ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE.
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. DR. GRISEBACH IN GÖTTINGEN, PROF. von SIE=
BOLD IN ERLANGEN, DR. TROSCHEL IN BERLIN, PROF.
A. WAGNER IN MÜNCHEN UND PROF. RUD. WAGNER
IN GÖTTINGEN,
HERAUSGEGEBEN
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Dr. W. F. ERICHSON,
PROFESSOR AN DER FRIEDRICH- WILHELMS-UNIVERSITÄT ZU BERLIN.
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NEUNTER JAHRGANG.
Erster Band.
BERLIN 1843.
IN, DER NICOLAU’SCHEN BUCHHANDLUNG.
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Inhalt des ersten Bandes.
Seite,
Zoologie.
Bericht über die neuesten Leistungen von Lund bezüglich der
gegenwärtigen wie der ausgestorbenen Säugthierfauna Brasiliens.
Im Auszuge mitgetheilt und mit einigen Bemerkungen versehen
von A. Wagner . . . . 347
Beschreibung einer zur Gattung Tiprapiera gehörigen Fiedermane,
Von H. Rasch. Aus dem Nyt Magazin for Naturvidenskaberne
(Bd.IV. Hft.1. Christiania 1843) im Auszuge übersetzt und mit
Bemerkungen begleitet von A. Wagner . 0% %1801.
Diagnosen neuer Artenbrasilischer Handflügler. Von Dr. A.W agner 365
Bemerkungen über die Artrechte der antediluvianischen Höhlen-
bären. Von Prof. A. Wagner in München e Ba
Beobachtungen über die Brunst-, Trag- und Setzzeit des gemei-
nen Landbären (Ursus arctos) u.s.w. Von Stan. Ritter v.
Siemuszowa-Pietruski > a 5)
Bemerkungen über die drei Arten Mastodon und die drei Arten
Tetracaulodon des Hrn. Isaac Hays. Von J. J. Kaup. . .16
Anatomische Untersuchungen über das javanische Moschusthier.
Von W. v. Rapp, Prof. in Tübingen. (Hierzu Taf.l.) . . 43
Diagnosen einiger neuer peruan. Vögel. Von Dr. J. J.v. Tschudi 385
Beiträge zur Kenntniss der natürlichen Familien der Fische. Von
Joh. Müller. . . 292
Nachträge zur Abhandlung Hr his: natürlichen Familien der Fi-
sche. Von Demselben . . ....881
Beitrag zur Insectenfauna von Angola, in besonderer Beziehung
zur Verbreitung der Insecten in Africa. Vom Herausgeber . 199
Zur Naturgeschichte der Mantis carolina. Aus einem Schreiben
des Hrn. Chr. Zimmermann mitgetheilt vom Herausgeber . 390
Beschreibung einer auffallenden an Süsswasserschwämmen leben-
den Larve. Von Prof. Ed. Grube, (Hierzu Taf.X.) . .331
Über Strepsiptera. Von Prof. c. Th. v. Siebold in Erlangen.
(Hierzu Taf. Vl.) . { . 137
Über die Neapolitanischen Pycnogoniden. Von Dr. A. Philippi.
(Hierzu Taf. IX. F.1—3.) . . . 175
Fernere Beobachtungen über die Copepoden des Mittelmeers. Von
Dr. A. Philippi. (Hierzu Taf. 11]. u. IV.) en . 54
Seite,
Über das Geschlechtssystem und über die Harn bereitenden Or-
gane einiger Zwitterschnecken. Von Dr. Alexander Paasch.
(Hierzu Taf. V.) . S 71
Beiträge zur Kenntniss deutscher enden Von Dr. Wer.
ner Hoffmeister. (Hierzu Taf. IX. F.I.—VIM.) . ; . 183
Neue Beiträge zur Kenntniss der Asteriden. Von Dr. J. Müller
und Dr. F, H. Troschel .. B ir} 413
Neue Beiträge zur Kenntniss der Arten der Oatmsinlen. io So
Müller . x 4
Über die beweglichen Fäden, i in den Yonckaubanien der Gepha-
lopoden. Von Prof. Erdl. (Hierzu Taf. VL). 3 R . 162
Kurze Betrachtung über die Abhandlung, betitelt: ‚‚Die'Grund- '
formen der Infusorien in den Heilquellen, ‘nebst allgemeinen
Bemerkungen über die Entwiekelung derselben von Dr. S.'F
"Stiebel. Mit einer Abbildung. Frankfurt am Main: ‘Verlag von
Carl Jügel. 1841. Quart. 22 Seiten. Von’ Dr. Werneck.
(Hierzu Taf. bee ? r 1.3 09705
Einige Bemerkungen zum vorstehiöigeh Aufsatz. von RES 4111
Botanik.
Übersicht der Flora der azorischen Inseln. Von Dr. ae,
Seubert und C. Hochstetter. (Hierzu Taf. Ko) ze, 5 1
Beobachtungen über das Wachsthum der Vegetationsorgane, in
Bezug auf Systematik. Von A. Grisebach. Erster Abschnitt, 267
Verehrdens Bemerkungen über, einige eryptogamische Gew ächse..
Von Dr. Hermann Karsten. (Hierzu Taf.X1)
Berichtigungen.
S. 277. 2. 17. statt „ vermischen” lies „verwischen”
- 283. ,- 1. - „der Zeit noch” lies „der Zeit nach”
13 ’ / Tal
„Ad
Übersicht der Flora der azorischen Inseln ')
Dr, Mz. Seubert und €. Hochstetter.
si Hierzu Taf. I.
r
ch allen über den weiten Raum des atlantischen Oceans
zerstreuten Inseln und Inselgruppen ist uns die Gruppe der
Canarien nebst dem naheliegenden Madeira in naturhistori-
scher, namentlich in botanischer Hinsicht, am Genauesten be-
kannt. Da diese Inseln den nach allen Welttheilen segelnden
Schiffen als Sammelplatz und Erfrischungshafen zu dienen pfle-
gen, so sind sie oft von reisenden Naturforschern, deren Reihe
mit den Coryphäen der Wissenschaft beginnt, besucht und be-
schrieben worden, so dass wir gegenwärtig ihre natürliche Be-
schaffenheit genauer als die mancher europäischen Länder ken-
nen. Zuerst theilte Alexander von Humboldt in seinem
klassischen Reisewerke eine grosse Anzahl der schätzbarsten,
während seines Aufenthalts auf Teneriffa angestellten Beobach-
tungen mit, Später gab Leopold von Buch ?) als Frucht
seines längern Verweilens auf den „glücklichen Inseln“ seine
treffliche Beschreibung derselben heraus, worin er mit Benutzung
’) Im Jahre 1838 machte mein Freund C. Hochstetter, der
Sohn des rühmlichst bekannten Vorstands des Württembergischen Reise-
vereins, eine botanische Reise nach den azorischen Inseln. . Die auf
derselben gesammelten Pflanzen wurden bald nach seiner Zurück-
kunft als mehr oder minder vollständige portugiesisch-azorische Her-
barien ausgegeben. Gegenwärtiger Arbeit liegen die während jener
Reise gemachten Aufzeichnungen und mündliche Mittheilungen meines
werthen Freundes zu Grunde, dem ich somit das ganze Material zu
dieser pflanzengeographischen Skizze der Azoren verdanke.
Dr. Moritz Seubert.
2) Physikalische Beschreibung der canarischen Inseln. Berlin 1825.
Archiv f, Naturgesch, IX, Jahrg. 1, Bd, 1
2
der Arbeiten seines Begleiters, des der Wissenschaft zu früh
entrissenen Botanikers Chr. Smith, eine meisterhafte „Über-
sicht der Flora der canarischen Inseln“ ') liefert. In neuester
Zeit geben uns B. Webb und Berthelot?) in ihrem noch
nicht vollendeten Prachtwerk °) eine vollständige und bis ins
Einzelne erschöpfende Darstellung der dortigen Vegetation.
Auch das naheliegende Madeira nebst Porto Santo und ihre in-
teressante Pflanzenwelt fanden zahlreiche Bearbeiter: Raddi, *)
Kuhl, 5) Bowdich, *) Holl, ?) Lowe. ®) Dagegen war
uns die beträchtlich näher gelegene azorische Inselgruppe bis-
her in botanischer Hinsicht fast gänzlich unbekannt; die we-
nigen Beschreibungen, °) die wir von diesen selten und nur
gleichsam zufällig besuchten Inseln besitzen, geben uns in die-
sem Punkt keine Aufklärung; nur ein Botaniker hatte die
Azoren im Vorbeireisen flüchtig berührt — Masson — ohne
übrigens von dem Beobachteten genügende Nachricht zu geben.
Es ist aber eine genaue Kenntniss der Flora der Azoren, na-
mentlich zur Beantwortung der für die Pflanzengeographie so
interessanten Frage wünschenswerth, inwiefern nämlich die-
selbe ein Verbindungsglied zwischen der höchst eigenthüm-
lichen Flora der canarischen Inseln und 'der südeuropäischen
bilde. Darum übergeben wir hiermit unsere Angaben über die
Vegetation der azorischen Inselgruppe dem botanischen Pu-
1) Auch in den Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften
zu Berlin. 1816-18. p. 337 — 384.
2) Berthelot in Nova Acta Acad. caes. nat. Cur. Tom. XI. 2
p- 773 — 786 und Tom. XIV. 2. p. 943 — 952.
3) B. Webb et Berthelot Histoire naturelle des iles cana-
riennes. Paris seit 1833.
4) Breve osservazione sull’ isola di Madera. Firenze. 1821.
5) In botan. Zeitung. 1821. I. p. 225 —232.
©) Excursion to Madeira and Porto Santo. London 1825,
?) In botan. Zeitung. 1830. I. p. 369 — 392.
®) Primitiae faunae et florae Maderae et Portus Sancti etc.
Cambr. 1831.
9) Diese sind:
Thom. Ashe History of the Azores, 1813.
J. Webster a description of the Island of St. Michael etc.
Boston 1821.
Capt. Boid a description of the Azores or western Islands.
London 1835.
3
blikum, obgleich sie als Resultate eines nur dreimonatlichen
Aufenthalts unter keineswegs günstigen Umständen keinen An-
spruch auf Vollständigkeit machen können. Bei der Bearbei-
tung und Anordnung unsres freilich durch Ungunst der Ver-
hältnisse hie und da lückenhaften Materials hat uns v. Buchs
meisterhafte Darstellung der allgemeinen Vegetationsverhält-
nisse auf den Canarien zum Vorbilde und Anhaltspunkte ge-
dient und wir glauben so einen sichern und zuverlässigen
Führer auf dem noch schwankenden Boden der jungen aber
vielversprechenden Pflanzengeographie gewählt zu haben.
Die Azoren, Terceira’s (nach der Hauptinsel so genannt)
oder Western Islands der Engländer, liegen zwischen 36°, 59’
und 39°, 44’ nördl. Breite und zwischen 25°, 10' und 31°, 7'
westl. Länge von Greenwich. Sie erstrecken sich in einer
zweimal unterbrochenen Reihe von S.O. nach N. W. in fol-
gender Ordnung: Sta, Maria, St. Miguel — Terceira,
Graciosa, St.G@eorge, Fayal, Pico— Flores, Corvo,
Sie liegen nach obiger Angabe in gleicher Breite mit der im
Mittel 900 Seemeilen entfernten portugiesischen Küste zwischen
Lissabon und der Südspitze Portugals, mit welcher die süd-
lichste der Inseln, Sta. Maria, auf gleicher Parallele liegt; auf
dem in dieser Breite über 2000 Seemeilen entfernten West-
ufer des atlandischen Oceans entspricht ihnen der Landstrich
zwischen New-York und Philadelphia.
Ihr Clima scheint nach den mangelhaften Nachrichten, die
wir darüber besitzen, dem der unter gleicher Parallele gele-
genen Länder Süd-Europa’s sehr ähnlich zu sein; es stimmt
ziemlich mit dem des südlichen Portugals, noch mehr aber
mit dem der Insel Sieilien, die sich überhaupt in gar manchen
Beziehungen mit den Azoren vergleichen lässt. Wie dort ist
‚der wärmste Monat der August mit einer mittleren Tempera-
tur von + 19° R.; der kälteste dagegen mit +8° R. mittle-
rer Temperatur ist hier der Januar, dort der Februar; daraus
ergiebt sich als mittlere Jahreswärme für beide Orte + 131 R.,
obgleich die von Sieilien, wahrscheinlich wegen der dasselbe
überall umgebenden Ländermassen und seiner eigenen Aus-
dehnung, namentlich im Innern (die obige Angabe bezieht sich
4%
4
auf Palermo) etwas höher zu sein scheint. Auffallend ist aber
die Differenz der mittleren Jahreswärme der Azoren und der
nur wenig südlich gelegenen Insel Madeira, letztere beträgt
nach Schouw -# 15,8°, was sich nur ‚aus der Lage gegen
Afrika erklären lässt, dessen glühendheisse Athmosphäre von
den im Sommer herrschenden Ost- und Nordost-Passaten über
diese Insel hinweggeführt wird. Wie auf allen Inseln ist die
Luftwärme auf den Azoren nur geringen Schwankungen un-
terworfen, da durch die rasche Ausgleichung der Temperatu-
ren in der durch rhythmisch abwechselnde Land- und See-
winde stets bewegten Athmosphäre die Extreme von Hitze und
Kälte vermieden werden. Die Jahreszeiten sind weniger deut-
lich als bei uns geschieden; vom Januar an steigt die Tempe-
ratur, bis sie im August ihren Culminationspunkt erreicht hat,
von wo sie dann wieder stufenweise herabsinkt.
Das Clima ist im Allgemeinen ziemlich feucht, und na-
mentlich die noch zum grössern Theil mit Wald bedeckten
Inseln, wie Flores, sind öfter in Nebel, die Berggipfel fast
aller häufig in Wolken gehüllt. Daher sind sie denn auch
quellenreich und ihre Thäler meist durch beträchtliche Bäche
reichlich bewässert, so namentlich auf St, Miguel das Valle
das Furnas und auf dem waldreichen Flores das pittoreske
Thal der Ribeira do Cruz, deren Zuflüsse von -den Abhängen
in malerischen Cascaden herabfallen. Man hat daher auch bis
jetzt auf den Azoren von dem Aushauen der seit ihrer Urbar-
machung erheblich gelichteten Wälder keine Zunahme der
Trockenheit verspürt, wie dies auf den Canarien, und im höch-
sten Grad auf der Capverd’schen Insel St. Jago der Fall war,
wo die unmittelbare Nähe Afrika’s jenen nachtheiligen Erfolg
beschleunigt haben mag.
Auf den Azoren dauert die nasse Jahreszeit, während
welcher häufige Regen fallen — und zwar manchmal mit sol-
cher Gewalt, dass sie durch Wegspülen der fruchtbaren -Erde
und Entblössung des nackten Felsens der Vegetation wesent-
lichen Schaden thun — vom December bis März. Combinirt
man damit den oben angegebenen Gang der Jahrestemperatur,
so erhält man die Analoga unserer Jahreszeiten und bei Ver-
gleichung mit denselben einen fast fünfmonatlichen Sommer
und einen nur einmonatlichen Winter. Während dieses herr-
5
schen sehr heftige Winde, wie sie auch oft während der wär-
mern Jahreszeit, von Regen begleitet, eintreten und nicht sel-
ten die Communication zwischen den einzelnen Inseln be-
trächtlich erschweren.
Die ganze Gruppe dieser Eilande ist vulkanischen Ur-
'sprungs und dieselben Kräfte, welche sie dereinst aus den
Tiefen des Oceans emporhoben (und zwar, wie ihre reihen-
weise Anordnung vermuthen lässt, über einer grossen Spalte
des Meeresbodens), dieselben vulkanischen Kräfte zeigen ihr
Fortwirken bis in die neueste Zeit, theils: durch Ausbrüche
aus manchen die Inseln krönenden Cratern (namentlich dem
Vulcan von Pico), theils durch Bildung neuer, nicht sel-
ten submariner, welche dann als ephemere Inselchen aus dem
Meere auftauchten, bald nach der Eruption aber wieder spurlos
verschwanden. Das Hauptgestein sämmtlicher Inseln ist Trachyt,
mannichfaltig wechselnd mit Basalten und vulkanischen Pro-
dueten neueren und neuesten Ursprungs, ‘in verschiedenen
Graden der Verwitterung und Alteration begriffen. Nur auf
Sta. Maria finden sich beträchtliche, Versteinerungen führende,
ebenfalls durch‘ vulkanische Kräfte gehobene Kalkschichten.
Auf Fayal ist ein ausgezeichneter Erhebungscrater mit trachy-
tischen Wänden; auf St. Miguel finden sich 3 dergleichen, de-
ren Ränder über 3000’ hoch ansteigen, und zum grossen Theil
aus Rapilli und Bimssteinen oe Sie sind zum Theil
mit Seen erfüllt. ö
Alle diese Inseln sind, wie sich schon aus ihrer. Entste-
hungsart vermuthen lässt, ‘beträchtlich ‚hoch, am bedeutend-
sten Pico, ‘dessen Vulkan nach Ferrer 7300’ erreicht. Der
Schnee bleibt auf demselben, freilich nur auf der höchsten
Spitze, bis in’den Juni, an geschützten Stellen noch länger,
liegen. Bei Besteigung des Berges, den 18. Juli, 1838, zeigte .
das Thermometer auf dem (in Wolken gehüllten) Gipfel um
zehn Uhr Vormittags + 6° R., während es zur nämlichen Zeit
in Villa Magdalena am Fuss des Berges auf + 20° R. stand.
Die im Bisherigen gegebene Darstellung der hauptsäch-
lichsten die Vegetation bedingenden Momente zeigt uns in den
Hauptpunkten günstige Verhältnisse für den Pflanzenwuchs,
nämlich ein warmes, ziemlich gleichförmiges Clima und eine
reichliche Bewässerung des aus leicht verwitternden trachyti-
6
schen 'Gesteinen bestehenden, bei seiner dunkeln Farbe sich
schnell erwärmenden Bodens. Dagegen wirken die vulkani-
schen 'Catastrophen meistens in sehr grossartigem Maassstabe
zerstörend auf die umgebende Pflanzenwelt, und die Producte
derselben, namentlich Laven, sind erst nach langdauernder
Alteration durch die Athmosphärilien fähig, Pflanzen zu er:
nähren. Daher jener für vulkanische Gegenden charakteristi-
sche grelle Contrast dicht nebeneinander liegender reichlich
bewachsener und gänzlich verödeter, pflanzenleerer Gegenden,
welcher den Kampf zwischen der zeitweise plötzlich zerstö-
rend auftretenden anorganischen und. der stetig schaffenden
organischen Kraft bezeichnet, -und sich auch auf den Azoren
bemerklich macht. Reich und üppig ist die Vegetation nur
an wenigen Orten zu nennen, wo zu den oben angeführten
begünstigenden Umständen auch noch .eine vor den: heftigen
Winden geschützte Lage hinzukommt. Zur Abwehr dieser,
besonders dem Aufkommen der Bäume feindlichen Stürme und
Winde sind denn auch alle Anpflanzungen ‚mit hohen Mauern
umgeben, selbst die Weinberge sind in: kleinere Parzellen
getheilt und diese einzeln ummauert. In. den’ Orangenpflan-
zungen stehen zum Schutze der Fruchtbäume zwischen‘ den-
selben hohe Fayalbäume: (Myrica Faya). Natürlich hindern
jene heftigen Winde an den einmal von Wald entblössten'Stel-
len das Wiederaufkommen desselben und so‘ ist ‚denn’iauch
eine, wenn auch allmählige, doch stetige Verminderung der
Holzproduction zu bemerken, Überhaupt mag sich. die ur-
sprüngliche Physiognomie dieser Inseln, | so weit sie vonder
Vegetation abhängt, seit ihrer Entdeckung und Urbarmachung
zur Zeit Heinrich des Seefahrers wesentlich verändert haben;
denn jetzt sind sie ziemlich wohl angebaut, und die nur 52
Quadratmeilen Flächenraum haltende Gruppe ernährt 203,000
Einwohner, also etwa 3900 auf die Quadratmeile. Daher
musste auch hier eine Alteration und Verdrängung der einhei-
mischen Flora durch die eingeführte stattfinden, vielleicht noch
in höherem Grade als auf den Canarien, für die es Leopold
v. Buch unwiderleglich dargethan hat. Im Einzelnen’ lässt sich
dieses freilich aus dem einfachen Grunde nicht nachweisen,
weil es uns durchaus an Nachrichten über die ursprüngliche
Flora der Azoren mangelt, und so mag denn manches Pflänz-
7
chen ohne die botanische Nothtaufe aus der Welt gegangen
sein. Da nun, bei noch höherer Cultur, deren das Land in
grossem Maasse fähig ist, das. allmählige Erlöschen des ur-
sprünglichen Vegetationscharakters zu befürchten steht, so wa-
ren wir bemüht, ein möglichst treues Bild der ursprünglichen
Flora, so weit dieses jetzt noch möglich ist, zu liefern. Wir
haben daher in dem folgenden Verzeichniss der auf den Azo-
ren beobachteten Pflanzen, nach v. Buch’s Vorgang, das wahr-
scheinlich Eingeführte besonders bezeichnet; voran steht eine
kurze Aufzählung der hauptsächlichsten im Grossen kultivir-
ten Pflanzen, um so auch eine Anschauung der ändernden
Einwirkung der Cultur zu geben.
I. Cultivirte Pflanzen,
4. Der Weinstock. Wein ist das Hauptprodukt dieser
Inseln; am meisten wird auf Pico gebaut, wo die Weinberge
zum Theil mit grosser Mühe in den Felsen angelegt und erst
durch hinaufgetragene Erde fruchtbar gemacht werden muss-
ten. Ein bedeutender Theil des Produkts wird im Lande selbst
consumirt; Einiges kommt nach Europa als „‚Madeira,“ haupt-
sächlich aber geht viel nach Amerika unter dem Namen ‚‚Fayal-
wein,“ so genannt, weil der Hafen von Horta auf der Insel
Fayal, der gewöhnlich schlechtweg Fayal heisst, als Ausfuhr-
hafen dafür dient.
2. Orangen. Sie sind von besonderer Güte, so na-
mentlich die von Fayal und St. Miguel, ‘und werden in be-
trächtlicher Menge nach England ausgeführt.
3. Andere Südfrüchte: Citronen, Feigen, Maulbee-
ren, Castanien u. s.w. gedeihen vortrefllich; es kommen aber
nur Feigen zur Ausfuhr. Der Ölbaum wird einzig auf Ter-
ceira gepflanzt.
4. Mays oder türkischer Weizen. Davon wird auch
viel exportirt.
5. Von Cerealien baut man Weizen und Gerste.
Ausfuhr davon nach Portugal, früher auch in beträchtlicher
Quantität nach Brasilien.
6. Kartoffeln sind von vorzüglicher Güte und werden
in grosser Menge gewonnen.
Von Nutzpflanzen der warmen Zone finden sich haupt-
sächlich:
Bananen (Musa paradisiaca).
Ananas (Bromelia Ananas).
Bataten (Convolvulus Batatas).
Yams (Dioscorea sativa).
IL. Eingewanderte Pflanzen,
Darunter verstehen wir solche, welche, aus andern Län-
dern durch Vermittelung des Menschen hieher gebracht, sich
ohne sein Zuthun und seine Pflege fortpflanzen und in der
Flora erhalten. Sie sind entweder verwildert, d.h. absichtlich
eingebracht und dann im Freien sich selbständig fortpflanzend.
Z.B. Anethum Foeniculum, Apium Petroselinum und viele
Wiesengräser; oder sie sind eingeschleppt, d. h. mit Cultur-
pflanzen zufällig eingeführt, unter denen sie, wie bei uns, als
Unkräuter wachsen. Z. B. Chrysanthemum segetum, Veronica
arvensis, Sonchus oleraceus u.s. w. Sämmtliche Pflanzen, die
wir auf eine oder die andere Weise eingewandert glauben, ob-
gleich sich mit Gewissheit darüber nichts bestimmen: lässt, haben
wir in dem folgenden Verzeichniss mit einem * bezeichnet.
II. Einheimische Pflanzen,
Alle im nachstehenden Verzeichniss nicht mit dem *# be-
zeichneten sind 'einheimisch.
Die mit gesperrter Schrift gedruckten sind den Azoren
eigenthümlich; sie sind beinahe 'sämmtlich von ©. Hochstetter
entdeckt. ')
Um eine Andeutung der Verbreitung der aufgezählten
Species zu geben, haben wir in der folgenden Aufzählung
nach v. Buch’s Vorgang das Vorkommen derselben in den
umliegenden Floren durch die hinter die einzelnen Pflanzen-
namen gesetzten Anfangsbuchstaben der Länder bezeichnet:
nE. bedeutet: Europa, nördlich der Alpen.
Ei — Europa, südl. der Alpen (mittelländische Flora).
1) Die Diagnosen der 23, von Hochstetter Vater benannten, neuen
Arten gedenken wir mit Nächstem, wo möglich von ausführlichen Be-
schreibungen begleitet, und durch Abbildungen erläutert, mitzutheilen.
P. bedeutet: Portugal.
Mad. — Madeira.
Can. —
Am. — Amerika.
Afr. —_ Afrika.
Canarische Inseln.
n
Verzeichniss der auf den azorischen Inseln wild-
wachsenden Pflanzen.
20 Blechnum boreale, — nE. P,
10
Lycopodiaceae. (3.)
Lyeopodium cernuum. — Am.
— denticulatum. — P. Can.
— subereetumLowe — Mad.
Filices. (28.)
Polypodium vulgare. — nE.
Aspidium fragile. — E.
— angulare. — E.
Allantodia axillaris Kaulf. —
Mad. Can.
— axillaris var. azorica
Hochst.
— umbrosa R. Br. — Mad.
Can.
Nephrodium Foenisecii Lowe.
— Mad.
Woodwardia radicans. — P.
Mad, Can.
Asplenium monanthemum, —
Mad. Amer.
— Triehomanes. — E. Mad.
— anceps. — Mad.
— marimum. — E.P. Mad.
Can.
— Adiantum nigrum. — E.
P. Mad, Can.
— palmatum. — P. Can.
Acrostichum squamosum. —
Mad. Am.
Scolopendrium offieinarum. —
E. Mad.
Can.
Grammitis leptophylla. — P.
Mad, Can.
Pteris aquilina. — nE.P.Mad.
— arguta. — P. Mad. Can.
Adiantum africanum. — Afr,
— maderense Lowe. — Mad.
Diksonia Culeita. „Cabel-
linho.“ 2) — Mad.
Trichomanes hibernieum. —
nE.
— speciosum. — Can,
Hymenophyll. tunbridgense.
— E. Mad.
Ophioglossum lusitanicum.
— P. Can.
Osmunda regalis. — nE.
Najades. (2.)
Potamogeton .natans. — E.
Mad.
— pectinatum. — E.
4Aroideue. (2.)
Arum italicum. — E,
Lemna minor. — E. Mad.
Cyperoide.ae. (17.)
Carex stellulata. — nE.
— muricata. — nE. P. Mad.
Can.
') Dieses von den Einwohnern „Cabellinho“ genannte prachtvolle
Farnkraut ist in den Bergschluchten häufig. Auf Madeira, wo man
den das Rhizom einhüllenden glänzenden Filz zum Ausstopfen der
Bettdecken gebraucht, ist es fast ganz ausgerottet.
10
40
50
60
70
Carex flava. — nE.
— myosuroidesLowe. — Mad.
— Guthnikiana Gay.
— azorica Gay.
— Hochstetteri Gay.
— rigidifolia Hochst.
— Vulecani Hochst.
— Floresiana Hochst.
— laevicaulis Hochst.
Seirpus Savii Sebast. — E.
— multicaulis. — nE.
— maritimus. — E.
Isolepis fluitans. — E.
Cyperus badius. — E.
— Tenori Presl, — E.
Gramineae. (33.)
Anthoxanthum odoratum. —
nE.
*Panicum sanguinale. — nE.
P. Can.
* Setaria glauca. — nE.P. Can.
Cynodon Dactylon.— E.P.
Can.
*Eleusine indica, — Ind. orient
et occident.
*Polypogonmonspeliensis. —
E.
— maritimus var. mutica.
— E
* Agrostis stolonifera. — nE.
Lagurus ovatus.— E.P. Mad.
Deyeuxia azorica
Hochst.
— caespitosa Hochst.
*Gastridium lendigerum. —
E. Mad. Can.
*Arundo Donax. — E. P.
Koeleria phleoides. — E.
HoleusrigidusHochst.
Avena geminiflora
Kunth.
— hirsuta Roth. — E. Can.
— brevis var. uniflora. — E.
90
Aira caryophyllea.— E,P.
Mad. Can.
Briza minor. — E, P.
Briza maxima. — E. P.
Poa loliacea Huds. — E.
Poa rigida. — E. Mad.
*Cynosurus echinatus, — E.
Mad. Can.
Festuca glauca var. longea-
ristata. — E.
— bromoides. — E.
— petraea Guthnik.
*Bromus rubens. — E. P.
Lolium multilorum. — E.
*— perenne. — nE.E, P.
*Hordeum murinum.
* Triticum repens.
*_— ceiliatum.
Junceae. (?.)
Juncus maritimus. — E.
— capitatus. — nE.
— bufonius. — nE.
— acutus. — P. Mad. Can.
— hybridus Brot. — P.
— luceidus Hochst,
LuzulaelegansGuthnik.
Asparagineae, (1.)
Smilax tetragona.
Orchideae. (3.)
Serapias cordigera. — E.
Habenaria spec. 2.
Coniferae, (3).
Juniperus Oxycedrus „Ce-
dro.‘“ — E.P. Mad. Can.
Pinus Pinea. — E. P. Mad.
+? Taxus baccata.!) — E.
Myriceae. (1.)
100 Myrica Faya „Fayal.“ — P,
Mad. Can.
*) In Gärten; soll nach der Angabe der Einwohner auch im Ge-
birge wildwachsen.
Urticeae. (4)
Urtica azorica Hochst.
— rupestris Lowe. — Mad.
— membranacea. — E.
— urens. — nE,E.P. Mad.
Euphorbiaceae. (5.)
Euphorbia diversifolia Pers.
— E.
— Peplis.— E.P. Mad. Can,
— Lathyris. —E.P.Mad.Can.
— platyphyllos. — nE, Can.
*Parietaria offieinalis. — E.
P. Mad.
Thymeleae. (1.)
110 Daphne Gnidium. — E.P. Can.
Laurineae. (2.)
Laurus Canariensis Willd.
„Lauro.“ — Mad. Can.
(— nitida Masson.)
(— Barbusano Cav.)
— canariensis var. az0-
rica Hochst.
Polygoneae. (5.)
*Polygonum Persicaria. —
nE. E. P. Can.
— maritimum. — P, Can.
*Rumex Acetosella. — .nE.
Mad.
— aquaticus. — E. Mad.
*— bucephalophorus. — P.
Can.
Chenopodeue. (5.)
Phytolacca decandra. — E.
P. Mad.
Salsola Kali, — nE. Mad. Can.
120 Chenopodium blitoides. — E.
— ambrosioides. — P. Mad.
Can,
— murale. — E. Mad.
4
Plantagineue. (5)
Plantago major. — nE. Mad,
Can.
— media. — nE. Mad.
— lanceolata,— nE. Mad. Can.
— Coronopus, — E.P, Mad.
Can.
— Lagopus. — P. Can.
— azorica Hochst.
Primulaceae. (3.)
Lysimachia azorica
Hochst.
130 *Anagallis phoenicea. — E.
Mad, Can.
*— coerulea. — E. Can,
Verbenaceae. (1.)
Verbena officinalis. — E. P.
Mad. Can.
Labiatae, (7.)
Thymus micans Soland. —
Mad.
Mentha viridis. — E.
— rotundifolia. — E.
Melissa rotundifolia. — E.
Origanum ereticum, — E.
Prunella vulgaris. — nE.
Stachys arvensis. —E.P. Can.
Rhinanthaceae. (1.)
140 Euphrasia grandiflora
Hochst.
Antirrhineae. (9)
Veronica officinalis. — nE.
*— arvensis. — nE. Mad,
— Dabneyi Hochst.
Linaria Elatine. — nE.P. Can.
— spuria. — E.
— eirrhosa. — E.
Antirrhinum Orontium, — E.
Mad. Can,
Scrophularia Scorodonia. —
E..P. Mad.
Disandra africana.— Afr. Can.
Solaneue. (6.)
150 * Datura Strammonium. -— E.
Mad. Can.
Hyoscyamus canariensis. —
Mad. Can,
Physalis pubescens. — Mad.
Can. Am.
Solanum Pseudocapsicum.
— Mad.
*— Lycopersieum, — E.
*— nigrum var. — E. Mad.
Borrugineae. (4.)
Heliotropium europaeum. —
E. P. Mad. Can.
Myosotis strieta. — nE. Mad.
— maritima Hochst.
Echium vulgare. — nE. Mad.
Convolvulaceae. (2.)
Convolyulus sepium. — nE.
— arvensis.— nE. Mad. Can.
Gentianeae. (4.)
Erythraea diffusa Ramond.
— Centaurium. — E.P, Can.
Gentiana scilloides.
Exacum filiforme. — E,
Asclepiade.ue. (1.)
Asclepias fruticosa. — Afr.
Jasmineae. (1.)
Olea excelsa. „Pao branco.“*
— Mad. Can.
Myrsineae. (1.)
Myrsine retusa. „Tamu-
cho.“
Tlieine.ae. (1.)
Ilex Perado. — Mad. Can.
Ericeue. (5.)
Erica azorica Hochst.
„Urze. _
Menziesia Daboezi. — nE.
Vacceinium padifolium.
„Uva di Serra.“
Campanulaceae. (1.)
Wahlenbergia Erinus. — E.
Mad.
Compositae. (34.)
Hypochaeris glabra. — nE.
Mad. A
Thrincia nudicaulis Lowe. —
Mad,
Crepis polymorpha. — nE.
Tolpis fruticosa Schrank.
180 — crinita Lowe. — Mad.
— nobilis Hochst.
MicroderisfiliiHochst.
— umbellata.
Helminthia echioides, — E.
Mad, Can.
Urospermum picroides. — E.
*Sonchus oleraceus, — nE.
Mad.
*Cichorium Intybus. — nE.
Mad.
Cnicus lanceolatus. — nE.
Carduus pyenocephalus., —
E. Mad.
190 Centaurea melitensis. — E.
P. Can.
Galactites tomentosa. — E.
P. Mad. Can.
Gnaphalium luteo-album. —
E. Mad.
— germanicum. — E.P. Can.
— gallicum, — E.
— pensylvanicum, — Amer.
Conyza ambigua. — E.
Bidens leucantha. — Ind.
oceid. Mad.
Solidago azorica Hochst.
Bellis azorica Hochst.
170 Erica vulgaris. — nE. 200 Senecio malvaefolius DC. —
— fucata Wendl. — E. Mad. Can.
Senecio elegans. — Africa,
— vulgaris. — E.
Anthemis aurea. „Marseille.“
— E
— Cotula. — E. Mad.
Chrysanthemum segetum. —
E. Mad.
— coronarium. — P. Can.
— Myconi. — E. Mad.
— pinnatifidum. — Mad. Can,
*Calendula arvensis. —E. Mad.
Dipsaceae. (1.)
210 Scabiosa nitens DC.
Rubiaceae. (5.)
Galium Mollugo.— nE. Mad.
— Aparine. — E. P. Mad, Can.
— anglicum, — nE. E.P. Can.
Rubia splendens Lk. — P.
Sherardia arvensis. — E. P.
Mad.
Caprifoliaceae. (1.)
Viburnum Tinus. — E.
Umbellifer.ae, (10.)_
Sanicula azoricaGuth-
nik.
Heliosciadium repens. — E.
Can.
*Apium Petroselinum. — E.
Can.
220 * Anethum Foeniculum. — E,
Mad.
Kundmannia sicula. — E,
— spec.
* Caucalis arvensis. — E.Can.
— spec.
Ammi spec.
Sison spee.
Araliace.ue. (1.)
Hedera Helix, — E. Mad,
13
Ranunculaceae. (7.)
Ranunculus cortusaefolius.
— Can.
— parviflorus. — E,
230 *— muricatus. — P. Can.
— trilobus. — E. Can.
— repens. — E. Mad.
*Delphinium Consolida, .
E. Mad.
*Nigella arvensis. — E.
Papaveraceue. (1.)
Chelidonium majus, —E,Mag.
Fumariaceae. (2.)
Fumaria capreolata. — E,
— officinalis. — E. Mad.
Cruciferae, (7:)
Matthiola annua. — E,
Sinapis nigra. — E,
240 Nasturtium offcinale. — E.
Mad.
— noya spec.
Cardamine Caldeira-
rum Guthnik.
Senebiera pinnatifida, — E.
Lepidium virginicum. — Am.
Resedaceae. (1)
Reseda macrosperma Rch-
heh. — Mad.
Hypericineae. (3.)
Hypericum foliosum
Aiton.
— humifusum. — nE. Mad.
— perforatum. — nE. Mad.
Geraniaceae. (3.)
*Geranium disseetum. — E,
P. Mad. Can.
250 — Robertsianum. — nE.
Mad.
Erodium malacoides. — P,
Mad. Can.
14
Oxalideue. (1.)
*Oxalis cornieulata. — E.P.
Mad. Can.
Malvaceae. (3.)
Sida canariensis. — Mad.
Can. Cap. Verd.
Lavatera sylvestris. — P.
*Malya rotundifolia. — E,P.
Mad. Can.
Violarieuae. (2.)
Viola spec. 2.
Frankeniaceue. (2.)
Frankenia laevis var. viridis.
B.P.
— pulverulenta, — E.
Polygaleae. (1.)
Polygala vulgaris. — nE,
Rutaceae. (1.)
260 Ruta bracteosa DC. — E.
Sileneae. (2.)
Silene lusitanica. — P,
— inflata. — E. P. Mad. Can.
Alsineae. (6.)
Cerastium
Hochst.
*— vulgatum. — E. P. Mad,
Can.
*Sagina procumbens. — E.
Mad. Can.
Alsine media. — E.P. Mad.
Can.
Arenaria macrorhiza
Reg.
— marina. — E. P, Can.
azoricum
Illecebreae, (2,)
Illecebrum .vertieillatum. —
E. Mad.
270 Polycarpon tetraphyllum. —
D. Mad. Can.
Crassulaceue, (2)
Tillaea muscosa. — E.
Umbilieus pendulinus. — E.
P. Mad. Can.
Callitrichineae. (1.)
Callitriche verna. — nE.
Lythrarieae. (2.)
Lythrum hyssopifolia. — E,
— Grefferi. — E.
Rosaceae. (f)
Rubus grandiflorus Lowe, —
Mad. L
— fruticosus. — nE. E.
Agrimonia Eupatorium. —nE.
Poterium Sanguisorba. — E.
280 Potentilla anserina. — nE. E.
— reptans. — nE.
Fragaria vesca. — E.
Rhamneae. (1.)
Rhamnus latifolia.
Leguminosae. (25,)
Spartium scoparium. — E.
Mad. Can.
— junceum. — E.
Lathyrus sativus, — E. Mad.
— tingitanus. — Afr. bor,
— Aphaca. — E.P. Mad.Can. .
Medicago lupulina. — E.Mad.
290 — pentacycla DC. — E.
*— lappacea, — E. P.
*— Melilotus paryiflorus. —
P. Can. 2
Vieia angustifolia, — nE.
— gracilis. — E.
— albicans Lowe. — Mad.
Lotus hispidus, — E.
— angustissimus. — E. P.
— cornieulatus. —nE.E.Mad,
— major. — nE.
300 Ornithopus ebracteatus, —
E.P.
45
Ornithopus ‚roseus. — E. Trifolium scabrum. — E,
*Trifolium angustifolium. — — ligusticum. — E. P,
E. P, Mad. Can. — lappaceum. — E.
*— repens. — nE. E. Mad. 308 — glomeratum. — E.
* — procumbens. — E,P. Mad.
Can.
Die am zahlreichsten repräsentirten Familien sind: die
Compositen mit 34, die Gräser mit 33, die Farn mit 31, die
Schmetterlingsblüthigen mit 25 und die Oyperaceen mit 17
Species. Die Compositen haben die einzige den Azoren aus-
schliesslich eigene Gattung: Microderis, und fünf endemische
Arten aufzuweisen. Am auffallendsten herrschen die Farnkräu-
ter vor, welche der Artenzahl nach -'; der ganzen Flora aus-
machen; nicht minder reich sind sie an Zahl der Individuen,
und, da mehrere grosse und ansehnliche Species darunter sind,
wie die schöne, ausser den Azoren nur noch auf Madeira vor-
kommende Diksonia Culeita, so bedingen sie, besonders in den
höhern Thälern und an den Bergabhängen wesentlich den phy-
siognomischen Charakter der Landschaft. Auch hier also zeigt
sich, wie auf den Canarien, den Antillen, auf Sta. Catharina,
den Sandwichsinseln und anderwärts das Klima hoher, unter
geringen Breiten gelegener Inseln einer reichen und eigen-
thümlichen Farnflora besonders günstig. Die Azoren, Madeira
und die Canarien zusammengenommen besitzen 12 ihnen ei-
genthümliche Farnspecies. Von der angegebenen Zahl der
Gräser sind etwa ein Dutzend, als wahrscheinlich eingeführt,
inAbrechnung zu bringen. Wie in dem eigentlich mediterra-
neischen Florengebiet ist ihr geselliges Wachsthum, als Wie-
senbildung, nicht hervortretend; sehr bemerkenswerth ist aber,
dass an den höhern Bergen, namentlich am Kegelberg von
Pico, oberhalb der Region der immergrünen Wälder bedeu-
tende Strecken nach Art unserer Bergweiden mit Graswuchs
(besonders von Anthoxanthum odoratum), überzogen sind, zwi-
schen dem, wo sie das zahlreich weidende Vieh verschont hat,
manche schöne Pflanzen, wie Serapias cordigera und Anthemis
aurea sich finden. In den feuchten Schluchten dieser Region,
am Ufer der sie durchströmenden Bäche erscheinen die eigen-
thümlich-azorischen Carices, deren sich 8 Species fanden, welche
16
zum Theil einen sehr beschränkten Verbreitungsbezirk zu ha-
ben scheinen. Carex Vulcani hat sich bis jetzt nur auf dem
Kegelberg von Pico und zwar auf dem südlichen Abhang, Ca-
rex Floresiana, wie der Name sagt, nur auf der westlichsten
der Inseln gefunden.
Die Bäume und grössern Sträucher, welche nächst den
Farnkräutern die Physiognomie der Landschaft bestimmen, ge-ı
hören sehr verschiedenen Familien an, welche meist nur durch
eine Species repräsentirt sind. ‘Es sind hauptsächlich: Laurus
canariensis mit der Varietät: azorica Hochst. (Laurineae), Myr-
sine retusa (Myrsineae), Olea excelsa (Jasmineae), Myrica Faya
(Myriceae), und Juniperus Oxycedrus (Coniferae). Sie sind
mit Ausnahme der letzten entweder den Azoren eigenthümlich
oder ihr ganzer Verbreitungsbezirk erstreckt sich von den Ca-
narien her über Madeira bis zu diesen Inseln; nur Myrica
Faya kommt auchin Portugal vor. Ausser den genannten sind
als Familien, welche auf den Azoren durch endemische Arten
eine gewisse selbstständige Entfaltung zeigen, die Junceen und
Alsineen mit 2, die Urticeen, Asparagineen, Primulaceen, An-
tirrhineen, Rhinanthaceen, Hyperieineen, Gentianeen, Boragi-
neen, Cruciferen und Umbelliferen je mit einer Art zu er-
wähnen.
Da die Azoren gleichsam im Berührungspunkte mehrerer
Florengebiete liegen, so müssen sich auf ihnen die Grenzen
der ‚Verbreitungsbezirke vieler Pflanzen nachweisen lassen. So
finden, abgesehen von den ganz allgemein verbreiteten, alle
Pflanzen der mittelländischen Flora, welche noch 'auf den Azo-
ren vorkommen, (sie bilden beinahe 2 der Gesammtzahl), dort
ihren westlichen Gränzpunkt; in höhern Breiten dagegen fin-
det bekanntlich eine ganz ausserordentliche Analogie zwischen
der Flora des amerikanischen Continents und des europäischen,
ja durch identische Arten ein unmittelbarer Zusammenhang der
beiderseitigen Vegetation statt. Dass die Azoren ausserhalb
dieser Zone liegen, ergiebt sich schon daraus, dass die für
dieselbe ganz besonders charakteristische Familie der Amen-
taceen ihnen gänzlich abgeht. ‚Die Flora Amerika’s reicht nur
mit 7 Arten zu diesen Inseln herüber, von den 5, nämlich:
Asplenium monanthemum, Bidens leucantha, Lepidium virgi-
nicum, Physalis pubescens und Acrostichum squamosum hier,
47
die 2 andern, Lycopodium ‚cernuum und Gnaphalium pensyl-
vanicum erst’ in Madeira ihre östliche Grenze zu finden schei-
nen. Ebenfalls durch einzelne Repräsentanten sind die eigen-
thümlichen Pflanzen des nordwestlichen Europa’s vertreten in
den irländischen Arten: Menziesia Daboezi und Trichomanes
hibernieum; die nordeuropäische Flora im Allgemeinen tritt
auf den höhern Bergen zugleich mit dem Erscheinen der Erica
vulgaris hervor, wie wir weiter unten sehen werden. Afrika
liefert den Azoren nur 4 Arten. Von der eigenthümlich- ca-
narischen Flora ") haben diese Inseln 14 Arten, von denen 3
dem zwischenliegenden: Madeira fehlen. Den Azoren und Ma-
deira gemeinschaftliche Arten, die anderwärts fehlen, zählen
wir 15. Eigenthümlich-azorische sind es im Ganzen 36.
Inwieweit diese Vertretung der umliegenden Floren in
mehr oder minder zahlreichen Repräsentanten aus den allge-
meinen Verbreitungsgesetzen der Vegetabilien folge, oder ei-
ner Zuführung durch Vermittelung des Menschen und durch
physikalische Ursachen, als Winde, Strömungen u. s. w. zuzu-
schreiben sei, wagen wir um so weniger zu ‚entscheiden, als
zur Beantwortung dieser Frage die speciellste Kenntniss der
Standorte -und Verbreitungsbezirke der azorischen Pflanzen
nach den einzelnen Inseln erfordert würde. Einestheils ist
diese aber, erst nach genauester Durchsuchung der ganzen
Gruppe, wie sie bis: jetzt nicht möglich war, zu. erwarten;
andrerseits scheint auch..die Differenz in ‚der Vegetation der
einzelnen Eilande nicht bedeutend zu. sein. Am abweichend-
sten darin mag noch die westlichste Insel Flores sein, welcher
bis jetzt Cerastium azoricum ‚‚Carex Floresiana und Mierode-
ris umbellata eigenthümlich geblieben sind.
Ehe wir zu den allgemeinern' aus den angeführten That-
sachen zu ziehenden Folgerungen und Schlüssen übergehen,
wenden wir uns zur Betrachtung der verticalen Verbreitung
») Von den auf den Canarien, Madeira und den Azoren gemein-
schaftlich, aber nirgends anderwärts, vorkommenden Arten nahmen
wir als eigentliche Heimath die erstgenannte Inselgruppe an. Die Rich-
tigkeit dieser Annahme zeigen die wälderbildenden Lorbeeren, welche
ihren Centralpunkt offenbar auf den Canarien haben.
Archiv f. Naturgeschichte, IX, Jahrg. 1, Bd, 2
18
der azorischen Pflanzen. Da, wie oben angeführt, alle diese
Inseln beträchtlich hoch sind, so lassen sich auf ihnen meh-
rere in der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit und daher
auch im Vegetationscharakter deutlich unterschiedene Regio-
nen erkennen. Am entwickeltsten sind sie an den Abhängen
des höchsten Berges der Gruppe, nämlich des Vulcans von
Pico. Von diesem geben wir daher auf der beiliegenden Ta-
fel eine ideale Ansicht, auf der die 'einzelnen Höhenregionen
nach ihrem Vegetationscharakter unterschieden, und bei jeder
die für sie am meisten charakteristischen Pflanzen namentlich
aufgeführt sind. Da wir dadurch nur ein allgemeines Bild der
verticalen Verbreitung ‘der azorischen Pflanzen zu geben be-
absichtigten, so wurden auch solche aufgenommen, die nicht
gerade auf dem Vulcan von Pico wachsen, wenn sie nämlich
besonders bezeichnend schienen ; aus demselben Grunde möge
man auch an unsere Ansicht des Berges keinen zu strengen
Maasstab legen. Doch stimmt dieselbe ziemlich mit dem An-
blick, den man auf der Überfahrt von Fayal her davon be-
kömmt, überein; auch treten bei dieser Betrachtung von der
Seeseite, aus einer gewissen Entfernung, die einzelnen ‘im
Pflanzenwuchs unterschiedenen Regionen an seinem Abhang
deutlich gürtelförmig hervor. Es hat dieser Umstand auch zur
Controlle der während der Besteigung gemachten Schätzungen
der absoluten Höhe der Regionengränzen, ‘die leider nicht‘ ba-
rometrisch gemessen werden "konnten, gedient. Auf unserer
Tafel sind die diese Gränzen andeutenden Pflanzen mit einem *
bezeichnet.
Wir unterscheiden auf dem Vulcan von Pico’ folgende
5 Regionen, deren Analoga sich auch auf den andern Inseln
je nach deren Lage und: örtlichen Verhältnissen mehr oder
minder deutlich nachweisen lassen,
1. Region der europäischen Oultur oder mediter-
raneische, bis zu 1500’; mittlere Temperatur + 134° R.
II. Region der Lorbeerwälder oder canarische, von
1500' — 2500'.
II. Region der Sträucher oder azorische, von 2500°
bis 4500.
IV. Buschregion, von 4500' — 5000.
V. Gipfelregion, von 5000'’— 7000.
19
I. Die Cultur der europäischen Nutzpflanzen, namentlich
aber des Weinstocks, ist gewissermaassen eingeschoben zwi-
schen die ursprünglich weiter herab, hie und da selbst bis zum
hohen Meeresufer reichende Waldregion, und eine einheimi-
sche: Küstenregion. Von dieser letztern unterscheiden wir
wieder die Strandvegetation, welche die Azoren mit dem süd-
lichen Europa gemein hat. Es sind dieses die von den salini-
schen Exhalationen des Meeres abhängigen und daher auch
meist an dessen unmittelbare Nähe gebundenen Pflanzen, wie:
Salsola Kali, Polygonum maritimum, Arenaria maritima, Fran-
kenia pulverulenta. An den vom Meer bespülten Felsen wächst
auch die Roccella tincetoria, doch wird sie nicht zur techni-
schen Benutzung eingesammelt. Die an diese Strandpflanzen
sich unmittelbar anschliessende Küstenvegetation hat einen ganz
mediterraneischen Character, namentlich aber hat sie mit Por-
tugal Vieles gemein Z. B. Euphorbia diversifolia, Erodium
malacoides, Juncus hybridus, Plantago lagopus u. s. w., doch
sind auch nicht wenig endemische Arten darunter: Myosotis
maritima, Avena geminiflora, Deyeuxia caespitosa und azorica,
Juncus lueidus und Arenaria macrorhiza, welche letztere na-
mentlich die der Stadt Villa Magdalena auf Pico gegenüber nur
wenig über das Meeresniveau hervorragenden Felsen, Ilheos
genannt, mit dichtem Rasen überzieht. Auf Flores, wo diese
Küstenregion noch in ihrer natürlichen Beschränkung durch
die fast bis zum hohen Meeresufer reichenden Wälder ange-
troffen wird, zeigt sie an eigenthümlichen Arten: Cerastium
azoricum und Mieroderis umbellata. Die hier besonders. häu-
fige Solidago azorica in Begleitung von Hypericum foliosum
überzieht hier weithin die Küste, und von den fernleuchten-
den goldgelben Blüthen Beider soll nach der Meinung Man-
cher das Eiland seinen Namen erhalten haben. Die grosse
Analogie der Vegetation dieser Küstenregion mit der von Süd-
europa mag in hohem Grade die Einwanderung der dortigen
Pflanzen begünstigt haben, so dass es um so schwerer wird,
die eingeführte Flora von der ursprünglichen zu unterscheiden,
als die Cultur hier der freien Naturwirkung nur wenig Raum
übrig gelassen. Erwähnenswerth sind noch folgende an den
Felsabhängen und sterilen Orten wachsenden characteristischen
Arten: Urtica azorica, Hyoseyamus canariensis, und die auch
2%
20
auf Madeira an allen Wegen wuchernde Physalis pubescens
(Herschelia edulis Bowd.). Wie bereits erwähnt, nimmt der
Anbau der oben angegebenen Culturpflanzen den grössten Theil
des ebenen Landes und den Fuss der Gebirge ein. Hier ist
denn durch Menschenhand der Physiognomie der Landschaft
ein anderer, fremdartiger Stempel aufgedrückt. Die Dattel-
palme mahnt an das nördliche Afrika; über die hohen Mauern
der Gärten erheben sich die tropischen Formen der Musa und
des Drachenbaums (Dracaena Draco).") Es mag wohl wenige
Orte geben, wo in den Gärten eine solche Mannichfaltigkeit
der Früchte, der Nutz- und Zierpflanzen aller'Zonen sich ver-
einigt findet, wie hier; neben unsern nordeuropäischen Obst-
arten und den Südfrüchten des wärmern Europas stehen Kaf-
fee- und hohe Campherbäume und Zuckerrohr im üppigsten
Wuchs. Es wären daher gewiss die Azoren als Acclimatisa-
tions-Station für die Gewächse wärmerer Zonen, die an unser
europäisches Clima gewöhnt werden sollen, recht sehr zu em-
pfehlen.
Gegen die obere Gränze dieser ersten Region erscheint
in den Weinbergen unser Rubus frutieosus, gleichsam als Vor-
läufer des der Waldregion hier und auf Madeira eigenen Ru-
bus grandiflorus. An dieser Waldgränze und in der untern
Waldregion selbst, namentlich aber in den Caldeira’s oder
Cratereinsenkungen in dieser Höhe wird besonders die Yams-
wurzel (Dioscorea sativa) cultivirt und ist da nicht selten im
Gebüsch im verwilderten Zustande anzutrefien.
ll. Die Region der Lorbeerwälder bildet auf Pico einen
continuirlichen Waldgürtel, dessen untere Gränze je nach der
Höhe, zu welcher der Anbau steigt, variirt und aus dem sich
der eigentliche Kegel des Vulcans erhebt. An dieser obern,
durch das einzelne Vorkommen der seltenen Olea excelsa be-
zeichneten Gränze geht er entweder in ein Gebüsch von Ilex
Perado, Juniperus Oxycedrus und Myrsine retusa über, oder
*») Auf der Insel Flores steht (in cultivirtem Land) ein grosser
Drachenbaum in einer Höhe von 600° Fuss über dem Meere; man
wird ihn deshalb, beim Mangel sonstiger Indicien, wohl eben so we-
nig für einheimisch halten dürfen, als man die Dattelpalme, die doch
(nach Philippi) am Aetna bis zu 1700° steigt, darum in Sieilien ur-
sprünglich wildwachsend glaubt.
21
er ist gegen die offenen Bergweiden scharf abgeschnitten. Die
den Wald bildenden Bäume, unter denen die Lorbeerbäume,
besonders auf Pico, die Hauptrolle spielen, und den Habitus
des Ganzen bestimmen, sind schon namhaft gemacht worden.
In ihrem Schatten erscheint eine reiche Farnflora, worunter
mehrere europäische Arten und an wasserreichen Stellen einige
unserer Riedgräser: Carex muricata, flava nnd stellulata. Das
Auftreten dieser beiden Familien ist wohl der grössern Feuch-
tigkeit aus den über der Waldregion sich verdichtenden und
niederschlagenden Wasserdünsten zuzuschreiben, was sich auch
bestätigt durch ihre Zunahme in den bewachsenen Schluchten
der nächstfolgenden höhern Region, für welche jene Bedin-
gungen noch in höherm Grade eintreten.
If. Oberhalb der Region der Lorbeerwälder folgt ein brei-
ter, fast bis zur Höhe von 5000' reichender Gürtel, dessen
Gebüsch aus ‚„Urze‘‘ (Erica arborea), „Fayal‘“ (Myrica Faya),
und „Uva di Serra“ (Vacceinium padifolium) besteht; ausser-
dem wachsen hier, wie gesagt, nicht wenige Farnkräuter; na-
mentlich ist dies die eigentliche Region der Diksonia Culeita.
Zwischen dem Gesträuch stehen hier viele schöne nur auf den
Azoren, und nur in dieser Region vorkommende neue Arten:
Tolpis nobilis, Mieroderis filii, Euphrasia grandiflora, Sanicula
azorica, Bellis azorica, und die neuen Carices. -Auf dem Vul-
kan von Pico kommen, wie schon erwähnt, zwischen diesem,
besonders die felsigen Schluchten erfüllenden und bedecken-
den Gesträuch beträchtliche mit kurzem Graswuchs bedeckte
Strecken vor, welche zu Viehweiden dienen. Gegen 4000',
wo Disandra africana und Acrostichum squamosum erscheinen,
verschwinden diese freien Stellen und die Gesträuche von llex
Perado, Vaceinium padifolium und Juniperus Oxycedrus treten
nebst den Ericen zu einem etwa 500' breiten Gürtel zusam-
men, den wir
IV. als Buschregion unterschieden haben. Die genannten
3 Sträucher erreichen hier ihre obere Verbreitungsgränze,
V. Die fünfte oder Gipfelregion hat in den Felsspalten
des vulkanischen Gesteins noch 5 Species aufzuweisen, welche
in der auf der Tafel angegebenen Ordnung von unten nach
oben verschwinden. Zuerst also Polygala vulgaris, die kaum
22
noch diese Region erreicht. Erica vulgaris geht am höchsten,
nämlich bis zum Fuss des den Gipfel bildenden Lavakegels.
In der folgenden Tabelle geben wir in runden Zahlen
eine Vertheilung und Einordnung der im obigen Verzeichnisse
aufgeführten Pflanzen einerseits nach den eben geschilderten
Regionen ihrer verticalen Verbreitung, andrerseits nach den
Florengebieten, denen sie angehören.
I Mad. |eigen-|nördl.
3 |
Mediterran. | und |thüml.| Eu- |Amer. |Afrika.| un
Flor. Canar.| Azor. | ropa. h
einh. Jeingef.
I. Region.| 151 40 10 10 17 5 3 236
RT ee or Te RT rg:
DI. Region] 7 _ 6) 14 6 2 1 39
ehe. ! 2" RG EEBEFT || Feen
IV. und V.
Region. 1 = 2 2 sh = = 8
Summe. 160 40 26 32 3 7 4 300
u
200 Gesammt-
summe,
Man ersieht daraus, dass in der ersten Region die me-
diterraneische, in der zweiten die madeirisch-canarische, in der
dritten die endemisch-azorische, in der vierten und fünften die
nordeuropäische Flor die Mehrzahl der Arten aufzuweisen hat,
wodurch die obigen Benennungen für die 3 ersten Regionen
gerechtfertigt werden.
Bei Vergleichung dieser Regionen mit denen auf den ca-
narischen Inseln zeigt sich, dass zwei der auf letztern sich
findenden den Azoren gänzlich fehlen, nämlich die unterste
oder afrikanische und die vierte oder die der Kiefern. Dass
die Region der afrikanischen Formen (die subtropische) den
Azoren abgehe, liess sich schon aus der mittleren Jahrestem-
peratur ihrer Küste schliessen, die genau mit der der 2ten ca-
narischen Region übereinstimmt. Daher auch der auffallende
Unterschied in der azorischen Flora und der von Madeira —
23
entsprechend der oben angegebenen sehr beträchtlichen Diffe-
renz der mittleren Temperatur —, welcher dem von den Azoren
kommenden Beobachter die Pflanzenwelt dieser Insel üppiger,
mannichfaltiger, fremdartiger erscheinen, und ihn hier zuerst
die prachtvolle und grossartige Tropenvegetation alınen lässt.
Die den Azoren abgehende Zone zusammenhängender hoch-
stämmiger Pinuswälder scheint daselbst durch das Vorkommen
des oberhalb der Region der Lorbeerwälder bis gegen 5000’
häufig einen Hauptbestandtheil des Gebüsch bildenden Juni-
perus Oxycedrus angedeutet zu sein. Jener Gürtel der Lor-
beerbäume zeigt sowohl durch geringere Vertical-Ausdehnung
als dadurch, dass er nur aus einer Species (und deren Varie-
tät) besteht, das Erlöschen dieser so eigenthümlichen, auf den
Canarien zu voller Entwiekelung gekommenen Formation an.
So finden sich also auf den Azoren mit Auslassung der
untersten und verhältnissmässigem Herabrücken der übrigen
Regionen, die Analoga der auf den Canarien gefundenen Zo-
nen der verticalen Verbreitung der Pflanzen.
Den im Verlaufe dieser Arbeit gemachten Angaben und
Zusammenstellungen gemäss glauben wir als Endresultat unse-
rer Übersicht der Flora der azorischen Inseln folgende 'allge-
meine Charakteristik der dortigen Vegetation geben zu können.
Die Flora der Azoren trägt einen überwiegend mediter-
raneischen Charakter. In der Ebene und an den niedern Ber-
gen gehören 3 der Arten dem mittelländischen Florengebiete
an und nicht wenige Species sind mit denen der gegenüber-
liegenden portugiesischen Küste identisch, Viele davon mögen
mit den aus Südeuropa eingeführten Kulturpflanzen eingewan-
dert sein. Es zeigen daher die Azoren, wie in der Lage, so
‚in der Vegetation, ein ähnliches Verhältniss zur gegenüber-
stehenden europäischen, wie die Canarien zur naheliegen-
den afrikanischen Küste, _ Madeira bildet zwischen Beiden den
Übergang.
Die diesen beiden Inselgruppen nebst Madeira gemein-
schaftliche Flora — im Ganzen 63 Arten — bildet einen we-
sentlichen Bestandtheil der azorischen, welcher besonders in
der zweiten oder Waldregion derselben (die der dritten cana-
rischen entspricht) vorherrschend auftritt.
24
Die nordeuropäische Vegetation erscheint in ‚den höhern
Gebirgsgegenden.
Amerika und Afrika sind durch einzelne Repräsentanten
schwach vertreten. .
Die Azoren besitzen eine nicht unbedeutende endemische
Flora (bis jetzt 36 Arten — und eine endemische Gattung).
Sie tritt überwiegend in der oberhalb der Wälder gelegenen
(zwischen 2500' und 4500’) Region auf.
Zum Schlusse sei uns die Vermuthung erlaubt, es weise
dieser letztere Umstand auf ein allgemeineres Gesetz hin, das
etwa in der Art auszudrücken wäre: die 'endemische Flora
eines Landes tritt in seinen mittleren Höhen am Vorwiegend-
sten auf. So sind auf Tenerifia, dessen Pic sich über 11000’
hoch erhebt, von den Gewächsen der etwa zwischen 3000’ und
6000' gelegenen .Waldregion beinahe die Hälfte endemisch.
Auch die Verticalverbreitung der Alpenflora scheint jenem Ge-
setze nicht zu widersprechen.
Bemerkungen über die Artrechte der antediluvia- _
nischen Höhlenbären.
Von
Prof. A. Wagner in München,
(Gel. Anz. d. K. Bair. Akad. 1842, N. 130 — 132.)
Auf die Vorarbeiten von Esper, Rosenmüller, Hunter und
Goldfuss gestützt, hatte Cuvier die Erklärung abgegeben, dass
die in unsern Höhlen aufgehäuften fossilen Überreste von Bä-
ren mit dem Knochengerüste des gemeinen Bären (Ursus arctos)
zwar in naher Übereinstimmung stehen, gleichwohl aber ent-
schiedene Eigenthümlichkeiten zeigen, aus welchen man mit
Evidenz die specifische Verschiedenheit dieser urweltlichen
Thiere von den noch jetzt in unsern Gegenden lebenden be-
haupten dürfe,
Dieses Resultat hat seitdem als eines der merkwürdigsten
und verlässigsten in der Paläontologie gegolten und ohne ir-
25
gend eine Ausnahme die Anerkennung aller Naturforscher er-
halten. Die seit Cuvier’s Arbeiten in Belgien und Frankreich
neu entdeckten Knochenhöhlen lieferten ihren Beschreibern
kein Material, das jenes Resultat umgestossen oder auch nur
wankend gemacht hätte; lediglich wurde hierdurch die Zahl der
antediluvianischen Arten vermehrt, während die schon früher
unterschiedenen eine neue Bestätigung gewannen.
Um so überraschender musste die Erklärung sein, welche
neuerdings Blainville im Sten Hefte seiner Osteographie über
diesen Gegenstand in folgenden Worten ablegte: ‚Nach der
Vergleichung, welche wir vermittelst zahlreicher Hülfsmittel
machen konnten, wie sie in unsern Sammlungen sowohl an
Knochen von lebenden Bären als von Höhlenbären aus allen
Theilen Europa’s: vorkommen, glauben wir, dass diese von
einer und derselben Art herrühren, der nämlichen, die noch
heut zu Tage in Europa lebt, aber eine fast gigantische Grösse
erreichend im Vergleich mit der Rasse, die in den entfernte-
sten Theilen der Alpen und Pyrenäen zu existiren aufhört,
und sehr wenig von der des Bären aus dem nordwestlichen
Amerika (Ursus ferox) verschieden. Das Männchen macht den
U. giganteus, spelaeus major, Pitorrü und neschersensis, das
Weibchen den U, arctoideus und leodiensis in der Varietät er-
ster Grösse aus; während in der der zweiten das Männchen
durch den U, spelaeus minor und das Weibchen durch den TV.
priscus repräsentirt wird.“ Von dieser Art unterscheidet Blain-
ville nur noch eine andere kleinere und sehr bezeichnete, die
in Europa den südamerikanischen Urszs ornatus und den süd-
asiatischen U. malayanus zu repräsentiren scheine, nämlich den
U. avernensis, der wahrscheinlich mit U. etruscus identisch,
früher im südlichen Europa existirte und seine Überreste in
einem offenen Diluvium zurückliess, das vielleicht älter ist als
das der Höhlen. Demgemäss würde, wie Blainville schliess-
lich zusetzt, „der Stand der Dinge in Bezug auf diese Gat-
tung keine allgemeine Fluth, keine Änderung in den aktuellen
Verhältnissen der Existenz der Erde erfordern, sondern ledig-
lich fortdauernde Fortschritte in der Ausbreitung der mensch-
lichen Art in Europa,“ wodurch ‚ihre frühern thierischen Be-
wohner verschwinden mussten.
Diese Behauptung Blainville’s ist den hisherigen Erfahrun-
Pr
26
gen und Annahmen so durchaus entgegengesetzt, dass ich, der
ich mich seit zwanzig Jahren mit diesem Gegenstande viel be-
fasst habe, mich wohl aufgefordert und berufen fühle, seine
Argumente einer genauen Prüfung zu unterwerfen. Auch fehlt
es mir hiezu glücklicher Weise nicht an Material zur selbst-
ständigen Forschung, ‚Schon im Jahre 1829 konnte ich mich
rühmen zu meiner „Beschreibung ') der Überreste ur-
weltlicher Säugthiere aus den muggendorfer Höh-
len, welche in der Sammlung der k. Universität Er-
langen aufbewahrt werden,“ das Knochengerüste des Höh-
lenbären fast vollständig vor mir gehabt zu haben; dabei nicht
weniger als 13 Schädel von diesem Thiere. Diesen Reichthum
an gedachten Überresten verdankt die Universität Erlangen,
die früher nur einige Fragmente davon besass, der Fürsorge
unsers verehrten Collegen, des Herrn Hofraths von Schubert,
dem es gelang die bedeutende Sammlung fossiler Knochen aus
den muggendorfer Höhlen, die der Apotheker Frischmann, ein
Zeitgenosse und Freund Esper’s, zusammengebracht hatte, für
das Universitätsmuseum zu acquiriren. Mit diesem Reichthum
kann sich nun freilich die hiesige Sammlung nicht messen,
doch besitzt sie 7 Schädel von Höhlenbären, und dieser Theil
des Knochengerüstes macht für unsern gegenwärtigen Zweck
die Hauptsache aus. Besser als mit den fossilen Knochen bin
ich hier dagegen mit denen des lebenden Landbären (des 7,
aretos) bedacht, da die zoologisch-zootomische Sammlung des
Staates 3 vollständige Skelete und ausserdem noch 2 beson-
dere Schädel besitzt, wozu ich noch einen Schädel vom hie-
sigen anatomischen Institute benutzen konnte. Seine Durch-
laucht, der Prinz Maximilian von Wied, hatte überdies die
Gewogenheit, mir einen Schädel des Ursus ferox zur Ansicht
zukommen zu lassen, was meinen Untersuchungen sehr för-
derlich war. So habe ich denn wohl Mittel zur Vergleichung
und Prüfung genug vor mir gehabt, um mir ein eben so be-
stimmtes Urtheil als Blainville erlauben zu dürfen.
m 1. Ursus aretos.
Bevor ich auf die kritische Musterung der auf den Höh-
lenbären bezüglichen Bestimmungen eingehe, ist es nöthig sich
’) Isis 1829 S. 966; ferner 1831 S. 555.
27
zuerst des Vergleichungs-Objeetes zu versichern, d.h. die Frage
zur Entscheidung zu bringen, ob die gemeinen Landbären, die
einzigen, mit welchen die Höhlenbären in Zusammenstellung
kommen können, einer oder mehreren Arten angehören. Cu-
vier hatte 2 Arten unterschieden, die er den braunen und den
schwarzen Bären namnte. Die Differenzen, welche er im Schä-
delbau angiebt, und die ich früher auch für ausreichend zur
Trennung hielt, sind jedoch so gering und die Übergänge der
einen Form in die andere habe ich seitdem so deutlich gese-
hen, dass ich sie jetzt nur als Abänderungen einer und der-
selben Art, des Ursws arctos !), erklären kann. Auch die bei-
den Species, die Eversmann ?) neuerdings unter den russisch-
sibirischen Bären als U, cadwerinus und formicarius unter-
schieden hat, kann ich nicht anerkennen, da Beschreibung und
Abbildung ausweisen, dass ersterer auf ganz alte, letzterer auf
jüngere Individuen begründet ist. 'Blainville ?) versichert, an
den Skeleten des schwarzen Bären aus Europa, des Bären
von Norwegen, Polen, der Alpen, Pyrenäen und aus Astu-
rien, die er untersuchte, keine Differenzen wahrgenommen zu
haben, die über solche hinausgingen, welche Individuen nach
Verschiedenheit des Alters oder Geschlechts zeigen können,
oder nach den mehr oder minder günstigen Verhältnissen, in
denen sie gelebt haben. In diesen Kreis zieht Blainville auch
noch den Ursus ferox, indem er von ihm angiebt, dass er
vom U, arctos nicht wirklich verschieden sei. Der Schädel,
den ich von diesem Thiere gesehen habe, gehörte einem noch
nicht vollständig erwachsenen Individuum an, ich konnte an
ihm keine anderen Differenzen von unserem Bären auffinden,
als dass bei 7. /erox der Schädel nicht so gestreckt, im Ver-
hältniss zur Breite kürzer und gedrängter, und die Nasenbeine
in ihrem hintern Theile nicht deprimirt, sondern gleichmässig
der Quere nach etwas gewälbt sind. Ob diese Differenzen
eonstant oder individuell sind, kann ich nicht bestimmen, um
so weniger als Blainville zwar Abbildungen des Knochenge-
rüstes vom U. ferox, aber weder Beschreibungen noch Aus-
") Schreber’s Säugthiere. Supplementb. 2. Abtl. S. 135.
*) Bullet. de la Soc. imp. des naturalistes de Moscou. 1840. p. 8.
°) Osteographie. 8. Jivrais. p. 19.
28
messungen mittheilte. *) Wie dem aber auch sein möge, auf
jeden Fall schliesst sich dieser 7. ferox enge an die typische
Form unseres Landbären an.
Unter den Höhlenbären, zu deren Betrachtung wir‘ jetzt
übergehen wollen, *) hat bekanntlich Cuvier 3 Arten unter-
schieden: den Ursws spelaeus, arctoideus und priscus. Zu die-
sen fügte Marcel de Serres einen UV, Pitorrü und metoposcai-
nus, so wie Schmerling ®) einen U, giganteus und _leodiensis,
Croizet zuletzt noch einen U. neschersensis hinzu.
2. Ursus spelaeus.
Die Hauptmerkmale des Ursus spelaeus, um in der Kürze
daran zu erinnern, sind: 4) die Stirne fällt nach vorn steil
ab und ist dadurch von den Nasenbeinen stark und treppen-
artig abgesetzt; 2) die Stirnhügel sind, namentlich bei alten
Thieren, ausserordentlich aufgetrieben und zwischen ihnen und
der Nasenwurzel entsteht eine breite und tiefe Grube; 3) die
Stirnbeinkämme stossen bei alten Individuen weit vorwärts zu-
sammen und bilden dann eine hohe Scheitelleiste.
Dieser Art gehören in den deutschen, französischen und
belgischen Knochenhöhlen weit die meisten Schädel an; in die-
ser Beziehung stimmen alle Beobachter überein. Mit Blain-
ville bin ich einverstanden, dass Schmerling’s U. fornicatus
magnus und fornicatus minutus nur Alters - Differenzen be-
zeichnen; des Letzteren U. giganteus, auf einen Unterkiefer,
Oberarm u. a. einzelne Knochen begründet, zeigt nur sehr
grosse Individuen an. Vom U, Pitorrü weist Blainville nach,
dass er ebenfalls weiter nichts ist als der 7. spelaeus; den U.
metoposcairnus scheint Marcel de Serres selbst wieder auf-
gegeben zu haben. Auch den, auf einen blossen Unterkiefer
!) Der Prinz von Wied, der hinlänglich Gelegenheit hatte, den
U. ferox zu beobachten, sieht ihn für eine selbstständige Art an.
2) Die wenigen sehr fragmentarischen Überreste von U. avernen-
sis und etruscus lasse ich hierbei ausser Spiel, was ich ausdrücklich
bemerken will.
‚3) Recherch. sur les ossem. fossil. decouverts dans les cavernes
de la Province de Liege. 1833. Ein ausgezeichnetes Werk durch seine
genauen Beschreibungen, vorzüglich aber durch seine in natürlicher
Grösse gefertigten Abbildungen.
29
begründeten U. neschersensis weist Blainville mit Recht dem
U. spelaeus zu.
3. Ursus arctoideus.
Von den bisher erwähnten hochstirnigen Schädeln unter-
scheidet Cuvier eine andere Sorte, bei welcher die Stirne fla-
cher, die Stirnhöcker wenig markirt, die Leisten schwächer
und weiter rückwärts zusammentreffend, der Raum zwischen
dem ersten Backenzahne und dem Eckzahne länger und diese
letzteren auffallend kleiner sind. ‘Ob diese zweite Form von
der ersten specifisch zu trennen oder nur als Varietät von ihr
zu bezeichnen ist, darüber kam Cuvier zu keinem sicheren
Resultate, bald mehr zu dieser, bald mehr zu jener Meinung
sich hinneigend.
Diese zweite Form, als U. arctoideus bezeichnet, ist un-
gleich seltener als die erste. Cuvier hat von ihr nur 2 Exem-
plare gesehen, die überdies nicht sonderlich übereinzustim-
men scheinen, so weit man nach‘ seinen, in allzu kleinem
Maasstabe entworfenen Zeichnungen urtheilen kann.
Schmerling hat unter den vielen Schädeln aus den Höhlen
im Lüttichischen nur einen gefunden, dem. er dem U. arctoi-
deus zuschreiben konnte. Er findet ihn bei. ziemlich gleicher
Grösse mit dem T. spelaeus durchgängig schmächtiger und ge=
streckter als diesen; seine Schläfenleisten vereinigen sich bald,
während Cuvier das Gegentheil angiebt.
Unter den hiesigen Schädeln befindet sich gar keiner, der
dem U. arctoideus zugewiesen werden könnte; unter den 13
in Erlangen nur ein einziger. .‚Die'Länge desselben beträgt
16%” (0,457 Meter); er gehört:demnach einem grossen Thiere
an, obgleich dasselbe noch nicht bedeutend alt sein konnte,
da die Nähte sehr deutlich bezeichnet und. die Zähne noch
nicht abgenutzt sind. Die Stirnleisten stossen erst weit nach
hinten zusammen, wie bei den jungen Individuen von D. spe-
Zaeus; was ihn aber von letzterem auffallend unterscheidet, ist
der Umstand, dass die Stirne, statt treppenartig abzusetzen,
sanft abwärts sich biegt, zwischen den flachen Stirnhügeln et-
was ausgehöhlt ist und allmälig in die Nasenfläche übergeht.
Beim hochstirnigen Höhlenbären liegt die Stirnfläche gerade
noch einmal so hoch über der Nasenfläche als bei diesem flach-
30
stirnigen Exemplare, Von den durch Cuvier und Schmerling
erwähnten Schädeln weicht dieser auch noch darin ab, dass die
Eckzähne stark und der Raum zwischen ihnen und den Backen-
zähnen nicht grösser als bei U, spelaeus ist.
Nach Blainville's Meinung bezeichnet dieser U, aretoideus
das Weibchen von U. spelaeus, was, wie er hinzusetzt, „Hun-
ter, ein ungleich gründlicherer Anatom als alle, die sich bis-
her mit dieser Frage befassten, vollkommen erkannt hätte. “
Dieser Bescheid ist zwar kurz, gleichwohl aber keineswegs
befriedigend, mit einer köderhmiitigen Angabe von ee
sogar im Widerspruche.
Derselbe macht nämlich bei U. arctos und americanus be-
merklich, dass er glaube bei diesen wahrgenommen zu haben,
dass beim erwachsenen Männchen die Stirne flacher und des-
halb der Quere nach minder gewölbt sei als bein Weibchen
und jungen Männchen. Ist dem so, so müsste ja umgekehrt
der flachstirnige U. aretoideus eher das männliche, der hoch-
und gewölbtstirnige U, spelaeus dagegen das weibliche Ge-
schlecht bezeichnen.
Zu einer solchen Annahme wird sich aber wohl kein Na-
turforscher verstehen, da im T; spelaeus oflenbar die Formen
kräftiger ausgewirkt sind als im U, arctoideus. Gerade dieser
Umstand ist es auch, der Hunter bestimmte in jenem das männ-
liche, in diesem das weibliche Geschlecht zu suchen. Indess
so scheinbar dieser Grund ist, so bleibt er vor einer stren-
geren Prüfung doch nicht standhaltig: Zunächst ist es von den
lebenden Bären nicht nachgewiesen, dass die sexuelle Ver-
schiedenheit in den Schädelformen so stark markirt ist, als die
Differenz zwischen U. spelaeus und @retoideus sich darstellt.
Dann aber auch spricht gegen eine sexuelle Verschiedenheit
dieser beiden Formen der höchst gewichtige Umstand, dass;
während der U. 'spelaeus in Menge gefunden wird, der U.
arctoideus dagegen zu den seltensten Vorkommmnissen gehört. ')
1) Mir selbst ist vom U. arcioideus in den verschiedenen Samm-
lungen, die ich gesehen habe, nur dass eine Exemplar in Erlangen
vorgekommen. Nicht selten mögen minder hochstirnige Schädel des
U. spelaeus hierfür angesehen werden, Goldfuss giebt an, dass auf
mehr als 870 Bärenschädel aus der gailenreuther Höhle 60 vom U.
31
Nun aber leben die Bären in Monogamie, und von allen sol-
chen Thieren weiss man, dass die Geschlechter an Individuen-
zahl sich ziemlich gleichkommen. Die wenigen Exemplare vom
U. arctoideus, wenn dieser das Weibchen wäre, würden daher
in gar keinem Verhältnisse zu den Männchen stehen, wenn
der U. spelaeus lediglich solche bezeichnen sollte. Hieraus
glaube ich mit bestem Rechte behaupten zu dürfen, dass der
hoch- und flachstirnige Höhlenbär nicht sexuelle Verschieden-
heiten darstellen.
Weit eher scheint es mir glaublich, dass die beiden Schä-
delformen die äussersten Gränzpunkte bezeichnen, innerhalb
welcher der Typus einer und derselben Art mannigfaltige Va-
riationen gestattet, ohne dass sexuelle und Alters-Differenzen
in diesen Extremen ausschliesslich repräsentirt sind. Denn
ausdrücklich soll hier bemerkt werden, dass es nicht etwa
junge Individuen sind, auf welche der UV. arctoideus gegrün-
det ist, da die von Cuvier, Schmerling und mir beschriebenen
Schädel desselben sämmtlich zu den grossen Exemplaren ge-
hören, während umgekehrt es viel kleinere und jüngere Schä-
del giebt, die bereits die Merkmale des U. spelaeus in der
markirtesten Weise an sich tragen. Wie es bei unseren le-
benden gemeinen Bären, ausser den Alters- und Geschlechts-
Differenzen, auch noch höchst erhebliche individuelle giebt, so
dürfen wir etwas Ähnliches auch bei den Höhlenbären erwarten.
Einem “etwas kleineren Schädel eines flachstirnigen Höh-
lenbären hat Schmerling den Namen U. leodiensis beigelegt;
auch von diesem hat er nicht mehr als ein Exemplar gefun-
den. ‘ Da’ er beiv ihm die Stirne erhöhter und breiter als bei
U. arctoideus angiebt, so bietet er schon mehr Annäherungs-
punkte an die hochstirnige Form an.
4, Ursus priscus.
Noch seltener als der U. arctoideus ist in den Höhlen der
U, priscus gefunden worden. ‘ Goldfuss und Cuvier reden von
diesem nur nach dem Exemplare von Sömmerring; der erstere
erwähnt noch eines zweiten. Weiter ist kein Exemplar be-
arctoideus gekommen sein möchten, was jedenfalls nur eine ungefähre
Schätzung sein wird.
32
kannt als das, welches sich in der hiesigen Sammlung befindet
und daher zu ihren grössten Seltenheiten: gehört !).. "Wie Cu-
vier von diesem U, priscus sagt, „gleicht sein Profil sehr dem
des braunen Bären, zumal der Varietät aus den Alpen, und
ist nur etwas mehr deprimirt. Seine ‚grösste Convexität ist
fast in der Gegend der Stirnnaht. Die Stirne ist nach allen
Richtungen flach und vereinigt sich ohne merkliche Concavität
mit -den Nasenbeinen, in welcher Beziehung dieser Schädel
sich dem des schwarzen europäischen Bären weit mehr als dem
des braunen annähert.‘“ In der Kürze des durch die Schläfe-
leisten gebildeten Dreiecks, und in ihrer auswärts ‘concaven
Krümmung findet Cuvier die meiste Annäherung an den ame-
rikanischen Bären, von dem er jedoch durch geringere Kürze
der Schnauze abweicht, Andererseits sieht Cuvier eine Diffe-
renz vom schwarzen europäischen Bären darin, dass bei U.
priscus die Jochbögen minder abstehen, und am Unterkiefer
der untere Rand gerader als beim braunen Bären ist. Von
den kleinen Liückenzähnen zeigt sich in beiden Kiefern das
Fach für den kleinen Zahn hinter dem Eekzahne, und im Ober-
kiefer das Fach für den kleinen Zahn vor den’ grossen Backen-
zähnen.
Obschon der von Goldfuss und Cuvier beschriebene Schä-
del dieses U, priseus von einem bejahrten Thiere herrührt,
weil’ seine Zähne angegriffen und seine Leisten sehr, markirt
sind, so kommt er an Grösse doch nur den jungen: Schädeln
der andern Höhlenbären gleich. ‚Seine ‚Länge beträgt nur
0,345. M. (12" 9").
Der Schädel, der sich von diesem U.\zwiscus in. der hie-
sigen Sammlung befindet, kommt mit dem erwähnten in allen
Hauptmerkmalen überein; nur ist er grösser, da er 14” in der
Länge hält. Gleichwohl gehört er keinem durch hohes Alter
ausgezeichneten Thiere an, da die Zähne noch wenig ange-
!) Schmerling erwähnt zweier Kieferfragmente, die er dem U,
priscus zutheilen möchte; bei dem einen bleibt er jedoch selbst zwei-
felhaft. Im Verzeichnisse der Versteinerungen der Kreis-Naturalien-
sammlung zu Baireuth ist vom U. priscus das Hintertheil eines Schä-
dels angeführt; nach einem solchen Fragmente würde ich freilich
keine Bestimmung wagen.
33
griffen, alle Nähte deutlich bezeichnet sind. und die Schei-
leisten erst ‘hinter der Kranznaht zusammenstossen. Die
Stirn ist breit, flach, ‘nur schwach nach den beiden Dimen-
sionen der Länge und Breite gewölbt, und ohne allen Absatz
in die Fläche der Nasenbeine übergehend. Die Eckzähne sind
bedeutend stark; die Alveolen der kleinen Lückenzähne deut-
lich vorhanden, unten die gewöhnlichen drei, oben zwei,
Mit Blainville anzunehmen, dass dieser U, pröscus mit U.
spelaeus zu einer Art gehöre, halte ich für ‘ganz verfehlt.
Schon in den jüngsten. Exemplaren, die vom U. spelaeus und
arctoideus bekannt sind, und an Grösse nicht über unsern: U,
priseus hinausgehen, erhebt sich die Stirnfläche bedeutend: über
die der Schnauze, die Stirnhügel sind bei ersteren sehr stark
hervortretend, und von den kleinen Lückenzähnen fehlen selbst
die. Spuren. Diese Verschiedenheiten sind, meiner. Meinung
nach, zu bedeutend, als dass sie mit specifischer Identität be-
stehen könnten.
5. Übriges Knochengerüste.
Unter den.Knochen des Rumpfes und der Gliedmaassen ‚
welche von den antediluvianischen Bären in den Knochenhöh-
len getroffen werden, sieht man im Ganzen keine Verschieden-
heiten, die nicht auf Rechnung des Alters oder der Individua-
lität zu bringen wären. Da man niemals Skelete in ganzem
oder auch nur theilweisem Zusammenhange, sondern immer
nur isolirte Knochen gefunden hat, so ist bei’ihnen, da die
Formen keinen Anhaltspunkt geben, eine Scheidung nach Ar-
ten mit gar keiner Sicherheit vorzunehmen. Schmerling. hat
zwar einen solchen Versuch gewagt; er beruht jedoch auf rein
willkürlichen Voraussetzungen.
Mit mehr Grund glaubte Cuvier die fossilen Oberarmbeine
an zwei verschiedene Arten vertheilen zu dürfen. ‘Während
er nämlich 6 Exemplare von der bei den Bären gewöhnlichen
Beschaffenheit, d. h. mit undurchbohrtem innerem Condylus
fand, zeigte sich ihm bei einem siebenten Stücke eine solche
Durchbohrung, wie sie den Katzen eigen ist; eine Zeichnung
von Hunter und eine andere von A. Camper gaben die näm-
liche Eigenthümlichkeit zu erkennen. Hieraus glaubte Cuvier
folgern zu dürfen, dass diejenigen Schädel und Oberarmbeine,
Archiv f. Naturgesch, 1X, Jahrg, 1, Bd, 3
34
welche sich am meisten vom Typus des lebenden Bären ent-
fernen, zusammengehören dürften, wie es andrerseits mit de-
nen,. die sich ihm mehr‘ annähern, wiederum der Fall sein
möchte. : Er stellte daher die durchbohrten Oberarmbeine mit
den hochstirnigen Schädeln und die undurchbohrten mit der
einen oder der andern Sorte von den flachstirnigen Schädeln
zusammen.
Mit Cuvier verstand ich mich ‘in meiner ersten Arbeit
über die Höhlenbären (vom Jahre 1829) zu der Annahme, die
erwähnte Verschiedenheit in den Oberarmknochen auf Rech-
nung zweier Arten zu bringen; nur machte ich die gegenthei-
lige Zusammenstellung. Da ich nämlich in den Sammlungen
zu Erlangen blos undurchbohrte Oberarmbeine fand, diese also
die ungleich häufigeren sind, so schien es mir weit wahrschein-
licher, selbige ‘mit den hochstirnigen Bären, die durchbohrten
dagegen mit ‚den flachstirnigen in Beziehung zu bringen.
Diese Umdeutung der Cuvier’schen Meinung schien durch
die späteren Entdeckungen von Knochenhöhlen in Belgien und
Frankreich eine grössere Bestätigung zu gewinnen. Schmer-
ling fand in den Höhlen von Lüttich keine durchbohrten Ober-
armbeine. -Christol'!) berichtet, dass unter den 400 Knochen,
die er von dieser Sorte in der Höhle von Aldene im südlichen
Frankreich fand, kein einziger durchbohrt war. Durch diese
Entdeckungen 'hätte meine Meinung an Evidenz gewinnen müs-
sen, wenn ich mich nicht selbst "bereits im Jahre 4831 von
ihr losgesagt hätte. ?) ‘Bei einer Besichtigung der Bärenske-
lete nämlich, die ich, der ich damals noch in Erlangen ange-
siedelt war, ‘bei Gelegenheit eines Besuches in der hiesigen
Sammlung vornahm, fand ich an einem derselben, das von ei-
nem alten Thiere des 7. arctos herrührte, ‚den linken Ober-
armknochen über dem innern' Condylus auf gleiche Weise wie
bei dem Löwen durchbohrt, während am rechten Oberarm des-
selben Individuums dieses Loch gänzlich fehlte. Hiermit war
demnach der Nachweis geliefert, dass in höchst seltenen Fäl-
len — ausser diesem ist bisher kein zweiter bekannt gewor-
den — auch bei denjenigen’ Bärenarten, welchen normalmässig
») Osteographie. 8. fascic. p. 9.
2) Isis 1831. 8.555.
35
das Loch am Oberarmbeine abgeht, ein solches sich als Ab-
normität einstellen, das Vorkommen desselben also keine spe-
eifische Trennung rechtfertigen könne. Aus der Seltenheit die-
ses Falles bei unsern lebenden Bären erklärt sich nun auch
die bei den Höhlenbären.
Am Knochengerüste des Rumpfes und der Gliedmaassen
lassen sich demnach zur specifischen Trennung der Höhlen-
bären von einander keine Merkmale erholen, und wir bleiben
in gedachter Beziehung lediglich auf die Vergleichung der Schä-
del beschränkt.
6. Vergleichung des Ursus spelaeus und arctoideus
mit dem U. arctos.
Nachdem wir uns über die Festsetzung der antediluviani-
schen Bärenarten aus den Knochenhöhlen verständigt haben,
bleibt uns nur noch die Erörterung ihres Verhältnisses zu dem
braunen Landbären (U.aretos) übrig, der einzigen Art, welche
bekanntlich in dieser Beziehung in Betracht kommen kamn.
Und zwar vergleichen wir zunächst den U. spelaeus mit unse-
rem lebenden Bären.
Es sind vorzüglich 3 Merkmale, welche Cuvier und an-
dere Naturforscher bewogen haben, den U. spelaeus vom U.
arctos zu sondern, nämlich 1) die überwiegende Grösse des
ersteren, die + bis 4 ausmacht; 2) der treppenartige Absatz,
in welchem bei ihm die Stirne von der Nasenfläche sich schei-
det, zugleich mit den ansehnlichen Stirnhöckern; 3) der Man-
gel der kleinen Lückenzähne.
Allen diesen Gründen spricht Blainville die Evidenz ab.
Gegen das erste Argument wendet er ein, dass man bei
den Höhlenbären Gelegenheit gehabt hätte, den grössten Schä-
del von einem Thiere auszuwählen, das im vollkommen freien
und unbehinderten Zustand leben und sonach zum Maximum
seiner Entwicklung gelangen konnte, während der grösste, von
Cuvier gemessene Schädel eines europäischen Bären von einem
Individuum herrührte, das in Gefangenschaft gehalten, seine
Kräfte nicht üben und erstarken konnte und demnach auch
nicht seine volle Ausbildung erreichte. Auch finde man, wie
er hinzusetzt, bei allen wildlebenden Thieren nach den Loka-
litäten ähnliche Differenzen.
3#
36
Es ist allerdings richtig, dass auch bei den wilden 'Thie-
ren ansehnliche Differenzen bei gleichalterigen Individuen einer
und derselben Art wahrgenommen werden; indess giebt es in
dieser Beziehung ein Maximum und Minimum, das nicht über-
schritten wird. Die Länge von 0,363-M., welche Cuvier als
Maximum für die in der pariser Sammlung befindlichen Schä-
del von U. arctos angiebt, wird ziemlich genau die höchste
Grösse für diese Art bezeichnen, da der grösste unter den
hiesigen Schädeln dasselbe Maass hat, ein weit älterer aber
nicht einmal diese Länge erreicht. Nun kann ich zwar nur
von dem einen unserer 3 Skelete die bestimmte Versicherung
geben, dass es von einem im wilden Zustande erlegten Thiere
herrühre; da aber im baierischen Walde und in den grossen
Salinenwaldungen um Traunstein von Zeit zu Zeit braune Bä-
ren erlegt werden — wie denn unsere drei ausgestopften Exem-
plare daselbst geschossen wurden — so ist mit grösster Wahr-
scheinlichkeit anzunehmen, dass auch die andern Skelete von
solchen Thieren abstammen.
Es ist mir überdies keine Angabe bekannt, welche dem
U. arctos eine grössere Schädellänge als die von Cuvier und
mir gemessene zuschriebe; auch Blainville weiss sich auf keine
solche zu beziehen. Die meisten Schädel aber bleiben hinter
diesem Maximum, zum Theil sehr erheblich, zurück.
Ganz anders ist es bei dem U. spelaeus. Die kleinsten
Schädel von diesem erreichen bereits das Maximum von de-
nen des braunen Bären, und solche kleine sind sehr selten.
Während bei diesem die Länge der Schädel von 11 bis 134,
höchstens 44” wechselt, varürt sie bei dem hochstirnigen Höh-
lenbären zwischen 14 — 18".
In dieser, an vielen Exemplaren ermittelten höchst an-
sehnlichen Grösse und Verschiedenheit darf aber der Zoolog
mit Recht eine speeifische Differenz zwischen beiderlei Thie-
ren suchen.
Das 2te Argument, von der gewaltigen Entwicklung der
Stirne u. s. w. hergenommen, sucht Blainville durch die Ver-
sicherung zu entkräften, dass es keinen Anatomen, der nur
ein wenig Physiolog wäre, gebe, der nicht wüsste, wie gross
die Differenzen in gedachten Beziehungen zwischen einem jun-
gen und einem erwachsenen, zumal alten, Individuum seien,
37
zwischen einem Männchen und einem Weibchen, und in dem-
selben Geschlechte zwischen einem kühnen und kräftigen und
einem schwächeren, verzagteren Individuum, was Alles mäch-
tig auf die Ausprägung der Schädelformen bei einer und der-
selben Art einwirke.
Hierauf ist zu erwiedern, dass wohl Niemand im: Ernste
die Meinung hegen wird, als ob etwa Cuvier mit solchen in-
dividuellen Differenzen und Einwirkungen nicht bekannt ge-
wesen wäre, und trotz dem hat er mit-grösster Bestimmtheit
sich für die specifische Trennung des Höhlenbären von unse-
ren lebenden Bären erklärt. In gleichem Falle mit diesem
grossen Vorgänger befinde ich mich auch, und die von Blain-
ville gemachte Erinnerung hat mich nicht im Mindesten zur
Änderung meiner Meinung bringen können, worüber ich mich
indess vollständig zu rechtfertigen hoffe.
Abgesehen von individuellen und sexuellen Differenzen,
sind weit die eingreifendsten Veränderungen, welche an einem
Schädel vorgehen können, diejenigen, die durch das Alter her-
vorgebracht werden; der wichtigste Zeitpunkt in dieser Bezie-
hung-ist der Zahnwechsel, von dem an die grössten Umände-
rungen erfolgen. Aber auch hier sind nach den verschiedenen
Gattungen und Arten diese von sehr verschiedenem Umfange
und in engere oder weitere Gränzen eingeschlossen. Bei un-
serem gemeinen Landbären liegt in der Jugend Stirn und Na-
senfläche in einer Flucht, indem jene allmälig in. diese über-
geht. Mit dem Alter erhebt sich die Stirnfläche etwas, so dass
ihr Vordertheil nicht mehr einen Theil des Bogens ausmacht,
‘ der vom Hinterhaupt bis an: das Schnauzenende sich erstreckt,
sondern ein wenig unterhalb: dieses Bogens abfällt; damit bleibt
jedoch die Stirnfläche platt, mit geringer oder kaum merk-
licher mittlerer Aushöhlung. Ganz anders ist es bei dem U.
spelaeus. Hier setzt auch bei den jüngsten Exemplaren, die
man kennt, die Stirne steil und treppenartig von der Nasen-
fläche ab, hoch über diese emporragend, ‘und die gewölbten
Stirnhügel sind bereits ansehnlich aufgetrieben. Mit dem Alter
werden diese Buckel grösser und der Zwischenraum zwischen
ihnen dadurch vertiefter. Ein Übergang von der platten Schä-
delform des gemeinen Bären zu den hoch- und gewölbtstirni-
gen des U, spelaeus ist gav nicht vorhanden; eine spezifische
38
Differenz also — wenn man anders Art - Verschiedenheiten
nicht ganz negiren will — nothwendig anzunehmen.
Es könnte jedoch scheinen, als ob in dem U. arctoideus
das Übergangsglied gegeben wäre, durch welche die Vereini-
gung des U. spelaeus und arctos zu einer Art vermittelt wer-
den dürfte; dies ist jedoch keineswegs der Fall. Nicht blos
ist der U. arctoideus von einer Grösse, welche der gemeine
Bär niemals erreicht, sondern die Stirne ist bei ihm noch im-
mer in einer Bestimmtheit von der Nasenfläche abgesetzt, wie
solches bei dem letzteren niemals gefunden wird.
Das 3te zu Gunsten der specifischen Selbstständigkeit des
U. spelneus aufgestellte Argument vom Fehlen der kleinen
Lückenzähne, erklärt Blainville. ebenfalls ohne Wichtigkeit,
weil dieses Ausfallen nur anzeige, dass es frühzeitig durch die
Entwicklung der Eckzähne veranlasst werde, überdies - ein
Merkmal, das auf einer veränderlichen Eigenthümlichkeit be-
ruhe, niemals ein speeifisches werden dürfe.
Wir können uns jedoch auch in diesem Punkte nicht: so
kurz abweisen lassen. Es ist allerdings richtig, dass der Man-
gel der Lückenzähne beim U. spelaeus und arctoideus kein ab-
soluter ist. Cuvier hat sie in etlichen Fällen gefunden, ‚Schmer-
ling !) ebenfalls, zweifelhaft habe ich ein Beispiel angeführt.
Dies sind aber vereinzelte höchst seltene Ausnahmen von der
allgemeinen Regel, denn in der grossen Menge von Kiefern,
die ich zu untersuchen Gelegenheit hatte, ist mir nichts: Ähn-
liches mehr vorgekommen. Ein Gleiches bezeugen Cuvier,
Schmerling, Goldfuss und andere Beobachter. Diese Kiefer
gehören aber den verschiedensten Alters-Perioden an: ganz
alten Individuen eben so gut als ganz jungen. — Völlig ver-
schieden von diesem Verhalten der Höhlenbären ist das vom
lebenden Bären. Hier ist das Vorkommen der Lückenzähne
die Regel, ihr Fehlen die Ausnahme; Letzteres nur mitunter
bei ganz alten Individuen; während sie bei jungen und mittel-
alten Thieren immer — wenigstens ihre Alveolen — vorhan-
den sind,
Hinsichtlich dieser kleinen Lückenzähne besteht demnach
zwischen den lebenden und den Höhlenbären der bedeutende
:) A. a,0. 8.120,
39
Unterschied, - dass, während: bei jenen alle Individuen damit
versehen sind und nur 'ganz alten der eine ‘oder andere ab-._
geht, bei diesen dagegen, den jungen Thieren so. gut als den
alten, die Lückenzähne oder ihre Alveolen gänzlich fehlen,
und nur ‘in’ ausserordentlich seltenen Fällen Spuren davon
wahrgenommen werden. Wenn demnach die Höhlenbären in
ihrer ‚frühesten Jugend ebenfalls sämmtlich mit diesen Lücken-
zähnen versehen gewesen sein sollten, worüber uns freilich
die nöthigen Thatsachen fehlen, so würde ihr Ausfallen, ja das
gänzliche Verschwinden ihrer Alveolen, bereits in einer Le-
bensperiode eintreten, in welcher bei dem lebenden Bären an
ein solches Verschwinden noch gar nicht zu denken ist.» Aus
diesem verschiedenartigen. Verhalten bei beiden 'Thieren. wird
man nun wohl nicht ohne gute Berechtigung auf eine speci-
fische Differenz derselben schliessen dürfen, zumal wenn an-
dere Merkmale von Belang, wie die eben angeführten, ' hin-
zukommen.
Was das Gerippe des Rumpfes und der Gliedmaassen an-
belangt, so besteht in dieser Beziehung zwischen den grossen
Höhlenbären und unserem braunen Bären im Allgemeinen eine
solche Übereinstimmung, dass die meisten Differenzen als in-
dividuelle sich deuten lassen. ' Eine Ausnahme hiervon machen
die Knochen der Mittelhand und des Mittelfusses, von welchen
Cuvier, Schmerling und ich gleichmässig angegeben haben,
dass sie beim Höhlenbären sämmtlich dieker und: doch dabei
kürzer als beim braunen Bären sind. Auch Blainville kann
dieses Verhalten nur bestätigen, und ich lege auf selbiges für
die speeifische Sonderung ein um so grösseres Gewicht, ‚als
gerade diese Knochen es sind, die am häufigsten gefunden
werden, daher das von ihnen hergenommene Merkmal mit der
grössten Sicherheit constatirt werden. konnte.
Am Becken des Höhlenbären, von dem die Universitäts-
Sammlnng in Erlangen als eine der grössten Seltenheiten' ein
vollständiges Exemplar besitzt, habe ich. die Bemerkung Be-
macht, dass der vordere oder Längsdurchmesser den der le-
benden Bärenarten um ein Beträchtliches übertrifft; ein Merk-
mal, das in Verbindung mit den übrigen wohl Beachtung
verdient.
Fassen wir alle die bisher erörterten Differenzen, die wir
40
zwischen den grossen Höhlenbären (dem U. spelaeus und
‚arctoideus) und dem braunen Bären (U. arctos) gefunden ha-
ben, zusammen, so fällt ihre Summe für mich so sehr ins
Gewicht, dass ich jetzt so wenig als früherhin anstehe, “mit
der bestimmtesten Überzeugung ihre speeifische Verschieden-
heit auszusprechen. Auch glaube ich in meiner Hoffnung nicht
getäuscht zu werden, dass der grösste Theil der Naturfor-
scher diese Meinung mit mir theilen wird.
7. Vergleichung des Ursus priscus mit dem
U. arctos,
Wenn es mir nicht schwer wurde, die speeifische Ver-
schiedenheit des U. spelaeus von unserem lebenden Bären
nachzuweisen, so ist dies nicht mehr bei dem U, priseus der
Fall. ‘Die Übereinstimmung in den Schädelformen dieser bei-
den letzteren ist so gross, dass die von Cuvier erwähnten
"Differenzen (minder abstehende Jochbögen bei U. priscus, brei-
terer Hirnkasten, längerer Zwischenraum zwischen Eck- und
Backenzähnen ete.) recht leicht noch in den Kreis individuel-
ler Abweichungen hineinfallen können. Das Exemplar des U.
priscus in der hiesigen Sammlung kommt durch "die gleich-
mässig gewölbte Dachung, welche von den Stirn- und Nasen-
beinen gebildet wird, ganz mit den jüngeren Schädeln des
braunen Bären überein, nur dass es diese an Grösse und na-
mentlich an Breite des Stirnbeines ansehnlich übertrifit. Seine
Grösse ist der des grössten alten Schädels vom U. arctos
gleich, obwohl er keineswegs von einem besonders alten Thiere
herrührt, wie dies der gute Zustand der Zähne, “die scharf
markirten Nähte und die nicht sonderlich entwickelten hinte-
ren Orbitalstacheln des Stirnbeins ausweisen. Das von Cuvier
und Goldfuss beschriebene Exemplar ist merklich kleiner, ob-
wohl es von einem älteren Thiere als das unserige herrührte;
solchen Differenzen ist nur ein individueller Werth beizulegen.
Was mir am hiesigen Schädel des U. priscus am meisten auf-
fällt, ist die ansehnliche Breite des Stirnbeins vor den Orbi-
talstacheln ; um so bemerkenswerther, als gedachtes Exemplar
von keinem sonderlich alten Thiere herrührt und also wohl
dieser Theil des Schädeldaches mit grösserem Alter durch die
vorschreitende Entwickelung der Stirnhöhlen an Ausdehnung‘
4
noch gewonnen hätte. Über den Abstand der Jochbögen kann
ich nichts sagen, da diese an unserem Schädel abgebrochen sind.
Obschon nun allerdings in den Schädelformen des U.
priscus keine solche markirten Differenzen hervortreten, wie
bei dem U. spelaeus, so möchte ich doch mit Cuvier und Gold-
fuss eher auf seine 'speeifische Differenz vom U. arctos als auf
specifische Gleichstellung mit diesem schliessen. Gerne ge-
stehe ich indess, dass ich mich in diesem Falle auf keine bün-
dige Beweisführung einlassen, sondern meine Meinung nur als
eine nicht unwahrscheinliche hinstellen kann.
Ein äusserlicher Umstand ist es, der mich in dieser An-
sieht bestärkt. So viel mir bekannt, ist bisher bei allen Schä-
deln vom U. spelaeus und arctoideus noch niemals der dazu
gehörige Unterkiefer anschliessend gefunden worden, In den
Sammlungen sieht man zwar häufig die Schädel mit Unterkie-
fern versehen; diese sind indess nur unter vielen losen nach
der entsprechenden Grösse der Schädel ausgewählt worden.
Bei dem von Cuvier und Goldfuss beschriebenen Exemplare,
so wie nicht minder bei dem unserigen, ist aber der Unter-
kiefer durch Tropfsteinmasse, und zwar ganz in seiner natür-
lichen Stellung, an den Schädel befestigt. ‘Dieser Umstand
erscheint mir nicht ohne Bedeutung. Wie ich meine, deutet
er auf eine ruhigere Ablagerung dieser Überreste als auf die
der grossen Höhlenbären hin, so dass U. spelaeus und priscus
wahrscheinlich nieht in gleichen Zeitperioden in den Höhlen
die letzte Ruhestätte fanden. Schade, dass man über die Ver-
hältnisse der Auffindung dieser wenigen Überreste des U.
priscus keine genaue Auskunft hat.
Blainville’s Meinung, als ob der U. priseus das weibliche,
wie der U. spelaeus minor das männliche Geschlecht der klei-
nern Varietät des U. spelaeus darstelle, entbehrt jeder Be-
gründung, da solche enorme Differenzen zwischen den Ge-
schlechtern an keiner unserer lebenden Bären-Arten vorkom-
men, also auch nicht bei den ausgestorbenen erwartet werden
dürfen,
8. Schluss,
Aus dem ‚ Vorstehenden . dürften ‚sich demnach folgende
Resultate ergeben:
42
1) Der eigentliche oder hochstirnige Höhlenbär (U. spe-
Iueus ), dessen Überreste in solcher Menge vorkommen, dass
dagegen die des U. arctoideus und priscus kaum zählen, ist
mit bestem Rechte für eine ganz besondere, von allen leben-
den verschiedene Art zu erklären.
2) Der U, arctoideus ist mit grösster Wahrscheinlichkeit
nur als das äusserste Extrem, bis zu welchem die Reihe der
Abänderungen von D. spelaeus verlaufen kann, anzusehen.
Bei seiner ausserordentlichen Seltenheit kann man ihn nicht
für die weibliche Form des U, spelaeus gelten lassen, da eines
Theils hiermit ein Missverhältniss in der Zahl der Geschlech-
ter vorausgesetzt werden müsste, wie es in der Natur nieht
vorkommt, anderntheils aber die sexuellen Verschiedenheiten
bei den wilden Thieren keine solche schroffen Differenzen in
den Schädelformen herbeiführen. Mit dem U, arctos wenig-
stens darf er in keiner Weise zusammengestellt werden.
3) Der D. priscus ist diejenige Art, welche dem braunen
Bären, sowohl durch Form als Grösse des Schädels, am
nächsten steht. Seine specifische Verschiedenheit vom letzte-
ren kann nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden, doch fin-
den sich allerdings Merkmale, welche eine solche vermuthen
lassen.
4) Der U. spelaeus und arctoideus gehören unter die aus-
gestorbenen Thierarten, deren. Vernichtung nicht vom Men-
schen ausgegangen, sondern durch eine gewaltige Katastrophe
herbeigeführt worden ist. Von welcher Art diese gewesen sein
dürfte, darüber giebt die gailenreuther Höhle bei Muggendorf
die meisten Aufschlüsse, wie ich dies schon an einem andern
Orte !) nachgewiesen habe.
ı) Vergl. meine Abhandlung: „über die fossilen Säugthier-
Überreste der Muggendorfer Höhlen, mit besondererBe-
rücksichtigung der geognostischen Verhältnisse ihrer
Lagerstätten“ (in den Münchner gel. Anzeig, Bd.IX. S. 988 u. £.).
Ich erlaube mir aus diesem Aufsatze nur kurz hervorzuhehen, was
ich daselbst ausführlicher über die Ursache, durch welche die Kno-
chen von Bären, Hyänen, Löwen u..a. Thieren in der gailenreuther
Höhle abgelagert wurden, beigebracht habe.
Hunter, Rosenmüller, Cuvier und Buckland sind nämlich der Mei-
nung, dass die Thiere, deren Überreste man in diesen und andern
43
Anatomische Untersuchungen über das javanische
Moschusthier.
Von
Ww von Rapp,
Prof. in Tübingen,
Hiezu Taf. II.
Verdauungswerkzeuge. Der vierfache Magen wird
als ein Merkmal angesehen, das allen Wiederkäuern zukommt;
aber diese Thiere zerfallen in Beziehung auf die Bildung des
Magens in zwei Abtheilungen. Es giebt Wiederkäuer mit drei
Magen. Dahin gehört das Lama, das Kameel, das javanische
Moschusthier (Moschus javanicus). Den genannten Thieren
fehlt der Blättermagen (der dritte Magen der übrigen Wieder-
käuer). Die Schlundrinne, welche von dem Ende der Speise-
röhre durch den zweiten Magen (den Netzmagen) sich in den
dritten Magen erstreckt bei den übrigen Wiederkäuern, mündet
ähnlichen Höhlen findet, viele Generationen hindurch in ihnen gelebt
haben und darin gestorben sind. Esper, Goldfuss und ich sind da-
gegen der Meinung, dass die Thiere eingeschwemmt wurden.
Wenn Buckland zu Gunsten seiner Ansicht sich auf die kirkdaler
Höhle berufen kann, so bestehen dagegen in der gailenreuther ganz
andere Verhältnisse, Hier ist 1) kein Knochen benagt oder zersplit-
tert, 2) in die untern Abtheilungen, wo die meisten Knochen: aufge-
häuft sind, kann man nur durch Leitern oder gefährliche Kletterver-
suche gelangen; 3) die Knochen sind nicht blos am Boden und in den
Seitenwänden vorfindlich, sondern höchst merkwürdiger Weise auch
in der Decke einer Grotte.
Unter solchen Verhältnissen scheint mir keine andere Annahme
zulässig als die, welche sich dahin ausspricht, dass jene grossen
Thiere in einer gewaltigen Überschwemmung ersäuft und ihre Leich-
name in die gailenreuther und andere benachbarte Höhlen einge-
schwemmt wurden; in erstere in solcher Menge, dass ein ganzes
Gewölbe damit erfüllt wurde.
4
beim Lama, Kameel, javanischen Moschusthier in den Labma-
gen (den letzten Magen). Bei dem javanischen Moschusthier
geht der zweite Magen (Netzmagen) unmittelbar in den Lab-
magen über. Es findet sich keine Spur eines Blättermagens.
Von der Voraussetzung ausgehend, dass den Wiederkäuern
vier Magen zukommen (Pansen, Netzmagen, Blättermagen oder
Buch, und Labmagen) haben Meckel, Emmert, E. Home und
andere dem Kameel auch vier Magen zugeschrieben, aber über
den Theil, der als Blättermagen (dritter Magen) anzusehen
sei, sind die Angaben verschieden. Emmert !) und E. Home ?)
geben an, auf den Netzmagen, der beim Kameel ähnliche tiefe
Zellen hat wie der Pansen dieses Thiers, folge ein sehr klei-
ner Magen, der Blättermagen. Es ist aber dieses der Anfang
des Labmagens. Der angebliche Blättermagen hat auf seiner
innern Oberfläche nicht die breiten Blätter, wie der. Blätter-
magen der Wiederkäuer mit vier Magen, auch. hat er nicht. das
dicke, stachlige Pflasterepithelium, vielmehr bildet die weiche
Schleimhaut weit aus einander stehende, schmale Falten, die
netzförmig mit einander verbunden sind, und dieser ‚engere
Theil geht nach und nach in den übrigen Labmagen über, von
dem er durch eine wenig auffallende Einschnürung getrennt
ist, vielmehr wird der Labmagen schnell dort weiter, wie über-
haupt sein Umfang an. verschiedenen Stellen verschieden ist.
In Beziehung auf den mikroskopischen Bau, von dem ich so-
gleich sprechen werde, unterscheidet sich diese kleinere Ab-
theilung nicht vom übrigen Labmagen. Dieser angebliche Blät-
termagen des Kameels und des Lamas ist, wie der Labmagen
der übrigen Wiederkäuer, ein Sekretionsorgan, was bei dem
Blättermagen der übrigen. Wiederkäuer nicht der Fall ist.
Meckel sieht den Labmagen des Kameels für den dritten Ma-
gen (Blättermagen) an. Es finden sich zwar auf der innern
Oberfläche Falten der Schleimhaut, welche der Länge nach
verlaufen, sie sind aber viel schmaler, weiter aus einander ste-
hend als die Blätter im dritten Magen der übrigen Wieder-
käuer, und gleichen ganz den Falten, die sich auch im Lab-
ı) Emmert, (Resp. Grundler), Diss. sistens de Gamelo dromeda-
rio observata quaedam anatomica. Tubingae 1817.
2) Comparative Anatomy. Vol. 1.
45
magen der meisten Wiederkäuer mit vier Magen, wie beim
Hirschgeschlecht, beim Schaf u.s. f. finden; auch stimmt die-
ser Magen in ‚seinem mikroskopischen Bau mit dem Labmagen
der übrigen Wiederkäuer überein. Da Meckel den Labmagen
des Kameels für den Blättermagen ansieht, so nimmt er eine
kleine Erweiterung, die der Labmagen kurz vor dem Pförtner
bildet, für den Labmagen; aber dieser Theil ist nicht wesent-
lich vom übrigen Labmagen verschieden. Auf gleiche Weise
deuten Cuvier und Duvernoy !) und Otto ?) den Magen ‘des
Lama, der mit dem des Kameels die grösste Ähnlichkeit zeigt.
Daubenton (bei Bufion) hat den verschiedenen Abtheilungen
des Magens des Kameels eine andere Deutung gegeben, und
schreibt diesem Thier fünf Magen zu, indem er den Anfang
des Labmagens für den Netzmagen hält, den grössern mittlern
Theil des Labmagens für den Blättermagen, und nur das Ende
des Labmagens als solchen annimmt. Den wahren Netzmagen
hält er für einen diesen Thieren eigenthümlichen fünften Ma-
gen. Brandt ?) nimmt beim Lama, das in Beziehung auf den
Magen mit dem Kameel die grösste Ähnlichkeit hat, drei Ma-
gen an. Er erklärt die darmförmig in die Länge gezogene
Abtheilung, die auf den Netzmagen folgt, und bis zum Pfört-
ner sich erstreckt, für Einen Magen (Labmagen), doch be-
merkt Brandt in einer Anmerkung, dass er den Anfang dieses
Magens für ein Analogon des Blättermagens der übrigen Wie-
derkäuer ansehen möchte.
Dem Kameel und Lama fehlt der Blättermagen ganz, und
diese Wiederkäuer haben, wie das javanische Moschusthier,
nur drei Magen, den Pansen, den Netzmagen und den Lab-
magen.
Der erste Magen (Pansen) des javanischen Moschusthiers
(Fig. 1.5...) ist sehr geräumig, durch breite Falten in drei
Beutel abgetheilt, auf der innern Oberfläche mit dichtstehen-
den, grossen, plattgedrückten Papillen besetzt (Fig. 2), die eben
so wenig als bei den übrigen Wiederkäuern blos vom Pflaster-
") Legons d’anatomie comparee. Seconde edition. Tom. IV,
Deuxieme partie.
?) Erläuterungstafeln zur vergleichenden Anatomie. Viertes Heft.
®) Anatomie des Lama. St. Petersburg. 1841.
46
epithelium ‚gebildet werden, sie haben nur eine Scheide vom
Epithelium. Der zweite Magen (Netzmagen) des Moschusthiers
(Fig. 1. c. e.) ist‘ viel kleiner als der erste, zeigt, wie bei den
Wiederkäuern mit vier Magen, die netzförmig hervorragen-
den, schmalen Falten auf der innern Oberfläche (Fig. 3.), und
ist mit Pflasterepithelium bedeckt. Die Schlundrinne führt durch
diesen Magen durch in den Labmagen. Der Blättermagen fehlt
vollständig. Der Labmagen ist in die Länge gezogen und un-
terscheidet sich vom Labmagen der übrigen Wiederkäuer durch
den Mangel der Falten. Er wird durch die Pförtnerklappe
vom Dünndarm getrennt. Die Schleimhaut‘ zeigt einen glei-
chen Bau, wie die Schleimhaut des Labmagens der “übrigen
Wiederkäuer, doch konnte ich beim Kameel: und Dromedar
diesen Bau deutlicher ausmitteln. Man erkennt schon bei ei-
ner 'mässigen Vergrösserung unzählige runde Öffnungen, die
in kleine Säckchen führen, welche senkrecht auf der Zellge-
webhaut stehen, die ganze Schleimhaut wird aus’ solchen Ab-
sonderungsorganen gebildet. Der zweite Magen der Delphine
zeigt, wie ich es schon längst an einem andern Orte beschrie-
ben habe, denselben Bau. Diese Zusammensetzung der innern
Haut des Labmagens kommt auch den übrigen Wiederkäuern
zu !). Für die Deutung der verschiedenen Abtheilungen des
Magens der Wiederkäuer ist jedoch der feinere Bau nicht ganz
bezeichnend. So hat der erste Magen des Kameels und des
Lama Haufen von viereckigen Zellen (sogenannte Wasserzel-
len), nach der ältern Meinung sollen sie dem Kameel dazu
dienen einen Vorrath von Wasser darin aufzubewahren; der
zweite Magen (Netzmagen) dieser Thiere besteht fast ganz aus
solchen Zellen, sie sind aber kleiner als im ersten Magen.
Das dicke Epithelium, das man leicht in einer zusammenhän-
genden Haut von diesen Magen abziehen kann, erstreckt sich
auch in diese Zellen, und kleidet im ersten Magen die klei-
nern ganz aus; aber die grössern sind nur an einem Theil
ihrer seitlichen Wände mit dem dicken Epithelium versehen,
dieses hört dann wie abgeschnitten auf, und der Grund der
Zelle besteht aus einer Schleimhaut, welche denselben Bau
hat, wie die Schleimhaut des Labmagens des Kameels und der
!) Purkinje, Bischoff, Pappenheim.
47
übrigen Wiederkäuer. Auch die Zellen des zweiten Magens
des Kameels zeigen diese Drüsenhaut. Man findet auf ihr auch
grössere, mit blossem Auge wahrzunehmende, zerstreute Schleim-
höhlen, die mit einer runden Mündung sich öffnen. Von die-
sen‘ spricht auch Brandt in seiner Anatomie des Lama. Ich
fand sie auch im Labmagen zerstreut zwischen den viel klei-
neren, senkrechten, dichtstehenden Säckchen. Die beiden er-
sten Magen des Kameels zeigen also an verschiedenen Stellen
einen ganz verschiedenen Bau.
Obgleich das javanische Moschusthier in manchen äussern
Merkmalen mit Moschus moschiferus viel Übereinstimmendes
zeigt, so ist doch die Bildung des Magens ganz abweichend.
Der erste Magen hat eine andere Gestalt, und der Blätterma-
gen (der dritte Magen) fehlt bei Moschus moschiferus nicht,
sondern stimmt ganz mit dem Blättermagen der Wiederkäuer
mit vier Magen überein, wie aus der Monographie, die man
Pallas verdankt, ersichtlich ist"). Meckel sagt ?) vom Magen
des Moschusthiers ohne weitere Beschreibung und ohne die
Species anzugeben, der dritte Magen sei sehr klein; der vierte
ganz rundlich, welche letzte Angabe auf Moschus javanieus
und Moschus moschiferus gar nicht passt, da dieser Magen auf:
fallend, fast wie beim Kameel und Lama in die Länge gezo-
gen ist. Home ?) erwähnt des Magens eines kleinen, ostindi-
schen Hirsches, dem der dritte Magen fehlen soll; es scheint
dieser Magen aber einem Moschusthier aus Ostindien anzuge-
hören; auch Owen *) vermuthet, dass dieser Magen (in der
Hunterschen Sammlung) von einem solchen Thier 'herstamme,
spricht aber doch von einem dritten Magen (Blättermagen),
der aber keine Blätter habe, und in einem rudimentären Zu-
stande sich befinde, doch scheine es, dass er eine Epidermis
gehabt habe.
Die Wiederkäuer zeichnen sich durch dieLänge des Darm-
kanals vor den meisten übrigen Säugthieren aus. Bei Moschus
‘) Pallas, Moschi historia naturalis. Spieilegia zoologica Fase.
XI, 1779,
?) System der vergleichenden Anatomie. Vierter Theil. S, 558.
®) Lectures on comperative anatomy. Vol.I. p, 66.
*) Deseriptive Catalogue. Vol. I. London 1833.
48
javanicus‘ beträgt übrigens, bei einer Länge des. Thiers 'von
16 Zoll, ‚die Länge des Dünndarms 94 par. Zoll, die Länge
des Dickdarms 424 Zoll, wovon 24 Zoll auf den Blinddarm
kommen; die Länge des ganzen Darmkanals beträgt also vom
Pförtner an 1364 Zoll. Das Verhältniss der Länge des Darm-
kanals zu der: Länge des Thiers ist also: wie 84 zu 1. Der
Umfang des: Dünndarms beträgt 5 Linien, der Umfang des
Blinddarms 2% Zoll, der Umfang des Colons 9 Linien. Die
Häute des Darmkanals, besonders des Dünndarms, sind sehr
zart, fast durchsichtig. Die Schleimhaut des Dünndarms- ist
mit spitzigen, nicht gedrängt stehenden Flocken sammtartig be-
setzt, doch: konnte man dieses nicht an allen Stellen wahrneh-
men. Die Schleimhaut des Dickdarms zeigt nichts Sammtarti-
ges. Die mit zahlreichen Drüsen besetzte Erweiterung am Ende
des Dünndarms, welche Pallas bei Moschus moschiferus be-
schreibt, findet sich nicht bei dem javanischen Moschusthier.
Die drei Speicheldrüsen an jeder Seite des Kopfes sind
gross, wie es überhaupt bei den Wiederkäuern der Fall ist.
Die Tonsillen unterscheiden sich von denen der übrigen Thiere
dieser Ordnung. Man findet nämlich eine 'einfache runde Öf-
nung auf jeder Seite, die in eine kleine Höhle führt, in der
man mehrere kleine Gruben wahrnimmt. Die Leber ist nicht
in Lappen getheilt.. An ihrer konkaven Fläche findet sich, dem
hintern Rande näher, eine zungenförmige Verlängerung, - die
sich mit der Spitze bis zu: dem vordern oder scharfen Rande
der Leber erstreckt. Die eiförmige Gallenblase ist nicht un-
mittelbar an die Leber angewachsen, sondern hängt mit der
konkaven Fläche derselben durch eine Falte des Bauchfells
zusammen. Der Duetus cysticus und hepaticeus sind sehr lang.
Der Ausführungsgang. der Bauchspeicheldrüse öffnet sich in den
Zwölffingerdarm etwa einen halben Zoll unter der Mündung
des Ductus choledochus.
Die Zunge ist schmal und man bemerkt auf ihr, ausser
den feinen fadenförmigen Warzen, viele zerstreute pilzförmige.
Die papilae vallatae sind eigenthümlich gestaltet. Es liegt näm-
lich auf jeder Seite der Zunge nur eine schmale, linienförmige
Warze, die sich vom Zungenrande einwärts und rückwärts er-
streckt, und mit einem verdickten Rande umgeben ist. Übri-
gens zeigt die Oberfläche der Zunge keine hornartige Spitzen,
49
die bei einigen andern Wiederkäuern vorkommen. Unter der
Zunge, parallel mit dem Rande derselben, bildet die Schleim-
haut auf jeder Seite eine Falte, die am freien Rande sägen-
förmig eingeschnitten ist.
Athmungswerkzeuge. Die Nasenhöhle hängt mit dem
vordern Theil der Mundhöhle durch einen Kanal (Jakobson-
sches Organ) zusammen, der am vordern Theil des Gaumens,
an der Seite einer dort befindlichen Warze, sich öfinet. Der
Kehldeckel hat an seinem freien Rande in der Mitte eine spit-
zige Verlängerung. Die untern Stimmritzenbänder sind nicht
stark und die Kehlkopfstaschen nicht tief. Die Schilddrüse be-
steht aus zwei seitlichen Lappen, welche vollständig von ein-
ander getrennt sind,
Die Luftröhre giebt, wie bei den übrigen Wiederkäuern,
zuerst einen Ast für die rechte Lunge und theilt sich dann in
zwei Äste, von denen einer zu jeder Lunge geht. Funfzig
Knorpelbogen tragen zur Bildung der Luftröhre bei bis zu
ihrer Theilung in den rechten und linken Luftröhrenast. Die
Bogen sind aber ziemlich unregelmässig, indem oft einer ga-
belförmig sich theilt. Die Lungen haben zwar einige flache
Einschnitte, sind aber nicht in Lappen getheilt; die rechte
Lunge ist grösser als die linke.
Die Gestalt des Herzens ist wie bei den übrigen Wie-
derkäuern; es enthält keinen Knochen. Aus dem Bogen der
Aorta kommen, wie beim Lama, zwei Arterien: Art. anonyma
und swbelavia sinistra, da sonst bei den Wiederkäuern die
Aorta in einen Truncus anonymus (aufsteigende Aorta) und
eine absteigende Aorta sich: theilt.
Männliche Fortpflanzungswerkzeuge u.Harn-
werkzeuge. Die Nieren sind nicht in Lappen getheilt und
enthalten im Innern nur Eine Nierenwarze. Die Blase ist eiför-
mig, sehr geräumig. Die Testikel haben ‚die Grösse einer
Bohne, sind eiförmig, nicht zusammengedrückt; das Corpus
Highmori ist nicht so stark ausgebildet als bei manchen an-
dern Wiederkäuern. Der Nebenhoden ragt mit seinem dicken
Ende etwas hervor. Der Ausführungsgang erweitert sich, wo
er an der Blase heruntergeht, und öffnet sich an einer läng-
lichen Hervorragung (caput gallinaginis) in der Harnröhre.
An der hintern Seite der Blase, neben dem Vas deferens, liegt
Archiv f. Naturgeschichte. IX, Jahrg. 1. Bd. 4
50
ein längliches, etwas gewundenes, hohles Organ, das man für
ein Samenbläschen halten könnte, aber es bleibt getrennt vom
Vas deferens, und. entspricht mehr einer Vorsteherdrüse. Die
Cowperschen Drüsen haben fast die Grösse einer Erbse. Der
Zellkörper der Ruthe hat im Innern keine Scheidewand. Der
Ruthenknochen fehlt wie bei den übrigen Wiederkäuern. Die
Glans endigt sich spiralförmig gewunden, und hat einen schma-
len, etwa 5 Zoll langen, rückwärts gerichteten Anhang von
fibrösem Gewebe. Das hintere Ende des Anhangs ist abste-
hend und durch eine Hautfalte mit der @/ans in Verbindung.
Von einem Moschusbeutel findet sich keine Spur.
Hautdrüse. Am Unterkiefer unter der Haut, hinter den
Schneidezähnen, beginnt beim javanischen Moschusthier ein
drüsichtes Organ, das über die Mitte des Unterkiefers rück-
wärts geht und fast die ganze Breite zwischen den beiden seit-
lichen Hälften dieses Knochens einnimmt. Das Ganze bildet
eine Hervorragung über die umgebenden Theile. Die Haut
ist, wo sie dieses Organ bedeckt, nur mit einzelnen, kurzen,
zerstreuten Haaren versehen und diese Stelle erscheint scharf
abgeschnitten gegen die umgebende Haut, die mit längeren,
weissen, ‚sehr dicht stehenden Haaren bedeckt ist. Das Organ
besteht aus einer Lage von weissen Säcken mit sehr dicken
Wandungen. Sie stehen senkrecht auf der innern Fläche der
Lederhaut, dicht gedrängt, und ihre Höhe beträgt über eine
halbe Linie. Jedes dieser Säckehen öffnet sich auf der Ober-
fläche durch eine kleine, runde Mündung, aus welcher ein
kurzes, weisses Haar hervorragt. Diese Drüsen sondern eine
fette Materie ab. Das Ganze besteht also aus einer Anhäu-
fung von Talgdrüsen.
Knochengerüste. Ohne eine ausführliche Beschreibung
der einzelnen Knochen zu geben, beschränke ich mich darauf,
das Merkwürdigere und Unterscheidende herauszuheben, be-
sonders die Unterschiede zwischen Moschus javanicus und
Moschus moschiferus.
Bei Moschus javanieus sind beide Augenhöhlen nur durch
ein äusserst dünnes, fast durchsichtiges Knochenblatt, welches
überdies nicht ganz vollständig ist, von einander getrennt.
Beide Sehnerven kommen aus der Schädelhöhle durch Eine
Öfinung hervor, die nur durch diese senkrechte, “vom Keil-
51
beine gebildete Scheidewand beider Augenhöhlen ausserhalb
der Schädelhöhle in zwei seitliche Hälften getrennt wird. Bei
Moschus moschiferus verhalten sich in der angegebenen Bezie-
hung die Augenhöhlen und die Sehnervenlöcher wie bei den
übrigen Säugthieren. Wie bei den Hirschen findet sich bei
Moschus moschiferus eine nicht durch Knochen geschlossene,
fast dreieckige Stelle zwischen dem Stirnbein, Nasenbein,
Oberkiefer und Thränenbein; bei Moschus javanicus aber
bleibt zwischen den genannten Knochen keine solche unver-
knöcherte Stelle. Das Loch im Thränenbein, der Anfang des
Thränenkanals, ist bei Moschus javanicus einfach, bei Moschus
moschiferus aber, wie bei den Hirschen, doppelt. Das Zwi-
schenkieferbein ist schwach, wie überhaupt bei solchen Säug-
thieren, die oben keine Schneidezähne haben. Die Stirnhöh-
len fehlen. Die Knochenblase (bulla ossea), die mit der Trom-
melhöhle in Verbindung steht, an der Schädelgrundfläche, ist
bei Moschus javanicus sehr gross, eiförmig und im Innern in
viele Zellen getheilt durch feine Knochenblättchen; bei Moschus
moschiferus ist die Knochenblase äusserst klein, wie einge-
schrumpft. Die beiden seitlichen Hälften des Unterkiefers blei-
ben bei den Moschusthieren das ganze Leben über getrennt.
Es finden sich unten acht Schneidezähne, oben fehlen sie
In Beziehung auf diese Zähne ist Moschus moschiferus von
Moschus javanicus wesentlich verschieden. Bei letzterem ist
der innerste Schneidezahn sehr breit mit schaufelförmiger Krone,
die folgenden sind äusserst schmal, der äusserste etwas abste-
hend vom dritten. Bei Moschus moschiferus dagegen sind alle
Schneidezähne fast von gleicher Form, schmal, und sie neh-
men von innen nach aussen sehr wenig an Grösse ab.
In den Eckzähnen spricht sich beim Moschusthier eine
auffallende Sexualverschiedenheit aus. Oben findet sich auf
jeder Seite ein sehr grosser, weit aus dem Munde hervorra-
gender Eckzahn mit abwärts gerichteter Spitze, den obern
Eckzahn des Wallrosses im Kleinen darstellend. Beim weib-
lichen Moschus moschiferus fehlen diese Zähne, Am Schädel
eines erwachsenen weiblichen Moschus moschiferus aus Sibirien
fand ich sie nicht. Doch kommen im vorgerücktern Alter
zwar Eckzähne zum Vorschein, bleiben aber dann sehr klein,
ragen nicht aus dem Munde hervor und stehen nicht fest (Pal-
4%*
52
las). Beim weiblichen Moschus javanieus sind dıe Eekzähne
klein, konisch. Die Eckzähne des männlichen Moschus java-
niceus divergiren mit ihren Spitzen, aber convergiren bei Mo-
schus moschiferus. Der hintere Rand ist messerförmig scharf.
Bei dem grössten von drei javanischen Moschusthieren , deren
Skelet ich untersuchte, ragte der Eckzahn 9% par. Linie aus
der Zahnhöhle des Oberkieferknochens hervor. Auf jeder Seite,
oben wie unten, sechs Backenzähne, die, wie bei andern Wie-
derkäuern, mit einer schwarzen Rinde überzogen sind.
Das javanische Moschusthier hat 7 Halswirbel, 13 Brust-
wirbel, 6 Lendenwirbel, 4 Kreuzwirbel und 13 Schwanzwirbel.
Das Brustbein besteht aus 7 Knochen (Wirbeln), dazu
kommt am hintern Ende ein breiter, schaufelförmiger Knorpel
(Schwertfortsatz). Von den dreizehn Rippenpaaren erreichen
acht mit ihren Knorpeln das Brustbein (wahre Rippen). Die
Rippenknorpel verknöchern frühzeitig. Das Schulterblatt hat
an seinem obern Rande, wie bei andern Wiederkäuern, eine
breite Knorpelplatte. Kein Schlüsselbein. Der Oberarm ver-
bindet sich mit der Una und ZRadius, die beide bis zu der
Handwurzel reichen. Es finden sich drei Mittelhandknochen.
Der mittlere entsteht aus zwei Röhrenknochen, wie bei den
übrigen Wiederkäuern, die beiden seitlichen Mittelhandknochen
sind sehr schmal, mit ihrem untern Ende verbinden sie sich
mit den Afterklauen; diese bestehen aus drei Phalangen, wie
auch die Finger. Das Becken ist sehr in die Länge gezogen
und das Zigamentum tuberoso-sacrum, vollständig verknöchert,
bildet einen Theil des Skelets, statt des Sitzbein- Ausschnitts
findet sich somit ein elliptisches Loch. Das Schenkelbein hat
den grossen und kleinen Rollhügel. Die Kniescheibe ist dick
und schmal. Von den andern Wiederkäuern unterscheidet sich
das Moschusthier durch die Anwesenheit eines Wadenbeins; es
ist sehr dünn und verschmilzt mit seinem obern und untern
Ende mit dem Schienbein, ‘so dass mit der Fusswurzel nur
noch das Schienbein sich verbindet. Der Mittelfuss zeigt die-
selbe Zusammensetzung wie die Mittelhand. Es ist ein dicker
Röhrenknochen, der durch eine Furche in zwei seitliche Hälften
geschieden ist, und an seiner innern und äussern Seite verläuft
ein sehr dünner Knochen, der die Afterklaue trägt. Diese ist
im Verhältniss zu den Phalangen der Zehen sehr klein.
re
53
Schon Duvernoy hat in der zweiten Ausgabe von Cuviers
vergleichender Anatomie bemerkt, dass das Blatt der Fascia
Zata, welches die Muskeln an der hintern Seite des Beckens
überzieht, verknöchert. Vom Hüftbeinkamm an erstreckt sich
an der hintern Seite des Beckens nach seiner ganzen Breite
‘ein dünnes, schildförmiges Knochenblatt bis zum Sitzbein-
höcker; es dient einem Theil des M. glutaeus medius und des
biceps femoris zur Befestigung. Auch das hintere Blatt der
Fascia lumbo-dorsalis enthält gegen das Becken hin einige
längliche, vorwärts und rückwärts gerichtete Knochenscheiben.
Diese verknöcherte Fascien gewähren den Muskeln feste In-
sertionspunkte, auch zeichnet sich das javanische Moschusthier
durch seine Schnelligkeit aus, obgleich es bald im Laufe er-
müden soll. ’
Moschus javanicus mit einigen weniger bekannten Arten,
welche Gray ') beschrieben hat, sollte als Subgenus von Mo-
schus moschiferus getrennt werden, unter dem Namen Tragu-
Zus, wie es Gray, nur auf äussere Merkmale Rücksicht neh-
mend, schon angenommen hat. Die wichtigern Unterschiede
von Moschus moschiferus sind folgende. Bei Tragulus sind
am Schädel die beiden Augenhöhlen nur durch ein dünnes
Knochenblatt von einander getrennt, die unverknöcherte Stelle
vor dem Stirnbein und Thränenbein fehlt; die Knochenblase
der Trommelhöhle ist gross und eiförmig. Der innerste Schneide-
zahn (erster Schneidezahn) ist sehr breit. Es fehlt ferner der
Blättermagen. Am Unterkiefer unter der Haut eine drüsigte
Stelle, welche auch schon Gray anführt. Die hintere Seite des
Mittelfusses ist nackt und schwielicht. Der Moschusbeutel fehlt.
Erklärung der Abbildungen.
Eig.1. Magen des javanischen Moschusthiers. a. Speise-
röhre, 5.5. b. Erster Magen (Pansen). c.c. Zweiter Magen
(Netzmagen). d. Die Schlundrinne. e. Der Labmagen. /. Über-
gang desselben in den Dünndarm. Diese Abbildung ist um
die Hälfte des Durchinessers verkleinert.
") Proceedings of the zoological Society of London. 1836, S. 63.
54
Fig.2. Ein Theil der innern, mit plattgedrückten Papillen
besetzten Oberfläche des ersten Magens. Um das Doppelte
vergrössert,
Eig 3. Ein Theil der innern, mit netzartigen Falten ver-
sehenen Oberfläche des zweiten Magens. Um das Doppelte
vergrössert,
Fernere Beobachtungen über die Copepoden des
Mittelmeeres.
Von
DE AH PIE
Hierzu Taf. III. u. IV.
Euchaeta n. gen.
Herr Prestandrea in Messina hat in den Efemeridi scien-
tifiche e letterarie per la Sicilia 1833. p. 12 unter dem Namen
Cyclops marinus eine Entomostracee des dortigen Meeres fol-
gendermaassen beschrieben: ‚Körper eiförmig, kirschroth, etwa
drei Linien lang, bestehend aus sechs Brustsegmenten, von
denen das letzte abgerundet ist, und vier, Bauchsegmenten,
welche plötzlich schmaler werden. ‚Der Kopf mit einem. spit-
zen, herabgekrümmten Schnabel; die oberen Fühlhörner
sehr lang, zwölfgliedrig, das erste Glied besteht aus vier klei-
neren, und das zweite-doppelt so lang wie das erste aus sechs;
sie sind noch ‘in ihrer ganzen Länge mit langen Filamenten
besetzt. Eigentliche Füsse (zu den Kauwerkzeugen gehörig),
jeder aus drei Gliedern bestehend, von denen das erste sehr
kurz ist; das erste (letzte) Paar ist viel grösser, und sein
letztes Glied wird von 8—10 haarförmigen Filamenten gebil-
det, welche sich aneinander legen, wenn das Thier aus dem
Wasser kommt und dem blossen Auge wie eine krumme Klaue
erscheinen. Vier Paar falscher Füsse, welche nach dem Schwanz
zu an Grösse wachsen, (die wahren Ruderfüsse). Das letzte
Segment des Hinterleibs ist in zwei Theile getheilt, von de-
»en jeder auf der äussern Seite drei Anhängsel, an der Spitze
55
aber einen vierten trägt, der länger ist als die oberen Füh-
ler; ‚alle borstenförmig und in eine Reihe gestellt. — Dies
Thier findet sich sehr häufig im März von den Wellen an
das Ufer von Messina ausgeworfen, aber ausschliesslich auf
dem Ufer des Braccio di San Rainiero. Es trägt zehn Eier
von blauer Farbe, die dem blossen Auge sichtbar sind.“ So
weit Herr Prestandrea; eine Figur ist nicht beigegeben.
Aus dieser Beschreibung ist es unmöglich, sich eine Idee
von dem sehr merkwürdigen Thierchen zu machen. Herr
Prestandrea hatte indess die Güte, mir bei meiner Anwesenheit
in Messina im Frühjahr 1839 mehrere getrocknete Exemplare
mitzutheilen, welche noch eine vollständige Untersuchung er-
laubten. Zwei derselben habe ich im Sommer desselben Jah-
res zergliedert, ein drittes kürzlich, als mir Zweifel aufgestos-
sen waren, ob das Thier verdiene, als selbstständiges Genus
aufgestellt zu werden.
Das Kopfbruststück des Thierchens ist 2” lang, etwas
über #'’ breit, der Schwanz etwa 2” lang, die Fühler und
die längere Schwanzborste etwas über 6”. Das Kopfbrust-
stück ist eiförmig, vorn zugespitzt und nach unten in einen
kleinen, spitzen Schnabel verlängert (Fig. B), und besteht
entschieden nur aus fünf Segmenten, nicht aus sechs, wie
bei Pontia, und wie Herr Prestandrea sagt. Es ist keineswegs
flach, wie bei Pontia, sondern zusammengedrückt, wie bei
Cyelops. Das vorderste Segment nimmt beinah zwei Fünftel
des Kopfbruststücks ein; die folgenden sind beinah gleich lang,
das letzte beim Weibchen abgerundet (Fig. B), beim Männ-
chen dagegen in der Mitte etwas ausgeschnitten und die Ecken
jederseits in eine Spitze verlängert (Fig. A) — bei Pontia at-
lantiea nach Milne Edwards sind umgekehrt beim Weibchen
die Ecken stärker verlängert. Der Hinterleib ist plötzlich
abgesetzt, walzenförmig, (bei Pontia platt), den dritten Theil
‚so breit wie das letzte Brustsegment, und kaum den dritten
;
Theil Jo lang wie das Kopfbruststück; viergliedrig beim Männ-
chen, dreigliedrig beim Weibchen, (beim Weibchen von Pon-
tia nur zweigliedrig). Das erste Glied ist doppelt so lang,
wie die folgenden, und trägt beim Weibchen unten eine zapfen-
artige Verlängerung (Fig.B.2), an welcher die einfache Eier-
blase sitzt. Das letzte Glied trägt zwei ovale Blättchen, au
56
deren Aussenrande je vier von aussen nach innen an Länge
zunehmende Borsten sitzen, die innersten länger als an irgend
einer mir bekannten Art von Copepoden,
Die obern Fühler sind ebenfalls erstaunlich lang und
bestehen aus etwa 15 Gliedern, (eine solche Theilung, wie sie
Herr Prestandrea beschreibt, sehe ich an den trockenen Exem-
plaren nicht, sie existirt vielleicht im Leben; ob bei dem
Männchen eine abweichende Bildung vorkomunt, kann ich nicht
sagen). Die ersten Glieder haben sehr lange Seitenborsten,
die folgenden weit kürzere Borsten, das Endglied trägt an der
Spitze drei kurze Borsten. Die untern Fühler sind: sehr
kurz, zweiästig (Fig. a), die beiden Äste ungleich; der
äussere Ast trägt auf einem längeren Grundgliede zwei ei-
förmige mit langen Borsten besetzte Glieder; der innere Ast
ist zweigliedrig; beide Glieder ziemlich gleich und ebenfalls
mit langen Borsten besetzt. — Bei Pontia sind sie ähnlich, der
innere Ast aber kürzer und weit schmaler. — Die Augen
sind an den getrockneten Exemplaren nicht deutlich zu sehn,
Es sind vier Paar Ruderfüsse vorhanden, eins an jedem
der hinteren Segmente des Kopfbruststücks; sie bestehen aus
einem zweigliedrigen Grundglied, wie bei Pontia, und zwei
Ästen. Beim Weibchen (ob auch beim Männchen kann ich
nicht sagen) ist das erste Paar etwas abweichend von den fol-
genden, nämlich die Äste sind weit kürzer, beide nur zwei-
gliedrig, der äussere Ast doppelt so lang wie der innere, sein
erstes Glied doppelt so lang wie das eiförmige Endglied; beim
innern Ast sind beide Glieder gleich und eiförmig. Bei den
folgenden drei Fusspaaren sind beide Äste ebenfalls sehr ‘un-
gleich; der kleine hat zwei ovale Glieder, welche den beiden
ersten Gliedern des grösseren gleich kommen, aber schmäler
sind und etwa 6 Borsten tragen; der grössere Ast hat noch
ein drittes Glied, ‚welches dreimal so lang als eins der vor-
hergehenden ist; alle drei zusammen zeigen nach vorn fünf
lange Sägezähne und haben hinten und an der Spitze sieben
Borsten, von denen die grösste, die Endborste, auf der einen
Seite kammförmig gewimpert erscheint. Der Stiel, welcher
bei allen‘ Fusspaaren gleich ist, trägt auf seinem längeren
Grundglied eine gefiederte Borste — (genau so sind die Ru-
derfüsse bei Pontia, der Zeichner hat aber bei Milne Edwards
57
den Fehler begangen, den äussern Ast fünfgliedrig darzu-
stellen). — Von dem fünften’ Fusspaar, welches bei Pontia so
sonderbar gebildet ist, ist keine Spur vorhanden. Schade,
dass M. Edward nicht angiebt, ob das erste Paar Ruderfüsse
auch auf dem zweiten Brustsegment sitzt, der Figur nach zu
urtheilen sollte man glauben, es sässe erst auf dem dritten,
was nicht wahrscheinlich ist. — Die beiden Lippen der Mund-
öffnungen habe ich nicht deutlich erkennen können, von den
übrigen Fresswerkzeugen Folgendes: 4) die Mandibeln; sie
sind sehr kräftig, vor der Spitze eingeschnürt, an der Spitze
abgestutzt und mit mehreren Zähnen besetzt, aussen mit einem
Taster, welcher ans einem blattförmigen Grundgliede und
einem blattartigen zweiten, kleineren, borstenartigen Gliede be-
steht, fast ganz wie bei Pontia (Fig. b). Die Anzahl. der
Endzähne ist mir verschieden vorgekommen, vermuthlich nach
der verschiedenen Lage des Organs unter dem Mikroskop;
2) einem, aus mehreren mit langen Borsten gewimperten Blät-
tern ‘bestehenden Organ, welches .fast ganz genau mit den „pa-
tes-mächoires de la premiere paire‘“ bei Pontia übereinstimmen
dürfte (Fig. e); 3) einem zweigästigen Kaufuss (Fig. d),
welcher ziemlich wohl mit den pates-mächoires de la seconde
paire bei Pontia übereinstimmt; 4) einem Kaufuss, welcher
ungemein kräftig ist, aus einem dicken, schräg abgestutzten
Grundglied besteht, welches am Ende vier mit langen, kamm-
förmigen Borsten besetzte Zapfen, und an seiner inneren Seite
auch noch einige solcher Zapfen, aber kleiner und mit federi-
gen Borsten besetzt trägt. Die Borsten sind nach vorn ge-
richtet, und es stimmt dies Organ also vollkommen mit dem
dritten Kaufuss von Pontia überein, nur dass hier zwei Zapfen
angegeben werden. So viel zeigt Euchaeta auch nur beim er-
sten Anblick, indem die zwei vorderen Zapfen die zwei hin-
teren decken, und so mag es sich auch wohl bei Pontia ver-
halten. Nun folgt aber 5) noch ein Paar Kaufüsse, welche
grösser sind als die Ruderfüsse, und eine sehr eigenthümliche
Bildung zeigen (Fig. e). Sie sind dreigliedrig; das erste
Glied trägt mehrere nach vorn gerichtete, federige Borsten.
Das zweite Glied ist doppelt so lang, nach vorn gerichtet, und
trägt auf seiner Unterseite mehrere Borsten; das dritte Glied,
kaum halb so lang wie das erste, ist nach hinten gekehrt und
58
mit vielen langen, gekrümmten, kammförmig gewimperten Bor-
sten besetzt, die zusammengelegt wie eine Klaue erscheinen.
Nichts dem Ähnliches findet sich bei Pontia. Wegen: der
zahlreichen, grossen, schönen Borsten habe ich dem Thier
den Namen Euchaeta gegeben. Die Aufstellung desselben als
neues Genus bedarf wohl keiner weiteren Rechtfertigung. Die
Unterschiede von Pontia sind in der Beschreibung überall an-
gegeben; Cetochilus unterscheidet sich von Pontia, indem das
dritte Paar Kaufüsse noch weniger entwickelt ist, und das
letzte Fusspaar (das fünfte, welches Euchaeta gänzlich fehlt)
den vorhergehenden ähnlich ist. Mit den andern Copepoden
kann Euchaeta nicht verwechselt werden; von allen unterschei-
det es sein viertes Paar Kaufüsse. Die einzige bisher bekannte
Art mag den Namen ihres Entdeckers führen und also
Euchaeta Prestandreae heissen.
Über Cyelopsina.
Milne Edwards stellt in ler hist. nat. des Crustaces vol. Ill.
p- 427 das Genus Öyclopsina auf und charakterisirt es also:
„Les antennes de la seconde paire sont bi-ramees comme chez
les Ponties, et les mandibules sont pourvues d’une branche
palpiforme tres- developpee et bifide au bout. Le corps est
aussi moins renfle en avant, que les Cyclopes; et on y distin-
gue cing segments bien separes de la tete, qui quelquefois
semble aussi &tre divisee en deux portions.“ Er rechnet da-
hin: 41) Cyelops castor, 2) Cyclops staphylinus, 3) Cyclops fur-
catus Baird (Mag. of zool. and bot. I. p. 330. tab. VIII. S.26— 28).
Diese Zusammenstellung ist ganz unbegreiflich. Die gene-
rischen Charaktere passen nur auf Öyelops castor; Cyclops
staphylinus oder minutus hat nicht zweiästige, sondern
zweigliedrige, einfache Fühler (nach Baird’s und meinen
eigenen Beobachtungen) und dasselbe ist der Fall mit C. fur-
catus.; Diese beiden Arten gehören in das von mir aufgestellte
Genus Nauplius.
Adya n. gen.
Den. 14. März 1839 bekam ich ein Exemplar in Palermo,
welches mir zwar keine vollständige Untersuchung gestattete,
jedoch viel Merkwürdiges darbot. Es war #'' lang, fast farb-
9
los, mit einem grünlichen Eiersack. Der Körper ist fast ganz
wie bei Cyclops oder Nauplius in Gestalt. Das Kopfbruststück
besteht aus fünf Segmenten. ‘Die obern Fühler sind so
lang wie die ersten zwei Segmente, und haben einen vier-
gliedrigen Stiel, der zwei Drittel der ganzen Länge einnimmt,
einen Borstenbüschel und eine mehrgliedrige kürzere Geissel
trägt. Die untern Fühler sind zweigliedrig, das erste Glied
mit einem breiten halbgefiederten Anhang, das Endglied mit
mehreren Borsten, von denen die längeren gekniet sind; sie
sind also ganz wie bei Nauplius. Es sind vier Paar Füsse
vorhanden, das erste Paar, abweichend und ähnlich wie bei
Nauplius, ging mir bei der Untersuchung verloren, die eigent-
liehen Ruderfüsse zeigen nichts Auffallendes. — Die Fress-
werkzeuge, so unvollständig mir ihre Untersuchung auch
nur gelang, sind sehr eigenthümlich. Ich fand drei Paar Kau-
füsse; das erste ist dreigliedrig, das Grundglied beinah eiför-
mig, das zweite Glied klein, fast kugelförmig, das dritte Glied
eine schwach gekrümmte Klaue (Fig. a). Ein zweites Paar,
länger und gestreckter, zweigliedrig, das erste Glied mit einer
Borste, das zweite eben so lang aber schlanker, am Ende mit
zwei Klauen (Fig.b). Das dritte Paar noch grösser, drei-
gliedrig; das zweite Glied etwas länger, als das erste; das
dritte Glied rautenförmig, mit regelmässig gekrümmten, an
Grösse nach hinten abnehmenden, an der Spitze mit einer
breiten Fläche besetzten Borsten versehn, die sich sehr son-
derbar ausnehmen (Fig. ce). Ein Paar falscher Füsse, aus
einem Grundglied und einer eiförmigen lang gewimperten
Schuppe bestehend, bedeckte den einfachen Eiersack. Die
Schuppe war nur so lang wie eins der Abdominalsegmente.
— Die eigenthümlichen Kaufüsse erscheinen hinreichend, um
diese Gattung von allen andern Copepoden zu unterscheiden.
Die Art habe ich als /dya barbigera bezeichnet.
Metis n. gen.
Im August habe ich einige Exemplare dieses kleinen Thier-
chens in Sorrent gefangen. Es war feuerroth und gehört zu
den kleinsten Copepoden. Der Körper ist ziemlich dick, das
erste Segment nimmt den dritten Theil der Körperlänge ein,
die drei folgenden Segmente tragen jedes ein Paar Ruderfüsse
60
und sind zusammen beinah so lang wie das Kopfsegment; der
Hinterleib oder Schwanz besteht aus fünf Segmenten, trägt die
gewöhnlichen zwei Schwanzzipfel mit ihren Borsten, von de-
nen die längste die Körperlänge erreicht. Die obern Füh-
ler (Fig. a) sind sehr kurz, kürzer als die untern. Sie be-
stehn aus einem kurzen, dicken, zweigliedrigen Stiel, das letzte
Glied ist unten in eine Spitze vorgezogen und trägt zwei
Geisseln, die obere viergliedrig, mit kurzem Endglied, das
zwei Borsten trägt, die untere zweigliedrig, nur so lang
als das erste Glied der grösseren, aber mit zwei langen End-
borsten; unter derselben steht noch eine einzelne Borste. Die
untern Fühler sind länger, zweigliedrig; beim ersten Glied
habe ich die gewöhnliche halbgefiederte Borste nicht wahrge-
nommen, das zweite Glied hat fünf kurze, dieke, zahnartige
Borsten. Das erste noch am Kopfsegment befestigte Fuss-
paar (Fig. b) ist sehr dick, namentlich das Grundglied, es
ist zweiästig; der grössere Ast dreigliedrig, die ersten Glie-
der mit dieken, zahnartigen Endborsten, das dritte Glied mit
drei dicken, zahnartigen, und zwei dünnen, feinen Borsten;
der kleinere Ast ist nur zweigliedrig, kaum länger als das
erste Glied des andern Astes. Die übrigen drei Paar Ru-
derfüsse zeigen nichts Abweichendes (Fig. ce); die beiden
Äste sind gleich, von mässiger Länge, beide dreigliedrig; die
beiden ersten Glieder des äussern Astes haben einen Enddorn,
das letzte Glied fünf Dornen, von denen zwei länger sind als
der Ast; beim innern Ast hat das erste Glied einen Bart statt
des Dorns, und das letzte Glied nur vier Dornen. Andere
Borsten und Wimpern fehlen. Die Afterfüsse, welche die
Eierblase bedecken, fehlen. — Die Untersuchung der Fress-
werkzeuge gelang mir bei der Kleinheit des Thiers und bei
den wenigen«Exemplaren, die mir zu Gebote standen, nur
unvollständig, mit Bestimmtheit habe ich nur ein Paar Kau-
füsse gesehn (Fig. d), welche fast genau wie bei Cyelops
quadricornis beschaffen sind. Ein eiförmiges Grundglied trägt
in verschiedener Höhe zwei andere kleine Glieder‘ deren je-
des zwei Klauen beim Ende hat; eine fünfte Klaue oder Borste
sitzt am Ursprung des höheren Gliedes. (Genau stimmt diese
Beschreibung nicht mit Jurine’s Darstellung bei Cyclops qua-
dricornis, allein dieselbe ist nach Baird zum grossen Theil aus
61
der Einbildung genommen; bis jetzt ist es mir auch nicht ge-
lungen, die Gliederung dieser Theile so scharf zu sehn, wie
sie Baird tab. IX. fig. b darstellt.) Ausserdem habe ich noch
einen gestielten zweigeisseligen gewimperten Taster (Fig. e)
gesehn, wie er bei Cyclops quadricornis, Psamathe und an-
dern Copepoden vorkommt. — Von Nauplius ist dies Genus
verschieden durch die Kaufüsse, den Mangel der Afterfüsse;
von Cyclops durch die zweiten Fühler, die abweichende Be-
schaffenheit des ersten Fusspaares. Die Art nenne ich Me:
tis ignea.
Aenippe n. gen.
Den 12. März 1839 fand ich im Seewasser, worin ich
andre Seethiere aufbewahrte, ein Weibchen mit Eiern; es war
-#"' lang, weisslich, fast farblos, die Eier violett. Das Thier
zeichnete sich schon bei sehr schwacher Vergrösserung durch
seine schlanke Gestalt und den sehr langen Schwanz aus,
welcher (ohne die beiden, mit den gewöhnlichen Endborsten
versehenen Spitzen) noch etwas länger als der übrige Körper
ist. Er ist sechsgliedrig und trägt einen einfachen Eiersack
am zweiten Gliede. Der Thorax besteht aus fünf Segmenten,
von denen das letzte keine Füsse trägt. Das Kopfsegment
ist kurz, wenig länger als die beiden folgenden zusammen,
und die obern Fühler sind ebenfalls kurz, dick, etwa acht-
gliedrig, und dadurch sehr ausgezeichnet, dass ausser den ge-
wöhnlichen Borsten die ersten fünf Glieder eine dicke, kamm-
förmig gefiederte Borste tragen. Die untern Fühler sind
kürzer, zweigliedrig, das Endglied mit mehreren langen zum
Theil geknieten Borsten besetzt; die halbgefiederte Borste des
ersten Gliedes habe ich nicht bemerkt. Es sind vier Paar
zweiästiger Ruderfüsse vorhanden, die nichts Besonderes
zeigen; beide Äste sind beinah gleich lang, dreigliedrig, die
Glieder auch gleich lang, an dem einen Ast jedoch schmäler
als an dem andern. Die Afterfüsse fehlten. — Die Unter-
suchung der Fresswerkzeuge gab auch hier ein unvollkomme-
nes Resultat. Ich sah ein Paar dreigliedriger Kaufüsse,
die Glieder ziemlich gleich lang, beinah walzenförmig, das
letzte mit zwei Klauen (Fig. a); ferner ein zweites Paar
Kaufüsse, viergliedrig, einem kurzen Fühler ähnlich. Das
62
erste Glied, gross, eiförmig, trägt einen blattartigen, gewim-
perten Taster, darauf folgen drei walzenförmige, allmälig an
Dicke abnehmende, am Ende borstentragende Glieder (Fig. b).
Die beiden mit c bezeichneten Organe blattartig, zweitheilig
oder zweigliedrig, das längere Glied am Ende borstig, sind
wohl die Maxillen; das mit d bezeichnete Organ, welches mit
zwei graden lanzettförmigen Blättchen endet, dürfte aber wohl
kaum die Mandibel sein. Ein ähnliches Organ habe ich bei
Idomene gesehn.
Die einzige Art nenne ich Jenippe cristata.
Oncaea n. gen.
Den 22. März 1839 habe ich in Palermo ein Exemplar
dieses zierlichen Thierchens, ein Männchen, untersucht. Es
war (ohne Fühler und Schwanzborsten) eine Linie lang; der
Thorax eiförmig, fünfgliedrig, und durch eine tiefe Einschnü-
rung scharf vom Schwanz geschieden; der Thorax war weiss,
glashell, der Schwanz und die Füsse bläulich, in Thorax und
Schwanz schimmerten die Eingeweide in Gestalt zweier schar-
lachrother Flecken durch. Das Kopfsegment nahm mehr als
den dritten Theil des Thorax ein; der Schwanz, aus sechs
Segmenten bestehend, zeichnete sich durch die bedeutende
Länge und Dicke des zweiten Segments aus, während das
dritte, vierte und fünfte zusammengenommen noch nicht ein
Mal so lang wie hoch waren. Das letzte trug wie gewöhnlich
zwei Zapfen mit Borsten, von denen die längsten die halbe
Schwanzlänge hatten. — Die oberen Fühler, von der Länge
des Kopfsegmentes, sind viergliedrig; das erste Glied ist ziem-
lich kurz, das zweite doppelt so lang, am obern Rande mit
entfernten langen Borsten besetzt; das dritte etwas länger und
schlanker als das zweite, kahl; das letzte länglich eiförmig,
vierborstig (Fig.a). Die untern Fühler? (Fig.b) sind eben
so lang und ebenfalls viergliedrig, die drei ersten Glieder
gleich lang, das erste beinah walzenförmig, das zweite nach
dem Ende stark verbreitert, das dritte dreieckig mit nach hin-
ten gekehrter Spitze; das Endglied ist kürzer, eiförmig, mit
vier nach vorn gerichteten Haken versehn. In meinem Tage-
buche habe ich bemerkt; „ist dieses Organ lieber zu den Fress-
werkzeugen zu rechnen?“ und jedenfalls erinnert es sehr an
63
den Kaufuss von Idya (auf der andern Seite ist aber auch eine
grosse Ähnlichkeit mit den untern Fühlern von Cyclops qua-
dricornis nicht zu verkennen). In diesem Fall wären mir die
zweiten Fühler entgangen. Es sind vier Paar zweiästiger Ru-
derfüsse vorhanden, an denen ich keinen Unterschied wahr-
genommen habe. Die Äste derselben sind dreigliedrig. gleich
lang, die beiden ersten Glieder sind gleich, kurz, das Endglied
reichlich so lang als eins der vorhergehenden, bei dem einen
Ast beiderseits mit starken Dornen gewimpert, bei dem an-
dern nur am Ende und auf der einen Seite mit Borsten be-
setzt (Fig. d). Afterfüsse sind nicht vorhanden. Als ich
dieFresswerkzeuge untersuchen wollte, fiel unglücklicher-
weise das Glastäfelchen herunter, und das Thierchen ging ver-
loren; ich kann daher nur den sehr grossen Kaufuss
(Fig. e) beschreiben. Derselbe ist dreigliedrig und zum Grei-
fen eingerichtet, wie bei so vielen Amphipoden und bei Nau-
plins. Das erste Glied ist schlank; das zweite Glied sehr
gross, eiförmig, aussen ziemlich grade, innen gewölbt, ge-
kerbt; das Endglied ist eine sichelförmige Klaue, — Wie un-
vollkommen meine Beobachtung auch geblieben ist, so. ist
doch so viel gewiss, dass das Thier zu keinem der übrigen
Copepoden-Geschlechter gehören kann, sondern ein Genus für
sich ausmachen muss.
Die Art nenne ich: Oncaea venustn.
Euryte n. gen.
Von dieser interessanten Art fand ich leider nur ein Exem-
plar am 9. Juli 1839 in Sorrent. Es war gelblich, die Mitte
des Thorax dunkler, braungelb; die Glieder des Hinterleibs
in der Mitte, und ebenso die Fühler in der Mitte schwärzlich.
Das Tliier lag auf dem Bauche, wodurch es an die plattge-
drückten Copepoden erinnert, ist aber schlank, wie ein auf
dem Bauche liegender Cyelops. Der Thorax hat fünf Seg-
mente. Das Kopfsegment, vorn abgerundet, an den Seiten
ziemlich grade, ist etwas länger als breit, die vier folgenden
Segmente sind zusammen eben so lang, und werden nach hinten
schmäler; der Schwanz ist etwas länger als das Kopfseg-
ment, hat fünf Segmente und endet mit zwei linealischen An-
hängseln, die fast länger sind als die drei letzten Schwanz-
64
segmente und vier Borsten getragen haben; die äussersten sind
sehr kurz, von den mittelsten sind nur ganz kurze Stummeln
vorhanden, und da dies an beiden Anhängseln gleichmässig
der Fall war, so möchte ich beinah bezweifeln, dass es für
eine blosse Verstümmelung zu halten sei. Jedenfalls ist die
lange Gestalt der Anhängsel sehr auffallend. DieobernFühl-
hörner sind ganz Cyclops-ähnlich, beinah so lang wie das
Kopfsegment, vielgliedrig und am Ende des dritten Gliedes
mit einem Büschel längerer Borsten versehn, wodurch offen-
bar eine Absonderung von Stiel und Geissel gegeben ist, in-
dem der Borstenbüschel die Stelle einer zweiten Geissel ein-
nimmt. Die inneren oder unteren Fühler sind ziemlich
kurz, zweigliedrig; das erste Glied mit einer (einfachen?) Borste,
das Endglied mit mehreren zum Theil geknieten Borsten. Es
sind vier Paar Ruderfüsse vorhanden (Fig. a) von gewöhn-
licher Bildung, zweiästig, die Äste dreigliedrig, gleich lang,
sehr gedrungen. Afterfüsse habe ich nicht gefunden. Von
Fresswerkzeugen habe ich nur folgendes gesehn; 4) einen
dreigliedrigen Kaufuss (Fig. a); das erste Glied ist breit,
beinah dreieckig, das zweite sehr klein, das dritte Jang und
endet mit zwei gekrümmten Klauen. Er hat also im Wesent-
lichen dieselbe Bildung, wie der eine Kaufuss von Idya. Ein
andrer Kaufuss? (Fig. c) erschien zweigliedrig, das zweite
Glied wie ein vierzähniger Kamm. Diese Bildung erinnert an
Euchaeta, nur dass an dem Ende der Zapfen keine Borsten
stehn, auch an Cyclops und Nauplius. Die Mandibel (Fig. d)
ist am Ende dreizähnig.
Die Art habe ich als Zuryte longicauda bezeichnet.
Idomene n. gen.
Den 21. Februar 1839 fing ich ein einzelnes Exemplar
in Neapel; es legte sich auf den Bauch, und ist auch in die-
ser Gestalt, vielleicht durch das darauf gelegte Glastäfelchen
etwas breiter gedrückt, ‚gezeichnet. Der Thorax ist allmälig
in den Schwanz verschmälert, und beide zeigen elf Segmente.
Das erste ist kurz, kaum so lang wie die drei folgenden;
das letzte trägt zwei Schwanzhängsel, so lang wie das Segment,
und mit kurzen, d.h. eben so langen Borsten besetzt. Die
obern Fühlhörner (Fig. a) sind kurz, nicht voll so lang
65
wie. das ‚erste Segment, und: bestehen, aus). sieben ‚Gliedern, von.
denen .die beiden ersten die ‚stärksten und innen. stark gewim-
pert sind. Noch kürzer sind‘ die, untern viergliedrigen
Fühler (Fig. b). ‘Die beiden ersten Glieder sind gleich lang,
ziemlich eylindrisch, das dritte Glied verkehrt dreieckig, ‚mit
der gekerbten, gewölbten Basis. nach. vorn, gekehrt, das ‚letzte
Glied kurz, quer, fast. rautenförmig, mit, vier .Borsten, besetzt.
Es sind vier Paar Ruderfüsse vorhanden, zweiästig, wie
gewöhnlich; die Äste dreigliedrig, mit-Borsten 'gewimpert;, das
dritte Glied der Äste ist fast. doppelt so lang als eins der vor-
hergehenden, und .der innere Ast, viel höher eingefügt ‚alsı der
äussere; ähnlich wie. bei Hersilia und Peltidium. ( Fig. e).. Af-
terfüsse (Fig. d), sind. vorhanden, verhältnissmässig. gross,
und. bestehend aus zwei Gliedern, ‘einem ziemlich schmalen
Grundglied und einem blattartigen , eiförmigen. Endglied, wel-
ches auf der innern Seite gewimpert, aussen und'an der Spitze
aber mit, vier. kräftigen Dornen oder Borsten besetzt ist, Von
Fresswerkzeugen sah ich 1).ein Paar Kaufüsse, deren Bil-
dung von. Cyelops und Metis nicht wesentlich verschieden sein
dürfte. Auf einem veiförmigen Grundgliede sah. ich..ein klei-
nes, ‚mit zwei Klauen und einigen Borsten besetztes Endglied,
und weiter unterhalb sass wahrscheinlich ‚ein unteres, ebenfalls
zwei.'/Klauen' tragendes Glied, ‚von. welchem, ich, wegen: der
Lage des Gegenstandes unter dem. Mikroskop, ‚nur, eine Klaue
deutlich sehen: konnte, ‚so. wie eine. gefiederte Borste,.(Fig..e);
2) Ein’ zweites Paar Kaufüsse, ‚den zweiten ‚‚Kaufüssen
(äussern :Mandibeln Baird), von Cyelops‘ ähnlich; 3) einen
dritten Kaufuss? (Fig. f), welcher mit zwei lanzettförmigen,
an einem Rande gesägten, lanzettförmigen Blättchen endet,
ähnlich wie bei Aenippe. Diese Form stimmt in der Bil-
dung der äussern und innern Fühler, der Kauwerkzeuge bis
auf das zangenähnliche Organ, und in der Zahl der Ruder
füsse mit Cyclops überein, weicht aber durch das Vorhanden-
sein sehr stark entwickelter Afterfüsse ab, daher ich sie nicht
habe mit Cyclops vereinigen wollen.
Die Art mag Jdomene forficata heissen.
Ungeachtet meine Beobachtungen bei /dya, Metis, Oncaea,
Aenippe, Idomene und Euryte nicht den gewünschten Grad von
Archiv f. Naturgesch. IX, Jahrg. 1, Bd, 5
66
Vollständigkeit erreicht haben, so sind sie immerhin genügend,
um zu beweisen, dass im Meer, ausser den bereits bekannten,
noch eine Menge Cyelops-ähnlicher Formen von sehr verschie-
dener Bildung vorkommen. Um diese Verschiedenheiten über-
sichtlich darzustellen, habe ich folgende Tabelle entworfen,
welche jedoch nur die Oyclops-ähnlichen Formen enthält, die
ganz flachen Genera dagegen: Sapphirina, Peltidium,, Hersilia
u s. w. ausschliesst. Diese drei Gattungen bilden nebst Por-
tia und Cetochilus die Familie der Pontieen bei Milne Edwards,
während derselbe aus Oyelops, Cyelopsina und Arpactieus (soll
wohl heissen Harpactieus) eine Familie der Monokeln macht.
Beide unterscheiden sich nur dadurch, dass die beiden Augen
bei den Pontien etwas deutlicher von einander getrennt sind,
als bei den Monokeln, ein Unterschied, der mir sehr unwe-
sentlich erscheint. Rechnet man dazu das vollkommen unge-
nügend charakterisirte Genus Cr/anus von Leach, so hat man
eine Übersicht aller der Formen von Copepoden, welche vor
meinen Untersuchungen 'als generisch verschieden aufgestellt
sind. Es bedarf wohl keiner weitern Auseinandersetzung, dass
Crustaceen, welche in der Bildung der Fühler, der Kaufüsse,
der Bildung und Zahl der Ruderfüsse, in dem Vorhandensein
oder Fehlen der Afterfüsse, (die, wie es scheint, zum Schutz
des Eiersackes vorhanden sind), u.s. w. wesentlich abweichen,
nicht mit einander in einem Genus vereinigt 'bleiben dürfen.
Die Verschiedenheiten, welche die genannten Organe bei den
Cyclopiden zeigen, treten anschaulich in der Tabelle hervor,
und halte ich es daher für überflüssig, sie noch besonders
hervorzuheben.
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68
Ich habe in dieser Tabelle absichtlich die beiden Gattun-
gen Calanus Leach und Arpacticus Milne Edwards ausgelas-
sen, weil ich beide für sehr ungenügend bekannt halten muss.
Calanus, von Leach nach dem Cyelops finmarchicus Z.ool. Dan.
prodr. aufgestellt, soll sich von Cyelops durch das Fehlen der
untern Fühler und die grosse Länge der obern unterscheiden.
Leach und Milne Edwards scheinen übersehn zu haben, dass
dieser C. finmarchicus Zool. Dan. prodr. von Müller später
in den Entomostraeis u. s. w. als O. longicornis aufgeführt und
abgebildet ist, auf dieser Abbildung glaube ich deutlich zwei
untere, zweigliedrige, am Ende mit geknieten Borsten besetzte
Fühler zu sehen, wie sie Nauplius, Euryte ete. haben. Die
beiden Schwanzzipfel sind sehr lang wie an Euryte, übrigens
ist das Thier zu unvollständig beschrieben, um in die Liste
der Copepoden aufgenommen zu werden.
Dasselbe gilt von Arpaeticus chauseica (sic!) Milne Ed-
wards hist. nat. des Crust. Ill. p.431. Dies Genus soll sich
von Oyelopsina lediglich unterscheiden dadurch, dass die hin-
teren Kaufüsse nicht aussehen wie de petites rames, sondern
se terminent par une petite main subcheliforme. Wir haben
oben gesehn, dass Milne Edwards zu Cyclopsina aber auch
den Cyelops minutus und C. furcatus Baird rechnet, bei wel-
chen auch der hintere Kaufuss so beschaffen ist, wie es M.
Edw. von Harpacticus angiebt. Wie die untern Fühler be-
schaffen sind, giebt dieser Gelehrte nicht an, ob zweiästig,
wie bei Oyelopsina castor, oder zweigliedrig, wie bei (y-
clopsina furcata und Nauplius. Eben so wenig erfahren wir,
ob der Thorax aus fünf Segmenten, wie bei Cyelopsina castor,
oder aus 4 Segmenten, wie bei Cyelopsina furcata, bestehe.
Ich glaube mich daher zu dem Ausspruch berechtigt, das Ge-
nus Arpactieus Milne Edwards sei zu unvollständig bekannt,
um eine Classification zu erlauben. Nach der Beschreibung
der obern Fühlhörner zu urtheilen, möchte ich dasselbe mit
Laophonte vereinigen.
Es bleiben uns also noch 13 Cyelops-ähnliche Copepoden
übrig, wie ich sie oben aufgeführt habe, unter denen Nauplius
das artenreichste Geschlecht ist. Es sind mir 44 Arten davon
bekannt, welche nach der Beschaffenheit des ersten Fusspaares
in vier Abtheilungen zerfallen.
69
l. Tridactyli: Beide Äste des ersten Fusspaares bestehen
aus drei Gliedern.
1. Nauplius minutus ©. Fr. Müller (Cyelops staphyli-
zus Jurine etc.)
Das erste Glied des längeren Astes kommt dem kürzeren
Aste gleich. Süsses Wasser.
II. Heterodactyli: der längere Ast des ersten Fusspaa-
res besteht aus zwei, der kürzere Ast aus drei Gliedern.
Leben, wie alle folgenden Abtheilungen, im Meer.
2. Nauplius Stroemäi (Cyeclops) Baird 1. c. p. 330.
Das erste Glied des längeren Astes ist so lang wie der
kürzere Ast und _walzenförmig ; das zweite Glied sehr kurz
und eiförmig. England.
3. Nauplius furcatus (Cyclops) Baird p. 330.
Der längere Ast anderthalbmal so lang wie der kürzere;
sein erstes Glied kurz, sein zweites drei Mal so lang, ‚sehr
dünn, mit einem hornartigen Fortsatz (einer Borste?). England.
Il. Didaetyli:- beide Äste des ersten Fusspaares bestehen
aus zwei Gliedern.
a) Setigeri. Das erste Glied des längeren Astes ist
mit einer, meist gefiederten, Borste besetzt; (das zweite Glied
des längeren Astes ist bei allen sehr kurz, kreisförmig, mit
2 Klauen besetzt.)
4. Nauplius isodactylus Ph. 4
‚ Beide Aste sind gleich lang und. ziemlich, gleich gebildet.
Das letzte Glied derselben ist klein, beinah kreisförmig. Sorrent.
5. Nauplius armatus Ph.
Der kürzere Ast ist kaum halb so lang wie der längere; beide
Glieder desselben gleich, vorn kanımförmig gewimpert. Sorrent.
6. Nauplius Gnatho Ph.
Der kürzere Ast ist halb so lang wie das erste Glied des
längeren, kahl, sein erstes Glied kürzer als das zweite. Sorrent,
7. Nauplius plumosus Ph.
Der kürzere Ast ist $ so lang wie das erste Glied des
längeren, sehr schmal, sein erstes Glied doppelt so lang wie
das zweite. Sorrent.
b) Achaeti, das erste Glied. des längeren Astes ohne
lange Borste in der Mitte des Hinterrandes.
70
8. Nauplius chelifer (Cyclops) 0, Fr. Müller?, Baird
p- 328.
Das erste Glied des kürzeren Astes so lang wie das erste
Glied des längeren, sein zweites Glied kugelig; das ‚zweite
Glied des längeren. so lang wie sein erstes. Nordsee,
9. Nauplius ceiliatus Ph,
Der kürzere Ast etwa 2 so lang wie das erste Glied des
längeren, eben so breit, sein erstes Glied kürzer als das zweite;
das erste Glied des längeren Astes dicht gewimpert auf
dem hintern Rande (dem N. Gnatho sehr ähnlich). Sorrent.
10. Nauplius rostratus Ph.
Der kürzere Ast kaum halb so lang wie das erste Glied
des längeren, sehr dünn; das erste Glied des längeren unbär-
tig. Sorrent.
411. Nauplius tenuipes Ph.
Der kürzere Ast fast so lang wie der längere sein er-
stes Glied kurz (alle diese sehr lang und dünn). Sorrent.
12. Nauplius purpureus Ph.
Der kürzere Ast fast so lang wie das erste Glied des
längeren; sein erstes Glied doppelt so lang wie das zweite
(die Afterfüsse klein, kurz'gewimpert). Sorrent.
IV. Monodactyli: der zweite Ast des: ersten Fusspaares
eingliedrig.
13. Nauplius gibbus Ph.
Ausgezeichnet durch gedrungene, halbkugelige Gestalt des
Thorax u. sehr kurze eiförmige Glieder der Ruderfüsse. Sorrent.
Zweifelhafte Form, indem das erste er nicht genau
beobachtet werden konnte, ist:
14. Nauplius sanguinews Ph,
Ausgezeichnet durch sehr grosse zweiblättrige Afterfüsse,
welche an Länge 3 Segmenten des Schwanzes gleich kommen.
Bei einer andern Gelegenheit denke ich meine Beobach-
tungen und Bemerkungen über die flachen, schildförmigen Co-
pepoden im Zusammenhang darzulegen.
Erklärung der Abbildungen
! Tab. 11.
Fig. 1. Aenippe eristata, vergrössert. «a. der zweite? Kaufuss;
b. der erste? Kaufuss; ce. Maxillen; d. Kaufuss? s. Fig. 4. f.
7
Fig. 2, Oncaea venusta, vergrössert; * natürliche Grösse, —
a. ein oberer Fühler; 5. ein unterer Fühler; ec. ein Kaufuss; d.
ein Ruderfuss.
Fig. 3. Buryte longicauda, stark vergrössert. «a. ein Ruderfuss;
6. ein Kaufuss (ähnlich Fig, 6. 6.); ce. ein anderer Kaufuss? d. eine
Mandibel.
Fig.4. /domene forficata, sehr vergrössert. a. ein oberer Füh-
ler; 6. ein unterer Fühler; c. ein Ruderfuss; d. ein Afterfuss;
e. ein Kaufuss; / ein Kaufuss? (ähnlich Fig. 1. d.).
Tab. IV.
Fig. 5. Euchaeta Prestandreae; * in natürlicher Grösse. 4.
ein Männchen stark vergrössert von oben; 3. ein Weibchen stark
vergrössert von der Seite. — a. Ein zweiter Fühler; 2. eine
Mandibel, fünfzähnig; 6’. eine Mandibel, dreizähnig (von einer an-
dern Seite gesehn?) mit ihrem Taster; c. Maxillen? erster Kau-
fuss nach Milne Edwards?; d. zweiter Kaufuss; e. dritter Kau-
fuss; f. vierter Kaufuss; g. Ruderfuss.
Fig. 6. /dya barbigera, stark vergrössert; a. erster Kaufuss; Ö.
zweiter Kaufuss (analog Fig.'3. 6); c. dritter Kaufuss.
Fig. 7. Metisignea, stark vergrössert; a. ein oberer Fühler; 2.
ein’ erster, abweichender Fuss; c. ein Ruderfuss; d. Kaufuss, ana-
log wie. bei Cyelops quadricornis; 'e. Palpe der Mandibel, eben-
falls wie bei Cyclops quadricornis.
Über das Geschlechtssystem und über die Harn
bereitenden Organe einiger Zwitterschnecken.
.
Von
Dr. Alexander Paasch.
u Hierzu Taf. V. Ä\
Es giebt vielleicht nicht viel Gegenstände in der verglei-
chenden Anatomie, die so häufig das Interesse der Naturfor-
scher angeregt haben, als die Geschlechtsorgane der Zwitter-
schnecken und deren Bedeutung. Schnell auf einander folg-
ten sich Arbeiten von den verschiedensten Forschern, aus den
verschiedensten Gegenden, und mit ihnen erschienen denn
auch die verschiedensten Ansichten über die physiologische Be-
72
deutung der Theile, die selbst bis in die neuesten Zeiten hin
sich erhielten. Auch meine Aufmerksamkeit wurde diesem Ge-
genstande zugewendet, und ich wünschte durch eigene Unter-
suchungen mir eine Meinung zu verschaffen. Wenn ich auch
nicht hoffen durfte, auf einem schon so vielfach beackerten
Felde noch etwas Neues zu finden, so schien es mir doch
nicht ganz nutzlos, durch eigene und. mit Liebe unternommene
Arbeiten, die vorhandenen gleichsam einer Revision zu un-
terwerfen. Um aber nicht durch irgend eine vorgefasste Mei-
nung bestochen und geleitet zu werden, schien es mir rathsam,
die Literatur noch unbeachtet zu lassen, und erst später,
wenn ich. meine Untersuchungen vollendet. hätte, die früheren
Arbeiten mit den 'meinigen zu vergleichen, und, ‘wenn sich
Abweichungen fänden, nochmals die Natur zu befragen. Auf
solche Weise hoffte ich am zweckmässigsten zum Ziele zu ge-
langen. — Ein zum Geschlechtsapparat gehöriges Organ nannte
Treviranus. Harnblase, weil er eine, Communication desselben
mit. der. Niere gefunden 'zu haben glaubte; da nun aber. diese
Communication in Wirklichkeit nicht besteht, so zog ich das
uropo&tische System sogleich mit in den Kreis meiner Unter-
suchungen, um zu zeigen, dass der Ausführungsgang der Niere
ganz wo anders liege. — Bei der nun folgenden Beschreibung
der zum Geschlechtssysteme gehörenden Organe, werde ich
diesen sogleich die Namen geben, die ich beizubehalten gedenke,
Gasteropodes pulmonati terrestres.
Helix pomatia. (Fig. 1.)
An der rechten Seite des Kopfes, ein wenig unter und
hinter dem grösseren Fühlhorn, bemerkt man eine Öflnung,
von welcher wir durch die Beobachtung wissen, dass es die
gemeinschaftliche Öffnung, sowohl der männlichen als weib-
lichen Geschlechts-Organe, sei; wir wissen ferner, welches der
hier mündenden Organe den männlichen, welches den weib-
lichen Geschlechts-Funetionen vorstehe; von hier aus werden
also unsere Untersuchungen beginnen. Öffnen wir dies Thier
vorsichtig von oben, so sehen wir, dass die zum Geschlechts-
Apparat gehörenden "Theile fast den ganzen vorderen Theil
der Körperhöhle, so weit sie unter dem Lungensack liegt,
einnehmen. — "Gehen wir nun in die oben bezeichnete Öf-
E 73
nung ein, @, so gelangen wir in eine mit vielen Längsfalten
versehene Höhle, in welche verschiedene Organe ihren Aus-
gaug nehmen, und welche während der Begattung ungestülpt
wird, den gemeinschaftlichen Geschlechtssack; — das
erste, von der Körperseite her einmindende Organ ist der
Penis, von welchem nachher; bald darauf tritt fast von der-
selben Seite ein anderes eigenthümliches, birnförmiges oder
länglich eiförmiges Organ, mit. dicken muskulösen Wänden,
ein, bursa hastae amatoriae, (Ab, Bb, Cb); die Höhle
dieses Organs ist mit einer nur locker anliegenden, längsge-
falteten Membran ausgekleidet, welche zwischen ihren Lamel-
len im Grunde der Höhle eine kegelförmige Drüse einschliesst,
die mit der Spitze der Öffnung des Sackes zugekehrt ist (0, @).
Bei erwachsenen Exemplaren stützt sich auf diese Drüse der
sogenannte Liebespfeil, ein eigenthümliches kalkiges Con-
crement, welches seinen Namen seiner Gestalt verdankt (D);
bei noch jungen Exemplaren ist die Membran so zusammen-
gefaltet, dass die Form des Sackes der Form des Liebes-
pfeiles entspricht. Die bursa hastae amatoriae tritt mit einer
Vorragung in den gemeinschaftlichen Geschlechtssack ein, so
jedoch, dass nur der vordere Rand der Öffnung gleichsam wie
mit einem Wall umgeben ist, der nach hinten in zwei Leisten
ausläuft (B,e). An dıesen Leisten bemerkt man 2 sehr kleine
Öffnungen (2, d), die Ausführungsgänge zweier Organe, glan-
dulae mucosae, die hier aus einem grossen Büschel von blind-
endenden Röhren bestehen (4, ce); die Zahl dieser blinden Ka-
nälchen ist nicht bestimmt. — Von dem hintersten Theile des
gemeinschaftlichen Geschlechtssackes fängt die vagina an (Je,
Be), die ebenfalls längsgefaltet ist; aus dieser entspringt so-
gleich wieder, mit einem etwas erweiterten Theile anfangend,
ein langer Kanal, der an seinem Ende eine rundliche Blase
trägt (4, /.f./.). Unter 26 Exemplaren fand ich bei einem
einzigen an diesem langen Kanal einen kurzen blinden An-
hang, der durch Zellgewebe an dem Eileiter festgehalten wurde.
Die Vagina (A, g) erweitert sich nach kurzem Verlauf zu ei-
nem viel weiteren, vielfach quergefalteten Schlauch, dem Ei-
leiter (A, A. h.), der an der einen Seite kürzer ist, so dass
der ganze Schlauch sich um diese kürzere Seite windet. An
dieser kürzeren Seite bemerken wir ein etwas auders gefärb-
74
tes, drüsiges, bandförmiges Organ, glandula prostatica (4, 2. ;,),
in. dessen Mitte man wiederum einen Streifen "unterscheiden
kann. ‚Öfinen wir den Eileiter, so bemerken wir über dem
Anfang. der glandula prostatica, an der Grenze zwischen Va-
gina und Oviduct, in einem von 2 Falten gebildeten Winkel,
eine. Öffnung, die in einen Kanal führt, der zur Spitze des
Penis läuft; von den genannten 2 Falten ist die eine breiter
und die andere. bedeckend (2, /), beide zusammen ‚stellen
einen Kanal dar, der über die glandula prostatica bis zum
andern Ende des Oviducts verläuft. Die Wände des Oviducts
sind ziemlich dick und von einer eigenthümlichen Beschaflen-
heit; lässt man sie etwas in Wasser liegen, so schwellen sie
24 einer schleimig-gelatinösen Masse auf. An die letzten Win-
dungen des Eileiters legt sich ein langes, ‚gelbes, zungenför-
miges Organ an (44), der;Eierstock; er ist an der einen Seite
convex, an.der andern Seite etwas concav, und hat etwa die
Consistenz der Leber anderer Thiere; im natürlichen Zustande
liegt er an der, der Columella zugekehrten Seite der Leber,
zwischen dieser und dem Bande, welches das Thier an die
Columella heftet. — Der Penis (42, 22) stellt einen, spindel-
förmigen Schlauch dar, der nach hinten in einen langen, blin-
den Fortsatz, flagellum (4, 2), ausläuft; er besteht aus 2 Häu-
ten, die äussere ist. eine feste, zähe und starke Haut, in wel-
cher man sowohl Längsfasern als Querfasern unterscheiden
kann; «die innere Membran liegt der äusseren nur locker an,
ist längs gefaltet, und bildet 2 grosse quere Zirkelfalten (2,
m,m), die mit ihrem freien Rande gegen den Ausgang des Pe-
nis in. den gemeinschaftlichen Geschlechtssack ‚sehen, wodurch
der spindelförmige Raum des Penis gleichsam in 3 Abtheilun-
gen getheilt wird. Aus der dritten Abtheilung, wo der Penis
sich zum Flagellum verschmälert, tritt. zur Seite ein Kanal her-
vor, vas deferens (4z, Br), welcher erst am Penis herabsteigt,
dann ‚aber umwendet, an die Vagina hinaufläuft, am An-
fang. der glandula prostatica diese durchbohrt, und sich zwi-
schen den. oben beschriebenen 2 Falten im Oviduct öffnet.
Auch im Penis liest die Öffnung des vas deferens zwischen
2 Falten. Etwas vor dem Austritt des vas deferens heftet
sich der Muskel an, der den Penis, wenn er ausgestülpt ist,
wieder zurückzieht (44); er entspringt vom Diaphragma, jener
15
museculösen Haut, ‚welche die Athemhöhle von der Körperhöhle
trennt... Verfolgen wir nun den‘ im Oyiduet zwischen den bei-
den Falten liegenden, Kanal, so werden wir. bis zur Grenze
des Oviducts und des Ovariums geleitet, hier führt, er, uns in
einen sehr feinen Kanal, den wir an. der. flachen Seite des
Ovarii hervortreten sehen (4 0), ‚dieser läuft, dem. Ovario ein-
gesenkt, etwas vorwärts, kehrt dann um, läuft ‘an sich ‚selbst
wieder herab _bis zu der Stelle, wo er hervorkam, verlässt
dann das Ovarium, erweitert sich, macht eine Menge dicht
an einander liegender Windungen (4p), läuft so an. der der
Columella zugekehrten Seite der Leber hinab, wird wiederum
sehr eng, verzweigt sich dann, und bildet durch. fortgesetzte
Verzweigungen ein aus einer grossen. Masse von Blind-
säckchen bestehendes, _ schmutzig weiss aussehendes Organ,
welches den letzten Windungen der, Leber, eingesenkt ist,
und theilweis von ihr umschlossen: wird (47). , Dies ist der
Hoden; den Ausführungsgang kann man Nebenhoden nennen,
denn seine Gestalt erinnert, wie schon. Swammerdam be-
merkt; 'einigermaassen an die Gestalt dieses Theiles ‚höherer
Thiere,
Bei Injectionen verhielt es. sich gleich, ob ich die Spritze
in. die Vagina oder in den Penis einsetzte, da die Injections-
masse in beiden Fällen in. den Oviduct, und von. hier aus wei-
ter gelangt... Es füllten sich die glandulae mucosae, einzelne
lobuli der glandula prostatica, die vorderen lobuli des Ova-
rium und der ‘dem Ovarium zunächst gelegene Theil des Aus-
führungsganges des Hodens. ‚Sie lehren also nicht viel. —
Mehr lernen wir durch die mieroseopische Untersuchung des
Inhaltes der Organe; diese unternahm ich mit einem Plöessl-
schen Instrumente, stellte aber keine genaueren Messungen an.
Im Hoden fand ich die scheinbar verschiedensten Bildungen:
1..Sehr kleine Körnchen, mit Molecular -Bewegung, deren
Durchmesser kaum dem vierten Theile des Durchmessers mensch-
licher Blutkörperchen ‚gleicht (1). 2. Sehr zarte Zellen, de-
ren Durchmesser den menschlichen ‚Blutkörperchen gleicht,
und eben solche, 3: und 4mal grössere, mit einem fein kör-
nigen Inhalt (2). 3. Eben solche Zellen mit einem deutlichen
Nucleus (3). 4. Zellen von derselben Grösse, auch wohl grösser,
die ganz mit solchen Körnchen erfüllt sind; wie ich unter 1.
76
beschrieben habe, mit und ohne Nucleus (4). 5. Grosse, schon
mit blossen Augen deutlich sichtbare, ovale Zellen, mehr oder
weniger dicht mit einem körnigen Inhalt erfüllt, darin liegt
ein helles Bläschen, welches wieder ein Bläschen als Kern
einschliesst. Diese Körper sind es, welche sogleich an Eier
erinnern, und welche auch von Vielen für Eier genommen
wurden. Ich habe diese Körper zwar Zellen genannt, allein
ich zweifle sehr, dass sie von einer Zellenmenibran umschlos-
sen sind; um die eingeschlossene Zelle mit Kern scheint viel-
mehr nur die körnige Masse durch eine gelatinöse Masse zu-
sammengehalten zu werden, die dann bisweilen am Rande
noch körnerlos und durchsichtig, einer Membran ähnlich, er-
scheint. ‘Beim Zerdrücken trennt sich die Masse in mehrere
Stücke, ohne dass man eine Membran zu sehen bekommt.
In einigen Fällen schien freilich eine Membran da zu sein,
wo aus einem gedrückten Körper der körnige Inhalt heraus-
quoll (5). 6. Solche Zellen, wie ich unter 4. beschrieb, die
sich aber nach einer Seite hin verlängern, und hier fein ge-
streift erscheinen (6). 7. Dichte und sehr lange Bündel sehr
feiner Fäden, in welchen man sogleich Saamenfäden erkennen
wird. Die Köpfe, wenn ich so sagen darf, liegen sämmtlich
nach einer Seite hin, um diese bemerkt man öfters noch eine
feine Menıbran, und zwischen ihnen feine Körnchen;; öfters
fehlt diese ganz, und die Köpfe weichen ein wenig aus ein-
ander; in andern Fällen liegen die Köpfe nah zusammen und
die Fäden wie ein Besen aus einander; bisweilen erhält man
auch eine solche Lage, dass man die Köpfe sternförmig, rings
um ein Bläschen gelagert sieht. In einzelnen jener dichten
langen Bündel bemerkte ich eine sanfte wellenförmige Bewe-
gung, die meisten lagen aber ganz ruhig. Unter 7. habe ich
versucht, einige dieser Formen abzubilden. 8. Fand ich ein-
zelne Saamenfaden, deren Köpfe dicker waren, wie an andern,
die Schwänze aber kürzer (8); an einzelnen zeigen sich auch
noch an den Schwänzen spindelförmige Anschwellungen. Aus-
serdem sieht man eine Masse freier Saamenfäden, die die leb-
haftesten Bewegungen machen, Ösen bilden u. dgl. So ver-
schieden auf den ersten Anblick diese Gebilde sind, so glaube
ich doch, dass man sie als verschiedene Entwicklungsstufen
der Saamenfaden betrachten darf. Die Zelle um die Köpfe
77
einzelner Bündel von Saamenfäden, die eingestreuten Körn-
chen, die nach einer Seite hin verlängerten Zellen, die Ähn-
lichkeit des Inhaltes der grösseren Zellen mit den kleinsten
unter 4. beschriebenen berechtigen uns wohl hierzu. Die un-
ter 8, beschriebenen Fäden fand ich nie in Bündel vereinigt,
immer nur einzeln zwischen den Körnchen der kleinsten Art,
aus denen sie sich vielleicht bilden. Im Ausführungsgange des
Hodens fand ich die Saamenfäden immer in dicht gedrängten
Haufen, dazwischen nur Zellen, wie ich sie unter 2. und 3.
beschrieben habe; niemals fand ich dazwischen jene grossen
unter 5. beschriebenen Zellen, was mir schon gegen jene An-
sicht zu streiten scheint, dass es Eier seien. — Die innere
Wand des Nebenhoden zeigt uns lebhafte Flimmerbewegung.
— Der Eierstock wird aus kleinen, runden, dicht aneinander-
liegenden acinis gebildet; in ihnen findet man stets sehr helle,
durchsichtige Bläschen, mit sehr scharfen Conturen, so dass
sie an Oeltröpfehen erinnern (9); sie sind nicht von bestimm-
ter Grösse, so gross wie Blutkörperchen, auch ‚grösser, und
schliessen öfters einen Nucleus ein. Mit dem Nucleus erscheint
aber auch meist ein sehr fein körniges Wesen, so dass sie
dann auch von ihrer Helligkeit verlieren, und jenen unter 2,
und 3. beschriebenen Zellen ähnlicher werden; öfters sieht man
auch mehrere solcher Zellen zu einer Kugel vereinigt, und
von einer gemeinschaftlichen Zelle umschlossen. — Im Oviduet
fand ich fast immer Saamenfäden, die sich entweder noch be-
wegten oder auch nicht. Die Wände bestehen aus runden,
dicht an einander liegenden lobulis, in denen man oft ‚ein
Fleckchen, wie einen Kern, wahrnimmt. Die inneren Seiten
der Wände des, Oviducts zeigen über der glandula_ prosta-
tica und in jenem Kanal lebhafte Flimmerbewegung. — Die
Blase (4, £) enthält eine körnige rothbraune, oder schmutzig
violette Masse, in welcher man unregelmässig gestaltete Kör-
perchen bemerkt, die an die Formen mancher Epithelium-
Plättchen erinnern; sie sind langgezogen keulenförmig, spatel-
förmig, bisweilen tief gespalten, enthalten einen Kern, sind
gefärbt oder ungefärbt. Oft, aber nicht immer, fand ich auch
Haufen von Saamenfäden mit eingemengt, die man aber leicht
übersehen kann, wenn man: nicht den ganzen Inhalt der Blase
durchsucht. Im Ausführungsgange der Blase fand ich öfters
78
eine weisse, halb harte, leicht zerbröckelnde Masse, die die
Form des Kanals hatte, besonders im Frühjahre. In den glan-
dulis mucosis findet sich eine zähe körnige Masse, die, in
Wasser gelegt, anschwillt, aus den Kanälen heraustritt, und
nun weiss, halb hart und’ bröcklicht aussieht.
Aın hinteren Theile des Daches der Athemhöhle, vom
vorderen Rande der Leber anfangend, bemerkt man ein gel-
bes Organ, in Form eines Janggezogenen ungleichseitigen Drei-
ecks, dessen kürzeste Seite der Leber, die längere linke Seite
dem Herzbeutel anliegt, und dessen längste rechte Seite dem
Mastdarm zugekehrt ist, und mit diesem etwa parallel verläuft;
dies ist die Niere. Öffnet man sie der Länge nach, so findet
man eine blättrige Structur, und zwischen den quer laufenden
Blättern einen gelben Inhalt, der dem Ansehen und der Con-
sistenz nach einem dicklichen Lehmwasser nicht unähnlich ist.
An der nach vorn gerichteten Spitze beginnt der Ausführungs-
gang, dieser läuft in Form, eines Bandes über den dem Mast-
darm zugekehrten Rand der Niere bis zur Leber, wendet sich
dann rechts, bis zum Mastdarm, dem er sich anlegt, und den
er fast bis zu seinem Ausführungsgange begleitet, wo man),
noch ‘innerhalb der Athemhöhle, ‘dicht vor der Öffnung des
Mastdarms, die Mündung findet. Dadurch, dass dieser Ausfüh-
rungsgang von der vordern bis hintern Spitze der Niere über
diese hinläuft, hat dieser Rand ein weniger gelbes, mehr wäss-
riges Ansehen. Die gelben Körnchen des Harns haben ein
sehr charakteristisches Ansehen, es sind runde, gelbe, wenig
durchscheinende Körnchen, von unbestimmter Grösse, die von
einer sehr hellen durchsichtigen Zelle umgeben sind, — Durch
die chemische Analyse fand ich in diesem Inhalt stets Harıısäure.
Helix nemoralis.
Wesentliche Verschiedenheiten von der Vorigen finden
sich nicht; alle sind nur Abweichungen der Form. — Die
bursa hastae amatoriae ist mehr keulenförmig und, im Ver-
hältniss zur Grösse der anderen Theile, sehr gross; der
Liebespfeil selbst hat eine andere Form, seine vier Schnei-
den laufen ‘nach ‘unten ganz allmälig ab, während sie "bei
Helix pomatia gerade unten am breitesten sind; am Rande
des untersten Theiles hängen noch, gewöhnlich 16, kleine Kalk-
79
stüuckchen wie Zähne an; diese sind durch ein Häutchen mit
einander verbunden, und bleiben leicht an der Drüse im Grunde
der bursa hängen, wenn man nicht sehr vorsichtig beim Her-
ausnehmen ist. Übrigens variirt auch er; die Schneiden sind
öfters wellig gebogen, durch ein zartes Häutchen verbunden ete.
Die glandulae mucosae bestehen immer nur aus einer kleinen
Anzahl langer Blindsäckchen, ihre Zahl ist indess, selbst bei
Exemplaren mit derselben Zeichnung, nicht bestimmt; meist
sind an einer Seite mehr wie an der andern, ich fand 1 u.
3, 2u. 3, 2u.2, 3u. 4. An dem Stiele der Blase, den ich
bei verschieden gezeichneten Exemplaren von verschiedener
Länge fand, fand ich stets jenen blinden Anhang, den ich bei
Helix pomatia als nur Einmal beobachtet angab; auch die
Länge dieses blinden Anhangs ist verschieden. Der Penis
ist länger und dünner als bei Helix pomatia, und im In-
nern ist meist nur Eine solche Zirkelfalte wie dort 2. — Im
gemeinschaftlichen Geschlechtssack, in der bursa hastae ama-
toriae, in den glandulis mucosis, im Ausführungsgange der
Blase, im Penis und im vas deferens findet sich ein bläulich
schwarzes Pigment, und um so mehr, je stärker die Binden
auf der Schaale sind; bei Exemplaren ganz ohne Binden fin-
det man an den genannten Orten auch nur äusserst wenig
Pigment,
Helix hortensis.
So wie diese schon äusserlich nur geringe Unterschei-
dungsmerkmale von der vorigen darbietet, so zeigen uns
auch die inneren. Theile nur unbedeutende Abweichungen.
Auffallend gross zeigten sich indessen gegen die nur kleine
bursa hastae amatoriae die glandulae muecosae; der ziemlich
starke Stamm jederseits theilt sich in 2 starke Äste, von denen
sich ein jeder noch einmal theilt, so dass sich an jeder Seite
ein viertheiliges Organ befindet. Alles übrige ist wie bei He
lix nemoralis.
Helix arbustorum. (Fig. Il.)
Diese weicht bedeutender ab. Der sacculus hastae ama-
toriae ist nur ‚klein, und weniger keulenförmig: der Lie-
s0
bespfeil ist ‚etwas gekrümmt, hat nur 2 Schneiden, die in Form
eines Myrtenblatts nur die Hälfte der Länge einnehmen; der
Stiel erweitert sich nach der Basis hin wieder etwas. , Die
glandulae mucosae stellen 2, der. bursa hastae amatoriae an
Dicke gleichkommende, und etwa 3- bis 4mal so. lange,
stielrunde, spitz zulaufende Schläuche dar. Der ‚Ausfüh-
rungsgang der Blase theilt sich, bald. nachdem er aus der Va-
gina ausgetreten ist, in 2 Kanäle, der dünnere legt sich so-
gleich an der einen Seite der glandula prostatica an, und
trägt die Blase; der stärkere ‚umkreist den Oviduct, legt
sich an der andern Seite der glandula prostatica an, und
endet blind; dieser Kanal wird durch eine schlaffe Membran
mit dem Oviduct verbunden, über welche, von dem Kanal an-
fangend, parallele Streifen, die aus einer körnigen Masse be-
stehen, gegen den Oviduct laufen; in demselben fand ich öf-
ters einen fadenförmigen, hornartigen, durchscheinenden ‚, et-
was elastischen Körper, an welchem nicht selten Samenfaden
hingen. Der im Oviduct zwischen den 2 Falten. verlaufende
Kanal scheint durch die glandula prostatica durch, so. dass
man ihn von Aussen deutlich sehen ‚kann. Der Penis,,be-
steht ebenfalls aus 2 Blättern, das innere Blatt hängt.in der
untern Hälfte dem äussern nur sehr locker an, und bildet, eine
grosse Querfalte, die an der einen Seite oflen ist; wo. diese
Falte dem äusseren Blatte anhängt, verengt sich der Penis
plötzlich etwas und läuft nun nach oben. conisch zu; an die-
sem Theil liegt das innere Blatt dem äusseren auch fester
an. Am Eingang zum Penis liegt ein ovaler Körper, von ei-
ner festen, zähen und fibrösen Beschaffenheit (y); dieser ist
mit einem Ende an die äussere Wand des Penis geheftet, und
bildet so eine Klappe, die bald im vorderen Theile des Penis,
bald im vorderen Theile der Vagina liegt. In der bursa hastae
amatoriae, in den glandulis mucosis, im Ausführungsgange der
Blase und im hintern Theile des penis findet man ein schwarz-
blauesPigment. Der Inhalt der Organe ist derselbe, wie bei
H. pomatia.
Arion empiricorum. . (Fig. Ill.)
Die Gattung Arion weicht von Helix nicht allein‘ durch
den Mangel des Gehäuses ab, auch im inneren Bau zeigen
si
sich mannigfache Verschiedenheiten. . Die äussere gemeinschaft:
liche Geschlechtsöffnung liegt, wie überhaupt bei allen unsern
Land-Lungenschnecken, an derselben Stelle, wie bei Helix.
Der gemeinschaftliche Geschlechtssack ist hier sehr gross, er
stellt einen weiten Sack vor (4, 5), in dessen Grunde die
Blase (£) und der Penis (/) neben einander münden; über die-
sen Mündungen (2,4) ist eine breite, fast ‚halbkreisförmige
Klappe angewachsen (2 »n), die mit ihrem freien Rande gegen
die Öffnung des Sackes gerichtet ist; auf dieser Klappe liegt
die Mündung der Vagina (2 c). Der Eingang zu diesem Sacke
ist mit einem drüsigen, gelben Gürtel, den äusseren Geschlechts-
drüsen, umgeben (2x). — Die Vagina (4g), der Oviduet
(AA), und die glandula prostatica (47) gleichen denen von
Helix; der Oviduet ist länger, und, besonders im vorderen
Theile, von einer dünneren Wand umgeben, die glandula pro-
statica ist breiter, und umfasst den Oviduet sehr weit. Hinten
an den Oviduct legt sich, wie beiHelix, das Ovarium an (4%),
welches aus vielen, locker gegen einander liegenden Lobulis be-
steht; hier hinein erstreckt sich eine Fortsetzung der Höhlung
des Oviducts. Der Penis (42) ist verhältnissmässig nur klein;
seine innere Fläche ist mit vielen Papillen bedeckt, zwischen
welchen an einer Seite eine Furche läuft, die man aussem-durch-
scheinen sieht. Ein Muskel zum Zurückziehen des ausgestülp-
ten Penis fehlt. Das Vas deferens (4), welches den Ausfüh-
rungsgang der Blase nicht umschnürt, wie es Verloren an-
giebt, tritt an derselben Stelle durch die glandula prostatica
in den Oviduct, und führt in einen ähnlichen Kanal wie bei
Helix; die Falten sind hier aber beide gleich, und legen sich
mit ihren freien Rändern neben einander. Zwischen Ovarium
und Oviduet tritt der Nebenhoden auf dieselbe Weise hervor,
wie ich es bei Helix beschrieben habe, läuft dann zwischen
den Lappen der Leber und zwischen den Darmschlingen hin-
- durch zum Hoden (Ar), welcher im hintersten Theile des Kör-
pers zwischen den Leberlappen liegt. Der Hode besteht aus
mehreren grösseren Haufen von Acinis, die durch eine schwärz-
liche Haut eingewickelt werden, er liegt daher nur lose zwi-
schen den Leberlappen, wird jedoch durch starke Blutgefässe,
die vom-Hoden zur Leber übertreten, in seiner Lage erhalten.
— Die Blase (4) ist ein grosser, ovaler, dünnhäutiger, fast
Archiv f. Naturgeschichte, IX, Jahrg, 1. Bd. 6
82
leerer Sack, auf welchem viele Blutgefässe verlaufen; der Aus-
führungsgang (4,f) ist nur kurz, hat aber dicke und museu-
löse Wände. Der Anfang der Vagina, der angrenzende Theil
des gemeinschaftlichen Geschlechtssackes und der Stiel der
Blase sind durch breite Muskelbündel an das Diaphragma ge-
heftet; in diesen glaubte Treviranus den Ausführungsgang der
Niere in die Blase gefunden zu haben. — Zur Begattung wird
der gemeinschaftliche Geschlechtssack umgestülpt, die beschrie-
benen Klappen beider Individuen bilden dann eine Scheide um
die ausgestülpten Penes. — Der Gattung Arion fehlen also:
die bursa hastae amatoriae, die glandulae mucosae, das Fla-
gellum und der Zurückziehemuskel des Penis; dagegen finden
sich die äusseren Geschlechtsdrüsen, der grosse gemeinschaft-
liche Geschlechtssack und die Klappe.
Injeetionen verhielten sich gerade so wie bei Helix. Eben
so wichen die Contenta der Organe kaum ab. Im Hodem fan-
den sich nächst den Saamenfaden die unter 1. beschriebenen
Körnchen mit Molecular-Bewegung am meisten, weniger die
unter 4. beschriebenen, und die unter 5. angeführten beob-
achtete ich gar nicht, weder im Frühjahr noch im Herbst.
Von den Saamenfadenbiündeln schlossen sehr viele zwischen
den etwas auseinanderweichenden Schwanzenden eine Menge
jener kleinen Körnchen ein; bei andern lagen diese in der
Mitte des Bündels und trieben dieses hier etwas auseinander;
wieder in andern Exemplaren lagen die Köpfe in einer Zelle
zusammen, die Schwänze aber sternförmig nach allen Rich-
tungen hin. Man findet indessen in verschiedenen Indivi-
duen immer wieder verschiedene Formen, und man würde sich
sehr täuschen, wenn man erwartete, in Einem Exemplare alle
jene Formen zu finden. — Der Inhalt und die Beschaffenheit ‘
der Wände des Nebenhodens, des Ovarii, des Oviducts wei-
chen von Helix nicht ab. — Die Blase enthält nur eine kleine
Menge einer dicklichen, ölähnlichen, dunkelbraunen Masse,
welche sehr kleine Körnchen enthält; Saamenfaden fand: ich
nicht darin. — Der in den äusseren Geschlechtsdrüsen ent-
haltene Saft enthält sehr kleine Körnchen mit Molecular-Be-
wegung.
Am Rücken des Thieres, unter dem Rückenschild, liegt
der nur kleine Lungensack, der sich fast in Form eines 2 Kreises
. 83
um das Herz und um die Niere herumzieht, und der an der
rechten Seite über der Geschlechtsöffnung seinen Eingang hat.
Den Ausführungsgang der Niere suchte ich lange vergebens;
da ich mich aber erinnerte, dass bei allen andern Gasteropo
den die Nieren sich nahe bei der Öffnung der Athemhöhle und
des Afters öffnen, so untersuchte ich diese Gegend genauer,
und fand dann endlich am obern Rande des Athemloches eine
Furche, die von der Afteröffnung anfıng; durch diese wurde
ich in einen Kanal geleitet, der über den Mastdarm fortlief
bis zur rechten Seite der Niere, an dieser lief er fort bis zum
hintern Rande der Niere, wo er sich in dieselbe einsenkte.
Das Innere der Niere zeigt uns denselben blättrigen Bau, wie
bei Helix, und auch der gelbe körnige Inhalt hat dasselbe
charakteristische Ansehen; es fanden sich darin noch helle
Zellen mit Kern, jedoch nur wenige, bei den Meisten war der
Kern schon halb durchsichtig oder vollkommen undurehsichtig
und gelb; in einigen war er klein, in andern füllte er die Zelle
beinahe ganz aus.
In Exemplaren, die ich im Juni und Juli sammelte, bei
Einigen auch noch im Anfang August, fand ich den Hoden
sehr gross und strotzend, den Oviduet dagegen und das Ova-
rium klein; Ende August sah ich den Hoden erschlaflt, das
Ovarium dagegen viel grösser, und die Wände des Oviducts
dicker. Es ist mir aber nie geglückt, ausgebildete Eier im
Innern des Thieres zu finden, so viel Exemplare ich auch
deshalb zergliederte.
Limax cinereus. (Fig. IV.)
Nach der grossen äusseren Ähnlichkeit der Gattungen Li-
max und Arion sollte man kaum solche Abweichungen erwar-
ten, wie wir sie bei der Section wirklich finden. An dersel-
ben Stelle wie beim Arion liegt auch hier die gemeinschaft-
liche Geschlechtsöffnung; gehen wir in dieselbe ein, so ver-
missen wir sogleich den grossen gemeinschaftlichen Geschlechts-
sack, die Klappe und die äusseren Geschlechtsdrüsen; der
Raum ist nicht viel weiter als erforderlich ist für die Aus-
gangsöffnungen der Vagina, der Blase und des Penis. Die
Vagina (g) wird von einer zarten längsgefalteten Haut gebil-
det; an diese schliesst sich mit sehr erweitertem Lumen und
6*
84
sehr, verdickten Wänden der Oviduct an (4), dieser ist im
vorderen Theile wenig gewunden und fast gar nicht quer ge-
faltet, im binteren Theile aber ist er sehr dicht und. kraus
quer gefaltet, und enger um die glandula prostatica gewun-
den. Auf den Oviduct folgt das Ovarium (4), welches die-
selbe Structur hat, wie bei Arion. Der Penis (/) stellt einen
langen, häutigen, cylinderförmigen Sack vor, in welchem an
den gegenüberliegenden Seiten 2 Muskelleisten, die eine län-
ger als die andere, verlaufen; im Grunde dieses Sackes öff-
net sich auf einer sehr kleinen Papille das Vas deferens (z),
neben welchem sich an der äusseren Seite der Muskel zum
Zurückziehen des Penis (g) ansetzt. Das Vas deferens läuft
am Penis herunter, steigt dann an der Vagina wieder in die
Höhe, und tritt in die glandula prostatica ein, die sich gleich
hierauf dem Oviduct anlegt, und diesen, wie bei den andern,
bis zum Ovarium begleitet. Das Vas deferens öflnet sich hier
also nicht im Oviduetus; dieser hat aber an der Seite, wo die
glandula prostatica sich anlegt, sehr dünne Wände, und wenn
man ihn öffnet, so sieht man das in der glandula prostatica
verlaufende Vas deferens durchscheinen (w). — Zwischen
Ovarium und glandula prostatiea tritt das Vas deferens auf die-
selbe Weise, wie früher beschrieben wurde, hervor, und läuft
als Nebenhode (9) zum Hoden (r), der hier zwischen den vor-
deren Lappen der Leber, von diesen ganz bedeckt, liegt; er
gleicht übrigens sehr dem Hoden von Arion, besteht aus meh-
reren grösseren Lappen, die gemeinschaftlich in eine ‚graue
Membran eingewickelt sind. Die Blase (/) ist ein kleiner läng-
lich runder Sack, mit kurzem, häutigem aber weitem Ausfüh-
rungsgange (5). Die glandula prostatica mit dem eingeschlos-
senen Vas deferens lässt sich vorn vom Oviduct lospräpari-
ren, weiter hin gelingt dies aber nicht ohne Zerreissung.
Durch Injection in den Penis füllte sich das Vas deferens
und einige Lobuli der glandula prostatica; ich konnte aber die
Masse nicht durch bis zum Hoden treiben. Durch Injection
in die Vagina füllte sich der Oviduct und der vordere Theil
des Ovarii.
Der Inhalt der Organe weicht durchaus nicht ab von dem
bei Arion; auch hier fand ich im Hoden niemals jene grossen,
bei Helix unter 5. beschriebenen Zellen.
55
Die Niere hat dieselbe Lage und denselben Bau wie
bei Arion.
Auch bei Limax war bei den Exemplaren, die ich im
Frühjahr öffnete, der Hoden gross und strotzend voll, das
Ovarium aber klein und die Wände des. Oviducts wenig ge-
schwollen. Später öffnete ich wiederum einige; jetzt fand ich
den Hoden schlaff, das Ovarium grösser, die Wände des Ovi-
ducts so dick angeschwollen, dass sie den grössten Theil der
vordern Körperhöhle einnahmen; sie hatten ein weisses, durch-
scheinendes Ansehen, und genauer betrachtet, bestanden sie
aus kugligen Schleimhäufchen. Anfangs glaubte ich Eier vor
mir zu haben, allein ich fand in diesen Schleimkugeln zwar
ein Fleckchen, aber keinen Dotter. In Wasser schwellen sie
in kurzer Zeit zu einer schleimigen, sich in lange Fäden zie-
henden Masse an.
Limax albus.
Dieser weicht vom Limax einereus wenig ab, seine be-
deutendere Grösse nacht ihn aber ganz besonders tauglich, die
Lage der Theile zu untersuchen. Auffallend ist der ausser-
ordentlich lange Penis; er wird von einem Sacke gebil-
det, der fast die Länge des Oviduets hat, an der einen Seite
läuft eine Muskelleiste hinauf, und um ‚diese windet sich der
bei weitem längere Sack, indem er sich in Querfalten legt;
er hat daher etwa das Ansehen des Oviduct mit der glandula
prostatica einer Helix. Die Continuität des Vas deferens mit
dem Nebenhoden tritt hier ebenfalls deutlicher hervor.
Beiläufig will ich hier die Bemerkung hinzufügen, dass
Limax albus auch ganz schwarz mit einem grünlich weissen
Rückenstreifen vorkommt; ich glaubte erst die gewöhnliche
schwarze Waldschnecke gefunden zu haben, bis eine nähere
Untersuchung mich eines andern belehrte. Später fand ich
auch Exemplare, die auf grünlich weissem Grunde grössere
schwarze Flecken hatten.
Succinea amphibia. (Fig V.)
Bei allen bisher beschriebenen Gattungen hatten die Ge-
sehlechts-Organe Einen gemeinschaftlichen Ausgang; hier liegen
die Ausgangsöfinungen des Penis und der Vagina dicht neben
86
einander in einer Grube an der rechten Seite des Kopfes («),
unter dem rechten Fühlhorn. Es ist gleichsam ein ofiener ge-
meinschaftlicher Geschlechtssack. — In die Vagina mündet
sogleich der sehr enge und nicht eben sehr lange Ausfüh-
rungsgang (f), der runden Blase (?), die Vagina selbst (g)
ist ziemlich lang, und enthält deutliche Längs- und Quer-
Muskelfasern;; sie erweitert sich dann plötzlich zum Oviduct,
der viele kurze, schwer zu verfolgende Windungen macht (4,4);
seine Wände haben ‘ein durchscheinendes, gelatinöses Ansehen,
und in Wasser weichen sie schnell zu einer schleimigen Masse
auf. Hinten an den Oviduct legt sich in Form einer abge-
stumpften dreiseitigen Pyramide das Ovarium an (4), welches
die Beschaffenheit desselben Organs von Helix hat. — Der
Penis (2) ist ein cylinderförmiger Schlauch, dessen zweite
Hälfte ein wenig enger ist, wie die erste; er besteht aus zwei
Häuten, die äussere ist fest und zähe, längsfaserig, die innere
ist Jängsgefaltet, und enthält viele Querfasern (2). Dieser
Schlauch verengt sich zum Vas deferens (z), und .an der Stelle
dieses Überganges sitzt der Zurückziehemuskel' (q). Das Vas
deferens steigt am Penis herab, an der Vagina wieder auf-
wärts, bis zum Anfang des Oviducts; hier flacht es sich et-
was ab, und ein rundliches, drüsiges Organ (2), welches nichts
anderes ist als die glandula prostatica, legt sich ihm an; jetzt
tritt das Vas deferens zwischen die Windungen des Oviducts,
und läuft gerade vorwärts bis zum Ovarium; hier schwillt es
etwas an (p') und tritt dann auf dieselbe Weise zwischen
Oviduet und Ovarium hervor, wie wir es bei Helix gesehen
haben. Nebenhode und Hode haben dieselbe Bildung und Lage
wie bei Helix. Injectionen sind mir nicht gelungen.
Auch im Hoden von Succinea fand ich jene eiähnlichen
Zellen nicht; ausser den Saamenfaden zeigten sich nur die ver-
schiedensten Formen von Zellen, grössere, kleinere, mit und
ohne Nucleus, aber auch mit 2 und selbst 3 Kernen; unre-
gelmässige und sich verlängernde körnige Körperchen u, s. w,
Die Niere hat dieselbe Lage wie bei Helix, allein eine
etwas andere Form; sie liegt in Form ‘eines breiten Bandes
vom Herzbeutel an, am vorderen Rande der Leber bis zum
Mastdarm an der rechten Seite; der Ausführungsgang fängt an
der linken vorderen Spitze an, läuft am vorderen Rande bis
87
zum Mastdarm, legt sich an diesen an, und öffnet sich dicht
an der Athemöflnung etwas vor der Afteröflnung. Der Inhalt
der Niere gleicht dem von Helix, es sind runde, gelbe, we-
nig durchscheinende Körnchen, von denen einige deutlich con-
eentrisch gestreift erscheinen, und einen dunkleren Kern ent-
halten; dann findet man Zellen, in denen der Kern schon un-
durchsichtig ist, in der Zelle selbst sieht man an der Zellen-
wand eine gelbliche Schicht, woraus hervorzugehen scheint,
dass die gelben Körnchen aus gewöhnlichen Zellen durch Ab-
lagerung eines Stoffes in denselben entstehen.
Succinea Pfeifferi.
Ich fand diese Schnecke in unzähliger Menge auf einer
grossen Wiese am Rande eines Sees in der Neumark, wo sie
sowohl im Grase und auf dem Sande am Ufer des Sees um-
herkroch, als auch in einigen Gräben, nach Art. der Ly-
mneen herumschwamm. Später fand ich sie auch bei Berlin
unter ähnlichen Verhältnissen ebenfalls in grossen Gesellschaf-
ten. Sie weicht aber von der S. amphibia durchaus nicht ab,
nur findet man das schwarze Pigment auch im Innern, z.B.
in den Häuten der Vagina, der glandula prostatica, beson-
ders aber in den Häuten des Nebenhoden, die durchaus schwarz
erscheinen.
‚Gasteropodes pulmonati fluviatiles.
Bei allen oben genannten Land-Lungenschnecken sahen wir
Eine gemeinschaftliche Geschlechtsöffnung, (bei Suceinea wa-
ren sie zwar schon getrennt, allein sie Jagen doch noch in
einer gemeinschaftlichen Grube), bei den nun folgenden Was-
ser-Lungenschnecken: verhält es sich anders; bei ihnen liegt
die Öffnung des Penis vorn am Kopfe, die Öffnung der Va-
gina an derselben Seite, aber weiter nach hinten, nicht fern
von der Öfinung des Afters, wo man sie gewöhnlich als ein
weisses Fleckchen sieht, indem der Schliessmuskel meist eine
weisse. Farbe hat.
Planorbis corneus. (Fig. VI.)
Beim Planorbis liegen die Geschlechtsöffinungen an. der
linken Seite, In die Vagina (g) mündet gleich vorn der nicht
88
eben lange Ausführungsgang (/) der Blase (2), welche eine
langgezogene birnförmige Gestalt hat, und von einer blau-
grauen Membran gebildet wird. Die Vagina erweitert sich
bald hierauf, und bildet einen weiten, oft sehr regelmässig in
Längsfalten gelegten Schlauch (g'), dessen Wände sehr dünn
und von lebhaft gelber Farbe sind. Da in diesem Schlauch .
die Eier wahrscheinlich eine Zeit lang liegen bleiben, und ih-
ren schleimigen Überzug bekommen, so könnte man ihn wolhl
Uterus nennen, wenn man bei eierlegenden Thieren überhaupt
von einem Uterus reden darf. Um diesen Schlauch legt sich
ein dickes, zweilappiges, drüsiges Organ ( A’ A’), welches sich
weiter hin verschmälert, und als Oviductus (%) mit mehreren
Windungen bis zum Ovarium (A) verläuft. Das Ovarium ist
ein ovaler, ein klein wenig breit gedrückter, rothbrauner, aus
sehr kleinen Acinis zusammengesetzter Körper, der mit dem
Oviduct nur durch ein feines Kanälchen zusammenhängt. —
Wenn wir in die männliche Geschlechtsöffnung (@) eingehen,
so kommen wir in einen häutigen, kreiselförmigen Sack, in
dessen Grund das Vas deferens eintritt; an dieser Stelle liegt
eine muskulöse Scheibe, von rundlicher gelappter Form («@),
in deren Mittelpunkt die Öffnung des Vas deferens sich befin-
det (8); vom Rande dieser Scheibe geht ein eigenthümlich ge-
formtes, fast knorpliges Organ aus (y), einem menschlichen
Penis nicht unähnlich, auf welchem eine Furche bis zur Spitze
verläuft, Im gewöhnlichen Zustande ist die Scheibe einfach
zusanımengelegt, so dass der knorplige Penis von der Fal-
tungsstelle anfängt; ist der Sack aber ausgestülpt, so legt sich
die Scheibe breit auseinander. So ausgestülpt sah ich diesen
Sack nur eininal, als ich, um einen Planorbis zu tödten, die-
sen in warmes, luftleeres Wasser geworfen, und das Gefäss
in der Sonne hatte stehen lassen; als ich das Gefäss berührte,
zog er ihn schnell zurück. Den Sack und die Scheibe könnte
man, als den wirklichen Penis umbüllende Theile, mit dem- -
selben Rechte Praeputium nennen, wie es beiLymnaeus schon
geschehen ist. Aussen am Sacke des Penis befinden sich 3
Muskeln, die denselben mit der Haut verbinden, der mittelste
heftet sich mit 2 Schenkeln an, zwischen welchen das Vas de-
ferens hindurch geht (g). Das Vas deferens (a), welches sehr
dicke, fast knorplige Wände hat, so dass der darin verlaufende
EEE
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Kanal sehr eng ist, läuft am Sacke des Penis herab, tritt an
der Basis desselben in die Muskelsubstanz der Haut ein, und
kommt neben der Vagina wieder zum Vorschein; es ist jetzt
der Vagina durch Bindegewebe angeheftet. An der Stelle, wo
die Vagina sich zum Uterus erweitert, sitzt dem Vas deferens
ein länglich-ovales drüsiges Organ auf (2), an dessen flacher,
dem Uterus zugekehrter Seite das Vas deferens verläuft; wei-
ter hin legt es sich dem Oviduetus sehr eng an, an welchem
man es bis zum Ovarium verfolgen kann. Die genannte ovale
Drüse ist wiederum die glandula prostatica. Dicht vor dem
Ovarium macht das Vas deferens eine kleine Biegung, und ent-
fernt sich dann als sehr feiner Kanal von demselben, indem es
an der der Columella zugekehrten Seite der Leber hinläuft;
allmälig bildet dieser Kanal kleine Blindsäckchen, diese meh-
ren sich weiter hin, und endlich entsteht durch Vervielfachung
dieser Blindsäckchen der längliche Hoden (r). Von der er-
wähnten Biegung des Vas deferens vor dem Ovario sieht man
eine häutige Verbindung zu letzterem hinübergehen; ob diese
aber einen Kanal einschliesse, davon konnte ich mich nicht
überzeugen. Der Hoden hat 2 Abtheilungen, die durch einen
engen Kanal mit einander in Verbindung stehen; der vordere
Theil sieht gelblich weiss aus, und lässt sich leicht von der
daran liegenden Leber ablösen, der hintere Theil aber hat ein
mehr graues Ansehen, und hängt mit der umgebenden Leber
so eng zusammen, dass ‘es unmöglich ist, ihn zu trennen,
Injectionen wollten nicht gelingen.
Im hinteren Theile des Hodens fand ich ausser Saamen-
faden, die entweder schon vereinzelt oder noch zu Bündeln
vereinigt waren, Zellen, wie ich sie unter 1., 2. und 3, be-
schrieben habe, dann aber mit blossen Augen schon deutlich
sichtbare, dottergelbe Kugeln, die ein helles Bläschen mit Kern
einschlossen, auch sind sie öfters noch mit einer hellen und
durchsichtigen Zone umgeben; bisweilen liegt das helle Bläs-
chen so mitten in der Kugel, und rings von gelben Körnchen
umgeben, dass man es nur als etwas durchsichtigeren Fleck
wahrnimmt. Von diesen Kugeln gilt dasselbe, was ich von
denen bei Helix pomatia gesagt habe; die helle durchsichtige
Zone ist keine Haut, sondern die von gelben Körnern freie
Bindemasse. Ausserdem findet man kleinere gelbe Kugeln,
90
ohne Bläschen mit Kern, und ohne helle Zone, Im vorderen
Theil ‚des Hodens findet man nur Saamenfaden in dicht ge-
drängten Haufen, dazwischen nur sparsam Zellen, wie sie un-
ter 1.u. 2. beschrieben wurden. Die Saamenfäden selbst wei-
chen etwas ab von den früheren; bei allen früheren ist das
Kopfende eine allmälig spindelförmig verdickte Stelle, die sich
nach vorn wieder zuspitzt, und die 2—3 ganz sanfte spiral-
förmige Biegungen macht, die Hauptbewegung ist auch eine
drehende um die Längsaxe, was man sehr deutlich erkennt,
wenn ein Faden eine oder einige Ösen geschlagen hat. Hier,
bei Planorbis, ist das Kopfende wie ein kleines Knöpfechen von
verkehrt birnförmiger Gestalt, so dass die Spitze nach vorn
sieht.
Die Athemhöhle, die sich ebenfalls an der linken Seite
öffnet, wird durch eine lange aus der Mitte der Decke vor-
springende Leiste der ganzen Länge nach in 2 Theile getheilt;
in dieser Leiste liegt die Niere, welche sich an der linken
Seite derselben‘ auf einem sehr kleinen Wärzchen öffnet.
Schneidet man sie der Länge nach auf, so findet man ein
blättriges Gefüge, zwischen den Blättern liegt die röthlich gelbe
Masse, die sich eben so verhält, wie bei Helix.
Lymnaeus stagnalis, (Fig. Vll.)
Die Geschlechtsöffnungen liegen an der rechten Seite an
den schon bezeichneten Orten. In die Vagina (g) mündet ganz
vorn der nieht sehr lange, enge Ausführungsgang () der fast
kugelrunden Blase (£). Die Vagina geht sehr bald in einen
dieken, gelben, ovalen Körper über, der sich nach vorn und
hinten verschmälert, von oben nach unten abgeflacht ist, und
an der unteren Seite eine Längsfurche hat (g’), er hat em
quer-blättriges Gefüge, und entsteht, indem die Wände der
Vagina sich stark verdicken, der Kanal derselben läuft also
in diesem Körper fort; man kann ihn Uterus nennen; dieser
setzt sich in einen kurzen, stielrunden Hals fort, der sich
wiederum, aber nur nach einer Seite hin zu einem runden,
dem Ansehen nach körnigen Organ erweitert (A’), aus des-
sen 'hinterem Theile der Oviduet (4) hervortritt, der in zier-
lichen, aber sehr schwer zu verfolgenden, Windungen zum Ova-
rium (4) geht, mit dem er durch einen sehr engen Kanal zu-
91
sammenhängt. Das Ovarium hat eine gelbe Farbe, besteht
aus sehr kleinen, dicht zusammenliegenden Aecinis, und ist
von derselben Consistenz, wie das Ovarium des Planorbis. —
Gehen wir in die männliche Geschlechtsößnung ein, so ge-
langen wir in einen langen cylinderförmigen Sack (/), der aus
einer derben, fasrigen Haut gebildet ist, und der von aussen
das Ansehen einer Wurst hat; im Innern dieses Sackes liegen
an 2 entgegengesetzten Seiten 2 drüsige, quer geriefte Lei-
sten, die von vorn bis zur Mitte ziemlich breit sind, von dort
bis zum Grunde des Sackes sich verschmälern; hier liegt zwi-
schen den Spitzen der genannten: Leisten eine kleine Papille,
auf welcher sich ein kleiner, keulenförmiger Schlauch, der
etwa 4 so lang als der beschriebene Sack ist, mimdet (2').
Bei der Begattung wird sowohl der grössere Sack, als der
kleine Schlauch ausgestülpt, aber nur der letztere wird in die
Vagina eingeführt, dies ist also der Penis; jener Sack, Prae-
putium, bildet dann ein breites, mit vielem Schleim bedecktes
Band. Das Praeputium wird durch viele Muskeln nach oben
und unten in seiner Lage gehalten, besonders heften sich an
die Spitze desselben 2 starke Muskelbündel, die es gegen den
Fuss ziehen; von diesen Muskelbündeln geht eins ab zur Spitze
des Penis, der aber ausserdem oft noch einen besondern Mus-
kel hat (q). Aus der Spitze des Penis entspringt das Vas
deferens, welches aus einer innnern Schicht Zirkelfasern und
einer äussern Schicht Längsfasern besteht, und bei der Vivi-
section sich vielfach windet; dies tritt, nachdem es viele Win-
dungen gemacht hat (z), dicht neben der Anheftungsstelle des
Praeputii in die Muskelschicht, verläuft in dieser bis zur Va-
gina, tritt dann hervor, und senkt sich in einen runden Be-
hälter (7), der am Anfange unter dem Uterus liegt, Die-
ser Behälter hat dicke, drüsige Wände, und im Innern viele
Längsfalten, die an der Eintrittsstelle des Vas deferens begin-
nen, und ihm ein regelmässig gefaltetes Ansehn geben (J);
er setzt sich nach hinten in einen häutigen Schlauch fort, der
ziemlich weit ist, und in der Furche an der unteren Seite des
Uterus liegt (2’). Aus dem hinteren Ende dieses Schlauches
tritt ein sehr enger Kanal in den Kanal über, der den Ovi-
duct mit dem Ovarium verbindet; hierauf verengt sich der
Schlauch plötzlich zu einem sehr engen Kanal (p), der an der
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Leber hinläuft, und, sich allmälig zu Blindsäckchen erweiternd,
zuletzt den Hoden bildet, welcher der Leber fest anhängend,
in dieser bis zur letzten Spitze verläuft (w).
Injecetionen versuchte ich gar nicht; wenn ich aber in den
runden Sack, in welchen das Vas deferens eintritt, Luft ein-
blies, so konnte ich diese einerseits in das Vas deferens- trei-
ben, andrerseits aber auch durch den Schlauch (z’) in das
Ovarium und in den Oviduct, wodurch man sich also von
dem Zusammenhang dieser Theile unzweideutig überzeugen kann.
Der Inhalt der Organe weicht nicht ab von dem der schon
beschriebenen; im Hoden fand ich nie jene eiähnlichen Zellen.
— Die Wände des Oviduets zeigen, sehr lebhafte Flimmerbe-
wegung. In der Blase fand ich sehr oft einzelne Häufchen
Saamenfäden.
An der rechten Seite des Herzbeutels, am vorderen Rande
der Leber, fängt die Niere an, die sich am Dache des Lun-
gensackes in Form eines breiten Bandes nach vorn zieht, und,
allmälig sich verschmälernd, in der Nähe des Athemloches auf
einer kleinen Papille sich öffnet. ° Der Inhalt liegt ebenfalls
zwischen quer laufenden Lamellen, und gleicht vollkommen dem
von Helix,
Lymnaeus palustris.
Weicht von L, stagnalis durchaus nicht ab; der Penis ist
im‘ Verhältniss zur Grösse des Praeputii, dessen Wände feiner
und die Leisten kleiner sind, etwas grösser, indem er etwa
halb so lang ist.
Lymnaeus auricularius.
Der Penis ist von der Länge des Praeputii, auch wohl
ein wenig länger.
Lymnaeus elongatus.
Der Penis ist beinahe so lang als das Praeputium, und
im Verhältniss zur Grösse des Thieres sehr dick.
Nachdem ich nun die Anatomie mehrerer und verschiede-
ner Zwitterschnecken so genau als möglich vorgelegt, und
den Inhalt ihrer Organe beschrieben habe, werde ich ver-
suchen, was sich daraus für Resultate ziehen lassen. — In
93
Bezug auf das System möchte sich wohl behaupten lassen,
dass die Gattung Arion wohlbegründet, und als solche mit
Recht von Limax zu trennen sei. Wir sehen ferner, dass
Limax von Helix entfernter steht, wie Arion, und dass Suc-
einea sich noch mehr von Helix entfernt, und schon den Über-
gang zu den Wasser-Lungenschnecken bildet, denn: der bei
Helix und Arion sich im Oviductus findende Kanal des Vas
deferens verschwindet schon bei Limax, die glandula prosta-
tica, die bei Helix, Arion und Limax die ganze Länge des
Oviduets hatte, ist bei Succinea auf eine kleine rundliche
Drüse am Anfange des Oviducts beschränkt; wenn wir bei He-
lix, Arion und Limax äusserlich nur Eine, Geschlechtsöffnung
wahrnehmen, so sehen wir bei Suceinea schon 2 dicht neben
einander, die sich bei Planorbis und Lymnaeus von einander
entfernen; auch der Aufenthalt der Suceinea am Rande der
Wässer und im Wasser selbst, scheint zu zeigen, dass Sue-
cinea die Mitte halte zwischen Land- und Wasser-Lungen-
schnecken. — Interessanter als dies erscheinen indessen die
Variationen der gleichbedeutenden Organe bei den verschiede-
nen Gattungen, und ihre übereinstimmende Lage gegeneinan-
der. Bei Allen sind der Anfang und das Ende beider Ge-
schlechtssysteme von einander getrennt, ihre mittleren Theile
aber mit einander verbunden, und es scheint hier selbst eine
Communication zwischen beiden Systemen statt zu finden, bei
Helix, Arion und Lymnaeus ist sie gewiss vorhanden, bei
Planorbis scheint sie da zu sein. Die auffallendsten Verschie-
denheiten zeigen sich an der glandula prostatica; so nannten
wir bei Helix das drüsige Organ, welches das Vas deferens
umgiebt und an den Oviduct heftet; bei Arion und Limax er-
kennen wir es sogleich und ohne Schwierigkeit wieder, denn
es hat noch fast dieselbe Form und Lage; bei Succinea aber
verändert es seine Form schon sehr, indem es dem Vas Je-
ferens nur auf eine kurze Strecke aufsitzt; ähnlich ist es bei
Planorbis, wo es nur grösser ist (die Drüse des Ruthenkanals
des Treviranus); sehr abweichend und kaum zu erkennen ist
es bei Lymnaeus, denn die Wände des runden Behälters, in
welchen das Vas deferens eintritt, und der darauf folgende
Schlauch (vorderer und hinterer Saamenbehälter des Trevira-
nus, vesieula seminalis des Stiebel) sind bestimmt nichts an-
94
deres als die glandula prostatica. — Den Oviductus fanden wir
bei Helix, Arion, Limax und Suecinea, aus mehr oder weni-
ger dicken, wie es scheint drüsigen, Wänden bestehend, die,
nach vorn zu dünner werdend, in die Vagina übergingen; bei
Planorbis und Lymnaeus finden wir ausserdem noch dicke,
drüsige Massen zwischen der Vagina und dem Oviduet, die
sich besonders bei Lymnaeus bemerkbar machen (Uterus und
glandula mucosa des Stiebel, Mutterdrüse des Treviranus). —
Die Blase ist bei Helix immer sehr lang gestielt, der Stiel,
oder vielmehr der Ausführungsgang, meist noch mit einem
blinden Anhang versehen; bei allen übrigen ist die Blase nur
kurz gestielt. — Das Ovarium wird schon durch die Lage
am Ende des Oviducts überall leicht wiedererkannt; Trevira-
nus nennt es gewöhnlich Mutterdrüse, bei Lymnaeus aber merk-
würdigerweise Hodendrüse, und braucht hier die Benennung
Mutterdrüse für die einseitige runde Anschwellung vor dem
Oviduct (4'). Für die bursa hastae amatoriae, die glandulae
mucosae und das Flagellum am Penis bei der Gattung Helix
findet sich bei den Andern nichts Analoges.
Von der Bedeutung der Theile, Über die Bedeu-
tung der zum Geschlechtsapparat gehörigen Theile haben be-
ständig die verschiedensten Meinungen geherrscht, und selbst
die erste Frage, welches der Hoden, welches der Eierstock
sei, ist noch bis heute keineswegs entschieden. Die ältern
Beobachter gaben uns schon eine ziemlich gute Anatomie,
allein ihre Ansichten über die Bedeutung der Organe waren
auf eine gewisse Willkür begründet, denn sie kannten noch
“nicht das Charakteristische der männlichen Saamenfeuchtigkeit,
die Saamenfäden; so sucht 2. B. Swammerdam den Hoden in
den glandulis mucosis, Lister in der Blase. Von den Neue-
ren sahen Cuvier den Hoden im Ovarium und in der glandula
prostatica, Wohnlich; der wie Swammerdam bei Helix poma-
tia den Hoden und Nebenhoden durchaus nicht zu deuten
weiss, in der glandula prostatica, Stiebel im Ovarium ete.
Als Ovarium nehmen Lister und Swammerdam (bei Limax und
den andern Helix-Arten) den Hoden, weil sie die dicht anein-
ander liegenden Blindsäckchen desselben für Eier hielten, aber
auch viele Neueren suchten in demselben den Eierstock. Von
Cuvier ab machten sich besonders drei Meinungen nach und nach
95
geltend; Cuvier nannte das Organ, welches wir als Hoden be-
zeichnet haben, Eierstock, das Ovarium dagegen mit der glan-
dula prostatica, Hoden, ihm folgten Oken, Stiebel, Deshayes,
Carus, Troschel und auch Wagner. Treviranus machte es
gerade umgekehrt, ihm folgte anfangs R. Wagner, -der später
aber, durch Carus Beobachtungen geleitet, zu Cuvier’s An-
sicht übertrat, ferner Prevost, Brandt und Ratzeburg, Ver-
loren. In neuester Zeit tritt die Ansicht mehr und mehr her-
vor, dass im Hoden sowohl Hoden als Eierstock enthalten sei;
dieser Ansicht scheinen Wagner und v. Siebold ( Wiegmann’s
Archiv 1836, pag. 370, und 1837, pag 51) zu huldigen.
In dem Organe, welches Treviranus zuerst Hoden nannte,
finden sich stets Saamenfäden und alle Bildungsstufen dersel-
ben, so dass man deutlich erkennt, sie werden hier gebildet.
Letzteres wies Kölliker bei Planorbis und Lymnaeus nach,
ich selbst verfolgte ihre Entwickelung bei allen vorher genann-
ten Arten. Es möchte daher wohl keinem Zweifel unterwor-
fen sein, dass in diesem Organ wirklich der Hode zu suchen
sei. Nun finden sich bei Helix und bei Planorbis in demsel-
ben Organe die oben beschriebenen Kugeln, die Eiern ähn-
lich sehen, und auf deren Vorkommen Carus und Wagner
die Ansicht gründen, das sie enthaltende Organ sei Eierstock;
die Saamenfäden erklärte Carus für stärker entwickelte oscil-
lirende Wimpern, welches indessen von Henle, wie mir scheint
hinlänglich , widerlegt ist (Müller’s Archiv 1835, pag. 594).
Wollte man diese Kugeln für Eier halten, die hier gebildet
werden, so müsste man nothwendig diesem Organe beiderlei
Functionen, des Hodens und des Eierstockes, zuschreiben.
Allein ich glaube nicht, dass wir berechtigt sind dies anzu-
nehmen, denn, abgesehen davon, dass sich diese Kugeln bei
Limax, Arion, Suceinea, Lymnaeus gar nicht finden, so fin-
den sie sich auch bei Helix und Planorbis immer nur in ge-
ringer Anzahl, und immer in den äussersten Blindsäckchen
des Hodens; es ist mir nie gelungen, sie im Ausführungsgange
des Hodens anzutreffen, so oft ich auch danach suchte, und
öfters untersuchte ich diese Theile bald nach beobachteter Co-
pula, und auch wenn die Thiere anfıngen Eier abzulegen.
Wenn es Eier wären, so müsste man doch wohl auch die
entwickelteren dem Ausführungsgange näher finden. Aus den
96
Schriften der genannten Forscher geht auch nur hervor, dass
sie diese Eier an den von mir bezeichneten Orten gesehen,
nicht aber, dass sie auch deren weitere Entwiekelung beob-
achtet haben, und diese allein scheint mir genügend, um sie
mit Gewissheit für Eier erklären zu dürfen. Auch kann ich
mich mit der Ansicht nicht befreunden, dass ein und dasselbe
Organ zweien so verschiedenen Functionen vorstehen solle,
— Wenn nun aber das genannte Organ der Hoden ist, wel-
ches ist dann der Eierstock? — Ich gestehe es gern, dass ich
in keinem andern Organe Theilchen gefunden habe, die ferti-
gen Eiern so ähnlich sähen, wie die genannten; ist aber. die
Gegenwart solcher Theile nothwendig, um ein Organ für Eier-
stock zu erklären? Das Ei in seinem frühesten Zustande ist
nichts anderes als eine Zelle, die nur qualitativ von andern
Zellen verschieden ist, nur durch die Entwickelungsfähigkeit
und die wirkliche Entwickelung zum Embryo wird sie zum
Ei. Der hinterste Theil der weiblichen Geschlechts- Organe
ist stets der Eierstock, so wie der hinterste Theil der männ-
lichen, der Hode; wenden wir dies hier an, und. wir haben
den Hoden richtig erkannt, so ist das von mir als Eierstock
bezeichnete Organ auch wirklich der Eierstock, In diesem fin-
den wir, wie wir gesehen haben, Zellen, und Zellen mit Kern,
grössere, kleinere; — wenn ich nun auch die Entwickelung,
dieser Zellen zu Eiern keinesweges beobachtet habe, so. habe
ich doch andererseits wirkliche Eier innerhalb des Thieres auch
niemals wo anders, als in der Vagina und im. vordersten Theil
des Oviduets gefunden. Unmöglich wäre es nicht, dass. auch
die drüsigen Wände des Oviducts selbst die Bildungsstätte der
Eier wären, dann wäre das von mir Ovarium genannte Or-
gan ein accessorisches Organ für beide Geschlechtssysteme;
indessen sehe ich nichts, was ‚dieser Ansicht mehr ‚das Wort
redete, als der von mir vorgetragenen. — Für diese Ansicht
spricht nun auch der Zustand der betrefienden Organe zu, ver-
schiedenen Zeiten. Schon Lister bemerkt: „illa autem geni-
talium pars (lactis) sub partus tempore omnium speciosissima
est, sesqui digitum longa, trientem lata‘“ (exereitatio anato-
mica de cochleis, pag. 135), und er suchte doch den Eier-
stock im Hoden. Verloren giebt an, dass kurz vor der Be-
gattung der Hoden die grösste Ausdehnung erlangt habe, wäh-
97
rend dann das Ovarium noch klein ist; nach der. Begattung
ist der Hoden collabirt, und das Ovarium fängt an zu schwel-
len, bis es kurz vor Ablegung der Eier die grösste Ausdeh-
nung gewonnen hat. (Verloren, M. C. Responsio ad quae-
stionem 'zoologicam etc.) Dies kann ich durch vielfache Be-
obachtungen bestätigen. Hierzu kommt noch, dass die Farbe
der Eier übereinstimmt mit der Farbe des Ovari; die z.B. bei
Planorbis röthlich, bei Lymnaeus gelb sind. Nehmen wir end-
lich noch auf die Structur Rücksicht, so hat die Structur des
Hodens unbedingt mehr Ähnlichkeit mit der Structur des Ho-
dens höherer Thiere, als mit der des Ovarii. — Naclı allem
diesen muss ich mich dahin erklären, das in den hinteren
Windungen der Leber verborgene Organ Hoden, die dem Ovi-
duet anliegende Drüse Eierstock zu nennen, bis ich mich mit
Bestimmtheit von etwas anderem überzeugt haben werde. —
Selbstbefruchtung liegt hiernach nicht-ausser den Grenzen der
Möglichkeit, allein, wenn sie vorkommt, gehört sie gewiss zu
den ‘Seltenheiten und Regelwidrigkeiten; Oken beobachtete
Eierlegung und Entwickelung der Eier ohne vorhergegangene
Befruchtung durch ein anderes Individuum, an Lymnaeus au-
rieularius (Isis 4817, pag. 319); v. Baer beobachtete an der-
selben Species Selbstbefruchtung (Müller’s Archiv 1835, p. 224).
Dagegen merkt Lister bei Planorbis besonders an: „in se pri-
vatim steriles sunt, et, nisi inter se jungantur, non gignunt.“
Wenn es schon schwer ist, die Funetionen der wesent-
lichsten Theile des Geschlechts-Apparates zweifellos hinzustel-
len, so ist es noch schwerer bei den accessorischen Theilen
desselben. Die verschiedenen Meinungen über die Bedeutung
dieser Theile hat Verloren recht gut zusammengestellt, ich
will sie deshalb hier nicht wiederholen; nur Einiges will ich
hervorheben, Die Blase hielt Treviranus für eine wahre Urin-
blase, weil er bei Arion eine Communication mit der Niere
beobachtet zu haben glaubte, und die er, auf diese Beobach-
tung gestützt, bei allen Übrigen annahm; was aber Trevira-
nus für einen Kanal hielt, ist ein Muskelbündel, welches den
Ausführungsgang der Blase an das Diaphragma heftet; der Aus-
führungsgang der Niere liegt, wie wir gesehen haben, ganz
wo anders, — Deshayes und Prevost bezeichnen sie als poche
copulatrice; es ist zwar wahr, dass sie bisweilen Saamenfäden
Archiv f. Naturgesch. IX, Jahrg. 1. Bd, 7
98
enthält, allein sie ist mMeht eigentlich zur Aufnahme des Saa-
mens bestimmt, und nach der Begattung findet man Saamen-
fäden durch den ganzen Oviduct. Mir scheint es am wahr-
scheinlichsten, dass: von hier aus die Eier mit einer Schaale
versehen werden, denn zur Zeit, wo keine Eier abgelegt wer-
den, also im Winter, verhärtet bei den Schnecken, wo‘der
Ausführungsgang sehr lang ist, also bei den Helices, die ab-
gesonderte Masse zu einem er elastischen Körper, dessen
Substanz Ähnlichkeit mit der Eischaalen -Substanz ‘hat; und
der im Frühjahr, gewöhnlich bei der ersten Begattung, aus-
geworfen wird; bei den andern Schnecken, wo der Ausfüh-
rungsgang nur kurz, aber weit ist, und die, wie besonders
die Wasserschnecken, keinen so regelmässigen Winterschlaf
halten, kann dies nicht zu Stande kommen. Eine weitere Be-
deutung hat jener Körper gewiss nicht, und wenn Draparnaud
(Tableau des Mollusques terrestres et fluviatiles de la France,
pag. 8) fragt: „Seroit-ce un vrai clitoris caduque,‘“ so weiss
ich in der That nicht, ‘was er damit sagen will. — ‘Über die
glandulae mucosae und über die hasta amatoria weiss ieh nichts
hinzuzufügen, ‘als. bestätigend, dass letztere nicht bei jeder
Begattung ausgeworfen wird. — Die glandula prostatica son-
dert einen Körnchen enthaltenden Saft ab, der wohl zu nichts
anderem dient, als den Saamen zu verdünnen, "ähnlich wie
der liquor prostatieus der höheren Thiere. — Die dicken drü-
sigen Massen zwischen Oviduct und Vagina bei Lymnaeus und
Planorbis sondern wahrscheinlich die glutinöse Masse aus,
welche zur Einhüllung der Eier dieser Thiere gebraucht wird,
denn bei den Schnecken, wo die Eier nicht auf diese Weise
eingehüllt sind, fehlen auch diese Drüsen.
Nachdem ich die vorstehenden Untersuchungen geschlos-
sen, und eine Deutung der Theile versucht hatte, hoffte ich
durch die Anatomie einer Schnecke getrennten Geschlechts
noch mehr Aufschluss über diesen Gegenstand zu erhalten,
und unternahm zu dem Ende, wie es auch schon Andere vor
mir gethan hatten, noch die Untersuchung der
Paludina vivipara. (Fig. VII.)
Die von Treviranus (Zeitschrift für Physiologie, Bd. 1.)
gegebene Anatomie hat v. Siebold in Müller’s Archiv 1836,
\
'99
pag. 240 schon theilweise berichtigt, ich werde indessen noch
kurz anführen, was ich fand. Am rechten, dickeren Fühl-
horn (a) des männlichen Thieres liegt oben unter einem drei-
eckigen Hautlappen die Mündung des Penis, diese führt uns
durch das Fühlhorn hindurch in die Höhlung eines von dicken
fleischigen Wänden eingeschlossenen Öylinders (5), den Tre-
viranus Saamenbehälter nennt, der so dicht unter der Haut
liegt, dass man ihn schon sieht, wenn man die Kiemenhöhle
öffnet; die innere Wand ist quer gerunzelt, und in ihrem vor-
dersten Theile schön roth gefärbt. Dieser Oylinder biegt sich
mit seinem hinteren Ende etwas nach vorn um, und läuft nun
plötzlich in einen sehr feinen Kanal aus (c), der noch etwas
weiter nach vorn läuft, dann aber unter einem spitzen Win-
kel umkehrt, an der inneren Seite der Leber herabläuft zu
dem röthlich gelben Hoden (d, d), welcher aus 2 durch ein
schmales Stück zusammenhängenden Theilen besteht, von de-
nen der vordere an der der Columella zugekehrten Seite der
vorderen Hälfte der Leber liegt,‘ der andere, ebenfalls der
Columella anliegend, weiter nach hinten, bis zur Spitze. An
der Stelle, wo der erst genamnte fleischige Cylinder sich unı-
biegt, befindet sich an der convexen Seite ein Muskel (e),
welcher diesen Oylinder gegen den Fuss zieht. — Nimmt man
vom Inhalt des Hoden etwas unter das Microscop, so be-
merkt man zunächst starke, mässig lange (in Vergleich zu den
Saamenfäden anderer Gasteropoden), sich lebhaft bewegende
Schläuche, von denen einige an einen Ende eine blasenähn-
liche Anschwellung haben, aus dieser, oder, wo diese fehlt,
aus dem stumpfen Ende, sieht man ein Büschel sehr feiner
Fäden hervorkommen, die sich ebenfalls bewegen; das andere
Ende läuft in eine Spitze aus. Ausser diesen Schläuchen,
denn dafür muss man sie halten, sieht man andere feine, nicht
sehr lange Fäden, deren eine Hälfte ziemlich eng spiralförmig
gewunden ist, das andere stumpf endet; diese Fäden bewegen
sich ebenfalls ziemlich lebhaft, und schlagen auch, aber mei-
stens nur Eine Öse. v. Siebold nennt diese zwei Formen
zwei Arten von Spermatozoen; ich glaube, dass die Zweiten
die eigentlichen Saamenfäden, die Ersten dagegen ganze Bün-
del derselben, noch von einer feinen Membran umschlossen,
sind: denn die aus jenen Schläuchen hervorragenden Fäden
7*
100
sind etwa so stark, wie die Saamenfäden; man sieht ferner an
einigen derselben deutliche Längsstreifen, was besonders deut-
lich wird, wenn man sie etwas in Wasser hat liegen lassen,
wo von einem Inhalt sich eine Membran abzuheben scheint;
es ist mir zwar nicht gelungen, diese Membran zu sprengen,
und den Inhalt heraus zu bringen, allein es. spricht zu viel
dagegen, dass es einfache Spermatozoen sein sollen. Wenn
man die verschiedenen Zellenformen beachtet, wie sie von der
gewöhnlichen Form, durch die Spindelform oder Birnenform,
allmälig weiter gehen, bis endlich zu den beschriebenen Schläu-
chen, so kann man wohl nicht daran zweifeln, dass diese wirk-
lich Bündel von Saamenfäden seien. Dass sie sich so lebhaft
bewegen, scheint mir nicht gegen meine Behauptung zu spre-
chen; auch ganze Bündel von Saamenfäden bei Limax und
Helix sah ich sich bewegen. Bei der weiblichen Paludina liegt
die Mündung der Vagina neben der Aftermündung auf einem
eylinderförmigen Zapfen, der dicht am Rande des Mantels an
der rechten Seite hervorragt (@); aus dieser gelangt man in
einen dünnhäutigen, weiten, querfaltigen Sack (#), den Uterus,
der etwa an derselben Stelle liegt, wo beim männlichen Thiere
der sogenannte Saamenbehälter, und der fast zu allen Zeiten
mit Jungen gefüllt ist, die oft noch von der Eihaut und mit
Dottermasse umgeben sind. Am Ende dieses Sackes, über
dem Anfang der Leber, bemerkt man eine weite Öffnung (y),
welche in einen kurzen Sack führt, der sich unter den hin-
tersten Theil des Uterus hin wieder nach vorn zieht (Y—0);
man findet in ihm stets Saamenfäden, daher Saamentasche ge-
nannt. Am Ende dieser Saamentasche, (bei Ö), findet man
eine kleine, mit einer röthlich gelben Schliessmuskel umge-
bene Öflnung, diese führt in ein gelbes, plattes, drüsiges Or-
gan (&, €’), welches sich mit einem Theile (£) am Herzbeutel
hinzieht, mit dem andern (e') aber gegen die Columella sieht;
aus diesem letzteren Theile beginnt ein feiner, gelber Kanal (£),
welcher sich an der, der Columella zugekehrten Seite : der
Leber herabzieht, bis zu deren Spitze, wo ein kleines, weisses,
drüsiges Organ liegt (7); in diesem sowohl, wie in dem an-
dern gelben drüsigen Körper (e,€'), fand ich nur farblose
Bläschen, von derselben Beschaffenheit, wie im Ovarium der
Helix; in letzterem auch Wimperbewegung; beide zusammen
101
halte ich für das Ovarium, welches hier, eben so wie beim
männlichen Thiere der Hoden, in 2 Abtheilungen zerfällt. Ver-
gleichen wir nun das Ergebniss dieser Untersuchung mit den
früheren, ‘so finden wir beim Manne den Hoden von dersel-
ben Beschaffenheit und an derselben Stelle, wie dort; die
glandula prostatica. scheint auf den ersten Blick zu fehlen,
allein sie ist im Saamenbehälter enthalten; durchschneidet man
diesen der Quere nach, so sieht man, dass die die Höhlung
zunächst umgebende Schieht von einer drüsigen gelben Masse
gebildet wird. Beim Weibe hat der Uterus hier eine sehr ähn-
liche, faltige Bildung wie dort der Oviduct; die Saamentasche
ist hier mehr, aber man findet ja auch zu allen Zeiten Em-
bryonen; vielleicht könnte man sie auch als Äquivalent für
die Blase betrachten, beide liegen gleichsam zwischen Ei und
Embryo; ‘endlich hat das Ovarium hier dieselbe Structur und
Lage wie dort, nur komnit hier noch das Sonderbare hinzu,
dass die eine Abtheilung hinten an der Leber liegt.
Noch. scheint mir Etwas der Erwähnung werth zu sein.
Sehr leicht geräth man durch den, dem Herzbeutel anliegenden
Theil des Ovarium, in diesen selbst hinein; hier findet man,
dem vordern Theile des Herzens anhängend, eine traubig zu-
sammenhängende körnige Masse; betrachtet man diese durch
das Mikroskop, so sieht man, dass es Eier sind: eine voll-
kommen kuglige Dottermasse ist von einer sehr dieken Haut
umgeben, und um diese bemerkt man noch eine zweite farb-
lose Schicht, von der Dicke der genannten Haut; in der Dot-
termasse ‘selbst bemerkt man schon Theile des Embryo, na-
mentlich ein kammförmiges Organ, welches sogleich an eine
Kieme erinnert; sprengt man die Eihaut, was mit einem ge-
ringen Geräusch geschieht, so erkennt man die Dicke der
Eihaut, und dass die Dottermasse noch von einer besonderen
feinen Haut umgeben ist. Da ich diese Eier zuerst bei einem
weiblichen Exemplare fand, zweifelte ich nicht, Eier der Pa-
ludina zu sehen; allein die sonderbare Lage derselben, ohne
Zusammenhang mit dem Eierstock, besonders aber der Um-
stand, dass ich sie später auch bei männlichen Exemplaren
fand, zerstörte sogleich diese Meinung. Ich fand übrigens
diese Eier bei allen Exemplaren, die ich zergliederte, und ich
möchte fast glauben, dass auch Henle diese gesehen hat, als
102
er. in’ Müller’s Archiv 1835 schrieb, dass er neben der mit
reifen Jungen erfüllten Matrix einen ‘durch einen feinen Gang
mit. dieser zusammenhängenden gelben Eierstock gefunden habe,
der traubig zusammenhängende Eier enthalte, in denen die Jun-
gen sich bewegten, wobei er aber hinzufügt, dass er sie auch
bei männlichen ‚Exemplaren gefunden habe.
An der Decke des Kiemensackes, rechts von der Kieme,
liegt ein, meist mit Wasser ‚gefüllter Sack, der sich am Grunde
des Zapfens, auf welchem beim: Manne der After, beim Weibe
die Vagina und der After münden, auf einer kleinen’ Papille
öffnet. Im Grunde dieses Sackes, vor dem Herzbeutel, liegt
ein. dreieckiges gelbes Organ, dies ist die Niere. Schon der
Lage nach würde man es, beim Vergleich mit den früheren,
für dies Organ halten müssen, allein. auch die Structur spricht
dafür ; die geringe Menge des gelben, körnigen Inhaltes besteht
aus hellen, durchsichtigen Zellen, mit einem undurchsichtigen
Kern, der hier aber nur sehr klein ist; es gelingt auch, Harn-
säure darin nachzuweisen, allein man muss sehr vorsichtig
verfahren, und: solche Nieren auswählen, ‘die noch viel von
diesem Inhalt haben, es scheint also fast, als ob die Menge
der Harnsäure mit der Grösse der Kerne in Verhältniss stände.
Dass aber die Menge des körnigen Inhaltes so gering, und
die Kerne so klein sind, hat vielleicht darin seinen Grund,
dass dieser Inhalt von dem Wasser immer mit fortgespült
wird. Die Niere des Lymnaeus hat schon grosse Ähnlichkeit
mit der von Paludina, schon dort scheint Wasser von Aussen
her in dieselbe aufgenommen zu werden; hier findet man den
Sack beständig mit Wasser gefüllt. Eben so verhält es sich
mit dem Bojanusschen ‘Organ der Bivalven, auch‘ dies ist ge-
wiss nichts anderes, als ein der Niere entsprechendes Organ,
es hat dieselbe Lage zum Herzen wie bei den Gasteropoden,
dieselbe quer-blättrige Structur, ist wie der Nierensack bei
Paludina fast immer mit Wasser gefüllt, ja, selbst seine Win-
dungen haben grosse Ähnlichkeit mit den Windungen der Niere
nebst Ausführungsgang bei Helix.
Die Anatomie der Paludina vivipara scheint also die An-
sicht von der Bedeutung der Theile bei den ’hermaphroditischen
Schneeken zu. bestätigen.
103
Erklärung der Abbildungen, Taf. V.
Fig. L Helix pomatia.
4. Der ‘ganze Geschlechts-Apparat. _@. Der gemeinschaftliche
Eingang zu den männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen. b.
Der Sack für den Liebespfeil. c. Glandulae mucosae. f. f. f. Der
Ausführungsgang der Blase. g. Die Vagina. h.h. Der Oviductus.
i.i. Glandula prostatica. k. Ovarium. 7. Penis. m. Der peitschen-
förmige, blinde Fortsatz desselben, Flagellum. nz. Vas deferens. 0.
Der am Ovarium hinauflaufende, dann umbiegende Theil der Epidi-
dymis. 7. Epididymis. r. Der Hode. g. Der Zurückziehe-Muskel des
Penis. t. Die Blase.
B. Der vordere Theil des Geschlechts-Apparates, der Länge nach
aufgeschnitten, um den im Oviduct, über der Glandula prostatica ver-
laufenden Kanal zu zeigen. Die Glandulae mucosae sind fortgeschnit-
ten, c. Der, die Oeffnung des Liebespfeilsackes nach vorn umgebende
Wall. d. Die Oeffnungen der Glandulae mucosae. e. Die Oeffnung
des Ausführungsganges der Blase. f. Die im Oviduct über der Glan-
dula prostatica verlaufende grössere Falte. m. m. Die beiden Zirkel-
falten im Innern des Penis. a. 5. /.n wie bei A.
C. Der der Länge nach aufgeschnittene Sack des Liebespfeiles,
an welchem unten noch ein Theil der Wand des gemeinschaftlichen
Geschlechtssackes, mit der Oeffnung des Penis, anhängt. Die Glan-
dulae mucosae sind fortgeschnitten. c. Die im Grunde des Sackes lie-
gende Drüse, auf welcher sich der Liebespfeil stützt.
D. Der Liebespfeil in natürlicher Grösse und etwas vergrössert.
1.2. 3. 4 5. 6. 7. und 8. sind die im Texte mit denselben Nummern
bezeichneten Contenta der Hodenfeuchtigkeit. Die unter 5. gezeich-
neten Körper müssten einen 2}mal so grossen Durchmesser haben,
wenn man sie sich eben so stark vergrössert denkt, wie es die an-
dern sind. 9. Contenta des Ovarium.
; Fig. 11. Helix arbustorum.
"Der der Länge nach geöffnete Penis, um die Falte ce, und den
klappenartigen Körper y zu zeigen, der bald die Lage hat, wie die
Zeichnnng sie zeigt, bald die der punctirten Linie.
Fig. Il. Arion empiricorum.
4. Der ganze Geschlechts-Apparat. 5. Der gemeinschaftliche
Geschlechtssack. Alle übrigen Buchstaben bedeuten dasselbe, wie bei
Fig. I, 4.
B. Der gemeinschaftliche Geschlechtssack geöffnet, um die Klappe
zu zeigen. c. Die Mündung der Vagina (auf der Klappe). m. Die
Klappe. g. Die Mündungen des Penis / und der Blase r. x. Der drü-
sige Gürtel um die gemeinschaftliche Geschlechtsöffnung. Oben, rechts
neben der Figur A sind noch einige Saamenfädenbündel gezeichnet.
104 5
Fig. IV. Limaz cinereus.
Die unten stehende Figur zeigt den ganzen Geschlechts-Apparat;
die Buchstaben bezeichnen dieselben Theile wie bei Fig.1. 4. — In
der darüber stehenden Figur ist die Vagina und der vordere Theil
des Oviduct geöffnet, um zu zeigen, wie das durch die Glandula pro-
statica verlaufende Vas deferens durchschimmert, w.
Fig. V. Succinea amphibia.
Der ganze Geschlechts- Apparat Die Buchstaben bedeuten das-
selbe wie bei Fig: I, 4A.
B. Der geöffnete Penis.
Fig. VI. Planorbis corneus.
a. Der Eingang zum Praeputium des Penis. @'. Der Eingang, in
die Vagina. ‚f. Ausführungsgang der Blase. g. Vagina, g'. Deren
erweiterter Theil, Uterus. A. Oviduct. A'. Ah’. Die drüsigen Massen,
die den Uterus umgeben. . Glandula prostatica (Drüse des Ruthen-
kanals, Treviranus). Ak. Ovarium, nr. Vas deferens. p. Epididymis.
r. Der Hode. g. Die Muskeln des Praeputium Die rechts hierneben
stehende Figur soll die Umbiegung des Vas deferens in den Neben-
hoden zeigen; auch ist die Verbindung angedeutet, die von dem hier-
durch gebildeten Winkel zum Ovarium hinübergeht. — Die Figur
links stellt das geöffnete Praeputium vergrössert vor; «. ist die flei-
schige Scheibe; 3. die Stelle, wo sich das Vas deferens öffnet; y. der
eigentliche Penis mit der darauf verlaufenden Furche.
Fig. VI. Lymnaeus stagnalis.
a. Der Eingang in die Vagina. ‚f, Der Ausführungsgang der Blase 2.
g. Vagina, g’. Uterus. A.%. Oviduetus. A’. Die Mutterdrüse nach
Treviranus, Glandula mucosa nach Stiebel. z..’. Glandula prostatica
(vorderer und hinterer Saamenbehälter nach Treviranus; ö die Vesi-
cula seminalis nach Stiebel). Ak. Ovarium (Hodendrüse nach Trevira-
nus). Z Praeputium des Penis. /'. Penis. n. n. Vas deferens, r.p,
Hode und Epididymis. g. Muskeln am Praeputium, Die rechts hier-
neben stehende Figur zeigt die Glandula prostatica geöffnet, um die
Einmündung des Vas deferens, und die Falten in derselben zu zei-
gen, I, an der andern Seite aber den Uebergang in die Epididymis,
und den Zusammenhang mit dem Oviduct, der in der Hauptfigur eben-
falls angedeutet ist.
Fig. VII. Paludina vivipara.
a. Der Penis. 5. Der hierauf folgende fleischige Cylinder. c.
Vas deferens. d.d. Die beiden Abtheilungen des Hoden. e. Ein Mus-
kel. «. Der fleischige Cylinder , auf welchem die Vagina sich öffnet.
ß. Uterus. y. Die Oeffnung, die aus dem Uterus in den unter diesem
liegenden Sack führt. d. Die mit einem Schliessmuskel umgebene
Oeffnung, die aus diesem Sack zum Ovarium führt. e. e‘. Ovarium.
&. Das Fädchen, welches vom Ovarium zu dem an der Spitze der
Leber liegenden Organ, n, führt, Unter diesen Figuren sind Gontenta
des Hoden abgebildet, namentlich Saamenfäden und Saamenschläuche.
Kurze Betrachtung über die Abhandlung, betitelt:
„Die Grundformen der Infusorien in den Heilquel-
len, nebst allgemeinen Bemerkungen über die Ent-
wickelung derselben von Dr. S. F. Stiebel. Mit einer
Tafel. Frankfurt am Main. Verlag von Carl Jügel.
1841. Quart. 22 Seiten.
Von
Dr. Werneck.
Hierzu Taf. VI.
Der Herr Verfasser sagt schon in der Einleitung seiner
Abhandlung, dass die Entwickelung der organischen Zellen bei
Pflanzen und Thieren so ganz mit der ersten Bildung der
Infusorien übereinstimmt.
Er glaubt, dass mehrere Arten, wie Monas, Navicula, über-
all erscheinen, aber andere, wie die Gallionella ferruginea und
die Schwefelkonferven nur dort vorkommen, wo die Elemente
zu ihrer Organisation gegeben sind und glaubt ferner unum-
stösslich nicht allein an eine ursprünglich freie Entwickelung,
sondern, wie es scheint, auch an eine weiter vorschreitende
Metamorphose der primären Infusorien, wie sie der Hr. Verf.
nennt. Die Wahrheit dieser so grossen Aufschluss gebenden
Idee sollen seine Beobachtungen liefern.
Weder über die Untersuchung der salinischen Wasser von
Soden, noch der Weilbacher - Quelle kann ich wegen Mangels
des Unsieshöhonssindleriäle etwas sagen; da aber die bildliche
Darstellung des Verfassers einige Ähnlichkeit theils mit mei-
nen Beobachtungen über das Raseneisen, theils mit jenen der
Schwefelleber- Auflösung und des Aufgusses des kohlensauren
Eisens hat; so will ich dieselben hier in Kürze aufführen, da-
mit man in den Stand gesetzt werde, jene Beobachtungen und
die hieraus gezogenen Erklärungen mit diesen zu vergleichen
und naturhistorisch zu würdigen.
106
l. Darstellung meiner eigenen Anschauung der
Gallionella ferruginea E.
.‚ Bei unsern Torfgräben beobachtet man von Weitem schon
eine ockerartige Färbung aller Gegenstände, welche sich in
so einem Wasser befinden. “Nicht selten sind diese Torfwas-
ser. mit einer ‚eisenrostfarbenen, ins Blaue schillernden, ziem-
lich harten Haut überzogen.
a) Untersucht man den ockerartigen Ueberzug der Ge-
genstände, so sieht man schon bei einer 250 Lin. Vergrösse-
rung sehr feine, lange, 'hohle Fäden, welche sich zusammen-
gefilzt bald als gelbrothe Flocken niedergeschlagen, bald als
ein Gewebe, welches alles, was sich im Wasser befindet, fest
überzogen und umsponnen hat. Ihr Durchmesser beträgt ge-
wöhnlich 55". S
Dieses Gebilde ist den ganzen Sommer hindurch in der
nämlichen Gestalt zu finden. Es sind nicht die von ihrem In-
halt entleerten Schläuche der Gallionella ferruginea, ich. glaube
eher, da sich dieses Gebilde einäschern lässt, und ich. zuwei-
len Ausläufer bemerkt habe, hiebei aber nie eine Spur irgend
einer Bewegung gesehen habe, dass es eine eigene Conferve,
vielleicht auch Hygrocrocis ochracea Agardh sei. Siehe die
Zeichnung. Nr. 1.
b) In Gesellschaft. mit: diesen Conferven findet man ge-
gliederte Fäden von verschiedener Länge und Durchmesser,
4000 bis 4055 , vom schwächsten schmutzig Gelb. bis zur
saturirtesten Rostfarbe.
Diese Ketten bestehen entweder aus runden oder aus
ovalen Körperehen. Dort wo man nur runde Körperchen sieht,
entdeckt man selten eine schlauchartige Hülle; ist selbe aber
vorhanden, so ist sie gallertartig und liegt knapp an dem In-
halte an. Die ovalen Körperchen haben stets eine Hülle und
scheinen weiter ausgebildet zu sein, sie liegen entweder ho-
rizontal oder sind aufwärtsstehend. Fast bei allen eiförmigen
Körperchen sieht man an dem einen Ende. einen schwarzen
Punkt, der aber bei den stärkeren Vergrösserungen, die über
300 Mal L. gehen, in einen Schatten sich auflöst. Obschon
man. keine innere thierische Organisation ‚durch das Glas er-
kennen kann, so reiht: sich doch die ganze Struktur dieser
Formen an die Gallionellenbildung an. -S; die Zeichnung Nr. 2
107
ce) Zwischen dieser Gallionella und Conferva ochracea fand
ich zu jeder Jahreszeit, besonders aber in den Monaten Au-
gust und September, sehr. blassgelbe, scharf begränzte, weiche
aber beweglose Kügelchen von der Grösse 55 — 3050. ‚ welche
oft in kurzen Kettchen von £— 410 zusammengereiht waren,
aber auch zuweilen Doppelketten und Seitenästchen bildeten.
Hier war aber durchaus: keine Hülle zu sehen, und ich lasse
es dahingestellt sein, ob sich.hieraus eine Gallionella bildet.
Siehe Fig. 3.
d) Ich komme nun zur Betrachtung des oben erwähnten
Schillerhäutchens. Bringt man dasselbe’ unter das Mikroskop,
so erscheint es wie ein gelbröthliches, punktirtes Blättchen,
welches so spröde ist, dass es von einem leisen Drucke mit
dem Druckblättchen in Stücke springt. An der untern Fläche
sieht ınan oft abgestorbene Gallionellen und Conferven - Fäden
hängen. Auch bin ich geneigt zu glauben, dass dieses Schil-
lerhäutchen ein Produkt der Zersetzung der Gallionellen sei.
Zerreibt man dieses Schiller- oder Regenbogenhäutchen, so
zerfällt es in lauter runde Körperchen, welche ohngefähr 55
bis 4455 messen. Bald bewegen sich diese Punkte nach al-
len Richtungen. Diese Bewegungen, ob sie schon eine sehr
lauge Zeit anhalten, halte ich doch nur für Molecular-Bewe-
gungen «der kleinsten Theile des aus Eisen- und Kieselerde
bestehenden Schillerblättchens. Siehe die Zeichnung Nr. 4.
Unter dem ‚Schillerblättchen: findet sich oft eine eigene
Monade, ‚welche sehr‘ durchsichtig ist und „5 — 317" misst,
Allerdings giebt es auch Monaden, welche aus Unzuläng-
lichkeit unserer Mikroskope den besagten Molekeln gleichen
und zuweilen von den erfahrnen. Forschern mit diesen ver-
wechselt werden.
I. Vergleich der Stiebel’schen Zeichnungen der
Weilbacher Conferva mit andern abgestorbenen
hohlen Conferven. f
In den hohlen Schläuchen abgestorbener feiner Conferven
hält sich"eine eigene Art: von sehr kleinen Monaden auf, die
der sogenannten Zellenmonade der Weilbacher Conferve Fig. 20
vollkommen gleicht. Bei schwachen Vergrösserungen kann man
108
diese nicht von den Molekulen unterscheiden, ‘obschon ihre
freien Bewegungen sogleich auf ein animalisches Leben deuten.
Dieses Punktthierchen ist, bei 800maliger Vergrösserung
gesehen, durchscheinend, ohne eine innere Organisation zu
entdecken. An ihrem vordern Ende trägt sie einen schwar-
zen Punkt (sicher ein Auge) und geht nach dem Schema der
Chlamidomonas ihre Fortpflanzung‘ durch Theilung und Hül-
lenbildung ein. ‘Sie wachsen erst zu einer bestimmten Grösse
ehe diese Fortpflanzung beginnt, wo sich das Einzelthier mit
einer Hülle umzieht. Ich nenne dieses auch dem besten Mi-
kroskope sehr entrückte Thierchen Chlamidomonas? Punetum.
Es misst 44505 — 5005 . Die beigegebenen Zeichnungen Fig. 5
werden diess genügend erläutern.
1ll. Meine Beobachtungen über die Solutionen der
Schwefelleber und des kohlensauren Eisens im Ver-
gleiche zu jenen Erfahrungen des Herrn
Stiebel. pag. 18—19.
Den 6. Febr. d.J.;, Morgens 6 Uhr, wurden drei gläserne,
4" im Durchmesser habende Abrauchschalen, jede mit einer
Solution von einem Scrupel frisch bereiteter Schwefelleber (kali
sulfuratum Pharm. Austr.) in 4 Unzen zu diesem Behufe eben-
falls frisch bereitetes destillirtes Regenwasser gefüllt und die
eine Schale mit @, die zweite mit d, die dritte mit e bezeich-
net. Die Schale @ wurde ohne Bedeckung in die freie Luft
in die Sonne bei einer Temperatur von + 16° R. hingestellt.
Die Schale 5 wurde mit einem sehr dünnen, vollkommen auf-
liegenden Pappendeckel bedeckt in den Schatten eines Zim-
mers gestellt. Die Schale ce wurde aber ebenfalls hier bei
einer Temp. von — 14° R. unter eine Glasglocke hingestellt.
Bei a begann bei dem Einwirken der Sonnenstrahlen so-
gleich die Zersetzung der Schwefelleber; es entwickelte sich
heftig unter Blasenbildung die Hydrothion-Säure. Je mehr
dieselbe entweicht, desto schneller bildet sich auf der Ober-
fläche der Solution, eine weisse, grösstentheils aus schwefel-
saurem Kali bestehende Haut. Brachte ich nach einer Stunde
mittelst eines reines Glasstäbehens einen Tropfen von dieser
Flüssigkeit unter das Mikroskop, so trübte sich derselbe schnell
milchartig und man sah ein Gewimmel von kleinen schwarzen
nr
NR
109
Pünktchen, welche nichts anders als Molecule von eben sich
bildenden schwefelsaurem Kali waren. An sehr vielen dieser
Molecule hing ein sehr kleines Luftbläschen, welches die ro-
tirende Bewegung der Molecule sehr begünstigte und vermehrte.
Je schneller die Verdunstung und Treibung, das ist die Zer-
setzung des Tropfens, vor sich ging, desto rascher, wie na-
türlich, wurde die Bewegung dieser Molecule. Aber bald bil-
det sich auch hier, wie leicht begreiflich, an der Oberfläche
des Tropfens eine zusammenhängende, weisse 'saline Haut und
eben so ein feiner salinischer Niederschlag auf der Glastafel
und die Molecular- Bewegung hört allmälig auf, indem sich diese
kleinen schweflicht salinischen Partikeln, wie es bei der Verdun-
stung jeder Flüssigkeit immer der Fall ist, aneinanderreihen.
Schüttet man von dieser Lösung etwas in ein Uhrglas, so
dass die Zersetzung und Verdunstung schneller vor sich gehen
kann, so sieht man auch eher diese Rob. Brown’sche Molecu-
lar-Bewegung, die so lange und nicht länger als der Zer-
setzungsprozess dauert.
Trocknet man das sich gebildete Häutchen und auch den
Niederschlag, zerreibt man ihn dann und bringt ihn mit etwas
Wasser vermischt unter das Mikroskop, so sieht man neuer-
dings das gymnastische Schauspiel der Brown’schen Moleculen,
das aber, je nachdem sich die Verdunstung verhält, auch län-
gere oder kürzere Zeit dauert.
Die Schwefelleber- Lösungen db und ec blieben, da der Ein-
fluss der äussern Luft auf sie gehemmt und so. der Zersetzung
Schranken gesetzt war, klar, und in diesem Zustande war
kein schwarzes Pünktchen zu entdecken; erst später bei der
Trübung und Zersetzung des Tropfens beginnt das erwähnte
Moleecul- Spiel.
Was die Beobachtungen über die animalische Bildung in
den Infusionen des kohlensauren Eisens betriflt, so sieht man
erst nach 3— 4 Tagen in der in der freien Luft gestandenen
Infusion, wie sich dieselbe allmälig trübt und sich am Boden des
Glases graue Wolken und Schleimflecke bilden. Diese sorg-
sam herausgefischt zeigte sich Monas crepusculum, Vibrio lineola
und später fand ich auch Astasia Constrictor, welche alle Vi-
brionen auffrassen. Hier konnte ich aber durchaus keine Mo-
lecular-Bewegung entdecken.
110
Aus diesen und mehreren andern Beobachtungen glaube
ich folgende Schlüsse ziehen zu können.
4) Diese meine Beobachtungen widersprechen der Gene
ratio spontanea; auch jene Beobachtungen, welche Herr Dr. F.
Stiebel gemacht hat, geben keine Ueberzeugung.
2) Wenn auch die sogenannten primitiven Pflanzen- und
Thierzellen eine grosse Analogie haben, so sind beide doch
ein seeundäres Produkt der keimungsfähigen Materie, Ehe sich
eine Zelle bilden kann, muss erst eine Materie hinzugegeben
sein. Ist dieses im mindesten der Fall bei der Schwefelleber-
Solution?
3) Weder die Schwefelleber-Infusionen, noch jene des
kohlensauren Eisens ‘erzeugen eigenthümliche Monaden, die
Thierchen, welche sich in der lange gestandenen Eisen -Infu-
sion vorfanden, sind keine eigenthümlichen, sondern zufällige,
wie sie auch in den Gewässern und andern Infusionen vor-
kommen.
4) In der Schwefelleber-Solution bilden sich keine le-
bende Organısmen, denn jene Kernchen, die man sich bewe-
gen sieht, sind nichts als Partikeln der angewandten Materie,
denn man kann ihre erloschnen Bewegungen wieder herstel-
len, wenn man die getrockneten Partikeln, das weisse Häut-
chen, zerreibt und wieder mit reinem Wasser vermischt. Mit
der Zersetzung beginnt auch die Molecular-Bewegung, mit
ihrem Ende hört sie auch auf, und ist ganz jener gleich, die
wir z. B. bei Gummigutti, frischem Indigo u. dergl. bemerken.
Die Luftblasen, welche sich an die Salzpartikel fest anhän-
gen, kann man leicht mit Hüllen verwechseln, besonders wenn
man dıe Molecule als Monaden ansieht. Diese so kleinen Luft-
blasen verstärken und verlängern das Molecul-Spiel. Über-
diess ist die Schwefelleber in ihrer Reinheit und während ih-
res Zerssetzungsprozesses, wegen der Entwicklung des Schwe-
felwasserstoffgases, eins der potentesten Gifte für die gesammte
animalische Welt. Kein Infusionsthier kann in derselben leben,
alle sterben plötzlich, in ihr kann sich daher kein neues Le-
ben entwiekeln. ‘Ich bin daher der Überzeugung, dass es
keine Schwefelleber-Monaden ebenso wenig als Gallionellen-
Monaden giebt.
Salzburg, den 26. Febr. 1841.
411
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 1. Ein Filz von Conferva ochracea bei 500 L. V.
Fig. 2. Die blassgelben, scharf begränzten Kügelchen in verschiede-
nen Gruppen, einfachen und doppelten Ketten.
Fig. 3. ‚Gallionella ferruginea in verschiedenen Zuständen und Ver-
grösserungen. e bei 3000 L.. V.
Fig. 4. a. Ein Theil des Schillerblättchen etwas zerdrückt.
b. Ganz zerrieben, um die Molecule zu sehen.
ec. Ebenso mit Conferva ochracea.
d. Abgestorbene Gallionellen bei 2000 L. V.
e. Monas ochracea, die sich oft unter dem Schillerblättehen befin-
det, bei 800.und 1000 L. V.
Fig, 5. a. Ein Convolut von hohlen Conferven-Fäden mit Chlami-
domonas? Punctum, bei 300 L. V.
b. Leere Fäden, bei 300 L. V.
ce. Theilungszustände der Chlam. Puncetum, bei 1000 L. V.
Einige Bemerkungen zum vorstehenden Aufsatz
von
A. Ehrenberg.
Herr Dr. Werneck in Salzburg, der Verfasser des vorste-
henden Aufsatzes, ist leider im März des vorigen Jahres verstor-
ben. Es war derselbe am meisten beschäftigte Arzt in Salz-
burg, ein Schlesier, welcher als praktisch-medieinischer Schrift-
steller durch mannichfache Einzelschriften und Aufsätze in den
medieinischen Journalen, besonders auch wegen seiner mikro-
skopischen Untersuchungen der Krystalllinse des Auges rühm-
lich bekannt ist. Obwohl schon im vorgerückten Lebensalter,
hatte er sich zuletzt mit enthusiastischer Liebe mit mikrosko-
pischen Beobachtungen des selbstständigen Lebens beschäftigt,
und er war hierin, meinem Urtheil nach, einer der am Klar-
sten auffassenden Beobachter unserer Zeit. Hierzu begünstigte
ihn besonders sein Talent, überaus saubere Zeichnungen der
vorliegenden Gegenstände zu entwerfen, welches, verbunden
mit dem Talent klarer Auffassung, sehr selten ist. Es ist sehr
schade, dass erst ein späteres Lebensalter dieses Talent durch
eigne Freude am Gelingen dann produktiv machte, als eine grosse
112
Ausdehnung medieinischer Praxis die Redaktion und Publika-
tion der zahlreichen Beobachtungen ihm erschwerte. und be-
hinderte. Mehreres über seine sehr glückliche Thätigkeit ist
bereits in den Monats-Berichten der Berliner Akademie der
Wissenschaften vom Feb. und Nov. 1841 mitgetheilt worden.
Der hier aus seinem Manuskript wörtlich abgedruckte Auf-
satz ist vom Verfasser zur Publikation an mich eingesandt und
auch schon der Berliner Gesellschaft naturforschender Freunde,
deren Mitglied Hr. Werneck war, im vorigen Jahre zur Kennt-
niss gebracht worden.
Der Gegenstand hat ein sehr hohes Interesse, er betrifit
die Existenz und richtige Auffassung des, von mir sogenann-
ten, einflussreichen, Eisenthierchens, welches ich als Gallionella
ferruginea in dem 1838 erschienenen Werk, ‚die Infusions-
thierchen als vollendete Organismen,‘ bezeichnet habe und
von dem ich unentschieden liess, ob es nicht noch hier und
da mit einer Alge, von sehr ähnlichen Dimensionen, einer Hy-
grocrocis, verwechselt worden sei, die als H. ochracea schon
den Botanikern bekannt ist. Da ein grosser Theil des ver-
arbeiteten Eisens oflenbar aus diesem Sumpfocker und Sumpf-
Eisenerze, welche die Gallionella hauptsächlich darstellt, sei-
nen Ursprung nimmt, so ist es sehr wichtig, von einem neuen
tüchtigen Beobachter eine neue Stimme abgegeben zu sehen.
Mir ist es natürlich erfreulich, dass diese offenbar klar ge-
zeichneten Beobachtungen des Herrn Dr. Werneck so über-
einstimmend mit dem von mir Beobachteten und Publicirten
sind, dass selbst bei dem grössern Detail, welches diese Zeich-
nungen liefern, widersprechende Differenzen mit den meinigen
sich nicht vorfinden. Eine solche doppelte Bestätigung des Facti-
schen bei wachsender Detail-Kenntniss hat aber of-
fenbar jedenfalls einen wissenschaftlichen \WVerth.
Im Manuscript des Verfassers habe ich nur den Namen
der kleinen Monade, welcher dort Henos Punetum (vielleicht
nach Monas von €» ungriechisch gebildet) heisst, abgeändert.
Den Angaben zufolge gehört die Form offenbar nicht zu den
Monadinen, sondern zu den Kugelthieren (Volvocina), und da
der Verfasser selbst sie für zunächst mit Chlamidomonas ver-
wandt erklärt, so liegt in den mitgetheilten Beobachtungen
kein Grund zur Trennung davon. Zwar sind die beiden cha-
De
113
racteristischen Rüssel der Gattung nicht beobachtet, aber die
Kleinheit der Form entschuldigt hierin den Beobachter und
berechtigt nicht, des scheinbaren Mangels halber, eine neue
Gattung zu bilden. So schien es mir denn, um nicht einen
späterhin zu verwerfenden neuen Namen einzuführen, ange-
messen und auch ganz im Sinne des wissenschaftlichen Ver-
fassers, dieses Thierchen als Chlamidomonas? Punctum vor-
läufig zu bezeichnen.
Endlich ist die ausgesprochene Meinung dieses geübten
Beobachters über die Form-Umwandlungen und das primäre
Entstehen der kleinen Organismen, welches beides er aus dem
Kreise seiner Erfahrungen völlig abweist, von wissenschaft-
lichem Gewicht.
Neue Beiträge zur Kenntniss der Asteriden.
Von
Dr. J. Müller und Dr. F. H. Troschel.
Nach der Herausgabe unseres „Systems der Asteriden”
beabsichtigten wir, von Zeit zu Zeit, die uns von Neuen be-
kannt gewordenen Thatsachen zu veröffentlichen. Hierzu ha-
ben wir schon jetzt eine Gelegenheit, indem sich in den Sen-
dungen mehrerer Reisenden, namentlich des Herrn Preiss
von der südwestlichen Küste Neu-Hollands und des Herrn
Philippi aus Chile, interessante neue Arten vorfanden. Ausser-
dem wurde uns durch diese Sendungen das Vaterland und die
weitere Verbreitung mancher schon beschriebenen Arten be-
kannt. So erhielten wir dsteracanthion rubens nun auch
aus Chile; Asteracanthion tenuispinus aus dem süd-
westlichen Neuholland, Luidia maculata ebendaher, des-
gleichen Goniodiscus ocelliferus, Asteriscus Diesin-
güi,Archaster angulatus, Asteriscus peniecillaris und
Asteropsis vernicina. Von Schayer erhielten wir aus
Vandiemensland Astrogonium geometricum. Die Ophio-
thrix violacea ist uns durch Herrn Krantz auch aus Süd-
Archiv f. Naturgesch, IX, Jahrg. 1. Bd, 8
114
Carolina zugegangen. An die Beschreibung derneuen Arten
schliessen wir Bemerkungen über die Gattungeiß) Ophiothrix
und Ophionyx und eine Zusammenstellung übergdie geogra-
phische Verbreitung der Asteriden. Er
2.
