 Seps, 1 Thyrus, 2 Sepsina. 1 Am-
phiglossus. Sphenops meridiondlis ist ein anstatt Anisoterma sphe-
nopsiformo eingeführter Name ; Gongylus capensis Smith gehört in
die Gattung Seps, Untergattung Heteromeles, und bei Seps (Gongylus)
viridanus Grav. erörtert Verf., dass Modifikationen eines rudimentären
OrganB nicht als generische Charaktere benutzt werden können, und
dass er daher eine Reihe von Arten von dem zehenlosen Seps mo-
während des Jahres 1871. 91
nodactylus bis zu dem fünfzehigen Gongylus oeellatns in eine Gattung
Seps vereinigt. Proc. zool. soc. p. 240.
Serpentes.
W. v. Nathusius lieferte Zeitschr. für wissensch. Zoologie
21 p. 325 einen Nachtrag zu der Mittheilung über die Schale des
Ringelnattereies und die Eischnüre der Schlangen.
Typhlopidae. Typhlops porrectus aus Bengalen, Andamanensis
von den Andamanen uud Theobäldianus aus Indien Stoliczka Proc.
Asiat. Soc. of Bengal 1871 p. 191. Dieselben sind im Journal der-
selben Gesellschaft 40. part. II. p. 426 ausführlicher beschrieben und
deren Köpfe abgebildet.
Peropodes. Elliot erzählte von einem Python molurus von
30 Fuss Länge, der eine Bisonkuh mit vollkommen entwickelten
Hörnern verschlungen hatte. Report British Assoc. for theAdvanc.
of Science, Liverpool p. 115.
Calamaridae. Calamaria sumatrana und Hoevenii Edeling
Natuurk. Tijdschr. voor Nederlandsch Indie 31. 1870 p. 379 von
Sumatra.
Coronellidae. Simotes semifasciatus Anderson Journal Asiat.
Soc. 40. II. p. 16 aus Assam.
Ablabes longicaudus Peters Berliner Monatsber. p. 574 von
Borneo.
Natricidae. Tropidonotus bellulus Stoliczka Proc. Asiat. Soc.
of Bengal 1871. p. 191 aus Pegu ist im Journal Asiat. Soc. p. 432
ausführlich beschrieben und auf Taf. 26 abgebildet. — T. maculatus
Peters Berliner Monatsber. p. 575 von Borneo. — T. sikkimensis
Anderson Journal Asiat. Soc. 40. II. p. 17 von Darjeeling.
Colubridae. Zamensis ladacensis Anderson Journal Asiat. Soc.
40. II. p. 16 von Ladok.
Dryadidae. Herpetodryas quinquelineatus Steindachner Wiener
Sitzungsber. 62. p. 346 vom Rio Vaupe. — H. afßnis Steindachner
ib. p. 348 Taf. 7 fig. 4, 5 aus Brasilien.
Gyclophis rubriventer Jerdon Proc. Asiat. Soc. of Bengal
1870 p. 66.
Gonyosoma margaritatum Peters Berliner Monatsber. p. 578
von Borneo.
Phüodryas Nattereri Steindachner Wiener Sitzungber. 62. p.
345 Taf. 7 fig. 1—3 von Matogrosso.
Dipsadidae. Pareas dorsopictus Edeling Natuurk. Tijdschr.
voor Nederlandsch Indie 81. 1870 p. 383 von Sumatra.
Scytalidae. Oxyrhopus submarginatus Fetevs Berliner Monatsber.
p. 401 von Pozuzu in Peru.
Lycodontidae. Pythonopsis bomeensis Peters Berliner Monats-
92 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Herpetologie
ber. p. 576 von Borneo. Der Gattungsname Phytolopsis Gray wird
hier geändert, weil Verf. einen Schreibfehler vermutb.et. Dies kann
nicht wohl sein, da in Gray's Catalogue of Snakes das Wort mehrfach
im Texte und im Index gleichmässig gedruckt ist; eine etymologische
Erklärung des Wortes hat Gray nicht gegeben.
Homalophis n. sübgen. Peters ib. p. 577. Habitus ganz wie
Homalopsis, zwei Internasalia, Schuppen glänzend, glatt. H. Doriae
von Borneo.
Temnorhynchus lineatus Peters Berliner Monatsber. p. 568 von
Matlale in Südost-Africa. Ref. kann in diesem Augenblick nicht er-
mitteln, in welche Familie diese Gattung gehört.
Elapidae. Elaps anneUatus Peters Berliner Monatsber. p. 402
von Pozuzu in Peru.
Aus den Arten der Gattung Callophis mit den grossen Gift-
drüsen, 0. intestinalis und bivirgatus bildet Peters die Gattung
Adeniophis , und erklärt die von ihm früher Callophis furcatus
var. nigrotaeniatus genannte Schlange für eine eigene Art, die er
nun Adeniophis nigrotaeniatus nennt. Berliner Monatsber. p. 578.
Hydrini. Hydrophis granosa Anderson Proc. zool. soc. p. 190
aus Indien, Sand Heads, Hughli. — H. tuberculata. Fayreriana und
crassicollis Anderson Journal Asiat. Soc. 40. II. p. 18 von Calcutta.
Crotalini. Wallace vergleicht das Geräusch der Klapper-
schlange mit dem Zirpen einer Grille, und meint, es möchte geschehen,
um die Insecten anzulocken. (?) Proc. zool. soc. 2.
Otto machte Mittheilungen über die Geisel von Martinique,
die Lanzenschlange, Bothrops lanceolatus Wagler, und schilderte
deren Häufigkeit und Gefährlichkeit. Sitzungsber. der Isis in Dresden
1870 p. 81.
Bothrops (Teleuraspis) nigroadspersus Steindachner Wiener
Sitzungsber. 62 p. 348 Taf. 8. aus Central-Amerika.
Des Voeux beschreibt den Kampf zwischen einem Herpestes
und einem Trigonocephalus. worin der erstere Sieger war und die
Schlange verzehrte. Es war auffallend, dass der Biss der Schlange
dem Herpestes keinen Schaden that. Proc. zool. soc. p. 2. — Brown
hält ib. p. 39 Schweine für das beste Mittel, Klapperschlangen (Cro-
talus lucifer) zu vertilgen; sie sollen gegen das Gift sicher sein.
Hypnale affinis Anderson Journal Asiat. Soc. 40 II. p. 20 ohne
nähere Vaterlandsangabe.
Batrachia.
Kolazy hat Beobachtungen über Entwicklung, Alter. Lebens-
weise von Batrachiern angestellt- Sie sind sehr gefrässig und ihr
Wachsthum hängt sehr, von der Reichlichkeit der Nahrung ab.
Regeneration verlorener Körpertheile sieht er als etwas ganz Ansser-
gewöhnliches an. Verhandl. d. zool. bot. Ges. in Wien 22 p. 1267.
während des Jahres 1871. 93
Ecaudata.
C o p e critisirt Günther's Eintheilung der Batrachia anura im
Catalog des Britischen Museums. Dana and Silliman Amer. Journal
3. Series Vol. I. p. 198.
Beale untersuchte die feinere Anatomie der Papillen auf der
Zunge von Hyla arborea. Lankaster Quarterly Journal of micro-
scopical science IX. 1869 p. 1 — 18.
Beale über den Bau und die Anordnung der Nerven in den
Herzohren des Frosches. Lankaster Quarterly Journal of micro-
Bcopical science IX. 1869 p. 152.
Oellacher, üeber die erste Entwickelung des Herzens und
der Pericardial- oder Herzhöhle bei Bufo cinereus. M. Schultze's
Archiv für mikrosk. Anat. VII. p. 157 mit Tafel 16.
Parker hat in Philosophical Transactions of the Royal Soc.
of London. Vol. 161 Part, I. 1871 p. 137—211 eine ausführliche
Abhandlung über den Bau und die Entwickelung des Schädels des
gemeinen Frosches (Rana temporaria) bekannt gemacht. Es werden
11 Stadien in der Entwickelung unterschieden. Dann vergleicht
Verf. den Froschschädel mit dem der übrigen Anuren, der Fische,
der Urodelen, der Reptilien und Vögel (Sauropsiden) und der Säuge-
thiere. — Vergl. auch Annais nat. hist. VII. p. 297.
Golubew gab Beiträge zur Entwickelungsgeschichte der
Batrachier (das Ei von Bufo cinereus zur Zeit der Entwickelung
der Rusconischen Höhle). Untersuch, aus dem Institute für Physio-
logie und Histologie in Gratz herausgeg. von Rollett.
Sahlertz lieferte Vidensk. Meddelelser fra Naturh. Forening
i Kjöbenhavn 1871 p. 109—134 einen Beitrag zu der Biologie der
dänischen Frösche und Kröten. Er erörtert namentlich nach eigenen
Beobachtungen die Frage über die Zeit, wann die schwanzlosen Ba-
trachier ihre Winterquartiere verlassen, und wann ihre Paarung
vor sich geht ; ferner wo sie den Winter zubringen.
Wander-Aitken erzählt Transact. and Proc. New-Zealand
Institute II. p. 87, dass in Australien oft auf einer Fläche von 5000
Quadratmeilen Monate selbst Jahre lang kein Wasser vorhanden ist,
und dass dennoch nach einem Regen junge Frösche in Menge um-
herschwimmen. Durch einen Knaben aufmerksam gemacht, fand er in
der Erde Lehmballen von 8 Zoll Durchmesser, äusserlich ganz trocken,
in deren Innern sich aber ein Frosch mit mehr als einer halben
Pinte guten, klaren, kalten Wassers befand. Dies scheint die Art
zu sein, wie sich die Frösche, während der trockenen Zeit am Leben
erhalten. Verf. geht wohl zu weit, wenn er damit die oft erzählte
Erscheinung erklären will, dass Frösche so für lange Zeit in der
Kohle oder in Felsen leben könnten.
Leydig sagt Württembergische Jahreshefte 27 p. 206, dass
94 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Herpetologie
die sogenannnte Hexenbutter oder Sternschnuppenmaterie nichts
anderes als die höchst gequollenen und daher geborstenen Eileiter
von Fröschen sind, und vermuthet, dass die Massen von Vögeln aus-
gewürgt wurden, deren Magen diese in so hohem Grade quellende
Substanz Beschwerden verursachte. Dieselben Körper untersuchten
schon Galle und Cohn in den Abhandl. der Schles. Gesellsch.
1868 — 69, und kamen zu demselben Resultat. Vergleiche auch
Steinworth über Sternschnuppenschleim. Juhreshefte des naturw.
Vereins für das Fürstenthum Lüneburg IV. p. 132.
Ranae. Rana brevipalmata Peters Berliner Monatsber. p. 646
aus Pegu. — R. sikimensis, Jerdon Proc. Asiat. Soc. of Bengal 1870
p. 66. — R. Gammii Anderson Journal Asiat. Soc. 40. II p. 21 von
Darjeeling.
Pyxicephalus Khasianus Anderson Journal Asiat. Soc. 40. II.
p. 23 vom Khasi-Gebirge.
Chiroleptes brevipes Peters Berliner Monatsber. p. 648 von
Port Bowen.
Hylae. Hylorana pipiens Jerdon Proc. Asiat. Soc. of Bengal.
1870 p. 66. — H. granulosa von Pegu und Assam, und monticöla
von Darjeeling Anderson Journal Asiat. Soc. 40. II. p. 23.
Limnodytes luctuosus Peters Berliner Monatsber. p. 579 von
Sarawak.
Ixalus pictus Peters ib. p. 580 von Sarawak. — I. punctatus
vom Nilghirigebirge uud lateralis ohne Fundortsangabe Anderson
Journal Asiat. Soc. 40. II. p. 27.
Polypedates raniceps Peters ib p. 580 von Sarawak. — P.
biscutiger Peters ib. p. 649 von Ceylon. — P Mackloti Peters (Hyla
Mackloti Schlegel) ib. p. 650 von Java. — P. tuberculatus Anderson
Journal Asiat. Soc. 40. II. p. 26 aus Assam.
Rhacophorus maculatus Anderson Journal Asiat. Soc. 40. II.
p. 27 vom Khasi-Gebirge.
Hyla granulata Peters Berliner Monatsber. p. 651 von Porto
Alegre.
Bufones. Calophrynus punctatus Peters Berliner Monatsber.
p. 579 von Sarawak auf Borneo.
Bufo divergens Peters Berliner Monatsber. p. 579 von Sara-
wak. — B. sumatranus Peters ib. p. 648 aus dem innern Sumatra.
Gaudata.
Salamandrina Einige Bemerkungen von Leydig über die
Verbreitung von Salamandra maculosa und über einige Tritonen s.
in den Württembergischen Jahresheften 27 p. 207.
Landois zählte die in der Umgegend von Münster in West-
falen vorkommenden Arten der Molche auf, und charakterisirte sie:
während des Jahres 1871. 95
3 Triton und 1 Salamandra. Verhandl. des naturhist. Vereins der
prenss. Rheinlande und Westphalens, Correspondenzbl. p. 51.
Glaser schilderte das Betragen der Wassermolche im Stuben-
aquarium und im Freien. Zool. Garten p. 257.
Tylototriton n. gen. Anderson Proc. zool. soc. p. 423 hat den
Namen von einer Reihe grosser runder, knopfförmiger Drüsenhöcker
an jeder Seite bis zum Schwänze. T. verrucosus aus dem westlichen
Yunan in China, ist in Holzschnitt abgebildet.
Humphry beschrieb die Muskeln und Nerven des Crypto-
branchus japonicus. Journ. of anat. and physiol. VI. p. 1 — 61 und
pl. I— IV.
Blanchard beschreibt einen neuen Riesen-Salamander aus
dem westlichen China, Siebdidia Daviäiana. Comptes rendus 73
p. 79; Annais nat. hist. VIII. p. 212.
Ichthyodea. Panceri stellte in Rücksicht auf die Thatsache,
dass die Axelotls im Larvenzustande fruchtbar sind, und dass es
zwei geschlechtsreife Formen von Amblystoma gebe, die Frage auf,
ob das männliche Amblystoma den weiblichen Axelotl, und ob der
männliche Axelotl das weibliche Amblystoma befruchten kann? Eine
Frage die allerdings der Lösung werth wäre. Bullettino dell' Assoc.
dei Naturalisti e medici 1870. No. 1 p. 12.
C op e hebt hervor, dass die Metamorphosen, welche man bisher
am Axelotl beobachtet hat, sich alle auf Siredon lichenoides, ti-
grinum und mavortium beziehen, dass aber von Siredon mexicanus
Shaw, der die Seen Mexico's bewohnt, noch keine Metamorphose ge-
sehen worden ist. Auch sind noch keine Amblystoma aus Mexico
südlich von Tamaulipas und Chihuahua gebracht worden. Unter
seinen zahlreichen Exemplaren von S. mexicanus zeigte keines eine
Neigung sich zu metamorphosiren. Dana and Silliman Amer. Journ.
3. Series I. p. 89: Annais nat. hist. VII. p. 246. Vergl. dazu eine
Bemerkung von Sclater Proc. zool. soc. p. 41.
Ehrenberg stellte wieder seinen nunmehr zwölf Jahre bei
ihm in Gefangenschaft lebenden Proteus anguinus vor. Er frisst
Regenwürmer, scheint sich nicht zu häuten, seine Kiemen sind kurz
und weisslich, farblos geworden, so dass die Lungenathmung vor-
waltend geworden ist. Sitzungsber. der Ges. naturforschender Freunde
zu Berlin 1871 p. 2.
Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
während des Jahres 1871.
Von
Troschel.
Von Aug. Dumerii's Histoire naturelle des poissons
ou Ichthyologie generale erschien Paris 1870 der zweite
Band, der mir erst jetzt zur Einsicht vorgelegen hat. Er
enthält die Ganoiden, Dipnoi und Lophobranchier. Auf
das Einzelne dieser Gruppen kommen wir unten zurück.
Cope legte im ersten Abschnitt seiner Abhandlung
Beitrag zu der Ichthyologie der kleinen Antillen. Amer.
philos. soc. Vol. XIV p. 445 — 483 seine Ansichten über
das System der Fische dar. Wir müssen die Hauptzüge
desselben hier mit den Worten dos Verf. wiedergeben.
Zunächst werden fünf Subclasses unterschieden.
I. Holo cephali, The hyomandibular bones continuous with
the cartilagiuous craniurn, with a rudimental opercularbone ; two
distinct pelvic bones on each side: derivate radii sessile on the sides
of the basal bones of the limbs, separated from the articulation.
II. Selachii, Hyomandibular boue articulated with the craniurn; no
opercular pelvic bones; derivate radii ^essile on the sides of the
basal bones of the limbs, rarely entering articulation. III. Dipnoi.
Hyomandibular bone articulated ; rudimental opercular bones ; a
median pelvic element; limbs consisting of the axial line commencing
with the metapterygium and with multiplied axial and often lateral
segments. IV. Crossopterygia, Hyomandibular anfciculated, oper-
während des Jahres 1871. 97
cular bones well developed. a single ceratohyal ; no pelvic elements ;
limbs having derivative radii ofthe primary series on the extremity
of the basal pieces, which are in the pectoral, metapterygium,
inesopterygium and propterygium. V. A ctinopteri, Opercular
bones vell developed on separate and complex Suspensorium ; a double
ceratohyal, no pelvic elements; primary radii of fore limb parallel
with basilar elements, and entering the articulation with scapular
arch: basilar elements reduced to metapterygium and very rarely
mesopterygium; primary radii of posterior limb generally reduced
to one rudiment. — Von diesen Unterklassen kommen hier nur die
beiden letzten in Betracht. Die Crossopterygia zerfallen in drei Ord-
nungen, Hapiistia, Cladistia und Acthristia, von denen nur die Cla-
distia in der Familie Polypteridae unter den jetzt lebenden Fischen ver-
treten sind. Die Actinopteri zerfallen in drei Tribus : 1. Chondrostei,
eine ganz Reihe von Basilar-Segmenten der abdominalen Bauchflosse,
keine Kiemenstrahlen. Hierher zwei Ordnungen a. Selachostomi mit
der Fam. Spatularidae, b. Glaniostomi mit der Farn. Accipenseridae.
2. Phy so Storni, Basilar-Segmente der Bauchflossen rudimentär,
Flossen abdominal, Parietal-Knochen gewöhnlich vereinigt, Kiemen-
strahlen, Schwimmblase mit einem ductus pneumaticus. Sie werden
folgendermassen eingetheilt: I. Ein Präcoracoid-Bogen. A. Ein Co-
ronoidbein. 1. Ginglymodi Oberkiefer aus einigen Stücken, Wirbel
opisthocoel (Lepidosteidae), 2. Halecomorphi Oberkiefer nicht quer-
getheilt, Wirbel amphicöl (Amiidae). AA. Kein Coronoidbein. a.
Kein Symplectic. 3. Nemathognatlii Pterotic einfach, vordere Wirbel
mit Gehörknöchelchen, Supraoccipitale und Parietalia verwachsen
(Siluridae, Aspredinidae, Hypophthalmidae). 4. Scyphophori Pterotic
annular, eine Höhle einschliessend, die durch einen besonderen
Knochen geschlossen ist; Parietalia getrennt, Wirbel einfach (Gym-
narchidae, Mormyridae). b. Symplectic vorhanden. 5. Plectospondyli
vordere Wirbel verwachsen und mit Gehörknöchelchen (Catostomidae,
Cyprinidae, Cobitidae, Sternopygidae, Characinidae, Erythrinidae).
6. Isospondyli vordere Wirbel ähnlich, getrennt, ohne Gehör-
knöchelchen (Notopteridae, Hyodontidae, Albulidae, Elopidae, Au-
lopidae, Coregonidae, Lutodiridae, Sauridae, Gonorhynchidae, Ale-
pocephalidae, Salmonidae, Chirocentridae, Clupeidae, Osteoglossidae,
Heterotidae, Galaxiidae). IL Kein Praecoracoidbogen. A. Schulter-
gürtel am Schädel aufgehängt, a. Symplectic vorhanden. 7. Haplomi
Pterotic und vordere Wirbel einfach, Parietalia durch Supraoccipitale
getrennt (Esocidae, Umbridae, Cyprinodontidae, Hypsaeidae). 8.
Glanencheli vordere Wirbel modificirt, Parietalia vereinigt, Brust-
flossen (Gymnotidae). b. Symplectic fehlt. 9. Ichthyocephali vordere
Wirbel einfach, ein Präoperculum und Oberkiefer, keine Brustflossen
(Monopteridae). AA. Schultergürtel frei hinter dem Cranium.
Archiv für Naturg. XXXVIII. Jahrg. 2. Bd. G
98 Troschel: Beriebt üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
a. Präoperculum vorhanden. 10. Hdlostomi. Ein Symplectic, Ober-
kiefer wohl entwickelt, keine Brustflossen (Symbranchidae). 11. En-
chelycephali kein Symplectic, Oberkiefer fehlt oder ist verwachsen,
Brustflossen (Congridae, Anguillidae, Gymnothoracidae). b. Prae-
operculum fehlt oder rudimentär. 12. Colocephali Symplectic, Ober-
kiefer und Brustflossen fehlen, kein Perygoid (Muraenidae). 3. Phy-
soclysti. Kein Ductus pneumaticus, Parietalia durch das Supra-
occipitale getrennt; Bauchflossen meist thoracisch oder jugular,
keine Basilarsegmente. Sie zerfallen in zehn Ordnungen : A. Scapula
an den vorderen Wirbeln aufgehängt. 1. Opisthomi die oberen
Branchihyalia und Pharyngealia vorhanden, die unteren geschieden,
Maxillare deutlich, keine Interclaviculae (Mastacembelidae). AA.
Scapula am Cranium durch ein Posttemporale aufgehängt, a. Ven-
tralen abdominal. 2. Percesoces, Kiemenbogen wohl entwickelt, die
Knochen vorhanden mit Ausnahme des vierten oberen Schlund-
knochens, der dritte sehr breit, untere Schlundknochen getrennt,
(Ophiocephalidae, Mugilidae, Atherinidae). 3. Synentognathi. Dritter
und vierter oberer Schlundknochen sehr breit, die unteren ver-
wachsen (Scomberesocidae). 4. Hemibranclüi. Obere Branchihyalia
und Pharyngealia in geringerer Zahl, die unteren Schlundknochen
getrennt (Gasterosteidae, Fistulariidae, Centriscidae, Amphisilidae).
5. Lophobranchii. Obere Branchialia und Pharyngealia und die ba-
salen Branchihyalia fehlend, Kiemen büschelförmig (Solenostomidae,
Syngnathidae, Hippocampidae). b. Ventralen thoracisch oder jugular.
6. Pediculati. Der erste Wirbel durch Naht mit dem Schädel ver-
einigt. Epiotica hinter dem Supraoccipitale vereinigt, die basalen
Pectoralstrahlen verlängert (Antennariidae. Lophiidae). 7. Heteroso-
mata. Hintere Kopfgegend normal, vordere so gedreht, dass beide
Augen an einer Seite liegen, untere Schlundknochen getrennt (Pleu-
ronectidae). 8. Plectognathi, Schädel normal, Zwischenkiefer meist
hinten mit den Oberkiefern verwachsen, und das Dentale mit dem
Articulare, Schlundknochen getrennt (Triacanthidae, Balistidae, Te-
trodontidae, Diodontidae, Ostraciontidae). 9. Percomorphi. Schädel
normal, Kieferknochen getrennt, untere Schlundknochen getrennt.
Diese grosse Ordnung theilt Verf. in Unterordnungen: Anacanthini
(Gadidaej Macruridae), Haplodoci (Batrachidae), Scyphobranchii (Ura-
noscopidae, Gobiidae, Blenniidae, Gobiesocidae, Cottidae), Epelasmia
(Acronuridae mit Amphacanthus, Chaetodontidae), Rhegnopteri (Tri-
chiontidae oder Polynemidae), Distegi (Scombridae, Xiphiadidae,
Trichiuridae ; Berycidae, Percidae z. Th. ; Sparidae, Seiaenidae,
Pristipomatidae, Triglidae z. Th. ; Sillaginidae, Carangidae, Eche-
neidae, Gerreidae, Heterognathidae, Amblodon. Liostomus; Pterois,
Synanceia, Scorpaena, Pelor, Peristedion, Trigla z. Th.), Labyrinthici
(Osphromenidae , Anabantidae, Helostoma). 10. Pharyngognathi,
während des Jahres 1871. 99
Schädel normal, Kieferknochen getrennt, dritter oberer Schlund-
knochen sehr breit, mit dem Schädel articulirt, untere Schlund-
knochen verwachsen (Embiotocidae, Chromididae, Labridae, Scaridae).
Costa schrieb in Atti della R. Accademia della
scicnze fisiche e matematiche Vol. III. eine Abhandlung
über die Otolithen der lebenden Fische des Mittelmeers in
den Neapolitanischen Provinzen. Er macht auf die Wichtig-
keit des Studiums der Otolithen aufmerksam, bespricht dann
ihre äussere Form, die innere Structur und ihre Bedeutung,
und beschreibt schliesslich die Otolithen von Sciaena
umbra, Phycis mediterraneus und Fieraster Fontanesii.
Auf drei Tafeln sind Otolithen abgebildet.
Reichert sprach über den sogenannten Seitenmuskel
der Fische und erläuterte einige der specifischen Formen
desselben durch Präparate und Zeichnungen. Sitzungsber.
der Ges. naturforschender Freunde zu Berlin 1871 p. 14.
Brehm theilte seine Beobachtungen über Bewe-
gungen verschiedener Fische des Berliner Aquariums mit,
und erwähnte namentlich Conger vulgaris, Gunellus vul-
garis, Platessa vulgaris und flesus, Rhombus maximus,
Solea vulgaris, Raja, Frachinus draco und Trigla hirundo.
Sitzunsbcr. der Ges. naturforschender Freunde zu Berlin
1871 p. 85.
Mivart schrieb eine Abhandlung über das Wirbel-
thier-Skelet, in welcher er die Beziehungen zwischen
einigen Theilen desselben erörtert. Er behandelt folgende
Fragen: 1. Welches ist der beste Weg a priori eine all-
gemeine Ansicht von dem Axen-Skelet zu gewinnen, 2.
Was ist die eigentliche Natur der Rippen, der Querfort-
sätze und des Brustbeins, 3. Was ist die eigentliche Natur
der Kiemenbogen und in welcher Beziehung stehen sie
zu den Rippen, 4. was ist die eigentliche Natur des
Zungenbogens, des Unterkiefers und anderer vorderer
Bildungen, 5. Welche Beziehung haben die „Chevron-
bones", Y-förmige Knochen, die sich so oft unter den
Schwanzwirbeln der Thiere über der Klasse der Fische
finden? Wir führen die Arbeit hier an, weil die meisten
Figuren der zugehörigen Tafel Skelettheile von Fischen
darstellen. Transactions LinneanSoc. of London 27. p. 369.
100 T rose hei: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
Macdonald über die Homologien des Wirbel-Ske-
letes der Knochenfische und des Menschen, und giebt den
Knochen der Brustflossen eine andere Deutung als Owen.
Proc. Royal Soc. of Edinburgh 1871 p. 472.
H u m p h r y beleuchtete die homologischen Be-
ziehungen der mittleren und seitlichen Flossen der Knochen-
fische zu einander. Er setzt auseinander, dass die mittleren
Flossen doch auch eigentlich aus seitlichen zusammen-
gesetzt sind. Die meisten Abbildungen sind vom Hecht
entnommen, in Fig. 6 ist auch das Becken von Ciarias
anguillaris dargestellt. Journ. of anatomy and physiology
V. 1871 p. 59 und Taf. II.
Mörch vermuthet, dass das räthselhafte Pleuro-
dietyon Goldfuss zu einem Theile eines Knorpelfisches
gehöre. Annais nat. hist. VII. p. 389.
Ichthyologisches aus meinen Tagebüchern von 1867
bis 1869 von A.J. Ja ekel, Correspondenzblatt des zool.-
mineral. Vereins in Regensburg 24. p. 130 — 147. Einleitend
sagt Verf., dass er erneute überzeugende Beweise für die
Rückkehr der Bastarde in die reine Form der einen oder
der anderen Art, aus der sie entstanden sind, beizubringen
im Stande sei. Dann folgen die Notizen über die ein-
zelnen Arten. Er fand einen zwittrigen Karpfen, die
übrigen Bemerkungen beziehen sich auf Vorkommen und
hybride Formen.
Darwin gab in seinem Buche „die Abstammung des
Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl. U ebersetzt
von Victor Carus" II. p. 1 — 31 eine hübsche Zu-
sammenstellung der seeundären Geschleehtscharakterc der
Fische und Amphibien, und schildert die Brutpflege
einiger Arten.
Alexander Smith beobachtete wahren Herma-
phroditismus bei Morrhua vulgaris und bei Clupea haren-
gus. Journal of anatomy and physiology IV. 1870 p. 256.
Panceri ist durch seine Untersuchungen über das
Leuchten todter Thiere, namentlich Fische, zu der Ueber-
zeugung gekommen, dass es das Fett ist, welches dieses
Leuchten hervorbringt. Bulletino dell' Assoc. dei Na-
turalisti e Medici 1870 p. 124.
während des Jahres 1871. 101
Panceri wiederholt seine Ansicht, dass das Leuchten
einiger Fische, wie Trachypterus iris, Scymnus fulgens,
durch das Fett entstehe, wenn es in Berührung mit der
Luft in langsame Oxydation gerathe. Intorno alla luce
emanata dal grasso. Rendiconto della R. Accademia delle
sc. fisiche e matematiche Aprile 1871. — Derselbe er-
wähnte später ib. Settembre 1871 eines Falles, wo Jemand
nach reichlichem Genüsse von Fischen einen leuchtenden
Schweiss hatte.
Pouch et stellte Untersuchungen über den Farben-
wechsel bei den Fischen an. Comptes rendus 72 p. 866.
Die Farbe hängt von einer eigenen Färbung der Gewebe
und von verschiedenen Pigmenten ab. Letztere liegen
unter der Epidermis, und können sich zusammenziehen
und ausdehnen (also Chromatophoren!).
Stieda suchte der Frage über das Alter der Fische
durch Nachforschung in der älteren und neueren Litte-
ratur näher zu treten, und glaubt dass die Behauptung
vom hohen Alter der Fische in das Reich der Fabel und
Sage zu versetzen sei. Er schliesst jedoch die Möglich-
keit eines höheren Alters als 20 Jahre nicht aus. Sitzungs-
ber. der Dorpater Naturforscher-Gesellschaft III. p. 127.
Lühder theilte mit, dass in den alten Moorteichen
bei Greifswald im strengen Winter 1870 — 71 grosse
Mengen von Esox lucius und Tinea vulgaris erstickt sind.
Man soll also bei Zeiten Löcher ins Eis hauen. Mit-
theil, naturw. Verein von Neu- Vorpommern und Rügen.
III. p. 86.
Stcindachner erstattete in Annual Report of the
Museum of comparative zoology at Harward College in
Cambridge for 1870 p. 12 den Bericht über die Fisch-
sammlung. Er untersuchte 3600 Fische von der Brasi-
lianischen Küste, gesammelt durch L. Agassiz, und unter-
schied 170 Arten, ferner die Fische von den Societäts-,
Kingsmill- und Sandwichinseln, 2400 Stück in 250 Arten.
Er beabsichtigt einen Catalog derselben zu veröffentlichen.
Day vertheidigte sich gegen die Kritik Günther's
in dessen Record for 1869, rücksichtlicTi Serranus lan-
102 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
ceolatus, der Gattung Eutropiichthys und Pseudeutropius
taakree. Proc. zool. soc. p. 634.
Günther berichtigte Proc. zool. soc. p. 761 diese
Bemerkungen von Day. Danach ist die Behauptung,
dass Pseudeutropius longimanus auf Sykes' Hypo-
phthalmus taakree, Originalexemplar, gegründet sei, irr-
thümlich. Ferner legte er durch eine Copie der Zeichnung
von Buchanan dar, dass Cyprinus Bata 10 verzweigte
Strahlen der Rückenflosse besitzt.
In einem Buche von H. v. Haurowitz „Die organische
Entwickelung des Menschen nach den neuesten Natur-
forschungen, Wien 1871", sind in dem Abschnitte über
das Meer p. 112 einige statistische Angaben über den
Fischfang zusammengestellt, namentlich über den Häring
und den Kabliau.
Costa hat Untersuchungen über den marinen Fisch-
fang mittelst der Mala-terragna, Cyclamen neapolitanum,
angestellt. Rendiconto dell' Acad. sc. fis. e mat. IX.
1870. Napoli p. 122.
Oest erby zeigte an, dass die Gesellschaft für künst-
liche Fischzucht in Odense in der Zeit von 1869 — 70
günstige Resultate gehabt hat. Tidsskrift for Fiskeri
V. p. 250.
Europa. Capitain Hammer Hess in Tidsskrift for
Fiskeri V. p. 217 — 249 einen Auszug aus seinem Tage-
buch über die Fischerei bei Island im Jahre 1868 ab-
drucken. Soli fortgesetzt werden.
Von Fischen fand Heuglin bei Nowaja-Semlja
mehrere Gadus- Arten, Cottus scorpio, zwei Liparis, Salmo
alpinus und einige andere noch nicht bestimmte Arten.
Bull. St. Petersbourg 16 p. 568.
Mäklin zeigte an, dass Cobitis (Acanthopsis) taenia
in Björkö und Gobio fluviatilis bei Seitskär vorkommt.
Oversigt Finska Vetensk. Societ. Förhandlingar 13. p. 11.
Anderson erstattete Bericht über die Fischerei in
Limfjorden vom 1. April 1869 bis 3. März 1870 in Tids-
skrift for Fiskeri V. p. 214- 216.
Weyland erstattete Bericht über die Seefischereien
während des Jahres 1871. 103
in der Provinz Groningen im Jahr 1870. Tijdschrift ter
bevordering van Nijverheid. 1871. p. 125.
Van Beneden hat in den Memoires de l'Acad.
roy. de Belgique tom. 38. 1871 eine Abhandlung ver-
öffentlicht, Les poissons des cotes de Belgique leurs para-
sites et leurs commensaux. Verf. hat den Schwerpunkt
dieser Schrift in die Aufzeichnung der Parasiten und
Tischgenossen der einzelnen Fisch- Arten gelegt, indessen
ist zugleich auch das Verzeichniss der Fische von Werth.
Es enthält 16 Selachier, 1 Ganoiden, 37 Acanthopterygier,
32 Malacopterygii, 1 Plectognathi, 4 Lophobranchii, 2 Cy-
clostomi. Die sechs Tafeln stellen parasitische Crustaceen
und Eingeweidewürmer dar.
Heutelbeck spricht sich über die Abnahme des
Fischreichthums in der Lenne aus, und giebt als Gründe
dafür an: die Stromdampfschifffahrten, die Stauwehran-
lagen und Verunreinigungen durch industrielle Anlagen.
Der durch die Kultur der Uferstrecken, namentlftfh durch
Abholzungen, mittelbar entstehende Nahrungsmangel ist
vom Verf. nicht in Betracht gezogen. Verhandl. d. naturh.
Vereins der preuss. Rheinlande und Westphalens. Oor-
respondenzbl. p. 64.
Lori stellte die Fische in der Umgegend von Passau
zusammen. Die Gegend wird sehr fischreich genannt.
Sie vertheilen sich nach den Gattungen so: 1 Perca,
l Lucioperca, 2 Aspro, 2 Acerina, 1 Cottus, 1 Lota,
1 Silurus , 1 Cyprinus , 1 Carassius , 1 Tinea, 1 Go-
bio, 1 Rhodens, 3 Abramis, 1 Blieca, 1 Pelecus, 2 Al-
burnus, 1 Aspius, 1 Idus, 2 Leuciscus, 2 Squalius, 1 Pho-
xinus, 1 Chondrostoma, 1 Thymallus, 1 Salino, 1 Trutta,
1 Esox, 2 Cobitis, 1 Acipcnser, 1 Petromyzon. Stichlinge,
Schollen, Häringe und Aale fehlen gänzlich. Neunter
Jahresber. des naturhist. Vereins in Passau p. 99.
Die Fische Tirols und Vorarlbergs von Heller.
Zeitschr. des Ferdinandeum für Tirol und Vorarlberg.
16 p. 295—369. Eine Reihe von 70 Seen und zahlreiche
Bäche und Flüsse, die drei Stromgebieten angehören,
dem Rhein-, Donau- und Etschgebiet, die drei verschie-
denen Meeren zufliessen, lassen auf eine reichliche Fisch-
104 Troschel: Bericht üb. d. Leist. m d. Ichthyologie
fauna schliessen. In den erwähnten Gewässern wurden
bisher 46 Arten aufgefunden, und zwar so, dass man aus
jedem Stromgebiete 28 bis 29 Arten kennt. Allen drei
Stromgebieten gemeinsam sind 14 Arten: Perca fluviatilis,
Cottus gobio, Cyprinus carpio, Tinea vulgaris, Gobio flu-
viatilis, Scardinius erythrophthalmus, Phoxinus laevis,
Thymallus vulgaris, Salmo salvelinus, Trutta fario und
lacustris, Esox lucius, Cobitis barbatula und taenia. Das
Donaugebiet zeichnet sich aus durch Salmo hucho, Chon-
drostoma Rysela und Telestes Agassizii, wogegen Gaste-
rosteus aculeatus und Anguilla vulgaris gänzlich fehlen.
Im Rheingebiete fehlen die drei erstgenannten Arten,
dagegen kommen Anguilla vulgaris, Coregonus fera und
hiemalis vor. Die Fauna der Gewässer der Südseite zeigt
dagegen eine auffallende Verschiedenheit von jener des
Nordens; es fehlen die Gattungen Abramis, Blicca und
Coregonus gänzlich, dagegen finden sich Arten von Blen-
nius, Gobius und Alosa, die im Norden fehlen. Eine
Ausnahme macht hier bloss das Vorkommen von Abramis
brama in den Montigglerseen, was Verf. durch künstliche
Uebertragung erklärt, und von Coregonus Wartmanni in
den oberen Etschseen, die überhaupt noch eine mehr
nördliche Fauna haben. Andere Gattungen sind in den
südlichen Gewässern durch ähnliche vicarirende Arten
vertreten, und selbst Arten, die als identisch mit den
nordischen angesehen werden, zeigen doch Abweichungen
in Form, Farbe und Zeichnung. In Rücksicht auf die
Zahl der Individuen ist eine grosse Armuth zu bemerken,
die jedoch erst neuerlich eingetreten sein soll. Die ein-
zelnen Arten werden dann charakterisirt und namentlich
die Fundorte und die Laichzeit angegeben.
Costa hat eine Abhandlung über den Fischfang im
Golf von Neapel geschrieben: La pesca nel Golfo di Na-
poli. Atti dcl R. Istituto d'incoraggiamento di Napoli.
VII. 1870. p. 33—128. Er beschreibt die Geräthe, wie
sie für die verschiedenen Thiergruppen angewendet werden,
und fügt dann ein Verzeichniss der essbaren Fische bei,
welches 194 Species enthält; nur die wissenschaftlichen
und die ortsüblichen Namen. Dazu kommen dann 24
während des Jahres 1871. 105
Crustaceen, 44 Mollusken, 2 Echiuodermen, 1 Polyp, die
als Nahrungsmittel benutzt, und deshalb gefangen werden.
Der Elcnco sistematico degli animali delMare adri-
atico riuniti nella separata divisione della Fauna adriatico
del Museo, von welchem ich vermuthe, dass er von
Stossich verfaast ist, und sich auf das Triester Museum
bezieht, weist für die adriatische Fauna 245 Fische nach,
nämlich 1 Cyclostomen, 8 Lophobranchier, 3 Plecto-
gnathen, 10 Physostomi abdominales, 6 Physostomi apodes,
22 Anacanthini, 29 Pharyngognathi, 121 Acanthopteri,
4 Ganoiden, 30 Selachier.
Africa. Playfair und Letourneux schilderten
Annais nat. hist. VIII. p. 373 das hydrographische System
Algeriens, als eine Einleitung zu der Betrachtung über
die Verbreitung der Süsswasser-Fische daselbst. Das
Land besteht aus drei Regionen, dem Teil, den Hoch-
ebenen und der Sahara. Das Teil hat 16 Arten Fische,
von denen nur zwei allen drei Regionen gemein sind,
Barbus callensis und Anguilla vulgaris; Leuciscus cal-
lensis ist dem Teil und den Hochebenen gemein, und
Cyprinodon calaritanus lebt im brakischen Wasser des
Sees Bou-Kamira im Teil und in dem salzigen Wasser
des Oued Ghir; 11 Arten sind also dem Teil eigen-
thümlich. Den Hochebenen sind nur zwei Arten eigen-
thümlich, Tellia apoda und Cyprinodon iberus, welcher
letztere jedoch auch in Spanien gefunden wird. In der
Sahara leben nur Anguilla vulgaris, Cyprinodon calari-
tanus, Chromis nilotica und Chromis Tristrami. Algerien
besitzt nur fünf ihm eigenthümliche Arten. Als Nahrung
werden nur der Aal und die zwei Barbus benutzt. Nach
Gattungen vertheilen sich die Algerischen Süsswasser-
fische wie folgt: 2 Gobius, 1 Blennius, 1 Cristiceps, 1
Atherina, 2 Mugil, 1 Gasterosteus, 2 Chromis, 1 Salmo,
2 Cyprinodon, 1 Tellia, 1 Carassius (auratus domesticirt),
1 Leuciscus, 2 Barbus, 1 Clupea, 1 Anguilla, 1 Syn-
gnathus n. sp.
Bianconi beschreibt im Abschluss seiner Speci-
niina zoologica Mosambicana einige Fische, die er mit
Zweifel zu folgenden Arten stellt: Seriola Dussumieri
10(i Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
C. V., Gobius nudieeps Val., Pristis pectinatus Lath.,
Cobitiä punetifer Casteln. Memoric dclla Accadcmia di
Bologna IX. 1869 p. 201.
Von Klunzinger's Synopsis der Fische des Rothen
Meeres, von der im vorigen Jahre der erste Theil er-
schienen war, erhielten wir im 21. Bande der Verhandl.
der zool. bot. Gesellseh. in Wien p. 441 — 688 den Schluss-
thcil. Darin sind die Familien Sc omb er oidei mit 3
Seomber, 1 Thynnus, 1 Pelauiys, 1 Cybiurn, 1 Naucrates,
1 Elacate; 1 Echeneis; 1 Coryphaena; 3 Chorinemns,
2 Traehynotus; 2 Seriola, 1 Seriolichthys ; 21 Caranx,
wovon 4 neu; 5 Equula, 2 Gazza, X iph io idei mit 2
Histiophorus, P emp her oidei mit 1 Pempheris und 1
Pempherichthys n. gen., Trichiur oidei mit 1 Trichi-
urus, Gobi oidei mit 13 Gobius, wovon 1 neu, 1 Apo-
crvptes neu, 2 Gobiodon, 2 Eleotris neu, 2 Gobiosoma
einer neu, 1 Astcrropteryx, 1 Periophthalmus; 1 Callio-
nvjnus; 1 Opisthognathie, Blennioidei mit 9 Salarias,
4 Blennius wovon 2 neu, 5 Petroskirtes einer neu, 2 Tri-
pterygium einerneu, P ed iculat i mit 3 Antennarius und
1 Batrachus, Teuthyes mit 4 Amphacanthus, Acan-
t hur oidei mit 8 Acanthurus, 2 Acronurus (den A. ar-
genteus GV. Var. nennt Verf. lineolatus), 4 Naseus einer
neu, Au/ostomi mit 2 Fistularia eine neu, 2 Amphisile,
Fseudochromides mit 2 1 lesiops und 2 Pseudochromis. —
Dann folgen die Familien der Acanthopteri pharyngo-
gnathi : P omace ntro ide i mit 1 Amphiprion, 4 Dascyllus,
6 Pomaeentrus einer neu, 7 Glyphidodon einer neu, 1 He-
liastes neu, Lahr oidei mit 1 Chilio, 4 Novacula, 2 An-
ampses, 2 Gomphosus, 3 Julis einer neu, 3 Coris, 4 Ste-
thojulis, 5 Platyglossus, 1 Ueniigymnus, 2 Labroides,
2~Cossyphus, 1 Xiphochilus, 1 Duymaeria, 7 Chilinus,
1 Pseudochilinus, 1 Scarichthys, 1 Callyodon, 10 Pseu-
doscarus (Sc. psittacus Forsk. uec Linne wird in Ps.
Forskalii umgetauft). — Unter deu Anacanthini die Fa-
milien PL iuron eo to idei mit 1 Psettodes, 1 Rhomboi-
diehthys, 1 Pardachirus, 1 Cyuoglossus, 1 Plagusia, Ophi-
dioidei mit 1 Brotula, 1 Haliophis. — Die Ordnung
Physostomi ist vertreten durch die Familien Phys ot<to)/i i
wahrend des Jahres 1871. 107
p haryng og nathi mit 6 Belone zwei neu, 4 Hemi-
ramphus, 2 Exoeoctus einer neu, C y p r in o d o nto id ei
mit 1 Cyprinodon, Silur cid ei mit 1 Plotosus und 1
Arius, Scopeloidei mit 2 Saurus einer neu, 2 Saurida,
1 Scopelus neu, Sternoptychoidei mit 1 Maurolicus
neu, und 1 Astronesthes neu, Clupeoidei mit 2 En-
graulis, 5 Clupea, 1 Spratelloides, 1 Albula, 1 Elops,
1 Chanos, 1 Chiroeentrus, Muraenoidei mit 1 Conger,
1 Muraenesox, 1 Muraenichthys, 4 Ophichthys einer neu,
10 Muraena zwei neu, 1 Gymnomuraena. — Aus der
Ordnung Plectognathi die Familien Balis t o id ei mit
S Balistes, 3 Monacanthus, 0 atrac i o nt o ide imit 3 Ostra-
cion, Gymnodontes mit 9 Tetrodon, einer neu, 2 Di-
odon, 1 Orthagoriscus. — Von Lophobranchiern die Fa-
milien Syngnatho i de i mit 4 Syngnatbus, 1 Doriicbtbys,
1 Gastrotokeus, 1 Hippoeampus, 8 o lenost omat oidei
mit 1 Solenostoma. — Endlicb von Cbondropterygii sind
vertreten die Familien Carch ar ioidei mit 6 Carcbarias
einer neu, 1 Loxodon, 2 Galeoeerdo einer neu, 1 Dir-
rhizon n. gen., 2 Zygaena, 1 Triaenodon, 2 Mustelus,
L am n oidei mit 1 Lamna, Scy 11 oidei mit 2 Gingly-
mostoma, 1 Stegostoma, 8 quatxnoraj otdex mit 1 Pri-
stis, 1 Kbyncbobatus, 1 Rbinobatus, T orped in o idei mit
2 Torpedo, Tryg o no ide i mit 4 Trygon einer neu, 2 Tae-
niura, 2 Urogymnus einer neu, My liobatidae mit
1 Aetobatis, 1 Mvliobatis, 1 Ceratopteia, 1 Dicerobatis
neu. — Diese Arbeit wird um so wichtiger, als Verf. in
mebreren Familien neue Eintbeilungen und scharfe Cha-
raktere zur Unterscheidung der Gruppen, Gattungen und
Arten angewendet hat, auf die wir in diesem Berichte
nicht näher eingehen konnten.
Eine systematische Uebersicht der Fische des Rothen
Meeres als Anhang und Register zur Synopsis vonKlun-
zinger ist ib. p. 1352 abgedruckt.
Nach Gevray, Essai sur les Comores. Pondichery
1870 p. 69, sind die dortigen Flüsse voll grosser Aale,
auch kommen Gouramis und weisse Fische vor. Von
Seefischen werden nur einige Gattungen genannt.
Bleeker beschrieb einige Fische von Isle de la
108 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
reunion und von Madagascar, nämlich Anthias borbonius
Glhr., Myripristis borbonicus CV., Epinephelus flavo-
cocruleus Blkr., Hemicoris eaudimacula Blkr., Mugil ce-
phalotus CV., Eleotris madagascariensis Val., Balistes
(Canthidermis) calolepis Blkr. Nederl. Tijdschr. voor de
Dierkunde IV. p. 92.
Asicu. Day hat die Originalzeichnungen der Fische
von Hamilton Buchanan durchgesehen, und hat 146 Num-
mern derselben zu bestimmen versucht. Proc. Asiat, soc.
bf Bengal 1871 p. 195—209.
Der Atlas ichthyologique des Indes orientales neer-
landaises von Bleeker wurde im Jahr 1871 durch die
24. Lieferung fortgesetzt. Der Text enthält auf Bogen
11 — 15 des sechsten Bandes dieses Werkes den Anfang
der Scomberesoces, und zwar die Gattung Mastacembelus
Klein, die mit Ramphistoma Raf, Belone Cuv. und Tylo-
surus Cocco identisch ist mit 10 Arten und die Gattung
Hemiramphus Cuv. = Hyporhamphus Gill mit 13 Arten.
Die Abbildungen stellen auf sechs Tafeln Pleuronectiden,
und auf anderen sechs Tafeln Clupeaceen dar.
Australien. Günther hebt Proc. zool. soc. p. 672
hervor, dass Clupeä sprattus und encrasicholus auch in
Tasmania vorkommen, und führt dabei an, dass daselbst
auch andere Europäische Arten, Sciaena aquila, Zeus
faber, Trachurus trachurus, Conger vulgaris, Orthagoriscus
inola, Rhina squatina, Galeus canis und Acanthias Blain-
villei leben.
Powell stellte sich Transact. and Proc. New Zealand
Institute IL p. 84 die Frage, welcher Fisch der in Neil-
Seeland sogenannte Whitebait sei, und prüfte darauf die
im Avon gewöhnlich vorkommenden Fische. Er glaubt
ihn für einen Galaxias nehmen zu müssen. In dem Avon
kommen nur drei Arten häufig vor, nämlich der Bull-
head, Eleotris basalis Dieff., Silver-fish, der zu den Sal-
moniden gehört, dessen Gattung aber Verf. nicht bestimmen
kann, und Smelt, der ein Galaxias ist, und mit dem
Verf. seinen Whitebait identificiren zu können glaubt.
Auf einer beigegebenen Tafel sind Argentina retrospina,
während des Jahres 1871. 109
Galaxias fasciatus und der Whitebait in zwei Stadien ab-
gebildet.
America. In dem fünften Jahresbericht der Commis-
sioners on Inland Fischeries, Boston 1871, Lyman,
Brackett und Talbot, verbreiten sich die Verf. über
die Fisch-Culturen von 10 verschiedenen Species. In
einem Anhange p. 24 ist ein Bericht über die Fischcultur
in Neu-England von Tis d al e aus dem „Albion" von 1869
abgedruckt. Weiter p. 60 ein Artikel über die mögliche
Erschöpfung der Seefischereien.
Hoy fand bei seinen Untersuchungen über die Fauna
des Micbigan-See's zwei Arten Coregonus, welche in der
Tiefe leben und sich von kleinen Crustaceen und von
einem neuen Pisidium nähren. Bulletin of the Wisconsin
Academy 1871 p. 34.
Putnam sprach über die im Wenham-See gesam-
melten Fische, und Hess sich weiter über die Lebens-
weise des Fisches aus, den man dort Alewife nennt, und
der überaus fruchtbar ist. Bull. Essex Institute III p. 88.
Der Abschnitt in Moritz Wagner's Reisen im tro-
pischen Amerika 1870 p. 376, welcher Beiträge zur Thier-
geographie des tropischen Amerika überschrieben ist,
bezieht sich vorzugsweise auf die Verbreitung der Fische.
Diese Arbeit ist eine Wiederholung des bereits im Ber.
ü. d. J. 1868 p. 85 erwähnten. Verf. spricht seine Ansicht,
die er aus den untersuchten Thatsachen in Amerika ge-
wonnen hat, dahin aus, dass die geographische Verbreitung
selber als die einfach wirkende Ursache der Artenver-
wandlung anzunehmen sei, und sagt, alle Erscheinungen
in der geographischen Verbreitung der Thiere wie Pflanzen
im tropischen Amerika sprechen für die Richtigkeit des
Satzes: die Natur züchtet neue Formen nur durch Sepa-
ration, d. h. durch Isolirung einzelner Colonisten vom
Standort der Stammart mittels des individuellen Aus-
artungsbestrebens ; durch sogenannte Wahlzucht könne
keine neue Form entstehen, weil die freie Kreuzung ihr
entgegenwirkt, und die Varietäten nach wenigen Gene-
rationen wieder vernichtet.
Der zweite Abschnitt von Cope's Abhandlung „Bei-
110 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
trag zu der Ichthyologie der kleinen Antillen", Aruer.
philos. soc. XIV. p. 461 enthält das Verzeichniss der
Arten. Es sind 27 Pharyngognathi, 75 Percomorphi
(59 Distegi, 1 ßhegnopteri, 6 Scyphobranchii_, 9 Epilasraii),
32 Plectognathi, 2 Lophobranchii, 1 Hemibranchii, 2 Per-
cesoces, 7 Synentognathi, 3 Enchylocephali, 4 Colo-
cephali, 2 Isospondyli, 2 Eiasmobranchi, zusammen 158
Arten. Davon sind mehrere Arten und einige Gattungen
neu, und unter dem Text ist eine Anzahl neuer Arten
beschrieben, die nicht an den kleinen Antillen leben.
Alle sind unten namhaft gemacht.
Paul Marcoy, Voyage ä travers l'Amerique du
Sud de l'Occan pacifique ä l'Occan atlantique. Paris
1869 Band IL p. 146 enthält die Abbildung der ver-
schiedenen im See Pulta gefangenen Fische.
Acanthopteri.
Percacei. Bleeker unterscheidet in der Gattung Gramniistes
zwei Arten: G. punctatus C. V. und G. ocellatus == Gr. compressus
Lienard, Pogonoperca ocellata Gthr. und Pogonoperca punctata Gthr.
Nederl. Tijdschr. voor de Dierkunde IV. p. 106.
Ctenolates n. gen. der Percoiden Günther Proc. zool. soc.
p. 320. Sieben Kiemenhautstrahlen, Pseudobranchien wohl entwickelt,
alle Zähne hecheiförmig in Binden. Zähne;am Gaumen und am Vomer.
Zunge glatt; eine Rückenflosse, erste Dorsale mit 10 Stacheln, drei
Analstacheln; Kiemendeckel mit einem flachen Stachel, Präoperculum
hinten fein gesägt und mit kleinen Zähnelungen am unteren Rande;
Präorbitale gesägt; Schuppen klein, ctenoid. Ct. macquariensis,
pl. 33. vom Macquarie-Flusse.
Apogon savayensis Günther Proc. zool. soc. p. 656 von den
Samoa-Inseln und Manado.
Eleuther actis n. gen. Cope Amer. philos. soc. XIV p. 467 in
der Subfamilie Rhypticinae. Rückenflossen ganz getrennt, drei Stacheln
in der Dorsale, keiner in der Anale. E. coriacens von St. Martins,
ist abgebildet.
Anthhis rhodopeplus und chrysostictus Günther Proc. zool. soc.
p. 654 pl. 55, 56, von Manado.
Plectropoma crocota Cope Amer. philos. soc. XIV. p. 466 von
St. Martins. — PI. anthioides Günther Proc. zool. soc. p. 655 von
Manado.
Ambassis miops Günther Proc. zool. soc. p. 655 von Raro-
tonga, Cook's Inseln.
während des Jahres 1871. 111
Priacanthus Meyeri Günther Proc. zool. soc. p. 656 pl. 57
von Manado.
Berycidae. Rhinoberyx chryseus Cope Amer. philos. soc. XIV.
p. 464 von St. Croix, ist abgebildet.
Holocentrum sicciferum Cope Amer. philos. soc. XIV. p. 465
von New Providence, Bahamas. — H. diploxiphus Günther Proc.
zool. soc. p. 660 pl. 60 von den Samoa-Inseln.
Cataphracti. Sebastes rhodochrous Günther Proc. zool. soc.
p. 659 von Manado.
Platycephälus cinereus Günther Proc. zool. soc. p. 661 von
Südaustralien.
Peristethus Uorhynchus Günther Proc. zool. soc. p. 663 pl. 62
von Manado. — P. engyceros Günther ib. von den Sandwich-Inseln.
Gasterosteidae. Den kleinen Stichling, Gasterosteus pungitius
L. und seinen Nestbau schilderte L an dois im Zoolog. Garten p. 1,
mit Holzschnitt. Vergl. auch Verhandl. d. naturh. Vereins d. preuss.
Rheinlande und Westphalens, Correspondenzbl. p. 53.
Eine Bemerkung über die Verbreitung dieses kleinen Fisches
machte v. Martens Zoöl. Garten p. 28, und Friedel zeigte
ebenda sein Vorkommen nicht fern von Berlin und auf der Insel
Sylt an.
Lawson Tait beschrieb eigenthümliche Anschwellungen des
Gasterosteus trachurus, die an verschiedenen Körpergegenden vor-
kamen und eingekapselt sind. Journal of anatomy and physiology
IV. 1870 p. 12.
Pristipomatidae. Pristipoma manadense Günther Proc. zool.
soc. p. 657 von Manado.
Diagramma obscurum Günther Proc. zool. soc. p. 657 pl. 58
von den Fidschi-Inseln.
Epinephelus chalineus von St. Martins, ordinatus von Panama,
brachysoma von Rio Janeiro Cope Amer. philos. soc. 14 p. 465.
Squamipennes. Günther bestätigt die Angabe Day's (vergl.
vorj. Ber. p. 99), dass seine Gattung Tholichthys der Jugendzustand
einer Gattung von Squamipennen sei. Er fand bei Chaetodon citri-
nellus von 30 Mm. noch die eigenthümlichen Lamellen der Tho-
lichthyes, und beschreibt einen kleinen Fisch mit einem Hörn über
jedem Auge, der an Heniochus erinnert. Er zählt schliesslich die
Fälle auf, wo der Jugendzustand als besondere Gattung aufgestellt
worden ist. So ist Priacanthichthys das Junge von Serranus, Ce-
phalacanthus von Dactylopterus, Dicrotus von Thyrsites, Nauclerus
von Naucrates, Lampugus von Coryphaena, Stomasiunculus von
Stomias, Porobronchus von Fierasfer, Acanthosoma von Orthagoriscus
ct. Er vermuthet, dass Rhynchichthys bald als Junges von Holo-
centrum, Acronurus und Keris von Acanthurus oder Naseus und
112 Troschel: Beriebt üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
Couchia von Motella werden erkannt werden. Annais nat. hist.
VIII. p. 318.
Sparidae. Ocyurus Bijgersmaei Cope Amer. philos. soc. XIV.
p. 468 von St. Kitts, ist abgebildet. /
Lutjanus torridus Cope ib. p. 469 von St. Kitts, abgebildet. —
L. bracliypterus Cope ib. p. 470 von New Providence, Bahamas.
Histiopterus labiosus Günther Proc. zool. soc, p. 658 pl. 59
von Südaustralien.
Mugiloidei. Myxus leuciscus Günther Proc. zool. soc. p. 666
pl. 65 fig. A. von Roratonga, Cooks-Inseln.
Scomberoidei. Oübiceps multiradiatus Günther Proc. zool. soc.
p. 661 pl. 61 von Manado.
Caranx (Leptaspis) rhabdolepis und elongatus, C. (Cärangoides)
breviearinatus und Bleekeri Klunzinger Verhandl. zool. bot. Ges. in
Wien 21 p. 457 aus dem rothen Meere.
Costa zeigt, dass Temnodon saltator C. V. (Perca saltatrix
L.) identisch sei mit Gonenion serra Raf., und will ihm daher den
Namen Gonenion saltator beilegen. Rendiconto dell' Acad. sc. fis.
e mat. VIII. Napoli 1869 p. 58.
Pempherichthys n. gen. Klunzinger Verhandl. der zool.
bot. Ges. in Wien 21 p. 470. Die lange Afterflosse zeigt eine leichte
Schuppenscheide, sie selbst ist nicht beschuppt: die Körperschuppen
sind alle sehr deutlich monostich, ctenoid, regelmässig, gegen den
Rand längsgerippt; Schnauze sehr lacunös ; Gestalt gestreckt, massig
compress, über der Afterflosse nicht ganz platt; die Schnauze und
die Kehle nackt, sonst ist der ganze Kopf beschuppt. Im Uebrigen
wie Pempheris. P. Güntheri aus dem Rothen Meere.
Xiphiidae. Gray macht Annais nat. hist. VIII. p. 338 darauf
aufmerksam, dass wenn ein Schwertfisch des Indischen Oceans, Hi-
stiophorus, ein hölzernes Schiff mit seinem Schwerte durchbohrt,
dieses in das Holz eingeklemmt wird, so dass der Fisch sich nur
durch Abbrechen des Schwertes befreien kann. Würde das Schwert
herausgezogen, dann müsse das Loch sich wieder durch Quellen
des Holzes schliessen. Dies wird wichtig für die Entscheidung, ob
ein Loch durch solchen Fisch gebohrt sei. Ist das Loch rund und
schliesst sich nicht wieder, dann müsse es auf andere Weise ent-
standen sein.
Knox gab weitere Nachricht von einem Neu-Seeländischen
Schwertfisch, über den er bereits 1868 in Transact. New Zealand
Institute I p. 44 Mittheilung gemacht hatte, ib. II. p. 1. pl. I. Er
hatte nur den Kopf zur Untersuchung, und glaubt, dass er in die
Gattung Histiophorus gehöre.
Teuthyes. Naseus vomer Klunzinger Verh. zool. bot. Ges. in
Wien 21 p. 514 aus dem Rothen Meere.
während des Jahres 1871. 113
Labridae. Bleeker beschrieb in Archives neerlandaises des
sc. exactes et naturelles VI. 1871. p. 326 zwei neue Labroiden von
Amboina mit Abbildungen: CirrMlabrus hederodon fig. 1 und Chei-
linus bifasciatus fig. 3. Zur Vergleichung ist auch eine Abbildung
von Cheilinus melanopleura hinzugefügt.
Ghilinus Godeffroyi Günther Proc. zool. soc. p. 666. pl. 66 von
den Tonga-Inseln.
Platyglossus nigromaculatus Günther Proc- zool. soc. p. 666.
pl. 65. fig. B von den Samoa- Inseln.
Julis Rüppellii Klunzinger (J. purpureus Rüpp. nee Forsk.)
Verh. d. zool.-bot. Ges. in Wien 21. p. 536 aus dem Rothen Meer.
Scarus haplomystax Cope Amer. philos. soc. XIV. p. 462 von
St. Martins.
Gryptotomus n. gen. Cöpe Amer. philos. soc. XIV. p. 462.
Die innere Zahnreihe in beiden Kiefern zu einer schneidenden Masse
jederseits verbunden, die äussere Reihe vorn ganz frei, an den Seiten
fehlend; 11 dorsale, 3 anale Stacheln, die dorsalen biegsam, in
Filamente endigend, nur an der Basis durch Haut vereinigt (stimmt
nicht mit der Abbildung), eine Reihe Schuppen an der Wange, Lip-
pen nur au den Seiten doppelt. Bezahnung wie bei Callyodon, die
zahlreichen Flossenstacheln wie bei Harpe. Cr. roseus von St.
Martins.
Knox machte Bemerkungen über Coridodax pullus Günther,
dessen Skelet eine bläulichgrüne Farbe hat, über seinen Fang und
seine weichen Theile. Er ist abgebildet. Transact. and Proc. New-
Zealand Institute III. p. 130. pl. 18. fig. 2.
Pomacentridae. Pomacentrus sulfureus Klunzinger Verhandl.
d. zool.-bot. Ges. in Wien 21. p. 521 aus dem Rothen Meer.
Glyphidodon cingulum Klunzinger Verh. d. zool.-bot. Ges. in
Wien 21. p. 526 aus dem Rothen Meer.
Heliastes dimidiatus Klunzinger Verh. d. zool.-bot. Ges. jn
Wien 21. p. 529 aus dem Rothen Meer. — Heliases amboinensis Blkr.
Nederl. Tljdschr. voor de Dierkunde IV. p. 111 von Amboina.
Gbromides. Hemichromis subocellatus Günther Proc. zool. soc.
p. 667. pl. 67. fig. C von Gaboon.
Haplopteri.
Taenioidei. Costa ist der Ansicht, dass Krohnius filamentosus
Cocco weitere Veränderungen eingehen möchte, und der Jugendzu-
stand einer anderen Gattung, vielleicht der Trichiuri sei. Rendi-
conto dell' Accad. delle sc. fisiche e mat. VIII. Napoli 1869. p. 52.
Gobloidei. Gobius koseirensis Klunzinger Verhandl. d. zool.-bot.
Gesellsch. in Wien 21. p. 474 aus dem Rothen Meer. — G. mucosus
Archiv für Naturg. XXXVIII. Jahrg. 2 Bd. H
114 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
von Adelaide, platystoma von Port Mackay , leucostictus von den
Tonga-Inseln, elapoides von Japan. Günther Proc. zool. soc. p. 663.
pl. 63. fig. A— D.
Apocryptes Petersii Klunzinger Verhandl. d. zool. -bot. Ges. in
Wien 21. p. 479 ans dem Rothen Meer. Bildet eine neue Untergat-
tung Gobiichthys.
Gobiosoma vulgare Klunzinger Verh. d. zool. -bot. Gesellsch. in
Wien 21. p. 484 aus dem Rothen Meer.
Eleotris prasinus und polyzonatus Klunzinger Yerh. d. zool.-
bot. Ges. in Wien 21. p. 481 aus dem Rothen Meer.
Culius pemiger Cope Amer. philos. soc. XIV. p. 473 von St.
Martins. — C. amblyopsis Cope ib. p. 473 von Surinam.
GaUionymus Cookii Günther Proc. zool. soc. p. 665 von Raro-
tonga, Cooks-Inseln.
Discoboli. Gobiesox cerasinus Cope Amer. philos. soc. XIV.
p. 473 von St. Martins.
Blennioidei. Blennius hypenetes und jugularis Klunzinger Verh.
d. zool.-bot. Ges. in Wien 21. p. 492 aus dem Rothen Meer.
Petroskirtes Kraussii Klunzinger Verh. d. zool.-bot. Ges. in
Wien 21. p. 497 aus dem Rothen Meer.
Labrisornus biguttatus Cope Amer. philos. soc. XIV. p. 473 von
New-Providence, Bahamas.
Tripterygium obtusirostre Klunzinger Verh. d. zool.-bot. Ges.
in Wien 21. p. 498 aus dem Rothen Meer.
Pataecus subocellatus Günther Proc. zool. soc. p. 665. pl. 64
von Südaustralien.
Comephoridae. Günther giebt von Comephorus baicalensis
an, dass 5 Appendices pyloricae vorhanden sind, in der ersten
Dorsale sind wahre Stacheln, die Schwimmblase fehlt. Er weist die-
ser Gattung noch die Stellung unter den Acanthopterygiern in der
Abtheilung Cotto-scombriformes an. Annais nat. bist. VIII. p. 292.
Fediculati. Lütken stellte in Oversigt kong). danske Vi-
denskabernes Selskabs Forhandlinger 1871. p. 56 in der Familie Pe-
diculati eine neue Gattung Oneirodes auf, die sich von Melano-
cetus Gthr. durch die horizontale und kleinere Mundspalte, den
Stirnstrahl, dessen dickes Ende mit verschiedenen Tentakelfäden
versehen ist, den isolirten Rückenstrahl, der bei Melanocetus fehlt,
und die Rückenflosse mit 6 Strahlen auszeichnet. O. Eschrichtii
von Grönland. Der Fisch ist Tab. II abgebildet.
Aulostomi. Fistidaria villosa Klunzinger Verh. d. zool.-bot.
Ges. in Wien 21. p. 516 aus dem Rothen- Meer.
Anacaiithiiii.
Gadoidei, G. 0. Sars erstattete einen Bericht über die von
während des Jahres 1871. 115
ihm im Sommer 1870 angestellten fortgesetzten Untersuchungen über
die Dorschfischerei bei den Lofoten. Christiania 1871. Er stellte
sich namentlich die Aufgabe, den kleinen Dorsch, die an den nörd-
lichen und westlichen Küsten das ganze Jahr über vorkommende
kleinere Form des Dorsch, die unter den Benennungen Smaagjeld,
Tarefisk, Grundfisk u. s. w. bekannt ist, auf ihr weiteres Wachsthum
zu untersuchen und die verschiedenen Phasen seiner Lebensweise zu
studiren.
Pseudophycis peregrinus Günther Proc. zool. soc. p. 669 von
Celebes.
Lycodidae. Lycodes Sarsii Collett Acta soc. scient. Christia-
nensis 1871. p. 62 von Hardaugerfjord an der Norwegischen Küste.
Blennodesmus n. gen. Günther Proc. zool. soc. p. 667-
Körper langstreckig, comprimirt, bandartig, rudimentäre Schuppen
in die schleimige Körperhaut eingesenkt ; Seitenlinie ziemlich un-
deutlich; Auge von massiger Grösse; Kopf comprimirt, mit spitzer
Schnauze und vorspringendem Unterkiefer; kleine conische Zähne
in beiden Kiefern, Gaumen glatt; keine Bartfäden; Yeritralen zu
zwei kleinen und kurzen Fäden reducirt, jugular, keine vorstehende
Analpapille. B. scapularis pl. 67. fig. A von Port Mackay in Nord-
ost-Australien.
Ophidini. Ilalidesmus n. gen. Günther Proc. zool. soc.
p. 668. Körper langstreckig, comprimirt, bandförmig, mit kleinen
Schuppen bedeckt und mit drei Seitenlinien jederseits ; Auge massig •
eine lange Dorsale und Anale, nicht mit der Caudale verbunden ;
Ventralen zu einem Paar kurzer Filamente reducirt, eng zusammen,
kaum vor den Pectoralen; eine Reihe konischer Zähne in jedem
Kiefer, keine Zähne am Gaumen ; Unterkiefer etwas vor dem oberen
vorstehend, keine Bartfäden ; sechs Kiemenhautstrahlen; Kiemenspalte
weit; keine Pseudobranchien; keine Afterpapille. H. scapularis
pl. 67. fig. B von Port Natal.
Macruridae. Coripliaenoides Novae Zelandiae Hector Transact.
New-Zealand Institute III. p. 136. pl. 18. fig. 1 von Ward-Island. in
Port Nicholson.
Scomberesoces.
Betone koseirensis und appendiculatus Klunzinger Verhandl. d.
zool.-bot. Gesellsch. in Wien 21. p. 579 aus dem Rothen Meer. — B.
punctulata Günther Proc. zool. soc. p. 670 von Manado.
Peters berichtigt eine frühere Angabe, dass Hemirhamphus
Commersonii in süssen Gewässern vorkomme, dahin, dass sich dies
auf H. dispar bezieht. Er vermuthet, dass die Arten der Untergat-
tung Zenarchopterus vorzugsweise in süssen Gewässern vorkommen.
Berliner Sitzungsber. p. 32.
116 Troschel: Bericht üb. d, Leist. in d. Ichthyologie
Hemirhamphus acutus Günther Proc. zool. soc. p. 671 von Ra-
rotonga, Cook's-Inseln.
Der Zool. Garten bringt p. 377 eine Miscelle, wonach Chi m mo
feststellte, dass der fliegende Fisch höchstens sieben Minuten ausser
Wasser lebt, nie weiter flog als die Länge des Schiffes, 540 Fuse,
und dass ein Thermometer in einem eben nach dem Fluge auf dem
Deck gefangenen Fische ein wenig stieg.
Exocoetus gryllus Klunzinger Verh. d. zool.-bot. Gesellsch. in
Wien 21. p. 586 aus dem Rothen Meer. — E. scylla Cope Amer.
philos. soc. XIV. p. 481 von Tobasco in Mexico.
Physostomi.
Siluroidel. Day hat eine Anzahl Gattungen aus der Familie
der Siluroiden auf die Schwimmblase untersucht, namentlich die
Gattungen Eutropichthys, Ailia, Pseudeutropius, Pangasius, Silundia,
Macrones, Rita, Hemipimelodus. Proc. zool. soc. p. 286.
Auch schrieb Day über die Süsswasser-Siluroiden von Indien
und Burmah ib. p. 703. Zunächst handelt Verf. über die Arten,
beschreibt einige neue und macht Berichtigungen der Synonymie und
über den Charakter der Schwimmblase, äussert sich über den Umfang
der Gattung, ferner über ihre Classification und über ihre geogra-
phische Verbreitung. — Die neuen Arten sind folgende : Äkysis Kurzii
von Pegue Yomas, Hara elongata aus einem Fluss bei den Garrow-hills,
Callichrous Egertonii von Pundjaub , Olyra burmanica von Pegue
Yomas, Ailiicht hys n. gen. von Ailia durch den Mangel der Bauch-
flossen verschieden, A. punctata von Jumna, Glyptosternum mode-
stum aus dem Jumna. — Schliesslich hat Verf. seine Untersuchun-
gen über die Schwimmblase weiter ausgedehnt. Er fand, dass die
Siluroiden in zwei Abtheilungen zerfallen : die einen haben die
Schwimmblase nicht in eine knöcherne Kapsel eingeschlossen, wie
Akysis, Hara, Macrones, Rita, Arius, Batrachocephalus, Osteogeniosus,
Pangasius, Pseudeutropius, Callichrous, Wallago, |ülyra, Silurus, Plo-
tosus; die andern haben sie von einer knöchernen Kapsel umschlos-
sen, wie Ciarias, Saccobranchus, Silundia. Ailia, Ailiichthys, Eutro-
piichthys, Sisor, Gagata, Hemipimelodus, Bagarius, Pseudecheneis,
Glyptosternum, Amblyceps, Exostoma. Es werden auch die ausser-
halb Indien lebenden Siluroiden darauf zu untersuchen sein, bevor
sich entscheiden lässt,' ob diese Verschiedenheit der Schwimmblase
für das System zu verwerthen sein wird.
Referent fand an einem Exemplare von Copidoglanis bre-
vidorsalis Gthr. die Bauchflossen völlig entwickelt, während sie
einem zweiten gänzlich fehlen. Er sieht dies als einen Geschlechts-
untershied an. Sitzungsber. der niederrheinischen Ges. zu Bonn p. 28.
während des Jahres 1871. 117
Trachypoma n. gen. Giebel Zeitschr. für die ges. Natur-
wissenschaften 37. p. 97 hat keine Bauchflossen, alle übrigen Flos-
sen sind klein, schwach, bloss weichstrahlig , keine zweite Rücken-
flosse, sechs Barteln und starke Bürstenzähne nur im Zwischen-
und Unterkiefer, Körper nackt. T. marmoratum aus dem oberen
Amazonen ström .
Moritz Wagner erörterte in seinen Reisen im tropischen
Amerika 1870. p. 410 die Frage über das Auswerfen der Prenadilla aus
den Krateren der Feuerberge von Quito. Er ist zu der Ueberzeugung
gekommen, dass dieses Phänomen nur als begleitende Erscheinung
wässriger Ausbrüche, in den meisten Fällen wahrscheinlich Entlee-
rung von Kraterseen in Folge von Erdstössen und Bildung von
Schlammströmen stattgefunden hat.
CypriüOidei. Day hat eine Monographie der Indischen Cy-
priniden im Journal Asiat. Soc. of Bengal 40. II. p. 95 — 143 und
p. 277—336 bearbeitet. Verf. nimmt 24 Gattungen an. Die bisher
in seinem Verzeichnisse angegebenen sind mit Angabe der Zahl der
Arten: 2 Psilorhynchus , 2 Mayoa , 1 Discognathus, 21 Labeo, 3
Osteocheilus, 15 Cirrhina, 1 Carassius, 2 Semiplotus, Catla, 4 Mola.
63 Barbus. Die übrigen sind noch zu erwarten. Alle Genera und
sämmtüche Species sind charakterisirt, so dass diese Abhandlung
für die Unterscheidung der Species werthvoll zu sein scheint.
Die Gattung Barbus mit ihren 63 indischen Arten theilt Day
1. c. p. 287 folgendermassen ein: A. mit vier Bartfäden (Barbodes);
a. der letzte ungetheilte Dorsalstrahl knöchern und gesägt (9 Ar-
ten) ; b. der letzte ungetheilte Dorsalstrahl knöchern und ganzrandig
(14 Arten) ; c. kein knöcherner Dorsalstrahl (5 Arten). B. Mit zwei
Bartfäden (Capoeta) ; a. mit knöchernem gesägten Dorsalstrahl
(1 Art) ; b. der knöcherne Dorsalstrahl ganzrandig (7 Arten) ; c. kein
knöcherner Dorsalstrahl (5 Arten). C. Ohne Bartfäden (Puntius);
a. mit knöchernem gesägten Dorsalstrahl (11 Arten); b. knöcherner
Dorsalstrahl ganzrandig (7 Arten); c. ohne knöchernen Dorsalstrahl
(4 Arten).
Chavannes übertrug etwa 10,000 befruchtete Eier von Cy-
prinus rhodeus und etwa 50 Fische dieser Art, die eben laichen
wollten, aus dem Neufchateller in den Genfer See. Ob sie dort
gedeihen werden ist abzuwarten. Bull. Soc. Vaudoise X. p. 527.
Acanihorhodeus tnacropterus, Guichenoti hypselonotus Bleeker
Nederl. Tijdschrift voor de Dierkunde IV. p. 70 aus dem Yang-tse-
kiang in China.
Xenocypris macrolepis, tapeinosoma , JDavidi und microlepis
Bleeker Nederlandsch Tijdschrift- voor de Dierkunde IV. p. 62 aus
dem Fluss Yang-tse-kiang in China.
Lilljeborg beschrieb Leucaspius delineatus Heckel als einen
für die Schwedische Fauna neuen Fisch. Er lebt in einem kleinen
118 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
aber tiefen Teich bei Landskrona, und ist abgebildet. Ofversigt
kongl. Vetensk. Akad. Förhandliugar 1871. p. 815.
Bleeker hat in seinem Luciobrama typus, den er für neu
hielt, den Synodus macrocephalus Lacep. erkannt, und ihn aufs Neue
unter letzterem Namen beschrieben. Nederl. Tijdschr. voor de Dier-
kunde IV. p. 89.
Cutter üisliaeformis, brevicauda Günther, Dabryi, hypselonotus ,
oxycephalus sind von Bleeker Nederl. Tijdschr. voor de Dierkunde
IV. p. 77 beschrieben.
Canestrini hat das Männchen von Cobitis taenia Lin. ent-
deckt. Bei ihm ist der zweite Brustflossenstrahl ausserordentlich
dick und seine zwei Aeste laufen neben einander bis zur Spitze des
Strahls; auch hat dieser Strahl an der innern Fläche einen stark
entwickelten knöchernen Fortsatz. Rivista Scientifico-Industriale di
Guido Vimercati 3. 1871; Zeitschr. für wissenschaftliche Zoologie 2.1.
p. 538; dies Archiv 1871. p. 222.
Characini. Nannaethiops n. gen. Günther Proc. zool. soc.
p. 669. Dorsale in der Mitte der Körperlänge über den Ventralen,
Anale kurz ; Fettflosse klein ; Körper massig hoch, mit massigen
Schuppen bedeckt; Bauch abgerundet ; Seitenlinie vorhanden; Mund-
spalte klein, Zähne klein in einer Reihe in beiden Kiefern, mit einer
einfachen Kerbe; Oberkiefer und Gaumen zahnlos. N. imitaeniatus
pl. 65. fig. C von Gaboon.
Salmones. Ebert berichtete über gelungene Züchtungsver-
suche mit Lachsen in solchen Süsswasserseen, in welche dieselben
vom Meere aus nicht gelangen können, wie der Genfer See und
einige Juraseen. Sitzungber. der Isis in Dresden 1870. p. 4.
Feddersen theilte einige Auszüge über die Namen der
Lachse und die Wanderungen derselben mit, und erwähnte des
grössten in Grossbritanien gefangenen Lachses, der im Tay gefan-
gen war. Er maass 4' 5" , hatte einen Umfang von 2' 1" , eine
Kopflänge von 12" und wog 70 Pfund. Tidsskrift for Fiskerei V.
p. 252.
F ritsch hat Studien über den Lachs in Böhmen gemacht,
um namentlich die Laichzeit, 4. — 28. September, und die Laichorte
zu ermitteln. Zool. Garten p. 225, aus d. Archiv d. naturw. Lan-
desdurchforschung von Böhmen II. 1871.
His beschrieb den Bau des Eies vom Lachs, von der Forelle
und von der Aesche. Verh. der naturf. Ges. in Basel V. p. 457.
Hector bezeichnet als die einzige in Neu-Seeland vorkom-
mende Gattung der Salmoniden Retropinna Gill., von der er drei
Arten unterscheidet, nämlich R. Richardsonii Gill und zwei neue
Arten E. osmeroides und Upokororo. Alle drei sind abgebildet.
Trancact. New-Zealand Institute III. p. 133.
während des Jahres 1871. 119
Scopelini. Manrolicus mucronatus Klunzinger Verhandl. der
zool.-bot. Ges. in Wien 21. p. 593 aus^dem Rothen Meer.
Saums erythraeus Klunzinger ib. p. 590 aus dem Rothen Meer.
Scopelus coeruleus Klunzinger ib. p. 592 aus dem Rothen Meer.
Astronesthes Martensü Klunzinger ib. p. 594 aus dem Ro-
then Meer.
Esoces. Chavannes spricht von zwei Hechten, die sich ge-
genseitig zu verschlingen suchten. Bull. soc. Vandoise X. p. 526.
Monnyri. Mormyrus lepturus Günther Proc. zool. soc. p. 670.
pl. 69. fig. B von Gaboon.
Clupeoidei. Axel Boeck berichtete an das Ministerium des
Innern über seine practisch wissenschaftlichen Untersuchungen über
den Häring und die Häringsfischereien, Om Süden og Sildefiskerierne
navnlig om det norske Vaarsildfiske. Christiania 1871, 8. 136 S.
Verf. beschreibt im ersten Abschnitt den Häring, seine Entwicke-
lung und seine Varietäten. In einem anderen Abschnitt schildert
er das Laichen des Frühlingshärings und die Nahrung des Som-
merhärings als Ursachen ihres Erscheinens. Dann spricht er über
das Alter des Härings, in welchem er reif zum Laichen ist. Fer-
ner über den Aufenthaltsort ausser der Fischzeit; über den Bezirk
an den Norwegischen Küsten, wo [der Frühlingshäring an das Land
kommt; über die Bewegung der Häringsmassen ; über die Anzeichen,
welche den Frühlingshäring verkündigen sollen ; über den Einfluss
der Beschaffenheit des Meeresbodens auf den Frühlingshäring, über
die Naturphänomene, welche Einfluss auf den Gang des Frühlings-
härings haben, Sturm und Temperatur ; über die Häringsperioden und
das Aufhören der Frühliugshäringsnscherei. Endlich über das Ver-
halten der Häringsfischereien auf die übrige Fischerei. Diese Schrift
ist für die Kenntniss dieses wichtigen Fisches sehr beachtenswerth.
Auch in Tidsskrift for Fiskeri V. p. 123— 160 erschien ein
Bericht über den Häringsfang an den norwegischen und bohuslän-
schen Küsten von Axel Boeck. Beretning om Sildefisket ved den
norske og den bohuslenske Kyst.
HeteropygÜ. Putnam berichtete Bull. Essex Institute III.
p. 165 über die Mammuthhöhle und seine Bewohner, mit besonderer
Rücksicht auf die Fische. Verf. ergeht sich in Betrachtungen und
Fragen, wie in jenen unterirdischen Räumen Fische mit und ohne
Augen, mit und ohne Bauchflossen leben. Dass die HeteropygÜ von
den Cyprinodonten abstammen sollten, ist ihm nicht wahrschein-
lich, unter anderm wegen des abweichenden Nahrungsschlauches ;
er hält vielmehr die HeteropygÜ für den Ueberrest einer Fisch-
gruppe, die vormals in Brackwasser lebte. Er beschreibt dann die
Arten der Familie : Amblyopsis spelaeus Dekay, Typhlichthys sub-
terraneus Girard , Chologaster cornutus Agass. und Chologaster
120 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
Agassizii n. sp. Diese Abhandlung erschien auch in American Na-
turalist January 1872 mit Abbildungen.
Cope fand in der Wyandotte-Höhle einige Exemplare eines
Amblyopsis, der vielleicht mit dem der Mammuthhöhle identisch
ist. Verf. findet sie verwandt mit den Cyprinodonien. Annais nat.
bist. VIII. p. 368.
Muraenoidei. Friedel sali im Park zu Hamptou-Court, wie
einige Aale mit Plötzen nach den hingeworfenen Stückchen Zwie-
back und Weissbrod begierig haschten, und sie verschlangen. Zool.
Garten p. 312.
Traver s berichtete Transactions and Proc. New-Zealand
Institute III. p. 120, dass in dem oberen Theile des Waiauflusses
und in dessen Zuflüssen keine Aale vorkommen. Er findet die Ur-
sache davon in einem Wasserfall einige dreissig Meilen unterhalb
der Quelle, den die Aale, wenn sie aus dem Meere zurückkommen,
nicht zu übersteigen vermögen,
Anguüla obscura Günther Proceed. zool. soc. p. 673 von den
Fidschi-Inseln.
Poeciloconger n. gen. Günther Proceed. zool. soc. p. 673.
Schuppenlos: Kopf spitz, ohne Schleimhöhlen; Mundspalte massig
weit, reicht bis unter das Auge; alle Zähne sammetartig, in Bin-
den; Pectoralen und die senkrechten Flossen wohl entwickelt, die
Dorsale beginnt vor der Kiemenspalte ; Naslöcher klein , die vorde-
ren ohne Röhren; Augen gross, ohne Orbitalfalte. P. fasciatus
pl. 68 von Manado.
Muraena Hemprichii und corallina Klunzinger Verhandl. d.
zool-bot. Ges. in Wien 21. p. 613 aus dem Rothen Meer. — M. chi-
lensis von Chile und taenioides von Savay Günther Proceed. zool.
soc, p. 674.
Gymnothorax nigrocastaneus Cope Amer. philos. soc. XIV.
p. 483 von St. Martins.
Holopterura n. gen. Cope ib. p. 482. Vordere Nasenlöcher
unter der Lippe vor den Augen verborgen, die hinteren röhren-
förmig, seitwärts gewendet und hinter der Schnauzenspitze; Kiemen-
spalten genähert unter den kleinen Brustflossen, Schwanzende mit
einer Flosse; Vomerzähne vorhanden, keine Hundszähne. H. plum-
bea von Westafrika.
Ophrchthys arenicola Klunzinger Verhandl. d. zool. -bot. Ges.
in Wien 21. p. 609 aus dem Rothen Meer. — 0. stenopterus Cope
Amer. philos. soc. XIV. p. 482 von Japan.
Ophisurus Novae- Zelandiae Hector Transact. and Proc. New-
Zealand Instituteil. p. 34 von Neu-Seeland. Knox beschrieb ib.
p. 35 die Anatomie dieses Fisches.
wahrend des Jahres 1871. 121
Plectoguathi.
Gyumodontes. Putnam machte auf die Structur der Zähne
von Tetraodon und Diodon, so wie auf die Struktur ihrer Schuppen
aufmerksam. Das Aufblasen mit Luft, wodurch sie an der Ober-
fläche treiben, macht sie sicher gegen den Angriff anderer Fische.
Ihr Fleisch steht in dem Rufe giftig zu sein. Bull. Essex Insti*
tute III. p. 29.
Tetrodon pusülus Klunzinger Verhandl. d. zool. -bot. Ges. in
Wien 21. p. 645 aus dem Rothen Meer. — T, florealis Cope Amer.
philos. soc. XIV. p. 479 von den Sandwich-Inseln. — T. pleurostictus
Günther Proc. zool. soc. p. 674. pl. 69. fig. A von Nordost- Australien.
Arothron ophryas Cope Amer. philos. soc. XIV. p. 479 von den
Schiffer- Inseln im pacifischen Ocean.
De Orueta fand bei Malaga eine neue Art der Gattung Te-
trodon, die er jedoch nicht beschrieben und benannt hat. Comptes
rendus 73. p. 288.
Jourdain hat Gelegenheit gehabt, ein Exemplar von Ortha-
goriscus mola anatomisch zu untersuchen. Er beschrieb die Nieren
nebst der Caudalvene und den Nahrungsschlauch. Letzterer ist
überall gleich weit, ohne sich zu einem Magen zu erweitern. Er
giebt schliesslich die Maasse seines Exemplares und bespricht das
Verhältniss von 0. mola und oblongus, die vielleicht nur Alters-
oder Geschlechtsverschiedenheiten derselben Species sein könnten.
Comptes rendus 73. p. 1225.
Putnam weist durch Abbildungen nach, dass Molacanthus
Pallasii nicht der Jugendzustand von Orthagoriscus mola sei, wie
Steenstrup und Lütken vermuthet hatten, und fanden dies auch
durch die anatomische Untersuchung. Proc. Amer. association for
the advancement of science held at Troy p. 255.
Sclerodermi. Ostracium expansum Cope Amer. philos. soc. XIV.
p. 475 von den kleinen Antillen, mit Abbildung.
üibotium fissum Cope ib. p. 475 aus dem indischen oder paci-
fischen Ocean.
Monacanthus Davidsonii von Florida Reef, spilonotus aus dem
Mexicanischen Meerbusen, amphioxus von St. Martins, homopterus
von Australien und hypargyreus ebendaher sind neue Arten von
Cope Amer. philos. soc. XIV. p. 476.
Batistes moribimdus und asperrimus von St. Martins und me-
lanopterus von Darien Cope ib. p. 478.
Lophobranchii.
