I
ARCHIT^
FÜR
NATURGESCHICHTE
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON
W. F. ERICHSON UND F. H. TROSCHEL.
HERAUSGEGEBEN
DR. ED. VON MARTENS,
PBOFESSOR AN DER FRIEDRICH-WILHELMS-ÜNIVERSITÄT ZU BERLIN.
EINUNDFÜNFZIGSTER JAHEGANG.
Erster Band.
Mit 18 Tafeln.
Berlin 1885.
Nicolaische Verlags-Buchhandlung.
R. Stricker.
Zur Kenntniss des Genus Angiostomum
Dr. von Linstow
in Hameln.
Hierzu Tafel L und 11.
JNematoden von mittlerer Grösse mit grossem Mund-
becher, zu den Meromyariern gehörig, die in oder an den
Lungen von Vögeln, Reptilien und Amphibien leben und
sich von deren Blut ernähren; es giebt keine Männchen
und die sogenannten Weibchen produciren in den Ovarien
erst Samenkörperchen und dann Eier, welche in das
Lungengewebe oder in die Pleurahöhle abgelegt werden;
die so entstehenden Embryonen gelangen entweder durch
selbstständige Wanderung in den Darin und von da in's
Freie oder werden nach dem Tode des Wohnthiers durch
Fäulniss desselben frei, worauf sie sich häuten und in
wenig Tagen in mit faulender, animalischer Substanz
durchsetzter Erde zu kleinen, geschlechtlich difi'erenzirten
Helminthen auswachsen; in dem Uterus der auf diese Weise
gebildeten Weibchen kommen nach der Befruchtung seitens
der Männchen von den vorhandenen, nicht zahlreichen
Eiern in der Regel nur 2 zur Entwicklung, welche alle
übrigen Eier und die sämmtlichen inneren Organe des
Mutterthieres durch ihre lebhaften, heftigen Bewegungen
erst zerstören, dann verzehren, worauf sie die todte Hülle
Arch. f. Natnrgesch. 1885. Bd. LI., Heft 1. 1
2 Dr. von Linstow:
verlassen und, sobald sich die Gelegenheit bietet, wieder
in die Lunsce oder Pleurahöhle ihres Wohnthieres ein-
wandern, um zu der erwähnten, grossen, hermaphroditischen
Form auszuwachsen. Die Embryonen beider Formen, wie
auch die zweigeschlechtliche, freilebende Form selbst haben
einen Oesophagus, der hinter der Mitte eine Anschwellung
zeigt und am Ende einen kugelförmigen Bulbus mit
schwachem Ventilapparat führt, während der Oesophagus der
grossen, hermaphroditischen Form fast cylindrisch ist mit
crerino-er Verdickuno^ am Hinterende. Die freilebenden
fco O
Männchen haben 2 kurze, an der Spitze verwachsene
Spicula mit einem unpaaren Stützapparat. Die Embryonen
der freilebenden Form sind grösser, schlanker und lebhafter
als die der hermaphroditischen. Es findet also ein
Generationswechsel statt, da eine grosse hermaphroditische,
parasitische Form mit einer kleinen, zweigeschlechtlichen,
freilebenden wechselt.
Somit würde das Genus Angiostomum in der Mitte
stehen zwischen den parasitischen und freilebenden Nema-
toden; unter den ersteren hat es die grösste Verwandtschaft
mit Dochmius, unter den letzteren mit Khabditis. Begründet
wurde es 1845 durch Duj ardin ^) welcher A. entomelas
und A. Limacis beschrieb ; er kannte die Entwicklung nicht,
hat aber A, entomelas aus der Lunge von Anguis fragilis
gut beschrieben, während seine A. Limacis jetzt in dem
Schneider'schen Genus Leptodera (Rhabditis) steht, wohin
wahrscheinlich auch Angiostomum ascaroides Diesing aus
Limax cinereus gehört; Diesing's Angiostomum terricola
ist eine echte Rhabditis und Angiostomum cylindricum
Diesing aus Helix alternata ist von diesem später in die
Gattung Isacis gestellt.
1. Angiostomum entomelas Duj.
In der Lunge von Anguis fragilis lebt dieser Helminth,
1) Histoire des Helminthes ou vers intestinaux, Paris 1845, pag. 262
bis 263.
Zur Kenntniss des Genus Angiostomum. o
welcher ausser von deni Entdecker ^) nur noch von
Blanchard-) beschrieben ist; die Beschreibung der herma-
phroditischen Form habe ich •^) später erweitert und sie
mit A. macrostomum verglichen.
Mitte März fand ich die Exemplare noch geschlechtlich
unentwickelt; sie waren 4™^ lang und 0,12™™ breit; der
Oesophagus maass ^V ^^^ ^^^ Schwanz ^^ der Gesammt-
länge; den Bohrstachel, welchen ich in meiner ersten Be-
schreibung angab, habe ich seitdem nie wiedergefunden
und muthmasse, dass hier eine Täuschung vorgelegen hat.
Der Darm ist von zersetztem Blute schwarz gefärbt, und
an dieser Färbung erkennt man die Anwesenheit des
Parasiten schon mit blossen Augen leicht, wenn man eine
Lunge von Anguis fragilis zwischen zwei Glasplatten
presst und sie bei durchfallendem Lichte betrachtet.
Im Sommer enthält der Uterus zahlreiche Eier, wie
auch solche in Menge hie und da im Lungengewebe ver-
theilt sind, bald Furchungskugeln, bald einen entwickelten
Embryo zeigend; die Länge beträgt nun 4,7 — 4,8™™, die
Breite 0,18 — 0,22™™; der Oesophagus nimmt ~ — ^, der
Schwanz ^ — ^ der Gesammtlänge des Thieres ein.
An den Enden der Ovarien bemerkt man dichtgedrängte
Bläschen von 0,0055™™ Durchmesser; wenn sie auf 0,013™™
gewachsen sind, zeigen sie einen 0,0066™™ grossen Kern
und ihr Inhalt ist granulirt; bei einem Durchmesser von
0,02 ™™ bemerkt man im Kern ein Kernkörperchen und
wächst die Zelle bis auf 0,11 ™™ Länge und 0,066 ™™ Breite.
Die Eizelle färbt sich mit Picrocarminsäure blassroth, der
Kern roth, das Kernkörperchen dunkelroth. Bald tritt nun
ein Stadium ein, wo Kern und Kernkörperchen zu ver-
schwinden scheinen und sich der Inhalt der Zelle von der
Peripherie zurückzieht, so dass ein breiter, hyaliner Eand
1) 1. c. pag. 262 — 263, PI. 6 Fig. C.
2) Regn. anim., nouv. edit, Zooph. Tab. XXV. Fig. 5; Voyage en Sicile,
vers, Tab. XXIH. Fig. 5; Ann. sc. nat. HL ser., 1849, XI, pag. 181—182.
3) Troschel's Archiv für Zoologie 1875, L, pag. 200 — 202, Tab. IH.
Fig. 26 — 27.
1*
4 Dr. von Linstow:
entsteht und alsdann beginnt die Dotterfurchung; von nun
an bleibt das Ei von Picrocarmin ungefärbt ; es muss also eine
wesentliche physiologische Veränderung eingetreten sein.
Die sehr kleinen Samenkörperchen sind kugelförmig
und messen 0,0016 '"•".
Das Mutterthier durchwandert die Lungen seines
Wirthes, überall Eier zurücklassend, in denen bald die fertig
ausgebildeten Embryonen sich bewegen.
Die dünnhäutigen Eier sind durchschnittlich 0,1 ™™ lang
und 0,057 ""^ breit. Der Embryo ist verhältnissmässig dick,
0,31-0,34°^°" lang und 0,023-0,026'"°^ breit; der Oesophagus
ist in der Vorderhälfte spindelförmig angeschwollen und
zeigt am Ende einen kugelförmigen Bulbus mit wenig auf-
fallendem Ventilapparat; am Kopfende bemerkt man eine
flache Calotte und darauf folgt ein kleiner chitinöser Mund-
becher; der Oesophagus nimmt ~ — ^ der ganzen Länge,
der Schwanz g^ — ^ ein. Die Darmwandung ist mit
glänzenden Körnchen durchsetzt und das klaffende Lumen
erscheint hin- und hergeschlängelt; so gleicht das Thier
ganz einem Rhabditis-Embryo.
Die Embryonen enthaltenden Eier bleiben in der Lunge,
so lange das Thier lebt, unverändert; dass sie sich im
Freien weiter entwickeln, habe ich ^) früher gezeigt, konnte
aber damals nur Weibchen erziehen.
Diese Weiterentwicklung versuchte ich zuerst in feuchter
Erde, wo sie aber nicht gelang; auch ist das Auftreten
anderer Rhabditiden sehr störend, die sich anfangs kaum
von unserer Art unterscheiden lassen; so glaubte ich in
einem Falle die Entwicklung beobachtet zu haben, bis ich
bei weiterm Wachsthum fand, dass die fraglichen Thiere
sämmtlich zu Rhabditis teres Schneider gehörten; in
faulendem Blute von Anguis fragilis geht die Entwicklung
vor sich und zwar bei einer mittlem Temperatur von 20 "^ C.
in 3 — 4 Tagen, ist aber sehr unsicher, denn die meisten
0 Troschels Archiv für Zoologie 1882, L, pag. 8 — 10, Taf. I.
Fig. 14—15.
Zur Kenntniss des Genus Angiostomum. 5
Thiere bleiben in der Mitte der Entwicklung stehen und
ist es schwer, das Blut vor dem Eintrocknen zu schützen;
besser gelingt der Versuch in der aufgeschnittenen Brust-
höhle des Wohnthieres selber, denn Luftzutritt ist zum
weiteren Wachsthum nöthig, genügt aber nicht allein zur
Anregung der Weiterentwicklung, da der Embryo in der
Lunge stets mit Luft in Berührung ist.
Bei einem nicht aufgeschnittenen, getödteten Wirth
fand ich in 6 Tagen den Darm mit Embryonen erfüllt, die
aber wegen Mangel an Luft an Grösse nicht zugenommen
hatten; sie mussten also bei beginnender Fäulniss der
Lungen die Eihüllen daselbst verlassen haben, um durch
Trachea, Schlund und Oesophagus in den Darm einzu-
wandern, wo sie bei Lebzeiten von Anguis fragilis nicht
gefunden werden. Vor dem After fand sich ein kleines
Schleimflöckchen und in diesem bewegte sich einer unserer
Helminthen, der hier 0,54"'" lang und 0,033™'" breit
geworden war imd eine grosse Geschlechtsanlage zeigte.
Auffallender Weise befanden sich im Darm neben den
Embryonen auch zahlreiche Eier, welche die oben angegebene
Grösse hatten; dass die grossen Mutterthiere die Lunge
verlassen, um in den Darm zu wandern und hier ihre
Eier abzusetzen, glaube ich nicht, denn sie sterben sofort
bei beginnender Fäulniss der Lungen; die Eier könnten
also nur, da sie keine eigene Bewegung haben, von den
wandernden Embryonen mechanisch fortgeführt sein, was
aber wohl unwahrscheinlich ist, und glaube ich vielmehr,
dass sie von einer anderen Art, etwa von Oxysoma brevicau-
datum herrühren.
Zutritt von Wasser und Luft macht die ruhig im Darm
liegenden Embryonen sehr beweglich. Bei einer Länge
von 0,41 "^™ und einer Breite von 0,029 "^™ tritt eine
Häutung ein; das Längenwachsthum kommt fast allein auf
Rechnung des mittleren Körpertheils, denn der Oesophagus
wächst wenig und der Schwanz bleibt fast unverändert,
beide werden also verhältnissmässig immer kürzer und
messen in Bezug auf die ganze Länge nun t^^ und resp. y^*
6 Dr. von LinstOM^:
Unter dem Darm in der Mitte der Bauchseite entsteht eine
grosse, gestreckte, cylindrische , aus Zellen bestehende
Geschlechtsanlage, die sich bei 0,37 ™™ langeii Thieren
zuerst zeigt.
Ein noch unreifes Weibchen maass 0,61 '""^ und war
0,043 ™"^ breit; der Oesophagus nahm ^ und der Schwanz g^
der ganzen Länge ein und die Vulva lag etwas hinter der
Körpermitte, so dass der durch sie gebildete vordere
Körperabschnitt sich zum hinteren verhielt wie 20: 17.
Das hier zuerst beschriebene Männchen ist 0,64 '"™
lang und 0,039 *"™ breit; der Oesophagus misst ^ und der
Schwanz -^ der ganzen Thierlänge; das Darmlumen hat
seine Schlängelung verloren; der Mundbecher ist deutlich,
die Spicula sind 0,033 """ gross, ihr Stützapparat besteht
aus 2 Stäbchen, die im 4. Fünftel verwachsen sind und
dann wieder divergiren ; bei Bewegungen der Spicula, welche
halb herausgestossen werden können, steht dieser still und
erstere gleiten wie in einer Rinne in ihm hin und her.
Der Hoden, welcher vorn zelligen Bau hat, da grosse
Mutterzellen zahlreiche Tochterzellen einschliessen, liegt
neben dem Darm und reicht fast bis zu dessen Anfang;
die Samenkörperchen sind 0,001 ™'" gross; das äusserste
Schwanzende ist in eine sehr feine Spitze ausgezogen; eine
Bursa und Papillen finden sich am Schwanzende nicht.
Die Cuticula ist 0,033 '"™ breit. In 4 Tagen war die hier
geschilderte Entwicklung vollendet.
Auftallend ist, dass Dujardin^) ein Männchen der grossen,
parasitischen Form beschreibt; allerdings setzt er hinzu,
er habe ein solches nur ein einziges Mal gesehen, übrigens
immer nur Weibchen, und es könne wohl ein Versehen
untergelaufen sein. Handelt es sich nicht um ein solches,
was ich allerdings sicher glaube, so könnte man etwa an
einen Dimorphismus denken, wie er z. B. bei einem
Schmetterlinge, Solenobia triquetrella, vorkommt, der bald
in parthenogenetischen Weibchen, bald in zweigeschlecht-
') 1. c. pag. 263.
Zur Kenntniss des Genus Augiostomum. 7
liclier Form auftritt. Die Entwicklung würde dann mit
der von Leptodera appendiculata zusammenzustellen sein,
welche in zwei vejschiedenen, zweigeschlechtlichen Gene-
rationen vorkommt, von denen die eine parasitisch bei
Arion empiricorum, die andere frei lebt.
2. Ang'iostomiim macrostomum m.
Diese Art lebt wie die vorige in Anguis fragilis, aber
nicht in, sondern an den Lungen; mit ihrem sehr kräftigen
Mundbecher häno^t sie an der Aussenseite derselben in der
Pleurahöhle so fest, dass sie nur mit einiger Gew^alt los-
gerissen w^erden kann, und sieht man den Mundbecher
meistens mit rothem Blute gefüllt, während der Darminhalt
keine dunkle Färbung zeigt. Man kann die Art daher,
ohne den Fundort zu berücksichtigen, schon mit blossen
Augen von der vorigen unterscheiden, da das Thier bei
aufiällendem Lichte periweiss aussieht, während bei Ang.
entomelas der schwarze Darminhalt stets durchschimmert.
Der Körper ist von Eiern, welche den völlig entwickelten
Embryo enthalten, prall gefüllt und einmal fand ich
Exemplare unter der Pleura, wo das subpleurale Binde-
gewebe mit Eiern dicht durchsetzt war.
Diese Art beschrieb ich ^) im Jahre 1875 und fügte
der Mittheilung später^) Beobachtungen über den Embryo
hinzu. Dujardin^) scheint diese Art auch gesehen zu
haben, denn er spricht bei Ang. entomelas von einer
grösseren und einer kleineren Mundkapsel.
Die Entwicklung war bisher unbekannt, welche genau
der der vorigen Art gleicht. Ein üebertritt der Embryonen
aus der Pleurahöhle oder dem subpleuralen Bindegewebe
in den Darm ist hier aber nicht möglich und kann die
Wanderung in's Freie wohl lediglich nach Zersetzung des
todten Wirthes eintreten. In faulenden Theilen von
Anguis fragilis ist die Entwicklung bei einer Temperatur
0 Troschels Ai'ch. f. Zoologie 1875, L, pag. 200—202, Tab. IV. Fig. 28.
2) ibid. 1879, I., pag. 182, Tab. Xn. Fig. 28.
3) 1. c. pag. 263.
8 Dr. von Linstow:
von 20^ C. auch hier in 4 Tagen vollendet. Der Embryo
gleicht sehr dem von Ang. entomelas, jedoch ist die
Geschlechtsanlage schon deutlich entwickelt, wenn das
Thier die Eihülle eben verlassen hat; er ist 0,36™™ lang
und 0,023 ™™ breit, der Oesophagus misst ~, der Schwanz —-
der Gesammtlänge ; die Häutung tritt ein, wenn das Thier
0,39 ™™ lang und 0,026 ™™ breit ist, wo dann der Oesophagus
~, der Schwanz -^ der ganzen Länge einimmt. Auch das
erwachsene Männchen ähnelt dem von Ang. entomelas sehr,
hat aber ein kürzeres, nicht fein zugespitztes Schwanzende;
es misst 0,62™™ in der Länge und 0,046™™ in der Breite;
die Länge des Oesophagus beträgt ^, die des Schwanzes j^
der Thierlänge; die Girren sind ähnlich wie bei der vorigen
Art gebildet und messen 0,033 ™™, der Stützapparat 0,018 ™™;
Bursa und Papillen sind auch hier nicht bemerkbar.
Das entwickelte Weibchen ist 0,83 — 1,1™™, durch-
schnittlich 0,43™™ lang, und 0,082™™ breit; die Gestalt
ist spindelförmig, da Kopf- und Schwanzende stark verdünnt
sind; der Oesophagus misst -y, der Schwanz ^^ der ganzen
Länge; die Cuticula ist glatt, 0,0016™™ dick, der Mund-
becher hat eine Länge von 0,0066™™; die Vulva liegt etwas
hinter der Körpermitte und verhält sich der so gebildete
vordere Körperabschnitt zum hinteren wie 35 : 31. An den
Uterus legt sich vorn und hinten ein Ovarium, und die
Endigungen beider sind nach hinten resp. vorn zurückge-
schlagen. Die Zahl der Eier ist keine grosse; häufig fand
ich 8, von denen die der Vulva zunächst liegenden beiden
die grössten sind; sie sind dünnhäutig und die letzteren
messen 0,049 ™™ in der Länge und 0,039 ™™ in der Breite.
Zur Entwicklung l^ommen von diesen Eiern in der
Regel nur die erwähnten zwei; die Embrjonen durch-
brechen schon im mütterlichen Körper die Eihüllen, wo-
rauf sie durch ihre heftigen Bewegungen die übrigen
Eier und sämmtliche inneren Organe des Mutterthiers erst
zerstören und dann als Nahrung benutzen, so dass man
letzteres bald mit einer Sporocyste der Trematoden ver-
gleichen kann.
Zur Kenntniss des Genus Angiostomum. "
Die so entstandenen Embryonen sind grösser und
verbättnissmässig schlanker als die der bermapbroditiscben
Form, sonst aber ihnen ähnlich; ihre Länge beträgt 0,44™°^.
ihre Breite 0,026 "™; der Oesophagus nimmt ~, der
Schwanz ^ der ganzen Länge ein.
5. Angiostomum nigrovenosnm Bud.
Seit 1737 ist diese Art bereits bekannt, welche in der
Lunge von Rana temporaria und esculenta sowie von
Anguis fragilis lebt; in letzterem Thiere habe ich sie
indessen nie gefunden. Sie wurde in die verschiedensten
Genera eingereiht, so inAscaris, Fusaria, Oxyuris, Anguillula,
Leptodera, Khabditis, Rhabdonema, und ist die reiche ältere
Litteratur, weiche sich aber nur auf die grosse, parasitische
Form bezieht, bei Diesing^) nachzusehen, bis dann
Leuckart") im Jahre 1865 die Entwicklung dieses
Helminthen in dem Sinne beschrieb, wie sie von mir nun
auch bei den beiden eben besprochenen Arten gefunden
wurde, und ist diese Entdeckung auch für meine Unter-
suchungen und Versuche das anregende Moment gewesen.
Hier wandert die Embryonalform der hermaphroditischen
Lungenparasiten durch den Schlund in die Cloake, und
soll von Perty") in diesem Zustande unter dem Namen
Anguillula Ranae temporariae beschrieben sein. In's Freie
gelangt, entwickelt sie sich nach Leuckart im Sommer
oft schon in einem, im Winter in 7 Tagen in kleine,
geschlechtlich difierenzirte Rhabditis- artige Würmer, nach-
dem eine Häutung eingetreten ist, und nach der Copula
entstehen in den Weibchen meistens 2, seltener 1 oder
3 — 4 Embryonen, welche sich genau so wie die bei Ang.
macrostomum geschilderten verhalten, und gelegentlich
wieder in die Lungen der Frösche einwandern, wo sie nach
mehrfachen Häutungen in '6 Wochen geschlechtsreif werden.
0 Systema Helminthum, IL, Vindobonae 1851, pag. 187.
2) Archiv fürAnat. und Physiolog. pag. 641; Archiv für Heilkunde 11. ;
Nachrichten von der k. Gesellsch. d. Wissensch., Göttingen 1865, No. 8.
2) Die kleinsten Lebensfonneu, pag. 156.
10 Dr. von Linstow:
Während die genannten Parasiten von Anguis fragilis als
eines Landthieres kein Wasser vertragen, entwickelt sich
der des das Wasser liebenden Frosches im Schlamm.
Leuckart nahm später diese seine Untersuchungen in sein
berühmtes Werk über die menschlichen Parasiten ^) auf.
Nicht klar ist mir bei dieser Schilderung, wie die Eier
des hermaphroditischen Lungenparasiten während ihres
Aufenthaltes im Darm die Embryonen ausschlüpfen lassen
sollen, da nicht zu verstehen ist, wie sie aus der Lunge
in den Darm gelangen können. Anfangs hielt man die
Fortpflanzung der grossen Lungenwürmer für eine parthe-
nogenetische, später wiesen aber Bischoff, Schneider,
Claus und Leuckart das Vorkommen von Samen-
körperchen nach. Das freilebende Männchen hat nach
Leuckart's Abbildung keine Bursa, zeigt aber am Schwanz-
ende Papillen, letzteres wird auch von Schneider-), dem
die Entwicklung im Freien in derselben Weise gelang,
bestätigt, nur werden von diesem Forscher am männlichen
Schwanzende eine schmale Bursa und übrigens jederseits
3 prä- und 3 postanale Papillen angegeben; in letzterer
Zeit hat auch Oerley') die freilebende Form abgebildet.
4. Angiostomum ruhrovenosum Schneider.
Lebt in der Lunge von Bufo cinereus und ist früher
mit Ang. nigrovenosum zusammengeworfen; Schneider^)
erzog indessen eine freilebende Form aus den Nachkonnnen
des Parasiten der Krötenlunge, welche von der vorgenannten
Art etwas abweicht ; am männlichen Schwanzende fehlt hier
die Bursa und sind die 3 postanalen Papillen viel weiter
aus einander gerückt; vermuthlich gehören auch die in
0 1. Aufl. Leipzig iind Heidelberg 1876, 2 Bd., pag. 139 — 150,
Fig. 106 — 111; 2. Aufl. 1879, pag. 127 — 129, Fig. 61 — 62.
2) Monographie der Nematoden, Berlin 1366, pag. 316 — 320,
Tab. XXVI., Fig. 5.
3) Az Anguilludidak Maganrajza, Budapest 1880, pag. 75, Tab. UL,
Fig. 15 a— c.
^) 1. c. pag. 316 — 320, Tab. XXVL, Fig. 4.
Zui' Keimtniss des Genus Angiostomum. 11
Pelobates fuscus, Bombinator igneiis und Bufo viridis
gefundenen als Ascaris nigrovenosa beschriebenen Exemplare
hierher. Es will mir erscheinen, als ob der chitinöse Mund-
becher des Lungenparasiten hier kleiner sei als bei Ang.
nigrovenosum ^).
5. Angiostomum sanguinolentum m ').
Eine grosse 11 ™°^ lange Form aus der Pleurahöhle von
Strix flammea; der Mundbecher ist mächtig entwickelt und
am Grunde mit Zähnen versehen wie bei Ang. entomelas
und macrostomum und der Darm ist mit dunklem Blute
gefüllt; die Weiterentwicklung dieser auffallenden Art,
welche sehr selten zu sein scheint, ist noch nicht bekannt,
doch wird sie ihrer ganzen Bildung nach und da keine
Männchen gefunden wurden, der Gattung Angiostomum
zugehören.