1. Beschreibung neuer Arten.
1, Asteropsis vernieinn.
An einem von Herrn Preiss vom sütlwestlichbn Neuhol-
land erhaltenen Exemplare dieser Art haben wir uns ‚überzeugt,
dass dieselbe wirklich in die Gattung Asteropsis gehört, was
wiv System der Asteriden p. 64 Anmerk. bezweifelten. An die-
sem Exemplare fehlt die in der Beschreibung etwähnte Pedi-
cellarie zwischen den Bauchfurchen.
2. Echinaster deeanus Nob. nov. sp.
Fünf Arme. Verhältniss des kleinen zum grossen Radius
wie 1:4. Die Furchenpapillen stehn vier auf jeder Platte in
einer Reihe, und sind von gleicher Länge. An sie schliessen
sich unmittelbar Haufen von borstenartigen Stachelchen, ähnlich
den Furchenpapillen, welche auf der Bauchseite der Arme dicht-
stehende Längsreihen bilden. Nach den Seiten der Arme wer-
den diese Haufen von borstenartigen Stachelchen seltener und
bilden keine Längsreihen mehr, sondern sind mehr netzartig
vertheilt. Auf dem Rücken wird dies Netz noch deutlicher,
die Borsten werden sehr kurz. Das Netz hat sehr grosse nackte
Porenfelder mit vielen Poren, deren man an einigen Stellen
über 20 in einem Felde zählt. Das Netz, selbst besteht aus
einzelnen rundlichen Haufen von Borsten, deren Zahl sehr
beträchtlich, nämlich gegen 40 bis 50 in einem Haufen ist. Die
Maschen des Netzes werden gegen das Ende der Arme enger.
Farbe: Schön violett.
Grösse: 4 Zoll.
Fundort: Südwestliches Neuholland. Im Zoologischen Mu-
seum zu Berlin durch Preiss.
Anmerkung. Diese Art schliesst sich unter den Echinastern zu-
nächst an Echinaster oculatus an, der indessen bestimmt von ihm
verschieden ist. Beim oculatus, wie bei den meisten Echinastern, steht
tiefer in der Furche ein kleines gekrümmtes Stachelchen auf jeder
Platte, und die eigentlichen Furchenpapillen bilden eine Quer-
reihe, bei decanus hingegen fehlen die kleinen Stachelchen in der
w
115
Tiefe der Furchen ünd es stehn vier Furchenpapillen in einer
Reihe auf jeder Platte parallel der Furche. Die Stachelliaufen
des letzteren haben keine erhöhte Basis, und sind daher keine
eigentlichen Pinsel, wie sie bei Solaster vorkommen. Übrigens
zeigen diejenigen Arten der Echinaster, wo die Stacheln Haufen
bilden, wie nahe die Gattungen Solaster und Echinaster ver-
wandt sind.
3. Oreaster valvulatus Nob. nov. sp.
Fünf Arme. Verhältniss des kleinen zum grossen Durch-
messer wie 1:24. Rücken gewölbt. Die Winkel zwischen den
Armen ausgerundet. Furchenpapillen in zwei Reihen; in der
innern neun ziemlich gleich lange“auf jeder Platte? in der
zweiten Reihe drei dieke Papillen auf/jeder Platte, an welche
sich die groben Granula der Bauchseite anschliessen. "Die BAucl
platten sind überall grob granulirt, und tragen grosse bis 2 "
nien lange klappenartige Pedicellarien. Eben solche ‘auf den
ventralen und auf den dorsalen Randplatten. Die Granulation
der ventralen Randplatten ist wenig feiner als die der ven-
tralen Platten, und gleichmässig; die der dorsalen Platten ist
etwas feiner und zwischen ‘ihr entwickeln sich kurze stumpfe
- Tuberkeln, mehrere auf jeder Platte; die ventralen Randplatten
bekommen davon nur eine Andeutung gegen das Ende der
Arme. Funfzehn Randplatten an jeden Arme. Die Granula-
tion des Riückens ist feiner, als die des Bauches. Auf den
Rückenplatten erheben sich stumpfe Tuberkel, welehe an ihrer
Basis von Granulation eingehüllt sind. An der Grenze der
Granulation stehn grössere Granula, welche sich hier und da
in Nebentuberkel ausbilden, so dass eine Erhebung mehrere
Tuberkel trägt. Auf der Mitte der Arme bilden sie eine Art
Kiel von zwanzig und einigen Tuberkeln, welchem parallel
andere Reihen verlaufen. Die stärksten Tuberkel stehn in
einem Kreis um den mittlern Theik der Scheibe. Auf dem
Rücken finden sich hier und da. kleine klappenartige Pedicel-
larien, etwas grösser als die Granula.
Farbe: Gelblich-braun.
Grösse: 8 Zoll. \
Fundort: Südwestliches Neuholland. Im zoologischen Mu-
seum zu Berlin durch Preiss. 1
"4
8*+
er
116
4. Astrogonium nobile Nob. nov. sp.
Körper hexagonal mit stark eingebogenen Seiten. Ver:
hältniss des kleinen zum grossen Radius wie 1:13. Furchen-
papillen in drei Reihen, in den zwei innersten Reihen zwei
auf jeder Platte, in der dritten zwei bis drei; daran schliesst
sich noch ein Zug von Granula, in die dritte Reihe über-
gehend. Die Bauchplatten sind glatt, von einem einfachen
Kranze von Granula umgeben, mit Ausnahme der äussersten
gegen Jdie Spitzen der Arme, die sich mit Granulation bedek-
ken; sie nehmen an Grösse nach aussen-ab. Dorsale Rand-
platten vier, deren vorletzte die grösste, die letzte die kleinste
ist; die vorletzte ist länger als breit; sie sind sehr stark eon-
vex. Die ventralen Randplatten, sieben an der Zahl, an Grösse
allmählich abnehmend, flach. Beide sind nur am Rande durch
einen Kranz von Granula umgeben, hie und da besteht dieser
Kranz aus zwei Reihen Granula. Die dorsalen Platten glatt,
von einem einfachen Kranze von Granula umgeben; die mei-
sten sind zitzenartig erhoben. Die grössten Platten liegen in
der Richtung gegen den Winkel zwischen zwei Armen; und
diese sind flacher; die grösste von ihnen am nächsten dem mitt-
“lern Theile der Scheibe, dann folgen zwei und wieder zwei
nebeneinander. Die Madreporenplatte liegt zwischen der unpaa-
rigen und dem ersten Paar. Gegen die Arme hin ordnen sich
die Platten in Reihen; die mittlere Reihe hat die stärksten
Erhöhungen. Keine Pedicellarien.
Farbe: rothbraun.
Grösse: 3 Zoll.
Fundort. Südwestliches Neuholland. Iım zoologischen Mu-
seum zu Berlin durch Preiss.
5. Goniodiscus singularis Nob. nov. sp.
Fünf Arme. Verhältniss des kleinen zum grossen Radius
wie 1:2. Die Winkel zwischen den Armen sind ausgerundet.
45 dorsale und ventrale Randplatten an jedem Arm; ausserdem
eine unpaarige interradiale dorsale und ventrale Randplatte.
Furchenpapillen in drei bis vier Reihen, eylindrisch und stachel-
artig; in der innersten Reihe eine auf jeder Platte, ebenso in
den andern Reihen. Die Platten der Bauchseite sind weitläufig
117
eylindrisch granulirt, und oft so, dass ihr Rand von Gra-
nula umgeben ist, zwischen denen eine zuweilen grössere in
der Mitte liegt; meist findet eine gleichmässige Granulation der
Platten statt. Die Randplatten nehmen allmählich an Grösse
ab, sind breiter als lang und liegen schräg. Die interradiale
mittlere ist beinahe dreieckig. Die Granulation der Randplat-
ten ist niedriger und dichter, die Granulation des Rückens ist
ähnlich der der Randplatten. Die Porenfelder sind klein und
zahlreich. Keine Pedicellarien.
Farbe: roth.
Grösse: 3 Zoll.
Fundort: Chile (Reloncabi). Im zoologischen Museum zu
Berlin dureh Philippi.
6. Goniodiseus seriatus Nob. nov. sp.
Fünf Arme. Verhältniss des kleinen Radius zum grossen
wie 1:21. Die Winkel zwischen den Armen ausgerundet;
Arme spitz. An jedem Arm 13—15 dorsale und ventrale
Platten, an Grösse allmählich abnelımend, breiter als lang. Die
Furchenpapillen in der innern Reihe 7 auf einer Platte, von
denen die mittlern die längsten, ein abgerundetes Blatt bildend;
darauf folgt ein Haufen diekerer Papillen, zunächst der innern
Reihe eine oder zwei, von denen die aborale zweite oft kleiner,
dahinter noch einige ähnliche, zu demselben Haufen gehörend;
sie sind eomprimirt, und am Ende verdickt und abgeschnitten.
Die Bauchplatten sind grob granulirt, und haben häufige Pe-
dicellarien von Grösse der Granula. Am häufigsten sind die
Pedicellarien an den Platten, welche den Furchen zunächst
liegen. Die Granulation der Randplatten ist etwas dichter als
die der Bauchplatten. Pedicellarien von Grösse der Granula
finden sich an den ventralen Randplatten ziemlich häufig, an
den dorsalen sind sie ziemlich selten, oder fehlen ganz. Die dor-
salen Platten stehn in regelmässigen Längsreihen auf dem Rük-
ken der Arme; im Interradius des Rückens liegen zwei Paare
twas grösserer. Alle sind mit Granulation bedeckt, zwischen
ber sich einzelne viel grössere platte Granula auf jeder Platte
bemerklich machen. Die Platten auf der Mitte der Arme tra-
f gen oft mehrere solche, welche Querreihen bilden. Granula-
artige Pedicellarien sind auf dem Rücken selten. Die Madre-
118
porenplatte ist gross, und liegt auf der Mitte zwischen
Rande und Centrum. i
Farbe: im trocknen Zustande röthlich braun.
Grösse: 5 Zoll.
Fundort: Südwestliches Neuholland. Im zoologischen Mu-
seum zu Berlin durch Preiss,
s
2. Astropecten triseriatus Nob. nov. sp.
Fünf Arme. Verhältniss des kleinen zum grossen Radius
wie 1:4. Randplatten 30 an jedem Arme. Die Furchenpa-
pillen bilden keilförmige Haufen. Auf den ventralen Platten
zeichnen sich in der allgemeinen Bedeckung nur. einzelne kurze
Schüppchen aus. Plötzlich treten gegen den Rand einige Sta-
eheln hervor, von denen der dritte längste den Randstachel
bildet. Auf den dorsalen Randplatten stehn drei gleich grosse
conische Stachelchen, deren Grösse von dem Grunde der Arme
bis zur Spitze abnimmt. Ihre Zahl vermindert sich am Grunde
und an der Spitze der Arme auf zwei. Sie stehn immer ‚dicht
neben einander und ihre Länge gleicht auf der Mitte der Arme
der Länge einer Randplatte, Die Randplatten sind in der Mitte
der Arme etwas höher als breit, und hier beträgt der Paxil-
lenraum das dreifache ihrer Breite. Die Madreporenplatte ist
sehr gross und liegt dieht an den Randplatten.
Grösse: 4 Zoll.
Fundort: Südwestliches Neuholland. Im zoologischen Mu-
seum zu Berlin durch Preiss.
8. Astropecien Buschii Nob. sov. sp.
Verhältniss des kleinen Halbmessers zum grossen wie 1:45.
Zahl der Randplatten 35. Die Furchenpapillen stehen in zwei
Reihen, in der innersten stehen drei, von denen die mittlere
ein wenig vortritt, in der äussern eine grössere platte am
Ende abgestutzte auf jeder Platte, die noch von einigen ganz
kleinen Stachelehen umgeben ist. In der Beschuppung der
Bauchplatten tritt eine Querreihe von Stachelchen- hervor, wel-
che nach dem Rande zu nicht grösser werden. Am äussersten
Rande eine dichte Reihe von längern eylindrischen Stacheln,
meist drei auf einer Platte in einer Längsreihe. Die dorsalen
Randplatten sind mit niedrigen Granula besetzt und: tragen
e 119
einen bis drei eonische Stacheln, die weit von einander ent-
fernt stehn, und so lang sind wie die Länge einer Platte; die
äussere Reihe ist am vollzähligsten vorhanden, die innere Reihe
hingegen nur an den Winkeln zwischen den Armen; von der
mittleren Reihe finden sich nur hier und da Spuren. Die
Randplatten sind in der Mitte der Arme breiter als hoch. Der
Paxillenraum ist hier sehr schmal, und erreicht kaum die Hälfte
der Breite einer Platte. Die Paxillen sind auf der Scheibe
dadurch ausgezeichnet, dass sich aus der Mitte jeder Bürste
ein ansehnliches Stachelchen erhebt. Die Madreporenplatte
liegt dicht an den Randplatten.
Grösse: 4 Zoll.
Fundort: unbekannt. Im Museum zu Berlin dureh Dr.
von dem Busch in Bremen.
9. Astropeeten Vappa Nob. nov. sp.
Fünf Arme. Verhältniss des kleinen zum grossen Halb-
messer wie 1:3}. Zahl der Randplatten 21. Furchenpapillen
in zwei Reihen; in der innersten drei, in der äusseren wieder
drei von gleicher Gestalt. Auf den Bauchplatten treten ein-
zelne stachelartige Schüppchen aus der allgemeinen Beschup-
pung hervor, wovon das äusserste länger, aber kürzer als der
Randstachel, der überall spitz und etwas platt ist. Die dorsa-
len Randplatten sind in der Mitte der Arme so breit wie hoch;
sie tragen nach aussen hin ein conisches Stachelchen. Der
Paxillenraum ist sehr breit, in der Mitte der Arme noch mehr
als dreimal so breit wie die Breite der dorsalen Randplatten.
Die Madreporenplatte steht dicht am Rande,
Grösse: 1% Zoll.
Fundort: Sudiwestliches Neuholland. Iın zoologischen Mu-
seum in Berlin durch Preiss.
10. Astropeeten Preissii Nob. nov. sp.
Fünf Arme. Verhältniss des kleinen Radius zum grossen
wie 1:5}. An jedem Arme 60 Randplatten. Die Furchen-
papillen bilden einen keilförmigen Haufen. Die- Bekleidung
der Platten der Bauchseite besteht aus einer Reihe dünner
- Stachelehen, welche nach dem Rande zu sehr gross werden,
Die Randstachelu sind jedoch von ihnen ausgezeichnet durch
120
ihre Dicke und Länge. Sie sind in den Winkeln der Arme
spitz und etwas platt aber nicht breit, weiterhin werden sie
eylindrisch und am Ende abgestutzt. Die dorsalen Randplat-
ten sind granulirt und tragen weder Stacheln noch grössere
Granula. Die Breite derselben in der Mitte der Arme gleicht
ihrer Höhe. Der Paxillenraum zwischen den Randplatten
beträgt in der Mitte der Arme das Doppelte von der Breite
einer Reihe. Man sieht keine Madreporenplatte,
Grösse: 8 Zoll.
Fundort: Südwestliches Neuholland. Im zoologischen Mu-
seum zu Berlin durch Preiss,
11. Ophiolepis chilensis Nob. nov. sp.
Die Scheibe dachziegelförmig beschuppt. Radialschilder
nach dem Centrum zu divergirend; zwischen ihnen liegen drei
Schüppchen in einer Längsreihe, von denen die mittlere keil-
förmig ist. Die Mundschilder sind viereckig und klein. Die
Mundpapillen zwei an jedem Seitenrande und zwei an jedem
vorspringenden Winkel über der Zahnkolumne; diese zeichnen
sich durch Dieke und Höhe aus. Die Arme sind sehr schmal
und lang und bestehn aus 170 Gliedern. Die Rückenschilder
der Arme sind queroval, mehr als doppelt so breit wie lang.
Die Bauchschilder sind viereckig, wenig breiter als lang. Drei
Reihen stumpfer eylindrischer Stacheln von fast gleicher Länge.
Sie gleichen an Länge der Breite der Bauchschilder. Eine
Schuppe am Tentakelporus.
Farbe: dunkel, mit fünf Paaren gelber Flecken auf dem
Rücken der Scheibe in der Nänd der Radialschilder; der Rük-
ken der Arme dunkel mit gelben Flecken. Die Bauchseite
der Arme ist gegen den Endtheil der Arme zu ebenfalls gelb
gefleckt.
Grösse: Durchmesser der Arme reichlich 3 Linien; Länge
eines Arms 7—-8mal so lang wie der Durchmesser der Scheibe,
Fundort: Chile. Im zoologischen Museum zu Berlin durch
Philippi.
121
U. Über die Ophiuren mit Häkchen an den Armen.
Wir haben in einer Abhandlung über die Gattungen der
Ophiuren in diesem Archiv 1840. I. p. 326 eine Gattung
Ophionyx nach einem äusserst kleinem Thierchen (OpAio-
NYxX armata) aufgestellt, welche sich von andern Ophiuren
durch das Vorhandensein eines mehrzackigen Häkchens unter-
halb der Stachelreihen der Armglieder auszeichnet. Damals
konnten wir die Vermuthung nicht unterdrücken, dass es viel-
leicht nur der Jugendzustand einer Art aus einer andern Gat-
tung sei. Bald beobachteten wir diese Häkchen noch an einer
. zweiten Art, Ophiura seutellum Grube aus dem mittellän-
dischen Meere, der wir daher den Namen Ophionyx seu-
tellum beilegten. Noch zwei Arten zogen wir nach den Ab-
bildungen von Savigny unter den Echinodermen des rothen
Meers in der Description de l’Egypte hierher: Opkionyx Sa-
vignyi und Ophionyzx scorpio Nob. Hier sind nämlich
diese Häkchen sehr deutlich abgebildet. Diese vier Arten ha-
ben wir in dem System der Asteriden, Braunschweig 1842,
aufgeführt.
Wir haben dort die Gattung Op/xonyxz mit der Gattung
Ophiothrix in eine Gruppe vereinigt, welche die Gattungen
ohne Papillen an den Mundspalten umfasst. Beide Gattungen
haben echinulirte Stacheln; beide haben nur Zahnpapillen, und
die Ophionyxz unterscheiden sich von den Opkiothrix allein
durch den Besitz der Häkchen.
Die von uns beobachteten Arten von Opkiony. hatten
Häkchen in der ganzen Länge der Arme. Ebenso ist es bei
einer von Erdl untersuchten Ophiura aus dem adriatischen
Meere (dieses Archiv 1842, 1. p.58 tab. Il. fie. 14), die er
Opkhiura echinata nennt, welche mit unserer Ophionyx scu-
tellum (Ophiura scutellum Grube) identisch ist; denn diese
stimmt durch die Zahl (2) der Stacheln an den Seiten der
Arme und durch das Grössenverhältniss des Häkchens zu den
Stacheln mit der Erdl’schen Abbildung. überein.
In neuerer Zeit haben wir die Arten unsers Genus OpAio-
thrix wegen seiner nahen Verwandtschaft mit Ophionyx
auf die Gegenwart der Häkchen am Endtheil der Arme ge-
nauer untersucht, und haben uns überzeugt, dass sie hier wirk-
lich in geringerer oder grösserer Ausbildung vorhanden sind,
122
und dass sie bei einzelnen Arten vereinzelt selbst bis gegen
den Grund der Arme vorkommen. Dies ist z.B. der Fall bei
Ophiothrix fragilis. Das unterste und kürzeste Stachel-
chen verwandelt sich nämlich hier und da aus seiner mit den
übrigen Stacheln gemeinsamen echinulirten Beschaffenheit in
die Hakenform, indem sich einzelne Zacken regelmässig
nach innen krümmen und verlängern, während die Zacken an
der Aussenseite vollkommen obliteriren. Gegen das Ende der
Arme sind die Häkchen regelmässig an jedem Gliede vorhan-
den und verhältnissmässig grösser zur Länge der Stacheln.
Diese zweizackigen Häkchen sind übrigens überall sehr klein
und leicht zu übersehen, und können nur mit Hülfe einer star-
ken Lupe aufgesucht werden. Bei Ophiothrix Rammels-
bergii sind sie am Ende der Arme in gleicher Weise zwei-
zackig ausgebildet, und vereinzelte kommen schon früher vor.
Ophiothrix hirsuta hat keine solche Häkchen am grössern
Theil der Arme, wohl aber am Ende derselben; sie sind eben-
falls zweizackig. Ophiothrix echinata (Asterias echinata
Delle Chiaje) hat zwei- bis dreizackige Häkchen erst gegen
das Ende der Arme. In andern Fällen sind dieHäkchen auch am
Ende der Arme sehr wenig ausgebildet, so dass man sie schwer
erkennen würde, wenn man sie nicht bei andern Arten in aus-
gebildeterer Gestalt gesehen hätte. So ist es bei Ophöothrix
longipeda (Ophiura longipeda Lam.) Sie gleichen hier Pa-
pillen, die an ihrer innern Seite mit vielen Zacken besetzt und
wie gesägt oder gekämmt sind. Bei keiner Opkiothrix haben
wir eine regelmässige Ausbildung an der ganzen Länge der
Arme wahrgenommen.
Durch diese Beobachtungen erscheint die Verwandtschaft
der Ophiothrix und Ophionyx noch grösser als es bisher der
Fall war, so gross, dass sie durch kein wesentliches Merk-
mal mehr zu unterscheiden sind, so dass sie sich nur künst-
lich noch als Untergattungen einer und derselben Gattung
trennen lassen. Wir erhalten derselben den Namen Ophio-
thrix, und unterscheiden darin die OpAiothri.x im engeren
Sinne, bei welchen die Häkchen nur am Ende der Arme regel-
mässig an allen Gliedern vorkommen, und die Ophionyz,
bei ‘denen sie in der ganzen Länge der Arme regelmässig
ausgebildet sind.
123
Ill. Über die geographische Verbreitung der
Asteriden.
Es sind jetzt so viele Asteriden aus den verschiedenen
Erdgegenden bekannt, dass es sich der Mühe lohnen möchte,
einen Blick auf ihre geographische Verbreitung zu werfen. In
der @melinschen Ausgabe des Linne sind nach Abzug der
Crinoiden nur 33 Species der Asteriden aufgeführt. Die Zahl
der Arten war in der Dissertation von Retzius auf 46 ge-
stiegen. Lamarck hat 24 Arten von Ophiuriden, 44 Arten
von Asterien, also im Ganzen 68. Gray unterscheidet
123 Arten von Asterien, die in 45 Gattungen vertheilt sind.
In unserm „System’” sind 232 Asteriden beschrieben, wovon
wir 32 nicht gesehen. Davon kommen 149 Arten auf die Ab-
theilung der Asterien, worunter 60 neu, in 18 Gattungen vertheilt;
83 auf die der Ophiuriden, worunter 32 neu, in 14 Gattungen
vertheilt. Zu diesen kommen 9 eben beschriebene Asterien
und 41 Ophiure, wodurch die Gesammtzahl auf 242 sich er-
höht. Inder folgenden Übersicht haben wir bereits die uns noch
unbekannten, einer noch ausführlichern Beschreibung bedürf-
tigen Asteriden mehrerer Autoren aufgenommen. Von den Küsten
Europa’s sind uns 56 Arten bekannt geworden, von denen man im
Allgemeinen annehmen kann, dass sie am vollständigsten gekannt
sind. Nach diesem Maassstabe lässt sich erwarten, dass noch
eine unverhältnissmässig grosse Zahl von Asteriden unbekannt ist.
Die allgemeine Verbreitung der Asteriden ist von keinen
klimatischen Verhältnissen abhängig, sie kommen in den Polar-
meeren so gut wie in den gemässigten und tropischen Klima-
ten vor. Die meisten Arten sind an ein bestimmtes Klima
gebunden, andere dagegen haben eine sehr weite Verbreitung
und scheinen in-allen Meeren- vorzukommen. Zu diesen’müs-
sen wir namentlich 4 Arten zählen,
Asteracanthion rubens lebt in der Nordsee, im Mit-
telıneer, in Japan und in Chile.
Asteracanthion tenuispinus im Mittelmeer, bei den
Molukken und Neuholland.
Echinaster oculatus in den norwegischen Meeren, im
Mittelmeer, und im indischen Ocean.
124
Asteriscus verruculatus in der Nordsee, im Mittel-
meer, im rothen Meer und in Indien.
Als ausschliesslich dem hohen Norden, insbesondere der
Fauna von Spitzbergen und des nördlichsten Theils von Nor-
wegen angehörend bezeichnen wir 5 Arten:
Ophiolepis Sundevalli.
Ophiocoma arctica.
Ophiacantha spinulosa.
Ophioscolex glacialis.
Astrophyton Lamarckii.
Der Ötenodiseus polaris findet sich ausser den nördlich -
sten europäischen Küsten auch in Grönland, mit Echinaster
Eschrichtii und Astrophyton euenemis.
Ausgebreiteter sind andere nördliche Seesterne, indem sie
sich ausser dem nördlichen Theil des atlantischen Oceans auch
in der Nordsee finden. Hierher gehören folgende 16 Arten:
Asteracanthion roseus.
Solaster papposus, endeca.
Astrogonium phrygianum, granulare.
Asteropsis pulvillus.
Astropeeten andromeda.
Pteraster militaris.
Ophiolepis filiformis, scolopendrica, brachiata.
Ophiocoma bidentata, nigra,
Ophiothrix granulata.
Asteronyx Loveni.
Astrophyton Linckii.
Die Ostsee scheint von den Seesternen vermieden zu werden.
Vom nördlichen Europa bis in das Mittelmeer erstrecken
sich 11 Arten:
Asteracanthion glaeialis, rubens.
Echinaster oculatus.
Asteriscus verruculatus, palmipes.
Luidia Savignü.
Ophiolepis eiliata, squamata, Ballii.
Ophiocoma tumida.
Ophiothrix fragilis.
Dem Mittelmeer eigenthümlich sind 25 Arten:
Echinaster sepositus.
Chaetaster subulatus,
125
Ophidiaster ophidianus, attenuatus.
Astropeeten bispinosus, Johnstoni, platyacanthus, serratus,
spinulosus, pentacanthus, subinermis, aurantiacus.
Ophioderma longicauda.
Ophiolepis ‚Tenorii.
Ophiacantha setosa.
Ophiomyxa pentagona.
Ophiothrix echinata, alopecurus, tricolor, Ferussaeii, quin-
quemaculata, spinulosa, Rammelsbergii.
Astrophyton arborescens.
Von der westlichen afrieanischen Küste sind uns leider fast
keine Arten bekannt. Luidia senegalensis ist nach Lamarck von
dort, aber auch von Maregrav in Brasilien beobachtet. Wir
erwähnen noch von den Inseln, welche der africanischen Küste
gegenüber liegen:
Nareissia Teneriffae Gray von Teneriffa.
Ophidiaster aurantius Gray von Madeira.
Astropecten erinaceus Gray von St. Helena.
Dem südlichen Africa gehören an:
Asteracanthion africanus.
Asteriscus coccineus.
Ophioderma Wahlbergii.
Ophiothrix triglochis.
Asteriscus Krausii.
Letzterer kommt zugleich an den Molukken vor.
Im indischen Ocean überhaupt finden sich einige Arten von
sehr weiter Verbreitung.
Asteriscus pentagonus (Rothes Meer, Molukken, Vandie-
ımensland.)
Asterisecus penicillaris (Rothes Meer, indischer Ocean,
südwestliches Neuholland.
Goniodiscus Sebae (Rothes Meer, Molukken, Neuguinea).
Archaster angulatus (Isle de France, Java, südwestliches
Neuholland).
Echinaster fallax (Rothes Meer, Isle de France, Molukken,
Philippinen).
Asterias (Asteracanthion) Calamaria Gray (Isle de France,
Neuholland).
Ophiolepis imbricata (Isle de France, Timor).
126 =
Ophiocoma erinaceus (Isle de France, rothes Meer, süd-
westliches Neuholland).
Ophiothrix longipeda (Isle de France, Timor).
An eigenthümlichen Arten von Isle de France können wir
8 anführen: s
Asteracanthion striatus.
Ophidiaster eylindrieus,
Dactylosaster (Ophidiaster) eylindrieus Gray.
Scytaster variolatus.
Oreaster obtusatus, nodosus.
Astropecten longipes Gray,
Ophiocoma lineolata.
Isle de France und dem rothen Meere gemeinsam ist nur
eine Art:
Scytaster milleporellus.
Dem rothen Meere eigenthümlich sind 15 Arten:
Ophidiaster Hemprichii, multiforis.
Oreaster tubereulatus, mamillatus.
“ Astropecten polyacanthus, Hemprichüi.
Linekia (Ophidiaster) erythraea Gray.
Gomophia aegyptiaca Gray.
Ophiolepis eincta, dubia, Savignii.
Ophiocoma Valenciae.
Ophiothrix hirsuta.
Ophionyx Savignü, Scorpio.
Vom rothen Meere bis in dieMolukken verbreitet sind 5 Arten:
Ophidiaster Ehrenbergii.
Culeita coriacea.
Asteropsis carinifera.
Ophiolepis annulosa.
Ophiocoma scolopendrina,
Ostindische Arten und meist von den Molukken bekannt
sind 23:
Oreaster affınis, turritus, hiuleus, verrucosus, regulus
(Pondichery). 2
Astrogonium cuspidatum,
Seytaster semiregularis, Kuhlii.
Asteriscus Cepheus, trochiscus.
Echinaster solaris.
127
Archaster typieus. a
Astropecten hystrix (Ceylon), longispinus.
Petalaster Hardwickii Gray.
Ophiocoma pieta, Schoenleinii.
Ophiomastix annulosa.
Ophiarachna incrassata, infernalis, septemspinosa.
Ophiothrix aspidota.
Trichaster palmiferus.
Astrophyton verrucosum, asperum,
Den Molukken, Carolinen und Neuholland gemein ist nur
eine Art:
*
Ophidiaster miliaris.
Von Neuholland sind 15 Arten bekannt:
Astrogonium astrologorum, magnificum, nobile,
Asteriscus australis.
Pentaceros Franklinii Gray.
Asteropsis vernicina.
Oreaster valvulatus.
Goniodiscus seriatus, ocelliferus.
Astropecten Preissii, triseriatus, Vappa.
Echinaster decanus.
Tosia australis Gray.
Uniophora globifera Gray.
Echinaster eridanella -von Neu-Irland.
Culeita novae Guineae von Neuguinea.
Hieran schliessen sich zunächst die Arten von den Inseln
der Südsee, zum Theil ohne nähere Angabe des Fundorts:
Asteracanthion graniferus.
Ophidiaster echinulatus.
Goniodiscus pleyadella.
Ophiothrix nereidina.
Culeita discoidea (Marquesas-Inseln).
Linckia (Ophidiaster) pacifica Gray (Societäts-Inseln).
Astrophyton exiguum.
Dem chinesischen Meere und Neuholland gemein ist:
Astrogonium pulchellum.
Vom chinesischen Meere mit Einschluss der Philippinen sind
5 Arten bekannt.
Oreaster chinensis, orientalis.
128
Goniodiseus pentagonulus, Capella.
Randasia Luzonica Gray.
Japan und Neuholland gemein ist:
Luidia maculata.
Japan eigenthümlich sind 5 Arten:
Asteriscus peetinifer.
Stellaster Childreni.
Archaster hesperus.
Astropecten armatus, japonicus.
Aus dem Meer von Kamtschatka und der Behringsstrasse sind
nur die von Brandt beschriebenen Arten bekannt, nämlich:
Asterias ochraeea Br. (? Asteracanthion margaritifer Nob.)
Asterias miniata Br.
Asterias ianthina Br.
Asterias epichlora Br.
Asterias pectinata Br.
Asterias camtschatica Br.
Asterias affınis Br.
Asterias älboverrucosa Br.
Asterias endeca Br.
Asterias helianthoides Br,
Von der Westseite des nördlichen und centralen Amerika
sind bekannt:
Oreaster armatus.
Astropecten regalis Gray.
Paulia horrida Gray.
Von der Westseite des südlichen Amerika:
Asteracanthion gelatinosus, aurantiacus, helianthus.
Ophidiaster suturalis.
Goniodiscus singularis.
Asterias echinata Gray.
Cistina (Ophidiaster) Columbiae Gray.
Gymnasteria (Asteropsis) spinosa Gray.
Petalaster Columbiae Gray. |
Pentaceros Cumingii Gray.
Ferdina Cumingiüt Gray.
Dactylosaster (Ophidiaster) gracilis Gray.
Ophidiaster pyramidatus Gray.
Ophiolepis chilensis.
; 129
Von der Ostküste von Südamerica:
Echinaster brasiliensis.
Asteriscus minutus.
Oreaster reticulatus.
Astropecten brasiliensis.
Von Westindien und den: Antillen:
Echinaster serpentarius.
Ophidiaster ornithopus.
Oreaster aculeatus. ft
Astropecten Valeneiennii. ”
Astropecten‘ dubius Gray.
Linekia ‘(Ophidiaster)' Guildingii Gray.
Gemein dem südlichen und nördlichen America 'ist-
Ophiothrix violacea. |
Von der Ostküste Nordamerika’s sind bereits’ 42 Arten
bekannt:
f Asteracanthion 'Katherinae:
Echinaster spinosus.
Astropecten articulatus.
Ophiolepis paueispina, elongata, reticulata.
Ophiocoma erassispina, isocantha. k
Ophiura brevispina Say, flaccida Say, appressa Say, eir-
rhosa Say.
Werfen wir nach dieser Aufzählung der verschiedenen Fau-
nen einen Blick ‚auf die Verbreitung der Gattungen, so müssen
wir auch wieder Gattungen unterscheiden, die in allen Meeren’
verbreitet sind, und andere, die einer bestimmten Weltgegend
angehören. Zu den ersteren gehören die ‚Gattungen Astera-
eanthion, die jedoch’ am wenigsten in dem indischen ‘Ocean,
am meisten in den gemässigten und kalten Zonen entwickelt
ist; — Echinaster'in allen Meeren der alten und neuen Welt;
— Astropecten ebenso, aber reich an Arten im mittelländischen
Meere; — Asteriseus im Norden ‘und Süden -der alten und
neuen Welt. Auch die Gattungen Asteropsis und Luidia,''von
denen nur wenige Arten bekannt‘ sind, reichen vom nördlichen
Europa bis nach Indien, letztere bis Japan. — Unter den Ophiu-'
ren sind am weitesten verbreitet die Gattungen Ophiolepis, Ophio-
coma und Ophiothrix. Die Ophiolepis kommen in den nordi-
. - . I Du) ” 1}
schen Meeren, im Mittelmeer, im’ rothen Meere, 'in Indien und
Archiv f. Naturgesch, IX, Jahrg, 1. Bd, 9
130
auf beiden Küsten Amerika’s vor. Die Ophiocomen erscheinen
im höchsten Norden, im atlantischen Ocean, ‘im Mittelmeer, in
Indien, im rothen Meer, in Neuholland, an der Ostküste des
nördlichen Amerika und Westindien, fehlen dagegen noch in
Siidamerika und dem stillen Meer. Die Ophiothrix erscheinen
in den europäischen Meeren, im rothen Meere, Indien, Austra-
lien, Südafrika und der Ostküste von Amerika. Die Astrophy-
ton, deren bekannte Arten meist dem nordischen, und selbst
hochnordischen Meeren angehören, erscheinen auch im Mittel-
meer, in Indien und in der Südsee, fehlen aber noch an den
Küsten Amerika’s, woher jedoch Lamarek sein Euryale costo-
sum haben wollte. — Auch bei Marcgrav wird eines: Astro-
phyton Erwähnung gethan.
Die Astrogonien kommen in allen Zonen vor, beschränken
sich aber noch auf die östlıche Hemisphäre. Die Oreaster sind
mit Sicherheit noch nicht in europäischen Meeren gesehen;
ihre Verbreitung geht von dem indischen Ocean nach dem
rothen Meere, Australien und China; unter 13 Arten von be-
kanntem Fundort gehören 9 dem indischen Ocean, nur wenige
Arten der westlichen Hemisphäre an. Die Goniodiseus gehö-
ren dem indischen Ocean, dem rothen Meere, Australien,
China und der, Westküste von Südamerika an.
Die Ophidiaster sind grösstentheils tropische Seesterne;
sie reichen bis in das Mittelmeer, nicht bis in die nördlichen
europäischen Meere. Sie erscheinen in beiden Erdhälften, die
meisten aber gehören dem indischen Ocean und rothen Meer an.
Ausschliesslich nordische Gattungen sind bis jetzt die Sol-
aster, Pteraster, Ophioscolex und Asteronyx.
Die Culeita sind nur im indischen Ocean, rothen Meere
und Australien beobachtet, Die Seytaster nur im indischen
Ocean und rothen Meer; die Archaster nur im indischen Ocean
und Japan; Stellaster nur in Japan.
Die Gattung Ophioderma erscheint im Mittelmeer und süd-
lichen Afrika; Ophiarachna, Ophiomastix und Trichaster kom-
men nur im indischen Ocean vor. Ophionyx findet sich im
rothen Meer und Mittelmeer, Ophiacantha in den europäischen
Meeren, Ophiomyxa ausschliesslich im Mittelmeer.
Die amerikanischen, japanesischen, chinesischen , neuhol-
ländischen Ophiuren sind noch. sehr unvollständig bekannt.
131
Die meisten amerikanischen. ‚Ophiuren, welche man. kennt,
gehören der Ostküste des nördlichen Amerika an, von der
ganzen Westküste ist nur eine Ophiure bekannt, desgleichen
nur eine von der Ostküste des südlichen Amerika.; Von Neu-
holland ist uns keine Ophiure bekannt geworden, ‚ausgenom-
men die weitverbreitete Ophiocoma erinaceus. Von China,
Japan, den Aleuten und dem kamtschatkisehen Meere kennt
man: noch keine einzige Ophiure; und. von Madagascar keine
einzige Asteride.
Neue Beiträge zur Kenntniss der Arten der
Comatulen
von
Joh: Müller.
In. dem Monatsbericht der Königl. Akademie der Wissen-
schaften zu Berlin 1841 Mai und daraus in diesem Archiv 1841
sind die Arten der Comatulen festgestellt und 16 neue Arten
ausführlich beschrieben. ‚Seit‘ dieser Zeit habe ich, noch ‚einige
neue Arten kennen gelernt, theils auf meiner Reise in. Schwe-
den im Herbste ‚des Jahres 18414, nämlich in. den Museen von
Stockholm und Lund, theils hier in Berlin unter neu einge-
troffenen Materialien. Diese will ich jetzt beschreiben.
Aleeto Wahlbergii Nob. nov. sp.
20 Arme. Knopf ganz flach, selbst ausgehöhlt, Ranken
am Umfang, 24 mit 17 Gliedern. ‚Von der Hälfte der Länge
der Ranken an haben ihre Glieder innen ein Dörnchen, Die
untersten Rankenglieder. sind dieker und breiter als lang, die
weiteren ‚länger als breit, noch weiterhin ‚bis ans Ende so lang
wie breit. Radialglieder sind nur 2 sichtbar. Nach. der Thei-
lung 3 Glieder bis zur zweiten Theilung, wovon das zweite
aussen eine Pinnula, das dritte ein Syzygium. hat, 3—5 Glie-
der ‚zwischen. den Syzygien der Arme. ‚Die ‚Armglieder sind
niedrig. Die erste Pinnula ist grösser. als die zweite, diese
g%*
132
grösser als die dritte. Am Anfang der Armie sind die letzten
Glieder der Pinnulae mit einem hohen vorspringenden Kiel’ ver-
sehen. Farbe gelbgrün. Grösse 5—6 Zoll. Fundort Port
Natal. Im Museum der Akademie der Wissenschaften zu Stock-
holm durch Wahlberg.
Aleeto purpurea Nob. nov. sp.
10 Arme. Knopf sehr klein, platt. 12 Ranken mit 12 Glie-
dern, diese so breit wie lang. 2 Radialia des Kelches sicht-
bar und diese bilden ein Syzygium, beide sind sehr niedrig.
Das erste Glied der Arme hat ein Syzygium, das zweite Glied
ist ebenfalls ein Doppelglied mit Syzygium. 2—-6, meist je-
doch''2-—3' Glieder zwischen ‘den Syzygien ‘der Arme,’ Die
Armglieder grenzen ans Keilförmige.. Die erste Pinnula steht
am Epizygale des ersten Doppelgliedes. Die Pinnulae nehmen
von der ersten bis dritten ab, so dass diese die kleinste, dann
nehmen sie allmählig an Grösse zu. Bauchseite der Scheibe?
Farbe purpurroth. Grösse gegen 5 Zoll. Fundort Neuholland.
Im zoologischen Museum zu Berlin durch Preiss.
Alecto rosea Nob., deren Fundort bisher unbekannt war,
ist von Preiss auch von Neuholland eingesandt.
In der frühern Mittheilung habe ich unter dem Namen
Actinometra imperialis (Comatula solaris Mus. Vienn,
verschieden von €. solaris Lam.) eine Comatel des Wiener
Museunis beschrieben, welche generisch von andern durch die
Bildung ihres Scheitels verschieden zu sein schien. ‘Auf dem
Scheitel, der mit blumenartigen Kalkblättehen bedeckt ist, ist
keine Spur von den Furchen zu sehen, die bei den Comatulen
von den Armen zum Munde führen. Auch ist dort nichts vom
Munde zu sehen. Die Mitte der Bauchseite nimmt eine Röhre
ein. Die Arme haben die ventrale Furche der Comatulen, die
Furchen der 10 Arme münden aber in gleichen Abständen in
eine die Scheibe am Rande umziehende Cirkelfurche. Diese
eigenthümliche Bildung liesse sich durch eine unsymmetrische
Vergrösserung desjenigen Intertentacularfeldes, worin die After-
röhre steht, über den ganzen Scheitel und auf Kosten der an-
deren Intertentacularfelder erklären, so dass der Mund aus der
Mitte des Scheitels ganz an die Seite zwischen je 2 Armen
geräth. Es ist mir aber nicht gelungen, den Mund hier zu
133
finden. Die Comatul war trocken, übrigens ist es eine colos-
sale Art.
Ganz dieselbe Bildung des Scheitels habe ich noch bei
zwei andern trocken aufbewahrten Comatulen' des Museums
zu Lund wahrgenommen, die eigene Species bilden. Sie sind
von Retzius in seiner Dissertatio sistens species cognitas aste-
riarum, Lundae 1805. 4., Asterias multiradiata und Asterias
peetinata genannt. Hier folgt die specielle Beschreibung, ‘die
ich‘ an den Originalexemplaren von, Retzius im Lundner
Museum gemacht habe:
Asterias multiradiata Retz. diss. p. 35 spec, 48.
Vielarmig. Knopf flach, in der Mitte der Fläche desselben
eine Vertiefung. Ranken am Umfang des Kopfes 24 mit 24 Glie-
dern, diese nicht Jänger als breit, an jüngeren einige Glieder
länger als breit, an älteren Ranken sind die Glieder oft brei-
ter als lang. Radialia niedrig, nur 2 sichtbar, darauf folgen
3 Glieder der Arme bis zur Theilung, das dritte axillar, aber
dieses hat ein Syzygium, dann 2 Glieder bis zur nächsten Thei-
lung, das zweite axillar, welches wieder ein Syzygium hat.
Zwischen den Syzygien der Arme 7—14 Glieder. Die Glieder
der Arme sind niedrig und am vorderen d. h. aboralen Rande
wie eiliirt von feinen mit der Lupe zu sehenden Spitzen. Die
erste Pinnula am zweiten Gliede der 10 Primärarme, nach der
nächsten Theilung steht die erste Pinnula am ersten Glied über
dem Axillare, nach der ‚nächsten Theilung die erste Pinnula
wieder am ersten Gliede, Die ersten Pinnulae am Anfang der
Arme sind gross. Die Glieder der Pinnulae sind kurz. Auf
der Bauchseite: der Scheibe viele stumpfe, kurze Knochen-
tuberkeln, wie der Knopf einer dünnen Stecknadel.. Im Mu-
seum zu Lund.
Asterias peetinata Retz. diss. p. 34 spec. 47.
40 Arme, Knopf in der Mitte concav. 16 Ranken, nur
am Rande, mit 43 Gliedern, das letzte mit einem Dörnchen
innen. Glieder kaum höher als breit. Die Radialia sind äusserst
niedrig. Die Arme sind am Anfang dünner, als weiter-
hin. Die Glieder der Arme sind keilförmig und greifen
zickzackförmig in einander, sie haben an der Rückseite eine
a
134
Spur von Kiel. Das erste sowohl als das zweite Glied der
Arme haben schon ein Syzygium. 2—8 Glieder zwischen den
Syzygien der Arme. Die erste Pinnula am Epizygale des
ersten Doppelgliedes. Die beiden ersten Pinnulae sind gleich
gross. Die zweite hat die 2 untersten Glieder auflallend nach
hinten erweitert. Die dritte Pinnula ist klein. Die folgenden
sind grösser und nehmen schnell zu. Die Glieder der Pinnulae
sind breiter als hoch. Auf der Rückseite der Arme sehr regel-
mässig zwei schwarze Läneslinien, die in der Mittellinie durch
eine helle Linie getrennt sind. 10 Zoll gross. Im Museum
zu Lund. Diese Art hat viel Ähnlichkeit mit A. purpurea, mit
Ausnahme der Farbenzeichnung.
Eine völlige Sicherheit, ob diese Comatulen von den an-
deren generisch verschieden sind, Jässt sich nur an in
Weingeist erhaltenen Exemplaren derselben Arten erhalten.
Allerdings lässt sich eine solche Verzerrung des Perisoms den-
ken, dass dasjenige der Intertentacularfelder, worin die After-
röhre steht, den grössten Theil der Scheibe einnimmt und dass
die Rinnen, welche dieses Feld begrenzen, den Seitenrand der
Scheibe umziehen. Bis zur Herausgabe der vollständigen Na-
turgeschichte der Comatulen hoffe ich hierüber Gewissheit zu
erhalten. Grade dieser Umstand hat mich aber bestimmt, den
Abschluss dieses für die Systematik wichtigen Gegenstandes
noch bis zur Benutzung neuer Materialien zu verschieben.
In der frühern Mittheilung habe ich die Beschreibung der-
jenigen Arten, die nicht neu sind, unterlassen und: theils auf
Abbildungen, wie diejenigen von Miller, Heusinger umd
Savigny, theils auf Lamarek”s kurze Diagnosen verwiesen.
Letztere sind aber von der Art, dass sich daraus nichts erkennen
lässt, so dass jemand, der die Originalexemplare von Lamarck
nicht kennt, bei der Beschreibung neuer Comatulen Arten auf-
stellen könnte, die mit den Lamarck’schen identisch wären, Dies
bestimmt mich die Beschreibımg derjenigen Lamarck’schen Ar-
ten, die in der frühern Mittheilung als feststehend nur ange-
zeigt worden, hier schon jetzt und vor der Publication meiner
naturhistorischen Monographie der Comatulen mitzutheilen.
Hr. Troschel hat die Güte gehabt, die Lamarckschen Original-
exemplare mit der handschriftlichen Beschreibung der von mir
beobachteten Comatulen in Paris zu vergleichen, und die Be-
schgeibung der Lamarck’schen Species nachzuholen.
Et:
135
Aleeto carinata, Comatula earinata Lam.
40 Arme. Gegen 35 Ranken aıı Knopf, 24 Glieder der
Ranken olıne Fortsatz. Die Armglieder sind niedrig, am abo-
ralen Rande breiter und daher wie dachziegelförmig. Die Dor-
salseite der Armglieder ist gekielt, an der Rückseite des abo-
ralen Randes der Armglieder ein Knötchen. 2-5 Glieder
zwischen den Syzygien der Arme. Die 8--9 ersten Pinnulae
der Arme auf jeder Seite sind etwas grösser, so zwar, dass
sie von der ersten allmählig zunehmen, gegen die 8—9 Pin-
nula hin wieder abnelımen. Die Glieder der Pinnulae, beson-
ders am diekern Theil der Arme, sind kurz, breiter als lang,
von den Seiten abgeplattet, und mit hinterm in ganzer Länge
zugeschärften Rande versehen. Haut der Scheibe nackt. Gegen
8Zoll gross. Isle de France.
Aleeto Adeonae, Comatula Adeonae Lan.
„40 Arme. 20 Ranken am Knopf, aus 20 Gliedern. be-
stehend, deren vorletztes nach innen einen kleinen Dorn trägt.
3 Glieder der Radien. Diese so wie die nächstfolgenden Glie-
der sind breit und bilden zwei scharfe Kanten. Über dem
radiale axillare hat das dritte Glied das erste Syzygium. "Wei-
terhin 3—5 Glieder zwischen. den. Syzygien der Arme. Die
Pinmulae an den Armen sind alle lang, die ersten. 3—4 aber
die längsten. Grösse 4 Zoll. Neuholland.
Alecto solaris, Comatula solaris Lam.
10 Arme, 20 Ranken am Knopf, von 30 Gliedern. 2 Ra-
dialia sind sichtbar, das zweite axillar. 3—4 Glieder zwischen
den Syzygien der Arme. Das Epizygale ist ausserordentlich
schmal. Die Pinnulae nehmen vom Kelch aus nur wenig an
Länge ab, die ganzen Arme langgefiedert. Die Pinnulae sind
dick, viereckig, besonders amı Grunde und wegen der stark
abgesetzten Gliederchen wie gesägt. Grösse 1 Fuss. Indien.
Durch Peron.
Alecto hrachiolata, Comatula brachiolata Lam.
10 Arme, 15 Ranken des Knopfes, in einer Reihe am
Umfang, die ganze übrige Fläche frei. Rankenglieder 31 — 36.
Jedes der beiden ersten Glieder über dem radiale axillare hat
136
ein Syzygium ‚dann liegen" 3-6 Glieder ‘zwischen 'den Sy-
zygien' der Arme, ' Die Glieder. springen abwechselnd nach bei-
den. Seiten 'hin stark vor, bilden jedoch nur stumpfe. Winkel.
Die ersten Pinnulae sind: die längsten, an ihnen springen .die
letzten 8 Glieder spitz vor und bilden eine Art‘ Säge, ähnlich
wie.bei A. echinoptera. Die: Glieder: aller‘ Pinnulae ‚sind stark
abgesetzt und: rosenkranzartig.
Aleecto rotalaria, Comatula rotalaria Law.
20 — 22 Arme. Keine. Ranken? In der Mitte liegt eın
Pentagon, ‚die Radien bestehen ‚aus 2 durch Synzygie verbunde-
nen Gliedern. Auf: diese folgen: unmittelbar wieder axillaria,
die wieder :mit: Synzygie versehen sind. Dann folgt nur. noch
selten weitere Verästelung, also 20:Arme die Grundzahl. Nun
liegen 3—5 Glieder zwischen den Syzygien der Arme, meist
aber 4. Die Ärme sind stark und haben ziemlich gerade Sei-
tenlinien. Die ersten Pinnulae sind‘ sehr Tang, die übrigen
nehmen bis ans Ende der Arme nur wenig an Grösse ab.
Grösse 10 Zoll. Australien.
Alecto fimhriata, Comatula fimbriata Lam. zum, Theil.
47'Arme. 15 'Ränken von 22 Gliedern, deren 8 letzte
nach oben einen kleinen spitzen Vorsprung ‘haben. Das dritte
radiale ist axillar ohne Syzygium. Dann ist jedes dritte Glied
ein Syzygium und zuweilen axillar. Dann aber jedes zweite
Glied ein Syzygium, weiterhin 6— 9 ja selbst 12 Glieder zwi-
schen den Syzygien der Arme. Pinnulae alle ziemlich von
gleicher Länge. Grösse 6 Zoll. Australien,
137
Über Strepsiptera.
Von
Prof. C. Th. v. Siebold in Erlangen.
(Hierzu Tafel VII.)
Schon seit einigen Jahren mit der Untersuchung der merk-
würdigen Strepsipteren beschäftigt, ‚bin ich dahin gelangt, über
den inneren Bau, über die Lebensweise und Entwickelungs-
geschichte dieser Schmaretzer-Insekten mancherlei Aufschlüsse
geben zu können, durch. welche das Dunkel und die verwirrte
Kenntniss, welche bisher über diese Insektenfamilie verbreitet
gewesen, einigermassen aufgeklärt wird. Ich gehe zwar mit
dem Gedanken um, diese Beobachtungen in einer besonderen
Monographie niederzulegen, in. welcher eine möglichst voll-
ständige Übersicht der bis jetzt bekannt gewordenen Strepsi-
pteren und ihres Haushaltes gegeben werden sollte. Dieses
Vorhaben. kann ich freilich vor der Hand noch nicht ausführen,
da ich noch manche Lücke in der Naturgeschichte der Stre-
psipteren auszufüllen habe; dennoch wollte ich aber die bis
jetzt, durch direkte Beobachtung darüber erlangten Resultate
nicht Jänger zurüekhalten, damit den vielen Conjekturen und
Hypothesen, von welchen die Schriften über Strepsipteren
wimmeln, endlich ein Ziel gesetzt werde, und damit durch die
Veröffentlichung, dieser Resultate die Richtung gegeben sein
dürfte, in welcher diese Untersuchungen auch von anderen
Entomologen weiter verfolgt werden können. Es ist auflal-
lend, wie wenig Aufmerksamkeit den Strepsipteren bisher ge-
schenkt worden ist, in Dentschland zumal ist diese höchst
interessante Insekten-Familie, welche verdient, als besondere
Insekten-Ordnung dazustehen, von den Entomologen und Zoo-
logen fast ganz aus den Augen gelassen worden. *) In England
*) In der neuesten Auflage des Handbuchs der Zoologie von WVieg-
mann, nach den Fortschritten der Wissenschaften überarbeitet und
vermehrt von Troschel und Ruthe, Berlin 1843, findet man der Stre-
psipteren mit keinem Worte erwähnt.
138
dagegen hat man sich schon mehr Mühe gegeben, die Stre-
psipteren als besondere Insekten-Ordnung aufrecht zu erhalten,
und ihnen durch Vermehrung der Species und Vervollständi-
gung ihrer Naturgeschichte ein grösseres Terrain, als sie bis-
her in der Entomologie einnahmen, zu verschaffen. Diese
Gründe bewogen mich, bei der im verflossenen Herbste statt-
gefundenen Naturforscher-Versammlung zu Mainz einen Theil
der bei meinen Untersuchungen gewonnenen Resultate schon
jetzt mitzutheilen. Ich lege dieselben nun auch in diesem
Archive nieder, um mehrere Erläuterungen daran zu knüpfen,
welche ich in Mainz wegen Mangel an Zeit zurückhalten musste.
Die folgenden Resultate stützen sich auf Beobachtungen
und Untersuchungen, welche ich in Danzig und Erlangen an
Stylops Melittae, Xenos Rosii und Sphecidarum gemacht habe.
4) Die Strepsipteren gehen eine vollständige Metamor-
phose ein.
2) Die männlichen und weiblichen Strepsipteren sind auf-
fallend verschieden von einander gebildet.
3) Die männlichen Individuen der Strepsipteren machen die
Metamorphose am vollständigsten durch, sie allein entwickeln
sich zu dem bekannten, höchst merkwürdig gebildeten und
geflügelten Insekt.
4) Die weiblichen Individuen bleiben dagegen in ihrer
letzten Entwickelungsstufe auf einem sehr niedrigen larven-
ähnlichen Zustande stehen und erhalten weder Füsse, Flügel
noch Augen.
5) Die weiblichen Strepsipteren sind lebendig gebärend
und verlassen niemals die Hymenopteren, in welchen sie
schmarotzen.
6) Die jungen Strepsipteren haben, wenn sie im Mutter-
leibe die Eihüllen verlassen, sechs Füsse, und sind mit sehr
undeutlichen Fresswerkzeugen versehen. (Diese Jungen wur-
den früher von Klug, Westwood und mir für Schmarotzer der
Strepsipteren-Larven gehalten. *) i
*) Klug: Nachricht von einem neuen Schmarotzerinsekt auf einer
Andrene, S. Magazin der Gesellschaft naturforschender Freunde. zu
Berlin. 4810 p. 266.
Westwood: notice of a minute Parasite inhabiting the Larva of
139
7) Die sechsbeinigen Strepsipteren-Larven kriechen auf
dem Abdomen der Hymenopteren, in welchen ihre Mütter woh-
nen, munter umher, Diese Strepsipteren-Larven lassen sich
auf diese Weise in die Nester der Hymenopteren tragen, wo
sie alsdann Gelegenheit finden, sich durch die weichen Körper-
Bedeckunigen der Hymenopteren-Larven hindurch zu arbeiten,
und in die Leibeshöhle derselben zu gelangen.
8) Die sechsbeinigen Strepsipteren-Larven werfen in. der
Leibeshöhle der Larven der Hymenopteren, auf welche ihr
parasitisches Leben angewiesen ist, ihre Haut ab, und ver-
wandeln sieh in eine weisse fusslose Made von sehr träger
Beweglichkeit.
9) Diese fusslosen Larven sind mit einer deutlichen Mund-
öflnung und mit zweien verkümmerten Kiefern versehen, ent-
halten einen einfachen blindsackförmigen Darm ohne Spur von
After. Ihr Leib ist durch neun Einschnitte in zehn Segmente
getheilt, von welchen das erste Segment das grösste vorstellt,
und als Cephalothorax betrachtet werden kann.
40) In diesem fusslosen Larven-Zustande sind die männ-
lichen und weiblichen Individuen der Strepsipteren durch ver-
schiedene Gestalt des Leibes deutlich zu unterscheiden.
41) Der Cephalothorax der männlichen Larven besitzt
eine kegelförmige und gewölbte Gestalt; das: letzte Leibes-
segment derselben ist sehr schmächtig und läuft spitz aus.
42) Der Cephalothorax der weiblichen Larven ist vorne
abgestumpft oder abgerundet, und hat im übrigen eine ganz
plattgedrückte, schuppenförmige Gestalt; das letzte Leibes-
segment erscheint breit und ebenfalls stumpf abgerundet,
13) In der Leibeshöhle der männlichen sowohl als weib-
lichen fusslosen Strepsipteren-Larven fallen zwischen den Fett-
körpern zwei langgestreckte weisse Körper auf, welche von
vorne nach hinten verlaufen und sich im. hinteren Leibesende
unter einem spitzen Winkel vereinigen. Bei den männlichen
the Stylopidae. S. the transactions of the entomological society of
London. Vol. 11. 1839, p. 184.
v. Siebold: Die Schmarotzer des Xenos Sphecidarum. S. dessen
Beiträge zur Naturgescltichte der wirbellosen Thiere. Danzig 1839,
pag: 79.
140
Larven tritt von Jieser Vereinigungs-Stelle ein Fortsatz in die
Spitze des letzten Leibes-Segmentes. "Aus diesen beiden Kör-
pern bilden sich allmälig die Geschlechtstheile der Strepsipte-
ren hervor.
14) Bei dem Heranwachsen der weiblichen Larven bekom-
men jene beiden Körper das Ansehen, als wären sie aus einer
unzähligen Menge von Kugeln zusammengesetzt und geben
sich immer deutlicher als Eierstöcke zu erkennen.
45) In den männlichen Larven bilden sich aus denselben
Körpern nach und nach die Grundlagen zn den zwei Hoden,
zwei Samenleitern und zu dem später in den hornigen Penis
übergehenden duetus ejaculatorius aus.
16) Um ihre letzte Entwickelungsstufe zu erreichen, strek-
ken die weiblichen Strepsipteren-Larven ihren Cephalothorax
zwischen den Segmenten der Hymenopteren hervor, die be-
reits ihre letzte Verwandlung durchgemacht haben.
47) In diesem Zustande nimmt der Cephalothorax eine
hornartige Beschaffenheit und eine braungelbe Farbe an, ohne
seine plattgedrückte, schuppenförmige Gestalt zu verändern.
Die weiblichen Strepsipteren besitzen alsdann hinter dem ’Vor-
derrande ihres Cephalothorax eine kleine, halbmondförmige
Mundöffnung, welche durch einen engen Ösophagus in einen
weiten einfachen Darm führt, dessen blindes Ende fast bis zur
Spitze des Leibes reicht. Zu beiden Seiten des Mauls befindet
sich in einer Vertiefung ein nur wenig beweglicher Stummel
von horniger Substanz, der als Rudiment der: Kauwerkzeuge
angesehen werden könnte. Dicht hinter dem Maule läuft eine
Querspalte über den Gephalothorax, deren Ränder anfangs an-
einander schliessen, aber später in Form eines Halbimondes
von einander klaffen. Durch diese Querspalte gelangt 'man
in einen weiten Kanal, welcher sich vom Cephalothorax unter
der Eutis fort bis zum vorletzten Leibessegmente hin erstreckt.
Dieser Kanal sticht durch seine silbergraue Farbe von der
übrigen weissen Hautbedeckung des Hinterleibes der weiblichen
Strepsipteren auflallend ab. Am hinteren Leibesende dersel-
ben ist nicht die geringste Spur irgend einer Öffnung wahr-
zunehmen.
18) Der eben erwähnte Kanal der weiblichen Strepsipte-
ren steht mit der Leibeshöhle dieser Thiere in einer eigen-
141
thümlichen Verbindung, indem auf den ersten Hinterleibssegmen-
ten der innern Wand des Kanals drei bis fünf nach vorne
umgebogene kurze Röhren frei in die Leibeshöhle hineinragen.
Dieser Kanal nimmt später die junge Brut des Weibchens auf
und verdient daher den Namen Brutkanal.
49) Die weiblichen Strepsipteren bewegen sich in diesem
Entwiekelungs-Zustande vielleicht niemals. Ihre Eierstöcke sind
vollständig zerfallen, die Eier liegen lose und durch den gan-
zen Hinterleib zerstreut zwischen den Fettkugeln umher.
20) Nachdem’ sich in’ diesen Eiern die sechsfüssigen Lar-
ven entwickelt haben, verlassen letztere die Eihüllen und krie-
chen in der Bauchhöhle ihrer Mütter umher, bis sie eine der
Mündungen jener Röhren gefunden, welche vom Brutkanale
in die Bauchhöhle hineinragen; durch diese Röhren begeben
sie sich in den geräumigen Brutkanal des Mutterthiers.
21) Haben sich die jungen Strepsipteren in ‘dem Brut-
kanale des Mutterthiers angesammelt, so verlassen sie den-
selben allmälig durch die hinter dem Maule des Mutterthieres
befindliche Querspalte, kehren auch wohl, wenn sie nach ihrem
Hervorschlüpfen Gefahr bemerken, wieder durch dieselbe Quer-
spalte in den Brutkanal ‘zurück.
22) Geht die ausgewachsene männliche Strepsipteren-Larve
ihre vorletzte Verwandlung ein, so steckt auch sie den Ce-
phalothorax zwischen den Segmenten der nun vollkommen ent-
wiekelten Hymenopteren hervor und verwandelt sich‘ in 'eine
deutliche Puppe, an welcher der aus dem Leibe der Wohn-
thiere hervorragende Cephalothorax, unter Beibehaltung seiner
konischen, ‘gewölbten Gestalt, hornartig erhärtet und eine
schwarze Farbe annimmt. Man erkennt an der stumpfen Spitze
des Cephalothorax mehrere kleine Höcker, welche die Stelle
der nun verschwundenen beiden Kieferrudimente und Lippen-
wülste der Larve andeuten. Hinter diesen Höckern erstreckt
sich eine Quernath um das Kopfende herum, welche der Quer-
spalte am Cephalothorax der auf der letzten: Entwickelungs-
stufe befindlichen Strepsipteren- Weibchen entspricht. ' Der
übrige im Leibe der Hymenopteren verborgen bleibende Theil
der verpuppten Strepsipteren- Männchen behält, fast wie im
Larven-Zustande, eine weiche nur etwas schmutzig weissge-
färbte Hautbedeckung. Diese Puppenhülle, an der die Ein-
142
schnitte des Leibes «sehr undeutlich geworden sind, lässt sich
am. besten mit den äusseren Puppenhüllen vieler Dipteren*)
vergleichen, bei welchen ebenfalls die äussere Hautbedeekung
der Larven zur Puppenhülse erstarrt.
23) Innerhalb dieser Puppenhülse findet man gegen Ende
des Puppenzustandes der männlichen-Strepsipteren die eigent-
liche Chrysalide deutlich vor; diese lässt, wie bei den Hyme-
nopteren, Coleopteren und. vielen Dipteren, die künftige Ge-
stalt des vollkommenen Insectes deutlich errathen.
24) Ist das Strepsipteren-Männchen zum Ausschlüpfen
bereit, so_dehiseirt die an dem Cephalothorax befindliche Nath
und die stumpfe Spitze des Kopfendes springt wie ein Deckel-
chen ab, Das vollkommen ausgebildete und geflügelte männ-
liche Insekt, welches bereits den dünnen Überzug der Chry-
salide abgestreift hat, arbeitet, sich aus der Puppenhülse her-
vor und flattert davon.
25) Den abgestreiften Überzug der Chrysalide findet man
immer in das hinterste Ende der leeren Puppenhülse. hinein-
gepresst; dieselbe lässt bei dem Auseinanderfalten ganz deut-
lich.die Umrisse der Chrysalide wiedererkennen.
26) Die Hymenopteren, aus welchen männliche Strepsipte-
ren ausgeschlüpft sind, fliegen. mit den leeren Puppenhülsen,
deren Mündung weit von. einander klafft, ganz ungestört umher.
27) Die männlichen Strepsipteren zeichnen sich. durch
einen hornigen hackenförmigen Penis aus, welcher im: Ruhe-
stande nach oben und innen umgeschlagen ist. Derselbe ist
hohl und an seiner Spitze mit einer schr schmalen. Öffnung
versehen. Die Basis des Penis geht in einen anfangs engen,
nachher stark erweiterten duetus ejaculatorius über, welcher
rechts und links die Samenleiter der beiden birnförmigen Ho-
den aufnimmt.
28) Die Spermatozoen der Strepsipteren «bestehen aus
sehr feinen und beweglichen Fäden, welche nach Art’der Sper-
matozoen der meisten Insekten sich gerne. zu Ösen zusam-
mendrillen. Am lebliaftesten äussern diese Samenfäden ihre
Bewegungen während des Aufenthalts in dem oberen erwei-
terten Ende des ductus ejaculatorius.
*) Ich meine hier die Syrphiden, Oestriden, Musciden etc.
143
29) Die Entwickelung der Eier in den Jlarvenähnlichen
Strepsipteren- Weibchen geht sehr langsam vor sich. Viele
Strepsipteren-Weibchen überwintern in ihrem larvenähnlichen
Zustande mit ihren Wohnthieren. Im Frühjahr trifft man da-
her schon Strepsipteren-Weibchen an, welche mit ihrem plat-
ten Cephalothorax zwischen den Segmenten der Hymenopteren
hervorragen, während die Puppen der Strepsipteren- Männchen
niemals überwintern, und immer erst im Anfang des Sommers
zum Vorschein kommen.
30) In den larvenähnlichen Strepsipteren-Weibchen, wel-
ehe überwinterten, entwickeln sich die sechsbeinigen Jımgen,
ehe sich noch männliche Puppen haben blicken lassen.
31) Die im Laufe des Sommers aus den Hymenopteren
hervorblickenden‘ männlichen Puppen entwickeln sich nach
einigen Wochen, so dass gegen Ende des Sommers alle Stre-
psipteren-Männchen ausgeschlüpft sind.
32) Wenn die sechsbeinigen Larven die Strepsipteren-,
Weibchen verlassen haben, so schrumpfen diese zusammen,
vertrocknen zum Theil, werden aber nebst dem hervorragen-
den Cephalothorax, wie die leeren Puppenhülsen der Strepsi-
pteren-Männchen, von den Hymenopteren wahrscheinlich bis
an ihr Lebensende mit herumgetragen.
33) Im Sommer findet man sowohl weibliche als männ-
liche Hymenopteren stylopisirt, von diesen überwintern bekannt-
lich nur die Weibchen.
Da man bisher den eigenthümlichen Geschlechts-Unterschied
der Strepsipteren nicht erkannt hat, so ist es erklärlich, wie
die Naturgeschichte der merkwürdigen Strepsipteren so lange
in Dunkel verhüllt geblieben ist, und die einzelnen Angaben
darüber so höchst verwirrt gewesen sind. Ich kann es nicht
mit Stillschweigen übergehen, dass mich schon im Jahre 1839
eine briefliche Notiz des scharfsinnigen Burmeister zuerst auf
die Idee gebracht hat, die Weibchen der Strepsipteren möch-
ten flügellos bleiben, die geflügelten Thiere seien die Männ-
chen und die bisher für Parasiten gehaltenen Thierchen die
Jungen der Strepsipteren. Burmeister war zu eben dieser
Meinung, wie er mir geschrieben, nicht durch direkte Beobach-
tung, sondern nur durch Erschliessung nach der Analogie ver-
144
wandter: Formen gelangt. Ich konnte mich also dämit‘ nicht
+ beruhigen, verfolgte meine: ‚Untersuchungen ‚ ohne vorgefasste
Meinung weiter, und fand in.der That Burmeister’s Vermuthung
bestättigt. Burmeister hatte mir damals’ zugleich die ‚ganze
übrige, Verwandlungsgeschichte' der Strepsipteren mitgetheilt,
aber auch nur auf Analogien und nicht auf direkte Erfahrung
gestützt; ich fand dieselbe jedoch in der Natur nicht in: dem-
selben Masse bestättigt, ein Beweis, wie sehr man sich hüten
muss, da, wo man Thatsachen sprechen lassen kann, auf blosse
Analogien zu viel Gewicht zu legen.
Es war längst aufgefallen, dass die geflügelten Strepsipte-
ren in Bezug auf äussere Geschlechtswerkzeuge immer eine
und dieselbe Bildung zeigten. Den hornigen: Penis: von Sty-
lops Peckii wusste weder Peck noch Kirby richtig. zu deuten,
derselbe wurde von Kirby sogar für eine Legeröhre gehalten. *)
Westwood glaubte wegen. der gabeligen Beschaffenheit ‚der
Fühler der geflügelten Strepsipteren, welche den Fühlern von
manchen ‚OColeopteren-Männchen. ähnlich‘ wären, den ‚Schluss
ziehen zu. können, dass. alle geflügelten Strepsipteren ebenfalls
männliche Thiere 'seien;**) die von mir vorgenomene anato-
mische und mikroskopische Untersuchung geflügelter Individuen
von Xenos Rossii und Spheeidarum bestättigte diese Ver-
muthung Westwood’s vollkommen, Ich fand in: denselben zwei
ganz. deutliche Hoden vor, in welchen ich die Entwickelung ‚der
Samenfäden verfolgen konnte. Der hornige Penis der Stre-
psipteren liegt in der Ruhe auf der Oberseite des (vor-) letzten
Hinterleibs-Segmentes eingeschlagen und ‚wird:von einem klei-
nen weichen, schräge in die Höhe. ragenden: Fortsatze, der
vielleicht als letztes: Hinterleibs-Segment betrachtet werden
kann, nur unvollkommen bedeckt.***) Das Hervortreten des
Penis geschieht immer. ‚von. der Seite, her. Ich‘ sah einmal ein
*) Transactions of the Linnean society. Vol. XI. 1815 pag. A
Tab. IX. Fig. 15, b.
**),Westwood: an introduction tho the modern classification «of
insects. Vol. 11. 1840 pag. 291.
***) Transact. of the Linn. soc. a. a. O. Tab.IX. Fig. 15, a und
Fig. 1, n von Xenos Peckii. Ganz ähnlich verhält es sich bei Xenos
Rossii, was jedoch an der von Jurine gelieferten unvollkommenen Ab-
bildung (Isis 1832 Taf. XIll. Fig.4) nicht zu erkennen ist.
a
145
munteres Männchen von Xenos Rossii sehr eifrig beschäftigt,
nachdem es das Abdomen einer stylopisirten Polistes gallica
flatternd bestiegen, die Spitze seines Hinterleibes zwischen die
Segmente des Wespenleibes zu schieben. Sollte dies nicht
ein Begattungsversuch gewesen sein? Die Begattung kann wohl
icht anders geschehen, als durch die am Cephalothorax der
ausgebildeten Strepsipteren- Weibehen befindliche Querspalte,
- denn es ist dies die einzige Oflinung, welche die weibliche
Geschlechtsöffnung hier vertreten kann, und der einzige Weg,
durch welchen der Same zu den im Abdomen der Weibchen
frei liegenden Eiern gelangen und dieselben befruchten kann.
Indem das Strepsipteren-Männchen seinen spitzen und haken-
förmigen Penis in die anfangs geschlossene @üerspalte des
Cephalothorax der Weibchen hineindrängt, öffnet dasselbe
hierdurch der künftigen Brut zugleich den Ausgang des Brut-
kanals ihrer Mutter.
Kirby und Westwood konnten an den geflügelten Stre-
psipteren keine deutliche Mundöffnung entdecken, *) sie fehlt
aber den männlichen Strepsipteren gewiss nicht. Bei Xenos Ros-
sii befindet sie sich auf der Mitte eines kleinen Hügels, ist rund-
lich und von keiner deutlichen Ober- und Unterlippe umgeben. **)
Die beiden säbelförmigen Mandibeln streifen bei dem Über-
‚einanderkreutzen dicht an der Mundöffnung vorbei. Ich glaube
übrigens kaum, dass diese Fresswerkzeuge jemals von den
Strepsipteren-Männchen benutzt werden, da diese Thierchen
nur wenige Stunden leben, und si.’ während dieser kurzen
Frist mit dem Begattungsgeschäfte hinreichend zu thun haben
werden. ‚Sie sind während. dieses kurzen Lebens in steter
unruhiger Bewegung, und fliegen oder kriechen ununterbrochen
umher, wobei sowohl ihre Vorder- als Hinterflügel sich fort-
während bewegen; im Fliegen ist ihr Kopf nach oben, ihr
- Thorax senkrecht nach unten gerichtet und ihr Hinterleib nach
*) Transact. of the Linn, soc. a. a. O. pag. 102. Westwood; an
introduetion to the modern classification of Inseets. Vol. II. p: 289.
*") Andeutungen einer Mundöffnung erblickt man in folgenden Ab-
bildungen: transact. of the Linn. soc, a. a. ©. Tab. VIII. Fig.9,c von
Xenos Peckii, und transact. of the entomological society, "Vol. I.
Tab. XVIL. Fig. 4 von Stylops Speneii.
Archiv £, Naturgesch, IX, Jahrg, 3, Bd, 10
146
hinten umgebogen, wodurch sich diese fliegenden Männchen
sehr zierlich ausnehmen; auch während des Kriechens halten
sie den Hinterleib in die Höhe gebogen. Beim Laufen schrei-
ten die vier Vorderfüsse dieser Thierchen gut aus,.die beiden
Hinterfüsse werden dagegen mehr nachgeschleppt und scheinen
fast nur zur Stütze des Hinterleibs zu dienen. Dass die merk-
würdigen Anhängsel wirklich die Vorderflügel sind, indem: sie
dem Mesothorax aufsitzen, haben bereits Westwood und andere
nachgewiesen, *) auch ich habe diese verkümmerten Flügel
ganz, deutlich mit dem Mesothorax im Zusammenhange gesehen,
Die weiblichen Strepsipteren sind in ihrem Jarvenähnlichen
letzten Entwickelungs-Stadium bis jetzt durchaus verkannt wor-
den; **) es ist dies die Hauptveranlassung, weshalb die Natur-
geschichte der Strepsipteren mit so vielen Widersprüchen au-
gefüllt worden ist. Die ausgewachsenen weiblichen Strepsipte-
ren sind gewöhnlich als Larven angesehen worden, welche zu
fressen aufgehört und ihren Kopf aus den Hymenopteren: her-
vorgesteckt haben, um sich zu verpuppen. Man übersah es
nicht allein, dass diese mit dem platten Cephalothorax zwischen
den Segmenten der, Hymenopteren hervorragenden Strepsipteren-
Weibchen sich nicht weiter veränderten, sondern, man nahm
sogar an, dass sich ihr platter Gephalothorax allmälig wölbte,
*) Westwood: classification of Insects. a. a.0. pag. 292. _
**) Wenn in der vom entomologischen Vereine zu Stettin heraus-
gegebenen Zeitung Nr.3, 1842 pag. 53 Herr Dr. Rosenhauer kurz weg
von männlichen und weiblichen Individuen des Xenos Rossii, wie von
einer längst abgemachten Sache spricht, so muss dies auffallen, da
sich bisher noch niemand mit solcher Bestimmtheit. über den Ge-
schlechtsunterschied der Strepsipteren ausgesprochen hatte; auch Ro-
senhauer hat den Unterschied zwischen den männlichen und weib-
lichen Strepsipteren auseinander zu setzen unterlassen und zwar aus
folgendem Grunde. Derselbe nahm nämlich im Sommer 1841 den
von mir zur Strepsipterenzucht errichteten Wespen-Zwinger öfters in
Augenschein, bei welcher Gelegenheit ich ihm meine an Xenos Rossii
gemachten Beobachtungen mittheilte, ihn auf den Unterschied zwi-
schen den weiblichen und männlichen Strepsipteren aufmerksam machte
und ihm zuerst die sechsbeinige Xenos-Brut zeigte. Auf diese Weise
geschah es, dass Rosenhauer, wie er mir selbst nachher gesagt, ge-
glaubt hat, der Geschlechts-Unterschied der Strepsipteren sei eine
längst bekannte Sache‘und könne von ihm mit Stillschweigen über-
gangen werden.
zu
147
eine ‚schwarze Färbung erhielte und sich so in denjenigen
Puppen-Zustand umwandelte, welcher einzig und allein bei
den männlichen Strepsipteren anzutreffen ist.*)
Die weiblichen Strepsipteren sind in ihrem letzten Ent-
wiekelungs-Zustande vielfach abgebildet, aber fast immer als
Larven betrachtet worden. Die ältesten Abbildungen eines
weiblichen Stylops Melittae rühren ‘von Kirby her,**) ‘an
denen, so unvollkommen sie auch sind, man dennoch deutlich
die Querspalte (Geschlechtsöffnung) auf dem Cephalothorax
und die beiden Stellen, welche die beiden Kieferrudimente
andeuten, herausfindet. Die von Kirby in späterer Zeit als
Larve von Xenos Peckii***) und als Puppe von Stylops Me-
littae+) gelieferten Abbildungen erkenne ich ebenfalls als weib-
liche, im letzten Entwiekelungsstadium sich befindende Strepsi-
pteren. Ganz gut sind die Abbildungen weiblicher Individuen
‚von Stylops Speneii, welche Westwood statt der Larven ge-
liefert hat.}77) Man erkennt an denselben nicht bloss die
Querspalte des Cephalothorax und die Stelle der Kiefer-Ru-
dimente, sondern auch die Mundöfinung. Der Brutkanal springt
hier deutlich in die Augen, ohne von Westwood erkannt wor-
den zu sein, auch hat derselbe nur allein auf dem Brutkanale
die Leibeseinschnitte wahrgenommen und an den übrigen Stel-
len des Hinterleibes’ übersehen, während Kirby die Hinterleibs-
*) So sagt Peck von Stylops Peckii: When just protruded, the
head. of the larva is of a pale brownish colour, but by degrees it
assumes a rounder form, and becomes almost black. Vergl. transact.
of the Linn. soe. a. a..O. pag.89 und Westwood: classification a. a. O.
pag. 296. _
**) Kirby: monographia apum angliae. Vol.Il. 1802 Tab. 14 Fig. 7,
8, 9 pag.114. Larvae corpus subceylindricum, molle, albidum; in ab-
domine Melittae insertum; capite exerto, corneo, cordato, planiuseulo,
subrufo, postice nigro, subtus postice concavo.
***) Transact. of the Linn. soc. a. a. O, Tab. VII. Fig. 3, 4.
7) Ebenda. Tab. IX. Fig. 17, 18. e
++) Transactions of the entomol. soc. of London, Vol. TI. Pl..XVII,
Fig. 9, 10, 11, 12. Die an Fig. 9 und 10 ausser der Querspalte auf
dem Cephalothorax noch angegebenen Querstriche sind nur Quer-
furchen und bei Fig.10 zum Theil von oben her auf der Unterseite
durchscheinende Zeichnungen. ‘Weniger genau. hat Westwood ein
weibliches Individuum von Stylops Melittae als Larve abgebildet.
Ebenda. Vol. I. PI.XV. Fig. 13 und 13 g. 5
10 *
148
Einschnitte an dem weiblichen Xenos Peckii,*) und Leon Du-
four dieselben an dem weiblichen Xenos Spheeidarum **)
deutlich gesehen und ‘abgebildet haben. Beide Entomologen
haben aber wiederum den Brutkanal ganz aus der Acht ge-
lassen und es mit der Zahl der Einschnitte nicht sehr genau
genommen, deren immer nur neun vorhanden sind, Auch ich
habe früher das Versehen begangen und die männlichen Pup-
pen von Xenos Sphecidarum mit den ausgewachsenen Weib-
chen dieses Fächerflüglers verwechselt, ***) die von mir ge-
gebene Abbildung einer Larve von Xenos Sphecidarum: ist
nichts anderes als ausgewachsenes Weibchen desselben. +)
Auch die Puppe von Stylops Melittae, welcher Kirby in einem
Nachtrage erwähnt, war gewiss ein ausgewachsenes -Weibchen
gewesen, die Worte: the membrane for 'three-fourths of the
length down the back appeared to be loose in the middle, and
was divided into six segments by transverse impressed lines, FF)
lassen errathen, dass hier Kirby den Brutkanal der Strepsipte-
ren-Weibchen vor sich hatte.
Der äussere Umriss und die Form der einzelnen Theile
des Cephalothorax der weiblichen Strepsipteren ist je nach der
Gattung und Art derselben verschieden gebildet; bei einigen
Arten ist der Cephalothorax nach hinten eingeschnürt, wodurch
eine Art Hals entsteht, wie z.B. bei Xenos Spheeidarum, +47)
Xenos Peckii, +*) Stylops Melittae+** und Speneii, F***) wel-
cher leicht als ein besonderes Segment angesehen werden kann.
Von der Querspalte (Geschlechtsöffnung) der weiblichen Stre-
*) Transact. of the Linn. soc. a. a. O. Tab. VII. Fig. 3.
**) Annales des Sciences naturelles. Tom. VII. 1837 Pl.1, A, Fig. 16.
***) Beiträge zur Naturgeschichte der wirbellosen Thiere a. a. O.
pag. 72 und 76.
'r) Ebenda. Tab, Ill. Fig, 62, 63, 64. Wenn an der Fig. 62 zehn
Einschnitte zu zählen sind, so rührt dies von einem Fehler der Zeich-
nung her; der erste Einschnitt soll den Anfang des Halses vom Ce-
phalothorax andeuten.
+7) Transactions of the Linn. soc. a. a. O. p.86. Addendum to
Strepsiptera, by Kirby.
+7r+) Annales des sc. nat. a. a. O. Pl. 1. Fig. 16.
+*) Transact. of the Lin. soc. a. a. ©, Tab. VIII. Fig. 3.
+**) Ebenda, Tab. 1X. Fig. 18.
7***) Transact. of the entomol. soc. Vol.I. PL.XVI. Fig. 9—12.
1%
149
psipteren erstreckt sich bei allen Arten rechts und links eine
“ mehr oder weniger nach hinten umgebogene Furche nach dem
Rande des Cephalothorax.*) Die beiden einzigen Stigmata,
welche die ausgewachsenen Strepsipteren-Weibchen besitzen,
befinden sich immer am hinteren Seitentheile des Cephalotho-
rax, ganz seitlich bei Xenos Sphecidarum, Xenos Peckii, Styl-
ops Melittae und Spencii, **) mehr auf der Unterseite dagegen
bei Xenos Rossii (Taf. VII. Fig. 4 e. e.)
Die Zahl der in die Hinterleibshöhle hineinragenden Röh-
ren des Brutkanals scheint nach den verschiedenen Arten der
Strepsipteren zu variiren. Bei Xenos Rossii fand ich deren
vier (Taf. VII. Fig.1 g*), bei Xenos Spheeidarum dagegen nur
drei,***) und bei Stylops Melittae zählte ich deren fünf; ob
letztere Zahl nicht zu einer individuellen Varietät gehörte,
lasse ich dahin gestellt sein.
lch muss hier eines sehr auffallenden Umstandes erwäh-
nen, der mir lange verborgen geblieben war, und über den ich
erst in neuerer Zeit einen sicheren Aufschluss erhielt. Bei
den fusslosen Larven, den larvenähnlichen Weibchen und den
Puppenhülsen der Männchen der Strepsipteren wurde bisher
stets die Bauchseite für den Rücken und die Rückenseite für
den Bauch gehalten; auch ich liess mich durch diese bisher
übliche Ansicht verleiten, diese Thiere verkehrt zu betrachten,
bezeichnete die Oberlippe als Kinn+) und nannte den Brut-
kanal ganz unpassend Rickenkanal. Untersucht man ein lar-
- venähnliches Strepsipteren- Weibchen genauer, so wird man
auf der dem Brutkanale entgegengesetzten Seite einen schma-
len durchsichtigen Mittelstreifen herablaufen sehen, der nicht,
*) Man vergleiche Transact.-of the Lin. soc. a. a. O, Tab. VIII.
Fig. 3, meine Beiträge a. a. O. Taf. III. Fig..66 und Fig. 3 f* und Fig. 5, f*
der hier beigegebenen Tafel.
**) Meine Beiträge a. a. O. Taf. III. Fig. 62, transact. of the Linn.
soc. a. a. O. Tab. VIII. Fig. 4 und Tab.IX. Fig. 18 «. a. Kirby be-
trachtete die beiden Athemlöcher fälschlich als Augenhügel. Bei Styl-
ops Spencii fallen die Hügel (transact. of the entomol. soc. Vol. 1.
PL.XVIL Fig.9— 12), auf welchen die Stigmata befindlich, deutlich
in die Augen.
**) Meine Beiträge a. a. O. Taf. III. Fig. 62 e. c. c.
+) Ebenda. Taf. III. Fig. 66 «a,
450
wie die übrigen Stellen des Hinterleibes, von den durch die
Cutis hindurchschimmernden Fettkugeln weiss gefärbt ist; es
rührt dieser Streifen von dem unter der Cutis liegenden Rük-
kengefässe her, daher diese Seite als Rücken zu betrachten ist.
Ich werde später noch mehrere Gründe anführen, welche be-
weisen, dass der Brutkanal (Taf, VII. Fig. 2 «) sich auf der
Bauchseite der Strepsipteren-Weibehen befindet, und der her-
vorragende Theil des Mauls derselben (Taf. Vll. Fig. 3 d) nicht
Kinn, sondern Oberlippe genannt werden muss. Die ausge-
wachsenen Strepsipteren-Weibchen ragen demnach in der Art
zwischen den Segmenten hervor, dass die Rückenseite der
ersteren nach der Leibeshöhle der Hymenopteren hingewendet
ist, während die Bauchseite des Hinterleibs der ersteren die
innere Fläche der Segmente der letzteren berührt. Die Stre-
psipteren-Weibchen bleiben sich in dieser Beziehung durchaus
consequent, mögen sie nun auf‘ der Rüchenfläche oder Bauch-
fläche des Hymenopteren-Hinterleibs ihren Gephalothorax her-
vorstecken.
Die äussere Puppenhülse der männlichen Strepsipteren ist
bis jetzt noch nieht gehörig abgebildet worden; ein unvoll-
kommenes Bild derselben lieferte Curtis*) von Stylops, und
ganz verfehlt erscheint eine von Leon Dufour gegebene Zeich-
nung der äusseren Hülle einer männlichen Xenos-Puppe:**)
An keiner dieser Abbildungen ist der später abfallende Dek-
kel der Puppenhülse zu unterscheiden, auch an der von mir
früher gelieferten Zeichnung des Cephalothorax einer Pup-
penhülse von Xenos Sphecidarum***) habe ich dasselbe aus-
zusetzen, dagegen hat Kirby von der Puppenhülse eines
männlichen Xenos Peckii das Operculum mit den Augenhü-
geln ganz gut dargestellt. 7) Die leere Puppenhülse mit ab-
gefallenem Deckel, welche man durch Westwood von Stylops
*) Curtis: british entomology, Pl. 226, und Westwood; Gaseifce.
tion a. a. ©. Fig.93 nr. 16.
*%) Annales des sc. nat. a. a. O. Pl.I. Fig. 15.
*"%) Meine Beiträge Taf. III, Fig. 65.
7) Transact. of the Linn. soc. a. a. O. Tab. VII. Fig.?7 aa. „the
eyecovers beset with hexagonal lenses.”
|
151
Speneii abgebildet sieht,*) lässt weder das characteristische,
schmächtige letzte Leibessegment noch den Cephalothorax ge-
hörig erkennen. Ich habe es versucht, die äussere Puppen-
hülse eines männlichen Xenos Rossii auf Taf. VII. Fig. 7 und 8
darzustellen. Die Puppenhülse erscheint walzenförmig, während
der Leib der ausgewachsenen Weibchen von Xenos stets etwas
plattgedrückt bleibt. Die neun Einschnitte des Leibes sind zwar
undeutlicher als bei den Larven, aber dennoch zu unterschei-
den. Der konisch gestaltete Cephalothorax ist auf der Bauch-
seite 'stark gewölbt, auf der Rückenseite nach hinten etwas
ausgehöhlt. Derselbe zeigt vor dem ersten Leibes-Einschnitt
eine halsförmige Einschnürung, und besteht aus einer hornigen
schwarzen Masse, deren Farbe nach dem Halse zu in Braun
übergeht. Diese bräunliche Färbung erstreckt sich noch auf
die nächsten Segmente des Hinterleibes in geringerem Maasse
fort, Bei Xenos Rossii erblickt man an der Spitze des Cepha-
lothorax und zwar auf der gewölbten Bauchseite drei Höcker,
von welchen der mittlere die Stelle der früher vorhandenen
Oberlippe, und die beiden seitlichen Höcker die Stelle der
Kiefer andeuten. Hinter diesen Höckern erkennt man deutlich
die Naht, welche um den Cephalothorax schief herumläuft, und
den bei dem Ausschlüpfen des männlichen Insekts aufsprin-
genden Deckel (Fig. 7, 8 A) abgrenzt. Dieser Deckel reicht
auf der Rückenseite weiter nach hinten (Fig. 9 5) als auf der
Bauchseite (Fig. 9 «). In den beiden Ecken des Deckels kann
man eine rundliche, mit Punkten bezeichnete Stelle wahrneh-
men (Fig. 9 ;), unter weleher sich die facettirten Augen des
Insekts ausbilden. Zu beiden Seiten des Cephalothorax, vor
der halsartigen Einschnürung desselben, fallen die beiden auf
einem Hügel stehenden Athemlöcher deutlich in die Augen
(Fig. 7, 8c ce). Am cylinderförmigen Leibe der Puppenhülse
sticht das letzte Segment durch seine Schmächtigkeit auffallend
von den übrigen Segmenten ab (Fig. 7 8 A).
Bildet sich im Inneren dieser Puppenhülse das männliche
Insekt allmälig aus, so schimmert dasselbe immer deutlicher
aus der Hülse hervor, und man kann zuletzt die Umrisse der
*) Transact. of the entomol. soc. Vol. I. Pl. XVII. Fig. 13, und
Westwood; classification, a. a, O. Fig. 92 nr. 14.
>
452
eigentlichen Puppe in allen Einzelnheiten, durch die ‚dünne,
zum Theil farbelose Hülse hindurch, unterscheiden. Die eigent-
liche Puppe färbt sich, je mehr sie zur Entwiekelung. heran-
reift, anfangs grau, zuletzt schwarz und theilt diese Färbung
denjenigen Stellen der Hülse mit, welche sie berühren, ‚wäh-
rend die übrigen Stellen derselben, von welchen sich die
Puppe, in Folge” ihrer Gestalt, zurückgezogen hat, farbelos
erscheinen. Von Curtis sind diese leeren durchsichtigen Stel-
len der Puppenhülse in der. schon erwähnten Abbildung zum
Theil angedeutet worden. Der Cephalothorax lässt wegen der
dunklen“ schwarzbraunen Färbung desselben die in ihm ver-
borgenen Theile der Puppe weniger klar unterscheiden, den-
noch gewinnt man bei der Untersuchung desselben die Über-
zeugung, dass sich Kopf, Prothorax und Mesothorax' des In-
sekts in ihm ausbilden. Achtet man gemau‘auf die Lage, in
welcher sich die Puppe innerhalb der Hülse entwickelt, so
bemerkt man, dass die Füsse der Puppe constant und von
Anfang ‘an unter derjenigen Fläche der Puppenhülse liegen,
welche von der Bauchhöhle der stylopisirten Hymenopten ab-
gewendet ist, mag nun die Puppenhülse an der Rücken- oder
Bauch-Seite zwischen den Hinterleibs-Segmenten der‘ Hyme-
nopteren hervorblicken. Es bestättigt sich also au&h hier, dass
die gewölbte Seite des Cephalothorax (Fig. 8 a) die Bauch-
seite und die ausgehöhlte Seite (Fig. 8 5) die Rückenseite ist;
ich habe auch immer, wenn ‘die männlichen Individuen von
Xenos Rossii nach abgefallenem Deckel der Puppenhülse im
Begriffe waren, auszuschlüpfen,, deutlich beobachtet, dass sie
dabei ihr Gesicht und ihre Füsse von dem Leibe der Hyme-
nopteren abgewendet hatten, und dass demnach diejenigen
Xenos-Männchen, welche sich ‚auf der Rückenseite der Polistes
gallica verpuppt hatten, mit nach. oben gewendeter Bauch-
seite aus ihrer Hülse hervorschlüpften. :
Die eigentliche Puppe der Strepsipteren-Männchen . ist
schon von Jurine und andern richtig erkannt, beschrieben und
abgebildet worden, *) daher-ich hier nichts hinzuzufügen habe.
Über die Larven der Strepsipteren ist noch sehr wenig
*) Isis 1832 Taf. XII. Fig.2, und Westwood: elassification p. 287
Fig.93 Nr. 17 und p. 297,
an es
153
bekannt geworden, zumal in ihren fusslosen Entwickelungs-
Zuständen, während welcher sie innerhalb der Leibeshöhle
von Hymenopteren vollständig verborgen liegen.
In ihrem ersten Jugendzustande sind die Strepsipteren
sehr muntere sechsbeinige Thierchen von dunkler Farbe, an
denen kein Geschlechtsunterschied wahrzunehmen ist. Klug
in-Berlin hat die sechsbeinigen Jungen von Stylops Melittae
zuerst beobachtet und ganz gut beschrieben.*) Die sechs-
beinigen Jungen des Xenos Rossii sind zuerst vom Senator
v. Heyden zu Frankfurt a.M. gesehen worden; **) Westwood,
von diesem tüchtigen Entomologen auf diese Thierchen auf-
merksam gemacht, ***) hat sie dann auch bei Stylops Melittae
gefunden. Westwood’s Beschreibung dieser Thierchen, sowie
die Abbildungen, welche er davon geliefert, sind jedoch nicht
ganz richtig. Ich fand die sechsbeinigen Jungen von Stylops
Melittae ziemlich schlank und von schiefergrauer Farbe, Der
Leib derselben besitzt dreizehn Einschnitte, der Kopfabschnitt
ist vorne stumpf abgerundet, auf der Mitte derselben erkennt
man dunkle Zeichnungen, welche von braungefärbten ‚hornigen
Leisten herrühren und an der unteren Fläche des Kopfes
angebracht sind. Zwei Hornleisten nämlich‘ berühren sich
noch vorne in einem spitzen Winkel und werden rechts und
links von einer hakenförmigen Hornleiste umgeben. Vor die-
sem hornigen Apparate sind zwei bewegliche farbelose Stäb-
chen angebracht (Fig. 16 2), welche sich nach aussen und
nach innen bewegen können, in letzterem Falle kreuzen sie
sich und erinnern so an Fresswerkzeuge, könnten aber auch
als Rudimente von Palpen angesehen werden. In den beiden
*) Magazin der Gesellsch, naturforsch. Freunde zu Berlin. a.a. O.
*#) Derselbe theilte mir brieflich mit, dass er der Versammlung
der Naturforscher zu Stuttgard im Jahre 1834 Mittheilungen über Stre-
psipteren gemacht und bei dieser Gelegenheit, da er die Larvenhüllen
von Xenos theils mit Eiern, theils mit sehr kleinen sechsbeinigen
Thierchen angefüllt gesehen habe, die Vermuthung einer ähnlichen
Entwickelungs-Geschichte wie bei Psyche aufgestellt habe. Leider
wurde dieser gewiss interessante Vortrag in dem Verhandlungs-Pro-
tokolle jener Versammlung seinem Inhalte nach nicht näher aufge-
führt. Isis 1836 p. 240.
***) Transact. of the entomol. soc. Vol.1l. p. 184.
154
Winkeln des Kopfes ist so viel dunkles Pigment angehäuft,
dass ich nicht im Stande bin, die durch dasselbe verdickten
Stemmata mit Sicherheit zu zählen. Die drei folgenden Seg-
mente tragen ‚die sechs Füsse. Die übrige Beschreibung die-
ser Thierchen hat Klug so genau geliefert, *) dass ich. nichts
Besseres an die Stelle setzen kann und ich sie daher hier fol-
gen lasse: „Die übrigen (Leibes-Abschnitte), so ziemlich von
einer Länge, nahmen an Breite ab, wie sie sich der Spitze
näherten.' Den letzten Abschnitt konnte man einigermassen
ausgerandet nennen, und er trug auf jeder Seite eine durch-
sichtige Borste, ohngefähr von der Länge des halben Körpers.
Alle Ringe waren ausserdem mit kurzen Borsten besetzt, die be-
sonders am Rande und gegen die Spitze des Körpers hin stär-
ker und länger zu sein schienen, so wie offenbar drei der
stärksten dieser kurzen Borsten zwischen den beiden langen
Seitenborsten die Endspitze des Leibes bewaffneten. Die mässig
langen Füsse, welche, zu jeder Seite drei, unter den drei ersten
grössten Ringen entsprangen, waren von sonderbarer Gestalt,
und die beiden vordern Paare anders gebaut als die hintern.
Von den Schenkeln sah man von oben nichts, zunächst ragten die
Tibien hervor, einfach und durchsichtig, wie der ganze Fuss,
die vorderen Paare mit einem, das hintere mit zwei Dornen,
einem in der Mitte, dem andern an der Spitze bewaffnet. Die
Tarsen bestanden aus einem Gliede, welches so lang als die
Tibien, an den vier vordern ‘Füssen an der Spitze verdickt
und keulförmig, am hintern Fusspaar fadenförmig erschien.”
Diese verschiedene Bildung der Füsse ist von Westwood gänz-
lich unerkannt geblieben;**) ich kann versichern, dass Klug
ganz richtig gesehen hat (Fig. 16). \
Die sechsbeinigen Jungen von Xenos sind im Allgemeinen
an Gestalt und Farbe der Stylops-Brut ähnlich, zeigen jedoch
manche generische und speeifische Unterschiede, Sie sind nicht
so schlank als die Jungen von Stylops, und die mittleren Seg-
mente des Hinterleibes erscheinen auffallend schmal. Die beiden
beweglichen palpen- oder kieferartigen Stiele fehlen durchaus,
dagegen sind auf der Unterseite des Kopfes ähnliche Hornleisten
*) Magazin a. a.O. p. 268.
**) Transact. ofthe entomol. soc. Vol. III. p.185 Pl.XV. Fig.13 a 2.
155
(Fig. 15) wie bei Stylops vorhanden; *) innerhalb der beiden ha--
kenförmigen Horuleisten erblickt man jederseits drei bis vier sehr
kleine Erhabenheiten von nach hinten hin abnehmender_Grösse,
auf welchen eine kurze Borste aufsitzt.**) Bei Xenos Rossii
sah ich auf dem ersten Brustsegmente unten zwei kleine Ringe,
die sich wie Athemlöcher ausnahmen, aber auch zwei solche
Erhabenheiten gewesen sein können, wie ich sie am Kopfe
beobachtet habe. In den beiden Winkeln des Kopfes schim-
. merten bei Xenos Rossii mehrere Stemmata aus dem dunklen
Pigmente hervor, vier konnte ich bei einigen ziemlich deutlich
unterscheiden (Fig. 15 2), bei Xenos Spheeidarum waren stets
fünf Augen-Facetten vorhanden. ***) Die Leibessegmente sind
bei Nenos Sphecidarum viel sparsamer mit Borsten besetzt
als bei Stylops Melittae, bei den Jungen von Xenos Rossii
bemerkte ich dergleichen nur an den Seitenrändern (Fig. 15).
Die Jungen von Xenos Rossii und Sphecidarum weichen in
der Bildung der letzten Hinterleibssegmente auffallend von ein-
ander ab. Das vorletzte Segment bei Xenos Rossii trägt auf
der Unterseite neben der Mittellinie zwei kurze hornige Stiele,
welche mit einer nicht sehr langen Borste endigen; vor dem
Ende des letzten ziemlich grossen Segments befinden sich zwei
Höcker, welche ebenfalls mit einer nur mässig langen Borste
besetzt Sind; zwischen diesen beiden Höckern ragen neben
einander zwei lange Borsten hervor, welche jedoch den drit-
ten Theil’ der Körperlänge nicht erreichen (F.45). Alle diese
Borsten sind unbeweglich. Ganz anders verhält es sich mit
den zwei langen Borsten, welche von der Spitze des letzten
Segments bei den Jungen von Xenos Sphecidarum hervor-
_ ragen;’F) diese können von den Thierchen, wie die Spring-
gabel der Poduren, nach unten und vorne umgeschlagen und
ganz ebenso zum Springen benutzt werden. Es ist von Klug
meine Wahrnehmung, dass die sechsbeinigen Jungen von Xenos
Spheeidarum wie die Poduren springen, als eine hier leicht
#) Meine Beiträge a. a. O. Taf. IU. Fig. 70 von Xenos Spheeidarum,
**) Bei Xenos Rossii zählte ich vier solche Erhabenheiten, bei
Xenos Sphecidarum (s. meine Beiträge a.a. O. T.III. Fig. 70 und 72)
dagegen nur drei.
++") Meine Beiträge a.a.O. Taf. II. Fig. 71.
+) Ebend. Fig. 70,
156 ;
mögliche Täuschung, in Zweifel gezogen worden;*) ich kann
aber versichern, dass derselben bestimmt keine Täuschung zum
Grunde liegt und dass ich das eigenthümliche Benehmen dieser
Thierchen, wenn sie sich zum Springen vorbereiteten, **) nur
zu oft beobachtet habe. Die Füsse der sechsbeinigen Jungen
von Xenos haben an den von mir untersuchten beiden Arten
einen ganz gleichen Bau. Die Schenkel sind gedrungen ge-
bildet und mit einigen Borsten oder Stacheln besetzt (Fig. 15).
Die Tibien der beiden ersten Fusspaare erscheinen dünne und
unbestachelt; als Tarsus erblickt man am Ende der Tibien
eine farbelose blasenförmige Anschwellung, welche beim Gehen
der Thierchen dieselben Dienste leistet wie die Haftscheiben
an den Füssen der Sarcoptes-Arten; ähnlich mögen auch die
keulförmigen zarten Tarsen der beiden ersten Fusspaare bei
den Jungen von Stylops Melittae wirken. Die Tibien des
letzten Fusspaares der Xenos-Brut sind bestachelt (Fig. 15)
und besitzen ein langes spitzes Tarsenglied, vor dessen Spitze
ein kleiner birnförmiger und glasheller Anhang sowohl bei
Xenos Spheeidarum***) als auch bei Xenos Rossii (Fig. 15)
herabhängt, während derselbe bei Stylops Melittae durchaus
fehlt (Fig. 16).
Was den inneren Bau dieser jungen Strepsipteren betriflt,
so stimmen sie sämmtlich darin mit einander überein, dass
ihnen ein After fehlt, und der einfache Darm sehr weit vom
Schwanzende entfernt mit einer blinden Erweiterung endigt.
Eine Mundöffnung konnte ich bei keiner der von mir beobach-
teten drei Arten deutlich wahrnehmen.
Um zu der nächsten Stufe ihrer Entwickelung übergehen
zu. können, müssen sich die sechsbeinigen jungen Strepsipte-
ren offenbar durch die Haut der Hymenopteren zu einer Zeit
hindurcharbeiten, während welcher sich letztere noch im Lar-
venzustande befinden, und also noch eine sehr zarte und
dünne Cutis besitzen; diese Vermuthung wird zur Gewissheit
gesteigert, wenn man die Hymenopteren, welche von den Stre-
psipteren zu ihren Wohnorten ausgewählt werden, in den ver-
*) Preussische medizinische. Vereins-Zeitung. 1839 Nr. 51 p.260.
**).Meine Beiträge a.a.O. p. 84,
***) Ebend, T. II. Fig. 73.
457
schiedenen Entwickelungs-Zuständen zergliedert und sorgfältig
durchsucht. In vollständig entwickelten Hymenopteren fand
ich immer nur ausgewachsene Strepsipteren-Larven von 2 oder
3bis 34 Lin. Länge, dagegen waren in Hymenopteren-Puppen
dergleichen Larven schon weit weniger herangewachsen und
in den Hymenopteren-Larven, z. B. von Polistes gallica, traf’ich
Xenos-Larven von 44 Lin. Länge. Dass diese kleinen weissen
und fusslosen Larven mit ihren sehr trägen Bewegungen von
den munteren sechsbeinigen Jungen des Xenos Rossii abstamm-
ten, konnte wohl keinem Zweifel unterliegen, da ich jedesmal
zwischen dem Fette und dem Luftgefässnetze solcher Poli-
stes-Larven, welche kleine fusslose Xenos-Larven enthielten,
die noch vollständig erhaltene und bei der ersten Metamor-
phose abgestreifte sechsbeinige Hülle der Xenos-Brut auffinden
konnte: diese Hüllen waren deutlich leer, bei allen war der
Kopftheil abgefallen, oder hing derselbe wie ein Deckel an
einem Punkte noch mit dem ersten Brustsegmente der Hülle
zusammen. Die Häutung geschieht also hier nicht durch De-
hiscenz der Mittellinie am Rücken der sechsbeinigen Hülle der
Strepsipteren-Brut, wie bei den meisten übrigen Insekten, son-
dern durch Abspringen des Kopfsegmentes, welcher Vorgang
sich später bei der Entwickelung des Strepsipteren-Männchens
an dessen Puppenhülse wiederholt.
. Diese abgestreiften sechsbeinigen Hüllen der Strepsipteren-
Brut bleiben wahrscheinlich während der ganzen Lebenszeit
der stylopisirten Hymenopteren in deren Leibeshöhle liegen,
denn ich konnte nicht allein in den Larven und Puppen von
Polistes gallica, welche Xenos-Larven enthielten, sondern auch
in dem Hinterleibe der vollständig entwickelten und stylopisir-
ten Individuen dieser Wespe jedesmal eben so viele abge-
streifte sechsbeinige Larvenhüllen vorfinden, als sie Larven,
männliche Puppen oder ausgewachsene Weibchen von Xenos
Rossii beherbergten. Die Auffindung dieser kleinen Larven-
hüllen wird einigermassen durch die schiefergraue Farbe, wel-
che dieselben von früherher beibehalten, erleichtert, indem
sie auf diese Weise von den milchweissen Fettmassen der
Wespen abstechen.
Dass die sechsbeinigen Jungen der Strepsipteren von den
stylopisirten Hymenopteren, während diese mit dem Füttern
158
ihrer eigenen Brut beschäftigt sind, in ihre Nester getragen
werden, in welchen dann die Strepsipteren-Brut leicht Gele-
genheit findet, sich diese oder jene Hymenopteren-Larve zum
Wohnthiere auszuwählen, dies leidet wohl keinen Zweifel,
Nach einer Beobachtung des Dr. Rosenhauer könnte es schei-
nen, als würden die stylopisirten Polistes-Wespen von der
übrigen Gesellschaft ihrer Verwandten ausgestossen und in
den Nestern gar nicht geduldet. *) Diese Beobachtung beruht
gewiss auf einer Täuschung; Rosenhauer hat nämlich ein Nest,
welches zufällig nur solche Polistes-Wespen bebauten, die
nicht stylopisirt waren, sammt diesen Wespen in einem Zwin-
ger befestigt und andere im Freien’ eingefangene. stylopisirte
Polistes-Wespen in denselben Zwinger gesperrt; diese wurden
nun von den Besitzern des Nestes nicht deshalb zurückgejagt,
weil sie stylopisirt, sondern weil sie fremd waren und derselben
Wespen-Kolonie nicht angehörten. Ich habe wenigstens öfters
stylopisirte Polistes-Wespen auf den Nestern neben ‘den übri-
gen Verwandten ungestört mit dem Bauen von Zellen und
Füttern der Jungen beschäftigt gesehen. Wenn übrigens die
sämmtliche Brut aus den Strepsipteren-Weibchen vollständig
hervorgekrochen ist und die Männchen ihre Puppenhüllen ver-
lassen haben, so‘ zieht sich der Cephalothorax der einge-
schrumpften Weibchen und der leeren männlichen Puppen-
hülsen ganz unter die Segmente der Hymenopteren zurück, so
“dass sich ihre Anwesenheit erst dann verräth, wenn man’ die
Ränder der Segmente etwas in die Höhe hebt.
Die kleinsten fusslosen Xenos-Larven, welehe ich bis
jetzt gesehen habe, waren kaum 4% Lin. lang. Die Farbe der
fusslosen Strepsipteren-Larven ist weisslich; sie haben keine
Spur von horniger Substanz an sich, und die Umgegend ihrer
Mundöffnung ist durchaus von weicher Beschaffenheit. Bei
allen diesen fusslosen Larven, mochten sie auch noch so klein
sein, war bereits ein Geschlechtsunterschied ausgeprägt. Der
“Körper aller dieser Larven besitzt neun Einschnitte (Fig. 12, 13);
von den dadurch gebildeten zehm Abschnitten ist der erste
unverhältnissmässig gross, und nimmt - fast ein Drittel der
Körperlänge ein. Derselbe ist gewiss durch Verschmelzung
”) Entomologische Zeitung a. a. O, p, 56.
u
459 °
des Kopfes und der Brustsegmente der sechsbeinigen Larve
entstanden und entspricht dem früher erwähnten Cephalotho-
rax der Strepsipteren. Bei den männlichen Larven besitzt
dieser Cephalothorax eine fast konische Gestalt mit einer
schwachen Erweiterung an seiner Basis (Fig. 12). Die weib-
liche Larve unterscheidet sich von der männlichen sehr deut-
lich durch ihren ovalen und mehr abgeplatteten Cephalothorax
(Fig. 13). Das letzte Körpersegment der männlichen Larven
sticht durch seine Kleinheit und Schmächtigkeit von dem vor-
letzten Segmente schon auffallend ab (Fig. 12), während der
Leib der weiblichen Larven mit einem ziemlich breiten und
ganz stumpf abgerundeten Segmente endet (Fig. 13). In der
Gestalt des Mundes und dessen Umgegend findet bei der männ-
lichen und weiblichen Larve kein Unterschied Statt. Der Vor-
derrand des Cephalgthorax ist bei beiden zu einem Zipfel
ausgezogen (Fig. 12, 43 und 14 d), dahinter liegt eine Grube,
welche von einem kurzen weichen Höcker überwölbt und zu
beiden Seiten von zwei ähnlichen Höckern umgeben wird,
Diese Grube ist offenbar der Eingang zur Mundhöhle, und die
beiden seitlichen Höcker (Fig. 14 e** e**) vertreten die Stelle
zweier Kiefern. Es drängt sich nun die Frage auf, ob sich die
Mundöffnung auf der Bauch- oder Rückenseite - der‘ Larven
befindet. Zweierlei konnte darüber entscheiden, Zuerst fielen
bei den sehr kleinen XKenos-Larven zwei schwarzbraune
Pigmentfleckchen am vorderen Rande des Cephalothorax auf
(Fig. 12, 13), und zwar auf der der Mundöffnung entgegen-
gesetzten Körperfläche. Diese Pigmenitfleckchen, welche spä-
ter ganz verschwinden, waren gewiss die Überreste desjenigen
Pigments, welches bei den sechsbeinigen Larven in den bei-
den Winkeln des Kopfes die Stemmata so reichlich umgiebt.
Man kann um so mehr annehmen, dass diese Pigmentfleckchen
die Rückenfläche des Cephalothorax bezeichneten, da man fer-
ner auch auf derselben Fläche das Rückengefäss an den übri-
gen Leibessegmenten hindurchschimmern sah. Der hervor-
ragende Zipfel am Munde dieser Laryen (Fig. 12, 13 und 14 d)
hat daher die Bedeutung einer Oberlippe und der hinter dem
Eingange des Mundes befindliche Höcker (Fig. 14 e*) ent-
spricht einer Unterlippe.
Diese Form des Mundes und seiner Umgebung bleibt
160 .
sowohl bei‘ den männlichen als weiblichen Larven während
des ganzen Larven-Zustandes umverändert. Die Larven der
Strepsipteren können daher ihrer einfachen und weichen Mund-
theile wegen niemals kauen, sie nähren sich wahrscheinlich
mehr von dem Safte, von welchem die Organe der Hinter-
leibshöhle der Hymenopteren gebadet werden. Ich sah auch
die Strepsipteren-Larven deutliche Schluckbewegungen machen,
welche mehr von dem Schlunde als von den. Lippenwülsten
und ‘weichen Kiefern ausgingen.
-» Während des allmäligen Wachsthums der Larven ver:
kürzt sich. der Cephalothorax im Verhältniss zu dem übrigen
Leibe, behält aber bei der männlichen Larve seine konische,
bei der weiblichen Larve seine abgeplattete Gestalt bei. Sie
stecken immer, mit dem Cephalothorax nach dem Hinterrande
des Abdomens gerichtet, in der Leibeshöhle der Hymenopteren
verborgen. Die männlichen Larven von Xenos Rossi erreichen
zuletzt eine Länge von 3 Lin. rh,, welche Länge sie im Pup-
penzustande beibehalten. Der Cephalothorax derselben besitzt
zu beiden Seiten des Leibes in der Nähe des ersten -Ein-
schnitts ein Stigma (Fig. 41 e), und lässt am Vorderende, nach
der Rückenseite hin, die Anlage von zwei facettirten Augen
erkennen (Fig. 11 ©); um beide Augen-Anlagen herum kommt
vor der Verpuppung eine hornige dunkelbraune Leiste zum
Vorschein (Fig. 10, 11 »2),. deren. Zweck mir. noch verborgen
geblieben ist. Das letzte Leibessegment spitzt‘ sich mit dem
Heranwachsen der männlichen Larve immer mehr zu und lässt
dieselben auf den ersten Blick von weiblichen Larven unter-
scheiden. Die Larve, welche Jurine von Xenos Rossii ab-
gebildet hat, *) erkläre ich daher auch für eine männliche, da
das letzte Segment derselben ganz eben so schmal dort er-
scheint, wie ich es an den übrigen männlichen Larven ange-
trofien habe,
Die weiblichen Larven wachsen bis zur Länge von etwa
3 bis 34 Lin. fort, ihr Cephalothorax nimmt dabei einen rund-
lichen Umriss an, behält aber seine abgeplattete Form bei.
Ausgewachsen sieht eine weibliche Larve dem im letzten Ent-
wickelungs-Zustande befindlichen Strepsipteren-Weibchen ziem-
+) Isis 1832. Taf. XIN. Fig. 3.
Sn EEE
161
lich ähnlich, es fehlt ihr jedoch der Brutkanal und dessen
Mündung, auch besitzt der Cephalothorax derselben keinen
hörnigen Überzug, sondern besteht aus weicher weisslicher
Substanz mit ebenfalls weichen Mundtheilen (Fig. 6).
Hält man nun diese verschiedenen Momente in der Ent-
wickelungsgeschichte der Strepsipteren fest, welche gewiss auch
bei den Gattungen Elenchus und Halictophagus sich wieder-
holen, so werden diejenigen, welche fernerhin an dieser merk-
würdigen Insekten-Gruppe Beobachtungen zu machen Gele-
genlfeit haben, sich bei ihren Angaben hierüber hoffentlich
nicht mehr so widersprechen, wie dies bisher geschehen ist.
Erklärung der, Abbildungen.
Tafel VII. Fig. 1 bis 15 von Xenos Rossii.
Die Buchstaben haben an allen Figuren folgende Bedeutung:
a. Bauchseite, d. Rückenseite, c. Stigma, d. Oberlippe, e. Mundöff-
nung, e*. Unterlippe, e**. Kiefer, f. Mündung des Brutkanals, /*. eine
-Furche, welche sich von der Mündung des Brutkanals nach den Sei-
tenrändern des Cephalothorax hinbegiebt, g. Brutkanal, g*. durch
den Brutkanal hindurchschimmernde Stelle, von welcher die erste
nach vorne gekrümmte Röhre in die Leibeshöhle hineinragt, 4. Deckel
(opereulum ) der männlichen Puppenhülse, z. Hügel, unter welchem
sich die facettirten Augen der Männchen ausbilden, &. letztes Leibes-
Segment der männlichen Individuen, /. Stemmata der sechsbeinigen
Larven, mn, Kiefer oder Palpen derselben, z. hornige Leiste am Ce-
phalothorax der männlichen Larve.
Fig.1. Ein Weibchen von Xenos Rossii im letzten Entwickelungs-
Zustande, von der Bauchseite aus gesehen. Die Stellen, von* welchen
die vier Röhren in die Leibeshöhle hineinragen, schimmern durch
den Brutkanal als vier weissliche runde Flecke hindurch.
Fig. 2. Dasselbe Xenos-Weibchen, von der Seite gesehen.
Fig. 3. Der Cephalothorax mit dem ersten Hinterleibssegmente
eines Xenos-Weibchens, von der Bauchseite aus.
Fig. 4. Der Cephalothorax eines Xenos- Weibchens, von der Rük-
kenseite aus.
Fig. 5. Der Cephalothorax eines Xenos- Weibchens von vorn gese-
hen, so dass man gerade in die Mündung des Brutkanals blicken kann.
Fig. 6. Eine erwachsene weibliche Larve von Xenos Rossii, von
der Bauchseite aus.
Fig. 7. Die Puppenhülse eines Xenos Männchens, von der Bauch-
seite aus.
Fig. 8. Dieselbe, von der Seite.
Fig. 9. Deckel (operculum) der Puppenhülse eines Xenos Männ-
chen, von der Seite, und noch stärker vergrössert als Fig. 8 und 9
Archiv f. Naturgeschichte, IX. Jahrg. 1. Bd. 11
162
Fig. 10. Eine erwachsene männliche Larve von Xenos Rossi,
von der Bauchseite,
Fig. 11. Dieselbe, von der Seite,
Fig. 12. Eine sehr junge männliche Larve von Xenos Rossii, vom
Rücken aus gesehen.
Fig. 13. Eine sehr junge weibliche Larve von Xenos Rossii, vom
Rücken aus gesehen.
Fig. 14. Vorderende des Cephalothorax einer fusslosen Xenos-
Larve, von der Bauchseite,
Fig. 15. Sechsbeinige Larve von Xenos Rossii, von der Bauch-
seite aus. Die Stemmata schimmern von oben hindurch.
Fig. 16. Sechsbeinige Larve von Stylops Melittae, von der Rük-
kenseite aus, der Blinddarm schimmert von innen durch.
(Alle Abbildungen sind sehr stark vergrössert. )
Über die beweglichen Fäden in den Venen-
anhängen der Cephalopoden.
Von |
Professor Erdl.
Hierzu Taf. VII.
Schon seit geraumer Zeit haben diese höchst, eigenthüm-
lichen Körper die Aufmerksamkeit der Naturforscher vergeb-
lieh in Anspruch genommen; sie wurden wohl von allen Zoo-
tomen, die überhaupt Tintenfische zu zergliedern Gelegenheit
hatten, beobachtet, aber keiner vermochte über ihre Natur
und Bedeutung Aufklärung zu verschaffen, was der nichts-
sagende Name, den sie noch zur Stunde besitzen, bezeugt.
Ref. hat dieselben in verschiedenen Jahren und Jahreszeiten
und an verschiedenen Meeren beobachtet und glaubt nun eini-
gen Aufschluss über sie geben zu können.
Die Venenanhänge finden sich bei allen Cephalopoden,
besonders zahlreich aber bei den Octopoden, an den Zentral-
theilen des Venensystemes, an welchen sie gleich Cuasten
herabhängen. Jeder Venenanhang stellt einen schwammigen
N VE
ee
163
Körper dar, der in seinem Inneren eine durch mannigfach
sich kreuzende, grössere und kleinere Scheidewände in zellige
Räume abgetheilte Höhle besitzt-und kommunizirt frei mit dem
Lumen des Gefässes, an dem er hängt, so dass er eigentlich
nur als ein besonders ausgebildeter Blindsack desselben er-
scheint, Bei Injection füllen sich die meisten Anhänge sehr
leieht mit der injieirten Masse und blähen sich auf, indem die
Räume in ihrem Inneren sich füllen; einzelne Gefässe kann
man in ihnen nicht unterscheiden. Schneidet man solche Ge-
bilde einem lebenden Thiere aus und zerreisst sie mit Nadeln,
so fliesst ein gelblicher, etwas trüber Saft hervor, in dem
man Blut-(Lymph-)Körner und die beweglichen Fäden unter-
scheidet. *) 1
Diese sind darmartig geformt, verlängern und verkürzen
sich, winden sich mannigfach durch- und auseinander, beugen
sich gerne in einen Ring oder Halbmond zusammen und be-
wegen sich dann im Kreise um einen gewissen Mittelpunkt wit
rapider Geschwindigkeit. Jedenfalls kann man ihnen eine freie
selbstständige, willkürliche Bewegung nicht absprechen, die
sich häufig nicht blos im Schwimmen nach den verschiedensten
Richtungen, sondern auch im Kriechen auf dem Objektträger
darstellt und — wenn nicht ausschliesslich, doch jedenfalls
vorzugsweise — durch die-lJangen Flimmerhaare bewerkstelligt
wird, mit denen ihre ganze Leibesoberfläche bedeckt ist,
Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass diese be.
*) Referent erlaubt sich bei dieser Gelegenheit darauf aufmerk-
sam zu machen, dass man Unrecht thue, bei den weissblütigen Thieren
das Blut nicht Blut, sondern Lymphe zu nennen. Jedenfalls existiren bei
diesen Thieren zwei Flüssigkeiten, die sich wie Blut und Lymphe
der höheren Thiere zu einander zu verhalten scheinen. Beweise dafür
liefert jede behutsam angestellte Injection bei Cephalopoden, wobei
man nämlich sieht, dass sehr häuflg Arterien innerhalb anderer wei
terer, mit einer Flüssigkeit gefüllter Gefässe liegen. Injieirt man lang-
sam vom Herzen aus, so füllt sich erst das Blutgefäss im Lymph-
gefässe, bei fortgesetztem Drucke aber reisst ersteres und die Inje-
ctionsmasse tritt in das Lumen des Lymphgefässes aus, das sich nun
vollständig füllt. Bei rascher Injection geschieht das Reissen des
Blutgefässes und die Füllung des Lymphgefässes sogleich, und man
ist nicht im Stande, das Vorhandensein der zwei in einander ge-
sehachtelten Gefässe wahrzunehmen.
41%
164
weglichen Fäden -Thiere sind, die als Entozoen in dem Blute
der Gephalopoden leben: welcher Gattung der Schmarotzer
sie aber beigezählt werden müssen, mag folgendes Detail
ergeben.
Ein ausgebildetes Individuum dieser Art ist lang und
schmal, breiter am Kopfende als am ganzen übrigen Leibe,
durchsichtig und bräunlich-gelblich gefärbt. In der unteren
Leibeshälfte bemerkt man jedesmal eine Stelle, die etwas sack-
artig ausgebuchtet ist und sehr feine Körner enthält. An der
Oberfläche des Leibes stehen Flimmerhaare, die am breiten
Kopfende sehr lang und deutlich, am Schwanzende dagegen
häufig sehr klein und oft kaum erkennbar sind. Am Kopfe
befindet sich eine, meistens nach abwärts gekehrte haarlose
Scheibe mit einer Öffnung in ihrer Mitte (Mund?). Das Innere
des -Leibes scheint eine einfache Höhle zu sein, die von ver-
schieden aussehenden kugligen Gebilden angefüllt ist; die Por-
tion des Leibes, welche hinter der sackartigen Ausbuchtung
liegt, enthält nur Kugeln, die so ziemlich einerlei Ansehen
haben; in der vorderen Leibeshälfte aber sind kugelige Ge-
bilde von verschiedener Grösse und Form. Bei genauer Un-
tersuchung erweist sich leicht, dass alle diese kugligen Gebilde
nur auf verschiedenen Entwickelungsstufen stehende junge Thiere
derselben Art seien, welche hier als eine zahlreiche Brut im
mütterlichen Leibe verweilen, bis sie einen gewissen Grad
ihrer Ausbildung erlangt haben.
Die Kugeln in der hinteren Leibeshälfte sind wasserklar
und gleichen runden Zellen mit Zellenhüllen und einem klei-
nen, aber deutlichen Zellenkerne; sie sind als Eier anzusehen
und liegen am Schwanzende dicht und unregelmässig beisam-
men in der Mitte der hinteren Leibeshälfte in Reihen neben
einander, in der Nähe der sackartigen Ausstülpung mehr ver-
einzelt und selbstständig.
In die vordere Leibeshälfte übergegangen entwickeln sie
sich auf folgende Weise. Der Kern im Eie löst sich in eine
granulöse Masse auf, die bald den doppelten, ja dreifachen
Umfang des Kernes selber gewinnt. Die granulöse Masse
scheidet sich in zwei oder drei kuglige Partien, in denen das
granulöse Ansehen durch Verschmelzen der Körnchen unter-
einander nach und nach verschwindet, so dass sie endlich
ee
er
165
eben so viele nebeneinander liegende, in ihrem Inneren völlig
homogene Kugeln darstellen. Während dieser Vorgänge wächst
auch die äussere Eihülle, nimmt gleichmässig an Umfang zu,
erleidet aber sonst keine Veränderung. In diesem Stadium
erscheint dann das Ei aus drei oder vier Kugeln zusammen-
gesetzt, von denen die grösste die vergrösserte Eihülle selber
ist, die zwei oder drei kleineren dieser aufsitzenden aber von
dem ursprünglichen Kerne im Eie, der offenbar als Dotter
anzusprechen ist, stammen.
Auffallend ist es, dass in den Eiern die Selbstständigkeit
und Reife desto mehr sich zeigt, je mehr sie sich der sack-
artigen, mit feinen Körnern gefüllten Ausstülpung des Leibes
des Mutterthieres nähern, und dass die Entwickelung in ihrem
Inneren sogleich geschieht, wenn sie diese Stelle überschritten
haben und in die vordere Leibeshälfte gelangt sind. Aus diesen
Erscheinungen dürfte man wohl abnehmen, dass der körnige
Inhalt der sackartigen Ausstülpung männlicher Zeugungsstoff
sei, über den aber nicht mit Gewissheit entschieden werden
kann, ob er an dieser Stelle gebildet worden und die sack-
artige Ausstülpung selbst als männliches Organ zu betrachten
sei, oder ob er durch Mittheilung von aussen hieher gekon-
men und im Sacke, als einem receptaculum verweile, um die
an ihm vorbei wandernden Eier zu befruchten. Erstere An-
sicht scheint die wahrscheinlichere, da der Sack und sein kör-
niger Inhalt selbst an sehr jungen Thieren schon deutlich
erkennbar ist.
Die aus dem Kerne gebildeten Kugeln wechseln an Zahl
und Grösse: manchmal sind nur ihrer zwei völlig gleich grosse
vorhanden, manchmal ist die eine von diesen bedeutend grösser
als die andere; manchmal aber finden sich drei Kugeln, eine
grössere und zwei kleinere,
Um diese Kugeln herum bildet sich nun eine gelatinöse
Masse an, die sich besonders nach einer den Kugeln ent-
gegengesetzten Richtung ausdehnt, offenbar immer mehr an
Konsistenz gewinnt und endlich an ihrer ganzen Oberfläche
feine Flimmerhaare hervortreibt, welche an dem den Kugeln
gerade entgegengesetzten Theile am meisten in die Länge
wachsen: die Härchen beginnen sich zu bewegen und das
ganze Gebilde fängt nun an, selbstständig herumzuschwimmen:
166
Das Thier sieht in diesem Stadium infusorienartig aus,
liegt im mütterlichen Leibe am vordersten Theile des Kopfes,
tritt aus demselben hervor und lebt nun frei und selbstständig
in den Venenanhängen. Man findet sie auch öfters frei im
Wasser schwimmend, oder an der Leibesoberfläche anderer
Seethiere, z. B. der Seeigel. Sie gleichen in ihrer ganzen
Leibesform etwas, in der Art zu schwimmen aber völlig den
kuglig zusammengezogenen, stiellosen Vorticellen. Die klei-
nen Kugeln an ihnen glänzen wie Fetttröpfchen, scheinen aber
von harter Beschaffenheit, hornartig zu sein, zeigen in ihrer
Mitte eine leise Furche und erinnern ganz an Saugnäpfe,
Bei weiterer Entwickelung verliert das Thierchen etwas
an Beweglichkeit, die Flimmerhaare verkümmern, die Kugeln
verlieren ihre Deutlichkeit und die kleinen verschwinden gänz-
lich, während die grosse bleibt. Zwischen dieser und der
Stelle, an welcher die kleinen Kugeln lagen, bricht eine immer
tiefer werdende und bis zur Mitte der Leibesmasse eindrin-
gende Furche ein, die dem ganzen Thiere nun ein anderes
Ansehen giebt. Durch die Furche wird die Kugel an einer
Stelle gespalten und die getheilte Masse gilt nun als vorderes
und hinteres Leibesende eines zusammengeballten blinddarmarti-
gen Thierchens. Das vordere Ende ist stets breiter und trägt
die grosse Kugel, die sich nun als eine platte vollkommen
homogene und durchsichtige Scheibe darstellt, während der
übrige Leib in seinem Inneren mit granulöser Masse gefüllt
zu sein scheint und an seiner Oberfläche wieder neue Flim-
merhaare hervortreibt.
Von nun an wächst das in eine stumpfe Spitze auslau-
fende Schwanzende immer mehr in die Länge und über den
Kopf herüber, die Furche erweitert sich und die Leibesform
des Thierchens stellt sich schon ziemlich vollkommen dar,
da auch in der Mitte des Leibes die sackartige Ausstülpung
deutlich wird und schon jetzt in ihrem Inneren eine feinkör-
nige Masse erscheint. Der Bogen, den der zusammengeballte
Leib des Tbieres bildet, erweitert sich immer mehr und die
kreisende Bewegung des Thieres, die schon bei dem Beginne
der Metamorphose der Infusorienform eintrat, zeigt sich nun
in ihrer grössten Lebhaftigkeit. Bald aber versucht das Thier-
chen sich gerade zu strecken, verharrt in dieser Stellung
167
anfänglich nur kurze, dann immer längere Zeit, so dass es
sich endlich nur selten mehr in einen Bogen zusammenkrünmt,
und schwimmt oder kriecht dann auch frei nach allen Rich-
tungen hin.
Am Kopftheile erscheinen jetzt häufig wieder kleine kug-
lige Gebilde, welche an die bei der Infusorienform vorhanden
gewesenen erinnern; die grosse Kugel oder Scheibe dagegen
verschwindet manchmal und an ihrer Stelle zeigt sich eine
Substanzlücke, über welche der vorderste Theil des Kopfes
sich hakenförmig herüberbeugt.
Die weitere Entwickelung bietet wenig Interessantes; der
ganze Leib wächst immer mehr in die Länge und Breite, die
sackförmige Ausstülpung erweitert sich, die Körner in ihrem
Inneren werden zahlreicher und zeigen Molekularbewegung,
die vordere Leibeshälfte ist mit einer, wenige kleine Körner
enthaltenden gelatinösen Masse gefüllt, in der hinteren bilden
sich die Eier, welche schon, wenn das Thierchen kaum die
Hälfte seiner vollen Grösse erreicht hat, in die vordere Lei-
beshälfte übergehen und dort sich entwickeln.
Unter allen bisher bekannt gewordenen Schmarotzern
weiss Ref. keinen anzugeben, der mit dem eben beschriebenen
auch nur eine entfernte Ähnlichkeit besässe; vielleicht sind
nur die infusorienartigen Thiere, welche man in neuester Zeit
im Blute der Fische und Frösche fand, theils wegen des Vor-
kommens, theils aber auch wegen einiger Ähnlichkeit der
Leibesform dieser Thierchen mit dem der Cephalopoden wäh-
rend ihres Überganges von der Infusorien- zur Wurmform,
einigermassen als Analogen zu betrachten.
168
Bemerkungen über die drei Arten Mastodon und
die drei Arten Tetracaulodon des Hrn. Isaak Hays.
Von "
3J..J.. K’aup.
Bei der Beschreibung des M. longirostris habe ich ge-
funden, dass weder die Grösse der Backenzähne noch die von
Theilen des Skelets Kennzeichen abgeben können, Arten da- °
nach zu unterscheiden, indem bei dieser Art es riesenmässige
und zwergartige Individuen gegeben hat. Sehr unnatürlich
würde es sein, grössere und kleinere Racen anzunehmen, in-
dem die Übergänge von dem grössten bis zu dem kleinsten
Individuum vorhanden sind. R
Bei dem lebenden Elephanten tritt der nämliche Fall ein,
und ich habe die Überzeugung, dass bei den fossilen dies
in einem bei weitem grösseren Maasstab anzunehmen ist. Be-
denkt man noch, welche Modifikationen Alter und Geschlecht
an dem Kopf und seinem Unterkiefer bewirken, so hege ich
gerechten Zweifel, ob man allen Arten, die mein hochgeehr-
tester Freund, Herr Fischer v. Waldheim in Russland gefunden
hat, vollen Glauben schenken darf.
Bei den Mastodonten wenigstens muss man darauf sehen,
Modifikationen, die das Alter und Geschlecht hervorbringen,
nicht für specifische oder gar generische Kennzeichen zu halten.
Dies ist namentlich bei dem Unterkiefer der Fall, der ent-
weder in der Jugend oder durchs ganze Leben Stosszähne
besitzt. Nach dem Vorhandensein dieser Stosszähne hat God-
man ein eigenes Genus geschaffen, das jedoch gleich bei
seiner Geburt mit Recht angefochten wurde. Die Stosszähne,
seien sie temporär oder durchs ganze Leben vorhanden, müs-
sen der Kiefernspitze eine andere, entweder eine breitere oder
gestrecktere Form ertheilt haben,
Von zwei europäischen Arten kennt man komplette Unter-
kiefer. Der im Wiener Museum aufbewahrte des Mastodon
169
angustidens ‘hat eine ziemlich gestreckte Schnabelspitze ohne
Stosszähne, und ich halte ihn deshalb einem weiblichen Thiere
zugehörig; möglich wäre es jedoch, dass diese Art nur in
der Jugend Stosszähne besessen hat. Die zweite Art ist M.
longirostris, von welchem unser Museum die Kiefer eines
alten Thieres mit Stosszähnen besitzt und den ich demnach
einem männlichen Thiere zuschreibe.
Die übrigen Arten von Europa und Südamerika sind höchst
dürftig bekannt und nicht einmal so, dass man die Art cha-
rakterisiren könnte. Bei näherer Kenntniss des M. angusti-
dens werden wohl die Arten: M. minutus, tapiroides, turi-
censis schwinden. Ein ähnlicher Fall wird wahrscheinlich mit
M. Andium und Humboldtii eintreten, da beide nur einer Art
anzugehören scheinen. Nach diesen Ansichten führe ich die
6 Arten des Genus Mastodon und Tetracaulodon, welche Hays
aufgestellt hat, auf 2 Arten zurück, die sich scharf bezeich-
nen lassen.
Zu meinen Untersuchungen dienen mir die Abgüsse der
sämmtlichen Unterkiefer, welche Hays in dem 4. Bande der
Transact. of the Am. phil. soe, beschrieben und abgebildet hat,
und die unsere Sammlung durch die freundliche Verwendung
des Herrn Hays von dem Museum zu -Philadelphia erhalten
hat. Ausser diesen Abgüssen besitze ich noch den von Cuv.
pl. IM. Fig. 2 abgebildeten.
Indem ich das mir von Hrn. Hays zugesandte Material
sogleich benutze, seine Arten einer Kritik zu unterwerfen, so
hoffe ich, dass dies mir nicht übel gedeutet wird. Irre ich,
so will ich gern später meine Fehler eingestehen, denn die
Geschichte von dem schon längst bekannten M. gig. ist bei
aller Fülle des Materials noch Jange nicht geschlossen.
Zuvor ich die Haysischen Arten beleuchte, will ich mir
noch einige Worte über den Zahnwechsel erlauben, der, wie
mir es scheint, immer noch nicht recht begriffen worden ist.
Mastodon erhält im Verlauf seines Lebens 6 Backenzähne
in jeder Kiefernhälfte, zusammen 24. Alle diese Zähne wer-
den bis auf den letzten von hinten nach vorn geschoben und
gehen durch Abnutzung, und Druck von hinten verloren. Zu
den 6 oberen Backenzähnen jeder Hälfte muss man noch 4
kleines Zähnchen rechnen, das auf dem gewöhnlichen Wege
170 NER
‚von oben nach unten zum Durchbruch kommt und welches '
in seiner Form ‘und Lage, mehrere Zoll über dem ersten
Milchzahn, diesem ersten Milchzahn als sogenannter bleiben-
der entspricht.
Dieses Zähnchen stellt sich vor den 4. Backenzahn ; nach-
dem dieser die 3 vorhergehenden, die. als Milchbackenzähne
zu betrachten sind, aus dem Kiefer hinausgedrängt und die
Stelle des 2, und 3. Milchbackenzahns eingenommen hat. Dies
zeigt sehr schön das Stück, welches Cuvier, Div. Mast. pl.
Ill. Fig. 2 abbildet und dem M. angustidens zuschreibt. Dieser
kleine Reservezahn, welchen ich bei einem sehr gut erhaltenen
Oberkieferfragment eines jungen M. longirostris mehrere Zoll
über dem ersten Milchbackenzahn herausgebrochen habe, ‚muss
eine lange Reise machen, um seinen Zweck zu erfüllen. Mir
wunderbar bleibt es, dass er zur richtigen Zeit eintrifft, wenn
der 4. die Stelle des 2. und 3. eingenommen hat, um sich
vor ihn zu stellen. Käme er zu spät, so würde der schon
weiter vorgeschobene 4. und später der anschliessende 5. und
6. seinen Durchbruch für immer verhindern. Erschiene er zu
früh, so würde er als isolirter Zahn, ohne Anlehnen an den
4., seinen Zweck nicht erfüllen.
Bis jetzt ist an jungen Unterkiefern nach diesem Zähn-
chen noch nicht gesucht worden. Es verlohnte sich wohl der
Mühe, bei den amerikanischen danach zu forschen. Existirt
er, so müsste er in den von Hays abgebildeten jungen Kie-
fern zu finden sein, und zwar müsste er bei dem pl. 20 reifer
als bei pl. 27 sein.
Wäre dies der Fall, so hätte Mastodon im Ober- wie
Unterkiefer 6 Milchzähne, die von oben nach unten, oder
(Unterkiefer) von unten nach oben durch Einen einzigen Zahn
ersetzt würden, Ausser diesem Erzatzzahn noch den‘ 4., und
2 sogenannte Weisheitszähne; im Ganzen 28 Backenzähne.
Bei dem lebenden Elephanten nimmt Corse im. Verlauf
des Lebens 8 Zähne an, zusammen 32. Diese Zahl scheint
richtig, denn der Elephant scheint im Fötuszustand ein Zähn-
chen in jeder Kiefernhälfte zu besitzen, das gleich nach der
Geburt ausfällt. *)
*) Ich kenne einen solchen Unterkiefer von einem urweltlichen
® 4171
Da jedoch Corse von dem ersten Zahn sagt, dass er aus
4 Lamellen besteht, so kennt er diesen Fötuszahn nicht und
nach seinem Sinn ist seine Zahl von 32 unrichtig. Dieser
Fötuszahn hat beim fossilen nur 2 Lamellen; der Zahn, der
diesem folgt, hat erst 4 Lamellen,
Möglich, sogar wahrscheinlich ist es, dass bei den ame-
rikanischen Mastodonten wenigstens Kopfknochen von so jun-
gen Individuen noch gefunden werden, an welchen auch dieser
Zahn nachzuweisen ist.
Ich komme nun auf die Arten des Hrn, Hays zurück und
werde-bei diesen Unterkiefern von jüngeren zu älteren über-
gehen; ich werde mich dabei auf die korrekten Abbildungen
beziehen, die Hays am angeführten Orte gegeben hat.
Tab. 26 ist der Tetracaulodon mastodontoideum Godm,,
welcher gleich bei seiner Creirung angetastet und von vielen
Naturforschern für einen Unterkiefer gehalten wurde, der einem
männlichen Thiere des M, gig. angehörte. In dem Synchon-
drosentheil zeigt er einen erhaltenen Milchstosszahn und die
Alveole des zweiten. Auf der rechten Hälfte ist der 2., 3.
und 4. Backenzahn vorhanden. Letzterer ist durch Kunst so
in die Höhe geschafft, dass er höher als der benutzte dritte
steht. Die linke Seite zeigt den 1., 2. und 3. Backenzahn.
Über dem vordern Gefässloch steht ein zweites, weniger ent-
wickelt. Eine ähnliche Stellung ‚haben diese Löcher bei dem
alten Mast. gig. pl. 23, allein hier sind sie vollkommen ent-
wickelt, Nach den Backenzähnen und der Totalform kann es
nur ein junges Thier von Mast. gig. sein, und nach Analogien
Elephanten, der ein solches Zähnchen besitzt, das kaum einen halben
Zoll in dem Längendurchmesser hat, und habe in meinen Akten der
Urwelt den argen Fehler begangen ein eigenes Genus daraus zu bilden.
Ich hatte jedoch kaum einige Exemplare meiner Akten versandt, so
erhielt ich von Hrn. v. Gutbier die übrigen Theile des Skelets von
diesem Fötuselephanten und erkannte durch sie meinen Fehler. Herr
v. Meyer korrigirte in einem Briefe an mich denselben Fehler. Es
wäre sehr zu wünschen, dass ein Naturforscher in Indien sich es zur
Aufgabe machte, nochmals die Zahnfolge zu studiren, um vom Foetus
bis zum höchsten Alter die Altersübergänge zu beschreiben und ab-
zubilden. Besässen wir eine solche Arbeit, so wäre kein Cymmato-
therium von mir kreirt worden.
172
anderer lebender Geschlechter zu schliessen, ‘sind die Stoss-
zähne Zeichen seines männlichen Geschlechts. Diese Zähne
gehen gewechselt im Alter verloren und die Zahnhöhlen der-
selben werden ausgefüllt. Bei der grossen Zahl von Indivi-
duen, die in Amerika gefunden worden, ist zu hoffen, dass
diese Annahme durch Übergangsformen sich bald bestäti-
gen wird.
Tab. 20, den Hays als junges Thier des Mast. gig. be-
schreibt, halte ich einem jungen weiblichen Thiere zugehörig.
Er ist älter als der vorige, denn ihm fehlen die zwei vordern
Backenzähne, und in die Alveole des 2. ist schon zum Theil
der 3. Backenzahn vorgedrungen. Der 4. liegt naturgemäss
tiefer als der 3., und hinten tiefer als vorn. Der Kiefer über-
haupt, sowie die Spitze ist weniger gut erhalten. Die Backen-
zähne wie der Kiefer zeigen grössere Dimensionen, was theils
dem Alter zuzuschreiben theils individuell ist.
Tab. 25. Einige Altersstufen überspringend, folgt dieser
Kiefer, woraus Hays seinen M, Jeffersoni gebildet hat. Von
den 4 ersten Backenzähnen ist nur die zum Theil schon aus-
gefüllte Alveole des 4. noch vorhanden. Der 5. zeigt sich
schon sehr abgekaut, während der letzte kaum berührt ist.
Die beiden Gefässlöcher des vorderen 'Theiles sind gewöhnlich
gestellt und gebildet. Ich halte ihn für einen weiblichen, weil
die Unterkieferspitze nach vorn hin sich. verschmälert.
Tab. 21. Diesen zählt Hr. Hays dem Mast. gig. zu. Er
ist von fast gleichem Alter mit dem vorigen. Die zwei vor-
deren Gefässlöcher sind durch eme schmale Scheidewand ge-
trennt und gleichen beide einer von oben niedergedrückten 8.
Ich halte ihn einem männlichen Thiere zugehörig und zwar
nach der mehr gestreckten Form des Kiefers.
Tab. 24. Mastodon Cuvieri Hays. Älter als die beiden vori-
gen. Der 5. Backenzahn hat schon vollkommen die Stelle des
4. eingenommen. Die Abweichung des Talon des letzten Bak-
kenzahns ist individuell. Mit dem jüngern Kiefer tab. 25 (M.
Cuvieri) verglichen, zeigt er einen höheren Kiefer und von
dem vorletzten Backenzahn ein steileres Abfallen nach der
Spitze hin. Eine ähnliche Modifikation durch das Alter sehen
wir jedoch auch beim lebenden und fossilen Elephanten. Die
173 -
Unterschiede beider Kiefer schreibe ich nur dem Alter zu und
betrachte beide als weibliche Kiefer des M. gig.
Guvier pl. IM. Fig. 1 und 2. Dieser gleicht im Alter
dem letzten. Er ist weniger hoch; nach seiner breiteren Kie-
ferspitze halte ich ihn für einen männlichen; er gleicht sehr
dem folgenden, welcher der älteste und am besten erhaltene ist.
Tab..23. Cuv. pl. III. Fig. 5 und 6. Von dem vorletzten
Backenzahn ist nur die ausgefüllte Alveole vorhanden und der
letzte selbst ist schon bedeutend abgenutzt. Beide Processus
sind vorhanden, -von welchen der Goronoideus höher als der
Condyloideus ist. Über den 2 vorderen übereinander stehen-
den Gefasslöchern ist der sonst schwindende glatte Rand, in
Folge des Alters, in überhängende Knochenwulste verändert.
Nach dem gestreckten, breiteren Synchondrosentheil und nach
der mehr gestreckten Form des Kiefers halte ich ihn einem
sehr alten männlichen Thiere zugehörig, das längst seime Stoss-
zähne yerloren hatte.
Sämmtliche bis jetzt abgehandelte Unterkiefer gehören nach
meiner Überzeugung dem Mast. gig. an. Es folgen nun die,
welche bei gleicher Form der Backenzähne mehrere Verschie-
denheiten zeigen, die nicht individuell sein können. Es sind
die Kiefer, aus denen Hays seinen älteren Tetracaulodon ma-
stodontoideus und seine neuen Arten T. Collinsi und @odmani
bildet. Ich fasse diese Kiefer unter dem Namen Mast. Collinsii
zusammen, weil unter dieser Benennung der vollständigste
Kiefer beschrieben ist.
Tab. 27. Tetracaulodon (Adolescent) Hays. Im Alter
steht er zwischen tab. 20 und 21. Die Alveolen des 3. Bak-
kenzahns sind bereits mit Knochenmasse ausgefüllt, während
die Alveolen des 4. noch leer sind. Der 5. ist kaum benutzt
und der 5. liegt als Keim tiefim Knochen; er ist nur sichtbar,
indem die innere ihn schützende Decke weggebrochen ist. Ver-
gleicht man diesen Kiefer mit dem jungen männlichen Mast,
gig. Tab. 26, so zeigen sich folgende wesentliche Verschie-
denheiten.
1) Der Synchondrosentheil, worin die Stosszähne sich
befinden, ist verhältnissmässig bei weitem kürzer; vergleiche
Tab. 27 Fig. 2. mit Tab. 26 Fig. 2.
174
2) Durchbohren die beiden gewechselten Stosszähne (am
Ende offen; Zeichen der Jugend) den Synchondrosentheil.
3) Ist der Kiefer schlanker als selbst am jungen Thier von
M. gig. Ob der mehr nach vorn geneigte, leider defekte Pr.
Cor. ein Zeichen der Jugend oder der Art ist, weiss ich nicht.
Tab. 29. T. Godmani. Diesen Kiefer hat schon Cuvier
in seiner ersten Edition Tab. III. Fig. 1, 2, 3 nach einer
schlechten Zeichnung stechen lassen und hat sie deshalb in
seiner zweiten Edition übergangen. Er zeigt noch die Al-
veole des 5. und den wenig abgenutzten 6. Backenzahn. Die
Alveolen der Stosszähne sind in Folge des Alters durch eine
dünne Knochenwand von hinten geschlossen. Die Grube am
Fuss des Proc. cor., das ungewöhnlich grosse hintere Gefäss-
loch unter dem 5. Backenzahn, sowie die etwas abweichende
Stellung der Stosszähne sind individuell.
Tab. 28. T. Collinsii. Am besten von allen erhalten und
so alt als der älteste von M,. gig. Tab. 23, Mit diesem ver-
glichen zeigt er bei geringeren Dimensionen der Länge einen
bedeutend höheren Proc. condyl. Von der Alveole des Stoss-
zahns ist leider nur ein Theil erhalten; ebenso ist zu bedauern,
dass der Proc. coron, nicht vollkommen erhalten ist.
Ich will die Kennzeichen beider Arten und ihre Synonyme
noch einmal. geben, bemerke jedoch zuvor, dass um beide
besser charakterisiren zu können, die Kiefer zahlreicher und
noch besser erhalten sein müssen. Von der: letzten Art fehlen
die Altersübergänge und, wie es .mir scheint, die weiblichen
Kiefer.
Mastodon giganteus Cuv. (mas).
Tetracaulodon mastodontoideum
Godm. (mas).
Mast. Cuvieri Hays (fem),.
— Jeffersoni Hays (fem.).
Char. Mit grösserem Kiefer,
längerem Synchondrosentheil,
niedrigerem Proc. condyl. und
höherem Kiefer unter den Bak-
kenzähnen.
Mastodon Collinsii Hays,
Tetracaulodon mastodontoideum
Hays (mas).
_ Godmani Hays
(mas).
_ Collinsii Hays
(mas).
Mit kleinerem, schlankerem
Kiefer, kürzerem Synchondro-
sentheil, höherem Proc. condyl.
und niedrigerem Kiefer unter den
Backenzähnen.
175
Bei den Männchen in der Ju- Bei den Männchen im mittle-
gend und mittlerem Alter Stoss-, ren Alter Stosszähne, die die
zähne, die im Alter fehlen. Kiefernspitze ganz durchbohren
und die im Alter bleiben, wo
die Alveolen sich von hinten
schliessen.
Über die Neapolitanischen Pyenogoniden.
Von
Dr. A. Philippi.
(Hierzu Taf. IX. Fig. 1—3.)
Während meines Aufenthaltes in Neapel habe ich vier ver-
schiedene Arten Pycnogoniden beobachtet, das bekannte Pyeno-
gonum littorale und drei neue Arten, welche zwei neue Ge-
nera bilden müssen.
Endeis n.g.’)
Mandibulae s. pedes masticatorii nulli; palpi filiformes,
articulis septem, (aut: pedibus mastieatoriis filiformibus 7-arti-
eulatis, palpi nulli?) pedes accessorii articulis novem; pedes
spinosi; caetera, ut in familia.
Ich bin zweifelhaft, ob ich bei diesem sonderbaren Genus
das vorhandene Paar zum Kauen behülflicher Organe Palpen
oder Kaufüsse nennen soll. Wenn nur ein Paar dieser Or-
gane vorhanden ist, so scheint es natürlicher, anzunehmen,
dass es die Kaufüsse sind, und dass die Palpen fehlen. Das
fragliche Organ bei Endeis hat aber der seitlichen Insertion
und der Gestalt nach eine weit grössere Ähnlichkeit mit Palpen.
Man mag sich für die eine‘ oder andere Ansicht entscheiden,
so bleibt das Genus Endeis immer sehr ausgezeichnet und
merkwürdig. Ich habe zwei Arten beobachtet,
*) ’Evönis, Gemahlin des Aeacus.
1. Endeis gracilis, mihi.
E. corpore angustissimo rostroque linearibus; _pedibus
corpus bis aequantibus filiformibus; ungue simpliei; palporum
articulis omnibus subaequalibus, ultimo minore.
Auf einer Gruppe von Ascidia intestinalis, welche mit
Sertularien bewachsen waren, fand ich im August 1839 in
Neapel mehrere Männchen herumkriechen. Sie ‘waren grau-
grün, mit einer dunkleren Linie, welche den Körper und die
Beine durchzog, und offenbar der Gefässstamm war. Der
- Körper war nur 13“ lang, und von dieser Länge nahm der
Rüssel etwa den fünften Theil ein. Körper und Rüssel sind
gleich dünn, fast linealisch; die drei ersten Segmente des
Leibes jedoch hinten etwas knotenartig verdickt, und auf dem
Rücken mit einem Höcker versehen, der einen kleinen Dorn
trägt; vor dem ersten Höcker steht am Ursprung des Rüssels
auch ein kleiner Dorn. Das letzte Segment des Körpers ist
kaum halb so lang als eines der vorhergehenden und: trägt
den schmalen Hinterleib aufgerichte. Der Rüssel ist ab-
wärts geneigt, fast vollkommen walzenförmig, am Grunde, wo
ihn der Körper mit einer Art Wulst umgiebt, etwas dünner.
Zwischen dieser Wulst und. dem ersten Fusspaar sind die
7gliedrigen Palpen eingelenkt; sie sind etwa zweimal so lang
wie der Rüssel, fadenförmig, mit gleich langen Gliedern; das
letzte Glied jedoch macht eine Ausnahme; es ist nur halb so
lang als die vorhergehenden, dinner und zugespitzt. — Die
Beine sind ungefähr doppelt so lang wie der Körper, sehr
schlank und fadenförmig. Die beiden ersten Glieder sind kurz
und jedes endet oben mit einem Dorn; das dritte Glied ist
doppelt so lang, das vierte nur so lang wie das erste oder
zweite; die drei folgenden Glieder ungefähr drei Mal so lang
wie das erste (das sechste etwas kürzer); das achte sehr kurz.
Alle diese Glieder enden mit einem Dorn, und haben auch
sonst noch 3—4 Dornen, die etwas kleiner sind. Das neunte
Glied ist von der Länge des dritten, gekrümmt, auf der con-
caven Seite stark gesägt, besonders am gewölbten Grundtheil
derselben, und trägt eine einfache, umgebogene, gekrümmte
Klaue,
2. Endeis didactyla.
E. corpore ovato; rostro magno, ovato; pedibus cras-
177
siuseulis corpus bis- aequantibus; palporum artieulis quatuor
ultimis brevibus.
Von dieser Art habe ich im August 1839 beim Castel
dell’ Uovo ein Weibchen gefangen. Es war bräunlich grau
von Farbe und nur eine Linie lang. Von dieser Länge nimmt
der grosse, eiförmige, vorn spitzliche Kopf den vollen dritten
Theil ein, derselbe trägt oben an seinem Grunde vier kleine
Höcker. Der Leib ist breit eiförmig, nur undeutlich in Seg-
mente getheilt; vorn trägt er den Augenhöcker, an dem ich
jedoch keine Augen unterscheiden konnte, hinten den sehr
kleinen, linealischen, aufgerichteten Hinterleib. Die fadenför-
migen Palpen sind nicht viel länger als der Kopf: das erste
Glied ist lang, das zweite sehr kurz, das dritte beinahe so
lang wie das erste; die vier letzten kurz, gleich lang und
beinahe so breit wie lang, aussen dornig gewimpert, das letzte
Glied ist eiförmig. — Die Beine sind zwar verhältmässig eben
so lang wie bei der vorigen Art, aber nicht so schlank. Die
einzelnen Glieder haben dasselbe Verhältniss der Länge, wie
bei der vorigen Art, es fehlen aber oben die starken Dornen
am Gelenk, dafür ist das sechste und achte Glied aussen mit
kurzen, kräftigen, entfernt stehenden Wimpern besetzt. Das
achte Glied ist weniger stark gekrümmt, und die Klaue zwei-
spaltig. — Die accessorischen, zum Tragen der Eier bestimmten
Füsse sind unten zwischen den Palpen und dem ersten Fuss-
paare eingelenkt, fadenförmig, etwas länger als der Körper,
und bestehen aus neun Gliedern, wie bei allen übrigen Pyeno-
goniden mit Ausnahme von Phoxichilidium*) Milne Edwards
(Orithya Johnston); (bei Pallene werden sie 9-10gliedrig, bei
Pyenogonum 10gliedrig angegeben). Die Glieder sind ziemlich
von gleicher Länge, mit Ausnahme des vierten und fünften,
welche beinahe doppelt so lang sind; das letzte ist oval und
stumpf.
Die Bildung der Füsse stimmt genau mit Phoxichilidium
und Pallene überein.
*) Dass sie bei diesem Genus wirklich nur 5gliedrig sind, kann
icb nach eigener Untersuchung eines im August 1835 bei Helgoland
gefangenen Weibchens bestätigen.
Archiv (. Naturgeschichte, IX. Jahrg. 1. Bd. 12 y
178
Pariboea*) n.g.
Pedes masticatorii parvi, biarticulati, simplices, spinosi;
palpi magni, quinquearticulati; pedes accessorii oviferi feminae
novemarticulati.
Pariboea spinipalpis.
Im August 1839 fing ich bei Sorrent ein Weibchen unter
Algen. Es war graulich von Farbe, 14’ lang; der Thorax
breit eiförmig, mit einem schmalen, spitzlichen Hinterleib, der
so lang ist als der vierte Theil des Thorax, und einem grossen, ,
eiförmigen Rüssel, welcher länger ist als der halbe -Körper.
Noch vor dem ersten Fusspaar steht ein langer, walzenför-
miger Zapfen auf dem Rücken, der die Augen trägt, hinter
demselben ist der Thorax abschüssig, ebenso wie der Rüssel,
der Hinterleib ist wieder aufgerichtet. Die Kaufüsse sind
auf der obern Seite am Grunde des Rüssels eingefügt, unge-
fähr halb so lang wie der Rüssel und zweigliedrig; das erste
Glied ist kurz, das zweite etwa drei Mal so lang, höckerig,
abgestutzt; beide mit einzelnen kurzen Dornen besetzt. Die
Taster stehen seitlich an den Kaufüssen, sind etwas länger
als der Rüssel und haben fünf walzenförmige Glieder, von
denen das dritte und letzte am kürzesten sind, während das
vierte doppelt so lang wie das fünfte ist. Die beiden letzten
sind dicht mit starken Dornen gewimpert. — Die Füsse sind
zwei und ein halb Mal so lang wie der Körper (ohne Rüssel)
und das Verhältniss ihrer Glieder wie bei Endeis, Pallene etc.
Die drei ersten Glieder nämlich sind kurz, so lang wie breit,
das vierte, fünfte, sechste und achte einander ziemlich gleich
und zwei bis drei Mal so lang, wie eins der ersten, das sie-
bente sehr kurz. Alle diese Glieder sind mit starken Dornen
besetzt. Das achte Glied ist sehr wenig gekrümmt, aussen
mit 5— 6 längeren, innen am Grunde mit ein paar kurzen,
zahnförmigen Dornen besetzt. Die Klaue ist sehr kurz, breit,
gekrümmt, einfach. Die eiertragenden Füsse sind sehr
dünn, fadenförmig, neungliedrig; die Glieder gleich lang, das
letzte eiförmig, spitz mit drei Borsten besetzt.
*) ITegıßor@, Nymphe, Mutter der Penelope.
179
Es bedarf wohl keines besonderen Nachweises, dass En-
deis und Pariboea selbstständige Genera sind; ihre unterschei-
denden Charaktere ergeben sich leicht aus folgender über-
siehtlichen Tabelle über die Pyenogoniden:
Kaufüsse. Palpen. Eiertragende
Füsse.
Nymphon Fabr. 3gliedrig,*)scheerenförm. 5gliedrig 9gliedrig.
Ammothea Leach. 3gliedrig, scheerenförin, 9gliedrig 9gliedrig.
Pallene Johnston 3gliedrig, scheerenförm. — 9-10gliedr.
Phozichilidium
M. Edwards **) 3gliedrig, scheerenföorm. — ögliedrig.
Pariboea Ph. 2gliedr., nicht scheerenf. ögliedrig “Ygliedrig.
Endeis Ph. _ 7gliedrig 9gliedrig.
Phozichilus Latreille — — unbekannt.
Pyenogonum Brünnich _ — 10gliedrig.
Da nicht einem Jeden die vortreffliche Arbeit von John-
ston über die Britischen Pyenogoniden zur Hand sein dürfte,
so halte ich es für Pflicht, einige Irrthümer, die sich bei Milne
Edwards (hist. nat. des Crustaces) im Artikel Pallene vol. II.
p: 534 eingeschlichen haben, zu berichtigen. Er sagt nämlich:
„Mr. Johnston a donne ce nom aux Pyenogonides, qui sont
pourvus d’une paire de pates-mächoires sans palpes, et qui
ont la tete extrömement courte. Les pates sont greles, allon-
gees, et terminees par une griffe accompagnee d’epines on-
guliformes accessoires. Enfin la branche mobile des pa-
tes-mächoires est composee de dix articles, et est
armee d’une serie de dents vers le bout. Il est aussi ä noter
que les palpes sont tres-courts.”
Auf der zweiten Zeile heisst es, es seien gar keine
Palpen vorhanden, auf der letzten, die Palpen seien sehr
kurz. Letzteres ist irrig. — Die Worte: la branche mobile
des pates-mächoires est composee de dix articles, sind ein
Schreibfehler ohne Sinn. Die Kaufüsse sind dreigliedrig, schee-
renförmig und vollkommen kahl; die eiertragenden Füsse, die
offenbar mit der branche mobile gemeint sind, aber nicht zehn-
gliedrig, sondern neungliedrig und allerdings an den Endglie-
dern scharf gesägt.
*) Die bewegliche Klaue ist das dritte Glied.
*#*) Orithya Johnston.
12%
180
Bei dieser ‚Gelegenheit will ich noch bemerken, dass
Nymphon grossipes L. ed. XII. p. 1027; Fabric. Faun. grönl.
p- 279; ©. Fr. Müll. Zool. Dan. tab. CXIX. f. 5° von Milne
Edwards nicht besonders aufgeführt ist, ungeachtet diese Art
von Fabricius vortrefflich beschrieben, von ©. Fr. Müller sehr
kenntlich abgebildet und in ihren Kennzeichen höchst ausge-
"zeichnet ist. Die ungeheuer langen und schlanken Füsse nn-
terscheiden sie auf den ersten Blick, während der Körper 6
misst (mit dem Rüssel) sind die Füsse 26 lang, also über
vier Mal so lang; bei N. gracile Leach und N. femoratum Leach
sind die Füsse kaum drei Mal so lang. Diese beiden Arten
sind unter einander weit ähnlicher, vielleicht nicht zu trennen.
Zweifelhaft ist es mir aber, ob Johnstons Nymphon gracile
einerlei ist mit der gleichnamigen Art von Leach. — Johnston
sagt von seiner Art, die Füsse seien vier Mal so lang als
der Körper, allein dies bezieht sich auf den Körper ohne
Kopf, denn seine Abbildung zeigt die Füsse nur zwei Mal
so lang wie der Körper mit dem Rüssel, während sie bei
. Leach drei Mal so lang sind; Leach sagt Zool. miscell. I.
p. 43: palpi sexartieulati, articulo secundo elongato, sexto
minimo; Johnston hat nur viergliedrige Palpen angegeben,
bei denen die beiden ersten Glieder gleich lang sind, das
dritte ist kaum halb so lang wie das zweite, das letzte eben
so gross wie das vierte. Entweder Leach und Johnstons
Arten sind verschieden, oder einer von beiden hat seine Art
schlecht beschrieben.
Erklärung der Abbildungen Taf. IX.
Fig. 1. Endeis gracilis, mas, vier und ein halb Mal vergrössert.
a. Seitenansicht des Körpers, um die Höcker zu zeigen; d. der Kopf
von unten, stärker vergrössert, mit den Palpen.
Fig. 2. Endeis didactyla, femina, 8 Mal vergrössert. — a. Ein
Palpus stärker vergrössert; 5. Ansicht des Leibes von unten, um die
Palpen und die eiertragenden Füsse zu zeigen.
Fig. 3. Pariboea spinipalpis, femina, 7 Mal vergrössert.— «. Sei-
tenansicht des Körpers; 5. ein Kaufuss stärker vergrössert; c. der
Rüssel von unten, stärker vergrössert, um die Palpen und die eier-
tragenden Füsse deutlicher zu zeigen. Es schimmert die Speiseröhre
mit ihren Muskeln durch.
Die Linie unter der Figur zeigt die natürliche Grösse.
|
1
151
Zusatz des Herausgebers.
Noch eine Gattung der Pyenogoniden, PAanodemus, findet
sich von O.G. Costa: Fauna del Regno di Napoli, Crostacei
et Aracnedi, Nap. 1836 sq., aufgestellt, - welche obschon in
demselben Meere als die vorstehend beschriebenen einheimisch,
doch von denselben wie von den übrigen bekannten in ihren
Merkialen abweicht. Die ihr gegebenen Charaktere sind näm-
lich folgende:
„Phanodemus. Char. ess. Caput rostriforme. Palpi duo sim-
pliees laterales. Antennae cheliferae rostro inferius in-
sertae. Corpus subrotundum, integrum. Appendix cau-
dalis nulla. Pedes octo longissimi.”
„Char. nat. Caput conicum vel cylindrieum, antice de-
truncatum sulcatumque, ore inferius excavato. Oculi duo
laterales. Palpi capitis longitudine aut longiores; ad
latera inserti, triartieulati. Antennae duo cheliferae ad
capitis basim insertae. Corpus integrum segmentis nullis
conspieuis, supra convexum, subtus complanatum. Cauda
fere nulla. Pedes octo laterales, longissimi, uniartieulati
(offenbar ist uni-unguiculati zu lesen) radiatim diver-
gentes. Pulmonati? aperturis pulmonaribus subtus et
antice conspicuis.”
„Der Kopf hat die Form eines Kegels, welcher vor der
Mitte etwas angeschwollen, an der Spitze abgestutzt ist; auf
der Unterseite zwei zur Mundöflnung führende Furchen, die
gegen die Basis hin gelegen’ ist. Sonst möchte. er mit dem
von Nymphon übereinstimmen.”
„Zwei seitliche Antennen, am Grunde des Kopfes einge-
lenkt, dreigliedrig, das letzte Glied zweifingrig, eine rück-
wärts gebogene Scheere darstellend. Zwei seitliche Palpen,
neben der Gelenknng des Kopfes mit dem Körper eingefügt,
lang, aus drei oder vier Gliedern zusammengesetzt.”
„Der Körper aus einem einzigen Stück bestehend, ohne
Spuren von Segmenten. ähnlich dem Panzer der langschwän-
zigen Krebse, unten ebenfalls ungetheilt, nur an den Stellen,
wo die Beine eingelenkt sind, sternförmig ausgeschnitten.”
Dieser Beschreibung gemäss stimmt Phanodemus im Vor-
handensein scheerenförmiger sogenannter Antennen (oder Kau-
182 E
füsse, oder nach meiner Deutung: Mandibeln*)) mit Nymphon,
Ammothea, Pallene und Phoxichilidium überein, das Fehlen
der Taster (Maxillen nach meiner Deutung) entfernt aber die
beiden letzteren Gattungen, die hohe Gliederzahl dieser Taster
sondert auch Ammothea ab, so dass Phanodemus nur noch
mit Nymphon zu vergleichen bleibt. Phanodemus ist, wenn
auch die Gattungsbeschreibung noch nicht hinreichend genau
erscheinen sollte, durch die Körperform, worin sie mit Pari-
boea sehr übereinstimmt, auffallend verschieden.
Costa bildet 3 Arten von Phanodemus ab.
1. Ph. horridus: „Corpore supra planulato, peripheria an-
gulata, spinisque horrida; pedum articulis spinosissimis,
subtus plano, decem-angulato, anterius truncato, poste-
rius paulisper producto.” — Long. vix 1”. (a.a. O.
Aracn. p. 8. N. 1. T.1. F.1.).
2. Ph. collaris: „‚Corpore subovato, supra convexo, laevi,
margine anteriore cingulato, posteriori rotundato; pe-
dum articulis parum spinosis; capite supra longitudina-
liter sulcato; subtus plano, postice producto.” — Magn.
praeced. (a.a. O. p.8. N. 2. T. 1l.).
3. Ph. inermis: ‚„Corpore supra vix convexo, subtus com-
planato, in peripheria impresso, pedibus articulis 4 aut
5 elatis; spinis nullis; capite supra longitudinaliter sul-
cato.” — Magn. prop. praec, (a.a. 0. p.9. N. 3. T.1.
Fig. 2.).
Alle drei Arten aus dem Meerbusen von Tarent, die bei-
den letzteren zugleich im Golf von Neapel.
Da das Costa’sche Werk bei uns noch wenig bekannt ist,
darf ich voraussetzen, dass dieser Auszug den Lesern zur
Vervollständigung der Übersicht über diese Familie willkom-
men sein werde,
*) Entomogr. 1. S. 11.
- 183
Beitrag zur Kenntniss deutscher Landanneliden.
Von
Dr. Werner Hoffmeister.
(Hierzu Taf. IX. Fig. I- VII.)
Das Geschlecht der Regenwürmer ist, wovon man sich
leicht überzeugt, trotz der Bearbeitung, die ausgezeichnete
Naturforscher ihm widmeten, eins der weniger bekannten, ja
im Vergleich mit allen näher und ferner stehenden eins der
am meisten vernachlässigten.. Weder was die Anatomie, noch
was die Beschreibung der Arten anbetrifft, haben wir der
neuern Zeit viel zu danken, wenngleich jene von Morren in
einem voluminösen Buche abgehandelt wurde, und diese zu
unterschiedlichen Malen von berühmten Männern, als Savigny,
Duges, Fitzinger, weitläufigere Bearbeitungen erfuhren. Aus
dem geringen Glück, womit das letztere geschah, geht schon
genugsam hervor, dass die Feststellung gut charakterisirter
Arten keine leichte Aufgabe sei. In den Werken der obge-
nannten französischen Naturforscher finden wir nun eine so
grosse Menge von Species*) des Genus Lumbrieus beschrieben
oder wenigstens namhaft gemacht, dass, man auf den ersten
Blick den Gegenstand für erschöpft halten könnte. Bei einer
genauern Besichtigung aber und besonders wenn man die fest-
gestellten Charaktere auf unsere deutschen Arten anzuwenden
versucht, wird man indess bald gewahr, ‘dass man mit den
als charakteristisch angegebenen Kennzeichen durchaus nicht
immer auskommt, und dass die vorhandenen Beschreibungen,
ihrer ungemeinen Kürze ungeachtet, doch keinesweges genau
sind; Man sieht oft nicht ein, worin der Unterschied zweier
neben einander stehender Arten liegen soll.
#) Savigny beschrieb zuerst 22 Arten, Duges in seiner ersten Ar-
beit 6, darauf in seiner letzten 35, diesen fügte Fitzinger noch 6
neue hinzu.
194
Diese Unsicherheit entging selbst den Verfassern nicht,
die ihren eigenen Diagnosen nicht traueten, und bald diese
bald jene anfangs’ unterschiedene Species als vielleicht iden-
tisch mit einer andern bezeichneten.
Es ist nun möglich, wiewohl schwer zu glauben, dass
die von den französischen Autoren beschriebenen Würmer
allerdings so viele Übergänge in ihren Formen zeigen, dass
dadurch die Diagnose erschwert würde, bei den im nördlichen
Deutschland vorkommenden Arten findet, soweit mir eine zwei-
Jährige unausgesetzte Beobachtung darüber ein Urtheil gestattet,
diese Unsicherheit nicht statt. Der Grund liegt aber in etwas
anderem, darin, dass solche Charaktere für unwandelbar und
durchgreifend angenommen wurden, welche ebenso hinfällig
und veränderlich sind, und dass diese unter obiger Voraus-
setzung zur Grundlage der Diagnosen sämmtlicher beschrie-
bener Arten dienen mussten, indem sich die andern und wich-
tigern Kennzeichen nur nebenbei anschlossen. Duges’ System
ist auf die Beständigkeit des Gürtels gebaut, dessen Zahlen-
verhältnisse er für unabänderlich bestimmt annimmt, doch wird
jeder aufimerksame Beobachter finden, dass man bei 10 Wür-
mern derselben Species selten mehr als die Hälfte völlig über-
einstimmend trifft, und dass es auf einen oder zwei Ringe
mehr oder weniger, was selbst Duges an verschiedenen Orten
zugiebt, nicht ankommt. Mit nicht viel grösserer Sicherheit
lässt sich die Stellung der Vulva angeben, auch hier ist ein
Unterschied von 2 Ringen möglich, und doch sind diese bei-
den Merkmale sowohl von Savigny als von Duges als die
hauptsächlichsten und leitenden angesehen worden. Wenn man
nun den Versuch macht, nach dem Duges’schen Schema eine
unsrer deutschen Species zu bestimmen, so kommt es leicht,
dass man aus 3 Individuen derselben Art ebenso viel neue
Arten bekommt. Von dem im Schlamme lebenden L. agilis
m. giebt es z. B. Individuen, die 21 Ringe vor dem Gürtel
haben, am 14ten die Vulva, andere haben 20 vor dem Gür-
tel, am 13ten die Vulva, noch andere gar 27 und am 15ten
.die Vulva.
Demnach gehörte Nr. 1. zu phosphoreus D., Nr. 2. zu
L. brevicollis F., Nr. 3. zu L. octaedrus S., und doch ist es
gewiss, dass keine von den 3 Arten genan auf den L. agilis
185
passt. — Solche Verschiedenheiten, wenn auch weniger auf-
fallend, findet man bei jeder Species. — Am allerwenigsten
zuverlässig habe ich die Zahl und Stellung der Poren oder
vielmehr Saugnäpfe unter dem Gürtel gefunden, auf welche
Duges und besonders Fitzinger viel geben.
Als ein untrügliches und beständig unveränderliches Kenn-
zeichen dagegen sche ich die Form der Oberlippe an, sie ist
das leitende Merkmal, ohne welches man junge Thiere oder
Geschlechtslose, die sehr häufig vorkommen, und denen so-
wohl Gürtel als Vulva gänzlich fehlt, gar nicht zu erkennen
im Stande wäre. An dieses schliesst sich als untergeordnet
die Stellung des Gürtels an, ‘wobei ich das Mittel von 30
Zählungen annehme, dann folgt die der Vulva, und endlich
das Verhältniss der Länge zur Dicke, Form der einzelnen
Ringe, des Schwanzes, Färbung der Haut.
Da uns alle weitläufigern und genauern Beschreibungen
der bisher von den französischen Autoren benannten Arten
fehlen, da uns in den kurzen Aufsätzen von Duges und Sa-
vigny nicht viel mehr als jene dürren Zahlenverhältnisse ge-
boten wird, und die leider eben so kurzen Angaben von Hrn.
Fitzinger auch nur wenig Licht geben, so ist es mir auch
nicht möglich gewesen, ohne Besichtigung der Originalexem-
plare, mit ganz absoluter Gewissheit eine unsrer hiesigen Spe-
cies unter den französischen wiederzufinden. Besonders ist
es bei den häufiger vorkommenden Arten der Fall, dass sich
nicht eine, sondern mehrere der französischen Bestimmungen
auf jede derselben mit gleichem Fug und Recht anwenden
lassen. Wenn man nun bei dem vorliegenden Material unge-
wiss bleibt, ob die bei Duges neben einander stehenden Arten
wirklich oder nur durch Zufälligkeiten unterschieden seien,
und der Verfasser selbst öfter diese Ungewissheit theilt, so
glaube ich hinreichend entschuldigt zu sein, wenn ich für die
zu beschreibenden norddeutschen Arten neue Namen wählte
und die schwankenden verliess. — Es bleibt ja noch immer
die Möglichkeit, sobald eine Verständigung eingetreten sein
wird, die ältern Namen, nachdem sie einer bedachtsamen Läu-
terung unterworfen sind, wieder zu restituiren.
In meiner Dissertation, die im vergangenen Jahre. er-
schien, wurden schon 3 Arten des Genus Lumbricus, wiewohl
186 ’
mangelhaft und nicht ohne mancherlei Fehler, beschrieben. Da
sich seitdem vieles anders gestaltet hat durch Zuwachs nicht
allein von neuen Arten, sondern auch durch Einschaltung zwei
neuer Gattungen, werden sich zunächst die Gattungen folgen-
dermaassen feststellen lassen:
4) Stacheln in 4 Reihen, paarig hakenförmig, Oberlippe
rüsselförmig vortretend, ungegliedert, Gürtel dick, stark ab-
gesetzt, jederseits eine Vulva. Zahl der Ringe nicht über 200.
Muskelmagen. Dunkelrothes Blut. Lumbrieus.
‚ 2) Stacheln in 4 Reihen paarig hakenförmig. Oberlippe rüs-
selförmig, stark vortretend, gegliedert. Gürtel fehlt, zwischen
20.— 30. Ringe die weibliche Geschlechtsöffnung. Zahl der
Ringe bis 200. Kein Muskelmagen. Dunkelrothes Blut.
Rhynchelmis.
3) Stacheln in 2 Reihen, einzeln, schwach gebogen, Ober-
lippe rüsselförmig vortretend, gegliedert.‘ Gürtel (fehlt?). Zahl
der Ringe über 500. - Kein Muskelmagen. Hellrothes Blut.
Haplotazxis.
4) Stacheln in 4 Reihen zu 3 und 4, pfriemförmig, Ober-
lippe nicht rüsselförmig, wenig vortretend, Gürtel schwach
abgesetzt, Vulva undeutlich. Zahl der Ringe nicht über 70.
Kein Muskelmagen. Hellgelbes Blut. Enchytraeus.
5) Stacheln in 4 Reihen zu 5—8, borstenförmig, Ober-
lippe wenig vortretend, spatelförmig, Gürtel nicht stark ab-
gesetzt. Zahl der Ringe bis 150. Kein Muskelmagen. Hell-
rothes’ Blut. ‚Saenuris.
Arten.
1. Lumbricus.
1) Lumbdr. agricola (Fig. 1.).
Oberlippe birnförmig, lang, nach hinten in einen Fortsatz
verschmälert, der den ersten Ring völlig theilt, auf der Mitte
hat dieser Fortsatz einen starken Quereindruck. Unterwärts
hat die Oberlippe eine dreieckige Furche. Gürtel von 29. 30.
— 36. 37., 6 höchstens 7 Ringe, unter demselben jederseits
eine Reihe von Saugnäpfen, die in einer Längswulst zusam-
menfliessen. Vulva meist am 15ten, häufig auch am 14ten,
selten am 16ten. Länge 154—160 Ringe, von denen jeder
eine deutliche Querfalte hat, 5 und 6 bis 12 Zoll. Wenn die
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E
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187
Jungen aus dem Eie kriechen, haben sie alle 92 Ringe, auch
noch 8 Tage darauf haben sie nicht mehr. Der Schwanz ist
breit und platt mit einer seichten Längsfurche, die vom After
aus über 3 Ringe fortläuft. — Färbung vom hellgelblich Ro-
then bis ins Dunkelbraune mit bläulichem Schiller. Im erstern
Falle ist der ganze Körper gleichmässig gefärbt, im andern
ist der Rücken bedeutend dunkler. Die ersten 30 Ringe sind
immer am stärksten gefärbt. Hier schillert die Epidermis auch
am stärksten. Der Gürtel ist gelbroth, häufig stark rissig und
gleichsam ulcerirt.
Wahrscheinlich ist diese Art der L. herculeus von Sa-
vigny; in Fällen, wo der Gürtel um einen Ring differirt, kann
man auch ebenso gut L. tyrtaeus S. und endlich L. festivus
S. hierher ziehen. Ein neuer Name ist daher wohl zu ent-
schuldigen.
Es ist der grösste Wurm, der im nördlichen Deutschland
vorkommt, und wird nur von dem südeuropäischen L. gigas
an Grösse übertroffen. Er liebt den Ackerboden, gedeiht vor-
züglich gut im Lehm und Thon, im Sande findet man ihn
sehr selten. Er geht sehr tief; im Winter findet man ihn 10
Fuss unter der Erde, Nur des Nachts kommt er an die Ober-
fläche und macht bei günstigem Wetter weite Wanderungen.
Den Coitus vollzieht er auf dem Boden, indem er den Schwanz
in seinem Schlupfloche festhält. Im Mai ist die Begattungs-
zeit, bis zum Ende Juli findet man aber frisch gelegte Eier,
Sehr gemein in Gärten an schattigen Stellen, überall im
nördlichen Deutschland. Wegen seiner Grösse die bekann-
teste Art.
Häufig findet man Geschlechtslose. Im Betragen ist er
träge, nur nach stärkerer Aufreizung kann man ihn zu: leb-
haftern Bewegungen bringen.
2) Lumbr. rubellus (Fig. 1l.).
Oberlippe fast wie beim vorigen, nur ist die Spitze mehr
abgerundet, der nach hinten gehende Fortsatz ist schmäler und
hat keinen Quereindruck auf der Mitte. Gürtel von 25. 27. —
32.33., aus 6—8 Ringen bestehend, Vulva am 14ten oder
15ten Ringe, sehr häufig fehlend. Länge 120 Ringe, 3—6
Zoll. Schwanz weniger breit und platt als beim vorigen, mit
einer seiehten Längsfurche. Die letzten 2 Ringe vom. After
188
ausgehend. Färbung auf dem Rücken lebhaft braunroth, der
Bauch ist farblos. Er ist sehr behende, lebt unter faulen
Blättern in der Lauberde, in schattigen Wäldern, häufig auch
mit dem vorigen zusammen. Überall in der Umgegend von
Berlin, auch in Pommern gemein.
Sehr häufig sind die Geschlechtslosen ohne Gürtel, be-
sonders in trocknen Jahren, wie das vorige.
"©. 3) Lumbr. anatomicus (Fig. 111.).
Oberlippe zugespitzt, die Spitze nach aufwärts gekrümmt,
der Fortsatz trennt nach hinten nur ein Drittheil des ersten
Ringes und endigt in eine stumpfe Spitze. Unterwärts führt
die Oberlippe eine tiefe Längsrinne, Der Gürtel ist fleischig,
wenig vorspringend, trägt unterwärts 3 Paar Saugnäpfe, und
reicht von 24. 28.— 32. 34. Unter 40 Zählungen kam 26. — 32.
am häufigsten vor. Der Gürtel hat 6—7 Ringe. Vulva stets
am 45ten Ringe mit sehr seltenen Ausnahmen. Zahl der Ringe
460— 180, Länge 4—8 Zoll, Körper ganz cylindrisch, im
Verhältniss zur Länge dünn, Schwanz nicht abgeflacht. Die
Haut ist hellröthlich gefärbt, ohne alle Pigmentablagerung auf
dem Rücken, durchaus gleichmässig. Der Gürtel ist gelb-
roth, manchmal grünlich.
Nach einer frühern Zählung schienen mir die Verhältnisse
auf die später wieder eingegangene Duges’sche Species L, ana-
tomicus hinzudeuten, eigentlich passen sie auf gar keinen weder
der Duges’schen noch der Savigny’schen Arten, am meisten
noch auf tridorus, rubidus oder castaneus, wenn nicht die
Beschreibungen dieser ‘Arten gänzlich dagegen sprächen. —
Ich habe den zuerst gewählten Namen beibehalten, um nicht
zu viel zu ändern.
Ist im ganzen nördlichen Deutschland die gemeinste Art.
Er ist nicht sehr lebhaft, aber sehr muskulös und kräftig. Er
hat die Eigenthümlichkeit, dass er bei Berührung die Mund-
theile und ersten Ringe einzieht, während die erweiterten fol-
genden Ringe sich um den eingezogenen Theil contrahiren,
so dass dadurch der Kopftheil ein birnförmiges - Ansehn be-
kömmt und sich sehr derb anfühlt. Vermöge dieser Eigen-
schaft und der scharfen Zuspitzung der Oberlippe ist der
Wurm im Stande, den allerhärtesten Boden zu durchbrechen,
ja selbst kleine Steine aufzuheben. Wenn man in festgetre-
189
tenen Wegen zwischen Steinpflaster Aufwürfe und Löcher be-
merkt, so rühren sie allemal von dieser Art her. Er scheint
auch festern Boden dem lockern Humus vorzuziehen, kommt
übrigens in Lehm und Thon so gut als in Kalkboden vor,
den Sand dagegen wählt er nur, wenn er stark durch Thon
oder vegetabilische Substanzen gebunden ist. Am häufigsten
ist er in den Strassen unter dem Pflaster und neben den
Rinnsteinen. — Vom Mai bis Juli legt er Eier und ist sehr
fruchtbar. Ich erhielt binnen 4 Wochen von einem 10 Eier.
Nach dieser Zeit verlieren die, welche ihre Eier abgesetzt
haben, den Gürtel, welcher mehr und mehr zusammenschrumpft.
Geschlechtslose werden gar nicht oder’nur höchst selten ge-
funden. Er kriecht auch oft am Tage umher, sogar bei heissem
Sonnenschein sieht man ihn oft um Mittag den Kopf aus sei-
nem Schlupfloche stecken.
4) Lumbr. riparius (Fig. IV.).
Oberlippe klein, hoch aber schmal, vorn rundlich, nach
hinten in eine stumpfe Spitze verlängert, die das erste Vier-
theil des ersten Ringes theilt. Der erste Ring ist mit zwei
sehr seichten Linien, die der Länge nach von dem Grunde
der Oberlippe bis an den zweiten Ring gehen, bezeichnet.
Gürtel von 28. 30.— 36. 39., meistens 9 Ringe, zuweilen nur
6 begreifend, stark wulstig hervortretend. Die Vulva sehr
deutlich auf einer Papille, fast immer am 15ten Ringe, fehlt -
nie. Die Ringe sind zahlreich, aber so dicht gedrängt, dass
bei mittlerer Ausdehnung zweimal so viel auf eine gegebene
Länge gehen, als bei den übrigen Arten. Bei einer Zahl von '
120 Ringen erreicht er doch nur die Länge von 2— 24 Zoll.
Die Haut ist gelbbräunlich gefärbt, an den vordern Rin-
gen spielt sie immer etwas ins Grünliche, es kommen aber
auch intensiv grün gefärbte Exemplare vor. Diese Färbung
hängt nicht allein von dem grünen dünnflüssigen Secrete ab,
welches der Wurm bei Berührung durch die Dorsalporen
auspresst. Körper durchaus eylindrisch ohne Verschmälerung,
mit ausgezeichneter Contractilität begabt. Bei jeder Berüh-
rung oder Erschütterung zieht der Wurm sich in einen Halb-
kreis zusammen, so dass Kopf und Schwanz sich fast berüh-
ren. Man findet ihn im nassen Ufersande, oft noch unterhalb
190
der Wasserhöhe in ziemlich bedeutender Tiefe. Wo er sich
findet, ist er in Menge vorhanden, doch habe ich nur wenige
Standorte entdecken können.
5) Lumbr. olidus (Fig. V.).
Oberlippe sehr kurz, klein, farblos, nach hinten in eine
scharf abgeschnittene stumpfe Spitze übergehend, womit sie
an den ersten Ring angeheftet ist. Gürtel dick, hellgefärbt,
von 24.25. — 30. 31., aus 6 Ringen bestehend, Vulva weisslich,
vortretend, am 15ten Ringe. Körper cylindrisch, der Schwanz
ist ganz wenig abgeplattet. Ringe sehr schwach abgesetzt. Ein
tief dunkelrothes Pigment ist in zarten Querstreifen der Haut
des Rückens eingesprengt, die Segmente der Ringe sind allein
ganz farblos und lassen die Eingeweide durchschimmern, der
Bauch ist sehr hell gefärbt, Länge bei 90— 96 Ringen 2—
34 Zoll.
Ist vielleicht der L. rubidus von Savigny oder gehört
doch in dessen Nähe.
Er ist sehr lebendig, kommt nur im Sande vor, beson-
ders wenn er mit verfaultem Laub oder Dünger gemischt ist.
Niemals findet man ihn im schweren Boden, daher er auch
in manchen Gegenden vergebens gesucht wird. Der ganze
Wurm ist sehr weich, das hintere Viertheil seines Körpers
ist gelb gefärbt von einem dicklichen gelben Safte, der in be-
sonderen Drüsen zur Seite der Respirationsblasen abgesondert
wird. Er ist einer dünnen Emulsion ähnlich, hat einen wi-
derlichen Geruch, der sich nur mit dem des Lactucarium
vergleichen lässt, und wird zur Vertheidigung in Menge aus
den Dorsalporen ausgepresst. Unter dem Mikroskop er-
scheint er als eine schleimige Flüssigkeit, in der eine Menge
sehr kleiner Kügelchen wie Fetttröpfehen suspendirt sind. Bei
näherer Untersuchung ergiebt sich die Materie als ein beson-
deres Harz (Franz Simon).
Die Begattung findet im Mai Statt und ist höchst eigen-
thümlich. Sie geschieht stets unter der Erde. Die beiden In-
dividuen umfassen sich dabei mit ihrem seitlich weit ausge-
dehnten Gürtel so, dass die Ränder desselben sich über dem _
Körper des andern schliessen und um ihn eine förmliche Röhre
bilden, wobei derselbe stark zusammengedrückt wird. Sie hän-
191
gen deswegen ungemein fest zusammen. Sehr häufig in Mist
- und Lauberde. —
6) Lumbr. agilis (Fig. Vl.).
Oberlippe klein, kuglich, ohne starken Absatz in den
ersten Ring übergehend, an der Spitze durchscheinend. Gürtel
von 20. 22.— 25.27. meist 5, häufig 6 Ringe, Vulva meist am
_ 43ten, häufig am 14ten. Länge 14— 2! Zoll, selten mehr.
Die einzelnen Borsten der Paare stehen von einander
entfernt (& soies espacees Dug,). ‘Der hintere Theil des Kör-
pers besteht aus 37—60 Ringen, erscheint beim Kriechen
fast vierkantig durch die weit aus einander stehenden Stachel-
reihen. Nach dem After zu ist der Körper bedeutend ver-
schmälert. In der Ruhe scheint der Gürtel fast in der Mitte
zu stehen, Färbung ist überall braunroth, auf dem Rücken
dunkler, der Gürtel orangegelb. Er kriecht und schlüpft un-
gemein behende sowohl vorwärts als rückwärts. Aufenthalt
ist der schwarze Schlamm an den Ufern der Seen, auch in
einigen halb ausgetrockneten, mit vermodertem Laub bedeckten
Gräben findet er sich. Die Jungen, welche ich erst für eine
besondere Art hielt, fand ich schon im Mai zahlreich in den
Ritzen alter Rindenstücke, die frei im Wasser schwanmmen.
Man kann ihn lange im Wasser erhalten, worin er sich munter
nach Art der Saenuris bewegt.
Es leidet nach diesen geringen Proben wohl keinen Zweifel,
dass die Zahl der Arten der Gattung Lumbrieus nicht so gar
unbedeutend sei, und dass auch Norddeutschland eine bedeu-
tende Menge, wenn auch, nicht so viel als das. südliche er-
nähre. Wenn bis jetzt noch nicht mehrere aufgefunden sind,
kann dies Schuld eines Theils des vorigjährigen trockenen
Sommers, andern Theils des vorherrschenden Sandbodens sein.
Denn dass die kalkreichern Gegenden gewiss auch eine an-
sehnlichere Zahl von. Arten beherbergen, geht aus den Nach-
richten des Herrn Dr. Fitzinger hervor, der bei Wien nicht
bloss eine Menge Savigny’scher und Duges’scher Species auf:
gefunden hat, sondern auch noch 7 neue, die wir aber leider
aus den mangelhaften Beschreibungen noch so wenig kennen,
dass uns nicht das geringste Urtheil darüber zusteht.
In den voranstehenden, Beschreibungen sind stets nur die
Ringe hinter der Oberlippe gezählt worden, indem diese selbst
192
nicht als Ring mitzählen kann: Alle übrigen Schriftsteller ha-
ben sich hierin vereinigt, nur Duges zählt fortwährend noch
die Oberlippe als ersten Ring mit, und behauptet, hierin (in
der Einleitung zu seinem letzten Aufsatze*)) die Autorität
von O.F. Müller für sich zu haben. Dies letztere aber muss
ich schlechterdings als einen Irrthum bezeichnen. Denn an
der einzigen Stelle, wo Müller eine Zählung von Ringen auf-
führt, sagt er geradezu: **) „praeter proboscidem et anum.”
Er ging also noch weiter, er rechnete nicht einmal den After
als Ring. Ausserdem giebt er die Stelle der Vulva am 45ten
Ringe an, ein Zeichen, da er eine der grössern Arten vor
sich hatte, dass er ganz gewiss nicht mit Duges rechnete,
sonst müsste er hier den 16ten Ring getroffen haben.
2. Rhynchelmis.
Rhynchelmis Limosella.
Oberlippe in einen 8-10gliedrigen Rüssel verlängert, der
in eine dünne cylindrische, sehr ausdehnbare Spitze endigt.
Die Mundspalte halbmondförmig, klein, liegt wegen der Aus-
dehnung der Oberlippe ganz an der Bauchseite. Ringe wenig
abgesetzt, eng. Körper nach vorn etwas verschmälert. Farbe
schön hellvioletroth, bis ins Braune, Blutgefässe durch die
glashelle Haut durchscheinend. Substanz gallertartig weich,
äusserst zerbrechlich und zart. Länge 3 Zoll, lässt sich aber
ohne Schwierigkeit auf das Doppelte ausdehnen, Dicke 1—
15 Linie, r
Fand sich im schwarzen Schlamme eines sumpfigen Gra-
bens nicht häufig.
Da man diesen schönen Wurm nicht lebendig aufbewah-
ren kann, indem er sich in der Gefangenschaft so sehr durch
Selbstheilung, _Abwerfen von Gliedern selbst zerstört,, dass
man ihn zu Untersuchungen nicht mehr benutzen kann, darf
man nur frische Exemplare zur Beschreibung wählen. Die
zuerst von mir aufgefundenen beiden Exemplare hatten in den
ersten 6 Stunden ihre charakteristischen Eigenschaften so ver-
loren, dass ich deshalb nach meiner ersten Beobachtung den
Wurm zu der Gattung Lumbricus gestellt hatte. Es ist mir
*) Annales d. science. natur. Tom. VI. 2. serie. p. 17.
**) O:F. Müller Verm. terrestr. et fluv. Bd. 1. pars II. p. 25.
\
193
gelungen, ganz frische Exemplare aufzufinden und davon die
Zeichnung der höchst merkwürdigen Mundtheile zu entnehmen.
3. Haplotazxis.
Haplotazis Menkeana (Fig. VII).
Oberlippe sehr lang, konisch, mit 2 Gliedern. Zalıl der
Ringe über 500. Die äussern Borstenreihen sind ganz ver-
schwunden, auch die innern nur rudimentär vorhanden, aus
einfachen Borsten bestehend, die aber länger sind als bei
Lumbricus, und statt des Hakens nur eine leichte Biegung ha-
ben. Ringe schwach abgesetzt. Körper durchaus cylindrisch,
ohne alle Anschwellung, ohne Gürtel und andere äussere Ge-
schlechtstheile. Länge 22— 23 Zoll, Dicke 1— 1% Linien. Die
Haut ist sehr fest, glänzend und dick, wie bei Gordius. Ringe
gedrängt. Farbe licht röthlich, auf dem Rücken mit bläu-
lichem Schimmer. Bewegungen träge. Er lebt in dem Schlamm-
grunde oflener Schöpfbrunnen, und ist bis jetzt allein von
dem Herrn Hofrath Menke zu Pyrmont gefunden worden.
Gewiss findet er sich auch in andern Gegenden, wo der Erd-
boden die Anlegung oflener Brunnen zulässt.
Dieser höchst merkwürdige Wurm steht auf dem Über-
gange von Lumbrieus zu Gordius, mit welchem er in man-
ehen Punkten, z.B. in der Struktur der Haut, die ganz das
körnige Maschengewebe von Gordius zeigt, sehr überein-
stimmt, die rothe Farbe des Blutes, die Stacheln, die Mund-
theile weisen ihm seinen Platz bei Lumbrieus an.
Ob bei dieser Gattung der Gürtel beständig fehle, diese
Frage kann erst entschieden werden, nachdem eine grössere
Anzahl von Exemplaren, als die Seltenheit des Wurms bis
jetzt gestattete, zur Untersuchung herbeigeschaflt sein wird.
Da die untersuchten alle im Mai aufgefunden wurden, zu einer
Zeit, wo fast alle Lumbrici den vollständigen Gürtel tragen,
so ist es wahrscheinlich, dass der Gürtel kein wesentliches
Organ für diese Gattung ist.
4. Enchytraeus.
Bisher war nur die eine von Henle beschriebene Art
bekannt:
Enchytraeus vermicularis.
Die Oberlippe ist länger als der erste Ring, Zahl der
Archiv f. Naturgeschichte. IX, Jahrg. 1. Bd, 13
194
Ringe über 60, Länge 8—10 Linien. Farbe gelbweisslich,
Haut dünn, Körper sehr beweglich. Aufenthalt im faulem
Holze, in vermoderten Blättern, in Blumenerde, mehr auf
trocknen als feuchten Stellen, dicht unter der Oberfläche.
Dies ist wohl ohne Zweifel die von Müller beschriebene Art.
In neuerer Zeit fand ich eine zweite, offenbar unterschie-
dene Species, die sich schon auf den ersten Blick von der
ältern hinreichend auszeichnet:
Enchytraeus Galba.
Oberlippe so lang als der erste Ring, fast eben so breit,
Zahl der Ringe über 90, Länge 12—14 Linien, Farbe glän-
zend weiss, am Hintertheil durchscheinend. Die Haut ist dik-
ker und starrer als beim vorigen, die Bewegungen daher un-
gelenk, madenähnlich, ‘er kann sich.auch nicht in einen engen
Kreis zusammenkrümmen. ‚Auch die Dicke ist im Verhältniss
weit bedeutender als die des vorigen. — Aufenthalt im schwar-
zen Moder sumpfiger Gräben, unter dem verfaulten Laube in
ausgetrockneten Lachen. Nicht so häufig als der vorige. —
Anordnung der Stacheln, ebenso der Geschlechtstheile, wie
beim vorigen.
Hier müsste nun, Haplotaxis gegenüber, die Gattung Tx-
bifex mit 2 Reihen Borsten sich einschalten. Allein aller
Nachforschungen ungeachtet, die ich seit 2 Jahren deswegen
angestellt habe, hat sich mir dieses Thier noch immer entzo-
gen. Auch nach entferntern Gegenden hin habe ich Aufträge
deshalb ertheilt, doch sind die Bemühungen meiner Freunde
ohne Erfolg geblieben. Ich habe das Thier, von dem man
sonst annimmt, dass es eins der allergemeinsten sei, bei
Berlin noch nicht zu Gesicht bekommen. Auch andere auf-
merksame Beobachter neuerer Zeit wollen einen solchen Wurm
mit 2 Reihen Borsten nicht gesehen haben. Dennoch hege ich
keinen Augenblick Zweifel über die Existenz desselben. Die
Abbildungen von Bonnet, welche die aus der Erde hervor-
ragenden Röhren darstellen, wodurch der Name des Thieres
gerechtfertigt wird, ferner die von Müller genau angegebene
Länge der Röhre sind zu augenscheinliche Thatsachen. Ich
habe von den verschiedensten Orten rothe Würmer mitge-
bracht, allein alle hatten 4 Reihen Börsten, und nie habe
ich einen Ansatz zu einer Röhre bemerken können. Vielleicht
495
dass die anhaltende Dürre des vorigen Jahres das Erscheinen
des Wurmes in diesem Frühjahr verhindert hat.
Ich lasse daher sogleich folgen die in ihren Formen so
sehr variirende
5. Saenuris variegata.
Da diese Art in meiner Dissertation vom vergangenen Jahre
genugsam durchgesprochen worden ist, will ich mich auf diese
berufen. Ich bin noch immer der Meinung, dass der L. va-
riegatus von O. F. Müller hieher gezogen werden müsse.” Denn
Niemand wird wohl an dem sexfariam aculeatus, das aus einem
bei der grossen Borstenzahl leicht verzeihlichen Versehen her-
vorgegangen ist, Anstoss nehmen, oder einen Wurm suchen
wollen, der aller Symmetrie zum Trotz mit einer 3ten Doppel-
reihe von Stacheln mitten auf dem Rücken einherkröche.
Ich bin hierin noch bestärkt worden durch das Auffinden
des von Müller so deutlich beschiebenen und in die Nähe des
vorigen gestellten Zumbr. lineatus, der offenbar zu meiner
früher beschriebenen Gattung gehört.
Saenuris lineata.*)
Oberlippe breit und stumpf, Körper nach hinten ver-
schmälert, die Borsten der äussern Ordnung sind nicht viel
länger als die der innern, Zahl derselben bedeutend, oft zu
8 und 9 stehend, die Oyarien fand ich am 10.—12. Ringe,
am 5. oder 6. dagegen die Papillen mit der Mündung der
Eierleiter. Zahl der Ringe bis zu 70. Länge 6—8 Linien.
Ich sah jedoch an Ort und Stelle bei weitem längere. In der
Gefangenschaft theilen sie sich bald. Aufenthalt die Küste der
Ostsee, besonders im faulenden, ausgeworfenen Tang, auf
Rügen überall häufig.
Anordnung der Gefässe wie bei der Siüsswasserart, das
Blut ist schön dunkel-orange gefärbt, die Haut heller und
klarer als die der vorigen.
Schon seit sechs Wochen. bewahre ich diese Würmer in
künstlichem Seewasser, ohne dass sie von ihrer Munterkeit
%) Müll. prod. 2606. Verm. Vol. 1. P. II. p. 29. Von Würmern
p- 110, 118, T.3. Fig. 4.5. Fabrizius Fauna Groenland. p. 278,
13 *
196
ablassen, nur, indem sie sich beständig durch Theilung ver-
mehren, verschwinden am Ende die grössern Exemplare.
Eier habe ich nicht von ihnen erhalten können.
Ich kann diesen Gegenstand nicht verlassen, ohne auf
einige höchst merkwürdige Thatsachen in der Ökonomie der
Erdwürmer hinzudeuten, die sich bei längerer Beobachtung
herausgestellt haben. — Sehr interessante Organe sind bei den
oben betrachteten Landanneliden die Borsten. Offenbar neh-
men sie hier eine weit höhere Stelle ein, als bei den meisten
im Meere lebenden Verwandten. Sie sind mit einem zwei-
fachen Muskelsystem ausgerüstet und können ausgestreckt,
gehoben und eingezogen -werden, sie sind förmliche Fortbe-
wegungsorgane, Rudimente von Füssen. Um so auffallender
ist, dass sie mehrmals im Jahre abgeworfen und wieder neu
erzeugt werden. Die Art und Weise, wie das erstere geschieht,
ist höchst sonderbar, gleichwohl von Niemand, soviel ich weiss,
beschrieben worden. Alle 4—6 Wochen im Sommer, im
Winter vielleicht weniger häufig, findet eine Erneuerung dieser
Organe statt. Die Muskeln, welche die Borsten hervorschie-
ben, scheinen dann zuerst unthätig zu werden, während die
Retractoren das Übergewicht behalten, die Borsten bleiben
zurückgezogen. Indem nun der Wurm fortfährt, sich zu be-
wegen, werden die herausstehenden Spitzen der Borsten be-
ständig nach innen gedrückt, bis zuletzt das scharfe Wurzel-
ende durch die fortwährende Reibung sich loslöst, die noch
übrige Muskelschicht durchbohrt und nun in die Höhle zwi-
schen Darm und Rückenwand fällt. Oft sieht man die Borste
schon ganz von ihrem Muskel abgelöst, noch locker mit der
Spitze an der innern Seite der Haut hängen, zugleich bemerkt
man dann die jungen Keime zu neuen Borsten an der innern
Seite der alten in der Muskelhaut eingeschlossen. — Die
Borstenbündel ballen sich mit Schleim an einander, und wer-
den in Klumpen durch die abwechselnde Extension und Con-
traction beim Kriechen nach abwärts getrieben. Aus dem ganzen
hintern Theile des Körpers, vom Gürtel an, sammeln sich
die Borstenklumpen,*) in denen sich nun eine ungeheure
Menge von Vibrionen entwickeln, in den beiden letzten Seg-
*) Dissert. de vermib. quib. v. Hoffmeister. Tab. II. Fig. 3.
197
menten über dem After an. Aus den andern Körpertheilen
gelangen sie nieht so weit, weil die Ovarien einen grossen
Theil der Körperhöhle ausfüllen. In diesen verwickeln sie
sich und bleiben darin hängen. An beiden Stellen findet man
diese auf den ersten Blick räthselhaften Klumpen besonders
im Spätsommer, aber auch zu allen andern Jahreszeiten. Sie
haben früher zu vielen Irrthümern Anlass gegeben, und sie
sind eigentlich ebenso interessant wegen der Rollen, die von
den verschiedenen Schriftstellern ihnen übertragen wurden,
als vom physiologischen Standpunkte betrachtet. Am After
bilden sie meist bohnenförmige Körperchen, die mit einer Art
von Membran überzogen sind, oft stark von braunem Pigment
durchdrungen. Willis fand sie hier zuerst. Darauf wurden sie
für wirkliche Embryonen angesehen, und ihrer verschiedenen
Grösse und Gestalt ungeachtet als solche beschrieben von
Montegre im Memoire du Musee.*) Nach ihm haben sie lange
Foetus Montegrii geheissen. Auch hat sie Duges ebenfalls
eine kurze Zeit für einen Entwickelungszustand des Wurms
_ gehalten.**) Am meisten Phantasie aber hat Morren ***) auf-
.
gewandt, um etwas zu sehen, was in der That gar nicht vor-
handen war. Er handelt nämlich in einem langen Kapitel
diese Borsten unter dem Titel von Chrysaliden ab, und hat
die feste Überzeugung, es sei dies der zweite Verwandlungs-
zustand des Wurms, eine vollständige Regenwurmpuppe. Die
frei im Bauche herumschwärmenden Vibrionen hielt er für die
aus den Eiern geschlüpften Embryonen, den ersten Zustand
des Wurms. Diese beweglichen Embryonen sollen, nach ihm,
bis zum After herabkriechen und da zuerst steif werden, spä-
ter sich mit einem hornartigen Überzuge bekleiden, oder sie
sollen auch schon im Ovarium diese Metamorphose überstehen.
Nachdem diese Puppen einige Wochen in der Erstarrung ge-
legen haben, nimmt er an, dass die hornartige Hülle platze
und dass dann der fertige Regenwurm, nachdem er auch noch
den Darm durchbohrt habe, aus dem After seinen Auszug
#) 1. p. 246.
#*) Duges Annales des sciences naturell. t. XV. 1828, p. 291. Isis
1830. p. 234.
%#*) Morren de Lumbr. terr. tract. p. 201. tab. XXIIL.—XXVI. Fig. 4.
198
halte. Es ist dieser Missgriff um so wunderbarer, da derselbe
Schriftsteller die Vibrionen sehr wohl kannte und auch von
ihnen eine Menge von Bemerkungen mittheilt.
Später hielt Duges noch die einzelnen Borsten für eine
Art von unbeweglichem Eingeweidewurm, der nur die Gestalt
der Borsten trage, da er sich schlechterdings nicht erklären
konnte, wie wirkliche Borsten an diesen Orten vorkommen
könnten. Ebenso hatte auch v. Gleichen Russworm*) sie unter
andern Embryonen des Regenwurms abbilden lassen, und
sogar ziemlich getreu, ohne aber an ihrer Natur als Einge-
weidewurm im geringsten zu zweifeln. Diese merkwürdige
Übereinstimmung in einer so sonderbaren Ansicht ist. wohl
schwierig zu erklären. Denn auf den ersten Blick muss ein
Jeder, der die Borsten im lebenden Zustande untersucht hat,
dieselben in diesen Concrementen wieder erkennen, indem sie
ihrer hornartigen Beschaffenheit wegen durchaus keine Ver-
änderung erleiden.
Das Vorkommen der Concremente ist nicht bei allen
Arten gleich, am wenigsten habe ich sie bei Z. oldus gefun-
den, am meisten bei L. agricola und anatomieus. Auch bei
Enchytraeus habe ich sie mehrmals bemerkt, niemals bei Sae-
nuris. Wie diese Concremente zuletzt entfernt werden, dar-
über ist es schwer Beobachtungen anzustellen. Am wahrschein-
lichsten ist es, dass der Darm, auf den sie drücken, zuletzt
nachgiebt, und dass sie durch einen Riss desselben in den
After gelangen. Als ich einen Wurm vom Darmkoth zu reini-
gen suchte, habe ich wenigstens zweimal in den ausgedrückten
Exerementen diese Körper gefunden.
Erklärung der Abbildungen Taf. IX.
Fig. I. Oberlippe von nn agricola.
- IM. E rubellus.
- 1. - - - anatomicus.
RHLV, - - J riparius.
zn Wr - - - olidus.
= SV = - dis.
- vM. - - Haplotaxis Menkeana.
Die Skizzen der Mundtheile sind alle nach lebenden Exem-
plaren gezeichnet worden, und die von Haplotaxis ist nach
einem in Weingeist kurze Zeit aufbewahrten Wurme.
= Auserlesene mikroskopische Entdeckungen. T.%8. F. 12. p. 66.
— ne
Beitrag zur Inseeten-Fauna von Angola,
in besonderer Beziehung zur geographischen Verbreitung der
Insecten in Afrika.
Vom
Herausgeber.
Die Verbreitungs - Verhältnisse der Naturproducte in Afrika
sind in besonderem Grade der Beachtung und sorglichen Prü-
fung werth, weil durch das Studium derselben ein festerer
Stützpunkt für Schlüsse auf die Beschaffenheit des unbekannten
Inneren dieses massenhaften Continents zu gewinnen ist, als
ihn die Analogien mit ähnlich gestalteten und gelegenen Theilen
der Erde geben können. Es ist längst die unverhältnissmässig
geringe Wassermenge aufgefallen, welche ein so. ausgedehntes
Ländergebiet dem Meere zusendet, und welche im Vergleich
mit den zahlreichen und riesenhaften Strömen Asiens und
Südamerikas sehr unbedeutend erscheint, gleichwohl hat man
sich darin gefallen, ungeheure Gebirgsmassen in das von den
Sandwüsten umgebene Innere des Erdtheils hinein zu construiren,
Natürlich ist man dann genöthigt gewesen anzunehmen, dass
der atmosphärische Niederschlag, welcher auf solchen Gebir-
gen nicht ausbleibt, in den von ihm gebildeten Flüssen sich
grösseren Theils Binnenmeeren zuwendete, welche von solcher
Ausdehnung sein müssten und sollten, dass ihre Verdunstungs-
fläche der zugeführten Wassermenge entspräche, da sie doch
keinen Abfluss nach dem Meere haben. Ich gestehe gern, dass
eine solche Ansicht ‘viel Lockendes besitzt, es scheint aber
doch die Verbreitung der Thiere in Afrika dagegen zu spre-
chen. Schon die Verbreitung einzelner, z. B. des Strausses,
von den Wüsten Arabiens und dem Fusse des Atlas an bis
zum Hoffnungscap deutet darauf hin, dass durch das ganze
innere Afrika die sandigen Plateaus vorherrschend sind und
nicht von mächtigen Gebirgsketten durchschnitten werden, denn
200
der Strauss ist gewiss nicht im Stande, Gebirge zu übersteigen.
Den ähnlich verbreiteten Löwen und Elephanten möchte das
Letztere weniger bestimmt abzusprechen sein.
Sicherer und umfassender begründet erscheint dies Re-
sultat, wenn nıan das Verhalten der ganzen Faunen des afri-
kanischen Festlandes ins Auge fasst. Die grosse Einförmigkeit
derselben im Allgemeinen ist auffallend. In Asien schneidet
das gewaltige Himalajahgebirge die indische Fauna von der
des mittleren und nördlichen Asiens mit grosser Schärfe ab,
und beider Faunen sind so unterschieden, dass sie kaum einen
Vergleich zulassen. Auf ähnliche Weise: scheidet in Südame-
rika die Andenkette die Faunen der Ost- und Westseite, so
Jass sie einen durchaus differenten Character zeigen. Anders
ist es in Afrika: Die Faunen Nubiens und die Senegambiens
sind einander wesentlich gleich, bis zur Identitat einer be-
trächtlichen Menge von Arten. Diese Übereinstimmung der
Faunen der entgegengesetzten Küstenländer würde aber schwer-
lich stattfinden, wenn ungeheure Gebirgszüge, denen des Hi-
malajah, der Anden oder auch nur der Alpen vergleichbar,
dazwischen gelagert wären. Wenn es sich nun nachweisen
lässt, dass ähnliche Verhältnisse zwischen verschiedenen ent-
gegengesetzten Punkten des afrikanischen Oontinents stattfinden,
dass ihre Faunen nicht nur in den Richtungen der geographi-
schen Länge oder der Breite, sondern auch in der der Dia-
gonale in unmittelbarem Zusammenhange stehen, wird dadurch
die bekannte Lacepedesche Ansicht, wonach das Innere Afrika’s
aus einem ungeheuren Aggregat von Gebirgszügen bestehe,
zurückgewiesen, dagegen Ritters Annahme fester begründet,
wonach das Innere Afrika’s Tafelland ist, von Höhenzügen
eingefasst; allerdings von Gebirgen durchschnitten, welche aber
so lose gegliedert oder von so untergeordnetem Range sind,
dass sie den Faunen gestatten, sie in allen Richtungen zu
durchsetzen.
Dass die afrikanischen Küstenländer des Mittelmeeres sich in
ihrer Fauna der europäischen anschliessen, dass sie wesentlich
mit den gegenüber liegenden europäischen übereinstimmen, und
nur einzeln vorkommende Formen sich dem Welttheil eigenthüm-
lich zeigen, ist das Resultat der Untersuchungen gewesen, welche
ich in M. Wagners „Reisen in der Regentschaft Algier” II.
201
S. 140 angestellt habe. Es schliesst sich die Berberei sehr
scharf vom südlicheren Afrika ab, nicht sowohl, wie es scheint,
durch die Atlasketten als durch die Saharawüste. Ägypten hat
in seiner Fauna einen nähern Anschluss an das übrige Afrika
als an die Berberei, und wenn sich einzelne Formen von dort
über das übrige Afrika ausbreiten, geschieht es nur über Ägypten.
Die grosse Übereinstimmung der ägyptisch-nubischen Fauna,
in welche die des Sennaar und Kordofans unmittelbar übergeht,
mit der Senegambiens, ist oben schon hervorgehoben worden.
Guinea, in seiner üppigen Tieflandsfauna allerdings einige
eigenthümliche Formen, wie die der ächten Goliathe, hervor-
bringend, stimmt doch im Wesentlichen, selbst im Besitz gröss-
tentheils gemeinschaftlicher Arten mit den Senegalländern über-
ein. Gesonderter erscheint die Fauna Südafrika’s, theils durch
eigenthümlich vorkommende Formen, - theils durch die Ver-
hältnisse der Fauna überhaupt, namentlich durch das stärkere
Hervortreten der Melasomen, die grosse Zahl kleiner Melo-
lonthiden u. s. w., so dass hier eher ein abgeschlossenes Fau-
nengebiet erwartet werden könnte. Einzelne mit dem tropi-
schen Afrika, Guinea und Senegambien, gemeinschaftliche Arten,
welche an der Weihnachtsbai merklich zahlreicher vorhanden
sind als in der Nähe der Capstadt, lassen es zwar vermuthen,
dass auch hier in der Richtung der geographischen Länge keine
Faunenscheide sich findet, allein so lange eine nähere Kennt-
niss der weiten Strecke vom Meerbusen von Guinea bis zu
den Capländern, wäre es auch nur einzelner Punkte dersel-
ben, vermisst wird, so lange wird auch das Verhältniss der
Capfauna zu der der übrigen Afrika’s nicht zu bestimmen sein.
Von nicht unbedeutendem Interesse für die Kenntniss Afri-
ka’s ist unter diesen Verhältnissen eine kleine Sammlung von
Insecten, welche in den portugisischen Besitzungen von An-
gola veranstaltet ist, und welche der Herr Geh. Ob.-Med.-
Ratlı Schönlein der hiesigen Königlichen entomologischen
Sammlung zum Geschenk gemacht ‚hat. Ein sorglicheres Stu-
dium derselben hat den Aufschluss gegeben, dass die Fauna An-
gola’s zwischen der Senegal- Guineischen und der Capensischen
in der Mitte steht, und Arten sowohl als characteristische Gat-
tungen mit der einen wie mit der andern gemein hat, und den
202
Übergang der südafrikanischen in die mittelafrikanische Fauna
vermittelt
Die erwähnte Sammlung wurde von Ed. Grossbendtner
gemacht. Derselbe begleitete, vorzüglich durch Herrn Geh.
Raths Schönlein Unterstützungen in den Stand gesetzt, eine
Handelsexpedition des Generalconsuls Dos Santos, welche in
sechs Schiffen die portugisischen Niederlassungen von Angola,
Benguela und -St. Paolo de Loanda und das freie Negerkönig-
reich Ambriz besuchte. Der Ausgang des Unternehmens fiel
im Ganzen ungünstig aus, um so mehr als der Chef selbst
dem Klima erlag. Die Expedition langte am 10. October in
Benguela an, die Jahreszeit war noch günstig, der Anblick
einer üppigen Vegetation, eine mässige Hitze von nicht mehr
als 26° R. versprachen unendlich viel, doch hielten Umstände
die Naturforscher, Grossbendtner und den Botaniker Wrede,
anfangs am Bord zurück, später, gegen Ende Octobers, be-
gann bereits die Regenzeit, es trat im Verlauf derselben eine
grosse Sterblichkeit unter den Europäern ein, und auch beide
Naturforscher wurden bald Opfer ihrer Thätigkeit.
Nach der an Hrn. Geh. Rath Schönlein mitgetheilten Über-
sicht bestand die von Grossbendtner mit vieler Mühe — er
soll nur wenige Tage gesund am Lande gewesen ‚sein — zu-
sammengebrachte Sammlung aus 2140 Stück Coleopteren, 173
Arten, und 20 Schmetterlingen. Vielleicht ist Manches zu
Grunde gegangen, da die Sammlungen Grossbendtner’s seit
seinem Tode, so lange sie am Bord des Schiffes waren, un-
beaufsichtigt blieben.
So unbekannt, wie bisher die Fauna des Theiles des afri-
kanischen Festlandes geblieben ist, welcher zwischen dem
Aequator und dem Wendekreise des Steinbocks liegt, bietet
eine genauere Prüfung dieser kleinen Sammlung interessante
Einsichten dar.*). Bisher waren, hauptsächlich durch Olivier
und Laporte (Hist. nat. d. Ins, Suit. a Bufl, — wo aber zu-
weilen eine Verwechselung mit Dongola zu argwöhnen ist —),
nur einzelne Arten publicirt worden. Ein Blick in die
*) Die wenigen Schmetterlinge bleiben dabei unberücksichtigt,
indem sie, meist Arten von Anthocharis und Lycaena, nichts die
Fauna von Angola Bezeichnendes darbieten.
nn
203
Verhältnisse der Fauna lässt sich nur dann thun, wenn eine
ganze Sammlung genau gemustert wird.‘ Unscheinbare sowohl
‚als weitverbreitete und allbekannte Arten sind dabei von eben
so viel Gewicht als ausgezeichnete und neue.
Die Fauna Angola’s tritt, wie bereits oben angedeutet,
vermittelnd auf zwischen der’ Guinea’s, Senegambiens, Nu-
biens und der der Capländer. Von den 173 dort gesammelten
Arten sind 405 dem Lande eigenthümlich, mir wenigstens nicht
aus andern Gegenden bekannt, die übrigen weiter verbreitet.
Ein grosser Theil findet sich in Guinea und am Senegal wieder,
als: Drypta dorsalis, Sphaeridium senegalense , Oryctes mono-
ceros Ol., Praeugena marginata, Tenebrio subrugosus, Gale-
ruca pauperata, andere verbreiten sich selbst nach Ägypten,
wie Argutor aeneus, Tetragonoderus sericatus, Opatrum pro- -
lizum und virgatum, Cleonus retusus, oder nach Nubien, wie
Eunectes helvolus, oder selbst nach Arabien, wie Copris iner-
mis, oder wenigstens nach Sennaar und Kordofan, wie Platy-
metopus tessellatus und Macrotoma palmata. Beträchtlich ist
auch die Zahl der Arten, welche in den Capländern vorkom-
men, wie Hister hottentotta, Saprinus cupreus, Mylabris bi-
fasciata, Lytta thoracica, Oleonus sannio, Eunidia nebulosa,
Coccinella vulpina, distinecta. Arten, welche gleichzeitig am
«Vorgebirge der guten Hofinung und am Senegal sich finden,
sind natürlich auch in Angola anzutreffen, wie ZLebia melanura,
Ateuchus morbillosus, Sisyphus hirtus Gory, Oniticellus nasi-
cornis, pictus, Trox squalidus, sowie auch solche, welche eine
noch weitere Verbreitung haben, wie Oicindela aegyptiaca und
Epomis circumeinctus nach Skdeivons; oder wie Searites tro-
glodytes, Dineutes subspinosus nach Ostindien, oder wie Ay-
bosorus stercorator nach beiden Richtungen. Eigenthümlich ist
das Verhältniss der Fauna zu Madagascar, indem die meisten
der in Angola gesammelten Wasserkäfer, Dytiseen sowohl als
Hydrophilen, mit Madagascar oder den Inseln Mauritius und
Bourbon gemeinschaftlich sind, welches ausserdem nur mit
wenigen Arten der Fall ist, und zwar mit solchen, welche
eine weitere Verbreitung haben, wie Scarab. rusticus und
Lagria obscura F. nach dem Senegal und Guinea, Onthopha-
gus gazella durch ganz Afrika und Ostindien.
Ähnliche Verhältnisse bieten auch die Gattungen, welche
204
sich in Angola vorfinden, in ihrer Verbreitung dar. Von den
110 Gattungen, welchen die im Folgenden aufgeführten Arten
angehören, sind die Mehrzahl weit verbreitet, und finden sich
58 sowohl in der alten und neuen Welt, 32 nur in der alten
Welt vor, 4 sind ausschliesslich afrikanisch und kommen so-
wohl in Senegambien und Guinea, als im Caplande vor; aus
dem nördlichen Afrika, Ägypten und Senegambien verbreiten
sich nur 4 Gattungen nach Angola, welche sich nicht im ge-
mässigten Südafrika wiederfinden, während Angola mit diesem
8 Gattungen gemeinschaftlich besitzt, welche weiter nordwärts
nicht vorkommen, Von vier Gattungen, welche hier neu auf-
gestellt sind, sind mir ausser Angola keine Repräsentanten
bekannt geworden.
Die näheren Verhältnisse der Fauna von Angola werden
aus der folgenden Übersicht der von Grossbendtner gesam-
melten Arten’ hervorgehen.
Unter den Cicindeleten ist nur eine Art vorgekom-
men, Cicindela degyptiaca Kl. Dej., welche eine der
verbreitetsten ist, sowohl der Mittelmeers- als der mittelafrika-
nischen Fauna (Andalusien, Sardinien, Sieilien, Berberei,
Ägypten, Senegal) angehört, und in Angola den südlichsten
Punkt ihrer Verbreitung findet. Sie ist in grosser Anzahl
gesammelt.
Von Carabieis ist Drypta dorsalis Dej. nach dem
Senegal hin, Lebia melanura Dej. sowohl nach dem Se-
negal als nach dem Vorgebirge der guten Hoffnung hin ver-
breitet, eine neue Art von ‚Calleida schliesst sich afrikani-
schen Arten, wie ©. ruficollis Dej. (Car. ruficollis F.) auf's
Genaueste an, sechs Arten von Brachinus sind Angola
eigenthümlich, alle gleichfalls afrikanischen Gepräges, ein neuer
Helluo nähert sich sehr dem H. grandis Dej. vom Senegal
und dem H. umbraculatus (Anthia umb. F.) von Guinea an,
während zwei neue Arten von Jathia mehr an capensische
Formen erinnern. — Scarites troglodytes, bisher noch
unbeschrieben, kommt auch sowohl am Senegal als in Ost-
indien vor. Eine Art von Olivina ist neu. — Von Harpa-
linen sind gesammelt Platymetopus tessellatus Dej., -
welcher gleichzeitig am Senegal und im Sennaar einheimisch
ist, eine neue Art der Gattung Cratognathus Dej., welche
un
205
eine ‘von den Formen ist, welche Angola mit dem gemässigten
Südafrika gemein hat,*) vier neue Arten von Stenolophus,
ferner eine neue Art der Gattung Zispalis Ramb.,**) end-
lich DTetragonoderus sericatus Dej., welcher gleichzeitig
in Ägypten vorkommt.
Eine ähnliche Verbreitung hat Feron. (Argut.) aenea
Dej., indem sie sowohl in Ägypten als am Senegal sich findet.
— Epomis circumscriptus Dej. (Car. eircumser. Duft.)
konnte in Angola nicht fehlen, da sich sein Vorkommen vom
Süden Europa’s über ganz Afrika bis zur Südspitze hin er-
streckt; eigenthümlich sind 5 Arten OAlaeniws, obschon bald
senegalensischen bald: capensischen sich nahe anschliessend,
eine durch ihre täuschende Ähnlichkeit mit einem Abacetus
sich auszeichnend. Ein neuer Oodes ist dem O. hispanicus
Dej. nahe verwandt. Endlich eine neue Art der Gattung Po-
gonus, gewissermaassen die Mitte haltend zwischen dem ca-
pensischen P. lamprus und dem P. senegalensis Dej.
Die Dytiscen sind grossentheils weit verbreitet. Cy-
bister Africanus Laporte, in ganz Africa zu Hause, auch
in Südeuropa, Sieilien und Sardinien vorkommend, ist schwer-
lich vom ©. lateralis (Dyt. lat. F.), der überall in Südasien
einheimisch ist, hinreichend verschieden. Zunectes helvolus
Kl. ist bisher nur noch in Nubien gefunden worden, Hyda-
tieus congestus Kl. (signatipennis Lap. Aube) und 4.
rufulus Aub. kommen in einem grossen Theil von Afrika,
nämlich am Senegal, in Kordofan, Angola, Madagascar, letz-
terer auch noch an der Weihnachtsbai, beide zugleich in Ost-
indien vor. Laccophilus postiws Aube besitzt Angola mit
der Insel Mauritius gemeinschaftlich, von 4ydrocanthus fand
sich eine neue Art, dem H. guttula Aub. von Madagascar und
. *) Der. Typus der Gattung, Cr. mandibularis, ist vom Cap und
nicht aus Buenos Ayres, wie Dejean irrthümlich angiebt. Andere,
sämmtlich capensische Arten sind 2) Eucephalus capensis Laporte,
3) Harpalus cephalotes v. Winth. Eckl., Daptomorphus capensis Chau-
doir, A) Harp. zanthorhaphus Wied. Dej. — Beim Weibchen ist in
dieser Gattung der Kopf grösser als bei den Männchen.
%*) Es gehören in diese Gattung, welche den wärmeren Theilen
der alten Welt angehört, Car. smaragdulus F. (Acupalp. vulneratus
Dej.), Acup. mauritanicus, metallescus, guadrillum Dej.
206
Mauritius verwandt. Ayphydrus seriptus Aub. und A! dim-
pressws Kl. verbreiten sich von denselben Inseln nach Angola,
der erstere auch nach der Weihnachtsbai. Ein neu zu be-
schreibender Zydroporws hat verwandte Arten auf Madagas-
car, er selbst ist wahrscheinlich auf dem Festlande von Afrika
weit verbreitet, denn die hiesige Sammlung erhielt ihn auch
aus Ägypten.
“Zwei Arten von Gyrinen, welche auf Angola zahlreich
gesammelt wurden, haben beide ein sehr ausgedehntes Vor-
kommen. Dineutes aereus findet sich durch einen grossen
Theil des afrikanischen Continents, von Nubien westwärts bis
zu den Inseln des grünen Vorgebirges und siüdwärts bis zur
Weihnachtsbai, D. subspinosus gleichfalls von Nubien bis
zum Senegal und Angola, auf Mauritius, Madagascar und
selbst in Ostindien.
Die Staphylinen- Familie enthält nur eigenthümliche
Arten, zwei Myrmedonia, ägyptischen und ostindischen
sich anschliessend, einen Philonthus, ein Oryptobium,
ausser unserm einheimischen Cr. fractieorne die erste Art,
welche aus der in der neuen Welt zahlreichen Gattung in der
alten Welt bekannt wird, einen Paederwus, endlich einen
Oedichirus, die zweite Art, welche überhaupt bekannt wird.
Ebenso zeigen die Buprestiden und Elateriden nur
eigenthümliche Arten bekannter Gattungen auf. Interessant
ist eine Sternocera, welche der mittelafrikanischen St. in-
terrupta und der südafrikanischen St. Orissa zur Seite steht.
Eine zweite Art derselben Familie gehört zur Gattung An-
thazxia. Die Elateriden sind je einzelne Arten der Gattungen
Monocrepidius, welche sonst hauptsächlich auf Amerika
und Neuholland beschränkt ist, detractodes Germ., deo-
Zus, Drasterius, Cardiophorus.
Auffallend ist, dass die Sammlung weder Lampyriden, noch
Lyeus enthielt, welche: beide in Angola nicht fehlen dürften.
Aus der Melyriden-Familie fand sich ein ansehnlicher neuer
Apalochrus (Malachius F.).
Corynetes rufipes und C. ruficollis, ebenso wie
Dermestes lupinus Esch.*) dürfen in Angola kaum zu .den
*) Er wird häufig mit D. vulpinus F. verwechselt, unterscheidet
207
einheimischen Arten gerechnet werden, da sie durch den Ver-
kehr fast über die ganze Erde verbreitet sind. Etwas Ähn-
liches findet statt mit Apate carmelita F. (deren Weibchen
A. franciscaP. ist); sie ist, vermuthlich mit dem Zuckerbau, in
den wärmeren Theilen Amerika’s und in ganz Afrika, vom
Vorgebirge der guten Hofinung bis nach Ägypten und Algier
angesiedelt.
Die Histeren gehören den‘ Gattungen Hister und Sa-
prinus an. Eine neue Art, A. heros, steht dem senegambi-
schen H. nigrita höchst nahe, eine zweite Art dieser Gattung
ist mit 4. hottentotta Er. identisch, Von den 4 Saprinus-
Arten ist S. splendens (Hist. spl. Payk.) durch ganz Afrika
vom Cap bis nach Arabien hin verbreitet, $. eupreus Er.
besitzt Angola mit dem Caplande gemeinschaftlich, die beiden
andern, neuen, eigenthümlich.
Sehr bemerkenswerth sind wieder die Verbreitungs- Ver-
hältnisse der Hydrophilen wegen der vielen Übereinstim-
mungen mit Madagascar und Mauritius. Hydrophilus (Ster-
nolophus) unicolor Laport. (Hist. nat. d. Ins. II. 54. 3.) hat
Angola mit Madagascar gemein, eine andere Art von Aydro-
philus (Hydrophilus Leach, Hydrous Lap.) scheint Angola
eigenthümlich zu sein. Aydrobius dilutus m. findet sich
gleichzeitig auf Madagascar und Mauritius, vielleicht auch in
etwas kleinerer Form in Südeuropa. Ein neuer Berosus
scheint eigenthümlich zu sein. Volvulus inflatus Brulle
ist mit Mauritius gemein, eine @lobaria ist wieder eigen-
thümlich, eine neue ausgezeichnete Gatttung Amphiops hat
Angola mit Madagascar und Ostindien, eine derselben Art auch
mit Madagascar gemein, während eine zweite mit einer zweiten
von Madagascar in naher Verwandtschaft steht. Cyelonotum
punctulatum R]. ist wieder eine der auf Madagascar und
Angola gleichzeitig vorkommenden Arten, während Sphuerö-
dium senegalense Laporte (Hist. nat. d. Ins. II. 61. 12)
eine von denen ist, welche am Senegal und in Angola zu-
gleich einheimisch sind.
sich aber unter andern dadurch, dass der schwarze Fleck der Bauch-
spitze das ganze letzte Segment durchsetzt, während er bei D. vul-
pinus nur etwa bis zur Mitte reicht.
208
Die Lamellicornen bieten manches Beachtenswerthe
dar. Von Ateuchus tritt eine eigenthümliche neue Art auf,
eine zweite, A. morbillosus F., hat eine weitere Verbrei-
tungssphäre, vom Caplande bis nach Guinea und Kordofan.
Von zwei neuen Arten von Gymnopleurus kommt eine
gleichzeitig in Angola und an der Weihnachtsbai vor, die an-
dere ist Angola eigenthümlich. Sösyphus hirtus Gory, fer-
ner Oniticellus nasicornis Mus. Ber. (On. pallens Lap.
Hist. natur. d. Ins. II. 91.7.) und ©. pietws (Aphod. pietus
Hausm., Onitie. formosus Guer., Lap.) verbreiten sich vom
Cap bis zum Senegal, daher ihr Vorkommen in Angola nicht
auffallend ist; bemerkenswerth ist aber das des Ozitis Inuus
F., der vorzugsweise in Ägypten einheimisch ist, und sich von
hier auch.in anderer Richtung nach Constantinopel und der
Berberei verbreitet. Unter 6 Arten von Onthophagus sind 4
eigenthümlich, dagegen hat 0. gazellaF. eine sehr weit ausge-
dehnte Heimath, welche sich über Afrika und Ostindien erstreckt
und auch Madagascar in sich begreift, 0. venwstulus Dej.,
ebenso wie Copris inermis Dej., Lap, (Hist. nat. d. Ins. II.
78. 25) dehnen ihr Vorkommen vom Senegal aus südlich bis
nach Angola, östlich bis nach Nubien, letztere selbst bis nach
Arabien aus. Zwei Arten von Aphodiws, und unter drei Arten
von Trox zwei, sind eigenthümlich, die dritte, Tr. sgua-
lidus Ol. ist in einem grösseren Theile von Afrika zu Hause,
südwärts noch an der Weihnachsbai, nordwärts am ‘Senegal
und in Abessynien. Hybosorus stercorator (Scarab. stere.
Herbst., Hybos. arator M. Leay) ist wieder eine von den über
einen grossen Theil der alten Welt, in Afrika südwärts we-
nigstens bis zur Weihnachtsbai, ausserdem über Südeuropa
und Ostindien verbreiteten Arten. Orytes Monoceros (Scar.
Monoceros Oliv. Ent. 1. 37. 40. T. 13. F. 122. — Oryetes
Laomedon Dej.) kommt zugleich in Guinea und am Senegal,
Scarabaeus rusticus Klug am Senegal und in Madagascar
vor. Von Cetonien ist nur eine Art, Gnathocera mo-
noceros Gory Perch., angeblich auch in Guinea und am Se-
negal zu Hause, gesammelt worden,
Auflallend ist, dass alle Melolonthiden in der kleinen
Sammlung fehlen, es scheinen sich also alle die Hopliden
und Anthobier, welche im gemässigten Südafrika so zahlreich
209,
vorhanden sind, nicht in die tropische Region zu verbreiten.
Sie könnten sonst wohl nicht übersehen sein, da sie nach
Westermann gerade in der Jahreszeit, in welcher diese Samm-
lung ‚gemacht ist, am Cap in grosser Menge erscheinen.
Vielfache Beziehungen bald mit dem Cap, bald mit dem
Senegal bieten die Melasomen dar, wenn auch die Arten
grösstentheils eigenthümlich sind. Aus der Gruppe der Ero-
diten ist nur eine neue Art der über ganz Afrika verbrei-
teten Gattung Zophosis vorgekommen. Die Gruppe der Ten-
tyriten, welche dem Cap fremd ist, ist in Angola noch
mannigfach repräsentirt, und hat ausser zwei Arten von Oxy-
cara Sol. (der Gattung Melancrus Dej., soweit sie mir be-
kannt ist, entsprechend) und einer ausgezeichneten Art von
Mesostena noch eine neue Gattung @zophota mit 3 Arten
aufzuweisen. Auch Hegeter striatws Latr. ist in Menge
mitgebracht worden, wenn er nicht auf den Canarischen In-
seln, seiner eigentlichen Heimath, eingesammelt ist, würde
Angola ihn mit denselben gemein haben, was um so auffal-
lender wäre, als er von den näher liegenden Theilen des
afrikanischen Festlandes noch niemals, so viel mir bekannt,
eingegangen ist. — Die Gruppe der Pimeliten dagegen fehlt
in Angola ebensowohl als am Cap, aus der der Macropo-
diten sind mit Ausschluss aller mittelmeerischen und mittel-
afrikanischen nur rein südafrikanische Formen und zwar eine
Art der Gattung Stenocara und zwei der Gattung Metrio-
pus vorgekommen. Gemischt zeigt sich der Charakter der
Fauna wieder in der Gruppe der Eurychoriten, die Gat-
tung Pogonobasis ist mit Mittelafrika, Zurychora und eine
neue, Psaryphis, mit Südafrika gemein; alle weisen hier je
eine eigenthümliche Art auf. Der Capfauna schliesst die von
Angola sich ferner an durch eine Art von Cryptochile, eine
von Moluris, und eine neue Blapiden-Gattung Droso-
chrus, von der mir neben einer von Angola zwei Arten
vom Cap vorliegen. Eine andere neue Blapiden- Gattung,
Stizopus, ist zwar eigenthümlich, schliesst sich aber Capen-
sischen aufs Genaueste an. Unter 8 Arten von Opatrum
sind zwei ungeflügelte, welche mit ähnlichen Arten von den
Inseln des grünen Vorgebirges in der nächsten Verwandtschaft
stehen, und eine der geflügelten eigenthümlich, von den übrigen
Archiv f. Naturgeschichte, IX. Jahrg. 1. Bd. 14
210
,
sind eine mit Mauritius und dem Vorgebirge der guten Hofl-
nung, zwei mit dem Senegal und den Inseln des grünen Vor-
gebirges, zwei ausser ‚den beiden letztgenannten Punkten noch
mit Nubien und Ägypten gemein. Zwei mit Opatrum ver-
wandte neue Gattungen, Ammidium und Emmalus, mit je
einer Art, müssen zur Zeit noch als eigenthümlich angesehen
werden; auch eine ‘neue Art von Uloma ist eigenthümlich,
‘ obschon mit ähnlichen Arten vom Cap. und Mauritius nahe
zusammenstimmend, Tenebrio suörugosus Dej. und ebenso
Praeugena marginata Lap. (Helops marg. E.) hat Angola
mit Guinea und dem Senegal gemein, eine ausgezeichnete neue
Art der Africa und Ostindien angehörenden Gattung Zima-
tismus (Imatismus Dej.) ist eigenthümlich.
Unter den Tracheliden ist Zagria obscura F. mit
Guinea gemein, nnd zugleich auf Madagascar vorkommend.
Von den zahlreicheren Meloiden sind zwei Arten, Myla-
bris bifasciata F. und Lytta thoracica M.B., zugleich
im Caplande einheimisch, 8 Arten von Mylabris, 2 von
Lytta, eine von Oenas nicht‘ weiter verbreitet.
Die Zahl der gesammelten Curculionen ist beschränkt.
Weitere Verbreitung haben nur Cleonus retusus (Cure. re-
tusus F.) nach dem Senegal und Ägypten, Cl. sannio (Cure.
sannio Hbt., Cl. mucidus Germ., Cl. velatus Sch.) in entgegen-
gesetzter Richtung nach dem Vorgebirge der guten Hoffnung,
Von den eigenthümlichen ist besonders eine zweite Art von
Dereodus bemerkenswerth, dessen erste Art Ostindien an-
gehört. Die übrigen Rüsselkäfer sind je ein Tanymecus,
Siderodactylus, Alcides, Baridius.
Auch die Cerambycinen sind von untergeordneter Be-
deutung. Unter den,Prionen ist nur eine, die nach dem-Senegal
und Sennaar weiter verbreitete Macr otoma palmata (Prion.
palm. Fab,), unter den eigentlichen Cerambyeinen gleichfalls
nur eine, aber eigenthümliche Art, ein unserem.€. fennicum
verwandtes Callidium gesammelt worden; unter den. Lamien
war eine, Ceroplesis bicincta (L. bieineta P.), bereits
bekannt, doch ihr Standort unbestimmt geblieben, eine andere,
eine Saperdenform, gehört zu einer neuen, Afrika .eigenthiim-
lichen Gattung, Zunidia, und stimmt auch mit einer capen-
211
sischen Art derselben überein. Eine Saperda (Sphenüra Dej.)
schliesst sich Arten von Guinea nahe an.
Unter den Chrysomelinen sind vier Arten von C/y-
thra, welche grösstentheils Capensischen sehr nahe stehen,
ferner eine von Cryptocephalus eigenthümlich, ausserdem
sind nur eine Haltica (Graptodera), der H. oleracea zu-
nächst verwandt, doch, wie es scheint, nicht mit ihr identisch,
und zwei Arten von Galeruca vorgekommen, die eine, der
G. abdominalis F. sich anschliessend, Angola eigenthümlich,
die andere, Gal. (Monolepta) pauperata Dej., auch am
Senegal einheimisch.
Von Coceinellen endlich sind 7 Arten gesammelt, unter
denen ein Ckilocorus und zwei eigentliche Coccinellen neu,
Coce. striata FE. nach Guinea, C. vw/pina F. nach dem
Vorgebirge der guten: Hoffnung -weiter verbreitet, C. distin-
cta Thunb., eine Epilachna, durch einfach gespaltene Klauen
mit den amerikanischen Epilachnen übereinstimmend und von
denen der alten Welt abweichend, ist ebenfalls mit dem Cap
gemeinschaftlich, eine andere Epilachna, Coce. chrysomelina
F., findet sich in verschiedenen Abänderungen in ganz Afrika
und in Arabien zu Hause. Die in Angola gesammelten Va-
rietäten stimmen wesentlich mit: der von Isle de Prince über-
ein, welche Klug in Ermans Reise aufgeführt hat.
Nach diesem allgemeinen Überblick, welcher die bereits
hinreichend bekannten Arten vollständig aufgeführt enthält,
gehe ich zur Beschreibung der übrigen Arten und zur Fest-
stellung der neu zu begründenden Gattungen über.
1. Calleida nobilis: Rufa, capite, abdonine, geniculis
tarsisque nigris, elytris viridibus, nitidis. — Long.
4 lin.
Affınis C. ruficolli F. Antennae nigrae, articulis 3 primis te-
staceis. Palpi nigri. Caput nigrum, punctatum. Thorax ob-
longus, basin versus subangustatus, anterius lateribus leviter
rotundatus, canaliculatus, sparsim punctatus, rufus, nitidus.
Seutellum rufum. Elytra punctato-striata, interstitiis interio-
ribus pareius, exterioribus erebrius punctatis, eyanescenti-vi-
ridia, nitida. Pectus rufum. Abdomen nigrum. Pedes rufi,
14 *
212
femoribus apice late nigris, tibiis antieis nigris, annulo medio
rufo, posterioribus rufis basi nigris, tarsis omnibus nigris.
2. Brachinus Angolensis: Testaceus, abdomine fusco,
elytris costatis, nigris, macula media testacea, apice
testaceo -strigoso. — Long. 6-7 lin.
Caput et thorax cum antennis rufescenti-testacea, immaculata.
Elytra costata, nigra, macula medio versus marginem posita,
minore, magis minusve lobata testacea, apice subtiliter testa-
ceo-strigoso. Pectus testaceum. Abdomen fuscum. Pedes testa-
immaculati.
Variat elytrorum macula media obsoleta. .
cei,
3. Brachinus arcanus: Niger, capite, thorace pedibusque
rufis, immaculatis, elytris costatis, apice subtiliter te-
staceo -strigosis. — Long. 74 lin.
Caput, thorax et pedes e testaceo rufa, immaculata. Elytra
costata, apice subtiliter testaceo -strigoso. Pectus piceum. Ab-
domen nigrum.
Dem vorigen sehr ähnlich, namentlich dessen Abänderung,
wo der Mittelfleck der Flügeldecken verschwunden ist, aber
er ist etwas länglicher, das Halsschild an den Seiten weniger
gerundet, die Flügeldecken sind nicht so stark gerippt, und
die Färbung ist eine andere.
4. Brachinus gentilis: Testaceus, nitidus, thorace cor-
dato, elytris subcostatis, nigris, margine summo ma-
eulisque tribus longitudinaliter dispositis testaceis. —
Long. 5 lin.
Affinis B. connexo Dej. Testaceus, nitidus. Antennae apicem
versus fuscescentes. Thorax cordatus, Elytra lata, leviter
convexa, punctulata, subsulcata, interstitiis subcostatis, te-
nuiter pubescentia, nigra, maculis tribus, prima oblonga sub-
humerali, secunda media ovata, tertia apicali biloba, mar-
gineque tenui testaceis. Pectus et abdomen fusco -limbata.
Pedes testacei, immaculati.
5, Brachinus ludierus: Opacus, testaceus, elytris sub-
striatis, nigris, maculis 2 basalibus apiceque sinuato
flavis. — Long. 3 lin.
213
Affınis B. laeto Dej,, testaceus, opaeus, dense pubescens. An-
tennae erassiuseulae, artieulis 3. et 4. medio fuscescentibus.
Thorax subeordatus. Elytra substriata, nigra, maculis tribus
magnis flavis, primis duabus basalibus oblongis, tertia biloba,
totum apicem occupante. Pedes flavi.
6. Brachinus vinulus: Testaceus, elytris sutura maeulis-
in.
u
: EIN: 1
que tribus nigris, — Long. 25
Parvus, testaceus, subnitidus, tenuiter pubescens. Antennae
ab articulo tertio inde fuscescentes. Thorax oblongo -subcor-
datus. Elytra obsoletissime striata, subtiliter punetulata, vitta
suturali postice abbreviata maculisque tribus nigris, prima ob-
longa humerali, secunda magna, oblonga, medio versus mar-
ginem sita, tertia minore, rotundata, apizali.
7. Brachinus apicalis: Ferrugineus, elytris subcostatis
cyaneis, macula apicali rotundata flava. — Long.
44 Jin.
Affınis B. Bayardi Dej. Ferrugineus. Antennae ab articulo
3. inde fuscae. Thorax cordatus. Elytra ampla, punetulata,
‚suleata, obscure cyanea, tenuiter pubescentia, macula rotun-
data apicali fava notata. Abdomen obscurum.
8. Helluo ferox: Labro magno, porrecto, rotundato, lae-
vigato, niger, elytris striatis, interstitiis punctatis al-
ternis carinatis. — Long. 12 lin.
Niger, opacus; elytris subtilissime parceque nigro - pubescenti-
bus. Antennae compressae. Labrum magnum, Jlateribus et
apice rotundatum, laevigatum, medio transversim impressum.
Caput punetato-rugosum, fronte medio utringue oblique sub-
impressa. Thorax oblongo-subcordatus, fortiter punctato - sub-
rugosus, canaliculatus, angulis posterioribus reetis. Elytra
postice sensim dilatata, apice truncata, striata, interstitiis alter-
nis planis, crebre punctatis, alternis subcostatis, utrinque
seriatim punctatis, lateribus confertim punctatis, punetorum
maiorum serie duplice notatis. Pedes concolores.
9. Anthia Actaeon: Atra, elytris striatis, margine albo-
tomentosis. — Long. 16 lin.
214
Atra, minus nitida, Antennae apice obscure ferrugineae. Ca-
put magnum, obsolete sparsim punctatum, fronte inter oculos
impressa. Thorax cordatus, postice producto -bilobus, obso-
lete sparsim punectatus. Coleoptera convexa, striata, striis
postice evanescentibus, interstitiis leviter convexis, postice pla-
nis, parce obsoleteque punctulatis; margine exteriore late albo-
tomentoso. (Mas.)
10. Anthia formicaria: Angustata, nigra, tenuiter eine-
reo-pubescens, thorace sublineari, elytris 3costatis.
— Long. 44 lin.
Habitu A. gracilis, at minima, Nigra, opaca, tenuiter einereo-
pubescens. Antennae validae. Caput maiusculum, oblongum,
punctatum, antice posticeque utrinque longitudinaliter impres-
sum, Thorax elongatus, sublinearis, vel lateribus medio parım
latioribus, punctatus, supra leviter bicostatus. Coleoptera ob-
oyata, antice attenuata, depressa, 7eostata, costa intermedia
suturali minus acuta, interstitiis punctato-rugulosis, biseriatim
fortius punctatis.
11. Scarites troglodytes: Tibiis intermediis unispinosis,
antieis tridentatis, supra bidenticulatis, elongatus, sub-
depressus, fronte utrinque impressa, postice transver-
sim punctata et utrinque longitudinaliter rugosa, ely-
tris punctato -striatis, stria tertia punctis 4 maioribus
impressis ; antennis piceis,. — Long. 5 lin.
Sc. plano proximus, licet distinetus statura minore, fronte po-
sterius utrinque longitudinaliter rugulosa, et nonnisi medio
punctata, elytris fortius punctato -striatis, punctis impressis
maioribus prope apicem positis.
12. Clivina aucta: Picea, fronte utrinque unistriata, tho-
race subquadrato, elytris subtilius punctato -striatis,
strüs interioribus apice obsolescentibus, antennis pe-
dibusque rufo-piceis. — Long. 22 lin.
Statura C. fossoris, nigro-picea, nitida. Antennae rufo-piceae.
Frons leviter convexa, antice inter antennas transversim leviter
impressa, postice Jateribus longitudinaliter sulcata, intra suleum
stria subarcuata exarata, striis leviter convergentibus, spatio
215
»
medio laevissimo, antice puncto obsoleto notato. Thorax an-
trorsum subangustatus, leviter convexus, canaliculatus, strigis
transversis undulatis subrugulosus. Elytra subtilius punctato-
striata, stria extima integra, postice profundiore, reliquis po-
stice evanescentibus, interstitio quarto punetis quatuor distanti-
bus notato. Pedes rufo-picei, tibiis antieis fortiter tridentatis,
femoribus antieis apice subdentatis.
13. Cratognathus labiatus: Piceus, labro, antennis
pedibusque ferrugineis, thorace subcordato, angulis
posterioribus obtusis, elytris striatis. — Long. 55 lin.
Cr. mandibulari duplo maior, supra nigro-, infra rufo-piceus:
mas nitidus, femina opaca. Antennae, palpi, Jabrum ferrugi-
nea. Caput magnum, fronte inter oculos utrinque foveola im-
pressa. Thorax latitudine dimidio brevior, lateribus leviter
rotundatus, basin versus angustatus, basi truncatus, angulis po-
sterioribus obtusis, margine laterali obscure ferrugineo, postice
utrinque foveola minus distineta impressus. Elytra striata, striis
impunctatis, interstitiis leviter convexis. Pedes rufi, femoribus
testaceis.
14. Stenolophus comptus: Piceus, thorace rufo, basi
utrinque subimpresso, pedibus elytrisque testaceis,
his striatis, eyaneo-micantibus, vitta dorsali nigra. —
Long. 3 lin.
St. vaporariorum paulo latior. Antennae fuscae, articulis 3 ba-
salibus testaceis. Caput rufo-testaceum, fronte picescente.
Thorax subquadratus, latitudine paulo brevior, lateribus et
angulis posterioribus leviter rotundatus, basi utringue subim-
pressus et subtilissime punctulatus, testaceo-rufus, nitidus.
Sceutellum rufo-testaceum. Elytra sat fortiter striata, stria 2.
postice puncto impresso notata, interstitiis planis, laevissimis,
testacea, vitta lata dorsali, interstitia 2.—4. occupante, pone
medium in interstitium 5. dilatata, dein gradatim attenuata,
nigra, laete caeruleo-versicolora. Pectus nigro-, abdomen
rufo -testaceum. Pedes testacei.
45. Stenolophus columbinus: Piceus, capite thoraceque
nigris, hoc subrotundato, postice utrinque impresso
216
punctatoque, rufo-marginato, elytris striatis, 'viridi-
bus, rufo-marginatis, pedibus testaceis. — Long. 3 lin.
Affınis St. marginato, at statura maiore, magis oblonga, ca-
pite thoraceque nigris, elytris fortius striatis etc. distinetds.
Antennae fuscae, articulis 3 primis flavis. Palpi flavi. Caput
nigrum. Thorax latitudine brevior, lateribus et. angulis poste-
rioribus rotundatis, basin versus angustatus, basi utrinque im-
pressus et punctulatus, niger, nitidus, undique rufo -margi-
natus. Scutellum piceum. Elytra parallela, sat fortiter striata,
stria 2. postice puncto impresso notata, interstitiis planis, vi-
ridia, Jucida, sutura postice margineque exteriore saturate
testaceis., Corpus infra piceum, pedibus laete testaceis,
16, Stenolophus relucens: Rufo-piceus, thorace sub-
rotundato, basi utringque subimpresso punctatoque,
elytris nigris, versicoloribus, splendidis, subpunctato-
striatis, pedibus testaceis. — Long. 34 lin.
Affınis praecedenti. Antennae fuscae, articulis 2 basalibus fla-
vis. Palpi flavi. Caput maiusculum, rufo-piceum, nitidum.
Thorax brevior, lateribus et angulis posterioribus rotundatis,
basin versus angustatus, basi utrinque leviter impressus, im-
pressione postice crebre punctata, rufo-piceus, nitidus, disco
nigricante. Elytra sat fortiter striata, striis obsolete punctatis,
2. postice puncto maiore notata, interstitiis convexiusculis,
nigra, versicolora, nitidissima, sutura margineque piceo -testa-
ceis. Corpus infra rufo-testaceum. Pedes laete testacei.
17. Stenolophus fulvipes: Niger, thorace rotundato,
postice angustato, basi utringne impresso punctato-
que, elytris elongatis, punctato-striatis, antennarum
basi pedibusque rufo-testaceis. — Long. 33 lin.
Affınis St. erenulato Dej., niger, nitidus. Antennae ferrugi-
neae, articulis 3 primis rufo-testaceis. Os piceum, palpis
rufo-testaceis. Thorax brevior, lateribus et angulis posterio-
ribus rotundatis, basin versus angustatus, basi. utringue im-
pressus et creberrime punctatus, margine summo ferrugineo.
Elytra elongata, parallela, coneinne punctato-striata, intersti-
tüs planis, 3. postice puncto singulo notato, Corpus infra
piceum. Pedes laete rufo- testacei.
217
18. Hispalis viridulus: Piceus, supra viridulus, nitidus,
elytris substriatis, antennarum 'basi, tibiis tarsisque
luteis. — Long. 2 lin.
H. Mauritanico (Acupalp. Mauritan. Dej.) paulo minor, supra
obscure viridis, nitidulus. Antennae fuscae, articulis 4 basa-
libus luteis. Labrum testaceum aut piceum. Caput magnum,
elypeo profunde sinuato. Thorax transversus, subcordatus,
angulis posterioribus obtusis, basi utrinque obsolete impressus.
Elytra subtiliter obsoleteque striata. Corpus infra piceun.
Pedes picei, tibiis tarsisque luteis.
419. Chlaenius perspicillaris: Supra nigro -subaeneus,
thorace punctato-subrugoso, elytris striatis, intersti-
tiis confertim punctatis, macula rotundata pone medium,
antennarum basi pedibusque flavis, geniculis nigris. —
Long. 5% lin.
Statura Chl. Boisduvalii Dej. Antennae nigrae, articulis 3
primis flavis. Corpus supra nigro-subaeneum, parum niti-
dum, infra nigrum, pernitidum. Caput subtiliter punctulatum.
Thorax subquadratus, latitudine paulo brevior, lateribus ro-
tundatus, angulis anterioribus rotundatis, posterioribus obtu-
siuseulis, intricato-punctatus, subrugosus, subtilissime cana-
liculatus, basi utrinque leniter impressus. Scutellum viridulum.
Elytra subtilissime pubescentia, striata, interstitiis planis, con-
fertim et sat distinete punctata, macula magna rotundata flava
paulo pone medium signata. Pedes flavi, femoribus tibiisque
apice nigris, tarsis fuseis. — Ab affınibus elytrorum macula
magis versus medium sita facile distinguendus.
20. Chlaenius prolixus: Capite thoraceque auratis, ni-
tidis, thorace angustato, sparsim punctato, elytris pro-
funde subpunctato -striatis, interstitiis convexis, lae-
vibus; margine angusto, antennis, pedibusque flavis.
— Long. 6+ lin.
Chl. eylindricolli proximus. Antennae, labrum palpique flava.
Caput viridi-auratum, fronte posterius obsolete punctata. Tho-
rax oblongus, angustus, Jateribus ante medium leviter rotun-
datis, punctis nonnullis sparsis impressus, canaliculatus, basi
utrinque foveola elongata, suleiformi sat fortiter impressus,
218
auratus, nitidus. Elytra viridia, nitida, fortiterstriata, striis
obsolete punctatis, interstitiis convexis, 'anguste flavo-margi-
nata, ımargine apice leviter dilatato. Corpus infra nigrum,
abdomine tenuiter flavo-marginato. Pedes flavi.
Dem capensischen Chl. ceylindricollis ungemein ähnlich,
aber dadurch unterschieden, dass die Rundung der Halsschild-
seiten mehr nach vorn sich befindet, die Flügeldecken stärker
gestreift, lebhafter grün sind, und der gelbe Rand derselben
an den Seiten nur das äusserste, nicht die beiden äussersten
Interstitien einnimmt.
21. Chlaenius elatus: Supra viridi-aenens, nitidus, gla-
ber, ‚thorace angustato, parce subtiliterque punctato,
elytris striatis, interstitüs planis, laevibus, margine
postice dentieulato, antennis pedibusque flavis. —
Long. 5 lin.
Statura Chl. denticulati, Antennae, labrum palpique flava. Ca-
put viride, nitidum, postice parce obsoleteque punctatum. Tho-
rax oblongus, angustus, lateribus ante medium levissime ro-
tundatis, convexus, parce subtiliterque sparsim punctatus, sub-
tiliter canaliculatus, basi utrinqgue sulco longitudinali, medium
attingente impressus, nitidus, dorso aeneo, lateribus viridibus,
Elytra glabra, striata, interstitiis planis, laevibus, dorso aenea,
lateribus viridia, nitida, margine flavo lateribus interstitia 2 oc-
cupante, ‚apice dilatato dentatoque. Corpus infra nigrum, ab-
domine late flavo-limbato. Pedes. flavi.
Vom Chl. dentieulatus vorzüglich dadurch unterschieden,
dass der gelbe Seitenrand der Flügeldecken nicht, wie bei
diesem, 3, sondern nur 2 Interstitien einnimmt.
22. Chlaenius paenulatus: Pubescens, capite thoraceque
viridibus, hoc subcordato, confertim punctato, elytris
punctato -striatis, interstitiis confertissime punctatis,
nigris, limbo lato, antennarum basi pedibusque flavis.
— Long. 4 lin.
Chl. vestito dimidio minor, praecique gracilior. Antennae fu-
sculae articulis 3 primis‘ flavis. Caput crebre sat profunde
punetatum, viride, tenuiter fulvo-pubescens, oculis ‚fortiter
prominulis, labro testaceo, palpis flavis. Thorax subcordatus,
219
latitudine haud brevior, lateribus fortiter rotundatus, basi coar -
etatus, angulis posterioribus acutiusculis, leviter convexus,
sat fortiter profundeque confertim punctatus, basi utrinque
leviter impressus, viridis, nitidulus, fulvo-pubescens. Scu-
tellum viride. Elytra punctato.- striata, interstitiis confertim
punctatis, subrugosis, fulvo-pubescentia, nigra, limbo lato,
lateribus interstitia 4 occupante flavo. Corpus infra nigrum,
abdomine flavo-marginato. Pedes pallide flavi.
23. Chlaenius ebeninus: Nigerrimus, nitidus, thorace
subquadrato, basi utrinque sulco impresso, elytris
striatis,. — Long. 42 lin.
Abacetum simulat, statura A. erenulati. Nigerrimus, glaber-
rimus, pernitidus. Antennae fuscae, basi piceae. Palpi rufo-
picei. Frons utrinque sulco brevi longitudinali impressa. Tho-
rax coleopteris parum angustior, Jatitudine paulo brevior,
lateribus leyiter rotundatis, apicem versus subangustatus, an-
gulis posterioribus rectis, obsolete canaliculatus, postice utrin-
que sulco longitudinali fortiter impresso. Elytra profunde
striata. Tarsi picei.
24. Oodes Angolensis: Obovatus, niger, nitidus, anten-
nis basi rufis, elytris subtiliter striatis, prosterno mu-
eronato. — Long. 4 lin.
Niger, nitidus. Antennae articulis 3 primis rufis. Palpi rufo-
picei. Thorax lateribus leviter rotundatis, antrorsum angu-
status, basi late emarginatus, subtiliter canaliculatus, ceterum
aequalis. Elytra dorso subtiliter striata, interstitio 3. puncto
medio impresso, apice obtuse rotundata. Prosternum postice
in mucronem acutum productum.
Sehr gross ist die Verwandtschaft mit O. hispanicus De;j.,
welcher dieselbe dornförmige Prosternumspitze hat, die neue
Art unterscheidet sich durch die rothe Fühlerwurzel, weniger
kurzes Halsschild und merklich feiner gestreifte Flügeldecken.
25. Pogonus apicalis: Supra viridi-aeneus, nitidus,
thorace subrotundato, postice coarctato, punctato et
utrinque impresso, elytris punctato -striatis, apice pe-
dibusque pallide flavis. — Long. 24 lin.
220
P. senegalensi paulo gracilior. Antennae testaceae, articulis
3 primis flavis. Caput laete viridi-aeneum, nitidum, fronte
utrinque sulcata, ore testaceo, palpis flavis. Thorax latitudine
brevior, lateribus fortiter rotundatus, basin versus angustatus,
postice coarctatus, angulis postieis rectis, leviter convexus,
basi depressus et creberrime punctatus, utrinque impressus,
laete viridi-aeneus, nitidus. Elytra parallela, punctato-striata,
interstitio 3. punctis 4 impresso, subtestaceo-viridi-aenea, apice
pallide flava. Corpus infra piceum. Pedes pallide flavi.
26. Hydrocanthus notula: Oblongo - ovatus, postice
attenuatus, convexus, nitidus, niger, capite, thoracis
macula magna laterali elytrorumque guttula pone me-
dium testaceis. — Long. 1# lin.
H. guttulae Aube duplo minor, niger, nitidus. Caput testa-
ceum, vertice fusco. Thorax macula magna marginali testacea.
Elytra punctis pareis subseriatis obsolete impressa, pone me-
dium gutta minuta testacea notata. Pedes anteriores ferrugi-
nei, postiei nigri.
27. Hydroporus turgidus: Fronte antice utrinque mar-
ginata, ovalis, convexus, glaber, dense punetatus, ni-
tidus, supra nigro-brunneus, infra niger, capite an-
tice posticeque pedibusque rufis. — Long. 2 lin.
Antennae breves, testaceae, articulo 3. et 4. minoribus. Caput
ferrugineum, fronte infuscata, subtiliter punctatum, utrinque
subimpressum, antice utringue marginatum, medio sinuatum.
Thorax itransversus, antrorsum angustatus, lateribus vix ro-
tundatis, sat erebre fortius punctatus. Elytra dense aequali-
terque sat fortiter punectata, intra marginem posterius eiliata.
Corpus supra nigro-brunneum, infra convexum, punctatum,
nigrum. Pedes ferruginei.
Ein Exemplar aus Ägypten theilte Dr. Waltl mit. Eine
ähnliche Art kommt auf Madagascar vor. Beide stimmen darin
überein, dass die Umrandung der Stirn in der Mitte durch
eine kleine Ausbuchtung unterbrochen ist.
28. Myrmedonia satelles: Rufo-testacea, nitida, pun-
etata, capite nigro, opaco, abdomine ante apicem
221
nigro, segmento dorsali primo apiee sublaminato utrin-
que dentato spinosoque. — Long. 3-4 lin.
M. spinigerae affınis, saturate rufo-testacea, nitida. Antennae
erassae, fuscae, basi testaceae. Caput thoracis latitudine, ni-
grum, opacum, fronte secundum longitudinem subimpressa,
sparsim punctata, ore rufo. Thorax coleopteris dimidio an-
gustior, latitudine paulo brevior, basin versus vix angustatus,
subdepressus, crebrius punctatus. Elytra thorace paulo lon-
giora, erebrius punetata. Abdomen segementis 3—5 nigris,
dorso parcius punctatum, 'segmento primo apice in laminam
brevem, late sinuatam producto, utrinque spina marginali valida,
subareuata, basi dentata terminato, quinto supra punctis ele-
vatis notato, sexto apice subtridentato.
Der Dorn an jeder Seite des Hinterleibes liegt fast dem
Rande auf, und ist um so grösser, je grösser das Ind. ist;
bei den grössten reicht er fast bis zur Spitze des 3. Segments,
bei den kleinsten nicht einmal bis zur Spitze des zweiten.
29. Myrmedonia suturalis: Rufo-testacea, opaca, pun-
etata, capite suturaque nigris, erebre fortiterque pun-
etata, thorace medio late impresso. — Long. 2 lin.
Statura lata M. coriaceae, licet duplo minor, supra depressa,
infra convexa. Antennae longiores, validae, fuscae, articulis
3 primis testaceis. Caput nigrum, crebre punctatum, pilo-
sellum, ore testaceo. Thorax coleopteris duplo prope angu-
stior, Jatitudine dimidio brevior, basin versus vix angustatus,
angulis posterioribus subrectis, depressiusculis, medio late,
lateribus anguste secundum longitudinem leviter impressus,
margine laterali subincrassato, sat fortiter erebreque puncta-
tus, testaceus, tenuiter fulvo-pubescens, minus nitidus. Elytra
thorace paulo longiora, subdepressa, crebre profundeque pun-
etata, tenuiter fulvo-pubescentia, testacea, sutura late nigri-
cante. Abdomen supra erebrius punctatum, testaceum, seg-
mıentis ultimis duobus fuseis. Pedes tenues, flavo-testacei. —
Mas antennis longioribus et thorace fortius impresso distinctus.
30. Philonthus hospes: Thorace seriebus dorsalibus 5-
punctatis, capite orbieulato, niger, nitidus, elytris
aeneis, margine summo, antennarum basi pedibusque
222
luteis, abdominis segmentis ferrugineo-marginatis. —
Long. 4 lin.
Statura omnino Ph. ebenini et maximis eius individuis aequalis.
Antennae fuscae, basi luteae. COaput orbieulatum, pone ocu-
los utrinque fortiter erebreque punetatum, inter oculos pun-
ctis utrinque 2 transversim positis impressum. Thorax co-
leopteris paulo angustior, antrorsum subangustatus, lateribus
rectis, seriebus dorsalibus e punctis 5 sat fortibus compositis,
intermediis 3 approximatis. Sceutellum erebre punctatum. Ely-
tra thoracis longitudine, crebre punctata, longius griseo-pu-
bescentia, laete viridi-aenea, nitida, margine summo testaceo,
Abdomen punctulatum, griseo-pubescens, versicolor, segmen-
tis singulis ferrugineo-marginatis. Pedes lutei, coxis antieis
nigris, intermediis approximatis, tibiis omnibus spinulosis,
tarsis antieis maris leviter dilatatis.
31. Cryptobium tricolor: Nigrum, capite, elytris ab-
dominisque penultimo segmento rubris, pedibus pal-
lidis. — Long. 3 lin.
Subeylindrieum, subtiliter griseo-pubescens. Antennae testa-
ceae, articulo primo apice et funiculo medio fuscescentibus.
Caput thoraeis prope latitudine, oblongum, erebre punetatum,
obseure rufum, densius griseo-pubescens. Oculi versus ca-
pitis medium siti, prominuli. Thorax coleopteris paulo angu-
stior, latitudine sesqui longior, subeylindrieus, dense profun-
deque punctatus, linea media laevi, niger, tenuiter griseo -pu-
bescens. Scutellum nigrum. Elytra thorace paulo longiora,
dense profundeque punctata, tenuiter pubescentia, obscure
rufa, eirca scutellum nigricantia. Abdomen dense punetatum,
griseo - pubescens, nigrum, segmento penultimo rufo. Pectus
piceum. Pedes pallide flavi coxis omnibus rubris. — Maris
abdominis segmentum inferius sextum fissum, quintum cana-
lieulatum, 3. et 2. apice serie setularum transversa instructis.
32. Paederus Angolensis: Alatus, niger, elytris coeru-
leis, thorace, abdominis segmentis 4 primis, meso-
sterno pedibusque rufis, femoribus posterioribus apice
nigris, antennis basi testaceis apice fuscis. — Long.
3 lin.
223
Affınis P. aestuanti et Sabaeo. Antennae fuscae, articulis 4
primis testaceis. Palpi testacei, apice fusci. Caput orbicula-
tum, nigrum, mandibulis testaceis. Thorax oblongus, rufus.
Seutellum nigrum. Elytra coerulea, crebre fortiterque pun-
ctata, albido-puberula. Abdomen. segmentis 4 primis rufis,
nigro - pilosellum. Pectus nigrum, mesosterno rufo. Pedes rufi,
femoribus 4 posterioribus apice nigris, tibiis tarsisque _poste-
rioribus saepius fuseis. — Distinetus a P. Sabaeo antennis,
a P. aestuante pedibus intermediis bicoloribus.
33. Oedichirus terminatus: Alatus, nitidus, rufus, ca-
pite, ano elytrisque nigris, his testaceo - terminatis. —
Long. 3 lin. i
Oe. paederino aequalis, alatus, parce pilosus. Antennae fu-
scae, basi apiceque testaceae. Palpi fusci. Caput nigrum,
nitidum, parce punctatum, mandibulis rufis., Thorax basin
versus angustatus, punctis sat magnis profundisque, dorso bi-
seriatis passim impressus, rufus, nitidus. Scutellum nigrum,
Coleoptera abdomine latiora, basi truncata, humeris fere rect-
angulis, lateribus leviter rotundata, dorso depressiuscula, for-
titer profundeque subseriatim parcius punctata, nigra, ni-
tida, apice testacea. Abdomen erebrius punetatum, eylindri-
cum, refum, segmentis ultimis duobus nigris, ultimo: bicorni.
Peetus rufum. Pedes testacei, postiei femoribus apiee, tibiis
basi nigris. — Mas abdominis segmento inferiore sexto apice
profunde triangulariter exeiso, quinto apice spinula triangulari
armato.
34. Sternocera lanifica: Nigro-subeyanea, thorace levi-
ter punctato, macula magnalaterali albo-villosa, ely-
tris punetatis, maculis 2 basalibus et plagis 3 latera-
libus albo-villosis,. — Long. 17 lin.
St. Orissae Bugq. simillima, at distineta thoracis punctis rario-
ribus, minus fortibus, nonnisi antice confertis et: in rugas
longitudinales confluentes. Maculae thoraeis laterales per-
magnae, basin prope attingentes. Elytrorum maculae.et pla-
gae ut in St. Orissa ommnino, licet plagae posteriores multo
latiores. Corpus infra pareius obsoletiusque punetatum, Reli-
qua ut specie citata,
224
35. Anthaxia facialis: Elongata, subtiliter punctata, ob-
secure aenea, facie purpurea. — Long. 3 lin.
A. umbellatarum paulo magis elongata, obscure aenea, sub-
nitida. Facies pulchre purpureo-subaurea. Thorax coleopteris
paulo latior, Jatitudine paulo brevior, lateribus leviter rotun-
datis, levissime convexus, subtiliter reticulato-rugulosus, basi
utrinque leviter impressus. Elytra apicem versus attenuata, apice
rotundata, margine integra, subtiliter imbricato-punctata. Cor-
pus infra cum pedibus nitidulum.
36. Monoerepidius plancus: Elongatus, depressus, te-
staceus, griseo - pubescens, fronte porrecta, acute
marginata, thorace dense subtilitergue punctato. —
Long. 4 lin.
Elongatus, depressus, rufescenti-testaceus, dense subtiliterque
griseo-pubescens. Antennae capitis thoracisque longitudine, va-
lidiusculae, subserratae, art. primo crassiusculo, 2. obconico,
3. tereti, secundo sesqui longiore, sequentibus erassioribus,
extra carinatis. Frons porrecta, margine fortiter prominulo,
dense subtilius punctata. Thorax oblongus, antrorsum vix an-
gustatus, lateribus parum rotundatus, depressiusceulus, dense
subtiliterque punctatus, angulis posterioribus fortiter productis,
acutis. Seutellum oblongum, apice obtuse rotundatum. Elytra
thorace duplo prope longiora, punctato-striata, apice mutica.
Pedes pallidiores, tarsi articulo quarto brevissimo, fortiter
lobato. z
37. Atractodes cavifrons: Badius, griseo-pubescens,
fronte impressa,° antice fortiter marginata, thorace
punctatissimo, elytris punctato-substriatis, interstitiis
subtiliter punctatis, — Long. 7 lin.
Badius, pube grisea tenuiter vestitus. Antennae capitis thora-
eisque longitudine, articulo primo crasso, 2. et 3. perbrevibus,
aequalibus, reliquis leviter serratis. Caput confertim puncta-
tum, fronte late impressa, margine anteriore lato, prominente,
Thorax hatitudine baseos paulo longior, antrorsum leviter an-
gustatus, lateribus subrectis, leviter convexus, sat fortiter
confertim punctatus. Elytra thorace paulo plus duplo longiora
225
a. medio inde apicem versus sensim angustata, substriata, striis
regulariter profunde punctatis. Pedes rufo-badii.
38. deolus inseriptus: Rufo-testaceus, capite, thoraecis li-
neola elytrorumque basi liturisque ante apicem nigris;
pedibus flavis. — Long. 2; lin.
Statura et sunıma affınitas Ae. eruciferi. Oblongus, subde-
pressus, rufo-testaceus, griseo-pubescens. Antennae basi flavae,
medio fuscae. Caput nigrum, subtiliter punctatum, palpis fla-
vis. Thorax subtiliter punctatus, linea tenui longitudinali ni-
gra. Elytra punctato-striata, macula irregulari baseos litura-
que ante apicem angulata medio adscendente, utrinque de-
scendente nigris. Pedes pallide flavi.
39. Drasterius umbrosus: Pubescens , niger , elytris
fusco-testaceis, dorso infuscatis, pedibus flavis. —
Long. 31 Jin.
Statura Agriotis sputatoris, niger, pube flavo-grisea dense
vestitus. Antennae testaceae. Palpi flavi, articulo ultimo acu-
minato. Frons convexa, dense punctata. Thorax Jatitudine
paululum brevior, basin versus angustatus, lateribus rotundatus,
convexus, dense profundeque punetatus, angulis posterioribus
fuseis. Elytra fortiter punctato -striata, interstitiis subtiliter
punctulatis, lateribus -obseure fusco -testacea, dorso fusca.
Pedes flavi:
40. Cardiophorus fulvicornis: Subtiliter grisco - pu-
bescens, nigro-fuscus, thorace subtiliter punctato,
elytris punetato-striatis, testaceis, dorso infuscatis, an-
tennis. pedibusque fulvis. — Long. 44 lin.
©. fuscato proximus, pube depressa grisea vestitus, piceus,
capite thoraceque fusco-nigris. Antennae fulvae. Caput pun-
etatum, fronte leviter convexa, acute marginata. Thorax lati-
tudine vix longior, lateribus leviter rotundatis, antrorsum sub-
angustatus, convexus, parce subtiliterque punctatus, interstitiis
omnium confertissime subtilissimeque punctatis., Elytra thorace
duplo prope longiora, punctato-striata, interstitiis leviter con-
vexis, substilissime punctulatis, saturate testacea, dorso magis
ininusve fusco-nigricantia. Pedes rufo-testacei, femoribus non-
Archiv [. Naturgeschichte. IX, Jahrg. 1. Bd, 15
226
nunquam medio fuseis. Tarsi artieulo quarto simpliei. Un-
guiculi simplices.
41. Apalochrus nobilis: Viridis, nitidulus, ore, antennis, '
pedibus, abdomine, elytrorum macula marginali apice-
que flavi. — Long. 33 lin.
Oblongus, einereo-pubescens, eyanescenti-viridis, nitidulus.
Antennae et os flava. Frons impressiuscula, Jaeviuscula. Tho-
rax dorso laeviusculus, lateribus rugulosus. Elytra confertis-
sime punctata, macula marginali triangulari infra medium, fascia-
que Junata apicali flavis. Abdomen et pedes flava.
42. Hister heros (Fam, II. 1.)*): Ater, nitidus, subor-
bicularis, mandibulis dentatis, thorace utrinque bistriato,
stria exteriore abbreviata, dense punctulato, elytra
stria dorsali prima obsolescente, seeunda abbreviata;
tibiis antieis tridentatis. — Long. excl. mandib. 6 lin.
H. nigritae proximus, 'thorace punctulato ete. distinctus.
Mandibulae magnae, prominentes, inaequales, medio dentatae.
Labrum porrectum, apice rotundatum, leviter concavum. Frons
subtiliter obsoleteque punctulata, stria frontali integra, intra
striam utringue lineola transversa impressa notata. Thorax
magnus, subtiliter obsoleteque punctulatus, stria laterali in-
teriore integra, exteriore subtiliore postice abbreviata, stria
submarginali antica subtili, medio obsoleta; antice utrinque
foveola lata, minus profunda, distinetius erebiusque punctulata.
Elytra stria dorsali prima subobsoleta et nonnisi vestigio versus
apicem brevi indicata, secunda- subtiliore, antice abbreviata,
reliquis integris, parum profundis, passim cerenulatis; fossula
laterali subtiliter obsoleteque punetulata. Abdominis segmenta
dorsalia 2 ultima sat erebre subtiliter punctata. Tibiae anticae
latae, 3-dentatae.
43. Saprinus equestris (ll. 1.)**): Niger, nitidus, tho-
race disco parce, lateribus erebre_punctato, elytris
postice parce subtiliterque punctatis, stria suturali an-
*) Vergl. Klug’s Jahrb. S. 131.
**) Vergl. Klug’s Jahrb. d. Ins. S. 175.
227
tice abbreviata, fascia intus abbreviata, undulata testa-
cea. — Long. 3 lin.
S. ornato (Hist. interrupt. Fisch.) proximus, punctura sub-
tiliore praeeipue distinetus, aterrimus, Jueidus. Antennae clava
ferruginea. Frons dense punctata. Thorax punctatus, punetis
disei rarioribus et subtilioribus, Jaterum sat crebris, intra mar-
ginem longitudinaliter subrugosus, antice utrinque leviter im-
pressus. Elytra postice parce subtiliterque punctata, stria su-
turali antice, striis obliquis iam ante medium abbreviatis: fascia
submedia, intus abbreviata, undulata, testacea. Pygidium
dense punctatum. Tibiae anticae extus spinoso - denticulatae.
Tarsi picei.
44. Saprinus intricatus (ll. 1.); Obseure aeneus, tlıo-
race disco parce, lateribus crebre punctato, nitido,
elytris opaeis, confertissime punectato-rugulosis, spatio
eirca scutellum laevissimo. — Long. 12 In.
Statura S. aenei. Anterinae capitulo fulvo. Obscure aeneus.
Frons crebre punctata. Thorax nitidus, disco parce subtilius,
latera versus crebrius punctatus, antice utrinque foveola im-
pressus. Elytra opaca, confertissime punctata, longitudinaliter
rugulosa, spatio parvo circa scutellum laevigato, polito, stria
suturali integra, 'striis obliquis dorsalibus versus elytrorum
medium abbreviatis. Pygidium dense punctatum. Pedes tibiis
tarsisque rufo-piceis, tibiis antieis integris, extus spinulosis.
45. Hydrophilus Angolensis: Obovatus, leviter con-
vexus, niger, nitidus, palpis tarsisque piceis, elytris
subtilissime triseriatim punctatis. — Long. 5 lin.
Prosterni carina simplici, metasterni muerone brevissimo,
haud ultra coxas posticas prominulo H. caraboidi affınis, reli-
quis huius seetionis speciebus multo minor. H. rufipedi aequa-
lis, niger, nitidus, obovatus, leviter convexus. Antennae
testaceae, clava fusca, Palpi rufescenti-picei. Labrum apice
piceo-marginatum. Caput et thorax omnium subtilissime pun-
etulata. Elytra subtilissime obsoleteque punctata, seriebus
tribus punctorum subtilium notata, exteriore irregulari. Ab-
domen higrum, immaculatum. Pedes concolores, tarsis piceis,
15*
228
46. Hydrobius dilutus: Oblongo-ovatus, leviter con-
vexus, infra niger, supra fusco-testaceus, nitidus, sub-
tiliter punetatus. — "Long. 3— 3% lin,
H. griseo proximus licet paulo maior et punetura multo
subtiliore distinetus. Corpus obovatum, leviter convexum, su-
pra fuseo-testaceum, nitidum, confertim subtiliter punctatum.
Elytra stria suturali impressa nulla, apice obsolete seriatim
fusco-punctata. Corpus infra nigrum,, griseo-pubescens, anten-
nis, palpis, tibiis tarsisque testaceis. Mesosternum simplex.
Auch von Madagascar, Isle de France, Aegypten und ver-
schiedenen Punkten von Südeuropa. Die Exemplare von Ma-
dagascar und Angola sind etwas grösser und dunkler gefärbt,
zeigen aber sonst keinen Unterschied.
47. Berosus cuspidatus: Oblongus, convexus, supra gri-
seus, elytris ante apicem spinosis, punctato -striatis,
interstitiis punctatis pubescentibusque.. — Long.
24 lin.
B. spinoso aequalis, licet paulo magis oblongus, supra griseo-
testaceus, parum nitidus. Antennae et palpi concolores. Caput
et thorax crebre profundeque punctata; elytra obsolete fusco-
maculata, fortiter punctato-striata, interstitiis sat erebre pun-
ctatis, pubescentibus (punetis omnibus piliferis), apice in den-
tem producto, prope apicem spina longiore .acuta armata.
Corpus infra nigrum, pedibus testaceis, femoribus posterioribus
ultra medium nigris.
Vom B. spinosus durch längere Dornen he der Flügel-
deckenspitze, und die Punctirung und Behaarung der Inter-
stitien unterschieden.
48. Globaria. subaenea: Üompressa, nigro-aeneä, niti-
dula, confertissime punctata, elytrorum angulo hu-
merali rotundato. — Long, 2 lin.
Nigro-aenea, nitidula. Antennae et palpi testacei. Caput
creberrime punctatum, fronte subimpressa, postice leviter cari-
nata. Thorax subtiliter punctatus. Elytra confertin punctata,
dorso punctorum maiorum fortiter distantium seriebus 2, late-
ribus punctorum seriebus obliquis, utringue abbreviatis 4 no-
229
tata, stria suturali 'subtili, nonnisi versus apicem distincta.
Pedes antiei testacei.
Globaria Leachii Latr., welche nicht in Südamerika, son-
dern in Ostindien einheimisch ist, unterscheidet sich von die-
ser Art durch etwas grösseren, noch stärker zusammenge-
drückten Körper, tiefer schwarze Farbe, stärkeren Glanz,
weniger dichte und etwas stärkere Punktirung und durch
schräg abgestutzte Schulterecken der Flügeldecken. Die Gat-
tungscharaktere sind von Latreille sehr gut geschildert, und
ich habe nur hinzuzusetzen, dass das Halsschild so klein ist,
dass es ganz von der Ausrandung der Flügeldeckenbasis auf-
genommen und von den Schulterecken noch überragt wird,
so dass, wenn das Thier sich kugelt, (was nur unvollkommen
geschehen kann) die Seiten des Kopfes von den Schultern der
Flügeldecken aufgenommen werden. Dies ist auch der haupt-
sächlichste Unterschied von Volvulus Brull., womit Globaria
in der nächsten Verwandtschaft steht, und diese beiden Gat-
tungen schliessen sich unmittelbar an Berosus und Laccobius,
mit denen sie auch in der Zahl der Fühlerglieder überein-
stimmen *). Grosse Analogie hat Globaria auch mit der fol-
genden neu aufzustellenden Gattung.
Amphiops.
Nov. gen. Fam. Aydrophilii.
Maxillae malis coriaceis.
Antennae 8-articulatae.
Oculi quatuor.
Eine eigenthümliche Gattung, welche sich in vielen Puneten
an Spercheus annähert, aber nach der Bildung der Fühler und
*) Brulle (Hist. nat. d. Ins. V. p.282.) sagt: „le nombre des ar-
ticles des antennes est aussi tres diffieile a compter et m&me, suivant
M. Solier, les Beroses et les Limnebies, n’en auraient que sept.
Nous avons &prouve tant de difficult@ A constater ce caractere, que
nous n’en ferons point usage.” Auch im Uebrigen bedürfen die An-
gaben Brulle's über seine Gatt. Volvulus mehrerer Berichtigungen.
Die Unterschiede von Berosus beruhen hauptsächlich in den kürzeren
kräftigeren Schwimmbeinen, dem weit vorspringenden Kiel des Me-
sosternum und den rechtwinkligen Schulterecken der Flügeldecken.
230
der Maxillen den eigentl. Hydrophilinen angehört und zwar
durch letzte sich an Cyclonotum schliesst. Die hochgewölbte
Körperform von Spercheus. Die Augen wie bei den Gyrinen
in ein oberes und ein unteres durch den durchgesetzten Kopf-
rand getrennt, beide rund und ziemlich von gleicher Grösse,
das eine nach oben sehend, das andere nach unten. Die Füh-
ler Sgliedrig, die beiden ersten Glieder eylindrisch, das 4.
etwas länger als das zweite, das 3. u. 4. klein und dünn, das
5. breiter, aber kurz, napflörmig, die drei letzten mit feinem
Haarüberzuge, eine längliche, lose gegliederte Keule bildend.
Die Lefze vom breiten Vorderrande der Stirn bedeckt. Die
Mandibeln sind kurz, etwas breit gedrückt, an der Spitze nach
aussen in eine stumpfe Ecke vortretend, nach innen einen
scharfen, hakenförmigen, an der Spitze gespaltenen Zahn aus-
sendend, darunter mit einer häutigen Einfassung, am Grunde
mit einer Mahlfläche. Die Maxillarladen sind von lederartiger
Consistenz. Die Maxillartaster sind nicht ganz von der Länge
der Fübler, das 4. Glied sehr klein, das 2. lang, das 3. um
die Hälfte kürzer, das 4. fast von der Länge des zweiten.
An der Unterlippe ist das Kinn gross, viereckig, mit abgerun-
deten Vorderecken, die Zunge tritt nur als ein schmaler ge-
wimperter lederartiger Saum vor, die Taster siud klein, das
1. Gl. sehr kurz, das 2. u. 3. von gleicher Länge. Das Hals-
schild ist an den Seiten und hinten in einem Bogen gerun-
det, vorn zweibuchtig, die Vorderecken abgerundet. Das
Schildchen lang und schmal, dreieckig, Die Flügeldecken
gross, an den Seiten fein gerandet. Die Brust einfach. Die
Beine kurz, die Schienen mit mehreren Reihen sehr kurzer
Wimpern, die Füsse kurz und ziemlich fein, nicht zusam-
mengedrückt, das erste Glied kurz und mit dem zweiten fest
verbunden. Nur die Mittelschienen haben Schwinmmhaare, die
übrigen und sämmtliche Füsse nicht,
Eine bereits beschriebene Art dieser Gattung ist F/ydro-
philus gibbus Slig. Mag. I. 168. 4. aus Ostindien.
49. Amphiops globus: Nigro-aeneus, nitidus, subtililis-
sime punetatus, elytris lateribus distinete triseriatim
punctatis. — Long. 24 lin.
Globosus, nigro-aeneus, nitidus. Antennae testaceae, clava
231
fusca. Palpi testacei. Caput dense subtilissime punctatum,
antice subrogulosum,. Tlıorax et elytra subtilissime punctata,
punetis maioribus, licet sat subtilibus, vagis interspersis, elytra
latera versus punetorum sat distinetorum seriebus tribus no-
tata, exteriore flexuosa. Tarsi ferruginei.
Eine höchst nah verwandte Art kommt auf Madagascar
vor, sie ist kleiner, etwas mehr zusammengedrückt, die Punct-
reihen an den Seiten der Flügeldecken sind undeutlich.
50. Amphiops lweidus: Fusco -testaceus, nitidus, pun-
etatus. — Long. 2 lin.
Compresso-globosus, fusco-testaceus. Caput antice crebre,
postice obsolete punctatum. Thorax subtiliter obsoleteque
punectatum. Elytra confertim punctata, seriebus 4 punctorum
paulo maiorum, sat distantium, aegre observandis notata.
Dieselbe Art ist von Hrn. Goudot auf Madagascar ge-
sammelt.
51. dteuchus prodigiosus: Ater, capite punctato-rugoso,
obsolete tritubereulato, thorace punctato-scabro, ely-
tris subtiliter striatis, interstitiis parce punctatis, tibiis
postieis dense fulvo-eiliatis. — Long. 15 lin.
Statura A. Cuvieri M. L., aeque depressus, ater, subni-
tfidus. Caput dense punctato-rugosum, fronte obsolete 3-
tubereulata, tubereulorum vestigiis triangulariter dispositis.
Thorax lateribus rotundato - dilatatis, margine laterali dense
erenato, antice denticulo paululum magis prominulo terminato,
lateribus parce fusco-ciliatis, angulis anterioribus truncatis,
punetis prominulis densis scabratus, plaga postica transversa
lineaque media longitudinali laevibus. Elytra leviter striata,
striis sex, subtiliter punctulatis; interstitiis parce punctatis.
Pectus fusco -villosulum, Tibiae postici dense fulvo-ciliati.
52. Gymnopleurus virens: Coerulescenti-viridis, niti-
dus, clypeo sinnato, bidentato, thorace inaeqnaliter
punctato, elytris subtilissime rugulosis, substriatis, in-
terstitio 2. quadri-impresso. — Long. 4-4} lin.
Alfınis &. coerulescenti. Viridi-subeyaneus, nitidus. Caput
232
punctato-scabriculum, linea longitudinali media laevi, utrinque
bisinuatum, antice obtuse bidentatum. Thorax lateribus cre-
bre, disco parcius punctato, maculis laevibus interiectis. Ely-
tra substriata, interstitio secundo 4-impresso, sequentibus con-
fertissime subtiliter rugulosis, apice laeviusculis.
53. G@ymnopleurus sericatus: Rubro-cupreus, sericeus,
subtilissime rugulosus, clypeo apice emarginato, tho-
race angulis posterioribus acuminatis. — Long. 5 lin.
Totus rubro.-cupreus, sericeo -micans, confertissime subti-
liter rugulosus. Caput lateribus vix sinuatum, apice emargi-
natum, supra lineis duabus elevatis distantibus divergentibus-
que sculptum. Thorax aequalis, angulis posterioribus acumi-
natis, prominulis. Elytra subtilissime striata. -Pedes nitiduli.
94. Onthophagus prasinus: Viridis, thorace confertim
ruguloso, elytris substriatis, parce punctatis, tarsis
posticis fortiter compressis. — Long. 5 lin.