Ueber die Classification der Lophobranchier, wie sie A. Du-
meril in seiner Histoire naturelle des poissons II. p. 473—608 giebt,
122 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
ist schon im vorigen Jahre p. 109 berichtet worden. Es bleibt also
hier nur noch übrig die von ihm aufgestellten neuen Gattungen und
Arten namhaft zu machen. Es sind die folgenden : Solcnostomus
Bleekerii von Mauritius, Hippocampus Kaupii (punctulatus Kaup)
unbekannten Fundortes, rhynchomacer aus dem Indischen Ocean,
borboniensis von Isle de Bourbon, Syngnathus Dekayi von Nordame-
rika, platyrhynchus von Noukahiva, milbertianus von New- York,
Verreauxianus von Tasmania, Bairdianus von Mexico, Coquerelii
von Madagaskar, Stigmatophora macropterygia aus Oceanien, Ate-
lurus Germani von Cochinchina, ohne Schwanzflosse, Dorsale sehr
kurz, Schnauze sehr kurz, viel weniger hoch als der Kopf, Schwanz
massig lang, Microphis Jouani aus Neu-Celedonien, Hemithylacus
Bocaberti von Manilla, Petersii von Puerto Montt , Ente In ras,
Eine Schwanzflosse, wenigstens in einem der beiden Geschlechter,
keine Membran weder längs der dorsalen und ventralen Kiele, noch
auf dem Schwänze, dahin Syngnathus aequoreus L., anguineus Jenyns,
martinicensis Bibr., Hymenolomus. Körper schlank, langstreckig
und comprimirt, auf der Mitte seiner obern und untern Region mit
einer Hautfaite, eine kleine Schwanzflosse , H. Bichardsonii von
Bahia.
Canestrini glaubt, dass die Eier bei den Lophobranchiern
in die Tasche der Männchen durch eine Art Begattung eingebracht
werden, und dass erst dort dieselben befruchtet werden. Die Ge-
schlechtsöffnung der Männchen communicirt mit der Tasche durch
einen Gang, in welchem die Anale verborgen ist. Ihre Bewegung
fördert die Erneuerung des Wassers für die Eier. Verf. führt dann
interessante Facta für die Entwicklung der Lophobranchier an.
So hat Hippocampus in der Jugend eine Schwanzflosse, wie Calamo-
stoma der Eocen-Periode, und Nerophis hat, wie schon Fries ge-
zeigt, in der Jugend Brust- und Schwanzflossen. Daraus schliesst
Verf., dass Nerophis von Syngnathus, und Hippocampus von Calamo-
stoma abstamme. Schliesslich werden die Lophobranchier des Adria-
tischen Meeres aufgezählt : 2 Hippocampus, 2 Siphonostomus, 6 Syn-
gnathus, 2 Nerophis. Syngnathus taenionotus wird als neu beschrie-
ben. Atti dell' r. Istituto Veneto XVI. Bibliotheque universelle 1871.
p. 355; Annais nat. bist. VIII. p. 215.
Syngnathus algeriensis Playfair and Letourneux Annais nat.
hist. VIII. p. 393 aus der Provinz Constantine am Zusammenfluss
des Oued Cherif und des Oued Boa-Hamdan.
Ganoidei.
A. Dumeril adoptirt in Historie naturelle des poissons IL
1870 folgende Eintheilung der Ganoiden: I. Chondro st ei. 1. Acipen-
während des Jahres 1871. 123
seridi *) mit Knochenschildern, 2. Polyodontidi nackt. II. Holo-
stei. 3. Lepidosteidi mit emaillirten Schuppen und einfacher Rük-
kenflosse, 4. Polypteridi mit emaillirten Schuppen und mehrfacher
Rückenflosse, 5. Amiadi mit nicht emaillirten Schuppen. — Die Fa-
milie der Acipenseriden zerfällt in die Gattungen Acipenser und
Scaphirhynchus. Erstere enthält sechs Subgenera, nämlich: Huso
mit 43 Arten, unter denen neu H. Fitzingeri aus Russland, Ducis-
sae aus Russland. Nehelae Russland, podapos unbekannten Vater-
landes, Valeneiennii atlant. Ocean, Copei Missouri, Gülii unbekannten
Fundortes, Mitcliillii New-York, Bauchii Missouri, Richardsonii Mis-
sissippi , anasimos Missouri, paranasimos Alabama, anthracinus
Erie-See. Kennicottii Virginia, Girardi Maryland, macrorhinas New-
York, megalaspis Champlain-See, Milberti New-York, Lamarii Mis-
sissippi, atelaspis Saskatohevanrluss, Rafmesquii Ohio, Bairclii Mary-
land, Storeri Boston, Holbrooki Südcarolina, rosarium Mississippi,
platyrrhinus Mississippi, KirÜandu Erie, nertinianus Michigan, mi-
crorhynchiis New-York, Lesueurii New-York, Dekayi New-York, ro-
stellum Nord- Amerika, simus Nord-Amerika. Honneymani; 2. Acipen-
ser 7 Arten, neu cayennnensis Cayenne; 3. Antaceus 22 Arten, neu
Yarrellii aus der Seine - Mündung; 4. Sterletus 7 Arten, neu Lo-
■oetzkyi , Kankreni und Helenae aus Russland; 5. Lioniscas 1 Art;
6. Helops 1 Art. — Die Gattung Scaphirhynchus besteht nur aus
1 Art. — Die zweite Familie Polyodontidae enthält nur die Gat-
tung Polyodon mit 2 Arten.
In der Familie der Lepidosteiden werden 3 Gattungen unter-
schieden: 1. Lepidosteus mit einreihigen Zähnen und schmaler ver-
längerter Schnauze, 17 Arten, wovon neu L. Treculii Mississippi,
Harlani Wabash, Smithii Mississippi, Ayresii Wabash, Copei Nord-
Amerika, Lesueurii Wabash, elisabeth Nord- Amerika, Lamarii Nord-
Amerika, Clintonii, Troostii. Piquotianus Eriesee, Horatii Nord-
Amerika, Thompsonii Mississippi, louisianensis Neu-Orleans, meist
auf der etwas verschiedenen Zahl der Schuppen gegründet ; 2. Cy-
lindrosteusGir. mit einreihigen Zähnen und breiter kürzerer Schnauze,
8 Arten, wovon neu C. Agassizii von St. Louis, Zadockii Missis-
sippi, CasteJnaudii Florida, Bartonii Neu-Orleans ; 3. Atractosteus Gir.
mit zweireihigen Zähnen, 5 Arten, wovon A. lucius aus Mexiko neu.
Die Familie Polypteridae umfasst die Gattungen Polypterus
*) Ref. kann nicht umhin, sich gegen die überhand nehmende
Unsitte fehlerhafter Declination in den Naturwissenschaften auszu-
sprechen. Es kann nur idae endigen, was dann Masculinum ist.
Der Nominativ singularis muss heissen ides und declinirt nach der
ersten Declination. - Der Pluralis ida, und nun vollends idi ist
durchaus unlateinisch und unstatthaft. Es sind ja nicht Adjectiva
dreier Endungen.
124 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
mit Bauchflossen, 5 Arten, und Calamoichthys ohne Bauchflossen,
1 Art.
Die Familie Amiadae enthält nur die Gattung Amia mit 12
Arten, wovon neu B. Thompsonii Champlain-See, Piquotii Mis-
sissippi.
Lütken's Ansichten über die Grenzen und die Classification
der Ganoiden (vergl. Bericht über das Jahr 1869. p. 512) sind von
Neuem in der Bibliotheque Universelle und daraus Annais nat. hist.
VII. p. 329 niedergelegt.
Dipnoi. A. Dumeril musste in seiner Hist. nat. des pois-
sons II. 1870. p. 427 natürlich .noch die Ordnung Dipnoi aufrecht
halten, weil damals die Arbeiten von Günther über Ceratodus
noch nicht vorlagen. Sie wird auch dort durch die Gattungen Le-
pidosiren und Protopterus mit je einer Art gebildet.
Die Arbeiten von Günther über Ceratodus Annais nat. hist.
VII. p, 222, Proc. zool. soc. p.. 377 und Nature, a weekly Journal
28. Sept. 1871. p. 406 u. 428 haben wir den Lesern dieses Archivs
durch vollständige Uebersetzung im vorigen Jahrgange p. 325 vor-
gelegt. Seitdem ist nun auch Günther's vollständige Abhandlung
»Description of Ceratodus, a genus of Ganoid fishes recently disco-
vered in Rivers of Queensland, Australia« in den Philosopical Trans-
actions Part IL 1871. p. 511—571 erschienen, begleitet von 13 Tafeln.
Hancock und Atthey bildeten Annais nat. hist. VII. p. 190.
pl. XIII— XIV das Gebiss von mehreren Arten von Ctenodus ab, um
zu zeigen, dass Ceratodus Forsten von Dipterus und Ctenodus ge-
nerisch abweichen und sich näher an Lepidosiren anschliesst. na-
mentlich weil er zwei spitze Zähne vor den Zahnplatten besitzt,
wie Lepidosiren.
Polypterini. Traquair hat den Schädel von Polypterus un-
tersucht und findet ihn zwar aus einer geringeren Zahl von Kno-
chen zusammengesetzt als die gewöhnlichen Knochenfische, findet
aber doch die Zahl grösser als sie von Agassiz angegeben war.
Journal of anatomy and physiology V. 1871. p. 166 — 183 mit Taf. VI.
Acipenserini. N o 1 1 zeichnete die im Rhein und Main gefan-
genen Störe nach Zahl, Gewicht und Preis auf, so weit es ihm zu
erfahren möglich war. Zool. Garten p. 180.
Notizen über den Fang von Stören im Main gab B ö 1 1 g e r
im 12. Bericht des Offenbacher Vereins p. 12 u. 99.
Knoch machte Behufs der Sterlettbefruchtung eine Reise zu
Wolga, die von gutem Erfolge gekrönt -wurde. Die Sterlette laichen
bei Hochwasser in der ersten Hälfte des Mai. Die künstlich be-
fruchteten Eier schlüpften schon am siebenten Tage nach der Be-
fruchtung aus. Es ist gelungen, die befruchteten Eier und die aus-
geschlüpften jungen Sterlette sogar nach Schottland in einen See
des Herzogs von Sutherland zu bringen. Darauf schildert Verf. die
während des Jahres 1871. 125
Elitwickelung der jungen Sterlette. Bull. soc. imp. des Naturalistes
de Moscou 1871. p. 254—289 mit einer Tafel.
Murray spricht sich gegen die Angabe von Owsjanikow
und'Wagner , dass die Eier der Störe sieben Micropylen hätten,
aus. Er fand beim Sterlett wie bei den übrigen Stören, nur eine
Micropyle, die in einem trichterförmigen,, weiten, einfachen Kanal
besteht. Er führt ferner an, dass Knoch bei ganz jungen, eben
aus dem Ei geschlüpften Sterletten hinter der Lippe 18 Zähne ge-
funden habe, was er jedoch nicht selbst bestätigen konnte, ohne
damit die Angabe Knoch s widerlegen zu wollen. Proceed. zool.
soc. p. 11.
Selachii.
S t i e d a machte vorläufige Bemerkungen über das Gehirn
und Rückenmark der Rochen und Haifische. Readiconto dell' Ac-
cademia delle scienze fisiche e matematiche X. Napoli 1871. p. 243.
Gegenbaur untersuchte die Kopfnerven von Hexanchus gri-
seus mit der Absicht, ihr Verhältniss zu denen der höheren Thiere
zu ermitteln, und dadurch eine Grundlage für die Auffassung des
Schädels zu gewinnen. Jenaische Zeitschrift für Medicin und Na-
turwissenschaft VI. p. 497 — 559.
De Sanctis über die gewundene und complicirte Anhäu-
fung der Carotis einiger Haifische. Bullettino dell' Assoc. die Natu-
ralisti e Medici 1870. p. 27.
Squali. Chüoscyllium modestum Günther Proc. zool. soc. p. 654.
pl. 54 von Queensland.
Carcharias Ehrenbergii Klunzinger Verh. d. zool.-bot. Ges.
in Wien 21. p. 661 aus dem Rothen Meer.
Caleocerdo obtusus Klunzinger ib. p. 664 ebendaher.
Dirrhizodon n. gen. Klunzinger ib. Nähert sich in Be-
ziehung auf Zahnbildung den Lamnina, namentlich der Gattung
Carcharodon; es findet sich aber eine deutliche Nickhaut so wie
Spritzlöcher. D. elongatus aus dem Rothen Meer.
Rajae. Gherardi berichtete über zwei werthvolle( Manu-
scripte von Galvani über Torpedo. Memorie della Accademia di
Bologna IX. 1869. p. 147.
De Sanctis hat in Bullettino dell' assoc. dei Naturalisti e
Medici. Napoli 1870. No. 1. p. 4 Mittheilungen über die Embryo -
genie der electrischen Organe von Torpedo gemacht. Er unter«
scheidet fünf Stadien der Entwicklung : 1) Stadium squaliforme,
15 Mm. lang, 21/, Mm. breit; 2) Stadium rajiforme, 21V2 Mm. lang,
6 Mm. breit; 3) Stadium torpediforme, 27 Mm. lang, 11 Mm. breit;
4) Torpedinetta mit weissem Rücken, 52 Mm. lang, 26 Mm. breit ;
5) Torpedinetta mit geflecktem Rücken, 94 Mm. lang, 44 Mm. breit.
126 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie ct.
Alle sind noch immer im Oviduct. In dem ersten Stadium ist das
elektrische Organ noch nicht vorhanden, im zweiten ist es noch mi-
kroskopisch, in den übrigen ist es mit blossen Augen sichtbar.
Trygon liocöplialiis Klunzinger Yerhandl. d. zool.-bot. Ges. in
Wien 21. p. 678 aus dem Rothen Meer.
Urogymnus rhombeus Klunzinger ib. p. 683 ebendaher.
Bei Portorico wurde nach einer Notiz von Bello yEspi-
nosa, übersetzt von v. Martens, auf dem Strande bei Mayaguez eine
grosse Ceratoptera gefangen 4,87 Meter breit und 309 Pf. schwer.
Das Thier enthielt in seinem Bauche ein lebendes Junges von lx/s
Meter Breite. Zool. Garten p. 351.
Dicerobatis monstrum Klunzinger Verbandl. d. zool.-bot. Ges.
in Wien 21. p. 687 aus dem Rothen Meer.
Urölopus chilensis Günther Proc. zool. soc. p. 653. pl. 53
von Chile.
Cyclostomi,
Petromyzon Planeri kommt nach Landois auch in der
Nähe von Münster vor. Yerhandl. d. naturh. Vereins für d. preuss.
Rheinlande und Westphalen p. 57.
Geotria Allporti Günther Proc. zool. soc. p. 675. pl. 70 von
Tasmania.
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Mollusken während des Jahres 1871.
Von
T r o s c h e 1.
Von Pfeiffer's Novitates eonehologicae, Abbildung
und Beschreibung neuer Conchylien, 1. Abtheilung Land-
conchylien, erschienen im Jahre 1871 die 38. und 39. Lie-
ferung. Sie enthalten die Beschreibungen und Abbildun-
gen folgender Arten, unter denen keine neue: Helix
Hainanensis Adams, leucophthalma Pfr., Succinea rupi-
cola und tumida Blanf., Leptopoma trochus Dohrn, Po-
matias Himalayae Bens., croaticus Zelebor, dalmatinus
Parr., Alycaeus sculptilis Bens., Caroli Semper, otipho-
rus Bens., distortus Haines, Pseudachatina Wrighti Sow.,
Limicotaria flammea Müll., Ampullaria Wernei Phil., Pla-
norbis sundanicus Mart., Raimondii Phil., trigyrus Phil.,
Paludina? solida Phil., Nanina sumatrensis, clypeus, ful-
vizona Mouss., Streptaxis pellucens Pfr., exacutus Gould,
Buiimus Heerianus, Teysmanni, purus, appressus, Anda-
manensis Mouss., Helix collis, semirasa, Embrechtiana und
cryptopila Mouss.
In Küster's Systematischem Conchylien- Cabinet,
wovon im Jahr" 1871 die Lieferungen 202 bis 207 ausge-
geben wurden, ist die Gattung Tellina von Species 19
bis 104 fortgesetzt, wovon keine neu, die Gattung Ra-
nella wurde mit 39 Arten zu Ende geführt, unter denen
zwei als, neu beschrieben sind, und die Gattung Triton
wurde bis zur 31. Art gefördert, unter denen keine neu.
128 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Von Reeve's Conehologia iconica erschienen die
Parts 286 bis 289. Sic enthalten die Gattungen Ostrea
mit zahlreichen neuen Arten, Yoldia mit 2 Tafeln, Leda
mit 7 Tafeln und den Schluss von Nucula. Die neuen
Arten sind unten namhaft gemacht. In einer Anzeige
dieses Werkes in Amer. Journ. of Conchology VII. p. 241
bezweifelt Tryon wohl mit Recht, dass die zahlreichen
Arten von Ostrea Bestand haben werden.
Der 30. Part von Sowerby's Thesaurus Conchylio-
rum brachte den Text zur Gattung Oliva mit weiteren
11 Tafeln, so dass der Gattung im Ganzen 25 Tafeln ge-
widmet sind. Diese Monographie ist von Mar rat be-
arbeitet. Es werden 223 Arten unterschieden, mit ziem-
lich kurzen lateinischen Diagnosen versehen. Bei vielen
Arten steht Marrat als Autorname, sie weiden also
wohl von ihm als neu angesehen werden. Darüber wird
die Kritik zu entscheiden haben. Die Abbildungen schei-
nen, wie wir es in diesem Werke gewohnt sind, treu
zu sein.
Von H ar ting's Leerboek van de grondbeginselen der
Dierkunde in hären geheelen omvang erschien das erste
Stück der zweiten Abtheilung des dritten Theils, Tiel
1871, mit dem Anfang der Morphologie der wirbellosen
Thiere. Die Organe der Bekleidung und Bewegung der
Mollusken sind p. 81 — 122 abgehandelt, mit Holzschnitten.
Für diejenigen Leser, welchen es interessant ist, wie
die verschiedenen Zoologen die Stammbäume für die
Entstehung der Thiergruppen ausdenken, wollen wir hier
einen kurzen Artikel von Macdonald erwähnen (Annais
nat. bist. VIII. p. 221), worin er von den Rhizopoden als
erster Gruppe der Protozoen sich die Coelenteraten,
Molluskoiden und Mollusken entstanden denkt, wie er
aus den Gregarinen die Cestoiden, Nematoiden und Tre-
matoden, aus den Infusorien die Aprocta, Proctucha und
Echinodermen, aus den Noctiluken die Rotiferen, Anne-
liden und Articulaten ableitet. Die erstere dieser vier
Reihen ist unzweifelhaft, so sagt Verf., die königliche
Strasse zu den Vertebraten, — wenn es überhaupt eine
giebt, fügt er hinzu.
der Mollusken während des Jahres 1871. 129
Dali hat bei Acmaea Borneensis Reeve gestreifte
Muskelfasern gefunden , welche der Radula anhingen.
Dana and Silliman Amer. Journal 3. Series Vol. I. p. 123;
Annais natur. hist. VII. p. 312; vergl. auch Journal de
Conchyl. 19. p. 258.
Darwin spricht in seinem Werke „die Abstam-
mung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl.
Uebersetzt von Victor Carus" I. p. 290 den Mollusken
secundäre Geschlechtscharaktere ab. Einige Heteropo-
den besitzen jedoch im männlichen Geschlechte einen
Saugnapf am Kiele, der den Weibchen fehlt; auch mö-
gen sonst noch Geschlechtsdifferenzen vorkommen, die
bisher nicht beachtet sind.
In Smithsonian miscellaneous collections 227 hat
G i 1 1 ein Arrangement of the families of Mollusks zu-
sammengestellt, wie es bei der Aufstellung im Museum
des Smithsonian Institute zur Anwendung gebracht ist.
In der Einleitung spricht er sich über die Grundsätze aus,
die ihm leitend gewesen sind. Als oberste Abtheilungen
bezeichnet er die Mollusca vera mit drei Ganglienpaaren
und die Molluscoidea mit nur einem Ganglienpaar, das den
Fussganglien der Mollusca vera entspricht. Bei den Ord-
nungen spricht er sich namentlich gegen die Vereinigung
der Dentalien und Chitoniden mit den Patellen aus.
Er führt ferner aus, dass wenn auch die Modifikationen
gewisser Organe die besten Anzeiger für die Verwandt-
schaften in einer Gruppe oder Klasse sind, dieselben in
einer anderen nicht den gleichen Werth haben. Als
Beispiel wählt er die charakteristische Bezahnung bei
den Carnivoren , Ungulaten und Nagern unter den Säu-
gethieren, wogegen bei den Marsupialien das Gebiss we-
niger Werth habe. Ebenso sei die Bezahnung der Radula
bei den Pectinibranchiern zum obersten Charakter geeig-
net, nicht aber bei den Tectibranchiern oder Nudibran-
chiern. Dagegen lässt sich viel sagen. Das Verzeichniss
enthält 356 Familien, wovon 283 auf die Mollusca vera
kommen, mit Einschluss der fossilen. Die Eintheilung
der Cephalopoden bringt nichts wesentlich neues. Die
Gasteropoden zerfallen in Subclassis I Dioeca mit den
Archiv für Nattirg. XXXVIII. Jahrg. 2 Bd. I
130 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Ordnungen Pectinibranch ia (Toxoglossa, Rhachiglossa,
die in Typica, Odontoglossa, Duplohamata, Hamiglossa
und Atypoglossa getheilt werden ; Taenioglossa mit den
Gruppen Rostrifera, Rostrum with invertible tip, und Pro-
boseidifera , Ptenoglossa) ; Heteropoda; Rhipido-
glossa (Pc-dophthalma, Dicranobranchia) ; D ocog lossa
(Proteobranchia, Abranchia) ; Polyp lacophora. Sub-
classis II Pu Im onifera mit den Ordnungen G eophila,
Basommatophora. Subclassis III Opisthobran-
chiata mit den Ordnungen T ectibranchiata, Nudi-
branchiata (Pygobrancbia, Polybranehia und Entocon-
chacea). Suclassis IV Pter o poda mit den Ordnungen
Thecosomata und Gymnos omata. Subclassis V Pr o-
sopocephaia mit den Ordnungen S o lenoc onchae.
— Die Klasse Conchifera zerfällt in die Ordnungen D i-
myaria; Metarrhiptae (Tritacnidae); Heteromya-
ri a (Mytilidae); Monomyaria; Rudista. Die Mol-
luscoiden theilt dann der Verf. wieder in Klassen: I. Tu-
nicata mit den Ordnungen Sacc obr anchia^ Dacty-
l obranchi a (Pyrosomidae) ; T aeniobranchia (Do-
liolidae, Salpidae) ; Larvalia (Appendiculariidae). II.
Brachiopoda mit den Ordnungen Arthrop omata und
Lio po mala. III. Polyzoa mit den Ordnungen Phy-
lactolaemat a, Gymn olaemata, Rhabdo p l eurae f.
Mörch setzte seinen Versuch einer Geschichte der
conchyliologischen Nomenclatur (vergl. Ber. üb. d. Jahr
1868. p. 62) fort, und führte sie bis zu Perry im Jahr 1811.
Malak. ßl. 18. p. 16—38.
Mörch konnte von einer Anzahl Arten aus dem
Verzeichniss der Malsburg'schen Conchyliensammlung von
Mcnke nach den Originalexemplaren die Bestimmung be-
richtigen, was sehr dankenswerth ist, da, wie er sagt,
unzulänglich beschriebene und generisch falsch bestimmte
Arten eine der grössten Lasten der Wissenschaft sind.
Malak. Bl p. 125.
Aus dem Berichte über Conchyliologie von A n-
thony in Annual Report of the Museum of comparative
zoology at Ilarward College in Cambridge for 1870 he-
der Mollusken während des Jahres 1871. 131
ben wir nur hervor, dass die Sammlung damals 73125
Stücke, die auf 28667 Brettchen aufgestellt sind, bestand.
Die Arbeiten über die geographische Verbreitung
der Mollusken und über einzelne Faunen sind im Jahre
1871 wieder reichlich dargeboten.
Ein Werk „Les fonds de la iner, e*tude sur les par-
ticularites nouvelles des regions s^ismarines par Berchon,
de Folin, Perier. Bordeaux 1868 — 70", in welehem de
Fol in den malakologischen Theil bearbeitet hat, ist mir
nur aus einer Anzeige in den Malak. Blättern 17. p. 133
bekannt geworden. Es behandelt Untersuchungen der
verschiedensten Punkte der Erde und bringt viele neue
Gattungen und Arten, die auch abgebildet sind, meist
sehr kleine Formen. leb bedaure wegen Mangels an
Einsicht in das Buch selbst, nicht näher berichten zu
können ; es scheint als ab die einzelnen Kapitel wichtige
Beiträge zu den Faunen der untersuchten Lokalitäten
bildeten.
Europa. Kobelt veröffentlichte einen „Catalog der
im europäischen Faunengebiet lebenden Binnenconchy-
lien, mit besonderer Rücksicht der in Rossmässlers Samm-
lung enthaltenen Arten. Cassel 1871.* Die Veranlas-
sung hierzu war die Erwerbung der Rossmässler'schen
Sammlung für die Normal-Sammlung der deutschen ma-
lacozoologischen Gesellschaft, die im Senkenbergischen
Museum zu Frankfurt a. M. aufgestellt ist. In das Fau-
nengebiet zieht Verf. ganz Europa, Nordafrika, Vorder-
asien und Sibirien. Das Verzeichniss enthält nahezu
1600 Arten in 49 Gattungen. Nur die Namen, ohne Sy-
nonyme, und die Fundorte angegeben. Das p. XV dar-
gelegte System entspricht nicht dem gegenwärtigen Stande
der Wissenschaft. Es ist überhaupt zu bedauern, dass
die Conchyliologen sich noch immer nicht recht ent-
schliessen mögen, das System anzunehmen, welches auf
anatomischer Basis Anerkennung gefunden hat, zumal
wenn, wie hier, darauf gerechnet wird, dass Sammlungen
danach geordnet werden sollen. Verf. theilt folgender-
massen ein: A. Univalvia. I. Inopercalata. a.Sty-
lommatophora. a. Testacellea (Gatt. Testacella 4 Ar-
132 T rose hei: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
ten, Daudebardia 9, Glandina 1, Parmacella 2). ß. Viiri-
nacea (Gatt. Limax 13, Lehmannia 1, Amalia 2, Vitrina 13,
Zonites 12, Hyalina 63, Leucochroa 15). y. Helicea (Gatt.
Geoiualaeus 1, Arion 4, Helix 413, Buliminus 97, Cio-
nella 52, Stenogyra 1, Pupa 101, Zospeum 10, Balea 8,
Clausilia 438). d. Succinea (Gatt. Succinea 7). b. Ba-
sommatophora. a. Terrestria (Gatt. Carychium 1).
ß. Aquaiilia (Gatt. Limnaea 11, Amphipeplea 1, Physa 13;
Planorbis 27, Ancylus 8. — II. 0 p erculata. a. Terre-
stria (Gatt. Acme 12, Pomatias 17, Cyclostoma 7). ß.
Aquaiilia (Gatt. Paludina 5, Bitbynia 21, Hydrobia 31, Am-
nicola 28, Paludinella 32, Lithoglyphus 7, Emmericia 1,
Valvata 12, Pyrgula 1, Melania 5, Melanopsis 21, Neri-
tina 11. B. Biv alvia. a. Najadea (Gatt. Unio 21, Mar-
garitana 2, Anodonta 3). b. Cycladea (Gatt. Cyclas 7, Pi-
sldium 14). c. Ticliogoniacea (Gatt. Ticbogonia 3). Ein
ausführliches Inhaltsverzeichniss erleichtert die Benutzung.
Der Kobelt'scbe Catalog gab E. v. Mar tens Veran-
lassung, Bemerkungen über dessen Ciassinkation und zahl-
reiche Arten zu machen. Nachrichtsblatt p. 149 u. p. 167.
Westerlund, Fauna Molluscorum terrestriurn et
fluviatilium Sueciae, Norvegiae et Daniae, 1. Landmol-
lusken. Stockholm 1871. Der Text ist schwedisch ge-
schrieben, die Diagnosen sind lateinisch. Das vorliegende
He,ft enthält 6 Limax, 1 Lehmannia, 2 Vitrina, 1 Conu-
lus, 8 Zonites, 4 Arion, 29 Helix, 2 Buliminus, 2 Coch-
licopa, 1 Acicula, 11 Clausilia, 3 Balea, 23 Pupa, 1 Allo-
glossa, 4 Succinea, 1 Carychium. Ausser der Beschrei-
bung ist bei jeder Art auf die Fundorte und die Verbrei-
tung besondere Rücksicht genommen.
Westerlund, Expose critique des Mollusques de
terre et d'eau douce de laSuedeet de la Norvege. Upsal.
1871 erschien in Nova Acta Reg. Soc. Upsalensis Ser. III.
Vol. VIII. ' Um die Auffassung des Verf. über die An-
ordnung der Mollusken mitzutheilen, zählen wir seine
Familien, Subfamilien und Gattungen auf, und geben bei
letzteren die Zahl der Arten. Farn. Limacidae, Subfam.
Limacina mit 4 Limax, und zwei Subspecies, 1 Lehmannia,
Subfam. Vitrinina mit 1 Vitrina, 1 Conulus, 8 Zonites;
der Mollusken während des Jahres 1871. 133
Farn. Helicidae., Subfam. Arionina mit 4 Arion (1 neu),
Subfam. Helicina mit 22 Helix (1 neu), 'Subfam. Pupina
mit 2Buliminus, 1 Cochlicopa, 1 Acicula, 9 Clausilia, 1 ßa-
lea, 22 Pupa (5 neu), 1 Alioglossa 5 Farn. Succinidae mit 4
Succinea ; Farn. Auriculidae mit 1 Carychium; Fam. Lim-
naeidae, Subfam. Limnaeina mit 6Limnaea, 1 Ampbipeplea,
1 Pbysa, 1 Aplexa, Subfam. Planorbina mit 16 Planorbis
(1 neu), Subfam. Ancylina mit 1 Ancylus, 1 Acroloxus;
Farn. Valvatidae mit 4 Valvata; Farn. Paludinidae mit 2
Paludina, 2 ßythinia; Farn. Rissoidae mit 1 Hydrobia;
Fam. Neritidae mit 1 Neritina; Farn. Spbaeriidae mit 2
Sphaerium, 9Pisidium; Fam. Unionidae mit 3Unio, 1 Mar-
garitana, 1 Anodonta, zusammen 136 Arten. Dabei ist
zu bemerken, dass Verf. zahlreiche Subspceies unterschei-
det, die er mit eigenen Namen belegt. — In einem
Schlussabschnitte geht Verf. auf eine nähere Betrachtung
der Mollusken-Fauna der verschiedenen schwedischen
Provinzen ein.
Mörch stellte eine Synopsis Molluscorum marino-
rum Daniae in Vidensk. Meddelelser 1871 p. 157—225 zu-
sammen. Im Eingange giebt er eine Uebersicht der Lit-
teratur, dann folgt das Verzeichniss mit 233 Arten, näm-
lich 140 Schnecken und 93 Muscheln. Fünf Nacktschnek-
ken werden als neu angesehen, darunter zwei vonBergh
bestimmte neue Gattungen, s. unten.
Sars veröffentlichte das Verzeichniss der Mollusken
von Christianiafjord. Nyt Magazin for Naturvidenska-
berne XVII. p. 161—226. Es enthält 2 Cephalopoden,
70 Gastropoden, 1 Pteropoden, 32 Muscheln, 5 Tunicaten
und 25 Polyzoen. Einige neue Gattungen und Arten sind
unten namhaft gemacht.
Möbius hielt einen Vortrag über das Verhältniss
der Meerestemperatur zur Grösse und Verbreitung der
Mollusken. Er bezog sich auf die Mollusken der Ostsee,
die er als eurytherm bezeichnet, weil sie weite Wärme-
schwankungen ertragen können, und die deshalb eine
weite horizontale und verticale Verbreitung haben. Ta-
geblatt der Versammlung zu Rostock p. 109.
Als einen Beitrag zur Fauna der deutschen Meere
134 Trosohel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
verzeichnete Metzger, Lehrer am Polytechnicum zu
Hannover, die wirbellosen Meeresthiere der ostfriesischen
Küste. Nach einer Schilderung der Beschaffenheit des
Gebietes (wobei Verf. drei natürliche Bezirke unterschei-
det: das Brakwassergebiet, das Wattenmeer und die
eigentliche Nordsee), und Vertheilung der Thiere, folgt
eine Uebersicht alier bis jetzt beobachteten Arten, und
zwar von Mollusken 2 Cephalopoden, 33 Schnecken und
41 Muscheln. Tunicaten gehören zu den grössten Selten-
heiten. Die Schrift, 15 Seiten in Quart, ist mir durch
die Güte des Verfassers zugekommen, wahrscheinlich ein
Separatabdruck aus einer Zeitschrift.
Es folgt ein zweiter Beitrag der wirbellosen Meeres-
thiere der ostfriesischen Küste von Metzger im 21.
Jahresbericht der naturhist. Ges. zu Hannover 1871. p. 20.
Derselbe theilt die Ergebnisse der im Sommer 1871 un-
ternommenen Excursionen mit , die sich namentlich auf
die grösseren Tiefen, jenseits der 10 Faden -Linie er-
streckten bis zur Tiefe von 23 Faden, welche bereits 10
bis 12 geogr. Meilen vom Strande der Inseln Borkum und
Juist entfernt ist. Etwa 20 Arten werden dem früheren
Verzeichnisse hinzugefügt.
Struck fand bei einer Schleppe etz-Excursion mit
v. Maltzan in der Ostsee zwischen Wismar und Poel
Neritina fluviatilis Var. marina (baltica Beck), Paludina
muricata, Littorina littorea, Mytilus edulis, Cardium edule,
Tellina baltica und Mya arenaria. Meklen burger Archiv
24. p. 69.
Reinhardt zeigte an, dass Liebe auf der Greifs-
walder Oie 7 Conchylien sammelte, darunter Balea fra-
gilis, und ebenso auf der Insel Usedom 35 Arten. Nach-
richtsblatt p. 164.
Strebel fügte der CoDchylienfauna Hamburgs 6 Ar-
ten hinzu. Nachrichtsblatt p. 15.
Fr i edel machte wieder Betrachtungen über Weich-
thiere der Mark Brandenburg. Nachrichtsblatt p. 73.
Von Möllend orff lieferte einen kleinen Nach-
trag zu dem Verzeichniss der in der Preussischen Ober-
der Mollusken während des Jahres 1871. 135
lausitz vorkommenden Binnenmollusken. Abhandl. der
naturf. Gesellsch. zu Görlitz XIV. p. 68.
Reinhardt machte Mittheilungen über die Mollus-
kenfauna des salzigen See's und einiger anderen Punkte
bei Halle an d. S. im Nachrichtsblatt d. d. malak. Ges.
p. 2-9 u. p. 57—60.
Kobelt schildert anziehend die Molluskenfauna von
Nassau im Allgemeinen, und hebt namentlich die Ar-
muth der Bergfauna gegen die der Ebene hervor. Malak.
Bl. 18. p. 200— 212.
Eine ausführliche und umfangreiche Abhandlung
über die Fauna der Nassauischen Mollusken erschien denn
von Kobelt in den Jahrbüchern des Nassauischen Ver-
eins für Naturkunde XXV. p. 1 — 286. Nach einer Ein-
leitung, in der über Umgrenzung des Gebietes, Literatur,
Stellung im Thierreich, Sammeln und Aufbewahren,
Zucht lebender, Terminologie, Verhältniss der Mollusken
zur übrigen Natur und das System gehandelt wird, bei
welchem letzteren unter den Schnechen noch Operculata
und Inoperculata gegenübergestellt werden, folgt dann
der specielle Theil. In ihm wird eine Uebersicht der
Anatomie, der Entwickelung und Lebensweise gegeben.
Die dann aufgezählten und beschriebenen Arten sind :
2 Daudebardia, 4 Arion, 1 Amalia, 8 Liruax, 5 Vitrina,
9 Hyalina, 24 Helix (3 Patula, 1 Acanthinula, 2 Vallonia,
1 Gonostoma, 1 Triodopsis, 8 Fruticola, 3 Xerophila,
1 Arionta, 1 Chilotrema, 2 Tachea, 1 Pomatia), 4 Buli-
minus, 3 Cionella, 12 Pupa, 1 Balea, 9 Clausilia, 3 Suc-
cinear 1 Carychium, 9 Limnaea, 2 Physa, 13 Planorbis,
2Ancylus, 1 Acme, 1 Cyclostoma, 1 Paludina, 2 Bithynia,
1 Hydrobia, 4 Valvata, 1 Neritina, 3 Unio, 3 Anodonta,
5 Cyclas, 4 Pisidium, 1 Tichogonia, zusammen 140 Arten,
nämlich 124 Schnecken in 26 Gattungen, und 16 Muscheln
in 5 Gattungen. Neun Tafeln begleiten diese Arbeit. —
Bemerkungen über dieselbe machte F. Sandberg er
Nachrichtsblatt p. 208.
Kobelt stellte eine Reihe von Beobachtungen zu-
sammen, die ihm von Weinkau ff und Koch mitge-
theilt waren, des ersteren aus der Gegend von Creuz-
136 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
nach, des letzteren von Dillenburg, wonach die Mollusken-
Fauna sich verändert, meist vermindert hat. Nachrichts-
blatt d. malak. Ges. p. 9 — 14.
v. Härtens machte einige kurze Bemerkungen
über die Mollusken des Elsass und Lothringens. Sitzungs-
berichte der Gesellsch. naturforschender Freunde zu Berlin.
1871 p.98.
Mo riet hat ein Verzeichniss der Land- und Süss-
wasser-Mollusken von Neu-Breisach, Colmar und Beifort
zasammengestellt, während er Commandant von Neu-Brei-
sach war. Es enthält 7 x\rion, 1 Krinickia, 2 Limax,
2 Vitrina, 5 Succinea, 10 Zonites, 23 Helix, 4 Bulimus,
1 Achatina, 1 Ferussacia, 12 Clausilia, 1 Balea, 10 Pupa,
5 Vertigo, 1 Corychium, 11 Planorbis, 3 Physa, 9 Lim-
naea , 5 Ancylus, 1 Pomatias , 1 Vivipara, 1 Bythinia,
2 Hydrobia, 3 Valvata, 1 Neritina, 5 Anodonta, 6 Unio,
1 Dreissena, 4 Cyclas, 2 Pisidium, zusammen 145 Species.
Journal de Conchyl. 19. p. 34.
Leydig machte in den Württembergischen Jahres-
heften 27. p. 210 Bemerkungen über eine Reihe von Mol-
lusken. Namentlich haben die Nacktschnecken, 4 Arion
und 7 Limax des Verf.'s Aufmerksamkeit auf sich gezo-
gen; einen Limax hält er für neu, über die Verbreituug
der Arten, ihre Varietäten und die Synonyme älterer
Schriftsteller äussert er sich ausführlich, und sind diese
Bemerkungen für die Kenntniss der Arten wichtig. Auch
über zahlreiche Gehäusschnecken und einige Muscheln
finden sich Angaben, welche im Einzelnen hier anzufüh-
ren nicht thunlich ist.
Clessin, die Mollusken-Fauna der Umgegend von
Augsburg. 21. Bericht des Naturhistorischen Vereins in
Augsburg p. 81—125. Verf. setzt die Thätigkeit der
Mollusken darin, den an schattigen Orten eintretenden
Fäulnissprozess abgeworfener Pflanzentheile nicht zu
schädlichen Einflüssen auf die höher organisirten Wesen
gelangen zu lassen, und erklärt dieselben, mit wenigen
Ausnahmen der Pflanzenkultur gefährlicher, für nützlich.
Dies gilt von Land- wie Wasserschnecken. Das Ver-
zeichniss, welches 110 Arten enthält, sieht Verf. für
der Mollusken während des Jahres 1871. 137
ziemlich vollständig an. Es sind 3 .Arion, 6 Limax,
2 Daudebardia, 3 Virtrina, 11 Hyalina, 24 Helix, 3 Buli-
niinus, 1 Cionella, 8 Clausula, 2 Pupa, 6 Vertigo, 3 Suc-
cinea, 1 Carychium , 2 Ancylus, 6 Limnaea, 2 Physa,
9 Planorbis, 2Valvata, 1 Paludina, 1 Bythinia, 3 Anodonta,
1 Unio, 2 Cyclas, 8 Pisidium. — Innerhalb der einzelnen
Thaler ist nach deren Kalkhaltigkeit ein nicht unbeträcht-
licher Unterschied in der MeDge der Individuen, so wie
in dem Vorkommen einzelner Arten. Die Thalgründe
der Donau, des Lech und des Wertach sind sehr kalk-
haltig, während die der Schmutter und Mindel kalkarm,
das des Zusamm für sehr kalkarm gelten können. Demnach
fehlen im Zusamm - und Schmutterthale Helix villosa,
bidens, strigella, candidula, Pupa frumentum und Valvata
piscinalis. Die Zone der Alpen und Voralpen erhält
ihren Charakter durch die grosse Zahl der Clausilien und
durch die Vermehrung der Helixgruppe Campylaea, die
Zone der südbaierischen Hochebene durch das zahlreiche
Auftreten der Helixgruppe Fruticola, so wie die in den
Thälern der Alpenflüsse angesiedelten alpinen Species,
die Zone des Urgebirges zeichnet sich durch grosse Ar-
muth an Species und Individuen aus, die Zone des Jura
ist vorzüglich durch die trockene Orte und Felsen lie-
bende Helixgruppe Herophila, durch die Pupaceen und
Buliminus detritus charakterisirt. — In einem Nachtrage
fügt Verf. der Fauna Arion subfuscus, Clausula cana und
Pupula polita hinzu.
Clessin bezeichnete einige Varietäten südbaieri-
scher Binnenmollusken. Nachrichtsblatt p. 126.
Ed. v. Martens setzte seine Literatur der Mollus-
ken Deutschlands fort. Er kömmt zum Donaugebiet.
Nachrichtsblatt d. malak. Gesellsch. p.81— 85, p. 161—164,
p. 179-185 u. p. 193-197.
Brusina's Contribution ä la Malacologie de laCroa-
tie. 2. Edit. traduite en francais Agram. 1870 ist mir nur
aus Pfeiffer's Anzeige in Malak. Bl. p. 139 bekannt ge-
worden. Es zählt auf: 1 Melanella, 2 Melanopsis, I Hy-
drobia, 3 Bythinella, 5 Lithoglyphus, 1 Leptoxis, 3 Bythi-
nia (eine neu), 2 Vivipara, 1 Valvata, 2 Neritina, 2 Fe«
138 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
russacia, 1 Oleacina, 1 Stenogyra, 4 Zonites, 8 HelicelJa
(eine neu), 1 Conulus, 3 Vitrina, 4 Succinea, 6 Bulimus,
10 Pupa, 1 Zospeuin, 33 Clausilia; 41 Helix (eine neu),
2 Carychium, 5 Limnaea, 2 Physa, 5 Planorbis, 1 Ancylus,
1 Acroloxns, 1 Cyclostomus, 4 Pomatias, 2 Acme, 2 Sphae-
rium, 2 Pisidiura, 4 Unio, 3 Anodonta, zusammen 169
Arten. — Auch v. Möllendorf hat eine Anzeige dieses
Werkes im Nachrichtsblatt Malak. Ges. p. 20—40 gege-
ben, woran sich p. 61 auch Bemerkungen über die Fauna
von Slavonien schliessen.
0. v. Möllendorf berichtete Nachrichtsblatt p.65
über die Fauna von Bosnien, wo er 46 Arten sammelte,
die aufgezählt sind. In einer Bemerkung zu diesem
Aufsatze erkannte Kobelt eine Campylaea für neu.
Folin und Fischer berichteten über die Schlepp-
netz-Forschungen der Fosse du Cap Breton in Comptes
rendus 72. p. 862. In der Tiefe von 25 bis 30 Faden
fanden sie vorherrschend Ringicula buccinea; von 70 — 90
Faden Nassa semistriata , Ringicula buccinea, Mangelia
brachystoma, Fellina compressa und Dentalium Janii Hör-
nes, das als fossil aus dem Miocän beschrieben war, bei
135—180 Faden Tiefe eine neue Art Dentalium; bei 250
Faden Nassa semistriata und andere Mollusken. Ganz
anders waren die Erfolge auf felsigem Grunde. Da fan-
den sich bei 45 Faden Tiefe 6 Arten Brachiopoden und
zahlreiche andere Mollusken; bei 70 — 80 Faden viele
Brachiopoden, Muscheln und Schnecken, von denen mehrere
eine mittelmeerische Physiognomie zeigen.
Faune rnalacologique marine de l'Ouest de la France.
Catalogue des Mollusques observes dans 1' Atiantique fran-
Qais, depuis les paragös de Brest jusqu'aux frontieres
d'Espagne. Supplement. Par Tasle pere. La Rochelle
1870. Ist mir nur aus einer Anzeige im Journal de
Conchyl. bekannt geworden. Daselbst ist ein neues On-
chidium und eine neue Scintilla beschrieben.
Hojas Malacologicas. Coleccion de Memorias Datos
y Noticias sobre los Moluscos terrestres de Espanna y Por-
tugal bajo la direccion de J. G. Hidalgo. Madrid 1870—71,
der Mollusken während des Jahres 1871. 139
angezeigt im Nachrichtsblatt p. 143, ist mir nicht zu Ge-
sicht gekommen.
Von Hidalgo's Moluscos marinos de Espana, Por-
tugal y las Baleares ist 1870 die 2. und 3. Lieferung er-
schienen. Sie enthalten nach dem Berichte von Crosse
im Journal de Conchyl. 19. p. 153 die Monographien der
Genera Lutraria, Eastonia, Callista, Dosinia, Caryatis,
Seaphander, Bulla und Haminea. Die 4. Lieferung ent-
hält die Monographie der Gattung Fasciolaria.
Die Gebrüder Villa verzeichneten im Bullettino
Malac. Italiano IV. p. 81 die Arten und Varietäten der
Mollusken der Lombardei. Das Verzeichniss enthält nur
die nackten Namen.
Elenco sistematico degli animali del Mare adriatico
riuniti nella separata divisione della Fauna adriatica del
Museo. Dieses ohne Verfasser, ohne Ort des Erscheinens
und ohne Jahreszahl erschienene Verzeichniss erhielt ich
durch die Güte des Hrn. Prof. St os sich in Triest, und
vermuthe wohl mit Recht, dass es sich auf das Triester
Museum bezieht. Es hat die Bedeutung einer Fauna des
adriatischen Meeres und enthält von Mollusken 3 Brachio-
poden, 164 Muscheln, 277 Schnecken. 1 Heteropoden und
10 Cephalopoden, zusammen 455 Arten.
Brusina, Saggio della Malacologia Adriatica, Bull,
malacologico Italiano IV. p. 5 bespricht Cerithiopsis bili-
neata Hörnes und Fossarus azonus.
Manzoni berichtete nach Carpenter und Jeffreys
Bericht in den Proc. Royal Soc. No. 125 über die mala-
kologische Fauna grosser Tiefen des Mittelmeeres. Bul-
lettino malacologico Italiano IV. p. 97. Vergl. dazu auch
ib. p. 108.
Afrika. Bergh hat Verb. d. zool.-bot. Gesellsch. in
Wien 22. p. 1273 die Bewohner des Sargassomeeres, wel-
ches sich von den Azoren, Canaren und Capverden bis
zu den westindischen und den Bermudas-Inseln ausdehnt
und durch Massen schwimmenden Seegrases bis in grosse
Tiefe erfüllt ist, so weit sie der Klasse der Mollusken ange-
hören, seiner Aufmerksamkeit gewürdigt. Er unterschei-
det zufällige Bewohner, die auch ausserhalb der Gren-
140 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
zen jener Mecresstrecke vorkommen, theils wirkliche,
die an das Meeresgras gebunden sind. Zu jenen zählt
er die atlantischen Pteropoden und Heteropoden, die Jan-
thinen, Glaukcn, Phyllirhoe, zu diesen die Litiopen und
verschiedene nudibranchiate Gasteropoden, besonders die
Fionen und die Syllaeen, auch verschiedene Aplysien
und Patelliden. Verf. beschreibt nur eine kleine Reihe
neuer Formen von Gasteropoden aus dem Sargassomeere,
nämlich Doto pygmaea, Cuthona pumilio, Spurilla sargas-
sicola, Corambe sargassicola und Patina teJla, s. unten.
Du Cane Godman's Buch, National history of
the Azores, or Western-Islands ist mir nicht zu Händen
gekommen. Nach einer Anzeige in Annais nat. bist. VII.
p. 243 zählt eine kurze Uebersicht der Landmollusken,
von Tristram, alle von Morelet und Drouet ver-
zeichneten Arten auf.
Edgar Smith verzeichnet 92 Arten Conchylien
von der Westküste Afrika's, meist mit dem Schleppnetz
zu Whydah an der Dahomey-Küste gesammelt. Darunter
befindet sich eine ziemliche Anzahl neuer Arten. Proc.
zool. soc. p. 727.
Bianconi beschrieb in seinen Specimina zoologica
mosambicana Venus corbis Lam., Venus verrucosa Lam.
und Conus litteratus. Memorie della Accademia di Bo-
logna IV. 1869. p. 204. Er beschreibt ferner ib. p. 218
zwei neue Muscheln aus den Gattungen Area und Tri-
daena.
Fischer fügte, Journ. de Conchyl. 19. p. 209 sei-
nem Verzcichniss der Mollusken von Suez (vergl. vorj.
Ber. p. 124) diejenigen 50 Arten hinzu, welche seitdem
dort gesammelt worden sind. Es sind 14 Schnecken und
36 Muscheln. Eine Anzahl Eulima, Chemnitzia, Cylichna ct.
hat er übergangen, weil sie nicht sicher zu bestimmen
waren.
Fischer berichtete ferner über die Schleppnetz-
Unternehmung Mac-Andrew's im Golfe von Suez. Jour-
nal de Conchyl. 19. p. 219. Sie wurde im Februar und
März 1869 angestellt (vergl. vorj. Ber. p. 125). Er schliesst
der Mollusken während des Jahres 1871. 141
daran Bemerkungen über das Verhältniss dieser Fauna
zu denen der übrigen Meere.
Von Maltzan fand in der Nähe von Suez 61 Ar-
ten Mollusken, von denen keine bisher im Mittelmeer ge-
funden ist. Nachrichtsblatt p. 202.
Das Verzeichniss der Mollusken, welches Gevrey
Essai sur les Comores, Pondichery 1870. p. 70 giebt, ent-
hält meist nur die Gattungsnamen, ist also kaum irgend-
wie brauchbar.
Ueber einige von Deshayes (1863) aufgezählte
Mollusken von Ile de la Reunion machte Pease Bemer-
kungen. Journ. de Conchyl. 19. p. 101. Er verwirft den
Namen Neritina Sandwichensis, nennt die von Reeve
unter diesem Namen abgebildete N. Mauritii, die von der
Insel Bourbon nennt er Deshayesii; Prasina borbonicaDerb.
gehöre zur Gattung Julia Gould ; Nassa onerata Desh. be-
stimmt er als N. obliqua.
Asien. E. v. Martens hat die Land- und Süsswas-
ser-Conchylien bestimmt, welche Ehrenberg während
seiner Reise nach dem Ural und Altai 1829 gesammelt
hatte. Es sind 26 Arten von 19 verschiedenen Fundor-
ten. Es 'herrscht diesseits und jenseits des Ural, im
mittleren Russland und im westlichen ebenen Sibirien we-
sentlich dieselbe Molluskenfauna. Helix fruticum ist die
einzige grössere Landschnecke ; Unionen fehlen in den
grossen Strömen Sibiriens. Die Fauna des Uralgebirges
selbst hat keine ihr eigene Art ergeben, sie ist eine fin-
nische,, dagegen scheint im Altai eine reichere Land-
schneckenfauna zu beginnen. Von einem der äussersten
Punkte seiner Reise hat Ehren berg Helix bicallosa Friv.
und eine neue Succinea mitgebracht. Sitzungber. d. Ges.
naturforschender Freunde zu Berlin 1871. p. 45.
E. v. Martens: Ueber einige Schnecken von Palä-
stina. Malak. Bl. 18. p. 53. Er bespricht daselbst 21 Ar-
ten, die von Kiepert in Palästina, hauptsächlich im
Jordanthal, gesammelt waren.
Pfeiffer beschrieb drei neue Landschnecken aus
Südkaukasien am Gaspischen Meere, Malak. Bl. 18. p. 69.
E. v. Martens bezeichnet Parmacella Olivieri Cuv.,
142 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Relicarion Sogdianus n. sp., Hclix Krynickii Andr. und
Cyrena fluminalis Müll, als die ersten aus Samarkand be-
kannt gewordenen Conchylien. Sie wurde ihm aus Mos-
kau zugesandt. Malak. BI. 18. p. 61. Er weist bei die-
ser Gelegenheit auf die von Hutton im Journ. of Asiat.
Soc. of Calcutta 17. 2. 1849 im Kandahar gesammelten
Arten hin.
G. und H. Nevill stellten im Journal of the Asiat.
Soc. of Bengal 39. IL 1871 eine Reihe neuer Arten von
Ceylon, Mauritius und Pooree im Meerbusen von Benga-
len auf, die unten namhaft gemacht werden.
In No. 11 der Contributions to Indian Malacology,
Journal of the Asiat, soc. of Bengal 39. Part IL 1870 be-
schrieb W. Blanford eine Reihe neuer Arten, die un-
ten namhaft gemacht werden. Er führt ferner für Crc-
mnobates den Namen Cr emno c onohus ein, und theilt
seine Beobachtungen über Anculotus carinatus Layard,
den er zu Cremnoconchus zieht, so wie über Arten der
Gattungen Nanina und Helix mit.
Henry Blanford: On some undescribed spccies
of Camptoceras and other Landshells. Journal Asiat, soc.
of Bengal 40. IL 1871. p. 39. Die neuen Arten sind un-
ten angegeben.
Notes on terrestrial Mollusca from the neighbourhood
of Moulmein (Tenasserim provinces), with descriptions of
new species, by Dr. Stoliczka. Journ. Asiat, soc. of Ben-
gal 40. Part IL p. 143—177 und p. 217—259, mit 8"Tafeln.
Ich kann nur über den ersten Theil dieser Abhandlung
berichten; der zweite ist mir noch nicht bekannt gewor-
den, und kann ich darüber nur die Angaben aus dem
Berichte im Journ. de Conchyl. p. 364 mittheilen. Die
Fauna von Moulmein schliesst sich an die der Provinzen
Siam und Camboja und ist malayisch. Sie ist sehr reich
und wird besonders interessant durch ihre eigentümlichen
Formen, wofür die physikalische Beschaffenheit der Gegend
die Erklärung giebt. Dieselbe besteht aus isolirten Hü-
geln und kurzen Hügelreihen, die aus Sandstein oder noch
häufiger aus Kalk bestehen. Einige erheben sich 2 — 3000'
über Meer und sind durch Niederungen getrennt, die
der Mollusken während des Jahres 1871. 143
während eines grossen Theils des Jahres unter Wasser
stehen. Das Gestein dieser Hügel gehört der paläozoi-
schen Periode an, und wahrscheinlich ist seit dieser lan-
gen Zeit in der Erhebung keine wesentliche Veränderung
vorgegangen. Anderseits darf kaum gezweifelt werden,
dass in nicht ferner geologischen Periode diese Hügel
isolirte Inseln in einem grossen Busen waren, wie noch
jetzt der Mergui-Archipelagus. Auch ist es ziemlich ge-
wiss, dass die Isolation der Hügel lange Zeit bestanden
habe, und das musste dem animalen Leben günstig sein.
So erklärt es sich, das an den verschiedenen Localitäten
sich gewisse Eigentümlichkeiten der Thicre erhalten
konnten. Die Kalkhügel sind besäet mit Schnecken, wo-
gegen sie an den Sandsteinhügeln nur sparsam zu finden
sind. Diese Verschiedenheit bezieht sich nicht allein auf
die Menge der Individuen, sondern auch auf die Arten
und Gattungen. So kommt Plectopylis, Sophina, fast alle
Sesara, einige Streptaxis, Raphaulus, Pollicaria ct. nur
auf Kalkgrund vor, während Rotula anceps, Helix simi-
laris und die Arten von Helicarion auf Sandstein und in
der Ebene leben. Wieder andere, wie Macrochlamys ho-
nesta, Conulema infula, Microcystes molecala finden sich
überall, aber die Exemplare vom Kalk haben eine dickere
Schale. In der ersten Abtheilung werden 11 Cyclostoma-
ceen und 11 Heliceen beschrieben. Die neuen Arten
der zweiten Abtheilung entnehme ich ans dem oben er-
wähnten Berichte von Crosse (s. unten).
Li s chke brachte wieder einige neue Meeres-Con-
chylien von Japan, welche von Biriieff in der Bucht
von Nagasaki gesammelt waren, und sich im k. Museum
zu St. Petersburg befinden. Malak. ßl. 18. p. 39—45.
Darauf folgen einige andere ib. p. 147.
Lischke gab dann den zweiten Theil zu seinen Ja-
panischen Meeresconchylien (vergl. Ber. 1869. p. 536) mit
14 Tafeln heraus. Er machte darin zusätzliche Bemer-
kungen zu 119 bereits im ersten Bande aufgeführten Arten,
und zählte 131 Arten auf, welche in den früheren Sen-
dungen nicht enthallen waren. Die Gesammtzahl der Ar-
ten in beiden Theilen beträgt 327, von denen 316 Süd-
144 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Japan angehören. Davon sind 100 Arten dem Japanischen
Archipel eigentümlich, und Verf. hält die Sätze auf-
recht: dass die südjapanische Meeres- Mollusken-Fauna
in ihrem Gesammtcharakter als eine tropische erscheine,
dass etwa 1/b der Arten ihr eigentümlich sei, dass fast
die Hälfte mit solchen von China und den Philippinen,
2/ö mit solchen von anderen Punkten des Indo-pacifischen
Mollusken-Reiches identisch sei, dass die Verwandtschaft
sich, wenngleich in viel geringerem Maasse, bis zu den
äussersten Grenzen des Indo-pacifischen Reiches erstrecke.
Er sieht demnach die Küsten Japan's in malakozoologi-
scher Hinsicht als eine besondere Provinz des grossen
Indo-pacifischen Reiches an. Die meisten neuen Arten
sind bereits in den Malakozoologischen Blättern aufge-
stellt. Die Ausstattung ist eine vortreffliche, die Abbil-
dungen sind ausgezeichnet.
Australien. An gas beschrieb 34 neue Arten aus Au-
stralien von Port Jackson in den Proc. zool. soc. p. 13,
die alle auf einer Tafel abgebildet sind.
Zu dem Verzeichniss der marinen Mollusken von
Port Jackson (vergl. Ber. üb. d. J. 1867. p. 126 hat An-
g a s Proc. zool. soc. p. 87 einen Nachtrag von 109 Arten
geliefert, nämlich 91 Gastropoden, 1 Pteropoden, 16 Con-
chiferen und 1 Brachiopoden.
Harper Pease: Catalogue of the Land-shells in-
habiting Polynesia, with remarks on their synonymy, di-
stribution and Variation, and description of new genera
and species. Proc. zool. soc. p. 449. Die geographischen
Grenzen von Polynesien werden ebenso deutlich durch
die Landschnecken wie durch die marinen Mollusken
und Zoophyten bestimmt. Sie charakterisiren es als eine
besondere zoologische Provinz, getrennt von Ostindien«
Sie ist die grösste und die isoJirteste der ganzen Erd-
oberfläche. In Westpolynesien (Pelew, Ladronen, Caro-
linen, Radick und Radack) sind einige ostindische Arten
eingedrungen, zwei philippinische Helixformen, pelewana
und sowerbyana kommen vor; die Gattung Pitys, so reich
an Arten in den übrigen Theilen Polynesiens, fehlt gänz-
lich; die ostindischen Diplommatinaceen sind durch die
der Mollusken während des Jahres 1871. 145
Gattung Palaina auf den Pelen und eine Art auf Ponape
vertreten, weiter gehen sie nicht; 1 Cyclophorus, 1 Cy-
clostonms und 1 Registoma sind aufgefunden. Anderseits
scheinen die Polyaesischen Genera von den Samoa-Inseln
auf die Papua-Inseln übergegangen zu sein. Im Osten
(Tahiti, Harvey, Paumotu und Marquesas) kommen nur
rein polynesische Formen vor. Partula erreicht hier die
höchste Entwicklung, auch Pitys und andere Gattungen
der Heliceen. Die Sandwich-Inseln haben wegen ihrer iso-
lirtenLage manche Eigen thümlichkeiten. — Nachdem Verf.
dann eine lange Reihe von neuen *\rten beschrieben hat,
die unten genannt werden, giebt er die Liste von 627 Ar-
ten, nämlich 223 Helicterinae, 2 Vitrina, 26 JSuccinea,
3 Truella, 2 Catinella, 6 Carelia, 1 Chloraea, 18 Torna-
tellina, 2 Lamellina, 2 Bulimus, 5 Stenogyra, 63 Partula,
19 Vertigo, 1 Rhysota, 1 Hyromia ., 21 Trochomorpha,
10 Endodonta, 33 Pitys , 4 Microcystis , 30 Helicopsis,
10 Hclix; — 3 Diadema, 1 Cyclophorus, 5 Ostodes, 1 Re-
gistoma, 1 Pupina, 15 Palaina, 1 Moussonia, 1 Cyclosto-
mus, 16 Omphalotropis, 18 Atropis, 3 Scalinella, 2 Cyclo-
morpha, 5 Assiminea, 37 Helicina, 3 Chondrella, 1 Elec-
trina, 3 Truncatella, 4 Taheitia; — 1 Cassidula, 3 Pythia,
2 Plecotrema, 15 Melampus, 2 Laimodonta, 1 Pedipes,
1 ßlauneria.
Crosse bezeichnet 20 Arten von Land- und Süss-
wasser-Schnecken, als solche, die fälschlich als Neu-Ca-
ledonische beschrieben waren, und giebt ihr wirkliches
Vaterland an. Journal de Conchyl. 19. p. 170.
Succinea australis Fer. lebt in Australien und Tasmania, Helix
aphrodite Pfr. auf den Salomonsinseln, Helix cespitoides Fischer
ist noch unbekannten Fundortes, Helix Villandrei Gassies = H.
Boydi Angas kommt von den Salomonsinseln, Helix Turneri Pfr. noch
ungewiss, Bulimus bivaricosus Gaskoin von Lord Howe's-Insel, Bu-
limus colubrinus Pfr. von den Viti-Inseln, Bulimus paletuvianus Gas-
sies = B. Founaki von den Salomonsinseln, Bulimus Stutchburyi Pfr.
ebendaher, Bulimus Eddystonensis Pfr. dagegen stammt nicht von der
Insel Eddystone aus der Salomongruppe , sondern von der Insel
Hienguen in Neu-Caledonien, daher tauft ihn Verf. in B. Hingue-
nensis um. Bulimus zonulatus Pfr. gehört den Philippinen an, Bu-
limus inversus Müll, lebt in Malacca, Bulimus Janus Pfr. ist nicht
Archiv für Naturg. XXXVIII. Jahrg. 2. Bd. K
146 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
aus Neu-Caledonten, Bulimus luridus Pfr. ebenso, Partula caledonica
Pfr. stammt von den Neuen Hebriden und wird F. Pfeifferi genannt,
Physa castanea Lam. ist nicht Neu-Caledonisch, Cyclophorus Couderti
wahrscheinlich von den neuen Hebriden, Pupina Moulinsiana = leu-
costoma Montrouzier von der Insel Woodlark, Ampullaria ormophora
Morelet ist nicht von Neu-Caledonien, wo keine Ampullarien vor-
kommen, Amphibola avellana ist von Neu-Seeland.
Garrett beschrieb eine Anzahl neuer Sehnecken
von den Viti-Inseln in Araer. Journal of Conchology VII.
p. 219, die fast alle auch abgebildet sind.
Mousson beschrieb die terrestre und fluviatile ma-
lakologische Fauna der Tonga-Inseln nach den Einsen-
dungen vonGraeffe im Journal de conchyliologie XIX.
p. 1 — 33. Bisher waren nur durch Lesson, Quoy et
Gainaard und Gould einige Arten von dort bekannt
geworden. Die Conchylienfauna dieser Inselgruppe, de-
ren einige Inseln vulkanisch und bergig, andere koralli-
uen Ursprungs und flach sind, wird* arm genannt. Die
herrschenden Formen sind zum Theil auch auf den benach-
barten Inselgruppen. Im Ganzen werden 52 Arten auf-
gezählt, nämlich 6 Nanina, 2 Zonites, 4 Fatula, 2 Tro-
chomorpha, 1 Partula, 1 Pupa, 2 Stenogyra, 2 Tornatel-
lina, 1 Succinea, 2 Physa, 1 Auricula, 1 Cassidula, 1 Fy-
thia, 3 Melampus, 5 Helicina, 8 Omphalotropis, 1 Hydro-
cena, 4 Truncatella, 5 Melania. Zwölf neue Arten sind
beschrieben und meist abgebildet.
Eine Sammlung Conchylien, die der Consul Heuck
in Honolulu dem Fürsten Bismarck als Geschenk, sandte,
und die von demselben an das Friedrich -Werder' sehe
Gymnasium abgegeben wurde, ist von v. Märten s und
Langkavel unter dem Titel: „Donuni Bismarckianum,
eine Sammlung von Südsee-Conchylien. Berlin 1871" be-
arbeitet worden. Die systematische Aufzählung p. 1 — 65
bringt die zahlreichen Arten, worunter zwei neue, und
von denen eine grössere Zahl, namentlich von Pease
aufgestellter Arten auf 4 Tafaln gut abgebildet sind.
Bemerkungen über die geographische Verbreitung sind
p. 65 bis 69 hinzugefügt.
Amerika. Dali beschrieb Amer. Journal of Con-
chology VII. p. 93 sechzig neue Mollusken von der West-
der Mollusken während des Jahres 1871. 147
küste Nord -Amerika1 s und des nördlichen Pacifischen
Oceans. Er bildete pl. 13 die Radula folgender Arten
ab: Ocinebra lurida Midd., Amphissa versicolor Dali,
Purpura crispata Chenm., Chorus ßelcheri Hinds, Macron
lividus Adams, Trochiscus Norrisii Sow., Fissurella vol-
cano Reeve, Lucapina crenulata Sow. — Auf pl. 14. fig.l — 5
sind die Deckel von Nitidella eribraria, Amphissa versi-
color, Astyris carinata, Volutharpa ampullacea, Nitidella
Gouldii abgebildet.
Carlton's Verzeichniss der Mollusken von Antiocha
in Californien, Proc. California Acad. IV. p. 50 enthält
30 Arten, nämlich 2 Succinea, 1 Arianta, 1 Aplodon, 6 Lirn-
naea (darunter L. stagnalis L.), 3 Physa, 2 Planorbis, 2
Helisoma, 1 Gyraulus, 1 Carinifex, 1 Goniobasis, 1 Val-
vata, 1 Bythinella, 3 Fluminicola, 1 Sphaerium, 1 Pisidium
und 3 Anodonta.
Derselbe zählte ib. p. 57 fünfzehn Arten vom Tru-
ckee River auf, und zwar 2 Pisidium, 1 Margaritana, 1
Anodonta, 1 Succinea, 1 Hyalina, 1 Conulus, 1 Patula,
1 Arianta, 1 Limnophysa, 1 Limnaea (stagnalis L.) , 2
Physa , 1 Planorbis , 1 Amnicola. Beides sind einfache
Namen- Verzeichnisse.
Cooper machte Proceed. California IV. p. 150 ein
Verzeichniss von Mollusken vom Westabhange Nordame-
rikas namentlich vom Salzsee. Es besteht aus 46 Arten.
Smith und Verrill haben ein Verzeichniss der
Wirbellosen veröffentlicht, welche im Jahr 1871 im Lake
Superior gedredscht worden sind. Von Mollusken sind es
1 Limnaea, 2 Physa, 1 Planorbis, 1 Valvata, 1 Sphaerium
und 4 Pisidium. Dana and Silliman Amer. Journ. 3. Ser.
Vol. II. p. 448.
Ver rill erwähnt in einer Skizze der marinen Fauna
von Eastport Me. auch einiger Mollusken. Bullet. Essex
Institute III. p. 2.
B olles fand an der Küste von Massachusetts Exem-
plare von Helix hortensis, und fragt, wie sie dahin ge-
kommen? Auf einer kleinen, schwer zugänglichen Insel,
acht Meilen vom Lande bei Harpswell, Maine, findet sie
sich gleichfalls mit Helix albolabris, alternata, einigen
148 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Arten Succinea, vielen kleineren Helices, Zua und ver-
schiedenen Pupidae, wohin sie die Hand des Menschen
schwerlich gebracht haben kann. Bull. Essex Institute
III. p. 114.
Bell machte auf einige Unrichtigkeiten in Gould's
Invertebrata of Massachusetts 2. edit (vergl. vorj. Bericht
p. 130) aufmerksam. Annais nat. hist. Vit p, 172.
Verrill berichtete über die Hauptresultate der Kü-
stenerforschungen in Beziehung auf die Verbreitung der
marinen Thiere an der Südküste von Neu-England. Es
hat sich ergeben, dass die Küsten und seichten Gewässer
der Buchten und Busen bis zum Cap Cod hauptsächlich
von südlichen Formen , oder der Virginischen Fauna,
bewohnt werden, wogegen die tieferen Kanäle und die
centralen Theile von Long - Island - Sound bis nach Sto-
nington Conn. fast ausschliesslich nördliche Formen, oder
eine Ausdehnung der Acadischen Fauna, beherbergen.
Dem entspricht auch eine 'Differenz der Temperatur. Es
muss daher ein Anschiessen des arctischen Stromes gegen
die Mitte des Meerbusens stattfinden, während der Ein-
fluss des Golfstromes sich an den Küsten geltend macht.
Dana and Silliman Amer. Journ. 3. Ser. Vol. II. p. 357.
James Lewis verzeichnete 33 Landschnecken,
welche Miss Law bei Concord in Ost-Tennessce gesam-
melt hat. Amer. Journ. of Conchology VI. p. 188.
Derselbe verzeichnete als im Holston-River le-
bend 95 Mollusken, davon 68 Muscheln und 27 Schnecken,
besonders nach einer Sammlung der Miss Law. Amer.
Journ. of Conchology VI. p. 216. — Tryon machte ib.
VII. p. 86 kritische Bemerkungen dazu.
Die französische Regierung hat begonnen ein Werk
über Mexiko herauszugeben : Mission scientifique au Me-
xique et dans PAmeriquö centrale, ouvrage publie* par
les soins du Ministre de l'instruction publique. Die zoolo-
gische Abtheilung wird unter der Direction von Mi Ine
Edwards herausgegeben und die Land- und Süsswasser-
Mollnsken von Mexiko und Guatemala werden von Fi-
scher und Crosse bearbeitet. Von dieser Abtheilung
erschien 1870 die erste Lieferung von 152 Seiten Text und
der Mollusken während des Jahres 1871. 149
8 Tafeln. Ich kenne sie nur aus einer Anzeige des Ver-
fassers selbst im Journ. de Conchyl. 19. p. 245. Danach
enthält dieselbe, ausser einer historischen Einleitung, die
Familie Testat* ellidae mit den Gattungen Strebelia, Stre-
ptostyla, Petenia und Glandina, so wie den Anfang der
Familie Limacidae mit dem Allgemeinen der Gattung
Zonites. Der anatomische Bau von Streptostyla und Glan-
dina ist nach allen Details untersucht. Es kommen dort
39 Streptostyla und 52 Glandina vor. Alle neuen Arten,
deren Diagnosen bereits in den letzten Jahren im Journ.
de Conchyliologie abgedruckt sind, sind ausführlich be-
schrieben und abgebildet: Streptostyla ßlandiana, Bin-
neyana, Edwardsiana, Sallei, cingulata, Boyeriana, Bo-
courti, fulvida, glandiformis, Cornea, Sololensis; Glandina
guttata, longula, nympha, bellula und difficilis.
Bland hat in der März-Nummer 1871 der American
philosophical Society seine Untersuchungen über die geo-
graphische Verbreitung der Landschnecken auf den An-
tillen fortgesetzt. Er hat besonders die Gruppen Porto-
rico mit Vieque, Vierges, Sombrero, Anguilla, St. Mar-
tin, St. Barthelemy und St. Croix, und ferner die südlich
davon gelegenen Inseln in Betraeht gezogen. Von der
ersteren dieser beiden Gruppen sagt er, dass durch eine
Erhebung von etwa 240 Fuss die Inseln Portorico, Vieque
und Vierges in eine einzige Insel umgewandelt werden
würden, ebenso Anguilla, St. Martin und St. Barthelemy.
Sombrero und St. Croix liegen auf verschiedenen Bänken.
Die malacologische Fauna aller dieser Inseln ist entschie-
den dieselbe. Sie hat einige Beziehungen zu der von
Haiti, entfernt sich aber beträchtlich von den südlich von
Anguilla gelegenen Inseln. Die südlichen Inseln zerfallen
in zwei Sectionen. Die erste besteht aus den Inseln Barbuda
und Antigoa und den Inseln St. Eustache, St. Christoph
und Nevis, ferner Montserrat, Guadeloupe, Dominique,
Martinique und Barbadoes. Die zweite umfasst St. Lucia,
St. Vincent, Grenada und die Grenadinen, Tabago und
Trinidad. Sie bilden eine unterseeische Verlängerung Süd-
amerika^, und ihre Landschnecken haben nahe Verwandt-
schaft zu denen von Venezuela, die Bulimus herrschen hier
150 T rose hei: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
vor, wie auf den übrigen Antillen die Helix. So schlies-
sen sich die Faunen voa Cuba, Jamaica, Haiti und Porto-
rico an Mexiko und Centralauierika, die der südlichen
Inseln an Südamerika an. Vergl. auch den Bericht von
Crosse im Journ. de Conchyl. 19. p. 250 über diese Ab-
handlung.
Guppy machte Bemerkungen über einige neue For-
men von Land- und Süsswassermollusken von Trinidad.
Darin werden zwei neue Gattungen und einige neue Ar-
ten beschrieben, von denen einige bereits in Proceed. of
the scient. Assoc. of Trinidad 1868 publicirt waren. Amer.
Journ. of Conchology VI. p. 306.
Crosse zählte die von Orton am oberen Amazon
gesammelten Landconchylien auf, und bildete zugleich die
neuen Arten ab, die schon früher in diesem Jahrgange
derselben Zeitschrift charakterisirt waren. Das Verzeich-
niss enthält 8 Helix, 14 Bulimus, 1 Orthalicus, 3 Cyclo-
tus und 2 Helicina, zusammen 28 Arten.
Cepkalopoda.
Stie da theilte seine vorläufigen Bemerkungen über den feine-
ren Bau des Nervensystems von Sepia officinalis mit. Rendiconto
dell' Accad. scienze fisiche e matematiche X. Napoli 1871. p. 245.
Dali bechrieb zwei neue Arten Onychoteuthis lobipennis und
Loliolus Steenstrupi von Californien. Amer. Journal of Conchology
VlJ. p. 96.
Collingwood hat im Atlantischen Ocean unter 37° nördl.
Br. und 28° westl. Länge einen grossen Körper von 2 Fuss Länge
und 4 bis 5 Zoll Durchmesser aufgefischt, der ganz aus Eiern be-
stand, die in sich kleine Cephalopoden enthielten mit acht Armen
und zwei kleinen Flossen am Hinterrande. Welcher Gattung diesel-
ben angehörten, konnte er nicht bestimmen. The Journal of the
Linnean Soc. XI. p. 90. tab. 1.
Henry Woodward sagt, dass die Schale von Nautilus durch
kein Gefässsystem mit dem Thiere vermittels des Sipho verbunden
ist. Der Sipho ist nur eine dünne perlartige Röhre, in welcher eine
andere ist, die aus einer Ausdehnung des Periostracum besteht, und
ganz structurlos ist. Wenn die Schale einmal gebildet ist, ist sie
eine todte Masse, ausser wo sie mit dem Mantel des Thieres in Be-
rührung ist, welcher allein die Schale ergänzen oder repariren kann.
Report British Assoc. advanc. of science, Liverpool p. 128.
der Mollusken während des Jahres 1871. 151
Wo od ward schrieb einen Aufsatz: The pearly Nautilus^
Cuttle-fish, and their allies, in der Zeitschrift: The Student and Intel-
lectual observer IV. 1870. p. 1 und 241. Eine allgemeine Darstel-
lung der Cephalopoden, mit bunten Bildern.
Heteropoda.
Panceri untersuchte die Riechzellen der Carinaria mediterra-
nea. Bullettino dell' Assoc. dei Naturalisti e Medici 1870. p. 83.
Die Tentakel der Carinaria sind mit rundlichen, gestielten Höckern
bedeckt, welche an einem oder dem anderen Punkte steife, sehr
durchsichtige Borsten tragen, die von grossen mit Kern versehenen
Zellen entspringen, welche nervös sind und dem Geruchssinne die-
nen; sie gleichen den von Schultze beschriebenen Riechhaaren der
Wirbelthiere. Durch diese Untersuchungen wird die Annahme, dass
die Tentakel der Schnecken die Träger des Geruchsorganes seien,
bestätigt.
Gasteropoda.
Untersuchungen über das Nervensystem und über den Ur-
sprung der Sinnesnerven bei den Süsswasser -Palmonaten haben
Lacaz e -Duthiers zu dem Resultate geführt: 1) dass bei ihnen,
wie bei den höheren Thieren, Regionen oder Loben existiren, deren
histologischer Bau und Verbindungen für sie besondere, specielle,
localisirte Eigenschaften anzeigen; 2) dass die Nerven der Empfin-
dung von dem hinteren Theil entspringen, während die Nerven der
Bewegung von dem vordersten Ganglion ihren Ursprung nehmen;
3) dass man in dem sogenannten respiratorischen Ganglion nicht ein
Nervencentrum oder wahres Ganglion erkennen darf, sondern ein
neues Organ, das aus Ganglienkörperchen besteht, fast alle unipolar,
in deren Mitte ein Fortsatz der Haut eingesenkt ist. Comptes rendus
73. p. 161 ; Annais nat. hist. VIII. p. 217.
Leydig bestätigte die Angabe Lacaz e -Duthiers, dass das
Gehörbläschen bei den Schnecken, trotz seiner Lage am unteren
Schlundganglion, dennoch seinen Nerv vom oberen Schlundganglion
empfange. Abgesehen von einigen interessanten Angaben über das
Centralorgan des Nervensystems bei den Schnecken, die Verf. zur
Orientirung macht, und die auch für die Systematik wichtig werden
möchten, beschreibt er das Gehörorgan nach Lage und Grösse,
Form, Gewebe, und den Ohrkanal oder Hörnerv. Letzterer setzt
die Ohrblase mit dem oberen Schlundganglion in Verbindung. So
ist eine einheitliche Deutung der Hauptabschnitte des Gehirns der
Schnecken möglich geworden. Das Oberhirn ist die sensitive Ab-
152 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
theilung; aus ihr kommen die Nerven für die Fühlhörner, für die
Augen und Ohren. Die Muscheln hat Verf. noch nicht auf diesen
Gesichtspunkt geprüft. M. Schultze's Archiv für mikrosk. Anat. VII.
p. 202. Taf. 19.
E. v. Märten s über übelriechende Schnecken. Nachrichts-
blatt p. 201.
Bland und Binney beschrieben das Gebiss einer grösseren
Anzahl von- Landschnecken in Amer. Journal of Conchology VII.
p. 174, und zwar aus den Gattungen Zonites, Hyalina. Macrocyclis,
Sagda, Patula, Helix, Cochlostyla, Bulimus, Limicolaria, Bulimulus,
Stenogyra, Cylindrella, Succinea und Stoastoma.
Dieselben Verfasser bildeten ib. p. 185 das Gebiss von Blan-
diella reclusa (pl. 17. fig. 5), Geomelania (pl. 17. fig. 7, 10) und Am-
phibulima patula (pl. 17. fig. 1, 2) ab. Die beiden ersteren Gattungen
gehören danach zu den Taenioglossen.
B r a z i e r berichtigt den Fundort und die Synonymie einiger
Arten, Conus rhododendron, Dolium melanostoma, Partula caledo-
nica, Pupina moulinsiana. meridionalis, planilabris, Cyclotus Reclu-
zianus und Macgillivrayi. Proc. zool. soc. p. 585.
Harper Pease berichtigt die Synonymie und das Vaterland
einiger marinen Gasteropoden Amer. Journal of Conchology VII.
p. 20. Rissoina turricula Angas wird in B. Angasii umgetauft,
ebenso Terebra assimilis in T. contigua, Tritonidea assimilis Angas
non Reeve wird beschrieben, Columbella dermestoides Angas von
Australien wird C. macula genannt, Marginella oryza Pease wird
in M. debilis umgetauft, Sistrum tuberculatum Angas = Sistrum
marginalbum Blainv., Nassa intermedia Dunker = suturalis Lam..
die Gattung Mauritia Adams = Mitroidea Pease, Dolium melano-
stomum Jay lebt im Westen der Hawaiischen Inseln, Columbella
miser Sow. kommt an den Hawaiischen Inseln vor, Pleurotoma ru-
gosa Migh. hat Verf. ausser von den Hawaiischen Inseln auch von
Tahiti, den Philippinen, Ceylon und von Bourbon, Perna californica
Conr. wird in P. haioaiiensis umgeändert.
Ebenso berichtigt Harper Pease Journ. de Conchyl. 19.
p. 92 die Synonymie einiger Landschnecken Polynesiens, welche von
Mousson 1869 beschrieben waren: Truncatella arcticostata = sca-
lariformis Reeve, Helicina Annaensis = colorata Pease, Laimodonta
Annaensis = conica Pease, Hydrocena Raiatensis = elongata Pease ct.
Taenioglossa.
Cyclotacea. Cyclotus Sieversi Pfeiffer Malak. Bl. 18. p. 69 aus
Südkaukasien.
Pterocyclus eudaedaleus Crosse ist Journal de Conchyl. 19.
der Mollusken während des Jahres 1871. 153
p. 67. pl. 1. fig. 2. abgebildet. — Pt. ater Stoliczka Journ. Asiat.
Soc. of Bengal 40. IL p. 149. pl. 6. fig. 2 von Moulmein.
Descriptions of the species of Alycaeinae known to inhabit
the Khasi Hill Banges, by Godwin - Aust en. Die Zahl der Arten
der Gattung Alycaeus wird durch diesen Beitrag auf 17 gebracht.
Verf. hält die Benson'sche Eintheilung für unthunlich. Das einzige
haltbare Subgenus ist Dioryx. Die neuen Arten sind: Alycaeus
conicus pl. III. fig.l, diagonius fig. 2, pusülus fig. 3, Jchasiacus fig. 4,
crenatus fig. 5, crispatus pl. IV. fig. 1, iantiacus pl. V. fig. 3. Aus-
serdem sind noch Varietäten von A. Ingrami, otiphorus und alle
Benson'schen Arten abgebildet. Journal Asiat. Soc. of Bengal. 40.
II. p. 87.
Alycaeus digitatus Blanford ib. p. 41. pl. II. fig. 4 von Dar-
jeeling.
Cyclophorus (Myxostoma) Inglisianus Stoliczka Journ. Asiat.
Soc. of Bengal 40. II. p. 148. pl. 6. fig. 1 von Moulmein.
Da er y Stoma n. gen. Crosse et Fischer Journal de Conchyl.
19. p. 332. Testa vix perforata, oblongo turrita, solidula, striata,
epidermide tenui induta; anfractibus sat numerosi; apertura augu-
lato-ovalis; peristoma vix brevissime solutum, continuum, incrassa-
tum, reflexum, margine basali protracto. Operculum? Verwandt mit
Megalomastoma und Omphalotropis. B. arboreum von Madagaskar,
am Ufer des Flusses Tsidsoubon.
Cataulus Nietneri Journ. Asiat. Soc. of Bengal 39. IL p. 7.
pl. 1. fig. 7 von Ceylon.
Diplommatina Perroquini Crosse Journal de Conchyl. 19. p. 204
von Neu-Caledonien. — D. cameola und crispata Stoliczka Journal
Asiat. Soc. of Bengal 40. IL p. 153. pl. 6. fig. 3 u. 4 von Moulmein.
Verf. spricht Semper's Palaina nur einen subgenerischen Werth zu,
und zählt zu ihr nicht alle von Sem per dahin gestellten Arten,
auch die Martens'sche Gattung Diancta hält er nicht für generisch
verschieden, ebenso Paxillus Adams, Arinia Adams, Nieida Blanford.
Demnach nimmt er in der Familie Diplommatiuidae nur drei Genera
an: 1) Diplommatina mit den Untergattungen Palaina. Moussonia,
Diancta, Arinia, Nieida; 2) Clostophis Benson; 3) Opisthostoma
Blanford.
Pease beschreibt den Deckel von Palaina scalariformis Semper,
welche Gattung mit Pupoidea Pease identisch ist. Beide sind 1865
aufgestellt. Proc. zool. soc. p. 465.
Papina adamsiana Crosse Journal de Conchyl. 19. p. 330 von
der Insel Vanua-Levu.
Hy alopsis n. gen. Pease Amer. Journ. of Conchology VII.
p. 27. Testa pupaeformis, callo nitido ohdueta; peristoma simplex,
vix incrassatum, margine columellari integro, canali verticali ad in-
sertionem marginis dextri; apertura circularis. Steht zwischen Pu-
154 Troschei: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
pina, Registoma und Callia. Verf. möchte sie vereinigen, aber als
Subgenera getrennt halten. H. tumida pl. 9. fig. 6 von den Salo-
mons-Inseln.
Registoma Brazieri Crosse ist Journal de Conchyl. 19. p. 321.
pl. 13. fig. 6 abgebildet.
Cyclostomacea. Otopoma Hinduorum Blanford Journal Asiat.
Soc. of Bengal 39. IL 1870 aus Indien.
Cyclomorpha n. gen. Pease Proc. zool. soc. p. 464. Testa
turbinata, subglobosa, solida, laevigata aut spiraliter striata, perfo-
rata ; apertura fere circularis ; peristoma simplex, subincrassatuin.
callo tenui continuum. Operculum ei gen. Omphalotropis Pfr. si-
mile. Typus Cyclostoma flavum Brod. Gehört in die Subfamilie
Realiea.
Truncatellacea. Truncatella futunaensis Mousson Journal de
Conchyl. 19. p. 30 von den Tonga-Inseln. Daselbst pl. 3. fig. 11 ist
Truncatella cristata Crosse abgebildet und p. 66 beschrieben. — Tr.
granum Garrett Amer. Journ. of Conchology VII. p. 225 von den
Viti-Inseln. — Tr. concinna von den Kingsmill-Inseln und costellifera
von Vavan Pease Proc. zool. soc. p. 468.
Pease scheint geneigt, die Gattung Taheitia Adams für kaum
verschieden von Truncatella zu halten, da die einzige Differenz im
Deckel liegen würde. Journ. de Conchyl. 19. p. 96. — Auch Proc.
zool. soc. p. 467 sagt Pease, dass sich Taheitia nur durch den
Deckel von Truncatella unterscheide.
Blandiella n. gen. Guppy Amer. Journ. of Conchology VI.
p. 309. Testa imperforata, cylindrica, Cornea, vix nitens, anfr. nu-
merosi, convexiusculi, lente accrescentes , sinuato-costellati ; ultimus
paulum productus, apex obtusus, truncatus, apertura subovalis, pe-
ristoma expansum, continuum. pauium reflexum. Operculum pauci-
spirale, interne cartilagineum, externe calcareum, rugosum. Bl. re~
clusa pl. 17. fig. 7, 8 von Trinidad.
Ha r per Pease erinnert an die grosse Verschiedenheit des
Thieres von Omphalotropis Pfr. von dem der europäischen Gattung
Hydrocena. Journ. de Conchyl. 19. p. 97.
Omphalotropis nebiäosa Pease Amer. Journ. de Conchology
VII. p. 197 von den Salomons-Inseln.
Als Subgenus der Gattung Omphalotropis trennt Pease Proc.
zool. soc. p. 463 Atropis. Testa oblonga, interdum cylindracea,
rare ovata, imperforata vel anguste perforata, unicolor; apertura
ovata, fere circularis: peristoma simplex. continuum. ad anfractum
penultimum adnatura aut disiunctum, interdum vix porrectum; an-
fractus ultirjuus saepe ad peripheriam subangulatus. Animal opei-
culumque generi Omphalotropis Pfr, persimilis. Dahin werden ib.
p. 476 achtzehn Arten gezählt.
der Mollusken während des Jahres 1871. 155
Ampilllariacea. Ampullaria Crosseana Hidalgo Journal de
Conchyl. 19. p. 206 aus dem Amazonen ström.
Potamophila. Bylhinia abrupto, Brusina Contribution ä la
Malac. de la Croatie.
Paludinella vitiana Garrett Amer. Journ. of Conchology VII.
p. 224. pl. 19. fig. 12 von den Viti-Inseln.
Paludestrina Legrandiana und Wisemaniana Brazier Proc.
zool. soc. p. 698 von Tasmania.
Assiminea viiiensis Garrett Amer. Journ. of Conchology VII.
p. 225. pl. 19. fig. 14 von den Viti-Inseln.
Paludomus reticulata und rotunda Blanford Journ. Asiat. Soc.
of Bengal 39. IL
Hartman über die Deckel der Familie Strepomatidae. Amer.