Leuckart schafft für Ang. nigrovenosum das Genus
Rhabdonema und stellt neuerdings ) unter dem Namen
Rhabdonema strongyloides den bisher Anguillula intestinalis
und stercoralis genannten Darmparasiten des Menschen
dazu, welcher mit der Bergwerks- und Grubenarbeiter
(St. Gotthards-) Anämie in Beziehung gebracht wurde,
letzteres aber gewiss mit Unrecht, da der winzige Parasit
dem Menschen wohl kaum schaden kann und das genannte
Leiden wohl theils auf den Parasitismus von Strongylus
(Ankylostomum) duodenalis, theils auf die ungesunde Lebens-
weise zurückzuführen ist. Obgleich nun nach Leuckart's
interessanter Darstellung die hermaphroditische Anguillula
intestinalis sich im Freien wie bei den vorstehend be-
sprochenen Arten in eine bisher Anguillula stercoralis
genannte zweigeschlechtliche Form entwickelt, besteht doch
hier zwischen der parasitischen und der freilebenden Form
nicht der auffallende Grössenunterschied wie bei den para-
») Troschels Archiv für Zoolog. 1882, L, pag. 10, Tab. L, Fig. 16.
2) ibid. 1880, L, pag. 46 — 47, Tab. EI., Fig. 11.
3) Bericht der math.-phys. Classe d. K. Sachs. Gesellsch. d. Wissen-
schaften 1882, pag. 86 — 107.
12 Dr. von Linstow:
sitischen und freilebenden Generationen von Angiostomum,
die Art lebt nicht in Lunge oder Pleurahöhle, sondern
im Darm, die Nahrung besteht nicht in Blut, sondern in
Fäcalmassen, es fehlt die grosse, chitinöse Mundkapsel, die
freilebenden Weibchen entwickeln nicht 2 oder einige wenige,
grosse Embryonen, welche die jüngeren Eier und die
inneren Organe des Mutterthieres zerstören, sondern zahl-
reiche kleinere, die Embryonen werden mit der Nahrung
von dem Parasitenträger wieder aufgenommen und wandern
nicht selbstständig in denselben ein; alle diese Unterschiede
sind so gross, dass die auch nur zum Theil gleiche
Entwicklung allein nicht hinreichend erscheint, die Art in
das behandelte Genus einzureihen.
Es dürfte daher am zweckmässigsten sein, in die Gattung
Rhabdonema allein die Art strongyloides zu setzen, die
Species nigrovenosum aber mit entomelas und macrostomum
in dem Genus Angiostomum zu vereinigen, da Duj ardin
Ang. entomelas kenntlich unter diesem Namen beschrieben
hat, wenn auch ohne Kenntniss der weiteren Entwicklung.
Hameln, im September 1884.
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 1 — 10. Angiostomum entomelas.
„ 1 — 5. Eientwicklimg.
„ 6. Ei mit ausgebildetem Embr\'o.
„ 7. Freier Embryo.
„ 8. Im Freien gewachsenes Exemplar vor der Häutung, a., a.
Abzustreifende Haut, b. Geschlechtsanlage.
„ 9. Entwickeltes Männchen von der Seite, a. Spicula, b. Stütz-
apparat, c, c. Darm, d. Hoden, e. Vas deferens, f. Hin-
terer Bulbus des Oesophagus, g. Mundbecher.
„ 10. Spicula (a) und Stützapparat (b), stärker vergrössert, von
der Bauchseite.
Zur Kenntniss des Genus Angiostomum. 13
Fig. 11 — 15. Angiostomum macrostomum.
„ 11. Embryo der hermophroditischen Form.
„ 12. Im Freien entwickeltes Exemplar vor der Häutung, Buch-
stabenbezeichnung wie bei 8.
„ 13. Männliches Schwanzende von der Seite, Bezeichnung wie
bei 9.
y, 14. Reifes, im Freien erwachsenes Weibchen, a. Mundbecher,
b. Hinterer Bulbus des Oesophagus, c, c. Darm, d. Vulva,
e. Uterus, f. ein Ei, g., g. Enden der Ovarien.
7, 15. Weiblicher Hautschlauch (a) mit 2 lebenden, grossen Em-
bryonen (b, b), c. Vulva.
Ein Beitrag zur Kenntniss der Mollusken -Fauna
des Beringsmeeres.
Brachiopoda et Lamellibranchiata
von
ArtlL. Krause.
Hierzu Tafel in.
Die Mollusken, welche in dem nachfolgenden Ver-
zeichniss aufgeführt werden, wurden im Sommer 1881 von
meinem Bruder und mir auf einer Reise gesammelt, die
wdr im Auftrage der Bremer geogr. Gesellschaft') nach dem
Küstengebiet des Beringsmeeres unternahmen. — Von Bord
der Segelbarke aus, welche uns von St. Francisco nach
der Beringsstrasse brachte, hatten wir nur selten Gelegenheit,
Dredgeversuche anzustellen. Die Hauptmasse der Sammlung
stammt vielmehr von einer Bootreise, die uns an der Küste
der Tschuktschen-Halbinsel entlang führte, und auf der wir
in verschiedene der von Ost und Süd einschneidenden Baien
zu kürzerem Aufenthalt einliefen Die wichtigsten Fundorte
sind: die St. Lorenzbai mit dem Lütke-Hafen, dieMetschigmen-
bai, Nytschigane Point im Norden des Seniavin Archipels
und die Ploverbai mit dem Emmahafen. Aber auch hier
hinderte das ungünstige Wetter der leider schon zu weit
vorgeschrittenen Jahreszeit (August und September) uns
beträchtlich in unseren Arbeiten. Dennoch dürfte unsere
0 Deutsche geogr. Blätter, Bremen, Band Y. pag. 1 und folg.,
pag. 111 und folgende.
Ein Beitrag z. Keiintniss d. Molliiskeu-Fauna d. Beringsmeeres. 15
Sammlung ein ziemlich richtiges Bild der Molluskenfauna
der östlichsten Spitze von Asien geben. Eine vollständige
Uebersicht der Molluskenfauna des ganzen Beringsmeeres
haben wir von Herrn W. H. Dali aus Washington zu er-
warten, der hoffentlich recht bald Müsse finden wird, die
reichen ihm zu Gebote stehenden Sammlungen aus diesen
Gebieten zu bearbeiten und zu veröffentlichen; ich erwähne
ausdrücklich, dass in dem folgenden Verzeichniss nur
wenige Arten vorkommen, die sich seiner Kenntniss bis
dahin entzogen hatten. Ihm sowohl wie Herrn Prof. v. Martens
sagen wir auch an dieser Stelle unseren wärmsten Dank
für die mannigfache Unterstützung, welche sie uns bei
unserer Arbeit haben zu Theil werden lassen.
I. BracMopoda,
1. Bliynclionella psittacea CJiem.
G. 0. Sars, Mollusca regionis arcticae Xor^^egiae, pag. 9, Tab. I., Fig. 1.
Fundort: Emmahafen, 2 Exemplare aus 20 — 30 Faden.
Die vorliegenden Exemplare stimmen vollkommen mit
norwegischen überein, sind nur etwas grösser, da sie eine
Länge von 30 ™"^ aufweisen. Ueber die Verbreitung dieser
circumpolaren Art nach Süden bis Sitka und bis Japan
(Meerbusen von Hakodadi) vergl. Schrenck, Reisen im
Amurlande H., p. 471.
II. Lamellibranchiata.
1. Pecten inslandicus Müll.
G. 0. Sars, 1. c, Tab. 2, Fig. 2.
Fundort: Beringsmeer, bei St. Paul; aus einer Tiefe
von 25 Faden.
Es w^urden nur drei rechte Scbalenklappen mitgebracht;
dieselben stimmen mit solchen jüngerer Individuen von
Bodo in Norwegen recht gut überein. Beim grössten
Exemplar (long 55, alt 60'^) sind die Rippen bis zur
Mitte einfach, dann dichotom gespalten; die dadurch ent-
stehenden gleichstarken Rippenpaare werden durch breitere
Furchen getrennt, in welchen sich weiterhin schwächere
16 Arth. Krause:
Rippen ausbilden. Die feine netzartige und schuppige
Sculptur der Oberfläche ist ebenfalls deutlich ausgeprägt.
P. islandicus ist circumpolar ; für das nördliche
pacifische Meer wurde er zuerst von Schrenck nachgewiesen
(L. V. Schrenck, 1. c, p. 490). Wahrscheinlich ist dieselbe
Art schon von Stimpson im Norden der Beringstrasse
gesammelt worden (Dali: Proc. Calif. Acad. 1874).
2. Mytilus ecluUs L.
Fundort: St. Lorenzbai.
Ausgewachsene Exemplare, bis 90 ™™ lang, wurden am
Strande des Lütke- Hafen gesammelt; auch sonst wurde diese
Art häufig beobachtet. — Ihr Vorkomi jn im nördlichen
Stillen Ocean bis Japan und Californien .linab ist bekannt.
3. Mytilus modiolus L,
Fundorte: St. Lorenzinsel (15 Faden) 1 Ex.
St. Paul (25 Faden) 7 Ex.
Die vorliegenden bis 12 '"'" langen Exemplare stimmen
in Gestalt und Farbe durchaus mit Jugendformen von
M. edulis L. überein, unterscheiden sich aber bestimmt
durch die für M. modiolus charakteristische Behaarung.
— Dasselbe gilt übrigens auch von einer grossen Anzahl
von jüngeren Exemplaren, welche ich im letzten Sommer
bei Tromsö sammelte, wo beide Arten in Gesellschaft von
Modiolaria discors L. an Steinen innerhalb der Fluth-
grenzen angeheftet sind. — Die Exemplare aus dem Berings-
meer sind mit ihren Byssusfäden an viele kleine Steinchen
angewachsen, von denen sie netzartig umgeben werden. —
Schon Middendorf erwähnt das Vorkommen des Mytilus
modiolus L. im Beringsmeer, der nach Dali noch an der
Küste Californiens und nach Schrenck auch im Japanischen
Meere vorkommt.
4. Modiolaria laevigata {Gray).
Toreil, Spitzbergens Molliisker p. 13.
Modiolaria cliscors Gould, Invertebrata of Massachusetts ed. 11. fig. 489.
M. laevigata Gray; G. 0. Sars, 1. c. p. 29, tab. 3, fig. 3.
M. laevigata (Gray) Torell: Leche, Vegaexpedition Band m., p. 450,
tab. 34, fig. 27 ii. 28.
Ein Beitrag z. Kenntniss d. Mollusken-Fauna d. Beringsmeeres. 17
Fundorte: 1. Pooten, 2 leere aber frische Ex. am Strande.
2. St. Lorenzbai, 1 Ex. aus 8 Faden Tiefe.
Die Exemplare von Pooten und aus der St. Lorenzbai
stimmen sehr gut mit den oben angeführten Beschreibungen
und Abbildungen überein. Die ersteren, von denen das
grösste eine Länge von 33 ™™ erreicht, sind auf dem hinteren
Felde fast ganz glatt, das letztere ist daselbst schwach aber
deutlich gestreift. Die Farbe der vorliegenden Exemplare
ist ein helles Braun mit grünlichem Schimmer.
5. Moäiolaria laevis Beck.
Voyage sui^ la corvette la Recherche, Atlas, tab. XVn., fig. 3 (a — e).
Modiolaria laevigata, var. b substriata Gray. Supplem. to App. to
Parry's 1. voyage, p. 245.
Crenella substriata Gray; Toreil, 1. c. p. 16.
Modiolaria discors ; Gould, 1. c. fig. 490.
Mod. laevis Beck; Leche: Novaja-Semlja hafs - mollusker p. 33 und
Vegaexpedition, Band EI, p. 450, tab. 34, fig. 29 u. 30.
Fundorte: 1. Ploverbai (10 Faden) 4 Ex.
2. Lorenzbai (7 F.) 1 '/a Ex.
3. Metschigmenbai (8 F.) 5 Ex.
Unsere Exemplare stimmen in Form und Sculptur mit
einander und mit den oben angeführten Abbildungen sehr
gut üb er ein.
Ihre Farbe ist dunkelbraun, im Alter beinahe schwarz;
das grösste Exemplar von der Ploverbai (42 ™™ lang) übertrifft
selbst die von der Vegaexpedition heimgebrachten (long. 41™™)
noch um ein geringes. Im Alter werden die Schalen bauchiger,
wie aus der Vergleichung folgender Maasse hervorgeht:
1. long. 42 crass. 22™™
. 40 „ 22 „
2. „ 28 „ 11 „
3. „ 23 „ 11 j,
„ 16 „ 6 „
Modiolaria laevis Beck ist von uns an der Küste der
Tschuktschenhalbinsel viel häufiger als die vorige Art ge-
sammelt worden. Dali, der M. laevigata Gray von der
Ploverbai, dem Nortonsund und den Aleuten südwärts bis
Oregon, also theilweise von denselben Fundorten, angiebt,
Arch. f. Naturgesch. 1885, Bd. LI. Heft 1. 2
18 Arth. Krause:
hat wohl auch diese Art = M. laevigata var. b. substriata
Gray in Händen gehabt. Die schwedischen Expeditionen
von den Jahren 75 und 76 sowie vom Jahre 79 haben
beide Arten zusammen von Nowaja-Semlja bis zum Cap
Schelagskoj gesammelt, während weiter nach Osten nur
M. laevis Beck vorgefunden wurde. Die von Middendorf
aus dem Ochotzkischen Meere und von L. v. Schrenck aus
dem Nord- Japanischen Meere beschriebene Art scheint
M. laevigata (Gray) Torell zu sein. Dieselbe Art ist nach
Torell 1. c. p. 16 und 17 bei Spitzbergen sehr häufig,
während die M. laevis Beck daselbst selten ist und in
Finnmarken ganz fehlt. Auch G. O. Sars betont aus-
drücklich das Fehlen von Mod. substriata (Gray) Torell
in Norwegen (1. c. p. 30).
6. Modiolaria discors (Lin.) Forbes et Hanley. Tab. III., Fig. 3 a — c.
Modiolaria discors L., Loven. Ind. Moll. Scand. p. 33; G. 0. Sars, 1. c. p. 29.
Fundorte: 1. St. Lorenz Insel (10—20 Faden) T2 Ex.
2. Nytschigane Point (20 Faden) 1 Ex.
Die vorliegenden Exemplare stimmen unter sich, wie
auch mit typischen Modiolaria discors von Bodo und Tromsö
sehr gut überein. — Die Streifung auf dem hinteren Felde
ist nur schwach, die Schale sehr bauchig, hinter den
Wirbeln beträchtlich dicker als bei denselben. Der Dorsal-
rand ist hinter den Wirbeln, die stark corrodirt sind, nicht
aufsteigend sondern dem Bauchrand parallel.
Gerade durch ihre langgestreckte fast walzenförmige
Gestalt ähneln sie der norwegischen Modiolaria discors (L.)
Forbes et Hanley, unterscheiden sich dagegen beträchtlich
von Jugendformen der M. laevis Beck, zu welcher Leche
(Vegaexpedition p. 450) die norwegische Art stellt. —
Das grösste Exemplar zeigte folgende Maasse:
long. 9 . 5, alt. 5, crass. 5 ™™.
Ein sehr grosses Exemplar von Tromsö misst 15 ""^
in der Länge.
Diejenigen Exemplare aus dem Beringsmeer, welche
lebend heraufgeholt wurden, waren von kleinen Steinchen
Ein Beitrag z. Kenntniss d. Mollusken-Fauna d. Beringsmeeres . 19
fast ganz verdeckt; bei näherer Untersuchung zeigte es sich,
dass der Byssus in ein ziemlich festes beutelartiges Gewebe
übergeht, welches hinten ofl'en ist (Tab. III, Fig. 3 a), und
an dessen Wand die erwähnten Steinchen angeklebt sind.
Dieser Beutel ist offenbar das Nest, welches die Muschel
über ihre eigene Schale gesponnen und das später nach
hinten zu abgestreift wurde, ohne dass sich die Verbindung
mit dem Byssus löste. Der Beutel ist mit vielen Hunderten
von Embryonen angefüllt; dieselben (Tab. IIL, Fig. 3 b und c)
sind 0,4 ™™ lang, haben bucklig aufgetriebene Wirbel, sind
nur wenig ungleichseitig und zeigen noch nicht die
specifische Schalensculptur.
Dali führt dieselbe Art von der Beringsinsel an (Proc.
U. S. National -Museum Vol. VH., p. 340).
7. ModioJaria corrugata^ Stimps. var. glacialis Lecke.
Leche, Vegaexpedition in. Band, p. 451; Tab. 34, Fig. 31 — 34.
Fundorte: 1. Lorenzbai (15 — 17 Faden) 8 Ex.
2. Nytschigane Point (20 Faden), zahlreich
in allen Grössen.
3. St. Lorenzinsel (15 Faden) 1 juv.
Diese Art scheint vorzugsweise auf feinem Schlamm-
grund vorzukommen; häufig findet man sie zu mehreren
bei einander in dicht verfilzten faustgrossen Klumpen.
— Das grösste Exemplar von Nytschigane Point zeigt
folgende Maasse:
long. 24, alt. 14.5, crass. lO'"'",
übertrifi't also das grösste von Leche erwähnte noch um
ein geringes. Die Schale ist ziemlich dünn, innen graublau
mit einem stumpfen Perlmutterglanz, die Epidermis pech-
braun glänzend. Das Mittelfeld erscheint unter der Lupe
nicht einfach glatt, wie bei den vorigen Arten, sondern
chagrinartig gerunzelt (cfr. Gould, 1. c. p. 193 und 194).
Selbst die grössten Exemplare zeigen auf dem hinteren
Felde deutliche Streifung. Stimpson hat diese Art, die er
zuerst von der amerikanischen Ostküste beschrieb, von der
Seniavin Strasse mitgebracht (nach Dali 1. c). Die Vega-
2*
20 Arth. Krause:
expedition fand sie bei der Weissen Insel und an mehreren
Stellen von Cap Schelagskoj bis Cap Jakan.
8. Modiölaria nigra (Gray) Torell (1. c. p. 10).
Sars, 1. c. p. 31; Goiild, 1. c. p. 190, Fig. 488; Leche: Novaja-Semlja
hafsmollusker, p. 46; Vegaexpedition in, p. 451.
Fundorte: 1. Metscliigmenbai (8 Faden) IV2 Ex.
2. Nytschigane Point (20 Faden) 1 juv.
3. Ploverbai 10 — 20 Faden 3 Ex.
Die mitgebrachten Exemplare stimmen weder mit den an-
geführten Abbildungen noch mit norwegischen Exemplarenvon
Bodo und Tromsö vollständig überein, auch erreichen sie bei
weitem nicht die bedeutende Grösse der letzteren. Dasgrösste
Exemplar aus der Metschigmenbai hat eine Länge von 18 ™°'.
Der Dorsalrand ist bei den norwegischen Exemplaren
im allgemeinen nach vorn zu abschüssiger und der Wirbel
mehr nach vorn gelegen. — Durch die chagrinartige
Körnelung des Mittelfeldes nähert sich diese Art der
Modiölaria corrugata Stimps. In der That zeigen zwei
kleinere Formen aus der Ploverbai von nur 7 ™™ Länge
einen deutlichen Uebergang zu dieser Art dadurch, dass
sie bauchiger sind, dass das hintere Feld zwar schwach
aber immerhin doch deutlich von dem mittleren abgesetzt
ist und durch den mehr gradlinigen Bauchrand, während
sie wieder durch den nach vorn zu abschüssigen Dorsal-
rand sich unterscheiden.
Eine zu Modiölaria nigra Gray gezogene Art ist schon
von Stimpson aus dem Arctischen Ocean im Norden der
Beringstrasse gesammelt worden (Dali. 1. c); Middendorf
beschrieb sie unter dem Namen Modiölaria discors von
Novaja-Semlja; ebendaselbst und im ganzen karischen
Meere fanden sie die schwedischen Expeditionen aus den
Jahren 75 und 76 und die Vegaexpedition traf sie an
mehreren Punkten der nordasiatischen Küste bis in die
Nähe der Beringstrasse.
9. Modiölaria vernicosa Midd.
Middendorf, Beiträge III. pag. 20. — Schreuck, 1. c. p. 497.
Fundort: Aleuten.
Ein Beitrag z. Kenntniss d. Mollusken-Fauna d. Beringsmeeres. 2 1
Ein kleines nur 6 ™™ langes Exemplar wurde an
Wurzeln von treibendem Tang südlich von der Aleuten-
insel Unimak gefunden. — Die Oberfläche ist sehr glänzend ;
vor den Wirbeln sind einzelne radiale Streifen, hinten
sind solche nur auf der Innenseite bemerkbar.
Mod. vernicosa wurde von Middendorf im Ochotz-
kischen undvonSchrenck im Nordjapanischen Meer gefunden.
10. CreneUa decussata^ Moni.
G. 0. Sars, 1. c. pag. 31, Tab. 3, Fig. 4, a — b; Leche, Novaja Semlja
hafsmoUusker jDag. 34.
Fundort: Lorenzbai (8 Faden) 1 Ex. auf Sandboden.
Diese Art war bisher noch nicht aus dem Beringsmeer
bekannt. Da sie aber von Carpenter (the Mollusk. of
Western North- Amerika, Smithonian Mise. Coli. X. p. 97
und 130) von der Californischen Küste angegeben wird,
war ihr Vorkommen daselbst zu erwarten. Cr. decussata
Mont. ist ausserdem von Novaja -Semlja, Norwegen,
England, Spitzbergen, Grönland und der Ostküste Nord-
Amerikas bekannt.
11. Nucula tenuis Mont.
G. 0. Sars 1. c. p. 33. Tab. 4, Fig. 6, a — b.
Fundorte: a) forma typica.
1. Ploverbai (12 Faden) 4 Ex.
2. Metschigmenbai (8 Faden) 1 Ex.
b) var. expansa.
3. Matthews-Inseln (25 Faden) 47-2 Ex. ad.
und zahlreich juv.
Die zur typischen Form gezogenen Exemplare von
Fundort 1 und 2 zeigen folgende Maasse:
long. 12 alt. 9 crass. 5,4"^"^
„ 12 „ 8,8 „ 5,4--
„ 10 „ 7,5 „ 4."-
Die Schalen sind innen deutlich, aussen nur sehr
schwach radial gestreift, die Epidermis ist glatt und glänzend
von hellgrüner Farbe mit dunkleren concentrischen Streifen.
Der allgemeine Umriss der Schale stimmt gut zu den von
22 Arth. Krause:
Grould (1. c. Fig. 457) und von Sars (1. c. Tab. 4,
Fig. 6 a — b) gegebenen Zeichnungen. Die Zahl der Schloss-
zähne ist bei den grösseren Exemplaren ebenso wie bei
den norwegischen 10 vor und 18 hinter den Wirbeln. —
Die Exemplare des dritten Fundortes passen sehr gut
zu der Abbildung und Beschreibung der Nucula expansa
Reeve bei Gould (1. c. p. 152); einige derselben zeigen
An der ostamerikanischen und der norwegischen Küste
erreicht diese Art nach Gould und Sars eine Länge von
14. mm^ — ^j^ Schlosszähnen finde ich bei dieser Form
vorn 9, hinten 18, während Gould ungefähr 10 vor und
15 hinter dem Ligament zählt.
Ein ausnehmend grosses Exemplar aus der Ploverbai
bildet einen deutlichen Uebergang zwischen den beiden,
im Uebrigen so verschiedenen Formen. Die Maasszahlen
desselben sind:
long. 17,5, alt. 13, crass. S'^"".
Die Zahl der Schlosszähne beträgt vorn 9, hinten 18,
Der allgemeine Umriss der Schale und die geringe Dicke
derselben stimmen zu der typischen Form, während die
dunkelbraune Epidermis und die am Rande deutliche con-
centrische Furchung an die var. expansa erinnern.
Nucula tenuis ist in beiden Formen in allen nordischen
Meeren verbreitet; das hiesige Museum besitzt zahlreiche
Exemplare der typischen Form, welche Herr Dr. Hilgendorf in
der Bai vonHakodadi sammelte ; auch Jeffreys (Lin.Soc.-Zool.
vol. XII., pag. 104) erwähnt ihr Vorkommen an der japanischen
Küste.
13. Leda minufa Müller.
G. 0. Sars, 1. c. pag. 36, Tab. 5, Fig. 2, a — b.
Fundorte: 1. St. Lorenzbai (6 Faden) 1 Ex.