Mas. Thorace subretuso, capitis cornu elongato, re-
cumbente, fisso.
Fem. Thorace integro, fronte transversim carinata, ver-
tice bituberculato,
Affinis O. ciconiae F. (corrusca Dej.), oblongus, depres-
siusculus, viridis, gitidulus. Antennae rufae clava einerea. Caput
punctato-asperum. Thorax dense subtilius aequaliterque ru-
gosulo-punctatus. Elytra apicem versus sensim angustata,
punctato-substriata, interstitiis parce punctatis, magis minusve
flavo-conspersa, praecipue secundum marginem exteriorem.
Tarsi postici fortiter compressi, nigro-ciliati.
55. Onthophagus plancws: Obscure cupreus, parum ni
tidus, confertim granulatus, elytris leviter striatis apice
pygidioque griseo-hirtis; tarsis posticis fortiter- com-
pressis. — Long. 4% lin.
Fem. Thorace integro, fronte. verticeque transversim ca-
rinatis, carina verticis sinuata.
Statura oblonga subdepressa pracedentis, supra obscure
cupreo-purpureus, parum nitidus. Antennae piceae, clava
cinerea, Caput subtiliter granulato-subrugosum. Thorax dense
ee Zee
>
233
granulatus, lateribus griseo-pubescens. Elytra leviter striata,
interstitiis erebre aequaliterque granulatis, apice griseo -hirto.
Pygidium griseo-hirtum. Corpus infra nigro-aeneum, niti-
dum. Tarsi postici fortiter compressi.
56. Onthophagus venustulus: Niger, thorace elytris
que testaceis, nigro-variis, femoribus luteis. — Long.
2 lin. &
Mas. Vertice Jaminato, bicorni, cornibus erectis; tho-
race antice subretuso.
Fem. Fronte bicarinata, thorace antice obsolete tuber-
eulato.
Parvus. Antennae testaceae. Caput nigro-subaeneum, celypeo
apice emarginato. Thorax punctatus, punctis piliferis pube-
scens, testaceus, maculis nigro -subaeneis confluentibus: varie-
gatus. Elytra leviter punctato-striata, interstitiis biseriatim
punctatis, punetis piliferis biseriatim albido-pilosis, lutea, ma-
eulis nigro-aeneis, in fascias 2 transversales undatas dispositis
variegata. Corpus infra nigro-subaeneum, abdomine testaoeo-
subvariegato, pygidio plerumque testaceo. Pedes femoribus
luteis, tibiis fuseis, tarsis piceis.
“ Mas. Fronte obsolete punctata, plana, vertice cornibus
2 erectis, basi lamina elevata coniunetis armata; thorace an-
tice retusiuseulo. Fem. Fronte fortius punctata, carina an-
teriore areuata, posteriore fortius elevata, recta,
Auch vom Senegal und aus Ägypten.
57. Onthophagus stellio: Nigro-subaeneus, nitidus, tho-
race punctato, griseo-hirtulo, "elytris testaceis, bifa-
sciatim nigro- maculatis. — Long. 2 lin.
Mas. Vertice tricorni, cornu intermedio abbreviato.
Parvus, nigro-aeneus, nitidulus. Antennae obscure testa-
eeae, Caput clypeo apice emarginato. "Thorax sat crebre
punctatus, basi obsolete canaliculatus, punetis piliferis griseo-
hirtulus. Elytra leviter punetato-striata, interstitiis subbise-
riatim punctatis, subseriatim albido -pilosella, testacea, maculis
nigris variegata, maculis 3 basalibus, exteriore humerali, ma-
eulis 3 medio in fasciam subarcuatam dispositis, maculaque
singula prope apicem. Pygidium obscure testaceum. Pedes picei.
234
Mas. Fronte plana, parce punctata, vertice tricorni, cor-
nibus lateralibus erectis, intermedio brevi, truncato; thorace
antice subretuso.
58. Onthophagusvinctws: Subdepressus, obscure aeneus,
nitidulus, elytris nigris, puncto humerali vittaque
submarginali et femoribus luteis. — Long. 24 lin.
_ Statura O: hinnuli Kl. Nigro -subaeneus. Antennae testa-»
ceae. Caput antice emarginatum. Thorax subdepressus, cre-
bre punctatus, glaber, margine laterali bifariam ciliato, Elytra
leviter punctato-striata, interstitiis omnium subtilissime aluta-
ceis, subseriatim punetatis, puncto quoque pilo minuto recli-
nato albido instructo; nigra, minus nitida, puncto prope
humerum vittaque submarginali, apicem ambiente luteis. Py-
gidium testaceum. Femora lutea.
Mas late. Fem. fronte antice obsolete transversim ca-
rinata, postice obsolete bitubereulata, vertice impressiusculo.
59. Aphodius flagrans: Oblongus, convexus, nitidus,
rufo-piceus, capite trituberculato, thorace sparsim
punctato, subtiliter interpunctato, elytris Juteis, for-
titer punctato-striatis, interstitiis parce subtiliterque
punctatis. — Long. 2 lin.
Affinis A. rufescenti, licet duplo minor. Antennae ferrugi-
neae. Caput piceum, nitidum, antice late leviter emargina-
tum, fronte tuberculis tribus minutis, transversim positis, Jinea
subtilissime elevata eoniunctis munita, dense subtiliterque pun-
ctata, posterius transversim laevi. Thorax coleopterorum latitu-
dine, antrorsum haud angustatus, lateribus parum rotundatis,
transversim convexus, disperse punctatus, interstitiis subtiliter
punctulatis, basi tenuiter marginatus, piceus, lateribus rufe-
soentibus. Scutellum basi punctatum, apice laeve, piceum.
Elytra Juteo-testacea, nitida, sat fortiter punctato-striata, in-
terstitiis Jeviter convexis, paroius subtiliter punctatis. Peetus
rufo-piceum. Abdomen testaceum. Pedes testacei.
60. Aphodius turbidus: Oblongus, leviter convexus, ni-
tidus, luteus, capite mutico, parce punctato, postice
nigricante, thorace parce punctato, disco fusco, ely-
5 235
tris striatis, interstitiis leviter convexis, laevibus, mar-
ginalibus parce pubescentibus, disco fusco. — Long.
vix 2 lin.
A. consputo paulo minor, praecipue angustior, parum con-
vexus, nitidus. Caput antice vix emarginatum, fronte parum
convexa, mutica, parce subtilitergque punctata, margine reflexo,
luteum, postice nigricans. Thorax coleopteris paululum an-
gustior, Jateribus cum angulis posterioribus rotundatis, leviter
{ransversim conyexus, parce punctatus, interstitüs laevissimis,
basi tenuiter marginatus, luteus, disco nigro-piceo. Scutellum
laeve, piceum. Coleoptera apicem versus sensim subdilatata,
apice rotundata, sat fortiter striata, striis simplieibus, inter-
stitiis leviter convexis, laevibus, lutea, disco fusco, lateribus
et apice parce pubescentia. Corpus infra cum pedibus lJuteum,
61. Trox varicosus: Scutello parvo, rhombeo, thorace
inaequali, elytris grosse tuberculatis, margine subdi-
latato. — Long. 7 lin.
Grossus, Tr. squalido maior, coleopteris magis rotundatis
convexisque. Niger, indumento cinereo squalens. Antennae
nigrae clava ferruginea. Frons medio tuberculo transverso
munita, margine elevato. Thorax lateribus dilatatis, rotunda-
tis, antrorsum angustatus, basi coleopterorum basi latior, utrin-
que subsinuatus, supra inaequalis, plieis 2 mediis approxi-
matis rectis, Jongitudinalibus, postice abbreviatis, et utrinque
plica a medio margine laterali ad basin, fortiter biflexuosa
elevatis. Coleoptera convexa, antice emarginata, angulo hu-
merali acuto, antrorsum prominulo, disco sat dense grosse
tuberoulato, miargine leviter dilatato, obtuse crenulato sutura-
que tuberculorum minutorum serie densa obsitis. Tibiae antice
apice dente validiusculo integro, infra medium denticulo sin-
gulo armatae.
62. Trox radula: Scutello hastato, thorace inaequali,
lateribus dilatato, erenato, coleopteris subaequaliter
dense tubereulatis, interstitiis seriatim obsolete pun-
ctatis. — Long. 54 lin.
Statura Tr. gemmati, uiger, opacus. Frons bituberculata,
wargine anteriore elevato. Thorax inaequalis, lateribus dila-
236
tatis, antrorsum fortiter angustatis, margine pluries crenato,
basi utrinque bisinnatus. Coleoptera convexa, dense seriatim
tubereulata, tubereulis laevibus, sat prominulis, interstitiis
laxe-seriatim pumnctatis, margine laterali obtuse erenato. Ti-
biae anticae medio denticulo arımatae, apice productae, processu
lato, leviter emarginato.
“63. Zophosis Angolensis: Oblongo-ovalis, virescenti - ni-
gra, nitidula, punctata, longitudinaliter rugulosa, coxis
anticis rufescentibus. — Long. 2# lin,
Z. punctatae Br. et pygmaea Sol. aequalis, licet magis ob-
longa, neque ovata sed oblongo-ovalis, satis convexa, vire-
seenti-nigra, nitidula. Antennae nigrae. Caput maiusculum,
dense subtiliterque punctatum. Thorax minus brevis, antror-
sum angustatus, lateribus subrectis, basi bisinuatus, angulis
postieis acutis, dorso subtilius, lateribus' distinetius puneta-
tus et longitudinaliter rugulosus. Elytra punetata, longitu-
dinaliter rugulosa, praecipue latera versus. Corpus infra ob-
solete punctulatum, Prosternum. antice canaliculatum, postice
foveolatum; mesosternum fortiter canaliculatum. Pedes nigri,
coxis antieis tibiarumque spinis apicalibus rufis.
64. Oxycara hegeteroides: Obovata, nigra, nitida, tho-
race coleopteris anzustiore, subtiliter punctato, ely-
tris Jaevibus. — Long. 4-44 lin.
Obovata, supra minus convexa, nigra, Antennae
apicem versus piceae. Caput dense punctatum, Thorax co-
leopteris angustior, latitudine dimidio brevior, lateribus rectis,
parallelis, angulos anteriores versus rotundatis, basi, subbisi-
nuatus, angulis posterioribus acutis, subtiliter punctatus, basi
striga transversa impressus. Coleoptera lateribus maris leniter
feminae fortius rotundatis, apice acuminatis, laevia. Thorax
infva Jateribus fortiter longitudinaliter rugosus. Pectus et ab-
domen subtiliter punctata.
65. Oxycara pedinoides: Ovalis, convexa, nigra, ca-
pite thoraceque nitidis, thorace coleopterorum latitu-
. dine elytrisque subtiliter punctatis. — Long. 33 lin.
Ovalis, sat convexa, nigra, eapite thoraceque nitidulis, ely-
237
tris opacis. Antennae apicem versus picescunt. Caput dense
punetatum. Thorax coleopterorum Jatitudine, latitudine di-
midio brevior, antrorsum subangustatus, lateribus levissime
rotundatis, basi truncatus, angulis posterioribus rectis, leviter
convexus, subtiliter disco parcius latera versus erebrius pun-
etatus. Coleoptera lateribus postice rotundata, apice subacu-
minata, parce subtilissime punetata. Thorax infra Jateribus
fortiter longitudinaliter rugosus. Pectus -et abdomen subti-
liter punctata,
Gnophota.
Noy. gen. Trib. Tentyrites.
Oeuli laterales, suborbiculares.
Thorax basi elytris applicatus.
Seutellum distinetum,
Der Habitus erinnert bei dieser Gattung zwar sehr an die
Pedinen, doch gehört sie in die Familie der Tentyriten, und
steht in sehr naher Verwandtschaft mit Hegeter, namentlich
durch den Anschluss des Hinterrandes des Halsschilds an die
Basis der Flügeldecken. Die Forin der Augen entfernt sie
von allen Tentyriten-Gattungen der alten Welt. Sie sind
klein, ziemlich rund, etwas gewölbt, und liegen an den Sei-
ten des Kopfes. Das Kopfschild tritt nach vorn in "eine ab-
gerundete Spitze vor. Die Fühler sind ziemlich stark, das
dritte Glied ist etwas länger, das letzte kleiner als die übri-
gen. Die Mundtheile stimmen im Wesentlichen mit denen von
Hegeter überein. Das Halsschild ist breit, viereckig, das
Schildchen klein, quer gezogen, die Flügeldeckenbasis ist ge-
raudet, weit ausgerandet, die Schulterecken etwas vorsprin-
gend. So schliesst der Hinterrand des Halsschildes zwar ge-
nau an die Basis der Flügeldecken an, greift aber nicht über
dieselbe weg. Das Prosternum bildet nach hinten keinen Vor-
sprung, das Mesosternum ist einfach. Die Beine sind im Ver-
hältniss kurz, die Vorderschienen nicht erweitert.
Kopf und Halsschild sind der Länge nach dicht gerunzelt.
66. Gnophota anthracina: Oblonga, subdepressa, ni-
gerrima, capite thoraceque subquadrato dense ru-
238
gosis, elytris subsulcatis, subtiliter punetatis. —
Long. 5 lin.
Capıut profunde punctatum, fronte fortiter longitudinaliter
rugosa. Thorax coleopteris parıım angustior, longitudine vix
brevior, lateribus postice reetis, ante medium leviter rotunda-
tus et antrorsum angustatus, apice emarginatus, basi truncatus,
angulis posterioribus rectis, subdepressus, rugis confertissimis
longitudinalibus sculptus. Coleoptera basi late emarginata,
posterius ovato-acuminata, leviter convexa, subtiliter punctata,
posterius subsulcata, nitida. Thorax infra Jateribus granulatus.
Pectus et abdomen dense fortiterqgue punctata.
67. Gnophota curta: Breviter ovata, leviter convexa,
nigerrima, capite thoraceque transverso dense rugosis,
elytris subsulcatis subtiliter punetatis. — Long. 4 lin.
Praecedente paulo latior et multo brevior. Frons fortiter
longitudinaliter rugos.. Thorax latitudine dimidio brevior,
basi coleopteris vix angustior, antrorsum angustatus, lateribus
rotundatus, apice emarginatus, basi subrotundatus, angulis po-
sterioribus obtusis, leniter convexus, rugis longitudinalibus
confertissimis, sat fortibus, fundo erenatis sculptus. Coleoptera
brevia, basi Jate emarginata, apice acunıinata, leviter convexa,
subsuleata. Thorax infra rude punctato-rugosus. Pectus et
abdomen crebre profundeque punctata,
68. Gnophota nana: Oblonga, leviter convexa, nigerrima,
thorace subcordato, dense rugoso, elytris subsulcatis,
dense punctatis, — Long. 24 lin,
Frons rude rugoso -punctata. Thorax coleopteris vix an-
gustior, latitudine paulo brevior, lateribus rotundatis, basin
versus angustatus, apice emarginatus, basi truncatus, angulis
posterioribus subrectis, depressus, dense longitudinaliter ru-
gosus. Elytra basi late emarginata, apice sensim attenuata,
acuminata, leviter convexa, dense punctata, apice subsulcata.
Corpus infra dense profundeque punctatum. Antennae, palpi,
pedes picei.
69. Mesostena costata: Nigra, opaca, capite thoraceque
punctato-rugosis, elytris bieostatis. — Long. 3% lin.
Nigra, opaca. Caput ptunetatum, fronte fortiter longitudi-
239
naliter rugosa, antice utringue impressa, clypeo apice in lobum
tridentatum producto, dente intermedio prominulo. Thorax
apice truncatus, leviter convexus, basi transversim depressus,
dense punctato-rugulosus, lateribus acute marginatus, margine
elevato. Elytra dorso acute bicostata, sutura margineque ele-
vatis, interstitiis aspere punctatis, margine baseos reflexo.
Auf den ersten Anblick &leicht dieser Käfer eher einem
Adelostoma, einer Tagenia, oder, da er verhältnissmässig län-
gere Beine hat, einem Leptodes; er hat aber alle systema-
tischen Charaktere der Tentyriten, und stimmt hier- im We-
sentlichen mit der Gatt. Mesostena überein, namentlich ist die
eigenthümliche Gestalt der Augen, welche von einer dreiecki-
gen Falte halb bedeckt werden, dieselbe. Abweichend ist nur
die Form des Kopfschildes, welches bei Mesostena einfach
abgerundet ist; doch möchte dieser Unterschied zur Aufstel-
lung einer eigenen Gattung nicht hinreichen.
%
70. Stenocara miliaris: Nigra, thorace punctulato, ob-
solete canaliculato, elytris tubereulatis, seriebus dua-
bus subcaricatis, interstitiis granulatis, — Long. 5-6 lin.
Nigra, nitida. Caput subtiliter punctato-subrugosum. Tho-
rax obsoletius punctatus, medio obsolete canaliculatus. Elytra
convexa, maris paralella, subeompressa, feminae ventricosa,
dorso seriebus duabus subelevatis e tubereulis confertis, al-
tera dorsali, pone medium evanescente, altera laterali subinte-
gra, interstitiis subtiliter granulatis, interiore tuberculis seria-
fis, exteriore tuberculis vagis obsitis; margine deflexo punctato,
parce subtiliterque tuberculato, densius‘granulato. Pedes elon-
gati, graciles. Antennae et pedes nonnunguam picei.
71. Metriopus favosus: Niger, capite thoraceque rugo-
sis, elytris favoso-punetatis. — Long. 9-10 lin.
Magnus, niger, opacus, terrulentus. Caput inaequale, for-
fiter rugosum. Thorax transversus, coleopteris paulo angustior,
basi truncatus, lateribus rotundatus, apice emarginatus, angu-
lis anterioribus acutis, prominentibus, leviter convexus, pun-
etato-rugosus, lateribus et apice marginatus. Coleoptera dorso
depressiuscula, rugis elevatis aequaliter favoso-retieulata, apice
granulata, Pedes validi, femoribus punctatis, tibiis granuloso-
asperis,
240
72. Metriopus nassatws: Niger, capite thoraceque for-
titer punctato-, elytris reticulato-rugosis. — Long. 6 lin.
Niger, opacus, terrulentus. Caput antice punctatum, postice
fortiter punetato-rugosum. Thorax coleopterorum medio duplo
angustior, transversus, lateribus leviter rotundatus, fortiter ru-
goso-punctatus, immarginatus. Elytra dorso depressiuscula, ru-
gis elevatis sat fortiter lJicet inaequaliter reticulata. Pedes
graciliores, femoribus tibiisque punctato-asperis.
73. Eurychora dilatata: Nigra, fulvo-ciliata, elytris
disco convexis, margine lato, elevato, apice suturam
versus oblique truncato, — Long. 7-8 lin.
E. ciliata paulo maior et magis rotundata. Antennae com-
pressae. Caput inaequale, fronte profunde impressa. Thorax
disco depresso, late transversim impresso, impunctato, lateri-
bus fortiter dilatatis, elevatis, punctulatis, tenuiter pubescen-
tibus, postice oblique truncatis, margine omni fulvo-barbato.
Coleoptera rotundata, basi oblique truncata, disco convexo,
laevi, Jimbo lato, determinato, elevato, ruguloso, apice sutu-
ram versus’ oblique truncato, margine fulvo-barbato. An-
tennae, caput, pectus, abdomen indumento subtili fulvo-griseo
vestita. f
Von den verwandten Arten hauptsächlich durch den breit
abgesetzten, aufgebogenen Seitenrand der Flügeldecken ab-
weichend.
74. Pogonobasis verrucosa: Nigra, fulvo-pubescens,
elytris punctato-rugosis, sparsim granulatis. — Long.
41-5 lin.
Nigra, opaca, inaequaliter fulvo-pubescens, thoracis mar-
gine et elytrorum basi dense fulvo-barbatis. Caput dense
aequaliterque ‚punctato-rugosum, intra oculum utrinque cari-
nula elevata instruetum, Thorax brevis, antrorsum angustatus,
disco parum convexo, parce granulato, medio obsolete trans-
versim impressus, margine dilatato leviter elevato, parce gra-
nulato, lateribus rotundato et dense crenato, Coleoptera sub-
ovata, leviter convexa, dense fortitergue punctato -rugosa,
granulis acutis, sparsis, praecipue latera versus asperata,
punctis suturam versus anterius subseriatis. Pedes fulvo-
pubescentes,
241
Psaryphis.
Nov. gen. Trib. Euryehorites
Caput Jiberum.
Thorax lateribus dilatatis.
Elytra lateribus immarginata,
Eine kleine Form, welche den noch immer etwas schroffen
Uebergang von Eurychora zu Adelostoma vermittelt. Die
grösste Uebereinstimmung ist mit Pogonobasis Sol., die Flügel-
decken fallen ebenso an den Seiten rundlich ab, ohne einen
scharfen Rand zu bilden, wie bei Eurychora und Steira. Die
Halsschildseiten sind zwar eben so erweitert, wie bei den drei
genannten Gattungen, nach vorn aber nicht so verlängert,
dass sie den Kopf umfassen, daher ist der Kopf frei, wie bei
Adelostoma. Von Pogonobasis unterscheidet sie ausserdem
noch der Mangel der dichten Behaarung an der Wurzel des
Halsschildes und der Flügeldecken. Die Fühler sind dick, die
Glieder von 1. bis 9. allmälig an Länge abnehmend, das 10.
etwa von der Länge der beiden vorhergehenden. Die Augen
klein, länglich., Der Kopfschild vorn ausgerandet, im Grunde
die Ausrandung mit zwei feinen Zähnen. Die zweizahnigen
Spitzen der Mandibeln wenig vortretend. Das Kinn vorn aus-
gerandet, die Zunge hornig, in der Ausrandung des Kinns
vortretend. Die Taster dünn, mit längerem Endgliede. Die
Beine ziemlich kurz, einfach.
Eine in diese Gattung gehörige capensische Art erhielt
die hiesige Sammlung von Hrn. Buquet in Paris unter der
Benennung Urda pygmaea Reiche, den Namen Urda konnte
ich aber nicht erhalten, weil er vom Grafen Münster bereits
für eine fossile Orustaceen-Gattung verwendet ist.
75. Psaryphis nana: Nigra, antennis pedibusque piceis,
thorace bicarinato, elytris dense fortitergue seriatim
punctatis, obsolete costatis. — Long. 24 lin.
Nigra, opaca, parce pilosella. Caput grosse rugoso-puncta-
tum, inaequale. Thorax grosse licet parum profunde rugoso-
punetatum, dorso bicarinato, lateribus dilatatis depressis, mar-
gine subreflexo, crenato, basi bisinuata. Elytra dense for-
Archiv (1, Naturgeschichte, IX, Jahrg, 1. Bd, 16
242
titer, profundeque seriatim punctata, carinis duabus subtilibus
obsoletisque, altera dorsali, altera submarginali; interstitiis
punctorum subrugosis. Antennae et pedes picei.
Die erwähnte Capensische Art ist kaum grösser, aber
etwas breiter, flacher, und die beiden Rippen auf den Flügel-
decken treten deutlich hervor.
76. Cryptochile grossa: Nigra, thorace antrorsum an-
gustato, elytris costatis, costis dorsalibus integris,
marginali catenato-interrupta, interstitiis subtiliter, la-
teribus grossius tubereulatis. — Long. 7 lin,
Breviter subovalis, erassa, obsceure nigra. Caput inaequale
disperse subtiliterque granulatum. Thorax antrorsum sat an-
gustatus, 'lateribus rectis, granulis elongatis adspersus, obso-
lete canaliculatus, margine Jaterali elevato. Elytra costis qua-
tuor, suturali subtiliori, postice erenulata, dorsalibus duabus
fortiter elevatis, integris, marginali saepe interrupta; interstitiis
subtilissime alutaceis, disperse subtiliterque granulatis; lateri-
bus dense grossiusque tuberculatis. Corpus infra et. pedes
indumento denso fusco-cinereo obducta,
77. Moluris tenebrosa: Nigra, opaca, thorace leviter
convexo, confertim subtiliter punctato, lateribus con-
fertim subtilissime granuloso, coleopteris ovatis, mo-
dice convexis, parce subtiliterque punctatis. — Long. .
8-9 lin.
Statura omnino M, marginatae, cui proxime accedit. Nigra,
opaca, glabra. Frons convexa, crebre punctata, inter antennas
fortiter transversim impressa. Thorax coleopteris angustior,
latitadine paulo brevior ‚-lateribus sat fortiter rotundatis, sub-
tiliter marginatis, angulis posterioribus rotundatis, nullis, ante-
rioribus acutiusculis, leviter pröminulis, leviter convexus, con-
fertissime subtiliterque punctatus, lateribus subtilissime granu-
loso-asperis. Coleoptera ovata, modiee convexa, marginata,
omnium subtilissime parce punctata,
243
Drosochrus.
Nov. gen. Fam. Blapidae.
Antennae graeiles, 11-articulatae,
Clypens leviter emarginatus.
Palpi maxillares articulo ultimo fortiter securiformi,
labiales filfformes, minuti.
Mentum truncatum,
Pedes longiores simplices, tarsis infra pubescentibus,
Eine Blapiden-Gattung, zunächst mit Acanthomera ver-
wandt, aber schon durch die einfachen Vorderschenkel unter-
schieden. Die Fühler sind ziemlich gestreckt, dünn, auch
nach der Spitze hin nicht verdiekt, das 4. u. 2. Glied klein,
das 3, langgestreckt, länger als die beiden folgenden zusam-
men; die folgenden alle Jänglich, allmälig etwas kürzer, und
zugleich immer mehr von der cylindrischen in die Kegelform
übergehend, das letzte nicht grösser als das vorletzte, lang,
eiförmig. Der Kopf ziemlich klein, die Augen mässig vorra-
gend, das Kopfschild über der Einlenkung der Fühler etwas
erweitert, vorn flach ausgerandet. Die Lefze vorn kaum aus-
gebuchtet, Die Mandibeln ‚kurz und stark, nicht vorragend.
Die Maxillartaster ziemlich Jang, das 1.-Glied sehr klein, das
2. Gl. lang und etwas gebogen, das 3. ebenfalls ziemlich lang,
doeh kürzer als das 2., das 4. Gl. stark beilförmig, Das Kinn
gerade abgeschnitten, nach der Basis hin beträchtlich verengt,
fast dreieckig. Die Zunge vorn schwach ausgebuchtet. Die
Lippentaster klein und dünn, das 3. Glied so lang als die
beiden vorhergehenden, zugespitzt, nicht verdickt. Das Hals-
schild mit seinem Hinterrande genau an den Vorderrand der
Flügeldecken schliessend, (nicht übergreifend, wie es bei Blaps
der Fall ist). Das Schildehen dreieckig, viel breiter als lang.
Das Prosternum hinten eine sehr kurze Vorragung bildend.
Die Beine schlank, die Schenkel alle einfach, die Schienen
gerade, die Füsse unten ziemlich dicht mit weichen Haaren
bekleidet.
Durch das schmälere, fast eylindrische Halsschild und die
breiteren bauchigen Flügeldecken nähert sich diese Gattung
im Habitus an Acantlıomera, Die Farbe ist bei allen schwarz,
16 *
244
mit einem weisslichen Reif bedeckt, Taster, Fühler und Beine
sind rothbraun, Kopf und Halsschild sind dicht und fein längs-
runzlich, die Flügeldecken haben eine zierliche Sculptur durch
feine Längsrippen und dazwischen gestellte Punctreihen.
78. Drosochrus crenulatus: Thorace immarginato,
elytrorum costis subtilissimis, erenatis. — Long.
33 lin.
Niger, opacus, albido-pruinosus. Antennae palpique dilute
rufo-brunnei. Caput rugoso - punctatum. Thorax latitudine
vix. brevior, läteribus leviter rotundatis, apicem versus vix
angustatus, convexus, confertim Jongitudinaliter rugosus, la-
teribus immarginatus. Coleoptera oblongo-ovata, leviter con-
vexa, costis subtilissimis, crenatis, interstitiis subseriatim
asperato-punctatis. Pedes picei, tarsis dilute rufo-brunneis.
(Ausser der von Angola enthält die hiesige Sammlung zwei
Arten vom Kaplande:
Dr. brunnipes: Thorace subtiliter marginato, co-
leopteris oblongis, convexis, acute costatis. —
Long. 3 lin.
Thorax brevis, transversus, antrorsum parum angustatus,
lateribus subtiliter marginatis; elytrorum costae sat elevatae,
acutae, integrae, interstitiis subtriseriatim punctatis.
Cap. Von Hrn. Buquet unter der Benennung Blaco-
des brunnipes Reiche mitgetheilt.
Dr. depressus: Thorace subtiliter marginato, coleo-
pteris ovatis, depressis, subtiliter costatis. — Long.
22 lin.
Thorax latitudine brevior, antrorsunr angustatus, lateribus
subrectis, subtiliter marginatis, dorso subdepressis. Coleo-
ptera dorso planiuscula, costis subtilibus, integris, inter-
stitiis subtriseriatim punctatis.
Cap. Von Krebs eingesandt.
245
Stizopus.
Nov. gen. Fam. Blapidae.
Antennae breviusculae, subcompressae, apicem ver-
sus leviter incrassatae.
Clypeus profunde ineisus.
Labrum cordatum.
Mentum apice leviter rotundatum.
Pedes validi, tibiis anterioribus medio, posticis api-
cem versus dente armatis.
Unter den Blapiden wird eine eigene kleine Gruppe von
den Gattungen Gonopus, Heteroscelis, Blenosia Lap. (Blaco-
des Dej.) und Stizopus gebildet, welche sich in vielen Bezie-
hungen den Pedinen anschliesst, von diesen aber durch ein-
fache Vorderfüsse in beiden Geschlechtern abweicht. Unter
den genannten Gattungen zeigt Stizopus die meiste Überein-
stimmung mit Blenosia, aber zugleich auch eine Reihe von
Abweichungen. Die Fühler sind kaum länger als der Kopf,
nach der Spitze hin ein wenig dicker werdend, zusammenge-
drückt, die einzelnen Glieder dicht in einander gedrängt, das
3. Glied fast so lang als die beiden folgenden zusammen, das
4.—7. so breit als lang, das 8.—10. nicht kürzer aber um
die Hälfte breiter, das 11. wieder etwas kleiner, an der Spitze
gerade abgeschnitten. Die Augen quer, nieht vortretend, un-
ten durch den einspringenden Stirnrand eingeengt. Das Kopf-
sehild durch einen tiefen Einschnitt in zwei abgerundete Lap-
pen getheilt. Die Lefze am Grunde schmal, nach vorn breiter
werdend, an der Spitze tief herzförmig ausgeschnitten, fast
zweilappig. Die Mandibeln an der Spitze fast zweizähnig.
Die Maxillartaster etwas dick, das 4. Glied beilförmig. Die
Lippentaster ziemlich dünn, das letzte Glied schwach beil-
förmig. Das Kinn etwas länger als breit, nach dem Grunde
hin verengt, an der Spitze leicht abgerundet. Das Halsschild
gross, mit seinem Hinterrande nicht genau an den Vorderrand
der Flügeldecken schliessend. Das Prosternum wie bei Ble-
nosia, weder vorn vortretend und den Kopf aufnehmend, wie
es bei Gonopus der Fall ist, noch nach hinten einen in die
Mittelbrust eingreifenden Vorsprung bildend, wie er sich so-
wohl bei Gonopus, als auch bei Heteroscelis findet. Die
246 -
Beine kräftig, die Schenkel einfach, die Schienen wenig ge-
bogen, etwas zusammengedrückt, die 4 vorderen in der Mitte
der Aussenkante, die 2 hintersten unweit der Spitze mit einem
grösseren, scharfen, alle unter demselben noch mit mehreren
kleineren Zähnen bewaffnet. Die Füsse kurz, einfach, unten
dünn borstig.
79. St. laticollis:. Glaber, nitidus, niger, antennis pedi-
: busque brunneis. _Caput posterius rugosum, antice
granulatum, ante utrumque oculum tuberculo muni-
tum. Thorax amplus, eoleopteris latior, antice trun-
eatus, lateribus cum angulis posterioribus rotundatus,
eonvexus, dense punctatus, lateribus longitudinaliter
rugosus. Coleoptera suboyalia, antice leviter emar-
ginata, humeris denticuli instar prominulis, punctato-
striata, interstitiis leviter convexis, subtiliter punctu-
latis, passim transversim plicatulis. — Long. 4 lin.
80. Opatrum melanarium: Apterum, nigrum, opacum,
thörace subtiliter punctato, angulis posterioribus acu-
tis, elytris subtiliter granulatis. — Long. 5-6 lin.
Nigrum, supra opacum. Antennae brunneae, _Caput pro-
fundius punctatum. Thorax coleopteris parum angustior, late-
ribus rotundatis, apicem versus subangustatus, apice emargina-
tus, basi utrinque sinuatus, angulis posterioribus acutis, parum
eonvexus, subtiliter punctatus, lateribus explanatis ommium
eonfertissime subtilissimeque granulosis. Scutellum parcius
punctatum. Elytra obsoletissime substriata, subtilissime gra-
nulosa, granulis paulo maioribus praecipue ad basin et latera
interspersis. Corpus infra subnitidum, tenuiter subtiliterque
fusco-pubescens. _ Pedes picei,
81. Opatrum tenebricoswm: Apterum, nigrum, opacum,
thorace subtiliter punctato, angulis posterioribus acu-
tis, elytris sulcatis, pareius subtilitergue granulosis,
latera versus nigro-hirtellis. — Long. 6 lin.
Statura omnino praecedentis, nigrum, vix nitidum. Anten-
nae nigrae, Caput dense sat fortiter punctatum, inter oculos
leviter transversim impressum. Thorax coleopteris parum an-
E 247
gustior, latitudine Jimidio brevior, lateribus rotundatis, antror-
sum subangustatus, antice Jate emarginatus, basi utringue sub-
sinuatus, angulis posterioribus acutis, parum convexus, dorso
pareius latera versus creberrime subtilius punctatus, lateribus
explanatis, subtilissime granulato-rugulosis, margine subtiliter
nigro-ciliato. Scutellum punctatum. Elytra leviter- sulcata,
interstitiis convexis, pareius subtiliter granulata, Jatera versus
pilis brevibus nigris hispidula. Corpus infra tenuiter fusco-
pubescens.
83. Opatrum Ängolense: Alatum, subovale, nigrum, fu-
sco-pubescens, thorace transverso, lateribus dilatatis
antrorsum rotundatis, rufo-piceis, postice trisinuatus,
angulis posterioribus acutis; elytris punctato -striatis,
interstitiis aequalibus, convexis. — Long. 4 lin.
Statura ©. erenati F., subdepressum, nigrum, opacum, setulis
rigidis ereetis uncinatis perbrevibus fuseis vestitum. Antennae
piceae. Caput inaequale, fronte leviter intrusa, antice utrin-
que oblique suleata. ‘Thorax transversus, brevis, coleoptero-
rum latitudine, antrorsum angustatus, lateribus dilatatis, late
explanatis, rufescenti - pellucentibus, rotundatis, basi leviter
trisinuatus, sinu intermedio minuto, lateralibus latis, angulis
posterioribus acutis; disco _leviter convexo, punctato. Elytra
punctato-striata, interstitiis aequalibus, convexis, punctulatis,
pubescentibus, suleis glabris. Corpus infra piceum, fusco-
pubescens. Pedes picei,
84. Opatrum dequale: Alatum, oblongum, nigrum, dense
fusco -pubescens, thorage transverso, lateribus leviter
rotundatis, postice subsinuatis, antrorsum angustato,
elytris punetato-striatis, interstitiis aequalibus, omnium
subtilissime rugulosis. — Long. 4 lin,
Oblongum, subdepressum, nigrum, opacum, pube depressa
fusca dense vestitum, Antennae pioeae, Caput punctato -ru-
gosum, inter oculos transversim impressum. Thorax coleopte-
rorum Jatitudine, latitudine dimidio brevior, lateribus modice
rotundatis, ante basin subsinuatis, antrorsum angustatus, apice
late profundeque emarginatus, basi bisinuatus, angulis poste-
rioribus acutis, subtiliter granulatus, disco leviter convexo,
248
lateribus sat late explanatis, subelevatis. Elytra thorace duplo
et dimidio longiora, leviter convexa, sat distinete pnnetato-
striata, imterstitis aequalibus, leviter convexis, subtilissime
rugulosis. Tarsi picet.
Eine weiter verbreitete Art, welche auch auf den Inseln
Bourbon und Mauritius und am Cap vorkommt. Sie ist Op.
erenatum des Dejeanschen Catalogs, aber nicht Op. erena-
tum F. Sie ist am nächsten mit Op. arenarium F. verwandt,
bei welchem aber die Zwischenräume der Flügeldeckenstreifen
abwechselnd breiter und etwas stärker erlaben sind.
84. Opatrum patruele Dej.: Alatum, elongatum, nigrum,
dense fusco pubescens, thorace transverso, lateribus
leviter rotundatis, explanatis, angulis posterioribus
acutis, elytris fortiter punctato-striatis, interstitiis le-
viter convexis, subtiliter punctulatis. — Long. 5 lin.
'Nigrum, opacum, pube depressa fusca dense vestitum. An-
tennae fuscae. Caput punetatum, inter oculos fortiter trans-
versim impressum. Thorax coleopterorum latitudine, latitudine
dimidio brevior, lateribus modice rotundatus, apieem versus
haud angustatus, apice late emarginatus, basi bisinuatus, an-
gulis posterioribus acutis, minus confertim punctatus, disco
leviter convexo, postice utringue obligue impresso, lateribus
explanatis, margine subreflexo. Elytra thorace triplo prope
longiora, sat fortiter punctato-striata, interstitiis leviter eon-
vexis, punctulatis. Tarsi fusei.
85. Opatrum prolicum: Alatum, elongatum, nigrum, dense
griseo-pubeseens, thorace transverso, lateribus rotun-
datis, explanatis, postice bisinuatus, angulis posterio-
ribus acutis, elytris fortiter punctato-striatis, inter-
stitiis intertoribus planis, exterioribus leviter convexis.
— Long. 4 lin.
Elongatum, subparallelum, nigrum, opacum, pube brevi,
depressa, grisea vel cinerea densius vestitum. Antennae pi-
ceae. Caput punctatum, inter oeulos fortiter transversim im-
pressum. ‘ Thorax coleopterorum latitudine, transversus, Jate-
ribus dilatatis, late explanatis, rotundatis, basi utrinque sinua-
tus, angulis posterioribus aeutis, dentis instar prominulis, disco
249
aequali, minus convexo, aequaliter punetatus. Elytra thorace
triplo fere longiora, parallela, sat fortiter punctato-striata,
interstitiis subtiliter punetulatis, interioribus planis, exteriori-
bus leviter convexis.
Diese beiden letzten Arten gleichen sehr dem südeuro-
päischen Op. fuscum Dej. (von welchem der gleichnamige
Herbstsche Käfer sehr verschieden ist) die erstere ist aber
grösser, die letztere kleiner, ausserdem haben sie stärkere
Punctstreifen. Beide haben eine ziemlich weite Verbreitung,
die erstere nach dem Senegal und den Inseln des grünen
Vorgebirges, die letztere nach dem Senegal und Aegypten.
86. Opatrum virgatum: Alatum, oblongo-ovale, ni-
grum, fusco-pubescens, thorace transverso, antrorsum
angustato, postice utringue profunde sinuato, elytris
punctato-striatis, interstitiis alutaceis, strigatim fusco-
villosulis. — Long. 4 lin.
Statura fere O. arenarii, nigrum vel piceum, opacum, pube
longiuscula griseo-fusea dense vestitum. Antennae rufo-piceae,
Caput punctatum, inter oculos leviter transversim impressum.
Thorax basi coleopterorum prope latitudine, transversus, an-
trorsum angustatus, lateribus leviter rotundatis, tenuiter ex-
planatis, basi medio truncatus, utrinque profunde sinuatus,
angulis posterioribus acutis, disco leviter convexo, aequali,
punetato-ruguloso. Scutellum laeve. Elytra punctato-striata,
interstitiis Jeviter convexis, subtiliter punctato-rugulosis, stri-
gatim villosis. Corpus infra nigrum, nitidum, punetatum, lon-
gitudinaliter rugosum, parce pubescens. Tarsi picei.
Ebenfalls in Afrika weit verbreitet, und wie es scheint,
eben so häufig am Senegal, auf den Inseln des grünen Vor-
gebirges und in Aegypten als in Angola.
87. Opatrum ovatum: Alatum, breviter ovatum, cou-
vexum, nigrum, ciuereo-pubescens, thorace trans-
verso, antrorsum angustato, basi utrinque subsinuato,
elytris punctato-striatis, interstitiis punetulatis, —
Long. 3 lin.
Corpus 'breve, ovatum, convexum, nigruni, nitidulum, pube
depressa ciuerea densius vestitum. Antennae piceae, apicem
250
versus sensim Jeniter inerassatae. ‘Oaput paryum, aequale,
dense punetatum. Thorax basi coleopterorum latitudine, api-
eem versus angustatus, lateribus sat fortiter 'rotundatus, basi
leniter bisinuatus, angulis posterioribus acutis, erebrius sub-
tiliusque punctatus, margine laterali angusto explanato, piceo.
Elytra-punctato-striata, interstitiis planis, aequalibus, subtiliter
pünetulatis. Pedes picei.
Der Käfer kommt auch am Senegal ‚vor. Die- hiesige
Sammlung erhielt ihn aus Paris unter der Benennung Ulonia
ovata Dej., in den neuen Ausgaben seines Catalog findet er
sich als Heterophaga ovata an einer unpassenden Stelle, Im
Habitus weicht er bei seiner kurzen Gestalt zwar etwas von
den meisten Opatrum-Arten ab, stimmt aber in allen wesent-
lichen Merkmalen mit ihnen überein.
Ammidium.
Nov. gen. Trib. Opatridae.
Antennae 1l-articulatae, articulis ultimis 5 crassio-
ribus.
Clypeus apice leviter emarginatus.
Palpi maxillares elongati, articulo ultimo securi-
formi, labiales filiformes.
Seutellum distinetum, triangulare,
Tibiae anticae dilatatae, erenulatae, bidentatae, poste-
riores muricatae,
Mit Opatrum nahe verwandt, obgleich von anderem Kör-
perbau, ausserdem vorzüglich durch die Gestalt und Bewall-
nung der Schienen unterschieden. Der Körper ist sehr kurz
eiförmig und gleichmässig hoch gewölbt, sich ziemlich “der
Halbkugelforn annähernd. Die Fühler sind ein wenig länger
als der Kopf, dünn, das 3. Glied mässig lang, das 4.-6. all-
mälig etwas kürzer, die 5 folgenden breiter als die übrigen.
Die Augen an den Seiten des Kopfes stehend, quer, in der
Mitte ein wenig eingeengt. Der Seitenrand des Kopfes vor
den Augen etwas erweitert, vorn flach ausgerandet. Lefze
vorn ausgerandet. Die Maxillartaster ziemlich lang gestreckt,
namentlich das 2. Gl. derselben lang, das 3. kurz, das 4.
beilförmig. An den Lippentastern die beiden ersten Glieder
251
klein, das dritte grösser, länglich eiförmig, zugespitzt.. Hals-
schild hinten den -Flügeldecken genau anschliessend. Das
Schildehen deutlich, Jdreieckig, breiter als lang. Die Vorder-
schienen etwas breit, der Aussenrand zwei grosse Zälıne bil-
dend, fein gekerbt, amı Ende mit. einer flachen Grube auf der
Vorderfläche zur Aufnahme der Füsse. Die hinteren‘ Schienen
dureh kurze Dörnchen rauh. Die Füsse einfach, die ersten
Glieder an den vorderen gleich kurz, an den Ilinterfüssen das
1. Glied etwas gestreckt, die beiden folg. kurz, das Klauen-
glied so lang als die übrigen zusammengenommen,. Flügel
scheinen nicht vorhanden zu sein.
88. A. eiliatum: Ferrugineum, pube depressa brevi al-
bida adspersum, thorace elytrisque setulis griseis ci-
liatis. Caput subtiliter granulatum, inter oculos trans-
versim obsolete impressum. Thorax transversus, basi
truncata coleopterorum Jatitudine, antrorsum angusta-
tus, lateribus leviter explanatis, fortiter rotundatis,
asperato -punctatis. Coleoptera ventricosa, subtiliter
punetata. — Long. 2% lin.
Emmalus.
Nov. gen. Trib. Opatridae
Antennae 11-articulatae, erassiusculae, eylindricae,
artieulo ultimo minore.
Clypeus apice leviter emarginatııs.
Palpi maxillares elongati, articulo ultimo securi-
formi, labiales filiformes.
Scutellum nullum.
Tibiae anticae lineares.
Es hat diese Gattung viel Uebereinstimmendes mit Opa-
trum, und ich stelle sie vorläufig in die Nähe, bis eine ge-
nauere Untersuchung und Analyse ihr einen anderen Platz an-
weist. Die Fühler sind diek, ähnlich denen einer Eurychora,
das 3. Glied länger als die übrigen, die folgenden ziemlich
gleich, die bei den vorletzten etwas quergezogen, das letzte
kleiner. . Die Augen an den Seiten des Kopfes stehend, quer,
in.der Mitte etwas eingeengt. Der Seitenrand des Kopfes vor
252
den Augen etwas wulstig, der Vorderrand schwach ausge-
buchtet. Die Lefze in der Mitte mit einem kleinen Ausschnitt.
Die Maxillartaster ziemlich gestreckt, namentlich das zweite
Glied lang, das 3. ziemlich kurz, das 4. beilförmig. Die
Lippentaster haben die beiden ersten Glieder kleiner, das 3.
so lang als die beiden andern zusammen, eylindrisch, mit ab-
gestutzter Spitze. Das Halsschild hat abgerundete Hinterecken
und schliesst mit seinem Hinterrande nicht genau an die Basis
der Elügeldecken. Das Schildchen fehlt. Flügeldecken die
Körperseiten weit umschliessend. Flügel fehlen. Die Beine
sind ziemlich wie bei Opatrum, die Vorderschienen zwar
schmal und gegen die Spitze hin nicht merklich erweitert,
aber zusammengedrückt, die scharfe Aussenkante mit kleinen
Dörnchen besetzt, die hinteren Schienen rundlich, unbewehrt;
die Füsse einfach, die ersten Glieder kurz, unten mit länge-
ren Haaren besetzt; das Klauenglied länger als die übrigen
zusammen.
Der Habitus ist ziemlich der eines Opatrum, nur ist der
Körper langhaarig, und das Halsschild schliesst nicht genau
an die Flügeldecken, auch sind die Hinterecken abgerundet.
Ausserdem sind die dicken und gleichdicken Fühler, und das
fehlende Schildehen characteristisch.
89. E. pilosus: Niger, opacus, fulvo-pilosus, pilis longis
erectis, dorso rarioribus. Antennae piceae. Caput
punctato-rugosum, aequale. Thorax coleopterorum
Jatitudine, latitudine dimidio brevior, lateribus rotun-
datus, apice subbisinuatus,, lateribus cum angulis
posterioribus rotundatus, basi truncatus, modice con-
vexus, dense fortiterque punctatus, subrugosus, Jate-
ribus marginatus. Coleoptera parallela, apice rotun-
data, convexa, fortiter punctato-subsulcata, interstitiis
leviter convexis, seriatim punctatis. Pedes picei. —
Long. 3% lin. x
9%. Tenebrio subrugosus Dej.: Oblongus, supra niger,
opacus, confertim aequaliterque subtiliter punctatus,
thorace transverso, antrorsum angustato, elytris sub-
tiliter punctato-substriatis. — Long. 8 lin.
Oblougus, infra piceus, supra niger, opacus, Antennae
£ 253
capitis thoraeisque longitudine, apicem: versus sensim crassio-
res. 'Caput confertim subtiliterque punetatum. Thorax lati-
tudine brevior, antrorsum angustatus, lateribus rotundatus, apice
fortiter emarginatus, angulis omnibus acutis, eonfertim subti-
literque punetatus, postice transversim obsolete impressus.
Elytra subtiliter punetato-substriata, interstitiis dense subti-
literque punctatis. Pedes simplices.
Auch aus Guinea und vom Senegal.
91. Uloma pulla: Oblonga, subdepressa, nigra, nitida,
antennis basi rufis, pedibus piceis, thorace basi utrin-
gtıe leviter impresso, elytris fortiter punctato -striatis,
interstitiis subtiliter punetulatis. — Long. 23 lin.
Statura fere U. mauritanicae, licet magis depressa, nigra,
‚ nitida. Antennae capitis thoraeisque prope longitudine, apicen
versus sensim inerassatae, nigrae, articulis 2 primis rulis.
Labrum et palpi rufa, Caput subtiliter punctatum. Thorax
basi coleopterorum Jatitudine, antrorsum Jeniter angustatus,
lateribus leviter rotundatus, apice profunde emarginatus, basi
truncatus, dense subtilitergue punctatus, basi utrinque leviter
impressus. Sceutellum subtilissime punetulatum. Elytra for-
titer punctato-striata, interstitiis leniter convexis, subtiliter
punetulatis. Pedes picei, tibiis maris antieis intus sinuatis,
intermediis arcuatis.
Zur Gattung Aniara De). Welläpdade deren Charaktere zur
Zeit noch nicht festgestellt sind.
Himatismus.
Imatismus Dej.
Nov. gen. Fam. Hlelopit.
Mentum magnum, maxillas obtegens.
Maxillae mala interiore mutica.
Mesosternum simplex.
. Unter den Helopiern sondert sich eine eigene kleine
Gruppe ab, welche sich durch die Grösse des Kinnes cha-
rakterisirt. Es gehören dahin Epitragus, Himatismus (Imatis-
mus Dej.) und Trietenotoma, Die Stellung der letzten Gat-
tung ist allgemein sehr verkannt worden, denn während sie
254
von Einigen zu den Lucaniden gerechnet wurde, stellten An-
dere sie zu den Prioniden. Die Fühler aber, welche sie
besonders auszeichnen, sind weder die der Lamellicornen,
noch der Bockkäfer, die spongiöse Filzbekleidung an der
Spitze “der drei letzten Glieder ist bei keiner von beiden,
wohl aber bei der grossen Abtheilung der Heteromeren an-
zutreffen, welche der Gattung Tenebrio L. entspricht, Die
Übereinstimmungen, welche Trietenotoma mit Lucanen und
Prionen hat, beruhen nur auf dem Verhältniss der Analogie,
welches so häufig verkannt und zu dem der Verwandtschaft
gestempelt wird. u
Himatismus hat eine grosse Übereinstimmung mit Epitra-
gus, selbst im Habitus, nur dass das Halsschild schmäler ist,
als es dort der Fall ist. Die Fühler sind fadenförmig, 11glie-
drig, das letzte Glied etwas kleiner als die vorhergehenden.
Das Kopfschild ist vorn zugerundet und zugespitzt. Die Lefze
vortretend, lederartig, ganzrandig. Die Mandibeln bei den ver-
schiedenen Arten verschieden gebildet, bei den meisten nicht
vorragend. Die Maxillarladen lederartig, die innere beträcht-
lich kleiner als die äussere, unbewehrt, die äussere an der
Spitze, die innere an der Spitze und dem Innenrande mit
einem Bart von Haaren eingefasst. Die Taster gestreckt, das
1. Glied klein, das 2. lang, das 3. kürzer, das 4. so lang
als das zweite, breiter, schwachbeilförmig. Das Kinn unre-
gelmässig sechseckig, breiter als lang,’ die Maxillen bedeckend.
Die Zunge wenig vorragend, häutig, ausgerandet. An den
Lippentastern das 1. Glied dünn und ziemlich gestreckt, das
2. kürzer, däs 3. dicker als die übrigen, eiförmig, abgestutzt.
Das Halsschild an den Seiten gerandet. Das Schildchen klein,
dreieckig. Das Prosternum und Mesosternum ohne Vorsprung
(bei Epitragus und Trietenotoma greifen beide mit Vorsprün-
gen in einander, und zwar wird bei Epitragus der des Pro-
sternum von einer Ausraudung des Mesosternum aufgenom-
men, bei Trietenotoma umgekehrt). Die Beine ganz wie bei
Trietenotoma und Epitragus, die einzelnen Fussglieder, mit
Ausnahme der. Klauenglieder, unten mit einer Sohle aus dich-
tem Haarfilz.
Das Männehen ‚ohne Ausschnitt des letzten Bauchsegments
des Hinterleibes, |
Die Käfer sind geflügelt, Jänglich , mit-feinem Haarüber-
zuge, auf der Oberseite dadurch gescheckt, dass das Toment
sich zu kleinen Flecken verdichtet. Wie Epitragus der neuen,
gehört diese Gattung der alten Welt an, sie ist indess weni-
ger zahlreich an Arten, und auf Afrika und Vorderindien be-
schränkt. Es gehören ausser dem Helops faseiculatus F, aus
Ostindien mehrere Arten vom Senegal, so wie vom Cap und
aus Ägypten hierher; vermuthlich auch Helops variegatus F.
Die Gattung wurde von Dejean in den neuen Ausgaben
seines Catalogs unter dem Namen Imatismus aufgestellt; da
sie durch ihre Stellung neben Epitragus und die Angabe einer
von Fabrieius beschriebenen und von Herbst abgebildeten Art
hinreichend bezeichnet erscheint, habe ich geglaubt, den Na-
men nit einer geringen Verbesserung beibehalten zu müssen,
obgleich. Maequart kürzlich denselben (Imatisma) für eime Di-
pterengattung in Gebrauch genommen hat.
92, Himatismus mandibularis: Mandibulis maris pro-
minentibus, cornutis, feminae apice truncatis, supra
obtuse dentatis. — Long. 54-7 lin.
Oblongus, fuscus, minus nitidus, tenuiter griseo-pubescens,
supra maculis minutis e pube densiore variegatus. Antennae
capite cum thorace breviores, tenuiores. Caput ereberrime
punetatum, fronte apice tumidıula. Mandibulae maris promi-
nentes, processu jam maiore jam minore, triangulari, erecto
auctae, feminae apice truncato, supra dente obtusiusculo mu-
nitae. Thorax latitudine haud brevior, feminae subquadratus,
maris Jateribus fortius rotundatus, basi leviter bisinnatus, an-
gulis posterioribus acutis, leviter convexus, dense punctatus,
Seutellum subtiliter punetulatum.. Elytra striato - punctata, in-
terstitiis passim punctulatis,
93. Mylabris liquida: Nigra, nigro-pubescens, elytris
faseiis tribus undulatis flavis, prima basali, subinter-
rupta, antennis Juteis, articulis duobus priwis nigris.
— Long. 8 Jin,
Statura ommino M. Afzelüi Billb., nigra, opaca. Antennae
dilute Juteae, articulo 1. nigro, 2. fusco. Caput dense pun-
etatum, fronte carinulata, nigro-villosulum, Thorax latitudine
256
paulo longior, pareius subtiliter punctatus, postice longitudi-
naliter impressus, nigro-villosus. Elytra dense subtiliter pun-
etata, nigro-pubescentia, fasciis tribus flavis: prima basali,
suturam haud attingente, macula humerali nigra subinterrupta,
secunda ad medium, tertia inter medium et apicem, undulatis,
suturam subattingentibus. Corpus infra et pedes nigro-pube-
scentes.
94. Mylabris tincta: Nigra, pube griseo-sericea dense
vestita, elytris ad marginem et suturam badiis, fasciis
tribus undulatis flavis, prima basali, interrupta; an-
tennis fulvis, artieulis duobus primis nigris. — Long.
6+ lin.
Nigra, pube densa argenteo-cinerea sericea. Antennae ful-
vae, articulis 2 primis nigris. Caput dense punctatum, fronte
subtiliter carinulata. Thorax latitudine paulo longior, lateribus
leviter rotundatus, antrorsum subangustatus, confertissime pun-
ctatus, Jinea subtili longitudinali impressus. Elytra confertim
subtiliter punctata, faseiis tribus flavis, prima basali, sub hu-
mero interrupta, secunda paulo ante, tertia paulo pone me-
dium undulatis: fasciarum interstitiis et spatio lato apicali ad
marginem exteriorem et suturam badiis.
95. Mylabris phalerata: Nigra, pube griseo-sericea ve-
stita, elytris vittis maculisque duabus flavis, pedibus
testaceis, geniculis tarsisque nigris, — Long. 4-5 lin.
Nigra, pube densa argenteo-einerea sericea. Antennae bre-
ves, clavatae, nigrae. Elytra vittis duabus flavis, apicem haud
attingentibus, altera marginali sub medium, altera dorsali longe
pone medium interruptis, seu vittis 2 abbreviatis, altera dor-
sali longiore, altera marginali breviore, maculisque 2 postieis
oblique positis, anteriore marginali flavis. Pedes testacei, ge-
niculis tarsisque nigris.
96. Mylabris tortwosa: Nigra, pube griseo-sericea ve-
stita, elytris flavis, macula humerali fasciisque tribus
undatis nigris, tertia tortuosa. — Long. 44-64 lin,
Obesula, nigra, pube griseo-argentea, sericante dense ve-
stita. Antennae nigrae, Elytra dense punctata, subtiliter ‚tenui-
257
terque nigro-pubescentia, flava, macula circa scutellum altera-
que humerali, fasciisque tribus angustis undatis nigris, prima
ante, secunda sub medium transversis, tertia pone medium ob-
liqua, intus secundum suturam descendente, ante apicem ramo
eircumflexo aucta. Pedes corpori concolores.
98. Mylabris 12guttata: Nigra, opaca, subtiliter nigro-
pubescens, elytris guttis 2, 2, 2 flavis (pari interme-
dio saepius in fasciam confluente),. — Long. 3-5 lin.
Affinis M. 10guttata Billb.; nigra, opaca, pube breyi nigra
tenuiter vestita. Antennae concolores. Thorax antrorsum sub-
angustatus, confertissime punctatus, obsolete foveolatus. Ely-
tra confertissime punctato-rugosa, guttis 12 flavis per paria
disposita, pari primo basali, gutta altera infra humerum mar-
ginali, altera rotundata prope scutellum, pari secundo ante
medium, guttis confluentibus saepius fasciolam referente, pari
tertio inter medium et apicem positis. Pedes corpori concolores.
99, Mylabris (Decatoma) decorata: Nigra, pube gri-
seo-sericea vestita, elytris flavis, macula humerali
fasciisque duabus obliquis undatisque apiceque nigris,
antennis ferrugineis, basi nigris. — Long. 4 lin.
Pube densa grisea sericante vestita. Antennae ferrugineae,.
basi nigrae. Elytra parcius pubescentia, dense punctata, flava,
macula triangulari circa scutellum maculaque oblonga hume-
rali, fasciis duabus, altera ante, altera pone medium, obliquis
undatis apiceque sinuato, ad suturam adscendente nigris, eine-
reo-sericeis.
400. Mylabris (Actenoda) iucunda: Nigra, pube gri-
seo-sericea vestita, elytris maculis sex subocellatis
apiceque flavis, pedibus rufis. — Long. 37 lin.
Nigra, pube brevi griseo-subargentea, sericante dense ve-
stifa. Antennae nigrae, Elytra apice, margine tenui laterali
maculisque 6, per paria dispositis, oppositis, altera marginali,
altera discoidali, flavis, nigro-circumseriptis, maculis duabus
antieis sublunatis, Pedes rufi, geniculis tarsisque nigris.
Archiv £ Naturgeschichte, IX, Jahrg. 1, Bdı 47
258
404. Mylabris (Actenoda) chrysomelina: Nigra, Ni-
gro -pubescens, elytris fulvis, fascjis duabus, puncto
postico maculaque apicali nigris. — Long. 34-4 lin.
Obesula, nigra, nitida, tenuiter nigro-puberula. Antennae
concolores. Caput parvum, profunde punctatum. Thorax sub-
globosus, pareius punctatus, basi impressus. Elytra subtiliter
rugoso-punctata, fasciis duabus, altera ante, altera pone me-
dium, puncto magno postico prope suturam maculaque apicali
exteriore obliqua nigris. Abdomen lateribus sanguineum. Pe-
des nigri.
Variat elytrorum fascia anteriore iam abbreviata, iam in
maculas punctaque plura soluta, iam dilatata et medio cum
fascia posteriore confluente.
- 402. Lytta chalybea: Nigra, nitida, thorace attenuato,
elytris subtiliter ruguloso -punctatis abdomineque ob-
scure cyaneis. — Long. 7 lin,
Nigra, pectore, antennis setaceis pedibusque ceoncoloribus.
Caput thorace paulo latius, vertice-rotundato, sat erebre pun-
ctatum, subtiliter nigro-pubescens. Thorax elongatus, antice
attenuatus, basi leviter foveolatus, obsolete canalieulatus, cre-
bre punctatus, subtiliter nigro - pubescens. Elytra subtiliter
ruguloso-punctata, nigro-pubescentia, apice rotundata, ob-
seure cyanea, minus nitida. Abdomen nigro -cyaneum.
103. Lytta vellicata: Nigra, dense cinereo-pubescens,
fronte maculis duabus, elytris margine laterali, sutura
lineaque media longitudinali testaceis, elytris praeterea
maculis sparsis denudatis. — Long. 7 lin.
Nigra, pube densa depressa einerea vestita.. Antennae fili-
formes, concolores. Caput thorace paulo latius, vertice rotun-
dato, maculis 2 frontalibus testaceis signatum. Thorax parvus,
coleopteris plus duplo angustior, sparsim inaequaliter subtiliter-
quepunctatus. Elytra subtilissime rugulosa, maculis parvis de-
nudatis variegata, sutura, margine laterali lineaque dorsali
longitudinali testaceis,
104, Lytta thoracica: Nigra, thorace attenuato macula-
que frontali rufis’ — Long 74-9 Iin.
,
259
Nigerrima, parum nitida. -Antennae setaceae, concolores.
Caput thorace paulo latius, deflexum, vertice rotundato, fronte
erebre punctata, macula oblonga rufo-testacea inter oculos
notata. Thorax oblongus, antice attenuatus et utrinqu& impres-
sus, basi foveolatus, maris laevigatus, feminae crebre pun-
. etatus, rufus, nitidus. Elytra confertim subtilissime rugosa,
Auch im Caplande einheimisch.
105. Oenas melanura: Dense subtiliterque cinereo -pu-
bescens, nigra, thorace rufo, elytris attenuatis luteis,
margine exteriore posticeque nigris. — Long. 3 lin.
Tota subtiliter einereo-pubescens, nigra. Antermae conco-
lores. Thorax subquadratus, dorso depressus, rufus, parce
subtiliterque punctatus, subtiliter canaliculatus. Elytra pone
medium leviter coarctata, apice rotundato, lutea, limbo laterali
et postice tota late nigra. Abdomen maculis lateralibus fulvis.
106. Derebdus acuminatus: Elongatus, niger, einereo-
squamosus, scutello albo -squamoso, coleopteris fusco-
lineatis, basi thorace angustioribus, apice acuminatis.
— Long. 6 lin.
D. denticolli angustior, niger, cinereo-squamulosus, An-
tennae nigrae. Caput et rostrum sulco impressa. Thorax
antrorsum angustatus, lateribus rectus, basi truncatus, supra
canalieulatus, impressionibus pluribus inaequalis, lobis infra-
ocularibus spiniformibus. Scutellum dense albo-squamosum.
Coleoptera elongato,-subovata, apice acuminata, basi thoracis
basi angustiora, convexa, subtiliter punctato -striata, inter-
stitis alternis fusco - pubescentibus. Pedes antici validiores.
Apterus. £
In allen wesentlichen Punkten stimmt diese Art mit dem
ostindischen D. denticollis Sch. überein, namentlich in dem
Hauptcharakter, dem dornförmigen Fortsatz am Vorderrande
der Halsschildseiten; im Habitus weicht sie dadurch ab, dass
die Flügeldecken, wie es bei ungeflügelten Käfern der Fall
zu sein pflegt, keine Schulterbeule zeigen, sondern von der
Wurzel bis zur Mitte hin sehr allmälig breiter werden.
407. Tanymecus humilis: Fuscus, pube tenui grisea
47%
260 |
irroratus, rostro subtiliter carinato, thorace elongato,
elytris striato -punetatis, apice rotundatis. — Long.
3-34 lin.
Statura elongata subdepressa T. lineati Sch., fuscus. An-
tennae nigricantes, Caput passim cinereo-pubescens, fronte
depressiuseula rostroque rugulosis, subtiliter carinatis, oculis
sat prominulis. Thorax latitudine longior, subeylindrieus, pun-
ctato-rugulosus, lateribus densius einereo-pubescens. Seu-
tellum cinereo-pubescens. Elytra striato-punctata, punctis
apicem versus sensim subtilioribus, apice rotundata, pube
subtili depressa cinerea nebulosa. Corpus infra cinereo-pu-
bescens. -
108. Siderodactylus cuspidatus: Oblongus, fuscus, al-
bido-squamulosus, elytris punctato - striatis, interstitiis
aequalibus, apice fortius mucronatis. — Long. 4 lin.
S. sagittario brevior, fascus, albido-squamulosus. Rostrum
longitudinaliter excavatum, utrinque carinulatum et frons sulco
profundo canaliculata. Thorax coleopteris angustior, lateribus
leviter rotundatus, antrorsum angustior, ante apicem leviter
constrietus, dorso sulco tenui canaliculatus. Coleoptera basi
marginata, humeris prominulis, posterius sensim incrassata,
apice fortius mucronato, convexa, punctato-striata, interstitiis
ommibus aequalibus, planis. Pedes antici femoribus fortiter
incrassatis. ’
109. Alcides leucogrammus: Oblongo-ovatus, niger,
corpore infra, thoraeis lateribus lineaque dorsali, ely-
trorumque lineis tribus albis. — Long. 2% lin.
Affınis A. sulcatulo Sch., licet paulo minor, niger. Caput
dense punctatum, rostro thoracis longitudine, vix arcuato,
punctato-ruguloso. Thorax brevis, tuberculis depressiusculis
‘ verrucosus, linea longitudinali lateribusque albis, his maculis
nonnullis denudatis. Elytra fortiter punctato-striata, lineis
tribus albo-squamosis, prima interstitii secundi basin tenente,
mox in interstitium tertium transeunte, 2. interstitium 6. te-
nente, postice, 3. interstitium 8, tenente antice abbreviata,
linea 1. et 3. apice coniunctis; 'interstitiis reliquis convexis, lae-
vibus. Pectus dense albo-squamosum. Abdomen albo -squa-
N EL.
261
‚ a “ . oo. r
mosum, bifariam nigro-punetatum. Pedes nigri femoribus
tibiisque omnibus medio dentatis.
410. Baridius aleyonews: Oblongo - ovatus, cyaneus,
4 parum nitidus, rostro longiore, apicem versus atte-
nuato, thorace dense grosseque punctato, elytris for-
titer erenato-striatis, interstitiis grosse seriatim pun-
etatis. — Long. 2% lin.
Cyaneus, parum nitidus. Antennae nigrae, funieuli articulo
primo obeonico, reliquis brevibus, spissis. Caput parce subti-
litergque punctatum, rostro longiore, arcuato, basi incrassatulo,
punctato-rugoso, apice attenuato, laeviore. "Thorax coleopte-
ris paulo angustior, antrorsum angustatus, leviter convexus,
dense grossiusculeque punctatus. Elytra apicem versus angustata,
humeris prominulis, sat fortiter crenato-striata, interstitiis se-
riatim punctatis, punctis densis, maiusculis, parum profundis.
Abdomen minus fortiter punetatum. Pedes tenuissime albido-
pubescentes.
411, Callidium angolense: Nigro-piceum, subtilissime
pubescens, thorace obsolete 3-tuberculato, elytris ob-
seure eyaneis, nitidis, subtiliter punctatis subtiliterque
unicostatis, abdomine rufo-testaceo. — Long. 7 lin.
C. variabili (fennico) proximum, Caput, thorax, peetus, pe-
des. nigro-picea. Antennae concolores, corpor&e breviores.
Elytra obseure virescenti-cyanea, nitida, subtiliter punctata,
linea subtili elevata longitudinali apicem versus evanescente.
Abdomen rufo-testaceum. (Fem.)
Eunidia,
Noy, gen. Trib. Lamiariae.
Antennae distantes, 14-articulatae, corpore longiores,
art. 1, elongato, incrassato, 2. brevissimo, 3.
brevi,, apice spinula armato, sequentibus tenui-
bus, sensim paulo brevioribus,
uf Oculi continui.
Thorax eylindricus, muticus. >
Unguieuli simphces, distantes.
Eine Saperden-Form, Apomecyna ähnlich, aber durch die
262
Bildung der Fühler sehr ausgezeichnet. Das Gesicht ist senk-
recht absteigend, wenig gewölbt; der grösste Theil der Augen
liegt unterhalb der Fühler an den Seiten des Kopfes, ein haken-
förmiger Fortsatz des Auges umgiebt die Fühlerbasis. Die _
Fühler sind beträchtlich länger als der Körper, das 1. Gl.
lang, verdickt, das 2. äusserst kurz, das 3. ganz kurz, an
der Spitze mit einem kleinen Dörnchen ‘oder Zähnchen be-
wehrt, die folgenden Glieder dünn und gestreckt, namentlich
die letzten allmälig etwas kürzer werdend. Das Halsschild
von der Breite des Kopfes, unbewehrt. Die Beine kurz, die
Schenkel schwach keulförmig verdickt, die Klauen einfach,
auseimanderstehend.
Ausser der hier zu beschreibenden, welche zugleich im
Kaffernlande vorkommt, besitzt die hiesige Sammlung noch
zwei Arten, eine von der Weihnachtsbai, die andere vom
Senegal.
111. Bunidia nebulosa: Elongata, fusca, cinereo-tomen-
tosa, elytris apice oblique truncatis, fusco-conspersis,
nebula media fusca. — Long. 4-6 lin.
Corpus elongatum, fuscum, tomento subtili cinereo dense
obductum, Antennae articulo 4. primo paulo breviore, 4.-6.
subaequalibus, omnibus a 4. inde basi cinereis apice fuseis,
Thorax coleopteris dimidio angustior depressiusculus, sparsim
punetatus. Elytra apice oblique truncata, angulo exteriore
acuminato, irregulariter fusco-conspersa, subnebulosa, nebula
magna semieirenlari media laterali distinctiore.
112. Saperda (Sphenurä) basalis: Testacea, antennis,
verticis macula, thoraeis punctis 4, pectoris lateribus,
abdominis apice, tibiis tarsisque nigris, elytris nigris
basi testaceis, apice mueronatis, — Long. 55 lin.
Affınis Sap. 2-spinosae F. Antennae nigrae. Caput testa-
ceum, puneto verticali nigro. Thorax testaceus, punctis 4
transversim positis nigris: 2 dorsalibus et singulo utrinque la-
terali. Scutellum testaceum. Elytra dorso depressa, fortiter
punctato-striata, stria prima basin versus a sutura divergente,
interstitiis inter striam 3. et 4. et inter str. 5. et 6. fortiter
carinatis, apice oblique emarginato, angulo exteriore acumi-
263
nato. Corpus infra. testaceum, thoraeis lateribus abdominisque
segmento ultimo nigris. Pedes testacei, tarsis tibiisque nigris,
his summa basi testaceis.
143. Clythra strieta: Cylindrica, nigra, infra dense ci-
nereo-pubescens, thoracis macula laterali elytrisque
testaceis, his lateribus coarctato-Sinuatis, punetato-stria-
tis, maculis duabus, fascia ante apicem et sutura an-
tice abbreviata nigris. — Long. 27 lin.
Minor, eylindriea, nigra, supra nitida, glabra, infra pube
densa depressa einerea sericante vestita. Antennae artieulis
2.-4. obscure testaceis. Frons supra inter oculos arcuatim
impressa, subrugosa. Thorax laevigatus, basi media marginatus,
macula magna laterali testacea. Elytra lateribus late coarctato-
sinuata, punctato-striata, striis postice eyanescentibus, testacea
vel lutea, sutura antiee abbreviata, maculis duabus, altera
humerali, altera ante medium, fasciaque ante apicem, suturam
versus fortiter dilatata nigris. Tibiae testaceae.
114. Clythra angustata: Cylindrica nigra, infra dense
cinereo-pubescens, thorace rufo, maculis duabus li-
neolaque basalibus nigris, elytris lateribus leviter si-
nuatis, parce subtiliterque punctatis, testaceis, maculis
duabus nigris. — Long. 3 lin.
Cylindrica, nigra, supra nitida, glabra, infra pube densa
depressa cinerea sericante vestita. Antennae artieulis 2.-4.
testaceis. Frons impressionibus subinaequalis, obsolete sub-
tiliterque punctata. Thorax laevigatus, basi media ante mar-
ginem elevatum depressiusenla, rufus, maculis. duabus lineola-
que minuta media.‘ basalibus notatus. Elytra lateribus late
sinuata, subtiliter punetata, basi distinctius interpunctata, testa-
cea, macula minore humerali maculaque maiore, nonnunquam
gemina pone medium nigris.
Diese beiden Arten kommen mit mehreren anderen afri-
kanischen in der Form der Flügeldecken überein, welche an
den Seiten eine weite, bald stärkere, bald flachere Ausbuch-
tung zeigen, durch welche die Flügeldecken eingeengt werden.
Einige dieser Arten haben punctirtgestreifte Flügeldecken, wie
CI. dorsalis v, Winth,, und Zaeniata N, vom Cap, andere ha-
264
ben sie zerstreut punetirt, wie Cl. rufescens Dej. und FREE
andere vom Senegal und Cap:
115. Clythra discors: Cyanea, nitidula, mandibulis inae-
qualibus, thorace rufo, elytris testaceis, maculis &
cyaneis, tibiis testaceis. — Long. 24 lin.
€. Scopolinae angustior, eylindrica, cyanea, infra cinereo-
pubescens. Antennae fusiformes, articulis 4 primis testaceis,
reliquis nigris. Mandibulae inaequales, dextra minuta, sinistra
maiore, prominente, apice uneinato, acuto,' piceo. Clypei
margo, labrum et palpi testacea. Frons subtiliter punctata,
posterius obsolete transversim impressa. Thorax brevis, trans-
versus, obsolete transversim impressus, rufus, nitidus. Elytra
subtiliter subseriatim punctata, apice laevigata, testacea, opaca,
maculis 3 cyaneis, prima humerali, secunda ante, tertia maiore
pone medium. Pedes femoribus cyaneis, tibiis testaceis, tarsis
nigris, basi testaceis. Pedes antici elongati. (Mas.)
116. Clythra hyacinthina: Cyanea, nitida, thorace late-
ribus rufo, antennarum basi tibiisque testaceis. —
Long. 2 lin.
Cl. auritae minor, praecipue angustior, ceylindrica, cyanea,
nitida, infra cinereo-pubescens, Antennae articulis 4 primis
obscure testaceis. Caput obsolete punctatum, Thorax brevis,
basi lineolis duabus divergentibus impressus, ceterum laevissi-
mus, lateribus late rufis. Elytra erebe et passim substriatim
punctata, apice laevia. Pedes femoribus cyaneis, tibiis testa-
ceis, tarsis nigris.
117. Cryptocephalus Angolensis:. Brevis, convexus,
. niger, nitidus, clypeo flavo, thorace de maculato,
elytris subtiliter punctato - striatis, favis, nigro-macu-
latis, pedibus testaceis, femoribus posterioribus ma-
eula nigra. — Long. prope 2 lin,
Statura Cr. gravidi Dej., niger, nitidus. Antennae flavae,
apice nigricantes. Frons immaculata, elypeus subsinuatus, fla-
vus. Thorax gibbus, laevissimus, margine lato laterali macu-
lisque duabus dorsalibus flavis, altera triangulari apicali, altera
suboyata. Coleoptera subtiliter punetato -striata, interstitüs
265
laevibus, flava, maculis 7 nigris, tribus ante medium, inter-
media communi, maioribus, 4 pone medium minoribus, utris-
que transversim positis. Sutura praeterea nigra. Pedes testa-
cei, femoribus posterioribus macula nigra notatis.
4418. Galeruca delata: Pallide flava, thorace transver-
sim impresso, pectore abdomineque, cinereo-sericeis,
ano flavo. — Long. 23 Lin.
Masc. fronte intrusa.
Fem. fronte impressa.
G. abdominali affınis, licet duplo minor, pallide flava. An-
tennae concolores, artieulo primo maris leviter inerassato, in-
fra eroso. Labrum nigrum. Fnons maris profunde intrusa,
fovea pilosa, marginibus lateralibus plicatis, fundo medio pro-
minentia tridentata, antice tuberculo gemino instructo; feminae
fortiter transversim 'impressa. Thorax coleopteris angustior,
transversus, lateribus anterius parum rotundatis, posterius
subsinuatis, apice truncatus, subtiliter punctulatus, statim pone
medium fortiter transversim sulcatus. Sceutellum laeve, Elytra
subtiliter punetata.- Peetus et abdomen nigra, hoc limbo, ano
segmentorumque singulorum marginibus flavis, Pedes toti cum
coxis flavi. Mas abdominis segmento ventrali quarto medio
contraeto, quinto magno, apice utringue profunde inciso, la-
mina intermedia truncata.
119. Galeruca (Monolepta) pauperata: Testacea,
capite, thorace elytrisque flavis, his margine eruceque
‘ ferrugineis. — Long. 2 lin.
G. bioculatae F. affınis. Nitida. Caput flavum. Antennae
flavae articulis 2. et 3. brevibus. Thorax aequalis, subtiliter
punctatus, flavus. Scutellum ferrugineum. Elytra ampla, con-
vexa, densius subtiliter punctata, flava, margine basali, sutu-
rali et exteriore faseiaque media ferrugineis. Corpus infra
eum pedibus testaceum.
Unter Monolepta Chevr. sind Galerucen begriffen, bei
denen das Halsschild ohne Quereindruck, das erste Glied der
Hinterfüsse verlängert, die Klauen mit einem Zahn an der
Wurzel versehen sind. An den Fühlern ist bald das dritte
Glied kurz, bald ist es von der Länge der folgenden, s
266
120. Haltiea (Graptodera) pyritosa: Oblonga, aenea,
nitida, antennis tarsisque nigris, thorace laeyigato,
postice profunde transversim sulcato, elytris erebre
distinetius punctulatis, punctis passim subseriatis. —
Long. 2 lin. R
H. oleraceae proxima, at distineta videtur, magis oblonga,
thorace antrorsum haud angustato, postice profundius suleato.
Virescenti-aenea, supra splendida. Antennae nigrae. Thorax
neque antice neque postice angustatus lateribus parum rotun-
datus, angulis posterioribus subrectis, convexus, postice sulco
transversim fortiter impressus, laevigatus vel omnium subti-
lissime punetulatus.: Elytra distinetius sat dense punctata, pun-
etis passim subseriatis. Tarsi nigri.
421. Coccinella effusa: Oblongo-ovalis, capite thorace-
que testaceis, hoc basi punetisque duobus mediis ni-
gris, elytris rubris, sutura nigra maculisque duabus
eflusis fuseis. — Long. 3 lin,
Oblongo-oyalis, leyiter convexa. Antennae testaceae. ÜOa-
put testaceum immaculatum. Thorax testaceus, plaga trans-
versa baseos, medio emarginata, punetisque duobus minutis
mediis nigris. Scutellum parvam, nigrum. Elytra dense sub-
tiliterque punctata, testaceo-rubra, sutura tenuiter nigra, ma-
eulisque duabus magnis, eflusis, fuseis, altera ante, altera
pone medium notata. Pectus et abdomen nigra, meso- et
metathoraeis epimeris albis. Pedes rufo-testacei, femoribus
postieis infra nigro-notatis.
122. Coccinella nassata: Hemisphaerica, nigra, fronte
thoraceque albidis, hoc maculis 5 nigris, elytris flavis,
maculis 2, 3, 3, 1 nigris, tibiis tarsisque flavis. —
Long. 44 lin.
Parva, C. 22punctatae affınis, licet duplo minor. Antennae
flavae. Caput infra nigrum, supra albidum. Thorax albidus,
maculis nigris, 2 mediis, 3 basalibus. Elytra‘pareius subtiliter
punctata, flava,. maculis sat magnis nigris notata, 2 prope
basin, 3 mediis, (exteriore ad marginem producta), 3 pone me-
dium (suturali communi), 1 intra apicem. Pectus et abdomen
nigra, mesothoraeis sterno et epimeris, metathoraeis episternis
267
et epimeris albis. Pedes' femoribus nigris, basi albidis, tibiis
tarsisque flavis.
123. Chilocorus nigripennis: Subhemisphaericus, testa-
ceus, elytris pectoreque nigris. — Long. 2 lin.
Ch. aurito affınis, statura autem minus convexa, colore
et punctura distinetus. Caput et thorax rufo-testacea, imma-
culata. Sceutellum nigrum. Elytra nigra, nitidissima, dense
ommpium subtilissime punctulata,. Pectus nigrum. Abdomen
rufo-testaceum. Pedes rufo-testacei,
Beobachtungen über das Wachsthum der Vege-
tationsorgane in Bezug auf Systematik.
Von
A. Grisebach
Erster Abschnitt.
Über das Wachsthum der Stengelglieder.
Bei der Begrenzung der natürlichen Familien hat man ne-
ben der Structur der Blüthe, worauf das Jussieu’sche System
gegründet ward, auf die vegetativen Organe stets eine bedeu-
tende Rücksicht genommen. Man hat nur mit Widerstreben
Gattungen in einer Gruppe vereinigt, die sich z. B. durch
stipulirte oder nicht stipulirte, durch zusammengesetzte oder
einfache Blätter unterschieden, Nur einzelne Ausnahmen von
dieser Regel liess der Systematiker gelten, während er im
Allgemeinen von der Erfahrung ausging, dass Verschieden-
heiten dieser Art fast immer vor einem verschiedenen Typus
der Blüthe begleitet sind. Allein eine weit grössere Schwie-
rigkeit bei der Anwendung dieses Satzes auf das System der
- Verwandtschaften zeigte sich darin, dass scheinbare Übergangs-
268
formen zwischen jenen Extremen existiren. Ja auf dem heu-
tigen Standpunkte der Wissenschaft kann man noch nicht mit
Genauigkeit angeben, worauf eigentlich, abgesehen von der
wandelbaren Form und nicht scharf zu messenden Stellung,
z. B. die Verschiedenheit von Nebenblättern und Blättern be-
ruhe. So hat die Frage entstehen können, ob in dem sechs-
blättrigen Wirtel einer Rubia vier Blätter Nebenblätter sind
oder nicht.
Das natürliche Pflanzensystem würde einer viel schärfern
Begründung fähig sein, wenn es gelänge, vegetative Organe,
welche die Natur wahrscheinlicher Weise in ihrer Anlage und
Function geschieden hat, durch veränderte Methoden der Beob-
achtung besser zu unterscheiden. Zu diesem Zwecke habe ich
seit einigen Jahren, freilich in dieser Beschäftigung durch Rei-
sen mehrfach gestört, Messungen über das Wachsthum solcher
Organe angestellt, und bin zu einigen neuen Resultaten ge-
langt, welche beweisen, dass gewisse Pflanzenfamilien in der
That die Glieder (Internodia) des Stengels, so wie die Theile
des Blattes auf eigenthümliche Art entwickeln. Indem ich
einige dahin gehörige Thatsachen im Folgenden darstellen
werde, finde ich zugleich Veranlassung, dieselben mit den
morphologischen Ansichten der Zeitgenossen in Beziehung zu
setzen, von denen zwar mehrere Reihen ähnlicher Messungen
bekannt gemacht, jedoch, wie mir scheint, wichtige Gesichts-
punkte nicht hinlänglich beachtet worden sind,
Bei dem Wachsthum der Internodien des einjährigen Sten-
gels der Phanerogamen ist die Zunahme des horizontalen Durch-
messers nach der Ausbildung der Gefässbündel häufig im Ver-
hältniss zu der Vergrösserung in der vertikalen Richtung so
unbedeutend, dass ich sie für jetzt vernachlässigen zu können
glaubte. Diese Zunahme in die Dicke beruht, wo sie über-
haupt neben einer beträchtlichen vertikalen Verlängerung statt-
findet, während dieser: Periode auch wohl nur auf der Ver-
grösserung der einmal gebildeten Zellen. Wenigstens finde
ich in dieser Beziehung keine Verschiedenheit zwischen den
Gefässbündeln der Dicotyledonen und Monocotyledonen, von
denen Schleiden (dieses Archiv 1839 S. 220) die der erstern
durch‘ die Verbindung mit einer stetig Zellen erzeugenden
Cambialschicht charakterisirt hat, ein Gewebe, welches im "
269
ersten Jahre an den einmal gebildeten Gefässbündeln entwik-
kelter Internodien daher nur virtuell existiren würde, in dem
Holzstamm der folgenden Perioden aber erst seine Thätig-
keit äussert.
Methode der Beobachtung.
Das Wachsthum der Internodien in die Länge habe ich
bei einer anselmlichen Zahl von Pflanzen aus verschiedenen
dicotyledonischen Familien auf dieselbe Weise gemessen, wie
dies von St. Hales und in neuerer Zeit von Link und Münter
geschehen ist. Diese Beobachtungen werden sehr vereinfacht,
wenn man sich dabei eines Instruments bedient, welches ich
zu diesem Zwecke anfertigen liess und Auxanometer nenne,
Dasselbe besteht aus einer Metallscheibe, die am Rande wie
die Räder eines Uhrwerks so ausgezackt ist, dass die Zacken-
schneiden genau eine Pariser Linie von einander entfernt sind.
Die Scheibe wird lin der Mitte durchbohrt, an einer festen,
mit einem Handgriff versehenen Axe aufgehängt, an welcher
sie beweglich ist. Die Zacken des Rades, deren Schneiden
nicht zu scharf sein dürfen, um die Epidermis der Pflanze
nicht zu verletzen, werden mit Buchdruckerschwärze belegt
und drücken, indem man sie am Stengel bewegt, unmittelbar
einen Maassstab ab, dessen Theilungsstriche dauerhaft und re-
gelmässig sind.
Bei den Messungen noch unentwickelter Internodien be-
stimme ich den Anfangspunkt an der Basis des cylinderför-
migen Organs, indem ich einen Horizontalkreis um den Inser-
tionspunkt des untern Blattes ziehe, ebenso den Endpunkt
durch einen Horizontalkreis um den Insertionspunkt des obern
Blattes, Das erste Interstitium zwischen dem Anfangspunkt
oder ersten und dem zweiten Theilungsstrich nenne ich a,
das zweite b, das dritte e u, s. w. Nachdem der Maassstab ab-
gedruckt ist, folgt aus der Zahl der Interstitien a, b, e....p,
die Länge in Pariser Linien. Aus spätern Messungen mit
einem entsprechenden Maassstabe ergiebt sich nicht bloss das
absolute Resultat des Wachsthums, sondern auch die Verthei-
lung einzelner Wachsthumsprozesse auf Regionen von einer
Pariser Linie, - Kleinere Regionen zu messen, erschien wegen
270
der Beobachtungsfehler , von denen später die Rede sein wird,
nicht zweckmässig.
Ehe ich nun zu den allgemeinen Resultaten dieser Mes-
sungen übergehe, ist es nöthig, eine derselben mit solcher
Genauigkeit mitzutheilen, dass die dabei berücksichtigten mor-
phologischen Fragen vollständig zu-übersehen sind. Ich wähle
dazu die Beobachtungen am Stengel von Astrantia major, theils
weil gewisse Internodien derselben sich in einem vorgerückten
Entwickelungsstadium noch um das Fünffache verlängern, theils
weil die mikrometrischen Messungen derselben in diesem Falle
nicht von mir allein, sondern unter der gefälligen Controlle des
Herrn Doctor Bergmann in Göttingen angestellt worden sind.
I. Messung des zweiten Stengelgliedes unter dem
Blüthenstande von Astrantia major.
20. Junius. 30. Junius. 6. Julius.
Skale. 21"
Unter der Skale neu gebildet — 12" — 12"
3°. cd, e Feen _ 42 _ 412"
a a a a N u er N
k,l,mn—i = 35" _ 42" _ 12"
0,P,4 — ur Pe 42" ar 12"
1,5 t = 3" U ra ee
uv, re _ 10" = 40"
Über der Skale neu gebildet — 0 _ 24"
21" — 84" — 108"
Bei der Beurtheilung dieser Messung fragt es sich nun
zunächst, ob die Ausdehnung des Gliedes von 21“ bis auf
408 durch Vergrösserung der einzelnen Zellen oder durch
Bildung neuer Elemente entstanden sei. Betrachtet man nur
den einfachen Umstand, dass während der ersten 10 Tage ein
Zoll langes Stück an der Basis des Internodii eingeschoben,
sodann in den letzten 6 Tagen dasselbe sich noch an der
Spitze um 2 Zoll verlängert hat, also bedeutende Massen von
Gewebtheilen aus der Entwickelung einer Cylinderscheibe, de-
ren Axenhöhe geringer ist, als der Abstand des Knotens von
den äussersten Theilungsstrichen, weil diese noch deutlich an
271
dem angegebenen Orte zu erkennen waren, so wird es schon
hiedurch mehr als wahrscheinlich, dass eine neue Bildung von
Zellen wenigstens an den beiden Enden des Stengelgliedes
stattgefunden hat, und zwar zuerst an der Basis, zuletzt an
der Spitze. Dies ist an sich schon eine sehr merkwürdige
und, so viel ich weiss, früher nicht beobachtete Erscheinung.
Um indessen die oben berührte Frage ganz zu erledigen,
wurden am 6. Julius vergleichende Messungen der Zellen an
zwei Internodien angestellt, von denen das eine das beobach-
tete Internodium von 108” selbst war, das zweite dem ersten
rücksichtlich der Entfernung vom Blüthenstande entsprechende
von einer andern Pflanze genommen ward, bei der dasselbe
60‘ lang war, also in einem Stadium der Entwickelung sich
befand, welches das erstere kurz vor dem 30. Junius durch-
laufen hatte.
Zwei Gruppen von Zellen schienen sich zur Messung
ihrer Länge am besten zu eignen: 1) die Epidermiszellen und
2) die äussersten Markzellen, welche, noch weit von der in
den ältern Internodien entstandenen Marklücke entfernt, un-
mittelbar an die Prosenchymzellen des Gefässbündelkreises
grenzen.
Der Durchmesser dieser Zellen im Sinne der Pflanzenaxe
wurde mittels eines Plössl’schen. Glasmikrometers gemessen,
dessen Theilungsstriche „; Millimeter von einander entfernt
sind. Der grössern Sicherheit des Resultats wegen wurden
die Linien des Mikrometers mittels einer Chambre claire in
festem Abstande und bei gleichbleibender Vergrösserung von
etwa 200 Diam. auf Papier mit Bleistift eingetragen und auf
diesem Maasstabe das Bild der vorher genau ihrer Lage nach
identifieirten Zellen unmittelbar gemessen. Es wurden’ Längs-
_ sehnitte und abgehobene Epidermisblätter aus der Basis, der
Mitte und der Spitze der Internodien gewählt, Das Resultat
war unerwartet genug, alle Zellen zeigten wesentlich gleiche
Dimensionen, folglich war das Wachsthum des Stengels nicht
durch Entfaltung der vorhandenen, sondern allein durch Bil-
dung neuer Zellen erfolgt. Denn lägen in dem halbentwickelten
Stengelgliede noch Cylinderscheiben von ganz kleinen Zellen
versteckt, so hätten sich irgendwo Dimensionsunterschiede in
dem im raschen Wachsthum begriffenen Organe zeigen müssen;
272
Hiedurch wird die allzusehr verallgemeinte Ansicht wider-
legt, dass der Stengel gleich der. Wurzel nur an der Spitze
neue Zellen bilde, eine-Ansicht, die dahin eingeschränkt wer-
den muss, dass die erste Anlage aller Stengelglieder des er-
sten Jahres auf dem Gipfel des Stengels oder in den Axillen
gebildet wird. D
IH. Messung der Zellen.
A. B.
esse‘ n 60" langes Inter- | 108” langes Inter-
Länge der äussern Hodiam: u)
Markzelle:
a) Aus der Basis 4%) — 9. 7, Mill. | 5— 12.%*) 4, Mill.
b) Aus der Mitte 4 —8 2-58. ne
e) Aus der Spitze |5 —9. - - |4— 7.) - -
Länge der gestreck-
ten, die Reifen an une Be
dem Stengel bilden- h 4. 3, Mill. |3— 4. zo Mill.
den Epidermiszellen
Hiebei kommt es allein auf die eingeschalteten Stücke an,
denn die Skale hatte in A schon die volle Länge erreicht.
Gegen den Schluss, dass die erstern durch neue Zellen ge-
bildet würden, welche bei B, c noch kleiner sind, als bei A, c,
kenne ich keinen Einwurf von Erheblichkeit.. Die Einschaltung
solcher grossen Stücke aber in das zusammenhängende Ge-
webe dem Anscheine nach schon weit ausgebildeter Organe
werde ich später als eine allgemeinere Erscheinung des Wachs-
thums nachweisen. Wiewohl es mir nun scheint, dass gegen
die Gültigkeit dieser Methode, die Bildung neuer Zellen im
Internodio zu erweisen, nichts Bedeutendes eingewandt wer-
den kann, so ist doch die Frage erst dann als erschöpft anzu-
sehen, wenn die unmittelbare Beobachtung die Zellenentstehung
innerhalb dieses Raumes nachweist. Es erscheint indessen
#) A ist das Minimum, 9 das Maximum der Länge. So auch bei
den folgenden Werthen. i
#*) Diese Zellen liegen in den später angewachsenen, eingescho-
benen Stücken.
273
passender, meine zu diesem Zwecke angestellten Untersuchun-
gen erst weiter unten anzuführen, indem ich hier nur be-
merke, dass, so wenig deren Resultate in anderer Hinsicht
genügen, sie mir doch in Bezug auf die vorliegende Frage
keinen Zweifel übrig gelassen haben.
Bleiben wir für jetzt bei dem Wachsthum des Stengel-
gliedes stehen, so muss ich ausdrücklich bevorworten, dass
ich die Bildung neuer Zellen keineswegs für die einzige Ur-
sache von deren Entfaltung halte. Ich sehe zwar die: Zellen
im Wachsthum begriffener Stengelglieder nirgends in dem Grade
kleiner werden, wie dies z. B. in der Nähe des Vegetations-
punktes der Wurzel der Fall ist: allein andere Messungen
zeigen, dass man die Entscheidung dieser Frage weiteren Spe-
eialuntersuchungen überlassen müsse. So fand ich, indem ich
bei einer Graminee, wo das Auxanometer wegen der Blatt-
scheiden nicht angewendet werden kann, die Zellenlänge im
Corticalgewebe eines noch eingehüllten und eines schon aus-
gebildeten Internodiums verglich, einen durchschnittlichen Grös-
senunterschied von mindestens 1:2.
II. Phalaris canariensis.
A. Länge der Corticalzellen in dem
auf die Terminalknospe folgen-
den 14” langen Internodium 2—5. Z, Mill.
B. Länge gleichgelegener Zellen aus
dem obern Ende eines ausge-
wachsenen 42“ langen Interno-
diums . 5 > ; .. 4—10. „5 Mill.
C, Ebenso aus der Basis dieses In-
ternodiums . - : . .5—10. 5 Mill.
In diesem Falle muss man daher die dreifache Verlänge-
rung des Gliedes auf die Vergrösserung der Zellenmembranen
beziehen, und man kann sie in der That ganz allein daraus
erklären, wenn man annimmt, dass die grössern Zellen aus
A in andere Gewebtheile z. B. in die Gefässbündel aufgenom-
men wurden, so dass die Corticalzellen in B und € allein
aus den 2 oder 3 Maasseinheiten messenden Zellen von A
abstammen. Es wird also schon aus dieser Betrachtung wahr-
Archiv £. Naturgeschichte, IX, Jahrg. 1, Bd, 418
2
scheinlich, dass das Wachsthum der Gramineen und Umbelli-
feren nach verschiedenen Gesetzen vor sich geht, ein Ergeb-
niss, das ich später aus der Vergleichung der Blattscheiden
beider Familien mit völliger Schärfe nachweisen werde. Viel-
leicht kann dasselbe in der Folge dazu dienen, zwei wider-
sprechende Erfahrungen über den Einfluss des Lichts auf das
Wachsthum zu erklären, Verschiedene Gründe, welche in-
dessen zur Erörterung noch nicht reif sind, machen es mir
nämlich wahrscheinlich, dass die Bildung neuer Zellen im
Lichte aufhöre, oder von der Entbindung von Kohlensäure
begleitet werde, so wie die Bildung des Chlorophylis gleich-
zeitig mit der Entbindung von Sauerstofi erfolgt. Hiemit stim-
men die bekannten Versuche von Mulder über das Wachsthum
der Blätter von Urania überein, wobei zwei Punkte zu be-
rücksichtigen sind, einmal, dass die Wirkung der nächtlichen
Respiration im Innern des Gewebes noch eine Zeit lang bei
Tage fortdauern könnte und das Wachsthum aus diesem Grunde
erst gegen Mittag aufhörte, und zweitens, dass bei der Ent-
wickelung der Blätter, wie ich unten zeigen werde, eine in-
tensive Zellenbildung stattfindet. Wenn nun andererseits die
Vergrösserung der Zellen von jener Bedingung unabhängig
wäre, wenn sie zum Theil nur in einer mechanischen Aus-
dehnung der elastischen Membran bestände, so würde das
Ergebniss der Versuche von E. Meyer, wobei das Wachsthum
des Stengels vorzüglich bei Tage in Folge der höhern Tem-
peratur sich steigerte, weil er dieselben an Gramineen darstellte,
nichts Auffallendes mehr darbieten.
Der Gebrauch des‘ Auxanometers erleidet gewisse Ein-
schränkungen, welche näher zu bestimmen sind, bevor die mit
diesem Instrument gewonnenen Resultate mitgetheilt werden
können. Schon vorhin wurde angeführt, dass man das Wachs-
thum der Internodien bei den Gramineen nicht auf diese Weise
messen könne, weil sie immer zum Theil und Anfangs voll-
ständig von den Blattscheiden eingehüllt sind. Wollte man
diese entfernen, so müsste man befürchten, durch einen sol-
chen Eingriff den natürlichen Gang der Vegetation zu stören:
man ist daher in diesem Falle auf die mikroskopischen Ver-
gleichungen entwickelter und unentwickelter Internodien ein-
geschränkt, Aber dasselbe gilt bei allen Pflanzen von den
275
frühern Entwickelungsstadien ihrer Internodien, so lange sie
in der Knospe eingeschlossen sind. Ohnehin bedürfte man
hier einer viel kleinern Eintheilung des Massstabs — und bei
manchen Pflanzen würde man dadurch vielleicht an Schärfe
der Resultate gewinnen —, aber im Allgemeinen erscheint es
wegen der Grösse der Beobachtungsfehler zweckmässig, erst
bei halbzölligen Internodien zu beginnen und Pflanzen mit
dichtstehenden Blättern ganz von diesen Messungen auszu-
schliessen. Hierdurch büsst indessen das Instrument nur schein-
bar an Brauchbarkeit ein: denn, so viel ich bis jetzt erfahren
‚habe, entwickeln sich die Internodien bei allen Pflanzen bis
zu einer bedeutenden Länge gleichförmig, die Eigenthümlich-
keiten gewisser Familien zeigen sich oft erst so spät, dass sie
bei den Internodien, welche aus irgend einem Grunde nicht
zu ihrer normalen Länge auswachsen, ganz latent bleiben.
Auf diese Weise erklärt sich ein Theil der widersprechenden
Resultate, welche man nicht selten an verschiedenen Individuen
gleicher Art oder an verschiedenen Pflanzen derselben Gruppe
erhält. Als Beispiel führe ich hier Messungen von Tropaeolum
majus an.
IV.
A. B. C.
A und B \ 18. Aug. 4” 18. Aug. 4" - |1. Jul. 14”
sind Gliederf 24. Aug. 9 24. Aug. 9" 4, Jul. 22”
derselben fa=b=c=d |] a=b=c=d. | a=b=c—...o.
Pflanze, C7} (Gleichförmige | (Gleichförmige | (Gleichförmige
wurde zwei Ausdehnung.) | Ausdehnung.) | Ausdehnung.)
"Jahre später 2. Sept. 10” | 2. Sept. 9’
gemessen. ) a+-b=4", 5, | a=b=c=d.
e+d=5", 5. | (Auf gleichför-
(Ausdehnung | miger Ausdeh-
amobernEnde.) | nung stehen
geblieben.
Eine andere Quelle von Beobachtungsfehlern, welche nicht
wie die obenerwähnte durch eine vermehrte Zahl der Messun-
. gen ganz beseitigt werden kann, beruht auf der Schwierigkeit,
den Anfangs- und Endpunkt der Skale an dem Stengelgliede
18*
276
zu bestimmen. Diese Schwierigkeit, in der Natur der Blatt-
insertionen begründet, ist dieselbe, wie bei den Messungen
der Phyllotaxis. Ausser dem Umstande, dass der Stengelkno-
ten, aus welchem das entwickelte Blatt entspringt, weder ein
mathematischer Punkt ist, noch eine horizontale Kreislinie
bildet, ist hier zu berücksichtigen, dass man bei stengelumfas-
senden Blättern, auch wenn sie nicht einmal herablaufen, das
Instrument nicht in gleicher Höhe ansetzen und den untersten
Theilungsstrich der Skale erst über dem Knoten eintragen
kann, weil man sonst statt des Stengels die Blattbasis bezeich-
nen würde. Indessen haben diese Verhältnisse, von denen
die erstgenannten alle genauere Messungen über die Blattstel-
_ lung bisher vereitelt haben, auf das Resultat unserer Unter-
suchung nur einen geringfügigen Einfluss, indem man in allen
zweifelhaften Fällen die unmittelbar am Knoten gelegenen Theile
vernachlässigen kann und die Grenzen des dadurch veranlass-
ten Fehlers bestimmt. Gesetzt ich trüge z.B. an 2 durch'den
Knoten N getrennten Internodien A, B die Skale auf, indem
ich die äussersten Theilungsstriche dem Knoten möglichst zu
nähern suchte, ich fände sodann die Länge jeder der beiden
Skalen —=6", bestimmte hierauf mittelst eines Zirkels den
Abstand von f in A, bis zu a’ inB d.h. den wegen des Kno-
tens vernachlässigten Raum = 1,5", so würde der letztere
Werth bei der zweiten Messung auf folgende Art zu berück-
sichtigen sein. Die Skale in a sei nach einigen Tagen 12”,
die Skale n B=15", der Skalenabstand — 3”, so betrüge
die wahre Verlängerung von A höchstens 15”, ebenso die von
B höchstens 18”. Da das Wachsthum beider Internodien nun
— 12” + 15” + 3” = 30" ist, so wird es wahrscheinlich,
dass A nur 12” + (4:3) = 134", B nur 15 + (5:3)
— 163‘ gewachsen sei. Auf diese Weise kann der Fehler
durch eine grössere Reihe von mittleren Werthen eliminirt
werden. Ich habe diese für scharfe Resultate erforderliche
Correction indessen bei den bisherigen Berechnungen noch
nicht angewendet, weil ich zu wenig vergleichende Messungen
an einer und derselben Pflanzenart angestellt habe. Statt dessen
habe ich den Abstand der Skale vom Knoten geringer als 1“
in allen Fällen angenommen, und Pflanzen, deren Structur
277
die Richtigkeit dieser Voraussetzung zweifelhaft machte, aus
meinen Untersuchungen ausgeschlossen.
Endlich ist bei dem Gebrauche des Auxanometers auch
die Unsicherheit zu berücksichtigen, welche von der veränder-
lichen Dicke der Theilungsstriche herrührt. Diese beträgt un-
ter ungünstigen Verhältnissen, z. B. an einer rauhen Ober-
fläche bei meinem Instrument nach mikrometrischer Messung
ungefähr 4 Millimeter. Durch das Wachsthum vergrössert sich
dieselbe zuweilen so sehr, dass wohl der Raum einer Linie
von der Schwärze bedeckt wird. Der gefärbte Raum erscheint
aber alsdann bis zur Unkenntlichkeit der Grenzen verwischt
und lässt keine einigermassen genaue Messung mehr zu. Die
Erfahrung lehrt, dass diese Ausdehnung der Theilungsstriche
oft überall in gleichem Grade statt findet, dass sie von ge-
wissen Umständen abhängt und, wo diese nicht eintreten, so
gering ist, dass sie bei dem Resultat nicht in Betracht kommt.
Im Allgemeinen vermischen sich die Linien an jungen, rasch-
wachsenden Internodien am beträchtlichsten, allein während
der ersten Periode des Wachsthums dehnten sich alle bisher
beobachteten Pflanzen gleichförmig der Länge nach aus. Fer-
ner besteht die wesentliche Differenz des spätern Wachsthums
in folgendem: Entweder bleiben die Endpunkte der Skale an
den beiden Knoten stehen und im ganzen Stengelgliede sind
die Theilungsstriche bald gleichförmig, bald ungleichförmig
auseinandergerückt (Inerementum continuum), oder zwischen
Skale und Knoten wird ein grosses Stück eingeschaltet, das
oft länger ist, als die ganze Skale (Incrementum intercalare).
Am reinsten ist nun im letztern Falle die Beobachtung, wenn
dabei gar keine Verlängerung der Skale selbst, also auch
keine Veränderung der Theilungsstriche stattgefunden hat.
Doch auch wenn die Skale sich in der ganzen Länge ausdehnt,
wodurch die Theilungsstriche ja eben breiter werden, kann
ein intercalares Wachsthum mit Sicherheit beobachtet werden,
wenn dieses zu einer spätern Zeit erfolgt, als die Ausdeh-
nung der Skale selbst (vrgl. oben Astrantia). Intercalares
Wachsthum ist weiter nichts, als das Product einer
Zellen erzeugenden Oylinderscheibe, deren Axen-
höhe geringer ist, als der Abstand zweier Thei-
Jungsstriche, Nach den bisherigen Beobachtungen findet
278
ein solches jedoch nur an einem der beiden Endpunkte der
Skale, also dicht am Knoten statt und zwar zuweilen auf die
Weise dass dadurch die Verlängerung des Stengelgliedes allein
bedingt ist. Innerhalb der Skale kommen nur Wachsthums-
erscheinungen vor, welche sich über längere Räume derselben
vertheilen, so dass wenn a sich verlängert, b, e u.s. w. jedes-
mal auch, wenn gleich nicht immer in gleichem Grade, ver-
längert sind. Ob diese Verlängerungen der Skale von neuer
Zellenbildung oder von Vergrösserung der einzelnen Zellen
abhängig sei, kann durch das Instrument nicht ermittelt wer-
den, sondern nur ob sie gleichförmig sind oder nicht, sodann
in welcher Periode sie statt finden. In der Regel wird man
dabei die veränderte Dicke der Theilungsstriche hinlanglich
berücksichtigen, wenn man die gemessenen Distanzen mit
Hülfe des arithmetischen Mittels auf Werthe redueirt, die nicht
kleiner sind, als 0,5”. Hierauf und auf die Bestimmung
des interealaren Wachsthums beschränkt sich daher die An-
wendung des Auxanometers. Bei der letztern Aufgabe wird
ohnehin der von der Dicke der Theilungsstriche bedingte Be-
obachtungsfehler verschwindend klein, weil es dabei nur auf
die Messung der ganzen Skale, nicht auf deren Theile an-
YZ
kommt. So würde, gesetzt dieser Werth sei von 5 auf
4”' gestiegen und die Skale sei Anfangs 10”, späterhin 30”
lang, die Grenze des Fehlers für den einzelnen Theilungsstrich
bei gleichförmiger Ausdehnung etwa +, für die ganze Skale
aber nur ;'; der gemessenen Grösse betragen.
Messungen an Stengelgliedern.
Um das Object der Beobachtung näher zu bestimmen, ist
zunächst anzugeben, welche Periode der Entwickelung des
Stengels dieselben umfassen. Der willkürliche, jedoch durch
das Instrument bedingte Anfangspunkt wurde schon oben be-
stimmt. Er muss in eine Zeit fallen, in welcher: das Stengel-
glied noch fortfährt sich gleichförmig auszudehnen. Interno-
dien, die, ehe sie die Länge von 6" erreichen, dieser Bedin-
gung nicht entsprechen, sollten von der Messung ausgeschlossen
werden. Das Ende der Beobachtungen ist durch die Entwicke-
lung des Stengels selbst gegeben. Denn da ein einmal ver-
holztes Internodium sich im vertiealen Sinne niemals weiter
r 279
auszudehnen fähig ist, und die Verlängerung des verholzten
Stengels nur von der Bildung neuer Internodien in der Ter-
minalknospe abhängt, so erhalten die Messungen hiedurch ihre
Grenze, müssen aber auch jedesmal bis zum letzten Stadium
der Verlängerung fortgesetzt werden, weil oft noch zuletzt
der Gang der Entwickelung sich ändert.
Bei gewissen Pflanzen zerfällt die Entwickelung des Sten-
gelgliedes in vier Perioden, die gesetzmässig von einander
getrennt sind. Zu dieser Eintheilung berechtigen z. B. die
Beobachtungen an verschiedenen Caryophylleen. Diese Pe-
rioden sind:
1) Das Stengelglied dehnt sich der ganzen Länge nach
gleichförmig aus. Periode der gleichförmigen Ausdehnung (In-
crementum continuum aequale).
2) Die Skalenabschnitte werden nach der Basis des Glie-
des zu grösser, das Wachsthum ist daher im untern Theile
des Gliedes stärker als im obern. Eine scharfe Grenze zwi-
schen wachsenden und ruhenden Theilen findet dadei aber gar
nicht statt. Als das Centrum der Vegetation des Stengels sehe
ich die Terminalknospe an und nenne daher diese Periode die
der centrifugalen Ausdehnung (Incrementum continuum cen-
trifugum).
3) Die Skalenabschnitte werden nach der Spitze des Glie-
des zu grösser, so dass zuerst die obern den untern gleich
werden und sie zuletzt an Länge übertreffen. Das Wachsthum
ist daher jetzt im obern Theile des Gliedes stärker, als im
untern. Periode der centripetalen Ausdehnung (Incrementum
continuum centripetum).
4) Zwischen einem der beiden, gewöhnlich dem untern
Knoten und der Skale wird ein Stück eingeschaltet. Dies ge-
schieht indessen, wenn alle vier Entwickelungsweisen an einer
Pflanze vorkommen, meistentheils während die zweite oder
dritte Periode noch innerhalb der Skale fortdauert. Zuweilen
ist die Periodieität aber auch ganz scharf, namentlich wenn
die vierte Periode ‘gleich auf die erste folgt, z. B, bei Polygo-
num orientale. Periode des intercalaren Wachsthums (Incre-
mentum intercalare).
Anm. Eine Periode intercalaren Wachsthums habe ich
nur da angenommen, wo das eingeschaltete Stück länger war,
280
als der endliche Abstand von zwei Theilungsstrichen der Skale.
Im entgegengesetzten Falle rechne ich es auf die Beobach-
tungsfehler.
Zur Erläuterung dieser Darstellungen folgen hier ver-
schiedene Messungen.
V. Stengelglied von Silene Armeria.
10, Aug. 11. Aug. 14. Aug. 18. Aug.
a ee a ee
b — Il een U Ban,
c. u 4,5" ga ur = 6
Segen ih Ni
e. a ee
f. ehe ee
ee rt ee
Skale’ 17" = 10,8" md" a 3
Unterhalb a — 0 u Bu jez 4"
Ja N
Anm. Am 24. Aug. war das Stengelglied nicht weiter
entwickelt. Der klebrige Ring hatte sich zwischen dem 14.
und 18. Aug. in f. gebildet. Die Messung vom 11. Aug. er-
giebt das gleichförmige, die vom 14. Aug. das centrifugale,
die vom 18. Aug. das centripetale Wachsthum. Das intercalare
Wachsthum wird hier, da es nur 4“ beträgt, vernachlässigt.
VI. Zweites Stengelglied unter dem Blüthenstande
von Zychnis chalcedonica.
20. Junius 4, Julius 6. Julius
a. 3 3,5" 12 3,5
b. ar) 3,5" 24.\ 3,5"
©. ul 3,5 en 3,5"
d. urn quu mer gu
e. gas 4,5" ren, zu
f. Kor 5 ui 6,5
8. 3: 6 u 10
Skale =7" — 30 _ 36
Unterhalb , — 42" _ 12
42" en 48"
281
Anm. Hier sind nur die letzten Perioden bestimmt. Durch
das intercalare Wachsthum sind hier 12’ gebildet, dann hörte
es auf, als die centripetale Entwickelung noch fortdauerte,
VI. Zwei Stengelglieder von Veronica longifolia,
A. 30. Junius 4. Julius 8. Julius
a. „= 2,5” a gu
b. —_ 2,5. 28 3,5
c. Er yu E32 gu
a art! zu 2:5 zu
e. — 1:0 _ 2,5"
f, 2 u in un
Skale = 6" — 12" _ 18"
B. 30. Junius 8. Julius
x 2. ne 1,5"
b. _ 1.9
ce. Fi} DAL
d. EN ya
e. — Pe
f. _ 2,25
g- —_ 2,25"
h. era? 2,5"
i. — 2,5%
k. — 2,5"
1, ER 2:07.
m. _ 2,75"
n. ee 2,75"
0. um gu
Skale — 14'" _ 31
Anm. Die Vergleichung der Skalen dieser beiden un-
mittelbar auf einander folgenden Stengelglieder zu Ende ihrer
Entwickelung könnte leicht auf den Gedanken führen, dass die
ungleichförmige Ausdehnung ganz gesetzlos erfolge: denn das
obere Glied (A) zeigt die centrifugale, das untere (B) die
eentripetale Ausdehnung. Das Wachstlum beider war ge-
schlossen. Allein bei Silene Armeria sehen wir der centripe-
talen Ausdehnung die centrifugale an demselben Stengelgliede
282
vorausgehen. Bei Veronica findet hier dieselbe Erscheinung
statt, die oben bei Tiropaeolum nachgewiesen ward. Wir
beobachten an allen Pflanzen mit sogenannten Wurzelblättern,
dass gewisse Stengelglieder sich nicht entwickeln. Das Inter-
nodium A ist nicht ganz ausgebildet und zeigt deswegen nur
eine centrifugale Entfaltung, das Internodium B hat das cen-
trifugale Stadium schon früher durchlaufen und zeigt deshalb
bei der Ausdehnung von 14” zu 31”’ nur noch centripetales
Wachsthum,
Diese Beispiele werden in Verbindung mit der früher
charakterisirten Entwiekelung eines Stengelgliedes von Astran-
tia zur vorläufigen Begründung des oben ausgesprochenen
Entwickelungsgesetzes hinreichen. Die Eigenthümlichkeiten
einzelner Familien gehen nun daraus hervor, dass jene Ent-
wickelungsstadien sich bei verschiedenen Pflanzen auf ver-
schiedene Weise combiniren. So kann das letzte Stadium
unmittelbar auf das erste folgen, indem die beiden mittlern
ganz wegfallen, oder das dritte folgt gleich auf das erste,
oder das erste ist das einzige, wenn alle Internodien kurz
bleiben u. s. w. Charakteristische Unterschiede für gewisse
Familien treten aber erst dann hervor, wenn man die äusserste
Entwickelung, die in einer Pflanzenfamilie vorkommen kann,
einmal erkannt hat. Denn wo alle vier Stadien in einem ein-
zelnen Falle heobachtet werden, wie bei den Caryophylleen,
können bei geringerer Entwickelung in andern Fällen nur 3,
oder nur 2 oder nur das erste Stadium in die Erscheinung
treten: man könnte die letztern Fälle eine mehr oder minder
bedeutende Hemmungsbildung des Stengelgliedes nennen. In
andern Familien hingegen wird niemals interealare, oder nie-
mals centrifugale Entfaltung bemerkt. Hiedurch erhalten wir
eine neue Classe von festen Familiencharakteren, die zwar
durch weitere Beobachtungen eine Modification erleiden kön-
nen, aber nach aller induetiven Wahrscheinlichkeit niemals in
jene erste Categorie zummenfliessen werden,
Die möglichen Combinationen der vier Entwickelungssta-
dien sind grösstentheils auch beobachtet, wobei jedoch zu be-
merken, dass die Zahl derselben deshalb viel geringer aus-
fällt, weil ihre Ordnung nie verrückt wird und weil das inter-
oalare Wachsthum von den beiden mittlern Stadien der Zeit
283
noch nicht getrennt ist. Hiernach sind die beobachteten Fälle
folgende:
4) Gleichförmiges Wachsthum für sich allein
kommt in allen natürlichen Familien bei einzelnen Internodien
vor. Ob es Familien giebt, in denen alle Stengelglieder auf
diesem Stadium stehen bleiben, weiss ich nicht. Ich bezweifle
dies, da man bei einzelnen Arten doch entwickelte Blüthen-
stiele anzutreffen pflegt, wenn auch sonst dicht gestellte Kno-
ten die vegetativen Organe ganzer Familien charakterisiren.
Messungen an Internodien, die der Basis des Stengels genä-
hert waren, ergaben häufig dieses Resultat. Ich führe einige
Beispiele (ausser dem schon oben mitgetheilten von 7ro-
paeolum) an:
VII. Sempervivum latifolium Hort. Gott.
4. Julius 8. Julius 10. Julius
a. Er, zur 723 Ey
b. er, Bl Per DA
e. Br. ya ar 2 PL
Skale = zu er 6" Pin: 6"
(Unterhalb a — 0,5 _ 0,5%
IX. Azalea pontica.
4. Julius 8. Julius 10. Julius
a. Fre De | a
b. u DU = 3m
Skale = np 273 4" er 4"
Anm. Hier waren die Theilungsstriche viel breiter ge-
worden, daher sich gewiss nur die Epidermiszellen ausge-
dehnt hatten.
X, Scabiosa atropurpurea.
8. August 12. August
a—m. _ 1,5 F1,5"...64,5"
Skale — 12", . — +48"
2) Wesentlich unterscheiden sich dadurch zwei Reihen
von dicotyledonischen Familien, dass in einer derselben das
284
centripetale Wachsthum der Glieder unmittelbar auf das gleich-
förmige folgt, in der andern aber zwischen beiden Phasen ein
centrifugales Wachsthum stattfindet. In dem letztern Falle
kommt es indessen oft gar nicht zur centripetalen Entwicke-
lung. So sah ich ein dreifach verlängertes Stengelglied von
Foeniculum vulgare am Ende des zweiten Stadiums nicht weiter
fortwachsen, während bei Astrantia (s. 0.) die beiden letzten
Stadien schon bei der zweiten Messung eingetreten waren,
a) Die erste Entwickelungsform, wo das zweite
Stadium fehlt (Inerementum centripetumnormale),
zeigte sich in der grossen Mehrzahl der untersuchten Familien.
Niemals habe ich beobachtet, dass hiemit ein intercalares
Wachsthum verbunden war.
Beispiele. (Vergl. auch oben Tropaeolum.)
XI. ZLupinus versicolor Sweet.
18. August 24. August
2. Bu 2,75.
b. _ 2,75"
G _ 2,75"
d. Er zu
e. an zu
f. = 3,25"
8. ine! 3,5"
Skale = url Am 20
XU. Rosa centifolia.
A. 18. August 24. August 2. Sept,
a. 2 zu Er yın
b. Br zu ar Zu
c. ar. yu par: yu
d. REST). ELERLITE ER. 2
e. ga re zn
Skale = 5" — 10,5" _ 417"
B. 18. August 24. August 2. Sept.
rsnlseie, Anis
b. a 2, zu a zu
e. won 2,5 a gu
d. _ 3 _ 4
Skale — 4 —_ 10 _ 12
XI. Ampelopsis hederacea DC.
8. August 12. August
a. r. quu
b. == q’u
e. — 1,25.
d. _ 1,75“
Skale = 4“' — 5
XIV. Hedera Helix.
4. Julius 6. Julius
a. nu zu
b. _ 1,25"
c. n 1,25
d. — 1,5"
e. _ 1,5“
f. _ 1,5.
g- _ ya
Skale = 7" _ 10
XV. Viola persicifolia R.
A. 4. Julius 8, Julius
a. Ba qu
b. _ 1,57
c. le ya
d. a DALL
e. —_ 2,5."
Skale = 5" = yiu
B. 4. Julius 8. Julius
2. Pe zyıu
b. _ 25.
c. —_ 2,540
d. a zu
Skale — 4." _ 0m
XVI Rubia tinctorum.
4. Julius 8. Julius
a+hbr+rc Hi 4" _ Sa
FUL hu 6"
zu ar 6"
. PR ZUM
zu wu 0 =
FUL ie. gu
zu ze 10°"
Skale — 28 _ 49.
(Über der Skale — 4“)
XVM. Asclepias syriaca.
4. Julius 8. Julius
zu
eI- 2,25"
Be 2,75"
u zu
Fi 5 Jh
zu
ve; zu
Es 4!
a 4
a 4"
nn qui
Skale = 11" u 32
Anm. Die Nichtentwickelung von 1 rechne ich auf die
Beobachtungsfehler.
Trrrameasze
b) Die zweite Entwickelungsform, wo dem er-
sten das zweite, dem zweiten das dritte Stadium
folgt (Incrementum centrifugum et centripetum),
ist mit Sicherheit bei Umbelliferen, Caryophylleen, Serophu-
larineen, Synanthereen und Cucurbitaceen beobachtet. Es ist
ungewiss, ob das centripetale Wachsthum hiebei in ganzen Fami-
lien normal wegfällt, wie es z. B. bei der Hyacinthe nach Mün-
ter’s Messung der Fall ist. Bei Lilium bulbiferum entwickelt
sich hingegen der Blüthenstiel zuletzt centripetal, In einzelnen
287
Internodien kömmt, wie schon angeführt, centrifugale Entfal-
tung für sich in den erwähnten Familien häufig vor.
Beispiele. (Vergl. oben Silene Armeria, Lychnis chalcedo-
nica, Veronica longifolia.)
XVIN. Cucurbita Pepo,
10. August 14. August 18. August
ab — 201 eb! q'u Eril 6
yiu Frei" zu Bu 6
yıu ge gu EI gi
ya EL gu Ar gi
Di A zn N gut
Skale = 10‘ _ 47 — 39
3) Das intercalare Wachsthum ist eine hervor-
stecehende Eigenthümlichkeit bestimmter dicotyle-
donischer Familien. Allein dies scheint in weit höherm
Grade der Fall zu sein, wenn es unmittelbar auf das erste
Entwickelungsstadium folgt, als wenn es die beiden mittlern
Stadien oder eins derselben begleitet. Das letztere kommt in
mehrern Familien bei einzelnen Pflanzen vor, z. B. bei Syn-
anthereen, Umbelliferen; das erstere ist bisher nur bei den
Polygoneen, in der Sphäre des Blattes aber auch bei den
Umbelliferen und Gramineen beobachtet. Hiernach ergeben
sich noch zwei Entwickelungsformen des Stengelgliedes.
a) Intercalares neben ungleichförmigem Wachs-
thum (Inerementum centripetum et intercalare);
z.B. Astrantia (=. 0.).
XIX. Sonchus oleraceus.
10. August 14. August 18. August
Skale — 12" —_ 13'% _ 170
Unter der Skale — 6% —_ zus
ED ARR Br qg." u za
b) Interecalares Wachsthum an der Basis des
Stengelgliedes folgt auf das gleichförmige und ist
von viel grösserer Intensität (Incrementum inter-
calare proprium),.
XX. Polygonum orientale.
10. Aug. 14. Aug. 18. Aug. 24. Aug.
Skale de; gr ig 42 ds 42" u zu
Unter der Skale = 0 _ a — 37%
Länge d. Gliedes = 8" — 20" — 34 _ 49
Dies ist unstreitig eins der auffallendsten Resultate. Ein
zwischen Skale und Knoten eingeschaltetes Stück von mehr
als 3 Zoll Länge kann nur von einem lange Zeit Zellen er-
zeugenden Vegetationspunkte abhängig sein, der inmitten des
scheinbar fertigen Cylinders liegt. Die Idee E. Meyer’s erhält
hiedurch eine glänzende Bestätigung, aber soviel mir bekannt,
ist dies die erste speziell mitgetheilte Beobachtung über einen
so wunderbaren physiologischen Vorgang.
Nachdem ich nun die verschiedenen Entwickelungsformen
des Stengelgliedes nachgewiesen habe, muss ich von diesem
allgemeinen Standpunkte aus noch einmal auf die Frage ein-
gehen, wo diese Vorgänge einer Vergrösserung der in der
Knospe gebildeten Gewebtheile zuzuschreiben sind und wo
sie von wirklichen Vegetationspunkten ausgehen. Welche
Zweifel die Zellenmessungen übrig lassen, habe ich schon
oben auseinandergesetzt. Ich glaube jedoch aus andern Beob-
achtungen dieser Art schliessen zu dürfen, dass das Stadium
des ungleichförmigen Wachsthums nur von Vergrösserung der
Zellen abhängt. So finde ich, dass die Markzellen eines 1”
langen, in vollem Wachsthume begriffenen Gliedes von Aubia
tinctorum zwei bis dreimal so lang im untersten, als im ober-
sten Theile sind, dass man also hiernach die obige Messung
dieser Pflanze mit dem Auxanometer vollständig auf diese
Weise erklären kann, indem zuletzt alle Markzellen gleich
lang würden, Ferner hatten jene kleine Markzellen im obern
Theile des Stengelgliedes einen albuminreichen Inhalt mit un-
deutlichen Chlorophylikügelchen und besassen in den meisten
Wänden Cytoblasten, während die grossen Zellen aus der
Basis des Gliedes keine Cytoblasten enthielten, während statt
des gleichfalls verschwundenen Albumins sich dünne gallertar-
tige Incrustationen an ihre Membran gelegt hatten, während
die Gefässbündel, von denen sie eingeschlossen sind, viel mehr
ausgebildet und reicher an Spiralgefässen ‘waren, Also waren
289
hier zwei Entwickelungsstufen gleicher Zellen nicht bloss der
Grösse, sondern auch dem "Inhalte nach. Bei Viola persiei-
Folia machte ich ähnliche Beobachtungen. Hier waren die
obern, noch unentwickelten Markzellen so lang als breit,‘ die
untern zwei- bis dreimal so lang als breit. Die erstern ent-
hielten wenig Chlorophyll und: gallertartige Inerustationen, sie
wurden von Gefässbündeln eingeschlossen, die grösstentheils
aus Prosenchymzellen bestanden. Der untere Theil des Sten-
gelgliedes enthielt in seinen Gefässbündeln zahlreiche Gefässe,
die gallertartigen Incrustationen der Markzellen waren ver-
schwunden, das Corticalparenchym war reich an Chlorophyll-
kügelchen. Dasselbe zeigten die Parenchymzellen von PAlox
paniculata, die von der Basis des Gliedes im Mittel Z; Mill.,
an der Spitze häufig zz Mill, maassen. In den obern Sten-
gelgliedern von Peucedanum alsaticum sah ich die Zellen in
demselben Verhältniss kleiner werden, als die Glieder selbst
weniger entwickelt waren. Bei jungen Gliedern von Sedum
ibericum sah ich unten in den Markzellen mehr Amylum,
dünnere Zellmembranen und in den Gefässbündeln weniger
Gefässe, als an der Spitze. Durch diese Beobachtungen scheint
mir die Thatsache festgestellt, dass während der ungleichför-
migen Entwickelung entsprechende Zellen von ungleichem Ent-
wickelungsgrade vorhanden sind, und dass daher das zweite
und dritte Stadium nur von einer Ausbildung der einzelnen
Zellen abhängt.
Während des ersten Stadiums der Entwiekelung geht na-
türlich die Zellenbildung von der ersten Entstehung der Ter-
minalknospe bis zu einen gewissen Punkte fort, und dieser
wäre genauer zu bestimmen. Ich glaube nur so viel aus mei-
nen bisherigen Beobachtungen schliessen zu dürfen, dass dieser
Zeitpunkt ziemlich spät eintritt, Die gleichförmige Entwicke-
lung scheint gerade die Wirkung des Umstandes zu sein, dass
in der ganzen Länge des Gliedes neue Zellen entstanden sind.
Wenn aber am Ende der Periode diesg Productionsfähigkeit
nieht auf einmal, sondern allmälig entweder von oben nach
unten oder von unten nach oben erlöscht, so könnte hievon
die Richtung abhängen, welche die Entfaltung während der
zweiten oder dritten Phase verfolgt, indem anzunehmen ist,
dass jede Zelle nach ihrer Entstehung erst einer gewissen
Archiv f. Naturgeschichte. IX. Jahrg. 1. Bd. 19
290
Ruhe, oder vielmehr einer allmäligen Veränderung ihres In-
halts bedürfe, bis sie sich weiter zu entfalten fähig ist. Bei
den Pflanzen mit intercalarem Wachsthum dauert die Zellen-
bildung dagegen, nachdem sie in der Continuität des .-Gliedes
erloschen ist, noch an dem äussersten Ende fort und verhält
sich genau so wie der merkwürdige Vegetationspunkt, den ich
später an den Blättern, gleichfalls mitten im Gewebe, nach-
weisen werde. Indem ich für die Begründung dieser Sätze
weitere Untersuchungen für erforderlich halte, erwähne ich
hier nur noch der Beobachtungen, welche ich über die durch
interealares Wachsthum gebildeten Zellen an Astrantia major
gemacht habe. Wir haben gesehen, wie spät diese Theile,
namentlich an der Spitze des Stengelgliedes, entstehen. An
den Markzellen konnte ich leicht erkennen, dass sie erst kürz-
lich gebildet seien. Denn sie enthielten noch Cytoblasten. In
der Zellenflüssigkeit entstand durch Jod ein Niederschlag von
gelblich-braunen Körnern. An den sehr zarten Wänden zeig-
ten sich gallertartige Ablagerungen. Ich bemerkte auch ähn-
liche Andeutungen von Zellentheilung, wie ich sie bei der
Vegetation des Blattes genauer werde darzustellen im Stande
sein. ‘Dieselben Erscheinungen zeigten die obersten und un-
tersten Parenchymzellen des Gliedes. Über die Art, wie die
Gefässbündel beständig an diesen Vegetationspunkten nach-
wachsen, enthalte ich mich bis jetzt jeder Vermuthung. Ich
erwähne in dieser Beziehung nur eine Beobachtung an Dian-
thus plumarius, Die obersten durch continuirliches Wachsthum
ausgebildeten Stücke eines noch nicht ganz ausgewachsenen
Stengelgliedes enthielten viele, an Gefässen reiche, Gefässbün-
del und ein mit Chlorophylikügelchen gefülltes Rindenparen-
chym, während die untersten, die durch intercalares Wachs-
thum eingeschaltet sind, in den Gefässbündeln nur wenige,
einzelne Spiralgefässe und im Parenchym nur einzelne Chlo-
rophylikügelchen zeigten. In beiden Stücken aber wa-
ren die Markzellen gleich gross, verhielten sich also
in dieser Rücksicht den während eines centripetalen oder cen-
trifugalen Wachsthums verglichenen gerade entgegengesetzt.
Auch diese Erscheinungen liefern den unzweideutigen Beweis,
dass bei dem intercalaren Wachsthum neue Zellen gebildet
291
“ werden, sowie sie zeigen, dass auch die Gefässbündel hier
Jünger sind, als im obern Theile des Stengelgliedes.
Werfen wir nun noch einen Blick auf die Literatur über
diesen Gegenstand, so unterscheidet sich das hier nachgewie-
sene Entwickelungsgesetz, wiewohl mit keiner der wirklichen
Beobachtungen im Widerspruch, doch von allen bisher aufge-
stellten Theorien wesentlich.
4) E. Meyer (Linnaea 1832 S. 454) schreibt Dianthus
eine centrifugale Entfaltung der Internodien zu, und erweitert
diese richtige, aber nur auf eine einzelne Periode des Wachs-
thums beschränkte Thatsache zu einer irrigen Theorie für
die Internodien aller Pflanzen. Die obigen Messungen an In-
ternodien von Silene Armeria beweisen, dass jener centrifu-
galen Ausdehnung eine gleichförmige vorausgeht und eine cen-
tripetale nachfolgt. Zugleich findet ein intercalares Wachsthum
an der Basis des Stengelgliedes statt. In den meisten Familien
giebt es gar kein centrifugales Stadium.
2) Link (Elem. philos. Ed. alt. Vol. I. p. 288) stellte die
zweite Messung erst nach mehreren Wochen an und fand da-
her nur das Ergebniss des Ganzen, welches bei den Pflanzen,
mit denen er experimentirte, eine centripetale Entfaltung ist.
Die darauf gegründete, jetzt sehr in Aufnahme gekommene
Theorie ist daher der von E. Meyer entgegengesetzt. Sie be-
zieht sich zwar auf eime viel allgemeinere Thatsache, als die
erstere, jedoch auch nur auf eine einzelne Entwickelungs-
phase, und für gewisse Pflanzen, z. B. Polygonum orientale,
wo dieses Stadium nicht eintritt, ist sie unrichtig.
3) Münter, der an Genauigkeit der Messungen und an
Resultaten seine Vorgänger weit übertrifft, hat das erste Sta-
dium der gleichförmigen Ausdehnung zuerst richtig erkannt
(Linneaea 1841 S. 223). Er nimmt an, dass die Glieder ge-
wisser Pflanzen centrifugal, anderer centripetal sich entfalten,
allein er berücksichtigt nicht, dass der centrifugalen Entfal-
tung, wenn das Glied sich ganz ausbildet, eine centripetale
folgt. Das intercalare Wachsthum erkennt er nicht, wiewohl
er es beim Blüthenstiel der Hyaeinthe (S. 221) beobachtete,
Keiner der bisherigen Beobachter hat die Frage zu lösen
versucht, welche Phasen. bei der Entfaltung des Stengels von
19 *
292
einer Bildung neuer Zellen abhängig seien. Endlicher und
Unger (Grundzüge der Botanik &. 991) haben das Wachsthum
des Stengelgliedes ausschliesslich von der Vergrösserung der
Zellen der Terminalknospe abgeleitet. Ich kenne die Beob-
achtungen nicht, auf welche diese Theorie sich stützt, die in
solcher Allgemeinheit nicht begründet ist, wiewohl sie den
beiden mittlern Stadien der Entfaltung entspricht.
Beiträge zur Kenniniss der natürlichen Familien
der Fische.
Von
Josie gdaidke:
Gelesen in der Königl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin’
am 16. und 23. Juni 1842 und am 3. August 1843.
Anatomische und zoologische Studien in den verschiede-
nen Familien der Fische angestellt, haben mich manches Un-
vollkonmne in der bisherigen Olassification der Fische erken-
nen lassen. Cuvier hat das grosse Verdienst, die Gattungen
der Fische grösstentheils begründet und von ihren heterogenen
Einmischungen befreit zu haben. Wer da weiss, wieviel des
Unkrauts hier auszuroden war, wird dieser Arbeit Cuvier’s
und seines Mitarbeiters und Nachfolgers Valeneiennes seine
Bewunderung nicht versagen. Auch in der Ordnung der Fi-
sche in natürliche Familien hat Cuvier Grosses geleistet. Meh-
rere seiner Familien entsprechen allen Anforderungen, die
man an ein natürliches System machen muss, und sind für
immer festgestellt, so die Familien Labroiden, Theutier, Scle-
rodermen, Gymnodonten, Siluroiden, Cataphracten, Pedicula-
ten, Labyrinthfische, Fistularien, Lophobranchier.. Manches
f 293
Andere ist weniger gelungen. Dahin rechne ich z. B. die Fa-
milie der Maeniden; sie sind von den Sparoiden nicht zu tren-
nen und sind von ihnen nur geschieden worden, weil Maena
mit Vomerzähnen die Sparoiden zersetzen würde. Ihr Haupt-
charakter, das vorstreckbare Maul, findet ‚sich auch noch in
andern Familien, und selbst unter Pereoiden (Nandus). Am
wenigsten gelungen ist die Classification der Weichflosser, sie
ist grossentheils eine künstliche und enthält zugleich eine
Menge von Inconsequenzen. Völlig irreführend ist unter den
Weichflossern jedenfalls der Antheil, welchen Oberkiefer, Zwi-
schenkiefer, Vomer, Gaumenbeine an. der Bezahnung nehmen.
In dieser Hinsicht finden sich die grössten Verschiedenheiten
bis zur völligen Zahnlosigkeit in wohlbasirten Familien, wie
man bei den Siluroiden, Salmen im engern Sinn, Clupeen im
engern Sinn sieht. Daher die Familie der Esoces Cuvier’s am
wenigsten begründet ist und in der That bei weiterer Einsicht
der natürlichen Familien der Weichflosser sich völlig auflöst,
gleichwie auch die Cyprinoiden, Salmonen und Olupeen Cu-
vier's Gemische von heterogenen Familien sind.
Ehe ich mich über einige von mir gewonnene Fort-
schritte verbreite, schicke ich 'einige Bemerkungen über den
Werth mehrerer zoologischer Charaktere voraus, auf welche
man bisher theils zu viel, theils zu wenig Werth gelegt hat.
l. Über den Werth der Flossenstrahlen in der
Systematik und über die Fische mit vereinigten
Bauchflossen.
Die grosse Mehrzahl der Knochenfische, nämlich nach
Abzug der Lophobranchier und Plectognathen, konnte Cuvier
nicht anders als nach den unbeständigen Flossenstrahlen ein-
theilen. Er zerfällte sie in Acanthopterygier und Malacopte-
rygier, letztere aber wieder in Abdominales, Subbrachii und
Apodes. Man kann das so zu theilende Feld aber, wie ich
zeigen werde, um ein gutes Stück vermindern, indem man
einen Theil der Acanthopterygier und Malacopterygier, weil
sie vereinigte untere Schlundknochen haben, zusammen in eine
besondere grössere Abtheilung bringt und daraus eine sehr
sichere Ordnung derFische, Pharyngognathi, gründet. Nach
Abzug der Orduungen Lophobrasichier, Plectognathen und Pha-
294
ryngognathen bleibt dann immer noch die grössere Menge der
Knochenfische übrig, die nur nach mehr unsichern Bestim-
mungen in Ordnungen gebracht werden können, wie eben die
Acanthopterygii, Malacopterygii subbrachii, Malacopterygii ab-
-Jominales und Malacopterygii apodes sind.
Ich werde hier zunächst einige Bemerkungen mittheilen,
welche eine grössere Sicherheit in Hinsicht der Begriffe über
Acanthopterygier und Malacopterygier bezwecken. Cuvier hat
anerkannt, dass diese Scheidung nicht streng ausführbar sei,
und er hat wissentlich sich mehrere Ausnahmen erlaubt, wie
bei: den Zoarces unter seinen Gobioiden, bei den Opkice-
phalus unter den Labyrinthfischen, bei den Zampris unter den
Scomberoiden. Man kann dazu auch die Malthe unter den
Pediculaten zählen, bei welchen es unbeachtet geblieben‘ ist,
dass sie nach ihrer Rückenflosse Malacopterygier sein würden.
Diese Inconsequenzen lassen sich beseitigen, wenn man
mit Cuvier den Begriff der Acanthopterygier nicht allein in die
Stacheln der Rückenflosse, sondern auch in die Bildung der
Bauchflossen legt. Die Acanthopterygier haben nämlich, wenn
sie vollständige Bauchflossen besitzen, durchgängig und ohne
Ausnahme einen ungegliederten ersten Strahl der Bauchflossen.
Hiernach sind auch die Lampris, Malthe, Ophicephalus Acan-
thopterygier. Ich sagte eben, wenn sie vollständig entwickelte
Bauchflossen haben; denn Zoarces mit unvollständig entwik-
kelten Bauchflossen entbehrt allerdings diesen ersten ungeglie-
derten Strahl, den übrigens seine Verwandten die Blennien mit
gleichfalls unvollständigen Bauchflossen besitzen.
Auf diese Weise lassen sich. daher die Acanthopterygiü
von den Malacopterygii subbrachii, mit denen sie am ehesten
verwechselt werden können, scharf sondern, und lassen sich
letztere also bezeichnen: Weichflosser, bei denen die unter
den Brustflossen stehenden Bauchflossen, auch wenn sie voll-
ständig entwickelt sind, nur gegliederte Strahlen enthalten.
So verhalten sich die Gadoiden und Pleuronecten, welche
allein die Ordnung der Malacopterygii subbrachii ausmachen;
denn dass die Discoboli nicht dahin gehören, werde ich so-
gleich beweisen.
Schwieriger ist die scharfe Sonderung der Acanthopterygü
und der Malacopterygii abdominales, weil mehrere der letzteren
295
wirklich einen ungegliederten ersten sehr kurzen Strahl in den
Bauchflossen haben. Allein hier giebt die Stellung der Bauch-
flossen Auskunft, da die wenigen Acanthopterygier, welche
eine abdominale Stellung der Bauchflossen haben, wie Nota-
canthus, schon durch die Beschaffenheit ihrer Rückenflosse
entschieden als Acanthopterygier bezeichnet werden.
Nun liegt mir ob, zu beweisen, dass die Discoboli Cu-
vier's von ihm mit Unrecht unter die Malacopterygii subbra-
chii versetzt worden sind, und dass sie zum grössern Theil
entschiedene Acanthopterygier sind.
Die Discoboli gleichen den Gobien durch ihre vereinigten
Bauchflossen, diese stehen unter den Acanthopterygiern und zwar
mit den Blennien und andern Fischen ohne vereinigte Bauch-
flossen in der Familie der Gobioiden Cuy., die keine natür-
liche Familie ist. Es ist zu verwundern, dass die Naturfor-
scher Jie Gobien und Discoboli, diese einander so nahe ste-
henden Thiere, meist so weit aus einander gebracht haben.
Dies rührt -ohne Zweifel daher, weil man das Skelet des
Cyelopterus lumpus so weich fand und deswegen diesen Fisch
lange zu den Knorpelfischen zählte.
Wie wenig auf diesen Umstand zu geben ist, beweisen
schon seine nächsten: Verwandten die Lepadogaster und @o-
biesox, deren Skelet völlig hart ist. Ich will nun beweisen,
dass die ganze Familie der Discoboli mit den Gobien zusam-
wenkommen muss, indem ich zeige, dass die mehrsten Disco-
boli wahre Stachelflosser sind. Denn wenn erst dieses fest-
steht, so ist die anderweite Ähnlichkeit der Gobien und
Discoboli in allen Beziehungen und am meisten in der Scheibe
der Bauchflossen, welche Risso sie zu vereinigen bewog, SO
gross, dass Niemand weiter an dieser Identität zweifeln: wird.
Untersucht man die erste etwas versteckte Rückenflosse
des Cyelopterus lumpus genauer durch Präparation, so zeigt
sich, dass sie ganz aus einfachen Knochenstrahlen ohne alle
Artieulation besteht.
Die Liparis haben nur eine einzige Jange Rückenflosse
von biegsamen Strahlen. Die ersten 15 Strahlen derselben
sind völlig einfach und ohne Spur von Articulation.
Die Gobiesox haben nur 2 einfache unarticulirte Strahlen
am Anfang ihrer Rückenflosse. Bei Lepadogaster endlich fehlen
296
die unarticulirten Strahlen der Rückenflosse ganz, wie bei
Zoarces unter den Blennien, Ophicephalus unter den Laby-
rinthfischen, Malthe unter den Pediceulaten. Da die Gobiesor
und Zepadogaster indess einen ersten kurzen unarticulirten
"Strahl der Bauchflossen besitzen, so giebt sich auch hierin
ihre Verschiedenheit von den Malacopterygii subbrachii zu
erkennen.
Die penisartige Papille, welche man bei mehreren Go-
bioiden und zuweilen in beiden Geschlechtern antrifit, findet
sich auch bei den Zepadogaster und zwar in beiden Ge-
schlechtern, bei den Gobiesoxr wenigstens bei den Männchen.
Die Anomalie, dass die Cyelopterus zahlreiche appendices py-
ploricae haben, während die Gobien gar keine besitzen, ist
schon durch Zepadogaster und Gobiesox vermittelt, welche
auch keine besitzen, obgleich sie mit den Cyelopterus in der
Familie der Discoboli vereinigt waren. Ähnliche Anomalien
finden sich auch in anderen Familien, wie bei den Aalen,
denen Ouvier als Familiencharacter die Blinddärme abspricht,
während er bald darauf bei den Gymnotus zahlreiche Blind-
därme selbst und richtig anführt.
Die Echeneis können auch nicht unter den Malacopterygii
subbrachii bleiben. Sie haben in der Rückenflosse 2 unarti-
eulirte Strahlen und ihre Bauchflossen bestehen aus einem
einfachen ungegliederten und 5 artieulirten verzweigten Strahlen.
Hieraus folgt nun, dass die Discoboli mit denjenigen
Acanthopterygiern, welche trichter- oder scheibenförmig ver-
einigte Bauchflossen haben, oder den Gobien und Verwandten,
zu einer Abtheilung Oyelopoden zu vereinigen sind, wäh-
rend alle bisherigen Gobioiden mit getrennten Bauchflossen
als Blennioiden eine besondere Familie bilden.
Die Blennioiden sind die Stachelflosser mit rundlichem
Körper, schleimiger Hautoberfläche, getrennten Bauchflossen,
ohne Blinddärme, dahin gehören auch die BZleotris, Callionymus,
Trichonotus, Comephorus. Die Papilla genitalis kömmt bei meh-
reren derselben, wie bei mehreren Gattungen der Gobien,
aber auch bei Bythites Reinh. unter den Gadoiden und bei
den Männchen der Anzableps unter den Cyprinodonten vor und
ist nicht hinreichend, um darauf eine Familie zu gründen.
Cuvier’s Familie der Gobioiden ist in keiner Weise be-
297
gründet, er charakterisirt sie durch dünne biegsame Rücken-
stacheln, einen Darm ohne Blinddärme und den Mangel der
Schwimmblase.
Mehrere Blennien haben die festesten Rückenstacheln, ebenso
Gunellus. Opisthognathus Cuv. besitzt eine Schimmblase, gleich-
wie mehrere Gobien.
Die Abtheilung der Cyclopodi Nob. zerfällt dann in 3
Gruppen:
1) Die Gobioiden: Gobius Schn., Gobioides Lac., Pe-
riophthalmus Schn., Apocryptes Val., Trypauchen Val,, Am-
blyopus Val., Boleophthalmus Val., Sieydium Val.
2) Die Discoboli: Cyclopterus L., Liparis Art., Gobiesox
Cuv., Sicyases Müll. Trosch., Cotyls Müll. Trosch., Lepado-
gaster Cuv.
3) Die Echeneiden: Zcheneis.
Die beiden ersten Gruppen unterscheiden sich von ein-
ander durch die Strahlen der horizontalen Flossen und den
Bau der Kiemen. Der Trichter der Bauchflossen der Gobien
besteht mit Ausnahme des ersten Strahls aus verzweigten
Strahlen, bei den Discoboli aus unverzweigten. Die Brust-
flossen der Gobien haben verzweigte, die Cyclopterus nicht
minder, die anderen, Lepadogaster, Gobiesox u. a,, unver-
zweigte Strahlen der Brustflossen. Wichtiger ist der Unter-
schied der Gobioiden und Discoboli in Hinsicht des Baues
der Kiemen. Die Gobien nämlich haben 4 ganze, d.h. dop-
peltblätterige Kiemen und eine Spalte noch hinter der letzten
Kieme, wie gewöhnlich. Die Discoboli dagegen haben höch-
stens. 33 Kiemen, indem die letzte Kieme nur aus einer
einfachen Reihe von Blättchen besteht, und die letzte Kie-
menspalte zwischen der 4. Kieme und dem Schlundknochen
fehlt. Darin stimmen COyelopterus, Liparis, Gobiesox, Lepado-
gaster überein. Zwei neue Gattungen haben sogar nur 3 Kie-
men, und ist die letzte Kiemenspalte zwischen dem 3. und 4.
Kiemenbogen, so ist es bei den Gattungen Sieyases und Co-
tylis Müll, Trosch. *)
#) Cotylis noy. gen. prope Gobiesox haben die Zähne der Go-
biesox, nämlich kegelförmige Zähne in den Kiefern, in einer Reihe,
hinter den vordern grössern ein Haufen kleinerer, sie unterscheiden
298
Die dritte Gruppe, die Zcheneis umfassend, hat.4 voll-
ständige Kiemen und auch die letzte Kiemenspälte.
Ob die Cyclopoden als Familie der Acanthopterygier
oder als Ordnung der Fische, Familien einschliessend, anzu-
sehen sind, darüber kann man verschiedener Meinung sein.
Nach den Prineipien, nach welchen andere Ordnungen gebil-
det sind, wäre man auch dann berechtigt, die Cyclopoden als
Ordnung zu bilden, wenn die Discoboli das, wofür sie ehe-
dem gehalten worden, Weichflosser wären. Denn so sind in
der Ordnung der Plectognathen Stachelflosser und Weich-
flosser vereinigt unter dem Princip der Verwachsung des
Oberkiefers und Zwischenkiefers. Nachdem aber die mehr-
sten Discoboli als entschiedene Stachelflosser nachgewiesen
sind, werden die Cyclopoden auch als Familie der Stachel-
flosser nicht mehr Anomalien enthalten, als andere Familien
der Acanthopterygier, in denen Gattungen vorkommen, welche
wenigstens in der Rückenflosse den Ordnungscharakter able-
legen. Ohne mich für jetzt für die eine oder andere Ansicht
auszusprechen, und ohne auf diese Frage grossen Werth zu
legen, so will ich nur bemerken, ‚dass die grosse Menge der
übrig bleibenden Acanthopterygier durch Subiraction natür-
licher Ordnungen eher gewinnen als verlieren würde, da sie
von Cuvier selbst nach Abzug einiger natürlicher Ordnungen
hauptsächlich auf negativen Charakteren und durch Exelusion
basirt sind.
Il. Über den systematischen Werth der Schuppen.
Agassiz grosse Leistungen in der Ichthyologie haben den
Schuppen eine verdiente grössere Bedeutung für die Syste-
sich von den Gobiesox, dass sie nur 3 Kiemen haben und dass die
Kiemenhaut von beiden Seiten her einen zusammenhängenden, am
Isthmus nicht angewachsenen Mantel bildet.
Art: Cotylis nuda Müll. Trosch. (Cyelopterus nudus Bl. Schn.)
Sicyases nov. gen.
haben auch nur 3 Kiemen und gleichen den vorigen auch in der Kie-
menhaut, aber sie haben nur eine einfache Reihe von Zähnen in den
Kiefern, ihre mittlern grössern Zähne sind schneidend, die seitlichen
sind kegelförmig
Art: Sicyases sanguineus Müll. Trosch. blutroth. Chili,
299
matik gegeben. Insbesondere sind es die knöchernen mit
Schmelz bedeckten Schuppen so vieler fossiler Fische, unter
den lebenden nur in den Gattungen Polypterus und Lepisosteus
wiederkehrend, denen man unbedingt einen systematischen Werth
zuschreiben muss. Es ist hier nicht der Ort, die wichtigen
Resultate zu besprechen, welche daraus fir die Kenntniss der
fossilen Fische hervorgegangen sind. Sie sind für die Clas-
sification vieler derselben entscheidend, wie schwer auch in
einzelnen Gattungen die Grenzen an fossilen Überresten zu
ziehen und zu erkennen sind. Bei der Untersuchung des fei-
neren Baues der Schuppen der Polypterus und Lepisosteus fin-
det sich keine Übereinstimmung mit dem Bau der Schuppen
der mehrsten Knochenfische. Diese Schuppen zeichnen sich
durch den Besitz der strahligen Knochenkörperchen*) aus und
zeigen nichts von den nach der Peripherie auslaufenden Thei-
lungslinien, oder Näthen, und von den concentrischen, er-
habenen Linien anderer Schuppen. Viel geringer ist der
systematische Werth der Unterschiede in der Bildung des
freien Randes der Schuppen,” ob die Fische nämlich ganz-
randige Schuppen haben (Cyecloiden), oder ob sie Schuppen
mit gezähneltem oder gewimpertem freiem Rande der Schup-
pen besitzen (Ctenoiden); und muss man vielmehr anerkennen,
dass eine Classification der übrigen Fische in Cycloiden und
Ctenoiden, wie sie Agassiz und der Prinz von Canino und
Musignano versucht haben, durchdringend nicht ausführbar ist.
Peters hat bereits bei seinen Untersuchungen über den Bau
der Schuppen**) auf die in dieser Hinsicht vorkommenden
Übergänge und Inconsequenzen im Allgemeinen aufmerksam
gemacht. Gleichwohl behalten diese Unterschiede ihren Werth
zur Charakteristik mehrerer Familien, dagegen giebt es Fa-
iilien, in denen Cycloiden und Ötenoiden als Gattungen vor-
kommen, ohne dass sie daraus ausgeschieden werden können,
und es giebt hinwieder selbst einzelne Gattungen, in welchen
Cyeloiden und Ctenoiden neben einander als unverkennbare
Arten harmoniren. Bei meinen Untersuchungen über den Werth
der Charaktere der natürlichen Ordnungen, Familien, Gat-
*) Müller’s Archiv f. Anat, u. Physiol. 1841. Jahresbericht CCXVIL
%*) Müller’s Archiv 1841, Jahresbericht CCIX.
300
tungen musste es mir besonders daran gelegen sein, die Gren-
zen der Anwendung jener Charaktere empirisch festzustellen;
das Folgende gründet sich auf die Untersuchung von mehre-
ren hundert Gattungen von Knochenfischen.
Die Unterscheidung in Ctenoiden und Cycloiden ist in
mehreren Fällen vortrefflich zur Charakteristik natürlicher Fa-
milien, wenn die Unterschiede mit anderen wesentlichen zu-
sammentreflien. Schon daraus erkennen wir 2.B., dass die
Labroiden und Chromiden scharf aus einander gehen, welche
der Prinz Bonaparte richtig scheidet, da sie auch in anderer
Hinsicht anatomisch abweichen. So sind die eigentlichen Sal-
mones Müll. und die Charaeinen sämmtlich Cycloiden. In
anderen Fällen können wir wenigstens Gruppen einer Familie
auf diese Weise unterscheiden. Die Atherinen sind Cyeloiden,
die Mugil sind Ctenoiden, wenigstens die von mir untersuch-
ten Arten, obgleich die Mugil, ich weiss nicht aus welchem
Grunde, von Agassiz und Bonaparte für Cycloiden gehalten
werden.
In vielen Fällen kann jenes Princip nieht zur Charakte-
ristik der Familien benutzt werden, da sich in sicher be-
gründeten Familien Ctenoiden und Cycloiden neben einander
finden. Es ist alles gut, so lange sich mit Ausscheidung der
Heterogenen helfen lässt. So hat man die Pereoidei eycloi-
dei, Trachinus, Uranoscopus, Sphyraena von den übrigen Per-
coiden auszuscheiden versucht. Misslicher wird es schon bei
Ryptieus, bei dem ich auch Cyeloidschuppen finde. So hat
man auch vorgeschlagen, die Ophicephalus aus den Labyrinth-
fischen auszuscheiden. Man hat die Capros aus den Scombe-
roiden geschieden. Nach jenem Grundsatz würden dann weiter
nach meinen Beobachtungen Arcylodon aus den Seiaenoiden,
Pempheris aus den Squamipennen austreten müssen. Nun fin-
den sich aber jene Unterschiede bei Gattungen, die sicher zu
einer Familie gehören. In der vortrefflichen Familie der Oy-
prinodonten Agassiz haben Poeeilia, Lebias, Cyprinodon CGy-
cloidschuppen, Anableps aber COtenoidschuppen, Unter den
Clupeen haben die Z/ops gewimperte Schuppen, während die
ihnen bis auf die durchsichtigen grossen Augenlider _ver-
wandten C/upea Cycloiden sind. In derjenigen Gruppe der
Salmonen, deren Zwischenkiefer das ganze Maul bis zum Mund-
301
winkel begrenzt, d.h. in der Familie der Sceopelini Müll. ist
Aulopus ausnahmsweise ein Ctenoid, während der anatomisch
ganz verwandte Saurus Cyceloid ist. Die Theutier haben meh-
rentheils Ctenoidschuppen, aber die von ihnen untrennbare
Gattung Amphacanthus (A. virgatus) hat reine Cyeloidschup-
pen. Unter den Gobien mit vereinigten Bauchflossen giebt es
Ctenoiden und Cyeloiden; denn die Gobius sind das erstere,
die Periophthalmus (P. Koelreuteri) das letztere. So wenig
sicher ferner die Seiaenoiden bis jetzt begrenzt sind, so kann
doch Aneylodon von den ganz übereinstimmenden Gattungen
der wahren Sciaenen nicht getrennt werden. In allen diesen
Fällen können die Schuppen nur zur Charakteristik der Gat-
tungen, nicht der Familien dienen.
Endlich giebt es aber auch Fälle, wo sie auch nicht zur
Bestimmung der Gattungen, , sondern nur der Arten benutzt
werden können.
So z.B. hat Platessa pola Cuy. ausnahmsweise unter den
Platessen Cycloidschuppen. In keiner Familie kann aber eine
Ausscheidung weniger ausführbar sein als bei den Schollen.
IH. Über die Kiemen und Nebenkiemen als
Unterscheidungscharaktere.
Die Kiemen bieten zuweilen sehr wichtige und leicht er-
kennbare Unterschiede dar, welche von den Zoologen ganz
vernachlässigt sind. Ich meine nicht die Bildungen an der
concaven Seite der Kiemenbogen, welche Heckel mit Recht
und Erfolg benutzt hat, sondern die Kiemen: selbst, ihre Zahl,
und die Zahl der Spalten. Man kennt allerdings die vermin-
derte Zahl der Kiemen bei den Tetrodon, Diodon, Monopte-
rus, Lophius, Malthe, Batrachus, aber selbst dies wird nicht
immer beachtet; so erwähnt Valenciennes die verminderte Zahl
der Kiemen nur bei Zophius, nicht bei Malthe und Batrachus,
und doch ist dies bei der Frage von der Stellung der Batra-
chus im System von der grössten Wichtigkeit; wenn sie auch
durch ihre Flossen von den übrigen Pediculaten abweichen
und den Familiencharakter geradezu entbehren, so stimmen
sie in einem andern nicht weniger wichtigen Charakter dieser
Familie, in der unvollzähligen Ausbildung der Kiemen mit den
übrigen; denn auch von den Okironectes gilt dies, da sie statt
302
4 doppelt-blätterigen nur 34 Kiemen besitzen. Wenn ein Fisch
nur 34 Kiemen, d.h. 3 doppelt-blätterige und die 4. mit nur
einer Reihe der Blättehen besitzt, so fehlt regelmässig die
Kiemenspalte zwischen dem letzten Kiemenbogen und dem
Schlundknochen, so bei Ckironectes, so bei Zeus unter den
Scomberoiden, und vielen anderen, von denen ich sogleich
mehr sagen will.*)
In mehreren Fällen wird diese Bildung zum Charakter
einer ganzen Familie oder Unterfamilie, so z. B. bei den La-
broiden. Bei allen eigentlichen Labroiden (exel. Chromiden)
fehlt die letzte Kiemenspalte und die 4te Kieme ist einblät-
terig. So finde ich es bei den Gattungen Zabrus, Orenilabrus,
Cossyphus, Cheilio, Cheilinus, Julis, Anampses, Coricus, Cle-
pticus, Xirichthys, Novacula, Scarus, Calliodon. Diese Bil-
dung findet sich wieder in der Eamilie der Cataphracten bei
einer ganzen Gruppe von Gattungen. Daher man die Cata-
phracten, bei denen bis jetzt keine Unterabtheilungen stattfin-
den konnten, sehr erwünscht in 2 Unterfamilien theilen kann.
4) Cataphracten mit 4 vollständigen doppelt -blätterigen
Kiemen und vorhandener letzter Kiemenspalte: Trigla, Prio-
notus, Peristedion, Pterois, Dactylopterus, Platyycephalus, Agrio-
pus, Gasterosteus, Spinachia.
2) Cataphraeten mit 34 Kiemen und fehlender letzter Kie-
menspalte: Coftus, Scorpaena, Sebastes, Synanceia, Synanci-
dium Müll. nov. gen. (Synanceia mit Vomerzähnen), Agonus,
Apistes.
Endlich kömmt diese Bildung noch einmal bei der vorhin
erwähnten 2ten Gruppe in der Familie der Cyclopoden vor,
nämlich bei den Gattungen Cyclopterus, Liparis, Lepadogaster,
Gobiesox, während die den Gobiesox verwandten, vorhin be-
zeichneten neuen Gattungen Cotylis»und Sieyases Müll. Trosch.
nur 3 Kiemen besitzen.
Die letzte Kiemenspalte fehlt und ist am 4. Kiemenbogen
*) Rathke führt die einblätterige Beschaffenheit der letzten Kieme
nur von Scarus, den Mangel der letzten Kiemenspalte aber von Cre-
nilabrus, Lophius, Diodon, Tetrodon, Cottus, Scorpaena, Gadus cal.
larias und aeglefinus an. Bei Gadus callarias habe ich es nicht
gefunden und bei keiner Gadus- Art.
303
nur eine Blätterreihe entwickelt beim. Polypterus bichir, ‚dem
einzigen unter den Malacopterygii abdominales.
Unter den Pediculaten sind die mangelhaft entwickelten
Kiemen bei verschiedenen Gattungen verschieden. Die meisten
Kiemen hat Chironeetes, nämlich 34, bei Zophius und Batra-
chus sind nur 3, nämlich an den drei ersten Kiemenbogen,
die letzte Kiemenspalte befindet sich hinter dem dritten Bo-
gen. Malthe hat nur 2%, der erste Bogen ist kiemenlos, die
letzte halbe Kieme am 4. Kiemenbogen, hinter welchem die
Spalte fehlt.
Die Zahlenverhältnisse der Kiemen sind demnach unter
den Knochenfischen folgende:
4 ganze Kiemen, bei den meisten.
37, nämlich 3 ganze und eine halbe, bei den vorher be-
zeichneten.
3 Lophius, Batrachus, Diodon, Tetrodon, Monopterus, Co-
tylis Müll. Trosch., Sieyases Müller Trosch., Lepidosiren.
21 Malthe.
2 Amphipnous cuchia Müll. Archiv 1840 p. 115.
Die Nebenkiemen oder Pseudobranchien vor der ersten Kieme,
über deren höchst merkwürdige Strueturverhältnisse ich, Müll.
Archiv 1840 p. 101, 1841 p. 263, und in den Abhandl. der
Königl. Akad. d. Wissenschaften zu Berlin 1839, Berlin 1841
p- 213 gehandelt habe, sind von den Ichthyologen durchgängig
vernachlässigt, obgleich ihre Gegenwart, ihre Form, ihr Man-
gel die wichtigsten Familien- und Gattungscharaktere liefert.
So hat sie noch neulich der sonst so genaue Heckel bei sei-
nen Untersuchungen über die Cyprinoiden übergangen, und
doch braucht man nur einen Cyprinus Cuv., Labeo, Cobitis
mit einem Barbus, Leueiscus oder Catostomus zu vergleichen,
um sieh von ihrer systematischen Wichtigkeit zu überzeugen,
die in der That weit grösser ist als die von Heckel beach-
teten Darmlängen und die oft geringen Verschiedenheiten in
der Form der Schlundzähne. Diese Organe sind entweder
kiemenartig, d.h. kammartig, oder driüsig, im letztern Fall
sind sie unsichtbar, von der Schleimhaut der Kiemenhöhle
verdeckt, endlich fehlen sie in vielen Fällen ganz, in syste-
matischer Hinsicht redueiren sich diese 3 Fälle auf 2, ob sie
nämlich sichtbar sind oder nicht.
304
Die. Nebenkiemen geben in manchen Fällen vortreffliche
Charaktere für ganze, Familien. Sie fehlen z. B. allen Oypri-
nodonten, allen wahren Siluroiden, dagegen finden sie sich in
der. Gruppe der Loricarien, so dass die Absonderung. dersel-
ben von Agassiz gerechtfertigt wird. Sie fehlen allen wahren
Aalen, dagegen finden sie sich in den von den Aalen zu tren-
“nenden Ophidien von gänzlich verschiedenem Bau der Ge-
schlechtsorgane und der Schwimmblase, die keinen Luftgang
besitzt. Bei allen Labroiden sind die Nebenkiemen frei, ebenso
bei den Labroidei ctenoidei oder Meerchromiden, dagegen: sind
sie bei allen Flusschromiden oder bei den eigentlichen Chro-
miden unsichtbar, ebenso bei der Familie der Scomberesoces
Müll., von der hernach gehandelt werden soll. Sie sind bei
allen eigentlichen Salmonen und auch bei den Scopelinen kie-
menartig, dagegen unsichtbar in der davon zu trennenden
Familie der Characinen. Sie kommen bei allen wahren Clu-
peen vor und fehlen einer ganzen anderen damit vermengten
Familie der Clupesoces Müll. Die Blennioiden und Gadoiden
sind zwar in den meisten Fällen durch ıhre Eingeweide hin-
reichend verschieden, aber die Aythites Reinh. unter den Ga-
doiden nähern sich auffallend den Blennioiden durch die Ver-
einfachung ihrer Blinddärme und ihre Genitalpapille. In diesem
Falle wird die Beschaffenheit der Nebenkiemen entscheiden,
die sich bei den Blennioiden und Gadoiden ganz verschieden
verhalten, nämlich bei den erstern kiemenartig, bei den letz-_
tern unsichtbar sind. Leider habe ich ZytAhites nicht unter-
suchen können.
Unter-den Blennioiden nähern sich die Zoarces und Ly-
codes Reinh. wieder den Gadoiden ‚durch ihre nur artieulirten
Strahlen der Rückenflosse und durch die bei den Zycodes auf-
tretenden Spuren der Blinddärme, daher es wichtig wird, an
den Nebenkiemen beide Familien aus einander zu halten. Zy-
codes hat Nebenkieimen. Zu den Blennioiden in die Nähe von
diesen gehört auch die Gattung Oligopus Risso, welche dieser
zu den Coryphaenen gebracht.
In anderen Fällen können die. Nebenkiemen bloss zur
Unterscheidung der Gattungen einer Familie dienen. Sie fehlen
ausnahmsweise unter den Scomberoiden den Ztäynchobdella,
Mastacembelus, Notacanthus, deren Stellung unter den. Scom-
305
beroiden freilich noch zweifelhaft ist, und bei den Zichia,
Trachinotus, Coryphaena, Lampugus sind sie verdeckt und
unsichtbar, während sie bei den Centrolophus kiemenartig frei
sind. Unter den Cyprinoiden sind sie bei den Gattungen (Oy-
prinus und Labeo unsichtbar, und bei den Cobitis fehlen sie
ganz. Unter den Pereoiden sind sie beinahe allgemein; aber
in der Gattung Lales sind sie so ausserordentlich klein, dass
sie leicht völlig vermischt werden könnten, und in der Gat-
tung Nandus fehlen sie wirklich ganz,
IV. Über die systematische Bedeutung der Schlund-
knochen und eine grössere aus Stachelflossern und
Weichflossern zusammengesetzte Abtheilung, Ord-
nung der Fische mit vereinigten unteren Schlund-
knochen, Pharyngognathi.
1. Bei den mehrsten Fischen sind die unteren Schlund-
knochen getrennt, bei den Labroiden sind sie vereinigt zu
einem einzigen unpaaren Knochen. Das ist der Hauptcha-
rakter der Labroiden, welcher von Artedi bei Labrus ent-
deckt und von Cuvier dieser Familie zu Grunde gelegt wurde.
Dies ist eine der sichersten Familien der Knochenfische, wel-
che. Cuvier aufgestellt hat. Er charakterisirt sie also: Die La-
broiden haben einen länglichen beschuppten Körper, eine ein-
zige, vorn dornige Rückenflosse, deren Stacheln meist jeder
mit einem Hautlappen besetzt sind. Ihre Kinnladen sind mit
fleischigen Lippen bedeckt. Ihre ossa pharyngea sind mit
pflasterförmigen stumpfen Zähnen oder Querplatten besetzt,
und die unteren Schlundknochen sind zu einem unpaaren
Knochen verschmolzen. Ihr Magen ist ohne Blindsack. Ihr
Darm ist olıne Blinddärme und sie besitzen eine einfache
Schwimmblase.
Valenciennes beschränkt die Labroiden ganz zweckmässig
auf die eigentlichen Lippfische, von denen jene angeführten
Charaktere in dieser Verbindung allein gelten, schliesst aber
die Chromis und Cichla, welche Cuvier damit vereinigt hatte,
davon aus und wie mir scheint mit Recht. Ich finde die un-
teren Schlundknochen zwar zu einem Stück innig vereint,
aber durch Natlı, welche bei den Labroiden fehlt. So be-
Archiv 1. Naturgeschichte. IX. Jahrg. 1. Bd. 20
306
schränkt sind die Fische dieser Familie allerdings sehr über-
einstimmend, welche nur Fische mit Cyeloidschuppen um-
fasst und: welcher noch einige andere, nicht beachtete ana-
tomische Charaktere gemein sind, diese sind die einblätterige
vierte Kieme, der Mangel der letzten Kiemenspalte hinter der-
selben und die Gegenwart der Nebenkiemen.
Mehrere Fische, welche zu den Labroiden gezählt wur-
den, müssen ‘von ihnen entfernt werden, weil sie die Verei-
nigung der untern Schlundknochen nicht besitzen. So ist es
mit der Gattung Plesiops, welche Cuvier unter den Labroiden
aufgeführt hatte und Valenciennes mit Recht an dieser Stelle
fallen liess. Dieser berühmte Ichthyologe hätte es aber ebenso
mit den Malacanthus machen müssen. Denn ich finde beim
Malacanthus Plumieri, dass sie doppelte und getrennte untere
Schlundknochen besitzen. Nach den dermaligen Prineipien in
Hinsicht der Existenz und des Mangels der Gaumenzähne und
der Bedornung des Kiemendeckels muss die Gattung Mala-
canthus unter die Sciaenoiden gebracht werden, wo sie Zutilus
am nächsten steht, von der sie nicht einmal- wesentlich ver-
schieden zu sein scheint. Endlich gehört auch die von Rüp-
pell gegründete und zu den Labroiden gebrachte Gattung
Pseudochromis (von welcher ich kürzlich eine dritte neue Art
von den Philippinen erhalten) nicht zu dieser Familie und
ebenso wenig zur Familie der Chromiden: denn sie hat dop-
pelte und getrennte untere Schlundknochen.
II. Eine andere natürliche Familie der Pharyngognathen
bilden die Labroidei etenoidei, ebenfalls Stachelflosser.
Die hieher gehörigen Thiere waren von Cuvier theils unter
die Labroiden gebracht, wie der Ohromis eastaneus des Mittel-
meers, theils unter die Seiaenoiden, wie seine Abtheilung der
Seiaenoiden mit weniger als 7 Kiemenstrahlen, nämlich die
Gattungen Amphiprion, Premnas, Pomacentrus, Dascyllus,
Giyphisodon, Heliases. Heckel hat die Entdeckung gemacht,
dass diese Gattungen von Sciaenoiden, wie auch die Sciae-
noiden-Gattung Ztroplus, vereinigte ‚untere Schlundknochen
besitzen, und glaubt, dass sie mit den Chromiden, denen sie
in der hechelförmigen Bewafinung der Schlundknochen glei-
chen, vereinigt werden müssen; womit ich nicht übereinstim-
men ‘kann. Denn ich finde, dass die Chromiden, lauter Fluss-
307
fische, sich von jenen Meeresfischen wesentlich in der Bildung
der unteren Schlundknochen unterscheiden. Die untern Schlund-
knöchen der Amphiprion, Pomacentrus, Dascyllus, Glyphiso-
don, Heliases bestehen wie bei den Labroiden nur aus einem
einzigen unpaaren Stück, ohne die geringste Spur einer Nath.
Die Chromiden dagegen besitzen sämmtlich vereinigte untere
Schlundknochen mit mittlerer Nath. Dagegen ‘gleichen die
Labroidei etenoidei den Chromiden in den Schuppen. Die
Gattung EZtroplus, ebenfalls unter jene Sciaenoiden gestellt,
ist allein ein Chromid, ist aber auch kein Meeresfisch, son-
dern lebt in Flüssen und am Ausfluss der Flüsse. Wir wer-
den hernach sehen, dass es noch andere wichtige Charaktere
giebt, welche die Labroidei etenoidei von den Chromiden
scheiden.
Cuvier hatte |selbst, wie es scheint, bei einigen dieser
Fische den einzigen ıuntern Schlundknochen bemerkt. Sie
waren ehemals von Bloch zum Theil mit den Ohuetodon ver-
einigt worden und Cuvier führte in den Legons d’anat. comp.
fälschlich die Chaetodon unter den Fischen mit einfachen un-
teren Schlundknochen an, was von Meckel widerlegt wurde,*)
Auch hatte er selbst die Pomacentrus, Dascyllus, Premnas von
den Chaetodon abgesondert. Dann bemerkt er wieder im
regne animal, dass die fraglichen Sciaenoiden bedeutende Ver-
wandtschaft mit den Chaetodon hätten. Dass er die richtig
aufgefassten Gattungen an eine ganz falsche Stelle im System
brachte, rührte davon her, dass er dieselben einfachen untern
*) Solche Verwechselungen sind allerdings in Cuvier’s Schriften
selten, von deren eminenter Bedeutung und Verdienst Niemand mehr
als ich durchdrungen sein kann. Wenn er indess hist. nat. d. poiss.
V. 48 bei der Verwechselung des Skelets des Po/yprion cernium mit
Sciaena aquila durch Rosenthal sagt: „on ne comprend pas ce qui
a pu causer une si forte erreur de nomenelature”, so hätte das Cu-
vier am ehesten begreifen sollen, da ihm einst mit derselben Seiaena
aquila eine ebenso auffallende Verwechselung begegnete, indem er
die der Sciaena aquila zukommende eigenthümliche Bildung der
Schwimmblase bei Labrax lupus gefunden haben wollte, Leg. d’anat.
comp. De la Roche hat Cuvier denselben Dienst gethan, den Ro-
senthal durch Cuvier erfahren. Cuvier hatte nur das Glück, selbst
an die Stelle des Labrax lupus die Sciaena aquila zu setzen,
20*
308
Schlundknochen übersah, - die er an diesen Fischen, als sie
noch Arten der Chaetodon waren, selbst gesehen hatte.
Die Labroidei ctenoidei haben gewimperte Schuppen, he-
chelförmige Schlundzähne, freie Nebenkiemen, eine sehr kleine
Spalte hinter dem vierten Kiemenbogen, und ihre vierte Kieme
hat 2 Reihen, aber sehr ungleicher Kiemenblätter, die hin-
teren sind nämlich abortiv und äusserst kurz. Ihre Seiten-
linie ist unterbrochen. Rückenflosse wie bei den Labroiden. Ihre
Lippen sind nicht fleischig. Ihre Naslöcher einfach. Schwimm-
blase, Blindsack des Magens und einige Blinddärme. Hieher
Amphiprion, Premnas, Glyphisodon, Pomacentrus, Dascyllus,
Heliases. Zur Gattung Heliases gehört auch der mit Nebenkie-
men versehene sogenannte Ckromis des mittelländischen Meeres,
da er in nichts von den Charakteren der Gattung Aeliases ab-
weicht. Er hat in der ersten Reihe der Kieferzähne kegel-
förmige Zähne, dahinter kleinere, wie man es bei mehreren
anderen Heliases sieht, und stimmt auch in der Zahl der Kie-
menhautstrahlen. Daher kann ich Heckel nicht beistimmen,
wenn er den Namen Chromis, den er den brasilischen Chro-
miden genommen, auf den Ohromis castaneus Cuv. des Mittel-
meers anzuwenden vorschlägt, vielmehr muss dieser unter die
Gattung Heliases als Heliases castaneus subsumirt werden.
Heckel hat übrigens auf die Übereinstimmung der Heliases
und Chromis hingewiesen, indem er sagt, dass beide Genera
nur zu verwandt seien. Dies kann jedoch eben nur von He-
liases und Chromis castaneus Cuv. gelten. Denn was man sonst
Chromis nennt, hat in der That mit Zeliases keine Verwandt-
schaft und ist vielmehr durch Familiencharaktere von Heliases
getrennt, wie sich aus dem Folgenden ergeben wird.
Von mir untersucht sind die Gattungen Amphiprion, Po-
macentrus, Dascyllus, Glyphisodon, Heliases.
III. Die dritte Familie der Ordnung Pharyngognathi um-
fasst die Chromiden. Es sind sämmtlich Flussfische, Sta-
chelflosser mit Otenoidschuppen, meist einfachen Naslöchern, _
von den vorhergehenden unterscheiden sie sich wesentlich
4) durch den Mangel der Nebenkiemen, 2) durch den Besitz
von vollständigen Doppeltreihen der Kiemenblättchen am 4ten
Kiemenbogen, womit eine, in ganzer Länge offene Spalte
hinter diesem Bogen, zwischen ihm und dem Schlundknochen,
309
verbunden ist, 3) durch ihre aus 2 besondern Stücken durch
Nath fest vereinigten untern Schlundknochen.*) Ihre Seiten-
linie ist wie bei den vorigen unterbrochen. Rückenflosse wie
bei den Labroiden. Ihre Lippen sind mehr oder weniger aus-
gebildet. Bei mehreren ist das Maul vorstreckbar wie bei den
eigentlichen Labroiden. Schwimmblase und Blindsack des Ma-
gens. Die Blinddärme scheinen zu fehlen. Ich vermisse sie
auch bei Zfroplus, wo sie Valenciennes anführt.
Schon in meiner Arbeit über die Nebenkiemen, Abhandl.
d. Akad. d. Wissensch. aus d. J. 1839, Berlin 1841 p. 250,
habe ich auf die durchgreifende Verschiedenheit der im Meere
lebenden Labrodei ctenoidei und der eigentlichen Chromiden,
Flussfische, in Hinsicht der Nebenkiemen aufmerksam gemacht,
die bei den erstern ohne Ausnahme kiemenartig sind, bei den
Chromiden durchgängig fehlen. Die Chromiden sind:
Etroplus Cuv. In der Abhandlung über die Nebenkie-
men habe ich schon angeführt, dass die Ziroplus den Amphi-
prion, Dascyllus, Pomacentrus, Glyphisodon fremd sind und
dagegen zu den Chromiden gehören, mit denen diese Gattung
in allen Familiencharakteren übereinstimmt. Sie haben übri-
gens nicht eine sondern zwei Reihen schneidender dreilappiger
Zähne. Von der folgenden Gattung trennt sie die grosse Zahl
der Stacheln in der Afterflosse.
Chromis Müll. Als Typus der Gattung Chromis (mit
3 Reihen schneidender, am Ende gekerbter Zähne) bleibt nur
der Chromis nilotieus übrig. ,
Acara lleck., Ciehla Cuv., Crenieichla Heck., Pte-
rophyllum Heck., Geophagws Heck., welche ich sämmtlich
untersucht habe, dann die anderen neuen, von Heckel aufge-
stellten Gattungen brasilischer Chromiden Uaru, Symphysodon,
Heros, Chaetobranchus, Batrachops.
Als Cuvier die Gattung Chromis gründete (Mem. d. mus.
1.353), hat er sich olıne Zweifel ein Verdienst erworben,
#) Die Zusammensetzung des unteren Schlundknochens der Chro-
miden zeigt die Genesis des unpaaren Stuckes der Labroiden und der
übrigen Pharyngognathen an und beweist, dass der unpaare Schlund-
knochen derselben nicht aus einem unpaaren Mittelstück des Kiemen-
gerüstes anderer Fische, wie es Rathke annimmt, hervorgegangen ist.
310
indem er zuerst fand, dass diese Thiere vereinigte untere
Schlundknochen haben. Und er beobachtete diesen Charakter
bei dem Oastagneau des Mittelmeers, sowie den in den Flüssen
lebenden Chromiden, die ‚er mit dem Castagneau in einem
Genus vereinigte. Jetzt sind die Thiere des Genus Ohromis
Guv. in eine gute Anzahl Gattungen aus einander gegangen,
die selbst zwei verschiedenen Familien angehören. Hätte Cu-
vier schon die Nebenkiemen beachtet, so hätte er den Casta-
gneau nicht mit den Chromiden der brasilischen Flüsse und
dem Nil-Chromiden zusammenbringen können.
IV. Die vierte Familie unserer Ordnung der Pharyngo-
gnatlii bilden die Pharyngognathi malacopterygü, oder Scom-
beresoces.
Guvier vereinigte unter dem Namen Esoces eine Anzahl
der Malacopterygii abdominales in eine Familie, welche völlig
unhaltbar in die verschiedensten Gemengtheile sich auflöst.
Die Esoces Ouvier’s hatten folgende Charaktere: Bei ihnen
wird der Rand der Oberkinnlade von den Intermaxillarkno-
chen gebildet, oder wenn sie ihn nicht ganz ausmachen, so ist
doch der Maxillarknochen ohne Zähne und in der Dicke der
Lippen verborgen. Sie sind gefrässig, ihr Darm ist kurz,
ohne Blinddärme. Mehrere steigen in die Flüsse, alle haben
eine Schwimmblase. Mit Ausnahme der Microstomen haben
sämmtliche die Rückenflosse der Afterflosse gegenüberstehend,
Cuvier zählte dahin: 1) Zsox mit den Untergattungen Zsor
Cuv., Galaxias Cuv., Alepocephalus Risso, Microstoma Cuv.,
Stomias Ouv., Chauliodus Schn., Salanx Cuv., Belone Cuv.,
‚Sairis Raf., Hemiramphus Cuv., und 2) Exocoetus.
Der Prinz von Canino und Musignano theilte die Esoci-
dae in 3 Unterfamilien Zsocini, Belonini, Exocoetini. Prodro-
mus systematis ichthyologiae.
In meiner Abhandlung über die Schwimmblase der Fische
suchte ich Cuvier’s Esoces durch die Entfernung der fremden
Einschiebsel zu reinigen. Als solche bezeichnete ich die_4e-
pocephalus, Stomias, Chauliodus, Microstoma. Alepocephalus,
von Risso ganz richtig unter die Clupeen gebracht, wurde von
Cuvier wegen seiner nur im Zwischenkiefer stehenden Zähne
unter dieEsoces versetzt. Er hat den Oberkiefer gleich den
Heringen zusammengesetzt. Er hat freie Nebenkiemen, welche
311
bei den Esoces bedeckt und unsichtbar sind, er hat zahlreiche
Blinddärme und keine Schwimmblase, welche ihm Risso mit
Unrecht beilegt.
‚Stomias gehört dem Bau des Mauls nach nicht zu den
Esoces; denn ich finde ausser den grossen Zähnen im Zwi-
sehenkiefer und Gaumen ‘auch sehr kleine im Oberkiefer, und
die Schwimmblase fehlt. Den Stomias wird Ohauliodus folgen
müssen, welcher mit Notopterus und Chirocentrus eine beson-
dere, den Olupeen nahestehende Gruppe bildet, welche sich
von den Clupeen durch den Mangel der Nebenkienen unter-
scheidet. Auch Microstoma gehört nicht zu den Esoces und ist
ein Salmone. Sie besitzen nach Risso und Reinhardt eine Fett-
flosse und der Zwischenkiefer ist ohne Zähne, vielmehr stehen
sie nach Reinhardt wie bei Argentina am Rande des Vomer.
Demnach waren nach dieser Ausscheidung in der Familie
der Esoces Cuv. nur Jie Zsox, Galaxias, Salanz, Belone, Sai-
ris, Hemiramphus und Exocoetus übrig. Auch unter diesen
ist die Schwimmblase nicht allgemein. Denn die Saris haben
keine. Monatsbericht d: K: Akad. d. Wissensch. zu Berlin,
Juni 1842. Müll. Arch. 1842 p. 307.
Agassiz scheidet ebenfalls die Stomias, Chauliodus u. a.
aus, die er in die Nähe der Scopelus und Aulopus bringt.
Seine Esoces bestehen aus den genera Zsoxr, Belone, Sairis,
Tylosurus Cocco und Hemiramphus. Agassiz notice sur les
poissons fossiles et l’osteologie du genre brochet (Esox).
Neuchatel, Nov. 1842.
Weitere Studien über die Esoces Cuv. haben mich zu der
Überzeugung geführt, dass sie auch nach der Ausscheidung
der in der Abhandlung über die Schimmblase bezeichneten,
nicht dahin gehörenden Gattungen noch eine Fusion von zwei
ganz verschiedenen natürlichen Familien sind, welche sogar
verschiedenen Ordnungen angehören. Den eigentlichen Esox
verwandt scheinen nur die Galazxias, wie jene Flussfische
(Esox truttaceus Cuv. und E. alepidotus Forst.), die ich leider
nieht habe untersuchen können. Die Esox sind aber von Be-
Ione, Sairis, Tylosurus, Hemiramphus, Exocoetus durch Fa-
ilien- und Ordnungscharaktere ganz verschieden. Dagegen
stimmen die letztgenannten Gattungen unter sich durch einen
sehr wichtigen Charakter überein, der uns in den Stand setzt,
312
eine der besten Familien der Fische zu begründen und die
Ordnung der Pharyngognathi zu vervollständigen. Alle haben
nämlich wie die Labroidei ceycloidei und Labroidei ctenoidei
nur einen einzigen unpaaren unteren Schlundknochen ohne
Spur von Nath. Die eigentlichen Esox dagegen haben dop-
pelte getrennte untere Schlundknochen. Man kann diese Fa-
milie Pharyngognathi malacopterygii oder Scombe-
resoces nennen. Es gehören dazu die Gattungen Belone
Cuv., Sairis Raf., Tylosurus Cocco, (Belone mit einem Kiel
an den Seiten des Schwanzes,) Sarchirus Raf., Hemiramphus
Cuv., Zxocoetus L. und Ptenichtiys Müll. (Exocoetus mit
Bartfäden). Alle diese Fische haben eine Reihe gekielter
Schuppen jederseits am Bauche, verschieden von der Seiten-
linie, sie unterscheiden sich auch von den Esox und allen
übrigen Malacopterygiü abdominales durch ihre Schwimmblase,
die ohne Luftgang, was bei Belone schon de la Roche bekannt
war und von Cuvier übersehen wurde; sie enthält Wunder-
netze. Ihr Darm ist ohne Blindsack des Magens und ohne
Blinddärme, ganz gerade, auch ist der Magen auf keine Weise
vom Darm geschieden. Die Nebenkiemen sind bei allen drü-
sig, verdeckt und unsichtbar. Die Kiemen sind vollständig
und die letzte Kiemenspalte vorhanden. Die Schuppen sind
Cyeloidschuppen. In den Bauchflossen haben sie nur articu-
lirte Strahlen. Die Rückenflosse ist der Afterflosse gegen-
über. Die Bauchflossen sind abdominal.
Cuvier erwähnte bereits in. den lecons d’anat. comp. die
Verwachsung der untern Schlundknochen zu einem einzigen
Stück bei Belone und scheint es später vergessen zu haben.
Die Einfachheit des untern Schlundknochens ist ferner von
Rathke bei den Zxocoetus beobachtet. Niemand hat bisher
diesen für die Systematik so wichtigen Umstand zu benutzen
verstanden. Ich lernte diese Bildung bei einer Revision un-
serer Skelete kennen und war sogleich von ihrer systemati-
schen Wichtigkeit durchdrungen. Der einfache untere Schlund-
knochen jener Pharyngognathi malacopterygii ist dreieckig,
dicht mit spitzen Zähnen besetzt, er ist in den von mir un-
tersuchten Gattungen Belone, Sairis, Tylosurus, Hemiramphus,
Exocoetus nur in dem Verhältniss der Länge zur Breite ver-
schieden, wie aus den vorgelegten Abbildungen ersichtlich ist.
ie
313
Es entsteht nun die Frage, ob die Malacopterygii abdo-
minales Anziehungskraft genug besitzen, um die Scombereso-
ces ferner zu binden, oder ob diese ungeachtet ihrer weichen
Flossen mit den Labroiden und Chromiden in eine grössere
Abtheilung, Ordnung gebracht werden müssen.
Die Beschaffenheit der Flossenstrahlen ist, wie in so vie-
len Beispielen vorliegt, ein sehr unzuverlässiger Charakter.
Dagegen besitzen wir in der Vereinigung der untern Schlund-
knochen einen absoluten Charakter, der keine Übergänge zu-
lässt. Wo wichtigere Charaktere zur Bildung einer Ordnung
vorliegen, da ist kein Bedenken, Malacopterygier und Acan-
thopterygier in einer Ordnung zu vereinigen, wie man auch
bisher anerkannt hat in dem Beispiel der Plectognathen, wo
die Stachelflosser Balisten mit den Weichflossern Tetrodon
u. A. zusammen vorkommen. Die abdominale Stellung der
Bauchflossen kann auch kein Grund sein, die Scomberesoces
unter den Malacopterygii abdominales zu halten, da es auch
Acanthopterygii abdominales giebt, wie die Notacanthus. End-
lich passen die Scomberesoces zu allen Malacopterygii abdomina-
les nicht durch ihre des Luftganges entbehrende Schwimmblase.
Die Ordnung der Pharyngognathi besteht demnach aus den
Familien
4) Labroidei eycloidei.
2) Labroidei ctenoidei.
3) Chromides,
4) Pharyngognathi malacopterygiü s. Scomberesoces.
V. Über die systematische Bedeutung der Schwimm-
blase und eine neue natürliche Familie mit Gehör-
knöchelehen der Schwimmblase, Characini.
Es ist zwar herkömmlich, die Schwimmblase bei der
Classification der Fische zu beachten, und es ist bekannt,
wie einige Familien der Fische sich durch den Mangel des
Organs in allen Gattungen, wie andere durch eigenthümliche
Formen der Schwimmblase, die Seiaenoiden z. B. durch die
Hörner der Schwimmblase, die Cyprinoiden durch die Quer-
theilung derselben sich auszeichnen. Es- giebt aber noch an-
dere für die Systematik wichtige Beziehungen der Schwimm-
blase, auf welche man bisher nicht aufmerksam gewesen ist,
314
1) Hieher gehört vor Allem die Existenz oder der Mangel
eines Luftganges, welches beides mit der systematischen Stel-
lung eines Fisches in dem genauesten Zusammenhang steht.
So z.B. fehlt dieser in den Schlund ausmündende Canal allen
Acanthopterygiern ohne Ausnahme, er fehlt nicht minder den
Malacopterygii subbrachii, sofern sie eine Schwimmblase be-
sitzen, nämlich den Gadoiden, welche daher anatomisch den
Acanthopterygiern viel mehr verwandt sind als den Malacopte-
rygii abdominales. Der Luftgang fehlt in der ganzen Ord-
nung Plectognathen, mögen sie Stachelflosser oder Weich-
flosser sein, er fehlt der Ordnung der Lophobranchier, er
fehlt in der ganzen Ordnung der Pharyngognathen, auch bei
den Weichflossern dieser Abtheilung. Indem nun die Scom-
beresoces aus der Ordnung der Malacopterygii abdominales
entfernt werden, so bleiben die übrigen eine sehr übereinstim-
mend organisirte Ordnung, welche die Natur in allen, welche
eine Schwimmblase besitzen, durch die Gegenwart eines Luft-
ganges ausgezeichnet hat, den sie den übrigen vorhergenannten
versagte. Dieser Umstand ist es vornehmlich, welcher den
Malacopterygii abdominales für immer den Bestand als sehr
natürliche Ordnung sichern muss, was sie nicht waren, so
lange sie die heterogenen Scomberesoces enthielten. Der Luft-
gang ist nämlich bei den Cyprinoiden, Siluroiden, Sauroiden,
Esoces, Salmonen, Characinen, Clupeen, Mormyren vorhan-
den. Die Fische dieser Familie, sofern sie vollständig ent-
wickelte Bauchflossen besitzen, haben in der Regel mehr als
5 artieulirte Strahlen der Bauchflossen; bei den Acanthopte-
rygiern ist dieses dagegen sehr selten,
Was die Ordnung der Malacopterygii apodes Cuvier’s
betrifft, so bestehen sie bei näherer Untersuchung aus 2 hete-
rogenen Familien, wovon die eine den Malacopterygii abdo-
minales oder Fischen mit Luftgang, die andere den Acantho-
pterygii und Malacopterygii subbrachii ohne Luftgang ver-
wandter ist, und die man mit ihren respectiven Verwandten
vereinigen müsste, wenn es gelänge, gemeinsame äussere Cha-
raktere für die Malacopterygii abdominales und apodes aufzu-
"finden. Indessen haben die Malacopterygii apodes sämmtlich
eine gewisse Ordnungsverwandtschaft darin, dass mehrere Gat-
315
tungen unter ihnen, sowohl der einen als der andern Familie,
selbst die Brustflossen ablegen.
2) Ausser dem Luftgange nimmt in systematischer Bezie-
hung vor allen Dingen die Existenz der Gehörknöchelehen an
der Schwimmblase einiger Familien unsere Aufmerksanikeit in
Anspruch, durch welche die Verbindung der Schwimmblase
mit dem Gehörorgan hergestellt wird, wie sie E. H. Weber bei
den Cyprinen und Siluren entdeckte. Diese Organisation ist
so eigenthümlicher Art und kömmt so regelmässig in gewissen
natürlichen Familien vor, dass wir hierauf aufinerksam an den
Skeleten schon die bisherigen Fehler der Systematik auffinden
und die falsch gestellten Fische zu ihren natürlichen Ver-
wändten bringen können, mit denen sie nun auch in leicht
erkennbaren äusserlichen Charakteren völlig übereinstimmen.
Die Verbindung der Schwimmblase mit dem Gehörorgan durch
eine Kette von beweglichen Knochen kömmt allen Cyprinoi-
den und allen mit einer Schwimmblase versehenen Siluroiden
zu. Amı Mangel dieses Kennzeichens erkennt man schon, dass
die Cyprinodonten Agass., d. h. die bisherigen Cyprinoiden
mit Zähnen an den Kiefern, keine wahren _Cyprinoiden sind,
sie haben überdies auch in anderen Beziehungen keine Ähn-
lichkeit mit jenen.
Die Verbindung der Schwimmblase mit dem Gehörorgan
durch eine Kette von Knochen findet sich ausser den Oypri-
noiden und Siluroiden nach meinen Beobachtungen noch in
einer dritten neuen Familie, die ich Characinen nenne, und
welche eine der sichersten natürlichen Familien der Fische ist.*)
Sie haben ausserdem noch andere, sehr bestimmte äussere Cha-
raktere, an welchen sie sich erkennen lassen, wenn man auch
das Skelet nicht untersuchen kann.
Diese Fische haben theils unter den Salmonen Cuvier’s,
theils unter seinen Clupeen dienen müssen. Unter den Sal-
monen sind es alle diejenigen, welche keine sichtbaren Neben-
kiemen haben und deren Schwimmblase wie bei den Oypri-
*) Diese Familie ist zuerst in meiner Abhandlung über die
Schwimmblase aufgestellt und begründet, Monatsbericht d. K. Akad.
d. Wiss. zu Berlin, Juni 1842; Müll. Archiv 1842 p. 307. Die Unter-
suchung ist jetzt auf eine grössere Zahl von Gattungen ausgedehnt.
316
noiden der Quere nach getheilt ist, nämlich die Gattungen
Curimates Cuv., Gasteropelecus Bl., Myletes Cuv., Tetrago-
nopterus Art., Anostomus Cuv., Chalceus Ouv., Citharinus Cuv.,
Serrasalmo Cuy., Piabuca Cuv., Aydrocyon Cuv., Raphiodon
Agass., Anodus Spix, Prochilodus Ag., Schizodon Ag., Lepori-
nus Spix, Arphostoma Spix, Hemiodus Müll.*) In der Ana-
tomie zeigen sie durchaus keine Ähnlichkeit mit den Salmonen,
denn die eigentlichen Salmonen haben nicht bloss Nebenkie-
men und keine Gehörknöchelehen der Schwimmblase, sondern
die Eierstöcke der Salmen haben auch keinen Ausführungs-
gang und die Eier fallen in die Bauchhöhle und werden durch
eine Öffnung des Bauches hinter dem After ausgeführt, wie es
Ratlhıke von diesen nachgewiesen hat, und wie ich es bei den
.Characinen nicht finde, deren Eierstöcke vielmehr die gewöhn-
liche Bildung der Knochenfische besitzen. Diese Charaeinen
haben daher mit den Salmonen in nichts weiter Ähnlichkeit als
in der Fettflosse, darin würden sie aber ebenso sehr den mit
einer Fettflosse versehenen Gattungen der Siluroiden gleichen.
Sowie es nun unter den Siluroiden Gattungen mit und
ohne Fettflosse giebt, ebenso hat es Characinen mit und ohne
Fettflosse. Es sind die Zrythrinus, welche Cuvier unter die
Clupeen gebracht hatte. Sie stimmen mit den Characinen in
allen Punkten überein, sie haben, wie ich finde, die Kette
der Gehörknöchelehen, den Mangel der Nebenkiemen, ihre
Schwimmblase ist der Quere nach in eine vordere und hintere
getheilt, welche mit einander communiciren. Es sind gleich-
sam Hydrocyon ohne Fettflosse. Charaeinen ohne Fettflosse
giebt es zwei Gattungen: Erythrinus Gronov, Cuvier und
Macrodon Nob.,**) welches Erythrinen sind, bei denen die
Hundszähne sehr gross und die hechelförmigen Vomerzähne
*) Hemiodus Müll. nov. gen.
Im Zwischenkiefer eine Reihe Zähne, wie runde Blättchen, am
Rande gezähnelt, im Unterkiefer keine Zähne. Ausser der Rücken-
flosse eine Fettflosse,
. Art. Hemiodus crenidens Müll. B. 5. D. 11. P. 17. A. 11. V. 11.
Brasilien.
##) Macrodon Müll.
Arten: 1) Muerodon Trahira M. Synon. Erythrinus macro-
don Ag., Synodus malabaricus Bl. Schn., zufolge Untersuchung des
317
von .einer Reihe stärkerer Kegelzähne vorn begrenzt sind.
Bei den Erythrinen habe ich auch die interessante’ Erscheinung
bemerkt, dass ihre hintere Schwimmblase zellig in ihrer vor-
dern Hälfte ist, gleich der Lunge eines Reptils, welche Eigen-
thümlichkeit den Macrodon fehlt.
In Hinsicht der Bezahnung finden sich bei den einzelnen
Gattungen die grössten Unterschiede, gleichwie in andern gu-
ten natürlichen Familien. Es giebt bezahnte und zahnlose
Salmen und Glupeen. Unter den erstern sind die Coregonus,
unter den letztern die Chaetoessus zahnlos. So beschränken
sich die Zähne unter den Characinen bei der Gattung Hemio-
dus Nob. auf die Oberkinnlade und in der Gattung Anodus
fehlen die Zähne ganz. Wo Zähne vorhanden sind, stehen
sie oben bald im Zwischenkiefer, bald zugleich im Oberkiefer,
bald zugleich an den Gaumenbeinen und am Vomer.
Der Mangel kiemenartiger Nebenkiemen ist von mir in
allen oben angeführten Gattungen von Characinen beobachtet.
In Beziehung auf die Gehörknöchelehen habe ich untersucht
die Gattungen Myletes, Tetragonopterus, Anostomus, Chalceus,
Citharinus, Serrasalmo, Piabuca, Hydrocyon, Raphiodon, Ano-
dus, Hemiodus, Schizodon, Leporinus, Gasteropelecus, Erythri-
nus, Macrodon.
Die Theilung der Schwimmblase habe ich in allen Gat-
tungen, die ich untersuchte, ohne Ausnahme wiedergefunden.
Die Gehörknöchelchen sind bei allen bisher unbekannt
gewesen mit Ausnahme der Gasteropelecus, wo sie von Heu-
singer beobachtet sind.
VI. Über die natürlichen Familien in der Ordnung
der Malacopterygii abdominales.
Zufolge meiner Untersuchungen zerfallen die Malacopte-
rygii abdominales in folgende natürliche Familien:
I. Familie Siluroidei Agass.
Ihre Haut ist nackt, oder mit Knochenschildern bedeckt,
Bloch’schen Originalexemplars. Dass er aus Malabar kommen soll,
beruht offenbar auf einem Irrthum.
2) Macrodon brasiliensis M. Synon. Erythrinus brasilien.-
sis Agass.
318
ohne Schuppen. Die Intermaxillarknochen bilden den Rand
der Oberkinnlade und die Maxillarknochen sind auf blosse
Spuren redueirt oder in Bartfäden verlängert. Alle haben
Bartfäden. Der Kiemendeckel besteht bloss aus 3 Stücken
und das Suboperculum fehlt, auch fehlt ihnen ‚der stielförmige
Anhang des Schultergürtels der übrigen Knochenfische, oder
ist wenigstens durch einen blossen Fortsatz des Schultergürtels
ersetzt. Ihr Schläfenbeinapparat hat 2 Knochenstücke weniger
als hei den mehrsten Knochenfischen. Die Pseudobranchien
fehlen. Die Schwimmblase ist bei den mehrsten vorhanden
und mit dem Gehörorgan durch Gehörknöchelchen verbunden.
Der Darm ist ohne Blinddärme. Der Magen sackförmig. Bei
Vielen ist der erste Strahl der Brustflosse sehr stark und ge-
zähnelt. Mehrere haben eine Fettflosse ausser der Rücken-
flosse. Hieher ausser den bekannten die neuen Gattungen
Euanemus Müll. Trosch. (Manuscr. über neue Gattun-
gen und Arten der Welse).
Enge Kiemenspalten, Körper seitlich zusammengedrückt.
Der Helm ist von der Haut bedeckt. Die Zähne im Ober-
kiefer und Unterkiefer hechelförmig in einer Binde, keine an
Vomer und Gaumenbeinen, der erste Strahl der Rücken- und
Brustflosse ist ein Dorn. Die Rückenflosse ist ganz vorn und
ist klein. Ausserdem eine sehr kleine Fettflosse. Afterflosse
sehr lang. Strahlen der Bauchflossen viel zahlreicher als bei
andern Siluroiden. Augen von der Haut bedeckt. 6 Bartfäden.
Art: Euanemus columbetes M.T. aus Surinam. B. 7.
BP. 4414, D..1,6:: A’ 44, V;.14,
Calophysus Müll. Trosch.
Keine Zähne am Gaumen. Eine Reihe stärkerer Zähne
am Oberkiefer und Unterkiefer, hinter welchen in dem einen
oder andern noch eine Reihe kleinerer Zähne. Der erste
Strahl der Brust- und Rückenflosse am Ende einfach geglie-
dert, ohne Zähne. Zugleich eine lange Fettflosse. 6 Bartfä-
den. 7 Strahlen der Kiemenhaut.
Arten: 1) Calophysus macropterus Müll. Trosch.
Synon. Pimelodus macropterus Lichtenst. Wiedem. Zool. Mag.
1819. I. p. 59. Am Oberkiefer eine Reihe (20) platter, schmaler,
schneidender Zähne, hinter dieser eine zweite Reihe niedrigerer
Zähne, im Unterkiefer nur eine einzige Reihe Zähne (30).
319
2) Calophysus etenodus M.T. Pimelodus ctenodus Ag.
(wenn bei Beschreibung dieser Art die Zähne richtig angege-
ben und nicht eine Verwechselung zwischen Oberkiefer und Un-
terkiefer stattgefunden, wie wir allerdings vermuthen, so würde
es eine von der ersten bestimmt verschiedene Art sein.)
Die Calophysus haben eine sehr kleine Schwimmblase,
die mit einem zierlichen Kranz von Blinddärmchen am gan-
zen seitlichen und hintern Rande umgeben ist.
ll. Familie. Goniodontes Ag. Loricarinae al.
Sie sind den Siluroiden verwandt, von denen sie sich
durch den Besitz der Pseudobranchien und ihre Eingeweide
unterscheiden. Kopf und Körper sind von harten eckigen
Platten gepanzert. Ihr Maul liegt unter der Schnautze und
wird von den Intermaxillar- und Maxillarknochen begrenzt.
Lange. dünne, biegsame, in einen Haken endigende Zähne.
Ein zirkelförmiges, breites, häutiges Segel umgiebt die Mund-
öflnung. Die Kiemendeckel sind grösstentheils unbeweglich.
Der stielförmige Anhang des Schultergürtels fehlt wie bei den
Siluroiden und ist durch einen blossen Fortsatz des Schulter-
gürtels ersetzt. Das Herz liegt in einer vom Bauchtheil des
Schultergürtels gebildeten knöchernen Kapsel. Ihr Magen ist
ohne Blindsack. Ihr langer vielfach gewundener Darm ist ohne
Blinddärme und die Schwimmblase fehlt. Gattungen: Lorica-
ria, Rhinelepis, Acanthieus, Hypostoma.
Ill. Familie. Cyprinoidei Agass.
Sie haben ein wenig gespaltenes Maul und schwache zahn-
lose Kinnladen, deren Rand nur von dem os intermaxillare ge-
bildet wird, hinter welchem der Oberkiefer liegt. Ihre unteren
Schlundknochen sind mit einigen sehr grossen Zähnen bewaffnet;
die oberen fehlen. Sie haben an der Basis eranii, entsprechend
den untern Schlundknochen, einen meist mit einer Hornplatte
bedeckten Fortsatz des Schädels. Die meisten haben Schuppen.*)
Sie sind ohne Fettflosse. Der Magen ist ohne Blindsack, der
Darm ohne Blinddärme. Die Schwimmblase ist bei den meisten
in eine vordere und hintere getheilt und ist mit dem Gehör-
organ durch eine Kette von Gehörknöchelehen verbunden. Die
äussere Oberfläche der Schwimmblase zeichnet sich durch die
=) Aulopyge Heck. ausgenommen.
320
- x
schweifartige‘ Ausbreitung der Blutgefässe aus. Die Gegenwart
der Nebenkiemen variirt nach den Gattungen, *)
Die Cobitis und Acanthopsis mit knöcherner Hülle der
Schwimmblase verhalten sich zu den übrigen Cyprinoiden wie
Clarias, Heterobranchus, Heteropneustes und Ageneiosus mit
von Knochen eingeschlossener Schwimmblase zu den übrigen
Siluroiden. Doch ‚findet sich diese Bildung nicht bei allen
cobitisartigen Cyprinoiden. Dönn bei der Gattung Schistura
MecL. finde ich hinter der Wirbelanschwellung noch eine grosse
häutige Schwimmblase. Schistura geta (Cobitis geta Buchan.).
IV. Familie. Cyprinodontes Agass.
Die Cyprinodonten bilden eine sehr eigenthümliche Familie,
deren Charaktere ich also aufstelle. Sie gleichen im Habitus
den-Cyprinoiden, aber sie besitzen die grossen Schlundzähne
jener und den Fortsatz der Basis eranii nicht. Hechelförmige
obere und untere Schlundzähne. Ihre Kiefer sind wie bei
den Cyprinoiden gebildet und der Zwischenkiefer bildet den
ganzen Rand der Oberkinnlade, aber sie haben Kieferzähne,
Die Schwimmblase ist einfach und ohne Gehörknöchelchen.
Die Nebenkiemen fehlen. Ihr Magen ist ohne Blindsack und
der Darm ohne Blinddärme. Einige sind lebendig gebärend.
Hieraus ergiebt sich, dass Valenciennes ohne Grund die Auf-
nahme der Cyprinodonten unter die Cyprinoiden vertheidigt.
Hieher gehören die Gattungen Anableps, Poecilia, Fundulus s.
Hydrargyra**), Lebias, Cyprinodon, Molienesia, Orestias Val.
(ohne Bauchflossen). ***)
V. Familie. Characini Müll.
*) Verdeckt und unsichtbar bei den Cyprinus Cuv. und Labeo,
ganz scheinen sie den Cobitis, Acanthopsis, Schistura MeLelland
zu fehlen,
**) Le Sueur erwähnt, dass bei den Weibchen der Hydrargyra
der Oviduct sich entlang dem vordern Rande der Afterflosse verlän-
gert, wie es sich auch bei einem Fisch einer andern Familie, Au-
lopyge Heck., ereignet. Journ. Acad. nat. sc. Philad. I. 126.
***) Der Guapucha de Bogota in v. Humboldt recueil d’obs. de
zool. et d’anat. comp. T. 11. p. 154. taf. 45. fig 1, dessen Luft der
Schwimmblase v. Humboldt untersuchte und welchen Valenciennes als
der Familie der Poecilien angehörig deutet, gehört wegen seiner quer-
getheilten Schwimmblase wohl nicht zu diesen, sondern wahrschein-
lich zur Familie der Characinen.
321
Beschuppte Fische, ohne sichtbare Nebenkiemen, deren
Maul in der Mitte von den Zwischenkiefern, nach aussen bis
zum Mundwinkel von dem Oberkiefer begrenzt wird. Ihre
Zahnbildung variirt nach den Gattungen. Den Schlundknochen
fehlen die grossen Zähne der Cyprinoiden. _Die Schwimm-
blase ist bei allen der Quere nach wie bei den Üyprinoiden
in eine vordere und hintere getheilt, und sie besitzt eine Kette
von Gehörknöchelchen,- welche sie in Verbindung mit dem
Gehörorgan setzen, wie bei den Siluroiden und Üyprinoiden.
Ihr Darm hat zahlreiche Blinddärme. Die meisten haben eine
Fettflosse ausser der Rückenflosse. Die Gattungen sind: Schi-
zodon, Gasteropelecus, Myletes, Tetragonopterus, Anostomus,
Chalceus, Citharinus, Serrasalmo, Piabuca, Hydroeyon, Ra-
phiodon, Anodus, Arphostoma, Hemiodus, Leporinus, Erythri-
nus, Macrodon. Siehe oben. ; j
VI. Familie. Scopelini Müll.
Es sind theils schuppige, theils schuppenlose Fische mit
einer Fettflosse, deren Maul bis zum Mundwinkel bloss vom
Zwischenkiefer gebildet wird, mit welchem der Oberkiefer pa-
rallel läuft. Sie haben kiemenartige Nebenkiemen, den mehr-
sten fehlt die Schwimmblase. Sie haben meist Blinddärme. Hieher
gehören die Gattungen: Aulopus Cuv., Saurus Cuv., Scopelus
Cuv., Maurolicus Cocco, (Gonostoma Cocco, Ichthyococcus
Bonap., Chlorophthalmus Bonap., Odontostomus Cocco, Para-
lepis Risso, Sudis Raf. Bonap.*) (non Cuvier), Sternoptyx
Herm., Argyropelecus Cocco.
Sie unterscheiden sich wie durch die Mundbildung von
den Salmonen auch dadurch, dass ihre ‘Eier, wie auch bei den
Charaeinen und den mehrsten Knochenfischen, nicht in die
Bauchhöhle fallen, sondern dureh die Ausführungsgänge der
Eiersäcke direet ausgeführt werden, wie ich bei Awlopws und
Saurus mich überzeugt habe.
Die Paralepis sind von Cuvier zu den Percoiden ge-
bracht, von Risso früher zu den Salmonen, später zu seinen
Atherinoiden. Cuvier und Valenciennes hielten die vorderen
einfachen Strahlen der Rückenflosse für Stachelstrahlen und
machten geltend, dass die zweite Rückenflosse keine Fettflosse
*) Iconografia della Fauna italica.
Archiv f. Naturgeschichte, IX. Jahrg. 1. Bd. 21
322
sei, sondern Strahlen besitze. Reinhardt fand, dass die Strah-
len der Rückenflosse gegliedert sınd, und erklärte die zweite
Rückenflosse mit Recht für eine Fettflosse, daher er die Para-
Zepis wieder zu den Salmones brachte. Solehe Art von Strah-
Jen, wie diese sind, besitzen nach meiner Beobachtung alle
Fettflossen, es sind äusserst zahlreiche feine Fäden, welche
nicht articulirt sind und das Characteristische besitzen, dass
sie aus vielen verklebten Fasern bestehen, wie man mittelst
des Mieroscops wahrnimmt. Die zweite Rückenflosse der Pa-
ralepis ist ganz entschieden eine Fettflosse.
Dass Paralepis zu den Malacopterygii abdominales ge-
hört, damit stimmt auch, dass sie mehr als fünf weiche
Strahlen in den Bauchflossen haben, was unter den Stachel-
flossern höchst selten ist und nur bei einer kleinen eigen-
thümlichen Gruppe der Percoiden, nämlich den Myripristis
und ihren Consorten, und ferner bei den Zampris und Nota-
canthus vorkömmt. Paralepis gehört nach dem Bau des Mauls
nicht zu den Salmones in unserm Sinne, sondern zu unserer
Familie der Scopelinen.
Zur Gattung Odontostomus Cocco gehört ausser ©. Aya-
linus- als zweite Species 0. Balbo Nob. (Scopelus Balbo Risso).
B. 7—8. D. 12. P. 12. V. 9. A. 33. Dieser Fisch erinnert
durch sein merkwürdiges Gebiss ganz auffallend an Chauliodus
und wurde auch in der Arbeit über die Nebeukiemen als ein
Chauliodus angesehen, so dass das von Chauliodus Bemerkte
auf ihn zu beziehen ist. Die Zähne in dem sehr langen Zwi-
schenkiefer sind klein, sehr gross die Gaumenzähne und die
des Unterkiefers, die’am Ende einen Widerhaken besitzen.
Alle die grossen Zähne. lassen sich an ihrer Wurzel nach hin-
ten umlegen, ohne: dieses kann das Maul nicht geschlossen
werden. Nach dem Umlegen richten sie sich von selbst wie-
der auf.
Maurolicus Cocco ist eine eigenthümliche Gattung, die
sich zufolge meiner Autopsie durch ihre nach hinten weit über
den Mund verlängerten und hier am untern Rande gewimper-
ten Oberkiefer auszeichnet, während der zahntragende Zwi-
schenkiefer, wie in der ganzen Familie, bis zum Mundwinkel
geht. Zu dieser Gattung Maurolicus gehört die Argentina
sphyraena Pennant (Scopelus borealis Nilsson), welche Cuvier
EIN ie
mit Unrecht für identisch mit Scopehiis Humboldtü Risso hielt,
Letztern habe ich ebenfalls untersucht. lch habe den Mauro-
lieus amethystino-punctätus Cocco (aus Nizza durch Peters)
und den Scopelus borealis Nilsson (aus Norwegen durch Sars)
vor mir, Sie sind sich so ähnlich, dass mir ihr Unterschied
als Species noch zweifelhaft ist. Den Scopelus glacialis Beinh.
kenne ich nicht.
Die Gattungen Myctophum Rafl. Cocco und Lampanyetis
Bonap. sind nicht von Scopelus verschieden.
VM. Familie. Salmones Müll.
Beschuppte Fische mit einer Fettflosse, deren Maul in
der Mitte von dem Zwischenkiefer, nach aussen vom Ober-
kiefer begrenzt wird, mit Nebenkiemen, zahlreichen Blinddär-
men und einfacher Schwimmblase. Ihr Eierstock ist ohne
Ausführungsgang und die Eier fallen in die Bauchhöhle und
werden von da durch eine Bauchöffnung hinter dem After
abgeführt. Die Zahnbildung variirt nach den Gattungen. Von
den Scopelinen sind sie leicht durch die Bildung der Kiefer
zu unterscheiden, von den Characinen durch die Nebenkiemen.
Hieher die Gattungen: ‚Salmo, Osmerus, Coregonus, Thymal-
lus, Mallotus, Argentina, Microstoma.
VIH. Familie. Esoces Müll.
Beschuppte Fische ohne Fettflosse, mit verdeckten drü-
sigen Nebenkiemen. Ihr Maul wird in der Mitte von dem
Zwischenkiefer, seitlich vom Oberkiefer eingefasst. Ihre
Schwimmblase ist einfach. Sie zeigt auf der ganzen innern
Oberfläche diffuse Gefässwedel, wie man sie in den anderen
Familen vermisst. Ihr Magen ohne Blindsack, ihr Darm ohne
Blinddärme. Man kennt jetzt nur Süsswasserfische.
Hieher die Gattungen Zsox Cuv. und Galaxias Cuv.
IX. Familie. Mormyri Cuv.
Cuvier vermuthete bereits, dass sie einst Veranlassung
zu einer neuen Familie würden, aber er kannte die nach der
grossen Verschiedenheit in den Zähnen zu bildenden Gattun-
gen nicht, auch war ihm die wichtige osteologische Eigen-
thümlichkeit, die ich bei den Fischen dieser Familie finde,
unbekannt, dass statt zweier ossa intermaxillaria nur ein ein-
21 *
F
324 pr.
ee
ziges unpaares os intermaxillare vorhanden ist, an welchem
man keine Spur einer Nath bemerkt. *)
Die Mormyri sind beschuppte Fische mit zusammenge-
drücktem länglichem Körper, mit einem an der Basis dünnen
Schwanz, der gegen die Flosse hin aufgetrieben und deren
Kopf mit einer nackten dieken Haut überzogen ist, welche
die Kiemendeckel und Kiemenstrahlen einhüllt und nur einen
senkrechten Spalt als Kiemenöffnung übrig lässt. Ihr Maul ist
klein und wird in der Mitte von dem unpaaren Zwischen-
kiefer, aussen vom Oberkiefer begrenzt. Die Zahnbildung
variirt nach den Gattungen. Der Schläfenapparat ist einfacher
als bei anderen Fischen, worin sie den Siluroiden gleichen.
Ihr Schädel hat eine eigenthümliche, zu der Cavitas cranii
und zum Labyrinth führende Öffnung, welche von der Haut
bedeckt ist.**) Die Nebenkiemen fehlen. Der Magen bildet
einen runden Sack, auf den 2 Blinddärme und ein langer
dünner Darm folgen. Die Schwimmblase ist einfach.
Gattungen: 1) Mormyrus Müll. eine Reihe dünner, am
Ende ausgekerbter Zähne an den Intermaxillarknochen und im
Unterkiefer, auf der Zunge und am hintern Theil des Vomer
ein Streif von hechelförmigen Zähnen.
Hieher M. cyprinoides L., M. oxyrhynchus Geofir., M.
dorsalis @., M. longipinnis Rüpp. (welchem letztern mit Un-
recht ein zahnloses Maul zugeschrieben wird).
2) Mormyrops Müll. Sie haben- statt gekerbter viel-
mehr kegelförmige Zähne in den Kiefern,
Hieher Mormyrus anguilloides Geofir. und M. labiatus G.
X. Familie. Clupeoidei Müll.
Beschuppte Fische ohne Fettflosse, deren Maul in der
Mitte vom Zwischenkiefer, an den Seiten vom Oberkiefer ein-
gefasst wird, mit Nebenkiemen, Blindsack des Magens, zahl-
reichen Blinddärmen, einfacher Schwimmblase, Die Zahnbil-
dung variirt nach den Gattungen.
*) Dies ereignet sich bei keinem andern Fische wieder, als bei
Diodon, wo aber auch der Unterkiefer keine Nath in der Mitte besitzt.
*#*) Diese von Heusinger beobachtete Eigenthümlichkeit kömmt
bei allen Fischen dieser Familie vor. Bekanntlich findet sich diese
Bildung auch bei einigen Arten der Lepidoleprus, bei L. norwegicus
fehlt sie aber, ich finde diesen Bau auch bei der Gattung Notopterus.
325
Hieher die Gattungen C/upea, 4losa, Chatoessus, Clupano-
don, Engraulis, Thryssa, Gnathobolus, Pristigaster, Hyodon,
Elops, Megalops, Lutodeira K. et H., Butirinus, Alepocepha-
lus Risso. 7
Mehrere von ihnen zeichnen sich dureh grosse glasartig
durchsichtige Augenlider aus, welche einen grossen Theil des
Auges bedecken, was an die Seomber und Caranz erinnert.
Artedi kannte es von Clupea, wie von Scomber. Solche
finden sich, ein vorderes und hinteres Augenlid, durch einen
senkrechten Schlitz getrennt, bei den Gattungen Olupea, Alosa,
Chatoessus, Clupanodon, Elops, Hyodon. Am merkwürdigsten
sind jedoch die Augenlider der Butirinus, sie sind eirkelför-
mig wie beim Chamaeleon, aber völlig durchsichtig, und las-
sen nur in der Mitte, gegenüber der Pupille, eine sehr kleine
rundliche Öffnung übrig. Bei den Zrgraulis und Zutodeira
fehlen die Augenlieder, hier wird das Auge von einer gallert-
artigen durchsichtigen Fortsetzung der Haut überzogen. Bei
einigen Clupeoiden verbindet sich die Schwimmblase dureh
Iuftführende Canäle mit dem Labyrinth, so nach E. H. Weber
bei C/upea und nach meinen Beobachtungen bei Engraulıs.
Bei anderen Clupeoiden fehlt diese Verbindung, z.B. bei den
Butirinus, hier schiekt die Schwimmblase vorn zwei einfache
Blinddärmehen ab.
Die Zutodeira zeichnen sich noch durch eine hinter der
Kiemenhöhle liegende besondere Höhle aus, welche mit der
Kiemenhöhle durch ein Loch neben dem Schürtelgürtel com-
munieirt. In dieser Höhle liegt eine accessorische blätterige
Kieme mit knorpeligen Stützen. Die Kieme des letzten oder
4. Kiemenbogens verhält sich überdies eigenthümlich, ihre un-
tere Hälfte ist vollständig, d. h. doppelt-blätterig und hier
befindet sich der gewöhnliche Spalt zwischen dem letzten
Kiemenbogen und dem Schlundknochen, die obere Hälfte des
4. Kiemenbogens verliert aber die hintere Reihe der Kiemen-
blätter und hat nur eine Reihe Blätter, welche zugleich an
die Haut der Kiemenhöhle angewachsen sind.
XI. Familie. Olupesoces Müll.
Fische ohne Fettflosse, ohne Nebeukiemen, bei denen
das Maul in der Mitte vom Zwischenkiefer, ‚an den Seiten
vom ÖOberkiefer eingefasst wird, einige von ihnen haben eine
326
einfache Schwimmblase. Die Blinddärme in sehr geringer Zahl,
oder auch fehlend.. Von den Clupeen unterscheiden sie sich
auf den ersten Blick durch den völligen Mangel der Neben-
kiemen.
Hieher gehören die Gattungen: Stomias, Chauliodus, Chi-
rocentrus, Notopterus, Osteoglossum, Heterotis Ehrenb. und
‚Sudis Cuv. (Arapaima Nob.).
Bei den Notopterus finde ich noch die Verbindung der
Schwimmblase mit dem Labyrinth durch luftführende Canäle,
die aber nichts den Clupeoiden ausschliesslich Zukommendes
ist, da sie sich unter den Stachelflossern bei den Myripristis
nach Cuvier’s Beobachtungen vorfindet.
Die Notopterus zeichnen sich-auch durch eine-grosse Öf-
nung auf jeder Seite des Schädels aus, welche zum Innern
des Schädels und zum Labyrinth führt, und äusserlich durch
die Haut geschlossen ist, wie bei den Mormyrus.
Die Notopterus,*) Osteoglossum und Sudis Spix zeichnen
sich zusanımen vor allen Fischen dadurch aus, dass sie auch
Zähne in der Basis cranii (nicht bloss im Vomer), nämlich
hinten im Körper des Keilbeins besitzen.
Die Gattung ZHeterotis Ehrenb. (Clupesudis Swainson),
Typus Heterotis niloticus, Sudis nilotieus Rüpp., ist von Su-
dis Spix, zu welcher Swdis gigas gehört, gänzlich verschieden.
Beide sind auch von Öuvier und Rüppell verwechselt. Ich
habe den Sudis gigas, von Schomburgk dem Jüngern aus
Guiana gesandt, untersucht, er besitzt nicht allein beschuppte
verticale Flossen, während die Flossen der Heterotis nackt
sind, sondern die Zähne sind ganz verschieden. Sudis hat
Zähne im Vomer und an den Gaumenbeinen, und einen be-
sondern Haufen an der Basis eranii. Heterotis hat ausser den
Kieferzähnen nur Zähne im os pterygoideum, keine im Vomer,
keine an der Basis cranii. Ich habe mich auch überzeugt,
dass die Szdis das von Ehrenberg und Hemprich bei Heterotis.
entdeckte räthselhafte Organ an den Kiemen nicht besitzen.
Da der Name Sudis schon von Rafinesque für eine Scopeli-
nen-Gattung angewandt, welche vom Prinzen Bonaparte her-
*) Nach Cuvier soll Notopterus nur einen einzigen Strahl in der
Kiemenhaut haben, er hat aber deren 8.
327
gestellt ist, so ist für den Sudis gigas ein neuer Gattungs-
name aufzustellen, wofür ich den Localnamen «dieses Fisches
Arapaima vorschlage. Arapaima gigas Nob. (Sudis gigas Cuv.,
Sudis pirarucu Spix).
Osteoglossum zeiehnet sich nach meinen Beobachtungen
noch dadurch aus, dass diese Gattung, wie Lepisosteus unter
den Sauroiden, eben soviel Knochenstücke am Unterkiefer be-
sitzt, als die beschuppten Amphibien, ich finde nämlich sechs
Stücke. Bis jetzt hat man den Zepisosteus als einziges Bei-
spiel dieser Bildung gekannt und daher zuviel Werth auf diese
Amphibienbildung unter den Sauroiden gelegt, die nicht ein-
mal den Polypterus zukömmt.
XII. Familie. Sauroidei Ag.
Ich stimme Agassiz bei, dass Zepisosteus und Polypterus
eine besondere Familie bilden müssen wegen ihrer mit Schmelz
bedeckten sehr abweichenden Knochenschuppen, obgleich beide
Fische in vielen Punkten von einander sehr abweichen. Poly-
pterus zeichnet sich aus durch die einzige Bildung seiner ver-
ticalen Flossen, durch den Mangel der Nebenkiemen und durch
Unvollständigkeit der 4. Kieme, die nur aus einer Reihe von
Blättchen besteht, so dass auch die Spalte hinter dieser Kieme
fehlt. Polypterus hat nur einen, Lepisosteus viele Blinddärme.
Die Schwimmblase hat bei beiden eine musculöse Schichte,
bei Lepisosteus ist sie zugleich zellig. Der Luftgang geht bei
Lepisosteus in die dorsale Wand des Schlundes, bei Polypte-
rus, verschieden von allen Fischen, nach meinen Beobachtun-
gen in die ventrale Wand. Die Polypterus besitzen eine Spi-
ralklappe im Darm.
XII. Familie. Sirenoidei Müll.
Ich halte dafür, dass ZLepidosiren zu den Malacopterygii
abdominales gehöre und eine eigene Familie bilde. Er gehört
zu keiner Abtheilung der Knorpelfische, Die Knorpelfische
mit musculösem Bulbus aortae haben sämmtlich mehrere Klap-
penreihen darin, und die Cycelostomen, denen die mehrfa-
chen Klappenreihen fehlen, haben keinen musculösen Bulbus
aortae. Ein museulöser Bulbus aortae und zwei Klappen am
Eingang derselben sind eine allgemeine Eigenschaft der Kno-
chenfische, In den Schuppen hat Lepidosiren, zufolge der von
328
mir angestellten Vergleichung, amı meisten Ähnlichkeit mit den
Arepaima, Heterotis und Osteoglossum, deren Schuppen mosaik-
artig aus vielen Stiickchen zusammengesetzt sind. Dieser Schup-
penbau ist aber kein ausschliesslicher jener Fische, sondern die
Schuppen der mehrsten Knochenfische sind aus einer gewissen
Anzahl von Stücken zusammengesetzt, und die nach der Peri-
pherie auslaufenden Linien, die man unter dem Microscop
sieht, sind Näthe, wie Peters gezeigt hat. Bei vielen Fischen
giebt es aber auch Quernäthe. Die Schuppe wächst daher
nicht an ihren Rändern allein, sondern in den mehrsten Fällen
an allen den Näthen, wo ihre Stücke zusammenstossen.
VIl. Über die natürlichen Familien in der Ordnung
der Malacopterygii apodes.
Die Malacopterygii apodes sind aalförmige oder schlan-
genförmige langgestreckte Fische mit sehr kleinen Schuppen
oder ohne Schuppen, ohne Bauchflossen. Der letztere Um-
stand ist nicht allein charakteristisch; denn die Bauchflossen
fehlen oft auch in anderen Familien; aber in dieser Ordnung
ist auch eine Neigung vorhanden, selbst die Brustflossen und
zuweilen selbst die verticalen Flossen abzulegen, welches bei-
des sich bei mehreren Gattungen ereignet. Es fehlt ihnen der
stielförmige Knochen am Schultergürtel [wie den Siluroiden
und Loricarinen.
I. Familie. Anguillares Müll.
Es sind aalförmige Fische, ausgezeichnet bei den Mangel
der Bauchflossen oder selbst auch der Brustflossen durch die
Gegenwart eines Luftganges der Schwimmblase zum Schlund,
wie bei den Malacopterygii abdominales, und durch den Mangel
der Nebenkiemen. Ihre Schwimmblase enthält grosse Wunder-
netz-Gefässkörper, Einige haben Blinddärme ( Gymnotus).
Hieher gehören die Gattungen Anguilla, Muraena, Spha-
gebranchus, Ophisurus, Uropygius Rüpp., Symbranchus, Alabes,
Monopterus, Amphipnous Müll. (mit nur zwei Kiemen und
einem accessorischen Athemsack ) *), Gymnotus, Carapus, Stern-
archus, Gymnarchus, Leptocephalus, wahrscheinlich auch Sac-
copharynz,
*) Müller’s Archiv 1840 p. 115.
329
Soweit man die Anatomie der Aale auf die übrigen über-
tragen kann,. zeichnen sie’ sich aus, dass ihre Geschlechts-
theile ohne “Ausführungsgänge sind, sowohl bei Männchen als
Weibchen, und dass Eier und Samen in die Bauchhöhle über-
gehen und durch eine Bauchöffnung hinter dem After ausge-
führt werden, gleichwie bei den Üyclostomen, wo es von
Dumeril zuerst beobachtet ist, dagegen dieses Verhalten bei
den Aalen von Rathke bewiesen ist.
U. Familie. Ophidini Müll.
Sie sind bei dem Mangel der Bauchflossen oder selbst
auch der Brustflossen ausgezeichnet durch den Besitz der Ne-
benkiemen und den Mangel des Luftganges der Schwimmblase,
welche die Wundernetz -Gefässkörper enthält, wie sie den Fi-
schen ohne Luftgang gemein sind. Dahin gehören die Gat-
tungen Opkidium, Fierasfer, Enchelyophis Müll. (Fierasfer ohne
Brustflossen). Gymnelis*) Reinh. und Ammodytes**), beide mit
Nebenkiemen, gehören nicht zu den anderen, da sie den stiel-
förmigen Knochen des Schultergürtels besitzen.
Ophidium blacodes Forster, von Cuvier zu Opkidium, ge-
bracht, gehört wahrscheinlich einer andern Gattung an, wegen
der von Forster hemerkten 6 Blinddärme, die den Ophidien
fehlen.
Die Gattung Znchelyophis habe ich im Monatsbericht der
Akademie d. Wissensch., Juni 1842, aufgestellt.
Enchelyophis Müll. Keine Brustflossen und keine Bauch-
flossen. Die Kiemenspalten beider Seiten sind durch Verei-
nigung der Kiemenhäute in der Mitte verbunden. Der After
liegt viel weiter nach vorn als bei den Ophidien, sogleich
hinter den Kiemen. Strahlen der Kiemenhaut 6. Die verti-
calen Flossen vereinigen sich an der Schwanzspitze.
Art: Enchelyophis vermicularis Müll. 4 Zoll lang.‘ Der
Körper läuft nach hinten ganz spitz aus. Farbe uniform
schwarzbraun. Schwimmblase wie bei Fierasfer. Diese Art,
*) Gymnelis hat im Anfang der Rückenflosse einige, jedenfalls
2 ungegliederte Strahlen. Hiernach und nach seinen Eingeweiden und
Nebenkiemen gehört er unter die Blennioiden.
**) Die Stellung der Ammodytes ist mir noch nicht klar gewor-
In der Bildung ihrer Kiefer haben sie mit den Scopelinen Ähn.
lichkeit. a
330
deren Vaterland ich bisher nicht kannte, habe ich seither von
den Philippinen erhalten, wo auch eine Species der Gattung
Fierasfer einheimisch ist, Fierasfer Philippinus Müll.
VII. Über einige systematisch wichtige Verschie-
denheiten in dem Bau der Nase und die danach zu
bildenden Gattungen der T'etrodon.
Die Beachtung der Nase wird schon bei den Labroidei
etenoidei und bei den Chromiden wichtig, indem sie hier statt
zweier in der Regel nur eine einzige Öffnung auf jeder Seite
besitzt. Die Labroidei etenoidei zeigen es in allen Gattungen,
von den Chromiden die mehrsten Gattungen, und es ist da-
von nur die Gattung Symphosodon Heck. ausgenommen.
Andere noch auffallendere Verschiedenheiten zeigen sich
in der Bildung der Nase bei den Tetrodon. Die zahlreichen
Arten derselben sind sonst sehr übereinstimmend gebildet.
Beachtet man aber die Nase, so stösst man auf so fundamen-
tale Unterschiede, dass man sich sogleich überzeugt, wie hier
mehrere Gattungen unterschieden werden müssen.
Eine Gruppe der Tetrodonarten hat als Nase eine hohle
gewölbte Papille mit 2 Naslöchern. Am Seitenrand des Bau-
ches dieser Fische von der Kehle bis auf den Schwanz be-
findet sich ein Hautkiel, diesem entspricht ein zweiter weiter
oben gelegener Kiel an der Seite des Schwanzes. Zu dieser
Untergattung Gastrophysus*) Müll. gehören Tetroden ob-
longus, lunaris u. A.
Andere haben eine hohle Papille mit 2 Löchern, oder
eine mehr, oder weniger lange Nasenröhre mit 2 Naslöchern
an derselben und keinen Kiel am Bauch, Chelöchthys Müll.
Noch andere, wie Tetrodon testudinarius, haben statt der Na-
sen jederseits ganz solide Tentakeln, in welche der starke
Geruchsnerve geht. Arotkron Müll. Diese Tentakeln haben
entweder eine cylindrische oder conische Gestalt, oder sind
lappenartig abgeplattet. In allen Fällen sind sie solid ohne
Nasenhöhle und ohne Nasenöfinungen. In der Regel theilt
sich ein solcher Tentakel in 2 Schenkel oder Lappen.
*) Ich ziehe diesen Namen dem früher von mir vorgeschlagenen
Physogaster vor, weil letzterer schon bei den Insecten angewandt ist.
331
Beschreibung einer auffallenden, an Süsswasser-
schwämmen lebenden Larve.
Von
Prof. Ed. Grube.
(Hierzu Taf, X.)
D
Beim Einsammeln von Süsswasserschwämmen ist mir schon
im September 1839 und nach zwei Jahren wieder ein höchst
. sonderbares Insect begegnet, das sich auf ihnen aufhält, und
von ihrem Schleim lebt; ich wollte jedoch seine Beschreibung
nicht eher veröffentlichen, bis ich etwas Näheres auch über
seine Lebensgeschichte hinzufügen könnte. Inzwischen theilte
mir Herr Professor Erichson mit, dass Westwood in den
Transactions Entomol. Ser. III. pag. 105 Tab. VIIJ. Fig. 1—12
eine Beschreibung desselben Thierchens bekannt gemacht,
und ich zögere daher nicht länger, mit meinen Bemerkungen
“ hervorzutreten, da sie das von Hrn. Westwood Gesehene,
dessen Auszug ich der Gefälligkeit des Hrn. Prof. Erichson
verdanke, in einigen Stücken ergänzen.
Der Körper des Insects ist 4—5 Millimeter lang, be-
deutend breiter als dick, an den Seiten gerundet, nach vorn
und hinten sich verjüngend, und besteht aus einem winzigen
zweitheiligen Kopf, 3 ansehnlichen Thoraxringen und 9 Hin-
terleibsringen, von denen der letzte den After enthaltende
besonders lang gezogen und dünn ist, und 2 Absätze erken-
nen lässt. Die Färbung ist dunkel grün, die Rückenseite an
jedem Segment durch 2 Längsfurchen, in ein erhabenes Mittel-
* feld und 2 seitliche getheilt, und auf dem Mittelfelde erkennt
man eine nicht undeutliche Zeichnung von helleren Flecken,
welche zu 2 liegenden Kreuzen gruppirt sind (Fig. 4.).
Nahe dem Seitenrande der Mittelfelder stehen jederseits
je 3 nicht gestielte Haare neben einander, und eben solche
332
zeigen sich am Körperrande selbst, zum Theil von beträcht-
licher Länge, besonders die an den hintersten Segmenten,
welche auch nach hinten gerichtet sind, während die vordern
seitwärts stehen. Das erste Thoraxsegment ist am wenigsten
behaart (Fig. 1).
Was das Verhältniss der Körperringe betrifft, so kommt
die Länge der Thoraxringe etwa den 7 nächsten Abdominal-
ringen gleich, der Prothorax ist der längste unter ihnen, aber
auch weniger breit und besonders vorn sehr schmal.
Die Eigenthümlichkeiten, welche dies Insect so besonders
merkwürdig machen, sind eine doppelte Mundöffnung, oder
genauer ausgedrückt, das doppelte Vorhandensein einer Saug-
röhre, welche die flüssige Nahrung in den Oesophagus leitet,
und die Gegenwart von gegliederten, an der Bauchseite ent-
springenden Kiemen.
Der Kopf besteht aus 2 Ringen, denn zwischen den eigent-
lichen Kopf, der die Sinnesorgane und Mundtheile trägt, und
den Prothorax schiebt sich noch ein Ring ein (Fig. 2g.), wel-
cher durch Verbindungshäute eben sowohl mit dem Kopf als
mit dem Prothorax zusammenhängt, und breiter als der erstere
ist, so dass dieser sich in ihn etwas zurückziehen kann. Man
würde also mit demselben Recht sagen dürfen, der Körper
dieses Insects sei aus 14 Segmenten zusammengesetzt. An
dem eigentlichen Kopf sitzen ganz seitlich die beiden, aus
5 Ocellen zusammengehäuften Augen, jedes auf einem gemein-
samen schwarzen Pigmentfleck, und vor ihnen nach innen die
sehr langen borstenförmigen Fühler, welche zurückgeschlagen
etwa bis auf den Metathorax reichen würden, Sie sind gerade
vorgestreckt und haben 14 Glieder. Das Basalglied ist auf-
fallend dick und kürzer als das zweite, dessen Länge etwa
den 3 nachfolgenden gleich kommt, gegen das Ende werden
die Glieder allmälig kürzer (Fig. 2 a.), und das letzte, aus-
serst dünne, läuft gabelig in 2 ungleich lange Spitzen aus, de-
ren grössere noch einen kleinen seitlichen Dorn trägt (Fig.3).
Zwischen den Fühlern ragen 2 nur wenig kürzere bor-
stenförmige Fäden hervor (Fig. 1.2 b.). Dies sind die Saug-
röhren. Sie entspringen an der Unterfläche des verhältniss-
mässig dicken, vorn gerade abgestutzten Kopfes, zu beiden
Seiten eines schmalen queren Blattes, der Unterlippe (Fig 2 i.),
PIERRE
333
deren vorderer Rand sich durch ein paar einzelne Haare be-
merkbar macht; aber von Tastern sieht man keine Spur, auch
ist dieser ganze Theil mit dem übrigen Kopf verwachsen. Jede
Saugröhre besteht aus 2 auf einander liegenden Halbröhren,
wie man sich am lebenden Thier durch Pressen überzeugen
kann; bei den in Weingeist aufbewahrten Exemplaren haben
sie sich gewöhnlich von selbst aus einander begeben. Man
wird diese ungegliederten Halbröhren wohl nur auf Mandibeln
und Maxillen zurückfüliren können, und findet dazu die nächste
Analogie in den Fresswerkzeugen .der Sialislarve. Hier sind
Mandibeln und Maxillen noch gezahnt, liegen aber platt auf
einander und nehmen das Kinn und die Unterlippe, beide mit
Tastern versehen, zwischen sich. Sobald bei unserer Larve
die Röhren in den Kopf hineintreten, biegen sie sich 'knie-
förmig nach innen (Fig. 2 e.), stossen zusammen und bilden
so den Oesophagus (Fig. 2 d.).
Eine solche Zusammenfügung der Mundtheile ist bis jetzt
an keinem Inseet bemerkt worden, denn wo sonst eine dop-
pelte Saugröhre vorkommt, entsteht sie dadurch, dass entwe-
der die Mandibeln durchbohrt sind, wie bei den Dytiscus-
Larven, oder die Maxillen, wie bei den Lepidopteren. Nur
die Larven von Myrmeleon müssen, nach Burmeisters Be-
schreibung zu urtheilen, auf eine unserm Insect ähnliche Weise
ihre Nahrung einsaugen.
An den Beinen, welche die Thoraxringe tragen, unter-
scheidet man eine nicht eben sehr deutlich abgesetzte Hüfte, -
einen ringförmigen wulstigen Trochanter, einen dieken Schen-
kel, ein halb so dickes, etwas längeres Schienbein und einen
zweigliedrigen Tarsus, dessen Basalgliel etwa so lang als das
letztere, aber 3—4 Mal so dünn, und dessen Endglied sanft
gebogen ist, ohne einer wirklichen Kralle zu entsprechen.
Am Schenkel, Schienbein und Tarsus stehen einzelne, lange,
steife Haare; die Länge der Beine übertrifft die Breite des
Körpers.
Dass die untern paarigen Anhänge, welche die nächsten
7 Abdominalsegmente tragen, den Beinen der Thoraxringe sehr
ähnlich gebildet sind, kann Niemand entgehen: sie entspringen
an derselben Stelle und zeigen deutliche Gliederung (Fig. 7 und
Fig. 5 m.), obwohl man weder einen ringförmigen Trochanter
334
und eine Hüfte, noch ein krallenartiges Endglied unterscheiden
kann. Ohne Zweifel dienen diese Anhänge als Kiemen, weil
sie der Länge nach von einem ansehnlichen Tracheenstamm
durchzogen werden, wogegen die Beine nur sehr spärlich mit
Luftröhren versehen sind; indessen hege ich doch die Ansicht,
dass man sie gleichzeitig als wahre Extremitäten betrachten
könne, indem das lange knieförmig gebogene Grundglied die-
ser Anhänge eine Verschmelzung von Hüfte, Trochanter und
Schenkel darzustellen scheint. Ein nach aussen vorspringen-
der kurzer Fortsatz (Fig. 5 m.) steht bei den vordersten An-
hängen gerade an der Stelle, wo jene Kniebeugung die Grenze
von Hüftgliedern und Schenkel andentet, in den folgenden
rückt er weiter hinunter und verschwindet zuletzt gänzlich.
Dass aber das zweite Glied des Tarsus verkümmert, wird, da
diese Extremitäten nicht zum Kriechen dienen, nicht befrem-
den, und dass das einzige hier vorhandene nicht sowohl nach
innen gebogen als nach aussen gestreckt ist, hat vielleicht sei-
nen Grund darin, dass diese Theile das in der Umgebung des
Körpers befindliche Wasser zu bewegen und so die Respira-
tion zu unterstützen bestimmt sind. Man sieht sie zeitweise
in einer sehr heftigen länger anhaltenden Erschütterung, wäh-
rend sie in der Ruhe doppelt zusammengelegt ganz unter den
Bauch gezogen und von oben her nicht bemerkbar sind.
Theilt man meine Ansicht, so wird damit ausgesprochen,
dass es auch in der Reihe der Insecten, freilich nur im Lar-
venzustande, ein Beispiel giebt, wo die Abdominalsegmente
den sonst alleinigen Vorzug der Thoraxringe, Extremitäten zu
tragen, mit ihnen theilen. Als Schwimmfüsse darf man die
letzteren jedoch trotz ihrer Bewegung nicht betrachten: denn
das Schwimmen geschieht durch abwechselnde Beugung und
Streekung des Hinterleibes, wobei dessen seitliche Bekleidung
mit langen, auf eigenen Stielen sitzenden, steifen Haaren nicht
als unwesentlich zu übersehen ist. Es liegt sehr nahe, un-
sern Fall mit der Sialislarve zu vergleichen, wo wir auch
jederseits «an den 7 ersten Abdominalsegmenten gegliederte
Anhänge bemerken. Obschon sie nicht an der Bauchfläche,
sondern am Rande selbst entspringen, und nach oben und
hinten gerichtet sind, wie die hintern Fusspaare bei Homala
und Dorippe, kann man doch nicht behaupten, sie seien Fort-
335
sätze der Rückenschienen, vielmehr findet die Einlenkung zwi-
schen der Rücken- und Bauchschiene der Segmente statt.
Deutliche Hüftglieder zeigen auch sie nicht, wohl aber lässt
. sich an ihnen Schenkel, Schienbein und ein zwei- oder drei-
gliedriger krallenloser Tarsus unterscheiden, während die Tar-
sen der eigentlichen Beine 2 Krallen tragen. Dass sie die
Function von Kiemen haben, beweist ihr Reiehthum an Tra-
cheen, doch weichen sie dadurch von den Athmungsorganen
unserer Larve ab, dass sie zweizeilig lang behaart, und, wie
es scheint, einer selbstständigen Bewegung nicht bedürftig
sind, mindestens habe ich sie nie anders bewegt gesehen, als
mittelbar, wenn nämlich der Hinterleib beim Schwimmen ab-
wechselnd gekrümmt und gestreckt wird.
Westwood bleibt darüber zweifelhaft, ob das von ihm
beschriebene Thier eine Larve oder ein vollkommenes Insect
sei; soweit ich hier den innern Bau untersucht habe, muss ich
es für eine Larve halten, da keine Spur von Geschlechts-
theilen zu entdeken war. Was ich sonst davon ermittelt, ist
Folgendes:
Wie schon erwähnt, biegen sich die zweitheiligen Saug-
röhren innerhalb des Kopfes knieförmig um, indem sie in
eine einfache kurze Röhre übergehen. Diese Röhren stossen
“ dann zusammen und bilden den Oesophagus, welcher dünn
beginnt, sich darauf etwas flaschenartig erweitert und in einen
länglich ovalen Magen fortsetzt. Beide sind durch eine starke
Einschnürung von einander geschieden. In dem Oesophagus
scheint sich ein stiletartiger Körper zu bewegen, sollte er in
irgend einer Beziehung zum Geschäft des Saugens stehen?
Seine Erweiterung kann jedenfalls die Rolle eines Saugmagens
übernehmen. Unmittelbar hinter dem Pylorus münden die
Malpighi’schen Gefässe, nicht eben bedeutend lang, und so-
wohl um den Darm als um einander gewickelt. Ich habe ihrer
6 gezählt: ihre Mündungen stehen ringförmig an dem Darm,
und sie selbst erscheinen sehr ungleich dick und auf den er- '
sten Anblick verschieden gebildet; denn ihr freies Ende war
braun und äusserst dünn, ihr Basaltheil aber weiss und sehr
dick. Indessen rührt letzteres nur von einem Fettüberzug
her, welcher hier das Gefäss umkleidet und weiterhin plötz-
lich aufhört,
336
Der auf den Magen folgende Theil des Darms ist mässig°
weit und zeigt eine Reihe regelmässiger Einschnürungen, ‘da-
nach wird er dünner, macht mehrere Biegungen und endigt
etwas erweitert.
Den Körper durchziehen der Länge nach 2 Tracheen-
stämme, von denen ausser andern Zweigen in jedem Segment
ein Ast für die Kieme abgeht — sein Silber sieht prächtig
auf dem grünen Grunde aus — und einer an die Bauchseite:
er begegnet dem entsprechenden der andern Seite, und ver-
eint sich mit ihm in der Mittellinie.
Der Nervenstrang besteht aus paarig verschmolzenen Gan-
glien, welche durch je 2 ansehnlich dicke kurze Längsfäden
zu einer Kette verbunden sind.
Dem ganzen Habitus nach zu urtheilen, würde ich diese
für eine Neuropteren-Larve halten.*) Möchten doch diejenigen,
die sich ausschliesslicher mit Inseeten beschäftigen, durch diese
Beschreibung aufmerksam gemacht, über die weitere Meta-
morphose der so auffallend gebildeten Larve recht bald uns
Aufschluss geben.
Erklärung der Zeichnungen.
Fig. 1. Die Larve, von oben gesehen, etwa 8 Mal vergrössert.
a. Die Fühler.
d. Die Saugröhren.
Fig. 2. Der Vordertheil des Körpers, von unten gesehen, noch be-
deutender vergrössert.
a. Die Fühler, auf ihrem starken Basalglied,
d. Die beiden zweitheiligen Saugröhren.
ce. Ihr knieförmig umgebogener Theil im Innern des Kopfes.
d. Der Oesophagus.
e. Seine Erweiteruug.
*) Diese Ansicht theile ich vollkommen. In vielen Beziehungen,
namentlich auch in der Bildung des Mundes, steht diese Larve der
von Hemerobius nahe, in andern erinnert sie an die von Sialis. Der
ganze Bau lässt annehmen, dass sie einem Insect angehört, welches,
wie Sialis, in seinen ersten Ständen im Wasser lebt, sonst aber nä-
her mit Hemerobius verwandt ist. Die Vermuthung führt zunächst
auf Sisyra Burm. (Hemerobius fuscatus F.) und es scheint mir nicht
unmöglich, dass die im Obigen so sorgfältig beschriebene Larve die-
ser Gattung angehört. Herausgeber.
337
F. Tracheen, die in den Kopf gehen.
g. Das hintere Segment des zweitheiligen Kopfes.
h. Die zusammengehäuften Augen.
i. Die Unterlippe.
k. Das erste Beinpaar.
Fig. 3. Die beiden Endglieder der Antenne, vergrössert.
Fig. 4. Der Rückentheil eines Segments, vergrössert, um seine Zeich-
. nung von den kreuzförmig gruppirten helleren Flecken zu zeigen.
Fig. 5. Das letzte Thorax- und erste Abdominalsegment, von unten
gesehen.
1. Das dritte Beinpaar, an welchem ein deutlicher Tro-
chanter in Form eines wulstigen Ringes.
m, Das erste Kiemenpaar, in dessen knieförmig geboge-
nem Basalglied ich eine Verschmelzung von Tro-
chanter und Schenkel sehe.
Fig. 6. Das Hinterende des Körpers.
n. Das Tte Abdominalsegment, das letzte, welches Kie-
men trägt.
o. Das Ste Abdominalsegment.
p- Das 9te, zweitheilige.
Beide durch die Länge und grössere Zahl der auf Stielen
sitzenden Borsten ausgezeichnet.
Fig. 7. Eine der hinteren Kiemen, mit ihrem Tracheenstämmchen.
Fig. 8. Ein Bein.
s. Hüfte.
t. Trochanter.
u. Schenkel.
v. Schienbein.
w. Der zweigliedrige Tarsus.
Fig. 9. Eine Querreihe von den auf jedem Segment (den Prothorax
ausgenommen) stehenden gestielten Haaren.
Fig. 10. Eines von den Malpighi’schen Gefässen.
Die Dicke seines untern Theils rührt von einem Fettüber-
zuge her, wie das daneben gezeichnete, gepresste Bruchstück
veranschaulicht, wo
q. das Gefäss selbst,
r. den Fettüberzug bezeichnet.
Archiv f. Naturgeschichte,. IX. Jahrg. 1. Bd, 22
Verschiedene Bemerkungen über einige eryptoga-
mische Gewächse.
Von
Dr. Hermann Karsten.
(Hierzu Taf. X1.)
Wenngleich schon von Vielen Vieles über die dunkle und
merkwürdige Erscheinung der Conjugation einiger Gonferven
beobachtet und beschrieben ist, so erfreuen wir uns dennoch
keinesweges einer genügenden Aufklärung über diesen eben
so seltsamen wie interessanten Prozess, so dass eine anhal-
tende gründliche Beobachtung dieser Algen, oder des von
Ehrenberg entdeckten Pilzes Syzygites, gewiss die angewandte
Zeit und Sorgfalt hinreichend belohnen würde.
Verschiedene beachtenswerthe Beobachtungen theilte Meyen
in dem zweiten Bande der Linnaea mit; die feinere Anatomie
dieser Pflanze verkannte er jedoch gänzlich, was wohl haupt-
sächlich seinen Grund darin hat, dass Meyen noch von der
Idee befangen war, es könne eine directe Umwandlung der
Pflanzensubstanz in thierische Organismen geschehen. Überall
sah er daher die Entstehung der Infusionsthierchen aus Spo-
ren, und bemerkte nicht, dass diese erst in die ausgebildeten
Zellen sich einen Weg gebahnt hatten. Im dritten Bande sei-
ner Physiologie spricht er schon vorsichtiger über diese Bil-
dungsweise von Thieren, und lässt es unentschieden, ob die
in den Sporen vorkommenden Infusorien nothwendige Bedin-
gung oder das Auftreten derselben nur zufällig den Entozoen
ähnlich sei. Seine Begriffe über Sporen und Sporangien die-
ser Pflanzen sind aber in höchster Verwirrung.
Eine kurze Notiz über das Öffnen der fructifieirenden
Spirogyra gab Schleiden in dem Jahrgang 1839 dieses
Archivs.
E 339
Seit längerer Zeit beschäftige ich mich mit diesem Ge-
genstande, kann jedoch ebenso wenig wie mein Vorgänger
die wünschenswerthe Aufklärung mittheilen, obgleich ich in
anatomischer Hinsicht die nothwendigen Vorarbeiten beendigt
zu haben glaube. Eine Veränderung meiner Verhältnisse ver-
hindert mich in den nächsten Jahren diese Beobachtungen
weiter fortzusetzen, ich sehe mich daher veranlasst, das bis-
her Gefundene hier witzutheilen, um wo möglich meinen
Wunsch erfüllt zu sehen, dass die Lücken, die meine Arbeit
noch enthält, von einem geübten Forscher beseitigt werden,
Den Faden einer Spirogyra findet man, wie die gegebene
Abbildung deutlich macht, aus drei wesentlich verschiedenen
Membranen zusammengesetzt. Die äussere überzieht gleich-
mässig die ganze Pflanze und umschliesst die in ihrem Innern
von der zweiten Membran gebildeten eng an einander gereih-
ten Zellen, deren sich berührende Wände die Querscheide-
wände bilden. In jeder dieser Zellen findet man die dritte
innerste Membran, eine höchst zartwandige Zelle, die überall
gleichmässig der Mutterzelle anliegt. An die innere Ober-
fläche dieser endogenen Zellen legen sich nun die bekannten
Bläschen an, die in dem grünen schleimigen spiralig gewunde-
nen Bande eingebettet sind. Einige Beobachtungen über die
erste Bildung dieser Bläschen belehrten mich, dass dieser
Schleim nicht gleich anfangs die grüne Farbe besitzt, sondern
dieselbe erst später annimmt. Das Bläschen nimmt schon bei
seinem ersten Auftreten eine solche Lage an der Zellwand
ein, dass es in die Verlängerung der, durch die schon vor-
handenen gebildete Spirale fällt. Während es sich von einer
mikroskopischen Kleinheit zu der Grösse ausdehnt, die es in
den spätern Stadien besitzt, lagert sich um dasselbe concen-
trisch ein fast farbloser Schleim ab, vielleicht indem durch
den Wachsthumprozess die lösenden Theile des Blastems
entzogen’werden, dieser Schleim zieht sich nach und nach in
die Länge, verschmälert sich, nimmt eine grüne Farbe an
und bildet endlich die Fortsetzung und Verlängerung des
schon vorhandenen spiraligen Bandes. Ob sich eine oder
mehrere solcher spiraligen Ablagerungen bilden, wechselt zu-
weilen in demselben Faden, ja ich beobachtete einige Male
in einer Zelle die eine Hälfte durch eine einfache, die andere
22%
340
durch eine doppelte Spirale verziert, woraus wohl klar wird,
dass in dieser höchst unbeständigen Anordnung, sowie in der
grössern oder geringern Dicke des Fadens kein speeifischer
Unterschied begrimdet sein kann. Ein sogenannter Nueleus
findet sich häufig im Innern der Zelle frei schwimmend oder
an der Zellwand anliegend. Über die Conjugation der einzel-
nen Glieder kann ich dem schon Bekannten wenig Neues hin-
zufügen, ich sah ebenso wie Müller und die spätern Beob-
achter, dass die Zellen verschiedener Individuen oder des-
selben Fadens an der einander zugekehrten Seite Aussackungen
bekommen, die sich später berühren, mit einander verwachsen
und endlich nach Resorption der sich berührenden Wandungen
einen continuirlich offenen Cylinder bilden. Aus einer der
Zellen tritt nun die von ihrer Mutterzelle gelöste endo-
gene Zelle mit ihrem Inhalte, den Bläschen und der-grünen
früher spiralig vertheilten Schleimmasse, durch die gebildete
Röhre in die nebenliegende Zelle und bildet mit dem Inhalte
dieser einen regelmässigen ovalen Ballen. Aus welchem von
beiden Individuen der Zelleninhalt in das andere hinübergeht,
das hängt nicht etwa von einem geschlechtlichen Unterschiede
der Pflanze ab, da bald aus diesem‘ bald aus jenem Faden
der Inhalt einer Zelle in den zweiten übergeführt wird, über-
haupt ja nicht nothwendig ist, dass die sich verbindenden
Zellen zweien verschiedenen Individuen angehören.
Dass die Conjugation nicht unumgänglich nothwendig sei
um reife Sporen zu erzeugen, führt schon Meyen an, ich
fand dieselben erst im Sommer und Herbst, während ich sie
im Frühling nicht bemerkte, in dieser Jahreszeit bildeten sich
die Sporen auf Kosten der grünen Schleimmasse in der Weise
aus, wie es die beigelegte Zeichnung anschaulich macht. —
In den in der Spirale liegenden Bläschen haben sich im aus-
gebildeten Zustande wieder neue Bläschen erzeugt und diese
erst sind die eigentlichen Sporen, wie es mir aus der Beob-
achtung einer Keimung derselben klar geworden ist; leider
gelang es mir jedoch nicht, die fernere Entwickelung der ge-
keimten Spore zu verfolgen, so dass ich über diese nichts
Bestimmtes angeben kann. Diese normale Entwickelung der
Sporen wird häufig verhindert durch Zerstörung der Zell-
membran durch Infusorien, die den die Bläschen umhüllenden
. 341
Schleim aufzusuchen scheinen; man- findet daher häufig ein-
zelne Glieder des Fadens, in denen die Spirale gänzlich zer-
stört ist, während die angrenzenden Zellen unverändert er-
scheinen. — Die Geburt von jungen Spirogyren aus der
Mutterpflanze in der Art, wie Vaucher dies abgebildet, beruht
aber sicher auf mangelhaften Beobachtungen; vielleicht sah er
ähnliche Bildungen, wie ich sie in den beiliegenden Zeich-
nungen wiedergegeben.
Meyen erwarb sich das. Verdienst, nachzuweisen, dass
die vielen verschiedenen Arten von Spirogyra fast alle nach
unhaltbaren Charakteren aufgestellt waren; er redueirte die-
selben auf zwei Species Spirogyra quinina und princeps, die
sich durch die Anzahl von Spiralen und durch die Dicke des
Fadens unterscheiden sollten. Da nun, wie ich oben erwähnt
und auch schon Schleiden (a. a. O.) ausgesprochen, die An-
zahl der Spiralen in einem Individuum, selbst in einer Zelle
wechselt, sind auch wohl diese beiden Arten nicht hinreichend
begründet, sondern auf Eine zurückzuführen. Spirogyra qui-
nina, als der älteste, von Müller gewählte Name, würde wohl
den Vorzug verdienen. — Dagegen habe ich im Laufe dieses
Sommers Gelegenheit gehabt, in der Umgegend Berlins eine
Forn zu beobachten, die sich durch eine Eigenthümlichkeit
sicher und leicht von den Verwandten unterscheiden lässt. Es
finden sich nämlich an den Theilen der Zellmembran, welche
die Querscheidewände bilden, kleine napfförmige Ausstülpun-
gen in die Zelle hinein, diese sind von einer constanten
Grösse, in allen Zellen fast von dem Durchmesser des Fa-
dens selbst, doch diesen nie ganz erreichend. Hinsichts der
Anzahl der Spiralen findet auch hier dasselbe Verhältniss statt,
wie bei der Spirogyra quinina, indem bald eine bald mehrere
derselben vorhanden sind. Über die Bedeutung dieser eigen-
thümlichen Organisation wage ich nicht eine Meinung auszu-
sprechen, nur darauf erlaube ich mir aufmerksam zu machen,
dass die innerste Zelle, die bei der Spirogyra quinina an allen
Theilen der Wandung der Mutterzelle locker anliegt, hier mit
diesem napflörmigen Gebilde enger verwachsen ist, wie mit
den übrigen Theilen der Zellwand; an erkennt dies augen-
blicklich, wenn man in dem Wasser, worin sich die Pflanze
342 :
befindet, etwas Jod auflöst, wodurch sich die Zellmembranen
bis auf den verwachsenen Theil trennen.
Ich habe diese Pflanze nach dem, für die Naturwissen-
schaft überhaupt und besonders für die Kenntniss der schwie-
riger zu erkennenden Formen der eryptogamischen Gewächse
so hochverdienten Forscher Spirogyra Hornschuchii ge-
nannt. Die Diagnose der Gattung mit ihren beiden Arten ist
jetzt folgende:
" Spirogyra Lk. Fila membranacea cylindrica, recta, pri-
mum libera, demum ope tubulorum transversalium conjuncta.
Cellae endogeneae (articuli) vesieulis- in spiras 1— 3 dispo-
sitis farctae.
S, guinina dissepimentis planis.
S. Hornsehuchii dissepimentis patelliformibus.
Der Mangel an zusammenhängenden Beobachtungen der
verschiedenen Vegetationsperioden der Pflanzen ist wohl nir-
gends fühlbarer als bei den mikroskopischen Formen der Cry-
ptogamen. Dieselbe Pflanze hat, wie bekannt, häufig in ihren
verschiedenen Alterszuständen sehr verschiedene Namen be-
kommen und die dadurch hervorgebrachte Verwirrung er-
schwert das Studium dieses Theiles der Botanik ungemein.
Sehr willkommen ist daher wohl eine jede genaue Beobach-
tung und Zeichnung über diese Gegenstände, und äusserst
wünschenswerth wäre es, wenn Jeder die sich ihm darbietende
Gelegenheit benutzte, den in dieser Hinsicht bisher so drük-
kenden Mangel nach seinen Kräften zu vermindern. Diese
Überzeugung veranlasst mich, mit einigen Beobachtungen her-
vorzutreten, die wohl nur deshalb nicht überflüssig und nutz-
los sein werden, weil. ich die Pflanze von der keimenden
Spore bis zum ausgebildeten Sporangium verfolgt.
Die eine zur Gattung Phragmotrichum gehörende
Pflanze hat Ähnlichkeit mit der von Corda unter dem Namen
Phr. lignicolum beschriebenen und abgebildeten Form. Die
Zeichnung ist jedoch zu wenig genau und zu mangelhaft, um
entscheiden zu können, wieviel beide Pflanzen mit einander
gemein haben, und da das Mycelium gänzlich übersehen ist,
ist auch die gegebene Beschreibung unbrauchbar.
s 343
Es könnte hiernach voreilig erscheinen, dass ich die von
wir beobachtete Pflanze für ein Phragmotrichum ausgebe, ob-
gleich weder Kunze (Mycologische Hefte II.) noch Corda
(leones fungorum ) eines Mycelium erwähnen; da jedoch die
von Gorda und Kunze gezeichneten Sporangien die nahe Ver-
wandtschaft beider Pflanzen nicht verkennen lassen, so bin
ich überzeugt, dass das an dem natürlichen Standort schwierig
zu erkennende Mycelium nur übersehen ist und dass ich durch
die Einführung. eines neuen Namens der Wissenschaft keinen
Nutzen bringen würde.
Ich nenne die Pflanze daher Phragmotrichum Ru-
micis, da ich sie auf dem reifen Saamen von Rumex acetosa
fand; die Farbe des ganzen Haufens war, wie es beim Phr.
wohl gewöhnlich ist, schwarz, bei stärkerer Vergrösserung
grünlich. Die Sporangien, elliptisch und durch die darin ent-
haltenen Sporen in mehrere Fächer getheilt, ähnlich wie
Corda es an dem Ph. lignieolum beobachtete, nur hier in
grösserer Anzahl, und durch die neben einander liegenden
Sporen waren nicht nur Quer-, sondern auch Längs-Scheide-
wände gebildet. Die Farbe der Spörangien war, einzeln unter
den: zusammengesetzten Mikroskop betrachtet, grün, während
das Mycelium fast ungefärbt erschien. Die Stiele der Sporan-
gien waren undurchsichtig und wie es schien nicht durch
Querwände getheilt, während letzteres bei dem Mycelium der
Fall war; dass diese Querwände durch endogene Zellen ent-
standen waren, wird jedem Beobachter bekannt sein, und
auch die beigelegte Zeichnung wird dies, wie die vollständige
Entwiekelung der Pflanze aus der Spore, deutlich machen.
Die weitläufige Wiederholung des Wachsthumsprozesses, wie
ich ihn in meiner kleinen Schrift: ‚De cella vitali” ausein-
andergesetzt habe, halte ich nicht für nothwendig, da ich
den Leser, der sich für die Bildung der Zellen interessirt,
auf jenen Aufsatz verweisen kann.
Nur über die Sporangien mögen mir noch einige Worte
erlaubt sein; Kunze nannte diesen Theil der Pflanze: sporae
septato cellulosae, ebenso Oorda. Endlicher: sporidia rhom-
bea intus cellulosa, und so die übrigen Schriftsteller; weiss
man jedoch, dass in diesen sogenannten Sporidien erst sich
diejenigen Zellen, die nach dem Absterben der Mutterpflanze
344 | | ,
zur Erhaltung der Species dienen, ausbilden, so kann man
gewiss den Ausdruck spora auf sie nicht anwenden, sondern
ist genöthigt ihn Sporangium zu nennen. Hiemit würde frei-
"lich diese Gattung aus der Ordnung der Gymmnomyceten ver-
wiesen sein, untersucht man jedoch die übrigen zu "dieser
Abtheilung gezählten Pflanzen: Phragmidium, Coryneum, To-
rula, Puceinia, Uredo ete., so überzeugt man sich bald, dass
es sich mit Allen ebenso verhält; die eigentlichen Repro-
ductionszellen entstehen innerhalb einer, meistens schon in
der äussern Erscheinung differenten Zelle des vegetativen Sy-
stems, und es ist daher hier ebenso wenig eine spora nuda,
wie bei den Labiaten ein semen nudum vorhanden.
Freilich ist nach der Entfernung der Spore von der Mut-
terpflanze die deckende Hülle nicht immer leicht zu erkennen,
da die ungemeine Zartheit der einzelnen Zellmembranen dies
oft fast unmöglich macht, zuweilen gelingt es selbst aber auch
dann noch, sich von deren Vorhandensein zu überzeugen,
wenn man nur die Sporen mit einer Lösung eines indifferen-
ten Salzes oder einer Jod- oder Zuckerlösung behandelt, wo-
durch nicht selten die verschiedenen Membranen von einander
getrennt werden und dann erkannt werden können.
Auf demselben Saamen der Rumex acetosa, den ich auf
gereinigte und mit verschiedenen Salzen vermengte Kohle ge-
säet hatte, fand ich einen andern kleinen Pilz, der oberfläch-
lich betrachtet grosse Ähnlichkeit mit Penieillium glaucum
hatte. Unter dem Mikroskop zeigte sich jedoch in der Bil-
dung der Sporangien ein bedeutender Unterschied; die sporen-
erzeugenden Äste waren hier nicht, wie bei dem Penicillium,
frei, sondern durch eine Hülle, ein Peridiolum, bedeckt. Die
Pflanze nähert sich daher der Gruppe der Mucorinen, unter
denen sie mit der von Corda (Sturm III. t. 31) beschriebenen
Hemicyphe darin übereinkommt, dass das Peridiolum bei der
Reife der Sporen ringsum zerreisst und abfällt, während ‘die
Basis stehen bleibt, sich aber von diesem wie von der gan-
zen Gruppe dadurch entschieden entfernt, dass die Sporen
innerhalb dieses Peridiolum ebenso an einander gereiht sind,
wie es bei den Mucedines der Fall ist. Es nimmt hiernach
e ‘345
diese Pflanze die höchste Stelle unter den Hyphomyceten ein,
wenn es überhaupt noch mit Recht zu diesen gezählt werden
darf. Auf jeden Fall bildet dieselbe eine eigene Gattung, der
ich den Namen’ Peridiomyces geben möchte ünd die wegen
ihres Habitus pezieillioides genannt zu werden verdient.
Auch den Wachsthumsprozess dieser Pflanze habe ich ge-
raume Zeit von der Spore bis zur vollendeten Fructification
beobachtet. Das Keimen geschieht ganz in der Weise, wie es
zuerst von Elırenberg beobachtet ist, es ist sehr schwierig zu
entscheiden, ob die Verlängerung der Spore ‘der äussern oder
einer innern Membran angehört, nur durch Anwendung der
oben angegebenen Mittel gelang es mir einige Mal, die äussere,
sich bei der Keimung nicht verlängernde Hülle sichtbar zu
machen. Die Spore ist hier also noch von einem Theile der
Zelle, in der sie entstand, bedeckt, sie verhält sich ähnlich
wie die Eier der Insecten, die gleichfalls von einem Theile
des Organs, in dem sie entstanden, auch nachdem sie ge-
legt sind, umhüllt bleiben.
Diejenigen Theile der Pflanze, die sich später zum Spo-
rangium ausbilden, unterscheiden sich schon bei ihrer ersten
Bildung durch grössere Undurchsichtigkeit und durch aufrechte
Stellung von dem Mycelium; die Sporangien selbst sind aber
im ausgebildeten Zustande so undurchsichtig, dass über die
Bildung der Sporen in ihrem Innern nichts Näheres angege-
ben werden kann.
Bei der Reife zerreisst, wie schon erwähnt, das Peridio-
lum an der Basis, und löst sich von derselben, befeuchtet
man die fructifieirende Pflanze mit Wasser, so sieht man ge-
wöhnlich eine grosse Menge jener Hüllen darin umherschwim-
men. In dem Mycelium bilden sich kleine Bläschen, die so-
genannten Conidia, bis zu der Grösse der Fadendicke aus, ohne
dass sie durch Aneinanderlegen Querschweidewände bilden.
Der Charakter dieser Pflanzengattung würde hiernach
dieser sein:
\ Peridiomyces Karst. Peridiolum pyreniforme, vesicu-
losum, hyalinum, apieibus aequalibus ramulorum erectorum
floceorum insidens, eircumseissum basi aliquamdiu persistente.
Sporae globosae, minimae, in 5—10 series moniliformes conca-
tenatae. Flocei cespitosi, tubulosi, hyalini, conidia continentes.
346 u
P. penicillioides colore virescente in parvulis toris
semini Rumicis acetosae insidens.
Erklärung der Abbildungen.
Fig. I. Spirogyra quinina.
4. Ein fructifieirendes Exemplar.
a. Äusserste, die ganze Pflanze überziehende Membran.
6. Endogene Zellen, durch deren Aneinanderstossen die
Scheidewände gebildet werden.
c. Secundäre endogene Zellen, in denen sich die Spi-
ralen und die Bläschen d. bilden.
e. Sporangium, in welchem sich die Sporen entwickeln.
F. Eine keimende Spore.
B. Ein mit Jod behandelter Theil der S. quinina, die secun-
däre endogene Zelle hat sich allseitig gelöst und zusam-
mengezogen.
Fig. 1. Spirogyra Hornschuchüi.
4A. Frisches Exemplar.
B. Mit Jod behandelt, die innerste Zelle hängt mit den
schüsselförmigen Einstülpungen zusammen.
Fig. II. Phragmotrichum Rumicis.
a. Ausgebildete Sporangien, die Sporen enthaltend.
b. Spore.
c, Dieselbe keimend.
d. Mycelium.
Fig. IV. Peridiomyces peniecillioides.
4. Natürliche Grösse auf Rumexsaamen.
B. 500 Mal vergrössert.
a. Sporangien.
«. Basis des Peridiolum.
€. Peridiolum, von der Mutterpflanze getrennt.
D. Keimende Sporen.
nee
347
Bericht über die neuesten Leistungen von Lund,
bezüglich der gegenwärtigen wie der ausgestorbenen
Säugthier-Fauna Brasiliens.
Im Auszuge mitgetheilt und mit einigen Bemerkungen versehen
von
A. Wagner.
Zu den allerwichtigsten Arbeiten, mit welchen die Thero-
logie in neuerer Zeit bereichert worden ist, gehören Lund’s
Berichte über die antediluvianischen Säugthierüberreste, welche
im Thale des Rio das Velhas in Brasilien in den dortigen
Kalkhöhlen gefunden werden. Seit mehreren Jahren dort ver-
weilend hat Lund Gelegenheit gehabt, dem interessanten Stu-
dium dieser merkwürdigen Denkmäler der Vorzeit sich ganz
hingeben zu können, um fortwährend neue Entdeckungen zu
machen und immer sicherer die Bestimmung der gefundenen
Überreste festzusetzen. Seine neuesten Berichte hierüber sind
uns eben zugekommen in den von der Kopenhagner Akademie
der Wissenschaften in diesen Tagen uns überschickten beiden
Schriften: 1) Det K. danske Videnskabernes Selskabs natur-
videnskabelige og mathematiske Afhandlinger. Niende Deel.
Kjöbenhavn 1842. -— 2) Oversigt over det K. danske Viden-
skabernes Selskabs Forhandlinger og dets Medlemmers Ar-
beider i Aaret 1842. Kjöbenhavn 1843. Ich theile zuerst aus
dem erstern Werke Lund’s neuestes Verzeichniss der im Thale
des Rio das Velhas aufgefundenen Säugthierarten mit, sowohl
der noeh lebenden als der ausgestorbenen, und füge dem-
selben zur Erläuterung die wichtigsten der in beiden Schrif-
ten enthaltenen Zusätze bei, woran ich am Ende einige eigen-
thümliche Bemerkungen anreihen werde.
348
Lebende Arten. Fossile.
- Edentata,
Myrmecophaga jubata. Myrmecophaga afl. jubatae.
—_ 4dactyla. — af. Adactylae.
Effodientia.
Dasypus Seinetus. Dasypus afl. Scincto:
— sp. (Tatu-mirim). — .afl. mirim.
— punctatus.
3 — suleatus.
Xenurus nudicaudus. Xenurus aff. nudicaudo.
Priodon giganteus.
Euphractus gilvipes.
Euryodon.
Heterodon.
Chlamydotherium Humboldtii.
—_ majus.
Hoplophorus euphraetus.
_ Selloi.
— minor.
Pachytherium magnum.
Bradypoda.
Oenotherium gigas.
Megatherium Cuvieri.
— Laurillardii.
Platyonyx Cuvieri.
_ Owenii.
— Blainvillei.
— Bucklandii.
= Brongniartii.
— minutus.
Coelodon maquinensis.
= Kaupii.
Sphenodon.
Pachydermata.
Mastodon.
Tapirus americanus. Tapirus af. americano.
Lebende.
Dieotyles labiatus.
_ torquatus.
Cervus paludosus.
— rufus.
— campestris.
— simplieieornis.
— nanus Lund.
Felis onca.
— concolor.
— pardalis.
— macrura.
— mitis,
-— Jaguarundi.
Galictis barbara.
— vittata.
Mephitis sp.
Lutra brasiliensis.
Canis jubatus.
— Azarae.
— vetulus Lund.
Fossile.
Tapirus suinus.
Dicotyles sp.
ın
>
nn
Er
ın
=}
Equus neogaeus.
Ruminantia,
Cervus aff. paludoso.
— sp.
=
Antilope maquinensis.
Auchenias sp.
_ sp.
Leptotherium majus.
— minus.
Ferae.
Felis protopanther.
— afl. oncae,
— afl. concolori.
— af. pardali.
— afl. macrurae,
— exilis.
349
Cynailurus minutus (Ietieyon
major).
Smilodon populator.
Galictis aff. barbarae,
Mephitis sp.
Lutra afl. brasiliensi.
Canis troglodytes,
— protalopex.
Speothos pacivorus.
350
Lebende.
Nasua solitaris.
— socialis.
ee
Fossile.
Nasua spec. |
Ursus brasiliensis (Nasua ur-
sina ).
Marsupialia.
Didelphys aurita.
Didelphys aff. auritae.
— albiventris Lund. _ afl. albiventri.
— .incana S — afl. incanae,
—_ elegans „ _ aff. eleganti.
_ pusilla. _ aff. pusillae.
— brachyura. _ afl. myosurae.
_ trilineata. _ sp.
Glires.
Mus prineipalis Lund.
Phyllomys brasiliensis ,,
Synoetheres prehensilis.
—_ insidiosa.
Sciurus aestuans.
Lepus brasiliensis.
Mus aff. prineipalı.
— aquaticus ; — afl. aquatico.
— mastacalis H — afl. mastacalı.
_ — Jaticeps 35 — aff. Jatieipiti.
— ulpinus F — aff. vulpino.
— fossorius 5 — aff. fossorio.
— lasiurus 5 — af. lasiuro.
— expulsus A) — aff. expulso.
— longieaudus ,, — robustus.
—- lasiotis FH — debilis.
— orycter.
— talpinus.
Nelomys antricola Lund. Nelomys afl. antricolae,
Aulacodus Temmincki ,, Aulacodus afl. Temminckii.
Loncheres elegans " Loncheres afl. eleganti.
_ laticeps re
Lonchophorus fossilis.
Phyllomys aff. brasiliensi.
Synoetheres magna.
_ dubia,
Lepus aff. brasiliensi.
Lagostomus brasiliensis.
351
Lebende. Fossile.
Myopotomüs antiquus.
Cavia aperea. Cavia robusta.
— rufescens Lund. — gracilis.
Cerodon saxatilis Lund. Cerodon aff. saxatili.
_ bilobidens.
Hydrochoerus Capibara. Hydrochoerus afl. Capibarae.
—_ suleidens.
Dasyprocta caudata Lund. Dasyprocta afl. caudatae.
_ capreolus.
Coelogenys Paca. Coelogenys laticeps.
—_ major.
Chiroptera.
Phyllostoma spectrum. Phyllostoma aff. spectro.
— hastatum. — Sp.
—_ brevicaudum. —_— Sp.
E pleeotus Lund. _ sp.
= humerale ,, _ sp.
_ lilium.
—_ Jineatum. .
E dorsale Lund.
— supereiliatum.
— leucostigma Lund.
Glossophaga ecaudata.
= brevicaudata Lund,
—_ amplexicaudata.
Dysopes Temminckii Lund. Dysopes afl. Temminckii.
Vespertilio velatus. Vespertilio sp.
_ leucogaster.
— caninus.
_ bursa Lund.
— nigricans,
Noctilio leporinus.
Nyeticejus sericeus Lund.
Desmodus fuscus »
Simiae.
Jacchus peniecillatus. Jacchus aff. penillato.
352
Lebende. Fossile,
Jacchus grandis.
Cebus eirrhifer. Cebus macrognathus.
Callithrix chloroenemis. Callithrix primaevus.
Mycetes ursinus. £
Protopithecus brasiliensis.
Die Zahl der lebenden Arten beträgt nach vorstehendem
Verzeichnisse 88, der ausgestorbenen 111. Diese Anzahl hat
sich aber für die beiden Abtheilungen wieder vergrössert durch
die Nachträge, welche seitdem Lund jenem Verzeichnisse zu-
fügte und die wir nun ebenfalls hier vorlegen wollen.
Der erste. Zusatz findet sich schon am Schlusse des vori-
gen Verzeichnisses und betriflt eine neue Gattung, der Lund
den Namen Cynogale giebt, den er späterhin in Zetieyon
veränderte. Er stellt sie in jenem Zusatze zur Familie der
Marder; sie hat # Lückenzähne vor dem Reisszahne, und
hinter demselben oben wie unten einen Höckerzahn. Der An-
satz des obern Reisszahnes ist sehr unbedeutend und ganz
vorgerückt; am untern Reisszahne fehlt der innere Zacken,
Ders obere Höckerzahn ist nicht. wie bei den übrigen Gattun-
gen dieser Familie innen eben so breit als aussen, sondern
nach eihwärts verschmälert, so dass er eine dreieckige Form
hat, ganz so wie bei den Hunden; der untere Höckerzahn ist
rudimentär. Der Schädel hat in seiner Totalform Ähnlichkeit
mit dem des Fuchses, und unterscheidet sich durch den stark
verlängerten Schnautzentheil auffallend von dem der Marder.
Der Habitus hält das Mittel zwischen dem Hund und der Ga-
lietis barbara; die Beine sind höher als bei den Mardern, da-
bei nur mit den Zehen auftretend; letztere durch eine Spann-
haut verbunden. Die Ohren sind kurz und abgerundet; der
Schwanz sehr kurz. Die Art bezeichnet Lund als Oynogale
venatica. Ihre Farbe ist tief schwarzbraun, oben auf dem
Halse und Nacken rothgelb. Von den 2 jungen Thieren, die _
sich bisher allein Lund verschaffen konnte, misst das kleinere
von der Schnautze bis zur Schwanzspitze 23%”, wovon der
Schwanz nur 4!” wegnimmt. Diese Thiere halten sich in
kleinen Trupps in den Waldungen auf und verfolgen das Wild
mit einem kurzen Gebell, gleich dem der Jagdhunde.
353
Ein grösserer Zuwachs an neuen Arten ist in einer an-
dern Abhandlung Lund’s angekündigt, die im nächsten Bande
der Kopenhagner Denkschriften erscheinen wird, und von der
einstweilen in der eitirten Oversigt (S. 77) ein Auszug gege-
ben ist, den ich im Nachstehenden in der Übersetzung voll-
ständig mittheile.
Zunächst ist von der Familie der Hunde die Rede,
von welchen der Verf. nun 5 lebende und 7 ausgestorbene
Arten unterscheidet, also 12 Arten, die er unter 5 Gattungen
vertheilt.
„Die erste Gruppe theilt er, soweit es die brasilischen
Arten betrifft, in 2 Untergruppen, wovon die eine die nor-
malen Gattungen“ umfasst mit zwei Höckerzähnen sowohl im
Ober- als Unterkiefer, die andere die mehr abweichenden Gat-
tungen, welche durch Abnahme der Anzahl der Höckerzähne
einen Übergang zur Marderfamilie bilden. Die erste Unter-
gruppe begreift 2 Gattungen: die eigentliehe Hundegattung,
Canis, charakterisirt durch die Anwesenheit eines Zackens
an der Innenseite des untern Reisszahnes, sowie durch zwei
Knorren auf dem hintern Ansatz dieses Zahnes, und die Gat-
tung Palaeocyon, welche sich durch den Mangel jenes Zak-
kens und’ das Verschwinden eines der Knorren auf dem hin-
tern Ansatz unterscheidet.”
„Die Hundegattung bietet eine Hobelte Reihe von Arten
dar, je nachdem der höckerige oder schneidende Theil des Zahn-
systems mehr entwickelt ist. Zur ersten dieser Reihe gehören
alle jetzt lebenden ursprünglichen Arten in Brasilien, ‘welche
sieh wieder in 2 Abtheilungen theilen: die kleineren Arten,
deren Hirnschale der bei den Raubthieren gewöhnliche Kamm
abgeht, und die grössern Arten mit einem solchen. Jene kön-
nen nach der Beschaffenheit der Pupille abermals in 2 Unter-
abtheilungen gebracht werden: Füchse mit linienförmiger und
Schakale mit runder Pupille.”
„Zur ersten dieser Unterabtheilung gehört wahrscheinlich
die vom Verf. unter dem Namen Canis brasiliensis als
neu aufgestellte Art, deren Verschiedenheit von den verwand-
ten Arten: ©. Azarae, ceinereo-argenteus, cancrivorus, ful-
vipes, sowie von St. Hilaire’'s Guaracha umständlich abgehan-
delt wird. Von’ der Abtheilung der Schakals werden 2 Arten
Archiv f. Naturgeschichte. IX, Jahrg, 1. Bd, 23
354
beschrieben: Canis fulvicaudus und C. vetwulus, von
welchen die erstere neu, die andere vom Prinzen von Neu-
wied beschrieben, aber mit dem paraguay’schen Fuchs ver-
wechselt worden ist. Von den zu dieser Abtheilung gehörigen
aisgestorbenen Arten sind zwei: Canis robustior und ©.
protalopex, binlänglich verschieden von den nun lebenden,
während eine dritte in Ungewissheit lässt, theils inwiefern sie
vom ©. fulvicaudus verschieden, theils inwiefern ihre Über-
reste gleichen Alters sind mit den zwei vorhergehenden, wes-
halb sie auch im Verzeichnisse ohne Namen unter den fossilen
Arten aufgeführt ist.’
„Die andere Abtheilung von der omnivoren Reihe der
Hundegattung enthält nur eine nun lebende Art in Brasilien:
den Canis jubatus, dessen Verschiedenheit vom europäi-
schen Wolf sowohl in Lebensweise, als in Form und Kno-
chenbau umständlich dargethan wird. Von dieser Abtheilung
ist noch keine fossile Art vorgekommen.” f
„Von der carnivoren Reihe der Hundegattung besitzt jetzt
Brasilien keine wildlebende Art, während die untergegangene
Fauna eine besessen zu haben scheint von der Grösse des
Wolfes, für welche der Name Canis Zycodes vorgeschlagen
wird. - Bei dieser Gelegenheit lässt sich der Verf. in nähere
Untersuchung des Ursprungs der Haushunde in Amerika ein,
wobei er das Resultat ausspricht, dass die Hunde, welche die
Spanier bei Eroberung dieses Welttheils vorfanden, nicht von
irgend einer ursprünglich wilden Art im Lande abstammen,
sondern von Individuen, die auf der Westküste von Amerika
aus dem östlichen Asien eingeführt worden waren.”
„Die andre Gattung aus der ersten Untergruppe, Pa-
laeocyon, gehört ausschliesslich der Vorwelt an. Von: den
2 Arten, worauf sie begründet ist, ist die eine, P. troglo-
dytes (Canis troglodytes früherhin benannt), von der Grösse
und den Proportionen des Wolfes, die andere, P. validus,
etwas kleiner, aber stärker gebaut.”
„Die Gattung Palaeocyon bildet den Übergang zur. Gat-
tung ‚SpeotAos, womit die.andere Untergruppe beginnt, de-
ren Anzahl von Höckerzähnen unter die Normalzahl herab-
sinkt. Alle Modificationen im Zahnsysteme, welche bei Pa-
laeocyon auftreten, wiederholen sich bei Speothos, der noch
a EN | N
355
einen Schritt mehr in der earnivoren Richtung macht durch
das Verschwinden des hintern Backenzahns im Unterkiefer.
Auch diese Art kommt nur im fossilen Zustande und zwar
bloss mit einer Art, Sp. pacivorus, vor, vom der Grösse
eines Fuchses mit weit stärkerem Baue, kürzeren Beinen und
Schwanze, und überdiess durch ein ausserordentlich kräftiges
Gebiss ausgezeichnet.”
„Die andere Gattung dieser Unterabtheilung , /etieyon,
kommt im lebenden Zustande in einer Art, J. vengticus,*)
vor, aber in so wenig Individuen, dass sie ihrem Untergange
nahe scheint. Dieses Thier ist, von der Grösse der Nasua,
von untersetztem bärenartigen Bau und von der Farbe der
Galictis barbara. Es zieht in kleinen Heerden in den Wal-
dungen des innern Hochlandes herum und jagt wie Hunde.
Sein ganzer innerer Bau weist aus, dass es zur Hundefamilie
gehört und sich namentlich unmittelbar an Speothos anschliesst,
dessen Zahnsystem es wiederholt mit neu zukommenden Mo-
dificationen, welche es noch weiter in der carnivoren Rich-
tung durch Verschwinden des hintern Höckerzahnes auch im
Oberkiefer führen, so dass dieses Thier, hinsichtlich der An-
zahl der Zähne, nach Cuvier’s System zur Marderfamilie ge-
hören würde.”
„Das Milchgebiss dieses Thieres bietet die Eigenthümlich-
keit dar, dass- dem Reisszahn im Oberkiefer der innere
Ansatz fehlt. Da dieses Verhalten unter den nun lebenden
Gattungen der Raubthiere bisher nur beim Guepard (Cynai-
lurus) bekannt war, so hatte der- Verf, einen fossilen Zahn,
der diesen Charakter zeigt, einem Thiere dieser Gattung zu-
geschrieben, während es sich nun ausweist, dass dieser Zahn
einer Art der neuen Gattung Jeticyon angehört. Die fossile
Art, /eticyon major, ist etwas grösser als die nun lebende
und zeigt überdiess specifische Verschiedenheiten.”
„Mit Jetieyon scheint indess die Reihe von Übergangs-
gattungen, die von der Hundegattung zur carnivoren Abthei-
lung der Marderfamilie führen, noch nicht geschlossen zu sein.
Einige fossile Zähne zeigen nämlich an, dass in ältern Zeiten
*) Offenbar identisch mit der in den vorhin angeführten Denk-
schriften genannten Cynogale venatica.
23*
356
eine mit letieyon verwandte Thierform vorkam, die durch den
Mangel des innern Ansatzes am obern Reisszahn sich nicht
bloss im Milchgebisse, sondern selbst am bleibenden Zahn-
systeme als das äusserste Glied von dieser Übergangsreihe in
der carnivoren Richtung ausweist. Der Verf. schlägt für sie
den Namen Abathmodon vor.”
Aus dem Schlusse dieser Anzeige in der erwähnten Over-
sigt hebe ich noch Folgendes hervor: ‚Unter den fossilen
Arten, deren Anatomie und Verhalten zu den nun lebenden
wesentliche Erläuterungen erhalten hat, gehören hauptsächlich
folgende drei: 1) das fossile Pferd, das sich nicht bloss
als speeifisch verschieden von der nun lebenden Art erwiesen
hat, sondern selbst in dem Grade, dass es wahrscheinlich eine
eigene Gattung bildet, welche sich etwas den Wiederkäuern
annähert (wobei man unwillkürlich an das von Molina ange-
gebene Pferd mit gespaltenen Klauen erinnert wird), ‘ohne
doch mit dem Hippotherium übereinzukommen. 2) Der fos-
sile Tapir, der in der Schädelbildung bedeutende Verschie-
denheiten. von der lebenden Art zeigt. 3) Das Thier, das
bisher im Verzeichnisse als Ursws brasiliensis aufgeführt
war, aber nach später hinzugekonmenen Materialien sich als
verschieden von der eigentlichen Bärengattung dargethan hat,
und näher an den lebenden Repräsentanten dieser Gattung,
an den Cuati, sich anschliesst. Der Verfasser schlägt für diese
Übergangsform einstweilen den Namen Naswa ursina vor,
obschon er nicht zweifelt, dass sie bei einer vollständigeren
Bekanntschaft sich als hinlänglich verschieden von letztgenann-
ter Gattung zeigen wird, um eine eigene zu bilden.
* *
*
An vorstehende Mittheilungen, wie ich sie aus den vor-
hin genannten dänischen Schriften entnommen habe, schliesse
ich einige eigene an, die lebenden Arten der brasilischen
Hunde betreffend:
a. Die unter dem Namen Canis Azarae mit ein-
ander confundirten Arten.