Journ. of Conchology VI. p. 316.
Melania pluviatilis Mousson Journ. de Conchyl. 19. p. 32 von
den Tonga-Inseln, vielleicht von M. Vainafa Gould nicht verschieden.
Littorinacea. Littorina strigata Lischke Malak. Bl. 18. p. 148.
von Japan. — L. (Melaraphe) Blanfordi von Rockhampton und
Vitensis von den Viti-Inseln. Dunker ib. p. 150.
Gremnoconchus (welcher Name für Cremnobates eingeführt
wird) conicus Blanford Journal Asiat. Soc. of Bengal 39. II. 1870.
aus Indien.
Stoliczka hat die Anatomie von Cremnoconchus Syhadrensis
studirt, und glaubt diese Gattung nur als ein Subgenus von Littorina
anerkennen zu dürfen. Er findet, dass die Kiemen von Littorina
und namentlich von Cremnoconchus einen Uebergang zu den echten
Pulmonaten bilden und erklärt die Athmungsorgane für einen nicht
wichtigen Charakter bei der Classification der Mollusken. Als Beispiel
führt er auch Cerithidea obtusa an, die wirkliche Lungen haben soll,
obgleich man doch die Verwandtschaft mit Cerithium Potamides
nicht leugnen kann. Die Charaktere, welche Referenten bewogen
haben, Cremnoconchus für eine von Littorina verschiedene Gattung
anzuerkennen, nämlich die genabelte Schale und eine kleine Diffe-
renz der Radula, verwirft Verfasser. Proc. Asiat. Soc. of Bengal
1871. p. 108.
Bissoina crassa Angas Proc. zool. soc. p. 17. pl. I. fig. 16 von
Port Jackson.
Alvania purpurea Dali Amer. Journ. of Conchology VII. p. 116
von Monterey.
Fossarus StoliczJcanus und imignis Nevill Journ. Asiat. Soc.
of Bengal 39. IL pl. I. fig. 10 u. 9 von Ceylon.
Fossarina Brazieri Angas Proc. zool. soc. p. 18. pl. I. fig. 24
von Port Jackson.
Fossarina Petterdi Brazier ist Journal de Conchyl. 19. p. 323.
pl. 12. fig. 1 abgebildet.
156 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d, Naturgeschichte
Turritellacea. Turritella (Torcula) subsqiiamosa Dunker Malak.
Bl. 18. p. 152 aus der Bassstrasse.
Mathilda elegantula Angas Proc. zool. soc. p. 15. pl. I. fig. 8
von Port Jackson.
Pyramidellacea. Turbonilla costifera Smith Proceed. zool. soc.
p. 735. pl. 75. fig. 18 von Whydah.
Odostomia simplex Angas Proc. zool. soc. p. 15. pl. I. fig. 10
von Port Jackson. — 0. Beringt Dali Amer. Journ. of Conchology
VII p. 117 von Alaska. — 0. sulcifera Smith Proc. zool. soc. p. 735.
pl. 75. fig. 19 von Whydah.
Aclis carinata Smith Proc. zool. soc. p. 734, pl. 75. fig. 20 von
Whydah.
Monoptygma (Myonia) puncturata Smith Proc. zool. soc. p. 734.
pl. 75- fig- 16 von Whydah.
Syrnola dubiosa Nevill Journ. Asiat, soc. ofBengal 39. II. p. 5.
pl. I. fig. 19 von Pooree in dem Meerbusen von Bengalen. — S.
tincta Angas Proc. zool. soc. p. 15. pl. I. fig. 11 von Port Jackson.
— 8. gracillima Smith ib. p. 734. pl. 75. fig. 17 von Whydah.
Agatha australis Angas Proc. zool. soc. p. 15. pl I. fig. 9 von
Port Jackson.
Eulimacea. Eulima dentiens Dunker Malak. Bl. 18. p. 152 von
den Viti-Inseln.
Niso pyramidelloides Nevill Journ. Asiat, soc. of Bengal 39.
II. p. 5. pl. I. fig. 14 von Pooree am Meerbusen von Bengalen.
Cerithiacea. Cerithium (Cerithiopsls?) gemmuliferuvi und cari-
natum Smith Proc. zool. soc. p. 736. pl. 75. fig. 22u. 21 von Whydah.
— C. tubulus von der Bassstrasse und C. fuscum von den Schiffer-
lüseln. Dunker Malak. Bl. 18. p. 152.
Bittium scalatum Dunker Malak. Bl. 18. p. 153 ohne Angabe
des Fundortes.
Cerithiopsls clathrata und crocea Angas Proc. zool. soc. p. 16.
pl. I. fig. 12 u. 13 von Port Jackson.
Vermetacea. Mörch gab Malak. Bl. 18. p. 128 eine verbes-
serte kurze Uebersicht seiner Monographie der europäischen Ver-
metiden, welche in Proc. zool. soc. 1860 erschienen war.
Capuloidea. Calyptra (Calyptraea) rugulosa Dunker Malak.
Bl. 18. p. 151 von der Insel Swains.
Amalthea rugulosa Dunker Malak. Bl. 18. p. 151.
Xenophorea. Xenophora Lamberti Souverbie Journal de Con-
chyl. 19. p. 334 aus Neu-Caledonien.
Amphiperasidae. Ovula caledonica Crosse Journal de Con-
chyl. 19. p. 206 von der Insel Arnede in Neu-Caledonien.
Sigaretina. Natica rübromaculata Smith. Proc. zool. soc. p. 733.
pl. 75. fig. 13 von Whydah.
der Mollusken während des Jahres 1871. 157
Robinsonia ceylonica und pusilla Nevill (vergl. Bericht üb. d.
J. 1869. p. 556) sind Journ. Asiat, soc. of Bengal 39. II. pl. I. fig. 2
und 6 abgebildet.
Amauropsis purpurea Dali Amer. Journal of Conchology VII.
p. 124. pl. 15. fig. 16. von Alaska.
Sigaretus australis Dunker Malak. Bl. 18. p. 151 von Mackay
Marseniadae. Lameilaria Stearnsii und rhombica Dali Amer.
Journ. of Conchology VII. p. 122. pl. 15. fig. 2 — 6 von Monterey.
Colpodaspis n. gen. Sars Nyt Magazin for Naturvidenska-
berne 17. p. 182. Testa interna seu pallio omnino obtecta, bullacea,
tenuis, subgloboso-ovata, spira prominula depressa: apex truncatus,
nucleo simplice, non mammillari. Animal elongatum, pallio obtec-
tum distincto fornicato, marginibus liberis prominentibus, postice
producto, plica praedito dextra; caput breve, angustum, rostro bre-
vissimo rotundato; tentacula duo frontalia seu ad angulos capitis
anteriores posita, crassiuscula apice obtuse rotundato, elongato-auri-
formia seu extus sulco profundo longitudinali praedita; oculi pone
basin internam tentaculorum, distinctissimi, subapproximati, immersi;
pes bene evolutus, subpedicellatus, lobis lateralibus (epipodiis) nullis.
solea antice latiore bilobata, postice obtuse rotundata, sulco medio
longitudinali praedita; operculum nullum. C. pusilla tab. 11. fig. 1 — 6
von Dröbak. Verf. sagt in einer Anmerkung, dass Jeffreys dieses
Thier für das Junge von Cypraea europaea hält.
Velutinidae. Colobocephalus n. gen. Sars Nyt Magazin
for Naturvidenskaberne 17 p. 166. Testa subauriformis, tenuissima,
submembranacea , epidermide inconspicua aut nulla: spira parva,
sutura profunda; apertura amplissima peristomate discontinuo; co-
lumella flexuosa; operculo nullo. Animal non omnino, ut videtur,
in testam abscondendum ; velo capitis sinuato sursum revoluto: ten-
taculis nullis; oculis 2 sessilibus in cervice; pede pedicellato, solea
magna, oblonga, postice truncata, subtus sulco longitudinali medio:
pollio supra testam non revoluto. C. costellatus tab. 11. fig. 7 — 14
aus dem Hafen von Dröbak. Verf. stellt die Gattung in die Nähe
von Velutina.
Iphinoe permabilis Dali Amer. Journal of Conchology VII. p.119
von der Insel Unga.
Pedicularia japonica Dali ib. p. 121. pl. 16. fig. 12 von Niphon.
Cypraeacea. Pearles Wood wirft Annais nat. hist. VII. p. 171
die Frage auf, ob kleine Exemplare von Cypraea und Ringieula mit
verdickter Lippe nicht dennoch junge Thiere seien, weil er keine
fossile Formen mit dünner Lippe gefunden hat. Darauf antwortet
Gwyn Jeffreys verneinend ib. p. 245.
Crosse giebt an, dass Cypraea princeps Gray nicht aus dem
Persischen Meerbusen stamme, sondern von den Küsten Australiens.
Journ. de Conchyl. 19. p. 160.
158 Troschel: Beriebt üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Cassidea. Cassis Pfeifferi Hidalgo Journ. de Conchyl. 19, p. 226
von den Philippinen.
Doliacea. Bingicula suturalis Smith Proc. zool. soc. p. 733.
pl. 75. fig. 12 von Whydah. — B. apicata Nevill Journ. Asiat. Soc.
of Bengal 39. II. pl. I. fig. 12 von Mauritius.
Ranellacea. Ranella elegantula Dunker Malak. Bl. 18. p. 165
von Opolu. — B. sagitta und Chemnitzii Küster Conchyliencabinet,
unbekannten Vaterlandes.
Tritoniidae. Triton (Cumia) spesiosa Angas Proc. zool. soc.
p. 13. pl. I. fig. 1 von Port Jackson. — Tr. granulatum und frater-
culns Dunker Malak. Bl. 18. p. 166 aus der Bassstrasse.
Epidromus papillatus Dunker Malak. Bl. 18. p. 166 von den
Viti-Inseln.
Toxoglossa.
CoilOidea. Conus Julii Lienard ist Journal de Conchyl. 19. p. 71
pl. 1. fig. 6 abgebildet.
Pease taufte seinen Conus fusiformis (1860) in Conus parvus
um, sieht seinen C. neglectus nur als Varietät von flavidus an, und
erklärt C. praetextus und encaustns für speeifisch verschieden, beide
aber sehr selten in den Sammlungen. Journ. de Conchyl. 19. p. 98.
Pease giebt als den bisher unbekannten Fundort von Diba-
phus Philippii Crosse die Carolinen an. Journ. de Conchyl. 19. p.98.
Terebracea. Terebra (Hastula) Brazieri Angas Proc. zool. soc.
p. 16. pl. I. fig. 15 von Neu -Süd-Wales. — T. (Abretia) Knockeri
Smith Proc. zool. soc. p. 730. pl. 75. fig. 7 von Whydah.
Pleurotomacea. Bleuroioma spiralis Smith Proc. zool. soc. p.781.
pl. 75. fig. 8 von Whydah. — PI. (Turris) Peaseana Dunker Malak.
Bl. 18. p. 15S aus dem Indischen Ocean.
Bela laevigata Dsill Amer. Journ. of Conchol.VII. p.98. pl. 16.
fig. 7 von Alaska,
ClathureUa Hayesiana, tenuilirata. sculptilis. bicolor, Brazieri,
albocincla, bilineata Angas Proc. zool. soc. p. 17. pl. I. fig. 17 — 23
von Port Jackson. — Cl. Canfieldi pl. 15. fig. 9 von Monterey, affi-
nis vom Cap St. Lucas Dali Amer. Journ. of Conchology VII. p. 101.
— Cl. Idbiosa Smith Proc. zool. soc. p. 731. pl. 75. fig. 9 von Why-
dah. — Cl. corrugata. concinna. pieta, purpurascens, heptagona,
turricula, cineta, granosa, fusco-lineata, fenestrata, punctata, soli-
dula sämmtlich von Opolu und pusilla von den Viti-Inseln, Dunker
Malak. Bl. 18. p. 159.
Vrillia Kennicotti Dali Amer. Journ. of Conchology VII. p. 102.
pl. 16. fig. 2 von der Insel Unga. — D. rufescens von Opolu und
denseplicata aus der Bassstrasse Dunker Malak. Bl. 18. p. 159.
Mangelia bicinetula Nevill Journ. Asiat. Soc. of Bengal 39. II.
der Mollusken während des Jahres 1871. 159
p. 6. pl. I. fig. 15 von Ceylon. — M. alaskemis, aleutica, funebrale
Dali Amer. Journ. of. Conchology VII. p. 98 von Alaska. — M. an-
gulosa Smith Proc. zool. soc. p. 731. pl. 75. fig. 10 von Whydah. —
M. crassicostata von den Viti -Inseln und costulata von Opolu Dun-
ker Malak. Bl. 18. p. 165.
Daphnella fuscoligata Dali Amer. Journ. of Conchology VII.
p. 100 vonMonterey. — D. Philippiana Du nker Malak. Bl. 18. p. 164
von Opolu.
Cithara Hanleyi Dunker Malak. Bl. 18, p. 164 von Opolu.
Rhachiglossa.
Volutacea. Crosse schreibt über die geographische Verbrei-
tung der Gattung Voluta, und stellt einen Catalog der lebenden
Arten zusammen. Journ. de Conchyl. 19. p. 263 — 309. Verf. giebt
an, dass man von Afrika 6, von Asien 7. von den Philippinen 2,
von den Molukken 3, Salomonsinseln 2, Neu-Caledonien 3, Neu-Gui-
nea 1, Neu-Seeland 3, Australien 33, Tasmanien 4 kenne, nur von
zwei Arten ist das Vaterland nicht bekannt. Verf. unterscheidet dann
16 Sectionen der Gattung, nämlich 3 Voluta, 2 Harpula, 2 Fulgoraria,
10 Vespertilio, 18Aulica, 12 Amoria, 13 Alcithoe, 4 Cymbiola, 1 Vo-
lutella, 1 Psephaea (V. ccncinna Brod. ist abgebildet), 2 Ausoba,
1 Volutilithes, 1 Volutoconus, 1 Callipara, 1 Aurinia, 1 Mamillana,
zusammen 73 Arten.
Volua Kingi pl. 34. fig. 4 von der Kingsinsel, coniformis pl. 34.
fig. 5 von der Michol-Bay, Cox Proc. zool. soc. p. 324. Zugleich
ist V. punctata Reeve abgebildet. Vergl. auch Journal de Conchyl.
19. p. 74. pl. 4. fig. 1 u. 2. — V. (Aulica) Wisemani Brazier ib.
p. 78. pl. 5. fig. 1 von der Nordostküste Australiens. — V. (Amoria)
Australiae Cox Proceed. zoolog. soc* p. 643. pl. 52. fig. 1 von der
Bassstrasse.
Marginellacea Marginella Keenii Marrat Annais nat. hist.
VII. p. 141 von Südafrika. — M. ochracea Angas Proc. zool. soc.
p. 14. pl. I. fig. 6 von Neu-Süd-Wales. — M. Lifouana Crosse Jour-
nal de Couchyl. 19. p. 205 von der Insel Lifou in Neu-Caledonien.
Marginella Angasi Brazier ist Journal de Conchyl. 14. p. 324.
pl. 5. fig. 3 abgebildet.
Persicula dubiosa Dali. Amer. Journ. of Conchology VII. p. 103.
pl. 15. fig. 17 von Acapulco.
Volvaria fulgens und pallidula Dunker Malak. Bl. 18. p. 153
von Opolu.
Hyalina (Volvarina) mustelina-AiigSiS Proc. zool. soc. p. 14. pl.I.
fig. 5 von Port Jackson. >
Mitracea. Mitra carinilirata Souverbie Journ. de Conchyl. 19.
p. 335 aus Neu-Caledonien,
160 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Buccinacea. Buccinum Fischen' anum pl. 16. fig. 13 aus dem
Bering's Meere und B. Kennicoiti pl. 15. fig. 1 von Unalaschka Dali
Amer. Journ. of Chonchlogy VII. p. 106. — Daselbst vergleicht Verf.
Chrysodoraus liratus Mart. und decemcostatus Say, die er für ver-
schieden erklärt.
Volutharpa arapullacea Var. acuminata Dali Amer. Journal
of Conchology VII. p. 104. pl. 16. fig. 8. mit Bemerkungen über die
Gattung.
Üantharus Samoensis Dunker Malak. Bl. 18. p. 155 von den
Samoa-Inseln.
Tritonidea aspera Dunker ib. p. 155 von Opolu.
TurMnellacea. Turbinella Noumeensis Crosse ist Journal de
Conchyl. 19. p. 199. pl. 6. fig. 1 abgebildet.
Nassacea. Nassa (Desmoulea) Tryoni Crosse ist Journal de
Conchyl. 19. p. 70. pl. 1. fig. 3 abgebildet. - N. pumilio Smith Proc.
zool. soc. p. 732. pl. 75. fig. 11 von Whydah. »
Paulucci erklärt Cyclonassa italica Issel für identisch mit
Risso's Nanina unifasciata, und nennt sie daher Cyclonassa (Nanina)
unifasciata Risso. Bullett. Malacol. Italiano IV. p. 23.
Teinostoma solida Smith Proc. zool. soc. p. 737, pl. 75. fig. 25
von Whydah.
Nassaria magnifica Lischke Malak. Bl. 18. p. 148. von Japan.
Columbellacea. Oolumbella (Seminella) Peasei (Cythara varia
Pease) v. Martens und Langkavel, Donum Bismarckianum p. 23 von
den Sandwich -Inseln. — C. (Mitrella) bicincta und attenuata Angas
Proc. zool. soc. p. 14. pl. I. fig. 3 u. 4 von Port Jackson. — C. (Mi-
trella) Angasi (C. interrupta Angas non G-askoin) ib. p. 322. — C.
Martensi Lischke Malak. Bl. 18. p. 40 von Japan.
Amphissa versicolor Dali verschieden von A. corrugata Carp.
Amer. Journ. of Conchology VII. p. 111. pl. 13. fig. 2 Abbildung der
Radula und pl. 16. fig. 9 — 11 von Monterey.
Astyris aurantiaca Dali Amer. Journ. of Conchology VII. p. 115.
pl. 15. fig. 13 von Monterey. — A. striatula von den Viti-Inseln und
tesselata von Paumotu Dunker Malak. Bl. 18. p. 155.
Nitidella elegans Dali Amer. Journ. of Conchology VII.- p. HG
von Panama. — N. vitensis Dunker Malak. Bl. 18. p. 156. N. plica-
tula Dunker ib. p. 158 von den Viti-Inseln.
Anachis nana und pusiola Dunker Malak. Bl. 18. p. 157 von
den Viti-Inseln.
Strigatellacea. Mitra (Turricula) elegantula Dunker Malak. Bl.
18. p. 154 von Opolu.
Olivacea. Oliva consobrina Lischke Malak. Bl. 18. p. 41 von
Japan.
Olivella exquisita Angas Proc. zool. soc. p. 13. pl. I. fig. 2 von
Neu-Süd-Wales.
der Mollusken während des Jahres 1871. 161
Muricea. Murex Hidalgoi Crosse ist Journ. de Conchyl. 19.
p. 68. pl. 1. fig. 4 abgebildet. — M. lamelliferus Dunker Malak.
Bl. 18. p. 158 von Formosa.
Ocinebra gracillima und circumtexta Stearns Amer. Journ. of
Conchology VII. p. 172. pl, 14. fig. 14 u. 15 aus Californien.
Trophon Birüefß Lischke Malak. Bl. 18. p. 39 von Japan.
Trophon Petterdi Brazier ist Journ. de Conchyl. 19. p. 324. pl. 12.
fig. 2 abgebildet.
Purpuracea. Purpura porphyroleuca Crosse ist Journ. de Con-
chyl. 19. p. 322. pl. 13. fig. 7 abgebildet.
In der Gattung Purpura bildete Dali Amor. Journal of Con-
chology VII. p. 110 ein neues Subgenus Purpur ella mit dem Typus
Purpura columellaris Lam. Schale purpuraförmig, Mündung ver-
engt, hintere und vordere Bucht obsolet, Aussenlippe stark gezähnt
ohne Dornen oder Fingerfortsätze, Innenlippe concav, flach, mit
einem oder einigen spiralen Reifen oder Falten auf der Spiudel.
Polytropa exilis Dunker Malak. Bl. 18. p. 154 von Opolu.
Sistrum fusco-nigra Dunker Malak. Bl. 18. p. 154 von den
Kingsmill-Inseln.
Monoceros paucüirata Stearns Amer. Journ. of Conchology VII.
p. 167. pl. 14. fig. 16 aus Californien, mit Bemerkungen über die Ver-
breitung der nordamerikanischen Arten.
Leptoconchus Robillardi Lienard (vergl. vorj. Ber. p. 141) ist
von N e v i 1 1 Journal Asiat. Soc. of Bengal 39. II, p. 5. pl. 1. fig, 1
abgebildet. Ebenso im Journal de Conchyl. 19. p. 73. pl. 1. fig. 5.
L. Schrenckü Lischke Malak. Bl. 18. p. 40 von Japan.
Ptenoglossa.
Scalariacea. Scala (Cirsostrema) Mörchi Angas Proc. zool. soc.
p. 15. pl. 1, fig. 7. von Port Jackson. — Sc. miranda und Bairdii
Smith ib. p. 734. pl. 75. fig. 15 u. 14 von Whydah.
Scaliola caledonica Crosse ist Journal de Conchyl. 19. p, 200.
pl. 6. fig. 3 abgebildet.
Janthinacea. Recluzia Montrouzieri Souverbie Journ. de Con-
chyl. 19. p. 334 von der Insel Art in Neu-Caledonien.
Rhipidoglossa.
Helicinacea. Helicina Theobaidiana Nevill Journ. Asiat. Soc.
of Bengal 39. II. pl. I. fig. 8 von den Seychellen. — H. Uneana und
culminans Mousson Journ. de Conchyl. 19. p. 24. pl. 9 u. 10 von den
Tonga-Inseln. — H. calliostoma von den Marquesas, tahitensis (pi-
sum Hombr.) von Tahiti, Guppyi (humilis Guppy) Pease Proc. zool.
soc. p. 466. Dort wird angegeben, dass annaaensis Mouss. = colo-
Archiv für Naturg. XXXVIII. Jahrg. 2. ßd. L
162 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
rata Pease, und pacifica Pease = flavescens Pease sei. Wenn Pease
dem neueren Namen den Vorzug giebt, so glaubt Ref., dass er dazu
ebenso wenig das Recht hat, als wenn ein anderer Autor diesen
Namen gegeben hätte. — H. Jana Cox Proc. zool. soc. pl. 57. fig. 13
von Port Macquarie.
Helicina mangoensis Sow. ist = tectiformis Mouss. und H. pli-
catilis Mouss. = norfolkensis Pfr.' Da letztere Art nicht auf Norfolk-
insel vorkommt, giebt Brazi er Proc. zool. soc. p. 322 dem Mousson'-
schen Namen den Vorzug.
Helicina multochila Crosse ist Journal de Conchyl. 19. p. 65.
pl. 2. fig. 5 abgebildet. — Ebenso H. porphyrostoma. laeta, Mouensis,
benigna Crosse ib. p. 194. pl. 6. fig. 5 — 8.
Bland und Binney bildeten Amer. Journal of Conchology
VII. p. 29. pl. 2 das Gebiss von Helicina occulta Say ab.
Chondrella n. gen. Pease Proceed. zool. soc. p. 465. Testa
globosa-conica, tenuiuscula, striata, imperforata, vel vix rimata ;
apertura fere circularis; peristoma simplex, tenue, marginibus late
disiunctis; columella callo appresso, late dilatato induta, locum ura-
bilici tegens. Animal tentaculis nullis, oculis supra caput immersis.
Operculum testaceum, solidiusculum , pallidum, nitidum, oblongo-
ovatum, latere dextro fere recto, utrinque rotundatum; extus pla-
num, laevigatum, nucleo obsoleto, marginibus anterioribus et latera-
libus angulatis; subtus vix concavum, margine rotundo calloso, quasi
costato. Typus Cyclostoma minutissimum Sow. Gehört in die Fa-
milie Helicinidae. — Ch. striata ib. p. 477 von Roratonga.
Hydrocaenacea. Georissa liratula und Blanfordiana Stoliczka
Journ. Asiat. Soc. of Bengal 40. II. p. 157. pl. 6. fig. 5 u. 6 von
Moulmein.
Neritacea. Neritina (Vitta) pulcherrima Angas Proc. zool. soc.
p. 19. pl. I. fig. 25 von Port Jackson. — N. holosericea Garrett Amer.
Journ. of Conchology VII. p. 219. pl. 19. fig. 1 von Vanna Levn,
Viti-Inseln.
Navicella picturata Garrett Amer. Journ. of Conchology VII.
p. 224. pl. 19. fig. 13 von den Viti-Inseln.
Nerita Hüleana und Samoensis Dunker Malak. Bl. 18. p. 167
von den Samoa-Inseln.
Trochoidea. Ein Aufsatz über die Thiere einiger Trochiden
von den algerischen Küsten von Deshayes 1870, mit schön colo-
rirten Abbildungen ist mir nicht zu Gesicht gekommen. Er ist im
Journal de Conchyl. 19. p. 109 besprochen.
Phasianella Graeffei Dunker Malak. Bl. 18. p. 168 von den
Samoa-Inseln.
Liotia speciosa Angas Proc. zool. soc. p 19. pl. I. fig. 26 von
Port Jackson.
der Mollusken während des Jahres 1871. 163
Cyclostrema tricarinata und roseotincta Smith Proc. zool. soc.
p. 737. pl. 75. fig. 27 von Whydah.
Ethalia lirata und plicata Smith Proc. zool. soc. p. 737. pl. 75.
fig. 23, 24 von Whydah.
Trochus Älwinae Lischke Malak. Bl. 18. p. 149 von Japan. —
Tr. tenuiliratus Dunker ib. p. 168 von den SamoaJnseln.
Leptothyra paucicostata Dali Amer. Journal de Conchology VII.
p. 131. pl. 15. fig. 10 von Monterey.
Claneulus rubicundus Dunker Malak. Bl. 18. p. 168 von den
Viti-Inseln.
Ziziphinus Tiilaris Lischke Malak. Bl. 18. p. 41. von Japan. —
Z. venustus Viti-Inseln, multigranus Neuholland, subgranularis Bass-
strasse Dunker ib. p. 169.
Calliostoma afßnis von Japan, Palmeri von Guaymas, glorio-
sum von Monterey Dali Amer. Journ. of Conchology VII. p. 125. pl. 15.
fig 14, 15.
Monilea Philippiana Dunker Malak. Bl. 18. p. 170 von den
Samoa-Inseln.
Solariella canaliculata Smith Proc. zool. soc. p. 736. pl. 75.
fig. 28 von Whydah.
Gibbula Holdsworthana Nevill Journ. Asiat. Soc. of Bengal 39.
II. pl. I. fig. 18 von Ceylon. — G. Canfieldi Dali Amer. Journ. of
Conchology VII. p. 129.
Stomatellacea. Stomatella Mariei Crosse Journal de Conchyl.
19. p. 329 von Neu-Caledonien.
Microtis compta v. Martens und Langkavel, Donum Bismar-
ckianum p. 49 von Paumotu.
Von dieser Gattung, die Arthur Adams in Microtina um-
taufte, giebt Crosse Journ. de Conchyl. 19. p. 188 eine Monogra-
phie. Die Diagnose der Gattung stellt er folgendermassen : Animal
generis Stomatiae animali simillimum, sed pede antice profunde fisso
et peculiariter bilobato distinguendum. Operculum nullum. Testa
spiralis, suborbicularis, depressa, stomatelliformis, seriebus 2 tuber-
culorum minutorum instructa ; spira leviter prominula aut subplana ;
apertura magna, latior quam longior, intus margaritacea; columella
spiralis, usque ad apicem spirae intus conspicua. Er kennt zwei
Arten: M. tuberculata Adams von den Philippinen und Heckeliana
Crosse von Neu-Caledonien.
Gena callosa Fischer Journ. de Conchyl. 19. p. 218 von Suez.
— G. caledonica Crosse ib. p. 330.
Fissurellacea. Fissurellidaea bimaculata Dali Amer. Journ. of
Conchology VII. p. 132. pl. 15. fig. 7 von Monterey.
Rimüla Verrieri Crosse Journ. de Conchyl. 19. p. 205 von
Neu-Caledonien.
164 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Docoglossa.
Von Dali erhielten wir Amer. Journal of Conchology VI
p. 227—282. pl. 14 — 17 eine Arbeit über die Abtheilung Docoglossa
mit besonderer Rücksicht auf die Arten der Westküste Amerika's
und auf eine natürlichere Classification der Gruppe. Verf. führt
eine etwas complicirte Formel für das Gebiss ein, die Mittelplatten
bilden den Zähler, die Seitenplatten den Nenner eines Bruches ;
jede Platte wird wieder durch einen Bruch bezeichnet, worin der
Nenner die Zahl seiner Zähne, der Zähler die Zahl der gleichartigen
i
Platten hezeichnet. So ist die Formel ---7 *w- so zu ver-
¥(!+!■ • §**)¥
stehen, dass eine Mittelplatte mit fünf Zähnen vorhanden ist, dass
sechs dreispitzige und eine einspitzige Platte jederseits auf ihn fol-
gen (als Zwischenplatten nach meiner Terminologie) und dann noch
zehn einspitzige Haken (Aussenplatten nach meiner Terminologie).
Stehen die Zwischenzähne in einer Reihe, dann wird ein 4- ange-
wendet, stehen sie in zwei Reihen, dann ein — . Die Ordnung Do-
coglossa wird vom Verf. beschränkt, indem er Chiton und Denta-
lium ausschlicsst. Sie zerfällt in zwei Unterordnungen: Abran-
chiata ohne Augen und Kiemen, mit einer Mittelplatte und Seiten-
platen. aber ohne Zwischenplatte auf der Radula, mit der Farn. Lepeti-
dae (vergl. vorj. Ber. p. 564) und Proteobranchiata Kiemen und
Augen ; Mittelplatte selten vorhanden, stets drei Zwischenplatten.
Dahin die Farn. 1) Acmaeidae, Schale schüsseiförmig, subsymme-
trisch; Thier mit freier Kiemenfeder über der linken Seite des
Nackens; Radula mit oder ohne Seitenplatten, keine Mittelplatte;
Schnauzenscheibe von einer schmalen Hautkrause umgeben. Gatt.
Acmaea Esch. (mit den Subgen. Acmaea
* 0(1—1—1 . 1—1—1)0
und Co llisella Dali - — A 7-7^ — = * — " ". — - neu 0. sy-
2 oder 1 (2—1 . 1—2) 1 oder 2. t *
baritica aus dem Behring-Meere und hieroglyphica von China), Lot-
tia Cpr., Scurria Gray. 2) Putellidae, Thier ohne Nackenkieme
aber mit einer Reihe Lamellen zwischen Mantel und Fuss; Radula mit
drei Zwischen- und drei Seitenplatten, Mittelplatte selten vorhanden.
Schnauze ohne Krause. Gatt. An eist rorne s n. s n. gen. — -—
8 3(-J-2 . 2-f)3,
dahin Patella mexicana Brod., Patella L. 7^—— mit Pa-
3(1—2 . 2—1)3
tella vulgata, Patinella n. gen. -^ — u^W dahin Patella
mytilina, Helcion Montf. (Subgenus Helcioniscus -2
8 3(2-1 . 1-2)3,
der Mollusken während de- Jahres 1871. 165
Typus Patella variegata), Patina Leach — — - — ■ . a Typus Pa-
tella pellucida, Metoptoma Phillips. — Ein Auszug dieser Abhand-
lung findet sich in Annais nat. hist. VIT. p.286.
Patellacea. Ha r per Pease berichtigt die Synonymie von
Patella exarata, welche Dali als Helcioniscus exaratus aufgeführt
hatte. Amer. Journ. of Conchol. VII. p. 198.
Bei der Beschreibung einer neuen Art Patina tella aus dem
Sargassomeere Taf. 12. Fig. 12—26 schildert Bergh auch zur Ver-
gleichung die Mundtheile von Patina pellucida und Lepeta coeca.
Verhandl. d. zool.-bot. Ges. in Wien 22. p. 1299.
Acmacacea. Scutellina pulchella Lischke Malak. Bl. 18. p. 41
von Japan.
Chitonidae. Harper Pease beschreibt zwei neue Arten von
Chitonen von Polynesien, aus welcher Weltgegend ihm bisher nur
vier kleine Arten bekannt waren, nämlich Lophyrus petaloides und
perviridis, Acanthopleura nigropunctata uud Lepidopleurus luzoni-
cus. Die neuen Arten sind Acanthochites viridis von Kauai und ar-
matus von Oahu.
Cirrobranchia. Dentaliiim subtorquatum Fischer Journal de
Conchyl. 19. p.218. pl. 11. fig. 1 von Suez.
Pulmonata.
Täte hat eine Reihe von Kiefern von Land- und Süsswasser-
schnecken untersucht, und davon 23 auf einer Tafel abgebildet. The
Student and Intellectual Observer IV. 1870. p. 401. Er giebt dann
eine Synopsis der Genera der britischen Land- und Süsswasser-Mol-
lusken, geordnet nach der Beschaffenheit der Kiefer.
I. Agnatha, ohne Kiefer. Testacella.
IL Monognatha, mit einem Kiefer.
1. Oxygnatha. Kiefer mondförmig, glatt, geschnäbelt, Limax, Vi-
trina, Helicella.
2. Elasmognatha. Hufeisenförmig mit einer hinteren Platte.
Succinea.
3. Aulacognatha. Seiten fast parallel, gestreift, Fam. Helicidae, Bu-
limulus (ausgeh. B. acutus), Cochlicopa. Clausilia, Balea, Papa,
Vertigo. Cionella, Helix, Section Delomphalus (H. rupestris,
pygmaea, rotundata). Section Vallonia (H. pulchella); Fam.
Auriculidae, Auricula, Carychium; Fam. Limnaeadae : Physa,
Aplexus, Planorbis (ausgen. P. corneus). Amphipeplea.
4. Odontognatha. Gerippt, Rand gezähnt oder crenulirt.
a. Schwach gebogen, Rippen zahlreich, grob gezähnelte Rän-
der. Arion, Geomalacus, Helix, H. obvoluta, Section Fru-
166 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
ticola (H. cantiana, carthusiana, sertcea, hispida, concinna.
rufescens), Bulimulus acutus.
b. Stark gebogen wenige Rippen. Helix, Section Xerophila
(H. ericetorum, pisana, caperata, virgata); Section Tachea
(H. nemoralis, hortensis), Pomatia (H. aspersa, pomatia).
III. Trignatha. Drei Kiefer. Limnaea (ausgen. Amphipeplea), Ancy-
lus. Planorbis corneus.
IV. Dignatha. Zwei seitliche Kiefer. Cyclostoma, Acme, Paludina
und die übrigen Süsswasser-Schnecken.
Obgleich die Kiefer vortreffliche Charaktere für die Classifica-
tion bieten, so sind sie hier von dem Verf. keineswegs glücklich
benutzt.
Sporleder erzählt, dass eine Clausilia Erberi und ein Bu-
limus faux nigra, welche in der Einsamkeit auswuchsen, keine Nach-
kommenschaft erzeugten, was gegen die Selbstbefruchtung derZwit-
terschnecken spricht. Nachrichtsblatt p. 15.
Helicea. Dubrueil, Etüde anatomique et histologique sur
Vappareil generateur du genre Helix. Paris 1871. Aus einer An-
zeige von Fischer im Journal de Conchyl. 19. p. 249 ersehe ich,
dass Verf. gegen die Ansicht streitet, nach welcher die Schläuche
der Zwitterdrüse aus zwei in einander gesteckten Taschen beste-
hen, die durch besondere Häute begrenzt sind, von denen die äus-
sere die Ovula, die innere die Spermatozoiden entwickelt. Er be-
hauptet ferner, dass der Ausführungsgang einfach sei, nicht aus
zwei Röhren zusammengesetzt. Das Flagellum iat nach Dubrueil
zur Ausscheidung des Capreolus oder der Spermatophore bestimmt;
bei den Mollusken ohne Flagellum wird derselbe im unteren Vas
deferens ausgeschieden. Ein Capreolus kommt auch bei Zonites vor.
Ferner wird nachgewiesen, dass die Befruchtung wirklich eine ge-
genseitige sei. indem er sich auf die gleichzeitige Existenz zweier
Spermatophoren beruft. Die Liebespfeile werden immer vor der
Begattung abgeworfen.
Jourdain sagt über die Generation von Helix aspersa, die
Eier erzeugen sich in der einfachen Wand der Schläuche der Zwit-
terdrüse, der Ausführungsgang enthält immer Spermatozoiden, die
Eier gehen durch ihn schnell im Augenblick des Ablegens. Die
Spermatozoiden sind im Ausführungsgange schon ganz entwickelt,
auch haben sie Bewegung, die Eier sind noch nicht gehörig ent-
wickelt. Beim Ausgange des Ausführungsganges scheiden sich die
Eier und Spermatozoiden in zwei Halbkanäle von sehr ungleicher
Weite, die er gouttiere ovigere und gouttiere deferente nennt. In
dem peitschenförmigen Anhange werden die Spermatozoiden um-
hüllt zu Spermatophoren. Bei der Begattung dringen dann die Sper-
matozoiden in die Saraentasche ein, von wo aus die Eier beim Ablegen
befruchtet werden. Der Liebespfeil soll die Leibeswand durchboh-
der Mollusken während des Jahres 1871. 167
ren, und noch lange nachher in der Leibeshöhle gefunden werden.
Der Liebespfeil soll sich jedoch bald wieder erzeugen und schon
nach einigen Tagen wieder brauchbar sein. Comptes rendus 73.
p. 1059.
E. v. M arten s über Erblichkeit der Bänder und Bänderva-
rietäten bei Helix-Arten. Nachrichtsblatt p. 145.
Helicacea. Helix Newtoni von Mauritius, H. (Discus) Le
Vieuxi und H. (Conulas) subturritula von Mähe, Seychellen. Nevill
Journ. Asiat. Soc. of Bengal 39. II. p. 6. — H. gratiosa, Coxeni,
sarda-labiata, oconnellensis, Whartoni Cox Proc. zool. soc. p. 53.
pl. III aus Queensland. — H. bellengerensis Cox ib. von Neu-Süd-
Wales. — H. (Plectopylis) macromphalus Blanford Journal Asiat. Soc.
of Bengal 39. II. 1870 aus Indien. — H. Bossiteriana Crosse Journ.
de Conchyl. 19. p. 201 von Neu-Caledonien. — H. callizona pl. 13.
fig. 3 von Japan, H. Ortoni pl. 13. fig. 2 und Napensis pl. 13. fig. 1 von
Ecuador Crosse ib. p. 226. — H. Vaysseti Marie ib. p. 325 von
Neu-Caledonien. — H. Vendryesiana Gloyne ib. p. 333 von Jamaica.
— H. tavinniensis Garrett Amer. Journ. of Conchology VII. p. 223.
pl. 19. fig. 10 von den Viti-Inseln. — H. bellengenensis Brazier Proc.
zool. soc. p. 321 von Neu -Süd -Wales. — H. Alfredi pl. 34. fig. 1
von den Salomons-Inseln und H. millicentae pl. 34. fig. 2 von den
Louisiade-Inseln Cox ib. p. 323. — B. (Hadra) Darwini von der
Nordküste Australiens, Stephensoniana und Bennetti von Queensland,
H. (Irachia) endeavourensis vom Endeavour-River, H(Camaena) auree-
densis von Aureed-Insel in der Torresstrasse, H. (Hygromia) Bcdnalli
von Adelaide, H. (Charopa) subdepressa von Victoria Brazier Proc.
zool. soc. p. 639. — H. Andersoni Queensland, scandens Port Mac-
quarie, Kempseyensis Westküste Australiens, Macquariensis Port
Macquarie, guadalcanarensis, Sellersi, eompluviatus, Hunterus und
Belmorei, die letzten fünf von den Salomons-Inseln Cox ib. p. 644.
pl. 52. fig. 4 — 12. — H. (Videna) Floodi, MüUgani, Pascoei Brazier
ib. p. 697 von Tasmania. — H. liberta Westerlund Expose critique
p. 54, früher mit H. sericea Drap, verwechselt, aus Schweden. —
R. (Fruticola) Erjaveci Brusina Contribution ä la malacologie de
la Croatie. — H. Kleciachi von Borovzi, Narenta. praetexta aus
Dalmatien. verticillata von Rhodus, turritella aus Dalmatien, gyroi-
des aus Croatien, aranea aus Sicilien sind neue Arten von Parreyis
beschrieben von Pfeiffer Malak. Bl. 17. p. 141. — H. (Polygyra)
Lundii Mörch ib. 18. p. 38 aus Brasilien. — H. Thomsoni, indusiata
und tukanensis von der Insel Tukan-Bessi; physalis von der Insel
Tular, Kobeltiana von Ceram Pfeiffer ib. p. 119.
Bland und Binney erklären Helix Newberryana, die sie
früher zu Macrocyclis oder Zonites gestellt hatten, nach Untersu-
chung des Gebisses für eine wahre Helix. Amer. Journal of Con-
chology VII. p. 190. pl. 17. fig. 3, 4.
HB8 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Helix ierensis und bactricola Guppy sind Amer. Journal of
Conchology VI. p. 307. pl. 17. fig. 4, 5 abgebildet. — Ebenso H. nim-
bosa. eoa und votiva Crosse Journal de Conchyl. 19. p. 59. pl. 2.
fig. 1, 2 und pl 1. fig. 1. — Desgleichen H. Montserratensis, semi-
picta und Zapateri Hidalgo ib. p. 399. pl. 12. fig. 4—6.
Nach Brazier ist Trochomorpha transarata Mouss. = H. fes-
sonia Angas. Proc. zool. soc. p. 322.
Endodonta celsa Pease Proc. zool. soc. p. 455 von Raiatea.
E. v. M arten s über Helix liminifera Held = edentula Drap.
Nachrichtsblatt p. 197.
Clessin fand Helix villoäa Drap, in Südbaiern und glaubt,
dass sie durch die Wellen der Flüsse von den Alpen entführt wor-
den sei. Im Illerthal wurde sie bis zur Mündung, dann von der
Donau bis Dillingen gebracht, im Lechthale bis Augsburg, im Isar-
thale bis Landshut. Correspondenzbl. des zool. -miner. Vereins in
Regensburg 25. p. 143.
Helix ericetorum erträgt nach Kobelt, Nachrichtsblatt p. 78
grosse Kälte, ohne die Winterquartiere zu beziehen.
Br us in a beschreibt in einer Monographie des Campylaea de la
Dalmatie et de la Croatie 12 Arten dieser Gattung. Annales Soc.
malacol. de Belgique IV. vergl. den Bericht von Pfeiffer inMalak.
Bl. p. 157.
Campylaea Möllendorfii Kobelt Nachrichtsblatt p. 72 aus
Bosnien.
Spo'rleder beobachtete, dass sich bei einer Helix hortentis,
die den Pfeil abgeworfen hatte, derselbe wiedererzeugt hatte. Nach-
richtsblatt p. 17.
Dohrn verkündet, dass Helix austriaca, die er nach Stettin
verpflanzte, dort gut gedeiht. Nachrichtsblatt p. 17. Mehrere süd-
liche Heliceen hält er in einem Glaskasten.
Fischer liess das Gebiss von Anostoma globnlosnm abbilden,
und fügte eine Abbildung des Schlundringes dieser Art als eine
Ergänzung seiner früheren Arbeit (vergl. Bericht über d. J. 1869.
p. 568) mit. Journal de Conchyl. 19. p. 261. pl. XI. fig. 4— 8. Der
Oberkiefer ähnelt einigen Pupa der Gruppe Strophia. die Radula ist
eigenthümlich.
Hypselostoma Dayanum Stoliczka Journ. Asiat. Soc. of Bengal
40. II. p. 172. pl. 7. fig. 2 von Moulmein.
Garrett verzeichnete die Bulimus-Arten der Viti-Inseln, mit
Bemerkungen über ihre geographische Verbreitung und mit Be-
schreibung neuer Arten. Bei einem Aufenthalte von zwei Jahren
auf dieser Inselgruppe hatte er Gelegenheit ihre Fundorte und ihre
Verbreitung genau zu studiren. Sie können wie die Partulae und
Achatinellae, in Baum- und Erdarten gctheilt werden ; erstere leben
auf Bäumen und Sträuchern, letztere auf dem Boden unter abge-
der Mollusken während des Jahres 1871. 169
fallenem Laub und unter Steinen. Alle haben die eigentümliche
Oberfläche wie malleatus und fulguratus, alle haben eine starke Spin-
delfalte. Es sind 13 Arten, von denen Bulimus ochrostoma, Bam-
biensis, crassilabrum, rugatus, Hoyti, guanensis, koroensis neu. Sie
sind auf pl. 18 abgebildet.
Fischer schilderte im Journal de Conchyl. 19. p. 161 die
Anatomie der Neu-Caledonischen Bulimus aus der Gruppe Placosty-
lus, wozu ihm B. porphyrostomus und scarabus zu Gebote standen.
Er beschreibt den Verdauungsapparat mit dem Gebiss und die Ge-
schlechtsorgane.
Fischer theilt ib. p. 166 die Gattung Bulimus, hauptsächlich
nach der Beschaffenheit der Kiefer in vier Gruppen: 1) Bulimus
mit gezähnten Kiefern gehört in die Familie Helicidae, dahin die
Subgenera Borus, Bulimulus, Limicolaria Achatina, Cochlicellus. 2)
Pupa gehört in die Familie Pupidae mit den Gattungen Pupa, Clau-
sula, Vertigo, Chondrus , Eucalodium ct. Die Gattung Buliminus
muss angenommen werden. 3) Orthalicus gehört in die Familie Or-
thalicidae, mit Liguus und Placostylus. 4) Bulimus mit zusammen-
gesetzten Kiefern. Verf. scheint diese Zusammenstellung nicht nach
eigenen Untersuchungen gewonnen, sondern sie nach einzelnen No-
tizen Anderer gemacht zu haben. Dieser Versuch unter den Land-
schnecken zu classificiciren, wie so viele ähnliche, steht daher auf
schwachen Füssen und es werden noch zahlreiche Untersuchungen
und genaue Vergleichung und Prüfung erforderlich sein, bevor ein
naturgemässes System erlangt sein wird.
Bulimus (Liparus) Brazieri Angas Proc. zool. soc. p. 19. pl. I.
fig. 28 von King George's Sound. — B. vicarius, calcadensis Blanford
Journal Asiat. Soc. of Bengal 39. II. 1870 aus Indien. — B. uca-
yalensis Crosse Journ. de Conchyl. 10. p. 229 und p. 317. pl. 13.
fig. 4 aus Ecuador. — B. (Borus) Coxi Pease Amer. Journal of
Conchology VII. p. 197 von den Salomons-Inseln. — B. Larreyi Bra-
zier Proc. zool. soc. p. 321 von Neu-Süd- Wales. — B. Hargravesi
Cox ib. p, 323. pl. 34. fig. 3 von den Salomons-Inseln. — B. (Lipa-
rus) Kershawi Brazier ib. p. 641 von Victoria. — B. Sellersi Cox
ib. p. 644. pl. 52. fig. 3 von den Salomons-Inseln.
Bulimus pluto, prometheus und kuhnholtzianus Crosse sind
Journ. de Conchyl. 19. p. 62. pl. 2 u, 4 abgebildet. — Ebenso B.
Kantavuensis Crosse ib. p. 105. pl. 5. fig. 3.
Crosse erklärt Journal de Conchyl. 18. p. 207 Bulimus Jua-
rezi Pfr. und B. sufflatus Gould für identisch.
Orthaiice a. Bulimulus aureolus Guppy ist Amer. Journal
of Conchology VI. p. 307. pl. 17. fig. 6 abgebildet.
Buliminus pilosus Guppy Amer. Journal of Conchology VI.
p. 310. pl. 17. fig. 12 von Trinidad.
Partula subgonochila Mousson Jouru. de Conchyl. XIX. p. 14.
170 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
pl. 3. fig. 4 von den Tonga-Inseln. — P. expansa p. 9. fig. 3 von der
Insel Tutuila, bicolor pl. 9. fig. 4 von Guam, Brazieri pl. 9. fig. 5 von
Tutuila Pease Journ. of Conchology VII. p. 26. — P. turricula und
concinna Pease ib. p. 196 von den neuen Hebriden. — P. pellucida
Proc. zool. soc. p. 457 von den Salomons-Inseln. — P. Peasei Cox
ib. p. 644. pl. 52. fig. 2 von den Salomons-Inseln.
Glessula filosa, singhurensis, ragata, lyrata, pulla, hebes, tor-
nensis Blanford Journal Asiat. Soc. of Bengal 39. II. 1870 aus In-
dien. — Gl. erosa und bacülina Blanford ib. 40. II. 1871. p. 43. pl. II.
fig. 7 u. 6, erstere von Darjeeling, letztere aus Sikkim.
Tornatdlina bacillaris Mousson Journ. de Conchyl. XIX. p. 16.
pl. 3. fig. 5 von den Tonga-Inseln. — T. gracüis von Kauai und den-
tata von Hawaii Pease Proc. zool. soc. p. 460.
Tornatellina Noumeensis Crosse ist Journ. de Conchyl. 19. p. 193.
pl. 6. fig. 4 abgebildet.
Ueber das Gebiss von Macroceramus Gossei schrieben Bland
und Binney Amer. Journ. of Conchology VII. p. 187. pl. 17. fig. 11
und 12.
Cylindrella (Leia) Dohrniana Pfeiffer Malak. Bl. p. 119 von
Jamaica,
Clausula japonica Crosse Journ. de Conchyl. 19. p. 228 und
p. 320. pl. 13. fig. 5. — CL Sabljarii Brusina Contribution ä la Ma-
lacologie de la Croatie. — Cl. Sieversi Pfeiffer Malak. Bl. 18 p. 70
aus Südkaukasien.
Clessin kennt 14 Clausilien Südbaierns. Nachrichtsbl. p. 134.
Stoliczka bescheibt Journal Asiat. Soc of Bengal 40. II.
p. 173. pl. 6. fig. 7—10 Thier und Anatomie von Clausilia Phi-
lippiana.
Bland und Binney bilden das Gebiss von Clausilia tridens
Chemn. ab. Amer. Journ. of Conchology VII. p. 28. pl. 2.
Pupa Mariei Crosse Journal de Conchyl. 19. p. 202 von Neu-
Caledonien. — P. lignicola Stoliczka Journ. Asiat. Soc. of Bengal 40.
II. p. 171. pl. 7. fig. 3 von Moulmein. — P. ronnebyensis, ovoidea,
pineticola, collina, otostoma Westerlund Expose critique p. 94 aus
Schweden. — P. caspia Pfeiffer Malak. Bl. 18. p. 70 aus Südkau-
kasien.
Reinhardt über Pupa monodon Held. Nachrichtsblatt p.185.
Vertigo striatula von Hawaii, armata von Bolabola, simplaria
von den Marquesas; costata von Hawaii, perlonga von Oahu, denti-
fera von Roratonga, costulosa von Hawaii und vacca ebendaher Pease
Proc. zool. soc. p. 461.
Bland und Binney fanden durch Untersuchung des Gebisses
von Pineria Viequensis, dass die Gattung Pineria zu der Familie
der Cylindrellen gehört. Ihre Schale nähert sich der Gruppe Macro-
ceramus, die Radula der Gruppe Cylindrella. Pineria Schrammi hal-
der Mollusken während des Jahres 1871. 171
ten die Verff. nicht verschieden' von P. Viequensis. Annais Lyceum
New- York X.
Ennea Batalhana Pfeiffer Malak. Bl. 18. p. 71. taf. 1. fig. 17—19
aus Westafrika.
Gibbulina Adamsiana Nevill Journ. Asiat. Soc. of Bengal 39.
II. p. 7. pl. 1. fig. 17 von Mauritius.
Stoliczka hat Journal Asiat. Soc. of Bengal p. 160 die
Anatomie von Streptaxis obtusus und burmanicus gegeben. Die
Organe sind der Hauptsache nach wie bei den Heliciden geordnet.
Die Radula ist sehr lang, aber die Zähne sind nur vorn ausgebildet ;
diese haben Aehnlichkeit mit denen von Testacella. Kein Kiefer.
Als neue Arten werden beschrieben solidulus, obtusus und Hanleya-
nus von Moulmein.
Derselbe macht ib. p. 169 einige Angaben über das Thier von
Ennea (Huttonella) bicolor Hutton, dessen Anatomie mit Streptaxis
nahe übereinstimmt, die Zähne der Radula sind abgebildet pl. 8.
fig. 8. Ferner ist als neu beschrieben E. cylindrelloides von
Moulmein.
Vitrine a. Vitrina superba Cox Proc. zool. soc. p. 54 von
Queensland. — F. Heynemanni Koch wird mit den verwandten Ar-
ten verglichen, erläutert durch Abbildungen der Schalen von 6 Ar-
ten. Nachrichtsblatt p. 33. Sie kommt am nördlichen Abhänge des
Westerwaldes vor. — Ueber V. annularis Venetz vergl. v. Martens
ib. p. 117.
Bland und Binney fanden das Gebiss von Nanina calias
und eultrata abweichend von N. retrorsa, dagegen sehr ähnlich mit
Zonites. Amer. Journal of Conchology VII. p. 188. pl. 17. fig. 6, 8.
Helicarion Sogdianus v. Martens Malak. Bl. 18. p. 65 von Sa-
markand (vergl. auch vorj. Ber. p. 146. — H. ovatum und hetero-
concha Blanford Journ. Asiat. Soc. of Bengal 40. II. p. 44. pl. II.
fig. 9 u. 8 von Darjeeling.
Nanina (Microcystis) futunaensis Mousson Journ. de Conchyl.
XIX. p. 7. pl. 3. fig. 1 von den Tonga-Inseln. — N. plicatula, cher-
raensis, rubello einet a , Austeni, falcata, koondaensis , N. (Trocho-
morpha) apicata, N. (Ariophanta) immerita Blanford Journal Asiat.
Soc. of Bengal 39. II. 1870 aus Indien. — N. Hoyti, tenella, Otareae,
Godeffroyna Garrett Amer. Journ. of Conchology VI. p. 221. pl. 19
fig. 6—9 von den Viti-Inseln.
E. v. Martens zeigte Sempers Untersuchungen über die Zo-
nitiden an, und machte am Schluss einige richtige Bemerkungen.
Malak. Bl. 18. p. 131-147.
Zonites implicans und Z. umbratilis Guppy sind Amer. Journ.
of Conchology VI. p. 307. pl. 17, fig. 2 u. 3 abgebildet.
Conulema n. gen. Stoliczka Journ. Asiat. Soc. of Bengal 40.
II, aus der Familie Zonitidae ist auf Helix attegia Bens, gegründet-
172 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Die Fussdrüse ist gross und trägt einen hornförmigen Anhang.
Verf. erwähnt, dass C. attegia einen Liebespfeil hat, C. infula nicht.
C. Uricittcta von Mouimein.
Sophina discoidalis und conjungens Stoliczka ib.
Pitys tumuloides, cavernula, candlis, rudis, decorticata, har-
veyensis, otareae, Youngi, tenuicostata, proxima und multilamellata
Garrett Amer. Journ. of Conchology VII. p. 225. pl. 19. fig. 15 — 25.
sämmtlich von der Insel Rarotonga. Cooks-Inseln. — P atiensis
von Atiu, rotellina und imperforata von Aitukake, roratongensis von
Roratonga, ßocostata von Kauai, analogica und verecunda von den
Marquesas Pease Proceed. zool. soc. p. 453, meist schon im vorigen
Jahre in Journal de Conchyl. p. 393 aufgestellt. — P architectonica .
Petterdi, assimilis, subrugosa Brazier Proc. zool. soc. p. 696 von
Tasmania.
Lehmann hält dafür, Nachrichtsblatt p. 75, dass Hyalina
subterranea Bourg. die ausgewachsene Form von H. crystallina ist.
— Reinhardt ist dagegen ib. p. 113 der Ansicht, dass beide Ar-
ten verschieden sind, and dass zwei Formenreihen neben einander
laufen.
Hyalina alicea Guppy Amer. Journ. of Conchology IV. p. 309
von Trinidad.
Helicella Erjaveci Brusina Contrib. a la Malacologie de la
Croatie.
Succinea. Succinea aitaica v. Martens Sitzungber. d. Ges.
naturf. Fr. zu Berlin 1871. p. 50 vom Altai. — S. rutilans und S.
(Lithotis) tumida Blanford Journ. Asiat. Soc. of Bengal 39. II. 1870
aus Indien. — S. mammillata von Nukuhiwa und S. rubella von Lanai
Pease Proc. zool. soc. p. 459.
Kobelt machte Nachvichtsblatt p. 49 Beobachtungen mehre-
rer Conchyliologen über das Vorkommen von Succinea oblonga
bekannt.
In der Gruppe der Succineen stellte Pease Proc. zool. soc.
p. 459 zwei neue Gattungen auf:
Gatinella. Testa tenuis, fragilis. planulata, depressa, scu-
tellaeformis, ovalis ; spira minuta, rudimentalis, immersa, subtus con-
centrice sulcata : apertura perampla, magnitudinem testae fere ae-
quans. Typus ist C. rubida vergl. vorj. Ber. p. 147 und Succinea
explan ata Gld.
Truella. Testa elongata. gracilis, tenuis; spira elongata;
anlV. celeriter accrescentes : apertura posterior contracta, acuta, an-
tice dilatata; anfr. nltinins postice convolutus. Typus Succinea
elongata Pease.
Testacellea. Sem per bat Patula gradata Mouss. als zu den
Testacelliden gehörig erkannt. Nachrichtsblatt p. 124.
der Mollusken während des Jahres 1871. 173
Patüla mcariä und radicalis Mousson Journ. de Conchyl. XIX.
p. 11. pl. 3. fig, 2 u. 3 von den Tonga-Inseln.
Lilliacea. Ueber die amerikanischen Arten der Gattungen
Limax und Arion gab Heynemann eine Notiz. Nachrichtsbl. p. 92.
Sordelli beschrieb die Anatomie von Limax Doriae Bourg.
und erörterte ihre Beziehungen zu den verwandten Arten. Er
stellte dabei zwei neue Arten auf: Limax punctulatus und L. Bei-
bonü. Atti della Soc. ital. di Sc. nat. XIII. 1870; Bullett. malac.
ital. IV. p. 27. — L. (Ariolimax) Rarotonganns Heynemann Nach-
richtsblatt p. 43 von Rarotonga. »
Strobel schrieb über Limax coerulans Bielz, von der L. Da-
Campi eine Varietät ist, und seine Verbreitung in Italien. Bullett.
malac. Italiano IV. p. 17. — Derselbe zeigt ib. p. 107 an, dass L
lineatus vor L. Da-Campi die Priorität hat.
Arion limacopus Westerlund Expose critique p. 17 aus
Schweden.
Bergh machte nachträgliche Bemerkungen über Phifomycus,
in denen er Ph. carolinensis Bosc. nach einem Exemplar von Chili
beschreibt, und Ph. dorsalis Morse, dessen Identität von Ph. caroli-
nensis Heynemann er bestätigt. Ph. australis Bergh ist doch gegen
die frühere Vermuthung des Verf. von der vorigen speeifisch ver-
schieden. Verhandl. d. zool.-bot. G eselisch, in Wien 21. p. 793.
Semper bildet die Kiefer von Philomycus carolinensis und
australis ab, und macht auf die grosse Verschiedenheit aufmerksam.
Nachrichtsblatt p. 1. Taf. I. Fig. 1. 2, mit Anmerkung von Hey-
ne mann.
Veronicellidae. Bland und Binney beschrieben das Gebiss
von Veronicella. Amer» Journ of Conchology VII. p. 163. pl. 12. fig. 7.
Vaginula Grandidieri Crosse et Fischer Journ. de Conchyl. 19.
p. 331 von Madagaskar.
Peroniadae. Vaillant hat das seltene Oncidium celticum ana-
tomisch untersucht. Er beschreibt das Gefässsystem, die Respira-
tionsorgane und die Geschlechtsorgane. Das Thier gehört zu den
Pulmonaten; die Hautrespiration und die Beschaffenheit des Ge-
schlechtsapparates zeigen einige, Beziehungen zu den Opisthobran-
chiern, zu denen es einen Uebergang bildet. Compes rendus 73.
p. 1172.
Onchidium tuberculatum Crouan bei Tasle 1. c. von Finisterre
wird von letzterem für 0. celticum Cuv. gehalten.
Onchidella borealis Dali Amer. Journal of Conchology VII..
p. 135 von Sitka.
Auriculacea. Pythiatortuosa Mousson Journ. de Conchyliologie
19. p. 19. pl. 3. fig. 6 von den Tonga-Inseln. — P. lentiginosa und
perovata Garrett Amer. Journal of Conchology VII. p, 220. pl. 19.
fig. 4 u. 5 von den Viti-Inseln.
174 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Plecotrema hirsuta Garrett Amer. Journ. of Conchology VII.
p. 219. pl. 19. fig. 2 von den Viti-Inseln. — Peas e beschreibt P.
striata Phil, und clausa Ad. um sie besser zu unterscheiden. Proc.
zool. soc. p. 469.
Melampus ornatus und tongaensis Mousson Journ. de Conchyl.
19. p. 21. pl. 3. fig. 7 u. 8 von den Tonga-Inseln.
Autonoe n. gen. Guppy Amer.' Journal of Conchology VI.
p. 306. pl. 17. fig. 1. Testa tenuis, cornea, ovato-obconoidalis, anfr.
ultimus compressus, superne paulum angulatus, spira brevis, conoi-
dalis, apertura elongata, angusta, ante paulum dilatata, peristoma
simplex, columella valde torta, arcuata, plicis fortibus munita. A.
riparia von Trinidad.
Versa melanostoma Garrett Amer. Journ. of Conchology VII.
p. 224. pl. 19. fig. 11 von den Viti-Inseln.
Ophicardelus paludosus Garrett Amer. Journ. of Conchology VII.
p. 220. pl. 19. fig. 3 von den Viti-Inseln.
Limnaeacea. C o o p e r unterscheidet 42 Arten von Limneidae
der Westküste Amerikas und bringt sie in folgende Uebersicht:
1. Subfam. Limneinae. Gatt. Limnea mit 2 Arten, Subgen. Lim-
nophysa 10 A., Gatt. Physa (wie kann Physa in dieser Subfamilie
stehen??) mit 12 A.. Subgen. Aplexus mit 1 Art. 2. Subfam. Pom~
pholinae. Gatt. Pompholyx 1 Art. 3. Subfam. Planorbinae-
Gatt. Carinifex 1 A., Gatt. Planorbis 5 A., Subgen. Helisoma 3 A.
Subgen. Gyraulus 2 A., Subgen. Menetus 1A.. Gatt. Gundlachia 1A.
4. Subfam. Ancylinae, Gatt. Ancylus 3 A. Subgen. Acroloxu9 1 A.
Proc. California Acad. IV. p. 92.
Camptoceras Austeni und Uneatum Blanford Journ. Asiat. Soc.
of Bengal 40. II. p. 40. pl. II. fig. 2 u. 3 aus dem östlichen Benga-
len. Zum Vergleich ist auch C. terebra Bens. fig. 1 abgebildet.
Planorbis meniscus Guppy Amer. Journal of Conchology VI.
p. 310 von Trinidad. — PI. Bossiteri Crosse Journ. de Conchyl. 19.
p. 204 von der Insel Mare. — PI. Malmi Westerlund Expose criti-
que p. 136 aus Schweden.
Kobelt lieferte einen Beitrag zur Kenntniss unserer Lim-
naeen aus der Gruppe Gulnaria Leach (Radix Montf.). Malak. Bl.
17. p. 145. Er nimmt drei Arten an : L. auricularia Drap., vulga-
ris Rossm. und ovata Drap., denen er die übrigen als Varietäten
unterordnet. Diese sollen von den lokalen Verhältnissen abhängen,
je nachdem sie in grösseren fliessenden Gewässern, in Seen mit fe-
stem Ufer und leblaftem Wellenschlag, oder in klaren, ruhigen pflan-
zenarmen Teichen und Kanälen sich entwickeln. Sie sind auf 4 Ta-
feln sehr hübsch abgebildet. — Derselbe behandelt dann ib. 18.
p. 111 in ähnlicher Weise den Limnaeus stagnalis. Es verdient her-
vorgehoben zu werden, dass er eine wesentliche Formveränderung
bei einer aus Poppeisdorf nach Birkenfeld verpflanzten Form nach«
der Molinsken während des Jahres 1871. 175
weisen konnte, was für die Lehre von der Varietätenbildung wich-
tig ist.
E. v. Martens will den Namen Limnaeus vulgaris vermei-
den, und geht auf L. lagotis Schrank = acuta Jeffr. zurück Nach-
richtsblatt p. 121.
Clessin: »Die Limnaeen der Donau, Correspondenzblatt des
zool.-mineral. Vereins in Regensburg 25. p. 139, will Limnaea ven-
tricosa und ampla Hartm. als eigene Arten, verschieden von auri-
cularia L. angesehen wissen, und beschreibt eine neue Art L. flu-
minensis aus der Donau an reissenden Stellen des Ufers. Ausser-
dem kommen in der Donau vor L. stagnaiis, palustris, truncatula
und peregra.
Limnaea Palmeri Dali Amer. Journ. of Conchology VII. p. 135
von Guaymas in Mexico.
Bland und Binney bildeten das Gebiss von Limnaea ap-
pressa Say und Limnaea megasoma Say ab. Amer. Journ. of Con-
chology VII. p. 161. pl. 12-
Dieselben beschreiben ib. VI. p. 312. pl. 18 das Gebiss von
Pompholyx effus'a.
Notobranchiata.
Harper Pease beschrieb einige Nacktkiemer aus Polynesien,
Amer. Journ. of Conchology VI. p. 299. Verf. bemerkt im Eingange,
dass mit wenigen Ausnahmen die aus Ostindien beschriebenen Genera
auch in Polynesien vertreten sind, dass jedoch keine Species beiden
Lokalitäten gemeinsam sei. Es werden dann abgebildet Doridiopsis
scdbra von Tahiti pl. 19. fig. 2, D. viridis Pease pl. 19. fig. 1, D. gra~
cilis von Huaheine, Trevelyana picta pl. 20. fig. 1 von Huaheine, Go-
niobranchus albomaculatus Pease pl. 20. fig. 2, Bornella arborescens
pl. 20, fig. 3 von Tahiti, Placobranchus gracilis pl. 21. fig. 1 von
Tahiti, PL variegatus pl. 21. fig. 2 von Huaheine, Pterogasteron
marginatus pl. 21. fig. 3 von Huaheine, Pt. rufescens pl. 22. fig. 1
von Tahiti, Pt. nigropunctatus pl. 22. fig. 2 von Tahiti.
Als Fortsetzung der oben genannten Abhandlung beschreibt
Harper Pease ib. p. 11 ferner folgende Arten von Polynesien:
Doris villosa pl. 3. fig. 1 von Huaheine, debilis pl. 5. fig. 2 von Hua-
heine, compta pl. 4. fig. 1 von der Insel Apaiang, rubrilineata pl. 3.
fig. 2 von Tahiti, cinerosa pl. 5. fig. 1 von Huaheine, nubilosa pl. 6.
von Huaheine, sordida pl. 4. fig. 2 von Tahiti, fuscescens pl. 4. fig. 3
von der Insel Maiao, Chromodoris variegata pl. 7. fig. 1 von Tahiti,
maculosa p. 7. fig. 2 von Tahiti, rufomaculata pl. 8. fig. 1 von Huaheine,
Simplex pl. 8. fig. 2 von Maiao, inornata pl. 8. fig. 3 von Huaheine,
lentiginosa pl. 9. fig. 1 von Huaheine, varians pl. 9. fig. 2 von Huaheine
und Maiao. Zu dieser Gattung bemerkt Verf., dass sie sich durch
176 Tr ose hei: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
prächtige bunte Farben auszeichnet. Das Eierband ist in zwei
oder drei entfernten Windungen gewunden, was bei Bewegungslo-
sigkeit des Thieres durch den Fuss bewerkstelligt wird, der eine
Furche bildet, durch welche das Eierband geht.
Costa hat seine beiden Gattungen von Nacktkiemern Caly-
phylla mediterranea und Nemacephala marmorata (vergl. d. Bericht
üb. d. J. 1867. p. 151) in Atti della R. Accademia delle scienze
fisiche e matematiche, Napoli 1869. Vol. III. Nr. 19 weiter beschrie-
ben und abbilden lassen.
Doridea. Mörch beschreibt Vidensk. Meddelelser naturh. Fo-
rening i Kjöbenhavn 1871. p. 179 zwei neue Arten Lamellidoris. von
der dänischen Küste, ohne ihnen Namen zu geben. Ebenso eine
Doris (Argus) p. 181.
Doris luteocineta Sars Nyt Magazin for Naturskaberne 17
p. 189 von Vallö.
Eolidiae. Fischer unterscheidet vier Arten der Gattung
Calliopaea d'Orb., nämlich 1) C bellula d'Orb. mit der Embletonia
Mariae Meyer und Möbius identisch sei, 2) C. vesiculosa (Custopho-
rus vesiculosus Desh.), 3) C. fuscata Gould, 4) C. Souleyeti Verany.
Journal de Conchyl. 19. p. 89.
In der Familie der Aeolidier stellt Berg h Vidensk. Meddelelser
for naturh. Forening i Kjöbenhavn 1871. p. 183 zwei neue Gattun-
gen auf:
Her via. Rhinophoria simplicia: podarium antice angulis
fortiter produetis; pulvinaria papillarum dorsaliura elongata, serie-
bus papillarum obliquis, p. p. arcuatim coniunetis instrueta. Margo
raasticatorius mandibulae serie denticulorum unico ; radula unise-
riata, paueidentata. H. modesta von Hellebaek.
Matharena- Rhinophoria simplicia: podarium- antice angulis
fortiter produetis : papillae per series transversas et obliquas (fere et
in Cratenis) dispositae. Margo masticatorius mandibulae serie denti-
culorum elongatorum acutorum praeditus; radula uniseriata, pauei-
dentata, dentibus cnspide elongato. ad latera radicis cuspidis minute
denticulati. M. oxyacantlia von Limfjorden.
Selenka schilderte in einem ersten Aufsatze die Entwicke-
lung des Embryo von Tergipes claviger. Niederländisches Archiv
für Zoologie herausgegebou von Emil Selenka I. p. 1 — 10 mit zwei
Tafeln.
B e r g h beschrieb aus dem Sargassomeere als neu : Doto
pygmaea Taf. 11. fig. 1 — 10, Cuthona pumilio Taf. 11. fig. 11 — 20,
Spurilla sargassicola (Fascelina sargassicola Kroyer) Taf. 13. fig. 9
— 19. Ferner konnte er Supplemente zu seiner früheren Beschrei-
bung von Fiona atlantica, so wie eine Beschreibung von Scyllaea
pelagica geben.
der Mollusken während des Jahres 1871. 177
Doto crassicomis Sars Nyt Magazin for Naturvidenskaberne
17. p. 191. tab. 12. fig. 1—6 von Drobak.
Alderia albopapillosa Dali Am er. Journal of Conchology VIT.
p. 137 von Sitka.
Phyllirhoidae. Bergh unterscheidet Phyllirhoe atlantica von
der Phyllirhoe des Mittelmeeres durch den Mangel von Einschnü-
rung an der Mitte der hinteren Leberschläuche und durch die ka-
stanienbraune Farbe der Unterseite der Zwitterdrüse. Verhandl. d.
zool.-bot. Ges. in Wien 22. p. 1302.
Acera. Philine flexuosa Sars Nyt Magazin for Natur vidensk. 17
p. 181. tab. 11. fig. 23 — 26 von Aasgaardstrand.
Glauconella Andersoni Nevill Journ. Asiat, soc. of Bengal 39.
II. pl. 1. Fig. 13 von Ceylon.
Utriculopsis n. gen. Sars Nyt Magazin for Naturviden-
skaberne 17. p. 177, ähnlich mit;Haminea hydatis, aber ohne Augen
und ohne die beiden hintersten Tentakelrudimente am Kopfschilde,
und durch den niedrigen Seitenlappen der Fussscheibe und deren
abgerundetes Hinterende verschieden. U. vitrea aus dem Busen von
Christiania, Bergen, Lofoten tab. 11. fig. 15 — 18.
Volvula cylindrica Smith Proc zool. soc. p. 738. pl. 75. fig. 29
von Whydah.
Tornatina harpa Dali Amer. Journal of Conchol. VII. p. 136.
pl. 15. fig. 11 von Monterey. — T. Knocken Smith Proc. zool. soc.
p. 738. pl. 75. fig. 30 von Whydah.
Cylichna lactuca und involuta Nevill Journ. Asiat. Soc. of Ben-
gal 39. II. pl. I. fig. 2, 3 von Ceylon.
Buccinulus niveus Angas Proc. zool. soc. p. 19. pl. I. fig. 27
von Port Jackson.
Monopleurobranchiata,
Ancyloidea. Ancylus textilis Amer. Journ. of Conchology VI.
p. 311. pl. 17. fig. 9—11 von Trinidad, hat in der Jugend den Cha-
rakter von Gundlachia. — A. Noumeensis Crosse Journ. de Conchyl.
19. p. 203 von Neu-Caledonien.
Gadinüdae. Gegen Cooper's Bemerkung über die Verschie-
denheit der Gattung Rowellia.von Gadinia (vergl. vorj. Ber. p. 152)
äussert sich Dali, der beide für identisch zu halten geneigt ist.
Amer. Journ. of Conchology VII. p. 192.
Hypobranchiata.
Corambidae. Von der Gattung Corambe, welche Bergh in
Naturh. Tidsskr. 3. R. V. Bd. 1869. p. 359 aufstellte, und die in den
äusseren Formverhältnissen am nächsten an die Phyllidien und Do-
Archiv für Naturg. XXXVIII. Jahrg. 2. Bd. M
178 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
riden erinnert, sich aber durch wohl entwickelte Kiemen hinten
zwischen dem Fusse und dem Mantel, so wie durch die Lage des
Afters median zwischen den Kiemen unterscheidet, auch vor den
Phyllidien durch den Besitz von Kiefern und der Zunge bevorzugt
ist, hat Bergh eine neue Art Cor. sargassicola aus dem Sargasso-
meere beschrieben. Verhandl. d. zool.-bot. Ges. in Wien 22. p. 1294.
Taf. 11. fig. 21—27, Taf. 12. fig. 1—11.
Pteropoda.
Hyalaeacea. Cleodora occidentälis Dali Amer, Journ. of Con-
chology VII. p. 140 von Californien.
Stuart beschrieb das Nervensystem von Creseis aoicula.
Zwischen den beiden Otolithenbläschen findet sich eine grosse Zelle
mit hellem Kerne und dunklem feinkörnigen Inhalte, welche einen
entschieden gangliösen Charakter trägt. Die Bedeutung dieses Or-
gans blieb dem Verf. unbekannt. Die Bauchganglien sind vorwie-
gend Bewegungsnerven; die Rückenganglien können einerseits als
zu dem sympathischen Nervensysteme gehörig betrachtet werden, so
wie andererseits in gewissem Sinne auch als Repräsentanten eines
sensiblen Nervensystems. Vereinzelte Ganglien in dem Mantel sind
jedenfalls Sinnesganglien, so wie auch die Lippenganglien, welche
möglicherweise der Perception des Geschmacks obliegen könnten.
Zeitschr. für wissensch. Zoologie 21. p. 317. Taf. 24 A.
Creseis conica Costa Rendiconto dell' Accad. sc. fisiche e mat.
VIII. Napoli 1869. p. 58 aus dem Golf von Neapel.
Limacina pacifica Dali Amer. Journ. of Conchology VII. p. 138
von Monterey.
Cymbuliacea. Dali stellte in der Familie der Cymbuliiden
eine neue Gattung Cor oll a auf. Amer. Journ. of Conchology VIL
p. 137. Wie Tiedemannia, aber mit herabhängendem, nicht an die
Kiemen angehefteten, eiförmigen, oben verengten Körper: Oesopha-
gus vorgestreckt, Mundöffnung trompetenförmig in zwei Spitzen vor-
gezogen ; Flossen eine einzige Scheibe mit netzförmigen Muskelbän-
dern bildend, durch eine tiefe Bucht von der Mundpartie getrennt;
pelagisch; ganz ohne Schale. C. spectabilis im Nordpacifischen
Ocean.
Clioidea. Clione elegantissima Dali Amer. Journ. of Concho-
logy VII. p. 139 aus dem pacifischen Ocean.
Pneumodermon pacificum Dali ib. aus dem Nordpacifischen
Ocean.
Costa hatte im Annuario del Museo zoologico einen neuen
Trichocyclus mediterraneus beschrieben, und hat nun auch ein Pneu-
modermon im Golf von Neapel gefunden, das mit violaceum bis auf
der Mollusken während des Jahres 1871. 179
die Farbe übereinstimmt. Rendiconto dell' Accad. sc. fis. e mat. XI.
1870. Napoli p. 23.
Lamellibranchiata.
Die Memoirs of the Geological Survey of India bringen unter
Direction von Oldham eine Palaeontologia Indica. Deren dritter
Band enthält die Pelecypoda der Kreide-Fauna des südlichen Indien,
mit einer Uebersicht aller fossilen und recenten Gattungen dieser
Klasse von Stoliczka. Calcutta 1871. Dieser starke Quartband
von 538 Seiten und 50 Tafeln beschäftigt sich zwar hauptsächlich
mit den fossilen Muscheln, indessen hat der Verf. darin auch seine
Studien über die lebenden Gattungen niedergelegt, die alle Beach-
tung auch für den Zoologen verdienen. Zu Anfang giebt er eine
kurze allgemeine Uebersicht über die anatomischen Verhältnisse der
Thiere. Dann erörtert er die Gründe, weshalb er dem Namen Pelecy-
poda den Vorzug giebt unter den vielen, welche diese Klasse in ver-
schiedenen Zeiten und von verschiedenen Autoren bekommen hat.
Es ist nicht thunlich, auf alle bei den einzelnen Familien und Gat-
tungen gemachten Bemerkungen hier einzugehen ; es möge nur noch
hier eine Uebersicht der Classification des Verf's. folgen: 1. Ordn.
Pholadacea bohrend, Fuss klein, Kiemen in die langen verwach-
senen Siphonen verlängert. Schalen klein, bedecken nur den vor-
deren Körpertheil; der hintere Körpertheil scheidet oft eine Kalk-
röhre aus; Ligament und Schlosszähnc obsolet. Farn. Pholadidae
und Gastrochaenidae , 2. Ordn. Myacea Fuss kurz, zungen- oder
fingerförmig ; Kiemen nur zum Theil oder gar nicht in die mehr oder
weniger verwachsenen Siphonen verlängert. Schalen bedecken das
ganze Thier, hinten klaffend, durch inneren Knorpel vereinigt, mit
wenigen oder obsoleten Schlosszähnen. Farn. Myidae, Mactridae,
Anatinidae, Saxicavidae, Glauconomyidae, Solenidae, 3. Ordn, Tel-
linacea Siphonen lang, getrennt; Mantel vorn weit offen; Fuss
gross, zungenförmig; Palpen gross, dreieckig, gestreift; Kiemen
schmal lang, hinten theilweise über den Siphonen verwachsen, die
beiden Kiemenblätter ungleich. Schale comprimirt, hinten mit einer
Falte; zwei Schlosszähne; Mantelbucht gross, Ligament meist deut-
lich. Farn. Papbiidae , Scrobiculariidae , Tellinidae , Donacidae,
4. Ordn. Veneracea Siphonen massig, getrennt; Mantel vorn weit
offen ; Fuss gross, oft mit einer Byssusgrube, selten mit entwickeltem
Byssus; Kiemen lang; Palpen gross, dreieckig. Schale länger als
hoch, hinten schwach klaffend, mit dünner Epidermis; zwei oder
mehr Schlosszähne, oft Seitenzähne; Mantelbucht schwach oder feh-
lend ; Ligament äusserlich. Farn. Petricolidae, Veneridae, Glossidae,
Cyrenidae, Cardiidae, 5. Ordn. Ghamacea Thier dick, rund; Mantel-
rand doppelt, der innere Rand verwachsen, der äussere frei, oft mit
180 Troschel: Bericht üb. d Leist. in d. Naturgeschichte
Anhängen; Fuss klein, Siphonen kurz und getrennt; Kiemen und
Palpen klein, das innere Kiemenblatt meist kleiner. Schale solid,
dick, nngleichschalig, die grössere Schale meist angeheftet; wenige
grosse Schlosszähne; Muskeleindrücke oft mit erhabenen Leisten,
keine Mantelbucht. Farn. Verticordiidae, Tridacnidae , Chamidae,
Chamostreidae, Hippuritidae. 6. Ordn. Lucinacea Mantel meist
offen, meist nur eine Athemöffnung, nie zwei gleich lange Siphonen,
ein Paar Kiemen jederseits und ein Paar Palpen, letztere zuweilen
obsolet. Schale mit wenigen Schlosszähnen, keine Mantelbucht. Diese
Gruppe ist als Zwischengruppe schwer zu charakterisiren. Fam.
Lucinidae,.Ungulinidae, Erycinidae, Galeommidae, Solemyidae, Astar-
tidae, Crassatellidae, 7. Ordn. Un i o n a c e a Mantel weit offen, Athem-
öffnung verschieden, ein Paar Kiemen jederseits, zwei Paar Palpen ;
Fuss meist keilförmig. Schale mit dicker Epidermis, innen perlmut-
terglänzend, Ligament äusserlich, zwei Muskeleindrücke, keine Man-
telbucht. Fam. Unionidae , Muteltdae , Aetheriidae , 8. Ordn.
Arcacea Mantel meist ganz offen und mit Ausnahme der Nucula-
nidae ganz ohne Spur von Siphonen, ein Paar Kiemen und Palpen
jederseits. Schale mit zahlreichen Schlosszähnen, oder die Schloss-
jänder gefaltet. Fam. Trigoniidae. Nuculanidae, Nuculidae, Arci-
dae , 9. Ordn. Mytilacea Mantel meist offen, hinten mit einem
Analschlitz, ein Paar Palpen und Kiemen jederseits, Fuss klein, mit
Byssus. Schale mit Epidermis, innen perlmutterartig , Ligament
lang, Schloss lang mit wenigen oder keinen Zähnen, keine Mantel-
bucht, Muskeleindrücke stets ungleich. Fam. Prasinidae, Mytilidae,
Pinnidae, Aviculidae, 10. Ordn. Ostracea Mantel ganz offen, Fuss
klein; ein Paar kammförmige Kiemen jederseits, hinten frei. Schale
mit einem Muskeleindruck, gleichschalig oder ungleichschalig, Schloss
zahnlos mit innerem Ligament. Fam. Radulidac, Pectinidae, Spon-
dylidae , Placunidae, Ostreidae, Anomiidae. Die Charaktere der
Familien hier auszuziehen, würde zu viel Raum in Anspruch neh-
men; mir haben sie den Eindruck gründlichen Studiums gemacht,
und sind der Beachtung der Malacozoologen zu empfehlen.
Clessin stellte Betrachtungen über die Corrosion der Süss-
wasserbivalven an. Die Corrosion wird theils durch Thiere veran-
lasst, die die Epidermis zernagen, und ist dann ganz unregelmässig.
Die regelmässige Corrosion schreibt Verf. dem Einflüsse des Bodens
zu, wenn viele faulende Pflanzenstofle darin vorhanden sind. Cor-
respondenzbl. des zool.-mineral. Vereins in Regensburg 25. p. 125.
Pectiniformia.
Ostreacea. Möbius untersuchte die Fortpflanzungs Verhält-
nisse der Schleswigschen Austern. Im Mittel hat eine Auster eine
der Mollusken während des Jahres 1871. 181
Million Embryonen. Verf. glaubt, dass nachdem die eierträchtigen
Geschlechtsdrüsen ihre Eier entleert haben, sich in ihnen Sperma
ausbildet! Nachrichtsblatt p. 129.
Tolle, Die Austernzucht und Seefischerei in Frankreich und
England. Bericht an Sr. Exe. den Herrn Minister für die land-
wirtschaftlichen Angelegenheiten. Berlin 1871 mit 18 Tafeln Ab-
bildungen. Verf. war mit Mo Mus zusammen gereist.
Der im vorj. Bericht vonMöbius über Austernzucht in Frank-
reich und England und über die Hebung derselben an den norddeut-
schen Küsten ist vonFeddersen in Tidsskrift forFiskeriV. p. 161
ins Dänische übersetzt worden. Om Üstersavlen i Frankrig og Eng-
land og om dens Indl'örelse paa de nordtyske Kyster.
Aus der Wiener landwirtschaftlichen Zeitschrift ist ein Ar-
tikel von Syrski über die Austerncultur bei Grado im Zool. Gar-
ten p. 211 abgedruckt worden.
Sowerby stellte in Reeve's Conchologia iconica folgende
neue Arten auf: Ostrea permollis, ochracea Mazatlan, Angasi Port
Jackson, solida, chiloensis Chiloe, mexicana Tehuantepec, subtrigona
Australien, retusa Sandwich-Inseln, quercinus, lima Sandwich-Inseln,
lactea, attenuata, palmipes Philippinen, reniformis, lentiginosa, mul-
tiradiata, auriculata Japan, multicostata Japan, lugübris Nordame-
rika, älgoensis Algoa-Bai, sandwichensis Sandwich-Inseln, crenulifera
Rothes Meer.
Pectinea. Pecten (Pseudomussium) Älaskensis Dali Amer.
Journ. of Concholügy VII. p. 155. pl. 16. fig. 4 von der Insel Unga
und vom Chugach-Busen. — P. rubellns Dunker Malak. Bl. 18. p. 173
von Rockhampton.
Plicatula echinata Dunker Malak. Bl. 18. p. 174 aus China.
Arcacea. Area Bigacci Bianconi Memorie della Accad. di
Bologna IX. p. 218. tab. 3. fig. 1 von Mosambique.
Pectuncülus Savignyi Fischer Journal de Couchyl. 19. p. 219
von Suez. — P. tumidus ohne Vaterlands-Angabe und perobliquus
von Picadora Dunker Malak. Bl. 18. p. 174.
Limopsis Brazieri Angas Proc. zool. soc. p. 21. pl. I. fig. 34.
von Port Jackson.
Nucuiidae. Nucula Rabaniana Nevill Journ. Asiat. Soc. of
Bengai 39. II. p. 9. pl. I. fig. 11 von Pooree, Meerbusen von Benga-
len. — N. crassicostata Smith Proc. zool. soc. p. 729. pl. 75. fig. 5
von Whydah.
Yoldia seminuda Dali Amer. Journ. of Conchology VII. p. 153.
von St. Pauls Harbor, Radiak. — Y. obtusa Sowerby in Reeve's
Conchologia iconica Part 287 ohne Angabe des Fundortes. — Y.
nana Sars Nyt Magazin for Naturvidensk. 17. p. 210 von der Nor-
wegischen Küste.
Leda dissimilis, arcuata, planulata Patagonien, bicostata Pa-
182 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
nama, ISowerby in Reeve's Conchologia iconica Part 287 und 289. —
L. tuberculata Smith Proc. zool. soc. p. 728 von Whydah.
Luciniformia.
Malleacea. Perna confusa Angas Proc. zool. soc. p. 21. pl. I.
fig. 33 von Port Jackson.
Najades. L. v. Hueber beschreibt im 10. Heft des Jahr-
buchs des Landes-Museums von Kärnten p. 151 eine Erscheinung,
die für die Naturgeschichte der Unionen von Interesse ist. In einem
unterirdischen Kanal zu Klagenfurt, der vor 50 Jahren angelegt
war, fanden sich Unionen, die nur von oberhalb aus dem Glanflusse
hineingekommen sein konnten. In dem Flusse lebt nur Unio fuscu-
lus Ziegl.. von welchem die im Kanäle lebenden Unionen abwichen.
Sie wurden dem U. decurvatus Rossm. und dem consentaneus Ziegl.
ähnlich. Verf. macht daraus den Schluss, dass eine Mehrzahl von
Arten der Gattung Unio nicht angenommen werden könne, sondern
dass sich die Verschiedenheiten nach den bedingenden Umständen
bilden. Damals wurde der Kanal vollständig gereinigt, und nun
nach 11 Jahren finden sich dort wieder ausgewachsene Exemplare,
woraus sich ergiebt, dass die Unionen in der Zeit von 10 Jahren
ausgewachsen sind.
Unio Danellii Villa Journal de Conchyl. 19. p. 328 aus Süd-
Australien.
Monocondylaea Walpolei Hanley Proceed. zool. soc. p. 587
von Borneo.
Mytilacea. Mytilus atratus Lischke Malak. Bl. 18. p. 44
von Japan.
Modiolaria denticulata Dali Amer. Journ. of ConchologyVII.
p. 154 von Acapulco. — M. Adolphi Dunker Malak. Bl. 18. p. 173
von St. Vincent in Australien.
Crenella multistriata Smith Proc. zool. soc. p. 729. pl. 75. fig. 4
von Whydah.
Modiola aterrima Dali Amer. Journ. of Conchology VII. p. 154.
pl. 14. fig. 13 von Japan. — M. semivestita Dunker Malak. Bl. 18.
p. 173 von St. Vincent in Australien.
Referent theilte aus einem Briefe des Stadtrath Ihlenfeld in
Berlinichen mit, dass sich Tichogonia polymorpha seit zehn Jahren
in dem dortigen See gezeigt habe. Sitzungsber. der niederrheini-
schen Gesellsch. in Bonn p. 147.