2. Ploverbai (10 Faden) zahlreich.
Ein Beitrag z. Kenutniss d. Mollusken-Fauna d. Beringsmeeres. 23
Die vorliegenden Exemplare zeigen bei aller habituellen
Aehnlichkeit doch grosse Verschiedenheit in ihren Dimen-
sionen, wie aus folgenden Zahlen hervorgeht,
long. 19 alt. 10 crass. 7,5™™
« 16 „ 8 „ 4,8 „
„ 13,6 „ 6,8 „ 4,8 „
„ 12,4 „ 7,3 „ 5,3 „
Letztere Maasse zeigt ein Individuum, das sehr gut
mit der Figur 470 bei Gould 1. c. übereinstimmt, während
die Mehrzahl der Exemplare besser zu der oben citirten
Abbildung bei Sars passt. Im Allgemeinen sind die jungen
Muscheln flacher als die ausgewachsenen. — Dali und Leche
führen diese Art ebenfalls von der Küste der Tschuktschen
Halbinsel an; an der amerikanischen Küste geht sie bis
Oregon (Carpenter: Smith. Mise. Coli. p. 89); Jeffreys
erhielt sie aus Japan, auch Hilgendorf fand sie daselbst in
der Bai von Hakodadi.
13, Leda pernula Müll. var. radiata n. Tab. III. Fig. 2 a— c.
L. pernulae forma simillima, sculptura lineis radiantibus elevatis iusignis.
Fundort: Emmahafen (10 — 15 Faden.) 1 Ex.
In der Gestalt stimmt die vorliegende Leda mit den
kürzeren bauchigen Formen der Leda pernula, die den
Uebergang zu L. buccata Steenstr. machen, sehr gut überein;
ihre Maassverhältnisse sind: long. 25,5, alt. 13 crass. 9™™.
Die für L. pernula Müll, characteristische Rippe auf der
Innenseite vom Wirbel bis zur unteren Ecke des Schnabels
(vergl. Leche : Vegaexpedition pag. 448) ist bei ihr ebenfalls
deutlich ausgeprägt. — Sehr eigenthümlich ist die Sculptur
der Schalen, welche auf ihrer ganzen Fläche von feinen,
dicht stehenden radialen Rippen durchzogen werden, die
ihrerseits von entfernter stehenden Anwachslinien gitterartig
gekreuzt werden. Eine andere, stärker in die Augen fallende
Radialsculptur des Mittelfeldes entsteht dadurch, dass die
Anwachsstreifen durch flache Radialfurchen unterbrochen
und gewinkelt werden, in der Weise, wie es Fig. 2 b. ver-
anschaulicht. — Zw^ar zeigen auch norwegische und grön-
24 Arth. Krause:
ländische Exemplare der L. pernula eine mehr oder weniger
deutliche Radialsculptur, doch ist dieselbe ganz anderer
Art, da sie nur aus linienartigen Vertiefungen zwischen den
Anwachsstreifen besteht, ohne die erhabenen feinen Linien,
welche unsere Varietät auszeichnen. Bei den vorliegenden
norwegischen Exemplaren der L. pernula findet sich eine
vom Wirbel aus schräg nach vorn zu verlaufende flache
Einsenkung; diese fehlt bei unserem Exemplare, dessen
Schalen vorn ganz regelmässig gewölbt sind, gerade so,
wie bei L. minuta Müll.
Da auch Dali nach gütiger brieflicher Mittheilung
dieselbe Form der L. pernula von der Beringsstrasse
erhalten hat, so ist anzunehmen, dass wir es mit einer aus-
gesprochenen localen Varietät zu thun haben.
Leche erwähnt (1. c.) eine Leda pernula Müll. = L.
buccata Stp. von der St. Lorenzinsel und zweier neuen
Varietäten derselben, der var. costigera und var. lamellosa
aus dem sibirischen Eismeere.
14. Yoldia lanceolata J. Sow.
Syn. Y. arctica Brod. et Sow. (non Y. arctica Graj-, non Y. arctica Moll).
Zool. Journ. Vol. IV. p. 359, Tab. IX., Fig. 1.
Fundorte: 1. Lorenzbai (10 Faden) 11 Ex. u. 2 leere
Schalen am Strande.
2. Metschigmenbai (8 Faden) 1 Ex.
3. Nytschigane Point (20 Faden) 1 leere
Schale.
Diese Art liegt in allen Grössen von 9 — SO ™"^ vor;
selbst die kleinsten Exemplare haben die charakteristischen
schrägen Streifen. — Die Epidermis ist sehr glänzend,
olivenfarben mit abwechselnden dunklen Zonen.
Y. lanceolata, zuerst unter diesem Namen von J.Sowerby
aus der Cragformation beschrieben, ist seitdem lebend auf
Beechey's Eeise in der Avatschabai, später von Stimpson
in der Bai von Hakodadi und in der Seniavin Strasse,
(Cpt. S. M. C. p. 70) und von Schrenck im Kord-Japamschen
Meer gefunden worden. Auch an der amerikanischen Küste
Ein Beitrag z. Kenntniss d. Mollusken-Fauna d. Beringsmeeres. 25
geht sie weit nach Süden, da sie von Carpenter (1. c, pag. 89)
aus dem Piiget-Sound angegeben wird.
Mit Exemplaren des hiesigen Museums, die Hilgendorf
aus Japan (Hakodadi) mitgebracht hat, stimmen die unsrigen
vollkommen überein.
Die Athemröhren sind in ihrer ganzen Länge ver-
wachsen, so dass auch diese Art zur Gattung Yoldia im
engeren Sinne gehört (vergl. G. O. Sars 1. c. p. 40).
15. Yoldia liyperhorea Loven.
Toreil: Spitzbergens Mollusker, pag. 29, Fig. 6. — Leche: Vegaexpedition,
Band in, pag. 444, Tab. 33, Fig. 17.
Fundorte: 1. Ploverbai (10 Faden) 4 grosse und
2 kleine Ex.
2. Lorenzbai (8 Faden) 2 mittelgrosse Ex,
3. Nytschigane Point (25 Faden) 2 Ex.
Die grösseren Exemplare aus der Ploverbai und Lorenz-
bai, welche allein eine sichere Bestimmung zulassen, stimmen
mit typischen Exemplaren von Grönland und Spitzbergen
im hiesigen Museum recht gut überein; einige sind hinten
etwas mehr ausgezogen, ohne jedoch die langgestreckte
Gestalt der Yoldia limatula Say (Toreil 1. c. Fig. 5) zu
erreichen. Die breiteren Lidividuen stimmen vollkommen
mit den oben citirten Abbildungon bei Torell und Leche,
wie auch aus den Maasszahlen hervorgeht:
long. 35 alt. 18 crass. 9,5™"^
„ 35 „ 17 „ 9,5 „
„ 30,5 „ 15 „ 8 „ 0
Carpenter giebt an (1. c. p. 71), dass Stimpson
„Y. myalis (or hyperborea)" in der Avatschabai gesammelt
hat; Dali führt Y. myalis Couth. von der Seniavin Strasse
(Stimpson) an. Y. myalis Couth. wird von einigen Autoren
(Gould 1. c. pag. 160, 161) geradezu mit Y. hyperborea
Loven vereinigt. — Die im hiesigen Museum befindlichen
0 Bei einem 26 mm grossen Exemplare zähle ich vorn 23 , hinten
18 Zähne; Torell giebt resp. 29 und 23 an.
26 Arth. Krause:
Exemplare der ersterea von Neufundland gleichen in der
That der Y. hyperborea von Spitzbergen und Grönland in
Umriss und Farbe ausserordentlich; bei näherer Yergleichung
zeigt sich jedoch folgender Unterschied. Die Zwischen-
räume der ziemlich entfernten Anwachsstreifen der Y. myalis
sind von parallel gehenden, äusserst dicht gedrängten
Linien durchzogen, während bei Y. hyperborea die Anwachs-
streifen überhaupt weniger hervortreten und die Zwischen-
räume zwischen denselben ganz glatt sind. — Auch in
diesem Punkte, der sich vielleicht bei weiterer Yergleichung
als unwesentlich herausstellen könnte, stimmen unsere
Exemplare aus dem Beringsmeer mit der typischen Y. hyper-
borea aus Spitzbergen und Norwegen überein.
Leche, dem diese Art von mehreren Punkten von
Nowaja-Semlja bis zur Lorenzinsel vorlag, findet, dass sie
beträchtlich variire. Als am meisten abweichend bezeichnet
er ein Exemplar aus der Beringsstrasse (1. c. pag. 444,
Fig. 16)^), das sich durch das verschmälerte Hinterende
und durch mattbraune Epidermis auszeichne. Auch uns
liegt eine linke Schalenklappe aus der St. Lorenzbai vor,
die in jeder Hinsicht zu der Leche"schen Beschreibung und
Figur passt und die wir, beim Mangel aller Uebergangs-
formen, einer selbstständigen Art zuzurechnen geneigt
gewesen wären. Wir fügen noch hinzu, dass nach unserem
leider nur unvollständigen Exemplar (long. 31, alt. 16,5,
V2 crass. 4,5 ™™, Schlosszähne vorn 21, hinten 13) die Dorsal-
ränder abschüssiger und die A^nwachsstreifen deutlicher
hervortretend sind, als bei der typischen Form, sowie dass
die seichte Ausbuchtung unten am Schnabel fehlt, Unter-
schiede, welche auch beim Vergleich der Fig. 16 und
17 bei Leche deutlich hervortreten. Ausserdem erscheint
das in Rede stehende Exemplar dickschaliger und von
gleichmässigerer Wölbung, als gleich grosse typische
Y. hyperborea.
^) Die im Text gegebenen Maasse stimmen nicht zu der in natürlicher
Grösse gezeichneten Fig. 16.
Ein Beitrag z. Kenntniss d. Mollusken-Fauna d. Beringsmeeres. 27
16. Portlandia Dalli n. sp. Tab. III, Fig. 1, a — c.
Testa oblonga, modice convexa, umbonibus sat prominulis paullo ante
medium sitis ; parte anteriore late rotundata et valde compressa, superne
vix angulata, parte posteriore angustata; superficie nitidissima, albo-
virescente, long, usque ad 4,5™™.
Fundort: Beringsmeer, nördlich vom Akutan -Pass
(60 Faden).
Diese kleine Portlandia, welche ich nach dem verdienten
Erforscher Alaskas zu benennen mir erlaubt habe, wird
hauptsächlich dadurch charakterisirt , dass der kürzere
vordere Theil sehr stark keilförmig zusammengepresst ist;
der Schlossrand bildet mit dem vorderen einen mehr oder
weniger deutlichen Winkel; das etwas verschmälerte hintere
Ende ist nur am Rande ein wenig abgeflacht ; ein wesentliches
Merkmal bildet ferner die ziemlich grosse Ligamentgrube,
welche sich schräge von den Wirbeln nach hinten zu erstreckt.
Der hintere Schlossrand hat 8, der vordere 4 — 5 Zähne. Die
Epidermis ist dünn, glänzend, von weisslich grüner Färbung.
Nach gütiger brieflicher Mittheilung von Herrn
Gw. Jeffreys (cfr. Proc. Zool. Soc. 1879 p. 578) ist die
vorliegende Art nicht die Yoldia intermedia Cpt. , welche
Dali in seinem Catalog der Beringsmeer-Mollusken anführt.
17. Cardium islandicum Oiemn.
C. ciliatum, Fabr. G. 0. Sars, 1. c. pag. 46, Tab. V., Fig. 4 a — b.
C. islandicum Chemn. Gould, 1. c. pag. 139, Fig. 58.
Fundorte: 1. Nytschigane-Point (20 Faden) 4 juv.
2. Ploverbai (10 Faden) 1 juv. u. 1 ad. defect.
Eine leere zerbrochene Schale aus Ploverbai ist
54 "'^ lang, die jungen Exemplare nur bis 11'°"*.
Dali führt diese Art von verschiedenen Punkten des
Beringsmeeres und auch von Sitka an; die Vegaexpedition
brachte sie aus dem Karischen Meer und von der St. Lorenz-
insel und nach Jeffreys ist sie auch an den Küsten Japans
verbreitet.
18. Cardium (Serripes Beck) Groenlandicum Chemn.
Aphrodite Groenlandica Chemn. Gould, 1. c. p. 145; G. 0. Sars
1. c. p. 49, Fig. 3.
28 Ar th. Krause:
Fundorte : 1 . St. Lorenzbai, 5 ^l-y Ex. in allen Altersstadien.
2. St. Lorenzinsel, 5 juv.
3. St. Matthews-Inseln, 4 juv.
4. Metschigmenbai, 2 mittelgross.
5. Nytschigane Point, 9 juv.
6. Ploverbai, 3 juv.
Diese Art variirt beträchtlich, sowohl in der Form wie
in der äusseren Sculptur der Schale; einige unserer jüngeren
Exemplare erinnern durch ihre lang gestreckte Gestalt an
Cardium Laperousii Desh; doch zeigt auch bei ihnen das
Thier einen deutlich gesägten Fuss, während nach Dali
(American Journal of Conchology 1872, p. 148) das Thier
von C. Laperousii einen runden geknieten Fuss hat, der
ganz ohne Zähnelung ist. Die flachen radialen Rippen sind
entweder nur auf dem hinteren Felde ausgebildet oder auch
vorn und hinten, während das mittlere Feld glatt bleibt
oder höchstens von schwachen Linien durchzogen wird.
Das grösste Exemplar aus der St. Lorenzbai, wo wir
diese Muschel sehr häufig am Strande des Lütke Hafen
sahen, zeigt folgende Maasse:
long. 100, alt. 82, crass. 58°'°'.
Es ist dickschalig, hinten etwas klaffend und flach ab-
gestutzt; die Zähne sind nur undeutlich erkennbar; die
Epidermis ist dunkel gelbbraun, ohne jede Spur von Zick-
zackbändern. — Ein anderes Exemplar von demselben
Fundort besitzt die Maasse:
long. 47, alt. 38, crass. 22 '"".
Es ist dünnschalig, hinten kaum klaffend und nicht
abgestutzt; die Zähne sowie die Zickzackstreifen auf der
hellgelbbraunen Epidermis sind deutlich ausgebildet. L^nter
den zahlreichen jüngeren Exemplaren lassen sich mit
Leichtigkeit zwei Formen unterscheiden:^)
a) forma typica: dünnschalig mit braunrothen Zick-
zackbändern auf der hellgelb gefärbten Epidermis; die
Schalen sind lang gestreckt und zusammengedrückt. —
1) Vergl. Middendorff, Beiträge III., p. 41.
Ein Beitrag z. Keimtniss d. Molluskeü-Faima d. Beringsmeeres. 29
Hierher gehören die Exemplare vom Fundort 1 — 4; eines
derselben von der St, Lorenzinsel zeigt folgende Maasse:
long. 10, alt. 8, crass. 4,5 ™'".
b) forma globosa : dickschalig, rund, beinahe gleichseitig,
bauchig, ohne Zickzackbänder auf der graubraunen Epi-
dermis. — Diese Form stammt von den Fundorten 5 und 6.
Ein Exemplar von Nytschigane Point hat die Maasse:
long. 11, alt. 10, crass. 8 "'"'.
Cardium groenlandicum Chemn. ist circumpolar. An
der amerikanischen Küste des stillen Oceans geht es nach
Dali bis Oregon und an der westlichen Küste bis Japan
(Jeffreys. Linnean Society 's Journal. — Zoology, vol. XII.,
pag. 104).
19. Cardita borealis Conrad.
Nach gütiger brieflicher Mittheilung von W. H. DaU
aus Washington sind die zahlreichen arctischen Formen
der C. borealis, deren Endglieder in der That gute selbst-
ständige Species zu sein scheinen, durch Uebergangsformen
als Varietäten charakterisirt. Mir liegen aus dem Berings-
meer drei derselben vor, die von der typischen C. borealis
der atlantischen Küsten beträchtlich abweichen.
a. Cardita borealis var. Novangliae Morse. (Verril: Mollusca of New
England 1882) — C. Novangliae Morse ex Leche: VegaexiDedition ni.,
pag. 443, Tab. 32, Fig. 13 — 15.
Fundorte: 1. Nytschigane Point, 8 Ex.
2. Emmahafen, zalilreich.
Diese bei weitem am häufigsten vorkommende Form
stimmt recht gut mit der Abbildung und Beschreibung, die
Leche (1. c.) von der ihm von nahezu demselben Fundort
(Konyambai) vorliegenden Muschel gegeben hat. Die Maasse
— long. 18, alt. 15, crass. 9 ™™ — so wie die Zahl der Kippen
(16 — 1 7)passen ebenfalls genau zu den von Leche angegebenen.
Ich füge noch hinzu, dass die Wirbel, die bei ganz jungen
Exemplaren vorstehend sind, sehr bald tief corrodirt er-
scheinen; die Epidermis ist dick, sammtartig filzig; in der
Nähe der Wirbel sind die Rippen durch concentrische
Furchen schwach crenulirt, am Rande zeigen sie auf ihrer
30 Arth. Krause:
flachen Wölbung etwa 14 feine schwarze L'ängslinien , die
von unregelmässigen Anwachslinien gitterartig gekreuzt
werden. — Die Wirbel liegen auch bei den vollständig
ausgewachsenen Exemplaren in der Mitte.
b. Cardita borealis var. crebricostat . . . a n. Tab. IIL, Fig. 4.
Fundort: St. Paul. 24 Faden. 2 halbe Schalen.
Die Zahl der Rippen beträgt 22—25; der Schlossrand
ist dick, die Wirbel liegen central und sind nicht zerfressen;
in der Nähe der Wirbel sind die Rippen durch concen-
trische Furchen deutlicher und regelmässiger crenulirt als
bei den vorigen. Die gitterartige Sculptur der Rippen ist wie
bei der vorigen. Die grössere Schale zeigt folgende Maasse:
long. 24, alt. 22, y^^rass. e'/^""".
c. Cardita borealis var. paucicostat . . . a n. Tab. in., Fig. 5.
Fundort: Emmahafen. 4 Ex. aus 15 Faden.
Rippen 12 — 13, breit und flach, durch die Anwachs-
linien unregelmässig wellig quergestreift, ohne die regel-
mässige Furchung in der Nähe der Wirbel. Die Epidermis
ist glatt, nicht filzig, die Längslinien auf den Rippen sind
nur ganz schwach angedeutet. Die Wirbel liegen im ersten
Drittel; sie sind stark zerfressen. Der Schlossrand ist sehr
dick und die Zähne sind kräftig. Das grösste Exemplar
zeigt die Maasse:
long. 31, alt. 26, crass. 14»°°^.
Diese Form scheint der C. compressa Reeve (Conch.
iconica I., Fig. 46) von der Süd Westküste Amerikas nahe
zu stehen; ein Exemplar dieser Art von der Magelhaens-
Strasse, welches ich im hiesigen Museum vergleichen konnte,
unterscheidet sich hauptsächlich durch seine mehr runde
Gestalt von unserer Muschel.
20. Ästarte horealis Chem. var, semisiücata Leach.
A. semisiücata Leach, var. placenta Mörch.
Mörch: Moll, du Spitzb.
Leche: Novaja-Semlja Hafs -Mollusker p. 19, Tab. L, Fig. 4. Vega-
expedition m., p. 441, Tab. 34, Fig. 35 und 36.
A. corrugata Brown; Mddendorff : Beitr. HL, p. 46, Tab. XVH., Fig.4— 10.
A. Rollaudi Berobardi: Journal de Conch. 185S vol. VIT., p. 386,
pl. Xm. Fig. 4.
Ein Beitrag z. Kenntniss d. Mollusken-Fauna d. Beringsmeeres. 31
Fundorte: 1. Emmahafen, häufig in allen Altersstadien.
2. Metschigmenbai, 4 Ex.
Die meisten der vorliegenden Exemplare stimmen gut
zu den von Leche 1. c. gegebenen Beschreibungen und Ab-
bildungen. Die concentrischen Rippen in der Wirbelgegend
fehlen bei keinem Exemplar ganz, junge Exemplare von
13™™ Länge sind sogar auf ihrer ganzen Oberfläche mit
denselben bedeckt und erinnern durchaus an die zuletzt
citirte Abbildung Leches. Die äussere Gestalt variirt
beträchtlich, wie folgende Maasszahlen beweisen:
1. long. 42, alt. 32, crass. 12™™
2. „ 41, „ 34, „ 12 „
ö. „ 48, „39, „ 16 „
4. „ 40, „ 35, „ 17 „
ferner von jüngeren Individuen:
5. long. 23, alt. 18, crass. 6,
6. „ 20, , 18, „ 8'A.
Die unter 4. angegebenen Zahlen gehören einem
Individuum an, das sich ausser durch seine rundliche Form
noch durch seine Dickschaligkeit und durch sein robustes
Schloss auszeichnet und das sehr gut zu den oben citirten
Figuren 4 und 5 bei Middendorff passt; ebenso ist die
Uebereinstimmung mit Astarte Rollandi, welche Bernhardi
nach einem Exemplar aus Kamtschatka aufstellte, eine sehr
vollkommene. — In Mergellagern, welche am nördlichen
Ufer der St. Lorenzbai anstehen, wurde sowohl die typische
wie auch die eben besprochene Form mehrfach gefunden.
Dali und Leche erwähnen diese Art von mehreren
Punkten des Beringsmeeres und des Eismeeres.
21. Astarte Warhami IlancocJc.
Leche: Nov. Semlja Hafsmollusker, p. 17. Vegaexpedition, III. p. 442.
Tab. 32, Fig. 7—12.
A. Banksii Leach; A. striata Leach.
Fundorte: 1. Ploverbai, zahlreich.
2. Metschigmenbai, mehrere Ex.
Edg. Smith hat zuerst die hierzu gehörigen Formen
unter dem Namen A. compressa Mont. zusammengefasst.
32 Arth. Krause:
Sars (1. c. p. 51, 52) und Leclie (Vegaexpedition p. 442)
haben dann auf das Ungeeignete dieses Namens für die
ziemlicli bauchige Muschel hingewiesen, so dass ich ihn nach
dem Vorgänge des Letzteren durch den Hancock'schen
Namen A. Warhami ersetze. — Die meisten der vor-
liegenden Exemplare haben die typische Form und zeichnen
sich nur durch bedeutende Grösse aus, andere (No. 5) nähern
sich durch ihre kurze Gestalt der Nikania Banksii von
Norwegen, wie folgende Maasse zeigen:
1. long. 30, alt. 25, crass. 15°^™.
Bei einem einzigen 1 7 ™™ langen Exemplar von Plover-
bai fehlen die concentrischen Rippen ganz, so dass es
einigermassen an Tridonta borealis Chem. aus Norwegen
erinnert, von dem es jedoch leicht durch die gestreckte
Form und das minder kräftige Schloss unterschieden werden
kann. Die eben besprochene in der gewählten Artbegrenzung
circumpolare Muschel wird auch von Dali und Leche von
den Küsten der Tschuktschen-Halbinsel angegeben.
22. Venus fluctuosa Gould,
LiocjTna fluctuosa Dali; L. Beckii Dali; L. viridis Dali; L, arctica Rve.
Venus astartoides Beck.
Tapes fluctuosa Gould. (luv. of Mass. IL, p. 136).
Fundorte: 1. Emmahafen, zahlreich, 6 — 20 Faden.
2. Lorenzbai, mehrere Exemplare.
3. Metschigmenbai, zahlreich.
Exemplare von ein und demselben Fundort zeigen
eine grosse Variabilität, doch sind die Merkmale der ver-
schiedenen Formen so wenig konstant, dass ich es vor-
ziehe, sie unter einem Artnamen zusammenzufassen. Die
Gestalt verändert sich mit dem Alter, aber auch gleich-
grosse Exemplare sind bald mehr bald weniger langgestreckt,
flach keilförmig oder bauchig; einige der grössten zeigen
folgende Maasse:
Ein Beitrag z. Kenntniss d. Mollusken-Fauna d. Beringsmeeres. 33
long. 30, alt. 21, crass. 13™™,
„ 26, „ 20, „ 13 „
„ 25, „ 17, „ 9 „
Die concentrischen Kippen verschwinden bei einigen
Exemplaren fast ganz, bei anderen sind sie auf der ganzen
Fläche stark entwickelt. Hin und wieder zeigt sich eine
deutlich abgesetzte Lunula, die dann aber ebensowenig wie
die radialen Streifen an eine bestimmte Form gebunden
erscheinen. — Die Farbe ist bei einigen weissgelb, bei
anderen bräunlich oder graugrün.
Venus fluctuosa Gould ist circumpolar; in Japan
ist sie nach Jeffreys (1. c.) ziemlich häufig, Middendorff
giebt sie von Ochotsk an, Dali und Leche erhielten
sie von verschiedenen Punkten des Beringsmeeres und
des Eismeeres. Ueber ihre Variabilität vergl. auch Schrenck
(Reisen im Amurlande IL, p. 529); sein grösstes Exem-
plar aus dem nordjapanischen Meere besitzt eine Länge
von 46™".
23. Axinus flexuosus Mont
Fundorte: 1. Emmahafen, 12—15 Faden; 4V2 Ex.
2. Metschigmenbai, 8 Faden; 1 Ex.
3. Lorenzbai, 8 Faden; V2 Ex.
4. Matthews-Liseln, 25 Faden; 1 Ex.
Unsere Muschel ist kreisrund, gleichseitig, ziemlich
bauchig, hat eine kleine vertiefte Lunula und hinten zwei
Falten. — Das grösste Exemplar hat eine Länge von 7 ™™.