In meiner Monographie der Hunde hatte ich nur. eine
einzige Art brasilischer Füchse angeführt, den Canis Azarae,
357
nach einem Exemplare, das Spix mitbrachte und zu dem die
Beschreibung des Prinzen von Neuwied, wie die von Water-
house in Darwin’s Reise passt. Mit letztgenannten beiden
Schriftstellern einstimmend, hatte ich Azara’s und Rengger’s
Aguarachay aus Paraguay, den ich aus Autopsie nicht kenne,
ebenfalls hinzugezählt, obgleich ich auf eine wichtige Diffe-
renz in der Färbung aufmerksam machte. Bald nach dem
Drucke meiner Beschreibung erhielt unsere Sammlung von
der Wiener noch ein Exemplar unter dem Namen 0. Azarae,
das aber eine Vergleichung mit dem von Spix mitgebrachten
gleich als eine hievon verschiedene Art erwies, die. ich als
Canis melampws im Museum aufstellte. Im vorigen Herbste
hatte ich Gelegenheit in der Wiener Sammlung noch mehr
Exemplare vergleichen zu können und hiedurch der Selbst-
ständigkeit ‚dieser Art ganz versichert zu werden. ' Zugleich
sah ich aber auch aus dem Süden: Brasiliens, nämlich aus
Ypanema, ein Exemplar, das vom Canis Azarae Neuw., wie
von meinem ©. melampus entschiedene Difierenzen darbot,
dagegen mit Azara’s und Rengger’s Beschreibung des para-
guay’schen Aguarachay’s so sehr übereinstimmte, dass nur in
der Färbung der Aussenseite des Ohres eine merkliche Ab-
weichung sich zu erkennen gab, indem Rengger diese ‚‚röth-
lichbraun”” nennt, während sie an dem Exemplare von Ypa-
nema schwarzbraun ist. Hiemit sind bereits 3 Arten fuchsar-
tiger Thiere in Brasilien unterschieden, womit aber, wie die
Wiener Sammlung zeigt, ihre Anzahl noch nicht erschöpft ist.
Auch Lund unterscheidet bereits 2 Arten. Die eine ist
ihm der Neuwied’sche Canis Azarae, den er mit Recht von
dem paraguay’schen trennt und ihm den Namen Canis vetulus
giebt, bei den Brasiliern heisst er Rapoza do campo.
Die zweite Art, welcher die Brasilier den Namen Rapoza
do mato beilegen, hat Lund noch in dem vorliegenden Ver-
zeiehnisse als Oanis Azarae aufgeführt, später aber sich über-
zeugt, dass der Prinz von Neuwied mit diesem Namen den
©. vetulinus bezeichnet hatte. Ohne Zweifel ist dieser Rapoza
do mato derselbe, den Lund neuerdings als C. brasiliensis
benennt und ihn vom ©. Azarae nunmehr unterscheidet; wahr-
scheinlich ist er einerlei mit dem Thiere, das Natterer aus
Ypanema mitbrachte. P
358
Hiernach unterscheide ich 3 Arten brasilischer Hunde, die
bisher unter Canis Azarae confundirt waren.
1) Canis melampus Wagn., supra ex albo nigroque
mixtus, subtus albidus; rostro, aurieulis pöstice, pedibus nec
non cauda supra apiceque nigris.
Von Mato grosso und dem Rio Araguay, also aus dem
Hochlande des mittlern Brasiliens, bisher nicht beschrieben,
wenn nicht, wie es wahrscheinlich ist, Cuvier’s Loup ou re-
nard gris du Paraguay (Guaracha der Brasilier) hieher gehört.
2) Canis vetwlus Lund; supra e flavido, albo nigro-
que variegatus, subtus albidus; rostro fronti eoncolore, man-
dibula nigra, labiis albo-apieulatis; pedibus pallide’ ochraceis,
anterioribus stria nigricante signatis; cauda dorso concolore,
apice maculaque post basin nigra.
Synonyme: (Canis Azarae Neuw., Waterh. und Wagn.
Aus den südöstlichen offenen Gegenden Brasiliens.
3) Canis melanostomus Mus. Vindob.; supra e fla-
. vido, albo nigroque variegatus, subtus albidus; rostro e nigri-
eante fusco; pedibus extus bruneo-rufis, anterioribus antice
nigro-mixtis; cauda dorso concolore, apice nigra.
Von Ypanema.
Wahrscheinlich gehört, wie erwähnt, Lund’s ©. brasilien-
sis hieher. Der von Azara und Rengger beschriebene. Fuchs
mit lichtern Ohren ist weiter zu vergleichen, ob er nur als
Varietät oder als eigne Art wird angesehen werden müssen.
b. Schädel- und Zahnbau des Canis jubatus.
Dem Exemplare, das unsere Sammlung von diesem Thiere
besitzt, fehlt der Schädel; ich konnte daher in meiner Mono-
graphie nichts über seine Beschaffenheit sagen, fügte jedoch
in Erwägung der gestreckten Form der Schnautze bei: „Wahr-
scheinlich wird auch der Schädel nicht unbedeutende Diffe-
renzen von dem des Wolfes zeigen.” Diess hat sich mir voll-
kommen bestätigt, seidem ich die beiden Schädel untersuchen
konnte, welche Natterer von dieser Art mitbrachte.
Der Schädel des Canis jubatus unterscheidet sich von
dem unseres Wolfes hauptsächlich in folgenden Stücken:
1) Der Schnautzentheil ist ungemein schwächlich und lang-
gestreckt; der Unterkiefer Schmal.
2) Die Stirne ist weit flacher und etwas breiter.
.3) Die Jochbögen sind dünner.
4) Der Gaumen ist sehr schmal, daher er noch weit län-
ger aussieht als er es in der That ist.
5) Die Unterkiefer-Äste stehen enger zusammen.
Im Gebisse zeigt der Canis jubatus folgende Unter-
schiede von unserem Wolfe:
4) Die Schneidezähne stehen auf einem weit schmäleren
Zwischenkiefer und sind weit kleiner. .
2) Die Eckzähne sind auffallend schwächer, zugleich noch
platter.
3) Die Lückenzähne stehen weiter aus einander und sind
dabei kleiner,
4) Der obere wie der untere Reisszahn steht an Grösse
denen des Wolfes weit nach.
5) Die Höckerzähne kommen an Stärke denen des Wolfes
gleich, der hinterste im Oberkiefer des C. jubatus ist sogar
weit grösser; nur der vordere Höckerzahn ist in seinem Hin-
tertheil etwas schmäler. -
6) Der hintere Ansatz des untern Reisszahnes ist” ver-
hältnissmässig grösser als beim Wolf,
7) Alle Zähne, auch die Eckzähne, haben sämmtlich sehr
abgenutzte Spitzen. >
Die angeführten Eigenthümlichkeiten im Gebisse deuten
alle darauf hin, dass der C. jubatus in weit minderem Grade
zum Fleischfressen bestimmt ist als der Wolf, was auch die
Nachrichten, die wir über seine Nahrungsweise haben, be-
stätigen.
Merkwürdig ist es, dass der eine von den erwähnten bei-
den Schädeln auf der linken Hälfte des Unterkiefers einen
überzähligen Lückenzahn besitzt, hier also 8 Backenzähne auf-
zuweisen hat. Auf der rechten Hälfte und am andern Schädel
ist die Anzahl der Zähne die gewöhnliche.
Nachstehende Maassabnahmen von zwei gleich grossen
Schädeln des Ü. jubatus und ©. Jupus werden zur näheren Fixi-
rung der Diflerenzen in den Dimensionsverhältnissen dienen,
360
C. jubatus.|C. lupus.
Vom Sehneidezahnrande zum Hinter-
hauptsloch;. u: =. .8,, 1.071 85,. 0%
= ds „ zum untern Augen- _
höhlenloch 30:00 2
Knöcherner Gaumen A A...8 4.5
Grösste innere Weite desselben 1 10 2.6
Weite zwischen den Eckzähnen . o 10. |ı 4.
ex Es „ Jochbögen . Da ER NEN
Grösste Breite des Hinterhaupts 2 613 ©
Abstand der Gelenkfortsätze des Unter-
kiefers von einander . 1 7 4 10%
Obere Schneidezahnreihe . . oe .91J1 2
Oberer 3ter Lückenzahn 8 0 nr
» Reisszahn > Ra TEN DIE Et
„ ister Höckerzahn | & 0 10 7
ABl»): SEN ZEANEEIE = Oi
„ Eckzahn . 5 01:
Unterer Reisszahn a 0 10 11# 0
h 4ster Höckerzahn | 0 5105
3, Ho eure 045397800 2
i ee}
Aus den angeführten Verhältnissen geht hervor, dass der
©. jubatus in der Hundegattung eine eigene Abtheilung bilden
muss, der man mit H. Smith (The Naturalist’s Library. Mam-
mal. IX, u. X.) den Namen Ghrysocyon belassen kann.
361
Beschreibung einer zur Gattung Thyroptera
gehörigen Fledermaus.
Von
Eau suotn:
Aus dem Nyt Magazin for Naturvidenskaberne (Bd. IV. Heft 1.
Christiania 1843) im Auszuge übersetzt und mit Bemerkungen
begleitet von
A. Wagner.
Unter einer Anzahl angekaufter Naturalien fand Rasch,
Conservator des Museums in Christiania, einen südamerikani- .
schen Handflügler, den er zur Gattung Thyroptera: Spix ge-
hörig erkannte und von dem er eine genaue, von Abbildungen
begleitete Beschreibung liefert, aus der Nachstehendes das We-
senstlichste ist.
Zahnbau. — Die Formel lautet: — Schneidezähne,
I Eckzähne, > Backenzähne Die Schneidezähne
haben im Oberkiefer dieselbe Beschaffenheit und Stellung wie
bei Vespertilio, nämlich paarweise und durch einen Zwischen-
raum geschieden, rückwärts mit einem kleinen Flügel, der
vordere um * länger als der hintere. Die untern Schneide-
zähne sind im Halbkreis gestellt, dreilappig, der hintere Flü-
gel des vordern Zahns den ersten des folgenden verdeckend,
so dass die Stellung etwas schräg ist; an Grösse nehmen sie
von hinten nach vorn ab. — Die Eckzähne des Oberkiefers
sind fast doppelt so lang als der vordere Schneidezahn, am
Grunde vorn mit einem äusserst kleinen Vorsprunge; die un-
tern Eckzähne sind kleiner. — Von den Backenzähnen
sind die 3 vordersten als Lückenzähne anzusehen. Im Ober-
kiefer sind. die zwei vorderen einspitzig, der 3te innen am
Grunde mit einer Nebenspitze, alle fast gleicher Grösse und
362
in Contact. Von den 3 ächten Backenzähnen haben die beiden
vordern 6 Spitzen: 3 kleinere auswendig, 2 mittlere, die zu-
gleich die höchsten sind, und die innere, die tiefer steht; der
hinterste Backenzahn ist fünfspitzig. Im Unterkiefer sind die
3 Lückenzähne einspitzig, gleich gross und im Contact; die
3 ächten sind fünfspitzig mit 2 äussern und 3 innern Spitzen.
Kopf. — Am knöchernen Schädel sind die Kiefer von
gleicher Länge; die Breite zwischen den Augenhöhlen etwas
geringer als zwischen den obern Eckzähnen; Nasenrücken breit
und gewölbt; Orbitalränder ohne Vorsprung; Hirnkasten durch-
scheinend, stark nach allen Seiten entwickelt, fast kugelig,
ohne Leiste, mit einem schwachen Eindruck zwischen Hinter-
haupts- und Scheitelbeinen. — Die Zunge zeigt auf der
Oberfläche deutliche Spuren von 8 Gaumenfalten. Die Nase
etwas zugespitzz, am Ende mit einer kleinen Einsenkung.
Augen klein, fast in der Linie sitzend, welche man von den
Nasenlöchern zur vordern Ohrwurzel ziehen kann. Ohren
dünn‘, trichterförmig, ihr Innenrand, welcher 2 Linien hinter
dem Auge angeheftet ist, bildet vom Grunde an einen vor-
und einwärts gewendeten Bogen; Ohrenspitze abgerundet;
Aussenrand im obersten Viertel ebenso, der übrige Theil con-
vex und endet in der Höhe der Mundkrümmung, ungefähr 2
Linien hinter ihr, gegen den.obern Theil des Aussenrandes
7 kleine Ohrfalten. Klappe (Tragus) klein und dick, mit
starker Convexität auswärts, am Grunde mit einem knospen-
artigen Zahn, Innenseite concav.
Vorderbeine. Wo das erste und zweite Glied des
Daumens zusammenstossen, ist die Volarfläche ‘verdickt und
ausgebreitet bis zu dem eigenthümlichen schildförmigen, kreis-
runden, auf der Unterseite vollkommen ebenen Organe; der
Daumennagel stark zusammengedrückt. Der 2te Finger ist
ganz rudimentär; der 3te ist der längste und mit 4 Gliedern
versehen; der 4te Finger dreigliederig, das erste Glied von
gleicher Länge mit dem ersten des vorhergehenden; der te
Finger dreigliederig, das erste Glied kürzer als die der zwei
vorhergehenden.
Hinterbeine. — Fusssohlen mit einem ähnlichen Organ
wie der Daumen versehen, doch nur halb so gross; die 5
"Zehen zusammengewachsen. Seitenflughaut am Fusse bis zur
363
Zehenspitze festgeheftet. Sporen ziemlich lang, auf der Mitte
mit einem kurzen, bis zum Rande gehenden Ausläufer: der
Sporenrand mit einem ziemlich dieken, mit kleinen rundlichen
Auswüchsen besetzten Hautrande.
Schwanz 6gliedrig, von der Länge des Körpers, mit
etwas mehr als dem letzten Viertel -(Z) über die Schenkelflug-
haut frei vorragend.
Flughäute. Armflughaut bis zum ersten Daumengliede
und dem daran sitzenden Schilde festgewachsen. Schwingen
nackt, was auch der Fall ist mit der Hälfte des Oberarms
und dem ganzen Unterarm. Rand der Schenkelflughaut zwi-
schen der Sporenspitze und der Mitte des 4ten Schwanzglie-
des mit Haaren besetzt.
Oberseite des Körpers dicht besetzt mit feinen, ziem-
lich langen, einfarbigen biberbraunen Haaren. Stirn und Na-
senrücken ähnlich, doch mit kürzeren Haaren. Oberlippe von
der Mundspalte bis zur Mitte mit einem Schnurbart von der-
selben Farbe.
Unterseite. Kinn, Kehle und Seiten des Unterkiefers
mit licht graubraunen Haaren besetzt, welche Farbe sich auch
längs der Leibesseiten erstreckt; der übrige Theil der Unter-
seite mit feinen seideweissen Haaren bewachsen. Flughäute
dunkel aschgrau, durchscheinend; Ohren von derselben Farbe.
Dimensionen nach französischem metre ausgedrückt:
Ganze Länge . . 0,070 | Daumenspitze . . . .. 0,0034
Kopf. . . . . 0,016 | 2ter eingliedriger Finger -0,010
Rumpf . 2... 0,027 3ten Fingers 1stes Glied 0,0341
Schwanz . . . 0,027 FR „» ' 2tes » 0,015
Freie Schwanzspitze 0,008 h 4 3tesu.4tes Gl. 0,015
Spannweite. . . 0,106 | 4ten ,, istes Glied 0,035
Vorderarm . . . 0,036 ” PN 2tes » 0,009
Ohrhöhe . . . 0,010 ” 5 3tes 4 0,007
Ohrbreite . . . 0,008 | 5ten Pr istes: « ,, 0,031
Eporen-.-.... 0,010 | Hinterfuss . . 22..°0,005
Hiezu fügt Rasch noch die Bemerkung, dass Thyroptera
hinsiebtlich des Schädels am nächsten der Untergattung Mini-
opterus Bonap., hinsichtlich des Zahnbaues aber dessen Ve-
spertilio kommt, und dass zu den auszeichnenden Merkmalen
‚ insbesondere die runde Scheibe am Daumen und Fusse, der
364
rudimentäre 2te Finger, der viergliedrige 3te und die freie
Schwanzspitze gehöre. In der Art, wie das Thier seine Flügel
zusammenlegt, kommt er ganz mit Vespertilio überein.
Ob dieses Thier mit dem von Spix beschriebenen iden-
tisch ist, vermag Rasch nicht zu bestimmen, da ihm das Werk
von jenem nicht vorliegt, und die Gattung Thyroptera ihm le-
diglich aus den kurzen Anführungen von Cuvier und Tem-
minck bekannt ist. Ich kann hierüber jetzt weitern Aufschluss
geben, der die Frage erledigen wird, was ich in meiner Mo-
nographie der Handflügler (Schreb. Suppl. II. S. 482) noch
nicht im Stande war.
Vom Spix’schen Originale fand ich in der hiesigen Samm-
lung nichts weiter vor als zwei Fetzen: der eine aus dem
rechten Flügel bestehend, der andere aus dem linken Flügel,
an dem noch das hintere Ende der Rügken- und Bauchhaut,
nebst dem Schwanze und dem Hinterleibe hing. Diese Bruch-
sticke waren an und für sich natürlich ganz unzulänglich, um
dem Thiere einen sichern Platz anzuweisen; ebenso wenig
konnte die Beschreibung und Abbildung von Spix hierüber
aushelfen, als beide gleich unvollständig und ganz unbefriedi-
gend sind. Erst die von Rasch so eben angeführten Mitthei-
lungen sind zu einem sichern Urtheile ausreichend, wobei ich
zugleich versichern kann, dass er nicht nur dieselbe Gattung
wie Spix, sondern auch die nämliche Art vor Augen hatte.
Dimensionsverhältnisse, Färbung und Vorkommen der eigen-
thümlichen Scheiben sind an unserem Exemplare wie bei dem
von Rasch; selbst die Fussscheibe fehlt dem unsrigen nicht,
nur ist sie von Spix übersehen worden. Das von Rasch be-
schriebene Thier ist demnach identisch mit T’Ayroptera tri-
color Spix,‘ die wir aber jetzt erst durch Rasch vollständig
hinsichtlich ihrer äussern Beschaffenheit, sowie nach ihrem
Zahn- und Schädelbaue kennen gelernt haben. Im Systeme
ist sie als eigne Gattung gleich nach Vespertilio und Nyeti-
cejus zu stellen.
365
Diagnosen neuer Arten brasilischer Handflügler.
Von
Dr. &., Wagner.
Seitdem ich die ersten Diagnosen neuer Arten brasilischer
Säugthiere bekannt gemacht habe, ist mein Mitarbeiter, der
Kustos-Adjunkt Johann Natterer, durch einen unerwarteten
schnellen Tod der Theilnahme an der Bearbeitung der Fauna
mammalium brasiliensium entzogen worden. Der beabsichtig-
ten Arbeit geht dadurch ein bedeutender Verlust zu, als ein
grosser Theil der von meinem Freunde gemachten Beobach-
tungen mit ihm zu Grabe getragen ist, und ich von nun an
nur noch auf die in sein Tagebuch eingetragenen Notizen be-
schränkt bin. Die von ihm in Brasilien gesammelten Hand-
flügler habe ich in einer Auswahl durch Herrn Kustos Nat-
terer, dem Bruder des Verstorbenen, zur Ansicht erhalten.
Nachstehend verzeichnete Arten halte ich für neu, und theile
einstweilen von ihnen die Diagnosen mit. ‘Unter den hier auf-
geführten Arten ist Phyllostoma calcaratum nicht von Johann
Natterer gesammelt worden, sondern durch mich von dem
Naturalienhändler Brandt für das hiesige Museum angekauft.
Auch Dysopes longimanus habe ich schon früher in unserer
Sammlung als eigne Art unterschieden.
1. Phyllostoma longifolium Natt.
Ph. supra fuscum, subtus pilis basi fuseis, apice flavidis;
dorso stria longitudinali canescente notato; auriculis elonga-
tis; prosthemate angusto longissimo; cauda elongata; patagio
interfemorali amplissimo truncato.
Antibrachium 1” 9”.
Villa Maria.
2. Phyllostoma amblyotis Natt.
Ph. eastaneo-fuscum, subtus pilis bruneis, basi paululum »
366
albidis; aurieulis amplissimis; cauda brevi, calcaribus longis,
alis metatarso affıxis.
Antibrachium 1” 10”.
Mato grosso.
3. Phyllostoma discolor Natt.
Ph. bicolor, supra saturate castaneo-fuscum, pilis basi
albidis, apice fuseis; gastraeo sordide albicante; capite supra
castaneo; auriculis mediocribus, cauda calcaribusque bre-
vissimis.
Antibrachium 2" 2".
Cuyaba.
4. Phyllostoma personatum Natt,
Ph. supra fuliginoso -fuscum, subtus bruneo-canum; striis
facialibus quatuor albis, stria tergali vix distinguenda; cauda
nulla, patagio interfemorali angusto.
Antibrachium 1" 10".
Ypanema.
5. Phyllostoma pusillum Natt.
Ph. minimum, fuliginoso-fuscum, subtus pallidius; striis
facialibus quatuor albidis; cauda nulla. ve
Antibrachium 1" 2".
Sapitiva.
6. Phyllostoma bilabiatum Natt.
Ph. supra albido fuscoque marmoratum, subtus rubello-
canescens; prosthemate dilatato, supra rotundato; apice styli-
formi terminato; labiis verrucis minimis limbatis; cauda nulla,
patagio interfemorali exciso.
Antibrachium 1" 64".
Ypanema.
7. Phyllostoma calcaratum Wagn.
Ph. supra fuliginoso - fuscum, pilis basi albidis, -apice
fuseis; subtus brunescens, pilis_basi canescentibus; prosthe-
mate elongato, angusto, lanceolato; cauda brevissima, calca-
. ribus longissimis.
367
Antibrachium 1” 6".
Brasil. Mus.. Monac.
8. Chilonyeteris gymnonotus Natt.
Ch. fusca, dorso nudo.
Antibrachium 1" 84"
Cuyaba.
9. Chilonyceteris personata Wagn.
Ch. fusca, suptus dilutior, dorso piloso.
Antibrachium 1” 8".
Mato grosso.
140. Chilonycteris rubiginosa Natt.
Ch. einnamomeo-rufescens; auriculis elongatis, angusta-
tis, acuminatis; patagio interfemorali amplissimo truncato.
Antibrachium 2" 3'".
Caigara.
11. Emballonura macrotis Wagn.
E. auriculis amplissimis approximatis, transversim carina-
tis, rostro acuminato depresso; alis tarsum vix "attingentibus.
Antibrachium 1” 8",
Mato grosso.
12. Emballonura brevirostris Wagn.
E. auriculis abbreviatis latiusculis; rostro brevi tumido
acuminato; alis metatarso affıxis.
Antibrachium 1” 84",
Marabitanas.
13. Dysopes longimanus Wagn.
D. saturate fuscus, auriculis elevatis, basi connatis; ro-
stro abbreviato tumido, labro glabro; antibrachio elongato;
alis longis nudis,
Antibrachium 2" 2”. .
Villa Maria, Caigara, Barra do Rio negro.
14. Dysopes leucopleura Natt.
+@ 1. ” . ”
D. saturate fuscus; auriculis elevatis, basi connatis; rostro
368
abbreviato tumido, Jabro glabro; antibrachio elongato; alis lon-
gis nudis; ventre lateraliter taenia pilorum albidorum limbato.
Antibrachium 2” 1"",
Caigara. An varietas praecedentis.?
15: Dysopes glaueinus Natt. .
D. supra castaneo-fuscus, subtus sordide rubello-canus;
auriculis elevatis, basi connatis; labro glabro; alis longis, se-
cundum antibrachii longitudinem paululum pilosis.
Antibrachium 2" 14”.
Cuyaba.
16. Dysopes holosericeus Natt.
D. splendide et saturate castaneo-fusceus, pilis adpressis;
auriculis minus elevatis dilatatis; antibrachio abbreviato; alıs
intus secundum antibrachii longitudinem dense pilosis.
An Dysopes abrasus Temm?
Antibrachium 1” 11”.
"Rio de Janeiro,
17. Dysopes albus Natt.
D. supra subtusque albidus; patagiis nigricantibus.
Antibrachium 1" 10". {
Capit. Mato grosso.
18. Dysopes auritus Natt.
D. supra subtusque saturate fuseus; auriculis amplis con-
natis, rostro attenuato, labro rugoso -crenulato,
An Molossus coecus Rengg.?
Antibrachium 2” 3".
Cuyaba.
19. Dysopes gracilis Natt.
D. minutus, supra subtusque sordide bruneus; auriculis
amplis connatis; labrg rugoso-crenulato; alis nudis, corpus
versum puncturatis.
Antibrachium 1” 6".
Cuyaba.
N
369
Beobachtungen über die Brunst-, Trag- und Setz-
zeit der gemeinen Landbären (Ursus aretos),
nebst
einer genauen, auf vieljähriger Erfahrung: gegründeten Be-
schreibung der vier. galizischen Bären -Rassen.
Von
Stan. Konst. Ritter v. Siemuszowa - Pietruski,
Es ist auffallend, dass die ältern und neuern Naturfor-
scher so widersprechende Nachrichten über die Fortpflanzung
einer Thiergattung geben, welche sehr oft in der Gefangenschaft
gehalten wird, und sich gewiss in: diesem Zustande vermehrt
hat, nur dass die darüber gemachten Beobachtungen nicht ge-
druckt wurden und mithin für die Mehrzahl der Zoologen un-
bekannt blieben. ‘Weil noch dazu viele Naturforscher bei der
Beschreibung von Thieren, ‘die sie selbst nicht‘ beobachten
können, . sich auf: die oberflächlichen Aussagen der: Jäger,
Waldheger und dergleichen Leute verlassen, und solche dann
in ihren Werken niederschreiben, ‘so ist es allerdings begreif-
lich, dass über (die Fortpflanzung der Bären.so viel Wider-
sprechendes zu lesen ist.
So sagt Linne in seinem Syst. Nat. 12te Ausgabe! Ister
Theil S. 279: „Die ‚Begattungszeit ist zu Ende, des Octobers
und ‚die Weibehen tragen 442! Tage, wonach’ ‚sie 4 Junge
werfen, welche sie. aus 4 Brüsten ernähren, mit Sorgfalt gross
ziehen und ibmen. bald das ‚Klettern auf! die Bäume lehren.”
Wilhelm hingegen erzählt in: seinen Unterhaltungen aus der
Naturgeschielite, 4ster Theil S. 494: \,Die Bären leben paar-
weise in einer treuen/Elie, ihre Begattungszeit ist gegen Ende
August, bei andern später, den September hindureh. Ihren
klinftigen Jungen bereitet die Bärin ein weiches Lager ivon
Moos und Kräutern an einem sehr leinsamen ‚Orte. Hier !wirft
Archiv f. Naturgeschichte. IX. Jahrg. 1. Bd, 24
370
sie nach 4 Monaten Tragzeit 1 bis 3 Junge, die sie säugt
und mit der grössten Zärtlichkeit liebt.” Dr. Alexander Za-
wadzki belehrt uns in seiner Fauna der Galizisch - Bukowini-
schen Wirbelthiere S. 20: „dass die Begattungszeit der Bären
im October stattfinde, die Tragzeit 6 Monate dauere, und dass
die Bärin im April 'oder Mai 1 bis 3 Junge. werfe.” In. der
Naturgeschichte in getreuen Abbildungen sammt ausführlicher
Beschreibung (Pesth bei Otto Wigand) habe ich wieder gele-
sen: „dass die Tragzeit 8 Monate dauert,” und in einem
Jagdbuche, dessen Titel ich leider vergessen habe, ‚dass die
Brunst im August, Tragzeit 36 Wochen, und dass die ’Jun-
gen im Mai zur Welt kommen.” Ich könnte noch eine Menge
anderer Werke anführen, allein es ist nicht nothwendig, meine
Erfahrungen werden zur Genüge zeigen, dass sich alle geirrt
haben; denn wenn auch die Tragzeit in einigen richtig ange-
geben ist, so sind wieder die Monate für die Brunst- und
Setzzeit unrichtig bestimmt.
In diesem Jahre ist es mir nämlich endlich nach langen
und mit Eifer fortgesetzten Beobachtungen dieser Thiere in
den Urwäldern der Karpathen und im zahmen Zustande. ge-
glückt, über jene Punkte. vollkommen ins Reine zu gelangen,
und ich säume nicht, dem naturforschenden Publikum meine
Erfahrungen vorzulegen. Ehe ich aber zur Sache selbst über-
gehe, muss ich meiner Menagerie erwähnen, die mir, zu Pod-
horodce, im Stryjer Kreise in den Karpathischen Gebirgen
gelegen, zu Beobachtungen an möglichst naturgemäss gehal-
tenen Säugthieren, Vögeln und Reptilien treflliche Gelegen-
heit giebt.
Der wichtigste Theil der Menagerie ist das Bärenhäuschen.
Es ist 12 Ellen lang und 34 Ellen breit, aus starkem Nadelholze
gebaut, hat ein ordentliches Dach und ruht auf 6 gemauerten
Säulen, 31 Fuss von der Erde. Es befinden sich darin drei
gleich grosse Behälter, die innen mit starken Eichenpfosten
ausgepflastert sind, und vor der Fronte nur starke Eisengitter
haben, damit man die darin befindlichen Thiere bequem sehen
kann. Zwischen den seitlichen und dem mittlern Behälter
findet sich je eine Schiebethür, ausserdem haben noch alle
drei Abtheilungen je 2 kleine Öffnungen, durch welche das
Trinkwasser gegeben wird, und eine Schublade aus starken
371
Brettern, welche unten zwei kleine Räder hat,' wie bei den
Schubkarren, damit man dieselbe leichter herausziehen kann,
und welche mit kleinen Löchern versehen ist, durch die der
Harn der Thiere abfliesst, so dass die Behälter nur zweimal
wöchentlich gereinigt zu werden brauchen.
In diesem Häuschen wohnen gegenwärtig 3 ausgewach-
sene Bären, und zwar in beiden seitlichen die Bärinnen und
in der Mitte der Bär, welcher nach Belieben durch die Schieb-
thüre zu den Weibchen hineingelassen werden kann. Er ist
von der grossen schwarzbraunen Rasse, 5 Jahr alt und voll-
kommen ausgewachsen, indem er von der Nasenspitze bis zum
Schwanze 7 Fuss misst. Ich bekam ihn hier zu Podhorodce
auf einer Treibjagd den 17. August 1838, und weil er schon
6 Monate alt war, so kostete seine Zähmung viel Mühe und
Geduld. Ein ganzes Jahr hindurch blieb er wild und grimmig,
so dass Niemand wagte das kleine Thier mit der Hand zu
streicheln; jetzt mit zunehmendem Alter ist dieser Bär so
zahm geworden, wie nur ein solches Thier sein kann. Zur
linken Seite von dem männlichen Bären befindet sich eine
sehr schöne aber sehr schlimme Silberbärin, welche jetzt 6
Jahre alt ist. Rechts wohnt die Bärin, welche jetzt Junge
hat. Sie ist 54 Fuss lang und dunkelgraubraun.
Vor 10 Jahren erzählte mir ein erfahrener Jäger, dass
man einst Ende Februar eine Bärin mit ihren Jungen gefun-
den habe, und dass die Mutter erschossen, die Jungen aber
weggenommen und an einen Grundherrn verkauft seien. Ich
hatte diese Erzählung ausser Acht gelassen, allein 5 Jahre
später, als ich im März durch Stryj reiste, erzählte mir ein
Jude, dass 3 kleine Bären neulich in die Kreisstadt gebracht
und alle hier "verkauft seien. Unter diesen befand sich auch
jene Bärin, die ich den 24. März durch die Gewogenheit des
Herrn Freiherrn Sigmund Handel bekam. Dieser Umstand be-
stätigte die Aussage des alten Jägers, dass die Bären im Ja-
nuar oder Februar werfen. Es blieb noch zu erforschen, ob
dies nicht eine Abweichung von der allgemeinen Regel sei,
d.h. ob alle junge Bären im Februar zur Welt kommen. Um
dieses zu erfahren, wendete ich mich an einen sehr eifrigen
Jäger und fleissigen Naturforscher, Pfarrer Szezudliuski aus
Tuchla, welcher‘ mir darüber folgende Mittheilung machte:
24*
372
„Am 17. Februar 1833 meldete hier ein. Bauer, dass er, als
er vor zwei Tagen mit Taback‘ beladen aus Ungarn zurück-
kehrte, und um den‘ Aufsehern zu entgehen, einen Seitenweg
durch die Urwälder zu nehmen genöthigt war, eine Bärin mit
ihren Jungen entdeckt habe. Ich begab mich sogleich in der
Begleitung eines einzigen Jägers und des erwähnten Bauern
an'Ort und Stelle. Als wir uns dem ‘Orte näherten, wo sich
die fürchterliche Familie befand, lief uns die wüthende Mutter
entgegen. lch'schoss und traf in die Brust, jetzt erhob sich
das verwundete Thier und ging auf mich los; glücklicher Weise
feuerte in eben dem Augenblicke, als das Ungeheuer nur drei
Schritte von mir entfernt war, auch der Jäger sein Gewehr
so glücklich ab, dass das Thier todt zu Boden fiel. Jetzt nä-
herten wir ‘uns’ beliutsam der Tanne, wo die Jungen waren,
und nahmen dieselben mit nach Hause.”
Nicht zufrieden mit allen diesen Nachrichten, wendete ich
mich noch an mehrere erfahrene Jäger der hiesigen Gegend,
alle waren der Meinung, dass die Setzzeit der Bären im Win-
ter sei; den wichtigsten. Beleg dazu erhielt ich durch einen
Brief des Herrn Pfarrers v. Kossowski aus Skole, welcher so
interressant ist, dass ich mich gedrungen fühle, einen ‚Auszug
hier mitzutheilen; er lautet also:
„Meinem Versprechen gemäss übersende ich mit Freude
die Nachricht von den gefangenen 2 kleinen Bären. Sie wur-
den in einer hohlen Tanne, etliche Minuten nach der Flucht
der Mutter, den 2. Februar 1842 gefunden. Geboren waren
sie wahrscheinlich den 1. Februar. Man gab ihnen eine Hün-
din zur Amme; bis zum 18. waren sie blind und lebten nur
bis zum 413. März, weil die Hündin, je grösser die Bären
wurden, dieselben immer mehr verabscheuete und endlich ganz
verliess.” — Jetzt wusste ich schon mit Sicherheit, dass die
Setzzeit aller Bären in den gemässigten Climaten im Januar
oder Februar ist (aber nicht im April oder Mai, wie es die
Naturforscher angeben). Es fehlte nur noch, zu erfahren,
wann die Brunst stattfindet und wie lange diese Thiere tragen.
Diese zwei wichtigen Umstände konnte ich von Niemand er-
fahren, weil sich diese wilden Thiere zur Paarungszeit in die
dieksten Wildnisse zurückziehen; es blieb nichts übrig, als
nur die Gezähmten zu beobachten. Dieses habe ich mit der
373
grössten Beharrlichkeit gethan, und ‚meine Bemühungen wur-
den durch den schönsten Erfolg gekrönt.
Es fiel mir an meinen eingesperrten Bären auf, dass alle
drei im Mai ungewöhnlich sanft, gutmüthig und, zutraulich
wurden. Der männliche Bär und die kleinere Bärin waren
damals 1 Jahr und 3 Monate alt und hatten erst kürzlich‘ die
Hundszähne bekommen, die Silberbärin war um 1 Jahr älter,
dieser Umstand führte mich auf den, Gedanken, dass vielleicht
der Mai für die Brunst dieser Thiere bestimmt ist. Das jün-
gere Paar wurde oft zusammen gelassen. _ Sie. spielten mit
einander, aber weiter nichts.
Im folgenden Jahre 1840 wurden meine Bären wiederum
im Mai sehr sanft und zutraulich, die beiden jüngern waren
oft zusammen, allein zur Begattung kam es auch in diesem
Jahre nicht.
Den 5. Mai 1841 merkte ich, dass die weiblichen Ge-
schleebtstheile meiner jüngern Bärin stark angeschwollen: wa-
ren (sie war damals wie bekannt 34 Jahr alt); in der Mei-
nung, dass sie wirklich läufisch sei, und, weil sie beständig
bei der Thür, welche zum Bären führte, sass, liess ich das
Männchen hinein, und wirklich erfolgte auch eine Begattung,
welche an diesem Tage zwei Mal wiederholt wurde und den
ganzen Monat dauerte. Im Juni wollte sich das Weibchen nicht
mehr paaren und der Bär wurde auch nicht mehr zugelassen.
Im Juli fand sich die Scheide noch immer stark hervorragend,
was meine Hoffnung ein wenig schwächte, da es allgemein be-
kannt ist, dass ‚bei allen weiblichen Thieren nach erfolgter Be-
fruchtung die Geschlechtstheile in ihren ursprünglichen Zustand
zurückkehren. Doch da sie sich etliche-Male. begattet hatte,
und als sich im August in den Zitzen eine Art von Colostrum
zeigte, erwartete ich mit grosser Ungeduld die Herbstmonate
in: der Hofinung eines glücklichen Erfolgs; aber vergeblich.
Der November, December und endlich der Januar zeigten mit
Gewissheit, dass meine. Erwartungen auch in diesem Jahre
fruchtlos waren, die Bärin hatte auch diesmal keine Jungen.
Früher glaubte ich, dass die Schuld dieser Unfruchtbar-
keit von einem krankhaften Zustande des einen oder des an-
Jeru Gatten herrühre, allein die Zukunft zeigte, dass es nichts
anderes als eine jugendliche, unvollkommene Paarung . war,
374
welche unsere Jäger unter dem Namen „taube Brunst“ sehr
gut kennen.
Gegen das Ende des April des folgenden Jahres 1842
fingen die Geschlechtstheile meiner Bärin wiederum an stark
zu schwellen, den 3. Mai wurde der männliche Bär um 4 Uhr
Nachmittags, gleich nach der Fütterung, hineingelassen. An-
fänglich spielten sie nur mit einander, wobei sie sich so wie
zwei Menschen aufrecht stehend umarmten, gegen 6 Uhr Nach-
mittags fing der Bär wahre Liebesäusserungen zu zeigen an,
allein die Bärin entging geschickt der zudringlichen Galan-
terie ihres Gatten, indem sie ihn langsam mit ihren Vorder-
pfoten auf die Seite warf, und sich dann mit einer bewunde-
rungswürdigen Gewandtheit in das benachbarte Zimmer zurück-
zog. Doch dauerten diese Präliminarien nicht lange, um 8 Uhr
Abends war die erste Begattung, welche allezeit wie bei den
Schweinen stattfindet, nur dass der Bär sein Weibchen mit den
Vorderpfoten so stark umschlingt, dass er es zu würgen scheint,
dieses letzte schnaubt und brüllt fürchterlich. Der ganze Akt
dauert fast immer eine gute Viertelstunde, und weil die Ruthe
mit einem krummen Knochen versehen ist, so ist die Tren-
nung für das Weibchen schmerzlich, fast immer geschieht wie
bei den Hunden eine kurze Anbindung, nur dass sie nicht so
lange dauert. Nach der Paarung, welche immer Abends und
an demselben Orte (im Zimmer des Männchens) wiederholt
wurde, kehrte das Weibchen zu seinem eigenen Käfig zurück
und fing dort taktmässig an zu springen. Die Brunstzeit dauerte
vom 3. bis zum 28. Mai, es waren im Ganzen 13 Paarungen
und zwar den 3. Mai einmal, den ‚8. zweimal, den 9. eben-
falls, den 13. einmal, den 14. einmal, den 15. zweimal, den
16., 20. und 28. zweimal. Nachher wurde der Bär etliche Mal
zugelassen, aber vergeblich, die Bärin nahm ihn nicht mehr an,
Zu der älteren Silberbärin wurde er in diesem und im
vorigen Jahre hineingelassen, allein sie hegte einen so unüber-
windlichen Abscheu gegen ihn, dass es nie zu einer ordentli-
chen Begattung kam. Die wahre Ursache dieser Antipathie
kann ich mir bis jetzt nicht erklären.
Aus meinen Beobachtungen über die Trächtigkeit der Bärin
hebe ich folgendes heraus. Im Juli wurde das lange zottige
Winterfell durch kurze Sommerhaare ersetzt (der Bär haart
375
sıch nur einmal im Jahre, das kurze Sommerfell bekommt im
Herbste lange Spitzen und wird zum Winterhaar), deswegen
schien das Thier noch magerer auszusehen, übrigens frass es
mit einer grossen Hastigkeit, und tanzte sehr viel in dem Behälter
herum, die Saugwarzen waren noch sehr klein, und wenn man
dieselben mit dem Finger presste, so zeigte sich eine gelbe
Flüssigkeit, eine Art von Colostrum.
Im August war ‚sie noch immer sehr mager ‚und ‚sprang
viel herum, die Saugwarzen waren auch nicht grösser wie im
vorigen Monate, allein ich ‚bemerkte, dass sich die Haut am
Bauche etwas erweiterte und hängend wurde.
Im September war noch mehr Colostrum in den Zitzen,
die Augen wurden stark hervortretend, und der Augenring
roth angelaufen, kalte Getränke konnte sie nicht vertragen,
frass viel und hüpfte beständig.
lm October wurde der Unterbauch stark hängend und sie
schien im allgemeinen viel dicker auszusehen ; allein ich konnte
auch jetzt auf eine Trächtigkeit nicht mit Sicherheit schliessen,
weil alle Bären im. Herbste sehr fett werden und weil das
Winterhaar jetzt schon lang und zottig zu werden anfängt.
In der That, wenn ich diese Bärin damals mit der Silberbärin
verglich, so schien mir letztere noch dicker auszusehen.
Der November zeigte fast alles dasselbe wie die früheren
Monate, die Saugwarzen waren noch immer sehr klein, und
der Unterbauch nicht viel dieker, wie bei den zwei andern
Bären. — Also nach 6 Monaten Tragzeit liess es sich noch
nicht mit Bestimmtheit sagen, ob sie wirklich trächtig wäre.
Im Dezember bemerkte ich mit Erstaunen, dass sie gar
nichts fressen wollte, und in der That, vom 2. d. M. bis zum
Neujahr nahm sie keinen Bissen zu sich. In der Meinung,
dass sie krank sei, liess ich ihr die besten Leckerbissen rei-
‚chen, Milch, Honig, Zucker u. dergl., allein sie verschmähete
alles. Zwar fressen alle Bären im Winter viel weniger wie
im Sommer, allein sie nehmen doch immer etwas Nahrung zu
sich, auch die wilden verlassen beim eintretenden Thauwetter
ihr Winterlager um Futter zu suchen. Die Saugwarzen fingen
erst jetzt an stark zu wachsen, besonders die Brustzitzen,
Zwischen den Hinterfüssen am Unterbauche wurde sie sehr
Jick, tanzte noch immer, aber viel seltener wie in den vor-
376
hergehenden Mohäten. Erst an diesen Merkmalen konnten wir,
welche die Bärin täglich unter den Augen hatten, erkeiinen,
dass sie wirklich trächtig sei. — Andere, welche meine Mena-
gerie damals besuchten, fanden auch jetzt keinen Unterschied
zwischen der trächtigen und der Silberbärin. So unbedeutend
waren diese Kennzeichen auch noch im siebenten Monate.
Auch im Januar wollte sie keine Nahrung zu sieh neh-
men, lag den ganzen Tag hindurch auf dem Boden "nieder,
und der Unterbauch wurde stark niederhängend. Den 8. d.M.
sah ich, dass die Schaamtheile sich stark erweitert hatten und
eine klebrige Flüssigkeit absonderten; dieser Umstand, wel-
cher auch bei den trächtigen Kühen kurz vor dem Kalben ein-
tritt, liess auf eine mahe Niederkunft schliessen.
Jetzt war schon die höchste Zeit, der Mütter und ihren
künftigen Jungen einige Bequenilichkeiten zu verschaffen, be-
sonders um diese Letzten bei dem Reinigen des Behälters nicht
zu beunruhigen. Zu diesem Zwecke würde nun auf der Eck-
seite des Häuschens ein 6 Schuh langer, 4 Schuh breiter und
hoher Kasten angebaut, in diesem befand sich eine Seitenthür
und zwei kleine Fensterchen, danıt man die ganze Familie
bequem sehen könne, — die zum Schieben übergearbeitete
Eingangsthür wurde geöffnet, und das ganze so eingerichtet,
dass man bei der Abwesenheit der Mutter zu jeder Zeit die
Schiebthür zumachen und durch die Seitenthür die Jungen her-
ausnehmen Könnte.
Am 22. d.M. um 8 Uhr früh kam mein Thierwärter mit
der Nachricht, dass die Bärin Junge habe; ich eilte natürlich
augenblicklich zur Stelle, konnte aber noch nichts sehen, weil
die Mutter alles mit ihrem ungeheuren Körper bedeckte. Erst
um 3 Uhr Nachmittags sah ich das erste und den zweiten Tag
darauf das zweite Junge. Es war ein vollständiges Paar, Ich
habe nie was Schöneres in meinem Leben gesehen, wie diese
zwei kleinen niedlichen Thierchen — man denke sich neuge-
borne silbergraue englische Dossenhüindchen, und man wird
eine sehr gute Vorstellung von den kleinen Bären haben. Sie
sind 6 Zoll lang, von silbergrauer Farbe, haben ein schnee-
weisses Halsband, ein glattes, glänzendes Haar 'ünd kommen
blind zur Welt.
Da ich aus langer Erfahrung wusste, dass die meisten
377
wilden Thiere und Vögel "keine solche Liebe für ihre Jungen
in der Gefangenschaft zeigen wie in der Freiheit, und diesel-
ben, weiin auch nieht ganz verwahrlosen, wenigstens schlecht
aufziehen, so fürchtete ich anfänglich, dass meine Bärin die Ihri-
gen stiefmütterlich behandeln würde.“ Allein die Zukunft lehrte,
dass meine’ Angstlichkeit in dieser Hinsicht ganz ungegründet
war. In den ersten'2 Wochen verliess die Mutter ihre Jun=
gen'nicht einmal um Wasser zu trinken, ‘sondern lag beständig
bei ihnen, es war recht anziehend zu beobachten, wie sie die-
selben vor der strengen Winterkälte schützte. Durch ein künst-
liches Zusammenlegen ‘der vier Tatzen machte das kluge Thier
gleichsam 'ein Dach über dieselben, und die noch offen ge-
bliebene Stelle zwischen den ‘Vorderpfoten verstopfte sie mit
der Schnautze, Auf diese Weise "hatten die kleinen’ Bären
durch das Einathmen der Mutter immer eine, gelinde gleich-
mässige Temperatur, und waren übrigens durch das Zusam-
menlegen der Tätzen und ‘durch die langen zottigen Bauch-
haare vor allen Veränderungen der Luft vollkommen gesichert.
War ein starker Wind draussen, 'so legte sich die Bärin inimer
so, dass ihr Körper eine Abdachung gegen denselben bildete,
Vierzehn Tage nach dem Wurf nahm sie das erste Mal etwas
Mileh zu sich, doch musste ihr dieselbs in der Nähe. gereicht
werden, denn sie wollte sich gar nicht von ihrem Lager ent-
fernen; wenn sie sich umwendete, so geschah dieses immer
mit einer grossen Behutsamkeit.
Als die Jungen drei Wochen alt ‘waren, setzte sich
die Mütter oft'auf die Hinterfüsse, alsdann krochen 'sie"wie
kleine Affen bis auf die Brust hinauf und sogen murmelnd an
den Brustzitzen. Mit Freude merkte ich, dass diese Bärin
auch jetzt sehr sanft und gutmüthig war, das Futter nahm sie
stets aus den Händen, und wenn ich manchmal Miene machte
eines von den Jungen wegnehmen zu wollen, so zeigte sie
nie Spuren der in solchen Fällen den meisten wilden weibli-
chen Thieren angebornen Bosheit und Wutly; (näherten "sich
aber Fremde, so zeigte sie mehr Besorgniss. "Im Allgenteinen
hatte dieses kluge Thier eine Art von Vertrauen zu den Men-
sehen. Wenn sich dagegen Hunde ihrem Behälter näherten, so
gab sie ihre Unruhe und Unzufriedenheit ‘durch Schnauben,
Brüllen, Sträuben der Haare'w. dergl, zu erkennen,
378
Vier Wochen waren die Jungen blind, erst in zwei Mo-
naten fingen sie an langsam herumzugehen, im April entfern-
ten sich beide ziemlich weit von der Mutter, spielten ‚oft auf
dem Hofe herum, kehrten aber doch noch immer in die Me-
nagerie zurück. Im Mai waren sie von der Grösse eines grossen
Mopshundes, liefen sehr hurtig und begleiteten mich sehr oft
auf meinen: Spaziergängen, sogen aber noch 2—3 Mal des
Tages. Im August wurden sie entwöhnt, bald nachher schenkte
ich das Weibchen einem Verwandten und das Männchen wurde
an herumziehende Italiener verkauft.
Die Mutter begattete' sich in diesem Jahre nicht.
Hiermit werden meine 40jährigen Beobachtungen geschlos-
sen. Aus denselben geht hervor, dass die Brunst der Bären in
Mitteleuropa nicht im August, nicht im September oder Okto-
ber, sondern im Mai stattfindet; dass die Tragzeit dieser Thiere
nicht 4, nicht 6, sondern 81. Monate, oder 34 Wochen nach
der letzten Begattung gerechnet, dauert — und dass endlich
die Jungen nicht im April oder Mai, sondern zur strengsten
Winterzeit, nämlich im Januar oder Februar, zur Welt kommen.
Aus dem Gesagten ergiebt sich ferner, dass diese Thiere
in ihrer Fortpflanzung sehr viel Eigenthümliches zeigen, Schon
dadurch, dass sie zur Brunstzeit sehr gutmüthig und zutrau-
lich werden, unterscheiden sie sich von den übrigen reissen-
den Thieren. Allein die Bären weichen noch in vielen Punkten
von der allgemeinen Regel wesentlich ab, und zwar durch die
Tracht, welche vor dem letzten Monate mit Sicherheit nicht zu
erkennen ist; durch die Setzzeit, welche bei ihnen in den Win-
ter fällt, was meines Wissens bei keinem einzigen wilden Säug-
thiere der Fall ist; endlich durch die Jungen, welche ver-
hältnissmässig ungemein klein zur Welt kommen.
Beschreibung der vier galizischen Bären-Rassen.
Die Zoologen sind noch bis jetzt nicht ganz einig darüber,
ob es in Europa nur eine oder mehrere Bärenarten giebt, die
älteren Naturforscher, namentlich Linne, haben mehrere kon-
stante Varietäten dieser Thiere anerkannt; in der neuern Zeit
hat die Ansicht die Oberhand gewonnen, dass alle Bären in
Europa zu einer Art gehören. Ich meines Theils bin fest
überzeugt, dass Galizien zwar nur eine Art des gemeinen Land-+
379
bären ernährt, aber in 4 verschiedenen Abänderungen, welche
ihre Unterscheidungsmerkmale durch die Zeugung rein erhal-
ten und deswegen Rassen genannt werden müssen,
4) Der schwarzbraune Bär. Der Schädel wenig ge-
wölbt, der Raum zwischen den Ohren schmal, so dass der
Kopf von beiden Seiten wie zusammengedrückt erscheint, die
Ohren lang, die Schnautze spitzig, die Zähne in der Jugend
wie im Alter gelblich,
Der ausgewachsene 7jährige Bär dieser Abart ist 64’ lang,
das Weibchen gewöhnlich nur 6’, im zweiten und dritten Jahre
schwarzbraun, im Alter etwas lichter, die Haare sind weich,
wenig zottig und viel kürzer wie bei den andern Rassen, der
Körper schlank.
Aufenthalt. Er bewohnt die höchsten Gipfel der gali-
zischen Karpathen, besonders die Potoninen des Stryjer Krei-
ses, kommt selten und nur durch Hunger getrieben in die
Ebenen herunter.
Die Nahrung besteht in der Jugend meistentheils aus
Vegetabilien, im Frühjahre lebt er nur vom Grase, im Som-
mer frisst er verschiedenartige Beeren, jungen Hafer, Amei-
sen, und im Herbste Apfel, Birnen, Brombeeren, Bucheln,
Eicheln. Im Winter, wenn Thauwetter eintritt, schält er sehr
geschickt mit seinen scharfen Krallen die Tannen- und Fich-
tenbäume ab, und frisst die Rinde. Später, 5 — 6 Jahre alt,
verschmäht er die vegetabilische Kost, und lebt meistentheils
vom Fleische warmblütiger Thiere, besonders der Schafe und
Ziegen, manchmal auch der Pferde und Ochsen, die er in
den Viehheerden anfällt, und wenn er kann grimmig zerreisst.
Fortpflanzung. Die Bären leben in Monogamie, im
April besucht der männliche Bär sein Weibchen und verlässt
es erst im Juni, alsdann gehen sie meistentheils paarweise
herum. Im Mai ist die Brunstzeit, welche +—5 Wochen
dauert. Tragzeit 34 Wochen, nach der letzten Begattung ge-
rechnet. Setzzeit im Januar oder Februar.
Eigenheiten und Sitten. Diese Abart ist sehr bös-
artig und wild, doch wenn sie einmal 'gezähmt sind, kann
man ihnen mehr trauen wie dem Silberbären.
2) Der Silber-Bär. Der Schädel sehr gewölbt, der
Raum zwischen den beiden Ohren sehr erweitert, ‚die Ohren
380
kurz, die Schnautze dick und aufgeworfen, wodurch der ganze
Kopf ein»mepsartiges Ansehen bekommt, die Zähne weiss.
Er ist zwar etwas kürzer und niedriger, wie der vorher-
gehende, ‚nieistens nur 6' lang, aber. dafür viel dicker.‘ Die.
Farbe der Haare,.ist im ersten Jahre dunkelgrau, im dritten
und. vierten Jahre schon silbergrau,, und im hohen Alter ins
gelbliche spielend, Das 'Fell‘ist sehr 'zottig. ’
Aufenthalt. In den grossen Waldungen. der galizischen
Ebenen.
Die Nahrung besteht in jedem Alter meist nur aus Ve-
getabilien, Die thierische Kost verschmähet er standhaft,
Fortpflanzung. Wie bei dem Vorhergehenden.
Eigenheiten und Sitten. Diese Abart ist viel schlim-
nier: wie die vorhergehende; unter den. drei, 'gezähmten, die
ich zu verschiedenen Zeiten besass, wurde keiner so zahm wie
der schwarzbraune, es giebt Augenblicke, ‚besonders im Mai,
wo sie sich mit der Hand streichen lassen, ‚aber. man.kann
ihnen nie sehr trauen, denn die gute Laune geht bald vorüber
und dann folgen Anfälle von Wuth und: Bosheit. Diess ist
die einzige Abart-bei uns, welche an, den Tatzen saugt, diese
ekelhafte Operation geschieht meistentheils nach gehaltener. Mahl-
zeit, aber nieht im Winter, wie ‚es die Jäger fälschlich ange-
ben, sondern: zu: jeder Jahreszeit,
3) Der kleine Bär. Der Schädel gewölbt, die Ohren
mittellang, die spitzige Schnautze kurz, die Zähne ‚weiss.
Länge‘ eines ausgewächsenen männlichen Bären 5’—5!'. Farbe
dunkelgraubraun, die Haare sind ‚sehr zottig und lang.
Aufenthalt. In den ebenen und Gebirgs- Gegenden Ga-
liziens überall, wo nur grosse Waldungen sind; ‚diese Abart
ist bei uns die ‚gemeinste unter allen, |
Nahrung und Fortpflanzung. Wie bei dem Vorher-
gehenden.
Eigenheiten und Sitten. - Er unterscheidet sich, von
den beiden vorhergehenden ‚durch seine Sanftmuth und, Ge-
lehrigkeit, jung gefangen wird dieser Bär manchmal so zahm
und gelassen, ‚dass er das Futter-aus der Hand nimmt, sich
zu jeder Zeit streicheln lässt und sogar, wenn er gut aufgelegt
ist, den‘Rachen öffhet und olme zu beissen die Hand hinein
zu stecken erlaubt. Desswegen sind auch diese kleinen Bären
381
den herumzichenden Italienern' sehr lieb, ‚welche sie auch um
ein Paar Dukaten theurer bezahlen wie die Silberbären.
4) Der füchsbraune Bär. Der Schädel äusserst platt,
die Schnautze und Ohren sehr Jang, die Zähne ‚gelblich. Er
ist der grösste unter allen, ein altes ausgewachsenes Männchen
ist '7’ lang, die Weibchen sind gewöhnlich kleiner, meist nur
6' lang. Das lange zottige Fell ist von. hellbrauner Farbe,
doch ohne die goldgelben Spitzen, welche den Goldbär der
Pyrenäen so.,sehr auszeichnen.
Aufenthalt. Er verirrt sich zuweilen aus ‚Ungarn ‚oder
Polen zu uns, doch sind schon mehrere in Galizien erschossen
worden, einen lebendigen habe ich aber: noch nie gehabt.
Nahrung, Fortpflanzung und Sitten. "Wahrschein-
lich wie bei den schwarzbraunen. Bären.
Podhorodce 1843.
Nachträge zu der Abhandlung über die natürlichen
Familien der Fische.
(8.0. 8. 292)
Von
J. Müller.
Chromiden.
“In den Illustrations of the zoology of South Africa von
Andr. Smith N. IX. London 1840 ist unter dem Namen T-
Tapia Sparmanni Sm. ein Fisch aus dem Orange-River be-
schrieben und abgebildet, welcher von Smith zu den Laby-
rinthfischen gerechnet wird. Derselbe gehört wahrscheinlich
zu den’Chromiden und hat eine grosse Ähnlichkeit mit Chro-
mis niloticus, dessen Eingeweide auch mit Smiths Abbildung
genau‘ übereinstimmen. Er gleicht dem Chromis niloticus in
der Form des Körpers, in der Zahl der 'Riemenhautstrahlen,
in den Zähnen und sogar in den Farben. Der einzige 'Unter-
382
schied besteht in der Zahl der Flossenstrahlen. Tilapia Spar-
manni hat nach Smith D. 13.9. V.1.5.P. 11.A.3.9,
Chromis niloticus hat D. 17 . 13. V. 1.5. P. 15. A.3.9.
Vorausgesetzt, dass die Strahlen bei 7Wapia richtig gezählt
sind, konnte dieser Fisch für eine zweite Art der Gattung ge-
halten werden, wofür ich mich in einem in der Gesellschaft
naturforschender Freunde im November d. J. gehaltenen Vor-
trage erklärte. Briefliche Mittheilungen von Dr. Peters aus
Mozambique (vom 3. Sept., in den letzten Tagen d. J. einge-
gangen) über einen von ihm bei Quilimane in Lachen beobach-
teten Chromiden machen es mir aber wahrscheinlich, dass die
Tilapia Sparmanni nichts anders als Chromis nilotieus ist. Der
von Peters beobachtete Chromid steht, wie er selbst bemerkt,
der Tilapia ausserordentlich nahe. Die Flossenstrahlen variiren
aber in den von Peters gesammelten Exemplaren so sehr in
der Zahl, dass zwischen dem an den hiesigen Exemplaren des
Chromis nilotieus wahrnehmbaren Maximum und dem Minimum
der Tilapia ein vollständiger Übergang vorliegt. Die Zahl
der Flossenstrahlen variirte in dem von Peters beobachteten
Chroniden also: Fr
B5. DI BTPEIIERVI IE RN A
B.75.9D.157412. PR13E AV IOR A E
B. 5. D. 16. 12. P. 43: V. 1 A
BI5FDELTITISFR. 13V
Es scheint daher nicht sehr zweifelhaft, dass Chromis ni-
loticus und Tilapia Sparmanni Sm. identisch sind. Peters giebt
zwar die Zähne etwas verschieden an, in der ersten Reihe
gekerbt, dahinter eine Binde sammetartiger Zähne. Doch ist
es mir wahrscheinlich, dass auch dieses gekerbte Zähne in etwas
unregelmässigen Reihen wie beim Chromis niloticus sein wer-
den. Demnach würde das von mir auf Chromis niloticus be-
schränkte Genus Chromis Müll. mit 3 Reihen gekerbter Zähne
mit Tilapia Smith identisch sein. Chromis nilotieus und der
Peters’sche Chromid haben eine Schwimmblase, welche von Smith
nicht angeführt wird, aber auch beim Chromis nilotieus nicht
sogleich in die Augen fällt. Der Chromid des Nils zeichnet
sich vor den anderen Chromiden dadurch aus, dass er nicht
Ctenoid- sondern Oycloidschuppen hat, was auch Peters von
seinem Fische anführt. Die Schuppenbildung ist also auch in
383
dieser Familie nicht constant. Eine noch auffallendere Aus-
nahme werde ich sogleich von einem Characinen anführen.
Im zweiten Theil von Schomburgk Fishes of Guiana, Edinb.
4843, sind ferner mehrere Fische als Arten von Centrarchus
und Pomotis bezeichnet, welche offenbar diesen Gattungen
fremd und unverkennbare Chromiden sind.
Scomberesoces.
In Dekay’s Natural history of New-York p. IV. Albany
1842 p. 231 sehe ich, dass für die Zxocoetus mit Bartfäden,
denen ich den Gattungsnamen Pfenichthys gab, schon ein Name
Cyprilurus (freilich schlecht) aufgestellt worden. Der Autor
dieses Gattungsnamens ist nicht erwähnt.
Characinen,
Die Characinen haben in der Regel Cycloidschuppen. Die
Gattung Xiphostoma wacht eine Ausnahme durch ‚ihre von
Agassiz selbst erwähnten eiliirten Schuppen. Eine noch auf-
fallendere Ausnahme, welche die Unzuverlässigkeit dieses Cha-
rakters bestätigt, findet sich in der Gattung Anodus. Die mehr-
sten Arten haben Cyeloidschuppen, aber eine neue Art Ano-
dus eiliatus Müll. Trosch. hat ciliirte Schuppen.
Ich verbessere einen Fehler in der Charakteristik des Genus
Macrodon, wo es p. 316 Z.10 v. u. statt Vomerzähne viel-
mehr Gaumenzähne heissen muss, wie es in meiner frühern
Abhandlung Müll. Archiv 1842 p. 308 richtig angegeben ist.
Die Gattungen und Arten der Characinen erforderten eine
tiefere Revision, welche in Gemeinschaft mit Dr. Troschel un-
ter Benutzung des reichen Materials des zoologischen Museums,
auch der Blochschen Originalexemplare ausgeführt wurde. Ich
verweise auf die im ersten Hefte des Jahrgangs 1844 dieses
Archivs zu liefernde Synopsis generum et specierum Familiae
Charaeinorum. Die Zahl der Gattungen und Arten hat sich
darin beträchtlich vermehrt. Unter die zu neuen Gattungen er-
hobenen Fische gehören auch zwei, welche in meiner Abhand-
lung über die natürlichen Familien der Fische bei Untersuchung
der Schwimmblase und Gehörknöchelchen zu den Gattungen
Anostomus und Raphiodon gerechnet wurden. Daher die Gat-
tungen Anostomus und Staphiodon auf die Schwimmblase erst
noch zu beobachten sind. Uebrigens haben sich die getheilte
384
Schwimniblase und ‚die. Gehörknöchelehen ‘derselben in allen
weiter, untersuchten Gattungen bewährt.
Seopelinen.
In diese Familie gehört auch die neue Gattung Aplochiton
Jenyns the Zoology: of the voyage of H.M.S. Beagle p. IV.
London 1842 p. 130.
Esoces.
Das von Jenyns ebend. p. 118 aufgestellte neue Genus
Mesites, welches ohne Grund zu den Cyprinoiden gebracht
ist, ist wahrscheinlich mit Galaxies Cuv. identisch. Der Kör-
per ist in beiden schuppenlos , die Rückenflosse entspricht der
Afterflosse, die Bildung der Kiefer ist gleich. Die Zähne ste-
hen in beiden im Zwischenkiefer, Unterkiefer, am Gaumen,
und auf der Zunge sind Hackenzähne. Cuvier bezieht die Gau-
menzähne auf die Gaumenknochen, Jenyns nennt sie zweireihige
Vomerzähne, Forster sagt von seinem. Zsox alepidotus, wel-
cher den. Typus für ‚die Gattung, @alaxias bildete: palati: 2 or-
dines dentium. Bl. Schu. 395. Der einzige Unterschied wäre
demnach 'in der Zahl ‚der Kiemenhautstrahlen, welche Forster
auf 9—10, Jenyns als 6 angiebt. Forster’s Fisch von Neu-
seeland hatte 9. Zoll: Länge, Jenyns Mesites attenuatus von
ebendaher nur 24 Zoll, ‚daher mögen wegen der Kleinheit wohl
einige Strahlen der Kiemenhaut übersehen sein. ‚Die Zahl der
Flossenstrahlen stimmt in beiden, aber der kleinere ‚ist in (der
Farbe verschieden und mag wohl eine andere Art der Gattung
Galaxias sein, zu. welcher ‚dann auch Mesites maculatus und
M. alpinus von Tierra del Fuego gehören.
Gobioiden.
Nach weiteren Untersuchungen über die Gattung Zleotris
muss. ich Valenciennes beistimmen, ‚wenn. er diese Gattung
trotz ihrer, ‚nicht vereinigten Bauchflossen, für den -Gobien
ganz verwandt hält und bemerkt, dass. die Zleotris und Phi-
/ypnus von den Gattungen ‚mit vereinigten. Bauchflossen aricht
entfernt werden ‚können, indem einige, Arten von Periophthal-
maus den deutlichsten Übergang ‘der einen Bildung in die an-
dere zeigen.
Diagnosen einiger neuer peruanischer Vögel*).
Von
Dr. J. J. von Tschudi.
1. Ampelis elegans.
A. viridis; capite, cervice gulaque atro - virescentibus; gut-
ture et pectore luteis; abdomine crissoque colore stramineo ;
rostro rubro; pedibus plumbeis.
Magnit. Ampel. viridis d’Orb.
Hab. ad flumen Tullumayo.
2. Ampelis cincta.
A. supra olivacea nigro variegata; remigibus primae ordi-
nis nigris, subtus viridi-albescentibus; plumis abdominis sub-
Havis fascia nigra einctis; cauda apice flava; rostro pedibus-
que nigricantibus,
Magnit. Amp. elegant. major.
Hab. in sylvis Pangoae.
3. Columba gracilis.
C. capite coeruleo-griseo; dorso einereo-fuscescente zauche-
nio dilutiore, tectrieibus superioribus griseis, inferioribus nigris ;
remigibus primariis nigricantibus; parapteris fascia obliqua ame-
thystino-resplendente et nonnullis maeulis subrotundis atrovi-
rescentibus metallice nitidis; rectricibus duabus intermediis dorso
concoloribus, reliquis nigris; rostro basi sulphureo, apiee nigro ;
pedibus rubris.
Magn. Col. Talpacoti aliquantulum minor.
Hab. in regionibus oceidentalibus.
4) Columba meloda.
©. pileo griseo -fusco; regione ophthalmica et Joris nudis
azureis; facie cinerea, regione parotica macula oblonga nigra;
*) In dem ornithologischen Theile meiner Fauna peruana werde ich
die ausführlichen Beschreibungen und Abbildungen dieser Vögel liefern.
Archiv £, Naturgeschichte. IX. Jahrg. 3. Bd, 25
386
collo postico et dorso olivaceo-griseis, colli lateribus aureo-
renitentibus; remigibus primariis nigris, pogonüs externis albo-
einctis, secundariis einereis parte externa alba; uropygio coe-
ruleo-cinereo; collo antico dilute rufescente; abdomine‘ et
erisso laete cinereis; alarum caudaeque tectricibus inferioribus
canis; rectrieibus apice magis minusve albis; rostro nigro;
pedibus rubris. ;
Longit. totalis 114 — 12”.
Hab. frequenter in regionibus calidis praecipue declivitatis
Antium oceidentalis.
5) Columba frenata.
C. capite olivaceo-griseo; sineipite dilutiore; gula pure
alba; deraeo laete cano; facie subtiliter cinereo-rufescente a
parauchenio vitta nigra separata; regione auriculari macula ob-
longa nigricante; auchenio amethystino renitente dorso ex oli-
vaceo - brunnescente; remigibus supra nigricantibus, infra cine-
reis; tectrieibus- caudaque rufescentibus; .rostro nigro; pedi-
bus rubris. j
Longit. 1’ 3".
Hab. in sylvis Antium declivitatis orientalis.
6) Penelope rufiventris.
P. pileo griseo-fusco; collo olivaceo; gula fusca; regione
ophthalmica anteriore nigra, posteriore carnea; dorso uropy-
gio et rectrieibus aeneo-virescentibus nitidis; remigibus cha-
lybeo -nigris, pogoniis externis renitentibus;; teetrieibus alarum
superioribus griseo-terminatis, inferioribus nigricantibus; ab-
domine, hypochondriis femoribus erissoque einnamomeis; rostro
colore corneo; pedibus rubris.
Longit. totalis 2' 2”.
Hab. in sylvis Antium elevatis prope Chilpes. .
7) Penelope adspersa.
P. capite fusco; regione ophthalmica nuda,.nigra ; gula nuda
rubra: pectore plumis fuscis, albo-terminatis; dorso ex oli-
vaceo fusco vix renitente; remigibus aliquantulum cupreo -re-
splendentibus; abdomine cano; hypochondriis, erisso, tectrici-
bus alarum inferioribus cinnamomeis; rectricibus intermediis
387
atro-viridibus, chalybeo-nitidis, ceteris ecinnamomeis; rostri
apice subflavo, basi nigra; pedibus rubris.
Longit. tot. 1’ 8".
Habit. frequenter in sylvis.
8. Thinocorus Ingae.
Th. sineipite cinereo; gula alba, vitta semicirculari nigra
eincta; thoracice cano, abdomine pure albo fascia nigra se-
parato; auchenio cinereo; plumis pilei ac dorsi nigris maculis
fuseis cordiformibus, albo terminatis; remigibus ‚supra nigris,
infra. griseis; alis parapterisque elongatis; tectrieibus caudae
dorso concoloribus licet dilutioribus; rectrieibus nigris albo-
terminatis; hypochondris plumbeis; crisso albo; rostro culmine
et apice nigris, lateribus flavis; pedibus ars
Long. totalis 74".
Hab. in Autium montibus valde elevatis.
9. Crypturus Kleei.
€. pileo nigro punctulis albis adsperso; gula albicante;
plumis auchenii griseis, dorsi ex olivaceo fuseis totis fasciis
nigris transverse striatis; parapteris ejusdem coloris maculis
albis adspersis, remigibus supra nigris, subtus cinereis; teetri-
eibus inferioribus obscure cinereis; abdomine plumis laxis, lineo-
lis albis et nigris transversalibus innumerabilibus; erisso ru-
fescente; maxilla superiore nigra, inferiore fusca; pedibus coe-
ruleo -nigricantibus.
Long. totalis 1’ 3”.
Hab. apud flumen Chanchamayo et in Chunchotambo.
10. Odontophorus speciosus.
O. pileo plumis elongatis obscure fuscis; regionibus su-
perciliaribus nigro- et albo-maculatis; gula aterrima; dorso
fusco, Jineolis obscuris transversalibus numerosis; plumarum
scapo albo; remigibus nigris; parapteris nigro- et flavo -macu-
latis; crisso et uropygio dorso dilutioribus; pectore abdomine-
que ceinnamomeis; rostro et pedibus nigris.
Long. totalis 10”.
Hab. raro in sylvis apud flumina Aynamayo et Chanchomayo.
11. Oedienenus superciliaris.
Oe. supra ex pallide flavo fuscoque variegatus, subtus al-
bescens; vitta nigra interna et alba externa supra oculos ad
25%
388
'oceiput pertigentibus; 'remigum 'pogoniis' 'externis et apicibus
nigris, internis albis; rectrieibus alarum inferioribus niveis,
crisso rufescente, caudae apice nigro; rostro viridi, eulmine
nigro; pedibus virescentibus.
Long. totalis 1’ 4".
Hab. in Oceani pacifiei littoribus.
12. Charadrius Winterfeldti.
Ch. capite, collo, dorso et alis nigro-fuseis maculis ob-
scurioribus; remigibus primae ordinis nigris, secundae albo ter-
minatis; campterii plumulis albis fusco-fasciatis; teetrieibus
inferioribus albis; pectore ex fusco cinereo, albido et nigro
varioloso; gula albescente; abdomine crisso uropygioque niveis,
griseo-maculatis; tectrieibus nigris albo -terminatis; tubereulo
pollicari parvulo; parte rostri antica nigerrima, postica flave-
scenti; pedibus viridibus.
Long. totalis 11”.
Hab. in Oceani Magni littoribus.
13. Charadrius resplendens.
Ch. capite collo et pectore einereis; gula albieante; pe-
etore, dorso parapterisque ex rufo fuseis viridi-nitidis; remigi-
bus primae ordinis nigris, secundae albis; teetrieibus superio-
ribus amethystino resplendentibns; 'abdomine et erisso niveis;
cauda alba, fusco-terminata; tubereulo pollicari mediocri; ro-
stro sanguineo, apice nigro; pedibus rubris.
Long. totalis 10”.
Antium incola.
14. Crex facialis.
C. pileo dorsoque ex fusco olivaceis; facie einerea; gula
subrufa; pectore abdomineque ex cinereo rufescentibus; uro-
pygio gulae colore; remigibus rectrieibusque nigricantibus;
tectricibus inferioribus rufescentibus; culmine rostri fusco, pa-
ratonis dilutioribus; mandibula subflava; pedibus fusco - flave-
scentibus.
Long. totalis 5!".
Hab. raro in sylvis peruanis calidis.
15. Crex femoralis.
©. pileo nigro; facie gula colloque cinereis, dorso oliva-
ceo; parapteris cupreis; remigibus nigris, prima albo - cincta,
389
campterio albo; tectrieibus inferioribus albis, maculis nigris
disseniinatis; abdomine ex brunneo einereo; ventre et regione
anali albieantibus: erisso nigerrimo; teetrieibus inferioribus
albis; hypochondriis femoribusque fuseis albo-maculatis; cauda
nigra; maxillae basi et apice viridibus, medio virescente, maxil-
lae apice flavo; pedibus coeruleo- viridibus.
Long. totalis 1’.
Hab. in sylvis apud flumen Tullumayo.
16. Larus modestus.
L. supra coeruleo-griseus; remigibus primariis nigris, se-
eundariis concoloribus albo-terminatis; subtus aequaliter eine-
reus; rectrieibus fascia transversa nigra albescente- terminatis;
rostro nigro; pedibus nigerrimis.
Long. totalis 1’ 3".
Hab. in Oceani paeifiei littoribus.
17. Fulica ardesiaca.
F. cinerea, galea magna flava, oceipite et collo nigris, dorso
ardesiaco ; abdomine dilutiore; remigibus nigricantibus, prima
pogonio externo albo-terminata; rostro rubro, apice flavo; pe-
dibus nigris.
Long. totalis 1’ 10".
Hab. ad fluminum ripas et in Antium lacunis.
18. Sterna acutirostris.
St. alba, oceipite et regione ophthalmica nigris, dorso et
alis laete cinereis, remigibus bicoloribus, scapis albis; gula, pe-
ctore, abdomine et alarum latere interiore niveis; rectricibus
externis einereis, internis albis; rostro purpureo, apice colore
corneo; pedibus rubris.
Long. totalis 10”.
Habit. in Oceani pacifici littoribus.
19, Sterna exilis. 2
St. capite nigricante; dorso, alis et cauda obscure cinereis;
pogonio remigum interno obseuriore, scapis fuseis; alarum teetri-
eibus superioribus nigricantibus inferioribus' griseis; ‚gula tho-
race et crisso albis; 'rostro ‚nigerrimo ; pedibus nigris.
Long. totalis 7”.
Hab. cum praecedente,
390
20. Dysporus variegatus.
D. capite, collo abdomineque albis; hypochondriis cauda-
que nigricantibus, albo variegatis; remigibus ex brunneo -nigris;
rostro colore corneo; pedibus nigris.
Magnit. Dysp. sulae minor.
Hab. in littoribus et insulis Oceani paecifici.
21. Anser montana.
A. alba, alis atro-viridibus violaceo nitidis; rostro pedi-
busque rubris.
Longit. totalis 1’ 10"— 2% 2",
Hab. in lacunis et palustribus montium frigidissimorum.
22. Anas leucogenis.
A. capite nigro utrimque linea alba eineto; genis collo-
que albis; pectore nigro, griseo-adsperso; dorso fusco, nigro-
striato; abdomine rufescente albo-striato; remigibus primariis
nigris, secundariis viridi-nitidis; cauda longa rigida; rostro
apice corneo culmine nigro; pedibus rubicundis,
Long. totalis 9”.
Hab. in Antibus elevatis.
Zur Naturgeschichte der Mantis carolina.
Aus einem Schreiben des Herrn Chr. Zimmermann
mitgetheilt vom Herausgeber.
In einem Briefe vom 4. Juni v. J. aus Rockingham in Nord-
carolina hat sich Hr. Zimmermann gegen mich weiter über das
Amphibienfressen der Mantis carolina ausgesprochen, in Bezug
darauf, dass ich frühere von ihm herrührende Nachrichten über
diesen Gegenstand als Mystification bezeichnet hatte*). Wenn
mein Freund mir meinen Unglauben an seiner Erzählung ver-
weist, und durch folgende nähere Mittheilungen seine früheren
Angaben bekräftigen will, sieht er mindestens die Sache aus
*) Dies. Arch. V. Jahrg. 2r. Bd. S. 347.
391
einem anderen Gesichtspunkte an, als ich. Jedenfalls ist es
für die Naturgeschichte der Fangheuschreeken wichtig, dass
Herr Zimmermann selbst seine früheren Angaben über die
der Mantis carolina*) näher erörtert. Er schreibt mir: „Sie
vergassen sich zu erinnern, dass der Wolf zwar nicht stärker
ist als die Kuh, aber beissiger, und daher wohl fähig und ge-
schickt dieselbe trotz ihrer Hörner zu zerreissen und zu fres-
sen. Sie vergassen, dass zwischen meiner Mantis und der
erwähnten Eidechse wohl ein ähnliches Verhältniss stattfinden
konnte. Denn warum sollte nicht ein offenbares Raubthier,
wie es die Mantis ist, welche gegen Ende Oktobers und im
Anfang Novembers in ihrer grössten Lebenskraft steht, ein
harmloses, zwar viel längeres, aber kaum stärkeres und offen-
bar weniger beissiges, obenein um jene Jahreszeit nicht sehr
lebhaftes Thier, wie die kleine gestreifte Eidechse ist, be-
zwingen und übermeistern können? Sie vergassen zu beden-
ken, dass die Mantis ihren Stand in einem Zuckerglase hatte
und nicht im Freien war, dass die Eidechse von mir in das-
selbe Glas gesetzt war, darin am Boden herumlief, von der
Mantis dann plötzlich ergriffen und aufgehoben wurde, und
somit festen Fuss verlor, sich folglich auch nur schwach und
ohne Erfolg wehren konnte. Sie vergassen ausserdem zu be-
denken, dass die erwähnten Frösche nur junge gewesen sein
mögten, was auch in aller Wahrheit der Fall war, weil ich
sie sonst dem Insekt nicht zum Futter vorgeworfen haben
würde. Wenn eine Mantis ein anderes Insekt oder kleines
Thier, oder selbst ein Mäuschen zwischen den Fangbeinen hält
und davon frisst, ist ihre Stellung mit dem Kopfe nach unten
gerichtet, weil ihr sonst, wie es scheint, die Beute zu schwer
werden würde. Diese verkehrte Stellung unterbricht übrigens
das Fressen nicht im Mindesten. Wenn aber während des
Fressens ein anderes Thier zu nahe kommt, lässt die Mantis
oft ihre Beute fallen, und haut nach dem neuen Gegenstande;
was sie aber hat fallen lassen, nimmt sie niemals wieder auf,
weil selten noch Leben und Bewegung darin ist. Die Fress-
gier ist zwar immer rege, doch wenn die Beute zuweilen für
eine Mahlzeit zu gross ist, so lässt die Mantis nach Stilung
*) Burmeisters Handb. der Entomologie. 2r. Bd. S. 538.
392
des Appetits den Rest fallen, und ich gestehe gern, dass der
grössere Theil der’ Eidechse, so wie der Frösche, Kröten,
Raupen, Heuschrecken u. s. w., die ich meiner Mantis zum
Futter gab, unversehrt blieb, obwohl keines dieser Thiere mit
dem Leben davon kam. Ich leerte die Ueberbleibsel und was
ich sonst im Zuckerglase fand, täglich des üblen Geruchs we-
gen aus. Dass man aber von diesen mehr oder weniger ver-
zehrten, verstümmelten, zerrissenen und getödteten Thieren
nach gemeinem Sprachgebrauch ‘wohl ganz gut und ziemlich
richtig sagen könne: „sie seien von der Mantis aufgefres-
sen worden“, wird selbst der Professor der Eloquenz nicht
in Zweifel ziehen. — Da ich im vorigen September Ihren ‚„‚Be-
richt“ erhielt, als eben ‘die Mantis aufingen sich zu zeigen,
so hatte ich Material genug bei der Hand, ähnliche Versuche
zu machen. Ich konnte jedoch die nämliche Eidechsen- Art
nicht schnell genug finden, und bediente mich statt deren einer
Art, Salamander, der sich hier häufig unter alten: Baumstäm-
men aufhält, und fast so behende ist als die Eidechse selbst, _
Die gemeine Agama ist hier noch häufiger, da diese Eidechse
aber einen stachligen Schuppenpanzer hat, so konnte ich' sie
nicht wohl anwenden. Der Erfolg mit den Salamandern war,
wie ich gedaeht hatte und zu erwarten stand. Ein Salaman-
der nach dem..andern wurde ergriffen und gefressen, wobei
bald mehr bald weniger übrig blieb und weggeworfen wurde.
Sie drehten sich zwar, wanden zich , schlugen mit dem Sehwanze,
worin sie mehr Kraft besitzen als die gestreiften Eidechsen;
allein die Mantis hielt fest, Kopf unten, Steiss oben, und frass
bis sie nicht mehr konnte. Das Exemplar, womit diese Ver-
suche angestellt sind, sende ich Ihnen hierbei. Da es nicht
befruehtet war, schwoll es nur stark an, ohne Eier zu legen,
und starb gegen Ende Novembers. Auch sende ich Ihnen ein
Stück der Salamander-Art (Salamandra cirrhigera Holbr.), und
da mir neuerlich im Walde unter abgefallenem Baumlauhe eine
jener gestreiften Eidechsen (Seineus 5lineatus Holbr.) unter die
Hand kam, so sende ich’ Ihnen diese ebenfalls. Sie können
nun Eidechse und Salamander bestimmen, und damit nach Be-
lieben Burmeisters Angabe noch verbessern und vermehren.‘
ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE.
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. DR. GRBISEBACH IN GÖTTINGEN, PROF. von SIE-
BOLD IN ERLANGEN, DR. TROSCHEL IN BERLIN, PROF.
A. WAGNER IN MÜNCHEN UND PROF. RUD. WAGNER
IN GÖTTINGEN,
HERAUSGEGEBEN
voN
Dr. W. F. ERICHSON,
PROFESSOR AN DER FRIEDRICH-WILHELMS-UNIVERSITÄT ZU BERLIN.
NEUNTER JAHRGANG.
Zweiter Band.
BERLIN 1843.
IN DER NICOLAl’SCHEN BUCHHANDLUNG.
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DnDsaea unoua an en S
Inhalt des zweiten Bandes.
Seite.
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Säug- s
thiere während des Jahres 1842. Vom Prof. Andr. Wagner
in München . . 1
Bericht über die Teistungen in der Naurgosslsche® der Vögel
während des Jahres 1842. Von Demselben . A 68
Bericht über die Leistungen im Gebiete der NE der
Amphibien während des Jahres 1842. Von Dr. F.H. Troschel 90
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Naturgeschichte der
Fische während des Jahres 1842. Von Demselben . en)
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Naturgeschichte der
Mollusken während des Jahres 1812. Von Demselben. .115
Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen in der Naturge-
schichte der Insecten, Arachniden, Crustaceen und Entomostra-
ceen während des Jahres 1812. Vom Herausgeber . . 149
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Annulaten
während des Jahres 1842. Vom Prof. C. Th. y. Siebold in
Erlangen. . $ . 289
Bericht über die Yeistunden im icbete der Helmintholbgle eh
rend des Jahres 1842. Von Demselben. s x .._ . 30
Bericht über die im Jahre 1841 und 1842 erschienenen Arbeiten
in Bezug auf die Klassen der Echinodermen, Acalephen, Poly-
pen und Infusorien. Von Demselben . z . 335
Bericht über die Leistungen in der Pflanzengeographie während
des Jahres 1842. Vom Prof. Grisebach. . . ._.37
ee eb: linie .
10 #
BaBar Fr „al
jr;
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Säugthiere während des Jahres 1842.
Vom
Prof.. Andr. Wagner ih München.
Di Schwierigkeit, übersichtliche Darstellungen von den
Leistungen auf dem Gebiete der Zoologie zu liefern, mehrt
sich mit jedem Jahre.
Nordamerika und die grossen Kolonialgebiete von England drän-
gen sich immer mehr zur aktiven Theilnahme an den Arbeiten in
unserer Wissenschaft, und bei der Schwierigkeit, die sie haben, sich
mit unsern Leistungen vollständig bekannt zu machen, wie umge-
kehrt es uns mit den ihrigen ergeht,*) bereiten sie uns noch eine
andere, nämlich die von ihnen publizirten Arbeiten mit den von uns
aufgestellten in Concordanz zu bringen. Diess wird um so schwe-
rer, nicht selten geradezu unmöglich, als die aussereuropäischen
Naturforscher nicht immer unsere, zu scharfen Bestimmungen voll-
kommen ausgebildete Terminologie in Anwendung bringen; eine
gründliche Bekanntschaft mit Illiger’s Prodromus systematis Mamma-
lium et Avium additis terminis zoographieis, wäre ihnen daher sehr
zu empfehlen. Aber auch innerhalb des eigentlichen Stammsitzes der
wissenschaftlichen Kultur mehren sich die Schwierigkeiten, der zoolo-
gischen Literatur in ihrer ganzen Vollständigkeit sich zu ‚bemächti-
gen. Die gesonderten Dialekte des grossen germanischen Sprachge-
bietes streben mit immer grösserer Energie nach gleicher Berechti-
gung mit den Sprachen, die bereits universale Geltung im Bereiche
des Lebens wie der Wissenschaft erlangt haben. Und wenn nun
gleich diese nationalen Bestrebungen an und für sich uns nicht be-
stimmen können, mit eigner Anstrengung ihnen entgegen zu kommen,
*) Se ist es uns z. B. hier auf wiederholte Bestellung in England
noch nicht gelungen, von daher das Calcutta Journ. ef Nat, Hist. zu
beziehen, so dass das Referat über dasselbe dem nächsten Bericht
vorbehalten bleiben muss.
Archiv f. Naturgesch, IX, Jahrg, 2, Bd, A
2
so ist auf der andern Seite auch nicht zu läugnen, dass sie mit so
bedeutenden wissenschaftlichen Arbeiten hervortreten, dass wenig-
stens Der, welcher eine Übersicht über die Leistungen in der Zoo-
logie geben will, ihrer Beachtung sich nicht entschlagen kann, will
er anders nicht grosse Lücken und Irrthümer in seiner Darstel-
lung lassen,
Diesen eben besprochenen Schwierigkeiten ist im vorigen
Jahre wohl Niemand mehr erlegen als Lesson, mit seinem:
Nouveau tableau du regne animal. Mammiferes. Paris 1842. 8.
Es soll dieses Tableau ein Verzeichniss aller bisher publizirten
Säugthier-Arten abgeben; zugleich wird ein ähnliches über die Vögel,
Reptilien, Mollusken und Zoophyten versprochen, wozu das Mate-
rial bereits ausgearbeitet vorläge. Man könnte dieses Tableau aller-
dings für ziemlich vollständig erklären, wenn nämlich die therologi-
sche Literatur mit den französischen und englischen Arbeiten er-
schöpft wäre. Nachdem nun aber neben diesen in der Zoologie auch
eine deutsche, holländische, schwedische, dänische und amerikanische
Literatur existirt, die überdiess sich etwas breit gemacht haben, so
fehlt mit deren Auslassung dem Lesson’schen Tableau gleich eines
der Haupterforderpisse, die Vollständigkeit. Was Ref. in der Fort-
setzung der Schreber’schen Naturgeschichte der Säugthiere seit 1834,
was die holländischen Zoologen in den Verhandelingen über die Säug-
thiere des indischen Archipels, was im Wiegmann’schen Archiv für
diese Klasse, was durch Nilsson, Brandt u. s. w. geleistet worden,
ist in diesem Tableau so unbeachtet geblieben, als ob es gar nicht
exislirte. Zu diesem Hauptgebrechen kommen aber noch einige an-
dere. Zunächst ist der grosse Mangel an Kritik zu rügen, indem
sichere und zweifelhafte Arten ohne Auswahl mit fortlaufenden Zah-
len aneinander gereiht sind. Ferner ist es ein blosses blindes Herum-
tappen, wovon Lesson in der systematischen Anordnung, da wo er
von Cuvier abweicht, sich hat bestimmen lassen, So z.B. stellt. er
Ascomys mit Cricetus, Gerbillus mit Dipus, Hydromys mit Castor,
Hapalotis mit Eriomys etc. in eine Familie zusammen, zum oflenba-
ren Beweise, dass er ihre anatomischen Verhältnisse nicht kennt.
Endlich könnte man seine neuen Benennungen der Familien und zum
Theil der Gattungen ohne Erröthen nicht einmal vor einem Anfänger
in den alten Sprachen in Anwendung bringen. Mastomonadelphie,
Hydromastologie, Dipodiveae, Hippopotamisideae, Rhinocerosideae,
Susideae, Bovesideae, Echymipera, Mysateles, Micoureus etc. sind
nur einige von den zahlreichen, neu geschaffenen Namen, mit denen
Lesson den Muth hat, seine Unbekanntschaft mit den alten Sprachen
vor aller Welt an den Tag zu legen.
Seit dem Ablaufe des vorigen Jahres ist von Schreber’s
Säugthieren, fortgesetzt von A. Wagner, die 3te Abtheilung
des Supplementbandes ihrer Beendigung zugeführt worden,
3
Der Schluss des Druckes derselben ist so eben zu Stande ge-
kommen, doch dauert es noch einige Zeit, bis derselbe ausgegeben
werden kann. Von den Nagern sind darin wunmehr die Familien
Pedimana, Seiurina, Myoxina, Macropoda, Chinchillina, Psammo-
ryctina, Cunicularia und Murina vollständig abgehandelt. Die 4te
Abtheilung des Supplementbandes, welche rasch erscheinen soll, wird
die Landsäugthiere beschliessen.
The Naturalist’s Library von Jardine hat einen neuen Band
der Säugthiere, den 13ten, angekündigt, enthaltend: Col. C.
H. Smith’s introduction to the Mammalia, der mir noch nicht
zugekommen ist.
Der 12te Band, die Einhufer behandelnd, im vorigen Berichte
blos angezeigt, wird diessmal gehörigen Orts zur Sprache kommen.
Die Histoire naturelle des Mammiferes par Geoffroy et Fr,
Cuvier, von der bisher die letzten Hefte nicht mehr zu beziehen
waren, hat mit dem 72sten abgeschlossen.
Martin’s Natural History of Quadrupeds ist leider seit ei. sten
Hefte, in Folge buchhändlerischer Verlegenheiten, zum Erliegen ge-
kommen.
The Breeds of the Domesfie Animals of the British Is-
lands described by David Low, Prof. of Agriculture in the
Univers. of Edinb., and illustrated with Plates from drawing
by Mr. W. Nicholson, reduced from a series of Portraits
from life, executed for the Agrieultural Museum of the Uni-
versity of Edinb. by Mr. N. Shiels. Lond, 1841— 42, 4 vol.
Fol. Im Ganzen 16 1. 16 s.
Der 1ste Band enthält das Pferd, der 2te das Rind, der 3te das
Schaf und die Ziege, der 4te das Schwein. Es sind dies die pracht-
vollsten Abbildungen, welche je von Hausthieren erschienen sind;
mit Hülfe dieser ausgezeichnet schönen und treuen Gemälde kann
man sich leicht eine klare Vorstellung von den verschiedenen engli-
schen Viehrassen verschaffen.
Verzeichniss der in dem Museum der Senckenberg. naturf.
Gesellschaft aufgestellten Sammlungen. 4ste Abtheil: Säug-
thiere und deren Skelete. Frankf, 1842.
Der vorliegende, von Dr. Rüppell gefertigte Katalog giebt auch
Denen, welche das Museum Senckenbergianum nicht aus eigner An-
schauung kennen, einen Beleg, dass diese grossartige Anstalt eine
der ausgezeichnetsten Säugthier - Sammlungen, sowohl an ausge-
stopften Exemplaren, als an Skeleten und Schädeln, aufzuweisen
hat. Dass ein grosser Theil derselben durch Rüppell’s rasllose Thä-
tigkeit zusammengebracht worden ist, ist ohnediess schon bekannt,
Es wäre zu wünschen, dass alle grossen Sammlungen von Zeit zu
A*
4
Zeit einen solchen Nachweis ihres Standes zur öffentlichen Kenntniss
bringen möchten.
Demselben Verfasser verdanken wir im 3ten Bande des
Museum Senkenbergianum 2 ausgezeichnete Abhandlungen aus
der Therologie.
Ihr Titel ist: 1) Säugthiere aus der Ordnung der Nager, beob-
achtet im nordöstlichen Afrika; 2) Beschreibung mehrerer neuer Säug-
thiere in der zoolog. Sammlung der Senkenb. naturf. Gesellschaft be-
findlich. Von. beiden Abhandlungen wird in der speziellen Abtheilung
dieses Berichtes umständlicher die Rede sein.
Descriplions of some new Genera and fifty unrecorded
Species of Mammalia. By J. E. Gray. (Ann. and mag. of
nat. hist. X. p. 255.)
Es ist eine schöne Anzahl neuer Arten, die hier bekannt ge-
macht wird, aber leider mit einer grossen Unvollständigkeit, häufig
ohne Angabe der Grösse, selten mit Vergleichung bekannter Arten,
so dass ihre Deutung ohne Vorlage der Exemplare in vielen Fällen
nicht möglich ist. Einstweilen soll nur von Gray’s neuen Gattungs-
namen die Rede sein, die folgendermassen lauten: Sturnira, Noctu-
linia, Trilatitus, Kerivoula, Myotis, Murina, Harpiocephalus, Cen-
turio, Osmetectis, Nesokia, Vandeleuria. Wenn gleich diese Namen
nicht so grässlich lauten, wie die von Lesson zur Schau gestellten,
so sind die meisten doch noch anstössig genug, um ihnen den Ein-
gang ins System zu verwehren. Möchten doch Linne’s Regeln über
die Namengebung, die er in sciner Philosophia botanica aufgestellt
und Illiger in seinem Prodromus wiederholt hat, auch in England
und Frankreich endlich einmal allgemeine Anerkennung finden; es ist
diess die ausschliessliche Bedingung, unter der allein neue Namen
recipirt werden können. Zum Glück sind im vorliegenden Falle die
meisten Gattungen von einer Beschaffenheit, dass sie mit ihren an-
stössigen Namen zugleich kassirt werden können,
Von den allgemeineren Arbeiten über den innern Bau
der Säugthiere sind folgende hier zu nennen:
Osteographie ete. par Mi Ducrotay de Blainville.
Paris seit 1840.
Zu den 9 früheren Heften ist das 10te und lite erschienen, die
Abtheilungen Mustela und Viverra umfassend.
Todd’s Oyclopaedia of Anatomy and Physiology. Lond,
seit 1839.
Vom 3ten Bande sind 7 Hefte, Part. 19 —25 herausgekommen.
Unter den Artikeln allgemeineren Inhaltes sind hier besonders zu er-
wähnen: Mammalia von Owen, und Mammary Glands von S. Solly.
5
Neue Untersuchungen aug dem Gebiete der Anatomie und
Physiologie von F, J. ©. Mayer. Bonn 1842.
Die hieher gehörigen Aufsätze betreffen 1) die Bursa pharyngea
der Säugthiere; 2) die Anatomie der Beutelthiere; 3) ein eigenthüm-
liches Organ an der Zunge des Menschen und der Säugthiere; 4) einen
eigenthümlichen Bau der Zunge der Gürtelthiere. No. 2 u. 4 werden
später in nähere Erwälinung kommen.
Über den mikroskopischen Bau der Zähne: legte Nas-
myth der pariser Akademie eine Abhandlung vor (Compt.
rend. XV. p. 678), worüber Dutrochet, Flourens und
Serres Bericht erstatteten (ebend. S. 1055).
Mit N. sind die Berichterstatter einverstanden, dass die (knor-
pelige) Grundsubstanz des Elfenbeins und der Schmelz der Zähne
aus Zellen zusammengesetzt sei; dagegen theilen sie nicht die Mei-
nung von N,, welcher die sogenannten kalkführenden Kanäle der
Elfenbeinsubstanz nicht für Kanäle, sondern für Fasern gehalten wis-
sen will; sie erklären, sich neuerdings von der Richtigkeit der er-
steren Ausicht überzeugt zu haben. Auf der äusseren Oberfläche des
Schmelzes salı N. ein zartes Häutchen, was die Berichterstatter wieder
fanden und als ein aus Zellen zusammengesetztes Gebilde erkannten.
Es wird diess wohl dieselbe Membran sein, welche Erdl «ls Begiun
der Caries in dem Münchn. gel. Anz XV. S. 771 beschrieb.
Traite pratique et theorique d’Anatomie comparative, com-
prenant l’art de dissequer les animaux de toutes les classes et
les moyens de conserver les pieces anatomiques par H. Straus-
Durkheim. Paris 1842. 2 Bde.
In klarer und fasslicher Weise wird in diesem Buche nicht bloss
der thierische Bau beschrieben, sondern werden auch zugleich‘die Mittel
angegeben, deren man sich zur dauerhaften Aufbewahrung der Prä-
parate am zweckmässigsten bedient. In letzterer Beziehung wird es
auch von den Vorständen zoologischer Sammlungen mit Nutzen zu
Rathe gezogen werden. Die Klassilikation des Thierreichs wird in
der Einleitung ausführlich abgehandelt.
An Berichten, theils die Fortschritte in der Therologie,
theils die Zusammenkünfte der Naturforscher betreffend, sind
dahier zur Zeit nachstehende eingegangen:
Ärsberättelser om nyare zoologiska Arbeten och Upptäck-
ter, till K. Vetenskaps-Academien afgifne för ären 1837 —
1540. AfC. J. Sundewall. Stockh. 1841.
Ist mir zur Berücksichtigung im vorigen Jahresbericht zu spät
zugekommen; ich stimme aber vollkommen mit dem Urtheile, das
der Herausgeber unsers Archives über diese gediegene Arbeit in
6
einer Note zu meinem Berichte bejfügte, überein, nur hat es mich
befremdet, dass meine Fortsetzungen von Schreber’s Säugthieren dem
Verfasser blos aus einer Anzeige der Isis und im Archive bekannt
zu sein scheinen. Es ist um diese irefliche Übersicht sehr schade,
dass die Sprache, in der sie geschrieben, ihrer allgemeinen Verbrei-
tung ein wesentliches Hinderniss in den Weg legt.
Osservazioni sullo stato della Zoologia in Europa in
quanto ai vertebrati nell’ anno 1840 — 1841, lette li 27. Set-
tembre 1841 alla terza riunione degli scienziati italiani da C.
L. Prineipe Bonaparte. Firenze 1842.
Eine vortrefllich geschriebene und soweit sie Italien, Frankreich
und England betrifft, auch mit grosser Vollständigkeit gegebene Über-
sicht über die im Jahre 1840 — 1841 erschienenen Bearbeitungen der
Wirbelthiere. Minder sind die deutschen Leistungen berücksichtigt
und gekannt. Aus der Pierylographia von Nitzsch wird z. B. eine
Pterologia gemacht. Nach den Atti Naturae curiosorum werden „gli
Scritti dei vari Professori di Bonn“ angeführt; ein Missgriff, der
wahrscheinlich dadurch entstand, weil die Acta Naturae curiosorum
in Bonn herausgekommen sind. Süddeutschland wird das Compliment
gemacht, dass es mit jedem Tage neue Werke erscheinen sähe; es
folgt dann aher der bedenkliche Nachsatz, dass diese nach dem Tode
von Spix, Wagler und Michahelles nicht mehr von solcher Wichtig-
keit seien. Die Complemente, heisst es weiter, zu den Säugthieren
von Schreibers (soll heissen Schreber) würden fortgesetzt; ein Werk
über die europäischen Vögel, ausser dem grossen in Darmstadt,
würde von Susemilh (soll heissen Susemihl) herausgegeben, ein an-
deres von Berge über die Fortpflanzung der Vögel; einige zoologi-
sche Artikel erschienen in dem Journal des Dr. Rohatsch, und Tie-
demann sei fortwährend mit Wägen, Messen und Zergliedern der
verschiedenen Gehirne beschäftigt. Diess, meint der Verf., seien die
Leistungen von Süddeutschland. Von Holland wird gerühmt, dass
die Naturwissenschaften jetzt daselbst mehr blühen als sonst; um so
mehr steht es zu verwundern, dass weder Vrolik, noch Schröder
van der Kolk, noch 'S. Müller, obschon der hauptsächlichste 'Theil-
nehmer an den Verhandelingen, noch van der Hoeven, obwohl Her-
ausgeber einer naturhistorischen Zeitschrift, genannt sind, wahr-
scheinlich weil ihre Schriften verfasst sind in ‚‚quell idioma poco o
nulla familiare all’ universale.‘“ Temminck’s Monographie von Ve-
spertilionen wird hinsichtlich der europäischen Arten strenge kritisirt,
und die etlichen Missgriffe, die sich eingeschlichen haben, berichtigt.
Es hätte indess der Verf. bei dieser Gelegenheit nicht vergessen sol-
len zu bemerken, dass diese Berichtigungen schon zwei Jahre früher
durch Keyserliug und Blasius in unserem Archiv beigebracht worden
sind. Trotz dieser kleinen Ausstellungen sieht Ref. der Fortsetzung
dieser Jahresberichte mit Vergnügen entgegen, da namentlich die
7
italienischen Leistungen uns dadurch schneller und vollständiger be-
kannt werden, und fügt nur den Wunsch bei, dass der berühmte
Verf. durch Benutzung unseres Archives die Lücken ausfüllen möge,
welche sich ihm ausserdem in der Darstellung der deutschen Litera-
tur ergeben könnten.
Amtlicher Bericht über die 19te Versammlung deutscher
Naturforscher und Arzte zu Braunschweig im September 1841,
von F.K. v. Strombeck u. Dr. Mansfeld. Braunschw. 1842.
Weit reichhaltiger in zoologischer Beziehung als der vorjährige,
namentlich dadurch, dass Blasius einen grossen Theil der Ergebnisse
seiuer russischen Reise in der Kürze mitgetheilt hat.
Atti della terza riunione degli seienziati italiani tenuta in
Firenze nel Settembre 1841. Firenze 1841.
Das Zoologische ist in der Isis kurz angezeigt, woraus ersicht-
lich, dass viel Interessantes zum Vortrage gekommen.
Von den Verhandlungen der britischen und skandinavischen Na-
turforscher sind mir leider noch keine Berichte zugekommen, daher
ich hier eine Lücke lassen muss. Übrigens könnten diese Vereine,
wenn ihnen daran liegt, dass ihre Verhandlungen bei uns bald be-
kannt werden sollen, der Redaktion dadurch das Geschäft erleich-
tern, wenn sie ihr selbst ihre Berichte zeitig zustellen, oder doch
wenigstens den Akademien sie überschicken würden.
Verhandlungen der schweizerischen naturforschenden Ge-
sellschaft bei ihren Versammlungen zu Zürich den 2., 3. und
4. August 1841. Zürich 1842.
In der Eröffnungsrede von Schinz werden sehr interessante An-
gaben über den Stand der wissenschaftlichen Anstalten der Schweiz
mitgetheilt, die einen sprechenden Beweis abgeben, welche grossar-
tige Leistungen auf diesem Gebiete möglich sind, sobald mit Lust
und Energie an’s Werk gegangen wird. Durch Anlegung grosser
Sammlungen haben sich insbesondere Genf, Neuenburg, Zürich, Ba-
sel, Bern und Aargau rühmlichst hervorgethan; Luzern und Freiburg
haben sich, wie es scheint, mit mehr Vorliebe anderen Interessen
zugewendet.
Die Bearbeitung der Fauna einzelner Länder ist durch
eigne Schriften, wie durch Reisewerke, auch im vergangenen
Jahre sehr gefördert worden.
H. Freyer, Fauna der in Krain bekannten Säugthiere,
Vögel, Reptilien und Fische. Nach Cuvier’s System geord-
net ete. Laibach 1842,
Der Schwierigkeit, aus den Provinzialstädten Österreichs durch
den Buchhandel über Leipzig Bücher zu erhalten, muss es zuzu-
8
schreiben sein, dass ich diese Fauna auf Bestellung noch nicht er-
halten habe.
Landbek’s Beiträge zur zoologischen Geographie. Die
Säugthiere Siebenbürgens (Isis 1842. S. 176).
Ein sehr dankenswerther Beitrag zur Thiergeographie, da wir
von Siebenbürgens Fauna bisher fast nichts kannten, obwohl die
Mannigfaltigkeit seiner physikalischen Verhältnisse viel Merkwürdi-
ges in dieser Beziehung erwarten liess. Unter den ausgezeichnetern
Arten führe ich hier an: Ursus arctoes, Felis Iynx, Castor fiber,
Arctomys Bobac oder marmotta, Lepus variabilis, Antilope rupicapra,
Capra ibex im Erlöschen oder ‚schon ganz vertilgt. Im Ganzen sind
50 Arten aufgeführt,
Faune Belge, 4re partie, indication methodique des mam-
miferes, oiseaux, reptiles et poissons observes jusqu’ici en
Belgique par Edm. de Selys-Longehamps. Liege 1842.
Ausser 11 Arten von Hausthieren zählt der Verf. 63 Arten Säug-
thiere für Belgien auf, in deren Anzahl er aber auch die menschliche
Bevölkerung als eine Species einrechnet, auf die dann unmittelbar
der Dachs folgt. Dass der Verf. das Unpassende einer solchen Zu-
sammenstellung recht wohl gefühlt hat, geht daraus hervor, dass er
eine Art Rechtfertigung deshalb versuchte. An Vögeln werden 310
Arten als in Belgien vorkommend aufgeführt. Da die Ausarbeitung
dieser Fauna auf zahlreichen eigenen Beobachtungen ruht, so ist sie
als ein höchst schätzbarer Beitrag zur Kenntniss der europäischen
Arten und deren geographischen Verbreitung anzusehen.
Bonaparte, Iconografia della Fauna italica. Tom. I.
Mammiferi e Uccelli. Roma 1832 — 1841.
Der Schluss dieses ausgezeichneten Werkes ist uns nun zuge-
kommen. Unter den 90 Arten Säugthiere, welche der Verf. aus Ita-
lien anführt, sind 44 hier abgebildet; von den 390 Arten Vögeln sind
35 bildlich dargestellt. Zur Kenntniss der merkwürdigen Fauna des
Mittelmeerbeckens hat diese Iconografia den bedeutendsten Beitrag
geliefert, und der Prinz durch ihre Herausgabe ein nicht minder
grosses Verdienst sich erworben, wie früher durch seine Arbeiten
über die nordamerikanische Fauna.
Travels in Kashmir, Ladak, Iscardo, the countries ad-
Joining the mountain-course of the Indus and the Himalaya,
north of the Panjab. By G. T. Vigne. In two Vol. Lond. 1842.
Vigne’s Reisen in Kaschmir, Ladak und Iskardu können gewis-
sermassen als die Fortsetzung eines 2 Jahre früher von ihm erschie-
nenen Werkes: ‚A personal narralive of a visit to Ghuzni, Kabul
and Afghanistan,“ betrachtet werden, Der Verf. ist der erste Euro-
päer, welcher Iskardu, die Hauptstadt Klein- Tibets, betreten hat.
9
x
Ohne systematische Kenntnisse in der Zoologie zu besitzen, hat er
sich doch als Dilettant und Jäger viel um die jagdbaren T'hiere dieser
Länder bekümmert und uns manche dankenswerthe Aufschlüsse über
sie geliefert. Die von ihm zurückgebrachten Stücke von wilden
Schafen und Ziegen wurden durch Blyth bestimmt.
Cabool: being a personal narrative of a Journey to, and
Residence in that city, in the years 1830, 7 and 8. By tlıe
late Lieut. Col. A. Burnes. Lond, 1842,
Der durch seine Reise nach Buchara, wie durch sein trauriges
Ende in Kabul bekannte Verf. giebt in seiner Beschreibung von Kabul
auch eine kurze Nachricht von den 'Thieren (S. 162), die immerhin
beachtenswerth ist, obgleich es mit den wissenschaftlichen Bestim-
mungen schlimm aussieht. Zahlreich sind die Wasservögel vorhan-
den; wie Burnes sagt, brachte er nicht weniger als 45 verschiedene
Arten Enten (wird soviel heissen sollen als Schwimmvögel) zusam-
men. Thiere mit brauchbarem Pelzwerk werden sehr gesucht, Deren
werden 8—10 Arten gefunden, darunter der Luchs, Gor-kun und
der Moosh-Kkoorma; aber einer der geschätztesten ist der „Dila
Khaufuk“, ein grosser Wiesel von graulicher Farbe und mit Weiss
am Halse. Der Galago crassicaudatus von Cuvier (sicherlich eine
irrige Bestimmung) wurde dem Verf. auch zugebracht, so wie die
Huzara-Ratte, eine Kreatur _ohne Schwanz (wahrscheinlich Lago-
mys). Stachelschweine und Igel sind in Menge da. Murmelthiere
werden auch gefangen, aber die Hasen sind selten und klein. Mit
Ausnahme der Wasservögel giebt es überhaupt wenig, was der Jä-
ger Wild nennen kaun, obwohl die Afghanen Alles jagen, was einen
Pelz trägt. Bären von röthlichbrauner Farbe und Wölfe werden im
Winter gesehen, wie auch der rothe Fuchs und der gemeine Kuchs
(reynard), der grösser als in Indien ist. Die Leute sprachen auch
viel vom „Sug i Kohee“, Berghund von Huzara, doch zweifelt der
Verf., ob es wirklich der Wildhund ist, da es dort weder Wälder
noch Dschungel giebt. Daselbst lebt auch ein Thier, unserem Dachse
ähnlich, und Tibbergam genannt. Vom Hindu Kusch wurden einige
schöne Exemplare wilder Schafe und Ziegen gebracht; diese sind im
Append. No. V. von Dr. Lord ziemlich umständlich beschrieben.
Die Expedition gegen China fängt bereits an der Naturgeschich(e
Früchte zu tragen. Th. Cantor hat eine Abhandlung geliefert:
„General Features of Chusan, with remarks on the Flora and Fauna
of that Island (Ann. of nat. hist. IX. p. 265). Cunningham spricht im
Jahre 1701 noch davon, das Tschusan Überfluss an Kühen, Büffeln,
Geisen, Hirschen und Schweinen aufzuweisen hatte. Jetzt sind mit
den Waldungen die Hirsche zugleich gänzlich verschwunden, und die
Übervölkerung der Insel lässt auch keine grossen Hausthiere mehr
zu. Die wenigen Ochsen, welche bei der ersten Occupation gefun-
den wurden, waren blos zur Landwirthschaft bestimmt; es gab aber
10
weder Büffel noch Schafe, welche letztere (von breitschwänziger
Art) sehr zahlreich in China sein sollen. Von Manis pentadactyla
wurden mehrere Häute gesehen, die von der Insel stammen sollen;
2 Exemplare von Cervus axis wurden einmal von Formosa gebracht.
Souvenirs d’un voyage dans lInde execute de 1834 &
1839 par M. Adolphe Delessert. Paris 1843. 8.
Theilt sich in die Reisebeschreibung und in einen zoologischen
Anhang. Erstere scheint zunächst nur für die Freunde des Verf. be-
stimmt, um diese von seinen Reisebegebenheiten in Kenntniss zu
setzen; wissenschaftliche Mittheilungen sind darin nicht enthalten.
Am längsten verweilte der Verf. in Pondichery, von wo aus er
häufige Jagdexpeditionen in die Nilgherrys unternahm; er brachte
eine grosse Sammlung zusammen, die an Säugthieren nicht weniger
als 1200 Exemplare aufzuweisen hatte. Der zoologische Anhang er-
streckt sich über alle Hauptabtheilungen und ist mit schönen Abbil-
dungen versehen, wovon 6 auf die Therologie kommen: tab. 1, Bos
frontalis, 2. Canis primaevus, 3. Sciurus Delessertü, 4. Schädel von
Sciurus Delessertü und insignis, 5. Schädel von Sc. Rafflesi und
6. Schädel von Sc. auriventer.
Verhandelingen over de natuurl. geschiedenis ete. Zoölo-
gie, No. 7. Leid. 1842.
Aus unserer Abtheilung haben wir das 7te Heft zu erwähnen,
welches auf 8 Tafeln Abbildungen liefert von: Semnopithecus suma-
iranus, Rhinoceros sondaicus und sumatranus, Bos sondaieus, Cer-
vus Kuhlü, Schädel und Geweihe von Cervus russa@, russa moluccen-
sis, russa timoriensis, equinus u. Kuhlü; von Vögeln: Buceros cas-
sidix. Ausgezeichnet schöne und genaue Abbildungen, welche be-
weisen, dass das Werk im guten Fortschreiten begriffen ist, so dass
es sehr zu bedauern wäre, wenn nach der Ankündigung im Pro-
spectus dasselbe bald beendet werden sollte, nachdem erst ein An-
fang zur Darstellung der zoologischen Verhältnisse der niederländi-
schen Kolonien gemacht worden. Die grossartige Anlage, auf welche
dieses von ausgezeichneten Naturforschern bearbeitete Werk begrün-
det ist, macht eine in diesem Maasstabe fortgeführte Ausarbeitung
nötbig, und im Interesse der Wissenschaften hoffen wir daher, dass
die erleuchtete holländische Regierung, welche alle wissenschaftlichen
Richtungen aufs kräftigste fördert, auch diesem Werke — einem
der bedeutendsten unter denen, die gegenwärtig in unserem Fache
erscheinen — die Mittel zu seiner vollständigen Durchführung be-
willigen werde. Sie wird sich hiedurch in der Geschichte der Wis-
senschaften ein Monument stiften, wie es wenige Nationen aufzu-
weisen haben.
Fauna japonica, sive descriptio animalium, quae in itinere
per Japonicam, jussu et auspiciis superiorum etc. suscepto,
41
annis 1823 — 1830 collegit, notis, observat. et adumbrat. il-
lustravit Ph. Fr. de Siebold. Mammalia elaborantibus C. J.
Temminck et H. Schlegel. Lugd. Batav. 1842. Decas 1.
Ebenfalls eines der bedeutenden naturbistorischen Werke, das
durch die Munificenz der holländischen Regierung der Wissenschaft
zu Theil wird; zugleich ein erfreulicher Beweis, wie wissenschaft-
licher Eifer selbst die Schranken zu beseitigen weiss, die Japanischer
Trotz dem Eindringen des europäischen Elementes entgegen gestellt
hat. Im isten Hefte sind folgende Arten beschrieben: Inuus specio-
sus tab. 1 u. 2. — Pteropus dasymallus, Pt. pselaphon, Rhinolophus
nippon tab. 3, fig. 1, 2., Rh cornutus tab. 3. fig. 3u.4..— Vesper-
tilio molossus tab. 3. fig. 5., V. noctula, V. blepotis, V. macrodacty-
lus, V. abramus, V. akakomuli. — Talpa Wogura tab, 4. fig. 1—5.
— Urotrichus talpoides tab. 4. fig. 6 — 11. — Sorex platycephalus
tab. 5. fig. 1. — Ausserdem sind noch abgebildet: Sorex indicus u,
kinezumi (ab. 5. fig. 2, 3. — Meles anakuma tab. 6, — Mustela natsi
u, melampus tab. 7. — Nycethereutes viverrinus tah. 8. — Canis ho-
dophilax tab. 9; C. fumiliaris japonicus tab. 10.
Eine Übersicht der geographischen Verbreitung der von ihm im
nordöstlichen Afrika und an den Küsten des rothen Meeres gesam-
melten Nager hat Dr. Rüppell im Mus. Senkenb. IU. S. 115 mit-
getheilt. Im Ganzen sind 35 Arten aufgezählt.
Von A. Smith’s Jllustrat. sind uns 2 neue Hefte, das 15te und
iste, zugekommen; Schade, dass dieses schöne en nicht
rascher fortschreitet.
Von Harris Portraits of the Game and Wild Animals of Soutbern
Africa ist das 4te Heft erschienen, mit "Tab. 19. Rhinoceros simus,
20. Strepsiceros capensis, 21. Gazella albifrons, 22. Elephas afri-
canus, 23. Aegoceros niger, 24. Equus montanus (E. Zebra Lin.)
und Oreotragus saltatriv. An Schönheit und Pracht der Abbildungen
mit den frühern Heften wetteifernd. j
Reise in das Innere Nordamerikas in den Jahren 1832
bis 1834, von Maximilian Prinzen zu Wied. Coblenz
seit 1838.
Ist nunmehr zum Schlusse gekommen und hiemit ein Werk voll-
endet, das in der Literatur der Reisen seinen Platz unter den be-
deutendsten Leistungen einnimmt.
A Catalogue of the Mammalia of Connecticut, arranged
according to their natural families, by J. H. Einsley KErie
am. journ. XLII. n. 2, p. 345).
Es ist schr erfreulich, dass immer häufiger die einzelnen Faunen
in Bearbeitung genommen werden, weil auf diese Weise die zuver-
lässigsten Materialien zu einer allgemeinen 'Thiergeographie gewoun-
12
nen werden. Linsley zählt im Ganzen für Connecticut 71 Arten auf,
wobei jedoch die eingeführten Hausthiere und 7 Species Walle mit
einbegriffen sind,
Sehr zahlreiche Beiträge zur Kenntniss der nordamerikanischen
Säugthier-Fauna hat Bachmann im Journ. of (he Academy of nat.
science. of Philadelph. VIN. 1 (1839), 2 (1842) mitgetheilt, von denen
im Verlaufe dieses Berichts noch oft die Rede sein wird,
In den Compt. rend. des scances de l’Acad. des sc. XV. p. 1045
hat Is. Geoffroy einen Bericht erstattet über Castelnau’s Reise in
Florida, woraus sich viel Lehrreiches über die Fauna dieser Provinz
erwarten lässt. Da die Anschaffung der zoologischen Literatur mit
jedem Jahre kostspieliger wird, steht es sehr zu wünschen, dass wo
möglich die Darstellungen der costumes und coutumes, der vue pitto-
resques und aller bereits schon einmal abgebildeten Thierarten ganz
wegfallen und lediglich das Neue und dabei Wissenswerthe milge-
theilt werden möchte. Wenn es auf der einen Seite mit grösstem
Danke anzuerkennen ist, dass die französische Regierung jährlich
höchst bedeutende Summen zur Herausgabe kostspieliger Werke ent-
weder unmittelbar anweist, oder solche durch Subscriptionen auf 100
bis 150 Exemplare möglich macht (im jährlichen Belaufe von mehr
als 400,000 Fres.), so werden andrerseits die Herausgeber dadurch
leicht verführt, ihre Werke mit einem Luxus auszustatten, der eine
ganz unnöthige Vertheuerung herbeiführt und dem Auslande die An-
schaffung derselben immer mehr erschwert.
Diagnosen neuer Arten Brasilischer Säugthiere, von A.
Wagner (in diesem Archiv, 8. Jahrg. 1. Bd. S. 356).
Mit Herrn Kustos-Adjunkt Johann Natterer habe ich mich zur
gemeinsamen Bearbeitung der Säugthier-Fauna Brasiliens in Verbin-
bung gesetzt, wozu durch dessen ansdauernden Eifer ein Material
in Wien zusammengebracht worden ist, wie es keine andere Samm-
‘lung aufzuweisen hat. Es steht mit Zuversicht zu hoflen, dass die
erJauchte österreichische Regierung diesem Werke dieselbe Unter-
stützung gewähren werde, welche andere Staaten ähnlichen Unter-
nehmungen verliehen haben. Es wäre hiemit der Anfang gemacht
zur Herausgabe einer allgemeinen Fauna Brasiliens, wozu die öster-
reichischen Naturforscher viele Verarbeiten bereits gemacht haben.
Einstweilen habe ich von den neuen Säugthier-Arten 27 ausgewählt,
deren Diagnosen ich bekannt machte.
Journals of two Expeditions of discovery in North-West
and Western Australia, during the years 1837, 38 and 39. By
G. Grey, Governor of South’ Austral. Lond. 1841. 2 Bde. $.
Eine sehr lehrreiche Reise, da sie durch einen Theil Neuhollands
führt, der wenig oder gar nicht bisher bekannt war. Wie der Verf.
bemerkt, scheint Nordwest-Australien hauptsächlich reich au Vögeln,
13
Reptilien und Insekten zu sein; von Säugthieren giebt es nur wenige
Arten und auch diese blos in wenigen Individuen. Während eines
fünfmonatlichen Aufenthaltes fand Grey nur 4 Arten Kängurus, näm-
lich Halmaturus giganteus, 2 kleinere Arten, unter denen Petrogale
brachyotis die eine ist, und eine Känguru-Ratte. Ausserdem noch
eine Art Opossum, wie er es nennt, ein fliegendes Beutelthier, 2
Arten Hunde, wovon die eine mit der auf Timor übereinstimmen soll,
nebst Ratten und Mäusen. Zweimal verfolgte er auch die Fährten
eines Säugtbiers mit gespaltenen Klauen, dessen Grösse, nach der
der Fusstritte zu urtheilen, noch den Büffel übertreffen dürfte. Grey
schliesst auf ein unbekanntes einheimisches Thier; vielleicht könnte
es aber auch ein Rind gewesen sein, das gelegentlich einer frühern
Landung entlaufen war, Im Anhange finden sich J. E. Gray’s Bei-
träge zur Kenntniss der geograph. Verbreitung der austral. Säug-
tbiere, mit Notizen über einige neu entdeckte Arten (bereits mitge-
theilt im Archiv 1842. S. 339). Von den Vögeln hat Gould eine
Liste mitgetheilt, die 182 Arten aufführt.
Von den zur Kenntniss der antediluvianischen Säug-
thier- Überreste erschienenen Beiträgen allgemeineren In-
haltes glaube ich nachstehende in Erwähnung bringen zu müssen.
Sur les cavernes et les breches A ossements des environs
de Paris, par M. J. Desnoyers (Compt, rend. XIV. p. 522),
nebst einer Note in den Annal. des sc. geolog. 1842.
Während Cuvier seine ersten Arbeiten über die fossilen Höhlen-
thiere grösstentheils mit den aus Deutschland gelieferten Materialien
unternehmen musste, und es eine geraume Zeit noch dauerte, bis in
Südfrankreich ähnliche Knochenhöhlen aufgefunden wurden, hat jetzt,
zehn Jahre nach dem Tode des grossen Naturforschers, Desnoyers,
der sich später mit C. Prevost ia Verbindung setzte, eine grosse
Menge solcher Überreste aus der Gegend von Paris selbst zusam-
mengebracht. Sie finden sich daselbst in den Aushöhlungen des Gipses
(Gipsschloten), worunter eine bei Montmoreney, deren Weite kaum
einige Mötres beträgt, allein mehr als 2000 Knochen von mehr als
300 Individuen und ohngefähr 20 Arten, meist von kleiner Grösse,
in sich fasste. Das Verzeichniss zählt folgende Gattungen auf: 1)
Spitzmaus, 2 Arten, wovon die eine dem Sorex tetragonurus, die
andere dem S. fodiens ähnlich (sehr häufig); 2) Maulwurf, von der
gewöhnlichen Art (häufig); 3 — 6) Dachs, Wiesel, IItis, Mar-
der, nicht verschieden von den noch lebenden (spärlich); 7) Feld-
maus in 4—5 Arten (am häufigsten); 6) Hamster, nicht verschie-
den vom lebenden (ziemlich gemein); 7) Spermophilus mit Sp. super-
eiliosus Kaup übereinstimmend; 8) -Hase, grösser als der gemeine;
9) Lagomys in 2 Arten (ziemlich selten); 10) Wildschwein, Zähne
(selten); 11) Pferd, häufig; 12) Rennthier, Geweihe u. Knochen;
13) Hirsch von kleiner Art. Mit diesen Säugthier -Überresten fan-
14
den sich Vogelknochen, ziemlich ähnlich denen der gemeinen
Ralle, zusammen, ausserdem noch von kleinen Batrachiern von
Froschgrösse, und mehrere Arten von Helix und Pupa. — Später
wurde südwärts von Paris, bei Corbril, eine Höhle im Sandstein ent-
deckt, in der sich Knochen vom Elephanten, Nashorn, Hyäne, Höh-
lenbär, Pferd, Rind und einem geweihtragenden Wiederkäuer fanden.
Sur des nouvelles cavernes ä ossements de l’Aude, par
M. Marcel de Serres (Instit. 1842, p. 388),
Diese Höhlen finden sich in der Gegend von Carcassone (Aude)
bei dem Städtchen Caunes im Übergangskalke, der den schönsten
Marmor im südlichen Frankreich liefert. Bisher wurden aufgefunden:
1) Eguus, am häufigsten; aus einigen kleinen Knochen möchte M. de
Serres auf eine zweite kleinere Art schliessen. 2) Cervus, häufig,
von kleiner Statur. 3) Cupreolus, nach Zähnen bestimmt. 4) Antilope,
darunter er die Gemse unterscheiden will. 5) Capra degagrus,
„eine Gattung, so leicht durch die Gestalt ihrer Backenzähne unter-
scheidbar‘‘? 6) Bos intermedius. 7) Lepus, ziemlich häufig. 9) Ur-
sus, zahlreich, doch waren die Stücke nicht vollständig genug, um
die Art zu erkennen. 9) Canis, theils mit dem Haushunde, theils
mit dem Fuchse übereinkommend. 10) Hyaena spelaea, nicht häufig.
11) Felis, aus deren Überresten der Verf. theils auf F. leopardus,
theils auf F. serval hinweist. — An Vögelknochen wurden er-
kannt: 1) ein Schuhu; 2) Bussard und 3) Wachtel.
Über die in den knochenführenden Höhlen Brasiliens be-
grabenen antediluvianischen Säugthiere hat Lund das neueste
Ergebniss seiner fortgesetzten Untersuchungen mitgetheilt.
Sie befinden sich in einer von Logoa Santa den 30. Januar 1841
datirten Abhandlung, welche im Auszuge mitgetheilt ist in der Over-
sigt over det K. danske Videnskabernes Selskabs Forhandlinger i
Aaret 1841, af Örsted. Kiöbenh. 1842. p. 16. Säugthiere hat Lund
bis jetzt 111 Arten, unter 54 Gattungen vertheilt, entdeckt, während
die lebenden Säugthiere derselben Gegend nur auf 89 Arten in 40
Gattungen sich belaufen. Unter den neu zugekommenen fossilen Ar-
ten sind die wichtigsten: 2 Arten Ameisenfresser, sehr ähnlich der
Myrmecophaga jubata u. tetradactyla; 2 Arten von Dasypus Wagl.,
worunter die eine von der Grösse des Tatu-mirim, die andere (D.
sulcatus) etwas grösser als D. punctatus; eine zwergige Art von
Megatherium, etwas grösser als der Tapir (Megatherium Lauril-
lardi); eine neue Gattung aus der Familie der Faulthiere, ausge-
zeichnet durch ihre grossen Eckzähne, ähnlich denen von Choloepus
(Genotherium gigas), und endlich eine Gattung, die bisher unter den
antediluvianischen fehlte, der Fischotter. — Unter den Berichtigungen
seiner früheren Arbeiten ist am wichtigsten, was seine ältere Angabe
von dem Vorkommen.der Hyäne betrifft. Vollständigere Überreste
haben ihm nämlich gezeigt, dass sie einer Gattung zwischen Hund
15
und Katze Angehören; er nennt sie Smilodon wegen ihrer’ stark
zusammengedrückten, fast Janzettförmigen Eckzähne. Dieses Thier
war von der Grösse des Löwen, aber von schwererem Baue, auch
übertrafen seine Eckzähne an Grösse die aller andern bisher bekann-
ten Raubthiere. — Von Platyonyxz wird Lund eine sehr ausführliche
Beschreibung mittheilen; er stellt diese Gattung zunächst den Faul-
thieren, mit Bemerkung, dass beide mit Megalonyx und Megatherium
nach einem Grundplane organisirt sind, und dass eben desshalb die
Annahme, als ob genannte urweltliche Gattungen mit einem Panzer
bedeckt gewesen seien, unbegründet erscheint, — Die Frage, ob die
mit den antediluvjanischen Thierüberresten gefundenen Menschen-
knochen jenen gleichalterig seien, getraut sich Lund auch jetzt noch
nicht in einer sichern Weise zu beantworten.
Human Foot-Prints in Solid Limestone, by David Dale
Owen M.D. (Sillim. amerie. journ. 1842. XLIII. n. 1. p. 14).
Als ich auf der beigegebenen Abbildung die unverkennbaren
menschlichen Fusstritte erblickte, ging ich nicht ohne einige Besorg-
niss an die Lektüre dieser Abhandlung, um so mehr, als es sich
gleich ergab, dass Beschreiber und Inhaber der Steinplatte in einer
Person vereinigt waren, und demnach zu befürchten stand, dass der
erstere dem letzteren zu Liebe ein Auge etwa zudrücken könnte.
Meine Befürchtungen erwiesen sich jedoch als grundlos, indem D. D.
Owen (aus Indiana) diese Fusstritte, obwohl sie Shooleraft und Man-
tell für antediluvianische anerkannt hatten, für die Kunstprodukte müs-
siger Indianer erklärte. So verhält es sich ohne Zweifel auch mit den
menschlichen Fussstapfen auf dem Zauberberge nördlich von Athens-
Georgia (Inst. 1842. p. 140). Diese Deutung wird wenigstens in Bezug
auf die Negation von Menschentritten mit völliger Sicherheit zu behaup-
ten sein, wenn man erfährt, das die Formation, zu der dieser Kalk-
stein gehört, älter als die Steinkohlenbildung ist. Ref. ist der Mei-
nung, dass noch öfter es sich herausstellen wird, dass die angeb-
lichen Fährten nichts weniger als das sind, wofür sie jetzt ziemlich
allgemein gelten, doch darf er auch nicht unterlassen zu erklären,
dass er hinsichtlich der Sandsteinplatten von Hildburghausen das Kind
mit dem Bade ausgeschüttet habe. Seitdem ich im vorigen Sommer
zum erstenmale Gelegenheit hatte, Platten von daher zu sehen, er-
gab mir freilich der Augenschein, dass diese Eindrücke unverkenn-
bare ächte Fährten eines Thieres seien, so gut als die, welche ich
selbst bereits vor 2 Jahren als Hirsch-Fährten aus dem Weilhei-
mer Kalktuffe erklärt hatte. Von welcher Thiergattung aber jene
Fussstapfen im bunten Sandsteine herrühren, wage ich um so we-
niger zu muthmassen, als ich noch nicht einmal der Klasse sicher
bin, doch möchte die Analogie eher für Reptilien sprechen. Ähnliche
Fährten sind neuerdings auch im bunten Sandsteine bei Aura an der
Saale (Unterfranken) gefunden worden (Rumpf in Jahrb. f. Min. 1842.
8. 450).
16
Simiae.
Recherches d’anatomie comparee sur le Chimpanse. Par
W. Vrolik. Amsterd. 1842. fol.
Der innere Bau des Schimpanse ist zuerst im Jahre 1699 durch
Tyson in einer für Jene Zeit meisterhaften Arbeit geschildert wor-
den. Über hundert Jahre dauerte es nun, bis neue Beiträge hinzu-
kamen, und zwar Owen mit osteographischen, Sandifort mit myolo-
gischen. Immerhin aber blieb noch genug übrig, um Vrolik dem
Jüngeren eine reiche Nachlese zu gewähren. Nur Einiges führe ich
bier aus seiner vortrefflichen Arbeit an. Die Handwurzel hat, wie
beim Menschen, nur 8 Knöchelchen, während sie bei allen andern
Affen, selbst dem Orang-Utan, aus 9 zusammengesetzt ist, indem
das überzählige vielwinklige Bein, wie es IIg nennt, hinzukommt.
Der latissimus dorsi ist von demselben Verhalten, wie bei andern
Affen, indem er ebenfalls einen Fortsatz zum Ellenbogenknorren
abschickt. Der Strecker des Zeigefingers ist kein getrennter Muskel,
daher er nicht den Akt des Zeigens und Deutens ausführen kann.
„Dieser Mangel steht ohne Zweifel in Bezug zu der geringern Voll-
kommenheit der intellektuellen Anlagen und zu der Unmöglichkeit, sich
abstrakte Ideen zu bilden.“ Ref. hat in seiner Monographie der Affen
diesen Mangel in ähnlicher Weise gedeutet. Die Vorzüge der Men-
schenhand vor der der Affen hat Vrolik sehr schön auseinander ge-
setzt. Der Sack des Kelhlkopfs ist bald einfach, bald doppelt, und
scheint nur eine Verlängerung der Ventrikeln des Larynx zu sein,
Der wurmförmige Anhang des Blinddarms ist von diesem durch eine
Eiuschnürung: abgesondert: Vom Gehirn des Orang-Utans erwähnt
der Verf,, als eine bisher übersehene Differenz vom menschlichen,
dass der Balken bei jenem viel kürzer sei, se dass er nicht ganz
die vordern Vierhügel erreicht. Auf 7 schönen Tafeln ist der innere
Bau anschaulich gemacht; überdiess giebt noch eine Vignette die
Abbildung des in London lebendig gehaltenen Schimpanse,
J. Brooke stellte die Behauptung auf, dass auf Borneo,
nach Aussage der Eingebornen wie nach seinen eignen Unter-
suchungen daselbst, 2—3 Arten von Orang-Utans einheimisch
seien (Ann. of nat. hist. IX. p. 54).
Die eine Art ist der Mias Pappan (Simia Wurmbii Owen)
mit Wangenlappen sowohl bei Männchen als Weibchen und Jungen.
Brooke erlegte ein Männchen, das vom Kopf bis zur Ferse 4 maass.
Der Mias Kassar wird von Malaien und Dajaken als verschiedene
Art betrachtet, ist in beiden Geschlechtern ohne Wangenschwielen,
weit kleiner und schwächer, seine Hände und Füsse dem Körper
proportionirt, ohne zu solchen gigantischen Extremitäten wie beim
Pappan zu werden; das Gesicht ist im untern Theil vorspringender
und die Augen äusserlich grösser. Brooke erlegte 2 erwachsene
17
Weibchen, wovon das eine ein Junges Irug, ausserdem noch ein
fast erwachsenes Männchen; er meiut, dass dieser Kassar Owen’s
Simia morio sei Beide Arten bewohnen dieselben Wälder, doch
traf sie Brooke nicht an einem Tage beisammen; der letztere ist der
häufigste. Die 3te Art, Mias Ramdi, ist nur von einigen Einge-
bornen ungegeben, soll so gross sein als der Pappan oder selbst grös-
ser, aber nicht so untersetzt, mit längeren Haaren, kleinerem Ge-
sichte, und in beiden Geschlechtern ohne Wangenschwielen. Da
Brooke 5 lebende Orang-Utans nach England abschickte, so werden
wir von da aus weitere Nachrichten über diese angeblichen Arten
zu erwarten haben.
ls. Geoffroy will neuerdings 2 Arten von Orang-Utans unter-
scheiden; den Pithecus satyrus von Borneo und Sumatra, und eine
andere von Sumätra, die er P. Öicolor nennt, weil der Pelz oben
und in der Mitte des Bauches roth, dagegen am Hinterbauch, Seiten,
Achseln, der Innenseite der Schenkel und um den Mund falbweiss ist.
Die Augenhöhlen sind bei jenem länglich und oval, bei diesem vier-
eckig und kaum länger als breit. Letzterer ist der, der neulich in
der Menagerie lebte (Compt. rend. XV. p. 720). Da Färbung und
Form der Augenhöhlen veränderlich sipd, so erscheint diese neue
Art noch sehr problematisch.
Sur les singes de l’ancien monde, specialement sur les
genres Gibbon et Semnopitheque, par M. Is. Geoffroy
(Compt. rend. XV. p. 716).
Is. Geoflroy wird über diese Gattungen eine ausführliche Arbeit
mittheilen in Jacquemont’s Voyage aux Indes; einstweilen giebt er
von ihr einen Auszug. Gibbons zählt er 10 Arten auf: 1) Aylobates
leuciseus; 2) H. agilis; 3) H. Rafflesi; 4) H. albimanus; 5) H. leu-
eogenys, unbekannter Heimath; 6) A. Hoolock; 7%) H. choromandus,
noch nicht scharf bestimmt; 8) H. concolor Harl., eine Art, zu wel-
cher, wie Is. G. sagt, die holländischen Zoologen mit Unrecht die
falben und braunen Gibbons von Borneo gezogen hättten; er sagt je-
doch nicht, wohin sie denn eigentlich gehören; 9) H. syndactylus;
10) H. entelloides, eine neue Art von Is. Geoffr.: „Pelz sehr licht
falb, Gesichtseinfassung weiss, Gesicht und Hände schwarz, Schwie-
leu klein und rund; 2ter und dritter hinterer Finger durch eine Haut
fast bis zur Einlenkung des ersten mit dem zweiten Gliede verbun-
den. Von der Halbinsel Malakka.
h Blyth bemerkt in einem Briefe (Ann. of nat. hist. IX. p. 61), dass
Lieut. Beagin bei Vorzeigung einer Abbildung von Hylobates leu-
cogenys darin ein Thier erkannt hätte, dem er oft in den malaba-
rischen Ghats begegnet wäre, wo es in den Dschunggels sich auf-
halte. 5
Von der Gattung Semnopitheceus nimmt Is. Geoffroy 15
Arten an, ausserdem noch eine für Nasalis. Er stellt eine neue Art
auf: Semnopithecus Dussumieri, „Körper graulichbraun; Kopf,
Archiv £, Naturgesch, IX, Jahrg. 2, Bd, B
18
Hals, Seiten und Unterleib falh; Schwanz und Beine braun, was auf
einem grossen Theil des Schwanzes, auf den Vorderarmen und den
4 Händen in’s Rothbraune (roux) übergeht. Haare auf dem Kopfe
divergirend.“ Von der malabarischen Küste,
Gray fügte in den Ann. of nat. hist. X. p. 256 den Schlankaffen
ebenfalls eine Art bei: Presbytis nobilis, „hellroth (bright rufous),
ohne Strich an den Schultern. Bewohnt Indien. Brit. Mus. Diese
Art differirt von Simia melalophos, indem sie dunkler ist und keinen
schwarzen Kamm hat; von P. flavimanus durch fast einförmigen brau-
nen (auburn) und nicht gelben Farbenton mit schwärzlichem Rücken,
und weder einen schwarzen Streif an den Schultern, noch au den
Wangen zeigend.“
Owen hat in den Ann. of nat. hist. IX. p. 503 gezeigt, dass der
Magen, Blinddarm und übrige Darmkanal bei Colobus ursinus
von derselben Beschaffenheit wie bei Semnopithecus ist, was sich
erwarten liess, nachdem Rüppell bereits das Nämliche von Colo-
bus guereza dargethan hatte. Backentaschen fehlen. Die von mir
nachgewiesene Identität des C. ursinus mit polycomos hat Owen be-
stätigt; der letztere Name, als der ältere, ist daher beizubehalten.
Thomson, Wundarzt der letzten Niger-Expedition, brachte
von seiner Reise einen grossen Schild mit, der aus dem Felle von
Colobus guereza gemacht war, und den grösseren Theil des Rückens
mit dem weissen Streifen aufzuweisen hatte. Von einem abyssini-
schen Exemplare des brit. Mus. unterscheidet sich dieses dadurch,
dass die weisse Binde beträchtlich breiter und nicht mit so langen
Haaren versehen ist (Ann. of nat. hist. X. p. 203).
Zur Fixirung der bisher sehr unsichern Angaben von der
Heimath eines grossen Theils der afrikanischen Affen, sind
nachstehende Notizen Fraser’s, Naturforschers der letzten
Nigerexpedition, beachtenswerth (Ann. of nat. hist. IX. p. 262):
In der Nachbarschaft von Sierra Leone kommen vor: Simia
troglodytes, Colobus ursinus, Cercopithecus fuliginosus (gemein)
©. sabaeus und Cynocephalus papio. In Bassa sah Fraser einige Felle
von Cercopithecus Diana, die hier gemein sein soll; auf Cape Coast
fand er Oercopith. petaurista und Colobus leucomeros. Felle von letz-
terem, so wie von Cercopith. Diana waren ausserordentlich häufig
in Accra.
Is. Geoffroy hat in D’Orbign. diet. univ. d’hist. nat.
III. p. 296 eine Monographie der Gattung Cercopithecus
bearbeitet.
Nach Absonderung der Mangabeys, Cercopith. fuliginosus und
aethiops, so wie des €. talapoin zählt der Verf. noch 20 Arten von
Cercopithecus auf, bei denen alle Backenzähne vierseitig sind und 4
Höcker haben. Er gruppirt sie in folgender Weise: A) Schnautze
etwas kürzer, Körper'schmächtig, Naturell ruhiger und
19
sanfter. a) Nase behaart und weiss. 1) (. nictitans, 2) C,
petaurista, meine Beschreibung eines alten Männchens ist nicht be-.
rücksichtigt, obschon die Verschiedenheit erheblich ist. — h) Seit-
liche und untere Theile des Gesichts mit sehr langen
Haaren besetzt. 3) C. pogonias. — ec) Schwanz lebhaft roth.
4) C. cephus, 5) C. erythrotis. — d) Schwanz verschiedenufar-
big, aber trüb; über den Augen keine weisse Binde, 6) €.
labiatus, neue Art von Is. G., durch Färbung der Obers. und Dispo=
sition der Wangenhaare dem C. nictitans sehr ähnlich, aber. durch
Färbung der Unterseite und des Schwanzes verschieden; erstere ist
schmutzig weiss, letztere ist in einer grossen Strecke unten schmutzig
falb und oben roth und schwarz gescheckt, der Rest schwarz. Hei-
math unbekannt. 7) C. Campbelli, 8) C. Martini, 9) C. Temminckiüi,
zweifelhaft, 10) ©. monoides, neue Art von Is. @., der-Mona ähn-
lich, aber von anderer Färbung des Unterleibs, der bei C. monoides
graulich ist. Heimath unbekannt. — e) wie d., aber mit weisser
Binde über den Augen. 11) C. mona, 12) C. roloway, trennt Is.
G. von der Diana, indem bei jenem der Rücken tief dunkelbraun, fast
schwarz ist (bei der Diana braun), ferner der Bauch weiss, im Leben
in’s Orangefarbige ziehend (bei der Diana schwärzlich), und die In-
nenseite der Schenkel von derselben Farbe (bei der Diana rostfar-
ben). Hiernach wäre auch Bennett’s C. Diana zum Roloway zu
stellen. 13) C. Diana, auf Linu@’s und Schreber’s Art begründet.
14) €. leucampyx; um diese Art von den beiden vorhergehenden zu
unterscheiden, ist zu bemerken, dass die weisse Farbe auf der Unter-
seite bei C. roloway Kehle, Brust und Bauch einnimmt, bei C. Diana
Kehle und Brust, aber nicht den Bauch, und bei ©. leucampyx blos
das Kinn; letztere Art hat auch keinen Bart, und die Stirnauszeich-
nung ist weit grösser, — B) Schautze etwas länger, Körper
weniger schmächtig; Naturell petulanter und reizbarer.
f) Pelz grünlichgrau oder grün. 15) C. Lalandi Is. G. (C.
prisillus Desmoul.), wird von Is. G. vom C. pygerythrus unterschie-.
den, indem bei jenem der Pelz nicht eigentlich grün, selbst nicht auf
dem Rücken und Kopfe ist, sondern nur grau, schwach oder kaum
mit Grün oder Olivenfarben überlaufen. Vom Kap, hauptsächlich vom
Kaffernland, gemein. 16) C. pygerythrus, wie der vorige, aber Kopf,
Rücken, Schultern, Seiten und Oberseite des Schwanzes gelblich-
grün, mit Schwarz besprenkelt. Von den folgenden Arten durch die
Färbung der Aftergegend, der Hände und des schwarzen Kinnes
(gleich dem vorhergehenden) verschieden, Heimat unbekannt, ob-
schon Fr. Cuvier aus Verwechselung mit dem vorigen das Kap an-
giebt. 17) C. cynosuros, wozu der Verf. auch den ©. tephrops zieht,
18) C. griseo-viridis, 19) C. sabaeus, 20) €. tantalus, noch sehr ım-
sicher, 21) C. rufo-viridis, ebenfalls von Is. G. erst aufgestellt:
Kopf oben olivengrün, Rücken grünlichroth, Seiten rein roth; Schul-
tern und Schenkel grünlichgrau, der Rest der Anssenseite grau;
B*
20
Innenseite weiss. Heimath unbekannt. — g) Pelz roth. 22) C. ruber
vom Senegal, 23) pyrrhonotus von Nubien. Is. G, scheidet heide als
spezifisch verschieden, während ich sie in meiner Monographie (die
übrigens der Verf. nicht kennt) als 2 Abänderungen derselben Art
angesehen habe. Ich glaube allerdiugs jetzt, dass man, der Hei-
maths- Verschiedenheit wegen, vor der Hand besser thun dürfte,
beide getrennt zu halten; indess ist es nicht richtig, dass bei C.
pyrrhonotus, wie es Is. G. angiebt, die Aussenseite des Untertheils
der Gliedmassen roth und bei (. ruber grau ist; gerade das Gegen-
theil ist der Fall (vgl. meine Monographie). — Über C. albigularis
weiss der Verf. keine Auskunft zu geben.
Über Cercopithecus erythrotis und Martini sind von Water-
house (Ann. of nat. hist. IX. p. 147) weitere Aufklärungen erschienen.
Gray stellt (ebend. IX. p. 256) einen Cercopith. Burnettii
auf: „grauschwarz; Kopf, Nacken und Oberseite des Rückens gelb
punktirt; Kehle, Wangen, Unterleib und Innenseite der Beine grau-
lichweiss; Behaarung der Wangen und Stirne gelb, mit einem klei-
nen schwarzen Büschel über jedem Auge. Haare lang, an der Basis
blass, dann graulichschwarz; die des Kopfes, Nackens, Rückens und
der Schwanzwurzel mit 2—3 breiten, gelbbraunen, fast endständi-
gen Binden. Körper 19”, Schwanzende verstümmelt. Von Fer-
nando Po.
r
Von Cercopitheeus trennte Is. Geoffroy eine eigne Gat-
tung Miopitheeus (ueiwv, minor) ab.
Als Hauptcharaktere giebt er in D’Orb. diet. IH. p. 308 an: Schä-
del höher über den Augenhöhlen sich erhebend, Nasenscheidewand
ziemlich breit, Nasenlöcher unterwärts und seitwärts geöffnet; letzter
Backenzalın kleiner als die vorhergehenden, im Unterkiefer nur mit
3 Höckern, nämlich zwei vordern und einem hintern, im Oberkiefer
von ähnlicher Anordnung. Grösse der der andern altweltlichen Aflen
sehr nachstehend. Die Gattung ist ‘begründet auf die Simia talapoin.
Als 2te Art fügt ihr Is. G. einen Miopithecus capillatus bei, der
vorigen sehr ähnlich, aber etwas grösser, die Farbe ist röthlich mit
olivenfarbnem Anfluge, nicht grün, die Rückenhaare in ihrer untern
Hälfte schwarz, nicht grau, auch fehlt der Büschel gelber, abwärts
gerichteter Haare, den der Talapoin auf den Wangen zeigt. Da
Schädel und Gebiss von der neuen Art nicht bekannt sind, bleibt es
ungewiss, ob sie mit Recht hieher gehört.
‚Der /nuus speciosus istvon Temminck in der Faun.
Japon. Mam. p. 9 vollständig geschildert worden.
Er kommt am nächsten mit dem I. ecaudatus überein, ist aber
um + kleiner. Die japanischen Inseln haben nur diese Art von Affen
aufzuweisen, aber nicht in allen Lokalitäten. Sie ist ziemlich ge-
mein auf der Insel Sikok und in der Provinz Aki (Insel Nippon); auf
der von Kiusiu, der südlichsten dieser Gruppe, findet man sie in den
21
Gebirgen von Figo; ihre geograph. Verbreitung wird deshalb mit
dem 35° n. Br. begrenzt sein, Sie lebt in Heerden und ist eben so
gelehrig als der I. ecaudatus.
Amerikanische Affen. Ref. hat in diesem Archiv
8. Jahrg. 1 Bd. S. 357, von 4 neuen brasilischen Arten vorläufig
die Diagnosen mitgetheilt.
Gray hat in den Ann. of nat. hist. X. p. 256 etliche Ar-
ten aufgestellt:
Eriodes frontatus: „kein Daumen an der Vorderhand; röth-
lichbraun, unten gelblichbraun; Stirne, Ellbogen, Knie und Oberseite
der Arme und der 4 Hände schwarz. Jung dem Alten ähnlich, aber
mit langen weissen Haaren an den Wangen und unter den schwar-
zen Stirnhaaren. Südamerika. Capt. Belcher. Brit. Mus.‘ Scheint
eine gute Art zu sein, dagegen ist Gray’s Pithecia Pogonius weiter
nichts als ein junges Männchen oder Weibchen von Pithecia leuco-
cephala, welche schon unter wenigstens 6 verschiedenen Namen im
Systeme figuriren.
Dagegen hat Gray ganz richtig darauf aufmerksam ge-
macht, dass Nycetipithecus trivirgatus Humb. und N.
felinus Spix 2 sehr verschiedene Arten sind.
Ersterer ist bisher nur aus der Beschreibung und Abbildung von
Humboldt bekannt gewesen, aber nach einem mangelhaften Exem-
plare, dem die Ohrmuscheln fast ganz fehlten, daher der Name Aotus
Gray charakterisirt ihn als: „blass, Stirne mit 3 schmalen conver-
girenden, im Nacken zusammenlaufenden Strichen, wovon die seit-
lichen an den Wangen ausgedehut; Schwanz merklich dunkler. Bras.
Brit. Mus.‘ — Ich selbst kenne diese Art noch nicht aus Autopsie,
dagegen schreibt mir Herr Joh. Natterer über sie folgendes: ‚Am
obern Rie Negro fand ich einen Nachtaffen, der mir zu viele Unter-
schiede darbietet, um ihn nicht von der südlichen Miriquina zu tren-
nen, Er unterscheidet sich von dieser durch viel kürzeren und wei-
cheren Pelz, durch die schwarzen Streifen auf dem Scheitel, die von
gleicher Breite, mehr getrennt sind und fast parallel laufen, durch
braungraue, weisslich melirte Farbe der Kehle, des Vorderhalses
und der Brust, durch viel blässeren, weisslich ockerfarbnen Unter-
leib, durch mehr graue Grundfarbe des Oberleibs, ohne Beimischung
von braungelblicher Farbe, durch einen breiten hell gelblichbraunen
Streifen vom Nacken bis an die Schwanzwurzel, durch graue Fär-
bung der Schwanzwurzel ohne Beimischung von Ockerfarben und
durch einfarbige Haare am schwarzen Theil des Schwanzes. Bei
der Miriquina Azara’s sind die beiden schwarzen Seitenstreifen des
Scheitels schmäler als der mittlere, welcher noch einmal so breit ist
und einen ovalen, an beiden Enden zugespitzten Fleck darstellt; die
seitlichen Streifen laufen gegeneinander und vereinigen sich auch
manchmal mit dem mittleren. Kelle, Vorderhals und ganzer Unter-
22 : .
leib sind blass ockerfarben. Die allgemeine Farbe der Oberseite ist
mehr bräunlichgrau oder gelbbräunlichgrau, ohne Rückenstreifen. Die
Schwanzwurzel ist ockerfarben, so wie auch die Haare des schwar-
zen Theiles des Schwanzes an ihrem Grunde; der Schwanz selbst
ist besonders an der Spitze länger behaart. Der erstgenannte nörd-
liche Nachtafle scheint nur eine etwas dunklere Abänderung der Si-
mia trivirgata Humb. zu sein; auch der N. trivirgatus von Gray wird
ihm zugehören, obschon bei letzterem die Kopfstreifen sich im Nacken
vereinigen, wodurch er sich zwar von dem Humboldtschen und un-
sern Exemplaren unterscheidet, was aber nicht von grossem Belang
sein dürfte, da auch an der Miriquina die Streifen manchmal getrennt,
manchmal vereinigt sind.“ — Mit diesen Bemerkungen bin ich völlig
einverslanden und kann sie in Bezug auf N. felinus bestätigen. Wir
unterscheiden demnach 2 Arten: 1) die von Azara, Rengger, Fr.
Cuvier, Spix und mir beschriebene, als Nyeripilhecus Axarae Humb,.,
aus Paraguay und dem südlichen Brasilien, östlich aber bis nach
Parä sich ziehend, wo sie Spix fand; 2) die zuerst von Humboldt,
nun auch von Gray und Natterer beschriebene Art, Nyetipithecus
trivirgatus Humb., aus dem nordwestlichen Brasilien jenseits des
Amazonenstroms und dem angrenzenden Theile Neugrauadas. ‘End-
lich könnte der aus den Wäldern von Tabatinga an der peruanischen
Küste stammende N. vociferans Spix eine 3lte Art bilden, wenn an-
ders diese abweichende Färbung allen dortigen Individuen zukonmt,
was ich nicht weiss, da Spix nur ein Exemplar mitgebracht hat,
Sollte. er aber ja eine blosse Abänderung sein, so wäre er nicht,
wie Gray meint, eine solche von N. trivirgatus, sondern wegen der
Übereinstimmung in.der Zeichnung der Kopfstreifen und Schwanz-
fürbung von N. Azarae (N. felinus ‚Spix).
Eine dankenswerthe Aufklärung hat uns Gray mit der Bemer-
kung gegeben, dass der Chirogaleus Commersoniü von Vigors und
Horsfield weiter nichts als der N. felinus ist. Jch konnte ihn bei den
Halbaflen so wenig unterbringen, ‚dass ich ihn in meiner Monogra-
phie nur in einer Note bei Chirogaleus anführte; auf einen. so _star-
ken Missgriff, wie ibn V. und H. gemacht haben, hätte ich freilich
nicht zu rathen gewagt.
HMatbaffen. Gray stellt a. a. O. drei neue Arten Halb-
aflen aus Madagaskar auf: ö
J) Lemur coronatus; „oben aschgrau, Beine und Unterseite
hlassgelblich; Gesicht weiss; Augenring grau; Wangen und Stirne
hellroth, mit einem grossen schwarzen Fleck auf dem Scheitel;
Schwanz dick, Ende schwärzlich.‘“ — 2) Chiroguleus Smithü,; „blass-
braun, ein Streif auf der Nase und Stirne, das Kinn und unten blas-
ser; Schwanz -röthlicher. Unterscheidet sich von Ch. (ypicus Smith
im brit. Mus, durch weit geringere Grösse und verschiedene Färbung,
welche graubraun ist; Kopf röthlieher braun; Augenkreise schwarz;
Wangen und unten weiss.“ — 3) Galago minor; „blassgrau,
25
Rücken merklich brauner gewässert, unten weisslich ; Schwanz ge-
streckt, viedergedrückt, schmal. Nicht mehr als halb so gross als
der Galago senegaleusis. “
Chiroptera.
Diese Ordnung ist mit reichlichen Beiträgen versehen wor-
den, von welchen namentlich die von Temminck, Gray und
Bachmann zu nennen sind.
Frugivora. Unter den 10 Arten von Handflüglern,
welche v. Siebold aus Japan mitbrachte, gehören 2 der Gat-
tung Pteropus an (Faun. japon. p. 12).
Beide Arten, Pt. dasymallus und pselaphon, siod schon früher
beschrieben worden, daher ich nur die näheren Angaben über ihre
Verbreitung beifüge. Erstere findet sich blos in den südlichen Thei-
len der Insel Kiusiu, im Distrikt Satsuma und seltener zu Jakuno-
sima; letztere ist nur von der Insel Bonin bekannt.
Aus Schoa ist Rüppell’s Pteropus schoensis; „ecaudatus,
auriculis brevibus, halluce elongato, corporis colore cervino, regione
epigastrica canescente, macula albicante ante et post auriculas, ad
latera faciei a naribus per oculos fascia umbrina; unguibus nigris. ‘*
Dem Pt. Whitei s. labiatus sehr ähnlich, aber die Ohren viel kürzer.
Istiophora. Zunächst stellt Gray eine neue Gattung
Sturnira auf (Ann. of nat. hist. X. p. 257).
„Schwanz und Schenkelflughaut fehlend; Nasenblatt lanzetiför-
mig, einfach, Klappe deutlich, Innenfläche der Lippen an den Seiten
gebartet, Hinterfüsse gross; Unterlippe mit einer einzelnen grössern
Warze, von kleinern umgeben.“ — Die Art heisst St. spectrum;
„Pelz braun, wit dunklern Haarspitzen, unten blassweisslich, Häute
dunkelschwärzlich. Brasilien,“ — Leider ist weder das Gebiss be-
schrieben, noch eine Vergleichung mit den bereits aufgestellten Gat-
tungen vorgenommnn; Diphylla scheint am nächsten zu stehen,
Noch hat Gray 2 andere brasil. Arten aus dieser Abtheilung:
1) Phyllostoma elongatum; „Unterlippe vorn mit einem breiten
dreieckigen, durch eine mittlere Grube getheilten Raume; Ohren ge-
rundet, gross, Klappe schmächtig und lanzettförmig; Nasenblatt
gestreckt, lanzettförmig, sich zuspitzend.“ — 2) Phyllophora
megalotis; „Grube der Unterlippe nicht gefranzt; Pelz schwärz-
lich, unten merklich blasser; Nasenblatt gross, oval-lanzett, länger
als breit; Ohren so lang als der Kopf, gerundet; Vorderarm 1” 3”,
Körper 2 Zoll.‘
Von mir ist eine andere brasilische Art, Phyllostoma ewei-
sum, iu diesem Archiv 8. Jahrg. 1 Bd. 8.359 aufgestellt worden.
Den Kammnasen sind 2 Arten zugegangen:
1) Rhinolophus fumiga tus Rüpp. (Mus. Senck. Ill. S. 132);
21
im Nasenbesatz und der Ohrenform dem Rh. clivosus ähnlich, aber
der Schwanz kürzer, der Vorderarm länger, der dieke lange Pelz
dunkel rauchgrau. Aus Schoa. — 2) Rh. morio Gray (a a. 0. 8.257),
wie Rh. luctus, aber röthlichhraun, was vielleicht Folge des Brant-
weins ist. Von Malakka, Singapore.
Rhinolophus ferrum equinum ist auch in Algerien gefunden wor-
den (Duvernoy in den Mem. de Strasb. IE. p. 3); überdiess noch
Vespertilio. muninus.
Gymnorkina. Über den genauen Zusammenhang der
Flug- und Lebensweise der Fledermäuse, ihre Wanderungen
und geograph. Verbreitung hat Blasius der Versammlung der
Naturforscher zu Braunschweig (S. 62) einige interessante Be-
mnerkungen mitgetheilt.
Die Frage über das Zichen findet, wie er meint, im Verhalten
von Vesperugo Nilsson ihre genügende Lösung. Diese Art hält
sich durchgängig in einer Breite von 54 — 58° in Russland in der
Ebene auf und bewohnt nächstdem den Oberharz und die schwedi-
schen Gebirge; Ref setzt hinzu auch die Berge bei Regensburg. Im
Sommer ist sie der hellen Nächte wegen im ganzen Norden von
Russland zwischen dem 60 — 70° n. Br. nirgends zu finden. Erst im
August, mit dem Eintritt der dunkeln Nächte, wird sie in diesen
Breiten sichtbar. — Derselbe erklärt (S. 86) nach einem Origival-
Exemplare den Fespertilio volsensis Eversm. für identisch mit V.
Daubentonii, eine Zusammenstellung, die ich im vorigen Jahres-
berichte nicht auszuspreehen wagte, weil au dem mir durch den Han-
del zugekommenen, aber sehr beschädigten Exemplare die Flughaut
nieht bis zum untern Ende des Schienbeins reichte, was also blos
zufällige Folge des Insektenfrasses war. Die andere, mir nieht zu
Gesicht gekommene Species von Eversmann, den Vespertilio turco-
manus, erklärt Blasius für eine ausgezeichnete neue. Art,. zur
Gruppe von V. seretinus gehörig.
Schinz hat Vesp. discolor u. Nattereri in der Schweiz anfgefun-
den; ausserdem sieht er eine in der Umgegend von Zürich entdeckte
Fledermaus für neu an, und giebt ihr den Namen Vesper tilio mi-
natissimus. Naeh seiner Beschreibung ist der Rücken dunkel kaffee-
braun; der Bauch schwarzbraun, fast schwarz; Ohren schmal, herz-
förmig, am äussern Rande ausgeschweift; Ohrdeckel breit, Janzett-
förmig, mit stumpfer Spitze. Ganze Länge 2” 8”, wovon der
Schwanz #’ wegnimmt; die ganze Breite nur 6° (Verh. der schweiz.
Gesellsch. 1841 S. 76). Schade, dass Sehinz zur Wiedererkennung
dieser Art seine Beschreibung nicht nach dem von Keyserling und
Blasius angegebenen Muster eingerichtet hat.
Selys-Longchamps (Faune belge p. 21) besteht darauf, dass
Vespert, emarginatus eine eigne Art sei. Er verwundert sich, wie
sie mit V. mystacinus verwechselt werden könne; sie gleicht mehr,
25
wie er sagt, dem V. Nattereri, sei aber von beiden verschieden durch
ihr wolliges, auf dem Rücken hellrothes und über die Schenkelllug-
haut sich ansehnlich fortziehendes Haar, durch die sehr ausgerande-
ten Ohren, dicke Schnautze etc. Ihre Farbe gleiche fast der von
V. serotinus Ref. will hiebei bemerklich machen, dass auch Koch
eine besondere, dem V. mystacinus sehr ähnliche Art in dem P.
Schranki aufgestellt hat, welcher in der Zahl der Backenzähne,
der Form der Ohren und der Flughäute mit jenem übereinkommt,
aber in der Färbung sich unterscheidet. Die Haare sind auf der Ober-
wie Unterseite zweifarbig, nämlich in der innern Hälfte schwarz und
in der äussern glänzend falbbraun, was auf dem Unterleib merklich
lichter ist. ‘Ob diess etwa der V. emarginatus? — Selys bemerkt
noch (S. 300), dass nach seiner Untersuchung des V. brachyotus von
Baillon derselbe nichts weiter sei, als eine zufällige Abänderung von
V. pipistrellus mit zerstörten Ohren.
Von der chinesischen Insel Tschusan rührt Cantor’s Vesp. ir-
retitus her (Ann. IX.p. 481): Ohren gerundet, kürzer als der Kopf,
Klappe lanzettförmig, Schnautze stumpf mit einzelnen längeren Haa-
ren. Pelz weich, auf dem Rücken bräunlichgrau, auf dem Bauche
staubfarbig (elust-coloured). Schwanz etwas aus der Schenkelflug-
haut vorragend, letztere unten dünn behaart. Backenzähne #. Kör-
per 2” 1”, Schwanz 1” 1”, Ohrlänge 2}, Ohrbreite 2’, Klappe 1”.
Gray hat mit der Aufstellung 7 neuer Gattungen von
Vespertilionen den Zoologen eine Überraschung bereiten wol-
len (Ann. of nat. hist. X. p. 257).
Es versteht sich von selbst, dass er auf die Arbeiten von Key-
serling und Blasius, als in deutscher Sprache verfasst, keine Rück-
sicht genommen hat. Dass ihm hiedurch gerade die Charaktere,
welche zur Errichtung von Gattungen oder Untergattungen allein
Werth haben, entgangen sind, und er lediglich an die sich hält, die
blos zur Festsetzung der Arten sich qualifiziren, thut ihm auch
nichts. Ich werde mich daher kurz fassen. Unter Scotophilus
will Gray nur die Arten zulassen, deren Flughaut an der Ferse bis
zur Zehenwurzel angeheftet ist (V. serofiuus, discolor, Leisleri, mu-
rinus). — Noctulina n. g. wie Scotophilus, aber die Flughaut nur
an der Ferse angeheftet (V. proterus und fulvus). — Vespertilio
behält die Arten, deren Flughaut blos bis zur Ferse reicht, deren
Schenkelllughaut nur mit einigen zerstreuten Härchen verschen und
das Gesicht kurz und behaart ist (V. mystacinus, Daubentonü, Caroli).
Von diesen trennt Gray 5 neue Gattungen: Trilatitus (!), Füsse
frei, Schenkelflughaut unten mit behaarten Querreihen (V. Hasseltir,
macellus, blepotis). — Kerivoula, eben so, aber Flügel bis zur
Zehenwurzel (V. Hardwickü, pictus, tenuis) und 2 neue Arten X.
zrisens! unbekannter Heimath, und Ä.poensis von Fernando Po). —
Myotis, Wlügel bis zur Zehenwurzel reichend, Ohren gross, Klappe
lang (V. murinus, ist aber vom Verf. auch schon bei Scotophilus an-
26
geführt!!, V. Bechsteinil u. Nattereri). — Aus Vespertilio suillus wird
die Gattung Murina, aus V. Harpyia die Gattung Harpiocepha-
Zus gemacht.
Die Gattung Centurio von Gray mit =" Schneidezähnen,
grossen Ohren, kurzer gezähnter Klappe, keinem Schwanze, tief
ausgeschoittner Flugbaut, will ich zur weitern Deutung an S. Müller
und Schlegel überweisen, da der Centurio senex Gray aus Am-
boina in den Bereich ihrer Fauna des indischen Archipels fällt.
Bachmann hat im Journ. of the Acad, of nat. sc. of
Philadelph. VIII. 2, (1842) S. 280 vier Arten von Vesper-
tilio beschrieben, sämmtlich- aus Nordamerika.
Da der Verf. mit der Arbeit von Keyserling und Blasius nicht
bekannt war, so hat er die Bedeutung wichtiger Merkmale, wie z.B.
der Backenzähne übersehen, deren Zahl er nicht angiebt, während
er bei allen die der Schneide- und Eckzähne bemerkt, obgleich diese,
als constantes generisches Merkmal, durchgängig in derselben An-
zahl vorhanden sivd und also für die specifische Bestimmung keinen
Werth haben. 1) Vespertilio monticola; „V. subulata bre-
vior, auriculis brevioribus, tragis non excedentibts dimidiam longi-
tudinem aurieulae; colore fulvo.“* Körper 18”, Schwanz 14”. Von
Virginien, 2) V. virginianus; ,V. monticola paululum longior,
auriculis paululum longioribus magisque acutis; dentibus prim. max.
sup. simplicibus; interfem. membrana nuda; corpore supra fuligineo-
fusco, subtus cinereo-fuscato. Von Virginien. 3) V. Leibii „NV.
supra fusco - ferrugineus, subtus cinereus, alis auribusque nigris.‘
Körper 1” 7”, Schwanz 1’ 4”, Von Michigan. 4) V. californi.
cus; „V. fusco-lutescens, vellere longo et molli, trago longitudine
dimidium.“ Körper 1” 7”, Schwanz 1” 5”. — Von FY. subulatus be-
merkt Bachmann, dass er identisch ist mit. Y. Zucifugus Me Murtrie’s
und mit V. domesticus Green’s, und dass er eine sehr weite Ver-
breitung hat, indem er diese Art aus Karolina und Labrador wäh-
rend des Sommers erhielt. V. eurolinensis wird im Herbst, Winter
und Frühling gefunden, scheint aber im Sommer nordwärts zu wan-
dern und wird zu dieser Zeit im Staate von New York häufig
gesehen,
Dass nach Blainville’s Angabe Rhinopoma carolinense ein
Molossus ist, soll hier nicht unerwähnt gelassen werden.
Insectivora.
Aculeata, Über die Igel sind, seit der meinigen, 2
neue Monographien erschienen.
Die eine ist von Burmeister io Ersch und Gruber’s allgem.
Eneyclop. Bd. 37 (1842) unter dem Artikel Erinaceus mitgetheilt,
und giebt eine fleissig gearbeitete Zusammenstellung von dem, was
bisher über die Familie der Igel publizirt ist. Seine Vermuthung,
27
dass mein Erinaceus albiventris nur ein kleines Individuum von E.
frontalis, den ich jetzt auch im Original besitze, sein möchte, ist
freilich ganz unbegründet.
Die andere Monographie ist von Sundevall (Öfversigt af slägtet
Erinaceus in den Sv. Vetenskaps Akad. Handl. 1841); sie ist mir einst-
weilen nur dureh Vermittelung des Redakt. unusers Archivs in einem
Separatabdrucke milgetheilt, da der Band, in dem sie enthalten ist,
erst später ausgegeben wird. Leider ist dem Verf. meine Monogra-
phie des Igels, obschon bereits seit dem 15. Mai 1341 durch den
Buchhandel verbreitet, nicht mehr zugekonimen, so dass mein E.
albiventris bei ihm fehlt, wegen 2 anderer von mir aufgestellten
Arten (E. brachydactylus und Pruneri) aber Vergleichungen vorzu- .
nehmen gewesen wären. Sundevall’s Monographie ist reich an
eignen Untersuchungen und ein sehr schätzbarer Beitrag zur Kennt-
niss der Igel, von denen sie folgende Arten aufzählt: a. Erinacei
aculeis varie intertextis, verticis prominentibus, non vel parum bre-
vioribus. Pili in plerisque longiores, rigidi. 1) E. europaeus; 2) E.
frontalis Smith; 3) E. concolor Mart.; 4) E. heterodactylus Sund.,
„griseus, auriculis magnis, digitis connexis, pedibus posticis 4dacty-
lis,“ aus dem Sennar; 5) E. aethiopieus. — b. Erinacei aculeis den-
sius posilis, ordinatis, antrorsum sensim multo brevioribus. (la
sp, quas vidi, Nr. 6—8 pili corporis sunt breves, densissimi, mol-
les, quasi Janei, Auriculae magnae.) 6) E. auritus Pall.; 7) E.
platyotis Sundev.; 8) E. aegyptius Geoffr. (E. ibycus Ehrenb.),
Als Arten dieser Abtheilung, die der Verf. nicht geschen hätte, fügt
er noch bei: E. hypomelas, collaris, Grayi, spatangus, und giebt
zuletzt dem von Pallas aus Dauurien erwähnten den Namen E,
dauuricus.
Zunächst habe ich zu bemerken, dass E. heterodactylus Sund.
mit meinem E. Pruneri identisch ist; auch der hintere Daumen geht
diesem wie jenem ganz ab. Ich hatte diesen Mangel bei E. Pruneri
und albiventris für Folge einer Beschädigung gehalten und daher
desselben iu meiner Beschreibung nicht gedacht; nachdem aber auch
Sundevall dasselbe Verhalten gefunden hat, stehe ich Jetzt nicht mehr
an den Mangel des Daumens an den Hinuterfüssen als ein nach dazu
schr erhebliches Merkmal für meinen E. Pruneri und albiventris in
die Diagnose mit aufzunehmen. — Der E. aethiopicus Ehr., wohl
identisch mit meinem E. brachydactylus, kann von der Gruppe, zu
welcher E. auritus gehört, nicht getrennt werden; auch ist die Be-
haarung wie bei diesem ganz weich. — E. platyotis Sund. mit der
Diagnose: „dense albido-pilosus, auriculis maximis, pollice postico
brevissimo,“ würde ebenfalls mit meinem E. brachydactylus zusam-
mengehören, wenn nicht io der Länge der Stacheln ein allzu grosser
Unterschied wäre. Bei E. brachydactylus sind sie so lang als die
Ohren oder noch etwas darüber; bei E. platyotis giebt dagegen Sun-
devall die Olren von 26 — 29 Millim,, die Stacheln des Rückens nur
28
zu IS — 19 Mill, än. Seine 2 Exemplare kamen aus Egypten. — E.
aegypticus Geoffr. stellt Sundevall mit E. Zibycus Ehrenb. zusam-
men und giebt als Diagnose: ‚‚dense molliter albido-pilosus, auri-
eulis longit. 4 capitis, pollice postico 'brevi perfecto.“ Die Unter-
scheidung von voriger Art scheint mir nicht. befriedigend. Zwar sagt
S. bei E. platyotis; „simillimus priori (E. aurito) et sequenti (E.
aegypt.), sed ab utroque differt proportione digitorum et ab E. aegy-
ptiaco magnitudine auricularum.‘© Indess muss ich bemerken, dass
bei diesen kurzzehigen Thieren eine Längenverschiedenheit ia den
Zehen wenigstens schwierig auszumitteln ist, und die Länge der
Ohren in Folge des Präparirens modifizirt werden kann. Diese bei-
den Arten wären schärfer auseinander zu setzen, namentlich auch
die Beschaffenheit der Stacheln nach meinem Vorgange zu detailliren.
Zu welchen der 3 egypt. Arten (E. brachydactylus, platyotis und Ü-
byeus) der E. aegyptius Geoffr. gehört, ist sehr zweifelhaft. Im
Catal. des mammif, sagt Geoflroy: ,‚oreilles tres alongees,“ was
gerade nicht für den Sundevall’schen E. aegyptiacus spricht; ich habe
ibn auf meinen E. brachydactylus bezogen,
Noch haben Duvernoy und Lereboullet (Mem. de Strasb. II.
p- 4) einen Erinaceusalgirus aus Orau nach einem ausgestopften
Exemplare aufgestellt, mit der Diagnose: ‚‚E. auriculis subarcuatis,
digitis et unguibus mediocribus; toto corpore subtus pilis confertis-
simis, mollibus, magnopere albis vestito.“ 6” lang. Gehört zu mei-
ner 2ten Abtheilung der Igel, und könnte eine Abänderung des E.
brachydactylus oder aegypticus sein; um hierüber zu Gewissheit zu
kommen, müsste jedoch die Länge der Ohren und Stacheln, insbe-
sondere aber die äussere und innere Struktur der letzteren spezifizirt
werden, Interessant ist es, dass das Vorkommen des Igels jetzt
auch für Algier nachgewiesen ist, während dagegen für Japan Sie-
bold behauptet, dass er aus China eingeführt worden ist.
Noch ist nachträglich zu erinnern an die Symbolae ad Erinacei
europaei anatomen. Diss. inaug. quam conscripsit Seubert. Bonn
1841; hauptsächlich den musculus subeutaneus und die männlichen
Geschlechtstheile erläuternd, wozu 2 schön gezeichnete Tafeln bei-
gegeben sind. R
Sorieina. Duvernoy hat uns mit zwei vortrefllichen
Abhandlungen über die Spitzmäuse beschenkt. Die eine han-
delt: „Sur les Dents des Musaraignes, considerees dans leur
composition et leur structure intime, leurs rapports avec les
machoires, leur developpement et leur succession.“ (Compt.
rend. XV. p. 270, 304, 483, 1000.) Die andere Abhandlung
ist betitelt: „‚ Notices pour servir ä Ja Monographie du Genre
Musaraigne‘“ (Magas. de Zool. 1842) mit 16 Kupfertafeln.
Nächst Wagler hat Duvernoy den Grund gelegt, die Spitzmäuse
in natürliche Gruppen abzutheilen, was iu dieser neuen Arbeit von
29
ihm weiter ausgeführt wird, und wobei er die ihm bekannten Arten
sorgfältig beschrieben und die meisten überdiess mit Abbildungen
erläutert hat. Er zählt folgende Arten auf: 1, Subg. Sorex (Cro-
cidura Wglr.). «) mit 3 kleinen Lückenzähnen. 1) S. ara-
neus tab. 38. 2) $. Zeucodon tab. 39. 3) S. ceyaneusDuv. tab. 40, 41.
4) S. herpestes Duv. tab, 42, 43; ich hatte io meiner Monographie
die Vermuthung ausgesprochen, dass dieser ein jüngerer Zustand
von S. varius sein könnte, allein aus vorliegender Beschreibung und
Abbildung sehe ich, dass diess nicht der Fall sein kann, indem der
S. herpestes am Schwanze lange flatternde Haare hat, die dem 8.
varius ganz fehlen. Auch von meinem S. infumatus ist der 8. her-
pestes durch die Färbung verschieden, dagegen könnte letzterer mit
A. Smitl’s S. capensoides (South. Afrie. quart. journ. 1833. p. 62) iden-
tisch sein. 5) $. crassicaudus; Duvernoy vermuthet, dass Geoflroy’s
S, myosuros hieher gehören möchte; keineswegs ist diess aber mit
dem von mir und Pallas beschriebenen der Fall (vgl. Schreb. Suppl.
HM. S.72). — $) mit 4 kleinen Lückenzähnen. 6) $. giganteus
(S. indicus) tab. 45, nach einem Exemplare aus Egypten, dem rechts
der 3te, links der 4te Liickenzahn fehlte. 7) $. Sonneratii; das von
D. auf tab. 46 abgebildete Thier aus Japan halte ich für S. myosuros
Pall. 8) $S. Perrottetii Duv. tab. 47, neue Art, nur von der
Grösse des S. etruscus, Ohren gross, Pelz dunkelbraun, oben und
an den Seiten schwärzlich, unten mit grauem Tone. Aus den Nil-
Gherris, 2300 Metres über dem Meere. — 1. Subg. Amphisorex
(Sorexz Weglr). 9) A. pygmaeus tab. 48. 10) A. alpinus tab. 49.
11) 4. Lesueurii Duv. tab. 50, von der Grösse des 8. etruscus,
Pelz oben ziemlich dunkel aschgrau, was an den beiden Seiten lich-
ter, am blassesten unten wird; Schwanz oben schwärzlichgrau, un-
ten blass; Lippen weisslich. Von den Ufern des Wabasch im Staate
Indiana. — IN. Subg. Hydrosorex (Crossopus Weglr.). 12) H. ca-
rinatus (S. fodiens) tab. 51. — IV. Subg. Brachysorex, eine neue
Gruppe: Zahnspitzen gefärbt, obere Schneidezähne nur mit einem
Ansatze, der den darauf folgenden Lückenzahn nicht überschreitet,
untere Schneidezähne mit 2 — 3 stumpfen Zähnen, wie bei Amphi-
sorex. Lückenzähne 4— 5, wovon die beiden ersten ziemlich gleich
gross, der letzte gänzlich rudimentär und innen stehend am ersten
grossen Backenzahne. 13) B. brevicaudus Say tab.52. 14) B. Har-
lani Duv. tab.53; wird wohl, wie der Verf. vermuthet, mit S. par-
vus Say identisch sein. Im Anhange wird noch Sorex leucodon be-
schrieben und tab. 54 abgebildet. — Wir hoffen, dass der Verf. dieser
ausgezeichneten Beiträge zu einer Monographie der Spitzmäuse recht
bald uns die verheissenen Fortsetzungen seiner Arbeit nachfolgen
lassen werde.
Blasius macht bemerklich (Bericht über die 19te Versamml. der
Naturf, S, 87), dass nach Untersuchung einiger Exemplare von Sorex
suaveolens, die in der Krimm auf dem Gute von Pallas gesammelt
30
wurden, diese Art mit S. etruscus identisch ist. Von diesem hatte
schon Savi angegeben, dass ihm die Seitendrüse fchle, und dass sein
Moschusgeruch von den Exkrementen herrühre. Nach einer andern
Bemerkung von Blasius scheint S. Gmelini von S. pygmaeus nicht
verschieden.
Rüppell beschrieb im Mus. Senckenb. 111, S. 133 einen Sorex
indicus, var. cinereo-aenea aus Schoa. Alle Dimensionen sind ganz
wie bei indischen Exemplaren, nur ist bei dem aus Schea die Fär-
bung etwas verschieden: Oberseite, Füsse und Schwanz dunkelgrau,
ins. Rothbraune übergehend , mit einer Art Metallglanz, Unterseite
aschgrau. Ganze Länge 7’, wovon der Schwanz 4 wegnimmt. Der
S. flavescens stelıt am nächsten in der Färbung, doch ist der Schwauz
nur 4.
Von den japanischen Spitzmäusen hat Temminck (Faun. japon.
p-23) bereits die eine Art Crossopus platycephalus beschrieben.
Sie ist $ grösser als unsere Wasserspitzmaus, oben dunkelbraun,
unten dunkelgrau.
Zwei Arten Spitzmäuse aus Indien wurden von Gray in den
Ann. of nat. bist. X. p. 261 bekannt gemacht. 1) Crossopus hima-
layicus; „schieferschwarz, mit längeren, an den Seiten und dem
Kreuze weisszugespitzten Haaren; Untertheil des Vorderhalses und
Mitte des Unterleibs rostbraun; Schwanz geschuppt; oben mit anlie-
genden dunkelbraunen, unten mit verlängerten, starren weisslichen
Haaren; Füsse ziemlich nackt, Zähne weiss,“ Körper 5}, Schwanz 3".
Ist der weissen Zähne und der nackten Füsse wegen kein Crosso-
pus, sondern Crocidura. — 2) Corsira nigrescens; „schwärzlich
bleifarben mit Both gewässert; Unterseite blass mit mehr Roth,
Schnurren dunkel, Krallen weiss, Ohren unterm Pelze verdeckt,
Schneidezähne mit brauner Spitze. Körper 34”, Schwanz 1” 4”
Aus Indien.
Schliesslich mache ich bemerklich, dass ich vom $. varius ein
Exemplar erhalten habe, woraus ich ersehe, dass er im Gebiss mit
S. araneus übereinkommt,. durch den Mangel der langen flatternden
Schwanzhaare sich aber von allen Arten der Crocidura unterschei-
det; die Unterabtheilung Myosorex von Gray ist demnach gerecht-
fertigt. Dagegen ist nicht, wie es Gray vermuthet, S. varius mit
einnamomeus identisch, indem ieh mich aus der Besichtigung der bei-
den in Berlin aufgestellten Exemplare überzeugt habe, dass bei ihnen
ebenfalls der Schwanz mit langen flatternden Haaren besetzt, daher
diese Art unter Crocidura einzureihen ist. Zu dieser Abtheilung wird
auch S, pulchellus gehören, da seine Zähne schneeweiss sind.
Seiner frühern Abhandlung über Macroscelides Rozeti fügte
Duvernoy in den Mem. de Strasb. III. p. 50 ein ausführliches
Supplement bei.
Es betrifft dasselbe das Skelet und den Zahnbau, Rüsselbildung,
Schwanzdrüse, den Verdauungsapparat und die weiblichen Geschlechts-
31
theile; ist reich an eignen Beobachtungen und in gründlicher Be-
kanntschaft mit der Literatur. Eine Tafel dient zur Veranschau-
lichung der genannten anatom, Verhältuisse.
Talpina. VTemminck hat vor Kurzem die Beschrei-
bung seiner schon seit Jahren angekündigten neuen Gattung
Urotrichus mitgetheilt.
Sie findet sich in bolländischer Sprache im Institunt of Verslag.
van het K. N. Instit. van Wetenschapp. Amst. 1842. p. 212, und in
französischer in der Faun. jap. p. 20, und auch in Guerin’s Magas.
d. Zool. 1842. Mammif. pl. 55. Kopf gestreckt, mit langem, dünnen,
gegen das Ende nackten, aus zwei Cylindern gebildeten Rüssel.
Ohren und Augen durch den Pelz verborgen. Füsse nackt, die vordern
ähnlich denen des Maulwurfs. Der Schwanz misst } von der Länge
des Körpers, ist dick, geschuppt und mit langen Borsten bedeckt.
Zähne 36, davon 3 Schneidezähne, deren obere wie beim Wüchuchol
gestaltet sind (Schädel und Gebiss sind leider sehr undeutlich abge-
bildet). Der Jochbogen ist vorhanden. — Die einzige Art ist der
U. talpoides, von der Grösse unserer Wasserspitzmans, mit wei-
chem sammtartigem, glänzend dunkelbraunem Pelze. Häufig auf Japan,
aber niemals in den Ebenen, sondern in bergigen Gegenden, wo er
wie der Maulwurf gräbt, doch soll er keine Haufen aufwerfen.
Japan hat auch eine eigne Art von Maulwurf aufzuwei-
sen, von Temminck Talpa Wogura genannt.
Dem unsrigen ähnlich, aber statt 8 Schneidezähne im Unterkiefer
nur 6, und die Färbung lichtbraun, was an den Seiten heller wird
und am Bauche röthlich angeflogen ist. Auf allen japanischen Inseln;
auf Sikok findet man eine schwarze Varietät, auf Kiusiu eine weisse.
Die Gattung Sealops, bisher nur in einer Art bekannt,
hat Bachmann auf einnal auf 5 Arten gebracht.
Seine Beschreibung findet sich im Journ. of Philadelph. VII, 1.
p-.58 u, 2. p.292. 1) Scalops Townsendii Nutt.; 44 Zähne, Pelz
oben und unten dunkel, beim gewöhnlichen Lichteinfall schwarz (die
Haare sind bis gegen die Spitze granlichschwarz); Schwanz spärlich
mit kurzen Haaren besetzt. Körper 7!”, Breite der Vorderhand 7”.
Ein anderes Exemplar, von Townsend am Columbia -Flusse gefan-
gen, ist um 1” länger und hat eine weisse Linie unter dem Bauche,
Hieher gehört Richardson’s Sc. canadeusis. — 2) Se. Breweri,
ebenfalls mit 44 Zähnen, glänzend aschgrau, oben schwarz, unten
bräunlich; Hände schmal, Schwanz flach, breit und behaart; Nasen-
löcher statt wie bei Sc. aquaticus in der Oberseite der Schnautze
eingefügt, an die Seiten gestellt. Körper 6”, Schwanz ohne Haare
1°, mit Haaren 1” 5”, Breite der Hand 4”, des Schwanzes 4”. In
Olio und mehreren der nördlichen Staaten. — 3) Sc. argentatus
Bachm., gleich den nachfolgenden Arten blos 36 Zähne; Haare des
Rückens von der Wurzel an mit schmalen schwarzblauen und weissen
32
Ringen besetzt, bis nahe zur Spitze, wo ein breiter grmuweisser
Ring mit so kurzer brauner Spitze steht, dass die hellere Farbe an
der Oberfläche noch sichtlich ist und ein schönes silberiges Ansehen
giebt. An der Unterseite sind die Haare bleifarben mit endständigem
weisslichem und lichtbraun zugespitztem Ringe. Nasenlöcher auf der
Oberseite der Schnautze. Körper 7”, Schwanz 1’, Breite der Hand
10°”. Aus Michigan. — 4) Sc. latimanus Bachm., grösser als Sc.
aquaticus, Haare länger, lockerer und compakt, ohne dasselbe glän-
zende schmucke Ansehen, dunkelgrau mit dunkelbraunen Spitzen,
Zähne und Hände fast doppelt so gross als bei Sc. aquaticus; Schwanz
nackt. Körger 6° 8, Schwanz 1” 7”, Breite der Hand 10°”. Aus
Mexiko und Texas. Demnach würde das von mir (Schreb. Suppl.
11. S. 104) beschriebene Thier zu Sc. latimanus gehören. — 5) Se.
aquaticus Linn. nur 5—5%’ lang; Färbung, obschon gelegentlich
ändernd, weit heller als bei Sc. Townsendii; die Jungen bis über
das erste Jahr hinaus haben nur 30 Zähne, dann erst erhalten sie 36.
Carnivora.
Ursina. Ref. hat die von Blainville behauptete specifi-
sche Identität der Höhlenbären mit dem braunen Landbären
als unhaltbar nachzuweisen sich bemüht.
Da meine Abhandlung aus den Münch. gel. Anzeig. (1842 Nr. 130
— 132) in diese Blätter (1843. S.24) übergegangen ist, so ist es über-
Nüssig, mich weiter auf sie einzulassen.
Von Gray in den Ann. of nat. hist X. p. 261 aufgestellt ist
Procyon Psora; ,„gelblichbraun und grau, gesprenkelt; Gesicht,
Schläfe, Halsseiten, Brust, Unterleib und Seiten schmutzig gelb;
Stirne, Wangen unter den Augen, jede Seite des Vorderhalses und
Ohrenrücken schwärzlichbraun; Pelz ziemlich lang, dunkelbraun,
längere Haare gelblichweiss, die des Rückens, Kopfs und der Schul-
tern braun zugespitzt; Schwanz kurz? vielleicht verstümmelt?“
Körper 27”, Schwanz 3"? Von Kalifornien.
Mustelina. Zur Kenntniss der amerikanischen
Wiesel gab Bachmann einen schätzbaren Beitrag.
Er weist nach (Journ of Philadelph. VIM. 2. p. 288), dass die
europäische Mustela vulgaris von der amerikanischen, wie sie Richard-
son beschreibt, verschieden ist und giebt letzterer den Namen M.
fusca. Diese amerikan. Art hält in der Grösse das Mittel zwischen
M, erminea und vulgaris; der Schwanz ist kürzer als bei ersterer,
aber länger als bei le'zterer, und wie bei jener am Ende schwarz,
doch sind diese Haare kurz und weich, und nicht so lang und steif
wie beim Hermelin. Die Oberseite ist braun; die untere rein weiss,
ohne Einmengung brauner Haare, wie diess bei M. vulgaris der Fall
ist, zugleich breitet sich die weisse Farbe weiter aus und zieht sich
33
an der Innenseite der Beine bis zum Tarsus hinab, während sie bei
dem europ. Wiesel kaum zum Schenkel reicht.
M. erminea | M. fusca KM; vulgaris,
BEEEE or DE OR. ar” 117 9” gr
a
Schweifrübe . . . ... . 4 6 FA 1-9
Schwanz mit Haaren. . . 6 2 3 2 at
Olrhöhe, hinten . . . . 0.2 03 ee 2
Bachmann hielt Hermeline und ein Wiesel während des Winters
über zu Hause; die erstern wurden alle weiss, das letztere nicht.
Er ist überzeugt, dass diese M. fusca wenigstens in der Breite von
New York nicht weiss wird, was auch nicht mit dem Wiesel, das
er mit ihr für identisch vermuthet und in den südlichen Staaten bis
zu den obern Theilen von Südkarolina und Georgien geht, der Fall
sein soll. Ref. bemerkt, dass die M. fusca mit M. Cicognanii
Bonap. identisch ist; es bleibt jedoch Bachmann das grosse Verdienst,
die specifische Verschiedenheit derselben von M. vulgaris überzeu-
gend nachgewiesen zu haben. Däss auch die Identität des amerik.
Hermelins mit dem europ. beanstandet wird, scheint B. noch nicht
zu wissen, was deshalb unangenehm ist, weil er am ersten kierüber
eine Entscheidung geben könnte.
Beigefügt hat Bachmann noch die Beschreibung von Mustela
JSrenata Licht.
Karelin stellte in den Bullet. de Mosc. 1841. p. 572 die Frage,
ob nicht der Zobel des Altai, von dem er 2 Exemplare auf seiner
Reise einschickte, eine vom Zobel des östlichen Sibiriens verschie-
dene Art ausmache. Er differire von diesem durch weit gestreckteren
Körper und überdiess durch gelbliche Flecken am Halse; nach diesen
Merkmalen hätte man den Zobel des Altai zu den Mardern gestellt,
allein er sei ein ächter Zobel, indem sich seine Behaarung bis unter
die Pfoten erstrecke.
Ref. machte in diesem Archiv 8. Jahrg. 1 Bd. S. 258 eine neue
brasilische Art von Lutra, L. solitaria Natt. vorläufig bekannt.
Dass Aretony= nicht mit Meles, sondern, wie es Ref. schon
früher gethan, mit Mydaus zusammen gestellt werden müsse,
wurde von P. Gervais bemerklich gemacht (Instit. 1842. p. 117).
Laurillard berichtet, dass Morren in den Tertiärformationen
bei Brüssel die Überreste eines Dachses, zugleich mit denen voh
Batrachiern, Schlangen, Vögeln und mit Haizähnen gefunden habe;
er schlägt den Namen Meles Morreni vor (D’Orb. dict. univ., IE,
p. 593).
Aus der Braunkohle von Käpfnach in der Schweiz erhielt A. v.
Meyer ein Unterkiefer-Fragment mit Zähnen von einer zwischen
Dachs und Wiesel stehenden Gattung, die er Trochictis carbo-
naria benannte (Jahrb. f, Min. 1942. 8. 584).
In der Oversight over det K. danske Vetensk. Selskabs Forhandl.
Archiv f. Naturgesch, IX, Jahrg. 2. Bd. (®
34
i Anr 1841 wird angekündigt, dass Lund unter den jetzt lebenden
brasil. Raubthieren eines entdeckt habe, das eine neue Gattung zwi-
schen der des Vielfrasses (Jaerv) und Hundes bilde und von ihm
Cynogale venatica benannt worden sei. Weitere Nachrichten
müssen hierüber erwartet werden, ehe nur die Familie der angeb-
lichen Gattung ausgemittelt werden kann.
Fiverrina. Thomson beschrieb in den Ann. of nat.
hist. X. p. 204 eine Genetta Richardsonii von Fernando Po.
Lebhaft falb; 3 Streifen im Nacken, zahlreiche ungleiche Flecken
am Rücken, den Seiten und Beinen, so wie 12 Ringe am Schwanze
schwarz. Nase grau, Füsse graulich falb, kaum gefleckt. Beine,
Wangen, Unterseite nebst Innenseite der Gliedmassen heller falb.
Körper 13}, Schwanz 12}. — Sollte diess nicht ein Junges von Ge-
netta poensis Wat. sein?
Die Unterschiede der algierschen Genette von der kapi-
schen und südeuropäischen wurden durch Lereboullet be-
leuchtet (Mem. de Strasb. II. p. 7).
Das strassburger Museum besitzt von jeder der genannten Ge-
netten ein Exemplar; der letzteren geht aber ein spezieller Heimaths-
Nachweis ab. Der Verf. findet folgende Unterschiede. Die algier.
G. hat grössere, gedrängtere, dunklere und volle Flecken; ein eigent-
licher weisser Fleck über dem Auge fehlt, die Pfoten braun. Bei
der kap. G. sind die Flecken entfernter, in der Mitte falb, die Pfoten
grau. Bei der europ. G. ist der Schwanz länger als der Körper (bei
der algier. reicht er bis zum Auge, bei der kap. bis zum Nacken),
hat 11 schwarze Ringe und weisse Endspitze (die andern nur 9),
und das Ohr ist innen behaart, bei den andern nur die Ränder. —
Ref. bemerkt, dass mit letzterem Exemplare eine angeblich spani-
sche Genette des Wiener Museums in der Färbung und Länge des
Schwanzes ziemlich übereinkommt, indem der Schwanz ohngefähr
10 schwarze Ringe mit bräunlich gelber Spitze hat und so lang als
der Körper ist (jeder 17”); auch sind die Flecken der Seiten, wie
am Strass. Exemplare voll und gross. Man könnte demnach diese
Genette, wenn an mehr Individuen diese Merkmale sich als constant
ausweisen würden, als Viverra Genelta var. europaea bezeichnen,
Für die Thiergeographie wichtig ist die Entdeckung einer
Manguste in Spanien.
Gray berichtet in den Ann. of nat. hist. IX. p. 50, dass Kap.
Widdrington aus der Sierra Morena, zugleich mit Felis pardina, eine
Manguste zurückgebracht habe, der jener den Namen Herpestes
Widdringtonii giebt. „Pelz schwarz und weiss. gesprenkelt;
Nasenseiten, Füsse and Schwanzende schwärzlich. Rückenhaar lang,
schwarz, mit 3 breiten weissen Ringen und einer sehr kurzen bräun-
lichen Spitze; Unterwolle weich, rothbraun (bay). Gesichtshaare
kurz und angedrückt; Vorderhals und Unterleib nackt; Olıren kurz,
35
gerundet, mit kurzen, weichen, fein geringelten Haaren besetzt.
Körper 22", Schwanz 20°. Sehr nahe mit H. Ichneumon verwandt,
unterscheidet sich aber durch weit kürzere Haare, die nur 3 Ringe
haben, während die Rückenhaare von H. Ichneumon weiss sind mit
7 breiten schwarzen Ringen, eine lange weisse Basis und nur schmale
Ringe zwischen den schwarzen oben zeigend.“
Ein anderes wichtiges Faktum für die geographische Verbreitung
der Thiere wäre es, wenn der Puradoxurus Nubiae Fr, Cuv.
(mammif. 71. livr.) wirklich aus Nubien herstammte, von wo ihn an-
geblich Burton mitbrachte. Er kommt mit unserem P. felinus der-
massen überein, dass man glauben könnte, die Beschreibung des P.
Nubiae sei nach diesem Exemplare entworfen. Was ich jedoch sehr
bezweille, ist die Angabe, dass seine Heimath Nubien ist, da man
von der ganzen Gattung keine Art aus Afrika kennt und bei dem
vielfachen Herumschleppen der Thiere ihr sekundärer Wohnort nicht
selten für ihren ursprünglichen genommen wird.
Eine merkwürdige Probe seiner Gattungsmacherei hat Gray in
den Ann. X. p. 260 damit abgelegt, dass er nach einer höchst zwei-
deutigen Abbildung in Hardw. Illustr. of Ind. Zool., welche er früher
als Viverra fusca deutete, eine Gattung Osmeteetis aufstellte,
ohne natürlich vom Gebiss und der Beschaffenheit der Sohlen etwas
zu kennen. Er glaubt in ihr den indischen Repräsentanten von Nasua
gefunden zu haben; ich dagegen (Schreb. Suppl. Il. S. 289) habe auf
Paradoxurus gerathen.
Canina. Über die wilden Hunde von Neuholland
giebt Grey einige Notizen (Journ. of two expedit. in N. W.
and W. Australia).
Ausser dem Dingo sah er in Nordwest-Australien einen von die-
sem, wie er sagt, ganz verschiedenen Hund. Seine Farbe ist die=
selbe, doch theilweise mit schwärzlichem Anfluge; die Schnautze ist
lang, dünn und sehr spitz, ähnlich der des Windspiels, während die
Gestalt untersetzter ist. Nach Aussage einiger seiner Reisegeführ-
ten, die auf Timor gewesen waren, soll dieser Hund ganz mit dem
auf dieser Insel übereinkommen (also Canis rutilans), was dadurch
an Wahrscheinlichkeit gewinnt, dass er nur in Gesellschaft der Ein-
gebornen gesehen wurde. Der Dinge dagegen fand sich in einigen
Gegenden häufig im wilden Zustande.
Vom Canis primaevus gab Delessert (souv. d’un voy. dans
Pinde p. 16. tab. 2) eine Abbildung. Er erlegte einen bei Gengy an
der Küste von Koromandel und sah sie in den Nilgherris mehrmals
in. Banden von 3 — 4 Stück jagen.
Canis Azarae wurde von Bridges in den Thälern der Ostseite
der Anden von Chili zwischen 34 — 35° gefunden; er scheint von
dem grossen chilesischen Fuchse, Culpeo. genannt, durch plumpere
Ohren zu difleriren (Ann. of nat, hist, IX. p. 509). Waterhouse
G*
36
hemerkte hiebei (p. 512), dass dieser Fuchs von dem in der Zool. of
the voy. of the Beagle abgebildeten sich dadurch unterscheide, dass
er kein Schwarz am Kinn und den Mundwinkeln hätte.
Hyaenina. Vom Ref. ist erschienen eine „Auseinan-
dersetzung der spezifischen Differenzen, durch welche sich die
Hyaena brunnea von der IHyaena striata und eroeuta in der
Beschaffenheit des Schädels und Gebisses unterscheidet.“
Sie findet sich in den Abh. der Münchn. Akadem, III. S. 607, und
ist von einer Abbildung des Schädels der H. brunea in natürlicher
Grösse, nebst Darstellung der Reiss- und Höckerzähne der andern
Arten begleitet.
Felina. Gray hat seine Gattung Leopardus mit 4
neuen Arten bereichert (Ann. of nat. hist. X. p. 260).
Zwei Arten sind aus Central-Amerika und werden von ihm Leo-
pardus griseus und pietus genannt; die 3te, L. Ellioti, ist
aus Madras, die 4te, L. Horsfieldii, aus Butan. Da weder Di-
mensionsverhältnisse angegeben, noch Vergleichungen mit bekannten
Arten vorgenommen, eine sichere Erkennung dieser 4 Spezies daher
unmöglich ist, so begnüge ich mich, ihre Namen genannt zu haben.
Bei der Turiner Versammlung brachte Bruno eine südamerika-
nische Katze zur Sprache, die von Felis pardalis durch geringere
Grösse und den Mangel der schiefen Streifen von den Schultern zur
Hüfte?, von F. macrura durch dickeren Kopf, schwächern und kür-
zern Schwanz sich unterscheiden soll; er benannte sie F\ parda-
loides. Pictet meinte, sie könnte vielleicht doch nur eine Abän-
derung von F. macrura sein (Isis 1842. S. 257).
Pinnipedia. Von einem jungen Stemmatopus cristatus lie-
ferte Rüppell im Mus. Senck. 111. S. 134 eine Beschreibung.
Von einer lebendig auf Korsika gefangenen Robbe, wo sie in
Menge vorkommen, ist in der Rev. zool, 1842. S. 401 eine Notiz
mitgetheilt.
MHarsupialia,
Owen hat den Artikel Masupialia im 3ten Bande von
Todd’s Cyelopaedia of Anatomy and Physiology mit eben so
grosser Ausführlichkeit als Gründlichkeit bearbeitet und den
anatomischen Bau durch viele Holzschnitte erläutert.
Zur Anatomie der Beutelthiere hat Mayer in seinen ‚‚neuen Un-
tersuchungen aus dem Gebiete der Anatom. und Physiol.“ 1842. S.20
schätzbare Bemerkungen mitgetheilt, betreffend die Bildung des Beu-
tels und der Beutelknochen, welchen er hauptsächlich das weite Aus-
spritzen des Harnes zuschreibt, ferner die Geschlechtstheile und das
37
Gehirn, dem er im Gegensalze mit Owen Windungen und ein cor-
pus callosum zuerkennt.
Eine höchst merkwürdige Gattung hat P. Gervais unter
dem sonderbaren Namen T’arsipes bekannt gemacht.
Seine Beschreibung findet sich im Magas. de zool. 1842. pl. 35 —
37. Der äussere Habitus ist einigermassen der einer Spitzmaus, aber
der Kopf ist länger. Schnautze sehr gestreckt und schmächtig, Ohren
kurz, gerundet, nicht behaart. Hintere Gliedmassen etwas länger
als die vordera, mit nackten Sollen und kurzen Zehen. Vorderfüsse
mit 5 freien Zehen, deren Spitze einen kleinen Ballen wie bei den
Tarsiern bildet und den kleinen Nagel überragt. An den Hinterfüssen
die 2te und 3te Zehe am kleinsten und bis zum Nagelglied miteinan-
der verwachsen. Die 4te Zehe ist die längste und gleich der Sten
mit einem kleinen, vom Ballen überragten Nagel; der Hinterdaumen
ist enlgegensetzbar und unbenagelt. Der Schwanz ist sehr lang, an
der Wurzel vom Rückenpelz umkleidet, dann ganz kurz wie eiu
Rattenschwanz belaart. Das Weibchen ist mit einem Beutel vcr-
sehen. Der Schädel ähnelt auf den ersten Anblick dem des Ameisen-
fressers; für die Einlenkung des Unterkiefers giebt es keine bestimmte
Gelenkhöhle, und die Unterkinnlade gleicht der der Myrmecophaga
Jubala, hat auch viele Ähnlichkeit mit der der Monotremen. Eben so
sonderbar als der Schädelbau ist das Zahnsystem, Im Unterkiefer
findet sich vorn ein Paar messerförmige, vorwärts gerichtete Zähne;
gegen das hintere Drittel des Zahnrandes der Unterkinnlade jeder-
seits noch ein kleines Zähnchen, sonst kein Zahn weiter. Im Ober-
kiefer zeigen sich zuerst ein Paar winzige Schneidezähne; hinter
ihnen im ersten Drittel des Zahnrandes jederseits noch kleine war-
zenförmige Zähnchen, sonst keine. Gervais sieht diese paradoxe
Gattung für eine besondere Familie in der Abtheilung der Didelphes
syndactyles an und giebt ihr den Namen Tarsipedidae (!). Ref.
möchte sie lieber noch als eine anomale Form unter die insekten-
fressenden Raub-Beutelthiere, aber ebenfalls als besondere Familie
bringen, unter denen sie eine ähnliche Stelle, wie Proteles unter
den Hyänen einnehmen würde.
Seiner Art gab Gervais den Namen Tarsipes,rostratus. Pelz
falbbraun (Haare am Grunde bleifarben, an der Spitze falb), unten
hell falb; ein schwärzlicher, beiderseits leicht falb gesäumter Rücken-
sireif, ausserdem noch jederseits des Rückens eine röthliche, schwarz
gewässerte Längsbinde. Körper 4}, Schwanz 3%; Zoll, Vom Schwa-
nenfluss. — Von derselben Gattung beschrieb bald darauf auch Gray
ein Exemplar als Tursipes Spenserae (Ann. of nat. hist, IX. p.
40); Gervais erklärt diese identisch mit der seinigen. *)
*) Gray wurde zur Aufstellung einer zweiten Art hauptsächlich
wohl durch Gervais’ ungenaue Lokalitätsangabe veranlasst. Hr. Dr.
Preiss, dessen gültiger Mittheilung ich die Ansicht zweier Exemplare
38
Die bisher nur sehr unvollständig gekannte Gattung C’Aoe-
ropus hat Gray in mehreren Stücken genauer kennen ge-
lehrt (Ann. of nat. hist IX. p. 41).
Wirklich haben die kelniteihigeh Füsse vorn "nicht mehr als 2
Zehen, die gleich lang und mit konischen Krallen versehen sind. Die
Hinterfüsse sind 4-zehig: die äussere Zehe sehr klein mit Kralle,
die mittlere sehr stark, lang, mit zusammengedrückter Kralle; die
beiden innern Zehen gleich, schwach und bis zu den Krallen ver-
wachsen. Schwanz behaart, mit kleinem Endpinsel. — Das beschrie-
bene Exemplar nennt Gray Ch. castanotis; bräunlichgrau, unten
weiss, Seiten bräunlich. Körper 10, Schwanz 34, Ohren 13 Zoll.
Bewohnt das Gesträuch am Murray und wurde vom Kapt. Grey ein-
geschickt. Derselbe bekam aus demselben Revier auch ein Thier,
dem Ch. ecaudatus ähnlich, aber mit kräftigem Schwanze. Es ist
demnach sicher, dass am Balge des zuerst beschriebenen Exemplars
nur zufällig der Schwanz verloren gegangen war.
Von 10 neuen Arten aus der Gattung Didelphys babe ich im
Archiv 1842. 1.Bd. S. 358 einstweilen die Diagnosen mitgetheilt.
Lund hat in der von ihm untersuchten Gegend in der
brasilischen Provinz Minas Geraes im Ganzen 7 lebende Ar-
ten von Beutelratten aufgefunden (Det K. Danske Vidensk.
Selsk. Afhı. VII. p. 236).
Er bringt sie in 2 Abtheilungen: «) grosse Arten, mit lan-
gen weissenBorstenhaaren, die andern weit überragend.
1) Didelphys aurita Neuw., ganz mit des Prinzen Beschreibung
übereinstimmend. 2) D. albiventris Lund; sehr kenntlich von
Markgraf als Carigueya beschrieben, aber von allen Schriftstellern
verkannt. Kopf, Hals, ganze Bauchseite, Rückenhaare am Grunde
und hintere Schwanzhälfte blass isabellgelb. Extremitäten, eine Binde
durch das Auge, eine andere über die Stirne, Haarspitzen auf dem
Halse, Rücken und den Seiten nebst der vordern Schwanzhälfte
schwarz. Ohren grau mit weisslicher Spitze. Ganze Länge 22”,
wovon der Körper die Hälfte, Ohren 2” 3”. Von D. virgiviana un-
terschieden durch geringere Grösse, längeren Schwanz, weissen
Bauch und grössere Ohren. — £) Kleinere Arten, ohne Bor-
stenhaare; bei No. 3—5 ist der Schwanz länger als der Körper,
bei No. 6— 7 kürzer. 3) D. incana Lund; oben rein grau, unten
dieses merkwürdigen Thierchens verdanke, versicherte, dass dasselbe
am Schwanenfluss ganz unbekannt sei. Die von ihm mitgebrachten
Ind. erhielt er am König Georgs-Sund, woher auch die Gray’schen
stammen, von den Eingebornen, welche es Nulbingar nennen. Es
lebt in Baumlöchern und nährt sich von Früchten und Insekten. Die
Identität der Gervais’schen und Gray’schen Art unterliegt übrigens
keinem Zweifel. Herausgeber.
39
weiss, durch das Auge eine grauschwarze Binde; Schwanz lichtbraun,
gegen das Ende weisslich, nackt bis zur Wurzel; Ohren grau. Sehr
verschieden von D. cinerea Temm, Körper 4’, Schwanz 5”. 4) D.
murina Auct. 5) D. pusilla Desm.; nur Stücke vom Skelet, die
auf Azara’s Enano hindeuten (?). 6) D. tricolor, in Grösse und Fär-
bung ganz mit Azara’s Colicorto übereinstimmend, aber die Farbe
der Seiten, welche dieser lebhaft zimmetfarben nennt, ist bei der
bier lebenden Art bloss ockergelb, weshalb Lund sie nur mit Zweifel
zu D. tricolor stellt. 7) D. trilineata, von Markgraf als Spitzmaus
beschrieben. i
Gray vermehrte die Gattung Phasco(lo)gale mit zwei
neuen Arten.
Die eine nennt er Ph. apicalis; in Grösse und Ansehen mit
Ph. minima übereinkommend, aber verschieden durch lange weisse
Spitzen an den schwarzbraunen und schwarzen Haaren, durch kur-
zen, konischen, verschmälerten und mit verlängerten gelbspitzigen
Haaren bedeckten Schwanz, hauptsächlich aber durch einen schwarz-
spitzigen Haarpinsel. Im Oberkiefer fanden sich nur 2 falsche Backen-
zähne, wahrscheinlich in Folge der Jugend. Heimath unbekannt.
(Ann. IX. p. 518.) — Der andern Art giebt Gray den Namen Ph.
leucopus; grau, mit schwärzlich gewässert, Kopf merklich röther;
Lippen, Kinn, Vorderhals, Unterleib, Innenseite der Beine und Füsse
weiss; Schwanz "düün, untere Hälfte weiss, obere schwärzlichbraun;
Ohren gross. Von Ph. leucogaster sehr verschieden durch weisse
Füsse (Ann. X. p. 261).
Die ohnediess schon grosse Anzahl Arten von Kängu-
ru’s ist durch Gould um sechs vermehrt worden (Ann. IX.
p: 335, X. p. 1).
Die Arten heissen: Osphranter antilopinus, O.(?)isabel-
Linus, Halmaturus agilis, Macropus ocydromus, Lagor-
chestes conspicillatus und L. albipilis. Osphranter ist
eine neu errichtete Gattung oder Untergattung, begründet auf die
grosse Ausdehnung der Nasenhöhle und Schnautze, die verhältniss-
mässig geringe Grösse der seitlichen Zehen des Hinterfusses, und
die überwiegende der mittlern Zehe etc. Da Gould in seiner Mono-
graphie diese Arten weiter erläutern wird, so ist es nicht nüthig
jetzt genauer darauf einzugehen.
Rodentia.
Veranlasst durch meine Abhandlung über die systemati-
sche Gruppirung der Nager hat Waterhouse angefangen, die
Rechtfertigung seiner Anordnung gegenüber der meinigen zu
unternehmen (Ann. of nat. hist. X. p. 197).
40
Da wir beide von verschiedenen Prinzipien ausgehen, so muss
natürlich die Gruppirung in Familien öfters SErSDBIE SEN ausfüllen.
Waterhouse legt ein Hauptgewicht auf die Form des Unterkiefers,
während ich derselben nur eine sehr untergeordnete Bedeutung ein-
räume, überhaupt nicht nach einem und demselben Merkmale klassi-
fizire, was immer zu einer mehr oder minder künstlichen Eintheilung
führen muss, sondern in der Festsetzung einer Familie mich von
denjenigen Merkmalen leiten lasse, die in ihr vorwaltend gegen die
übrigen hervortreten. Was meine Methode hiedurch an logischer
Consequenz scheinbar verliert, gewinnt sie andrerseits reichlich da-
durch, dass sie naturgemäss die Gattungen in Gruppen zusammen
fassen kann. Über die einzelnen Familien werde ich, wo es nöthig
ist, im Nachstehenden weiter Rede geben, und hoffe ich auf diese
Weise mich mit Waterhouse zu verständigen, dessen ausgezeich-
nete Verdienste um die Therologie ich ohnediess mit höchster Ach-
tung anerkenne.
Miram erklärt im Bull. de Mosc. 1841. p. 541, dass das Ver-
dienst, auf eigenthümliche Knöchelchen am Rande des Gehörganges
beim Meerschweinchen zuerst aufmerksam gemacht zu haben, nicht
ihm, sondern Leuckart zukomme.
Schreber’s Säugtb. Suppl. Ill, hat Ref. mit der Familie der
Mäuse beschlossen; der te Supplementband soll den Rest der Nager
und der übrigen Ordnungen von Land-Säugthieren nachbringen.
Seiurina. Waterhouse (a. a.:O.):hat seiner Familie
„Seiuridae“ eine weitere Ausdehnung gegeben nach folgen-
dem Schema:
Familie I. Sciuridae mit den Gattungen Sciurus, Pteromys,
Sciuropterus, Nerus, Famias, Spermophilus und Arctomys.
Aberrante Formen (ohne hintere Orbitalfortsätze des Stirn-
beins),
1) mit grossem untern Augenhöhlenioch; Gaumen zwischen den vor-
dern Backzähnen verschmälertt . . . 2. 2... .. Anomalurus
2) mit kleinem untern Augenhöhlenloch:
a) mit wurzellosen Backenzähnen > . . ... . Aplodontia
b) mit H - 3 (Sciuridae?).
«) Schmekzfalten einfach . .. 2 22.2... Ascomys
P) „ zusammengeselzt. . . . . .„ Castor.
Mit der Zuziehung dieser aberranten Formen zu den Hörnchen
kaun ich, eben weil sie aberrant sind und anderwärts einen legalen
Platz finden können, nicht einverstanden sein. Anomalurus zähle
ich nach den wenigen Notizen, die von ihm gegeben sind, zu den
Myoxinen. Aplodontia und Ascomys reihen sich ganz naturgemäss
den Wurfmäusen an und zeigen, wie nothwendig die Aufstellung
einer eignen Familie Cunicularia ist, wie es schon Pallas behauptete,
weil sonst die Gattungen dieser Gruppe in die andern Familien ver-
al
teilt werden müssen, und diese dann, weil die Einreihung eine ge-
zwungene ist, um ihren natürlichen Charakter gebracht werden. Die
Zuziehung des Bibers zu den Seiurinen bringt diese aber vollends
um alle naturgemässe Conformität, und ich weiss nicht, welche De-
finition alsdann noch von dem Begriffe Sciuridae gegeben werden
könnte. In seiner ersten Arbeit über die Nager hatte Waterhouse
(Loud. Mag. of nat hist. 1839. p. 593) Castor und Ascomys mit Spa-
lax zu seiner Familie der Arvicoliden gestellt, was wenigstens für
den Biber eher zu billigen gewesen wäre als seine jetzige Einrei-
hung unter den Hörnchen; er zeigt indess im ganzen Skelet- und
Zahnbau, in der Beschaffenheit der Füsse, des Schwanzes und des
mit den Geschlechtsorganen in Verbindung stehenden Sekretionsap-
parates so viele Hauptabweichungen auch von den Mäusen, dass jede
Verbindung mit diesen ebenfalls unnatürlich ist,
Ausserordentlich gross ist der Zugang an neu aufgestell-
ten Arten aus der Gattung Sciurus,
Leider ist aber ein grosser Theil derselben so ungenügend charak-
terisirt, dass Ref. in Ermangelung der Autopsie an eine Ausschei-
duog der Nominalarten, die unter ihnen sein mögen, nicht denken
kann. Er begnügt sich daher mit der einfachen Anführung nach den
Wohnorten.
«e) Indische. Die ausführliche Beschreibung des Sc. Deles-
sertii von Gervais mit Abbildung dieser Art und des Schädels
derselben, so wie der Schädel von Se. iunsignis, Rafflesii und aurei-
venter ist nun doppelt erschienen, einmal im Magas. de Zool. Nr. 20
und dann in Delessert’s souv. d’un voy. dans l’Inde, was sehr zu
missbilligen ist, indem es den Käufern doppelte Kosten macht und
unter den 1200 Säugthieren, die Delessert mitbrachte, wohl mehr
Neues gewesen sein dürfte, als dass er nicht andere Abbildungen
hätte vorlegen können. Übrigens hat Geryais an beiden Orten Ta-
mias und Funambulus mit einander confundirt; jene haben Backen-
taschen, diese als ächte Eichhörnchen nicht.
Gray brachte in den Ann. X. p. 263 sechs andere Arten: 1) Se.
rufogularis aus Chiva, dem Sc. Rafllesii sehr ähnlich, aber nur
halb so gross, ohne Weiss an den Wangen; Schultern und Halsseite
roth. 2) Sc. rufoniger; schwarz, Vorderhals, Innenseite der
Beine und Unterleib licht roth; längs jeder Seite ein undeutlicher
Streif, Aussenseite der Schenkel weiss gesprenkelt. Indien. 3) Sc.
rufogaster; röthlich, gesprenkelt; Kopf, Halsseiten und Aussen-
seite der Gliedmassen bleifarben, gesprenkelt; Schwanz und Füsse
schwarz, Unterleib roth. Malakka. 4) Sc. atrodorsalis; grau,
Rückenmitte schwärzlich, schwach gesprenkelt; Wangen und Schnur-
ren gelblich; Ohren, Unterleib und Innenseite der Gliedmassen trüb
rolh; Schwanz schwärzlich, Haare mit einer breiten schwarzen cen-
tralen Binde. Butan. 5) Se. castaneoventris; sehr ähnlich dem
Se. bippuris, aber nur halb so gross und die Olren grau. China
42
6) Sc. caniceps, blassgrau, gespreukelt; Rücken gelblich, unten
blasser grau; Schwanz lang, grau, schwarz gescheckt, geringelt,
Haare mit 3 breiten schwarzen Binden. Butan.
?) afrikanische, 3 Arten von der Nigerexpedition durch Wa-
terhouse in den Ann. X. p. 202 beschrieben: 1) Sc. Stangerit,
grösser als das gem. Eichhorn, mit grobem Pelze, auf der Oberseite
schwarz und gelb gesprenkelt, die Unterseite dünn behaart, Schwanz
sehr dick und buschig. 2) Sc. rufo-brachium, ähnlich dem Se.
annulatus, aber merklich grösser, prächtiger gefärbt, der hintere
Theil der Vorder - und Hinterglieder mit rostrothen Haaren besetzt.
3) Se. leucogenys, oben schön braun (die Haare aus schwarz und
schön gelb gemengt), unten weiss; Schwanz hauptsächlich schwarz,
aber die Haare weiss zugespitzt und am Grunde rot, der mittlere
Theil unten ist mehr hell rostroth; Gesichtsseiten weiss; Grösse des
gemeinen Eichhorns.
y) nordamerikanische. Bachmann publizirte im Journ, of
the Acad. of nat. sc. of Philadelph, VII. 2 (1842). p. 310 sechs nord-
amerikanische Arten: 1) Sc. lanigerus, Pelz lang und wollig,
Schwanz dick, buschig, kaum zweizeilig; Nase, Ohren und Füsse
fast schwarz; Oberseite dunkelgrau und braun gesprenkelt, Unter-
seite blassbraun. Körper 12’, Schwanz 11”. Nord-Kalifornien. 2) Sc.
mustelinus, ganzer Körper einförmig glänzend schwarz, 10° lang,
Schwanz 13’. Aus Kalifornien; von Sc. niger durch den Mangel.der
weissen Färbung der Nase und Ohren verschieden. 3) Sc. ferru-
gineiventris, oben hellgrau, an den Schultern röthlichbraun, unten
licht roth. Körper 8” 10”, Schwanz 10°. Kalifornien. Gleicht eini-
gen Abänderungen von Sec. cinereus und leucotis so sehr, dass ıman
versucht werden könnte, sie dem einen oder andern zuzuzählen,
wenn nicht die grosse Entfernung des Wohnorts dagegen spräche.
5) Sc. mollipilosus, dunkelbraun, an den Seiten roth, unten grau.
Dem Sc. hudsonicus verwandt, aber die lichte Bauchfarbe viel schmä-
ler, zwischen der Färbung des Rückens und der Unterseite keine
schwarze Linie etc. Körper 8}”, Schwanz 7°. Nord - Kalifornien.
6) Sc. occidentalis, Pelz lang und weich, Kopf, Rückenstreif und
Schwanz schwarz, Seiten braun mit Schwarz gemischt, Unterseite
braunschwarz, Ohren schmal. Körper 11”, Schwanz 14°. Am näch-
sten verwandt mit der schwarzen Abänderung von Sc. leucotis, doch
verschieden, wie denn keine Art aus den ätlantischen Staaten west-
wärts der Felsengebirge, oder nur, mit Ausnahme von Sc. capistra-
tus, wesiwärts vom Mississippi gefunden wird. Man kennt jetzt
schon 8 permanent oder in gewissen Abänderungen schwarze nord-
amerik. Eichhörnchen. — Lesson stellt 2 Arten aus Mittelamerika
auf im Tableau du regne anim. p. 112: Se. Piladei (!) aus San
Salvador, und Sc. ddol/phei von Nicaragua, Ersteres ist offenbar
nichts anderes als Sc. aureogaster Fr. Cuv.; die andere hat, wie
Lesson sagt, grosse Ähnlichkeit mit dem Capistrate a longue queue
43
von Er. Cuvier, doch spricht er nicht von einer weissen Färbung der
Nase. — Von Honduras ist Gray’s Sc. Richardsonii (Ann. X.
p- 264); „schwarz, braun, gescheckt; Haare schwarz, mit einer
breiten, fast mittelständigen braunen Binde; Wangen und Seiten
braun; Mitte des Vorderhalses, Unterleib und Innenseite der Beine
weiss; Schwanzhaare mit langen weissen Spitzen; Füsse schwarz,
Ohren behaart. Länge des Körpers?, des Schwanzes?“ Wenn Gray
selbst die Länge seiner neuen Art nicht angeben kann, wer denn? —
d) südamerikanische, Ref. publizirte im Archive 1842. 1. Bd.
8.360 2 neue brasilische Arten Sc. igniventris und pyrrhono-
tus Natt.; weitere Untersuchungen haben seitdem ergeben, dass der
im südlichen Theil Brasiliens vorkommende Sc. aestuans im nord-
westlichen 'Theile einen Repräsentanten hat, der sich schon durch
die Ocker-Farbe seiner Kehle unterscheidet und deshalb von uns
Se. gilvigularis benannt wurde. — Aus Columbien ist Gray’s
Sc. Delcheri; schwarz, fein hellgelb bespritzelt; Kopfseiten und
Aussenseite der Beine mehr orange, und Füsse dunkel rothbraun
(bay); Augeukreis und Unterseite licht orange, Lippen und Vorder-
hals blasser; längs der Leibesseiten ein schwarzer Streif zwischen
den beiden Farben. Schnurren schwarz, Ohren behaart, schwach
gepioselt; Schwanz flach, ziemlich schmal, schwarz und roth ge-
scheckt, mit langen weissen Haarspitzen. Körper 74’, Schwanz 4!”
(Ann. X. p. 263). Noch führt Gray eine Art von unbekannter Hei-
math an: Sc, splendidus, Grösse des engl. Eichh., aber hellroth;
Haare einförmig braunroth (red bay) bis zur Wurzel, Kopf merklich
blasser, Wangen und Kirn noch mehr, Unterseite nebst Innenseite
der Beine bis zum Handgelenk rein weiss; Schnurren uud Haarbü-
schel an den Schläfen schwarz; Ohren etwas nackt; Schwanz flach,
zweireibig, hell roth mit einfarbigen Haaren.
Fragweise ob aus Indien stellt Gray a.a. O. einen Nerus tri-
vittatus auf; dunkelbrau, fein grau gesprenkelt, Unterseite und
Seitenstreif weiss, ausserdem noch ein grauhrauner Streif längs des
Rückgraths, was von den ändern Arten unterscheidet; Schwanz
weiss mit 3 breiten schwarzen Binden
Pteromys hat ebenfalls einen ansehnlichen Zugang an
Arten gehabt, darunter, was zur Kenntniss der geograph.
Verbreitung wichtig, eine aus Afrika, von wo bisher kein
Flughörnchen bekannt war.
Gray beschrieb aus der alten Welt 3 Arten (Ann. of nat. hist.
X. p. 262): 1) Pteromys Derbianus, schwärzlich braun, grau
gesprenkelt (Haare trüb schwarzbraun, mit weisslichen Spitzen),
Schultern weisslich, Schwanz und Füsse schwarz, ersterer rund.
Unterseite und Innenseite der Beine graulich weiss; Kopf oben und
unten schwärzlich grau. Körper 14°. Sierra Leone. Mr, Whitfield. —
2) Sciuropterus caniceps, schwärzlich braun mit rothbhraun ge-
44
scheckt (Haare lang, schwärzlich mit rothbraunen Spitzen), Aussen-
seite der Beine röther, unten röthlichgelb. Kopf eisengrau mit ein-
gemengten längern schwarzen Haaren; Vorderhals weiss, Kinn
schwarz. Schwanz flach, sohwarz mit einigen röthlichen Haarspitzen.
Körper 9”, Schwanz 8}. Gleich den folgenden durch Pearson aus
Dargellan (Indien) eingesandt.“ Ein anderes Exemplar ist um 4 klei-
ner, oben und unten blass, Kopf dem Rücken gleichfarbig, Entweder
ein Junges oder neue Art, die im letztern Falle Sc. Pearsonii zu
nennen wäre. — 3) Sciuropterus nobilis, hell kastanienbraun,
mit einigen gelben Haarspitzen, unten blassroth; Scheitel, Schultern
und ein schmaler Streif längs des obern Theils des Rückgraths blass
falb. Ebendaher. — Aus den Fichtenwäldern am Columbia - Flusse
stammt Bachmann’s Pteromys oregonensis, im Journ. of Phil-
adelph. VI. 1. p. 101 ‚genau beschrieben. In der Grösse hält er
das Mittel zwischen Pt. volucella und sabrinus, ist oben braun, un-
ten gelblichweiss, hat längere und schmälere Ohren als letzterer,
weit längeren Sporo an der Handwurzel (113 Lin., bei sabr. nur 9
Lin.), daher auch die Flughaut weit breiter, am Unterleib einen ocker-
farbnen Ton, der bei Pt. sabr. fehlt. Körper 6", 8", Schwanz 6”,
Ohr 7°”, Breite zwischen den äussern Rändern der Flughaut 8".
Die Backenhörnchen sind mit 3 nordamerikanischen
Arten, sämmtlich vom Küstensaume am stillen Meere, berei-
chert worden,
Zwei von Townsend gesammelte Arten beschrieb Bachmann
a.a.0. 8.68: 1) Tamias Townsendii, ähnlich dem T. Lysteri,
aber grösser, Schwanz weit länger, an den Seiten keine weissen
Streifen, noch eine rothe Färbung an den Hüften. Kopf und Rücken
gelblichbraun mit 5 schwarzen Längsstreifen. Körper 6" 9”, Schwanz
ohne Haare 4”, mit Haaren 5”. Gemein in den Waldungen an der
Westküste, wo es in Höhlen unter dem Boden lebt. 2) T. mini-
mus, vou der Stirne an bis zum Schwanz verläuft längs des Rück-
graths ein schwarzer Streif; jederseits folgt ein weisslich aschfar-
biger, dann ein brauner, hierauf ein rein weisser und zuletzt wieder
ein brauner Streif. Unterseite weiss; von den Nasenlöchern über
das Auge ein weisser, oben braun gesäumter Streif; durch das Auge
zum Ohr eine rothe Livie, darunter eine andere. Schwanz schmal,
oben braun, hellroth eingefasst. Körper 3° 9”, Schwanz ohne Haare
3” 2”, mit Haaren 4’. Sehr häufig längs der Ufer des Rio Colorado.
— Die 3te Art, T. Hindei ist von Gray (Ann. X. p. 264) aufge-
stellt: rothbraun, mit 3 schwarzen Streifen längs der Mitte des
Rückens, der äussere mit einem weissen Strich eingefasst, an der
Aussenseite einen undeutlichen schwarzen Saum zeigend. Unterseite
weiss, Füsse rostbraun; Schwanzhaare roth am Gründe, mit breiter
schwarzer, fast endständiger Binde und weisslicher Spitze. Körper
5}”, Schwanz 4)”. Kalifornien,
Blasius macht in den Verh. der deutsch. Naturf. zu Braunschw
45
S. 87 bemerklich, dass Tamias striatus westlich vom Ural bis fast
an die Dwina vorkommt und in den Wäldern an der Witschegada
und Sissola häufig ist; dass dagegen Pleromys volans im ganzen Nor-
den eine seltene Erscheinung ist.
Auch die amerikanischen Ziesel haben durch Bach-
mann im Journ. of Philadelph. VII. 41. p. 6 und 2. p. 319
ihren Antheil an der Vermehrung der Arten erhalten,
1) Spermophilus Townsendii, mit Sp. Richardsonii und gut-
tatus Rich. verwandt, oben bräunlich grau (Haare am Grunde schwarz,
dann silbergrau, dann dunkelbraun mit gelblich weisser Spitze),
Haare der Unterseite schwarz mit grauen Spitzen, Schwanz oben
dem Rücken gleichfarbig, unten schwach braun angeflogen. Körper
83”, Schwanz ohne Haare 1”, mit Haaren 1}”. Bewohnt die Prairien
am Walla-walla, wird sehr fett, verschwindet im August und er-
scheint zeitig im Frühling in sehr abgemagertem Zustande. — 2) Sp.
annulatus, oben röthlichbraun, mit Schwarz gesprenkelt, unten
weiss; Schwanz mit 17 — 20 schwarzen Ringen. Körper 8’ 2”,
Schwanz ohne Haare 8°, mit Haaren 9” 4”. Aus den westlichen
Prairien, ohne genauere Bezeichnung.
In seinen Bemerkungen über die europ. Ziesel klagt Blasius
(Verh. der 19ten Versamml. d. Naturf. Braunschw. S. 87) ebenfalls,
dass die Kenntniss der Arten nicht überall klar ist. ‚Sp. guttatus,
die am wenigsten verbreitete Art, wurde von ihm in den Gegenden
des obern und mittlern Donetz aufgefunden; nahe verwandt damit
erklärt er den Sp. musicus von den höchsten Alpen des Kaukasus.
Nur Sp. eitillus scheint von der Donau und Schlesien an bis zum
Altai durchgängig verbreitet zu sein.
Arctomys flaviventer ist durch Douglas aus den Gebirgen
zwischen Texas und Kalifornien gebracht und von Bachmann
(Journ. of Philadelph. VII. 2. p. 309) unter diesem Namen
aufgestellt worden.
Nahe mit A. empetra verwändt, aber die Füsse bräunlich gelb
statt schwarz, Unterleib gelb, statt satt rostroth, Rückenhaare gelb-
lich weiss und schwarz gefärbt statt rostbraun, schwarz und weiss,
Krallen halb so lang. Körper 16”, Schwanz mit Haaren 6° 10”. —
Von A. monax erwähnt Bachmann (a. a. O, S. 322), dass rudimen-
täre Backentaschen vorhanden seien, in welche ein Erbse eingebracht
werden könne.
Myoxzina. Im Mus. Senck. II. S. 136 beschrieb Rüp-
pell eine neue Art als Myozus eineraceus.
Schwanz buschig wie bei M. glis, Oberseite und Schwanz maus-
grau mit leichtem fahlen Anflug, Unterseite gelblich hellgrau, Kehle
und Pfoten milchweiss. Körper 4)”, Schwanz 2" 5”. Von Port
Natal in Südafrika.
46
Ein merkwürdiges Bindeglied zwischen Eichhörnchen und
Schläfern ist in dem Anomalurus Fraseri gefunden worden.
Fraser entdeckte diesen Nager auf Fernando Po, und Water-
house gab ihm in den Ann. X. p, 201 obigen Namen. Äusseres An-
sehen eines Flughörnchens, Pelz sehr zart und weich, oben russ-
farbig mit gelb gesprenkelt, unten weisslich. An der Unterseite des
ersten Schwanzdrittels findet sich eine doppelte Längsreihe grosser
haariger Schuppen mit vorspringenden Winkeln, dem Thiere beim
Klettern dienend. Schädel im Allgemeinen wie bei den Eichhörnchen,
aber ohne hintere Orbitalfortsätze und mit einem verhältnissmässig
grossen untern Augenhöhlenloch. Backenzähne 4, der Gaumen zwi-
schen ihnen eingezogen. Diese Gattung reihe ich provisorisch zu
den Schläfern.
Dipoda. Scirtetes ist von Gray mit einer Art be-
dacht worden (Ann. X, p. 262).
Er nennt sie Alactaga indica und sagt, dass sie an Grösse
und in der Länge der Hinterfüsse mit Sc. acontion übereinkomnt, von
diesem sich aber darin unterscheidet, dass sie gelblich ist, dass die
Haare der Schwanzquaste gelb und mit schwarzen Spitzen, während
bei Sc. acontion die schwarzen Haare einfarbig sind, und dass diese
nur eine schwache Andeutung von der eigenthümlichen Form der
Ballen unter den Zehen bei A. indica zeigt, wo sie zusammenge-
drückt sind, jederseits mit 3 — 5 Gruben, vorn gekerbt. Körper 3}”,
Schwanz 6”, Ohr 1” 4!”. Candahar, bei Quettah.
Hinsichtlich des Dipus vezillarius meiut Blasius, dass er nicht
wesentlich von D. jaculus zu unterscheiden ist.
Eine meisterhafte Beschreibung des Dipus mauritani-
cus Duy. ist uns durch Duvernoy und Lereboullet in
den Men. de Strasb. II. zu Theil geworden.
Mit einer Genauigkeit, die an die schönen Arbeiten von Pallas
und Daubenton erinnert, haben die Verf. hauptsächlich die anatom,
Verhältnisse in grösster Ausführlichkeit auseinandergesetzt. Beson-
ders interessant ist die Schilderung der Muskulatur der hintern Glied-
massen, indem sie zeigt, wie letztere ganz auf ein kräftiges Sprung-
vermögen berechnet ist. Auf 2 schönen Tafeln sind die hauptsäch-
lichsten anatom. Verhältnisse erläutert, _In geograph. Beziehung
erinnern die Verf., dass Dipus mauritanicus aus den westlichen Pro-
vinzen Algiers, und selbst die Exemplare von Konstantine sich von
denen von Tunis und Tripolis unterscheiden. Der Dipus maur. ist
grösser, stärker, von dunklerer Farbe und das Roth mit mehr Schwarz
als.an der Springmaus von Tripoli, welche kleirer und lichter roth
ist. Letztere hat etwas längeren, schmäleren Kopf und verhältniss-
mässig grössere Ohren. Die Haare sind ferner bei der algier. Spring-
maus steif und ziemlich grob, bei der tripol. ungemein fein und wie
47
wollig, was auch bei den Exemplaren von Konstantine der Fall ist,
die sich mehr der tripol. als der algierschen Spriogmaus annähern.
Psammoryetina. Mit Psammoryetes und Octodon,
so wie mit Ctenomys verwandt, ist die neue, von Water-
house in den Ann. of nat. hist, IX. p. 507 aufgestellte Gat-
tung Schizodon aus Chili.
Vorderfüsse stark mit grossen Krallen zum Graben, Ohren mäs-
sig gross; Backenzähne $, wurzellos, jeder in zwei schmale Cylin-
der abgetheilt, die 3 vordern gleichgross, der hinterste kleiner; vor-
deres Augenhöhlenloch sehr gross, überdiess ein besonderes, aber
sehr kleines Unteraugenhöhlenloch. Die einzige Art ist Sch. fu-
scus, von Grösse und Färbung der Wanderratte, aber mit weicherem
Pelze. Körper 9’, Schwanz 1” 8”, Ohr 5%”. Auf der Ostseite der
Anden sehr häufig, die ganze Gegend mit seinen Höhlen untermini-
rend, so dass Pferde beständig einbrechen, Abbildungen und Nach-
weisung anatomischer Details wären sehr wünschenswerth.
Die südamerikanischen Stachelrattem hat Lund
in.d Gattungen abgetheilt (K. Danske Vidensk. Selsk. naturv.
Afhandl. 1841. S. 243).
1) Phyllomys, jeder obere Backenzahn aus 4 einfachen paral-
lelen Querplättchen bestehend. 2) Echimys; obere Backenzähne
aus 2 doppelten Querplättchen zusammengesetzt, deren Schenkel
mit dem innern Rande in Form von zwei besondern V V verbunden
sind. 3) Loncheres, 2 Querplätichen, das vordere einfach, das
hintere als doppeltes VV. 4) Nelomys, obere Backenzähne ur-
sprünglich aus 2 Querplätichen bestehend, das vordere einfach, das
hintere io Form eines einzelnen V. Ref. muss hiebei bemerken, dass
Phyllomys ein ächter Nelomys (Loncheres nach meiner Bestimmung)
ist, wozu auch wohl die von Lund später (S. 282) aufgestellte Gat-
tung Lonchophorus gehören wird, dass ferner Lund’s Echimys und
Loncheres mit meinem Echinomys identisch sind, und dass Lund’s
Nelomys zwar nach dem gauzen äussern Habitus mit der gleichna-
migen Gattung Jourdans (oder Loncheres nach meiner Bezeichnung)
übereinkommt, aber durch Mangel der Stacheln und, wie es scheint,
auch durch eine kleine Verschiedenheit in den Backenzähnen ab-
weicht.
Von Phyllomys, mit der einzigen Art drasiliensis, hat Lund
nur einige Unterkiefer in einer Höhle im Thale des Rio da Velhas
aufgefunden, Von seinem Echimys, wozu er E. chrysurus, cajen-
nensis etc. rechn&t, ist ihm noch keine Art vorgekommen, dagegen
2 von Loncheres, die er als L. elegans und laticeps bezeich-
net, Loncheres elegans nennt er allgemein verbreitet, schmäch-
tig, von raltenartigem Ansehen, oben schön rostgelbbraun, unten
rein weiss, beide Farben scharf abgeschnitten; Schwanz geschuppt,
dünn mit Haaren besetzt, die gegen das Ende an Länge zunehmen,
48
so dass sie hier einen dünnen Pinsel bilden. Körper 8°, Schwanz 8!”.
Nach des Ref. Meinung wird diese Art nichts anders als Echinomys
leptosoma (E. cajennensis) sein. Über die Lebensweise der Stachel-
ratten, die bisher ganz unbekannt war, giebt Lund die ersten Auf-
schlüsse. L. elegans hält sich gern in der Nähe stehender Gewässer,
wo sie ihr Nest in Schilf anlegt, sie schwimmt behende, besucht
Nachts Getreidefelder, wo sie auf die Maisstengel klettert, die Ähren
abbeisst und die Körner verzehrt. Nach Herrn Natterers Mittheilung
besteigen die Arten von Echinomys Bäume, während die von Nelo-
ımys Höhlen bewohnen, was Letzteres auch Lund beobachtete. Von
Lund’s 2ter Art von Loncheres, von ihm L. Zaticeps genannt, finde
ich bei ihm keine andere Angabe, als S. 99, dass sie selten ist. —
Von Nelomys (Loncheres des Ref.) führt Lund ebenfalls 2 lebende
Arten an, N. antricola und sulcidens. Nelomys antricola
(S. 246), früher von ihm Echimys apereoides (S. 98) genannt, ist keine
ächte Stachelratte, weil ihr jede Spur von Stacheln fehlt und ihre
Haare von gewöhnlicher Beschaffenheit sind. Übrigens ist sie plump,
mit dicker Schnautze, kurzen Ohren und stark behaartem Schwanze.
Oberseite graubraun, was aus einer Mischung von Rostgelb und
Schwarzbraun entsteht; Unterseite weiss. Körper 10’, Schwanz 74”.
Wohnt in Höhlen und nährt sich von allen organischen Substanzen,
die sie zernagen kann. Nelomys sulcidens kennt Lund nur aus
gefundenen Knechen-Überresten, wornach sie sich von der andern
Art dadurch unterscheidet, dass die Schneidezähne eine Längsfurche
haben.
Lund’s Nelomys antricola ist offenbar nahe verwandt mit Len-
cheres unicolor Rüpp., den ich in diesem Archiv vor. J, 1. Bd.
S. 361 charakterisirt habe, ohne freilich seiner Einreihung unter Lon-
cheres versichert zu sein, da mir sein Gebiss nicht bekannt ist.
Zwei andere brasilische Arten, L. macrura u. nigrispina Natt.
sind ebendas. aufgestellt.
Cunieularia. Eine der merkwürdigsten Säugthier-For-
men hat uns Rüppell an seiner neuen Gattung Heteroce-
phalus vorgeführt.
Sie ist im Mus. Senekenb. Il. S.99 tab. 8 fig. 1 und tab. 10 fig. 3
dargestellt. Haut fast ganz nackt, nur hie und da mit vereinzelten
Haaren; Körper plump, Augen klein, äussere Ohrmuscheln fehlend;
Gliedmassen stark, 5zehig, mit kurzen Krallen; Schwanz ziemlich
kurz. Schneidezähne robust, glatt, schief zugeschärft. Backenzähne 3,
aus einem einfachen Cylinder bestehend; die obern mit einer Ein-
kerbung auf der Innenseite; die untern mit „zwei aneinander stos-
senden undeutlichen Auskerbungen.‘‘ Dem einzigen bisher bekannten
Exemplare hat Rüppell den Namen Heterocephalus glaber ge-
geben. Körper in gerader Linie 4’, Schwanz 1” 3”, Vorderfuss
mit Mittelkralle 7°, Hinterfuss mit Mittelkralle 10°. Lebt in Erdhöhlen
»
49
in Wiesenthälern von Schoa. — Den Schädel findet Ref. nach der
Abbildung in grösster Ähnlichkeit mit dem von Georhychus,
Eine andere wichtige Bereicherung ist dieser Familie durch
Rüppell zugekommen, indem er eine zweite nordafrikanische
Art von Rhizomys (Tachyoryetes) kennen lehrte (a. a. O.
S. 97 tab. 8 fig 2, tab. 10 fig 2).
Rhizomys macrocephalus heisst diese Art. Behaarung ziem-
lich lang und äusserst zart. Ganze Oberseite schön röthlich braun,
mit prachtvollem seidenartigen, in’s Metallische spielenden Glanze
(Haare dunkel blaugrau mit braunen Spitzen); Unterseite schmutzig
gelbgrau. Körper 12”, Schwanz 1 9". Lebt in Erdgängen der Wie-
sentriften von Schoa.
Eine andere Art hat Gray als Rhizomys minor bezeichnet:
„Pelz grau, mit braunern Enden, lang, schön seidenartig, Schnur-
ren braun, Kopfseiten merklich brauner, Schwanz nackt. Körper
65", Schwanz 1%. Indien oder Cochinchina? (Ann. X. p. 266).
Ascomys (Geomys) borealis Rich. und A. Townsen-
dii Rich., bisher nur in einer ungenügenden Notiz bekannt,
hat Bachmann im Journ. of Philad. VIN. 4. p. 103 näher
charakterisirt.
A. borealis ist blassgrau, oben mit Gelb gewässert, Unter-
seite, Füsse, Krallen und Schwanz weiss. Schneidezähne vorn gelb,
mittelst einer Loupe an den obern eine schwache Grube gegen den
Innenrand sichtlich, Körper 74, Schwanz 2”. — Vom 4. Town-
sendii gesteht Bachm., dass er nicht im Stande gewesen sei,
Unterschiede vom vorigen ausfindig zu machen. Den Körper giebt
er zu 74’, den Schwanz zu 2} an. Richardson selbst hat zur Zeit
nur angegeben, dass der Schwanz des letztern etwas grösser sei
als des erstern. Beide Arten sind am Columbia - Flusse zu Hause.
Murina. Waterhouse hat in der Zusammenstellung
dieser Familie abermals eine Modifikation in den Ann. X. p.
203 vorgenommen, nach folgendem Schema:
Familie IV. Muridae. Gatiungen: Gerbillus, Psammomys,
Mus, Hesperomys, Dendromys, Phloeomys, Cricetomys, Oricetus, Eu-
zyotis, Hapalotis, Reithrodon, Sigmodon und. Neotoma.
Unterfamilie I. Aspalomyina. Gattungen: Rhizomys (d-
spalomys (Spalax) und Heterocephalus.
Unterfamilie 2. Arvicolina. Gattungen: Ondatra, Arvı-
cola und Lemmus. }
Gegen diese Zusammenstellung hat Ref. zu erinnern, dass sie
schon in logischer Beziehung nicht zu billigen ist, indem die beiden
Unterfamilien nicht etwa zusammengenommen die Familie Muridae
bilden, sondern neben derselben als ein Anhang stehen. Dieser An-
hang wäre aber für die Arvicolinen gar nicht nöthig gewesen, da
Archiv £, Naturgesch, IX, Jahrg, 2, Bd, D
50
sie in den wesentlichsten Beziehungen den Typus der Mäuse an sich
tragen, und in ihrer erheblichsten Differenz, der Beschaffenheit der
Backenzähne, nicht isolirt stehen, sondern durch Neotoma und My-
stromys in innigste Verbindung mit den andern Abtheilungen der
Murinen treten. Etwas Anderes ist es mit den Aspalomyinen; diese
sind ein ganz fremdartiges Glied in der Familie der Mäuse, durch
den Bau des Schädels, der Backen- und Schneidezähne und der Glied-
massen aufs Wesentlichste abweichend, so dass der Übergang zu
ihnen von den Mäusen aus nur durch einen Sprung geschehen kann.
Meine Zusammenstellung und Gliederung der Familie Murina ist nun-
mehr in Schreber’s Suppl. III. vollständig dargelegt.
Neue Gattungen sind Gray in den Ann. X. p. 264 zwei
aufgestellt worden: Nesokia und Vandeleuria. Über ihre
Stellung zu den übrigen Gattungen wagt Ref. kein Urtheil zu
fällen, da die vorliegende Beschreibung hiezu nicht ausrei-
chend ist, von Vandeleuria nicht einmal die Backenzähne be-
kannt sind.
Nesokia; Schneidezähne sehr stark, flach und glatt. Backen-
zähne 3; im Oberkiefer der vordere gross mit 3 Querleisten, der
mittlere oblong, der letzte hinten sehr schmal, jeder mit 2 Quer-
leisten; im Unterkiefer der vordere grössere, vorn verschmälert mit
3 Querleisten, die beiden folgenden mit 2, der hinterste am kleinsten.
Schwanz kurz, dick, mit Schuppenquirlen und einzelnen Borsten;
Ohren mässig, nackt. Von Mus unterscheidet der Verf. diese Gat-
tung durch die grossen Schneidezähne und den kurzen Schwanz; er
sieht sie für ein Mittelglied zwischen Mus und Rhizomys an. Als
Art theilt er ihr Mus Hardwicki aus Indien zu, hält es auch für
wahrscheinlich, dass Brandt’s Hypudaeus Guira ihr angehören dürfte.
Vandeleuria; obere Schneidezähne dreieckig mit tiefer Längs-
furche; Ohren behaart, Pelz weich mit einzelnen längeren Borsten.
Hinterfüsse sehr lang, schlank, unten nackt; Zehen 4. 5, lang, die
3 mittlern fast gleich, die hintere mittlere sehr lang, die vordere
äussere kaum sichtlich, die verdere innere schwach. Schwanz be-
deutend lang, geschuppt, mit einzelnen Haaren, die an der Spitze
länger und gedrängter sind. Den amerikanischen Gerbillen (Jaculus)
im äussern Ansehen und Form der Füsse sehr ähnlich; von Dendro-
mys in Form und Verhältniss der Zehen verschieden. Auf Gebüsch
und Bäumen lebend. Hieher Mus oleraceus Benn.? (M. longicaudatus
Ell.) von Madras.
Der Smith’schen Gattung Otomys musste Ref. einen neuen Na-
men Malacothrix (Schreb. Suppl. III. S. 496) beilegen, weil die-
selbe Benennung Fr. Cuvier schon neun Jahre früher einer andern
Gattung (Euryotis) gegeben hatte.
Hinsichtlich der neuen Arten, welche der Gattung Mus,
wie überhaupt der ganzen Familie der Mäuse zugegangen sind,
51
verweise ich, um hier Raum zu gewinnen, auf meine Mono-
graphie dieser Gruppe, und werde nur gelegentlich an die
eine oder die andere Spezies erinnern, wogegen ich alle an-
dern Arten, die seit dem Drucke gedachter Arbeit mir zur
Kenntniss kamen, hier in nähere Erwägung ziehen werde.
Aus irgend einer Kolonie in die Speicher von Rochefort einge-
schleppt ist Lesson’s Mus coeruleus, oben schieferblau, unten
bläulich aschgrau, Schwanz schwärzlich, Extremitäten fleischfarben
(Tableau du regn. anim. p. 138). — Den Mus hibernicus betrachtet
Selys (Rev. zool. p. 346) als zufällige Varietät von M. Rattus. —
Über Lebensweise und Nestbau des Mus minutus hat Tobias aus
Görlitz interessante Beobachtungen mitgetheilt (Isis 1842, S 337). —
An nordostafrikanischen Mäusen hat Rüppell im Mus. Senckenb. IH.
S. 104 beschrieben und abgebildet: Mus abyssinicus, albipes,
leucosternum, dembeensis, imberbis und Cricetomys gam-
bianus. Von M. alexandrinus erwähnt Rüppell im Verz. d. Senck.
Samml. S. 29, dass er ihn auch aus Nordamerika (Ref. aus Brasilien)
erhalten habe, ein Beweis, wie weit diese Mäuse verschleppt werden.
Auch Bachmann beschrieb im Journ. of the Acad. of
nat. sc. of Philadelph. VII. p. 300, fünf neue Arten, die er
zu Mus stellt, die aber, wie Ref. vermuthet, wohl sämmtlich
nicht hieher gehören, sondern Hesperomys und vielleicht auch
neu zu errichtenden Gattungen zufallen dürften,
1) Mus humilis, oben röthlichgrau (Haare am untern Theil
bleifarben), unten licht falblich, Wangen und ein Seitenstreif hell
rostfarben; Schwanz dünn behaart, oben braun, unten etwas lichter.
Körper 2’ 9”, Schwanz 2” 4”, Ohr 3°. Südkarolina. — 2) M. (Ca-
lomys) aureolus, oben hell orangefarben, Bauch licht falblich, Vor-
derhals, Brust und Vorderfüsse weiss; Körper 4’ 3”, Schwanz 3"
1”, Ohr hinten 3”. In Karolina und Georgien, klettert sehr gut;
dem M. leucopus sehr ähnlich, aber etwas grösser und die Ohren
merklich kürzer. — 3) M. michiganensis, licht graulichbraun,
unten weisslich, Wangen gelb. Körper 4°, Schwanz 2}, Ohr €”.
Aus Michigan; von M. leucopus verschieden durch weit kürzern
Schwanz, kürzere Ohren, das Weisse dehnt sich nicht an den Seiten
aus. — 4) M. carolinensis, licht bleifarben (Haare einfarbig), un-
ten etwas blasser, Ohren lang und behaart, obere Schneidezähne
schwach gefurcht. Körper 2’ 4”, Schwanz 2° 9”, Ohr 4”. Spärlich
an den Küsten von Südkarolina. — 5) M. Lecontii, oben dunkel
röthlichbraun (Haare am Grunde bleifarben), unten licht falblich,
Ohren schwach aus dem Pelze vortretend; obere Schneidezähne tief
gefurcht, Körper 2}, Schwanz 2”, Ohr 14". Aus Georgien.
Aus eben diesem Staate herrührend liess mir Prof. Schinz zwei
Mäuse zur Ansicht zukommen, unter denen die eine mit M. Lecontü
D *
52
übereinstimmt. Der andern, die mir unbeschrieben scheint, habe ich
den Namen Mus polionotus beigelegt: M. supra flavido-plumbeus,
subtus pedibusque albidus; auriculis mediocribus, dent. prim. integris,
cauda pilosa abbreviata. Körper 2” 4”, Schwanz 1” 2”, Ohren 4”,
Hinterfuss 7”. Wie schon erwähnt, werden beide nicht zu Mus
gehören, doch ist mir ihr Gebiss unbekannt,
Vier neue brasilische Arten von Hesperomys: H. (Oxymyecte-
rus) rostellatus Wagn., H. arviculoides Pict., H. orobinus
und A. subflavus Wagn. sind in diesem Archiv 1842. 1. Bd. S, 361
vom Ref. aufgestellt.
Hinsichtlich des von Eydoux und Souleyet (Voy. sur la Bonite.
Zool. I, p. 43 tab. 7) beschriebenen Phloeomys Cumingii muss ich
nachträglich bemerken, dass dieser sehr verschieden ist von dem
durch Waterhouse charakterisirten. Letzterer, den ich in Wien selbst
untersuchen konnte, ist auf dem Rücken ganz schwarz, Schwanz
und Füsse fuchsig schwarz. Dagegen geben die französischen Zoo-
logen ihr Thier als grösstentheils weiss an, es scheint daher ein Al-
bino oder eine andere Art zu sein.
Mus barbarus und Rhombomys robustus Wagn. (Gerbillus
Shawii Duv.) sind von Duvernoy und Lereboullet in den
Mem. de Strasb. IH. ausführlich geschildert worden.
Wie von Dipus mauritanicus sind auch von diesen beiden Arten
die anatom. Verhältnisse besonders ins Auge gefasst und mehrere
Systeme mit grosser Genauigkeit geschildert. Zwei Tafeln stellen
sowohl diese als auch die Thiere selbst dar.
Die von Rüppell und A. Smith neu aufgestellten Rennmäuse
sind bereits in meine Monographie aufgenommen, dort auch eine
neue Art aus Syrien beschrieben.
Gerbillus erythrurus Gray (Ann. X. p. 266); graubraun,
stark gesprenkelt, Wollhaare bleifarbig; Unterseite weisslich, Kinn
und Vorderhals rein weiss; Schwanz mit blass kastanienbraunen
Haaren besetzt (die Benennung erythrurus ist daher ganz unpassend
und würde besser heissen fuscicaudus), am Ende schwarz gespitzt;
obere Schneidezähne mit tiefer Mittelfurche, Körper 5” 3”, Schwanz
4" 3”. Afghanistan.
Die Gruppe der Wühlmäuse ist vielfach bearbeitet
worden.
Selys stellte in seiner Faun. belge den Hypudaeus agre-
stis als eigne Art fest; seinen H. fulvus erkennt er jetzt selbst als
identisch mit H. arvalis, wogegen er auf der Selbstständigkeit des
H. subterraneus verharrt. Ref. kennt diesen zwar nicht aus Autopsie,
schliesst sich aber doch der Meinung von Keys. und Blasius an.
Eine neue Art vom St. Gotthard beschrieb Ref. in Schreb. Suppl.
II. S. 576 unter dem Namen H. alpinus und gab von ihr auf Tab.
191 B. eine Abbildung. Vom H. nivalıs, vom Faulhorn, der Ref. beim
53
Druck seiner Beschreibung nur dem Namen nach aus der Rev. zool.
1842. p. 347 bekannt war, hat er später gefunden, dass von diesem
schon im vorhergehenden Hefte ders. Zeitschrift 8. 331 eine Diagnose
mitgetheilt worden war, nach der zu schliessen H. alpinus und ni-
valis identisch sind. Ebenda erklärt Selys H. neglectus für iden-
tisch mit H. agrestis. — Sundevall gab in den K. Vetensk. Acad. Handl.
för Ar 1840. Stockh. 1842. p.15 eine sehr sorgfältige Beschreibung
des Gebisses von J. arvalis (den neueren Bestimmungen zufolge A.
agrestis), von H. rutilus und glareolus und von Myodes lemmus,
nebst wichtigen Bemerkungen über ihre geograph. Verbreitung in
Schweden; genaue Abbildungen erläutern das Gebiss der genannten
Arten. — Zwei Arten sind von Gray in den Ann. X. p. 265 be-
schrieben: 1) Arvicola Roylei, rotlgrau, unten grau (Haare am
Grunde dunkel bleifarben); Ohren mässig, rund, behaart; Schwanz
mit blassen Haaren besetzt; erster Backenzahn unten mit grossem
shombischen vordern Fortsatz und 3 Leisten auf der äussern, 4 auf
der innern; binterer oberer Backenzahn jederseits mit 3 Leisten und
einem hintern gestreckten Ansatze. Körper 3,”, Schwanz 1” 2'”.
Von Kaschmir. 2) Arvicola americana, wie die Wasserratte,
aber nur halb so gross, vordere Schneidezähne am äussern Rande
schwach gefurcht. Südamerika, Brit. Mus. 3 Exemplare. Es wäre
diess der erste Fall vom Vorkommen von ächten Feldmäusen in
Südamerika; da indess kein Gewährsmann angegeben, so ist eher
ein Irrthum in der Angabe der Heimath zu vermuthen.
Vier neue Arten nordamerikanischer Wühlmäuse sind von
Bachmann im Journ. of Philadelph. VII. 4. p. 60 und 2.
p- 295 beschrieben worden.
1) Arvicola Townsendii, Haare oben bleifarben mit dunkel-
braunen Spitzen, unten aschgrau, Füsse und Krallen braun, Ohren
gross, etwas vorragend. Körper 6°, Schwanz 21”, Ohrbreite 5”.
Vom Columbia-Flusse. — 2) A. fulvus, Pelz glatt und glänzend,
oben kastanienbraun, unten weisslichgrau, Ohren und Gliedmassen
laug. Körper 3” 9”, Schwanz 1” 4”. Wahrscheinlich aus Illinois. —
3) A. nasutus, Kopf und Nase gestreckt, Pelz oben dunkel rost-
braun, unten schmutzig gelblichgrau, Beine und Schwanz lichtbraun.
Körper 5” 9”, Schwanz 1” 2”. Häufig in den nördlichen Theilen von
New York. — 4) A. scalopsoides, Kopf dick, Nase stumpf, Ohren
verdeckt; Pelz kurz, sehr weich, oben licht braun, unten abge-
schnitten hellgrau. Körper 4’, Schwanz 10”. Long Island, nicht
selten in der Nähe von New York. Von A. pensylvanica verschie-
den durch dickern Kopf, nur halb so langen Pelz und ohne längere
Borsten; von A, pinetorum durch Grösse und den Mangel einer kasta-
nienbraunen Färbung der Wangen.
In der Verh. der Naturf. zu Braunschweig theilte Bla-
sius ($, 88) einige Bemerkungen über die Lemminge mit.
54
Der letzte untere Backenzahn besitzt bei ihnen 4—5 alterni-
rende Prismen, bei Arvicola nur 3 schräg hintereinander stehende
(nicht alternirende). Alle nördlichen Arten, wie Myodes hudsonicus,
haben convex abgerundete Vorderzähne, die auf der Schneide einen
Bogen bilden. Die tiefer nach Süden vorkommenden Arten bis zu
64° Br. (M. norwegicus oder lemmus, M. torquatus und lagurus) ha-
ben Vorderzähne mit einfachen, ineinander verlaufenden Bogen auf
der Vorderfläche; die südlichste Form, M. migratorius (Lemmus
obensis Brants, Georhychus luteus Eversm.), die der Kirgisensteppe
angehört, hat flache, nicht bogige obere Vorderzähne.
Über den norwegischen Lemming, namentlich über seine
anatom. Verhältnisse, gab Rathke in den ‚‚neuesten Schriften der
naturf. Gesellsch. in Danzig“ 1842. S. 1 ausführliche Mittheilungen.
Mus betulinus wurde von W. von Düben in Schweden
aufgefunden.
Er entdeckte diese Art bei Rönneberga in der Nähe von Lands-
krona, und beschrieb sie in den K. Vetensk. Acad. Handl. Stockh.
1842. p. 175. Wie diese Entdeckung einestheils eine weite Verbrei-
tung der genannten Art nachweist, so ist sie anderntheils auch da-
durch wichtig geworden, dass sie, wie der Prinz von Musignpano
in seinen Osservazioni angiebt, Nilsson Gelegenheit gewährte zu be-
stimmen, dass sie nicht bei Mus, sondern bei Sminthus unterzu-
bringen ist. Von der verwandten Art, dem Mus vagus, hat sich Bla-
sius in ähnlicher Weise überzeugt, dass er der Gattung Sminthus
angehört (Verh. S. 87).
Castorina. Die Stellung der Zitzen des Myopota-
mus hat seit meinem vorjährigen Berichte eine eigne, wenn
auch bisher grösstentheils nur handschriftlich bei mir depo-
nirte Literatur hervorgerufen.
Es ist schon im letzten Jahresberichte gemeldet worden, dass
ein Herr Popelaire ein seltsames Thier aus Chili ankündigte, das
unter anderem Absonderlichen auch die Zitzen auf dem Rücken tra-
gen sollte. Wesmael legte dem wunderlichen Thiere den Namen
Mastonotus Popelarü bei, und Lesson beschenkte es seitdem mit
einem zweiten: Guillinomys chilensis. Ref. wies die ganze
Angabe als ein Mährchen von der Hand. Seine Äusserung war je-
doch nicht Jange gedruckt, als der hiesigen Akademie die K. Vetensk.
Acad. Handl, för Ar 1839. Stockh. 1841 zukamen, in welchem Fah-
raeus aus eigner Untersuchung eines Felles erklärte, dass die Zitzen
wirklich, wenn auch nicht gerade auf dem Rücken, doch 1} Zoll
über der Mittellinie der Seiten liegen, und dass das Thier nichts an-
ders als der wohlbekannte Myopotamus coypus sei. Weitere
Nachrichten versprach er zu geben, wenn die ihm zugesagten zwei
lebenden Exemplare angekommen sein würden (S. 226; auch mitge-
theilt in der Isis 1842. S. 356). Eine Bestätigung dieses Verhaltens gab
55
Sundevall im Arsber. om nyare zool. arbet. p. 538. Nun konnte
allerdings von keinem Mährchen, sondern nur von richtiger Deutung
noch die Rede sein. Hiezu kamen weitere Bestätigungen. Es be-
nachrichtigte mich nämlich unterm 11. Febr. Dr. Rüppell, dass er bei
2 aus Chili erhaltenen Weibchen des Myopotamus die Zitzen, in der
Zahl von 4 Paaren, eben so wie sie von Fahraeus angegeben, ge-
funden habe und machte mich noch darauf aufmerksam, dass Christy
schon in den Proceed. 1835. p. 182 erwähnte, dass bei diesem Thiere
die Zitzen „ungemein hoch an den Seiten“ sitzen. Bei einem ten
Exemplare in Frankfurt, wahrscheinlich einem Männchen, fanden
sich die Warzen an den Seiten nicht. Zu derselben Zeit benachrich-
tigte mich Dr. Schinz, dass er dieselbe Stellung der Säugwarzen
nicht bloss am Myopotamus, sondern auch am Lagostomus beobachtet
hätte. Unterm 3. März erhielt ich von Erichson die Mittheilung, dass
er an einem Balge aus Chili sich von der Genauigkeit der frühern
Angaben überzeugt hätte; zugleich legte er mir eine Notiz von Sun-
devall bei, der zu Folge ein lebendiges erwachsenes Männchen vom
Myopot. in Stockholm eine Zeitlang sich gehalten hatte, bis es im
vorigen Mai daraufging; an demselben wurde keine Spur von War-
zen aufgefunden. Zum Überfluss bemerke ich noch, dass ich am
Exemplar der hiesigen Sammlung jene Warzen ebenfalls sehr deut-
lich wahrgenommen habe. Es steht demnach fest, dass bei Myopota-
mus — und zwar, wie es scheint, blos bei den Weibchen — hoch
an den Seiten zitzenartige Organe sich finden; was aber noch nicht
nachgewiesen ist, ist ihre Funktion. Dass sie Säugwarzen darstel-
len, wird aus dem Umstande wahrscheinlich, dass sie den Männchen
abgehen; allein um sicher zu sein, muss entweder ihr Zusammen-
hang mit Milchdrüsen oder doch wenigstens das Faktum des Säugens
vermittelst dieser Organe nachgewiesen sein. Ein Umstand ist. mir
bei Untersuchung des hiesigen Exemplares, eines ganz grossen alten
Individuums aufgefallen, dass diese Warzen ganz unter den Woll-
haaren versteckt und von diesen rings umgeben sind, während sonst
die Säugwarzen auf einem nackten Felde stehen. — Dass eine ähn-
liche Stellung dieser Organe bei Lagostomus durch Dr. Schinz auf-
gefunden worden, ist sehr interessant; am Chinchilla haben wir beide
aber vergebens darnach gesucht. *)
Noch hat mich Dr. Rüppell auf einen Umstand aufmerksam ge-
macht, der weitere Beachtung verdient. An seinen beiden Exempla-
ren aus Chili ist der Pelz dunkelbraun, hellbraun gesprenkelt, die
Nasenfirste ebenfalls dunkelbraun, aber an der Nasenspitze ein weis-
ser Flecken und der Mund weiss gesäumt, Von gleicher Färbung
ist das hiesige Exemplar, das ebenfalls aus Chili herrührt. Bei einem
*) Auch bei Lagostomus, wie überhaupt bei den Hasenmäusen
habe ich sie an den ausgestopften Bälgen der hiesigen Sammlung
nicht auffinden können, Herausgeber.
56 .
dritten Exemplare, angeblich aus Paraguay, ist, die Nasenspitze gleich
dem ganzen Pelze rostroth, der Mundrand aschgrau. *)
Weber zeigte in der Versamml. der Naturf, zu Braunschweig
(Verh. 8..65), dass beim männlichen Biber hinter der Harnblase eine
Blase liegt, die einem Uterus bicornis ganz ähnlich ist und aus zwei
Röhren besteht. .
Aculeata. Atherura africana (4. fasciculata Benn.)
wird von Gray nach einem lebenden und einem ausgestopften Exem-
plare, wie folgt, charakterisirt (Ann. X. p. 261): Stacheln alle trüb
stahlschwarz, die des Rückens stark, gestreckt, am Ende zusammen-
gedrückt, kantig; die des Kopfes, der Unterseite und der Glieder
flach, gefurcht; Schnurren schwarz, borstig; Schwanz gestreckt,
sich verschmächtigend, ! der Leibeslänge, mit einem Büschel zu-
sammengedrückter, weisser, gestreckter Spulen; Ohren gerundet,
etwas nackt, schwarz. Sierra Leone. Sehr verschieden von der
Abbildung der indischen Atherura in den Ulustr. of Ind. zo0l.
Der von mir in diesem Archiv 1842. 1 Bd. 8. 360° charakterisirte
Cercolabes melanurus ist gleichzeitig von Gray in den Ann. X.
p.262 als Sphiggurus melanurus bezeichnet worden,
Subungulata. Dasyprocta nigricans Natt. ist
vom Ref. im Archive v. J. 1 Bd. S. 362 von den andern Ar-
ten unterschieden worden.
Unter den 3 neuen Arten, die Gray in den Ann. X. p. 264 von
Dasyprocta aufstellte, ist seine D,nigra mit unserer D. nigricans
Natt. identisch; nach einem jungen, unerwachsenen Exemplare hatte
sie Wagler schon früher als D. fuliginosa bezeichnet. — Gray’s Da-
syprocta punctata ist der ächte von Azara beschriebene Aguti,
dem daher Lichtenstein den Namen D. Azarae gegeben hat. Diese
Art gehört Paraguay und den südlichen Gegenden Brasiliens an, fehlt f
aber, nach Herrn Natterer’s genauen Untersuchungen, den nördlichen
ganz. Die von Desmarest, Fr. Cuvier, dem Prinzen von Wied u. A.
beschriebene D. Aguti ist den nördlichen und östlichen Theilen Bra-
siliens eigen; die meisten Exemplare sammelte Natterer um Borba,
wo D. Azarae ganz fehlt. — Noch führt Gray eine Dasyprocta
albida auf: „weisslichgrau, fast einförmig, die Haare des Rückens
*) Bei den Exempl. der hiesigen Sammlung verhält es sich um-
gekehrt, die südbrasilischen haben die Vorderseite der Schnautze
und den Mundrand ziemlich lebhaft weiss, das oben erwähnte chile-
sische hat dieselben Stellen trüb grau. Bei einem der südbrasilischen
sind die Vorderpfoten grau, von einem andern ist der ganze Pelz
gelblich weiss. Das chilesische Exempl. ist im Ganzen dunkler ge-
färbt als die südbrasilischen, indem das Schwarz der einzelnen Haare
ausgedehnter ist. Dasselbe zeigt sich auch an den Schnurren, die bei
den südbrasilischen grösstentheils weiss sind, beim chilesischen
schwarz, mit einigen braunen gemischt. Herausgeber.
57
verlängert, an der Basis weiss. Von St. Vincents in Westindien:
Grösse der Cavia Cobaya.‘ Diese Art (2) ist mir ganz unbekannt,
Lund hat in den mehrmals angeführten Kopenh, Denkschr. S. 286
ebenfalls auf den Unterschied zwischen den beiden citrongelben Agutis
aufmerksam gemacht, Mit ihm bin ich der Meinung, dass Markgraf’s
Aguti der von Desmarest und den meisten Auktoren als D. Aguti
bezeichnete ist. Dagegen will Lund die südbrasilische Art von der
paraguay’schen, der D. Azarae Lichtenst,, ganz absondern und be-
nennt jene D. caudata. Er unterscheidet beide dadurch, dass bei
D. Azarae das Kreuz dem übrigen Körper gleichfarbig (bei D. cau-
data rein grau), die Grösse geringer und der Schwanz kürzer ist.
Ref. kann jedoch aus Besichtigung der zahlreichen südbrasilischen
Exemplare in der Wiener Sammlung versichern, dass die Färbung
des Kreuzes an selbigen mitunter ebenfalls ins Graue fällt, ein Grös-
senunterschied nicht besteht, also die spezifische Scheidung nicht
zulässig ist.
Ref. bedauert die reichhaltigen weiteren Mittheilungen
Lund’s in der Kopenh. Denkschr. ven 1841, aus Mangel an
Raum, nur in der Kürze noch berühren zu können.
Er unterscheidet’? Cavien, eine grössere dunklere mit weissem
Bauche, die er Cavia aperea nennt und mit Lichtenstein’s C. obscura
und €. leucopyga Brandt für identisch ansieht, was auch seine Rich-
tigkeit hat. Einer zweiten kleineren, mit glänzendem, ins Röthliche
ziehendem Pelze und gelbgrauem Bauche giebt er den Namen C,
rufescens; diese ist, wie Ref. hinzusetzt, einerlei mit Wagler’s
€. fulgida. — Von Cerodon rupestris unterscheidet Lund eine klei-
nere Art, die er €. saxatilis nennt, sie aber blos nach der Be-
schaffenheit des Schädels charakterisirt. — Coelogenys fulvus und
fuscus gehören einer Art an; die Verschiedenheit des Schädels hin-
sichtlich der Glätte oder Rauhigkeit ist er geneigt auf Geschlechts-
verschiedenheiten zu deuten.
Duplieidentata. Wie Blasius schon bei den euro-
päisch-sibirischen Hasen klagt, dass sie zwar nicht zahlreich,
aber hinreichend verwirrt seien, so gilt diess noch mehr von
den zahlreichen Arten der übrigen Erdstriche. Blasius hat
indess nicht blos mit der Klage sich begnügt, sondern gleich
Bachmann sich bemüht, jeder nach seinem Antheile, ihr ab-
zuhelfen. I . s
Blasius erinnert in der Verh. der Versamml, der Naturf. zu
Braunschw. S. 88, dass nach Untersuchung eines irländischen Hasen
der Lepus hibernicus nicht als Art vom L, variabilis (L. borealis)
getrennt werden kann. Er beschreibt ferner eine neue Art, Lepus
aquilonius, von Pallas schon bei L. variabilis als Russak ange-
führt. Der Schwanz hat 14 Wirbel wie bei variabilis, ist jedoch
58
(ohne Haare) von der Länge des Kopfes und eben so gezeichnet wie
“bei timidus, oben schwarz, unten weiss, Das Ohr ist ebenfalls so
gezeichnet wie bei timidus, von Kopflänge, die Ohrspalte weit kür-
zer als der Kopf. Oberseite braun, Kopf- und Rumpfseiten, Schen-
kel und Hinterrücken auf der Aussenseite unrein grauweiss, ohne
Rostfarbe. Diese neue Art scheint hauptsächlich zwischen dem 55
und 63° n. Br. sich aufzuhalten, wo in Russland L. timidus ganz
fehlt. Über die Ostseeprovinzen hinaus nach W. ist sie nicht beob-
achtet.
Von den Hasen von Spalatro (Dalmatien) machte Küster die Be-
merkung, dass sie kleiner als die unserigen seien mit ganz hell-
grauer Färbung der Lenden (Isis 1842. S. 611). -
Die dunkelschwänzige Abänderung des Lepus crassicaudatus
wurde von Rüppell im Mus. Senckenb. III. S. 137 unter dem Na-
men L. melanurus genau beschrieben.
Bachmann unterwarf seine frühere Monographie der nord-
amerikanischen Hasen einer Revision, und fügte 4 neue Ar-
ten bei.
Seine neue Arbeit ist im Journ. of the Acad. of nat. sc. of Philad,
VI. 1. p. 75 enthalten. a) Arten in den höhern Breiten, im
Winter weiss werdend: 1) Lepus glacialis, 2) L. campestris B.,
3) L. americanus Ersl. (L. virginianus Harl.), kommt nicht, wie
der Verf. berichtigend bemerkt, jenseits der Felsgebirge vor, son-
dern ist beschränkt auf die nördlichen Theile der Vereinten Staaten,
Kanada und die nordöstlichen Küsten bis zum 64°. — b) mit lan-
gen Ohren und Schwänzen; alle von der Nordwestküste. 4) L.
- Townsendii B. neue Art tab. 2, Grösse des L. americanus ,- Ohren,
Schwanz, Beine und 'Tarsen sehr lang; Pelz oben hellgrau, unten
weiss. Am Columbia-Flusse. 5) L. longicaudatus Gray. 6) L.
nigricaudatus Benn. 7) L. RichardsoniiB., neue Art; etwas
grösser als L. sylvaticus, Ohren und Beine weit länger und schlan-
ker, Schwanz kürzer; Oberseite gesprenkelt grau, Unterseite weiss.
Californien. 8) L. californicus Gray. c) Tarsen dünn behaart,
Nägel über den Pelz vorreichend. 9) L. aquaticus B., 10) L.
palustris B. — d) wie c, aber die Füsse reichlich behaart.
11) L. sylwaticus B. — e) Kleine Ohren, Kopf und Schwanz
kurz. 12) L. artemisia, neue Art; grau, im Nacken und an den
Gliedmassen rostroth, Unterseite weiss, Schwanz oben dem Rücken
gleichfarbig, unten weiss, Tarsen gut, behaart. Körper 12”. Am
Walla-walla. 13) L. Bachmani Wat., neue Art; dem L. palu-
stris ähnlich, aber um } kleiner, Ohren länger, Füsse dicht behaart,
Farbe minder gelb, Schwanz oben grauschwarz, unten weiss. Kör-
per 10”. In den südwestl. Theilen von Nordamerika. 14) L. Nuttallü B.
Auf den Gebirgen Kabuls ist eine neue Art Pfeifhasen
entdeckt worden.
59
Lagomys rufescens Gray (Ann. X. p. 266); blass grau, mit
röthliehem Anfluge; Haare am Grunde dunkel bleifarben, am Hinter-
rücken schwach schwarz gesprenkelt; Wangen, Mitte des Vorder-
halses, Unterleib, Innenseite der Beine und Füsse weisslich; Ohren
gross, behaart, gerundet, Krallen schwarz. Bei Bakers Grabmal, in
ohngefähr 6 — 8000 Fuss Höhe. Von allen andern Arten der alten
Welt leicht durch seine blasse Färbung und röthlichen Anflug zu un-
terscheiden.
Eine andere Art verschaffte sich Hodgson aus der Schneere-
gion Nepals, am Rande des heiligen Sees, aus dem der Trisal Ganga
ausfliesst; er nennt sie Lagomys nepalensis. Pelz inwendig
blauschwarz, aber äusserlich auf der vordern Oberseite tief braun,
auf der hintern röthlich mit Schwarz gesprenkelt; Unterseite und
Beine hellbraun. Länge 7’, Kopf 2’, Ohr 7”. Die Möglichkeit, dass
diese Art mit L. Roylii identisch sein könnte, negirt übrigens selbst
Hodgson nicht (Ann. X. p. 76).
Edentata.
Rüppell gab im Mus. Senck. S. 138 eine genaue Be-
schreibung und Abbildung einer in den Sammlungen noch sel-
tenen Art von Faultbieren, die er Bradypus gularis be-
nannte, ;
Sie ist identisch mit Wagler’s B. cuculliger und gehört den nord-
östlichen Theilen Brasiliens und Guiana an. Hinsichtlich ‘der 'geo-
graph. Verbreitung zweier anderer Arten, ist durch die Reisen von
Spix und Natterer nunmehr festgestellt, dass B. infuscatus Wagl.
den nordwestlichen Theil von Südamerika, der B. Ai Wagl. (B. tri-
dacetylus Cuv., Neuw.) dagegen das südliche Brasilien bewohnt.
Dass die gewöhnliche Annahme von einer Panzerbedeckung
des Megatherium wnrichtig ist, haben gleichzeitig Lund
und Owen nachgewiesen.
Lund’s Arbeit ist einstweilen nur in einer kurzen Anzeige in
der Oversigt over det K. danske Vidensk. Selsk. Forh, i Aaret 1841.
p- 16 mitgetheilt und darauf aufmerksam gemacht, dass er seine
Gattung Platyonyx, die er von Megalonyx abtrennte, zunächst den
Faulthieren stelle und dass er den Nachweis liefere, dass der Grund-
plan in der Organisation dieser Thiere, so wie des Megalonyx und
Megatherium derselbe sei, mithin eine Panzerbedeckung ilınen nicht
zukomme. — Owen’s Description of a Tooth and Port of the Skele-
ton of the G/lyptodon clavipes (Transact. of the Geol. Soc. of
London VI, p. 81) ist eine der schönsten Arbeiten, welche im ver-
gangenen Jahre die Palaeontologie aufzuweisen hat. Er weist mit
Evidenz nach, dass die fossilen Panzerstücke, welche ig Südamerika
gefunden wurden, nicht dem Megatherium, sondern einer eignen
60 s
Gattung angehören, die er Glyptodon benennt, während Lund ihr
gleichzeitig den Namen Hoplophorus, D’Alton den von Pachypus gab.
Oryeterotherium missuriense ist eine von Harlan
aufgestellte neue Gattung.
Die Knochen wurden von Koch am Missuri gefunden; die Zähne
sind ähnlich denen von Megalonyx, die Krallen denen von Oryctero-
pus (Sillim. am. journ. XLll. p. 392, daraus in Ann. X. p. 72).
Indem Harlan in Sillim,. am, journ. XLINM. p. 141 Owen’s Artikel
Megatheridae in der Penny Cyclop. XV. anführt, woselbst letzterer
fünf Gattungen: Megatherium, Megalonyx, Glossotherium, Mylodon
und Scelidotherium zusammenfasst, erinnert er zugleich daran, dass
er für Mylodon schon 1835 den Namen Aulawodon oder Pleurodon
in Vorschlag gebracht habe, von denen der letztere offenbar besser
sei als der von Mylodon, welcher nichts weiter als Mahlzahn be-
deute, was allerdings richtig ist. Oryeterotherium würde ebenfalls
zur Familie Megatheridae gehören.
Über die brasilischen Gürtelthiere theilte Lund trefl-
liche Bemerkungen mit (Det K. Danske Vidensk. Selsk. Afh.
VIN. p. 55, 65, 225).
Von des Prinzen von Neuwied Dasypus longicaudus (D.'9ein-
etus) unterscheidet er eine besondere Art D. uroceras (D. Scinctus
Linn.), mit 8 Backenzähnen, 8 Gürteln, Schwanz etwas kürzer als
der Körper, Noch hat er eine kleinere Art entdeckt, bei den India-
nern Tatu - mirim genannt,
Mayer machte in seinen „neuen Untersuch. aus der Anat. und
Phys.‘ 8,32 auf ein kleines zangenartiges Organ unter der Spitze
der Zunge von Dasypus aufmerksam.
‘Die anatomischen Verhältnisse ‘der Monotremata sind
von Owen im 3ten Bande von Todd’s Cyclopaedia geschil-
dert worden.
Der innere Bau dieser merkwürdigen Thiere ist hier in einer
höchst klaren, von vielen Abbildungen erläuterten Darstellung gründ-
lich auseinander gesetzt. Wer sich mit den anatomischen Verhält-
nissen derselben bekannt machen will, kann keinen besseren Führer
als diesen Artikel wählen.
Solidungula.
The Natural History of Horses by Ham. Smith (the
Naturalist’s Libr. vol. XII).
Der Verf, hat die Pferdearten auf nicht weniger als 12 gebracht.
a) Pferdeform. 1) Equus caballus domesticus, 2) E. varius, 3) E.
hippagrus. — b) Eselsform. 4) Asinus equuleus, 5) A. onager,
6) A. hamar, 7) A. hemionus. — ec) Getigerte Form. 8) Hippo-
tigris zebra, 9) H. antiquorum, 10) H. Burchelli, 11) H. quacha,
61
12) H. isabellinus. — Hierüber nur einige Bemerkungen. E. varius
sind die gefleckten Pferde, welche Moorcroft, Gerard u. A. erwäh-
nen; von ihnen sollen unsere Schecken abstammen, und im Jahre
1815 sollen etliche Schwadronen bayerischer Husaren mit diesem
Eguus varius beritten gemacht worden sein, Noch besser steht es
um E. hippagrus, der auf dem fabelbaften Kumrah der nordafrik.
Gebirge beruht, und in welchem des Verf. lebhafte Phantasie Op-
pian’s Hippagrus zu erkennen glaubt. Der Asinus equuleus, mit dem
Yo-to-tze der Chinesen identifizirt, ist nach einem einzigen Indivi-
duum bestimmt, das allen Anzeigen nach nichts weiter als ein Ba-
stard von Pferd und Esel war. Der A. Hamar beruht blos auf einer
ungenauen Abbildung des Kulans von Ker Porter. Hippotigris an-
tiquorum oder das Zebra von Kongo wird vom kapischen unterschie-
den, ohne genügenden Nachweis. H, isabellinus ist auf ein ausge-
stopftes Exemplar begründet, dessen Heimath unbekannt ist, das
aber immerhin eine Farbenabänderung des Quaggas sein könnte.
Man sieht, dass die leichtesten Anzeigen für den Verf. ausreichten,
um neue Arten zu kreiren. Des Ref. Monographie des Pferdes ist
natürlich dem Verf., als Engländer, ganz unbekannt.
Pachydermata.
Graf Keyserling beschrieb einen untern Backenzahn
von Elasmotherium, der in der Kirgisensteppe in der Nähe
des kaspischen Meeres gefunden worden war. Seiner und
Brandt’s Ansicht zufolge bildet diese Gattung ein Bindeglied
zwischen Nashorn und Elephant. Fischer von Waldheim
begründet auf jenen Zahn eine neue Art, Z. Keyserlingi
(Bullet. de Moscou 1842. p. 454 tab. 3).
Goddard erklärte nach Untersuchung des Missurium Kochit,
dass es ein Mastodon wäre (Proceed. of the Acad. of nat. sc. of
Philad. Octbr. 1841. p. 115).
In Luisiana wurde beim Brunnengraben in der Tiefe von 45 Fuss
ein Unterkiefer gefunden, der indess so mürbe war, dass er zer-
bröckelte und nur ein Zahn aufbewahrt wurde. Prof. Carpenter
erklärt denselben für den 5ten Zahn eines Tapirs, was auch aus der
Beschreibung klar hervorgeht, nicht so aus der Abbildung, in welcher
der Künstler durch Übertreibung der Perspektive das Original ganz
entstellt hat (Sillim. am. journ. XLII. p. 390).
Owen’s Descript. of some foss. remains of C'hoeropotamus, Pa-
lueotherium, Anoplotherium and Dichobunes from the Eocene format.
Isle of Wight (transact. of the geol. soc. VI. p. 41) giebt zunächst
Aufschlüsse über die Verwandtschaft von Choeropotamus mit den
Pekaris; auch stellt er eine neue Art von Dichobune, D. cer-
vinum, auf,
62
In der neusten tertiären Formation von Südkarolina fanden sich
unter Knochen von Mastodon, Elephant, Hirsch, Cetaceen, Schild-
kröten, Haien, Fischen auch das Fragment eines: Unterkiefers von
einem Schweine, in Form des Unterkiefers und der Zahl der Zähne
zunächst an das Babirussa sich anschliessend. Harlan giebt ihm
den Namen Sus americanus (Sillim. am, journ. XLII. p. 143).
Bezüglich auf Christol’s Beschreibung des Rhinoceros megarhi-
nus bringt H. v. Meyer viele lehrreiche Bemerkungen bei (Jahresb,
f£. Mineral, 1842. S. 585).
Ruminantia,
Im Boston Journal of Nat. History IV. 1. (1842) p. 1 hat
Jackson eine Beschreibung des innern Baues zweier erwach-
senen Dromedare, beiderlei Geschlechtes, mitgetheilt.
Der" Cervus antisiensis d’Orb. wurde von Puche-
ran ausführlich beschrieben.
Die Beschreibung findet sich in D’Orb. diet univ. d’hist. nat. IM.
p: 328. Das Geweih ist sehr eigenthümlich: die Rose ist sehr klein,
von einem mit Perlen besetzten Kranze umgeben, 1; bis 2 Zoll da-
von gabelt sich schon die Stange, so dass das Thier fast vierhörnig
aussieht. Diese Hirsche bewohnen die östlichen Kordilleren von Bo-
livia, in einer Höhe von 4000 Metres über dem Meere.
Laurillard giebt ebendaselbst an, dass ihm gegen 50 Arten
antediluv. Hirsche bekannt seien, und obschon er zugesteht, dass
mehrere Nominalspezies sich darunter finden, so meint er doch, dass
die Zahl der reellen Arten immerhin noch gross genug bleiben werde.
— Ein in Lithauen aufgefundenes Hirschgeweih schreibt Pusch einer
ausgestorbenen Art zu, von ihm Cervus bresciensis henannt,
Ref. muss jedoch der von Bronn beigefügten Bemerkung vollkom-
men zustimmen (Jahrb. für Min. 1842. S. 47). j
Ziegler zeigte an einem Präparate, dass bei einem Rehe das
Graafsche Bläschen schon im August geplatzt war, dass dieses also
nicht, wie Pockels aus seinen Untersuchungen darzuthun glaubte,
erst im November erfolge (Bericht über die Vers. der Naturf. zu
Braunschw. 8. 82).
In den Transact. of the zool. soc. of Lond. 1842. p. 21 lieferte
Owen Bemerkungen über die Geburt einer Giraffe und die Fötal-
Membranen, so wie über einige der natürlichen und krankhaften Er-
scheinungen, welche die Sektion des jungen Thieres ergab. Beige-
fügt ist eine schöne Abbildung der Mutter und des Jungen.
In geographischer Hinsicht ist es namentlich beachtenswerth,
dass Rüppell durch unmittelbare Vergleichung der senegalschen
Antilope redunca mit der abyssinischen, die bisher mit ihr für iden-
tisch gehalten wurden, sich überzeugte, dass letztere von der erste=
63
ren spezifisch verschieden ist; er legt daher jetzt der abyssinischen
den Namen Antilope Bohor bei (Verz. d, Senck. Samnl. 8.38).
Kapt. Abbott berichtete, dass die Antilope Saiga in grossen
Heerden in der Steppe zwischen dem Oxus und dem kaspischen
Meere vorkomme (Ann. IX. p. 147). — Im 16ten Hefte von Smith’s
South Afr. Zool. erschien eine Abbildung von Antilope Gorgon mit
ausführlicher Beschreibung.
Über die generischen Unterschiede zwischen Ovis und
Capra sprach sich Blasius in der Versamml. der Naturf. zu
Braunschweig aus (Bericht S. 89).
Alle Schafe besitzen eine ausgezeichnete Thränengrube, die den
Ziegen abgeht. Die Stirne steigt bei Capra in einem steilen Höcker
an, bei Ovis ist sie flach, sogar etwas hohl. Bei allen Arten von
Ovis steht der grösste Querdurchmesser des Horns quer zur Längs-
richtung des Kopfes, während er bei allen Arten von Capra dem-
selben parallel läuft. Die Ziegen haben auf der Vorderseite der Hörner
in jedem abgeschnürten Gliede 2 — 3 stärkere Querhöcker zwischen
den kleineren Ouerwellen, die Schafe nur gleichmässige Querwulste.
Bei Capra ist die Gestalt des Hufes, von der Seite gesehen, vier-
seitig trapezoidal, vorn kaum höher als hinten; bei Oxis ist der Huf
dreiseitig, hinten spitz auslaufend, gleichsam ein diagonal durch-
schnittener Ziegenhuf. Blasius theilte auch noch Bemerkungen über
Periodizität beim Fortwachsen der Hörner dieser Thiere mit, die
dem Abwerfen der Geweihe bei den Hirschen entspricht.
Derselbe machte ferner darauf aufmerksam, dass in der
Art und Richtung der Schafhörner durchgängig scharfe spezifi-
sche Unterschiede zu finden seien.
Bei Ovis Argali, O. montana, O. Nahor und einer ausgezeich-
neten neuen Art, die Brandt vom kaspischen Meere her erhalten, ist
das rechte Horn links und das linke reclts im Raume gewunden,
O. nivicola und O. californica sind identisch mit O. montana. — Bei
0. Musmon und 0. Vigni Hodgs. hat das Horn zwar dieselbe Win-
dung, aber so schwach, dass die Vorderfläche des Horns ganz in
einer und derselben Ebene liegt, und diese Windung nur auf der
Hinterfläche deutlich ist, — Bei O. tragelophus, O. orientalis Gm.,
O. Burhel und dem cyprischen Schafe (0. cyprius), das Blasius als
eigne Art betrachtet, ist das linke Horn links und das rechte rechts
im Raume gewunden. — Durch diese Beschaffenheit der Windung ist
dann auch die Richtung der Spitzen und das Spreitzen der Hörner
bedingt. Unser Hausschaf zeigt in Hinsicht der Hörnerbildung die
meiste Annäherung an 0. Musmon und an die noch unbeschriebene
Art von Brandt.