Astartacea. Ueber die Astarte der Ostsee hat Struck eine
Anfrage an v. Martens gestellt, der ihr dann den Namen A. arc-
tica Gray zukommen lässt. Meklenburger Archiv 24. p. 71.
Rictocyma n. subgen. von Astarte Dali Amer. Journal of
Conchology VII. p. 151. Schale undSchloss wie Astarte; die Sculp-
der Mollusken während des Jahres 1871. 183
tur besteht aus unterbrochenen knotigen, unregelmässig concentri-
schen Wellen, bedeckt mit einer dicken Epidermis ; gleichschalig
und fast gleichseitig. B. miräbilis pl. 14. fig. 6 von der Insel Unga
aus der Schumagin-Gruppe.
Crassatella fülvida Angas Proc. zool. soc. p. 20. pl. I. fig. 32
von Port Jackson.
Cardita (Actinobolus) Godeffroyi Dunker Malak. Bl. 18. p. 172
ohne Fundorts-Angabe.
Ceropsis n. subgen. von Cardita Lam. Dali Amer. Journal
of Conchology VII. p. 152. Schale klein, gerippt oder sculpturirt;
mit einem /förmigen Schlosszahn in der rechten Schale; linke Schale
mit einem starken vorderen und dünnen hinteren Schlosszahn, di-
vergirend, und eine sehr seichte Grube in dem hinteren Rande ; kein
Seitenzahn ; keine Grube in der rechten Schale. C. minima pl. 16.
fig. 6 von Monterey.
Galeommidae. Scintella Armoricae Crouan bei Tasle 1. c.
von Brest.
Laseidae. Kellia subsinuata Lischke Malak. Bl. 18. p. 43 von
Japan.
Kelli eil a n. gen. Sars Nyt Mazazin for Naturvidenskaberne
17. p. 201. Testa pygmaea, suborbicularis, tumida, compressiuscula,
subaequilatera, aequivalvis, undique clausa, epidermide nulla; am-
bones ante medium siti, incurvati: lunula distincta, ligamentum in-
ternum; cardo in utraque valva e dente lunari et cardinali approxi-
matis compositus, lateralibus nullis; impressiones 2 musculares sub-
ovales, linea pallialis simplex sinu nullo. Pallium animalis subor-
bicularis antice subtusque apertum, paulo extra marginem testae
extensum, postice clausum ibique tubo praeditum siphonali unico
(anali) brevi crassoque apertura circulari integra tentaculis nullis.
Posterior pars marginis pallii tentaculis ornata simplicibus, cras-
siusculis, haud numerosis, seriem partim interruptam formantibus;
tentacula labialia bene evoluta, utrinque 2; pes valde elongatus,
cylindrico-conicus, geniculatus seu postice ad basin angulatus, bysso
nullo. Branchiae utrinque 2, inferiore snperiore multo latior subtri-
angularis. K." äbyssicöla von der norwegischen Küste tab. 12. fig. 11
bis 15 und tab. 13.
Turtonia occidentalis Dali Amer. Journal of Conchology VII.
p. 150. pl. 14. fig. 12 aus Ost-Sibirien.
Lucinacea. Axinus eumyarius Sars Nyt Magazin for Naturvi-
densk. 17. p. 199. tab. 12. fig. 7—10 von Vallö.
Veneriformia.
Chamacea. Chama inermis Dali Amer. Journal of Conchology
VII. p. 148 aus Centralamerika.
184 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Tridacna detruncata Bianconi Memorie della Accad. di Bo-
logna IX. p. 218. tab. 3. fig. 2 von Mosambique. .
Cardiacea. Der Catalog der lebenden Arten der Familie Car-
diidae von Tryon Amer. Journal of Conchology VII. p. 259 enthält
77 Cardium, 7Papyridea, 20 Laevicardium. 27 Ilemicardia, 8 Adacna,
6 Bucardium, 4 Cardilia, 5 Verticordia.
Gyrenellidae. Der Catalog der Familie Cyrenellidae von
Temple Prime American Journ. of Conchology VII. p. 251 enthält
12 Arten Cyrenella.
Cycladea. Als Beitrag zur Kenntniss unserer Pisidien be-
schrieb Clessin Malak. Bl. 18. p. 184 Pisidium pusillum Gmel.,
milium Held, supiuum Schmidt sehr ausführlich und critisirte die
Synonymie. — Schon früher hatte er eine Notiz im Nachrichtsblatt
der malak. Ges. p. 19 über Pisidien gemacht.
Pisidium Clarkeanum Nevill Journal Asiat. Soc. of Bengal 39.
II. p. 9. pl. I. fig. 4 aus dem Damuda bei Moiskara.
Cyprinidae. Der Catalog der Familie Cyprinidae von Tryon
enthält nur eine Art Cyprina. Amer. Journal of Conchology VII.
p. 252.
Glauconomyidae. Der Catalog der lebenden Arten der Familie
Glauconomyidae von Tryon Amer. Journ. of Conchology VII. p. 253
enthält 16 Glauconomya und 1 Tanisiphon.
Petricolidae. Der Catalog der lebenden Arten der Familie Pe-
tricolidae von Tryon Amer. Journ. of Conchology VII. p. 255 ent-
hält 13 Petricola Lam. und 3 Naranio Gray.
Veneracea. Mercenaria Kcnnicottii Dali Amer. Journ. of Con-
chology VII. p. 147. pl. 16. fig. 1 von Neah-Bay, W. T.
Cryptogramma Aräkana Nevill Journal Asiat. Soc. of Bengal
39. II. p. 10. ,pl. I. fig. 16 von Arakau, Ceylon, Penang und Sin-
gapore.
Ci/therea (CaJlista) Semperi Dunker Malak. Bl. 18. p. 172 von
Mackay.
Cypricardia spathulatu Souv. ist von Nevill Journal Asiat.
Soc. 39. II. p. 10. pl. I. fig. 20 abgebildet.
Liocyma Scammoni von Fort Simpson und viridis aus dem
arettschen Ocean Dali Amer. Journ. of Conchology VII. p. 145. pl. 14.
fig. 7-9.
Tellinacea. Tellina paUidida Lischke Malak. Bl. 18. p. 42 von
Japan. — T. clara Dunker ib. p. 171 von der Insel Pieadora.
Scmele rubropictaD&U Amer. Journ. of Conchology VII. p. 144
pl. 14. fig. 10 von Monterey.
Mactracea. Mactra (Spisida) fluriatilis Angas Proc. zool. soc.
p. 20. pl. I. fig. 31 von Neu -Süd-Wales. — M. (Trigonella) speetabi-
lis Lischke Malak. Bl. 18. p. 149 von Japan. — M. (Trigonella) ra-
diata von Formosa, laevis von Mosselbay Dunker ib. p. 171.
der Mölln; keii während des Jahres 1871. 1^5
Phaladiformia.
Anatinidae. Entodesma Scammoni Dali Amer. Journ. of Con-
en ology VII. p. 142 von Port Simpson, British Columbia.
Neaera (Leptomya) pura Angas Proc. zool. soc. p. 20. pl. I.
fig. 30 von Port Jackson.
Corbulidae. Corbula venusta Angas Proc. zool. soc. p. 20. pi. I.
fig. 29 von Port Jackson. — C. striata und lirata Smith Proc. zool.
soc. p. 728. pl. 75. fig. 3 u. 2 von Whydah.
Solenacea. Solen subeurvus Dunker Malak. Bl. 18. p. 170 von
Rockhampton.
Pholadidae. Verkrüzen fand iu einem alten Eichenstamm,
der mit dem Schleppnetz aus einer Tiefe von 400 Fuss heraufge-
holt war, zahlreiche lebende Xylophaga dorsalis Turton, und gab
davon eine Beschreibung im Nachrichtsblatt p. 139.
Brachiopoda.
Morse erwiedert gegen Dall's Kritik seiner Ansicht, dass
die Brachiopoden zu den Anneliden zu versetzen seien. Dana and
Silliman Amer. Journ. 3. Series Vol. I. p. 136.
Dali lieferte einen Report on the Brachiopoda obtained by
the united states coast survey expedition, in charge of L. F. de
Pourtales, with a revision of the Craniidae and Discinidae. Bull, of
the Museum of Comparative zoology at Harward College Vol. III.
No. 1 mit zwei Tafeln.
Bei der Beschreibung der Arten ist auf das Thier und seine Ana-
tomie eingehend Rücksicht genommen. So werden Terebratula cubensis
Port., Terebratulina Cailleti Crosse, Waldheimia floridana Pourt.,
Platidia anomioides Scacchi, Cistella (? Schrammi var.) rubrotineta,
Cistella (? Barrettiana var.) lutea ausführlich abgehandelt. — In der
Familie Craniidae unterscheidet Verf. die Gattungen Crania mit den
Subgenera Pseudocrania McCoy und Cranopsis (fossil) und Cra-
niscus n. gen. ebenfalls fossil. Von Crania werden 3 Arten unter-
schieden mit reicher Synonymie. — Die Familie Discinidae zerfällt
in die Gattungen Discina Lam. (mit den Untergattungen Discina
Dali, Orbiculoidea d'Ürb. und Discinisca Dali), und Trematis
Sharp. Zu Discinisca gehören von lebenden Arten D. Stella Gould,
lamellosa Brod. , tenuis Sow., laevis Sow. , Cumingii Brod. , antilla-
sum d'Orb. und atlantica Jeffreys.
Es ist Fischer nunmehr auch gelungen, in der Nähe von
Biarritz Waldheimia cranium und Crania anomala mit dem Schlepp-
netz zu fangen ; ausserdem kamen noch 4 Arten von Brachiopoden
dort vor. Journ. de Conchyl. 19. p. 103.
M*
186 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Ueber die lebenden Japanischen Brachiopoden schrieb Da-
vidson Proc. zool. soc. p. 300 mit pl. 30, 31. Arthur Adams
hatte von Japan 20 Arten mitgebracht und beschrieben. Diese Ori-
ginal-Exemplare hat nun Verf. einer Revision unterworfen. Er hat
sie alle abgebildet. Als neu sind beschrieben Magasella Adamsi
pl. 30. fig. 23, 34 und Gouldi pl. 31. fig. 11. Es werden hier be-
sprochen 1 Terebratula, 1 Terebratulina, 3 Waldbeimia. 3 Terebra-
tella, 1 Laqueus, 2 Magasella, 1 Megerlia, 2 Rhynchonella, 4 Lin-
gula, 1 Crania, 1 Discina, zusammen 20 Arten.
Die Abhandlung von Morse über die früheren Zustände von
Terebratulina septentrionalis, deren schon im vorj. Ber. p. 157 Er-
wähnung gethan ist, erschien vollständig und mit Abbildungen ver-
sehen in Memoirs of the Boston Society of Nat. bist. II, und in An-
nais nat. hist. VIII. p. 414—427 mit pl. 15, 16. In der Entwicke-
lung des Lophophors vom kreisförmigen Zustande mit wenigen Cir-
ren zu dem hufeisenförmigen, sieht er eine Beziehung mit den Po-
lyzoen, mit den Gymnolaemata und mit den Phylactolaemata. Die
Kiemenfalte, eine feine Membran, die das Lophophor säumt, in wel-
cher die Cirren entspringen, wie bei Lingula und Discina, wird mit
dem Calyx der höheren Polyzoen verglichen. Die spätere Gegen-
wart einer deutlichen den Mund umsäumenden Falte, sehr biegsam
und thätig, wird nach Function und Lage mit dem Epistom der
Polyzoen verglichen, obgleich sie nicht eine homologe Lage in Bezie-
hung auf die Beugung des Darmes einnehmen. Es will dem Verf.
scheinen, dass die den Magen und Darm in der Leibeshöhle suspen-
direnden Membranen einige Beziehung zu dem Funiculus der Polyzoen
haben In Paludicella verbinden zwei flexible Bänder den Magen
und den Endocyst, bei AI Im an vorderer und hinterer Funiculus
genannt, woran Ovarium und Hoden befestigt sind. In Lingula und
Discina sind die Reproductionsorgane an Bändern angeheftet, wel-
che Magen und Darm mit der Leibeswand verbinden. In Alcyonella
entspringt das Ovarium vom Endocyst, und ähnlieh hält der Mantel
oder das Endocyst die Reproductionsorgane bei Terebratulina und
verwandten Gattungen. Kurz, Verf. findet überall Verwandtschaft
mit den Polyzoen, die er mit Leuckart zu den Würmern zählt.
Agulhasi a n. gen. in der Familie Terebratulidae. King
Annais nat. hist. VII. p. 109. Mit einer Area, Schnabel spitz, Del-
tidium durch eine an der innern Oberfläche der Area befestigte
Platte geschlossen, Foramen an der cardinalen Endigung des Del-
tidiums, Schleife kurz umgebogen und am Schloss mit zwei Schen-
keln befestigt, Schale von verzweigten Röhrchen durchbohrt. Diese
Gattung ist unter den Terebratuliden die einzige mit spitzem an der
Spitze nicht durchbohrten Schnabel. A. Davidsonii von der Agul-
has-Bank an der Südküste Afrikas.
Dali kündigte Amer. Naturalist V. p, 55 eine neue Gattung
der Mollusken wählend des Jahres 1871. 187
von Brachiopoden an, die er Frenula nennt. Die Schale gleicht
Magasella, indem sie glatt ist und mit unvollständigem Foramen;
die Sghleife ähnelt der von Ismenia sanguinea Chemn., hat aber
keine secundäre Anheftung an die Hämal-Klappe, und die letztere
hat kein Septum. Fr. Jeffreysü aus dem nordöstlichen Atlantischen
Ocean.
Morse macht Proc. Amer. Assoc. for the Advancement of
science held at Troy p. 270 eine kurze Bemerkung über den Jugend-
zustand von Discina.
Derselbe spricht ib. p. 271 über die Organisation von Liu-
gula und Discina.
Lingula parva Smith Proc. zool. soc. p- 730. pl. 75. fig. 6 von
Whydah.
Tunicata.
Oscar Hertwig hat den Bau und die Entwickelung des
Cellulose-Mantels der Tunicaten untersucht. Bei den Studien über
die Entwickelung des Eies fand er die Angaben Kowalewsky's in
der Hauptsache vollkommen bestätigt. Den Ascidienmantel erklärt
Verf. für eine äussere Cuticularbildung der Epidermis, welche durch
Einwanderung von isolirten Zellen der letzteren in wirkliche Binde-
substanz übergeht. Jenaische Zeitschrift für Medicin und Natur-
wissenschaft VII. p. 46 — 73.
Richard Hertwig lieferte ib. p. 74—102 Beiträge zur
Kenntniss des Baues der Ascidien. Er beschrieb die anatomischen
Verhältnisse des Perithoracalraums ; zieht dann Bauchrinne und En-
dostyl in Betracht, die er als ein einziges Organ auffasst, und des-
sen complicirter Bau, namentlich die sehr langen Cilien für ein
Sinnesorgan zu sprechen scheinen ; und weist endlich nach, dass bei
einem Theile der Ascidien (Cynthia microcosmos, echinata ct. über-
haupt bei den beiden ersten Tribus von Savigny) die Vergröße-
rung der secernirenden Epithelfläche des Darms durch echte trau-
bige Drüsenbildung bewirkt wird, wogegen bei anderen (den beiden
letzten Tribus von Savigny) an ihre Stelle blosse Faltenbildung der
Darmwand tritt . deren Epithel die Function einer Leber erfüllt.
Alle übrigen Organe, welche bei den Ascidien als Leber gedeutet
sind, verdienen diesen Namen nicht.
In Lankaster's Quarterly Journal of microscopical science X.
1870. p. 59 ist ein Bericht über Kowalewsky's Arbeit über die
Verwandtschaft der Ascidien mit den Vertebraten von F oster
enthalten.
Kowalewsky machte weitere Studien über die „Entwicke-
lung der einfachen Ascidien in M. Schultze's Archiv für mikr. Anat.
VII. p. 101, mit Tafel 10—13. Verf. beschreibt hier die Entwicke-
188 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte ct.
luug der frei beweglichen Larve, wobei er sich namentlich an die
Ent wickelung der Phallusia s. Ascidia mammillata hält.
Ausser Molgula Manhattensis beschrieb V er rill in Dana und
Silliman American Journal 3. Series Vol. I. p. 54 noch fünf neue
Arten derselben Gattung von Neu-England : Molgula pannosa, re-
tortiformis, littoralis, papulosa und pilularis, die alle in Holzschnitt
abgebildet sind. — Ebenso beschrieb Verrill ib. p. 93: Cynthia
stellifera, monoceros, carnea, echinata, pyriformis, pulchella, com-
planata und Ciona tenella. — Desgleichen Botryllus Gouldü ib.
p. 211. — Ferner ib. p. 288 Amouroucium glabrum, pallidum, pel-
lucidura, stellatum, Macroclinum n. gen. bildet dicke fleischige
Massen, die einzelnen Thiere langstreckig, Postabdomen viel länger
als Abdomen und Thorax zusammen, mit den Ovarien längs jeder
Seite, M. crater von Neufundland. — Dann ib. p. 444 Lissocli-
num n. gen. bildet dünne weiche incrustirende Massen von schlei-
miger Structur, ohne Kalkkörperchen ; die Einzelthiere gemeinsame
Cloakalgänge und Oeffnungen, Kiemenöffnung mit 6 Papillen, After-
öffnung vorspringend, Abdomen vom Thorax getrennt durch einen
kurzen Stiel. L. aureum, teuer um, dlbidum, luteolum.
Dali beschrieb Amer. Journ. of Conchology VII. p. 457 fol-
gende Tunicaten als neu: Boltenia Beringi aus dem Berings-Meere,
Cynthia montereyensis von Monterey, Salpa herculea und cymbiola
von den Aleuteu.
Cynthia scabriuscula Sars Nyt Magazin for Naturvidensk. 17.
p. 214 von Dröbak.
Bericht aber die wissenschaftlichen Leistungen in der
Naturgeschichte der niederen Thiere während der
Jahre 1870 und 1871.
Von
Dr. Rud. Leuckart,
Professor der Zoologie und vergl. Anatomie in Leipzig-.
Zweite Hälfte,
II. Echinoderniata.
Verrill liefert einen mit Nachträgen vermehrten
neuen Abdruck der comparison of the tropical Echino-
dermfauna of the East and West Coast of America, die
derselbe schon im Jahr 1867 in den Transact. Connecticut
Acad. Vol. I. p. 339 — 351 in Anschluss an eine Abhand-
lung über die geographische Verbreitung der Echinoder-
men an der Westküste Amerikas (ibid. p. 323 — 339) ver-
öffentlicht hat. Da dieser Aufsatz s. Z. vom Ref. über-
sehen worden, so mag derselbe hier noch nachträglich
mit der Bemerkung angezogen werden, dass der West-
indische Archipelagus nach unserer dermaligen Kenntniss
125 -+- 58, also 183 Echinodermen aufweist, während die
Westküste Panamas deren nur einige 80 zählt, dass aber
von allen diesen Arten — einige Holothurien abgerech-
net — keine einzige beiden Küsten gemeinschaftlich ist.
Trotzdem aber zeigen beide Faunen im Grossen, was die
Genera und Familien betrifft, eine unverkennbare Aehn-
lichkeit, wie das von andern Forschern auch für die Cru-
staeeen und Mollusken schon nachgewiesen worden.
Ebendas. p. 593— 596 handelt Verrill über die
Echinodermenfauna des Golfs von Californien und Cap
Archiv f. Naturg. XXXVIIT. Jahrg. 2. Bd. N
190 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
St. Lucas. Er zählt 50 Species (22 Echinoiden , 15
Ästenden, 13 Ophiuriden), von denen 17 den genannten
Localitäten eigen sind.
Von den Nicobaren führt Lütken (Vidensk. nat.
Feren. Kjöbenhavn 1871. p. 273) 5 Echiniden, 10 Ästen-
den, 1 Crinoiden auf.
Ebenso giebt Lütken ein Verzeichniss der an der
Dänischen Küste lebenden Stachelhäuter (4 Holothurien,
8 Echinoiden, 9 Ästenden, 9 Ophiuriden) mit Bemerkungen
über deren locale Verbreitung. Ibid. 1871. p. 135—144.
Später (ibid. p. 226) werden den letztern Bemerkungen
noch einige weitere hinzugefügt.
Die Echinodermenfauna Spitzbergens enthält nach
demselben Verf. (I.e. p. 305— 309) 3 Holothurien, 2 Echi-
niden, 51 Ästenden, 10 Ophiuriden, 1 Crinoiden.
Metzger beobachtete an der Ostfriesischen Küste
5 Echinen, 3 Ästenden und 3 Ophiuriden. A. a. O.
Hodge veröffentlicht in den nat. bist. Transact.
Northumberland and Durham Vol. IV. P. 1. p. 120—150.
PI. I — V einen „Catalogue ofthe Echinodermata of North-
umberland and Durham", in welchem 9 Holothurien, 10
Seeigel, 11 Ästenden, 12 Ophiuriden und 1 Antedon, im
Ganzen 43 Arten, aufgeführt werden. Sämmtliche Arten
sind schon früher bekannt gewesen, obwohl manche der-
selben bisher nur selten (von Norman, Koren und
Duben u. A.) beobachtet wurden.
O. Sars schreibt über „nye Echinodermer fra den
norskeKyst", Forhandl. Vidensk. Selsk. Christiania 1871.
p. 1—31.
In den additional observations on Echinoderms, chiefly
from the paeifie coast of Amerika (Connect. Acad. Trans-
act Vol. I. p. 568— 593) handelt Verrill über 31 Echi-
nodermen (19 Echinoiden, 9 Ästenden, 3 Ophiuriden),
die mit Ausnahme von 2 Echinoiden und 1 Asteride
sämmtlich der Westküste Amerikas angehören und zwei
neue Geschlechter so wie eine Species zum ersten Mal
in unser System einführen.
In seinen „neuen oder wenig bekannten Echinoder-
men und Corallen" (Proc. Bost. Soc. nat. hist. Vol. XII.
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 191
p.381 ff.) beschreibt der selbe Verf. 7Echinoiden (ln.sp.),
5 Ästenden (2 nn. sp.), 6 Ophiurideo (3 nn. sp.).
1. Scytodermata.
Die merkwürdige Rhopalodina wird von Harting
als Repräsentant einer besondern Unterklasse (Diplostoruata)
neben den Holothuriden vor die Scytodernien gestellt.
Leerboek van de grundbeginselen der Dierkunde. Th. III.
p. 1149.
Bobrezky constatirt das Vorkommen von Synapten
im Sehwarzen Meere. Schriften der naturf. Gesellsch.
in Kiew I. p. 1.
Verrill macht den Vorschlag, die mit Synapta
tenuis durch Körperform, Abwesenheit grösserer War-
zen, Kürze und Verästelung der Tentakel verwandten
Arten (auch S. inhaerens) mit dem Genusnamen Lepto-
synapta zu bezeichnen und von den übrigen zu trennen.
Ebenso stellt derselbe für Hol. viridis LeC. mit 4 einfa-
chen und 8 gefiederten Tentakeln das neue Genus He-
t erosynapta auf. Transact. Connectic. Acad. I. p, 346.
Sars beschreibt zwei neue nordische Holothurien:
Ölig otrochus (n. gen.) vitreus und Stichopus natans,
1. c. p. 29—31, und giebt der ersteren Art folgende Genus-
charactere:
Oligotrochus n. gen. apneust. et apod. Corpus crassiuscu-
lum seu haud multum elongatum, teres, subeylindricurn aut subfu-
siforme, cuti tenui, glaberrima, praeter corpuscula perpauca minu-
tissima calcarea, rotiformia, multiradiata, singula (non acervatiin ac-
cumulata) sparsa, non petiolata, sed cuti immersa, laminis calca-
reis destitutum. Discus oralis paulo inclinatus. Tentacula 12, in
partem eorum basalem quasi in vaginam retractilia, non autem in
corpus abseondenda, brevissima. elongato-couica, utrimque digitata.
Musculi corporis longitudinales 5 gracillimi, duo dorsales (bivium)
magis approximati quam caeteri fere aequidistantes (trivium). Inte-
stinum ansam duplicem componens. Os anticum, subventrale; anus
posticus, circularis, haud lobatus. Vesica Poliana unica; tubercula
madreporiformia 1 — 3. Tubi genitales ramosi, breves, crassi fascicu-
los duos componentes. Annulus calcareus pharyngeus bene evolutus,
humilis, e laminis ut videtur 10 constans intime connatis. fere aeque
192 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
latis, ventralibus altioribus, dorsalibus humilioribus, margine an-
teriore cuspidibus 12 triangularibus ornata.
Cucumaria villosa n. sp. Adria. Grube, Sitzungsber.
der naturf. Section der Schles. Gesellsch. 1871. S. 54.
Abbildungen der Kalkkörperchen von Cucumaria
elongata, Thyonidium hyalinum, Th. commune, Thyone
fusus, Th. raphanus und Psolus phantapus bei Hodge.
Transact. Northumberland and Durham. Vol. IV. P. 1.
Tab. I — III. Besonders interessant erscheinen die Alters-
veränderungen der Kalkringe in den Füsschen von Pso-
lus phantapus, deren Jugendformen überhaupt so weit von
den ausgebildeten Zuständen abweichen, dass man sie
leicht für Ps. squamatus halten könnte.
Gümbel beobachtet in den Schichten von St. Cas-
sian zwischen Foraminiferen und Ostrakodenresten meh-
rere mikroskopische Kalkscheiben und Stäbchen, von de-
nen einige wenigstens eine nahe Verwandtschaft mit den
Kalkkörperchen gewisser Holothurien (Synapta, Dictyo-
cha) zeigen. Jahrbücher der k. k. geologischen Reichs-
Anst. 1869. p. 175 ff. Tab. 5. 6.
2. Actinozoa.
Troschel handelt über die Pedicellarien der Echi-
nodermen, die er in Uebereinstirnmung mit Agassiz für
modificirte Stacheln hält und zur Reinigung dienen lässt.
Rheinische Verhandl. Sitzungber. XXVII. S. 157.
Hodge dagegen ist geneigt, dieselben den Tenta-
keln zu vergleichen und als Sinnesorgane zu deuten.
Nät. hist. Transact. Northumberland and Durham Vol. IV.
P. 2. p. 124.
Echiuida.
Loven untersucht, wie das auch A. Agassiz ge-
than hat (J. B. 1869. S. 372), die Veränderungen, welche
der Schalenbau der Echinoiden während des Wachsthums
erleidet, und kömmt dabei zu ausserordentlich interessan-
ten Resultaten, die zum ersten Male für diese Thiere das
Verständniss sowohl der Skeletbildung im Einzelnen, wie
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 193
auch der Unterschiede in dem Skeletbau der verschie-
denen Arten und Gruppen erschliessen. Durch die Ver-
öffentlichung dieser Untersuchungen (om Echinoideernas
byggnad, kongl. Vetensk. Akad. Forhandlingar 1871. N. 8.
47 Seiten mit Tab. XIX, übersetzt in Annais and Mag.
nat. bist. 1873. T. IX., so wie Arch. f. Naturgescb. 1873.
I. 8. 16 — 70) ist Loven der Begründer der Echinoiden-
Morphologie geworden; er hat uns das Schema kennen
gelehrt, nach dem das Skelet dieser Thiere sich aufbaut
und verändert. Und diese Veränderungen sind uner-
wartet gross. Sie beruhen nicht bloss auf Neubildungen,
sondern fast mehr noch auf ungleichem Wachsthum, Ver-
schmelzung , Resorption , Verschiebung , auf Processen,
die man bei der Starrheit des Skeletes auf den ersten
Blick kaum in solcher Ausbreitung für möglich halten
sollte. Leider ist es uns nicht gestattet, unserm Verf. in
alle Einzelnheiten seiner reichen und wichtigen Arbeit
zu folgen ; wir müssen es uns sogar versagen, die Haupt-
punkte derselben sämmtlich hervorzuheben. Das Wenige
aber, was wir entlehnen, mag ein Zeugniss ablegen von
der Bedeutung des Ganzen. Verf. eröffnet seine Mitthei-
lungen mit der Beschreibung eines bisher bei den Echi-
noiden übersehenen peripherischen Organes, das (viel-
leicht mit Ausnahme von Cidaris) überall bei den jetzt
lebenden Arten vorkommt und in Form von kleinen ge-
stielten Knöpfchen den peristomialen Ambulacralplatten
aufsitzt, bei den einzelnen Gruppen und Formen aber in
verschiedener Zahl und Anordnung gefunden wurde.
Auch insofern sind diese Gebilde (Sphäridien) abweichend,
als sie bald frei und unbedeckt stehen, bald auch in Ni-
schen oder in Flügelchen sich zurückziehen, aus denen sie
dann nur mit dem vordem oftmals höckerigen Segmente
hervorragen. Verf. hält diese Gebilde für Sinnesorgane,
vermuthlich dazu bestimmt, die Veränderungen wahrzu-
nehmen, welche in dem umgebenden Wasser vor sich
gehen, und die Stoffe zu pereipiren, welche dasselbe auf-
gelöst oder angeschwemmt enthält (also für ein Ge-
schmacksorgan). Ein deutlicher Zusammenhang mit Ner-
ven liess sich freilich nicht nachweisen, obwohl Verf.,
194 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
wie Hoff mann (s. u.), sich davon überzeugte, dass letztere
durch die Pori hindurch treten und auf der Aussenfläche
der Schale sich verästeln. Was nun die Wachsthumsver-
hältnisse der Schale betrifft, so erscheinen diese bei den
Echinenam einfachsten. Die Platten, welche die Ambulacren
dieser Thiere zusammensetzen, sind, wie Verf. nachweist,
nicht einfache Skeletstücke, sondern Complexe von vier
Platten, die einzeln je mit einem Porus versehen sind und
ursprünglich ganz übereinstimmend am apicalen Pole der
Ambulacren, vor den Ocularplatten, hinter einander her-
vorkommen, aber ziemlich rasch zur Bildung einer Gross-
platte zusammentreten. Diese letztern wachsen nun, sie
wachsen vornämlich in der Breite, während sie, je älter
sie werden und je näher sie damit dem Mundpole rücken,
immer stärker in der Längsrichtung zusammengedrückt wer-
den. Sie werden durch die nachwachsenden Primärplatten
in vertikaler Richtung zusammengepresst und verschoben,
da die Anrikeln, welche zu den Kauwerkzeugen gehö-
ren, der Bewegung ein festes Hinderniss entgegenstel-
len. DieLagenveänderung der Poren, die ursprünglich eine
gerade Linie einhalten, zeigt diese Verschiebungen zur
Genüge, wie denn weiter auch der schiefe Verlauf dersel-
ben, der anfangs nicht verbanden ist, zur Genüge be-
weist, dass die Bewegung, welche in der Substanz der
Platten stattfindet, nicht in ihrer ganzen Masse die gleiche
ist. Am stärksten sind diese Veränderungen im Peristom,
wo auf den ersten Blick alle Ordnung verschwunden zu
sein scheint. Es bedarf der näheren Untersuchung und
Vergleichung, um auch hier die ursprüglichen Verhält-
nisse, nur alterirt durch Resorption, Verwachsung und
Verschiebung, nachzuweisen. Bei den Cidariden, bei denen
die Basen der Aurikeln keinen Widerstand leisten, blei-
ben die Primärplatten beständig getrennt und in gleich-
massiger Entwickelung hinter einander gereihet, bis sie
am Rande der Corona in das Peristomfeld überfliessen und
hier durch veränderter, Wachsthum und Resorption (be-
sonders des Stachelhöckers) eine Schuppenform annehmen.
Echinoneus stimmt mit den Echinen darin überein, dass
die Veränderung der Platten, welche eine Folge ihres
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 195
Wachsthuras unter Hinzukommen neuer nach oben hin
ist, auf eine gieichmässige Weise durch das ganze Am-
bulacrum vor sich geht ; wohl in Zusammenhang damit,
dass auch die Füsschen dieser Art überall Saugfüsschen
sind. Anders aber ist es bei den andern drei Gruppen
der irregulären Echinoiden, bei denen die Kiemen ge-
staltend auf die Ambulacralplatten einwirken , so dass
diese nur an den Seiten ihre erste Form behalten, wäh-
rend sie auf der Mundarea wiederum allmählich zusammen-
gedrückt und verändert werden. Das Peristom bleibt bei
den Echiniden und Clypeastriden in nahem Zusammen-
hang mit dem Kauapparate rund oder fünfeckig, wie
es ursprüglich war, wenngleich es bei einigen im Alter
sehr merklich abweicht (Echinometra und Echinocidaris).
Bei den Clypeastriden, die in der Jugend dieselbe pen-
tagonale Bildung besitzen, ändert sich diese Form dadurch,
dass zunächst die Peristomplatten der Interradien beim
Wachsthum anschwellen und anderweitige Umgestaltun-
gen im Gefolge haben. Aber der Mund, allmählich trans-
versal verlängert, bleibt auch hier in der Mitte einer
nackten Haut. Wie die Bildung des Mundes, so entsteht
auch die abweichende Körperform erst dadurch, dass das
Wachsthum der verschiedenen Radien nicht gleichen
Schritt hält, in der Richtung des Biviums vielmehr stärker
ist, als in der desTriviums. Die Plattenreihen der Interradien
sind in Wachsthum und Bewegung im Ganzen viel gleich-
massiger, als die der Ambulacren und nur bei den Spatan-
giden wieder von grösserer Complication. Wo die Platten
der Interradien und Ambulacren im Apex zusammenstos-
sen, findet sich bekanntlich ein Kranz von fünf sog. Au
gen- und Genital- (Scheitel-) Platten, die nach A. Agas-
siz's Entdeckung bei Echiniden und Saleniden anfangs
eine einzige Analplatte kreisförmig umgeben. Die Poren
der Genitalplatten entstehen erst spät, nach der Bildung
der Geschlechtsorgane, nachdem schon längst der After
mit seinen Kalkstückchen am Rande der Centralplatte seine
Bildung genommen hat. Diese Platten sind also typische
Organe, die nur secundär, ganz wie die eine Inter-
radialplatte der irregulären Seeigel den After in sich auf-
190 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
nimmt, in den Dienst gewisser Eingeweide getreten sind.
Wenn man das festhält, dann ergiebt sich unter Zuzie-
hung von Marsupites, einem bekanntlich stiellosen Crinoi-
den, dass die Centralscheibe mit den umliegenden Platten
der Calyx der Crinoiden homolog ist. Die Scheitelplatten
ergeben sich als Basalstücke und die Augenplatten
als Radialia. Mit dieser Calyx nun verbinden sich bei
den Echinoiden die nengebiideten Platten der Corona ; die
Basalia begegnen den Enden der Interradien, die Radialia
denen der zuwachsenden Ambulacren. Bei den Echiniden,
welche ihre Analöffnung da haben, wo der Stiel der Cri-
noiden befestigt ist, hat der Kelch seine normale Form
behalten, während er bei den Clypeastriden meist ganz
und gar von der Madreporenplatte durchdrungen ist,
welche die Näthe vertilgt, und bei den Irregulären noch
weiter von der Norm sich entfernt.
Hoffmann's Beiträge „zur Anatomie der Echinen
und Spatangen" (Haariem und Leipzig 1871. 104 Seiten
in Octav mit X Tafeln, bes. Abdruck aus dem niederlän-
dischen Archiv für Zoologie Bd. I) behandeln den ge-
sammten Bau dieser Thiere, den anatomischen so gut, wie
den histologischen. Sie kommen um so erwünschter, als
die betreffenden Geschöpfe seit Tiedemann und Va-
lentin in unserer Litteratur nur geringe Beachtung ge-
funden haben, obwohl wir doch keineswegs einer genü-
genden Kenntniss derselben uns rühmen durften. Be-
greiflich unter solchen Umständen, dass der Verf. uns mit
zahlreichen neuen Beobachtungen und Entdeckungen be-
kannt macht. So erfahren wir gleich anfangs, dass nicht
bloss die Innenwand der Schale, wie überhaupt alle der
Leibeshöhle zugekehrten Flächen, sondern auch die äussere
Körpcrhülle mit einem Flimmerüberzug versehen ist, der
sogar auf die Stacheln übergeht und ^bei den Spatangen
in den sog. Semiten, wie man allerdings schon länger
weiss, zu einer sehr ansehnlichen Entwickelung kommt.
Die Flimmerhaare der Leibeshöhlenfläche sitzen bei den
Spatangen nicht auf Zellen, sondern direct auf dem Bin-
degewebe auf. An den Pigmentzellen des Darmes beob-
achtet man zuweilen eine sehr lebhafte amöboide Bewe-
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 197
gung, besonders in der Umgebung des Mundes (Echinen).
Die Verbindung der Stacheln mit dem Skelet wird durch
eine förmliche Gelenkkapsel hergestellt, die freilich bei den
Spatangidcn nur wenig vollständig ist, in beiden Gruppen
aber einen continuirlichenRing von kurzen Radiärmuskel-
fasern trägt, durch welche die Stacheln nach allen Rich-
tungen auf den Gelenk vvarzen bewegt werden können.
Dass die sog. Mundkiemen der Echinen ohne Oeffnung
nach aussen sind, wie schon Valentin angiebt, wird
bestätigt. Im Umkreis der Mundöffnung beschreibt der
Verf. bei den Echinen eine kräftige Hautmutskelschicht,
die aus radiären Fasern besteht und zur Bewegung der
Zahnspitzen dient. Bei den Spatangiden fehlt bekannt-
lich die Mundhaut „ aber dafür ist die scbaufelförmige
Oberlippe aus einzelnen beweglich mit einander verbun-
denen Skeletplättchen zusammengesetzt. Der x\fter ist
gleichfalls, und zwar bei Eehinen, wie Spatangen, mit
beweglichen Plättchen gedeckt, die beim Andrängen des
Kothes aus einander weichen, sonst aber die Oeffnung
vollständig schliessen, so dass kein Wasser in dieselbe
hineindringen kann. Die Zähne der Echinen, die inzwi-
schen auch von Waldeyer (Stricker's Handbuch der
Histologie 1870. S. 343) einer näheren Untersuchung un-
terzogen sind, bestehen nicht aus Schmelzfasern, wie man
gewöhnlich angiebt, sondern aus Stäbchen von kohlen-
saurem Kalk, die theils parallel laufen, theils auch sich
kreuzen und auf blattförmig über einander geschichte-
ten Plättchen liegen, welche in der unteren Hälfte des
Zahnes leicht von einander gesondert werden können
und aus einer zellenreichen Matrix hervorgehen, welche
das ganze weiche Hinterende des Zahnes einhüllt. Die
Muskeln, welche den Kauapparat bewegen, bestehen aus
Fasern, die der (den Muskelfasern der Ophiuren und Äste-
nden deutlich zukommenden) doppelten Schrägstreifung
entbehren. Das Darmlumen ist — vom Schlünde der Spa-
tangiden abgesehen — ohne Flimmerbekleidung. Die in
den Oesophagus von Echinus vorspringenden Papillen
sind keine Drüsen, sondern gefässreiche Bindegewebser-
hebungen, die vielleicht als Respirationsorgane (Darm-
198 Lcuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
kiemen) eine Rolle spielen. Viel merkwürdiger noch ist das
vom Verf. entdeckte „gewundene Organ", das in Form
eines dünnen Kanales bei Spatangus an der grossen ventra-
len Mesenterialplatte hinzieht und ebensowohl mit dem
Anfangstheile des Dünndarms, wie mit dem Dickdarm
in Zusammenhang steht, gewissermassen also ein Neben-
rohr des eigentlichen Darmes abgiebt. Ueber die Be-
deutung dieses Organes ist Verf. völlig im Dunklen ge-
blieben. Es ist ohne Muskulatur und ohne den sonstigen
Darminhalt, wohl aber da, wo es dem Drucke des schwe-
ren Darmes ausgesetzt ist, mit dicken und resistentenWan-
dungen versehen, so dass es nicht zusammengedrückt
werden kann. Der Zellenbelag im Innern hat mit den
Zellen des Magens und Dünndarms die grosseste Aehn-
lichkeit. Die unreifen Genitalproducte , besonders auch
die Eier, gleichen vollkommen den Epithelzellen der sie
erzeugenden Blindsäcke, die auffallender Weise mit einer
deutlichen Muskelhaut versehen sind, eines Flimmerüber-
zugs im Innern aber entbehren. Bei den männlichen
Echinen gelangt das Sperma, wahrscheinlich durch Platzen
der Schläuche , zum grossen Theil in die Leibeshöhle,
die man bisweilen davon ganz erfüllt sieht. Uebrigens
ist die Entwickelung der Geschlechtsdrüsen nicht völlig
symmetrisch, indem bei den Echinen die hintere, bei den
Spatangen aber, welche immer nur vier Genitalien zu
besitzen scheinen, die erste vordere viel weniger gross
ist. Ganglienzellen finden sich nicht bloss in den Ambu-
lacralnerven, sondern auch dem Schlundringe und zwar
massenhaft in den peripherischen Schichten, doch Hessen
sich daran keine Fortsätze nachweisen. Ebensowenig hat
Verf. sich von der Anwesenheit eines ununterbrochenen
Kanales im Innern der Stämme überzeugen können. Da-
für aber sah er in regelmässigen Abständen von den Am-
bulaeralnerven feine Querästchen abgehen, welche unter
den Ambulacralbläschen verliefen, durch die Ambula-
cralporen auf die Oberfläche gelangten und wahrschein-
lich auch an die Saugfüsschen, Pedicellarien und Sta-
chelmuskeln kleine Zwreige abgaben. Specifische Sinnes-
organe sind weder bei den Echinen, noch den Spatangen
der niederen Thiere während des J. 1870 u. 1871. 190
vorhanden. Was Verf. über das Blutgefässsystem mit-
theilt, stimmt im Allgemeinen mit der Darstellung von
Tiedemann überein, zeigt aber im Einzelnen mehr oder
minder beträchtliche Abweichungen, für die wir jedoch
auf die Arbeit selbst verweisen. Auffallend ist der aus-
serordentliche Blutreichthum des Darmes, dessen Wand
von einem dichten, lacunenhaft sich ausbreitenden Netz-
werk durchzogen ist, und das um so mehr, als die Ge-
schlechtsdrüsen und die Wassergefässe keine besonderen
Blutgefässe bekommen. Dünndarm, Magen und Oeso-
phagus von Spatangus erhalten ihr Blut von einem
eigenen Magengefässe, während der Dickdarm durch ein
Bauch- und Rückengefäss versorgt wird. Von besonde-
rem Interesse ist der Nachweis eines Verbindungszweiges
zwischen diesem Magengefässe und dem Wassergefäss-
ringe, der für Spatangus mit aller Bestimmtheit geliefert
wird und den langen Streit über die Beziehungen der
Blut- und Wassergefässe der Echinoiden in einer endgül-
tigen Weise zur Entscheidung bringt. Auch fürEchinus
macht Verf. einen derartigen Zusammenhang wahrschein-
lich, nicht bloss dadurch, dass er aus beiden Gefässappa-
raten ganz dieselben histologischen Elemente (farblose
so gut, wie pigmentirte , theilweisc schön bewegliche
Zellen) beschreibt, sondern namentlich auch auf Grund
von Injectionsversuchen, bei denen es gelang, durch die
Madreporenplatte hindurch nicht bloss das Wassergefäss-
system, sondern auch die Darmvene anzufüllen. Die weit
verbreitete Annahne, dass die Ambulacralbläschen zur
Füllung der Füsschen dienten, wird von unserem Verf.
bestritten. Ihre Muskulatur soll viel zu schwach sein,
die kräftigen Muskeln der Füsschen zu überwinden. Für
unsern Verf. sind die Ambulacralbläschen blosse Behäl-
ter, die bei der Zusammenziehung der Füsschen sich
füllen und bei der Ausstreckung zunächst die nöthige
Flüssigkeit liefern. Auch nach der Zerstörung der Bläs-
chen ist diese Fähigkeit der Ausstreckung nicht ver-
loren gegangen, sobald nur der zerstückelte Seeigel im
Wasser liegt. Auf welche Weise die Ausstreckung ge-
schieht, ist freilich schwer zu begreifen, wenn die An-
200 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
gäbe begründet ist, dass die Muskulatur der Füsschen
bloss aus Längsfasern bestehe und keinerlei Ringfasern
besitze. Dass die locomotiven Füsschen der Spatangen
der Saugscheibe entbehren, ist bekannt ; der Verf. ist
sogar geneigt, ihnen eine jede grössere Bedeutung für die
Ortsbewegung abzusprechen und diese fast ausschliesslich
durch die Stacheln vermitteln zu lassen, die auch für die
Echinen bei der Horizontalbewegung eine grosse Bedeutung
besitzen. Die Tastfüsschen der Spatangiden sind ganz
ohne Muskeln, wie denn auch die Endausbreitung der Am-
bulacralkiemen der Muskelfasern entbehrt. Auf dem
vordem Ambulacralfelde der Spatangen findet der Verf.
noch eine besondere vierte Art von Füsschen, die einfach aus
einem blindgeschlossenen Schlauche ohne Muskeln beste-
hen. Der Steinkanal derselben ist durch eine eigentküm-
liche Anschwellung ausgezeichnet, der an das „Herz" der
Echinen erinnert, aber seiner histologischen Structur nach
eher eine Drüse, als ein contractiles Organ zu sein scheint.
Der Inhalt der Leibeshöhle ist übrigens ebenso wenig
reines Seewasser, wie der des sog. Wassergefässsystems.
Er enthält dieselben pigmentirten und amöboiden Zellen,
wie sie in dem Gefässapparate vorkommen, und hat bei
den Spatangen sogar eine deutliche blassrothe Färbung.
Trotzdem aber ist diese Flüssigkeit mit dem umgebenden
Seewasser in beständigem Austausch, und dieser geschieht
durch die Poren der Madreporenplatte, deren Fläche
viele Mal grösser ist, als der Querschnitt des Steinkanals.
Durch diese Poren tritt das Wasser ein, sobald durch
die Entleerung der Ambulacralbläschen und die Bewe-
gungen des Kauapparates (Echinen) der Leibesraum ver-
grössert wird und der Druck des umgebenden Wassers
in gleichem Verhältnisse steigt. Umgekehrt kommen die
Ambulacralblasen, und damit zugleich die Flüssigkeit
des Leibesinnern, unter einen stärkeren Druck, sobald
die Ambulacralfüsschen sich zusammenziehen, und dieser
hat dann zur Folge, dass der flüssige Inhalt der Leibes -
höhle zum Theil wieder nach Aussen strömt, vielleicht
auch eine gewisse Masse von Flüssigkeit aus dem sog.
Wassergcfässsystcm durch die Madreporenplatte abfliesst
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 201
oder durch den „Verbindungsgang" in die Blutgefässe
überströmt. In anatomischer sowohl, wie physiologischer
Hinsicht lässt sich nach der Ansicht des Verf.'s das
Wassergefässsystem der Echinoiden mit dem Excretions-
apparate der Mollusken und Würmer vergleichen.
Robertson macht die Beobachtung, dass von dem
im Sande vergrabenen Amphidotus cordatus nach oben
beständig ein rabenfederdicker Canal abgeht, der bis auf
die Oberfläche des Sandes reicht und durch eine schlei-
mige Substanz, die ihn auskleidet, offen erhalten wird.
Der Canal wird durch die sog. Bewegungsfüsschen ge-
graben, die in beträchtlicher Länge durch den Sand hin-
durch vorgestreckt werden und auch später von der Ober-
fläche immer neue Sandpartikclchen in den Canal hin-
einziehen. Diese letztern gelangen von dem Rücken des
Seeigels (wahrscheinlich durch Hülfe der daselbst an-
gebrachten Stachelreihen) in die nach vorn gerichtete
Rinne und durch diese unter den Seeigel, von wo sie
dann mittelst der den Mund umgebenden kurzen Tenta-
kel aufgenommen und verschluckt werden. Uebrigens
glaubt Verf., dass der verschluckte Sand nicht durch den
After entleert, sondern wieder ausgebrochen werde. No-
tes on Amphidotus cordatus. Quarterly Journ. micr. sc.
1871. p. 25—27.
Die schon im letzten J. B. angezogene interessante
Abhandlung „über die Jugendzustände der Seeigel" von
A. Agassiz wird in dem Archiv für Naturgesch. 1870.
I. S. 127 — 145 in deutscher Uebersetzung ausführlich mit-
getheilt
Carpenter's Mittheilung on the reparation of the
spines of Echinida (Monthly micr. Journ. 1870. p. 225 —
228) ist Ref. nicht aus erster Hand bekannt geworden.
Verf. soll die Neubildung von der „protoplasmatischen
Substanz" ableiten, die zwischen den Maschenräumen des
Skelets enthalten sei.
Stewart handelt „on the minute structure of cer-
tain hard parts of the genus Cidaris" (Quarterly Journ.
micr. sc. 1871. p, 51 — 55. PI IV) und findet, dass die da-
hin gehörenden Arten (C. annulata u. s. w.) sowohl durch
202 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
den Besitz einer festen Rindensehicht um die Stacheln
und die hohle Beschaffenheit ihrer Pedicellarien-Klappen,
wie durch die Zweitheilung des Pedicellarienstieles und
die Anwesenheit zahlreicher gekrümmter Spicnlae in den
Ambulacralröhren von den übrigen verwandten Formen
sich unterscheiden.
Perrier hat seine hübschen Untersuchungen über
die Pedicellarien und Ambulacren jetzt auch auf die Echi-
nen übertragen (Annales des sc. natur. Zool. T. XIII.
Art. 1. 81 Seiten. PI. 2—6) und auch hier eine ausseror-
dentliche Mannichfaltigkeit der Kalkbildungen nachge-
wiesen, zugleich aber auch die Ueberzeugung gewonnen,
dass die specifischen Eigentümlichkeiten für die beschrei-
bende Zoologie und die Unterscheidung der einzelnen
Gruppen nicht minder bedeutungsvoll sind, wie er das
auch für die entsprechenden Anhänge der Seesterne
hervorgehoben hat. Die Pedicellarien sind beständig
dreiklappig, in Gestalt, Grösse und Anheftung aber so
verschieden, dass Verf. vier und noch mehr verschie-
dene Formen aufzustellen im Stande war, die bald einzeln,
bald auch zu zweien oder dreien neben einander gefunden
werden. Viele Seeigel haben sogar vier verschiedene For-
men neben einander. Unter den irregulären Arten sind
nur die Spatangiden und, wie in einem Nachtrage hinzu-
gefügt wird (ibid. T. XIV. Art. 8. 2 S.) Echinoneus mit
Pedicellarien ausgestattet, der letztere sogar mit zweierlei
verschiedenen Formen. Echinoneus schliesst sich auch
durch die Anwesenheit terminaler Kalkrosetten am Ende
der Ambulacralfüsschen, die sonst gleichfalls den irregu-
lären Seeigeln fehlen, an die typischen Arten an, bei
denen dieses Gebilde ganz allgemein vorhanden ist. Ue-
brigens besteht diese Rosette nicht aus einer einzigen
zusammenhängenden Kalkmasse, sondern aus einem Mit-
telstiicke und vier Randstücken, die selbst ihrerseits wie-
der von zwei übereinander liegenden Platten gebildet
werden. Ganz allgemein sind ausserdem noch gewisse
verhältnissmässig einfache Kalkkörperchen oder Nadeln,
von gleichfalls für die einzelnen Gruppen speeifischer
Form, in die Wand der Ambulacralröhren eingelagert,
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 203
Gebilde, die bei den Seesternen vollständig vermisst
werden. Für die Einzelnhciten müssen wir auch dieses
Mal auf die detaillirten Beschreibungen und Abbildungen
des Verf.'s verweisen. Und damit können wir für unsern
Zweck um so eher uns begnügen, als derselbe Verf.
die Resultate seiner Beobachtungen, so weit sie die Syste-
matik der in besonderer Vollständigkeit von ihm unter-
suchten regulären Seeigel betreffen, unter gleichzeitiger
Berücksichtigung anderer Verhältnisse und namentlich
der Anordnung der Ambulacralporen in einer eigenen
Abhandlung niedergelegt hat. Die letztere ist unter dem
Titel: Observation sur les relations qui existent entre les
dispositions des pores ambulacraires h l'exterieur et ä
l'interieur du test des Echinides reguliers in den nouv.
Archives du Musee T. V. 1869. p. 207—228 erschienen
und zunächst, wie der Titel besagt, der Darstellung des
Verhaltens der Ambulacralporen gewidmet. Das von
unserm Verf. aufgestellte System gliedert sich folgen-
dermassen:
Regelmässige oder endocy clisc he Seeigel. Darmöff-
nungen in beiden Polen der Schale. After von Genital- und Oeu-
larplatten umgeben. Ambulacra nicht blattförmig. Ambulacralröhren
mit einer Saugscheibe, die durch eine Kalkrosette gestützt ist.
I. Schale kreisrund. Pedicellarien mit drei Armen.
A. Ambulacralf eider schmal, jederseits mit mehr oder weniger
geschlängelten Porenreihen. Kopf der Pedicellarien auf einer
soliden Fortsetzung des Stieles. Die Nadeln der Ambula-
cralröhren sind spindelförmig oder bilden ein gedorntes
Bogenstück. Schalenhöcker crenulirt und durchbohrt.
Hieher Ctdaris, Leiocidaris, Geniocidaris.
B. .Ambulacralfelder breit, jede Platte mit 7—9 Porenpaaren,
die in dem obern und mittlem Schalensegment in einer
doppelten Schlangenlinie stehen, in der Nähe des Peristoms
aber keine bestimmte Ordnung erkennen lassen. Pedicel-
larien mit breiten und stumpfen, in ganzer Länge sich
berührenden, wenig beweglichen Armen (p. ophiocephales),
die nicht direct auf dem Stamm aufsitzen. Ambulacralna-
deln spindelförmig. Schalenhöcker ohne Körnelung und
Loch. (Echinocidariens.)
Echinocidaris.
C. Ambulacralfelder breit. Poren in mehr oder weniger schräg
verlaufenden Querreihen von je drei Paaren. Pedicellarien
204 Lenckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
nicht unmittelbar dem Stamme verbunden, mit drei langen
löffeiförmigen Armem (p. tridactyles). Ambulacralnadeln
unregelmässig verästelt oder platteD förmig, gelegentlich aber
daneben auch bogenförmig. Höcker der Schale crenulirt
und durchbohrt. (Diademiens.)
Diadema, Savignya, Astropyga.
D. Ambulacralfelder breit. Pedicellarien fast immer von vier-
facher Form (p. gemmiformis — mit langem und schlan-
kem, hakentragenden Endstück — , ophiocephales, tridacty-
les und trifolies — mit Armen, deren freier Rand breiter
ist, als die Basis), niemals direct mit dem Stiele in Ver-
bindung. Ambulacralnadeln gekrümmt, mit eingebogenen
Enden, bisweilen auch einem Seitenzahn.
1. Poren in Querreihen mit je drei Paaren.
a. Vertiefungen rund um die Ambulacral- und Interam-
bulacralplatten ; Poren an den Winkeln der Platten.
Höcker bisweilen crenulirt, niemals durchbohrt. (Sal-
maciens.)
Temnopleurus, Salmacis, Microcyphus, Mespilia.
b. Keine Vertiefungen und Poren an der Peripherie der
Platten. Höcker weder crenulirt , noch durchbohrt.
(Echiniens.)
Amblypneustes, Echinus, Sphaerechinus, Psammechi-
nus, Boletia.
2. Poren in mehr oder weniger gekrümmter Reihe mit je
fünf oder sechs Paaren. (Loxechiniens.)
Toxopneustes, Loxechinus.
3. Poren bilden in jeder Hälfte des Ambulacralfeldes zwei
regelmässige Seitenbänder, zwischen denen bald eine un-
regelmässige Mittelreihe, bald auch eine unbegrenzte
Menge zerstreuter Poren gefunden wird. (Tripneustiens.)
Tripneustes, Holopneustes.
E. Von Gruppe D dadurch verschieden, dass die Ambulacral-
nadeln die Form durchlöcherter Platten haben. (Helioci-
dariens.)
Heliocidaris.
II. Schale elliptisch. Pedicellarien von dreifacher Form (p. tri-
dactyles, - ophicephales, gemmiformes, die letztern mit unsym-
metrischen Endhaken). Poren in Reihen von wenigstens vier
Paaren, nach oben zu mit noch mehreren. Ambulacralnadeln
einfach gekrümmt, mit umgebogenen Enden. (Echinometriens.)
Echinometra, Acrocladia, Podophora.
Zur "Vergleichung lassen wir hier die vonTroschel
in den Sitzungsber. der niederrhein. Gesellsch. in Bonn
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 205
1871. S. 91 aufgestellte Uebersicht über die Familien der
regulären Seeigel folgen.
A. Höcker durchbohrt.
a. Höcker glatt (bei den lebenden); Ambulacralfelder sehr
schmal, ohne durchbohrte Höcker; Interambulacralfelder mit
zwei Reihen grosser durchbohrter Höcker; keine Ocular-
platte erreicht das Periproct; Mundohren nicht geschlos-
sen; Porenkanäle in einer senkrechten Reihe; keine Mund-
einschnitte Farn. Cidaridae.
b. Höcker crenulirt; Ambulacralfelder schmal, mit durchbohrten
Höckern; Interambulacralfelder mit mehreren Reihen gros-
ser durchbbohrter Höcker; alle Ocularplatten erreichen das
Periproct; Mundohren geschlossen; drei Porenpaare in
einer schrägen Querreihe ; Mundeinschnitte deutlich, nicht
tiefer, als breit Fam. Diadematidae.
B. Höcker nicht durchbohrt.
a. Höcker crenulirt Fam. Salmacidae.
b. Höcker glatt.
«. Suturalporen Fam. Mespiliadae.
ß. Keine Suturalporen.
* Vier Platten schliessen das Periproct.
Fam. Echinocidaridae.
** Viele Plättchen auf dem Periproct.
f Körper kreisförmig oder pentagonal.
| Drei Porenpaare an jedem Bogen.
— Mundeinschnitte seicht, keine Ocularplatte er-
reicht das Periproct . . Fam. Echinidae.
= Mundeinschnitte tiefer, als breit, zwei Ocular-
platten erreichen das Periproct.
Fam. Tripneustidae.
|| Mehr als drei Porenpaare an jedem Bogen.
Fam. Toxopneustidae.
ff Körper elliptisch . . . Fam. Echinometradae.
V e r r i 1 1 beschreibt eine Anzahl Californischer Echi-
nodermen, besonders Seeigel, unter denen als neu aufge-
führt werden: Glypeaster speciosus, E?icope californica.
Silliraan's Amer. Journ. 1870. Vol. 49. p. 93—106.
Weitere Beschreibungen desselben Verf.'s (Pro-
eeedings Bost. Soc. Vol. XII. p. 381 ) betreffen Agassizia
subrotundata Gr., Brissus obesus Verr., Desoria nodosa
n. sp. von unbekanntem Fundort, Melitta longifissa Michl.,
Archiv für Naturg. XXXVIII. Jahrg. 2. Bd. 0
206 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Scaphechinus mirabilis A. Ag., Echinarachnius asiaticus
Mehl., Tripneustes depressus A. Ag.
In den Transact. Connecticut Acad. Vol. I. p. 569
beschreibt derselbe ferner: Plagionotus Africa-
?ius n. von der Westküste Afrikas. Wie wir ebenda-
selbst erfahren, fällt Astropyga venusta Verr. mit A. de-
pressa Say zusammen. Ebenso Lytechinus semitubeiula-
tus A. Ag. (p.p., non Val.) mit Boletia pieta Verr., Bo-
letia viridis Verr. mit Echinus chloroticus Val., der am
besten ein besonderes Gen. Evechinus bildet, Clypeaster
speciosus Verr. mit Cl. (Echinanthus) testudinarius Gr.,
Kleinia nigra A. Ag. mit Meoma grandis Gr., Agassizia
subrotundata Gr. (A. Ovulum Ltk. Verr.) mit A. scrobi-
culata Val. Das neue Gen. Evechinus wird charakte-
risirt, wie folgt :
Test thick, circular, thickly covered with tubercles of various
sizes. Spines rather short, tapering. very inequal. Ambulacral
zones with two principal rows of large tubercles ; poriferous zones
not widened below; pores beneath, near the actinal areas, arranged
in obliquely tranverse groups of three paires, very soon becoming
irregulär, the inner ones being separed from the others by a ver-
tical row of tubercles, so that throughout the greater part of the
extend of the zones, both above and below, the pores form an inner,
nearly regulär, vertical row and two irregularly alternating rows, of
which the outer is more regulär than the median row ; in the lat-
ter the pores are arranged in a more or less zigzag line. Actinal
area small. with shallow cuts ; the membrane is thin and bears a
few scattered, rounded, granulär plates ; the larger plates, near the
mouth, bear minute spines and very small oval pedicellariae. Anal
area covered by an outer circle of8 — 10 larger often spine bearing
plates and an inner converging Cluster of smaller plates.
Gelegentlich der oben erwahnte^Untersuchungen über
den Bau der Echiniden erwähnt auch Loven zweier inte-
ressanter neuer Formen, eines Hemiaster expergiins (von
Josephin'a's Bank), der einer Gattung angehört, die man
seit dem Miocän für ausgestorben hielt, und eines Pa-
laeotropus (n. gen.) Josepliinae (von den Azoren). Der
letztere ist ein üpatangid (mit Fasciola und Labrum), der
,iuf den ersten Anblick von oben eine Achnlichkeit mit
Ananchytes ovata hat, von dieser aber, wie von allen
übrigen jetzt lebenden Arten — mit Ausnahme von Lis-
der niederen Tlriere während der J. 1870 u. 1871. 207
sonotus fragilis A. Ag. — dadurch abweicht, dass die
Ambulacren apetal sind und in der Ebene der Schale
liegen. A. a. O.
In einem Zusätze zu der schon im vorigen J. B.
(S. 372) angezogenen Abhandlung über die von Pourta-
lcs gesammelten Tiefseeechinoiden beschreibt A.Agas-
siz (Bullet. Mus. compär. Zool. Vol. II. p.455 — 457) noch
zwei Arten , die ihm damals entgangen waren. Die
eine, die freilich nur in Bruchstücken (langen, gekrümm-
ten Stacheln) aufgefunden wurde, ist von M ich elin (1863)
unter dem Namen Keraiaphorus Maillardi von der Insel
Bourbon beschrieben, unter einem Namen, der mit Coe-
lopleurus zusammenfällt, während die andere als ein ju-
gendliches Exemplar einer Diadematide erkannt wurde,
die dem Gen. Astenosoma Gr. nahe verwandt ist und
wahrscheinlich einer Form zugehört, die Wyvil ie Thom-
son bei den Hebriden und am Cap Finisterre aufgefischt
hat und als Calveria hystrix nächstens beschreiben wird.
Vergl. über letztere Proceed. roy. Soc. 1869. p. 450 und
1870. p. 154.
Der schon im letzten J. B. erwähnte Spatangus Ra-
schii Lov. ist jetzt auch in der Overs. k. vetens. Akad.
Forhandl. Bd. 26. p. 733— 735 beschrieben und Tab. XIII
abgebildet.
Nach einer Mittheilung von Gwyn Jeffreys hat
Mb rch sich in der Originalsammlung Risso's davon über-
zeugt, dass Spatangus meridionalis R. nicht mit Sp. Ra
schii Luv., sondern mit Sp. purpureus Lam. identisch ist,
wie das auch schon von Risso selbst anerkannt wurde.
Annais nat. bist. 1870. Vol. V. p. 146.
In Betreff der Leskia mirabilis oder vielmehr der
LoveVschen Mittheilungen über diesen interessanten
Seeigel macht Agassi z einige Bemerkungen, Ann. Lyc.
nat. hist. New-York Vol. IX. 1870. p. 242—246.
Eohinocardium pennatifidum Norm. (= Amphidotus
gibbosus Barrett) abgebildet bei Hodge, Transact. North-
humberl. and Durh. Vol. IV. PL V.
In seinen Untersuchungen über die Pedicellarien
der Seeigel erwähnt Per rier gelegentlich zweier neuer
208 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Cidarisarten, von denen die eine als C. Callao bezeich-
net wird (1. c. p. 24),
Als neu beschreibt Sars unter den nordischen Echi-
nodernien : Eoldnus dep?'essus und Toxopneustes pallidum,
1. c. p, 22 — 27.
Verrill setzt in einer Note on the generic relations
and synonyrny of the common Sea-urchin of New-Eng-
land (Silliman's Amer. Journ. Vol. 49. p. 101—103) die
Gründe auseinander, die ihn zur Aufrechthaltung des für
Echinus drobachiensis von ihm vorgeschlagenen neuen
Gen. Eyryechinus (statt Toxopneustes) veranlassen.
m
Asterida.
0 w s j ann i k o f f berichtigt (über das Nervensystem
der Seesterne, Bullet. Acad. imper. St. Petersbourg T. XV.
p. 310— 119. Mit 1 Tafel) die Angaben Tiedemann's
über das Nervensystem der Seesterne und liefert den Nach-
weis, dass dasselbe — wie auch schon J. M ül 1 er wusste
— mit dem „orangefarbenen Gefässe" dieses Forschers
zusammenfalle. Ring und Ambulacralnerven bestehen
beide aus einem platten Bande mit eingekerbten Rändern,
nur dass dieselben insofern verschieden erscheinen, als die
Ambulacralbänder rinnenartig gebogen sind und Aussen
firsten förmig vorspringen. Nach dem Ambulacralkanale
zu wird die Rinne durch eine feine Membran geschlossen,
die, trotz dem innigen Zusammenhange mit dem Nerven-
bande, kaum dem Nervensysteme zugerechnet werden
darf. Ring und Armnerven stimmen in ihrem histologi-
schen Verhalten vollkommen überein. Sie enthalten hül-
lenlose Fasern und Zellen von unbedeutender Grösse.
Die letztern sind multipolar und in mehrfachen Lagen
an der Aussenfläche gelegen. Die Nervenfasern, welche
von den Füsschen ausgehen und in die Ambulacralnerven
eintreten, vertheilen sich dort fächerförmig, bevor sie
mit den Zellen in Verbindung treten. Sonst gehen die
Mauptfaserzüge der Länge und Quere nach. Die äussere
Umhüllung des Nervensystems wird durch ein festes
Häutchen gebildet.
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 209
Unabhängig von Owsjannikoff kommt auch
Öreeff zu der Ueberzeugung, dass Tiedemann das
Nervensystem der Seesterne für einen Gefässapparat ge-
halten habe. Aber dieser Irrthum ist verzeihlich, denn
die Ambulacralnerven so gut, wie der Mundring, lassen
sich injiciren , sind also keine soliden Stränge, sondern
continuirlich zusammenhängende Röhren, in denen auch
während des Lebens eine mit Blutkörperchen-ähnlichen
Formbestandtheilen versehene Flüssigkeit circulirt. Von
dem darunter hinziehenden Ambulacralkanal ist das Lumen
dieser Röhre nur durch eine dünne Platte geschieden,
während die übrige Wand eine beträchtlichere Dicke hat
und auf ihrer Anssenfläche mit einer lebhaft flimmern-
den Cuticula bekleidet ist. Nach Greeff besteht übri-
gens diese Wand nicht durchweg aus Nervensubstanz,
wie Owsjannikoff annimmt. Sie ist vielmehr eine
Fortsetzung oder xVusstülpung der äusseren Haut, in die
sie auch direct oder durch Vermittlung der Saugfüsschen
übergeht, ein Integument also, das dann erst seinerseits
die nervösen Elemente, Fasern und Nerven, die in Ring
und Radialstämmen keinerlei Unterschiede darbieten, in
sich einschliesst. Die Nervensubstanz bildet somit nur
die innere Wandung des Integumentes. Der Kanal, der
durch dieselbe hindurchzieht, ist zuweilen durch ein Sep-
tum in zwei Hälften getheilt und lässt sich nach Aussen
hin nicht bloss in das Innere der Augen hinein verfolgen,
die also hohl sind und eine unmittelbare Fortsetzung der
Röhrenwand darstellen, sondern weiter auch in einen
dicht davor gelegenen Fühler, der, schon äusserlich von
den Ambulacralfühlern durch Abwesenheit der Saugscheibe
unterschieden, zu den Röhren in genau demselben Ver-
hältnisse steht wie das Auge, und demnach wohl mit
Reeht von unserm Verf. als ein bisher übersehenes Sinnes-
organ betrachtet wird. Die von Häckel in den Augen
der Seesterne beschriebenen kugligen Linsen sind nur
die gewölbten Basalflächen von Krystallkegeln, die, je
von einem Pigmenttriehter umgeben, in die verdickte
(keinesweges durchaus nervöse) Wand des sog. Bulbus
eingesenkt sind. Die freie Oberfläche des Nervensystems
210 Leuckart: Bericht üb, d. Leist. in d. Naturgeschichte
ist übrigens nicht der einzige Theil der Haut, der mit
Flimmerhaaren bedeckt ist. Auch der Rücken und die
Interbrachialräume zeigen, wie Greeff hervorhebt, die
gleiche Flimmerung. Dass auch die innere Wand der
Leibeshöhie einen feinen Wimperüberzug trägt, ist schon
seit lange bekannt. Weniger die Thatsache, dass die
davon bewegte Flüssigkeit geformte Elemente in sich
einschliesst, die sich als unzweifelhafte Blutkörperchen
ergeben (auch Farbstoffe aufnehmen und amöboid sich
bewegen). Der Inhalt der Leibeshöhle ist also kein
Wasser, sondern Blut, das wahrscheinlicher Weise auch
einen directen Zusammenhang mit dem Inhalte des sog.
Wassergefässsystemes und des Nervensystemes hat. Ueber
das von Tiedemann beschriebene Blutgefässsystem der
Seesterne hat V-erf. bisher nur negative Resultate erhal-
ten. Ueber den Bau der Echinodermen, Sitzungsber. der
Gesellseh. zur Beförderung der ges. Natur wissenseh. zu
Marburg 1871. Nr. 8. 9 Seiten.
A. Agassiz macht darauf aufmerksam, dass die
Seesterne zum grossen Theil das Vermögen besitzen,
grosse Wassermassen zu absorbiren und ihr speeifisches
Gewicht dadurch der Art zn erleichtern, dass sie frei im
Wasser umherschwimmen. Proceed. Bost. Soc. sc. hist.
T.XIII. p. 104—107.
Kowalevsky berichtet in der Versammlung der
russischen Naturforscher in Kiew (1871. laut Protocoll)
über die Vermehrung der Seesternc durch Theilung und
Knospung, über einen Vorgang also, den wir schon in
einem früheren Berichte (1866. S. 377) zur Sprache brach-
ten. Die Beobachtungen, die Verf. mittheilt, beziehen sich,
von einer kleinen Ophiolepis abgesehen, die nur beiläufig
erwähnt wird, auf Asteracanthion tenuispinus und Ophi-
diaster Ehrenbergii. Bei der letztern Art trennen sich die
Arme der Reihe nach einzeln ab, um dann am centralen
Ende anzuschwellen und durch Bildung neuer Arme zu
einem vollständigen Sterne zu werden, während die Ver-
mehrung der erstcren Art mehr unter der Form einer
Zweitheilung auftritt.
Lütken liefert in den Vidensk. Meddclclser na-
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 211
turh. Foren. Kjovenh. 1871. (p. 227— 364. Tab. IV u. V)
einen „weitern kritisirenden und beschreibenden Beitrag
zur Kenutniss der Ästenden" mit einer Fülle von neuen
Beobachtungen und interessanten Mittheilungen, die wir
natürlich nur in aller Kürze berücksichtigen können. Zu-
nächst macht uns Verf. mit einer neuen Luidia aus Ma-
zatlan, L. brevispina, und zwei neuen Arten Asteropecten
bekannt, A. euryanthus von den Nicobaren u. A. javanicus
aus Java. A. velitaris v. Mark, der nach einem ausge-
bildeten Exemplare beschrieben wird, ist in der That eine
neue von A. armatus verschiedene Art. Was die Un-
terschiede des Gen. Asteropecten und Archaster betrifft,
so bestehen diese nur in der Abwesenheit resp. Anwe-
senheit des Afters, denn die Verschiedenheiten der Fuss-
bildung sind keineswegs durchgreifend> so dass in man-
chen Arten bei beiden Geschlechtern ganz genau dieselbe
Fussform zur Beobachtung kommt. Auch das Gen. Cte-
nodiscus wird durch eine neue Art, Ct. australis, berei-
chert, die trotz aller Aehnlichkeit mit der bisher allein
bekannten aretischen Art aus dem tropischen Amerika
(Rio- Janeiro?) stammt. Der Beschreibung von Archaster
tenuispinus i)ub. folgt die von Asterina cabbalistica n.
aus der Südsee, und dieser die von Choriaster granulatus
von denPelew- und Fitschi-Inseln, einer Art, der wir nach
einer früheren Mittheilung unseres Verf.'s bereits im letz-
ten J. B. (S. 383) gedacht haben. Eine Revision der
bisher — zum Theil unter den Genusnamen Stellaster und
Dorigona Gray — beschriebenen Arten des Gen.Goniaster
lässt unsern Verf. deren fünf oder sechs unterscheiden:
G. equestris (— Stellaster Childreni Gr.), G. Incei Gr.
(= Stellaster graeilis Moeb.), ? G. tuberculosns v. Mark,
G. Belcheri Gr., G. Mülleri v. Mark (= G. Reevesii Gr.)
und vielleicht G. Souleyeti Duj. Hupe (longimanus Moeb.),
Arten, denen Verf. noch die bisher nur unvollständig be-
schriebene G. Dubenii Gr. aus Neu- Holland hinzufügt.
Auch das Gen. Oreaster wird durch neue Arten berei-
chert: 0. australis und 0. graeilis aus Neu-Holland, 0.
Hedemanni von der Insel Billiton und 0. Westermanni
von der Küste Beugalens. Die erste Art ist mit 0. val-
212 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d, Naturgeschichte
vulatus und auch O. affinis verwandt, die beide bei die-
ser Gelegenheit einer eingehenden Vergleichung unter-
zogen werden. Im Gegensatze zu v. Härtens, der
Ophidiaster, Linckia und Scytaster in ein einziges Genus
(Linckia) zusammenziehen will, wird nicht nur von
Neuem die Berechtigung der drei genannten, allerdings
nahe verwandten Geschlechter behauptet, sondern weiter
hervorgehoben, dass auch Leiaster Pet. (= Lepidaster
Verr. ?) und vielleicht Mithrodia (= Heresaster Michel.) der
betreffenden Gruppe zugehören. Die M. echinulata (— II.
papillosus Mich.) ist in der That von Müll er • Tro seh e 1
als ein Ophidiaster beschrieben worden. Dem Genus
Linckia wird gleichzeitig eine neue Art, L. nicoba-
rica , hinzugefügt, die der L. laevigata nahe steht,
so wie dem Gen. Ophidiaster drei Species: 0. asperu-
lus n. von den Fitschi - Inseln , 0. granifer n. und
0. cribrarius n. von Tonga. Die letztere hat dasselbe
Theilungs- resp. Reproductions -Vermögen, wie die Ar-
ten des Genus Linckia (bes. L. ornithopus), deren Arme
bekanntlich nach der Abtrennung wieder zu neuen In-
dividuen auswachsen. Ein junger Scytaster aus dem
Chinesischen Meere wird als Sc. aubtilis n. beschrieben.
In einem Eohinaster aus Neu-Holland glaubt Verf. den
Ech. gracilis M. Tr. zu erkennen. Die Besehreibung
desselben veranlasst ihn zu einer Revision der Nordame-
kanischen Echinasterarten, die er auf E. brasiliensisM. Tr.
(= E. multispina Gr.), E. sentus Say (= E. spinosus M.
Tr.) , E. spinulosus Verr. und Ech. crassispinus Verr.
(= E. spinosus Ltk.) zurückführt. E. serpentarius Val.
und E. tenuispinus Verr. darf man denselben aus Gründen
des geographischen Vorkommens kaum hinzurechnen.
Noch weniger den neuen Ech, cribella aus Val-Paraiso,
der übrigens mit E. serpentarius nahe verwandt ist. Der
Beschreibung eines neuen vielarmigen Seesterns Labi-
diast er (n. gen.) radiosus wird die Bemerkung voraus-
geschickt, dass die drei Arten des Gen. Aeanthaster Gerv.
(Echinites M. Tr., Echinaster Gr. non M. Tr.), A. echini-
tes Ell. aus Ostindien, A. Ellisii Gr. Westliches Amerika
und A. solaris Gr. aus der Mazatlan-Strasse einer neuen
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 213
Untersuchung und Feststellung bedürfen. Der neue Son-
nenstern hat trotz der Anwesenheit von nur zwei Reihen
Ambulacralfüsschen kreuzförmige und gerade Pedicel-
larien, wie sie nach Perrier nur bei den Formen mit
vier Reihen vorkommen sollen. Schliesslich giebt Verf.
noch die Beschreibung einer neuen Astcrias, A. amurensi»^
und einer zweiten Form aus der Gruppe Leptasterias, de-
ren Arten sehr schwer zu diagnosticiren sind. Im Uebri-
gen ist Verf. nicht im Stande, die Zersplitterung des
Gen. Asterias, wie sie neuerlich mehrfach versucht ist,
gut zu heissen. Nur das Gen. Pycnopodia Stimps. hält
er für berechtigt, während er den übrigen höchstens den
Werth von Untergeschlechtern zuerkennt.
Diagn. gen. n. Labidi o gast er Ltk. Brachia numerosa,
triginti vel plnria. gracilia, acuminata, serpentiformia fere, ad basin
fragilia, annulata, pedicellariis numerosissimis erueiformibus obsita;
corpus madreporiforme singulum; discus et pars intinia brachiorum
spinis sparsis pedicellariisque rectis supra armati; pedes ambulacrales
duplici serie dispositi. L. radiosus n. von Mazatlan.
Goniodiscus penicitlatus, Aster acanthion clavatum, A.
fulvum, A. speetabile, A. mite, A. varium, A. fulgem,
neue Seesterne aus Chile, Phi lippi, Archiv f. Naturgesch.
1870. I. S. 268-275. Ein weibliches Exemplar von Ast.
varium trug in seiner ziemlich weit klaffenden Bruttasche
etwa 50 pentagonale Junge von 1 Linie Durchmesser
und V2 Linie Dicke, die sämmtiieh durch einen dünnen
vom Centrum der Oberfläche entspringenden „Nabelstrang"
dem mütterlichen Körper verbunden waren.
Ueber Gymnasterias spinosa Gr., Acanthaster Elli-
sii (Gr.) Verr., Echinaster spinulosus n. sp. von der West-
küste von Florida, Pterater Danae n. sp. Rio-Janeiro (?),
Heliaster Kubiniji Xant. handelt V errill, Proceed. Bost.
Soc. Vol. XII. p. 381. Ebenso Transact. Connect. Acad.
Vol. I. p. 574 ff., wo als neu weiter noch beschrieben wird
Lepidaster (n. gen.) teres von La Paz mit folgender
Genusdiagnose:
Disk small, rays rounded, elongated; whole surface covered
with a thin sraooth skin. without granules and spines. The skele-
ton consists in the rays off several similar dorsal and lateral rows
of rather large more or less rhomboidal overlap*ping plates, so ar-
214 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
ticulated with those of the adjaceut rows as to leave a regulär row
of pores between all the rows of plates, except between the ventral
and interambulacral rows. On disk the plates are pentagonal. The
interambnlacral plates bear an inner row of small slender spines ;
several to each plate, bordering the ambulacrat groove, and out-
side, but adjaceut to these, a row of much larger oblong spines, not
more than one to a plate. Das neue Genus ist mit Tamaria und
Cistina Gray verwandt, deren Platten aber Stacheln tragen. Ophi-
diaster und Linckia sind gekörnelt und mit Platten versehen, die
eine ganz andere Anordnung zeigen.
Gray beschreibt ein mit Astropeeten verwandtes
neues Genus aus Mexiko, das durch die ungewöhnliche
Herzform seiner Arme auffällt und den Namen P latya-
sterias latiradiata erhalten hat (Proceed. zoolog. Soc.
1871. p. 136. PL IX.)
Platyast erias Gr. Body much depressed, divided into five
flat rays, which are broad near the base and gradually tapering to
the ends, suddenly narrowed near the body and separated by deep
fissures; the margins of the rays narrow, sharp-edged, with a single
series of very close short depressed mobile spines. The dorsal sur-
face covered with close transverse linear series of short papillae,
which are covered at the end with a number of very short spines
or papillae. The under surface with a central longitudinal keel on
each side parallel to the ambulacra, with close transverse series of
linear ridges, each covered with a series of short close spines; the
ambulacra edged with a series of elongate tapering acute spines and
with a tuft of similar spines at the angles of the mouth between
the ambulacra.
Der bei Helgoland in der Tiefe vorkommende Astro-
peeten ist nach den Beobachtungen Greeff's von dem
mittelmeerischen A. aurantiacus so verschieden, dass es
wohl gestattet sein dürfte, ihn unter dem Namen A. hel-
golandicus als besondere Art zu betrachten. A. a. O.
S. 9. Anm.
Hodge unterscheidet von Astcrias rubens ausser
der gewöhnlich vorkommenden typischen Form noch drei
Varietäten: A. hispida, A. attenuata und A. gigantea.
Transact. Northumberland and Durham Vol. IV. P. 1.
p. 137.
Gotiiaster Americqnua von Charleston und G. Afri-
caaus nn. sp. Verrill Amer. Journ. 1872. IL p. 130.
Goniaster ttispidus Lo loten und tteraater muttip&s
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 215
Dröbach, ob der Menge seiner grossen Ambulacraifiisse,
die bis zu 150 in jedem Arme beträgt, so benannt, nn. sp.
Sars 1. c. p. 27—29.
Unter den von Sars beschriebenen neuen nordischen
Echinodermen ist auch eine zweite Art des interessanten
Gen. Brisinga, Br. coronata mit 9 — 12 Fusslangen Ar-
men, die aus einer Tiefe von 200 — 300 Faden an der Küste
der Lofoten hervorgehoben wurde. Ibid.
Die ältere Art B. endecaemenos wurde von Seiten
der Englischen Tiefseeexpedition jetzt auch an der Por-
tugiesischen Küste aufgefunden. Proc. roy. Inst. 1871.
Nr. 54. p. 256.
Ophiurida.
Ljungman veröffentlicht (Kongl. Vetensk.-Akad.
Förhandl. 1861. Nr. 6. p. 615—658) ein Verzeichnis der
sowohl von Dr. Goes in Westindien, wie bei der Expedi-
tion der Corvette Josephina in dem Atlantischen Ocean
gesammelten Ophiuren. Es sind im Ganzen 57 Arten,
und unter ihnen befinden sich zahlreiche, die hier zum
ersten Male beschrieben sind. Die letztem sind aus der
Gruppe der Ophiodermatiden, denen Verf. auch Hemieu-
ryale Mert. zurechnet: O phiopaepale (n. gen.) Goe-
siana Anguilla , Ophiomusium valickem Virgin. Inseln,
O phi othyr eus (n. gen.) Goesi Anguilla, aus der Gruppe
der Ophiocomiden: Ophiacantlia Smitti, Ophiothanmus af-
finis, Ophiothrix maoulata, Josephina-ßank, O. rubra Azo-
ren, O. lusitanica Setubal, 0. pallida Anguilla, Ophiactis
Lymani Virgin. Ins., Amphiura Sarsi Josephina-Bank,
A. sp. Anguilia, A. Josephinae Josephina-Bank, A.Otteri
Portugies. Küste, Amphipholis (an Amphilepis?) sp. St.
Martin, A. lineata Azoren, A. Lütliheni Tortola, Opino-
cnida (?) oaribaea Anguilla; aus der Gruppe der Eurya-
liden: Laspalia (v. Astroschema) sulcata Anguilla.
Aus dem nachfolgenden Conspectus generum Ophio-
dermatidarum ergiebt sich die Stellung und Diagnose der
neu aufgestellten Geschlechter.
I. Ophiodermatinae. Scuta oralia trigona angulis rotuuda-
tis, plerumque latiora quam longiora (rarissime paullo longiora quam
216 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
iatiora). in spatia interradialia non producta. Discus scutis radia-
libus minutis longe seiunctis squamulisque minutissimis imbricatis
tectus. Squamulae disci et plerumque etiam scuta radialia granis vel
in Ophiochaetis setis brevibus vestita.
A. Papilla oris infradentalis plerumque singula (rarius binae).
Brachia longitudine mediocris, robusta, spinas numerosas ge-
rentia. Dentes laeves , plerumque acuminatae. Scuta oralia
nuda.
a. Brachia in incisuras dorsi disci inserta. Discus, scutis ra-
dialibus interdum nudis exceptis, utrinque granulis obtectus.
Squamae disci marginales per vestem granulosam haud con-
spicuae.
a. Rimae genitales quaternae. . . Ophioderma M. Tr.
ß. Rimae genitales binae. Scuta radialia granis tecta.
* Scuta oralia integra Ophiopeza Peters.
(= Ophiopsammus Ltk.)
** Scuta oralia sutura transversa in partem inferiorem
maiorem et partem exteriorem multo minorem partita.
Pectinura Forb. (n. Heller et Ltk.)
b. Brachia in ventrem disci inserta. Scuta radialia obtecta.
ct. Discus utrinque granis vestitus. Squamae disci margi-
nales per vestem grauulosam conspicuae. Scutella oralia
accessoria plerumque adsunt (Ophiopeza Ltk., n. Pet. et
• Lym., Ophiarachna Ljn. e. p. . . . Ophiopezella n.
ß. Discus utrinque »setis brevibus gracilibus confertis«
vestitus. Scuta oralia accessoria desunt.
Ophiochaeta Lütk.
B. Papulae orales infradentales verae desunt, sed tubercula terna
minuta in eorum loco plerumque adsunt. Brachia in ventrem
disci inserta, longitudine mediocria. spinas numerosas gerentia.
Dentes latae rotundatae fere ut in Ophiomyxis denticulatae. Pa-
pulae orales quaternae squamiformes. Scuta radialia simul cum
scutis oralibus integris et adoralibus grair's tecta.
Ophioconis Ltk. (= Pectinura Hell. Ljn.)
C. Papulae orales infradentales binae (ut in Amphiuris). Bra-
chia longissima, tenuia, valde flexibilia, spinas ternas graciles
gerentia. Dentes laeves. Discus simul cum scutis radialibus
et oralibus granis minutissimis vestitus. Scutella brachiorum
ventralia in partes binas, forma et magnitudine inaequales,
partita Ophiopaepale n.
II. Ophiolepidinae. Scuta oralia scutiformia vel pentagona,
plerumque longiora quam latiora, in spatia interradialia plusininusve
producta. Scuta radialia plerumque magna, nuda. Squamae diaci
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 217
magnae vel mediocres inter sese magnitudine et forma rarissime ae-
quales, plerumque nudae (in Ophiarachnellis et Ophioctenibus solum
granis plus minus vestitae).
A. Brachia longissima, valde flexibilia et convolubilia, ab utro-
que latere disci, a quo nullo distincto fine sunt seiuncta, ex-
euntia. Scutella brachiorum dorsalia in partes numerosas. e
quibus laterales binae ceteris insigniores incrassatae glabrae
scutella ventralia fere tangunt, partita; lateralia minuta, scabra.
utrinque seiuncta, spinas binas minutas gerentia. Pedes orales
exteriores binae in ore inclusae . . . Hemieuryale v. M.
B. Brachia longitudine mediocria, plus minus rigida, haud con-
volubilia. Scutella brachiorum dorsalia in partes numerosas
haud partita ; lateralia magnitudine mediocria vel magna, extus
et intus inter se tangentia.
a. Pedes orales binae exteriores (i. e. brachiales intimae) in ore
inclusae.
«. Incisurae dorsi disci basin brachiorum amplectentes haud
papilliferae. Scutellum brachiale dorsale intimum integrum,
haud papilliferum.
aa. Squamae disci granulis plus minus tectae. Scuta ra-
dialia magna, nuda. Scuta oralia sutura transversa in
partem interiorem maiorem et exteriorem multo mi-
norem partita. Ophiarachnella n. (Pectinura Ltk.,
Ophiarachna M. Tr. e. p.)
bb. Squamae disci nudae. Scuta oralia integra.
* Pori pedum ambulacralium et papillae ambulacrales
iuxta scutella ventralia totius brachii adsunt. Scu-
tella brachiorum dorsalia et ventralia magna vel me-
diocria; lateralia utrinque seiuncta. »Squamae disci
dorsales zonis squamularum marginatae.«
Ophiolepis (M. Tr.) Ltk.
** Pori pedum ambulacralium et papillae ambulacrales
tantum iuxta scutella ventralia bina ad intimum proxima
adsunt. Scutella brachiorum dorsalia et ventralia
(extra discum) minutissima; lateralia utrinque inter
sese late tangentia. Squamae disci zonis squamularum
haud cinctae Ophiomusium Lym.
ß. Incisurae dorsi disci basin brachiorum amplectentes pa-
pilliferae. Scutellum brachiale dorsale intimum magnum,
bipartitum, trigonum, intus papilliferum. Ophiothyreus n.
b. Pedes orales exteriores (i. e. brachiales intimae) binae extra
os ad latera scutelli ventralis intimi positae.
* Brachia in incisuras dorsi disci (plerumque magnas) pa-
pilliferas inserta Ophioglypha Lym.
218 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
** Brachia in ventrem disci inserta. Incisurae disci supra
insertionem brachiorum obsoletae, sed ordine papillarum
continuo instructae. Squaraae disci plus minus granis
obductae Ophiocten Ltk.
Was das Gen. Ophioceramis Lym. und Ophiarachna
Ltk. betrifft, so möchte Verf. dieselben der Gruppe der
Ophionereiden zugesellen und das Gen. Ophiopus Ljn.
neben Opliiactis stellen. Das Gen. Ophiochasma Gr. und
Opkiochondrus Lym. vermag derselbe einstweilen nir-
gends einzufügen.