Sie stimmt gut zu der Abbildung von Axinus Gouldii
(Gould-Inv. of Mass. IL, pag. 100, Fig. 406), welche Art
von Jeffreys ebenso wie Axinus Sarssii als Varietät zu
Axinus flexuosus Mont. gestellt wird (K\m. and Mag. of
Nat.-Hist. 1877, p. 233).
Cryptodon flexuosus Mont. wird von Carpenter
(Smith. Mise. Coli. 10, p. 168) von Californien angegeben.
— Die Vegaexpedition brachte dieselbe Art aus dem
Sibirischen Eismeer.
Arch. f. Naturgesch. 1885, Bd. LI, Heft 1. 3
34 Arth. Krause:
24. Cryptodon ferriiginosiis Forhes.
Axinus feiTuginosus Brit. Conch. 11. p. 251; V. p. 180.
Fundort: Aleuten, nördlich vom Unalga-Pass, 10 Ex.
aus 60 Faden.
Die vorliegenden Exemplare stimmen gut mit solchen
von den britischen Inseln und von Norwegen, nur haben
sie ein robusteres Schloss; das grösste hat eine Länge
von 5 ™™. — Die Art ist auch von Grönland und von
Novaja-Semlja bekannt, ist also circumpolar.
25. Cryptodon sericatus Carp.
Carpenter, Smith. IVIisc. Coli. 10, p. 129.
Fundort: Lorenzbai, V2 Ex.
Für die Bestimmung des einzigen, unvollständigen und
defecten Exemplars bin ich Herrn Dali verpflichtet, der
auch die Güte hatte mir mitzutheilen, dass dieselbe im
südlichen Alaska und an den Aleuten häufig sei. Nach
Carpenter (1. c.) geht die Art südlich bis zum Puget-Sund.
Neuerdings hat Dali diese Art auch aus dem Eismeer er-
halten. (Proc. U. S. Nat. Mus. VII.^ pag. 523).
26. Turtonia mimda Fahr.
Goiild, Inv. of Mass. n., p. 85, Fig. 395.
Cyamium minutum Fabr. G. 0. Sars 1. c, p. 65, Tab. 19, Fig. 12.
Fundort: 1. Emmahafen, 5 — 15 Faden; 6 Exemplare.
Das grösste Exemplar erreicht mit 3 ""^ Länge die
Grösse der norwegischen Exemplare. Nach brieflicher
Mittheilung von W. H. Dali ist die Art an den Küsten
Alaskas weit verbreitet.
27. Tellimya planata Dcdl. M. S. Tab. III., Fig. 6 a — d.
Testa minuta, forma oblique ovata, extremitate antica producta,
postica brevissima, margine ventrali convexo, posteriore abrupte decli\i;
valvulae tenues, modice et aequaliter convexae, intus subtiliter radiatim
striatae, epidermide fusca sat consi^icua tectae. Long, usque ad 8,5 i^m.
Fundorte: 1. Nytschigane Point, 15 — 20Fad.; zahlreich.
2. Emmahafen, 12 Faden; zahlreich.
Unter obigem noch nicht veröff'entlichten Namen hat
W. H. Dali nach gütiger brieflicher Mittheilung diese neue
Art, die er von vielen Punkten des Beringsmeeres erhalten
hatte, an verschiedene Sammlungen gesandt.
Ein Beitrag z. Keuntniss d. Mollusken-Faiina d. Beringsmeeres. 35
Die Schalen sind von länglicher Gestalt; der Wirbel
liegt im hintern Drittel; die Schlossränder sind beide ab-
schüssig, der hintere stärker wie der vordere und beide
gehen mit gleichmässiger Rundung in die convexe Bauch-
kante über; der Winkel der beiden Schlossränder variirt
von 100 bis 110 Grad; in letzterem Falle erscheint die
Muschel mehr in die Länge gestreckt. Beide Schalen
haben dicht unter den Wirbeln eine kleine tief eingesenkte
dreieckige Ligamentgrube, welche in der rechten Klappe
von einem vorderen grösseren und einem hinteren kleineren
Zahne begrenzt wird; an den vorderen Zahn schliesst sich
nach vorne zu eine lange Furche an, in welche der vor-
springende Rand der linken Klappe passt; von oben
gesehen (Fig. 6d.) greift am Wirbel die rechte Schale
etwas über die linke hinüber. Die Epidermis ist dick,
etwas fasrig, von schmutzig gelbbrauner Farbe; die Wirbel
sind selbst bei den jüngsten Exemplaren stark corrodirt,
bei älteren oft so sehr, dass das cylindrische Ligament von
aussen sichtbar wird. Das Innere ist bläiüich weiss und
fein radial gestrichelt, die länglichen Muskeleindrücke und
die ganze Mantellinie sind deutlich sichtbar.
Die Exemplare der Montacuta elevata Stimpson aus
Grönland, welche Mörch unter diesem Namen dem hiesigen
Museum gesandt hat, unterscheiden sich von unserer Muschel
bestimmt dadurch, dass bei ihnen der Winkel der beiden
Schlossränder im Allgemeinen ein stumpferer ist, dass die
vordere Schlosskante zur Bauchkante winkelig absetzt und
dass der vordere und hintere Schlossrand deutlich eingesenkt
sind, so dass eine schmale Area und Lunula entstehen.
Ausserdem sind die Schalen nach vorn und nach unten zu
keilförmig abgeflacht, so dass sich die Wirbel bauchig von
der Schalen-Oberfläche absetzen, während bei unserer Muschel
die Schalen auf der ganzen Fläche gleichmässig gewölbt er-
scheinen. — Im Schloss so wie in der Beschaftenheit der
Schale und Epidermis stimmen beide Arten miteinander überein.
Das grösste der vorliegenden Exemplare zeigt eine
Länge von 8,5°""; ihre gewöhnliche Länge beträgt 6 — 7™°^.
3-
36 Arth. Krause:
28. Tellimya tumida Cpt.
WMteaves in Rep. Prog. Can. Geol. Survey for 1878—79.
Ein einziges 3 ™™ grosses Exemplar von der St. Lorenz-
insel möchte ich vorläufig zu dieser Art rechnen. In der
Gestalt gleicht sie sehr der M. Maltzani Verkrüzen aus
Norwegen, jedoch nicht im Schloss, was wiederum mit dem
der vorigen Art übereinstimmt. — Die Muschel ist ziemlich
dickschalig, die Epidermis dünn und hinfällig.
29. Tellina (Macoma) balthica Lin. var. groenlandica
Beck = Macoma fusca Say.
Sars, Moll. reg. arct. Norv. p. 77.
Macoma fusca Say; Gould, Inv. of Mass. p. 93, Fig. 400.
Tellina inconspicua, Brod. et Sow; Teilina solidula Pult, ex Midd.
et Schrenck.
Fundort: Tumkan, westlich vom Ostkap, in grosser
Menge in einer Lagune.
Die vorliegenden Exemplare stimmen gut zu solchen,
welche wir im Sommer 80 bei Mo im Ranenfiord in
Norwegen gesammelt haben. Die Maasse des grössten sind:
long. 21, alt. 17, crass. 9^°».
Dali führt M. inconspicua Brod. von mehreren Punkten
des Beringsmeeres und des angrenzenden Eismeeres an;
über ihre Verbreitung bis nach Japan vergl. v. Schrenck,
Reisen im Amurlande IL, p. 567.
30. Tellina frigida Hanley. Proc. Zool. Soc. XU., pag. 143.
Fundorte: 1. St. Lorenzbai, 5 Ex.
2. Metschigmenbai, 3 — 5 Faden, sehr häufig.
3. Pooten, 1 — 2 Faden, sehr häufig.
Sowohl in der Metschigmenbai wie in der Bucht von
Pooten wurde diese Muschel sehr häufig im Brackwasser
gefunden; sie ist immer kleiner wie die vorige und durch
das zugespitzte hintere Ende leicht kenntlich. Die Maasse
des längsten waren :
long. 16,5, alt. 12, crass. 7°»°^.
Die durchschnittliche Länge betrug gegen 13 ™™. Die
Epidermis ist glänzend, dünn aber nicht so leicht ver-
gänglich wie bei der vorigen.
Ein Beitrag z. Keuntniss d. Mollusken-Fauna d. Beringsmeeres. 37
31. Teilina edenüda. Brod. et Sow.
Brod. et Sow., Zool. Jouru. IV., p. 363; Middendorif, Reise p. 25
Tab. XXI. Fig. 1; Schrenck, Reisen im Amurlaude 11. p. 564.
Fundort: Ploverbai.
Ein einziges Exemplar, welches am Strande der Plover-
bai gefunden wurde, gehört ohne Zweifel zu dieser Art,
welche im nordpacifischen Meere eine weite Verbreitung zu
haben scheint. Vergl. Schrenck 1. c. Dali erhielt sie von den
Aleuten bis Oregon. — Die Maasse unseres Exemplars sind:
long. 40, alt. 33, crass. 14™'°.
33. TeUina lutea Gray.
Schrenck, Reisen im Amurlande p. 563; Middendorff, Reise, p. 258,
Tab. XXI. Fig. 2—3.
T. alternidentata Brod. et Sow.
Fundorte : 1 . Emmahafen, in mehreren Exemplaren aus
10—20 Faden Tiefe.
2. Lorenzbai, mehrere Ex. aus 8 — 15 Faden.
3. Metschigmenbai, 2 Ex. aus 8 Faden.
Das grösste der vorliegenden Exemplare zeigt die
Maasse: long. 25, alt. 16, crass. 7, erreicht also bei weitem
nicht die Grösse der von Middendorff und Schrenck be-
schriebenen Stücke. Die Epidermis ist dünn und glänzend,
am Bauchrande nach innen eingeschlagen, mitunter mit
schwachen radialen Linien ; das Innere ist perlmutterglänzend
mit deutlichen radialen Linien, die linke Schale ist mehr
gewölbt als die rechte, beide zusammen sind hinten nach
rechts gebogen. — Die Verbreitung dieser Art scheint
dieselbe zu sein, wie die der vorigen, vergl. Schrenck 1. c.
p. 564.
33. TelUna lata Gm.
Midd., Reise p. 257, Tab. XXin. 1—5; Macoma calcarea Chemn.
bei Mörch, Moll, du Spitzbergen No. 25 und bei Sars 1. c. p. 76, Tab. VI.
Fig. 2; Macoma proxima Gray bei Gould 1. c. p. 95, Fig. 401.
Fundorte: 1. Lorenzbai, zahlreich, aus 6 — 15 Faden.
2. Emmahafen, zahlreich, aus 10 — 20 Faden.
3. Metschigmenbai, 3 Ex. aus 6 Faden.
4. Matthews Inseln u. St. Paul, mehrere
junge Indiv. aus 40 Faden.
38 Arth. Krause:
Die grösseren flachen Formen stimmen gut zu nor-
wegischen Exemplaren von Bodo, während andere bauchiger
und länger gestreckt sind, so dass sie besser zu der oben
citirten Abbildung bei Gould passen. Die Maasszahlen für
ein besonders hohes (No. 1) und für das grösste typische
Exemplar (No. 2) sind folgende:
1. long, 51, alt. 36, crass. 15°^"^.
2. „ 40, „ 26, „ 12 „
34. Saxicava pholadis Lin. Sars^ 1. c. p. 95.
S. arctica Liu. Sars, ebenda.
S. rugosa et arctica Lov^n: Ind. Moll. p. 194; Goiüd. 1. c. p. 87—89;
Forbes et Hanley: Brit. Moll. Vol. I., p. 141 et 146.
Saxicava arctica Schrenck 1. c. p. 553.
Beide der zuerst von Forbes und Hanley näher
characterisirten Formen, S. rugosa L=S. pholadis L. und
S. arctica L. sind im Beringsmeer überall und in allen
Tiefen verbreitet. Die äussere Gestalt schwankt von sehr
langgestreckten Formen (long. 48, alt. 20 ™™) zu ganz kurzen
bauchigen (long. 46, alt. 23); im Allgemeinen findet man die
mit kurzen Stacheln versehenen zwei Wülste auf der
hinteren Extremität nur bei jungen Individuen ausgebildet,
ausnahmsweise jedoch auch bei älteren 10 ™"^ langen; anderer-
seits liegen nur zwei junge 5 ™™ grosse Exemplare vor,
welche der dornigen Wülste entbehren.
35. Fan dorn glacialis Leach.
Leche: Nov.-Semlja Hafs - Mollusker. p. 11, Tab. L, Fig. L
Vegaexped. in. p. 439.
Jeffreys: Proc. Zool. Soc. 1881, p. 929.
Fundort: Nördlich vom Akutan -Pass, aus 70 Faden
Tiefe; 1 Ex. von 9 '"'^ Länge.
36. Anatina? aleutica n. sp.
Ebenfalls nördl. vom Akutan -Pass wurde aus einer
Tiefe von 70 Faden eine linke Schale einer Muschel ge-
zogen, die ich mit keiner bekannten vergleichen kann.
Wegen des gespaltenen Wirbels und einer auf der Innen-
seite schräg vom Wirbel nach hinten zu gehenden kurzen
Leiste erinnert sie an Anatina. Die Gestalt ist länglich.
Ein Beitrag z. Kenntiiiss d. Mollusken-Fauna d. Beringsmeeres. 39
der Wirbel liegt etwas hinter der Mitte; hinten ist scharf
ein Feld abgegrenzt, welches von fünf vom Wirbel aus-
gehenden Rippen durchzogen wird. Ausserdem finden sich
auf der Fläche der massig gewölbten Schale noch 3 stumpfe,
ebenfalls vom Wirbel ausgehende Kanten; die Anwachs-
streifen sind dicht gedrängt und regelmässig. Die Farbe der
sehr dünnen, zerbrechlichen und durchscheinenden Schale
ist weiss; ihre Länge beträgt 5 ""'.
37. Neaera heringensis Leclie.
Vegaexped. III. p. 438; Tab. 32, Fig. 1, 2.
Ein kleines nur 4 ™™ langes Exemplar stammt von
derselben Localität, wie die beiden vorigen, — Leche hat
seine Art nach einem 29 '"^ langen Exemplare von der
Beringsinsel aufgestellt. Weitere Funde müssen erst darthun,
wie weit diese pacifische Art von den jedenfalls sehr nahe
stehenden multicostata Verril et Smith (Moll. New. England
p. 559, Fig. 40) und N. striata Jeffreys (Proc. Zool.
Soc. 1881. p. 914, Tab. 71, Fig. 11) specifisch ver-
schieden ist.
38. Mya truncata Lin.
Fundorte: 1. Lorenzbai, mehrere Ex,
2. Emmahafen, mehrere Ex.
Die typische Mya truncata L. liegt in allen Alters-
stufen vor; die Maasse des grössten sind: long. 72, alt. 47,
crass. SO'"™.
39. Mya arenaria L.
Fundorte: 1. Nytschigane Point, 15 — 20 Faden, 4 juv.
2. Emmahafen, 8— lO Faden, 2 juv.
Mya arenaria L. wurde nur in ganz kleinen Individuen
von 8 — 14™"^ Länge gesammelt; ich wollte dieselben zuerst
als Jugendform der vorigen Art ansehen, doch spricht da-
gegen der Umstand, dass gleich grosse Lidividuen derselben
die hinten abgestutzte Form schon deutlich erkennen lassen.
— In Mergellagern, welche am Nordufer der St. Lorenzbai
anstehen , wurde typische Mya arenaria L. von 65 "'™
Länge aufgefunden. Mya arenaria ist im nördlichen Stillen
40 Arth. Krause: Ein Beitrag z. Kenntniss d. Mollusken-Fauna etc.
Ocean weit verbreitet. (Japan, — Jeffreys; Kodiak, Sitka,
Ochotzkisches Meer — Middendorff). Im hohen Norden
scheint sie immer nur in zwergigen Formen vorzukommen;
auch die Vegaexpedition brachte aus dem karischen Meere
nur einige wenige „sehr kleine" Individuen mit; eben solcher
erwähnt F. Schmidt von der Jeniseymündung.
40. Cyrtodaria süigiia Ch.
Glycymeris siliqua Blainv, Gould; Inv. of Mass. n., p. 53, Fig. 374.
Cyrtodaria Kurriana Dkr. Leche : Vegaexped. III., p. 437 und Nov.-
Seml. Hafs-MoU. p. 9.
Fundorte: 1. St. Lorenzbai, 15 — 17 Faden, 1 Ex.
2. In der Lagune bei Tumkan, sehr zahlreich.
3. In der Lagune bei Pooten, sehr zahlreich
aus V-, — 2 Faden Tiefe.
Nur das eine grösste Exemplar von 38 ™™ Länge stammt
aus tieferem Seewasser; es ist dickschaliger als die kleinen
Formen aus dem flachen, brackigen Wasser der Lagunen
und zeichnet sich ausserdem durch eine dunkle glänzende
Epidermis aus. — In der äusseren Form halten unsere
Exemplare die Mitte zwischen C. siliqua Ch. und
C. Kurriana Dkr., insofern als der hintere Schlossrand zwar
horizontal verläuft, der vordere dagegen sich abwärts senkt;
ich glaube daher um so eher beide Arten nach dem Vor-
gange von Jeffreys und Friele vereinigen zu dürfen.
Dali erwähnt die Art von mehreren Punkten des
Beringsmeeres bis zu den Aleuten; sie ist im Uebrigen
von der Ostküste Nord - Amerikas (Gould, 1. c), von
Grönland (Mörch: Moll, du Spitzb.), und von Nov. Semlja
und dem sibirischen Eismeer (Leche, 1. c.) bekannt, also
ebenfalls circumpolar.
Ueber eine Kollektion von
Amphibien und Reptilien aus Südost-Borneo
von
Dr. J. G. Fisclier
in Hamburg.
Mit Taf. IV. und V.
Jtlerr Fritz Grabowsky aus Königsberg i. Pr., der
sich von 1880 bis 1884 im Südosten Borneos aufgehalten
und mit dem Sammeln naturhistorischer und ethnographischer
Gegenstände beschäftigt hat, ersuchte mich, die von ihm
mitgebrachten Amphibien und Reptilien zu bearbeiten. Ich
gebe hier die Liste derselben, die dadurch an Interesse
gewinnt, dass gerade der südöstliche, westlich vom Meratus-
Gebirge gelegene Teil dieser grossen Insel in herpe-
tologischer Beziehung so gut wie gar nicht erforscht ist.
In der 1872 von Günther veröffentlichten Liste (Proc.
Z. S. L. 588 ff.) von 157 auf Borneo vorkommenden
Reptilien und Amphibien, werden nur fünf als dem Osten
(Koti) angehörig bezeichnet. Herr Grabowsky brachte aus
dem von ihm durchstreiften Theile Borneos 61 Arten und
Varietäten mit, von denen 8 bisher noch nicht auf dieser
Insel gefunden und unter denselben fünf überhaupt neu
für die Wissenschaft sind. Erstere sind auf der Liste mit
einem *, letztere mit ** bezeichnet. — Eingehendere Be-
merkungen über einzelne Stücke, sowie die Beschreibungen
42 Dr. J. G. Fischer:
und Abbildungen i^euer Arten und Yarietäten folgen auf
die Liste. — Den einzelnen Namen sind in der letzteren
die genaueren Fundorte — soweit mir solche mitgeteilt
wiu"den — hinzugefügt; wo diese fehlen, ist allgemein
Südost-Borneo angegeben. In Bezug auf die Lage jener
Fundorte sei nach den mir gewordenen Mitteilungen des
Herrn Grabowsky folgendes bemerkt;
Das M erat US-Gebirge durchzieht Südost-Borneo von
Süd nach Nord, westlich vom 116. Grad östl. Länge v. Gr.
Ein Teil desselben, zwischen dem 2. und 3. Grad s. Br.
gelegen, ist das P r am ass an- Alai- Gebirge; von dem an
letzterem gelegenen Orte Mindai wurden vorzugsweise die
Streifzüge zum Sammeln der Reptilien und Amphibien
unternommen. Nicht weit hiervon, westlich vom Meratus-
Gebirge und zwischen dem 2. und 3. Grad s. Br. liegen
die Orte Pagat, Barabei und Bunga Djannar, je
6 Kilometer von einander entfernt. — Die Höhle Batu-
Hapu liegt südlich vom 3. Grad s. Br. bei Pengaron
am E-iam Kiw^a Fluss; sie ist eine der schönsten Kalk-
steinhöhlen Borneos. — Die Ortschaften Telang und
Tameanglaijang liegen östlich vom Fluss Barito und
ebenfalls westlich .vom M er atus- Gebirge zwischen dem
115. und 116. Grad östl. Länge v. Gr. und nördlich vom
2. Grad s. Br. im Distrikt Dusson Timor. Nördlich
davon unter 1 *^ s. Br. liegt der L^rwald Lihong-
B a h a i j a nahe dem Mittellaufe des Barito. — K w a 1 a
Kapuas ist ein Dorf etwas nördlich vom 3.^ s. Br. an
der Mündung (Kwala) des Flusses Kapuas murung. —
Tumbang Hiang liegt etwa 6 Tagereisen nördlicher
(1140 30' ö. L., r^ 30' s. Br.) an der Mündung (Tumbang)
des Nebenflusses Hiang in den Kapuas.
Anipliibien.
1. Bana tigrina Daud.
2. Bana conspicillata Gnth.
** 3. Leptohrachmm montanum sp. c. — Pramassan-Alai-Gebirge.
lieber eine Kollekt. v. Amphibien u. Reptilien aus Südost-Bonieo. 43
* 4. Megalophrys nasuta (Schi.) Gntli. — Pramassan-Alai-Gebirge.
5. Caloplirymis pleiirostigma Tscb. — Pagat- und Meratus-
Gebirge.
6. Bufo Uporcatus Toch.
7. Bufo melanostictus Sehn.
8. Bufo leptopus Gntb.
9. Bufo asper Gravh.
10. Nectes (Pseudobufo) pleurotaenia Blkr. — Tumbang Hiang.
**11. Hylorana longipes sp. n. — Pagat.
12. Ixalus pictus Pets. — Barabei.
13. Polypedates macidatus Gr. — Barabei.
14. Idem Var. quadrilineatus Wgm. — Barabei.
15. Polypedates similis Gnth. — Barabei.
16. Polypedates raniceps Pets. — Barabei.
17. Bhacophorus pardalis Gnth. — Pagat.
Reptilien.
18. Clemmys crassicolUs Bell. (Lokalname Bidjoko) von Tampo-langi.
19. Cyclemys ovata Gr. (Lokalname Kelep), von Kwala Kapuas.
20. Geoemyda spinosa Bell (Lokalname Kelep dahirang) von
Lihong Bahaija.
21. Trionyx cariniferus Gr. (Lokalname Berä) von Lihong
Bahaija.
22. Crocodilus porosus Sehn. Bandjermassin.
23. Hydrosaurus salvator Laur. Bunga Djannar.
24. Tachydromus sexlineatus Daud.
25. Tiliqua rufescens Shaw. Var. — Pagat.
26. Draco fimhriatus Kühl.
27. Draco cornutus Gnth.
28. Draco haematopogon Sehl. ^ Tumbang Hiang.
29. Bronchocel-a cristatella Kühl.
30. Cylindrophis rufus D. B. Var. melanotus D. B. Barabei ; Pagat.
31. Xenopeltis unicolor Reinw.
** 32. Calamaria Grahowskyi sp. n. — Tameangiaijang; Telang.
33. Simotes octoUneatus Sehn. — Barabei; Tumbang Hiang.
34. Compsosoma meJanurum Sehl. — Barabei.
35. Compsosoma radiatum Reinw. — Barabei; Telaug; Bunga
Djannar.
36. Tropidonotus quincunciatus Schi. Var. melanozosius Gravh. —
Barabei.
44 Dr. J. G. Fischer:
37. Tropidonotus conspicillatiis Gnth. — Teiang.
38. Tropidonotus flaviceps Dum. et Bibr. — Tumbang Hiang»
39. Tropidonotus sarawacensis Gnth. — TameanglaijaDg.
*40. Tropidonotus trianguligerus Reinw. Var. annularis Fiscli.
(LokalDame Handipa nonong). — Teiang; Urwald Lihong
Bahaija.
*41. Tropidonotus chrysargos Boie. — Barabei.
42. Hypsirhina enhydris Sehn. Var. trilineata Gr. — Barabei.
43. Fordonia unicoJor Gr. — Barabei.
44. Homcdopsis huccata L. — Teiang,
45. Gonyosoma oxycephalum Reinw. — Kwala Kapuas.
**46. Elap)liis Grabowskyi sp. n. — Barabei; Höhle Batu Hapu
bei Pengaron am Riam Kiwa Fluss.