Bef. ist damit einverstanden, dass den constanten Lokalformen
auch besondere Namen beigelegt werden; ob sie indessen als Arten
oder nur als Rassen, die bekanntlich auch einen permanenten Typus
64
haben, zu betrachten sind, ist eine Frage, zu deren definitiver Beant-
wortung erst noch die Belege durch eine Reihe von unzweideutigen
Beobachtungen herbeigeschafft werden müssen.
Aus einem Berichte Karelin’s an die kaiserl. Gesellsch.
der Naturf. zu. Moskau (Bullet, de Mose. 1841. p. 563) hebt
Ref. folgende Stelle hervor:
„Ich befinde mich seit einiger Zeit auf den Bergen von Tschingis-
Taou, in der Kirgisensteppe, östlich vom Karkaralinsk - Distrikte,
wo ich sehr merkwürdige Thiere beobachte, die unter dem Namen
Arkhari oder Bergschafe (Ovis ammon) bekannt sind. Ich habe schon
mehrere dieser Schafe getödtet und unter andern ein Männchen von
fast 8 Puds. Die Arkhates und Tschingis-Berge sind das wahre
Vaterland dieser Thiere, und ich denke, dass die von Korsika und
Sardinien eine andere Art sind.‘ — Nach Pallas würde von den
Kirgis - Tataren mit dem Namen Arkar der Argali bezeichnet; da in-
dess dieser im Altai auftreten soll, so wird jener Arkhari, der mit
dem Muflon verglichen wird, wohl eher Ovis orientalis oder die neue
Art von Brandt sein.
Das von Dr. Lord in Burne’s Cabool p. 384 beschrie-
bene Bergschaf von Kabul scheint auch — so weit ich mich
in der unklaren Angabe von der Richtung der Hörner zurecht
finden kann — mehr den Muflons als den Argalis sich anzu-
schliessen.
Hörner dreiseitig, mit vorderem Winkel, die längste Seite hin-
ten, die kürzeste am Scheitel, gegen die Wurzel werden sie etwas
viereckig, indem sich auf der vordern Seite ein Buckel zeigt. Sie
sind weisslich lichtbraun, quergewurzelt, überdiess in Zwischen-
räumen von 4— 6 Zoll mit einem Riss oder Rinne. An der Wurzel
stehn die vordern Winkel um 3 Zoll auseinander; die hintern sind
sich so nahe, dass der kleine Finger kaum dazwischen Platz hat.
In kurzer Entfernung von ihrem Ursprunge beginnen sie sich rück-
wärts zu wenden und enden, indem sie sich im Kreise spiral gegen
die Stirne krümmen (twisting round spirally towards the front).
Nase convex, Thränengruben gross, keine Klauengruben. Farbe
falb, etwas röthlichhraun; Hüften mit Grau gemischt, hinten mit einer
Scheibe von Schmutzigweiss, was sich unter dem Bauche fortzieht.
Kopf grau; unter der Kinnlade ein weisser oder graulicher Bart, der
sich von fast schwarzer Farbe bis gegen die Brust fortzieht. Körper
4 10°, Schwanz 3!”, Schulterhöhe 3° 24”, Hörner nach der Krüm-
mung 2 8°. Bewohnt in grosser Menge die Berge nördlich von Ka-
bul, welche einen Theil des grossen Hindu -Kusch bilden. Heisst
Gosfund - i-koh (Bergschaf) , a auch a2 -i-koh (Berggeis) ge-
nannt werden.
65
Eine merkwürdige neue Art von Ziegen ist im Kaukasus
entdeckt worden.
Bisher kannte man nur 2 Arten von Capra aus diesem Gebirge;
eine $te ist unter dem Namen degoceros Pallasii von Rouillier
in den Bullet. de Mosc. 1841. p. 910 beschrieben und auf tab. 11 ab-
gebildet worden. Nach der Beschreibung ist der Kopf schafsähnlich,
Thränengruben fehlen, unter dem Kinn ein 35 Zoll langer Bart. Hör-
ner schwarz, gerunzelt, mässig dick, halbkreisförmig nach hinten
und aussen herabfallend, dann aber mit ihren Spitzen nach oben und
innen ewendet. An der Basis sind sie fast dreieckig, in der Mitte
rundlich, gegen die Spitze zusammengedrückt. Farbe des ganzen
Pelzes kastanienbraun. Das Weibchen ist bartlos und hat nur kleine
Hörner mit schwacher Krümmung. Bock 4 3” lang, Hörner 7 3”,
Entfernung derselben an der Wurzel 10°’, in der Mitte 1’ 4}, an der
Spitze 1’ 3”. Lebt auf den Höhen des Kaukasus. — Diese Art steht
in der Hörnerform am nächsten der Capra pyrenaica.
In den ‚„Wirbeltbieren Europas‘ haben Keys. und Blas. bereits
bemerkt, dass der von Belon abgebildete kretische Steinbock wahr-
scheinlich Capra sinaitica sei; ein Exemplar im Königsberger Mu-
seum, das angeblich von Kreta stammt und entschieden C. sinaitica
ist, bestätigt, wie Blasius nachträglich zusetzt, diese Vermuthung
(Bericht der Vers. z. Braunschw. 8. 91).
Das Vorkommen wilder Ziegen (Catte ade) in den Nilgherris
bestätigte Delessert, der solche daselbst erlegte (Souv. d’un voy.
dans l’Inde p. 116). Auch Blyth erhielt vom Lieut. Bragin die Ver-
sicherung, dass auf den höchsten Gipfeln der Nilgherris ein ächter
Steinbock wohne mit langen, knotigen Hörnern und grossem Barte,
wodurch er vom himalayischen Steinbock abweiche (Ann. IX, p. 62).
Vom Markhor, den Vigne auch in Klein - Tibet fand, be-
schreibt Lord 2 Exemplare von Kabul (Burn. Cabool p. 386).
Lord nennt sie eine ächte Ziege, die er mit Capra aegagrus
vergleicht, Thränengruben fehlen. Am ersten Exemplare sind die
Hörver lang, oval, vorn sehr verflacht, mit 12 Höckern oder Kuop-
pero, die nicht ringsum verlaufen; an der Wurzel zwei Finger breit
auseinander, dann mehr sich entfernend, indem sie sich etwas aus-
wärts, aufwärts und dann rückwärts krümmen. Farbe trüb bräun-
lichgrau, unten lichter, auf der Vorderseite der Beine aber fast
schwarz; der Bart schwarz und auf einen Büschel unter dem Kinne
beschränkt; Schwanz mit schwarzem Haarpinsel. Hörner gegen die
Wurzel schwärzlich, weiter hinauf schmutzig gelb. Körper 4 104”,
Schwanz 9’, Schulterhöhe 2 10”, Hörner nach der Krümmung ?.
Aus den Bergen nördlich von Kabul. — Das andere Exemplar kam
aus den Bergen bei Baghlan. Hörner an der hintern Basis sich be-
rührend,, vorn fingerbreit getrennt, in langen Spiralwindungen auf-
wärts, auswärts und ein wenig rückwärts sich fortziehend, zwei
Archiv f. Naturgesch. IX, Jahrg. ?. Bd, E
66 :
vollständige Umgänge bildend. Ohne diese Umgänge würde das Horn
vollkommen dreieckig sein; Ringe oder Runzeln fehlen, obschon es
rauh ist. Farbe trüb rothgrau, schwärzlich- von den Hörnern bis
zum Schwanze. Unterleib, Hüftenrücken und Füsse unter den Knieen
grau. Hörner schmutzig gelblichweiss, unten dunkler, ınit deutlichen
Jahresfurchen. Kinnbart grau, in langen weissen zottigen Haaren
am Halse herab fortgesetzt. Körper # 103”, Schwanz 6”, Hörner
in gerader Linie 2’ 1)”, nach der Krümmung 2’ 6”, Entfernung der
Spitzen 1’ 8°. Ausgezeichnet durch die aufrechten spiralförmigen
Hörner. Wegen der Verschiedenheit in der Hörnerform sieht Blyth
diesen Markhor für eine verwilderte Ziege an.
Unter den beiden Artikeln Boeuf und Buffle hat Rou-
lin in D’Orb. diet. univ. d’hist. nat. II. eine gute Monographie
der Gattung des Rindes geliefert.
Er bringt sie in 4 Gruppen: a) Ochsen (Taureaux), Stirne flach,
oder selbst etwas concav, fast so hreit als hoch, Hörner an den
Enden der Hinterhauptsleiste, 13 Rippenpaare. 1) B. taurus, 2) B.
Gaurus, 3) B. Gayal, 4) B. Banteng. — b) Bisons, Stirne breiter
als hoch, gewölbt, Augenhöhlen vorspringend, Hörner unter der
Stirnfirste, mehr als 13 Rippenpaare. 5) B. Bison (VAurochs), 6) 2.
americanus (le Bison). — c) Yaks. 7) B, grunniens. — d) Büffel.
8) B. Bubalus, 9) ’Arni A cornes en croissant, 10) l’Arni geant, 11) 2.
caffer, 12) B. brachyceros. Der letztese ist nach demselben leben-
den Individuum beschrieben, nach welchem Gray seine Art aufge-
stellt hatte, nur hat selbiges durch das Wachsthum in einigen Merk-
malen bedeutende Modifikationen erlitten.
Roülion sieht den Gaur, Gayal und Banteng für 3 verschiedene
Arten an, und nach den Merkmalen, die er von ihrem Schädel mit-
theilt, wäre dies allerdings der Fall. In Bezug auf den Gaur und
Banteng kann nach den Schädelabbildungen (vgl. unser Archiv V. tab. 9
für jenen, und die Nederl. Verh. n. 7 für diesen) wohl kein Zweifel
mehr bestehen, dass beide verschiedene Arten sind; hinsichtlich des
Gayals ist aber noch Zwiespalt. Während Roulio ihn als eigne Art
hinstellt, erklärt dagegen Delessert die von ihm im südlichen Indien
erlegten Wildochsen für einerlei mit dem Gayal (B. frontalis s. sylhe-
tanus), so wie mit dem Gaur, bezieht sich wenigstens für letzteren
auf Hodgson’s Beschreibung; so dass es nicht zweifelhaft bleiben
kann, dass wenigstens die durch Vorderinudien vom Kap Komorin an bis
Nepal verbreiteten Wildochsen aus dieser Abtheilung dem Bos Gaurus
angehören, während dagegen der Bos sylhetanus von Sylhet und
Hinterindien immerhin eine davon verschiedene Art sein könnte.
Hierüber werden uns wohl S. Müller und Schlegel bald die nöthigen
Aufschlüsse ertheilen. — Am mindesten befriedigend ist, was Roulin
über die Wisente mittheilt. Hier ist er stehen geblieben bei dem,
was Cuvier über sie sagte; von dem, was seitdem durch Bojanus,
Jarocki, Brincken, Baer, Pusch und dem Ref. über diesen Gegen-
67
stand beigebracht wurde, ist keine Rede. Die vom Ref. schon früher
angegebenen Unterschiede zwischen dem Wisent der alten und der
neuen Welt haben sich ihm seitdem durch Ansicht der 3 schönen, in
Berlin aufgestellten lithauischen Exemplare bestätigt. Ihr ganzer
Körper ist dicht behaart, namentlich am Vordertheil, ohne jedoch an
den Halsseiten sich merklich zu verlängern, während bei dem ameri-
kanischen Wisent Schultern, Hals und Kopf mit dichtem lockigen,
am Hinterkopfe fusslangen Filze bedeckt sind Eben so fehlt jenen
Exemplaren die Manscheite am Hinterrande des Metacarpus, welche
beim amerikanischen Wisent so ausgezeichnet hervortritt.
Über zwei angebliche wilde Rinderarten des nordwestlichen
Afrikas wusste sich Blyth einige Nachrichten zu verschaffen, die
zwar nicht geeignet sind hiernach die Art (vielleicht nicht einmal
die Gattung) zu bestimmen, aber doch zu weitern Nachforschungen
Veranlassung geben werden. Von der einen wurde ein Exemplar
aus der Centralregion des Atlas gebracht und etliche Monate in Tanger
gehalten; ihr Landesname ist Sherifal Wady, als den systematischen,
der ihr bei ihrer Aufnahme in das System gegeben werden könnte,
will Blyth ihr einstweilen den Namen Bos atlantinus reservirt
wissen. Die andere Art, mit flatternder Nackenmähne (Wadan? Pe-
casse?) ist gemeiner, in grossen Heerden, wird bei Rabat-und Salee,
an der berberischen Küste gefunden (Ann. IX. p. 62).
Von Ogilby’s Monographie der hohlhörnigen Wiederkäuer, von
der schon im vorjährigen Jahresberichte gesprochen wurde, ist nun
die erste Abtheilung in ausführlicher Darstellung in den Transact. of
the zool. soc. 1842. p. 33 erschienen,
Cetacea.
Einen im rothen Meere lebenden Delphin sieht Rüppell für
eine neue Art an, De/lphinus Abusalam, die er von D. tursio
durch die Zahl der Zähne, der Rückenwirbel und die Stellung des Auges
gegen den Mundwinkel unterscheidet (Mus. Senck. Il. S. 140 tab. 12).
Nach einem an der Küste von Cornwall gefangenen Exemplare
von Delphinus globiceps (Phocuena melas) von 20° Länge, lieferte
Couch eine kurze Beschreibung mit einer Zeichnung, die er als
naturgetreu rühmt (Ann. IX. p. 371).
Von einem an der Küste von Korsika gestrandeten Hyperoodon
gab Doumet in der Rev. zool. 1842. p. 207 Nachricht, mit Beifügung
einer Umriss - Zeichnung.
Viel zu spät kam Haldeman mit seinem Vorschlage, den Del-
phinen mit 2 Zähnen im Unterkiefer den Namen Hypodon beizulegen,
da sie schon lange mit dem von Heterodon bedacht sind (Proceed.
of the Acad. of Philad. 1842. p. 127).
Von einem in Maryland gefundenen fossilen Delphine, Delphinus
ealvertensis ist im Instit. 1842. p. 384 eine kurze Notiz gegeben.
E*
68
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Vögel während des Jahres 1842.
Vom
Prof. Andr. Wagner in München.
Der Bericht über die Leistungen in der Therologie hat sich
so sehr über das festgesetzte Maass ausgedehnt, dass Ref. ge-
zwungen ist, bei der ornithologischen Abtheilung sich kürzer
zu fassen, was er um so eher thun kann, als er hier sich
° mehr referirend hält, indem zu einer kritischen Musterung der
im vergangenen Jahre als neu angekündigten Arten mehr Zeit
nöthig ist, als ihm hiefür dermalen disponibel bleibt.
In der nachfolgenden Aufzählung der ihm zugänglich geworde-
nen Arbeiten allgemeineren Inhaltes sind, wie gewöhnlich, diejenigen
nicht besonders genannt, welche als beide Klassen der warmblütigen
Thiere umfassend, schon in der therologischen Abtheilung zur Sprache
gebracht wurden.
Nomina systematica generum Avium tam viventium quam
fossilium. Auctore L. Agassiz. Recognoverunt Princeps ©.
L. Bonaparte, G. R, Gray et H. E. Strickland. Solo-
dur. 1842.
Agassiz geht mit seinem Nomenclator zoologicus frisch vorwärts;
der therologischen Abtheilung ist schnell die ornithologische nachge-
folgt, von Naturforschern bearbeitet, die hiezu wohl befähigt waren.
Zur schuellen Auffindung der Familie, unter welche die zum grossen
Theile wenig bekannten neuern Gattungsnamen zu bringen sind, ist
dieses Verzeichniss von grösstem Nutzen. Der schwierigste Theil
hiebei ist die Etymologie, da die neueren Dilettanten bei ihrer Gat-
tungsmacherei über alle sprachlichen Gesetze sich hinwegsetzten
und die sinnlosesten Zusammensetzungen sich erlaubten, welche ein
Philolog gar nicht errathen kann. So ist z. B. im Namen Brachypte-
racias nicht etwa, wie hier gemeint ist, das Schlusswort von «xn
hergeleitet, sondern der entsetzliche Name, wie ihn Wiegmann
nannte, ist aus Brachypteryx und Coracias zusammengeschmiedet,
0
69
gerade so, wie Cypsnagra von Cypselus und Tanagra!! Dacelo ist
jetzt allerdings ein Nom. propr., aber Leach hat es erst durch Ver-
setzung der Buchstaben von Alcedo dazu gestempelt. Hier thut ein
Jlliger Noth, um den Augias- Stall zu reinigen.
The Naturalist’s Library, conducted by Jardine, Ornithology
hat den 13. Band ausgegeben: Nat. hist. of Nectariniadae or Sun-Birds.
In der Rev. zool. p. 202 und 55 theilte Hartlaub Bemerkungen
über Gray’s Genera avium und Beiträge zur Berichtigung der Syno-
nyme mit. Es wäre sehr zu wünschen, dass Letzteres öfters ge-
schehen möchte, und dass die Ornithologen, statt in der Aufstellung
neuer Arten und Gattungen sich überbietend, einmal ihre Zeit und
Mühe der kritischen Besichtigung des bisher Publizirten zuwenden
möchten.
Marcel de Serres, des causes des migrations des ani-
maux et particulierenent des oiseaux et des poissons.
Die Gesellschaft der Wissenschaften zu Harlem hatte als Preis-
aufgabe das Thema gewählt, welches sind die Ursachen der Wan-
derungen der Fische, namentlich der Arten, welche zur Nahrung
oder zu andern Zwecken dienen. Marcel de Serres ven Montpellier
hatte zur Zufriedenheit der Gesellschaft diese Frage beantwortet und
sie macht nun seine Arbeit bekannt in den Natuurk. Verhandel. van
de H. Maatschappi) der Wetenschappen te Haarlem. 2. Deel. Haarl.
1842, woselbst sie den ganzen Band ausfüllt. M. de Serres fasste
mit Recht die Frage ganz allgemein auf, und dehute seine Arbeit
auf alle Thierklassen aus, welche wandernde Arten aufzuweisen
haben. Die Abhandlung ist recht interessant, kann aber hier in ihrem
Detail nicht weiter erörtert werden.
In der Rev. zool. 1842. p. 317 ist auf ein kleines polnisches Buch
über den Vogelfang, das aus dem 16ten Jahrhundert herrührt und
das Ant. Waga unter dem Titel Myslestwo Ptasze etc. wieder ab-
gedruckt und mit einem Commentar versehen hat, aufmerksam ge-
macht worden. Es soll viele Details über die in Polen vorkommen-
den Vögel enthalten.
Über die Eier und Nester der Vögel sind mehrere Ar-
beiten erschienen.
Des Murs gab in Mag. de Zool. 1842. Ois. pl. 22 Beiträge zu
einer ornithologischen Ovographie, um sie für die Systematik der
Vögel zu benutzen, wobei er Form, Schale und Färbung berück-
sichtigt. Er unterscheidet 6 Formen: die sphärische, ovale, cylin-
drische, eiförmige, eikonische und elliptische, legte auch eine Probe
vor, wie diese Formen für die Systematik zu benutzen sind. —
Lafresnaye theilte hierüber in der Rev. zool. p. 302 ebenfalls einige
Bemerkungen mit. Die Eier aller unserer Saxicolinen sind blau, aller
Anisodactylen von Europa und Amerika weiss oder schwach fleisch-
farben, mit dunkel ziegelrothen Flecken oder Punkten bestreut. Die
70
meisten Arten aus allen Ordnungen, die in hohlen Bäumen nisten,
haben ganz weisse oder sehr blassfarbige Eier. — An die allgemeine
Bemerkung, dass in tropischen Gegenden es eine grössere Zahl Vögel
giebt, welche geschlossene Nester bauen, als in gemässigten Klima-
ten, knüpft Hill seine Betrachtungen an, zufolge derer auf den
westindischen Inseln die Nester, mit Ausnahme der von den Tauben
und Kolibris gefertigten, fast durchgängig runde Deckungen sind aus
trocknem Grase, mit eingeflochtner Wolle, Moos und Federn. Er
meint, dass die Eier hiedurch bei dort häufigen schweren Gewittern
sowohl gegen die schädlichen Einwirkungen der Elektricität, als des
blendenden Lichtes geschützt würden (Ann, of nat. hist. IX. p. 145).
Von Berge’s Fortpflanzung der Vögel ist die 1ite Lief. ausge-
geben. Die Abbildungen der Nester und Eier der Vögel, die zu
Oken’s Atlas gehören, sind recht brauchbar.
Anweisungen zum Präpariren der Vögel sind zwei zur
Anzeige gekommen.
Brehm, die Kunst Vögel als Bälge zu bereiten, auszu-
stopfen etc. Weim. $ Thlr. — Eick, Anleit. für Naturalien-
sammler, wie Vögel, Säugthiere ete. eonservirt werden können,
Stuttg. 4 Thlr. — Recht brauchbar für Sammler in auswärti-.
gen Ländern ist die in der Calwer Vereinsbuchhandlung er-
schienene „Kurze Anweisung, naturhist. Gegenstände einzu-
sammeln und zuzubereiten. “
Kuhlmann, de absentia furculae in Psittaco pullario.
Diss. inaug. Kiel. 1842.
Merkwürdig ist es, dass bei dieser Art die Gabel constant fehlt,
während die übrigen bisher untersuchten Papageien sie aufzuwei-
sen haben.
Osteologie der Vogelfüsse von Kessler in Petersburg
(Bullet. de Mosc. 1841. III. p. 465 u. IV. p. 626).
Ref. gesteht gerne, dass er um diese gründliche und ausführliche
Arbeit einen guten Theil der Arten hergiebt, die im verwichenen
Jahre als neu publizirt wurden. Es sind hier mit Consequenz die
osteologischen Verhältnisse eines Körpertheils behandelt, dessen Bil-
dung mit der Lebensweise in allerinnigster Beziehung steht, hiemit
also zugleich sehr wichtige Anhaltspunkte für die Klassifikation der
Vögel wie für die Bestimmung ihrer fossilen Arten gewonnen. Der
Verf. hat seine Untersuchungen über alle Ordnungen und Familien
dieser Klasse erstreckt, wobei es nur zu bedauern ist, dass er das
System von Nitzsch, das auf den Skeletbau eine Hauptrücksicht
nimmt, nicht zur Grundlage wählen konnte, sondern dem von Cuvier
folgte, dem in osteologischer Beziehung noch nicht gehörig vorgear-
beitet war, daher nach dieser Seite hin nicht immer in natürlicher
Anordnung steht. Wenn der Verf. z. B. aufmerksam macht, dass
71
Cypselus und Caprimulgus zu Cuvier’s Kissirostres durchaus nicht
passen, so rechtfertigt er hiemit seinerseits die von Nitzsch zuerst
ausgeführte Trennung genannter Gattungen von den Schwalben und
ihrer völligen Absonderung von den Passerinen, Von unverdrosse-
nem Fleisse und Ausdauer zeigen die beigegebenen beiden Tabellen,
die Ausmessungen der Knochen der hintern Extremität betreffend.
Über ein Zahngebilde auf dem Oberschnabel des Foetus der Vö-
gel, wahrscheinlich zur allmähligen Durchreibung und Durchbrechung
der Eischale bestimmt, ferner über das Vorkommen der Harnblase,
die nicht gänzlich fehlt, sondern bei einigen Vögeln selbst noch im
späteren Alter deutlich vorhanden ist, zuletzt über die Bedeutung
der Bursa Fabriecii als Uterus bei dem weiblichen Vogel und als Sa-
menbeutel oder Samensack bei dem männlichen, theilte Mayer in
den ‚neuen Untersuch. aus dem Gebiete der Anat. u. Phys.‘‘ Bonn,
1842 einige Bemerkungen mit. — In der Braunschw. Versamml. der
Naturf. sprach E. Weber über den Bau der Lungen und den Me-
chanpismus des Athmens bei den Vögeln (Amtl. Bericht 8. 75).
Über die Behandlung der Stubenvögel, besonders der eigent-
lichen Sänger, theilte C. Siedhof seine Erfahrungen in der Isis 1842,
8. 339 mit.
Zur Schilderung verschiedener Faunen sind viele Beiträge
gegeben worden; sie machen jedenfalls immer den wichtigsten
Theil der zoographischen Arbeiten aus, und sind in der Klasse
der Vögel von um so grösserer Bedeutung, als mit umfassen-
derer Kenntniss der Hauptfaunen die Ausdehnung und Rich-
tung der Wanderungen der Zugvögel mit Sicherheit ermittelt _
werden kann.
Die Arbeiten über die deutsche Vögel-Fauna von Naumann,
Susemihl, Bekker und Zander sind nicht unterbrochen worden.
Brehm hat seine Schilderung mehrerer Ausflüge nach Brinnis bei
Delitzsch, in zoologischer, vorzüglich ornithologischer Hinsicht, fort-
gesetzt und als ein guter Beobachter: viele interessante Bemerkun-
gen gemacht, was Ref. um so mehr hervorheben, will, als er ausser-
dem nichts weniger als mit der unseligen Arten - Vervielfältigung
einverstanden sich bekennen kann.
€. Th. v. Siebold lieferte ‚‚neue Beiträge zur Wirbelthier-
Fauna Preussens“ (Preuss. Provinzialblätter 1842. Bd. 27 8. 420).
Zuerst giebt er von Klein’s handschriftlich hinterlassenem Aviarium
Prussicum Nachricht, so wie von einer Mappe dazu gehöriger Ab-
bildungen; dann bringt er einige seltene darin vorkommende Arten
zur Sprache, nämlich Falco candicans, Alauda alpestris, Ardeu
egrella, Podiceps arctieus und auritus. Hieran knüpft er einige
eigene Beobachtungen. Sylvia locustella , bis jetzt als preuss. Vogel
nirgends erwähnt, ist von Siebold im Sommer 1840 zu Heubude in
dem verwilderten Biörn’schen Garten gefunden worden. Beachtens-
72.
werth ist seine Mittheilung, dass es im April 1838 plötzlich mitten
in der Stadt Danzig auf’allen grösseren Bäumen)’in Gärten sowohl
als in den belebtesten Strassen, von Saatkrähen gewimmelt hat,
die daselbst Nester anlegten und brüteten. Er macht dann weiter
bemerklich, dass nach einem Ölgemälde zu urtheilen, im Jahre 1608
ein Pelecunus onocrotalus in Preussen geschossen wurde. Zuletzt
giebt er eine interessante Schilderung des Sasper-Sees bei Danzig,
an welchem eine Menge Wasservögel in sicherer Ruhe brüten, die
er durch eine Wasserfahrt überrraschte. Am häufigsten ist Larus
ridibundus. Bei den Nestvögeln der Sterua nigra bemerkte er einen
kreideweissen Fleck an der Spitze des sonst ganz schwarzen
Schnabels.
Der erste Versuch zur Aufzählung der Vögel Siebenbürgens ist
durch Landbek in der Isis S. 181 gemacht worden. Obschon der
Verf. selbst die Unvollständigkeit seines Verzeichnisses zugesteht, -
hat er doch bereits 261 Arten angeführt. Von demselben Verf. rührt
eine interessante Schilderung der Reiherinsel bei Adopy in Ungarn
her (Isis S. 267). — Andree’s Öfversigt af Gottlands Faglar in den
K. V. Acad. Handl. för 1841. p. 207 ist ein dankenswerther Beitrag
zur Kenntniss der geograph. Verbreitung der europäischen Arten. —
€. J. Sundevall’s Bemerkungen zur skandinavischen Ornithologie
(1. c. Är 1840. Stockh. 1842. p. 31) betreffen: a) zufällig vorkom-
mende Vögel, 1) Turdus varius, 2) Fringilla erythrina, 3) Co-
lumba turtur, 4) Otis tetrax. — b) Skandinavische Arten,
5) Alauda alpestris, 6) Anthus pratensis, 7) Montacilla flava, 8) Em-
beriza citrinella, 9) Fringilla linaria, Bei der zweiten Abtheilung
ist besonders lehrreich des Verf. Auseinandersetzung der Varietäten
und ihrer Verbreitung, worauf wir später zurückkommen werden. —
Ein Verzeichniss von Vögeln im hohen skandinavischen Norden legte
L. Schrader in der Isis 8. 616 vor. — Auf einige hieher gehörige
schwedische Kupferwerke will bei dieser Gelegenheit Ref. noch auf-
merksam machen, die ihm jedoch blos aus Sundevall’s Anführungen
in dessen Arsberätt. om zool. arbet. p: 540 bekannt sind, nämlich
1) Svenska Foglar af bröderna v.-Wright, an Treue der Abbildun-
gen, wie S. rühmt, alle andern, sowohl inländische als ausländische
Arbeiten übertreflend, indem nicht nur die äussere Bekleidung der
Füsse und des Schnabels vortrefflich dargestellt sind, sondern auch
die Befiederung und die Stellung des Vogels (30 Hefte, jedes 2; Rar.
Bko. mit 6 Tafeln). 2) Körner, Skandinaviska foglarne mit kol. fig.
(6tes Heft, 1841). 3) J. Ad. af Ström, Svenska foglarna, 100 sid.
med. 9 pl. af,W. v. Wright. Stockh. 1839. 4) Svenska colorerade
fogelägg af J. D. Högberg (1stes Heft. Stockh. 1840). — Thomson
hat seine Beschreibung der Vögel Irlands in den Ann. of nat. hist.
IX. p. 141, 221, 373 und X. p. 50, 171 fortgesetzt und ist damit bis
zu Caprimulgus vorgeschritten. — H. L. Meyer’s Illustrat. of Brit.
Birds and their Eggs N. 1. Bond. 1842. 8. ist eine kleinere Ausgabe
‚®
von desselben Verf. grösserem Werke in 4 — Jardine, the Natu-
ralists Library vol. 34 (1842) enthält den 3ten Band der Brit. Birds, —
Die: Faune Belge par E. de Selys-Longehamps ist reich an
eignen Beobachtungen über die belgischen Vögel, enthält auch eine
ziemlich weitläufige Klassifikation, die jedoch nur auf äusserliche
Merkmale gebaut ist und daher nicht als ein Fortschritt in der orni-
thologischen Systematik betrachtet werden kann.
Th. Cantor hat auf der chinesischen Insel Tschusan folgende
Vögel gefunden: Lanius erythronotus, Dierurus balicassius, Turdus
merula, Philedon sp, Silvia hypolais, Hirundo erythropygia, Pyrgita
montana, Pastor cristatellus, Pica vulgaris, Alcedo bengalensis und
Ardea sp. (Ann. IX. p. 482). — T. C. Jerdon’s catalogue of the
Birds of the Peninsula of India. Madras 1839 kennt Ref. nur dem
Titel nach. Derselbe steht im Begriff „‚Illustrations of Indian Orni-
thology “ in 50 kol. Tafeln zu publiziren (Ann. IX. p. 242).
Beschreibung mehrerer, grösstentheils neuer, abyssinischer Vö-
gel aus der Ordnung der Klettervögel, von Dr. E. Rüppell. Be-
zieht sich auf 10 Aıten, die gehörigen Orts werden erörtert werden.
— Von A. Smith’s Illustr. of South Africa sind Ref. 2 Hefte, das
l5te und I6te, im vergangenen Jahre zugekommen.
The Birds of America, from drawings made in the United States
and their Territories; by J. J. Audubon. Vol. I. 1842. Mir zur
Zeit nur aus Brewer’s ausführlicher Anzeige in Sillim. am, journ,
XLII. p. 130 bekannt, woraus Nachstehendes entlehnt ist. Seit der
Vollendung seines ersten Bandes hat Audubon 395 neue Subskriben-
ten bekommen, darunter fast die Hälfte aus der Stadt Boston allein,
so dass sein Werk jetzt nahe an tausend Abnehmer zählt; ‚ein
Fall von liberaler Unterstützung eines naturhistorischen Werkes, der
gewiss ohne Parallele in der neuen Welt ist und schwerlich eine
in der alten Welt finden wird,“ am wenigsten in Süddeutschland.
Dieser 2te Band enthält 70 Tafeln mit 136 Figuren von Vögeln,
ausser einer grossen Zahl Zeichnungen von Pflanzen, Nestern, In-
sekten etc. und kostet mit dem Texte 14 Dollars (a 2} Fl. ohngefähr),
was ein billiger Preis ist. Die dargestellten Vögel machen 70 Arten
aus, wovon 26 nicht in dem Werke von Wilson und 17 überhaupt
in keinem andern Werke über amerikanische Ornithologie gefunden
werden. — Townsend’s Verzeichniss der Vögel aus der Gegend
des Felsengebirges, dem Oregon - Gebiet und der Nordwestküste von
Amerika, ist zur Vergleichung mit den östlichen Arten von Werthe
(Journ. of the Acad. of nat, sc. of Philad. VII. p. 151). — Ein Ver-
zeichniss etlicher von Bridges in Chili gesammelter Vögel ist in
den Ann. IX. p. 509 enthalten.
Von Gould’s Birds of Australia ist im vergangenen Jahre Heft
6, 7, 8 u. 9 erschienen, und dieses Prach(werk demnach im raschen
Fortschritt begriffen.
74
Aceipitres.
Brehm, denı es, wie er es uns in der Isis 1842, S. 418
erzählt, begreiflicher Weise immer auffallend war, dass der
Kondor so allein ohne Subspecies dastehen sollte, hat die
Freude gehabt, eine solche aufzuspüren; er unterscheidet den-
nach 2 Unterarten:
1) Sarcoramphus gryphus Linn., „viel grösser als Vultur
einereus, im Alter beide Geschlechter mit einer zollbreiten, durch-
gehenden silberweissen Binde über dem silberweissen Flügelschilde.‘
2) S. condor Br., „Grösse des Vultur fulvus, im Alter beide Ge-
schlechter mit einem silberweissen Flügelschilde, über welchem ent-
weder gar keine, oder nur eine angedeutete silberweisse Binde zu
sehen ist.“
Zu seinen früher aufgestellten Geier-Arten brachte Brehm in. der
Isis 8. 509 noch eine neue hinzu: Vultur isabellinus, den er
schon durch die Isabellfarbe von den ähnlichen Geiern unterscheiden
will und der dem westlichen Europa augehören soll.
Aus der Harpyia coronata Vieill. hat Lafresnaye in der
Rev. zool. p. 173 ganz unnöthig eine eigne Gattung Harpy-
haliaetos errichtet. — Eine andere Gattung hat Lesson
(ebenda S. 378) mit dem Namen Carnifex, den übrigens
Sundevall schon an eine Pipra vergab, bezeichnet; in den
Hauptmerkmalen wie Herpetotheres, aber verschieden durch
lange und robuste Tarsen uud durch Kürze der Flügel im
Verhältniss zur Länge des Schwanzes. Er weist ihr eine neue
Art zu, C©. naso aus ÜÖentralamerika,
Unsere Fischadler ist Brehm so glücklich gewesen, in fünf
Arten zu zerfällen: 1) Pandion alticeps Br., 2) P. medium Br.,
3) P. planiceps Br., 4) P. albigulare, 5) P. fasciatum (Isis
S. 425).
In Gould’s Birds of Australia, Heft 6—9, sind folgende Adler-
Arten dargestellt: Aguila fucosa Cuv. und 4A. morphnoides Gould
(beide Part 7). Buteo melanosternon (Part9). Elanus azwillaris Lath.
und E, scriptus Gould (ebenda). Aecipiter torquatus Guv. (Part 6).
Astur approximans Nig, und A. eruentus Gould; Milvus affinis Gould
(Part 6). Neu ist unter diesen Arten keine, indem selbst die von
Gould aufgestellten schon früher in den Proceed. charakterisirt wurden.
A. Smith hat in den Illustr. of South Africa n. 15 zwei
Eulenarten dargestellt:
1) Bubo capensis Smith, ein junges Exemplar, dessen spe-
zifische Verschiedenheit von unserem Uhu noch nicht erwiesen ist,
2) Athene Woodfordi Smith; supra rubro-brunea, Maculis
75
fasciisque albis notlata, infra pallide rubro-brunea, fasciis albis va-
riegata; cauda rubro-brunea, 7— 8 fasciis pallide flavo-bruneis,
rostro pedibusque Navis. Länge 134”,
Passerinae.
©. Sundevall machte, in der Versammlung zu Braun-
schweig darauf aufmerksam, dass er schon in seinem ornitho-
logischen Systeme, was in den Abh. der schwed. Akad. im
Jahre 1835 publizirt wurde, einen scharf unterscheidenden
Charakter für die Ordnung der Singvögel (in der Umgrenzung
von Nitzsch genommen) angegeben habe (Amtl. Bericht über
die 19te Vers. deutscher Naturf. Braunschw. 1842. S. 78).
Bei allen Singvögeln sind die Tectrices alarım so kurz, dass
die grösseren derselben nicht die Mitte der Flugfedern 2ter Ordnung
erreichen und in der Mitte der Flügelbreite enden. Bei allen Vögeln
ohne Singmuskelapparat sind diese Deckfedern weit länger und zahl-
reicher, so dass die kleineren derselben ungefähr eben so weit
reichen wie die grösseren der Singvögel, und die grösseren ‚weit
über die Mitte der Schwingen 2ter Ordnung hinausgehen, wodurch
ein ganz abweichender Habitus des Flügels und des ganzen Vogels
entsteht. Nur folgende Vögel scheinen abweichend oder zweifelhaft.
1) Menura hat die Flügel der Singvögel, aber abweichende Fussbil-
dung. 2) Upupa hat die Flügel der Singvögel, aber keinen Sing-
muskelapparat. 3) Nähern sich die Buntspechte in der Flügelbildung
* den Sipgvögeln.
Corvinae. Von Crypsirina und Dendroeitta will Hogd-
son eine neue Gattung (onostoma mit mehr zusammenge-
drücktem Schnabel unterscheiden, und begründet sie auf einer
gleichfalls für neu angesehenen Art C. oemodius in der Nähe
der Schneegrenze in Nepal. Bei dieser Gelegenheit macht H.
bemerklich, dass ihm 850 Vögelarten aus Nepal bekannt seien
(Ann. X.-p. 77).
.. Lafresnaye gab im Mag de Zool. Ois. pl. 27 der von Neboux
als Geai de San-Blas bezeichneten Art den Namen Pica San- Bla-
siana und legte von ihr eine Abbildung vor.
Ref. macht bemerklich, dass sein Corvus infumatus. und Heden-
borgs C. umbrinus (vgl. Jahresbericht 1839 u. 40), nach unmittelba-
rer Vergleichung, die Herr Natterer anzustellen die Gelegenheit
hatte, identisch sind. Sundevalls Angabe: ‚‚capite colloque grise-
scentibus‘ muss daher, als zu Missdeutungen führend, berichtigt
werden.
Ampelidae. Eine Pipra fastuosu stelle Lesson in der
Rev. zo0l. p. 174 auf; Heimath Kealejo in Centralamerika, Hartlaub
76
machte ebenda S. 56 aufmerksam, dass Euphonia coelestis Less. und
Pipra elegantissima Bonap. zusammengehören; ferner S. 203, dass
Minla ignostincta Hodgs. — Leiothrix ornatu Horsf., und Siva cya-
nouroptera — L. lepida Horsf. sei.
Tanagridae. Zwei Arten Tanagra gab Lesson in der
Rev. Zool. p. 175 als neu an: Aglara diaconus und Euphonia
affinis; beide von Realejo. Dessen Pity/us /uzulus ist eben-
falls von Gentralamerika. — Zu Cyclorhis (Laniagra), bisher blos
auf die Tanagra guyanensis begründet, fügte Lafresnaye 2 neue
Arten hinzu. C. fluviventris aus Santa-Cruce in Mexiko und C.
nigrirostris aus Columbien. Azara’s Habia vert sieht er für iden-
tisch mit Tunagra guyunensis an (Rev. zool, p. 134). — Von dem-
selben ist a. a. 0. 8.335 ein Arremon atropileus und ein Ta-
chyphonus Vietorini, beide aus Bolivien, aufgestellt. — Eine
Beschreibung der Pyranga leucoptera von Trudeau aus Mexiko
findet sich im Journ. of Philad. VAN. p. 160.
Fringillidae. Dass Fringüla cisalpina und hispanio-
Zensis nur Varietäten unsers Haussperlinges sind, hat Land-
bek in der Isis S. 90 ebenfalls behauptet. ?
F. cisalpina, von der angegeben wurde, dass sie diesseits der Alpen
nicht vorkomme, fand er häufig in Unter-Engadin, Kant. 'Graubündten.
Unter den Sperlingen, die er vom Dache seines Gasthauses herab-
schoss, kamen bald italienische, bald Übergangsvögel, bald gewöhn-
liche Sperlinge zum Vorschein. An den frisch ausgellogenen Jungen
und den alten Weibchen konnte er keine Verschiedenheit von ge-
wöhnlichen entdecken. In Stimme, Betragen, Nestbau und den Eiern
liess sich kein Unterschied zwischen beiderlei Sperlingen ausfindig
machen. Da man nun auch unter F. hispaniolensis ganz gewöhnliche,
dem unserigen völlig gleichende, besonders jüngere Männchen wahr-
nimmt, so sieht Landbek diese südlichen Sperlinge nicht für eigen-
thümliche Arten, sondern nur für Varietäten einer und derselben
Spezies an. j
Von Fringilla linaria unterscheidet Sundevall in der K. Vet.
Acad. Handl. för 1840. Stockh. 1842. p.56 zwei Varietäten. Var. a.
(Linaria alnorum et Holboelli Brehm), rostro majusculo, basi
tantum plumis tecto, altitudine 7, longitudine ad summum angulum
frontalem 11 — 12 millim. Macula gulae nigra longitudine rostri vel
ultra. — Var. b. (Linaria betularum Brehm), rostro parvo,
ultra medium plumulis tecto, altitudine 6, longit. ab ang. frontis 8—
10 millim. Macula gulae parva (longit. 5— 6 millim.).. Überdiess be-
merkt S., dass Var. a grösser ist, die Stirne gedrückter und schwärz-
lich; Var. b ist kleiner, die Stirne hoch gewölbt und graulich
Hartlaub erklärte iv der Rev. zool. p. 56 Carduelis rufogularis
Less. für identisch mit Fringilla thoracica JU. und Pipilo rufitorques
Swains.; Pyrgita peruviana Less. mit Fr. matutina Licht, ; Pyr-
rhula cruentata Less. mit Fringilla haemorrhoa Wagl. (Pyrrhula
77
frontalis Say und Erythrospiza front. Boo.); ferner Coccothraustes
Jortirostris Lafr. mit ©. melanoxanthus Hodgs.; Loxia prasipteron
Less. mit Spermestes cullulata Swains.; Pitylus guttatus Less. (G@ui-
raca melanocephala Swains.) mit Fringilla zanthomaschalis Wagl. —
Lesson’s Coccothraustes carneus kommt von Acapulco (Rev.
zool. p. 210).
Callyrhynchus wurde von Lesson in der Rev. zool.
p- 209 als eigne Gattung unter den Pyrrhulinen abgesondert.
Schoabel stark, sehr hoch, convex, gekrümmt, seitlich sehr zu-
sammengedrückt; Oberkiefer stark gekrümmt, schmal, spitz; arete
du bec convexe, entamant les plumes du front, bordee de chaque
cöte d’un sillon d’oü la lame cornee laterale s’eleve pour se renfler;
narines rondes, nı:es, percees sur le rebord des plumes frontales,
couvertes de quelques soies. Unterkiefer seitlich sehr zusammen-
gedrückt, in der Mitte und unten aufgetrieben. Schwanz mässig,
ziemlich gleich ete. — Die neue Art heisst C. peruvianus von
Callao. ;
Auch Lafresnaye hat unter den Fringilliden eine be-
sondere Gattung errichtet, der er den Namen Catambly-
rhynchus giebt (Rev. zool. p. 301). i
Rostrum breve, arcuatum, valde compressum, maxillae carina
supera planulata, utringue linea impressa marginata, apice obtusa,
rotundata. Die eigenthümliche Schnabelform hat L. zur Errichtung
dieser Gattung bewogen, welche auf einer neu entdeckten Art C.
diadema aus Columbien beruht.
In seinen Birds of Australia hat Gould von dieser Familie fol-
gende Arten dargestellt: Estrelda temporalis Lath. (Part. 6), E. rufi-
cauda Gould (Part. 7), und E. phaeton Hombr. (Part.8). — Emblema
picta (Part.7). — Donacola castaneothorax Gould und D. pectoralis
Gould (Part. 7). Poephila acuticauda G., personata G., cincta G.
(Part. 6).
Die Wüstenlerchen (Phileremos), auf Mlaäda) alpestris begrün-
det, hat Brehm jetzt auf 5 Arten gebracht (Isis S. 502). — Noch
glücklicher war er mit dem Goldammer, den er in nicht weniger als
8 Subspecies zerlegte, von denen er eine sehr ausführliche Beschrei-
bung giebt und über ihre Lebensweise interessante Mittheilungen
macht (Isis S. 752).
Emberiza hortulana, die nach Bujack äusserst selten in Preussen
vorkommen soll, hat M. Rosenheyn an den buschigen Ufern der
Weichsel nicht selten, ja. bei Culm als einen sehr gemeinen Vogel
gefunden (Preuss. Provinzial- Blätter 1842. 8. 232).
Dentirostres,. Brehm, indem er in der Isis S. 652 den
Lanius minor in 5, und den‘ L. collurio in 7 Subspecies 'zerfällte,
theilte zugleich eine ausführliche Lebensgeschichte dieser beiden Ar-
ten mit. — Maloconotus aurantiopectus Less, erklärte Hartlanb in
78
der Rev. zool. p. 57 für identisch mit,M. chrysogaster Swains., ferner
Picnonotus niveoventer Less. mit Graucalus. pectoralis, und Pick.
carbonarius Less. mit ‚Ceblepyris lugubris Sundev.
Delessert erklärte in seinen Souv, d’un voy. ä Vinde p. 24
seine Muscicapa variegata für identisch mit Siva strigula Hodgs.
und liess sie auf tab. 8 abbilden, von M. rufula Lafr. ist eine kurze
Beschreibung gegeben. — Als identische Arten bezeichnete Hart-
laub a. a. O. Platyrhynchus pseudogillia Less. und Museicapa my-
stacea Spix (Fluvicola cursoria Sw., Oenanthe celymazura Vieill,);
ferner Muscipeta lapis Less —= M. melanops Vig., wovon M. tha-
lassina Sw. das Weibchen sein wird; Muscicapa bilineata Less. —
Acanthiza arrogans Sund.; Setophaga castanea Less. = Muscicapa
vulnerata Waglr. — Zu Copurus fand Lafresnaye eine 2te Art
auf, C. leuconotus aus Bolivien (Rev. z0ol. p. 335). — Lesson’s
Psaris tityroides stammt aus Centralamerika (ebenda S. 210).
Von Artamus (Ocypterus) bildete Gould in seinen Birds of
Austral. Part 6 sechs Arten ab: A. sordidus Lath., cinereus Vieill.,
minor Wieill,, superciliosus G., personatus G. und leucopygialis G.
Subulirostres. Vom Turdus varius Pall. wurde im Jahre
1837 ein Exemplar in Schweden (Jemtland) erlegt und von Sundevall
in den K. Vet. Acad. Handl. p. 36 beschrieben. Ref, macht bei dieser
Gelegenheit bemerklich, dass im vorigen Herbste ein frisch geschos-
senes Exemplar aus Steiermark an das Wiener Kabinet abgeliefert
wurde. — Turdus nigropileus Lafer. wurde von Delessert in sei-
nen Souvenirs p. 27 beschrieben; T. collaris Sor. als identisch mit
T. albocinctus Royl., Petrocincla ferrugineoventer Less, mit P. rufi-
ventris Jard., 1xos Blumsgexus Lafr. mit Brachypus leucogenys durch
Hartlaub Baß zool. p. 58 bezeichnet. — Weil der Name Cratero-
pus Delessertä Lafr. durch Terdon schon an eine andere Art ver-
geben war, bezeichnete sie Delessert jetzt in seinen Souv. p. 28
als Cr. Lafresnayii. — Sibia nigriceps Hodgs. —= Cinclosoma ca-
pistratum Vig. (Hartl. in d. Rev. p. 202). — Timalia poecilorhyncha
Lafr. — T. subrufa Terdon (Deless. souv. p. 28).
Im Journ. of the Acad. of nat. sc. of Philad. VIM. p. 149 u. 159
wies Townsend nach, dass der von Audubon als Sylvia philadel-
phia abgebildete Vogel eine davon sehr verschiedene, von ihm am
Columbia -Flusse gefundene Art sei, der er den Namen $. Tolmaei
gab. Späterhin, wo Audubon seinen Irrthum erkannte, gab er den
Namen S. Macgillivrayi. — Brewer berichtigte im Sillim. Am.
journ. XLlI. p. 132 mehrere von Audubon begangene Missgriffe in
der Bestimmung der amerikanischen Sylvien. Muscicapa Selbii A. ist
das Junge von Sylvia cucullata Wils.; Sylvia Vigorsi A. das Junge
von S. pinus; Sylvia rara ist das junge Männchen von S. azurea;
$. palmarum Bon. ist identisch mit-S. petechia Bon.; S. pusilla
Wils. und $. sphagnosa Aud, identisch mit ‚S. canadensis; S. tigrina
Bon.ist nicht mit der von Latham, sondern mit S. montan« über-
19
einstimmend; $. Roscoe ist das Junge vom gemeinen Maryland yellow-
throatz; S, Childrenit A. der noch nicht völlig ausgefiederte gemeine
summer yellowbird, der in diesem Zustande brütet.
Von der Gattung Drymoica lieferte A. Smith in den Illustrat.
of the Zool. of South Afr. N. 16 die Beschreibung und Abbildung von
D. substriata, pallida, ruficapilla, Levaillantü, textrix und ter-
restris.
Die Schafstelzen (Budytes) sind jetzt durch Brehm
auf 10 Arten gebracht worden (Isis S. 511 u. 566).
Sie heissen: 1) B. atricapillus Br. (Motacilla melanocephala
Licht.). 2) Bo melanocephalus Boje (M. melanocephala Licht.).
3) B. Feldeggü Mich. 4) B. cinereo-capillus Savi. 5) B. caniceps
Br. (M, cinereo-capilla Auct.). 6) B. megarhynchos Br. (M. flava
Auct.). 7) BP. boarulus (M. boarula Linn.). 8) B. chrysogaster Br.
(M. flava Linn.). 9) B. flavus (M. flava Linn.). 10) DB. Haveolus
Temm. (M. flava Gould). Dass von No. 2 u. 3 die Unterscheidung
sehr schwer, von No. 3—5 es noch mehr, im Jugendkleide wohl
ganz unmöglich ist, gesteht übrigens selbst Brehm zu; ohne die Ge-
stalt des Schnabels und Kopfes genau zu berücksichtigen ist es nicht
möglich, wie er sagt, zum Zwecke zu gelangen. Wenn aber in der
Färbung, warum soll die Art nicht auch in der Form des Kopfes
und Schnabels leichte Abänderungen zulassen? — Selys Long-
champs führt in seiner Faune Belge p. 88 fünf gelbe Bachstelzen
an: 1) Motacilla flava, 2) M. cinereo-capilla, 3) M. mielanocephala,
4) M. flaveola und 5) M. boarula. Die M. cinereo -capilla, von der
er bei Lüttich ein Exemplar schoss, ist er geneigt für eine südliche
Rasse von M. flava anzusehen. — Sundevall theilt in den K. Vet.
Acad. Hand). Stockh. 1842. p. 47 die Motacilla flava in 5 Varietäten:
Var. i (anglica, M. flaveola Temm.), capite semper virescente,
colore dorsi. Var. 2 (vulgaris suecana), dilutior, pure laeteque
colorata, superciliis perfectis, latis, lora fere implentibus limboque
gulari lato pure albis. Maculae colli pectorisque pallidiores fuscae.
Var. 3 (borealis e Lapponia), obscurior, paullo sordidius co-
lorata, loris definite nigris, limbo gulari colore juguli Maculae colli
pectorisque distinctae, obscuriores; apices tectricum ex fuscescente
sordidae, ./ caput obscure canescens, lateribus pure nigrum; ve-
tus superciliis plane nullis, fronte verticeque fere nigris. Var. 4
(dalmatica Bruch, M, Feldeggi, M. cinereo-capilla?). Var, 5
(africana, M. melanocephala Licht.). Auch Ref. möchte nach
seinen Erfahrungen eher lokale Varietäten als geschiedene Arten in
den um die Motacilla flava gestellten Abänderungen anerkennen.
Certhiparus ist eine neue Gattung von Lafresnaye,
auf Parus senilis Dub. begründet (Rev. zool. p. 69).
Er sieht sie als eine Mittelgattung zwischen Meisen und Baum-
läufern an; an letztere sich anreihend durch den rigiden Schwanz mit
etwas auswärts gewendeten seitlichen Steuerfedern, an die ersteren
tell}
durch die Form des Schnabels und der Füsse und den ganzen Ha-
bitus, weshalb nach des Ref. Bedünken sie bei den Meisen zu be-
lassen ist. Dem Parus senilis könnte man, wie Lafr. meint, noch
den Parus Novae-Zelandiae Lath. hinzufügen, doch ist bei diesem
der Schwanz nicht mehr steif, obgleich er die nämliche Form hat.
Diess ist aber, wie Ref. zusetzt, ein weiterer und zwar sehr schla-
gender Beweis, dass die Gattung Certhiparus ganz unhaltbar ist. —
Den hiemit verwandten Orthonyz heteroclites Lafr. bezeichnete Hart-
laub in der Rev. zool. p. 57 für identisch mit Muscicapa chloris
Först. Icon. inedit. tab. 157, M. ochrocephala Lath.
Vom Anrthus pratensis unterschied Sundevall 3 Varie-
täten (K. Vet. Acad. Hand]. Stockh. 1842. p. 44):
1) Var. vulgaris, gula alba, striola nigricante utrinque “u basi
maxillae inferioris. 2) Var. cervina (Mostacilla cervina Pall.), gula
juguloque fulvis, stria Jaterali ad latera juguli nulla evidenter nigro-
maculata. Cauda et alae breviores. Ein Exemplar wurde 1837 im
östlichen Finnmarken geschossen. 3) Var. rufigularis Br., su-
perciliis, gula juguloque saturate ex griseo rubicundis, striola gulae
nulla, cauda et alae longiores.
Lesson charakterisirte 2 Arten von Megalonyzx, die er M.
nanus und rufocapillus benannte, beide von der Insel Chiloe an
der chilesischen Küste (Rev. zool. p. 135 u. 209). — Von Gralla-
ria zählt jetzt Lafresnaye (ebenda S. 333) 9 Arten auf, unter
denen @. ruficapilla eine aus Bolivien neu zugefügte Art ist.
Von Gould wurden abgebildet in den Birds of Austral.: Ephthia-
nura albifrons Jard. (Part. 6), E. aurifrons G. und tricolor G.
(Part. 7). — Drymodes brunneopygia G. (Part. 8). — Petroica mul-
ticolor Vig., Goodenovü Vig., phoenicea G., bicolor Sw., fusca G.
(Part. 8). — Erythrodyas rhodinogaster Drap, und rosea G. (Part. 8).
— Pitta strepitans Temm, und iris (Part. 6).
Certhiaceae. Neue Arten: Dendrocolaptes triangu-
laris Lafr. aus Bolivien (Rev. z00l. p. 134), Picolaptes capi-
strata Less. von Realejo (ebenda 8. 174), Tatare (Sitta) fu-
scus Less. (ebenda S. 210), Conirostrum albifrons und coe-
ruleifrons Lafr. aus Columbien (ebenda S. 301). z
Hartlaub machte darauf aufmerksam, dass die Gattung Unei-
rostrum Lafr. von Wagler schon weit früher den Namen Digloss@
erhalten hatte. Er weist ihr 6 Arten zu (Rev. zool. p. 569).
Dass Chloropsis auriventris Del. mit Chl. curvirostris Sw. iden-
tisch ist, machte Delessert in seinen Souv. p. 23 tab. 8 bemerklich;
doch hatte schon früher in der Rev. p. 58 Hartlaub solches ange-
zeigt. — Die Acanthiza tenuirostris wurde von Lafresnaye zur
Bildung einer neuen Gattung Acanthisitta benutzt und im Mag.
de Zool. Ois. pl. 27 abgebildet.
Hirundinaceae. Einige beachtenswerthe Bemerkungen über
Hirundo rupestris wurden von Landbek in der Isis S. 97 mitge-
s1
theilt. — Die neuholländische Schwalbe, welche Vig. und Horsf. mit
Hirundo javanica unter einer Art begriffen, trennte Gould von ihr
ab und bezeichnete sie als H. neowena (Birds of Austral. Part. 9).
Ebendaselbst bildete er dcticora (Hirundo) leucosternon 6.,
Colocalia ariel und arborea ab.
Clamatores.
Maerochires. Am Üolumbia-Flusse entdeckte Town-
send eine neue Segelschwalbe.
Er nennt sie Cypselus Vauzxii und unterscheidet sie von C.
pelasgius, mit dem sie verwechselt wurde, durch lichtere Farbe und
weit geringere Grösse; nur 3\” lang (Journ. of the Acad. of Philad.
VI. p. 148).
Dass Cypselus leuconotus Del. identisch ist mit Choetura nudipes,
ist von Hartlaub (Rev. zooi. p. 58) und von Delessert selbst in
seinen Souv. p. 25 tab. 9 erinnert worden. — Üypselus australis
Gould wurde in den Birds of Austral. Part. 9 abgebildet. Ebenda-
selbst Acanthylis caudacuta Lath
Bourcier beschrieb in der Rev. zool. p. 373 drei Arten Kolibris
aus Columbien unter den Benennungen Ornismyia Aline, Julie
und Mu/sant; einer 4en von Acapulco gab Lesson den Namen
O. cinnamomea (ebenda 8. 175). — Seine ©. (larisse liess Lon-
guemare im Mag. de z001. N. 23 abbilden.
Caprimulginae. Eurostopodus (Caprimulgus) albigularis
Vig. und guttatus Vig. wurden von Gould a. a. O0. Part. 9 ab-
gebildet.
Todidae. Vom Werops ornatus Lath. gab Gould Part. 7
eine Abbildung, Nach Hartlaub’s Angabe ist Alcemerops paleazu-
reus Less. — A. Athertoni Jard. = Nyctiornis coeruleus Sw. —
N. amherstianus Royl. — Bucia nipalensis Hodgs. (Rev. 2001. p. 58).
Lipoglossae. Brehm trennte in der Isis S. 488 den europ-
Wiedehopf in 4 Subspecies: Upupa bifasciata, macrorhynchos,
epops und brachyrhynchos. Nach Beobachtung eines lebenden Exem-
plares meint er, dass diese Gattung zu den‘Erdspechten gestellt
werden müsse. — Von Buceros cassidixz Wem. erschien in den Ne-
derl. Verliandel. N. 7 eine schöne Abbildung. — Todiramphus re-
curvisostris Lafr. (Rev. zool. p. 134) wurde aus der Südsee ge-
bracht und ist die 3te Art von dieser Gattung. — Dass Alcedo smyr-
nensis Linn. wirklich in Kleinasien vorkommt, hat neuerdings Strick-
land nachgewiesen (Ann. of nat. hist. IX. p. 441). — Zwei Arten
Prionites aus Central- Amerika wurden von Lesson aufgestellt:
Crypticus (Hylomanes) apiaster und Momotus Lessonii
(Rev. zool. p. 174).
Archiv f. Naturgesch, IX, Jahrg. 2. Bd. F
82
Zygodactyii.
- Rüppell gab im Mus. Senckenb. II. S. 127 ein Ver-
zeichniss der von ihm im nordöstlichen Afrika beobachteten
Rlettervögel. r
Es sind folgende: Picus poecephalus, schoensis, Hemprichii,
aethiopicus und abyssinieus. Yunz torqgwlla und aequatoralis. Cu-
culus canorus, solitarius, serratus, afer, Claasü, ceupreus u. aura-
tus. Coceyzus glandarius. Centropus senegalensis, supereiliosus
u. monachus. Indicator archipelagicus u. minor. Bucco chryso-
zonicus. Micropogon margaritatus. Pogonius laevirostris, me-
lanocephalus, Vieilloti, Brucei u. undatus. Trogon narina. Psit-
tacus rufiventris, flavifrons, Meyeri, Levaillauti, Tarantae u. cu-
bieularis. Corythaix leucotis. Chizaerhis zonura, personata,
u. /eucogaster. Im Ganzen 38 Arten, unter denen 12 von Rüppell
entdeckt wurden. ;
Cuculinae. Dass Cuculus serratıs vom Kap und Abyssinien
eine vom Ü. melanoleucos aus Indien verschiedene Art ist, wies
Rüppell a. a. ©. S. 122 überzeugend nach. Ebenderselbe gab eine
genaue Beschreibung von Levaillant’s Cuculus solitarius, der eben-
falls in Abyssinien, wie am Kap vorkommt. — Thompson erwähnte
in den Ann. IX. p. 225 vier Fälle von Vorkommen des Coceyzus ame-
ricanus Bonap. auf den britischen Inseln. Als neue Art bezeichnete
Lesson in der Rev. zool. p. 210 den (oceyzus erythropygus
von San- Carlos in Central- Amerika.
Zwei neue Arten von Trogon aus den Kordilleren wurden von
Gould in den Ann. IX. p. 237 umständlich beschrieben: 1) Trogon
personalus, dem T. atricollis sehr ahnlich, aber der Unterleib ist
scharlachroth statt orange; 2) Tr. (Calurus) auriceps, dem T.
pavoninus verwandt, aber grösser, der Schnabel hellgelb, die Flü-
geldecken länger etc. — Eine 3te Art aus Realejo in Central- Ame-
rika stellte Lesson als Trogon capistratus auf und fügte eine Be-
schreibung des Männchens von Trogon mexicanus Sw. bei (Rev.
zool. p. 135).
Bucconidae. Hartlaub stellte einen Jucco malaccen-
sis auf, dem B. armillaris verwandt, aber durch lichtblaue Kehle,
rothe Querbinde auf dem Vorderrücken, Mangel der orangefarbnen
Brustbinde etc. verschieden. Bei dieser Gelegenheit zählt er die Ar-
ten von Bucco überhaupt auf, und bringt deren Zahl auf 23 (Rev.
2001. p. 336).
Als das Vaterland des Pogonias laevirostris, das bisher unbe-
kannt war, wurden durch Rüppell (a. a. ©. S. 124) die südlichen
Provinzen Abyssiniens ausfindig gemacht.
RBhamphastidae, Von Gould’s Monographie der Ram-
phastiden, übersetzt von J. H. Chr. Fr. und J. W. Sturm,
wurde das 3te Heft ausgegeben.
[7
83
Dieses Ste Heft ist an die hiesige k. Hof- und Staatsbibliothek
noch nicht eingeliefert worden und daher mir zur Zeit nicht zu-
gänglich. *)
Einer neuen Art aus den Kordilleren gab Gould in den Ann. IX.
p- 238 den Namen Pteroglossus (Aulacorhynchus) castaneo-
rhynchus, dem Pt. haematopygus am nächsten stehend, von die-
sem aber und allen übrigen Arten durch weit erheblichere Grösse
(18°) verschieden.
Picinae. Rüppell vermehrte im Mus. Senckenb. Il.
S. 119 diese Familie mit 2 Arten.
1) Picus (Dendrobates?) schoönsis, dem Picus biarmicus sehr
ähnlich, aber grösser, die beiden weissen Streifen an den Seiten des
Kopfes sich nicht vereinigend etc. Aus Schoa. — 2) Yynz aequato-
rialis, aus den südlichen Provinzen Abyssiniens. Bisher waren nur
2 Arten aus der alten Welt bekannt: Y. torquilla aus Europa und
Nordafrika, und Y. pectoralis aus Südafrika. Diese neue 3te Art
entspricht durch Grösse der nordischen, und nähert sich durch das
Rostrothe der untern Körperseite der südafrikanischen an, von wel-
cher sie sich durch die Vertheilung dieser Farbe unterscheidet. —
Noch fügte Rüppell diesen beiden Arten die Beschreibung eines Weib-
chens von Pieus poecephalus Sw. bei.
Bei Musterung der Buntspechte glaubt Brehm (Isis S. 649)
gefunden zu haben, dass man die kleinern Arten von Picus trennen
und in einer besondern Gattung, welche Piculus heissen könne,
aufführen müsse. Ihr Hauptkennzeichen sei der Schwanz, der lange
nicht so keilförmig als bei den andern Spechten, sondern viel stumpfer
sei. Ausserdem zeichneten sich die hieher gehörigen Arten durch
einen schwarz und weiss gebänderten Rücken aus, und die Weibchen
hätten wahrscheinlich kein Roth, sondern nur Schwarz auf dem Schei-
tel; diess sei wenigstens bei Picus minor, Macei, moluccensis und
concretus der Fall. Diese Absonderung mag ganz gut sein, allein
der Name Piculus ist bereits von Is. Geoffroy als identisch mit Pi-
ceumnns gebraucht. — Eine Subspeeies vom Picus medius hat Brehm
einstweilen als P. roseiventris angekündigt.
Dass Picus luridus Nitzsch synonym ist mit P. tukki Less. und -
Hemicirceus bruneus Eyt. wurde von Hartlaub bemerklich gemacht
(Rev. zo0l. p. 57)
Psittacinae. Chr. L. Brehm, Monographie der Pa-
pageien. Fol., das Heft mit 10 ill. Abbild.
Neben den Kupferwerken von Levaillant und Bourjot St. Hilaire
#) Im 5. Hft. des vorigen Jahrganges des Archivs habe ich eine
Anzeige dieses Heftes gegeben und auf den immer steigenden Reich-
{hum originaler Mittheilungen, Zusätze und Verbesserungen aufmerk-
sam gemacht. A Herausgeber.
F*
54
über die Papageien noch eines herausgeben zu wollen, ist eine be-
denkliche Sache, als die grossen Bibliotheken ein solches nicht nö-
thig haben und mit dem Ankaufe so lange warten werden, bis sie
überzeugt sind, dass nicht, wie in so vielen ähnlichen Fällen, nach
Ausgabe der ersten Hefte das Ganze in Stocken geräth. Soll ein
solches Unternehmen einem wissenschaftlichen Bedürfnisse entspre-
chen, so gebe der Verfasser, dem freilich die ganze ornithologische
Literatur über diese Familie und eine grosse Sammlung zu Gebote
stehen muss, eine kritische Beschreibung aller bisher bekannten Ar-
ten, mit’ Abbildungen derjenigen, die bisher noch nicht in bildlicher
Darstellung erschienen sind
Mit 2 neuen Papageiarten machte uns Rüppell im Mus Senck
11. S. 125 bekannt: 1) Psittacus (Pionus) rufiventris: in
Grösse und Schwanzform dem Ps, senegalus ähnlich, auch in Ver-
theilung der Hauptfarben sich ihm annähernd, aber mit weit stärke-
rem Schnabel. Aus Schoa. 2) Psitiacus (Pionus) flavifrons,
um 5 grösser als Ps. Meyeri, Vorderkopf und Augengegend schön
citrongelb, das ganze übrige Gefieder verschieden grün nüaneirt.
Aus der abyssin. Provinz Godjam.
Psittacus (Amazona) auro-palliatus von Realejo, Arara
erythrofrons von Valdivia; Psittacus (Caica) chrysopogon
von San-Carlos und Ps. (Aratinga) eburnirosirum von Aca-
pulco wurden von Lesson in der Rev. zool. p. 135 beschrieben.
In den neuen Heften von Gould sind folgende Arten darge-
stellt: Nymphicus Novae Hollandiae (Part. 7); Apromyctus scapula-
tus Bechst. und erythropterus Gm. (Part. 8); Trichoglossus Swain-
sonü Jard., rubritorquis Vig. und versicolor Vig. (Part. 9),
Amphibolae. Zwei neue Arten von Chizaerhis aus
den südlichen abyssinischen Provinzen machte Rüppell im
Mus. Senck. III. S. 127 bekannt: -
1) Ch. personata, regione ophthalmica, genis, mento et gula
pennis denudatis, pileo crista plicatili plumis laxis elongatis colore
murino; nucha, regione parotica juguloque albidis, jugulo et pectore
viridi-glaucis, abdomine et tibiis rufo-cervinis, auchenio, dorso .et
alis caesio-umbrinis, rectriecibus olivaceis; cauda elongata, subro-
tundata, supra ceinerea, infra luteo - virente, 19”. — 2) Ch. Zeuco-
gaster, pileo, crista plicatili, plumis apice truncatis; capite, gut-
ture, collo, cervice, dorso el alis ex caesio umbrinis; tectrieibus
mediis nigro -marginatis, remigibus dimidio basali albis, apicali um-
brino -nigris; cauda subrotundata, nigra, fascia lata alba transversa,
rectrieibus 2 intermediis ex caesio umbrinis, abdomine et tibiis al-
bis. 183”.
Chizaerhis Feliciue —= Ch. concolor Smith (Rev. zool. p. 56).
85
Columbinae.
Von Gould wurden in den Birds of Austral. abgebildet im 7ten
Hefte: Geophaps Smithä Jard., plumifera G. und scripta, Ptilino-
pus Swainsonü G. und Ewingü &@ Beide Arten von Ptilinopus sind
bisher unter dem Namen Columba purpurata miteinander vereinigt
gewesen, kommen auch in der Farbenvertheilung ganz miteinander
überein, doch ist der Pt. Ewingii kleiner, der Scheitel rosenroth
statt karmosivroth, die Brust blass grünlichgrau statt trüb grün, die
Mitte des Unterleibes schön orange statt lila (lilac), Schwanzfedern
grünlichgelb, statt lebhaft gelb zugespitzt. \
Gallinaceae.
Gatlinae: Buhle’s Naturgesch. der domesticirten Thiere,
Heft 3 (Pfau, Truthuhn und Perlhuhn nebst ihren Verwandten).
Halle 1842.
Ist mir noch nicht zugekommen.
Dass Francolinus nivosus Del. identisch ist mit Fr. Hardwicküü
Gray hat sowohl Delessert in seinen Souv. p. 26 tab. 10, als
Hartlaub in der Rev. zool. p. 58 bemerklich gemacht. — Von San-
Carlos in Central- Amerika ist Lesson’s Ortyx leucopogon
(Rev. zool. p. 175).
Das Räthselhafte von Temmincks Angabe (Manuel d’Ornithol. IV.
p. 313), die er allerdiugs als sehr zweifelhaft hinstellte, als ob der
Indian (Meleagris gallopavo) wild in Dalmatien vorkomme, hat
sich mir jetzt befriedigend gelöst, indem Küster (Isis 8. 611) er-
wähnt, dass Otis tarda in ganz Dalmatien unter dem Namen ‚‚wilder
Indian“ bekannt ist. Im ähnlichen Missverständnisse hat einst Hel-
lenius ein Weibchen vom Muflon, der auf Sardinien allgemein mit
dem Namen Reh bezeichnet wird, für Cervus capreolus genommen,
und Rudolphi dann aus dessen fruchtbarer Paarung mit dem Widder
die Folgerung abgeleitet, dass letztere zur Bestimmung des Begriffs
der Spezies nicht in Berücksichtigung kommen könne (vgl. Münchn.
gel. Anzeig. IV. S. 936).
Penelope albiventer aus der Provinz Nicaragua wurde von
Lesson (Rev. z00l. p. 174) als neue Art aufgestellt.
Das Vorkommen der Gattung Megapodius auf Neu-
holland ist nun durch den die Koburgs- Halbinsel an der Nord-
küste bewohnenden M. tumuwlus Gould (Birds of Austral.
Part. 6) erwiesen.
Das Merkwürdigsie an diesem Vogel ist seine besondere Weise
für die Ausbrütung der Eier. Man findet diese in ungeheuern, meist
kegelförmigen Sandhaufen, worunter einer von 60 Kuss im Umfange
an der Basis und von 15° Höhe getroffen wurde. Die Eier liegen
tief in diesen Haufen, von Sand leicht überdeckt, der durch die
86
Sonnenhitze eine beträchtliche Wärme erlangt. Wie diese Haufen
errichtet werden, und wie die frisch ausgeschlüpften Jungen aus
ihnen hervorkommen, ist bisher von Europäern nicht beobachtet wor-
den; nur von den Eingebornen sind hierüber einige unbestimmte An-
gaben vorhanden. Megapodius, Talegalla und Leipoa bilden eine
durch die eigenthümliche Brutweise der Eier sehr ausgezeichnete
Familie, welche von den Philippinen an über die Inseln des indi-
schen Archipels bis nach Neuholland sich ausbreitet.
Die Gattung Alechthelia Less. will Hartlaub (Rev. zool. p. 204)
nur für Junge von Megapodius gehalten wissen.
Crypturidae, Aus Centralamerika gab Lesson in der Rev.-
200. p. 210 eine neue Art an: Tinamus (Nothura) cinnamo-
me a.
Cursores.
Eine besondere Bildung der Geschlechtsöffnung beim weib-
lichen Kasuar von Neuholland erörterte Mayer in seinen neuen
Untersuch. aus dem Gebiete der Anat. und Physiol. S. 30.
Die gemeinschaftliche Öffnung des Mastdarms, der Geschlechts-
theile und Urinwerkzeuge hat nämlich die Form eines Kelches oder
einer Blumenkrone von beträchtlicher Grösse. Es sind 28 Falten
oder Strahlen, welche von der mittlern Öffnung des gemeischaft-
lichen Afters wie Radien gegen die Peripherie laufen und an dersel-
heh eben so viele Säcke oder Zellen bilden, in denen sich eine weisse,
fett-ähnliche Substanz absondert. Die Bedeutung dieses Organs ist
nicht bekannt; bei‘den übrigen Laufvögeln findet sich nichts Ähn-
liches. Merkwürdig ist es. immer, wie der Verf. sagt, dass auch bei
einem Vogel Neuhollands in der Geschlechtsgegend ein beutelförmi-
ges Organ zum Vorschein kommt, als Ausdruck, so zu sagen, des
Genius endemicus der Bildung, welche bei den Säugthieren daselbst
herrschend ist. h
Von dem auf Neuseeland gefundenen fossilen Oberschenkelkno-
chen, den Owen einem straussartigen Vogel zuerkannte, ist nun-
mehr in den Transact. of the Zool. eine Abbildung gegeben worden.
Grallae.
Aleetorides. Vom Otis Australasiana Gould ist nun in
den Birds of Austral. Part. 8 eine Abbildung erschienen. Diese Art
ist häufig und weit über Neuholland verbreitet; au Grösse übertrifft
sie Otis Tarda. Ein Kapitalfehler des Gould’schen Werkes ist der
Mangel an Maasangaben, obschon Raum überflüssig vorhanden ist.
Fulicariae. Parra cordifera von Acapulco ist von Les-
son in der Rev. zool. p. 135 und 210 aufgestellt worden. — @alli-
rallus brachypterus Lafr. wurde im Magas. de Zool. N. 22
abgebildet.
87
Leib fand die Fulica americana im Juni in grösster Menge brü-
tend in den Marschen am Erie-See, in Gesellschaft von Gallinula
galeata. Das Nest ist aus Binsen zusammengellochten, ohne Aus-
fütterung 1} — 2 im Durchmesser, auf dem Wasser schwimmend
und an das Rohr geheftet. Die Eier, 10— 15 an der Zahl, sind oval,
grünlichgelb, mit kleinen dunkelbraunen Flecken gesprenkelt (Journ.
of Philad. VII. p. 203).
Erod:i. Die deutschen kleinen Rohrdommeln (Ardea minuta)
zerfällte Brehm in 3 Subspecies: Botaurus minutus, pusillus und
melanotos (Isis S. 770).
Hemiglottides. Plataleu regia G. und flavipes G.
wurden in den Birds of Austral. Part. 7 abgebildet; letztere Art ist
merkwürdig, weil sie in mehreren Merkmalen mit den weissen Arten
von Ibis übereinstimmt, und demnach die Zusammenstellung der
Platelea und Ibis in eine Familie, wie sie Nitzsch begründete, auch
von einer andern Seite her rechtfertigt.
Limicolae. Eurinorhynchus griseus Nills. (Platalea
pygmaea Linn.) wurde von Hartlaub in der Rev. zool. p. 37
beschrieben und abgebildet.
Cuvier und Temminck haben diesen Vogel mit Recht unter die
schnepfenartigen Vögel gerechnet. Sein Vaterland ist nicht, wie
Linne angiebt, Surinam, sondern Bengalen.
Die Unterschiede seiner Glareola melanoptera- (welchen
Namen Fischer in @. Nordmanni umwandeln wollte) von G.
torquata wies Nordmann auf's Genaueste nach (Bullet. de
Mose. 1842. p. 314 tab. 2).
Sie sind schon sehr scharf in der kurzen Diagnose beider Arten
ausgesprochen: I) G/areola torquata, „tectrieibus inferioribus alarum
rufo - castaneis.“ 2) Glareola melanoptera, ‚alis supra et subtus
unjcoloribus nigris.‘“ Zu letzterer Art gehört als Synonym die Gl/a.
reola pratincola Pall., die Pallas fälschlich für G. torquata hielt.
Beide Arten sind häufig im südlichen Russland, doch scheint es, dass
die neue Art eine mehr östlich vorkommende Form sei. Ob sie von
@G. orientalis ebenfalls verschieden ist, darüber konnte sich Nord-
mann aus Mangel an literarischen Hülfsmitteln keine Auskunft
verschaffen. Ref. kann aber versichern, dass diese allein nicht
ausgeholfen hätten, denn die Beschreibung, welche Leach von dieser
Art giebt, ist so ungenau, und die Abbildung, welche er ihr beifügt,
ist so unrichtig, dass hieraus die G. orientalis nicht zu erkennen ist.
Da jedoch die hiesige Sammlung ein javanisches Exemplar von dieser
Art besitzt, so kann Ref. hinzufügen, dass G. orientalis eine von
G. melanoptera ganz verschiedene Art ist, indem zwar die Alula
wie bei dieser gefärbt ist, dagegen die Flügel auf der Unterseite die
Färbung von G. torquata zeigen,
58
Die Waldschnepfe von ©. E. Diezel. Leipz, 1842.
Sowohl für Jäger als für Naturforscher ein sehr empfehlenswer-
thes Büchelchen, reich an eignen Erfahrungen und durch lebendige
Darstellung sich auszeichnend.
In den Birds of Austral. wurden aus dieser Familie dargestellt:
Charadrius (Lobivanellus) lobatus Lath. u. personatus G. (Part. 8).
Rhynchaea australis G. u. Recurvirostra rubrieollis Temm. (Part. 9).
Hartlaub liess in der Rev. zool. von seiner Chionis minor
Schnabel und Füsse auf tab. 2 abbilden.
Natatores.
Longipennes. Grosse Flüge von Sterna arclica wurden
im Mai v. J. im Innern Englands gesehen, worüber zwischen Strick-
land und Austin eine kleine Discussion sich entspann (Ann. IX, p. 351,
434, 518; X. p. 75). — Sterna tereticollis Lafr. wurde im Ma-
gas. de Zool. N. 27 abgebildet.
Tubinares. Thompson führte zwei Fälle an, in denen
Puffinus major Fab. in Irland gefangen wurde (Ann. IX. p. 433).
Unguirostres. Von Naumann’s Naturgeschichte der
Vögel Deutschlands ist der I1te Band vollendet und vom 12ten
das erste Heft ausgegeben worden; die Schlusshälfte des vori-
gen, wie der Anfang des laufenden Bandes befasst sich mit
der Gaitung Anas.
Die anatomische Charakteristik der Gattung ist nach den hinter-
lassenen Papieren von Nitzsch durch Rud. Wagner zusammengestellt
und von diesem mit reichhaltigen Anmerkungen versehen worden.
Bisher sind folgende Arten in nachstehender Anordnung abgehan-
delt: Iste Gruppe, Schwimmenten, mit unbelappter Hinterzehe.
a) Höhlenenten, von den neuern Ornithologen Tadorna oder
Vulpanser benannt, obschon sie nichts Gänseartiges an sich haben.
1) A. tadorna, 2) A. rutila. b) Süsswasserenten, neuerdings
„wegen unbedentender Abweichungen in 5 und mehrere Gattungen
getheilt, die kaum als Untergattungen haltbar sind.“ 3) 4A, boschas,
4) A. acuta, 5) A. strepera, 6) A. querquedula, 7) A. crecca, 8) A.
penelope. c) Löffelenten. 9) A. c/lypeata. — ?te Gruppe,
Tauchenten, mit belappter Hinterzehe. ‚‚Diese grosse Abtheilung
kann füglich in mehrere Unterabtheilungen oder Familien getheilt
werden, zwischen denen es nicht an Übergängen fehlt, weshalb wir
uns auch nicht; entschliessen konnten, weder die ganze Gruppe als
eine von Anas getrennte Gattung zu betrachten, noch weniger diese
unsere nachfolgenden Entenfamilien als so viele besondere Gattungen
auftreten zu lassen.“ a) Moorenten. 10) A. rufina, 11) A. ferina,
12) A. nyroca (leucophthalmos), 13) A. fuligula, 14) A. marila.
Anas purpureoviridis Schinz wurde von Selys und Bo-
naparte als Bastard von Anas boschas u. A. moschata erklärt.
sg
Selys erzählt in der Faune Belge p. 141, dass er ein Weibchen
von A, purp. bei Longchamps - sur - Geer im Dezember 1835 geschos-
sen, bei Baillon ein Männchen davon gesehen und im Museum zu
Lausanne zwei andere, vollkommen ähnliche, auf dem Genfer See
erlegte Männchen untersucht habe.
Leib fand das Nest von Anas discors zugleich mit dem von A,
boschas in den Wiesen, welche an die Marschen des Eriesees an-
grenzen. Es besteht aus trocknem Grase, ist innen dick mit Federn
ausgelegt und enthält 18 Eier von einer zarten Rahmfarbe (Journ.
of Philad. 1842. p. 204).
Aus einer Entenart von den chilischen Andes bildete
Gould eine neue Gattung Merganetta (Ann. IX. p. 511).
In vielen Merkmalen, wie er sagt, nähert sie sich den Enten,
aber in andern zeigt sie Verwandtschaft mit den Sägenten, beson-
ders durch ihre langen und steifen Schwanzfedern und den schmalen
zugespitzten Schnabel; sie differirt aber von beiden, indem sie in
beiden Geschlechtern mit einem starken Sporn an den Flügeln ver-
sehen ist. Der Art giebt Gould den Namen M. armata.
Von Entenarten bildete Gould in den Birds of Austral. Part. 6
ab: Nettapus coromandelianus Gm. und pulchellus G.
Über die Luftröhre von Anser gambensis gab Yarrell in den
Ann. IX. p. 147 eine kurze Notiz.
Dass Enten und Gänse auch in der Lebens- und Nahrungsweise
als verschiedene Gattungen sich kundgeben, wurde von Lafres-
naye in der Rev. zool. p. 71 bemerklich gemacht, was übrigens eine
bekannte Sache ist.
Pygopodes. Als neue Art wurde von Lesson in der Rev.
2001. p. 209 Podiceps antarcticus von Valparaiso aufgestellt.
Mn
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Natur-
geschichte der Amphibien während des Jahres 1842.
Von
Dr. F. H. Troschel.
Als interessant für die geographische Verbreitung sind hier
mehrere Faunen von Europäischen Ländern zu erwähnen.
A. Zawadzky: Fauna der galizisch-bukowinischen Wir-
belthiere. Stuttgart 1840. Der Abschnitt über Amphibien reicht
von S. 140 bis 161. Die Gattungen und Arten sind mit Be-
schreibungen versehen, auch ist auf Vorkommen, Lebensweise
und Nutzen Rücksicht genommen; die polnischen Namen sind
beigefügt. Im Ganzen enthält diese Fauna 25 Amphibien,
nämlich 1 Schildkröte, 4 Eidechsen, 6 Schlangen und 14 Ba-
trachier, worunter 9 ungeschwänzte und 5 geschwänzte Ar-
ten. Angehängt ist ein Verzeichniss der lateinischen Gattungs-
und Artnamen, und ein Verzeichniss der polnischen Namen,
deren jedem der deutsche und lateinische Name beigefügt ist.
H. Freyer: Fauna der in Krain bekannten Säugethiere,
Vögel, Reptilien und Fische. Laibach 1842. Amphibien von
Seite 41 — 45. Die Arten sind nicht beschrieben, sondern
nur die lateinischen, deutschen und krainischen Namen sind
angegeben, ferner einige Synonyme und kurze Bemerkungen
über den Fundort. Unter den 26 Amphibien sind 2 Schild-
kröten,-3 Eidechsen, 7 Schlangen (worunter eine neue, Colu-
ber isabellinus, s. unten), und 14 Batrachier, unter denen $
ungeschwänzte und 6 geschwänzte.
Edm. de Selys-Longehamps Faune Belge, fe partie;
indication methodique des Mammiferes, Oiseaux, Reptiles et
Poissons, observes jusquici en Belgique. Liege 1842. Am-
phibien p. 169— 152. Die Arten sind ebenfalls nicht beschrie-
a a ULLI u eo
9
ben, nur Bemerkungen über Vorkommen und Varietäten sind
beigefügt. Unter den 23 Arten sind 1 Schildkröte, 4 Eidech-
sen, 5 Schlangen und 13 Batrachier, 8 ungeschwänzte und 5
geschwänzte. Von diesen 23 Arten kommen 8 in fast allen
Theilen des Landes vor, 12 finden sich nur an besondern
Localitäten, und von 3 ist das Vorkommen innerhalb der
belgischen Grenzen niebt genau genug festgestellt. Triton
palmatus und punetatus Männchen und Weibchen sind abgebildet.
In der Fauna caspio -caucasia von Eichwald, Petersburg
1841, nimmt der Abschnitt über Amphibien Seite 44 bis 128
ein. Dazu gehören Tafel 3 bis 31. e
Von Schildkröten werden 3 aufgeführt: Clemmys caspia Wagl.,
Emys europaea in den Flüssen, welche sich ins caspische Meer er-
giessen häufig, Testudo ibera Pall.
Von Eidechsen bewohnen viele die Ufer des caspischen Meeres;
sie zeigen im Allgemeinen eine grössere Annäherung zu der Fauna
Aegyptens und Syriens als zu der Europas; Psammosaurus caspius
Eichw.; Lacerta ocellata Daud., viridis Daud., stirpium Daud.,
agilis L., strigata Eichw. (L. quinquevittata Menetr., im Wiener
Museum aus Syrien als L. viridis Var., L. Michahellesii Fitz); Zoo-
toca exigua Eichw. (L. sylvicola Eversm.), crocea Wagl., chaly-
ddea Eichw. (L. saxicola Eversm.); Aspidorhinus (nov. Gen.) gracilis
Eichw. (L. vittata Eversm.); Podarces velox Wagl., deserti Lepe-
chin (L. variabilis Pall.); Ophiops elegans Menetr. (Amystes Ehren-
bergii Wiegm.); Ste/lio caucasius Eichw. (L. stellio et muricata
Pall.); Phrynocephalus caudivolvulus Eichw. (L. caudivolvula Pall.,
Agama ocellata Lichtst.), helioscopus Kaup (O0. helioscopa Pall.),
Megalochilus auritus Eichw. (L. aurita Pall.); Trapelus sangwino-
lentus Eichw. (L. sanguinolenta Pall., Agama aralensis Lichtst.),
Gymnodactylus caspius Eichw. (Uromastix fasciatus Menetr.), Eu-
prepis princeps Eichw., Pseudopus serpentinus Merr., Anguis fra-
gilis L. (A. Besseri Andrz. et Ang. iocertus Kryn.).
Von Schlangen: Eryz turcicus Daud., Trigonophis iberus Eichw.,
(Coluber vivax Schreibers, Tarbophis fallax Fleischm.) Trigonocepha-
lus halys Lichtst., Tomyris (nov. Gen.) oziana Eichw. n,. sp.;
Tropidonotus persa Eichw. (Coluber persa Pall.), natrix Kuhl,
ater Eichw. (an Tr. natrieis var?), scutatus Eichw. (Coluber scu-
tatus Pall.), Aydrus Fitz., sauromates Eichw. (0. variegatus L., ©.
salromates Pall.), Huemorrhois trabalis Boie, Tyria argonauta
Eichw., najadum Eichw., Zacholus laevis Eichw. (Col. laevis
Lac£p.), Zamenis aesculapä W agl., Coelopeltis dione Eiehw. (Col.
dione Pall.), erythrogastra Eichw. (Col. erythrogaster Fisch.), /a-
certina Wa g]., vermieulata Eichw. (Col. vermiculatus M£n.).
Von Fröschen kummen in jenen Gegenden nur vor: Hyla viri-
92
dis Laur., Kana temporarial., tigrina Eichw. (Rana dentex Kryn.),
cachinnans Pall., Bufo variabilis Pall., cinereus Schneid.
Hieraus ergiebt sich, dass nur die beiden neuen Gattungen noch
nicht bekannte Thiere enthalten, viele Namen aber führen die Au-
torität des Verfassers neben sich, obgleich oft eine solche Namens-
änderung unnöhig war. Die Herpetologie von Dumeril und Bibron
ist noch nicht benutzt.
In einem- Aufsatze: General features of Chusan, with
remarks on the Flora and Fauna of that Island, giebt Theo-
dor Cantor auch Nachricht über die Amphibien dieser an
der chinesischen Küste gelegenen Insel. Annals IX. p. 275.
Von Schildkröten sind nur zwei Formen gefunden, deren eine
Trionyz tuberculatus mit T. javanicus verwandt ist. Weder grosse
Saurier noch Monitoren kommen vor; aber ein kleiner Hemidactylus,
der sehr häufig ist, und eine Tiliqua schliessen sich an die Arten,
welche Bengalen und die andern Theile Indiens bewohnen. Man hält
im Allgemeinen China für arm an Schlangen, aber Chusan, obgleich
arm an Arten, hat deren in Menge. Naja, welche die einzige gif-
tige Landschlange zu sein scheint, und die Arten von Lycodon, Co-
luber und Tropidonotus erinnern an die indischen Arten. Python
Schneideri ist bisher nur in Java, Banca, Amboina und-Malacca ge-
funden; alle sind jedoch Formen, welche das tropische Asien cha-
racterisiren. Es sollen einige Seeschlangen bei Chusan vorkommen.
In Beziehung auf die froschartigen Amphibien stimmt die Fauna von
Chusan mit der von Japan überein; in beiden sind die Frösche eu-
ropäische Formen, die Kröten nicht; Bufo garzarizans nähert sich
der indischen Kröte, welche in Hardwicke’s Illustrations als B. dubia
abgebildet ist. Die Arten (ib. p. 482) sind sämmtlich mit kurzen
Diagnosen versehen, die sich aber lediglich auf Färbung beziehen,
weshalb sie natürlich zur Feststellung der Species nicht ausreichend
sind. Es sind folgende: Trionyx tuberculatus, Emys muticus; —
Lemidaciylus nanus, Tiliqua rufo-guttata; — Naja atra, Lycodon
rufo-zonatus, Coluber dhumnades, Col. mandarinus, Tropidonotus
rufodorsatus, Python Schneideri Merr,; — Rana temporaria Nar.,
Rana esculenta Var.; Hyla arborea Var.; Bufo gargarizans.
Ein Verzeichniss der eben angegebenen Gattungen von
Reptilien, welche Cantor in Chusan gesammelt, findet sich
auch in MeClelland’s Caleutta Journal. Vol. Il. 1842. p. 101.
In Ernest Dieffenbach’s Travels in New Zealand Lon-
don 1843 p. 202 zählt J. E. Gray die ihm bekannten neu-
seeländischen Amphibien auf, deren Zahl nur gering ist,
nämlich 7. Dies sind 2 Arten Tiliqua, 7. zelandica und or-
nata, drei Arten der von Gray zoological Miscellany p. 72.
aufgestellten Gattung Naultinus aus der Familie der Gecko-
93
nen, N. elegans Gr., N. pacificus Gr, (Platydaetylus Duvau-
eelii Dum. Bibr.), N. punctatus Grv., Halteria punctata Gr.,
Pelamys bicolor. Sonst scheinen Schlangen und: Amphibien
ganz zu fehlen.
J. E. Gray beschreibt in seinen Zoological Miscellany
London 1842 mehrere neue Gattungen und Arten australischer
Amphibien aus einer Sammlung, welche Gilbert am Port Es-
sington zusammengebracht hat.
Derselbe schliesst .ebend. p. 57 daran die Beschreibung
einiger Amphibien aus der Sammlung des britischen Museums
aus anderen Gegenden.
Berthold: Über verschiedene neue oder seltene Amphi-
bienarten. Göttingen 1842. 4 ist mir leider nicht zu Händen
gekommen.
Haro machte seine Untersuchungen über das Athmen
einiger Amphibien bekannt. Memoire sur la respiration des
Grenouilles, des Salamandres et des Toortues. (Annales des sc.
nat. Tome XVII. p. 36).
Chelonäi.
J. E. Gray beschreibt in den Zoological Miscellany London
1842 eine neue Schildkröte Aydraspis Vietoriae aus dem Victoria-
River an der Nord- Westküste von Neuholland.
Sauri.
Spring und Lacordaire geben Nachricht über einige
Theile der Organisation des PArynosoma Harlanii, nach einem
Exemplar, welches Pirson lebend von Texas nach Europa ge-
bracht hatte, Dasselbe befand sich im Zustande der Erstar-
rung, und konnte erst durch den Einfluss direeter Sonnen-
strahlen und durch wiederholte leichte Stösse daraus aufge-
schreckt werden. Es öffnete die Augen, hob den Kopf, und
begann ziemlich schnell zu laufen, fiel aber bald in die Er-
starrung zurück. Ausser den anatomischen Bemerkungen be-
richtigen die Verf. die Dumeril- Bibronsche Beschreibung in
Beziehung auf die Färbung. Das Exemplar hatte jederseits
des Rückenstreifens 5 schwarze Flecken, die auf ihrer hintern
Hälfte von dem schönsten Jonquille- Gelb eingefasst waren,
Hals, Seiten und Wurzeln der Gliedmaassen waren wie
94
bestänubt mit derselben Farbe. Unterhalb war der Körper rein
weiss ohne Fleck. Die Schenkelporen konnten von den Ver-
fassern nicht aufgefunden werden (Bulletins de l’Acad. de Bru-
xelles IX. 2. p. 192).
Aspidorhinus (nov. Gen.) Eichw. 1. c. p. 74. Nares pro-
minulae, exiguis scutellis elevatis apiei rostrali impositae; squamae
temporum subtilissimae, granulosae; collare; squamae notaei exiguae,
granulosae Eine Art 4. gracilis Eichw. (Lac. vittata Eversm.)
Teliqua Essingtoni Gray zool. Misc. von der Nordküste von
Neuholland.
Lialis Burtoni, bicatenata und punctulata sind drei Neuhollän-
dische Arten, welche Gray ebend. beschreibt.
Oedura Gray nov. Gen. aus der Familie der Geckonen ib.
p. 52. Zehen 5. 5, erweitert, frei, schuppig unten am Grunde, En-
den etwas breiter, Unterseite mit 2 Reihen Querfalten, die letzte
Falte an jeder Zehe breiter; Krallen 5. 5, in der Grube zwischen
den Falten verborgen; Rücken und Bauch mit ovalen, convexen,
gleichen, die Seiten mit kleineren Schuppen; Schwanz oval lancett-
lich, sehr dick, niedrig, mit spitzem Ende, bedeckt mit Ringen
breiter Schuppen; Afterporen in einer UNE Linie, Oe. mar-
morata, Neuholland.
Phyria Gray nov. Gen. aus der Familie der _Geckonen ib. p.
53. wie Ptyodactylus, aber die Zehen sind kürzer, dicker, am
Grunde erweitert und es sind Afterporen vorhanden. Ph. punctu-
lata, Neu Holland.
Gecko Smithii von der Prinz Wales-Insel und @. chinensis von
China stellt Gray zool. Misc. p. 57 auf.
Tarentula clypeata Gray ib. von unbekanntem Fundorte.
Phelsuma trilineatum und Zlineatum (Gecko inunguis Cuv.) eben-
falls von Gray ib. aufgestellt; letztere Art von Madagascar.
Gehyra Gray noy. Gen. aus der Familie der Geckonen ib. p.
57 bildet einen Theil von Wiegmann’s Peroplus, aber hat die Schup-
pen von Gecko; unterscheidet sich von diesem Genus durch die Länge
und die Compression der Enden der Zehen. @. oceanica (Gecko
oceanicus).
Naultinus Gray zool. Mise. p. 72 unterscheidet sich von Ge-
hyra dadurch, dass die Enden der Zehen nicht zusammengedrückt
sind. Hierher drei Arten: N. pacificus ib. p. 58. Daumen ohne Nagel,
hellbraun mit einem unregelmässigen breiten Streifen jederseits. Süd-
seeinseln. — N. elegans ib. p. 72. Daumen mit Nagel, grün, unre-
gelmässige Flecken jederseits am Rücken. Neu- Seeland. — N.
punetatus id. bei Dieflenbach p. 204. Daumen mit Nagel, dunkelgrün,
Rücken mit sehr kleinen schwarzen Punkten, unterhalb gelbgrün, 4°
Boltalia Gray zool. Misc. p 58. steht in der Mitte zwischen
Gehyra und Hemidactylus. Zehen frei, Blättchen unterhalb zahl- _
reich, schmal, quer, eng, durch eine tiefe schmale Grube getheilt,
95
Daumen ähnlich, Schenkelporen deutlich, Schwanz etwas gedrückt,
geringelt, unten mit einer Mittelreihe von Schildern. B. sublevis.
Indien. °
Hemidactylus depressus, mercatorius und fasciatus Gray ib. Die
beiden ersteren von Madagascar, der letztere unbekannten Fundorts.
Goniodactylus Bosi Gray ib. aus Indien.
Tolarenta« Gray nov, Gen. aus derselben Familie, Die Füsse
wie bei Agama, aber Kopf, Nasenlöcher und Augen zeigen, dass die
Gattung zu den Geckonen gehört. T. Wilkinsonii (Savigny Rept.
Ägypt. t. 1 f. 3). Ägypten.
Cyrtodactylus ocellatus Gray ib. p. 59 von Tabago.
Oyelura quinquecarinata id. ib. p. 59. Demerara?
Die neue Gattung Gray’s zool. Misc. p. 53. Lophognathus
aus der Familie der Agamen unterscheidet sich von Calotes nur durch
die Anwesenheit von 2 oder 3 Schenkelporen und zwei Afterporen
jederseits. L. Gilberti von der Nordküste Neu Hollands.
Die Gattung Diporiphora Gray ib. p. 53 aus derselben Fa-
milie unterscheidet sich von Grammatophora nur durch zwei After-
poren; in dem Habitus steht sie zwischen Grammatophora und Ca-
lotes, D. bilineata von der Nordküste Neu Hollands.
Hatteria Gray ib. p. 72. aus der Familie der Agamen. Kopf
viereckig, mit kleinen Schuppen bedeckt, Kehle mit einer Querfalte,
Nacken und Rücken mit einer Leiste zusammengedrückter Stacheln;
Körper mit kleinen Schuppen bedeckt, Bauch und Unterseite des
Schwanzes mit breiten, viereckigen, ungekielten Schuppen in Quer-
reihen, Schwanz zusammengedrückt, dreieckig, mit kleinen Schuppen
bedeckt, und mit einem Kamm breiter Stacheln, Zehen 5. 5, mit
kleinen Schuppen bedeckt, keine Schenkelporen, kleine Afterporen.
H. punctata von Neu Seeland.
Serpentes.
Gegen die im vorigen Berichte (p. 172) besprochene
Beobachtung Valeneiennes’ über die Temperatur beim Brüten
der Python bivittata spricht Dumeril die Meinung aus, die
erhöhte Temperatur erzeuge sich in den Eiern der Schlange,
und sei nicht einem Einfluss der brütenden Mutter zuzuschrei-
ben. (Revue zoologique 1842 p. 5).
Aloysii Calori: De vasis pulmonum ophidiorum se-
eundariis observationes novae. (ÜCommentarii Acad. Bono-
niensis. V. p. 395.) Mit einer Steindrucktafel.
In Jer Biblioteca italiana o sia Giornale di letteratura,
scienze ed arti compilato da varj letterati. Tom. 99, Milano
1840. p. 163 und 306 befindet sich ein raisonnirender und be-
schreibender Catalog der Schlangen des Museums der Univer-
96
sität zu Pavia von de Filippi: Catalogo ragionato e deserittivo
della Racolta de’ Serpenti .del Museo dell’ J. R. Universitä di
Pavia. Del dottor Filippo de Filippi, gia assistente alla cattedra
di storia naturale nella detta-Universita. Die Arten sind nach
Schlegel’s Essai sur la physiognomie des serpents bestimmt. Nur
eine neue Art aus der Gattung Calamaria wird aufgestellt, s. u.
J. E. Gray giebt in seinen Zoological Miscellany Lon-
don 1842 p. 41 eine Synopsis der Familie Boidae. Diese
Familie enthält 32 Arten, die Verf. in 20 genera vertheilt.
Von diesen finden sich 8 Genera und 10 Arten im tropischen
America; 4 Genera und 5 Arten in Africa, 6 Genera und 8
Arten in Asien; 4 Genera und 8 Arten in Neu-Holland,
eine Art in Europa. Die Arten der Gattung Python leben in
Asien und Africa, aber jeder Erdtheil hat seine besonderen Ar-
ten, eine Art der Gattung Eryx ist Südeuropa und Nordafrica
gemein. Mehrere Arten werden als neu aufgeführt.
Daran schliesst sich in demselben Werkchen p. 47 eine Syn-
opsis der Arten der Familie Orotalidae, welche 10 Gattungen
mit 30 Arten enthält. Sechs Gattungen und 11 Arten sind Ame-
rica eigenthümlich, zwei Gattungen und 16 Arten gehören Asien
und den Inseln an, eine Gattung ist Asien und Africa gemein,
eine Gattung mit zwei Arten findet sich in Africa. Europa
und Australien enthalten keine Art. Mehrere neue Arten sind
nach den Farben unterschieden.
Ferner findet sich ebenda p. 59 eine monographische Syn-
opsis der Familie Aydridae. Die Familie zählt 43 Arten in
23 Gattungen. 20 Arten finden sich im Indischen Ocean, 16
in Salzwasserkanälen Indiens und der benachbarten Inseln,
und 6 leben, im tropischen America. Als neue Gattungen
werden aufgestellt:
Lapemis unterschieden von Pelamis durch den kleineren et-
was comprimirten Kopf, und ein kleineres Maul, dahin Hydrus curtus
Shaw und L. Hardwickü Gray.
Liopala, Bauchschilder breit, die vordern glatt, vereinigt, die
hinteren getrennt, höckerig; die vorderen Rückenschuppen glatt, die
bintern mit einem centralen Tuberkel, 1 oder 2 hintere Augenschil-
der, dahin Hydrus gracilis Shaw und L. fasciata Gray.
4Aturia, Bauchschilder ziemlich breit, die beiden mittlern Bei-
hen in eine einzige breite sechsseitige Platte vereinigt, alle Schup-
pen glatt; dahin A. ornata Gray, Hydrophis Lindsayii Gray, Hy-
drus spiralis Shaw (Hydrophis melanura Wagl.) 4A. elegans Gray.
97
Bitia, Schwanz unten mit 2 Reihen Schilder, Nasenlöcher zwi-
schen 2 Platten, Abdominalschilder jederseits gekielt, Schuppen glatt.
B. hydroides Gray.
Dimades ist amerikanisch und enthält Homalopsis plicatilis
und leopardina Schlegel.
Ferania, wie Hypsirhina Wagl., aber der Körper ist zusam-
mengedrückt, der Rücken gekielt, Schwanz conisch. Homalopsis
Sieboldii Schlegel.
Raelitia, Körper cylindrisch, Schuppen glatt, ‘Vertebralschild
ziemlich klein, vordere Stirnschilder klein, dreieckig, ein Zügel-
schild, ein kleines vorderes und ein langes hinteres Augenschild,
Schwanz kurz, conisch. R, indica aus Indien.
Higina, Körper cylindrisch, Schuppen glatt, Bauchschilder
ziemlich -klein, ein vorderes breites, zwei hintere kleinere Augen-
schilder, kein Zügelschild. H. fasciata von Demerara.
Fordonia, Kopf hinten erweitert, drei Stirnschilder, die vor-
dern verlängert, zwischen den Nasenschildern kein Zügelschild,
Körper zusammengedrückt, Schwanz kurz. F. leucobalia (Homalo-
psis leucobalia Schlegel).
Miralia. Typus Brachyorros alternans Reus (Homalopsis
decussata Schlegel).
Farancia. Vordere Stirpschilder in eine dreieckige quere
Platte vereinigt, hinteres Stirnschild breit, Nasenlöcher seitlich, klein,
in der Mitte eines vierseitigen Schildes, ein vorderes und zwei hin-
tere Augenschilder, Körper spindelförmig, Schuppen glatt, Schwanz
conisch. F. Drummondü aus Californien.
Endlich lieferte Gray noch ebenda p. 68 eine Synopsis
der Familie Viperidae. ‘21 Arten bilden die 8 Gattungen die-
ser Familie. Davon leben 2 Gattungen und 3 Arten in Asien,
4 Gattungen und 12 Arten in Africa, 2 Gattungen und 4 Ar-
ten in Europa, und eine Gattung mit einer Art in Australien.
Nur eine Gattung Echis hat eine africanische und eine indi-
sche Art.
Die Gattung Gray’s Daboia hät zum Typus die Vinera Da-
boia Daud.; dazu kommen D. Russeli Russ. Ind. Serp. t. 32 und
D. pulchella vou Ceylon.
Coluber isabellinus Freyer ]. c. p. 42. isabellgelb, Augen roth,
Kopf mit 11 Schildchen, Oberkiefer mit 17, Unterkiefer mit 21 Schild-
chen eingefasst; Bauchschilder 221, Schwanzschilder 82. Länge 2
6°; Schwanzlänge 5}”. Bei Feistenberg in Unterkrain.
_ Tropidonotus australis Gray zool. Misc. p. 54 von der Nord-
küste Neu Hollands.
Calamaria Fabae de Filippi l. c. p. 176. Kopf klein, nicht
vom Rumpfe abgesetzt, das Zügelschild, welches gewöhnlich bei
Calamaria fehlt, ist bei dieser Art vorhanden. Rückenschuppen braun-
Archiv f. Naturgesch, IX, Jahrg. 2. Bd. G
98
roth mit etwas hellerem Rande; Bauch weiss mit vielen alterniren-
den Quadratflecken. Die beiden vorderen Stirnschilder weiss. Ver-
wandt mit Cal. Linoaei. Vaterland unbekannt.
Lycodon reticulatus und L. olivaceus Gray Zool. mise, p. 54.
Beide von Australien
Dendrophis (Ahetula) fusca und olivacea id. ib. ebendaher.
Elaps ornatus id. ib. weisslich, die Schuppen des Rückens und
der Seiten schwarz gerandet. Australien.
Naja australis id. ib. hellbraun, unten heller, nur zwei hintere
Augeüschilder,
Tomyris Eichw. l. c. p. 103 (nov. Gen.). Caput collo subdila-
tabili latius, duplo longius quam latum, tela 2 utrioque distineta
dentesque 2 imperforati breviores, iis postpositi, scutella submaxil-
laria tria, interque eorum par postremum unum majüs (non tria alia
minora in triangulo, Najae exemplo); squamae not; BER elongato - lan-
ceolatae, planae, laeves, exiguae; gulares majords Ss per 4 series obli-
quas dispositae. Affine Uraeo (Najae) Wagl. Genüs. — Eine Art T.
oxiana. E purpureo rosea, trausversim nigro - vittata, vittis inte-
gris atris, medio dorso sub angulo confluentibus, postremis evanidis,
gula e flavo rosea. 21”.
Batrachii.
Aloysii Calori: Desceriptio anatomica branchiarum
maxime internarum gyrini ranae esculentae, unaque praecipuum
discrimen, quod inter branchias adinvicem et batrachiorum
urodelorum intercedit. (Commentarii Acad. Bononiensis V.
p: 111.) Mit 2 Steindrucktafeln.
R: P. Lesson beschreibt eine neue Art 2/0, die er
bereits in seinem Catalogue de la Faune du departement de
la Charente- inferieure kurz charakterisirt hat: 3. vinearum,
erster Finger so lang wie der zweite, obere Augenhöhlenrän-
der vorspringend, abgerundet, Schädel von dieker Haut be-
deckt, Parotiden elliptisch, jederseits abgerundet, länglich,
durch einen Zwischenraum in zwei Theile getheilt, Trommel-
fell verborgen, Hinterzehen mit halben Schwimmhäuten, drei
Höcker an der Ferse, zwei an den Händen, keine linsenför-
mige Drüse an jedem Schenkel, keine Hautleiste am innern
Rande des Tarsus, Iris roth, oberhalb höckerig; unterhalb
kleine regelmässige Höcker, keine Flecke. In den Weinbergen
der Haute- Saintonge. (Revue zool. 1842. p. 33.)
Ausserdem wurden von Batrachiern einige neue Arten
von Gray zool. Miscellany beschrieben: Discoglossus ornatus,
99
Alytes australis, Pelodytes nasutus, P. affinis, Hyla coerulea
(H. eyanea Daud.), 4. rubella, Bucnemis bicolor, sämmtlich
von der Nordküste Neuhollands.
Drei neue Batrachier beschreibt Rapp in diesen Archiv
1842. I. p. 289: Hyperolius marmoratus, Engystoma guttatum
und Zreviceps verrucosus.
Berieht über die Leistungen. im Gebiete der Natur-
geschichte der Fische während des Jahres 1842.
Von
Dr. F. H. Troschel.
Mac Leay machte in dem Calcutta Journal of nat. hist.
for July 1841 und daraus Annals IX. p. 197 ein neues Sy-
stem der Fische bekannt, wovon hier als Probe nur das All-
gemeinste bis auf die grösseren Gruppen;
1. Ctenobranchii mit kammartigen Kiemen.
1. Plagiostomi Cuv. Knorpelfische mit angewachsenen Kiemen;
zu den Säugthieren führend.
2. Sturiones Cuv. Kuorpelfische mit freien Kiemen.
3. Ostinopterygü Mac Leay. Konochenfische mit freien Kiemen;
zu den Amphibien führend.
11. Actenobranchiü mit nicht kammartigen Kiemen,
4. Lophobranchi Cuv. Knochenfische mit paarweise längs den
Kiemeubogen geordneten Büscheln.
5. Cyeclostomi Cuv. Knorpelfische mit einer Reihe zelliger Kiemen.
Die erste Abtheilung nennt Verf. eine abweichende Gruppe, die
zweite eine normale. Seine Abtheilung Ostinopterygii zerfällt wieder
‚in-eine abweichende Gruppe Acanthopteryg& Artedi, von denen er ver-
muthet, sie haben alle Ctenoidschuppen, und eine normale Gruppe
Malacopterygü Artedi, von denen er vermuthet, sie haben alle Cy-
cloidschuppen. Die Eintheilung geht dann weiter:
A. Acanthopterygü. ,
1. Balistina. Plectognathi Cuv. Kiefer-, Zwischenkiefer- und
Gaumenbeine verwachsen. Kiemendeckel und Riemen unter der Haut
verborgen.
G*
100
1. Balistidae.
2. Ostraciontidae,
3. Cephalaspis Ag.
4. Orthagoriscidae.
5. Diodontidae.
2. Percina. Kiefer frei und vollständig, Kiemendeckel sichtbar.
Kiemendeckel und Vordeckel gemeiniglich mit gezähnten Rändern
“ oder mit Dornen,
1. Chaetodontidae.
2. Percidae.
3. Scorpaenidae.
4. Cirrhitidae.
5. Sparidae.
3. Fistularina. Kiefer frei: und vollständig, Kiemendeckel sicht-
bar. Kiemendeckel und Vordeckel in der Regel mit glatten Rändern.
(Man sieht wie wenig geeignet zur Unterscheidung dieser Charakter
ist, wenn man bedenkt, dass selbst in derselben Gattung oft Arten
mit gezähnten und glatten Deckelstücken vorkommen!)
1. Scombridae. ‘ ö
2. Fistularidae.
3. Gobioidae.
4. Lophiidae.
5. Labridae.
B. Malacopterygü.
4. Pleuronectina. Bauchflossen, wenn sie vorhanden, unter den
Brustflossen, und an den Schulterknochen befestigt.
1. Anguillidae,
2. Echeneidae.
3. Cyclopteridae.
4. Pleuronectidae.
5. Gadidae.
5. Olupeina. Abdominales Cuv. Bauchflossen hinter den Brust-
flossen, und nicht an den Schulterknochen befestigt.
1. Siluridae.
2. Cyprinidae.
3. Esocidae.
4. Clupeidae.
5. Salmonidae.
Die Fünfzahl setzt sich auf ähnliche Weise durch das ganze
System fort, und zwar so, dass immer drei Gruppen zusammen-
gehören, dann wieder zwei. y,
Auch für die geographische Verbreitung der Fische sind
mehrere bereits in dem diesjährigen Berichte (s. oben p. 90)
über die Naturgeschichte der Amphibien besprochenen Fau-
nen wichtig.
v
101
A. Zawadzki’s Fauna der galizisch-bukowinischen Wir-
belthiere zählt (p. 166 — 182) 44 Arten von Fischen auf, deren
Zahl durch fortgesetzte Forschungen wohl noch vergrössert
werden möchte, Die Entfernung vom Meere ist zu gross,
sagt der Verf., als dass wir reich an Zugfischen wären, in-
dessen können wir doch manchen aufweisen, der von der Ostsee
und vom schwarzen Meere in unsere Flüsse tritt. Unter den
44 Fischen sind 3 Petromyzon, 3 Acipenser, 6 Salmo, 1 Esox,
20 Cyprinus, 3 Cobitis, 1 Silurus, 3 Percoiden, 1 Cottus,
1 Gasterosteus, 1 Gadus, 1 Muraena.
H. Freyer hat in seiner Fauna der in Krain bekannten
Wirbelthiere im Ganzen nur 32 Fische, nämlich 2 Percoiden,
1 Cottus, 15 Cyprinus, 3 Cobitis, 1 Esox, 1 Silurus, 4
Salmo, 1 Gadus, 2 Muraena (acutirostris und latirostris Risso),
4 Acipenser und 1 Petromyzon.
Die Faune Belge 1e partie, indieation methodique des
Mammiferes, Oiseaux, Reptiles et Poissons, observes jusqu’ici
en Belgique par Edm. de Selys-Longehamps. Liege
4842 enthält die Abtheilung der Fische von p. 183 — 245.
Sie zerfällt in zwei Abschnitte, in die der Fische des süssen
Wassers und in die der Seefische. Der Süsswasserfische fin-
den sich in Belgien 53, unter denen 43 nur im süssen Wasser
leben, 6 leben im sissen Wasser und gehen während des
Winters an die Mündungen der Flüsse, 4 leben im Meer und
gehen nur im Frühjahe oder Sommer in die Flüsse. . Nach
den Gattungen vertheilen sie sich folgendermassen: 1 Acipen-
ser, 4 Pleuronectes, 1 Cottus, 1 Acerina, 1 Perca, 1 Gadus,
31 Cyprinoiden, 2 Alosa, 4 Salmonen, 1 Esox, 2 Gastero-
steus, 3 Anguilla, 3 Petromyzon, 1 Ammocoetes. Die Fa-
milie der Cyprinoiden ist mit besonderer Vorliebe behandelt,
und ist gleichsam zu einer Monographie der belgischen Oy-
prinoiden geworden; mehrere neue Arten sind aufgestellt und
Leueiseus dolabratus Holandre, L. Selysii Heckel, L. leses
Jurine, L. rutiloides Selys, L. rutilus, Abramis Heckelii Selys
und Cyprinus striatus Holandre sind in Steindruck abgebildet.
— Von Seefischen sind 41 Arten angeführt, von denen 30 in
die Schelde bis Antwerpen treten, die übrigen sind noch nicht
in der Schelde beobachtet. Es sind 2 Raja, 1 Squatina, 1
Spinax, 4 Scyllium, 1 Carcharias, 1 Mustelus, 1 Chimaera,
102
1: Syngnathus,. 14 Hippocampus, 5 ‚Pleuronectes, 1 Mullus,
2 Trigla, 1 Cottus, 4 Aspidophorus, 1 Gobius, 4 Cyelopte-
rus, 1 Zoarces, 2 Gallionymus, 6 Gadidae, 3 Clupeaceen,
2 Salmonen, 1 Belone, 14 Trachinus, 1 Scomber, 4 Ammo-
dytes, 4 Muraena.
Die neuen Fische des Caspischen Meeres in der Fauna
caspio-caucasia von E. Eichwald, Petersburg 1841, sind’auf
4 Tafeln abgebildet. Alle sind bereits früher in diesem Archiv
1838. I. p. 97 beschrieben, worauf ich verweise. Dem Ab-
schnitt über Fische ist eine ausführliche Einleitung über den
Fischfang und dessen Ausdehnung am Kaspischen Meere vor-
hergeschickt.
Me Clelland giebt interessante Nachrichten über Indi-
sche Fische, welche in verschiedenen Gegenden durch Griffith
gesammelt wurden. Die neuen in. Afghanistan gesammelten
Fische werden beschrieben und. abgebildet. Sie sind unten
aufgeführt. (Caleutta Journal 11. p. 560.)
Über die Fische der Insel Chusan bemerkt Cantor in
dem bereits oben p. 92 erwähnten Aufsatze, dass diejenigen
Formen, welche ihm von Seefischen bekannt geworden sind,
fast alle auch in dem -Busen von Bengalen und in anderen
Theilen des Indischen Oceans leben. Die Süsswasserfische
sind grösstentheils Indische Formen, zwei bewohnen Bengalen,
nämlich Anabas scandens und Cyprinus daniconius Ham., einer
ist javanisch und drei sind europäisch. Unter den letzteren
ist ein Aal, welcher identisch mit Anguilla latirostris Yarrell zu
sein scheint. Annals IX. p. 277. — Die Arten sind ib. p. 484
angegeben, viele sind als neu betrachtet. Die bei den Am-
phibien gemachte Bemerkung, dass die Diagnosen sich fast
nur auf die Färbung beziehen, gilt auch hier; die Flossen-
strahlen sind angegeben. _Angeführt werden folgende Arten:
Anabas scandens Cuy., Macropodus ocellatus, Ophicephalus
argus, Mugil cephalotus Cuv., Periophthalmus modestus, Eleo-
tris flammans, Cyprinus gibelioides, Cyprinus auratus, Leu-
eiscus daniconius Hamilt., Cobitis anguillicaudata, Hemiram-
phus intermedius, Silurus punctatus, Anguilla latirostris, Syn-
branchus grammiecus.
Ein Verzeichniss dieser Gattungen theilte Gantor auch
mit in Me Olelland’s Caleutta Journal Vol. Il. 1842. p. 102.
103
In Ph. Fr. de Siebold”s Fauna Japonica, Lugduni Ba-
tavorum, erschien im Jahre 1842 ein Heft, welches Fische
enthält, deren Bearbeitung Schlegel: übernommen hat, Die
hier erschienenen Fische sind sämmtlich aus der Familie der
Pereoiden; viele sind in Steindruck abgebildet und sehen wegen.
des sauberen Colorits sehr schön aus, bei genauerer Besich-
tigung kommt man jedoch in Versuchung, an der Genauigkeit
zu zweifeln. Die neuen Arten sind unten angegeben.
In den Transactions of the zoological Society of London
Vol. Il. Part 1. 1842 erschien ein Supplement to a Synopsis
of the fishes of Madeira von Lowe, deren Resultate bereits
aus den Proceedings zool. soc. in einem früheren Jähresbe-
richte (dies Archiv VI. 2.) mitgetheilt worden sind, worauf ich
hier verweise.
In demselben Hefte findet sich eine Abhandlung von
Richardson über Australische Fische, in welcher die Arten
sehr ausführlich beschrieben sind. Dieser Arbeit ist schon iu
den früheren Jahresberichten aus den Jahren 1840, 1841 und
1842 Erwähnung gethan worden, da sie schon im Auszuge in
den Proc. zo0l. soc. mitgetheilt worden war. Auf drei Kupfer-
tafeln sind folgende Arten abgebildet: Serranus sasor, Nema-
dactylus concinnus, Trigla vanessa und Polyommata, Latris
heeateia, Clinus despicillatus. Nur eine Art Scorpaena mili-
taris scheint neu hinzugefügt (s. unten).
John Richardson lieferte in den Annals of nat. hist.
IX. p. 15, 120, 207, 384 und X. p. 25, womit jedoch die
Arbeit noch nicht beendigt ist, Beiträge zu der Ichthyologie”
von Australien. Die Materialien wurden ihm von Gould über-
geben, dessen Assistent Gilbert sie an Port Essington, an
der Nordküste Neuhollands gesammelt hatte. Dazu kommen
Bemerkungen über Zeichnungen von Fischen, welche Lieutn.
Emery an der Nordwestküste Newhollands angefertigt hat. Hin-
zugefügt sind einige Bemerkungen über Arten von Van Die-
mensland und Neu-Seeland, welche sich im Museum zu Haslar
befinden. Viele Arten werden als neu beschrieben , die übri-
gen werden als bereits bekannte Arten angesehen, und im
Vergleich mit den bereits vorhandenen Beschreibungen älterer
und neuerer Ichthyologen von neuem beschrieben. Die neuen
Arten sind unten angeführt.
104
In Dieffenbach’s Travels in New Zealand, London
1843, p. 206 geben Gray und Richardson ein Verzeichniss
von bis jetzt bekannten Neuseeländischen Fischen, 92 Arten.
Die meisten sind nur nach älteren Schriftstellern zusammen-
gestellt, wohin besonders Solander, Banks und Forster gehö-
ren. Einige sind auch von Dieffenbach gesammelt und hier
beschrieben. So finden sich längere Artikel über Hemerocoe-
tes acanthorhynchus Cuv. Val., Hemiramphus marginatus Lacep;
Rhombus plebejus Soland. Nur drei neue Arten werden be-
schrieben, nämlich: ZBleotris basalis Gray, Gulaxias fasciatus
Gray und Anguilla Dieffenbachü Gray, die aber auch schon
in Grays Zool. Miscellany p. 73 beschrieben sind. Diese Ar-
beit wird vorweg genommen, obgleich von 1843, weil sie zu
den Miscellany im engern Zusammenhange steht.
Camill. Ranzani publieirte vier Abhandlungen über
neue Fische des Bologneser Museums in den Novi commen-
tarii Academiae seientiarum instituti Bononiensis; tom. IV.
1840. p. 65; tom. V. 1842. p. 1; p. 307 und p. 339. Unten
wird von den einzelnen Arten und Gattungen die Rede sein;
alle sind abgebildet.
In den Annali universali di medieina di Milano, August
4841 ist enthalten: Developpement des Poissons. Memoire lu
au congres de Florence par‘M. de Filippi. (S. Revue zool.
1842. p. 45.)
H. S. R. Jacobi de vesica a@rea piseium cum appendice
de vesica ara cellulosa Erythrini. Diss. inaug. Berol. 1842.
Verf. stellt die Verschiedenheiten der Schwimmblase, wie sie
besonders in Cuvier und Valenciennes Hist. nat. d. poissons
angegeben sind, nach allen Beziehungen zusammen. In einem
. Anhange wird die im vordern Theil der hintern Abtheilung zel-
lige Schwimmblase von Erythrinus beschrieben und abgebildet.
Acanthopterygö.
Mc Clelland beschreibt als Ambassis lata Cuv. einen kleinen
Fisch von Caleutta. Calcutta Journal I. p. 150. — 4. indica id. ib.
p: 585 mit einem schwarzen Fleck an dem Gipfel der vorderen
Rückenflosse; acht aufrechte Dornen in der Rückenflosse, und drei
am Grunde der Flosse verdeckt; drei aufrechte Dornen am Grunde
der Afterflosse, und einer verborgen. Loodianah. — 4A. (Chanda)
Ruconius Buchan. wird von demselben-ebenda beschrieben.
105
Apogon lineatus Schlegel 1.-c. p. 3 unterscheidet sich von A.
lineolatus Rüpp. durch die geringere Breite der Afterflosse, das Feh-
len des schwarzen Flecks am Grunde der Schwanzflosse, und seinen
weniger zusammengedrückten Körper. D. 7—1. 9; A. 2.8; C. 17;
P. 12. V.1.5. — 4Ap. semilineatus id. ib. p.4 hat von der Schnau-
zenspitze über das Auge fort eine schwarze Binde .bis unter die
zweite Rückenflosse, eine zweite geht von der Schnauzenspitze
durch das Auge bis zur Spitze des Kiemendeckels. D. 7—1. 10; A.
2.8; V.1.5; P. 13; C. 19. — A. aprion Richards. Anvals IX.
p. 16 mit ungesägtem Praeoperculum und mit einem kleinen Haufen
Zähne auf der Zunge.
Mehrere Serranus-Arten sind von Schlegel I. c. aufgestellt
worden, meist wurde ihnen ihr japanischer Name erhalten: $. kawa-
mebari stimmt der Form nach mit Serranus hepatus überein; 5 Quer-
binden, auf den weichen senkrechten Flossen Reihen kleiner Flecke, ein
grosser Fleck auf der Membran, welche den tiefen halbmondförmigen
Ausschnitt des Kiemendeckels erfüllt, auf dem Präoperculum 2 braune
Linien. D. 12. 12; A. 2. 10, — S. Zatifasciatus mit zwei hellen sehr
breiten Längsbinden, die hintern Flossen mit grossen dunklen Pun-
eten, entspricht dem Serr. merra, D. 11. 12; A. 3.8. — S$. poecilono-
tus oben und an den Seiten mit 4 weissen gebogenen Längsstreifen.
D. 11. 15; A. 3. 8. — S. octocinctus braunroth mit 8 weissen senk-
rechten Binden, ein grosser schwarzer Fleck auf dem Schwanze.
D. 11. 14; A. 3. 9. — S$. isirimen-ara verwandt mit S. marginalis
Cuv. Val., mit einer Reihe von 5—6 weissen Flecken an den Seiten,
nur der dornige Theil der Rückenflosse hat einen schwarzen Rand.
D. 11.16; A. 3.8. — S. epistictus braunroth, drei Reihen schwarzer
Punkte auf dem Körper. D. 11.14; A. 3.8. — S. aka-ara rothbraun mit
ziegelrothen Flecken, auf der Rückenflosse werden diese zu kleinen
schiefen Biden. D. 11. 16; A. 3. 8 — S. awo-ara braungelb, alle
Flossen, ausser dem dornigen Theil der Rückenflosse, haben einen gel-
ben Rand, der Körper ist mit gelben punctförmigen Flecken bedeckt.
D.11..16bis11. 18; A.3.8. — S. mo-ara braungrau mit einigen grossen
marmelirten dunklern Flecken. D, 11. 15; A.3.8. — S$. dermopterus ein-
farbig braunroth, die Flossen etwas dunkler. D. 11. 19bis 20; A. 3.9.
Serranus Gülberti Richards. Annals IX. p. 19. Körper und
Flossen bedeckt mit dunkelbraunen Flecken, die hellere Grundfarbe
zwischen den Flecken an Rücken und Seiten wie die Fäden eines
Netzes, etwa 12 Flecke in einer Reihe zwischen Kiemenöffnung und
Schwanzflosse. P.17. D. 11.17. A.3.9. — S$. stellans id. ib. wird ver-
glichen mit S. Parkinsonii u. hexagonatus Cuv. Val. P.16; D.11.15; A.3.8.
Serranus luridus Ranzanil. c. V. p.356 P. 15; D. 11. 15; A.
3. 9. Flossen braun, schwarzgerandet, Körper und Kopf gelblich;
gehört in die Gruppe der Merous. Brasilien.
Diacope sparus Schlegel 1. c. p. 14 D. 10. 10; A. 3. 8; P. 16.
gleicht im Habitus einem Sparus.
106
Mesoprion carponotatus Richards. Annals IX. p. 28. Rücken
dünkel und etwas gefleckt, Flossen ungefleckt, ein dunkler Fleck
umgürtet die drei obern Strahlen der Brustflosse. D. 10.15. A. 3. 10. P.14.
Ranzani beschreibt auch zwei neue Arten der Gattung Meso-
prion 1. c. V. p. 352. M. bahiensis. P. 15; D. 10. 14; A. 3.8 Kopf
dunkelbraun, Rücken rothbraun, übrigens röthlich silberfarbig: M.
-argyreus. P. 16; D. 10. 12; A. 3. 8. Violette Flecke im Nacken;
ähnliche Linien vor den Augen.
Cirrhites aureus Schlegel l. c. p. 15 einfarbig goldgelb, ‘der
erste Strahl der weichen Rückenflosse verlängert. D. 10. 12 bis 135
N Ca
Schlegel beschreibt 1. c. p. 15 unter dem Namen Aulaco-
cephalus einen japanischen Fisch, der mit Centropristes grosse
Ähnlichkeit hat; er hat drei Dornen am Kiemendeckel,,das Präoper-
culum ist am horizontalen Rande sehr stark gezähnt, die Schwanz-
flosse ist abgerundet. Die Farbe ist violett, jederseits verläuft am
Schwanz und dicht unter der Rückenflosse eine gelbe Binde, welche
sich am vordern Ende der letztern etwas senkt, und durch das Auge
geht bis zur Spitze des Oberkiefers. D. 9. 13; A. 3. 10; P. 12.
Therapon rubicatus Richards. Annals IX. p. 127 mit kleinerem
Kopf und breiteren Bauchflossen, als bei Th. servus und theraps.
D. 12. 10; A. 3. 9.
Therapon (Pelates) oxyrhynchus Schlegel l. c. p.16. Körper
verlängert, Schnauze spitz, Gaumen und Vomer ohne Zähne, blau-
grün mit vier schwarzen Längsbinden, zwischen denen einige un-
deutliche und unterbrochene. D. 12. 10; A. 3. 8.
Derselbe beschreibt ebenda p. 17 einen Fisch unter dem: Na-
men Anoplus, den er in die Nähe von Nandus stellt. ‚Er entfernt
sich von Datnia dadurch, dass er Vomerzähne besitzt, von. Nandus
unterscheidet er. sich durch das Fehlen der Gaumenzähne; oliven-
braun, Bauch- und Schwanzflosse schwärzlich, vorn an der Rücken-
flosse ein grosser schwarzer Fleck. B. 6; D. 10, 135; A. 3. 8; P. 15.
Dieser Fisch ist bei Krusenstern pl. 54. f. 1. a unter dem Namen
Banjos abgebildet.
Percis Emeryana Richards. Annals IX. p. 130. Die doruige
Rückenflosse ist halbkreisförmig. D. 5. 21; A. 16.
Sillago burrus Richards. Annals IX. p. 128 hat Binden an den
Seiten wie S. maculata, aber es fehlt der seitliche Silberstreif, und
es zeigen sich Flecke an der Rückenflosse. D. 10. 20; A. 1. 21.
Mc Clelland stellt nach einem sehr kleinen Fisch, den Bucha-
nan als eine Atherina abgebildet und beschrieben hat, eine neue Per-
coidengattung auf, in der Nähe von Sillago. Er nennt‘sie Ce-
straeus, welcher Name, bereits von Cuvier Valenciennes vergeben
ist. Kopf oval und vorn flach, Augen vorstehend und vorn, Kiefer
Sach und aufwärts gerichtet, kleine konische Zähne im Zwischen-
kiefer. Vier Kiemenstrablen und zwei rauhe Leisten, diesam obern
107
und hintern Winkel des Kiemendeckels in stumpfe Spitzen enden;
Brustflossen rund, über den Bauchflossen, deren erster Strahl ein
Stachel; Rückenflossen weit getrennt, vor der Afterflosse ein flei-
schiger Vorsprung. €. minimus, D.5—9; P. 16; V. 1.5; A. 13;
€. 13. (Caleutta Journal II. 1842. p. 151.)
Ranzani stellt 1. ec. V. p.340 eine neue Gattung Diapterus
in der Familie der Percoiden auf. Die beschriebene Art D. auratus
scheint mir jedoch nichts anders zu sein, als Gerres brasilianus Cuv,
Val., und es müsste dann die Gattung wieder eingehen.
Scorpaena burra Richards. Annals IX. p. 215 hochroth, an den
Kiemenstrahlen röthlichweiss, die Seite des Kopfs dunkler geadert;
alle Cirren sind grün, und der Körper hat einige unregelmässige
olivengrüne Flecken. — Se. panda id. ib. p. 216 Schuppen sehr gross,
35 in einer Längs-, 16 in einer Querreihe; scharlachroth mit zwei
dunkel hyacinthrothen Binden an der Seite, Körper mit runden oran-
gebraunen Tropfen gefleckt. D. 11—10; A. 3—6; P. 16. — Se. er-
gastulorum id. ib. p. 217 ein schwarzer Fleck an dem 9., 10., 11.
Rückenflossenstachel. P, 15; D. 12—9; A. 3—5. — Se. militaris id.
Trausactions zool. soc. IM. p. 90 capite breviusculo, cirrhis nullis?,
spinis capitis fere Scorpaenae porci vel bufonis, operculo summo ge-
nisque squamosis; squamis corporis ciliatis; colore carmesino. B, 7:
P. 16; D. 12. 10; A. 3. 5; V. 1. 5. Australien.
Synanceia trachynis Richards. Annals IX. p. 385 verwandt mit
Se. horrida und brachio, aber die hintern Rückenflossenstacheln sind
niedriger als die vordern, das Präoperculum hat einen Dorn, und es
sind Vomerzähne vorhanden (gehört also zur Gattung Synancidium.
J. Müll. Abh. d. Acad. zu Berlin v. J. 1839.)
Ranzani will]. c. V. p. 342 die Gattung Haemulon in zwei
Abtheilungen bringen. Die erste soll die länglichen, nicht stark zu-
sammengedrückten Arten mit zusammengesetzter Seitenlinie enthal-
ten, die andere die mit hohem, zusammengedrücktem Körper und
einfacher Seitenlinie. Aus der zweiten Abtheilung werden zwei neue
Arten H. melanopterum P. 17; D. 12. 18; A. 3. 9, und A. Moricandi
P. 17; D. 12. 16; A. 3. 9. beide aus Brasilien, beschrieben.
Scolopsis longulus Richards. Annals IX. p. 389 viermal so lang
wie hoch. D. 10—9; A. 3—7; P. 17.
‘Amphiprion melanostolus Richards. Annals IX. p. 390. Drei
weisse verticale Binden, Kopf und Körper schwarz, Brustflosse am
Grunde schwarz, übrigens gelb, Schwanzflosse gelb am Grunde mit
einer schiefen weissen Binde, die weiche Rückenflosse hat einen
schmalen gelben Rand. — 4.? rubrocinetus id. ib. schwarz, Unter-
kiefer, Kehle, Brust, der halbe Schwanz und alle Flossen hochroth,
‚die Querbinden sind weiss.
Pagrus quadritubereulatus Ran2. 1. c. V. p. 348 mit vier knochi-
gen Höckern am Kopf, zwei über der Spitze der Schnauze, zwei
vor den Augen. Brasilien.
108
Chaetodon sexfaseiatus Richards. Annals X. p. 26 mit 6 senk-
rechten Bändern. D. 10—20; A. 3—17; P. 17.
Chelmon marginalis Richards. Annals X. p.29 hat zwei senk-
rechte Binden weniger als rostratus, auch ist die Rückenflosse ab-
gerundet, die Afterflosse spitz. D. 9—29; A. 3—18; P. 15.
McClelland stellt zwei neue Arten der Gattung Ophicephalus
auf.l. c. p.583. O. indicus zwei Schuppen zwischen den Augen und
eine vorn an der Schnauze, Kopf halb so lang wie der Körper ohne
Schwanzflosse und Kopf, etwa 36 Schuppen längs der Seitenlinie.
D,26; P. 17; V.6; A.17. Loodianah. — O. montanus drei Schuppen
in einer Reihe zwischen den Augen, drei im Dreieck gestellte Schuppen
vorn an der Schnauze, etwa 43 Schuppen längs der Seitenlinje; Brust-
flossen mit feinen Querbinden. D. 32; P. 14; V. 6; A. 17. Himalaya.
Acanthurus vulnerator, Ranzani l.c. V. p. 350. P. 16; D. 9.
28; A. 2. 26; braun, Flossen an der Spitze schwarz. Brasilien.
Eleotris basalis, Gray zool. Misc. p. 73 braun fein dunkler ge-
fleckt, Flossen schwärzlich , Brustflossen mit einem breiten gelb-
lichen Bande, Kopf schwärzlich, Schwanz rund. D. 7—10; V. >.
Neu Seeland. s
Scarus amplus Ranzani 1. c. p. 324 Kopf und Rücken braun-
violett, Bauch und Flossen hellröthlich. Brasilien.
Malacopterygii.
J. Müller giebt wichtige Andeutungen über einige Fa-
milien der Weichflosser, und stellt feste und durchgreifende
Charaktere für die Unterscheidung dieser Familien auf (Mo-
natsbericht der Academie zu Berlin 1842. p. 206), Verf. hat
jüngst die Resultate dieser Untersuchungen in einem Auf-
satze in diesem Jahrgange dieses Archiv’s zusammengestellt,
worauf ich die Leser verweise.
Eg. Antonii Alessandrini: Apparatus branchiarum
Heterobranchi anguillaris (Gommentarii Acad. Bononiensis V.
p- 149). Mit zwei Steindrucktafeln.
Bei Gelegenheit eines Vortrages über die Schwimmblase
der Fische (Monatsberichte der Academie zu Berlin 1842.
p. 174 und 202, und Müller’s Archiv 1842. p. 310) machte
J. Müller zweineue Gattungen aus der Familie der Siluroiden
bekannt aus einem mit Ref. bearbeiteten MS. über neue Welse:
Calophysus M. T. (1. c. p. 179.) Weite Kiemepspalten. Keine
Zähne am Gaumen. Eine Reihe stärkerer Zähne am Oberkiefer und
Unterkiefer, hinter welchen in dem einen oder andern noch eine
Reihe kleinerer Zähne. Der erste Strahl der Brustflosse und Rücken-
llosse am Ende einfach gegliedert, ohne Zähne. Eine lange Fettflosse.
109
6 Bartfäden, 7 Strablen der Kiemenhaut. Hierher C. macrepterus
M. T, (Pimelodus macropterus Lichtst.) und €. ctenodus M. T. (Pime-
lodus ctenodus Ag.). -
Euanemus M. T. (l. c. p. 203) Enge Kiemenspalten, Körper
seitlich zusammengedrückt. Der Helm ist von der Haut bedeckt. Die
Zähne am Oberkiefer und Unterkiefer hechelförmig in einer Binde,
keine au Vomer und Gaumenbeinen, der erste Strahl der Rücken-
und Brustflosse ist ein Dorn. Die Rückenflosse steht ganz vorn und
ist klein. Ausserdem eine sehr kleine Fettflosse. Afterflosse sehr
lang. Strahlen der Brustflossen viel zahlreicher als bei andern Silu-
roiden. Augen von der Haut bedeckt. 6 Bartfäden. Eine neue Art
E. colymbetes aus Surinam.
Silurus indicus Me Clelland Il. c. p. 583. Vier weiche Strahlen
in der sehr kleinen Rückenflosse, Kopf kurz, Kiemendeckel hinten
mit einem abgerundeten stumpfen Winkel; vier Bartfäden. B. 11; D.
4; P. 1.3; V. 8; A, 71; C. 18. Loodianah. Hierher werden als Va-
rietäten gezogen S. canio, duda und chedra Buchan.
Pimelodus pusillus Ranzani 1. c. V. p. 332 unbekannten Fund-
orts, scheint neu. Der Panzer des Kopfes läuft hinten in eine Spitze
aus, welche an den ersten Strahl der Rückenflosse reicht. 8 Bart-
fäden. D. 1.6; P. 1.7; A. 10. — P, anisurus Mc Clelland I. c.
p. 583. Unterer Lappen der Schwanzflosse kürzer als der obere. 8
Bartfäden. B. 10 bis 15; D. 2. 8; V. 6; A. 9; C. (5. Loodianah. —
P. indieus- id. ib. Unterer Lappen der Schwanzflosse kürzer als der
obere; 8 Bartfäden. B. 2; D.2.6; P. 1 7; V.6; A.8; C. 18. Ebenda.
Bagrus macronemus Rau zanil.c. V. p. 334 scheint Galeichthys
Gronovii Val. zu sein, wenigstens gehört der Fisch in diese Gattung.
Eine interessante neue Gattung der Siluroiden ist von
MeClelland |. c. p. 584 aufgestellt:
Glyptosternon, Zähne‘ sammetartig, Kopf breit und flach,
Mund an seiner untern Fläche, Augen klein und aufwärts gerichtet;
wenn Dornen vorhanden, sind sie in den Häuten der Flossen ver-
steckt; Brust- und Bauchflossen breit, sichelförmig; Körper unter-
halb mehr oder weniger mit warzigen oder gestreiften Saugflächen
besetzt, um sich an den Steinen festzusaugen. Ohne Knochenplatten
am Körper. Bewohnt die Gebirge Indiens und Centralasiens. @. re-
tieulatus. Die untere Fläche des Kopfes und des vorderen Theiles
des Körpers bildet eine flache runzlige Oberfläche. An der Quelle des
Cabulflusses. — G@. sulcatus, eine ovale Scheibe an der Brust zwi-
schen den Brustflossen aus Querplatten bestehend, und eine Reihe
ähnlicher Platten an der breiten untern Fläche des ersten Strahls der
Bauchflossen. D. 8; P. 13; V.7; A.9. Kasyah- Gebirge. — @. stria-
tus, 8 Bartfüden, eine gestreifte Saugfläche an der Brust. B.8; D. 8;
P. 11; V.6; A. 9. Kasyah-Gebirge. — @. pectinopterus, 8 Bart-
fäden, gestreift an der Brust. B. 9; D. 8; P. 9; V. 6; A. 7. Simla-
Gebirge. — @. labiatus, Lippen viellappig umgeschlagen, und so um
110
den Mund ausgebreitet, dass sie eine breite lache Saugscheibe bilden.
Afterflosse sehr klein, Rückenflosse ohne Dornen, Fettflosse lang,
Bartfäden sehr kurz. D. 7; P. 14; V. 7; A. 6. Mishmee- Gebirge.
Sollte diese Art wegen der Bildung ‘der Lippen nicht eine eigene
Gattung bilden müssen?
Aus derselben Familie stellt derselbe Verf. ib. eine
andere neue Gattung auf, die er Olyra nennt:
Körper weich, lang und cylindrisch, mit zwei Rückenflossen,
die erste strahlig, die zweite Fettflosse, Kopf verlängert und flach
an der Schnauze, der Kiemendeckel endet hinten in eine schiefe nach
der Rückenflosse gewendete Spitze, Afterflosse lang, Schwanzflosse
ganz, Zähne sammetartig, kein Rückenflossendorn, 6—8 dünne Bart-
fäden, O. longicaudatus, vor den Brustflossen ein rauher Dorn,
Kiefer gleich lang, sechs borstenartige Bartfäden, der mittlere Strahl
der Schwanzflosse in eine Spitze verlängert. BR 6; D. 7; P. 1. 6; V.
5; A. 23. Verf. sieht in dieser Art eine Verbindung zwischen den
Welsen und Cobitis. — O. laticeps, Unterkiefer länger als der obere,
Kopf vorn sehr platt, Augen klein und senkrecht, die Strahlen der
Afterflosse nehmen nach hinten an Länge zu, sechs oder (?) acht
dünne Fäden. B. 13; D. 7; P. 9; V. 7; A. 15. Kasyah-Gebirge.
Callichthys personatus Ranzani l. c. V. 1842. p. 322 scheint
Call. longifilis Val. zu sein.
Eypostomus brevitentaculatus Ranzani l. c. V. p. 328 ist Hyp.
duodecimalis Val. Hist. nat. XV. p. 498.
Der 16. Band der grossen Histoire naturelle des poissons
par Cuvier et Valenciennes ist im Jahre 1842 erschienen,
und enthält den Anfang der Familie der Oyprinoiden, nämlich
die Gattungen Cyprinus, Barbus, Labeobarbus Rüpp., Schtzo-
thorar Heckel, Oreinus Me Clelland, Dangila Val., Rohita
Val., Capoeta Val., Cirrhinus Cuv., Gobio Cuv,, Tinca Cuv,,
Labeo Cuv. — In einem Anhange bespricht der Verf. die Ein-
theilungen der Cyprinoiden von Hamilton Buchanan und John Me
Clelland und versucht diese Gattungen auf die oben angegebe-
nen zurückzuführen. Darauf giebt er die Arten mit Bartfäden,
welche ihm zweifelhaft geblieben sind; ihre Zahl ist bedeutend.
Dangila Val. mit Jauger Rückenflosse ohne vorderen Stachel,
mit einem Saum konischer Papillen an der dünnen Oberlippe, und
vier Bartfäden, die Arten aus Java und Indien.
Nuria Val, mit kurzer nach hinten gerückter Rückenflosse ohne
vorderen Stachel, zwei Bartfäden jederseits am Mundwinkel, Lippen
dünn, die Arten von Ceylon und Indien.
Rohita WVal., Lippen fleischig, mehr oder weniger gefranzt,
eine dicke Hautfalte bildet oben eine Art stumpfer fleischiger Schnauze
111
und unten.ein Segel, welches die Mundspalte im geschlossenen Zu-
stande verdeckt, im vorgestreckten Zustande bildet der Mund eine
Art Saugnapf, hierher mehrere Buchanansche Arten.
Capoeta Val., nur zwei Bartfäden an den Mundwinkeln, der
erste Strahl der Rückenflosse hart und gezähnelt, oder hart und
ungezähnelt oder weich.
In der Familie der Cyprinoiden stellte Mc Clelland I. c.
p. 576 eine Menge neuer Arten und auch eine neue Gattung auf:
Racoma unterscheidet sich von Schizothorax Heck. durch vor-
streckbare Kiefer, der Zwischenkiefer bildet einen beweglichen Rand.
R. gobioides, der Deckel endet in eine runde Spitze, Rückenflosse
in der Mitte zwischen Augen und Schwanzflosse, sie hat vorn einen
Stachelstrahl, der hinten gesägt ist. D. 3. 8; P, 19; V. 1.11; A. 6.
Bamean River. 12”. — R, chrysochlora, braungelb. D. 3. 8; P. 19;
V. 10; A. 8. Lolpore, Cabul River. 10° — R. nobilis, Körper und
Flossen mit vielen kleinen Flecken. D. 3. 9; P. 19; V, 11; A. 8.
18°. — R. labiatus, Kopf länger als die Höhe des Körpers, Zwischen-
kiefer mit dickem Fett bedeckt; die Bartfäden enden in 3 Spitzen.
D.3 8; P. 19; V. 10; A. 7. Pushut, Koonar River bei Jullalabad. —
R. brevis, Lippen mit einer dicken fleischigen Membran bedeckt,
Flossen klein. D, 2. 7; P. 20; V. 11; A. 7. Helmund River.
Schizothorax Heck. Kopf verlängert und conisch, Schnauze
"spitz, Zwischenkiefer fest. a. Unterlippe nur an den Mund-
winkeln mit freiem umgeschlagenen Rande. S$.intermedius,
D. 4.8; P. 1.18; V.1.10; A. 2.6. Cabul River bei Jullalabad;
Tarnuck River. b. Der umgeschlagene Rand an der Unter-
lippe frei an der Spitze. S$. Edeniana, Rand der Unterlippe
ganz, Schnauze gedrückt, Rückenstachel am Grunde gesägt. D. 3.8;
P. 1.19; V.1.9; A. 1.7. Cabul River bei Koti-i-Ashruf. — $,
Ritschieana. Hinterer Rand der Unterlippe dreilappig, Lippen breit,
Rückenstachel breit, Körper gefleckt. D. 4. 8; P.1. 19; V.1.9;
A. 1. 6. Afghanistan, — S. barbatus, Kopf verlängert, Lippen dünn
und hart am Rande, Rückenstachel sehr breit, zusammengedrückt
und knochig. D. 3. 8; P. 20; V. 12; A. 2. 6, Cabul River bei Jul-
lalabad.
Oreinus plagiostomus (Schizothorax plagiostomus Heck.). — O.
Griffithä, Mund halb so breit wie die Länge des Kopfes, Rücken-
stachel breit. D. 4. 8; P. 20; V 11; A. 1. 6. Afghanistan.
Cirrhinus Burnesiana, Kopf kurz, dick-und rund, Kiemendeckel
schmal und kleio, Unterkiefer kurz, Mund unterhalb. D. 9; P. 16;
V. 9; A. 7. Cabul River bei Jullalabad.
Opsarius piscatorius, Rücken vor der Rückenflosse gebogen,
Afterflosse unter dem hintero Theil der Rückenflosse, Mund klein,
Seiten silberfarben mit neun Querbinden. D. 8; P. 16; V. 9; A. 8.
Seharanpore. — O. bieirratus, zwei Zirren, Länge des Kopfes gleich
der Höhe des Körpers, Rückenflosse etwas vor der Afterllosse,
112
35 Schuppen an der Seitenlinie, und 9 unvollständige Streifen an den
Seiten. D. 8; P. 13; V. 8; A. 2. 10. Khyber Pass und Cabul River
bei Jullalabad.
Leuciscus negleetus Selys Faune Belge unterscheidet sich von
L. Idus L. durch den längeren Kopf, niedrigeren Körper, mehr aus-
geschnittene Schwanzflosse und dadurch, dass die Seitenlinie aus 55
Schuppen besteht, deren bei Idus 60 vorhanden sind. Bei Brüssel. —
L. rutiloides, id. ib. D. 12; A. 13. Länge 5” 9". Flossen gelb, viel-
leicht nur Abart von rutilus.
Aspius alburnoides id. ib. D. 11; A. 19—21. 50 Schuppen in
der Seitenlinie, über derselben 8, unter derselben 4 Reihen. Sehr
verwandt mit alburnus.
Abramis Heckelii id. ib. D. 13. A. 19—20. Seitenlinie mit 483 —
53 Schuppen, über ihr 10, unter ihr 5 Reihen. (A. Buggenhagi?
Yarrell.) 8° 10”.
Cobitis Boutonensis Mc Clelland ]. c. p. 586. Schnauze etwas
gedrückt, Lippen gefranzt, sechs Bartfäden. D. 8; P. 11; V.8; A.
6; C. 18. Boutan am Mishmee - Gebirge.
Platycara anisura id. ib. Schwanzflosse ganz, hinten sichelför-
mig, indem die unteren Strahlen kürzer sind als die oberen. Vorn
am Munde fünf rudimentäre Bartfäden, zwei an den Mundwinkeln,
D. 10; P. 21; V. 11; A.7; 0.19. — P. Üissorhynchus, mit einer
Scheibe hioter dem Munde, Schnauze glatt und rund, Schwanzflosse
viereckig. D. 9; P. 18; V. 9; A. 6; C. 19. Beide vom Kasyah-
Gebirge. ;
J. Müller stellt in seiner Familie der Characinen* eine
neue Gattung Hemiodus auf.
Im Zwischenkiefer eine Reihe Zähne, wie runde Blättchen, am
Rande gezähnelt, im Unterkiefer keine Zähne. Fettflosse. Die
Art H. crenidens aus Brasilien, ist Salmo unimaculatus Bloch. (Mo-
natsberichte der Academie zu Berlin 1842. p. 106 und Müller’s
Archiv 1842. p. 324.)
J. Müller trennt die Gattung Zrythrinus, wie sie von
Agassiz gefasst wurde, in zwei Untergattungen.
Die eine Erythrinus Cuy. Müll. hat einfach hechelförmige
Gaumenzähne, die grösseren Hundszähne unter den Kieferzähnen
sind verhältnissmässig kurz, die Schwimmblase zellig. Dahbin E.
unitaeniatus Ag. (Synodus erythrinus Bl. S.) und E. salvus Ag. —
Die andere Macrodon Müll. hat vor den hechelförmigen Gaumen-
zähnen eine Reihe grösserer kegelförmiger Gaumenzähne, unter den
Kieferzähnen einzelne sehr grosse Hundszähne, die Schwimmblase
ohne Zellen. Dahin M. Trahira Müll. (Er. macrodon Ag., Synodus
malabaricus Bl. S.), und‘ M. drasiliensis Müll. (Er. brasiliensis Ag.).
(Monatsberichte der Academie zu Berlin 1942. p. 177. Müller’s Archiv
1842. p. 308.) !
113
Mc Clelland macht 1. c. einen indischen Salmo bekannt: S.
orientalis. Eine Reihe hakiger Zähne längs dem Rande des Unter-
kiefers, der Zwischenkiefer setzt sich längs dem Rande des Ober-
kiefers fort, wodurch zwei Reihen Zähne im Oberkiefer entstehen;
einige Zähne am Vomer und jederseits drei an der Spitze der Zunge.
Kopf gleich der Höhe des Körpers und ein Viertel der ganzen Länge,
Rücken und Seiten mit rothen und grünen unregelmässigen Flecken.
B. 12; D. 12; P. 14; V. 10; A. 10. Nebenflüsse des Oxus,
Selys Longchamps bestätigt das Vorkommen des Coregonus
oxzyrhynchus an den belgischen Küsten. Er fand 10 Individuen unter
Osmerus eperlanus gemengt auf dem Markte zu Brüssel. Sie kamen
von Antwerpen. (Bulletins de l’Acad. de Bruxelles 9. 2. p. 510.)
Clupea macrophthalma Ranz. 1. c. V. p. 320. Augen gross,
kleine konische Zähne in beiden Kiefern; keine Seitenlinie. Br. 3;
D. 17; A. 17. Brasilien.
Exocoetus bahiensis Ranzani l.c. V.p. 362. Bauchflossen ziem-
lich gross, reichen bis zum vierten Strahl der Afterflosse, näher der
Afterflosse als dem Kiemendeckel, dieser ohne Schuppen, keine An-
hänge an den Kiefern.
Esox indica Mc Clelland I, c. p, 592. Anfang der Rückenflosse
genau über dem der Afterflosse. D, 12; P. 11; V. 7; A. 15; €. 15.
Loodianah.
Hemiramphus unifasciatus Ranz. 1. c. p. 326 aus Brasilien.
Belone Raphidoma Ranzani l. c. V. p. 359 aus Brasilien.
Stannius lieferte in Müller’s Archiv 1842. p. 338 eine
Abhandlung über das peripherische Nervensystem des Dorsch
(Gadus Callarias).
Ranzani beschreibt ]. c. IV. p. 76 einen Synbranchus fuligino-
sus aus Brasilien, der, wenn nicht identisch, doch gewiss sehr nahe
verwandt mit S. marmorätus Bl. ist. Die Zähne stehen vorn in 6,
an den Seiten in 3 Reihen, Seitenlinie nicht ästig, die Rückenflosse
beginnt hinter dem After; der Schwanz beträgt nur * der ganzen
Länge, damit stimmt aber die Abbildung nicht.
Ranzani beschreibt 1. e. IV. p. 76 einen Gymnothorax funebris,
der mit @. afer Bl. viel Ähnlichkeit hat; aber er ist ungefleckt, und
kommt von Brasilien.
Conger opistophthalmus Ranzani l. c. IV. p. 78, die Augen fast
hinter dem Mundwinkel. Seitenlinie canalartig mit winklig eiusprin-
genden Rändern. — C. brasiliensis id. ib. p. 79 pl. XIII. f. 1. Vorn
4 conische, die seitlichen Zähne in 5 Reihen, die Seitenlinie besteht
gleichsam aus. einer Reihe Narben in der Haut, — C. cylindroideus
id. ib. p. 80. Zähne in zwei Reihen, vorn auf der Schnauze jeder-
seits 2 Röhren, deren vordere einen fadenförmigen Anhang besitzt;
alle drei aus Brasilien. — (. rubescens id. ib. p. 81 aus dem Mittel-
meer, Zähne in 4 Reihen.
Archiv f. Naturgesch, IX. Jahrg. 2. Bd, nl
114
Encheliophis J. Müller (Monatsbericht der Academie
zu Berlin 1842. p. 205). Keine Brustflossen. Die Kiemen-
spalten beider Seiten sind durch Vereinigung der Kiemenhäute
in der Mitte verbunden.. Der After liegt viel weiter nach
vorn als bei den Ophidien, sogleich hinter den Kiemen. Strah- °
len der Kiemenhaut 6. Eine neue Art Z. vermieularis Müll. 4".
Der Körper läuft nach hinten ganz spitz aus.
-G. Valentin lieferte Beiträge zur Anatomie des Zitter-
aales (Gymnotus electrieus) in den neuen Denkschriften der
allg. Schweizerischen Gesellschaft für die gesammten Natur-
wissenschaften Bd. VI. Neuchatel 1842.
Lophobranchii.
A. de Quatrefages giebt in den Annales des sciences
naturelles tome 18. p. 193 einen Beitrag zur Entwickelungs-
geschichte des Syzgnathus Ophidion Linn. Verf. hält die
Beobachtung, dass die Eier bei dieser Art frei unter dem
Leibe angeheftet sind, für neu; dieses Verhalten ist jedoch
schon von Fries als Eintheilungsgrund der Gattung benutzt
worden (Vergl. dies Archiv 1838. I. p. 238). Es wird nur
eine Entwickelungsstufe beschrieben, da Verf. nur die Eier
eines Fisches zur Untersuchung besass.
Pectognathi.
Ranzani beschreibt ]. c. IV. p. 72 zwei neue Tezrodon - Arten,
beide aus Brasilien. Der eine T, marmoratus hat 2 Tentakeln und
dahinter die Naslöcher; auf dem Rücken ist er rauh, an den Seiten
glatt, unten hat er Punkte, in denen kleine Spitzchen verborgen
sind; oberhalb ist er braun und graubraun marmorirt, an den Seiten
hat er eine Reihe schwarzer Flecke. Eines Hautkiels an den Seiten
wird nicht erwähnt. Der andere, Tetrodon pachycephalus, hat an
einer hohlen Papille zwei Nasenlöcher. Der Bauch ist rauh von
Stacheln, welche gleichsam in den Maschen eines Netzes stehen;
oberhalb schwarzgrau, an den Seiten silberfarbig.
Cyelostomi.
Die bereits im vorigen Jahresbericht p. 186 erwähnte Ab-
handlung: On the Anatomy of Amphioxus lanceolatus by John
Goodsir, ist von zwei lithographirten Tafeln begleitet in den
Transactions of the Royal Society of Edinburgh Vol. XV.
Part. 1. p. 247 erschienen.
115
Plagiostomi.
A. Alessandrini schrieb Observationes super intima
branchiarum struetura piscium eartilagineorum. (Commentarii
acaldemiae Bononiensis IV. 1840, p. 329.)
Die beiden von Ranzani beschriebenen Haifische von Brasilien
sind bei Müller und Henle beschrieben, freilich später als von Ran-
zani. Sein Galeus maculatus 1. c. IV. p. 69 ist Galeocerdo tigrinus
Müll. Henl.; sein Carcharias porosus 1. c. IV, p.70 ist wahrschein-
lich Carcharias (Prionodon) Milberti Val.
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Natur-
geschichte der Mollusken während des Jahres 1842.
Von
Dr. F. H. Troschel.
Von allgemeinem Interesse ist ein Instrument, welches d’Or-
bigny angegeben hat, um den spiralen Winkel der gewundenen
Schnecken zu messen; er nennt es Helicometer. Es besteht
aus zwei Arımen, die in einem Gelenk beweglich sind, und an
dem einen ist ein in 180 Grade getheilter Halbkreis angebracht.
Legt man zwischen beide Arme eine Schnecke, so kann man
den Spiralwinkel unmittelbar ablesen. . D’Orbigny bemerkt,
dass man die Gehäuse in drei Abtheilungen bringen kann:
1) sie haben einen regelmässigen Spiralwinkel in ihrer ganzen
Länge, 2) der Spiralwinkel ist convex, angeschwollen in der
Mitte, 3) der Spiralwinkel ist concay, Er zeigt die verschie-
denen Messungsarten an, welche man bei diesen drei Formen
anwenden kann. Das Wachsen der Spira ist mehr oder we-
niger schnell, und die schiefe Richtung der Nath stimmt da-
mit überein, Hier genügt es, eine Schnecke, den Mund nach
H*
116
unten, so in den Helicometer zu stellen, dass der eine Arm
parallel der Axe oder der Seite des Spiralwinkels liegt, wäh-
rend der andere der Nath folgt. Dieses Maass nennt d’Or-
bigny den Nathwinkel. Ausserdem misst er die Länge der
letzten Windung im Verhältniss zur ganzen Länge. (Institut
1842. p. 52.) Leider wird wohl die Schwierigkeit des genauen
Messens, und die Unregelmässigkeit der Schneckenhäuser bei
derselben Art, der Einführung dieser Maasse in die Wissen-
schaft hinderlich sein.
Unter dem Titel: Abbildungen und Beschreibungen neuer
oder wenig gekannter Conchylien hat R. A. Philippi in
Cassel ein neues Werk begonnen, von welchem die erste
Lieferung, Cassel 1842, erschienen ist. Sie enthält 6 Tafeln,
auf deren jede immer nur Arten einer Gattung aufgenommen
sind. Die Tafeln sind auch nur nach den Gattungen nummerirt,
so dass sie beim Schluss eines Bandes oder des ganzen Wer-
kes nach Gattungen geordnet werden können. Das Werk hat
den Zweck, neue oder wenig bekannte Conchylien in guten
Abbildungen bekannt zu machen, und es scheint seinen Zweck
zu erfüllen, “indem die späteren Abbildungen, namentlich im
zweiten Hefte, das im Jahre 1843 bereits erschienen ist, immer
besser werden. Die Tafeln des ersten Heftes behandeln die
Gattungen Melania, Strombus, Helix, Natica und Unio.
G. B. Sowerby’s Thesaurus Conchyliorum or figures
and deseriptions of Shells, Part. 1. London 1842 (weitere
Theile sind mir noch nicht bekannt geworden), enthält die
Monographien von Helicina, Pupina, Rostellaria, Aporrhais,
Struthiolaria und Strombus.
Alle Arten sind abgebildet, und zwar die grösseren im verjüngten
Maassstabe, mit jedesmaliger Angabe desselben, so dass jede Tafel
reich an Figuren ist. Die Beschreibungen sind kurz und als Diagno-
sen gehalten. Für die Bestimmung von Sammlungen ist das Werk
unentbehrlich.
In der Histoire naturelle de !’Ile de Cuba par Ramon de
la Sagra, in welcher d’Orbigny die Mollusken bearbeitet, sind
noch zwei Bogen mit Text, die den ersten Band beschliessen,
enthalten. Sie enthalten die Gattungen Pyramidella, Torna-
tella, Siphonaria, Vermetus, Odontostoma, Helicina und Cy-
elostoma. Vom zweiten Bande sind die ersten 7 Bogen bereits
117
erschienen, das Werk erfreut sich also eines guten Fort-
ganges.
Von Kiener’s Species general et Iconographie des Co-
quelles vivantes erschienen im Jahre 1842 die Lieferungen 73
bis 82 und enthielten den Text für die Gattungen Cerithium,
Ranella und Tritonium, und die Abbildungen zu den Gattun-
gen Tritonium und Murex.
Von Lowell Reeve’s Conchologia systematica or com-
plete System of Conchology, deren erster beiden Hefte bereits
im vorigen Berichte gedacht worden ist, sind nunmehr zwölf
Lieferungen erschienen, mit} denen das«Werk beendigt ist.
Im Ganzen enthält das Werk 300 saubere Kupfertafeln mit
1500 Figuren. Es enthält die meisten bisher aufgestellten
Gattungen, und es scheinen nur einige seltenere zu fehlen.
Es ist wegen der Treue der Abbildungen zum Studium der
Molluskengattungen besonders zu empfehlen, wenngleich nicht
verschwiegen werden darf, dass die Stellung und der Umfang
der Gattungen nicht immer dem jetzigen Standpunkte der
Wissenschaft entspricht. Alle dergleichen Missgriffe hier an-
zugeben, würde zu weit führen, als Beispiel diene nur die
Stellung von Littorina, Scalaria, Turritella und andere in der
Familie der Turbinaceen, von Natica in der Familie der Ne-
ritaceen, von Ampullaria in der Familie der Peristomata (Palu-
dina und Valvata) u. s. w. Ferner diene als Beispiel der fal-
schen Begrenzung der Gattungen das Zusammenziehen von
Physa, Limnaeus und Amphipeplea in eine Gattung u. a. m.
Endlich mag auch wohl hin und wieder eine Art falsch be-
stimmt sein, so ist gewiss die als Ampullaria rugosa Lam.
(Nerita urceus Müll.) abgebildete Schnecke nicht diese, son-
dern eher A. globosa Swains. Die 5 ersten Hefte bilden den
ersten Band und enthalten die Cirripedien und die Bivalven.
Die andern 7 Hefte enthalten die übrigen Mollusken und bil-
den den zweiten Band. Ehrenberg’s Polythalamien (Foramini-
feren d’Orbigny’s) sind noch zu den Cephalopoden gezogen,
jedoch nur 5 Gattungen als Typen der verschiedenen Formen
abgebildet. Mehrere neue Arten sind diesem Werke einver-
leibt, was besonders deshalb wichtig wird, weil dieselben be-
reits an anderen Orten, namentlich in den Proceedings zool.
soc. aufgestellt sind.
118
Von der lange unterbrochenen leonographie der Land-
und Süsswasser - Mollusken von Rossmässler erschien im
Jahre 1842 wieder ein Heft, und zwar das 5te des zweiten
Bandes. Die erste Tafel enthält Arten der Gattung Helix, die
zweite Clausilien, die dritte Pupa, die vierte und fünfte Ano-
donta und Unio, Viele Arten sind neu. Verf. verspricht im
Vorworte, es solle jedenfalls noch das 12te Heft als Schluss
des zweiten Bandes, und demnächst eine Fauna molluscorum
extramarinorum Enropae erscheinen, in welcher er das sämmt-
liche Material systematisch zusammentragen will. Möge er
recht bald Wort hakten.
Hartmann’s Erd- und Süsswasser - Gasteropoden ver-
mehrten sich während des Jahres 1842 wieder um zwei Hefte,
das 5te und 6te, Im fünften werden Arten der Gattungen
Helix, Neritina und Limnaeus mit Varietäten und Monstrosi-
täten abgebildet. Verf. zieht nunmehr auch exotische Arten
hierher, nämlich Helix (Chromocochlea) turbinoides und Min-
dorana, und verspricht das öfter zu thun. Dadurch erhält
freilich das Werk eine andere Tendenz. Die Tafeln der 6ten
Lieferung betreffen die Gattungen Pupa, Planorbis, Clausilia,
Helix, wiederum mit Varietäten und Monstrositäten. Von
Ausländern sind Helix pulcherrima, haemastoma und einige
Arten von den Canarischen Inseln und Madeira.
Von Möller erschien (Naturhistorisk Tidskrift. Utgivet
af Henrik Kröyer 1842. IV. p. 76) ein Index Molluscorum
Groenlandiae. Die Arbeit erschien ausgedehnter als ein be-
sonderes Werkchen unter demselben Titel, Hafniae 1842.
Die Einzelnheiten werden unten angegeben werden. Viele
Arten sind neu.
Über die Fauna von Chusan bemerkt Cantor, dass die
Süsswasser-Mollusken reich an Formen sind. Einige nähern
sich Europäischen Formen, drei sind identisch mit Indischen,
nämlich Helix tapeina Benson, Planorbis compressus Hutton
und Helix naninoides, welche letztere auch in Singapore vor-
kommt. (Annals IX. p. 277.)
Die Arten, unter denen auch drei neue Gattungen, sind
ebenda p. 486 von Benson beschrieben. $. unten.
In den Bulletins de ’Academie de Bruxelles. Vol. IX. 2.
p- 340 finden sich Diagnosen einiger neuer Arten von leben-
119
den und fossilen Conchylien, die zum Bassin des Mittelmeers
gehören von Cantraine; die der lebenden sind unten mit-
getheilt.
Über Vorkommen von Mollusken finden sich Bemerkun-
gen in dem Reiseberichten aus Dalmatien und Monte negro
von Küster. (Isis 1842. p. 283, 609, 743 und 847.)
Petit berichtigt in der Rev. zool. 1842. p.'232 die
Synonymie einiger Conchylien, welche in derselben Zeitschrift
von R. P, Lesson aufgestellt worden sind. Sein Fusus funi-
eulatus ist —= F. Dupetitthouarsii Kiener; Fusus Rosa ponti
ist Turbinella multinoda aut. Lesson eitirt die Mitra casta,
M. bicolor, Oliva tuelcana und Ol. puelchana d’Orbigny’s als
zu einer Art Mitra gehörig, Verf. leugnet ‚dies nach eigener
Ansicht der Exemplare,
George Hyndman giebt ein Verzeichniss von 39 Arten
Mollusken, welche er mit dem Schleppnetze etwa 2 Meilen
westlich von Sana Island in einer Tiefe von 40 Faden erhielt.
(Annals IX. p. 19.)
Daran schliesst sich ein Verzeichniss von Mollus-
ken, welche Thompson ebenda p. 21 bekannt macht, und
welche aus grossen Tiefen an der Schottischen Küste mit dem
Schleppnetz gefangen wurden. Aus 50 Faden Tiefe 8 Meilen
Südsüdwest von Mull of Galloway erhielt er 5 Arten lebend,
2 todt; aus 110 bis 140 Faden Tiefe 5 Meilen Südwest von
Mull of Galloway 1 Art lebend, 6 todt; aus 145 Faden Tiefe
in Beaufort's Kanal etwa 5 Meilen Südwestlich von Mull of
Galloway 8 Arten lebend, 10 Arten todt.
D’Orbigny theilte der Societe philomatique einige Eier
der Voluta brasiliana wit. Sie haben einen Durchmesser von
70 Millim., während das Thier selbst nur 200 Millim. gross
wird. Sie sind eiförmig und haben eine knorplige, biegsame
und durchsichtige Schale, Jedes enthält 15 bis 20 gelbliche
Dotter, die von einer dünnen Haut umgeben sind. Später
bildet sich in der Mitte jedes Dotters ein Eınbryo, der bei
noch weiterer Entwickelung an der innern Seite der Eihülle
kriecht, bis er in einer Grösse von 10 Millim. und mit 2 Win-
dungen der Schale durchbricht. (Institut 1842. p. 43.)
Daran schliessen sich ebenda Bemerkungen von Laurent
über die Eikapseln der Valvata piscinalis. Diese Kapseln sind
120
.
kuglig, an Körper unter dem Wasser angeheftet, und ent-
halten 10 bis 20 Eier. Jedes hat seine besondere Schale, die
sich an jedem Pol in einen gewundenen Faden endet, und nur
einen Dotter; alle sind von gemeinschaftlichem Eiweiss um-
geben. Wenn die Entwickelung der Eier sehr vorgeschritten
ist, zerreisst die Kapsel, und die Eier treten heraus; erst
einige Tage später öffnet sich die Eihülle, und lässt die Em-
bryonen ausschlüpfen.
Derselbe giebt ebenda an, dass sich im Ei des Zimax
agrestis Saamenthierchen befinden.
Derselbe sagt ebenda: Das traubenförmige Organ bei den
zwittrigen Schnecken, welches in seinem Parenchym Saamen-
thierchen und Eier enthält, ist mit einem einzigen Ausfüh-
rungsgange versehen, welcher das Ei und eine saamenthierchen-
haltige Flüssigkeit in die erste Kammer der Matrix ergiesst.
Zugleich giebt das Schleimorgan (organe de la glaire) die
nöthige Masse Eiweiss ab. Die Matrix giebt nur die Masse
her, welche die Eischale bildet, diese verdichtet sich allmählig,
je mehr sich das Ei dem Ausgange nähert. Verf. bewahrt ein
Präparat von einem Limax ater, der während der Eibildung
gestorben ist.
Cephalopoda.
Milne Edwards machte in den Annales des sc. nat.
XVII. p. 331 eine ausführlichere Mittheilung über die Sper-
matophoren bei den Cephalopoden, in Folge der mit Peters
in Nizza angestellten und bereits im vorigen Jahresberichte
p- 265 erwähnten Beobachtungen. Zu dieser Abhandlung ge-
hören 4 Tafeln Abbildungen, deren letzte die männlichen Ge-
schlechtstheile der Sepia officinalis enthält.
A. Krohn gab nachträgliche Bemerkungen über den Bau
des Auges der Cephalopoden in den Leopoldiner Acten. XIX.
Il. p. 41.
Ball legte der Irischen Academie als Beitrag zur Fauna
der Irischen See folgende Cephalopoden vor (Annals of nat.
hist. IX. p. 348):
Sepia officinalis und Rupellaria?; Loligo sagittata Var., subulata
Var., media, Ehlanae; Eledone ventricosa; Octopus vulgaris, Sepiola
Rondeletii; Rossia Owenii und Jacobii; Spirula australis. Die beiden
121
Rossia hält er für neu. R. Owenü hat grosse lang gestielte Saug-
näpfe in drei Reihen; die der mittleren Reihe nur halb so gross wie
die äussere; am ersten Paar der Arme sind sie zahlreicher, kleiner
und mehr gleich an Grösse. R. Jacobil hat kleinere Saugnäpfe, ver-
hältnissmässig kürzere Arme,
Peters gab in Müller's Archiv 1842. p. 329 Beiträge zur
Anatomie der Sepiola. Sie beziehen sich auf die Dintenorgane
und auf die Geschlechtstheile. Die Verschiedenheit der bis
jetzt aufgestellten Arten dieser Gattung hält Verf. noch für
zweifelhaft, indem die geringere Breite des Hautlappens, welcher
Mantel und Kopf verbindet, so wie das Vorhandensein eines
unteren Augenlides kein specifisches Merkmal abgeben können,
da erstere überhaupt sehr variirt, und ein unteres Augenlid
allen Sepiolen zukommt.
Owen erhielt durch Capt. Belcher ein Exemplar von Nautilus
Pompilius von Amboina mit der Schale. Die Lage des Thiers zur
Schale stimmt genau mit der Beschreibung, wie sie Owen früher in
seinem Werk über dies Thier gab. Die Spira ist bedeckt durch die
Rückenfalte des Mantels, und liegt in der Vertiefung am Rücken der
Muskellage über dem Kopf; der Trichter bleibt an der äussern Wand
der grossen Kammer, in der das Thier sich befindet. (Proc. zool.
soc. 1842. p. 143.)
Pteropoda.
Cantraine giebt in den Bulletins de Bruxelles IX. 2. p. 340 an,
Odontostoma rugulosum sei Dentalium trachea Montagu, und nennt
es daher Odontostoma trachea. — Odontostoma laevissimum id. ib.
testa cylindrica, arcuata, vitrea, laevissima, inferne oblique truncata,
subpapillosa, clausa. Golf von Cagliari.
Eine neue Limacina giebt Möller Il. e. p. 4 L. balea testa
turrita, anfr. 7; spira prominente, apice acuto.
Heteropoda.
Milne Edwards veröffentlichte seine mit Peters an-
gestellten Beobachtungen über die Organisation der Carinaria
mediterranea in weiterer Ausdehnung, als es bereits früher
geschehen war. (Annales des sc. nat. XVII. p. 323. Vergl.
dies Archiv 1841. II. p- 265.)
Lovell Reeve giebt Abbildung und Beschreibung einer neuen
Art Carinaria: C. gracilis Schale durchsichtig, seitlich zusammenge-
drückt, Kiel gerade, fast geflügelt, Wirbel klein. Länge 3,,”, Breite
14”, Höhe 2”. Vaterland unbekannt, (Annals IX. p. 140.)
122
Gasteropoda.
Pulmonata,
Description des Limacides de ’Amerique par Amos Bin-
ney. Boston 1842. ist mir leider noch nicht zu Händen ge-
kommen. Verf. lehrt darin alle Arten Limaciden, welche in
Nordamerika vorkommen, kennen. Die Arten sind mit latei-
nischen Diagnosen und englischen Beschreibungen versehen.
Dazu werden Bemerkungen über ihre geographische Verbrei-
tung und Lebensweise gegeben. Die Arten sind: Zimax flavus,
agrestis, campestris n. sp.; — Arion hortensis; — Teben-
nophorus nov.gen. carolinensis (Limax carolinensis aut.); —
Philomycus Rafın., dorsalis Binn. (s. Revue zool. 1842, p. 221.)
W.H, Benson stellt eine neue Gattung Incilaria in der Fa-
milie der Limacinen auf, welche sich nur dadurch auszeichnet, dass
der Körper mit. einem Segel gerandet ist. Die Art /. bilineata ist
bläulich, mit zwei seitlichen und einem mittleren Längsstreifen, das
Segel ist mit braunen Punkten und Flecken bestreut. (Annals IX.
p- 486.)
Die bereits in der Revue zool. 1841 anfgestellte Vitrina sigare-
tina Recluz von den Ufern des Cazamanca in Afrika befindet sich
abgebildet im Magasin de Zool. 1842. pl. 59, — V. zeöra Le Guil-
lou t. rotundata, umbilicata, supra depresso-convexa, subtus con-
vexiore, hyalina, flammulis albis et spadiceis oblique undulatis ornata;
anfractibus 4 supra tenuiter striatis; apertura subdilatata, umbilico
minimo. 7 Mill. Auckland-Inseln. (Revue zool. 1842. p. 136.)
Pfeiffer beschreibt Proc. zool. soc. 1842. p. 187 drei neue Arten
Suceinea: $. elegans, reflexa und variegata von Chile, und bemerkt
dazu, sie gehören in eine Gruppe mit Helix gallina sultana Chemn.,
wohin auch B. Broderipii und Coquimbensis gezählt werden müssen.
Diese seien aber wegen des Fehlens der Columella wahre Suceineen,
wofür auch d’Orbigny’s Beobachtungen in Beziehung auf das Thier
von S. gallina sultana sprechen. Anatomische Untersuchungen müs-
sen das erst entscheiden.
Lea giebt in den Proceedings of the American philosophical so-
ciety 1841. p. 31 die Diagnosen von 9 Suceineen: $. gracihs von
Java, Wardiana vom Ohio, Totteniana von Newport, Nuttal-
liana vom Oregon, aurea vom Ohio, Candeana von Martinique ist
vielleicht 8. haliotidea Mittre (Rev. zool. 1841. p. 65), fulgens von
Cuba ist wohl 8. Sagra d’Orb., Oregonensis vom Oregon, inflata
von Südcarolina.
In der Revue zoologique 1842. p.1 findet sich Essai d’un
arrangement de plusieurs mollusques du genre Helix, selon
les lois de leurs variations speeifiques par Ch. Porro.
123
Verf. sieht folgende Arten als Varietäten einer Art an: Helix
carseolana Fer., circumornata Fer., Companyoni Anton, Erycina Jan, -
slobularis Ziegl., Grohmanniana Phil., Gualteriana Fer., hispanica
Partsch (non Lam.), hospitans Bonelli, marmorata Fer., melitensis
Fer., muralis Müll., nebrodensis, mandralisca, niciensis Fer., paciniana
Phil, Raspailli Payr., segestana Phil., serpentina Fer., signata Fer.,
splendens Drap. —
“ Mitire beschreibt 3 neue Arten der Gattung Helix in den An-
nales des sciences naturelles XVII. p. 188. H. minoricensis testa
orbiculato-convexa, imperforata, glabriäscula, albida aut lutescente,
superne maculis fuseis interruptis, inferne aliis fasciam fingentibus;
anfractibus 5 convexiusculis, spira prominula, apice fusco; labro
margine reflexo; fauce pallide-rosea, columella subdentata, 7’,
Minorca. — AH. telonensis testa subdepressa aut convexiuscula, cor-
vea, tenui, pellucida, subtilissime striata; anfractibus 5 convexis,
ultimo majore, apertura rotundata, peristomate acuto, simplici, umbi-
lico magno. 4”. Toulon. — H. Nyeli testa orbiculari,, carinata,
superne depressa, subtus convexa, late umbilicata, subtilissime striata,
grisea vel Jutescente, supra maculis fuscis, infra duobus fasciis or-
nata; apertura angulata, labro albo, tenui, intus marginato, subre-
flexo. 5”. Minorca.
Souleyet stellte drei neue Arten derselben Gattung in der
Revue zoologique 1842. p. 101 auf: H. Chevalierü kreisförmig, tief
genabelt, schwach gekielt, braun, am Kiel mit kastanienbrauner Binde,
37 Mill. Malacca. — H. Darondeauii kreisförmig, gekielt, oliven-
braun, schief runzlig, quergestreift. 41 Mill. Lugon. — H. touran-
nensis konisch, genabelt, dünn, dicht gestreift, hellbraun. 16 Mill.
Cochinchina. Diese 3 Arten werden in der Zoologie du Voyage de
la Bonite abgebildet werden,
Le Guillou vermehrte die Zahl der Arten der Gattung Helix
um 26, auf deren Diaguosen natürlich verwiesen werden muss (Revue
z00l. 1842. p. 137). Die Namen sind folgende: H. umbilicata Suma-
tra, subgranosa Nordaustralien, Nowleti Viti-Inseln, Recluziana
unbekannten Fundorts, Jannellii Nordaustralien, Salomonis Salomon-
inseln, Delessertiana Insel Warrior (detroit de Torres), tritoniensis
Neu-Guinea, swccinulata Guaham, ternatana Ternate, Crouanik
Hamoa, albula Ternate, Valenciennesii mit unbekanntem Vaterlande,
approxzimata Hogoleu und Ternate, arrowensis Arrowinseln, hyalina
Salomoninseln, concentrica Vavao, Auklandica Auklandinseln, ocea-
nica Taiti, Blainvillei Arrowinseln, torticollis Neu-Guinea, Kiesneri
Neu.Guinea, purpurostoma Neu-Guinea, quadrifasciata Ternate, gut-
tata Ceram, cyclostomata Warriorinsel.
Helix Guerini Pfeiffer (Revue zool. 1842, p. 304) etwas nie-
driger als H. trochiformis Fer., braun, längsrunzlig, am Kiel der
letzten Windung und am Grunde der übrigen eng mit Haaren ge-
wimpert. Plateau der Neelgherries. — Helix Zeus Jonas ib. genabelt,
124
kreisförmig mit schiefen Runzeln und erhabenen spiralen Streifen,
‘ die letzte Windung gewinkelt, oberhalb braun mit gelben ziekzack-
förmigen Linien, unterhalb mit einer breiten braunen Binde. Phi-
lippinen.
Pfeiffer beschreibt 16 Arten Helix, die von Cuming auf den
Philippinen gesammelt wurden, und die theils von Sowerby, theils
von Broderip, theils von ihm selbst benannt worden sind. (Proc.
z0ool. soc. 1842. p. 85.) Ferner 6 Arten ib. p. 150.
Helix Valtoni Lovell Reeve eiförmig, niedrig, rothbraun mit
Längsstreifen, Mündung mit schwarzem Rande. Ceylon. Ist in der
Conch. syst. abgebildet. Proc. zool. soc. 1842. p. 49.
Helix ravida Benson (Annals IX, p. 486) kuglig, genabelt, 6
quergefaltete Windungen. Chusan. — H. naninoides id. ib. scheiben-
förmig, oben strahlig gestreift. Singapore, selten auf Chusan.
In dem ersten Hefte von Philippi’s Abbildungen und Beschrei-
_ bungen neuer Conchylien ist die vierte Tafel der Gattung Helix ge-
widmet. Die meisten sind von v. d. Busch aufgestellt und bereits
in Pfeiffer’s Symbolae Heft II. enthalten, nämlich 4. Rumphü, ge-
mina, bataviana, inquinata, rotatoria, sämmtlich von Java, Bensoni
von Bengalen. Ausserdem ist 4. Fibula Sow abgebildet und A. conus
Phil. konisch, scharf gekielt, kastanienbraun mit gelben Näthen. Java.
Helix Tennesseensis Lea (Proc. Amer. phil. Soc. 1841. p. 31)
oben planconvex, unten convex, gelb, schiefgestreift, genabelt, Labrum
innen verdeckt. Cumberland-Gebirge. — H. mobiliana id. ib, p. 82.
kuglig, rothhornfarbig, glänzend, genabelt, Mündung mondförmig,
Labrum umgeschlagen. Mobile, Alab, — H. minutissima id. ib. kuglig,
braunhornfarbig, genabelt, 4 Windungen, Mündung rundlich, Labrum
scharf. Cineinnati,
Petit de la Saussaye unterscheidet von der Helix (Streptaxis)
Comboides d’Orb. von Chiquitos eine von Moricand in den Schriften
der Genfer naturwissenschaftlichen Gesellschaft dahin gezogene
Schnecke von Bahia als eigene Art, und nennt sie H. (Streptaxis)
dejecta. Diese hat auf dem Labrum zwei Zähne, wogegen sich da-
selbst bei H. comboides d’Orb. nur einer findet, auch ist diese letz-
tere viel grösser. Bei dieser Gelegenheit giebt der Verf. auch die
Diagnose einer neuen Art: H..Candei testa subovali, albida, nitida,
perforata, anfr. 5— 6, convexiusculis; apertura rotundata, edentula,
breve reflexa; umbilico parvulo. 5 Mill. Neu-Granada. (Revue
zool. 1842. p. 175.)
Carocolla Cumberlandiana Lea (Proc. Amer. phil. Soc. 1840
p- 289) weisslich, braun gezeichnet, weit genabelt, Mündung innen
gefurcht. Cumberland-Gebirge. — (. Edgariana (id. ib. 1841. p. 31)
oben eben, unten convex, rothbraun, ungenabelt, Spindel mit einem _
Zahn. Cumberland-Eebirge.
J. ©. Jay in New-York stellt zwei neue Arten Bulimus auf
(Revue zool. 1842. p. 80): B. malleatus testa ovato -vblonga, sub-
125
ventricosa, subtenui, rugoso-malleata, albida, maculis fuscis sub-
seriatis irregulariter pieta, anfractibus quinis, ultimo maximo, spira
conico -subacuta, apice obtuso, apertura ovato -acuta, ihtus sublu-
tescente, columella contorta, Jabro albo, cerassiusculo, late reflexo,
umbilico ovato-oblongo. Long. 55 Mill.; larg. 28 Mill. — DB. fulgu-
ratus testa oblonga, solidiuscula, transversim striato - undulata, an-
fractibus quinis, convexiuseulis, ultimo dilute olivaceo, flammis fuscis
fulgurantibus interdum confluentibus ornato, superne maculis albis
alternis cincto, spira conico-subacuta, decorticata dilute-rosea, aper-
tura ovato-oblonga, intus subfulva vel aurantia, columella plicata,
umbilico oblongo, labro reflexo, albido. Long. 50 Mill.; larg. 22 Mill.
Sollen beide von einer Insel des stillen Oceans stammen.
Einen neuen Bulimus von Souleyet finden wir ebenda p. 102.
B. umbilicaris testa umbilicata, ovato-conica, albido-rosea, laevi-
gala, anfr. 6—7 convexiusculis, apertura ovato-oblonga, angustata,
eolumella subrecta, reflexiuscula, labro tenui, subreflexo, umbilico
magno, cylindrico, usque ad apicem perspicuo. 13 Mill, Bolivia.
Jonas giebt Proc. zool. Soc. 1842. p. 188 vier neue Bulimus:
B. calobaptns genabelt, röthlich, mit gelben welligen Längsbinden. —
B. balanoides gelb mit braunrothen Binden, an der Basis grün. —
B. aplomorphus gelb mit drei rothbraunen Biuden. — B. simplex
grün, die letzte Windung mit stumpfem Winkel. Sämmtlich ven den
Philippinen.
Pfeiffer beschreibt 5 Arten Bulimus von den Philippinen durch
Cuming gesammelt: B. breviculus, Cumingü, lignarius, juglans und
Nympha (Proc. zool. Soc. 1842. p. 88); und 9 Arten ebendaher: 2.
cochliodes, cuyoensis, effusus, macrostoma, Romblonensis, solidus, sub-
carinatus, uber und virens (ib. p. 151).
Pfeiffer stellt auch ib. p. 186 vier Arten Bulimus von Chile
auf: B. Bridgesü gelbbraun, pachychilus stark, weiss, rhodacme ge-
nabelt, weiss mit röthlichen Flecken und Flammen, terebralis längs-
runzlig weisslich, oberhalb braunbläulich.
Bulimus smaragdinus Reeve grün mit weisser Binde an den
Näthen. Philippinen. Ist in der Conch. syst. abgebildet. (Proc. zool.
Soc. 1842. p. 49.)
Bulimus Jayanus Lea (Proc. Amer. phil. Soc. 1841 p. 31) eiför-
mig konisch, oben weisslich, unten kastanienbraun, genabelt, 6 Win-
dungen. Java.
Partula Dumartroyi Souleyet (Revue zool. 1842. p. 102) testa
ovato-conica, pallide olivacea, superne fusca, anfr. 6, subconvexis,
laevigatis, apertura obovata, bilamellata; lamella palatali validiore,
immersa, lamella columellari breviore; labro intus incrassato albido
aut fusco, extus tenue compresso, basi subreflexo; umbilico medioeri.
10 Mill, Ins. Sandwich. — P. inflata Reeve testa obeso -conica,
transversim tenuissime striata, albida, epidermide luteo-fusca induta,
126
anfractu ultimo angulato-inflato, umbilicato, apertura suhquadrata,
labro planissime expanso. (Proc. zool. Soc. 1342. p. 197.)
Achatina Perroteti Pfeiffer (Rev. zo0l. 1842. p..305) nähert
sich einigen Arten der Gattung Glandina, glatt, durchsichtig, die
letzte Windung beträgt ein Drittel der ganzen Länge. Plateau der
Neelgherries.
Lovell Reeve stellt vier neue Arten Achatina auf (Proc. zoo0l.
Soc. 1842. p. 55), die sämmtlich in seiner Conchologia systematica
Vol. II. abgebildet sind: 4. /actea milchweiss, längsgestreift. Zan-
zibar. — 4. tincta weisslich mit grossen Längsflecken, Apex rosen-
farbig. Africa? — 4. Cransi kastanienbraun, längsgefurcht, mit
Ausnahme der letzten Windung. Cap Natal, Africa. — 4. pieta
weiss mit grünen Fleckenbinden, Mündung rund, gelblich. Cuba.
Achatina erecta Benson (Annals IX. p. 487) weisslich, pfriem-
förmig, rauh, 8 Windungen. Macao. — A. turbinata Lea (Proc.
Amer. phil. Soc. 1841. p.31) weisslich, schief gebändert und gefleckt,
fast gekielt. — 4. striata id. ib. cylindrisch, längsgestreift, hornig,
8 Windungen. Beide von Liberia.
F. Forster publicirte in den Acten der Leopoldiner Academie
Vol. XIX. pars II. p. 249 einen Aufsatz: ‚‚Ideen über die Gebilde der
Clausilien,‘“ in welchem er sehr weitläufig die verschiedenen Formen
der Clausilia ventricosa’nicht als Arten, sondern als ‚‚Gebilde‘“ sondert
und beschreibt, denen er auch besondere Namen giebt. Es werden
drei Klassen, die erste mit drei Ordnungen unterschieden.
Clausilia pluviatilis Benson (Annals IX. p. 486) hellolivenfarbig,
14 Windungen, leicht quergestreift, am Grunde des ELabiums eine
schiefe feste Falte und eine Furche. — C/. aculus id. ib. bräunlich,
10—11 Windungen, leicht schiefgestreift, Mündung mit 2 bis 3 Zähnen.
Beide auf Chusan.
Pupa Hoppi Möller (Groenl. p.4) testa dextrorsa, cylindracea,
obtusa, laevi; columella bidentata.
Im Magasin de Zool. 1842. pl. 55. 56. sind die bereits in der
Revue zoolog. 1841 aufgestellten Cyclostoma cuvierianum und mela-
nostoma Petit abgebildet. — C. Gironnierü Souleyet (Rev. zool,
1842. p. 101) kreisförmig, genabelt, weiss mit braunen Flecken, unten
kastanienbraun. 22 Mill. Lugon. — C. maculosa id. ib. bauchig
kegelförmig, genabelt, gekielt, mit gelben und braunen Strichen und
Flecken. 14 Mill. Lugon,
Mehrere Arten dieser Gattung stellte d’Orbigny inder Hist, nat.
de Cuba auf: ©. latilabris verwandt mit C. labeo, aber kürzer, konischer
und einfach längsgestreift. — C. ventricosa bauchig, pupaförmig, glatt,
rosenfarbig, vorn violett. — C. aurieulata cylindrisch, längsgestreift,
genabelt, weisslich, vorn violett. — C. bilabiata weisslich rosen-
farbig, lamellenartig kreuzweis gestreift, Mündung mit zwei Rän-
dern. — C. pudica violett, kreuzweis gestreift, Mundrand über dem
Nabel in 2 Lappen getheilt, — Ü. Pretrei weiss, genabelt, längs
127
lamellenartig, quer dornig. — €. Auberiana fein kreuzweis gestreift,
Näthe tief gekerbt, Labrum einfach. — C. Candeana quer gefurcht,
längs lamellenartig gestreift, Näthe unregelmässig lamellenartig ge-
kerbt, Labrum zweitheilig. — €. Delatreana ungenabelt, gelb mit
braunen Binden, längsgerippt, quergestreift, Näthe gekerbt, Mündung
oval. — C. Sagra genabelt, gelb, längs und quer braunroth gefleckt,
quergestreift, Näthe einfach, Mündung oval. — C. Poeyana quer
tiefgestreift, braupgelb mit rothen Binden, Näthe einfach, Mündung
oval.
[email protected] finden sich mehrere neue Cyclostoma-Arten
in den Proc. zool. Soc. 1842. p. 80 von den Philippinen: C. acuti-
marginatum, luzonicum, canaliferum, validum, Stainforthü, tuba,
phälippinarum, altum, pupiniforme.
Cyelostoma eincinnatensis Lea (Proc, Amer. phil. Soc. 1840. p. 289)
t. elevato-conica, laevi, nitida, diaphana, umbilicata, anfractibus se-
nis; apice obtuso, labro margine reflexo. Cincinnati,
d’Orbigny stellt in Ramon de la Sagra’s Hist. nat. de Cuba,
Mollusques p. 237, eine neue Gattung Odontostoma (der Name ist
bereits vergeben) in der Familie der Cyclostomiden auf. Dieselbe
unterscheidet sich von Helieina nur durch den nicht verdickten Mund-
rand, und durch das Vorhandensein von Zähnen an der Spindel,
welche sich lamellenartig nach innen fortsetzen; ein Deckel scheint
diesen Thieren zu fehlen. Beide Arten von Cuba. 0. depressa: ist
niedrig und hat 6 Windungen. — O. globulosa kuglig, mit 5 Win-
dungen. Beide haben 2 Lamellen an der Spindel.
Helicina sagraiana d’Orb. Cub. unterscheidet sich von H. major
Gray durch den verdickten nicht umgeschlagenen Mundrand. — H.
variegata, marmorata und Lanieriana scheinen den Varietäten der
Pfeifferschen Art H. adspersa zu entsprechen. — AH. crassa dick,
kuglig, längsgestreift, rothbraun mit weisser Binde, der Spindelwinkel
gezähnt. — H. zephirina kuglig-kegelförmig, glatt, röthlich, Labrum
weiss. — H. Petitiana konisch, gelb, quergefurcht, Labrum weiss,
Spindelwinkel scharf. — H. Sioanii ist H. conica Pfr. — H. conica
kreiselförmig, gelb, glatt, Mündung dreieckig, Windungen gekielt,
Spindelwinkel eben, fast gezähnt. — H. trochulına kreiselförmig,
glatt, Spindelwinkel convex, Mündung halbmondförmig. — H. elegans
scheint H. rupestris Pfr. zu sein. — H.elongata verlängert konisch,
glatt, oben wie schräg gehämmert, hellgelb. — H. rotunda kuglig,
glatt, rosenfarbig, Spindelwinkel ausgerandet. — H.dentigera rund-
lich, niedrig, glatt, weiss mit einer Binde, Spindelwinkel gezähnt,
ausgerandet. — H. minima rundlich, niedrig, glatt, hell rosenfarbig,
kleiner als die vorige. — H. globulosa kuglig, glatt, weiss mit
braunen Binden. Sämmtlich von Cuba.
Sowerby zählt in seiner Monographie der Gattung Helicina
I. c. mehr als 70 Arten auf, unter denen mehrere neue.
H. jamaicensis. H, aurantiae Gray simillima, sed t. magis conica,
125
et magis tenui; peritremate pallidiore, minus incrassato. — H. Browniüı
t. globosa, tenui, anfr. ultimo magno; apertura semilunari, labio ex-
terno reflexo, paululum expanso, prope columellam ineisura elongata ;
labio interno prope columellam subcalloso, columella obliqua, acuta.
— AH. lutea t globosa, subangulata, laevi; labio externo paululım ex-
panso, vix incrassato, labio interno leviter incrassato. Antillen. —
A. antillarum t. depressa, magna, tenui, leviter striata, anfractu ultimo
magno, labio interno tenui, prope columellam paululum inerassato,
columella rotundata, angusta, obtusissime angulata; labio externo
expanso, reflexo postice subdepresso. Antillen. — H. guadeloupensis
(Zool. proc. 1842. p. 7). — H. maeculata t. trapezoidea, subangulata,
supra infraque conica, laevi, tenui, rubrofasciata et maculata, labio
externo reflexo, subexpanso, ad basin columellae tenui, columella
subcallosa, ad basin attenuata, operculo corneo. Südamerica. — H.
polita (Zool, proc. 1842). — H. similis (Zool. proc. 1842). — A.
parva (Zool, proe. 1842). — H. mazima (Zool. proc. 1842). — H.
pellucida (H. zephyrinae Ducl.) similis, sed columella paene recta,
subangulata. Guiana. — H. pyramidalis (H. conica d’Orb.) — AH.
angustissima (H. acutissima) (Zool. proc. 1842). — KH. trochiformis
ib. — A. aglutinans ib. — AH. lazarus ib. — H. rotella t. laevi,
angulata, vix carinata, labio externo reflexo, labio interno expanso,
columella subangulata. — H, pilosa (Zool. proc. 1842). — H. angu-
lata ib. — H. cornea. H. orbiculatae (Oligyrae orb. Say) simillima
sed t. crassiori, labio externo ad basin columellae subemarginate, co-
lumella eallosa. — HA. minuta (Zool. proc. 1842). — Die Arten aus
den Proceedings zool. Soc. sind auch abgedruckt Annals X. p. 400,
Sowerby’s Monographie der Gattung Pupina 1. c. enthält
9 Arten; der Text ist bereits in den Proceed. zool. Soc. 1841. p. 102
abgedruckt. Vergl. dies Archiv. 1842. II, p. 390.
Richard Brinsley Hinds stellt zwei neue Arten Pupina auf.
P. aurea goldgelb, Mündung unten mit einem Einschnitt, oben aus-
gerandet und gezähnt. Neu-Guinea, — P. mitis braun, eine rothe
Linie an den Näthen, Mündung unten eingeschnitten, oben ausge-
randet und gezähnt. Neu-Irland. (Annals X. p. 83.)
Auricula frumentum Petit de laSaussaye (Revue zool. 1842.
p. 105) braun, Spindel dreifaltig, kein Nabel. 8 Mill. Peru. — 4.
avena id. ib. braun, cylindrisch spitz, Spindel mit drei hellvioletten
Falten, Labrum innen in der Mitte verdickt, kein Nabel. 7 Mill. Chili.
Derselbe Verf. stellt 6 Arten der Gattung Aurieula als neu auf,
die sämmtlich von Cuming gesammelt wurden. 4. tornatelliformis
von den Philippinen, dololum von Lugon, Reclusiana von West-
Columbien, pyriformis ebendaher, ceylonica von Ceylon, pulchella
von den Philippinen. (Proc. zool. Soc. 1842. p. 201.)
Carychium exile Lea (Silliman Amer. Journ. 1842. p. 109) sehr
hoch, weisslich, längsgestreift, 6 Windungen, 3 Zähne in der Mün-
dung. Philadelphia.
129
Loveil Reeve lieferte eine Synopsis der Gattung Scarabus,
in der er 11 Arten annimmt. Alle sind abgebildet auf einer Tafel,
die zugleich in des Verf. Conchologia systematica angewendet ist.
Helix clausa Wagn., die hierher gezogen wird, gehört offenbar nicht
in diese Gattung. Die Auricula scarabaeus Quoy nennt er Sec. stria-
Zus. Ausserdem sind zwei neue Arten beschrieben: Se. lekithostoma
soll sich durch die hell dottergelbe Farbe der Mündung unterschei-
den. — Se. pyramidatus am meisten langgestreckt, Mündung gelblich,
stark emaillirt. (Annals IX. p.218 und X. p. 74.)
Eine neue Art derselben Gattung beschreibt Richard Brinsley
Hinds von den Feejee-Inseln: Sc. pollex kastanienbraun, stark
längsgestreift. (Annals X. p. 82.)
Lea beschreibt in den Proc. Amer. phil. Soc. 1841 p. 32 drei
Arten der Gattung Physa: Ph. Hildrethiana von llinois, inflata von
Virginien, Troostensis von Nashville.
Benson giebt eine Notiz über das Vorkonımen von Planorbis
spirorbis Müll. und Limnaeus glaber Müll. in Irland (Calcutta Jour-
nal Vol II. p. 223).
Planorbis papyraceus Benson (Annals IX. p, 487) sehr fein
strahlig gestreift, am Rande zekielt, auf beiden Seiten vertieft. —
Pi. hemisphaerula id. ib. oben convex, -unten vertieft, ungekielt.
Beide von Chusan. — Pl. regularis Lea Proc. Amer. 1841. p. 32.
kuglig, oben eben, unten eng genabelt, durchsichtig, blassgelb, drei
oben gekielte Windungen. Vereinigte Staaten. — P/. Buchanensis
id. ib. linsenförmig, am Umfange gekielt, unten eng genabelt, drei
Windungen. Ohio. — P/. bellus id. ib. scheibenförmig, unten weit
genabelt, grüngelb, vier oben gekielte, unten fast gekielte Windungen,
innen rothbraun. Tenn. .
Lymnea plicatula Benson. AnnalsIX. p.487 letzte Windung
quergefaltet, Näthe vertieft, Spira spitz, meist eisenfarbig. — L.
minor id. ib. glatt, 4 Windungen, Spindelfalte obsolet. Beide von
Chusan.
Lea stellt von dieser Gattung in den Proc. Amer. phil. Soc. 1841.
p. 32 16 Arten auf: philadelphica von Philadelphia, Griffithiana aus
dem Charlottensee, Neu York, Nuttalliana und Bulimoides von Ore-
gon, ezigua von Tenn, planulata White Sulphur Springs, Va, fu-
siformis Niagara, rustica Ohio, plica Tenessee, coarctata Newport,
casta, parva, curta, strigosa, Kirtlandiana vom Ohio, rubella
von Oahu.
Ctenobranchia.
Neue Gattuugen und Arten:
Valvata bicarinata Lea Proc. 1841. p.83. t. orbiculari, superne
planulata, bicarinata, subcrassa, superne cornea, inferne albida, late
umbilicata, suturis impressis, spira depressa, anfractibus quaternis
convexis, apertura rotunda, intus albida. Schuylkill River.
Archiv f. Naturgesch, IX, Jahrg, 2, Bd, J
130
Paludina Breughelii Cantraine Bull. de Brux. IX. 2. p. 349.
testa ovato-conoidea, solida, corneo -fulvescente, epidermide viridi-
fusco; anfr. 4—5 convexis; apertura ovali, superne vixangulata,
'spiram non aequante; peristomate continuo, labro simpliei. Malta. —
P. subfusca id. ib. testa conoideo -depressa, subperforata, corneo-
viridescente aut fulva sub epidermide fusca; anfr. 3—4, convexis;
apertura ovato -rotundata, superne vix angulata, spiram superante;
Iabro acuto simpliei; labio reflexiusculo, subincrassato,, peristomate
continuo. Istrien und Dalmatien. — P. quadrata Benson AnnalsIX.
p. 487 olivengrün, leicht quergefaltet, längs gefurcht. — P. lecythoides,
quergefaltet, 6 — 7 Windungen, Mundrand etwas umgeschlagen,
schwarz. — P. (Bithynia) longicornis 4 Windungen, glatt, Mund-
rand etwas umgeschlagen, schwarz. — P. (Bithynia) striatula glatt,
hornig, Mundrand umgeschlagen, schwarz, wellig. Alle von Chu-
san. — P. seminalis Hinds Annals IX. p.83. stumpf thurmförmig,
Apex abgefressen, Mündung bläulich. Californien. Verwandt mit P,
nuclea Lea. — P.regularis Lea Proc. Amer. Soc. 1841. p. 34. kuglig,
grünlich hornfarbig, ungenabelt, 5 Windungen, Mündung gross, in-
nen blau. Ohio? — P. odtusa id. ib. cylindrisch, grünlich, schwach
genabelt, 4 Windungen. Ohio. — P. Troostiana id. ib. bauchig konisch,
horngelb, genabelt, Mündung gross, rund. Tenn. — P. angulata,
Coosaensis und cyclostomaformis id. ib. p.83 aus dem Coosa River,
Alabama. — P, incrassata und coarctata id. ib. 1842. p. 243. von Ala-
bama. — P, bermondiana dOrbigny. Cub. grünlich, genabelt, vorn
fast gekielt.
D’Orbigny beschreibt in der Hist. de Cuba mehrere Arten seiner
Gattung Paludestrina: P. auberiana, affinis, candeana.
Lea beschreibt a.a.0.p. 34 5 Arten der Gat. Anculosa, Troostiana,
gibbosa, dentata, carinata, variabilis und p.83 A. rubiginosa, bella,
Griffithiana, tuberculata. Ferner 1842. p.243 A. incisa, Foremani,
sollda, flammata. Desgleichen Ammicola orbiculata und parva.
Jo tenebrosa Lea ib. testa fusiformi, subtenui, subnigra, Iıevi,
spira conica, suturis vix impressis, anfractibus senis, subplanulatis,
apertura irregulariter pyriformi, intus purpurea. Tennessee.
Laguncula nov. Gen. Benson Annals IX. p. 488 testa turbi-
nata, subglobosa, apertura majori, integra, oblonga, peristomate
interrupto, labio subreflexo, umbilico profundo, tortuoso. Eine Art
L. pulchella. Chusan.
Vorzugsweise reich an neu aufgestellten Arten ist diesmal die
Gattung Melania.
Zunächst macht Haldeman Bemerkungen über die verwandten
Gattungen. Pirena aurita will er wegen des gefranzten Mantels zu
den Cerithinen stellen (Genus Claviger Hald. ib. Vol. 42. p. 216); Pi-
rena atra behält er als Typus der Gattung, und lässt sie in der
Familie der Melanien, indem er sagt, sie verhalte sich zu Melanopsis,
wie Melania zu Anculosa, in Bezug auf Organisation und Lebens-
131
weise der Thiere. (Silliman Amer. Journ. Vol. 41. p. 21.) Zwei Arten
M. cancellata und M. (Hemisinus? Swains.) erebricostis von Chusan
beschreibt Benson Annals IX. p. 488.
In dem ersten Hefte von Philippi’s Abbild. und Beschr. neuer Con-
chylien ist die erste Tafel der Gattung Melania gewidmet, alle neuen
Arten sind durch v.d Busch aufgestellt. M. Winterithurmförmig, grün-
lich, nahe der Nath eine Reihe spitzer Höcker, Basis gestreift. Java. — M
Jlammulata pfriemförmig, rothbraun mit rostbraunen Längsflammen,
11 Windungen. Java. — M. coronata bauchig, decollirt, eine Reihe
spitzer Höcker nahe der Nathı, 3 Windungen. Bengalen. — M. semirra-
nosalänglich, an der Spitze decollirt, 4 Windungen, nahe der Nath mit 2
granulirten Linien, Basis glatt mit schwarzen Linien. Java. — M. crassa
bauchig, decollirt, olivenfarbig, glänzend, 2} Windungen, Bengalen.
— M.glanslänglich, glatt, decollirt, 2 Windungen, Mündung bläulich.
Java. — M.zonata eiförmig, glatt, au der Spitze abgefressen, gelbbraun
mit drei schwarzen Binden. Bengalen. — M.testudinaria glatt, an der
Spitze decollirt, gelblich mit schwarzen Flammen, 4 Windungen.
Java. — M. torguata thurmförmig, glatt, gelbbraun, 4} stark con-
vexe Windungen. Java. — M. terebra pfriemförmig, grüngrau mit
Puncten und schwarzen Längslinien. Java — M. ornata länglich,
glatt, olivengrün, 4 Windungen oben mit braunen Flecken geziert.
Java. — M. granum klein, rothbraun, gegittert, an der Spitz@ abge-
fressen. Java. — Ausserdem sind noch M. tuberculata Müll. (Melanoi-
des fasciolata Oliv.) und M. spinulosa Lam. abgebildet.
Viele Melanien beschreibt Lea in den verschiedenen Jahrgängen
der Proceedings of the American philosophical Society. Zwei Arten
M. catenoides und Boykiniana aus dem Chatahooche River 1. c. 1840.
p.289. Ebenda 1841. p. 11 theilt derselbe die Gattung in neun Grup-
pen, nämlich glatte, faltige, gekielte, gefurchte, gestreifte, höcke-
rige, gekörnte, gegitterte, dornige. Hiezu beschreibt er an neuen
Arten, glatte 25, faltige 16, gekielte 5, gefurchte 1, gestreifte 3,
höckerige 3, gekörnte 1, gegitterte 2, welche alle hier namentlich
anzugeben zu weit führen würde. Dasselbe gilt von den an dem-
selben Orte p. 82 neu aufgestellten 7 Arten derselben Gattung. In
derselben Zeitschrift 1842. p. 242. werden wiederum 12 Arten derselben
Gattung kurz beschrieben, so dass sich demnach der Catalog des Herrn
Lea auf 266 Arten der Gattung Melania beläuft, unter denen 44 fossile,
Melania brevis Orb. Cub. dick, glatt, braun, mit schwarzen
Linien, 4 Windungen. — M. cubaniuna id. schwarzbraun, glatt,
länglich, — M. conica länglich conisch, glatt braungrün, letzte Win-
dung etwas gekielt.
Aus Cerithium zonale Lam. bildet Benson Annals IX. p. 488 eine
nene Gattung Batillaria: testa turrita, insculpta, rudi, anfractibus
plurimis, apertura oblonga, infra angustiore, basi truncafa, evasaz
labro sinuato, supra emarginato, infra provecto, labio supra callo
munito; columella planata, basi incrassata, oblique truncata, ca-
J#
132
nalem vix efformante; operculo corneo, tenui, spirali, multiverticil-
lato. : Nur die eine Art B. zonalis.
Menestho nov. Gen. Möller l. c. Animal pede elongato, an-
gusto; ore simplice, membrana linguali destituto (?); tentaculis
brevioribus, crassiusculis, oculos perparvos ad basin internam feren-
tibus. Operculo pauco - spirato. Testa conico - turrita. Hierher
Turbo albulus Faun. Groen. 4”. Gehört doch wohl ia die Nähe der
Littorinen.
Rissoa plica Cantraine Bull. de Brux. IX. 2. p.346 glatt, milch-
weiss, Columella oben mit einer Falte, verwandt n.it R. monodonta
Philippi. Sardinien. — R. subventricosa id. ib. grünlich hornfarbig,
eng längsgefaltet mit Querstreifen, Labrum aussen schwach gerandet-
Ostia. — R. marmorata id. ib. grünlich, grob braun marmorirt, am
Grunde weiss, fein gestreift punctirt. Sardinien. — R. punctum id. ib.
glatt, hornfarbig, Labrum innen schwach verdickt, Peristom vollstän-
dig, verwandt mit R. punctulum Phil. Küsten der Halbinsel Sant-
Antioco. — R. obtusa id. ib. stumpf, glatt, hornfarbig gelb, 3 Win-
dungen, Nath tief, Peristom vollständig. Sardinien, selten. — AR,
sabulum id. ib. stumpf, fast genabelt, glatt, horufarbig grau, Apex
braun, 4 Windungen, Mündung rundlich, innen gerandet, Peristom
vollständig. Sardinien. — R. castanea, scrobiculata, globulus Möl-
ler. l.-c. von Grönland, — R. carıbaeu, auberiana, gradata
d’Orb. Cub,
Rissoina catesbyana, sagraiana, elegantissima, striato - costata,
browniana, sloaniana d’Orbigny Cub.
Truncatella scalariformis Reeve aus dem stillen Ocean (Proc,
p: 197.).
Ampullaria Tasmaniae Le Guillou (Revue zool. 1842. p. 105.)
konisch, 5 Windungen, schwach gestreift, rothbraun mit braunen
unterbrochenen Querlinien, Nabel tief. 15 Mill. Vandiemensland.
Turritella lactea Möller 1. ce. weiss, 13 gerippte wellige Win-
dungen. — T' Polaris Beck ib. grau violett, mit 12 abgerundet vier-
eckigen glatten Windungen. — T. costulata weiss, mit 12 — 14
cylindrischen scharfgerippten Windungen. — T. caribuea d’Orb. Cub.
zart wellig, weisslich, 12 Windungen. '
Scalaria Eschrichtü Holb. bei Möller 1. c. 10 fein längsgestreif-
ten Windungen, die unteren ganz glatt. — Se. hotessieriana d’Orb.
Cub. mit 10 flachen Rippen, 8 Windungen, die letzte vorn querge-
furcht. Gouadeloupe. — Sc. albida id. mit engen schiefen blätter-
artigen Rippen, 9 Windungen. — Se. foliaceicosta id. mit erhabenen
hinten erweiterten Lamellen, 11 Windungen. — Sc. echinaticosta
id. mit welligen, vierstacheligen Lamellen. — Sc. uncinaticosta id.
rosenfarbig, mit, erhabenen, hinten hakigen Rippen. — Se: candeana
id, ist vielleicht Sc, acuta Pfr. dies Archiv 1840, I. p. 256.
Lea stellt (Silliman Amer. Journ. 42. p.110) eine neue Art der
Gattung Pasithea auf, die er sordida nennt. Adams erklärt sie ib.
133
p-392 für eine Abänderung von Odostomia trifida Gould., Actaeon
-tfifidus Totten. Auch bemerkt er, sie sei nicht von Boston, wie Lea
angiebt, sondern von Darthmuth.
Actaeon parvus Lea ih. p. 111 spitz conisch, glatt, weiss, ge-
nabelt, Spindel mit einer Falte. Delaware Bay.
Lovell Reeve lieferte eine Monographie der Gattung Torna-
tella, der er 13 Arten zuzählt, unter denen 7 neue (Proc. p. 58).
Pyramidella cincta und Glans Reeve (Proc. p. 198).
Recluz beschreibt in der Revue zool. 1842. p.73 neue Arten
Neriten: N.aurantia von den Philippinen, N. Essingtoni von Neubol-
land, N. (Neritina) Cumingiana von den Philippinen und Molucken,
N. (Neritina) phasiana von St. Domingo, N. (Clithon) rugata von
den Philippinen, N. (Clithon) sandalina von den Südseeinseln, N.
(Clithon) avellana von Manila, N. (Neritina) serrulata von Sumatra.
Derselbe bemerkt ib. p. 177, dass die eigentlichen Neriten sich
von den Neritinen dadurch wesentlich unterscheiden, dass der seit-
„liche Gipfel ihrer Spindelfläche ausgeschnitten ist, nicht durch die
Zähne am Innern des Labrum. Darauf beschreibt er wieder mehrere
neue Arten: N. corrosula Neu-Guinea; Longi Malabar, Le Gwl-
louana Salomoninselu; maura (Chemn. Conch. V. pl.190 f. 1948—49;
atrafa Lam ) Polynesien, Madagascar; tenebrosa Solo-Insel im Norden
von Borneo; Neritina pisiformis Otahiti; Nerit. Mittreana im süssen
‘Wasser bei Grasse in der Provence; N. (Clithon) Souleyetana Ota-
biti; N. (Olithon) obscurata Otahiti; N. (Clithon) spinifera Insel Gua-
ham; N. (Clithon) Menkeana Otahiti,
Von Souleyet finden sich einige Neritinen, welche auf der
Reise der Bonite gesammelt wurden (ib. p. 269). N. indica
scheint N, melanostoma des Ref. zu sein. — N. subalata von den
Philippinen ist verwandt mit N. subcanaliculata Recluz. — N. toura-
nensis der vorigen verwandt. Cochinchina. — N. vestita verwandt
mit N. dubia, die Epidermis ist über das Labrum vorgezogen. Phi-
lippinen. — N. Gaimardi, grün, mit schwarzen welligen Längs-
linien, Labium ungezahnt. Cochinchina.
Neritina armstrongiana Hinds Annals IX. p. 82 schwarz, gold-
gelb gefleckt, Dornen auf der letzten Windung, Labium mit einem
stumpfen Zahne. Margnuesas-Inseln.
Recluz beschreibt 21 Arten Neriten aus der Sammlung Cu-
ming’s, unter denen viele neue (Proc. p. 168).
Neritina tristis d’Orb. Cub. schwarz mit weissen Punkten, 4
Windungen, Spindel gezähnelt. — N. microstoma id. grünlich mit
engen schwarzen welligen Längslinien. Vielleicht Listeri Pfr. Archiv
1840. p. 255.
Lesson stellt Revue zool, 1842. p. 137 eine neue Veritina (Ne-
ripteron) gigas auf, die gewiss, wie es Recluz ib. p.234 bereits
angiebt, identisch mit Neritina granosa Sow. ist. Bei dieser Gele-
genbeit theilt letzterer die geohrten Neritinen in zwei Abtheilungen:
134
Neripteron t. navicelliformis, lahrum postice superne et in-
ferne productum, interdum utrumque canaliculatum, mit den Arten.
N. auriculata Lam., tahitensis Less., navicellina Guillou, bieanalicu-
lata Recl., subauriculata Recl., Mauritiae Less,
Clypeolum t. rotundata seu elypeiformis, labrum lateraliter di-
latatum seu auctum, dahin N.latissima Brod., cariosa Gray, Oweniana
Gray, Rangiana Mus. Par., dilatata Brod., globosa Brod., alata Sow.,
Nuttalli Recl., granosa Sow., intermedia Sow., labivsa Sow.
Recluz beschreibt 9 Arten der Gattung Navice/la, unter denen
N. variabilis, Cumingiana, clypeolum, alle von der Insel Mindanao
für neu angesehen werden (Proe.p. 154).
Le Guillou beschreibt 4 neue Arten Narica in der Revue zool,
1842. 9.104. N.quadrifasciata von Mangareva; N. candidissima von
Vavao; N. sandalina von der Sandalbay; N. parvala von Borneo.
In Philippi’s Abbild. und Beschr. neuer Conchylien, Heft 1. ist
eine Tafel der Gattung Narica gewidmet und enthält ausser N. Re-
elusiana Desh., dublicata Say, Heros Say, triseriata Say, plumbea
Lam., conica Lam., semisulcata Gray, consolidata Coathouy auch
einige neue Arten: N. affinis v. d. Busch, eiförmig, glatt mit weis-
sen rothgegliederten Binden und rothen Längsflammen; Nabel weit,
mit kleiner spiraler Schwiele. Woher? — N. rhodostoma Phil. weiss,
mit 5 Reihen rostbrauner Flecken, Nabel offen, Spindel und Spindel-
schwiele rosenfarbig. Woher? -- N. alba Loven glatt, grünlich
weiss, Nabel ganz geschlossen, Labium kaum schwielig. Grönland.
N. pygmaea Phil. weiss mit rothen Punkten und drei undentlichen
Binden, Gewinde bildet Absätze, indem die Windungen oben an der
Nath flachgedrückt sind. Woher? — N. septentrionalis Beck bei
Möller Moll. Grönl. kuglig, grauroth, Nabel mit halbkreisförmiger
Schwiele bedeckt, Deckel kalkig. — N.nana Möller ib. kuglig un-
durchbohrt, weiss, Deckel hornig. Beide von Grönland. — N. uberina
d’Orb. Cub. glatt, weiss, 6 Windungen. — N. sagraiana id. weiss
mit braunen, welligen Läogslinien, ist wohl N. pulchella Pfr., d. Arch.
1840. p.254. — N. lacernula id. braunroth, vorn mit weisser Binde,
Näthe weiss.
Zur Gattung Narica Rec). giebt d’Orbigny Cub. drei neue Ar-
ten: N. sulcata, striata , lamellosa.
" Amaura nov. Gen. MöllerMoll: Grönl. p. 7. Animal Naticis affine;
pede parvo, compacto, lobo posteriore destituto, lobo anteriore pro-
funde sinuato, oculis subcutaneis, ad basin internam lobi sitis. Oper-
eulo terminali, paucospirato; testa ovata, imperforata, laevi, spira
producta, apertura obpyriformi, cireiter dimidiae testae longitudinis.
4A. candıda weiss, glänzend. Grönland.
Sigaretus helicoideus Le Guillou Revue zool. 1842. p. 105 milch-
weiss, quergefurcht, längsgestreift, mit Nabelritz. 17 Mill. Amboina.
S.? groenlandicus Möller 1. c. p. 10.
135
Velutina lanigera id. ib. ohrförmig, wollig, hellgelb. i
Delphinula calcaroides Cantraine Bull. Brux. IX. 2. p. 341 testa
parva, orbiculata, supra plana, infra convexa, late umbilicata; anfr.
3—4, ultimo bicarinato; carina superna spinis armata, inferna cre-
nata; apertura rotundato - compressa. Golf von Cagliari. — D. tyria
Neuholland, imperialis, incisa, formosa und aculeata ‘von den Phi-
lippiuen stellte Reeve auf Proc. p.102. — D. tuberculosa d’Orb.
Cub. mit 6 höckerigen Querrippen, vier Windungen.
Rotella semistriata d’Orb. Cub. weisslich, oben. quergestreift,
unten glatt, durchsichtig. — R. diaphana id. wie vorige nur ganz
ohne Streifen, wahrscheinlich R. pusilla Pfr. — R. carinata id, ge-
kielt, sonst wie vorige. — R. striata id. quergestreift, mit offenem
Nabel. — R. anomala id, glatt, gekielt, mit offenem Nabel.
Die Gattung Solarium theilt d’Orbigny. Cub. in zwei Abthei-
lungen: die eigentlichen Solarien haben einen niedrigen Deckel mit
wenigen Windungen, innen mit einem erhabenen Höcker, andere
(Heliacus)- haben einen spiralen konischen Deckel. Zur letzteren
Abtheilung gehört Sol. Heberti Desh. — Sol. Philippi Cantr. Bull.
Brux. IX. 2. p.344 (Valvata striata Phil.) Sardinien. — S. bisulcatum
d’Orb. Cub. an der Peripherie zwei Rippen, über ihnen 5, unter
ihnen 6 Querrippen. — S. delphinuloides id. quergerippt, weiss, krei-
selförmig. — S. zmornatum id. zerbrechlich, glatt mit einem leichten
Kiel.
Lovell Reeve legte der Zoological Society sieben Arten der
Gattung Phorus Montf. vor, unter denen 4 neue Ph. exustus, calcu-
üiferus, pallidulus und corrugatus (Proc. p.160). Alle sind in seiner
Conchologia systematica abgebildet.
Clanculus Blainvilii Cantr. Bull. Brux. IX. 2, p 344 testa or-
biculato -conoidea, umbilicata, nitida, laevi, albicante, lineis obliquis,
plerumgue angulatis, purpureo -lividis picta; anfr, 5 convexis, su-
tura simplice distinctis, ultimo depresso, umbilico mediocri, spirato,
non crenato, albo; apertura ovato-depressa; labro intus sulcato,
columella supra unidentato - plicata, infra subunidentata aut trituber-
culata. Tripoli.
Trochus asteriscus, gemmosus, hanleyanus, modestus, alle mit
unbekanntem Vaterlande, ezimius von Payana, zmelanostoma von
Neuholland sind abgebildet in der Conchologia systematica von Lo-
vell Reeve (Proc. p. 184). — T. hotessieranus d’Orb. Cub. kreis-
förmig, genabelt mitzwei seitlich erhabenen Streifen, weiss, schwarz
und roth variirt, Spindel mit einem Zahn. — T. canaliculatus id.
kreisförmig, gekielt, weisslich, braunwellig gefleckt, genabelt, ein
Zahn an der Columella,
Lacuna glacialis Möller 1. c. testa ovato-conica, rufo - fusca,
anfr. 5 cylindraceis, plicis membranaceis angustis, cinereis, confer-
tis ornatis.
Margarita glauca Möller ]. c. testa conoidea, laevi, opaca,
136
albido-livida, umbilico mediocri, anfr, 4 cylindraceis, sursum cre-
scentibus. — M, Vahlii id. ib. testa conoidea, hyalina, nitida, marga-
ritacea, umbilico angusto ; anfr. 4—4} cylindraceis, sursum crescentibus.
— M.? costulala id. ib. testa minuta, depresse globosa, lutea, anfr.
3 sursum erescentibus, cylindrieis, plicis confertis transversim or-
natlis; umbilico angustiore; peristomate continuo, paene soluto.
Phasianella umbilicata d’Orb.Cub. genabelt, rotk punktirt, weiss
und roth gefleckt, die letzte Windung vorn gewinkelt. — P. zebrin«
id. genabelt, mit schiefen Linien, und rothen oder weissen Flecken;
vielleicht P. punctata Pfr. dies Archiv 1840. p.256. — P. brevis id. ge-
nabelt, weiss mit rothen oder schwarzen Punkten, Spira sehr kurz-
Turbo ticaonicus, variabilis von den Philippinen, pulcher und
squamiger nnbekannten Fundorts. Lovell Reeve (Proc. p. 185).
Conus vietor Broderip Proc. 1842. p. 54. gelb, mit weissen
Flecken und zwei rosenkranzartigen schwarzbraunen Binden. Woher?
Marginella caribaea d’Orb. Cub. gelblich mit drei braunen Bin-
dın, Labrum gelb, glatt. — M. albolineata id. gelbroth mit drei
weissen Linien. — M. subtriplicata id. drei Falten an der Spindel. —
M. ovuliformis id. weiss, glatt, Spira verborgen. — M. Lavalleeana
id. scheint minuta Pfr. dies Archiv 1840. p.259 zu sein, — M, sulcata
id. weisslich mit 2 röthlichen Binden, längs gerippt, Labrum innen
gezähnt.
Ringicula semistriata d’Orb. Cub. eiförmig konisch, dick, weiss-
lich, vorn quergestreift, Spindel verdickt mit zwei Falten, Labrum
verdickt in der Mitte mit einem Höcker. 2 Mill.
"Olinina miliola d’Orb. Cub. weisslich mit welligen braunen
Längslinien, Spindel verdickt mit einer Falte.
Voluta Delessertiana Petit Mag. de Zool. 1842. pl. 57 spindel-
förmig, längs gerippt, Spindelrand querrunzlig, am Grunde mit drei
Falten, Labrum scharf, aussen verdickt. 56 Mill. Madagascar. —
Broderip beschreibt 7 Varietäten von YVoluta aulica Proc. 1842.
p. 53. .
Mitra anais Lesson (Revue zool. 1842. p 142) t. ovato -turbi-
nata, laevi, lutea, fasciis rufis augulatis ornata; labro dextro crasso
unidentato, columella bi-tridentatave. Gambier-Inselu. — M. bicolor,
und casta Swains., Oliva tehuelcha und Puelcha werden von dem-
selben Verf. in eine Art zusammengezogen. — M.affinis id. ib. t.cy-
livdracea, laevi, grisea cum lineolis flexuosis nigris; suturis lineola
aterrima notatis; ultimo anfractu basi transverse sulcato et nigrose-
riceo, columella sextiplicata. Ebendaher. — M. obliqua id. ib. t. fusi-
formi, laevigata, immaculata, lutescente, fulvo cincta, minutissime
transversim striata, ultimo anfractu basi striato, columella quadri-
plicata alba. Ebendaher. — M. virginalis id. ib. t. fusiformi - turrita,
subulata, longitudinaliter transversimque striata, areolata, nivea,
columella quadriplicata, labro externo denticulato. Taiti. — M.groen-
157
landica Beck bei Möller 1. ce. spindelförmig, rothbraun, glatt, fein
quergestreift, Spindel mit 4 Falten.
Admete nov. Gen. Kroyer bei Möller l.c. Animal pede magno
antice lato, truncato, sinuato, postice lanceolato, capite parvo, ro-
tundato; ore simplice (proboscide et membrana linguali destituto),
tentaculis Jongis, filiformibus, oculos minutos in tuberculis ad basin
exteriorem ferentibus. Operculo nullo. 'Testa ovata, diaphana, fra-
gili; apertura ovata, anltice vix subemarginata, columella arcuata,
oblique truncata, labio tenui, recto. A. erispa n. Sp.
Lesson machte einige neue Columbellen bekannt. (Revue zool.
1842. p. 184). C. c/athra bedeckt mit starken Längs- und Querrip-
pen, welche tiefe Löcher zwischen sich bilden, drei Falten an der
Spindel. Sandwichs-Iuseln. — C. buccinoides verwandt mit lugubris
Kiener, mit schwarzen Leisten und rothen Vertiefungen dazwischen,
Acapulco. — C. ampla quer gefurcht, Labrum innen mit zahlreichen
Falten, 3—4 Höcker an der Spindel. Gambier-Inseln. — (. Aph-
thaegera bräunlich gelb, fein quergestreift mit regelmässig gestell-
ten schwärzlichen Schnüren, Längsrippen bezeichnen die Anschwellung
der letzten Windung, Mündung weiss mit Purpurroth an der Spindel,
worauf weisse Punkte. Acapulco. — C. pulicaris mit Längsrippen,
weiss mit. regelmässigen Reihen schwarzer Streifen auf den Rippen,
Mündung weiss mit schwarzen Flecken am Labrum. Marquisen-In-
seln. — C. digitalis bedeckt mit Felderchen wie ein Fingerhut; weiss
mit einigen gelben Wellen, Mündung klein weiss, Spindel mit Pun-
eten und einem Wulst. — C. Philippinarum Reeve (Proc. p. 199).
Eburna japonica Reeve von Japan. Proc. p. 200,
Terebra pretiosa Reeve. Proc. p. 200.
Buccinum obliquum ist nach Pfeiffer —= B.vitreum Pfr, (Revue
zool, 1842. p. 26). — B. genetta Lesson ib. p. 237 spindelförmig mit
braunschwarzen Flammen, längsgefaltet, quergestreift, letzte Nath
mit vielen Warzen. Oran. — B. affinis id. ib. rothgrün, glatt, La-
bium am Rande gezähnt. Stilles Meer. — B. phalaena id. ib. klein,
glänzend, gerippt, quergestreift, Rippen warzig, weiss mitröthlichen
Linien auf dem Gewinde, Labrum glatt, innen verdickt, punctirt.
Acapulco. — B. floridanum id. ib. kastanienbraun mit weissen Flek-
ken. Südsee. — 8. tulipa id. p. 239 dick, glänzend mit welligen
Rippen, dazwischen zahlreiche Streifen mit weissen Wärzchen,
gelb. Acapulco, — B. pulicaris klein, höckerig längsgefaltet, grau,
mit schwarzen Höckero und weissen Streifen. Sandwichs-Inseln. —
B. elegans von Californien und B. pyrostoma Reeve (Proc. p 199).
B. undulatum Möller]. c. p. 11. — B. scalariforme Beck ib.
Planazis circinnatus Lesson (Revue zo0l. 1842. p.187 roth, tief
gefurcht, Epidermis wollig, roth, Mündung weit, oben gezähnt, Spin-
del gezähnt. Acapulco. — P/. areolatus id. ib. weiss mit rothen Bin-
den, Windungen mit Feldern, Näthe gekörnt, Mündung klein, oben
gezähnt, Labrum innen gefurcht. Taiti.
138 | '
Ricinula iodostoma Lesson Mag. de Zool. 1842. p. 58 kuglig,
Mündung violett (in der Abbildung rosenroth), Epidermis bräunlich
mit braunen Linien und sechs schwarzen Binden umgeben. 18”, Neu
Seeland, bereits in der Revue zool. 1840 aufgestellt. — Derselbe
Verf. stellt zwei neue Arten derselben Gattung in der Rev. zool. p.
102 auf. AR. rufostona, kuglig, höckerig, Mündung innen violett,
am Umfang weiss mit gelben Streifen, Labrum innen mit 6 Zähnen,
Spindel mit 4 Runzeln. 3 Cent. Gambier-Inseln. — R monstruosa
grau runzlig, Lippenrand mit 6 ungleichen Fingerungen, Mündung
orange, 5.Warzen am Labrum, 3 Falten an der Spindel. 24 Mill.
Ebendaher.
Daran schliessen sich einige neue Arten desselben Verfassers ib.
p.186, Purpura violacea testa parva, longitudinaliter et transversim
costata, cancellata, grisea; apertura violacea, obligua, intus dentata;
canali distineta; columella laevi. Gambier- und Marquesas-Inselo. —
P. aterrima t. ovata, nigra, spira brevi acuta, tuberculata, trans-
versaliter funiculata; apertura ampla, nigra, labro tenui. Gambier-
Inseln. — P. avenacea t. ovato- oblonga, fusiformi, atra, transversim
striata; striis perlatis, apertura longitudinali, Jabro dextro laevi, co-
Jumella rufo - castanea. Ebendaher. — P. bicolor t. ovata transversim
tenuiter siriata, grisea, striis nigris,‘ anfractibus convexis, spira
brevi, ultimo anfractu dilatato, apertura longitudinali purpureo - atra;
labro dexstro laevi, denticulis intus albis notato. Südsee-Inseln.
Oniseia Dennisoni und strombiformis Reeve Proc. 91 unbekann-
ten Fundorts.
Sowerby’s Monographie der Gatlung Aporrhais enthält drei
Arten: _4. pespelecani, pescarbonis magis tenui quam A. pespelecani,
canalibus elongatis, labio externo trilobato. Mare medit; und occi-
dentalis testa turrita, concentrice plicata, spiraliter striata, canalibus
brevibus, labio externo unilobato. Gray’s A. senegalensis fehlt.
Die Monographie der Gattung ARostellaria desselben Verfassers
enthält 4 Arten: R. curvirostrum Enceyel., curta Sow. (Zool. proc.
1842. p.165), rectirostrum Lam. und Povisii Petit M.S.? Letztere
Art, bereits in der Revue z00l. 1840, p. 326° aufgestellt, ist mit der
Abbildung im Magasin de Zool. 1842. pl. 53 erschienen.
Desgleichen die Monographie der Gattung Struthiolaria von dem-
selben ib. 4 Arten: S. straminea (Murex stramineus Gmel., Str. no-
dulosa Lam.; S. inermis Sow. Zool. Journ.; S. gigas n. sp. strami-
neae simillima, sed majore; angulo aufractuum rotundato, nodulis
minoribus ornato und S. oblita Sow. Tankerville Catal. App. p. 18.
Zur Gattung Strombus werden ib. 58 Arten aufgeführt, unter
denen folgende neue: S. crispatus (Proc. p: 143). — S. Sibbaldii t.
subclavata, laevi; spira parva, anfractibus angulatis, plicatis, ultimo
magno, ventricoso, labio interno nigro-lineato; labio externe in-
terne striato, medio sub-incurvo; sinu parvo, Ceylon. — $. coni-
formis t. conica, laevi, pallide fulva, fasciis brunneis interruptis
139
eincta, valide angula'a, spira brevissima, anfractibus ad angulum pli-
catis, apertura angustata; labio externo vix expanso; sinu parvo. —
$. dubius Gestalt eines Conus, das Labrum schwach vorgezogen,
und innen erenulirt. — S. elegans t. subelongata, fusiformi, spira
subelongata, anfractibus angulatis, ad angulum plicatis, in medio
minute tubereulatis, antice sulcatis; ultimi margine varicoso, apertura
ovali, striata. — S. haemostoma t. ovali striata, longitudinaliter pli-
cata; apertura rosea, striata, labio externo sinu valido. — S. fusi-
‚formis t. fusiformi, laevi, antice subtruncata; spira conica anfractibus
prope suturam unisulcatis, ultimo ad marginem striato, dorso sub-
gibboso, apertura angustata, labiis intus striatis postice in canalem
spirae partem decurrentem attenuatis , externo oblique truncato, sinu
antico parvo. — S.terebellatus t.,elongata laevi, spira brevi, anfractu
ultimo antice oblique truncato, apertura interne striata, labio externe
vix expanso, paululum incrassato, sinu antico indistineto, subden-
tato. — S. bulbulus (2001. proc. 1842). — S. glabratus t. subpyrami-
dali, nitida, apertura ovali, bicanalienlata, columella truncata; labio
externo crasso, reflexo; antice subemarginato, operculo ovali,
anfractu ultimo ad dorsum prope suturam plieato. — $. australis
t. ovali, rugosa, spiraliter costata, spira elongata, anfractibus
angulatis, plicato - tubereulatis, ultimo costis tubereulatis dua-
bus; apertura lata, labio interno antice gibboso, labio externo ad
anfractus duos elevato, valide expanso, unilobato, intus ‚sulcato,
postice costis duabus magnis, margine crasso, subinflexo, intus cre-
nulato, canali recurvo. Australien.
Strombus ponderosus Philippi (Abbild. und Beschr. neuer Con-
chylien I, 1.) ‘weiss mit rostgelben Längsflecken, Aussenlippe mit 5
bräunlichen Querbinden; Windungen knotig, auf der letzten ein zu-
sammengedrückter Knoten, Stiller Ocean.
Strombus Chemnitz Pfr. wird von Pfeiffer selbst zurückge-
zogen als identisch mit Str. pavifrons Swains. (Rev. zool, 1842. p. 26).
Grimaud de Caux und Gruby beschrieben das Organ,
welches beim Murex brandaris die Purpurflüssigkeit enthält.
Diese Tasche ist 2 Centimeter lang, 14 ÜÖent. am Grunde
breit und ist trichterförmig. Sie liegt am obern Theil des
Körpers zwischen Kopf und Leber. Dies ist eigentlich die
Lungenhöhle, sie öffnet sich zwischen dem Mantelrande und
dem Körper des Thiers. Die darin enthaltene Flüssigkeit ist
ebenfalls mieroscopisch untersucht, es ist eine durchsichtige
Flüssigkeit, welche ovale Zellen enthält. *«(Comptes rendus,
Vol.XV. p. 1007).
Murex Cleryi Petit, zuerst aufgestellt in der Revue zool. 1840,
ist jetzt abgebildet in dem Magasin de Zool. 1842. pl.54. Verf. ist
140
jetzt geneigt, die Art für identisch mit Typhis Belcheri Brod. zu
halten. — M. Steinforthii unbekannten Fundorts. Reeve Proc. p. 104.
Aus der Gattung Trichotropis Sow. finden sich bei Möller], c.
zwei neue Arten von Groenland: atlantica Beck und conica Möll.
Mangelia Holböllü Beck ib. testa conico -fusiformi, tenera, dia-
pbana, albida, laevi, anfr. 7 convexiusculis, longitudinaliter subti-
lissime striatis, ad suturam rugosis.
Bei Möller l. c. finden sich auch viele Arten aus Millet’s Gat-
tung Defrancia, sämmtlich aus Groenland, nämlich nobilis, scalaris,
exarata, woodiana (Pleur. turricula Wood.), elegans, cinerea, Pin-
gelü Beck, Vahliü Beck, cylindracea, Beckiü, livida, viridula
(Tritopium viridula Faun. Groen.).
Fusus funiculatus Lesson Revue zool, 1842. p. 104. verwandt
mit F. Petit- Thouarsii Kiener. Acapulco. — F. rosa ponti id. ib.
gelbroth, mit regelmässigen Warzen, Mündung rosenfarbig. 6 Cent.
Gambier-Inselu; wird ib. p.212 von demselben Verf. zn Fasciolaria
gezogen, ihr fehlen zuweilen ‘die Falten an der Spindel. — F. im-
bricatus id. ib. p. 212 quergestreift, längsgerippt, Windungen mit
kleinen Lamellen bedeckt, in der Mitte mit 2 Kielen. 6 Cent. Chili,
Peru. — F. pyruloides id. ib. wie voriger, aber ohne Längsrippen,
Mündung gelb. Chili. — F. sinuatus id. ib. verwandt mit F.sinuatus
aber nur 26 Mill. lang. Chili. — F. follicus id. ib. abgerundete
Längsrippen, durchschnitten von wellenförmigen Schnüren dachziegel-
artiger Blättchen, zwischen diesen dachziegelartige Schuppen, die
Schnüre sind abwechselnd rosenfarbig und weiss. Taiti. — F.fron-
dosus id. ib. ähnlich dem vorigen, grau mit einigen schwarzen Schnü-
ren. Marquesas-Inseln. — F, ventricosus id. ib. oval, bauchig mit
regelmässigen Schnüren ohne Längsrippen. Chili. — F. lutericeus
Möller ]. c. hellroth, mit glasheller Epidermis, mit vorstehenden
Linien. — F. Kroyeri id. ih. rothbraun, unten mit wellenförmigen,
eingedrückten Linien. — F. Holböllü id. ib. weiss, glatt, mit braun-
gelber Epidermis.
Fasciolarin sulcata Lesson Revue zool. 1842. p.212. 8 Win-
dungen mit breiten Längsrippen und alternirenden Querschnüren,
rotbbraun. 24 Mill. Acapulco. h |
Pleurotoma perlata Lesson (Revue zool. 1842. p.143) t. parva,
ovato -oblonga, rufa, perlis niveis eincta, spira acuta, apertura
ovali, canali elongata. Sandwichsinseln. — P. funiculata id. ib. t.
parva, oblongata, turriculata, rufa, costis circularibus undulatis la-
mellosisque tecta, spira acutissima, apertura longitudinali, scissura
rotunda. Acapulco. — P. speciosa Reeve unbekannten Vaterlan-
des. Proc. p.199. — P. Beckiüi id. ib. von den Philippinen,
Turbinella pacifica Lesson Rev. zool., 1842. p. 211 verwandt
mit T. crenulata Kiener mit abgerundeten Rippen, regelmässig quer-
gestreift. 18 Mill. Sandwichsinseln. — T. taitensis, etwa sechs
Rippen auf der letzten Windung, Labrum innen gefurcht, Spindel
. 141
mit 3 oder 4 Wülsten. Taiti. 6 Mill. — T. purpuroides hat das
Ansehn einer Ricinula, Spindel mit 3 Querwülsten. Insel Gambier.
— T. imperialis und vexillulum Reeve Proc. p. 198.
Nach einer Bemerkung von L. Pfeiffer ist Cerithium procerum
Kiener — C. Martinianum Pfr. von Lamarck mit C. vertagus ver-
wechselt. C.lacteum Kiener müsse anders benannt werden, da der Name
bereits von Philippi vergeben. Unter dem Namen C. stercus musca-
rum Say seien von Kiener zwei Arten vereinigt, deren nur eine dem
€. muscarum Say entspreche (Revue zool. 1842. p. 26). — Cer. can-
cellatum Lea (Silliman Amer. Journ. 42. p.111) fast genabelt, längs-
gefurcht, quer gestreift, Mündung unten in einen Kanal vorgezogen,
Crepidula acuta Lea (Silliman Amer. Journ. 42, p. 108) convex,
glatt, bräunlich, Apex spitz, gerade, Platte dreieckig, weiss, Mün-
dung elliptisch. Delaware - Bay.
Calyptraea cinerea Reeve Proc. p.50 vom Cap Horn.
Owen stellt eine neue Gattung Lithedaphus auf, welche
sich von Calyptraea durch eine zweite Schale, welche der Fuss ab-
sondert, unterscheidet. Der Kopf ist lang, rüsselförmig, zwischen
dem Kopf und dem Fuss findet sich ein eigenthümlicher Fortsatz, wie
ein zweiter Kopf, aber er ist nur eine Duplicatur des Mantels. Die
Kiemen bestehen in zwei kurzen parallelen Reihen conischer Fort-
sätze. Der Rüssel schliesst eine lange horvige Zunge ein. Die Art
heisst L. longirostris (Proc. 1842. p. 147).
Pomatobranchia,
Aus dieser Abtheilung giebt nur Möller einige neue
grönländische Arten:
Bullaea punctata Schale länglich, weiss, mit fein punktirten
Linien.
Bulla turrita klein, cylindrich, weiss, Spira vorgezogen, enge
Nabelspalte. — B. corticata Beck cylindrisch, undurchbohrt, gelb,
mit welligen Längsstreifen, Apex vertieft, von der Spindelschwiele
verdeckt. — B. Reinhardi Holb. (B insculpta Totten?). — B. sub-
angulata bauchig, gelb, in der Mitte der Windung wiaklig, Spira
flach.
Gymnobranchia.
Milne Edwards beobachtete bei einer Calliopaea zu
Nizza eigenthümliche Kanäle, welche mit dem vor-eren Theile
des Verdauungskanals communieiren; es sind zwei Längsgefässe,
von denen viele Zweige entspringen, die vordern gehen in die
Fühler, die übrigen treten in die Lappen des Rückens, welche
man gewöhnlich als Kiemen betrachtet, indem sie sich zwei
oder dreimal verzweigen. Alle diese Säcke füllen sich bald
142 f
nachdem das‘ Thier gefressen mit Nahrung. Sie lassen sich
wegen der Durchsichtigkeit des Thieres leicht beobachten
(Annales des sciences naturelles XVII. .p. 330).
Joshua Alder und Albany Hancock gaben (Ann.IX.
p- 31) Beschreibungen von 17 neuen Arten von Nudibranchien,
welche sie an der Küste von Northumberland bei Cullercoats
beobachteten. Sie beobachteten zugleich Augen bei jungen
Exemplaren von Doris repanda und Goniodoris nodosa hin-
ter den Rückententakeln; bei vorrückendem Alter wird die
Haut so undurchsichtig, dass man die Augen: nicht mehr bemer-
ken kann. Die neuen Arten sind:
Doris aspera niedrig, weiss oder gelblich, Mantel mit Stachel-
chen erfüllt, und mit breiten Höckern bedeckt, neun kleine, einfach
gefiederte Kiemen. „4. — D.depressa sehr niedrig, röthlich, orange
oder rothbraun gefleckt, Mantel mit feinen spitzen Papillen, und
quer über den Rücken geordneten Stachelchen, 10—11 einfache Kie-
men in Hufeisenform 75. — D. repanda Mantel mit kleinen weis-
sen granulaartigen Höckerchen, eine Reihe schwefelgelber Flecken
jederseits, 4—5 dreifach gefiederte Kiemen. — D. similis ziemlich
convex, mit vielen conischen weissen Papillen, 9 dreifach gefiederte
Kiemen, mit einer stark gezähnten Mittelrippe.
Polycera ocellata grünlich schwarz mit unregelmässigen hellgel-
ben Augenflecken, Mundsegel über Kopf und Rücken in zwei Leisten
fortgesetzt, die sich in der Mitte nähern, 3—4 breite, dreifach gefie-
derte Kiemen.;',;‘. Triopa Nothus Johnston vielleicht der Jugendzustand.
Tritonia felina mit kleinen Warzen, rothhraun und weiss gefleckt,
Kiemen fest, zwei oder dreimal verästelt, 6 an jeder Seite des Rük-
kens. 1”; soll verschieden sein von T. arborescens Cuv. — T. pul-
chella rosenfarbig mit kleinen dunklen, gelblichen Höckerflecken, 5
Paar Kiemen, die vordere dreiästig.
Meliboea ornata hellgelb mit nelkenfarbigen Strichen und Flecken,
sehr verwandt mit M. coronata Johnst.
Eolis rosea weiss, am Rücken rosenfarbig und lederfarbig ge-
färbt, 15 oder 16 enge Querreihen von Kiemenpapillen, jede mit 5 —
6 Kiemen. — E. obtusalis ockergelb mit rothbraunen Flecken am
Kopf und Rücken; 12 Kiemenreihen. — E. aurantia lederfarbig, 10
— 11 Kiemenreihen. — E. olivacea hellgelb, weiss und orange oder
braun gesprenkelt, 6—7 Kiemenreihen. — E. hystrix weiss, oben
olivenbraun gefleckt, an den Seiten eine Reihe grosser Flecken, 6—
7 Kiemenreihen, — E. vittata hell lederfarbig, rehfarbig gefleckt,
Kopf breit, vorn abgestutzt, 6 — 7 Kiemenreihen. — E. pallida weiss-
lich gelb, mit weissen und rosenfarbigen Flecken, Kiemen haufen-
artig. — E. minuta gelblich weiss, Kiemen in zwei Haufen, — E.
nana gelblich, Kiemen in 7—8 Reihen.
R 143
Einige Bemerkungen über Gymnobranchien, welche sich
bei Dublin finden, giebt Arthur Hill Hassall. (Annals
IX. p. 133.)
Eine neue Gattung von Nacktkiemern stellt Lowe auf (Proc.
z001. soc. 1842. p. 51). Peplidia. Corpus limaciforme, repens,
oblongum, postice compresso-triquetrum, dorso abrupte cristatum
seu alato - carinatum, apice attenuato, acuto. Caput antice veliferum;
velo semicirculari, margine fimbriato-lacero, ciliolato; ore inter
labia buccalia subtus, simplici. Tentacula duo. Orificium generationis
ad colli dextrum. Branchiae diplomorphae, seu in medio dorsi eirca
anum stellatim ramosae, arbusculiformes, ramis pectinato - ciliatis,
et per latera utringue longitudinaliter biseriatae, conico - papilliformes,
papillis apice subdivisis, ciliatis. Eine Art P. Maderae.
Endlich beschreibt Möller in seinem Index Molluscorum
Groenlandiae einige neue Nudibranchien:
Tergipes rupium gelb mit 6 Rückenpapillen jederseits, diese sind
gelb, mit weisser Spitze und einem gelben Ringe am Grunde.
Doris liturata Beck niedrig, gelblich mit breiter kastanienbrauner
Rückenlinie, 16 Kiemen. — D. acutiuscula Stp.
Euplocamus Holböllü prismatisch hell gelbgrün, After mitten auf
dem Rücken, drei Kiemen.
Aspidobranchia.
Emarginula conoidea Lovell Reeve Proc. p. 50.
COyclobranchia.
Patella insessa Hinds AnnalsIX. p.82 oval, braun, innen weiss,
Apex mit weissen Flecken. Californien. — P. cerea Möller, ce.
niedrig, milchweiss, rauh, Scheitel etwas nach vorn, gelblich.
Patelloida depicta Hinds Annals IX. p.82 sehr klein, linearisch,
weiss mit rothen Linien am Apex, viermal so lang wie breit. Ca-
lifornien.
Siphonaria characteristica Lovell Reeve Proc. 1842. p. 49.
von Panarna.
Parmophorus corrugatus von Madagascar und P. intermedius von
den Philippinen stellt Lovell Reeve Proc. p.50 auf.
Tubulibranchia.
Vermetus eburneus Reeve (Proc. p. 197).
Cirribranchia.
Dentalium longirostrum Reeve (Proc. p.197).
144 »
Conchifera.
Milne Edwards fand in Pecten glaber männliche und
weibliche Geschlechtsorgane, und wies dadurch die Zwitter-
natur dieser Thiere nach. Annales .des sc. nat. XVII. p. 321.
Das Ovarium ist orangefarbig und nimmt die untere und hintere
Hälfte des Abdomen ein; aus ihm entspringt ein Gang, welcher einen
Theil des Hodens durchdringt und zwischen der Basis der Tentakeln,
dem Gipfel des Abdomen und dem vordern Ende der Kiemen endet.
Der Hoden nimmt die grössere vordere Hälfte des Abdomen ein und
ist milchweiss. Vorn geht er in den Fuss hinein uud endet in zwei
kleinen Öffnungen, welche in der Furche des untern Randes des
Fusses liegen. Ein anderes excernirendes gelbes Organ findet sich
'jederseits vor dem Muskel und unter dem vorderen Ende der Kieme
und scheint auch durch seinen Ausführungsgang mit dem Fusse in
Verbindung zu stehen; es möchte wohl die Function einer accesso-
rischen Drüse haben. j
Sowerby stellte neue Arten dieser Gattung auf (Proc. p. 163):
Pecten pietus Philippinen, superbus, velutinus letzterer von Mada-
gascar, serratus Philippinen, albolineatus Philippinen, singaporinus
Singapore, crassicostatus Japan, splendidulus Singapore, pseudelima
Philippinen. Alle sind in seinem Thesaurus abgebildet, g
Arca galactodess Benson Annals IX. p. 489 rhombisch, vorn
winklig, hinten gerundet, vielstrahlig, Rand glatt, Epidermis braun.
Chusan.
In der Gattung Nucula nimmt Möller l. c. drei Unter-
gattungen an, die er folgendermaassen charakterisirt:
Nucula. Animal sine tubis exsertilibus, pede brevi, crasso,
pallii parte solum inferiore aperta. Testa subtrigona, rotundata, an-
tice latiore, prominente, postice obtusa, circumeirca arcte claudente;
serie dentium acute angulata, dentibus anterioribus planis. Dahin
zwei neue Arten von Grönland, N. corticata Holb. und /enticula.
Leda Schum. Animal tubis brevibus, tenuibus, rectis praedi-
tum, pede longo, tenui, flexili; pallio toto aperto, marginibus sim-
plicibus. Testa transversim ovata, solidiore, antice rotundata, postice
plus minusve elongata, coarctata truncata, intus pariete rudimentali,
quae tubulos separare videretur, praedita: parte truncata, ubi val-
vae paululum hiant, costis duabis obsoletis, divergentibus, a natibus
egredientibus, inclusa; serie dentium levius angulata, dentibusangu-
latis, imbriciformibus. Dahin als neu L. macilenta Stp. und L. com-
planata.
Yoldia Möller. Animal tubis longis curvatis instructum; pede
magno, valido; pallio toto aperto, marginibus postice ciliatis. Testa
transversim ovata, fragili, antice valde, postice parum hiante, antice
et postice rofundata, pariete rudimentali tubulorum destituta; serie
145
aentium leviter angulata, dentibis angulatis, imbrieiformibus. Dahin
Nucula arctica Gray und Y. angnlaris (Nuc. myalis Couth?).
Die Gattung Unio wurde durch mehrere neue Arten bereichert:
In Philippi’s Beschreibungen neuer Conchylien Heft I. findet sich
eine Tafel mit Arten dieser Gattung. U. parvus Barnes ist abgebil-
det, ausserdem zwei neue Arten U. semigranosus v. d. Busch von
Mexico, rundlich, zusammengedrückt, grösstentheils mit länglichen
Körnern besäet, schwärzlich, ionen schmutzig purpurfarbig. — U.
gratiosus Parreiss klein, mit strahligen Runzeln, von Neuholland.
Zwei Arten von Chusan beschreibt Benson Annals IX. p. 489.
U. (Theliderma Swains.) Leai und U. (Theliderma) divergens.
Lea stellt in den Proc. of the Amer. phil. Soc. viele Arten auf:
1841 p.30 acht Arten: U. sapotalensis und tecomatensis von Mexiko,
rajahensis von Calcutta, bigdyensis Big Bigby Creek, crocatus Sa-
vannah river, callosus Ohio, duttonianus Savannah, georgianus Stump
Creek. Feruer ib. 1841. p.82 fünf Arten: U. drumleyanus Warrior
River, regularis French broad River, zmoestus ebendaher, sparsus
Holston River, argenteus ebeudaher.
Anodonta gibba Benson]. c. von Chusan. — A. montezuma
Lea Proc. Amer. pbil. Soc. 1841. p.31 von Centralamerica. — A.
globosa id. von Mexico.
Über die Generationsorgane von Unio und Auodonta gab
M. Neuwyler einen zootomischen Beitrag (Neue Denkschrif-
ten der Allgem. Schweizerischen Gesellschaft Band VI. Neuf-
chatel 1842). Er hält diese Thiere für Zwitter, indem er die
braune zwischen Herz und Bauch liegende Drüse für den Ho-
den erklärt.
Castalia Duprei Recluz Rev. zool. p. 305 ‘ohne Längsrippen,
dentibus cardinalibus tribus subverticalibus; dente laterali antica
et mediana in valvula dextra exterius suleata, postica biserrata;
dente antica suprema in valvula sinistra interius sulcata, postica-
libus binis integerrimis. Seen Brasiliens.
Marion de Proce, Arzt zu Nantes, machte Beobach-
tungen über das Fortbewegen des Mytilus edulis mittelst seines
Byssus (Annales des sciences naturelles XVIII. p. 59). Verf.
hatte ein Thier länger als einen Monat lebend in einem Glas-
gefässe Es streckte den Fuss weit aus der Schale hervor
bis zu einer Länge von 30 Centimeter, und. befestigte an der
Spitze das Ende eines Byssusfadens am Glase.
Mytilus niger Benson Annals IX. p. 489. länglich dreieckig,
Schloss mit einem Zahn, Wirbel unter der Epidermis weiss mit pur-
pirnen Rändern, innen perlmutterartig, mit purpurfarbigem Rande.
Chusan.
Archiv f. Naturgesch,“ IX. Jahrg. 2.’ Bd, K
146
Modiola Chenui Recluz Rev. zool. 1842. p. 306 längsgefurcht,
gelb, mitten mit einer breiten braunen Binde, hinten behaart. Bra-
silien. — M. elliptica Lea (Silliman Amer. Journ. 42. p.107) mit
Purpurflecken, hinten und vorn strahlig gestreift, am Rande erenulirt.
Delaware Bay. — M. pulex id. ib. glatt, grünlich mit Purpurlinien.
Ebendaher. — M. Senhousia Benson Annals IX. p. 489 fast geflü-
gelt, glatt, olivenfarbig, dunkel gestrahblt, am Grunde leicht aus-
gerandet. Chusan, — M. cicercula Möller 1. c. p.19 kuglig, rauh,
grüngelb. 2”. — M. vitrea Holb. bei Möller (an Myt. decussatus
Mont. ?).
Dreissena purpurascens Benson Annals IX. p. 489 viereckig,
strahlig gefaltet,- weiss und purpurfarbig, Epidermis braun. Chusan.
Cardium aquilinum Mittre Annales des sc. nat. XVII. p. 191
testa minima, tumida, subcordata, gibba, obliqua, inaequilaterali,
Javo-virescente, maculis rufo-fuseis et albidis; costis planulatis,
laevibus, natibus promioulis, rufescentibus; intus violacea. 6”. Tou-
lon. — C. elegantulum Beck bei Möller ]. c. quer eiförmig, weiss,
mit 20—25 fein dachziegelartigen- Rippen.
Lucina cristata Recluz Revue zool. 1842. p. 270. t. ovato sub-
trigona, depresso-plana, valvula sinistra planissima, dextra vix
convexa, albido - vitrea, pellucida, concentrice plicata; plieis inferi-
oribus striaeformibus, postice attenuata, angulata, margine superiore
oblique recta, acute crenata, antice rotundata, superne tenue ar-
cuatim emarginata ac cristata; apicibus antice recurvis. Campeche.
Cyclas Steenbuchi Möller 1. c. ungleichseitig, dreieckig, vorn
stumpf, bauchig, glatt, graugelblich. Grönland.
Cytherea effossa und excavata Hanley Proc. p. 123.
Cyrena purpurea Lea (Silliman Amer. Journ. 42. p. 106.) t. ro-
tundato -triangulari, aequilaterali, subinflata, subcrassa, diaphana,
et purpurea et alba, polita, striis transversis; natibus prominentibus;
margine non cerenulato. Delaware Bay. — (. obesa Hinds Annals
X. p. 81 gelbgrün, mit gesägten Seitenzähnen, innen hellviolett.
Klüsse der Feejeeinseln. — (. tenebrosa id. braupgrün mit gesägten
Seitenzähnen, innen violett. Ebendaher.
Corbieula fuscata Benson Annals IX. p.490 braungrün, glatt,
innen und an den Wirbeln violett, am innern Rande schwärzlich,
aussen mit häufigen Furchen. Chusan.
Sanguinolaria iridescens Benson Annals IX. p. 490 weisslich,
quer und längs gestreift, hinten schnabelförmig, vorn länger, abge-
rundet. Chusan,
Psammobia costata Hanley von Neu Seeland. (Proc. p. 122.) —
Ps. decora Hinds Annals X. p.81 zimmetbraun, rechte Schale flach,
linke bauchig, hell violett strahlig, innen violett. Californien.
Astarte globosa Möller 1. c. p.20 dreieckig, bauchig, fein quer-
gefurcht, gelbbraun. Grönland.
Lowell Reeve giebt eine Monographie der Gattung Crassa-
147
tella, in der 19 Arten aufgeführt werden, unter denen 10 neue. Alle
sind in seiner Conchologia systematica abgebildet. (Proc. 1842, p. 42.)
Pandorina arenosa Möller l, c. grau mit anhängendem Sande.
Grönland.
Solen acuminatus Hanley aus dem Fluss Hoogley in Ostindien.
(Proc. p. 122)
Die Abhandlung Duvernoy’s über das Thier der Ungu-
lina rubra, deren schon nach einer kürzeren Notiz im Insti-
tut im vorjährigen Berichte p. 404 Erwähnung gethan, ist nun
vollständig erschienen in den Annales des sciences naturelles
XVIHN. p. 110.
Owen sprach in der Zoological society zu London über
die Anatomie der Pholadomya candida Proc. 1842. p. 150.
Das Thier hat die Charaktere der Acephala inclusa, indem es
ganz in den Mantel eingehüllt ist, und nur die Athemröhre und den
Fuss durchtreten lässt; dazu kommt eine kleine, runde Öffnung am
untern Theil des Sipho. Diese scheint ein supplementärer Eingang
des Wassers zu den Kiemen. Das Thier unterscheidet sich von Pa-
nopaea australis nicht nur durch einen accessorischen zweitheiligen
Fuss, sondern auch durch seine ungetheilten Kiemen.
Thracia inaequalis Adams Silliman Amer. Journ, 42. p.145; An-
nals IX. p.238 brechlich, sehr ungleichseitig, sehr ungleichschalig,
gestreift, hinten abgestutzt, linke Schale eben, rechte sehr convex,
Ossiculum mondförmig, halbzirkelförmig. 1, 2’. — Th. myopsis Beck
bei Möller 1. c. Letzterer zweifelt, ob die Art zur Gattung Thracia
gehöre.
Die erste Lieferung des Magasin de Zoologie 1842 ent-
hält einen Aufsatz von Frederic Cailliaud über die Gat-
tung Clavagella.
Das Einbohren des Thieres in Stein schreibt Verf. einer auflö-
senden Säure zu, und derselbe meint, es müsse nur sehr wenig dieser
Säure gleichzeitig entwickelt werden, weil sonst die Schale des Thiers
selbst würde angegriffen werden müssen, und das Thier habe es in
seiner Gewalt, die Säure an den Ort zu bringen, wo sie wirken
solle, auch könne stets die Wirkung durch die Verdünnung mit Was-
ser vermindert werden, wenn der Schale Gefahr drohe. Von den
kleinen röhrenförmigen Öffnungen, von denen Rang glaubte, sie dienen
zum Durchtritte eines Byssus, der jedoch nicht vorhanden ist, meint
Verf. sie dienen dazu, um Höhlungen, welche das Thier beim Ein-
dringen in den Stein, oft veranlasst durch andere Thiere, vorfindet
auszufüllen, und so alle Zugänge in ihre Wohnung zu verschliessen-
Daher seien sie ganz zufällig und nicht als Artcharaktere zu benutzen.
Diese Thiere gehen in den verschiedenen Altersperioden grosse
Veränderungen ein, wodurch man verleitet werden kann, verschie-
K*
148
dene Arten zu unterscheiden. Verfasser nimmt vier Arten an, die
er sämmtlich auf 3 Tafeln abbildet: C. aperta Sow. (C. Inta Brod
und Desh.; €. sicula delle Chiaje), C. balanorum Scacchi; C. elon-
gata Brod. und ( melitensis Brod.
Tunicata.
Auch aus dieser Abtheilung finden sich einige neue Arten
bei Möller |. c.
Cynthia glutinans gelb, dünn, mit Sand bedeckt.
Ascidia monoceros cylindrisch, höckerig, hellroth mit einem hor-
nigen Vorsprung zwischen den Öffnungen. — A./urida flach, braun-
grau, glatt, Öffnungen seitlich, schwärzlich.
Clavelina cristallina kuglig, gestielt, oben zusammengedrückt;
glashell, fein höckerig; Öffnungen weisslich.
Boltenia ciliata nierenförmig, braungelb, höckerlg, gewimpert,
Öffnungen röthlich, Stiel gekörnt, gewimpert am Ende.
149
Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen in
der Naturgeschichte der Inseeten, Arachniden, Cru-
staceen u, Entomostraceen während des Jahres 1842.
Vom
Herausgeber.
Eine in die Bildungsgeschichte der Thiere tief eindringende
Abhandlung, ‚über die rückschreitende Metamorphose der,Thiere“
von Rathke (Neuest. Schrift. d. naturf. Gesellsch. in Danzig,
ill. Bd. A. Hft. Beiträge zur vergl. Anat. und Physiol. von
Dr. H. Ratlıke, Danzig 1842.) ist für die Entomologie von
besonderem Interesse. „Rückschreitende Metamorphose‘ nennt
der Verf. die Erscheinung, wo im regelrechten Verlauf „der
Entwickelung der Thiere einzelne Gebilde des Organismus
schwinden oder selbst verschwinden. Dies kann entweder
durch Auflösung (Metamorph. retrogr. per dissolutionem) oder
durch Ablösung (Met. r. per solutionem) geschehen. Im er-
steren Falle werden die betreffenden Organe allmälig ge-
schmolzen, indem ihre Bestandtheile in die Masse des übrigen
Organismus übergehen, im zweiten Falle werden sie mit den
Hautbedeckungen abgelegt. Dies gilt namentlich für die After-
füsse der Raupen, die Füsse mancher’ Schmarotzerkrebse, die
Augen einiger Entomostraceen, aber auch für innere Organe,
wie die Kiemen der Libellenlarven. Es muss bei diesem zweiten
Falle immer der erste Fall vorhergehen, denn so wie der Verf.
bei den Augen bemerkt, woHornhaut, Linse und Pigment abgelegt,
die übrigen Theile derselben aber resorbirt werden müssen,
ebenso müssen z. B. bei Beinen oder Afterfüssen, die densel-
ben zugehörenden Muskeln u. s.w. schwinden. Zu den Organen,
welche beider rückschreitenden Metamorphose verloren gehen, ge-
150
hören, ausser Beinen und Afterfüssen, die Kiemen verschie-
dener Insectenlarven, die einfachen Augen derselben , welche
der Verf. wohl mit grossem Recht als den künftigen zusam-
mengesetzten Augen des vollkommenen Insects nicht ent-
sprechend betrachtet, ferner die Speichelgefässe, endlich die
Verkümmerung der Kieferfüsse vieler Decapoden. Am Auffal-
lendsten zeigt sich die rückschreitende Metamorphose da, wo
die Thiere in den letzten Lebensstadien festsitzen, wie die
parasitischen Crustaceen und die Lepaden.. Die Folgerungen
welche der Verf. aus seinen Untersuchungen zieht, sind: 1)
dass, wenn durch die rückschreitende Metamorphose ein Theil
zum Schwinden oder selbst zum völligen Vergehen gebracht
ist, in der Regel ein anderer sich gebildet hat, welcher jenen
ersetzt oder seine Verrichtung übernimmt, 2) dass in selteneren
Fällen ein Körpertheil nur an einer Stelle eine Verkümme-
rung erleidet, indess sich eine andere höher entwickelt, und
3) dass ausnahmsweise einzelne Körpertheile verloren gehen,
ohne durch andere ersetzt zu werden, wie hauptsächlich "bei °
niedern Orustaceen vorkomme. Hier am Schlusse deutet der
Verf. an, dass bei diesen vor der höchst bedeutenden Ent-
wickelung und Thätigkeit der Fortpflanzungsorgane, alle Ver-
richtungen und mit diesen auch deren Organe zurücktreten.
Die anfängliche Entwickelung der eigentlichen Insecten,
nämlich die Bildung der Larve im Ei hat Kölliker in einer
Gelegenheitsschrift (Observationes de prima insectorum genesi
adjecta articulatorum evolutionis cum vertebratorum compara-
tione, Diss. inaug. ser. Alb. Kölliker, Turic. 1842. 3 tab.) am
Chironomus zonatus, dessen Eier die Algengatt. Gloeonema
bilden, an Simulia canescens Bremi, und Donacia crassipes?
sorgfältig untersucht. Im Vergleich mit der Entwickelung der
Wirbelthiere gelangt der Verf. zu folgenden Schlüssen; 1) bei
den Gliederthieren spaltet sich die Keimhaut in ein seröses
und ein mucöses Blatt. 2) Aus dem Primitivtheil des serösen
Blatts sprossen gegen den Dotter hin die Bauchplatten (Vi-
sceralplatten), überwachsen diesen, und vereinigen sich auf
der Dotterseite des Eies; auf der entgegengesetzten Seite des
Blatts bilden sich die Rückenplatten, wachsen nicht zusammen,
sondern bilden sich zu Rückengliedmaassen. 3) Die Flügel
der Insecten sind die seitlichen Gliedmaassen. 4) Die ersten
151
Spuren der Wirbelsäule zeigen sich in der zwischen den Ner-
. ven ımd dem Darmkanal gelegenen - Kette der Abdominal-
muskeln. 5) Die animalischen Nerven nehmen im äussern
Theil des serösen Blattes ihren Ursprung, werden jedoch von
keinem Kanal umschlossen, sondern nur von der Haut bedeckt,
da die Rückenplatten nicht verbunden sind, auch das Gehirn-
ganglion nimmt aus dem Primitivtheil seinen Ursprung. 6) Die
Sinnesorgane gehören zum Primitivtheil des serösen Blattes.
7) Das mucöse Blatt und die Eingeweide werden aus dem
Primitivtheil gegen den Dotter hin so gebildet, dass sie aus
der Form eines Halbkanals in die eines Kanals übergehen.
8) Der Mund durchbohrt die Ganglienkette und den Primitiv-
theil, da die Mundtbeile aus dem letzteren entstehen. 9) Der
After hat im Dottertheil oder zwischen diesem und dem Pri-
mitivtheil seinen Platz. 10) Die Leber wächst aus dem Darme
hervor, die übrigen Drüsen entstehen für sich. Das Herz ist
an der Dotterseite zwischen dem serösen und mucösen Blatt
gelegen. — Die Entwickelung der Gliederthiere sei also von
der der Wirbelthiere nicht so verschieden, wie man bisher
angenommen habe, sondern stimme in wichtigen Stücken
überein. Der Verf. pflichtet der von Rathke und Geofiroy
St. Hilaire zuerst aufgestellten Ansicht bei, wonach die Bauch-
seite der Gliederthiere der Rückenseite der Wirbelthiere ent-
spreche, und fügt noch hinzu, dass die Beine der Gliederthiere
den Rückenplatten der Wirbelthiere entsprechen, welche bei
jenen zu freien Gliedmaassen auswachsen, bei diesen sich mit
denen der andern Seite verbinden und so den Rückenmarks-
kanal bilden, und nur bei .den Fischen in der Rückenflosse
zu einer Art von Bewegungsorgan sich gestalten. Die Flügel
der Insecten, wie oben angeführt, entsprechen nach des Verf.
Ansicht den Beinen der Wirbelthiere. Den Flügeln der In-
seeten entsprechend betrachtet der Verf. die Kiemen der Cru-
staceen, diese sind aber immer mit den Beinen verbunden,
und gestalten sich bald zum Athmungs-, bald zum Ruderorgane,
denn bei den Crustaceen und Entomostraceen ist die Urform
der Beine die der Spaltfüsse, deren einer Arm öfter zum
Athmungsorgane (Kieme) wird. . Wenn man also, wie Oken es
gethan, die Flügel der Insecten als Kiemen betrachtet, kann sich
der Vergleich theils nur auf Insectenlarven, theils auf Glieder-
152 r
würmer beziehen. Die Untersuchungen und Folgerungen des
durch seine mieroscopischen Untersuchungen im Gebiet der
Physiologie bereits bewährten Verf. verdienen alle Aufmerk-
samkeit, von der Seite der Entwickelungsgeschichte im Ei her
lässt sich am sichersten das Verhältniss im Bau der Wirbel-
und Gliederthiere aufklären, und es liesse sich wohl der
Vergleich zwischen beiden, welcher viel Lockendes hat, noch
auf eine sinnige Weise weiter führen, ich muss indess geste-
hen, ich zweifle nicht daran, dass aus einer allseitigen Ver-
-gleichung der Organisation beider Abtheilungen des Thier-
reichs der Schluss wird gezogen werden müssen, dass von
einer wesentlichen Einerleiheit (Identität) der Körpertheile
beider nicht wird die Rede sein können, sondern dass man
nur auf die Verrichtungen der Organe Bezug nehmend die
Vergleichung wird anstellen können. Um so wichtiger ist
es, die Entwickelung des Eies von beiden neben einander
zu stellen.
Steenstrup’s Schrift „über den Generationswechsel, oder
die Fortpflanzung und Entwickelung durch abwechselnde Ge-
nerationen, eine eigenthümliche Form der Brutpflege in den
niedern Thierclassen, Copenhag. 1842. 8.“ hät die Aufmerk-
samkeit der Zoologen in hohem Grade auf sich gezogen. - Bei
den Gliederthieren erkennt der Verf. (S.121) die Erscheinung
des Generationswechsels nur in dem Wechsel der eierlegenden
und lebendig gebärenden Bruten der Blattläuse, findet aber
auch eine verwandte Erscheinung in der eigenthümlichen Brut-
pflege der Wespen, Bienen, Ameisen und Termiten, es treten
indess gerade in diesen Thierklassen die Lebenserscheinungen
in solcher Mannigfaltigkeit und Fülle auf, dass es fast zu er-
warten ist, dem Generationswechsel ähnliche Verhältnisse
werden auch in andern Familien entdeckt werden, wenn erst
die Aufmerksamkeit der Beobachter auf die Erscheinung über-
haupt gerichtet ist. Zunächst dürfte wohl in einer, vielleicht
in anderer Weise von der Regel abweichenden Beziehung die
Fortpflanzung der Gallwespen (Cynipsera) die Beachtung der
Physiologen reichlich verdienen. (S. u.)
Die Nachforschungen über die Bedeutung der Antennen haben
wir seit längerer Zeit mit Interesse verfolgt. Im verflossenen Jahre
sind keine neuen Thatsachen zu Tage gefördert. Nur ein Curiosum.
. 153
Robineau Desvoidy (Ann.$Soc. Ent. Fr. XI. p. XX111.) wundert sich
nämlich, dass dieser Punet noch Zweifeln unterliege: „er habe be-
reits im Jahre 1827 gezeigt, dass bei den Krebsen, wie die äussern
Antennen bekanntlich der Sitz des Gehörsinnes, so die innern An-
tennen der Sitz des Geruchsinnes seien, und habe später in seinen
Recherches sur organisation vertebrale des crustaces, arachnides et
insectes, 1829, dargethan, dass schon bei den Isopoden der Gehör-
sinn nicht mehr deutlich sei, bei den Arachniden fehle er, dagegen
seien hier Geruchsorgane die als Mandibeln gedeuteten Theile, und
der Giftkanal in denselben entspräche dem Thränengange der höhe-
ren Thiere. Bei den Insecten seien die Antennen Geruchsorgan
und gewöhnlich auch Tastorgan; ein Gehörorgan hätten sie
gar nicht.“
Insecta.
Eintheilungsversuche über diese Klasse sind von’ Per-
eheron (Compt. rend. d. seanc. de l’Acad. d. sc. XIII. n. 24
und daraus Froriep Neue Notizen XXI. S.49) und von
Brulle (Ann, d. sc. nat. XVII. S. 257) der Pariser Academie
vorgelegt worden. Beide werden ohne Erfolg für die Wis-
senschaft bleiben, weil sie sich nicht auf neuen Untersuchungen
über die verschiedenen Ordnungen gründen.
Der Erstere nimmt die Mundtheile als Merkmale ersten
Ranges, und theilt die Insecten überhaupt in kauende (Neuro-
ptera, Orthoptera, Coleoptera), kauende und saugende (Hyme-
noptera) und saugende (Hemiptera, Diptera, Lepidoptera).
Wo bleiben aber die Strepsiptera, welche weder kauen noch
saugen, wo ferner alle ungeflügelten Ordnungen ?
Brulle geht von dem Grundsatz aus, dass die Insecten-
ordnungen sich in zwei parallele Reihen stellten, von denen
die einen kauende, die anderen saugende Mundtheile haben.
Die Strepsiptera haben dem Verf. Bedenken gemacht, weil er
nicht wusste, ob sie. kauen oder saugen, und in der That
thun sie beides nicht. Die Hymenopteren hat er unbedenklich
zu den kauenden gestellt, obgleich sie eben so wohl saugen.
Endlich stehen die Neuropteren unter den Kauenden, obschon
eine grosse Abtheilung derselben, die Phryganeen sicher nicht
kauet. So ist auch wieder die natürliche Ordnung der Läuse
zerspalten, und die saugenden haben den sehr unpassenden
Ordnungsnamen Zoophaga erhalten. Mit einem andern neuen
Namen sind die Thrips bedacht: Malacoptera.. — Später
156
(A. a. ©. XVII. 50. 298) hat der Verf. den Grundsatz der
Doppelreihe auf das ganze Thierreich ausgedehnt, aber auch
hier bei wenig tief eindringender Kenntniss des Gegenstandes
auf eine eben so unfruchtbare Weise.
Zwei Abhandlungen von Glaser: ‚Von der Ueberein-
stimmung zwischen den Characteren der Pflanzen und der an
ihnen lebenden Insecten, im Besonderen der Schmetterlinge“
und „Parallele zwischen der Klasse der Insecten und dem
gesammten Thierreich“ finden sich in der Isis. (S. 6 u. 13,)
Esquisses entomologiques, ou histoire naturelle des In-
sectes les plus remarquables par M. l’abbe J. J. Bourasse,
Tours 1842. 12. m. K. ist mir nur dem Titel nach bekannt
geworden.
Hope (Transact. of the Ent. Soc. of Lond. Ill. S. 129)
hat eine Zusammenstellung aller Insecten gemacht, welche zu
verschiedenen Zeiten den Menschen zur Speise gedient haben.
— Verwandten Inhalts ist Dierbach’s Uebersicht der ge-
bräuchlichsten Arzneimittel des Alterthums mit besonderer
Rücksicht auf die Werke des Dioscorides und Plinius, ‚ein
pharmacologischer Versuch. Isis. S. 103.
Die bisherigen Beobachtungen über Insecten, welche von
Fadenwürmern heimgesucht werden, hat v. Siebold (Ent.
Zeit. S. 146) zusammengestellt.
Villa hat eine kleine Schrift, Note su alcuni insetti os-
servati nel periodo dell’ ecclisse dell 8 luglio 1842, Milano
14842, veröffentlicht, in welcher er die Einflüsse auf das Be-
tragen verschiedener Insecten schildert, die er während der
genannten Sonnenfinsterniss beobachtete. Im Allgemeinen ge-
riethen die Insecten in grosse Unruhe, bewegten ihre Fühler
stark hin und her, und verkrochen sich. Lepturen und Oe-
tonien hörten auf zu fliegen, und blieben still auf den Blumen
sitzen. Libellula flaveola, welche in grosser Masse vorhanden
war, verschwand eine halbe Stunde vor der Finsterniss, und
erschien eine halbe Stunde nach derselben wieder. Auch die
grössern Hymenopteren waren verschwunden, Dipteren dagegen
flogen bis zum Anfange der Verfinsterung. Die Coceinellen
verbargen sich am spätesten. Nächtliche Insecten kamen nicht
zum Vorschein. — Ich bin auch einmal vor mehreren Jahren
während einer totalen Sonnenfinsterniss im Freien gewesen, und
155
habe ganz ähnliche Beobachtungen gemacht, mir war vorzüg-
lich die eigenthümliche Angstlichkeit aufgefallen, mit welcher
die Insekten sich zu verbergen suchten.
Insecten betrefiende Bemerkungen kommen vor in Ratze-
burgs „forstwissenschaftliche Reisen durch verschiedene Ge-
genden Deutschlands, Berlin 1842“, in Brehms „Ausflüge
nach Brinnis“ (Isis S. 409, 488, 566, 647, 752.) und in
Küster’s „Reiseberichten aus Dalmatien und IMontenegro“
(Isis S. 283, 609, 743, 847).
Von Germars Fauna Insectorum Europae ist das 22ste
Heft erschienen.
Wichtig für indische Inseetenkunde ist „Souvenirs d’un
voyage dans l’Inde ex. de 1834—39 par Adolphe Deles-
sert, Paris 1843, DJ. vol. 8. 35 pl.,“ welche ich hier vorweg
nehme, da auch der die Säugthiere und Vögel betreffende
Theil bereits im diesjährigen Berichte aufgenommen ist. Der
entomologische Theil ist von Guerin bearbeitet, die neuen
Arten waren z. Th. schon früher in der Rev. zool. kurz an-
gezeigt, sind hier aber näher beschrieben und z, Th. schön
abgebildet. Im Allgemeinen ist das besonders beachtenswerth,
was (T. Il. S.3) über die Inseeten des Hochlandes der
Nilgherris gesagt wird. Es mischt sich hier das Gepräge der
europäischen mit der dem indischen Fauna: die Mehrzahl der
Arten gehört europäischen Gattungen an, ja es kommen selbst
einige in Europa einheimische Arten vor, als Coccinella 7-
punctata, Vanessa cardui, Polyommatus baeticus, während wir
am Abhange des Gebirges Ornithoptera Heliacon, Sternocera
chrysis, Fulgora Delesserlii, Macronota flavo-maculata, My-
labris Sidae u.a. m., rein indischen Formen begegnen.
In den zoologischen Lieferungen der Verhandl.- over de
Natuurl. Geschiedenis der Nederlandsche Bezittingen, ist eine
grössere Abhandlung von De Haan erschienen, welche die
Orthopterenfauna des Niederländischen Indien behandelt, und
u. zur Sprache kommen wird.
Der grosse Reichthum der von Cuming auf den Philippi-
nen gesammelten Insecten, welcher in vollständiger Auswahl
der Arten im britischen Museum in London. niedergelegt ist,
könnte wohl zu einer umfangreichern Bearbeitung auffordern,
welche einen tiefern Blick in die eigenthümlichen Verhältnisse
156
der Fauna dieses wichtigen Gliedes der indischen Welt gestattete,
Das sehr bedeutende Material wird indess nur brockenweise in
verschiedenen Zeitschriften bearbeitet. So sind in diesem Jahre
von Newman die Bockkäfer, von Waterhouse einige Rüs-
selkäfer, von Ad. White einige Schildwanzen beschrieben.
Einen Beitrag zur Insectenfauna von Vandiemensland hat
Ref. in diesem Arch. (8. Jahrg. 1. Bd. S. 83) mitgetheilt.
Ein sehr lehrreiches Werk in Bezug auf die Naturge-
schichte der Insecten Nordamerica’s ist: A report on the In-
sects of Massachusetts, injourious fto vegetation published
agreeably to an order of the Legislature, by the commissio-
ners on the zoological and botanical survey of the state; Cam-
bridge 1841. 8to. Verf. ist einer der ausgezeichnetsten nord-
americanischen Entomologen, Th. W. Harris, welcher seine
Aufgabe mit gediegener Sachkenntniss und der grössten Um-
sicht gelöst hat. Das Buch ist für einen grösseren Leserkreis
geschrieben, es enthält also auf der einen Seite vieles, was
nur dazu dient, den Laien in den Gegenstand einzuführen, auf
der andern’ Seite aber eine Fülle werthvoller Angaben über
das Leben nordamericanischer Insecten. Da das Buch in Eu-
ropa wahrscheinlich wenig verbreitet ist, werde ich im Ver-
folg dieses Berichts auf vieles einzelne aufmerksam machen.
Die Bearbeitung des entomologischen Theils des d’Or-
bigny’schen Reisewerkes, welches mehrere Jahre geruhet
hatte, ist von Blanchard aufgenommen und mit etwas mehr
Gründlichkeit, als ihr sein Vorgänger widmete, weiter geführt
worden. Der vorliegende Text reicht bis zum Ende der Cla-
vieornia, die Abbildungen sind in ihrem Erscheinen dem Text
weit voraufgegangen, sie können hier aber nicht eher berück-
sichtigt werden, als bis auch die erläuternden Beschreibungen
erschienen sind.
Der zoologische Theil der Voyage autour du monde
1836—37 sur la corvette Bonite par M. Vaillant, Paris
4841. 42. ist mir ‚hier noch nicht zugänglich, weshalb ich den
Bericht darüber verschieben muss.
Coleoptera.
Die Hornschale der Käfer hat Herrm. Meyer (Müll.
Archiv f. Anat. und Phys. 1842. S.12) untersucht. Um ihr die
157
Sprödigkeit zu nehmen, welche feine Schnitte zur mierosco-
pischen Untersuchung unmöglich macht, ist es nöthig, sie
längere Zeit in Lig. Kali caust. einzuweichen. Es lässt sich
darauf an beiden Seiten ein Epidermisüberzug ablösen, der
aus einer einfachen Schicht neben einander gereihter Zellen
gebildet wird. Die innere Epidermis ist sehr dünn, die Grän-
zen ihrer Zellen sind schwer zu erkennen, und statt des Kerns
hat jede Zelle einen schrägen Stachel, der sich in ihrer Mitte
erhebt. Der mittlere Theil der Hornschale ist aus Stäbchen
zusammengesetzt, welche durch Nebeneinanderlegung und
Anastomosiren zu Schichten vereinigt sind, deren nach Um-
ständen eine grössere oder geringere Zahl aufeinandergefügt
sind, so dass die Richtungen der Stäbe der einzelnen Schich-
ten sich unter Winkeln von 45 oder 90° kreuzen. Ob zwi-
schen den Stäbchen sich noch eine eigene Verbindungsmasse
findet, blieb dem Verf. zweifelhaft. Zwischen der äusssern
Epidermis und dem eigenthümlichen Gewebe der Hornschale
sah der Verf. bei nicht eingeweichten Stücken eine Pigment-
schicht, welche aus einer homogenen Substanz zu bestehen
schien.
Beobachtungen über die Verwandlungsgeschichte der Co-
leopteren sind von Goureau (Ann. d. Soc. Ent. d. Fr. XI.
S. 173) mitgetheilt, welche sich hauptsächlich auf das Aus-
kriechen des Käfers aus der Nymphenhaut beziehen und vor-
zugsweise die Pyrochroa coccinea betreffen. Die vom Verf.
aufgestellte sehr richtige Ansicht, dass die Dornen und ab-
stehenden Borsten der Nymphenhaut wesentlich dazu dienten,
dieselbe beim Auskriechen des Käfers in ihrem Bette zurück-
zuhalten und dieses dadurch zu erleichtern, hat bei uns schon
länger Geltung gehabt.
Ref. hat seine Untersuchungen über die Larven der Co-
leopteren fortgesetzt (dieses Arch. 8. Jahrg. 1. Bd. S. 363).
Sie beziehen sich auf die Abtheilungen der Lamellicornen,
Heteromeren, Curculionen, Cerambyces, Cuceuien. Für die
Heteromeren ist die Kenntniss der Larven in systematischer
Hinsicht von grosser Wichtigkeit, weil sie nach den natür-
lichen Familien sehr bedeutende Verschiedenheiten zeigen.
Die Larven der Melasomen, Tenebrionen, Taxicornen, Helo-
pier und Cistelinen sind im höchsten Grade übereinstimmend,
158
und damit ist der Fingerzeig gegeben, alle diese Abtheilungen
zu einer grossen natürlichen Familie zu vereinigen, welche
sich auch durch Kennzeichen am Käfer selbst von den übrigen
Heteromeren scharf genug abscheidet. Eigenthümliche Larven-
formen haben ferner die Serropalpen, die Oedemeriden, die
Lagrien, die Pyrochroen (Pyrochroa u. Fytho) die Mordellen.
Die Meloiden-Larven sind erst im frühesten Jugendzustande
hinreichend bekannt. Von denen der Anthieiden und PrUsD:
giden weiss man noch nichts.
Eine Zusammenstellung einiger im allgemeinen Kischan
vorhandenen Unterschiede, wodurch sich die beiden Geschlech-
ter der Käfer von EEE auszeichnen, ist von Hoffmeister
mitgetheilt worden (Sechster Jahresbericht über die Thätigkeit
des Vereins für Naturkunde in Cassel, abgestattet d. 18. Apr.
1842 von Dr. A, Philippi).
Zur Naturgeschichte deutscher Käfer finden sich ei-
nige Mittheilungen in der Entomol. Zeitung, nämlich: Bei-
träge zur nähern Kenntniss des Lebens und Fanges einiger
Coleopteren von Banse, Krasper und Matz in Magdeburg
(S. 24): Entomologische Mittheilungen von Dr. Rosenhauer
(S. 33. 50.) und über die an und in alten Zäunen lebenden
Käfer von demselben (S. 162). 4
Schaum (Germar Zeitschr. IV. S. 172) hat einen Bei-
trag zur Kenntniss der norddeutschen Salzkäfer mitgetheilt,
d. i. solcher Käfer, welche nur auf salzhaltigem Boden vor-
kommen. Es sind diese nur auf wenige Familien beschränkt.
Die Hälfte derselben sind Carabieinen, demnächst Wasser-
käfer (Dytiscen und Hydrophilen, welche im Brakwasser
leben), unter den Staphylinen einige Bledius-Arten, und ausser
diesen nur noch zwei Heterocerus (parallelus Gebl. und emo-
ralis Ullr.), ein Pselaphus (Bryaxis Helferi Schm.) und ein
Anthieus (Aumklis).
Eine in Wien erschienene Dissertation ‚„Quaedam genera
et species Coleopterorum Archiducatus Austriae nondum de-
scriptorum. Diss. inaug. auet. Guil. Redtenbacher, Vind.
4842. 8.“ beschreibt 26 Käferarten, von denen zwei zur
Aufstellung neuer Gattungen Gelegenheit gegeben haben. (S. u.)
Von Heers, ‚die Käfer der Schweiz, mit besonderer
159
Berücksichtigung ihrer ‘geograph. Verbreitung ‚“ ist 1. Thl. 3.
Lief. in den Neu. Denkschr. d. allg. schweiz. Gesellsch. f. d.
gesammten Naturwiss. 5 Bd., und besonders abgedruckt bereits
4841 erschienen. Es hält diese Arbeit gleichen Schritt mit der
Fauna Coleopt. Helv. und obige Lieferung entspricht der 3.
Lief. dieses Werkes.
Aus der reichhaltigen Käferfauna des westlichen tropischen
Africa haben Hope (Ann. of nat. hist. IX. S.494. X. S. 91)
und Imhof (Bericht über die Verhandl. d. Naturf. Gesellsch.
in Basel vom Aug. 1840 bis Juli 1842. V. Basel 1843) eine
Anzahl neuer Arten beschrieben, welche unten näher aufge-
führt werden. Die des ersten sind grössten Theils vom Pal-
mencap, die des letzten aus dem Berglande Aquapim.