Den Schluss der Abhandlung macht eine Synopsis
der zu Amphiura und Amphipholis gehörenden Species
aus dem Atlantischen Meere, unter denen gleichfalls
manche neu sind. So Amphiura Otteri, A. Josephinae,
A. Kinbergi, A. Sarsi, Amphipholis Tor eilt, A. lineata,
A. Kinbergi, A. patagonica, A. oppressa, A. Goesi, A.
Lütheni. Von den Amphiuren mit beschuppten Scheiben
und kräftigen Ambulacraipapillen (Ophiocnida Lym. e. p.
und Amphiura s. str.) möchte Verf. die Arten mit schup-
penlosen Scheiben und je zwei kleinen Ambulacraipa-
pillen als Repräsentanten eines besondern Subgenus ti c-
milepis n. abtrennen.
v. Härtens handelt (Archiv für Naturgesch. 1870.
S. 244—262) über „die Ophiuriden des Indischen Oceans"
und giebt dabei eine an Ljungman's Systematik sich an-
schliessende Zusammenstellung aller dem Verf. bekannt
gewordenen Arten und Fundorte aus dem Gebiete des
Indischen Oceans von Ostafrika bis zu den Polynesischen
Inseln mit zahlreichen, die Synonymie und Artenkennt-
niss betreffenden kritischen Bemerkungen. Unter den hier
aufgezählten G4 — mit Einschluss der für Indien dubiö-
sen Astrophytonarten 66 — Species sind als neu beschrie-
ben : Opliiactis maculosa, 0. incisa, Ophiomyxa brevispina,
Ophiocoma alternans, 0. ternispina, Ophiothrix carinata,
O. puncto limbata, 0. rotata, 0. cataphraeta, 0. triloba,
sämmtlich aus dem Indischen Archipelagus,
Die sechste Nummer des [llustrated catalogue of the
Museum of comparative zoology (Cambridge 1871. 17 S.
mit 2 Tafeln) enthält ein Supplement to the Ophiuridae
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 219
and Astrophytidae von Lyraan, in dem Verf. zunächst
die Abbildungen der von ihm schon früher beschriebenen
(J. B. 1869. S. 398) Tiefsee-Ophiuren, wenigstens der in-
teressantesten, veröffentlicht und sodann aueh die Be-
schreibungen von fünf neuen Arten aus dem seichten
Wasser hinzufügt. Die letzten werden als Ophiomaza
(n. gen.) cacaotica Zanzibar, Ophiothela tigris Stille See,
Ophiocnida Puinami Honkong, Ophioglypha sinensis und
Ophiomastix janualis Bolivia bezeichnet. Das neue Genus
trägt als Charakter :
Ophiomaza Lym. Teeth. Tooth-papillae numerous and arranged
in a close vertical oval, as in Ophiothrix. No mouth-papillae. Disk
below naked, bat covered above with large. swollen radial- shields
and plates. Armspines stoud, nearly smooth, as in Ophiocoma.
Lütken stellt übrigens in einer Besprechung des
vorliegenden Werkchens die Ansicht auf, dass das neue
Genus kaum von Ophiocnemis unterschieden werden
könne. Er vermuthet sogar, dass Ophiocnemis obscura
Lym. mit der neu beschriebenen Oph. cacaotica zusam-
men fallen dürfte. Ebenso hält derselbe die Unterschiede
zwischen Ophiomitra Lym. und Ophiothamnus einerseits
und Ophiacantha andererseits nicht für genügend zu einer
generischen Abtrennung (Anier. Journ. of Sc. and Arts
1872. Vol. III. March.)
Liungmann beschreibt zwei neue Arten: Ophia-
oaniha vivipara von der Mexican. Küste und Ophioglypha
Lymcmi ebendas. Kongl. Vetensk. Acad. Förhandl. 1870.
p. 471—474.
Von Sars erhielten wir ebenfalls Mittheilungen über
neue Ophiuriden: Ophiacantha spectabilis und 0. ano-
mala, Ophiopeltis borealis und Ophioglypka graeiiis, wel-
che letztere von Sars dem Vater ursprünglich für Ophiura
abyssicola Forb. gehalten wurde und mit dieser, wie mit
Ophiocten Kroyeri Lütk. auch wirklich eine grosse Aehn-
lichkeit hat. Dieselbe ist deshalb besonders interessant,
weil sie einen förmlichen Uebergang von Ophioglypha
zur Ophiocten darstellt. Sars, nordische Echinodermen
p. 1—22.
Ueber Amphipholis abdita n. aus New-Haven und
220 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Opbiophragmus Wurdemanni Lym. vgl. Verrill, Amer.
Journ. Arts and Sc 1872. IL p. 132.
Derselbe beschreibt weiter (Proceed. Bost. Soc.
Vol. XII. p. 381) Astrophyton panamense Verr., A. Stimp-
sonii n. sp. aus dem Ochochtskischen Meere, Ophiarachna
maculata n. sp. aus Neu-Seeland, Opbionereis porrecta
Lym. (= 0. crassispina Ljn.), Hemipbolis gracilis Verr.
(== H. gracilis Ljn.), Opkiothela Danae n. sp. von den
Fidscbi-Inseln.
Pelmatozoa.
Aus den Untersuchungen, die Metschnikoff
(Bullet. Acad. impe>. St. Petersbourg T. XV. p. 509) über
die ersten Entwickelungszustände von Comatula angestellt
hat, geht mit Bestimmtheit hervor, dass sich die Larven
dieses interessanten Geschöpfes von den übrigen Echino-
dermenlarven durch den Mangel der sog. Lateralscheiben
sehr auffallend unterscheiden, auch ihr Wassergefässsy-
stem auf eine ganz andere Weise entwickeln. Der Darm,
der während des Schwärmzustandes das einzig vorhan-
dene Eingeweide darstellt und bis auf das hintere atro-
phirende Ende auch unmittelbar in das entsprechende
Gebilde desEchinoderms übergeht, steht nach dem Fest-
setzen der Larve zunächst mit den ursprünglich gleich-
falls im Innern liegenden Ambulacraltentakeln in unmit-
telbarem Zusammenhang. Der Durchbruch der Tentakel
geschieht erst später, wenn der Darmkanal bereits wei-
ter difrerenzirt und mit einer Mund- und Afteröffnung
versehen ist. Die erstere dieser Oeffnungen liegt im
Centrum der oralen Fläche, während der nicht weit da-
von entfernte After auf einer Seite des Kelches ausmün-
det. Gleichzeitig geschieht die Bildung der die Einge-
weide umfassender Leibeshöhle, deren vorderer Abschnitt
sich alsbald abkapselt, um sodann (als sog. Ringkanal)
mit dem Innenraume der Tentakel in Verbindung zu
treten. Der Abschluss des Ringkanals ist übrigens kein
vollständiger, so das die untere weite Leibeshöhle damit
gleichfalls in Zusammenhang bleibt.
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 221
Grimm untersucht (ibid. T. XVI. p. 3 — 9, über den
feineren Bau der Crinoiden mit 1 Taf.) die Zusammen-
setzung und Histologie der oralen Platte von Comatula
und unterscheidet darin zwei leicht von einander trenn-
bare Schichten, von denen die innere vorzugsweise faserig
ist, gleich der äusseren aber selbst wiederum in mehrere
Lagen zerfällt. An der Grenze der beiden Hauptschich-
ten entdeckte nun Verf. in der oberflächlichen Lage der
untern ein System von mikroskopischen Kanälen, die in
grösseren oder geringeren Abständen von einander nach
den Tentakelrinnen zu verlaufen. Da diese Kanäle durch
das äussere Tafelwerk hindurch leicht mit Wasser ge-
füllt werden können, ist Verf. geneigt, sie dem respira-
torischen Apparate zuzurechnen.
Loven's Mittheilungen über die merkwürdige Hy-
ponome Sarsi (J. B. 1899. S. 402) sind auch in der Öfvers.
kongl. vetenk. Akad. Förhandl. Bd. 26. p. 729—731 ver-
öffentlicht.
Einer der interessantesten Funde der zur Erforschung
der Tiefseeverhältnisse auf dem Schiffe Procupina 1869
eingeschifften Gelehrten ist ein Fussgrosser neuer Penta-
crinus, P. Wywille - Tkomsoni Gwyn Jeff., der am der
Portugiesischen Küste zwischen Vigo und Lissabon aus der
bedeutenden Tiefe von 785 Faden hervorgezogen wurde,
in der er mit arctischen Formen von Mollusken frei auf
dem Meeresgrunde lebt. Rep. meet. Br. Assoc. Liverpool
1870. p. 119.
Nach einer in den Annais and Mag. nat. hist. Vol.
VIII. p. 394 von Gray veröffentlichten kurzen Notiz und
Zeichnung ist es dem Gouverneur von Barbadoes Rawson
gelungen, in unbedeutender Tiefe daselbst einen Crinoi-
den aufzufinden, der dem Holopus Rangii d'Orb. entwe-
der zugehört oder doch sehr nahe verwandt ist. Für
den letztern Fall schlägt Gray vor, die Art als H. liawsoni
zu bezeichnen.
Beyrich unterwirft in einer interessanten Abhand-
lung über den Kelch der armtragenden Crinoiden (Mo-
natsber. der Ber!. Akad. 1871. S. 33—55, übersetzt in den
Archiv f. Naturg. XXVIII. Jahrg. 2. F.d. P
222 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Annais and Mag. nat. hist. Vol. VIII. p. 393—411) die
Frage nach dem bilateralen Bau der Crinoiden einer Un-
tersuchung, in Folge deren er zu Resultaten kommt, die
von den Angaben L. von Buch's, der auf diese Ver-
hältnisse zuerst hingewiesen hat, mehrfach abweichen.
Während letzterer nämlich behauptete, dass die durch das
Ausfallen einer oder zweier (dann aber niemals beisam-
men liegender) Näthe am pentagonalen Apex der Crinoi-
den entstehende Medianlinie (die sog. Dorsalaxe) in ihrer
Verlängerung auf die excentrisch gelegene vordere Oeff-
nung hinführe , mit der Medianlinie der Vorderfläche
(der sog. Radialaxe) also zusammenfalle, zeigt Beyrich,
dass sich diese beiden Achsen beständig schneiden, bei
den einzelnen Gruppen und Arten aber in ihrer relativen
Lage mancherlei Abweichungen zeigen. Indem wir für
die Einzelnheiten auf die Abhandlung selbst verweisen,
fügen wir noch hinzu, dass der Verf. schliesslich auch
auf die Beziehungen zwischen den Echinoiden und Cri-
noiden zu sprechen kommt, und dabei den Apex der
erstem dem Kelche, die Ambulacralplatten und Interambu-
lacralplatten aber den Radialien und Interradialien gleich-
setzt. Bei den symmetrischen Echinoiden, die durch die
interradiale Lage des Afters und der Madreporenplatte
gleichfalls eine radiale und dorsale Axe unterscheiden
lassen, findet sich gleichfalls eine Kreuzung, wie bei den
Crinoiden, und genau in derselben Weise, wie bei Platy-
crinus und Taxicrinus. Die regulären Echinoiden verhal-
ten sich wie die Crinoiden ohne bestimmte Radialaxe, so
dass sich die Lage der Dorsalaxe oder der Madreporen-
platte nicht fixiren lässt.
Meek und Worthen veröffentlichen (Silliman's
Amer. Journ. Arts and Sc. 1869. Vol. 48. p. 23—40) no-
tes on some points in the struetnre and habits of the
paleozoic Crinoidea, die vornämlich die in der Achse der
Leibeshöhle bei den Actinocriniden hinziehende gewun-
dene Platte und die Körperöffnungen dieser interessan-
ten Fossilien betreffen. In ersterer sehen die Verf. einen
festen Träger des Darmkanales, während sie durch ge-
naue Untersuchung zahlreicher ausgezeichneter Exem-
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 223
plare in Bezug auf die Deutung der letztern zu einer
Ansicht kommen, die mit dem im letzten J. B. erwähnten
Verhalten von Hyponome vollständig übereinstimmt. Sie
überzeugten sieb, dass die Anibulacralfurchen der Kopf-
scheibe mitsammt dem Munde von Skeletstücken überbrückt
sind, welche die Furchen in förmliche Canäle verwandeln,
deren Eingänge (Genitalöffnungen vieler Autoren) an der
Basis der Arme deutlich nachweisbar sind. Die grosse
Interradialöffnung, die nieht selten rüsselartig hervorragt
und früher gewöhnlich als Mund (resp. Mund und After
zugleich) in Anspruch genommen ist, ergiebt sich hier-
nach als After.
Billings behandelt in seinen Notes on the struc-
ture of the Crinoidea, Cystidea and Blastoidea (Silliman's
Journ. 1869. Vol. 48. p. 69—83. Vol. 49. p. 58) nahezu
denselben Gegenstand, hält aber dabei an der Ansicht
fest, dass die Interradialöffnung als Mund und After zu
betrachten sei. Der unter der äussern Hülle versteckte
apicale kleine Mund wird als Ambulacralöffnung und
das davon ausgehende (schon 1858 von unserm Verf.
entdeckte) Röhrensystem als Ambulacralapparat in An-
spruch genommen. Ebenso glaubt Verf. die unter den
Pseudambulacralfeldern der Blastoiden hinziehenden Längs-
rohren, die gelegentlich wohl als Genitalröhren betrachtet
wurden, als Kiemen (hydrospires) deuten zu müssen.
In einer späteren Abhandlung desselben Titels (1.
c. Vol. 50. p. 225 — 240) sucht Bil lings diese seine An-
sichten gegen die Einwürfe verschiedener Forscher zu
vertheidigen und noch weiter zu begründen, ohne jedoch
wesentlich Neues beizubringen. Gleichzeitig macht Verf.
den Versuch , den Bau von Codonites und ähnlichen
Formen — wie das übrigens schon Huppe gethan hatte —
auf den Typus einer Bipinnaria asterigera zurückzufüh-
ren, dieselben gewissermassen als gepanzerte Bipinnarien
mit Stern und Geschlechtsorgan zu deuten, Ebenso
parallelisirt Verf. die Blastoiden dem ersten Entwicke-
lungszustande einer Comatula, in dem die radialen Skelet-
stücke noch nicht zur Anlage gekommen sind.
Aus dem Amer. Journ. sind die Arbeiten von Bil-
224 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
1 i n g s auch in die Annais and Mag. nat. hist. Vol. V.
p. 251, 409, Vol. VII. p. 142 übergegangen.
Wywille Thomson stellt sich (on the structure
of the palaeozoic Crinoids, Proceed. roy. Soc. Edinb.
Vol. VII. p. 415—418) in Betreff der Mund- und After-
bildung bei den Cystideen entschieden auf die Seite von
Lütken, Meek und Worthen und erklärt in Ueber-
einstimmung mit Letzteren die bei manchen Arten in der
Tiefe des Kelches vorkommende gewundene Kalkplatte als
eine Verkalkung der perivisceralen Umhüllungsmasse, die
auch bei Comatula und Pentacrinus stark entwickelt und
mit kleinen Kalkkörperchen durchsetzt ist. Die hier in
der Achse hinziehende sog. Columella, die den Darmkanal
trägt, ist nach unserm Verf. gleichfalls nur ein Theil
dieser Umhüllungsmasse.
111. C o e 1 e n t e r a t a.
Wie Ref., so theilt auch Harting die Abtheilung
der Coelenterata in die drei Classen der Ctenophora,
Hydrozoa (Hydrasmedusae) und Anthozoa. Leerbock der
Dierkunde. III. p. 1295.
Zur Darstellung der Homologien bei den Coelente-
raten vergleicht All in an (on the homological relations
on the coelenterata, Transact. roy. Soc. T. XXVI. p. 459
—466 mit Holzschnitten, Proc. roy. Soc. Edinb. Vol. VII.
p. 512) den Körperbau einer Actinia, Hydra , Medusa,
Lucernaria, ßeroe und Siphonophore. Die Tentakel der
Hydra werden dabei u. a. mit den Radiärkanälen der
Akalephen und Polypen parallelisirt, der Schirm der Me-
dusen und ebenso auch natürlich der kuglige Gallertleib
der Ctenophoren, so wie der den Magensack umfassende
Vorderkörper der Anthozoen in Uebereinstimmung mit
dieser Auffassung den unter sich verwachsenen Tentakeln
gleichgestellt. Dass es viel einfacher ist, den cylindri-
schen Leib der Hydra durch Verkürzung seiner Achse
in die Kugel- und Scheibenform überzuführen und den
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 225
coelenterisclicn Hohlraum dabei (ähnlich dem Innenraum
der Insektenflügel und anderer fläch enhafter Organe)
durch Verästelung entsprechend sich verändern zu lassen,
scheint dem Verf. entgangen zu sein, obwohl Ref. schon
bei der ersten Begründung des Coelenteratentypus die Ver-
schiedenheiten der dabei in Betracht kommenden Thier-
formen auf diese Momente zurückzuführen versucht hat.
Die Arbeiten des Ref. scheinen dem Verf. überhaupt mehr
ans zweiter Hand bekannt zu sein, da er sonst wohl
schwerlich behauptet haben würde, dass derselbe die Cte-
nophoren (mit Huxley) zu den Polypen stelle.
Me tschnik of f's Mittheilungen „über die Ent-
wickelung einiger Coelenteraten" (Bullet. Acad. imper.
St. Petersbourg. T. XV. p. 95—100) betreffen die Gruppe
der Siphonophoren und Hydromedusen. Sie werden wei-
ter unten von uns berücksichtigt werden.
Derselbe Verf. veröffentlicht in den Verhandlun-
gen der kais. Gesellsch. der Freunde der Natur in Moskau
T. VIII. p. 295-370. Tab. I— IV. (russisch) „Beiträge zur
Kenntniss der Siphonophoren und Medusen", auf die wir
später gleichfalls noch weiter zurückkommen werden.
Das Material für die darin niedergelegten Beobachtungen
ist bei La Spezzia, Triest, St. Remo und Villa franca zu-
sammengebracht.
Nach Metzger leben an der Ostfriesischen Küste
3 Ctenophoren, 8 Medusen, 20 Hydroiden, 5 Anthozoen,
3 Spongien. (Die wirbellosen Meeresthiere der Ostfriesi-
schen Küste. Erster und zweiter Beitrag.)
.Spagnolini's Catalogo degli Acalephi del Golfo
di Napoli (Milano 1870 u. 1871, 46 u. resp. 83 Seiten)
enthält eine Zusammenstellung und Beschreibung der vom
Verf. und Andern an der Italienischen Westküste beob-
achteten Siphonophoren und Scheibenquallen ohne we-
sentlich neue Thatsachen.
E. Schulze empfiehlt Ueberosmiumsäure zur Con-
servation von Medusen und andern Coelenteraten, Tagebl.
der Rostocker Naturforscherversammlung 1871. S. 53.
226 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
1. Ctenophora.
Die Classc der Ctenophoren zerfällt in der Har-
ting'schen Zoologie (1. c. p. 1305) in die Ordnungen Eu-
rystomata und Stenostomata. Die letztere mit den Lo-
bata, Taeniata und Saceata als Unterordnungen.
Nach Eimer (vorläufige Mittheilungen über die
Nerven von Beroe, Archiv für mikroskopische Anatomie
1871. S. 647—651) besteht das Nervensystem von Beroe
— abweichend von den bisherigen Angaben — aus zwei
Centralkörpern, die am untern Ende des Trichters liegen
und durch eine ringförmige Anastomose („zu einer Art
Schrundring") verbunden sind. Von ihnen aus verbreitet
sich eine ungeheure Anzahl von nur mikroskopisch nach-
weisbaren Nerven über alle Theile des Körpers, nach
vorn gegen den Mund hin, zu den Schwingplättchen,
an Muskel und Haut. Die Nerven verästeln sich, treten
an der Peripherie mit grössern und kleinern Ganglien-
kugeln in Verbindung und bilden nicht selten mehr oder
minder complicirte Netze, aus denen die feinsten Fibril-
len dann bis in die Epithelzellen hinein sich verfolgen
lassen.
2. Hy drasHiedusae.
Harting zerfällt die Classe der Hydrasmedusen oder,
wie er mit Huxley sie nennt, Hydrozoen in drei Ord-
nungen: Eumedusae (Monostomidae, Polystomidae), Tra-
chymedusae (Tr. sessiles s. Lacernaridae, Tr. liberae mit
den Charybdeidae, Aegini-Geryoniden, Trachynemiden),
Hydromedusen (Hydroidea, Siphonophora). Leerbock der
Dierkunde. III. p.*1310.
Panceri handelt über das Leuchten der Medusen
(interno nelle sede del movimento luminoso nelle meduse,
Rencond. R. Accad. Sc. fis. c mat. 1871. Agost 6 Seiten)
und liefert — an Pelagia noctiluca und Cunina moneta —
den Nachweis, dass diese Erscheinung auch hier an Epi-
thelzellen oder richtiger vielmehr an den fettartigen In-
halt gewisser Epithelzellen gebunden ist. In den Ein-
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 227
zelnheiten zeigt dieser Vorgang übrigens mancherlei Ver-
schiedenheit. Bald sind es die Randkörperchen, von
denen das Licht ausstrahlt (Thaumantias, Mesonema u. a.),
bald die Radiärkanäle (Dianaea appendiculata) oder die
Ovarien (Oceania pileata), bald endlich ist es ein mehr
oder minder grosser Theil der Körperfläche (Pelagia,
Cunina), der als Sitz der Phosphoreszenz sich zu er-
kennen giebt. Es giebt auch Medusen, bei denen das
Licht gleichzeitig von der Aussenfläche und dem Epithel
der Radiärkanäle oder Genitalien ausgeht, so wie andere,
die, wie Rhizostoma Cuvieri, Geryonia proboscidalis und
G. exigua, Lizzia Köllikeri auf keine Weise zum Leuchten
gebracht werden können.
Acalephae.
Schneider fand durch freundliche Vermittlung
von Dr. H. Meyer in Kiel Gelegenheit, die Scyphisto-
maform von Medusa aurita längere Zeit in Berlin lebend
zu beobachten und den Strobilationsprocess derselben zu
studiren. Eigentliche Strobilaformen kamen freilich nicht
zur Untersuchung, da die Medusen — wohl aus Mangel
von Nahrung — immer nur einzeln hervorknospeten,
allein gerade diese Einfachheit und Langsamkeit der
Knospung gestattete unserm Verf. einen besseren Ein-
blick in die Einzelnheiten des Vorgangs. Die beiden
Zellenlagen, welche den Leib der Larve zusammensetzen,
sind durch einen ziemlich geräumigen Spaltraum von ein-
ander getrennt, so dass das Entoderm einen frei herab-
hängenden Magen bildet, der in vier gleichweit von ein-
ander abstehenden Radien durch einen fibrillären Strang,
dessen Enden in Fuss- und Kopfscheibe an das Ectoderm
befestigt sind, tief eingeschnürt ist, auf dem Querschnitte
also eine vierlappige Gestalt hat. Die Falten, welche
die Magentaschen trennen, tragen hinter der Kopfscheibe
je einen ausschliesslich aus Entodermazellen gebildeten
fadenförmigen Anhang. Die Tentakel sind mit einer
Zellenreihe gefüllt und mindestens in 16-facher Anzahl
vorhanden, stets aber so gestellt, dass vier derselben den
228 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. iu d. Naturgeschichte
oben erwähnten Radien angehören. Sobald nun die Kno-
spung der Meduse beginnt, bildet sich nach Innen von
diesen Haupttentakeln eine weite Communication zwischen
den anliegenden Magentaschen. Gleichzeitig entstehen
am äusseren Rande der Mundscheibe 16 kurze und stumpfe
Aussackungen aus dem Magenrohre, die anfangs sämmt-
lich die gleiche Bildung besitzen, bald aber alternirend
an Grösse beträchtlich zunehmen und das Ectoderm dann
vor sich herdrängen. Die Mundscheibe der Larve nimmt
dadurch die Form eines achtlappigen Sternes an, neben
dessen Rand die Tentakel jetzt der x\rt vertheilt sind,
dass die Einschnitte zwischen den Lappen deren immer
nur einen, die Lappen selbst aber häufig deren mehrere
tragen. Dieser Stern nun schnürt sich als Meduse ab,
indem hinter demselben durch Faltung eine neue Mund-
scheibe mit Tentakelbesatz sich ausbildet. Ein Loch an
der Rückenfläche fder Meduse zeigt die letzten Spuren
des früheren Zusammenhanges. Die Stränge, die zum
Theil natürlich in den Medusenkörper übergingen, sehwin-
den nach der Abtrennung, wie denn auch die Pojypenten-
takel und die ursprünglich vorhandenen vier Magenta-
schen mit ihrem Ringgefässe verloren gehen.
AI. ßrandt's Abhandlung „über Rhizostoma Cu-
vieri, ein Beitrag zur Morphologie der vielmundigen Me-
dusen" (1870. 29 S. in Quart mit 1 Taf. Abbild., Mem.
Acad. imper. St Petersbourg T. XVL Nr. 6) betrifft vor-
nämlich die Anordnung und den Bau des coelenterischen
Apparates. Die an Injeetionspräparaten (vergl. J. B.
1856. S. 235) so leicht zu constatirende Polystomie wird
genau beschrieben und durch den Nachweis verschieden
gebildeter Mundrudimente bei jugendlichen Exemplaren
als das Product einer erst nachträglichen Umwandlung
hingestellt, wie das früher schon von Fr. Müller und
Agassiz geschehen ist. Auf diese Weise ergiebt sich eine
so vollständige Uebereinstimmung mit dem typischen Bau
der übrigen Schcibenquallen, dass die abenteuerliche An-
sicht von der Polyzootie der Rhizostomen keiner spe-
cialen Widerlegung bedarf. Neu ist der Nachweis, dass
die einzelnen Körpertheile durch Gestalt und Anordnung
der niederen Thieie während der J. 1870 u. 1871. 229
mancherlei Anklänge an den bilateral symmetrischen Bau-
plan zeigen.
An die vorstehende Arbeit schliesst sich eine spätere
Untersuchung desselben Verf.'s „über fossile Medusen"
(1871. 28 8. mit 2 Tafeln, ebendas. Nr. 11), den Rhizosto-
mites admirandus und lithographieus, die Verf. wohl mit
Recht für identisch hält, und den Leptobrachites trigono-
brachius. Die Angaben, die Verf. über diese Petrefacten
macht, weichen nach Inhalt und Deutung mehrfach von der
Darstellung ab, weiche Hacke 1 über dieselben Objecte
(J. B. 1867^ S.405, 1868. ö. 417) veröffentlicht hat. Am
auffallendsten sind diese Verschiedenheiten in Bezug auf
Leptobrachites, den Häckel bekanntlich als eine mit Le-
ptobrachia verwandte Rhizostomide in Anspruch nimmt
und mit acht schlanken und langen Armen ausstattet,
während Brandt darin eine Form erkennt, die durch
ihren Gesammtbau und die Bildung der (rinnenförmigen)
Arme zumeist mit Pelagia übereinstimmt, wesshalb Verf.
auch dafür den Namen Pelagiopsis (P. Leuckarti) in Vor-
schlag bringt. Ref., der die fraglichen Petrefacte län-
gere Zeit unter Händen hatte, muss dem Verf. fast in
allen Punkten — gegen Häckel — Recht geben. Nur
darin kann er demselben nicht beistimmen, dass Pela-
giopsis, wenn auch nur mit einiger Reservation, als eine
fünfstrahlige Meduse gedeutet wird. Was Verf. als fünften
(Häckel als siebenten) Arm in Anspruch nimmt, kann
er nur für die Ausfüllungsmasse eines Risses halten, der
den Schirm in nahezu radiärer Richtung gespalten hat.
Er beruft sich für seine Auffassung auf das Reliefbild,
welches die von Brandt seiner Abhandlung beigege-
bene photolithographirte Abbildung nach der Verkleine-
rung (auf etwa y3) im Stereoscop giebt und so sprechend
ist, dass über die wahre Natur unserer Meduse kaum
noch ein Zweifel übrig bleiben kann. Ref. hat solche
stereoscopische Abbildungen in grösserer Anzahl anfer-
tigen lassen und an befreundete Fachgenossen vertheilt,
dieselben auch auf der Leipziger Naturforscherversamm-
lung vorgezeigt, und allseitig die Versicherung erhalten,
dass schon die oberflächliche Betrachtung eines derarti-
230 L e u c k a r t : Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
gen Bildes den Irrthum der Häckel'schen Auffassung
erkennen lässt. Das Verfahren, das er dabei in Anwen-
dung brachte, dürfte auch sonst bei der Deutung und
Untersuchung flacher Reliefbilder vielfach mit Nutzen
versucht werden.
In einem Nachtrage (Bullet. Acad. imper. St, Pe-
tersbourg T. VIII. p. 168 — 180 mit Holzchnitt, nachträg-
liche Bemerkungen über fossile Medusen) handelt Brandt
über die zuerst von Fr. S. Leuckart erwähnte Acalepha
deperdita, die Häckel auf gewisse Charaktere hin der
Familie der Trachynemiden zurechnet und als Trachyne-
mites deperditus bezeichnet wissen will. Auch hier ist
unser Verf. durch seine Untersuchungen zu sehr abwei-
chenden Resultaten gekommen, zu der Ansicht nämlich,
dass die Verwandten dieser Meduse zunächst unter den
Aginetiden zu suchen seien. Was Häckel für Ra-
diärkanäle hielt, sind nach unserin Verf. nur die Zwi-
schenräume zwischen den acht breiten und sackförmigen
Magentaschen, die mit dem Centralraume des coelenteri-
schen Apparates eine sehr zierliche achtlappige Rosette
bilden, insofern aber von dem Verhalten der jetzt leben-
den Aginetiden abweichen, als sie nicht bloss verhältniss-
mässig kurz sind, sondern auch abwechselnd breiter und
schmaler erscheinen. (Auf diesen Umstand bezieht sich
die schon im letzten Berichte, S. 418, vom Ref. gegen die
Häckel'sche Auffassung geltend gemachte Thatsache,
dass die sog. Radiärkanäle abwechselnd näher und ferner
von einander hinliefen.) Die Abwesenheit von Mundstiel
und Armen schliesst gleichfalls eine Zusammenstellung
mit den Trachynemiden aus.
Hincks macht in Bezug auf die im letzten J. B.
von uns angezogene Beobachtung von M'Andrew, nach
der Aequorea nicht selten mit nach oben gekehrten Ar-
men auf dem Grunde gesehen werde, darauf aufmerk-
sam , dass Mertens von Polycladia schon früher die
gleiche Angabe gemacht habe. Gleichzeitig erinnert er
an eine Beobachtung von Agassiz über das Verhalten
von Polyclonia frondosa Annais and Mag. nat. bist. 1870.
Vol. V. p. 145.
der niederen Thlere während der J. 1870 u. 1871. 231
llytlroidea.
Die Beiträge zur Kenutniss der Siphonophoren und
Medusen von Meeznik off (1. c. p. 344— 366. Tab. III— VI)
enthalten Bemerkungen über eine Anzahl kleiner, meist
aueb neuer Medusen aus den Familien der Sarsiaden, Eu-
copiden, Geryonopsiden , Aequoriden, Aglauriden und
Aeginiden. Sie betreffen vornämlich den Bau dieser
Thiere, können hier aber nur so weit angezogen wer-
den, als sie mir durch Vermittlung befreundeter Hand
bekannt geworden sind. Dipurena fertüis n. sp. zeigte
zahlreiche Knospen an dem rüsselartig ausgewachsenen
Magen, ein Mal auch statt einer solchen einen Randfaden
mit Nesselkapseln. Bei einer dem Phialidium ferrugineum
Haeckel ähnlichen Eucope (E. polygastrioa n.) beobachtete
Verf. nicht selten neben dem centralen Magensacke uoch
ein oder zwei andere überzählige Mägen, ohne dass sonst
weitere Spuren einer Theilung constatirt werden konnten.
Eine neue Obelia, die bis auf die geringe Zahl der Ten-
takel (2 — 4) der Ob. polystila Gegenb. glich, war ohne
Velum — ein neuer Beweis, dass die Eintheilung der
Medusen in Craspedota und Acraspeda wenig naturge-
mäss ist. Aus der Farn, der Geryonopsiden kam Tima
(Geryonia) pellucida Will zur Beobachtung. Verf. be-
merkt, dass je an der Basis der ihrer Zahl nach beträchtlich
variirenden (73— 60 — 54—48) Tentakel ein nach Aussen
offner Zapfen stehe, der zur Entleerung von Excretions-
stoffen diene. Ebenso bei Zygodactyla rosea n., die von
Z. groenlandica vornämlich durch die geringere Zahl der
Tentakel verschieden ist. Das Gen. Aglaura glaubt Verf.
zum Repräsentanten einer eigenen Familie erheben zu müs-
sen, der dann auch Rhopalonema und Trachynema zuge-
rechnet werden dürften. Tr. ciliatum Ggb. soll nach Verf.
sogar nur der Jugendzustand von Aglaura hemistoma Per.
darstellen. Als weitere neue Arten erwähnen wir schliess-
lich noch Siphon orltynchus hitentaGu latus und Cunina pro-
boseidea.
Nach den Untersuchungen desselben Verf.'s (Bullet.
Acad. imper. St. Petersbourg T. XV. p. 98--100) kann.
232 Leuckart: Bericht üb. d. Leist in d Naturgeschichte
übrigens nicht zweifelhaft sein, dass die Eier von Carma-
rina hastata, so wie die von Cunina (Aegineta) fiavescens
und Aeginopsis mediterranea direct wieder zu der Mut-
terform hinführen. Die beiden letztgenannten Arten ent-
wickeln sich anfangs in ganz übereinstimmender Weise
dadurch, dass der zweischichtige flimmernde Embryo sich
verlängert und zu einem spindelförmigen Körper wird, des-
sen Endtheile in zwei lange Arme auswachsen, während
das Mittelstück durch Bildung einer nach Aussen durch-
brechenden Höhlung sich in den Rumpf verwandelt. Bei
Cunina geschieht die Aushöhlung desGastrovascularappara-
tes übrigens erst nach der Verdoppelung der primitiven Ten-
takelzahl. Zwischen den Tentakeln sprossen, die gestielten
Randbläschen, die dann später mit den Tentakeln selbst
immer mehr an Menge zunehmen. Die Ausscheidung der
Gallertsubstanz geschieht verhältnissmässig erst spät, im
Gegensatze besonders zu Carmarina, wo dieselbe bereits
an dem kugligen Larvenkörper, alsbald nach Auftreten
der Schichtung, vor sich geht, so dass der Embryo hier
die Form eines runden Bläschens besitzt, in dessen In-
nerui excentriseh ein viel kleineres zweites Bläschen ge-
legen ist. Bei Cunina rhododaetyla beobachtete Verf. die
auch bei andern verwandten Arten vorkommende Knos-
penbildung im Magen. Die jüngsten Knospensprösslinge
hatten nur einen einzigen Tentakel, waren aber schon
frei. Die Zahl der Tentakel steigt durch Zufügung je
eines neuen Tentakels bis auf 12 — 14, worauf dann die
Bildung der Randbläschen beginnt, die übrigens , wie
auch Tentakel und Rumpfform der Öprösslinge, mit den
entsprechenden Gebilden des Mutterthieres vollkommen
übereinstimmen, so dass von einem Dimorphismus der
beiden Generationen keine Rede sein kann. Bei Larven
mit 7 und 8 Tentakeln beobachtete Verf. eine neue Knos-
pung, aber nicht im Magen, sondern auf dem Rücken,
die bis zur Bildung der Randbläschen andauert und Spröss-
linge liefert, die sich nur durch den spätem Termin ih-
rer Ablösung unterscheiden. Die Zahl dieser dorsalen
Knospen ist übrigens nur gering (bis drei).
Andererseits gelingt es unserem Verf. (Bullet. Acad.
der niederer) Thiere während der J. 1870 u. 1871. 233
imper. St. Petersbourg T. XY. p. 98) die Embryonen von
Oceania und Tiara durch den Planula zustand hindurch
bis zur Ausbildung der Hydroiden zu verfolgen. Das
Hydrarium von Oceania besteht zunächst aus topfförmi-
gen auf verästelten Wurzeln sitzenden Polypen, welche
anfangs zwei, dann vier Arme haben. Bei weiterer Ent-
wicklung verlängert sich der Polypenkörper sehr be-
trächtlich ; es bilden sich an ihm zwölf in drei Flächen
gruppirte Tentakel , zu denen sich zuletzt noch ein
Paar neuer Tentakelstummel gesellt. Der sehr kleine
Hydroidpolyp von Tiara besitzt nur drei lange geringelte
Tentakel und erscheint vollkommen durchsichtig.
All man publicirt in den Transact. roy. Soc. Edin-
burgh Vol. XXVI. p. 97 — 106 eine Abhandlung über die
Generationsfolge der Hydroiden (The genetic succession
of Zooicls in the Hydroida), in der er, anknüpfend an die
schon früher (J. B. 1863. S. 123) ausgesprochenen An-
sichten über die Morphologie dieser Thiere, die bei densel-
ben vorkommenden verschiedenen Formen der nutritiven
und geschlechtlichen Arbeitstheilung durch eine Reihe
von Formeln übersichtlich zu machen sucht. Die Neu-
bildung der Knospen geht, wie Verf. weiter hervorhebt,
bei den Ernährungsthieren immer am freien Ende der
gemeinschaftlichen Achse, bei den Geschlechtsthieren
dagegen meistens am basalen Pole vor sich.
Dass übrigens unsere Erfahrungen über die Le-
bens- und Entwicklungsgeschichte der Hydroiden trotz
aller überraschenden Entdeckungen noch immer nicht
zu einem vollständigen Abschluss gekommen sind, be-
weisen die Beobachtungen von All man, „on a mode
of reproduetion by spontaneous fission in the hydroida"
(Quarterly Journ. micr. sc. 1871. p. 18 — 21. Tab. II), denen
zufolge eine Campanularide , Schizoc ladium ramo-
sum n. gen. et n. sp., von der Westküste Schottlands,
den Inhalt besonderer polypenloser Zweige in Form einer
cilienlosen Planula ausstösst und in neue Stämmchen sich
umwandein lässt. Die Umwandlung geschieht freilich
nicht direct, sondern durch eine Knospe, welche sich an
den Theilstücken entwickelt , nachdem diese sich mit
234 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Hülfe einer röhrenförmigen Ausscheidung an fremden
Gegenständen befestigt haben. Verf. verinuthet, dass ähn-
liche Erscheinungen auch bei andern Hydroiden wieder-
kehren und glaubt solche früher schon von Corymorpha
nutans beobachtet zu haben.
Das neue Genus, das übrigens ohne Geschlechtsthiere zur
Untersuchung kam, wird folgendermassen beschrieben: Hydrocaulus
rooted, branching, carrying besides the hydranth-bearing ramuli
others (fissiparous appendages) which spring froni various parts of
the hydrocaulus, are of a cylindrical form, simple and never give
support either to a hydranth or to a generative bud. Hydrothecae
with inoperculate orifice.
Die Ray Society, die sich durch die Herausgabe der
ausgezeichneten Monographien von Forbes über die
nacktäugigen Medusen und von Huxley über die Si-
phonophoren schon früher um unsere Kenntnisse von der
Naturgeschichte der Coelenteraten ein besonderes Ver-
dienst erworben hat, veröffentlicht jetzt auch ein umfang-
reiches Werk über Tubularien, das sich in würdigster
Weise den oben erwähnten Publikationen anschliesst und
den Bau dieser Thiere, ihre wunderbare Entwicklungs-
geschichte und Polymorphie, ihre Verbreitung und Sy-
stematik auf das Eingehendste schildert. Es ist von AI 1-
man verfasst, dessen Abhandlungen und Forschungen
wir seit anderthalb Deeennien fast jährlich in unserm Be-
richte rühmend hervorzuheben hatten, und trägt den
Titel: a monograph of the gymnoblastic or tubularian
Hydroids. Der Anlage nach zerfällt dasselbe in zwei
Theile, von dem der erste, der uns fast vollständig vor-
liegt (London 1871. 154 S. in gross Folio mit zahlreichen
in den Text gedruckten Holzschnitten und XIII Kupfer-
tafeln) die allgemeine Naturgeschichte der Hydroiden
behandelt, während der zweite die systematische und
morphologische Beschreibung der dahin gehörenden Ar-
ten enthält und den Bau derselben durch zahlreiche Ab-
bildungen (denen auch die 13 Tafeln der ersten Lieferung
zugehören) zur Anschauung bringt. Die Ansichten, die
der Verf. über die Morphologie der Hydroiden vertritt,
sind uns aus den früheren Arbeiten desselben zur Genüge
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 235
bekannt. Wir wissen, class es nahezu jene sind, die auch
bei uns in Deutschland (hauptsächlich wohl durch die
Darstellungen von Ref. und Gege nb aur) allmählich eine
ziemlich allgemeine Geltung gefunden haben. Ob man
die Colonien dieser Thiere aus Individuen oder Zoiden
aufbaut, ob man in den Verschiedenheiten derselben den
Ausdruck eines Polymorphismus oder Polymerismus sieht,
ob man einer einfachem oder einer mehr gegliederten und
speeificirenden Terminologie sich bedient — das Alles
bedingt einen mehr scheinbaren, als wirklickea Unter-
schied. In gewissen Punkten gehen die Auffassungen
allerdings mehr oder minder weit auseinander, allein das
begreift sich, wenn man berücksichtigt, dass die Ansich-
ten sowohl der englischen, wie auch der deutschen For-
scher, wenngleich beide unter dem Einflüsse der Steen-
strup'schen Lehre vom Generationswechsel, im Wesent-
lichen unabhängig von einander sich entwickelt haben.
In der geschichtlichen Darstellung, die der Verf. voraus-
schickt, hätten die hier hervorgehobenen Beziehungen
vielleicht etwas schärfer betont werden können, zumal ja
von anderer Seite bekanntlich die morphologischen Ver-
hältnisse der Hydroiden in einer sehr abweichenden Weise
aufgefasst werden. Da wir übrigens, wie gesagt, schon
öfters Gelegenheit hatten, den Standpunkt , den unser
Verf. einnimmt, zu kennzeichnen , dürfen wir uns mit
einem Hinweis auf diese früheren Bemerkungen hier ge-
nügen lassen. Natürlich nimmt die Darstellung und Er-
örterung der morphologischen Verhältnisse den bei Wei-
tem grossesten Theil des vorliegenden ersten Abschnittes
in Anspruch. Namentlich sind es die Fortpflanzungskör-
per, die auf das Eingehendste (p. 29—64) behandelt wer-
den, mit einer Vollständigkeit, wie das früher noch nir-
gends geschehen ist. Gelegentlich erfahren wir in dieser
Beziehung auch mancherlei neue Einzelnheiten, wie z. B.
über die Fortpflanzungskörper der Sertulariaden mit ihrem
sonderbaren Brutsacke, der, falls er von besondern Ar-
men umgeben ist, nach unserm Verf. aus der Metamor-
phose eines Tentakelapparates resultirt; allein wir müssen
für dieses und Anderes auf das Werk selbst verweisen.
236 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Einzelne Thasachen von grösserem Interesse , wie die
Existenz besonderer Flimmerknospen bei Schizocladium,
sind inzwischen auch anderweitig vom Verf. veröffentlicht
und darauf hin schon oben .von uns angezogen. Das Ca-
pitel über die Entwicklung (p. 66 — 101) enthält neben
einigem Neuen ein paar Sätze, die in prägnanter Form die
Lebensgeschichte unserer Thiere zeichnen, so dass wir sie
hier wörtlich anziehen: „the fixed plant-like Hydroida give
origin to sexual buds, not only in the form of closed sacs
(the sporosac), which develop within them the generative
Clements, but also in that of a more specialised form of
but, which becomes a free (rarely fixed) Medusa, and this
ultimately attains either directly (the goncheme) or in-
directiy (the blastochemc) to sexual maturity, and produ-
ces ova or spermatozoa." „The ova of the medusiform
bud undergo, like those of the sporosac, a continuous
development, by which they become transformed into hy-
driform trophosomes, whiie these trophosomes ultimately
give origin, by buds, to medusae identical with those,
from whose ova the trophosome was direetly developed".
Den Angaben über die Histologie (p. 110—127) und Phy-
siologie (p. 128 ff.) entnehmen wir die Bemerkung, dass
Verf. die Existenz eines specifischen Nervensystems selbst
bei den Medusen in Zweifel zieht. Was Häckel u. A.
darauf bezogen, sei Nichts als eine strangförmige Ver-
dickung des Ectoderms, eine Behauptung, die man nach
den jetzigen Erfahrungen über die Bildung des Nerven-
Systems aus dem Ectoderm vollkommen anerkennen kann,
ohne desshalb genöthigt zu sein, die Deutung des Stran-
ges als Nervenapparat zu verwerfen. Die Geschlechts-
produkte nehmen nach unserm Verf. zwischen Ectoderm
und Entoderm ihren Ursprung und zwar mit Ausnahme
von Sertularia pumila im Umkreis des Spadix. Bei letz-
terer soll eine besondere vom Spadix abgehende Knospe
zur Produktion der Geschlechtsstoffe vorhanden sein.
Einer gelegentlichen Anmerkung (p. 50) entnehmen wir die
Notiz, dass der Bau der sonderbaren Coppinia areta bis-
her nur unvollständig erkannt worden ist. . Verf. ver-
bessert die bisher cursirenden irrigen Angaben und fasst
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 237
seine Beobachtungen in folgender Genusdiagnose zu-
sammen.
Coppinia Hassall. Hydrocaulus absent; hydrothecae tubiform,
springing from an adherent rotiform hydrorhiza. Hydranths with a
Single verticil of filiform tentacles. Gonophores adelocodonie; gonangia
tubiform, sessile on the hydrorhiza, and forming, by the close ap-
proximation of their sides, a continuous incrusting mass surroun-
ding the bases of the hydrothecae which project from it at in-
tervals.
Hincks liefert (Annais and Mag. nat hist. T. VIII.
p. 73 — 78. Tab. V, VI) einen Nachtrag zu seinem „Cata-
logue of the zoophytes of South-Devon and South-Corn-
wall« (J. B. 1862. S. 239) und macht darin u. a. auch
Mittheilung über einige von ihm beobachtete neue For-
men und Fortpflanznngsverhältnisse von Hydroiden. So
beschreibt er eine neue mit Coryna und Clavatella nahe
verwandte Form: G ymno c oryna (n. gen.) coro?iata,
so wie eine neue Campanularia calceolifera mit ge-
schweiften Gonothecen, deren Vorderende trichterförmig
nach Innen eingebogen ist, so dass die von den sessilen
Geschlechtsthieren erzeugten Planulae durch einen Kanal
nach Aussen gelangen. Lovenella clausa , deren Ga-
schlechtsthiere bisher noch unbekannt waren, hat Gono-
thecen, die frei am Stamme entspringen und kleine Me-
dusen mit zwei langen Tentakeln, die den Enden zweier
Radiärkanäle ansitzen, vier kurzen Interradialtentakeln und
vier Lithocysten produciren.
Das neue Genus G ymno coryna wird folgendermassen cha-
rakterisirt. Gymnocoryne Hincks. Polypites clavate, sessile, rising
immediately from a filiform stolon, invested by a delicate chitinous
polypary, tentacula capitate, very numerous, the uppermost furnished
with large capitula and forming a circle round the oral extremity,
the rest scattered over nearly the whole of the body. Reproduction
unknown.
Rotch beschreibt (Annais and Mag. nat. hist. Vol.
VII. p. 227) unter dem Namen GladoGoryna (n. gen.)
flocoosa einen neuen Corynoidpolypen aus Quernsey und
giebt demselben als Genusdiagnose :
Stern simple or branched, rooted by a creeping filiform sto-
lon, the whole sheathed in a thin chitinous tube, smooth or very
Archiv für Naturg. XXXVIII. Jahrg. 2. Bd. Q
238 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
sparingly annulated. Polypites terminal, clavate, with simple and
branched capitate tentacles ; the former set in a single row round
the mouth, the latter in several whorls round the body and multi-
capitate ; with a prominent tubercle composed of thread-cells between
each tentacle in the anterior and in the posterior rows. Reproduction
unknown.
Kirclienpauer veröffentlicht den ersten dem Gen.
Aglaophenia Lk. gewidmeten Theil einer monographischen
Abhandlung „über die Hydroidenfamilie Plumularidae,
einzelne Gruppen derselben und ihre Fruchtbehälter",
Hamburg, 52 Seiten in Quarto mit VIII Tafeln. Wie die
früheren Arbeiten unseres Verf.'s wesentlich der Species-
beschreibung und Systematik gewidmet, nimmt das vor-
liegende Heft doch auch das allgemeine wissenschaftliche
Interesse in hohem Grade in Anspruch, da es uns zum
ersten Male eine genügende Darstellung von dem Aufbau-
des Plumulariadenstockes und der bisher nur unvollstän-
dig bekannten Fortpflanzungskörper der Aglaophenien
liefert. Die Formen, die der Verf. unter dieser Bezeichnung
zusammenfasst und dem ursprünglich in gleichem Sinne ge-
brauchten Genusnamen Plumularia Lam. gegenübersetzt,
sind die nächsten Verwandten der Linne'schen Sertula-
ria pluma, d.h. alle diejenigen Plumulariaden, deren Po-
lypenbecher (Hydrotheken), unmittelbar an einander ge-
reihet , je von drei Nesselbecherchen umgeben sind,
von zwei obern (Nematocalyces) und einem untern (Ne-
matotheca). Bei den Plumularien sind die Thierbecher
und Nesselbecher immer getrennt und die letztern aus-
serdem nur von einerlei Form (Nematotheken). Die
Fruchtzellen (Gonangien) der Aglaophenien haben überall
die Form von sog. monomeren Brutkapseln: es sind, wie
bei zahlreichen andern Hydroiden, geschlossene Kapseln,
die neben der Spadix ein Ei oder Samen enthalten. (Bei
Aglaoph. philippina glaubt Verf. allerdings statt eines
Eies einen Kranz von kleinen Eiern beobachtet zu haben,
allein es ist das eine Angabe, die wohl noch der weitern
Bestätigung bedarf.) Aber diese Zellen stehen nicht frei
und nackt am Stamme, wie bei den Sertulariaden, son-
dern immer an besondern Zweigen (Gonocladien), die in
mehr oder minder eigenthümlicher Weise metamorphosirt
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 239
und immer nur mit Nesselzellen, niemals mit Thierzellen
versehen sind. Im Einzelnen sind diese Fruchtzweige aus-
serordentlich verschieden und in manchen Fällen in förm-
liche Schoten (corbula) umgewandelt. Am einfachsten
verhalten sich dieselben bei dem Subgenus Macrorbyn-
chia, wo von den Fruchtzweigen nur ein kurzer Stumpf
vorkommt, an welchem ein einziger Seitenstrahl (nema-
tocladium) mit einer gewöhnlich gleichfalls nur einfachen
Fruchtzelle ansitzt. Bei einer Species (A. urens) ist auch
von dem Strahle bloss das unterste Stück mit zwei
Nesselkapseln vorhanden, bei andern ist es länger, mit
10, 12 und mehr Paaren von Nesselkapseln besetzt; bei
noch andern ist es sehr lang (A. philippina) und dann ge-
wöhnlich noch mit einer zweiten Fruchtzelle ausgestattet.
Darauf folgt das zweite Subgenus Lytocarpia , dessen
Fruchtzweig vollständig entwickelt ist und mehrere Sei-
tenstrahlen und ebenso viele Fruchtzellen trägt, bald nur
einige wenige (bei A. crispata 3), bald 10, 12, 14 und
mehr. Bei Pachyrhynchia und Calathophora endlich
sind die zahlreichen (12, 16 und mehr) Seitenstrahlen
des Fruchtzweiges mit einander verwachsen, gewisser-
maassen durch Membranen mit einander verbunden, so
dass die an ihnen befindlichen Fruchtkapseln in eine
Hülse (corbula) eingeschlossen sind. (Ref. kann hier übri-
gens die Bemerkung hinzufügen, dass er bei einzelnen
Exemplaren der gemeinen Calathophora pluma in Neapel
auch den offenen Fruchtzweig von Lytocarpia beobachtet
hat.) Der Reichthum der von unserm Verf. neu be-
schriebenen Arten ergiebt sich am besten aus der nach-
folgenden Uebersicht.
1. Subgen. Aglaophenia vera (Calathophora Kirchenp.)
Nemathoteca mit einer Oeffnung . in der Regel nicht über den Rand
der Thierzelle hervorragend. Letztere in der Regel mit gezähnel-
tem Rand. Gonangien (so weit bekannt) in einer geschlossenen Cor-
bula. Verf. zählt 26 Arten, die er je nach der Länge der Nema-
totheca und der Randbildung der Thierzellen zusammengruppirt.
Als neu werden aufgeführt: A. plumifera, A. conferta, A. pusüla,
A. alopecura sämmtlich aus Süd-Afrika, A. avicularis Australien,
A. Vitiana Südsee.
2. Subgen. Pachyrhynchia Kirchenp. Nemathoteca stärker
240 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
(dicker) als Thierzelle. Letztere mit fast ebenem Rand. Gonangien
mit einer langen, cylindrischen, geschlossenen Corbula. 4 Arten : A.
cupressina Lk., A. Mac Gillivrayi Busk, A. spicata Lk., A. tricus-
pis Mc. Cr.
3. Subgen. Lytocarpia Kirchenp. Nemathoteca (in der Regel)
viel kürzer, als die Thierzelle. Rand der. letztern selten gezäh-
nelt. Gonangien in Gruppen an offenen Frachtzweigen (d. h. solchen,
deren Seitenstrahlen nicht zu einer Corbula verwachsen). 6 Arten:
A. myriophyllum Lk., A. secunda n. sp. Still. Oc, A. crispata n. sp.
Java, Formosa, A. lignosa n. sp. Südafrika, A. ramosa Busk, A.
Huxleyi Busk.
4. Subgen. Mac rorhynchia Kirchenp. Nematotheca weit
vorragend, mit zwei Oeffnungen Thierzellen grösstentheils mit verti-
kal oder schräge gestellter Mündung. Gonongien (so weit bekannt)
einzeln an einem abgesetzten, mit einem einfachen Strahl besetzten
Fruchtzweig. Hieher 18 Arten, darunter neu: A. ramulosa, A. bre-
vicaulis, A. longirostris sämmtlich aus Australien , A. ligulata, A.
fusca (== Sert. hypnoides Pall. ?), A. patula Südafrika (= S. pennaria
L. sec. Esp.), A. Savignyana {—. A. pennaria Lx.) Rothes Meer, A.
rostrata Singapore (= PI. phoenicea Busk?), A. pliilippina (= PI.
Huxleyi Busk?) Philippinen, A. urens Indisches und Australisches
Meer (PI. scabraBl.?), A. squarrosa und A. rubens aus Australien.
Ausser den neuen Arten hat Verf. aber auch noch manche
früher nur ungenügend charakterisirte Arten neu beschrieben. So
A. (Calath.) dichotoma Sars, A. (Macrorh.) longicornis Busk. 14 an-
dere, gleichfalls ungenügend beschriebene Arten mussten zweifel-
haft bleiben.
An dieser Stelle mag auch der Mittheilungen ge-
dacht werden, die Richter über den Bau und das
Wachsthum der Graptolithen gemacht hat (Zeitschr. der
deutschen geolog. Gesellschaft 1871. S. 231—256. Tab. Vj
— selbst auf die Möglichkeit hin, dass sich diese merk-
würdigen Fossilien dereinst einmal als Bryozoen entpuppen
sollten.
Baude lot sieht eine Knospe von Hydra viridis
statt in einen normalen Polypen in einen Zapfen mit zwei
Tentakeln auswachsen, der mit seinem Mutterthiere ver-
bunden bleibt, und den Beobachter an die polymorphen
Glieder einer Siphonophorencolonie erinnert. Bull. Soc.
sc. nat. Strassbourg 1869. p. 129.
In Bezug auf den Bau und namentlich den feineren
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 241
Bau der Hydroiden haben wir zwei vortreffliche Arbei-
ten anzuziehen, von denen die eine der Cordylophora,
die andere der so vielfach schon untersuchten Hydra ge-
widmet ist. Die Verff. beider Arbeiten erklären sich
auf das allerbestimmteste gegen die noch neuerdings von
Reichert (J. B. 1866. S. 408) vertretene Ansicht, dass
der Körper der Hydroiden ganz oder doch vorwaltend
von einer ungeformten contractilen — „protozoischen"
— Substanz gebildet werde. Die Contractilität ist, we-
nigstens bei den untersuchten Arten, an ein Fasergewebe
gebunden, das in die Körperwände eingebettet ist und
auf beiden Flächen von einem Zellen lager gedeckt wird,
dessen Elemente sich, wenn auch oftmals erst nach vor-
hergegangener Erhärtung, mit aller Schärfe unterscheiden
lassen. Ueber die Einzelnheiten des Baues und besonders
das nähere Verhalten der Muskelfasern gehen übrigens die
Resultate beider Untersuchungen mehrfach aus einander,
wie das die nachstehenden specielleren Angaben zur Ge-
nüge darthun werden.
Die erste dieser Arbeiten trägt den Titel : über den
Bau und die Entwickelung von Cordylophora lacustris,
nebst Bemerkungen über das Vorkommen und die Le-
bensweise dieses Thieres vonFr. Eilh. Schulze (Leip-
zig 1871. 52 Seiten in Quart mit 6 Kupfer tafeln.) Die
Stämme und Zweige der Cordylophora, die übrigens nicht
von All man entdeckt ist, sondern schon früher von
Agardh als Tubularia cornea beschrieben wurde, bilden
sich nach den Beobachtungen unseresVerf.'s durch das Aus-
wachsen je eines einzigen Individuums, das natürlich das
Ende der zugehörigen Achse einnimmt und auch gewöhn-
lich durch seinen Umfang vor den übrigen Polypoiden
sich auszeichnet. Wie die Grösse, so wechselt auch die
Tentakelzahl, und das ebensowohl bei den einzelnen Co-
lonien, wie bei den Individuen, wesshalb Verf. denn auch
geneigt ist, alle bisher im nördlichen Europa beobachte-
ten Cordylophoren derselber Art zuzurechnen. Die Go-
nophoren, die an den einzelnen Colonieen stets desselben
Geschlechtes sind, trifft man gewöhnlich auf verschiede-
nen Entwicklungsstufen und zwar der Art vertheilt, dass
242 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
die jüngsten, welche zunächst als kleine kolbige Seiten-
auswüchse der Endzweige erscheinen, den Endpolypen
immer am meisten angenähert sind. Die Chitinscheide
der Stämme und Zweige, die nach den Angaben der
früheren Beobachter unterhalb der Polypenköpfchen mit
scharfem Rande aufhören soll, lässt sich in Form einer
dünnen und biegsamen Chitinlamelle bis an die untersten
Arme hin verfolgen, so dass also nur die vordere Hälfte
der Polypen frei bleibt. Die Geschlechtsknospen sind in
ganzer Ausdehnung davon überzogen, aber der Ueber-
zug derselben bleibt trotz seiner Dicke immer weich und
lässt am äussersten Pole zur Zeit der Geschlechtsreife
noch eine zarte Radiärstreifung erkennen, welche wahr-
scheinlich von feinen Kanälen herrührt, die hier verlau-
fen und die an dieser Stelle später zum Austritt der Ge-
schlechtsstolfe erfolgende Schmelzung einleiten. An dem
Weichkörper unseres Thieres unterscheidet Verf. zwi-
schen Ectoderm und Entoderm noch eine besondere Mus-
kellage und eine davon verschiedene Stützlamelle, welche
letztere sich als eine continuirliche, wenngleich nicht
überall ganz gleich gebildete structurlose Membran durch
einfache Maceration im Zusammenhange isoliren lässt. An
dem Rüssel, dem Körper und den Armen der Polypide
liegt dicht auf dieser Stützlamelle eine Lage längsgerich-
teter Fasern, die an beiden Enden spitz verlaufen und
ein starkes Lichtbrechungsvermögen besitzen. Kerne
werden darin nicht beobachtet, doch unterliegt es trotz-
dem keinem Zweifel, dass die Fasern muskulöser Natur
sind. Am Coenenchym und den Gonophoren, die der
selbstständigen Bewegung entbehren, Hessen sich keine
derartige Gebilde auffinden. Das Ectoderm besteht aus
einer oberflächlichen Lage grosser Zellen, deren Contou-
ren und Kerne an manchen Stellen, wie den Gonopho-
ren, ohne Weiteres deutlich markirt sind, und zahlreichen
kleinen Zellen, die in der Tiefe liegen, hier aber keine
continuirliche Lage bilden, sondern zwischen Fortsätzen
und Ausläufern der grossen Deckzellen in Aushöhlungen
und Nischen derselben eingeklemmt sind. Diese letztern
Zellen enthalten und bilden je eine Nesselkapsel, die
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 243
aber nicht in der Tiefe bleibt, sondern noch umhüllt von
ihrer Mutterzelle in senkrechter Stellung allmählich nach
Aussen rückt , sich auch nicht selten in den Körper
der grossen Deckzellen eindrückt und sie der Art durch-
bohrt, dass die mit einem haarartigen Spitzchen versehene
Endfläche aus; der umgebenden Zellenhaut nach Aussen
hervortritt. Ein solches Spitzchen liegt neben jeder aus-
gebildeten Nesselkapsel und ragt senkrecht in das umge-
bende Wasser hervor. Und das nicht bloss bei Cordy-
lophora, sondern auch bei Campanularia, Aurelia, Cyanea
und andern Coelenteraten, an allen Stellen, wo überhaupt
senkrecht aufgerichtete Nesselkapseln vorkommen. Was
die Funktion dieser haarförmigen Fortsetzung der Nes-
selzellen betrifft, so ist Verf. nicht geneigt, dieselben als
Sinnesorgane zu deuten. Er sieht darin vielmehr eine
Einrichtung, durch welche ein von Aussen wirkender
Druck auf die Nesselkapseln übertragen wird und diese
letzteren zur Entladung veranlasst werden. Die Zellen des
Entoderm tragen je eine lange Flimmercilie und haben
im Ruhezustande eine schlanke Cylinderform. So we-
nigstens in den Polypenköpfen und den Zweigen, wäh-
rend die verästelten Röhren der Gonophoren im In-
nern von cilientragenden platten Zellen bekleidet sind
und die Arme, die der Höhlung bekanntlich entbehren,
einen Achsenstrang in sich einschliessen, dessen Zellen in
einfacher Reihe hinter einander liegen und den Elemen-
ten des Chordadorsalgewebes gleichen, also wohl binde-
gewebiger Natur sind, obwohl sie genetisch den Ento-
dermzellen, d. h. einer Epithellage angehören. Die Go-
nophoren, die immer nur an den Seitenzweigen, niemals
aber den Haupt- und Nebenstämmen ansitzen, entstehen,
wie schon oben bemerkt, als einfache Ausbuchtungen des
Coenenchymrohres. Sie umschliessen einen Innenraum,
der anfangs eine ziemlich geräumige Höhle darstellt, mit
der Vergrösserung der Knospe aber seine ursprünglich
einfache Form dadurch verliert, dass die tiefern Ectoderm-
zellen rasch sich vermehrend in Leistenform nach Innen
in denselben hinein vorspringen und ihn durchziehen. In
Folge dieser Veränderungen wird der Hohlraum mit
244 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Entoderm und Stützlamelle zu einem Röhrenwerk, an
dem man gewöhnlich vier Hauptstämme unterscheidet,
die aus dem Rohre des Gonophorenstieles hervorkommen
und in der Richtung der Meridiane bis gegen den vorde-
ren Pol hinziehen, auch unterwegs eine Anzahl von Sei-
tenzweigen abgeben. Anastomosen dieses Kanalsystems
liessen sich ebenso wenig, wie eine centrale zapfenför-
mige Erhebung nachweisen. Sainenkörperchen und Eier
gehen aus den nach Innen gewucherten Zellen des Ecto-
derms hervor und liegen somit beständig ausserhalb der
Stützmembran, die übrigens bei der Reife der Geschlechts-
producte mitsammt dem eingeschlossenen Höhlenapparate
allmählich wieder (offenbar durch den Druck der Ge-
schiechtsproducte) eine einfache Sackform annimmt.
Durch das Zurückweichen und Verstreichen dieser Canäie
entsteht nun im Innern der Gonophoren ein mit Ge-
schlechtsstoffen gefüllter neuer Hohlraum, der besonders
in den mehr bauchig gestalteten weiblichen Gonophoren
zu einer ansehnlichen Weite gelangt und als ßruthöhle
fungirt, in der die Eier nach der Befruchtung, die durch
die oben erwähnte Polöffnung vermittelt wird, ihre Fur-
chung und Embryonalentwickelung durchlaufen. Von
besonderem Interesse ist dabei die freilich nur in einigen
Fällen gemachte Beobachtung, dass die tieferen Ecto-
dermzellen des Coenenchyms der Seitenäste in den weib-
lichen Colonien auch ohne Gonophorenbildung gelegent-
lich einzeln oder in grösserer Menge eine Metamorphose
in unverkennbare Eier eingehen. Die Umwandlung des
durchfurchten Dotters in den Embryo wird dadurch ein-
geleitet, dass die Zellen desselben in zwei von einander
scharf gesonderte concentrische Lagen sich ordnen, die
sich unschwer auf Ectoderm und Entoderm redncircn las-
sen. Mundöffnung und Tentakel entstehen erst nach dem
Festsetzen der Planula.
Die zweite der hier in Betracht zu ziehenden Ar-
beiten ist Klein enb erg's „Hydra, eine anatomisch-ent-
wickelungsgeschichtliche Untersuchung" (Leipzig 1872.
90 Seiten in Quart mit 4 lithographirten Tafeln). Das
Entoderm, mit dessen Betrachtung Verf. seine Darstel-
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 245
lung beginnt, ist auch bei Hydra ein einschichtiges Epi-
thel, dessen Zellen in allen Theilen der Leibeshöhle und
ihrer Anhänge eine, selten zwei Wimpern tragen, die nur
desshalb gewöhnlich übersehen werden, weil sie sehr zart
sind und vielleicht auch nach innen eingezogen werden
können. Bei Hydra viridis enthalten diese Zellen auch
die anscheinend aus Chlorophyll bestehenden Pigmentkörner
und deren Umwandlungsproducte. In dem vordem Kör-
perabschnitte solide Protoplasmaprismen, umschliessen die-
selben in dem Fusstheile und den basalen Enden der
Arme eine grosse helle Vacuole, während sie in den
Tentakelenden meist zu flachen Plättchen reducirt sind.
Eine eigentliche Zellenmembran lässt sich nirgends an
diesen Gebilden wahrnehmen. Die physiologische Function
der Entodermzellen ist eine sehr complicirte, indem diesel-
ben nicht nur die Verdauungssäfte liefern und die gelösten
Nahrungsstoffe resorbiren, sondern auch die x\uswurfsstoffe
abscheiden und wahrscheinlich noch den Gasaustausch
besorgen. Auch die Ectodermzellen sind ohne distincte
Membran, nur aussen, wo sie dicht an einander schlies-
sen, von einem die Oberfläche bildenden verdichteten Proto-
plasmasaume bekleidet, der sich ziemlich scharf gegen die
hellere und wenig consistente innere Masse abgrenzt. Nach
Innen zieht sich der Zellenkörper, allmählich sich ver-
jüngend, in einen einfachen oder gespaltenen, hier und da
selbst förmlich verästelten derben Fortsatz aus, der auf der
Aussenfläche des Entoderm rechtwinklig umbiegt und mit
den anliegenden Faserfortsätzen durch reichliche Zwischen-
substanz zu einer zusammenhängenden Haut verbunden
ist, deren Elemente immer in der Längsrichtung verlau-
fen. Von einer besondern Stützlamellc, die Schulze
auch bei Hydra annimmt, hat Verf. keine Spur gesehen;
er trägt kein Bedenken, diese (von Reichert zuerst be-
schriebene) Bildung mit der eben beschriebenen Faser-
platte zu identificiren und dieselbe mitsammt den Zellen-
fortsätzen , die schon Kölliker als Muskelfasern dar-
stellte (J. B. 1865. S. 207) als Träger der Contractions-
erscheinungen in Anspruch zu nehmen. In dem Zellen-
körper, von dem dieses Fasersystem ausgeht, vermuthet
246 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Verf. eine Einrichtung zur Aufnahme und Fortleitung
der äussern Reize; er sieht in dem bisher beschriebenen
Theile des Ectoderm kein Epithelium, nicht den Vertreter
des Hornblattes bei den Wirbelthieren , sondern den
niedrigsten Entwicklungszustand des Nervenmuskelsy-
sterns, für dessen Elemente er die Bezeichnung Neuromus-
kelzellen vorschlägt. Zwischen den nach Innen verlau-
fenden muskulösen Fortsätzen dieser Zellen bleibt natür-
lich ein System von communicirenden Lücken, das von
kleinen Zellen gefüllt ist, die ein besonderes interstitielles
Gewebe bilden und in ihrem Innern auch die Nessel-
kapseln erzeugen. Der Mechanismus dieser Gebilde
wird von unserm Verf. auf dieselbe Weise, wie von
Schulze, mit den steifen Härchen in Zusammenhang
gebracht, die je von der Aussenfläehe der Nesselzellen
abgehen. Die Bildung der Geschlechtsproducte knüpft
auch bei Hydra an die tiefern Ectodermzellen an, die an
bestimmten Stellen zunächst durch Wucherung ein cir-
cumscriptes Gebilde liefern, das die grossen peripheri-
schen Zellen vor sich hertreibt und dann die sog. Ge-
schlechtsorgane darstellt. Da die Entstehung dieser Ge-
bilde keine Aehnlichkeit mit einer Knospung hat, so
kann Verf. in ihnen auch keine „Geschlechtsknospen"
sehen, die einer Medusengeneration äquivalent wären. Er
betrachtet dieselben als einfache Organe und sucht die
Lebensgeschichte der Hydra mit der bekannten Entwick-
lungsgeschiche der typischen Hydroiden dadurch in Ein-
klang zu bringen, dass er die mit solchen Organen aus-
gestatteten Individuen selbst als eine der Ammengenera-
tion isomorphe Generation von Geschlechtsthieren in
Anspruch nimmt. So lange nicht der Nachweis geliefert
ist, dass die aus den Eiern hervorgehenden Hydren steril
sind, also wirkliche Ammen darstellen, bleibt diese Deu-
tung natürlich eine bloss hypothetische. Bis dahin kann
man möglicher Weise auch annehmen, dass die Ammcn-
generation von Hydra selbst zur Geschlechtsreife kommt,
bei unserem Thiere also ein Verhältniss obwaltet, das ja
in ähnlicher Weise schon für manche Syllisarten consta-
tirt ist und durch die oben erwähnte interessante Beob-
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 247
achtung vom Vorkommen evidenter Eier unter den Ectc
dermzellen desRöhrencoenenchyms von Cordylophora eine
weitere Stütze findet. Die Zellen des Hodens verkleinern
sieb durch fortgesetzte Theilung beträchtlich; sie nehmen
zuletzt Kugelform an und verlieren ihren Kern, an des-
sen Stelle ein Körperchen tritt, welches sich mit dem
durch Auswachsen der Zellen gebildeten Faden verbin-
det und dann als fertiges Spermatozoid ausschwärmt.
Während auf diese Weise sämmtliche oder doch die bei
Weitem meisten Hodenzellen in Samenfäden übergehen,
entwickelt sich von den Zellen des Ovariums immer nur
eine einzige zu einem Ei. Anfangs in Nichts von den
anliegenden Zellen verschieden, wächst diese Eizelle in
eine flache Scheibe aus, deren Rand sich an zwei ein-
ander gegenüberliegenden Stellen einkerbt und eine An-
zahl von finget- oder lappenförmigen Fortsätzen treibt, die
durch günstige Obcrflächenbildung eine immer ansehn-
lichere Stoffaufnahme ermöglichen. Schon ziemlich frühe
bilden sich im Innern der Eizelle Chlorophyllkörner und
Dotterkugeln, die auf den ersten Blick leicht für Zellen
gehalten werden könnten. Die benachbarten Entoderm-
zellen unterliegen einem lebbaften Stoffwechsel, wie man
an der fortwährenden Neubildung und Veränderung der
eingeschlossenen Chlorophyllkörner deutlich wahrnimmt.
Ebenso schwindet die umliegende Zellenmasse des Ova-
riums, während das Ei immer mehr an Grösse zunimmt
und die ursprünglich so unrcgelmässige amöboide Gestalt
mit einer einfachen Kugel- oder Birnform vertauscht.
Auf diese Weise nähert sich das Ei immer mehr dem
Stadium der Reife, dessen Eintritt durch die Auflösung
des allmählich zum Keimbläschen entwickelten Zellcn-
kernes bezeichnet ist. Kurz darauf beobachtet man an
der Spitze des Eies ein Einreissen der Ectodermhülle,
die sich dann immer weiter zurückzieht, bis schliesslich
der grösste Theil der Eioberfläche frei in das Wasser hin-
einragt. Um diese Zeit geschieht die Befruchtung des
Eies, der alsbald eine Furchung folgt, die einen regel-
mässigen Verlauf hat und in unverkennbarer Weise durch
amöboide Verschiebungen der Dottersubstanz vermittelt
248 Leuckart: Bericht üb. u. Leist. in d. Naturgeschichte
wird. Die Dotterballen bilden Kerne, die anfangs noch
fehlten, und verwandeln sich dadurch in Zellen, die zu-
nächst an der Oberfläche des Keimes zur Bildung eines
einschichtigen Blattes zusammentreten , das Verf. trotz
seiner Umwandlung in eine später derbe und feste Chi-
tinschale als das Hornblatt unserer Thiere in Anspruch
nimmt. Unterhalb dieser Schale, die also ein Embryonal-
organ darstellt, wird als innere Keimschale dann noch
eine zweite structurlose Hülle ausgeschieden. Bis hieher
sind die Veränderungen so rasch auf einander gefolgt,
dass vom ersten Auftreten des Eies bis zur Bildung der
Schale kaum vier Tage verflossen. Die späteren Umwand-
lungen nehmen dagegen eine grössere Zahl von Wochen
in Anspruch. Sie bestehen zunächst darin, dass die übrig
gebliebenen Keimzellen ihre Kerne verlieren und — un-
erwarteter Weise — dann sämmtlich zu einem zusammen-
hängenden Plasmodium mit einander verschmelzen. In
diesem soliden Plasmakörper entsteht als Anlage der ver-
dauenden Cavität excentrisch eine kleine Höhle, die sich
allmählich bedeutend vergrössert. So geht aus dem soli-
den Keime eine ziemlich dickwandige Keimblase hervor.
Ihre Wand hat zunächst überall ein durchaus gleicharti-
ges Gefüge. Nachdem der Keim eine längere Zeit in
diesem Zustande verharrte, bildet sich durch Umlagerung
oder theilweisen Schwund der festen Einschlüsse in der noch
immer zusammenhängenden Plasmamasse eine äussere helle
Schicht, die nach der Auflösung der äusseren Keimschale
immer mehr an Mächtigkeit zunimmt und schliesslich in
eine einfache Lage gleich grosser Zellen zerfällt. Später
vollzieht sich derselbe Process in der innern Schicht des
Keimes, so dass derselbe dann aus zwei Zellenlagen, dem
primitiven Ectoderm und Entoderm gebildet erscheint.
Dabei ist der Embryo nun auch aus der ursprünglichen
Kugelform in eine mehr ellipsoidische übergegangen. An
dem einen Pole verdünnt sich dann allmählich die Kör-
perwand, bis sie einreisst. Es entsteht die Mundöffnung
und gleichzeitig mit ihr auch die Anlage der Tentakel,
die als Ausstülpungen beider Körperblätter ihren Ur-
sprung nehmen. Wenn darauf dann der Embryo die in-
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 249
nere Keimschale verlässt, ist die Entwicklung desselben
im Wesentlichen beendigt.
Doenitz beschreibt unter dem Namen „Wimper-
haken« eine eigenthümliche Form mikroskopischer Be-
wegungsorgane, die in der Nähe der Nesselkapseln der
TentakeloberÜäche von Cordylophora lacustris aufsitzen
und den früheren Beobachtern, auch Schulze, entgan-
gen sind. Archiv f. Anatomie u. Physiol. 1872. S. 1 — 4
mit Abbildungen.
Unter dem Namen Protokydra Leucharti be-
schreibt Greeff (Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. XX. S. 37
— 54. Taf. IV u. V) einen tentakellosen Hydroidpolypen
von höchstens 2 — 4 Mm. Länge, den er zwischen Diato-
meenschiamm und Algen in einem mit Meerwasser ge-
füllten Austernpark in Ostende auffand und trotz mehr-
monatlicher Beobachtung immer nur in Quertheilung an-
traf. Das Thier hat eine bräunliche Färbung und besitzt
eine ausserordentliche Contractilität, so dass es sich ge-
legentlich auf einen kugeiförmigen Haufen von 0,4 Mm.
zusammenzuziehen vermag. Der histologische Bau zeigt im
grossen Ganzen eine unverkennbare Aehnlichkeit mit Hy-
dra, nur dass, nach unserm Verf., die Aussenfläche des
Ectoderm noch eine zarte Cuticula trägt. In der auf
der Unterfläche hinziehenden Stützmembran glaubt Verf.
auch die von Kolli k er bei Hydra beschriebenen Fasern
beobachtet zu haben. Die Zellen des Entoderm sind
mit ihren Wandungen zu einem zusammenhängenden
Maschengewebe unter sich verbunden. Flimmerhaare wur-
den nirgends aufgefunden. Verf. betrachtet die neue
Form, jedenfalls den einfachsten, bis jetzt beobachteten
Hydroidpolypen, als „Stammform der Coelenteraten" und
ist geneigt, die Quertheilung als einzige Fortpflanzungsart
desselben in Anspruch zu nehmen. Ob solches mit Recht
geschieht, dürfte einstweilen vielleicht noch zweifelhaft
sein, aber so viel ist wohl ausser Zweifel, dass Proto-
hydra schon als marines Thier weit eher den Ausgangs-
punkt der Coelenteratengruppe abgeben könnte, als Hy-
dra, die nur im Süsswasser lebt, also eines verhältniss-
mässig erst jungen Datums ist.
250 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Katurgeschichte
Des Moulins, questions obscures relat. ä l'Hydra-
ctinia echinata et ä rAleyonium domuncula, tous deux
logeurs de Pagures. Act. Soc. Linn. Bord. T. XXVHT ist
Verf. nicht näher bekannt geworden.
Unter den von Pourtales beschriebenen und abge-
bildeten Tiefseekorallen werden auch zwei Milleporiden
aufgeführt, die beide dem schon früher von unserni Verf.
charakterisirfcen Gen. PJiobothrus zugehören: PI. symme-
tricus Pourt. und PL (früher Heliopora) tuberculatus Pourt.
Illustrated catalogue Mus. compar. Zool. Nr. 14. p. 54.
Zum Schlüsse erwähnen wir hier noch (vergl. 0 w s-
j a n n i k o w, Bullet. Acad. imper. St. Petersbourg T. XVI.
p. 104 — 109 mit Abbild.) einen höchst merkwürdigen
„neuen Parasiten aus den Eiern des Sterlet", der trotz
seiner Eigenthümlichkeiten und trotz der Abwesenheit
deutlich erkennbarer Nesselzellen am meisten noch dem
Gen. Hydra sich annähert. Er repräsentirt eine Colonie
von je vier sechsarmigen Leibern, die der Länge nach
unter sich zu einer kurzen Pyramide zusammenhängen.
Auf der Spitze trägt dieselbe eine Mundöffnung, welche
in die gemeinschaftliche Verdauungshöhle hineinführt.
Zwei der in beständiger Bewegung begriffenen Arme sind
mit einer dunkeln Endspitze versehen, die eigentümliche
Zellen in sich einschliesst, so dass man hier leicht an
unvollständig ausgebildete Nesselorgane denken könnte.
Nach dem Hervorbrechen aus den Sterleteiern leben die
Thiere unter günstigen Verhältnissen längere Zeit in Süss-
wasser, ja sie vermehren sich sogar durch Theilung, die
der Mundöffnung gegenüber, am breitesten Ende, be-
ginnt und den gemeinschaftlichen Leib schliesslich in
zwei Theile spaltet, die dann natürlich statt der ursprüng-
lichen vier Individuen deren nur zwei repräsentiren, bis
die fehlenden zwei durch Neubildung ersetzt sind. Nur sel-
ten sah Verf. die Thierchen in zwei Individuen fortleben,
noch seltener einzeln, wobei dann der Körper allmählich
bis auf ein kleines Knöpfchen am Grunde der sechs
Arme zusammenschrumpfte. Die weiteren Schicksale
dieses sonderbaren Wesens konnten leider nicht festge-
stellt werden.
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 251
Siphonophora.
Den Lesern unserer Berichte ist es zur Genüge be-
kannt, dass die Organisation der Siphonophoren keines-
wegs überall in der bei den deutschen Forschern üblichen
Weise aufgefasst wird. Während die letztern nach dem
Vorbilde des Ref. bei der Deutung dieser Thiere gewöh-
lieh von den Hydroidcolonien ausgehen und nach Ana-
logie derselben die am Stamme selbstständig sprossen-
den Anhänge sämmtlich als Individuen von einer bald
polypoiden, bald medusoiden Forin in Anspruch nehmen,
die Siphonophoren demnach als polymorphe Hydromedu-
senstöcke deuten, wird von anderer Seite, besonders
H u x 1 e y und seinen Nachfolgern, einer Ansicht gehuldigt,
nach weicher der ganze complicirte Organismus unserer
Thiere auf den Bau einer Scheibenqualle zurückzuführen
sei. Die Anhänge der Siphonophoren repräsentiren nach
dieser Auffassung Nichts, als die auseinander gelegten und
im Einzelnen mehrfach wiederholten Organe einer Meduse,
die Schwimmglocken den Schirm , die Polypen den
Mundstiel , die Saugfäden den Tentakelapparat u. s. w.
Obwohl zahlreiche Zoologen des Auslandes dieser Auf-
fassung huldigen, hat doch bisher meines Wissens noch
Niemand den Versuch gemacht, dieselbe durch eine mehr
eingehende Analyse zu begründen. Man begnügte sich
mit dem Hinweis auf gewisse Aehnlichkeiten, die ja auch
von den Anhängern der Lehre des Polymorphismus nicht
geleugnet werden. Was aber bis dahin unterblieben, wird
jetzt von Mecznikoff in den oben schon mehrfach er-
wähnten „Beiträgen u. s. w." 1. c. p. 315 — 342 nachge-
holt. Ausgehend von der Entwickelungsgeschichte der
Siphonophoren und der Medusen ohne Generationswech-
sel (Aeginopsis) sucht derselbe die Annahme eines Po-
lymorphismus zu widerlegen und den Nachweis zu lie-
fern, dass die Siphonophoren viel näher mit den Me-
dusen als den Hydroiden verwandt seien. Leider sind
die Auseinandersetzungen des Verf.'s in einer wenig be-
kannten Sprache niedergelegt, so dass Ref. sich bei sei-
nem Berichte vornämlich an die Mittheilungen halten
252 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
rnuss, die ihm von befreundeter Seite darüber gemacht
sind. Als besonders sprechend für seine Auffassung sieht
Verf. den Bau von Velella, Physophora und Diphyes an.
Velella sei im Ratariazustand eine vollständige Meduse
mit Schirm, Rüssel und Randfäden, die sich nur insofern
complicire, als sie — ganz wie die vom Verf. beschrie-
bene Eucope polygastrica (s. oben S. 231)* — später noch
eine Anzahl von accessorischen Magenschläuchen treibe
und an diesen dann neue Medusen von abweichender Form
herverknospen lasse. Ebenso repräsentire Physophora
kaum etwas anderes als eine Sarsiadenartige Meduse mit
stielartig ausgewachsenem knospenden Magen und einer
Schwimmglocke, die nach rückwärts umgeschlagen sei
und in ihrem Innern nun den Luftsack gebildet habe.
Auch die Eudoxien sind nach unserm Verf. keineswegs
als eine geschlossene Gruppe polymorpher Einzelwesen
zu betrachten, sondern vielmehr einer Meduse homolog,
indem ja das heim- oder glockenartige Deckstück ganz
evident, wie auch das abfallende Deckstück der Siphono-
phorenlarven beweise, einem Schirme entspreche. Der
Zusammenhang dieser Eudoxien mit den zwei Schwimm-
glocken der Diphyes wird den Beziehungen verglichen,
die bei Autolytus zwischen den Geschlechtsthieren und
ihrer Amme obwalten. Wie das ursprüngliche Schwanz-
ende der letztern zum Körper eines eigenen Thieres
werde, das mit der Bildung eines neuen, abweichend ge-
stalteten Kopfes sich individualisire, ganz ebenso trenne
sich der mit den Schwimmstücken anfangs zu einem In-
dividuum zusammengehörige tentakeltragende Magen, um
mit einer in Form des Deckstückes neugebildeten Glocke
dann schliesslich eine Eudoxia darzustellen. Wegen Un-
kenntniss der Russischen Sprache ist es mir, wie gesagt,
unmöglich, dem Verf. auf seinem Ideengange bis ins Ein-
zelne zu folgen, indessen möchte ich mir doch erlauben,
hier auf ein paar Momente hinzuweisen, die, so weit ich
sehe, trotz ihrer Bedeutung bei unserm Verf. keine Be-
rücksichtigung gefunden haben. Wenn die Eudoxia ein
einfaches Individuum ist, dann müssen wir natürlich auch
Einzelwesen statuiren, die aus einer ganzen Summe ur-
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 253
sprünglich getrennter Knospen zusammenwachsen. Denn
nicht bloss, dass das Deckstück durch eine selbstständige
Anlage seinen Ursprung nimmt, auch Magensack und
Tentakel sind auf dieselbe Weise selbstständig entstan-
den, und durch das sie umwachsende Deckstück später
mit einander zu einer Gruppe verbunden. Und was noch
schwerer wiegt, alle diese Anhänge sind bei ihrer ersten
Anlage in keinerlei Weise (weder in Form, noch in ihren
Beziehungen zum Stamme) von denjenigen Knospen ver-
schieden, die im Laufe der Zeit zu der Geschlechtsglocke
werden und auch in den Augen unseres Verf. bei allen
Siphonophoren ein selbstständiges (einer Meduse voll-
kommen homologes) Individuum darstellen. Aber ange-
nommen auch, man wollte sich über alle diese Schwie-
rigkeiten hinwegsetzen, dann bleibt immer noch die Frage
zu erörtern, wie es denn möglich sei, dass die einzelnen
Theilstücke der Meduse bei den Siphonophoren eine so
ganz andere Anordnung besitzen, wie bei den gemeinen
Scheibenquallen. Der Magensack oder Rüssel, der bei den
letztem eine stets centrale Lage hat, ist bei den Diphyi-
den an die Peripherie verlegt, während dagegen die Ten-
takel, die sonst doch äusserlich dem Scheibenrande auf-
sitzen, bei den Eudoxien aus dem Innern der Glocke her-
vorragen. Uud wenn es schon schwierig ist, diese Ano-
malien bei den Diphyiden mit der Theorie des Verf.'s in
Einklang zu bringen, wie wird sich gar das Verhalten
der noch complicirteren Formen darnach erklären lassen,
bei denen die gruppenweise Vereinigung der Anhänge
einer mehr gleichmässigen Vertheilung aller der einzelnen
Anhänge an dem Stamme Platz gemacht hat. Alle diese
Schwierigkeiten werden in einfachster Weise dureh die
Annahme des Polymorphismus aus dem Wege geräumt,
durch eine Annahme, die um so näher liegt, als ja auch
schon die Hydroiden (und oftmals, wie z. B. Hydractinia,
in kaum weniger auffallender W7eise) ganz die gleiche
Erscheinung zur Schau tragen. Auf die Inconsequenz,
die darin liegt, den Schwimmglocken die morphologi-
sche Uebereinstimmung mit einer Meduse abzusprechen,
für die Geschlechtsknospen aber eine solche gelten zu
Archiv f. Naturg. XXXVIII. Jahrg. 2. Bd. R
254 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
lassen, glaubt Ref. kaum noch besonders aufmerksam
machen zu müssen.
Die Mittheilungen unseres Verf.'s beschränken sich
übrigens nicht ausschliesslich auf die voronstehenden
Beobachtungen über die Natur und die verwandtschaft-
lichen Beziehungen der Siphonophoren, sondern betreffen
auch den Bau einiger neuen Arten aus dem Gen. Praya
und Haiistemma (p. 195 — 215. Tab. I, II). Aus dem er-
stem beschreibt Verf. Praya medusa und Pr. media, von
denen die letztere aber wahrscheinlich mit Pr. cymbi-
formis Lt. (wie Verf. meint, auch Pr. diphyes Gegenb.)
identisch ist, während Pr. jmedusa sich durch die bisher
noch nirgends bemerkte Anwesenheit zahlreicher rudi-
mentärer Tentakel und Augenflecke an den Schwimm-
glocken von den verwandten Formen (besonders Pr. di-
phyes Vogt und Kollik.) unterscheidet. Bemerkenswerth
ist, dassVerf. in Betreff der Glocken an den Endoxienartigen
Anhangsgruppen wenigstens für Pr. medusa auf die Ansicht
von Vogt zurückkommt, nach der dieselben ausschliess-
lich als accessorische Locomotiven zu betrachten seien. Die
Geschlechtsanhänge sollen von denselben getrennt den
Stämmen anhängen, männliche und weibliche neben ein-
ander. Anders bei Pr. media, bei der die männlichen
Zeugungsproducte an dem hier in der Locomotive vor-
handenen kleinen Stempel ihren Ursprung nehmen, wäh-
rend die Eier neben den Locomotiven in besondern kol-
benförmigen Anhängen gefunden werden, die später,
wie auch bei Pr. medusa, eine unvollkommene Medusoi-
denform annehmen. Haiistemma pictum ist eine kaum
spannenlange Agalmide mit ansehnlicher Schwimmsäule
undGeschleehtsthieren, die, männliche so gut wie weibliche,
als einfache Zapfen ohne Glocken entwickelt sind, pafür
aber sind die schraubenförmig aufgewundenen Nessclknöpfe
— abweichend von H. rubrum — mit einem rudimen-
tären Mantel versehen. Am Ende der Taster wurde vom
Verf. eine Oeffnung beobachtet, die zum Auswerfen von
Excretstoffen dient, wie Aehnliches auch bei jungen Ex-
emplaren von Agalma Sarsii constatirt werden konnte.