47. Psammodynastes pictus Gnth. — Teiang, Tumbang Hiang
und Barabei.
48. Chrysopelea ornata Shaw. — Barabei; Tumbang Hiang.
49. Ead. spec. Var. E. Gnth. Rept. Br. J. 299; Tameanglaijang.
50. Dendrophis pictus Gm.
51. Dendrophis caudoUneatus Gr. — Barabei.
52. Dendrophis formosus Schi.
53. Tragops prasinus Reinw. — Teiang.
** 54. Tragops fasciolatus sp. n.
55. Amhlycephalus boa Kühl. — Tameanglaijang.
56. JPareas carinata Reinw. — Tumbang Hiang; Tameanglaijang.
57. Python reticidatus Sohn. — Bandjermassin, S. B.
58. Python Breitensteini Steind. juv. Teiang.
59. Ojyhiophagus elaps Schi. — Tumbang Hiang; Bunga Djannar.
60. Naja tripudians L.
61. Trimeresurus Wagleri Schi. — Tumbang Hiang und Barabei.
Ueber einzelne der vorstehend verzeichneten Arten und
Varietäten erlaube ich mir folgende Bemerkungen:
No. 3. Leptohrachium montanum sp. n.
aus Südost-Borneo.
Habitus gedrungen, an Chiroleptes platycephalus
Boulg. ^) erinnernd. Kopf sehr breit, Canthus ziemlich scharf,
0 Catal. Batr. sah Taf. XVH., Fig. 4.
lieber eine Kollekt. v. Amphibien u. Reptilien aus Stidost-Borneo. 45
Frenalgegend nach aussen schräg abschüssig; Interorbital-
raum vertieft; Mundspalte gerade, bis hinter das ganz an
die Yentralseite gerückte Schultergelenk reichend; Ober-
kiefer nicht über den Unterkiefer vorragend. Ersterer mit
Zähnen, Vomer ohne solche; keine Erhöhung oder Haut-
falte zwischen den Chonaen, die etwa doppelt so gross
sind, wie die Oeffnungen der eustachischen Röhren. Auge
gross, Pupille klein, vertikal; Längsdurchmesser des oberen
Augenlids gleich dem etwas vertieften Interorbitalraum und
gleich der Länge der Schnauze, unmittelbar hinter deren
abgerundeter Spitze die Naslöcher liegen, die nicht ganz
so weit von einander wie vom Oberlippenrande entfernt
sind; Trommelfell ganz verdeckt; Zunge sehr gross, fast
kreisförmig, hinten sehr wenig eingebuchtet. Hinterbeine
massig lang, die Hacke reicht nur bis zum Hinterrande
des Auges. Vorderbeine im Verhältnis zu jenen länger,
das Handgelenk reicht bis zum After. Finger ganz frei,
am Ende wenig verdickt, der erste beträchtlich länger als
der zweite, keine Gelenkhöcker unter denselben, an der
Wurzel des ersten und vierten je ein rundlicher Höcker.
Zehen am Grunde schwach verbunden, am Ende nicht ver-
dickt, ohne Gelenkhöcker; an der Wurzel der ersteren ein
rundlicher Höcker.
Haut oben wie unten glatt, doch entdeckt man durch
die Lupe feine, auf der Oberseite netzartig verwebte, wenig
vorragende Linien, die aus sehr feinen Granidationen be-
stehen. Eine sehr kurze drüsige Falte vom hinteren Augen-
rand bis über die Ohrgegend.
Farbe an der Oberseite dunkelgrau, mit sehr undeut-
lichen, unregelmässig zerstreuten, helleren, schwarzgesäumten
runden Flecken; ein solcher, grösser als die übrigen, liegt
zwischen den Naslöchern, drei andere quer zwischen den
Augen. Vorderseite der vier Extremitäten undeutlich
schwarz gebändert, Hinterseite derselben mit vielen, zer-
streuten, weissen oder hellgelben punktförmigen Flecken.
Bauchseite graugelb mit vielen helleren gelben Punkten, die
sich an Kinn- und Kehlgegend dichter zusammendrängen.
46 Dr. J. G. Fischer:
Die Fortsätze des Sakralwirbels sind sehr verbreitert,
die Korakoide und Prokorakoide durch das knorpelige
über das der anderen Seite hinwegragende Epikorakoid ver-
bunden. Brustbein mit langem knöchernen Stiel.
Maasse: Von der Schnauzenspitze bis zum After 58™™;
Länge der Mundspalte an jeder Seite 22™™; grösste Breite
des Kopfes 28™™; Länge desselben 20™™; Vorderbein 48 ™™ ;
Hinterbein bis zur Hacke 42 ™™ ; dasselbe bis zum Ende
der längsten Zehe 72™™.
Am nächsten verwandt ist unsere Art mit Lept.
Hasseltii Tschudi; bei diesem sind jedoch die Hinterbeine
kürzer, der erste und zweite Finger von gleicher Länge,
die Haut ist körnig, die Farbe abweichend.
Das beschriebene Exemplar war von Hrn. Grabowsky
auf dem Pramassan-Alai-Gebirge gefangen worden.
No. 5. CcdopJirynus pleurostigma Tschudi.
Gegenüber den Beschreibungen von Günther, Peters
und Bon lenger sind folgende Eigentümlichkeiten von
zwei, durch Hrn. Grabrowsky gesammelten Stücken zu
bemerken: Die Hautleiste zwischen den Choanen ist in der
Mitte unterbrochen und besteht aus zwei nach hinten kon-
vergierenden Teilen. Die Frenalgegend ist nicht vertikal,
sondern nach innen eingezogen und abschüssig. Bei beiden
Exemplaren ist die Haut nicht glatt, sondern stark
granuliert, bei b sogar mit Pustelr^ bedeckt, von denen
die an den Seiten des Rückens belegenen kleine gelbe
Hornspitzen tragen.
Die Farbe beider Stücke ist sehr verschieden. Eines
derselben (a) erinnert sehr an das von Peters (Monatsb.
Berlin. Akad. 1867, 34) beschriebene Stück. Es ist oben
hellbraun, mit einer grossen, X- förmigen, durch einen
dunkleren Ton ausgefüllten Zeichnung auf dem Rücken,
deren vordere Aeste zwischen den Augen verbunden sind.
Kehle, Frenalgegend und Brust kirschrot, Unterseite sonst
gelb. Eine dunkle Querbinde am Unterarm, eine desgleichen
über der Handwurzel, keine am Oberarm und am Ober-
Ueber eine Kollekt. v. Amphibien u. Reptilien aus Südost-Borneo. 47
und Unter -Schenkel. Das zweite Exemplar (b) ist oben
tief schwarz, Kehlgegend und Brust schwarz marmoriert,
Unterseite sonst gelb. Bei diesem Stück finden sich dunkle
Querbinden auch an den Fingern und den Hinterbeinen. —
Beiden Exemplaren ist gemeinschaftlich: 1. die auch ander-
weitig beobachtete helle Linie von der Schnauze über Auge
und Ohr längs der Rückenseite; 2. der schwarze weiss-
gesäumte Fleck in der Weichengegend; 3. eine in den
bisherigen Beschreibungen nicht hervorgehobene Reihe
kleiner schwarzer, ebenfalls weissgesäumter Flecke, die sich
von der Gegend hinter dem Auge bis zur Weiche erstreckt.
Das Stück a hat noch eine zweite, ähnliche, oberhalb der
ersten gelegene Fleckenreihe.
Das Stück a stammt von Pagat, Distrikt Batang
Alai, b vom Meratus-Gebirge.
No. 10. Nectes (Pseudohufo) pleurofaenia Blkr.
Von diesem interessanten Batrachier erbeutete Herr Gra-
bowsky zwei vorzügliche Exemplare (eines davon misst 15^™
von der Schnauzenspitze bis zum After). Beide stimmen
mit den Beschreibungen der Autoren vollkommen überein,
sind aber durch relativ kürzere Hinterbeine (dieselben
reichen mit dem Tarso-Metatarsalgelenk bei weitem nicht
zur Schnauzenspitze) und durch den Besitz einer breiten
gelben Seitenbinde ausgezeichnet, die sich von der Gegend
über und vor der Schulter bis zur Weiche erstreckt.
Das grössere Stück stammt von Bandj ermassin, das
andere von Tumbang Hiang am Mittellaufe des Kapuas
murung.
No. 11. Hylorana Jongipes sp. n.
aus Südost-Borneo.
Gesamthabitus schlank. Kopf ziemlich kurz und breit;
Interorbitralraum grösser als das obere Augenlid; Schnauze
kurz, gleich dem Längendurchmesser des Auges, mit ab-
gerundetem Canthus und tief ausgehöhlter Frenalgegend.
Der Oberkiefer ragt über den Unterkiefer hinaus; Nas-
löcher seitlich, mehr als zweimal so weit vom Auge wie
48 Dr. J. G. Fischer:
von der Schnauzenspitzo entfernt. Trommelfell von Haut
bedeckt, aber deutlich sichtbar, halb so gross wie das Auge.
Mundspalte lang. Zunge gross, breit, rundlich oval, hinten
frei und tief eingeschnitten. Vomerzähne in zwei vom
Yorderrande der Choanen beginnenden, sehr wenig nach
hinten konvergierenden Querreihen, die um ihre eigene
Ausdehnung von einander getrennt sind. Choanen ebenso
gross, wie die Oeffnungen der eustachischen Röhren. Beine
lang; die Hacke reicht um einen Längsdurchmesser des
Auges über die Schnauze hinaus. Finger ganz frei, Zehen
bis zum vorletzten Gliede durch Schwimmhäute verbunden,
die vierte nicht ganz halb so lang wie der Körper. Von
den Fingern sind der erste und. zweite fast gleich lang, der
dritte und namentlich der vierte bedeutend länger; einzelne
Gelenkhöcker sind unter den Vorder- und den Hinter-Zehen
gut entwickelt, namentlich diejenigen zwischen den zwei
letzten Phalangen. Haftscheiben massig entwickelt, an den
Fingern doppelt so gross wie an den Zehen.
Haut oben ganz glatt, an den Körperseiten und an
der hinteren Hälfte des Bauches grob granuliert. Eine
deutliche Falte vom Auge über das Ohr nach hinten; über
ihrem Ende und abgesetzt von ihr beginnt eine ebensolche
längs des Rückens. Eine andere beginnt etwas unter dem
Mundwinkel und krümmt sich über die Schultergegend
hinweg.
Grundfarbe oben schiefergrau, unten und an den Seiten
schmutzig gelb. Eine seitlich nicht scharf begrenzte
schwarze Längsbinde jederseits vom oberen Augenlid
innerhalb der Seitenfalte des Rückens; zwischen beiden
Binden ist die Haut unregelmässig schwarz punktiert und
gefleckt, so an manche Stücke von Polyp edates maculatus
erinnernd. Frenalgegend schwarz; zwischen Auge und Ohr
ein dreieckiger, mit der Spitze nach oben gerichteter Fleck.
Vom oberen Teile des Ohrs eine sehr schmale tief schwarze
Binde bis unter den Anfang der seitlichen Rückenfalte;
dahinter einige breitere längliche schwarze Flecke, die wie
eine mehrmals unterbrochene Fortsetzung dieser Binde er-
lieber eine Kollekt. v. Amphibien u. Reptilien aus Südost-Borneo. 49
scheinen. Oberseite der Vorder- und der Hinterbeine
schräge schwarz gebändert.
Länge des Körpers 66 "'•^; Mundspalte 20™™; Vorder-
bein 38™™; Hinterbein bis zur Hacke 72™™; dasselbe bis
zum Ende der vierten Zehe 110™™.
Ein Stück von Pagat, Distrikt Batang Alai.
Am meisten ist unsere Art wohl mit Hyl. macrodactyla
Gnth. verwandt, von der sie sich durch die kürzere Schnauze,
die geringere Grösse des Trommelfells und der vierten Zehe,
durch die deutlicheren Haftscheiben, die abweichende Lage
der Hautfalten und durch die Färbung unterscheidet.
No. 25. Tiliqua rufescens Shaw.
Die Schuppen eines bei Pagat gefangenen Exemplars
haben nicht nur viel stärkere Kiele, als gewöhnlich, sondern
von letzteren am Vorderrücken und am Schwänze sogar
vier. Man zählt 32 Längsreihen Schuppen, 25 Querreihen
(zwischen Achsel und Weiche). Das unter dem Auge
liegende Labiale ist, wie gewöhnlich bei dieser Art, viel
grösser als die benachbarten. — Grundfarbe hellbraun.
Eine breite schwarzbraune Binde geht vom Auge durch's
Ohr bis fast zur Weiche; sie ist nicht nur oben von einer
matten, sondern auch unten von einer hellen Seiten-
binde eingefasst. Am Anfang des Rückens finden sich fünf
den Grenzen der Schuppenreihen folgende schwarzbraune
Linien, die mehr nach hinten undeutlich werden. Einzelne
Schuppen am Anfange des Schwanzes schwarz mit w^eissem
Endfleck.
No. 28. Draco haematopogon Schleg.
Ein weibliches Exemplar dieser Art, deren Vorkommen
auf Borneo von Bleeker berichtet, von Günther in
Zweifel gezogen war, wurde von Herrn Grabowsky bei
Tumbang Hiang, am Mittellaufe des Kapuas murung, ge-
fangen. Demselben fehlt der grosse schwarze Fleck, der
den Männchen dieser Art an jeder Seite des Kehlsackes
zukommt.
Arch. f. Naturgesch. 1885. Bd. LI. Heft 1. 4
50 Dr. J. G. Fischer:
No. 32. Calamaria Grahowskyi sp. n.
von Südost-Borneo.
Taf. IV. Fig. 1.
Sq. 13; Oc. 1—1; Lab. ^: 3-,; Ve. 185 (186j, An. 1; Sc. ^^'•
Charaktere: Intralabialia des ersten Pares
stossen nicht zusammen. Keine iinpare Schuppe
zwischen den 4 Kinnfurchenschildern. Kostrale
weit aufdie Schnauzenspitze heraufgebogen. Fron-
tale viel länger als breit. Kopf massig zugespitzt.
Schwanz nicht so kurz, wie bei verwandten Arten.
Oben und an den Seiten braun, ausser ste Schuppen-
reihe mit einer weissen, perlschnurähnlichen, 0 ben
schwarz gesäumten Längsbinde. Bauchschilder
weiss, vorn schwarz gesäumt.
Beschreibung.
Körper form. Nicht besonders schlank, der Schwanz
beti^ägt etwa Vi 2 der Totallänge. Kopf vorn nicht breit,
Schnauze massig zugespitzt; obere Kinnlade ragt über die
untere hervor.
Kopfschilder. Kostrale gewölbt, mit seiner oberen
Spitze auf die Schnauzenspitze und zwischen die vorderen
Enden der Praefrontalia heraufgebogen. Letztere gross,
breit, seitlich auf das zweite Lippenschild herabreichend.
Frontale viel länger als breit, vorn mit sehr stumpfem,
fast gestrecktem, hinten mit rechtem Winkel; die Seiten-
kanten sind parallel und viel länger, als die übrigen.
Parietal ia gross; ihr Vorderrand berührt jederseits die
Hälfte des Pootoculare ; die Seitenränder sind anfangs gerade,
dann stark eingebuchtet zur Aufnahme eines Teils einer
grossen Schläfenschuppe ; die hinteren Enden beider Schilder
nehmen eine Nackenschuppe zwischen sich. — Nasale
klein, niedrig, hinten spitz. Vorderes und hinteres
Augenschild von fast gleicher Grösse. Fünf Supralabialia
an jeder Seite, von denen das letzte bei weitem das grösste
und grösser ist als die an die Orbita grenzenden zwei vor-
hergehenden. Sechs Infralabial ia jederseits, — die zwei
lieber eine Kollekt. v. Amphibien u. Reptilien aus Südost-Borneo. 51
ersten klein, das dritte und vierte die grössten, diese vier
mit den Kinnfurchenschildern in Berührung, doch stossen
die des ersten Pares an der Kinnfurche hinter dem grossen,
hinten zugespitzten Mentale nicht zusammen. Von den
Kinnfurchenschildern sind die des ersten Pares doppelt so
gross wie die des zweiten, und zwischen denselben liegt
keine unpare Schuppe. Diejenigen des zweiten Pares
weichen wie gewöhnlich hinten auseinander, um den vorderen
Teil einer Kehlschuppe zwischen sich zu nehmen.
Farbe. Rücken und Seiten braun, die einzelnen
Schuppen im Grunde gelblich, aber diese schwarzbraun
gepulvert, welche Farbe sich bei einzelnen Schuppen dicht
zusammen drängt und so bald einen tiefbraunen Saum,
bald eine schwarzbraun gefärbte (Längs-) Hälfte derselben
hervorbringt. Die Schuppen der äussersten Reihe sind
weiss mit einem vorderen schwarzen Saum, wodurch der
Anschein einer perlschnurähnlichen schwarzen Seitenbinde
entsteht; nach oben ist diese durch eine schwarze, die
untere Hälfte der zweiten Schuppenreihe einnehmende
Längsbinde gesäumt; hierdurch setzt sie sich dorsalwärts,
gegen die Bauchseite aber dadurch sehr zierlich ab, dass
die weissen Teile der Schuppen mit denen der Bauch-
schilder ebenso abwechseln, wie die schwarzen der ersteren
mit denen der letzteren. — Lippen, Kehle und Unterseite
des Halses gelblich weiss. Bauchschilder anfangs mit einem
sehr feinen, oder in zwei Teile aufgelösten, dann immer
breiter werdenden und geschlossenem vorderen schwarzen
Quersaum; in der Mitte der Länge überwiegt das Schwarz
und es bleibt nur ein hinterer weisser Saum, bis dieser
vom letzten Drittel der Körperlänge an wieder das Schwarz
der einzelnen Ventralia mehr und mehr auf deren Basis
zurückdrängt. Analschild gelb ohne schwarzen Fleck oder
Saum. Untere Schwanzschilder vorn und median schwarz
eingefasst, wodurch die Unterseite des Schwanzes eine
schwarze, federförmige Zeichnung erhält.
Unsere beiden Stücke stammen aus dem Distrikt
Dusson Timor. Das eine (a) wurde bei Telang, das
4*
52 Dr. J. G. Fischer:
zweite (b) bei Tameanglaijang von Herrn Grabowsky
gefangen, a hat eine Totallänge von 457"^^^, Schwanz 37"^°^;
b desgleichen von resp. 428 und 34°^"^. — Auf drei hinter
der Kinnfurche liegende Kehlschuppen folgen bei a:
186 Bauchschuppen, ein ungeteiltes Analschild und 23 Pare
unterer Schwanzschilder; bei b resp. 185 -|- 1 -| — ^ .
Unsere Art gehört zu denjenigen, bei denen 13 Schuppen-
reihen und fünf Oberlippenschilder vorhanden sind, bei
denen keine unpare Schuppe zwischen Kinnfurchen-
schildern eingeschaltet liegt und wo die Infralabialia des
ersten Pares hinter dem Mentale nicht zusammenstossen.
Von diesen nähert sie sich wohl am meisten der ebenfalls
auf Borneo gefundenen C. Temminckii D. B., die sich
aber durch eine stumpfere Schnauze und einen kürzeren
Schwanz {\\e der Totallänge) und durch die Färbung
unterscheidet. Bei dieser Art sind nemlich die Oberlippen-
schilder nicht gelb, sondern braun, wie die Oberseite des
Kopfes, ausnahmsweise mit einem hellen Fleck auf dem
letzten derselben; Bauch mit schwarzen Querbindeo, die
zuweilen nur als viereckige seitliche Flecke erscheinen;
dieselben nehmen nicht den vorderen Theil jedes Bauch-
schildes ein, sondern erfüllen ein bis zwei derselben vollständig
als wirkliche, durch Zwischenräume eines oder mehrerer
Ventralia getrennte Querbänder. Die perlschnurähnliche,
oben schwarz gesäumte Seitenbinde auf der äussersten
Schuppenreihe, das gefiederte Aussehen der unteren Schwanz-
fläche wird von den Autoren ebenfalls nicht erwähnt. —
Die ebenfalls verwandte C. lumbricoidea Boie (von Java
und Celebes) ist durch einen schlankeren Körper, einen
kürzeren Schwanz ('/i 4 bis V20 der Totallänge), ein niedrigeres
E-ostrale und die Farbe der Bauchschilder (weiss, mit
seitlichen viereckigen Flecken etc.) abweichend. —
C. Gervaisii D. B. (von Java und den Philippinen) hat
eine stumpfere Schnauze, eine geringere Zahl von Bauch-
schildern (152 bis 172), ein weniger auf die Schnauze
heraufgebogenes Rostrale und eine abweichende Färbung
der äusseren Schuppenreiheu und der Ventralia.
lieber eine Kollekt. v. Amphibien u. Rej^tilien aus Südost-Borneo. 53
No. 37. Tropicionotus conspkiUatus Gnth.
Ein kleines bei Telang gefangenes Stück hat eine Total-
länge von 353""", wovon der Schwanz 63'"™ beträgt;
155 Bauchschilder, ein geteiltes Anale und 49 Pare unterer
Schwanzschilder.
No. 38. Tropidonotus flavkeps D. B.
Drei von Herrn Grabowsky, teils bei Barabei, teils
bei Tumbang Hiang gesammellte Exemplare zeigen nur
ein Praeoculare jederseits, gegen zwei (Dum und Bibr.
pag. 739; lan Icon. Livr. 29, PL III., Fig. 1, a — f); bei
dem Stücke a ist dasselbe sogar an der linken Seite mit
dem Frenale verwachsen. Dasselbe Stück hat drei Post-
ocularia, die bei b jederseits zu zwei Schildern verschmolzen,
bei c links in vier, rechts in fünf geteilt sind.
Kopf an der Ober- und Unterseite bräunlich, an den
Seiten heller; eine schwarze, vier bis fünf Schuppen in der
darsalen Mittellinie lange Querbinde zieht sich hinter dem
Kopfe an der Seite des Halses bis zu den Bauchschildern
herab und dehnt sich selbst quer über zwei oder drei der
letzteren in der Form eines schwachen Hintersaumes aus.
Dann folgt eine rote Querbinde, fünf Schuppen lang, an
die sich wieder — jedoch nur bei dem Exemplare b — eine
ebenso lange schwarze und endlich eine drei Schuppen
lange rote, auf dem Rücken nicht zusammenschliessende
Querbinde ansetzt. Rücken und Seiten schwarz. Nur bei
b und c steigen die sonst für diese Art charakteristischen
helleren schmalen Seitenbinden (bis zum After 23 bis 25,
am Schwänze 10 bis 11) von den Bauchschildern an in
die Höhe, ohne jedoch — wie es lan abbildet — auf
dem Rücken mit denen der anderen Seite zusammenzu-
schliessen.
Unsere Stücke haben 124 bis 128 Bauchschilder,
50 bis 55 Pare unterer Schwanzschuppen.
Das Exemplar a stammt von Tumbang Hiang, b und c
von Barabei.
54 Dr. J. G. Fischer:
No. 39. Tropidonotus sarawacensis Gnth.
Von dieser durch Peters entdeckten und unter dem
Namen Tr. maculatus ') beschriebenen Art (Mon. Ber. Ak.
Berlin 1871, 575) sammelte Herr Grabowsky zwei alte und
zwei junge Stücke. Dieselben weichen von der Beschreibung
des Berliner Gelehrten in einigen Punkten ab. Ausser dem
relativ längeren Frontale mit konvergierenden, etwas
eingebuchteten Seitenkanten, ist die grössere Zahl der
Subcaudalia (104 bis 112 gegen 65 bis 78 Pare) hervor-
zuheben. Die schwarzen Flecke der Seite sind fast ebenso
scharf markiert wie diejenigen, welche der Kückenmitte
nahe liegen und von diesen je durch einen gelben
Fleck getrennt, so an den jedenfalls sehr nahe verwandten
Tr. substolatus Schleg (ebenfalls aus Borneo) erinnernd.
Die schwarzen vorderen Quersäume der Bauchschilder
beginnen an der Kehle und am Halse in der Form längerer
aber schmalerer, sich je über die Enden zweier Ventralia
erstreckender, schwarzer Flecke. Bei dem jüngsten Exemplar
(35 ^'") ist der schwarze Saum überaU am Bauche geschlossen;
Rücken und Seiten aber sind hier einfarbig dunkel olivengrün,
ohne Spur der dunklen und hellen Flecke.
Ich zähle an jeder Seite des Oberkiefers 24 anfangs sehr
feine und dicht gedrängt stehende Zähne, welche nach hinten
an Grösse beträchtlich zunehmen, von denen aber, wie von
Peters bemerkt, keiner von den übrigen durch eine Lücke ge-
trennt ist. Dies ist zugleich ein Charakter, durch den sich der
ebenfalls nahe verwandte Tr. sundanensis Gnth. (mit dia-
kranterischem Zahnbau) von T. sarawacensis unterscheidet.