Zur Fauna von Sylhet giebt Hope durch Beschreibung von
44 durch ihre Seltenheit und Schönheit ausgezeichneten Käfern
einen Beitrag, von denen vor der Hand in den Proceed. der
Linn. Gesellsch. (Ann. nat. hist. IX. S. 247) kurze Diagnosen
mitgetheilt sind. Es sind 7 Zucanen, 1 Mimela, 4 Chryso-
chroa, 4 Longicornen, unter denen auch eine neue Gatt. Zo-
nopterus, endlich 1 Sagra. Nähere Auskunft über diese
Arten kann erst aus der Abhandlung selbst gegeben wer-
den, auch über die neue Gattung lässt sich vor der Hand
nichts sagen, da über ihre Stellung in der ganzen Reihe der
Bockkäfer nichts Näheres angegeben ist.
Eine Anzahl von Cantor in Tschusan und bei Canton ge-
sammelter Käfer hat Hope (Proceed. Ent. Soc. S. 60) auf-
geführt, es ist aber auch hier kein näheres Eingehen auf die-
selben möglich, weil die gegebenen Diagnosen zu leicht hin-
geworfen sind*), als dass die Arten dadurch im Geringsten
kenntlich wären, und sogar öfter Zweifel bleiben, ob auch
die Gattungen richtig bestimmt sind. Es ist zu wünschen,
dass eine genauere Beschreibung nachfolgen möge.
Eine Mittheilung über die Käfer von Port Essington von
Hope (Proceed. Entom. Society. S. 43.) ist für die Fauna von
*) z. B. „Sp. 19. Lagria nigricollis Hope: Flava, antennis, ca-
pite thoraceque nigris, elytris pallide castaneis, villosis, corpore
infra piceo, pedibus concoloribus.“ Was ist nun an dem Thiere gelb?
160 =
Neuholland von Interesse, obgleich theils die Aufzählung nicht
vollständig, theils die gegebenen Diagnosen sehr dürftig und
unsicher sind, indem einerseits die Nordküste Neuhollands
noch ganz unbekannt war, andererseits das Vorkommen meh-
rerer Gattungen in Neuholland überhaupt. festgestellt wird,
welches bisher nicht bekannt geworden war. Zu den letzteren
gehören namentlich Copris, Megacephala. R
Eine Aufzählung von Käfern, welche bei Port Philip an
der Südküste von Neuholland gesammelt sind, hat Newman
(Entomologist S. 351, 361,401, 413) veröffentlicht. Wäre
das Verzeichniss vollständig und die Beschreibung gründlicher,
würde sich ein wichtiger Vergleich zwischen der Fauna des
neuholländischen Festlandes und der Insel Vandiemensland
ziehen lassen, indem die von mir (a. a. O.) beschriebenen In-
secten an dem Port Philip gerade gegenüberliegenden Puncte
der letzteren gesammelt sind.
Cicindeletae. Diese Familie ist von Lacordaire (Mem.
d. 1. Soc. roy. d. Sc. de Liege Tom. I. p.85) in Bezug auf ihre sy-
stematische Eintheilung einer sorgfältigen Prüfung unterworfen wor-
den. Der Verf. theilt sie in fünf Gruppen: 1) Manticoridae um-
fasst die Gattungen Manticora, Platychile, Amblycheila, Omus;
2) Megacephalidae, von der vor. sowohl wie auch von den
übrigen durch die besondere Länge der Lippentaster, namentlich
des Stammes (vom Verf, irrig als erstes Glied ders. gedeutet) unter-
schieden: hierhin Oxycheila, Centrocheila (Pseudoxycheila Guer.),
durch dreieckige, vorn plötzlich verengte und in eine starke Spitze
verlängerte Lefze von ©. abweichend, die Ox. bipustulata Latr. enthal-
tend; Eurymorpha Hope, Megacephala (Aptema Enc.) auf M. Sene-
galensis beschränkt, welche der Verf. durch die vollkommen abgerun-
deten Schultern der Flügeldecken von den ührigen unter Tetrach«a
Hope begriffenen eigentl. Megacephalen unterscheidet; sie ist auch
allein ungeflügelt, denn M. 4signata, welche der.Verf. als ungeflü-
gelte Art in der Gatt. Tetracha absondert, ist vollständig geflügelt;
desshalb ist aber auch in der flügellosen Form kein genügender
Gattungsunterschied, wenn man ihn nicht einmal als Artunterschied
ausreichend findet: es kommt nämlich oft genug vor, dass bei sol-
chen Arten, welche im Allgemeinen ungeflügelt sind, einzelne
geflügelte Individuen sich finden; selbst abgesehen von.solechen Fällen,
wo hierin ein Geschlechtsunterschied liegt. Aus diesem Grunde finde
ich die vom Verf. gegebene Unterscheidung von Megacephala und
Tetrucha eben so wenig aunehmbar, als er mit Recht die von Hope
aufgestellte nach der Zahl der Zähne an den Mandibeln beurtheilt
|
ö
161
hat. Antara (sepulchralis), deren Absonderung, wenn auch noch kaum
genügend begründet, doch weniger gezwungen erscheint; endlich
Tresia. Diese Gattung möchte hier nicht recht an ihrem Orte sein.
Der Habitus sehliesst sie mehr an Euprosopus, die Sculptur der Flü-
geldecken erinnert schon sehr an die Collyriden, in den Verhältnissen
der Taster zeigt nur J. Lacordairei den Character der Megacepha-
liden, bei J. binotata Kl. übertreffen die Lippentaster an Länge kaum
die Maxillartaster, bei J. bimaculata Kl. sind sie sogar kürzer, bei
J. Beskii sind beide von ziemlich gleicher Länge. Diese Verschie-
denheit bei den versch. Arten ist um so auffallender, als wenigstens
die drei ersten Arten in der allernächsten Verwandtschaft stehen, und
um so weniger konnte auch der Verf., da er nur die erste zu unter-
suchen Gelegenheit hatte, sie voraussetzen; sie ist aber schon deshalb
beachtenswerth, weilsie zeigt, dass das Längenverhältniss der Taster
kein durchgreifendes Kennzeichen der Megacephaliden und Cicindeliden
abgiebt. — 3) Cicindelidae: die zahlreichste Gruppe. Einfache
Lippentaster und Vordertarsen ohne eingedrückte Längslinie haben
Ozygonia Man. und Cicindela, mit Einschluss von. Calochroa und
Abroscelis Hope, Cylindera Westw. und Laphyra Dup., welche der
Verf. als unhaltbar nachweist. Eine eingegrabene Linie auf den
Vordertarsen haben: Euryoda (Heptadonta Hope, welchen Namen
der Verf. aber verwirft, weil die Lefze häufig nur 5 Zähne hat)
mit kurzer, querer, 5— ?zähniger Lefze: C. analis F., Apunctata
F., concinna Dej., versicolor Dej., Leprieuri Dej., festiva Dej., or-
nata Kl., colon Kl., mirabilis Brull., viridieyanea Brull., sämmtlich
aus der alten Welt. — Chilonycha, mit langer, die Mandibelo
grösstentheils bedeckender, 3zähniger Lefze, welche beim Q in einen
Dorn ausläuft, von Odontocheila durch kurzen gewölbten Körper
abweichend, südamericanisch: ©. chalybea Dej. — Phyllodroma,
von Odontocheila durch kurze I—3jährige Lefze verschieden, im Habitus
Odontocheila ziemlich gleich; Ph. ignicollis neue Art, vermuthlich
brasilisch, wie C. curtilabris und aperta Kl. und semicyanea Brull. —
Odontocheila Lap., Dejeans erster Abtheilung von Cicindela ent-
sprechend; Plochionocera Hope (nodicornis) ist mit vollem Rechte
damit verbunden; eine eigene kleine Gruppe mit kürzerem Kör-
per, mehr oder weniger eingedrückten Flügeldecken, schwarzer
Farbe, seidenartigem Schimmer, in Wäldern, aber nicht aufBlättern,
sondern an Ufern der Gewässer lebend, bilden O. ventralis, distigma
Dej., sericina Kl,, rugipennis u. tenebricosa Koll. — Endlich haben
das zweite Glied der Lippentaster aufgetrieben: Physodeutera,
wo auch das zweite G!. der Max. Taster aufgetrieben ist, C. Adonis Lap.
von Madagascar enthaltend, Distipsidera Westw., Megalomma Westw.,
— einige Bedenken gegen diese Gatt. habe ich im vor. Jahresberichte
geäussert — Apteroessa Hope, Dromica Dej., Euprosopus Latr. —
4) Collyridae, die drei bekannten Gatt.: Tiherates, Tricondyla u,
Collyris. — 5) Ctenostomidae, die Gatt. Psilocera Brull. (dieser
Archiv |. Naturgesch, IX, Jahrg. 2. Bd, LG
162
Name. ist: früher anderweitig angewandt, daher .der-Klug’sche Pogo-
nostoma vorzuziehen), Procephalus Lap., Cienostoma Kl. und Myr-
mecilla, die letztere auf einer neuen kleinen Art M. pygmaea aus
Brasilien errichtet, durch längere Lippentaster von den beiden vor-
hergehenden, zwischen denen sie im Habitus das Mittel: hält, unter-
schieden: ich muss gestehen, dass mir an unsern Ex. dieses Käfers
der Unterschied durchaus nicht erheblich erscheint, wie mir überhaupt
an der Reihe von 12 Arten, welche ich in der hiesigen Sammlung vor
mir habe, unmöglich erscheint, zwischen Procephalus, Ctenostoma
und Myrmecilla auf irgend eine genügende Weise die Gränzen. zu
ziehen.
Mit neuen Arten sind Megacephala und Cicindela von mehreren
Seiten bereichert: Megacephala nigriecollis, elongata, vio-
lacea, gracilis Reiche (Rev. zool. 8.239) sind von Neu Granada.
M. Australasiae Hope (Procced. Ent. Soc. S.45) von Port Es-
sington, die erste Art dieser Gattung, welche aus Neuholland be-
kannt wird.
Cicindela litterifera und subtruncata Chaudoir (Bull.
Mosc. 8.801) sind von Astrabad am Caspischen Meere, Calochroa
Strachani Hope (Ann. nat. hist. X. 91. 14) von Sierra Leone,
Cic. ocreata, cupriventris, Favargeri Reiche (Rev. zool.S.
240) von Neu Granada und (. Öoscelis Hope (Proceed. Ent. Soc.
S. 45) von Port Essington im Norden Neuhollands.
Über die Larven der (ic. campestris theilte Reg. Ratlı Schmidt
in Stettin (Ent. Zeit. 8.270) interessante Beobachtungen mit, aus
denen hervorgeht, dass die Larve Nachts ausserhalb ihres Baues auf
Beute umherstreift. Auch ist zum ersten Mal die Puppe beschrieben
und Fig. 9—11 abgebildet.
Carabiei. Sehr wichtige Beiträge zur Verbreitung der Cara-
ben (mit Einschluss der Cieindelen) in Deutschland lieferten Rosen-
hauer (Die Lauf- und Schwimmkäfer Erlangens, mit besonderer
Berücksichtigung ihres Vorkommens und ihres Verhältnisses zu denen
einiger anderer Staaten Europas, Erlangen 1942) und Suffrian (Die
Caraben des Regierungsbezirks Arensberg, verglichen mit denen der
Mark Brandenburg in Germ. Zeitschr. IV. S.149). Der Erstere gab
zugleich ein sorgfältiges Verzeichniss der Arten, mit wichtigen Be-
merkungen über das Vorkommen derselben, mit steter Vergleichung
der Faunen von Paris, der Schweiz, Brandenburgs, Schwedens und
Lapplands; der Letztere dagegen in den Vergleich mit der Branden-
burger Fauna sehr tief eingehend und ihn umsichtig ausführend. Im
Allgemeinen ist die Mark um 55 Arten reicher als der Arnsberger
Regierungsbezirk, es fehlen diesem die Gatt. Omophron, Licinus,
Masoreus, Cephalotes, während dafür die Gatt. Callistus und Oli-
sthopus vorkommen, die in der Mark fehlen (Olisthopus rotundatus
dürfte wohl noch einmal gefunden werden, wenigstens ist er mir in
Pommern vorgekommen, er scheint aber Lehmboden zu verlangen, der
163
wenigstens in der Nähe von Berlin wenig zu finden ist). Überhaupt
sind die Caraben nach meiner Erfahrung grösstentheils sehr bodenstät.
Dies scheint auch die Erlanger Fauna zu bestätligen, welche grosse "
Abwechselung in dieser Beziehung zeigt. Sie ist um 27 Arten reicher
als die Brandenburger, und ebenso, wie die Arnsberger in allen
Familien einige Arten weniger enthält, so ist diese in den meisten
um einige Arten reicher, nur die Elaphrini, Licinini und Chlaeniini
haben je eine, die Scaritini und Anchomenini je zwei Arten weni-
ger. Während keine der in Brandenburg einheimischen Gattungen
vermisst wird, hat die Erlanger Gegend ausser Callistus und Olistho-
pus noch Polystichus voraus.
Eine bemerkenswerthe Thatsache aus Suffrians Abhandlung ist das
Vorkommen des Carabus nodulosus im Arnsberger Walde; alle Auf-
merksamkeit verdient auch seine Auskunft über das Vorkommen
des Car. purpurascens, welcher im Westen Deutschlands den östlichen
€. violaceus vertritt. Der Verf. hält beide als Art für nicht verschie-
den; nach seiner Angabe kommen sie bei Mainz beide vor, und nach
Schmitt’s Mittheilungen findet sich ©. violaceus stets auf bergigem
steinigem Boden, C. purpurascens auf feuchten Wiesen. Ebenso
treffen sie im Harz zusammen, und Ref. kann hinzufügen, dass beide
hier eine Mittelart, C. exasperatus Duft. bilden, von welcher ich in
der hies. Sammlung vom Harz eine Reihe vor mir habe, deren End-
glieder, das eine vom eigentl. C, wolaceus , das-andere vom (. pur-
puürascens nicht zu unterscheiden sind. Auch bei Erlangen treffen
nach Rosenhauer diese drei Formen zusammen, so auch in Österreich.
Es giebt noch einige andere Formen des C. violaceus, welche als
eigene Arten im Umlauf sind, auch bei anderen Arten sind örtliche
Abänderungen hauptsächlich durch die Insectenhändler als eigene
Arten verbreitet worden, welche Dejean auch’ gegen seine Über-
zeugung als solche zu beschreiben die Bescheidenheit gehabt hat.
Fischer v. Waldheim (Rev. zool. 8.270) will seine bekannt-
lich von Dejean eingezogene Gatt. Callisthenes wieder hergestellt
wissen, weil bei ihrem eigenthümlichen Habitus sie der Mangel der
Flügel von Calosoma nothwendig absondern müsste. Diese Noth-
wendigkeit zugestanden, würde man öfter in den Fall kommen, eine
Art zu zwei Gattungen rechnen zu müssen, indem. es vorkommt,
dass eine uud dieselbe Art bald gellügelt, bald ungeflügelt ist. Die
Gatt. Callisthenes würde also noch einer weiteren Begründung be-
dürfen. Der Verf. rechnet dahin 3 Arten: €. Panderi, C. Mot-
schoulsküi (Car. orbiculatus Motsch.) und C. Fischeri Men. ven der
Chinesischen Gränze. Guerin fügt (ebend. 8.271) eine vierte Art
€. Reichei, aus Persien, hipzu, von C. Motschoulskii dadurch un-
terschieden, dass die Oberseite ganz glatt ist, während sie bei diesem
nach M. eine feine schuppige Sculptur hat.
‘Die Helluoniden wurden von Reiche (Ann. d. 1. Soc. Ent. d.
Fr. XI. 8.323) einer Prüfung unterworfen, die Gruppe festgestellt,
L*
164
die seither aufgestellten Gattungen bestättigt, und einige neue hinzu-
gefügt. Die Eintheilung des Verf. ist folgende. Ungeflügelt sind
Omphra Leach mit abgestutzter, Helluo mit langer die Mandibeln
bedeckender Lefze. Die andern sind geflügelt: bei den einen hat das
Kinn drei lange dornförmige Lappen, und das Endglied der Lippen-
taster ist bald walzig: _Maerocheilus, oder dreieckig beilförmig:
Acanthogenius; bei den andern sind die Lappen des Kinnes kurz
und breit, der innere merklich kürzer: die Lefze ist entweder kurz:
gerade abgeschnitten bei Planetes mit einfachen und Dailodontus
mit zurückgebogenen Hinterecken des Halsschilds; in der Mitte miteinem
vortretenden Zahn bei Pleuracanthus; oder sie ist lang und bedeckt
die Mandibeln bei Helluomorpha. Eine neunte Gatt. ist denigma, deren
Charactere der Verf. nicht ermitteln konnte. — Die Arten vertheilen
sich auf folgende Weise:
Omphra— ostindisch — hirta FE. (tristis Leach), pilosa, atruta
Kl. und eine neue Art, O. complanata aus Vorderindien. :
Helluo — neuholländisch — costatus Bon.
4enigma Newm. — neuholländisch —.iris Newm.
Macrocheilus Kirby, Hope — ostindisch — 3pustulatus De).
(Bensoni Hope, 4maculatus Guer.).
Acanthogenius Reiche, neue Gatt. — asiatisch und africa-
nisch — zmpietus Wied., grandis Dej., labrosus Dej., bisignatus
Reiche (bimaculatus Dej.), biguttatus Gory, distactus Wied., dorsalis
Kl., eruciatus Marc, und eine neue Art: scapularis Reiche.
Planetes M.Leay — 0 stindisch — bimaculatus M. Leay (stigma
F., den der Verf. nach Hope hierhin stellt, gehört gar nicht in diese
Gruppe).
Dailodontus Reiche, neue Gatt. — südamericanisch — ceayen-
nensis Dej., rufipes Brull.
Pleuracanthus Gräy — americanisch — sulcipennis Gray,
brasiliensis, brevicollis, Lacordairei Dej., cribratus Reiche, anthra-
cinus, sanguinolentus, ferrugineus Kl.
Helluo'morpha Lap. — americanisch — heros Gray, agathyr-
nus Bug., bellicosa Lap., unicolor Brull., melanaria Reiche, neue
Art, femorala Dej., nigerrima, pubescens Kl., coracina Mannnerh.,
sparsa Brull. sind Südamericaner mit schwach verdickten Fühlern
und kürzerem Halsschilde, — H. praeusta, laticornis, nigripennis,
Clairvillei Dej. Nordamericaner mit stark verdickten Fühlern und
längerem Halsschilde.
(Hell. pygmaeus Dej. gehört nach dem Verf, nicht hierher, son-
dern eher zu Diaphorus,)
Mit einer Anzahl neuer Gattungen aus verschiedenen Gruppen
wurde durch v. Chaudoir (Bull. Mosc. 1842. 8. 832) die Caraben-
Familie bereichert, welche weitläuftig. und genau beschrieben sind,
doch ohne dass die unterscheidenden Merkmale hervorgehoben wären.
165
Ausserdem sind von Waterhouse u. A. noch andere neue Gattungen
errichtet, so dass dieselben in diesem Jahre eine ansehnliche Reihe
bilden.
Rhombodera Reiche (Rev. zool. S.313) mit Lebia verwandt,
das Halsschild etwas rautenförmig, das 4. Fussglied einfach, die
Klauen an der Wurzel mit einem- stumpfen Zahn, ohne kammförmige
Zähnelung, RA. virgata aus Neu Granada und Ah. atrorufa aus
Brasilien.
Glycia Chaudoir (Bull, Mosc. 1942. S.805) auf der Cymindis
ornata Kl. gegründet, eine Zwischenform zwischen Cymindis und
Calleida, mit der ersteren durch das einfache 4, Fussglied, mit der
letzteren durch das stark beilförmige Endglied der Lippentaster
übereinkommend.
Coeloprosopus Chaudoir (a. a. O. 8.839) aus dem Catasco-
pus Amaculotus Mac Leay gebildet, der von Catascopus durch den
fehlenden Zahn im Kinn abweicht; wodurch er aber von Pericalus M.
Leay sich entfernt, bliebe noch zu erörtern.
Lobodontus Chaudoir (a.a.O. S.841) mit Thyreopterus ver-
wandt, der Zahn im Kinn gross und abgerundet: L. trisignatus,
neue Art aus Südafrica.
Scopodes Ref. (dies. Arch. 1.Bd. S.123. T.4. F.1) Kinn mit
sehr kurzen Seitenlappen, ohne Zahn. Hinterfüsse lang und fein,
Augen sehr gross. Sc. boops, neue Art aus Vandiemensland.
Scariphites Mac Leay. Unter dieser Benennnng sondert
Westwood Arcana Ent, S. 157 eine kleine Gruppe neuholländischer
Scarites-Arten als Untergattung ab, welche im Fehlen der Flügel, er-
weitertem gerundetem Hinterkörper und walzigem Endglied der Taster
übereinkommen. Drei ausgezeichnete neue Arten hat der Verf. a. a.
0. 8.87 als Sc. Bacchus vom Schwanenfluss, Sc, Lenaeus aus
Neuholland, Se. Silenus vom Schwanenfluss beschrieben und T. 22
vortrefllich abgebildet; eine vierte später (S. 157) zugefügte, Sc. Mac
Leayi aus Neusüdwallis scheint mit Se. rotundipennis Dej. einerlei
zu sein, welcher auch in Vandiemensland zu Hause ist. (Vergl. dies.
Arch. 1842. 1. Bd. S.95)
Gnathoxzys Westwood (Arcana Ent. S.89. T.23. F.2. 3.)
eine ausgezeichnete Gattung, deren Stellung noch zweifelhaft ist.
Der Habitus Scariten-ähnlich, wie der von Baripus und Cnemacan-
thus, der kleine Kopf und die einfachen Mandibeln Pterostichen-
ähnlich, die Fühler und die aussen gezahnten Schienen wie bei Sca-
rites, in welcher Gruppe die Gattung vorläufig stehed mag. Das
Kinn ohne Zahn in der Ausrandung, die Füsse bei allen Ind., wie
es scheint, einfach. Den beiden a. a. ©. abgebildeten Arten, Gn.
granularis und irregularis von Port Essington fügte Reiche
(Rev. zool. 8.121) zwei andere Arten G. obscurus und eitatri-
cosus vom Schwanenfluss zu, und Westwood bemerkt später (Are.
- 166
Ent. S.158), dass er in Paris zwei ostindische Arten dieser Gattung
gesehen habe. ‚
Mystropterus Chaudoir (a. a. 0. 8.844) eine Ditomiden-
Gattung, von Pachycarus Sol. (cyaneus Ol.), durch das Vorhanden-
sein eines scharfen Zahnes im Kinn unterschieden, auf dem Dit.
coeruleus Brull. Exp. d. Moree gegründet.
Chilotomus Chaudoir (ebend, 8.846) auf dem Dit. chalybaeus
Fald. Col. Pers. Armen. errichtet, ohne Zahn im Kinn, mit verwach-
senen Flügeldecken und hinten vorgezogenem Halsschilde,
Brachycoelus Chaudoir (a. a. 0. S. 848) Harpaliden - Gatt,,
Gestalt von Cratocerus, Kinn mit breitem Zahn; an den 4 vorderen
Füssen die 4 ersten Glieder erweitert, unten mit dichter Filzbeklei-
dung: Br. Duponti, neue Art, von der Magellanstrasse.
Loxomerus Chaudoir (a.a.S. 851) ist zwar einerlei mit He-
terodactylus Guer. (S. vor. Jahresb. S.206) der neue Name ist indess,
da der frühere nicht mehr frei war, ebenso wenig wie die genaue
Beschreibung überflüssig; die Art heisst gleichfalls L., nebrioides,
und ist auch die nämliche mit Heterodact. nebrioides Guer.
Migadops Waterhouse (Ann. nat. hist. IX. 8.136. 7.3. F. 2.3.)
an Selenophorus erinnernd, die erweiterten Fussglieder der Männchen
unten mit dichtem Filz, in der Ausrandung des Kinnes ein doppelter
Zahn. Bei M. virescens aus Feuerland, M. Falklandicus von
den Falklandsioselo, M, Darwinii und nigrocoeruleus von
Feuerland sind die Mittelfüsse des Männchen deutlich erweitert, wäh-
rend bei M. ovalis von Feuerland es nur die beiden ersten ‚Glieder
und auch diese nur im geringen Grade sind.
Megalostylus Chaudoir (a. a. ©. 8.855) mit Poeeilus ver-
wandt, mit stumpfem abgerundetem Zahn im Kinn, und sehr langem
erstem Fühlergliede; auf 5 Arten von Neu Orleans gegründet, welche
indess nicht beschrieben sind.
Abropus Waterhouse (Ann. nat. hist. IX. S. 134. T.3. F.1) aus
dem Metius splendidus Guer. gebildet, vom Metius harpaloides Curt.,
dem Typus der Gatt. Metius abweichend in der Anchomenus-artigen
Form, so wie durch längere Fühler, vorn ausgerandete Lefze, vor-
züglich aber durch die Füsse, deren vorletztes Glied zweilappig und
unten bei beiden Geschlechtern mit Hautläppchen besetzt ist. Näher
steht Abropus au Antarctia, die einzige wesentliche Abweichung
mögte darin bestehen, dass Antarctia keine Läppchen am 4. Fuss-
gliede hat.
Amblytelus Ref. (dies. Arch. 1.Bd. S.129. T.4. F.2) ist eine
eigenthümliche Pterostichinen -Gatt., welche sich vorzüglich durch
das zweilappige 4. Fussglied auszeichnet, und hierin wie in der
Färbung an viele Truncatipennen erinnert. Die einzige Art ist C.
eurtus F.
167
Lestignathus Ref. (a. a. 0: 8.132. T.4. F.3) ist eine vorzüg-
lich durch die ‚breit und in einander greifend gezähnten Mandibeln
ausgezeichnete Anchomeninen - Gattung mit einer neuen Art L.
cursor von Vandiemensland.
Ophryodactylus Chaudoir (a. a. 0. 8.832) mit Dyscolus
verwandt, nur darin abweichend, dass der Zahn im Kinn gespalten
ist. Die Fussglieder sind an den Seiten stark gefurcht, wodurch sie
wulstig gerandet erscheinen. O. subviolaceus ist eine neue Art
aus Brasilien. .
Paranomus Chaudoir (ebend. S. 835) ebenfalls mit Dyscolus
verwandt und, wie es scheint, hauptsächlich durch den an der Spitze
etwas ausgerandeten Zahn im Kinn unterschieden. P. L’hermi-
nieri, neue Art von Guadeloupe.
Homothes Newman (Entomologist S.402) mit Euleptus Klug
zunächst verwandt und hauptsächlich im Habitus unterschieden, in-
dem das Halsschild nach hinten stark verengt, die Flügeldecken an
den Seiten mehr gerundet, flacher und zart gestreift, seidenartig
schillernd sind. H. elegans von Port Philip; eine zweite Art ist
Euleptus sericeus des Ref. (dies. Arch. 1. Bd. S. 131. 17.) Die
wesentlichen Merkmale der Gatt. sind noch festzustellen, wenn es
sich ausweisen sollte, das sie wirklich von Euleptus zu unter-
scheiden ist,
Cyphosoma Hope (Proceed. Ent. Soc. Lond. S.46) und Cyr-
toderus (dess. ebend. S.47) sind mir räthselhaft geblieben und kann
ich daher nur namentlich anführen. Die erstere ist zwischen Aenigma
(Helluo) und Catascopus aufgeführt, die letztere scheint dem Verf.
mit Zabrus verwandt. Die Arten Cyphosoma unicolor und Cyr-
toderus Australasiae sind von Port Essington.
Molpus Newman (Entomologist S.413) weiss ich ebenfalls
nicht zu deuten; auch hat der Verf. sich über ihre Stellung nicht
geäussert. Wegen der sehr grossen Augen könnte man auf Scopodes
s. o. schliessen, doch geben die wenigen weiteren Angaben keinen
näheren Anhalt. M. 6punctatus von Adelaide scheint wenigstens
vom Sc. boops des Ref. verschieden zu sein.
Die Zahl der neubeschriebenen Arten ist gross, am übersicht-
lichsten nach der geographischen Verbreitung aufzuführen.
Von europäischen Arten sind Dysehirius salinus Er. Schaum
(Germ. Zeitschr. IV. 8. 180) an allen norddeutschen Salzstellen, Har-
palus truncalus, Amara planiuscula Rosenhauer (Lauf-
und Schwimmkäf. Erlangen 8. 12. 21) aus der Erlanger Gegend, und
drei von Bedtenbacher (Coleopt. Austr.) aus Österreich aufzu-
führen: Elaphrus Ullrichii Dej., au Flussufern vorkommend,
Ptierostichus Justusii Spitzy aus den österreichischen Alpen und
Stenalophus humeralis; der letztere ist mir nur nach der Be-
schreibung bekannt, welche auf den Badister humcralis passt.
168
Einen namhaften Beitrag zur Kenntniss der Caraben-Fauna Vor-
derasiens gab v. Chaudoir (Bull. .d. 1.,Soc. Imp. de Nat. d. Moscou,
1842. S. 601) mit einem Verzeichniss der von Karelin in der Provinz
Masanderan bei Astrabat gesammelten Arten, welche sich auf 76-be-
laufen, unter ihnen viele neue: Drypta angustata, nur nach
einem Exemplar durch einige „plus“ und ‚„moins“ von der ebenfalls
dort einheimischen D. emarginata vielleicht zu 'voreilig unterschieden,
Zuphium longiusculum, sich ähnlich zu Z. olens verhaltend,
Brachinus annulicornis, elegans, bigutiatus, guttula,
scutellaris, Anthia Mannerheimii, der A. sexguttata nahe
verwandt, Scarites crenulatus, persicus, Clivina laevi-
frons, Elaphrus impressifrons, Paganaeus elongatus
Mann., nach des Verf. eigener Meinung nicht vom P. crux maior
unterschieden, Chlaenius dimidiatus, fulvipes, auriceps,
Dinodes angusticollis, Karelinii, Pogonus micans, An-
chomenus discophorus, vom A. prasinus vorzüglich durchgrösse-
ren Rückenfleck unterschieden, Agonum obscurum, Calathus
dilutus, Poecilus Karelinii, laevicollis, Bothriopterus
laevicollis, Pterostichus subcordatus, Pseudomaseus de-
planatus, Lissotarsus reticulatus, Cephalotes longicol-
lis, Leirus parallelus, Amara persica, Celia abbreviata,
Acinopus eurycephalus, emarginatus, Ophonus atro-
cyaneus, Harpalus cribripennis. Im Allgemeinen zeigt sich
die Fauna der europäischen sehr übereinstimmend, selbst die neu
aufgestellten Arten scheinen oft nicht genügend von solchen unter-
schieden zu sein; auffallend genug ist das Vorkommen einer Anthia,
welche vielleicht selbst einerlei mit der Indischen ist.
Einige Ostindische Arten sind von Guerin in Delesserts Reise
beschrieben: Helluo 3 pustulatus Dej., mit dem H. 4maculatus der
Rev. zool. als Abänderung vereinigt ward, Orthogonius late-
ralis von der Insel Pinang, Chl. bilunatus zu dem Chl. Neelghe-
riensis der Rev. zool. als Abänderung gehört, Chl. Lafertei von
Pondichery.
Aus der africanischen Fauna sind zunächst 10 neue Arten auf-
zuführen, welche von Lucas in der französischen Berberei entdeckt,
und in den Ann. d.sc. nat. XVII. 8. 60 beschrieben sind: Cymindis
Setifeensis, leucophthalma, Scarites Levaillantii, Di-
tomus ruficornis, Nebria variabilis, der N. brevicollis sehr
ähnlich, Olisthopus puncticollis, Poeeilus barbarus, numi-
dieus, coaretatus, Zabrus distinctus.
Eine Anzahl von neuen Arten aus dem westl. tropischen Africa,
hauptsächlich von Sierra Leone hat Hope Ann. nat. hist. X. 91 auf-
gestellt: Desera viridipennis, Galerita anthracina, Cal-
leida nigriventris, Eurydera bifasciata, Orthogonius
latus, longipennis, Strachani, dubius, CatascopusSava-
zei, jucundus, Oxaena lutea, Scarites Savagei, Panu-
D
169
gaeus Savagei, Raddoni, Sayersii, Klugii, tropicus,
Erichsoni, Strachani, grossus. — Ebenfalls aus Guinea ist
eine Anzahl von Arten, welche Imhof (Verh. d. Naturf. Gesellsch.
in Basel V. S.164) beschrieben: Calosoma Guineense, Cata-
scopus femoralis (= Savagei Hope = Westermanni Dej. Cat.), C.
nigripes (= jucundus Hope, schwerlich vom C. senegalensis Dej.
verschieden), C. specularis, Panagaeus grandis (= grossus
“ Hope), P.scabricollis, Epomis alternans, Morio guineen-
375 (— Senegalensis Dej.) vom M. orientalis durch etwas breitere Form
und weniger feine innere Streifen der Flügeldecken verschieden.
Einen namhaften Beitrag zr Kenntniss südamericanischer Cara-
bieinen lieferte Reiche in der Rev. zool. 8.241, 272, 307, durch
die Beschreibung einer Anzahl neuer Arten aus Columbien, vor-
zugsweise aus Neu Granada. Es sind 2 A, Casnonia, 1 Cordistes, 1
Leptotrachelus, 2 Galerita, 2 Cymindis, 13 Calleida, 3 Dromius,
2 Aspasia, 5 Lebia, 1 Coptodera, 2 A. der neu aufgestellten Gatt.
Rhombodera (s. 0.), von denen eine indess brasilisch ist (Diese Ar-
beit ist im nächsten Jahrgange fortgesetzt.)
Die neuholländische Fauna ist von mehreren Seiten her berei-
chert. Von Port Essington sind mit Ausnahme des denigma uni-
eolor: A. cyanipenne, Cyphosama unicolor (s. o0.), Cata-
scopus Australasiae, Gnataphanus (?) licinoides, Cyrto-
derus Australasiae (s. 0.) Hope Proceed. Ent. Soc, S.46. —
Vom Port Philip sind Calleida suturata, Lebia callida,
luctuosu, luculenta, benifica, irrita, mollis, Feronia
Philippı, Anchomenus(?) nigro-ueneus, Homotes elegans
(s. 0.) Newman Entomologist S. 367, 401. — Von Vandiemens-
land: Calosoma Schayeri, Scopodes (s.0.)boops, Plochionus
australis, Calleida pacifica, Cymindis curtula, ingui-
nata, Harpalus verticalis promptus, vestigialis, Ptero-
stichus (Poecilus) prolizus, coracinus, (Argutor) sollicitus,
Anchomenus marginellus, ambiguus, Euleptus sericeus,
Dyscolus australis, dilatatus, Lestignathus(s.o.) cursor
von Ref. in diesem Archiv 8.122 — 34.
Die neuholländischen Scaritiden hat Westwood (Arcana Ent. I.
8.81. T.21— 23) mit einem reichen Material vortrefflich bearbeitet.
Einen Hauptbestandtheil macht die Gatt. Carenum Bon. aus, eine
rein neuholländische Form, mit welcher Arnidius Leach einerlei ist,
mit welcher der Verf. auch Eutoma Newm. verbindet; es sind 11
Arten aufgeführt, von denen sechs schon früher einzeln beschrieben
gewesen: (C. Bonellii (C. cyaneum Bon.), marginatum (Arnid, m,
Leach, Boisd.), perplecum White, eyancum (Scar. cyan, F.), Spencei
Westw., tinctilatus (Eutoma) Newm.; zwei: ©. smaragdulum
und megacephalum (Eutomus megacephalus) von Port Essington
gleichzeitig von Hope (Proceed. Ent. Soc. 8.46) bekannt gemacht,
drei: C. politum von Vandiemensland, C. gemmatum und sum-
170
ptuosum von Port Essington-neu sind. Eine 12. Art ist C. locu-
Z!osum Newman (Entomolozist S. 369. Westw. Arc. Ent. S. 158) vom
Philippshafen. -— Die eigentl. Scariten gehören meist der eigenthüm-
lichen Form an, welche oben bereits unter der Benennung Scari-
phites angezeigt ist. Nur eine einzige Art, Se. seulptilis, gehört
nicht dahin, sondern schliesst sich dem Sec. lateralis Dej. zunächst an.
Dann verbreitet sich diese Arbeit noch auf die neue Gatt. Gnatho-
zys (s. 0.) und zuletzt ist auch eine schöne Abbildung des Se.
Schröteri Schreib. gegeben, welchen, da die ihm beigelegten Namen
Heteroscelis und Hyperion bereits besetzt sind, der Gattungsname
Campylocnemus schon früher von W. beigelegt war.
Über die systematische Stellung von Adelotopus äusserte Hali-
day (Entomologist S. 305) seine Ansicht dahin, dass die fast ganz
glatten Fühler und die zusammengedrücktenFüsse der Gat-
tung ihren Platz bei den Wasserkäfern anweisen, dass sie von den
Gyrinen sich in wesentlichen Puncten entferne, und vorläufig also den
Dytiscen angeschlossen werden müsse. Dass Adelopus nicht im Wasser
lebt — die Käfer finden sich nach Davis Bericht unter Eucalyptus-
Rinde (ebendas. S. 306) — wäre kein Grund gegen diese Ansicht, wenn
nicht die Schwimmfüsse einen wesentlichen Character der Dytiscen
bildeten, und Schwimmfüsse hat Adelotopus nicht. Ferner sind
auch die Fühler nicht glatt, bei Adelotopus zwar dünner behaart, bei
den verwandten Gattungen aber ebenso dicht wie bei den übrigen
Caraben. Newman (ebendas. S. 365) auf die Gründe Haliday’s Bezug
nehmend, will für diese Käfer eine eigene Ordnung (!) im gleichen
Range mit den Carabites, Dytiscites und Gyrinites und zwischen
ihnen {in der Mitte stehend unter dem Namen Pseudomorphütes
errichtet wissen. — Die Zahl der Arten: dieser Gruppe hat einen Zu-
wachs erhalten, vorzüglich die der Gatt. Adelotopus: A. hue-
morrhoidalis des Ref. (d. Arch. 1842. 1. 126. 50) von Vandiemens-
land, vielleicht eiverlei mit 4. inquinatus Newman (Entomologist
366. 50) von Port Philip; ferner A. Scolytides Newm. (ebendas.
n. 51) ebendaher, A. dytiscides (ebendas. 8.365, not.) von Ade-
laide; endlich Si/phomorpha guttigera Newm. (a. a. O. 367. 52)
von Port Philip.
Dytisei. Eiu genaues Verzeichniss der Dytiscen der Erlanger
Gegend theilte Rosenhauer (Die Lauf- und Schwimmkäfer Erlan-
gens) mit, mit beigefügtem Vergleich mit andern Faunen. Erlangen
mit 89 Arten steht der Schweiz (87 A.) fast gleich, reicher sind
Schweden mit 103, und die Mark Brandenburg mit 100 Arten, ärmer
Lappland mit 73 und Paris mit 72 (und nach Apetz’ Untersuchung das
Osterland mit 75 Arten, wo der Unterschied hauptsächlich in der
Gatt. Hydroporus liegt).
Die Artrechte des Colymbetes consputus Sturm sind durch von
Kiesenwetter (Ent. Zeit. 88) festgestellt worden: er unterscheidet
sich vom C. collaris nicht allein durch grössere und breitere Gestalt,
171
sondern auch in der Zeichnung der Flügeldecken und vorzüglich
auch im der Bildung der Vorderklauen bei den Männchen.
Zwei neue europäische Arten von Hydroporus hat Aub& (Ann.
d.1. Ent. Soc. d. Fr. XI. p. 229) beschrieben: H. Schaumei ist von
Sicilien, H, polonicus von an von letzterem ist ebendas.
S. 345 die Beschreibung des Männchen nachgetragen. Eine dritte
neue Art ist A. /Zautus Schaum. (Germ. Zeitschr. IV. S. 187) vom
Mansfelder Salzsee.
Kiellerup (Kröyers Nat. Tidsskr. IV. p. 318, 337) behauptete,
dass Haliplus fluviatilis Aube von H. ruficollis, so wie H. lineatus
Aube vom H. obliquus nicht verschieden seien, indem sie je in ein-
ander übergingen. Mir sind dergl. Übergänge nicht vorgekommen,
H. fluviatilis und ruficollis unterscheiden sich auch bekanntlich sehr
in ihrem Vorkommen, und eben so wenig habe ich jemals A. obliquus
und Zineatus untereinander angetroffen. — Huliplus ater Red-
tenbacher (Coleopt. Aust. S. 8) dem H. impressus verwandt, aber
ganz schwarz, scheint in seinen Artrechten noch zweifelhaft zu
sein, um so mehr als erst ein Ind. aufgefunden ist.
Neue neuholländische Dytiscen sind Eunectes helvolus .des
Ref. (dies. Arch. 8. Jahrg. I. S. 134) von Vandiemensland, Cybister
insularis, Colymbetes monostigma und Hydroporus col-
laris Hope (Proceed. Ent. Soc. p. 47) von Port Essington.
Eine Darstellung des unpaaren Schlundnervensystems des Acilius
sulcatus gab Schiödte in Kröyer Naturh. Tidsskr. IV. S. 104. T.1.
Gyrini. Die deutschen Gyrinen sind von Suffrian (Ent.Zeit. 8.
219) einer ausführlichen Revision unterworfen. Bemerkenswerth ist das
Vorkommen des G. strigipennis Suflr. (striatus Aube) im nörd-
lichen Deutschland (bei Eiberfeld und Stettin). Mit G. marinus ver-
bindet der Verf. @. aeneus Leach, aeratus Steph., so wie als Ab-
änderung G, anthracinus St., wie auch G. dorsalis Gyl.; den @.
aeneus Aube aber betrachtet er als einerlei mit G. opacus Sahlberg, so
dass der erstere die Stammart, der letztere eine düster schwärzliche
Abänderung darstelle; endlich unterscheidet er von beiden noch eine
dritte Art G. nitens Parr., welche in Südeuropa vorkommt, und mit
der Form und den in beiden Geschlechtern glatten Zwischenräumen
der Punctstreifen des G. mergus, den schwarzen umgeschlagenen
Rand des G. marinus verbindet. Die angehängte Bemerkung des
Verf., dass er den Orectochilus villosus mehrmals am Tage auf der
Oberfläche des Wassers umherschwimmend beobachtet habe, ist vor-
züglich deshalb wichtig, weil sie eine von Ahrens geäusserte Ver-
muthung, dass der O. villosus ein nächtliches Thier sei, aufheht,
und dem vorbeugt, dass diese durch öftere Wiederholung am Ende
zur beglaubigten Thatsache würde.
Neue neuholländische Arten sind Dineutes Gouldii und Gy -
rinus Iridis Hope (Proceed. Ent, Soc. S.,48) von Port Essington.
Staphylini. Bemerkungen über Vorkommen und Lebensweise
172
britischer Brachelytren theilte Holme (Transact. Ent. Soc. Lond. I.
S, 108) mit. Sie beziehen sich auf Stephens’ Illustr. In einem
Zusatz bemerkt der Verf., dass viele der dort aufgeführten Arten
von Stephens selbst in seinem inzwischen erschienenen Manual re-
ducirt sein, dass die Reduction noch viel weiter ausgedehnt werden
müsse, denn er \habe sich bei Durchsicht der Kirbyschen Sammlung
— Stephens hat seine Bearbeitung dieser Familie hauptsächlich aus
Kirbyschen Mspten. zusammengestellt — überzeugt, dass viele
der typischen Species nur unreife Ind. wohlbekannter Arten seien,
seine Notizen darüber habe er aber leider verloren. Einige Arten
sind als neu aufgestellt: Staphylinus semipolitus (vielleicht
fuscatus Gr.) Raphirus nigricorn!s, Omalium mesomelas,
Mir sind alle drei zweifelhaft.
Märkel hat unter den Staphylinen, welche 'in den Nestern der
Form. fuliginosa leben, 5 neue und ausgezeichnete A. entdeckt, und
dieselben (Ent. Zeit. 8.142) beschrieben. Sie gehören alle zur Aleo-
charen- Gruppe und sind Myrmedonia cognata, laticollis,
Ozxzypoda vittata, Aleochara inquwilina, Euryusa acu-
minata.
Lathrobium longicorne Redtendbacher (Col. Austr. 8.8.
n.5) scheint. mir nicht verschieden zu sein von Lath. angusticolle (G.
et Sp. Staph. 593. 7) — In Bezug auf die von mir wegen des Lathr.
elongatum Gyll. angeregten Zweifel bemerkt Jakobson (Kröyer
Naturhist. Tidsskr. IV. 8. 344), dass er unter einer Anzahl scandi-
navischer Individuen sowohl solche, welche zu Gyllenhal’s, als
auch solche, welche zu meiner Beschreibung passen, herausgefunden
habe. Ob und wie sie sich ausser der Bildung des vorletzten Hin-
terleibssegments beim Männchen unterscheiden, ist nicht näher er-
örtert.
Einige Staphylinen des südlichen Europa hat Aube (Ann. d. I.
Soc. Ent. d. Fr. XI. S. 234) beschrieben: Ocypus siculus und pla-
nipennis aus Sicilien sind dem O. pedator verwandt; Paederus
lusitanicus aus Portugal, den südl. Abänd. des P. littoralis ähnlich,
aber durch weniger kugliges Halsschild, längere Flügeldecken und
fast ganz schwarze Beine unterschieden, besonders leicht aber an
den schwarzen Mittelhüften zu erkennen, welche beim P. littoralis
gelb sind. ß
Als eine neue Art aus Vandiemensland beschrieb Ref. Aleo-
chara speculifera (a. a. ©. S. 134).
Die Staphylinen der d’Orbignyschen Reise sind in dessen Reise-
werke von Blanchard bearbeitet erschienen. Neue Arten sind
Staphylinus luctuosus aus Bolivien, vom Verf. in die Nähe des
St. villosus und variegatus gestellt, und mit dem St, erythrocephalus
verglichen, mögte aber doch wohl näher dem St. erithacus stehen, St.
vianthinipennis, dem St. saphirinus und hilaris nahe stehend, aus
Bolivien; St. eribratipennis, ebendaher, St. nigrescens, aus
173
Montevideo , wohl dem St. fuseicornis Germ, nahe stehend; St. chry-
sopterus Brull. aus Bolivien, eine gute und ausgezeichnete Art,
welche nur die schlechte Abbildung mich veranlasste, fragweise beim
St. nobilis anzuführen; St. tristis Bl. von Montevideo, Philon-
thus Gaudichaudii von Rio Janeiro, Ph. rubromaculatus
von Montevideo, PA. pallipes von den Inseln des Paranä, alle.
drei mit 5punctigen Reihen auf dem Halsschilde; Sterculia splen-
dida, aus Bolivien, durch roth goldenen Hinterleib ausgezeichnet,
auf der Tafel von Brulle irrig fulgens genannt, und von mir
auch mit Unrecht bei letzterer citirt; Cryptobium basale von
den Inseln des Paranä, Cr. erythrothorax aus der Gegend von
Rio Janeiro, beide dem Cr. bicolor verglichen; Lathrobium ful-
vipes von den Inseln des Paranä, Pinophilus maius Brull. von
Corrientes, P. cribratus aus Brasilien, P. lividipennis und
obscurus von den Inseln des Parana.
Buprestidae, Über das Vorkommen einiger nordamerica-
nischer Bupresten hat Harris (Ins. of Massachus. S.40) mehreres
mitgetheilt. 2. (Chalcophora) Virginica Drury, welche gegen Ende
Mai’s und im Juni sich zeigt, verhält sich wie unsere B. Mariana:
die Larve lebt im Holz der verschiedenen Fichtenarten und wird
diesen Bäumen sehr nachtheilig. B. (Dicerca) divaricata Say greift
die wilden (Prunus serotina) und Garten-Kirschen, auch Birnbäume
an. Die im Hickory lebende Larve der 2. (Dicerca) lurida E. ist
näher beschrieben. B. (Chrysobothr.) dentipes Germ. lebt in Eichen-
stämmen, B. (Chr.) femorata F. in Pfirsichenbäumen, auch auf
Weisseichen, B. (Chr.) fulvoguttata Harr. (New Engl. Farmer VIlI.,
Tuchypteris Drummondi Kirby) lebt in Stämmen von Weissfichten,
B. (Chr.) Harrisi Hentz (klein glänzend blaugrün, die Halsschild-
seiten und Schenkel beim / kupferfarben) lebt als Larve in kleinen
Zweigen und Schösslingen desselben Baumes.
Drei neue Arten: Stigmodera virginea, Melobasis hypo-
cerita, prisca von Vandiemensland bat Ref. (a. a. 0. 8.135) be-
schrieben.
Die |Naturgeschichte der Bupr. Fabriciü hat Bertolini (Nov,
Comm. Acad. Scient. Bonon. V. p.87. T.8) ausführlich beschrieben
Die Larve lebt im Holz der Birnbäume und wird diesen sehr nach-
theilig.
Kuenemides. Nematodes strepens Redtenbacher
(Col. Aust, S. 9) ist Tharops melasoides Lap., Isorhipis Lepaygei Dej.
Elateridae. In den Proceed. zool. Soc. of Lond. (1842. S.73)
findet sich die Anzeige von einer Arbeit Hope’s über eine Abthei-
lung der Elateriden, welche als eine eigene Fam. Phyllophoridae
bezeichnet wird. Sie enthält die Gatt. Phyllophorus H. (El. gigas
F.), Tetralobus Serv. (9 Arten), Piexzophyllus H. (2 neue Arten),
Ozynopterus H. (El. mucronatus Ol. und 4 neue A.), Leptophyl-
!us H. (eine neue Art), Peetocera H. (2 neue Arten). Die Gat-
174
tungen sind ausser Tetralobus alleneu, doch bin ich nicht im Stande,
aus den hier mitgetheilten Beschreibungen ihre wesentlichen Merkmale
zu entnehmen, und da der Verf. selbst in’ dieser Hinsicht auf die
von Westwood gemachten Abbildungen verweist, muss das Erschei-
nen derselben abgewartet werden, ehe auf diese Abhandlung näher
eingegangen werden kann.
Germar (Zeitschr. IV. S.43) stellte eine eigene Gruppe aus den-
jenigen Elateren zusammen, bei denen die Stirn vorn allmählich ver-
flacht ist. Die neue Gatt. Crepidomenus wurde vonRef. in diesem
Archiv (8. Jahrg. 1. Bd. S. 140) errichtet, sie weicht von den übrigen
dadurch ab, dass das 3. und 4. Fussglied unten eine herzförmige
Hautsohle hat: es sind drei Arten, (. fulgidus, decoratus und
taeniatus beschreiben, alle'von Vandiemensland. Unter den übri-
gen mit einfachen Füssen sind bei den einen die Schenkeldecken
nach innen buchtig und jäh erweitert: Ludius Latr., ‚Beliophorus
Esch., Tomicephalus Latr., Hemiops Esch. — Ludius mit deutlich
abgesetztem (12.) Scheingliede an der Spitze des 11. Fühlergliedes
enthält El. ferrugineusL., L. coracinus aus Nordamerica, El. The-
seus Germ. und L. decorus neue Art von Valparaiso. — Beliopho-
rus Esch. mit ungetheiltem 11. Fühlergliede, und sehr schmalen, erst
an der Einlenkung der Hinterbeine im Winkel erweiterten Schenkel-
decken ist auf den B. cebrionoides Esch. von Cap beschränkt. (die
andere von Esch. aufgeführte Art, El. mucronatus Ol., welche der
Verf. nicht kannte, ist auch als Gattung verschieden und von Hope
Oxynopterus (s. 0.) benannt worden.) — Tomicephalus Latr. (Mega -
enemius Esch.) hat ebenfalls ein einfaches 11. Fühlerglied, die Schen-
keldecken aber im Bogen nach innen beträchtlich erweitert: einzige
Art: T. sangwinicollis Latr. — ' Hemiops mit vorn ausgerandeter
Lefze, enthält A. favus Lap. (luteusDej.) von Java, H.nigripes Lap.
Germ. und A. Chinensis, neue A. von China. — Bei den übrigen sind
die Schenkeldecken nach innen allmählich erweitert: Corymbites hat
nur das 2. Fühlergl. klein, das 3. von der Form des vierten. Dia-
canthus und Pristilophus haben das 2. und 3. Fühlerglied klein, das
3. wenigstens schmaler und kürzer als das vierte; beide unterscheidet
der Verf. durch habituelle Merkmale von einander, indem bei der
ersteren das Halsschild kürzer ist und die Flügeldecken hinter der
Mitte breiter werden; dieser Unterschied scheint mir aber nicht genü-
gend zu sein, ick mögte ihn lieber so auffassen, dass bei Diacanthus
der Mund vom Prosternum bedeckt, bei Pristilophus frei bleibt, dann
bleibt wenigstens Latreille’s typische Art E, melancholieus in der
letzteren Gattung, und es kommen ausserdem noch D. corporosus,
submetallicus, zwei neue A. aus Nordamerica, costalis Payk. und
guttatus Dej. zu Pristilophus herüber, so wie P. laevigatus, Rei-
chei neue Art aus Südcarolina, morio F., welche 3 zusammen eine
kleine Unterabtheilung mit vortretendem Mesosternum bilden, ferner
aethiops Hbt. und insitivus Germ. (depressus Meg.) zu Diacanthus zu
175
rechnen sind. So enthalten Corymbites 25, Diacanthus 28, Pristilo-
phus 13 Arten, Endlich Cardiorhinus Esch. weicht. von den vorigen
durch ausgerandete Lefze ab; die Zahl der aufgeführten Arten ist
nicht höher als 11, es hat aber auch bei der Bearbeitung dieser Gatt.
der Verf. die kiesige Sammlung nicht benutzt.
Ebendas. S. 98 hat Germar die Arten der Gatt. Campsosternus
gemustert, Hope’s Aufzählung (S. vor. Jahresb. S. 215) zum Grunde
legend. Eine Anzahl der Hope’schen Arten ist ihm theils unbekannt,
theils, bei Hope’s ungenügenden Diagnosen, zweifelhaft geblieben,
dafür sind, ausser dass mehrere derselben durch genauere Beschrei-
bungen erläutert sind, noch einige hinzugefügt, nämlich C. Latreillei
Dej. von Cochinchipa, wahrscheinlich mit Hope’s gleichnamiger Art
zusammenfallend, daher auch der Name nicht geändert ist, C. ruti-
lans Chevr. von Manila, violatus aus Bengalen, foveolatus aus
Malabar.
Hinzuzufügen ist noch eine neue Art, welche Guerin (Deless.
Souv. d’voy* dans PInd. II. S. 37) unter dem nicht mehr freien Na-
men Campsosternus Latreillei beschrieben hat, und welche
von allen andern dadurch verschieden zu sein scheint, dass sie mit
einer feinen weissen Behaarung mehr oder weniger dicht bekleidet
ist, Sie ist bei Pondichery entdeckt.
Drei österreichische Arten hat Redtenbachter (a. a. 0. 8. 11)
beschrieben: E. (Ampedus) fulvus ist ein kleiner Käfer, welcher
von Ampedus durch Hautläppchen an den Fussgliedern abweicht, da-
gegen mögte E. (Sericosomus) Tugens eher zu Ampedus gehören:
E. (Eetinus) subaeneus Ziegl. seheint mir unter Pristilophus an
seiner richtigen Stelle zu stehen. — Desvignes (Entomologist
S. 3%6) stellte eine neue britische Art, Elat. rufitarsus, auf,
welche zu Ampedus zu gehören und dem E. nigrinus verwandt zu
sein scheint.
Ein grosser neuholländischer Elater ist Agrypnus grandis
Hope (Proceed. Ent. Soc. 8.48) von Port Essington. Aus der van-
diemensländischen Fauna beschrieb Ref. (a.a. 0. 8.136) 1 neue A. von
Lacon, 6 von Monocrepidius, 1 von Melanoxanthus, 1 vou Pristilo-
phus, 3 von der neuen Gatt. Crepidomenus (Ss. 0.), endlich noch
eine neue Gatt. dtelopus, mit Dolopius, verwandt, durch das sehr
kleine, mit einem Hautläppchen versehene 4. Fussglied von: den übri-
gen Gattungen mit gewölbter Stirn sich entfernend, 4 neue Arten
enthaltend. Da der Name Atelopus sich schon bei den Amphibien im
Gebrauch findet, ist er in Acroniopus umzuändern. Rs
Rhipiceridae, Von Rhipicera wurden drei neue neu-
holländische Arten, Rh. attenuata, pumilio (vom Schwanenfluss)
und brunnea, von Westwood (Proceed. Ent. Soc. 64). an-
gezeigt.
Cyphonidae, Eine neue Art von Oyphon, C. australis,
aus Vandiemensland beschrieb Ref. (a. a. O0. 8. 144).
hr
176
Lampyridae. Dieckhoff (Ent. Zeit. 8.117) theilte seine
Beobachtungen über das Leuchten der Lampyris-Arten mit. Er
stellt die Vermuthung auf, dass es zum Schutz gegen Raubthiere
diesen Insecten gegeben sei. — Robert (Ann. d. sc. nat. XVIM.
S. 379) erzählt, dass er ein Lampyris Qin der Hand hatte, welches
so hell leuchtete, dass er kleine Schrift, nahe gehalten, dabei lesen
konnte, als sich ein g' einfand, und nach wenigen Augenblicken hat-
ten sich die beiden Geschlechter vereinigt. Das anfangs hell leuch-
tende Licht verminderte sich allmählich, und erlosch nach einer halben
Stunde gänzlich. Wenn er einLampyris Q der Quere nach in zwei
Stücke schnitt, verschwand das Licht ebenfalls allmählich in der glei-
chen Frist; darauf konnte er das Licht wieder hervorrufen, wenn
er den Hinterleibstheil einer Lichtflanime näherte‘, wohl in Folge der
Erwärmung, aber nur innerhalb 36 Stunden, und auch nur einmal.
Eyeidae. Über die Gattungen Lycus, Lygistropterus, (Dietyo-
pterus Guer.), Porrostoma und Metriorhynchus machte Ref. (dies.Arch.
S. 100) die Bemerkung, dass diese die Arten mit einem Rüssel ent-
halten, doch sich nur 3 Gattungen: Lycus durch verkümmerte Man-
dibeln ausgezeichnet, und Lygistopterus beide mit an der Rüssel-
wurzel, Porrostoma mit auf der Stirn eingelenkten Fühlern, fest-
halten lassen, deren jede eine lang- und eine kurzrüsslige Abtheilung
aufzuweisen habe, und dass Metriorhynchus Guer. die kurzrüssl.
Abtheilung von Porrostoma sei. — Beschrieben sind ebendas. meh-
rere Arten aus Vandiemensland: Porrostoma erythropterum,
P. (Metriorh.) rufipennis (der wahre Lyc. rufipennis F.), P. M.
marginatus, discoideus, Anarhynchus scutellaris. Aus
der Form, welche der Gatt. Dictyopterus Guer. entspricht, machte
Buquet (Rev. zool. S.6) fünf südamericanische Arten bekannt: L.
regalis, humeralis aus Bogota, 3 fasciatus, imperialis
aus Columbien, 4costatus aus Brasilien. Zu bemerken ist, dass
die erste Art der Lycus succinetus Latr. in Humboldts Recueil ist,
und dass der seit längerer Zeit von Mulsant begründete Gattungs-
name Lygistopterus dem Guerin’schen vorzuziehen sei, weil Latreille
denselben in einem anderen Sinne gebraucht.
Melephoridae. Als eine neue Art aus Österreich (vom
Schneeberg) stellte Redtenbacher (a. a. ©. S. 13) Cantharis
nigripes auf. Dieselbe ist aber €. barbara F., pallida Rossi, welche
ausser der Berberei in Portugal, Italien und auch in der Schweiz
vorkommt. — Eine neue Art aus Vandiemensland ist Canth. no-
bilitata des Ref. (a. a. 0. 8, 146).
Mrelyrides. Von Malachien beschrieb Redtenbacher (a.a. 0.
S.14) eine neue Art aus Österreich: Anthocomus festivus; Ref.
(a. a. 0. 8.147) eine andere aus Vandiemensland: Attalus ab-
"dominalis.
Ein neuer spanischer Dasytes, dem D. nobilis verwandt, aber
von flacher Form, wurde von Graells (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. X1.
177
S.221, T.10. F.3 6) als D. eilöatws beschrieben. Er lebt auf den
Blüthen von Cistus monspeliensis und albidus.
Clerii. Eine umfassende, auf der hiesigen Sammlung gegrün-
dete Bearbeitung der Clerier: ‚‚Versuch einer systematischen Be-
stimmung und Auseinandersetzung der Gattungen und Arten der
Clerii, einer Insecten-Familie aus der Ordoung der Coleopteren “
von Klug ist in den Schriften der Königl. Acad. der Wissensch.
erschienen. Die Systematik ist hier schwierig, weil die Gattungen
sich wenig abrunden, häufig Wiederholungen einzelner Formen und
Färbungen in verschiedenen Gattungen vorkommen, so dass hier der
Habitus ganz trüglich ist, endlich weil eine grosse Menge kleinerer
Abtheilungen und Gruppen vorkommen, welche sich weder als Gat-
tungen abschliessen, noch im unmittelbaren Zusammenhange mit den
als typisch angenommenen Formen stehen. Unter diesen‘ Umständen
hat der Verf., um die Klippe einer übertriebenen Zerklüftung‘ zu
vermeiden, den Weg gewählt, eine beschränkte Anzahl von Haupt-
gattungen festzuhalten, innerhalb derselben aber alle vorkommenden
Verschiedenheiten auszuzeichnen, und die hervorstehenderen derselben
mit eigenen Namen, als Untergattungen zu bezeichnen,
Den Anfang machen die Gattungen mit deutlich 5gl. Füssen.
I. Cylidrus theilt ‚sich in zwei Gruppen: 1) (Cylidrus Spin.)
mit versteckter Lefze: C. cyaneus F., fasciatus Lap. und zwei neue
A. ©. abdominalis aus Brasilien, dalteatus vom Cap; — und
2) (Denops Stev.) mit ausgerandetem Kopfschilde und’ freier Lefze:
ulbofasciatus Charp.
u. Tillus. A. Klauen vor der Spitze zweimal gezahnt: 1)
(Tillus) Körper schmal, Fühler lang, gesägt: T. elongatus, mit wel-
chem T. hyalinus Sturm und bimaculatus Don. als Abänderungen
verbunden sind. 2) Körper schmal, Halsschild eingeschnürt, Fühler
doppelt gekämmt: T. pectinicornis, neue A., unbekannted Vaterlan-
des; 3) (Cymathodera Gray) Fühler fadenförmig, letztes GI. all-
mählich zugespitzt, nicht merklich länger als die folg.: Hopei Gr , eylin-
dricollis Chevr. , inornatus Say und 4 neue: marmoratus ausMexico,
prolizus und conflagrätus vom Orinoco, cingulatus vom
Cap. — 4) Fühler kürzer, fast gesägt, das letzte Gl. so lang als
die beiden vorhergehenden: 7! compressicornis neue Art'vom
Cap. — 5) (Maerotelus Kl.) Fühler 10gl., das 10. Gl. so lang als
die übrigen zusammengenommen: ferminatus Say. — 6) (Tilloillen
Lap.) Fühler kurz, gesägt, Lefze quer: T. subricollis Guer. (pu-
bescens Lap.), transversalis Charp., unifasciatus F. und eine neue
Art notfatus aus Ostindien. — 'B. Klauen vor der Spitze nur ein-
mal gezahnt: 7) (Callitheres Dej.) letztes Gl. der Lippentaster quer-
gezogen, Madagascar eigenthümlich: «) (Pallenis Lap ) Fühler nach
der Spitze breiter, vom 5. Gl’ an gesügt, Fussgl. ‘gleich breit, Flü-
geldeckenspitze gemeinschaftlich gerundet: 1ricolor Lap. und 2 neue
Arten aulicus und viduus. 8) (Jodamus Lap., Callitheres Spin.)
Archiv 1, Naturgesch, IX, Jahrg. 2. Bd, M
178
Fühler, nach der Spitze breiter, vor der Spitze gesägt, die beiden
ersten Gl.der hinteren Füsse etwas, zusammengedrückt; Flügeldecken
verlängert, zugespitzt: acutipennis Lap. — y) (Xylobius Guer.) Füh-
ler nach der Spitze breiter, zusammengedrückt, mit -gerundeten
Endgl., Fussgl. gleich breit, Flügeldeckenspitze. gemeinschaftlich
gerundet: azureus Kl. und 3 neue Arten: venustus, longulus,
pulchellus. 0) Fühler wie bei. y, Fussgl. und Flügeldeckenspitze
wie bei A: fastigiatus neue Art. «) Fühler vor der Spitze kaum
gesägt, Fussgl. und Flügeldeckenspitze wie bei «: uuricomus,
neue Art. — 8) (Philocalus Kl.) Taster wie gewöhnlich, Fühler
stumpf gesägt,. Körper lang gestreckt: succinctus und zonatus
vom Cap. — 9) (Cleronomus Kl.) Fühler nach der Spitze ver-
dickt, Halsschild kurz: biplagiatus (bimaculatus) neue A. aus Mexico,
11. Priocera Kirby mit 4 Arten: P, variegata Kirby, trino-
tata neue Ark'aus Coltmbien, spinosa, (Ol. spinosus F. Dill. 6pun-
ctatus Lap.) und P. in neue A. aus Brasilien.
Bei folgenden ist das erste Fussgl. kürzer, bei den» nächsten
aber noch deutlich zu erkennen:
IV. Clerus. 1) (Omadius Lap.) Augen auf dem Scheitel ger
nähert, unten tief ausgerandet, Klauen gezahnt, Hinterfüsse mit
undeutlich getrennten Gliedern und nur das vorletzte mit einem zwei-
lappigen Hautanhange: «) Fussgl. zusammengedrückt, vom 6. an
dreieckig; Halsschild eylindrisch länglich: Cl. prolixus (O.. indicus
Lap.) und 1 neue A. Cl.modestus, beide von Java; #)Fühlerglieder
länglich, an beiden Enden verdünnt, Halsschild an den Seiten ge-
rundet, hinten eingeschnürt: Cl. nebulosus (O. trifasciatus Lap,). —
2) (Stigmatium. Gray) Augen und Klauen wie bei 1, die Hinterf..den
übrigen Füssen gleich gebildet: cicindeloides Gray und ‚mutillarius
F. — 3) (Thanasinus Latr.) Augen.im Scheitel entfernt, unten aus-
gerandet, Fühler mit (meist 3) breiteren Endgliedern, Klauen unten
gezahnt, Fussglieder von gleicher Länge; der Stamm der Gatt., 45
Arten enthaltend, darunter 29 neue. — 4) Von 3. ‚durch die Füsse
abweichend, an denen das letzte Gl. so lang als die beiden vorher-
gehenden zus. ist: CZ. intricatus, neue A. aus Vandiemensland. —
5) Augen im Scheitel entfernt, unten. wenig ausgerandet, Endgl. der
Lippentaster quer beilföürmig, Klauen einfach; z. Tl. die Körper-
form von Opilus: Cl. 4maculatus F., ubdominalis Germ. , indicus.R.
vom Cap, marmoratus Dej. (Not. chinensis E.) ebendaher, ‚endlich
Cl. mitis, neue A. vom Cap. — 6) (Thaneroclerus Lefv.), Augen. im
Scheitel entfernt, unten ausgerandet, Endgl. der Lippentaster schwach
beilförmig; Klauen einfach; letztes Fussgl. so lang. als die übrigen
zusammen: sanguineus Say, Buqueti Lef. und 1 neue A. dermestoi.
des, aus dem gl. Arabien. — 7) (Pezoporus Kl.) Ungellügelt, einfache
Klauen, sonst im Ganzen wie 3, nur durch den grossen. Kopf und
die nicht vortretenden Schulterecken der Klügeldecken im Habitus
abweichend: coarctatus, neue A. vom Cap. — 8) (Lemidia Spin.)
179
Augen nicht ausgerandet, stark vortretend, Fühler 11gl. mit erwei-
terten Endgliedern, Klauen einfach: nitens‘ (Hydnocera nitens Newm.)
— 9) (Aydnocera Newm., Phyllobaenus ‚Dej.) Augen nicht ausge-
randet, vortretend,. weit auseinander stehend,. Fühler sehr kurz,
10gl. mit knopfförm. Endgl.; Lefze nicht ausgerandet: «) Klauen
gezahnt, humeralis Say, und 6 neue Arten: Jasalis aus Columbien,
attenuatus, lividus aus Brasilien, drachypterus, suturalis
aus Nordamerica, tenel/us aus Mexico; £) Klauen einfach: steni-
formis neue A. aus Brasilien. — 10) (Evenus Lap.) wie 9; aber
der Körper langgestreckt, die Lippenfaster sehr lang, mit länglichem,
schwach beilf. Endgl., die Hinterbeine lang, die Hinterfüsse wenig-
stens an den 3 ersten Gliedern ohne Hautläppchen: E. filiformis
Lap. aus Madagascar.
V. Ptychopterus (der Name kann neben dem der Dipteren-
Gattung Ptychoptera ‚nicht gut bestehen; io dem ersten Entwurf
dieser Arbeit, welcher in den Monatsberichien der Acad. von 1837
enthalten ist, war die Gatt. Placocerus genannt, und es beruht
wohl nur auf einem Versehen, dass dieser Name nicht wieder auf-
genommen ist). Lippentaster lang mit dreieckigem Endgl. . Fühler
vom 3. Gl. an breit und flachgedrückt, kurz, in der Mitte am brei-
testen. P. dimidiatus, einzige Art aus dem Kaffernlande.
VI. Azina Kirby: einzige Art, A. analis Kirby, von der wohl
4A. rufitarsis Perty nicht verschieden ist:
- Bei den nächstfolgenden Gattungen ist das 1. Fussgl. so verkürzt,
dass die Füsse anscheinend 4gl. sind.
VII. Opilus. (Notoxus F.) 1) Maxillartaster fadenförmig, Haft-
läppchen der Fussgl. ungetheilt: O. porcatus F. — Bei allen übrigen
ist das Endglied der Maxillartaster beilförmig: 2) Fühler gleichmässig
dünn, Haftläppchen der Fussgl. zweilappig: O. mollis L., domesticus
St., pallidus Ol., univittatus Ross. (fasciatus Steph.) und 6 neue
Arten: Zaeniatus von Ragusa, thoracicus aus Macedonien,
frontalis von Constantinopel, tropicus vom Sennaar, cinctus
vom Senegal, obscurus vom Cap. — .3) wie 2, aber die Endgl,
der Fühler doppelt so lang als die vorhergehenden: interruptus
vom Senegal, basalis vom Sinai. — 4) wie die.vor., das 9. und
10. Fühlergl, kreiselförmig, das 11. fast so lang als sämmtliche vor-
hergebende zusammen: suberosus von Madagascar. — 5) die 3
letzten Fühlergl. erweitert, sonst wie die vor.: «) von gewöhnlicher
länglicher Körperform: iristis, callosus von Madagascar, patri-
cius von Vandiemensland. 5) (Platyclerus Spin.). Körper breit und
Dach: planatus, (Clerus pl. Laporte). — ,6) (Trogodendron Gu£r.)
Fühler nach der Spitze verdickt, Haftläppchen der Fussgl. ungetheilt;
faseieulatus (Cl. fase. Schreib.).
Nil Erymanthus Kl. Spin., ‚in Fühlern: und Tastern mit
Trichodes übereinstimmend „ Habitus mehr. der von -Opilus, ‚Schenkel
M*
180
alle verdickt, Schienen gekrümmt ; Zunge tief und‘ scharf ausgerandet;
Endgl. der Lippentaster becherförmig: E. gemmatus vom Cap.
IX. Trichodes; die eigentl. Tr. haben deutlich keulförmige
Fühler: 17 A. (eine grosse Zahl Nominalarten ist eingezogen wor-
den), davon T! nohilis von Constantinopel und aulieus vom Cap
neu; eine kleine, Neuholland eigenthümliche Gruppe mit an der Spitze
nur wenig verdickten Fühlern bildet Zenithicola Spin. mit Tr. australis
Boisd., instabilis Newm. und einer neuen A., Tr. ochropus.
Bei den folgenden sind die Füsse anscheinend 4gl., indem das
4. Gl. verkümmert und in der Ausrandung des dritten versteckt ist.
X. Corynetes. 1) (Corynetes Steph.) Endgl. der Taster fast
beilförmig, die Glieder der Fühlerkeule nicht au einanderschliessend:
©. coeruleus (Cler. coerul. Degeer), ruficornis St. und folg. neue:
pusillus aus Sardinien, geniculatus aus Portugal und Andalu-
sien, analis und pectoralis aus dem Kaffernlande. — Bei den fölg.
ist das Englied der Taster fast zugespitzt: 2) (Corynetes Hbt.,
Necrobia Steph.) Fühlerkeule breit, mit grossem fast viereckigem
Endgl.: C. violaceus, rufipes, ruficollis. — 3) Die Glieder der Füh-
lerkeule gleich gross, an einander schliessend: (©. scutellaris I., bi-
color Lap., colluris Sch., defunctorum Waltl und 2 neue A.: (€ ru
bricollis und ater vom Cap. — 4) Glieder der Fühlerkeule ver-
einzelt: C..discolor und pallipes 'neue Arten aus Mexiko. — 5)
(Notostenus Dej.) Fühler nach der Spitze allmählich verdickt, Körper
flach, linienförmig: C. viridis (Anob. vir. Thunb.) und Thunbergii
(Anob. coeruleum Thunb.)
XIL- Cylistus Kl. Taster alle fadenförmig, Fühler vom 4. Gl.
an stark gekämmt, Klauen vor der Spitze breit gezahnt. Eine
in der Färbung veränderliche Art vom Habitus des Enopl. sanguini-
colle ist ©. variabilis vom Cap. x
XU. Enoplium Latr. 1) Taster mit cylindrischem Endgliede,
Klauen vor der Spitze breit gezahnt: E. sangwinicolle, damicorne
und 3 neue A.: E. murinum von St. Domingo, velutinum aus
Brasilien, Zepidum von Cuba. — 2) Taster mit beilförm. Endgl.
Fussgl. von gleicher Länge: a) Klauen einfach: E serraticorne F.,
pilosum Forst, marginatum Say, viridipenne Kirby, Kırbyi Gray,
trifasciatum (Clerus) Laporte, ramicorne (Chariessa ramicornis
.Perty), vestitum (Brachymorpha vestit. Chevr. Corynet. spectabilis
Laporte) und 10 neue: geniculatum von Montevideo, alcicorne,
posticum, rufipes, ornatum, decorum, fusciculatum,
scoparium, leucophaeum aus Brasilien, fugax aus Columbien.
b) Klauen gezahnt: «) Fühler 11gl.: testaceum und hirtulum
aus Brasilien; 5) Fühler 10gl.: 4punetatum Say und 5 neue: 6n0-
tatum, l2punctatum aus Brasilien, conlaminaltum, pilosum
aus Columbien, erinitum aus St. Jean (Westindien). — 3) (Epi-
phloeusDej.) alle oder die Lippentaster allein mit zugespitzten Endgl.
Fühler sehr kurz. Augen gross, innen ausgerandet, erstes Glied
181
der Hinterfüsse verlängert, Klauen an der Basis gezahnt: ‚8 neue
Arten aus Brasilien und eine, distrophum, aus ‚Nordamerica. —
4) (Platynoptera Chevr.), Taster kurz, mit stark beilförm. Endgl.,
Fühler stark zusammengedrückt, die ersten 7 Gl. äusserst kurz und
sehr an einander gedrängt, Flügeldecken hinten stark erweitert: /yci-
forme Chevr. und ‚eine neue A., E. ampliatum aus Brasilien. —
5) Uchnea Kap.) Endgl. der Taster fast zugespitzt, Fühler breit ge-
drückt, 10gl., die 6 vor den 3 Eudgl. von ungleicher Breite, Flügel-
decken nicht erweitert: /ycoides Lap. und 7 neue Arten: melanu-
rum, praeustum, marginellum, laterale, suturale aus
Brasilien, opacum aus Cayenne und Surinam, alterrimum aus
Mexiko.
Im Ganzen siod 219 Arten in der hiesigen Sammlung genauer
untersucht, 32 der ausgezeichnetern auch abgebildet, am Schluss der
Abhandlung sind noch 59 zweifelhafte oder. hier nur "aus den Be-
schreibungen bekannte Arten aufgeführt.
Eine Anzahl von Cleriern aus Süd - Africa hat Chevrolat (Rev.
zool. 8.276) beschrieben, welche grossentheils nicht unzweifelhaft
sind, weil der Verf. es nicht übernommen hat, die Gattungen zu
bestimmen, und welche auch wohl meist nicht zu den Gattungen ge-
hören, welchen der Verf. sie fragweise zuertheilt hat. Unter 7 Ar-
ten von Notoxwus? ist N.?versicolor ein Tillus, und zwar einerlei
mit T. (Philocalus) suceinctus Kl. (8.0.), N.?obsoletus und apicalis
schliessen sich vielleicht mehr dem folg. N.? fasciolatus an, wel-
cher mit T. (Cymäatodera) obsoletus Kl. überein zu kommen scheint;
N.?virescens und /atus mit breitem rundem Kopf, kurzem gerun-
detem Halsschilde und flachen Flügeldecken sind mir unbekannt, end-
lich N.? marmoratus ist ein Clerus (Cl. marmoratus Kl.) und N.
sobrinus wohl nur eine Abänderung desselben. Clerus? alter-
nans und Tillus? succinctus sind mir unbekannt, ebenso die
neue Gatt. Miceropterus (brevipennis), welche im Habitus
einem Aptinus gleichen soll: weiter ist über Gattungscharacter nichts
gesagt, nicht einmal die Gestalt der Fühler angegeben; endlich Do-
zocolletus (als neue Gattung durch den Habitus von Ctenostoma
characterisirt) oblongus ist Glerus (Pezoporus) coarctatus Kl.
Neue neuholländische Clerier von Port Philip sind von Newman
(Entomologist S. 363) beschrieben. Eine neue Gattung Nanthocerus
entspricht z. Th. Trogodendron Spin. (Opilus p. Kl.), ausser dem Ci.
fasciculatus Schreib. rechnet der Verf. dahin seine Cl. splendidus,
simplex und pulcher, und eine neue Art, X. idoneus; Pylus mit
dickem Körper und einem Höcker in der Mitte der Halsschildseiten
hat ebenfalls eine neue Art, P.bicinetus; neu sind ferner Thuna-
simus accinctus,acerbus, confusus, Opilus congruus (dem
©. mollis ungemein ähnlich) und Hydnocera confecta. Die mei-
sten dieser Arten finden sich auf Eucalyptus-Blüthen. — Später
4152
(ebendas. 8. 402) fügte N. noch eine neue Art, Pylus Anthicides,
ebendaher, hinzu.
Ptiniores. Newman (Entomologist S. 403) beschrieb drei
neue neuholländische Formen (von Port Philip in Neu - Südwallis),
welche er dieser Familie, vermuthlich alle mit Unrecht, zuschreibt.
Sie sind: Synerctiıcus mit schnurförmigen Fühlern und zugespitz-
tem Endgliede derselben, runden Augen, herzförmigem Halsschilde,
breiteren gewölbten Flügeldecken, kurzen Beinen, heteromeri-
schen Füssen: $. heteromerus auf den Blüthen von Eucalyptus
gefangen; — Epiteles mit grossem, vorgestrecktem Kopf, stark
gekrümmten Mandibeln, langen Tastern mit etwas verdicktem_ ab-
gestutztem Endgliede, nierenförmigen Augen, kurzen, vom 5.'Gl. an
gesägten Fühlern, schmälerem Halsschilde, kaum breiteren, gleich
breiten, den Hinterleib kaum bedeckenden Flügeldecken, kurzen
Beinen, aufgetriebenen Schenkeln, und ‚‚quasi‘ 5 gl. Füssen: E. con-
tumax unter Eucalyptus-Rinde; — Deretaphrus. 8. unter
Colydii.
Nyletinus ornatus Germar (Faun. Ins. Eur. 22. 2) schwarz
mit grauem Haarüberzuge und rother Spitze der piinctirt-gestreiften
Flügeldecken ist eine neue Art aus Ungarn,
Ein neuholländischer eigentlicher Pfinus ist Pt. exulans des
Ref. aus Vandiemensland (a. a. O. S. 147)
4pate bereicherte Imhof (Verhandl. d. naturf, Ges. zu Basel
V. 8.176) mit drei neuen Arten aus Guinea, A. producta, tonsu
und crinitarsis, Ref. (a a O.S. 148) mit einer aus Vandiemens-
land A. collaris. l
Harris .(Ios.. of Massachus. S. 52) beschrieb zwei neue ‚nord-
americanische Arten, Lymezylon. sericeum und Hylecoetus
American us. Bei ersteren bezweifelt er (S. 51. not.), ob es wirk-
lich zu Lymexylon gehöre, ivdess theile, ich. vorläufig — mir ‚sind
nur Weibchen bekannt —- diese Bedenken nicht; dagegen. ist bei
Hylecoetus Americanus die Angabe eines einzelnen ‚rothen Ocellus
mitten auf der, Stirn, wie sie bei Attagenus u. s. w. vorkommen,
sehr auffallend, und scheint darauf hinzuweisen, dass der. Käfer,
welcher mir aus eigener Ansicht nicht bekannt ist, unter Hylecoetus
nicht seine rechte Stelle hat. — Auch Ref. fügte dieser kleinen
Gruppe eine neue Art zu, Lymezylon australe von Vandiemens-
land (a. a.0. S. 147).
Silphales. In d’Orbigny’s Voy. d. !Am. mer. hat!Blanchard
folgende neue Arten dieser Familie beschrieben: Necrophorus
didymus Bull. und N. serututor Bl., 'beide aus Bolivien, -S7l-
pha apicalis Brull. von Potosi (Bolivien), Serytihrura Blauch.
von. Montevideo, S. discieollis Brull. aus Bolivien. Die letzte
stimmt mit der 8. Cayennensis Sturm Cat. 1826 t. 2. f. 10 überein,
während die vorletzte mit S. haemorrhoidalis St. identisch ist.
183
Agyrtes glaber (Tritom, glabr. Payk. Gyll. Zett.) aus dem
nördlichen Schweden, ist von Germar (Faun. Ins. Europ. 22.1)
abgebildet worden.
Aus Vandiemensland ist Catops australis des Ref. (a. a
0..8.243).
h Schiödte (Kröyer’s Naturhist. Tidsskr. IV. 8. 107). berichtigte
einen Irrthum Leon Dufour’s, welcher bei Silpha ein unpaares, aus
einem Gefäss und einer in den Mastdarm mündenden: Blase beste-
hendes Harnabsonderungsorgan dargestellt hatte, dahin, dass jene
Blase der Blinddarn, und dass Gefäss ein gefässförmiger, Anhang
desselben sei, den entsprechenden "Theilen von Dytiscus vergleichbar.
Palpatores. Aube (Ann. Soc. Ent. d. Fr. Xl. p.233) be-
reicherte die Gruppe des Scydmaenus. thoracicus mit zwei neuen
Arten: Sc. laticollis vom Jura, ist doppelt so gross, Sc. minu-
tissimus von der Insel Louviers ist nur halb so gruss als S. tho-
raeicus.
Scydmaenus untidotus Helf ist von Germar (Faun. Ins, Eur.
22. 3) abgebildet.
Nitidulariae. Ref. (Germ. Zeitschr: IV. S. 225) hat den
Versuch einer systematischen Eintheilung dieser Familie gemacht
und sie zunächst nach der Zahl der Maxillarladen, den Verhältnissen
der Fussglieder u. s. w. in sechs Gruppen zerlegt: I.-Gr. Catere-
tes, mit zwei schmalen und langen Maxillarladen und, wie bei den
vier folg. Gr., sehr kleinem 4. Fussgliede; in die Gatt. Cercus Latr.
(pedicularius u. s. w., 6 A.) und Brachypterus Kug. (gravidus, Urticae
u. 8. w., 9 A.) getheilt, indem die erstere einfache, die zweite ge-
zahnte Klauen hat, die letztere ausserdem durch ein kleines Segment,
welches sich beim Männchen an der Hinterleibsspitze findet, u. s. w.
abweicht. — Die folgenden Gruppen haben eine einfache Maxillar-
lade. MH. Gr. Carpophilini, von der folg. Gruppe durch stark
verkürzte Flügeldecken, welche 2 oder 3 Hinterleibssegmente frei
lassen, unterschieden, die Gatt. Mystrops (3 neue Arten), Cola-
stus (früher Colopterus — Nit. rupta F. — 18 Arten, alle ameri-
canisch), Brachypeplus (in diesem Arch. 8 Jahrg. 1 Bd. 8. 148
- zuerst aufgestellt, 4 A., darunter 2 von Vandiemensland), Cillaeus
Lap. (ausser den von Lap. aufgestellten A. aus Madagascar eine neue
aus Columbien), Conotelus (Stenus conicus F., 8 Arten, alle aus
America), Carpophilus Leach (27 A.), endlich Eenomaeus (mit 1
neuen Art vom Senegal). IM. Gr. Nitidulinae, den Mittelpunct
der ganzen Fam, bildend; die Gattungen gruppiren sich nach den
Fühlerrinnen auf der Unterseite des Kopfes, indem diese entweder
convergirend sind: Epuraea (Fühlerrinnen erloschen: N. uestiva
u. 8. w., 30 A.), Nitidula (bipustulata, 6 A.), Perilopa (2 neue
A.), Soronia (N. punctatissima, 3 .A:), Prometopia (Ni. 6ma-
ceulata Say, 2 A.), Psilotus Fisch, (Nit. cornuta K,, 3 A), Plat y-
chora (Nit..Lebasi Dej., 2 A.), Awyra (1 neue Art aus Guinea)
184
Ischaena (2 neue Arten aus Java); — oder die Fühlerrinnen sind
gerade und parallel bei /pidia (Ips 4notata F.) — oder die Fühler-
rinnen sind hinter den Augen nach aussen umgebogen: Amp hotis
(Nir. marginata F.), Lobiopa (Nit. undulata Say, 107A. aus
America), Omosita (N. colon, 3 A.), Phenoliu (Nit. grossa F.),
Stelidota (N. strigosa Sch., 7 A.). — IV. Gr. Strongylinae, von
der vor. Gruppe dadurch unterschieden, dass die Brust Vorragungen
zeigt, namentlich das Prosternum nach hinten einen Vorsprung bildet;
der Hinterrand des Halsschildes schliesst entweder an den Vorder-
rand der Flügeldecken an, oder er greift über denselben fort; zur
ersten Unterabtheil. gehören: Thalycera (Strong. sericeus St., N,
fervida Gyl.), 4ethina (1 neue.A. aus Madagascar), Pria Steph.
(Nit, Dulcamarae Ji., 4 A), Meligethes Steph., Hebascus (Sphaerid,
anale F., 4 A.), Gaulodes (1 neue A. aus Neuholland), Lordi-
tes (4 neue A), Pocadius (Nit. ferruginea F., 5 A) — zur
zwei'en Unterabtheil. gehören: Cuamptodes (Sphaerid. seutellatum
Sturm, 39 A., theils mit gezahnten, theils mit einfachen Klauen, alle
americanisch), Cy/lodes (Strong. ater Hbt., 5 A.), Cychramus Kug.
(Sphaerid. Iuteum E., 3 A.), Amphicrossus (Nit. ciliata Ol. Enc.,
3,A.), Pallodes (Strong. annulifer Hfig. Lap., 4 A.), Oxzyenemus
(1 neue A. aus Brasilien), Tröacanus (Nit. apicalis Er. in Meyens
Reise); die, letzten drei Gattungen zeichnen ‚sich durch verlängerte
und schmale Hinterfüsse aus. —. V. Gr. Ipinae, von den Nitiduli-
nen durch versteckte Lefze abweichend, die drei Gatt. Oryptarchu
Shuck. (N. strigata F., 16 A.), /ps (9 A.) und Rhizophagus Hbt. (1
neue Art aus Nordamerica) enthaltend. — Sa weit sind mit Ausnahme
der Gatt, Meligethes und Rhizophagus die Arten der hiesigen Sammlung
aufgeführt, ‚und die neuen (mit, Ausschluss der von Madagascar, in
Rücksicht auf Klug’s Bearbeitung der Fauna dieser Insel). beschrie-
ben. Die VI. Gr., Trogositinae, ist pur in leichtem Umriss an-
gedeutet. Sie weicht von den vorigen durch die Bildung der Füsse
ab, an welchen das 1.Gl. das kürzeste und oft kaum zu bemerken ist;
es ist der Gruppe auch, nach der allgemeinen Angabe, eine einzelne
Maxillarlade zugeschrieben, spätere Untersuchungen haben mir aber
gezeigt, dass die innere Lade, welche bei.der 2.—5. Gr, allein
vorhanden ist, hier gegen die äussere vorzugsweise entwickelte so
zurücktritt, dass sie gewöhnlich kaum zu bemerken ist. Die Gat-
tungen dieser Gruppe werde ich in Kurzem festzustellen suchen.
Hier nur noch die Bemerkung, das die Peltides (Peltis und Thy-
malus aber nicht Colobicus) noch in die Familie. der Nitidularien ge-
hören, und den Trogositinen so nahe stehen, dass sie kaum als
eine eigene Gruppe von denselben getrennt zu halten sind.
Eine nicht unbeträchtliche Anzahl neuer Arten von Nitidularien
ist in d’Orbigny’s Voy. d. P’Am. mer. von Blanchard beschrieben,
welche aber grossentheils zweifelhaft bleiben, sowohl wegen der
unbestimmten Gattungsbezeichnungen, als auch der ungenügenden
185
Beschreibungen, in welchen die wesentlichsten Charactere übergan-
gen sind, Ich vermag deshalb nur die Arten namhaft zu machen, ohne
bei den meisten auch nur eine Vermuthung äussern zu können, in
welche der von mir angenommenen Gattungen sie gehören: /ps
ebenina Bl. aus Bolivien, Nitidula villosa Bl: ebendaher, N.
nigromaculata Bl. ebendaher (vermuthlich eine Lobiopa, aber die
Art ist unmöglich zu bestimmen), N. /ata Bl. ebendaher, N. bre-
vipennis aus Peru, N. pullens Bl. von Corrientes; Strongylus
M. rubrum Brull. aus Bolivien (ein schöner Camptodes, meinem C.
phaleratus verwandt); Str. tristis Lap. aus Brasilien (ist Camptod.
scutellatus, Sphaerid. scutell. Sturm), Str. nigritus Lap. von Mon-
tevideo (scheint mit! meinem Campt. melanarius identisch zu sein),
Str. humeralis Brull. vonCorrientes (ein ausgezeichneter Campto-
des), Str. thoracicus Lap..von Chiquitos in Bolivien (zweifelhaft),
Str. melanurus Bl. in Bolivien auf Mimosen und andern Blüthen
gefangen (zweifelhaft), Str. »illosus Bl. aus Moxos in Bolivien (ein
Pocadius, wie es scheint).
Misteres. Drei neue europäische Arten von Abraeus hat
hat Aube& (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. XI. p. 231) beschrieben: 4.
atomarius, einmal bei Fontainebleau gefangen, und A. punctum
aus Italien, gleichen dem A. nigricornis; A. parvulus, bei Fon-
tainebleau in einer faulen Eiche gefunden, ist meinem A. granulum
sehr ähnlich, und vorzüglich durch die viel dichter punctirten Flügel-
decken verschieden.
In d’Orbigny’s Voy. d. l’Am. mer. ist diese Familie von Blan-
chard mit einer Anzahl neuer Arten vermehrt worden: Hololepta
attenuata aus Bolivien, Saprinus ornatus (der Name ist be-
reits vom Ref. dem S. interruptus Fisch. beigelegt), dem S. decoratus
des Ref. verwandt, $. patagonicus, beide häufig in Patagonien,
$. nigrita von Maldonado und Montevideo, $. erythropus von
Buenos Ayres, $. piceus (der Name ist, gleichfalls nicht frei,
indem Hist, piceus Payk. ein Saprinus ist) von Corrientes, S. im-
pressifrons aus Bolivien, $S. atro-nitidus aus Corrientes.
Endlich ist noch Saprinus incisus des Ref. (a. a. 0. 8. 152)
aus Vandiemensland aufzuführen.
Dermestini. Eine neue Art, Megatoma adspersa, von
d’Orbigny häufig in Bolivien in Häusern und an Mauern gefunden,
ist in dessen Voy.d. l’Am. mer. vonBlanchard beschrieben worden.
Zwei neue Arten von Vandiemensland sind Megatoma morio
und Trogoderma riguum des Ref. (a. a. O0. S.152).
Byrrhii. Diese Familie ist von Steffahny in einer trefflichen
Dissertation: Tentamen Monographiae Byrrhorum (zugleich in Germars
Zeitschr. £. d. Entomol. Bd. IV. S.1 abgedruckt) behandelt worden. Die
schwierigen, bisher vielfach verwechselten Arten sind mit grosser
Umsicht festgestellt. Die Gatt, Byrrhus ist nach Stephens Vor-
gange auf solche beschränkt, wo die Fühler allmählich verdickt
. 186
sind, atisserdem indess noch in der Form des Endgliedes: der Maxil-
lartaster, in: der ‘Gestalt «der Lappen der Zunge, der der Zahnung
der Mandibeln , endlich in dem Vorhandensein oder. Fehlen eines
Hautläppchens an der Unterseite des 3. Fussgliedes, einzelne Abwei-
chungen ‘zeigen, welche: zur sichern Unterscheidung der Arten
benutzt sind. Neu sind B. seabripennis, dem.B. gigas- nahe-
stehend, aus den steierschen Alpen, 3. regalis Dahl aus’dem Ba-
nat, Be insignis, dem B..murinus sich ‘annähernd, aus der Türkei,
B. decorus, dem B. lariensis Heer verwandt, aus dem Banat, und
B. seutellaris Esch. aus Kamtschatka.. , Der 3. striatus ‚des
Verf, ist wit 'B: glabratus Heer 'einerlei. Die Gatt. Syncalypta
Dillw. mit 3gl. Fühlerkeule enthält 2. seziger Jll., BD. arenarius (und
pusillus) St und. eine 3. neue Art S. ströatopunctata Dej. aus
Spanien. -Pedilophorus, neue Gatt., mit ägl. Fühlerkeule, breiten
Schienen und das ‘3. Fussgl. mit einem Läppchen, ist auf B.auratus
Duft. (nitens Germ.)‘ gegründet. Simplocaria Marsh., mit gl.
Fühlerkeul2, schmalen Schienen, einfachen Füssen, umfasst B. se-
mistriatus E. und, picipes Ol: , Endlich habe ich noch gefunden, dass
Amphicyrta Esch:, welche Dejean zwischen die Chrysomelen und
Colaspen stellt, in diese Familie gehört... Sie hat fadenförmige Füh-
ler, das 3. Fussglied mit einem Hautläppchen, schmale. Schienen,
‚mit unvollständiger Fussrinne, und die. bekannten Arten sind: 4.
dentipes Esch. aus Californien und A. chrysomelina. von der
Westseite des Felsengebirges in Nordamerica.
Zwei neue Arten dieser Fam.aus Vandiemensland sind Mierochae-
tes scopariusund Limnichus wustralis desRef.(a,a.0. 8.153).
Maerodactyli. Parnus longipes Redtenbacher (Col,
Austr. 8.14. 0,12) aus Österreichs Bächen ist einerlei mit P. sub-
striatus Müll., Dumerilii Latr.
Blanchard stellte in d’Orbigny 'Voy. d. ’Am. mer. zwei neue
Arten auf, Parnus pubescens und Potamophilus cinereus
Bl., von der Grösse des P, acuminatus, beide aus Corrientes.
Meteroceridae. Eine vortreflliche Arbeit über Hetero-
cerus hat v. Kiesenwetter (Germ. Zeitschr. IV. S. 194. T. 3)
erscheinen lassen. Die Arten dieser Gatt. haben viel Übereinstim-
mendes, s0. dass sie. bisher ' noch wenig gründlich. unterschieden
waren, und. eine ‚genaue Prüfung derselben jetzt einen ziemlich
überraschenden Reichthum zu Tage gefördert hat. Der Verf. be-
schreibt 20 ven ihm selbst untersuchte Arten, und zwar sind 13 in
Deutschland einheimisch, darunter A. parallelus Gebl. und H. femo-
ralis aufSalzboden, H.fossor, marginatusF., hispidulus (margi-
natus Pz.), obsoletus Curt.,. Zuevigatus Panz., obliteratus, fu-
sculus ‚ziemlich ‚weit verbreitet, H. intermedius bei Berlin
und. Stettin, sericans in der sächs. Schweiz und Österreich (auch
Italien), pulchellus bei Leipzig, murinus von Dr. Rosenhauer
bei Augsburg aufgefunden; aus: dem südl. Frankreich ist AH. minu-
en
497
tus Dej., aus Italien A. flavidus (Scarab.l. Rossi), in Mesopotamien
von Helfer gesammelt sind A. Euphraticus und minimus, aus
Nordamerica A. limbuatus Kn., aus St. Thomas in Westindien A.
varius und /öturatus. Dazu kommen noch ‚dem Verf. nur durch
Beschreibungen bekannt gewordene Arten: H. dubius F. aus Ostin-
dien, A. pallidus und pusillus Say aus Nordamerica, H. hamifer und
a
nanus Gene aus Sardinien. Im Ganzen 25 Arten, unter denen 5 neu.
Hydrophilidae. Robert (Ann. sc. nat. XVIIL. S. 378)-be-
stättigte, dass Hydrophilus piceus auch im Zustande des ausgebil-
deten Käfers sich nicht von Wasserpflanzen, sondern von Wasser-
schnecken (Limnaeus) ernährt.
Eine neue deutsche Art, Aydraena dentipes Märk., von Märkel
bei Pirna entdeckt, wurde von Germar (Faun. ins. Europ. 22. 5)
beschrieben und abgebildet.
- "Neue neuholländische Arten sind Aydrobius marginicollis
und assimilis Hope (Proceed. Ent. Soc. 8.48) vonPort Essington und
Cercyon dorsale des Ref. (a. a. 0. 8. 153) von Vandiemensland.
Die Bearbeitung der Hydrophilen für die d’Orbigny’sche Voy..d,
PAm. mer. von Brulle angefangen (vgl. Jahresh. f. 1838, S.314), ist
von Blanchard beschlossen worden: es sind in den. neuen Liefe-
rungen noch beschrieben: Aydrophilus (Tropisternus) dorsalis
Br. aus Brasilien, H. Tr. lepidus Br. aus dem Paranä iu Entre
Rios, ferner H. (Philydrus pallipes Br. aus Montevideo, H. PA.
striatus Br. aus Corrientes, H. Ph. gibbus Br. im Paranä hinter
Corrientes, H. Ph. femoratus Br. aus Corrientes, Berosus pal-
lipes Br. im Paranä in Corrientes, B. alternuns im Rio negro.
Lamellicornia. Eine wichlige Arbeit über diese Familie
lieferte Mulsaut: „Histoire naturelle des Col&opteres de France,
Lamellicornes, Paris 1942.“* Sebr anzuerkennen ist des Verf. aus-
gedehnte Kenntnissnahme der Literatur, so wie die Aufmerksamkeit,
welche er der Naturgeschichte der bearbeiteten Insecten widmet,
namentlich auch den früheren Ständen, sodass wir ihm Beschrei-
bungen und Abbildungen der Larven von Outhophagus vacca, Apho-
dius pecari, Valgus hemipterus, Doreus parullelopipedus, desulus
scarabaeoides, Sinodendron eylindricum verdauken. Die Eintheilung
ist im Grösseren ziemlich die Latreillesche, die Blätterhörner zer-
fallen in die schr natürlich geschiedenen Petaloceriden und Prioce-
riden, erstere in die Gruppen der Coprier, Aphodier, Trogidier,
Geotrupinen, Oryctesier, Callicnemier, Melolonthinen und Cetonier,
alle sehr richtig aufgefasst, nur die Gruppe der Callicnemier mögte
nicht haltbar sein, denn von den beiden Gatt., welche sie zusammen-
setzen, Calicnemis und Pachypus, scheint mir. die erstere der vor-
hergehenden, die letztere der folgenden Gruppe anzugehören. ‚In
der weiteren Eintheilung hat der Verf, viel Neues und Eigenes, so
dass wir öfter auf dies Werk zurückkommen müssen, da indess
der Verf. auch in seinen systematischen Untersuchungen sich auf die
188
französische Fauna beschränkt hat, wird ein grosser Theil der von
ihm ‚gemachten Eintheilungen noch einer weiteren Begründung be-
dürfen. Zu billigen ist es nicht, dass jeder Abart, wie der Verf.
es gethan, ein eigener Name beigelegt ‘werde, denn wo wäre da
die Gränze für die Namengebung?
Leon Dufour (Ann. d. sc. nat. XVII. S. 162. T, 4.5.) hat die
Larven ven Cetonia aurata und Dorcus parallelopipedus nach ihrem
äusseren sowohl als inneren Bau mit einander in Vergleich gestellt,
und aus demselben den Schluss gezogen, dass die Scarabaeiden uhd
Lucaviden in zwei Familien zu sondern seien: Bei den ersteren be-
stehe der Bauchstrang des Nervensystems aus einer Masse in einan-
der verschmolzener Ganglien, bei den letzteren in einer Kette
auseinander gerückter Knoten; der Nahrungscanal habe bei den
ersteren dreiKragen von Blindsäcken, einen grossen seitlichen Blind-
darm, und die Guallengefässe in zahlreichen und dicht an einander
gelegten Windungen endigend, bei der letzteren habe der Nahrungs-
canal einen einzigen Kragen verkümmerter Blindsäcke, einen nicht
seitlichen Blinddarm und ‚einfache Gallengefässe. Auch äussere Un-
terschiede hebt der Verf. mehrere hervor, welche aber nicht durch-
greifend sind, indem sie sich nur auf C. aurata beziehen; auch wäre
es wünschenswerth, dass die anatomischen Untersuchungen verviel-
facht würden. De Haan’s wichtige Arbeit über diesen Gegenstand
hat der Verf, nicht gekannt.
Reiche (Ann. d. I. Soc. Ent. d. Fr, XI. p.59) hat eine genaue
Bearbeitung.der Coprophagen begonnen, und hier mit den Ateuchiden,
und zwar mit der Abtheiluog der Ungeflügelten den Anfang gemacht,
Gattungen mit Füssen an den Vorderbeinen sind: Aulacium De).
(Mintophilus Lap.) mit der einzigen bekannten neuholländischen Art
4. carinatum Reiche (Aul. Hollandiae Dej.); Coproecus Reiche , vom
vor. durch die einfach abgerundeten Hinterecken des Halsschildes
unterschieden, vor der Hand noch nicht vollständig zu bestimmen,
da das Exempl. des C. hemisphaerieus Peron (aus Neuholland) ia der
Pariser Sammlung nach vorhergegangenen Studien von Latreille und
Guerin an demselben, keine Fühler und Mundtheile mehr hat;
Tessurodon Hope (At. Hollandiae F.), dem Verf. nur nach Hope’s
Abbildung bekannt, und auch nur vermuthungsweise hierher gestellt. -
Bei den anderen fehlen die Vordertarsen. Dahin Cireellium‘ Latr.
(A. Bacchus F.), Eucranium Dej., Glyphiderus Westw. mit zwei,
Pachysoma und Mnematium MacL. mit einem Enddorn an den Mit-
telschienen.
Westwood (Proceed. Ent. Soc. p.51) machte zwei neue neu-
holländische Gatt. der Ateuchen - Gruppe bekannt: Cephalode-
smius mit 4zähnigem Kopfschilde, die 2 mittleren Zähne stark ver-
längert , grossem achteckigem Halsschilde, sehr verlängerten Beinen,
kurzen Vorderfüssen: ©, armiger; und Temnoplectron mit in
zwei kurze siumpfe Lappen getheiltem Kopfschilde, au den
159
‚Seiten gerundetem, den Flügeldecken sich anschliessendem Hals-
schilde, kleinen Vorderfüssen, unten mit einem Zahr bewaffneten
Klauen: T. rotundum von der Melville-Iusel. Der Gatt. Tessero-
don (At, Hollandiae F.) fügt er zwei Arten, T. angulatus vom
Schwanenfl. und T. pöceus von Port Essington hinzu (letztere ist
auch von Hope (Proceed. Ent. Soc. S. 44) beschrieben).
Weiter (Proceed. Ent. Soc. S.58) hat Westwood einige neue
Gattungen aus derselben Familie angezeigt, zu den Ateuchen gehö-
ren indess nur Arachnodes und Nanos, beide auf Kosten von
Epilissus Dej. gebildet, erstere (Circ. nitidum Lap.) mit nicht aus-
gerandetem Kion, schlanken Lippentastern, winkligen aufgebogenen
Halsschildseiten, laugen Beinen und in einen kleinen Dorn auslau-
fendem letzten Fussgliede, Nunos (Circ. pygmaeum Lap.) mit stark
ausgerandetem Kinn, sehr kurzen dicken Lippentastern, gerundeten
Halsschildseiten, kürzeren Beinen und krummen Schienen
Die folgenden gehören zu den eigentl. Copriden mit nach dem
Ende hin breiteren Schienen nnd stufenweise schmäleren Fussgliedern
der hinteren Beine. Macroderes fast halbkugelförmig mit ausge-
randetem Kopfschilde, sehr grossen: an den Seiten gerundetem Hals-
schilde, und dem Typus: Onthophagus Greenü Kirby. Uroxys,
länglich, etwas flach, mit vorn scharf zweilappigem Kopfschilde, in
der Mitte winkligen Halsschildseiten, hinten zugespitzten Flügel-
decken, verlängerten Vorderbeinen und (bei dem einen Geschlecht)
innen wiokligen Schienen; U.cuprescens aus Columbien. — Die
Gatt. Scatonomus des Ref. hat der Verf. verkannt; die beiden von
ihm aufgeführten Arten Sec. Nyrmidon (Onth. Myrmidon Lacord.)
ausCayenne und Sc.smaragdinus aus Brasilien gehören zu Ontho-
charis Dej., von der Scatonomus sehr wesentlich verschieden ist; von
welcher (Onthocharis) endlich auch Anomioypus mit zwei neuen bra-
silischen Arten, A.virescensundnigricans, durch auffallend breite
Hinterbeine sich kaum wesentlich unterscheidet, wenigstens habe
ich in der hiesigen Sammlung eine Reihe von Arten vor Augen, bei
denen in den Hinterfüssen von der breitesten Form, wie sie Ano-
miopus haben soll, zu der schmäleren, wie sie z.B. bei OÖ. Myrmidon
vorkommt, ein allmählicher Übergang stattfindet,
Die Gatt. Bubas Meg. wurde von Mulsant (a.a. O. 8.76)
von Onitis dadurch unterschieden, dass kein Schildchen und auch
kein freier Raum an der Stelle des Schildchens vorhanden, dass das
1. Gl. der Lippentaster nicht kleiner, sondern eben so gross als
das zweite, dass der Körper ziemlich gewölbt ist und das Halsschild
nach vorn Vorragungen bildet; Arten sind O. Bison F. und Bu-
balus Ol.
Neue Arten von Copriden aus dem westlichen tropischen Africa
beschrieb Hope (Ann. nat. hist. IX. 8.494): Gymnopleurus hi-
laris, laetus, Heliocopris Dianae.
Die neuholländische Fauna wurde mit 11 Arten von Ontho-
190
phagus bereichert, ‚nämlich von ‘Hope: (Proceed.; Ent. Soc. 8.43)
mit 5 von Port Essington, von.Ref. (a. a. 0. 8.154) mit 6 von
Vandiemensland®);, — Das Vorkommen. der Gatt. Coprös in Neu-
holland scheint auf die Nordküste beschränkt zu sein: Hope (Proceed.
Ent. Soc. 8. 44) beschreibt eine Art ©. glabricollis von Port
Essington, und bemerkt dabei, dass er drei andere Arten vonder
Melville- Insel besitze.
Die Aphodien- Gruppe ist von Mulsant (a a. 0.8.160 u. s. w,)
in 2 Abtheilunugen und eine grössere Zalıl von Gattungen. zerlegt.
Die 1, Abtheil. Aphodiarii mit schmalen Hinterfüssen und deutlichen
Klauen an denselben, zerfällt in 3 Unterabtheil. Die 1. Unterabtheil.
Aphodiaten, hat in der Regel einfache Zwischenräume der Strei-
fen auf den Flügeldecken, den.Kopf platt oder flach gewölbt, halb
sechseckig oder. halbkreisförmig, in diesem Falle. vorn schwach
ausgerandet; sehr entwickelte häutige Maxillarladen: 1) Colobo-
pterus, Flügeldecken abgestutzt, das Pygidium nicht vollkommen
bedeckend: A. erraticus. — Die folgenden Gattungen 2—6 haben
das Kopfschild vor den Augen seitlich erweitert; 2) Coprimorphus,
erstes Glied der Hinterfüsse so lang als die 4 folg, zusammen: 4.
scrutator; — 3) Eupleurus, Schildchen. lang, Flügeldeckenrücken
flach: A. subterraneus; — 4) Otophorus, Schildchen lang, Flü-
geldeckenrücken gewölbt, Erweiterung der Kopfschildseiten ‚recht-
winklig vorspringend: 4. haemorrhoidalis; — 5) Teuchestes, wie
4, nur die Erweiterung der Kopfsckildseiten abgerundet: 4A. fossor;
— 6) Aphodius, Schildchen kurz: 4. serybalarius, coniugatus,
foetens, fimetarius, rubens Dej., alpicola neue Art aus Savoyen,
vernus neue Art aus Südfrankreich, a/er, granarıus, bimaculatus,
plagıatus, Amaculatus, tristis, exiguus, neue A., pusillus Hbt, mon-
ticola Dej. neue A., Aydrochaeris F., sordidus F., lugens Cr., im-
mundus Cr., nitidulus F., merdarius F., ferrugineus Dej. neue A,,
lividus Ol., lineolatus JU., melanostictus Schüpp., Schm., ingwnatus
F., pietus,St., tessulatus Cr., sticticus Pz., consputus Cr., 4guttatus
Hbt.,.sericatus Zigl., obscurus K., porcus F. —. Bei. den beiden folg.
Gatt. 7 u. 8 ist das Kopfschild seitlich gar nicht oder wenig erwei-
tert: 7) Acrossus,. Kopfschild halbkreisförmig, Hinterrand . des
Halsschildes wenigsteus in der Mitte nicht gerandet: A. discus Jur.,
rufipes L., luridus F., depressus Kug., pecari E. — 8) Melino-
pterus, Kopfschild halbsechseckig: A. prodromus Brahm, obliteratus
Heyd., contaminatus Hbt. — 9) Trichonotus, durch das behaarte
Halsschild von den vorigen unterschieden: A. scropha F. — 10)
Heptaulacus, hat 7 Furchen auf den Flügeldecken mit rippen-
artigen Zwischenräumen: 4. sus F., nivalis (sus var. Gyll.) und
*) Einer derselben ist ©. hirculus genannt worden, ein‘Name,
unter dem von Mannerheim eine in Brasilien häufig. vorkommende
Art beschrieben ist, und der daher abgeändert werden muss.
181
testudinarius. F. — 2. Unterabtheil. Ammoeciaten, Kopf stark
gewölbt, Kopfschild halbkreisförmig, tief ausgerandet, die; Maxillar-
laden kurz und gewimpert: einzige Gatt. 11) Ammoecius: A. .ele-
vatus F. — 3. Unterabtheil.. Pleurophoraten, 10 rippenartige
Zwischenräume der Streifen auf den Flügeldecken, der 6.. und. 8,
kürzer als der 7. — 12) Plagiogonus, Flügeldecken nach. der
Naht schräg abgeschnitten: A, arenarius Il. — 13) Oxyomus, Kopf
einfach punctirt: A. porcatus F. —. Die folg. haben den Kopf mit
erhabenen Körnern bedeckt; 14) Platytom us, Halsschild oine Wim-
pern und ohne Querfurchen, 1. Gl. ‚der Hinterfüsse dreieckig erwei-
tert: P. sabulosus Dej., selten im südl. Frankreich. — 15) Pleu-
rophorus, Halsschild wie beim vor., erstes ‚Gl. der Hinterfüsse
schmal und gleich breit: A. caesus Panz. 16) Rhyssemus, Halsschild
an den Seiten mit kurzen Borsten gewimpert, auf dem Rücken mit
Querfurchen: A. porcatus F., verrucosus neue A. von Marseille. —
Die 2. Abtheil. Psammodiarii, hat die Hinterbeine verdickt, die
Hinterfüsse mit stufenweise. kleineren Gliedern und undeutlichen
Klauen. — 17) Diasticetus, Halsschild ohne Wimpern und QOuer-
furchen: "A. sabuleti Payk. — 18) Psammodius, Halsschild mit
Querfurchen und an den Seiten mit kurzen Börstchen eingefasst: A.
sulcicollis und poreicollis Jllig.
Diese Eintheilung hat sicher viel Gutes, obgleich sie vorzugs-
weise auf habituellen Merkmalen beruht, und die, Kennzeichen der
Gattungen oft sehr fein und unbestimmt. sind. Die Mitberücksichti-
gung der aussereuropäischen Arten wird einiges fester begründen,
anderes anders gestalten, überhaupt der Eintheilung. die gehörige
Abrundung ‚geben. Die Ammpoeciaten werden dann einen weniger
untergeordneten Rang in Bezug auf Artenreichthum einnehmen. Die
Gattungen Coprimorphus und. Eupleurus werden sich nicht trennen
lassen, Colobopterus und Teuchestes, auch Acrossus erscheinen aber
als sehr naturgemässe Arten - Gruppen. ‚Dass Diustietus (sahuleti) der
eigentliche Psammodius Gyll. sei, und nicht zu den Aphodien, son-
dern den Trogiden gehöre, ist von Heer gezeigt worden. (8. Jahresb.
f. 1841. 8.225.) -
Aphodius Zenker! Germar ist in dessen Faun, Ius. Eur. 22. 6.
abgebildet.
Eine neue Art aus Vandiemensland ist Aphod. erosus-desRef.
(a. a. O0. S. 157)
Aus der Trogiden- Gruppe beschrieb Ref. (a. a.0. 8.158) den
auf Vandiemensland einheimischen Trox Australasiae Latr.
Die kugelförmigen Trogiden hat Germar (Zeitschr. IV.
8.109. T.1) in einer ausgezeichneten Monographie bearbeitet. Sie
bilden 4 Gattungen: die einen haben vollkommenes Kugelvermögen
(die Hinterecken des Halsschildes ganz abgerundet): Sphaero-
morphus mit 10g1. Fühlero, breiten. platten Schienen, langen und
dünnen Füssen, enthält 15. Arten aus verschiedenen. Theilen Ame-
192 R
rica’s, bis dahin sämmtlich unbeschrieben; Synarmostes mit Igl:
Fühlern, breiten platten Schienen, kurzen Füssen: zwei Arten von
Madagascar, Acanthoc. tibialis Ki. und scabrosus Laporte enthaltend,
Bei den andern ist das Kugelvermögen unvollkommen (das Halsschild
hat stumpfwinklige Hinterecken): Cloeotus hat gl. Fühler, drei-
kantige Schienen, kurze Füsse; 2 neue Arten aus Columbien; end-
lich Acanthocerus Mac Leay, mit 10gl. Fühlero, dreikantigen
Schienen, ziemlich langen Füssen: 19 Arten, unter denen 7 bereits
an verschiedenen Orten, eine (aphodioides) sogar unter vierNamen,
beschrieben waren. So sind 38 Arten bekannt, von denen 2 Mada-
gascar, die übrigen ausschliesslich America angehören, denn A. se-
negalensis Lap. verdankt seinen Namen einer irrthümlichen Vater-
landsangabe: er ist in Cayenne zu Hause, daher hier auch‘ der
Dejean’sche Name A. siriutus aufgenommen worden ist.
Die Geotrupen-Gruppe bereicherte Mulsant (a, a. ©. 8. 367)
mit einer neuen Gatt. Thorectes, welche von Geotrupes durch ver-
wachsene Flügeldecken, verkümmerte Flügel und durch die Fühlerkeule
unterschieden ist, an der,wenn sie zusammengelegt ist, das mittlere Blatt
nicht versteckt wird. Hierhbin @. /uevigatus F. Der Name trifft mit
Thorictus Germ. zusammen, Ich 'kaun mich von der Zweekmässig-
keit dieser Gattung nicht überzeugen, und möchte sie ebenso wie
Ceratophyus höchstens als Untergattung von on annehmen.
Bolbocerus bereicherte Mulsant (a. a. 0. 8.350. T.1. ®. 15.
16) mit einer ausgezeichneten neuen ehropsindhen Art: B. gallicus.
Er hat’ viel Übereinstimmung mit B. Aeneas, es ist aber die Oberseite
glänzend schwarz, das Schildchen unpunctirt; vom nordafricanischen
B. Bocchus unterscheidet er sich durch das einfache kegelförmige
Kopfhorn des Z' u. s w. — Die neuholländischen Arten dieser Gatt,
sind in grösserer Zahl bekannt gemacht worden, und sie scheinen
vorzüglich der West- und Nordseite anzugehören. Bainbridge
(Transact. Ent. Soc. of Lond. 111. 8. 79)- hat eine Reihe derselben
beschrieben: 3, Kirbii, latus (einerlei mit B. frontalis Guer. Voy.
' d. 1. Favorite, beide Weibchen), serricollis, hastifer (einerlei
mit Athyreus recticornis Guer. ebend., indess ein wirklicher Bolbo-
cerus), 7tuberculatus, fissicornis, trituberculatus; Die
erste Art ist von der Melville-Insel, die übrigen sind vom Schwa-
nenfluss. Hope (Proceed, Ent. Soc. S.43) erhielt auch B. Kirbiüi von
Port Essington, ausserdem 3 neue Arten: B. neglectus, rotun-
datus, beide Weibchen, B. rudescens. Die beiden. letzten
gehören. zu den kleinsten Arten. — Bef. (dies Arch. 8. Jahrg.
1. Bd. 8.105) zeigte, dass- die Gatt. Elephastomus MacL.; eingehen
müsse, indem E. proboscideus nur ein abweichendes Mäunchen von
Bolbocerus sei, und zwar sei dessen Weibchen B, Australasiae Kirby,
auf welcher sogar die Gatt. Bolbocerus gegründet ist,
Die Dynastiden-Gruppe vermehrte Ref. mit einer neuen Gatt.
Pimelopus, welche die stark verdiekten Hinterbeine, die blattar-
193
tigen Enddornen derselben u. s. w. mit Cheiroplatys Hope gemein
hat, sich aber durch dreizähnige Vorderschienen, aussen dreizähnige
Mandibeln, 5zähnige Maxillen und mehr bauchigen Körper unter-
scheidet. Eine Art aus Vandiemensland, P. por cellus (a.a.0.S.159.)
Ebendaher Cheiroplatys Maelius des Ref. (ebendas. S. 158.)
Als Oryctomorphus (?) pietus machte Waterhouse (En-
tomologist 8. 261) einen Käfer von Valdivia bekannt, den Guerin
bereits als O. variegatus beschrieben hat, Dem Verf. war nur das
Weibchen bekannt, daher auch seine Bedenken hinsichts der Gattungs-
bestimmung nicht gegründet sind.
In der Ruteliden-Gruppe stellte Gu&rin (Delessert Voyag,
II. p. 40. t.11. £.2) eine neue Gatt. Barymorpha auf, welche in
den meisten Puneten mit Parastasia übereinkommt, aber darin ab-
weicht, dass die Klauen der hinteren Füsse gleich und einfach sind.
B. bimaculata, die einzige Art, von der Insel Pinang an der Küste
von Malacca.
_ Auch Parastasia bereicherte ders. (ebend. S. 39. £. 1) mit
einer neuen Art, P.oöscura, ebendaher, und Westwood (Proceed.
Ent. Soc, 8.55) fügte eine andere hinzu, P. rufopicta von Sylhet.
Harris (Ins. of Massachusetts S.23) giebt von der Pelidnota
punctata an, dass sie im Juli und August oft in grosser Menge auf
dem wilden und cultivirten Wein vorkommt, dessen Blätter ab-
frisst, und dadurch häufig dem Weinstock schadet. Sie fliegt bei
Tage. Die Larve lebt in faulem Holz.
Die Melolonthen-Gruppe theilte Mulsant (a. a. O. S. 405) in
vier Gruppen, Melolontharien, Sericarien, Anomalarien, Hopliarien,
wobei in den Kennzeichen, welche nur von den Klauen her-
genommen sind, nur auf die Europäer Rücksicht genommen ist,
Die Sericarien unterscheidet der Verf. von den Melolontha-
rien nur durch die Form der Klauen, welche an der Spitze so
gespalten sind, dass der untere Zahn breiter und stumpfer ist als
der obere. Ich habe schon vor langer Zeit bemerkt (dies. Arch.
1. Jahrg. I. S. 261), dass bei dieser Abtheilung die Lefze versteckt ist,
so dass der vordere Rand des Kinnes sich unmittelbar an das Kopf-
schild legt; es giebt auch noch einige andere Charactere, welche
sich bei den europäischen Sericen vereinigt finden, und welche
aussereuropäische Gattungen einzeln mit ihnen gemein haben. Ano-
malarien sind durch einfache, meist merklich ungleiche Hinterklauen
bezeichnet, welches allerdings zutrifft, sie aber nicht von den Ho-
pliarien unterscheidet, welche hier eine einzelne Hinterklaue zum
Kennzeichen haben, denn die Mehrzahl der aussereuropäischen,
namentlich der zahlreichen südafricanischen Formen dieser Abthei-
Jung hat zwei einfache, ungleiche, wie die Anomalarien; eher könnte
das Fellen der Enddornen in den Hinterbeinen die Hopliarien cha-
racterisiren, -— Die Abtheil. der Sericarien enthält hier die Gatt,
Serica (hrunnea) mit 2zähnigen Vorderschienen, 951. Fühlern,
Archiv S, Naturgesch, IX, Jahrg. 2, Bd, N
194
mit beim d‘ verlängerter Blätterkeule und mit etwas abgestutzten
Maxillartastern, Omaloplia (holosericea Scop., variabilis E.) mit
2zähn. Vorderschienen, 10gl. Fühlern, zugespitzten Maxillartastern,
Brachyphylla (ruricola F.) mit 2zähn. Vorderschienen, 9gl.
Fühlern und hinten jederseits ausgebuchtetem Hinterrande und da-
durch zahnförm. vortretenden Hinterwinkeln des Halsschilds, Trio -
donta (aquila Dej. Lap.), mit 3zähn. Vorderschienen, undeutlich
10g1. Fühlern, und Hymenoplia Esch. mit 3zähn. Vorderschienen,
9g1. Fühlern und unten mit einem Hautsaum versehenen Klauen.
Unter den Hopliarien sondert der Verf. die Hoplien mit 10gl.
Fühlern als eigene Gatt. Decameria ab, obsleich nur die g' die
10 Fühlerglieder deutlich besitzen, die Weibchen nicht.
Neue Arten hat Mulsant mehrere beschrieben: Anozia scu-
tellaris Chevr. aus dem Süden von Frankreich, der australis Sch.
ähnlich, Rhizotrogus thoracicus Dej. (ist maculicollis Villa,
Heer), Rh. cöcatricosus, hauptsächlich im Süden, häufig beiLyon;
Rh. marginipes Chevr., ebenfalls im Süden, namentlich bei Bor-
deaux; Rh. vicinus De), Hymenoplia Chevrolatii, im Süden
von Frankreich, bei Lyon auf Festuca elatior, von der portugisi-
schen H. strigosa (Mel. strigosa Jll.) verschieden.
Eine lehrreichke Abhandlung ‚über geographische Verbreitung
und periodisches Auftreten der Maikäfer“ hat Heer bekannt gemacht,
Er weiset hier einen dreijährigen Entwickelungscyclus nach. Ro-
senhauer (Entom. Zeit. S. 37) spricht sich für die Erlanger Gegend
ebenfalls für eine dreijährige Flugperiode aus. Ratzeburg (ebend.
S.39) führte seine ferneren, für einen 4jährigen Cyclus sprechenden
Erfahrungen an.
Gue£rin (Rev. zool. S.6) bemerkte, dass mehrere Rhizotrogus-
Arten von Algier ungeflügelt sind, und da sie in Folge dieses Um-
standes einen besonderen Habitus bekommen, schlägt er für den
Fall, dass man daraus eine eigene Untergattung bilden wolle, die
Benennung Geotrogus vor. Es sind 4 Arten aufgeführt, unter
denen eine neue: Rh. Magagnoscii, welche viel Ähnlichkeit mit
Rh. dispar haben muss, nur sind die Hinterfüsse des 5‘ dünn und
kaum länger als die Schienen, während sie bei den übrigen um die
Hälfte länger sind. Diese kenne ich nicht, von den drei anderen
unter Geotrogus aufgezählten Arten würden von Rh. dispar Gory
beide Geschlechter zu dieser Untergatt. gehören (dasselbe ist auch
bei Rh. Gabalus Bug., der nicht mit aufgeführt ist der Fall), von
Rh. Gerardiı und Amphytus (nicht Euphytus) Bug. aber nur die Weib-
chen, und die Männchen derselben sind echte geflügelte Rhizotrogen,
Einige neue Arten vom westl. tropischen Africa führt Hope
(Ann. nat. hist. IX. 8.495) auf: Popillia sulcipennis, lutei-
pennis cyanoptera, Lepidiota Savagei, Euchlora eir-
cumcincta.
195
Anisoplia theicola Waga (Ann. d. I. Soc. Ent. d. Fr. XI.
8.273. T. 11. F.9) ist in einem Paket chinesischen Thees gefunden.
Zur Kenntniss neuholländischer Melolonthen hat Ref. (a. a. 0.
S. 160— 170) einige Beiträge geliefert. Die Stellung der Gatt. Orypto-
dus hatte ich (8.106) noch zweifelhaft gelassen. Später habe ich
mich überzeugt, dass diese Gatt. zu den Melolontben im weiteren
Sinne gehört, und zwar zur Abtheil. der Cyclocephalites Lap., wo
sie sich zunächst an Lampropus Lap., welche ebenfalls dahin zu
rechnen, anschliesst. Die von mir a. a. O. S. 160 beschriebene Art
von Vandiemensland, Cr. anthracinus, ist vermuthlich einerlei
mit Cr. Tasmannianus Westw. Proceed. Ent. Soc. S, 34.
Alsdann sind mehrere neue Gattungen aufgestellt, von welchen
Silopa (mit 8 Art.), Nepytis (1LA.), Scitala (2 A.), zwischen den
eigentlichen Melolonthen und Sericen in der Mitte stehen, indem sie
mit den ersteren die deutlich vortretende Lefze, mit letzteren ver-
kürzte stumpfe Mandibeln und breite schildförmige Hinterhüften ge-
mein haben. Sie entsprechen wohl z. Th. der Gatt. Sericestis Dej.,
namentlich gehört Scitala dahin, es scheinen dort aber verschiedene
Formen untereinander vermengt zu sein. — Etwas mehr weicht die
ebenfalls neue Gatt. Telura (1 neue Art) ab, indem hier die Hin-
terhüften nicht mehr das 1. Hinterleibssegment bedecken. — An
neuen Arten sind ferner 1 Liparetrus und 1 Phyllotocus (Macrothops)
beschrieben.
Von Port Essington stellt Hope (Proceed. Ent. Soc. S.45) eine
neue Gatt. Phaenognathus auf: mit Pachypus verwandt, sehr
lange Hinterbeine, Kopf in der Mitte gehörnt, Lefze vorgestreckt,
kegelförmig, Mandibeln vortretend, Fühler 9gl., Maxillen mit sehr
kleinen Laden, Halsschild vorn etwas abschüssig (subretusus), Flü-
geldecken kegelförmig, hinten sehr verschmächtigt. Eine Art Ph.
Erichsonii, 3” lang. Mir zweifelhaft. Ferner: Sericesthis
Gouldii, nicht in eine der von mir aufgestellten Gatt. gehörend,
sondern in eine neue, welche ich in der hiesigen Sammlung vorläufig
mit der Benennung Colpochila bezeichnet habe; Liparetra nigri-
collis, endlich Maechidius rufus.
Diagnosen von 5 neuen Arten von Maechidius (die letzte mit
einbegriffen) theilte Westwood (Proceed. Ent. Soc. S. 40) mit,
welche ich hier nachträglich erwähne.
In den Ins. of Massachusetts hat Harris über nordamericanische
Melolonthen schätzbare Nachrichten gegeben. Areoda lanigera schadet
vorzugsweise den Birnbäumen, ohne indess andere Laubbäume zu
verschonen; sie erscheint im Mai und Juni, und fliegt Morgens und
Abends. Einen überwiegenden Rang nimmt in Nordamerica die Gatt.
Phyllophaga Harr. (1826 aufgestellt, später Aneylonycha von Dejean
genannt), Ph. quereina wird allgemein im Lande ‚„Maikäfer “ ge-
nanot, erscheint im Mai und Juni in Massen, Nachts liegend, haupt-
sächlich die Kirschbäume entlaubend. Die Engerlinge fressen die
N#
196
Graswurzeln’ ab, so dass der Rasen stellenweise wie eine Decke
aufgehoben werden kann. Ph. fraterna Hatr., etwas kleiner als
die vor., schlanker, die Puncte auf dem Halsschilde und den Flügel-
decken nicht so deutlich, die drei erhabenen Linien auf den Flügel-
decken kaum wahrzunehmen, sonst jener sehr ähnlich; erscheint im
Juni und Juli, weniger zahlreich; die Lebensweise dieselbe. Ph.
hirticula Kn. erscheint gleichzeitig, gemein. An andern Stellen
kommt im Mai und Juni Ph. georgieana (Mel. georg. Schönh.) in
Massen vor. — Melolontha variolosa Hentz (es ist dies die wahre
Mel. occidentalis L.) findet sich an einigen Puncten der Küste in
Menge, kommt aber im Allgemeinen selten vor. Die nächtlichen
Omaloplia vespertina und sericea benagen die Blätter der Rosa ru-
biginosa. Anomala coelebs Germ., zu welcher vielleicht Mel. va-
rians und lucicola F. gehören, findet sich in grossen Mengen auf den
verschiedenen Sumach- Arten, welche sie oft ganz entlaubt und sie
hat seit 1825 angefangen, sich auch auf den wilden und cultivirten
Wein zu verbreiten. Macrodaetylus subspinosus, in Nordamerica
gewöhnlich „Rosenwanze‘ genannt, zur Zeit der Rosenhlüthe und
hauptsächlich auf den Rosen erscheinend, hat sich in den letzten
Jahren ausserordentlich vermehrt und ausgebreitet, sich auch auf
andere Laubhölzer, namentlich Wein und Obstbäume geworfen,
und kann um so mehr als der schlimmste von allen Melolonthiden
gelten, als er nicht allein die Blätter, sondern auch die Blüthen und
Früchte abfrisst. Die Entwickelung vom Ei zum Käfer geschieht
bei ihm innerhalb eines Jahres.
Die Melitophilen sind in Burmeister’s „Handbuch der En-
tomologie 3. Bd., Coleoptera Lamellicornia Melitophila“ abgehandelt
worden.
Mulsant (a. a. ©. S.519) theilt die Cetonien-Gruppe in drei
Unterabtheilungen: Vulgarii, Trichiarii und Cetoniarii, die
erste durch aus einander gerückte Hinterbeine von den anderen un-
terschieden. Die letzte Unterabtheil. ist in drei Gattungen zerlegt,
Cetonia, mit knopfförmig erweitertem, die andern mit einfachem
Brustfortsatz: Oxythyrea (stictica) mit 2, Tropinota (hirtella
L., hirta FE.) mit 3zähn. Vorderschienen. Unter der letzten Gatt. ist
noch eine neue Art, Tr. Reyi, aufgeführt, welche bisher meist mit
Tr. hirtella verwechselt war und vom Verf. scharf unterschieden
ist, indess bereits von Charpentier (Hor. ent.) als C. crinita be-
schrieben war.
Ausgezeichnete Beiträge zur Kenntniss dieser Gruppe lieferte
Westwood in seinen Arcana Entomologica. Eine eigene Abhand-
lung ist den Goliathiden Asiens (S.113) gewidmet. Der Gatt. Narycius
fügt der Verf. hier eine. Untergatt. Cyphonocephalus bei, welche
auf den ersten Anblick an Dicronocephalus (Hardwiekii), namentlich
in der Form der Kopfhörner erinnert, aber in den Mundtheilen mit
Narycius übereinkommt und sich ausserdem durch einfache Vorder-
- 197
schienen des / entfernt. N. (Cyphonoceph.) smaragdulus ist
ein schöner ostindischer Käfer. Nachdem Myceteristes mit der
Untergatt. Phaedimus und Jumnos aufgeführt sind, aus denen M.
rhinophyllus 2 und J. Royli@ g‘ abgebildet sind, wird die Gatt,
Rhomborkina Hope mit 9 Arten aufgeführt, von denen Rh. apica-
lis vonNepal, Rh. microcephala vomHimalajah, Rh, clypeata
aus Japan neu, und mit Rh. Japonica und Ayacinthina Hope abge-
bildet sind. Eine 10., RA. pilipes, vorläufig nur mit dem Namen
aufgeführt, ist später 8.192, als Abänderung von Rh. Mellii wieder
eingezogen. Eine neue Gatt. Anomalocera wird von Hope be-
schrieben werden, sie ist indess hier abgebildet. Lange Fühlerkeule
des Z, so wie langer und schmaler Bruststachel unterscheiden sie
von der vor. Gatt, 4. Parrii ist vom Himalajah. Dann ist Trigo-
nocephalus Hope als eigene Gatt. hergestellt, mit vier Arten, von
denen von Tr. Nepalensis (Hardwickii) g', Delessertiü und einer
neuen, Tr. Saundersii, aus Ostindien, Abbildungen gegeben sind;
die 4, Tr. Cantori Hope ist nach dem Verf. nicht verschieden von
der ersten. — Unter dem Namen Heterorhina fasst der Verf.
zweckmässig solche zusammen, deren g' nicht merklich verlängerte
Vorderbeine haben. Sie ist hauptsächlich aus Gnathocera und Di-
cheros Gory gebildet. Die versch. Arten, selbst die verwändtesten, i
weichen in den Geschlechtsauszeichnungen und der Form der Ma-
xillarlade ab, letztere ändert selbst bei verschiedenen Individuen
derselben Art, ja bei einem und demselben Individuum, Es gehören
dahin an asiatischen Arten — denn die Gatt. ist mit Africa gemein —
Gnathoc. nigritarsis, Hopei Gory, dives Westw. (MacLeay Gory,
pretiosa MacL.), MacLeayi Kirby (pretiosa Esch.), decora Jll. (6ma-
culata F.), amoena Hope, punctatissima Westw. (iucunda Hope),
tibialis Westw., glaberrima Westw., neue ostindische Arten, Ben-
galensis Hope (melanaria Gory), iucunda Germar (smaragdina
Gory), elegans F,, olivacea Guer., bimacula Wd. ( Wiedemanni
MacL.), confusa Westw. (bimaculata Gory), Cuvera (Diceros cuv.
Newm.), Childrenii, neue A. aus Bengalen, bicornis Latr. (Dicher.
plagiatus Gory), ornata (Dich. orn. Hope), dbiguttata Westw.,
neue Art von den Philippinen, decora (Dich. dec. Gory), Petelü Buq.,
welche letzte kaum von der vorhergehenden verschieden ist. Diese 23
Arten sind mit wenigen Ausnahmen mit den Zergliederungen abgebildet.
In ähnlicher Art hat der Verf. die Goliathiden Africa’s erläutert.
An der Spitze stehen Aypselogenia und Goliathus mit den drei be-
kannten Arten, @. giganteus Lam., welche der Verf. in der Gläas-
gower Sammlung verglich, Druri Westw. (2 rezius Kl.) und Caci-
cus (7 princeps Hope). — Von Mecynorhina Hope sind M. Polyphemus
Q und torquata „Q durch herrliche Abbildungen dargestellt. Unter
Ceratorhina fasst der Verf. Dieronorhina Hope, Eudicella White
u.a. zusammen; die Gruppe Dieronorhina besteht aus micans Drury;
welchen der Verf. für verschieden von dem am Senegal vorkommen-
198 -
den, in den Sammlungen verbreiteten Käfer hält, dem er deshalb
einen neuen Namen, cavifrons giebt, splendens M.Leay, und eine
prächtige neue Art, ©. Derbyana Melly, aus dem Innern von Süd-
africa, nach beiden Geschlechtern sehr schön abgebildet. Die 2. Gr.
Eudicella White enthält Daphnis Buqg., Smith M.Leay, Morgani
Wh., frontalis Westw., beide letzteren abgebildet, Gralli Bug. und
eine schöne neue A., C. (Eud.) ignita Westw., von der Gold-
küste. Die 3. Gr. Cheirolasia Westw. ist eine neue Form, wo
die Vorderschienen des 5 aussen und innen unbewehrt, aber an den
Vorderbeinen auf der lunenseite die Spitze des Schenkels, die Wur-
zel der Schiene und das Klauenglied mit dichten Haaren besetzt, die
Farbe nicht metallisch, die Oberseite mit Filzflecken geziert ist: ©.
Ch. Burkei, aus Südafrica; die drei folg. Gr. bilden Taurhina
(Nireus Schaum.), Coelorrhina (4maculata F., aurata Westw.) und
Stephanorrhina Burm. (guttata Ol.). — Die folg. Gatt. Timesor-
rhina Westw. hat den kurzen Brustfortsatz mit der vor. gemein,
weicht aber durch unbewehrten Kopf des j ab: Tm. concolor,
neue A. aus Sierra Leone und Iris F. (amahilis Bainbr.). — Die
neue Gatt. Aphelorrhina Westw. stimmt im unbewehrten Kopfe
mit der vor. überein, weicht aber durch einen langen Brustfortsatz
ab: A. simillina, früher als Tmesorrh. s. abgebildet, neue Art,
aus Sierra Leone. Hieran schliessen sich Dymusia (cyanea Ol. und
punctata Sch.), Bothrorrhina (reflexa und ochreata. Gory), Chordo-
dera .(5lineata F. und pentuchordia Kl.) und Plaesiorrhina Burm.
(depressa Gory, cincta Voet, plana Wd., mediana Westw., neue
Art vom Cap Palmas, abbreviata F.). Die africanischen Arten von
Heterorhina sind: africana Drury, viridi-cyanea Pall. Beauv., monoce-
ros Gory, suturalis F., Algoensis Melly, eine schöne neue Art aus
Südafrica, dessen d mit zwei langen Kopfhörnern an die ostindische
Dicheros - Form erinnert, flavipennis Westw., ebenfalls neu,
ebendaher, Feisthamelü, chloris und smaragdina Gory. Endlich die
neue Gatt. Anisorrhina Westw., ebenfalls von versch. Kopfbil-
dung bei den versch. Arten, der Brustfortsatz kegelförm. vortretend,
die Schienen beim / alle einfach, beim Q die Vorderschienen drei-
zähnig, die binteren unter der Mitte gestachelt: die Arten sind Ödi-
maculata Deg. (flavomaculata F.), umbonata Gory, 3vitiata Schaum,
bicolor Burm., natalensis Hope. Die drei letzten Arten sind ab-
gebildet,
Eine andere Abhandlung Westwood’s (ebendas. 8.125. T. 32)
stellt mehrere ausgezeichnete Cetonien von Madagascar dar: Bo-
throrrhina reflexa, Schizorhina Guerinii, neue A., und plumi-
gera (Ceton. plum.Gory) und Chromoptilia diversipes Westw.,
eine neue Gatt., welche mit Trichienähnlicher Körperform einen
dem der vor. Art ähnlichen Haarschmuck an den Beinen verbindet.
Ferner stellte derselbe Verf. (ebendas. 8.103. 1.28) einige aus-
gezeichnete neue Cetonien Ostindiens und Neuhollands dar: Schi-
ß , 199
zorhina obliquata aus Neuholland, Sch. Bestziö von der Nor-
folks-Insel, Macronota Mearesii vom Himalajah, M. Raffle-
siana von Sumatra, M. tristis von Java, M. vittigera von
Mysore.
Endlich bildet ders. Verf. (ebendas- S. 187, T. 48. F. 6) eine afri-
canische Art der Gatt. /nca ab: I. lineola Westw. aus Sierra
Leone. — Zwei ebenfalls aus dem west]. tropischen Africa stammende
neue Arten sind Diplognatha admixzta und Cetonia cincti-
collis Hope (Ann. nat. hist. IX. S. 494).
In dem Reisewerk von Delessert hat Gu&rin Zeichnung des
Kopfes und der Mundtheile der Gatt. Centhrognathus, eine schöne
Abbildung von @ol. (Trigonophorus) Delessertü, und wie von den
übrigen von Deless. gesammelten Cetonien (G@nathocera olivacea,
Macronota picta, Cet. malayana, Goryi, rufovittata) ausführlichere
Beschreibungen gegeben. — Zwei neue Oremastocheilus (Coe-
nochilus)- Arten aus Nordindien, Or. Campbellii und C. brun-
neus stellte Saunders (Proceed. Ent. Soc. S.51) auf.
Unter den Lucaniden beschrieb Mulsant (a.a.0. 8.582) eine
Gatt. Hexzaphyllus, welche er zwar schon früher (1838) in den
Lyoner Ann. d. Sc. Phys. et Nat. publ. par la Soc. d’Agric. aufge-
stellt hatte, welche aber bisher noch wenig bekannt geworden war.
Sie unterscheidet sich von Lucanus nur durch grössere Zahl der
Fühlerblätter, ein Merkmal, das bei Lucanus ganz unwesentlich ist,
und worin die nächst verwandten Arten Verschiedenheiten zeigen.
Auch die Art, H. Pontbrianti Muls., welche eiumal bei Lyon
aufgefunden ist, scheint mir nicht neu, sondern mit L. BarbarossaF.
einerlei zu sein.
Als neue Lucanus-Arten aus dem westl. tropischen Africa
führt Hope (Ann. nat. hist. IX. S.494) auf L. Savagei, picipen-
nis, angulatus.
Guerin bildete in Delessert’s Souv, (8.48. T.12. F.3) unter
der Benennung Lucanus Delessertii eine Abänderung des L.
bicolor Ol. ab, bei der das Gelb der Flügeldeckenseiten sich nach
hinten allmählich erweitert.
Eine neue chilesische Art ist Dorcus Lessonii Buquet (Ann.
d. 1. Soc. Ent. d. Fr. XI. S. 283. T. 12. 1.).
Die Arten der Gatt. Lamprima wurden vom Ref. (dies. Arch.
8. Jahrg. 1. Bd. S. 108) gemustert. Die Männchen der einen haben
den einen Enddorn der Vorderschienen sehr breit, beilföürmig: L.
Latreillei M.Leay (aenea Boisd.), L. splendens neue A., L. ful-
gida Boisd. (aurata M.Leay), L. rutilans, neue A., endlich gehört
noch hierher L. aenea M.Leay (Lethr. aeneus Fab.); bei den andern
ist derselbe Enddorn der Vorderschienen schmaler, messerförmig:
L. viridis, neue A. und L. Micardi Reiche. — Zweifelhaft ist
L. pygmaea M.Leay.
Zwei guineische Arten von Passalus wurden von Imhof
200
(Verh. der Naturf. Ges. zu Basel V. S.171) beschrieben: P. para-
sticus, dem P. barbatus F. ähnlich, aber. die Fühlerkeule 3blättrig
(bei jenem 5bl.) ist neu, die andere P. dasypleurus (8.172) scheint
mir von P. planiceps Esch. nicht unterschieden zu sein, ü
Tenebriones. Marquis de Breme hat in der Rey. zool.
S. 81 und 106 und auch unter einem besonderen Titel: „Monographie
de quelg. genr. de Col&opteres heteromeres appartenant a la tribu des
Blapsides.‘‘“ 8° avec une planche au trait. Paris 1342, eine Mono-
graphie einer Gruppe der Blaptiden geliefert, welche Misolampus,
Sphaerotus und einige andere verwandte Gatt. umfasst. — Miso-
lZampus hat 4 Arten, darunter 2 neue, M. Lusitanicus, dem M.
gibbulus ähnlich, aber die Puncte auf dem Kopf und Halsschild ein-
zelner und tiefer, die Flügeldecken ohne Streifen, unregelmässig
punctirt, aus Portugal; und M. Ramburi, mit Reihen seichter
Puncte und äusserst fein punctirten Zwischenräumen auf den Flügel-
decken; aus Andalusien. — Sphaerotus hat 8 Arten in 3 Unter-
“ abtheilungen: ein längeres gewölbtes Halsschild haben SpA, curvi-
pes Kirby, cribratus, neue Art aus Paraguay, /aevigatus und
costatus, neueA. aus Brasilien; ein längeres aber wenig gewölbtes
nach vorn verengtes Halsschild hat SpA. politus, neue A. aus
Mexico; ein kürzeres, flacheres Halsschild, zugleich weniger kug-
lige 5 vorletzte Fühlerglieder haben Sph. gravidus, thoracicus,
Mezicanus, neue Arten aus Mexico. — Zophius, neue Gatt.
auf dem Helops rufo-pictus Wied, gegründet. — Heliofug us Guer.
(Amphysus Dej.) mit den drei von Guerin im Mag. d. Zool. be-
schriebenen Arten, endlich eine neue Gatt. Dinomus, mit Helio-
fugus verwandt, aber das Kopfschild nicht deutlich von der Stirn
abgesetzt, das Halsschild fast von der Breite der Flügeldecken u. s. w.,
"mit einer einzigen neuen Art, D. perforatus aus Mexico. In der
besonders ausgegebenen Abhandlung sind die Gattungskennzeichen
in Umrissen dargestellt.
In der Opatriden-Gruppe beschrieb Ref. (a, a. 0. S.172) mit
2 neuen Arten von Vandiemensland eine neue neuholländische Gatt.
Cestrinus, welche ganz den Habitus von Opatrum zeigt, aber un-
geflügelt ist, durch nicht erweiterte Vorderschienen u. s. w. auffal-
lend abweicht.
Schiödte gab eine Bescheibung des innern Baues von Opatrum
sabulosum (Kröyer Naturh. Tidsskr. IV. S. 204).
Westwo.od (Proceed. zool. Soc. 1841. p.66) hatte der zool.
Gesellsch. zu Lond. eine Arbeit über einige Tenebrioniden des tro-
pischen Africa vorgelegt, in welcher einige neue Arten: Chiro-
scelis bifenestrella und passaloides, Prioscelis (Iphius)
Dej.) Raddon: und erassicornis aus Guinea und Odontopus
tristis vom Senegal? aufgeführt werden. In den Proceed. 1842.
p. 117 ist eine Fortsetzung dieser Arbeit erschienen. Ausser 7 Arten
201
von Nyctobates, N. moerens,confusus, punctatus (Helops punct.
F.), Aypocrita (Iphthin. hyp. Dej. guineensis Westerm.), trans-
versalis, brevicornis, rotundicollis, werden vier neue Gat-
tungen beschrieben: Calostegia: gross, länglich, die Halsschild-
seiten gegen die Vorderwinkel gesägt, die Fühler kurz, dick, das
7.— 10. &l. grösser als die übrigen, das 11. noch grösser, etwas
spitz; die innere Maxillarlade mit hakigem Zahn an der Spitze;
alle Schenkel vor der Spitze zweidornig, die Schienen innen über
und unter der Mitte buchtig: C. purpuripennis, aus Aschanti. —
Nesioticus: kurz, rund, stark bucklig; innere Maxillarlade ohne
Haken. Endgl. der Maxillartaster stark beilförmig; Fühler zusam-
mengedrückt, nach der Spitze hin wenig verdickt; Beine einfach;
Mesosternum eine stumpfe Vorragung bildend: M. flavopictus
von der Goldküste. — Ogcosoma: kurz und sehr breit; Fühler
dünn, nach der Spitze kaum verdickt; beide Maxillarlappen häutig;
Halsschild gewölbt, alle Ecken scharf; Flügeldecken gewölbt mit
unterbrochenen Rippen; Beine dünn, borstig: O. granulare vom
Gambia. — Megacantha: dick und gewölbt; Augen nierenförmig;
innere Maxillarlade häutig; Fühler lang, die letzten Glieder vom 7.
an etwas breiter; Halsschild gerundet; Beine lang, Vorderschenkel
mit einem Zahn, Vorderschienen gekrümmt, Mittelschienen beim
innen gesägt (an den Vorderschienen sind Zahn und Schienenkrüm-
mung beim 5 stärker). M. tenebrosa von Aschanti.
Von zwei guineischen Arten, welche Imhof (Verhandl. der
Naturf. Ges. zu Basel V. 8.174) beschrieb, ist die eine, Jphthinus
cerenato-striatus mit dem Nyct. hypocrita Westw. einerlei. Die
andere, Tenebio Guineensis ist unter dem Namen T. subrugosus
Dej. bekannt.
Mehrere Arten von Vandiemensland beschrieb Ref. (a. a. O. S.
174) nämlich: Upis (Iphthin.) angulatus, Tenebrio humtlis,
colydioides, corvinus.
Hope (Guer. Magas. d. Zool. Ins.) bildete Calcar (?) inhu-
matus (pl. 89) und Monomma resinosum (pl. 87), beide aus
Gummi Animae ab. Die letztere hat nahe Verwandtschaft mit M.
marginata (Tritoma m. Fab.) ist aber nicht dieselbe, die erstere ist
jedenfalls hinsichts der Gattung noch näher zu bestimmen.
Eine Monographie des Marg. de Br&me über die Cossyphiden-
Gruppe, Paris 1842, ist mir noch nicht zugekommen, und muss ich
den Bericht darüber im nächsten Jahre nachholen, wo sie vollendet
sein wird. Aus der Anzeige in der Rev. Zool. (1843. S.46) ist zur
Zeit nur zu entnehmen, dass der Verf. die Helaeus (mit Einschluss
von Cilibe) mit Cossyphus verbindet, und erstere in 4, letztere in 2
Untergattungen zerlegt.
Ref. (a. a. O0.) beschrieb von Vandiemensland Cilibe peltata
als eine neue Art, gründete eine neue Gatt. Saragus auf der Silpha
202
laevicollis F., welche a.a.©. (S. 171 T.1. £.7.) zu den Pediniten ge-
stellt wurde, welche mir aber jetzt näher an Helaeus sich anzu-
schliessen scheint.
Die Gruppe der Helopier bereicherte Imhof(Verhandl. d. naturf.
Ges. zu Basel V. 8.175) mit zwei neuen Arten von Stienochiua, St.
eribripennis und cupripes, und einer der (noch unbegründeten)
Gatt. Hybonotus Dej., H. femoralis, alle aus Guinea. — Ref.
(a. a. O. S. 175) beschrieb aus Vandiemensland drei neue Arten von
Adelium, und stellte zwei neue Gattungen, Olisthaena (T.4. £.8.)
und Titaena‘(T. 4. f.9.), die erstere mit einer, die letztere mit
zwei neuen Arten auf.
Zu den Diaperialen gehört die neue Gatt. Ulodes des Ref.,
mit einer neuen Art, U. verrucosus von Vandiemensland (a. a. ©.
S. 180 T.5. £.1.). — Bolitophagus Sapphira Newman (Ento-
mologist S. 404) von Port Philip scheint eine sehr ausgezeichnete
nene Art zu sein.
Margus obscurus Redtenbacher (Col. Austr. 8.17), aus
Österreich wird als Synonym zu Teneb. madens Charp. zu stellen sein.
Aus der Cisteliden-Gruppe wurde eine neue Gattung Ble-
pusa von Westwood (Transact. Ent. Soc. III. S. 69. T. 3. F. 3) be-
kannt gemacht. Sie ist eine Alleculaform, mit Hautläppchen an den
mittleren Fussgliedern, durch das quergezogen beilförmige Endglied
der Taster ausgezeichnet. Bl. costata, glänzend schwarz, mit ab-
wechselnd erhabenen Zwischenräumen der Punctstreifen auf den Flü-
geldecken, 6° lang; muthmasslich aus Mexico. "
Cistela sulfuripes Dahl Redtenbacher (a.a. 0. 8.18) ist
unter demselben Namen bereits von Germar (Spec.ins. nov.) beschrieben.
Mordeilones. Eine neue Art ist Mordella promiscua
des Ref. (a.a.0. S. 151) aus Vandiemensland.
Salpingidae. Ref. (a.a.0. S.183) bemerkte, dass die eu-
ropäischen Arten von Salpingus sich in zwei Formen sondern:
die einen (Sphaeriestes Kirby: S.ater, piceae, bimaculatus, foveola-
tus) haben die 5 letzten Glieder der Fühler unmerklich verdickt und
die Halsschildränder einfach, die andern (Salpingus Latr., Lissodema
Curt.: S. cursor, dentatus) haben die letzten drei Fühlergl. merklich
verdickt, und die Halsschildränder gezähnelt. In der Mitte zwischen
beiden steht Sa/p. hybridus aus Vaudiemensland, welcher in den
Füblern mit den letzteren, im Halsschilde mit den ersteren über-
einkommt.
Lagriariae. In diese Fam. möchte ich ein Insekt aus Gummi
Animae rechnen, welches Hope (Guer. Mag, d. Zool. Ins. pl. 88) unter
der Benennung Megulocera rubricollis abbildete. Es ist schmal,
mit breiten sägeförmigen Fühlern, mit dreieckigen Gliedern, vorra-
genden Augen, punctirt-gestreiften Flügeldecken, kleinem gelappten
vorletzten Fussgliede.
203
Anthicides. Eine Bearbeitung der europäischen Anthicus-
Arten hat Dr. Schmidt in Stettin in der Entomol. Zeitung (S. 79,
122, 170, 193) mitgetheilt. Er theilt die Anthicus F. in die drei Gatt.
Notoxus Geoff. mit quadratischen Mandibeln, fadenförm, Fühlern,
ausserdem am gehörnten Halsschilde leicht kenntlich, Anthicus mit
dreieckigen Mandibeln und ziemlich fadenförmigen Fühlern, Ochtheno-
mus Dej. mit dreieckigen Mandibeln und keulförm. Fühlern. Von No-
tozus sind 6 Arten aufgeführt, von denen drei neue: N. major De).
aus verschiedenen Theilen Südeuropas, N.armatus aus Tirol, nicht
leicht etwas anderes als kleine Abänd. des N. cornutus, und N. mi-
les, gute Art aus dem Banat, vom N. cornutus hauptsächlich durch
die abgestutzte Flügeldeckenspitze verschieden. Von Anthicus sind
30 Arten beschrieben, unter denen als neu: n.4, A. terminatus
Dej. von Corfu, eine vielfach in der Färbung abweichende Art, mit
der auch n.12, A. ruficollis als Abänderung zu vereinigen ist; n.6,
4.longicollis aus Ungarn und Italien; n. 11, A. tristis aus Süd-
frankreich; n. 12, A. ru ficollis aus Südfrankreich und Norditalien
(Abänd. von n. 6, A. terminatus Dej.); n.13, A. unifasciatus De).
aus Tirol, Nordital. und Südfrankreich (bereits als A. fasciatus Chevr.
in Guer,. Iconogr. regn. an. abgebildet); n. 14, A. monogrammus
Kunze von Nizza (einerl. mitA. cinctus Rossi, affinis Dej.); n. 15, A.
Sardous Kunze von Sardivien; n.16, A. amoenus von Avignon
(ist tenellus Hoffg. Dej.); n.18, A.melanarius von Marseille (einer-
lei mit plumbeus Dej.); n. 19, A. unicolor aus Steiermark, Ungarn
und Frankreich; n. 20, A. brevis von Marseille; n. 21, A. callosus
ebendaher (einerlei mit A brunneus Ferte Sen.); n.22, A. fenestra-
tus Dej. aus Italien und Südfrankr.; n.25, A. instabilis Hoffg. aus
Südfrankr. und Spanien; n. 26, A. arillaris aus Ungarn und Italien;
n. 27, A.luteicornis aus Oberbayern; endlich 0.30, A. pulchel-
Zus Dej. aus Südfrankreich und Spanien. Die Gattung Ochteno-
mus enthält eine neue Art, O, sinuatws Kunze aus Italien und Süd-
frankreich neben dem im südlichen Europa sehr verbreiteten O, tenuwi-
collis, Notox. ten. Rossi, O.angustatus De).; zu diesem letzteren ge-
hört auch Laporte’s A. elongatissimus, für welchen dieser den Gattungs-
namen Endomia vorschlägt, der jedoch keine grössere Berechtigung
als der Dejeansche hat, und so keine weitere Beachtung verdient.
Einen andereu Beitrag zur Artenkenntoniss von Anuthicus gab der
Marguis de la Fert& Senectere, welcher (Aun. d. ]l. Soc. Ent..d.
Fr. Xl. p. 247) die Aufzählung von 14, an einer einzigen Stelle bei
Perpignan gefundenen Arten gab, als neu beschrieb und zum Theil
abbildete: A. guttatus Hoflg. Dej. (diese Bezeichnung gründet sich
auf einem Versehen von Dejean, die Art heisst in der Hoffmannsegg-
schen Sammlung von Alters her 4-gultatus Rossi, sie ist also auch
nicht neu); ‚4. affinis (ist Abäuderung von A. cinctus Rossi und
zwar A. monogrammus var. y Schmidt); A. brunneus (einerlei mit
204
callosus Schm.); 4. Antoniae (mir zweifelhaft, vielleicht eine Ab-
änderung des A. terminatus Dej.); A. plumbeus Dej. (einerlei mit
melavarius Schm.); A. tenellus Hoflg. Dej. (einerlei mit A. amoe-
nus Schm.); A, Bremei, eine dem humilis Germ. u. riparius Dej. sehr
nahe stehende Art, welche sich indess durch ihre Zeichnungen, schlan-
kere Beine u. s. w. zu unterscheiden scheint (sie ist einerlei mit in-
quisitor Gene); A. minutus, dem vor. verwandt, aber der Scheitel
hinten nicht zugespitzt (einerlei mit cursor Gene, salinus Helf.); 4.
melanophthalmus, eine höchst ausgezeichnete Art (wie mehrere
der andern auch in Italien, namentlich auf Sicilien vorkommend);
4A. pulchellus Dej.; endlich giebt der Verf. noch eine Beschreibung
des A.instabilis Hoffg. Mehrere sind, wie aus den beigefügten
Bemerkungen hervorgeht, gleichzeitig von Dr. Schmidt theils unter
denselben, theils unter anderen Namen beschrieben.
Zwei neue Arten aus Vandiemensland, Anthicus strictus und
vinctus sind vom Ref. (a.a.0. S.182) beschrieben.
Xylophilus nigrinus Germar Faun. Ins. Europ. 22.7.8(S%)
ist eine neue deutsche Art, welche auch vom Ref. in der hiesigen
Sammlung mit demselben Namen belegt war.
Vesicamtia. Die Gatt. Meloe ist von Guerin (Rev. Zool.
S. 338) mit drei neuen Arten vermehrt worden; M. foveolata ist
von Tripolis und soll von M. cicatricosus und coriarius sich durch
grubige Flügeldecken unterscheiden, mögte also wohl M. erythrocne-
mus zunächst stehen, M. Rumeralis von einer Hochebene der Cor-
dillieren und M. Andensis von den Gipfel der Anden, haben beide
Enddornen der Hinterschienen einfach, wie M. cancellatus, weichen
aber von diesem, die erstere durch gespaltene, die letztere durch ganz
einfache Klauen ab, Die letztere ist dem M. Klugii täuschend ähn-
lich, würde aber durch Enddornen der Schienen und Klauen von dem-
selben sich entfernen.
Ueber das Vorkommen der nordamericanischen Lytta-Arten giebt
Harris (Ins. of Massachus. S. 109) Nachricht. Die Mehrzahl der Ar-
ten scheint dem Kartoffelkraut den Vorzug zu geben, namentlich sind
es aber L. vittata und einerea, welche massenweise dasselbe anfal-
len und abfressen. L. marginata kommt vorzugsweise auf Clematis
virginiana, ferner auf Cl. viorna und crispa vor, L. atrata F. auch
auf Solidago altissima. Auch Meloe ungusticollis Say, welche im Herbst
gemein ist, und vorzüglich von den Blättern der Ranunkela sich nährt,
frisst mitunter am Kartoflelkraut.
Cureuliones. Von Schönherr’s grossem Werke: Genera
et Species Curculionidum, ist die zweite Hälfte des 6. (2. Supplement-)
Bandes erschienen. Er enthält die Gruppen Cleonides, Moly-
tides und Byrsopides. In der ersten ist die Gattung Cleonus durch
Einziehung von Bothynoderus, ebenso Epicuerus durch Einziehung
von Graphorhinus naturgemäss erweitert, dagegen eine Anzahl neuer
e 205
Gattungen hinzugekommen, nämlich Phastologus, mit Gronops zu-
nächst verwandt, aber durch die Körperform abweichend, Rhypa-
rosomus, mit Listroderus verglichen, beide südafricanische Formen,
Byrsopages, nahe an Hylobius stehend, auf Kamtschadka einhei-
nisch, Strangaliodes, von Barynotus vorzüglich durch das vor
den Augen gelappte Halsschild unterschieden, mit einer chilesischen
Art, Catoptes, zunächst an Liophloeus stehend, auf Neuseeland zu
Hause, Catapionus von Kaschmir, mit Liophloeus und Barynotus
verwandt, Amphidees, mexicanisch, Odontorhinus, aus Per-
sien, sich an Barynotus anschliessend. Tropiphorus, hauptsäch-
lich wegen des fehlenden Schildchens von Barynotus abgesondert,
den B. mercurialis, carinatus, globatus u.s. w. enthaltend, Perpe-
rus, neuholländisch, mit dem Habitus von Otiorhynchus, Pansco-
pus, aus dem Bersaueı) erinaceus Say gebildet, Megalometis,
chilesisch, Rhydidophloeus, den Cure. albipes Ol. aus Madagascar
enthaltend, Bastactes, brasilisch. — Unter den Molytides ist
die Bihere Gattung Molytes in Molytes (coronatus u. s. w.), Try-
sibius (tenebrioides Pall. u. s. w.), Anisorhynchus (baiulus, mo-
nachus u. s. w.), und Leiosomus (ovatulus Clairv. u. s. w.) zerlegt,
ferner sind Sotasmus, mit Pliothus zunächst verwandt, Cylin-
drorhinus Guer., beide neuholländisch, Macrotarsus aus Vor-
derasien, zunächst an Phytonomus sich anschliessend, neu aufgestellt,
endlich ist nachträglich noch Procas Steph. hinzugefügt, und mit Erirhi-
nus Steveni Schönh. III vermehrt, und ihm seine Stelle neben Lepy-
rus angewiesen. — Den Byrsopides sind Synthocus aus Africa,
Perieges vom Caucasus, Borborocoetes aus Persien, Hypo-
eolobus aus Südafrica (eine der 20 Arten war früher mit Spartece-
rus vereinigt), Epipedus aus dem Innern von Cayenne, als neue
Gattungen zugefügt. Ausserdem sind fast alle früheren Gattungen
mit neuen Arten bereichert. Dadurch dass die Typen der früheren
Beschreibungen grösstentheils ihren Eignern zurückgegeben waren,
und also später zur Vergleichung nicht mehr vorlagen, hat es sich
nicht vermeiden lassen, dass öfter ältere Arten von Neuem beschrie-
ben wurden, ein Uebelstand, der gegen den grossartigen Nutzen des
Werkes verschwindet. Dass die Gatt. Eublepharus Sol., welche der
Verf. als eine besondere ihm unbekannt gebliebene unter den Cleo-
niden aufführt, mit Lophotus Sch. (Aegorhinus Er) zusammenfalle,
habe ich im Jahresberichte für 1839 8. 257 angemerkt
Labram und Imhof haben mit der 10. Lieferung ein Bändchen
ihrer „Gattungen der Rüsselkäfer“ abgeschlossen, und zugleich eine
Uebersicht über den Inhalt desselben gegeben. Diese 10. Lief. ent-
hält Mecocerus diversipes Imh., neue Art aus Guinea, genaue
Analyse und ausführliche Beschreibung der früher aufgestellten Gatt.
Deuterocrates; Blaberus fallax Sch. vom Cap; unter der Benennung
Apoderus camelus Sch. eine neue Art-aus Madagascar, welche von
Klug in der hiesigen Sammlung Ap. castaneus benannt ist; als neue
206 .
Art Rhynchites grandis von den Philippin. Inseln den Rh. coe-
lestinus Schönh. (Philippensis Chevr.); Camarotus coccinelloides Sch-
nach einer Zeichnung von Germar (frische Ind. sind dick gelb be-
stäubt); den wahren Platymerus Germari Sch , indem in der 1. Lief.
unter dieser Bestimmung Pl. Dregei vorgestellt war.
Rüssel- und Borkenkäfer aus Vandiemensland sind von Refer.
(a. a. 0, S.183— 212) beschrieben und zwar 1 Anthribus, 2 Tropi-
deres, 1 Rhinotia, 1 Rhynchites (Auletes), 2 Eurhynchus, 1 Amisal-
Zus, 2 Aterpus, 1 Pelororhinus, 1 Rhinaria,1 Steriphus (neue Gatt.
mit Plinthus verwandt), 2 Amycterus, 1 Nothrodes (als neue Gatt.
der Otiorhynchengruppe aufgestellt, aber, wie es scheint, mit der
seitdem von Schönherr bekannt gemachten Gatt. Pantopoeus zusam-
menfallend), 4 Mandalotus (neue Gatt., mit Tyloderes zunächst
verwandt), 2 Orthorhinus, 1 Erirhinus, 1 Notionomus, 1 Crypto-
plus (neue Gatt., mit Anoplus verwandt); 1 Meriphus (neue Gatt.
aus der Erirhinen - Gruppe), 1 Diapelmus (neue Gatt., mit Antho-
nomus zunächst verwandt), 8 Cryptorhynchus, 3 Acalles, 1 Cyllo-
rhamphus (an Mitrephorus Sch. sich anreihend), 3 Melanterius
(neue Gatt., mit Chalcodermus Sch. in der nächsten Verwandtschaft),
2 Rhyncolus, 1 Tomicus, 1 Cryphadus.
Mehrere neue ostindische Rüsselkäfer wurden von @u£rin in Del.
Souv. d. Voy. dans PInd, 11. S. 51—54) bekannt gemacht: Mecoce-
rusgibbosus,Episomus montanus, Baridius Neelg herien-
sis, Myllocerus subfasciatus von den mr M. Fabri-
ci? von Pondichery.
Waterhouse (Proceed. Ent, Soc. p. 62. Ann, nat. hist. X. p. 68)
zeigte zwei neue, mit Rhynchites verwandte Gattungen an: Minu-
rus, mit langem, an der Spitze erweitertem Rüssel, dünnen, an der
Mitte des Rüssels eingelenkten Fühlern, lose gegliederter Keule der-
selben und den Hinterleib bedeckenden Flügeldecken: M. testaceus
vom Chiloe, und Metopon mit an der Wurzel des langen, an der
Spitze schwach erweiterten Rüssels eingelenkten Fühlern, dicht ge-
gliederter Keule derselben; M. suturalis, neue Art von Vandie-
mensland. In diese letztere Gattung scheint auch der von Ref. (d.
Arch. 185. n.112) beschriebene Rhynchites (Auletes) melanocepha-
lus zu gehören.
Eine iconographische Zusammenstellung der Arten von Eupko-
Zus, welche eine vortreffliche Uebersicht gewährt, gab Guerin im
Mag. d. Zoo]. (1842. Ins. pl. 96. 97).
Waterhouse (Ann. nat. hist. IX. p. 302) begann eine mönogra-
phische Bearbeitung der philippinischen Arten von Apocyrtus.
Einige neue Arten aus Österreich sind von Redtenbacher (a.
a. 0. 8.19 — 21) beschrieben: Phytonomus maculatus Dahl, auf
Verbasc. pblomoides lebend, Otiorhynchus mandibularis, Hy-
Tesinus suturalis.
207
Schr werthvolle Bemerkungen über die Synonymie verschiedener
europäischer Rüsselkäfer theilte Germar (Entom. Zeit. S. 2 und 98)
mit. Veranlassung zu dieser Arbeit gab eine Zusendung sehr genau
nach Marsham, Kirby und Stephens bestimmter englischer Rüsselkä-
fer durch Hrn. Walton, daher hauptsächlich Aufklärung über bisher
auf dem Festlande zweifelhafte Arten der Engläuder gegeben ist.
Reg.-Rath Schmidt (ebendas. S. 110) zeigte, dass die schwedischen
Schriftsteller unter Otiorhynchus ater und niger nicht die gleichna-
mige Fabrieische Art (villoso-punctatus Sch.), welche in Schweden
gar nicht vorkommt, gemeint haben, sondern eine Abänderung des
0, tenebricosus. — Junker (ebendas. S.63) wies nach, dass unter
Rh. viminalis F. frisch entwickelte, gelbe Ind. des Orchestes quercus
verstanden seien, wie sie im Sommer erscheinen, während die voll-
kommen ausgefärbten Jnd. gleich im Frühlinge, so wie die Eichen
ausschlagen, sich zeigen.
Der Naturgeschichte des Pissodes Pini hat Goureau (Ann. d.1.
Soe. Ent. d. Fr. XI. S. 53) eine ausführlichere Abhandlung gewidmet.
Dr, Schmidt (Entom, Zeit. S. 273 Fig. 3—7) beschrieb die Ver-
wandlungsgeschichle des in den Stengeln von Cicuta virosa lebenden
Livus gemellatus Sch.; Leunis (ebendas. S, 190) machte seine Er-
fahrung bekannt, dass die Larve von Brachytarsus scabrosus in der
Schildlaus des Carpinus betulus lebt, in welcher auch die Verwand-
lung vor sich geht, so dass der Käfer aus der Coccusblaseher vorkommt.
Den inneren Bau des Otiorhynchus alro-apterus untersuchte
Schiödte (Kröyer Naturh. Tidsskr. IV. S. 212).
Ueber verschiedene Rüssel- und Borkenkäfer Nordamerica’s theilte
Harris (los. of Massachusetts S. 53 — 76) ausführliche Nachrichten mit.
Bruchus Pisi wird dem Erbsenbau so nachtheilig, dass man diesen
in manchen Gegenden hat aufgeben müssen. Attelabus analis und
bipustulatus finden sich auf Eichenblättern, einige Rhynchites- Arten
werden dem Wein nachtheilig, namentlich RA. bicolor, Pandeleteius
hilaris lebt auf der Weisseiche, der Käfer auf den Blättern, die Larve
in den Stämmen. Im Fichtenholz leben Aylobius pales Hbt., H.picivorus
Germ. und Pissodes Strobi Peck (nemorensis Germ.), zuweilen Strecken
von mehreren tausend Morgen Wald zerstörend. In Gärten wird be-
sonders Conotractelus Nenuphar Abt. (argula F.) nachtheilig, haupt-
sächlich den Pflaumen, aber auch einigen andern Obstbäumen; er
sticht die Frucht an, so wie sie ansetzt, legt ein Ei hinein. Die Larve
frisst in der Frucht, welche verkümmert und abfällt, so bald die Larve
ausgewachsen ist, wo diese dann zur Verwandlung in die Erde geht.
Wenn diese Insecten io Massen erscheinen, kommt keine Pflaume
zur Reife. Auch veranlasst derselbe Käfer durch seine Stiche war-
zenförmige Auswüchse der jüngern Zweige, in denen ebenfalls Lar-
ven sich finden, und in Folge der durch sie veranlassten Störung des
Saftumlaufs sterben oberhalb dieser Gallen die Zweige ab. Culandra
granaria und Oryzae richten, wie überall, in den aufgespeicherten
208
Körnerfrüchten Schaden an, letztere nicht allein im Reis, sondern
auch im Mays. Von Borkenkäfern finden sich Hylurgus terebrans in
der Pechtanse, H. dentatus Say in der rothen Ceder, Tomicus exe-
sus Say in der Pechtanne, T. Pini Say in versch. Fichtenarten, Sco-
Iytus Pyri Peck (kein Eccoptogaster, eher ein Tomicus) in Birnbäu-
men, und zwar im Splint der Zweige, die in Folge des Frasses
absterben.
In Betelnüssen (Areca Katechu) entdeckte Hornung (Entom, Zeit.
S. 115) eine Anzahl von Borkenkäfern, welche die genannten Früchte
bewohnen. Am häufigsten fand sich Bostrichus dactyliperda F., sel-
tener B. palmicola und carpophagus, beide dem vor. verwandt,
häufiger wieder eine kleine, ebenfalls neue Art, 3. Arecae des Verf.
Brenthides. Von der Larve des Brenthus (Arrhenodes) septen-
trionis hat Harris (Ins. of Massachus. S. 60) Nachricht gegeben. Aus-
gewachsen ist sie über 1” lang, und kaum 1” dick, fast cylindrisch,
nur unten etwas flach, weiss, mit Auspahme des letzten Segments,
welches hornig, dunkelbraun, hinten schräg ausgehöhlt und am Rande
gezähnelt ist. Die Thoraxsegmente mit Fusspaareü, und am Körper-
ende ein fleischiger Nachschieber. Hieraus ist sehr deutlich, dass sie
mit denen der Curculionen gar keine Verwandtschaft, wohl aber mit
denen der Elateren, oder vielleicht noch mehr mit denen der Coly-
dien hat. In wie weit sie mit diesen übereinstimmt oder sich von
ihnen entfernt, muss eine fernere genauere Vergleichung ergeben.
Nach des Verf. Angaben bohrt die Larve im Holze. Das Weibchen
der genannten Art bohrt mit dem dünnen Rüssel die Rinde der Weiss-
eiche an und legt in jeden Einstich ein Ei. Die Larve macht cylio-
drische Gänge im harten Holz, welche sie immer frei erhält, indem
sie die Späne mit dem letzten Hinterleibssegment zur äusseren Öf-
nung herausschiebt, wodurch diese Gänge Jeicht in die Augen fallen.
Die Verpuppung geschieht in dem Larvengauge. Die Puppe hat auf
dem Rücken Querreihen kleiner Dornen und scharfer Zähne, welche
vermuthlich dazu dienen, die Nymphenhaut zurückzuhalten, wenn der
Käfer ausschlüpft. Der Verf. mögte die Brenthiden an’s Ende der
Rüsselkäferfamilie stellen, Ref. ist aber der Ansicht, dass die Ab-
. weichung zu bedeutend ist, als dass die Brenthiden, welche bisher
ohnehin nur als ein ganz anomales Glied derselben zu betrachten
waren, noch ferner mit denselben vereinigt bleiben könnten.
Eine Abbildung von Cephalobarus macrocephalus Sch. (9) ist von
Labram und Imhof (Gatt. der Rüsselkäfer, 10. Lief.) gegeben.
Colydii. Hier sind mehrere neue Gattungen aufgestellt wor-
den: Deretaphrus Newman (Entomologist S. 403), vom Verf. so
weit verkannt, dass er sie zu den Ptinen rechnet. Sie hat die
nächste Verwandtschaft mit Bothrideres Dej. (Lyet. contractus F.) und
unterscheidet sich hauptsächlich dadurch, dass die Fühler nicht 1 son-
dern 2 vorletzte Glieder grösser haben. Es sind 4 Arten von Port
209
Philip aufgeführt, von denen indess nur die erste, D. fossus, von
welcher dieGattungsmerkmale entnommen sind, in dieseGatt. gehört, aber
wahrscheinlich schon die zweite, D. puteus, jedenfalls die beiden
letzten, D.illusus und vittatus, sind eigentl. Bothrideres (die hie-
sige Sammlung besitzt noch drei andere Arten wirkl. Deretaphrus aus
verschiedenen Gegenden Neuhollands).
Pycnomerus des Ref. (dies. Arch. 8. Jahrg. 1. Bd. S.214 T. 5.
£. 4), bisher mit Cerylon vermengt, zeigt nach den versch. Arten auf-
fallende Verschiedenheiten in der Bildung der Fühler. Der einhei-
mische P. teretrans hat 10gliedr. Fühler, P. swleicollis (Ceryl. s. Germ.)
hat nur 8gl. Fühler, beide mit knopfförmig verdicktem Endgliede; an-
dere Arten, wie P. reflezus und haematodes (Lyet.) Say, so wie die
neue Art von Vandiemensland, P. fuliginosus, haben 11gl. Fühler
mit 2gl. Keule.
Latometus des Ref. (ebendas. S. 213 T. 5. £. 3.) ist heterome-
risch, weicht also in der Zahl der Fussgl. von den übrigen Gat-
tungen dieser Familie ab, zeigt sonst aber viel Übereinstimmung mit
Sarrotrium, Coxelus u.s. w., welche aber an allen Füssen nur 4 Gl.
haben; L. pubescens, neue Art aus Vandiemensland.
Lungelaundia Aub& (Ann.d. 1. Soc. Ent. d. Fr. XI, S. 225. T. 9.
f.2—6), eine in mehrerer Beziehung merkwürdige neue Gatt., wird
vom Verf. in diese Familie gestellt. Sie hat, bis auf ein verhältniss-
mässig längeres Halsschild, das Ansehen, auch die Fühlerbildung von
Ditoma, ist aber ohne Augen, und, wie alle blinden Insecten, unge-
flügelt. Die Füsse sind alle nur 3gl. L.anophthalma, iu Frank-
reich von Hrn. Langeland entdeckt, lebt in der Erde in modernden
Pflanzenresten.
Eine neue Art ist Dötoma interrupta des Ref. (a.a. O0. S.215)
aus Vandiemensland.
Der innere Bau des Sarrotrium mut icum ist von8chiödte (Kröyer
Naturh. Tidsskr. IV. 8. 209) beschrieben; als eine bemerkbare Abwei-
chung von Opatrum, mit dem der Verf. grosse Übereinstimmung fand,
ist der Umstand hervorzuheben, dass die 6 Gallengefässe hier mit
ihren Enden dem Dünndarm angeheftet sind, während sie bei Opatrum
Schleifen bilden.
Paussili. Ein neu entdeckter ostindischer Paussus wurde von
Westwood unter dem Namen P. Heareyanus der Linneischen
Gesellschaft vorgelegt ‚(Ann. nat. hist. X. p. 409); er gehört zur
zweiten Abth. der Gatt., hat das Verhältniss der Lippentasterglieder
von Platyrhopalus und unterscheidet sich vom Pauss. cognatus nur
durch die Fühler.
Einer noch unbestimmten Familie gehört Germar’s Tho-
rietus an, von welcher er eine kleine sicilische Art als Th. gran-
dicollis (Faun, Ins. Europ. 22. 4.) abbildete,
Cucuiipes. Letzner (Arbeit. d. schles. Gesellsch. f. vaterl,
Kultur i. J. 1842) widerspricht der Angabe Gyllenhals in Betreff der
Archiv f. Naturgesch, IX, Jahrz 2. Bd, [6)
210
Geschlechter des Cueuius depressus, indem ihm die. Beobachtung Ie-
bender Käfer gezeigt hätten, dass die heteromerischen Ind. nicht, wie
Gyli. will, die 5‘ sondern die @ seien. ‘Es geht aber aus den Anga-
ben des Verf. hervor, dass er durch die weibl. Legeröhre getäuscht ist.
Auch die Larve dieses seltenen Käfers wurde vom: Verf. beobachtet.
Sie scheint viel Übereinstimmung mit der vom Ref. beschriebenen
Larve von Brontes zu haben. Sie lebt unter der Rinde höchstens
ein Jahr alter Dannenstützen.
Die neue Gattung Platisus des Ref. (a. a. 0. S.216) hat sehr
grosse Übereinstimmung mit Cucuius im engsten Sinne, und weicht
hiervon hauptsächlich darin ab, dass das erste Fussglied dem folgen-
den gleich gross ist: P/. fuscus aus Vandiemensland.
Phloeostichus Redtenbacher (Quaed. Col. Austr.), hat die
Fühler mit drei grösseren Endgliedern, das Halsschild an den Seiten
mit Zähnen. Die Füsse werden vom Verf. als heteromerisch ange-
geben, an einem Exempl., welches ich zu sehen Gelegenheit hatte,
fand ich 5 Gl. an allen Füssen, und zwar das erste Gl. sehr kurz:
es ist hier also wohl ein ähnlicher Geschlechtsunterschied als bei
Cucuius. Phl. denticollis, vom Auschen eines Salpingus, malt-
schwarz, fein behaart, mit zwei buchtigen, dunkelgelben Binden auf
den Flügeldecken, ist unter Ahornrinde gefunden.
Stemmoderus Dej. wurde von Spinola (Guer. Mag. d. Zool.
1842. Ins. pl. 91) bekannt gemacht. Der Käfer steht in naher Ver-
wandtschaft mit Rhysodes. Die Fühler sind ziemlich kurz, die Glie-
der cylindrisch, dicht aneinanderschliessend, der Kopf untergehogen,
die Augen gross, nierenförmig, die Lefze hornig, die Mandibeln flach,
ungezahnt, mit einfacher Spitze; das Kinn die Mundöffnung nicht
ganz verdeckend, die Maxillartaster ziemlich lang, mit länglich - eiför-
migem, an der Spitze abgestutztem Endgliede ; Beine langgestreckt,
Schienen einfach, Füsse deutlich 5gl. Sr. singularis Dej. vom Se-
negal ist kastanienbrann, 4” lang, mit 3höckriger Stirn, in der Mitte
flachem, an jeder Seite in zwei grosse blasenförmige Wülste ange-
schwollenem, hinten mit 2 kugligen Höckerın besetztem Halsschilde,
auf demRücken flachen, gefurchten Flügeldecken mit stark nach vorn
vortretenden Schultern. )
Aus Vandiemensland beschrieb Ref. (a a. 0. S.217) 2 Brontes,
1 Dendrophagus, 1 Silvanus als neue Arten.
Longicornes. Die von Cuming auf den Philippinen gesam-
melten Arten dieser Familie sind von Newman (Entomologist S. 243,
275, 288, 295, 318, 369, 381) im Zusammenhange, wenn auch nicht
mit genügender Genauigkeit beschrieben worden.
Aus Harris (Ins. of Massachus. S. 77) Mittheilungen über die
nordamericanischen Bockkäfer hebe ich folgendes hervor: die Larve
des Prionus laticollis Drury (brevicornis F.) lebt in Pappeln, die des
Stenocorus (Cerasphorus) einctus Drury (garganieus F.) in Wall-
nuss(hickory)bäumen, den Stamm nach allen Richtungen durchboh-
211
rend; Elaphidion putator (Stenoe.) Peck findet sich in Schwarz-
und Weiss-Eichen, und zwar lebt nach Pecks Beobachtungen die
Larve im Mark der Zweige, zuletzt dieselben abnagend und sich
im abgefallenen Zweige verwandelnd. Carlidium baiulus und vio-
laceum sind aus Europa übergeführt und in Nordamerica einheimisch
geworden. Der schöne C/ytus speciosus Say (Hayi Griff.) wird
zuweilen dem Zuckerahorn verderblich, in dessen Holz die Larve
bohrt; die des C/. fexuosus lebt unter der Rinde und im Splint der
Robinia pseudacaeia. Die Larve der Saperda calcarata Say lebt
gleich der unserer S. Carcharias in Stämmen verschiedener Pappel-
Arten, die der $. bivitlata Say in Apfelbäumen, denen sie grossen
Schaden zufügt, so wie in verschiedenen andern Bäumen und
Sträuchern, ursprünglich ist sie aber vorzugsweise auf die nord-
americanischen Aronien angewiesen. Die Larve der S. (Oberea)
tripunctata lebt im Mark der Zweige einer Brombeere (Rubus vil-
losus), welche häufig ihrer Früchte wegen angebaut wird, und zu-
gleich der Johannisbeeren. — Desmocerus palliatus findet sich auf dem
Hollunder; die Larven leben im untern Theil der Äste im Mark.
"Die Larve des Ahagium lineatum lebt unter der Rinde der Pechtanne,
welche in Folge ihres Frasses sich ablöst, wodurch das Absterben
der Bäume veranlasst wird.
Über die systematische Stellung der Prionier hat Spinola in
den Mem. della R. Acad. d. Scienz. di Torino. 2. Ser. V., eine in-
haltreiche Abhandlung niedergelegt. Er fasst in eine grössere Ab-
theilung alle diejenigen Käfer zusammen, bei denen die drei ersten
Fussglieder unten mit Haarfilz bekleidet, das 4. sehr klein und eng
mit dem 5. verbunden sind: also die Cureulionen, Cerambyciuen und
Chrysomelinen. Diese ganze Abtheilung zerfällt er in zwei Gruppen,
je nachdem der Prothorax aus Tergum, Episterna und Prosternum
oder nur aus einem einzigen Stück, höchstens aus Tergum und
Prosternum bestehe. Die erstere Gruppe enthält die Bruchen, Hal-
ticen — beide als sprinugende bezeichnet, was für die ersteren wohl
nicht gilt, da alle springenden Insecten gerade Schienen haben, solche
mit krummen Schienen, wie die Bruchen, so sehr auch die Schenkel
verdickt sein mögen, keine Springer sind — die Hispen, Gallerucen,
Chrysomelen und Prionen; die zweite die Cerambyces, Lamien und
Curculionen. — Die Prionen sind von den übrigen durch walzen-
föürmige, in entsprechenden Gelenkhöhlen liegende Vorderhüften ab-
gesondert. Dies giebt einen vortreffllichen Character der Prionen-
gruppe, die Epimeren, gestehe ich indess, kann ich nicht auffinden,
bei einigen, wie Macrodontia, ist selbst das Prosternum nicht durch
eine Naht abgesetzt, und der ganze Prothorax besteht aus einem
einzigen Stück, so dass auf diesem Grunde sich die Absonderung
der Prionen von den übrigen Bockkäfern kaum rechtfertigen lassen
mögte; am wenigsten, wenn man auch auf die Larven Rücksicht
O*
212
nimmt, welche mit denen der eigentl. Cerambyces und besonders
der Lepturen die grösste Übereinstimmung haben.
Die neue Gattung Rhipidocerus Westwood (Transact. Eat.
Soc. III. 8.70. T.3. E.2) ist eine von den wenigen Bockkäferformen
mit wedelförmigen Fühlern. Diese sind bei beiden Geschlechtern von
der Länge des Körpers, beim Männchen vom 3. Gliede an mit langen
Wedelästen, beim Weibchen einfach. _ Halsschild mit einem Dorn
auf jeder Seite. Flügeldecken an der Spitze einfach gerundet. Beine
kurz ohne Auszeichnung. In manchen Puncten gleicht der Käfer
einer Lamia, in andern, namentlich der feinen Punctirung der Flü-
geldecken, einem Stenocorus, W. giebt seine Stellung zwischen
Phoenicocerus und Polyoza an, letzterer Gatt. schliesst er sich auch
wohl zunächst an, wenigstens weisen ihm Mundtheile, Augen und
Einlenkung der Fühler seinen Platz unter den Prioniern an. Die
Art: Rh. Australasiae, dunkelgrün, mit feiner gelblicher Be-
haarung und rothbraunen Fühlern und Beinen, ist in Neuholland
einheimisch. Der Gattungsname ist eigentlich wohl mit Rhipicera
identisch. ;
Eine neue europäische Prionen - Form wurde von Mulsant
(Ann. d. sc. pbys. publ. par la Soc. d’Agrieult. d. Lyon V. S. 107.
T.11. F.1) unter dem Gattungsnamen Prinobius beschrieben. Sie
erinnert zwar an Macrotoma, hat ebenfalls das 3, Fühlerglied lang,
so lang als die beiden folgenden Gl. zusammen, die Augen fast
ohne Ausrandung, das Halsschild quer viereckig, nur an den Hinter-
ecken mit einem kleinen Zalm; die Schienen sind indess unbewehrt;
ich weiss aber nicht, worin der Unterschied von Ergates bestehen
soll. Pr. Myardi ist auf Corsica unter Eichenrinde gefunden. Er
erinnert sehr an Pr. Germari Dej. (scutellaris Germ.) und unter-
scheidet sich vorzüglich durch breiteres Halsschild, er könnte leicht
das Männchen desselben sein, um so mehr, als bei Ergates faber
ein ähnlicher Geschlechtsunterschied vorkommt. Jedenfalls verbreitet
sich der Pr. Germari auch auf die an der Westseite Italiens gelege-
nen Inseln: denn die hiesige Sammlung wurde von Hrn. Schüppel
mit einem schönen Exempl. dieses seltenen Käfers bereichert, wel-
ches bei Cagliari auf Sardinien gefangen ist.
Newman (Evtomologist S. 351) errichtete eiue neue Gattung
Cnemoplites, welche angenonmen zu werden verdient. Sie hat
die Vorderschienen am Aussenrande gezähnelt. Der Verf. rechnet
dahin Pr. spinicollis M.Leay (King's Reise II. 449), zu welchem er
Mallodon australis Boisd. als synonym zieht, ferner eine neue Art,
On. edulis von Port Philip, endlich Mallodon Manillae New-
man (Entomologist S. 247) von Manila. Auch ist hierher zu rechnen
Macerotoma ausiralis des Ref. (dies. Arch. 8.218) von Vandie-
mensland. Vielleicht auch Mallodon insulare Hope (Proceed,
Ent. Soc. 8.48) von Port Essington. Dass die Gatt. Oncinotus
des Ref. (ebendas. 8.219, auf Pr. arcuatus F. gegründet) mit To-
213
xeutesNewm. zusammenfalle, ist schon im vorigen Jahresbericht be-
merkt worden. ’
Blanchard (l'Instit. S.23) hat unter dem Namen Prionus Fa-
vieri einen Käfer von Tanger bekannt gemacht, welcher dort den
Palmbäumen sehr nachtheilig wird; er könnte indess wohl synonym
zu Pr. forficatus F. sein.
Von Manila beschreibt Newman (Entomologist S. 247) noch
zwei neue Arten, Macrotoma aegrotum und absurdum,
Neue Arten americanischer Prionen sind Callipogon Lemoinei
Reiche (Guer. Mag. d. Zoo]. Ins. pl. 98) von Neu-Granada, von
dem €, barbatus durch eine breite vorn unterbrochene Längsbinde
aus weissem Eilz auf jeder Flügeldecke ausgezeichnet, und Dero-
brachus Levoiturieri Buquet (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. XI.
p- 203. pl.9. £.1) aus ColumLien.
Neue Gattungen der Cerambycinen-Gruppe sind:
Euchroa Guerin (Deless. Souy. d’un voy. d. Y’Ind. II. S. 56.
P.14. F.1) mit Pachyteria verwandt, aber sicher nichts anders als
Niraeus Newm., so wie auch die Art: E. dimidiata Guer. von
Pulu Pinang, nicht verschieden von N. tricolor New:m. sein wird,
Sclethrus Newman (Entomologist S. 247) auf dem Ibidion
amoenum Guer. gegründet, von Ibidion sehr verschieden, einer Tri-
condyla ähnlich.
Ceresium desselben (ebendas. S. 322) mit Obrium verwandt, mit
naclhı vorn verlängertem, verschmälertem Kopfe; drei neue Arten von
den Philippinen: Obr. immite und aethiops (S.247) und C. ra-
ripilum (8.322). Vielleicht, sagt der Verf., gehören auch die neu-
holländischen Call. intortum und vile (ebendas. S.223) hierher,
Omotes und Sophron desselb. (ebendas. 8.353. 354) sind zwei
neue, anscheinend mit Callidium verwandte neuholländische Gattungen,
welche ich zur Zeit nicht kenne und deren wesentliche Kennzeichen
ich aus des Verf. Beschreibung nicht ermitteln kann.
Mecynopus des Ref. (dies. Arch. 8, Jahrg. 1. Bd. 8. 222) zu
den Necydaliden gehörend; Klügeldecken wie bei Stenopterus, Fühler
und Beine lang, namentlich die Hinterbeine, Schenkel nur schwach
verdickt; M. cothurnatus aus Vandiemensland.
Den Purpuricenus Loreyi Duponch. hat Blanchard, (Ann. d.1.
Soc: Ent. d, Fr. XI. p: 49) noch einmal zur Sprache gebracht. Er
theilt zwar die Ansicht Buquets, dass der Käfer der Eburia nahe
stehe, und sich der E. dimidiata Chevr. zunächst anschliesse, meint
aber, dass diese beiden in einigen „plus“ und ‚„moins‘“ von Eburia
abweichen, und entweder eine eigene Gatt, Heterops bilden, oder
man müsse auch Cerasphorus, Coccoderus und Chlorida mit Eburia
vereinigen.
Als eine neue österreichische Art beschrieb Redtenbäacher
(Col. Austr. 8.24) Callidium scabricolle Meg., welches aber
das Call, muricatum Dalm, Gyli. ist.
214
Deilus fugax Serv, (Callid. f. Fab.).ist;von.Germar Faun. Ins.
Europ. 22. 9. abgebildet.
Mehrere. Arten aus der französischen Berberei sind von Lucas
(Ann.d. sc. nat. XVII. S.184) als neue beschrieben, bei welchen in-
dess noch mehreres zu bemerken ist: Hamuticherus Mirbeckii,
welcher schwerlich etwas anderes als H, velutinus Dej. ist, HA. pa-
lJudivagus, von dem. ich nur. vermuthen, kann, dass er vom, H, Ne-
rii Cheyr, des Ref, ( mauritanicus Buq.). nicht ‚verschieden ist; Pur-
puricenus barbarus, den ich für eine Abändernng des P. Desfon-
tainii halte (S. Wagn. Algier III. 162), Hesperophanes sotundi-
collis, tomentosus und .affinis, endlich Callidium,thora-
cicum Dej., welches von Mulsant bereits unter demselben Namen
beschrieben, und das wahre Callid. melancholicum ‚F. ist.
Von den Philippinen führt Newman. (Entomologist 8.245). als
neue Arten auf: 4 Hamaticherus, 3 Callichroma, 1. Polyzonts, 2 Arho-
palus, 5 Clytus, 1. Oemone, bei welcher; der Verf. bemerkt, ı dass
diese Gatt. von Petalodes sich nur durch einfache Fühler unterscheide,
also vielleicht die Weibchen derselben enthalten ‚möge.
Als neuholländische neue Arten führt Hope (Proceed. Ent. Soc.
8.48) Plocaederus Australasiae, Stenochorus vicinus,
eruciger, Xystrocera Australasiae, Callidium Essing-
toni, von Port Essington, Newman (Entomologist'S. 352), Pho-
racantha imbellis, Callidium artifex, terebruns, Omo-
tes cucuilides, Sophron inornatum von Port Philip, Refer.
(a. a. 0. 8. 220) beschrieb Stenocorus praecox, Meropachys
sericans, Phacodes personatus von Vandiemensland,
Die Lamien-Gruppe wurde vorzüglich durch Newman’s Be-
arbeitung der von Cuming auf den Philippinen gesammelten Bockkä-
fer mit einer grossen Reihe, nicht allein neuer Arten, sondern auch
neuer Gattungen bereichert. Es wird mir indess schwer, die Kenn-
zeichen der neuen Gattungen hervorzuheben, da der Verf. selbst sie
sehr unsicher hingestellt und oft sehr wesentliche Umstände, z. B.
die Brustbildung, selbst da wo sie Ausgezeichnetes hat, unberührt
gelassen hat. Aufgeführt sind (Entomologist 8.275 u.s. w.) Batocera
mit 4 Arten, von denen 3 neu, Anophlophora, eine neue Art, Mo-
nohummus, 12 Art., davon 10 neu, Mimomorpha (S. 322), neue
Gatt., mit einer neuen Art, Lamia (pulchellator Westw.), Agelasta
(8. 288), neue Gatt., welche aber von Coptops Serv. nicht verschie-
den zu sein scheint, mit 3 neuen Arten, unter denen leicht €. .aedi-
ficator sich finden mögte; Abryna (8.289, 298, 323), neue Gatt,,
der vor. verwandt, mit 5. A., Euclea (S: 290), ausgezeichnete neue
Gatt. mit 2 neuen Art., Cacia (S. 290), neue Gatt., mit einem Haur-
büschel am vierten Fühlergliede, 2 neue Art. enthaltend, Planodes
(S. 323), neue Gatt. mit einer neuen Art; Doliops Waterh,, zwei
Arten, D. curculionides und geometricus Wat., die letztere von
Waterhouse (Proc. Ent. Soc. S.55) aufgestellt; Agnia (8. 291),
215
neue Gatt.,.mit Piychodes verwandt, 2 neue. Arten enthaltend; P/o-
cia (S. 292), neue Gatt,,, welche ‚sich im Ansehen einer Colobothea
und Leptocera sowohl als einer Hypsioma annähern soll, mit.2 neuen
Arten; Zlispomorpha (S.323), neue Gattung, vom Ansehen einer
Hispa, mit.'einer neuen Art; Achthophora (S. 292), neue Gatt.,
Hypsioma. ähnlich, mit 2 neuen Arten;; Tiysanodes (S. 292), neue
Gattung, die aber 'von Sthenias Dej. nicht abzusondern sein mögte;
die Art, T. iucunda, ist Ger. crocatus Ol.; Gnoma mit-2 Art., de-
ren’eine neu; Apomecyna, mit einer als neu betrachteten Art; Asta-
thes (S. 299), die Dejean’sche Gatt. Detraophthalmus,. welche, diesen
Namen nicht behalten konnte, mit 2 neuen, Arten; Phwea, mit 2
neuen Arten; Eustathes (S. 300), neue ‚Gatt, mit einer neuen A.;
Tetraglemes (8: 300), neue, Gatt-, Hippopsis ähnlick, aber.mit 4
vollkommen getrennten ‚Augen „2 .längliche auf dem Scheitel, und ein
kleines, rundes an jeder Seite des Kopfes, weit vom Fühler ahge-
rückt; eine neue Art enthaltend; Epaphra (S:,301), ebenfalls mit
Hipnpopsis verwandt, auch ‚die Augen nur zwei; Colohothea, eine Art;
Glenea (Sphenura Dej. Lap., welcher Name geändert wurde, weil
er schon einer Vögelgatt. gehört), mit 7 Arten; Isosceles (S. 318),
neue. Gatt., Oberen‘ seminigra ‚Chevr. und 2 neue Arten enthaltend,
eigentlich ‘wohl Oberer Dej. entsprechend, denn ich finde nichts,
worin die Arten von Manila von den übrigen, oculata u. s. w. ab-
weichen ; unter Superda zwei generisch sehr verschiedene Arten, Sap.
ustulatu ‘des: Ref. und Colobothea albonotata (leucospila Westw.);
Homonoea (8.319), nene Gatt., die Gattung Urocalymıma W estw.
einschliessend, welchen Namen der Verf. nicht beibehalten hat, weil
er sich auf die schwanzförmige Verlängerung der Flügeldecken der
H.longimana bezieht, welche nicht allen Arten gemeinist; /chthya-
des (S. 321), neue Gatt., der vorigen nahe verwandt, mit einer neuen
Art; Demodes (8. 322), neue Gatt. mit einer neuen Art; Ptero-
lophia (S. 370, 323, 381), neue Gatt: mit 10 Art,, endlich noch eine
Reihe von Arten, welche nach so verstümmelten und in der Farbe
und Zeichnung verdorbenen Exempl. beschrieben sind, dasses sich die-
ser Mühe wohl schwerlich verlohnt hat. Es kommt noch ein neuer
Gattungsnume Microlophia (S. 383) ‚vor, jedoch ohne Galtungs-
kennzeichen.
Gu&rin (Deless. Souv. d. voy. dans l’Inde 11. S. 61) stellte eine
neue Gatt. Centrura auf, welche mit Apomecyna und Hatlia ver-
wandt ist, sich aber durch bauchige, hinten in divergirende Spitzen
auslaufende Flügeldecken, von Cercoptera Spin. durch die nicht er-
weiterien Wangen, von Urocalymma Westw. durch fehlenden Zahn
an den Seiten des Hulsschildes unterscheidet. Vielleicht gekört Sup.
Iymeea Ol. in diese Gatt., welche auf einer neuen Art, C. cosltala,
von den Nilgherries gegründet ist, Neue Arten aus demselben Hoch-
Janude sind: Pelargoderus tessellatus Guer., wohl zur Gatt. Aguia
New. gehörend, wenn diese vonPelarguderus verschiedenist, Saperda&
216
(Sphenura) 4-notata Guer., eine Stibara Hope, der Sap. mor-
billosa F. sehr nahe verwandt, und Sap. (Sphen.) multiguttata
Guer. (ebendas. S. 58 — 60).
Der neuholländischen Fauna gehören folgende neue Gattungen
an: Pentacosmia Newman (Entomologist S. 361), kleine Lamie,
mit stark verlängertem 3. und 4., und mit einem Haarbüschel beklei-
detem 5. Fühlergliede, einem Dorn an den Halsschildseiten und schwach
verdickten Schenkeln; Symphyletes (ebendas. S. 363), der Form
der Lam. Solandri F. entsprechend, — Zygoeera Dej. wurde vom
Ref. (dies. Arch. 8. Jahrg. 1. Bd. S. 224) nach äusseren Merkmalen
beschrieben, und eine neue Gatt. //laena aufgestellt, eine kleine
Saperden-Form mit einfachen Klauen, ausgezeichnet durch die Ta-
ster, deren letztes Glied sehr gross und scharf zugespitzt ist.
Von neuen neuholländischen Arten sind von Port Essington Rly-
tiphora piperita, tubereulata, detrita, Hathlia la-
eteola, 4-Lineata, lineella, melanocephala Hope (Proceed.
Ent. Soc. S. 49); von Port Philip: Acanthoderus inglorius,
Pentacosmia scoparia, Rhytiphora mizta,caprina, Sym-
phyletes nodosa Newman (Entomologist S. 361); von Sydney
Lamia pardalis Newman (ebendas. S. 414); aus Vandiemens-
land Zygoeera canosa und Jllaena ewilis des Ref. (a. a. O.
S. 223. 225).
Zwweifelhaft in Betreff ihrer Stellung ist mir die Gattung Calli-
pyrga Newman (Entomologist S. 413) mit einer neuen Art O.tur-
rita. Sie hat ziemlich kleine, gegen die Fühlerwurzel nicht ausge-
randete Augen.
Eine merkwürdige neue americanische Gattung ist Spalacopsis
Newman (Entomologist S. 303), Sie hat die Form von Hippopsis,
unterscheidet sich aber durch die Augen, welche klein und rund sind
und an den Kopfseiten von der Fühlerwurzel entfernt liegen.
Hierin stimnt sie mit Tetraglenes (s. 0.) überein, nur dass die Schei-
telaugen hier fehlen. Es sind drei Arten, Sp. stellio aus Brasilien,
Sp. stolata und suffusa aus Ostflorida.
Zwei österreichische Saperden sind $. (Phytoecia) uncinata
und diguttata Redtenbacher (Col. Austr. S. 25. 26). Die zweite
ist. bereits im 1. Bd. des Bull. Mosc. von Zoubkoff als 8. bipunctata
beschrieben.
Drei neue Saperden aus Nordafrica sind S, (Phytoecia) Cir-
teensis, $S. (Oberea) maculicollis und mauritanica Lucas
(Ann. d. sc. nat. XVII. S. 187).
Aus der Leptureten-Grüppe beschrieb Mulsant (Ann. d. phys.
publ. p. 1. Soc. d’Agricult. de Lyon V. 8.109. T.11. F.2, Col. d. Fr.
Lamellicorn. Suppl.) als neue Art unter dem Namen Toxwotus den-
tipes den bekannten T.cinctus, Rhagium c. Fab.).
Rhagiomorpha unicolor u. plagiata führte Hope (Pro-
ceed. Ent. Soc. S. 49) als neue Arten von Port Essington auf,
217
Eine auffallende neue Gatt. ist Pseudocephalus Newman
(Entomologist 8.353), welche ich hier am Schlusse der Bockkäfer
aufführe, weil mir ihre Stellung zweifelhaft ist, obgleich der Verf.
sie in diese Fam. und zwar hinter Callidium stellt. Die Augen sind
nicht ausgerandet, die Fühler von etwas mehr als halber Körperlänge,
nach der Spitze etwas verdickt (in der Abbildung werden sie eher
dünner), das erste Gl. verlängert. Der Kopf ist gross, rund, das
Halsschild schmal, jederseits in der Mitte in einem Höcker vortre-
tend, die Beine lang, die Schenkel etwas keulförmig verdickt, die
Füsse (in dem beigegebenen Holzscheitt) dünn, durchaus nicht
wie die Füsse eines Bockkäfers gestaltet. Doch ist über ihre Form
ebenso wenig wie über die Taster etwas angegeben. Ps. formi-
eides, von Port Philip, 2}'” lang, erinnert sehr an einen Anthicus.
Chrysomelinae. Harris (Ins. of Massachus. S. 95 — 109)
bringt folgende nordamericanische Arten zur Sprache: Crioceris 4h-
neata Ol. frisst als Käfer und Larve auf dem Kartoffelkrautz; letztere
bedeckt sich mit ihrem Koth, wie die unserer C. merdigera. _Hispa
rosea Web. (quadrataF.) lebt auf den Apfelbäumen, auf Amelanchier
ovalis und Pyrus arbutifolia, Aispa suturalis auf Robinia pseudacac.;
Cassida aurichalcea mit der Larve auf Bittersüss (Sulan. dulcamar.,
auf versch. Windenarten, namentlich Conv. sepium; Galeruca‘ cal-
mariensis ist aus Europa eingeführt und hat sich so vermehrt, dass
1838 und 1839 zu Baltimore die Ulmbäume von ihren Larven kahlge-
fressen wurden; G. vit/ata F. ist ebenfalls sehr schädlich vorzüglich
auf Gurken, Melonen u. s. w. Ebenfalls auf Gurken nagt Haltica
pubescens, versch. Cruciferen werden von AH. striolata (ÜOrioc. str.
F.), angegriffen, und dem Wein wird H. chalybea JU. nachtheilig.
Die grosse Chrysomela 3maculata F. lebt wit ihren orangefarbenen,
schwarzgefleckten Larven und Nymphen auf Asclepias Syriaca, Chr.
scalaris, und deren w eisse, mit schwarzer Rückenlinie und vier-
eckigen Seitenllecken gezeichnete Larven auf Linden (Tilia ameri-
eana) und Ulmen, Chr. coeruleipennis Say, wie unsere Chr. Polygoni,
von der sie schwerlich verschieden ist, auf Polygonum aviculare,
Eumolpus auratus F. findet sich auf Apocynum Androsaemifolium;
Clythıra domicana auf Sumach, CI. 4guttata auf Eichen, Chlamys
gibbosa auf Heidelbeeren, Cryptocephalus luridus auf wildem Indigo,
während die meisten anderen Arten der letzten mature auf den
verschiedenen Eichenarten leben.
Dr. Schmidt (Ent. Zeit. 8.27) beschrieb eine neue deutsche
Lema, L. Suffriani; sie ist mit L. brunnea zunächst verwandt,
und unterscheldet sich vorzüglich dadurch, dass nur die Unterseite
der zwei ersten Fühlerglieder, die Brust, die Koiegelenke und die
äusserste Spitze der Klauen schwarz sind. Es ist indess nur ein
einziges Ind. zur Zeit (von Erfurt) bekannt geworden.
Leptomorpha filiformis Dej. aus Sicilien ist von Germar
Faun. Ins. Europ. 22, 10 beschrieben und abgebildet worden.
218
Beobachtungen über die Verwandlung der Schildkäfer (Cassida)
theilten Gravenhorst und Scholtz in den Verhandl. der. Kais.
Leop. Acad,.d. Naturf. XIX. II. 431. 7. 73 mit. Die Verf. fanden,
dass auf der zurückgekrümmten Gabel des letzten Hinterleibsseg-
ments die abgestreiften Häute haften ‚bleiben, und auf diese abgeleg-
ten Häute, und nicht unmittelbar auf die Gabel legt die Larve ihren
Koth, welcher ihren Schirm bildet, Die Form des Kothes ist bei
verschiedenen Arten verschieden. Die Larve einer vielleicht, zu C;
margaritacea gehörenden Art hatte drei abgelegte Häute auf ‚der
Gabel, aber keinen Koth. Beobachtet sind ausserdem die Larven
von Ü murraea, equesiris, viridis, tigrina, Abgebildet ist noch
eine bengalische Cassiden - Larve.
Die Gatt. Paropsis hat Newman (Entomologist 8. 414) mit 10
Arten bereichert, welche grösstentheils am Port Philip auf jungen
Eucalyptus - Pllanzen gefangen sind. Sie sind nur durch kurze
Diagnosen bezeichnet, daher sind auch die meisten Arten nicht mit
Sicherheit zu bestimmen. Zwei derselben sind Fabricische Arten,
nämlich P. ecircumdata N. ist Chrys. rufipes F., und P. falla.x
N. ist Chr. morio F. — Ref. (a. a. 0. S. 226—30) beschrieb 1%
neue-Arten derselben Gatt. aus Vandiemensland.
Über die schlesischen Chrysomelen hat Matzek (Arbeit. der
schles. Ges. für vaterl. Kultur i. J. 1842) eine Zusammenstellung ge-
geben, die sich aber nur auf Timarcha und Chrysomela im Dejean-
schen Sinne bezieht; erstere enthält 3, letztere 19 A. Timarcha
splendens Köhler könnte nach der kurzen Beschreibung Chrys, ruf
Meg. Duft. sein; Chr. atr«a ist sicher nicht die Dahl’sche, welche
in Sicilien einheimisch ist, sondern eine eigene, der Chr. hemi-
sphaerica verwandte, aber auch von dieser verschiedene Art.
Unter den 4 Arten, welche Ref. (a. a. ©. 8.230) von Vandie-
mensland beschrieb, gehören 2, Chr. constricta und paecifica
zu einer Neuholland eigenthümlichen Form, welche mit Helodes in
dem zugespitzten Endgliede der Taster übereinstimmt, uod durch
an der Wurzel gezahnte Klauen abweicht, die beiden anderen Ch.
luteicornis und orphana gehören zu Phaedon.,
Ebendaher sind Colaspis iugularis, €. (Odontionopa)
viridula und proxima des Ref. (a. a. 0. 8.232). Odontio-
nopa Chevr. unterscheidet sich von den eigentl. Colaspis dadurch,
dass am Vorderrande des Kopfschildes zwei Zähnchen vorspringen
(ebendas. 8.119). 2
Über die neuholländischen Cryptocephalen hat Saunders
der Ent. Soc. in London seine Untersuchungen vorgelegt, über
welche in den Proceedings der Gesellsch. kurze Mittheilungen ge-
macht sind, die aber nicht genügend sind, wenigstens für die neu
aufgestellten Gattungen, um sie zu beurtheilen, da über die wich-
tigsten Puncte, als Forın des Hinterrandes des Halsschildes, das
Schildchen, Aufpahme ‚des Kopfes, Verhältniss der Fussglieder, nichts
u =
e 219
bemerkt ist: . Aporocera (Proc. E.$. p.53) ist\mit Clythra- ver-
wandt, die Fühler 3 so; lang, als der Körper, das; Halsschild so, breit
als die Flügeldecken, ‚vorn ‚bucklig: A.. bicolor und apicalis von
Neusüdwallis, 4. chalybea (ebendas, .p:,57) von Port Essington.
— Jlitocera (p.54); Fühler 5 länger als der Körper, dieser etwas
gestreckt und flachgedrückt,, Halsschild, fast viereckig. M, viridi-
pennis vom Schwanenlluss. — Dicenopsis: Fühler nicht halb so
lang als der Körper, das 3,—5. Gl. lang, die folgenden eine Art
langgezogener Keule bildend: D. Aaematodes von Vandiemensland
— Ochropsis (p.56), Fühler so lang als derKörper, Gl. vom 6. an
allmählich an Grösse abnehmend, soust ausser der blassen Grund-
farbe nicht von der folg. abweichend: O. vermicularis, australis,
erosa, melanocephala. — Idiocephala (Ann. nat. hist. XI.
p. 317. — früher Pr. E. S. p.64 Anodonta genannt); Fühler beim
© halb so lang als der Körper, fast keulf., beim 5 fast von Kör-
perlänge, die Gl. vom 6. an gleich lang (sonst mit unsern Crypto-
cephalen übereinstimmend): J. Roei, albilinea, pulchella,
cyanipennis, flaviventris, rugosa (Pr. E.S. p.65), similis,
tasmanica, Darwinii, semibrunnea (Ann. n. hist. p.317). —
Helidomorpha: Fühler fadenf., Körper lang eiförmig zusammen-
gedrückt. H. atra, aenea, metallica (Pr. E. S. p. 65).
Ref. (dies. Arch. 8. Jahrg, 1.Bd. S. 119) bemerkte, dass die Gatt.
Cadmus und Odontoderus De), sich durch, wie bei Cassida gebildetez
breite, unten dicht befilzte Sohlen, mit kaum aus dem, Ausschnitte
des 3. Gliedes hervorragendem Klauengliede bemerklich machen, unter
einander aber keinen wesentlichen Unterschied ‚zeigen. Bei ihnen
wird, ebenso wie bei den eigentl. Oryptocephalus, der Mund durch
einen besonderen kragenförmig vortretenden Rand des Prosternum
gedeckt, während Pachybrachis Dej., welche Form Neuholland
fremd zu sein scheint, darin ein sehr wesentliches Kennzeichen be-
sitzt, dass der Mund nicht vom Prosteruum aufgenommen wird.. Eine
andere neuholländische Gatt. Ditropidus Chevr. Dej. hat. das
Halsschild hinten tief zweibuchtig, den mittleren Lappen vorgezogen
und zwischen die Fiügeldecken hineinragend, die schmale Spitze
desselben ausgeschnitten zur Aufnahme des nach beiden Enden zu-
gespilzten, nicht aufsteigenden Schildchens. Das Prosternum nimmt
den Mund auf, ohne eine Vorragung zu bilden.. Beide Formen sind
unter den obigen von Saunders aufgestellten Gattungen. nicht 'ent-
halten, — Vou Ditropidus beschrieb Ref. (a.a. 0.8. 233) drei
neue. Arten. j
Einige neue österreichische Halticen sind von Redtenbacher
(a. a,.0. 8.27) beschrieben; H. (Balanomorpha) eireumdata, H.
(Teinodactylay)nigriceps, H. (Aphthona) Campanalae. Die letzte,
der H. Euphorbiae nahe, verwandt, findet sich auf Camp. rotundifo-
lia. — Ref. (a. a. 0. 8, 235) beschrieb von Vandiemensland H. (Gra-
ptodera) corrusca, Psylliodes chlorophuna, und stellte
220
eine neue Gatt. Arsipoda auf, welche mit Dibolia und Psylliodes,
namentlich durch die sehr stark verdickten Hinterschenkel verwandt
ist, von beiden durch gezahnfe Klauen, von der ersten durch ein-
fachen Enddorn der Hinterschienen, von der letzten durch 11gl.
Fühler und an der Spitze der Schienen eingelenkte Hinterfüsse ab-
weicht. Diese Gatt. ist Neuholland eigenthümlich. Von Vandiemens-
land ist eine Art, A. böfrons.
Erotylenae. Eine der vorzüglichsten wissenschaftlichen Lei-
stungen ist Lacordaire’s Bearbeitung dieser Familie (Monographie
des Erotyliens, Paris 1842), wichtig theils wegen des grossen Reich-
thums an Arten, theils wegen der systematischen Eintheilung, indem
hier eine Reihe, von Andern nach dem blossen Habitus gebildeter
Gattungen auf eine wissenschaftliche Weise, und so freilich oft in
ganz anderer Begränzung festgestellt ist. Da dies unentbehrliche
Werk sicher in allen Händen ist, kann ich wohl die Eintheilung des
Verf. als bekannt voraussetzen (vergl. auch Entom, Zeitung 1843.
S. 132) und benutze lieber den Raum, einige Bemerkungen dazu mit-
zutheilen, Ein neues Kennzeichen hat der Verf. eingeführt, nämlich
die grössere oder geringere Wölbung der Facetten der Augen: es
bietet in der That vortreffliche Unterschiede dar, und der Verf. hat
es durchgehends beständig in einer und derselben Gattung gefunden.
Mir ist bisher nur eine auffallende Ausnahme vorgekommen, nämlich
beim Ischyrus insignis sind die Augen feinkörnig, während sie sonst
in dieser Gatt. und selbst bei dem nahe verwandten 7. venustus grob-
gekörnt sind. Die innere Maxillarlade ist bei den eigentl. Erotylinen
mit zwei Häkchen bewaffnet: ich finde eine gleiche Bewaffnung bei
Encaustes, der der Verf. einen einfachen Zahn an der Lade zu-
schreibt, und in der That schliesst sich diese Gatt. auch in anderer
Beziehung auf das Genaueste an Aulacocheilus. Dagegen findet
sich eine hakenförmige (aber nicht mit klauenartigen Häkchen be-
waffnete — also unbewehrte) innere Maxillarlade bei Triplax aenea,
während sie bei T. russica die gewöhnliche verschoben - viereckige
Form hat. — Oocyanus mit gleich grossem Endgliede beider Taster-
paare, scheint mir nicht wesentlich von /schyrus unterschieden zu
sein, wo in den Verhältnissen jener Endglieder mehrfache Verschie-
denbeiten anzutreffen sind, und OÖ. tarsatus (welcher von Cuba und
nicht von Columbien ist) stimmt auch in der Körperform völlig mit
den kleinen Ischyren überein, wenn auch OÖ. violaceus in derselben
etwas abweicht; die blaue Farbe kommt schon in den oben genann-
ten Arten bei Ischyrus vor, und was die meist gelben Endglieder
der Fübler bei den Oocyanus betrifft, auf welche der Verf. einen
Werth legt, so sind dergl. in Westindien gleichsam endemisch, und
kommen in den verschiedensten Familien und Gattungen, selbst bei
'Tenebrionen- (2. B. Blapstinus) vor, und würden also aus diesem
Gesichtspunete zu: betrachten sein. Unter den eigentl. Erotylinen
sind mehrere Gattungen nur nach habituellen Merkmaien unterschic-
221
den. So Erotylus, Zunarius und Eurycardius; bei aller sonstigen
Ubereinstimmung scheinen mir die beiden letzteren als Gattungen
nicht haltbar zu sein. Eine der ausgedehntesten, gestaltenreichsten
Gattungen ist Brachysphenus: und ich stimme dem Verf. durchaus
darin bei, wenn er alle die vereinigten Formen zu.einer Gattung
verbindet; es sind aber nur habituelle Merkmale, welche diese Gatt.
von Jegitkus trennen, und man wird vielleicht noch dahin kommen,
auch diese damit zu vereinigen. Auch der Erotylus Buquetü des
Verf. scheint mir ein Brachysphenus zu sein. Es ist in systema-
tischer Hinsicht diese Familie eine der schwierigsten, und man muss
dem Verf., dem mehr störende als fördernde Vorarbeiten geboten
waren, die Gerechtigkeit widerfahren lassen, dass er seine Aufgabe
auf eine ausgezeichnete Weise gelöst hat. Der Reichthum der be-
schriebenen Arten ist sehr gross, namentlich derer aus Columbien
überraschend, die Beschreibungen sind äusserst klar, so dass man
nicht leicht eine Monographie antrifft, welche das Bestimmen, auch
ohne Abbildungen, so leicht machte.
Dejean hat seine Bemerkungen zu der eben besprochenen Ar-
beit in den Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. XI. S. 285 mitgetheilt. Sie
betreffen nirgend etwas von wesentlicher Bedeutung. — Auch führe
ich bier an, dass Chevrolat (Rev. Zool. 1843. S. 79) seine Bemer-
kungen über einige Erotylen von Fabricius und Olivier bekannt ge-
macht hat. Es ist ganz richtig, dass E.sphacelatus und unifasciatus
F. zu Spheniscus, E. 6fasciatus F, zu Doryphara gehören, dagegen irrt
der Verf., wenn er den als solchen in der Lund’schen Sammlung be-
findlichen Er. (Zonvar.) indieus als den wirklichen E. fasciatus F. be-
trachtet, denn 1) beruft sich F. nicht auf die genannte Sammlung, 2)
geht aus F.’s Beschreibung der Mundtheile hervor, dass er einen He-
lopier vor sich hatte,
Die Naturgeschichte der Triplax nigripennis (russica) ist von
Leon Dufour (Ann. d. 1. Soc. Eut. d. Fr. XI. S. 191) beschrieben
worden. Die Angaben über die Larve sind genau. Auffallend ist,
dass der Verf. 4 oder 5 schwarze Puncte an der Stelle der Augen
nicht als Gesichtsorgan annehmen will, Lippentaster fand er nicht
(palp. lab. invisibles). Er traf die Larve im Boletus hispidus. Zur
Verpuppung geht sie in die Erde, und die Nymphe bleibt in der auf-
geborstenen Larvenhaut stecken. Die Käfer sind sehr lichtscheuü.
Ref. (dies Arch. VII. Jahrg. 1. Bd. S. 120) stellt auch Engis in
diese Familie. Sie weicht von Dacne, Episcapha und Triplatoma
auch nur dadurch im Wesentlichen ab, dass die drei ersten Fuss-
glieder unten keine Filzbekleidung haben., Eine neue Gatt. Thallis,
von Engis hauptsächlich nur dadurch unterschieden, dass die häutigen
Seitentheile der Zuuge weit vortreten, ist auf drei neuen Arten aus
Vundiemensland gegründet (ebendas, 8. 237).
Ebendaher ist Phalacrus brunneus des Ref. (ebend. S, 239).
222
Coceinellae. Neue Arten sind Coccinella frenata, Scy-
mnus ventralis, discolor, stragulatus, Cor ylophus thora-
cicus, fasciatus des Ref. (a. a. 0. S. 239) aus Vandiemensland.
Endomychidae. Ref. (a. a. 0. S. 241. T.5. F, 5.) stellte
eine neue Gatt. Dauliüs auf, welche zunächst mit Dapsa verwandt
ist, namentlich in der Form der Fühlerkeule übereinkommt, doch’ ist
das dritte Fühlergl. nicht verlängert, und das letzte Gl. der Lippen-
taster ist stark verdickt; das zweite Fussgl. ist gelappt. D. cimö-
coides ist von Vandiemensland.
Lathridii. Redtenbacher (Quaed. gen, et spec. Col. Austr.
p. 21) hat unter der Benennung Rhopalocerus ferrugineus als
Typus’ einer neuen Gattung ‚einen Käfer beschrieben, welcher be-
reits unter dem Namen Monotoma Rondani Vill. bekannt ist, und für
den schon v. Motschoulski im Bull. Mosc. 1837 eine eigene Gattung
Spartycerus errichtete. Auf die Bemerkung, dass dieser letzte Name,
wenn richtig geschrieben, bereits doppelt vergeben sei, änderte
v. M. ihn (Bull. Mosc. 1840. p. 186) in Apeistus um, eine Benennung,
die, um angenommen zu werden, noch wieder einer Verbesserung
bedarf, Redtenbacher giebt eine vortreffliche Beschreibung des
Käfers, an welcher ich nur die Angabe 4gliedriger Füsse nicht bestät-
tigen kann. Ich finde nur drei, wie bei Monotoma, mit der die
Gatt. in naher Verwandtschaft steht, wenn sie auch durch die dicken
Fühler und die Verhältnisse der Tasterglieder sich merklich unter-
scheidet. Das vierte kleine Grundglied, welches Redt. beschreibt,
mögte wohl der Gelenkkopf des ersten Gliedes sein. v. Motschoulski
zeichnet a. a. O. 1837. V. T.7. F.6 ganz richtig, wenn auch in un-
richtigen Verhältnissen, 3 Glieder; seine Angabe aber, dass das dritte
Glied aus zweien oder dreien zusammengesetzt erscheine, ist min-
destens ein Irrthum.
Redtenbacher’s Monotoma 4-foveolatum (a. a. O. S. 23)
fällt mit der gleichnamigen (M. 4-foveolata) Aube’s zusammen. —
Der Letztere (Ann. d. I. Soc. Ent. d. Fr. 2. ser. I. S. XX. 1843)
zieht die Richtigkeit von Motschoulski’s Angabe, dass dieser dasselbe
Insect (1834) in Daghestan entdeckt habe, in Zweifel, weil es ihm,
als er es bei Hrn. Aube gesehen (1836), ganz neu gewesen sei. Hr
v. Motsch. hat sich darüber beklagt, dass ich seine obige Angabe in
Ziweifel gezogen hätte (Jahresber. für 1837, 8. 208), ich habe damals
aber nur die Verantwortlichkeit für jene Angabe dem Verf. gelassen.
Eine neue Art ist Lathridius costatus des Ref. (a. a. ©,
S. 202) aus Vandiemensland.
Pselaphii. Ref. (a. a. O. S. 243) machte eine Art dieser Fa-
milie aus Vandiemensland, Batrisus australis bekanut. — Schaum
entdeckte beim Mannsfelder Salzsee eine Bryazis, welche er (Germ.
Zeitschr. IV. 8.192) als Zr. pulchella (Gene) beschrieb, später
223
(ebendas. Berichtigungen) bemerkte er, dass sie mit Ar. Helferi
Schmidt (Diss. d. Pselaph.) einerlei sei.
Orthoptera.
v. Charpentier hat drei neue Hefte seiner ,‚Orthoptera de-
seripta et depieta“ herausgegeben.
Ein Verzeichniss der in Preussen vorkommenden Orthopteren
(im Latreilleschen Sinne) hat v. Siebold (Preuss. Prov.-Blätt. 27. Bd.
8.543) mitgetheilt. Es sind von ihm 40 Arten beobachtet, nämlich
3 Ohrwürmer, 3 Blatten, 3 Acheten, 11 Locustinen, 20 Acridier.
Bemerkenswerth ist das Vorkommen der Forficu/a gigantea an der
Seeküste der Danziger Nehrung, woher sie auch unserer Sammlung
von Prof. Grube eingesandt wurde. „Über das Zirpen der Acridier so-
wohl als Locustinen giebt der Verf. eine sehr treffende Schilderung: das
Geigen der ersteren mit den Hinterbeinen gegen die Decken ist nicht
blos bei Gomphocerus, wo jede Art ihre eigenthümliche Weise hat,
so dass man die einzelnen Arten schon an ihrem Geschrill erkennen
kaun, sondern auch bei Oedipoda und Tetrix beobachtet (letztere
würde dann wohl die Unterflügel streichen). Bei den Locustinen, zeigt
der Verf., wird das Zirpen dadurch hervorgebracht, dass die starke
leistevartige Rippe des Innenrandes des einen Deckflügels über die
gekerbte Querleiste der Trommel des andern (unteren) hin- und her-
gerieben wird.
Eine sehr wichtige Abhandlung: Bijdragen tot de Kennis der Or-
thoptera door Dr. W. De Haas ist in den Verhandl. over de natuurl.
Geschied. der Nederlandsche overzeesche Besittlingen, Zool. N. 6. 7.
8. 9 erschienen. Es sind in den vorliegenden Lieferungen die Fami-
lien der Blatten, Mantiden, Phasmen, Acridier und Locustinen voll-
ständig abgehandelt, die Bearbeitung der Acheten ist angefangen, aber
zur Zeit noch nicht geschlossen. Die Zahl der beschriebenen und
abgebildeten Arten ist gross, die der neuen Arten beträchtlich; ein-
gefügt sind auch einige africanische und americanische; und die ja-
panischen sind überall eingereiht worden, um so mehr als sie zu-
weilen mit denen des niederländischen Indien übereinstimmen. Der
geographischen Verbreitung hat der Verf. grosse Aufmerksamkeit ge-
widmet. Hinsichtlich des systematischen ist zu bemerken, dass der
Verf. die genannten Familien zugleich als Gattungen betrachtet, und
die neueren Gattungen nur als Unterabtheilungen und Gruppen der-
selben, daher denn, wenn er im Falle war, deren neue aufzustellen,
diese nicht benannt, wenn auch genau festgestellt sind.
Ref. (dies Arch. VIII. Jahrg. 1. Bd. 8.244) hat eine Anzahl von
Arten aus Vandiemensland beschrieben und zugleich auf das Über-
wiegen ungeflügelter Arten in dieser Fauna aufmerksanı gemacht.
Etwa die Hälfte der vorliegenden Arten zeigte weder Spuren von
Decken noch von Unterllügeln, ein Viertel hatte zwar keine Unter-
Nügel, aber Decken, jedoch meist nur Stummel derselben, und nur
ein Viertel der Arten war vollständig geflügelt und Augfähig.
224 ;
Forficulariae. Ref. (a. a. 0. S.246) beschrieb zwei neue
Arten von Forficula aus Vandiemensland, die eine R ruficeps
ohne Unterflügel, die andere F. pacifica auch ohne Flügeldecken.
Blattariae. De Haan (a. a 0.) hat unter der in dem- nie-
derländischen Ostindien vorkommenden Blatten folgende neue be-
schrieben: Periplaneta zonata Hagenb., flavicincta, con-
cinna Hagenb. aus Java, Epilampra Macassariensis von
Macassar, Nauphoeta bilunata von Java, N. circumdata von
Sumatra. DeHaan hat bei der Eintheilung auf das Fehlen und auf
die verhältnissmässige Länge der Flügel die Hauptrücksicht genom-
men, Ref. (a.a.0. 8.245) dagegen zeigte, dass wie bei den meisten
Orthopteren, so auch hier geflügelte und ungeflügelte Arten in einer
Gattung vorkommen, wie es auch Serville sehr richtig erkannt hat.
Von den neuen Arten von Vandiemensland (ebendas. S. 247) sind
Periplaneta melanaria, atrata und aterrima völlig ohne
Flügel und ohne Decken, ebenso Blatta trivittata, welche der
Bl. decipiens Germ. sich auschliesst, Bl..marcida ist geflügelt. »
Sells (Transact. Ent. Soc. Lond. IM. 8,103) beschrieb die Eier-
hülsen einiger Blatten aus Jamaica.
Mamntides. Einen Reichthum von neuen Arten hat De Haan
(a. a. O.) beschrieben und abgebildet: Mantis valida Hagenb. von
Timor und Amboina, basalis, flava von Java, timorensis
wieder von Timor und Amboina, herbacea von Japan, Novae
Guineae von Neuguinea, irifasciata vonBrasilien, bifasciata
von Cuba, heteroptera, Sernillei, tortricoides von Java, —
Oxypilus (diese Untergatt, unterscheidet der Verf. dadurch von der
vor., dass die Arten unter 1”, jene über 1” lang sind; es sind indess
auch wohl noch andere Kennzeichen aufzustellen, namentlich in der
Zahl der Dornen an den Vorderschenkeln) pAyllopus, punctata
von Java, Zlodiceps von Sumatra, bicingulata, crassipes,
reticulata, planiceps von Java, Borneo. — Harpax Suma-
zrana von Padang. — Eine neue Gruppe gleicht Oxypilus, hat
aber Läppchen an den Hinterschenkeln: M. oligoneur«a von Suma-
tra, Java und den Molukken, M. Borneensis von Borneo. — Ble-
pharis Kuhli, Thespis thoracica und armata,
v. Charpentier (a.a. 0. 5. Hft.) bildete Vates macropterus
(Mant. macr. Stoll., Mant. lobipes Licht., V. macropt. und orbus
Burm., Theoclyt. lobipes Serv., Empusa lobipes Griff.); Mantis con-
cinna (S‘ M. oratoria Degeer, M. aurantiaca Burm., M. 4maculata
Serv., X M. concinna Perty, Serv., M. tricolor Burm.); Mantis an-
nulipes Serv., Acanthops sinuata (Mant. sinuata Kirhy, 4A. mortwi-
folia Serv.?, als deren 2 der Verf. M. sinuata Stoll.?, M. angulata
Licht., A.erosa Serv.?, A. fuscifolius Burm. betrachtet) und 4A. tes-
selata, ein dem der vor. ähnliches Männchen, dessen Weibchen
zur Zeit noch unbekannt ist, gleichfalls in Brasilien zu Hause.
225
© Westwood (Arcana Ent. 1:8. 161.'T.,41) bildete ‚eine: neue sehr
ausgezeichnete Art der Gatt. Toxodera Serv. ab, welche von der
Serville’schen Art durch schräg nach vorn gerichtete (bei beiden nicht
facettirte) Spitzen der Augen, und sehr schwach gelappte Hinter-
schenkel abweicht, daher der Verf. ihr einen eigenen Untergattungs-
Namen Heterochaeta giebt. Die bedeutend grosse Art, T. H. te-
nuipes stammt vom Senegal.
Die Gatt. Deroplatys Westw. (Choeradodis Guer.) hat De Haan
(a. a. 0.) auf zwei Arten zurückgeführt, indem er D. arida Westw.
als / mit‘ der D. lobata vereinigt, und das von ihm-abgebildete .g‘
der D. rhombica Hagenb. (desiccata Guer.) mit D. angustata Westw.
zusammenzufallen scheint. Dagegen bereicherte Gu&@rin (Deless.
Voy. dans P’Inde II. 8.65. T.15) diese Gatt. mit einer ausgezeich-
neten neuen Art: Choeradodis truncata von Singhapur.
- Spectra. Die von De Haan (a. a. O.) beschriebenen und
abgebildeten neuen Arten aus dieser Familie sind folgende: Hete-,
ropteryx (Gray) Mülleri von Sumatra; — Phyllium Celebi-
cum von Celebes; — Prisopus (Platytelus) Horstokii vom Vorg,
der guten Hoffnüung; — Ascephasma (Perlamorpha) Farstenii
von Celebes; — Creoxylus flavicornis von Borneo, uffinis
und vıridimarginatus von Java; Neroderus laceratus von
Sumatra; Necroscia (Platycrania Gr.) acunthocephala, spi-
niceps, diaranthos von Java, fuscoannulata von Borneo,
nigroannulata von Java, sordida, pulchella von Sumatra,
rubicunda, jularis von Java, nigrofasciata vou Sumatra; —
Eine eigene unbenannt gebliebene Form mit Flügeln von Hinterleibs-
länge, Decken von + der Flügelläuge, kurzem erweitertem Hinter-
leibe beim 9, in einen nach hinten gerichteten Kegel verlängertem
Scheitel, bildet Phasm. conocephalum von Sumatra; — Tropi-
doderes Bojei von Macassar, brachypterus von Sumatra,
Maclottii von Java, galapterum von Sumatra; — Haplopus
bicuspidatus und bituberculatus; — Cyphocrania Rein-
wardtii von Neu-Guinea; — Cladoxera Diurdi von Java; —
Bacteria nematodes von Java, nodosa von Sumatra, nrpo-
nensis von Japan; — Acanthoderus japonicus ebendaher, noli-
me-tangere, phyllopus von Java, bifoliatus, verrucosus
von Sumatra; — Pachymorpha coronata von Java und Amboina,
Bacillus Javanus von Java.
v. Charpentier (a. a. 0.) bildete O/adoxerus phyllinus (J’
Phibalosoma Lepelletieri, Q Cladomorpha phyllinus Serv.) aus Bra-
u und Phasma vinosum (Neeroscia vin, Serv.) von Bornco ab.
m; ’
Achetae. Batzeburg (Ent. Zeit. 8.267) machte auf einen
Geschlechtsunterschied am Hinterleibe bei der Maulwurfsgrylie (Gryl-
lotalypa vulgaris) aufmerksam, iodem beim. Z';alle 8 Bauchsegmente
ziemlich gleich ausgebildet, beim 2 die beiden letzten auffallend
Archiv f. Naturgesch, IX, Jahrg. 2. Bd, P
226
klein sind und auch das ‘vorletzte nach den Seiten’ etwas verkürztbeim
lebenden Thier als eine halbmondförmige Falte erscheint. Der» Verf:
theilt ferner seine Beobachtung darüber mit, dass das Weibchen;
nachdem es'auf bekannte Weise seine Eier abgelegt habe,7diese
bewache. Fon
Ref. (a. a. 0.'8.249) beschrieb eine Maulwurfsgrylie aus «Van
diemensland, Gryllotalpa australis, ‘welche dadurch ausge-
zeichnet ist, dass dem Männchen die Unterflügel fehlen. A
Harris (Ins. of Massachus. 8.122) führt ‚3: in Massachusetts im
Freien vorkommende Arten von Acheta an: A. abbreviata, dieselbe.
mit der gleichnamigen von Serville, A. nigra, ganz schwarz, mib
sehr kurzen oder verkümmerten Flügeln, 6” lang, 4. (Nemobius)
vittata, 3—#" lang, nur mit Deckenstummeln, düsterbraun, zu-
weilen ins,Schwärzliche ziehend, mit drei schwarzen Streifen auf
dem Scheitel, einem schwarzen Streif an den Seiten des Halsschildes,
welcher sich über die gewöhnlich lichteren Decken fortsetzt, die Hin-
terschenkel an der Aussenseite mit drei Reihen schräger schwarzer
Striche; bei Tage gesellschaftlich auf Wiesen und Wegen.
Locustariae. Die zahlreichen von De Haan (a.a. O.) be-
schriebenen und z Th. abgebildeten Arten sind: Hetrodescervina
Kl. vom ‚Vorgeb. der g. Hoffo. — Ephippigera trilineata aus
Tripoli, varicornisKl. aus Syrien; — L. bicolor, eine eigenthüm-
liche ungeflügelte Form, von Sumatra; — L. Novae Guineae,
ebenfalls eigene Form; — Xiphidion stramineumkl, aus Ägyp-
ten, Zongipenne von Sumatra, lepöedum und melaenum von
Java; — Phaneroptera chloris,poaefolia, parumpunctata
von. Java, triticifolia von Borneo, wdusta von Neu Guinea,
celebica vonCelebes, guinguenervis von Java und Japan, (fal-
cata ist auch aus Japan aufgeführt), caricifolö« von. Borneo,
pilipes von Japan, trichopus von Java, ensis von Borneo und
Japan, loliifolia von Java, hordeifolia von Timor, 8seriata
von Java; — Phylloptera crassifolia, nitidifolia von Java,
Forstenii von Celebes, retifolia, carinatavon Java; — Pseu-
dophyllus crenifolius von Borneo, Novae-Hollandiae von
Sumatra und Port Jackson; — 4Aprion arcufolia von Sumatra,
ampullacea von Java und Sumatra, rubro-marginata von
Borneo, lobifolia, fuscescens, brevifolia von Java; — Gna-
thoclita Hagenb., neue Form, auf L. voraz Stoll. gegründet, von
Anostostoma durch breite Fusssohlen, von Listroscelis durch kurze
Dornen der Vorderschienen und. nicht verlängerte Maxillartaster
unterschieden, und, wie es scheint, näher sich an Prochilus Brull.
anschliessend; — Saga minuta vom Vorgeb. der g. Hoflo. —
Eine besondere nicht benannte Gruppe hat schmale Decken, zuge-
rundete Flügel von Hinterleibslänge, ritzförmige Öffnungen der Vor-
derschienen, grossen Kopf mit vorgezogenem Scheitel, hinten 'nbge-
stutztes Halsschild, zweidorniges Prostermum, lange, ' schmale;
227
krumme Legeröhrer L, megacephala aus Neu Guinea und Z> /a-
ticeps von Amboina; — Conocephalus cuspidatus Kl. aus
Brasilien, acanthocerus unbekannten Vaterlandes, mucero. von
Amboina, planispina von Java, crassiceps von Japan; — De-
eticus Bürgeri von Japan; — Locusta Loboensis von Neu-
Guinea, sumatrana von Padang, (viridissima kommt, auch auf
Japan vor); — Raphidophorus marmoratus, Cubaensis von
Cuba; Gryllacris phryganoides von Java, fumigata, Ser-
villei von Borneo, podocuusta von Java.
Ref. (a. a..0, S.249) führte drei neue‘ Arten von Vandiemens-
land auf, zwei, Agroecia lateralis und Xiphidium-bilinea-
tum haben Deckenstummel, die dritte, Gryllacris ambulans
ist völlig ungellügelt. l
Adam White (Gray Zool. Miscell. II. S.78) ‚beschrieb eine
neue merkwürdige Form von Neu-Seeland unter. der Benennung
Deinacrida heteracantha. Der .Verf. meint, es könne ein
Anostostoma Gray sein, die Bewaffnung der Brust mit zwei starken
Dornen des Pro- und zwei starken Zähnen des ausgehölilten Meso-
und Metathorax sind übereinstimmend, dieMandibeln sind viel kürzer, die
Lippentaster an der Spitze verdickt, die. Maxillartaster sehr lang,
das letzte Glied an .der Spitze sanft verdickt. Fühler 2}mal, Hiu-
terbeine 2mal so lang, als der Leib, die. Hinterschienen vierkantig,
die Kanten mit sehr scharfen abwechselnd gestellten Dornen besetzt,
Leib oben braun, unten gelb.
Harris (a. a. O0. 8.126) führt unter den in Massachusetts vor-
kommenden Arten auf: Raphidophora maculata (Gryllus maculatus
Harr. Catal. of Ins. of Massachus. — wie es scheint einerlei mit Pha-
langopsis lapidicola Burm.) unter Steinen und Kehrigt lebend; Plary-
phyllum concavum , Harr. der Encyel. Amer. 8. Bd. ist, wie der Verf.
mit Grund vermuthet, Loc. perspillata F., Platyphyllum persp. Serv.,
Cyrtophyllus persp. Burm. Eine der Phaneroptera oblongifolia (Lo-
custa obl. Degeer) verwandte Art unterscheidet der Verf. als P%,
angustifolia durch noch schmälere Decken und viel kürzere,
stärker gebogene Legeröhre des Weibchens. Orchelimum agile Sery.
(BLoe. ag. Degeer) kommt in Massuchusetts nicht vor, dagegen zwei
neue Arten: O. vulgare, der genannten Art verwandt, aber da-
durch unterschieden, dass dieDecken so lang sind als die Unterflügel,
und das Männchen ein Paar schwarze Puncte auf den Decken hat:
sehr häufig auf, Wiesen; 0. gracile, dem vor, ähnlich Aber kleiner
(bis zur Flügelspitze 7— 8 lang), die Flügel unter den Decken
etwas vorragend, und das Männchen ohne die schwarzen Puncte
auf den letzten. Endlich noch eine Art von Conocephalus, welche
unter dem Namen ensiger im Cat. of the'Ins. of Massachus. auf-
geführt ist, und dem Verf. von €. dissimilis Serv. verschieden zu
sein scheint. Sie ist grün miv weisslichem Kopfe und unter dem ab-
wärts geriebteten Zahn des Sürnkegels mit einer U - Zeichnung. ‘Die
P#
228
Legerühre des Q'ist gerade und über 1” lang. Länge bis’zur Decken-
spitze 17 — 2“.
v. Charpentier (a. a. 0.) bildete ab: Phaneroptera macropoda
Burm. (dalmatina Serv.) nach beiden Geschlechtern, Ph. eruenta
Burm., und eine neue deutsche Art, Locusta caudata, der L.
viridissima ähnlich, aber kleiner, mit längerer Legeröhre, ohne
braunen Streif auf Kopf und Halsschild und ohne Braun an der in-
nern Deckenwurzel und mit schwarzen Dornen an den Hinter-
schenkeln.
Die in Dänemark vorkommenden Locusten würden von Schiödte
(Kröyer Naturhist. Tidsskr. IV. Bd. 3. Aft. S.316) zusammengestellt.
Es sind 7 Arten. *
v. Siebold trug in der Naturforsch. Versamml. zu Mainz. (1342)
seine Beobachtungen über die Spermatozoen der Locustinen vor.
Dieselben sind von eigenthümlicher Form: sie bestehen aus einem
langen platten Körper, der allmählich in einen langen sehr zarten
Faden übergeht, welcher am Ende von einem Vförmigen Anhange
begränzt wird. Dieser so wie der Körper sind starr, die Fäden
dagegen sehr beweglich. In dem einfachen Receptaculum seminis der
Locustenweibchen findet man nach der Begattung die Samenmasse
in mehreren Samenschläuchen enthalten. In diesen sieht man eigen-
thümliche fadenförmige Körper mit wellenförmigen Bewegungen sich
durch einander winden. Bei genauer Untersuchung fand sich, dass
diese fadenförmigen Körper aus den Spermatozoen zusammengesetzt
sind, welche sich mit den Vförmigen Anhängen an einander setzen.
(Amtl. Bericht u. s. w. 8.223.)
Acridites. y. Charpentier (a. a: 0.) bereicherte diese
Familie mit einer neuen Gatt. Sphenarium (fasc, VI. T. 31), durch
schräges Gesicht, mit vorgezogenem Stirngipfel, 14gl. Fühler und
grosse Klauen der Hinterfüsse an Pyrgomorpha zunächst sich an-
schliessend, aber ungeflügelt, nur mit kleinen, schmalen Deckenstum-
meln versehen, und mit kurzem, in der Mitte spindelförmig ver-
dicktem Körper. Sph. purpurascens ist in Mexico zu Hause
(noch eine ganze Reihe sehr übereinstimmender Arten dieser vor-
trefflich aufgefassten Gattung, alle aus gleichem Vaterlande, findet
sich in der hiesigen Sammlung). — Der Verf. hat ferner abgebildet
Tropinotus discoideus Serv. (T.32), Acridium tarsatum Serv. (T. 22),
beide aus Brasilien, Eremobia muricata, Gryli. muricatus Pall. (T.23)
aus Südrussland, und E. /imb ata‘(T. 24) neue Art aus der Türkei.
Westwood (Arcana Ent. I. 8.66. T.17) stellte neben einer
riesenhaften neuen Art von Opsomala, O. giganten von Sierra Leone
eine ausgezeichnete neue ‚Gatt. Bactrophora dar: sie hat einen
kurzen stumpfen Kehlzapfen, grossen Kopf, mit einem mächtigen
stabförmigen Stirnfortsatz, zwischen und neben den grossen vor-
ragenden Augen am Grunde des Stirnfortsatzes eingelenkte, wenig
229
zusammengedrückte, 24gl. Fühler, kurze vordere Beine; B. domi-
nans, 34" lang, unbekannten Vaterlandes.
Ders. (ebendas. 8.99. T. 26) gab eine Monographie der -Gatt.
Mastax Perty, welche‘in dem aufsteigenden. Kopfe und den wenig-
(etwa 13) gliedrigen Fühlern eine Annäherung an Proscopia zeigt.
Den durch Perty und: Serville bekannten südamericanischen Arten fügt
der‘ Verf. drei ostindische "hinzu: »M. apicalis von Sumatra, M.
vitrea von Java, M. guttata von Sumatra: und den Philippinen.
Die von De Haan (a. a. O.) beschriebenen zahlreichen Acridier
enthalten folgende neue Arten: Truxalis psittacina von Java; —
Opsomala bicolor von Java und Japan, /aentata von Java;
Pyrgomorpha chloropus, haematoptera von Java, Novae
Guineae von Neu-Guinea und Borneo, brachyptera von Neu-
Guinea; — Trigonopteryz punctata vom Cap; — Acridium
eonsanguineum von Macassar, Hagenbachii von Java; —
Ozxzya obtusa von Java, infuscata von allen Sunda -Inseln, di-
midiata von Amboina. affinis von Sumatra, microptera von
Java, unistrigata von Neu-Guinea; — Acrid. macula-lutea
von Sumatra bildet eine eigene Gruppe mit gehörntem Prosternum,
zwischen Oxya und Oedipoda; — Oedipodu subfasciata von der
Insel Samu bei Timor, calöginosa vom Cap, vulnerata von
Java, 4maculata vom Cap; — Mastax agrionoides von Borneo
und Sumatra, cyeloptera von Java, crenata von Borneo; —
Hymenotes arcuatus von Neu-Guinea; — Tetrix cornuta,
phyllocera, hexodon von Java, cephalica von Sumatra, gra-
cilis, dilatata von Java, gibbosa von Japan, brevis und
emurginata von Neu Guinea.
Von 5 vandiemensländischen Arten des Ref. (a.a. 0. S.250) sind
Truzxalis viatica und Mesops pedestris vollkommen ungeflü-
gelt, Acridium ambulans hat Deckenstummel aber keine Flügel,
Calliptamus baiulus und Tetrix argillacea haben vollstän-
dige, doch ziemlich kurze Flügel.
Harris (Ins. of Massachusetts 8. 132—155) hat manches Neue
aus dieser Familie: Acridium alutaceum ist dunkel gelbbraun,
mit einer blassgelben Rückenlinie auf Kopf und Halsschild; dieser mit
einem schwach erhabenen Kiel; Decken halbdurchsichtig mit unregel-
mässigen braunen Flecken, Flügel klar, ungefärbt, dunkel gelb ge-
netzt; Hinterleib mit Querreihen von kleinen schwärzlichen Flecken;
Hinterschienen röthlich, die Dornen gelbweiss mit schwarzen Spitzen;
1% lang. — Acrid. flavovitiatum; olivenbraun, an jeder Seite
mit einem gelben Streif von der Stirn bis zur Deckenspitze. Hinter-
schienen und Füsse blutroth, mit schwarzspitzigen Dornen; scheint
einerlei zu sein mit Caloptenus femoratus Burm.; wird in Gärten
sehr lästig. Locusta (= Oedipoda) corallina ist wohl einerlei
mit Oe, phoenicoptera Burm. L. maritima: aschgrau, Gesicht
weissgelleckt; Decken braun gesprenkelt, an der Spitze halbdurch-
230
sichtig. Flügel an der Wurzel blassgelb , auf ‚der Mitte mit "einer
schwärzlichen Fleckenbinde. 'Hinterschienenblässgelb>mit schwarzen
Dornspitzen, $—1Y" lang; in‘ grosser Menge; aber nur in der Nähe
der Küste. — 2. aequwalis: ‚Klügel' bis ‘zur Mitte ‚hellgelb, dann
mit breiter schwarzer Binde ; Hinterschienen' korallroth mit; weissem
Ringe unter dem Koie, 14" lang. — L.Zatipennüs: Flügel breit,an
der Wurzelhälfte hellgelb, "dann dunkel, in der Mitte mit regel-
mässiger Fleckenbinde; ce hellgelb mit schwarzem Ringe
unter dem Knie und breiter schwarzer Spitze. — L. marmoratu:
grau,.gelb und schwarz ınarmorirt , die Flügel an der Wurzelhälfte
gelb, in. der Mitte wit breiter schwarzer Binde, an der Spitze mit
zwei schwarzen Flecken; die Hinterschienen korallroth ‚nit einem
schwarzen, und dann mit einem weissen, zuweilen dann noch mit
einem schwarzen Ringe unter dem Knie und schwarzer Spitze; 7—
9" lang. —. L. ewcerata, mit Oe. fenestralis Serv. verwandt, ‚aber
die Flügel-an der Wurzel nicht roth sondern gelb. — L.webulosa:
Flügel klar, mit dunkler Spitze und dunkelbraunem Streif am Vor-
derrande;, Hinterschieven braun, mit, breitem weissem Ringe unter
dem Kuje; 8—12”’ lang; sehr gemein. — Eine eigene Untergatt.
Tragocephala unterscheidet der Verf... durch die Fühler, welche
kürzer als das Halsschild und nach der Spitze hin leicht. verdickt
sind, durch das schrägere Gesicht und den näher der Brust liegenden
Mund. . Dahin der. viridi-fasciatum Degeer. (Gryll., Virginianus F,
chrysomelas Gm., der. marginatum Ol., , hemipterum Pall. ‚Beauv.)
und zwei neue Arten: Tr. infuscata, düster braun, Halsschild
fein gekielt, Decken schwach .braun gefleckt, Flügel durchsichtig,
an der Wurzel blass grünlich gelb, mit. einer grossen düstern Wolke
nahe der Mitte des Hinterrandes, und einem schwarzen Strich am
Vorderrande; Hinterschienen braun mit einem breiten weisslichen
Ringe unter dem Knie. Länge 3”. Vom Mai bis Ende Juli auf
Triften in Massachusetts. — Tr.radiata, nussbraun, Halsschild
oben gekielt, Decken ganz braun, aber an der Spitze durchsichtig,
Flügel durchsichtig, braungenetzt mit schwarzen Hauptlängsadern;
an der Wurzel schwach grün, eine grosse dunkle Wolke in der
Mitte des Hinterrandes und ein brauner Streif am Vorderrande; Hin-
terschienen rothbraun, unter dem Knie etwas blasser. Länge über 1”,
Selten in Massachusetts und Nordcaroliva. — Eine zweite Untergatt.
Chloealtis mit noch schrügerem Gesicht, längeren Fühlern, einer
Grube vor jedem Auge zur Aufnahme des ersten Füblergliedes, un-
gekieltem, hinten fast ‚gerade abgeschnittenem Halsschilde, sehr
kurzen Flügeln und Decken, würde sich wohl unter Gomphocerus
einordnen lassen. Drei neue Arten: L. Chl, conspersa: hell roth-
braun, schwarz gelleckt, ein schwarzer Streif, auf dem Kopf ‚hinter
jedem Auge und an jeder Seite des; Halsschilds fortgesetzt; Decken
länglich eiförmig, hell gelbbraun, mit kleinen dunkelbraunen Flecken;
Flügel 15” lang; Hinterschienen blassroth; fast 1” lang. — L. Ch.
“ 231
abortiva: braun, Decken dunkelgefleckt, 3 des: Hinterleibs be-
deckend; Hinterschienen korallroth, unter dem Knie weisslich., Beide
auf Triften im Juli,’ nur‘ durch‘die Färbung unterschieden. — 4
Ch. curtipennis, dem 6.'parallelus‘ Zett. nahe verwandt; Decken
beim g' so lang als der Körper, Flügel etwas kürzer. — Unter 7
Arten der Gatt. Tetrix sind 5 neue, nämlich: To dorsalis, dma-
eulata,vbilineata, sordida mit T. ornata Say unter der
Abtheil. mit 14g1. Fühlern, vor. den‘Augen vortretender 'Kopfspitze
und über die Hinterleibsspitze hinaus verlängertem Halsschilde; da
diese Arten aber nur nach der Färbung unterschieden sind, wäre
es wohl ‚möglich, dass sie wenigstens z. Th. Ahänderungen. von
einander ‚sind; die beiden; andern Arten. gehören zur Abtheil. mit
22gl. Fühlero: T. lateralis Say, mit-längerem Halsschilde, und T.
"parvipennis, neue Art, ‚von der vor. durch ‚nicht über die Kör-
perspitze hinaus verlängertes Halsschild. und viel, kürzere, Flügel
unterschieden.
Termitina. Über die Geschlechtsverhältnisse der Termiten
bemerkte Gu&rin (Rey. Zool. S.278), dass dieMännchen noch ganz
unbekannt geblieben seien; zwar habe Burmeister aufgestellt, dass
die Weibchen gänzlich ungeflügelt, und alle geflügelten Ind. Männ-
chen seien, er habe sich aber durch anat. Untersuchung einer grossen
Zahl von Ind. überzeugt, dass jene geflügelten Termiten keineswegs
Männchen, sondern jungfräuliche Weibchen seien. Die sog. Arbeiter
hält Guerin für weibliche Larven, die sog. Soldaten, meint er, dürf-
ten männliche Larven sein. Der Verf. hat sicher darin vollkommen
Recht, wenn er die geflügelten Termiten ‚als Weibchen betrachtet,
denn die Mehrzahl derselben gehört sicher diesem Geschlecht an-
Es kommen aber unter den geflügelten Ind. auch solche vor, welche
man von den gewöhnlichen bei einiger Aufmerksamkeit unterscheidet,
und welche allem Anschein nach die Männchen sind, Was aus den
sog. Soldaten wird, wäre wohl nur durch Beobachtung zu er-
mitteln: alle Annahmen in diesem Puucte scheinen mir sehr ge-
wagt zu sein,
FPerlariae. Die umfassende und ausgezeichnete Monographie
dieser Familie von Pictet: Histoire naturelle generale et particu-
liere des Insectes Nevropteres. Famille des Perlides; Geneve et
Paris. 1841. 8. 53 pl., liegt jetzt vollendet vor. Die nahen Bezie-
hingen dieser Insecten zu den Orthöopteren sind dein Verf. nicht
entgangen, es fehlt wenig, dass er selbstständig (ohne meine An-
sicht zu kennen) dahin gelangt, sie mit denselben zu verbinden (S:99);
Mit besonderem Fleiss sind die früheren Stände erforscht. Auch die
anatomischen Verhältnisse sind berücksichtigt, ‘ohne dass indess auf
das Genaueste in dieselben eingedrungen wäre, Auffallend ist hier
die grosse Übereinstimmung mit den Heuschrecken; es kommen
aber hierin Abstufungen vor, So hat Perla 'bipunctata am Nahrungs-
232 ; ;
i
kanal einen‘Wirtel von 8'Blindsäcken am Magenende, einen‘Blind-
darm und zahlreiche Gallengefässe, bei ‚anderen Arten vermindert
sich die Zahl der: letzteren, bei Chloroperla sind die-Blindsäckchen
klein und auf 6 ‘verringert, der Blinddarm fehlt ganz, und die Gallen-
gefässe sind auf 20 eingeschränkt und; zugleich auffallend verkürzt;
bei Nemoura fehlen auch die -Blindsäckchen, und der Gallengefässe
sind noch weniger. Ähnliche Verschiedenheiten scheinen in der Ge-
stalt der Unterlippe vorzukommen, indem die von mir als Laden
gedeuteten Theile bald mehr oder weniger deutlich entwickelt er-
scheinen. j
Der Verf. hat einen sehr grossen Reichthum von Arten zur Be-
nutzung gehabt, so dass die sonst so kleine Familie jetzt einen an-
sehnlichen Umfang erlangt hat. 28 ‘beschriebene Arten sind dem
Verf. unbekannt geblieben, die Zahl der vom ihm untersuchten beläuft
sich auf 100, unter denen fast 2 Drittel neu waren. Von diesen 100
Arten sind 27 über einen grösseren Theil Europa’s verbreitet, 9 der
Schweiz eigenthümlich, 6 nördlich, 9 südlich von der Schweiz zu
Hause. Aus Africa nur zwei ägyptische Arten. Aus Asien 8, näm-
lich 1 aus Sibirien, 1 vom ‚Festlande von Indien, 2 von den Sunda-
Inseln, ‚4.von, Japan. Aus Neuholland -2 Arten. America hat im
Ganzen 37 Arten,.nämlich 17 aus den Verein. Staaten, 5 aus Mexico
und Columbien, 3 aus Chile, 10 aus Brasilien, 2 über einen grösse-
ren Theil des Erdtheils verbreitet.
Der Verf. nimmt 6 Gattungen an, welche z. Th. in Untergattun-
gen zerfallen.
I. Kollaria, neue Gattung mit borstenförmigen, sehr langen
Maxillartastern, sehr grosser, vor dem Kopfe vortretender äusserer
Maxillarlade, kleinen Mandibeln, grossen, netzförmig geäüderten
Flügeln. Eine ansehnliche Art, K. insignis, unbekamten Va-
terlandes.
11. Pteronarcys Newm., netzförmig geaderte Flügel, kurze
borstenförmige Maxillartaster, deren 2. 3. und 4. Gl. nach aussen
erweitert ist. Pt. protueus N. und Perl. reticulata Burm., und Pr.
Thalia, regalis, biloba Newm. !
11., ‚Eusthenia Westw.. Stark netzförmig geaderte Flügel,
mässig Jange, einfach borstenförmige Maxillartaster. _E.. spectabilis
Westw. vom Schwanenfluss.
IV. Perla Geoflr. Einfach geaderte Flügel, borstenförmige Ta-
ster. ‘Folgende Untergatt.: 1) Dictyopteryz. ‘Ende des Unter-
randfeldes mit Quernerven, die Längsnerven daselbst oft unregel-
mässig, die Flügel gerundet, der Kopf'klein: P. microcephala Pict.
und 5 neue Arten. 2) Nephelion. Ende des Unterrandfeldes ohne
Quernerven, aber der Nebenast des Unterrandnerven stark verzweigt
und unregelmässig: Jsogenus nubecula und frontalis Newm. und 2
neue Arten. — 3) Acroneuria. Flügel langstreckig mit durch
233
Quernerven getheiltem Ende des Unterrandfeldes und die Längsnerven
daselbst regelmässig; Kopf breit; Mandibeln einzähnig: 1 neue Art
P. arenosa ausNordamerica, der sich vielleicht P. abnormis Newm.
anschliesst. — 4) Perla: Ende des Unterrandfeldes ohne Quernerven,
und der Nebenast der Unterrippe ohne Verzweigungen, oder mit
einer oder zwei regelmässigen Gabelungen. Die Randzelle an der
Spitze wenigstens mit zwei Quernerven. Hierhin P. bipunctata,
müärginata, im Ganzen 42 Arten, welche hauptsächlich nach der
Färbung in 7 Gruppen zerlegt sind. — 5) Chloroperla Newm., von
Perla dadurch unterschieden, dass die Randzelle am Ende ohne oder
nur mit einem einzigen Quernerven ist: P. wirescens Pict., rufe-
scens, venosa Steph. und 3 europ. und: 3 exot. neue Arten. —ı 6)
Isopteryx, kleine Arten mit fast fehlendem Analfelde der Hinter-
llügel: P. flava Fourer., apicalis Newm., im Ganzen 7 Arten.
V. Capnia: Fadenförmige Taster, lange Afterfäden. Zwei
Untergatt. 1) Capnia, ohne Queradern an der Flügelspitze: P.
nigra Pict., Sembl. pygmaea Burm. und 1 neue A. — 2) Gripo-
pteryx mit zahlreichen ‚Quernerven an der Flügelspitze: Sembl.
gracilis Burm. und 1 neue Art aus Brasilien.
VI. Nemoura. Fadenförmige Taster, keine oder verkümmerte
Afterfäden. Drei Untergatt.: 1) Taenopteryx. Fühlerglieder von
gleicher Grösse. Verkümmerte, 3gl. Afterfäden: N. nebulosa (Phryg.
neb. Liv.), trifasciata Pict., im Ganzen 6 Arten. — Leuctra Steph.
Zweites Fussgl. sehr kurz, gar keine Afterfäden. Flügel schmal,
halbröhrig eingerollt. N. cylindrica Degeer, u. s. w. im Ganzen 7
Arten. — 3) Nemoura, Flügel gewöhnlich flach aufliegend, die Ner-
ven des Parastigma ein y bildend, was bei Leuctra nicht der Fall
ist, mit welcher diese Untergatt. in den übrigen Kennzeichen über-
einkommt: N, variegata, cinerea Ol., im Ganzen 8 Arten.
Sämmtliche dem Verf. aus eigener Anschauung bekannt gewor-
dene Arten sind abgebildet.
Lepismenae. Unter dem Namen Nicoletia machte Ger-
vais (Ann. d. I. Soc. Ent. d. Fr. XI. p.XLVIl.) eine neue Gattung
bekannt, mit länglichem, etwas flachgedrücktem unbeschupptem
Körper; Thorax kaum so breit als der Hinterleib, die drei Segmente
desselben ziemlich gleich; drei mässig lange Fäden an der Spitze des
Hinterleibes. Die Kiemen-Afterfüsse des Hinterleibes sehr deutlich.
N. geophila und phytophila, die eine aus Treibhäusern, die
andere in den Wäldern der Pariser Gegend.
Neuroptera.
Über die anatomischen Verhältnisse der Neuropteren in
ihrer gegenwärtigen Begränzung sind von Loew (Germar’s
Zeitschr; IV. S. 423). treflliche Untersuchungen mitgetheilt.
234
Die früheren Nenropteren mit »unvollkommener Verwandlung,
welche ich mit‘ den Orthopteren vereinigt habe, stimmen auch: im
innern Bau im Wesentlichen, z. Th. auf eine auffällende Weise, mit
den 'eigentl. Orthopteren ‚überein, ebenso zeigen die übrig geblie-
benen Neuropteren wesentliche Verschiedenheiten, namentlich’ in der
Zahl der Gallengefässe, deren höchstens acht vorkommen, und-in
der Trennung der beiden letzten Nervenknoten, welche beiden Or-
thopteren unmittelbar an einander stossen. Wie in den übrigen Be-
ziehungen, so stehen auch im innern Bau die drei Hauptabtheilungen
der Neuropteren ziemlich weit aus einander. ‘Die Panorpaten zeich-
nen sich durch umfangreiche schlauchförmige Anhänge ‘der Genita=
lien aus, welche bei den’ Hemerobien klein und bläschenförmig sind,
Beide stimmen in dem einfachen Receptaculum seminis überein, ferner
in der Form der Ovarien, welche kammförmig ‘gestellte Eiröhren
besitzen, in der gedrungenen Gestalt der Testikel, der verhältniss-
mässig ‘grossen Länge, der Vasa deferentia, und der ausserordent-
lichen Kürze des Ductus ejaculaterius.. Im letzten Puncte stimmen
auch die Phryganeen überein, welche in. den ‚übrigen weiter ab-
weichen. Der Verf. erklärt sich hier gegen die: Deutung der in den
Samenleiter mündenden Anhänge als Samenblasen: der Inhalt dieser
gewöhnlich langen und schlauchförmigen Gefässe spricht dafür, dass
sie den gewöhnlichen paarigen, in den Ductus ejaculatorius münden-
den Anhängen entsprechen.
Memerobii. Lefebvre (Guer. Mag. d. Zool. Ins. pl.92) hat
eine neue ausgezeichnete Art von Ascalaphus, A. Napoleo vom
Schwanenfluss in Neuholland beschrieben und abgebildet, und
zugleich ‚seine Eintheilung der Gattung vorgelegt. Er schlägt vor,
sie zum Range einer Gruppe: Ascalaphides zu erheben, in welcher
sogleich zwei Unterabtheilungen, Olophthalmi u. Schizophthalmi, sich
aufdrängen. Die Eintheilung des Verf. in Gattungen ist folgende:
I. Olophthalmi: Die Afterzaugen beim Männchen bald sicht-
bar, bald nicht: im ersteren Falle die Flügel entweder appendieulirt:
bei Ptynx (costatus Burm.) , oder nieht bei Azesia (Napoleo s. 0.)
— im zweiten Falle sind die Flügel nicht appendiculirt: bei dmoea
(subeostatus Burm.), 1 war
U. Schizophthalmi: Die Afterzangen beim Männchen wie-
derum bald sichtbar bald nicht; im ersteren Falle sind sie theils vor-
ragend, entweder mit seitlichen Blättchen am After beim Weibchen,
bei Deleproctophylla (australis auct.) ‚oder ohne dieselben, und
die Afterzangen beim / kräftig: bei Proctarrelabis (hamatus
Kl, Capensis F., annulicornis'Burm,;.bei der ersten sind die After-
zaugen gablig, bei den andern einfach; eiue neue Art weicht von
diesen letzteren darin ab, dass die Flügel am Innenrande ausge-
schweift sind) — schwach und einfach bei Asc@laphus mit am In-
nenrande erweiterten Hinterflügeln (4. Italicus F., longicornis
235
detericus ‚Charp. w.'s! w.) und'bei Z/ydris'mit nicht erweiterten
Hinterflügelon (Javanus Burm.)'— 'theils sind die Afterzangen der
Hinterleibsspitze angelegt: bei Ackeron (1 neue Art) mit die Flügel
überragendem Hinterleibe und an der Wurzel an der Innenseite ge-
zähnelten Fühlern. — Im andern Falle (Afterzangen des -/ nicht
sichtbar) sind die Flügel entweder appendiculirt: bei Orphne (ap-
pendiculatus F.) oder nicht: bei Suhpalacsa (hier zeigen die Flügel
und Fühler mehrfache Verschiedenheiten: die Flügel sind a) an der
Basis eingeschnürt bei. nacrocerus: Burm. mit längeren und einer
neuen Art mit kaum so langen Fühlern als die Flügel; b) einfach
bei MacLeayanus, senex Burm., 4punctatus Burm., flavipes Leach
u. a.; €) die Hinterflügel erweitert und am Innenrande mehr oder
weniger ausgeschweift bei versicolor mit längeren, und Surinamensis
F. u. a., mit ebenso langen oder kürzeren Fühlern als die Flügel).
Endlich durch ein sehr weites Netz im Flügel abweichend die Gatt:
Puer (niger Borkh.).
So sehr auch die Gründlichkeit anerkannt werden muss, mit
welcher diese Eintheilung entworfen ist, so wenig kann ich mein
Bedenken darüber zurückhalten, dass ein Theil, welcher, wie die
männlichen Afterzangen, fast bei jeder Art anders gestaltet ist,
hauptsächlich zur Begründung von Gattungen benutzt wird, welche
grösstentheils auch durch ihre Benennungen Anstoss erregen.
Eine neue Mantispa, apicalis, von Rhodus, wurde von
Loew (Germ. Zeitschr. IV. 8.433) beschrieben.
Eine neue Gatt. Psychopsis von Newman (Entomologist
8.415) hat folgende Diagnose: „Generi Chrysopa affınis, at alarıum
nervuris aliter dispositis.‘“ Die Art, Ps. mimica. von Adelaide in
Südaustralien ist auf dem Titelblatte zwar sehr kenntlich dargestellt,
jedoch nicht so, dass man die Gattungsmerkmale daraus entneh-
men könnte. ‚
Endlich führe ich hier noch ein Insect an, welches als Bewohner
der Spongilla fluviatilis von Westwood (Transact. Ent. Soc. If.
p. 105. t.8) beschrieben ist. Es ist am Besten mit der Larve eines
Hemerobius zu vergleichen, die Fühler sind lang und borstenförmig,
aus dem Munde ragen vier Borsten eben so weit als die Fühler vor,
zu zwei genähert, eine stärkere und eine feinere: sie stellen die
Mandibeln und Maxillen vor; Taster, Oberlippe und Zunge fehlen.
Die 7 ersten Hinterleibssegmente haben auf der Bauchseite jeder ein
Paar gegliederter, fuss-ähnlicher, flacher Anhänge, welche offenbar
Kiemen sind, da man auch zwei Gefässe ‘in jedem leicht bemerkt.
Der Verf. ist zweifelhaft, welcher Ordnung dieses Insect angehören
möge, am meisten ist; er geneigt es für eine Neuropteren -Larve
zu halten, weist indess alle Fälle zurück, nur dass die Möglichkeit
bliebe, dass es die Larve von Acentropus wäre. Die sehr nahe Ver-
wandtschaft mit der Larve von Hemerobius Jässt mich nicht zweifeln,
dass sie einem Inseet dieser Familie angehört, die Hauptunterschiede
236
sind in der That der Art, dass sie durch den Aufenthalt im Wasser
bedingt werden; ähnliche Respirationsorgane finden sich auch bei
Sialis, diese Larve steht aber Hemerobius viel näher, und. so mögte
ich vermuthen, dass sie die von Sisyra Burm. ist. 'Westwood hat
übrigens für den Fall, dass es ein ausgebildetes Insect sei, bereits
einen Namen Branchiotoma Spongillae gegeben. ı (Vergl..die
Abhandl. v. Grube, dies. Arch. 9. Jahrg. 1. Bd. 8.331. T.X.)
Hymenoptera.
Über das Receptaculum Seminis der Hymenopteren-Weib-
chen hat v. Siebold (Germ. Zeitschr. IV. S.362. T.2) seine
Untersuchungen veröffentlicht.
Es zeigen sich in der Bildung dieser Theile zwei Haupttypen,
welche mit. den beiden Hauptabtheilungen der Hymenopteren nach
der Gestalt der Larven zusammenfallen. Im I. Typus lässt das Re-
ceptaculum Seminis einen ductus seminalis, eine capsula seminalis
und eine glandula appendicularis unterscheiden, Untersucht sind: 1)
Formicidae, wo die betreffenden Theile unverhältnissmässig , gross
sind, 2) Apidae, wo sie, sich auch bei den Arbeitsbienen, freilich in
sehr unentwickeltem Zustande vorfinden, 3) Andrenidae, 4) Vespidae,
wo bei den Arbeitern sich diese Theile, und zwar deutlicher aus-
gebildet als bei den Arbeitsbienen zeigen, ja bei den Polisten die
Arbeiter sich von den eierlegenden Weibchen nur durch leere Eier-
stöcke und Receptaculum Seminis unterscheiden; 5) Scoliadae, 6)
Mutillidae, 7) Crabronidae, 8) Bembecidae, 9) Chrysidae, 10) Cyni-
pidae, wo durch die Anwesenheit dieser Theile allein schon Hartigs
Annahme vorkommender Androgynität zurückgewiesen wird, 11)
Pteromalini, 12) Chelonidae, 13) Evaniadae, 14) Braconidae, 15)
Ichneumonidae, wo die Samenkapsel überall auffallend klein ist. Im
MH. Typus bildet das Receptaculum Seminis eine einfache Ausstülpung
der Scheide, an welcher sich weder ductus seminalis, noch eine
abgesonderte capsula seminalis, noch eine glandula appendicularis
unterscheiden lassen. Hierher gehören die Blattwespen, deren eine
beträchtliche Zahl aus verschiedenen Gattungen untersucht sind. “Die
Uroceriden, Dryinen und Codrinen sind vom Verf. auf die fraglichen
Verhältnisse noch nicht geprüft worden.
Vortreflliche Beobachtungen über die Lebensweise einzel-
ner. Hymenopteren, enthält ‚eine . Gelegenbeitsschrift: Memoria
per -servire alla storia naturale. di. aleuni imenotteri ‚del .Cav.
Guis. Gene, Prof. di Zool. n. 'r. u. di’ Torino, soc. att. d.
soc. ital. d. scienz. res. in Modena, Modena 1842,
Dispositio metholica spec. scand. ad Fam, Hymenopt. nat,
ab A. G..Dahlbom, Lund 1842, ist der Vorläufer eines
systematischen Werkes, (dessen erste zur Zeit ‚erschienene Lie-
237
ferung sich auf die Gatt. Sphex im Linneischen Sinne erstreckt.
Familien und Gattungen sind auf synoptischen Tabellen nach
ihren Kennzeichen und die schwedischen Arten ebenso auf
eine übersichtliche Weise erläutert.
Die Hymenopterenfauna Neuhollands hat Refer. (dies.
Arch. 8. Jahrg. 1. Bd. S. 252) besprochen und emeAnzalıl
von Arten aus Vandiemensland beschrieben.
Tenthredinetae und Sörices. Ein „Verzeichniss der his
dahin am Harze gefundenen Blatt- und Holzwespen‘“ theilte Sa-
xesen mit (vier Verzeichnisse als Beiträge zur Kenntniss der Fauna
und Flora des Harzes, gedr. f, die Mitglieder des wissensch, Vereins
des Harzes 1342). Es ist überall mit sehr schätzbaren Bemerkungen
über Vorkommen begleitet.— Ein „Verzeichniss der im Fürstenthum
Hildesheim und dem angrenzenden Harze aufgefundenen Blattwespen“
machte Leunis (Ent. Zeit. S.42) bekannt.
P. Huber*) (Mem. d. 1]. Soc. d. Phys. et d’hist. nat. de Geneve,
IX. 2. Pt.) hat die Naturgeschichte einer Lyda-Larve beschrieben,
welche selten auf Haselsträuchen vorkommt, und sich Streifen des
Blattes zu einem Gehäuse aufrollt. Zur Verwandlung ist sie nicht
gekommen, daher auch die Art unbestimmt geblieben ist. (Diese Ab-
handlung ist auch in den Ann. nat. hist. XI. S.241 und Ann. des sc.
nat. 1843. aufgenommen worden. Westwood (Ann. nat. hist, XT. S.376)
bemerkte hierzu, dass diese Larve der Lyda inanita angehöre, über
welche er eine kurze Nachricht in seiner Introd. mitgetheilt habe. Mir
scheint diese Bestimmung noch zweifelhaft, weil W.die Larve auf Rosen
beobachtete, und ich halte es für wahrscheinlich, dass eine gleiche
Lebensweise mehreren Lyden der Laubhölzer gemein sei.
Über die Naturgeschichte einiger nordamericanischer Blatt- und
Holzwespen macht Harris in den Ins. of Massachusetts interessante
Mittheilungen. Cimbex Ulmi Peck mspt. (Z‘ Americana Leach)
lebt auf der gemeinen undamericanischen Ulme. AufFichten lebt ein
Lophyrus, L. Abietis Harris, entweder sehr ähnlich oder selbst
einerlei, namentlich in der Raupe, mit L. rufus Kl.» — Selan-
#) Nachträglich gedenke ich hier noch einer anderen Abhandlung
desselben Verf. (in dens. Schriften), in der er hübsche Beobach-
tungen über Coceinella globosa Jl. niedergelegt hat, die aber nichts
wesentlich Neues enthalten, indem bereits von andern Seiten her
bekannt ist, dass mehrere Coceinellen, u.a. die genannte Art, Pflan-
zeufresser sind. Die für die obige Art, welche gegen alle Regel
in Saponariae umgenannt werden soll, vorgeschlagene Gattungs-
Benennung Subeoccinella ist bereits die dritte (s. vor. Bericht. 8. 258).
238
dria Vitis frisst: auf dem Weinstock, die schlelmige Afterraupe der
S. Rosae ‘auf Rosen, S. Cerasi (Tenthr. C. Lin., T. aethiops F.) lebt
auch in Nordamerica auf Obst- namentl. Birnbäumen, Tremex
Columba lebt im Birnbaum, Ulmen u. s. w. Den Larven wird von
Pimpla atrata nachgestellt. Urocerus albicornis F. findet sich auf
Fichtenholz, ebenso die neuen Arten U. nötidus, von U. Juvencus
durch glänzendere Farbe und kürzere Fühler verschieden, und U,
abdominalis, Männchen vielleicht der vorigen, in der Weissfichte.
Von Xiphydria kommen zwei neue Arten, N. albicornis und
mellipes, von Oryssus. ausser. dem O. terminalis Newm. und Sayi
Westw. eine dritte O. affinis Harr., welche möglicher. Weise: in-
dess auch Männchen der letzteren sein könnte,
Hchneumonidae. Drewsen berichtigte in Folge beobach- ”
teter Paarung, dass Ichneumon culpator Schr. das wahre Q zu 1.
sputator, ferner dass Pimpla flavipes das wahre $f zu P. stercora-
tor sei, während Gravenhorst als solches das £ von P. graminellue
beschrieben habe (Kröyer Naturhist, Tidsskr, IV. S. 103).
Ref. (dies. Arch. 1842. 1, Bd. S..255) beschrieb mehrere neue Arten
aus Vandiemensland: /chneumon petitorius, licitatorius,
promissorius, Cryptus (Phygadeuon) variegator, Ophion
Juscicornis. — Nur die erste Art hat etwas Eigenthümliches, und
wird, da jetzt mehrere übereinstimmende Arten vorliegen, zur Bil-
dung einer besonderen, Neuholland angehörenden Gattung, Veran-
lassung geben, die übrigen haben ein durchaus europäisches Gepräge.
Braconidae. Schiödte (Kröyer Naturhist, Tidsskr. IV. S,
315) theilte die Bemerkung mit, dass Lepton attenuator Zietterst,
Ins Lappon., dasselbe Insect sei, welches von ihm 1837 nach beiden
Geschlechtern als Copisura rimator beschrieben sei. Zetterstedt habe
das % nicht gekannt, seine Beschreibung schiene allerdings auf einen
Coelinius zu deuten zu sein (vergl. meinen Jahresb. f. 1838. 8.296),
doch habe er sich in der Sammlung zu Lund vom Obigen überzeugt.
Eine neue Art von Vandiemensland ist Jlelcon indultor des
Ref. (a. a. O. S. 258).
Evanialtes. Spiuola (Revue Zool.' S.188) beschrieb drei
neue Arten von Evania: facialis aus Mexico, chilensis aus
Chile, crassicornis aus Columbien.
Ref. (a. a. 0. 8.258) beschrieb eine neue Art von Megalyra:
rufipes, aus Vandiemensland.
Cynipsera. ‚Hartig (Germ. Zeitschr. IV. S.395) ‚hat seine
ferneren Untersuchungen über.‚die Naturgeschichte der Gallwespen
mitgetheilt. . Wenn auch der: Verf. das zurücknimmt, was er,.im
früheren Jahrgange (s. den vor. Jahresb.) ‚über den, androgynischen
inneren Bau der. Gallwespen aufgestellt hatte, so. fesselt er ‚doch
in physivlogischer Beziehung die Aufmerksamkeit an dieser Familie,
239
indem er nachweist, dass’ bei einzelnen Arten durchaus keine
Männchen: bekannt seien. Solche sind namentlich ‚Cynips divisa
und ©, Rıiereus fohi*), welche der Verf. in grossen Massen theils
aus Gallen erzogen, theils im Freien gefangen. Der Verf.. macht
darauf aufmerksam, dass beim Erziehen der Wespen aus den Gallen
das Ausbleiben der Männchen nicht zufällig sein kann, dass ferner
ganze Gattungen (z.B. Cynips mit 23 Arten) mannlos sind, während
in den übrigen (z. B. Aulax und Synergus) sich durchweg bei allen
Arten beide Geschlechter finden, und meint, dass ein Näheres aus
dem Vergleich des inneren Baues von ein- und zwei-geschlechtigen
Gallwespen hervorgehen würde. Da unser treflliche v. Siebold sich
gegenwärtig mit diesen Untersuchungen. beschäftigt, können wir im
Kurzen auf Aufschlüsse von dieser Seite her rechnen. Indess scheint
es mir, als dürfe man die sog. Inquilinen nicht aus dem Auge lassen.
Hartig hat zwar in seiner ersten Abhandl. (Germ. Zeitschr. 11. 8. 178)
geäussert, dass sie parasitisch nicht allein in und von fremden Gal-
len, sondern auch von den eigentl. Bewohnern derselben leben, er
hat aber nicht gesagt, dass dies mehr als eine Voraussetzung sei.
Das durchgängige Vorkommen zweier Formen von Gallwespen in
allen Gallen ist auffallend, und man könnte wohl auf die Vermuthung
zurückkommen, welche zuerst von Ratzeburg (Mediz. Zool. 2. Bd.
T.21) angedeutet ist, nämlich dass hier ein zusammengesetztes Ge-
schlechtsverhältniss stattfinde, wie es auch in andern Insecten-
Ordnungen vorkommt. Man weiss z.B., dass Papilio Memnon drei in
Färbung und Flügelschnitt verschiedene Formen von Weibchen hat.
Und wenn Hartig die sog. Inquilinen als Gattungen von den sog. Gall-
erzeugern trennt, so ist ein Gleiches den beiden Formen der Weib-
chen von Dytiscus begegnet. Mehr scheint 'einer solchen Annahme
der Umstand entgegen zu stehen, dass nach H. verschiedene Gall-
wespen dieselben Inquilinen haben; ich äussere das Obige aber nicht
um den Gegenstand zu erledigen, sondern nur um an 'Thatsachen zu
erinnern, welche dem Beobachter einen andern Gesichtspunct er-
öffnen können. Von einen Ammen-Verhältniss (s. 0. 8.152) kann
nach meiner Meinung hier nicht die Rede sein, da beide Formen zu-
sammen in denselben Gallen vorkommen, also von gleichzeitigen
Bruten stammen.
Hartig liefert zugleich einen Nachtrag an Arten, welcher Cynips
mit 14, Andricus mit 1, Teras mit 1, Aulax mit 2, Synergus mit 6,
Cothonaspis mit 3, Figites mit 1, Psilogaster mit 2 neu beobachteten
Arten bereichert; zugleich sind 2 neue Gattungen aufgestellt: Syn-
ophrus, mit Diastrophus zunächst verwandt, durch ‚die grosse
*) Der Verf. führt an, dass Prof. Ratzeburg ihm:mitgetheilt habe,
dass er im Besitz eines Männchens dieser Arı sei, R. hat dies aber
gezen mich: mündlich zurückgenommen, indem er sich später vom
Gegentheil überzeugt habe.
240
Länge. des ‚ersten',Hinterleibssegments, "welches: von‘ der Rücken-
sowohl als Bauchseitedie übrigen bedeckt, ausgezeichnet, S. po lr-
tus, von Kollar aus: der Galle’ an Querc. Cerris gesammelt; Xyal-
aspis, eine Figites- Form mit gestieltem Hinterleibe, ohne’ Zweifel
mit Callaspidia Dahlb. (s..u ) zusammenfallend: X. Zuevigarus und
rugosus, beide aus Steiermark. Den früheren (schon anderweitig
benutzten) Gattungsnamen ‚Scytodes hat der Verf. mit Amblynotus
vertauscht.
Dahlbom hat eine kleine. Schrift: ‚‚Onychia och Callaspidia,
tvenne för Scandinaviens Fauna nya Insekt-Slägten, hörande till
Galläple.- Stecklarnes naturliga grupp, Monografisk bearbetning, 2
Planch. och 2 synopt. Tabell., Lund 1842 veröffentlicht, welche wie
der Titel anzeigt, die beiden genannten Gattungen monographisch
behandelt. Onychia Haliday enthält drei Arten:..O. bicolor (Figit.
bie. Fonscol.), O. ediogaster (Evan. .ediog. Ross., Cyn. ediog. Panz.)
und O. aculeata (Fig. acul. Brebiss.). — Callaspidia Dahlbom
(mit welcher die etwas später bekannt gemachte Gatt. Xyalaspis
Hartig zusammenfällt — s. 0.) verhält sich zu Figites, wie Anacha-
ris Dalm. zu wi sie hat nämlich einen lang gestielten Hinter-
leib; zwei Arten De Fonscolombei Dahlb. (Figites notatu Fonsc.)
und C. Westwı, li Dablb, neue Art, vom Verf. in Gottlaud ent-
deckt. Die angehängten drei Übersichts- Tafeln geben ein Verzeich-
niss der in Scandinavien einheimischen Gallwespen, deren genaue
Eintheilung z. 'Th. durch Abbildungen erläutert ist,
Über die 'nordamericanischen Gallwespen hat Harris (Ins, of
Massachusetts 8.395 —400) einige Mittheilungen gemacht. Die mei-
sten finden sich auf Eichen. Die grösste der- dortigen Gallen findet
sich: auf den Blättern der Rotheiche und gehört dem Cynips
eonfluentus (!) Harr. an. — Von Cynips oneratus Harr,
rühren Gallen her, welche an den kleinen Zweigen der Weisseiche
sitzen, und Sodomsäpfeln gleichen. — Gallen von Grösse und Farbe
der Weinbeeren, auf Eichenblättern, bringt Cyn, nubilipennis
Harr. hervor. — Cynips seminator Harr., eine der kleinsten
Arten, legt ihre Eier rund um die kleinen Zweige der Weisseiche,
und die einzelnen Larven sitzen in: samengleichen' Zellen , von einer
gemeinschaftlichen Galle umgeben. — Auf Rosen kommen vor: Oyn.
bicolor in einzelnen erbsengrossen Gallen, C. dichrocerus in
Holzgallen des Stammes, €. semipiceus in 'warzigen, holzigen
Wurzelgallen.
Chaleidites, Walker hat fortgefahren die von Darwin ge-
sammelten Chaleiditen in den Ann. nat. hist X. zu beschreiben. Von
Valparaiso (S.113) sind 1 Torymus, 2 Callimone, 1 Asaphes, 1 Lam-
protatus, 1 Lyrcus, neue Gattung, deren Charactere indess nicht
herausgehoben sind, 1 Preromalus, 2 Entedon, 1 Eulophus, 2 Tetra-
stichus, von Haliday aus dem Cirrospilus Lycidus und andern ge-
bildete Gattung. — Von Valvidia sind 1 Pachylarthrus, 1 Dieyelus,
241
3 Lamprotatus, 1 Pteromalus, 1 Closterocerus, 1 Platygaster, 1 Ino-
stemma, 1 Romilius; die letzte Gatt. ist neu, es siod aber hier
die Merkmale derselben nicht angegeben. .
Ders. (Entomologist S. 334) hat eine Fortsetzung von Beschrei-
bungen neuer Chalciditen geliefert: Jsosoma Egesta, Selimnus
Diores, Pteromalus Bryce, Pt. Felginas und Entedon
Daurises sind von Genf, Smiera Lamyrus aus Mexico, Sm.
Pylas unbekannten Vaterlandes, Sm. Dares, Chalcis Orseis,
Hookeria Hydara aus Brasilien. — Selimnus ist eine neue
Gattung, welche mit Eurytoma verwandt zu sein scheint.
Chrysides. Guerin (Revue Zool. S.144) beschrieb 20 Arten
dieser Familie: Stzi/bum viride von Madagascar, Stilbum 6den-
ztatum vom Senegal und Algier (das letzte ist kein Stilbum, son-
dern Chrys.nobilis Kl., Pyria stilboides Spinola); Chrysis (Pyria)
Mouattii, Gheudii, bispilota von Madagascar, orientalis von
Sumatra; ferner eigentl. Chrysis: mit 6zähn. Hinterleibsspitze: Chr,
insularis von Cuba; — mit 4zähn.Hinterleibsspitze: Chr.syriaca aus
Syrien, episcopalis aus Chile, Mieg:ii von Barcelona, G@ruelsii
ebendaher (ist Chr. analis Spin.), izgriventer aus Algier (ist wohl Chr.
sentellarisF., vorausgesetzt, dass der blaue Rand der Hinterleibsspitze
übersehen ist), Mioni? vom Senegal; Chr.truncata aus Nordame-
rica (ist Pyria tridens Enc.), brasiliensis aus Brasilien, Polinieri
vom Senegal; — mit ungezähnter Hinterleibsspitze: Chr. bella von
Madagascar; — eine neue Untergatt. Pleurocera, aus einer chilesi-
schen Art, P/. viridis, gebildet, weicht nur durch die Fühler von
Chrysis ab, indem diese in der Mitte nach aussen erweitert sind:
die Hinterleibsspitze schwach 4zähnig; — endlich Hedychrum
viride von Constantine.
Crabronidae. Seine Beobachtungen über des Stigmus ater
Eintragen von Blattläusen theilte Gen& (a.a. 0. S.29) mit. Da dies
kleine Insect in Italien häufig ist, meint er, dass es auch durch Ver-
tilgung von Blattläusen sehr nütz)ich werde.
Sphegidae. Dahlbom (Disp. meth. S.2) bildete eine eigene
Gattung Psammophila aus denjenigen Arten von Ammophila,
welche einen eingliedrigen Hinterleibsstiel haben. Unter den Pom-
piliden stellte der Verf. (ebendas. S. 3) eine neue Gatt. Isonotus
auf, welche den P. sanguwinolentus F. zum Repräsentanten hat, und
welche er von Pompilus hauptsächlich durch verschieden gebildete
Klauen unterscheidet. Später (Entom. Zeit. S.214) überzeugte er
sich, dass bei Pompilus die Klauen grosse Verschiedenheiten zei-
gen, so dass Isonotus vorzüglich durch den dicht an den Hals-
kragen schliessenden Kopf und das verhältnissmässig grosse Kopf-
schild von Pompilus unterschieden bleibt. Der Name ist von Perty
bereits für eine Käfergattung verwendet,
Archiv $. Naturgesch, IX, Jahrg. 2. Bd, Q
242
Westwood (Proceed. Ent. Soc. Lond. S.53) gab von einem
unbeschriebenen neuholländischen Pompilus (audax Westw.)
Nachricht, von welchem bei Port Lincolm die Puppen gefunden wa-
ren. Jede Puppe steckte in einer Zelle, deren mehrere der Quere
nach an einandergereiht, und sicherlich nicht in einem Gange ent-
halten waren; sie schienen vielmehr äusserlich zu sein, und das
Material dazu war aus der Entfernung herbeigeholt. In jeder Zelle
fanden sieh die Reste einer grossen a welche der Larve zur
Nahrung gedient hatte.
Bembeeides. Ref. (a. a. O0. S.266) beschrieb eine neue
Art Bembex furcata aus Vandiemensland.