Douitz glaubt sich davon überzeugt zu haben, dass
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 255
die innere Belegmasse der Siphonophoren aus einer mit
Epithelialüberzug versehenen Lage contractiler oder pro-
tozoischor Substanz bestehe, die in den „Magenstücken"
häufig Vacuolen, mit heller Flüssigkeit gefüllt, in sich
einschliessen und gelegentlich sich in conische oder
baumartig verästelte Häkchen erheben. Mit dem Er-
scheinen dieser Häkchen sollen gewisse bis dahin ru-
hende Cilien in lebhafte Sehwingung gerathen. Ueber
eigentümliche Organe in den Magenstücken der Sipho-
nophoren, Archiv für Anat. u. Physiol. 1871. S. 83—89.
Tab. III. (Wie wenig eingehend übrigens die Studien
von D. über die Siphonophoren sind, geht daraus hervor,
dass er die Forskalia contorta mit Apolemia uvaria dem-
selben Genus zurechnet.)
A. Stuart berichtet (Archiv für Anat. u. Physiol.
1870. S. 366—373. Tab. X) „über die Entwicklung der
Medusenbrut von Velella". Verf. bestätigt, dass dieselbe,
obwohl bei der Abtrennung von den Polypoiden nur mit
vier Radiärkanälen versehen, zu Chrysomitra gehört, und
schildert die Knospung in einer von der bisherigen Auf-
fassung sehr abweichenden Weise. So soll namentlich
das coelenterische Canalsystem ohne Zusammenhang mit
dem Leibesraume der Amme selbstständig in dem Kno-
spenparenehym seinen Ursprung nehmen und anfangs
einen glockenförmigen Spaltraum bilden, der erst durch
Verwachsung der gegenüberliegenden Wandungen die
spätere Gestalt bekommt. Die primitiven Aussackungen
der Knospe sind nach unserm Verf. ohne Beziehung zu
dem coelenterischen Apparate und von Anfang an mit
zahlreichen Zellen gefüllt, die von dem Innenepithel des
Polypen abstammen. Die Medusenbrut der Velella ist
für die Untersuchung der Entwickelungvorgänge ein
offenbar so ungünstiges Object, dass sich Ref. der Ver-
muthung nicht entschlagen kann, der Verf. habe die ihm
vorliegenden Bilder nicht in jeder Beziehung richtig ge-
deutet.
Nach Metznikoff (Bullet. Acad. imper. St. Peters-
bourg T. XV. p. 95 — 99) sind die Eier der Siphonopho-
ren ohne Hülle und Keimbläschen. Sie unterliegen, wie
256 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
bereits bekannt, einer totalen Furchung und verwandeln
sich dadurch in einen runden Zellenhaufen, der sich mit
Fliniinerhaaren bedeckt und dann eine in ganzer Ober-
fläche (Haiistemma) oder doch wenigstens an bestimmter
Stelle (Agalma, Galeolaria) doppelte Zellenlage, das
Ectoderm undEntoderm, ausscheidet. Die Umwandlung
dieser flimmernden Larve zeigt übrigens grössere Ver-
schiedenheiten, als wir — auch nach den Mittheilungen von
Häckel (J. ß. 1869. S. 428) — vermuthen konnten.
Während bei Agalma punctatum (=s Apolemia uvaria)
und Physophora, wie bei der Mehrzahl der übrigen luft-
tragenden Siphonophoren zunächst und noch vor Ent-
wickelung der Lufttasche die Bildung eines aboralen
Deckstückes geschieht, kommt die Anlage der Lufttasche
bei Haiistemma rubrum gleichzeitig mit der Anlage einer
Schwimmglocke zum Vorschein. Bei einer zweiten Art
desselben Genus entsteht — wie esKowalewsky auch
für eine Agalmide beobachtete — zuerst die Anlage der
Luftblase, worauf dann die Bildung zweier Fangfäden
folgt. Die Entwicklung der Luftblase selbst wird durch
eine Verdopplung (Einstülpung ? Ref.) der Körperwandun-
gen vermittelt, so dass die Chitinwand derselben als eine
Ausscheidung des Ectoderm zu betrachten ist. Auch die
späteren Entwickelungsvorgänge gehen mehrfach aus
auseinander. So folgt der Bildung des ersten Deckstük-
kes von Apolemia alsbald noch die Anlage zweier neuer
abweichend gestalteten Deckstücke, die fast gleichzeitig
mit der Bildung der Luftflasche und der Umwandlung
des untern Larvenkörpers in den ersten Polypiden ihren
Ursprung nehmen und einen Organismus zusammensetzen,
der sich dann durch Hinzuftigung eines Fangfadens und Ta-
sters noch weiter complicirt. Bei Haiistemma rubrum da-
gegen entsteht nach der Luftblase* und der ersten Schwimm-
glocke auf der obern Hälfte des den ersten Polypiden
bildenden Larvenkörpers zunächst noch eine Reihe neuer
Schwimmglocken. Galeolaria entwickelt an dem obern
anfangs allein differencirten Theile des Larvenkörpers
gleichzeitig eine Schwimnaglocke (die kleinere) und eine
Fangfadenanlage , während der übrigen Larvenkörper
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 257
zu dem ersten Polypiden und dem Körperstamme wird,
welcher dann seinerseits zugleich das erste Deckstück,
die zweite (grössere) Schwimmglocke und die Nesselknö-
pfe hervortreibt. Die letztern haben abweichend von
dem Verhalten der lufttragenden Siphonophoren gleich
von Anfang an die difinitive Bildung.
Wie Verf. in einem späteren Nachtrag (ebendas.
p. 583) hinzufügt, verwandelt sich auch bei Hippopodius
der obere Theil des Larvenkörpers in die erste Schwimm-
glocke, während der untere Theil zum ersten Magen
wird. Die Entwickelung stimmt also mit der der Diphyi-
den, deren Verwandtschaft mit Hippopodius vom Ref.
früher betont ist. Nur darin findet sich ein Unterschied,
dass der Gallertkörper der Schwimmglocke hier bereits
in früher Zeit, noch bevor die Glocke sich als solche
erkennen lässt, in grosser Menge zwischen Ectoderm und
Entoderm ausgeschieden wird.
3. P o 1 y p i.
Calycozoa.
Im Gegensatze zu der früheren Vermuthung, dass
die von Busch als Kalliphobe beschriebene Larve den
Lucernarien zugehöre, haben die neueren Untersuchungen
Mecznikoff's darin den Jugendzustand einer skeletlo-
sen Polyactiniade nachgewiesen. Bullet. Acad. imper. St.
P&ersbourg T. XV. p. 502.
Anthozoa.
Klunzinger macht Mittheilungen über das Corall-
leben des rothen Meeres. Eine zoolog. Expedition auf ein
Coräilriff des rothen Meeres, Verhandl. des zool.-bot. Ver-
eins in Wien 1870. 8. 391—394.
Ueber die geographische Verbreitung der Polypen
an der Westküste Amerikas vergl. V er rill, Transact
Connecticut Acad. Vol. I. p. 558 — 567 mit specieller Auf-
zählung der bei Guayama, La Paz und Nicaragua ge-
sammelten Arten.
258 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Jones zählt in seinen Contributions to the natural
history of the Bermudas (Proceed. and transact. of Nova
Scotia Inst. nat. sc. Vol. IL 1869. June) 13 Corallen
auf, 8 Maderopinen, 1 Milleporine, 4 Gorgoniden. Die
Zahl derselben wird sich durch weitere Untersuchungen
wohl noch beträchtlich vermehren.
Duchassaing, revue des zoophytes et des spon-
giaires des Antilles Paris 1870 ist mir nicht bekannt ge-
worden.
Verrill wendet sich von Neuem gegen die mehr-
fach wiederholte Behauptung von Agassiz, dass die
sog. Tabulaten sammt und sonders den Hydroidr olypen
zugehörten. Nur für die Milleporen sei solches nachge-
wiesen, während die übrigen Tabulaten mit den echten
Polypen zu vereinigen seien und mit diesen grossentheils
sehr nahe und innige Beziehungen hätten. Die Quer-
scheidewände, deren Anwesenheit Mi In e Edwards und
Hai in e für ein charakteristisches Merkmal gehalten, seien
sehr untergeordnete Bildungen, die bei sehr verschiedenen
Formen vorkämen und nur durch die gleichzeitige Entlee-
rung der Geschlechtsproducte aus den radiären Fasern ver-
anlasst würden. Wo die Entleerung keine solche Perio-
dicität darbiete, da bilde ein jedes Fach seine eigene
Querwand, den leer gewordenen Raum damit ausschaltend.
On the affinities of palaeozoic tabulate Corals with exi-
sting species. Silliman's Amer. Journ. 1872. Voi. III.
p. 187—194.
Ueber das unter dem Namen Ammodiscics Lindahli
namhaft gemachte tentakellose Actinozoon, das an den
Portugiesischen Küsten in flachen Sandscheiben von 0,3
— 0,4 Zollen lebt und bei den Tiefgrundfischereien von
Gwyn Jeffreys und Carpenter in grosser Menge
hervorgezogen wurde, müssen wir erst weitere Mitthei-
lungen abwarten. Proceed. roy. Soc. 1871. Nr. 54. p. 258.
Kalliphobe Busch verwandelt sich nach M etschni-
koffs Untersuchungen (Bullet. Acad. imper. St. Peters-
bourg T. XV. p. 502 u. 503) in eine skeletlose Polyactinie
aus der Familie der Edwardsien. Dieselbe besitzt gleich
anfangs acht Tentakelrudimente und im Innern zwei
der niederen Thiere während des J. 1870 u. 1871. 259
Mcsenterialfilamente. Anfangs topfartig nimmt dieselbe
beim Auswachsen eine lange Röhrenform an. Dabei
bildet sie noch zwei neue Tentakel, die aber kleiner blei-
ben, als die primitiven. Das Hinterende ist abgerun-
det und die Körperfläche mit einer Menge in rosettenför-
mige Klümpchen angeordneter Nesselorgane versehen.
Die von Schneider undRötteken gemeinschaft-
lich angestellten Untersuchungen haben (Beitr. der ober-
hess. Gesellsch. für Natur- und Heilkunde 1871. März.
5 Seiten mit 1 Tafel) unsere Verff. zunächst zu der Ue-
berzeugung geführt, dass das von Milne Edwards und
Haime für das Wachsthum der Korallen aufgestellte be-
kanntlich sehr complicirte Gesetz für eine richtige Auf-
fassung der Verhältnisse unzureichend ist. Verff. unter-
scheiden überhaupt (bei den Arten mit dem Nummerus 6)
nur drei Ordnungen von Lamellen resp. Scheidewände,
je aus einer Doppelplatte gebildet — Verfl". sagen : je
paarig gestellt — , deren Zwischräume sich bei den Stein-
korallen später mit den Kalkplatten füllen. Solcher Dop-
pelplatten finden sich anfangs 24, 6 erster, 6 zweiter und
12 dritter Ordnung in regelmässiger Reihenfolge. Die
Platten erster Ordnung — bei einigen Arten auch der übri-
gen — tragen auf den einander zugewandten Flächen
vorspringende Längsmnskelstränge, sog. Fahnen. Nur
zwei einander gegenüberliegende Plattenpaare erster
Ordnung machten insofern eine Ausnahme, als die Fah-
nen hier von einander abgewandt sind, ein Umstand, der
— mit andern Zügen, besoders den Cardiacalwülsten,
deren eventuelle Beziehung zu diesen Scheidewänden bei
den VerfF. keine Berücksichtigung gefunden haben — auf
eine bilaterale Symmetrie der Hexactinien hinweist. Die
Kalkplatten entstehen zuerst in den Scheidewänden erster,
dann zweiter und schliesslich dritter Ordnung. Treten
noch mehr Lamellen auf, dann geht die Vermehrung in
der Weise vor sich, dass sich in dem Räume zwischen
einer Lamelle erster und dritter oder zweiter und drit-
ter Ordnung eine neue Lamelle dritter Ordnung er-
hebt und dass die alten Lamellen zweiter und dritter
Ordnung durch Vergrösserung in Lamellen höherer Ord-
260 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
nung sich verwandeln. Die Scheidewände der Octacti-
nien sind einfache Platten mit Fahnen, die in der rechten
und linken Körperhälfte nach derselben Richtung — Verff.
sagen in Folge eines Versehens nach entgegengesetzter
Richtung — hinsehen. So kommt es, dass nicht bloss Rechts
und Links eine völlige Symmetrie zeigt, sondern weiter
auch eine Rücken- und Bauchseite sich differencirt, von
denen die eine durch zwei einander zugewandte, die andere
durch zwei abgewandte Fahnen charakterisirt ist. Dass
bei den Rugosen diese Differenzirung noch weiter geht,
ist zur Genüge bekannt. Die übrigen Bemerkungen un-
serer Verff. betreffen besonders die Muskulatur der Lei-
beswand und des Magenrohres, so wie die Randkörper-
chen gewisser Actinien, die unsere Verff. als zusammen-
gesetzte Augen in Anspruch nehmen, deren Krystall-
kegel irrthümlicher Weise früher mit Nesselkapseln ver-
wechselt seien (?Ref.). Um jeden dieser Kegel soll eine oder
zwei und drei runde Linsen vorhanden sein. Dieselben
Zapfen und Linsen wurden bei Act. cereus an den Ten-
takelspiten gefunden, so dass es den Anschein hat, als
wenn diese Sinnesorgane unter den Actinen weiter ver-
breitet seien. Zum Schluss sei noch erwähnt, dass die
Hexactinien nach unseren Verff. sämmtlich einen — von
den Löchern der Scheidewände verschiedenen — Ring-
kanal besitzen, der den Mund engumfasst und diese Thiere
den Quallen in einer unerwarteten Weise noch weiter
annähert.
Kunth erkennt mit Ref. in dem von Milne Ed-
wards bei Crypthelia pudica beschriebenen Hautlappen
trotz der fehlenden Verkalkung das Analogen des Dek-
kels der Zoantharia rugosa. Zeitschrift der deutschen
zooiog. Gesellsch. 1870. p. 81.
Auch Lin dstr ö m, der erste Entdecker dieses Dek-
kelapparates, sucht bei den lebenden Korallen nach einem
entsprechenden Organe und glaubt dasselbe in den die
Mundöffnung umgebenden Skeletbildungen gewisser Prim-
noen (bes. Pr. lnpadifera und Paramuricea placomus), so
wie bei Cyathophyllum Loveni gefunden zu haben. Overs.
kongl. Vidensk. Acad. Förhand. Bd. 27. p. 922—926.
der niederen Thierc während der J. 1870 u. 1871. 261
In dieser Annahme wird Verf. noch bestärkt, da er
auch bei Goniophyllum pyramidale am Vorderendc vier
Klappen findet, die einander paarweise gegenüberstehen
und nur dadurch verschieden sind, dass eine derselben
grösser ist als die andern. Diese grössere soll nun dem
Deckel von Calceola, und Rhizophyllum homolog sein.
Cystiphyllum besitzt gleichfalls Klappen in grösserer An-
zahl. On some operculated Corals, silurian and recent.
4 S. Wisby 1870.
Verrill's review of the Corals and Polyps of the
west-coast of Amerika, dessen erste Hälfte wir bereits
im letzten J. B. (S. 439) anzuziehen im Stande waren,
liegt jetzt vollendet vor uns. Er füllt einen ansehnlichen
Theil der Transact. Connecticut Acad. Vol. I. (p. 377—558
mit 6 PI.) und führt schliesslich noch zu einer kurzen
Darstellung von der geographischen Verbreitung der Po-
lypen an der Westküste Amerikas (ibid. p. 558 — 567).
In der uns jetzt vorliegenden zweiten Hälfte (p. 501
— 558) handelt es sich bekanntlich um die Madr epora-
rier, die nach unserm Verf. in die drei Unterordnungen
Madreporacea, Ocuiinacea und Fungacea zerfallen.
Subord. Madreporacea setzt sich aus den Familien
der Madreporidcn, Poritiden und Eupsammiden zusammen,
von denen die letztere durch die manchfaltigsten Arten
repräsentirt ist. Die erste Familie, die überhaupt nur
zwei Genera Madrepora und Montipora enthält, wird nur
durch M. fragosa u. vertreten, während aus der zweiten
Familie fünf Arten des Gen. Porites (mit P. californiaa,
P. porosa, P. exoavata, P. nodulosa nn. sp.) der westame-
rikanischen Fauna zugehören. Die Familie der Eupsam-
miden enthält Arten der Gen. Dendrophyllia (2 Sp.),
Astropsammia Verr. (1 Sp.), Rhiz opsammia n« gen.
(Rh. pulchra n.) und Balanophyllia (1 Sp.).
Rhizop sammi aYerr. Corallum Compound , low. encrusting,
extending by stolon4ike expansions of the base, from which buds arise.
Corallites cylindrical or nearly so, connected by thin creeping ex-
tensions of the base, which have the same porous texture as the
wall. Polyp-cells circular or elliptical. Septa thin, crowded, a little
projeeting, arranged in four or five cycles, those of the last cycle
2t VI Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
well developed, united to those of the preceeding cycle, which rise
up in the form of prominent paliform lobes, beyond which the
central region of the cell is deep. Columella very porous, its sur-
face papillose. Walls very porous, destitute of epitheca, with scar-
cely distinct costae, but with series of'rough granules. (Entpricht
durch seineWachsthumsverhältnisse dem Gen. Astrangia in der Gruppe
der Oculinaceen.)
Subord. Oculinaea Verr. wird folgendermassen
charakterisirt:
Corallum simple or Compound , encrusting or branched, of
firm tcxture, with irnperforate solid walls and septa. Cells gena-
rally small, tubulär. Polyps when expanded rising above the cell or
long exsert, the mouth protuding, the tentacles 10 — 48, some times
more, elongated. the tips usually, if not always, swollen or capitate,
their surface coyered with small wart-like Clusters of urticating cells.
The Compound species increase by basal and lateral budding, and
there is tendency to form hard compact corals, the coenenchyme
being, when present, very compact, the walls are often thickened
or the cells may be partially filled up and oblitterated (as in Oculi-
nidae. some Stylasteridae etc.). The transverse plates within the
cells are usually few and distant, and may be entirely wanting; in
some cases they are coincident in all the interseptal Spaces, so as
to form continuous tranverse plates or septa (as in Pocilloporidae).
The septa of the first and second cycles, at least, have the edge
entire or nearly so, often . all the septa are entire. The exterior
of the walls is generally more or less costate, sommetimes finely
granulous or spiculose, but never strongly spinöse.
Hieher als Hauptfamilien die Stylasteriden, Oculini-
den, Pocilloporiden, Stylophoriden, ?Styliniden, Astrangi-
den , Caryophylliden, von denen aber nur vier an der
Westamerikanischeu Küste Vertretung linden : die Sty-
lasteriden durch zwei Arten des Gen. Allopora Ehr.,
unter denen A. venusia n. (— A. californica Pourtal.),
die Pocilloporiden durch zwei Arten des Gen. Pocil-
lopora (von denen aber eine P. capitata Verr. dreierlei
Varietäten aufweist), die Astrangiden durch 9 Arten, die
Caryophylliden durch 4 (die Turbinoliden durch 1). Die
Astrangiden gehören meist zu dein Gen. Astrangia, das
dabei durch A. Pedersenii und A. (Coenangia Verr.) con-
ferta bereichert wird — ausserdem durch A. palifera aus
Ceylon, die aus Versehen mit abgebildet wurde. — Unter
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 263
den Caryophyllidcn wird als neu beschrieben Paraoyathus
humilis.
Das neue Subg. Coenan gia unterscheidet sich von Astran-
gia s. st. besonders durch Abwesenheit der stäbchenartigen Zähne
an der Septis, und eine mehr Asträa-artige Form des Wachsthums.
Ihm gehören ausser der oben namhaft gemachten Art einige Ter-
tiärformen an.
Die Unterordnung derFungaceen ist nur spärlich
vertreten. Sie enthält ausser 1 Fungia nur 1 Pavonia
und 1 Stephanaria.
Die hinzugefügten Nachträge betreffen theils die
Pennatuliden, theils die Gorgoniden und enthalten u. a.
die Beschreibungen einiger neuen Arten: Leptogorgia
pulchra, L. tenuis, L. labiata, L. exiguay Eugorgia mulii-
fida, Heterogorgia papulosa.
In der zweiten Nummer des Illustrated catalogue of
the Museum of comparative zoology handelt Pourtales
über deep-sea corals (Cambridge 1871. 93 Seiten mit 7 Taf.),
ihre geographische Verbreitung und bathymetrisehe Ver-
keilung. Es sind dieselben Formen, die unser Verf. (vgl.
den vorj. J. B. S. 445) bereits in dem Bulletin zool. Mus.
Cambr. vorläufig diagnosticirt hatte, die Ausbeute seiner
Draggungen an der Küste von Florida und Cuba, nur
dass sie hier nach erneuter Untersuchung und Verglei-
chung, mit vielfach veränderten Characteren und durch
eine Anzahl neu hinzugekommener Arten vermehrt, aus-
führlicher beschrieben und grossentheils auch abgebildet
werden. Anhangsweise hat unser Verf. noch eine Auf-
zählung und kurze Charakteristik der an der Küste Flo-
rida's , lebenden Riffcorallen hinzugefügt, die einem über
diese Thiere demnächst erscheinenden Werke von Agas-
si z entnommen sind. Das System betreffend, schliesst
sich Verf. im Wesentlichen den Ansichten von Milne
Edwards und Haime an, nur dass er hier und da die
Unterfamilien zu dem Range wirklicher Familien erhoben
und aus ihren früheren Beziehungen zu lösen sich veran-
lasst gesehen hat. Ein wirklich natürliches System wird
nach den Ansichten unseres Verf.'s überhaupt erst mög-
lich sein, wenn neben den Hartgebilden auch zugleich die
204 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Weichtheilc der Polypen unserer Untersuchung zugänglich
geworden sind. Durch ausschliessliche Berücksichtigung
der erstem entstehen vielerlei falsche und unnatürliche
Combinationen, wie denn z. B. die Eupsammiden bei Kennt-
niss ihrer Polypen niemals mit den Madreporinen wür-
den zusammengestellt sein, obwohl beide dasselbe poröse
Coenenchym besitzen.
Aus der Familie der Turb inoliden, deren Ein-
teilung in Caryophyllinen und Turbinolinen als unpas-
send verworfen wird, beschreibt Verf. 4 Arten des Gen.
,Caryophyllia Stok., 1 Stenocy albus n. gen. (St. ver-
miformis Pourt. — früher, wo die Einzelthiere als zu-
fällig isolirte Aeste angesehen werden, als Coenocyathus
beschrieben) , 2 Paracyathus M. Edw. H. , 1 Leplocya-
tus M.Edw. H. (L. Stimpsoni n.), 2 Thecocyathus M.Edw.
H. (Th. laevigatus n. sp.) , \ Trochocyathus M. Edw. H.
(Tr.? coronatus früher Platytrochus coronatus Pourt.),
1 Deltocyathus (D. Agassizii Pourt. — den Dune an
wohl nur mit Unrecht als identisch mit dem allerdings
nahe verwandten fossilen D. italicus ansieht), 2 Des-
mophyllum Ehr., daruntur D. solidum (n. sp.) , 1 Rhi-
zotrogus. Die Tro ch osmiliden, aus denen der Verf.
eine eigene Familie bildet, stellen 4 Arten, die sämmt-
lich neu sind und bis auf eine sich, wie die Rugosen,
durch Knospenbildung im Innern des Kelches ver-
mehren: Cerathocyatltus prolifer (einem sonst fossilen Ge-
schlechte zugehörig), Parasinüia Lyinani, P. variegata,
Coelosmilia seeunda, mit Knospen am äusseren Rande des
Calyx. Zu der Familie der Oculinen gehören 2 Ar-
ten des Gen. Oculina M.Edw. H. (mit 0. tenella n.), 1
Diplohelia M. Edw. H, 3 Lophohelia M. Edw. EL (mit
L. exigua n. und L. Carolina n.). Dem Gen. Lophohelia
glaubt Verf. auch Amphihelia M. Edw. H. hinzurechnen
zu müssen. Auch Diplohelia ist schwer abzutrennen, kann
aber als Genusbezeichnung für solche Formen beibehal-
ten werden; deren Calyces au den cylindrischen Zweigen
nur wenig hervortreten. Die Farn, der Stylophori-
den ist durch Madracis asperula M.Edw. H. vertreten,
durch ein Geschlecht, mit dem auch Axohelia M. Edw.
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 265
vereinigt werden muss, obwohl letzteres ursprünglich
einer ganz andern Gruppe zugesellt wurde. Typische
Ast räid en giebt es in der Tiefsee nicht und auch die
wenigen Stylinaceen (Galaxea eburnean.), Cadocoraceen
(1 sp.), Atrangiaceen (3 Arten mit C olangi a immer 8a
n. sp. et n. gen.), die Verf. aufführt, sind vielleicht erst
durch Strömungen an ihre Fundstätte gebracht worden.
Die von unserm Verf. neu begrenzte und eingereihete
Familie der Stylasteriden zählt in der Tiefsee eine
ganze Anzahl von Vertretern : 5 Stylaster, darunter St.
filogranus und St. punctatus nn.), 1 Cryptohelia, 1 Allo-
pora, 2 Distichopora, 1 Errina, 2 Lepidopora. Die Eu-
psammiden der Tiefsee bestehen aus 1 Balanophyllia,
2 Thecopsammia, 2 Dendrophyllia (D. comucopia und D.
cyathoides, beide neu) und die Fungide n aus 1 Fungia
{F. symmetrica n.), 2 Diaseris (mit D. crispa n.) und 1
Mycedium. Die merkwürdige Hapiophyllia paradoxa giebt
dem Verf. Veranlassung, das Wachsthumsgesetz der Ru-.
gosen zu erörtern — freilich in einer von Kunth J. B.
1869. S. 457) sehr abweichenden Weise. Die jugendlichen
Rugosen, so zeigt derselbe, haben nicht vier , sondern
deutlich sechs Scheidewände, von denen aber eine, die
vordere, sehr bald zurückbleibt, so dass die daneben lie-
genden Kammern über derselben zusammenfliessen. Diese
beiden Kammern bleiben ungetheilt, während die übrigen
sich wiederholt theilen, aber immer nur einseitig, durch
Einschiebung einer neuen Scheidewand in die dem vordem
Scptum zugekehrte Kammer. Dass die Tiefsee auch
Antipatharier aufweist, ist schon aus den früheren
Mittheilungen unseres Verf.'s bekannt, gegenwärtig wer-
den 5 Arten namhaft gemacht, von denen eine (Antipathes
lenta) neu ist.
Ste nocya t lins Pourt. e fam. Turbinolid. Corallum simple,
free, very elongated and of nearly equal diameter throughout; a
single crown of pali ; a columella of one or more twisted process ;
no epitheca.
Colangia Pourt. e fam. Astraeid. (subf. Astrangiacear.) Coral-
lum immersed in an expanded epithecal membrane, forming seve-
ral succesive stories, following the growth of the coral. Primary
and secondary septa entirc; those of the lower cycles denticulate.
266 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Well developed pali in front of the tertiaries. Colurnella lamellar
or papillose, not rauch developed. (Namentlich durch die starke
Entwickelung der Epitheca von Phyllangia verschieden, die derselben
entbehrt.)
LepidoporaPourt. e fam. Stylasterid. Corallum finely bran-
ching-, interseptal Chambers separate from calicles, in the shape of
slit tubercles; lip of calicle projecting in a scale over the calicle.
Vereinigt die Charaktere von Erinna und Cryptohelia, mit welcher
letzterer es die klappenartig vorspringende. Lippenwand (Deckelrudi-
ment) theilt.
Die Familie der Stylaste riden selbst wird folgendermassen
umgrenzt : Corallum generally branching, frequently colored, multi-
plying by gemmation. Calicles small and deep, septa all equal, uni-
ted by their inner edges and sometimes containing in the closed in-
terseptal Chamber rudimeutary septa of a higher order; in some
genera the septa are merged in the coenenchyma and the inter-
septal Chambers are at some distance from the calicle. Colurnella
styliform or globular. spongy and hirsute. Coenenchyma abundant,
finely porous and permeated by fine canals. Die Beziehungen der
dahin gehörenden Genera stellen sich am besten durch die nachfol-
gende Uebersicht heraus.
1. Stylasteridae with distinct septa.
a. Gemmation alternate.
«, Calycles regulär Stylaster Gray.
ß. Calycles labiate Crypthelia M. Edw.
b. Gemmation irregulär Allopora Ehrbg.
2. Septa obliterated, interseptal Chambers distant from fossa.
a. Calycles confluent on edge of corallum. Distichopora Lmk.
b. Calycles labiate. . , Lepidopora n.
c. Calycles without lip , . . Errina Gr.
Die an der Küste Floridas riffbildenden Corallen
bestehen nach Pourtales und Agassiz (ebendas. S. 65
— 86) aus 2 Oculinen (Oc. robusta n.), 1 Stylophoride,
31 Astraeiden (darunter Astrocaenia pectinata n. und Cla-
docora brevis n.), 6 Fungiden, 1 Stylasteriden, 3 Madrepo
riden, 3 Poritiden und 2 Milleporiden.
Ebenso hat Duncan die bei Gelegenheit der Pro-
cupine-Expedition von Carpcnter und dessen Genossen
gedretschten Steinkorallen einer näheren Untersuchung
unterzogen. Sie repräsentiren zwölf Species, von denen
einzelne aber, wie Carophyllia borealis Fl. und Lopho-
helia prolifera Pall. in der Tiefsee eine ganze Anzahl
der niederen Thiere während der J. 1850 u. 1871. 207
von Varietäten aufweisen, die früher meist gleichfalls
für Arten gehalten sind. Zu der erstem gehöreil u. a.
C. clavus, C. Smithii, C. cyathus, zu der andern sogar
sämrntHche bisher als Arten beschriebenen Formen von
Lophohelia: L. anthophyllites M. Edw. H. , L. subco-
stata M. Edw. EL, L. afflnis Pourt, L. Defrancei Defr.,
L. gracilis Seguenza. Neu sind unter den beobachteten
Arten nur zwei : Amphihelia atlantioa und A. omata.
Zwei andere waren bisher bloss als fossil aus Italien
bekannt (Cerathocyathus ornatus Seg. und Amphihelia
miocenica Seg). Caryophyllia borealis FL, Flabellum la-
ciniatum M. Edw. IL (= Ulocyathus areticus Sars) und
Lophohelia prolifera PalL, die in zahlreichen Exempla-
len vorlagen, sind gleichfalls in den tertiären Abla-
gerungen Italiens und Siciliens versteinert anzutreffen,
die erste und letzte derselben auch heute noch le-
bend im Mittelmeere vertreten. Ebenr,o die Amphihelia
oculata L., die gleichfalls dem Verf. aus den Carpen-
ter'schen Vorräthen vorlag. Wie mit dem Mittel-
meere so hat der Atlantische Ocean im Westen Islands
auch drei Arten mit der Tiefseefauna von Florida ge-
mein: Balanophyllia socialis Pourt., Amphihelia profunda
Pourt., Pliobothrus symmetricus Pourt. On the Madre-
poraria dredged up in the expedition of Procupine. Proc.
Roy. Soc. 1870. T. XVIII. p. 289—301', Ann. nat. hist.
1870. T. V. p. 286-298.
Bei einer spätem Expedition wurde von Carp en-
ter und Gwyn Jeffreys auch noch die bisher bloss
aus der Kreide bekannte Caryophyllia cylindrica Reuss an
der Iberischen Halbinsel lebend aus der Tiefe hervorge-
zogen. Dune an, Proc. Zooi. Soc. 1871, Ann. and Mag.
nat. hist. T. VIII. p. 443.
An der Spanisch-Portugiesischen Küste dretscht
Kent ausser Caryophyllia Smithii Stok., Lophohelia proli-
fera M. Edw., Amphihelia oculata M. Edw. auch noch
Desmophyllum crista galli M. Edw. und Dendrophyllia
ramea ßl. Annais and Mag. nat. hist. T. VI. p.459 — 461.
Gwyn Jeffreys erwähnt ebendaher noch das
bisher nur von Japan bekannte Flabellum distinetum
268 Leuckart: Bericht üb d. Leist. in d. Naturgeschichte
und eine mit Bathycyatus verwandte neue Form : Coe-
nocyathus n. Proc. roy. Soe. 1871. Nr. 54. p. 258.
Gray, catalogue of lithophytes or stony corals in
the collection of the british museum London 1870 ist
mir nur aus Mittheilungen englischer Blätter bekannt ge-
worden.
Kent handelt (Proceed. zool. Soc. 1871. p. 275— 286
PI. XXU1 — XXV) on some new and little-known Species
of Madrepores or stony corals in the british Museum-
collection) und beschreibt dabei folgende Arten : e Fam.
Turbinol. Acanthocyathus spiniger n. Japan, Flabellum
matricidum n. ebendah. , e Fam. Oculinid. Amphihelia
infundibulifer (Lam.) Kent, Stenohelia maderensis (Johnst.)
Kent, Stylaster amphiheloides n. Cap d. g. H., St. asper n.
unbek. woher, Styl, eximius Kent (== St. elegans Mich.),
Allopora nobüis n. , A. explanata n., A- subviolaeca n.,
alle drei von unbek. Fundort, Distichopora rosea n. Ostk.
von Australien, Erinna aspera (Esp.) Gray, Fentalo-
p hör a (n. gen. = Reussia Mich.) lamellosa (Mich.), e
Fam. Astraeid. Tridacophyllia alcicornis n., Tr. echinata n.,
beide von den Salomon-Ins., Oxypora (n. gen. == Tra-
chypora Verr.) lacera Ver., e Fam. Fungid. Leptoseris
striatus n. Borneo, e Fam. Madreporid. Balanophyllia
imperialis n. Singapore, B.malaccensis n., B. parvistella n.
unbek. woher. Flabellum matricidum treibt innerhalb
des Kelchrandes eine cylindrische Knospe, die nach eini-
ger Zeit die mütterliche Coralle sprengt und auseinan-
der bröckeln lässt.
Vc rri ll's Abhandlung on new and imperfectly known
Echinoderms and Corals (Proceed. Bost. Soc. nat. hist.
Vol. XII) enthält p. 392—396 Mittheilungen über Astro-
psam mia (n. gen.) Pedersenii n. sp. Golf von Californien,
Dendrophyliia surcularis n. sp. Bay von Panama, Fara-
oyathus Steamii n. sp. Californien, F. caltha n. sp. Cali-
fornien, Pavonia gigantea n. sp. Penul-Ins., F. clivosa n.
sp. ebendaher.
Das neue Gen. wird mit folgender Diagnose eingeführt:
Ast7'opsaimmia Verr. e fam. Eupsammidarum. Corallum
massive, consisting of Astraea-like corallites, united quite to their
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 269
summits by an abundant very porous coenenchyma. Walls scarcely
distinct from the coenenchyma, very porous. Septa in four cycles
with some meinbers of a fifth, those of the fourth uniting to those
of the third. Columella usually well developed, composed of loose,
convoluted and twistes lamellae and trabeculae. Cells at times
shallow, the interseptal Spaces cut off below by thin transverse
septa, which often nearly coincide in all the Chambers. Budding
chiefly marginal and interstitial.
Kent stellt für Allopora maderensis Johns, das neue
Gen. Sten olielia auf, das zumeist mit Endohelia und
Cryptohelia M. Edw. H. verwandt ist und auch Stylaster
complanatus Pourt. in sich einschliesst. On a new ge-
nus of the Madreporaria or stony corals, Ann. and Mag.
nat. hist. T. V. p. 120—123. Für das neue Genus wird
folgende Diagnose aufgestellt :
Sten olielia Kent. Corallum dendroid, flabelliform; surface
of the coenenchyma delicately striate. Calyces all turned one way,
pedunculate, compressed transversaly to the axis of the peduncles.
Septa equal, scarcely exsert. Columella styliform, deeply immersed.
Pali rudimentary. Calicular fosse deep. Increasing somewhat irre-
gularly by alternate distichal or subdichotomous gemmation. Am-
pullae not essential, developed to a more or less considerable extend.
Nach einer Mittheilung desselbe n Verf.'s existirt
in der Pariser Madreporensammlung eine Coralle, die eine
grosse Aehnlichkeit mit Alvcopora fenestrata Dana besitzt,
durch die Anwesenheit zahlreicher , vollständiger Hori-
zontalscheid ewände aber als Tubulate sich ergiebt. Verf.
vergleicht diese Form der fossilen (der Kreideperiode an-
gehörenden) Koninckia und benennt sie als Fav ositipora
(F. Deshayesii), da durch die Strukturverhältnisse der-
selben die bis dahin als geschieden betrachteten Gruppen
der Poritiden und Favositiden ihre Ausgleichung fänden.
Eine zweite paläozoische Art desselben Genus (aus dem
Nordamerikanischen Devon ?) wird F. palaeozoica benannt.
Die Beziehungen zu Alveopora sind Verf. ein neuer
Beweis, dass die Tubulaten den Anthozoen und nicht
den Hydrozoen zugehören. On an existing coral closely
allied to the palaeozoic genus Favosites, Annais and Mag.
nat. hist. T. VI. p. 384-387. PI. XVII. u. XVIII.
Stylopor-a dumetosa, Lophosmüia ure-na, 0 xysmilia
Archiv für Naturg. XXX VIII. Jahrg. 2. Bd. S
270 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
n. gen., auf Lophosmilia rotundifolia M. Edw. H., Th a~
lamophyllia (n. gen.), auf Desmophyllum Riisii Duch.
Mich, begründet, Agaricia frondosa, sämmtlich neu, be-
schrieben bei Duchassaing 1. c.
Fungia elegans n. sp. aus La Paz, Verrill in Silli-
man's Amer. Journ. 1870. Vol. 49. p. 108.
Dass die bisher bloss in den warmen Meeren beob-
achteten Antipathesformen eine grössere Ausbreitung
besitzen, beweist die Mittheilung, die Lütken über A.
arctica n. sp. von der Grönländischen Küste gemacht hat,
Overs. k. D. Vidensk. Selsk. Forhandl. 1871. Nr. 2. p. 18
— 26 mit Holzschnitt. (Antipathes arctica en ny Sortkoral
fra Polarhavet.) Bullet, soc. roy. Dan. 1871. p. 6—8. Die
neue Art, die nach einem in Scymnus microcephalus
aufgefundenen Exemplare beschrieben ist, lebt voraussicht-
lich in grosser Tiefe und trägt etwa ein Dutzend Zweige,
die rechts und links von dem stachligen Stamme alter-
nirend unter rechtem Winkel abgehen.
Antipathes taxiformis, A. melancholica, Arachno-
pathes columnaris , Rhipid ip atkes tristis nn. sp.
Duchass aing 1. c.
Die schon im letzten Berichte nach einer vorläufi-
gen Mittheilung kurz erwähnten Untersuchungen von P ou-
chet undMyevre über Alcyonium (contribution a l'ana-
tomie des alcyonaires, Journal de l'anatomie et de la
physiol. 1870. p. 285—315. Tab. IV— VII) betreffen nicht
bloss die Muskulatur, die allerdings besonders eingehend
behandelt ist, sondern den feineren Bau überhaupt, mit
Ausnahme der Geschlechtsorgane. Freilich nimmt unter
der Hand der französischen Histologen dabei gar Man-
ches eine Form an, die von der bei uns üblichen An-
schauungsweise — wir verweisen dabei namentlich auf
Kölliker's Arbeiten über denselben Gegenstand —
abweicht. So leugnen die Verff. z. B. die Faserzellennatur
der Muskel elemente, sie zweifeln daran, dass die Stern-
zellen des Coenenchyms als Bindegewebskörperchen zu
betrachten seien, verkennen die wahre Natur der die Saft-
gefässe erfüllenden Zellen u. s. w. Andererseits aber
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 271
sind die Angaben derselben immerhin beachtenswert}].
Wir entnehmen denselben u. a. die Thatsache, dass das
Gewebe, welches die Grundlage des gesammten Stockes
bildet und trotz der Anzweifelungen der Verff. bestimmt
mit Recht als Bindesubstanz in Anspruch genommen wird,
bei den ausgebildeten Thieren ohne Epithelialbeklcidung
ist und mit den darin enthaltenen Spicula frei (auch an
den Einzelthieren) zu Tage liegt. Die Spicula selbst haben
nicht bloss in ihrer Peripherie, sondern in ihrer ganzen
Masse eine organische Grundlage, die sich durch Behand-
lung mit Säuren isolirt herstellen lässt, obwohl die Ent-
wicklung derselben von keinerlei specifischen Gebilden
ausgeht. Die sog. kleineren Saftgefässe, die in Form eines
Netzwerkes die Grundsubstanz durchziehen und aus den
grösseren Canälen, die nichts anderes sind, als die basalen
Leibeshöhlen der einzelnen Polypen, hervorkommen, sind
nicht hohl, sondern mit einer zelligen Pulpa gefüllt, die
Nesselkapseln in sich einschliesst. Hier und da beob-
achtet man darin allerdings (bei A. palmatum) einzelne
kleine Höhlungen, die von einer epithelartigen Zellen-
lage bekleidet sind, aber ein Zusammenhang derselben
mit den Lumina der grösseren Canäle wird nirgends
wahrgenommen.
Unter den monographischen Abhandlungen, die wir
in unserem diesmaligen Berichte zu . berücksichtigen ha-
ben, ist eine der wichtigsten und eingehendsten die „ana-
tomische Beschreibung der Alcyonarien" von Kölliker,
die in den Abhandlungen der Senkenberg, naturf. Ge-
sellschaft publicirt ist, und deren erste Hälfte, die Pen-
natuliden umfassend (264 Seiten, 17 Tafeln Abbild.), im
VII. Bande des genannten Sammelwerkes (Frankfurt 1870)
vollständig vorliegt. Den Ausgangspunkt dieser Arbeit
bilden die Untersuchungen unseres Verf.'s über die Bin-
desubstanz der Alcyonarien, die schon vor längerer Zeit in
den bekannten Icones histiol. niedergelegt sind, und der von
ihm zuerst vollständig erkannte Polymorphismus der Pen-
natuliden (und einiger Alcyoniden). Die dabei beobach-
teten eigenthümlichen Verhältnisse erregten den Wunsch
eines eingehenden Studiums, und die reichen Früghte
272 Leuekart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
dieses letztern nun sind es, die Verf. jetzt bietet. Nach
allen Richtungen bin hat derselbe die Organisation die-
ser Thiere verfolgt und das obendrein an einem Materiale,
wie es wohl niemals bisher einem anderen Forscher zur
Disposition stand. Allerdings bleiben immer noch Dun-
kelheiten übrig — in Betreff der Entwickelung sind wir
noch heute auf blosse Vermuthungen angewiesen — aber
alle diese Lücken sind erst fühlbar geworden, seitdem
wir durch unsern Verf. über die Organisation und die
Lebensgeschichte dieser wunderbaren Wesen einen so be-
friedigenden Aufschluss gewonnen haben. Wir dür-
fen nach der vom Verf. gegebenen Anregung der Hoff-
nung leben, dass uns auch hier bald eine bessere Ein-
sicht wird. Was den systematischen Theil des Werkes
betrifft, so sind die einzelnen Species nicht lose an ein-
ander gereihet, sondern, ihrerVerwandtschaft entsprechend,
in Gruppen vereinigt, die dann den einzelnen Geschlech-
tern unterstellt werden. Die Species selbst betrachtet Verf.
als wandelbare Grössen, während er für die Gattungen
und höheren Gruppen mehr den Charakter des Bleiben-
den in Anspruch nehmen möchte. Bei der Darstellung
legt Verf. desshalb denn auch einen besonderen Werth
auf die Charakteristik der Gattungen, die in sehr einge-
hender Weise, bei Pteroeides z. B. durch 32 Seiten hin-
durch, behandelt wird. Natürlich, dass wir den reichen
Inhalt dieser Darstellungen hier nicht vollständig wieder-
geben können. Wir verweisen dafür auf das Werk selbst,
das Niemand entbehren kann, der sich ein erschöpfendes
Bild der Pennatuliden vorführen will, und begnügen uns
mit einer übersichtlichen Skizzirung des systematischen
Inhalts, dem wir zur allgemeinen Charakteristik der Fa-
milie noch einige Bemerkungen vorausschicken. Die
Formverhältnisse der Pennatuliden, die sämmtlich Colo-
nieen mit zweierlei Individuen bilden, werden dabei als
bekannt vorausgesetzt, ebenso die Thatsache, dass die Po-
lypen bald rund um die gestielte Achse gruppirt sind,
bald bloss an der einen (dorsalen) Fläche, bald auch bloss
an den Scitentheilen angebracht sind. Sie sind retractil,
entweder mit ihrer ganzen Masse (Veretillum) oder doch
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 273
wenigstens mit dem obern tentakeltragenden Ende, so
dass dann (Funiculina, Halipteris) der untere Theil in Form
einer relativ starren Röhre nach Aussen hervorragt. Denkt
man sich diese Röhren verästelt und unter sich verschmol-
zen, so erhält man besondere polypentragendc Organe
(Virgularia, Pennatula u. s. w.), die als Fiedern oder Blät-
ter bezeichnet werden und wie Zweige an dem jetzt als
Kiel zu benennenden Stamm ansitzen. Die Blätter sitzen
immer seitlich und zwar so, dass man eine obere und
untere Fläche, so wie einen dorsalen, ventralen und basa-
len Rand unterscheiden kann. Mit dem Alter wächst
die Zahl der Blätter durch Neubildung am untern (Stiel-)
Ende. Die Polypen nehmen stets den dorsalen Stamm oder
dessen Nähe ein, falls sie in mehreren Reihen vorkommen
und der Randsaum nicht verbreitert ist, während die
Zoiden bekanntlich eine sehr verschiedene Gruppirung
haben, entweder über den ganzen Polypenträger ver-
theilt sind (Veretillum), oder am Kiele oder an den Blät-
tern sitzen. An den Blättern nehmen sie bald die obere
Fläche ein, und dann sind sie mehr vereinzelt, bald auch
die untere, wo sie dann eine mehr zusammenhängende
grössere oder kleinere Platte bilden. Die Zoiden des
Stieles finden sich sowohl seitlich, zwischen den Blättern,
wie am Rücken, wo sie entweder einen kürzeren breite-
ren Streifen, der am obersten Ende des Kieles die Mitte
einnimmt, bilden, oder einen längeren, oft sehr langen,
und schlanken ein- oder zweireihigen Streifen , resp.
auch an der Bauchfläche, an der sie stets zwei seitliche
Züge darstellen. Die Zoiden sind ohne Tentakel und Ge-
schlechtsorgane und haben nie mehr als zwei Mesenterial-
filamente, die den langen schmalen Filamenten der Ge-
schlechtsthiere entsprechen. Die Leibeshöhlen stehen überall
mit dem allgemeinen Canalsystem des Stockes in Verbin-
dung, zeigen aber insofern ein verschiedenes Verhalten,
als sie bald in ganzer Länge gleich weit sind, bald auch
nach kurzem Verlaufe sich beträchtlich verengen (Vir-
gularia) und dann gewissermassen mittelst einer Verbin-
dungsröhre dem erstem sich inseriren. Die Verbindung
mit den Centralcanälen erstreckt sich aber nirgends über
274 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
die Insertion der Polypen nach abwärts. Bei manchen
Gattungen (Pteroeides, Pennatula, Halisceptruni) sind die
Leibeshöhlen der einzelnen Individuen auch durch eine
grössere oder geringere Zahl von Seitenöffnungen unter-
einander in Zusammenhang. Das allgemeine Kanalsystem
des Stockes, mit dem also alle diese Leibeshöhlen
conimuniciren, besteht gewöhnlich aus vier (bei Renilla
nur aus zwei) Kanälen , von denen zwei seitlich, die
beiden andern dorsal und ventral liegen. Die erstem hö-
ren am untern Ende allmählich auf und auch die beiden
andern verschmelzen schliesslich, um auf der Spitze des
Stieles, wie es scheint, mit einer kleinen Oeffnung aus-
zumünden. Auch im Kiele sind in vielen Fällen vier
Kanäle vorhanden, die entweder eben so symmetrisch
um die Achse oder einen Centralstrang liegen, wie im
Stiele (Virgularia,Veretillum) oder nur zu zweien die Achse
umgeben (Pennatula, Leioptilus). -Bei noch andern verküm-
mern die lateralen Kanäle des Kieles bis zum völligen
Schwunde (Pteroeides). Die§e Centralkanäle stehen aber
nicht bloss mit der Leibeshöhle der Polypen in Ver-
bindung, sondern entsenden auch noch zahlreiche Aeste
in die Wandungen des Stammes, die im Allgemeinen
zuäusserst, d. h. nach Innen von der Cutis, der Länge
nach, weiter nach einwärts dagegen quer verlaufen. Aus
diesen meist dem blossen Auge sichtbaren grösseren Er-
nährungskanälen wird das Sarkoma der Pennatuliden aber
ebenso wie das der Alcyoniden von zahlreichen feinen
Röhren durchzogen , die wie die grössern Kanäle ein
Epithelium im Innern tragen, von diesem aber vollständig
ausgefüllt sind, so dass sie nicht eigentliche Kanäle dar-
stellen, sondern vielmehr Zellenstränge, die (ohne son-
stige Wandungen) frei in das bindegewebige Sarkom
eingelagert sind. Dass durch diese Zellenstränge hindurch
auch bei Abwesenheit eines wirklichen Lumens eine Fort-
leitung der Ernährungsflüssigkeit geschehen kann , ist
wohl ausser Zweifel. Sie bilden reichliche Netze von
oftmals sehr geringem Durchmesser, so dass man leicht
auf den Gedanken kommen könnte, dass sie schliesslich
mit den Zellen der Bindesubstanz zusammenhingen. Aus-
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 276
serdem verbinden sich aber auch die geschlechtslosen In-
dividuen mit dem Systeme der Ernährungskanäle und
stellen viele besondere Ausmündungen desselben nach
Aussen dar. Die von delle Chiaje und andern For-
schern (auch von Max Schultz e) bei den Pennatuliden
beschriebenen Wasserpori sind an unverletzten Exem-
plaren nicht vorhanden. Der Stiel ist mit kräftig ent-
wickelten Muskeln versehen, die eine aus Längs- und
Ringsfasern gebildete peripherische Schichte bilden, aber
auch sonst überall in der Wand der Ernährungskanäle
gefunden werden. Nerven Hessen sich nirgends mit Be-
stimmtheit nachweisen. Doch findet sich (Pteroeides) in
den Polypen an der Anheftungsstelle der Mesenterialfila-
mente und weiterhin an derjenigen der Septula je ein
besonderer longitudinaler Faserzug, der weder dem Mus-
kelgewebe, noch der Bindesubstanz zugehört und von
unserm Verf. ohne Bedenken als Nerv gedeutet werden
würde, wenn es demselben gelungen wäre, davon abge-
hende Zweige aufzufinden. Von den acht Septulis sind
zwei mit sehr langen und schmalen Mesenterialfilamenten
ausgestattet, die bis weit in die Leibeshöhle hinabrei-
chen. Sie sind beständig ohne Genitalkapseln, die aber
auch sonst gewöhnlich noch 2 oder selbst 4 der Septula
frei lassen. Die Geschlechtsprodukte entstehen im Epi-
thel der Septula durch stärkere Entwicklung einzelner
Zellen, die dann später von den benachbarten Zellen um-
hüllt werden. Die Entwickelung betreffend vermuthet
unser Verf., dass der aus den flimmernden Embryonen
hervorgehende Polyp sich zunächst der Länge nach in
zwei und vier Individuen theile und dadurch zu einer
Colonie werde, die unten zwei, weiter nach oben vier
Längskanäle — die Längskanäle des Stammes — in sich
einschliesse. Durch die Annahme wiederholter seitlicher
Sprossenbildung liesse sich aus einer solchen leicht ein
grösserer Stock ableiten, an dem die Polypen in dieser
oder jener Form befestigt gedacht werden könnten. Eine
eigentliche Locomotion fehlt natürlich den Seefeden. Sie
stecken mit ihrem Stiele im Schlamme, und mögen sich
hier durch geeignete Contraction der Stammmuskeln,
276 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
die eine Stauung der im Innern enthaltenen Flüssigkeit
und dadurch eine Anschwellung des untern Stielendes
zur Folge habe, befestigen. Werden sie zufällig von den
Wellen fortgerissen, dann mögen die Thiere wohl auch
durch Bewegungen am Stamm und den Blättern gewisse
Ortsveränderungen erzielen können.
Das System der Pennatuliden gliedert sich nach un-
serm Verf. zunächst in folgender Weise.
I. Polypenträger mit bilateraler Symmetrie.
A. Polypenträger federförmig, Stiel mit vier Hauptkanälen.
Pennatuleae.
B. Polypenträger blattförmig, Stiel mit zwei Kanälen,
Renillaceae.
II. Polypenträger mit radiär gestellten Polypen. . Veretillidae.
Die Pennatuleen umschliessen die eigentlichen Seefedern,
welche die Polypen auf grossen blattartigen Organen tragen und der
ganzen Abtheilung den Namen gegeben haben, ausserdem aber auch
Formen, bei denen die Blätter klein und verkümmert sind, so dass
sie nur wie Querleisten am Kiele erscheinen, und noch andere, die
der Blätter ganz und gar ermangeln und die Polypen in Reihen
am Kiele tragen. Diese letzten Formen bilden den Uebergang zu den
Veretilliden. Bei jeder dieser Gruppen giebt es wieder Unterabthei-
lungen, und zeigen die bis jetzt bekannten Gattungen folgende Reihe:
1. Farn. Penniformes mit gut ausgebildeten Blättern und ausge-
sprochener federförmiger Gestalt.
a. Die Hauptzoide an den Blättern Pteroeidinae.
f Die Blätter mit Hauptstrahlen.
* Mit vielen Strahlen Pteroeides Herkl.
** Mit einem einzigen Hauptstrahle . Godefroyia n.
ff Die Blätter ohne Strahlen . . . Sarcophyllum n.
b. Die Hauptzoide an der Ventralseite des Kieles.
Pennatulinae.
f Die Blätter mit Kalknadeln.
* Nadeln über das ganze Blatt verbreitet. Pennatula L.
** Nadeln nur an der Polypenzone.
«. Polypenkelche mit einem Zahne . Leioptilum Verr.
ß. Polypenkelche mit zwei Zähnen Ptilosarcus Gray.
ff Die Blätter ohne alle Nadeln. . . Halisceptrum Herkl.
2. Farn. Pennatuleen mit langem schmalen Polypenträger, klei-
nen Blättern oder unmittelbar am Kiele stehenden Polypen.
t Polypenträger mit Blättern.
* Polypenträger ohne Kalknadeln . . Virgularia Lam.
** Polypenträger mit Kalknadeln.
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 277
«. Eine von grossen Nadeln gebildete Platte unterhalb
der Blätter Stylatula Verr.
ß. Blätter ohne solche Platte.
an. Polypen auf dicken Leisten, mit Nadeln an den
Tentakeln Pavonaria n.
ßß. Polypen auf dünnen Blättern, Kalkkörper am Kiele
und an den Polypen. . . . Stylatium Herkl.
t Polypenträger mit einzeln stehenden Polypen.
* Zoide dorsal, zwei Reihen bildend, Kelche mit acht
Zähnen Funiculina Lam.
** Zoide lateral, Kelche mit zwei kleinen Zähnen.
Halipteris n.
Dieser Uebersicht lassen wir — zunächst nur für die erste
Familie — die einzelnen Genusdiagnosen mit den dahin gehörenden
Species folgen.
Pteroeides Herkl. Aechte Seefedern mit gut entwickelten
Blättern, die durch eine gewisse Zahl von stärkeren Kalkstrahlen
gestützt werden, welche fast immer am Rande als Stacheln hervor-
ragen. An den Blättern eine Zoidplatte an der untern Seite und
häufig auch vereinzelte Zoide an der obern Fläche und dem ven-
tralen Blattrande. Ventralseiten des Kieles ohne Zoide, dagegen
am dorsalen Ende desselben ein Zoidstreifen oder eine Zoidplatte.
Die sehr zahlreichen Arten werden folgendermaassen vertheilt :
I. Zoidplatte basal.
A. Zoidstreifen des Kieles lang und schmal.
1. Feder sechs Mal länger als breit. . . I. Gruppe des
Pt. argenteum.
a. Feder 6 — 7 Mal länger als breit.
a. Blätter mit regelmässigen Hauptstrahlen,
aa. 7—9 Strahlen, Blätter hart, dichtstehend.
1. Pt. argenteum Ell. Sol.
bb. 4—6 Strahlen, Blätter weich, locker gestellt.
2. Pt. speciosum n.
ß. Blätter ohne regelmässige Hauptstrahlen.
3. Pt. nigrum n.
b. Feder 14— 15Mal länger als breit. 4. Pt. elegansHerkl.
2. Feder höchstens 2 Mal so lang als breit.
II. Gr. des Pt. Lacazii.
a. Unterste Blätter seitenständig.
a. 4 — 6 Hauptstrahlen. ... 5. Pt. Hartingii n.
ß. 11—16 Strahlen 6. Pt. Lacazii n.
y. 21 — 27 Strahlen. ... 7. Pt. multiradiatum n.
b. Unterste Blätter bauchständig. . 8. Pt. Schlegelii n.
(= Pt. Panceri Riech.)
278 Leuckart: Bericht üb. d. Leißt. in d. Naturgeschichte
B. Zoidstreifen des Kieles kurz und breit.
III. Gr. des Pt. griseum.
1. Feder länger als breit, Blätter fächerförmig.
a. 11—22, meist 14 — 16 Hauptstrahlen.
9. Pt. griseum Boh.
(Hieher Pt. Vogtii, Pt. Cornoliae, Pt. Claussii Riech.)
b. 22 — 26 in der Polypenzone verbreiterte Strahlen.
10. Pt. hystrix n.
2. Feder eben so breit als lang, Blätter sichelförmig, sehr
lang 11. Pt. longepinnatum n.
II. Zoidplatte median.
A. Blätter ventral, mit einem Wulst auf den Kiel übergehend.
IV. Gr. des Pt. caledonicum.
12. Pt. caledonicum n.
B. Blätter ohne Wulst. ... V. Gr. des Pt. pellucidum.
1. Blätter mit randständigen Polypen.
a. Mit vielen Nadeln in der Polypenzone.
13. Pt. Dubenii n.
b. Ohne solche Nadeln 14. Pt. graeüe n.
2. Polypen an beiden Seiten des Blattrandes.
a. Zoidplatte gross.
a, Feder viel länger, als der Stiel. 15 Pt. brachycaulon n.
ß. Feder höchstens doppelt so lang, als der Stiel,
aa. Keine rudimentäre untere Blätter. Blätter dick.
16. Pt. breve n.
bb. Rudimentäre untere Blätter; Bl. durchscheinend.
17. Pt. pellucidum n.
b. Zoidplatte klein 18. Pt. manülense n.
III. Zoidplatte marginal.
A. Kurze Hauptstrahlen, die nur bis zur Polypenzone reichen.
VI. Gr. des Pt. breviradiatum.
B. Lange Hauptstrahlen. 19. Pt. breviradiatum n.
AA. Blätter dick.
1. Blätter mit obern Zoiden, deutlichen Strahlen, regelmäs-
sigen Staeheln, ventralen Zoidstreifen.
VII. Gr. des Pt. tenerum.
a. Unterste Blätter klein, Kiel im Innern schwammig.
«. Blätter mit kleinen Randstacheln,
aa. Zoidplatte klein, 14—17 Strahlen.
20. Pt. tenerum n.
bb. Zoidplatte gross, 18—23 Strahlen.
21. Pt. flavidum n.
ß. Blätter mit grössern Randstacheln,
aa. 18 Strahlen, Blätter sichelförmig.
22. Pt. ferrugineum n.
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 279
bb. 22—24 Strahlen, Blätter fächerförmig.
23. Pt. Herldotsii n.
b. Unterste Blätter spateiförmig, Kiel im Innern fester.
«. Feder länger als breit, 11—20 Strahlen.
24. Pt. chinense Herkl.
ß. Feder breiter als lang, 22—26 Strahlen.
25. Pt. Sparmanni n.
2. Strahlen undeutlich, Stacheln unregelmässig, keine ven-
tralen Zoidstreifen, selten obere Zoide.
VIII. Gr. des Pt. sarcocaulon.
a. Unterste Blätter an der Bauchseite einander sehr
genähert 26. Pt. imbricatum n.
b. Unterste Blätter durch einen grossen Zwischenraum
getrennt.
«. Blätter mit 12 Strahlen. 27. Pt. bankanenseBleek.
ß. Blätter mit mehr als 12 Strahlen,
aa. 15—17 Strahlen.
aa. Feder zugespitzt. 28. Pt. acuminatum n.
ßß. Feder von gewöhnlicher Form.
29. Pt. sarcocaulon Bleek.
bb. 24 und mehr Strahlen.
aa. 24 Strahlen. ... 30. Pt. lugubre n.
ßß. 28—33 Strahlen. . dl. Pt. crassum n.
BB. Blätter dünn, zum Theil durchscheinend.
1. Kiel schwammig. . IX. Gr. des Pt. hymenocaulon.
a. Blätter ohne oder mit schwachen Stacheln.
'•" a. Blätter mit 8 Strahlen. 32. Pt. Westermannii n.
ß. Blätter mit 12— 15 Strahlen. 33. Pt. Bleekerii n.
b. Blätter mit gut entwickelten Randstacheln.
a. Blätter nach der Rückseite gestellt.
34. Pt. hydropicum (Cuv.) n.
ß. Blätter seitlich abstehend.
aa. Feder 3 Mal so lang als der Stiel.
aa. 11 Strahlen. . 35. Pt. fusco-notatum n.
ßß. 20 Strahlen. . . 36. Pt. Carduus Val.
bb. Feder 2 Mal so lang als der Stiel.
37. Pt. hymenocaulon Bl.
2. Kiel im Innern fester. . . X. Gr. des Pt. Esperi.
a. Unterste Blätter spateiförmig, ventral dicht zusam-
men stehend 38. Pt. latissimum n.
b. Unterste Blätter klein, entfernter stehend.
«. Feder 1 Mal länger als breit.
aa. Blätter ohne Nadeln in der Polypenzone.
39. Pt. aurantiacum Bl.
280 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
bb. Blätter mit Nadeln in der Polypenzone.
» 40. Pt. javanicum Bl.
ß. Feder nicht viel länger als breit.
aa. Keine ventralen Zoidstreifen.
««. Blätter skalpellförmig.
41. Pt. latepinnatum Herkl.
ßß. Blätter fächerförmig.
42. Pt. japanicum Herkl.
bb. Ventrale Zoidstreifen. 43. Pt. Esperi Herkl.
Die von unserm Verf. ausserdem noch unterschiedenen Va-
rietäten sind bei dieser Uebersicht ausser Acht geblieben, doch
fügen wir den neuen Arten nachträglich noch das Vaterland bei,
so weit es constatirt ist. Pt. Lacazii stammt aus der Raffles-Bai,
von den Carolinen, Sumatra u. a., Pt. multiradiatum von Pulo Pe-
nang, Pt. Schlegeln aus Japan, Pt. Dubenii von Mossambique, PL
gracile von den Philippinen, Pt. brachycaulon, Pt. breve, Pt. pelluci-
dum, Pt. manülense sämmtlich ebendah., Pt. breviradiatum aus dem
indischen Ocean, Pt. flavidum aus Java, Pt. ferrugineum aus Sama-
rang, Pt. imbricatum aus Singapore, Pt. acuminatum aus Turane,
Pt. lugubre aus Port Mackay, Pt. crassum aus Singapore, Pt. hy-
dropicum aus Java, Pt. fusco-notatum aus Tourane, Pt. latissimum
aus China.
Godefr oyia n. gen. Kleinere zierliche Seefedern vom Habitus
der Gattung Pteroeides. Die Zoidplatte bildet am ventralen Blattende
einen auf den Kiel übergehenden Wulst. Blätter nur am ventralen
Rande mit einem starken Zuge von Kalknadeln versehen , sonst
ohne stärkere Strahlen. Polypenzone unmittelbar an den ventralen
Kalkstrahl angrenzend, von sehr vielen kleinen Nadeln gestützt, mit
mehreren Reihen Polypen an jeder Seite.
Hieher als einzige Art : G. elegans n. von Siam.
Sarcophyllum n. gen. Schöne Seefedern mit grossen Blät-
tern vom Habitus der Gattung Pteroeides. Kiel und Stiel wie hier,
ersterer mit einer Zoidplatte am dorsalen Ende, ohne ventrale Zoide,
letzterer mit sehr grossen weissen Kalkkörpern bis zu 4,5 Mm.
Lauge in der Muskellage des untern Dritttheils. Achse stark und in
der ganzen Länge des Stockes sich erstreckend. Zahl der Haupt-
kanäle im Stiele vier, im Kiele zwei. Blätter fleischig, dick, ohne
Kalkstrahlen und ohne Zoidplatte an der unteren Fläche, mit vielen
Reihen Polypen und kleinen Kalknadeln an beiden Seiten des dor-
salen Randes. Ein grosser Zoidhaufen am ventralen Rande aller
Blätter in Form eines queren Wulstes, der auf beide Blattseiten
übergreift.
S. australe n. Neuholland. Einzige Art.
Pennatula L. Aechte Seefedern mit gut entwickelten Blät-
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 281
tern, in denen keine stärkeren Kalkstrahlen und keine Zoide, wohl
aber eine Menge kleiner Nadeln sich finden. Zoide an der ganzen
Ventralseite des Kieles und ausserdem auch lateral zwischen den
Blättern. Polypen in Kelchen enthalten, die von Kalknadeln ge-
stützt sind und an der Mündung Stacheln in verschiedener Zahl
enthalten.
P. phosphorea L. mit zahlreichen Varietäten und Subvarietä-
ten (zu denen auch Ph. pulchella Herkl. und P. aculeata Daniels.), P.
rubra EH., P. borealis Sars und P. fimbriata Herkl.
Leioptilum Gr. (Ch. emend.). Grosse Seefedern mit grossen
breiten Pinnulae, die der Gattung Pennatula sehr nahe stehen. Blät-
ter nierenförmig, dem Kreisrunden sich nähernd, weich, dünn, ohne
grössere Kalknadeln mit Ausnahme der randständigen Polypenzone,
die 2 — 4 Reihen Polypen zeigt. Polypenbecher mit einem kleinen
Zahne an der ventralen Seite. Polypen mit Kalknadeln in den
Tentakeln. Dorsale Zoide fehlen, ventrale Zoide alle von derselben
Art, sehr entwickelt, haufenweise rundlich-polygonale Warzen bildend,
die die Bauchseite des Kieles in ihrer ganzen Länge und Breite
bedecken. Laterale Zoide spärlich, aber sehr gross. Achse vier-
kantig, kurz. Im Innern des Stammes vier weite Höhlen, die im Stiele
symmetrisch um die Achse stehen, im Kiele so, dass der ventrale
Kanal die Achse nicht mehr erreicht. Ringmuskellage des Stieles
mit Kalkkörperchen von elliptischer Form.
L. undulatum Verr. (Die von Gray ursprünglich als typisch
für das Gen. genommene L. fimbriatum ist ein Pennatula.)
Ptilosarcus Gr. (Char. emend.). Dem vorigen Genus nahe
verwandt, aber mit zwei spitzen Zähnen an dem Polypenbecher, ohne
Kalknadeln an den Tentakeln und laterale Zoide. Die ventralen
Zoide nicht auf Warzen befindlich, sondern gleichmässig vertheilt,
die Mitte des Kieles frei lassend, sonst die Bauchseite vollständig
bedeckend, von zweierlei Art. Die einen kleiner, cylindrisch, war-
zenförmig hervorragend, ohne oder mit nur spärlichen kleinen Na-
deln, die andern grösser, stark hervorragend, mit längern Nadeln,
die an jedem eine Spitze bilden. Achse cylindrisch, eher kurz, nur
bis zur Mitte der Feder und etwas unter die Mitte des Stieles rei-
chend. Im Innern des Stammes vier weite Höhlen, die im Stiele
symmetrisch um die Achse stehen, im Kiele so, dass der ventrale
Kanal die Achse nicht mehr erreicht.
Pt. Gurneyi Gr.
Halisceptrum Herkl. Pennatuliden, die zwischen den echten
Seefedern und den Virgularien die Mitte halten und neben gut ent-
wickelten Blättern am untern Ende des Kieles eine grosse Zahl ru-
dimentärer solcher Organe besitzen. Blätter und Polypen ohne
Spur von Kalknadeln. Polypen mit kleinen, gestreckt-warzenförmi-
282 Leuekart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
gen oder cylindrischen Kelchen, deren Mündung einfach rund ist,
in einfacher oder theilweise doppelter Reihe am Rande besonderer
kreisförmiger Lappen des dorsalen Blattrandes festsitzend, welche
Lappen von der Dorsalseite gegen die Ventralseite zu dachziegel-
förmig sich decken und den Anschein breiter mit vielen Reihen von
Polypen besetzter Blattränder erzeugen können. Zoide theils an
der Ventralseite des Kieles, theils lateral zwischen den Blättern
gelegen. Achse im untern Theile mehr drehrund, im obern deutlich
vierkantig. Kalkkörper sehr spärlich, länglichrund, nur in den inner-
sten Lagen des Stieles und Kieles vorhanden. H. gustavianum Herkl.
mit mehreren Varietäten, H. abies n. Japan (vielleicht ein bes. Gen.).
Panceri veröffentlicht eine kurze Notitz über das
Vorkommen eines Kophobelemnon und einer Virgularia
in der Bucht von Neapel, ohne von beiden jedoch eine
nähere Beschreibung zu geben. Es bleibt desshalb auch
ungewiss, ob ersteres mit dem vom Ref. schon mehrfach
in diesen Berichten erwähnten Nizzaer Kophobelemnon,
welches Kölliker neuerdings als EL Leuckarti beschrieben
hat, zusammenfällt. Panceri, der diese Notitzen über-
sehen hat, meint unrichtiger Weise, dass das Vorkommen
von Kophobelemnon im Mittelmecre neu sei. Interno a
due Pennatularii, Rencond. R. Accad. sc. fis. e matem.
1871, Gingno.
Nachdem Ricchiardi in seiner Monographie über
die Pennatuliden bereits auf die mancherlei individuellen
Unterschiede in Grösse und Entwickelung der rudimen-
tären sog. Zoiden hingewiesen und darauf hin auch die
Pennatula aculeata Daniels, als eine blosse Varietät
der gemeinen P. phosphorea mit ungewöhnlich ent-
wickelten Zoiden in Anspruch genommen hat, beschreibt
Panceri ein Exemplar dieser Art, bei welchem die
Bauchfläche des Stammes in der untern Hälfte vier voll-
kommen ausgebildete Zoiden trug, die bei einer Dicke
von 1 — 2 Mm. eine Länge von 1 Mm. hatten und genau
die Formen der gewöhnlichen Polypen besassen. Interno
ad una forma non per anco notata negli zooide delle Penna-
tula, Rencond. R. Accad. sc. fis. e matem. 1870. Febr.
(oder Bulletino del assoc. dei naturalisti e med. Napoli
1870. Nr. 2.)
Das Licht, welches die Pennatuliden ausstrahlen,
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 283
wird nach den Untersuchungen desselben Verf.'s von
besondern strangförmigen Organen erzeugt, die sowohl
bei den ausgebildeten Polypen, wie auch den rudimentären
sog. Zoiden auf der Aussenfläche des Magens zwischen
den Mesenterien hinziehen und im Umkreis des Mundes —
bei den ausgebildeten Polypen je an der Basis der
Arme — einen kleinen papillenförmigen Vorsprung bilden.
Diese Leuchtstränge (cordoni luminosi) bestehen vornehm-
lich aus Zellen, die fettartig glänzende Ballen in sich
einschliessen, und eben die letztern nun sind es, die, ganz
wie bei den Medusen und andern Leuchtthieren, das Licht
produciren. Bei der zarten Beschaffenheit und der Zer-
störbarkeit der Stränge geschieht es übrigens häufig,
dass dieselben in Folge mechanischer Insulte oder auch
einer kräftigen Contraction zerreissen, und dann gelangt
die leuchtende Substanz auch wohl in den Innenraum der
Tentakel oder die Leibeshöhle , ja selbst gelegentlich
nach Aussen, ohne ihre Leuchtkraft zu verlieren. So-
gar nach dem Tode des Polypen kann man durch
Stoss oder Reiben oder Zusatz von Süsswasser und dergl.
dieselben noch eine Zeitlang zur Lichtproduction ver-
anlassen. Während des Lebens wird die Lichtent-
wickelung übrigens nicht bloss durch Reize hervorge-
rufen, welche direkt die Polypen treffen, sondern auch
durch solche, welche zunächst auf den Stamm wirken.
Von dem gereizten Punkte aus pflanzt sich die Erregung
dann durch die Lauge des Stammes fort, überall auf die
anliegenden Seitenzweige übertretend und eine Lichtent-
wickelung erzeugend. Die Geschwindigkeit, mit der die
Fortleitung geschieht, ist übrigens — verglichen mit der
Erregung des Nervenstromes — eine verhältnissmässig
langsame, da durchschnittlich etwa 2 Sekunden vergehen,
bevor durch Reizung der Wurzel die ganze Colonie zum
Aufleuchten gebracht wird. Ob die Pennatuliden mitNerven
versehen sind, ist bekanntlich immer noch zweifelhaft. Auch
unser Verf. wagt in dieser Beziehung keinen bestimmten
Ausspruch zu thun, obwohl er nicht abgeneigt ist, gewisse
zwischen den Muskeln hinziehende Fäden (mit Kölliker)
als Nervenfasern zu deuten. Jedenfalls wird das Nerven-
284 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
system der Pennatuliden, wenn überhaupt vorhanden,
ein sog. Colonialnervensystem sein, da anders die oben
erwähnte Fortleitung des lichterreg enden Reizes kaum
zu erklären sein dürfte. Gli organi luminosi e la luce
delle pennatule. Napoli 1871 46 Seiten in Quart mit 1 Ab-
bildung (in vorläufiger Mittheilung Rencond. R. Accad.
sc. fis. et matem. 1871. Oct.)
K ö 1 1 i k e r macht im Verlaufe seiner Untersuchungen
über die Pennatuliden die Beobachtung, dass (Verhand-
lung der physik.-med. Gesellsch. zu Würzburg 1870 Febr.)
es bei einigen Gattungen der Pennatuliden, bei Heliscep-
trum , Virgularia mirabilis u. a. nicht die ganz ausge-
bildeten, mit Tentakeln versehenen Polypen sind, welche
die Geschlechtsorgane bilden, sondern nur die unent-
wickelten, noch tentakellosen Individuen der untern und
untersten Blätter. Die Leibeshöhlen derselben sind so
stark mit den Geschlechtsstoffen gefüllt, dass der Kiel
der Federn, in denen sie sich befinden, dadurch stark auf-
getrieben wird. Da die Bildung dieser Produkte schon zu
einer Zeit beginnt, in welcher der Stock noch nicht alle
seine Blätter besitzt, diese aber in der Richtung von unten
nach oben sich entwickeln, so darf man wohl annehmen,
dass diese Geschlechtsthiere, wenigstens theilweise, sich
allmählich in Nährthiere verwandeln.
Aus den vorläufigen Mittheilungen, die derselbe
Verf. (ebendas. 1871. Febr., übersetzt in Ann. nat. bist.
Vol. VII. p. 307.) „über den Bau der Renillen* gemacht
hat, entnehmen wir, dass der Stiel dieser sonderbaren
Thiere zwei über einander liegende Canäle in sich ein-
schliesst, die am hinteren freien Ende zusammenfliessen,
vorn aber getrennt in den Kiel der Scheibe hinein sich
fortsetzen. Obwohl dieselben schliesslich blind endigen,
sind sie doch durch eine grössere oder geringere Zahl von
Löchern mit den benachbarten Polypenzellen in Verbin-
dung. Bei einigen Arten enthält der Kiel auch noch
einen mittleren sinusartigen Raum, der aber ganz ge-
schlossen ist. Stiel und Kiel sind mit Längs- und Ring-
muskeln versehen und besitzen in beiden Lagen auch
weitere Ernährungskanäle , wie die Pennatuliden, von
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 285
denen feinere und feinste Ernährungsgefässe ausgehen,
während die Scheibe dagegen ans Nichts als dicht ge-
drängten und durch die Septa getrennten Polypenzellen
besteht. Die Mesenterialfilamente sind, wie bei den Penna-
tuliden, ungleich entwickelt, indem zwei länger und
schmäler sind, als die vier übrigen. Die Septula dieser
letzern sind allein mit Geschlechtsorganen versehen. Die
rudimentären Polypen sind an der dorsalen Seite der
Scheibe haufenweise, zu 5 — 30 und 60, zusammengruppirt
und je mit 8 ganz niedrigen Septis ohne Mesenterialfila-
mente versehen. Ein jeder Haufen besitzt in der Tiefe
einen gemeinschaftlichen Hohlraum, der dann durch ein
rundes Loch in die Hauptzelle eines Polypen oder dessen
dorsalen Ausläufer einmündet. Eines dieser Zoiden be-
sitzt bei gewissen Arten an zwei Fächern einfache
Fühler, die aber nicht den gefiederten Tentakeln ent-
sprechen, sondern einfache hohle Ausläufer der Leibes-
höhle darstellen, wie solche — nur in grösserer Zahl, bis
7 — nach Aussen von den Tentakeln auch bei den aus-
gebildeten Polypen vorkommen, gewissermassen einen
zweiten einfacheren Tentakelkranz bildend. Die sog. Kelch-
zähne, die an der Mündung der Polypenzellen stehen,
sind zugleich als die hervorstehenden Spitze der in diese
Kelchtentakel eingelagerten Stacheln zu betrachten. Der
von Fr. Müller in der Mitte der Scheibe aufgefundene
„ Wasserporus" ist die Mundöffnung eines einzeln stehenden
grösseren Zoids, das, wie diese sonst, Magen und 8 Septa,
aber keine gefiederte Tentakel, keine Filamente und Ge-
schlechtsorgane besitzt, durch Grösse und die dasselbe
umgebenden Stacheln aber mehr an die ausgebildeten
Polypen erinnert, auch eine Leibeshöhle besitzt, die in
das Ende des einen Kielgefässes einmündet.
M. Schultze handelt über eine neue Species des
Gen. Renilla aus St. Catharina, R. Mülleri, die auch von
Kölliker angenommen ist, Sitzungsbr. der niederrh.
Gesellsch. zu Bonn 1871. S. 36.
Gray, catalogue of Seapens or Pennatulidae in the
Collection of the british Museum, London 1870. 40 Seiten,
ist mir nicht zu Gesicht gekommen. Soll aber ausser
Archiv f. Naturg. XXXVIII. Jahrg. 2. Bd. T
286 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
einer Reihe neuer kaum zu rechtfertigender Gattungs-
namen fast nichts Neues enthalten.
Kent handelt über die Kalknadeln der Gorgoniden
(Primnoaceen, Gorgoniaceen, Gorgoniellaceen) und zeigt
an zahlreichen Beispielen, wie sich die Eigenthümlich-
keiten derselben systematisch verwenden lassen. So
gehört Gorgonia plantaginea Lmk. nach dem Bau der
Kalknadeln zu Muricea, Rhipidogorgia coarctata M. Edw.,
Muricea fungifera M. Edw. und Gorgonia granifera Lmk.
zu Echinogorgia Köllik., Plexaura pensilis Val. und PI.
pendula Val. zu Eunicea, Gorgonia heteropora Lmk. zu
Plexaurella, Muricea placomus Val., Plexaura racemosa
Val., Verrucella furcata M. Edw. zu Gorgonia, Gorgonia
miniata, pumicea und ramulus M. Edw. zu Leptogorgia,
einem Genus, dessen Nadelform in mancherlei Modifika-
tionen auch sonst noch vielfach vorkommt. Verrucella
violacea bildet nach seinen Nadeln am besten den Typus
eines neuen Genus, dem auch Gorgonia lilacina und G.
sanguinolenta Val. angefügt werden kann. Ctenocella
pectinata, Primnoa myura, Leptogorgia Boryana, Rhipi-
dogorgia lacuens, Rh. plagalis, Rh. umbraculum, Ptero-
gorgia betulina, Verrucella flexuosa sind dem Gen. Jun-
cella zu verbinden. On the calcareous spicules of the
Gorgoniacea, Monthly microsc. Journ. 1870. p. 76 — 94.
Kölliker veröffentlicht in denVerhandl. d. physik.
medicinischen Gesellschaft zu Würzburg (1870. Bd. II.
22 Seiten Tab. III — IV) „Beiträge zur Kenntniss der Po-
lypen", die eine Anzahl neuer Mittheilungen über Gor-
goniden und verwandte Formen enthalten. Zunächst
wird darin der Nachweis geliefert, dass die Gattung So-
landeria von Duchassaing und Michelin aus dem Poly-
pensysteme zu streichen ist. Die Sol. gracilis, auf welche
dieselbe begründet wurde, ist keine Gorgonide, sondern
trotz ihrem gorgonienartigen Aussehen und Habitus ein
Hornschwamm, der eines Coenenchyms mit Polypen und
Kalknadeln vollständig entbehrt und in allen Theilen
aus einer gleichartigen Substanz besteht, deren Stämme
und Aeste von netzfömig anastomosirenden Hornfasern,
die in ihrem morphologischen und chemischen Verhalten
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 287
mit den Fasern der Ceratospongien übereinstimmen, durch-
zogen sind. Natürlich unter solchen Umständen, dass die
Sol. verrucosa Moeb. und Sol. Frauenfeldii Köll., echte
Gorgoniden, wie sie sind, damit nicht vereinigt bleiben
können. Die letztere um so weniger , als sie, wie sich
nachträglich herausstellt, mit dem Titanideum (Briareum)
suberosum Dana (Spongy Ceratophyte Ellis) identisch
ist. Für Sol. verrucosa Moeb. (? == Homophyton Gat-
tyiae Gray schlägt Verf. den neuen Genusnamen Spon-
gioderma vor. Sie unterscheidet sich von Titanideum
hauptsächlich dadurch, dass ihre Rinde sehr dick ist und
aus zwei Lagen besteht, von denen die äussere hart ist
und an Kalkkörpern ungemein reich erscheint, die in-
nere dagegen solcher fast ganz entbehrt, dafür aber un-
gemein viele feinere Ernährungskanäle besitzt. Beide
Gattungen gehören zu den Briareaceen, die nachKölli-
ker Gorgoniden sind, deren Inneres in allen Theilen
aus unverschmolzenen Kalkkörperchen besteht , unter-
scheiden sich von den verwandten Gattungen aber da-
durch, dass ihre Axe gut begrenzt ist und von keinerlei
Ernährungskanälen durchsetzt wird. Zu derselben Gruppe
stellt Verf. auch eine neue hier zum ersten Male beschrie-
bene Gorgonide von Bohol, ßem-perina (n. gen.) rubra,
die sich zumeist an Solenogorgia Genth anschliesst, aber
einen walzenförmigen (nicht rinnen- oder röhrenförmigen)
■Stamm besitzt. Werden die Kalkkörperchen derselben
mit Säure behandelt, dann bleibt eine Scheide zurück,
an der Verf. einen meist ziemlich deutlichen Zellenbau
beobachtete, so dass die Vermuthung nahe liegt, es möch-
ten auch die Kalknadeln der Alcyonarien ebenso, wie
die der Spongien und Echinodermen, durch Vermittlung
von Zellen sich aufbauen. Der interessanteste Theil der
Arbeit betrifft eine zweite neue Form von St. Vincent,
anscheinend eine Gorgonide mit unverästeltem breiten
Polypenträger, der aber statt einer Achse im Innern die
Leibeshöhle eines endständigen grossen Polypen in sich
einschliesst. Ein Zusmmenhang dieses axialen Polypen
mit den zweizeilig gestellten seitlichen Polypen Hess
sich nicht nachweisen , wohl aber beobachtete Verf.
288 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
eine bedeutende Zahl von grösseren Ernährungskanälen,
die von demselben an das Sarkoma des Stockes abgege-
ben werden und mit ihren Ausläufern alle Theile des
letztern durchziehen. Die Mesenterialfilamente des axialen
Polypen sind ungleich entwickelt, insofern zwei dersel-
ben, die nahezu einander gegenüber liegen, durch be-
trächtliche Länge sich auszeichnen und bis in den poly-
penlosen dünnen Stiel des Stockes hinein sich verfolgen
lassen. Im Innern des letztern verwachsen die Septula,
welche dieselben tragen, mit zwei andern schräg gegen-
überliegenden Falten, und dadurch löst sich dann die
Leibeshöhle des betreffenden Polypen in drei neben einan-
der hinziehende Röhren auf, in zwei laterale und eine
mediane, die immer weiter aus einander rücken und
schliesslich sogar durch das gemeine Coenenchym mit
Kalkkörperchen von einander getrennt werden. Gleich-
zeitig verändern sich auch die Lumina der Kanäle der Art,
dass der mittlere beträchtlich sich verengert, bis er schliess-
lich kaum mehr von den Ernährungskanälen zu unter-
scheiden ist. Mit Recht sieht Verf. in diesem merkwürdi-
gen Polypen Pseudog org ia (n. gen.) Godefroyi Köll.,
„eine Zwischenform zwischen den Gorgoniden, Alcyoniden,
Pennatuliden", die ohne Weiteres weder der einen, noch
der andern dieser Abtheilungen angereiht werden kann.
Durch die seitenständigen Polypen mit ihren kurzen Lei-
beshöhlen schliesst sich Pseudogorgia den Gorgoniden-
an, so wie auch gewissen Pennatuliden (manchen Virgu-
larieen), bei denen ebenfalls kurze Leibeshöhlen sich fin-
den. Der nackte axiale Polyp dagegen mit seiner lan-
gen Leibeshöhle, an deren Wand die Septa herablaufen,
ist nach dem Typus derer der Alcyoniden gebaut, für
welche solche Leibeshöhlen charakteristisch sind, weicht
aber wiederum darin ab, dass im untern Ende der ge-
nannten Leibeshöhle vier Septa unter einander verschmel-
zen, wodurch Verhältnisse entstehen , die in ähnlicher
Weise nur bei den Pennatuliden wiederkehren. Das
Sarcoma ist mehr nach dem Typus der Gorgoniden ge-
baut. Es fehlen namentlich die bei allen Pennatuliden
vorhandenen Muskellagen der Leibeswand. Freilieh ist
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 289
die ungemeine Entwicklung der feineren Ernährungsge-
fässe auch nur eine Eigenthüralichkeit weniger Gorgoni-
den. Gestützt auf die hier vorliegenden Verhaltnisse
glaubt unser Verf. die (vor längerer Zeit schon vom Ref.
ausgesprochene) Vermuthung aufstellen zu können, dass
auch die Pennatulidenstämme von einem Haupt - oder
axialen Polypen ausgehen. Durch Verwachsen von vier
Septa würde dann die Leibeshöhle dieses Polypen in
vier Kanäle zerfallen, an deren Berührungsstelle je
nach Umständen eine besondere härtere Masse, die Achse,
sich bilden könnte. Von diesem ersten Polypen aus wür-
den dann die übrigen durch seitliche Sprossung ihren
Ursprung nehmen. Allerdings müsste dann weiter an-
genommen werden, dass der axiale Polyp — ob über-
all ? — mit der Zeit seine peripherischen Theile verliere
und nur in seiner Leibeshöhie und, deren Wandung (dem
späteren Schafte) sich erhalte.
Die zu der Unterabtheilung der Briareaceen gehö-
renden Gorgoniden werden vonKölliker (Beiträgeu.s. w.
S. 11) jetzt folgendermassen zusammengruppirt.
Briareaceae M. Edw. Gorgoniden ohne Hornachse, deren
Inneres aus unverschmolzenen Kalkkörperchen besteht.
1. Sympodiidae. Sarkoma incrustirend.
Hieher Sympodium, Erythropodium Köll. (Die von Duchas-
saing und Michelin gleichfalls hieher gestellte Gattung Ojeda ist
nach Untersuchung von Originalexeirtplaren, wie Verf. angiebt, ein
Didemnum, also eine zusammengesetzte Ascidie !
A. Kernmasse ohne weitere Ernährungskanäle.
Titanideum Ag. Achse ziemlich scharf begrenzt, Rinde aus
einer einzigen Lage harten Sarcosomas mit feineren Ernährungskanä-
len gebildet. Polypen, wie bei Plexaura, in Gruben der Rinde ent-
halten. Kalkkörper 3-, 4-, 6- und 8-strahlig mit warzigen Enden.