Unsere Stücke zeigen folgende Masse und Zahlen der
Bauchschilder :
Totallänge Schwanz Ventr.
a. 78 ^^ 26^°^ 147
b. 68V2„ 23 „ 143
c. 35 „ 11 „ 144
0 Günther schlug dafür den obigen Namen vor, weil Edeling
schon eine andere Schlange von Borneo als Tr. maculatus beschrieben
hatte (Proc. Z. S. L. 1872, 596).
Ueber eine Kollekt. v. Amphibien u. Reptilien aus Südost-Borneo. 5o
Dem vierten Exemplar d fehlt ein Theil des Schwanzes.
Alle vier stammen aus dem Distrikt Dusson Timor, a und
b von Tameanglaijang, c und d von Telang.
No. 40. Tropidonotus trianguUgerus Reinw-
Var. annularis Fisch.
Drei Exemplare von Südost-Borneo stimmen in der
Form und Zahl der Kopfschilder, der Schuppen, so wie im
Gesamthabitus und der Bildung der Zähne vollkommen
mit typischen Stücken überein.') Die Farbe ist jedoch —
und zwar bei allen — so abweichend, dass man dieselben
als Repräsentanten einer besonderen Varietät betrachten kann.
Die ganze Oberseite ist schwarz. Die von ihr herab-
gehenden schwarzen Binden erscheinen aber nicht wie beim
Typus als dreieckige bis zu den Bauchschildern herabreichende
Flecke, sondern als rings um den Bauch herumgehende
schwarze Querbinden. Nur die erste ist unten nicht ge-
schlossen, sondern jeder ihrer Schenkel wendet sich am
Halse etwas nach vorn, ohne mit demjenigen der anderen
Seite zusammen zu treffen. Die folgenden gehen rings um
den Bauch, bestehen jedoch anfangs nur aus einem hinteren
schwarzen Saum der betreffenden zwei oder drei Bauch-
schilder, und zwar so, dass diese Säume nicht immer mit
denen der anderen Seite zusammenschliessen, sondern häufig
gegen diejenigen der entgegengesetzten Hälfte verschoben
erscheinen, und mit denselben abwechseln. Vom zweiten
Drittel des Körpers an wird der hintere Saum der Bauch-
schilder breiter, erstreckt sich auch bei alten Exemplaren
auf mehr Bauchschilder, so dass hier von der zweiten
Hälfte des Bauches an das Schwarz vorwiegt und dieser,
wie auch die Unterseite des Schwanzes unregelmässig schwarz
und weiss gefleckt erscheint. Die schön roten Zwischen-
räume zwischen diesen vom Rücken herabsteigenden
schwarzen Querbinden werden nach und nach kleiner bis
(bei alten Stücken) schon von der Mitte der Länge an die
ganze Seite wie der Rücken selbst schwarz erscheint.
1) Es sei hier nur bemerkt, dass das Stück a nicht drei sondern
Tier Postocularia beiderseits hat.
56 Dr. J. G. Fischer:
Bei jungen Exemplaren reichen die hellen Zwischen-
räume bis zur Schwanzgegend hoch herauf, so dass die
Körperseite auch in der hinteren Partie nicht einfarbig
schwarz, sondern durch allerdings schmaler werdende helle
seitliche Querstreifen unterbrochen erscheint. Der Bauch
ist bis zum Schwanz mit entweder zusammenhängenden
oder unterbrochenen — in diesem Falle sind die beiden
Hälften gegen einander verschoben — schwarzen Quer-
binden markiert, welche ebenso ^äele Bauchschilder (zwei,
seltener drei) einnehmen wie die hellen Zwischenräume.
Auch hier zeigt sich, wie bei alten Stücken, das Schwarz
der Querbinden anfangs nur auf den hinteren Rändern der
Bauchschilder. Bis zum After sind 30 bis 32 Querbinden
am Bauche vorhanden.
Allen Exemplaren ist der schwarze hintere Saum der
Oberlippenschilder, der sich auch bei typischen Stücken
findet, eigen.
Durch die Form der schwarzen Bauchringe erinnert
unsere Varietät an Trop.-annularis Hall, (von China und
Formosa) die jedoch ausser anderen Punkten durch ihre
Pholidosis (Te. 3 + 3 ; nur ein Labiale an der Orbita,
Ve. 158 -f- -^) hinreichend unterscheidet.
Der ebenfalls aus Borneo stammende Trop. sara-
wacensis Gnth. (Tr. macu latus Pets) hat eine ganz ab-
weichende Färbung, ausserdem Te. 2 + 3 (statt 2 + 2),
10 Infralabialia (statt 9), und nach Günther (Pr. Z. S.
Lo. 1872, 596) 17 Schuppenreihen (statt 19).
Von unseren drei Exemplaren sammelte Herr Gra-
bowsky das Stück a im Urwalde Lihong Bahaija am Mittel-
laufe des Barito, b und c bei Telang, Distrikt Dusson
Timor. Der Lokalname dieser Schlange ist Handipa
nonong. Die Masse und die Bauchschilderzahlen sind:
Totallänge Schwanz Vent. An. Subcaud.
a. 680 '"'^ 205
b. 255 -}- ^ „ 20 + X „
c. 256 . 75
lieber eine Kollekt. v. Amphibien u. Reptilien aus Südost-Borneo. 57
Das Schwänzende von b fehlte. Aufiallend ist die
geringere Zahl der Banchschilder (131 — 132). Nach
Günther (Rept. Br. J. 26 IJ beträgt dieselbe bei triangu-
ligerus 140 bis 148.
Tropidonotus chrysargos Boie und dessen Jugendfärbung.
Taf. IV. Fig. 2.
Von dieser, wie es scheint, noch nicht auf Borneo ge-
fundenen Art fand Herr Grabowsky ein älteres (50*^™)
und ein junges (23^™) Stück bezw. bei Barabei und bei
Telang. Entgegen der Diagnose Günthers (Cat. Col.Sn. 70)
haben beide jederseits nur ein Praeoculare, wie es auch
ein Stück meiner Privatsammlung (aus Java) zeigt, und
wie es von Dumeril und Bibron (pag. 740) angegeben, von
Schlegel (Ess. Taf. XII., Fig. 7) abgebildet wird. — Die
Form der übrigen Kopfschilder (vgl. unsere Abbildung)
giebt zu keinen Bemerkungen Anlass. In der Färbung
erinnert auch das ältere Exemplar einigermassen an die
von Schlegel angegebene Zeichnung jüngerer Stücke:
Die Oberseite hat eine schiefergraue, bei dem jungen
Exemplar eine bräunliche Grundfarbe. An jeder Seite des
Körpers eine Reihe (bis zum After 50, am Schwänze 27)
längliche, vertikal stehende, gelbe Flecke, welche sich auf
Schuppen der dritten, vierten und fünften Reihe finden,
und in der Längsrichtung um zwei Schuppen von einander
getrennt sind. Bei jungen Exemplaren ist jeder derselben
schwarz gesäumt und sowohl unten wie oben von einem
schwarzen Fleck begleitet, welcher letzterer ihn mit dem
der anderen Seite über den Rücken hinweg verbindet.
Kopf oben schwarz, Lippen und Kehle glänzend gelb, die
sieben ersten Oberlippenschilder hinten schwarz gesäumt.
Vom Mundwinkel steigt, wie bei dem (chinesischen)
Tr. junceus Cantor und Tr. platyceps Blyth (Himalaya),
eine schmale (eine Schuppe breite) gelbe Binde nach der
Mitte des Halsrückens empor, um sich hier mit derjenigen
der anderen Seite unter einem rechten, fast stumpfen,
Winkel zu vereinen. Hinter derselben ein grosser tief
58 Dr. J. G. Fischer:
schwarzer Querfleck (in der dorsalen Mittellinie 7 Schuppen
einnehmend), der sich verbreitert, indem er sich seitwärts
bis zum Anfang der Bauchschilder herabzieht. Hinter
diesem wiederum eine schmalere scharlachrote Querbinde^
die nach hinten nicht scharf begrenzt erscheint, deren
Farbe sich aber am Anfange des Halses — etwa 4 Kopf-
längen weit — als Saum der dunklen Schuppen fortsetzt^
um sich von da an nach und nach zu verlieren.
Bauch gelb, bis zum 9. oder 10. Bauchschilde ohne
Flecke. Dann treten an den Enden erst einzelner, dann
immer mehrerer, von der Körpermitte an aller Ventralia
(an der Stelle, wo diese sich an die Seitenfläche herauf-
biegen) grössere, tiefschwarze Flecke auf, die jederseits
eine Längsreihe bilden. Zwischen diesen zwei äusseren
Fleckenreihen finden sich in der Jugend noch zwei
mittlere, deren Flecke ebenfalls genau in fortlaufenden
Reihen geordnet, aber mehr verwaschen und nicht so scharf
umgrenzt sind, wie diejenigen der zwei äusseren Reihen.
Im Alter verschwimmen die Flecke der zwei mittleren
Reihen zu einer mehr oder weniger dichten schwarzen
Punktierung der mittleren Bauchfläche. — Jede untere
Schwanzschuppe hat nahe an ihrem äusseren Rande
einen schwarzen, scharf umgrenzten Fleck, so dass
die Unterseite des Schwanzes zwei schwarze Flecken-
reihen zeigt.
Es dürfte kaum ratsam sein, unsere beiden Stücke als
Typen einer besonderen, lokalen Varietät zu betrachten.
Andererseits erscheint es nach ihrer Bildung und Färbung
fraglich, ob nicht Tr» junceus Cant. als eine solche auf-
zufassen wäre, eine Frage, die sich erst nach Vergleichung
eines reicheren Materials und der typischen Stücke ent-
scheiden lassen wird.
Das Stück a (von Barabei) hat eine Totallänge von
50 ^'", davon der Schwanz 16 V2 '"; Vent. 151 -|- V^ + ^. —
Das jüngere Exemplar b (von Telang) misst 23 '^™, Schwanz-
länge 6^™, Vent. 149 + Vi + t- Beide haben die Schuppen-
formel: Sq. 19; Oc. 1 —3; Lab. -^; j^f^; Te. 2 -|- 2 (3).
lieber eine Kollekt. v. Amphibien u. Reptilien aus Südost-Borneo. 59
No. 46. Elaphis Grabowskyi sp. n.
aus Südost-Borneo.
Taf. IV., Fig. 3.
Sq. 25; Oc. 2-2; Lab. -^; ^; Te. 2 (1) + x, Ve (281 - 284) -f
l + (^^).
Charaktere. Schlank, zusammengedrückt.
Mittlere Rückenschuppen sehr schwach gekielt.
Unteres Anteoculare sehr klein, oberes mit dem
Frontale in Berührung. Vorderer Körperteil
schief er grau, schwarz, netzsäumig geädert, hinterer
mit vier schwarzen und vier gelben Längsbinden,
von denen eine gelbe die Mitte des Rückens, eine
andere diejenige des Bauches einnimmt..
Beschreibung.
Körper form massig zusammengedrückt, Bauch mit
abgerundeten aber deutlichen Seitenkanten- Kopf wenig
abgesetzt, Schnauze lang, Mundspalte gerade. Schwanz
nicht abgesetzt vom Rumpf, V's der Totallänge. Auge
ziemlich klein, Pupille rund.
Kopfschilder. Die Form der Kopfschilder erinnert
(mit Ausnahme der zwei Praeocularia, der Kehlfurchen-
schilder und der Infralabialia ) sehr an Gonyosoma oxy-
cephalum. — Rostrale wenig breiter als hoch, gewölbt,
mit seiner Spitze auf die Schnauze heraufreichend. Interna-
sal ia klein, kaum V4 von der Grösse der Praefrontalia,
mit abgerundeten Kanten. Frontale fünfeckig, IV2 ^^^^
so lang wie breit; Vorderrand gerade oder sehr wenig nach
vorn ausgebogen; Seitenränder konvergierend, Hinterränder
unter rechtem Winkel zusammenstossend. Parietalia
gross, IV3 mal so lang wie das Frontale, ihre gemein-
schaftliche Naht so lang oder etwas länger als das Frontale;
ihr Vorderrand mit dem grössten Theil des oberen Postoculare
in Berührung ; die Hinterränder zugespitzt und unter rechtem
Winkel aus einander weichend. Zwei Nasalia von gleicher
Länge, erstes vorn höher. Ein Frenale, 2 bis '2\/.2 mal so
lang wie breit, auf dem 2., 3. und 4. Labiale ruhend.
60 Dr. J. G. Fischer:
Zwei Praeocularia, das obere gross, auf die Stirnfläche
heraufgebogen und mit der Aussenecke des Frontale in
Berührung; das untere sehr klein, auf der Naht des 4. und
5. Labiale ruhend (bei Exemplar b ist an der linken Seite
nur das grössere dieser beiden Schilder vorhanden, das
kleine untere fehlt). Zwei Postocularia von fast gleicher
Grösse, das untere auf dem 6. Lippenschilde ruhend. —
Schläfenschilder unregelmässig; gewöhnlich liegen deren
zwei längliche in der ersten Reihe und stehen dann beide
mit den Hinteraugenschildern in Berührung. Neun Ober-
lippenschilder, von vorn nach hinten an Grösse zu-
nehmend; das Auge liegt über dem 5. und 6. Elf Unter-
lippenschilder, an die sich zuweilen noch ein kleines
zwölftes anschliesst. Die des ersten Pares treten an der
Kehlfurche zusammen, die der ersten 7 Pare stehen mit
den Kehlfurchenschildern in Berührung und nehmen von
vorn nach hinten an Grösse zu, während die darauf folgenden
allmählich kleiner werden. Zwei Pare breiter Kehl-
furchen Schild er, die des zweiten Pares — etwas kürzer
als die des ersten — weichen nur mit ihren Enden aus
einander.
Kör per schuppen in 25 Längsreihen, länglich
rhombisch, mit zwei Endporen, die der 3 bis 5 dorsalen
Mittelreihen mit äusserst schwachen, in der hinteren Körper-
partie etwas deutlicheren Kielen.
Farbe. Grundfarbe oben schiefergrau, unten gelb.
Eine breite vom Rostrale beginnende schwarze Binde durch
das Auge zur Seite des Hinterkopfes. Nach 3 bis 4 Kopf-
längen erhalten am Halse erst einzelne, dann immer mehrere
Schuppen einen schwarzen Saum, wodurch in der ersten
Hälfte des Rumpfes eine undeutliche Netzzeichnung entsteht,
worauf dann sämtliche Schuppen, von der dritten bis zur
elften Reihe aufwärts gezählt, erst schwarz gesäumt, dann
durchweg tief schwarz gefärbt erscheinen. So entsteht
jederseits von der Mitte des Rumpfes an eine breite, erst
dunkelgraue, dann tief schwarz werdende Binde bis zum
Ende des Schwanzes. Dieselbe wird am Rücken von
Ueber eine Kollekt. v. Amphibien u. Reptilien aus Südost-Borueo. 61
derjenigen der anderen Seite durch eine gelbe Längsbinde
getrennt, welche anfangs schwach, von der Körpermitte an
aber sehr scharf abgesetzt erscheint; dieselbe nimmt längs
des liumpfes eine und zwei halbe, am Schwanz nur zwei
halbe Schuppen der dorsalen Mittelreihen ein, und erstreckt
sich ebenfalls bis zur Schwanzspitze. — Kinn, Kehle und
die ganze Bauchmitte sind gelb. Auf den äusseren End-
teilen einzelner Bauchschilder erscheinen vom ersten Drittel
des Körpers an verwaschene dunkle Flecke, die sich gegen
die Mitte des Körpers hin mehren, und in ihrer erst lücken-
haften, dann ununterbrochenen Aufeinanderfolge eine anfangs
verwaschene, vom letzten Drittel des Körpers an aber
sehr scharf abgesetzte und nun tiefschwarz gewordene
Längsbinde an jeder Seite des Bauches und der Schwanz-
unterfläche bis zu dessen Spitze bilden. Diese seitliche
Bauchbinde ist da, wo sie scharf begrenzt erscheint, von
der breiten schwarzen Seitenbinde durch die äusserste Spitze
der Ventralia und durch 1 V'2 Schuppen getrennt, welche
Trennung vom letzten Drittel der Rumpflänge an in der
Form einer gut abgesetzten gelben unteren Seitenbinde
erscheint.
Obere Kopfschilder mit unsymmetrisch geordneten und
verwaschenen dunklen Punkten und Strichen.
Eines der vorstehend beschriebenen Exemplare war
von Hrn. Grabowsky in der Höhle Batu Hapu bei
Pengaron gefangen worden. Dasselbe misst 1,451™, wovon
der Schwanz 0,31™ beträgt. Ein zweites stammt von
Barabei, ebenso wie der von einem dritten Exemplar
herrührende Kopf, das, nach seiner Grösse zu urteilen,
das Mass des ersteren überschritten haben muss.
Am nächsten ist unsere Art verwandt mit Elaphis
taeniurus Cope aus China und Siam (Proc. Ac. Philad. 1860
pg. 565; vgl. auch Günther Rept. Brit. Ind. 242). Diese
ist jedoch, abgesehen von dem Fundort, in verschiedenen
die Färbung und die Pholidosis betrefi'enden Punkten
verschieden. In Bezug auf letztere sei nur die geringere
Zahl der Labialia (8), das kürzere Frenale, das mit dem
62 Dr. J. G. Fischer:
Frontale nicht in Berührung stehende obere Praeoculare,
das längere mit parallelen Seitenkanten versehene Frontale,
die geringere Zahl der Ventralia (230 — 232) erwähnt.
No. 47. Psammodynastes pictus Gnth.
und Psammodynastes pulverulentus Boie.
Acht in Farbe und Grösse sehr verschiedene Schlangen
der Gattung Psammodynastes, welche Hr. Grabowskyin
Südost-Borneo sammelte, vereinigen einzelne Charaktere der
oben genannten Arten (und auch von Ps. conjunctus
Pets. aus Kalkutta) in so hohem Grade und weichen in
anderen Punkten so sehr von den Angaben der betreffenden
Autoren ab, dass es kaum möglich erscheint, sie einzeln
einer jener drei Arten zuzuteilen.
Zunächst sei bemerkt, dass die drei genannten Arten
(und auch unsere acht Exemplare) in einigen Art-Charakteren
durchaus mit einander übereinstimmen. Dazu gehören das
bei P. pulverulentus, pictus und conjunctus durchaus
gleich gebildete Gebiss, der Besitz von zw^ei Praeocularia ^),
von acht Supralabialia, unter denen das 3. 4. und 6. die
Orbita von unten begrenzen, von 17 Schuppenreihen; dann
die Form der oberen Kopf- und der vorderen Schläfen-
schilder, die relative Länge des Schwanzes, die innerhalb
enger Grenzen schwankende Zahl der Bauch- und unteren
Schwanz-Schilder.
Im übrigen verhalten sich die vorliegenden acht
Exemplare folgendermassen in Bezug auf die bisher an-
gewandten Art-Merkmale :
1. In Bezug auf die Körperform im allgemeinen
stimmen zwei Exemplare, f und g, durch den robusten
Habitus, den kürzeren, nicht stark abgesetzten Kopf mit
Ps. pulverulentus überein. Die übrigen haben die
schlankere Form, den stärker abgesetzten, weniger hohen
Kopf von P. pictus und P. conjunctus.
') So nach Günther Rept. Br. Ind. 292, dagegen nach desselben
Autors früheren Angaben (Cat. Col. Sn. 120) „one, exceptionally two,
anterior oculars".
Ueber eiue KoUekt. v. Amphibien u. Reptilien aus Südost-Borneo. 63
2. All die beiden letztgenannten Arten schliessen sieh
alle Exemplare durch den Besitz von drei (Exempl. g sogar
vier) Hinteraugenschildern an; P. pulverulentus hat deren
bekanntlich nur zwei.
3. Bei allen 8 Stücken ferner stossen die Infralabialia
des ersten und des dritten Pares an der Kehlfurche
zusammen, nicht aber die des zweiten Pares, an die sich
jederseits ein eigentliches Kehlfurchenschild anschliesst; das
bei P. pulverulentus vorhandene mittlere Par Kehl-
iurchenschilder wird durch die Infralabialia des dritten
Pares verdrängt. Dies ist einer der für P. conjunctus an-
gegebenen Charaktere, der sich, wie Peters (Mon. Ber. Berl.
Ak. 1868, 451) bemerkt, zuweilen auch bei P. pulverulentus
ausgebildet zeigt. So w^eichen unsere Stücke in einem der
als wesentlich betrachteten Merkmale von Ps. pictus ab,
bei welchem nach Günther auch die ünterlippenschilder
des zweiten Pares an der Kehlfurche zusammenstossen und
nur ein einziges Par (das dritte von P. pulverulentus)
Kehliürchenschilder existiert. (Cat. Col. Sn. Br. Mus. 252.)
4. In Bezug auf die Farbe zeigen unsere Stücke grosse
Verschiedenheit.
a. Alle stimmen zwar darin mit einander überein, dass
ihnen die dunklen, symmetrisch angeordneten Längsstreifen
am Oberkopf fehlen, wie sie sich bei den drei genannten
Arten mehr oder weniger deutlich finden. Doch zeigen
die Stücke b und c eine sehr verwaschene dunkle Querlinie
zwischen den Augen, die den übrigen Exemplaren und wie
es scheint, überhaupt den bisher angenommenen Arten fehlt.
b. Die meisten unserer Stücke (a, b, c, d, e, h) besitzen
die schwarze vom Kostrale durchs Auge gehende Schläfen-
binde, die sich bei allen drei genannten Arten findet, die
sich sogar bei dem Exemplar a an der Halsseite nicht
verliert, sondern, etwas heller werdend, als braune Seiten-
binde bis zum Schwanzende fortsetzt. Bei den Stücken f
und g ist jene Schläfenbinde wegen der hier dunkleren,
fast schwarzen, Färbung der Schläfengegend nicht zu
unterscheiden.
64 Dr. J. G. Fischer:
c. Nur ein einziges, ganz junges (18 cm) Exemplar
(h) zeigt die von Günther bei P. pictus gefundene gelbe
Binde über dem eben erwähnten Schläfenstreif; doch be-
ginnt dieselbe nicht „vom Hinterrande des Auges" sondern
vom Rostrale, läuft über das Auge fort, verbreitert sich
an der Seite des Hinterkopfes, wird zugleich matter, und
geht allmählich in den bei diesem Stücke rostfarbenen Ton
des Oberhalses über.
d. Die von Günther ebenfalls bei Ps. pictus erwähnte,
hinter den Parietalia beginnende breite schwarze Rücken-
binde, welche durch Pare heller Flecken unterbrochen
wird, findet sich in dieser Form nur bei dem Exemplar c.
Dieselbe nimmt hier die fünf dorsalen Mittelreihen von
Schuppen ein. Die Unterbrechung durch helle (gelbe)
Flecke beginnt erst mit dem letzten Drittel der Rumpf-
länge, und die Flecke beider Seiten verschmelzen häufig
zu deutlichen Querbinden. Bei einem anderen Stücke (a)
nimmt die schwarze Rückenbinde nicht fünf, sondern
nur drei Schuppenreihen ein, wird aber nicht von hellen
Flecken durchsetzt, sondern läuft ununterbrochen bis zum
Schwanzende fort, indem sie wie bei pictus (Günther 1. c.)
durch eine schmalere (1 + t~ Schuppen) helle Seitenbinde
jederseits scharf begrenzt wird. Bei einem dritten Stücke
(d) ist die dunkle Rückenbinde nur eine ganz kurze Strecke
(etwa zwei Kopflängen) am Oberhalse zu unterscheiden;
von hier an nimmt der Rücken eine braungraue, von den
Körperseiten nicht abgesetzte, Färbung an, in der sich hin
und wieder einzelne sehr verwaschene gelbliche, unregel-
mässig gelagerte Flecke finden.
e. Bei allen Exemplaren ist der Bauch gelb, mehr
oder weniger dicht (bei dem kleinsten Stücke h überhaupt
nicht) braun gepulvert. Bei allen finden sich ferner mehr
oder w^eniger häufig die am Hinterrande der Bauchschilder
zerstreuten, meist nach vorn schwach ausgezogenen, schwarzen
Punkte, die sowohl bei pulverulentus als bei pictus
und conjunctus konstant zu sein scheinen und von denen
die zumeist nach aussen gelegenen an jeder Seite des
Ueber eine KoUekt. v. Amphibien u. Reptüien aus Südost-Bomeo. 65
Bauches eine Punktreihe bilden. Bei einigen heller ge-
färbten Stücken (a und b) sind, was ich sonst nicht erwähnt
finde, die seitlichen Punkte an der Unterfläche des Schwanzes
stärker markiert und zu wirklichen Längsstrichen ausge-
zogen und bilden hier zwei deutliche Längslinien. Bei den
anderen Exemplaren ist dies nicht oder nur in geringerem
Grade der Fall und die Unterseite des Schwanzes erscheint
sehr dicht schwarz gesprenkelt. Auch dass zuweilen
(d, g, h) die schwarzen Punktflecke der Bauchschilder
an ihrer äusseren Seite von einem kleinen scharf um-
schriebenen weissen Fleck begleitet sind, wird von den
beschriebenen Stücken der bekannten drei Arten nicht
erwähnt.