Sapygites. Wichtige Aufschlüsse über die Lebensweise des
Polochrum repandum theilte Gene mit. Er fand nämlich schwarze
Tönnchen in den Nestern der Xylocopa violacea, welche Spinola für
übereinstimmend mit denen erklärte, aus welchen er das Pol. rep.
erzogen hatte; gleiche Erfahrungen hatte auch Prof. Zendrini zu
Pavia gemacht, so dass hieraus hervorgeht, dass Polochrum repan-
dum parasitisch in den Nestern von Xylocopa violacea lebt (a. a.
0. S. 25).
Thynnidae. Guerin (Mag. d. Zool. Ins, pl. 99—105) hat
die von ihm in dem, Duperrey’schen Reisewerke aufgestellten Thyn-
niden- Gattungen einer Revision unterworfen, einige neue hbinzu-
gefügt, und alle durch Abbildungen erläutert. Es lassen diese Un-
tersuchungen aber noch viel zu wünschen übrig, und ist bis jetzt
kaum eine aller dieser Gattungen als gehörig begündet anzuerkennen.
Da wir von Hrn. Shuckard eine umfassende Monographie zu erwar-
ten haben, scheint es mir nicht angemessen, tiefer in die gegebenen
Details einzugehen, als die neu aufgestellten Arten und Gattungen
namhaft zu machen. Rhagigaster haemorrhoidalis, neue Art
vom Schwanenfluss, Agriomyia marginilabris, affinis,
Westwoodii, abdominalis neue neuholländische Arten; für die
beiden letzten, mit längern Fühlern und langen Wimpern am Hinter-
rande des Kopfes, welche sich vielleicht absondern liessen, bietet
der Verf. auch bereits einen Gattungsnamen Tachynomyia an;
Thynnus Shuckardii, flavilabris, neue neuholländische Arten;
Catocheilus, neu aufgestellte Gattung, mit Agriomyia wesentlich
übereinstimmend, aber die Lefze unter dem vortretenden Kopfschilde
ganz versteckt, und das letzte Glied der Maxillartaster rudimentär
(oder, die Wahrheit zu sagen, abgefressen), ©. Klugri, neue Art
vom Schwanenfluss, nach beiden Geschlechtern beschrieben; —
Thynnoides nigripes, neue Art vom Schwanenfluss — Lopho-
cheilus, von Thynnoides durch die abgestutzte am Rande behaarte
Lefze, die am Aussenrande nur schwach behaarten, kurzen Maxillen
und besonders durch die Lippe unterschieden, an der die eingezo-
243
genen Nebenzungen mit je einem langen Haarbüschel hervorsehen:
L. villosus, L. distinctus und L.? collaris, neue neuhollän-
dische Arten. '
Ref. (a. a. 0. 8.262) beschrieb mehrere neue Arten aus Vandiemens-
land: Thynnus Olivieri, dessen 2 Myzine aptera Ol. ist, Th.
senilis und fervidus, der erste zur 1., die letzteren beide zur
3. Unterabtheil. nach Klug, gehörend, und Th. Aumilis, ein Weibchen.
Endlich wurde nach einem einzelnen Weibchen eine neue Gattung
Ariphron (Taf.5. F.8) aufgestellt, welche von den Weibchen von
Thynonus durch einfache Klauen, nicht aufgetriebenen Hinterleib
u. 8. w. sich entfernt. Die Art ist 4. bicolor genannt,
Mutillariae. Ref. (a.a.0. 8.261. 262) beschrieb zweineue
Arten aus Vändiemensland, Mutilla soluta und blanda.
Dorylidae. Eine treffliche Übersicht über diese Gruppe hat
Westwood (Arcana Ent. I. S.73. Pl. 20) gegeben, bei welcher
die Bearbeitung von Shuckard zum Grunde liegt. Labidus ist mit
mehreren neuen Arten bereichert: nämlich die Abtheilung mit drei-
eckigem Hinterleibsstiel, mit L. Burchellti aus Brasilien, welcher
indess recht wohl mit L. Fargeavii Shuck. (Latreillei Lepell.) einerlei
sein könnte, vorausgesetzt, dass bei Lepell. in der Angabe der Grösse
(14°) ein Versehen statigefunden hat — unsere Ex. dieses Iusects
haben an den Mandibeln innen vor der Spitze eine Erweiterung,
welche die Abbildung des Verf. nicht zeigt; -— und mit L. Servil-
lei aus Paräk. — Die Abtheil. mit quer-viereckigem Hinterleibsstiel
ist mit einer eigenen kleinen Unterabtheil. vermehrt, nämlich solche
mit mässig laugen Beinen: hieher zwei brasilische Arten, L. Har-
tigii und Esenbeckii, beide ausgezeichnet durch lange Haar-
büschel an den Seiten des Hinterleibs; die übrigen Arten dieser Ab-
- theil. haben auffallend kurze Beine; den.von Shuckard beschriebenen
sind zugefügt: L. Fonscolombii, Gravenhorstii, Spinolae,
Walkerii, Erichsonii, sämmtlich aus Brasilien. — Die Gattung
4enictus ist mit einer zweiten Art, de. certus, unbestimmten Va-
terlandes, bereichert, Dorylus und Rhogmus enthalten nur die von
Sh, beschriebenen Arten. Auf der Tafel sind mehrere der neuen Ar-
ten und die Mundtheile von Labidus abgebildet, Der Verf. bemerkt,
dass die Doryliden sich durch den abgesetzten ersten Hinterleibsring
den Ameisen anschliessen, und betrachtet sie auch als denselben
angehörend. Jedenfalls stehen sie diesen näher als einer anderen
Familie.
Formicariae. Mehrere Beobachtungen über die Lebens-
weise der Ameisen hat Robert der Pariser Academie vorgelegt
(Ann. d. se. nat. X VIE. S. 151 u. daraus Froriep N. Notiz. XXIV. 8.113).
Eine derselben bezieht sich auf die Strassen, welche F. rufa ausser-
halb des Nestes anlegt. Wenn der Haufen alt und gross ist, laufen
02
244
ziemlich beständig 10 Strassen strahlenförmig vom Neste aus, so
weit der umgebende Boden es gestattet, in regelmässigen Abständen
und nur im äussersten Falle von der geraden Richtung abweichend.
Der Verf. konnte diese Strassen 47, ja einmal, wo wegen der Bo-
denbeschaffenheit nur fünf vorhanden waren, diese 77 Met. verfolgen.
Den Aufenthalt vieler anderer Inseeten im Ameisenhaufen, namentlich
der Cetonien-Larven, erklärt der Verf. daraus, dass diese sich von
dem im Neste aufgehäuften abgestorbenen Holze nähren, und zwei-
felt selbst, ob der Aufenthalt derselben im Haufen von den Ameisen
begünstigt werde. Die hohe Temperatur, welche sich im Innern des
Ameisenhaufens findet, rühre nicht von dem Zusammenlebender Ameisen
her, sondern von der Zersetzung der angehäuften pflanzlichen und
thierischen Überreste, denn es finde sich im verlassenen Neste eine
eben so hohe Wärme als im bewohnten. — Mir scheint diese letzte
Bemerkung sehr wichtig, um eine richtige Ansicht über das Eintra-
gen der Ameisen, und ihr Verhältniss zu so vielen Wohnungsge-
nossen zu gewinnen. Die Ameisen bereiten sich nämlich gewisser-
maassen Lohbetten unter ihrem Neste, und begünstigen den Aufenthalt
anderer Insecten in demselben, welche indem sie sich von der Loh-
masse nähren, die Zersetzung derselben und dadurch die Wärme-
entwickelung befördern.
Fred. Smith (Transact. Ent. Soc. Lond. III. S. 151) theilte einige
Beobachtungen über mehrere britische Ameisen mit, welche sich
hauptsächlich auf das Erscheinen der verschiedenen Stände beziehen.
Erwähnung verdient auch die Angabe des Verf., dass die Ameisen
die in ihren Nestern lebenden Aleocharen (Myrmedonia, Lomechusa
— Atemeles, Pella) aufgreifen und ins Nest tragen, und wenn sie
den Versuch machen zu entfliehen, sie wieder einfangen und zu-
rückbringen.
Eine vortreffliche Schilderung der Naturgeschichte der über ganz
Italien verbreiteten, und in Mauerritzen und den Rissen der Rinden
alter Bäume hausenden Myrmica Rediana, so wie eine genaue Be-
schreibung dieser bisher noch ungenügend bekannten Art nach allen
Geschlechtern, lieferte Gene (a.a.0. S 3).
Ref. (a.a. 0. S.256) beschrieb aus Vandiemensland 4 neue Arten
von Formica, und stellte eine neue Gatt. Ambyopone auf, welche
der Poneren- Gruppe angehörend die Bildung der Mandibeln mit Myr-
mecia F. gemein hat, und sich ausserdem durch auffallend kleine
Augen auszeichnet. Von der einzigen Art, A. australis, waren
damals nur Arbeiter gekommen; später ist uns auch noch das Weib-
chen zugegangen. i
Vespariae. Eine Beobachtung über das Vorkommen von
Fadenwürmern in der Horniss (Vespa crabro) theilte Gene (a. a.O.
S. 20) mit. Die aus dem Leibe des Insects herauskommenden Wür-
mer legte G. in Wasser, wo sie lange Zeit lebten als in ihrem
natürlichen Elemente,
245
Apiariae. Thwaites (Proceed. Ent. Soc. S. 57) theilte seine
Ansicht mit, dass die Prosopis (Hylaeus) nicht parasitisch seien. Er
habe nämlich zwei Arten aus Brombeerstengeln erzogen, deren Gänge
an Weite genau mit der Dicke des Insects übereinstimmten, und es gäbe
keine andere Biene von gleicher Kleinheit, welche diese Gänge hätte
machen können als Heriades: diese kommen aber in der Gegend
(Bristol) nicht vor. Die Zellen liegen in einer Reihe dicht hinter-
einander, die der Männchen voran, so dass diese zuerst ausschlüpfen
müssen. Es käme nun darauf an, sagt der Verf., zu ermitteln,
wovon die Larve sich nährt, da die Biene keine äussere Vorrich-
tungen zum Eintragen besitzt.
Aus ders. Gatt. sind von F. Smith (ebendas. S. 58) fünf Arten
als neue aufgestellt worden, jedoch nur mit Diagnosen bezeichnet,
welche für diese ebenso artenreiche als hinsichts der Unterscheidung
der Arten schwierige Gattung nicht ausreichend sind.
Ref. (a.a.0. S.267) beschrieb einige neue Arten der Andreneten-
Gruppe aus Vandiemensland: Prosopis aleyonea, Hylaeus Ja-
miliaris, Andrena chalybeata, infima.
Gene (a.a.0. 8.21) erzählt, dass Osmia ferruginea Latr.,
welche im ersten Frühlinge sehr häufig am Seegestade Sardiniens
vorkommt, ihre Nester in den Gehäusen von Landschnecken und
zwar vorzugsweise von Helix vermiculata und rhodostoma (pisana)
anlegt.
Der Hoföconom Friedr, Koch aus Stuttgart hielt bei der Ver-
sammlung der Naturforscher zu Mainz einen Vortrag über die Ge-
schlechtsverhältnisse der Bienen, in welchem eine neue Ansicht über
die Geschlechtsthätigkeit der Männchen ausgesprochen war, nämlich
die, dass die Männchen nicht mit der Königin eine Begattung ein-
gehen, sondern „‚die Zellen besamen.“ Der Decan Müller aus
Odenbach wies indess diese sehr unbegründete' und unklare Aufstel-
lung auf eine sehr bündige Weise zurück (Amtl. Bericht über d. 20,
Versamml. d. deutsch. Naturf. u. Ärzte zu Mainz im Sept. 1842. 8. 198).
Auf die Geschlechtsverhältnisse der Meliponen ist Spinola (Rev.
Zool. 8,216) zurückgekommen, indem ihm meine Angaben (Jahresb.
£. 1840 S.219) über die fruchtbaren Weibchen Bedenken erregt hatten:
es war ihm nämlich mein Ausdruck, sie wären ‚„vielmal“ grösser
als die Arbeiter mit „souvent“ übersetzt. — Später (ebendas. 8, 267)
berichtete er, dass er Weibchen von M. fulvipes erhalten habe,
welche kleiner seien als die Arbeiter, und deren mehrere in einem
Nest gefunden sein sollten. Die Ansicht, dass diese Individuen wirk-
liche Weibchen seien, ist indess nicht näher begründet. Die aufs
neue aufgefasste Meinung, die gewöhnlich vorkommenden Ind. der
Trigona angustula seien Weibchen, muss ich aber wiederholt be-
kämpfen, denn dies ist gerade eine von denjenigen Arten, von denen
die bies. Sammluug Männchen, Königin und Arbeiter, aus den Nesteru
genommen, besitzt, (Vergl. Jahresb. £. 1840 $. 209.)
246
Strepsiptera.
v. Siebold hat die Naturgeschichte dieser Insecten durch höchst
inferessante und umfangreiche Beobachtungen aufgehellt, worüber
er in der Naturforscher - Versamnlung zu Mainz (1842) in der Kürze
Bericht erstattete. (Amtl. Bericht u. s. w. 8.211.) Der wichtigste
Punct ist der, dass die bisher gekannten geflügelten Individuen nur
Männchen sind, dass die Weibchen Jarvenähnlich in ihrem Wohnthier
bleiben, und dass die früher als Parasiten angesprochenen sechsbei-
nigen Thiere die jungen Larven sind, welche nachdem sie ein neues
Wohnthier aufgesucht und in dessen Hinterleib eingedrungen sind,
bei der nächsten Häutung fusslose, mit einer Mund- aber keiner
Afteröffuung versehene Larven werden. Da die meisterhafte Arbeit
des Verf. in diesem Archiv 9. Jahrg. 1. Bd. 8. 137 T. 7 ausführlich
mitgetheilt ist, kann ich auf dieselbe unmittelbar verweisen.
Lepidoptera.
Auf die Wichtigkeit der genauen Beobachtung der Ner-
venvertheilung in den Flügeln der Schmetterlinge hat Le-
febvre (Ann. d.1. Soc. Ent. d. Fr. XI. p.5) aufs Neue auf-
merksam gemacht, und eine grosse Anzahl von Andeutungen
gegeben, wie die Verschiedenheiten derselben, für die syste-
matische Eintheilung zu benutzen sind. Einen wichtigen Schritt
vorwärts in dieser, Lehre hat der Verf. dadurch getlian, dass
er eine Scheide zwischen den vorderen und hinteren Nerven
eines Flügels feststellte, nämlich eine Falte, welche sich vom
Aussenrande in die Mittelzelle hinein erstreckt. (Die Abhand-
lung ist auch in der Rev. Zool. p. 52 im Auszuge mitgetheilt;
doch sind hier die Abbildungen, welche sie erläutern, z. Th.
ungenau ausgefallen.)
Fischer Edl. von Rösslerstamm’s treflliches Werk:
Abbildungen zur Berichtigung und Ergänzung der Schmetter-
lingskunde, besonders der „Microlepidopterologie,‘“ ist mit
der 20. Lief. leider geschlossen worden, L
Dagegen erfreuen sich Freyer’s „Neue Beiträge zur
Schmetterlingskunde,“ mit Abbildungen nach der Natur, eines
ungestörten Fortgangs. (Mir haben für diesen Bericht die
58.—68. Lief. vorgelegen.)
Seine, viele beachtenswerthe und reichhaltige Erfahrungen
enthaltenden Beiträge zur Schmetterlingsfauna Pommerns wur-
den von Hering (Ent. Zeit. 5, 5) fortgesetzt.
In Bezug auf Vorkommen der Schmetterlinge in England
247
finden sich von verschiedenen Sammlern Nachrichten im Ento-
mologist mitgetheilt , (namentl. S. 258, 260, 277, 283, 356, 357,
358, 389, 393, 394, 396, 408) dgl. Ann. nat. hist. X. S. 365.
Rambur hat die Bearbeitung der Schmetterlinge für seine
Faune de l’Andalusie angefangen, es ist mir indess die Liefe-
rung noch nicht zu Händen gekommen, und mir das Erscheinen
derselben nur aus der Beurtheilung bekannt geworden, welche
sie in Lefebvre’s oben angezeigter Abhandlung erfahren hat.
Neue Schmetterlinge des westl. russischen Asien wurden
von Eversmann (Bull. Mosc. S. 543) beschrieben.
Eine vortreflliche Schilderung der Naturgeschichte der
wichtigsten Schmetterlinge Nordamerica’s hat Harris (Ins. of
Massachusetts) geliefert, zugleich viel Neues, welches ich aber
Bedenken trage aus dem Ganzen herauszuheben, und es wäre
sehr verdienstlich, wenn eine unserer entomologischen Zeit-
schriften die ganze Arbeit im umfassenderen Auszuge mitthei-
len wollte.
Die Falter der Merian sind systematisch bestimmt und
erläutert, und mit Anmerkungen versehen von Freyer. (Isis
S.18, 327.)
Papilionides. Eine kritische Übersicht der africanischen
Arten von Papilio hat Westwood Arcana Ent. (I. S. 145. D.37—
40) gegeben. Abgebildet sind: (P. Thersander F. D.38. F. 1.2.) La-
Zandei God. (7.37. F.1.2); Cynorta F. = Zerynthius Boisd. (T. 40.
F.3.4); Boisduvallianus Westw. neue Art aus Guinea (T. 40.
F.1 2); Trophonius Westw. (7.39. F.1.2); Adamastor Boisd. (T.38.
F.3); Agamedes Westw. (T. 39. F.3. T.37. F. 3). Der letzte ist
nur Abänderung von Adamastor, mit dem er durch viele Übergänge
verbunden wird. Mit dem P. Trophonius verbindet der Verf. P. Cenea
Stoll. (nec Lin.), ich stehe vor der Hand noch an, ihm darin bei-
zupflichten, indem beide in der Färbung muffallend verschieden sind,
und ich für sie nicht Geschlechtsunterschied annehmen kann, weil
die in der hiesigen Sammlung belindlicheon Exemplare beider gleichen
Geschlechts sind. Zu bemerken ist noch nach W., dass P. Antenor
Dr. ein africanisches Insect, ebenso Agapenor EP. (nee Boisd.) —
Policenes Cr. — Poly.enes Ene., ferner dass Antheus KB. —= Antha-
ris Ene. — Agapenor Boisd., dass Messalina Stoll. = Cynorta Boisd
(nec Fab.), dass Hippocoon F. — Westermanni Boisd., endlich dass
P. Orestes. wahrscheinlich ein ostindischer Ritter, dem Nomius Esp.
verwandt, vermuthlich mit verstümmeltem Schwanze ist. — Später
(ebendas. 8.159) fügt Westwood noch zwei ncuc Arten von der
248
Goldküste hinzu: P. Charopus, dem P. Nireus verwandt, und P.
Hesperus.
Ostindische Arten von Papilio sind mehrfach beschrieben und
abgebildet.
Westwood (Ann. nat.hist. IX. S. 36) theilte die Diagnosen einer
Reihe neuer Arten aus Sylhet mit: P. Bootes, Astorion, Chara,
‚ Casor, Pollux, Arcturus; der letzte, welcher sich im Hima-
laja weiter verbreitet und der erste sind auch in den Arcan. Ent.
(T. 27 und 31) abgebildet. — Ebenfalls als Sylhet beschrieb Dou-
bleday (Gray Zool.Misc. I. S.73) P. Ganesa, P. Polyeuctes
und Xexocles von Nepal und Assam, von welchen der erste mit
dem P. Arcturus, der zweite mit Bootes Westw. zusammenfäilt,
der dritte mit Pollux W. einerlei sein könnte. R
Zwei neue Arten von der Insel Pinang, P. Varuna und ]s-
wara machte Ad. White (Entomologist 8.280) bekannt.
Ebendaher und von der Küste von Malacca bildete Guerin
(Deless. Souv. II. 68— 71. T.17— 19) früher in der Revue Zool. auf-
gestellte Arten ab: P. Delessertü (vielleicht = Melanides De Haan),
P. Neptunus, P. Saturnus (= Nephelus De Haan), — Pap. Brama
Guer. ebendas. S,71 ist — Palinurus De Haan.
Eine dem P. Pammon verwandte Art ist P. Canopus West-
wood, Ann. nat. hist. IX. S.37 von der Melville -Insel.
Westwood bildete (Arcana Ent. I. S.67. T.18) eine neue Art
aus Mexico: P. Montezuma ab, und gab auf ders. Tafel eine Ab-
bildung von P. Pelaus F., eine Americanische Art, der noch die ge-
nauere Heimathsbestimmung abgeht.
Einige Beobachtungen über die Raupe des P. Podalirius theilte
Klopseh (Arbeit, der Schles. Ges. f. vaterl. Kult.) mit.
Pierides: Bei Emsilah in der Berberei wurde vom Capt. Char-
lon eine neue Arnthocharis entdeckt, und unter der Benennung
4. Charlonia von Donzel (Ann. d. 1. Soc, Ent. d. Fr. XI. S. 197.
T.8. F.1) bekannt gemacht, Es ist ein Männchen, der Belia und
Belemia verwandt, aber mit schwefelgelber Grundfarbe.
Verschiedene neue Arten wurden von Doubleday (Gray Zool.
Miscell. I. 8.75) beschrieben: Leptalis Atthis von Mexico, L,
Cydno unbekannten Vaterlandes; Pieris Thestylis von Sylhet,
P. Lalage ebendaher, durch sichelförmige Vorderflügel ausgezeich-
net, P. Junthe von Sierra Leone, der P. Hedyle Cr. nahe stehend
(und wahrscheinlich nur Abänd. ders.); P.Anactorie aus Südafrica
(scheint 2 von Cherine Boisd. zu sein); Rhodocera Lycorias,
von ausgezeichnetem Flügelschnitt, aus Sylhet.
Danaides. Eine neue Art ist Danais Chloe Gu&rin (Deless.
Souv. Il. 8.71) von der Insel Pinang.
Nymphalides. Eine neue Gattung Godartia ist von Lucas
(Ann. d, 1. Soc. Ent. d. Fr. Xl. 8.295. T. 12. 4.) aufgestellt, und der
249
zugerundete Schnitt aller vier Flügel unter den Kennzeichen hervor-
gehoben worden, G. Madagascariensis ist von Madagascar.
Freyer (Beitr. 60. Hft. T. 355. S. 117) sonderte als Argyunis
Ossianus von A, Aphirape einen norwegischen Falter ab, der mir
eher eine lebhaft gefärbte Abänd. von Aphirape zu sein scheint, als er
mit dem Ossianus Hübn. übereinkommt. — Ders. (ebend. T. 343. 385)
bildete schöne Abänderungen von Limenitis Populi und Apatura Iris
(Jole) und zugleich die früheren Stände dieser Schmetterlinge ab.
Gu&rin (Deless. Souv. II. 8.72) beschrieb Argynnis Emalia
als neue Art von der Küste von Malacca, und gab eine Abbildung
und genauere Beschreibung seiner Vanessa Eudoxia ebendaher.
Satyrides. Freyer (Beitr.) stellte die früheren Stände von
Hipp. Phaedra (7.373), Galatea (T. 379), Deianira (1.391), Aegeria
(T. 403) dar. — Ferner lieferte er eine Abbildung von H. Aristaeus Bon.
4 (7.397) (in Sardinien zu Hause), von Jphis Abänd. von den Vorbergen
des Kaukasus (T. 367) und unterschied als eigene Art H. Satyrion
von H. Philea Hü. (Satyrion O.) eine unbedeutende Abänderung (mit
breiterer weisslicher Binde der Unterseite der Hinterflügel, und klei-
neren Augen in denselben), zu welcher es hinreichende Ueber-
gänge giebt.
Mehrere neue Arten von den Nilgherries sind von Guerin (Del.
. Souv. II. 8.74. T.24) beschrieben: Satyrus (Cyllo) Neelgher-
riensis, dem Sat. Europa sehr ähnlich und vielleicht nur örtliche
Abänd, desselben, S. Adolphei und $. Chenu.
Lycaenides. Freyer (Beitr.) bildete folgende z. Th. neue
Arten ab: Lycaena Rhymnus Fr., Damone Ev., Anteros Boisd.
aus Russland (T.386) und L. Bellis Fr. aus der Türkei. (T. 399.)
Gu&rin (Deless Souv.1l. S.78. T.22. F.1) bildete eine neue Art,
Polyommatus Nyseus, von Pondichery, ab.
Es war in den Transact. Ent. Soc. of Lond. (NM. S.1) die Ver-
wandlungsgeschichte der Tihec/a Isocrates beschrieben worden, wo-
bei angegeben wurde, dass die in Granatäpfeln lebenden Raupen
vor der Verpuppung sich aus der Frucht herausbohren, den Stengel
umspinnen, damit die Frucht nicht abfallen könne, und dann zur
Verpuppung in die Frucht wieder hineinkriechen. Jetzt hat Dow-
nes (Calcutta Journ. of nat. hist. I. 8.408) dieselben Raupen be-
obachtet, und weder das Umspinnen der Stengel, noch die Ver-
puppung in der Frucht bestättigen können, sondern nur gefunden,
dass die Raupe zur Verpuppung aus dem Granatapfel, in dessen
Fleische sie lebte, hervorkam und sich ausserhalb desselben verwan-
delte. Er fand auch nie eine Puppe innerhalb eines Granatapfels.
Hesperidae. Freyer (Beitr.) bildete eine Reihe von Arten
(der Gatt. Syrichthus Boisd. angehörend) ab: einige derselben sind
mir bedenklich: H. eribrellum Ev. (1.349. F.1) ist von H. tessel-
Jum ©. wicht verschieden, /I. Cynarae Boisd. (ebend. F.2) ist sicher
nur Abänderung von H. Garthami, mit welcher sie durch uumerkliche
250
Übergänge vereinigt wird; auch Z. Marubii Ramb. aus Audalusien
möchte schwerlich etwas anderes als örtliche Abänderung. von H.
Altheae sein.
Hesp. Benjaminii Guerin (Deless. Souv. II. S. 79. 7.22. F.2)
ist eine stattliche neue Art von dem Nilgherries.
Sphinges. H. Doubleday (Entomologist 8.357) erzählte,
dass er in seinem Zwinger Smerinthus ocellatus 5 und Sphinz Li-
gustri Q in Begattung angetroffen, während sich in demselben Zwin-
ger gleichzeitig mehrere Ind. beiderlei Geschlechts von beiden Arten
vorfanden.
Guerin (Deless. Souv. I. S,80. T.23. F.1) beschrieb Deile-
phila vigil, einen neuen, der Sph. velox F. verwandten Schwär-
mer von Pondichery, und (8.80) eine Abänd. der Macroglossa Hylas
von den Nilgherries.
Sesiariae. Nickerl (Ent. Zeit. 8.68) theilte berichtigend zu
Ochsenheimers Angaben seine Beobachtung mit, dass die Raupe der
Sesia culiciformis unter der Rinde von Birken lebt, und nie in das
Innere des Stammes eindringt, während ‚die Raupe der $. mutillae-
formis in Pflaumen-, Apricosen- und Äpfelbäumen, und zwar im
Innern des Stammes selbst vorkommt.
Eine Abbildung der ersteren gab auch Freyer (Beitr. 61. Hft.
T.362. F.2.). — Ders. (ebendas. F.3. S. 132) stellte eine neue Art
$. serratiformis, von Hannover, auf, welche mir nach der un-
vollkommenen Abbildung mit S. rhingiaeformis O. einerlei zu sein
scheint; ferner zwei neue Arten, $. iriannuliformis (!) und
Minianiformis (!!) aus der Türkei (T. 404); endlich Chimaera
orbonata Fr. (T.351) aus den Steppen bei Sarepta.
COhelonidae. Freyer (Beitr.) bildete Euprepria Simplonia
Boid. Ind. (T. 392) ab, doch mit der gewiss sehr begründeten Bemer-
kung (5.Bd. 8.16), dass sie nur Abänderung der E. maculosa sein
würde; ebenso ist in der hiesigen Sammlung E. honesta (Fr. T.344)
aus Südrussland als Abänd. von E. maculosa eingeordnet; desgl. ist
auch E, matronalis Fr. nur eine bemerkenswerthe Abänder. von
E. Plavtaginis. Eine sehr eigenthümliche (schon von Pallas aufge-
fundene) Art ist dagegen E.intercisa Tr. (Fr. T.356 mit der Raupe
abgebildet) aus den Salzsteppen des südl. Russland.
Costa (Ann.d. 1. Soc. Ent. d. Fr. XI. 8.239. T.9. F.7. 9) zeigte,
dass Callimorph. donna nur eine örtliche Abänderung von (©. domi-
nula sei. Sie kommt in Calabrien vor. In den Abbruzzen findet sich
eine andere, welche mit Dominula in der Zeichnung der Flügel über-
einstimmt, und dabei die Hinterleibsfärbung von Donna hat,
Gu&rin (Deless. Souv. Il. 8.83) bereicherte die Gatt. @ynau-
tocera mit 5 neuen Arten: G. marginata von der Insel Pinang
(auch auf Java einheimisch), mwacularia von Malacca, phalue-
251
naria von Java (vielleicht Abänder. von Sph. pectinicornis L., ti-
.berina Cr.), döstineta von Malacca, af finis, ebendaher und von‘
Pondichery; ferner sind Hazis Malayanus von Malacca, Euche-
lia gratiosa, Callimorpha? Marchalii, Arctia montana,
indica von den Nilgherries.
Bombyces. Joly (Revue Zool. S. 115) gab von einem Rau-
penfrass der- Liparis dispar in .den Eichenwaldungen in der Nähe
voa Toulouse in den Jahren 1837, 38, 39 Nachricht.
Freyer (Beitr.) theilte Abbildungen der früheren Stände von
Harpyia bicuspis (7.363) und Notodonta querna (T. 337) mit.
Ders. (ebendas. T. 380) erläuterte die Unterschiede von Litho-
sia complanı, griseola, aureola, luteola, helveola, depressa.
Ein ausgezeichneter neuer nordafricanischer Spinner, Bomb.
Philopalus, von Constantine wurde von Donzel (Ann. d.1. Soc.
Ent. d. Fr. XI. S. 198. 7.8. F.2) beschrieben und abgegildet.
Gu£rin (Deless. Souy. I. S.94. T.27) beschrieb drei neue, unter
einander sehr nahe verwandte Spinner von den,Nilgherries: Bomb.
flavicollis, collaris, Adolphei.
Noetuae. Ein Verzeichniss der in England einheimischen
Eulen nach Guende’s Eintheilung machte Doubleday (Entomologist
8.297) bekannt. 2
Theils neu aufgestellte, theils noch unabgebildete europäische
Eulen sird von Freyer (Beitr.) und Germar (Faun. Ins. Europ.)
abgebildet worden: Cymatophora lintea Fr. (T. 370) aus der
Türkei; Agrotis velum Kuhlw. (Germ. T.13), erupta Kuhlw.
(Germ. T.15), murina Fr. (T.364), deutsche Arten, 4A. fusca Boisd.
(Fr. T. 393) und cataleuca Boisd. (Fr. T. 399) aus den Gebirgen Süd-
europa’s, A. Heydenreichii (Germ. T.14), aus Dalmatien, von
Fr. (T. 393) als Hadena futidica Hübn. abgebildet. — Hadena
amentata Germ. (T. 16) aus Sicilien, Onspurgeri (dentina
var.) Boisd. (Fr. T. 394.) aus der Schweiz, arctica Boisd, (Fr.
T. 394) aus Lappland, Miselia nisus Germ. (T. 18) aus Sici-
lien, Mamestra cervina EG. (T. 19) aus Island, Mythimna
alliacea 6. (1.20) aus Sicilien, FGortyna zanthenes G. (1.22)
ebendaher, Leucania flava Fr. (370), L. montium Boisd. (Er. T.
395), L. Andereggii Fr. (T. 395), L. Zeue Boisd. (Fr. T. 406),
L. caricis Fr. (T. 406), Nylina nux Fr. (T. 370) 'aus Ungarn,
Cleophana Laudeti Fr. (7.395) aus der Schweiz, Anthophila
eretula Fr. (T. 360) von Ragusa, A. signalis Fr. (7.360) aus
"Ungarn (Ofen).
Bentley (Entomologist S. 254. 317) theilte kritische Bemerkun-
gen über verschiedene Arten von Agrotis und Caradrina mit.
Freyer (Beitr.) bildete folgende Noctuen mit den Raupen ab:
N. solaris (. 345), /uetuosa (T. 346), deren 16füssige Raupe sich
weit von der 12füssigen der vorigen entfernt, und die grösste Über-
252
einstimmung ‚mit der folg. N. leucomelas (T.347) hat, so dass man
- die luctuosa aus der Gatt. Acontia zu Catephia versetzen müsste.
Alle.drei auf Winden. Cucullia Santonici Hü. (T,357). — N, una-
nimis, welche der Verf. nach der Raupe von Apamea zu Hadena
versetzt wissen will, während Boisduval sie naturgemäss seiner
Gattung Luperina zuzählt (T.371). — Cymatophora flavicornis (T.
375), Nanthia citrago (376), Triphaena fimbria (T. 381), Hadena
leucophaea (T. 332), Heliothis incarnata (T. 383), Catocala electa.
(T. 407.)
Bryand (Ann, soc. ent. d. Fr. XI. S.37. T.4. F.1) gab eine Be-
schreibung und Abbildung der Raupe von Eriopus Pteridis, welche
in Frankreich sehr selten ist.
Stilbia stagnicola ist von Graslin (ebendas. 8.303. T.13. F.
1—7) nach beiden Geschlechtern und mit der ganzen Verwandlungs-
geschichte beschrieben. Auffallend ist bei der schwächlichen Gestalt
des Schmetterlings der kräftige Bau der Raupe, welche durchaus
denen von Hadena oder Orthosia entspricht, Sie lebt auschliesslich
auf Gramineen. -
Von Dianthoecia luteago hat ders. (ebendas. 313. T, 13. F.8—
10) Lebensweise und Raupe beschrieben. Futterpflanze ist Silene
infata; das Ei wird im Anfange des Juni äusserlich an die Pflanze
gelegt, die Larve bohrt sich in den nächsten Stengelknoten ein,
dringt durch den Stengel allmählich abwärts bis in den grossen Wur-
zelstock. Im August ausgewachsen, verpuppt sie sich in der Erde.
Über Diphthera ludifica siud in der Entom. Zeit. von Rosen-
hauer (8.35) und Richter (8.165) Bemerkungen mitgetheilt.
Neue Eulen-Arten des südl. Russland (oder vielmehr des westl.
russ. Asien) sind von Eversmann (Bull. Mosc. 1842. 8. 543— 555)
und Freyer (Beitr.) zahlreich bekannt gemacht: Agrotis Vu-
lesiaca Boisd. (Fr. T.351), A. adumbrata Ev. (8.58), immunda
Ev. (T.5. E.3), deserticola Ev. (T.5. F.4), rustica Ev. —
Hadena leucodon Ev. (Fr. T.359), ochrostigma Ev. — Ma.
mesira cervina Ev. (S. 546), infernalis Ev. — Miselia
nummosa Fr. (T.351). — Leucania alopecura Boisd. (Fr.
7.359), maculata Ev. (T.5. F.4), lineata Ev. — Caradrina
squalida Ev., ezilis Ev. — Orthosia cuvernosa Ev. (T.5.
F.3.) — Cosmia imbuta Boisd. (Fr. T.359.) — Gortyna morio
Ev. (Apamea morioFr. T.388) — Nanthia ferragoEv. (Fr. T. 364.)
— Cucullia rimula, cineracea, mixta, biornata (Fisch). Fr.
(7.352), Balsamitae Boisd. (Fr. T. 358 mit,der Raupe), incanaEv.
Fr. (T.388) fraudatrix Ev. Fr. (1.388), Fuchsiana Ev. (T 5.
E.6, ©. Fuchsii Fr. 1.388); pustulata Ev. (T 5. F. 5), pro-
pingqua Ev. (1.5. F.7.) — Plusia Uraliensis Er. (T.389 —
Pl. illustris var. Uralensis Ev..-S. 554), macrogamma Ev. —
Anarta cora Fr. (1.3389) — Heliothis pulchra Ev. (T.5.F.8)
253
— Anthophila concinnula Boisd. (Fr. T.360), parallela Fr.
(ebendas.), amasina Ev.
Auch Germar (Faun. Ins. Europ.) bildete einige westsibirische
Eulen ab: Hadena cancellata, Caradrina chaldaica, Cucullia urgy-
rea, magnifica, Jlammifera, von denen indess die vier ersteren yon
Freyer, die dritte schon von Esper unter dens. Namen bereits früher
abgebildet waren, die letzte ist einerlei mit Cuc. biorgata Fisch. Bull.
Mose. 1839.
Eine merkwürdige neue Eulengatt. Jonthe wurde von E. Dou-
bleday (Entomologist S. 297) aufgestellt. Die Vorderflügel sind
schmal, die Hinterflügel stark ausgezogen, der Hinterleib schr lang,
mit einem dicken Pinsel am Ende; das Ansehen des Schmetterlings
ist im hohen Grade das eines Zünsler, der Verf. findet aber eine
nähere Verwandschaft mit den Gattungen Ophiusa und Ophideres;
die Art J. umbrina, ist eine der neuen Entdeckungen aus Sylhet.
Geometrae., Freyer (Beitr.) machte einige neue deutsche
Arten bekannt: @nophos falconaria Fr. (T.377) von den Alpen,
Larentia lariciata wit der Raupe, auf Lärchen (T.366) und L.
arceuthata, mit der Raupe auf Wachholder (T. 372).
Numeria agaritharia Dardoin (Ann. d. 1.Soc. Ent. d. Fr.
X1. S.201. T.8. F.3. 4) ist ein neuer französischer Spanner, dessen
Raupe auf Ulex vorkommt.
Guende (ebendas. S.243) theilte die Beobachtung mit, dass von
Ennomos illunaria die Schmetterlinge der Sommerbrut das / nur
leicht mit Atomen bestreut, und die Grundfarbe ein ins Rosenrothe
spielendes Gelb, auf der Unterseite die helleren Linien rosenroth
statt weis sind, das Q statt greisgrün, ockergelb, die Linien der
Unterflügel rostgelb, oft kaum angedeutet, endlich die Franzen aller
Flügel lebhaft rostgelb sind. Auch sind beide Geschlechter. etwas
kleiner. Ein ähnliches Verhältniss zeige sich auch bei Illustraria.
Auch ist der Verf. geneigt, Delunaria Hü. als entsprechende Abänd.
von Lunaria zu betrachten.
Freyer (Beitr.) bildete folgende Spanner mit den Raupen und
Puppen ab: Boarmia sociaria Hübn. auf Spartium scoparium (T. 348),
Acidalia certartia Fr. (cervinata und certata Hübn.) auf Berberizen,
die Raupe sehr ungleich der im Schmetterling sehr ähnlichen A. du-
bitaria Fr, (dubitata Hü.), welche auf Weiss- und Schwarzdorn
lebt (T. 402); Acid. dilutaria (T. 408).
Neue Arten aus dem westl. russ. Asien sind von Eversmann
(Bull. Mosc. 1842. S. 556) und Freyer (Beitr.) bekannt gemacht: En-
nomos effractaria, Sureptaria Fr. (1.353), Fidonia ba-
diaria Er. (0.354), @nophos lapidisaria Fr. (1.353), Aci-
dalia albidentaria Fr. (T. 354), A. stramentata, appen-
sata, affectata Ev., Cidaria pulchraria Ev. (T. 6. F.9.
Fr. T. 390), Zerene albidata Ev. (T.6. F.10.)
Zwei neue Spanner: Zerena fasciaria und Eubolia indi-
254
earia Gucrin (Deless. Souv. I. 8.96. T. 26. R.5. 4) sind aus den
Nilgherries.
Pyralidis. Neue Arten aus Pu: west]. russ. Asien wurden
von Eversmann (Bull. Mosc. 1842. S. 558) beschrieben:*Herminia
rectalis, Pyralis noctualis, Botys languidalis, Choreu-
tes pullulalis, Pyrausta atrosanguinalis, peltalis (T. 6.
F.11), furvalis (F. 12), arundinalis (F.13), Hercyna sca-
bralis.
Tortrices. Fischer v. Rösslerstamm (Abbild. T.98) gab
eine genaue Darstellung von Tortriz laevigana W. Vz.
Eversmann (Bull. Mosc. 1842. 8.562) beschrieb Tortrix gäl-
vana und hydrargyrana (T.6. F.14) aus dem west]. russ. Asien.
Tineae. Freyer (Beitr. T.378— 3834) setzte die nahe ver-
wandten Arten von Ypomeneuta: helicella Fr. (rorella Hübn.), pa-
della, malinella, cognatella, evonymella auseinander.
Ders. (ebendas. T. 404) bildete eine neue Art, PAyeis Wag-
nerella aus der Türkei, ab.
Fischer v. Rösslerstamm (Abbild. 20. Hft.) erläuterte Lita
terella W. Vz., Rhinosia Juniperella L., Palpula rostrella Hübn,
und folgende neue Arten: Lampros monastricella, bei Wien
auf hohen Bergen vorkommend, Elachista Treitschkiella bei
Wien auf Cornus mascula fliegend, Ypsolophus dolosellus, bi-
notellus, separatellus, imparellus, ebenfalls aus der Wiener
Gegend.
Ders. (Ent. Zeit. 8.200) zeigte, dass unter Ochsenheimeria (Phy-
gas) taurella mehrere Arten verwechselt worden sind, welche von
ihm sorgfältig auseinander gesetzt und ausführlich beschrieben wur-
den. O. taurella W. Vz. und urella v.Heyd. (neue A.) haben rauh
beschuppte, vacceulellu v. Heyd. (taurella Hübn. f. 188.) glatte Füh-
ler; -die letzte ist von Treischke, Duponchel und Zeller mit der
ächten taurella W. Vz. vermengt worden. Eine vierte, noch mehr
abweichende, aber gleichfalls zu taurella gezogene Art ist O. bu-
balella Hübn. £.376 (irrig 276 gez.) — Die früheren Stände sämmt-
licher Arten sind unbekannt.
Die Entwickelungsgeschichte der Gelechia lapella Lin, wurde
von Loew (Entomol. Zeit. 8. 257) mitgetheilt, die ausführlichere
Beschreibung des Schmetterlinge von Zeller (ebendas. 8.259) ge-
geben. Letztere ist von Wichtigkeit, da das Insect mehrfach ver-
wechselt ist. Der gleichnamige Schmetterling des Wien. Verz.
Hübner, Fabricius und Stephens gehört zu Tin. Ganomella Tr., da-
gegen ist Gel. aestivella Mtzn. Zell. einerlei mit G. lapella Lin. Die
Raupe faud Loew im Klettensamen, Zeller traf den Schmetterling
aber auch an Orten wo keine Kletten in der Nähe standen, wo also
die Raupen wohl in andern Syngenesisten gelebt haben.
v. Heyden hielt bei der Naturforscher - Versammlung zu Mainz
255
einen Vortrag über die Gatt. Vepticula v. Heyd. und Fischeria
Zei. Zu ersteren gehören z. B, T. AurellaF., Argentipedella Zell.,
Centifoliella v. Heyd., sericopeza Zell., sociella v. Heyd. Ihre Mi-
nirraupen haben nur zwei Paare unvollkommener Vorderbeine und 6
Paar Bauchfüsse. Die schon von Degeer und Göze gekannte Raupe
der N. Centifoliella hat man in neuerer Zeit irrthümlich für eine
Schmarotzer-Larve der angenommenen Raupe gehalten. Bei einigen
Arten ist die Raupe- im Herbst noch nicht ausgewachsen, wenn die
Blätter abwelken, diese behalten aber dadurch die nöthige Nahrung,
dass das Zellgewebe im Umkreise ihrer Wohnung grün.bleibt. Die Mi-
nirraupen von Tischeria sind ganz fusslos. (Amtl. Bericht u. s. w. S. 208.)
Einige neue Arten aus dem westl. russ. Asien beschrieb Evers-
mann (Bull Mose, 1842, 8.563): C4ilo aeutellus, Phycis squa-
lidella, propinquella, Adela auropulverella.
Über eine den Kafleepflanzungen auf den Antillen sehr nachtheilige
Schabe Elachista coffeella haben Guerin und Perrotet der
Pariser Academie eine Arbeit vorgelegt. Die Raupen sind Minir-
raupen in den Blättern des Kaffee, die, nachdem sie 15—20 Tage
gefressen haben, sich zu 3—4 in jedem Blatt einspinnen, und nach
etwa einer Woche aus der Puppe kommen. So kann man etwa
40— 45 Tage auf eine Generation rechnen. (Institut S.185. S, auch
Rev. Zool. 8.24. 126. 167.)
Diptera.
Im Institut S. 169 sind einige allgemeine Bemerkungen
von Leon Dufour über den innern Bau der Zweiflügler mit-
getheilt. Nach dem Verf. wäre der die Ganglienkette verbin-
dende Nervenstrang hier einfach, während er bei den übrigen
Inseceten doppelt ist; die Zahl der Ganglien selbst fand er bei
Tipula, Culex, Asilus, Bombylius 9, bei Tabanus, Stratiomys
Athagio 7, bei Syrphus 3, bei Conops 2, bei Musca ein einziges.
Eine nene. Arbeit von Zetterstedt „Diptera Scan-
dinaviae, 1. Tom. Lund 1842. 8., ist für diese Ordnung von
Bedeutung, theils durch nicht unbeträchtliche Anzahl neuer
Arten, theils durch die aufgestellte Eintheilung, welche häufig
sehr beachtenswerthe Schritte thut, mitunter aber auch da-
durch in eine unsichere Bahn geräth, dass der Verf. seinen
Blick auf die scandinavischen Arten beschränkt. Es lassen
sieh weder für Gattungen noch für” Familien naturgemässe
Kennzeichen aufstellen, wenn man nicht die Gruppe in ihrer
ganzen Ausdehnung und Entwickelung vor sich hat.
Eine „Übersicht der Zweiflügler Lief- und Kurlands“
wurde von Gimmerthal (Bull. Mose, S. 639) veröffentlicht.
256
Ein Anhang enthält Bemerkungen zu den verzeichneten, und
Beschreibungen der als neu befundenen Arten.
„Dipterologische Beiträge“ von Zeller (Isis S. 807) ent-
halten vortreflliche Beobachtungen und- die Beschreibungen
mehrerer neu entdeckten Arten.
Macquart’s Dipteres exotiques 2. tom. 2 part., Paris
1842, wird u. berücksichtigt werden.
Die auf seiner Erdumsegelung gesammelten neuen Zwei-
flügler (7 Arten) wurden von Le Guillou (Rev. Zool. S. 314)
beschrieben. :
Über das Erscheinen ‘von Dipteren-Schwärmen_theilte
Patterson einige Beobachtungen mit. (Ann.nat. hist. X. S. 6.)
Culicides. Eine neue Art aus Vandiemensland ist Culex
australis des Ref. (a.a.0O. S.270.)
Chironomii. Zeller (Isis S.807) theilte seine Beobachtun-
gen über die Lebensweise des Aydrobaenus lugubris Fries (Psilo-
cerus occultans Ruth., Chironomus occultans Meig.) mit. Diese klei-
nen Mücken erscheinen im ersten Frühlinge in Massen auf Pfützen
und Gräben, segeln mit ihren Flügeln auf dem Wasser, fliegen
aber nie.
Ceceidomyzides. Prof. Henslow machte auf einen zwei-
felhaften Punct in der Naturgeschichte der Cecidomyia tritici auf-
merksam, ob nämlich die Larve zur Verwandlung in die Erde geht
oder ob sie in den Kornähren bleibt. Er war nicht im Stande, eine
einzige der zahlreichen Larven zur Verwandlung zu bringen, welche
er sich durch Aussieben der Spreu verschaffte. (Report of the 11.
meeting of the british Association for the advanc, of scienc. held at
Plymouth in July 1841. Lond. 1842. S. 72.)
Edw. Herrick (Sillim. Am. Journ, ofsciene. XLI. S.153) machte
einige ‚vorläufige‘ Mittheilungen über die Hessische Fliege (Cecido-
myia destructor) und ihre Parasiten. Der Verf. ist der Ansicht, dass
das Insect zur Zeit des Aufstandes in der That aus Europa einge-
führt sei, und bringt mehrere Zeugnisse darüber bei, dass es auch
in Europa sich einheimisch finde. Die Parasiten desselben sind kleine
Hymenopteren, nämlich 1) ein noch unbestimmter Platygaster, 2)
Ceraphron destructor Say, welchen der Verf. aber eher für eine
Eurytoma hält; es kommen ungellügelte Individuen desselben vor,
vielleicht Q, 3) ein noch unbestimmter Chaleidit, ebenfalls mit un-
geflügelten Q, — 4) eine unbestimmte Oxyure. Die erste Art lebt
in den Eiern, die andere in den Nymplen.
Tipulariae. Zeller (Isis S.808) gab eine genaue Beschrei-
bung der Larve der Limnobia distinctissima. Er fand sie im Mai
257
auf der Unterseite der Blätter der Anemone nemorosa, in welche sie
längliche Löcher frisst. _ 5
Stäger (Kröyer Naturh, Tidsskr. IV. S. 202) entdeckte die Larve
von Dixa nigra in einem Weiher; sie ist braungrau, 2” Jang,
walzenförmig, der mittlere Brustriog breiter als die übrigen, an
der Vorderecke mit einem den Kopf überragenden Pinsel feiner Bor-
sten; der letzte Ring nicht länger und schmaler als die übrigen, in
zwei fein gewimperten Lappen endigend, zwischen welchen sich ein
dreigliedriger, an der Spitze mit Borsten besetzter Stiel befindet.
Die Schwanzlappen dienen als Saugnäpfe. Der 4. und 5. Hinterleibs-
ring haben jeder ein Paar Saugwülste auf der Unterseite. Die Larve
bewegt sich mittelst dieser Saugwerkzeuge und des Mundes. Die
Nymphe ist rothbraun. Der Nymphenstand dauert 4—5 Tage.
Eine neue Gatt. Pterelachisus wurde von Rondani (Guer.
Rev. Zool. S.243, Mag. d. Zool. 1842. Ins. pl. 106) aufgestellt: Fühler
13gl., die Glieder vom 3. an nierenförmig (nach der Abbildung), das
letzte klein, kuglig. Taster wie bei Tipula, die Flügel zu kleinen
Stummeln verkümmert. Beine nicht sehr verlängert. Männchen un-
bekannt. Pr. Berteii im Herbst auf den Parmesischen Gebirgen,
an den Mauern alter Gebäude.
Ref. (a.a.0. S.270) beschrieb Megistocera pacifica, neue
Art aus Vandiemensland.
Hirteides. Eine neue Gatt. Asthenia wurde von West-
wood (Guer. Mag. d. Zool. 1842. Ins. pl. 94) aufgestellt Der Verf.
will sie in die Nähe von Macropeza, Sphaeromias und Hydrobaenus
gestellt wissen, aber die grossen, oben zusammenstossenden Augen
deuten auf eine nähere Verwandtschaft mit Simulium, wovon sich
die neue Gatt. durch Flügelgeäder, gestrecktere Beine, 15gl. Fühler
und ögl. Taster entfernt. Die Darstellung von einem Paar breiter,
innen sägeförmig gezähnelter Mandibeln beruht wohl auf einem Irr-
thum, diese sind wenigstens in dieser Abtheilung der Dipteren ganz
beispiellos. Die Art, 4 fasciata, ist aus Albanien.
Zeller (Isis S. 810) beschrieb die Larve der Penthetria holose-
ricea: sie findet sich auf feuchter Erde unter dem Grase, abgefalle-
nem Laube u. dgl., ist 4° lang, schwarz, oben mit 4 Reihen nach
hinten gerichteter Dornen, unten mit 4 Reihen anliegender Dörnchen;
schwarzem glänzendem Kopfe. Sie verwandelt sich im April in eive
dornige schwarze Nymphe.
Ders. (ebendas, S. 811) vereinigte Bibio clavipes Mg. (Johannis
F., ephippium Zell.) als 5 mit B. dorsalis und flavicollis Mg. Eine
Abänderung dieser Art scheint B. fulvicollis Gimmerthal (Bull.
Mosc. 663) zu sein.
Tabanides. Zeller (Isis S.812) hat schätzbare Bemerkun-
gen über die von ihm beobachteten Arten mitgetheilt; er beschreibt
auch mehrere neue: Tabanus sudeticus, dem T. bovinus sehr
Archiv f. Naturgesch, IX, Jahrg, 2. Bd, R
258
nahe stehend, 7. trirolor, eine sehr schöne Art aus Siidrussland,
Chrysops parallelogrammus, dem Chr. relictus ähnlich. — Zet-
terstedt (a.a. ©.) hat mehrere neue schwedische Arten: Tabadnus
latifrons, atricornis, flaviceps, nigricornis, nigerri-
mus, maculicornis, sublunaticornis. — Ref. (a.a.0. S. 270)
beschrieb drei neue Arten aus Vandiemensland: Tabanus exulans
gregarius, gentilis.
Asilici. Zetterstedt (a.a.0.) bereicherte diese Familie mit
3 neuen Arten: Laphria lapponica, früher als Abart der L. ru-
fipes betrachtet, von der sie sich durch schwarze vordere Beine
u.a. m. unterscheidet, aus dem südl. Lappland; Dasypogon lutei-
cornis, aus dem südl. Schweden, Leptogaster cultriventris,
in Schweden und Dänemark vorkommend.
Eine neue Art ist ferner Lampria claripennis(!) Le Guil-
lou (Rev. Zoo], S.314) von der Triton -Bay.
Midasii. Harris (Ins.of Massachus. S. 406) hat über die
Naturgeschichte dieser Insecten Kunde gegeben. Larve und Puppe
gleichen fast ganz denen von den Asilen. Erstere ist cylindrisch,
nach vorn verdünnt, hinten zugerundet, und lebt in faulem Holze, Die
letztere hat eine gablige Hinterleibsspitze, 8 Hörner auf dem Kopfe,
und um jeden Ring einen Kranz von rückwärts gerichteten Zähn-
chen, nur am ersten sehen sie nach vorn... Die Fliege wird von H.
als räuberisch angegeben.
Xylophagii. Drewsen (Kröyer Naturh. Tidsskr. IV. S. 103)
machte die Bemerkung, dass die Larve des NXylophagus ater nicht
vom Holze, sondern vom Raube lebt: namentlich Larven von Pyro-
chroa coccinea und von Tipulen werden von ihr ausgesogen.
Leptides. Zetterstedt (Dipt. Scand.) führte in dieser Fam.
eine neue Gatt. ein: Ptiolina Stäg., die Atherix mit eiförmigem
letzten Fühlergliede, und einer Endborste an demselben enthaltend:
4A. obscura Mg. und eine neue Art A. nigra. — Neue Arten sind
Leptisstigmatica,ephippium,cinerea, Chrysopila laeta.
Thereua und Psilocephala Zett. (durch kahles Untergesicht von
Th, abweichend, TA. imberbis Pall., confinis und eximia Mg., lappo-
nica Zett. enthaltend), stellt Zett. zu den Anthraciden. Eine neue
Art ist seine Th. annulata aus dem südl. und mittl. Schweden. —
Eine andere ist Th. venusta des Ref. (a.a.0. S.272) aus Vandie-
mensland.
Bombyliarii. Zetterstedt (Dipt. Suec. S.190) führte eine
neue Art, Bombylius albibarbis, auf, welche dem B. minor zu-
nächst verwandt, aber doppelt so gross, sich durch langes 3. Fühler-
glied und schwarzen Kniepunct auszeichnet.
Westwood (Guer. Mag. d. Zool. Ins. pl. 90) gab eine kleine
Monographie von Systropus Wd., deren 2 von Wiedemann be-
schriebenen Arten er 3 neue hinzufügte: $S. foenoides aus Mexico,
259
S. fumipennis aus Brasilien, $. eumenoides aus dem nördlichen
Indien. (Die hies. Samml. besitzt eine Art aus Brasilien, welche bis
auf ganz schwarze vordere Schenkel mit-S. fumipennis übereinkommt,
ausserdem aber noch auffallend dicke Hinterschenkel hat, deren W.
nicht erwähnt; sie ist also vielleicht verschieden. Auch ist hier noch
eine unbeschriebene Art aus Südafrica )
Hybotinae. Stäger (Kröy. Naturh. Tidsskr. IV. S. 98) sich-
tete die. Synonymie der Arten von Ocydromia. Oc. flavipes und
ruficollis Mg. sind J'Q einer Art, und bilden die Gatt. Leptopeza.
Macq. — ©c. rufipes Mg. hält der Verf, für eine eigene Art, deren
SZ noch zweifelhaft ist, — Oe. scutellat« Mg. nur für eine heliere
Abänd. der ©. glabricula (J') Fall., zu deren 5 ausserdem noch
O. dorsalis und nigripennis Mg. und melanopleura Löw gezogen
werden. — Zetterstedt (Dipt. Scand.) stellte eine neue Art, O.
nigripes, einmal in Öland gefunden, auf, ferner von Leptopeza: ti.
bialis, borealis aus Lappland, flavimana, nigripes aus Nor- :
wegen; von Hybos: infuscatus (Stäg.) von Lund; von Oedalia:
stigmatella, von Oe. hybotina durch ungetheiltes Randmal unter-
schieden. — Gimmerthal (Bull. Mosc_ S, 665) führte Oedalea
pennata als neue Art auf, welche jederseits geliederte Hinter-
schenkel hat.
Tachydromides. Zetterstedt (Dipt.Scand.) stellte eine
neue Gatt. Phyllodromia auf, von Hemerodromia nur durch die
lange Fühlerborste unterschieden, H. melanocephala F., vocatoriw
Fall., albiseta Zett. enthaltend. In Betreff der grösseren Zahl neuer
Arten in dieser Familie verweise ich auf das Werk selbst.
Gimmerthal (Bull. Mosc. 8.667) beschrieb als neue Art Ta-
chydromia brunnipes.
Empides. Eine Anzahl neuer Arten aus den Gatt. Hilara,
Wiedemannia, Empis, Rhampkomyia findet sich von Zetterstedt
(Dipt. Scand.) beschrieben.
Stäger (Kröy, Naturh. Tidsskr. IV. S. 102) machte die Bemerkung,
dass die Länge des Rüssels bei Ernpis und Rhamphomyia, nicht,
wie es von Meigen öfter geschehen sei, zur Unterscheidung von
Arten angewendet werden dürfe, indem hier die häutige Scheide,
welche die Mundöffnung umgiebt, im Todeskampf zuweilen sich aus-
stülpt, wodurch der Rüssel unnatürlich verlängert wird.
Dolichopodes. Eine vorzügliche Monographie der dänischen
Dolichopoden ist von Stäger unternommen worden. Der zur Zeit
erschienene erste Theil derselben (Kröy. Naturh. Tidsskr. IV. S. 1)
umfasst die D, lamelliferi (mit blättrigen Anhängen der männlichen
Begattungswerkzeuge), bei deren Bearbeitung der Verf. die treflliche
Abhandlung von Stannius (Isis 1831) an das Licht gezogen und zum
Grunde gelegt hat. Sybistroma (3 Arten) und Ammobates (ebenfalls
3 Arten), sind jede mit einer, Do/ichopus (41 Arten) mit 9 neuen
Arten bereichert.
260
Zur Eintheilung der Dolichopoden mit fadenförmigen Anhängen
der männlichen Begattungswerkzeuge theilte ders. (ebendas. 8. 340)
einen Entwurf mit, welcher, indem die Gattungen nach dem Stande
der Fühlerborste gruppirt sind, der Eintheilung von Macquart im
Allgemeinen entspricht, indess gründlicher ausgearbeitet ist, und
namentlich die Gatt. Argyra und Porphyrops reiner ausgesichtet hat.
Höffentlich wird der Verf. die Ausführung dieses Entwurfs im zwei-
ten Theil seiner Monographie bald veröffentlichen.
Zeller (Isis S. 831) theilte einige Bemerkungen über verschie-
dene Dolichopoden mit. Der Gatt. Psilopus Meig. ertheilte er den
Namen Sciapus, weil Psilopus und Psilopa nicht wohl neben einan-
der bestehen können: 4 Arten ders. sind vom Verf. näher erörtert;
von Sybistroma nodicornis Mg. ist das Z beschrieben, und eine neue
Art, Dolichopus pectinifer.
Macquart (Dipt. exotig.) beschrieb aus dieser Familie eine
Reihe aussereuropäischer neuer Arten aus den Gatt. Psilopus und
Dolichopus. — Ref. (a.a. 0.) machte noch eine neue Art aus Van-
diemensland, Pszilopus ingenuus, bekannt.
Stratiomydes. 'Macquart (Ann. d. Soc. Ent. d. Fr. p.41.
T.4. F.ll.) stellte eine neue Gattung auf, welche mit Beris das Sring-
lige 3. Fühlerglied, mit Stratiomys die Länge des ersten Fühlergliedes,
das zweidornige Schildchen gemein hat und sich dadurch auszeichnet,
dass das Untergesicht einen starken Vorsprung bildet, der mit einer
Ausrandung den Rüssel aufnimmt: daher der Name Ezrochostoma.
Die einzige Art, E.nitida, schwarz mit gelben Schienen, schwärz-
lichen Flügeln, 2}'” lang, ist in Frankreich entdeckt worden.
Zeller (Isis S. 825) beschrieb eine neue Sargus- Art aus Ungarn
S. melampogon, welche dem S. formosus Schr. sich nahe an-
schliesst und vorzüglich durch schwarzen Bart und schwärzliche
Flügel unterscheidet.
Zetterstedt (a.a.0.) hat folgende neue Arten: Stratiomys
ruficornis von St. hydropota hauptsächlich durch rothe, nur an
der äussersten Spitze schwarze Fühler unterscheiden, Nemotelus
notatus, Pachygaster tarsalis, Chrysomyia cyaniven-
iris, Sargus nubeculosus, vom S. cuprarius durch geringere
Grösse und schwarze Fusswurzel, welche bei jenem gelb ist, ver-
schieden; S. nigripes, welcher indess eher auf S. nitidus Meig.
passt, als der vom Verf. dafür bestimmte, welcher schon in der
Grösse u. s. w. merklich abweicht.
Die Larve von CXtellaria ephippium wurde von Zeller auf-
gefunden. Sie steckte in Pflanzenerde und hatte grosse Ähnlichkeit
mit der von Sargus. (Isis S. 826. T. 1. F. 35.)
Ref. (a.a.0. S.272) beschrieb eine neue Art aus Vandiemens-
land, Odontomyia stricta.
Syrphici. Schummel (Arbeit. der Schles. Ges. f. vaterl-
261
Kult. 1842. S.15) theilte eine Fortsetzung seiner Musteruug der in
Schlesien beobachteten Syrphen mit, die Gattung Paragus, Ascia,
Sphegina, Baccha umfassend. Nene Arten sind Par. dispar, Sph.
elegans, Baccha nigricornis.
Gimmerthal (a.a.0. S. 668) stellte zwei neue Arten von Pa-
ragus auf: P. albipes und nigritus, von denen der erstere mit
dem 7 des P. dispar Schumm. übereinzustimmen scheint, ferner
(S. 670) eine neue Art von Cheilosia, Chr. atra.
Stäger (Kröy.Naturh. Tidsskr.IV. 8.320) setzte die dänischen
Arten von Platycheirus Enc. (Untergatt. von Syrphus) mit grosser
Umsicht und Genauigkeit aus einander: Die Arten sind: 1) manicatus
Mg.?; 2) peltatus Mg.; 3) seutatus Mg.; 4) clypeatus Mg.; 5) qua-
dratus Macq.?, ©, kenntlich durch bläuliche Stirn, schmalen zuge-
spitzten Hinterleib, Mangel des 4. Fleckenpaares u. s. w.; 6) scam-
bus Stäg., Scaev. c/ypeata var. Zett. Ins. Lapp.; durch bedeutendere
Grösse, ganz gelbe vordere Beine, lange schwarze Borsten an den-
selben, innen etwas ausgehöhlte, gekrümmte, unbewimperte Mittel-
schienen des Z' von clypeatus als Art sicher unterschieden; 7) ful-
viventris Macq.; 8) albimanus Meig.; 9) oceym# Mg. (J' lobatus Mg.)
Zeller (Isis S.830) bemerkte, dass die Gati. Doros bis jetzt
durch kein einziges durchgreifendes Merkmal von Syrphus unter-
schieden sei,
Für die von Macquart aufgestellte Ansicht der Identität der Vo-
lucella plumata und bombylans brachte Zeller (Ent. Zeit. S.65) das
Zeugniss vor ihm selbst beobachteter Fälle vermischter Begattung
bei. Ref. (ebendas. 8.113) wies dasselbe durch Beschreibung der in
hies. Königl. Sammlung befindlichen Abänderungen nach, von denen
die 1. (bombylans) durch vier Zwischenstufen — unter welchen Ahae-
morrhoidalis Zeit. — allmählich in die 6. (plumata) übergeht, welche
durch eine 7. Abänd. in die 1. (bombyl) zurückgeführt wird.
Die Verwandlupgsgeschichte der Volucella inanis wurde von
Schmitt (ebendas. S. 20) erforscht. Er fand im September die Lar-
ven in einem Wespenneste, theils in den Brutzellen, theils an den
äusseren Umhüllungen umberkriechend. Als das ganze Wespennest
in ein mit Erde halb gefülltes Glas gesetzt wurde, gingen die Lar-
ven in die Erde, und wühlten bis zum März in derselben umher,
bis sie sich im April verpuppten. Diese Karve ist schon von Guerin
und Lepelletier in Wespennestern gefunden, aber mit der von Reau-
mur in Hummelnestern beobachteten V. bombylans verwechselt wor-
den, welche auch als Larve sich specifisch unterscheidet.
Von Zeller (Isis S. 828) wurde die Larve des Syrphus albo-
strialtus genau beschrieben.
Macquart (Dipt. Exotig.) hat eine beträchtliche Anzahl ausser-
europäischer Arten beschrieben, und zugleich mehrere neue Gattun-
gen aufgestellt: Mizogaster, in der Gestalt der Fühler mit Ce-
ratophya Wd. übereinstimmend, abweichend aber durch Flügelgeäder
» 262
und die Körperform von Conops; die einzige neue Art aus Brasilien
ist daher auch M. eoxopoides (nicht conopsoides) benannt worden;
Unter der Gatt. Megaspis sind wegen der Grösse des Schildchens
E. chrysopygus Wd. und E. crassus F. von Eristalis abgesondert.
Plagiocera, durch das quergezogene letzte Fühlerglied von Eri-
stalis unterschieden, Milesia: erueiger und rufierus Wd. enthaltend,
welche der Verf als Abänderungen von einander betrachtet, und zu
welchen noch Mallota milesiform. Maeq. Suit. & Buff. gehört, ist mit
Recht von den Milesien entfernt und den Eristalis näher angeschlos-
sen. Dolichagyna, mit einer neuen Art, D. fasciata aus
Chile, hat viel Übereinstimmendes mit Helophilus, ist aber durch
breiteres drittes Fühlerglied, nach der ganzen Breite gewölbtes
Untergesicht, und namentlich noch durch die grosse Lünge der
männlichen Begattuugswerkzeuge (worauf sich der Name beziehen
soll!) ausgezeichnet. /matisma (dieser Name war schon von De-
jean benutzt), von Eristalis durch die offene Randzelle der Flügel,
von Helophilus dureh den dicken Pelz des Mittelleibes, vom Mallota
und Merodon durch die Form des 3. Fühlergliedes u. s. w. verschie-
den, aus dem Erist. posticatus F. und eiuer neuen, angeblich ost-
indischen Art /. orientualis gebildet.
Bef. (a.a. 0. S.272) beschrieb eine neue Art, Eristalis vesi-
cularis aus Vandiemensland, Le Guillou (Rev. Zool. S, 314) eine
andere E. syl/endens, von den Salomeons - Inseln.
Conopariae., Zeller (Isis $. 835) theilte seine Bemerkun-
gen zu den von ihm beobachteten Arten dieser Familie- mit.
Eine neue Art, Conops soleaformis ist von Gimmerthal
(Bull. Mosc. 8. 672) aufgestellt.
v. Heyden theilte der Naturforscherversammlung zu Maina
(1842) die Bemerkung mit, dass die Larve von Myopa im Leibe von
Eucera lebt (Amtl. Bericht u. s. w. 8.209). — Die Angabe der Arten von
Eucera sowohl als Myopa ist a. a. ©. ausgelassen.
Oestraecides. Beobachtungen über Oestriden von Sells sind
in den Transaet. Ent. Soc. Ill. 8. 72 mitgetheilt. Der von Clark aus-
gesprochenen Behauptung über die Salubrität der Gasterophilus-
Larven pflichtet der Verf. nicht bei, im Gegentheil erregen sie, in
Menge vorhanden, Störungen der Gesundheit der Pferde, und in ein
Paar Fällen fand man bei der Section plötzlich gefalleuer Pferde die
Magenwände von den Larven durchbohrt. Weitere Beobachtungen
(S. 76) betreffen Oestrus bovis, zu dem als Synonym Pe. ericitorum
Leach. gehört.
Zeller (Isis S. 839) gab eine genaue Beschreibung des Oestrus
stimulator Cl. mit der durchaus gegründeten Bemerkung, dass der-
selbe einerlei sei mit dem Jappländischen Oe. trompe F'.
Muscariae. Eine Anzahl neuer Arten aus verschiedenen
Gattungen ist von Gimmerthal (a.a.0.) aufgestellt: Sar cophag a
263
albipennis, Lucilia violacea, Pyrellia fasciata, Hyle-
myia flavescens, albolineata, Sapromyza 9punctata,
Cephalia 4punctata, Phora quadrata.
Die von Guillou (Rev. Zool. S. 315) beschriebenen Fliegen-
Arten sind Phrissopoda cyanea von Otaheiti, Sarcophaga
propingua von Isle de France, Bourbon und St. Helena, Calli-
phora dasyophthalma von den Aucklands-Inseln, €. Mag el-
Janica, von der Maghellanstrasse, beide der C. vomitoria sehr
ähnlich, die erstere durch rauhe Augen, die letztere durch gelb}iche
Wangen und gelbe Taster mit schwarzer Spitze unterschieden;
Musca oceanica, von verschiedenen Puncten der Südsee, von M.
corvina durch gelbliche Schwinger und fast geraden Quernerv der
Flügel abweichend.
Rutilia speciosa des Ref. (a.a. 0. S.273) ist eine neue Art
von Vandiemensland.
Zur Kenntniss der Arten von Gonia lieferte Zeller (Isis S.840)
einen wichtigen Beitrag, indem er ausser der G. fasciata und
divisa Mg., sie mit drei neuen bereicherte: G. trifaria, (viel-
leicht einerlei mit G. capitata Mg., welche aber von G. capitata Deg.
Fall. verschieden ist), @. /Zateralis und G. simplex, alle aus
Schlesien.
Nach einer von v. Heyden der Naturf. Vers. zu Mainz (1842)
gemachten Mittheilung, lebt die Larve von Gymnosoma als Schma-
rotzer in Pentatoma. (Amtl. Bericht u. s. w. S. 209.)
Stäger (Kröy. Naturh. Tidsskr. S. 319) unterschied drei unter
Atomogaster triquetra (Authomyia triq. Wd.) verwechselte Arten:
4. Macquarti (triquetra Macq.), tibialis und triquetra Wä,,
Mg. Fall.; die letzte weicht ab durch kürzere Fühler, 2 Dornen an den
Mittelschenkeln und geringere Grösse; die anderen haben längere
Fühler und nur einen Dorn an den Mittelschenkeln, die zweite die
vorderen Schienen und die Mittelfüsse gelb,
Waga (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. XI. p. 277. T. 11. F. 13— 17)
stellte eine neue Gatt. Adapsilia auf, welche mit Sepedon und
Tetanocera verwandt, mit ersterem in der grösseren Länge des 2.
Fühlergliedes übereinstimmt, aber die Hinterschenkel nicht verdickt,
der Hinterleib beim g' eiförmig, beim 9 „eingefallen kegelförmig.‘
4. coarctata, rothgelb mit braungelleckten Flügeln, ist bei War-
schau entdeckt.
De Breme (Ann. d.], Soc. Ent. d. Fr. XI. p. 183. pl. 7. F.2) stellte
eine neue Art der Galt. Ceratitis MacLeay auf, zeigte, dass C.
citriperda M Leay einerlei sei mit Trypeta capitata Wd., aus wel-
cher Macquart die Gatt. Petalophora gebildet, und dass man die
ältere Art, welche auf den Canarischen Inseln, Isle de France undin
Ostindien vorkomme, Ceratitis capitata nennen müsse; die neue Art
©. hispanica Br. ist aus Andalusien, und soll sich von der älteren
Art durch geringere Länge und tiefere Einsetzung der blättchentra-
264 2
gen.!cn Borsten der Stirn, welche das Hauptmerkmal der Gattung
ausmachen, so wie durch schwarze Farbe der Blättchen, die bei
jener weisslich seien, unterscheiden. Mir scheinen diese Unter-
schiede zweifelhaft: Wiedemann giebt ausdrücklich die Farbe der
Blättchen als schwarz an, ich finde es auch so, und kann überhaupt
zwischen C. capitata von Isle de France u. einem Ex. aus Sicilien keinen
andern Unterschied finden, als dass jene Borsten bei der letzteren
etwas kürzer sind, doch lauge nicht so bedeutend als der Verf. es
angegeben hat, und mögte überhaupt die angegebenen Unterschiede
für individuell halten,
Bach (Ent. Zeit. S.263) theilte einige Bemerkungen über Try-
peta signata Mg., deren Larve im Fleisch der süssen und sauren
Kirschen lebt und nach Hrn. Carl Wagners Beobachtung ursprünglich
ia den Früchten der Lonicera xylosteum vorkommt.
v. Siebold (Germ. Zeitschr. 1V. 8.389. T.1. F.1—3) bemerkte
am Hinterleibe von Bacillus Rossii schwarze Höcker, welche sich bei
genauer Untersuchung als die nach aussen vorrugenden gabelförmi-
gen Stigmenträger einer übrigens im Körper steckenden, bis 4”
langen pomeranzengelben Fliegenlarve erwiesen. Die Larve zur
Verwandlung zu bringen, gelang, nicht.
Pupipara. Ref. (a.a.0. S. 274) beschrieb eine neue Art,
Ornithomyia nigricornis, aus Vandiemensland.
Memiptera.
Ein besonderer Heftäpparat der Vorder- und Hinterflügel bei den
Hemipteren ist von Ashton entdeckt und (Transact. Ent. Soc. 11.
S. 95) beschrieben worden. Bei Notonecta glauca finden sich auf der
Unterseite der Vorderflügel am Hinterrande zwei kleine hornige Vor-
sprünge, welche eine kleine röhrenförmige Rinne einschliessen. Hierin
greift ein kleiner auf- und rückwärts gebogener Vorsprung des rip-
penartig verdickten Vorrandes der Hinterflügel ein. Bei Centrotus
cornutus ist ein kleiner Theil des Vorrandes der Hinterflügel aufge-
bogen und von hier aus entspringt ein kleiner, rückwärts gerichteter,
horniger Fortsatz, welcher in eine Ausbuchtung des Hinterrandes der
Vorderflügel einpasst, welcher hier nach vorn und unten umgeschla-
gen ist. Der kleine Fortsatz der Hinterflügel ist fein gezähnelt. Die
erstere Art der Heftung, welche die festere ist, scheint den Hete-
ropteren, die zweite den Homopteren eigenthümlich zu sein; bei den
ersteren ist die Heftstelle an der Verbindung des hornigen und häu-
tigen 'Theils der Halbdecken, bei den letzteren an der Spitze des
hintersten Nerven der Vorderflügel.
Pentatomides. Schiödte (Kröyer Naturhist. Tidsskr. IV.
8. 335) theilte eive Übersicht über das Vorkommen der Haftflecke bei
den Schildwanzen mit. Bei den einen kommen sie nur den Männchen
zu, nämlich Stiretrus Lap., solchen Asopus mit Bauchstachel und er-
265
weiterten Vorderschienen (Oplomus Spin.), Scutellera Germ., Coelo-
glossa Germ., Arctocoris Germ , bei den andern finden sie sich bei
den Weibchen sowohl als den Männchen: Psacasta Germ., die eigentl.
Pachycoris Burm. und die africanischen Ha/ys-Formen, wie H. ser-
rata F. und cincta Herr. Schäff. (welche, wie der Verf. bei dieser
Gelegenheit bemerkt, verschieden sind).
Ders. (ebendas. S. 279) erläuterte die in der Königl. Sammlung
zu Copenhagen vorhandenen Fabricischen Te’yra- Arten durch aus-
führliche und genaue lateinische Beschreibungen. Die Synonymie ist
zugleich einer gründlichen Prüfung unterworfen. Eine treffliche Ar-
beit, aus der ich nur die beiläufige Bemerkung mittheilen kann, dass
der Verf. die Gattungsnamen Calliphara und Callidea, als mit Calli-
phora Macquart und Calleida Dej. zusammenstossend verwirft, und
dafür Philia in die Stelle setzt. Dieselbe Nothwendigkeit fühlte
auch Ad. White (Transact. Ent. Soc. III. S. 85) in Bezug auf die
Übereinstimmung des letzteren Namen mit Callidium, und erinnerte
für den Ersatz an den Hahnschen Namen Chrysocoris.
Den Anfang zu einer Bearbeitung der von Cuming auf den Phi-
lippinen gesammelten Hemipteren hat Ad. White (Gray Zool. Misc.
11 8. 79) durch Beschreibung neuer Schildwanzen gemacht: Calli-
dea sellata nebst var. chromatica, C.speciosa, dorsalis,
Plataspis zanthogramma, Mungo, Scipio. Hier ist die Ab-
handlung abgebrochen, bei den drei Plataspis-Arten vermisst man
ungern die Angabe der Grösse, da die Bestimmung derselben ohne-
hin schwierig ist, und es wäre nicht überflüssig, dass bei der Fort-
setzung der Bearbeitung dieselbe nachgetragen würde.
Ders. (Eotomologist S. 406) beschrieb eine neue Schildwanze
aus Sierra Leone, Probaenops dromedarius; als neue Gattung
zeichnet sie sich aus durch den weit vortretenden Kopf, nach vorn
eine Vorragung bildendes Halsschild, die mit der des Notoxus mono-
ceros verglichen wird, und sehr breites Schildchen, welches den
ganzen Hinterleib bedeckt. Die Schienen sind unbedornt, die Füsse
scheinen 2gliedr. zu sein. Der Verf. weist ihr vorläufig ihre Stelle
neben Podops und Coptosoma an.
Ders. (Transact. Ent. Soc. Ill. S. 84) behchrieb mehrere neue
Hemipteren, darunter folgende Schildwanzen: Tectocoris Chil-
dreni, aus Nepal, für welche der Verf. nebst T. Druraei, Hard-
wickii, aflivis u. s. w. eine eigene Untergattung Poecilochroma
errichtet, welche sich von den übrigen (T. Banksii, cyanipes) durch
kürzeren Kopf, mehr viereckige Stirn und breitere, stärker zusam-
mengedrückte Fühlerglieder unterscheiden; Callidea (Calliphara)
bifasciata von einer Insel der Südsee, yarentum aus Australien?,
Callid. examinans Burch. aus Südafrica, C. fascialis aus Ost-
indien, ©. Morgani aus Sierra Leone, Scutellera (Trigonosomu)
interrupta aus Teneriffa, von der Sc. lineata dadurch unterschie-
den, dass auf dem Halsschilde nur drei gelbe Längsbinden sich finden,
266
von denen die seitlichen nach vorn abgekürzt sind. — Für die neu-
holländische Ter. costata F. errichtete der Verf. eine neue Gattung
Coleotrichus, welche sich an Tetyra Burm. (Eurygaster Lap.)
und Pachycoris zunächst anschliesst, und deren Hauptmerkmal darin
zu bestehen scheint, dass die Brustrinne für den bis an die Hinter-
hüften reichenden Rüssel sich nach hinten allmählich erweitert, so
dass die Wandung derselben von aussen um die Hinterhüften geht.
Eine andere neue Gatt. Coriplatxws White (ebendas. 8. 90.
T.7. F. 3.) mit einer neuen Art, C. depressus aus Demarara, ist
mit Sciocoris und Dinidor u. s. w. verwandt, mit langem, bis zur
Hinterleibsspitze reichenden, in der Mitte eingezogenen Schildchen,
lappigem Seitenrande des Halsschildes.
Ferner beschrieb ders. (ebendas.) Dryptocephalus? Per-
?yi, aus Brasilien, welchem, da er durch nur zweilappigen Kopf und
viel grössere Augen von den andern Arten abweicht, der Untergatt.
Name Cephaloplatus beigelegt ist; — Jelia? gracilis von
Congo, mit dem langen Rüssel einer Atelocera, aber nicht mit zu-
sammengedrücktem, sondern walzigem zweiten Fühlergliede; —
Aelia (Megarhynchus Lap.) coenosa, vom Gambia.
Ref. (dies. Arch. 8. Jahrg. 1. Bd. S. 275) führte folgende neue
Arten aus Vandiemensland auf: Cydnus australis, sepulchra-
lis, Asopus nummularis, Cimex incultus, Atelocerus la-
bidus, grandicornis, Rhynchocoris ligata.
Schiödte (Kröy. Naturh. Tidsskr. IV. S. 327) unterwarf die Gatt.
Cephaloctenus Duf. einer Prüfung mit der ihm eigenen Schärfe.
Nebenaugen fehlen, zusammengesetzte Augen sind vorhanden, aber
klein und getrennt, ein Theil derselben auf der Ober-, ein anderer
auf der Unterseite. Der Dufour’sche (. histeroides ist schou von Fa-
bricius beschrieben, nämlich dessen Cydnus scarabaeoides. Dieser
und eine zweite neue Art, C, melolonthoides von Travancur in
Vorderindien, sind vom Verf. genau beschrieben,
Germar (Ent. Zeit. S.68) sezte die Unterschiede von Aelia
(Pentatoma) acuminata F. u. Klugi Hahn schärfer aus einander und
machte auf eine dritte, der ersten nahe verwandte Art, A. paldens
Küst., aufmerksam, welche im Norden häufiger zu sein scheint und
der ächte Cim. acuminatus L. sein möchte.
Coreides. Germar (Faun. Ins. Europ, T. 11.) bildete ein
Insect aus der Türkei unter der Benennung Aradus obscurus ab,
welches indess in diese Fam. gehört und am nächsten mit Pseudepbhl.
lobatus Herr. Schäff, verwandt ist. Der Verf. giebt den Rüssel als
3gliedr. und die Ocellen «als fehlend an, worauf sich seine Gattungs-
bestimmung gründet; an unseren Exemplaren zähle ich 4 Glieder am
Rüssel, und die Nebenaugen finde ich an den Längswulsten der Stirn,
seitwärts gerichtet, und daher auch, ausser von der Seite her be-
trachtet, leicht zu übersehen.
nn...
267
Ders. (ebend. T. 12.) bildete Phyllomorphus erinaceus aus der
Türkeiab, welcher indess unter demselben Namen von Herrich Schäffer
inzwischen (1841) bekannt gemacht ist. Eine neue Art ders. Gatt.
ist von Westwood (Arcan. Ent. I. Add. et Corr.) angezeigt, Ph.
pellicula, aus dem tropischen Africa.
Ad. White (Transact. Ent. Soc. Lond. Ill. S. 92) beschrieb meh-
rere neue Arten: Spartocerus? erythromelas, aus Brasilien
(ist Sp. bicolor Herr. Schäff.); Sp. dorsalis aus Mexico, und Cer-
bus (Dereptery&) Grayii und Hardwickii aus Nepal. Die Un-
tergattung Derepteryx hat den Hinterleib seitlich vor den Halb-
decken erweitert, die Halsschildseiten flügelföürmig nach vorn bis vor
den Kopf vortretend.
Ref. (a.a. 0. S. 278) stellte eine neue Art, Hypselopus in-
carnatus, aus Vandiemensland auf.
Unygaeites. Neue Arten ebendaher sind: Lygaeus muti-
latus, Pachymerus lacertosus, torqualus, nigroaeneus
des Ref. (a. a. 0. 8. 279).
Capsini. Ebendaher ist Phytocoris varicornıs des Ref.
(ebendas. S. 280).— Ad. White (Transact. Ent. Soc. Lond. Ill. S. 93)
' beschrieb Calliprepes Grayii, von Nepal, eine neue Form die-
ser Familie, welche manches Abweichende zu haben scheint; und
Eucerocoris Westwoodii aus Sierra Leone, woher auch E. ni-
griceps Westw. stammt, dessen Heimath-bisher unbekannt war.
Aradites. Eine neue Art, Aradus australis, aus Van-
diemensland, ist vom Ref. (a. a. ©. 8. 281).
Reduvini. Ref. (ebendas.) bereicherte diese Fam, mit zwei
neuen Gatt.: /sodermus, mit äusserst plattem Körper, ohne Ne-
benaugen, und mit Haftläppchen zwischen den Klauen, mit einer
neuen Art: Z. planus; und Dicrotelus, Pygolampis und Steno-
poda ähnlich, aber durch gezähnte Klauen u. s. w. abweichend, mit
einer ungellügelten Art: D. prolizus; ausserdem vier neue Ar-
ten: Nabis geniculata, Pirates fuliginosus, Arilus au-
stralis, Emesa juncea, alle aus Vandiemensland,
Galgulites. Ebendaher ist Mononyx suberosus des Ref.
(a. a. 0. 8. 285).
Fulgorellae. Guerin (Deless. Souv. II. S. 66. T. 16.) hat
prächtige Abbildungen von Fulgora Delessertit und subocelluta ge-
geben. (Vergl. Jahresb. f. 1839 S. 321. — “Die früher aufgestellte
F. Rajah ist bier für einerlei mit F. pyrorbynchus Don. erklärt.)
Westwood (Ann. nat. hist. IX. S. 118) machte mehrere nene
Arten durch gedrängte, aber deutliche Beschreibungen bekannt: Fal-
gara(Pyrops) Spinolae, der FE. candelaria verwandt, von My-
soro und aus Assam; guttulata aus Nordindien, virescens.aus
268
Indien, F. (Episcius Spin.?) amabilis aus Mexico, Eurybra-
chis insignis von Malabar.
Ders. (Linnean Transact. XIX. Vol.) lieferte eine sehr werthvolle
Arbeit über die Gattung Derbe F., welche früher nur in sehr kur-
zem Abriss angezeigt war (vergl, Jahresb. f. 1840 S. 242) und welcher
der Verf. einige Zuträge angehängt hat. Der Gattungsname Derbe
ist auf solche Südamericaner beschränkt, welche einen kräftigen Bau,
längere Beine, bis zur Mitte des Hinterleibes reichenden Rüssel, kür-
zere Fühler und längere kahle Flügel haben. Der Verf. rechnet da-
hin D. huemorrhoidalis F.*), D. nervosa der biesigen Samml. (Stoll
£. 160) und zwei neue Arten, D. semistriata und strigipennis
aus Brasilien. — Eine zweite Gatt. Mysidia wird von solchen Süd-
americanern gebildet, welche schwächeren Bau, kürzere Beine, nicht
über die Hinterbeine hinausreichenden Rüssel, mässig lange Fühler,
kürzere, breitere, bestäubte Flügel haben: hierhin D. pallida F.
Perch., squamigera costalis, punctum, testacea, nivea F. und drei
neue Arten: M. albipennis aus Mexico (Vera Cruz), M. lacti-
flora und subfasciata aus Brasilien. — Eive neuholländische
Form bildet Diospolös W. (früher Lydda W.) mit kürzerem Rüssel,
kurzen Fühlern und langen, sehr schmalen, an der Spitze gerundeten
Vorderflügeln; D. elongata F. aus Neusüdwallis ist die einzige bis
dahin bekannte Art. — Tıhracia mit langen Fühlern (von dop-
pelter Kopflänge), drei Kielen auf dem Kopfschilde und sehr langen
schmalen, au der Spitze abgeschnittenen Vorderflügeln, ist auf D.
sinuosa und nervosa (Bohemanni Westw.) Bohem. aus Sierra Leone
gegründet, denen W. eine javanische Art, Thr. davanica nach-
träglich zufügte. — Phenice Westw., D. fritillaris, fasciolata,
stellulata Bohem. umfassend, hat das Kopfschild wie die vor., aber
kurze Fühler, kürzere und an der Spitze gerundete Vorderflügel,
und weicht von allen vorhergehenden durch längliche, merklich aus-
gerandete Augen ab; Nebenaugen sind deutlich. — Ein Paar sehr
kleine und äusserst zarte Formen von der westind. Insel St. Vincent
schliessen sich der Gatt. Anotia Kirby an: Patara mit grossen
unten ausgerandeten Augen, undeutlichen Nebenaugen, sehr grossem
warzigem 2. Fühlergliede: P. guttata und albida W. — und
Cenchrea, mit grossen unten ausgerandeten Augen, deutlichen
Nebenaugen unter den Augen, kleinen Fühlern mit rundlichem, höck-
rigem 2. Gliede; eine Art: ©. dorsalis W. — Endlich ist noch
eine neue Gatt. Zeugma aufgestellt, welche in dem Flügelgeäder
sich zwischen Derbe und Mysidia stellt, welche aber (nach der Ab-
bildung) darin abweicht, dass die Stirnkiele sich auf das Kopfschild
fortsetzen, auch haben die Hinterschienen in der Mitte einen Dorn;
eine neue Art, Z. vittata, unbekannten Vaterlandes.
*) Die D. haemorrhoidalis der hiesigen Sammlung weicht im Flü-
gelgeäder u. s. w. vom Westwoodschen Gattungstypus ab.
269
Membracides. Eine neue Art, Smilia informis, aus
Brasilien ist von Westwood (Ann. nat. hist. IX. S. 119) aufgestellt.
Cicadellae. Eversmann (Bull. Mosc. 1842. 8.797) gab eine
Nachricht über .‚die thränenden Weiden“ im Orerhurgischen Gou-
vernement. Die Ursach des Thränens dieser Weiden war die Larve
einer Aphropbora, welche der A. spumaria sehr ähnlich, aber lüng-
licher und einfarbig gelbgrau ist. Der Verf. nennt sie A. /ucry-
mans, sie ist indess schon von Fallen als A. salicis unterschieden.
Ref. (a.a.0. 8.235) beschrieb Aphrophora albicincta und
Eurymela bicincta aus Vandiemensland.
Nach Harris (a.a.0. S.184) wird Tettigonia Vitis Harr.
Am. Encycl. XVlll. 43 (1” lang, blassgelb, zwei Streifen auf dem
Köpf, der hintere Theil des Halsschilds, das Schildchen, die Wur-
zel, eine breite Mittelbinde und einige Striche vor der schwärzlichen
Spitze der Decken roth, Kopf mondförmig, die Ocellen dicht unter
der Stirnkante gelegen), dem fremden sowohl als einheimischen
Wein sehr nachtheilig; eine andere Art, T. Fubae, blassgrün,
Decken und Flügel wasserhell, das letzte Glied der Hinterfüsse
bläulich, der Kopf mondförmig, die Ocellen auf dem Stirnraude,
schadet der Windsor - Bohne.
Stridulantes. Westwood (Arcana Ent I. S. 92. T. 24. F.1)
stellte eine neue Gattung C’ystosoma auf, welche von Cicada im
Wesentlichen dadurch abweicht, dass der Hinterleib des Männchen
blasenförmig aufgetrieben ist und dass das Geäder der Vorderfllügel
von der Mitte an sechseckige Maschen bildet; C. Saundersii,
neue Art aus Neuholland.. — Auf derselben Tafel sind auch Abbil-
dungen von Polyneura ducalis Westw. u. Hemidictya frondosa Burm.
gegeben. — Ebendas. (S.97) gab W. eine Aufzählung der Arten von
Cicada mit undurchsichtigen Vorderflügeln, und vermehrte sie mit 2
ausgezeichneten neuen Arten, C. Mearsiana vom Himalajah, und
C. dives von Sylhet, welche auf Taf. 25 trefflich abgebildet sind.
(S. auch Ann. nat. hist. IX. S. 118)
Ref. (a.a.0. S. 286) beschrieb eine neue Art: C. torrida aus
Vandiemensland. Nachträglich kann ich berichten, dass diese Art,
nur in trocknen Sommern zur Zeit der grössten Hitze und Dürre
erscheint, und in der stärksten Mittagshitze ihren Gesang hören lässt.
Psyllidae. Unter dem von Jlliger für Livia gebrauchten
Namen Diraphia stellte Waga (Ann. d.1. Soc. Ent. d. Fr. X1. p. 275.
T.11. F. 11.12) eine neue Gattung auf, welche mit Livia in der
nächsten Verwandtschaft steht, und sich hauptsächlich durch das 2.
Fühlerglied unterscheidet, welches viel kleiner (etwa den vierten
Theil der Fühlerlänge betragend) und einfach eiförmig ist. Auch sind
die Vorderecken des Kopfes nicht spitz sondern abgerundet. D.
limbata lebt bei Warschau in Gebüschen.
270
Ref. (a.a.0. S.286) beschrieb Psy/la luteola und suhbfa-
scidta, neue Arten aus Vandiemensland.
Aphidii. Spence (Transact. Entom. Soc. of London. Ill. S. 98)
schildert die Verheerungen, welche von Blattläusen in den Äpfel-
gärten von Devonshire angerichtet sind. Der Schade geschieht nach
der Meinung des Verf. dadurch, dass die Blüthen verkümmern, indem
die sie begleitenden Blätter vor ihrer Entwickelung von den Blatt-
läusen angesogen werden. Sollte dies die berüchtigte Blutlaus,
Aph. lanigera Hausm. sein?
Hofmann Edl. v. Hofmannsthal: Die Caruba di Guidea,
Wien 1842, mit einer Abbildung, welche die Gallschote von Pistacia
Terebinthus, nebst der in ihr wohnenden gesellschaftlichen Aphis
darstellt.
Ein Paar in Massachusetts vorkommende Blattläuse siod nach
Harris (a.a.0. S. 190) Aphis Caryae Harr., ein Lachnus mit
weiss-wolligem schwarzem Leibe, 4 Reihen kleiner Querflecke auf
dem Rücken, schwarzen Flügeladern und rothbraunen Schienen, +4”
lang, saugt an den Zweigen der Carya porcina. A. Saliceti,
wahrscheinlich ebenfalls ein Lachnus, 1” Jang, schwarz ungelleckt,
die kurzen Honighöcker, das 3. Füblergl., die Beine und das Geäder
der wasserklaren Flügel lohgelb, lebt in grossen Haufen an der
Unterseite der Zweige verschiedener Weidenarten, und kommt im
October geflügelt vor. — Die anderen vom Verf. besprochenen Arten
scheinen mit europäischen übereinzukommen, so eine, welche von
Pflanzenwurzeln (z. B. der Chinesischen Astern) lebt, mit A. radicum,
eine andere auf Pfirsichhäumen mit A. Persicae Sulz., auch
die Blutlaus, A. /anigera Hausm, fängt an, auch in America sich zu
zeigen, ist indess zur Zeit noch wenig verbreitet.
Thysanura.
Eine durch Grösse ausgezeichnete neue Art machte Waga (Ann.
d. 1. Soc. Ent. d. Fr. XI. p. 264. T.11. F. 5—8) unter der Benennung
Achorutes bielanensis bekannt. Es ist eine eigentliche Podura,
welche sich der P. armata Nic. zur Seite stellt. Sie lebt bei War-
schau, in Niederungen des Waldes von Bielany am Ufer der Weichsel,
in grosser Menge. Der Verf. bemerkt, dass die Jungen anfangs
keine Spur der Springgabel haben, und wirft daher die Frage auf,
ob nicht die Arten von Anurophorus (Lipara Burm.) Junge dieser
Gattung sein mögten.
Paul Gervais machte aus dem Achorutes tuberculatus Nicol.
eine neue Gatt. Anoura, der er eine 2.A., A. rosea, hinzuge-
fügt. Charactere sind nicht gegeben. (Ann. d. ]. Soc. Ent. d. Fr. Xl.
p- XLVII.)
Parasita.
Diese Ordnung ist vonDenny in einer umfassenden Monographie
„Monographia Anoplurorum Britanniae, or an essay on the british
species of Parasites, Lond. 1842. 8., mit 26 ausgemalten Kupfertafeln
bearbeitet, Da die umfangreichen Untersuchungen von Nitzsch über die
Epizoen nicht zur Öffentlichkeit zu gelangen scheinen, füllt diese
Arbeit nicht nur eine fühlbare Lücke der eutomologischen Literatur,
sondern wird auch anregend und stützend für die weitere Erfor-
schung dieser wenig gewürdigten Thiere dienen. Die Bestimmung
der Arten, deren vom Verf. eine beträchtliche Anzahl neuer beob-
achtet sind, wird durch die trefllichen Abbildungen sehr erleichtert.
Die Eintheilung in Gattungen und Untergattungen ist die von
Nitzsch, nur ist eine neue Untergatt. Nitzschia*) (N. Burmei-
steri von der Thurmschwalbe ) unter Liotheum zugefügt. Ungern
vermisst man namentlich über die Mundtheile eigene Untersuchungen,
welche die verschiedene Entwickelung derselben in den verschiedenen
Abtheilungen verfolgten. Der Verf. hat sich begnügt, bei Pediculus
irrthümliche Zeichnungen früherer Beobachter wiederzugeben.
Eine treffliche Darstellung der auf unseren Haus- Vögeln und
Säugthieren lebenden Schmarvtzer-Insecten hat Gurlt (Mag. f. d.
ges. Thierbeilk. 8. Jahrg. 4. St. S. 409. T.IV und 9. Jahrg. 1. St. S.1.
T.1) gegeben. Die beigefügten Abbildungen sind meisterhaft, und
obschon schwarz, übertreffen sie bei Weitem noch die von Denny. Zwei
neue Arten sind vom Verf. beobachtet: Ornithobius Anseris auf
der Hausgans, und Trichodectus Caprae auf der Ziege.
Vorweltliche Imsecten.
Ueber fossile Insecten im Thonschiefer von Radoboj in Croatien
hat Unger (Verhandl. der Kais. Leop. Acad. d, Naturf. XIX. II. S. 415,
T. 71. 72) Nachricht gegeben. Sie überwiegen alle übrigen fossilen
Thiere an Gattungen, an Arten und Individuen, begleiten auch fast
alle Planzenabdrücke, und, was sehr auflallend ist, sie kommen mit
Fischen und deren Schuppen vereint auf einer und derselben Schie-
ferplatte vor. Häufig zeigen sie Spuren beginnender Fäulniss, zu-
weilen hat es aber auch den Anschein, als ob die Thiere lebendig
begraben wurden. Am zahlreichsten finden sich Hymenopteren,
namentlich Ameisen, dann Dipteren, Coleopteren, Hemipteren und
Neuropteren, und selbst der farbige Flügel eines Schmetterlings hat
sich gefunden. Abbildungen hat der Verf. hier von mehreren Dipte-
ren mitgetheilt, nämlich Ahipidia extiucta, maior, Bibio
*) Der treffliche Nitzsch hat bekanntlich schon längst die Ehre
gehabt — so ist es wenigstens gemeint — seinen Namen einer Ein-
geweidewürmer - Gattung zu leihen.
272
Murchinsonis, gracilıs, lignarius, giganteus, enterode-
Zus, Leptogaster Hellii.— Hieran schliesst sich eine Abhandlung
von v. Charpentier (ebendas. XX. S. 401. T.21—23), „über einige
fossile Insecten aus Radobo) in Croatien,“ in welcher die Abdrücke
von Oedipoda melanosticta, Myrmeleon brevipennis, re-
ticulatus, Libellula platyptera, Sphinz atavus, Hylo-
toma? cineracea, Termes pristinus dargestellt sind. Beach-
tenswerth ist, was der Verf. von der Entstehung dieser Abdrücke
bemerkt, und welches auf die geologisch wichtige Frage, über die
Art der Catastrophe, welche eine frühere Schöpfung vernichtete,
einiges Licht wirft. Diese Insecten, meint der Verf., gehörten dem
Lande und der Luft an, ihre zarten Theilchen seien auf eine solche
Weise erhalten, dass die Ansicht, sie mögten von einer Wasserfluth
verschlungen sein, keinen Raum finde, eher sei anzunehmen, sie
seien durch Gasströmungen getödtet, niedergefallen, von einem
Staub-Aschenregen eingehüllt, oder von einem feinen Schlammregen
bedeckt worden. Untersuchung an Ort und Stelle könne hierüber
näheren Aufschluss geben. Dass sie erst während der Catastrophe
getödtet seien, sei dadurch wahrscheinlich, weil todte Insecten ik
Freien sehr bald vernichtet oder von anderen Insecten aufgezehrt
würden.
Arachniden.
Einige Resultate aus Untersuchungen über die Anatomie
der Arachniden theilte Grube (J. Müller’s Arch. f. Anat. u.
Physiol. 1842. S. 296) mit. Sie enthalten manchen wichtigen
Fingerzeig. Der Verf. zeigt u. a., dass der gewöhnlich. als
Zunge gedeutete Theil über der Mundöffuung liege und somit
als Oberlippe zu deuten sei, — dass wenigstens bei den von
ihm genauer untersuchten Argyroneta und Epeira die Ring-
form des Magens nur scheinbar sei, und eine solche nur da-
durch entstehe, dass sich die vordersten Zipfel mit ihren
Spitzen unmittelbar an einander legen, ohne indess in einan-
der überzugehen, — dass das Herz der Spinnen und Scor-
pionen seitliche Öffnungen besitzt, und von einem häutigen
Behälter umschlossen ist, mit welchem es durch jene Öffnun-
gen communicirt.
Die Entwickelungeschichte der Zyeosa saccata wurde von
Rathke beobachtet (Froriep N. Notiz. XXIV. S. 165).
Ein Verzeichniss der auf Tschusan beobachteten Arach-
niden wurde von Cantor (Ann. nat. hist. IX. S. 491) gelie-
273
fert. Die Arten aus den Gatt. Altus, Thomisus , Hypoplatea,
Lathrodectus (?), Uloborus, Tetragnatha, Epeira, Phalan-
gium, sind mit Ausnahme der Zpeira fasciata Walk., als neue
mit kurzen Diagnosen angezeigt.
Araneae.
Blackwall legte der Linneischen Gesellsch. zu London seine
ferneren Beobachtungen über die britischen Spinnen vor, worüber in
der Proceed. (Ann. nat. hist. X, S.407) eine vorläufige Anzeige ge-
macht ist.
Drassides. Über die Malmignatte (Luthrodeetus 13gut-
tatusRoss,, malmignatus Walk.) theilte Graells (Ann. d.1.Sor. Ent,
d.Fr. XI. p.205) schöne Beobachtungen mit, welche theils die Lebeus-
weise, theils die giftigen Eigenschaften dieser Spinne betreffen.
Die Malmignatte findet sich vorzugsweise in der Landschaft Tarra-
gona in Catalonien, wo sie indess vor 1830 unbekannt war, aber in
den Jahren 1830, 33 und 41 eine Plage wurde. Sie macht ein un-
regelmässiges Fangnetz in kleinen Vertiefungen des Bodens, mit-
telst welches und ihres giftigen Bisses sie sich solcher Insecten be-
mächtigt, die mehrmals grösser sind als sie selbst; ausserdem legt
sie noch eine sauber gearbeitete Zelle an, welche unter einigen
trocknen Blättern versteckt ist, und ihr als Schlupfwinkel dient.
Mit der Malmignatte fanden sich auch noch L. oculatus und erebus
an gleichen Orten, und zeigten eine gleiche Lebensweise. Als auf-
fallend bemerkt der Verf., dass die Malmignatten-Jahre zugleich
Heuschrecken - Jahre waren.
Mygalides. Die Hefte 4—6 des 9. Bandes der Arachniden
von Koch enthalten nur Mygaliden, nämlich M. avicularia L. und
hirsutissima n. A. aus Südamerica, M. versicolor, zebra Walk.,
diversipes, plantaris, unthracina, Iycosiformis, detrita
aus Brasilien, plumipes aus Surivam, rosea Walk. aus Chile, /aeta,
caesia von Porto Rico, drassiformis, incana von St. Thomas, _
Cafreriana, funebris Walk., aus Südafrica, Javanensis Walk. von
Java, ursina, convexa, felina, unbekannten Vaterlandes; ferner
Actinopus caffer vom Cap, /oricatus aus Mexico, tarsalis
und /ongipalpus aus Montevideo, endlich eine neue Gatt. Tera-
todes, mit langen starken Beinen, sehr langen Tastern (Z') und
zwar kleinem aber hokem Augenhügel, auf dessen Gipfel und an
dessen Seiten die Augen gestellt sind; mit einer neuen Art, T. de-
pressus aus Brasilien.
Dysderides. Hentz (Sillim. Am. Journ. XLI. S. 116) stellte
eine neue Gatt. Spermophora auf. Sie hat die Augen in zwei
Häufchen, so dass drei gleich grosse jederseits dicht neben einander
stehen. Die Beine mässig lang, dünn, das erste Paar das längste,
Archiv f. Naturgesch, IX, Jahrg, 2. Bd, Ss
274
dann das 4. und 2. fast von gleicher Länge. Die Mandibeln kurz,
kegelförmig, mit sehr kleinen Klauen. ‘Sie gleicht in den Mundthei-
len Pholcus, hat aber kürzere Beine und nur 6 Augen. Sp. meri-
dionalis lebt in Alabama, an dunklen Orten unter Kehrigt, macht
ein sehr loses Gewebe; das Weibchen trägt die nur an einander ge-
leimten Eier (olıne Gespinst) in den Mandibeln mit sich herum, bis
die Jungen auskommen.
Die Gatt. Argyroneta schliesst sich nach den trefflichen Unter-
suchungen von Grube den Dysderiden an, und wird vielleicht zur
Aufstellung einer eigenen Familie Anlass geben. Sie hat nämlich
ausser den Lungensäcken noch Tracheen, welche pinselförmig aus
kurzen, hirter den Lungensäcken mündenden Stämmen entspringen,
und die Eigenthümlichkeit zeigen, dass sie sich nicht verzweigen
(J. Müller’s Archiv. 1842. S. 300). In einer ausführlichen, sehr anzie-
henden Abhandlung über die Lebensweise der Argyroneta uquatica
(Preuss. Prov. Blätter 1842) fügt der Verf. die wichtige 'Thatsache
hinzu, dass bei diesen Spinnen sich die Gefässverbreitung auf den
Hinterleib beschränke, und er nichts von derselben, wie bei andern
Spinnen, im Vorderleibe bemerken, konnte, so dass im Vorderleibe
TWracheenathmung stattzufinden scheint. Wahrscheinlich tritt auch
aus den Tracheen die Luft, welche die Spinne umgiebt, sobald sie
im Wasser untertaucht. Dieses Luftkleid wird durch einen eigenen
Firnissüberzug vom Wasser abgeschlossen, und es verschwindet
nach des Verf. Versuchen an solchen Stellen, die man unter Was-
ser mit einer Nadel kratzt, und erscheint auch nicht beim Unter-
tauchen der Spinne, wenn man vorher durch Betupfen mit Äther den
Firniss entfernt hat.
Solifugae.
Phrynides. Vortreflliche Untersuchungen hat Van der
Hoeven (Tijdschr. v. natunrl. Geschied. en Physiol. IX, S. ‚68. T. 1)
über die Gattung Phrynus angestellt, welche z. Th. die äussere und
innere Anatomie des Phrynus medius zum Gegenstände lhaben. Über
den inneren Bau ist folgendes zu bemerken: der Darmkanal ist
gerade, ohne Seitenäste, die nach der Leber oder dem Fettkörper
gehen, wie bei den Scorpionen. Über die Geschlechtstheile konnte
der Verf. nichts mittheilen. Das Nervensystem, so weit es im Ce-
phalothorax liegt, schien dem Verf. aus einem grossen Knoten zu
bestehen, von dem strahlige Äste an die Beine abgehen. Nach hinten
geht ein Strang, der sich im Hinterleibe in zwei Äste spaltet, von
denen unter scharfen Winkeln Fäden an die verschiedenen Theile
abgehen. Die Athemwerkzeuge liegen je ein Paar zwischen dem
1. und 2., und dem 2, und 3. Hivterleibssegment, und bestehen aus
gegen 80 dicht auf einander liegenden Blättchen. Zuletzt giebt der
Verf. noch eine ausführliche und gründliche Beurtheilung der von
den verschiedenen Schriftstellern abgebildeten oder beschriebenen
275
Arten, unter denen wir indess Koch vermissen, welcher im 8. Bd.
1. Hft. seiner Arachniden eine Reihe von Arten abbildete. (S. Jahresb.
f.1840. p.246.) So viel geht indess aus dieser Zusammenstellung
hervor, dass die hiesige Sammlung auch in dieser Gattung einen
überwiegenden Reichthum besitzt, und ich werde auch nicht ver-
säumen, der Aufforderung des Verf., über dieselben gelegentlich
Auskunft zu geben, nachzukommen.
Scorpionides. Im 1. Hefte des 10. Bandes seiner Arachni-
den hat Koch folgende neue Scorpione abgebildet: Ischnurus
melampus vom Cap, Opistophthalmus pallipes ebendaher,
Vaejovis nitidulus aus Mexico, V. carolinus aus Carolina, T.
flavescens aus Brasilien, V. usperulus aus Mexico, vielleicht
nicht vom V. Mexicanus verschieden, Brotheas bonariensis
von La Plata, Br. nigrocinctus unbekannten Vaterlandes, Br.
erythrodactylus aus Brasilien, Scorpius Oravitzensis aus
dem Banat, dem Sc. Banaticus sehr nahe stehend, Sc. Naupliensis
aus Griechenland, ebenso vom Sec. Italicus nur leise verschieden.
Guyon (Rev. Zool. S. 17. PInstitut 8. 43) berichtete der Pariser
Academie, dass im Norden Algeriens sich vier Arten von Scorpionen
finden, und dass die Zufälle, welche der Stich des Sc. occitanus
beim Menschen veranlasst, rein örtlich sind und binnen 24 Stunden
verschwinden. Bei kleinen Thieren (Hunden, Katzen, Kaninchen)
stellen sich allgemeine Erscheinungen ein, welche sich so steigern
können, dass der Tod erfolgt. (Sorgsame Nachrichten über die Al-
gierischen Scorpione haben wir von Moritz Wagner (Reis. in Al-
gierIll. S.215— 21), welcher 5 Arten beobachtete und über ihr
Vorkommen und die verschiedene Stärke ihres Giftes genaue An-
gaben machte).
Obisides. Eine neue Art, Chelifer Bravaisii, von Al-
gier, wurde von Gervais (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. Xl. S.XLVI)
angezeigt.
Galeodides. Eine systematische Übersicht über diese Familie
gab Koch in diesem Archiv 1.Bd. S.350, welche eine grosse Reihe
von Arten, fast ausschliesslich aus der hiesigen Sammlung kennen
lehrt. Sie sind in 5 Gattungen zerlegt, deren auflallendste Ver-
schiedenheiten in den Zahlen der Fussglieder bestehen: So/puga
Licht.: das 2. und 3. Beinpaar mit 4, das 4. Beinpaar mit 7 Fuss-
gliedern ausser dem Fersengliede: 10 Arten, eine aus Ägypten, die
übrigen vom Cap. — Galeodes Ol.: das 2 und 3. Beinpaar mit 2,
das letzte mit 3 Gl.: 7 Arten, zwischen Vorderindien, Südrussland
und Ägypten verbreitet. — Aellopus: alle 3 Beinpaare mit 2 Gl,
das hinterste ohne Krallen: 1 neue A. aus Südafrica. — Rhax
Herrm.: kurzer ungegliederter Fuss an allen Beinen, verstecktes
Endgl. der Taster: 4 A. aus Arabien und Ägypten, Gluvia: langer
S#*
276
und dünner ungegliederter Fuss an allen Beinen, freies Endgl. der
Taster: 7 Arten, davon 1 aus Portugal, die übrigen aus Mittel-
america. ‘(Letzteren wären noch einige in Guer. Mag. d. Zool. abge-
bildete Arten hinzuzufügen).
Opiliones.
Gervais (Mag. d. Zool. 1842. Arachn. pl.2—5) hat ein Paar
neuer Arten: Gonyleptes planiceps Guer., von der Maghellan-
strasse und Stygnus inflatus Guer., von Cayenne, beschrieben
und abgebildet, und eine neue Gatt. Phalangodes aufgestellt,
welche leicht mit Pachylus Koch identisch sein’könnte, und selbst
die Art, Ph. anacosmetus, fragweise aus Neuhollaud bezeichnet,
ist vermuthlich nichts anderes als P. granulatus Koll. aus Chile;
endlich ist noch eine Art von Cosmetiden unter der Benennung Coy-
meius flavicintus zugefügt, sie ist kein eigentlicher Cosmetus,
da sie den Hinterrücken zweihöckrig hat, ob sie aber eine Flirtea
oder eine der verwandten Kochschen Gattungen sei, ist nicht zu be-
stimmen, da die Zahlen der Fussglieder unberücksichtigt geblieben
sind. Sie ist in Bogota zu Hause und zeichnet sich vor den andern
Cosmetiden durch die dornig-rauhen hinteren Beine aus.
Acari.
Die Kenntniss dieser Ordnung ist wesentlich gefördert worden
durch Koch’s „Übersicht des Arachnidensystems, 3.Hft. 1. und 2.
Abtheil.“ Die beiden vorliegenden Hefte erstrecken sich auf die Hy-
drachniden und Trombididen Sund.
Die erste Abtheil. der Milben bilden nämlich die schwimmfüssigen
Wassermilben, mit zwei Familien, Flussmilben HAygrobati-
des und Weihermilben Hydrachnides, die erste mit 2, die zweite
mit 4 Augen. Zur ersten gehören die Gatt. Atax Dug., Nesaea K.,
Piona K., Hygrobates, Hydrochoreutes K. (die früher vom Verf. au-
genommene Gatt. Spio mitenthaltend), Arrhenurus Dug., Atractides,
Acercus (früher Tiphys) K., Diplodontus Dug., Marica K.; die
zweite umfasst Limnesia K., Hydrachna Müll., Aydryphantes K;,
Hydrodoma K., Eulais Latr.
Als eine eigene 2. Abtheil., Sumpfmilben, sondert der Verf.
mit Recht diejenige ab, welche obschon im Wasser oder wenig-
stens im Nassen lebend, keine Schwimmfüsse hat. Das Schwimm-
vermögen fehlt daher auch. Diese Milben haben einen langen stu-
fenweise abgesetzten, dicken Rüssel, 7gl. Beine, deren zwei vordere
Paare von den zwei hinteren durch einen weiten Zwischenraum
getrennt sind. Es gehören hieher die Gatt. Limnochares Latr.,,
Thyas K., beide im Wasser lebend, ungeschickt unter demselben
kriechend, Smaris Latr. uud Alycus K., beide auf nasser Erde oder
unter nassem Moose lebend.
Die dritte Abtheil. der Milben bilden die Landmilben (so hatder
277
Verf. es später berichtigt, ‘da im Text aus Versehen noch einmal
„Sumpfmilben‘ steht), mit 7gl. Beinen olıne bewegliche Borsten .au
dens., mit einem einfachen Häkchen an der Spitze der Kinnladen;
auf der Erde lebend. Die 1. Fam. ders. bilden die Sammtmilben,
Trombidides, mit ‘freien spindelf. Tastern, deren vorletztes Glied
klauenförm., und deren Eudglied am Grunde desselben als ein be-
weglicher beutelförm. Anhang eingelenkt ist; die Augen an den Sei-
ten der Mundröhre auf einem Eckchen. Auf die Gatt, Trombidium F.
beschränkt, von der 35 A. aufgeführt und darunter T. grandis-
simum vom Vorgeb. d. g. Hoffo., T. barbatum vom Senegal, T.
Slavipes aus Südfrankreich, T. hirsutissimum aus Griechenland
als neue Arten beschrieben und abgebildet sind. — Die 2. Fam.
Ziermilben, Rhyncholophides, unterscheidet der Verf. dadurch,
dass die Augen seitwärts auf dem Rücken des Vorderleibes stehen.
Sie enthält die Gatt. Rhyncholopus Dug., Smaridia Dug., Erythraeus
Latr., Stigmaeus K., Caligonus K., Raphignathus Dug., Actinedu
K., Tetranychus Dug.
Eine vierte Abtheil.: Laufmilben, bildet der Verf. aus solchen,
welche 6gl. Beine, und an der Spitze der Kinnladen eine kleine
Zange haben. Die 1. Fam. Eupodides, mit zwei kleinen kaum
sichtbaren Augen, deutlich von einander abgesetzten Vorder- und
Hinterleibe, freien spindelf, Tastero und kurzem Rüssel, verlänger-
ten, zum Gehen und Tasten dienenden Vorderbeinen, gern auf
feuchten Stellen der Erde lebend, enthält die Gatt. Bryobia, Scy-
phius, Pentaleus, Linopodes, Eupodes, Tydeus K.
Die Gattungen sind ausser den Beschreibungen noch durch Um-
risszeichnungen deutlich gemacht. Die Arten derselben sind mit
Hinweis auf des Verf. „Deutschl. Crust., Myriap, u. Arachn. ‚“ wo
auch die Gattungen meist schon den Namen nach aufgeführt waren,
auf Müller’s u. A. Abbildungen aufgezählt.
Verschiedener Milben gedachte Gervais (Ann. d. I. Soc. Ent. d.
Fr.XI. S.XLVI.): Holothyrus ist eine neue Gattung der Familie
der Oribateen, mit oben gewölbtem, schildförmigem, unten plattem,
seitlich gerandetem Körper, das obere Schild aus einem einzigen
Stück bestehend; ohne Augen, mit langen 4gl., beweglichen Tastern,
langen Beinen mit Klauen: eine Art, H. coocinella unbekannten
Vaterlandes. — Dermanyssus coriaceus, auf den Flügeln des
Vespertilio noctula lebend; ein anderer Dermanyssus, der nicht
näher erörtert ist, wurde unter den Schuppen von Coluber natrix
gefunden. Ebenfalls nur genannt sind Jwodes Walkenaeri vom
Rhinoceros, /. Bibroni von einer Boa, I. coxalis von einem
neuholländischen Skink.
Eine vortreffliche Darstellung auf Hausthieren schmarotzender
Milben gab Gurlt (Magaz. f. d. ges. Thierheilk, IX, Jahrg. 1. St. 8. 18.
T. 3).
Viel Aufschen erregte eine werthvolle Entdeckung des Dr. G.
278
Simon, nämlich die einer in der menschlichen Haut lebenden Milbe.
(Müller’s Archiv f. Anat. u. Physiol. 1842. 8.218. T. 11.) Inzwischen
hatte auch Henle dasselbe Thier aufgefunden, und im Zürcher öf-
fentlichen Beobachter (Dec. 1841) eine Nachricht darüber mitgetheilt,
indess die Natur des Thieres in so fern verkannt, als er es für einen
Eingeweidewurm zu halten geneigt war. Später (Bericht über die
Verhandl. d. naturf. Gesellsch. in Basel V. S. 191) theilte auch Mie-
scher seine Beobachtungen über dasselbe mit, welche die von Simon
im Allgemeinen bestättigen, in einzelnen Fällen erweitern. — Si-
mon fand die „', lange Milbe zuerst in Comedonen, bald aber auch
in gesunden Haarsäcken der menschlichen Haut, und es zeigte sich
bald, dass sie in denselben ohne Nachtheil hausen kann; gewöhnlich
fand sich nur eine Milbe in jedem einzelnen Haarsacke, zuweilen
aber auch 2, selten mehr, einmal wurden in einem erweiterten,
mehrere Haare enthaltenen Haarsack eine Gesellschaft von 13 Ind.
gefunden, Die Untersuchungen wurden meist an der Haut der Nase
(Simon) u. des äusseren Gehörganges (Henle, Miescher) gemacht. Simon
beobachtete drei verschiedene Zustände des Thieres, welches in vie-
len Puncten auffallend. von andern Milben abweicht, vorzüglich durch
die Beine, welche kurze Stummel, ähnlich denen der Tardigraden,
an der Spitze mit Klauen besetzt sind. Bei der ungleich am häufig-
sten- vorkommenden Form ist der Körper lang und schmal, linien-
förmig, namentlich der Hinterleib stark verlängert und es sind 4
Fusspaare vorhanden. Die Mundtheile bestehen aus einem ziemlich
kurzen vorgestreckten Rüssel, der aus einer myrthenblattartigen
Unterlippe, und den derselben aufliegenden zugespitzten Mandibeln
zusammengesetzt ist, und aus einem Paar 2gl., dem Rüssel anlie-
gender Taster, deren knöpfchenförmiges Endglied nach allen Rich-
tungen beweglich ist. — Bei einer anderen Form sind die Fusspaare
ebenso, aber der Hinterleib merklich verkürzt kegelförmig; bei einer
dritten die lange und selbst noch schlankere Körperform der ersten,
aber nur drei Fusspaare. Die letzte halte ich für den jüngsten Zu-
stand, die zweite für den am meisten herangereiften. Das die Ent-
wickelung mit diesen drei Formen abgeschlossen ist, scheint mir
nicht wahrscheinlich, und es bedarf noch weiterer Beobachtungen.
Der innere Bau ist bisher noch unbekannt geblieben; so ist auch von
Fortpflanzungs- Organen nichts wahrgenommen. ‚So lange diese
nicht nachgewiesen sind, bleibt es zweifelhaft, ob nicht alle drei
Formen noch Jugendzustände einer vielleicht ganz anders gestalte-
ten und an ganz anderen Orten vorkommenden Milbe sind. In dieser
Rücksicht wagte Simon auch nicht ihr einen eigenen Gattungsnamen
zu geben, sondern bezeichnete sie nur als Acarus folliculo-
rum, Miescher war mit diesem Namen nicht zufrieden, und legte
ihr den Namen Macrogaster platypus bei.
Eine andere Milbe ist in Comedonen der menschlichen Haut vier-
mal in gleicher Form vom Prof. Erdl gefunden und in Jul, Vogel
279
Icones Histologiae pathologieae T. 12. .F. VII. abgebildet. Sie ist
nicht näher bestimmt, die Figur zeigt aber einen Dermanyssus, mit
dem D. avium fast vollkommen übereinkommend bis auf längeren,
die Taster noch beträchtlich überragenden Rüssel.
Vor einiger Zeit war in England viel Lärm gemacht über ein
Experiment von Crosse, durch den Galvanismus eine besondere Mil-
benart hervorzubringen. Im vergangenen Jahre ist die Angelegenheit
auch vor die Entomologen gekommen. Newport machte der Ent,
Gesellsch. zu London Mittheilungen ven einem Hro. Wheekes,
welcher auf dieselbe Weise wie Crosse die Milben gemacht hatte, Gray
dagegen versicherte, dass Children im Brit. Museum sich Monate
lang vergebens bemüht habe, sie zu Stande zu briogen. (Proceed.
Ent. Soc. 8.55. Ann, nat. hist. X. S. 69.) — Endlich wird im Entomo-
logist (S. 307) erzählt, dass ein (nicht genannter) Entomolog in
Exeter, dem die Crossesche Milbe gezeigt sei, dieselbe für einen
in den Häusern sehr verbreiteten, ihm wohl bekannten Acarus er-
klärt und hinzugefügt habe, Crosse habe ein ganzes Nest dieser
Milben io seinem Hause, ohne es zu wissen, und so komme es, dass
wenn eine derselben zufällig auf seinen Apparat gelange, er glaube
dieselbe durch sein Experiment hervorgebracht zu haben.
Pyenogonides.
An neuen Arten erhielt diese Ordnung durch Goodsir (James.
Edinb, N. Philoph. Mag. XXX. S. 136. T.3) einen Zuwachs: Pho-
wichilidium globosum (mit kuglig angeschwollenen Schenkeln)
von Orkney, Pallene circularis von Frith of Forth, Pephredo
hirsutaaus der deutschen See, Nymphon Johnstonii ebendaher,
N. pellucidum und N. minutum von Fritlı of Forth, N. spino-
sum ohne Angabe des Fundorts. — Die neue Gatt. Pephredo hat
zu Kennzeichen: (scheerenförm. Kiefer) 3gl. Taster von der Länge
des kurzen, walzenförm. Rüssels, 6g1. eiertragende Füsse; das 1.
Fussgl. klein; keine Nebenklauen. Sie kommt hierin im Ganzen mit
Phanodemus Cost. (S. dies. Arch. 1843. 1. Bd. S. 181) überein, weicht
aber in der Körperform ab, welche die schmale und eingeschnürte
von Nymphon ist, während bei jener der Leib scheibenförmig ist; so
dass beide Gattungen nicht zu vereinigen siod. Näher schliesst sich
Pephredo an Nymphon an.
Crustaceen.
Die auf Tschusan beobachteten Crustaceen hat Cantor (Ann.
nat. hist. IX. 8.490) übersichtlich bekannt gemacht; es sind: Curci-
nus olivaceus n. sp. (supra olivaceo-virescens, infra albus, parte
anteriore marginis interni femoris spina armata). — Sesarma te-
tragona n. sp. (superne viridis, infra griseo - virescens, brachiis
manibusque rubris). — Ses. quadrata Edw. — Paluemon ornalus
OL, — Syquilla mantis #, — ein unbestimmter Limnukus.
280
Decapoda.
Zur Entwickelungsgeschichte der Decapoden hat
Rathke in den Neuest. Schr. der Naturf. Gesellsch. in Danzig. 3. Bd.
4. Hft. S.23 einen Beitrag gegeben, welcher die bereits im 6. Jahrg.
dies. Arch. 1. Bd. S. 241 über Astac. marinus, Pagur. Bernhardus,
Galathea rugosa und Hyas araneus gemachten vorläufigen Mitthei-
lungen vervollständigt, und zuletzt, nach wiederholter Untersuchung
der Entwiekelung des Flusskrebses, die Verwandlungsgeschichte der
Decapoden unter folgende allgemeine Gesichtspuncte fasst. 1) Thomp-
sons wichtige, früher vom Verf. bezweifelte Entdeckung der Meta-
morphose der Erustaceen bestättigt sich vollkommen. 2) Wohl kein
Decapod kommt im Äussern vollkommen ausgebildet aus demEi, selbst
beim Flusskrebs, wo die Abweichung am Geringsten ist, ist das Fehlen
der 4 Seitenblätter des Fächer und verhältnissmässig kürzerer und
dickerer Brusttheil und dünnerer Schwanztheil zu bemerken, Beim
Hummer fehlen die Afterfüsse und die Gangfüsse haben zum Schwim-
men dienende Anhänge, die Jungen von Pagurus, Galathea, Cran-
gon, Palaemon und Hyas haben, wenn sie das Ei verlassen, weder
Beine (d. h. Hinterleibsbeine), Afterbeine und Kiemen, die Verhält-
nisse des Cephalothorax und Hinterleibs sind ganz andere, ersterer
hat öfter Fortsätze, welche später eingehen. 3) Die wesentlichste
Formverschiedenheit zwischen Jungen und Alten wird dadurch be-
dingt, dass das sog. Bruststück (der Vordertheil des Hinterleibes),
während des Fruchtlebens in seiner Entwickelung und damit auch
die der Gangbeine und Kiemen mehr oder weniger zurückgeblieben
ist. Am weitesten in ihrer Entwickelung vorgeschritten findet man
diese Theile beim Flusskrebs, bei denen von Pagurus, Galathea u. a.
fehlen sie ganz. 4) Die Ausgleichung dieser Verschiedenheiten ge-
schieht im niedern Grade durch Veränderung der Proportionen (wie
es beim Flusskrebs der Fall ist) in höhern durch Umgestaltung ein-
zelner Theile so wie des ganzen Körpers. 5) Die Formverschie-
denheit zwischen den jungen und alten Individuen derselben Art ist
um so grösser, je weniger entwickelt im Allgemeinen der Embryo
das Ei verlässt. 6) Die Ursachen der Metamorphose der Decapoden
sind folgende: A) es bilden sich noch Körpertheile nach; B) schon
vorhandene nehmen an Grösse zu, ohne ihre Form wesentlich zu
verändern, C) oder sie verändern zugleich ihre Form; D) dagegen:
bleiben andere in ihrem Wachsthum zurück, und E) noch andere
werden gänzlich abgeworfen. — 7) Bemerkenswerth ist der Um-
stand, dass der Flusskrebs, wenn er aus dem Ei kommt, sich nur
kriechend bewegen kann, während die Jungen der im Meere leben-
den Decapoden schwimmen. — 8) Für die Gliedmassen’der Decapo-
den scheint der Plan im Allgemeinen der zu sein, dass sie in zwei
Äste auslaufen, und dass bei fortschreitender Entwickelung jeder
Ast eine andere Forın und Verrichtung erhält. (Wenn man findet,
dass bei Deca- und Stomapoden die kiementragenden Füsse ein-
fache, die kiemenlosen aber Spaltfüsse sind, liegt der Schluss nahe,
281
dass die Kiemen dem zweiten Ast der Füsse entsprechen; nach des
Verf. Beobachtung am Hummer verhält es sich aber anders, es wer-
den die Kiemen für sich gebildet, und der eine Ast der Gangfüsse
geht gänzlich ein.) — 9) Bei einigen Crustaceen bleiben die Spalt-
füsse zeillebens (Mysis). 10) So sehr die jungen Hummern auch
Schizopoden gleichen, namentlich in ihren Bewegungswerkzeugen,
geht bei diesen die Entwickelung im Allgemeinen doch nach einem
ganz anderen Plane vor sich. 11) Die Amphipoden scheinen ohne
Ausnahme zur Zeit, wo sie aus dem Ei kommen, ihren Eltern sehr
äbnlich zu sein, in andern Ordnungen, namentlich den Decapoden
und Isopoden, kommen grosse Verschiedenheiten vor.
&oodsir (James. Edinb. N, Philos. Journ. XXI. 8.181) bestät-
tigte gegen Westwood Thompsons Entdeckung einer Verwandlung
der Decapoden an Careinus Maenas und Pagurus Bernherdus, ohne
mit dem bekannt zu sein, was in diesem Puncte von deutschen Zoo-
logen ermittelt ist.
Kröyer theilte in seiner Monographie der nordischen Hippolyte-
Arten (s.u.) seine Beobachtungen über die Entwickelung von Hip-
polyte, Homarus und Cymopolia mit. Der Embryo von Cymop. Ca-
ronii zeichnet sich von den Embr. anderer Brachyuren dadurch aus,
dass nur das hinterste Paar der Kiefer- (Thorax-) Füsse nach
aussen vorragt, (Rücken- und Stirnstachel zeigen sich erst nach
der ersten Häutung). Die Darstellung des Embryo vom Hummer
stimmt wesentlich mit der von Ratlıke überein. Die Jungen von
Hippolyte polaris haben sehr grosse sitzende, innen zusammenstos-
sende Augen, die Fühler unter den Augen stehend, die innern 3gl.
die äussern 6gl., und mit 2gl. blattförm. Anhang. Die Kieferfüsse
gespalten, der äussere Ast des 2. und beide Äste des 3. Paares ver-
läugert; die Gangfüsse kurz und einfach, die Füsse des Schwimm-
schwanzes aus einem gemeinschaftlichen Grundgliede und zwei
Blättchen bestehend.
Joly (Instit. S,239. Rev. Zool. S.229) hat die Jungen von Hip-
polyte Desmarestii beobachtet. Die aus dem Ei kommenden hatten
Schizopoden-Füsse, ähnlich denen von Mysis, einen Stirnspiess,
einen spatelförm. Schwanz, keine Schwanzfüsse; drei Paar Brust-
füsse, sehr grosse sitzende Augen, ungegliederte Fühlerstummel,
keine Kiemen. Die Bildung des Mundes gelang bei dem höchstens
2” langen Thierchen dem Verf. nicht vollkommen zu erkennen, doch
unterschied er die Mandibeln, zwei Paare ganz entwickelter Unter-
kiefer und ein einziges Paar von Kieferfüssen. — Offenbar zeigen
die Jungen dieser Art mehrere Abweichungen von der von Kröyer
beobachteten, doch entfernt sich Desmarestii auch in anderen Hin-
sichten von den eigentl. Hippolyten.
Schr erfreulich ist, dass die Beobachtungen über die Entwicke-
lung der Decapoden, welche su grosse Mannigfaltigkeit darbietet,
sich auf diese Weise mehren.
282
Die. Decapoden von Irland sind von W. Thompson (Ann. nat.
hist. X. S. 274) aufgezählt und das Verzeichniss mit reichen Bemer-
kungen über Vorkommen ausgestattet. Der vorliegende Theil dieser
Aufzählung enthält die Brachyuren.
Parthenopii. Milne Edwards u. Lucas (Archiv. du Mus.
@’hist. nat. II, S. 479. T. 28.) machten zwei neueArten bekannt, deren
eine auch eine neue Gattung bildet, Eurynolambrus genannt,
weil sie die Kennzeichen von Eurynome und Lambrus verbindet. Es
ist nämlich der Panzer an den Seiten stark erweitert, das 2. und 3.
KEusspaar bedeckend; das Grundglied der äussern Fühler sehr gross,
vorn mit der Stirn verschmolzen; der bewegliche Theil neben der
Grube der innern Fühler eingefugt; die Art E. australis ist von
Neuseeland. — Die andere, Cryptopodia angulosa, unbekannten
Fundorts, unterscheidet sich von der bekannten Cr. fornicata durch
gekerbte Panzerränder,
Grapsoidei. Eine neue Art, Grapsus strigilatus Ad.
White (Gray Zool. Miscell. II. S.78) von Neuseeland, ist mit Gr.
varius verwandt.
Homolii. Milne Edwards und Lucas (Archiv. du Mus.
d’hist. nat. II. S. 463. T. 24— 27.) stellten eine neue Art der Gattung
Lithodes auf, L. brevipes, aus der Südsee, durch Kürze des
Rostrum und der Beine ausgezeichnet.
Hippides. Dies. (ebendas. S. 474. T.28.) errichteten eine
neue Gattung in dieser Familie, Aldunhippa benannt, weil sie
sowohl mit Albunea als Hippa nahe Verwandtschaften zeigt. Die vier
Fühler sind von gleicher Länge, die äussern dicker, die innern an
der Spitze. gespalten; die Augenstiele dünn, walzig; die beiden Vor-
derfüsse mit einer zweifingrigen Scheere. Die den Verf, unbekannte
Heimath der A. spinosa ist die Küste von Peru.
Astacini. Eine neue Untergattung Paranephrops wurde
von Ad. White (Gray Zool. Miscell. II. S.79) aus einer von Dief-
fenbach im Themsefluss in Neuseeland aufgefundenen neuen Art, P.
planifrons, gebildet. Der Verf. stellt sie in die Mitte zwischen
" Astacus (Potamobius) und Nephrops. Die Augen sind gross, wie bei
Nephr., die Seiten des zweiten Panzerabschnitts mit einem Dorn wie
bei Ast. (eine grosse Reihe von Ast.-Arten hat aber diesen Dorn
nicht!) Das Rostrum an den Seiten mit drei Zähnen. Die Schuppe
der äussern Fühler weit über die verdickten Glieder dieser Fühler
hinausragend; die beiden ersten Glieder der innern Kieferfüsse aussen
stachlig; das Mittelblatt der Schwanzflosse aus einem Stück. Das
erste Fusspaar schlanker als bei Nephrops, die Scheeren nur flach
gerinnt, mit wenigen Dornreihen; von den vier andern Fusspaaren
das erste das kürzeste (bei Nephrops das letzte), das zweite das
längste, die beiden letzten ziemlich gleich lang. Habitus von Astacus.
Carides. Kröyer (Vid. Sel. naturv. og math. Afh. IX..D.)
293
hat in einer Abhandlung die nordischen Arten der Gatt. Hippolyte
auf eine sehr genaue Weise bearbeitet. Es sind 14 Arten beschrie-
ben, auf folgende Weise gruppirt: A. die äussern Kieferfüsse mit
einem Taster, aber ohne peitschenförmigen Anhang. a. Beine ohne
peitschenförmigen Anhang: A. smaragdina, neue Art von der
norwegischen Küste; B. Taster und peitschenförmiger Anhang an den
äussern Kieferfüssen. b. Peitschenförmiger Anhang am ersten Fuss-
paar: H. Fabricii von Grönland; c. Peitschenförmiger Anhang an
den beiden ersten Fusspaaren: HA. Gaimardii Edw., H. gibba,
neue Art von Spitzbergen, H. mutila, neue Art von der norwegi-
schen Küste; d. Peitschenförmiger Anhang an den drei ersten Fuss-
paaren: H. Sowerbei Leach. (Cancer spinus Sow.), H. maci-
lenta, neue Art von Grönland, H. turgida, neue Art von den
Küsten Spitzbergens, Grönland und des Nordens von Norwegen;
H. Phippsii, neue Art ebendaher, H. pusiola, neue Art aus dem
Christianssund. — C. Peitschenförmiger Anhang aber kein Taster an
den äussern Kieferfüssen; e. Peitschenförmiger Anhang an den beiden
ersten Fusspaaren: H.polaris Sab., an der grönländischen Küste sehr
häufig, auch bei Spitzbergen und an der norwegischen Küste vor-
kommend; H. borealis Owen, ebendaselbst; f. Peitschenförmiger An-
hang an den drei ersten Fusspaaren: AH. aculeata O. Fabr. (Cane.
grönlandicus J. Chr. Fab.), H.microceros, neue Art von Grönland.
Ders (Naturhist. Tidsskr. IV. S.217) erläuterte die nordischen
Crangon- Arten. Er vertheilt sie in drei Gattungen: Argis Kr.:
ohne Rostrum, die Augen unter dem Panzerschild fast versteckt, pa-
rallel, viel länger als dick; Kiemen und zweites Fusspaar wie bei
Crangon, die Beine des 4. und 5. Paares an der Spitze erweitert,
Schwimmfüsse; hierhin Crangon lar Owen. Urangon in seiner
gegenwärtigen Einschränkung hat ein kurzes Rostrum, freie diver-
girende dicke Augen, 5 Kiemenpaare (keine verkümmerte Kieme an
den Kieferfüssen des zweiten Paares), das zweite Fusspaar in einer
Scheere endigend. Die Beine des 4. und 5. Paares zugespitzt, Gang-
füsse. Hierher Cr. boreas Phipps, Cr. nanus, kleine, neue Art,
im südlichen Kattegat gefunden, und Cr. mulgaris FE. — Sabinea Owen,
von Crangon durch sechs Kiemenpaare und ausserdem noch an den
Vorderfüssen des 2. Paares vorhandenes Kiemenrudiment, und durch
sehr kurzes scheerenloses, zweites Fusspaar abweichend, mit der
Art S. Tcarinata Owen, Crang. Tcarinata Sabine, Edw.
Die Gattung Cuma Milne Edw. (Ann. d. science, nat. XIII. 8.292),
welche später von demselben Verf. (Hist. nat. d. Grust. III. S. 553)
mit der Bemerkung wieder zurückgesetzt ist, dass sie wahrschein-
lich die Larve eines Decapoden sei, ist von Kröyer (Naturhistor.
“Widsskr. III. S. 503 T. 5. u. 6. — Isis 1842 S. 915) daduıch, dass er
bei einem Weibchen Eier fand, als ausgebildete Form und selbst-
ständige Gattung nachgewiesen, welche mit 4 neuen Arten vermehrt
ist, nämlich ©. Edwardsii von dem südlichen Grönland, anschei-
284
nend blind, C. Rathkii, nasica und /ueifer@ im Kattegat einhei-
misch; alle diese Arten haben fünf Vorderleibssegmente ausser dem
Kopftheil, während M. Edward’s C. Audouinii' deren nur vier hat. -
Stomapoda.
Caridioides. Goodsir (Jameson Edinb. N. Phil. Journ.
XXXIU. S. 174. T. 2) beschrieb eine neue Gattung und 3 neue Arten
dieser Familie. Die neue Gatt. Themisto hat grosse Übereinstim-
mung mit Mysis, und unterscheidet sich dadurch, dass das 1., 2. und
5. Paar der Schwanzfüsse ungegliedert und einfach, die des 3. und
4. Paares stärker entwickelte Spaltfüsse sind. Hierhin gehören zwei
der neuen Arten: TA. longispina und dbrevispina; die dritte ist
Cynthia Flemingii. Alle drei sind von Frith of Forth.
Amphipoda.
6Gammarina, Mit einer Anzahl neuer nordischer Gattungen
und Arten wurde diese Familie von Kröyer (Naturh. Tidsskr. IV.
S. 141) bereichert. Die neuen Gattungen sind: Opis, bis atıf die un-
geheuer grossen Vorderfüsse mit Anonyx übereinkommend; O. Esch-
richtii von Grönland, 4” lang; — Stegocephalus: Augen schei-
nen zu fehlen, Kopf sehr gross, von den grossen schildförmigen
Epimeren, welche auch die Beine decken, fast versteckt, obere Fühler
mit sehr kleiner ungegliederter Geissel, die Mandibeln mit sehr kur-
zem ungegliedertem Taster. Füsse einfach. St. inflatus aus Grön-
land, 1” lang. — Phoxus. Kopf sehr gross, vorn vorgezogen und
zugespitzt. Fühler auf der Unterseite desselben, die beiden Paare
hinter einander stehend, beide mit dickem Stiel. Die Mandibeln mit
sehr langem Taster. Die zwei vorderen: Greiffüsse: Ph. Holbölli
und plumosus; — Pontoporeia: das 1. Fusspaar mit Scheeren,
das 3. Greiffüsse, das 7. mit schildförmig erweitertem ersten Gliede;
Epimeren gross. P. femorata, aus Grönland; — Pardaliscua
am 1. und 2. Fusspaar das 4. Glied eine Hand bildend, das 5. und 6.
eine Klaue, doch so, dass das 6. Gl. elliptisch und am Rande stachlig
ist; Epimeren schr klein: P. cuspidata von Grönland; — Pro-
medeia, die Füsse des 2. Paares klein, ohne scheerenähnliche Hand,
dagegen am 3. und 4. Paar die beiden Endglieder zu einer langen
Klaue vereinigt, welche mit dem 3. und 4. Gl. gleichsam eine Greif-
hand bildet. Epimeren kurz. Das 4. 5. und 6. Paar der Afterfüsse
Springbeine: P. fasciata aus Grönland; — Ampelisca, Amphitoe
ähnlich, das 2. Fusspaar einfach, das 3. und 4. Paar mit einer Hand,
an welcher der Teller aus dem 3., der Finger aus dem 4, 5. und 6.
Gl. gebildet wird: A. Eschrichtii, aus Grönland; — Photis: die
zwei ersten Fusspaare mit scheerenäbnlicher Hand, das 5. zurück-
gekrümmt, verkehrt stehend, mit verkümmertem Klauengliede; die
Epimeren schr gross: Ph. Reinhardi aus Grönland; — Oedi-
ceros, Slirn zu einem spitzeren oder stumpferen Rüssel verlängert,
welcher stets in einen durchsichtigen, gelbröthlichen Knoten an-
255
schwilll; Augen scheinen zu fehlen; die beiden vorderen Fusspaare
mit grosser, scheerenähnlicher Hand; das 7. Fusspaar sehr lang und
dünn: Oe. saginatus nicht selten im Grönländischen Meer, auch
an den Küsten des nördlichen Norwegen; — Lafystius, Kopf
niedergedrückt, gerüsselt, die beiden kurzen, starken, pfriemförmi-
gen Fühlerpaare hinter einander unter dem Rüssel eingelenkt; die
Augen auf der Oberseite des Kopfes. Das 1. Fusspaar sehr schlank,
mit-linienförmiger Hand, das 2. kurz und stark, mit viereckiger Hand,
die übrigen stark, scheerenähnlich; Epimeren mittelgross: L. s/u-
rionis, scharenweise unter den Brustflossen des Störs, auch auf dem
Squal. galeus; das einzige bisher bekannte parasitische Amphipod.
Die neuen Arten bekannter Gattungen sind: Leuwcothoe c/y-
peata von Grönland; L. glacialis von Spitzbergen; Gammarus
dentatus von Grönland; Acanthnnotus inflatus von Spitz-
bergen und Grönland, Ischyrocerus anguipes und latipes von
Grönland, Podocerus Leachii, in einer häutigen Röhre lebend
wie Cerapus. Der Verf. bemerkt, dass nach der Form des zweiten
Fusspaares das Weibchen ein Podocerus, das Männchen ein Erich-
thonius sei, diese letzte Gattung daher eingehen müsse. Bei der
Gatt. Anonyx Kr. hat der Verf. bemerkt, dass bei den Männchen die
Fühler nicht nur länger, sondern die unteren auch noch mit einer
Menge kleiner Hautanhänge versehen sind, welche vermuthlich dazu
dienen, bei der Begattung das Weibchen festzuhalten. Hiernach wäre
A. appendiculosus als Männchen mit A. lagena zu verbinden. Das-
selbe Verhalten findet sich bei den oben genannten Gattungen Opis,
Phozxis und Ampelisca, und kommt auch unter den Amphitoen vor;
so sind Amphitoe crenuluta und inermis Männchen und Weibchen
derselben Art, u. s. w.
Hyperina. Guerin (Rev. Zool. S. 214. T. 1. F.1.) machte
eine neue Gatt. Cystisoma bekannt mit zwei 3gliedr. Fühlern, die
beiden ersten Fusspaare klein, mit einer Scheere endigend, die au-
deren Beine lang, schmal und flach, das 5. Paar das längste; von
Daira durch die ungleichen Beine, von Themisto durch das Fehlen der
unteren Fühler, von Primno durch die Scheeren an den vorderen
Fusspaaren unterschieden. Die Art €. Neptunus, von ungewöhn-
licher Grösse (3” 4”), stammt aus dem indischen Ocean,
Caprellina. Goodsir (James. Edinb. N. Phil Journ. XXX.
8.183. T. 3.) beschrieb vier bei Frith of Forth beobachtete Arten von
Caprella. C. spinosa des Verf. unterscheidet sich von €. phasma
durch die Stellung der Dornen auf den Mittelleibringen; ©. tuber-
culata ist wohl mit der gleichnamigen Art von Guerin gleich; C.
laevis des Verf. scheint mit C. linearis Hbt. übereinzukommen, und
C. linearis des Verf. würde dann eine neue Art sein. Der Veıf.
fügt zugleich einige Bemerkungen über Lebensweise und innern Bau
bei. Sie halten sich in tiefem Wasser auf Corallenriffen auf, sind
sehr bedächtig und langsam, sitzen aufrecht, indem sie sich mit den
286 j
Hinterbeinen festhalten, und wirbeln ‚mit den Fühlern kleine Thiere
ihrem Munde zu. Sie häuten sich oft. Der Nahrungscanal ist
einfach und gerade, und pulsirt unregelmässig. Die langen, schma-
len, zu jeder Seite des Nahrungskanals liegenden Eierstöcke nehmen
an dieser Pulsation Theil. Sie bestehen jeder aus einer einfachen
Reihe von Eiern.
Isopoda.
4Asellota. Die Gattung Tanais Edw. wurde durch Kröyer
(Naturh. Tidsskr. IV. S. 167. T.2.) mit einer Reihe von neuen Arten
vermehrt, nämlich T. Savignyi von Madeira, T. Edwardsiieben-
daher, T. dubius von Bahia, T.gracilis von Spitzbergen, T. to -
mentosus aus der norwegischen See, T. Oerstedii und T. cur-
culio aus dem Öresund.
MHyriapoda.
„Notes on Myriapoda“ wurden von Waiker (Entomologist
S. 237. 293.) mitgetheilt, Sie betreffen vorzüglich die Jugendzustände
mehrerer Arten, ohne dass indess das Alter der fraglichen Individuen
näher bestimmt, noch auch die Entwickelung, weiter verfolgt wäre.
Cantor (Ann. nat. hist. IX. S. 493) hat die von ihm auf Tschusan
gesammelten Myriapoden verzeichnet. Es sind 3 Arten, Scolopen-
dra-morsitans,-und 2neue, Polydesmus bicolor und Scuti-
gera rufipes.
Chilognatha. Eine neue Galt. Scolopendrella mit einen
Paar Ocellen wurde von Gervais (Ann. d. 1]. Soc. Ent. d. Fr. XT.
S. XLVII.) angezeigt. Sc. notacantha lebtin den Gärten von Paris,
Chilopoda. Newport (Proceed. Zool. Soc. S. 177) berei-
cherte die Familie der Geophiliden mit einigen neuen Galtungen.
Mecistocephalus zeichnet sich durch langgestreckten Kopf aus
und enthält: M. ferrugineus Koch, M. mazillaris Gerv., und 3 neue
Arten, M. punctifrons aus Indien, M. Guildingii von St. Vin-
cent (Westindien) und M, punctilabium unbestimmten Vaterlandes.
Necrophloeophagus, Untergattung von Geophilus, den Geoph.
longicornis Gerv. entsprechend, den @. longzcornis Leach (electricus
Gerv.) enthaltend; endlich Gonibregmatus, neue Gatt. mit kur-
zem querem Stirntheil des Kopfes, vortretender, dicker, gefalteter
und zum Saugen eingerichteter Lippe, langem, aus 160 Ringeln be-
stehenden Körper, voa denen die 2 oder 3 hintersten erweitert und
höckrig (tuberose) sind; kleinen zum Kriechen untauglichen After-
Griffeln; G@. Cumingii, neue Art von den Philippinen, an 5” lang.
G. Walkenaeri, vermuthet der Verf, mögte auch in diese Gattung
gehören.
Entomosirnceeenm.
Phyliopoda.
Eine ausführliche Arbeit über ein bei Toulouse entdecktes neues,
der Limnadia verwandtes Entomostracon, /saura cyladioides
287
genannt, wurde von Joly (Ann. d. sc. nat. XVII. S.293) veröffentlicht.
Später (ebendas. 8.349) theilte derselbe noch weitere systematische
Untersuchungen über die bisher bekannt gewordenen verwandten Thiere
mit, aus denen hervorgeht, dass die Gattungen Isaura Joly, Esthe-
ria Rüpp. und Cyzieus Audou. zusammenfallen, und dass /saura cy-
elndioides Joly (= Cyzic. Bravaisii Aud.) aus Frankreich, Limnadia
tetracera Krynicki, aus Russland, und Esther. Dahalacensis Rüpp.
aus Nubien drei Arten dieser Gatt. sind, für welche der Verf. seinen
Namen I/saura beibehalten hat, — der Audouinsche ist unbegründet
geblieben — obschon der von Rüppell, Estheria, die Prioritätsrechte .
besitzt. Die wesentlichen Merkmale der Gattung bestehen darin,
dass die sehr muschelartige Schale vortretende Wirbel hat und dass
ein birnförmiger Fortsatz der Stirn, den Limnadia hat, hier fehlt.
Die Schale hat, wie bei vielen Muscheln, schr deutliche concentri-
sche Streifen (dergleichen finden sich aber auch bei Limnadia, nur
geringer an Zahl, doch kommen hierin bei Limnadia Verschieden-
heiten vor), bei Isaura cycladioides gleicht sie sehr der einer Cytlas.
Sie besteht aus einer Menge über einander gelagerter, durch thieri-
sche Masse verbundener Häute, welche sich durch Einweichen in
Ätzkali von einander lösen, Der Nahrungskanal ist einfach, ohne
Bilddarm, es fehlen selbst Speicheldrüsen und Leber. Das Gefäss-
system ist bei erwachsenen Individuen schwierig zu untersuchen;
Albmungswerkzeuge scheinen hauptsächlich die Blätterfüsse zu sein,
welche mit denen des 7. oder 8. Paares von Apus grosse Überein-
stimmung haben. Die Männchen zeichnen sich durch ein Paar eigen-
thümlich gestalteter Fangfüsse aus, welches vor den Kiemenfüssen
seine Stelle hat. Ausserdem haben sich keine männlichen Theile auf-
finden lassen; die Eierstöcke der Weibchen gleichen denen von
Apus, es wurden aber die Ausführungsgänge nach aussen vermisst.
Als Gehirn betrachtet der Verf. einen Unter den Augen gelegenen
abgeplatteten Theil, welcher einen stark verdünnten Fortsatz gegen
die Augen in die Höhe sendet, während die Sehnerven von seinem
hinteren Eude abgehen. Schlundrinog und Ganglienkette liessen sich
nicht wahrnehmen. Die Isauren schwimmen immer mit dem Rücken
nach oben, und nicht mittelst ihrer Kiemenfüsse, sondern lediglich
mit ihren ästigen Ruderfüssen (Antennen nennt sie der Verf.). Als
Nahrung fanden sich im Darm Conferven. Die Begattung scheint auf
die Weise zu geschehen, dass, vie der Verf. es häufig sah, das
Männchen mit seinen Fangfüssen den Unterrand der Schale des Weib-
chens ergreift und sein Körperende zwischen die Schalen des Weib-
chens einbringt. Ob und wie die Samenflüssigkeit zu den Eiern
gelange,, ist vom Verf. nicht beobachtet worden. Die Fruchtbarkeit
ist sehr gross; der Verf. zählte bei einem Weibchen 1000 Eier. Die
Entwickelungsformen der Jungen kommen im hohen Grade mit denen
von Branchipus und Artemia überein. Eben aus dem Ei gekommen
haben sie zwei Paar grosser Ruderfüsse, von denen das zweite
288
später eingeht, so wie die Kiemenfüsse sich entwickeln, Anfangs
sieht man weder Blut noch Blutumlauf, nach sechs Tagen zeigen
sich Blutkügelchen und Rückengefäss, und der Anfang der Schale,
als ein wagerechtes Blatt auf dem Rücken; zwei Tage später ist
die Schale senkrecht geworden und umschliesst das Thierchen. Es
finden sich alsdann die Kiemenfüsse auch schon zum Theil in solchem
Grade der Entwickelung, dass das zweite Paar der Ruderfüsse ge-
schwunden ist; das erste Paar dagegen entwickelt sich weiter.
Waga (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. XI. p. 261. T. 11. F. 1—4.)
. machte eine neue Art, Branchipus torvicornis bekannt, welche
sich besonders durch die grossen hakenförmigen Organe des Männ-
chens bemerkbar macht, die gewunden sind und mehrere Äste aus-
schicken. Er fand ihn in der Nähe von Warschau in einer tiefen
trüben Pfütze,
Siphonostoma.
Goodsir (James. Edinb. N. Philos. Journ. XXXIM. S. 178, Ann.
d. sc, nat. XVII. S. 188) theilte einige Beobachtungen über die Ent-
wickelung von Caligus mit. Die Eierstöcke liegen im Vorderkörper,
oft noch vor dem Magen, aus ihnen treten die Eier erst in die inne-
ren, dann in die äusseren Eileiter. Die.Ietzteren haben einen eigen-
thümlichen Bau, welcher ein nur stufenweises Vorrücken der Eier
bedingt, Er hat nämlich in regelmässigen Abständen Querwände,
welche von dem reifsten Ei durchbrochen werden müssen, worauf
dieses dann in die folgende leere Zelle vordringt. Die Larven sind
sowohl denen von Cyclops als denen von Lernaeen ähnlich.
Cirripedia.
Von Hinds findet sich eine Notiz in Ann. nat. hist. IX. p. 256,
dass er auf der See unter 36° 9° N. Br. und 164 W. L. Anatifa in
Bündeln zusammenhängend traf, ohne eine Spur von Anheftung an
fremden Körpern. Zugleich das Wasser voll kleiner aufs Lebhaf-
teste sich bewegender Thierchen. Das Vorkommen der Anatifa war in
erstaunlicher Zahl, und es wurden 332 (engl.) Meilen durch sie zu-
rückgelegt.
Eine Anzeige vom Vorkommen kleiner fossiler Entomostraceen
in Sussex im Kalkstein, von John Philipps, ist in den Proceed.
der Brit. Associat. 1841 S. 64 gegeben. Es sind kleine Cypriden,
welche in den untersten Schichten des Kalksteins sich finden.
Ein grosser neuer Trilobit ist /sotelus megistos Locke
(Sillim. Amer. Journ. XLII. S. 366. T.3.). Er weicht vom I. gigas durch
einen stachelförmigen Fortsatz der Hinterecken des Schildes ab.
259
Bericht über die Leistungen in der Natur-
geschichte der Annulaten
während des Jahres 1842.
Von
Professor €, Th. v. Siebold
in Erlangen.
Um die genauere Kenntniss der Borstenwürmer hat sich
Oersted ein grosses Verdienst erworben, indem er die An-
nulata dorsibranchiata Grönlands zusammengestellt und die
Gattung Nais mit Bezug auf die in Dänemark einheimischen
Arten einer genaueren Prüfung unterworfen hat.
Aus seiner ersten Abhandlung!) erfahren wir, dass O. Fabricius
27 Dorsibranchier kannte, zu welchen Oersted 16 neue hinzufügte,
so dass also jetzt 43 grönländische Dorsibranchier bekannt sind. “
Von diesen theilt Grönland 10 Arten mit Dänemark, welches 42
Dorsibranchier besitzt, und 3 Arten mit Frankreich, welches 51 Ar-
ten dieser Borstenwürmer aufzuweisen hat. Bei Aufzählung der ein-
zelnen Arten hat Oersted diese sowohl als auch die Gattungen genan
charakterisirt und mit den Synonymen ausgestattet. Aus der Familie
der Aphroditeen werden 5 Arten aufgezählt: Lepidonote scabra, cir-
rata und punctata, Polynoe longa, Pholoe minuta, von Amphinomeen
führt er als neu auf: Euphrosyna borealis Oerst., corpore fla-
vescente ovato-oblongo, segmentis 26— 27, eminente capitis parte
elongato - ovali, tentaculo uno semigloboso, branchiis 9— 10 bi-tri-
partitis, cirro superiore nullo. Den Euniceen fügt er ebenfalls einen
Borstenwurm als Onuphis Esehrichtii Oerst. bei: corpore supra
convexo subtus plano, segmentis 50— 60, stria transversa fusca in
quoque segmento, cirris postoceipitalibus longitudinem capitis aequan-
tibas, pionis (ramis), in segmentis duobus primis exceptis, brevis-
simis, branchiis bipartitis basi pionarum affıxis. Von Nereiden wer-
den 19 Arten aufgezählt. Die Gattung Nereis zerfällt Oersted dabei
in die Untergattungen Nereis L., Lycoris Sav. und Heteronereis
Oerst., welche letztere sich hauptsächlich durch ihren vorderen dreh-
runden und hinteren abgeplatteten Leib charakterisirt. - Zu Nereis
pelagica, diversicolor, Phyliodoce maculata, Syllis armillaris, Eulalia
1) Udtog af en Beskrivelse af Grönlands Annulata dorsibranchiuta.
Kröyer: naturhistorisk Tidsskrift. B. 4. Hft. 2. 1842. pag. 109.
Archiv 1. Naturgesch, IX. Jahrg. 2. Bd. L
290
viridis, Eteone flava, longa, Nephtys coeca, welche Fabricius als
Nereiden aufgeführt hat, fügt Oersted noch folgende hinzu: Hetero -
nereis paradoza Oerst. (Nereis longissima Johnston?) Hetero-
nereis assimilis Oerst. (Nereis renalis Jonst.?), und Hetero-
nereis arctica Oerst., capite elongato conico 4—5 segmenta se-
quentia Iongitudine aequante, maxillis parum tortis erenulatis, parte
antica corporis ex 20 segmentis constante, lobis pinnarum partis
anticae omnibus abbreviatis rotundatis, cirro superiore quater vel
quinquies longiore quam lobo primo; in parte postica lobo primo sub-
acuminato, ceteris ahbreviatis rotundatis, eirro superiore prominen-
tiis 9— 10 distinctis praedito. Als neue Gattung wird Polybostri-
chus mit folgender Diagnose aufgestellt: corpus lineare depressum
ex duabus partibus, anteriore et posteriore, forma inter se discre-
pantibus, constans. Caput appendicibus tentacularibus 11 instructum,
palpi duo minuti, 4 tentacula, cirri tentaculares quinque, Os infe-
rum absque maxillis. Oculi duo. In antica corporis parte pinnae
connatae setis falcatis praeditae; in postica pinnae discretae, in su-
periore setae compositae falcatae. Cirrus superior diversae formae
in antica et postica corporis parte, cirrus inferior nullus. Diese
Gattung wird durch P. longosetosa Oerst, (Nereis corniculata
Müll.?) repräsentirt. Neu sind ferner Phyllodoce groenlandica
Oerst,, corpore viridi depresso, capite cordato paulo latiore quam
longiore antice truncato, eirris tentacularibus in segmentis duobus
anterioribus affıxis, segmentis brevissimis, branchia superiore sub-
rectangulari verticali, branchia inferiore subelliptica in mediis seg-
mentis apice sursum versa, setis capillaribus 30—40. Eine andere
neue Art Phyllod. incisa Oerst,, möchte vielleicht verdienen, zu
einer besonderen Gattung erhoben zu werden: corpore virescenti
teretiusculo, capite conico duplo longiore quam latiore, cirris tenta-
cularibus in segmentis duobus anterioribus affıxis, segmentis mediis
longitudine latitudinem corporis aequantibus subhexagonis, ceteris
utramque extremitatem versus regulariter decrescentibus, branchia
superiore subpentagona subhorizontali. Eteone cylindrica wird
von Oersted als neu mit folgender Diagnose aufgeführt: corpore
tereti, capite abbreviato conico, branchia superiore compressa sub-
ovali a pivna valde remota. Neu ist ferner Nephtys longosetos«
Oerst., lamella superiore triangulari aeque longa ac pinna, cirro su-
periore nullo, spatio inter pinnas altitudinem pinnae inferioris sub-
vincente, lamella inferiore horizontali breviore pinna apicem versus
angustiore, setis capillaribus confertis pinnis ter longioribus, Den
Lumbricus capitatus Fabr. möchte Oersted für eine G/ycera erklären
und fügt dieser Gattung noch als neu hinzu @lyc. setosa Oerst.:
segmentis pinnas gerentibus ex duobus minoribus compositis, pinnis
et cirris et ligula branchiali destitutis quadrilobis elongatis (duplo
longioribus guam altis) tribus lobis conieis obtusis, quarto multo
breviore rqtundato, mamilla parva in quoque latere segmentorum
291
a pinnis valde remota, setis produetis. Von Aricien hat Fabricius
nur Cirratulus borealis Lam. (Lumbrieus eirratus F.) aufgeführt,
diesem fügt Oersted noch Ophelia bicornis Sav., ‚Scoloplos armiger
Blainv. und folgende neue Thiere hinozu: Scoloplos minor Oerst.,
eapite globoso, in segmentis anterioribus utraque pinna papillis in-
structa, in posterioribus pinna superiore minutissimo rotundato, pinna«
inferiore multo majore acuminata, appendieibus caudalibus 4 filifer-
mibus; ferner Ophelia mamillata Oerst,, segmentis 25 —28, sin-
gulo ex annnlis 3 vix conspiceuis composito, ligulis branchialibus ia
segmento 6t0-- {4mo margine interiore duobus prominentiis praeditis,
singulis segmentis posteriobus duobus paribus mamillarum lateralium
instructis, papillis analibus 14 minutissimis omnibus ejusdem longi-
tudinis et secundo quoque ejusdem latitudinis. Auch Arenicola piscu-
torum wird von Oersted als grönländische Annelide aufgeführt.
. In einer zweiten Abhandlung’) schildert Oersted die dänischen
Naiden, welche er je nach der Zahl der Borstenbündel in drei
Abtheilungen theilt: 1) segmentfa omnia setis suüperioribus instructa,
hieher zählt Oersted seine neue Gattung Lumbriconais mit der
einzigen Art L. marina Oerst, welche ein Verbindungsglied zwi-
schen den kleinen Lumbrieinen und den Naiden bildet. 2) Segmenta
quatuor anteriora (interdum sola duo) setis superioribus destituta,
hieher rechnet Oersted Proto digitata Ok., Stiylaria paludosa Lam,
(Nais proboseidea Müll.) und die neue Gattung Serpentina Oerst,,
mit vorgezogener Unterlippe, welche die einzige Art S. quadri-
striata Oerst. (Nais serpentina Müll.) aufzuweisen hat. An diese
Gattung schliesst sich das Genus Nais an, ohne alle Hervorragungen,
hierher die beiden Arten N. elinguis Müll. und N. bardata Müll. nebst
zwei neuen Arten, N. uncinata Oerst., corpore ex 20—25 seg-
mentis constante pellucido, setis subquaternis et superioribus et in-
ferioribus uneinatis ejusdem formae in omnibus segmentis, und N.
littoralis Oerst., corpore ex 20 segmentis Constante pellucido,
segmentis medis duplo longioribus quam latis, posticis brevissimis,
setis omnibus uncinalis in antico pare pinnarum 7—8 valde porrectis,
in ceteris 3— 4 promiuulis. 3) Die dritte Abtheilung der Naiden be-
sitzt segmenta omnia pinnis superioribus destituta (Chaetogaster)
vel setis capillaribus praedita (_deolosoma). Hieher rechnet Oersted
den Chaetogaster diaphanus (Nais diaphana Gruith.) und deolosoma
Ehrenbergü Oerst. ( Aeol. decorum Elırb. et Aeol. Hemprichii Ehrb.?).
Eine sehr genaue Beschreibung mit schönen Abbildungen
der Amphitrite auricoma wurde von Ratlıke geliefert. ?)
2) Kröyer: Tidsskrift a. a. O. pag. 128. Conspectus generum spe-
cierumque Naidum ad fatınam Danicam pertinentium.
3) Neueste Schriften der naturforschenden Gesellschaft in Danzig.
B, 111. Heft 4. 1842. pag. 56.
T*
292
Der kiefernlose Mund dieses Wurms, welchen Raihke an der
norwegischen Küste frisch beobachtete, ist zu beiden Seiten mit
einem Büschel von 15 Tentakeln besetzt, die sich sehr stark ver-
Jängern und verkürzen können, und zwei rothe Blutgefässe aus sich
berausschimmern lassen. Diese Tentakeln sondern einen klebrigen
Schleim ab und sind auf ihrer Oberfläche mit sehr lebhaft schwingen-
den Wimpern besetzt. Dicht über der ausgezackten Hautfalte, wel-
che die Tentakelbündel umhüllt, befindet sich auf dem Scheitel jeder-
seits eine Querreihe von dicken goldgelben Borsten, welche von
mehreren Muskelbündeln in Bewegung gesetzt werden. Der Rand
zwischen Scheitel und oberer Seite des Kopfes wird von einer zak-
kigen Hautfalte eingefasst, welche nach vorne in einen ziemlich
langen und dicken Cirrus ausläuft. Der zunächst auf den Kopf fol-
gende Ringel trägt jederseits einen etwas kleineren Cirrus und der
zweite und drittte Leibesringel eine goldgelbe Kieme, deren Blätt-
chen stark flimmern. Auf der inneren Seite der Borstenbüschel und
der über ihnen befindlichen blattförmigen Vorsprünge bemerkt man
auf jedem der übrigen Leibesringel einen runden und rauhen Höcker,
vier solche Höcker liegen auch in der Mittellinie auf der Bauchseite
der vier ersten Leibesringel. Diese rauhen Hautstellen dienen wahr-
scheinlich dazu, das Herausgleiten aus der Röhre, in welcher die
Thiere stecken, zu verhüten. Der kurze Hinterleib besteht aus zwei
Hälften, von denen die eine eineın mit eingekerbten Seitenrändern
versehenen Herzen gleicht, während die andere kleinere Hälfte ein
mässig dickes, ovales Blatt darstellt. Da, wo diese beiden "Theile
an einander hängen, ist der After angebracht. Aus dem Inhalte des
Nahrungskanals schliesst Ralhke, dass dieses Tbier sich nur von dem
Schlamme des Meeres ernährt. Da Rathke in der Leibeshöhle dieses
Wurms nur entweder Eier oder Samenflüssigkeit angetroffen hat,
so ist es wahrscheinlich, dass derselbe getrennte Geschlechtsorgane
besitzt. Wie die Eier oder die Samenmasse von der Leibeshöhle
nach aussen gelangen, ist nicht klar geworden, und Rathke ver-
muthet, dass zu diesem Behufe an den Seiten des Leibes in der Nähe
der einzeloen Borstenbündel Öffnungen angebracht seien. Eine in
dem ersten und zweiten Leibesringel auf der Bauchseite liegende
viertheilige Drüsenmasse, welche mit einem Ausführungsgange am
ersten Leibesringel nach aussen mündet, dient wahrscheinlich zur
Absonderung eines Kitts, welchen der Wurm bei Anfertigung seines
Sandgehäuses verbraucht. Von demselben Naturforscher haben wir
auch die Beschreibung des noch wenig gekannten Siphonostoma
plumosum (Amphitrite plumosa Müll.) erhalten,*) welches derselbe
im schlammigen Meeresgrunde an der norwegischen Küste aufgefun-
den hat. Es besitzt dieser Borstenwurm 64 Leibesringel, deren jeder
zwei Paar Borstenbündel trägt. Die Borsten sind einfach, an der
4) A. a. ©. pag. 34.
293
Oberfläche längsgestreift, im Innern mit mässig dicken Querscheide-
wänden versehen. Die ganze Oberfläche des Leibes ist durch kleine
dichtstehende schleimabsondernde Wärzchen rauh, die Epidermis be-
sitzt eine olivengrüne und das Corium eine schwach rosenrothe Farbe.
Am vorderen Leibesende ist in einem kurzen, fast trichterförmigen
Rüssel die viereckige Mundöfluung angebracht; dicht über dieser be-
finden sich zwei weissliche contractile Tentakeln, welche mit einer
Längsfurche versehen sind. Hinter diesen Tentakeln sind acht dreh-
runde und grüngefärbte Cirren befestigt, die in zwei Reihen hinter
einander stehen. Alle diese Theile kann das Thier vollständig in den
Körper einziehen; ausgestreckt liegen sie geschützt unter den langen
Borstenbündeln der zwei vordersten Leibesringel. Der Inhalt des
Darmkanals schien ein mit Erde und Sand vermischter thierischer
Brei zu sein. Das Blut dieses Borstenwurms ist intensiv grün.
Rathke berichtigt ausserdem Otto’s Beschreibung von Siphonostoma
diplochaitos dahin, dass die doppelte Mundöffnung, welche Otto die-
sem Thiere zugeschrieben, nur Folge der zu starken Näherung der
gegenüberliegenden Seitenränder der sonst einfachen Mundöffnung
gewesen sei. Auch Costa hat diesen Beobachtungsfehler bereits be-
richtigt (s. dieses Archiv 1842. B. II. pag. 332.).
Uber den inneren Bau des räthselhaften Peripatus iuli-
/ormis hat uns Milne Edwards Aufschluss gegeben, °) wor-
aus hervorgeht, dass dieses Geschöpf kein Myriapod ist,
sondern mit vollem Rechte den Annulaten beigezählt wer-
nen muss.
Durch die genauere anatomische Untersuchung, welche
Krohn an Sternaspis thalassemoides vorgenommen hat,°) er-
fahren wir, dass Otto diesen Wurm verkehrt betrachtet und
dessen Hintertheil als den Vordertheil beschrieben hat.
Der Rüssel desselben ist demnach ein Afterrohr, und die von
Otto erwähnte vesicula analis bezeichnet äusserlich die Stelle am
Vorderende des Leibes, unter welcher der Gehirnknoten liegt. Die
unter den beiden ovalen Scheibchen (verrucae frontales Ott.) dicht
über dem Afterrohre gelegenen Zöttchen erkannte Krohn als Blut-
gefässe. Die Geschlechtstheile liegen in der hinteren Leibeshöhle
und enthalten bei den männlichen Individuen Samenfäden und bei den
weiblichen Individuen deutliche Eier.
Leuckart hat einen interessanten Ringwurm beschrieben
und Geoscolex mazimus genannt.”) Derselbe ist in Bra-
silien auf Letten unweit Rio-Janeiro gefunden worden.
5) Aunales des sciences natur. Tom. XVIll. 1842. pag. 126.
6) Müller’s Archiv für Pbysiologie 1842. pag. 426.
7) Leuckart: zoologische Bruchstücke. Il, 1841. pag. 104.
294
Seine Länge beträgt 3 Fuss 3 Zoll, soll aber im Leben 8—9
Fuss betragen haben; in Weingeist aufbewahrt besitzt derselbe jetzt
eine schwärzlichbraunne Fürbe. Es gehört das Thier zu den Bor-
stenwürmern und steht dem Lumbrieus sehr nahe. Leuckart stellte
diesen Wurm unter dem Namen Geoscolex mit folgender Diagnose
als besondere Gattung auf: corpore Iumbrieiformi, ore bilabiato, la-
biis Jatis, ab annuli primi margine anteriore sejunctis, internis (pro-
tractilibus?); clitello in anteriore corporis parte posito, parum ab
orificio oris remoto; setis in singulo corporis annulo (clitelli annulis
exceptis, selis 4 tantum instructis) octo inferioribus, in annulis an-
terioribus per paria approximatis, in ijis partis corporis posterioris
sensim inter se magis remotis. Species: G@. muzimus, corpore
annaullis plus quam 400 instructo, colore nigricante? Leuckart konnte
an diesem Wurme einen Vordertheil, einen Gürteltheil und einen
Rumpftheil unterscheiden. Der Vordertheil ist am dicksten und be-
steht aus 14 Ringen, der wulstige Gürtel wird von 9 Ringen gebil-
det und lässt, indem er den Leib nicht ganz umschliesst, auf der
unteren Fläche eine Furche von 3—4 Linien frei. Der letzte Ring
des ausnehmend langen Rumpftheiles ist stumpf abgerundet; ob die
an demselben befindliche Öffnung wirklich die Afteröffnung ist, lässt
Leuckart zweifelhaft, da leicht ein Stück des Körpers abgerissen sein
konnte. Die drei ersten kleinen Ringe des Vordertheils sind längs-
gerippt. Zwischen dem 4ten und Sten Gürtelringe erkannte Leuckart
auf der Unterseite neben den verdickten Rändern des Gürtels eine
kleine runde Erhabenheit, in deren Mitte sich ein kleines Loch be-
fand, welches offenbar Geschlechtsöffnung ist. An dem vorderen
Rande der meisten Körperringe, mit Ausnahme der 13 ersten Ringe
des Vordertheils und einiger Gürtelringe sind auf der Unterseite 2
kleine Oeffnungen angebracht, welche Leuckart für die Athemlöcher
erklärt.
Eine.sehr gute Dissertation über Lumbrieinen hat Hoff-
meister geschrieben, ®) die Ref. mit einer jüngst erschiene-
nen Abhandlung über Landanneliden von demselben Verfasser,
um Wiederholungen zu vermeiden, im nächsten Jahresberichte
besprechen will. Eine kurze Auseinandersetzung der Ge-
schlechtstheile vom Regenwurme wurde von Stein mitge-
theilt.°) Einen interessanten Beitrag zu der noch ganz un-
bekannten Entwickelungsgeschichte der Borstenwürmer haben
wir durch Loven erhalten,’ °)
8) Hoffmeister: de vermibus quibusdam ad genus lumbricorum
pertinentibus. Berolini 1842.
9) Müller’s Archiv 1842. pag. 270.
10) Dieses Archiv 1842. Th. I. pag. 302, und Annales des scienc.
nat. T. XVII. 1842. pag. 288.
295
Derselbe fing im Meere kleine Geschöpfe, in Form eines ovalen
Diseus und einer Halbkugel, welche sich aus dem Discus erhob. Der
Discus war am Rande mit einer doppelten Reihe beweglicher Cilien
besetzt. Auf der oberen Seite nahe am Rande der Scheibe war ein
mit Wimpern besetzter Mund unterscheidbar, und eine auf dem Gi-
pfel der Halbkugel angebrachte Öffnung gab sich als After zu erken-
nen. Auf der unteren schwach gewölbten Seite der Scheibe war ein
opaker Fleck mit zwei kleinen Punkten bemerkbar. Die Halbkugel
verlängerte sich allmählig, theilte sich in Querringe ab, der vorhin
erwähnte Fleck wu de immer opaker und bekam zwei fadenförmige
Auswüchse, kurz das Geschöpf verwandelte sich in ein zu den Ne-
reiden gehöriges Thier, dessen letzte Metamorphose leider nicht bis
zu Ende beobachtet werden konnte.
In einer dem Ref. erst nachträglich zugekommenen Schrift
hat De Filippi seine Untersuchungen über die Gattung Cle-
psine niedergelegt.!')
Es wird in derselben eine von ihm schon früher als neu auf-
gestellte Art, Clepsine sanguinea, genauer karakterisirt; ihr Darm
besitzt neun rothe seitliche Blindsäcke, welche an ihrem blinden Ende
gabelig gespalten sind, ihre beiden Augen bilden oblonge, etwas
unregelmässige Flecke; die ganze Art hat mit Clepsine paludosa
Ähnlichkeit, ist aber nicht nach vorne so zugespitzt und überhaupt
nicht so weich als diese, unterscheidet sich auch durch ihre blau-
grüne Farbe von dieser dunkelgrün gefärbten Clepsine. Mit Clepsine
complanata hat sie dagegen die Lebensweise gemein und haftet wie
diese gerne an Steinen und Muscheln. Vom inneren Baue der Cle-
psinen, welcher ausführlich beschrieben wird, heben wir besonders
hervor, dass Filippi zwischen dem Verdauungskanale und dem Blut-
gefässsysteme einen directen Zusammenhang erkannt hat, wodurch
das von den Clepsinen eingesogene Blut der Mollusken nach kurzem
Aufenthalte im’ Darmkanale unmittelbar in die Blutgefässe übertritt,
und diese Thiere sich also gleichsam durch Transfusion ihren Blut-
bedarf verschaffen; eine solche Einrichtung findet auch bei Haemo-
charis Statt, nicht aber bei Sunguisuga, Haemopis und Nephelis,
welche ausser Blut auch ganze Tbiere verschlucken.
Wahlberg beschreibt einen neuen Blutegel, der in Schwe-
den den medicinischen Blutegel ersetzen soll.'*)
Die Grundfarbe der stark warzigen Haut dieses Egels ist schwarz-
braun mit sechs breiten kohlschwarzen Rückenstreifen und mit klei-
nen weissen, rings um den Körper auf jedem fünften Segmente
stehenden Punkten. — Wie der medicinische Blutegel seine Eierkapsel
11) Lettere del Dott. F. De Filippi sopra Vanatomia e lo soiluppo
delle Glepsine. Pavia 1839.
12) Froriep’s Neue Notizen. Bd. 23. pag. 296.
296 5
formirt, darüber sind uns von Wedeke Beobachtungen mitgetheilt
worden'?). Die Blutegel verlassen, wenn sie Eier legen wollen,
das Wasser und suchen, unter der feuchten lockeren Erde mehrere
Ellen fortkriechend, ein bequemes Lager. Hier lassen sie aus ihrem
angeschwollenem Maule eine schleimige zusammenhängende grüne
Flüssigkeit ausfliessen, durch welche sie bis zu den Geschlechts-
öffnungen hindurehkriechen. Hierauf legen sie in diese zähe Flüs-
sigkeit ihre Eier und kleben mit ihrem aus dem Munde quellenden
Speichel einen Schaum um die Eierkapsel herum, welcher erhärtet
und den bekannten schwammigen Überzug bildet. Ist dies geschehen,
so zieht sich jeder Blutegel rückwärts aus der Eierkapsel heraus
und dreht dabei die beiden Öffnungen derselben zusammen. Von
Brightwell ist die Begattung von Hirudo piscium beobachtet wor-
den'*). Nach derselben war in der Gegend der Geschlechtsöffnungen
eine weisse häutige Substanz zu bemerken. Die Eier, welche diese
Egel vereinzelt an die Glaswand ihres Gefässes legten, waren sehr
klein, länglich oval, sehr hart, rothbraun und mit Längsfurchen ver-
sehen. In jedem Eie, welches noch mit einem weissen Gewebe be-
deckt war, entwickelte sich I Junges mit 4 Augen, welches gegen
den 30. Tag, nachdem die Schale mit einem Deckelchen aufklaflte,
ausschlüpfte. Ausser diesem Egel beobachtete Brightwell in dem
süssen Wasser Englands noch folgende Egel: Haemopis sangui-
sorba Sav., Sanguisuga medieinalis Sav., Nephelis vulgaris Sav.,
Neph. tesselata Blainv., von welchem ein Individuum 143 Junge
unter seinem Bauche trug, Clepsine complanata und hyalina. Als
irländische Annulaten werden dagegen folgende von Thompson
aufgezählt!°): Nemertes gracilis Johnst., Nem. lactiflorea Johnst.,
Phylline Hippoglossi Lam. Hirudo Hippoglossi Müll., Carinella tril-
neata Johnst., Gordius annulatus Mont., Glossipora tuberculata Johnst.
Zu der noch immer sehr wenig gekannten Familie der
Nemertinen fügte Rathke ein neues Thier hinzu, welches er
Borlasia striata nannte!®),.
Es ist dasselbe an der norwegischen Küste von ihm entdeckt
worden. Seine Dicke gleicht der eines Rabenfederkiels, seine Länge
ist die eines Fusses. Der Leib ist fast drehrund, nach hinten ver-
jüngt, mit ‘schwarzen Streifen gezeichnet, welche mit 12 helleren
abwechseln. Am Vorderrande des Körpers befindet sich eine kleine
Öffnung, welche Rathke nicht für die Mundöffnung erklärt, diese
liegt vielmehr eine geraume Strecke vom Vorderende des Leibes
13) Froriep’s Neue Notizen. Bd. 21. pag. 183.
14) The Annals and Magazine of natural history. Vol.IX, 1842.
pag. 11. und Froriep’s Neue Notizen. Bd 22, pag.65.
15) The Annals a.a.O. Vol, VII. 1841. pag. 482.
16) Neueste Danziger Schriften, a.a. 0. pag. 93.
297
entfernt auf der Bauchseite und stellt eine grosse Längsspalte dar.
Rechts und Jinks am Vorderende des Leibes ist eine kahnförmige
seichte Längsfurche angebracht, zu welcher von dem rothen Gehirn-
ganglion aus ein starker Bündel von Nervenfasern tritt, weshalb
Rathke geneigt ist, diese beiden Furchen für den Sitz eines schär-
feren Gefühls zu halten. Vor diesen Furchen sind $— 9 sehr kleine
schwarze Augenpunkte zu bemerken. Die schleimige, ziemlich dicke
Hautbedeckung besitzt eine Menge schwacher Ripgfurchen. Der
gerade his an das Hinterleibsende verlaufende Darm enthielt eine
weissliche schleimige Flüssigkeit, daher Rathke vermuthet, dass dieser
Wurm aus anderen weissblütigen Thieren Nahrung aufsauge. Da
eine grosse Menge dünnhäutiger Säckchen, welche in einfacher Reihe
hintereinander an der inneren Leiheswand dieses Wurms festhingen,
bei einigen Individuen deutliche Eier, bei anderen dagegen eine fein-
körnige Substanz (Samen) enthielten, so möchte Rathke annehmen,
dass dieses Thier getrennte Geschlechter besitze; Geschlechtsöffnun-
gen konnte er indessen an diesen Säckchen nicht entdecken. Unter
dem Rücken des Leibes läuft ein sehr langer schneeweisser und ge-
wundener Kanal hin, der sehr muskulös ist, und aus der zuerst
erwähnten Öffoung rüsselartig hervorgestülpt werden kann. Die
Bedeutung dieses Organs konnte Rathke nicht entziffern; zu den
Geschlechtstheilen rechnet er es deshalb nicht, weil ganz junge
Exemplare, welche noch keine Geschlechtsblasen oder Hoden ent-
hielten, dennoch dieses Organ besassen. Das Bauchmark dieses
Wurms besteht aus zwei weissen Strängen, welche von dem Ge-
hirnganglion entspringend, weit von einander getrennt am Seiten-
rande des Leibes, ohne Ganglien zu bilden, herablaufen. Mit diesen
Deutungen der Organe stimmen die Meinungen anderer Naturforscher
durchaus nicht überein. Johnston erklärt die beiden Nervenstränge
für Gefässstämme und das Hirnganglion für ein Herz. Ehrenberg
hält den Ernährungskanal für einen Eierschlauch und das weisse
gewundene Organ für den Darmkanal, während Huschke letzteres
für ein Samengefäss und den hervorgestülpten Rüssel für den Penis
nimmt. Besser stimmen dagegen die Untersuchungen von Quatre-
fages mit denen von Ratbke überein'?). Ersterer beschreibt näm-
lich das Nervensystem von Nemertes als zwei lange an beiden Sei-
ten des Leibes herablaufende Fäden, welche von zwei durch ein
Querband verbundenen Ganglien entspringen. Nach vorne treten aus
diesen beiden Ganglien vier Fäden, von welchen zwei sich bis in
die beiden grossen Augen verfolgen lassen. Auch Dujardin will bei
einer anderen Nemertes-Art ähnliche Organisations - Verhältnisse
gefunden haben.
Die merkwürdige auf den Comatulen schmarotzende Gat-
tung Myzostomum, welche ein Übergangsglied von den Bor-
17) D’Iostitut. 1841. pag. 427.
298
stenwürmern zu den Trematoden bildet, hat Leucekart mit
einer ausführlichen Bearbeitung berücksichtigt? ®).
Derselbe karakterisirt diese von ihm gegründete Gattung auf
folgende Weise: corpore molli, clypeiformi; supra depresso vel
convexo, infra organis suctoriis et motoriis, tam acetabulis (s. bo-”
thriis) quam hamulis corneis 10 instructo; ore antico, simplice, pro-
minente (tubuloso?), retractili. Da Leuckart nur Weingeist - Exem-
plare dieser Thiere untersucht hat, so sind ihm gar manche Struk-
turverhältnisse verborgen geblieben, wodurch er unrichtige Ansichten
über diese Schmarotzer erhalten musste. Die Untersuchungen, welche
Loven an frischen Individuen von Myzostomum angestellt hat \°),
geben uns eine»sehr gute Einsicht in den Bau dieser Thiere und
setzen uns in den Stand, die eigentliche Beschaffenheit der von
Leuckart eingeschrumpft gesehenen Theile zu errathen. Myzosto-
mum cirriferum Leuck. hat Leuckart mit folgender Diagnose
versehen: corpore orbiculari, margine cirrato; acetabulis in utroque
latere 5, hamulum simplicen emittentibus; hab. in mari septentrio-
nali, Comatulae europaeae parasitus. Loven hat diese Art nicht
selten auf Comatula europaea an der Westküste von Dänemark an-
getroffen. Die ganze Oberfläche des Leibes, dessen Rand mit 20
Cirren beseizt ist, zeigt Flimmerbewegungen. Auf der Mitte der
Rückenfläche desselben sind zwei schwache Erhabenheiten wahrzu-
nehmen, auf der Bauchfläche befindet sich vorne der fleischige, voll-
kommen einziehbare Rüssel, an den Seiten hin 5 Paar Fussstummeln
und zwischen diesen 4 Paar Saugnäpfe. Am Rande des scheiben-
förmigen Leibes sind jederseits die beiden männlichen Geschlechts-
Öffnungen und die einfache Vulva nebst dem After angebracht. Von
den inneren Organen hat Loven das Nervensystem, den Darmkanal
mit seinen Anhängen, die männlichen und weiblichen Geschlechts-
werkzeuge beschrieben. Von letzteren nimmt das Ovarium mit seinen
Verzweigungen die ganze Scheibe ein und enthält sphärische Eier.
Loven schliesst aus den lebhaften Bewegungen, mit welchen die
Spermatozoiden dieses hermaphroditischen Thieres im Wasser um-
herschimmen, dass die Eier desselben, erst nachdem sie gelegt sind,
von den Spermatozoiden befruchtet würden, welcher Vermuthung
Ref. beizustimmen geneigt ist, da die Spermatozoiden derjenigen
hermaphroditischen Wasser-Thiere, bei welchen eine Begattung
Statt findet, im Wasser erstarren. Übrigens kann Ref. die Bemer-
kung nicht unterdrücken, dass es zu wünschen gewesen wäre,
Loven hätte den Eierstock und die verschiedenen Entwickelungs-
18) Zoologische Bruchstücke. Ill. 1842. Helminthologische Bei-
träge. Pag. 5.
19) Dieses Archiv. 1842. B.I. pag. 306 und Annales des Sc. nat.
T.XVII. pag. 291. und Amtlicher Bericht über die neunzehnte Ver-
sammlung deutscher Naturforscher. Braunschweig 1842. pag. 82.
299
stufen der Eier dieses Thieres etwas genauer beschrieben, da das
von Loven als Oyarium beschriebene Organ offenbar au jenes Aus-
sonderungsorgan erinnert, welches bei vielen Trematoden am Hin-
terleibsende ausmündet und ebenfalls ruckweise seinen Inhalt aus-
stösst, welcher Akt schon’ oft für eio Eierlegen gehalten worden
ist. Jeder Fussstummel besteht aus drei 'Theilen, deren letzter vier
hornartige aus- und einziehbare Haken trägt. Durch diese geglie-
derten Fussstummeln erinnert dieser Schmarotzer nun auch an nie-
dere Crustaceen, kann aber wohl nicht mit diesen vereinigt werden,
da besonders die Flimmerorgane, welche die Körperoberfläche von
Myzostomum bedecken, dies verbieten, denn Flimmerorgane sind
deu Crustaceen, Insecten und Arachniden etwas durchaus Fremdes.
Eine andere Art beschreibt Leuckart unter dem Namen Myz. costa-
tum wit folgender Diagnose: corpore depresso, ovali margine cere-
nulato, dorso costato; acetabulis suctoriis hamuliferis separatis,
acetabulis utringue 4 et hamulis in utroque latere 5; hab. in mari
rubro, Comatulae multiradiatae parasitus. Eine dritte Art, Myz.
glabrum, bezeichnete er mit folgender Diagnose: corpore orbi-
culari, dorso convexo et marginibus glabris, infra concavo; aceta-
bulis in utroque latere 5, hamulum simplicem emittentibus; hab. in
mari mediterraneo, Comatulae mediterraneae (europaeae) parasitus.
Diese Art unterscheidet sich von Myz. cirriferum fast nur durch die
Abwesenheit von Cirren und Leuckart hegt selbst schon Zweifel
über diese beiden Arten, da es unwahrscheinlich ist, dass auf einer
und derselben Thierart in verschiedenen Meeren zwei ganz verschie-
dene Arten einer Schmarotzergattung leben sollten. Derselbe stellt
daher die Vermuthung auf, ob die Anwesenheit von Cirren ‚nicht
vielleicht auf einen jugendlichen Zustand hindeuteten. Ref. ist über-
zeugt, dass Myz. glabrum und cirriferum zu einer Art gehören, und
dass ersteres ein Individuum ist, an welchem die Cirren eingezogen
oder sonst verloren gegangen sind; Ref. schliesst dieses aus einem
Exemplare, welches er von einer zu Cattaro gesammelten Comatula
europaea abgenommen hat, an welchem er ausser den. fünf Paar
Fussstummeln deutlich die 4 Paar Saugnäpfe erkannte, welche Loven
ebenfalls gesehen und Leuckart wahrscheinlich übersehen hat, und
dessen Scheibenrand er mit 20 ganz kleinen Hervorragungen besetzt
fand, so dass Ref, auf den Gedanken kommen musste, diese Her-
vorragungen seien die eingezogenen oder abgestossenen Cirren.
Ein Werk von Duvernoy, welches seinem Titel nach
wohl nur Allgemeines über Annulaten enthält?°), ist dem
Ref. bis jetzt noch nicht zu Gesicht gekommen,
20) Duvernoy: considerations sur les animaux articules, sur les
limites de ce type et sur la place, qwil doit occuper dans les cadres
de la methode naturelle. Paris. 1841.
300 '
E
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Hel-
minthologie während des Jahres 1842.
Von
Prof. ©. Th. v. Siebold
in Erlangen.
Eine Schrift, ‘welche in der Helminthologie eine Epoche
machen wird, ist von Steenstrup herausgegeben worden '),
und wird gewiss von jedem Naturforscher mit dem grössten
Interesse gelesen werden. Steenstrup hat nämlich eine Reihe
von merkwürdigen Erscheinungen, welche bei der Fortpflan-
zung gewisser niederer Thiere erkannt worden sind, welche
bisher nicht erklärt werden konnten und ganz isolirt dastan-
den, zusammengestellt und nachzuweisen versucht, dass sich
in ihnen ein und derselbe Grundgedanke, welchen er mit dem
Namen Generationswechsel bezeichnet, ausgesprochen
findet. Dieser Grundgedanke der Natur ist nämlich der, dass
ein Thier eine Brut gebärt, die nicht dem Mutterthiere ähnlich
ist oder wird, sondern, diesem unähnlich, selbst eine Brut
hervorbringt, die zur Form und ganzen Bedeutung des Mut-
terthieres zurückkehrt, so dass also ein Mutterthier nicht in
seiner eigenen Brut, sondern erst in seinen Nachkommen des
zweiten, dritten u. s. w. Gliedes seines Gleichen wiederfindet.
Bei den Scheibenquallen und Kolbenpolypen war es Steen-
strup möglich, diesen Generationswechsel durch die verschie-
denen Glieder hindurch vollständig nachzuweisen. Unter den
Helminthen sind es besonders die Trematoden, welche einem
solchen Generationswechsel unterworfen sind, auch finden
sich unter den verschiedenen anderen Helminthen - Ordnungen
Spuren eines solchen Generationswechsels. Ref. muss voll-
1) Steenstrup: über den Generationswechsel oder die Fortpflan-
zung und Entwickelung durch abwechselnde Generationen, eine ei-
genthümliche Form der Brutpflege in den niederen Thierklassen,
Copenhagen 1842.
rs 301
kommen der geistreichen Ansicht beitreten, mit welcher Steen-
strup die merkwürdigen Metamorphosen, denen die bisher als
Cercarien bekannt gewesenen Trematoden -Larven unterworfen
sind, betrachtet, nur darin kann Ref. mit demselben nicht
übereinstimmen, dass letzterer jetzt schon den Generations-
wechsel der Cercarien als vollkommen erkannt annimmt, da
gerade hier, wie Ref. nachher zeigen wird, überall noch be-
deutende Lücken auszufüllen sind; bei keiner einzigen Tre-
matoden-Art ist der Generationswechsel vollständig bis jetzt
erkannt worden, bald fehlen hier, bald dort ein oder mehrere
Glieder in der Metamorphosen-Reihe, die wir erst durch di-
rekte Beobachtung herbeischaffen müssen, ehe wir den Oyclus
der verschiedenen Glieder einer dem Generationswechsel un-
terworfenen Trematoden - Art als geschlossen ansehen können,
Dass wir diese Lücken im Sinne Steenstrups ausfüllen wer-
den, daran zweifelt Ref. nicht, zumal da Steenstrup’s genialer
Gedanke jetzt auf die Wege und auf das Ziel hinweist, auf
welche wir bei dem weiteren Verfolgen dieser wunderbaren
Metamorphosen der Helminthen loszusteuern haben, nur müs-
sen wir uns dabei hüten, nicht etwa blosse Vermuthungen
unbemerkt und fälschlich als ausgemachte Thatsachen bei der
Feststellung solcher Metamorphosen -Reihen einschleichen zu
lassen.
Die früher so sehr missbrauchte Theorie der generatio
aequivoca, besonders in Bezug auf die Erzeugung der Ein-
geweidewürmer, fängt nun auch an, bei den englischen Ärzten
ihr Gewicht zu verlieren; so neigt sich Dr. Watson zu der
Meinung hin ?), dass die Helminthen von aussen als Keime
oder Eier in den menschlichen Körper gerathen, und stellt es
in Frage, that some of tie entozoa may be originally ectozoa.
Um gegen die generatio aequivoca einzunehmen, erzählt derselbe
folgende ihm von Abernethy mitgetheilte Geschichte. Eine gesunde
Schaafheerde wurde durch eine weite Strecke Land fortgetrieben.
Ein Schaf aus derselben brach unterwegs ein Bein und wurde einem
Pferde aufgeladen; in einer Nacht verweilte die Heerde mit Aus-
nahme des krauken Schafes auf einer sumpfigen Wiese und alle In-
dividuen derselben erkrankten hierauf an der Fäule. Das kranke
2) The London medical Gazette. May 1842 (Part. IL Vol. I.)
pag. 231,
302
Schaf war das einzige, welches von diesem Übel verschont 'geblie-
ben war und keine Leberegel besass. Watson frägt hierauf, ob es
nieht anzunehmen sei, dass jene Heerde mit dem auf der feuchten
Wiese vorgefundenen Futter die Eier der Leberegel verschluckt
habe? Die Eier wären alsdann, wie dies überhaupt bei in Höhlen
abgeschlossenen Helminthen geschehe, durch das Blut bis zur Leber
geführt worden. Es ist dies eine Annahme, welche Ref, öfters von
Ärzten und Naturforschern ausgesprochen findet. Ref. kann sich
aber in der That keinen Begriff machen, wie die im Darmkanal eines
Thieres sich passiv verhaltenden Helminthen-Eier in das überall
abgeschlossene Blutgefässystem gelangen sollen, wohl aber ist derselbe
vollkommen überzeugt, dass viele Helminthen als Embryonen, nach
abgeworfener Eihülle, durch das Parenchyın hindurch zu dem ihnen
zusagenden Aufenthaltsorte hinwandern können.
Eine merkwürdige auf die Entstehung von Helminthen sich be-
ziehende Beobachtung theilte Hammerschmid bei der vierten Ver-
sammlung der italienischen Gelehrten in Padua mit’). Tenebrio mo-
litor soll nur dann Eingeweidewürmer bei sich haben, wenn er sich
von Fleisch nährt, und frei davon sein, wenn er Mehl verzehrt.
In Bezug auf die geographische Verbreitung der Hel-
minthen ist eine Bemerkung des Arztes Wolfring zu er-
wähnen *).
Derselbe beschreibt die Gegend von Thalmessingen als ein Thal,
welches die Thallack durchfliesst, und von zwei Reihen lioher Kalk-
berge umschlossen ist, welche sehr hartes, viel erdige Bestandtheile
enthaltendes Trinkwasser liefern. Der Boden jener Gegend ist sehr
wasserreich, die meisten Gebäude stehen dort auf nassem Grunde,
daher Kellerräume selten anzubringen sind, Die Nahrung der Be-
wohner besteht aus vielen Mehlspeisen, aus gesalzenem und geräu-
chertem Rindfleische und vielem Schweinelleische. Die Wurmdys-
krasie herrscht dort in einem sehr hohen Grade und lässt sich schon
auf sehr alte Zeiten zurückführen, Taenia solium und Ascaris lum-
bricoides kommen ganz besonders häufig vor, während eine Stunde
weit über diese Gegend hinaus Wurmübel eine grosse Seltenheit sind.
Gordiacea.
Eine von Berthold schon vor einigen Jahren über den
Gordius aquaticus bekannt gemachte Abhandlung ist im vori-
gen Jahre mit Zusätzen erschienen °), und verdient unsere
3) Berliner Vossische Zeitung vom 14. October 1842,
4) Medicinisches Correspondenz -Blatt bayerischer Ärzte. 1842.
pag. 805,
5) Über den Bau des Wasserkalbes (Gordius aquaticus). Göt-
tingen. 1842.
303
Aufmerksamkeit um so mehr, da unsere Kenntnisse über die-
ses Thier bis auf die neueste Zeit höchst mangelhaft sind.
Wenn Ref. die Gordiaceen gegenwärtig als besondere Ord-
nung der Helminthen hinstellt, so geschieht dies deshalb,
weil sich Ref. erst kürzlich durch direkte Beobachtung von
dem entozootischen Leben, welches Gordius aquaticus zu ge-
wissen Zeiten führt, auf das bestimmteste überzeugt hat. Der-
selbe konnte sich aber nicht entschliessen, den Gordius den
Nematoideen einzuverleiben, da er von diesen in seinem ana-
tomischen Baue ausserordentlich verschieden ist.
Berthold fand den Gordius aquaticus vorzüglich in Bächen und
kleineren Quellen der Umgegend von Göttingen. Die Hautfarbe
desselben ist bald heller, bald gesättigter braun. Das Kopfende bildet
eine weisse halbdurchsichtige Wölbung, hinter welcher die dunkle
Färbung eine Art Ring bildet. Von diesem Ringe laufen zwei ebenso
dunkel gefärbte Streifen längs des ganzen Körpers herab. Das Hin-
terende des Leibes stellt eine horizontalliegende Gabel vor, an deren
unterm Winkel der After mündet. Hier muss Ref. Berthold’s Äusse-
rung dahin berichtigen, dass diese Gestalt des Hinterleibes nur den
männlichen Individuen zukömmt. Es sind die männlichen Gordien
nach den Erfahrungen des Ref. ungleich häufiger anzutreffen als die
Weibchen, welche einen abgerundeten Hinterleib besitzen. Die Af-
teröffnung, welche Ref. übrigens als die Geschlechtsöffnung be-
trachtet, befindet sich bei den Weibchen im Centrum des stumpfen
Schwanzendes. Das Hautsystem des Gordius beschreibt Berthold als
aus zwei Schichten bestehend. Die äussere Schicht besteht aus einem
maschenarligen Gewebe, die Maschen sind von sechs ungleichen
Seiten begränzt und zeigen da, wo die Maschenfäden unter ver-
schiedenen Winkeln zusammenstossen, Hautporen. Diese Hautschicht
soll nach Berthold eine sehr gefässreiche Membran sein. Ref. konnte
niemals dergleichen Gefässe erkennen, eben so wenig die von Ber-
thold erwälniten Hautporen. Ref. erkannte in ihr immer nur eine
aus eckigem Pflasterepithelium zusammepgesetzte Epidermis, deren
einzelne Zellen etwas nach aussen gewölbt waren, und deren Zel-
len-Kerne Berthold wahrscheinlich für Poren angesehen hat. Die
zweite Hautschicht, welche Berthold als ein aus länglichen Schlin-
gen zusammengesetztes Maschengewebe beschreibt und abbildet,
konnte Ref. nie auffinden, dagegen sahı Ref. stets ein Fasergewebe
unter der Epidermis liegen, welches diese mit der Muskelschicht
verbindet und mit dem Corium verglichen werden kann. Es bestelit
dieses Gewebe aus elastischen gelben Fäden, welche von rechts
und links sich schräge durchkreuzen. Es liegen diese Fäden dicht
gedrängt in zahlloser Menge beisammen, jeder einzelne Faden scheint
ohne Unterbrechung am ganzen Leibe des Wurms nach Art einer
304 x
Spirale, sich entweder naclı rechts oder links windend, herabzulau-
fen. Trennt man die Hautschicht von der darunter liegenden Mus-
kelschicht los, so bleiben viele Fäden der so eben beschriebenen
Faserschicht auf der Muskelschicht sitzen, während mehr oder we-
niger Fäden an der Epidermis haften bleiben, und auf der inneren
Fläche derselben ein Netzwerk von grösseren und kleineren Rauten
erzeugen. Eben diese Fäden geben den zerrissenen oder durch-
schnittenen Rändern der Haut- und Muskelschicht ein gefaserles
Ansehen. Berthold hat gewiss diese Fäden gesehen, da er bei der
Beschreibung des Hautsystems von Gordius hier und dort von feinen
Fäden, zarten Fäserchen u. dgl. spricht. Die Bewegungswerkzeuge
beschreibt Berthold ganz richtig als eine unter der Haut liegende,
ziemlich dicke Muskelschicht, welche die übrigen Eingeweide wie
ein Rohr einschliesst. Sie besteht nur aus Längsfasern. Ob diese
sich längs des ganzen Wurmkörpers erstrecken, oder ob sie nur
kurz sind und sich mit ihren Anfängen und Enden hinter und neben
einander legen, konnte Berthold nicht mit Bestimmtheit ermitteln,
vermuthet jedoch das Letztere. Ref. hegt dieselbe Vermuthung, da
diese Muskelschicht, wenn man sie quer von einander zerrt, ein
langmaschiges Netz darstellt. Die einzelnen farbelosen, nicht quer
gestreiften Muskelfasern gleichen nach des Ref. Beobachtungen sehr
dünnen bandförmigen Streifen, welche mit ihren Flächen dicht an
einander liegen und so die atlasglänzende Muskelhülle bilden. Die
Querfasern, welche äusserlich die Längsmuskeln bedecken sollen,
hat Ref. nicht wahrnehmen können, derselbe hat aber ganz ebenso
wie Berthold sich davon überzeugt, dass der Gordius aquaticus bei
seinen Bewegungen stets eine und dieselbe Länge und Dicke be-
hauptet. Was die übrigen Organe dieses Thieres betrifft, so wei-
chen die Resultate, welche Ref. bei seinen Untersuchungen erhalten
hat, so auffallend von denen Berthold’s ab, dass Ref. die Untersu-
chungen des letzteren erst voranschicken will, um nachher die sei-
nigen damit vergleichen zu können. Das Nervensystem des Gordius
glaubt Berthold als zwei zarte, nicht gehörig begränzte, unter dem
Darmkanal parallel neben einander verlaufende Fäden erkannt zu
haben. Die dunkeln Längenbänder, welche den Körper durchziehen,
deuten die Lage von unter der Haut gelegenen Längsgefässen an,
von welchen eines als Arterie in den braunen Rückenstreifen und 2
als Venen neben einander in dem Bauchstreifen hinlaufen. Mit die-
sen Gefässen soll das oben erwähnte Hautgefässnetz, welches nach
Berthold den Respirationsprocess vermittelt, zusammenhängen. Spu-
ren von wirklicher Bluteirkulation konnte Berthold in diesem Ge-
fässsysteme nie wahrnehmen. Der Mund des Thieres ist in der
weissen halbdurchsichtigen Wölbung excentrisch angebracht, der
Darm ist ein sehr dünner einfacher Kanal, der an der Bauchseite
der Leibeswand herabläuft und in eine ganz kurze, ihm und den
weiblichen Geschlechtsschläuchen gemeinschafiliche Kloake endet.
305
Mit diesem Darme windet sich ein dünnes Gefäss herab, welches,
unten angekommen, sich in den gemeinschaftlichen Kanal der beiden
weiblichen Geschlechtsorgane einmündet und von Berthold als Hode
angesehen wird. Äussere Begattungsorgane fehlen. Als die weib-
lichen Geschlechtsorgane beschreibt Berthold zwei längs des ganzen
Leibes verlaufende, weite, die Leibeswand grösstentheils ausfül-
lende Röhren, welche über und neben dem Anfange des Speiscka-
nals mit blinden Anfängen beginnen. Beide Röhren sind innig mit
einander verbunden. Etwa ; Zoll vor dem After vereinigen sie sich
zu einem gemeinschaftlichen Kanal, welcher mit dem hintern Darın-
ende zur Cloake zusammenschmilzt. Diese Eierstocksröhren sind
nur locker mit der umgebenden Leibeswand verbunden, und haben
ein sehr regelmässig gegliedertes Ansehn, wie das Stück eines
Bandwurms.. Die Wände der Röhren bestehen aus zwei Häuten,
von denen die äussere etwas fester ist und die bandwurmförmigen
Ringe bewirkt, während die innere sehr locker erscheint und spinn-
webenartiges Maschengewebe mit sehr feinen Eierzellen vorstellt,
Diese Maschen sollen Gefässe sein. Berthold hat aus dem After
(Cloakeuöffnung) häufig einzelne kleiue Ballen hervortreten sehen,
welche aus einer ungeheuern Anzahl von Eiern bestanden. Im ersten
Frühjahre enthalten die Gordien keiue Eier, sondern eine spärliche
Milchflüssigkeit, welche aus sehr kleineu Körnchen besteht. So weit
Berthold’s Angaben. Was nun das Nervensystem betriflt, so ist es
dem Ref, noch weniger als Berthold gelungen, ein ‚solches gehörig
nachzuweisen. Die von Berthold beschriebenen Längsgefässe hat
Bef. nicht aufüoden können. Das mit diesen Längsgefässen in Ver-
bindung stehende Hautgefässnetz ist wohl nichts anderes als das
unter der Epidermis liegende Fasergewebe. Die beiden im Innern
der Leibeshöhle auf der Bauchseite herablaufenden Röhren hat
Ref. niemals vermisst, sie waren sowohl bei den männlichen als
bei den weiblichen Individuen vorhanden. Die zunächst auf der Bauch-
wand aufliegende Röhre war stets ungleich stärker als die andere.
Beide besassen fleischige Wäude und eine klare, hier und da mit
kleinen Körvern vermischte Feuchtigkeit in ihrem Innern. Ref.
konnte weder den oberen Ursprung noch das untere Ende beider
einfachen dickwandigen Röhren erkennen. Dass die eine dieser
Röhren eio Darmkanal ist, dürfte wahrscheinlich sein; dass aber das
andere Rohr ein Hode sei, dafür weiss Ref. kein einziges Beweis-
mittel anzuführen. Der grüsste Theil der Leibeshöhle wird von
einem eigenthümlichen zelligen Gewebe ausgefüllt, welches auf der
Bauchseite einen rinneuförmigen Raum frei lässt, innerhalb welchem
die beiden eben erwähnten einfachen Röhren herablaufen, ausserdem
erstrecken sich durch das zellige Gewebe zwei hohle Räume der
Länge nach hindurch bis gegen das Hinterleibsende herab, wo beide
röhrenförmige Aushöhlungen zu einer einzigen verschmelzen und an
der Öffnung des Hinterleibs ausmünden. Ob nun das zellige Gewehe
Archiv f. Naturgesch, IX, Jahrg. 2. Bd, d U
306
gleichsam zwei dickwandige Röhren bildet, deren Wände in der
Mittellinie dicht an einander liegen und welche im Hinterleibsende
in eine gemeinschaftliche Röhre übergehen, lässt Ref. in Frage ge-
stellt sein, wach Berthold’s Beschreibung der weiblichen Geschlechts-
organe dürfte es sich wirklich so verhalten, deun oflenbar sind die
von ihm erwähnten doppelten Eierröhren das vom Ref. erkannte
zellige Gewebe. Man kann demnach dieses zeliige Parenchym als
zwei dicht aneinander klebende Röhren betrachten. Diese beiden
Röhren sind nun bei -den männlichen Individuen die Hoden, bei den
weiblichen die Eierstocksröhren. Die Beschaffenheit der Wände
dieser Röhren stimmt im Allgemeinen in beiden Geschlechtern mit-
einander überein, zeigt aber doch eine gewisse spezifische Ver-
schiedenheit. Die Wände der Hodenröhren sind durchaus farbelos
und bestehen aus einer doppelten dicht auf einander liegenden Schicht
von Ziellen, welche von Berthold für Eierzellen gehalten worden
sind. Jede Zelle besitzt einen deutlichen runden Kern; die Form
der einzelnen Zelle ist stets oblong mit abgerundeten Ecken, ihre
Dicke nur halb so stark als ihre Breite. Zuweilen schiessen ein-
zelne dieser Zellen eine bald grössere, bald kleinere Menge einer
sehr feinkörnigen Masse in sich ein. Es haben diese zelligen Wände
der Hodenröhren mit einem Pflanzenparenchyme eine ausserordent-
liche Ähnlichkeit. Die beiden Höhlen der Hodenröhren enthalten eine
sehr feinkörnige milchweisse Masse, die beim Drücken auch aus der
Öffnung im Winkel der Schwanzgabel hervorquillt. Diese Öffnung
. kann daher mit Bestimmtheit als Geschlechtsöffnung betrachtet wer-
den. Die körnige Masse der Hoden besteht, mikroskopisch betrachtet,
aus sehr kleinen Zellen, zwischen welchen, wenn dieser Inhalt aus
dem unteren Theile der Hoden entnommen wird, längliche nach dem
eiuen Ende hin verdünnte Stäbchen vorkommen, welche eine Länge
von 0,076 bis 0,089 Lin. besitzen und offenbar Spermatozoiden sind.
In den weiblichen Individuen erscheinen die Wände der Eierstocks-
röhren viel dünner als die Wände der Hodenröhren, indem sie nur
aus einer einfachen Schicht von farbelosen Zellen bestehen; diese
sind ebenfalls deutlich gekernt und haben hier und dort eine fein-
körnige Masse in ihrem Innern, besitzen aber keine oblonge Form,
sondern stellen mehr eine Kugelform dar. In dem hohlen Raume
der beiden Eierstocksröhren sind eine unzählige Menge Eier ent-
halten, welche in Traubenform an einander kleben, jedes Ei besitzt
einen deutlichen Kernfleck; in dem oberen Theile der Eierstocks-
röhren haben die einzelnen Eier, welche die verschiedenen losen
Eiertrauben zusammensetzen, eine ovale oder birnförmige Gestalt;
nach unten hin vorgerückt runden sich diese Eier immer mehr ab,
werden von einem hellen Hofe umzeben, durch welchen sie weiter
hin als längere und kürzere Eierschnuüre vor- und nebeneinander
kleben. Jetzt ist der Kernflleck nicht mehr zu erkennen, indem viel-
leicht die weisse körnige Dottermasse denselben verdeckt. Im un-
307
tersten Ende der Leibeshöhle fand sich bei den Weibchen ein zwei
Linien langer dünnhäutiger Schlauch vor, der mit einer grossen
Menge länglicher beweglicher Körper angefüllt war. Diese gleichen
ganz den Spermatozoiden der männlichen Gordien. Bei dem Drucke
auf den Leib quoll aus der am abgestumpften Hinterleibsende der
Weibchen befindlichen Öffnung eine milchigte Masse liervor, welche
aus Eiern und lebhaften Spermatozoiden bestand. Jener Schlauch
dürfte demnach mit einem receptaculum seminis zu vergleichen sein.
Noch muss Ref, hinzufügen, dass die ein%elnen Eier die kleinen
Zellen des Hodeninhalts an Grösse ungemein übertrafen, und letztere
gewiss nur unentwickelte Spermatozoiden sind.
Mit diesen Angaben des Ref. stimmt die Beschreibung,
welche Dujardin von einem männlichen Gordius aquaticus
gegeben hat°), ganz gut überein.
Dujardin sah keine Mundöffnung an dem Wurme, was dem Ref.
nicht auffällt, da dieselbe äusserst schwer zu finden ist, es ist Ref.
nie möglich gewesen, einen Zusammenhang zwischen der Mundöfl-
nung und eiuer der am Bauche des Wurms herablaufenden Röhren
wabrzunehmen, ja, zuweilen hat es ihm geschienen, als sei die
Mundöffnung nichts anders als eine seichte Vertiefung der zarten
Haut, welche das Vorderende des Leibes überwölbt. Die in schiefer
Richtung sich kreuzenden Fäden der unter der Epidermis gelegenen
Faserschicht hat Dujardin richtig erkannt. Die von Charvet und
Berthold für Bauch- und Rückengefässe gehaltenen Röhrchen an den
beiden braunen Längsstreifen hat Dujardin gleichfalls nicht finden
können. Die unter der Hautbedeckung gelegene Muskelschicht be-
schreibt derselbe in Übereinstimmung mit dem Ref., als aus Längs-
fasern bestehend, welche in Lamellen an einander liegen. Die Höhle
des muskulösen Cylinders fand derselbe mit einer zelligen Masse
ausgefüllt, welche eiven Längskanal zwischen sich einschliesst, der
mit einer homogenen weissen Masse angefüllt ist. Dujardia giebt
hierauf unter dem Namen Gordius tolosanus die Beschreibung
einer neuen Gordien- Art”), an welcher Ref. keinen rechten Unter-
schied vom Gordius aquaticus erkennen kann. Die Epidermis der
weiblichen Individuen mit abgerundetem Schwanzende sah Dujardin
aus vieleckigen convexen Zellen zusammengesetzt, während die
Epidermis der männlichen Individuen mit gabelförwigem Schwanz-
ende eine andere Beschaffenheit besitzen soll, indem hier und da
zwischen den Epitheliumzellen grössere hervorspringende Flecke
(disques) eingestreut liegen. Die auf die Epidermis folgende Faser-
schicht, die Muskelschicht und das die Leibeshöhle ausfüllende zel-
6) Annules des sciences naturelles. 1842. T.X VIII. pag. 142.
7) Ebenda, pag. 146.
U*
308
lige Gewebe beschreibt übrigens Dujardin aus dem Gordius tolosa-
nus Z' und @ »anz wie aus Gordius aquaticus. Er erkannte in
den einzelnen Zellen des zelligen Gewebes deutlich den Zellenkern
und den feinkörnigen Inhalt, auch fand er hier, dass das zellige Ge-
webe einen doppelten Kanal einschloss, welcher mit einer homogenen
Substanz gefüllt war. Es ist zu bedauern, dass Dujardin diese
Substanz nicht genauer mikroskopisch untersucht hat, seinem geüb-
ten Auge wäre es gewiss gelungen, den Unterschied zwischen dem
Hoden - Inhalte und Eierstocks-Inhalte aufzufinden. Auch an diesem
Gordius fand Dujardin das Kopfende nicht perforirt, sondern von
einer transparenten Kappe geschlossen. Hinter dem Kopfende will
derselbe eine kleine Öffnung wahrgenommen haben. Die Farbe die-
ses Gordius giebt Dujardin schwärzlich an, die männlichen Iudivi-
duen, welche dunkler gefärbt waren als die Weibchen, besassen
vor der Gabelung des Schwanzendes eine längliche Öffnung, die
Weibchen waren an ihrem abgerundeten Schwanzende schräge
durchbohrt, Der spezifische Unterschied zwischen Gordius aquaticus
und tolosanus wird ven Dujardin darin angegeben, dass letzterer
eine Epidermis exquisite areolata besitzen und ersterer ohne alle
Epidermis gebildet sein soll; dieser Unterschied rührt gewiss nur
von einem Beobachtungsfehler Dujardin’s her.
Ein anderes mit dem Gordius verwandtes Thier hat Du-
jardin unter dem Namen Mer mis nigrescens beschrieben®).
Es fand sich dieser Wurm mehrmals sehr häufig nach Regen
auf feuchter Erde, einige Male auch nach einem starken Mor-
genthau auf frisch umgegrabenen Beeten. Dujardin glaubte,
dass Mermis in den Larven der Maikäfer schmarotzen, und
dass letztere bei Feuchtigkeit des Bodens, in welchem sie
leben, sich veranlasst finden, ihre Schmarotzer aus dem Leibe
zu drängen, was sich die Würmer auch gefallen liessen, um
nachher Gelegenheit zu finden, ihre Eier in die Erde zu
legen. Dujardin bemerkte an Mermis, welche er über acht
Tage lang in Wasser erhielt, dass diese Würmer heraus
wollten, auch wirklich herausschlüpften und ihre Eier an
trockne Orte legten. Sie selbst trockneten nachher zusammen
und lebten in Wasser nicht wieder auf. Sich selbst über-
lassen, bringen sie wahrscheinlich, wenn ‚sie keinen Drang
zum Eierlegen mehr fühlen, eine lange Zeit im Wasser zu.
8) Ebenda. pag. 129, ferner L’institut. 1842. pag. 256 und Archives
generales de medecine. T.XIV. 1842. pag. 488
309
Mermis ist 100 — 125 Millimeter lang, 0,5 bis 0,6 Mill. dick, von
weisser Farbe, mit einem aus seinem Inneren hervorleuchtenden
Streifen, aus welchem sich die Eier entwickeln. Nach vorne ver-
schmächtigt sich der Leib des Thiers, hinter dem Kopfende ist der-
selbe etwas eingeschnürt, der Kopf selbst ist vorne abgestutzt und
hat durch einige an ihm hervorragende Papillen ein eckiges Ansehen.
Das Schwanzende ist stumpf abgerundet. Etwa 15 Millimeter vom
Kopfe entfernt befindet sich eine mit wulstigen Rändern umgebene
Querspalte, welche die Vulva darstellt, aber weder mit einem Uterus
noch mit einem Eierleiter zusammenhängt. Die Oberfläche des Leibes
erscheint ganz glatt, ein After war nirgends aufzufinden. Mit die-
sen Angaben stimmen die Beobachtungen, welche Ref. an einem
solchen zu Danzig in Wasser gefundenen Wurme zu machen Gele-
genheit hatte, so ziemlich überein. Die Hautbedeckung von Mermis
besteht nach Dujardin aus drei verschiedenen Partien, 1) aus einer
dünnen Epidermis, 2) aus einer Schicht von sich schräge kreuzen-
den Fasern, welche ununterbrochen spiralförmig durch die ganze
Länge des Leibes verlaufen, und 3) aus einem kuorpelartigen hohlen
Cylinder, der von 15, 20 bis 30 homogenen und concentrischen
Schichten gebildet wird. Dieser Knorpel-Cylinder nimmt in seinen
Wandungen nach vorne hin an Dicke ab, während er sich nach hin
ten hin stärker verdickt. Einen solchen Bau der dritten Partie der
Leibeswand hat Ref. an seiner untersuchten Mermis nicht erkannt,
er fand dieselbe vielmehr aus zwei Muskelschichten zusammengesetzt,
nämlich aus gedrängt liegenden Längsfasern und aus weitschichtig
von einander stehenden Querfasern. Dujurdin erwähnt den aus
Längsfasern zusammengesetzten muskulösen Cylinder als unter der
dritten knorpeligen Hautpartie gelegen. Am Kopfe bemerkt man
5 bis 6 sehr kleine Papillen, unter welchen sich Vertiefungen befin-
den, die mit dem den Oesophagus umgebenden leeren Raum durch
kleine Öffnungen in Verbindung stehen sollen. Aufder inneren Fläche
des Muskeleylinders läuft jederseits ein breites Band herab, von
welchem nach Dujardin die Eier hervorsprossen sollen. Ref. hat
diese beiden Bänder ebenfalls gesehen, konnte sich aber nicht davon
überzeugen, dass die in jedem Bande vorhandene doppelte Reihe von
Flecken Eierkeime seien. Der Darmkanal von Mermis ist ein-
fach, indem von der einfachen Mundöfloung ein enger Oesophagus
iu den erweiterten Darın übergeht, der sich nach hinten allmälig
verliert. Der dunkle Streif des Wurms rührt von den schwarz- ge-
färbten Eiern her, welche Ref. in einem engen Schlauch eingeschlos-
sen fand, nach Dujardiv’s Angabe dagegen mit den vorhin erwähnten
problematischen Eierstöcken zusammenhängen sollen. Die Form
dieser Eier ist höchst merkwürdig. Jedes Ei besteht aus einer far-
belosen runden Kapsel, von welcher an beiden Polen ein fibröser
Funikulus entspringt, welcher an dem Boden der Ovarien festhängen
soll. Ref. sah die Eier mit diesen Kapseln frei in der schon erwähn-
310
ten Röhre liegen, von denen einige auf der einen Seite, andere
sogar auf beiden Seiten zwei zerfaserte Stränge besassen. Die in der
Kapsel eingeschlossene schwärzliche Eihülle enthielt zuweilen einen
Embryo, welcher den jungen Nematoideen glich... Es besass derselbe
ein stumpfes Schwanzende und ein stark verdicktes Kopfende, an
welchem Ref. einen vorstreckbaren Stachel oder ausstülpbaren Oeso-
phagus erkannte. Dujardin giebt von dieser neuen Gattung Mermüs
folgende Diagnose: corpore Iongissimo filiformi, elastico, antice pa-
rumper attenuato; capite subinflato, ore terminali minimo rotundo;
intestino simplice, postice obsoleto, ano’ nullo; vulva antica, traus-
versa. In jeder Hinsicht verdient dieser Wurm zu einer besonderen
Gattung erhoben zu werden, welche übrigens von den Gordien zu
den Nematoideen den Übergang bildet. Die höchst karakteristische
Faserschicht unter der Epidermis, so wie das Fehlen eines Afters
hat Mermis mit Gordins gemein; die muskulösen Wände, die beiden
an ihnen herablaufenden Bänder erinnern schon mehr an die Nema-
toideen, obgleich dem Ref. in der innern Organisation dieses Wurms
noch manches räthselhaft geblieben ist.
Von Ref. sind die bis jetzt bekannt gewordenen Beobachtungen
über Filarien der Insekten zusammengestellt worden°®). Ref. suchte
hierdurch die Aufmerksamkeit der Entomologen auf diesen interes-
santen Gegenstand der Helminthologie zu richten, damit über diese
Schmarotzer der Insekten, welche vou den Filarien der Wirbelthiere
auffallend abzuweichen schienen, eine genauere Kenntniss erlangt
werden könnte, denn über den inneren Bau derselben war bisher
fast gar nichts angegeben worden, immer sind sie nur obenhin bald
mit Filaria bald mit Gordius verglichen worden. Welchen erwünsch-
ten Erfolg diese an die Entomologen gerichtete Aufforderung nach
sich gezogen hat, wird Ref. im nächsten Jahre berichten ‚können,
nur so viel sei hier gesagt, dass Ref. zu der Überzeugung gekom-
men ist, die Insekten beherbergen verschiedene von den Nematoi-
deen durchaus abweichende fadenförmige Würmer, von welchen
eine Art mit Gordius aquaticus ganz identisch ist.
Nematoidea.
In verschiedenen Zeitschriften ist die sonderbare Mittheilung
gemacht worden, dass sich zu Fort Pitt bei einem Soldaten nach
dem Tode ein Trichocephalus affinis in der angeschwollenen ‘und
brandigen linken Tonsille vorgefunden habe!°). Die Identität dieses
9) Entomologische Zeitung. 1842. pag. 146.
10) The London and Edinburgh monthly Journal of medical
science. nr.7, July. 1842. pag. 599. Froriep’s Neue Notizen. Bd. 24.
pag. 256. auch Mieroscopical Journal. May. 1842. j
311
Wurmes mit dem nur bei Wiederkäuern vorkommenden Peitschen-
wurme dürfte wohl nicht so unbedingt ohne alle nähere Beschreibung
anzunehmen sein. Eine von Busk gelieferte sehr unvollkommene
Beschreibung und Abbildung des Hinterleibes von Trichocephalus
dispar‘’) sticht sehr ab gegen die ausführliche, denselben Gegen-
stand betreffende Arbeit Mayer’s (Jahresber. 1842),
De la Harpe fand in den speckigen Entartungen der Schaf-
lungen ein Gewirre sehr kleiner Würmer und Eierhaufen, welche
nicht zweifeln liessen, dass sie von Strongylus Filaria herrührten,
welcher Schmarotzer gleichzeitig in grosser Anzahl dieselben Luu-
gen besetzt hielt '?).
Eine ausführliche Arbeit über das Wurmaneurisma und
den Strongylus armatus minor Rud. hat Rayer geliefert! ?).
Bei den Einhufern entwickelt sich nach Rayer’s Untersuchungen
das Wurmaneurisma fast immer in der arteria mesenterica anterior,
und zwar meist bei erwachsenen und alten Thieren. Bayer fand
die Höhle der anenrismatischen Erweiterungen zuweilen durch eine
Ausschwitzung von Faserschichten verengt oder fast ganz ausgefüllt.
Bei geringerer Ablagerung von Faserschichten sind nur wenige
Strongyli vorhanden, während sie bei beträchtlicher Ablagerung des
Faserstoffs immer in grosser Anzahl angetroffen werden. Auch bei
verknöcherten Arterienwänden des Aneurismas finden sie sich eben
so oft vor. Rayer hat die ionere Arterien-Haut solcher Wurm-
Aneurismen niemals perforirt oder exulcerirt gesehen. Die Würmer
stecken immer zwischen den Schichten der Faserstoff- Ablagerungen,
niemals zwischen den Arterien-Häuten. Die Wurmancurismen zer-
reissen nicht, da sie stets von Hypertrophie der Arterienwände be-
gleitet werden. Rayer sprichw sich gegen die Meinung aus, dass
die Strongyli die Wände der Arterien durchbohren und so in die
Arterienhöhlen gelangen. Gegen die Annahme von Morgagni, Ru-
dolphi, Laennec, Otto u. a, dass die in den Wänden der Arterien
vorkommenden Tuberkeln, welche Strongyli enthielten, zur Ausbil-
dung von Aneıurismen Veranlassung geben, wendet Rayer ein, dass
solche Tuberkeln nur bei Hunden und olıne Aneurismen -Bildung zu
finden seien. Die Mehrzalıl der Strongyli befinden sich in der fase-
rigen Ablagerung und ragen bald mit dem Kopfende bald mit dem
Schwanzende daraus hervor, nur wenige liegen frei in der Aneu-
11) The microscopical Journal. 1841. pag. 33. Observations on
the anatomy of the Trichocephalus dispar.
12) Gurlt und Hertwig’s Mag. für Thierheilkunde. 1842. pag. 14.
13) Archives de me&decine comparee par Rayer. Paris. nr. 1.
Octobre. 1842 pag.1. Becherches critiques et nouvelles observa-
tions sur Vanevrysme vermineux et sur le Strongylus armatus minor
KRud. par Rayer, und Froriep’s Neue Notizen. Bd,28. pag. 223.
312
rismen- Höhle. Die rothe Farbe dieser Würmer soll nicht immer
von dem verschluckten Blute herrühren, sondern äusserlich aufsitzen
und sich abwaschen lassen. Die Beschreibung der Würmer selbst
enthält nichts neues. — Von Gruby wurde ein Fall von einem
Aneurisma an dem truneus coeliacus eines Pferdes mitgetheilt, in
dessen Höhle faserige Ablagerungen und den Ascariden ähnliche En-
tozoen sich befunden haben sollen. Es sind dies gewiss nichts
anderes als Individuen von Strongylus armatus minor gewesen.
Leuckart fand in dem Dünndarme von Myoxus glis einen
Strongylus'*), den er als St. gracilis auf folgende. Weise ka-
rakterisirte: capite exiguo, elongato, obtusiuscule, alato; ore orbi-
eulari; bursa maris ampla, costulata, margine leniter incisa; feminae
parte corporis posticae crassiore, in mueronem (caudam) tenuiorem,
depressum exeunte. Die Farbe dieser Würmer ist bräunlich weiss,
die Länge der Weibchen beträgt 4 Lin. und die der Männchen 3Lin.
Einen anderen interessanten Rundwurm entdeckte Leuckart in der
Stirnhöhle und in dem Siebbeine von Mustela putorius und Foina !?),
es schien das Thier zu Spiroptera zu gehören, und wurde als
Sp. (?)nasicola wit folgender Diagnose versehen: capite indiscreto,
ore orbieulari pudo; maris parte corporis posteriore recta, alis bre-
vissimis, pene mediocri, cauda post alas hrevissima apice aculeo
armata; feminae cauda acuta, vix distincta, parum inllexa. Das
Hivterleibsende der Männchen ist nicht spiralförmig aufgerollt. Die
Farbe dieser Schmarotzer ist roth, die Länge der Männchen 5—6
Lin. und die der Weibchen 8S—12 Lin.; am Hinterleibsende der
Männchen sah Leuckart noch einen kurzen spitzen Stachel hervor-
ragen, den er als ein |Reizorgan betrachtet und der vielleicht bei
der Begattung zum Festhalten des Weibchens mitwirkt. Der Ver-
dauungskanal ist mit einer kurzen, vorne engeren, nach hinten er-
weiterten Speiseröhre versehen, welche in einen Magen und Darm
übergeht. Die Geschlechtstheile verhalten sich wie bei Ascaris und
Strongylus. Die Weibchen sind vivipar. Derselbe fand einen mit
Ascaris ineisa übereinstimmenden Rundwurm in eigenthümlichen
durchsichtigen Bälgen eingeschlossen, welche am Bauchfelle von
Sorex tetragonurus befestigt waren'°). Die Würmer waren 5—9
Lin, lang, liessen keine Geschlechtsorgane in ihrem Innern unter-
scheiden, was den von Creplin aufgestellten Satz, dass ein in einer
Membran abgeschlossener Rundwurm niemals Geschlechtswerkzeuge
besitze, zu bestättigen schien.
Mayer will bei weiblichen Individuen von Oxyuris vermicularis
14) Zoologische Bruchstücke. Il. Helminthologische Beiträge.
1842. pag. 38.
15) Ebenda. pag 43.
16) Ebenda. pag. 39.
313
eine sehr grosse Anzahl von Samenthieren gesehen haben !?); ihre
Länge betrug „}, Lin., sie Jagen zwischen den Eiern in gekrümmter -
Gestalt mit zugespitzten Enden.
Gluge hat in den Lungen von Fröschen die Eier der Ascaris
nigrovenosa vorgefunden, ohne dass eine Spur dieses Entozoohs in
jenen Organen vorhanden gewesen war!‘). Gluge glaubt daher,
dass diese Eier mit der eingeathmeten Luft von aussen in die Lun-
gen gelangt seien und sieht diese Erscheinung mit als ein Argument
gegen die Annahme einer generatio spontanea an. Mandl soll ganz
dieselbe Beobachtung und daraus eben dieselbe Schlussfolge gezogen
haben !®).
Zu den in den früheren Berichten erwähnten Fällen von Wurm-
abscessen ist ein neuer hinzuzufügen, welcher von Hecking zu Wax-
weiler am Rhein beobachtet wurde ?°). Derselbe sah sich genöthigt
eine entzündliche Anschwellung des Nabels bei einem vierjährigen
Mädchen zu kataplasmiren; nach dem Aufbruche der Geschwulst
traten drei abgestorbene Spulwürmer mit Eiter daraus hervor. Der
Nabel schloss sich hierauf, nach zwei Monaten stellte sich aber eine
neue schmerzhafte Geschwulst am Nabel ein, welche in Eiterung
überging und abermals einige Spulwürmer entleerte.
Über Entozoen im Blute der Wirbelthiere mehren sich jetzt die
Beobachtungen. Vogt entdeckte in den Blutgefässen mehrerer Frösche
eine Menge filarienartiger Würmchen ?'), wie sie schon früher Va-
lentin gesehen hatte (s. dieses Archiv. 1840. II. p. 189 und 1841. II.
p- 342), auch die Puppenhülsen oder Cysten fand er, wie Valentin,
in der Leibeshöhle derselben Frösche vor. Viele dieser Cysten ent-
hielten ganz ähnliche Filarien wie das Blut der Frösche. Waren
die Cysten am Darme weisslich gefärbt, so enthielten sie kleine
Filarien und im Blute fanden sich dann keine Würmer wor, waren
aber die Cysten braun gefärbt, so waren sie von Filarien leer und
das Blut war dann mit ihnen angefüllt. Ihr Kopf war abgestutzt,
ihr Schwanzende zugespitzt und in ihrem Innern konnte Vogt Darm-
kanal und Eierstock unterscheiden. Dieser Eierstock dürfte nach
Ansicht des Ref. wohl nichts anderes als der Überrest des Dotters
gewesen sein, welcher noch längere Zeit als blasige Masse in den
17) Mayer: Neue Untersuchungen aus dem Gebiete der Anatomie
und Physiologie. 1842. pag. 9.
18) L’institut. 1842. pag 131 und Archives generales de medecine
T.XIV. 1842, pag. 364.
19) Froriep’s Neue Notizen. Bd.23. pag. 200. Es stimmt’ diese
Mittheilung übrigens so genau mit der von Gluge überein, dass man
vermuthen möchte, es finde bier eine Namensverwechslung statt,
20) Preussische medizin. Vereinszeitung. 1842. nr. 42. pag. 187.
21) Müller’s Archiv. 1842. pag. 189.
314
bereits ausgeschlüpften Embyonen der Nematoideen zurückbleibt,
Vogt traf in der Bauchhöhle eines Frosches zwei grosse mehr als
zoll-lange weibliche Filarien mit entwickelten Geschlechtsorganen,
die von Eiern und Embryonen strotzten. Da letztere den im Blute
beobachteten Würmchen glichen, so glaubte Vogt das Vorkommen
dieser Filarien im Blute der Frösche sich ‘auf folgende Weise er-
klären zu können. Die trächtigen Filarien- Weibchen setzen ihre
Brut in der Bauchhöhle ab, die Jungen bohren sich in die grossen
Gefässe ein, circuliren eine Zeit lang mit dem Blute und werden
zuletzt an geeigneten Stellen abgesetzt; sie werden nun von Faser-
schichten umgeben und brechen, nachdem sie in ihren Cysten die
Geschlechtsreife erlangt haben, in die Bauchhöhle hindurch, um hier
ihre Jungen abzusetzen. Ob diese Filarien in den Cysten ihre Ge-
schlechtsreife erreichen, möchte Ref. sehr bezweifeln, da er sowohl,
wie Creplin niemals encystirte Nematoideen mit entwickelten Ge-
schlechtstheilen angetroffen hat. Miescher hat die von Vogt be-
schriebenen kleinen Nematoideen fast regelmässig im Blute der Frösche
gesehen ??). x
Aus einer dem Ref. jetzt erst zu Gesicht gekommenen Abhand-
lung von Charles Lee?®) trägt derselbe nach, dass eine io der
vorderen Augenkammer eines Pferdes zu Neu York beobachtete Fi-
laria papillosa dem Thiere»kein unangenehmes Gefühl zu erregen
schien und nur den Humor aqueus trübte.
Barkow stellte die Vermuthung auf, dass die Entozoen der-
jenigen warmblütigen Thiere, welche einen Winterschlaf halten,
ebenfalls in einen Winterschlaf verfallen ??), indem sie bei der ge-
ringeren Temperatur ihrer Wohnthiere zu einer geringeren Lebens-
thätigkeit herabgestimmt werden. Derselbe fand im Magen eines im
Winterschlaf getödteten Igels mehrere Exemplare von Physaloptera
clausa ohne alle Lebensäusserungen, die sich aber lebhaft zeigten,
sobald die Thiere in warmes Wasser gelegt worden waren.
Von Steenstrup wurde darauf hipgedeutet, dass Sphaerularia
Bombi (s. dieses Archiv. 1838. II. pag.297) vielleicht die Ammen
(Keimschläuche) von gewissen Nematoideen sein möchten?°), was
Ref. unwahrscheinlich findet, da Sphaerularia deutliche Geschlechts-
theile mit wahren, den Durchfurchungsprocess eingehenden Eiern
besitzt.
22) Ebenda. pag.191.
23) The american Journal of science and arts, by Silliman.
Vol. 39. 1840. pag.278. An account of a Filaria in a horse’s eye,
with remarks on similar phenomena, and the mode of origin.
24) Übersicht der Arbeiten und Veränderungen der schlesischen
Gesellschaft für vaterländische Kultur im Jahre 1839. Breslau, 1840.
pag. 93.
25) Steenstrup: über den Generationswechsel. a.a. O. pag. 110.
315
Über den merkwürdigen Vibrio tritici theilte Henslow mehrere
Notizen mit?°), welche die Beobachtungen Bauer’s in Bezug auf die
Lebenszähigkeit dieses Wurms bestättigen. Auch Henslow sah ver-
trocknete Haufen dieser Würmer im Wasser wieder aufleben, ja
selbst aus sechs Jahre alten Weizen-Ähren herausgenommene ver-
trocknete Vibrionen zeigten dieses Phänomen des Wiederauflebens.
Eier und junge Vibrionen bleiben, wenn sie einmal vertrocknet sind,
nach Henslow’s Beobachtungen, für immer abgestorhen. Der Vibrio
tritici scheint sich nur im Weizen zu zeigen, er ging aber auch auf
Roggen, Hafer und Gerste über, wenn diese Grasarten mit von Vi-
brionen bewohnten Weizenkörnern zusammengesät wurden verbrei-
tete sich aber bei weitem nicht in dem Grade über diese Getreide-
Arten wie über den Weizen. Durch Brühen mit Wasser werden die
Würmer in den Weizenkörnern getödtet, welche Procedur Henslow
vorschlägt, um den Weizen von diesem Übel zu befreien.
Schiödte hat im Magen von Carabus clathratus und Calosoma
sericeum Filarien von % bis 4 Lin. Länge beobachtet??). Derselbe
traf bei Dytiscen, obgleich er eine grosse Zahl derselben zerglie-
derte, nur zwei Mal Entozoen an°*). In dem einen Falle war’der
Wurm eine ziemlich grosse Filarie, welche sich in ziemlicher Anzahl
im Kopfe eines Dytiscus marginalis vorfand; in dem anderen Falle
zeigte sich ein zu keinem bisher aufgestellten Genus gehöriger
Wurm von nur 1 Lin. Länge, mit zugespitztem Hinterende und ohne
deutlichen Darmkanal. Dieser Schmarotzer lag unter der äussern
muskulösen Tunica des Kropfes eines Acilius sulcatus verborgen.
Gruby, welcher ebenfalls filarienartige Würmer in klei-
nen +—4 Millimeter grossen Säckchen des Peritonaeum’s von
Fröschen eingeschlossen fand, sah auch Entozoen-Eier mit
dem Blute der Frösche eirculiren?°), traf auch dergleichen
Eier im Rückenkanale an. Derselbe entdeckte ferner Asca-
riden in den Scheiden der primitiven Nervenbündel und sogar
zwischen den Primitivfäden der letzteren. Sie bewegten sich
langsam, und hatten eine Länge von ;'; bis 2; Millim.; in
26) The microscopical Journal. London. 1841. pag. 36. On the
occurence of the animalcule of Vibrio tritici in blighted grains of (he
ears of wheat, constituting what is termed ear-cockle, purples or
peppercorn.
27) Schiödte: genera og species nf Danmarks Eleutherata. Kjö-
benhavn. 1840 — 41. T. pag. 82,
28) Ebenda. Il. pag. 412,
29) L’institut. 1842. pag,. 239., Archives generales de medecine.
T.XIV. 1842. pag. 480., und Kroriep’s Neue Notizen. Bd. 24. pag. 136-
316
den Lungen waren sie von einer gelben harten und gewölbten
Substanz umgeben. Nachdem Gruby Entozoen - Eier, mit
Serum vermischt, in die grosse vena. muscularis cutanea des
Frosches eingespritzt hatte, sah er sie in dem Kapillargefäss-
systeme der Organe, vorzüglich der Lungen, still stehen. Er
konnte in denselben die Entwickelung des Embryo verfolgen.
Die Eier selbst wurden von ausgeschwitztem gerinnbaren Stoff
umgeben, welcher in den Lungen die gelbe Substanz bildet.
Acanthocephala.
Steenstrup will die meisten bisher bekannt gewordenen
Echinorhynchen als Ammen (Keimschläuche) betrachten; ?°)
hierin geht aber Steenstrup offenbar zu weit, da die Echino-
rhynchen vollkommen entwickelte Geschlechtstheile besitzen
und überdies getrennten Geschlechts sind, während die Am-
men, im Sinne Steenstrup’s, ihre Brut ohne besonders aus-
gebildete Eierstöcke und ohne Mitwirkung von männlichen
Geschlechtsorganen hervorbringen. Dass Steenstrup kleine Echi-
norhynchen innerhalb besonderer Kapseln auf dem Mesente-
rium, auf der Leber und dem Darme einer Scholle angetrof-
fen hat, ist ein neuer Beleg für das Wandern der Kratzer.
Trematoda,
Von Creplin wurde ein neues Monostom aus dem obern
Dünndarmtheile eines Flussadlers als 7. expansum beschrie-
ben, ?"!) welches sich durch seinen ausserordentlich verflach-
ten und breiten Vorderkörper auszeichnet.
In dem breiten Leibestheile unterschied Creplin ein aus körnigen
Kugeln zusammengesetztes Organ; der sehr kleine Mund besass
einen Saugnapf und einen noch kleineren Schlundkopf, von dem die
Speiseröhre bis zur Mitte des V.orderkörpers verlief, von ‘welcher
Stelle jederseits ein Darm bis ins Hinterleibsende herabging. Zwei
‚an der inneren Seite der Darmröhren bis zum Hinterleibsende herab
sich erstreckende Gefässstämme, welche in einem Exemplare weisse
klümperige Massen stellenweise enthielten, sind vielleicht die nach
hinten sich ausmündenden Excretions- Organe gewesen, welche Ref.
in ähnlicher Weise bei verschiedenen Monostomen angetroffen hat.
Die dendritischen Ovarien (Dotterstöcke) beginnen in der hinteren
Hälfte des breiten Vorderkörpers und erstrecken sich beiderseits bis
30) Steenstrup: Über den Generationswechsel, a. a. 0. p. 111.
31) Dieses Archiv 1842. I. p. 327. .
317
zum Hinterleibsende hinab. Der weite Uteruskanal, dessen Anfang
Creplin nicht finden konnte, durchläuft mit vielen Windungen die
vordere Hälfte des Hinterleibes. Das Ende des Uterus soll einen
birnförmigen, im Hinterrande des Körpers gelegenen weissen Knoten
durchbohren und sich dann auf der Mitte der Bauchseite nach aussen
öffnen. Die braunen Eier des Uterus sind ansehnlich gross, eiförmig
und an dem verschmälerten Ende mit einem Koötchen versehen. Die
beiden im Hinterleibe hinter einander liegenden Hoden besitzen sehr
tiefe Einschnitte, wodurch sie strahlen- oder fächer- förmig zer-
ästelt erscheinen Nur das eine vas ‘deferens und zwar vom hin-
teren Hoden hat Creplin verfolgen können, es trat, ehe es sich zu
dem receptaculum eirri begab, an zwei gewundene Samenbehälter.
Es ist zu bedauern, dass dieser so äusserst platte Wurm nicht frisch
untersucht werden konnte.
Von Leuckart ist das Monostomum mutabile abgebildet und
zugleich die Mittheilung gemacht worden, ®?) dass ihm Nitzsch unter
dem Namen Monostomum asperum einen Schmarotzer aus dem sinus
nasalis von Anas Fuligula gesendet habe, der dem Monost. flavum
des Mehlis sehr nahe käme,
Mayer hat in dem Gefässsysteme von Amphistomum sub-
clavatum Flimmmerbewegungen erkannt. ?®)
Die schwarzen Kugeln, welche Mayer in den am Hintertheile
des Körpers einen Bogen bildenden Kanälen sah und als Ovula oder
Dotter betrachtete, sind die Auswurfsmasse des am Hinterrücken
dieses Wurmes ausmündenden Excretionsorganes, diese Kügelchen
erscheinen nur bei durchfallendem Lichte schwärzlich gefärbt, bei
auffallendem Lichte zeigen sie sich weiss.
Von Duval ist das Distomum hepaticum in der vena portarum
und ihren Leberästen eines Menschen zu 5 bis 6 Individuen in der
Grösse von 11—14 Lin. Länge und 4—5 Lin. Breite angetroffen
worden. °*) 2
Ein von Otto im Squalus griseus entdecktes Distomum hat Creplin
als Dist. veliporum näher beschrieben. °’) Seine Grösse beträgt
etwas über 3 Zoll. Der Bauchnapf liegt sehr weit nach vorne, wo-
durch der Hals nur die Länge von 3 Lin. besitzt. Auf der Mitte des
letzteren ragt der Genitalporus als ein Hügelchen hervor. Der Ex-
kretionsporus ist am Hinterleibsende deutlich angebracht. Creplin
bemerkte im Hinterleibe dieses Thieres drei hinter einander liegende,
breite bläuliche Flecke; die beiden hinteren Flecke rühren offenbar
32) Leuckart: Zoolog. Bruchstücke a, a. 0. IH. pag. 35.
33) Mayer: Neue Untersuchungen a. a. ©. pag. 24.
34) Gazette medicale de Paris. 1842. nr.49., Zeitschrift für die
gesammte Medizin, von Oppenheim. Bd. 23. 1843. pag. 86.
35) Dieses Archiv. 1842. I. pag. 336.
318
von den beiden Hoden her, der dritte und vorderste Fleck ist von
dem Eierkeim-Organe herzuleiten, welches Ref. bis jetzt bei kei-
nem "Trematoden- Wurme vermisst hat. Die Eier dieses Distomen
sind sehr klein, schmal eirundlich und braun gefärbt.
In der Stirnhöhle und dem Labyrinthe des Siebbeins von Mustela
Putorius ist von Leuckart ein neuer Schmarotzer aufgefunden wor-
den,3°) welchen er unter der Benennung Distomum acutum auf
folgende Weise beschrieb: corpore tereti, ovato, antice crassiore,
rotundato-obtuso, postice attenuato, acuto; poris orbicularibus,
poro antico parum prominente, poro ventrali majore; collo nullo.
Die Länge des Thieres betrug 15 Lin., seine Farbe war braun. Ein
anderes Distomum entdeckte derselbe Naturforscher in den Nieren
von Sorex fodiens.?’) Er nannte es Dist. truncatum und gab
folgende Diagnose über dasselbe: corpore tereti, antice erassiore,
rotundato -obtuso, postice attenuato, truncato -obtuso; poris remo-
tis, poro antico orbiculari, nom prominente; poro ventrali minore,
apertura transversa; collo nullo. Dieser Wurm besass eine Länge
von 2 Lin. und ebenfalls eine braune Färbung,
Gluge beobachtete im Polystomum integerrimum eine Menge
Zellen mit Kernen und Kernkörpern, von denen einige wieder in
Zellen eingeschlossen waren.’®) Ob diese Zellen mit der Entwicke-
lung der Eier in Beziehung stehen, weiss. derselbe nicht anzugeben.
Durch Yarrell e fahren wir, dass von dem seltenen Schma-
rotzer Tristomum coccineum an zwanzig Stücke auf der äusseren
Oberfläche des Kopfes eines an der englischen Küste gefangenen
Orthagoriscus mola gefunden wurden. ?°)
Eine neue Gattung von Trematoden ist von Leuckart uater
dem Namen Diplobothrium (früher nur ‚vorläufig Dielibothrium
genannt) unter folgender Diagnose aufgestellt worden:*°) corpore
molli, elongato, depresso; acetabulis sex anterioribus, media val-
vula in duas foveolas divisis, lateralibus, utrinque tribus; rostro
inter acetabula porreeto, ore antico, simplice. Die einzige hieher-
gehörige Art wurde von Leuckart und Kollar auf den Kiemen des
Acipenser stellatus Pall. entdeckt und von Ersterem Diploboth.
armatum benannt. Als specilischer Karakter wird angegeben:
corpore postice incrassato; rostro uncinato, uncis quatuor horrido;
acetabulis pedunculatis, lineatis, margine ciliatis, aculeo armatis.
Dieser Wurm ist schon früher als Diclibothrium crassicaudatum und
armatum (Wiener Annalen I. pag. 82) erwähnt und von Nordmann
36) Leuckart: Zoolog. Bruchstücke a. a.0. Ill. pag. 33.
37) Ebend. pag. 34.
38) Haeser: Archiv für die gesammte Medizin. 1842. pag. 492.
39) Yarrel: a history of british fishes. Vol. II. 1841. pag, 468. und
die daselbst befindliche Viguette.
40) Leuckart: Zool. Bruchst. a, a. ©. Iil. pag. 13.
319
als Hexacotyle elegaus (Lamarck : histoire natur. T. IN. 1840. pag. 600)
aufgeführt worden. Leuckart will überhaupt nicht die Gattungen
Hexacotyle thynni, Hexathyridium pinguicola Treutl. Blainv. und
Hexabothritum appendieulatum Kuh. Nordm. gelten lassen und sie zu
Polystomum gerechnet wissen. Das Diplobothrium unterscheidet sich
von diesen Trematoden hauptsächlich durch die am vorderen Leibes-
ende angebrachten Haftorgane. Ref. möchte in dieser Beziehung eher
der Ansicht Nordmann’s beitreten und auch bei Diplobothrium die ace-
tabula als Hinterleibs- Näpfe betrachten. Vergleicht man die beiden
Abbildungen, welche Leuckart von Diploboth. armatum und dem spä-
ter zu erwähnenden Octobothrium Leptogaster gegeben hat, so wird
man im äusseren Habitüs eine grosse Ähnlichkeit zwischen beiden
Würmern wahrnehmen, nur dass das eine Thier 6, das andere 8
Haftorgane besitzt; ist bei Diplobothrium der mit den sechs Näpfen
versehene Theil wirklich das vordere Leibesende, so muss es sehr
auffallen, dass derselbe Haftapparat, welcher bei dem einen Thiere
an dem Hinterleibe angebracht ist, bei einem anderen verwandten
Thiere am Vorderleibe sitzt. Der Umstand, dass Leuckart eine deut-
liche Öffnung an der zwischen den Haftorganen hervorragenden
Spitze gesehen haben will, macht mich indessen etwas schwanken,
ganz auf die Seite Nordmann’s zu treten. An jeder Seite dieser von
Leuckart als Maul betrachteten Öffnung sind ein Paar ansehnliche
hornartige, nach hinten gerichtete Haken angebracht; ähnliche Haken
besitzt übrigens auch Octobothrium lanceolatum am Hinterleibsende.
Hinter jenen Haken sind bei Diplobothrium jederseits drei Haftgruben
angebracht, zwischen welchen der sonst dünne Körper etwas breiter
ist. In jeder Grube befindet sich eine beträchtliche Anzahl feiner
weisser Querstriche, und aus der Mitte derselben ragt ein weisses
ebenfalls gestricheltes Blättchen wie eine Art Klappe hervor; ausser-
‘ dem ist jede Grube noch mit einem hervorragenden, krallenarligen
Haftwerkzeuge versehen. Von inneren Organen will Leuckart einen
anfangs einfachen, dann gabelförmig getheilten Darmschlauch beob-
achtet haben; die Eier, welche im entgegengesetzten Leibesende zu
bemerken waren, hatten eine ovale Gestalt und eine braune Farbe.
Seine Gattung Octobothrium stellteLeuckart mit folgender ver-
änderter Diagnose auf: corpore molli, elongato, depresso; apertura
oris antica, infera, simplice; acetabulis io utroque corporis partis
posticae latere quatuor. Leuckart rechnet auch Octobothrium Mer-
langi Nordm. zu dieser Gattung, obgleich Nordmann darauf aufmerk-
sam gemacht hat (Mierograph. Beiträge I. pag. 79), dass dieser Schma-
rotzer nicht acht Saugnäpfe, sondern nur acht Haftorgane besitze,
welche mit keinem Saugapparate versehen sind. Die oben erwähnte
Diagnose der Gattung bedarf also noch in dieser Beziehung einer
Verbesserung. beuckart führt im Ganzen sechs Octobothria auf,
darunter eine neue Art, Octoboth. Leptogaster, welche Rapp
auf den Kiemen der Chimaera monstrosa angetroffen hat, mit der
320
Diagnose: corporis parte anteriore latiore, lanceolata, posteriore
tenuissima, filiformi; acetabulis anterioribus nullis, posterioribus
subpedunculatis, fibulatis. Das Gerüst der Haftorgane erinnert hier
ganz an das von Diplozoon paradoxum. Eine andere neue Art wurde
von Rapp auf den Kiemen des Gadus Molva gefunden und von Leu-
ckart als Octobothr. palmatum beschrieben: corpore autice et
acelabula versus attenuato, medio latiore; acetabulis anterioribus
nullis, posterioribus fibulatis, peduneulatis; pedunculis elongatis,
utringque palmae formaın mentientibus. Der doppelte Blinddarm dieses
Wurnis bildet auf beiden Seiten ein schönes Gefässnetz. Hinter der
Mundöffoung ist die Geschlechtsöffnung angebracht. Die Enden der
acht Stiele des Hinterleibes besitzen eine Grube, welche durch eine
vordere und hintere klappenartige Ausbreitung geöffnet und geschlos-
sen werden kann. Die Ränder dieser Klappen sind, wie bei Diplo-
z00n, von bernsteinfarbigen Hornstücken umsäumt. Die Eier sind
verhältnissmässig gross, oval, von braungelber Farbe und klaffen
mit einem Deckel. Die Länge des Wurms beträgt 7—8 Lin. und
seine Breite 13 Linien. Eine dritte und neue Art hat Leuckart als
Octobothr. sagittatum beschrieben: corpore antice attenuato,
postice latiore, sagittiformi; acetabulis duobus anterioribus ori pro-
ximis, posterioribus fibulatis, sessilibus. Dieser Wurm schmarotzt
an den Kiemen von Salmo Fario, und ist zuerst von Schultze und
Zähringer als Cyclocotyle lanceolatum erwähnt worden. Den Darm
bilden-hier zwei braune Seitengefässe, welche nach aussen Veräste-
lungen absenden. Der mit den Haftorganen versehene Theil des Lei-
bes ist abgeschnürt. Die vier Sauggruben jederseits stehen sehr
nahe beisammen., Jede Grube enthält zwei Klappen, eine vordere
und eine hintere, deren Ränder, wie bei Oectoboth. palmatum, mit
mehreren Horustücken gesäumt sind. An der Geschlechtsöffnung war
nicht jener Hakenkranz, den Octoboth. lanceolatum besitzt, wahr-
zunehmen. Ein nach vorne (retender Kanal enthielt sehr grosse Eier.
Das gauze Thier hatte eine Länge von 3— 4 Livien. Als viertes Octo-
bothrium führt Leuckart O. /anceolatum auf, als fünfte Art O. Scom-
bri, welches aber nach seiner Meinung kaum von Octoboth. lanceo-
latum specifisch verschieden zu sein scheint. Als sechste Art wird
Octoboth. Platygaster Leuck. (0. Merlangi Nordm.) aufgezählt und
als siebente Art das O. hirudinaceum Bartels zweifelhaft gelassen,
auch über Cyelocotyle Belones, welches Thier Nordmann und Creplin
den Octobothrien beizählen, hat sich ‚Leuckart nicht bestimmt aus-
sprechen wollen,
Durch Steenstrup’s geniale Darstellung *') muss jetzt
einleuchten, dass die bisher als besondere Gattung hingestell-
ten Cercarien nichts anders sind als ein Larvenzustand von
41) Steenstrup: Über den Generationswechsel, a. a. O. pag. 50.
3 321
verschiedenen, dem Generations - Wechsel unterworfenen Tre-
matoden. In diesem Zustande sind die Trematoden mit einem
schwanzartigen Bewegungswerkzeuge versehen, durch dessen
schlängelnde Bewegungen das T'hier sich zitternd im Wasser
fortschiebt.
Steenstrup stellte zuerst an Cercaria echinata Sieh. aus Plan-
orbis cornea und Lymnaeus stagnalis seine Beobachtungen au. Der-
selbe beschreibt diese Cercaria so venau, dass Ref dieselbe als die
in Burdach’s Physiologie zuerst erwähnte Cerc. echinata bestimmt
erkennt. Die innere Höhlung mit contraktilen Wänden in dem hin-
teren Theile des Leibes sieht derselbe mit Unrecht als das Wurzel-
ende des Schwanzes an, Dieser steckt bei weitem nicht so tief in
dem Hinterleibe der Cercarie und verschliesst nur die Mündung der
genannten Höble. Mit dem Abfallen des Schwanzes kontrahirt sich,
nach des Ref. Beobachtung, die durch das Wurzelende des Schwan-
zes weit ausgedehnte Mündung und stellt dann die Ausführungs-
stelle des Auswurfsorganes dar. Der kleinere kreisrunde Fleck, der
vor der erwähnten Höhlung gelegen ist, und von Steenstrup als
eine Öffnung angesehen wird, ist nur eine von den contraktilen
Wänden jener Höhle abgeschlossene Stelle. Steenstrup bemerkt nun
von dieser Cercaria echinata Folgendes. Bei den schwimmenden
Bewegungen biegt jede Cercarie ihren Körper in eine Kugel zusam-
men, indem sie den Kopf dem Schwanzende nähert, und schlägt den
verlängerten Schwanz in unzähligen S-förmigen Figuren hin und
her. So umschwärmen diese Larven einige Zeit die Schnecken, aus
denen sie hervorgekommen sind, und heften sich dann mittelst des
Bauchnapfes an die schleimige Haut derselben an, und strecken dann
den Vorder - und Hinterleib aus. Nach einiger Zeit fangen sie an,
unter blutegelfürmigen Bewegungen, auf der Haut der Schnecken
umherzukriechen, verhalten sich nach einiger Zeit wieder ruhig und
geben sich nun Mühe, den Schwanz durch heftiges Hin- und Her-
schleudern los zu werden. Nachdem dieses gelungen ist, stirbt der
Schweif ab und die Cercarie erlangt ganz das Ansehen eines Disto-
men. Während der Anstrengungen, dem Schweif abzuwerfen, geht
zugleich eine starke Schleimabsonderung anf der ganzen Oberfläche
des Leibes der Cercarie vor sich; io dieser allmälig- erstarrenden
Schleimhülle macht sich das Thier, nachdem der Schwanz abgeworfen
ist, durch vielfache Bewegungen und Umdrehungen eine kreisrunde
Höhlung. Steenstrup ist der Meinung, dass das Thier dabei eine
sehr dünne Haut von sich abstreife, was Ref. bezweifeln möchte.
Ersterer gründet seine Meiuung darauf, dass nach der Hülseobildung
alle inneren Organe deutlicher an der Cercarie hervortreten, während
Ref. diese Erscheivung vielmehr dadurch erklärt, dass die Entlee-
rung der Schieimdrüsen der Haut den Leib des 'Thieres durchsichtiger
macht. Der distomenartige Wurm besitzt am Vorderende seines Lei-
Archiv f. Naturgesch. IX. Jahrg. 2. Bd, V
322
bes eine Art Kragen, der auf der Mitte der Bauchseite sehr tief
ausgeschnitten ist. Auf diesem Kragen stehen die einfachen Stacheln
oder Nadeln, welche der Cercaria den Specinlnamen verschafft haben,
in einem doppelten concentrischen Kreise, indem die spitzen Enden
nach aussen gerichtet sind und die stumpfen Enden nach innen dem
Munde, regelmässig abwechselnd, ferner und näher liegen. Der
grosse Bauchnapf ist etwas hinter der Mitte des Körpers angebracht
Steenstrup beschreibt hierauf ein grossblasiges Organ im Innern der
Cercarie, welches dicht am Kragenrande anfängt, bis zu dem Bauch-
napfe in der Mitte des Halses herabläuft und sich dann in zwei bis
an das Hinterleibsende heraberstreckende Seitenäste spaltet. Er be-
trachtet dieses Organ als Leber, und vermuthet, dass unter demsel-
ben der ihm conform gebildete Darmkanal liege. Ref. fügt hier
erläuternd hinzu, dass diese Zellenreihe der noch nicht vollständig
entwickelte Darm selbst ist, und dass sich das zellige Ansehen des-
selben bei seiner weiteren Entwickelung vollständig verliert und er
alsdann einen scharf begränzten gabeligen Blindkanal darstellt. Zu
beiden Seiten des Vorderleibes salı Steenstrup in den Cercarien zwei
gewundene Organe herablaufen und in der Gegend des Bauchnapfes
verschwinden. Über die Bedeutung dieser Seitenkanäle, welche zu-
gleich einen Ripg um die Schlundröhre bilden, lässt sich Steenstrup
nicht aus. Ref. hat diese seitlichen Kanäle ebenfalls beobachtet, er
erkannte an ihnen in der Nähe des Bauchnapfes blinde Endigungen,
auch schienen sie ihm in der Tiefe des Mundnapfes sich in diesen
einzumünden, so dass sie vielleicht mit einem Speichelorgane oder
einem anderen Absonderungsorgane (einem Spinnorgaue, einem Gift-
organe) verglichen werden dürften. Maschen bilden diese Seiten-
gefässe übrigens nicht, und wenn Steenstrup dergleichen gesehen
hat, so sind dies Blutgefäss- Netze gewesen, welche allen ausge-
bildeten Trematoden zukommen und welche zuweilen bei manchen
cercarien-artigen Larven schon deutlich bemerkt werden können.
Ein anderes Organ, welches sich mit zwei Seitenästen vou unten
her im Körper hinaufzieht, ist das Auswurfsorgan, welches mit den
vorderen Seitengefässen nicht verwechselt werden darf Haben nun
die Cercarien den Zeitpunkt zur Verpujpung erreicht, so übereilen
sie sich oft mit diesen Geschäfte so, dass sie es nicht erst abwarten,
bis sie in dem Innern der Schnecken, welche sie sich zu ihrem künf-
tigen Wohnorte ausersehen haben, angelangt sind, und die Ver-
puppung schon auf der Haut derselben vornehmen. Bis zu diesem
Abschnitte hat man die Lebensgeschichte der Cercarien schon längere
Zeit gekannt, Steenstrup hat sie von da weiter verfolgt. Die ver-
puppten Cercarien verweilen sehr lange in einem unveränderten
Zustande. Erst nach mehreren Monaten fand sie Steenstrup etwas
verändert, indem ihr vorderes Leibesende mit einer Menge kleiner
spitzer Nadeln bedeckt war. Solche Individuen erblickte er auch
frei in dem Parenchyme der Schnecken. Einige besassen noch den
323
Dornenkranz am Munde, andere hatten ihn verloren, in allen hatte
sich der Darmkanal sehr erweitert. Die am oberen Ende des Oeso-
phagus wahrnehmbare Pore, von welcher Steenstrup spricht, kann
nur der Schlundkopf sein, der nicht immer dicht an dem Mundnapfe
anliegt, sondern zuweilen von ihm etwas entfernt bemerkt wird. Die
von Steenstrup gesehenen mit Kügelchen gefüllten Organe an beiden
Seiten des Leibes oberhalb des Bauchnapfes (Taf. 1. Fig. 3e. und Sf)
sind die oberen blinden Enden des Auswurfsorgans. So weit geht
nun Steenstrup’s direkte Beobachtung über die weitere Metamorphose
der Cercaria echinata. Wie sich das kleine Distom, welches aus
dieser Cercaria hervorgegangen ist, ferner entwickelt, erschliesst
Steenstrup nur nach der Analogie mit anderen TTrematoden, welche
im ausgebildeten Zustande eine Brut infusorienartiger Jungen er-
zeugen. Aus solchen Jungen sollen dann, indem auf die Beobach-
tungen des Baer, Bojanus und des Ref. hingewiesen wird, die Keim-
schläuche hervorgehen, in welchen sich von neuem cercarienartige
Larven entwickeln, wodurch dann diese durch mehrere Generationen
sich hindurchziehende Kette von Metamorphosen geschlossen wäre.
Über den Ursprung der Cercaria echinata können wir nicht in Zwei-
fel sein, diese schlüpfen aus den königsgelben Würmern hervor,
wie dies Bojanus und Ref. beobachtet habeu Diese von den Natur-
forschern früher als die belebten Keimschläuche der Cercarien beob-
achteten Wesen bezeichnet Steenstrup als die Auumen der Cercarien
und Distomen. Ob diese Ammen zur Herauslassung ihrer Cercarien-
Brut. besondere Öffnungen besitzen, lässt Steenstrup zweifelhaft,
jedoch kam es ihm vor, als befänden sich an der Kragen - Einschnü-
rung der Ammen von Cercaria echinata zwei Öffuungen.. Ref. kann
versichern, dass die Ammen einiger Üercarien - Arten bestimnit
keine selbstständige Mündung zum Ablegen ihrer Brut besitzen, dass
aber Ammen anderer Cercarien-Arten hiuter der Mundöflnung einen
besonderen Sphinkter aufzuweisen haben, aus welchem die Brut
hervorschlüpft. Steenstrup hat die Entstehung von jungen Ammen,
welche dem Ref. nur selten zu beobachten glückte, sehr häufig in
den Wintermonaten beobachtet; in dieser Jahreszeit fanden sich
nämlich Ammen vor, welche nichts als junge Ammen in den ver-
schiedensten Stadien der Entwicklung enthielten. Sie entwickelten
sich, wie die Cercarien, ebenfalls aus runden Keimkörnern,. Steen-
strup vermuthet. nun weiter, dass diese Ammen, welche gleichsam
als die Grossammen der Cercarien zu betrachten seien, nicht wieder
aus ammenartigen Wesen, sondern aus Distomen-Eiern hervorge-
hen. Da aber Steenstrup auf die Kette der Metamorphosen - Reihe
von Gercaria echivata durch direkte Beobachtung nicht schliessen
konnte, so verliess er jetzt diese Metamorphosen-Reihe und berief
sich auf die Brut von Monostomum mutabile, welche nach den Beob-
achtungen des Ref. aus infusorienartigen Jungen besteht, die sämmt-
lich ein den Ammen der Cercaria echinata sehr ähnliches Geschöpf
324
enthalten. Steenstrup vermuthete gewiss mit Recht, dass in diesen
ammenartigen Wesen sich nicht Monostomen, sondern cercarien-
artige Larven entwickeln, aus denen erst später die vollkommenen
Monostomen hervorgehen; derselbe trug nun auch diese Vermuthung
auf Cercaria echinata über, um rückwärts die Lücke in der Meta-
morphosen-Reihe dieses Thieres, den Übergang von der Brut der
Distomen zu den Grossammen der Cercaria zu ergänzen. Ref. kann
sich mit Steenstrup darin, dass die Cercaria echinata die Larve
eines mehrere Metamorphosen durchmachenden Distomen ist, voll-
kommen einverstanden fühlen, und nur wünschen, dass diese Ver-
muthung durch direkte Beobachtung recht bald bestättigt werde,
derselbe kann sich aber der Bemerkung nicht enthalten, dass die
Metamorphose der Cercaria zu dem vollkommenen Distomen wohl
schwerlich in den Schnecken selbst vor sich gehen dürfte; auch
möchte Ref. bezweifeln, dass die von Steenstrup ohne Halskragen
abgebildeten Distomen (Taf. MH. Fig. 8e. und Sf.) wirklich zur Meta-
morphosen-Reihe der Cercaria echinata gehören. Seine Gründe
über diese Zweifel hoflt Ref. demnächst in einem besonderen Auf-
satze aussprechen zu können, nur folgendes möge hier vorläufig
erwähnt werden: vergleicht man die in dem Darmkanale der Was-
servögel vorkommenden bewaflneten Distomen (Dist. echinatum, un-
civatum, militare etc.) mit der schwanzlosen CGercaria echinata, so
muss die Ähnlichkeit dieser Thiere, besonders ihres Kopfes und
Hakenkranzes ausserordentlich frappiren, erinnert man sich dabei
an die interessante Beobachtung Creplin’s, dass der Schistocephalus
dimorphus (Creplin: novae observationes de Entozois. p. 90.) nur dann
erst ausgebildete Geschlechtsorgane erhält, nachdem er aus dem
Stichliog in den Darmkanal der Wasservögel übergepflanzt worden
ist, so wird man unwillkürlich darauf hingeleitet, anzunehmen, dass
sich nur erst dann die Geschlechtsorgane in der verpuppten Gercaria
echinata vollkommen entwickeln, nachdem dieselbe in den Darmkanal
der Wasservögel, welche sich gerne von Schnecken nähren, gelangt
und zu einem der oben genannten bewaffneten Distomen herange-
wachsen ist. Steenstrup wendet sich hierauf zur Metamorphose der
Cercuria armata Sieb., an deren Vorderleib er beiderseits ein ge-
schlängeltes Organ herablaufen sah, welches nach des Ref. Vermu-
thung, wie bei Cerc. echinata, am vorderen Leibesende auszumünden
scheint; vielleicht dient diesen beiden Absonderungs- Schläuchen
dieselbe Öffnung, aus welcher die Spitze des Kopfstachels hervor-
ragt, zum Ausführungsgange. Der bei dieser Cercarie in die Augen
falleude gabelförmige Darmkanal und das hintere Auswurfsorgan
wird von Steenstrup nicht erwähnt. Derselbe sah die Schnecken
von Lymoaeus stagnalis und Planorbis corneus mit diesen Cercarien
nicht bloss in ungeheuren Mengen umschwärmt, sondern auch ihre -
Leiber von ihnen dicht besetzt. Die Cercarien krochen auf ihnen
umher und bohrten sich mittelst ihres Stachels in die Haut der
325
Schnecken ein, wobei der Schwanz abgeworfen wurde. Mit diesem
Abbrechen des Schwanzes wird: die innere Schwanzröhre durch-
schnürt und erhält nach Steenstrup’s Angabe eine Mündung nach
aussen, durch welche das 'Thier alsdann eine mit Kügelchen auge-
füllte Flüssigkeit auspresst. Auf diese Weise kaun Ref. den erwähn-
ten Vorgang nicht betrachten. Die Höhle, welche jeue körnige
Flüssigkeit enthält, gehört nicht zum Schwanze der Cercarie, son-
dern ist das sehr kurz gabelige, in dem Hinterleibe des 'Thieres ge-
legene Auswurfsorgan, dessen Mündung durch die Schwanz - Wurzel,
wie bei den übrigen Cercarien- Arten, verstopft wird. Nachdem sich
die Cercarien in die Haut der Schnecken eingegraben haben, ver-
puppen sie sich ebenfalls, indem sie einen Schleim aus ihrer ganzen
Oberfläche ausschwitzen und zugleich ihre Oberhaut sammt dem
Stachel abstreifen. Auch die Cercaria armata verweilt in- diesem
verpuppten Zustande sehr lange munter und frisch. Man muss sich
übrigens wundern, wie Steenstrup die in ein Distomum verwandelte
schwanzlose Cercaria armata ganz verkehrt betrachten kounte. Er
beschreibt an derselben das kurz gegäbelte hintere Auswurfsorgan
(Taf. 11. Fig.4fu.g, 4d we,a.y.) als den Darmkanal, den vom
Schlundkopfe rechts und links abgehenden doppelten Bliuddarm (Taf.
Il. Fig. 4fu.g, v.x.x.) betrachtet er als ein im Dienste der Fort-
planzung stehendes Organ. Der grosse Mundnapf (Taf. I. Fig. 4 f
u.g,.4du.e, s. 6) ist ihm ganz dunkel geblieben, indem er den
Durchschnitt der muskulösen Wände desselben, durch optische Täu-
schung verführt, als ein eigenthümliches hufeisenförmiges Organ und
die eigentliche Mundöffnung als die Mündung des hinteren Auswurfs-
organesansieht. Auchein ausder Hüllehervorgeschlüpftes Distom(T. Ill.
F.5a) fasste derselbe in ähnlicher Weise verkehrtauf. Steenstrup nimmt
nun von diesen verpuppten und in Distomen verwändelten Cercarien
au, dass sie nach ihrer Verpuppung stark wachsen, und eine lanzeli-
förmige Gestalt annehmen, indem ihr Vorderleib sich stark zusam-
menziele und ihre Puppenhülse sich zugleich sehr verdicke. Die
sehr dickhäutigen Helminthen, auf welche sich hierbei Steenstrup
bezieht und welche derselbe auf Tafel IN. Fig. 5 e, f u. g abbildet,
gehören aber nicht in die Reihe der Metamorphosen von Gercaria
armata. Es sind diese Helminthen höchst merkwürdige geschlechts-
lose Trematoden, welche auch der Ref. sehr oft zwischen den Cer-
earien-Nestern in Planorbis und Lymvacus angetroffen hat. Das
unregelmässige Netz von Kanälen, welches eine körnige Flüssigkeit
enthält, ist das sehr ausgebreitete Auswurfsorgan dieser Helmintheo,
welches von dem einfachen kurzgabeligen Auswurfsorgane der aus
Cercaria armata hervorgegangenen Distomen himmelweit verschieden
ist, Zwischen dem Mund- und Bauchnapfe jener 'Thiere erblickt
man zwei Halbzirkel, welche Steenstrup als die breiten Enden der
Verdauuugshöhle betrachtet, essinddiesaber zwei die dieke Haut schief
durehbohrende Öffouungen, welche zu einer Grube im Parenchyme
326
des Würmes führen. Bei dem Verfolgen ‘der Metamorphose von
Cercaria rückwärts hin ist Steenstrup glücklicher gewesen. Es ist
ihm an den Ammen derselben, welche bisher für starre einfache
Schläuche gehalten worden sind, gelungen, selbstständige, wiewohl
schwache Bewegungen zu erkennen, ja auch eine Art Saugnapf will
er an dem einen Ende derselben und eine Öffnung zum Gebären der
Brut an dem anderen Ende gesehen haben. In ihrem Jüngsten Zu-
stande enthalten sie eine blasige Masse; bei der allmäligen Ent-
wicklung der Cercarien hören die Bewegungen an ihnen nach und
nach auf. Steenstrup will, wie der Ref., die Verpuppung der Cer-
earien, noch che sie die Ammen verliessen, beobachtet haben und
beruft sich auf die grossen, diekhäutigen 'Trematoden, welche er in
den Ammenschlüuchen angetroffen hat, Es sind diese Helminthen
auch vom Ref. in den Ammenschläuchen sowohl der Cercaria armata
als echinata gesehen worden und müssen, wie schon erwähnt, als
nicht zu der Metamorphosen - Reihe dieser Cercarien gehörige Schma-
rotzer betrachtet werden. Die Grossammen der Cercaria armata,
nämlich solche Ammenschläuche, welche junge Schläuche enthielten,
hat Steenstrup bis jetzt nicht wahrnehmen können. Steenstrup er-
wähnt nun ferner, dass er aus der Leber einer Paludina vivipara
mehrere Individuen eines Distomen erhalten habe, welche er für die-
jenige Art ansehen zu müssen glaube, in welche sich die Cercaria
ephemera Nitzsch durch Verpuppung verwandle. Es ist dies wohl
nicht denkbar, da der Cercaria ephemera der Bauchnapf fehlt, und
diese Larve sich demnach nur in ein Monostomum verwandeln könnte;
Nitzsch hat durch einen Beobachtungsfehler dieser Cercaria fälschlich
einen Bauchnapf zugeschrieben. Steenstrup beschreibt hierauf ein
kleines ovales Thier, welches sich durch Flimmerhaare bewegt und
in jeder Rücksicht der Brut gleicht, die aus den Eiern von Distomen
hervorgeht und sich erst in der dritten Generation in ein distomen-
artiges Thier verwandeln soll. Es lebt in den inneren Organen und
in dem äusseren Schleime von Anodonta und sieht einem Parame-
eium sehr ähnlich. Diese Thierchen verlieren nach und nach ihre
Flimmerhaare, heften sich fest und werden parenchymatöser; indem
sie wachsen, bildet sich eine Höhle in ihrem Innern aus, die sich
allmälig mit kleinen kugelrunden oder ovalen Körpern anfüllt. Es
sind diese letzteren die Keime von Distomum duplicatum Baer. Eine
Verpuppung des Distomum duplicatum konnte Steenstrup "wicht
beobachten. Steenstrup fügt diesen Beobachtungen hinzu, dass das
geschwänzte Distomum duplicatwm höchst wahrscheinlich die Larve
von Aspidogaster conchicola Baer sei. Ref. muss diese Vermuthung
durchaus als ungegründet zurückweisen; das geschwänzte Distomum
duplicatum kann sich nur in ein Distomum verwandeln, es besitzt
dasselbe, wie alle Distomen, einen gabelförmigen Darmkanal und einen
Bauchnapf. Aspidogaster trägt keinen Bauchnapf an sich und ist nur
mit einem einfachen Darmschlauche versehen; auch die Brut des
327
Aspidogaster, welche Referent sehr oft beobachtet hat, stimmt in
Gestalt durchaus nicht mit jenen Paramecium -artigen Geschöpfen
überein, aus welchen nach Steenstrup’s Aussage die Ammen für Di-
stomum duplicatum hervorgehen. Die Jungen von Aspidogaster sind
init einem deutlichen Mundnapfe versehen, unter welchem das Vor-
derende des Leibes wie eine bewegliche Zunge hervorragt und
gleichsam schon die schildförmige Bauchplatte des erwachsenen 'Thie-
res andeutet. Mit Recht erklärt sich übrigens Steenstrup gegen die
Annahme des Carus, dass die schlauchartigen Wesen, welche Leu-
cochloridium paradozum genannt wurden, durch generatio aequivoca
aus dem Paremchyme der Succinea amphibia hervorgingen, es sind
diese Schläuche die Ammen gewisser Trematoden, und verdanken
nach Steenstrup’s Meinung ihren Ursprung flimmerhaarigen, der Opa-
lina ranarım ähnlichen Thierchen. In den Augen von Fischen fand
Steeustrup nicht allein freie, sondern auch eingeschrumpfte Trema-.
toden, welche an der innern Wand der Cornea eines Hechtes und
Barsches festsassen und zu welchen ein feinkörniger unorganisirter
Streifen von der äusseren Fläche her durch diese hindurchlieff so
dass man diesen Streifen als den Weg ansehen konnte, auf welchem
das trematodenartige Thierchen von aussen in den Fisch eingewan-
dert sein mochte. Da derselbe zugleich auch solche verpuppte Tre-
matoden in der Umgegend der Fischaugen fand, so sieht er das als
einen Beweis an, dass die in den Augen der Fische schmarotzenden
Diplostomen, Holostomen und Distomen die verschiedenen Glieder
einer Metamorphosen-Reihe sein. Stecenstrup erklärt nun das Diplosto-
mum clavatum als die Larve, das Holostomum. cuticola als die Puppe
und das Diplostomum volvens als das völlig erwachsene Trematod
von einer und derselben Metamorphosen -Reihe, was Ref. nicht zu-
geben kaun, da diese drei Trematoden in ihrem Habitus zu ver-
schieden von einander gebildet sind und da das Diplostomum volvens
noch keine Spur von Geschlechtsorganen erkennen lässt, Ob das
von Steenstrup unter der Haut und im Mesenterium der Rana tem-
poraria aufgefundene uud eingepuppte Trematod die Puppe von Am-
phistomum clavatum sei, wie derselbe vermuthet, bedarf ebenfalls
eines strengeren Beweises. Ref. hat dergleichen eiugekapselte Tre-
matoden in Fröschen oft angetroffen, konnte sie aber nur für ge-
schlechtslose Distomen, niemals für Amphistomen halten.
Ein von Streubel bearbeiteter, die Gattung Pentastomum. be-
treffender Artikel in Ersch’ und Gruber’s Encyclopaedie, welche
bisher ausgezeichnete Original- Aufsätze über die Helminthen ge-
bracht hat, ist fast nur ein magerer Auszug aus Diesing’s Mono-
graphie der Gattung Pentastomum *?),
Ein höchst sonderbarer parasitischer Wurm,”’deo Ref. nirgends
42) Allgemeine Encyklopädie von Ersch und Gruber. 16r Theil.
1542. pag. 93.
328
unterzubringen weiss, ist von Rathke unter dem Namen Pelto-
gaster Paguri beschrieben und abgebildet worden). Das Thier
lebt auf dem Hinterleibe des Pagurus Bernhardus, ist 6 Ein. lang,
und bildet ein langgestrecktes bogenförmig gekrümmtes Oval, dessen
dickeres Ende in eine kurze weite Röhre übergeht; der Rand der
Mündung dieser Röhre, welcher der Mund des Thieres ist, erscheint
wulstig und etwas wellenförnig aufgeworfen. Cirren und Atıgen
fehlen, die Epidermis ist dick und-farblos, und in der Mitte des
Leibes sitzt ein Bauchnapf in Form eines bernsteingelben strahlen-
förmig ausgeschnittenen Schildes von Horngewebe auf einem hornigen
Längsstreifen anf. Die Anwesenheit dieses Bauchnapfes, mit wel-
chem der Schmarotzer an den Leib des Krebses befestigt ist, ver-
anlasste Rathke zunächst, das Thier zu deu Trematoden zu zählen.
Durch die Mundöffnung gelangt man in einen sehr weiten Darm-
Schlauch, der bis an das Ende des Körpers reicht und überall durch
Zellgewebe mit seiner Umgebung befestigt ist. Dieser Wurm schma-
rötzt nicht von den Säften des Pagurus, sondern verschluckt Nah-
rungsmittel, welche ihm aus dem Wasser zugeführt werden. Der
Darm -Schlauch dient zugleich zum Ausbrüten der Eier. In jungen
Individuen ist die innere Fläche des Schlauchs gegen den Rücken
hin mit zarten platten Zotten besetzt, bei älteren Individuen sind
diese Stellen mit einigen Schichten von Eiern belegt, welche durch
eine durchsichtige feste Substanz (durch ein erhärtetes Sekret) unter-
einander und mit dem Darmschlauche verbunden sind. Die Eier ent-
halten kupferrothe Fetttropfen. Zwischen der Bauchwand des Leibes
und dem Darmschlauche liegen die Eierstöcke in Form zweier Schläuche,
die durch Querwände in Fächer getheilt sind, und füllen, wenn sie
mit Eiern strotzen, den ganzen Leib aus. Etwas hinter der Mitte
des Körpers geht aus jedem Ovarium ein kurzer enger Kanal hervor,
der in den Darmschlauch einmündet. Vor diesen Öffnungen befinden
sich zwei andere Öffnungen, von welchen man in zwei warzen-
förmige Erhöhungen des Nahrungsschlauchs, wahrscheinlich die Kitt-
organe für die Eier, gelangen kann. Ein Nervensystem war nicht
aufzufinden.
Cestoidea.
Mayer entdeckte äusserlich am Dünndarme einer Testudo Mydas
eine grosse Menge kleiner graulich-weisser Knötchen von 4 Linie
Durchmesser *?). Sie bestanden aus einem unter dem Peritonäum
liegenden Balge mit käseartigem Inhalte, zwischen welchem ein helles
ovales Bläschen von ! Lin. Grösse mit einem Entozoon verborgen
war. Dieses letzlere besass eine ovale Gestalt, und war an dem
43) Neueste Danziger Schriften. Bd. IM. Hft. 4. pag.105
44) Müller’s Archiv. a.a. O. pag. 213.
329
einem Ende stärker, an dem andern Ende schwächer eingebogen.
Das Thier bestand aus einer äusseren Schicht von Kugeln und Blasen
und aus einer inneren fein gekörnten Schicht, in welcher vier
strangförmige Scheiden neben einander lagen. Diese enthielten vier
mit ungleichen Zähnen 'übersäete Rüssel, welche bei den lebhaften
Bewegungen des Thieres aus- und eingestülpt wurden. Mayer
schlägt vor, den Wurm Tetrarhynchus cysticus oder Echinococeus
corollatus zu nennen. Das Thier ist jedenfalls ein junger Tetra-
rhyuchus und deshalb nicht geeignet, jeizt schon als besondere Spe-
zies hingestellt zu werden, am allerwenigsten dürfte der von Mayer
gewählte Spezial-Name passend erscheinen, da viele Tetrarhynchen
encystirt angetroffen werden.
Dass ein Tetrarhyuchus nach Miescher’s Angaben (s. dieses
Archiv. 1841, Il. pag, 301.) aus einer Metamorphose der Frlaria
piscium hervorgehen soll, ziebt Steenstrup in Zweifel*°), da die
einen Tetrarhynchus beherbergenden röhrenförmigen und kolbenför-
migen Hüllen, welche er in Esox belone öfters gefunden hat, zwar
einer Filaria oberflächlich ähnlich sehen, aber sonst nichts mit dem
Baue eines solchen Wurmes gemein haben.
Duvernoy erwähnte unterdem Namen Bothrimonus Sturionis
eines neuen zu den Cestoideen gehörigen Schmarotzers, welcher von
Lesueur im Darınkanale des Acipenser oxyrhynchus Mitch. gefunden
wurde *%), Derselbe macht einen Übergang von Ligula zu Bothridium.
Er besitzt keine Gliederung des Leibes, auf welchem sich in der Mitte
beider Flächen eine Furche herabzieht. - In diesen beiden Furchen liegen
eine Menge kleiner mit einer Öffnung versehener Erhabenheiten;
zuweilen ist statt einer Erhabenheit eine längliche eirrusartige Pa-
pille und dicht hinter dieser eine zweite Öffnung vorhanden. Es sind
diese Theile, welche Duvernoy eigentlich nur auf der einen (der
Bauch-) Fläche deutlich erkannte, wohl nichts anderes als die Ge-
schlechtsporen, und Creplin hat daher Recht, wenn er die Anwesen-
heit solcher Poren auf der Rückenseite des Thieres für eine Täu-
schung erklärt '?). Der kugelförmige Kopf ist mit zwei dicht neben-
einander stehenden oder vielmehr mit einander verschmolzenen
Saugnäpfen versehen, welche Duvernoy auf der Rückenseite des
Wurm-Kopfes angebracht sah. Das Hinterende soll stumpf abgerun-
det oder ausgekerbt gewesen sein; letzteres rührt wobl nur von
einer Verletzung her.
Von Creplin wurde eine Vergleichung zwischen Taenia erpansa
45) Steenstrup: über den Generationswechsel. a.a. O. pag. 113.
46) Annales d. sc, nat. T.18. pag. 123. und Froriep’s Neue No-
tizen. Bd.24. p. 134.
47) Froriep’s Neue Not. Bd.24. pag. 136.
48) Dieses Archiv. 1842. 1. pag. 315.
330 e t
und denticulata angestellt ‘°), und die Aufmerksamkeit besonders auf
letztere hingelenkt,, mit welcher die erstere bisher häufig verwechselt
worden ist, zumal da beide zugleich den Darm der Rinder bewohnen.
Cystica.
\ In der schon oft erwähnten Schrift Steenstrup’s führt
derselbe auch die Blasenwürmer als solche Thiere auf, welche
viellei@®ht Ammengenerationen seien, von denen bis jetzt die
vollkommenen Thiere nicht bekannt geworden sind *°),
In einer „Hydatides ossium“ betitelten Abhandlung hat R. Fro-
riep einen Fall von Vorkommen des Cysticercus cellulosae in der
ersten Phalanx des Mittelfingers eines Menschen mitgetheilt°°), und
hierauf zwei Fälle von Hydatiden in den menschlichen Knochen be-
schrieben, wobei derselbe den Satz aufstellt, dass im Knochen drei
Arten von Hydatiden vorkommen, nämlich 1) einfache Wasserbälge
(seröse Cysten), 2) Acephalocysten oder Echinococei, das heisst
selbstständige in einer fibrösen Hülle eingeschlossene Wasserblasen,
welche zuweilen in grosser Anzahl in einem und demselben Balge
vorkommen, und 3) Cysticercus cellulosae. Der Verfasser hat die
Güte gehabt, dem Ref. von dem einen Falle, in welchem die Kno-
chenhydatiden sehr verbreitet vorkamen, Präparate aus der unteren
Extremität mitzutheilen, in welchen Ref. rur einfache seröse Cysten
erkannte,
Leuckart fand in den dem Uterus angehörenden Peritonäal-
theilen von Lepus Cuniculus domest. zehn Stück eines Cysticercus°!),
den er als neu erkannte und mit folgender Diagnose Cyst. elon-
gatus benannte: capite subtetragono; collo nullo; corpore rugoso,
elongato, depresso; vesica caudali gracili, elongata, apice acumi-
nata, corpore parum longiore. Nach einer dem Verf. von Diesing
mitgetheilten Notiz dürfte ein von Natterer im Lepus brasiliensis
geunfdener Cysticercus mit diesem Cysticerc. elongatus übereinstim-
men. Ein Cysticereus Cercopitheci Cynomolgi, welchen
Leuckart in einer Cyste der Leber gefunden und als spec. dub,
erwähnt, erinnert an Cysticereus tenuicollis; Leuckart konnte an
einem. Oysticercus pisiformis aus der Leber ‚einer Hausmaus keinen
Hakenkranz entdecken und vermuthet, dass hier die Stacheln, wie
bei den Taenien, vor Alter abgefallen sind.
Von Engel wird gemeldet, dass bei einem Epileptikus Cysti-
cerei in bedeutender Zahl in grubigen Vertiefungen der Hirnwindun-
49) Steenstrup: über den Generationswechsel, a.a.0. pag. i11.
50) Froriep’s chirurgische Kupfertafeln. Hift. 87. 1842.