Spongioderma Köll. Achse sehr scharf begrenzt, Rinde aus
einer äussern harten und einer innern weichen Lage gebildet, mit
vielen grösseren und feineren Ernährungskanälen. Polypen in grös-
seren Warzen der Rinde enthalten. Kalkkörper der Achse langge-
streckt, der Rinde 4-, 5-, 6- und 9-strahlige Körper mit warzigen
Enden.
Nach einer vorläufigen Untersuchung scheint hierher als neue
Gattung auch Briareum grandiflorum Sars zu gehören.
B. Kernmasse mit grossem Ernährungskanälen.
290 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
a. Polypen ganz in der Sarcosoma znrückziebar. Briareum.
Polypen ohne Kelche, regelrecht im Stamme vertheilt.
Paragorgia. Polypen mit warzenförmigen Kelchen, unregelmäs-
sig vertheilt.
b. Polypen nur theilweise zurückziehbar.
Solenogorgia Genth. Stamm rinnen- oder röhrenförmig.
Semperina Köll. Stamm walzenförmig.
Gray bandelt in den Ann. and Mag. nat. hist. T. V.
p. 405 — 408 „on some new genera and species of Alcynoid
Corals in the british museum". Als neu wird dabei auf-
gestellt: Gen. Bus eil a (mit Rhipidogorgia occatoria M.
Edw. H.), Murit ella (mit Gorg. fucosaVal. = G. albi-
cans Köll.), B oar ella (B. flabellata n.), Menace IIa
(mit Gorg. reticularis Pall.), Phaeocella (mit Gorg. tu-
berculata Esp.), Bovella (B. ramulosa n.), Menella
(M. indica n. Bombay), Lignella (mit Gorg. Richardi
Lmx.), Leuco ella (L. cervicomis n.). Die Diagnosen
unseres Verf.'s lautea wie folgt.
Bus ella Gr. Coral fan-shaped, forming an oblong frond,
very much branched and closely reticulated, with a number of short
club-shaped branchlets diverging from the sides of the frond; bran-
ches and branchlets cylindrical, diverging, furcately branched. Bark
thin, granulär, smooth. Polype-cells on all sides of the branches
and branchlets, sunken, close together, with a small round mouth.
Axis continuous, horny, black.
Murit ella Gr. Coral branched in a plane; stem much
compressed, broad; branches and branchlets subcylindrical , apex
subclavate. Bark rather thick, granulär, with a uniform smooth
surface. Polype-cells large, entirely sunken, scattered over the whole
surface of the bark, with a very small contracted linear mouth.
Axis of the stem and lower branches compressed, horny, of branchlets
cylindrical, with a horny external coat and with soft pitli within.
Boarella Gr. Coral branched in a plane, fan-shaped, for-
ming an oblong frond with in single stem ; branches and branch-
lets slender, nearly of the same diameter, netted; branches diver-
ging and often inosculating, some of the marginal branchlets free.
Bark thin, formed of thin scales or spicules. Polype-cells subcylin-
drical, elongate, truncate, membranaceous translucent, with a circular
mouth with ten marginal folds and ten short valves in an irregulär
series on each side of the branches, diverging in dififerent directions,
one, sometimes two or three, together. Axis continuous horny.
Menacella Gr. Coral very much branched, fan-shaped,
irregularly reticulated; stem simple. Bark very thin, formed of
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 291
numerous very slender fusiforme spicules in bundles, placed in dif-
ferent directions. Polype-cells short, cylindrical, covered with spi-
cules like the bark, with a smooth convex eight-rayed lid, placed
close together on ,the sides of the branchlets, and more scattered
and further apart on the sides of the branchlets.
Phaeocella Gr. Coral branched, fan-like; stem rather com«
pressed; branches irregularly furcate, all in one plane, cylindrical,
rarely tapering at the end ; branchlets, some subpinnate, others sub-
secund on the upperside of the branches. Bark thin, formed of
abundance of small fusiforme, opace spicules placed in groups in
different directions. Polype-cells small on all sides of the stem and
the branches, ascending, with a rather hood-like outher surface,
forming a short cylindrical tubercle, formed of spicules like those
of the bark. Axis continuous, horny, black; branches and branch-
lets tapering.
Bovella Gr. Coral branched, fan-shaped, expanded into an
oblong frond ; stem simple ; branches and branchlets slender, of the
same diameter throughout, branches radiating and irregularly furca-
tely divided, with abundance of shortly branchlets arranged rather
pinnately and diverging at nearly right angles, forming a more or
less regulär network; many of the branchlets, especially the mar-
ginal ones, free. Bark furfuraceous, formed of very small soft spi-
cules or thin scales. Polype-cells circular, prominent, with a sun-
ken centre and a furfuraceous surface, placed on all sides of the
branchlets and on the internal surface of the branches. Axis con-
tinuous, horny, black.
Menella Gr. Coral cylindrical, end (of the branches?) cla-
vate, rounded, surface spiculose. Polype-cells on all sides of the
cylindrical stem (and branches), close together, forming a rough
spiculose surface with hexagonal areolae. Polypes retractile; when
retracted, convex, with an oblong concavity, surrounded with spicu-
les. Axis horny, black.
Bhipidella Soland. Coral flabellate, netted. Polypes re-
gulär,, scattered, in small prominent warts. Axis cork-like, with
scattered nodules.
Lignella Gr. Coral branched; stem cylindrical, tapering;
branches fan-like, in one plane , angularly diverging. Bark thin,
pliable. Polype-cells elongate, prominent, scattered in the stem,
and rather far apart in the two sides of the branches. Polypes with
eight tentacles. Axis cylindrical or rather compressed, soft, wood-
like, and white, spinulose.
Leucoella Gr. Coral fan-like, in the same plane, compres-
sed ; branches furcate, upper side convex or angular, lower side
concave, smooth, barren, with a more or less wide central groove.
292 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Bark thin and smooth. Polype-cells large and spherical, scattered
or in lines on the upper surface and margin of the stem and bran-
ches. Axis white, wood-like, soft, with fusiform wharty spicules,
which are generally slender and elongate, but some are thicker and
ventricose.
VioaN&rdo (Namen bereits anderweitig — für einen Schwamm
— in Anspruch genommen). Coral branched, cylindrical, or sHghtly
compressed; branches subacute. Polype-cells occupying the whole
surface, sunken. Spicules of the red bark scattered, yellow. Axis
placed longitudinally. Type: V.. asbestinum Pall.
Auch in dem oben erwähnten Catalog der Steinkorallen
hat Gray eine Anzahl neuer Species und Genera aufge-
stellt: Melitellä flabellata Vater!, unbek., M. airorubens
(— Melitaea ochracea Lmx. p. p.) Indien , M. linearis
von unbek. Fundort, Clatliraria acuta ebenso, Tri-
ne IIa (n. gen.), ßwinhoei Formosa, Acanella (n. gen.)
arbuscula Jobnst., E quisite IIa (n. gen.) mit Isis Gre-
gorii Gr., Gorgonella Cumingi Philippinen, V iminella
(n. gen.) juncea Gr. (= Juncella vimen M. Edw. II.),
Betioella (n. gen.) flexucsa M. Edw. H., Brandella in-
tricata (= Raynerella aurantia Gr.), Wrigh tella (n.*gen.)
chrysanthos und Wr. cocci?iea} Seychellen, Ceram, Xipho-
cella (n. gen.) Esperi (= Gorgonia verticillata Esp..,
P l iimare IIa (n. gen. auf Gorgonia penna Link, und
Callogorgia plumatilis Gr. begründet), Ca llicella (n.
gen.) elegans Formosa, Nie e IIa (n. gen.) niauritiana (=
Scirpearia dichotoma Gr.), Thouarel la (n. gen.) antarc-
tica Val., H o ohere IIa (n. gen.) imlcliella Südl. Meer,
Fanellia (n. gen.) compressa Vcrr., Stenella (u, gen.)
imbricata Johnst., Narella (n. ^Qn.) regulär is Duchass.
et Michl. , D ich otella (n. gen.) divergens von unbek.
Fundort.
Verrill, critical remarks on the haleynoid Polyps
with descript. of new species in the Museum of Yale
Colloge Nr. 4, Silliman's Journ. Arts and Soc. 1869. Vol.48.
p. 419—429. Betrifft besonders das Gen. Leptogorgia M.
Edw. H., das Verf. jetzt im Wesentlichen als identich mit
seiner Litigorgia erkannt hat, Gorgonia L. s. st., Euni-
cellaVevv., n. gen., und die dahin zu rechnenden Arten.
Als neu beschreibt Verf. Leptogorgia liebes von Florida,
der niederen Thiere "während der J. 1870 u. 1871. 293
L. Floridana, Eunicella tenuis von West-Indien (?), The-
sea gemmata St. Croix. Das neue Gen. Eunicella fällt
im Wesentlichen mit Kölllker's dritter Gruppe von
Gorgonia zusammen.
Kent beschreibt zwei neue Alcynoidpolypen von
der Spanisch -Portugiesischen Küste (Quarterly Journ.
micr. sc. T. XVIII. p. 397-399. PI. XXI), die beide ein
neues Genus bilden: Gymnosarca bathybius und Cer-
oopsis JBocagei, und stellt dabei folgende Diagnose auf:
G\ymnosarka Kent e fam. Cornular. Corallum of firm
consistence, its surface smooth; attached by its base and partially in-
crusting; throwiug off free cylindrical stolons, which give rise to
solitary elevated polype-cells. Stolons occasionally branching, coa-
lescing with each other, or formiüg a bord of attachment with any
foreign object with which it comes in contact. Polype-cells cylindri-
cal; animals semi-retractile, formig an ovate head when most re-
tracted. G. bathybius aus einer Tiefe von 500 Faden, auf Lopho-
helia prolifera hinkriechend.
Cereopsis Kent e fam. Lemnaliad. Corallum clavate, atta-
ched by a somewhat expanding base. The lower portion of the
stem barren, the upper one slightly lobate, bearing scattered semi-
retractile polypes. Polype-cells cylindrical, head of polypes nearly
globular, when most retracted. Dem Alcyonium stellatum M. Edw.
in Gestalt sehr ähnlich, ist es doch durch die vereinzelte Stellung
der Polypenzellen und das unvollständige Rückziehungsvermögeu da-
von verschieden.
Percival Wright berichtet über das Vorkommen
der sonst nur von Formosa bekannten Callicella elegans
Gray an den Bermudas-Inseln und bemerkt, dass die-
selbe nach Nadelform mehr an die Primnoiden als an die
Calligorgoniden sich anschliesse; denen Gray sein Ge-
nus zugetheilt habe. Quarterly Journ. micros. Sc. T. XIX.
p. 319.
Anthelia latebrosa, Nephthya rubescens, Phr ontis
(n.gen.) submersus, Iticig or gia (n. gen.) Schrammt, nn.sp.
meist aus Guadeloupe bei Duchassaing 1. c.
4, P o r i f e r a.
Hacke ls Arbeit über den Bau der Schwämme und
ihre Verwandtschaft mit den Corallen wird durch Ueber-
294 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
setzung in den Ann. and Mag. nat. bist. (T. V. p. 1 — 13,
107 — 120) den Englischen und Nord- Amerikanischen Na-
turforschern näher bekannt und ruft eine Anzahl von Ent-
gegnungen hervor, die, so weit sie auch sonst auseinan-
der gehen, doch fast sämmtlich der Ansicht von der Coel-
enteratennatur der Spongien eine jede Berechtigung ab-
sprechen. Am eingehendsten verfährt dabei Kent, der
den Bau eines Schwammes und einer Actinie neben ein-
ander stellt, auch die Aehnlichkeit zwischen beiden an-
erkennt, trotzdem aber leugnet, dass diese Aehnlichkeit
auf einer wirklichen Homologie beruhe. Die Gründe,
mit denen er letztere bestreitet, sind freilich ausschliess-
lich physiologischer Natur ; sie beruhen im Wesentlichen
darin, dass die Function der Oeffnungen im Innenraume
bei beiderlei Geschöpfen eine durchgreifende Verschie-
denheit zeige. (Häckel on the relationship of the spon-
ges to the canals, ibid. V. p. 204 — 208). Dass der von
Kent hiermit vertretene Standpunkt bei Erörterungen,
wie die vorliegende, keine Berechtigung hat, ist bereits
von Ray Lancaster (ibid. T. VI. p. 80— 92, on the af-
finity of sponges), der über die Verwandtschaft der
Schwämme mit Häckel — d.h. eigentlich dem Ref. —
vollständig übereinstimmt, geltend gemacht worden. Weit
absprechender ist Carte r (on the ultimate structuro of ma-
rine sponges, ibid. T. VI. p. 329 — 342), der da meint, dass
man nach der neuen Ansicht ^inen Polypen ganz einfach
durch Abschneiden der Tentakel und Ausquetschen der
Eingeweide zu einem Schwämme müsste machen können,
und bei dem letztern mindestens ebenso viele Aehnlich-
keit mit einem zusammengesetzten Tunicaten — dessen
Einzelthiere dabei den Flimmerkörben gleichgesetzt wer-
den , während die gemeinschaftliche Cloake das Oscu-
lnm rcpräsentirt — , wie mit einem Polypen findet. Spä-
ter kommt derselbe Forscher (1. c. T. VIII. p. 6 ff.), der
inzwischen an Kalk- und Kieselschwämmen, die Anga-
ben Ciark's von der Uebcreinstimmung der geisseltra-
genden Schwammzcllen mit gewissen Monadenformen zu
bestätigen Gelegenheit gehabt hatte, auf die schon früher
von ihm geäusserte Meinung zurück, dass (nicht der Wim-
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 295
perkorb sondern) die Schwamrazelle das eigentliche In-
dividuum darstelle — ein Wesen allerdings sui gene-
ris, da es nach seinen Lebenseigenthümlichkeiten weder
mit Monaden, noch mit Amöben identificirt werden könne,
indem es die Eigenschaften beider in sich vereinige.
Clark, der sich gleichfalls gegen die Polypennatur der
Spongien ausspricht, sieht in denselben, wie früher, Mo-
nadenstöcke mit Nadeln und Zwischenräumen in der ge-
meinschaftlichen Umhüllungsmasse (Silliman's Am. Journ.
Arts and Sc. 1871. Febr., Ann. and Mag. nat. hist. T. VIT.
p. 247). In einer zweiten Abhandlung (Silliman's Amer.
Journ. 1871. T. IL p. 426—436. Mit Abbild.) werden die
Geisselzellen als die Köpfe des Monadenstockes, die
Schwämme selbst als vielköpfige Protozoencolonien ge-
deutet.
Harting möchte die Spongien trotz der ihm wohl
bekannten Beziehungen zu den Coelenteraten gleichfalls
am liebsten bei den Protozoen belassen. Sie bilden unter
diesen eine selbstständige Klasse mit' zwei Ordnungen,
von denen die erstere (Autospongia) die Kiesel- und Horn-
schwämme enthält, während die andere (Calcispongia)
ausschliesslich von den Kalkschwämmen gebildet ist. Leer-
bock der Dierkunde. Ungewervelde dieren p. 1519.
Auch Ehlers äussert über die Stellung der Schwämme
in der Abtheilung der Coelenteraten seine Bedenken und hat
diese in einem Aufsatze (Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. XXI.
S. 540— 568. Taf. XLIIIu. XLIV) über „Aulorhipis ele-
gans, eine neue Spongienform; nebst Bemerkungen über
einzelne Punkte aus der Organisation der Spongien*
niedergelegt. Was den Verf. zur Aufstellung dieser
„neuen Spongienform" veranlasst hat, ist ein horniger
Aufsatz an der vordem Oeffnung eines Terebellengehäu-
ses, der sich nach kurzem Verlauf in zwei geweihartig
verzweigte Gabeläste theilt und nach Innen in eine die
Wurmröhre tapetenartig auskleidende und fest damit zu-
sammenhängende Hornlage übergeht. Obwohl die Sub-
stanz sowohl des geweihartigen Aufsatzes wie der Innen-
röhre vollkommen solide ist, auch durch ihre Schichtung
und durch die Anwesenheit zahlreicher fremder Ein-
29G Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Schlüsse (Diatomeenschalen, mehr oder minder gut erhal-
tener Spongiennadeln verschiedener Abstammung, Echino-
dermenskeletstücke u. dgl.) sich unverkennbar als blosse
Skeletbildung zu erkennen giebt, glaubt Verf. sich den-
noch berechtigt, dieselbe als ein gemeines Schwammge-
webe und zwar das Parenchym eines Hornschwammes in
Anspruch zu nehmen. Da nun aber die Oberfläche dieses
sog. Schwammes weder Oscula noch Poren trägt, auch
im Innern der Substanz keinerlei Hohlräume vorhanden
sind, so zweifelt der Verf. an der coelenterischen Natur
der Poriferen und ist geneigt dieselben als eine Ueber-
gangsgruppe von den Protozoen zu den Coelenteraten
mit „holsarcinen" und „coelosarcinen" Arten zu deuten.
Als Zwischenformen zwischen diesen zwei Gruppen und
nächste Verwandte der Aulorhipis möchte Verfasser die
pläozoischen — allerdings ganz anders geformten —
Stromatoporen betrachten, die nach den Untersuchungen
v. ßosen's (Verhandl. der k. russischen inineralog. Ge-
sellsch. zu Petersburg 1869. Bd. IV. S. 1—58) unbedenk-
lich als Schwämme anzusprechen seien. Gegen diese
Auseinandersetzungen ist jedoch geltend zu machen, dass
das homogene harte Gewebe von Aulorhipis unmöglich
eine lebendige Schwammsubstanz repräsentiren kann. Es
ist nichts Anderes, als ein Skeletgewebe und zwar ein
Skeletgewebe, das nach der Ansicht des Ref., der es aus
eigener Untersuchung kennt, einen integrirenden Theil
der Wurmröhre darstellt, der ihm aufsitzt, wie das auch
Baird annahm, als er seine mit Aulorhipis identische Te-
rebella flabellana (J. B. 1865. S. 224) aufstellte. Dass es
auch sonst Terebellenröhren mit eigenthümlich geformten
Anhängen an der obern Oeffnung giebt, ist schon seit
längerer Zeit bekannt, wie denn z. B. die Röhre der T.
conchilega vorn einen Kranz von fadenförmigen Anhängen
trägt, die einen Reusenapparat bilden und durch ihre An-
ordnung und die Bekleidung mit Sandkörnern sich un-
verkennbar als Fortsetzungen der Wurmröhre ergeben.
Haeckel berichtet (Jenaische Zeitschrift für Me-
dicin und Naturwissensch. Bd. VI. 1870. S. 641—651 „über
die sexuelle Fortpflanzung und das natürliche System
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 297
der Schwämme"), dass es ihm nach vielfachen vergebli-
chen Versuchen gelungen sei, Zoospermien bei verschie-
denen Kalk- und Kieselschwämmen aufzufinden. Sie ent-
wickeln sich freilich nicht in besondern Hoden, sondern,
wie die Eier, hier und da im Entoderm, indem einzelne
Zellen desselben ihr langes schwingendes Geisselhaar ein-
ziehen imd durch mehrfach wiederholte Theilung in etwa
acht sehr kjeine Zellen zerfallen, deren Protoplasma sich
an der frei in das Kanalsystem hineinhängenden Seite in
einen sehr langen und feinen fadenartigen Fortsatz aus-
zieht. Der Faden beginnt zu schwingen und schlägt
schliesslich so stark, dass die Zelle losreisst und als reifes
Zoosperm jetzt im Wasser umherschwimmt« In Präpa-
raten frisch zerzupfter Sehwammzellen sah Verf. solche
Samenzellen mit den bekanntlich gleichfalls aus gewöhn-
lichen Entodermzellen durch Einziehen des Flimmerfa-
dens entstandenen Eizellen in Berührung kommen und
schliesslich damit verschmelzen, worauf letztere dann die
frühere amöboide Bewegung einstellten, kuglig sich zu-
sammenzogen und furchten. Samenzellen und Eier werden
stets in demselben Individuum gefunden, so dass die
Spongien demnach als Hermaphroditen zu bezeichnen
sind. Dass die gemeinen Geisseizeilen des Entoderms
nach Einziehen des Flimmerhaares auch sonst nicht selten
eine amöboide Bewegung zeigen, kann nicht überraschen,
nachdem dieselbe Erscheinung schon früher an den
kernlosen Schwärmern von Myxomyceten und sog. Mone-
ren nachgewiesen worden ist. (Vgl. hierüber auch Ha-
ck el, biolog. Studien! S. 130: „über die Identität der
Flimmerbewegung und der amöboiden Protoplasmabewe-
gung".) Einige Male gelang es auch zu sehen, wie sich
einzelne amöboide Zellen wieder in Geisselzellen zu-
rückverwandelten. Auch das Ectoderm, das aus den
verschmolzenen Zellen des äussern embryonalen Keim-
blattes entsteht, und ausser den Kernen jener Zellen auch die
Kalknadeln des Skelets umschliesst, bildet unter gewissen
Umständen an seiner Oberfläche dichte Massen von sehr
feinen Pseudopodien, besonders an den dünnen Schei-
den, welche die isolirten Spicula umgeben. Das vom
298 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Verf. in seinem Prodromus aufgestellte System der Kalk-
schwämme ist durch die neueren Beobachtungen bereits
als antiquirt zu betrachten. Es wird als »ganz künst-
liches" bezeichnet und durch ein „natürliches" ersetzt, in
dem nach der Bildung des Kanalsystems zunächst drei
Hauptgruppen: Ascones, Leucones und Sycones unter-
schieden werden, die den früher aufgestellten Familien
Microporeuta, Cladoporeuta , Orthoporeuta entsprechen,
während die damals unterschiedene vierte Familie (Apo-
reuta) eingehen muss, da die einzige dahin gerechnete
Gattung Prosycum IL, wie Verf. sich jetzt überzeugt
hat, nur einen vorübergehenden (porenlosen) Zustand von
Olynthus darstellt. Die durch die einfachen Hautporen
ausgezeichneten Asconen bilden die — zunächst den Hy-
droiden verwandte — Stammgruppe der Kalkschwämme,
aus der erst später sich die Leuconen mit ihren verästel-
ten Kanälen und die Syconen mit ihren radialen Tuben
entwickelten. Für die Eintheilung der Kalkschwämme
in Genera und Species lassen sich weder die Individua-
litätsverhältnisse, noch die Beschaffenheit der Mundöffnung
oder die äusseren Körperformen benutzen, da diese sämmt-
lich im hohen Grade der Abänderung unterworfen sind,
sondern einzig und allein die Form und Zusammensetzung
der Nadeln. Die letztern sind bald einfach, bald drei-
schenklig, bald auch vierschenklig, sie bieten also drei
Grundformen, die entweder für sich allein oder in Combi-
nation mit einer zweiten und resp. dritten Form das
Skelet zusammensetzen. Es sind hiernach sieben Com-
binationen möglich und alle sieben auch nachweisbar und
zwar in jeder der drei Familien auf dieselbe Weise, so
dass 21 Genera resultiren, die von unserm Verf. aber-
mals mit neuen Namen ausgestattet sind, und dadurch
gebildet werden, dass die drei Stammwurzeln jedesmal
correspondirenden Gattungsendigungen (Ascyssa, Leu-
cyssa, Syccyssa, Ascetta u. s. w.) angehängt wurden.
v. Wi lern ocs -Suh m beobachtete in Kiel den
flimmernden Embryo eines Kalkschwammcs (Sycon). Das
Körperparenchym bestand aus einer festen Rindenschicht
und einer mehr lockern Centralsubstanz, von denen die
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 299
letztere zwei Kalknadeln, eine dreizackige und eine ke-
gelförmige, in sich einschloss. Zeitschrift für wissensch.
Zoologie Bd. XXI. S. 382 mit Abbild.
Carter handelt „on parasites of the Spongcs" (Ann.
and Mag. nat. hist. T. VIII. p. 330—332) und hebt die Irr-
thümer hervor, die namentlich vonBowerbank dadurch
begangen sind, dass er die wahre Natur dieser Parasiten
(Polypen, Foraminiferen, Algen) verkannt hat. So ge-
hört u. a. auch das fibro-membranöse Gewebe von Stematu-
menia Bow. keinem Schwamm, sondern einer Alge (Oscil-
latorie) an, die auch sonst häufig in Schwämmen lebt
und vom Verf. als Spongiophaga communis bezeichnet
wird. Hieher auch die geknöpften Fäden gewisser Horn-
schwämme, die schon K Olli k er auf parasitische Algen-
fäden zurückgeführt hat (J. B. 1865. S. 226). Verf. be-
absichtigt seine Forschungen über diese Parasiten später
noch ausführlicher zu veröffentlichen.
Derselbe findet in dem obern Grünsand von
Exeter und andern Orten zahlreiche (chalcedonisirte) Ue-
berreste von Schwammnadeln, mitunter in solcher Menge,
dass fast, die Hälfte der gesammten Masse daraus bestand.
Ein sehr bedeutender Theil dieser Ueberreste Hess sich
auf Corallenschwämme und Euplectelliden zurückführen,
während die übrigen vornehmlich gewissen Geodiden und
verwandten Formen zugehörten. Die eigentlichen Te-
thyaden sind darin ebenso wenig vertreten, wie die Tief-
seeschwämme (Hyalonemen, Holtenien, Asconemen u. s. w.
On fossile sponge - spicules of the greensand compared
with those of existing species, Ann. and Mag. nat. hist.
T. VII. p. 112-141. PI. VII -X.
Das rege Interesse, welches neuerdings den Spongien
sich zugewendet hat, macht es begreiflich, dass auch die
von den altern Zoologen beschriebenen Formen wieder eine
grössere Aufmerksamkeit erregen. Und so dürfen wir es
gewiss als ein ebenso zeitgemässes, wie dankenswerthes Un-
ternehmen betrachten, dass Ehlers die in der Erlanger
Universitätssammlung aufbewahrten Originalexemplare der
inEsper's „Pflanzenthieren" abgebildeten Schwämme
einer näheren Untersuchung unterzogen hat und den Ver-
800 Le uckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
such macht, dieselben in einer unserer heutigen systema-
tischen Anschauungsweise, entsprechenden Art zu deuten.
Es sind nicht weniger als 32 Species, die auf diese Weise
unserer Eenntniss zugänglich geworden sind, und unter
ihnen, befinden sich zahlreiche sonst nicht beobachtete
Formen, von denen einige sogar als Repräsentanten neuer
Genera zu betrachten sind. Bei der Charakteristik und
Deutung derselben hat sich der Verf. an die Arbeiten
von O. Schmidt angeschlossen. Wie dieser, hat er
den grossesten Werth auf die Form der Kieselgebilde
gelegt, ohne desshalb aber die Lagerung und Anordnung
der Faserzvige ausser Acht zu lassen. Obwohl Esper
die hier in Betracht kommenden Arten sämmtlich über
zwei Geschlechter (Spongia und Alcyonium) vertheilt, so
finden sich darunter doch Vertreter der verschiedensten
Gruppen, der Hornschwämme, Chalineen, Fibrineen und
Compagineen, mit nicht weniger als 22 Genera. So sind
die Hornschwämme durch 10 Arten vertreten, durch Eu-
spongia adriatica var. quarnerensis Schra. (= Sp. officinalis
Esp.), Eusp. cellulosa Esp ., Eusp. agaricina Esp., Eusp. (?)
plicata Esp., Cacospongia cavernosa Esp. (von der gleich-
namigen Species Schmidt's und Michclotti's verschieden), C.
lamellosa Esp., Spongelia (?) grossa Esp., mit achsenlosen,
aber festen Fasern, Verongia (Luifaria Mich.) fistularis
Esp., V. (Janthella Gr.)flabelliformis Esp., Phy llospon-
gia (n. gen.) papyracea Esp. Den Chalineen gehören
drei Arten an: P laty chalina (n. gen.) foliacea Esp.,
Pachychalina fibrillosa Esp. und Siphonochalina tubulosa
Esp. Weit reicher ist die Gruppe der Fibrineen mit
Clathria surculosa Esp. , Desmacidon compressum Esp.
und D. frondosum Esp., Scopalina caespes n. sp. auf Si-
phonochalina tubulosa vorn Cap d. g. H., Kliaphido-
phlus (n. gen.) cratitius Esp., Axinella cannabina Esp.
A. verrucosa Esp., A. (Phakellia Bow.) ventilabra Esp.,
mit Var. infundibuliformis Esp. , Raspaigella lyrata Esp.,
Trikentrion n. gen. muricatum Esp., Suberites manus
Esp.,(= S. marsia 0. Seh.? und S. (?) Cydonium. Den Com-
pagineen werden schliesslich angereiht: Homo eodictya
(n. gen.) digitataEsp. ( — Halichondria — Isodictya Bow.
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 301
— palmata Johnst.), Isodictya cymaeforrais Esp., Trago-
sia caliciformis Esp. (= Halichondria — Isodictya Bow.
— infundibuliformis Johnst.), Reniera clavata Esp. (=
Schmidtia clavata Balsamo Cr.), Myrmehioderma (n.
gen.) granulatum Esp.
Zur Charakteristik der neu aufgestellten Geschlech-
ter, so wie des neu begrenzten Gen. Isodictya noch fol-
gende Diagnosen :
Phyllospongia Ehl. Papierdünne, blattförmige Horn-
schwämme ohne grössere Oeffnungen mit einem regelmässigen Ma-
schenwerk von gleich dicken homogenen Hornfasern.
Platyclialina Ehl. Schwamm blattartig, mit einigen spitz-
kegelförmigen Vorsprüngen und zerstreuten kreisförmigen Oeffnun-
gen; regelmässiges Netz von Hornfasern, welche einzelne dünne
spitz-spitze Nadeln einschliessen.
Bhaphido phlus Ehl. Schwamm aus netzförmig vereinig-
ten Balken mit dichter Rindenschicht aus stumpf-spitzen Nadeln, dar-
unter im Gewebe ein Netz von Hornfasern, in welchen und um
welche die gleichen Nadeln liegen, ausserdem eingepflanzte gedornte
Nadeln, daneben gleichendige Doppelanker und mannichfach gebogene
Kieselfäden.
Trikentrion Ehl. Aestiger Schwamm mit rauher Ober-
fläche; im innern Gewebe Verdichtungen zu hornartigen Fasern und
Züge von spindelförmigen Nadeln, im Gewebe der Oberfläche drei-
zinkige Nadeln, deren eine Zinke gedornt ist.
Homoeodictya Ehl. Schwamm massig, im Gewebe regel-
mässig netzförmig geordnete Züge von einfachen Nadeln, daneben
gleichendige Doppelanker.
Isodictya Bow. (char. emend.) Schwamm ästig; Gewebe ohne
Hornfasern mit Zügen von einfachen Nadeln, von denen die einen
von der Axe rechtwinklig zur Oberfläche gehen, die andern diese
unter einander verbinden.
Myrmekioderma Ehl. Schwamm massig, auf der Ober-
fläche eine warzige Rinde von dichtgedrängten spitz-spitzen Na-
deln, dazwischen membranöse Stellen mit grössern und kleinern, in
das Kanalsystem des Schwammes führenden Oeffnungen, im Innern
des keine Hornfasern enthaltenden Gewebes unregelmässig gelagerte
glatte und dornige spitz-spitze Nadeln.
Die Spongia lycopodium Esp. ist, wie Ehlers mit-
theilt, kein Schwamm, sondern eine Alge (nach Kraus
Cladophora spongiomorpha). Ebenso ist als eine solche
nach Gray (Ann. and Mag. nat. hist. T. VIII. p. 142)
die Spongia linteiformis Esp. von Carter erkannt wor-
Archiv f. Naturg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd. U
302 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
den. Agardh hält letztere (ibid. p. 370) für eine Art
des Gen. Spongocladia Areschoug.
Auch das Bo we rbank'sche Gen. Haliphysema ist
aus der Gruppe der Poriferen auszuscheiden, da die da-
hin gerechneten Formen von Carter als Foraminiferen
erkannt sind. Ann. and Mag. nat. hist. T. V. p. 308 u. 389.
O.Schmidt veröffentlicht „Grundzüge einer Spon-
gienfauna des atlantischen Gebietes" (Leipzig 1870, 88 S.
in gross Folio mit 6 Kupfertafeln). Was uns in densel-
ben geboten wird, stützt sich vornehmlich auf die reichen
Materialien, welche die Museen von Kopenhagen und Cam-
bridge, das erstere aus dem Nordmeere, das andere von
der Ostküste Nordamerikas besitzen, und enthält auch die
Spongienausbeute, welche Graf Pourtales bei seiner
Tiefseefischerei gemacht hat. Die letztere ist nicht minder
interessant, als die bei derselben Gelegenheit zusammen-
gebrachten Sammlungen von Echinodermen und Korallen,
über welche wir schon in unseren früheren Berichten das
Nähere mitgetheilt haben. Besonders reich an sog. Glas-
koralien, repräsentirt auch die Spongienfauna der Tief-
see eine unmittelbare Fortsetzung der vorweltlichcn
Schöpfung. Den Kern des vorliegenden neuen Werkes
bilden natürlich die Detailbeschreibungen der in beträcht-
licher Zahl hier zum ersten Male charakterisirten For-
men, von denen „die Spongien der grönländischen Küste"
übrigens schon vorher von unserm Verf. (Mittheilungen
des naturwissensch. Vereins für Steiermark Bd. II. Heft 1.
1869. 9 Seiten) eine kurze Darstellung gefunden hatten.
Eingeleitet werden diese Beschreibungen durch eine Reihe
von „Betrachtungen zur Systematik" (S. 1 — 12), die na-
mentlich den bisher den „wesentlichen Merkmalen" der
Spongien zugerechneten Hartgebilden gelten und zur
Genüge zeigen, dass diese in gleicher Weise dem Ge-
setze der Wandelbarkeit unterliegen, wie das für die Ge-
staltungen und äusseren Formen unserer Thiere schon
seit längerer Zeit bekannt ist. Mag es auch gelingen,
den Nachweis zu liefern, wie diese Veränderlichkeit durch
innere oder äussere Momente bedingt ist, für die Syste-
matiker der älteren Schule bleibt es immer eine schmerz-
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 303
liehe Erfahrung, zu sehen, dass auch von den Merkmalen,
auf die bisher noch ein Verlass schien, eines nach dem
andern schwindet, dass, wie Verf. sagt, „Alles mit Allem
verwandt ist". Was in Betreff der näheren oder ferneren
Verwandtschaftsgrade nach diesen neueren Erfahrungen
sich ergiebt, das hat Verf. in einem Schlusskapitel über die
geographische Verbreitung und die natürliche Verwandt-
schaft der Spongien (S. 78—88) zusammengestellt. Die
Resultate dieser Erörterungen, die als die Anfänge einer
„Descendenz-Systematik" hingestellt werden (auch, wie
die Grönländischen Spongien, früher schon in den Mit-
theilungen des naturhistorischen Vereins für Steiermark
1870 unter dem Titel „das natürliche System der Spon-
gien" eine kurze Darlegung gefunden haben), werden
wir später noch besonders erwähnen müssen. Einstwei-
len mag die Notiz genügen, dass dieselben von den bis-
her verbreiteten und auch von Schmidt vertretenen sy-
stematischen Ansichten in vielfacher Beziehung beträcht-
lich abweichen. Die Kieselkörper der Spongien werden
von unserm Verf. auf vier Grundformen zurückgeführt,
die einachsigen (Stift, Stecknadel, Knoten- und Dornna-
deln, Bogennadeln und Anker, die alle aus einander her-
vorgehen), die dreikantig regulär pyramidalen (Dreistrah-
ler, Vierstrahler, Fünfstrahler, Anker mit drei Zähnen),
die dreiachsigen (Kreuz- oder Sechsstrahler) und schliess-
lich die Kieselkörper mit unendlich vielen Achsen (Ku-
geln, Scheiben, Schilder , Sterne). Am schärfsten be-
grenzt ist die Gruppe der dreiachsigen Kieselbildungen,
deren Träger, die sog. Glasschwämme (mit Ausnahme
von Dactylocalyx), auch sonst sehr auffallend gegen die
übrigen Kieselnadeln sich absetzen. Ucber die Entstehung
dieser Formen und namentlich auch die Ursachen ihrer
speeifischen Gestaltung ist nur wenig bekannt — was
Verf. darüber anführt, dürfte das Verständniss kaum för-
dern und ist überdiess durch Harting's bahnbrechende
Arbeiten über die künstliche Darstellung speeifisch ge-
stalteter sog. Kalkkörperchen, die wir im nächsten Jah-
resberichte anzuziehen haben, überholt. Weit plausibler
erscheint das, was Verf. über den Einfluss sagt, den die
304 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Richtung der Wasserströme auf den Verlauf und die An-
ordnung der Nadeln des Spongienkörpers hat, einen Ein-
fluss, den er auch in der schraubenförmigen Drehung des
Haarschopfes bei den Euplectellen und ähnlichen Erschei-
nungen zu erkennen glaubt. Interessant ist auch der Nach-
weis, dass bei gewissen Schwämmen (Ute utriculus, Cor-
ticium candelabrum) gelegentlich das Osculum schwin-
det, ja dass manche Arten dessen fast immer (Suberites
domuncula) oder ganz constant (Geodia gibberosa) entbeh-
ren, wobei dann die Functionen derselben auf einen mehr
oder minder ausgezeichneten Porenbezirk übertragen sind.
Ebenso wenig, wie die Anwesenheit des Osculums ist
auch die der Rinde maassgebend für die systematische
Stellung : wir kennen jetzt Gattungen (Ecionema Bowb.,
Papyrula Schm., Pachastrella Schm., Tisiphonia Thomps.),
die uns nöthigen, den Schwämmen mit wohl entwickelter
Rinde solche anzureihen , bei denen die Rinde eine
blosse Oberhautschicht ist. Ebenso ist auch die Bildung
einer Wurzel keineswegs auf die Glasschwämme beschränkt.
Die neu beschriebenen Arten vertheilen sich folgender
Maassen:
1. Hexatinelli dae mit Kieselnadeln, die dem dreiachsigen
Tppus folgen, und einer Sarkode, die sehr weich und flüssig zu sein
scheint, sich auch keineswegs überall zu Fasern verdichtet. Hieher
Lanuginella (n. gen.) pupa, kleine coconartige monozoische Kie-
selschwämme, mit weitem Osculum und grosser Centralhöhle, die
ohne Stiel auf fremden Gegenständen festsitzen, aus St. Jago, Holte-
nia Pourtdlesii n. aus der Tiefsee bei Florida, gleichfalls ein mo-
nozoischer Schwamm, der in grössern Exemplaren jedoch das Os-
culum verliert, H. Saccus n. ebendah., Sympagella (n gen.) dux n.
ebendah., mit Stiel und ellipsoidischem Körper, der am Ende ein
kleines Osculum trägt. Die fast nur durch Sarcode vorbundenen
Nadeln gehen im Stiele durch Auflagerung zarter Mäntel und Verkit-
tung in ein continuirlicbes Kieselgeflecht über. Tritt als Individuum
und Stock auf. Placo dictyum (n. gen.) cucumaria ebendah.,
klein, mit endständigem Osculum und eigenthümlichen Kieselplatten
in den Rauhigkeiten der Körperwand. Farrea facunda n. ebendab.,
besteht aus unregelmässig dichotomisch verzweigten Röhren, die
mit ihrer Basis aufgewachsen sind und in ihrer Wand ein Kie-
selnetz enthalten, das, wie das entsprechende Netz von Aphrocalli-
stes und Dactylocalyx, durch Knospung aus gewöhnlichen Sechs-
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 305
Strahlern entstanden ist und somit gewissermassen einen Stock von
Sechsstrahlern darstellt. Die Enden der Röhren fungiren als Oscula.
AphrocdlUstes Bocagei n. von Florida, den Cap Verdischen Inseln und
vom Eingange des Englischen Canals aus grosser Tiefe. Bildet ein Sy-
stem zusammenhängender prismatischer Waben, während Dactylocalyx
Schm. (non Auct.) mit seinem Kieselnetze ein dichtes und unre-
gelmässiges Geflecht bildet, das ein bald massiges, bald auch ver-
ästeltes Aussehen hat und dann (D. erispus n. Cuba, vielleicht mit Myliu-
sia callocyathus Bowk. identisch) am Ende der Aeste unregelmäs-
sig spaltförmige Oscula trägt. Die Vergleichung der aus verschie-
denen fossilen Schwämmen mit gitterförmigem Gewebe (Scyphia,
Manon) hergestellten Präparate mit den Skeletbildungen der letztge-
nannten Genera lässt keinen Zweifel, dass die lebenden Hexatinellen
in directem Zusammenhange mit der einst weit formenreicheren
Gruppe der Scyphien und Ventriculiden stehen.
2. Lithistidae umfassen Spongien mit zusammenhängendem
Kieselgewebe, dessen Fassern nicht nach dem dreiachsigen Typus
wachsen, sondern ein scheinbar ganz regelloses Gewirre bilden. Die
Eigenschaften der Sarkode erinnern einigermassen an die Verhältnisse
der Hexatinellen, während das Kanalsystem, das bei den letztern sehr
unklar ist — vielleicht, wie Ref. vermuthen möchte, der Bildung der
Kalkschwämme sich anschliesst, mit denen die Hexatinellen auch die
Weite des Centralraumes und Osculums theilen — wie bei den gewöhn-
lichen Spongien sich verhält. In der äussern Körperform ist wenig Ue-
bereinstimmung, doch sind schüssel- und löffeiförmige Arten häufig.
Auch diese, früher mit den Hexatinellen zusammen als Glasschwämme
bezeichneten Formen sind durch des Verf.'s Untersuchungen jetzt
besser und vollständiger bekannt geworden. Sie bilden vielleicht
die directe Fortsetzung gewisser fossiler Schwämme, die nach dem
Verf. ausser dem Kiesseigitter noch eigenthümliche »wurmartige« Kie-
selkörper enthalten (Achilleum, Chenendopora) und als Repräsentan-
ten einer besondern Gruppe (Vermiculatae) betrachtet werden. Hie-
her das n. gen. Lei oder matium (ohne isolirte Kieselkörper in
der Oberflächen schicht) mit L. ramosum n. aus Florida, cylindrische
oder kegelförmige mit breiter Basis festsitzende Körper bildend,
auf deren Gipfel die Ausführungskanäle in umwallten Osculis endi-
gen, und L. Lynceus n. von Portugal, mit Osculis, die auf der Aus-
senfläche tief ausgerandeter Hohlcylinder sitzen, so wie das Gen. n.
Cor allist es, das sich durch dasVorhandensein regelmässiger isolirter
Kieselkörper im Innern charakterisirt und zahlreiche Arten aufweist :
C. typusn. von Florida = Dactylocalyx Prattii Bnk.? und Macandre-
wia azorica Gr. ?), C. microtuberciilatus n. von St. Jago, C. elegan-
tior Portugal, P. nolitangere ebendah., C. clavätella n. von Florida,
C. polydiscus n. Portugal, Florida. Hieher gehört wahrscheinlich
306 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
aueh noch ein nachträglich (S. 84) von unserm Verf. als Lyidium
(n. gen.) torquüla n. aus Cuba beschriebener Schwamm, in dem das
sonst continuirliche Kieselgeflecht in einzelne unregclmässig ver-
ästelte Kieselkörperchen mit geschwollenen und becherförmigen En-
den aufgelöst ist. Als Typus dieser Körperchen lässt sich ein drei-
strahliger Stern mit einfachen oder auch gegabelten Strahlen ansehen.
Die 3. Gruppe, die aus den vereinigten Halisarcinen und
Gummineen besteht, ist nur durch wenige Formen vertreten. Zunächst
durch eine neue Art des problematischen — weil poren- und oscu-
lumlosen — Gen. Cellulophana Schm., C. collectrix aus Florida, dann
durch Columnites (n. gen.) squamata n. von den Antillen und
zwei Arten des Gen. Chondrilla, Cli. phyllodes n. und Ch. nucula
Schm. Das Gen. Columnites bildet eine incrustirende lappige Masse,
deren Oberfläche durch die vortretenden Köpfe der säulenförmig an-
geordneten Fasermassse wie facettirt aussieht.
4. Unter den zahlreich vertretenen, aber nicht näher beschriebe-
nen Hornsch wä mmen erwähnen wir das Gen. Tuba Duch. et Mich.,
das Verf. für monozoisch hält, das neue Gen. Stelospongos und
das Gen. Luffaria Duch. et Mich., das sich durch die krümliche
Achsensubstanz seiner Fasern, so wie dadurch, dass das Geflecht an
der Aussenflache in lauter gleich lange Borsten ausläuft, wie eine
Bürste. Das Gen. Polytherses Duch. et M. fällt, obwohl es den Kie-
selschwämmen zugerechnet wurde, mit Filifera Lieberk. zusammen.
Stelospongos bildet gerundete Massen und enthält ein Skelet, das
hauptsächlich aus groben gegen die Oberfläche gerichteten Säulen
und Pinseln besteht, die schliesslich in eine feste und glatte Kruste
mit zahlreichen hohlen Fasern übergehen.
5. DenChalineen wird zunächst ein neues Gen P seudocha-
lina zugefügt, das sich durch sein Gewebe an Euspongia anschliesst,
aber Nadelhöhlungen oder aus der Fasermasse sich isolirende Central-
fäden einschliesst, die nur ganz leicht verkieseln, und Nadelanlagen
darstellen, die sich jedoch nicht durch selbstständige Wandungen ab-
schliessen. Das neue Genus macht also den unmittelbaren Ueber-
gang zu denHornschwämmen, und das um so mehr, als ganze Strecken
feiner und mittelstarker Fasern völlig homogen und frei von Kanä-
len sind. Die eine dahin gehörende (aber nicht benannte) Art ist
von unbekanntem Fundort. Weiter zählt unser Verf. von Chalineen
auf: Cacochalina subtilis n. von Florida, C. rubiginosa von den An-
tillen, Siplwnoehalina bullata n. (= Callyspongia bullata Duch. et
Mich. ?) Antillen, S. papyracea ib. (= Tuba sororia aliaeque Duch.
et Mich.), eine formenreiche Art, isolirte oder verästelte und in
verschiedenem Grade zusammenhängende Röhren bildend, von Flo-
rida und den Antillen, S. densa n. von Portugal und Florida, S.
mollis ebendah., Cladoclialina (n. gen.) armigera, von Buchais-
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 307
sing und Michel in als eine Tuba beschrieben, nach Gewebe und
Nadeln aber eine Chalinee, die von Siphonochalina papyracea sich
vornehmlich durch die solide Beschaffenheit ihrer Aeste unterschei-
det, Sclerochalina cyathus n. sp. von den Antillen, Bhizo ein all na
(n. gen.) oleracea Antillen, Bh. carottan., Cribrochalina (n. gen.)
infundibulum n. Antillen, Cr. cretacea n. Florida, Pachychalina sp.
und Chalinula Ovulum n. Das sonderbar gestaltete neue Gen. Rhi-
zochalina hat einen zwiebel- oder rübenförniigen Körper, der in
hohle verzweigte Fortsätze ausläuft, am untern Ende aber mit
einfachen, zur Befestigung dienenden röhrigen Wurzeln versehen
ist. Oscula fehlen. Die Aussenfläche ist glatt, aus feinem Geflecht
bestehend. Im Innern werden die radiären Fasern durch concen-
trische Schichten unterbrochen , deren feineres Geflecht aus den
seitlichen Ausbreitungen und Verzweigungen jener Fasern hervor-
geht. Gegen das Centrum des Körpers ist das Geflecht am locker-
sten, doch wird keine grössere Leibeshöhle gebildet, und die Röh-
ren, sowohl die obern und seitlichen, wie die untern, nehmen zunächst
aus oberflächlichen Kanälen ihren Ursprung. Das Gen. Cribrocha-
lina enthält starkfasrige Chalineen, deren Ausströmungskanäle nicht
mit grössern Osculis münden, sondern da, wo sie zur Oberfläche
treten, von dem Gewebe, in welchem sich auch die Einlassporen
befinden, übersponnen bleiben. Es sind daher äusserlich die ver-
schieden funetionirenden Porenbezirke nicht zu unterschieden, und
der Körper erscheint mündungslos.
6. Die Formen, welche sich dem Typus Reniera mit dem locke-
ren Netze der kurzen umspitzigen Nadeln anreihen, sind so zahl-
reich , dass Verf. sich veranlasst sieht, dieses Genus in eine Anzahl
kleinerer Gruppen zu zerlegen, wie das Gray bereits durch Aufstel-
lung seines Gen. Tedania begonnen hat. So begegnen wir denn in
dem vorliegenden Werke nicht bloss dem Gen. Reniera s. st., das auf
die incrustirenden oder röhrenförmigen oberhautlosen Schwämme von
sehr geringer Festigkeit beschränkt ist, deren Nadeln zu einem ex-
quisiten drei- und viermaschigen Netzwerk verkittet sind (mit Re-
niera porosa Schm. = Arcesios porosaDuch. et Mich., JB. aseidian.
Florida, B. liebes n. ebendah.. R. fortior n. Antillen, B. pons n. Dä-
nemark), sondern auch einer ganzen Reihe neuer Genera. Zunächst
dem Gen. Ampho r in a, dessen Nadeln in groben unregelmässigen
Zügen oder ganz wirr durch einander liegen (mit A. genetrix n. aus
Grönland, A. terebrans n. St. Thomas, A. solidior n. Florida, A.
turr Hella n. ebendah.), Arten, denen sich zahlreiche schon früher
beschriebene Renieren und Hymeniacidonten anschliessen), dem Gen.
n. Pellina, dessen unregelmässig gruppirte Nadeln nur durch eine
vollständig entwickelte Oberhaut zusammengehalten werden (mit P.
bibula n. aus dem Kattegat, P. profunditatis n. Florida, die beide
308 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
dem Typus der formenreichen venetianischen R. semitubulosa Schm.
angehören), Eumastia, das sich von Pellina durch die Anwesenheit
besonderer kegel- und zottenförmiger Hautausstülpungen unterschei-
det, die sich mitunter sogar verzweigen und in ihrer Basis ein unre-
gelmässiges Labyrinth von zusammenhängenden Räumen bilden (mit
E. sitiens n. aus Grönland), Foliolina, dessen hohler Stamm trotz
seinem lockeren Gefüge der Oberhaut, so wie der Oscula entbehrt
(mit F. peltata n. aus Forida). Die Gattung Tedania Gr., die sich
durch den Besitz von dreierlei Nadelformen resp. Doppelkeulen
charakterisirt, aber ganz ausserordentlich veränderlich ist, so dass sie
Verf. für eine »noch nicht befestigte« Gattung erklärt, wird durch
T. suctoria n. aus Island bereichert und die Gattung Schmidtia Bals. Cr.
durch Seh. aulopora n. (= Thalysias subtriangularis Duch. et Mich.)
und Schm. muta, beide aus Florida. Auf Reniera labyrinthica Sc,hm.
wird das neue Gen. Plicatella (PI. aulopora n. Florida) gegründet
und schliesslich noch das neue Gen. Auletta (Aul. sycinularia n.
aus Florida) hinzugefügt. Die letztere besteht aus verästelten Röhren,
deren endständige Oscula mit einer Sphincterklappe verschliessbar
sind. Die Individuen, die durch basale Knospung ihren Ursprung
genommen haben, communiciren nicht durch das offene Lumen des
Häuptkanales, sondern sind durch ein Gewebnetz isolirt.
7. Aus dem Kreise der Su beritinen beschreibt Verf. zunächst
eine Anzahl neuer Arten des Gen. Suberites: S. heros Antillen, S.
tuberculosus Florida, S. distortus Antillen , S. lobieeps Florida, S.
Lütkeni Grönland und Dänemark, S. artiger Grönland, denen dann
zwei neue Arten Papillina (P. arenosa und P. suberea, beide aus
Florida) folgen. Darauf Radiella (n. gen. mit radiärer Schichtung
der Nadeln, ohne Wurzeln und wahre Rinde, d h. Rinde mit Fa-
serelementen, mit Osculis) sol n., die einzige Spongie aus grossester
Tiefe bei Cuba, und R. spinularia (— . Tetbya spinularia Bowbk.),
Comatella (mit radiär geschichteten Nadeln und langer Wurzel,
welche aus langen, meist asymmetrisch spindelförmigen Nadeln ge-
bildet ist), ein neues Genus, dem ausser den osculalosen G. graci-
lior n. aus Florida und C. stellata n. aus Cuba, wahrscheinlich auch
Hyalonema boreale Lov. (J. B. 1868. S. 492), dessen Kreuznadeln
nicht den Typus der Hexatinellen zeigen, sondern auf Knospen-
und Drusenbildung sich zurückführen lassen, so wie ein von Bo cage
als Podospongia Lovenii beschriebener ähnlicher Schwamm zuge-
hört. Haliphysema Bow., das man nach seinem Aussehen gleich-
falls hier unterbringen könnte, ist wahrscheinlich gar kein Schwamm,
da die darin enthaltenen Nadeln (auch Kalknadeln, Sand u. s. w.)
offenbar von Aussen gekommen sind. Weitere neue hieher gehö-
rende Genera werden unter den Namen Thecophora (Th. semisube-
rites n. aus Grönland, ein Schwamm, dessen kugliger Körper von
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 309
einer kurzen dicken Säule getragen wird und kleine Papillen mit
je einem Osculum hat) und Rinalda (B. uberrima aus Island, die
wahrscheinlich, wie Ref. bemerkt, mit Sperma borealis Miclucko Var.
tuberosa zusammenfällt), beschrieben. Schliesslich noch Teihya re-
pens n. von Florida und T. diploderma n. von den Antillen.
8. Die Gruppe der De sma cid inen ward gleichfalls durch zahl-
reiche neue Formen bereichert, durch Des macella (n. gen.) pumilio
aus Florida, D. vagäbunda ebendah. , Desmacodes (n. gen.) subereus
aus Portugal, Desmacidon titubans, D. griseum, D. Dianae, D. tu-
nicatum, Tenacia (n. gen.) clatlirata, Cribrella hospitalis (so ge*
nannt, weil ihre Siebe von einer mikroskopischen Assel besetzt sind),
Cr. papulosa, Esperia diaphana, Esp. renieroides, E. immitis, E.
massa, Sceptrella (n. gen.) regalis, sämmtlich aus Florida. Die neuen
Genera dürften sich folgendermassen charakterisiren: Desmacella
enthält Spongien, welche ausser den gestreckten einfachen Nadeln
nur Bogen und Spangen besitzen. Die Nadeln entweder in undeut-
lichen Zügen oder faserig geschichtet. Desmacodes vereinigt mit
dem Habitus von Papillina die Kieselkörper von Desmacella. Te-
nacia ist ein Schwamm vom Habitus der Gattung Clathria mit voll-
ständig ausgebildetem Hornfasergerüst und den symmetrisch drei-
zähnigen Doppelhaken von Desmacidon. Sceptrella trägt in seinem
incrustirenden unscheinbaren Körper ausser den Ankerzähnen noch
sehr eigenthümliche Nadeln mit Knotenwirteln, die in dichter Grup-
pirung senkrecht zur Oberfläche stehen und vom Verf. ihrer Gestalt
nach gewissen Schachfiguren verglichen werden. Aehnliche Körper-
chen finden sich, wie es scheint, aber allein, bei einem vonBocage
als Latrunculia cratera von St. Jago beschriebenen Schwamm.
9. Die Familie der Chalinopsidinen knüpft an die derberen
Chalineen an und enthält Schwämme mit oder ohne Fasergewebe
von bäum- und strauchartiger Gestalt, welche andere einaxige Na-
deln, als, die Spindeln besitzen, ohne die Bogen und Haken der Des-
macidinen und ohne? die Rindenbildung der höher entwickelten Sub-
eritidinen. Die Vorräthe des Verf.'s enthielten verschiedene Arten des
Gen. Pandaros Duch. und Mich, von Florida und den Antillen, Dictyo-
nella cactus Schm. von den Antillen, Chahnopsis (n. gen.) cervi-
cornis und Ch. conifera nn. sp. von den Antillen, Ch. clathroides n.
aus Caraccas, Clathria rectangulosa n. aus Florida, Axinella polypoides
Schm. ebendah. (ein weitverbreiteter Schwamm, den Gray zu einem
eignen Genus Astrosoma erhoben hat, bei dem aber, wie sich jetzt
herausstellt, die sternförmigen Vertiefungen, die dem Schwamm auf
den ersten Blick eine grosse Aehnlichkeit mit einem Polypen geben,
von einer die ganze Oberfläche überziehenden harten Haut gedeckt
sind), A. clava n.; A. mastophora n., beide aus Florida, A. rugosa
aus Cuba, Phakelia ventilabrum Bowr., Ph. folium, Ph.tmax, wie vo-
310 Leuckart: Bericht üb. d. Leisl. in d. Naturgeschichte
rige aus Florida, Baspailia (?) hamata n. sp. aus Westindien. Plo-
camia (n. gen.) gymnazura aus Florida und PI, clopetaria aus Cuba.
Chalinopsis hat den Habitus und die Faserbildung vonPachycha-
lina, besitzt aber stumpfspitze, pfahlförmige Wirtel-Knoten-Nadeln.
Plocamia. Schwämme mit incrustirender Basis und darauf
sich erhebendem ästigen Geflecht. Keine Faserbildung und überhaupt
lockerer Zusammenhang. Die Nadeln vom Charakter derjenigen der
Clathrien, theils der Suberiten; dazu noch hanteiförmige Körperchen.
Hynieraphia vertieillata Bovverb., die hier angeschlossen wird,
kommt in Florida nicht als Kruste, wie bei Irland, sondern in Pa-
pillenform mit Nebenhöckern vor.
10. Zu einer Familie der Ancorinen stellt Verf. heute alle diejeni-
gen Arten mit ankerförmigen Nadeln zusammen, die der aus Drusenku-
geln bestehenden Rinde der Geodien entbehren. Als zugehörig wer-
den beschrieben: Pachastrella abyssi n. und P. connectens aus Florida,
Sphinctrella (n. gen.) horrido, n. ebendah., Tetilla cranium Schm.
aus Island uud Florida, T. polyura n. (eine sehr zierliche kleine
monozoische Spongie von Flaschenform) mit linearen Nadeln, die
nach hinten immer länger werden und schliesslich einen langen Wur-
zelschopf bilden), Craniella (n. gen.) tethyoides n., Cr. Uns n. und
Cr. insidiosa n. sämmtlich aus Florida, Ancorina sigmophora n., A.
fibrosa n., A. individua n. (mit einem Hauptosculum und einigen
kleinen Oeffnungen), A. pachastrelloides n.. sämmtlich gleichfalls aus
Florida, Stelletta discophora Schm. ebendah. Sphinctrella bildet
aufrechte Wände von mehreren Centimeter Dicke, deren Oberfläche
von einer erhärtenden Hautschicht bedeckt ist, statt der Oscula
aber kleine durch kreisähnliche Klappen verschliessbare Oeffnungen
trägt Craniella euthält Spongien vom Habitus der Tethyen mit
fibröser Rinde und den Nadelformen der Tetillen, besonders den
dreizinkigen Gabeln.
11. Die Geodiniden sind durch Geodia pergamentacea n., G. glo-
bus n., zwei Portugalesen, G. simplex n. aus Grönland und G. Thomso-
nii n. aus Cuba. so wie weiter durch Pyxites (n. gen.) gibberosa
Auct., Caminus apiarium n. und Placospongia melobesioides Gray aus
Florida vertreten. Das neue Gen. Pyxites wird von Geodia durch den
Besitz einer grossen Leibeshöhle und die Localisirung eines Poren-
feldes für .die Ausströmung unterschieden. Caminus apiarium besitzt
nicht ein Osculum, sondern deren 8 — 10, Placospongia hat eine fa-
cettirte Rinde und kommt ebensowohl in incrustirenden, wie in
ästigen Formen vor.
12. Die Kalkschwämme, die unser Verf. in Erwartung der
Häckerschen Monographie über diese Thiere nur kurz berührt, sind
in Grönland die Hauptvertreter der Spongien und so reich verbrei-
tet, dass kaum das Mittelmeer damit in die Schranken treten kann.
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 311
Verf. erwähnt von dort : Leucosolenia Fabricii n. (Leucaria Haeck.),
Nardoa reticulum (Tarrus reticulatus H.), Leuconia stylifera, Sycinula
penicillata (Dyssycum H.), Syc. clavigera (Dyssycum H.), Syc. Egedii,
Sycon ciliatum Auct., Syc. raphanus (S. arcticum H.), Ute utriculus,
eine Art, die auf das Manchfachste variirt, auch das Osculum in
eine Porengruppe verwandeln oder gänzlich verlieren kann (von
Häckel desshalb auch in die Gen. Sycarium, Artynas, Sycocystis,
Artynella gestellt wird).
Um eine Uebersicht über die Verfcheilung der Spon-
gien im Atlantischen Meere zu ermöglichen, ist es noth-
wendig, die von Bow e rbank beschriebenen Arten auf die
Sc hmidt'schen Formen zurückzuführen. Für die Ge-
schlechter ist das schon früher von unsermVerf. (J. B. 1867.
S. 433) versucht worden — es wird dieser Versuch jetzt
auch (S. 76 u. 77) auf die einzelnen Arten ausgedehnt, und
zwar in einer so durchgreifenden Weise, dass nur wenige
der Bo w erba nk'schen Spongien ihr früheres Incognito
beibehalten haben. Für die Benutzung der Bower-
bank'schen Arbeiten wird die synonymische Tabelle
unsers Verf.'s fortan unentbehrlich sein. Der westlichen
und östlichen Seite des atlantischen Meeres sind, so weit
bisher festgestellt werden konnte , 16 Arten Kiesel-
schwämme und eine Anzahl von Hornschwämmen gemein-
schaftlich. Spricht dieser Umstand bereits für eine innige
Beziehung der beiden Küstengürtel, so erscheint diese
noch inniger, wenn wir berücksichtigen, dass sie beide
nicht weniger als 43 Genera mit einander theilen, For-
men also, die hüben und drüben in verschiedene Spe-
cies aus einander gegangen sind.
Das natürliche System der Schwämme glaubt Verf.
jetzt am besten durch die Annahme von vier Ordnungen
ausdrücken zu können. Die erste derselben enthält die Spon-
gien mit sechsstrahligen Nadeln oder Nadeln des dreiaxi-
gen Typus, deren Uebereinstimmung mit den Ventriculiden
jetzt als erwiesen betrachtet werden darf. Die zweite
umfasst die Spongien mit ankerförmigen Nadeln oder mit
Nadeln des pyramidalen Typus. Sie knüpft durch die
Lithisten an die Vermiculaten der Vorzeit an und führt
durch die Ancorinen hindurch zu den Geodien. Zu
der dritten Ordnung gehören die Spongien des einaxigen
312 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Nadeltypus sammt den nadellosen Formen, deren Ueber-
gang in die nadelführenden jetzt ausser Zweifel ist. Horn-
schwämme und Halisarcinen können demnach nicht mehr
als Ordnungen den Kiesclschwämmen gegenüber gestellt
werden, sie bilden vielmehr sämmtlich eine einzige Gruppe,
deren Formen durch zahlreiche Uebergänge verknüpft
sind, so dass selbst eine strenge Scheidung der Familie
nach Gattungen mit und ohne Kieselkörper nicht mehr
durchzuführen ist. Dass schliesslich auch die Kalkspongien
eine selbstständige Ordnung darstellen, die nur locker
mit den übrigen verwandt ist, mit andern Worten sich
schon frühe aus den hypothetischen Protospongien los-
gelöst hat, ist schon seit lange allgemein anerkannt. Dass
die Spongien übrigens den Coelenteraten zugehören, kann
Verf. noch nicht für ausgemacht halten. Allerdings hat
er sich allmählich davon überzeugt, dass das sog. Was-
sergefässsystem den Angelpunkt des gesammten Spon-
gienbaues darstellt — wie das vom Ref. schon lange vor
Häckel bahauptet ist — , aber trotzdem ist ihm nament-
lich die Homologie des Schwammosculums mit dem Munde
der Coelenteraten wenig wahrscheinlich. Die Gründe
dieser dissentirenden Meinung werden freilich nicht an-
gegeben, doch steht zu vermuthen, dass Verf. dabei die
Umbildung des Oseulums in ein Porenfeld und die
Astomie im Auge hat. Aber auch Rhizostoma bleibt ein
Coelenterat, obwohl statt des Mundes ein System von
Poren vorhanden ist. Ebenso wenig hindert uns die
Astomie der Geschlechtsthiere bei den Siphonophoren u.a.
die Coelcnteratennatur derselben anzuerkennen. Der Mund
kann überall bei den Thieren schwinden, sobald die-
selben ihre Nahrung auf anderem Wege beziehen. Die
Abwesenheit der Nesselkapseln ist für unsern Verf.
gleichfalls wichtig; er möchte die? e Gebilde als ein in-
tegrirendes Attribut der Coelenteraten ansehen. Wir
werden im nächsten Jahresberichte zu erwähnen haben,
dass diese Gebilde inzwischen auch bei einzelnen Spon-
gien nachgewiesen sind.
Tscherniawsky berichtet der russischen Natur-
forscherversammlung in Moskau (1870. T. II. der Ab-
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 313
handlungen), dass er im Schwarzen Meere 14 Kiesel-
schwämme gefunden habe, die den Gen. Renieria, Esperia
und Schmidtia angehören, und bis auf drei Arten, die als
Varietäten Adriatischer Formen zu betrachten sind, sämmt-
lich neu sein dürften.
Bocoage's Abhandlung: 6ponges siliceuses nouvelles
de Portugal et de File St. Jago (Journal des sc. math^-
matiques Lisbonne 1869) ist mir nicht zu Gesicht ge-
kommen.
Lütken's Abhandlung über „de saakalde Glas-ko-
raller eller Glas-svampe" (Tidskr. for popul. Fremstill.
af Naturvidenskab. Fjerde Räkke III. p. 1 — 39) enthält
eine Zusammenstellung unserer dermaligen Kenntnisse
über die Glasschwämme mit hübschen zum Theil nach
der Natur gefertigten Holzschnitten.
Nach den Mittheilungen, die P. Wright (Quarterly
Journ. micr. sc. 1870. p. 1 — 4) über die frisch an der Por-
tugiesischen und Englischen Westküste gefischte Hya-
lonema mirabilis macht, erreicht diese Schwammform eine
sehr beträchtliche Grösse. Verf. sah ein Exemplar, des-
sen Stamm — der früher sog. Haarschopf, der in der
That, wie Loven vermuthete, zur Befestigung dient —
nahezu 2 Fuss maass, während die kopftormige Schwamm-
masse 8" lang und 4" breit war. Das vordere Ende der-
selben war stark nach innen eingezogen und von einer
Anzahl grosser Oscula durchbohrt, die eine unregelmässige
Form hatten und mit einem zarten Sarkodenetze über-
sponnen waren. An den Maschenwänden oder den Wän-
den der grösseren Hohlräume sind zahlreiche gezackte
Kieselnadeln befestigt, die je auf einem Nadelkreuz auf-
sitzen („spiculate cruciform spicules") und mit ihren En-
den frei, vielleicht beweglich, hervorragen. (Bei H. Sie-
boldi sind nach den bisherigen Beobachtungen keine
derartige Kieselbildungen vorhanden.) Dass die den
Stamm bewohnenden Palythoen zu ihren Trägern keiner-
lei genetische Beziehung haben, braucht nach den voran-
stehenden Angaben kaum noch besonders hervorgehoben
zu werden.
Leidy veröffentlicht in dem American Naturalist
314 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
1870. Vol. IV. p. 17 — 22, mit Holzschnitt „remärks on some
curious sponges", die vornämlich über Hyalonema und
einen mit Euplectella verwandten, schon früher vom Verf.
kurz beschriebenen Glasschwamm handeln, der jetzt als
Pheronema bezeichnet wird. Der Schwamm, der von
Santa Cruz (J. B. 1860. S. 345) stammt, hat etwa 5" Höhe
und ist durch zahlreiche isolirt entspringende Bündel von
zolilangen Kieselfäden befestigt, während das vordere ko-
nisch zugespitzte Ende eine ziemlich grosse Oeffnung trägt.
Die Sternnadeln des ovalen Körpers bilden ein unregelmäs-
siges Netzwerk ohne Kämme. Eine nähere Beschreibung
des interessanten Schwammes soll in den Proceed. Phil.
Acad. 1869 enthalten sein, woselbst auch dafür der Na-
men Ph. Annae in Anwendung gebracht wird.
Kent liefert den Nachweis, dass das Thomson'sche
Gen. Holtenia mit dem eben erwähnten Leidy'schen
Genus Pheronema zusammenfalle, und beschreibt eine
neue Art von der Ostküste Portugals: Ph. Grayi , die
sich von Ph. Carpenteri vornämlich durch eine mehr kug-
lige Leibesform und die kürzeren und dichter gedrängten
Nadeln an der gewöhnlich etwas trichterförmigen Oeff-
nung unterscheidet. Die Leidy'sche Art aus St. Cruz
dürfte wohl eine besondere dritte Art repräsentiren. No-
tes on a new vitreous sponge, Ann. and Mag. nat. hist.
T. VI. p. 182-186.
Der 159. Band der Philosoph. Transact. enthält
(p. 701—720. PI. 67—71) eine ausführliche Beschreibung
von Holtenia Thomson, auf die wir im nächsten Bericht
nochmals zurückkommen werden. Einstweilen hier nur
die Notiz , dass die Jugendformen dieses interessanten
Schwammes auffallend an Hyalonema erinnern.
Gray macht in seinen notes on anchoring sponges
(Ann. and Mag. nat. hist. T. VI. p. 309—312) darauf auf-
merksam, dass die Ankernadeln, die bei Holtenia Car-
penteri in 25 — 26 Bündel zusammengruppirt und kranz-
förmig um das Basalende herum gruppirt sind, bei H.
Grayi einzeln über fast die ganze Körperoberfläche ver-
theilt sind. Bei den von Schmidt beschriebenen klei-
nen Holtenien (H. Pourtalesii und H. saecus) scheinen
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 315
diese Ankernadeln überhaupt zu fehlen, wesshalb Verf.
für diese letztern denn auch den neuen Genusnamen V a-
ze IIa vorschlägt.
Bei Gelegenheit der Tiefseeexpeditionen der Porcu-
pine wurden gleichfalls eine Anzahl interessanter Glas-
schwämme aufgefunden, deren Beschreibung wir in Kürze
gewärtigen dürfen. (Vergl. Proc. Roy. Soc. XIX. p. 146
— 221). Unter ihnen befindet sich eine neue Pheronoma-
form, Ph. (?) velaium.
Perc. Wright beschreibt einen unregelmässig verä-
stelten Röhrenschwamm mit kieselfasrigem Skelet und sym-
metrischer Reticulation, der von dem Cap verde stammt, von
Thompson aber auch an der Westküste Islands in tiefem
Wasser aufgefunden wurde, und erkennt darin eine neue
Art des 1858 von Gray aufgestellten Gen. Aphrocallistes
(A. Bocagei n.). WieVerf. nach Bowerbank mittheilt,
hat übrigens Valenciennes schon 1800 dieses Genus
als neu erkannt und unter dem Namen Iphiteon in dem
Museum des Pariser Pflanzengartens aufgestellt. Quar-
terly Journ. micr. sc. 1870. p. 5—7. Tab. I. (on sponges).
Ebendaselbst handelt Verf. auch über Hyalonema mira-
bilis, die derselbe lebend in Setubal (mit den daran sit-
zenden gleichfalls lebenden Palythoen) zu beobachten
Gelegenheit fand, und über einen neuen Tiefseeschwamm,
der dem Gen. Stelleta verwandt ist und als Wyvillethom-
sonia später noch besondere Erwähnung finden soll.
Gwyn Jeffreys fischt an der Portugiesischen
Küste ausser dem als Aphrocallistes Boccagei eben er-
wähnten Glasschwamme noch eine zweite Form, die bis
zu 3 Fuss im Querdurchmesser hat, Asconema Setuba-
lense n. Proc. roy. Inst. 1871. Nr. 54. p. 258.
Zu den sog. Glasschwämmen gehört weiter eine von
Kent als Fieldingia lagettoides beschriebene neue
Form, die zumeist mit Farrea und Aphrocallistes verwandt
zu sein scheint und an der Portugiesischen Küste auf
Lophohelia prolifera gefunden wird. Ann. and Mag. nat.
bist. T. VI p. 222 ff. Sie trägt als Genusdiagnose.
Sponge adherent, consisting of a cortex of irregulär reticula-
316 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
ted spicula, having on its interior surface numerous reticulated
laminae of extremely delicate consistence. Common cavity of the
sponge containing numerous spaerical aggregations of spicular re-
ticulations; those invested and brought into relation with the cor-
tex by loose reticulated fibres of coarser structure, having a gene-
ral hexradiate arrangement; these fibres cylindrical, and to a consi-
derable extend minutely and erectly spined ; frequently attached to
them very diminutive spicula of the rectangulated hexradiate type,
these also minutely and erectly spined. Nutritive and exhalant
functioris most probably performed through the general retieula-
tions of the cortex.
Kent entdeckt bei seinen mit Marschal Hall zu-
sammen ausgeführten Draggungen und im Museum zu Lis-
sabon nicht bloss eine neue Art Holtenia (= Pheronema
Leidy) und Hyalonema, sondern auch zwei Repräsentanten
neuer Genera, Asconema und D orvillia, so dass sich
jetzt folgende Uebersicht der Glasschwämme ergiebt. (Quar-
teriy Journ. micr. sc. 1871. p. 90):
Ord. Hexactinellidae. Sponges with a silieeo-fibrous or
silieeospicular skeleton. Spicula of the hexradiate- stellate type inva-
riably present.
Subord. Corallispongiae. Sponge body supported by an ana-
stomosing or continuous reticnlate skeleton. Reproduction gemmules
entirely membranous, aspiculous (?).
Gen. Euplectella Ow. Habrodictyon W. Th., Aphrocallistes Gr.,
Farrea Bow., Aulodictyon Kent} Macandrewia Gr. , Dactylocalyx Stutchb.,
Fieldingia Kent.
Subord. Callicispongiae. Sponge body supported by an in-
terlacing or isolated spicular skeleton; never by a reticulate and
continuous one. Reproduction gemmules membranous, fournished
with protection spicula (?).
Gen. Pheronema Leidy, Hyalonema (et Carteria)Gr., Askonema
Kent, Sympagella Schm., Lanuginella Schm., Varzella Gr. (Holtenia
p. p. Schm.), Dorvillia Kent.
Unter dem Namen Wyvillethomsonia (n. gen.)
Wallichii beschreibt Wright (Quarterly Journ. micr. sc.
1870. p. 8 u. 9. PI. II) einen nur wenige Linien grossen,
wahrscheinlicher Weise noch jugendlichen (Schwamm, der
von Wallich aus einer Tiefe von fast 2000 Faden
(58° N. 48° W.) hervorgehoben wurde und durch seine
Form, wie durch Anwesenheit eines einzigen Osculums
fast an die Loven'sche Hyalonema borealis erinnert,
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 317
jedoch andere Nadeln besitzt. Die Beschreibung lautet
folgendermassen :
Sponge body subsphaerical, attached by a stem. In the summit
of the sponge i. e. the end farthest from the stem, there is one large
osculum, which is fringed by long delicate biacerate spicules. The
interior of the sponge body consists of several cavities which open into
the osculum. The stem is prolonged through the body as an axis,
und consists of numerous biarcerate spicules somewhat more robust
than those fringing the osculum, and mixed with these are a number
of^anchoring spicules, the recurved end being always directed to
the point of attachement. The body is composed of a large num-
ber of ternate spicules, the radii of which, meeting each other as
they lie on the surface of the sponge, form a remarkable loose
network-like pattern ; the long pointed process from the central boss
projecting inwards towards the axis of the sponge. The whole of
the body of the sponge and of the stem in coverted by a thin
sarcode layer which abounds in stellate spicules varying much in
size. One remarkable spicula bifurcated seems to terminate the axis
in the centre of large osculum.
K e nt bemerkt, dass der von ihm (Monthly Journ. micr.
sc. 1869. Dec. PI. 66 unter dem Namen Dorvülia agarici-
formis beschriebene Tiefseeschwamm inzwischen auch
von Wyville Thomson aufgefunden und als Tisipho-
nia agariciformis benannt sei. Nach Letzterm dürfte auch
Wright's Wyvillethomsonia als Jugendzustand zu der-
selben Art gehören. (Nach. O. Schmidt fällt Tisipho-
nia mit Stelleta zusammen, obwohl letztere des lang her-
abhängenden Bündels von Ankernadeln entbehrt, die viel-
leicht nur in Anpassung an die specifischen Lebensverhält-
nisse von Tisiphonia sich entwickelt haben.) Annais and
Mag. nat. hist. P. VII. p. 37.
Der von Stewart (Qnarterly Journ. micr. sc. T. XVIII.
p. 281) unter dem Namen Te thy ops is (n. gen.) columni-
fer beschriebene gestielte Schwamm mit radiär geord-
neten Nadeln in dem l1/2// grossen kugligen und oscu-
lumlosen Kopfe, scheint dem S chmi dt'schen Gen. Co-
matella zuzugehören oder demselben doch wenigstens sehr
nahe zu stehen. Der Schwamm stammt von den Phi-
lippinen.
Unter der Bezeichnung Tethya casula n. beschreibt
Carter (Ann. and Mag. nat. hist. T. VIII. p. 99— 105.
Archiv für Naturg. XXX VUI. Jahrg. 2. Bd. V
318 Leuckart: Bericht üb. d Leist. in d. Naturgeschichte
PI. IV) einen interessanten Kieselsehwamin von halbku-
gelförmiger Gestalt, der durch eine von langen radiär-
stehenden Nadeln gestützte schirmförmige Ausbreitung
der Unterfläche im Schlamme festgehalten wird und in
dieser Bildung uns eine bisher noch nicht beobachtete
Form der Schwammwurzel vorführt. In einem Nach-
worte spricht sich Verf. sehr entschieden gegen die von
Schmidt in Anwendung gebrachte Nomenclatur aus und
bedauert, dass derselbe für die Formen des Gen. Tethya
(mit T. cranium als Repräsentanten) die neue Bezeichnung
Tetilla in Anwendung gebracht habe.
Für Tetilla polynra Schm. wird von Gray die Bezeich-
nung P o lyur ella Schmidtii vorgeschlagen. Ann. and Mag.
nat. bist T. VI. p. 312.
Unter dem Namen Veluspa (n. gen.) polymorpha
vereinigt M iklucho Mac lay eine Anzahl von Schwamm-
formen, die nach der Skeletbildung der S c hmi d t'scben
Gattung Reniera zugehören, in Gestalt und Grösse und
Anordnung der Oscula aber so verschieden sind, dass
man sie ohne Kenntniss der TJebergänge bestimmt als
Repräsentanten verschiedener Species, wenn nicht gar
Genera betrachten würde. Alle diese Formen leben in dem
nördlichen Theile des Stillen Oceans an der amerikani-
schen so gut, wie der asiatischen Küste und zwar nicht
bloss in der hohen See, sondern auch an der Mündung
von Flüssen in brakischem und selbst süssem Wasser,
unter Verhältnissen also, die vielfach von einander abwei-
chen und nach den Ansichten unseres Verf.'s für die spe-
eifische Bildung der Schwämme von bedeutendem Einfluss
sind. Eilf verschiedene Formen oder Varietäten sind
es, die Verf. in seiner neuen Art zusammenfasst, zunächst
Var. gra eilis mit ziemlich dünnen und langgestreckten
Armen, die bündelweis zusammenhängen und an der Aus-
senfläche je eine Reihe verschieden grosser Oscula tra-
gen, Var. digitata, von der vorhergehenden Form bloss
durch Grösse und stärkere Hornabsonderung verschieden,
und V. aretica mit noch massiverer Form und derberem
Gerüste. Wenn die Aeste, statt sich frei zu erheben,
auf den Boden sich legen und die Oscula dann beson-
der niederen Thiere während der J. 1870u. 1871. '319
ders an der obern Fläche sich entwickeln, dann entsteht
die Var. repens, die durch fächerförmige Erhebung und
unregelmässige Verwachsung der Arme zu der Var. gyri-
formis hinführt. Eine neue Differenzirungsreihe beginnt
mit cylindrischen oder abgeplatteten Zweigen, die allein
am abgeflachten Oberende eine Anzahl von Oscula tra-
gen (Var. cribrosa). Bei stärkerer Abflachung und Brei-
tenwachsthum * gestalten sich die Arme zu förmlichen
Fächern (Var. flabeiliformis) und selbst zu Trichtern
(Var. infundibuliformis) mit eingerollten und zusammenge-
wachsenen Seitenrändern, zu Formen, an denen die End-
platte mit den Oscula mehr oder minder vollständig ver-
schwindet, während dafür an anderen Stellen derartige
Oeffnungen sich hervorbilden. Die Var. infundibuliformis
erreicht, eine sehr beträchtliche Grösse, ist dabei aber
leicht verletzlich, so dass durch den Wellenschlag nicht
selten mehr oder minder grosse Randstücke davon abge-
rissen werden, die dann in Form von platten Scheiben,
wahrscheinlich noch lebensfähig (als Var. foliacea) im
Eismeere umhertreiben und bis nach Lappland fortgeführt
werden. Durch secundäre Knospenbildung und Verwach-
sung entsteht aus der Var. flabeiliformis und V. infun-
dibuliformis schliesslich noch die Var. tubulosa. Sehr
nahe verwandt mit der Vel. polymorpha, wenn nicht gar
damit zusammengehörig, ist auch die Spongia baicalensis
Gmel., welche die Tiefe des Baikalsees bewohnt und bis
zu 1 Fuss lang wird. Sie trägt bald dünne wenig anasto-
mosirende Arme, bald fingerförmige, durch Einschnürung
gegliederte Auswüchse, bald auch breite Platten, steht
auch durch die beträchtliche Stärke ihrer Hornabschei-
dung kaum hinter Veluspa zurück, hat aber Spicula mit
höckeriger Oberfläche, wie sie sonst bei Veluspa nicht
vorkommen. In Länge und Zuspitzung sind übrigens
auch bei letzterer die Spicula manchfach verschieden und
zwar nicht bloss bei verschiedenen Individuen derselben
Art, sondern auch an den verschiedenen Stellen dessel-
ben Schwammes, so dass der Verf. sehr zweifelhaft ist,
ob man die Formen der Kieselskörper wirklich als ganz
specifisch ansehen und das System darauf basiren darf.
320 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Ein Gleiches gilt von der Menge der abgeschiedenen
Hornsubstanz, die nach Beobachtungen an Halichondria
erst nachträglich um die Spicula herum sich ablagert
und zwar in Form einer ursprünglich weichen Protoplas-
niamasse, die wahrscheinlich von den umliegenden Zellen
abgesondert wird. Nicht minder auffallend ist die An-
gabe des Verf.'s, dass die jungen Knospen eines beson-
ders differenzirtcn Osculums entbehrten und auch an
ihrem Kanalapparate nirgends eine besondere Entwieke-
lung erkennen Hessen, vielmehr von gleichmässig ent-
wickelten Kanälen durchzogen würden, die radienförmig
vom Mittelpunkte der Basis ausliefen und je durch einen
kleinen Endporus mündeten. Die spätem Oscula sollen erst
durch Vergrösserung und Verwachsung einzelner Pori
entstehen, so dass beiderlei Bildungen vollkommen ho-
molog seien. Dass diese Behauptung eine wesentliche Ver-
schiedenheit des Gastrovascularapparates der Schwämme
von dem der übrigen Coelenteraten involvirt, ist Verf.
nicht entgangen, allein das hindert doch keineswegs, wie
er sagt, die Annahme einer Homologie. Ueber einige
Schwämme des nördlichen Stillen Oceans und des Eis-
meeres, welche im zoologischen Museum der kaiserlichen
Akad. der Wissensch. in St. Petersburg aufgestellt sind.
Ein Beitrag zur Morphologie und Verbreitung der Spon-
gien. Petersburg 1870. 24 S. in Quart mit 2 Tafeln.
(Mein. Acad. imper. St. Petersbourg T.XV. Nr. 3.)
Aehnliche Formversehiedenheiten, wie bei der Ve-
iuspapolymorpha, beschreibt Mic kl uc ho (ebenda S. 13 ff.)
bei einem andern arettechen Schwamm , dessen Skelet
aus verschieden langen und zugespitzten einfachen Kie-
selspiculis ohne Hornsubstanz besteht, bei Spuma (n.
gen.) borealis. In der einfachsten Form bildet dieser
Schwamm einen Ueberzug oder ein Polster, mit langge-
streckten Papillen und spärlichen Oscula, die von den
Poren nur wenig verschieden sind (Var. papulosa). Wer-
den die Schwämme von ihrer Anheftungsstelle abgeris-
sen, dann krümmt sich die Sohle zu einem kugel- oder
walzenförmigen Körper zusammen. Gleichzeitig verwach-
sen die Papillen zu einer soliden Masse, so dass man die-
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 321
selben nur noch an einzelnen Stellen wahrnimmt (Var.
convoluta). In andern Fällen verwandeln sich die Pa-
pillen in Höcker, die dann gewöhnlich die jetzt ziemlich
grossen Oscula tragen (Var. tuberosa), oder es wächst
der Ueberzug in fnsslange Krusten aus, die auf verschie-
denen Fncoiden hinkriechen (Var. velamentosa).
Ebendas. handelt Verf. (S. 15) über einen aretischen
Hornschwamm Euspongia Brandtii, der gleichfalls in
Blätter-, Fächer-, Schalen-, Trichter- und Fingerform
aus wach st, nie aber über 1 Ctm. dick wird und die rei-
henweis angeordneten ziemlich grossen Oscula immer
nur an der einen Fläche des platten Körpers trägt, so
wie über Ba er ia (n. gen.) ochotensis n., einen aretischen
Kalkschwamm von 6 Ctm. Länge, der dem Gen. Sycon
nahe steht, aber eine nur kleine verdauende Höhle in
sich einschliesst. Die äussere Oberfläche ist mit Zellen
besetzt, die einfache Kalknadeln enthalten, während die
übrige Körpermasse drei- und vierstrahlige Spicula auf-
weist, deren Arme zum Theil die Länge von 2 Mm. be-
sitzen.
In einem Nachtrage zu der voranstehenden Abhand-
lung (Bemerkungen zur Schwammfauna des weissen Mee-
res und des aretischen Oceans, Bullet, acad. imper. St.
Petersbourg. T. XV. p. 203— 205) berichtet Micklucho-
Maclay über die Ausbeute an Schwämmen, die von
Jarschinsky an den Küsten des Russischen Lappland
gemacht wurde. Dieselbe bestand aus 3 Halichondrien, 2
Corticaten und nur einem Kalkschwamm, einem Sycon
von bedeutender Grösse, der überdiess nur in einem ein-
zigen Exemplare gesammelt war , so dass die Annahme
vom Vorwalten der Kalkschwämme in den nördlichen
Meeren (O. Schmidt) dadurch sehr zweifelhaft wird.
Unter deu Halichondrien erwies sich die eine Form als
Var. digitata von Veluspa polymorpha. Die Cortica-
ten bestanden aus einer orangerothen kugligen Art, die
mit kleinen Warzen bedeckt war und die Grösse eines
Kindskopfes erreichte (aus beträchtlicher Tiefe), und einer
zweiten, die dicke weisse, mit warzigen Fortsätzen ver-
sehene Ueberzüge auf Steinen bildete.
322 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Harting handelt (natuurkundige verhandel. Provin-
ziaal Utrechtsch genootschap kunst. u. wetensch, IL, memoire
sur le genre Poterion, Utrecht 1870, 40 S. in Quart mit 4
Tafeln) über die becherförmigen Riesenschwäimne des
indischen Arehipelagus, die seit einigen Jahrzehnten
vielfach in den zoologischen Sammlungen verbreitet sind
und von Schlegel (1856) den Narnen Poterion Neptuni
erhalten haben, während Gray sie als Rhaphiophora pa-
tera aufführt. Siebenundz wanzig Exemplare, die Verf.
zur Untersuchung hatte, gaben ihm Gelegenheit, den
Bau und die mancherlei auffallenden Formverschieden-
heiten dieses interessanten Gebildes näher zu studiren.
Wie schon bekannt, gehurt Poterion zu den Kieselschwäm-
men. Es besitzt eine Rindenscbicht, die freilich keiner-
lei besondere Skeletbildungen aufweist, deren Anwesen-
heit unser Genus aber von Suberites, dem es sonst (un-
serni Verf. zufolge) nach Skeletbau und Nadelform unter
den lebendan Formen am nächsten steht, unterscheidet.
Unter den fossilen Schwämmen dürften sich möglicher-
weise auch noch nähere Verwandten linden. Verf. nennt
Coscinopora, Chenendopora , Forospongia u. a., die na-
mentlich auch durch ihre Becherform mit Poterion über-
einstimmen. Die Formverschiedenheiten, die Poterion
zeigt, beruhen vornehmlieh auf dem relativen Grössenun-
terschiede von Becher und Stiel, so wie auf dem Ver-
hältniss des Querschnittes zur Länge. Verf. unterscheidet
darauf hin drei Varietäten: P. cupuliforme, die gewöhn-
liche Form, P. poculiforme und P. hypocrateriforme. In
seltenen Fällen zeigt der Becher statt der Cylinderform
auch eine starke seitliche Compression, so dass die In-
nenhöhle spaltförmig wird und die Ränder der Aussen-
öffnu ng lippenartig vorspringen. Verf. betrachtet solche
Formen als Repräsentanten einer besondern Art, die er
unter der Bezeichnung P. Ampkitriioe unterscheidet, ob-
wohl er in dem Skeletbau, der Anordnung der Poren
und der Bildung des Höhlensystems keine Verschieden-
heiten von der gewöhnlichen P. Neptuni auffinden konnte.