So vereinigen unsere acht Exemplare nicht sämmtlich
alle die Merkmale, deren Summe zur Unterscheidung von
Ps. pulverulentus, Ps. pictus und Ps. conjunctus
dienen soll. Da Ps. pictus die einzige Art ist, die bisher
auf Borneo gefunden wurde, so ist es natürlich, zunächst
an diese Art zu denken; dies ist auch der Grund, weshalb
bei der vorstehenden Erörterung vorzugsweise auf diese
hingewiesen wurde. Im Grunde haben aber unsere
sämtlichen Stücke mit Ps. pictus nur einen Charakter
(den Besitz von drei Postocularia) gemein, den aber ausser
dieser Art auch Ps. conjunctus zeigt. Ja, die Form
des 2. Infralabiale und der Mangel nur eines (des mittleren)
Pares Kehlfurchenschilder schliessen unsere Stücke noch
näher an conjunctus als an pictus an. Die Rücken-
färbung der letzgenannten Art tritt mehr oder weniger
deutlich nur bei drei Stücken (c, a und d) hervor. Der
Gesamthabitus von zwei Stücken f und g entspricht
demjenigen von pulverulentus, der der übrigen Exemplare
demjenigen der beiden anderen Arten.
Es erscheint hiernach untunlich, unsere Stücke einer
der drei bekannten Species zuzuzählen. Bei der grossen,
schon in unseren wenigen Exemplaren hervortretenden
Variabilität dürfte es noch weniger ratsam sein, eine neue
Art darauf zu gründen.
Arch. f. Naturgesch. 1885. Bd. LI., Heft 1. 5
66
Dr. J. G. Fischer:
Viel näher liegt die Vermutung, dass Ps. conjunctus
Pets (von Kalkutta) als eine lokale Varietät von Ps. pictus
aufzufassen ist. Da letztere im Grunde nur durch die
Form des zweiten Labiale (die sich bei unseren Stücken
nicht findet) und durch den Besitz von drei Postocularia
(gegen zv^^ei) von pulverulentus unterschieden werden
kann, so ist man versucht, zu der früheren Ansicht Günthers
(Cat. Soc. 141) zurückzukehren, und Ps. pictus als die
Borneo- Varietät von Ps. pulverulentus aufzufassen.
Will man ohne Rücksicht auf die Zahl der Postocularia
nur nach dem mehr robusten oder dem schlankeren Habitus
trennen, so müssten die mit f und g bezeichneten Stücke
als Ps. pulverulentus Boie, die übrigen als Ps. pictus
Gnth. betrachtet werden.
Bauchschilder und Masse von 7 Exemplaren*).
Taf. V. Fig. 4.
Fundort auf Südost-
Borneo.
Schwanz-
länge in
Pagat, Distrikt Batang-
Alai
Tumbang-Hiang . . .
Telang
Telang
Barabei
Barabei
Telang
No. 54.
157
162
156
157
159
161
161
115
88
76
80
40 + x
115
98
Tragops fasciolatus sp. n.
Taf. V. Fig. 4.
'1 Ausser vielen Stücken des in ganz Südost -Borneo ver-
breiteten Tr. prasinus Reinw. fand Herr Grabowsky
auch ein Stück, das in der Körperform, in der Gestalt der
Kopfschilder, in der Zahl der Schuppenreihen, der Bauch-
und unteren Schwanzschilder mit jener Art übereinstimmt.
JEsB^hat jedoch ein einfaches Analschild, und das
G^ss weicht insofern ab, als vor dem in der Mitte des
^^'^' 'i)''Öas kleinste Exemplar f, 180 m™ lang, ward nicht weiter gemessen
Von dem Stück e fehlt das Schwanzende.
lieber eine Kollekt. v. Amphibien u. Reptilien aus Südost-Borneo. 67
Oberkiefers stehenden grösseren Zahn nicht 4 bis 5, sondern
8 bis 9 kleine, anfangs dicht gedrängte Zähne sich befinden.
Diese beiden Merkmale zusammen mit seiner eigentümlichen
Zeichnung lassen es nicht zu, unser Stück als Varietät
einer der bisher beschriebenen Arten aufzufassen.
Grundfarbe gelblich grau, an den von der Epidermis
entblössten Stellen hellgrau. Oberseite des Kopfes mit
zahlreichen kleinen, nicht symmetrisch angeordneten,
schwarzen Flecken auf allen Kopfschildern. Lippen und
Kehlgegend gelb; die ersten sechs Supralabialia mit grösseren,
die vorderen Unterlippenschilder mit kleinen schwarzen
Flecken. Eine feine schwarze Linie läuft vom Auge aus
über die Labialia fort zur Seite des Halses. — Am ersten
Drittel des Körpers findet sich eine grössere Zahl unregel-
mässiger schwarzer Querbinden, die bis auf die Bauch-
schilder herabreichen, 1 bis 1 V2 Schuppen breit und durch
helle Zwischenräume von einer Schuppe getrennt sind. Schon
Tom zweiten Drittel an erscheinen die den dunklen Quer-
binden angehörigen Schuppen in der Mitte hell; der hier
noch vorhandene schwarze Saum verliert sich nun immer
mehr, so dass das letzte Drittel des Rumpfes und der
Schwanz oben einfarbig gelblichgrau erscheinen.
An jeder Seite des Bauches zieht sich eine hinter der
Kehlgegend beginnende ziemlich breite schwarze Längs-
binde bis zumAfter; dorsalwärts ist jede derselben von
einer rötlichweissen Längsbinde begleitet, die mehr
als doppelt so breit ist wie die gelbe Seitenlinie von
Tr. prasinus und, wie bei diesem, die äussere dreieckige
Spitze der Bauchschilder abschneidet. In der Mitte zwischen
den zwei schwarzen Längsbinden liegt endlich noch eine
dritte, die aber in Vergleich mit jener ziemlich verwaschen
erscheint. — Alle drei dunklen Längsbinden des Bauches
fehlen gänzlich an der Unterseite des Schwanzes, die ein-
farbig dunkelgrau, von der Fortsetzung der rötlich weissen
Längsbinden der Bauchseite eingefasst erscheint.
Unser Stück misst im ganzen 1 "^ -±2*^"^, davon der
Schwanz 50^°^. Es hat 221 Bauchschilder, ein einfaches
68 Dr. J. G. Fischer:
Anale und 187 Pare unterer Schwanzschilder. Der genauere
Fundort auf S. 0. Borneo ist nicht angegeben,
No. 58. Python Breitensteini Steind.
aus Südost-Borneo.
Steindachner in Sitz. Ber. Wien. Ak. Bd. 82, Abt. 1, Heft 2.
Taf. V. Fig. 5.
Eine Schlange, die wir für die Jugendform obiger
ebenfalls auf Borneo einheimischen Art halten möchten,
weicht von der Beschreibung des Wiener Gelehrten in
einigen wesentlichen Punkten der Pholidosis, namentlich
auch in der Färbung so sehr ab, dass eine etwas ein-
gehendere Beschreibung angemessen erscheint.
Körper form gedrungen, seitlich zusammengedrückt;
Schwanz sehr kurz, y^i der Totallänge. Kopf wenig ab-
gesetzt; seine Länge beträgt etwas weniger als das Doppelte
der grössten Breite; Frenalgegend fast vertikal, Augen klein.
K o p f s c h i 1 d e r . Symmetrisch geordnete grosse Schilder
erstrecken sich bis weit hinter die Augengegend. Auch
bei unserem Stück zieht sich eine tiefe Furche vom Rostrale
zum Hinterhaupt, die mittleren Kopfschilder in sieben
symmetrisch gestaltete Pare trennend. In Bezug auf die
Form der letzteren verweisen wir auf unsere Abbildung
(Taf. V. Fig. 5). Einige der Haupunterschiede von dem
Stücke des Wiener Museums heben wir durch gesperrte
Schrift hervor, indem wir eine ausführlichere Beschreibung
der Färbung anschliessen.
Hinter dem in zwei symmetrische Hälften geteilten,
nicht auffallend kleinen Frontale, das sechseckig und
wenig breiter als lang ist, liegen in symmetrischer An-
ordnung nicht vier, sondern nur drei Schilderpare,
von denen die des mittelsten wenig grösser sind, als die
des ersten. Es sind beiderseits zwei Anteocularia, links
ein und rechts zwei Postocularia vorhanden. Durch eine
Reihe sehr kleiner Suborbitalia ist das Auge gänzlich
von den Oberlippenschildern getrennt. — Auch bei
unserem Exemplar zieht sich von den Anteocularia bis
Ueber eine Kollekt. v. Amphibien u. Reptilien aus Südost-Borneo. 69
zum Nasenschilde eine Reihe Schilder, von denen jedoch
nur die drei letzten sehr klein, das vorderste sehr
gross ist, und über die Hälften des zweiten und vierten
sowie über das ganze dritte Labiale sich erstreckt; dasselbe
ist länglich, vorn und hinten zugespitzt und trägt über
seinem hinteren Ende noch eine kleine Schuppe. — Wie
bei dem Wiener Exemplar liegen bei unserem Stücke
zwischen Frontale und Rostrale drei Pare sehr grosser
Schilder. Das Nasloch liegt dem Hinterrande des Nasale
sehr nahe; von ihm erstreckt sich eine leichte Grube oder
Furche nach hinten. — Ausser dem Rostrale sind nur die
zwei ersten Oberlippenschilder mit tiefen, die vorderen
Infralabialia mit sehr seichten Gruben versehen, die
hinteren zeigen gar keine Vertiefungen.
Die Farbe unseres Exemplars ist von der des typischen
Stückes sehr abweichend. Statt der bei diesem vorhandenen
Reihe von mehr oder weniger getrennten grossen dunkel-
braunen Flecken am Rücken zeigt sich hier eine breite
schwarzbraune Rückenbinde, welche an jeder Seite
von einer sehr unregelmässigen, gezackten, graugelben
und weissgesäumten Seitenbinde umgrenzt wird. Die
dunkle dorsale Mittelbinde enthält am ersten Viertel der
Körperlänge eine Reihe hinter einander liegender
rundlicher gelber Flecke, die aber bald nicht mehr
isoliert in dem Schwarzbraun der Mittelbinde bleiben, sondern
abwechselnd links oder rechts durch einen nach unten ge-
richteten breiten gelben Fortsatz mit der erwähnten hellen
Seitenbinde in Verbindung treten. Unterhalb der letzteren
Binde liegt jederseits eine Reihe grösserer oder kleinerer
ovaler oder stark in die Länge gezogener unregelmässiger
schwarzbrauner Flecke, die stellenweise bindenähnlich zu-
sammenfliessen, immer aber an der ventralen Seite heller
und nicht scharf abgegrenzt sind. Den Anfang dieser
Fleckenbinde bildet der auch bei mehreren anderen Pythonen
vorhandene schwarzbraune, weiss gesäumte Längsstreif, der,
hinter dem Auge beginnend, sich an der Halsseite her-
abzieht.
70 Dr. J. G. Fischer:
Schon vom zweiten Drittel der Körperlänge an nimmt
die Regelmässigkeit der Zeichnung mehr und mehr ab, bis
das letzte Drittel des Rückens und der Körperseite unregel-
mässig braun und gelb gescheckt erscheint. — Oberkopf
schmutzig gelb, welche Farbe sich, heller werdend, am
Hinterkopf jederseits in Form eines breiten Streifens her-
abzieht, der in die erwähnte unregelmässige gelbe Seiten-
binde übergeht. — Die vom Rostrale bis zum Hinterkopf
gehende tiefe Furche ist tief braun gefärbt ; an ihrem Ende
erweitert sich der sie hervorhebende braune Längsstreif,
um zunächst einen länglichen hellgelben Fleck einzuschliessen
und dann in die dunkelbraune Mittelbinde überzugehen.
Frenal- und Seitengegend des Kopfes schwarzbraun. Ein
heller, die dunkle Schläfenbinde unterhalb säumender
schmaler Streif geht von den Postocularia schräge abwärts
durch das vorletzte Oberlippenschild nach hinten, um sich
am Halse in das Gelb der Unterseite zu verlieren. Diese
zeigt vom Mentale bis zum Schwanzende einen von keinerlei
Abzeichen unterbrochenen gleichförmigen gelben Ton. —
Die dem Munde zugekehrten Ränder der Ober- und Unter-
lippenschilder sind gelb; die Gruben des Rostrale und der
Labialia tief braun. Die vorderen Infralabialia, obgleich
nur mit sehr seichten Gruben versehen, ebenfalls jedes mit
einem schwarzbraunen Fleck.
Unser Stück misst im Ganzen 33*"", davon der Schwanz
3*^". Es war von Herrn Grabowsky bei Telang (Distrikt
Dusson Timor) gefangen. Das von Herrn Professor
Steindachner nach Herrn Dr. Breitenstein benannte
Exemplar des Wiener Museums war von letzterem etwa
1-^ Grad nördlicher bei Teweh (am Einflüsse des Teweh-
Flusses in den Barito) erbeutet worden.
Die nahe Verwandtschaft dieser Art mit Python molurus
ist schon von Herrn Prof. Steindachner erwähnt worden.
No. 61. Trimeresurus W agier i Schi.
Drei Exemplare von Tumbang Hiang und Barabei
zeigen in der Beschuppung keine Abweichung von der
lieber eine KoUekt. v. Amphibien u. Reptilien aus Südost-Boraeo. 71
Diagnose Günthers (Kept. Br. Ind. 328). — Die Grund-
farbe ist grünlich gelb; jede Schuppe — auch diejenigen
des Kopfes — und jedes Bauchschild mit dunkelgrünem
Saum; keine helle oder dunkle Linie am Kopf, keine gelbe
Seitenlinie am Bauche. Jede Körperseite bis zum After
mit 30 bis 34 dunkelgrünen Yertikalstreifen , die auf
Schuppen der 7. bis 11. Längsreihe (vom Bauche aus ge-
zählt) liegen, 1 bis 2 Schuppen breit und von einander durch
Zwischenräume von 4 bis 5 Schuppen getrennt sind. Nur
wenige derselben sind über den Rücken hinweg mit denen
der anderen Seite zu Querbinden verbunden, meist bleiben
sie von denselben getrennt und wechseln mit ihnen ab. Auf
dem Anfange des Schwanzrückens liegen 5 bis 8 dunkel-
grüne Querflecke ; der Schwanz färbt sich nun immer dunkler,
sein letztes Drittel ist grünlich schwarz.
Zwei Exemplare von Tumbang Hiang zeigen folgende
Masse: a. 855 °^'°, davon der Schwanz 125°^'°; Vent. 142 -fl
+ 4-; b. 800 -", Schwanz 118°^"; Vent. 143 + 1 + -^.
Hamburg, den 22. Februar 1885.
Dr. J. G. Fischer.
Erklärung der Abbildungen
auf Taf. IV. und V.
Tafel IV.
Fig. 1. Caiamaria Grabowskyi, Fisch.
a, b, c Ansichten des Kopfes, zweimal vergrössert.
d Seitenteil des Rumpfes, natürliche Grösse.
e Unterseite des Schwanzanfangs, desgl.
Fig. 2. Tropidonoius chrysargos Boie., Seite 57.
a Kopf und Hals, natürl. Grösse.
b Seitenansicht des Kopfes, desgl.
c Teil der mittleren Bauchgegend, desgl.
d Dieselbe Partie von einem jungen Exemplar, zweimal
vergrössert.
72 Dr. J. G. Fischer: lieber eine Kollekt. v. Amphibien etc.
Fig. 3. Elaphis Grabowskyi, Fisch., Seite 59.
a, b, c Ansichten des Kopfes, natürl. Grösse.
d Seitenpartie aus dem vorderen, e desgl. aus dem letzten
Drittel des Rumpfes, beide in natürl. Grösse.
Tafel V:
Fig. 4. Tragops fasciolatus, Fisch., Seite 66.
a und b Ansichten des Kopfes.
c Bauchpartie.
d Oberseite am ersten Drittel des Rumpfes.
Fig. 5. Python Breitensteini^ Stnd. juven. Seite 68.
a Kopf imd Hals von oben gesehen; IV'aDial vergrössert.
b Seitenansicht des Kopfes; desgl.
Seeigel von Japan und den Liu-Kiu-Inseln
von
Dr. Ludwig Döderlein,
Conservator des Naturhist. Museums zu Strassburg" i./E.
Privatdocent der Zoologie.
JJie von mir in den Jahren 1880 und 1881 an den
Küsten von Japan und den Liu-Kiu-Inseln gemachten
Sammlungen von Seethieren enthalten eine Anzahl von
Seeigeln, die zum Theil überhaupt neu, zum Theil neu für
diese Gebiete, eine nicht unwesentliche Erweiterung unserer
Kenntniss der japanischen Echinoiden-Fauna darstellen.
..Ich gebe hier nur eine Zusammenstellung der ge-
sammelten Arten nebst einer Beschreibung derer, die ich
als neu ansehe aber hoffe, bald in die Lage zu kommen,
eine etwas ausführlichere und von Abbildungen begleitete
Bearbeitung dieser Sammlung veröffentlichen zu können.
Der jedenfalls interessanteste Theil der vorliegenden
Sammlung stammt aus der Sagamibai, wo ich im Herbst 1881
auf verschiedenen erfolgreichen Ausflügen, die ich mit
Fischern von Enoshima und Misaki aus unternahm, einen
Hanfquastenapparat in grösseren Tiefen — bis zu 250
Faden — schleppen Hess und einen Einblick in die wunder-
bar reiche Bodenfauna jener Bai zu thun vermochte.^)
Anderes stammt aus der Tokio -Bai, wo ich bei
Kadsiyama in geringerer Tiefe mit dem Schleppnetze fischte.
^) s. Döderlein, Faunistisclie Studien in Japan. Enoshima und
die Sagamibai. Im Archiv für Naturgesch., Jahrg. 49, p. 102 — 123.
74 Dr. Ludwig Döderlein:
Ein weiterer Fundort war bei Tagawa am „Inneren
Meere", wo ich nur einen Tag mit japanischen Grundnetzen
in 10 bis 25 Faden Tiefe fischte.
Fast ganz unergiebig für Echinoidea waren Ausflüge,
die ich von Kochi auf Shikoku aus unternahm.
Um so lohnender war ein halb unfreiwilliger Aufenthalt
in Kagoshima, dem äussersten Süden von Japan, wo ich
gegenüber der Stadt Kagoshima, nahe der Vulkan -Insel
Sakurashima, reiche Beute machte.
Eine weitere nicht unergiebige Station lag an der
Küste der Provinz Tango, am japanischen Meere, ziemlich
genau westlich von Kioto, wo sowohl in geringerer Tiefe
in den seichten Buchten von Miyazu und Maizuru, wie
auch im offenen Meere in ca. 40 Faden Tiefe gar manche
interessante Form erbeutet wurde.
Endlich war eine Expedition, die ich zum Studium
der Seefauna nach den noch wenig bekannten, im Süden
von Japan gelegenen Liu-Kiu- Inseln unternahm — ich
besuchte nur Amami-Oshima, die Hauptinsel der nördlichen
Gruppe — sehr ergiebig an Echinoidea.
Das in dieser Weise zusammengebrachte und mir nun
vorliegende Material an Seeigeln beläuft sich auf mehrere
hundert Individuen, die sich auf etwa 47 Arten vertheilen
lassen. Aus den japanischen Meeren waren (nach Agassiz)
bisher nur 36 Arten von Echinoidea bekannt. Von diesen
finden sich 17 Arten auch in meiner Sammlung vertreten.
10 andere Arten sind wohl bekannte Formen des indo-
pacifischen Gebietes, die bisher aus den japanischen Meeren
(incl. Liu-Kiu -Inseln) noch nicht nachgewiesen waren.
Nicht weniger als 20 Arten aber muss ich überhaupt für
neu ansehen. Die Anzahl der aus dem besprochenen
Gebiete nrnmehr bekannten Echinoidea beläuft sich auf
66 Arten. ^ )
') Dabei sind die von der Yega-Expedition gemachten Sammlungen
noch nicht berücksichtigt, die, wie mir Herr Prof. S. Loven mittheilte,
ebenfalls eine Anzahl für das Gebiet neuer Seeigel enthalten.
Seeigel von Japan und den Liu-Kiu- Inseln. 75
Der grössere Theil der vorliegeüden Sammlung, darunter
fast sämmtliche neue Arten, besteht aus sehr gut erhaltenen
Spiritus-Exemplaren, eine Anzahl von Formen liegen nur
getrocknet vor.
Zu bedauern ist, dass eine ganze Reihe der in der
Sammlung vertretenen Arten nur in einem oder zvrei
Exemplaren vorhanden sind, ein Umstand, der bei der
Untersuchung besonders der neuen Arten recht hinderlich
war, da doch eine möglichste Schonung solcher Unica
durchaus geboten ist.
Mit nicht unerheblichen Schwierigkeiten war die
Bestimmung des vorliegenden Materials verbunden, zum
Theil schon aus dem Grunde, weil trotz der vortrefilichen
Litteratur, die gerade über die Echinoidea existirt, in
manchen Gruppen, die in meiner Sammlung stark vertreten
sind — Temnopleuridae , Clypeastridae — die Ab-
grenzung der Gattungen und Arten noch viel zu wünschen
übrig lässt. Hier wäre ein sehr reichliches Vergleichungs-
material nothwendig gewesen, wie es in der wünschens-
werthen Vollständigkeit kaum zu beschaffen ist. Zwar
konnte ich sehr vieles zu diesem Zwecke den schönen
Sammlungen des hiesigen naturhistorischen Museums ent-
nehmen, das in der letzten Zeit noch reichlichen Zuwachs
gerade an Echinodermen erhielt, immerhin zeigen dieselben
noch manche recht empfindliche Lücken. Doch sind es
nur einzelne Fälle, in denen mir über die richtige Bestimmung
noch Zweifel übrig geblieben sind.
Cidaridae.
1. Cidaris metularia Lam.
Zwei Exemplare wurden gesammelt an Korallenstöcken
(Milleporen) in der Bucht von Naze auf Amami-Oshima
aus sehr geringer Tiefe. Es ist nicht leicht, auf einem
Milleporenstock diese Seeigel zu unterscheiden, da sie in
Farbe und in der ganzen Gestalt das Geäste der Milleporen
so täuschend nachahmen, dass sie nur als ein Theil des
Stockes erscheinen, auf dem sie sich befinden.
76 Dr. Ludwig Döderlein:
^. Dorocidaris japonica n. sp.
Schalendurchmesser 15 — 35 °'™.
Schale ist etwa doppelt so breit als hoch, etwas
kegelförmig.
Genitalplatten sind kaum so breit als hoch und grenzen
aneinander. Ocellarplatten sind herzförmig, etwas breiter
als hoch. Afterfeld ist klein, etwa von der Grösse einer
Genitalplatte, sternförmig mit concaven Seiten und vor-
stehenden Winkelplatten, die sich etwas zwischen die
Genitalplatten einschieben.
Afterfeld und Ocellarplatten sind gleichmässig mit
ziemlich groben Warzen besetzt, die Genitalplatten dagegen
zeigen meist einen sehr breiten glatten Rand; bei solchen
Exemplaren sind dann Genital- und Ocellarplatten auf-
fallend stark gewölbt, so dass die Suturen sehr tief
liegen und an den Winkeln förmliche Gruben sich zeigen.
Bei einigen der grösseren Exemplare sind aber alle Platten
ganz flach; dann bleibt nur ein sehr schmaler Rand frei
von Warzen.
Die Genitalöffnung, bei manchen (Q.) sehr gross, liegt
nahe dem äusseren Rande der Platten.
Im Ambulacralfeld ist die Porenzone kaum halb so
breit als die Mittelzone. 7 — 10 Porenpaare entsprechen
einer mittleren Coronalplatte des Interambulacralfeldes. Das
Mittelfeld zeigt vier sehr regelmässige Vertikalreihen von
Sekundärtuberkeln, die der mittleren Reihen sind kleiner
als die der äusseren.
Das Interambulacralfeld zeigt 6 — 8 Coronalplatten in
einer Vertikalreihe; die dem Apicalfelde zunächst liegenden
2 oder 3 Coronalplatten jeder Reihe tragen regelmässig nur
ganz verkümmerte Hauptwarzen ohne Stacheln. Die dann
folgenden Coronalplatten tragen die längsten Stacheln
(meist länger als der Schalendurchmesser, doch nie doppelt
so lang); gegen das Mundfeld hin verkürzen sich die
Primärstacheln rasch.