51 Leuckart: Zoolog. Bruchst. 11. a.a. ©. pag. 1.
331
gen gefunden worden seien, während auch die Muskeln desselben
Patienten damit behaftet waren ®°). Radius beobachtete einen. Cy-
sticercus in einer wallonussgrossen Hydatide der Leber einer alten
Frau, der von einer knorpelichten Kapsel umgeben war ’?). Fälle
von Konvulsionen, Raserei der Schweine durch Finnen veranlasst,
sind von Rehrs erzählt worden°'); die Blasenwürmer nahmen in
solchen Schweinen fast mehr Platz io der Schädelhöhle als die Ge-
hirnsubstanz ein.
Eine schon oft ausgesprochene Ansicht über die Entstehung des
Coenurus cerebralis in Kolge vorhergegangener Hirnentzündung ist
abermals von Dominik ausgesprochen worden °°).
Nach Rokitansky’s Beobachtungen kommen Acepha-
loeysten in menschlichen Knochen sehr selten vor°°). Sie
sind im Humerus, in der Tibia, im Darmbeine und in der
Diplo@ der Schädelknochen gesehen worden und zwar meist
in Folge traumatischer Verletzungen.
Rokitansky_ theilte zugleich folgenden hiehergehörigen Fall mit.
Ein 42 Jahre alter Tagelöhner hat in der Jugend an Anschwellungen
der Hals- und Achseldrüsen gelitten und war später in einem sehr
hohen Grade syphilitisch afficirt, vier Jahre darauf bildete sich unter
reissenden und bohrenden Schmerzen eine Knochenkrankheit aus,
und ein Jahr darauf starb er; das linke Darmbein war zu einem
fibrrösen Sacke umgebildet, welcher neben zahlreichen kleinen und
grösseren an der inneren Wand des Sackes haftenden Knochen-
bruchstücken mit Hirsekorn - und Nussgrossen Acephalocysten (Echi-
nococcus- Blasen) gefüllt war. Kleinere solche Säcke sitzen am
Scham-, Sitz - und Kreutzbeine, die genannten Blasen sind. theils
frei, theils sitzen insbesondere die kleinen vereinzelt oder mehrere
beisammen in den erweiterten Poren oder Zellen des blossgelegten
und vielfach zertrümmerten Knochens, der Boden der Pfanne war
völlig aufgezehrt und der Schenkelkopf ragte in einen dessen Stelle
einnehmenden Acephalocysten-Sack hinein. Derselbe Fall ist auch
von Robert erzählt worden’’). — Nach einer Beobachtung von
52) Schmidts Jahrbücher. 1842. Bd.53. pag.43. Übersicht der
Ereignisse an der pathologisch - anatomischen Anstalt zu Wien.
53) Schmidv’s Jahrbücher. 1842. Bd.34. pag. 269.
54) Gurlt und Hertwig’s Magazin. 1842. pag. 226.
55) Ebenda. pag. 83.
56) Rokitansky’s Handbuch der pathologischen Anatomie. Bd. IH,
pag. 207.
57) Oppenheim’s Zeitschrift für die gesammte Medizin. Bd, 20,
pag. 92. Ein Fall von Hydatiden - Geschwulsten der Beckenknochen.
Mit einer Abbildung.
332
Reginald James musste bei einem 59jährigen Manne, der an
retentio urinae litt, der seitliche Blasenschvitt gemacht werden ®®).
Es floss eine ansehnliche Menge Urin aus, ohne dass jedoch die
Geschwulst über dem Schambeine und die Leiden des Kranken sich
verringerten. Nach dem Tode desselben fand sich hinter und über
der Urinblase eine Geschwulst, welche mit Hydatiden (Echinococcus-
Blasen) von verschiedener Grösse angefüllt war, und welche die
Harnblase so gegen das Schambein gepresst hatte, dass sie sich in
eine obere und untere Portion abtheilte, von welchen bei der Ope-
ration nur die untere Portion geöffnet worden war. Ein anderer
Fall von Echinococcus hominis ist von Koch mitgetheilt worden 5°).
Schiödte hat im Magen von Opatrum sabulosum einen Einge-
weidewurm von $ Lin. Länge gefunden, welcher dem Caryophyl-
laeus verwandt sein soll und mit der von Leon Dufour (Annal. d.
sc. nat. 1826. P1. 21. bis, Fig. a—d) gegebenen Abbildung eines Schma-
rotzers verglichen wird°°). Es gehört demnach jenes Thier gewiss
nicht zu Caryophyllaeus, sondern zu der räthselhaften Form der
Gregarinen, welche wahrscheinlich einem Generationswechsel unter-
worfen sind.
MHelminthes generis dubiö.
Oersted erwähnt eines pfeilförmigen Helminthen ®'), den er
im Darmkanal von Lumbriconais marina Oerst. gefunden hat. Ob-
gleich Oersted denselben abgebildet hat, so weiss Ref. doch nicht,
was er aus diesem Thiere machen soll. Eben so wenig weiss Ref.
einen anderen räthselhaften Schmarotzer unterzubringen, welchen
Kröyer am Bauche von Hippolyte pusiola entdeckte 52). Der Bau die-
ses Thieres ist höchst einfach und weist ihm eine Stelle zwischen
deu Lernaeen, Hirudineen und Helminthen an. Nach Philippi’s Äus-
serung soll Physophora im Magen Eingeweidewürmer, die jedoch nicht
näher bezeichnet sind, beherbergen‘°’). Eine Wurmkrankheit des
Federviehes ist von Delafond ebenfalls ohne nähere Angabe der
Würmer beschrieben worden °?)
58) London medical Gazette for October. 1842. p. 151.
59) Rohatzsch: allgemeine Zeitung für Chirurgie, innere Heil-
kunde und ihre Hülfswissenschaft. 1842. nr. 17.
60) Kröyer: naturhistorisk Tidskrift. B.1V. pag. 208.
61) Ebenda. pag. 133.
62) Kröyer: monografisk Fremdstilling af Slaegten Hippolytes
nordiske Arter med Bidrag til Dekapodernes Udviklingshistorie. Kjö-
benhävn. 1842. pag. 56,
63) Froriep’s Neue Notizen. Bd. 23. pag. 88. und Bd. 22. pag. 344.
64) Gurlt und Hertwig’s Magazin. a.a. 0. pag. 115.4
333
Miescher war bei einer Hausmaus ein sonderbares gestreiftes
Ansehen sämmtlicher Muskeln des Rumpfes, der Extremitäten, des
Halses und Gesichtes, der Augenmuskeln und des Zwerchfells auf-
gefallen®°). Die Muskeln der Zunge, des Kehlkopfes, des Schlun-
des und aller unwillkürlichen Muskeln verhielten sich normal. Jene
Streifen rührten von milchweissen Fäden her, welche sich sowohl
an der Oberfläche, wie im Innern der Muskeln vorfanden und stets
parallel mit den Muskelfasern verliefen. Die Länge jedes einzelnen
Fadens entsprach derLänge desMuskels. Jeder einzelne Faden stellte
einen an beiden Enden sich verschmächtigenden cylindrischen Schlauch
vor, welcher mit einem körnigen Inhalte strotzend angefüllt war und
in seiner äusseren Form an den Leib einer Filaria erinnerte. Die
Wandung der Schläuche bestand aus einer einfachen strukturlosen
Membran. Die Körner ‚des Inhalts hatten eine längliche, nierenför-
mige oder sphärische Gestalt und eine Länge von 0,0034 bis 0,0054
Linien. Diese Körner glichen nicht einfachen Zellen, sondern bestan-
den aus einer einfachen Membran, welche einen sehr feinkörnigen
Inhalt einschloss. Miescher liess es unbestimmt, was diese Schläuche
bedeuteten; sie konnten entweder einen eigeuthümlichen Krankheits-
zustand einer einzelnen Muskelfaser darstellen, indem sich statt der
Muskelfibrillen jene Schläuche in der Hülle des Muskelbündels er-
zeugt haben, oder sie waren eigenthümliche parasitische Bildungen,
welche die Hüllen der Muskelbündel zur Wohnstätte auserwäbhlt und
die eigentliche Muskelsubstanz daraus verdrängt hatten. Ob der Pa-
rasit vegetabilischer oder animalischer Natur gewesen, darüber
wollte Miescher nicht entscheiden, erinnerte aber an die von Bow-
mann (s. dieses Archiv. 1841. 11. pag. 296.) in den Muskeln eines
Auales beobachteten Schläuche, welche mit Trichina spiralis ange-
füllt waren. a
Gluge hat im Blute eines Froschherzens ein Entozoon gefun-
den®%); welches sehr durchsichtig und langgestreckt war, einen
spitz zulaufenden Kopf und Schwanz besass und an der rechten
Seite drei längliche Fortsätze aus- und einstülpte. Es enthielt nicht
wie das von Valentin (s. Müller’s Archiv. 1841. pag. 435.) beschrie-
bene Haematozoon Kügelchen in seinem Innern, ist aber doch wohl
ein mit letzterem verwandtes Geschöpf gewesen. Auch von Remak
siod Haematozoen beobachtet worden und zwar im Blute der meisten
Flussfische und fast constant im Hecht‘°’). Sie waren von ver-
schiedener Grösse, übertrafen aber alle die Blutkörperchen oft zwei-
65) Bericht über die Verhandlung. der naturf. Gesellsch in Basel
vom August 1840 bis Juli 1842, Basel. 1843. pag. 193.
66) Müller’s Archiv. 1842. pag. 148.
67) Cannstatt’s Jahresbericht. 1842. Bericht über die Leistungen
im Gebiete der Physiologie im Jahre 1841. pag. 10.
334
mal an Grösse. Im Ruhezustande nahmen sie die Gestalt eines Ovals
oder einer Birne an, bei ihren Bewegungen dagegen traten zackige
Fortsätze aus ihnen hervor. Diese Fortsätze sind Folge der undu-
lirenden Bewegungen des durchsichtigen membranösen Theils des
Körpers. Näher dem einen Ende und mehr seitlich unterschied Remak
einen dickeren länglichen undurchsichtigen Kern, von welchem ge-
wöhnlich Faltungen des membranösen Theils nach allen Seiten aus-
strahlten. Diese membranöse Partie lief an dem, dem soliden Kerne
näheren Ende in zwei kurze Zipfel, bei dem Haematozoon des Stich-
lings in einen hakenförmig gekrümmten dünnen Faden aus.
Pseudo- Helminthes.
Mayer spricht seine Ansicht über die Natur der Spermatozoiden
aus und ist noch immer überzeugt, dass sie wirklich Thiere sind,
indem ihre eigenthümliche thierische Forın und Organisation, so wie
ihre willkürlichen Bewegungen den thierischen Karakter ausspre-
chen °®).
Krohn hat nachgewiesen, dass der Vertumnus thetidicola Otto,
welcher seit längerer Zeit für einen trematodenartigen Schmarotzer
ausgegeben wurde, kein selbstständiges Thier ist, sondern dass
diese für besonderen Thiere gehaltene Gebilde nichts anderes-als An-
hänge sind, welche wirklich zur Thethys gehören, aber nur schwach
mit derselben zusammenhängen®®). Aus den Verhandlungen der
Naturforscher - Versammlung zu Turin ersieht Ref., dass schon im
Jahre 1840 Verani diese Appendices der 'Ihethys als Pseudo-Schma-
rotzer zur Sprache gebracht hat?’) und dass Nardo bemerkt haben
will, die Thethys sei im Stande, jene abgerissenen Anhängsel zu re-
produeiren. Auf diese Weise wird also der Beschreibung von 'The-
thys leporina das wieder hinzugefügt werden müssen, was schon
Maeri, der die Bedeutung dieser Anhängsel ganz richtig erkannt
hatte, vor vielen Jahren darüber gesagt, nämlich: majores appen-
dices sunt membranaceae, ovato-oblongae, acutae, deciduae (s.
Atti della reale academia della scienze di Napoli. Vol. 11. 1778. pag.
170. tav.IV.). Krohn will deutlich wahrgenommen haben, dass die
Haut der Thethys ohne Unterbrechung sich auf die Gebilde, welche
man Vertumni genannt hat, hinüberschlägt, und dass dieselbe Fär-
bung, welche die Thethys an sich trägt, sich auf den Anhängseln
wiederfindet. Des Ref. Beobachtungen stimmen iu letzterer Bezie-
hung vollkommen mit deu Äusserungen von Krohn überein Ref.
fügt noch hinzu, dass man an den sogenannten Vertumnen-auf den
68) Mayer: Neue Untersuchungen. a.&.0. pag.9.
69) Müller’s Archiv. 1842. pag. 418.
70) Isis. 1842. pag. 252.
335
ersten Blick erkennt, die am vorderen dicken Ende des Körpers
firlliste and füc den Mund des Thieres gehaltene Grube könne
kein Saugnapf sein, da sie weder von einer Epidermis noch von
einem Epithelium ausgekleidet ist, und da nirgends an dieser Grube
der einem Acetabulum eigenthümliche Bau zu unterscheiden ist. Der
weite Kasal, welcher sich, von der Grube aus, der Länge nach in
den Körper des Vertumnus erstreckt, hängt mit einer unzähligen
Menge grösserer und kleinerer Sinus zusammen, welche in dem
übrigen Theile des Vertumnus eingegraben liegen; das ganze Par-
enchym besteht nämlich aus weitmaschigen unregelmässigen Zellen,
welche sich durch die Öffnung in der Grube des Vertumnus wie das
Lungenparenchym eines Amphibiums aufblasen lassen.
Bericht über die im Jahre 1541 und 1842 erschie-
nenen Arbeiten in Bezug auf die Klassen der
Echinodermen, Acalephen, Polypen und
Infusorien.
Von
Prof. ©. Th. v. Siebold.
Echinodermen.
Den Echinodermen, über welche seit 1838 in diesem
Archive nichts berichtet worden ist, haben in den letzten
Jahren ausgezeichnete Zoologen und Physiologen ihre volle
Thätigkeit zugewendet, so dass diese Thierklasse bald so voll-
ständig durchgearbeitet sein wird, wie es noch mit wenigen
Klassen der wirbellosen Thiere geschehen ist.
Ein Hauptverdienst hat sich Agassiz um die Echinoder-
men erworben, indem er seit einigen Jahren mit rastlosem
Eifer die Monographies d’Echinodermes vivans et fossiles er-
scheinen lässt, von welchen dem Ref. bis jetzt vier Lieferun-
gen in trefllicher Ausstattung vorliegen. Auch hat. derselbe
336
in seinem Nomenclator zoologicus bereits die Klasse der
Echinodermen abgehandelt'),
Einen ausführlichen Aufsatz über den inneren Bau der
Echinodermen hat Sharpey geliefert ?), und in dem dritten
Bande der Naturgeschichte von Lamarck ist die Klasse der
Echinodermen von Dujardin bearbeitet worden ?),
Forbes gab eine ausgezeichnete Bearbeitung der briti-
schen Echinodermen heraus, welche mit sehr schönen Kupfern
auf eine wahrhaft luxuriöse Weise illustrirt ist*) und den
Beweis liefert, wie in England das Interesse für Zoologie ein
verbreiteteres sein muss als in Deutschland; dort sind in den
letzten Jahren eine Menge solcher schön ausgestatteter, die
britische Fauna betrefiende Monographien erschienen, während
in Deutschland dergleichen monographische Arbeiten kaum
mit den nöthigsten Abbildungen versehen werden können.
Forbes theilt die Echinndermen nach ihren Bewegungsorganen
in sechs Ordnungen, welche übrigens den bisher gebräuchlichen
Abtheilungen entsprechen. I. Pinnigrada (Crinoideae); von Crinoi-
deen kömmt nur Comatula rosacea L. (mediterranen Lam.) an der ‘
englischen Küste vor: Pentacrinus europaeus Thomps. ist nichts als
eine junge Comatula; II. Spinigrada (Ophiuridae), Forbes zählt
folgende auf: Ophiura texturata Lam.; albida Forb. (letztere wird
von Müller und Troschel für Ophiolepis ciliata erklärt), Ophiocoma
neglecta Johnst. (Opbiolepis squamata Müll. u. Tr.), Balli Thomps.,
punctata Forb., filiformis Müll., Örachiata Montag., granulata
Link, bellis Flem., Goodsiri Forb. (nach Müller und Troschel viel-
leicht mit Oph. Ballii identisch), rosxla Link, minuta Forb., die
letzten beiden Arten werden von Müller und Troschel zu Ophiothrix
fragilis gezogen. Astrophyton scutatum Forb. ist vielleicht Astroph.
Liokii Müll. u. Tr.; II, Cirrhigradu (Asteriadae), Uraster gla-
cialis Agass., rubens Ag., violacea Müll., hispida Penn., Cribella
oculata Penn., rosea Müll., Solaster papposus L., endeca L., Pul-
mipes membranaceus Retz., Asterina gibbosa Penn., Goniaster Tem-
1) Nomenclator zoologicus, continens nomina systematica ge-
nerum animalium tam viventium quam fossilium. Fasc. I. Soloduri
1842. Nomina systematica generum echinodermatum.
2) The Cyclopaedia of anatomy and physiology. Vol. Il, 1839.
pag. 30.
3) Lamarck: hist, naturelle des animaux sans vertebres, Deu-
xieme edition. T. III. 1840. pag. 542.
4) Forbes: A history of british starfishes and other animals of
the class Echinodermata. London. 1841.
%
337
pletoni Thomp., equestris Gm. (Astrogonium phrygianum Müll. u. Tr.),
Asterias aurantiaca L., Luidia fragilissima Forb.; IV. Cirrhi-
spinigrada (Echinidae): Cidaris papillata Lesk., Echinus miliaris
Lesk , sphaera Müll., Flemingü Ball, lividus Lam., neglectus Lam,
Echinocyamus pusillus Müll., Echinorachinus placenta Gm., Spatan-
gus purpureus Müll., Brissus /yrifer Forb., Amphidotus cordatus
Penn., roseus Forb.; V. Cirrhi-vermigrada (Holothuriadae):
Psolus phantapus L., Psolinus brevis Forb. et Goods., Cucumarin
frondosa Grun., pentactes Müll, communis Forb. et Goods., fusi-
formis Forb. et Goods., hyalina Forb., Drummondiü Thomp., Hynd-
mani Thomp., fucicola E. et G., Ocnus brunneus Forb., lacteus
F. et 6, Tiyone papillosa Müll., Portlocki Forb., Chirodota digi-
tata Montagu.; VI. Vermigrada (Sipunculidae): Syrinz nudus L.,
papillosus Thomp., Harveii Forb., Sipunculus Bernhardus Forb,
Johnstoni Forb., Priapulus caudatus Lam., Thalassema Neptuni
Gaertn., Echiurus vulgaris Savr
Ein Beitrag zur Meeres-Fauna von Irland wurde von Hill-
Hassall geliefert), welcher Comatula rosacca mit zehn Arten von
Asteriden, Spatangus purpureus, Echinus sphaera, Amphidotus cor-
datus und Echinocyamus pusillus als in der Bai von Dublin vorkom-
mend, aufzählte.
Einen anderen sehr schätzbaren Beitrag in Bezug auf die
Verbreitung der Echinodermen im adriatischen und mittellän-
dischen Meere haben wir Grube zu verdanken ®).
Von demselben sind dort folgende Crinoiden, Ophiuriden und
Asteriden aufgefunden worden: Comatula mediterranea Lam., Gor-
gonocephalus verrucosus Lam., Ophiura lacertosa Lam., pentagona
Lam., squamata Lam. (Ophiolepis Ballii nach Müller und Troschel’s
Angabe), moniliformis Grub. (ist nach Müll. u. Pr. ihr Ophiolepis
synuamata), cordifera delle Chiaje, scutellum Grub. (Ophionyx scu-
tellum Müll. et Tr.), rosularia Grub. (Ophiacantha setosa Müll. et
Tr.), fragilis Müll., Asterias coriacea Grub, (ist nach Müll. u. Tr.
Ophidiaster altenuatus Gray), subulata Lam., seposita Lam , glacia-
lis Lam,, aurantiaca L., bispinosa Ott., platyacantha Phil., penta-
cantha delle Chiaje, membranacea Retz.; von Echiuiden hat Grube
die folgenden angetroffen: Spatangus Jlavescens Müll., atropos und
carinatus Lam., Echinus saxatilis L., neapolitanus delle Ch., escu-
lentus I.., miliaris und neglectus Lam.; von Holothuriaden faud Grube
folgende auf: Holothuria regalis Cuv., Sunctori delle Ch , tubulosa
Müll., Stichopus einerascens Br., Sporadipus impatiens Forsk., Stel-
lati dell. Ch., maculatus Br., Cladodactyla doliolum Pall, Dicque-
5) Annals of the nat. hist. Vol. IX. 1842. pag. 132.
6) Grube: Actinien, Echinodermen und Würmer des adriatischen
und Mitfel-Meeres. 1840. pag. 14.
Archiv 1. Naturgesch, IX, Jahrg, 2. Bd. W
338
marii Cuv., nebst mehreren von ihm für neu gehaltenen Arten,
nämlich Holothuris mammata, Catanensis, Sporadipus glaber, Pso-
lus granulatus, Cladodactyla Syracusana, Chiridota Chiaii und
pinnata. Gleichzeitig stellte Grube zwei neue Gattungen auf, von
denen die eine, Pkyllophorus, zwischen den Gattungen Spora-
dipus und Cladodactyla des Brandt mit der einzigen bei Palermo
gefangenen Art, Phyl. urna, in der Mitte steht, indem die Füsse
dieses Thieres über den ganzen Körper zerstreut und nicht in Zei-
len stehen, und die Tentakeln desselben nicht schild- sondern baum-
förmig verästelt sind. Das andere von Grube Hoplodactylus
genannte Genus ist mit Liosoma Br. verwandt, besitzt aber keine
schildförmige, sondern einfache cylindrische Tentakeln und wird nur
durch eine Art, Hopl. mediterranea, repräsentirt. Ausser dem Si-
punculus nudus L. und verrucosus Cuy. entdeckte Grube die von
ihm Anoplosomatum bezeichnete Gattung, welche einen Über-
gang von den Echinodermen zu den«-Würmern bildet und einen ein-
fachen eylindrischen Körper besitzt, der weder mit Tentakeln, Zäh-
nen, Wärzchen, noch mit Borsten oder Fussstielchen versehen ist.
Jedes Ende des Leibes ist von einer Öffnung durchbohrt; die einzige
von Grube Anopl. utriculus benannte, bei Palermo erhaltene
Art ist durchaus ungegliedert und von blass fleischrother Färbung.
Von Krohn ist das Nervensystem des Sipunculus nudus, dessen
knotenloser Bauchstrang seiner Lage nach an das Nervensystem der
Annulaten erinnert, und das der Holoth. tubulosa beschrieben worden’).
Über die auffallende Reproduktionskraft der Holothurien wur-
den von Dalyell Beobachtungen mitgetheilt°).
Eine im Kanal aufgefundene neue Synapta ist von Quatre-
fages als Syn. Duvernmaea unter folgender Diagnose beschrieben
worden): corpore molli, vermiformi, hie etillic modo turgido, modo
constricto et transversim plicato; cuti roseola, hyalina, adhaerente;
vittis quinque fibrosis,opacis, albis, longitudinalibus instructa: ore plano,
duodecim tentaculis pinnatifidis circumdato; ano rotundo, nudo, ter-
minali. Dieses Thier hält sich gern im Meeresschlamm auf und nährt
sich von Sand, mit welchem sein ganzer Darm wie vollgestopft
ist. Von seinem langen wurmförmigen Körper schnürt es sei-
nen hinteren Theil gern freiwillig oder durch Berührung sehr
schnell ab; solche abgeworfene Fragmente des Tlieres bewegen sich
dann noch drei bis vier Tage fort. Das Thier selbst bewegt sich
durch wurmförmige Krümmungen seines Leibes von der Stelle, be-
dieut sich dabei aber auch seiner Tentakeln, welche in steter Bewe-
sung sind und zugleich als Greiforgane benutzt werden. Obgleich
7) Müller’s Archiv. 1839. pag. 348. und 1841. pag. 9.
8) Froriep’s Neue Notizen. Bd. 16. 1840. pag. 1.
9) W’institnt. 1941. pag. 398. Anmnales des sciences nat. T. 17.
1842. pag. 22. und Froriep’s Neue Notizen, Bd. 21. 1842. pag. 165.
339
diese Synapta gegen sehr starke Lichteindrücke Empfindung zeigt,
so scheint sie doch mit keinem bestimmten Gesichtsorgan begabt zu
sein. Für Töne besitzt dieselbe gar keine Perceptionsfähigkeit. Ihre
Hautbedeckung besteht aus einer zarten Epidermis und einem Co-
rium , welches von einer durchsichtigen granulirten Substanz schwach
rosa gefärbt ist,, Die Oberfläche des Körpers ist nicht glatt, son-
dern mit einer Menge ovaler himbeerartiger Erhabenheiten besetzt.
Diese Erhabenheiten tragen die merkwürdigen ankerförmigen An-
gelhaken, welche an der convexen Seite ihrer beiden Haken gezäh-
velt sind und an dem den Ankerhaken entgegengesetzten oberen
Ende des Stiels eine kleine bogenförmige gezähnelte Verbreiterung
besitzen. Diese ankerförmigen Körper, welche ohngefähr die Länge
von „/, Millimeter haben, sind mit ihrem oberen gezähnelten Ende
des Stiels auf einem kleinen durchlöcherten Schildchen in schräger
Richtung befestigt. Diese Theile, Anker und Schildchen lösen sich
in Säuren unter Aufbrausen auf, während sie von Kali causticum
nicht angegriffen werden. Die anderen Erhabenheiten, welche keine
Anker tragen, sind mit kleinen sphärischen und ovalen Körperchen
bedeckt, von denen einige quergestreift sind. Diese Körperchen
können aus ihrem Inneren einen fadenförmigen Körper von „; Mil-
limeter Länge hervorstrecken, sie werden von Säuren nicht ange-
griffen, lösen sich aber in Ätzkali auf. Quatrefages vergleicht diese
Körperchen mit den Nesselorganen der Aktinien und glaubt, dass die
Anker nicht ausschliesslich, wie Eschscholtz meint, das klettenartige
Anhängen und das Nesseln der Synapten veranlassen, sondern dass
die zuletzt beschriebenen Körper hauptsächlich, wie bei den Akti-
nien, als Nesselorgane wirken. Der After ist der Mundöffnung
entgegengesetzt am Hinterleibsende angebracht. Die den Mund um-
gebenden fünf gefiederten Tentakeln besitzen einen zarteren Haut-
Überzug als der übrige Körper, und tragen weder Anker, noch
Schildehen, noch Nesselorgane, sind aber auf ihrer inneren Fläche
mit zwei Reihen von Saugnäpfen versehen, welche den-Thieren bei
dem Ergreifen von Nahrung und bei dem Fortkriechen sehr zu Stat-
ten kommen. Die Tentakeln, in welchen der Kreislauf des Blutes
durch Flimmerepithelium lebhaft unterhalten wird, dienen währschein-
„lich auch als Respirationswerkzeuge, gleichzeitig dürfte aber eine
Vorrichtung, durch welche Synapta beständig Wasser in ihre Lei-
beshöhle aufnehmen und wiederum durch Kontraktion daraus entfer-
nen kann, zu dem Respirationsprozesse mit beitragen. Es befinden
sich nämlich zwischen je zwei Tentakelwurzelo auf einer kleinen
papillenförmigen Erhabenheit bald vier bald fünf Öffnungen angebracht,
_ von welchen sich Kanäle durch die Körperbedeckung bis zur Lei-
beshölle hineinerstrecken, welche dem Wasser den Ein - und Austritt
verschaffen. In Bezug auf die Fortpllanzungsorgaue will Quatre-
fages die Synapta Duvernaea als Hermaphrodit erkannt haben. Ein
Nervensystem war ihm nicht möglich gewesen aufzufinden.
w*
340
Den Eehiniden hat Agassiz in seinen oben erwähn-
ten Monographien zunächst seine Aufmerksamkeit zugewendet.
Die erste Lieferung dieses Werkes umfasst das Genus Salenia '°),
welches aber nur fossile Arten enthält, daher auf diese Arbeit hier
nicht näher eingegangen werden kann. Die zweite Lieferung ent-
hält die Scutellen'!). Asassiz rechnet diese Echinodermen zu
derjenigen Abtheilung der Echiniden, welche er Clypeastroiden ge-
nannt hat und welche als Haupt -Karakter eine centrale Mundöffnung
und eine subcentrale Afteröffnung haben. Agassiz hielt es für un-
zweckmässig, die Scutellen in eine Gattung zu vereinigen, wie dies
neuere Naturforscher gethan haben, sondern sah sich genöthigt, in-
dem er innere Organisationsverhältnisse in Betracht zog, theils
ältere Gattungen wieder herzustellen, theils neue Gattungen hinzu-
zufügen, so dass er dadurch 13 Gattungen erhielt, bei welchen die
Stellung der Afteröffnung und der Geschlechtsöffnungen, die Figur,
welche die Ambulakren bilden, der Bau der Kauwerkzeuge und der
Leibeshöhle hauptsächlich Anhaltspunkte zur Aufstellung der Gattun-
gen lieferten. Die Schale der Scutellen besteht, wie bei den Echi-
niden, aus zehn Platten-Regionen, von denen fünf Reihen die Am-
bulakren tragen und fünf Reihen ohne Ambulakren dazwischen liegen’
Jede Region wird eigentlich aus einer doppelten Reihe von Platten
gebildet, welche aber oft so innig mit einander verbunden sind, dass
sie schwer unterschieden werden können. Um den Mund herum sind
statt der zwanzig Platten gewöhnlich nur zehn oder fünf Platten zu
zählen, welche die sogenannte rosette buccale bilden. Die Stacheln
tragenden Scutellen besitzen auf ihren Platten Erhabenheiten, denen
die Stacheln, wie bei Echinus, aufsitzen. Von diesen Erhabenheiten
lassen sich die grösseren als tubercules spiniferes und die kleineren
als tubercules miliaires unterscheiden. Die Ambulakren, welche auf
dem Rücken der Scutellen eine fünfstrahlige Rosette bilden, sind noch
sehr wenig gekannt. An einem sehr gut erhaltenen obwohl getrock-
neten Exemplare von Laganum rostratum konnte Agassiz bemer-
ken, dass an der inneren Seite der Ambulakren-Poren eine Reihe
von Lamellen sass, welche offenbar mit den Poren in Verbindung
standen. Hieraus dürfte zu schiessen sein, dass hier bei den Scu-
tellen dieselbe Organisation der Ambulakren, wie bei den Echinen,
Statt finde und dass jene Lamellen die vertrockneten Kiemensäckchen
10) Monographies d’echinodermes. 1re livraison, contenant les
Salenies. Neichatel. 1838.
11) Monographies d’echinodermes. ?2de livraison, contenant les
Scutelles. 1841. Dieser Monographie hat Agassiz eine Übersicht der
in Bezug auf die Naturgeschichte der Echinodermen geschehenen
neueren Fortschritte vorangeschickt. Diese Übersicht findet sich auch
in den Annals of natural history. Vol. IX. pag, 189 und 296.
34l
andeuten. Sehr merkwürdig und eigenthümlich zeichnen sich die
Scutellen durch die vom Centrum ausgehenden strahlenförmigen und
auf der unteren Fläche der Schale sich verästeloden Furchen aus.
In diesen Furchen befinden sich ebenfalls eine Menge von Poren,
welche, wie die Poren der Rückseite, mit Ambulakren in Verbin-
dung stehen. Der Mundöffoung gegenüber liegt die kleine rosette
apieiale, welche aus drei verschiedenen Theilen zusammengesetzt
wird, nämlich aus der Madreporenplatte, aus den Platten, welche
die Geschlechtsöffuungen enthalten und aus denjenigen Platten,
welche die Ocellen tragen. Auch diese verschiedenen Platten sind
so innig mit einander verschmelzen, dass sie nur mit Schwierigkeit
von einander unterschieden werden können. Die Stacheln variiren
in ihrer Form je nach den Gattungen und Arten; die Stacheln der
oberen Fläche sind meist keulenförmig, die der unteren Fläche ge-
rade und spitz, mehrere Arten von Mellita und Encope- besitzen
noch eine dritte Art von Stacheln, welche an den Enden seitlich
abgeplattet sind. Diese Stacheln, welche übrigens ganz wie bei
Echinus organisirt sind, können von den Thieren im Leben nach
allen Seiten hin bewegt werden. Die meisten Scutellen sind grün
oder violett gefärbt. Bei denjenigen Scutellen, deren Rand des
Schildes ganz ist, erscheint der After weiter vom Munde entfernt,
als bei denen, deren Rand eingeschnitten ist. Die Höhle im Innern
des Schildes ist durch senkrechte Scheidewände mannichfaltig abge-
theilt. Die Kauorgane der Scutellen sind ziemlich nach dem Plane
der Echinus- Zähne construirt. Der durch die Leibeshöble sich hin-
windende Darmkanal enthält meistens Fragmente von kleinen Koral-
len und Schalthieren. Agassiz theilte die Scutellen in 13 Gattungen
welche sämmtlich abgebjldet sind. Die vier Gattungen Runa, Am-
phiope, Scutella und Seutellina enthalten nur vorweltliche Formen,
daher sie hier übergangen werden müssen. Von der Gattung Rotula
werden zwei Arten beschrieben: R. Rumphü (Sceut. dentata Lam.)
und Jugusti (Scut. octodactyla Lam.). Zu den drei bereits bekann-
ten Arten Mellita quinquefora Ag. Lam., testudinata Kl., hexapora
Ag. L. Gm. fügte Agassiz zwei neue Arten hinzu: M. similis disco
suborbiculari vel subquinquangulari, lunulis sex, basi undulata, sul-
eis ambulacralibus valde ramosis, und M. lobata disco suborbieu-
lari, lunulis sex, lJunulis ambulacralibus posticis apertis, petalis
brevibus, ovatis, subclausis, poris genitalibus ocellaribusque vere
distinctis. Die Gattung Encope ist durch eilf Arten repräsentirt,
von welchen neun Arten neu sind, nämlich E. (Scutella) emarginata
Ag. Lam., tetrapora Ag. Blainv., micropora, perspectiva, cy-
clopora, oblonga,subclausa, Valenciennesii, Michelini,
grandis und Stockesii Ag.; zur Gattung Lobophora werden
vier Arten gerechnet: L. (Scutella) bifora Ag. Lam., truncata Ag.
(Sceutella bifora var. 2. Lam.), bifissa Ag. Lam., aurita Ag. Blainv,
(Seutella bifissa var. 2. Lam.). Ausser Amphiope bioculata Ag.
342
(Seutella bifora var. 3. Lam.) beschreibt Agassiz noch eine zweite
Art: perspicillata disco valde depresso , postice subrostrato, lu-
nulis subeireularibus, petalis suhovatis, acutis. Von Echinarach-
nius werden die drei Arten E. parma Gray, Rumphiü Ag. Blainv.,
und atlanticus Gray und von Arachnoides nur die eine Art, A.
placenta Ag. Lam. beschrieben, während die Gattung Laganum
mit 12 Arten aufgeführt ist, von welchen neun zum ersten Male
beschrieben sind: Laganım Bonani Ag. Kl. (Clypeastor laganum
Lam.), depressum, decagonum Lesson und Ag., ellipticum, elon-
gatum, rostratum, marginale, stellatum Ag., longanense
Quoy et Gaim., Lesueuri Val., orbiculare Ag. L. Gm., Peronil Ag.
(Seutella orbicularis Lam.). Von: der Gattung Echinocyamus wer-
den nur zwei Arten E. pusillus Flem. und ang wlosus Leske als lebend
beschrieben, welchen die Moulinia als 13. und letzte Gattung mit
der einzigen Spezies: M. cassidulina folgt.
Nach der dritten Lieferung der von Agassiz herausgegebenen
Monographien, welche nur vorweltliche Echiniden behandelte !?),
ist die sehr umfassende Monographie über die Anatomie der Gattung
Echinus von Valentin erschienen'®). Derselbe unterscheidet an
der Schale des Echinus drei Arten von Kalkplatten; die eine Art von
Platten, welches die grössten sind, bilden die Hauptmasse der Schale,
die beiden anderen Arten umfassen die kleineren Buccal- und Anal-
Plättchen. Die Analplatten werden von einer kontraktilen Membran
zusammengehalten; alle Platten, mit Ausnahme der Buccal - Plätt-
chen, tragen Stacheln, welche mit ihren Gelenkköpfen in einer
Muskelschicht stecken. Die Ambulakra sind ausserordentlich kon-
traktil und können von dem lebenden Echinus weit über die längsten
Stacheln hervorgestreckt werden, um dagit zu tasten oder sich
fortzubewegen; jedes Ambulakrum ist an seinem freien Ende mit
einem Saugnapfe versehen. Ausser diesen langgestielten Saugnäpfen
besitzen die Echinen noch andere Appendices pedicellatae, welche
besonders häufig um den Mund herumsitzen, und früher für Schma-
rotzerthiere und junge Brut des Echinus gehalten wurden. Valentin
theilt sie nach ihrer Gestalt in drei Arten und nennt sie Pedicellaires
gemmiformes, tridactyles und ophioc&phales. Die Laterne des Ari-
stoteles hat derselbe sehr genau beschrieben, ebenso ist auch das
Gefässsystem von ihm einer sorgfältigen Untersuchung unterworfen
worden. Als Ergänzungen dieser ausgezeichneten Monographie sind
die fast gleichzeitig erschienenen Arbeiten über Echinus von Erdl,
Krohn und Kölliker zu nennen. Die Untersuchung des Erdl be-
zienen sich besonders auf die Stacheln, Saugnäpfe und Pedicellen
12) Monographies d’echinodermes. 3e livraison, contenant les
Galerites et les Dysaster par E. Desor. 1842.
13) Monographies d’echinodermes. 4e livraison, coutenant l’ana-
tomie du genre Echinus par G. Valentin. 1842.
343
des Mundes, so wie auf die äusseren Kiemen des Echinus saxati-
lis'*), Krohn’s Mittheilungen beschränken sich auf die Beschrei-
bung des Nervensystems von Echinus und Spatangus'°). Die ge-
trennten Geschlechtsorgane sind von Kölliker an Echinus saxatilis
erkannt worden'®), nach dem schon vorher auch von Peters '?), Milne
Edwards und Lallemand!®) an Echinen und von Valentin!’) an
Spatangus auf diese getrennten Geschlechtsverhältnisse hingewiesen
worden war.
Die Asteriden haben in den letzten Jahren besonders
viele zoologische Bearbeiter gefunden; ausser den schon oben
erwähnten Leistungen von Forbes und Grube sind daher
noch verschiedene andere anzuführen 2°), über welche jedoch
näher zu berichten Ref. um so mehr absteht, da durch das
von Müller und Troschel jüngst erschienene vortreflliche
Werk über die Asteriden?!), auf dessen Erscheinen man
durch die von diesen Naturforschern schon vor ein Paar Jah-
ren vorausgeschickten vorläufigen Bemerkungen”) im höchsten
Grade gespannt sein musste, der hieher gehörige Stoff so
vollständig aufgearbeitet ist, wie man es nur wünschen kann.
14) Dieses Archiv. 1842. I. pag. 48. .
15) Müller’s Archiv. 1841. pag. 2. und Annales des sc. nat. 'T. 16.
1841. pag. 288.
16) Kölliker: Beiträge zur Kenntniss der Geschlechtsverhältnisse
und der Samenflüssigkeit wirbelloser Thiere. Berlin. 1841. pag. 39.
17) Müller’s Archiv. 1840. pag. 143., Froriep’s Neue Notizen. nr,
275. pag. 168, und Annales d. sc. nat. T. 13. 1840. pag. 196.
18) Annales d. sc. nat. T.13. 1840. pag. 376, und Froriep’s Neue
Notizen. pr. 300. pag. 218.
19) Valentin: Repertorium für Anatomie und Physiologie. 1840.
pag. 301. -
20) Forbes: on the Asteriadae of the Irish sea. Memoirs of
the Wernerian society. 1839. T. VIII. 1. pag. 114.
Agassiz: notice sur quelgues points de l’organisation des Eu-
ryales, accompagnde de la description detaillde de Vespece de la
Mediterainee. Memoires de la societe des sciences naturelles de
Neuchatel. 1839. Vol. II.
Thompson: Annals of natural history. Vol. V. 1840. und Gray:
ebenda. Vol. VI. 1840.
21) Müller und Troschel: System der Asteriden. 1842.
22) Müller und Troschel: Über die Gattungen der Asteriden, in
diesem Archive. 1840. I. pag. 318., über die Gattungen der Ophiuren,
ebenda, pag. 326., Fortgesetzte Bemerkungen über die Gattungen der
Asteriden, ebenda, pag. 367,
344
Die Beschreibungen der Asteriden sind in diesem Werke so
treffend gegeben, die Gattungen und Arten so scharf bezeich-
net, dass es dem Ref. ein wahres Vergnügen gewährt hat,
mit diesem Buche in der Hand die dem Erlanger zoologischen
“ Kabinete ‚angehörigen Asteriden - Sammlung zu bestimmen.
Die Abbildungen, welche nur einzelne Stücke dieser Echino-
dermen darstellen, sind ausgezeichnet und dienen nur dazu,
da wo die Beschreibung nicht ausreicht, die höchst compli-
eirte Anordnung der verschiedenen Theile der Hautbedeckung,
nämlich der Stacheln, Platten, Granula, Knöpfchen, Pedicel-
larien u. s. w. anschaulich zu machen. Es erreichen diese
Abbildungen durch ihre ausserordentliche Genauigkeit voll-
ständig ihren Zweck, was demjenigen besonders wohl thut,
der schon oft dergleichen mit Abbildungen reichlich ausgestat-
tete Monographien in die Hände genommen hat, um zoolo-
gische Gegenstände darnach zu bestimmen, und der weder
durch die weitläuftigen Beschreibungen, noch durch die blen-
dend ausgemalten Abbildungen im Stande war, auch nur wenige
Arten mit Sicherheit herauszufinden,
Dem systematischen beschreibenden Theile jener Monographie
der Asteriden haben Müller und Troschel eine Einleitung vorange-
sendet, in welcher die Ordnungen der Asteriden karakterisirt wer-
den. Sie bestimmen die Asteriden im Allgemeinen als solche Echi-
nodermen, welche eine sternförmige oder polygonale, meist penta-
gonale Form und ausser dem Hautskelett noch ein inneres Skelett
besitzen. Diese Asteriden zerfallen in die zwei Abtheilungen
Asteriae und Ophiuridae. Erstere besitzen auf der Bauchseite
Furchen und eine von der Scheibe in die Arme oder Fortsätze sich
hineiverstreckende Körperhöhle, welche die Eingeweide beherbergt.
Den Ophiuriden mit ihren beiden Unter - Abtheilungen Ophiurae und
Euryalae fehlen die Bauchfurchen und die Eingeweide sind bei
ihnen bloss auf die Höhle der Scheibe beschränkt. In der Familie
der Asteriden ist häufig ein After auf der Rückenseite der Scheibe’
vorhanden, der bei einigen Gattungen central, bei den meisten aber
subcentral angebracht ist. Nach dieser Einleitung wird eine Über-
sicht der verschiedenen Eintheilungen der Asteriden gegeben, wie
sie bisher von den Autoren aufgestellt worden sind‘ Bei der Schil-
derung der ersten Familie der Asteriden im Allgemeinen machen die
beiden Naturforscher auf die Pedicellarien aufmerksam, welche als
kleine, zangenartige, zwei - bis dreiarmige Organe an allen Theilen
der Oberfläche des Körpers vorkommen. Es sind diese Organe,
welche ihre Arme zum Ergreifen öflnen und schliessen können, den
345
Pedicellarien der Seeigel einiger Maassen ähnlich. Sie lassen sich
in zwei Arten als pedicellariae forcipatae mit düonen spitzen Armen
und als pedicellariae valvulatae mit breiten klappenarligen Armen
unterscheiden. Die ersteren sind bald gestielt, bald aufsitzend, die
letzteren dagegen kommen immer sitzend vor. Die Asteriae werden -
in drei Familien getheilt. Die erste Familie begreift diejenigen See-
sterne, welche vier Tentakelreihen in jeder Bauchfurche und einen
After besitzen, hieher gehört die einzige Gattung Asteracanthion mit
14 Arten, worunter die drei neuen Arten A. africanus, polaris und
bootes. Die zweite Familie umfasst diejenigen Seesterne, welche
nur zwei Tentakelreihen in den Bauchfurchen und einen After be-
sitzen. Diese Familie enthält 14 Gattungen, nämlich Echinaster mit
11 Arten, von welchen E. crassus, gracilis, Eschrichtii Müll.
et Trosch., eridanella und serpentarius Valene. bis jetzt noch
nicht beschrieben waren, Solaster Forb. mit zwei Arten, Chaetaster
mit drei Arten, darunter die beiden neuen Arten Ch. Hermanni
M. et T, und Troschelii Valene,, Ophidiaster Ag. mit 12 Species,
unter welchen ©. Hemprichiü, diplax, Ehrenbergii, tuber-
culatus, echinulatus M. et T. und ornithopus Valenc. neu
sind, Scytaster mit 6 Species, darunter $. zodiacalis, semire-
gularis und Kuhlii neu, Culcita mit 4 Arten, von denen C.
Novae Guineae und Grex ebenfalls neu sind, Asteriscus mit 15
Arten, darunter A. pectinifer, DiesingiM. et T, cepheus und
setaceus Val. neu, Pteraster mit einer Art, Oreaster mit 17 Spe-
cies, darunter O. affinis, chinensis, tuberculatus, verru-
cosus, carinatus, orientalis M. et T. und regulus Val. als
neu, Astrogonium mit 10 Arten, welche A. magnificum, astro-
logorum, ornatum, Lamarckii M. et T. und geometricum
Val. als neu enthalten, Gonidiscus mit 9 Arten, darunter die beiden
neuen Arten @. placenta und capellaM et T., Stellaster mit 2
Arten, Asteropsis mit 4 Arten, darunter die einzige noch unbeschrie-
bene Art A. ctenacantha Val. und zuletzt Archaster mit 3 Arten.
Die dritte Familie enthält diejenigen Seesterne, welche mit zwei
Tentakelreihen an den Bauchfurchen versehen sind und keinen After .
besitzen. Hieher gehören nur drei Gattungen, Astropecten mit 25
Arten, von welchen A.brasiliensis, Valencienii, Tiedemanni,
polyacanthus, armatus, Hemprichii, japonicus, hispidus,
longispinus, marginatus, Andromeda, granulatus M. et
T. scoparius, serratus und hystrix Val. bisher noch unbe-
schrieben gewesen sind, Ctenodiscus mit 2 Arten und Lwdia mit 3
Arten, von welchen L. maculata M. et T. ganz neu ist. Die
Gattungskaraktere aller dieser neu aufgestellten Genera sind haupt-
sächlich von der Form der Arme, ob sie lang oder kurz, ob cylin-
drisch oder konisch gestaltet sind, und von der Bekleidung der Körper-
oberfläche entnommen, ob diese nämlich mit Platten, Stacheln,
Fortsätzen, Körnern, Knöpfen, Pedicellarien u. s. w. besetzt sind
346
oder nicht, und in welcher Art diese verschiedenen Theile angeordnet
sind. Die Abtheilung der Ophiuriden, welchen die Pedicellarien
und der After fehlen, zerfällt in die beiden Unterabtheilungen Ophi-
urae und Euryalae;z die Ophiurae besitzen nur zum Gehen be-
stimmte Arme, ihre Haut ist entweder nackt, oder mit harten Schup-
pen, Körnern, Stacheln und Schilden bedeckt; auf der Bauchseite
der Scheibe befinden sich fünf Interbrachialfelder zwischen den Wur-
zeln der Arme, in welchen sich ein grösseres Schild als Mundschild
auszeichnet. Gegen den Mund hin ragt von jedem Interbrachialfeld
ein keilförmiger Knochen als Maxille hervor, von welchem ein
Zahufortsatz gegen den Mund hin ‚gerichtet ist. Die Ränder des
fünfspaltigen Mundes sind entweder nackt oder mit Papillen besetzt,
und letztere erscheinen entweder einfach oder an ihren Rändern ge-
sägt. Der Zahnfortsatz trägt bei allen Ophiuren Zähne, bei einigen
sogar noch Papillen. An den Armen sind eine Reihe ventraler und
dorsaler Schildchen und zwei Reihen lateraler Schildchen zu unter-
scheiden. Auf der Bauchseite der Arme ist an jeder Seite eines ven-
tralen Schildchens eine Öffnung angebracht, welche einem fadenför-
migen Tentakel zum Durchtritte dient. Müller und Troschel zerfälien
diese Ophiuren in zwei Familien, von welchen die erste Familie
solche Thiere enthält, welche mit vier Genitalspalten in jedem In-
terbrachialraume und mit Papillen an der Mundspalte ausgestattet
sind. Es gehören hieher die beiden ‚Gattungen Ophioderma und
Ophiocnemis, erstere mit 3 Arten, darunter O. cinereum und
Wahlbergii neu siod, und letztere mit 1Art. Die zweite Familie
umfasst diejenigen Ophiuren, welche nur zwei Genitalplatten in
jedem Interbrachialraume besitzen. Als erste Gruppe dieser Familie
werden diejenigen Ophiuren aufgeführt, deren Mundspalte mit Pa-
pillen besetzt ist. Von diesen machen diejenigen den Anfang, welche
auf der Scheibe und den Armen mit harten Theilen bekleidet sind.
Ophiolepis mit 17 Arten, darunter die neuen. Species O. cincta,
Sundevalli, imbricata M. und T,, Ophicoma mit 18 Arten, von
welchen O. erinaceus, Wendtii, 'Schoenleinii, dentata,
pica, picta, arctica M. et T., serpentaria Val., lineolota
Desjard. neu sind, Ophiorachna mit 4 Arten, von denen O. infer-
nalis, Gorgonia und septemspinosa bisher nicht beschrieben
waren, Ophiacantha wit 2 Arten, von denen O. spinulosa neu ist,
und Ophiomastiw mit einer Art, Hierauf folgen die beiden Gattungen
Ophiomyza und Ophioscolex, jede mit einer Art, deren Scheibe und
Arme nackt sind. In die zweite Gruppe werden diejenigen Ophiuren
gestellt, deren Mundspalten keine Papillen besitzen; sie machen nur
die beiden Gattungen Ophiothrix und Ophionyx aus, von denen
erstere 18 Arten und letztere 4 Arten aufzuweisen hat. Auch bei
den Ophiuren sind die Gatliungskaraktere von den Stacheln, Körnern,
Schuppen und Platten der Leibesbedeckung, je nach ihrer Anwesen-
heit, Beschaflenheit und Anordnung entnommen, wobei zugleich noch
347
auf die Umgebung des Mundes, welche mit stachelartigen Papillen
‘ oder mit Zahn- Papillen, mit einfachen oder mit gehäuften Papillen
besetzt ist, Rücksicht genommen wird. Bei den Euryalen, der
zweiten Unterabtheilung der Ophiuriden, sind die Arme Greiforgane,
und können mundwärts aufgerollt werden. Sie besitzen keine Sei-
tenstacheln, wie die Ophiuren, sondern zwei Reihen kleiner Papil-
lenkämme an der Bauchseite der Arme. Müller und Troschel stellen
zuerst eine neue Gattung auf, mit einer einzigen bisher noch unbe-
schriebenen Art, Asteronyz :Loveni, welche keine verzweigten
Arme besitzt, eine Madreporenplatte auf der Bauchfläche trägt und
an den Mundrändern mit stachelartigen Papillen besetzt ist. Hierauf
folgt die Gattung Trichaster Agas. mit einer Species, deren Arme
sich regelmässig dichotomisch gegen das Ende hin verzweigen, wel-
cher die Madreporenplatte fehlt und deren Mundränder mit walzen-
förmigen Papillen eingefasst sind. Den Schluss macht die Gattung
Astrophyton mit 8 Species, ihre Arme sind vom Grunde aus ver-
zweigt, die Mundränder erscheinen von stachelartigen Papillen ein-
gefasst, eine Madreporenplatte ist vorhanden. In einem dem Schlusse
des Werkes angefügten Anhange werden noch anatomische Unter-
schiede der Familien und Gattungen der Asterien und verschiedene
andere auf den inneren Bau dieser Echinodermen sich beziehende
Bemerkungen mitgetheilt,
Die Tentakeln der Asterien und Ophiuren hat Erdl einer ge-
naueren Untersuchung unterworfen ??).
Kröyer?2!) bestättigt die Vermuthung, welche Müller und Tro-
schel ausgesprochen haben °), dass nämlich die kleinen nur ein Paar
Linien grosse Individuen der Ophionyx armata nur ein Jugendzu-
stand einer anderen Ophiuride, wahrscheinlich einer Ophiolepis sei,
die er O. aculeata nennt. Diese soll bei dem Heranwachsen die
echinulirten Stacheln und Doppelhaken, welche die Gattung Ophio-
pyx auszeichnet, allmälig von der Basis der Arme nach der Spitze
hin verlieren. Kröyer sah bei 6 Zoll grossen Exemplaren dieser
Ophiolepis aculeata überall ganz glatte Stacheln und nur an den aller-
äussersten Gliedern der Arme noch hier und da echinulirte Stacheln
und Doppelhaken vorhanden, Derselbe beobachtete auch ein Indivi-
duum, welches im Begriffe war einen verlorenen Arm zu reprodu-
ciren und dessen nachwachsender Arm ganz die Beschaffenheit von
Ophionyz armata hatte. In dem Systeme der Asteriden haben Mül-
ler und Troschel dennoch Ophionyx armata als selbstständige Art
hingestellt. Kröyer fand ferner ‚an einer Euryale (Astrophyton)
verrucosa zwei Junge von Euryale?‘°), von welchen das kleinere
23) Dieses Archiv. 1842. I. pag. 58.
24) Isis. 1842. pag. 932.
25) Dieses Archiv. 1840. I. pag. 329.
26) Isis 1842. pag. 935.
348
nur 9 Lin. lang war und in Bezug auf die Art der 'Verästelung
seiner Arme zu Trichaster M.et T. gerechnet werden musste, wäh-
rend das andere grössere Junge in dieser Hinsicht sich schon mehr
‚der Mutter näherte. Kröyer folgert hieraus, dass die verschiedene
Art der Arm-Verzweigungen bei den Euryalen nicht allein aus-
reiche, neue Gattungen darauf zu begründen; Müller und Troschel
haben aber bei Errichtung ihrer Gattung Trichaster auf noch andere
wesentliche Kennzeichen Rücksicht genommen.
Von Sars wurde die Beobachtung mitgetheilt??), dass Asterias
sanguinolenta und angulosa durch freiwillige Einbiegung der Basis
ihrer Strahlen eine gut geschlossene Bruthöhle bilden, in welcher die
Eier aufbewahrt und die Jungen längere Zeit beherbergt werden.
Die Jungen heften sich mit ihren 4 Haftorganen an die Bruthöhle fest
und lassen sich von der Mutter herumtragen,
Die getrennten Geschlechter der Asterien und Ophiuren sind
von Kölliker??) und Bathke??) nachgewiesen worden.
Eine Bearbeitung der Gattungen und Arten der Comatu-
len hat Müller unternommen ?°),
Durch diese lernen wir 24 Arten kennen, unter welchen sich
zwölf Arten mit 10 Armen befinden, die übrigen sind vielarmig;
fünfzehn Arten sind neu, darunter neun vielarmige. Eine Madrepo-
renplatte fehlt den Comatulen. Auch bei diesen Echinodermen fand
sich die Trennung der Geschlechter vor. Die Cirren des Central-
koopfes sah Müller sich nie bewegen. Einen wichtigen Beitrag zur
genaueren Kenntniss des Pentacrinus cayut Medusae hat derselbe
Naturforscher geliefert?!). Sowohl die Stengelgebilde als die Cirren
dieses Crinoiden sind ohne alle Muskeln, während der Stengel der
jungen Comatulen (Pentacrinus europaeus Thomps.) kontraktil ist.
Die Arme und Pinnulae von Pentacrinus sind mit Muskeln versehen,
welche an der Bauchseite angebracht sind. Der Nahrungskanal zieht
sich durch die Mitte aller Skelettheile hindurch. Die Tentakelfurchen
der Comatulen und Pentacrinen sind inwendig mit zwei Reihen sehr
kleiner Tentakeln versehen. Es giebt unter den Crinoideen Gattun-
gen mit und ohne After. Die Arme der Comatulen und Pentacrinen
besitzen ausser dem durch die Mitte gehenden Gefässkanal noch zwei
andere Kanäle, nämlich den Bauchhöhlenkanal und den Tentakel-
27) Müller’s Archiv. 1842. pag. 330.
28) Kölliker’s Beiträge. a. a. O.pag.39.
29) Froriep’s Neue Notizen. nr. 269. pag. 65.
30) Bericht über die zur Bekanntmachung geeigneten Verhand-
lungen der Königi. Akademie der Wissenschaften zu Berlin. 1841.
pag. 179. und dieses Archiv. 1841. I. pag. 139,
31) Bericht. a. a, O. 1840. pag. 98. und dieses Archiv. 1840. 1.
pag. 307.
349
kanal; die fünf Bauchhöhlenkanäle öffnen sich in die Bauchhöhle. In
der Scheibe liegen unter der Haut die Verdauungswerkzeuge, die
Geschlechtstheile dagegen sinod an den Pinnulae unter der ventralen
Haut angebracht. Bei den Crinoiden gehen die Armradien immer von
dem dorsalen Theile des Kelches aus, bei den Asteriden dagegen
gehen die Wirbel der Radien von der ventralen Seite aus.
Acalephen.
In dem Nomenclator zoologicus hat Agassiz eine Über-
sicht der systematischen Namen der Acalephen - Gattungen ge-
liefert.??) Diese Thierklasse ist in den letzten Jahren beson-
ders in zootomischer Hinsicht und mit Berücksichtigung ihrer
Entwicklungs- und Verwandlungs - Geschichte vielfach unter-
sucht worden, bei welcher Gelegenheit mehrere Gattungen als
blosse Jugendzustände anderer Gattungen erkännt wurden,
Von Patter'son wurden in den vom Magen und von den Rippen
ausgehenden Gefässen der Cydippe pomiformis Strömungen beobach-
tet.?®) Die Blättchen der 8 Rippen wurden von ihm in ununterbroche-
ner Bewegung gesehen und daher nicht bloss als Bewegungsorgane,
sondern auch als Respirationswerkzeuge betrachtet. Lichtentwicklung
konnte er an dieser Qualle nicht beobachten, wohl aber an Bo-
lina hibernica.°*) Die Eierstöcke der Cydippen befinden sich nach
Krohn’s Angaben unter den acht Rippen angebracht.?°°) Milne
Edwards fand die von verschiedenen Zoologen als Beroe ovatus,
elongatus, Idya Forskali und Beroe Chiajiüi beschriebenen Rippen-
quallen bei Nizza sehr häufig und erklärte sie für nichts anderes als
‘ für verschiedene Altersstufen einer und derselben Species, die er,
ohne sich auf eine weitere Erörterung der Synonyme einzulassen,
unter dem Namen Beroe Forskalii zusammenfasst.°°) An dieser
Beroe bemerkte Milne Edwards ein rothes biroförmiges Augenorgan,
welches in einer dem Munde gegenüber angebrachten Grube auf
einer ganglienartigen Anschwellung aufsass und mehrere krystalli-
nische Körperchen enthielt. Die Mundhöhle_ dieser Qualle erstreckt
sich fast durch den ganzen Körper hindurch und geht im Grunde zu
einer von zwei wulstigen Lippen umgebenen kleinen Höhle über,
welche mit einer Magenhöhle verglichen werden kann. Aus dieser
32) Agassiz: Nomenclator zoologicus a.a. 0. Fasc. I. 1842,
33) The transactions of (he royal irish academy. Vol. 19. 1841.
pag. 9.
34) Ebendas. pag. 154.
35) Froriep’s Neue Notizen. B. 17. pag. 52.
36) Annales des sciences nuturelles. T. 16. 1841. pag. 193.
350
Magenhöhle treten zwei Gefässe hervor, welche sich in acht Haupt-
stämme zerspalten und am Mundende, während sie unterwegs durch
Seitenzweige mit einander anastomosiren, in ein Ringgefäss zusam-
menmünden. In diesem Gefässsysteme wird die Ernährungsllüssig-
keit, welche farblose runde Körperchen enthält, durch Flimmerecilien
in Bewegung gesetzt. Die Magenhöhle mündet ausserdem mittelst
zweier Öffnungen in der Nähe des Augenfleckes nach aussen. Eine
Veue bei Nizza aufgefundene Beroide beschrieb Milne Edwards unter
dem Namen Lesweuria vitrea; sie steht der Gattung Mnemia des
Eschscholtz und der Gattung Alcinoes des Rang ziemlich nahe. Ihre
weit gespaltene Mundöffnung ist mit einer Menge kontraktiler Fäden
besetzt. Die Mundhöhle reicht bis zum oberen Drittel des ovalen
und seitlich zusammengedrückten Körpers hinauf. In der oberen
Hälfte dieser Höhle laufen zwei doppelte faltige Lamellen an den
Wäpden herab, welche als Ovarium betrachtet werden können. Im
Grunde der Mundhöhle befindet sich eine Öffnung, durch welche man
in die Magenhöhle gelangt. Diese ist auf ihrer inneren Kläche mit
einem Flimmerepithelium ausgekleidet, und dient vier Gefässen zum
Ursprunge, welche den Körper durchziehen und, eine durch Flimmer-
cilien bewegte farblose Flüssigkeit enthalten. In einer am Hinter-
leibsende befindlichen Grube ist ein ähnliches rothes Organ vorhan-
den, wie es Milne Edwards bei Beroe gefunden hat. Derselbe Natur-
forscher entdeckte bei Cette eine neue Scheibenqualle, welche, der
Aegnorea Forskalina und ciliata sehr nahe stehend, von ihm Aeg.
violacea genannt worden ist. Aus der sehr geräumigen Magen-
höhle dieser Qualle treten 74 Kanäle nach dem Rande der Scheibe
hin, wo sie sich zu einem Ringgefässe vereinigen. Die Geschlechts-
theile bilden auf der unteren Fläche der Scheibe faltige Lamellen,
welche die 74 Radialgefässe einfassen und mit ihrem unteren Rande
frei im Wasser flottiren. Milne Edwards erkannte in diesen La-
mellen bei- einigen Individuen nur Eier, bei anderen dagegen nur
Spermatozoiden.
Von Forbes ist an der Nordküste von Irland eine neue Schei-
benqualle aufgefunden worden, ?’) welche.der von Brandt aufgestell-
ten Gattung Hippocrene angehört, auch die von Sars früher beschrie-
bene Üytaeis octopunctata erklärte Forbes für eine Hippocrene, deren
Arten derselbe auf folgende Weise feststellt: Aippocr. Bugain-
villii Br. mit acht Magenanhängen, welche eben so lang sind als
der Rüssel, nıit vier, die blassrothen Tentakeln tragenden, roth und
gelb gefärbten Drüsen und mit einem zum Theile behaarten Schirme;
Hippoer. britannica Forb. wit vier gleich langen Magenanhän-
gen, welche eben so lang als der Rüssel sind, mit vier die weissen
Tentakeln tragenden, roth und weiss gefärbten Drüsen und mit einem
glatten Schirme; Hippocr. octopunctata Sars mit vier ungleichen
37) Annals of natural history. Vel. VM. 1841. pag. 82.
351
Magenanhängen, welche kürzer sind als der Rüssel, mit acht die
«Tentakeln tragenden, schwarzen Drüsen und mit einem glatten
Schirme. — Zu den bisher durch Eschscholtz und Sars bekannt ge-
wordenen vier Arten von Thaumantias fügte Forbes noch vier
neue in den britischen Gewässern vorkommende Arten hinzu, näm-
lich Th. pileata, Schirm hutförmig, der Rüssel und die keulenför-
migen Anschwellungen der Kanäle blassroth, die vier Lappen des
Rüssels spitz, die grossen Augen an der geschwollenen Basis der
20 Tentakeln schwarz und gelb gefärbt. Th. Thompsoni, Schirm
halbkreisförmig, die vier Lappen des Rüssels dreieckig, die An-
schwelluogen der Kanäle, der Rüssel und die Basis der Tentakeln
gelb, die kleinen Augen an der dreieckigen Basis der 16 Tentakeln
schwarz gefärbt. Th. punctata, Schirm halbkreisförmig, An-
schwellungen der Kanäle und Rüssel blassroth, die vier Lappen des
Rüssels fast spitz, die grossen Augen an der geschwollenen Basis
der 32 Tentakeln schwarz gefärbt. Th. sarnica, Schirm halbkreis-
förmig, die Anschwellungeu der Kanäle und der Rüssel blassblau,
die vier Lappen des Rüssels spitz, Augen? Tentakeln zu zwanzig
an der Zahl vorhanden.
Madam Davis beschrieb eine sehr kleine Meduse unter dem
Namen Cyanea coccinea;°*) sie erhielt sich mehrere Wochenin einem
Glase lebendig. Ihr glockenförmiger Leib ist mit vier Radien durch-
zogen, im Centrum desselben befindet sich eine rothe Anschwellung,
von welcher vier weisse Arme ausgehen, und am Rande der Scheibe
hängen viele Tentakeln herab. Die Herausgeber der Annals wollen
diese Meduse nicht für eine Cyanea, sondern eher für eine mit Ocea-
nia cucuminata Esch. nahe verwandte Art gelten lassen.
Einen sehr interessanten Beitrag zur Kenntniss des Baues der
Pelagia noctiluca und der Organisation der Medusen überhaupt hat
Rud. Wagner geliefert; °°) ders. bespricht auch das Vorkommen der
Medusen im Golfe von Villafranca, die allgemeinen Lebenserschei-
nungen der Pelagia noctiluca, ihre leuchtenden und nesselnden Eigen-
schaften, *°) und erklärt alle den Gattungen Aurelia, Cyanea, Pela-
zia, Oceania und Cassiopeia angehörige Scheibenquallen für getrennten
Geschlechts. Auch von Kölliker sind bei Rhizostoma Cuvieri,
Chrysaora isoscela und Adequorea Henleana die getrennten Geschlechts-
werkzeuge erkannt worden. Um so auffallender ist es, dass Eh-
renberg sich noch immer nicht entschliessen kann, der Entdeckung
eines getrennten Geschlechtes bei den Medusen als einer ausgemach-
ten Thatsache Vertrauen zu schenken.*’) Derselbe meint nämlich,
38) Ebendas. p. 235.
39) R. Wagner: Über den Bau der Pelagia noctiluca und die
Organisation der Medusen. 1841.
40) Dieses Archiv. 1841. 1. pag. 38.
41) Ebeudas, 1842. 1. pag. 67,
352
dass es unerhört sei, dass der Organismus der Männchen und Weib-
chen einer Thierart nicht bloss in der Form, sondern bis in die
Anatomie der Sexualtheile hinein gleich sein solle. Eine solche
Gleichheit wird aber von niemandem behauptet, die männlichen und
weiblichen Individuen der Medusa aurita siud sich weder in der äus-
seren Form noch in der feineren Struktur der Geschlechtstheile im
ausgewachsenen Zustande gleich. Die ausgewachsenen Medusen-
Weibchen besitzen eine Menge von Taschen in ihren Fangarmen,
zur Aufnahme der Eier und Brut, welche den männlichen Individuen
durchaus fehlen. Die in Falten gelegten Bandstreifen, welche Eh-
renberg anders, nämlich als Schläuche betrachtet, enthalten bei den
Weibchen im Parenchyme eingebettete Eierkeime, welchen durch
Dehiscenz des äusseren Epithelium-Überzugs der Austritt aus dem
Parenchyme verstattet wird. Dieselhen gefalteten Bandstreifen der
Mänuchen enthalten eine zahllose Menge dickwandiger Hodensäckchen,
welche an der der Kiemenhöhle zugekehrten Fläche des Bandes aus-
münden und in welchen die Spermatozoiden nach dem bekannten
physiologischen Gesetze aus Zellen sich entwickeln. Wenn Ehrenberg
unentwickelte Eier zwischen Massen von Spermatozoiden in dem
Geschlechtsapparate der Medusen zu erkennen glaubte, so waren dies
augenscheinlich die eben erwähnten Zellen, in welchen sich die Sper-
matozoiden nur noch nicht entwickelt hatten. Überhaupt muss hier
Ref. warnen, nicht Alles, was einem Eierkeime ähnlich sieht, so-
gleich für ein Ei zu halten; durch die Entdeckung der Zellenent-
wickelung hat uns Schwann das Räthsel, dass der Inhalt, eines Ho-
den dem Inhalte eines Kierstockes vollkommen ähnlich sehen kann,
vortrefflich gelöst. Auch von Ehrenberg sind über die Nesselor-
gane von Cyanea capillata Beobachtungen angestellt worden. Er
fand sie allein nur an den Fangfäden dieses Thieres, welches seine
Fäden bis auf 25 Fuss verlängern kann. Die Nesselorgane sind ganz
so construirt, wie die der Hydren, nur mangeln ihnen die Widerhaken.
Von Sars wird durch eine ausgezeichnete Abhandlung über die
Entwickelung der Medusa aurita und Cyanea capillata die Richtig-
keit der vom Ref. früher beschriebenen ersten Entwickelungsstadien
der Medusa aurita bestättigt und zugleich noch der Beweis ‚gelie-
fert,t?) dass das von Ersterem als Strobila beschriebene Thier nur
ein Jugendzustand der Medusa aurita sei, Steenstrup rechnet
diese merkwürdige Metamorphose der Ohren-Qualle ebenfalls zu
der von ihm mit dem Namen Generationswechsel belegten Erschei-
nung,*2) und betrachtet die pulypenartigen Medusen - Individuen,
aus welchen durch Quertheilung eine Anzahl von scheibenförmigen
jungen Medusen hervorgehen, als die Ammen dieser jungen Quallen.
42) Dieses Archiv. 1841. I. pag. 9. u. daraus: Annales des sc. nat.
T. 16. pag. 321. oder Froriep’s Neue Notizen. B. 20. pag. 161.
43) Steenstrup: Über:den Generationswechsel. pag. 1.
353
Nach Philippi’s Beobachtungen ist Physophora tetrasticha kein
zusammengesetztes Thier, '*) die am Ende der Achse dieses Thieres
angebrachte Höhle ist weder mit Luft gefüllt, noch mit einer Öff-
nung versehen, die Schwinmblasen werden ebenfalls nicht mit Luft
gefüllt, die Fangarme sind weder Kiemen noch Flüssigkeitshehälter;
der Magen der Physophoren soll mit den hohlen Achsen nicht zu-
sammenhängen, auch sollen sie beiderlei Geschlechtsorgane besitzen.
Ven Milne Edwards wurde im Meerbusen von Villafranca
eine Stephanomia entdeckt,*°) welche der Gattung Apolemia Esch.
sehr nahe kömmt, und von ihrem Entdecker wegen der spiralförmig
aufgerollten, Rachis den Namen Sieph. contorta erhalten hat. In
. dem oberen Ende des Leibes dieser Qualle befindet sich ein birn-
fürmiges hohles Organ, welches ausser einer röthlichen Flüssigkeit
eine nach unten offene Luftblase enthält. Der bandförmige spiral-
förmige Körper ist mit dreierlei verschiedenen Anhängen an seinem
Rande besetzt. Die eine Art der Anhänge dient zum Schwimmen
und gleicht einem hohlen abgestumpften Kegel, welcher durch Öff-
nen und Schliessen seiner Höhle Wasser aus- und einpumpen kann.
Die zweite Art von Anhängen ist sehr complieirt, besteht aus einem
Stiele, einem kahnförmigen Lappen, einem unregelmässig gewunde-
nen Cirrus und einer Menge zarter sehr kontraktiler Spiralfäden
nebst einem grösseren birnförmigen hohlen Körper, der vielleicht
zur Aufpahme von Nahrungsstoff dient. Die dritte Art von Anhängen
besteht aus gestielten kleineren birnförmigen und sehr kontraktilen
Säcken, mit welchen noch traubenförmige Körper zusmmenhängen.
Letztere enthalten deutliche Spermatozeiden, während die grösseren
biroförmigen Körper die Ovarien enthalten sollen. Auch über den
Bau der Stephanomia prolifera, von welchen Milne Edwards jedoch
nur verstümmelte Exemplare bei Nizza auffand, wurden von ihm
einige Notizen mitgetheilt,
Hynodman entdeckte an der Küste von Irland eine neue Diphya,*®)
welche er D.e/ongata nannte und nft folgendem spezifischem Ka-
rakter bezeichnete: die Schwimmhöhle und der Nahrungskanal er-
streckt sich durch die ganze Länge des 'Thieres, beide Portionen
von gleicher Grösse und Gestalt. Hyndman sah in dem Kanale,
welcher an der Basis des Tentakel-Apparates entspringt und sich
durch das Ernährungsorgan hindurcherstreckt, deutliche Circulation.
Auch bei Vele/la wurde von Costa ein deutliches Circulationssystem
erkannt. ??) )
44) Froriep’s Neue Notizen. Bd. 22. pag. 344. Dasselbe noch ein-
mal Bd.23. pag. 88.
45) Annales des science. natur, T. 16. 1841. pag. 217,
46) Annals of natural history, Vol. VII. pag. 165.
47) Comptes rendues. T. 13. pag. 533, Vinstitut 1841. pag. 301
und Annäles des sc. nat. T. 16. pag. 187,
Archiv f. Naturgesch, IX. Jahrg. 2. Bd. 28
354
Polypen.
Abermals sind es die britischen Naturforscher, welchen
wir auch in’ diesen letzten Jahren viele interessante Aufschlüsse
über den anatomischen Bau und die geographische Verbrei-
tung der Polypen zu verdanken haben.
Hassall lieferte einen reichhaltigen Nachtrag zu dem Kataloge
irländischer Zoophyten,*°) in welchem folgende Arten aufgeführt
werden: Coryne squamata, Hermia glandulosa, Tubularia larynz,
Thoa muricata, Sertularia Margareta, pumila, filicula, Thujaria
articulata, Plumularia pinnata, setacea, Catharina, cristata, my- »
riophyllum, frutescens, Alcyonidium rubrum, Actinia mesembrian-
themum, bellis, gemmacea, dianthus, maculata, Anthea cereus,
Vulkeria cuscuta, imbricata, pustulosa, Pedicellina echinata, Vesi-
eularia spinosa, Hippothoa lanceolata, Anguinaria spatulata, Tubu-
lipora verrucaria, lobulata? Cellepora ramulosa, bimucronata, Be-
renice yalina, Lepralia nitida, coccinea, variolosa, ciliata, appensa,
pedilostoma, insignis, cylindrica, punctata, linearis, Membranipora
stellata, Flustra truncata, avicularis, lineata, tuberculata, distans,
carnosa, hibernica, Alcyonidium gelatinosum, hirsutum, parasiticum,
echinatum. Von Thompson wurden zur Fauna Islands noch fol-
gende Zoophyten hinzugefügt:*°?) Aydra viridis, Actinia viduata
Müll. und Gliona celata Grant,
Die Zoophyten, welche an der Küste von Aberdeen vorkommen,
sind von Macgillivray aufgezählt worden und umfassen folgende
Arten:°5°) Coryne squamata, Echinocorium clavigerum Hass.. Tubu-
luria indivisa, lurynz und ramea, Thoa halicina und muricata, Ser- .
tularia mit eilf Arten, Thujaria Thuja, Antennularia antennina,
Plumularia wit füuf Arten, Laomedea dichotoma, geniculata und
gelatinosa, Campanularia mit vier Arten, Alcyonium digitatum,
Aectinia gemmacea und dianthus, Crisia mit drei Arten, Notamia
loriculata, Tubulipora Patina und serpens, Discopora hispida?
Cellepora mit vier Arten, Lepralia mit sechs Arten, Membranipora
pilosa, Flustra mit vier Arten, Cellularia scruposa und reptans, Far-
cimia sinuosa Hass., Aleyonidium mit drei Arten und Cliona celata.
Von Couch sind die Zoophyten der Küste von Cornwallis zu-
sammengestellt worden, °!) unter welchen F/ustra Peachii als
eine neue Art aufgeführt wird.
Eine neue Aktinie ist von von Forbes unter dem Gattungsna-
men Capnea mit folgenden Gattungs -Karakteren beschrieben wor-
48) Annals of nat. hist. Vol. VII. pag. 276 und 363.
49) Ebendas. pag. 481.
50) Ebendas. Vol IX. pag. 462.
51) Ebendas. Vol.X. pag. 60.
355
den:°?) Leib eylindrisch, zum Theil mit einer gelappten Epidermis
umkleidet, Fuss breit, Tentakel einfach, sehr kurz, retraktil und
in concentrischen Reihen um den Mund gestellt. Die einzige Art
Capnea sanguinea wurde an der irländischen Küste in tiefer
See entdeckt. Die Tentakeln dieser Aktinie stehen in drei Reihen,
zu je sechszehn in jeder Reihe; die Epidermis, welche nach oben in
acht Lappen getheilt ist, besitzt eine braune Farbe, der Leib ist im
Übrigen scharlachroth gefärbt. Derselbe Naturforscher beschrieb eine
andere im ägeischen Meere aufgefundene Aktinie,°?) welche eine
wurmförmige Gestalt besitzt und frei unter dem Meeressande in einer
se)bst erbauten Röhre lebt. Das Thier ist mit der sogleich zu er-
wähnenden Edwardsia verwandt, unterscheidet sich aber hauptsäch-
lich durch die Tentakelkränze von derselben, von welchen derjenige
des Mundrandes aus zahlreichen kurzen Tentakeln besteht, während
der Rand des Diskus von einem aus 3% grösseren Tentakeln beste-
henden Kranze besetzt ist. Diese sind gelb und braun gescheckt
und werden im Zurückziehen nicht von der äusseren Hautbedeckung
verdeckt. Der Diskus und die Mundtentakeln, sowie der obere Kör-
pertheil besitzen eine weisse Farbe, der untere Körpertheil ist da-
gegen gelbbraun gefärbt. Das Material der Röhre, in welcher diese
Aktinie lebt, wählt das Thier, wie die Terebellen, aus Conchilien-
Trümmern und Sandkörnern. Wird das Thier gestört, so verlässt
es seine Röhre und bewegt sich wie eine Annelide im Wasser um-
her. Aus ihrer Röhre entfernt, baut sich diese Aktinie in der Ge-
fangenschaft, weun sie mit Baumaterial versehen wird, eine neue
Röhre, indem sie sich im Sande wälzt und dabei durch einen aus
der Haut hervorschwitzenden Stoff die Sandpartikeln an einander
klebt. Sie ist ausserordentliah gefrässig und verschluckt von Thie-
ren Alles, was in ihre Nähe kömmt. Der innere Bau dieses Thieres
gleicht übrigens ganz dem der anderen Aktinien.,
Von Quatrefages ist eine neue Gattung von Aktinien
unter dem Namen Zdwardsia aufgestellt worden,°*) deren
Arten, wie die von Forbes entdeckte und eben erwähnte Ak-
tinie, ebenfalls mit keinem Fusse festsitzen, sondern frei im
Meeressande leben.
Ihr Körper ist daher eylindrisch und wurmförmig in die Länge
gestreckt, hinten abgerundet und aufgetrieben. Quatrefages hat fol-
gende Diagnose für diese merkwürdigen Zoophyten festgesetzt:
„eorpus liberum, vermiforme; pars media plus minusve epidermate
. opaco incrassata; pars anterior pellucida, tentaculis ornata; poste-
rior autem vitrea, rotundata, basi vix instructa; utraque exsertilis
52) Ebendas. Vol. VII. pag. 81.
53) Ebendas. Vol. VIH. pag. 243.
54) Annales des sciences naturelles. T. 18. pag. 65.
xX%
356
et retractilis. Intestinum rectum, mesenterio interrupto suspensum,
posterius large apertum, duabus partibus compositum: sinus octo
posteriori intus eminentes quibus pendent totidem ovaria, usque ad
extremum abdomen producti.” Zu dieser Gattung hat Quatrefages drei
verschiedene Arten im Kanale an der französischen Küste entdeckt,
Die erste Art, Edwardsia Beautempsii ist 6—7 Centimeter
lang, gelbroth gefärbt, welche Farbe nach hinten in Gelbgrün oder
Blau übergeht. Als spezifischer Unterschied von den übrigen beiden
Arten wird angegeben: ‚‚ore terminale in extremitate papillae sub-
conicae, eircum basim tentaculatae; tentaculis 14— 16 uniseriatisz
parte media subpolygonali; epidermate crasso, opacissimo, fulvo-
rubente.” Die zweite Art, Edwardsia timida, ist ebenfalls 6— 7
Centimeter lang und besitzt folgende spezifische Karaktere: „apice
plano, tentaculis 20 — 24 uniseriatis circumdato; parte media vix
subpolygonali; epidermate tenui, paululum translueido, fulvo.” Die
dritte Art, Edwardsia Harassi, ist nur 54 Centimeter lang und
zeichnet sich durch folgende Art-Kennzeichen aus: ‚„‚papilla terminali
rotundata, tentaculis 24 biseriatis ad basim circumdata; parte media
cylindrica; epidermate crasso, opacissimo, obscure fulvo” Diese
Aktinien halten sich in solchen Stellen des sandigen Meerschlammes
auf, welche von dem Wechsel der Ebbe und Fluth betroffen werden.
bei der Ebbe ziehen sie sich in ihre Röhren zurück. Sie sind ausser-
ordentlich kontraktil und können, wie die Holothurien, ihren Darm-
kanal aus dem Leibe hervorpressen. Bei dem Enoifalten und Aus-
breiten trägt jede der genannten drei Arten ihre Tentakeln auf eine
eigenthümliche Weise. Bei Edw. Beautempsi stehen die Tentakeln
starr ab, bei Edw. timida breiten sie sich unregelmässig aus und
sind in steter Bewegung, und bei Edw. Harassi ist eine Tentakel-
reihe starr nach oben, die andere starr nach unten gerichtet. Die
Bewegungen dieser Aktinien sind durchaus wurmförmig; ihre Nah-
rung besteht aus kleinen Crustaceen und Spirorben. Quatrefages
konnte sie sehr lange in einem Glase mit Seewasser erhalten, wobei
er bemerkte, dass sie sich häuteten. Ihr ganzer Körper ist mit den
allen Aktinien eigenthümlichen Nesselorganen bedeckt. Der Darm-
kanal zieht sich gerade durch die Leibeshöhle hivdurch, seine äus-
sere Fläche, sowie die innere Fläche der Leibeshöhle sind mit einem
Flimmerepithelium überzogen. Die Ovarien sind als gelbe Schnüre
an dem Darme herab befestigt. Die Hoden konnte Quatrefages nicht
auffinden; ebenso wenig war ein Nervensystem und Bintgefässsystem
in diesen Thieren zu entdecken gewesen. Die Tentakeln sind-hohl
und mit einem Flimmerepithelium ausgekleidet, welches mit den Ci-
lien der Leibeshöhle die in diesen Räumen vorhandene Flüssigkeit
auf und nieder bewegt, wobei es den Anschein hat, als könnten
diese Wimpern willkürlich ihre Bewegungen verändern. Durch diese
Edwardsien werden die Aktinien mit den Holothurien, namentlich _
mit der Gattung Synapta verbunden.
357
R. Wagner hat sich durch neuere Untersuchungen überzeugt,°5)
dass die früber von ihm (s. dieses Archiv. 1835. IT. pag. 205.) als
Samenthierchen beschriebenen Gebilde der Aktinien die Nesselorgane
dieser Zoophyten sind. Auch Kölliker hat die Nesselorgane der
Aktinien aufgefunden, aber niemals Bewegungen an ihnen walıraeh-
men können.°’6) Es mag dies mit der Brunstzeit der Aktinien und
auch mit der Jahreszeit zusammenhängen, denn nach Erdl’s Angaben
sind die Nesselorgane der brünstigen Aktinien anders gebildet als
bei den nicht brünstigen Individuen dieser Zoophyten, und zeigen
im Frühjahre eine viel mehr gesteigerte Lebensthätigkett wie im
Herbste.°‘) Ausser diesen Nesselorganen sind aber auch die männ-
lichen Geschlechtstheile der Aktinien sowohl von Kölliker:°) als
von Erdl°°) entdeckt worden, wobei sich letzterer auch von dem
getrennten Geschlechte dieser Thiere überzeugte. Die Geschlechts-
organe bilden hier unter dem Mantel auf den der Länge nach herab-
laufenden Muskelleisten aufsitzende und vielfach gefaltete Bänder,
deren eine Seitenkante frei schwebt. Bei den Männchen enthalten
diese bandförmigen Fortsätze eine Menge Hodensäckchen, bei den
Weibchen eine Menge Eier. Die Hodensäckchen besitzen als Inhalt
langgestreckte Spermatozoiden-Bündel, deren bewegliche Sperma-
tozoiden aus einem ovalen Leib und feinem Haaranhange bestehen.
Ist die Brunstzeit bei den Aktinien vorbei, so zeigt sich zuletzt
keine Spur mehr von Geschlechtstheilen. Hiernach dürfte also Eh-
renberg’s Ansicht, dass die Nesselorgane der Aktinien dennoch die
Spermatozoiden dieser Thiere seien, $°) nicht haltbar sein.
Eine Beschreibung von jungen Individuen der Actinia mesem-
brianthemum ist von Rathke mitgetheilt worden,°') welcher sie
im Magen von zwei erwachsenen Aktinien angetroffen hatte. Die
grössten hatten eine Höhe von 3 Linien, die kleinsten eine Höhe
von 4 Linie, ihre Farbe war rosenroth und der Tentakelkranz der
kleinsten Individuen enthielt zehn Fäden, dem jedoch der Ring des
Mantels noch fehlte, während derselbe an den grösseren Individuen
schon ausgebildet war.
Eine von Leuckart herausgegebene Monographie beschränkt
sich hauptsächlich auf die Pilzkorallen, von welchen die beiden Gat-
tungen Fungia mit 8 Arten, darunter die neue Species F\ denti-
55) Dieses Archiv. 1841. I. pag. 41,
56) Kölliker: Beiträge a.a.0. pag. 44.
57) Müller’s Archiv. 1841. pag. 426. und 1842. pag. 305.
58) Beiträge a. a. O0, pag. 44.
59) Müller’s Archiv. 1942. pag. 303.
60) Dieses Archiv. 1842. I. pag. 73.
61) Neueste Danziger Schriften. Bd. III. Hft. 4. pag. 112.
358
gera.und Herpolitha mit ‘6 Arten, darunter die neue Art H, Rüp-
pellii beschrieben werden.®?)
Von Philippi ist eine neue gorgonienartige Koralle, welche
er als 3—4 Zoll hohe verästelte Stämmchen auf Oculina ramea bei
Neapel angetroffen hatte, unter dem Namen Bebryce mollis beschrie-
ben worden. °°®) Ein anderes, sehr kleines Zoophyt aus-der Familie
der Xenien fand Philippi ebenfalls bei Neapel auf Balanen und Auster-
schalen und beschrieb es als Evagora rosea. Die zwei Linien
langen achtarmigen Poiypen dieses Zoophyten können sich ganz in
ihre untere lederartige Basis zurückziehen. Das Vorkommen der Isıs
elongata im Mittelmeer weist dieser Naturforscher ebenfalls nach
und giebt zugleich über die im Mittelmeere vorkommenden sechs
Arten von Oyathina Ehrenb. Auskunft , unter welchen sich die drei
neuen Arten Cyath. ungulosa, pulchella und striata befinden.
Ein neues, zu den Alcyoniden gehöriges Zoophyt wurde von
Hassall an der irländischen Küste entdeckt und zu einer besondern
Gattung Cycloum erhoben, °*) deren Karaktere in folgender Weise
festgestellt wurden: Polypenstock fleischig, sich rindenförmig aus-
breitend, und mit zahllosen undurchbohrten Papillen bedeckt. Die
einzige Art, Cycloum papillosum mit 18 in Form einer Glocke
um den Mund der Polypen gestellten Tentakeln, findet sich auf Fu-
cus serratus. Eine andere neue Gattung nannte Hassall Sarcochi-
tum; bei diesem Zoophyt ist der fleischige und rindenförmige Po-
Iypenstock mit zahlreichen, unregelmässig gestalteten und ungleich
grossen Hervorragungen besetzt, welchen die Polypen aufsitzen.
Die einzige Art, Sarcochitum polyoum, kömmt ebenfalls auf
Fucus serratus vor und trägt zwanzigarmige Polypen.
Von Erdl sind in den Fangarmen des Alcyonium Exos Nessel-
organe erkannt worden,5°) auch hat derselbe Veretillum Cynomorium
einer genaueren Untersuchung unterworfen®s) und vortrefllich ab-
gebildet.°’) Die von ihm erkannten männlichen und weiblichen Po-
Iypen dieses Veretillum unterscheiden sich dadurch von einander,
dass bei ersteren die Eier im Fusse traubenförmig mittelst Stielen
an einander hängen, während bei letzteren an derselben Stelle die
Samenkapseln unter einander befestigt sind. Von Costa wird ver-
sichert, dass Pennatula auf dem Grunde des Meeres im Schlamme
festsitze und dass die angeblichen Polypen nur eigenthümliche Or-
62) Leuckart: Observationes zoologicae de zoophytis coralliis,
speciatim de genere Fungia. 1841.
63) Dieses Archiv. 1842. I. p. 35.
64) Annals of natural history. Vol. VII. pag. 483.
65) Müller’s Archiv. 1841. pag. 428.
66) Ebendas. pag. 423.
67) R. Wagner: Icones zootomicae. Tab. 34. Fig. 1. und 4—7.
359
gane eines und desselben Thieres seien.°°) Diese Verhältnisse, so
wie die Anwesenheit eines Nervensystemes sollen demnach Penna-
tula in die Nähe von Encrinus bringen.
Laurent hat in mehreren Abhandlungen Hydra grisea zum Ge-
genstande seiner Untersuchungen gemacht$°®) und in denselben man-
cherlei sonderhare Ansichten ausgesprochen. Er läugnet unter andern
die hastae des Corda, und erklärt die Angelfäden mit ihren Angel-
haken nur für einen ausgesponnenen leimartigen Saft, der an dem
Ende, wo er sich ablöst, eine Anschwellung bilde. Wenn Ref. auch
zugeben will, dass der hervorgeschleuderte Faden wie ein Gespinnst
entstehe, so lässt sich nicht begreifen, wie die Angelhaken mit ihren
Bläschen nur das angeschwollene Ende eines solchen geronnenen
Schleims sein sollen; es gehört in der That ein in mikroskopischen
Untersuchungen sehr ungeübtes Auge dazu, wenn man diesen Angel-
apparat so verkennen soll, wie es Laurent gethan hat. Derselbe
giebt ausserdem nicht zu, dass die Stelle am Ursprunge des Fusses
Eierstock sei, weil sie dieselbe Struktur darbiete, wie alle anderen
Theile des Leibes. Ref. muss es aber bestimmt erklären, dass sich
die erwähnte Stelle in gewissen Zeiten zu einem Ovarium umbildet,
sowie sich aus dem Theile des Leibes, welcher zwischen dem Ur-
sprunge der Tentakelu und des Fusses gelegen ist, die Hoden ent-
wickeln, welche übrigens Laurent als pustulöse Ausschläge betrach-
tet, und welche nach seiner Meinung durch eine fehlerhafte Beschaf-
fenheit des die Polypen umgebenden Mediums entstehen sollen, was
Ref. nicht zugeben kann, da er an solchen Hydren nicht allein,
welche er gefangen hielt, sondern auch an denjenigen, welche er
aus frischem Wasser eingesammelt hatte, die Hoden mit ihren leb-
haften Spermatozoiden beobachtete,
Ehrenberg salı an der Aydra viridis beide Geschlechter ver-
einigt, bemerkte aber auch solche Individuen, welche bloss männliche,
oder bloss weibliche Organe besassen.’°) Derselbe hat mit der
Zunge an Hydra keine nesselnden Eigenschaften wahrnehmen kön-
nen,’') und meint deshalb, dass man die Fangangeln und Giftbläs-
chen der Hydren nicht wohl Nesselorgane nennen könne. Erdl
berichtigt Ehrenberg’s Entdeckung der Angelorgane von Hydra da-
hin,?’*2) dass nicht der runde Theil des Organs aus einer Fangarm-
Warze zuerst hervortrete, sondern immer erst der Faden, dann der
Hals mit den Dornen und zuletzt der kuglige Theil, was Ref. vollkom-
men bestättigen kann. Nach des Ref. Beobachtung werden diese Fäden
68) Froriep’s Neue Notizen. Bd. 21. pag. 154.
69) Ebendas. Bd. 24. pag. 81. und 100.
70) Ebendas. Bd. 22. pag. 58.
71) Dieses Archiv. 1842. I. pag. 72.
72) Müller’s Archiv. 1841. pag. 429,
360
mit den Giftbläschen gegen die erhaschten Thiere geschnellt, an welchen
sie dann haften bleiben, häufig bängen sie sich aber auch an die Arme
der Hydren selbst an, wobei die Giftblase im Wasser flottirt. Dies
hat Ehrenberg getäuscht und zu der Annahme verleitet, als trete
die Giftblase zuerst aus den Armen hervor. Aus diesem Grunde kön-
nen die Hydren mit diesen Organen, welche nicht ganz passend An-
gelorgane genannt werden, keine Thiere festhalten und man bezeich-
net sie doch wohl richtiger, wenn man sie Giftorgane nennt, da
sie auf die kleinen Insekten, Crustaceen und Anneliden (Chironomus-
Larven, Cyclops, Daphnia und Nais), als heftige Gifte einwirken,
indem diese Thierchen, nur von einem Paar dieser Organe berührt,
alsbald sterben. Zum Festhalten ihrer Beute nützen den Hydren jene
borstenförmigen kurzen Fäden, welche aus den kleinen ovalen, von
Corda (Annales des science, nat. T. VIN. Pl. 18. Fig. 5.) abgebildeten
Körperchen hervorragen.
Ein mit Coryne verwandtes Geschöpf hat Hassall nnter dem
Namen Echinochorium beschrieben,??) Der Polypenstock ist rin-
denförmig und mit einer Menge rauher Papillen besetzt, die Polypen
sind hydrenartig, nackt und gestielt, sie besitzen bei der einzigen
Art Echin. clavigerum eine keulenförmige Gestalt, können sich
nicht in Zellen zurückziehen und sind mit kolbenförmigen Tentakeln
versehen. Ein anderes Coryne-artiges Genus ist von Philippi bei
Neapel auf Conchylien entdeckt und Dysmorphosa conchicola
genannt worden.?’!) Die kleinen, 2 Linien langen, zwölfarmigen Po-
lypen sitzen hier auf einer gemeinschaftlichen häutigen Ausbreitung.
Eine neue Coryne ist von’ Steenstrup auf Island beobachtet
und Coryne Fritillaria genannt worden.’’) Sie bestand aus
einem Stiele, an dessen Ende ein mit 5 bis 6 Tentakeln umgebener
Polypenkopf festsass; von diesem Polypenkopfe hingen vier viersei-
tige Glocken herab, welche Steenstrup nicht als Organe der Coryne,
sondern als besondere Individuen ansah. In jeder Ecke des freien
Randes einer solchen Glocke war ein rother Augenfleck zu bemer-
ken; im Grunde des glockenförmigen Körpers erhob sich ein vier-
kantiger Magen. Diese Glocken, welche sich kräftig bewegten,
rissen zuletzt los und schwammen als medusenartige Wesen im
Meere umher, Steenstrup erinnert zugleich an die Corymorpha nu-
tans Sars, welche ähnliche Glocken, wie seine Coryne Fritillaria
an sich trägt, und hält es für wahrscheinlich, dass auch hier die
Glocken sich ahtrennen und in frei schwimmende Medusen verwan-
deln. Derselbe stellt dann zuletzt den Satz auf, dass überhaupt die
Kolbenpolypen nur die Ammen von medusenähnlichen Tbieren seien,
und dass sich bei Coryne Fritillaria und Corymorpha nutans Sars
73) Annals of nat. hist. Vol. VII. pag. 371.
74) Dieses Archiv. 1842. I. pag. 37.
75) Steenstrup: Über den Generationswechsel. p. 20.
Ale
361
in den glockenförmigen Individuen die Eier erst dann ausbilden,
nachdem sie sich von der Amme, dem Kolbenpolypen, losgetrennt
haben, während bei Coryne echinata und vulgaris Wagn. und bei
Syncoryne ramosa Sars sich in den Glocken, noch ehe sie den Kol-
benpolypen verlassen haben, die Eier bereits entwickeln.
Einen zwischen Actinia und Hydra stehenden Polypen hat Van
Beneden unter dem Namen Hydractinia beschrieben.’$)
Ein fast mikroskopischer Polyp von # Millimeter im Durchmesser
ist von Quatrefages an der französischen Küste in einem Lachen
zwischen Seepflanzen aufgefunden und als Eleutheria dicho-
toma bekannt gemacht worden.’’) Er ist fusslos und bewegt sich
mit seinen ästigen Armen frei umher. Als Gattungs-Karaktere trägt
Eleutheria folgende Kennzeichen an sich: ‚‚fusslos, Augenpunkte an
der Basis der Arme.“ Die Art-Kennzeichen sind dagegen folgende:
„Körper hemisphärisch, von gelblicher Farbe und mit rothen Punkten
auf seiner hinteren und unteren Seite bestreut, sechs zweigabelige
Tentakeln, welche mit rundlichen Anschwellungen endigen.““ Es
nährt sich dieses Thier von kleinen Crustaceen und zieht sich schnell
bei der Berührung zusammen. Die Hautbedeckung desselben ist mit
eigentllümlichen Zellen (Giftorganen) besetzt, aus welchen ein feiner
Stachel hervorragt und welche sich besonders gehäuft an den Au-
schwellungen der Arme vorfinden. Die Höhle der Arme communieirt
mit der einfachen Magenhöhle. Zwischen der Hautbedeckung und
dem Grunde des Magens entwickeln sich in dem unteren Theile des
Körpers die Eier, welche eine sphärische Gestalt besitzen, aber kein
Keimbläschen in ihrem Inneren wahrnehmen lassen.
Hassall hat eine grosse Anzahl von Lepralien in ihren ver-
schiedensten Lebenszuständen, nach Standort, Alter u. s. w. unter-
sucht und dabei sechs neue Arten, Lepralia semilunaris, auri-
culata, ventricosa, tenuis, assimilis und ovalis heraus-
gefunden.?*)
Landsborough, welcher über das Phosphoreseiren der Sertu-
larien viele Versuche angestellt hat,?°) hat gefunden, dass beim
Erschüttern unter Wasser Valckeria cuscuta, Sertularia polyzonias,
Cellularia reptans, Laomedea geniculata, _Flustra membranacea,
pilosa und Membranipora stellata funkelten. Nachdem er diese Zoo-
phyten sammt den Seegewächsen, auf welchen sie festsassen, aus
dem Wasser genommen und zwei Tage liegen gelassen hatte, so
leuchteten Membranipora stellata und Flustra membranacea noch
76) Bulletin de Vacademie roy. des scienc. de Bruxelles. T. VII.
P. 1. pag. 89. und VInstitut. 1841. pag. 166.
77) Annales des sciences naturelles. T. 18. 1842. pag. 270.
78) Annals of nat. hist. Vol. IX, pag. 407.
79) Ebendas. Vol. VIII. pag. 257. und Froriep’s Neue Notizen.
Bd, 21. pag. 83,
362 .
ganz gut; durch Kälte ward die Fähigkeit des Leuchtens stets ver-
nichtet. Die Richtigkeit dieser Angaben wurde durch Hassall
bestättigt."°)
Über die männlichen Geschlechtswerkzeuge der Flustren hat
Kölliker seine Beobachtungen bekannt gemacht.®!)
Die sonderbaren vogelkopfartigen Anhänge der Cellularia avi-
cularia sind von Nordmann einer genaueren Untersuchung unter-
worfen worden.°?) Die Masse des Vogelkopfes ist kalkig, der
Schnabel öffnet und schliesst sich, während der Kopf sich von einer
Seite zur anderen dreht. Alle diese Bewegungen des Vogelkopfes
gehen ganz unabhängig von dem Entfalten der Tentakeln des Poly-
pen vor sich. Bei Bicellaria scruposa beobachtete Nordmann ähn-
liche bewegliche Körper, deren Bestimmung. bis jetzt nicht enträth-
selt werden konnte. Die 14 Tentakeln der Polypen von Cellularia
sah dieser Naturforscher in einen Kreis gestellt und mit beweglichen
Cilien besetzt. Die Vermehrung der Cellularia geht nach der Beob-
achtung desselben auf vierfache Weise vor sich, nämlich durch Sto-
lonen, Knospen und durch zweierlei Arten von Eiern.
Über die Organisation der Büschelpolypen des süssen Wassers,
so wie über ihre Entwicklung sind von Coste®?) und Laurent°®*)
verschiedene Bemerkungen mitgetheilt worden; eine sehr genaue
Beschreihung der P/umatella campanulata, von welcher Plumatella
repens Müll. nur eine Varietät ist, haben wir Nordmann zu ver-
danken,°°) auch diese Polypenart pflanzt sich durch Knospen und
zweierlei Eier, nämlich durch Sommer - und Wintereier fort.
Hassall will die Beobachtung gemacht haben,s°) dass Pluma-
tella repens und Aleyonidium stagnorum zu einer Gattung, ja viel-
leicht zu einer und derselben Art gehörten, indem sie durch ihren
verschiedenen Wohnsitz so verschieden gestaltet würden. Pluma-
tella repens sitzt nur an Blättern, welche nach einigen Wochen ab-
sterben und auch den Untergang jenes Büschelpolypen nach sich
ziehen; Alcyonidium dagegen baut sich an Pflanzenstengel und andere
feste Gegenstände an, welche nicht sobald zerstört werden, wo-
durch die Polypen Gelegenheit haben zu Faust-grossen Polypen-
stöcken heranzuwachsen.
80) Annals of nat. hist. Vol. VIII. pag. 341.
81) Kölliker’s Beiträge. a. a. O. pag. 46.
82) Nordmann: Observations sur Ja Faune Pontique. 1840. p. 679.
83) Comptes rendues. T. XI. pag. 724. und Froriep’s Neue Not.
Bd. 19. pag. 10.
84) D’Iostitut. 1841. pag. 225.
85) Nordmann: Observations etc. a.a. O. pag. 709.
86) Annals of nat, history. Vol. X. pag. 153. und Froriep’s Neue
Not. Bd. 24. pag. 90.
363
Johnston hat sich der Spongien und Lithophyten angenom-
men °®’), obschon er ‚sich nicht überzeugen konnte, dass diese Ge-
bilde wirklich zum Thierreiche gehören, denn er fand die Spongien
weder thierisch reizbar, noch konnte er an ihnen Polypen und
thierische Eingeweide finden. So lange die Spongien frisch und le-
bendig sind, ziehen sie Wasser aus und ein, was Johnston bei
Halichondria papillaris Flem. sehr deutlich beobachtet hat, auch sah
er, dass diese Spongie kleine Körner auswarf; wodurch diese Bewe-
gungen hervorgebracht wurden, ist Johnston gänzlich unbekannt
geblieben, nur davon hat sich derselbe überzeugt, dass dieselben
von keinem zufällig in der Spongie verborgenen und athmenden
Insekte, Wurm oder Mollusk ausgingen, wie Hogg vor einiger
Zeit behauptet hat®®). Johnston hat in Tethea und Halichondria
zuweilen eiförmige Körperchen gefunden, welche aus einer gallert-
arligen Substanz mit zahlreichen eingelagerten Nadeln bestanden;
er konnte sie jedoch nicht für Eier halten, denn sie stimmten durch-
aus nicht mit jenen bewimperten Eiern überein, welche Graut bei
einigen Spongien cntdeckt hat und welche Laurent vor einiger
Zeit wieder zur Sprache gebracht hat®®), Johnston nimmt an, dass
sich die Spongieu durch Selbsttheilung vermehren, indem sich kleine
Partikelchen von ihnen ablösen, sich auf geeignetem Boden festsetzen
undfortwachsen. Die Spongien bestehen aus einer lockeren, elastischen
und porösen Substanz, in welcher feste Fasern eingelagert sind.
Ausser den vielen Poren sindnoch grössere Öffnungen an verschiedenen
Stellen der Oberfläche der Spongien vorbanden, von welchen sich
buchtige Kanäle nach den verschiedensten Richtungen durch Substanz
der Schwämme hinziehen. Die Fasern im Parenchyme der Schwämme
sind cylindrisch, von ungleicher Dicke und netzförmig untereinander
verbunden, bei Tethea, Halichondria und Spongilla sind diesem
fibrösen Gewebe Kieselnadeln und bei Grantia Kalknadeln beige-
mengt. Johnston führt die britischen Spongien in acht Gattungen
auf: Tethea mit den Species T. Cranium und Lyncurium, Halichon-
dria mit 36 Arten, darunter zwei neue Arten, Spongilla lu-
viatılis und lacustris, Spongia limbata, pulchella und /aevigata
Grantia mit 8 Arten, Duseideia fragilis und papillosa, Halisarca
Dujardinii, Geodia zetlandica und Pachymatisma Johnstonia. John-
ston stellt hierauf die verschiedenen Ansichten der Naturforscher
zusammen, nach welchen die Lithophyten bald zu dem vegetabili-
schen bald zu dem animalischen Reiche gerechnet werden sollen,
87) Johnston: a history of british sponges and Lithophytes. 1842.
88) Annals of nat. history. Vol. VI. pag. 316. oder the transactions
of the Linnean society. Vol. 18. 1841. pag. 363. oder the transactions
of the entomological society. Vol. Il, 1842. pag. 105.
89) L’lustitut. 1841. pag. 242.
364
und neigt sich dahin, sie nicht als Thiere zu betrachten, da sie ganz
verschieden von den Zoophyten gebildet sind und keine Polypen
tragen. Er theilt die britischen Lithophyten in die zwei Familien:
Corallineae, mit pflanzenförmigem, verästellem und gegliedertem
Körperbau und Nulliporidae, von ersteren werden Corallina mit
3 Arten, Jania mit 2 Arten und Halimeda mit einer Art, von letz-
terer Nullipora mit 4 Arten aufgeführt.
Bowerbank, welcher eine hornige Spongie von Australien
untersuchte 9°)‘, fand zwischen den hornigen Fasern derselben Kie-
selnadeln von verschiedener Gestalt eingelagert und hier und dort
Gruppen von runden Körpern, von denen er nicht wusste, ob er sie
als Knospen oder Eier betrachten sollte. Derselbe hat auch den fei-
neren Bau der Knochen-Korallen (Corallinen) untersucht°!); nach
Entfernung der Kalktheile mittelst Salpetersäure sah er ein netzför-
miges Gewebe und zuweilen auch Kieselnadeln zurückbleiben. ' Zwi-
schen jenem Gewebe will nun Bowerbank knospenartige Körper
wahrgenommen haben, welche nach seiner Meinung auch Polypen-
Keime gewesen sein konnten.
Eine neue Eintheilung der Spongien ist von Hogg vorgeschla-
gen worden??), indem er dieselben nach der Beschaffenheit ihres
Parenchyms in fünf Abtheilungen zerfällt: 1. Abtheil. Spongiae sub-
corneae, Parenchym ohne Nadeln, 2. Abtheil. Spongiae subeorneo-
siliceue, Parenchym mit zahllosen Kieselnadeln, 3. Abtheil. Spongiae
subcartilagineo - calcariae, Parenchym mit Kalknadeln, 4. Abtheil.
Spongiae subcartilagineo-siliceae, und 5. Abtheil. Spongiae subereo-
siliceae.
Von Owen ist eine neue hornige Spongie unter dem Namen
Euplectella Aspergillum beschrieben worden®®), welche cylindrisch
hohl einem Füllhorn ähnlich ist und aus einem regelmässigen Netz-
werke besteht. Der Stoff dieses Gewebes ist dem erbärteten Gluten
ähnlich und giebt beim Verbrennen einen holzkohlenartigen Rückstand.
Foraminiferen und Infusorien.
Ehrenberg setzt seine Untersuchungen über die un-
sichtbaren Organismen der vergangenen und. Jetzt- Welt fort,
und giebt dadurch dem von ihm gewonnenen und überraschen-
den Resultate, dass diese mikroskopischen Wesen auf die feste
Oberfläche unserer Erde den grössten Einfluss ausüben, eine
90) Annals of nat. hist. Vol. VII. pag. 129.
91) The Edinburgh new pbilosophical Journal. Vol. 23. 1842.
pag. 206. oder Froriep’s Neue Notizen. Bd. 23. pag. 154.
92) Annals of nat. history. Vol. VIII. pag. 3.
93) Ebenda. pag. 222.
365
immer festere und breitere Basis. _ Derselbe überzeugte sich,
dass die Kalkfelsen Syriens und des centralen Nordamerika’s
dicht gedrängte Massen kleiner Polythalamien enthalten °*),
von welchen mehrere Arten aus dem nordamerikanischen
Kalke mit Polythalamien aus der europäischen Kreide ganz
übereinstimmen. Auch den plastischen Kreidemergel von
Aegina fand Ehrenberg aus kleinen Organismen bestehend,
von welchen mehrere Arten zu den Kreidethierchen gehören ®®),
Ferner theilte derselbe mit, dass auch der Bergkalk vom
Onega-See in Russland zu Theil ganz aus kleinen Polytha-
lamien bestehe °®). Derselbe hat sich zugleich bemüht, die
Struktur dieser wunderbaren Kreidethierchen zu erforschen °?),
Er erkannte an ihnen keinen äusseren, die Schale dieser Thiere
umhüllenden, sondern nur einen inneren Körper, welcher sehr
lange, feine ausdehnbare Tastfäden aus allen Theilen der
siebartigen Schale hervortreten lassen konnte. Er bestättigte
d’Orbigny’s Angabe nicht, dass alle diese Kreidethierchen einen
hervorschiebbaren, mit einem federbuschartigen Tast- Apparat
besetzten Kopf besässen, Nach den Untersuchungen von
Desjardins ist das Thier der Polythalamien ebenfalls ein
inneres, welches von der Schale umhüllt wird ?®).
Eine sehr umfassende Arbeit über dieInfusorien istvon Du jar-
din erschienen °°®), welcher diese Thierklasse in zwei grosse
Abtheilungen zerfällt, von diesen entspricht die Abtheilung der
asymmetrischen Infusorien den polygastrischen Infusorien Ehren-
berg’s, während die andere Abtheilung unter der Bezeichnung
Systolides die Rotatorien des Ehrenberg mit den Tardi-
graden umfasst, welche letzteren bis jetzt noch in keine Klasse
der wirbellosen Thiere bequem hineinpassen wollten. Auch
Doyere hat es versucht, eine Verwandtschaft der Tardigra-
94) Bericht über die zur Bekanntmachung geeigneten Verhand-
lungen der Königl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin. 1842,
pag. 187.
95) Ebenda. pag. 263.
96) Ebenda, pag. 273.
97) Abhandlungen der Königl. Akademie der Wissenschaften in
Berlin. 1841. pag. 106.
98) 'The microscopical Journal. 1841. pag. 104.
99) Dujardin: histoire naturelle des Zoophytes Infusoires, 1841.
366
den mit einigen Rotatorien, namentlich mit Notommata, Diglena,
Distemma, Monocerca und Mastigocerca darzulegen !%°), deren
Mundtheile ganz besonders an die der Tardigraden erinnern.
Zugleich macht Doyere auf die Ähnlichkeit ihrer Muskelpar-
tien, ihrer Hautbedeckung, welche nicht zerfliesst, ihres
Darmkanals und auf die unverhältnissmässig grossen Eier in
beiden Thier- Gruppen aufmerksam. Doy&re hat die Ver-
suche über das Wiederaufleben der Tardigrada, Rotifera und
Anguillulae wiederholt'°?), und dabei die Erfahrung gemacht,
dass diese Thiere in reinem Sande, in freier Luft, in trockner
Luft und im luftleeren Raume vollständig vertrocknen können,
ohne die Fähigkeit zu verlieren, durch Anfeuchten wieder be-
lebt zu werden. Wurden diese Thiere lebend einer starken
Wasser-Hitze von 50 Centigraden ausgesetzt, so waren sie
für immer getödtet, behielten aber ihre Eigenschaft des Wie-
derauflebens bei 45 bis 48 Centigraden. Unterwarf man bereits
vertrocknete Individuen einer grossen Hitze, so fanden sich
unter ihnen, wenn sie auch 120--140 —145 Grade Hitze
ausgehalten hatten, immer noch einige, welche angefeuchtet
wieder auflebten. Derselbe erwähnt zugleich zwei neuer Arten
von Macrobiotus, welche Quatrefages aufgefunden hat!°?),
Ein neues zu den Rotatorien gehöriges Infusorium hat Eh-
renberg bei Wismar in der Ostsee entdeckt und Dipodina
Arctiscon genannt!°?). Es zeichnet sich dasselbe, der
Gattung Notommata nahe stehend, durch einen besonderen
Bau seiner Fusszange aus. Ein in der Vaucheria clavata woh-
nendes Infusorium ist von Morren als Rotifer vulgaris er-
kannt worden !%%),
Doyere weist auf einige Widersprüche hin, welche ihm
bei Vergleichung der von Ehrenberg für die Geschlechtstheile
der Rotatorien ausgegebenen Organe aufgestossen sind !°5 2),
100) Annales des sciences naturelles. T.17. pag. 193.
101) Annales des sciences naturelles. T. 18. pag. 5. oder I’Institut.
1842. pag. 289. oder Froriep’s Neue Notizen. Bd. 24. pag. 232.
102) Annales des sc. nat. 7.18. pag. 34.
103) Froriep’s Neue Notizen. Bd. 24. pag. 184.
104) Ebenda. Bd.18. pag. 101.
1052) Annales des sciences naturelles. 7.17. pag. 199.
‚367
Bei einigen Arten von Notommata, Synchaeta, Diglena etc. be-
zeichne Ehrenberg nämlich zwei‘einfache Schläuche als Hoden. Bei
einigen Arten von Hydatina, Notommata, Cycloglena, Euchlanis
und Brachionus seien die zwei von Ehrenberg als Hoden betrachte-
ten Schläuche mit vibrirenden Kiemenanhängen besetzt, und münden
in ein kontraktiles Organ (vesicula seminalis Ehrenb.), dagegen
würden in Notommata myrmeleo, syrinx und c/avulata, bei welchen
zwei einfache Schläuche und ein mit vibratilen Kiemenanhängen ver-
sehener Schlauch in ein kontractiles Organ einmünden, die einfachen
Schläuche und nicht der mit den vibratilen Anhängen besetzte Schlauch
als Hoden genommen, ohne dass nähere Gründe darüber von Ehren-
berg angegeben wären. Doyere macht bei dieser Gelegenheit die
allerdings zu berücksichtigende Bemerkung, dass es auffallen müsse,
wie ein kontraktiles Organ, welches ununterbrochen sich contrahire
und ausdehne, gleichsam als nehme es eine Flüssigkeit in sich auf,
die es im nächsten Augenblicke wieder entleere, die Funktion eines
Samenbläschens verrichten könne. Derselbe hat ferner Bedenken
darüber, dass ein Organ, wie das oben erwähnte, mit vibratilen
Anhängen besetzte Organ, welches stets in gleicher Entwicklung
vorhanden sei, Samenblase und Hode sein könne, während bei an-
deren niederen 'Thieren die inneren männlichen Geschlechtstheile nur
zu gewissen Zeiten besonders entwickelt seien. Die von Ehrenberg
für ein Gefässystem erklärten ringförmigen Streifen, welche bei
Hydatina senta, Enteroploea hydatina, Synchaeta pectinata, Not-
ommata collaris und anderen so deutlich in die Augen fallen, . wer-
den von Doyere für ein Hautmuskel-System angesprochen, analog
demjenigen, welches derselbe als sterno-dorsale Muskeln bei den
Tardigraden beschrieben hat.
Eine Reihe sehr ausgedehnter Arbeiten des Werneck
über Infusorien wurde von Ehrenberg der Berliner Akademie
der Wissenschaften vorgelegt?°®), Sie enthalten 'eine aus-
führliche Darstellung des inneren Baues von Aydatina senta
und äusserst reichhaltige Beobachtungen über die Magenthier-
chen, deren Ernährungsorgane derselbe ganz so gesehen haben
will, wie sie Ehrenberg beschrieben hat, und deren kontrak-
tile Blasen derselbe ebenfalls für Samenbehälter erklärt, ohne
Spermatozoiden in ihnen erkannt zu haben.
Eben diese Organisationsverhältnisse der polygastrischen
Infusorien sind von neuem in einer, der Ansicht Ehrenberg’s
entgegenstehenden Weise von mehreren Seiten her zur Sprache
gebracht worden.
105) Bericht über die Verhandlungen der Königl. Akad. der Wis-
sensch. zu Berlin, 1841. pag. 102 und 373.
-
368
Dujardin beruft sich auf ‚die Dislokationen der Magenblasen
jener ‚Geschöpfe, welche nicht Statt finden könnten, wenn dieselben
durch Kanäle untereinander in Verbindung ständen '°%); auch die
Ansicht, dass die Magenthierchen Eier legen, männliche Geschlechts-
organe besitzen und dass ihre Pigmentilecke Sehorgane seien, hat
Dujardin zu widerlegen sich bemüht, und da diese Punkte auch von
mehreren anderen Beobachtern angefochten werden, ist zu hoffen,
dass dieser Streit eine grössere. Zahl vorurtheilsfreier, und mit
dem Mikroskop vertrauter Forscher diesem Felde zuwendet, wel-
ches durch Ehrenberg’s unausgesetzte und grossartige Arbeiten ge-
schaffen ist.
Rymer Jones wiederholt die Versicherung, bei Paramecium
aurelia die Magenblasen, welche er bei keinem Magenthierchen durch
Stiele mit: einem Darmkanale verbunden gesehen habe, in regelmäs-
siger und continuirlicher Cirkulation beobachtet zu haben !®?). Focke
sah bei Loxodes Bursaria, Paramecium Aurelia und anderen po-
Iygastrischen Infusorien die mit Farbestoffen angefüllten Höhlen in
bunter Reihe durcheinander laufen und schloss hieraus !°®), dass hier
der Verdauungsapparat aus dem Parenchyme nicht abgesondert sei,
sondern dass das aus Zellen bestehende Parenchym dieser Thiere die
von aussen aufgenommene ernährende Flüssigkeit in enge Räume
einschlösse, welche mit den Intercellulargängen der Pflanzen zu
vergleichen seien.
Ein eigenthümlicher Kreislauf der grünen Kügelchen im Leibe
der Bursaria vernalis ist von Erdl beobachtet und beschrieben
worden !°®). Ref. hat diesen Kreislauf in Loxodes: Bursaria ganz
deutlich geschen und vermuthet, dass Erdl dasselbe Thier vor sich
gehabt und aus Versehen unrichtig bezeichnet habe. Die Bewegungs-
organe einer grossen Navicula sind von Ehrenberg als lange
feine und kontraktile Faden erkannt worden, welche von dem Thiere
aus der Schale hervorgestreckt werden '!°). £
Nach Morren sollen die rothen Pigmentflecke von Lagenella
Cryptoglena und Trachelomonas keine Augen sein!'!), da sich bei
Trachelomonas das Roth vom rothen Flecke aus über den ganzen
106) Dujardin: a. a. 0. pag. 66.
107) Rymer Jones: a general outline of the animal Kingdom and
manual of comparative anatomy. 1841. pag. 58.
108) Amtlicher Bericht über die zwanzigste Versammlung der
deutschen Naturforscher und Ärzte zu Mainz im September 1842.
pag: 227.
109) Müller’s Archiv. 1841. pag. 278.
110) Abhandl. der Königl. Akud d. Wissensch. zu Berlin. 1841.
pag. 102.
111) Memoires de Vacademie roy. des sciences et des belles
369
Leib verbreiten könne, wodurch das Thier sich alsdann ganz in ein
Auge verwandeln würde. Auch jer hält die Höhlen in diesen Mo-
naden nicht für Mägen, obgleich er bei Euglena sanguinea eine
Maul- und Afteröffnung gesehen habe. Focke hat aufgestellt,
dass Pandorina Morum und andere Rüsselmonaden je nach Witte-
rung und Jahreszeit in ihrer Färbung sehr zu wechseln scheinen,
und konnte in grünem und rothem Wasser ausser diesen saturirt
gefärbten Monaden auch ganz ungefärbte Individuen herausfinden '!?).
Über den rothen Schnee hat Voigt seine Beobachtungen
mitgetheilt!!®), nach welchen die rothe Färbung des Schnees
wohl niemals von pflanzlichen Stoffen, sondern stets nur von
Thieren herrührt. Die Hauptmasse wird immer von der Gat-
tung Gyges gebildet, deren Junge von Shuttleworth als
Gattung Astasia betrachtet worden sind, während die unge-
färbten Sprossen, wodurch sich Gyges fortpflanzt, unter das
Genus Pandorina gebracht worden sind. Neben diesen ver-
schiedenen Entwickelungsformen von @yges kömmt noch eine
eigenthümliche Bueillaria und Philodina roseola im rothen
Schnee vor.
Ehrenberg fand bei Wismar in der Ostsee das zu den
leuchtenden Infusorien gehörende Peridinium Tripos und fusus,
jedoch ohne Lichtentwicklung!'*). Es waren diese Thiere
ganz glasshell, während die leuchtenden Individuen mit gelb-
braunem Stoffe gefüllt sind, welchen Ehrenberg als die ent-
wickelten Eierbehälter betrachtet, so dass hier also die Licht-
entwicklung mit der Eierentwicklung zusammenzuhängen scheint.
Von Purkinje sind im Verlaufe der warmen Jahreszeit
Versuche mit aufgefangenem Regenwasser in Bezug auf Infu-
sorien - Entwicklung angestellt worden '!''®). Bei feuchtem
Wetter war in dem aufgestellten Regenwasser die Ent-
lettres de Bruxelles. 1841. Taf.XIV. Recherches sur la rubefaction
des eaux und ebenda histoire de la Trachelomonas par Morren,
112) Bericht über die Versammlung der Naturforscher und Ärzte
zu Mainz. a.a.0. pag. 217.
113) Bericht über die Versammlung der Naturforscher und Ärzte
in Mainz. a. a. O. pag. 217. oder the microscopical Journal. 1841.
pag. 81. oder PInstitut. 1842. pag. 259.
114) Froriep’s Neue Notizen. Bd.24. pag. 152.
115) Ebenda. Bd. 22. pag. 121. und 136. oder Übersicht der Arbei-
ten der schles. Gesellschaft für vaterländische Kultur im Jahre 1841.
Archiv 1. Naturgesch. IX, Jahrg. 2. Bd, Y
370
wickelung der Infusorien nur spärlich. zu bemerken, während
bei trockner Witterung sich schnell mannichfaltige Formen
dieser 'Thierchen bildeten, welche hauptsächlich zur Gattung
Gonium, Volvox, Proteus u. s. w. gehörten. j
Fuchs beobachtete in gesunder Kuhmilch stets zwei ver-
schiedene Infusorien, nämlich eine sehr kleine Monade und
ein grösseres zu den Borstenmonaden gehörendes Magenthier-
chen'""®), Das Blauwerden der Milch rührt nach Fuchs’ Un-
tersuchungen von der Entwicklung und Vermehrung eines zur
Gattung Vibrio gehörenden Infusorium her, welches er Fibr.
cyanogenus nennt. Ein anderes Infusorium, welches das
Gelbwerden der Milch verursacht, bezeichnet er als Fibr.
zanthogenus. Die Vibrionen sterben -bei 50 — 55° R. Hitze
ab, eingefroren und wieder aufgethaut leben sie jedoch fort,
auch sah sie Fuchs, wenn sie drei Wochen eingetrocknet wa-
ren, durch Befeuchten wieder aufleben. Nach Mitscher-
lich’s Beobachtungen bildet sich im wässerigen Auszug von
ausgepressten Ölsamen, von den meisten grünen Pflanzenthei-
len oder von gekochten animalischen Substanzen nach einigen
Tagen ein bedeutender Bodensatz, den man für ein Zerset-
zungsprodukt der in der Flüssigkeit aufgelösten Substanzen
vermittelst der Luft halten könnte, der aber, unter dem Mi-
kroskope betraöhtet, aus lebenden und abgestorbenen Vibrio-
nen besteht!!?”). Diese Vibrionen kommen auch im Darm-
kanale sowohl des Menschen als der Thiere sehr häufig vor.
Wenn Mitscherlich längere Zeit hindurch Kaninchen mit Kohl
, fütterte, in welchem sich unter Einfluss der atmosphärischen
Luft Vibrionen bildeten, so fand er im Darmkanale jener
Thiere nur Gährungspilze.
Höchst interessante Beobachtungen Ehrenberg’s geben
Aufschluss über einen wesentlichen Antheil mikroskopischer
Organismen am Verschlämmen der Seehäfen in Wismar und
Pillau, so wie am Schlick des Flussbettes der Elbe bei Cux-
haven und an der Bildung des Nilbodens in Dongola, Nubien
116) Gurlt und Hertwig: Magazin für die Thierheilkunde. 1841.
pag. 155.
417) Bericht über die Verhandlungen der Königl. Akademie der
Wissensch. zu Berlin. 1842. pag. 265.
371
und im Delta von Ägypten ''®). Derselbe dehnte seine Un-
tersuchungen auch auf die Verbreitung und den Einfluss des
mikroskopischen Lebens in Siid- und Nordamerika und Island
aus!!®), wobei ihm seine Untersuchungsmethode, aus den
kleinsten, an Pflanzen der Herbarien und Körpern aller Art
anhängenden Erdtheilchen die mikroskopischen Thierformen
anschaulich zu machen, sehr zu statten kam !?°). Eine Sen-
dung lebender amerikanischer, besonders aus Bacillarien be-
stehender Infusorien hat Ehrenberg der Gesellschaft der na-
turforschenden Freunde in Berlin vorzeigen können !?'),
Eine Übersicht der in den vereinigten Staaten Nordamerika’s
fossil oder lebend vorkommenden Bacillarien hat Bailey ge-
liefert '??).
Ehrenberg setzte seine Untersuchungen über das grosse
Infusorien-Lager der Lüneburger Haide fort!??), gab Nach-
richt über die in Irland vorkommenden fossilen Infusorien !?*),
und wendete die Aufmerksamkeit auf ein Lager fossiler Infu-
sorien in Berlin, welches das ausgedehnteste der bis jetzt
bekannt gewordenen Infusorien - Ablagerungen zu sein scheint,
und bei welchem sich der sehr auflallende Umstand zeigt, dass
zwischen den fossilen Infusorien noch lebende Infusorien vor-
kommen, welche bisher zum Theile gar nicht bei Berlin an
der Oberfläche lebend wahrgenommen worden sind. Als solche
Thierarten sind namentlich Gallionella decussata und gra-
nulata zu nennen '?°).
Nach einer Mittheilung von Quekett befindet sich unter
der Stadt Richmond in Virginien eine 20 Fuss dicke Infusorien-
Schicht, welehe Formen enthält, die ganz mit den im Nord-
118) Ebenda, 1841. pag. 127 und 201. =
119) Ebenda, 1841. pag. 139 und 202,
120) Ebenda, 1841. pag.209 und 1842. pag. 269.
121) Froriep’s Neue Notizen, Bd.23. pag. 10.
122) Silliman:,the American Journal of science and arts. Vol.
42. pag. 88. und Vol. 43. pag. 321.
123) Bericht über die Verhandlungen der Akad. der Wissensch.
zu Berlin. 1842. pag. 292.
124) Ebenda. 1842. pag. 321 und 336.
125) Ebenda, 1841. pag. 231 und 362.
372
meer vorkommenden Arten von Navieula, Actinocyclus, Gal=
lionella u. s. w. übereinstimmen !?®).
Eine von Ehrenberg vorgenommene mikroskopische
Analyse der im Jahre 1736 im Schlesien aufgefundenen, na-
türlichen papierartigen Masse, hat ergeben, dass die Haupt-
masse des Gewebes aus der Conferva fracta besteht, zwischen
welchem sich 19 Infusorien -Arten eingeheftet erkennen las-
sen !?'). .
Über das Vorkommen der Infusorien in Heilquellen hat
Stiebel seine. Beobachtungen ausgesprochen '?®). Ein in
den Schwefelquellen von Harrogate und Askern in Yorkshire
lebendes Infusorium soll nach Lankester ganz mit Astasia
haematodes übereinkommen, nur hat er den schwanzförmigen
Fortsatz, welcher der erwähnten Astasia eigen ist, an jenem
Infusorium nicht erkennen können.!?®)
Focke erklärte die niedrigsten wirbellosen Thiere, na-
mentlich die Monaden für zu klein, um zu physiologischen
Untersuchungen benutzt zu werden, es könnten daher diese
Thierformen über die Frage der generatio aequivoca, über
den Unterschied zwischen Pflanze und Thier, über Physiologie
des Parenchyms u. dgl. keinen Aufschluss geben '?°). An den
Bacillarien und Navicularien sah Focke deutlich eine‘ offene
Längsspalte, durch welche diese Thiere Nahrung in sich auf-
nehmen, namentlich hat er dies bei Navicula viridis überzeu-
gend beobachtet, so dass also über die Thierheit dieser Wesen
kein Zweifel mehr obwalten könne. Dagegen sei über die
Thierheit der Desmidiaceen sehr schwer zu entscheiden, in-
dem sie in der Quertheilung begriffen, nach Focke’s Beob-
achtung, acht Tage und länger ausharren, ohne sich in dieser
Zeit wesentlich zu verändern.
Von Dujardin werden ausser den Desmidiaceen auch
126) Annals of natural history. Vo1.IX. pag. 66.
127) Bericht über die Verhandl. d. Akad. d. Wissensch. zu Ber-
lin. 1841. pag. 225.
128) Stiebel: die Grundformen der Infusorien in den Heilquel-
len. 1841.
129) Annals of natural history. Vol. VIl. 1841. pag. 105.
130) Bericht über die Versamml. der Naturf. u. Ärzte zu Mainz
1842. pag. 327.
373
die Diatomeen und Ülosterien von dem Thierreiche ausge-
schieden '°').
In den von Riess herausgegebenen Beiträgen zur Fauna
der Infusorien um Wien werden 360 Arten nach dem Systeme
Ehrenberg’s aufgeführt ' ??).
In einem Vortrage hat Ehrenberg seine bisherigen viel-
jährigen und wichtigen Untersuchungen über das unsichtbar
wirkende organische Leben auf die ihm eigene geistreiche und
scharfsinnige Weise zusammengestellt '??).
Folgende zwei Schriften, denen das grosse Infusorien-
Werk Ehrenberg’s als Grundlage gedient hat, dürften als
Handbücher Nutzen gewähren: Kutorga: Naturgeschichte der
Infusionsthiere, vorzüglich nach Ehrenberg’s Beobachtungen
bearbeitet. 1841.
Pritchard: a history of Infusoria, living and fossil, ar-
ranged according to: „Die Infusionsthierchen“ of Ehren-
berg. 1841.
Bericht über die Leistungen in der Pflanzengeo-
graphie während des Jahres 1842.
Vom
Prof. Grisebach.
Über die Pflanzenregionen, innerhalb deren die nor-
dischen, auf den Alpen wiederkehrenden Bäume verbreitet
sind, hat Martins vergleichende Beobachtungen publieirt,
welche er theils an den scandinavischen Küsten, theils in der
Schweiz auf dem nördlichen Abhange der Grimsel anstellte
(Comptes rendus 1842, abgedruckt in Ann. sc. nat. 18. p. 193.).
131) Dujardin: histoire naturelle-des zoophytes. a. a.0. pag. 668.
132) Riess: Beiträge zur Fauna der Infusorien um Wien. 1849.
133) Ehrenberg: das unsichtbar wirkende Leben. Leipzig. 1842.
374
Er tritt der Meinung Wahlenberg’s entgegen, dass die Bäume
gegen Norden nicht in derselben Reihefolge verschwänden, wie
in‘ den Alpen gegen die Schneelinie. Im Berner Oberlande
sollen diese Verhältnisse den scandinavischen weit ähnlicher
sein, als in der nördlichen Schweiz, wo W. seine Beobach-
tungen anstellte. Auf der Grimsel blieb Martins nur eine ein-
zige Anomalie übrig, als er die Grenzen der dortigen Bäume:
mit denen in Norwegen verglich. Es wäre denkbar, dass
wegen der ungleichen Vertheilung einer gleichen mittlern
Wärme auf das Jahr der Parallelismus der Polar- und Höhen-
Grenzen für einzelne Gewächse nicht vollkommen sei: wäre
dies der Fall mit einem Waldbaume, so würde es leichter in
die Augen fallen. Allein selbst jene einzige Ausnahme, wel-
che Martins anführt, ist nur eine scheinbare. Sie besteht da-
rin, dass am Nordabhang der Grimsel die Eiche bei 800"-
aufhört, die Buche bei: 985”-, dass in Schweden und Nor-
wegen hingegen die Eiche weiter nordwärts einheimisch ist
als die Buche. Diese Thatsache ist richtig und hat allgemeine
Geltung. Aber die Eiche, die in den Schweizer Alpen in
solcher Höhe wächst, ist Quercus Robur, in.Norwegen wird
wie in Russland nur @z. pedunculata gefunden. Martins irrt,
wenn''er angiebt dass @x. Robur bis zu 61° N, Br, vorkomme.
In Schweden ist dieser Baum wur ‚an: der Südwestküste ein-
heimisch, im Bereiche der Buchenwälder: schon Wahlenberg
bemerkt dies in der Flora sueeica. Einige eultivirte Stämme
giebt es wohl zu Stockholm, aber Martins führt selbst an,
dass auch noch eine Buche im botanischen Garten von Upsala
steht. Ja er hat sogar noch eine einzelne, aber 20° hohe
und Frucht tragende Buche zu Elfkarleby, 43 Gradminuten
nördlich von Upsala gesehen. @u. Ztobur verhält sich ‚daher
genau wie in den Alpen, sie bleibt hinter der Buche zurück:
während @u. pedunculata, die im. wmittlern Europa nur, die
Ebenen bewohnt, in’ Norwegen noch unter dem 64sten Grade
zu Trondjem im Freien ausdauert. Ebenso wie bei den Eichen
liegt auch in der Verbreitung. der Birken, die im Norden so-
weit über die Nadelhölzer hinausreichen, nur eine scheinbare
Anomalie,, Nach Martins erreicht Betwla alba an der Grimsel
ein Niveau von 1975”* , lässt die Tanne und. Kiefer unter
sich zurück - und würde hier die Baumgrenze bilden, wie in
375
Scandinavien, wenn nicht Pinus Cembra zugleich mit ihr vor-
käme, ein Baum, der dem europäischen Norden fehlt. Allein
eine solche verticale Extension der Birke ist in den Alpen
ganz ungewöhnlich. Sie ist dort ein seltener Baum und be-
kanntlich wird in den Alpen die Waldgrenze fast überall durch
Pinus Abies gebildet, die in Norwegen so weit unter der Birke
zurückbleibt. Es scheint als ob die Birke, welche im Norden
über wie neben den Coniferen so ausgedehnte Wälder zu-
sammensetzt, in der Waldregion der Alpen im Allgemeinen
ihre climatischen Lebensbedingungen nicht finde. Aber auch
dieser Gegensatz ist nur in einer Verschiedenheit der Species
begründet. Denn. die Birke des hohen Nordens ist Betula
pubescens, von welcher Blasius in seiner russischen Reise
treffend bemerkt, dass sie die weisse, geglättete Rinde viel
länger behält als 3. alba Aut. Diese kann daher, nachdem die
Linne’sche 2. alba in der nordischen Birke wiedererkannt ist,
B. cortieifraga genannt werden, weil die Rinde der ältern
Stämme aufreisst und die unregelmässig zerbrochene Borke
dem Baume den verschiedenen Habitus ertheilt.
Die von Martins selbst herrührenden Beobachtungen, wel-
che in seinem Aufsatze erwähnt werden, sind folgende. In
Schweden sah er die nördlichsten Eichen zu Laeby- (60° 6),
eine gepflanzte in Hudickswall (61° 44°); die nördlichsten
eultivirten Apfel- und Birnbäume in Sundswall (62° 23');
ferner Abies zuletzt südlich von Karasuando (ehemals Enonte-
kis) unter 68° 15°; Pinus sylwestris und Sorbus aucuparia bei
Bohekop (70°); Betula und Juniperus bis Hammerfest (70° 40°).
An dem Nordabhang der Grimsel von Martins gemessene
Baumgrenzen:
Quercus Robur . (800".) — 2460’
Fagus sylvatica . (985”) — 3030’
Prunus Cerasus TTN
PETER SL. \ Ron
Pinus Abies . . (4545”) — 4760’
Sorbus aucuparia (1620”) — 4990’
Pinus Mughus . (1810”.) —= 5570’
Betula alba . . (4975”.) — 6080’
Pinus Cembra . (2100") — 6460'.
Hinds schrieb eritische Bemerkungen über die Einthei-
376
lung ‚der Erdoberfläche in natürliche Floren (Journ. of
Bot. 1842. p. 312 — 318). Dieser so wie ein anderer Auf-
satz desselben -Verfassers über die Regionen der alpinen
Vegetation (das. p. 428 — 133), enthält, ohne vollständig
oder genau zu sein, nur die bekanntesten Thatsachen, wäh-
rend hingegen irrige Verallgemeinerungen darthun, ‘dass H.
ohne hinlangliche literarische Kenntnisse sich den auf einer
langen Seereise empfangenen Eindrücken überlassen hat. Mit
grosser Ausführlichkeit, jedoch unzuverlässig im Einzelnen
und mit oberflächlicher Kürze über wichtige Gesichtspunkte
hinwegeilend, behandelt er den ersterwähnten Gegenstand
in. dem Reisewerke des Sir E. Belcher (A narrative of a vo-
yage round the world during the years 1836 — 1842. 2 Vol.
8: London.), wo er in einen Anhange (the regions of vege-
tation by Hinds. Vol. Il. p..325— 460) 48 natürliche Floren
unterscheidet und characterisirt. Sofern seine Ansichten neu
sind und auf eigener Anschauung beruhen, sollen sie bei den
speciellen Arbeiten erwähnt werden.
Bei Weitem correcter ist eine andere, gleichfalls sehr
ausführliche und über bekannte meteorologische Verhältnisse
sich verbreitende Arbeit von Hinds über den Zusammen-
hang des Clima’s mit der Pflanzengeographie (Ann,
nat. hist. vol, 9.). Neue Gesichtspunkte enthält sie nicht, aber
eine: übersichtliche Zusammenstellung richtiger Ansichten. wird
dem Leser dargeboten: doch ist. der Einfluss der Jahreszeiten
im Einzelnen zu wenig berücksichtigt.
In einer Abhandlung von Langethal über die Abhän-
gigkeit der Pflanzen von gewissen Bodenarten (in
Cotta’s Anleitung zum Studium der Geognosie. 1842, Hft. 4.
S.545 —560) kommt neben einer Eintheilung der Pflanzen
nach ihrem Substrat gelegentlich die neue, aber ganz unbe-
wiesene Hypothese vor, dass die Wiederkehr von Bergpflanzen
des mittlern Deutschlands, z.B. Tvientalis, Veronica montana,
Circaea alpina, Arnica montana, in der Ebene von Pommern
und Mecklenburg nieht etwa von der Temperatur, sondern
von den Feuchtigkeitsverhältnissen abhänge. Wäre jene That-
sache auf die Küste beschränkt, so möchte man die Erklärung
wahrscheinlich finden. Aber dieselben Pflanzen wachsen auch
bei Hannover und Braunschweig in der Ebene, 20— 30 Mei-
x
377
len von der See entfernt. Der Verf. behauptet, Hex Aquifo-
lium erfröre in Thüringen und Sachsen, während sie auf
Rügen einen Winter von —12° — —18° erträgt. Ich be-
zweifle die Thatsache, da dieses Gewächs bei ‘Hannover in
allen Buchenwäldern wächst, wo ich eine Winterkälte von
—24° R. erlebt: habe. Der Verf. denkt sich, dass der feuchte
Sommer in Rügen die Receptivität des Strauches gegen die
Wärme verändere, allein wäre die Thatsache, dass er in
Mitteldeutschland nicht gedeihe auch richtig, von wie viel
verschiedenen Causalmomenten könnte dies bedingt sein? —
Nach einigen weiter zu verfolgenden Angaben des Verf. sol-
len gewisse Pflanzen in verschiedenen Gegenden auf ganz ver-
schiedenen Standorten allgemein verbreitet sein: z. B. Myos-
otis sylvatica in Laubwäldern von Mitteldeutschland und an
sonnigen Feldern der Halbinsel Mönkgut; Vicia sepium in
Deutschland in schattigem Gebüsch, in England auf Wiesen,
Alchimilla vulgaris in Thüringen im Walde, in der Schweiz auf
Wiesen. Eine ähnliche Beobachtung, bei der über die Species
kaum ein Zweifel stattfinden kann, machte ich in Bezug auf
Vaccinium uliginosum, dasin Norwegen überall im Walde und
oft auf dem trockensten Boden unter Coniferen wächst.
Über die Vegetation der Kalk- und Schiefer-Alpen
hat Poech neue Beobachtungen ‘bekannt gemacht (Regensb.
Flora 1842. S. 359 — 367.).
Fries sprach über einige pflanzengeographische Probleme
in der Versammlung der skandinavischen Naturforscher zu
Stockholm (1842): besonders entwickelte er den zerstörenden
Einfluss der Cultur auf den natürlichen Vegetationscharacter
der Erde, Als ausgestorbene Pflanzen Schwedens erwähnt er
Trapa natans und Aanthium strumarium. Auch die soge-
nannten Ruderalpflanzen hält er für ursprünglich einheimisch,
weiss ihnen aber auf Schouw’s Frage nach ihrem ursprünglichen
Standort keinen anderen Wohnplatz anzuweisen, als Bergstürze
und Meeresstrand, wo sie dann freilich leicht verschüttet oder
fortgeschwemmt werden konnten, so dass man sie nun nur
noch wie die Hausthiere in der Nachbarschaft des Menschen sieht.
Über die Pflanzen, welche dem Menschen ‘ohne dessen
Willen in andere Erdtheile gefolgt sind, verbreitet sich St.
Hilaire in einem Aufsatze de la dispersion des plantes sur
378
le globe (Nouv. Ann. des‘ Voyages. 1842. p. 54—62). Er
erwähnt z. B., dass ihm in Brasılien zu S. Paulo Marrubium
vulgare, Conium, in Porto Allegre Rumex pulcher, in Mon-
tevideo Zchium italicum, in Minas Geraes Verbascum Blat-
taria und Poa annua vorgekommen seien.
Hinds hat sich der nützlichen Arbeit unterzogen, die
Pflanzenarten jedes Erdtheils in den 4 ersten Bänden von de
Candolle’s Prodromus zu zählen (Ann. of nat. hist. 9. p- 415).
Von 20094 Arten kommen 3210 auf Europa, 5004 auf Asien,
3731 auf Afrika, 2114 auf Nordamerika, 5742 auf Südamerika
und 922 auf Australien. Es ist zu wünschen, dass der Verf.
die Resultate dieser mühseligen Zählung in einem grössern
Detail mittheilt.
I. Arktische Zone. £
Ruprecht und Savelieff haben das arktische Russland
in Europa zwischen dem weissen Meere und der Petsehora
untersucht (Bullet. Petersb. 10. p. 29). Die Halbinsel Kanin
ist flach, die auf den Charten gezeichnete Gebirgskette be-
steht nur aus niedrigen Hügeln. Auf der Insel ‚Kolguiefi ist
die Erde in der Tiefe einer Arschine stets gefroren, wie
im nördlichen Sibirien.‘ Die gesammelten Pflanzen sind noch
nicht‘ publieirt. Wiewohl arm an Arten, sind diese Gegenden
doch von einer ziemlich dichten Vegetation bedeckt, die erst
gegen die Nordküste von Kolguieff hin abnimmt. Von der
lappländischen Flora unterscheidet sie sich merklich. Die
Wälder ‚haben ‚sich von der Küste des Eismeers zurückgezo-
gen. Man findet dort unzweifelhafte Zeichen, dass einst am
Meere starke Stämme vegetirten, während jetzt der nächste
Wald'vier bis fünf Meilen vom Gestade entfernt liegt.
v. Baer hat die berichtigten Resultate der meteorologi-
sehen ‚Beobachtungen in Boothia felix (70° 2'N.Br.) publieirt
(Bullet. Petersb. 9. p.'10).
Gang der Temperatur in Boothia:
Jauwarr = —26°,7 E. Juli = -+41°3 F.
Februar = — 32° 1 - August = +385 -
März = —29’1 - September = -+25°,4 -
April = — 2’4 - October = + 9,4 -
Mai ='-+15°4 - November = — 6°3 -
Juni = -+34°3 - December — — 22,6 -
379
II. Europa.
Beilschmied hat Wirzen’s Flora von Kasan mit Wem-
mann’s Flora von ‚Petersburg verglichen (Regensburg. Flora.
1842. S. 561 — 570).
Die mehrerwähnte Skizze der Vegetation auf Hochland
im finnischen Meerbusen von Schrenck (v. Baer’s Beiträge
zur Kenntniss des russischen Reichs Bd. 4. S. 143. 162.) ent-
hält eine Übersicht der dortigen Pflanzenformationen nebst
Catalog der gesammelten Arten. Die kleine Felseninsel, aus
Porphyr gebildet, zu 530° sich erhebend, wird von nackten
Klippen umgeben, deren Lichenendecke nur selten mit grünem
Rasen von Arctostaphylos, Linnaea und andern minder cha-
raeteristischen Formen wechselt. Lichte’ Gehölze von Tannen
und Kiefern niedrigen Wuchses bedecken die Thalgehänge,
hier und da mit Birken untermischt. Wo die Waldung dich-
ter steht, beschattet sie ein @esträuch von Aubus idaeus, Ri-
bes rubrum und alpinum, Viburnum Opulus, Daphme Mexze-
reum, Vaccinium Myrtillus und 'uliginosum, oder Moosrasen
von Polytrichum commune und Hypnum splendens. Die Schat-
tenkräuter sind Fragaria vesca, Pyrola unifora und secunda,
Oxalis acetosella, Anemone nemorosa, Convallaria majalis und
Polygonatum, Majanthemum, Linnaea; die Glumaceen Onrex
panicea und Melica nutans. — Characteristische Formen der
in den Thälern aus Sphagnum' gebildeten Moräste:' Myrica,
Ledum, Betula fruticosa, Vaccinium Oxycoccos und ’uliginosum,
Salix rosmarinifolia, Rubus chamaemorus, Cornus suecica,
Neottia cordata, Drosera, Eriophorum, Carices.‘ Die Ufer
kleiner Seen enthalten noch Scheuchzeria und Rhynchospora
fusca, auch Lobelia. Damit ist‘ die Reihe der: Formationen, '
die mit: identischen Bestandtheilen so weit über das Festland
sich verbreiten, schon erschöpft. Die merkwürdigste Pflanze
dieser Insel ist gewiss die auf einer 448’ hohen fast senk-
rechten Porphyrwand, welche Hauka - Wuori heisst, am dürren
Felsscheitel vorkommende Zychnis alpina. Diese und Sedum
annuum sind die einzigen Gebirgspflanzen.
Von Fries erschien eine dritte Mantisse zu seinen No-
vitien der scandinavischen Flora, die für die Systematik der-
selben wiederum sehr wichtig ist. Sie führt mit den frühern
Abtheilungen den gemeinsamen Titel: Novitiae florae suecicae.
380
Continuatio sistens Mantissam 1. II. Ill. uno volumine com-
prehensas. Accedunt de stirpibus in Norvegia recentius de-
tectis praenotiones e maxima parte communicatae a Blytt,
Lund. 1842. 8.
Beobachtungen über die Vertheilung der Algen im Sunde
trug Oersted der Versammlung der scandinavischen Natur-
forscher vor. Es lassen sich an der dänischen und schwedi-
schen Küste drei Algenregionen unterscheiden. Die oberste
‚entspricht der von den Wellen erreichbaren Uferschicht, deren
Algen im Sturm losgerissen und auf der Küste angehäuft wer-
den. ‘In der mittlern Region wachsen besonders die Fucoi-
deen und Zostera, in der untern sind die Laminarien und
Florideen am festen Gestein angeheftet. Bei diesem Vortrage
bemerkte Agardh, der gegenwärtig war, dass die grünen
Algen immer dem Lichte zunächst in seichtem Wasser wüch-
sen, die Fucoideen und Florideen aber hiervon unabhängig
in. der Tiefe.
Über die Vegetation der schottischen Hochlande ist eine
wichtige Abhandlung von Watson erschienen, der die Höhen-
grenzen von 400 dort einheimischen Pflanzen mit dem Sym-
piezometer gemessen hat (The plants of the Grampians viewed
in their relations to altitude in Journ. of Bot. 1842. p. 50 —
72 und 241 — 254). Seine Angaben, in: englischen Fussen
ausgedrückt, beziehen sich nur auf die Gebirge zwischen ‚Clova
und Ben Nevis in der Nähe des 57sten Breitegrades. Die
Pflanzen der alpinen Region treten in Schottland schon in
weit tieferm Niveau auf, als auf den norwegischen Gebirgen:
doch finde ich in diesem ‚Catalog nur 4 Arten, welche dem
Kreise der alpinen Formen angehörig bis zur Meeresküste her-
absteigen. Dies ist der Fall mit Saxifraga aixoides, Rhodiola
rosea, Alchimilla alpina, Polygonum viviparum. Von diesen
habe ich die drei zuletzt genannten gleichfalls am Meeres-
strande von Norwegen angetroffen. Die von Watson mitge-
theilten Thatsachen über die Niveaugrenzen der Alpenpflanzen
und Holzgewächse sind in folgender Übersicht vollständig
enthalten.
Niveaugrenzen der Alpenpflanzen in den Grampians:
Thalictrum alpinum L.. . . . 1050'— 3900'
Draba rupestris Hook. (Airta Sm.) 3700' — 3900'
Draba incana L. .
Arabis petraea Hook.
Silene acaulis L. .
Lyclhmis alpina L. .
Alsine rubella W. .
Cherleria sedoides L..
Spergula saginoides L.
‚Stellaria cerastoides L. .
Cerastium alpinum L.
- latifolium L. .
Astragalus alpinus L. B
Ozxytropis campestris DC. .
Dryas octopetala L. .
Potentilla salisburgensis Jacg. .
Rubus chama=morus L. .
Sibbaldia procumbens L.
Alchimilla alpina L. .
Epilobium alpinum L. :
- alsinifolium NVill.
. Rhodiola rosea L. .
Sarifraga cernua L.
- rivularis L. .
- nivalis L. .
4 hypnoides Sm.
- oppositifolia L. :
- stellaris L.
- aizoides L.
Cornus suecica L..
Menziesia coerulea Sm. .
Azalea procumbens L.
Arbutus alpina L. h
Gnaphalium supinum L.
Erigeron alpinus L. .
Saussurea alpina DC.
Apargia Taraxaci W.
Hieracium alpinum L.
Veronica alpina L.
_ saratılis L. .
Myosotis alpestris Schm.
2000’ — 3200'
2000’ — 3000’
1250' — 4300’
3000'— 3200’
2550’ — 3300'
2500’ — 4000’
1950’ — 2700’
2700’ — 3800’
2300’ — 4000'
3100'— 3600’
2500'
2000'
2500’ — 2700’
1500’ — 2700'
1750'— 3300'
150074100’
0 — 4000’
1400'— 3900’
800’ — 2900'
0’ — 3900’
3750’ —3900'
2700 —3600'
2000’ — 4000’
1200’ — 3900’
950’ — 4000’
1400’ — 4100'
0'—3200'
1750 —2850'
2700’
1850'— 3550’
1850 — 2700’
1400' — 4250'
2500'
2000’ — 4000’
2300’ — 3000’
1850’ — 3000’
2500’ — 3700'
2100 — 2700'
3100' — 3900’
381
382
Oxyria reniformis Hook.
800" — 4000’
Salix limosa Wahl. (arenaria Sm.) 1050' — 2500’
- lanata L. 2500’
- reticulata L. 2500’ — 3300’
- herbacea L. . 1850’ — 4300’
Betula nana L. u 1600’ — 2750’
Luzula arcuata Hook. . 4300
- spicata DC. . 1600’ — 4300’
Juncus trifidus L. 2000’ — 4250'
- . eastaneus Sm. 2400’ — 3000'
= biglumis L. 2800’ — 3000’
- Zriglumis L. 1750’ — 3000’
Carex Vahlii Schk. 2500'
- vu rigida Good. . 1850’ — 4000’
- © aquatilis Hook. 2700'
- pulla Good. 2500’ — 3100’
- \atrata L. 2500’ — 2700’
- .eapillaris L. 41700’ — 2700'
- „urariflora Sm. . 2300' — 2700’
Poa alpina L. . 2 2500’ — 4000'
Alopeeurus alpinus L. 2400’ —2700'
Phleum' alpinum L. . 2400’ — 3500’
Aira alpina L. 2200’ — 4100’
Nach dem Auftreten der ahnt De wird man die
untere Grenze dieser Region in den Grampians etwa zu 2500
feststellem können, und zu demselben Resultate leiten auch
die Angaben Watson’s über die Baumgrenze, indem die Kiefer
bei 2230' aufhört, die Birke bei 2000’, jedoch am Ben Nevis
bis 2700’ ansteigen soll.
Niveaugrenzen der Holzgewächse in der Waldregion
0'— 2500'.
Pyrus Malus L.
Prunus spinosa L. 0'— 400
Viburnum Opulus L.
Ribes rubrum BHook. . . . » 0° 600°
Fraxinus excelsior L.
Salix Caprea L. 0— 800
Sambucus nigra L.
lex Aqwfolium L.. . : 2.0. 01000
Ulmus campestris L.
- 0° — 1050‘
‚Ribes nigrum L.
Quercus pedunculata?
Crataegus Oxyacantha L.
Prunus Padus L. 0°— 1100°
Ribes Grossularia L.
Dlex europaeus L.
‚Rosa canina L. \ 0 1200°
Lonicera perielymenum L.
Alnus glutinosa G.
Corylus Avellana L. 0° — 1500‘
Rosa villosa L. Sm.
Populus tremula L. 0'’— 1600°
Myrica Gale L. Tee 0°— 1700‘
Rubus idaeus L.
Salix fusca L. 0'— 1950°
Sarothamnus scoparius W. G.
Genista anglica L. 0 _ 2150.
Erica cinerea L.
Pinus syWestris L.. .*. 0'— 2230‘
Erica Tetralix L. . 0'— 2370'
Sorbus aucuparia L. 0'— 2500'
- Y 2000‘
Betula alba E. Bot. 0— 2700°
383
In die alpine Region verbreiten sich folgende Holzge-
wächse von der schottischen Küste:
Arbutus wa ursiL.. . 0°— 2800’
Calluna vulgaris Salisb. 0'— 3150‘
Vaccinium Myrtillus L. 0°— 4200°
- uliginosum L. . 0’— 3500‘
- Vitis idaea L. . 0'— 3300'
- Oxycoccos L. 0’— 2700‘
Empetrum nigrum L. . . 0’— 4000‘
Also nur Ericeen und diesen verwandte Formen gedeihen
zugleich an der Küste und in der baumlosen Region. Nur
Juniperus communis ist in dieser Liste übergangen (0 — 2750‘),
weil die britischen Botaniker ihn von J. nana W. nicht un-
terscheiden. — Die der alpinen Region selbst angehörenden
Sträucher, die in der ersten Liste enthalten sind, verbreiten
384
sich freilich grösstentheils auch in die Waldregion, aber nicht
bis an die Meeresküste. Es sind folgende: Menziesia eoerulea
Sm., Arbutus alpina L., Azalea procumbens L., Betula nana L.
und die ‚Salices.
Über die britische Flora 1842 herausgegebene Werke sind:
eine fünfte, nach dem natürlichen System geordnete Auflage
von Sir W. Hooker’s British Flora (London. 8.). — The
Phytologist: ein sich auf Localitäten britischer Pflanzen be-
ziehendes, seit Junius d. J. erscheinendes Journal. — Dea-
kin’s Florigraphia britannica (Sheffield 1835—1842): ein
populäres Kupferwerk über britische Gewächse. — Lees Be-
merkungen über die‘Flora der Malvern Hills in Worcester
etc. (vorgelesen in der Botanical society of London). —
Balfour berichtet über eine Excursion nach dem Districte
“ Braemar in den schottischen Hochlanden (Ann. nat. hist. 10.
p- 117). — Edmonstone hat ein um 50 Phanerog. ver-
mehrtes Verzeichniss seiner Flora der Shetlandinseln an die
Botanical society of Edinburgh gesendet (Ann. nat. hist. 9. p. 69).
Van der Bosch publieirte einen Nachtrag zu seiner
Flora von Seeland (in van der Hoeven’s Tijdschr. 1842. S.
245 — 265). i
Von Reichenbach’s Icones Florae germanicae erschie-
nen 1842 vier Decaden der sechsten Centurie, Caryophylleen
enthaltend; von der Flora Germanicae exsiccata waren 23
Centurien ausgegeben. Von Sturm’s Flora Deutschlands sind
jetzt 88 Hefte aus der ersten Abtheilung vollendet. Ein Ku-
pferwerk über die Flora Deutschlands von v. Schlechten-
dal und Schenk ist bis zur ersten Lieferung des vierten
Bandes, ein ähnliches über die Pflanzen Thüringens von den-
selben Verfassern bis zum 38sten Hefte gediehen. Auch Lin-
eke publieirt Abbildungen zur deutschen Flora, wovon 21,
ausserdem noch von Preussens wildwachsenden Pflanzen, wo-
von 17 Lieferungen erschienen sind. — Von einer Flora
Deutschlands von Meigen ist der dritte Band herausgekommen,
Von der instructiven Sammlung getrockneter Pilze der
deutschen Flora, welche von Klotzsch und in der Folge
von Rabenhorst besorgt ward, ist die vierte Centurie aus-
gegeben.
Von deutschen Provinzialfloren sind zu erwähnen: Klins-
355
mann Novitiae atque defeetus florae Gedanensis (in den Schrif-
ten der Danziger naturf. Gesellsch. Bd. IV.); Reichenbach
Flora saxonica (Dresden 1842. 8. Auch unter dem Titel: der
deutsche Botaniker Bd. II.), welche ausser dem Königreich
Sachsen auch die sächsischen Herzogthümer, die anliegenden
preussischen Provinzen und die von diesem Areal eingeschlos-
senen Fürstenthümer begreift; Heinhold und Holl Flora
von Sachsen (Dresden 1842. 8.), die das nämliche Gebiet
umfasst; Hampe Nachträge zu seinen Verzeichnissen der am
Harze vorkommenden Pflanzen (Linnaea 1842. p. 380 — 383,
und in der Brochüre: Vier Verzeichnisse zur Kenntniss —
des Harzes. Nordh. 1842. 8.); Dolliner enumeratio planta-
rum phan. in Austria inferiori crescentium (Vind. 8.); Maly
Nachträge zur steirischen Flor (Regensburg. Flora 1842. S.
251 — 256.).
Über den Character der norddeutschen Hochwälder, und
zwar besonders in forstwissenschaftlicher Hinsicht, jedoch mit
steter Berücksichtigung der vom Substrat abhängigen Boden-
beschaffenheit und anderer zur pflanzengeographischen Cha-
racteristik der Waldformationen gehörigen Verhältnisse, ver-
breiten sich die forstnaturwissenschaftlichen Reisen durch
Deutschland von Ratzeburg (Berlin 1842. 8.). Der Verf.
sucht namentlich den Einfluss der geognostischen Formationen
auf die feinern Eigenthüilichkeiten der Erdkrume nachzuwei-
sen und giebt hier manche Winke, die vom Botaniker weiter
zu verfolgen sind. Die Untersuchung der Erdkrume bezieht
sich auf folgende geognostische Formationen und bestimmt
namentlich a) deren Adhäsionskraft für das Wasser; b) de-
ren Gehalt an abschlämmbaren Theilen (Thon und feinstem
Sand); ce) an verbrennlichen, d) in Wasser, e) in Salzsäure
lösbaren Oxyden, f) nicht lösbaren erdigen Gemengtheilen.
Auf diese Weise sind die Bodenarten von den folgenden
Gebirgsformationen verglichen. Was in dieser Tabelle an
100 Proc. fehlt, entspricht jedesmal den steinigen Gemeng-
theilen.
Archiv f. Naturgesch, IX. Jahrg. 2. Bd, 7:
386
a. b. c. d. e. f.
1. Bunter Sandstein
ö 45,57. 39,45. — — -— 24,0 Proc.
des Solling u. aus
Grubenhagen.. . . 54,6, 110m 786,6 en
2. Quarzfreier Por- [22,25. 8,65. 0,31. 0,06. 0,46. — -
phyr von Ilefeld . fose 1879. — — — 23865 -
3. Basaltvom Solling 89,24. 21,6. — -— 065. 35 -
4. Thonschiefer vom
HarzbeiLauterberg 45,2. 18,1. 0,2. 0,27. 029. — -
5. Trachyt vom rheini-
schen Siebengebirge 38,58. 20,05. — -—. 0,62. 30,54 -
6. Poröse Lava vom
Laacher See... 81,1. 5,23 3,01. 2,41. 1,66. — .-
Die in e. ausgeschiedenen Oxyde standen in folgendem
Verhältniss:
Nr.B Nr.2. Nr.3. Nr. 4. Nr. 5.
Kalkerde 0,83. 0,126. 0,07. 0,04. 0,07.
Alaunerde 0,605. 0,288. 0,25. 0,18. 0,28.
Talkerde 0,224. 0,038. 0,01. 0,065. (ind.K.E.)
Eisenoxyd 0,908. (in d.Al.E.) 0,31. (wie Nr.2.) 0,22.
Alkalien 0,23. 0,007. 0,01. 0,005. 0,05.
2,797. 0,459. 0,65. 0,29. 0,62.
Die Fruchtbarkeit vulkanischer Gebirgsarten ist hiernach
also vorzüglich in ihrer Wasser haltenden Kraft begründet,
sowohl beim Basalt als bei dem Lavaboden der Eifel, ohne
dass diese an abschlämmbaren Thontheilen reich wäre: es
scheint daher diese Eigenschaft auch von den den Sand con-
stituirenden Mineralien einer solchen Erdkrume bedingt zu
sein. Wenn der Verf. nun die Waldvegetation auf diesen und
andern geographischen Formationen characterisirt, so vervoll-
ständigt er diese Schilderung auch durch Listen von den durch
die Menge der Individuen vorherrschenden Schattenpflanzen, °
Aus diesen Verzeichnissen stelle ich hier das Ergebniss für
20 der am meisten verbreiteten Waldgewächse zusammen,
deren Vorkommen in grossen Massen Ref. an folgenden 10
verschiedenartigen Standorten verglich:
387
I. In Buchenwäldern: a) auf dem Porphyr bei Jlefeld;
N n - b) - - Thonschiefer des rheini-
j schen Schiefergebirges;
> e - c) - _- Trachyt d. Siebengebirges:
- - - d) - - Granit des Spessarts;
Gemischt mit Eichen: e) - - bunt. Sandsteind.Spessarts;
II. In Eichenwäldern: f) - - Alluvium Oberschlesiens;
III. - Wäld.vonP.Abies:g) - - Granit des Riesengebirges,
IV. \- - -Picea:h) - - Alluvium Oberschlesiens;
Gemischt mit - Abies: i) - - Humusboden des öberschle-
sichen Alluviums;
- - = = k) = - Granit des Riesengebirges.
Vorherrschende Pflanzen:
Hypnum crista castrensis Atropa Belladonna b. e.ıı.
a.g.h. Hieracium sylvalicum
- Schreberi a.g.h. c.e.g.h.k.
- splendens a.g.h. Prenanthes muralis a.b.h.k.
Aspidium felix foemina Senecio Jacobaea b. c.d.
e.g. i. (irsium lanceolatum a. f. h.
Polypodium Dryopteris a. e.g. Fragaria vesca a. b.h.
Agrostis vulgaris b.e.k. Zpilobium montanum a.b. c.
Aira flexuosa b. e. g. - angustifolium b. g. h.
Deschampsia caespitosa a.b.g. Hypericum perforatum
Luzula_albida a.b.c.e. a. b.h.
Urtica dioeca a.f.g. Oxalis Acelosella a.g.h.i.
Ratzeburg’s Schilderungen deutscher Wälder beziehen sich
auf den Harz, Solling, das rheinische Schiefergebirge, die Eifel,
die Steinkohlenformation zwischen Trier und Südweiler, deren
mit Eichen gemischte Buchenwälder er für die schönsten Preus-
sens erklärt, den Spessart, fränkischen Jura, das Riesenge-
birge und das die grössten Forsten enthaltende Alluvium der
Oder in Oberschlesien, dessen humoser Boden sich wie Moor
mit einer Beimengung von Lehm verhält, aber frei von Säure
und Eisen ist und die herrlichsten Mischwälder von Picea und
Abies trägt. Von einzelnen pflanzengeographischen Beobach-
tungen des Verf. erwähne ich noch, was er über die Höhen-
grenze der Buche sagt. Dieser Baum bildet im Siegen’schen
noch bei 2065’ einen Hochwald und verbreitet sich hier höher
7 *
388
in’s Gebirge als die Eiche, während er im Harze wohl nicht
bedeutend über 2000° sich erhebt; im Hundsrück bei Tron-
ecken reicht die Buche bis 2500‘, allein im Riesengebirge so-
gar bis 4000‘. i
Wallroth entwirft in R.s Reisen (S. 15.) folgendes
Verzeichniss von kalksteten Pflanzen des südlichen Harzes:
Calamagrostis montana, Stipa capillata, Sesleria coerulea, Fe-
stuca glauca, Carex humilis, Allium montanum Schm., Anthe-
ricum ramosum, Orchis ustulata, Ophrys myodes, Epipactis
atrorubens, Cephalanthera rubra, Betula pubescens, Thesium
intermedium und montanum, Lithospermum purpurocoeruleum,
Alectorolophus angustifolius, Gentiana ciliata, Scabiosa suaveo-
lens, Inula hirta, Cineraria campestris und spathulifolia, Scor-
zonera purpurea, Asperula tinctoria, Cornus mascula, Libunotis
vulgaris, Potentilla supina, Rubus saxatilis, Rosa cinnamomea,
Viola arenaria, Gypsophila fastigiata und repens, Reseda lutea,
Biscutella laevigata, Hutchinsia petraea, Arabis auriculata,
Erysimum virgatum und odoratum, Thalictrum montanum.
Einige Namen sind hier geändert; die zwar gewöhnlich auf
Kalk, aber auch auf andern Untergrund verbreiteten Gewächse
ausgelassen, sodann auch kalkstete Formen, die ich nicht für
speeifisch von andern Arten verschieden halte. Verzeichniss
der kalksteten Uryptogamen des südlichen Harzes: Gymnosto-
mum curvirosirum, pusillum, trichodes; Jungermannia incisa
und Gypsophila W.; Marchantia commutata, hemisphaerica
und zumbonata W.; Grimaldia inodora W., punicea W., ven-
tricosa W.; Verrucaria mutabilis W.; Patellaria caesia W.,
epipolia, saxicola W., variabilis W., intermedia W., candida,
lentigera, teicholyta W., fulgens W., decipiens W., testacea W.;
Parmelia gypsophila, versicolor W.
Poech schilderte die Vegetation der Kalkformation von -
St. Iwan in Böhmen (Regensb. Flora 1842. S. 440— 414).
Characteristische Pflanzen der dortigen Felsen: Dracocephalum
austriacum L., Hieracium echioides Kit., Artemisia scoparia
KRit., Alsine setacea K., Saxifraga caespitosa L., Potentilla ei-
nerea Ch., Serpervivum hirtum L., Seseli glaucum Jacg., Al-
lium strietum Schr. und /allav Don, Gagea bohemica R. S.,
Iris bohemica Schm. — Im Eichengesträuch wachsen: (arex
‚Michelii Most, Cytisus biflorus VHer., Hieracium Nestleri Vill.,
359
‚Silene nemoralis Kit. — Im Laubwalde: Adenophora suaveolens
Fisch. — Von localem Interesse sind die botanischen Wan-
derungen durch die julischen Alpen von Sentner (daselbst
S, 442—479) und im Friaul von Tommasini (daselbst
S. 609 — 635).
Über die Verbreitung der Lichenen auf die höchsten Gi-
pfel der Schweizer Alpen hat Schärer einige Thatsachen
mitgetheilt (Linnaea 1842. S. 66). Von der höchsten Spitze
des Montblane hat der ältere Saussure Parmelia polytropa
Schär. und Zeeidea confluens Ach. zurückgebracht. Im Septem-
ber 1841 fand Agassiz. auf dem Gipfel der Jungfrau (12850')
folgende Steinflechten: Lecidea conglomerata Ach. und Par-
melia elegans var. miniata, beide mit unentwickelten Früchten,
von Lee. confluens var. steriza Ach. Früchte ohne Thallus,
und zwei Umbilicarien, U. atropruinosa var, reticulata Sch.
und eine neue der U. hirsuta verwandte Art U. virginis Sch.
Wierzbicki berichtete über botanische Wanderungen im
Banat (Regensb. Flora 1842. S. 257 — 280). Es kommen da-
bei nähere Nachrichten über die ungarische Eiche (Qu. con-
ferta Kit.) vor, die mit Qu. apennina Lam. verglichen zu
werden verdient. Ausser dieser Eiche wachsen in den Wal-
dungen des Banats Qu. Robur und Cerris.
Von französischen Localfloren erschienen: Holandre
Nouvelle Flore de la Moselle. Ed. Il. und Delastre Flore
de la Vienne (Paris 1842). — Die Arbeiten von Desma-
zieres bezogen sich im verflossenen Jahre auf französische
Pilze (Ann. sc. nat. 17. p. 91 — 128).
W. P. Schimper schilderte die Moos- und Flechten-
Vegetation des Sandsteins der Vogesen (Regensb. Flora 1842.
S.337— 359). Er bemerkt, dass der Vogesensandstein durch
Verwitterung Sandboden, der bunte Sandstein des Elsass aber
einen thonigen Mergel bilde, der einige Moose und Flechten,
z.B. Barbula aloides, brevirostris und rigida, Funaria hiber-
nica, Grimmia ovalis und leucophaea, Lecidea reticularis her-
vorbringt, die auf dem Vogesensande nicht vorkommen. Die
Granitgruppe der Ballons ist mit Tannen bewaldet, während
der Vogesensandstein meistentheils Buchenbestände trägt, in
denen einzeln die Birke oder Eiche gefunden wird. Kiefer-
wälder sind erst in neuerer Zeit durch künstliche Anlagen
390
entstanden. Bei Offweiler bildet auch Castanea einen Wald,
aber an der Südseite des Gebirges reicht sie doch nur bis zu
einer Höhe von 600°. Der Vogesensandstein ist an Moosen
und Flechten sehr reich, die Localitäten derselben werden
von Schimper speciell angegeben.
In einer Recension von Boissier’s Flora von Granada
habe ich auf die verschiedenartige Verbreitung der südeuro-
päischen Gebirgspflanzen aufmerksam gemacht (Gött.
gel. Anz. 1842. S. 599 u. folg.).. So zerfallen die Gewächse,
welehe die alpine Region der Sierra Nevada bewohnen, nach
ihrer Verbreitung in sechs Classen:
1) Endemische Pflanzen der Region, die nirgends auf der
Erde gefunden sind, als über der Baumgrenze der S. Nevada.
2) Endemische Pflanzen Spaniens, die aus den tiefern
Regionen vermöge ihrer climatischen Indifferenz in das Hoch-
gebirge ansteigen.
3) Arktisch- alpine Pflanzen, die auf den Hochgebirgen
von Mitteleuropa, auf den Pyrenäen und Alpen bis zum Cau-
causus, zum Theil ohne Niveau-Differenz, wiederkehren, de-
ren natürlicher Wohnort in der Regel überall nur oberhalb
der Baumgrenze liegt und von denen einige in Lappland auf
niedrigen Höhen noch einmal wieder auftreten. Diese ‘bilden
in vielen Familien ungefähr die Hälfte der in der S.. Nevada
oberhalb des Niveau’s von 5000‘ beobachteten Arten, hinge-
gen bei den Umbelliferen nur 4, bei den Synanthereen und
Serophularineen nur +. 5
4) Südeuropäische Gebirgspflanzen, die erst jenseits der
Alpen auftreten und dort auf den meisten Gebirgen oberhalb
der Baumgrenze wachsen. Von diesen findet sich jedoch die
grössere Zahl nur im untern Theile des alpinen Gürtels und
steigt häufig in die Waldregion hinab.
5) Mitteleuropäische Pflanzen, von denen ‚sich ‚gewisse
Arten nur-in die Berg- und Alpen-Region von Südeuropa
verbreiten, während eine ‚grössere Zahl auch am Mittelmeere
in gleich tiefem Niveau wächst, wie in den diesseitigen Ebenen.
6) Endlich giebt es eine Anzahl von mediterranen Pflan-
zen, Jdie von der Küste bis in die alpine Region sich erheben.
Übrigens leuchtet es ein, dass diese verschiedenen Bestand-
theile der alpinen Vegetation, wiewohl sie hier unter gleichen
Ben
391
elimatischen Bedingungen vereinigt vorkommen, keineswegs
eine übereinstimmende Receptivität gegen die äussern Ein-
flüsse, denen sie ausgesetzt sind, besitzen. Eben deswegen
stehen sie zum Theil in systematischer Hinsicht weit von ein-
ander ab, und so finden wir, dass die für die Alpenflora am
meisten charaeteristischen Familien am reichsten an Gewächsen
der dritten Classe sind, und dass ein solcher Formentypus
sich in der ersten und vierten Classe noch in höherm Grade
erkennen lässt, als in den übrigen.
Über die Verbreitung der Leguminosen in Süd-
europa habe ich (daselbst S. 606) bemerkt, dass das Maxi-
mum der Genisteen in Spanien, der Trifolieen in Italien liegt
und dass in Griechenland die Vicieen zunehmen, während die
Astragaleen erst in Kleinasien das Übergewicht erhalten.
Von Schouw sind Untersuchungen über die in Pompeji
ausgegrabenen Pflanzen angestellt und er glaubt aus diesen
Resten den Beweis führen zu können, dass Agave americana
und Opuntia schon im Alterthum in Italien bekannt gewesen
seien. Über diesen Gegenstand hielt er einen Vortrag bei
der Versammlung der Naturforscher in Stockholm, doch bin
ich nicht im Falle, über ein so merkwürdiges und unerwar-
tetes Resultat urtheilen zu können.
Tenore schrieb eine Abhandlung über die im Neapoli-
-tanischen eultivirten Arten von Baumwolle (in d. Atti del real
Istituto di Napoli 1840. p. 175 —206). Von dem am häufig-
sten in Südeuropa gebauten Gossypium herbaceum L. (Cav.
diss. t. 164. f. 2.) unterscheidet er eine neue Art @. siamense
Ten. (l. e. t. 2.), die z. B. ungefleckte Blüthen trägt. Sie führt
in Neapel den Namen Cotone siamese oder turchesco, im
Handel auch ©. di Castellamare. Man hat sie gewöhnlich für
G. religiosum gehalten, aber sie ist nicht strauchartig, sondern
ein zweijähriges Kraut, wie @. herbaceum. Sie scheint jedoch
von . hirsutum nicht verschieden zu sein.
An italienischen Localfloren und sonstigen Beiträgen zur
Kenntniss der dortigen Pflanzen sind erschienen: (Gr. Tre-
visan) Prospetto della Flora Euganea (Padova 1842. 8.) ent-
hält einen Catalog der Paduaner Pflanzen, als Vorläufer einer
ausführlichen Flora; Parlatore plantae novae s. minus no-
tae (Paris 1842 8.), für die Systematik der italienischen Gra-
392
mineen und einiger anderer Pflanzen nicht unwichtig; Me-
neghini Alge italiane e dalmatiche illustrate. Fasc. Ill. (Pa-
dova 1842. 8.); J. G. Agardh Algae maris mediterranei et
adriatici (Paris 1842. By Zanardini synopsis algarum in
mari adriatico hucusque” collectarum (in den Memorie. dell’
academia di Torino 1842. p. 105— 256) umfasst 245 Algen-
species in 79 Gattungen; de Notaris Algologiae maris Ligu-
stici specimen (ebenda p. 273—316) umfasst 127 Arten in
56 Gattungen; Meneghini monographia Nostochinearum ita-
licarum, addito specimine de Rivulariis (Turin 1842, 4.). —
Die im vorigen Jahresbericht erwähnte Arbeit Bertoloni’s
über den Apennin von Bologna ist in die Novi commentarii
Bononienses aufgenommen, von denen 1842 der fünfte Band
herauskam.
Einen nach den ältern Quellen zusammengestellten Cata-
log der sicilianischen Flora hat Hogg geliefert (Ann. of Nat.
Hist.»10. p. 287 — 335). Diese nützliche Zusammenstellung ist
nach dem. Linne’schen Systeme geordnet. Die critischen Be-
merkungen des Verf. gegen Philippi sind unbedeutend, mit
Ausnahme der Behauptung, dass der Weinbau am Ätna nicht
in einer Höhe von 3300‘, sondern von 2600’ aufhöre,
In der von Biasoletto. verfassten dalmatischen Reise-
beschreibung ist ausser dem beigefügten Catalog der gesam-
melten Pflanzen auf die Vegetationsverhältnisse keine Rück-
sieht genommen. Wiewohl nun dieser Catalog den grössten
Theil der dalmatischen Flora umfasst, so ist er doch durch
das inzwischen herausgegebene treffliche Werk von Visiani
(Flora dalmatica. Lips. 1842. 4. Vol. I.) überflüssig geworden.
In der Einleitung zur Flora dalmatica sind Beiträge zur pflan-
zengeographischen Characteristik des Landes mitgetheilt. _ Der
jährliche Verlauf der Vegetation im dalmatischen Küstenlande
ist folgender: nach einem kurzen milden Winter entfalten sich
einige Frühlingspflanzen schon zu Ende December oder An-
fang Januar, so blühen alsdann Corylus Avellana, Colchicum
montanum, Helleborus multifidus, Erodium pimpinellifolium,
gewöhnlich etwas später Amygdalus; im Februar erwacht die
ganze Vegetation und die Blüthezeit fast aller dalmatischer
Pflanzen fällt in diesen und ‘die folgenden Monate bis zum
Mai; im Mai aber beginnt schon der trockne heisse Sommer,
393
der bis Ende September währt, eine Jahreszeit, während
welcher die Vegetation fast ganz unterbrochen ist, indem die
jährigen Pflanzen ganz verschwunden, die Stauden nicht mehr
grün sind, und sogar in den Bäumen und Sträuchern der
Bildungstrieb stockt; endlich folgt im October und November
der regenreiche Herbst, der schon wieder manche Pflanzen
zum zweiten Male zum Blühen treibt. Visiani theilt ganz natur-
gemäs die dalmatische Flora in drei Regionen, von denen die
obere hier wegen der Waldlosigkeit des Landes in ein unge-
mein tiefes Niveau herabreichen soll. Diese Regionen cha-
racterisirt er durch folgende Gewächse:
4) Küstenregion. 0'’—1410'. Olea, Arbutus Unedo,
Laurus nobilis, Nerium, Pinus Pinea und halepensis, Pistacia
Ientiscus, Phillyrea, Rosmarinus, Rhamnus Alaternus, Cistus
villosus und monspeliensis. — Trichonema Bulbocodium, An-
drachne telephioides, Crozophora tinctoria, Arum tenuifolium.
2) Bergregion. 1400’—3000'. Fagus, Acer pseudo-
platanus und obtusatum, Quercus Cerris. — Cytisus Weldeni,
Rubus idaeus. — Gentiana lutea, Valeriana montana und
tripteris, Teucrium Arduini, Prenanthes purpurea, Centaurea
montana und tuberosa, Helleborus multifidus, Hypochaeris ma-
culata, Cerastium grandiflorum, Primula suaveolens. Ein selt-
sames Gemisch von Pflanzen der mitteleuropäischen Gebirge
und Rumeliens, zu welchen hier, wie an den schottischen
Küsten, einige Alpenformen tiefer hinabsteigen.
3) Subalpine Region. 3000'— 6000'. Juniperus nana,
Rosa alpina, Lonicera alpigena. — Dryas octopetala, Arabis
alpina, Androsace villosa, Paeonia Russi, Silene graminea, pu-
silla und Tommasinü, Campanula pumilio und serpyllifolia,
Ärenaria Arduini und graeilis. Diese Region ist reich an
endemischen Arten.
Der Verf. characterisirt auch die meisten Pflanzenforma-
tionen Dalmatiens, wobei er jedoch zu sehr die seltenen Ar-
ten der dalmatischen Vegetation berücksichtigt, als dass eine
anschauliche Vorstellung dadurch gewonnen würde, Als eine
auffallende Eigenthümlichkeit hebt der Verf. hervor, dass viele
vieariirende Arten gleicher Gattung bemerkt werden, ‘wenn
man die dalmatische Flora mit den Nachbarländern oder ihre
Regionen selbst unter einander vergleicht. So treten z. B. in
394
der Wald- oder Berg-Region 7%ymus Serpyllum, Salvia pra-
tensis, Phleum pratense, Thesium Linophyllum, Genista syl-
vestris, Onopordon Acanthium, Anthriscus trichosperma an die
Stelle der in der Küstenregion einheimischen: Thymus aci-
cularis, Salvia Verbenaca, Phleum echinatum, Thesium diva-
ricatum, Genista dalmatica, Onopordon Ülyricum, Anthriscus
Cerefolium. -
Der bis jetzt erschienene Theil dieser Flora enthält un-
“ gefähr ein Viertel des Ganzen in systematisch ausgeführter
Bearbeitung, insbesondere die Monocotyledonen und apetalen
Dicotyledonen. Wenn das Werk vollendet sein wird, sollen
die statistischen Verhältnisszahlen zusammengestellt werden.
Margot und Reuter haben den schon 1839 begonne-
nen Catalog einer Flora von Zante in den 1841 erschienenen
Memoires de la societe de physique, etc. de Geneve vollendet.
Dieses Verzeichniss enthält 621 Phanerogamen und 42 Crypto-
gamen. Es bildet einen wichtigen Beitrag zur griechischen Flora.
Neue Arten bemerke ich in der zweiten Abtheilung nicht.
Ausser den Standorten ist stets ein für die Species entschei-
dendes Citat beigefügt, zu critischen Bemerkungen fanden die
Verf. nur selten. Gelegenheit.
Spruner in Athen, welcher seit einigen Jahren Samm-
lungen griechischer Pflanzen verbreitet hat, berichtete über
eine botanische Reise nach dem südlichen Pindus (Regensb.
Flora 1842. S. 636). Er bestieg den 7000° sich erhebenden
Velugo bei Carpenitzi, den höchsten Pindusgipfel des griechi-
schen Rumelien. Dieser Berg, der aus Kalkstein besteht, ist
bis zu einem Niveau von 5500° bewaldet: die Eichenwälder
reichen nach S. bis 3000‘, den übrigen Raum nehmen Tan-
nenwälder ein. Über der Baumgrenze folgt ein Gürtel von
Traganthastragalus und auf der höchsten Kuppe wächst wie
auf dem Athos Prunus prostrata Lab, — Einige griechische
Synanthereen, von Fraas gesammelt, beschrieb C.H. Schultz
(Regensb. Flora 1842. Beibl. S. 158).
III. Asien.
Die Flora’ des Orients ist auch im verflossenen Jahre
wieder auf das Vielseitigste systematisch bearbeitet. Bois-
sier hat seine Untersuchungen der Aucher-Eloy’schen Samm-
lungen fortgesetzt und theils in den Annales des sciences nat.
395
für 1842, theils in einem besondern synoptischen Werke unter
dem Titel Diagnoses plantarum orientalium (Fasc. I. 1842. Genev.
S),wovon 1843 das erste Heft erschienen ist, publieirt. Die erstere
Arbeit umfasst nur dieCrueiferen, von denen Aucher nicht weniger
als 343 Arten gesammelt hat. Für diese Familie schein t der Orient
bei der Menge flüchtiger, annueller Arten und ihren engen Ver-
breitungsbezirken unerschöpflich. Übersicht merkwürdiger For-
men neben zahlreichen neuen Arten, namentlich von Hesperis,
Alyssum, Cochlearia: zwei neue Morettien von Mascate; Dice-
ratium B.: persische Halbsträucher; Parlatoria, Zerdana und
Strophades, Sisymbreen aus Kurdistan und Persien: einige
Draben von den arınenischen und persischen Gebirgen; Mo-
riera, Brossardia und Heldreichia, neue persische Thlaspi-
deen; mehrere Arten aus dem Verwandtschaftskreise von 4e-
thionema u. 5. w. — In dem abgesonderten Werke Boissier’s
sind nur neue Arten, darunter ausser den Aucher’schen auch
einige griechische und rumelische aus folgenden Familien be-
schrieben: 3 Capparideen, 5 Resedaceen, 3 Violaceen, 4 Po-
Iygaleen, 101 Caryophylleen, 4 Lineen, 4Hypericineen, 6 Gerania-
ceen, 4 Zygophylleen, 2 Rutaceen, 9 Ranunculaceen, 1 Fuma-
riacee, 15 Cruciferen, 5 Rhamneen, 1 Therebinthacee, gegen 190
Leguminosen und 14 Dipsaceen. Es ist zu wünschen, dass die
vollständige Übersicht der Auchers’schen Sammlungen durch
diese Publication nicht unterbrochen wird.
In Russegger’s Reise in Griechenland, Unteregypten,
Syrien u. s.w. (Bd.1. Stuttgart. 1841. 8.) sind zwar einige
Nachrichten über die Flora des Taurus enthalten, diese sind
jedoch aus den 1838 erschienenen Researches von Ainsworth
entlehnt. Jenes Werk enthält indessen einen von Fenzl be-
arbeiteten botanischen Anhang (S. 883—990), worin die
neuen, von Kotschy in Syrien und am Taurus gesammelten
Pflanzenarten ausführlich beschrieben sind. In der Einleitung
berichtet Fenzl über den bedeutenden Umfang der Sammlungen
Kotschy’s, die im Wiener Museum aufbewahrt sind. Die erste
Sendung enthielt über 700 Arten, die meisten aus dem westli-
chen Taurus, die übrigen vom Orontes, aus Karamanien,und vom
Libanon; eine andere Sammlung besteht aus etwa 300 Arten’ von
Aleppo. Vorherrschend sind in diesen Herbarien die Synanthe-
reen, Labiaten, Leguminosen und Umbelliferen, hierauf folgen die
396
Caryophyllieen, Crueiferen und -Scrophularineen. Durchaus
spricht sich der Character mediterraner Vegetation mit einer
Beimischung von caucasischen Formen aus. Selbst die mei-
sten neuen Gattungen und Arten, wiewohl sie gewiss den
achten Theil der Sammlung bilden, tragen das Gepräge com-
plementärer Formen zu den europäischen, nur wenige sind
als characteristich für die dortige Vegetation hervorzuheben
z. B. Pelargonium Endlicherianum vom Taurus, Heldreichia
Kotschyi aus der alpinen Region dieses Gebirges, Silene phar-
nacefolia und stentoria, Viola pentadactyla, Blaeochytris mei-
‚Folia und Actinolema eryngioides aus Syrien. Die Diagnosen
der neuen Arten wurden von Fenzl auch abgesondert in sei-
nem Pugillus plantarum novarium Syriae et Tauri occidentalis
primus (Vindob. 1842. 8.) abgedruckt und-sind bereits von
Walpers in dessen Repertorium ‚aufgenommen. . Im Jahre 1843
erschien sodann auch die. erste Lieferung eines Kupferwerks,
welches Fenzl auf das von Kotschy gesammelte Material ge-
gründet hat.
Einige Angaben über die Blüthezeit von den in Lycien
während der Wintermonate ‚blühenden Pflanzen sind von
Forbes mitgetheilt (Ann. nat. hist. 9. p. 251).
Von Gr. Jaubert’s und Spach’s Illustrationes plan-
tarum orientalium sind 1842 die ersten sieben Lieferungen
erschienen, worauf es geeigneter ist später zurückzukommen.
Chesney’s auf dessen Euphratexpedition ‘gesammelte
und durch Lindley vertheilte Pflanzen, von denen beiläufig
manche erwähnt und beschrieben worden sind, hat Berto-
loni angefangen vollständig zu bearbeiten. Die zu den ersten
acht Linne’schen Classen gehörenden Arten sind von ihm in
den Commentarien des Instituts von Bologna (1842) beschrie-
ben: doch scheint er die neuere Literatur über die Flora des
Orients nicht hinlänglich ‚benutzen ‘zu können. Mehrere ..der
neuen Arten hat er abbilden lassen.
Von C. Koch, der kürzlich eine mir noch nicht bekannt
gewordene Beschreibung seiner ersten Reise in den Caucasus
bei Cotta herausgegeben hat, wurde auch sein Catalog caucasi-
scher und armenischer Pflanzen auf die angegebene Weise fort-
gesetzt. Im verflossenen Jahre sind folgende Familien abgehan-
delt worden (Linnaea 1842. S. 347— 373): 71 Rosaceen (neu
397
4 Rubus, 1 Potentilla), 4 Myrtacee, 4 Crassulaceen, 2 Saxi-
frageem, 1 Philadelphee, 1 Lythrariee, Trapa aus Mingrelien,
6 Onagrarieen, 3 Ribesiaceen (1 neues Ztibes), 60 Umbelli-
feren (12 neue Arten, unter denen die neu aufgestellten Gat-
tungen Sympodium, Fuernrohria, Froriepia und Eleu-
therospermum), 1 Araliacee, 2 Corneen.
Godet entwarf einen Catalog der in den Umgebungen
der Caucasusbäder von Petigorsk vorkommenden Pflanzen,
welcher einen Anhang zum vierten Theile von Dubois de
Montpereux’s Voyage autour du Caucase (Paris 1840. 8.)
bildet, auf dessen Sammlungen am Beschtau dieses Verzeich-
niss zum Theil beruht. Der Beschtau besteht aus trachytischem
Porphyr und ist ein gegen 4100' hoher Vorberg des Cauca-
sus. Die Waldungen, die ihn vollständig bedecken, bestehen
aus Fagus, Carpinus, Quercus und Acer tataricum.
Über den Gang der Vegetation am Caucasus sind einige
Nachrichten in der Einleitung zu Eichwald’s Fauna Caspio-
caucasia (Petrop. 1841. 4.) enthalten. Am nördlichen Fusse
des Caucasus z. B. gegen Derbend und ebenso am Kuban
sind schon im Juli alle Pflanzen verwelkt und man findet bis
Ende September ringsum durch Dürre verödetes Land. In
den Thälern von Imaretien hingegen bleibt der Sommer feucht:
denn hier werden alle Wasserdämpfe, die sich vom schwar-
zen Meere erheben, von den grossen Waldungen angezogen
und in Nebel verwandelt.
Zwei wichtige, grössere Arbeiten über die Flora des
asiatischen Russland nach eigenen Untersuchungen der neuesten
Zeit sind im Bulletin de la soc. imp. des natur. de Mosceou
(Mosc. 1842) enthalten, wovon mir bis jetzt nur die drei
ersten Hefte vorliegen. Die erste Arbeit ist eine ausgeführte
Flora der Baikalgegenden von Turezaninow, die andere
eine Beschreibung der im J. 1841 von den Verfassern Ka-
relin und Kirilow in den Steppen der östlichen Soongarei
“ und auf den Alpen des Alatau gesammelten Pflanzen. Beide
Abhandlungen sind nach De Candolle geordnet: noch unvollen-
det reicht die erstere, 277 Arten characterisirend, bis zum
Schlusse der Rutaceen; die andere, welche 932 Arten um-
fasst, ist bereits beendet.
Turezaninow’s Flora beginnt mit einer interessanten Ein-
398 :
leitung über die Eigenthümlichkeiten derBaikalflora. Sein Gebiet
begreift die Kreise Nertschinsk , Werkhne-Oudinsk und Irkutsk:
den erstern pflegt er Daurien, den zweiten den transbaikalischen
den letztern den cisbaikalischenDistrietzunennen. Die complieir-
ten Gebirgszüge auf diesen erheben sich oft über die Baumgrenze,
aber die Schneelinie erreichen sie nirgend. Neben den Ge-
birgen und ihren Wäldern giebt es grosse Steppen; diese sind
‚theils steinig, theils mit einer Bittersalz enthaltenden Erd-
krume bedeckt, seltener mit Sand; oft umschliessen sie Seen
und Sümpfe. Der Baikal selbst ist beinahe allenthalben genau
von Felsgebirgen eingefasst. Das ganze Material, welches T.
selbst gesammelt hat, scheint aus etwa 1400 Phanerogamen
zu bestehen, er bemerkt, dass davon 452 auch in der Flora
suecica von Wahlenberg vorkommen, 756 zugleich im Altai
einheimisch sind. Drei am Altai repräsentirte Familien fehlen
am Baikal: die Frankeniaceen, Paronychieen und Apocyneen;
dafür fehlt die Menispermacee des Baikal dem Altai. Wich-
tiger sind die Listen der im Baikalgebiete selbst beobachteten
Pflanzengrenzen; sie zeigen, dass viele @ewächse den Baikal-
see nicht überschreiten; andere‘ auf Daurien eingeschränkt
sind: doch sind die aufgezählten Pflanzen zu zahlreich, als
dass nicht spätere Untersuchungen diese Listen bedeutend ein-
schränken sollten. So finde ich gleich in dem Verzeichnisse
von europäischen Pflanzen, die in Daurien einheimisch, im
zwischenliegenden Sibirien fehlen sollen, mehrere Irrthimer.
Da solche Angaben für Holzgewächse am sichersten sind, so
will ich nur diese hier erwähnen.
4) Unter ungefähr 90 in Irkutsk- vorkommenden, aber
ostwärts und bis zum Baikal verbreiteten Pflanzen: Cotone-
aster multiflora, Arctostaphylos alpina, Andromeda calyculata
und polifolia, Daplme Mezereum, ‚Salix microstachya T., Be-
tula fruticosa.
2) Unter etwa 160 im transbaikalischen Distriete vor-
kommenden, westwärts und bis zum Baikal verbreiteten, doch
zum Theil im Gebiet des Altai wieder auftretenden Gewäch-
sen: Rhamnus daurica und Erythroxylon!, Caragana micro-
phylla!, pygmaea und spinosa!, Amygdalus peduneulata!, Spi-
raea thalictroides und hypericifolia!, Ribes diacantha, pulchel-
399
Zum T.! und Dikuscha Fisch.! Die mit einem ! bezeichneten
fehlen auch ostwärts in Daurien,
3) Unter etwa 140 nur in Daurien gefundenen Gewäch-
sen; Rhamnus polymorpha T., Armeniaca sibirica, Spiraea se-
ricea T., sorbifolia und icbadın Viburnum dauricum, Loni-
cera chrysantha T., Betula daurica und Gmelini Bg., Alnus
sibiriea Fisch., Ohälite mongolica Fisch., Pinus daurica Fisch.
Ülbngsichk der bisher abgehandelten Familien: 81 Ranun-
eulaceen, 1. Menispermee, 1 Berberidee, 5 Nymphaeaceen,
3 Papaveraceen, 6 Fumariaceen, 78 Cruciferen, 19 Viola-
ceen, 2 Droseraceen,, 2 Parnassien, 3 Polygaleen, 22 Sile-
neen, 1 Spergularie, 36 Alsineen, 1 Linee, 1 Malvacee, 2
Hyperieineen, 8 Geranieen, 1 Balsaminee, 1 Oxalidee, 1 Zy-
gophyllee, 2 Rutaceen. — Die neuen Arten sind ebenso 'wie
die von Karelin und Kirilow beschriebenen bereits in die
Nachträge zu Ledebour’s Flora rossica aufgenommen.
Eine ausführlichere Analyse der in den soongarischen
Steppen vorkonimenden Pflanzen würde sich in Verbindung
mit, Schrenck’s Entdeckungen aus den beiden Catalogen von
Karelin und Kirilow darstellen lassen, wenn diese Samnler
die Standörter des Alatau und Altai genauer davon geschie-
den hätten. In der diesjährigen Publication finde ich gegen
300 entschiedene Steppenpflanzen, während mehr als zwei
Drittel der gesammelten Gewächse im Alatau wachsen. Nach
jenem Verzeichnisse enthält die Steppenflora der östlichen
“ Soongarei folgende Reihe vorherrschender Familien: 1) Mit
30 —40 Arten die Leguminosen, besonders Astragaleen, und
2) Crueiferen; 3) Synanthereen, namentlich durch Artemisia
und Cousinia vertreten, gegen 30 sp.; 4) mit 20—25 Arten
Crueiferen und 5) Gramineen; 6) mit 10 —15 Arten Boragi-
neen, 7) Liliaceen und Umbelliferen. Dann folgen Labiaten,
Caryophylleen,, Cyperaceen.
Einige neuerlich von Sehrenck in der Soongarei, na-
mentlich am Tabaryatai und Alatau entdeckte Pflanzen sind
im Bulletin scient, de S. Petersbourg (Vol. X. p.253 u. 353 )
publieirt. Sie gehören zu folgenden Gattungen: Picea, Popu-
lus, Stellera, Iheum, Rosa, Oxytropis (3 sp.), Astragalus,
Swertia, Solenanthus, Calamintha, Chamaepeuce, Saussurea
(2 sp.), Allium (3 sp.), Carex, Bromus, Triticum. — Die
400
neuen Synanthereen-Gattungen Canerinia, Wuldheimia, Rich-
leria und Acanthocephalus, sämmtlich vom Alatau, beschrieben
von Karelin und Kirilow im Bullet. de Moscou (1842.
p- 124—128); in ihrer grössern Arbeit kommen zwei neue
Cruciferengattungen: Spirorkynchus und Oryptospora
vor, so wie zwei neue Gattungen von Liliaceen: Ammoli-
rion und Henningia.
v. Siebold’s Flora japonica, welche von Zuccarini
bearbeitet wird, ist bis zum dritten Hefte des zweiten Bandes
vorgeschritten (Lugd. Bat. 1842. 4). Die letzten drei Hefte
enthalten die Coniferen. Folgende Arten dieser Familie sind
Japanisch: Seiadopitys verticillata; Abies leptolepis; Tsuga,
firma, homolepis, bifida, jezoensis, polita; Pinus densiflora,
Massoniana: die häufigste Art von der Küste bis 3500’ ver-
breitet, parviflora, Koraiensis.
Nachrichten über die Insel Chusan an der chinesischen
Küste (30° 0'N.Br.) verdanken wir Cantor, ‚der in den
Monaten Juli — September daselbst ein Herbarium von 150
Arten sammelte, deren Gattungsnamen von Griffith revidirt
sind (Ann. nat. hist. 9. p. 265 ete.). Chusan ist etwa 4 geogr.
Meilen lang, 2 Meilen breit, erhebt sich bis zu 1800° und
ist von felsigen Hügeln bedeckt, die aus Thonporphyr und
Grünstein bestehen. Alles Wasser wird künstlich zum Behuf
des Ackerbaues gesammelt, die Wälder sind ganz ausgerottet,
jeder Flecken Landes ist auf das Künstlichste bebaut. Reis
ist bei Weitem das Hauptproduct, und liefert wie es scheint
zwei Erndten: von andern Kornarten werden Mais, Cox La-
eryma, Sorghum, Polygonum erwähnt. Unter den übrigen
Nahrungspflanzen ist die Batate (Sweet-potatoe) die wich-
tigste. Die Theecultur ist unbedeutend: der Strauch blühte
im Juli, hatte Ende September reife Früchte und entwickelte
Anfang November zum zweiten Male Knospen. sSiilllingia se-
bifera, die häufig cultivirt wird,. blüht im Juli und August
und trägt im November reife Früchte. Die Samen werden aus-
geschält und in grosse Gefässe mit siedendem Wasser geschüt-
tet, welches abgekühlt die weisse talgartige Substanz an der
Oberfläche abscheidet. Zur Bereitung eines Firnisses dienen
Plantagen von Zlueococcus Vernieia Juss. Zum Holzbedarf
werden Eichen und Fichten hier und da angepflanzt. — Die
401
Gegensätze der -Jahreszeiten sollen beträchtlich sein. Im J.
1840 fielen nach einem heissen ‚Sommer beständige Regen von
Ende September bis Ende November. Ende December schneite
es undim Januar sank das Barometer auf 22° F. Im vorher-
gehenden Sommer beobachtete ©. folgende Temperaturgrenzen :
Maximum. Minimum.
Juli 86° F. 799% E.
August 93° - 76°
Septbr, 100° - 71° -
October 84° - 58° -
Die Vegetation hat in Chusan einen ächt europäischen
Character, die wenigen indischen Formen, die vorkommen,
sind nicht characteristisch, die ceultivirten Palmen und Musa-
ceen kommen nicht zur Fruchtreife. Ausserordentlich ver-
breitet ist YJumulus Lupulus und gilt nach Gützlaf’s Erkun-
digung für eine einheimische Pflanze. Eine für die Flora von
Chusan höchst characteristische Gruppirung sah C. in einer
Theeplantage: ein Theestrauch, von einer Hopfenliane umwun-
den, beschattete Artemisia vulgaris, Hypericum perforatum,
Viola canina, umgeben von Aubus idaeus und Fragaria, neben
Pinus und Quercus eine Musa und Raphis flabelliformis. —
Das Verzeichniss der Gattungen verliert an Interesse, weil die
eultivirten und Ruderal-Pflanzen von den übrigen nicht ge-
sondert sind. Ich stelle hier die nieht europäischen Formen
zusammen, die nur den fünften Theil der aufgezählten Gat-
tungen ausmachen, und füge diesen die Culturgewächse oder
sonst merkwürdigen Arten bei: Nelumbium, Sterculia, Gos-
sypium, Üitrus, Thea .chinensis, Camellia, Vitis vinifera,
Zanthoxylon, Phaseolus, Persica, Prunus, _Pyrus, Cydonia,
Eriobotrys japonica, Lagerstroemia indica, Myrtus, Punica,
Cucumis Melo, Cucurbita mazxima und lagenaria, Actino-
stemma Gr. (neue Üucurbitacee), Hamamelis, Panax, die
Cinchonaceen: Paederia und Gardenia, Olea fragrans, Con-
volvulus Batatas, Ipomoea coerulea, Capsicum, Rosmarinus,
Clerodendron, Sesamum, Celosia, Begonia, Polygonum fago-
pyrum, Rheum, Stillingia und. Elaeococcus (s.0.), Phyllan-
thus, Chloranthus, Salix babylonica, Cannabis sativa, Morus,
Fieus, Juglans, Quercus, Salisburia, Pinus, Juniperus, Cu-
pressus, Zingiber, Musa, Pardanthus, Commelina, Raphis,
Archiv f. Naturgeschichte, IX, Jahrg. 2. Bd, Aa
402
Areca Catechu, Triticum, Zea, Saccharum, Bambusa, Oryza,
Coix, Sorghum, Lygodium, Nephrodium, Pleopeltis.
Die Vegetation von Hongkong, einer Insel an der Mün-
dung des Flusses von Canton, hat Hinds geschildert, seine
daselbst gesammelten Pflanzen sind von Bentham beschrie-
ben worden (Journ. of Bot. 1842. p. 476— 494). Hongkong
ist ein nacktes, felsiges Eiland, dessen Thäler mit fruchtbarer,
auf Granit ruhender Erdkrume bedeckt und wohl eultivirt sind.
Das Clima ist einem Wechsel der Temperatur unterworfen,
dessen Extreme zu 26° und 94° F. angegeben werden. Die
heissesten Monate Juni, Juli und August haben eine Mittel-
‚temperatur von 89—94 — 90° F., die kältesten December,
Januar, Februar 57°,5—51—51°,5. Die atmosphärischen
Niederschläge, wiewohl unregelmässiger als man an der Grenze
der Moussons erwarten sollte, sind doch sehr beträchtlich:
sie werden zu 70’,6 Regen geschätzt. Am feuchtesten sind
die Sommermonate Mai bis August, am trockensten Decem-
ber und Januar, doch kommen in allen Monaten Niederschläge
vor. Die bis auf wenige Stämme von Pinus sinensis baumlose
Vegetation entbehrt aller südlichen Fülle, aber es giebt doch
manche immergrüne Sträucher und die Formen gehören zu
tropischen Familien. Hinds bemerkt, was schon öfter von
‚, der südchinesischen Flor erwähnt ist, dass ein Gemisch euro-
päischer und indischer Gattungen sie auszeichne. Sehr auflal-
lend ist das Vorkommen der amerikanischen Orchideengattung
Broughtonia. Das von Hinds gesammelte Herbarium enthält
nur gegen 130 Arten, aber darunter sind nicht weniger als 51
Pflanzenfamilien repräsentirt. Verzeichniss der Gattungen: 17
Farn (Davallia, Lindsaea, Adiantum, Blechnum, Meniscium, Pte-
ris, Aspidium, Polypodium, Niphobolus, Lygodium, Mertensia,
Osmunda); 16 Synanthereen (Vernonia, Diplopappus, Amphi-
raphis, Siegesbeckia, Wollastonia, Gnaphalium, Gynura, Emi-
lia, Senecio, Barkhausia, Sonchus, Brachyrhamphus); 8 Legu-
minosen (Crotalaria, Indigofera, Desmodium, Cantharospermum,
Milletia, Caesalpinia, Bauhinia); 6 Rubiaceen (Mussaenda,
Ixora, Psychotria, Hedyotis); 5 Myrsineen (Choripetalum,
Embelia, Maesa, Ardisia); 5 Rosaceen (#tubus, Rosa, Raphio-
Zepis); 4 Melastomaceen (Osbeckia, Melastoma, Allomorphia) ;
4 Smilaceen (Smilar, Dianella, Asparagus); 3 Ericeen (En-
403
kianthus); 3 Verbenaceen (Callicarpa, Vitex); 3 Enphorbia-
ceen (Glochidion, Melanthera Decaisn., Aücinus); 3 Urticeen
(Fieus, Sponia); 3 Cyperaceen (Lepidosperma, Scleria, Carex);
3’ Gramineen (Zottboellia, Bambusa, Erianthus); 2 Violaceen
(Viola); 2 Celastrineen (Zvonymus, Catha); 2 Apocyneen
(Cerbera, Hollarrhena); 2 Labiaten (Sewtellaria, Leucas); 2
Solaneen (Solanum), 2 Serophularineen (Pferostigma, Bon-
naya); 2 Lentibularien (Utriewlaria), 2 Acanthaceen (Barleria,
Rostellaria); 2 Polygoneen (Polygorum); 2’ Thymelaeen (Daphne,
Cansiera). Einzelne Repräsentanten von folgenden Familien: Ano-
naceen (Unorn), Bixineen (PAoberos), Droseraceen (Drosera),
Caryophylleen (Stellaria), Malvaceen (Side), Byttneriaceen ( Wal-
theria), Stereuliaceen (Helicteres), Ternstroemiaceen (Polyspora),
Aurantiaceen (Atalantia), Oxalideen (Oxalis), Connaraceen (Cor-
zarus), Zanthoxyleen (Zarthoxylum), Rhamneen (Berchemia),
Myrtaceen (Myrtus), Onagrarien (Jussieua), Lythrarieen ( Amman-
nia), Avaliaceen (Paratropia), Crassulaceen (Bryophyllum), Lobe-
liaceen (Zobelia), Ebenaceen (Diospyros), Sapoteen (Sideroxylon),
Mitrasacmeen ( Mitrasacme), Amaranthaceen ( Amaranthus),
Laurineen (Cassytha), Coniferen (Pius), Orchideen (Brough-
tonia chinensis Lindl.), Restiaceen (Eriocaulon), Lycopodia-
ceen (Lycopodium), endlich die Gattung Dlackwellia.
Unter den Culturpflanzen von Hongkong erklärt Hinds die
Batate für die wichtigste. Ausser dieser werden noch zwei
andere Knollengewächse Yams und Cocoes ige und
Arum) gebaut,
Den gemischten Character der Vegetation von Canton
bezeichnet Hinds (The regions of veg. p. 427) dadurch, dass
dort Viola im Schatten von Melastoma blüht, Bambusen mit
Coniferen auf denselben Anhöhen wachsen und auf demselben
Felde Kartoffeln und Zuckerrohr eultivirt werden. Die Wäl-
der enthalten ausser Pinus auch Quercus- Arten,
Über die Vegetation des tibetanischen Plateaus sind einige
Nachriehten in Mooreroft’s Travels in the Himalayan pro-
vinces etc, (London 1841. 2 Vol. 8.) enthalten. Ladak bildet
ein aus schmalen Thälern und wenig über diese sich erheben-
den Bergen zusammengesetztes Plateau von 11000" Höhe:
einige der nördlichen Thäler liegen sogar 13000" hoch, die
südlichen Gebirgspässe 16000. Das nicht cultivirte Terrain
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404 i
ist auch in den Thälern ganz nackt und unfruchtbar: die ein-
zigen Bäume gehören zu den Gattungen Populus und Salix.
Die spärliche Vegetation besteht aus einigen Steppenpflanzen,
Gräsern und aus dem sogenannten Furze der Himalayah-Sur-
veyors (nach Royle Astragalus Mooreroftianus, Gerardianus
und spinosissimus). Frost und Schnee beginnen schon Anfang
September und dauern mit wenig Unterbrechung bis Anfang Mai.
Die grösste Kälte am 1sten Februar betrug 9°,5 F.: seit der
Mitte des December hatte das Thermometer Nachts selten
über 15° F. gestanden. Die Sonnenstrahlen sind im Sommer
sehr warm. Am 4ten Juli wurde das Thermometer in der
Sonne bis zu 134° F., ein anderes Mal zu 144° erwärmt,
während es Nachts in dieser Zeit 74° zeigte. Selbst im Win-
ter sind- die Sonnenstrahlen um Mittag ein ‚bis zwei Stunden
warm, sie bewirkten am 30sten Januar ein Steigen des Queck-
silbers auf 83°. Die grosse Sonnenwirkung eompensirt die
Kürze des Sommers und bringt das Getreide schnell zur
Reife. Die Gerste war in Pituk, 800’ tiefer als Le gele-
gen, 2 Monate nach der Saat zur Sichel reif. Der Weizen
bedarf zu seiner Vegetation 4 Monate, er muss daher gleich
nach dem Schmelzen des Schnee’s in die Erde kommen. Das
Klima gehört bekanntlich zu den trockensten der Erde, im
Sommer regnet es höchst selten und immer nur in geringer
Menge, der grösste Theil des Wasserdampfs fällt als Schnee.
Der Ackerbau, der ausser den beiden genannten Getreidearten
nur noch Buchweizen einschliesst, ist dennoch bei chinesischer
Culturweise und Bewässerung ergiebig. Die einzigen eulti-
virten Früchte sind Aprikosen, Äpfel und Sarsin (Zlaeagnus
Moorcroftü). Der höchstgelegene Ort der Erde, wo Korn
gebaut wird, ist das Dorf Kiwar, dessen Niveau Trebeck,
der Begleiter Mooreroft's, zu mindestens 13000" schätzt (1.
p. 78.).
Auch über Kaschmir enthalten Mooreroft’s auf einen län-
gern Aufenthalt gestützte Angaben neben den Resultaten an-
derer Reisende manches Bedeutende. Auch hier. ist wie in
Ladak ein Hauptthal, aber ‘in halber Höhe 5800'’— 5000’ ge-
legen, ausserdem eine Reihe schluchfenförmiger Nebenthäler.
Die schneereichen Gebirge sind nach unten bewaldet. Die
obern Wälder bestehen nach v. Hügel (Kaschmir und das
405
Reich der Siek. 1840. 8. Bd. 2. S. 245) aus Pinus Deodara
und 6 andern Coniferen, diese reichen bis 7000’ herab. Dar-
unter breitet sich nach Jacegquemont ein Dickicht von wilden
Obstbäumen aus, von Pyrus, Persica, Armeniaca, Punica,
Prunus, Morus, Juglans gebildet und vom Weinstock um-
schlungen. Mooreroft bemerkt, dass die Vegetation wegen
grösserer Feuchtigkeit in der That üppiger sei als in andern
Thälern des Himalayah. Schnee fällt in den tiefen Gegenden
von December bis März. Von Ende März bis zum Mai folgen
zahlreiche Niederschläge, von heftigen Luftströmungen beglei-
tet. Die übrigen Sommermonate sind heiss und bringen die
Culturpflanzen rasch zur Reife. Durch die Seen und Flüsse
wird auch dann die Atmosphäre vor Trockenheit weit mehr
geschützt, als in Tibet. Auf unbebautem Boden entstehen
Wiesen im Thal, doch das meiste urbare Land ist bebaut.
Ein producetiver, humusreicher Alluvialboden erzeugt reich-
liche Erndten, besonders von Reis. Der Reis wird Anfang
Mai gesäet und schon zu Ende August geerndtet: eine unge-
mein kurze Vegetationszeit! Die übrigen Nahrungspflanzen
sind Weizen, Gerste, Buchweizen, Mais, Hirse, Gemüse ver-
schiedner Art. Die schwimmenden Cucurbitaceengärten, die
Benutzung der Wassernuss (Singhara) und des Nelumbium
beschreibt M. umständlich. Er ist überall genauer, als v. Hü-
gel, der z. B. die Früchte der Trapa als deren Wurzeln be-
schreibt und abbildet (Bd. 2. S. 278).
Von Griffith wird über seine in Afghanistan gesammel-
ten, aus 1400 Arten bestehenden Herbarien brieflich an von
Martius das wichtigste pflanzengeographische Resultat mitge-
theilt (Münchener gel. Anz. 1842. nr. 87). Der Character der
afghanischen Vegetation seı durchaus kleinasiatisch, die Samn-
lung zählte 270 Gramineen, 230 Synanthereen, viele Crucife-
ren und ‘Chenopodeen, dornige Staticeen seien häufig und
unter den Leguminosen 60 Astragali. Farrn und Orchideen
fehlen im westlichen Afghanistan vielleicht ganz. Nur einzelne
Gewächse weisen auf Hindostan’s Nähe hin.
Faleoner hat in der Linnean Society die Beschreibung
von zwei neuen Gattungen aus Peschauer vorgelesen, von der
Myrsinee Zdgeworthia und der Asclepiadee Campelepis (Ann.
nat. hist. 10. p. 362).
406
Von Jacequemont’s Voyage dans I’Inde sind bis jetzt
49 Lieferungen uns zugekommen, worüber ‘erst in der Folge
berichtet werden kann.
Montagne beschrieb die von Perrottet auf den Niel-
gherries gesammelten Cryptogamen (Ann. sc, nat. 17. p. 243 —
256 und 18. p. 9— 23). Die Zahl der Laubmoose beträgt 66
Arten. Sie sind grösstentheils in den Waldregionen gesam-
melt und zeichnen sich durch die Mannigfaltigkeit ihrer Bil-
dungsweise aus, indem von ihnen nicht weniger als 31 Gat-
tungen repräsentirt sind. Dennoch zählt Zypnum 14, Neckera
5, Fissidens, Macromitrium und Brachymenium, jede 4 Arten.
Die einzige neue Gattung Symphyodor war schon früher be-
schrieben. Da so viel tropische Moose in den letzten Jahren
bekannt geworden sind und das Areal derselben sich gewöhn-
lich über mehrere Floren erstreckt, so kann es nicht auffal-
len, dass nur etwa der sechste Theil dieser Moose neu war,
aber merkwürdiger erscheint es, dass so wenige europäische
Formen in der Sammlung enthalten sind. Diese bilden auch
ungefähr den sechsten Theil der Arten, von denen wiederum
ein Drittel zu Hypnum gehört. Beispielsweise führen wir
einige von den Arten an, welche durch ihre ungemeine Ver-
breitung ausgezeichnet sind und auch auf den Nielgherries
vorkommen; Grimmia ovata H., Mnium rostratum H., Hyprum
alopecurum L., cupressiforme L. und Zamariscinum H., in der
Waldregion; ferner Ceratodon purpureus Brid., Bryum argen-
teum L., Funaria hygrometrica H., Bartramia fontana ß. fal-
cata H. auch auf dem Plateau. — Von Lebermoosen hat
Perrottet 34 Arten gesammelt, unter denen nur 5 neu sind.
Die meisten wachsen auch in Jaya: europäische Formen sind
Lophocolea bidentata N., Trichocolea Tomentella N., Metzge-
ria furcata N. — Hieran reihen sich 36 Lichenen, fäst nur
Rindenflechten, durchaus weit verbreitete Formen, meist Par-
melien oder mit Stieta und Usnea ‘verwandte Gattungen, zu-
letzt 5 Arten von Collema. — Einige Pilze (23 Arten, zum
vierten 'Theil neu) beschliessen diese Abhandlung.
Die von Cuming auf den Philippinen gesammelten Pilze
sind von Berkeley bestimmt worden (Journ of Botany 1842.
p- 142 — 157). — Diese Sammlung enthält etwa 35 Arten,
von denen nur ein Fünftel nach Junghuhn und Montagne zu-
407
gleich in Java wächst und zu diesem Fünftel gehören noch 4
in allen tropischen Ländern vorkommende Polypori. So ver-
schieden indessen die Arten der javanischen Aequatorialflora
von der Passatflora der Philippinen sind, so bleibt der Cha-
racter der Hymenomyceten sich doch gleich, sofern an beiden
Orten Polypori annui aus der Section Apus vorherrschen, Berke-
ley hat zwei Drittel der Cuming’schen Arten als neu beschrie-
ben. Grösstentheils bestand die Sammlung aus Hymenomyceten.
Die javanischen Balanophoreen hat Junghuhn bearbei-
tet (Act. Leop. Caes. 19. Suppl.); von Hasskarl sind neue
Arten aus Java beschrieben und über alle Pflanzen dieser In-
sel systematische Bemerkungen publieirt (Regensb. Flora 1842.
Bd. 2. Beiblätt. S.1— 114). Als Gärtner im botanischen Gar-
ten zu Bogor auf Java hatte er zu Beobachtungen an den
lebenden Gewächsen Gelegenheit. Der grösste Theil seiner
Arbeit bezieht sich auf die Leguminosen: doch hat er nur
wenig neue Arten und die Beschreibungen scheinen sehr un-
vollständig.
Botta hat seine Reise im südlichen Arabien beschrieben
(Relation d’un voyage dans !’Yemen par Botta. Paris 1841. 8).
Ich kenne dieses Werk, welches wahrscheinlich auch den Ve-
_ getationscharaeter dieses Landes berücksichtigt, nur aus der
in den Annales des voyages enthaltenen Analyse,
IV. Afrika,
Von dem Werke über die eanarischen Inseln von Webb
und Berthelot sind jetzt 70 Lieferungen erschienen, Die
systematische Bearbeituug der Phanerogamen nach de Gan-
dolle’scher Anordnung ist in demselben bis zum Schlusse der
Rubiaceen vorgerückt.
Schnizlein berichtete über Kotschy’s Pflanzensen-
dungen aus Nubien und Kordofan (Regens. Flora 1842. Beibl.
1. S.129 — 149). Diese beim Würtemberg’schen Reiseverein
verkäufliche Sammlung enthält gegen 400 Arten aus 56 Fa-
milien. Die artenreichsten Familien sind die Leguminosen
(61), Gramineen (48), Synanthereen (28), Euphorbiaceen
(22), Malvaceen (20), Convolvulaceen (18), Uyperaceen (15),
Acanthaceen (14). — Mehr als die Hälfte der Leguminosen
besteht aus Loteen, von denen die meisten zu der Abtheilung
408
der Galegeen gehören, namentlich /rdigofera (13 Arten), Te-
phrosia (6), Sesbania (4); die Trifolieen sind fast nur durch
Lotus vertreten, die Genisteen durch Crotalarie (7 Arten).
Auf die Loteen folgen die Phaseoleen mit 9 Arten, sodann
die Caesalpinieen mit 8 Arten von Cassia und Bauhinia, end-
lich 5 Mimoseen, 4 Hedysareen und 1 ‚Moringa.. — Unter
den Gramineen sind die Paniceen überwiegend; auch die Chlo-
rideen sind zahlreich und die Stipaceen enthalten 7 Arten von
Aristida. — Die Synanthereen gehören zu vielen verschie-
denen Gattungen und zeigen, so weit sie vorliegen, keinen
deutlich ausgesprochenen Character. — Unter den Euphor-
biaceen gehört etwa der dritte Theil noch zu Zuphorbia,
während Acalypha, Croton und Phyllanthus gleichfalls mehrere
Arten zählen. — Die Malvaceen bilden grösstentheils Arten
von Pavonia, Sida, Hibiscus und Abutilon, die Cyperaceen
von (yperus. — Die Acanthaceen sind reich an generischen
Typen, um so ärmer die Convolvulaceen.
Die schwächer in diesen nubischen Herbarien vertretenen
Familien sind folgende: 11 Boragineen, grösstentheils zu He-
liotropium gehörig; -10 Amaranthaceen; 10 Serophularineen ;
10 Cucurbitaceen; 9 Portulaceen, namentlich Mollugo und
und Trianthema; 8 Rubiaceen ohne Stellaten; 7 Tiliaceen; 7
Lythrarieen, vorzüglich Zergia. 6 Repräsentanten zählen die
Capparideen, Crueiferen, Labiaten und Solaneen. Characteri-
stische Gattungen aus den übrigen Familien sind: Nymphaea
(3), Boerhavia (3), unter den Phytolacceen Giesekia und Li-
meum, unter den Combretaceen Poivrea und Guiera, Saxi-
frageen Vahlia (2), Polygoneen Ceratogonon, Gentianeen Hip-
pion, Palmen Oueifera thebaica.
Schnitzlein hat diese Sammlung sehr passend mit den
Nachbarfloren verglichen. Er findet, dass ungefähr der sechste
Theil von Kotschy’s nubischen Pflanzen auch in Ägypten vor-
komme: hiebei ist jedoch zu bemerken, dass diese Arten bei-
nahe ohne Ausnahme nur in Oberägypten in der Nähe des
Wendekreises einheimisch sind, wo also eben die nubische
Vegetation beginnt. Diese ist von der ägyptischen Flora,
einige mit dem Nil herabgeschwemmte und andere durch die
Cultur verbreitete Arten abgerechnet, völlig verschieden. _Weit
interessanter ist das auch durch diese Sammlung wiederum
409
von Neuem bestätigte Resultat, dass die tropischen Floren
der ‚alten Welt bei Weitem nicht so streng geschieden sind,
als die amerikanischen. So wächst von den nubischen Pflan-
zen Kotschy’s auf der einen Seite etwa der fünfte Theil zu-
gleich in Ostindien, andererseits nach Buchinger’s Verbes-
serung der Angaben von Schnitzlein (Regensb. Flora 1842. 2.
S. 479) von 400 gegen 120 Arten auch an der afrikanischen
Westküste von Senegambien bis Guinea. Aber. es bleiben
dieser Sammlung nicht weniger als 140 neue endemische
Pflanzen für Nubien übrig und hiedurch scheint für jetzt eine
selbstständige nubische Flora hinlänglich begründet zu sein.
Es wäre zu wünschen, dass die botanischen Sammlungen
deutscher Reisenden im östlichen Afrika zu einer umfassenden
systematischen Arbeit den Anlass gäben: denn wiewohl diese
Herbarien in vielen Händen sind, so erhalten wir darüber doch
nur fragmentarische Mittheilungen. Dahin gehört eine Abhand-
lung von €.H. Schultz über die Compositen von Rüppel’s
und Schimper’s Reisen in Abyssinien, so wie von Kot-
schy’s nubischer Reise (Regensb. Flora 1842. S. 417 — 424.
und S. 433—442). Der Verf. besitzt aus Abyssinien 163
grösstentheils unbeschriebene Synanthereen, unter diesen sind
nur 6 zugleich in der nubischen Sammlung enthalten. Er
erwähnt, dass er aus Abyssinien und Nubien 20 Vernonia-
ceen, 2 Eupatoriaceen, 48 Asteroideen, 72 Senecionideen, 17
Cynareen, 25 Cichoraceen und 2 Mutisiaceen empfangen hat.
Er verspricht diese systematisch zu bearbeiten und publieirt
vorläufig als neue abyssinische Gattungen: Wirtgenia, Di-
pterotheca, Schnittspahnia. — Steudel beschrieb
neue Cyperaceen aus Schimper’s abyssinischen Sammlungen
(das. S.577— 599). Unter 16 von demselben gesammelten
Cyperus-Arten waren 12 neue, unter 9 Kyllingien 7; sodann
werden 3 neue Arten von Mariscws characterisirt. — Hoch-
stetter stellte folgende neue abyssinische Gattungen auf
(das. S. 225): Cyclonema (Verbenacee, wovon 3 andere
Arten bei Port Natal von Krauss gesammelt sind), Lopko-
stylis (Polygalee), Kurria (Rubiacee), Valoradia (Plum-
baginee). Die im vorigen Jahresberichte erwähnte Gattung
Raphidophyllum hat Bentham von Gerardia nicht getrennt.
Lindley hat einige neue Orchideen vom Cap der guten
410
Hoffnung beschrieben (Journ. of Bot. 1842. p. 14—18). Sie
gehören theils zu Disa, Penthea und Disperis, theils zu der
von Harvey begründeten Gattung Drownleea. Ausserdem hat
Harvey folgende Gattungen der Capflora neu aufgestellt (das.
p- 183— 29): Ohoristylis (Escalloniee), Pentanisia (Ru-
biacee), Raphionacme und Ohymocormus (Asclepiadeen),
Toxicophlaea und Piptolaena (Apocyneen), Brehmia
(Strychnee) und Acanthopsis (Acanthacee). Hochstetter
(a. a. ©.) trennt Zurylobium von Stilbe und beschreibt die
neue Campanulacee Rhigiophyllum.
Einige neue in der Sammlung von Krauss enthaltene
Gattungen von Port Natal sind a. a. ©. von Harvey im Januar
4842, von Hochstetter im April dess. Jahres beschrieben
worden: Nr.348. ist Diplesthes Harv. (Hippocrateacee); Nr. 186.
Ctenomeria Harv. (Euphorbiacee); Rubiaceen: Nr. 178. Mi-
trastigma Harv. (Phallaria lucida Hochst.), Nr. 121. Kraus-
sia floribunda Harv. (Cofea Kraussiana Hochst.),"Nr. 131.
Pachystigma Hochs., Nr. 144. Mitriostigma Hochst,,
Nr, 129. Lachnosiphonium Hochst.; endlich Nr. 427. Cya-
thodiscus Hochst. (Daphnoidee). Aus andern Sammlungen
von Port Natal hat Harvey die neuen Acanthaceen - Gattungen
Crabbea, Ruttia und Sclerochiton entlehnt.
Meissner hat nach Krauss’s Sammlungen angefangen,
Beiträge zur südafrikanischen Flora zu liefern (Journ. of Bot.
1842. p. 459 — 476). Die erste Abtheilung bezieht sich auf
die Ranunculaceen, Nymphaeaceen, Cruciferen, Violarieen,
Droseraceen und Polygaleen,
Banbury berichtet über botanische Wanderungen im süd-
lichen Afrika (Journ. of Bot. 1842. p. 540— 570). Seine Schil-
derung des Vegetationscharacters in den Umgebungen der
Capstadt ist um so interessanter, als der Reisende, von
Harvey, dem gründlichen Kenner der Capflora begleitet, sich
eine genaue Kenntniss der Arten verschaffen konnte. Der
erste Eindruck der Capvegatation war sehr ungünstig, da B.
in der trocknen Jahreszeit landete: das Gesträuch, zwar man-
nigfach an Formen, erschien doch überall dürr, im Wachs-
thum gehindert und blüthenleer, Kräuter und Zwiebelgewächse
waren durchaus von der sengenden Hitze verbrannt. Die Thal-
flächen und untern Gebirgsabhänge sind nur dünn von Eriken
411
und ähnlichen Sträuchern bekleidet, zwischen denen saftlose
_ Restiaceen, Gräser und niedrige Dornbüsche (Cliortia) wach-
sen. In dieser Steppe giebt es aber auch nicht unbedeutende
Waldungen von Leucadendron argenteum, dem einzigen Baume
von mässiger, Höhe, der auf der Halbinsel der Capstädt ein-
heimisch zu sein scheint. Er wird 30 — 40’ hoch, seine Zweige
sind schräg aufwärts gerichtet, die glänzend weisse Silber-,
farbe der Blätter giebt ihm ein ungemein schönes Ansehn, be-
sonders wenn das dichte Laub vom Winde bewegt wird. Auch
die Rinde des Stammes ist grau gefärbt und bleibt stets glatt,
auch auf den ältesten Bäumen wachsen niemals weder Moose
noch Flechten. Es ist bekannt, dass dieser Baum, der in
der Nähe der Capstadt so häufig vorkommt, auf diese Loca-
lität durchaus geographisch beschränkt ist. Einige der Oap-
schen Proteaceen, wozu auch dieser Silver-tree oder Witte-
boom gehört, sind gesellig und bedecken grosse Flächen mit
ihrer ungemischten Vegetation. Dies ist auf der Halbinsel na-
mentlich auch mit zwei Sträuchern der Fall, dem Krenpel-
boom ( Leucospermum conocarpum), der ein 8— 10° hohes,
grosses Gebüsch mit seinem graugefärbten Laube am Fusse
des Teufels- und Tafelberges bildet, und dem Sugarbusch
(Protea mellifera), einer der schönsten und zugleich häufig-
sten Proteaceen des Caps, mit hellgrünen Blättern und gros-
sen bunten, aus Roth, Grün und Weiss gemischten Blüthen-
köpfen. Diese Blumen sondern, indem sie aufbrechen, eine
so grosse Menge zuckerhaltiger Flüssigkeit aus, dass diese,
wenn man sie umkehrt, wie aus einem Becher auströpfelt,
wodurch stets Schwärme von Inseceten angelockt werden, die
unaufhörlich hinein- und herausschlüpfen. Überhaupt sind
die Umgebungen der Capstadt an Proteaceen reich: diese Ge-
wächse vegetiren freudig auf dem trockensten Boden, in losem
dürrem Sande oder unter scharfen Gesteinfragmenten. Hat
der Silberbaum einen so engen Verbreitungsbezirk, so gedei-
hen andere Formen auf desto weitern Räumen. So ist Protea
eynaroides, welche, wiewohl gewöhnlich nur einen Fuss hoch,
unter allen Cap’schen Proteaceen die grössten Blüthenköpfe
besitzt, von den Flats oder dem sandigen Isthmus der Halb-
insel bis zur Spitze des Tafelberges und von der Capstadt
bis zu den östlichen Grenzen der Colonie verbreitet. Ihre
412 - 5
Blumen sind von blassrother Farbe und. bilden einen Kopf,
der beinahe so gross ist wie der Deckel eines Männerhuts. —
Zu den häufigsten Sträuchern der Halbinsel gehört Chfortia
ruscifolia, ein zäher, niedriger Busch, dessen dorniges' Laub
beim Vorübergehen sehr beschwerlich wird. Hierin übertrifft
die Cliffortia den Ginster, denn ihre Blätter, die spitz wie
Nadeln sind; brechen sehr leicht ab und bleiben an Haut und
Kleidern haften. — Diese Gesträuchformationen theilen im
Ganzen doch den Typus der europäischen Haiden und erin-
nerten B. namentlich an die Küsten der Provence, wo ja auch
mehrere Eriken einen Hauptbestandtheil der Vegetation aus-
machen. Die Eriken des Caps, welche in ihrem Vaterlande,
wie Lindley meinte, keineswegs minder schön sind als in un-
sern Gewächshäusern, zerfallen nach ihrem Vorkommen in
drei Abtheilungen. Einige wachsen gesellig in grossen Mas-
sen, wie die europäischen, und bedecken grosse Flächen
allein, z. B. Erica corifolia, ramentacea, racemifera, flexuosa,
baccans, Blaeria muscoides und ericoides. Andere sind zwar
auch sehr häufig, aber vegetiren zerstreut unter andern Ge-
wächsen, wie Z. mammosa, cerinthoides, Plukenetü, Sebana.
Endlich giebt es Arten, die nur ganz einzeln, hier und da in
einer Felsspalte, vorkommen. : Von allen besitzt Z. cerinthoi-
des das weiteste Areal, eine Art, die noch ostwärts von Gra-
hamstown gefunden wird. — Von. geringerer Bedeutung für
den Vegetationscharacter der Halbinsel sind die Pelargonien,
wiewohl eine nicht unbeträchtliche Anzahl daselbst einheimisch
ist. Wenige Gewächse haben durch die Cultur so gewonnen,
wie diese, Die ausgezeichnetste Art im Gebirge ist Pelargo-
nium cucullatum, ein Strauch mit grossen purpurfarbenen
Blumen, der in allen Schluchten und Thalwegen häufig ist
und gewöhnlich mit: ZLeonotis Leonurus zusammen wächst:
wenn beide blühen, bringt das glänzende Roth des einen und
das brennende Orange der andern einen sehr reichen Effect
hervor.
Als B. zu Ende der nassen und kältern Jahreszeit, wel-
che den enropäischen Sommermonaten entspricht, von einer
Reise in das Iunere nach der Capstadt zurückkehrte, hatte die
Vegetation sich inzwischen entfaltet und prangte nun in ihrer
ganzen Schönheit, in dem eigenthümlichen Reichthum ihrer
413
Formen. Während des August, September und in der ersten
Hälfte des October trieben überall die Ixien ihre glänzenden
Blüthen und breiteten über die Erikensteppe einen Schimmer
der Lebenskraft aus. Die Irideen sind nicht an eine bestimmte
Art des Bodens oder der Bewässerung gebunden, weil sie so
artenreich am Cap sind, dass jeder Standort seine besondern
Formen zählt. Einige wachsen in losem Sande, andere auf
- hartem Thon oder eisenhaltigem Gruss. Das geognostische
Substrat der Halbinsel ist bis zu einer Höhe von 1500’ mei-
stentheils Granit, dann folgen bis zum Gipfel des 3582° ho-
hen Tafelberges horizontal geschichtete Sandsteine. Während
an-der äussern Küste bei Green Point Sparazxis grandiflora
und mehrere Arten von Babiana blühen, entfalten sieh auf
dem Teufels- und Löwen-Berge die rosenfarbene Zxra sei-
laris, die goldgelbe /xzia conica und die mannigfaltigsten For-
men von Gladiolus. Die prächtige Antholyza aethiopica erhebt
an feuchten Stellen, am Ufer der Gebirgsbäche ihre schlanken
Ähren von gelbrothen Blüthen über die Rasen der Restiaceen
und Gräser. Auf dem feuchten Sande des Muysenberg ent-
wickelt sich Zabiana ringens mit ihren seltsamen, am Boden
versteckten Scharlachblumen. Auf den Flats gedeihen Arzstea
und Watsonia, in der offenen Fläche der Stadt verschiedene
Arten von Trichonema. — Neben den Irideen sind in dieser
Jahreszeit zunächst die Orchideen zu erwähnen. Eine der
häufigsten, die überall zwischen dem Gesträuch wächst, ist
Disperis capensis, die man Hottentottenmütze nennt, ein Name,
zu dem die sonderbare Form der purpur- und grün -gefleck-
ten Blüthe den Anlass giebt. Die schönste, aber auch die
seltenste aller Orchideen der Halbinsel ist Disa grandiflora,
der Schmuck des Tafelberges, wo sie nur auf einem einzigen
Standorte am Gipfel zwischen Gesträuch auf schwarzer Sumpf-
erde einzeln gefunden wird: in ihren Farben erinnert sie zu-
nächst an Tigridia, aber ihr Scharlach ist noch weit lebhafter,
Manche andere Orchideen, namentlich Arten von Disa und
Satyrium, sind in dieser Gegend einheimisch, aber keine ein-
zige aus der Gruppe der Epiphyten, für welche das Clima
nicht feucht oder nicht warm genug zu sein scheint. Merk-
würdig ist indessen, dass einige parasitische Orchideen bei
Grahamstown vorkommen, wo bedeutend weniger Regen fällt,
414
als in der Capstadt. — Die Amaryllideen treten gegen’ die
Irideen zurück, doch wachsen auf sandigem Boden Arten von
Brunsvigia und Haemanthus.
Allenthalben zeigt sich die Abhängigkeit der Pflanzenfor-
mationen von der Beschaffenheit der Erdkrume. Der Sand-
boden der Flats ist eine unerschöpfliche Fundgrube eigenthüm-
licher Gewächse. Hier sind nach der Bewässerung zwei Ge-
sträuchformationen zu unterscheiden, von denen die eine den
Bächen folgt und aus O4fortia strobilifera, Erica concinna,
Psoralea pinnata, Leucadendron floridum, Brunia und Rhus
besteht, die andere die Fläche mit den sociellen Eriken,
Clifortia ternata und juniperina, Chironia, Borbonia, Stru-
thiola, Mimetes und Restiaceen bekleidet. Diese letztere For-
mation ist nur 2—3 Fuss hoch, unter ihr sind zahlreiche
Zwiebelgewächse, Lobelien, Synanthereen und andere Kräuter
versteckt; Zrica concinna wächst hingegen zu der Grösse
eines Mannes. Von einigen andern Localitäten hat B. gleich-
falls Pflanzenverzeichnisse mitgetheilt, doch ohne deren Vege-
tation näher zu schildern. Unter Anderm hat er zwei Mal
in Harvey’s Gesellschaft den Gipfel des Tafelberges bestiegen,
“ wo auf der höchsten, meist in Wolken (Tablecloth) gehüllten
Plattform die Vegetation aus folgenden Formen besteht. Das
Ericoidengesträuch wird hier von 7 Eriken, 2 Penaeen, Grubbia
rosmarinifolia, der Bruniacee Staavia glutinosa und der Scro-
phularinee Teedia gebildet. Zwischen diesen kommen ausser
zahlreichen Restiaceen 7 Zwiebelgewächse aus den Familien
der Orchideen, Irideen und Amaryllideen vor, ferner mehrere
Synanthereen, die Umbellifere Zermas, die Gentianee Villarsia
ovata, die parasitische Scrophularinee Aulaya, eine Orassula
und 2 Farne: T7odea und Schizaea, Sodann ist der Gipfel
des Tafelberges auch an Moosen und Flechten reich: die Fel-
sen sind im Tropfenfall von Andreaea subulata Havv. und
Jungermannia Hymenophyllum Hook. bekleidet, aber 'auch
Racomitrium lanuginosum, Dicranum flecuosum, Stieta erocatu
sind hier allgemein,
B, theilt die Meinung derjenigen, welche glauben, dass
die Reichthümer der Capflora, ungeachtet so zahlreicher und
glücklicher Untersuchungen, noch bei Weitem nicht erschöpft
seien. Viele Capflanzen sind in ihrem Vorkommen auf so
415
enge Grenzen eingeschränkt, dass man die Gegend, wo sie
wachsen, längere Zeit untersuchen kann, ohne ihren Standort
aufzufinden. Andere haben eine überaus kurze Vegetations-
zeit, und manche von diesen, namentlich in den Karro’s, er-
heischen zu ihrer vollkommenen Entwickelung Umstände, die
erst nach einer Periode von mehrern Jahren wiederkehren. —
Indem Banbury seinen Bericht mit der Bemerkung schliesst,
dass das südliche Afrika als natürliche Flora zu den am schärf-
sten abgesonderten Gebieten der Erde gehöre, kommt er auf
eine ähnliche Betrachtung, wie die, welche ich im vorigen
Jahresberichte über Neu-Guinea äusserte, dass nämlich die
Verbreitung der Thiere und Pflanzen nicht durchaus gleichen
Gesetzen unterworfen sei. Swainson und Andere haben ge-
zeigt, dass sehr viele Vögel zugleich am Senegal und in der
Capeolonie einheimisch smd, während keine einzige Pflanze
beiden Landstrichen gemeinsam ist, und selbst in Congo nicht
ein einziges Beispiel aus den für die Capflora characteristi-
schen Pflanzengruppen angetroffen wird. *)
Von. den Comoro-Inseln, Madagascar und Mauritius hat
Bojer einige neue Pflanzen beschrieben ( Ann. se. nat. 18.
p- 184— 192). Sie gehören zu Calpidia und Boerhavia (Ny-
etagineen), Ailsenbergia und Dombeya nebst Melhania (Bytt-
neriaceen), und zu Erythroxylon.
V. Amerika.
Da des Pr. v. Wied Reisewerk über Nordamerika im
vorigen Jahre ganz vollendet worden ist, so haben wir über
dessen Vegetationsschilderungen jetzt ausführlich zu berichten.
*) Es ist die’bedeutende Verschiedenheit in der Vertheilung der
Gewächse und Thiere in Africa in hohem Grade beachtenswerth, und
sie zeigt, wie unabhängig von einander sich beide verbreiten können.
Südafrica hat nicht allein eine namhafte Anzabl von Arten aus allen
Tbierklassen mit Mittelafrica gemein, sondern auch in ihren chara-
eteristischen Formen ist zwischen beiden Faunen keine scharfe Grenze
(vergl. dieses Archiv. 1843. 1. Bd. S. 201). Und wie die Flora Neu-
hollands vorzugsweise der Südafrica’s vergleichbar ist, findet sich
diese Analogie in den Faunen nur in sehr untergeordnetem Grade
wieder (dieses Archiv. 1842. 1.Bd. S 89),
Herausgeber,
416
Diese sind, wie früher erwähnt, von charactervollen Land-
schaftszeichnungen begleitet und stützen sich rücksichtlich des
Systematischen grösstentheils auf die Bearbeitung der vom
Prinzen selbst gesammelten Pflanzen durch Nees v. Esen-
beck. Diese Arbeit bildet eine Beilage zum zweiten Bande
(S. 429— 454) unter dem Titel: Systematische Übersicht der
von der Reise auf dem Missouri zurückgebrachten Pflanzen,
Leider ist ein grosser Theil der Sammlung durch Unglücks-
fälle verloren gegangen: doch wiewohl aus diesem Grunde die
Vermehrung des Materials zur Kenntniss der Prairie-Vegeta-
tion nicht beträchtlich ist, so sind dafür die Nachrichten über
die pflanzengeographischen Verhältnisse um so reichhaltiger
und werthvoller.
Aus den ungeheuern, nur hin und wieder durch Men-
schenhand gelichteten Urwäldern, welche den grössten Theil
Nordamerika’s bedecken, sind die Prairien so scharf ausge-
sondert, wie das Bett eines grossen Binnenmeers. Durch die
Rocky Mountains und den Lauf des Missisippi eingeschlossen,
von Texas bis Hudsonien ausgedehnt, berührt diese wellen-
förmig gebaute, mit Gramineen bewachsene. Hügelebene die
Urwälder in einer langen, im Durchschnitt 20 geogr. Meilen
westwärts vom grossen Strome gelegenen Meridianlinie und
greift zweimal, in Jllinois und in Alabama, über diese Grenze
in den bewaldeten Erdstrich wie mit einem Meerbusen hin-
über. Die Ursache dieser grossartigen, nicht durch Niveau-
verhältnisse bedingten Gliederung der Unionsstaaten in zwei
Vegetationsbezirke ist durchaus räthselhaft. Unter den Tropen
ist es leichter, den Zusammenhang zwischen der Steppenbil-
dung und den herrschenden Luftströmungen einzusehen, als
in der gemässigten Zone. Auch sind die climatischen Ver-
hältnisse der Prairieen zu wenig bekannt, aber dem Prinzen
v. Wied verdanken wir wichtige Beiträge. Es zeigt sich nicht
bloss in den von der Vegetationsform selbst grossentheils ab-
hängigen, atmosphärischen Niederschlägen, sondern. beson-
ders in den Schwankungen der Temperatur ein ungemein gros-
ser Gegensatz zwischen dem Clima der nordamerikanischen
Ostküste und den Prairieen. Mädler, der die climatischen
Daten des Prinzen geordnet hat, bemerkt hierüber, dass die
jährlichen sowohl als die täglichen Schwankungen des Thermo-
417
meters Alles übertreffen, was aus diesen Breiten, selbst im
Innern von Russland, bisher 'bekannt geworden ist. Es’herrscht
hier ein in den Ääussersten Extremen sich bewegendes, ein
Continentalelima im strengsten Sinne, während jenseits der
Rocky Mountains gerade das Gegentheil eintritt (siehe vorigen
Jahresbericht).
Die meteorologischen Beobachtungen im Gebiet der Man-
dan-Indianer am obern Missouri, welche wir dem Prinzen
v. Wied verdanken, erstrecken sich leider noch nicht auf ganze
Jahre. ‘Seine eignen in Fort Clarke angestellten Thermometer-
messungen unifassen nur die Wintermonate und "haben daher
für Pflanzengeographie ein ‘geringeres Interesse. Dagegen be-
ziehen sich die von MaecKenzie erhaltenen, in Fort Union
an der Mündung des Yellowstone in den Missouri ( beiläufig
unter 48° N. Br. und 86° W.L. Ferro‘) beobachteten Werthe
auf die ganze Vegetationszeit, und fehlen nur vom October
bis December. Die mittlere Temperatur hat M. nach der Me:
thode der kleinsten Quadrate bereehnet und’ bestimmt sie an-
genähert — 5,72 R.- Die beobachteten 'Mitteltemperaturen
der einzelnen Monate sind:
1833. ° 1832.
Januar zie— u4,75. RB.
Februar. =. — .6’,46. -
März 02, -
» ‚April =.$#.7°,03. + 8°,91.R.
Mai =. + :8°,94.- + 6°,90. -
Juni =: +415°,03 - 00%... 150,22.-
Juli —= +18°,4 - + 18,58. -
August = + 17°,20 -
September = + 11°,75: - ”
Der Unterschied der mittleren Temperatur des wärmsten
und kältesten Monats beträgt daher 23°,2 R. ‘Die täglichen
Schwankungen sind gleichfalls ungemein gross. Am stärksten
sind sie im März, wo sie durchsebnittlich 11°,57 R. betragen.
Einmal stieg das Thermometer am 14. März in 6 Stunden um
20°,9 R., es sank "am 21. Februar‘ 1833 von 12% bis zum
folgenden Morgen um 37°,3 R. — Die herrschenden Luftströ-
Archiv 1, Naturgesch. IX. Jahrg. 2. Bd, Bb
418
mungen wehen aus West, die Hauptrichtung ist 'W. 134° S.
Der Nordwest ist der kälteste, der Süd der wärmste Wind.
Nach den Erfahrungen des Pr. v. Wied ist das Clima in
Fort Union trocken und stürmisch. Auf den strengen, anhal-
tenden Winter folgt im Frühling die nasseste Jahreszeit, wäh-
rend welcher die Prairieen in Blüthe stehen, die in den übri-
gen Monaten nur verdorrtes oder mit Schnee bedecktes' Gras
tragen. Denn von der Mitte des Julius‘ hebt eine durchaus
trockne Jahreszeit an, welche fast ‚ohne atmosphärische Nie-
derschläge bis zum Ende des Herbstes dauert. Hier wird also,
wie in den russischen Steppen „die Vegetation gleichsam durch
einen doppelten Winterschlaf unterbrochen... Während des
April fallen zuweilen noch heftige Schneestürme ein, vor. dem
Mai bricht das Laub bei den Mandandörfern nicht hervor,
wohl etwas früher in den Ufer-Saliceten,. ja: man hat: erlebt,
dass am Ende dieses Monats die Bäume noch nicht. grün. wa-
ren (II. S.74). Im Mai entfalten ‚sich ‚auch die Blumen der
Prairie, aber Ende Junius waren. die Hügel’ um Fort Union
, schon fast blüthenleer (1..S.435).. Damals war das ganze
Land nur noch mit kurzem, trocknen: Grase bedeckt, worauf
in rundlichen Flecken die niederliegenden Büsche der Opun-
tia missouwriensis DC. in Menge vertheilt lagen, die nun ihre
gelben Blüthen gleichzeitig mit Artemisia gnaphalodes Nutt.
entwickelten. So dauert die Vegetationszeit in den Prairieen
nur vom Mai bis Juli und doch ist der Juli der einzige Mo-
nat, in dem es gar keine Nachtfröste giebt. In den’ Waldun-
gen erhält sich das Laub auch bis in den October. Erst im
November gefriert der Missouri, dann bleibt der Schnee lie-
gen und schwindet erst wieder im März.
Die Erdkrume in den Prairieen besteht aus einem sandi-
gen Thonboden, der oft salinische Gemengtheile einschliesst.
Dennoch. würde. er für den Ackerbau fruchtbar genug sein,
wenn der unaufhörliche, vom Plateau der: Rocky Mountains
wehende Wind ihn nicht zu sehr austrocknete. Die, Indianer
bauen zwar Mais, aber nur in den Stromniederungen mit Er-
folg, wo. sie gegen den Westwind geschützt sind.
Das grosse Land der Prairieen scheint in: seinen botani-
schen Erzeugnissen sehr gleichartig und: ‚einförmig zu sein,
Selbst die Gramineen, von denen die ganze Steppe mehr oder
Pe.
is 419
minder üppig bewachsen ist, sind nicht mannigfaltig. Zu ‘den
kräftigsten Gräsern gehören Uniola spieata L., Spartina' patens
Mühl: und Atheropogon ‚olygostachyus ‚Nutt., von ‘denen. das
letztere in der ebenen Prairie‘ bei: Fort Clarke über 'manns-
hoch. werden: soll (11.8. 81). Andere Prairiegräser sind Alero-
chloa fragrans Kth.. (an mehrern Stellen dieses Reisewerkes
durch‘ einen seltsamen Irrthum anstatt Ribes aureum genannt
1.8. 319. 326. 1.:S.325), Jgropyrum repens P: B., Sesleria
dactyloides Nutt. Unter den Kräutern, welche mit diesen Gra-
inineen- vermischt wachsen, sind ‘mehrere gesellig, aber doch
grösstentheils auf weiten Entfernungen wech$elnd, so dass man
beider geringen Zahl: dieser Formen sich. in dieser. weiten
Einöde wohl. nach gewissen: Pflanzen: orientiren ‚könnte. «So
erwähnt: der. Reisende auf dem langen. Wege. von. der: Mün-
dung des Missouri bis. zu dessen »Stromschnellen bei Fort
Mackenzie unter den Rocky Mountains als solche characte-
- ristische- Formen nach und nach» Oxytropis Lamberti ‘P.,
Cristaria ceoccinea P., Allium relieulatum: Fras.; Amorpha
nana Nutt., Audbeckia columnaris P., Solidago fragrans W.
„Alle. diese und ‚andere Gewächse ‘aber "werden an Häufigkeit
bei Weitem von Artemisia gnaphalodes Nutt. übertroffen, wel-
che fast durch. das ganze Gebiet verbreitet, oft weite Räume
mit den Prairiegräsern fast ausschliesslich . bedeckt. Hieran
reihen sich auf ‘nicht minder‘ grossem Areal die beiden Ga-
eteen der Prairie Opuntia missouriensis und-eine der bei Asa
Gray beschriebenen Mamillarien, die nebst Yucca angusti-
Folia P. die Steppen des Missouri ‘vorzugsweise characterisi-
ren. Endlich. kommen bier. noch allgemein. einige niedrige
Sträucher vor, die auf grossen Landstreeken. überall fortkom-
men und dann plötzlich irgendwo einer andern, ebenso: ge-
selligen ‚Art Platz machen. Im Süden erscheint, wenn man
den Missouri hinauffährt, etwa‘ unter 42% N. Br. zuerst als
Prairieenstrauch der Buffalo -Berry-Shrub (Shepherdia argen-
tea-Nutt.), der von- hier aus aufwärts immer häufiger wird.
Bei den Mandan -Indianern unter: 47° N. Br. beginnt zuerst
Juniperus repens Nutt., von dem die nackten Hügel am Mis-
souri bei Fort Clarke in Gesellschaft von J. communis 1. be-
wachsen sind. Oberhalb der Mündung des Yellowstone tritt
der Pulpy-Thorn Olarke’s auf (Sareobatus Marimiliani Nees:
Bb*
420
eine neue, zweifelhaft zu den ‘Urticeen gezählte Gattung), ein
Strauch, der von hier aus bis zu den Rocky‘ Mountains über-
all’ mit‘ der Artemisie gemischt wächst.‘ — Die‘ characteristi-
schen Formen der Prairiekräuter sind "nach des’ Pr. v.' Wied
Sammlung ‚folgende: Leguminosen: Astragalus, Oxytropis,
Thermopsis, Amorpha, ‚Sophora; Synanthereen: ‘z.B. .Iva,
Artemisia, 'Senecio, Solidago, Helianthus, Rudbeckia, Chrys-
opsis, Sideranthus, Aster, Erigeron, Stenactis, Achillea, Cir-
sium , Jamesia (Prenanthes Torr.); Crueiferen : 'z. B. Vesicaria,
Erysimum asperum DC.; Boragineen: Batschia, Myosotis, Li-
thospermum, Echinospermum; einzelne‘'Gattungen aus den Mal-
vaceen :" Oristaria,;' Onagrarien Oenothera mit mehreren Arten,
Linum, Galium; ‘aus: den: Hydrophylleen Zllisia; ‘Serophula-
rineen Pentstemon; Santaleen Comandra,; Chenopodeen Kodchia
ıdioeca Nutt. und aus den Polygoneen Zriogonum sericeum P.
Nur selten und wie es scheint vorzüglich ‘an den Gren-
zen des Gebiets sind den 'Prairieen Waldungen eingestreut,
allein in den: Flussniederungen. begleiten diese das Ufer und
liefern hier: dem Bewohner das "einzige Holz.» Dadurch, \dass
die Prairieen vom Missouri und dessen zahlreichen» Neben-
flüssen durchströmt werden, sind sie der ‚Cultur ‚weit zugäng-
licher als andere Steppen, so wie sie jetzt unzähligen Thie=
ren zum Aufenthalte dienen. Jene Uferwaldungen bestehen
gewöhnlich aus Populus angulata‘ W. oder ausWeiden, 'na-
mentlich aus Salix lueida W. und longifolia Torr. Ausserdem
kommen selbst am 'mittlern Missouri, also 'mitten ‘in der Prai-
rie, von grössern Bäumen doch auch noch zwei Eichen, eine
Esche und Negundo vor, Am untern Stromlauf, im Grenz-
gebiet der Prairie von Osage, nimmt. allmählig die Zahl der
Baumarten zu, bis bei St. Louis schon der Waldcharacter von
Indiana erreicht ist. Von hier ausVerstrecken sich selbst die
sogenannten rothen Cedern des Missisippi ziemlich ‘weit am
Missouri aufwärts. Noch unter 43° N. Br. liegt im‘ Strome
eine Insel, welche‘ die Cederninsel heisst. Hier steht inner-
halb eines’ Kranzes von Pappeln und Weiden, deren Unter-
holz aus Shepherdia und Cornus'sericea gebildet wird, "ein 50‘
hoher, jedoch mit Laubholz gemischter Coniferenbestand von
Juniperus barbadensis‘L. Dieselbe Erscheinung’ wiederholt sich
an der Nordwestgrenze der Prairie.. Am Russe der, Rocky
421
Mountains. bei Fort Mackenzie sind zwar noch immer die Wal-
dungen von Populus angulata vorherrschend, aber es giebt
auch Fichtenihaine, ‘die hier aus Pinus flexilis Jam. bestehen,
einer Art, die ostwärts an der Mündung des Yellowstone 'ver-
sehwindet. ‘Zwischen Fort Union und‘ der Cederinsel’giebt
‘es daher fast nur Pappeln und Weiden. "Das 'Gesträuch in
diesen Pappelwäldern besteht aus mehreren Rosen, namentlich
Rosa‘ Muximiliani Nees,' ferner vaus' Amelanchier sanguineu
DE; Prunus serotina Ehrh., Symphoria , Cornus, Ribes, be-
sonders Zt. aureum P., und‘ Shepherdia; die Lianen aus “Ole-
matis cordata P:, WVitis cordifolia Mich., Celastrus scandens
und Humulus.
"0 Auch am Missisippi bei St. Louis finden sich noch Ufer-
‚waldungen von Populus, die für alle diese Landschaften höchst
characteristisch ‚sind. An vielen "Stellen bilden die Pappeln
dichte Stangenhölzer von’ gleicher Höhe, gegen den Fluss hin
‚von 'Saliceten umgürtet. Wo aber Gestein ansteht, wechseln
die Pappeln am Missisippi und am untern Ohio ‘sogleich mit
der nordamerikanischen Ceder (Juniperus vwirginiana‘ L.).
Die Mittheilungen des ‘Pr. v. Wied ‘über den Character
der nordamerikanischen Wälder sind von grosser Bedeutung.
Bei einem verlängerten Aufenthalte in den Alleghanni’s von
Pennsylvanien und später zu New-Harmony in Indiana hatte
er Gelegenheit, die verschiedene Waldformation in den nörd-
lichen und westlichen Staaten zu vergleichen. In Pennsylva-
nien bestehen die Wälder an der Lecha z. B. bei Betlehem
aus Auercus coccinea, rubra, tinctoria, alba, Juglans nigra,
Castanea, Prinos, Laurus Sassafras, mit einem dichten Unter-
terholze von #hododendron maximum und der Liane‘ Pitis
Labrusca. In andern Laubwäldern, z. B. auf dem 1050° ho-
hen Passe zwischen Delaware und Susquehannah findet man
ausser den stets vorherrschenden Eichen, Castanien und Wall-
nussbäumen auch Fagus, Carpinus, Betula, Ulmus, Nyssa,
Acer und Liriodendron.
In den Alleghanni’s folgt über diesen Laubwäldern eine
Coniferenregion, die theils aus Fichten ( Pinus rigida Mill. ),
theils atıs Tannen (P. canadensis Ait.) gebildet wird. An der
untern Grenze der Nadelwälder wachsen im Gebiet des Dela-
ware Eichensträucher, z. B. R. Banisteri Mich., aus denen sich
422
einzelne Stämme von Pinus rigida erheben. In den westlichen
Alleghanni’s sind dagegen die ‘Wälder der mittlern Höhen,
2. B. auf dem. 2400’— 3000‘ hohen Passe, zwischen dem Sus-
quehannah und Ohio, meistenstheils aus Laub- und Nadelholz
gemischt, worauf dann gegen Pittsburg reine oder mit Casta-
nien und Robinien gemischte‘ Eichenbestände: folgen, deren
Lianen aus Vitis, Ampelopsis und Smilax bestehen.
Über die Vegetation der Coniferenregion sind genaue An-
gaben in einem dem "Reisewerke beigefügten, von v.Schwei-
nitz entworfenen Oataloge der auf dem Pokono , einem Gi-
pfel des Blue ridge. oder östlichen Alleghanni’s «unweit Betle-
hem gefundenen Pflanzen enthalten. Auch vom Prinzen. ward
dieser Berg bestiegen. ‘Das Unterholz besteht‘ hier auch. noch
aus Rhododenidron maximum und mehreren andern Rhodoreen,
2. B. Kalmia latifolia, Andromeda racemosa, einigen‘ Vacci-
nien, Comptonia asplenifolia und (der erwähnten Eiche. An-
dere‘ Sträucher und Halbsträucher sind Gaultheria procumbens,
Rohdora canadensis, Arten von Oxycoccos, Cornus, Prinos lae-
vigata und 4dronia glabra. ‘Auf dem’ niedergebrannten Walde
der Alleghanni’s 'erhebt sich sogleich Alhus typhinum, Phyto-
lacca und Verbascum.
Über die Vegetation der südlichen Alleghanni’s haben wir
Nachrichten von Asa Gray erhalten (Journ. of Bot. 1842.
p- 217 —237 und 1843. p.113— 125). Das grosse virgini-
sche Längsthal, welches zwischen den eigentlichen Alleghan-
ni’s und dem Blue ridge in einer Breite von 4— 6 geogr.
Meilen, ungefähr vom 36sten bis ‘42sten Grade, ‚sich erstreckt,
ist überall mit einer starken, fruchtbaren, meist kalkhaltigen
Erdkrume bedeckt, hat aber 'grossentheils seine ursprüngliche
Vegetation ‚schon verloren, Europäische Unkräuter, nament-
lich Zehium vulgare, haben hier auf grossen‘ Flächen sich an-
gesiedelt. Mehr als 20 g. Meilen weit hat jene Pflanze vom
unbebauten Boden vollständig Besitz genommen, oft sogar von
den Äckern, indem überall, wo Kalkstein ansteht, die ganze
Ebene blau davon gefärbt ist. Ebenso kommen hier Zupleu-
rum rotundifolium, Marrubium vulgare, Euphorbia Lathyris
und Meljssa Nepeta jetzt sehr häufig vor. — Im Bereiche die-
ses Thalgebiets sind mehrere Baumgrenzen. Kobinia pseuda-
cacia, die ostwärts vom Gebirge fehlt, tritt zuerst auf, wo
423
der Potomak Jen Blue ridge kreuzt, und wird von hier aus
gegen Süden häufig. Südwärts von Lexington wächst zuerst
Gleditschia triacanthos und Negundo, hier beginnt auch der
Papawbaum ( Uvaria trilooa), der in den westlichen Staaten
eine so grosse Bedeutung gewinnt, und gegen den New River
sieht man zum ersten Mal Jesculus flava. 1
Die Gebirgsketten selbst untersuchte Asa Gray in’ Nord-
carolina, wo sie im Black Mountain bis zu ihrer grössten
Höhe, bis zu 6476‘ nach Michaux’s Barometermessung, sich
erheben. Die Laubwälder um Jeflerson sind noch denen von
Pennsylvanien ähnlich, sie bestehen aus Oastanea, Quercus
alba, Liriodendron, Magnolia auriculata und enthalten zuwei-
len Acer saccharinum. Die Berge sind gewöhnlich bis zum
Gipfel bewaldet, so der 5556‘ Ihohe Grandfather im Blue
ridge, den der Reisende bestieg. Die Coniferenregion dessel-
ben besteht nur aus Tannen, besonders aus Pinus Fraseri P.,
die von P. nigra Ait. begleitet wird. Die Steinblöcke von
Glimmerschiefer und die gefallenen Stämme dieser Region sind
mit Moosen und Flechten dicht überzogen. Hier wiederholt
sich genau der Character der dunkeln, einsamen Wälder am
Lorenzstrom, nur dass die Bäume im Gebirge von Carolina
kleiner bleiben als in den nördlichen Ebenen von New- York
und Vermont. Diese Ähnlichkeit erstreckt sich auf die ganze
Vegetation, auch die Sträucher und Kräuter sind grössten-
theils eanadisch. Mit diesen mischen sich nur einige endemi-
sche Gebirgsformen, z. B. Astilbe decandra, Chelone Lyoni,
Aconitum reclinatum Gr., Saxifraga Careyana Gr. — Unter
den Sträuchern der südlichen Alleghanni’s erwähnt Gr. na-
mentlich Ahododendron catawbiense, Menziesia globularis, Leio-
phyllum serpyllifolium DC., Vaccinium erythrocarpum, Sorbus
americana, Pyrus melanocarpa, also fast nur Rhodoreen und
Rosaceen, Vergleicht man nun die Wälder der östlichen und
westlichen Staaten, so ergiebt sich eben das allgemeine Re-
sultat, dass diesseits der Alleghanni’s das Unterholz vorzugs-
weise aus Rhodoreen, jenseits aus einer Anonacee, aus Üvu-
ria triloba, gebildet wird, Am untern Missisippi finden wir
statt dieses mächtigen Unterholzes das hohe Waldrohr, die
Miegia maerosperma, und zuletzt in dem an die Prairieen
grenzenden Urwalde nur noch Zyuisetum hyemale.
424
\
Diese Gegensätze in. der’ Bildung. des Unterholzes lernte
der.Pr. v. Wied zuerst kennen, alsıer, von den. Alleghanni’s
nach Westen reisend, die Urwälder am. Ohio unterhalb Pitts-
burg, betrat: Hier war ‘Rhododendron. maximum bereits ver-
schwunden und ward vom Papaw vertreten, einem. 20’— 30’
hohen Baume mit violett- braunen Blüthen, schön. hellgrünem,
grossem; ‚glatten‘ Laube und, essbarer Frucht. ' Unter den
Hochwaldbäumen. beginnen ‚hier die Platane und Buche, ver-
mischt ‚mit Ziriodendren, Acer, Tilia, Juglans, Fraxinus und
Ulmus, vorzuherrschen, während. die Eichen und Castanien
sich verlieren; die allgemeinen Lianen sind noch immer Vztis
und Ampelopsis. Von. hier ‚aus begleitete der Papaw den Rei-
senden (durch. Ohio, Indiana, Jllinois und Missouri, bis\er an
den Prairieen von. Osage zum letzten Male, gesehen ward,
Aber gegen Westen. nimmt seine Bedeutung ‚allmählig, ab.
Schon am untern Ohio giebt es Gegenden, wo der. Boden
des Urwaldes statt des Unterholzes von. der Miegia bedeckt
wird... Dieses Waldrohr ist ‚indessen hier ‚niedriger. ‚als in
Louisiana, es wird nur 8— 10° hoch, bildet aber. dichte, ‚im
Winter grün. bleibende Gebüsche, ‚während unter den Bäumen
dort. gar keine immergrüne, Formen, vorkommen. „Am untern
Missouri fehlt,das.Waldrohr schon ganz. das erwähnte, etwa
2‘ hohe Zywisetum aber bedeckt hier den Boden des ‚Urwalds
oft so dicht, dass. man zwischen. seinen 'Halmen kaum ‚einen
Stock zur Erde bringen kann,
Die Wälder von Indiana sind aus.sehr vielen. Baumarten
gemischt, von denen..der.. Pr. v..Wied gegen. 60 aufzäht. Im
Hochwalde kommen folgende Gattungen vor: Platanus: ocei-
dentalis (Buttonwood ), Liriodendron. .(Poplar.),. Acer.6 sp.,
Quercus. 9sp:, »besonders. 4, macrocarpa,- Gymnocladus, cana-
densis: (Coflee-tree), Juglans 40. sp.,.»Gleditschia %'sp. (Lo-
cust), Ligwidambar styraciflua,(Sweet- gum), Catalpa, Tilia,
Ulmus:3:5p., Fraxinus 2 sp., Nyssa.sylvatica (Black-gum),
Fagus americana, Robinia pseudacacia, Diospyros.. In diesen
Wäldern: ist das ‚Unterholz gewöhnlich 15 — 30‘ hoch, an. der
Bildung desselben nehmen ausser ‘der Uvarie auch. Zazerws
Benzoin (Spice-wood) und Cereis canadensis (Red-bud) Theil.
Die übrigen niedern, Baumformen gehören zu Populus , Carpi-
nus, Ostrya, Morus, ‚Celtis, Laurus Sassafras, Cornus. florida,
, 425
Pyrus: coronaria, Mespilus arborea und Prunus virginiana,
Kleinere Gesträuche, werden vorzüglich aus Kvonymus, Cra-
taegus, Spiraea, Rubus, ‚Corylus und Salix gebildet. Die übri-
gen dahin gehörigen Formen sind Symphoria glomerata, Hy-
drangea arborescens, Ceanothus americanus, Staphylea trifolia,
Amorpha fruticosa, Hamamelis virginica und Gonolobium. hir-
sutum. Auch die Lianen sind hier mannigfaltiger als in Penn-
sylyanien: hier treten mehrere Bignonien auf, besonders 2.
radicans, sodann ausser mehreren Arten von Fitis und Smilax
Celastrus scandens, Clematis virginiana. Aber die merkwür-
digste Liane Indiana’s ist Akus radicans, der Poisonvine, des-
sen: Rauken den Stämmen. fest anliegen und mit unzähligen
Luftwurzeln. befestigt sind: aus diesem Wurzelfilze treten die
Zweige rechtwinkelig heraus und krümmen sich mit ihren ge-
fiederten Blättern nach aufwärts. Wenn man. diese Wälder
von den Allegharini’s aus bereist, so fällt ausser dem verschie-
denen Unterholze am meisten auf, dass hier das Nadelholz
durchaus fehlt und dass die Castanien und Magnolien gleich-
falls verschwunden sind. Die Erdkrume in den. Urwäldern
von Indiana besteht meistentheils aus einem schwarzen Humus-
boden: wo dies nicht der Fall ist, wo, wie z.B. an einigen
Orten zwischen Harmony. und Vincennes, ein lockerer Sand
mit der gebundenen Humusdecke abwechselt, verändert sich
ebenso plötzlich der Character des Waldes und an die Stelle
des üppigen Mischwaldes tritt ein Bestand von der weit nie-
drigern Quercus nigra, welche nur 30—40’ hoch wird, —
Das COlima von Indiana ist rauh: Baumwolle gedeiht hier nicht
mehr. ‘Das Hauptproduet des Ackerbaus ist Mais, der hier
42— 15’ hoch wird. Ausserdem baut man "Kartoffeln und die
vier nordeuropäischen Getreidearten.
Über den Vegetationseharacter der Nordwestküste von
Amerika hat Hinds aus eigener ‚Anschauung berichtet ( The
regions of vegetation 'p. 331—335.). Ein ununterbrochener
Urwald bedeckt die Küste vom’68° — 46° N.Br. Am Columbia-
River aber tritt ein plötzlicher Wechsel in ‘der Vegetation ein,
die Mündung Jieses Flusses bildet eine scharfe Grenzlinie ge-
gen die Flora von Californien. Der dichte, so weit nach Nor-
den von Columbia ausgedehnteWald besteht nur aus wenigen
Arten. Alle grossen Bäume sind Coniferen: drei Arten von
426 a
Tannen (Abies) und Oupressus thyoides L. Kleinere Baum-
formen gehören zu Crataegus, Prunus, Betula, Salix, im Sü-
den erscheint auch Diospyros. Die oflene, den häufigen West-
stürmen ausgesetzte Lage dieser Küste, in Verbindung mit
der beständigen Feuchtigkeit des Clima’s, die am Columbia
53”,6 Regen hervorbringt, bewirkt in’ diesen Urwäldern ein
ungemein frühzeitiges Stürzen der Bäume. Mit gefallenen
Stämmen, bemerkt Hinds, sei der Boden hier sö dicht bedeckt,
dass man dadurch an die Bildungszeit der Kohlenformationen
erinnert werde. Überall liegen kaum ausgewachsene, mit ery-
ptogamischer Vegetation bekleidete Bäume horizontal im Walde.
Die Gesträuche sind in diesen nordwestlichen Tannenwäldern
ausnehmend üppig entwickelt. Dies sind zahlreiche Fornien
von Vaccinium, Menziesia, Rubus und Ribes; weiter südwärts
gesellen sich zu diesen Zonicera, Mahonia, Gaultheria. Ein
socielles Farnkraut, Aspidium munitum, bedeckt grosse Flä-
chen im Walde für sich allein. In verschiedenen Breiten ver-
treten sich hier verschiedene Arten gleieher Gattung, was na-
mentlich von Ztibes, Lupinus und den Rosaceen gilt. Zwei
Pflanzen mit sehr grossen Blättern, eine Aroidee und eine
Araliacee, sind hier weit verbreitet, Dracontium Kamtschati-
cum und Panax horridum, beide kommen vom Columbia bis
zum 61° N.Br. vor. Übrigens sind die Gattungen bekanntlich
fast ohne Ausnahme europäisch, ungefähr die Hälfte der Ar-
ten findet sich auch in Europa oder Sibirien. Nur in der
Nähe ihrer Nordgrenze werden diese Urwälder einmal ander
Küste gegen die Aleuten durch einen baumlosen Streifen Lan-
des unterbrochen, der im Sommer eine üppige Vegetation von
"Rosa, Salix und Lupinus ernährt. Diese Gewächse bilden ver-
einigt eine dichte Vegetation, welcher manche Kräuter, z.B.
Mimulus luteus, Geranium eriostemon, Lupinus noötkuensis,
Epilobium latifolium, Polemonium humile nebst einigen Farnen
und europäischen Gramineen eingemischt sind.
Südlich vom Columbia, wo die californische Flora be-
ginnt, hören die Abieswälder plötzlich auf und machen in den
Waldungen zunächst Fichten und Eichen Platz. Indessen ist
das Land hier grösstentheils offen. Die Formationen der cali-
fornischen Flora 'sind nicht hinlänglich bekannt, auch von
Hinds (a. a. O. p. 345. 348) sind sie, mit Ausnahme der
427
Wälder, nicht glücklich charaeterisirt worden. Die californi-
schen Eichengehölze enthalten nach diesem Reisenden zwei im
Winter entlaubte und zwei immergrüne Arten: die letzteren
finden sich längs der Küste aber nur zwischen 34° und 38°
N.Br. Die übrigen Bäume sind nicht zahlreich: Acer, Aescu-
lus, zwei Laurineen (Tetranthera californica und Laurus sp.),
und an den Flussufern Platanus, Fraxinus, Juglans, Salix..
Das Gesträuch in den Waldungen besteht aus Aubus, Ribes,
Rhus, Vuceinium, Cornus, Lonicera, auch holzigen Synanthe-
reen. — Auf der californischen Halbinsel gehören die Oaeteen
zu den bedeutendsten Vegetationsformen, aber sie reichen nur
bis zum 34sten Breitegrade. Südostwärts rechnet H. die cali-
fornische Flora bis zum Colorado.
Diagnosen einiger für neu gehaltener Pflanzen aus Jlli-
nois und Missouri hat Martens publieirt (Bullet. de l’aca-
demie de Bruxelles. 1841. 1. p. 65— 68). -
Von Liebmann’s botanischen Briefen aus Mexico hat
Schouw der Copenhagener Academie einige vorgelesen, wel-
che mir nur in der noch nicht vollendeten Übersetzung von
Hornschuch vorliegen (Regensb. Flora 1843. S. 109 — 118).
In der Tierra caliente zwischen Veracruz und Xicaltepee sind
die Palmen viel häufiger ‚ale man bisher geglaubt hat. Dort
ist die häufigste Palme Aerocomia spinosa Mart., aber bei La-
guna verde bildet Sabal mexieanum M. geschlossene, dichte,
40° hohe Palmenbestände, ohne irgend mit andern Baumarten
gemischt zu sein. — Die Wälder der Tierra fria bei Turutlan
beschreibt Liebmann genauer. Der Boden der Hochebene be-
steht aus sandigem Thon, der gewöhnlich auf Sandsteinen ruht
und, wenn er nicht zu lange dürr bleibt, sehr fruchtbar ist.
Die Erdtemperatur betrug hier 13° R. Über dem Plateau er-
heben sich Bergkämme und nur diese tragen Wälder, indem
die Ebene kahl und nackt ist. In den Wäldern bei Turutlan
kommen 9 Arten von Pinus vor, namentlich P. Montezumae,
P. Teocote und P. Ayacahuite C. Ehrenb., von denen die letz-
tere die merkwürdigste ist: sie wird nämlich gegen 120° hoch,
ist von allen die harzreichste und ihre Zapfen haben die er-
staunliche Länge von 15 — 16“. Gemischt mit den Nadelhöl-
zern wachsen 5 Arten von @uereus und Alnus. Sträucher
und Schattenpflanzen giebt es in diesen Wäldern sehr wenige:
428
zu jenen gehören (die allgemein auf dem Plateau verbreiteten
Myrica. jalapensis und Helianthemum' glomeratum, zu \diesen
Fragaria mexicana und eine Abart von Pieris aguilina, Als
Parasiten tragen die Fichten das Viscum vaginatum.
Einige, neue ımexicanische Pilze hat Kickx beschrieben
(Bullet. de l’academie de Bruxelles 1841. 2. p. 72—81).
Breutel beschrieb seine botanischen Wahrnehmungen’ auf
S. Kitts und S. Thomas (Regensb. Flora 1842. S.549—560).
Von Bentham’s Bearbeitung der Schomburgk’schen
Pflanzen sind die Farne (79 sp.) und die Lycopodiaceen (6)
erschienen. Diese Abtheilung. hat J. Smith. ‚übernommen
(Journ. of Bot. 1842. p. 193 — 203).
Aus den bedeutenden Pflanzensammlungen, welche Host-
mann aus Surinam‘ zu senden begonnen hat und die Sir W.
Hooker publieiren wird, sind. bis ‚jetzt. nur ‚erst einige Pilze
von Berkeley beschrieben (Journ, of Bot. 1842, p. 138 —
142). — Splitgerber hat eine Reihe von neuen Pflanzen
aus Surinam publieirt (v. d.’Hoeven u. Vriese Tijdschr. 1842.
p-5— 16 u. 95— 114). Diese gehören zu den Bignoniaceen
(darunter die neue Gattung Cowralia), Dilleniaceen, Anona-
ceen, Tiliaceen, Ternstroemiaceen, Guttiferen, Sapindaeeen,
Leguminosen, — Über die Bignoniaceen von Surinam hat auch
Miquel geschrieben (Regensb. Flora 1842. S. 224 — 431).
Im dritten bis. fünften Hefte der Flora brasiliensis von
Endlicher und v. Martius ist wieder eine Reihe von Pflan-
zenformationen durch Tafeln und ausführliche Beschreibungen
erläutert. Die Ufervegetation des Amazonas (Taf 11)
ist zwischen dem Strome und dem Urwalde, dem. Laa-Ygapo
und vorzüglich auf den sandigen Inseln entwickelt. Sie be-
steht theils aus niedrigen, gesellig ‘wachsenden. Bäumen, jeiner
Salicetenfurmation, hier von Salix Humboldtiana "und einer
Euphorbiacee, der Alchornea castaneaefolia, gebildet, theils aus
Gehölzen von Ceeropria peltata,, die durch deren weisse Rinde,
sparrige Äste und grosse gelappte, glänzend ‚grüne, unter-
wärts weissharige Blättchen physiognomisch' charaeterisirt sind.
Hieran schliesst sich dann gleich der Caa-Ygapo. Als. Er-
gänzung zu der frühern Darstellung dieses Urwalds (Jahresb.
1840. S. 462) werden hier noch folgende Baumarten genannt:
“ Euphorbiaceen (Aura, Sapium, Pera), Hippocratea, ‚Lauri-
429
neen' (Nectandra), Myrtaceen (Psidium, Bugenia), Bombaceen
(Packira), Leguminosen (Phellocarpus, Pterocarpus), Palmen
‚(Bactris Maraja, Astrocaryum‘ vulgare und acaule). Ferner
Lianen: Nandhirobeen (Fewillea), Cucurbitaceen (Zlaterium,
Melothria, Anguria, Convolvulus, Bignonia. Die Wasser-
pflanzen des Amazonas haben nichts Eigenthümliches, sie sind
beinahe alle durch das ganze tropische Amerika verbreitet, wie
Pistia, Limnanthemum Humboldtianum, (abomba, Axolla
mierophylla. — Die Tafel 18 ist ein Seitenstück zu Taf. 1
und 11. Sie stellt die Ufervegetation des Itahype in Bahia
dar, die durch grösste Mannigfaltigkeit der Formen- sich aus-
zeichnet. Eine socielle Aroidee (drum liniferum), eine Schilf-
graminee (Gynerium), eine grossblätterige Rasen bildende
Rapatea, die Marantacee Thalia sind zunächst an ihrem ge-
meinsamen Standorte abgebildet. Hierauf folgen die Urwald-
bäume mit ihren Lianen, zuvörderst eine Sterculia, ein Zan-
thoxylon und die Palme Zuterpe edulis.
Der Catinga' (Taf. 10) aus ‘der Bastler von Bahia
ist eine 'Waldformation, die während der trocknen Jahreszeit
das’ Laub. verliert. “Hier sind die'Bäume meist nur 20 — 40’
hoch, sie stehen weitläuftiger als im Urwalde; bleibt, was in
manchen Jahren im Innern von Bahia der Fall ist, die Regen-
zeit aus, so erblickt man in der ganzen Zeit, die Cacteen
ausgenommen, kein grünes Gewächs. Mit den Wäldern Euro-
pa’s' verglichen, zeigen die Catinga’s bei "mancher physiogno-
mischen Ähnlichkeit doch eine 'weit grössere Mannigfältigkeit
der Formen. Beginnt die Zeit der Entlaubung, so bleiben
immergrine Suceulenten und andere durch Textur oder Be-
haarung der Blätter besser geschützte Gewächse übrig, z. B.
die Bromeliaceen, die Capparidee Colicodendron, Arten von
Croton. Andere Hölzer werden leichter wieder belaubt, als
die übrigen, wenn die Feuchtigkeit sich mehrt, wie‘ die Eu-
phorbiacee (nidoscolus: Sodann unterscheiden sich die Catinga’s
von den Wäldern der gemässigten Zone durch die Menge der
Parasiten und Lianen. Zu den ersten gehören hier besonders
die Bromeliaceen, ‘Cacteen und Loranthaceen, seltener sind
Aroideen, Orchideen oder Farne. In’ keiner Formation 'Bra-
siliens sind die Caeteen so zahlreich und mannigfaltig wie
hier. Auch auf der dünnen, humusarmen' Erdkrume ‚dieser
430
Wälder, gedeihen ‚sie \vortrefllich. . Beispiele der. die .Oatinga’s
bildenden Bäume sind die Bombacee Cavanillesia, ferner Bur-
sera, Spondias,, Cnidoscolus, auch die Palme Cocos coronata.
Die, übrigen -Tafeln stellen Landschaften 'aus den Provinzen
Rio und S. Paulo dar. .Sie sind grösstentheils bestimmt, Gewächs-
formen zu versinnlichen, so, die Form der Rhizophoren (Taf.12)
Rhizophora Mangle, die nebst zwei Avicennien und melrern Com-
bretaceen die Mangrovewälder Brasiliens bildet, die Baum-Farne
(Taf. 14) durch Alsophila paleolata , die Baumgräser (Taf, 15)
durch Guadua Tacoara und. auf Taf. 13 die Parasiten des
Urwalds. Die.letztern hat von Martius mit- grosser Ausführlich-
keit abgehandelt und..die Resultate seiner Forschung theils hier
theils in’ den Münchener gelehrten Anzeigen (1842. Nr. 44 — 49)
niedergelegt. Diese Arbeit bietet ein grosses physiologisches
"Interesse dar. Die ächten Parasiten Brasiliens gehören vorzüg-
lich zu folgenden Familien: Pilze, Balanophoreen, Cytineen,
Rafllesiaceen, Burmanniaceen (Gonyanthus), Orchideen, Aroi-
deen (Philodendron, Anthurium) , Laurineen (Cassytha), 'Con-
volvulaceen: (Ousexta),; Orobancheen, Ericeen, Loranthaceen,
Marcgraaviaceen ‚. Guttiferen. Aus der Reihe derer, die von
M. für unächte Parasiten erklärt, ist indessen Voyra zu strei-
chen, da sie sich wie Orobanche. verhält.
In den drei 1842 ‚erschienenen Heften der Flora. brasi-
liensis enthält der. systemat. Theil die. Cyperaceen von,Nees
v.Esenbeck, sodann die Smilaceen und. Dioscoreen von mir,
St. Hilaire, Tulasne und Naudin haben. begonnen,
Nachträge zu des Erstern Flora. Brasiliae meridionalis‘zu pu*
blieiren (Ann, se. nat. 17... p.129—143 und 18. p. 24—54
und 209— 213). Diese Arbeit reicht von den Ranunculaceen
bis: zum Schluss „der Malvaceen und enthält-eine bedeutende
Menge von'neuen Arten.
Gardner, über dessen neuere Sammlungen aus. Minas
Geraes Sir W. Hooker berichtet. (Journ. ‚of Bot. 1842... p.
295), hat angefangen ‚einen Catalog der von ihm gefundenen
Gewächse! zu bearbeiten (ebenda. p. 158—193 u. 528—548).
Übersicht seiner ‚von 1836 — 1841 zusammengebrachten Her-
barien: 400. sp. von Rio, 600,sp. von der ersten Reise nach
den Orgelbergen, 500 sp. aus Pernambuco (Oct. 1837 —Jan.
4838), 200. sp. aus Alagoas. (Febr, — Apr..1838), 600 sp. von
431
Crato in Ciara (Sept. 1838— Jan. 1839), 400 sp. von, Oeiras
in Piauhy (April—Juli1839), 500 sp. von Piauhyund Goyaz (Aug.
Sept.), 1400 sp. aus Goyaz (Oct. 1839— Apr. 1840), eine bedeu-
tende Sammlung aus Minas (Mai— Oct.) und von einer zweiten
Reise nach den Orgelbergen im Frühling 1841. — Bis jetzt sind
erst 3— 400 Arten im Cataloge in geograph. Ordnung aufgezählt.
Eine interessante, durch Abbildungen erläuterte Abhand-
lung ‚über den Paraguay-Thee von Sir W. Hooker findet sich
in dessen Journal (Journ. of Bot. 1842. p. 30— 42). Der Verf.
bestätigt St. Hilaire's Meinung, dass der ler paraguayensis
von Paraguay mit dem in 2 einheimischen identisch sei.
Über die Äquatorialgrenze der peruanischen Flora be-
merkt Hinds (a. a. O.), dass die Wälder von Guayaquil bei
4° S. Br. anfangen und in dieser Breite scharf gegen die Kü-
stenvegetation von Peru abgeschnitten sind. In der Nähe
liegt auch die Äquatorialgrenze der peruanischen ‚Nebel, der
Garuas. Denn während bei Guayaquil noch heftige Nieder-
schläge stattfinden, giebt.es einen halben Breitegrad südlicher
bei Tumbez in Jahren keine Regenschauer. Südwärts reichen
die Garuas bis 36° S. Br., indem sie bei Valparaiso aufhören
regelmässig zu sein.
Bridges berichtet. über eine Exeursion in den Anden
bei Valparaiso (Journ. of Bot. 1842. p. 258— 263). Er be-
merkt, dass in der obern Region der dritte Theil der ganzen
Vegetation aus Synanthereen bestehe, — Steudel publieirt
die von Bertero in Chile und Juan Fernandez gesammelten
Cyperaceen (Regensb. Flora 1842. S. 599 — 605). — Miers
beschreibt die neue Irideengattung ‚Solenomelus aus Chile in
einer Sitzung der Linnean Society (Ann. nat. hist. 9, p. 244).
VI. Australien.
Den Gesellschafts -Inseln schreibt Hinds (The regions
etc. p. 382) nur etwa 500 einheimische Pflanzen zu. Dieselbe
Vegetation besitzen die Marquesas und die Archipele Harvey’s
und Gambier’'s. Auf den Pomotu’s oder gefährlichen Inseln
hat H. 47 Arten gesammelt und nennt ihre Flora sehr arm.
Zu der Flora von Neu-Guinea rechnet H. (a. a. O. p.384)
die ostwärts gelegenen Archipele bis Tonga, -also mit Ein-
schluss der _Schiffer- und Freundschafts- Inseln. Auf diesem
432 s
Gebiete findet eine auf Neu-Guinea am meisten, tiefer im
grossen Ocean weit minder ausgeprägte Anomalie in der Ver-
theilung der Jahreszeiten statt. Während im indischen Meere
z. B. auf Celebes, wie dies auch die Theorie fordert, der von
Mai bis October wehende Südost -Mousson die trockne Jah-
reszeit hervorbringt, der in den übrigen Monaten herrschende
Nordwestwind hingegen die Regenzeit begleitet, so treffen wir
nach dem stillen Meere zu eine entgegengesetzte Vertheilung.
Während des Südost-Moussons sind die Niederschläge häufig
und stark. Dieser Wind beginnt im März oder April und
dauert sechs Monate. Die Feuchtigkeit und Wärme ist weit
grösser als im mittlern Gebiete des grossen Oceans. Auf die
Regenzeit folgt der Nordwest-Mousson, der bis zum folgen-
genden März weht und hier eine trockne Jahreszeit hervor-
bringt (Hinds in Journ. of Bot. 1842. S. 670). Je weiter man
im stillen Meere ostwärts fährt, desto weniger sind die Jah-
reszeiten entwickelt. Auf den Fidji-Inseln, Tanna, Nen-Irland
und Neu-Guinea hat Hinds Herbarien gesammelt, die Bent-
ham jetzt zu bearbeiten begonnen hat. Die Vegetation der
Fidji-Inseln ist nach den Bemerkungen von Hinds weit man-
nigfaltiger, als die der Gesellschafts-Inseln, Leguminosen sind
häufiger, Mangrove-Wälder treten auf, sodann eine blattlose
Acucie, Chamaerops, Passiflora. — Neu-Irland ist wie Neu-
Guinea dicht bewaldet und hat ein sehr feuchtes Clima. Die
Waldbäume sind sehr hoch, aber fast ganz ohne Unterholz
oder andere Schattenpflanzen. Hier wurden die Palmen schon
mannigfaltiger, H. erwähnt die Gattungen Areca und Caryota.
Characteristisch sind ferner eine Oycadee (?), Pandanus, My-
ristica, Ficus: auch Farne und Orchideen werden zahlreich.
Drummond setzt die Mittheilungen über seine Forschun-
gen am Swan River fort (Journ. of Bot.), — Preiss hat
eine Nachricht über den Umfang der von ihm daselbst gesam-
melten Herbarien bekannt gemacht (Linnaea 1842. S. 384). —
Über einige neuseeländischePflanzen berichtet Colenso (Journ.
of Bot. 1842. p. 298 — 305). ;
600.
Pedemonte
N
Brandung
KR
BR]
Geao
soo
3300
I. Resion. x LZrartichum sguumosum. * Disandra africana. # Hypericem humifusum
Pe. Aytenıcem monanthemum. Lolygala vulgaris Zolper nobelis. _Anthoxanthuumn odoratum,
Diksonte euleite Erica vulgaris Meeroderes fili. Serapias cordeg
„ azorıca Euphvrasıa grandiflora.
Zirchomanes Jüibernecum. Menzzcesıer Dabvexe Bellis axorece
Hymenophyllum tunbridgense. Ilex Prado Zysimachia azorcca
Pre Lycopodium suberechem. Myrsıne retuse Janicula azorica
Janıperus Oxrgeedrus bartces novae.
” Lyoopodtum denteculatum. Thymeaus meıcans. -Anthenus aurez
2300 s
I.Resion. = O&a arceisa. *Iephrodeem. Foenesecu . Vaccınımm padıföt.
Zaurus canarıensır. Iteres argeta Ahamnus latfol.
» azorıca . agulına Rubus grandiflor.
20001 in 3
Hyrsıre reluse Ormundaregales. Urea rupestres.
Hyrica Faga Mlantodıa axtllarıs. Carrces
Imilax tetragena - urmbrose
oo 2
vooo_ Euphorbia diversfolca Hoyoscyermus cumır“
COLITUR:
6. Canvolvulus Bail
_[Citrus aurant
* (Citrus medica,Fieus Carica etc,
Bd. Musa paradisiaca,
1.Vitis vinifera
2.lerealia
>.Solanım tuberosum
4. Zea Mays.
5.Dioscorea salıva.
|
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V. Region Erica vulgaris
azorıca
Zhyrmus micans
Wenzeoser Deaboeze
» Sölygalız vulgarıs
BER
IV.Resion. » ar Anado. Juniperus Oxgcedrees
Vacevnen padofölium
l.Resion. Zrwdzum matacordes # Agptenium Adıant ugr
Bidens teucantha. + Kubus fruticosts
Solidago azorica Ihgsales pubesce
Tolpis firutzcosa et erinita. Ürtıca azorera
Hoperccum hunifusum. (aus)
Avenz geniniflorca Hana,
w_Srenarıa machorluza
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“Lrplenim marerem
*Sölygonsen mare
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