Die Einströmöffnungen liegen im Gentium besonderer mehr
oder minder sechseckiger Gruben oder Felder, die in dicht
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871 323
gedrängter Menge auf der Aussenfiäche des Bechers neben
einander angebracht sind und ein strahliges Aussehen
haben, da sie von etwa 10 — 12 radiären Erhebungen
durchzogen sind. Die Ausströmöffnungen stehen dagegen
in grösseren Entfernungen auf der Innenfläche des Be-
chers, und zwar unter der Form kleiner Poren, die je
von einem rundlichen concaven Felde umfasst werden.
Hinter den Einströmöffnungen liegt in der Rindenschicht
je eine kleine kuglige Höhle, die dann in das feine Ka-
nalsystem des Schwammes sich fortsetzt. Grössere Hohl-
räume, die gelegentlich in der Becherwand gefunden
werden und platte, nicht poröse Wandungen besitzen,
sind wahrscheinlich durch Verwachsungen der nicht sel-
ten auf der Aussenfiäche hinziehenden Leisten und War-
zen entstanden. Einzelne vom Verf. beobachtete mon-
ströse Formen verdanken in ähnlicher Weise wohl der
Verschmelzung mehrerer ursprünglich isolirter Schwämme
ihren Ursprung.
Als Gaminus osculosus n. beschreibt Grube einen
Rindenschwamm von St. Malo, der die Decken unter-
seeischer Höhlen, die nur zur Zeit tieferer Ebbe zugäng-
lich sind, bekleidet und auf jochförinig vorspringenden
Erhebungen reihenweis gestellte, ziemlich zahlreiche Os-
cula trägt. Mitteilungen über St. Malo und Roskoff,
Breslau 1870. S. 58. Tab. II. Fig. 3.
Carter handelt (Annais and Mag. nat. bist. T. VI.
p. L71 — 182, Pk XIII) on two new species of subspherous
sponges Tethya atro-purpurea von unbekantem Fundort
und Trachya (n. gen.) pernucleata Mexico, und giebt für
das neue Genus als Diagnose:
Trachya Cart. Asperous, massive, cake-shaped, free or fixed,
dense, rigid. Osculiferous. Internally multinucleate. Spicules of two
kinds only, viz. large and small ; large spicules smooth, fusiform-
acerate; small spicule, which is chiefly confined to the upper sur-
face, smooth, fusiform-acuate.
In einer späteren Arbeit macht derselbe den Vor-
schlag, die Schmid t'schen Rindenschwämme und die
Tethyaten Gray's mit Sphaerospongia Gr. als „Pachy-
tragiae" zu bezeichnen, und beschreibt drei neue dieser
324 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Gruppe zugehörende Formen : Dercitus (Pachastrella
Scbm.) niger, Stelleta aspera und St. lactea , sämmtlich
von der Küste Devonshire's. Ann. and Mag. nat. hist.
Vol. VII. p. 1—15. Tab. IV.
Weiter liefert derselbe die Beschreibung zweier
Westindischer Schwämme, die von Gray als Ectyon
sparsus n. und Acarnus innominatus in seinem Spongien-
system den Tethyaten beigesellt sind, obwohl sie nach
unserm Verf. den Esperiaden zugehören. Der erste, der
Fusslang wird, fällt mit Chalinopsis clathrodes Schm. zu-
sammen, während die zweite kleinere Form zumeist mit
MicrocionaBow. (einem Desmacidon im Sinne Schmidt's)
übereinstimmt. Daran schliefen sich Bemerkungen über
Carmia macilenta Gr. (Hymeniacidon Bwk., Desmacidon
Schm.) und Esperia soeialis n. gleichfalls aus Westin-
dien, so wie über die Nomenclatur des Gen. Clathrina Gr.
(= Grantia clathrus Schm.). Carter, on two unde-
scribed Sponges etc. Ann. and Mag. nat. hist. T. VII.
p. 268—280. PI. XVII.
Unter dem .neuen Genusnamen Caulospongia
giebt Kent (Proceed. zool. Soc. 1870. p. 616. PI. 48) Be-
schreibung und Abbildung zweier Kieselschwämme, die
durch ihre äussere Gestaltung einige Aehnlichkeit mit
gewissen Pennatuliden besitzen und an Foliolina Schm.
sich anzuschliessen scheinen, C. verticülata n. aus Nord-
Australien und C. plicata von unbekantem Herkommen.
Die Gattungsdiagnose wird folgendermaassen festge-
stellt:
Caul ospongia Kent. Sponge consisting of a central stem
or axis, around the distal portion of which the spong-body is dis-
posed in several whorls, or in more or less regulär or irregulär
spiral convolutions. Sceleton Compound, consisting of a primary
network of keratose fibres with silieeous spicula irregularly imbed-
ded in «it, and an accessory one of silieeous spicula only. Spicula
of one form, simple, spinulate, arcuate.
Ebenso charakterisirt Kent eine neue, den Espe-
riaden zugehörige Schwammform von der Portugiesischen
Küste Mh aph idothee a (n. gen.) Marshall - Halln, die
in der Tiefe an • Lophelia prolifera lebt (Ann. and Mag.
nat. hist. T. VI. p. 222. PL XV) mit folgender Diagnose:
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 325
Rhaphidotheca Kent. Sponge incrusting, cavernous in-
leriorly; entire external surface of cortex bristling with spinulate
spicula, havingjtheir attenuate apices directed towards and mingling
freely with the fascicles of simple acerate spicula which form upright
supporting pillars of the ' roof ; fascicles of smaller acerate spicula
abundant in the sarcode of the cortex, and also distributed less
frequently in the basal layer of sarcode, and in that investing the
shafts or pillars ; in the latter also minute spicula of the palmato-ine-
qnianchorate type. Oscula absent or indefinite.
Carter hebt, wie das auch Ref. gethan hatte (J.
B. 1869. 8. 509), die Aehnlichkeit hervor, di§ zwischen
der von ihm beschriebenen Grayella cyathophora und der
S chm idt'schen Osculina polystomella obwaltet, findet
aber ausserdem (besonders auch in der Bildung des —
von Schmidt allerdings in seiner Bedeutung nicht ganz
richtig erkannten — Porensystems) so viele Beziehungen
zu Cliona northumbrica, dass er kein Bedenken trägt,
die erstgenannten beiden Schwämme als freilebende Clio-
niden in Anspruch zu nehmen. Ebenso erklärt Verf. den
als Raphyrus Griffithsii beschriebenen Schwamm als eine
freie Form von Clionce ylata. Note on the sponges Grayella,
Osculina und Cliona, Annais and Mag. nat. hist. T. V.
p. 73-83.
Ueber die Porenfelder der Cliona corallinoides ver-
gleiche die Bemerkungen desselben Verf.'s ebendas.
T. VIII. p. 14-19.
Auch Vaillant publicirt eine Note sur le disposi-
tion des pores ou orifices afferents dans la Cliona celata.
Compt. rend. 1870. T. 70. p. 41—43, übersetzt in den Ann.
and Mag. nat. hist. T. V. p. 146—148.
Baude lot macht (Bullet. Soc. sc. nat. Strasbourg
1869. p. 127) einige Mittheilungen über Spongilla und
besonders deren Gemmulae und Nadeln. Die erstem wer-
den als Eier mit Micropylen betrachtet.
Chernaj handelt „über die Spiculae der Schwämme,
die im Schlammboden einiger Charkow'schen Seen gefun-
den werden" (Verhandl. der Geseilschaft der Natur-
forscher in Charkow 1870. |T. I. p. 1—4. Tab. IX) und
sucht dieselben auf zwei Spongillaarten, Sp. lacustris
und Sp. fluviatilis, zurückzuführen. Auf der beigegebenen
326 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d, Naturgeschichte
Tafel sind einige unregelmässig entwickelte Spiculae ab-
gebildet
Flemming handelt (Würzb. physik. -med. Ver-
handl. IL S. 1—9. Taf. I) über die Gray'sche Horn-
schwammgattung Janthella und liefert den Nachweis, dass
die Hornfasern derselben zwischen ihren Rindenschichten
zahlreiche Zellen einschliessen, wie sie bisher noch bei
keinem Hornschwamm aufgefunden sind. Dass dieselben
nicht von parasitischen Algen herrühren, beweist ausser
der Gleichmässigkeit der Verbreitung das gänzliche Feh-
len in der Körnermasse des Achsenstranges und den
Dornen. Abweichend verhält sich die Espe r'sche
Spongia basta, die (im Gegensatze zu der Rumph'schen
Form) trotz der Formähnlichkeit einer andern Gruppe
angehört.
Giebel fügt bei Gelegenheit eines Referates über
die hier angezogene Arbeit (Hall. Zeitschr. 1871. Bd. IV.
S. 380) den bisher bekannten Arten noch eine vierte hinzu :
J. verrucosa n. von unbek. Fundorte.
Nach den schon oben erwähnten Untersuchungen
Kölliker's ist die Solanderia gracilis, auf welche diese
Gattung von Duchassaing und Michelin begründet
wurde, kein Polyp, sondern ein Hornschwamm und der
von Gray jüngst (J. B. 1858. S. 477) aufgestellten Gat-
tung Ceratella so nahe verwandt, dass C. fusca Gr. wahr-
scheinlich demselben Genus angehört. Beiträge zur Kennt-
niss der Polypen a. a. O. S. 5.
Triohogypsia (n. gen.) villosa und Leucosia John-
stonii, zwei neue Kalkschwämme der Englischen Küste,
deren erstcrer sich durch die einfach lineare Form seiner
Kalknadeln von allen übrigen- unterscheidet, Carter
Ann. and Mag. nat. hist. Tom. VIII. p. 1—6. PL I.
IV. Protozoa,
Macdonald sieht in den Rhizopoden, Gregarinen,
Infusorien und Noctiluciden die Ausgangspunkte für eben
so viele Typen des natürlichen Thiersystems. Die ersten
sollen durch die Goeleutcraten zu den Mollusken (und
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 327
Wirbelthieren) führen, die (begannen zu den Cestodcn,
Nematoden und Trematoden, die Infusorien zu den Tur-
bellarien und Echinoderrnen, die Noctiluciden endlich zu
den Rotiferen, xVnneliden, Articulaten. Annais and Mag.
nat. bist. T. VIII. p. 221—223 (Outline of a Schema of
Classification of the Invertebrata, founded upon tbe pro-
gressive development tbeory.)
Karting kann sich ebenso wenig mit dem Hae-
ckel'schen Protistcnrciche befreunden, wie mit einer be-
sondern Gruppe der Moneren. Er fasst die Abtheilung der
Protozoen in demselben Sinne, wir wir in unsern Be-
richten es thun, nur dass er auch die Schwämme den-
selben hinzurechnet. Ausser ihnen unterscheidet er als
Klassen die Infusorien, Acinetinen, Noctilucarien, Gre-
gariniden und Rhizopoden. Leerboek etc. Derde Deei,
eerste Afdeling, Protozoen p. 1496.
Haeckel's „Studien über Moneren und andere Pro-
tisten« (Leipzig 1870. 174 8. mit 6 Kupfertafeln, erstes
Heft der „biologischen Studien") enthalten eine Samm-
lung von Abhandlungen, die dem fünften und sechsten
Bande der Jenaischen Zeitschrift für Medicin und Natur-
wissenschaften entnommen sind und hier unter dem Titel :
„Monographie der Moneren", „Beiträge zur Piastiden-
theorie", „Die Catallacten, eine neue Protistengruppe"
und „Nachträge zur Monographie der Moneren" publi-
cirt wurden. Nachdem die erste dieser Abhandlungen
(S. 1—86) bereits in unserm letzten Berichte Berücksich-
tigung gefunden hat, werden die übrigen weiter unten,
an den geeigneten Stellen, von uns angezogen werden.
Hilgard belehrt uns über einen „infusorial cireuit
of generations" (Amerc. Journal Sc. T. IL p. 20 u. 88),
in Folge dessen sich die Vorticellen nicht bloss in Oxy-
tricha, Paramaecium, Amoeba, sondern weiter auch in Pla-
narien und Rotiferen verwandeln sollen.
Aehnliche Angaben bei Johnson (Monthly micr.
Journ. 1871. T. V. p. 222 u. VI. p. 184, 217) und bei M et-
cafle (ibid. 1870. T. VII.)
Crivelli und Maggi wiederholen ihre Angaben
über die Erzeugung von Amoeben aus Hühnereiweiss
328 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
und schildern die Veränderungen, die sich dabei beob-
achten lassen. Proceed. Inst. Lombardo 1871. Vol. VI.
p. 198—203.
Bütschli nimmt die im Innern von Gregarina blat-
tarum und Nyctotherus ovalis vorkommenden scharf con-
turirten Körperchen, die man früher gewöhnlich für Fett-
körner gehalten, auf Grund ihrer chemischen Reactionen
als Amyloidkörner oder eine diesen nahe verwandte
Eiweisssubstanz in Anspruch. Archiv für Anat. u. Phy-
siol. 1870. S. 362—365.
Alenitzin fand in der Umgebung von Nijni Tagil
und Ekatherinenburg 9 Rhizopoden und 42 Infusorien.
Am reichsten ist die Fauna der in Zersetzung begriffe-
nen Pflanzen mit 6 Rhizopoden und 28 Infusorien aus
den Gen. Amoeba, Difflugia, Actinophrys, Podophrya, Co-
thurnia, Oxytricha, Stylotricha, Uroleptus, Aspidisca,
Urostyla, Spirostomum, Paramaecium, Glaucoma, Lacry-
maria, Prorodon, Chilodon, Loxodes, Gastrotricha, Co-
leps und Halteria. An lebenden Pflanzen wurden 2 Rhi-
zopoden und 6 Infusorien beobachtet : Arcella, Echino-
pyxis, Vorticella, Aspidisca, Paramaecium und Lacryma-
ria. Thierische in Zersetzung begriffene Substanzen er-
gaben ein Plagiotoma lateritia Clp. Lachm., während 4 In-
fusorien (Arten des Gen. Stylonychia und Eupiotes) unter
indifferenten Verhältnissen zur Beobachtung kamen. Pro-
tocolle der naturf. Gesellsch. zu Kasan 1871. S. 75—80.
1. lnfusoria.
G r e e ff veröffentlicht im Archiv für Naturgeschichte
1870. Bd. I. S. 353— 384. Tab. IV— VIII und 1871. Bd. I.
S. 185—222 (auszugsweise auch in den Sitzungber. der
niederrhein. Gesellsch. für Natur- u. Heilkunde 1870. Nov.)
„Untersuchungen über den Bau und die Naturgeschichte
der Vortieellen", die — von allem Detail abgesehen —
besonders dadurch bemerkenswerth erscheinen, dass sich
Verf. darin sehr entschieden für die Richtigkeit der Lach-
mann'schen Ansicht von der Gesammtorganisation der
Infusorien ausspricht. Im Gegensatze zu Stein u. A. hat
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 329
L ach man n bekanntlich (J. B. 1858. S. 233) behauptet,
dass die rotirenden Innenmasse der Infusorien keinen
genuinen Bestandtheil ihres Körperparenchyms darstelle,
sondern ein flüssiger Speisebrei sei, der den von festen
Wänden umgebenen Innenraum erfülle. Was unsern
Verf. vornämlich, bestimmt , dieser Ansicht sich anzu-
schliessen, ist der Nachweis einer scharfen Begrenzung
zwischen Rindenschicht und rotirender Inhaltsmasse, die
bei den Vorticellen ganz unverkennbar sei. Die Quer-
streifung der Haut verlegt Verf. in die Cuticula, während
Stein dieselbe für den Ausdrnck einer Muskulatur hält.
Die letztere liegt vielmehr erst unterhalb der Querstrei-
fen und wird, wie bei den übrigen Infusorien (auch den
Stentoren, bei denen aber nicht die breiten körnigen
Längsstreifen, sondern die hellen schmalen Linien als
Muskelfasern zu deuten sind), von Längsfasern gebildet,
die von der konischen Basis nach vorn ausstrahlen. Epi-
stylis flavicans enthält in manchen Exemplaren (vielleicht
Repräsentanten einer besondern Art?) unterhalb der Haut
zahlreiche, ovale oder birnförmige, scharf conturirte, glän-
zende Kapseln, die fast immer paarig zusammenliegen und
ganz wie Nesselkapseln beim Druck einen ziemlieh lan-
gen und kräftigen Faden hervorschnellen. Der Verdau-
ungsapparat besitzt (Ep. flavicans) ausser dem bisher
bekannten Pharyngealtheil noch einen zweiten engen Ka-
nal, der mit einem deutlich abgesetzten bauchigen Trich-
ter beginnt und frei in den Gastrovascularraum hinein-
hängt, auch am Ende damit in offener Verbindung steht.
Dass Verf. die Beobachtungen Stein's über die sog.
knospenförmige Conjugation in den wesentlichsten Punkten
zu bestätigen im Stande war, ist schon im letzten J. B.
hervorgehoben. Trotzdem aber trägt derselbe Bedenken,
die daran geknüpften Vorstellungen und Folgerungen
ohne Weiteres zu theilen, und das um so mehr, als er
bei Epistylis flavicans, einer Art mit knospenförmiger
Conjugation, gelegentlich auch gewöhnliche Exemplare
beobachtete, deren verkürzter und verdickter Nucleus mit
einer spermatozoidenartigen Fadenmasse erfüllt war, wäh-
rend andere Exemplare desselben Stockes an ihrem huf-
330 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
eisenförmigen Nucleus einen Achsenstrang erkennen Hes-
sen, der von zahlreichen hellen Kernen (Eiern?) erfüllt
war. Zum Schlüsse noch die Bemerkung, dass "Verf. die
Abtrennung der Ophrydinen von den eigentlichenVorticel-
len für unnatürlich hält, zumal auch letztere einen deut-
lichen Stiel mit Scheide und Achse besitzen. Der einzige
Unterschied zwischen beiderlei Formen besteht darin, dass
die Stielscheiden der Ophrydinen sich Scheiben- oder be-
cherförmig über die hinterste Basis des Thierkörpers hin-
aus nach vorn fortsetzen.
Quennerstedt beschreibt in den Acta Universi-
tatis Lundensis. 1869. (Bidrag tili Sveriges Infusoriefauna,
35 Seiten, 1 Taf.). eine Anzahl mariner Infusorien aus
Gotland mit ausführlicher Darstellung des äussern nicht
bloss, sondern auch des innern Baues. Es sind: Dileptus
anser Duj. , Holophrya tarda n. , Panophrys fusca n.
(? = Loxodes signatus Duj.), Conchophthirus Steenstrupi St.,
Lembus velifer Cohn (±= Vibrio verminus Müll., Cyclidium
elongatum Clap. Lachm.), Lembus pusülusn., Uronema ma-
rina Duj. (^keineswegs, wie Clap arede-Lachmann woll-
ten, mit Cyclidium glaucoma zusammenzustellen), Aspidüca
hexeris n., Oxytricha velox n., Cothurnia maritima Ehrbg.,
Scyphidia physarum Clap. Lachm., Trichodina baltica n.
Zum Schluss folgt ein Verzeichniss der vom Verf. bisher
in Schweden beobachteten 100 Infusorien, aus dem wir
ersehen, dass derselbe bereits früher in den Acta Lilnd.
zwei Beiträge zur Infusorienfauna Schwedens publicirt hat.
Die Beobachtungen, welche Wrzesnio w sky „über
Infusorien aus der Umgebung von Warschau" publicirt
hat (Zeitschrift für wissensch. Zool. Bd. XX. S. 467—511.
Tab. XXI— XXIII), beziehen sich auf 16 grössentheils
neue Arten, die nach ihrem äussern und innern Bau sorg-
fältig und eingehend beschrieben und abgebildet werden.
Da gleichzeitig auch die Namen der mit diesen Formen
gemeinschaftlich vorkommenden bekannteren Arten zu-
gefügt sind , so bilden die vorliegenden Beobachtungen
zugleich einen werthvoilen Beitrag zur Lehre von der
geographischen Verbreitung der Infusorien. Ausführlich
beschrieben sind: Opercularia cyh'ndrata n. auf Cyclops,
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 331
Cothurnia pusilla n. auf Wasserpflanzen, Oxytricha ae-
ruginosa n. von rostrother Farbe, Oxytricha macrostyla n.,
durch Gestalt, Stirnwimpern und doppelte Oberlippe von
den verwandten Formen scharf unterschieden, Stichotri-
cha aculeata n., Urostyta flavicans n. (? Oxytricha uro-
styla Cl. L.), Euplotes patella var. eurystoma, Trochilia
polonica n., Microthorax pusillus Engelm., Condylostoma
stagnale n., durch seinen Aufenthalt im Siisswasser in-
teressant, sonst aber dem marinen C. patens nahe ver-
wandt, Loxodes rostrum Ehrbg. (= Drepanostoma stria-
tum Engelm.), mit anastomosirenden Protoplasmasträngen
im Innern, ganz wie sie bei Tracbelius ovum vorkommen,
Dileptus folium Duj., Amphileptus fasciola Ehrbg., die beide
von unsermVerf. zu einem neuen Gen. Leionota — nicht,
wie gedruckt ist Litonotus — vereinigt werden, zu einem
Geschlechte, dem dann weiter noch Leionota varsaviensis n.
und L. (Hemiophrys) diaphanes n. hinzugefügt werden.
Zum Schlüsse folgt noch die Beschreibung von Dileptus
gigas Cl. L. mit einer kurz- und langhalsigen Varietät.
Die Charaktere des neuen Gen. Leionota werden folgender-
maassen festgestellt: Bauch und Rücken differencirt, nur der erste
mit kurzen dünnen Wimpern besetzt, Körper halsartig verlängert,
hyalin, beugsam, retractil; der Mund am linken Seitenrande und der
Basis des Halses, der Schlund fehlt ; stabförmige Körperchen vor-
handen, zwei Kerne. Das Subgen. Hemiophrys zeigt die sonst der
Nahrungsballen und Granulationen entbehrenden Seitenränder von
gewöhnlicher Beschaffenheit und Stäbchen, die, statt auf den linken
Seitenrand des Halses sich zu beschränken, unregelmässig auf der
Rücken- und Bauchfläche vertheilt sind.
Unter den Namen Podophrya minuta , Oxytricha
licatherinensisj Frorodon Ruscus und Chaetospira Dathuzii
werden von Alenitzin eine Anzahl neuer Infusorien
aus der Umgebung von Ekatherinenburg und Nijni Tagil
beschrieben. Protocolle der Gesellschaft der Naturf. zu
Kasan 1871. p. 95-98.
Das Balantidium coli ist in Schweden wieder
mehrfach in den letzten Jahren bei krankhaften Afiectio-
nen des menschlichen Darmkanals zur Beobachtung ge-
kommen und untersucht worden. So von Ekeckantz
332 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
(Bldrag tili kännedonien om de i människans tarrnkanal
förkomtnande infusorier, Nord. med. arkiv Bd. I. N. 28),
ß elf rage (fall af ßalantidium coli, Upsala läkarefören.
förhandL Bd. V. p. 180), Windbladh (fall af ßalanti-
dium coli, ibid. Bd. V. p. 619) und Wising (tili känne-
domen om balantidium coli hos mäkickan, Nord. med.
arkiv Bd. III. *N. 3. 30 S. mit 1 Taf.). Die eingehendsten
dieser Untersuchungen sind die des letztgenannten Beob-
achters, der sich in der Frage nach der Peristombildung
vollständig auf die Seite von Stein stellt und unsere
Kenntnisse vom Bau und der Lebensgeschichte des Pa-
rasiten nicht bloss durch den Nachweis eines Nucleolus
neben dem Nucleus, sondern weiter auch durch Beob-
achtung der Quertheilung und Copulation vervollständigt.
Bei der Copulation legen sich die beiden Individuen mit
den Peristomrändern fest auf einander. Die Querthei-
lung lässt sich, wie Ref. hinzufügt, bei der Untersuchung
frischer Exemplare aus dem noch warmen Schweinekothe
leicht zur Anschauung bringen. Sie ist dem Ref. schon
seit längerer Zeit bekannt, doch weichen die Beobach-
tungen desselben insofern von den Angaben unsers Verf.'s
ab, als es ihm gelungen ist, die kräftigen Peristomhaare
schon beim Beginne der Theilung in Form eines die
Mitte des Körpers umfassenden Gürtels nachzuweisen.
Nach Hoffmann's Untersuchungen ist der Darm
der Echiniden ausserordentlich reich an Infusorien, be-
sonders an Ciliaten. Und nicht bloss der Darm enthält
diese Thiere, sondern auch die Leibeshöhle, wie das Blut
und Wassergefässsystem, und das mitunter in so grosser
Menge, dass sie die Untersuchung stören. Zur Anatomie
der Echinen und Spatangen a. a. O. S. 98.
Radkewitz erwähnt aus Enchytraeus vermicularis
ausser Opalina saenuridis Köll. und O. enehytraei Koll.
noch eine dritte 0,06 Mm. lange Art, die der O. naidos
ähnlich sei. Verhandl. der naturf. Gesellsch. zu Charkow
I. 1870. S. 1—4.
M'Intosh fand in dem Darminhalt von Tubifex
gleichfalls eine Opaline. Tran3act. roy. Soc. Edinb. T. XX VI.
p. 265.
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 333
Ebenso wurde die Opalina uncinata von Ulianin
in grosser Menge im Darmkanal der Planaria ulvae Oerst.
beobachtet. Die Turbellarien des Schwarzen Meeres aus
den Verhandlungen der russischen Naturforscher in Mos-
kau 1870. p. 32.
Was Ray Lancaster (Quarterly Journ. micr. sc.
1871. p. 287 — 289) unter dem Namen Undulina ranarum
als neu beschreibt, ist das seit 30 Jahren wohl bekannte
Trypanosoraa sanguinis Gruby. Verf. liefert ein Paar
instructive Abbildungen des sonderbaren Hämatozoon mit
Kern und Flimmersaum und sieht darin den Repräsen-
tanten einer zumeist mit den Opalinen verwandten Gruppe
mundloser Infusorien. Vergl. über das betreffende Thier
v. Siebold in Zeitschrift für wiss. Zool. IL S. 362, wo
auch die ältere Litteratur zusammengestellt ist, die selbst-
ständige thierische Natur des Parasiten aber (irrthümlicher
Weise) in Zweifel gezogen wird. Eine nahe verwandte
Form aus Coeeum und Ileum einiger Vögel beschreibt
Eberth ebendas. S. XI. S. 99.
v. Wille moes-Suhm beobachtet in Kiel ein
geisselloses Peridinium von amphiconi scher Form in ver-
schiedenen Entwickelungszuständen und findet im Innern
desselben eine länglich runde Blase, die von der untern
Spitze allmählich bis weit in die obere Hälfte hineinwächst.
Ueber die Bedeutung dieses Organes bleibt Verf. im Un-
gewissen, wie denn auch bekanntlich die thierische Natur
der Peridinien bis jetzt noch keineswegs ausser Zweifel
ist. Zeitschrift für wissensch. Zool. Bd. XXI. S. 380 -382.
Mit Abbild, (zur Entwicklung eines Peridinium.)
Ceratium humaonense n. sp. aus dem Nainisee, Car-
ter, Ann. nat. hist. T. VII. p. 229 mit Holzsehnitt.
Durch Ci enkowski werden wir mit der bis dahin
noch unbekannten Fortpflanzung der Noctilucen bekannt
gemacht. Wie Busch, so beobachtete derselbe Exemplare
ohne Geissei und Mundöffnung, die statt des gewöhnlichen
protoplasmatischen Inhaltes an ihrem Scheitel eine kern-
lose Scheibe trugen. Bei näherer Untersuchung wurde
nun festgestellt, dass diese Scheibe aus lauter kleinen
ovalen und halbmondförmigen Körperchen bestand, die
Archiv f. Naturg. XXXVIII. Jahrg. 2. Bd. W
334 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
am freien Ende sämmtlich eine Cilie trugen. Hat man
reife Stadien zur Beobachtung, so gelingt es zu sehen, wie
die Körperchen nach und nach die Scheibe verlassen
und nach Art der Algenschwärmer herumschwimmen.
Die Schwärmer sind 0,016—0,22 lang, und ähneln durch
ihre Zusammensetzung aus einem bauchigen Stiele und
aufsitzendem Kopfe einem jungen Hutpilze. Bei länge-
rem Schwärmen wird die Form derselben fast Colpoda-
artig. Ueber Schwärmerbildung bei Noctiluca miliaris,
Archiv für mikroskop. Anatomie 1871. S. 131 — 139. Tab.
XIV u. XV.
In einer zweiten Mittheilung, die unser Verf. bei Ge-
legenheit der russischen Naturforscherversammlung zu Kiew
über denselben Gegenstand macht, wird die Entstehung
und Ausbildung dieses sog. Schildes geschildert. Das Pro-
toplasma dieses Gebildes ist in der That , wie auch
von Anfang an vermuthet wurde, nichts Anderes, als
das Protoplasma der Noctiluca, das nach Einziehen
der Geissei und Schwund der Mundöffnung seinen Kern
verliert und sich auf das eine Segment der blasigen Kör-
perhülle zu einer Scheibe zusammenzieht, welche dann
in immer kleinere Portionen zerfällt. Die einzelnen Bal-
len drängen die Oberfläche des Thierchens zapfenförmig
nach Aussen und führen durch Abschnürung schliesslich
zur Bildung der Schwärmer. Bisweilen geschieht die
Bildung des Schildes und der Schwärmer bloss in ein-
zelnen Partien, während die übrige Masse eine Zeitlang
noch die normale Beschaffenheit und Lagerung beibehält.
Eine Copulation ist, wenn auch bei den Noctilucen nicht
selten, doch keineswegs eine nothwendige Vorbedingung
der Schwärmerbildung. Neben der Wimper tragen die
Zoosporen einen ziemlich langen und dünnen Fortsatz,
der bei dem Uebergang in den späteren Zustand wahr-
scheinlich zur Geissei wird. Da die Schwärmer auch
bald einen Kern besitzen, von dem aus das Protoplasma
nicht selten strahlenförmig sich verbreitet, überdiess in
manchen Fällen vor ihrer Abtrennung zu einer beträcht-
lichen Grösse heranwachsen, lässt sich die Vermuthung
einer direkten Umwandlung in die Form der Noctilucen
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 335
nicht abweisen. Nach Allem, was Verf. beobachtet, ist
er überzeugt, dass die Noctilucen der Abtheilung der
Flagellaten zugehören.
Derselbe berichtet über den Bau und die Le-
bensgeschichte einiger Flagellaten, die, wie Verf. meint,
eine besondere Gruppe- von Organismen bilden, deren
charakteristisches Merkmal darin besteht, dass sie den
auf verschiedene Art veränderten Typus der pflanzlichen
Zoospore darstellen. Zu dieser Gruppe rechnet Verf.
1) die Monaden mit Einschluss der Formen ohne Nucleus
(Moneren), die in ununterbrochener Reihenfolge zu den
Myxoniyceten und Rhizopoden hinführen; 2) die palmel-
lenartigen Flagellaten, die mit den Palmellaceen ein or-
ganisches Ganzes bilden; 3) die Flagellaten mit innerer
Cystenbildung (Entocystae), deren Verwandtschaft zur Zeit
noch nicht mit Sicherheit sich feststellen lässt. Den echten
Palmellaceen schliessen sich u. a. auch, wie Verf. schon in
einer früheren Arbeit (Bot. Zeit 1865, die ehlorophyllhal-
tigen Gloeocapsen) nachgewiesen hat und hier wieder-
holt, verschiedenen Species Clamydomonas und Euglena
viridis an, die, ganz nach dem Typus der genannten Or-
ganismen zunächst in Zoosporenform existiren, sich dann
unter dem Schutze einer Gallerthülle mehrfach theilen und
schliesslich zu einem ruhenden Chroococcus werden, aus
welchem durch Theilung des Inhaltes eine neue in Gallerte
eingebettete Colonie hervorgeht. Aehnlich verhalten sich
gewisse monadenartige Geschöpfe, die in grossen Gallert-
häuten versteckt zusammen leben, sich durch Theilung
vermehren und schliesslich durch Einkapselung in einen
Ruhezustand übergehen, (Phalansterium consociatum mit be-
cherförmiger Schleimscheide und Ph. intestinum mit fa-
denförmigen Colonien). Bei andern sog. Monaden, den
oben erwähnten Entocysten, geschieht die Bildung der
Ruheform im Innern der noch beweglichen Zoosporen,
und zwar in Gestalt einer mit Mundstück versehenen Ku-
gel, die durch Schwund der protoplasmatischen Hülle mit
Mundstück und Vacuole schliesslich frei wird. Hieher
das Gen. Spumella, das zumeist mit der von Clark
jüngst als Monas termo beschriebenen Form übereinstimmt
336 Leuckart: Bericht üb d. Leist. in d. Naturgeschichte
und durch eine an der Basis der Hauptwimper sich öff-
nende Vacuole feste Nahrungssubstanzen aufnimmt, so wie
die Chromulina nebulosa n., die, gesellig lebend, in den
Torfmoorpfützen des nördlichen Russlands untergetauchte
Gegenstände in Form von nebelartigen Massen einhüllt
und immer nur flüssige Nahrung geniesst. Ueber Pal-
mellaceen und einige Flagellaten, Archiv für mikroskop.
Anatomie 1871. S. 421— 438. Tab. XXIII u. XXIV.
2. Rhizopoda.
Donitz veröffentlicht (Archiv für Anat. u. Physiol.
1871. S. 71— 82. Tab. II) „Beobachtungen über Radiola-
rien", die sich auf Collozoum inerme und Sphaerozoum
Sanderi n. sp. beziehen. Als erste Entwicklungsstufe
dieser Formen nimmt Verf. kleine hyaline Bläschen (von
etwa V2 Mm.) in Anspruch, deren Oberfläche in unregel-
mässigen Abständen mit gelben zellenartigen Körpern
besetzt war. Die letztern sollen nun die spätem Einzel-
thiere liefern, indem sich der Kern zu der Centralkapsel,
das Kernkörperchen zu der Binnenblase entwickele. Die
protozoische Aussensubstanz mit ihren gelben Körnehen,
die trotz der Anwesenhei einer Umhülluagshaut wohl nur
mit Unrecht als Zellen betrachtet werden, wird dabei als
das Umwandlungsprodukt des urprüngliehen Zelleninhalts
in Anspruch genommen. Auch das Innere der Central-
kapsel ist mit contractiler Substanz gefüllt, die durch die
Poren derselben gelegentlich hervortritt. Die Alveolen
entbehren der besondern Membran, sie sind (intracapsu-
läre sowohl, wie extracapsuläre) blosse mit Flüssigkeit
gefüllte Hohlräume der protozoischen Substanz.
Nach Stuart (Nachrichten von derk. Ges. d. Wiss.
zu Göttingen 1870. No. 6) geht die Vermehrung der In-
dividuenzahl in der Colonie von Collozoum inerme da-
durch vor sich, dass sich auf und zwischen den Pseudo-
podien eines erwachsenen Thieres ein Klümpchen verdich-
teten Protoplasmas ansammelt, das anfangs ganz klar ist,
dann aber kleine Fetttröpfchen ausscheidet, die in einen
centralen Tropfen zusammenlliessen, und schliesslich in
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 337
eine helle Corticalschicht und eine Innenmasse sich dif-
ferencirt, von denen die letztere durch peripherische Er-
härtung zur Central blase wird. Die sog. gelben Zellen
haben anfangs einen deutlichen Kern und entstehen auf
endogenem Wege in besonderen Bildungszellen des in-
nern Protoplasma.
In Bezug auf die Frage nach der Fortpflanzung der
Radiolarien ist es wichtig, dass Cienkowski nicht bloss
die schon früher mehrfach beobachtete Anwesenheit mo-
nadenartig beweglicher Körperchen in der Capsel von
Collosphaera und Collozoum bestätigt, sondern auch die
Ueberzcugung gewinnt, dass diese aus einer fortgesetzten
Theilung des Capselinhalts hervorgehen. Verf. trägt
darauf hin kein Bedenken, diese Gebilde, die an ihrem
nackten Protoplasmakörper zwei Cilien tragen und einige
Oeltröpfchen, bei Collosphaera auch ein krvstallinfsches
•Stäbchen, wie solche vorher schon im Innern der Capseln
gefunden werden, in sich einschliessen, als Zoosporen
zu bezeichnen. Vor der Bildung der Zoosporen wird
von der Kapsel eine harte Membran ausgeschieden. Lei-
der gelang es nicht, die ausschwärmenden Zoosporen zu
weiterer Entwickelung zu bringen. Zum Scbluss spricht
Verf. seine Zweifel darüber aus , ob die sog. gelben
Zellen wirklich als genuine Bestandteile der Radiola-
rien aufzufassen seien. Es geschieht das namentlich auf
Grund der Beobachtung, dass diese Gebilde bei Collo-
zoum auch dann noch fortwachsen und selbst sich thei-
len, wenn das Protoplasma und die Kapseln der Colonie
•schon völlig zerstört sind. Ueber Schwärmerbildung bei
Radiolarien, Archiv für mikr. Anat. 1871. S. 372—381.
Tab. XXIX, übersetzt im Quarterly Journ. micr. sc.
T. XIX. p. 396 ff.
Auch Haeckel spricht sich wiederholt dahin aus
(Studien u. s. w. S. 166), dass die in der Centralkapsel
der Radiolarien vorkommenden Zellen als Fortpflanzungs-
körper fungiren dürften. Wahrscheinlicher Weise , so
bemerkt er, sind dieselben Sporen, welche entweder noch
innerhalb der Centralkapsel oder nach deren Bersten durch
wiederholte Theilung sich zu einem vielzelligen Körper
338 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
entwickeln. Von den Zellen dieses letztern und ihren
Abkömmlingen werden sich einige zu gelben Zellen, an-
dere zu Pigmcntzellen, andere zu Sporen ausbilden, wäh-
rend noch andere vermuthlich durch vollständige Ver-
schmelzung den Sarcodekörper und das freie Protoplasma
der Radiolarien liefern. Bei verschiedenen Jugendfor-
men, besonders solchen,, von Acanthometren , Acanthodes-
miden und Sponguriden hat Verf. neuerlich sich über-
zeugt , dass die Centralkapsel anfangs fehlt , der cen-
trale Theil des Protoplasraakörpers trotzdem aber eine
Anzahl von Zellen umschliesst, so dass diese Jugendfor-
men morphologisch den Helicozoen (Actinospbaerium,
Oystophrys u. s. w.) äquivalent sind. Durch diesen Besitz
von wirklichen kernhaltigen Zellen sollen sich nun die
Radiolarien sehr bestimmt von den Mono- und Polytha-
lamien unterscheiden, die niemals Zellen erkennen lassen
und auch keine wahren Kerne umschliessen, ja selbst aus
Sporen hervorgehen, die blosse kernlose Protoplasma-
körper (sog. Cystoden) darstellen.
Was die gelben Zellen betrifft, so sind diese nach
Haeckelum so bestimmterden genuinen Bestandtheilen
des Radiolarienkörpers hinzuzurechnen, als die geformten
Körper im Innern derselben aus einer Substanz bestehen,
die sich nach ihren Reactionen go,gQa Jod von dem Arny-
lum der Pflanzen in keinerlei. Weise unterscheiden lässt.
(Amylum in den gelben Zellen der Radiolarien, Stu-
dien^, s. w. S. 119—127.)
Macdonald macht Mittheilungen über Polycysti-
nen und giebt dabei die Abbildung eines neuen Astromma,
A. Yelvertoni, das sich von A. Aristotelis durch die Drei-
zahl seiner Lappen unterscheidet. Annais and Mag. nat.
hist. T. VIII. p. 224-226. Mit Holzschnitt.
Unter dem Namen Myxo b raohia beschreibt Hae -
ekel (Studien u. s. w. S. 106 — 114. Tab. IV) eine zumeist mit
Thalassicolla verwandte Radiolarienfoim von ansehnlicher
Grösse (V2")» die er in der Nähe der Insel Lanzarote an
der Meeresoberfläche in zwei verschiedenen Arten schwim-
mend beobachtete. Charakteristisch für unsere Formen ist
auf den ersten Blick schon der Umstand, dass der extra-
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 339
capsuläre Sarkodekörper in einen oder mehrere arm-
artige Fortsätze verlängert ist, die den Tliieren eine bald
keulenförmige (M. rhopalum), bald auch pluteusförmige
(M. pluteus) Gestalt geben. Die Centralkapsel liegt den
Armen gegenüber in dem kuppeiförmig gewölbten obern
Theile des Sarcodekörpers und zwar allseitig von Alveo-
len umgeben, die nach oben zu eine beträchtliche Grösse
und eine ßirnform besitzen. Das Ende der Arme zeigt
eine knoptförmige Auftreibung mit zahlreichen Kalkkörper-
chen, die den Coccolithen und Coccosphären des Bathybius
so vollständig ähneln , dass man fast an eine Identität
derselben glauben sollte. Ueberdiess geht von dem End-
knopfe ein dicker Strang von gelben Zellen bis zu dem
birnförmigen Alveolenhaufen, der gleichfalls von solchen
Zellen umgeben und durchsetzt ist. Im Centrum der
Centralkapsel liegt die ansehnliche Binnenblase, die, wie
bei Thalassicolla, nach allen Richtungen hin mit finger-
förmigen Ausstülpungen besetzt ist, nur dass diese hier
die doppelte und dreifache Menge betragen. Der übrige
Inhaltsbestandtheil der Centralkapsel besteht aus hellen
kugligcn Zellen, die nach der Peripherie zu immer klei-
ner werden , und einer Anzahl kleiner blutrother Oelku-
geln, die in unregelmässigen Zwischenräumen der Innen-
fläche der Centralkapsel ansitzen.
Auch N. Wagner beobachtete eine Myxobrachia,
und giebt davon eine Beschreibung, die mehrfach von
den Angaben Haeckel's abweicht. Freilich ist dabei
zu berücksichtigen, dass dieselbe auch speeifisch von den
HaeckePschen Arten verschieden ist. Sie wird als M.
CienJcowskn benannt und lebt im Hafen von Neapel. Die
jüngsten Exemplare, die nur 3 Mm. lang waren, glichen
in ihrer Form der M. rhopalum. Sie besassen nur einen
einzigen Arm, während die grösseren darüber noch vier
andere trugen und die grossesten (8 Mm., wie M. pluteus)
sogar zwei Kreise von Armen hatten, nur dass die Ge-
sammtzahl derselben nicht über acht — bei M. pluteus
das Doppelte — betrug. Die blutrothen Oeltropfen der
Centralkapsel sind von blauen vertreten und die proto-
plasmatischen Blindsäcke der Binnenblase von geringerer
340 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Entwicklung. Am auffallendsten aber ist die Angabe,
dass der Sarkodekörper der neuen Art keine gleichartige
Gallertmasse darstellt, sondern aus einem dichten Filz von
feinen Protoplasmafäden besteht, deren Enden hier und da
sich verflachen und dann zu einer förmlichen Hülle zu-
sammenflicssen. Die Coccolithen sind sehr klein, bei
ganz jungen Exemplaren sogar abwesend, während sie bei
altern dagegen eine etwas beträchtlichere Grösse haben.
Ausser ihnen enthalten die Endstücke der Arme die
festen Reste verschiedener anderer Thiere (Muscheln,
Foraminiferen), so dass man fast vermuthen möchte, dass
die betreffenden Verdickungen, die auch durch die Zä-
higkeit und feinkörnige Beschaffenheit ihres Protoplasma
sich auszeichnen, zur Nahrungsaufnahme und Assimila-
tion bestimmt seien. Von da würde die Nahrung sodann
durch die Achsenstränge der Arme nach der Centralkap-
sel und den umgebenden Alveolen fortgeleitet werden.
Die Thatsache, dass man mit diesen Myxobrachien nicht
selten eine Thalassicolla (T/t. Cienkoivskii n.) findet, die
sich hauptsächlich nur durch die Abwesenheit der Masse
unterscheidet, welche die peripherische Schicht und die
Arme der Myxobrachicn bildet, lässt die Möglichkeit
eines genetischen Zusammenhangs zwischen beiden For-
men zu. Bullet. Acad. imper. St. Petersb. T. XVII.
p. 138—142.
Schneider veröffentlicht (Zeitschrift für Wissen-
schaft!. Zoologie Bd. XXI. S. 505 — 512 mit Holzschnitten)
Beiträge „zur Kenntniss der Radiolarien" auf Grund von
Beobachtungen, die an Acanthocystis viridis, Actinophrys
Eichhorni und Difflugia, also an Süsswasserformen ange-
stellt sind und vornämlich deren Entwicklung betreffen.
Die erstere ist in der Jugend ohne Centralkapsel und
Kieselbildungen, einer Actinophrys ähnlich, nur dass
die von der alveolären Rindensubstanz umgebene Ccn-
tralmasse mit grünen Bläschen durchsetzt ist, welche
Verfasser als Zellen in Anspruch nimmt und mit den
bekannten gelben Zellen der marinen Radiolarien zusam-
menstellt. Actinophrys Eichhorni durchlebt einen Ruhe-
zustand, während dessen der Centralkörper sich in zwei
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 341
und mehr Kugeln theilt, die sich nach Verlust der alveo-
lären Rinde mit einer glashellen Masse umgeben, welehe,
anfangs für alle Kugeln gemeinsam, schliesslich um je
zwei eine feste elliptische Kapsel bildet, innerhalb deren
sich jede Kugel mit einer dickwandigen Kieselschale
umlagert. In den durch Zerfall der äussern Kapsel frei
gewordenen Kugeln unterscheidet man anfangs eine grös-
sere Anzahl heiler Kerne, die aber später (durch Con-
jugation?) verschwinden und einem einzigen grösseren
Kerne Platz machen, so dass die Kugel ganz eiartig aus-
sieht. Nach einigen Monaten — die geschilderten Ver-
änderungen gingen den Winter über vor sich — zerfielen
die Kieselwände, und dann erschienen die Kugeln als kleine
Exemplare von Actinophrys mit wiederum vermehrten Ker-
nen. Anknüpfend an die bekannten Vorgänge der Copula-
tion und Theilung bei den frei lebenden Actinophryiden
giebt Verf. nun folgendes Bild von der Lebensgeschichte
unserer Thiere. Aus dem einkernigen, in eine Kieselhülle
eingeschlossenen Ei entsteht durch einen Furchungspro-
cess des Kernes zunächst eine kleine Actinophrys. Diese
wächst, ernährt sich und vollzieht durch Aneinanderlegen
mit andern Individuen (Copulation) einen ßegattungsact,
an den sich sodann wieder eine Theilung anschliesst.
Schliesslich theilt sich unser Thier in einer andern Weise,
indem die Pseudopodien eingezogen werden und die
Theilstücke eine kieselhaltige Cyste erhalten. In diesem
Zustande geschieht die eigentliche Befruchtung, indem die
— voraussichtlich von verschiedenen Individuen herstam-
menden — Kerne sich conjugiren und die ganze Masse
dadurch zu einem entwicklungsfähigen Ei wird. Was
das bisher den Arcellinen zugerechnete Gen. Difflugia
betrifft, so glaubt Verf. dasselbe theilen zu müssen, da
die grossen Formen (D. proteiformis, D. oblonga, D. acu-
minata), die eine deutliche, wenngleich nur dünnwan-
dige Centralkapsel besitzen und in der Mehrzahl ihrer
Exemplare auch grüne Farbezellen enthalten, auf Grund
dieser Charaktere den Radiolarien zugerechnet werden
müssten. Das Gehäuse wird gleichzeitig als eine Ausschei-
dung des Thieres in Anspruch genommen, auch die Vor-
342 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
muthung ausgesprochen, dass dasselbe gelegentlich ge-
wechselt werde.
Auch Greeff erkennt in den Sonnenthierchen jetzt
echte Radiolarien und zwar auf Grund von histologischen
Untersuchungen, die den Verf. davon überzeugten, dass
die sog. Markmasse sowohl bei Actinophrys Eichhorni,
wie A. sol als eine von derber Membran umgebene Cen-
tralkapsel zu betrachten sei. Dazu kommt, dass die
sog. Achsenfäden der Pseudopodien als zarte Nadeln er-
kannt wurden, die mit ihrem keilförmig zugespitzten
centralen Ende die Centralkapsel durchbohren und bei
Act. sol sogar im Innern derselben mit einander ver-
schmelzen. Trotz ihrer Weichheit und ihrer organischen
Zusammensetzung, bilden diese Stacheln ein Skelet, wie
wir es schon seit längerer Zeit bei den Acanthometriden
kennen, denen die Sonnenthierchen auch zuzurechnen sind.
Die körnchenführende Rinde der Stacheln, welche die
eigentlichen Pseudopodien bildet , gehört einer eigenen
Aussenschicht an, die in dünner Lage den ganzen Kör-
per umgiebt und in beständiger Strömung begriffen ist.
Für die sog. Pseudopodien von Acanthocystis liess sich
das hier beschriebene Verhältniss gleichfalls constatiren,
so dass A. viridis somit ein doppeltes Skelet besitzt, ein.
extracapsuläres , dessen Nadeln radiär auf der Oberfläche
stehen, und ein intracapsuläres mit Radien (Astrolithien),
die den Körper und die Centralkapsel durchbohren und
im Centrum zu einem sternförmigen Stücke sich vereini-
gen. Was man bei den Sonnenthierchen als Zygose be-
schrieben hat, will unser Verf. übrigens nur als eine Thei-
lung gelten lassen, die bei A. Eichhorni nur desshalb
leicht verkannt werden könne, weil die beiden Hälften,
so lange sie noch bisquitförmig zusammenhängen, in Folge
der Beunruhigung bei der Untersuchung wieder zusam-
menschmelzen. Bei A. sol tritt eine solche Wiederver-
einigung nicht ein. Hier verweilen die beiden Hälften
gewöhnlich auch eine längere Zeit in der ßisquitform,
ja es kömmt nicht selten sogar vor, dass dieselben durch
abermalige Theilung in eine förmlich polyzoische Form
sich verwandeln. Ausser dieser ungeschlechtlichen Ver-
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 343
mclirung besitzt Act. Eichhomi nach unserni Verf. sehr
wahrscheinlich noch eine aus den zahlreichen Kernen der
Centralkapsel hervorgehende Embryonenbildung. Es
wurde wenigstens ein Mal beobachtet, wie aus einem
grossen, längere Zeit isolirt gehaltenen und schliesslich
abgestorbenen Exemplare eine zahllose Menge sehr klei-
ner Amöben (mit Kern und contractiler Blase) hervor-
kroch, die nach Verlauf einer halben Stunde zur Reife
kamen, dann aber einen sehr langen vibrirenden Faden
hervorstreckten und somit eine Verwandlung in Flagei-
laten eingingen. Freilich bleibt bei dieser Beobachtung
die Möglichkeit offen, dass die Schwärmlinge dem Ent-
wickelungskreise eines parasitirenden Rhizopoden ange-
hörten. Sitzungsber. der niederrhein. Gesellschaft für
Natur- und Heilkunde 1871. Jan.
Ebenso beobachtete Arche r bei einer grünen Acti-
nophryide die Geburt einer grössern Anzahl augenloser
grüner Schwärmlinge mit zwei Cilien. Journ. micr. sc.
1870. p. 307.
Derselbe beschreibt eine neue Art des Gen. Am-
phizonella Greeff (A. vestita) und vergleicht dieselbe mit
den übrigen Arten, denen er auch Auerbach's Amoeba
bilimbosa zuzählen möchte. Ebenso handelt derselbe über
Acanthocystis spinifera Greeff und Plagiophrys sphae-
rica Clap. und Lachm. (On some freshwater Rhizopoda,
new or little - known. Fase. IL Journ. micr. sc. 1871.
p. 107— 151. PI. VI u. VII.) Für Amphizonella wird dabei
folgende Genusdiagnose aufgestellt:
Amphizonella Gr. Rhizopod with a nucleated bodymass en-
closed in a distinet (and separable) more or less pellucid elastic
and yielding investment, through which it temporarily protrudes a
greater or less number of digitate or tapering short hyaline pseudo-
podia, upon the retraction of which the extemporised openings in
the investment become effaced by virtue of its inherent fusibility.
Die schon im letzten Jahresberichte (S. 517) ange-
zogenen zwei gigantischen Sandforaminiferen Parkeria und
Loftnsia persica ans dem Grünsand von Cambridge und
aus persischem Kalkstein finden in den Transact. philos.
Soc. 1869. p. 721— 754. PI. 72—80 ihre ausführliche Dar-
344 Leuckart: Bericht üb. d. Leist in d. Naturgeschichte
Stellung. Description of Parkeria and Loftusia, two gi-
ganthic types of araneous foraminifera, by Carpenter
and Brady. Das Gen. Loftusia wird dabei folgender-
massen charakterisirt:
Testa libera, regulariter rotundata, axe elongata; transverse
secta oibicularia (aut lenticularia?), ex spira bene composita, cuius
orbis quisque orbem antecedentem penitus amplectitur, constante;
in numerosissimos loculos septis longitudinalibus partita iterum plus
minusve subdivisos, structura arenacea; aperturis (multis, complexis,
labyrintheis ?).
Auch Brady beschreibt eine fossile Sandforamini-
fere, die der Kohlenformation angehört und aus kugligen
und spindelförmigen, an den Enden oftmals reihenweis
zusammenhängenden Kammern besteht, deren Oberfläche
aussen glatt ist, innen aber ein labyrinthisches Gefüge
trägt. Verf. betrachtete sein Fossil anfangs als Reprä-
sentanten eines eignen Gen. Carteria (Brit. Assoc. rep.
Exeter 1860. p. 381), hat sich aber später durch Unter-
suchung von Orginalexemplaren von der Verwandtschaft
mit der recenten Saccammina sphaerica Sars überzeugt
und benennt dasselbe daraufhin als S. Garteri. Transact.
Northumberl. and Durham Vol. IV. P. 1. p. 270—278.
PI. XL Annais and Mag. nat. bist. T. VII. p. 177— 184.
Parfitt glaubt ein formloses mehrere Cubikzolle
haltendes Fossil aus dem Kohlenkalke von Devonshire
gleichfalls als eine Sandforaminifere oder eine Zwisghcn-
form zwischen dieser und den Sandschwämmen in Anspruch
nehmen zu können. Annais and Mag. nat. bist. T. VII.
p. 158 — 161 mit Abbild. On a species of araneous Fora-
minifera(?) from the carboniferous limestone of Devonshire.
PI. XII.
Carter findet auf den Laminarien der Englischen
Küste zwei interessante Sandforaminiferen, die er als
Squamulina scopula und Sq. varians beschreibt und
abbildet (Annais and Mag. nat. bist. Vol. V. p. 308— 333-
PI. IV u. V). Besonders auffallend ist die erstere, deren
Schale eine unregelmässige Keulenform hat und durch
die dem Köpfchen anhängenden Schwammnadeln einige
Aehnlichkeit mit einer Flaschenbürste oder einem Besen
bekommt. Es ist dieselbe Form, die Bowerbank un-
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 845
ter dem Namen Haliphysema Tumanoviczii als pygmäen-
haften Schwamm beschrieben hat.
Auch die als zweite Art des Gen. Haliphysema von
Bowerbank beschriebene H. ramulosa ist eine Sandfora-
minifere, die mit den Schwämmen nur die Spicula gemein
hat, die sie mit anderweitigen festen Gebilden (Diatomeen,
Bruchstücken von Echinodermen u. s. w.) aus der Nach-
barschaft in sich aufnimmt. Sie gehört gleichfalls zu
Squamnlina und ist überhaupt nichts Anderes, als eine
verästelte Form der eben erwähnten Sq. scopula. Die
Kieselnadeln von Polytrema haben ganz denselben Ur-
sprung und stammen je nach dem Vorkommen von sehr
verschiedenen Schwämmen ab. Cart er, ibid. p. 389 — 392.
Ter quem, der früher schon die Foraminiferen des
Lias in zweien Arbeiten (Mem. Acad. imp6r. Metz 1857
—1858 und 1860—1861) behandelt hat, publicirt drei
Memoires sur les foraminiferes du Systeme oolithique,
Metz 1867—1870, die neben der Beschreibung und Ab-
bildung zahlreicher Formen viele interessanten Beiträge
zur Lehre von der Variabilität der Arten enthalten soll.
Ref. kennt die Abhandlung nur aus einer Anzeige in den
Ann. and Mag. nat. bist. T. VIII. p. 361-365.
Parker und Jones nehmen ihre verdienstlichen
Untersuchungen on the nomenclature of the Foraminifera
wieder auf und behandeln dieses Mal (ibid. p. 145—179,
p. 238—266) die von d'Orbigny in den Annal. des scienc.
natur. Vol. VII. 1826 aufgezählten — grösstenteils auf
Soldani Testaceographia ac Zoophytographia (1789 u. 1798)
gegründeten — Arten.
Di e selben veröffentlichen inVerbindung mit Brady
a monograph of the genus Polymorphina, in den sie nicht
weniger als 41 lebende und fossile Arten (Pt. hirsuta n. f)
aufzählen und beschreiben, von denen drei dem Subge-
nus Dimorphina zugehören. Sämmtliche Arten bilden
eine einzige zusammenhängende Entwicklungsreihe. Trans-
act. Linn. Soc. T. XXVII. 1870. p. 199-253.
Die von Stuart (J. B. 1866. S. 477) als Kalkradio-
larie beschriebene Coscinosphaera ciliosa ist nach Hae-
ckel (Studien u. s. w. S. 121) Nichts als Globigerina echi-
S46 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Katurgeschichte
noides, die in grosser Menge an der Oberfläche des Mit-
tclmeeres schwimmt.
Carpenter erwähnt in seinem Berichte über die
Porcupine -Expedition (Proc. roy. Soc. Vol. XIX. p. 155)
eines neuen Orbitolites (0. tenuissimus), der in einer Tiefe
von 1443 Faden an der Nordwestküste Irlands aufgefun-
den wurde, in einer Breite also, die bisher derartige For-
men noch nicht aufzuweisen hatte. In dem mit Jeffreys
und Thomson gemeinschaftlich herausgegebenen Be-
richte (ibid. Vol. XVIII. p. 397 ff.) wird weiter eines ei-
gentümlichen Rhizopoden erwähnt, der in einer chi-
tinigen Schale eine olivengrüne Sarcode einschliesst und
in 2435 Faden Tiefe lebt, so wie des neuen Gen. Ba-
tellina Carp., einer Sandforaminifere, deren Schale eine
gerade Lituola von 3/4 — 1 -Zoll Länge darstellt, deren
Innenraum von zahlreichen unregelmässigen Fortsätzen
durchwachsen ist.
Allmann bestätigt die Angaben von Carpenter
und Schultze, dass Polytrema miniaceum trotz seiner
Corallenähnlichkeit ein echtes Rhizopodon sei, und hebt
hervor, dass dasselbe mit Eozoon unverkennbare Beziehun-
gen habe. Das Vorkommen von Kieselnadeln im Innern
der Kammern ist, da dieselben bisweilen fehlen, als zu-
fällig zu betrachten. Annais and Mag. nat. hist. T. V.
p. 373.
B rady's Beobachtungen über die Foraminiferenfauna
des Brakwassers (The foraminifera of tidal rivers, Annais
and Mag. nat. hist. T. VI. p. 273—309. PI. IV— XII, mit
Aufzählung und Beschreibung der beobachteten Formen)
liefert einen neuen und werthvollen Beitrag zur Frage
nach der Verbreitung und der Veränderlichkeit der Ar-
ten. Sie zeigen, dass diese Fauna aus Süsswasserfor-
men besonders des Difflugiatypus und gewissen marinen
Foraminiferen sich zusammensetzt, unter denen ausser
den Arten des Gen. Lagena die Milioliden , Trocham-
mina, Lituola, Truncatulina, Rotalia, Polystomella und
Nonionina eine hervorragende Rolle spielen. Polysto-
mella striatopunctata und Nonionina depressula wurden
in einer Entfernung von mehr als 5 (engl.) Meilen von
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 847
Westport in Irland sogar als Bewohner des Süsswassers
aufgefunden — ein neuer interessanter Beitrag zur Kennt-
niss der sog. Relictenfauna. Im Allgemeinen sind übri-
gens die brakischen Forauainiferen mit einer dünneren und
weniger kalkreichen Schale versehen, als die marinen
Formen; ja einzelne derselben tragen, wie Trochammina
inflata und Quingueloculina fusca, im Brakwasser sogar eine
einfache Chitinschale. Nodosaria, Uvigerina, Orbulina
u. a. fehlen im Brakwasser, obwohl sie in der Nähe der
Küste leben, so dass die Lebensbedingungen derselben
weit enger begrenzt erscheinen, als die der oben genann-
ten Formen und auch die von Cornuspira, Cristellaria,
Polymorphina, Globigerina, Textularia u. a. Geschlech-
ter, die auch gelegentlich in kleinen und schwachen
Exemplaren im Brakwasser gefunden werden. Im Gan-
zen sind von unserm Verf. 73 Formen aufgeführt, die
aber bis auf eine oder zwei (die obenerwähnten Quinque-
loculina fusca, Trochammina inflata var. macrescens) sämmt-
lich auf bekannte Arten sich reduciren Hessen.
Die von Dawson (on foraminifera from the golf
and river of St. Lawrence, Amer. Journ. arts and sc.
1871. Vol. I. p. 204— 209, oder Canad. Natural. 1870.
p. 172 ff., Ann. and Mag. nat. bist. Tom. VII. p. 83—90)
mit Berücksichtigung ihrer Tiefenvertheilung aufgezähl-
ten Foraminiferen von St. Lawrence tragen im Grossen
und Ganzen einen nordischen Charakter. Besonders auf-
fallend dabei ist die Häufigkeit der Arten mit Sandske-
leten, die nach den Beobachtungen unseres Verf.'s nur
in ruhigem Wasser sich entwickeln und eine Gruppe
bilden, deren Formen vielfach die der Kalkforaminiferen
wiederholen, ohne dass man desshalb jedoch eine nähere
Beziehung zu denselben anzunehmen das Recht hat. Als
neu unter ihnen wird aufgeführt: Lituola findens, L. cas-
sis und Hippocrepia (n. gen.) indivisa, die sich eigent-
lich nur durch die hufförmige Gestalt ihrer Oeffnung von
Lituola unterscheidet.
An der Ostfriesischen Küste heobachtete Metzger
fünf Foraminiferen. A. a. O.
Gümbl bestätigt die von d'Orbigny, Carpenter
348 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
u. A. schon früher ausgesprochene Behauptung, dass das
ursprünglich den Nulliporen zugerechnete Gen. Dactylo-
pora Lam., dessen Arten besonders im alpinen Kalk und
Dolomit gefunden werden, den Foraminiferen zugehör-
ten und als die Repräsentanten einer besondern jetzt
nicht mehr lebenden Familie zu betrachten seien. Die Cha-
raktere derselben werden folgendermassen festgestellt.
Gehäuse kalkig, aus porzellanartig dichter Masse beste-
hend, von cylindrischer oder tonnenartiger Form, mit einem
innern cylindrischen, ursprünglich mit Sarcode erfüllten
Hohlräume ohne kammerartige Querwände in der Mitte,
am Embryonalende (unten) geschlossen, oben offen, zu-
sammengesetzt aus einzelnen vertical auf einander liegen-
den, mehr oder minder fest zusammenhängenden ringför-
migen Segmenten. Diese Ringe öder die denselben ent-
sprechenden Gehäusesegmente bestehen aus einer grös-
seren Anzahl innigst mit einander verwachsener Kam-
merabtheilungen mit oder ohne Höhle. Im ersten Falle
stehen die Kammerräume mit der inneren Haupthöhle
durch schlauchartige Kanälchen in Zusammenhang. Da-
neben überall weite und unverzweigte Kanälchen, die
zwischen den Ringen und Kammern in radialer Richtung
von der Innenhöhle zur Aussenfläche des Gehäuses ver-
laufen und hier in grubenförmigen Vertiefungen ausmün-
den. In einzelnen Arten auch noch besondere Nebenhöhlen
ausser den Kammerhöhlen, die sackförmig sind und einen
Hohlring darstellen und gleichfalls mit dem Innenraum,
so wie weiter auch mit der Aussenfläche durch unver-
ästelte Kanälchen in Verbindung stehen. In dieser Fa-
milie unterscheidet Verf. zwei Geschlechter mit Kammer-
höhlungen : Haploporella (ohne) und Dactyloporella (mit
Nebenhöhlen), so wie drei Geschlechter ohne Kammer-
höhlungen: Thyrsoporella, Gyroporella, Uteria, von de-
nen letztere sich durch sein tonnenartiges Gehäuse vor
den sonst cylindrischen Formen auszeichnet, während
die beiden andern durch eine verschiedene Anordnung
und ein differentes Verhalten der Radiärkanälchen sich
unterscheiden. Auf die zahlreichen, grossentheils neuen
Arten können wir hier nicht näher eingehen. Abhandl.
der niederen Tbiere während der ,T. 1870 u. 1871. 349
der Münchener Akad. Bd. IX. 1871. Die sogenannten Nul-
liporen und ihre Betheiligung an der Zusammensetzung
der Kalkgesteine. Zweiter Theil , die Nulliporen des
Thierreiches S. 228—290 mit 4 Tafeln in Quart.
Während durch die voranstehenden Untersuchungen
die thierische Natur einer ganzen Anzahl von Fossilien
ausser Zweifel gestellt wird, gewinnt es fast den Anschein,
als wenn das vielberufene Eozoon aus der Reihe der
tbierischen Formen auszuscheiden habe. Von Burbank
(Procced. Bost. Soc. Vol. XIV. p. 190—198) und Perry
(ibid. p. 199 — 204) wird wenigstens auf das Bestimmteste
behaupet, dass dasselbe ohne Beihülfe tbierischen Lebens
auf chemischem Wege entstanden sei und demnach dem
Mineralreiche überwiesen werden müsse.
Archer berichtet (Quarterly Journ. micr. sc. 1871.
p. 101 — 104) über Pamphagus mutabilis, der bisher bloss
in Nord- Amerika beobachtet war, und weist in demselben
die Anwesenheit eines Kernes nach. Ein anderer amöben-
artiger Rhizopode, der statt eines einzigen Kernes deren
zahlreiche in sich einschliesst und von einem deutlich
nachweisbaren homogenen Exosark umgeben wird, trotz-
dem aber leicht mit anliegenden Individuen zusammen-
klebt, ist vielleicht mit dem von Greeff (J. B. 1867.
S. 475) beschriebenen theilbaren Süsswasser-Rhizopoden
identisch.
Eine interessante neue Form des Süsswassergenus
Difflugia, mit einer hinten in zwei schlanke Fortsätze aus-
gezogenen Schale, wird von Carter als D. bipes beschrie-
ben. Ann. and Mag. nat. Eist. T. V. p. 323—325. Tab. V.
Qreeff beobachtete bei einer ziemlich grossen
echten Amöbe mit baumartig verästelten Fortsätzen eine
Anzahl ovaler Kapseln, die mit haarförmigen wenig gebo-
genen Fäden gefüllt waren und durch Beschaffenheit wie
Aussehen mit den sog. Samenkapseln der Infusorien über-
einstimmten. Die Analogie mit diesen Gebilden erscheint
um so bedeutungsvoller, als im Innern des napfartig
ausgehöhlten Nucleus die Keimkörner der zukünftigen
Brut ihren Ursprung nehmen, die dann später ausfallen
und im Körper sich vertbeilen. Die glänzenden Körn-
Archiv f. Naturg. XXVIII. Jahrg. 2. Bd. X
350 Leuckart: Bericht üb. d Leist. in d. Naturgeschichte
chen, die das fast glashellc Protoplasma durchsetzen, ha-
ben eine regelmässige krystallinische Gestalt. Nach der
Entleerung der contractilen Blase entstehen (wie es
Wrzesniowski auch für die Infusorien nachgewiesen
hat, J. B. 1869. S. 504) an derselben Stelle zunächst viele
kleine Bläschen, die erst allmählich durch Zusammen-
fliessen die grössere wieder herstellen. Ueber eine bei
Rhizopoden entdeckte wahrscheinlich geschlechtliche Fort-
pflanzung. Sitzungzber. der niederrhein. naturforschenden
Gesellsch. in Bonn. 1870. Nov.
Archer sah eine Amoeba viliosa, deren Zottenfeld
eine Anzahl langer und feiner haarförmiger Pseudopo-
dien trug. Journ. micr. sc. 1870. p. 305.
Nach Gagliardi dürfte Greeff's Amoeba terri-
cola — mit A. bilimbosa Auerb. und andern — am besten
dem D u j a r d i n'schen Genus Corycia zugerechnet wer-
den. Vergl. Journ. microsc. sc. 1871. p. 80 — 84, wo Verf.
auch eine Reihe eigener Beobachtungen über Am. terri-
cola oder eine nahe verwandte Form mittheilt.
Unter dem Namen Mag osphaera planula beschreibt
Ha e ekel einen höchst merkwürdigen Organimus, den
man je nach seinem Entwickelungszustande als einzellige
Alge, Volvocine, bewimpertes Infusorium oder Amöbe an-
sprechen könnte und vielleicht am natürlichsten als den
Vertreter einer selbstständigen kleinen Gruppe (Catal-
lacten Haeck.) ansieht, die auf's Neue den innigen und
nahen Zusammenhang der niedrigsten thierischen und
pflanzlichen Organismen, der Ha e c k e l'schen Protisten,
nachweist. Verf. beobachtete dieses eigenthürnliche We-
sen an der Norwegenschen Küste, unweit Bergen, und
zwar zunächst unter der Form von kugligen kleinen Zel-
len (0,07 Mm.), die durch ihre dicke Hülle, ihren blass-
gelben Inhalt und grossen Kern mit Kernkörperchen
ganz das Aussehen eines thierischen Eies hatten und mit
zahlreichen kleinen Kalkschwämmen auf der Aussenfläche
einer Conferve (Cladophora) befestigt waren. Nach Art
eines Eies unterlag der Inhalt der Kapsel auch einer re-
gelmässigen Klüftung. Er verwandelte sich in Folge der-
selben in eine Gruppe von etwa 30 Zellen, die zu einem
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 351
kugligen Körper vereinigt blieben, und nach Aussen aus-
schlüpften, nachdem die freie Oberfläche sich mit Flim-
merhaaren besetzt hatte. Die Bildung dieser Cilien
wurde durch pseudopodienartige Fortsätze eingeleitet, die
aus der Masse der Furchungskugeln nach Aussen hervorge-
streckt wurden und später direct in die Flimmerhaare
übergingen. Mit Hülfe dieser Cilien bewegte sich das
Geschöpf jetzt ganz wie eine Volvocine, der es auch
darin glich, dass sämmtliche Zellen in einer einzigen Lage
neben einander angeordnet und in eine Gelinmasse ein-
gelagert waren, die um dieselbe eine Art Gehäuse oder
Panzer bildete. Mit der hier beschriebenen Gruppiru-ng
war gleichzeitig auch die ursprüngliche runde Form der
Zellen verloren gegangen, dieselben hatten eine Kegel-
form angenommen und trugen an ihrer Spitze einen
schwanzartig ausgezogenen Fortsatz, mittelst dessen sie
im Mittelpunkte der Flimmerkugel auf einander stiessen.
Nachdem diese Kugel nun eine Zeitlang schwärmend
sich bewegt hatte, zerfiel dieselbe in ihre Bestandteile,
indem die einzelnen Zellen von einander sich trenn-
ten und einzeln mittelst ihres Wimperbesatzes frei und
selbstständig umherschwammen. In diesem Zustande
konnten dieselben um so leichter mit peritrichen Infuso-
rien verwechselt werden , als sie neben dem Kern
auch eine grosse pulsirende Vacuole in sich einschlössen
und selbst zur Aufnahme von Farbemolecülen bereit wa-
ren. Aber auch hiermit wTar der Entwickelungskreis un-
serer Organismen nicht abgeschlossen, denn schon nach
einigen Stunden sanken dieselben in dem mit Seewasser
gefüllten Glasschälchen zu Boden, um ihre Wimperhaare
einzuziehen und dann nach Art der Amöben durch Pseu-
dopodien, die meist büschelförmig neben einander gruppirt
waren, umherzukriechen. Wahrscheinlich, dass die Ge-
schöpfe nun in diesem Zustande durch Aufnahme reich-
licher Nahrung bis zu einer bestimmten Grösse wachsen,
sich dann kuglig zusammenziehen und durch Ausschwit-
zung einer Umhüllungsmasse wieder in den ruhenden
Zustand übergehen. (Die Catallactcn, eine neue Protisten-
gruppe, Studien u. s. w. S. 137—160. Tab. VI.)
352 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
Ueber Labyrinthuleen vcrgl. die Bemerkungen von
Archer, Journ. microscop. sc. 1870. p. 303.
Den bisher bekannten Arten des Gen. Vampyrella
wird durch Ha ecke 1 (Biolog. Studien S. 163—169.
Tab. VI. Fig. 1 — 4) eine interessante neue Form, V. gom-
pho?iematis, hinzugefügt, die als ein rothes Protoplasma-
klürapchen mittelst ihrer Pseudopodien auf den Gompho-
nemastöcken der norwegenschen Küste umherkriecht, die
Kieselzellen überzieht und deren Inhalt in sich aufnimmt.
Ist der Organismus durch Plünderung einer grösseren Menge
von Zellen bis auf ein bestimmtes Maass gewachsen, dann
werden die ausgestreckten Pseudopodien eingezogen.
Die geglättete Oberfläche des Klumpens rundet sich ab
und überzieht sich auf dem Stiele der zuletzt gefressenen
Kieselzellen mit einer dicken Gelinschicht, die rasch zu
einer festen Masse erhärtet. Unter derselben zerfällt
dann der Inhalt durch Viertheilung in kern- und bla-
senlose nackte Ballen, die nach Aussen hervortreten und
nach Amöbenart mit spitzen Fortsätzen langsam sich fort-
bewegen.
Ebendas. beschreibt Verf. (S. 169 — 172. Tab. IV.
Fig. 5 — 8) die Lebensgeschichte eines mit Protomonas amyli
verwandten Organismus, Pr. Huxleyi. Kleine runde
Bläschen, die auf einer Rhizosolenia aufsassen, enthielten
bald ein feinkörniges Protoplasma, bald eine grössere
Anzahl kleiner Kugeln von derselben Beschaffenheit, die
offenbar durch Inhaltstheilung entstanden waren und nach
einiger Zeit ausschwärmten, die Geissei jedoch bald wie-
der eingezogen und dann in den amöboiden Zustand
übergingen.
Schliesslich verdanken wir demselben (a. a. O. S. 172
— 176) noch die Beschreibung von Proiamoeba Simplex,
Pr. agilis, Pr. Sohulzeana und Pr, polypodia, von denen
die beiden ersten das Süsswasscr bei Jena, die andern
aber die norwegensche Küste bewohnen, und eine Ueber-
sicht der bis jetzt beobachteten Moneren (S. 182). Verf.
zerfällt diese Geschöpfe, „die nicht nur wirklich einfach-
sten, sondern auch denkbar einfachsten Organismen, die
wahrscheinlich heute noch durch Urzeugung entstehen",
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 353
in die Gruppe der Gymnomoneren (ohne Ruhezustand
und Hüllenbildung) mit den Gen. Protamoeba, Protoge-
nes, Bathybius, Myxodictyum und die der Leptomonercn
(mit Ruhezustand und Hüllenbildung), der die Gen. Pro-
tomonas, Protornyxa, Vampyrella und Myxastrum zugehö-
ren. Die Zahl der bekannten Arten wird auf 16 angegeben.
Durch die Untersuchungen Ha eck el's (Studien u.s.w.
S. 86 — 106. Tab. III) werden die Angaben, welche Huxr
ley über den merkwürdigen Bathybius gemacht hat
(J. B. 1869. S. 513) in den wesentlichsten Punkten be-
stätigt. Es kann demnach kaum noch länger zweifelhaft
sein, dass das Protoplasma, welches den Meeresgrund in der
Tiefe bedeckt und durchzieht, einem selbstständigen Orga-
nismus von denkbar einfachster Beschaffenheit angehört,
der bald die Form von kernlosen amöboiden Klumpen
(sog. Cytoden) besitzt, welche bis zu 0,5 Mm. messen, bald
auch eine netzförmig verbundene unregelmässige Masse mit
meist stumpf abgerundeten Pseudopodien darstellt, und
ausser verschiedenen Fremdkörpern, die als zufällige
Einlagerungen anzusehen sind, eine beträchtliche Menge
kleiner Körnchen und Coccolithen (sog. Discolithen und
Cyatholithen) in sich einschliesst. Nach Art der bei
den niedern Thieren weit verbreiteten Kalkkörpeichen
bestehen auch die letztern aus kohlensaurem Kalk,
der an eine organische Substanz gebunden ist. Sie er-
scheinen in ihrer einfachsten Form als Scheiben, an denen
man fünf von einander verschiedene concentrische Zonen
unterscheiden kann: das Centralkorn, das in dem Mark-
felde liegt, den Markrand, der das Feld umsäumt und
durch den Körnerring von dem Aussenrande getrennt
wird. Diese Scheiben sind nun bald isolirt (Discolithen),
bald zu einem manschettenknopfFörmigen Doppelkörper
(Cyatholithen) verbunden, dessen beide Scheiben ein ein-
ziges gemeinschaftliches Centralkorn besitzen. Was man
als Coccosphären beschrieben hat, ist wahrscheinlicher
Weise Nichts als ein Aggregat von Discolithen, die erst
seeundär durch Verklebung und Verkittung entstehen.
Ob diese Kalkgebilde als Ausscheidungen des Bathybius-
Protoplasma zu betrachten seien, iässt Verf. unentschie-
354 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
den, obwohl er es für wahrscheinlich halt. Er würde
sich vielleicht bestimmter zu Gunsten der Zusammenge-
hörigkeit ausgesprochen haben, .wenn es ihm nicht ge-
lungen wäre, sehr ähnliche Körperchen bei einer mit
Thalassicolla verwandten Radiolarie, über die wir schon
oben berichtet haben, aufzufinden.
Bei der hohen Bedeutung, welche die Entdeckung
des Bathybius besitzt, ist es von doppeltem Interesse, wenn
wir durch Greeff erfahren, dass der Schlamm unseres
stehenden Süsswassers an vielen Stellen einen ganz ähn-
lichen Organismus beherbergt. Derselbe besteht aus Pro-
toplasmaklumpen, die von unbedeutender Grösse bis zu
einem Durchmesser von 1 — 2 Mm. heranwachsen und nicht
selten in solcher Masse beisammen leben, dass der Grund
der Gewässer zeitweise davon fast ganz bedeckt ist. Die
Ballen, für die Verf. den Namen Pelobius vorschlägt,
enthalten ausser Schlammtheilchen, Diatomeen, Arcellen-
schalen u. dergl. mehr oder minder zahlreiche Kerne, die
von den gewöhnlichen Zellenkernen nicht verschieden
sind, unseren Organismus also — im Gegensatze zu dem
von Haeckel den kernlosen Moneren zugerechneten
Bathybius — als einen vielzelligen Organismus kennzeich-
nen, und feste Einlagerungen von rundovaler und stäb-
chenförmiger Bildung, die sich durch grosse Resistenz ge-
gen Essigsäure und kaustische Alkalien auszeichnen und
möglicher Weise den Coccolithen an die Seite gestellt
werden können, lieber einen dem Bathybius der Mee-
restiefe durch Vorkommen und Bau nahe stehenden
Organismus des süssen Wassers. Sitzungsber. der nie-
derrhein. Gesellsch. f. Natur- und Heilkunde 1870. Nov.
Aus G ü m b l's Untersuchungen über Tiefseeschlamm,
Verhandl. der k. k. zoolog. Reichsanstalt 1870. No. 11,
(Neues Jahrbuch für Mineralogie 1870. S. 753—767) erwäh-
nen wir die übrigens schon früher vonSorby, Huxley,
Ehren borg u. A. nachgewiesene Thatsache, dass Coc-
colithen in allen Meeren und allen Meerestiefen vorkom-
men, sich somit durch ihre weite Verbreitung, wie ihr
massenhaftes Auftreten als ein wesentliches Glied in
der Reihe der Gesteine - bildenden Substanzen erweisen.
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 355
Während die Mehrzahl der Forscher sich der An-
sicht zuneigt, dass diese Coccolithen als genuine Be-
standteile des Bathybius zu betrachten seien, erklärt
O.Schmidt dieselben für selbstständige Organismen, die
den Meeresschlamm bewohnten und nur gelegentlich von
dem Bathybiusprotoplasma umflossen würden. Die Cen-
tralscheibe, die mit ihrem Kerne den Ausgangspunkt der
gesammten Bildung abgiebt, glaubt Verf. als Ernährungs-
organ und die peripherische Körnerzone als Vermeh-
rungsapparat (die einzelnen Körner als Sporen) deuten
zu können. Die Randzone werde überall, wo sie vor-
komme, von einein mehr oder minder dicht aufliegenden
besondern Rückenschilde gebildet, das jedoch inconstant
sei und eine nur untergeordnete Rolle spiele. Dass zwi-
schen den sog. Discolithen und Cyatholithen ein irgend-
wie durchgreifender Unterschied stattfinde, wird vom
Verf. geleugnet, dagegen aber unter dem Namen der Rhab-
dolithen eine verwandte neue Form beschrieben, bei der
die (des Rückenschildes beständig entbehrende) Central-
scheibe in einen stäbchenförmigen langen Cylinder aus-
gewachsen ist. Die Rhabdolithen finden sich in allen
Bathybius führenden Schlammproben des adriatischen Mee-
res neben den Coccolithen, ohne dass man irgendwelchen
Grund habe, sie für Organe oder Formbestandtheile des
Bathybius zu halten. Ueber Coccolithen und Rhabdoli-
then, Sitzungsbcr. der Wiener Akad. Jahrgang 1870. Bd.
LXII, 14 Seiten, 2 Tafeln.
Auch Carter erklärt (on Melobesia unicellularis,
better known as coecolith, Annais and Mag. nat. hist.
Vol. VII. p. 184—189) die Coccolithen für einzellige Al-
gen und sieht in dem Coccosphaeren deren Sporangien.
Gregarinae.
Stuart beschreibt (Bullet. Acad. imper. St. Pöters-
bourg T.XV. p. 497 — 502 über den Bau der Gregarinen mit
1 Taf.) zwei neue Gregarinen: Zygocystis pterotracheae
und Monocystis telepsavi, und findet bei beiden unterhalb
der Cuticula eine deutlich der Länge und Quere nach
gestreifte Membran, wie sie in ähnlicher Weise auch sonst
356 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte
schon — bereits vor Li eb erk ühn — beobachtet wurde.
Verf. nimmt dieselbe als einen eignen Muskelsack in
Anspruch und ist eben so geneigt, die innerste weiche
Masse des Körpers als eine besondere digestive Bahn zu
deuten.
Die Gregarina gigantea des Hummers hat ihrem Ent-
decker E. van Beneden jetzt auch Gelegenheit gege-
ben, die Entwickelungsgeschichte dieser Thiere genauer
festzustellen (Recherches sur Tevolu^n des Gregarines,
Bullet. Acad. roy. de Belgique 1871. T. XXXI. Nr. 5,
in englischer Uebersetzung Quarterly Journ. microsc. sc.
T. XIX. p. 242 ff.). Dass der erste Entwickehmgszustand
der Gregarinen ein amöbenartig beweglicher kleiner
Körper ist, weiss man schon seit längerer Zeit. Aber
bisher war man der Meinung, dass der kernlose Proto-
plasmastreifen, der — einer Monere vergleichbar — die-
sen Körper bildet, direct in die spätere Gregarine sich
verwandele, während van Beneden den Nachweis lie-
fert, dass die Bildung derselben, wenigstens in dem beob-
achteten Falle, auf einem complicirteren Wege vor sich
geht. Der Protoplasmastreifen treibt, unter Verlust der
früheren Beweglichkeit , zwei fingerförmige Fortsätze,
beide von verschiedener Grösse und in verschiedenem
Maasse contractu. Beide sind dazu bestimmt, zu Grega-
rinen zu werden, aber die Entwickelung derselben geht
nicht gleichzeitig, sondern successive vor sich. Zuerst
ist es der grössere und beweglichere der Fortsätze, der
dieser Metamorphose unterliegt, und zwar dadurch, dass
er sich nach längerem Auswachsen von seinem Mutter-
körper abschnürt. Der zweite, nach der Trennung allein
noch übrig bleibende Fortsatz, der bis dahin nur wenig
entwickelt war, beginnt dann gleichfalls auszuwachsen,
aber auf Kosten des anhängenden Mutterkörpers, den er
schliesslich vollständig in sich aufnimmt. Die fadenför-
migen jungen Gregarinen , die auf diese Weise je zu
zweien aus dem ursprünglichen Protoplasmahaufen durch
Knospung entstanden sind, besitzen anfangs eine grosse
Aehnlichkcit mit jungen Nematoden, die in früherer Zeit
zu manchen irrigen Annahmen geführt hat. Verf. be-
der niederen Thiere während der J. 1870 u. 1871. 357
zeichnet sie desskalb denn auch als Pseudofilarien. Der
Kern ist erst eine spätere Bildung, die dadurch entsteht,
dass sich der centrale Theil des Protoplasmakörpers zu
einer Kugel zusammenballt, um die dann weiter ein hel-
ler Hof sich bemerkbar macht.
Ulianin sah bei verschiedenen Dendrocoelen des
Schwarzen Meeres Gregarinen im Darmkanale. Tu bei-
laden u. s. w. a. a. O. Tab. III. Fig. 15— 21.
Eimer fand bei dreien in Gefangenschaft gestor-
benen Mäusen sowohl im Innern der Esithelzellen, wie
auch im Darmschleim eine Unmasse von Psorospermien,
welche in allen Eigenschaften den so vielfach aus der
Kaninchenleber beschriebenen gleichkamen, und den Verf.
zu einer Reihe von Untersuchungen veranlassten, deren
Resultate sich folgendermaassen zusammengruppiren. Den
Ausgangspunkt der beobachteten Entwickelungszustände
findet Verf. in einem kleinen und^ schlanken, sichelförmig
gekrümmten Thierchen, dessen vorderes Ende ein hyali-
nes Aussehen hat, während der übrige Körper von fein-
körniger Beschaffenheit ist. Trotz der Abwesenheit eines
Kernes betrachtet Verf. das betreffende Geschöpf als eine
Gregarine, G. falciformis. Die Thierchen, die bald frei
sind, bald auch zu achten eingeschlossen in einer grös-
seren Mutterblase vorkommen, nehmen ziemlich bald die
Form und Bewegungsweise einer amöboiden Zelle an,
die leicht mit einem Eiterkörperchen verwechselt werden
könnte. In diesem Zustande wandern die Thierchen nun
gewöhnlieh in Epithelzellen ein. Mag solches nun aber
geschehen oder nicht, in beiden Fällen wachsen die Kör-
per, um sich dann unter Verlust der Beweglichkeit und
Ausscheidung grösserer Körner in eine runde oder eiför-
mige Masse zu verwandeln, die durch Umbildung einer
Kapsel zu der sog. Psorospermie wird. Der Inhalt der
Kapsel zieht sich darauf zusammen, umgiebt sich mit
einer zwreiten Umhüllungshaut und zerfällt unter derselben
schliesslich in mehr oder minder auffallender Weise in
eine Anzahl von Ballen, aus denen dann wieder die oben
beschriebenen Gregarinen hervorgehen. Ob auch die sog.
Miesch er'schen Schläuche diesem Entwickelungscyclus
X*
358 Leuckart: Bericht üb. d. Leist. in d. Naturgeschichte ct.
angehören, lässt Verf. zweifelhaft, obwohl er die Mög-
lichkeit zugiebt, dass die nierenförmigen Körperchen, wel-
che im Innern derselben enthalten sind, den sichelförmi-
gen Gregarinen gleichzusetzen seien. Ref. fügt zur Be-
stätigung hinzu , dass diese Gebilde in den grossen
Schläuchen vom Schlünde der Schafe (J. B. 1866. S. 485) ,
die er durch Prof. Zürn jüngst zur Untersuchung erhielt,
ganz die schlanke Bildung und sichelförmige Gestalt der
G. falciformis besitzen. Dass dieselben in diesem Zu-
stande überwandern, ist eine Vermuthung, die auch schon
anderweitig ausgesprochen und vom Ref. sogar — was
Verf. entgangen ist — auf experimentellem Wege ge-
prüft wurde. Zum Schlüsse sei noch erwähnt, dass Verf.
in seinen Beobachtungen einen neuen Beweis für die
Existenz einer besonderen Gregarinenkrankheit (Grega-
rinosis) sieht und einige weitere Beiträge über das Vor-
kommen derselben aueh bei dem Menschen liefert. Ueber
die ei- und kugelförmigen sog. Psorospermien der Wir-
belthiere. Ein Beitrag zur Entwickelungsgeschichte der
Gregarinen und zur Kenntniss dieser Parasiten als Krank-
heitsursache. Würzburg 1870. (58 Seiten, 1 Tafel Abbild.
Rivolta (il medico veterinario, Torinol869. Vol. IV.
Nr. 2 u. 3) betraehtet die Miescher'schen Schläuehe mit
ihrem Stäbchenbesatze als flimmernde Infusorien, welche
die nierenförmigen Psorospermien als Keimkö.mer in
sich erzeugten. Ebenso lässt derselbe die Psorospermien der
Kaninchenleber aus bewimperten Infusorien hervorgehen,
die nach Abstreifung des Flimmerkleidcs in die Epithel-
zellen gelangten, hier wüchsen, sich einkapselten und durch
Theilung wieder neue Infusorien erzeugten.
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