Die grössten Stacheln sind cylindrisch mit 10 — 12
niedrigen fein gekerbten Längsleisten und verjüngen sich
Seeigel von Japan und den Liu-Kiu- Inseln. 77
etwas gegen das Ende; das Ende selbst ist öfters un-
bedeutend verbreitert.
Die dem Buccalfeld benachbarten Primärstacheln sind
platt mit zwei scharfen fein gesägten Seitenrändern.
Die Sekundärstacheln sind platt und breit, am Ende
abgestutzt, aber hier etwas schmäler als in der Mitte.
Die stark deprimirte Schale, das kleine Afterfeld,
die platten Primärstacheln der Aktinalseite und das voll-
ständige Fehlen von Primärstacheln auf der Apicalseite
sind Charaktere, die ich bei keinem der vorliegenden
Exemplare vermisste, und die diese Art von den ver^
wandten gut unterscheiden können.
Ich fischte Exemplare in der Sagamibai in 100 — X60
Faden, sowie an der Küste von Tango in ca. 40 Faden auf
schlammigem Grunde, wo sie in grosser Anzahl bei-
sammen zu leben scheinen.
3. Dorocidaris grandis n. sp.
Die beiden Exemplare, für welche ich diesen Namen
vorschlage, werden sich vielleicht einmal als sehr alte
Individuen der vorigen Art heraus stellen. Sie stammen
von der gleichen Stelle der Bai von Sagami wie die
vorigen ; doch fehlen vorläufig noch die Verbindungsglieder
zwischen den beiden Formen.
Schalendurchmesser 49 ™™.
Wie bei voriger Art ist das Afterfeld klein, kaum
grösser als eine Genitalplatte, und auch hier sind die Primär-
warzen der Rückenseite ganz rudimentär. Schale ist weniger
deprimirt als bei D. japonica. Die Afterplatten reichen bis
zu den Ocellarplatten und trennen die Genitalplatten von
einander.
Mittelzone des Ambulacralfeldes ist fast dreimal so
breit als Porenzone, mit 5 — 6 Längsreihen von groben
dicht gedrängt stehenden Warzen bedeckt, von denen die
äusseren etwas grösser sind, die mittleren unregelmässig
stehen. 17 — 21 Porenpaare entsprechen einer mittleren
Coronalplatte der Interambulacralzone. Interambulacralzone
hat 6 — 7 Coronalplatten in einer Reihe.
78 Dr. Ludwig Döderlein:
Die Coronalplatten (mit Ausnahme der primären Warzen-
höfe), sowie das Apicalfeld sind bedeckt mit dicht gedrängt
stehenden groben Warzen, die nur die Suturen des Apical-
feldes frei lassen und kurze breite schuppenförmige
Stachelchen tragen. Nur ein Kranz um die Primärstacheln,
sowie die Unterseite der Schale trägt längere Sekundär-
stacheln, die als dicke prismatische Keulen ausgebildet sind.
Die Primärstacheln, deren längste etwa Schalendurchmesser
haben, sind cylindrisch — nahe dem Aktinostom finden sich
einzelne etwas abgeplattet — und tragen grob gekerbte niedere
Längsleisten; bei einigen ist die Spitze etwas verbreitert.
4. Dorocidaris (?) gracilis n. sp.
Schalendurchmesser 8 ™™.
Die Schale ist nicht ganz doppelt so breit als hoch,
an beiden Polen stark abgeplattet. Apicalfeld hat zwei
Drittel des Schalendurchmessers, das Afterfeld ist kaum
grösser als eine Genitalplatte, letztere sind sechseckig, so
breit als hoch und grenzen aneinander. Die Genitalöfihung
ist bei einem Exemplar sehr gross, etwas unterhalb der
Mitte einer Platte, bei einem anderen Exemplar ist sie sehr
fein und genau in der Mitte.
Das Afterfeld trägt nahe der Afteröffnung eine Anzahl
Sekundärstacheln, während solche in sehr geringer Zahl
noch auf die Mitte der Genital- und Ocellarplatte be-
schränkt sind.
Die Mittelzone des Ambulacralfeldes ist doppelt so breit
als die Porenzone, nur an den Rändern mit einer Reihe
grösserer Sekundärwarzen versehen.
Porenpaare sind durch vorstehende Leisten von einander
getrennt. Nur 3 — 4 Porenpaare entsprechen einer mittleren
Interambulacralplatte.
Im Interambulacralfeld stehen 7 Coronalplatten in einer
Reihe. Die primären Warzenhöfe berühren sich zum
Theile, so dass der von Sekundärwarzen gebildete Skrobiku-
larring an den Berührungsstellen eine Unterbrechung erleidet.
Längs der Mediannath des Interambulacralfeldes zeigt sich
eine breite glatte Furche.
Seeigel von Japan und den Liu-Kiu- Inseln. 79
Die längsten Primärstacheln haben dreifachen Schalen-
durchmesser, sie enden spitz und zeigen ganz niedrige fein-
gesägte Längsleisten; in der Nähe der Basis aber sind sie
etwas geschwollen und mit zwei Reihen dünner vorstehender
Dornen besetzt.
Nahe dem Buccalfelde finden sich plattgedrückte,
manchmal leicht gebogene Primärstacheln, die an beiden
Rändern grobgesägt sind. Die Sekundärstacheln sind alle
sehr dünn und stabförmig.
Schale ist violett, Stacheln rein weiss. Zwei Exemplare
aus der Sagamibai, aus 160 und 200 Faden Tiefe.
Die Stellung dieser vielleicht noch nicht erwachsenen
Form in der Gattung Dorocidaris ist nur provisorisch.
5. Phyllacanthus verticillatus Lam.
Zwei Exemplare erhielt ich unter gleichen Verhältnissen
wie Cidaris metularia in der Bucht von Naze auf Amami
Oshima an Milleporenstöcken.
6. Stephanocidaris hiserialis n. sp.
Schale ist dünn, regelmässig gerundet, an beiden Polen
stark abgeplattet. Sämmtliche Platten des Apicalfeldes
sind auffallend dünn. Afterfeld ist fünfeckig; an den fünf
Ecken befindet sich je eine grössere verlängerte Platte, die
sich zwischen die Genitalplatten einschiebt und mit einer
Seite an die Ocellarplatten grenzt.
Genitalplatten sind so breit als hoch, in der Mitte von
der Genitalöffnung durchbohrt. Jede Afterplatte trägt eine
einzige gehöfte Warze, nur die Eckplatten tragen mehrere.
Ocellar- und Genitalplatten sind mit breitem glattem Rande
versehen, in der Mitte tragen sie einige Wärzchen, von
denen die dem Afterfelde nächsten am grössten und ge-
höft sind.
Im Ambulacralfeld ist die Mittelzone doppelt so breit
als die Porenzone; die Porenpaare sind durch scharfe
Leisten von einander getrennt. Die Mittelzone trägt an
beiden Rändern eine Reihe gehöfter Warzen; dazwischen
stehen zahlreiche winzige Miliartuberkeln; vier bis fünf
80 Dr. Ludwig Döderlein:
derselben bilden immer eine Horizontalreihe, die meist paar-
weise auf jedem Ambulacralplättchen stehen. Auf der
Mittelzone ist die innere Hälfte jeder Horizontalnatb
furchenförmig vertieft.
Das Interambulacralfeld zeigt 7 — 8 Coronalplatten in-
einer Reihe. Die Näthe sind besonders an der Rückenseite
sehr ausgeprägt; nahe der Mittellinie sind die Horizontal-
näthe vertieft.
Der primäre Warzenhof ist mit einem Kranze grösserer
gehöfter Tuberkeln umgeben. Der übrige Theil der Coronal-
platten ist bis zum Rande mit winzigen Miliartuberkeln
bedeckt, die deutliche Horizontalreihen bilden, zwischen
denen zahlreiche feine Horizontalfurchen auftreten.
Die längsten Primärstacheln erreichen Schalendurch-
messer. Einzelne derselben sind ganz glatt und verjüngen
sich gegen die Spitze; andere tragen zahlreiche gesägte
Längsleisten und verbreitern sich am Ende blumenkelch-
förmig. Die grösseren Stacheln aber tragen fast alle eine
geringe Anzahl sehr starker und sehr langer, manchmal
doppelter Dornen in wenig regelmässiger Anordnung. Bei
einigen der kleineren Stacheln zunächst dem Apicalfeld sind
diese Dornen am freien Ende gehäuft und bilden hier eine
Art Krone.
Die Sekundärstacheln sind etwas abgeplattet, in ihrer
ganzen Länge gleich breit. Einige frische Exemplare dieser
wohl charakterisirten Art erhielt ich von Fischern in
Enoshima, die sie in der Sagamibai erbeutet hatten. Die
sehr charakteristischen Stacheln dieser Art fanden sich
nicht selten in der Sagamibai in einer Tiefe von 100 — 200
Faden und ebenso an der Küste von Tango in 40 Faden
Tiefe.
7. Discocidaris {Cidaris) miJcado n. sp.
Schale ist 1 V2 mal so breit als hoch, gleichmässig ge-
rundet, an beiden Polen etwas abgeplattet. Apicalfeld ist
halb so gross als der Schalendurchmesser, Afterfeld ist
gross, fünfeckig ; die äusseren Analplatten auffallend gross mit
einzelnen Sekundär- und zerstreut stehenden Miliartuberkeln ;
Seeigel von Japan und den Liii - lüu - Inseln. 81
die Winkelplatten sind von der Grösse der Ocellarplatten,
mit denen sie zusammenstossen. Genitalplatten sind klein,
sechseckig, etwas breiter als hoch. Genitalöffnnngen sind
weit, nahe dem Anssenrande. Genital- und Ocellarplatten
tragen wenige zerstreut stehende Miliartuberkeln; erstere
ausserdem nahe dem Innenrande einen oder wenige
Sekundärtuberkeln.
Mittelzone des Ambulacralfeldes ist über doppelt so
breit als die Porenzone. Die Porenpaare sind durch vor-
tretende Leisten von einander getrennt. Die Mittelzone
trägt an den Rändern eine Reihe grösserer Tuberkeln und
ist im übrigen fein granulirt.
Das Interambulacralfeld zeigt sechs Coronalplatten in
einer Reihe. Die Hauptwarzen sind umgeben von einem
einfachen Kranze von Sekundärwarzen; die übrige Platte
ist bedeckt von zerstreut stehenden Miliartuberkeln. Näthe
sind kaum sichtbar, längs der Mittellinie deuten ganz
seichte Vertiefungen die Winkel an, die die Platten mit
einander bilden.
Primärstacheln sind sehr verschieden von einander;
die längsten haben doppelten Schalendurchmesser, besonders
in der unteren Hälfte sind sie mit zahlreichen langen und
starken Dornen besetzt, die bei den grossen Stacheln ziem-
lich unregelmässig, bei den kleinen in der Nähe des Buccal-
feldes zweizeilig angeordnet stehen, so dass die Stacheln
hier zwei stark gezähnte Ränder zeigen. Die meisten
Stacheln verjüngen sich gegen das Ende und zeigen hier
eine Anzahl niederer gesägter Längsleisten. Fünf dem
Apicalpole zunächst stehende Primärstacheln sind kürzer als
der Schalendurchmesser, am Ende erweitert zu einem weiten
höchst zierlichen Kelche, der nach aussen gerichtete Rand
des Kelches mit sehr tiefen, der nach innen gerichtete
mit feinen Zacken versehen.
Sämmtliche grosse Stacheln zeigen überdies noch ein
ganz auffallendes Merkmal, indem sie nahe dem Halse
einen breiten scheibenförmigen Ansatz tragen, ähnlich dem
Stichblatt eines Stossdegens, dessen Rand feingezackt ist.
Arch. f. Naturgesch. 1885. Bd. LI. Heft 1. 6
82 Dr. Ludwig Döderleiu:
Ein Theil der Stacheln ist ausserdem noch bedeckt mit
einem eigenthümlichen filzigen Ueberzug, der aus spröden,
haarförmigen Kalknadeln besteht.
Die Sekundärstacheln sind schmal, wenig abgeflacht
und bis ziu- Spitze gleich breit. Die Miliartuberkeln tragen
feine körnchenähnliche Gebilde. Nur eine Form von win-
zigen Pedicellarien ist vorhanden.
Das einzige Exemplar erhielt ich aus 120 Faden Tiefe
in der Sagamibai ; die charakteristischen Nadeln fanden sich
öfter in noch bedeutenderer Tiefe. Die Farbe der Schale
ist rein weiss, die der grossen Stacheln grünlich.
Der schmale Genitalring, die aufi'allend grossen äusseren
Afterplatten, die winzigen Pedicellarien und die merk-
würdigen Scheiben am Grunde der Primärstacheln sind
charakteristisch für die neue Art und mögen als die wesent-
lichen Merkmale der Untergattung Discocidaris angesehen
werden.
8. Goniocldaris dypeata n. sp.
Schale gleichmässig gerundet, an beiden Polen abge-
plattet, 1 72 ii^^l so breit als hoch.
Afterfeld ist klein, kaum grösser als eine Genital-
platte, fünfeckig, äussere Platten massig gross. Genital-
platten sind so hoch als breit, und stossen an einander;
eine sehr grosse Genitalöfi:hung liegt nahe dem äusseren
Rande. Das Apicalfeld ist ziemlich gleichmässig bedeckt
von zerstreuten kleinen Wärzchen, die je näher der After-
öfiiiung gelegen, um so grösser sind; der Rand der Genital-
platten ist glatt, ähnlich bei den massig grossen Ocellar-
platten.
Die Mittelzone des Ambulacralfeldes ist etwa dreimal
so breit als die Porenzone, am Rande mit einer Reihe
grosser Sekundärwarzen; ausser diesen finden sich nur noch
ein paar winzige Wärzchen; längs der Medianlinie ist das
Mittelfeld glatt und schwach vertieft. Die Porenpaare sind
durch vorspringende Leisten von einander getrennt.
Das Interambulacralfeld zeigt 6 Coronalplatten in
einer Reihe.
Seeigel von Japan und den Liu-Kiu- Inseln. 83
Die Primärwarzen sind umgeben von einem Kranze
grösserer Sekundärwarzen, denen sich gegen die Mediannath
hin noch einige kleinere Wärzchen anschliessen. Längs
der Mediannath ist ein breiter zickzackförmiger Streifen
ganz glatt und etwas vertieft, aber ohne an den Winkeln
Gruben zu zeigen.
Yon den Primärstacheln übertreffen die längsten den
Schalendurchmesser um die Hälfte; in der Nähe des Buccal-
feldes sind sie klein und glatt, etwas gebogen und zweireihig
grobgesägt. Die längsten Stacheln sind mit feingesägten
niedrigen Längsleisten bedeckt und tragen eine grosse
Anzahl langer, dünner, oft hakig gebogener Dornen, die
wesentlich zweireihig gestellt sind; diese Stacheln tragen
nahe der Basis eine ähnliche, aber viel unvollkommnere
Scheibe wie Discocidaris mikado. Solchen Stacheln folgen
gegen das Apicalfeld zu etwas kleinere ähnliche, deren
Ende aber zu einer auffallend breiten vertieften Scheibe
umgebildet ist; und die dem Apicalpole am nächsten
stehenden Stacheln bestehen nur aus einer solchen grossen
Scheibe auf einem (excentrisch angebrachten) Stiele, dessen
Länge kaum ein Drittel des Scheibendurchmessers beträgt.
Diese höchst merkwürdigen schildförmigen Stacheln
bilden ein förmliches fast geschlossenes Dach über der Apical-
fläche des Seeigels. Die kleineren Stachelchen sind sämmtlich
schmal, etwas platt und bis zur Spitze nahezu gleich breit.
Von Pedicellarien findet sich nur eine kleine kurz-
gestielte Form.
Ein einziges Exemplar dieser Art von 16™™ Schalen-
durchmesser erhielt ich in der Bai von Sagami aus 1 60 Faden
Tiefe am gleichen Ort wie Dorocidaris japonica u. D. grandis.
Auf Grund der nackten, aber nur ganz schwach ver-
tieften Mittellinie des A. F. und I. A. F. findet diese
merkwürdige neue Art ihren Platz wenigstens vorläufig am
besten in der Gattung Goniocidaris, wenn ihr auch die
charakteristischen Winkelgruben nebst den grossköpfigen
Pedicellarien fehlen. Ihre Stacheln erinnern an die von
Goniocidaris florigera. A. Ag., eine Aehnlichkeit , die sich
6*
84 Dr. Ludwig Döderlein:
aber keineswegs auch in der Ornamentirung oder Gestalt
der Schale kundgiebt.
Ein ganz besonderes Interesse erhält die neue Art noch
dadurch, dass solche merkwürdige schildförmige Stacheln,
wie sie diese Art auszeichnen, sich bereits fossil finden und
zwar in den St. Cassian-Schichten , woher sie als Stacheln
von Cidaris buchi beschrieben sind. ^)
Saleniidae.
9. Salenia pacifica n. sp.
Das vorliegende einzige Exemplar von 8,5 ^"™ Schalen-
durchmesser ähnelt der von A. Agassiz beschriebenen
S. hastigera sehr bedeutend.
Das ganze Apicalfeld ist wie bei S. hastigera gleich-
massig dicht bedeckt von Papillen ; die Suturen zwischen den
einzelnen Platten sind undeutlich und nur sehr schwer zu
erkennen. Auch die Genitalöffnungen lassen sich nur mit
Mühe wahrnehmen, etwa in der Mitte der Genitalplatten.
Die Granulirung der Genitalplatten zeigt radiäre Anordnung,
von den Genitalporen als Centren ausgehend.
Das Analfeld ist begrenzt von zwei Genitalplatten,,
der suranalen Platte und der dieser gegenüberliegenden
Ocellarplatte. Das Analfeld trägt nahe seinem äusseren
Rande einen geschlossenen Ring von etwa 8 ganz kurzen
beweglichen, an der Spitze knopfartig verdickten Stacheln,,
neben denen noch ähnliche aber viel kleinere Stachelchen
stehen. Dieser Ring von geknöpften Stacheln bildet
vielleicht den auffälligsten Unterschied von S. hastigera.
Das Interambulacralfeld trägt 7 — 8 crenulirte Haupt-
warzen in einer Reihe, von denen die den beiden Polen
nächsten sehr klein sind. Die Hauptwarzen sind umgeben
von einem unregelmässigen Kreis weniger sehr kleiner
Secundärwarzen. Etwas grösser als die letzteren sind die
Warzen, die auf dem Ambulacralfelde zwei Reihen bilden.
Ueber Anaulocidaris" und „Benecke, üeber Cidaris buchi Mnstr."
Seeigel von Japan und den Liu-Kiu- Inseln. 85
und die nahe dem Buccalfelde so gross sind wie die zunächst
stehenden Primärwarzen des Interambulacralfeldes.
Die längsten Primärstacheln dürften dreimal so lang
als der Schalendurchmesser gewesen sein und ähneln sehr
den Stacheln von S. hastigera. Auf der Buccalseite sind
die Primärstacheln sehr kurz und plattgedrückt, in der
Mitte breit aber spitz endend und mit gesägtem Rand;
ihnen gleichen vollkommen die Stacheln der Buccalseite
des Ambulacralfeldes. Die Sekundärstacheln ähneln denen
der anderen Salenia- Arten, sind aber sehr stark gekrümmt.
Der Schaft der Primärstacheln ist rein weiss; alles
übrige ist mit einem Netze von purpurfarbenem Pigment
überzogen, wie bei S. varispina.
Das vorliegende Exemplar erhielt ich in der Sagamibai
aus einer Tiefe von 120 Faden.
Diadematidae.
10, Diadema setosum Gray.
Diese Art findet sich zahlreich in geringer Tiefe bei
der Liu-Kiu -Insel Amami-Oshima. Jüngere Exemplare
fand ich auf verschiedenen Korallenstöcken, ältere lebten
heerden weise auf dem weissen Korallensande, der den Meeres-
boden neben den Korallenbänken bedeckt. Die Schale
dieses weit verbreiteten Seeigels erscheint wie purpurner
Sammet; die Stacheln sind dunkel violett, bei jüngeren
Exemplaren weiss geringelt. Das Buccalfeld umgeben weisse
Stacheln. Das frisch aus dem Wasser genommene Thier
zeigt ein prächtiges Phosphoresciren ; an fünf Meridianen
der Schale (Mittellinie der Interambulacralfelder?) zeigt sich
ein unruhig zitternder leuchtender Streifen, bald ver-
schwindend, bald hellglänzend, während in der Mitte jedes
Meridians, an der Peripherie der Schale, ein Punkt
ziemlich beständig in ruhigem mildem Lichte leuchtet.
Wo dieser Seeigel lebt, wagt sich kein Taucher hin;
die langen Stacheln dieser Art sind ausnehmend spitz
und sehr spröde, dringen, wie ich aus eigner Erfahrung
weiss, bei der geringsten Berührung tief in die Haut, wo
86 Dr. Ludwig Döderlein:
sie abbrechen und sehr unangenehme Folgen verursachen
können.
Echinometridae.
11. Heterocentrotus mammillatus L.
Hife und da, doch nicht häufig, fand ich diese weit
verbreitete Art zwischen den Korallenbänken von Amami-
Oshima.
12. Echinometra lucunter Leske.
Häufiger als irgend eine andere Art findet sich dieser
Seeigel an den Korallenbänken von Amami-Oshima. An
jedem Korallenstock zwischen 2 und 12 Faden Tiefe kann
man sicher sein, ein paar dieser Thiere zu finden, ge-
wöhnlich am Ende einer tiefen Köhre, die sich zwischen
den Aesten des Korallenstockes hindurchzieht, und die
zweifellos von dem Seeigel selbst hergestellt ist. Auch
von den Bonin-Inseln erhielt ich dieselbe Art.
13. Sfrongylocentrotus tuberculatus Lam.
An gewissen Stellen der Felsenküste von Enoshima
sieht man bei ruhiger See diesen schönen purpurblauen
Seeigel in unzählbarer Menge in den Rissen und Spalten
der Klippen sitzen, aus denen er sich nur mit Anwendung
von List und Gewalt herausziehen lässt. In ca. 10 Faden
Tiefe gerieth er Nachts in Menge in's Grundnetz. Er
wird vielfach gegessen. Ich erhielt diese Art auch aus
der Tokiobai und bei Kochi auf Shikoku.
Die Art variirt sehr bedeutend: Höhe der Schale,
Länge und Dicke der Stacheln u. a. sind dem grössten
Wechsel unterworfen, nur die tiefblaue Färbung der
Stacheln scheint mir aufiallend constant.
[Nun liegen mir aber einige Exemplare vor von nur
15 ""^ Schalendurchmesser, die ich in 40 Faden Tiefe in der
Tokiobai und der Sagamibai fischte. Nach der Schale
allein dürften sie unbedenklich zu S. tuberculatus gestellt
werden; doch sind die Stacheln kurz und dick und überall
gleich lang, und die Färbung aufiallend: die Stacheln
sind bei einem Exemplar weisslich, bei einem zweiten
Seeigel von Japan und den Liu-Kiu- Inseln. ol
hellroth, einem dritten rothbraim, bei einem vierten violett
und dazu zeigen sie noch besonders auf der Buccalseite
mehr oder vreniger deutliche dunkle Ringe].
14. Strongylocentrotus depressus A. Ag.
Diese Art findet sich, aber seltener, an ähnlichen Stellen
wie die vorige, von der sie meist leicht durch ihre roth-
braunen Stacheln, flache Schale und schv^ächere Stachelwehr
unterschieden werden kann.
Ich erhielt sie aus der Tokio- und Sagamibai.
15. SphaerecJiinus pulcherrimus Barn.
Es ist dies der unscheinbarste von den mir bekannten
häufigeren Seeigeln aus Japan. Seine Farbe ist ein
anspruchsloses Graugrün, die ihn schützt, wenn er von
der Ebbe in kleinen Löchern und Pfützen zurückgelassen
wird. In Felsritzen, Löchern, unter Steinen ist er in
seichtem AVasser bei Enoshima zahlreich zu finden.' Ich
erhielt ihn auch aus der Tokiobai und bei Tagawa im
inneren Meer.
Temnopleuridae.
16. Temnopleurus toreumatimis Leske.
Von den bekannten Arten der Gattung Temno-
pleurus ist bisher nur von einer einzigen, T. hardwickii,
ihr Vorkommen in den japanischen Gewässern constatirt
worden. Aufi'allenderweise befindet sich in meiner Sammlung
gerade von dieser Art, die nach von Martens in der To-
kiobai besonders häufig sein soll, nur ein einziges, nicht
einmal typisches Exemplar, während ich dagegen T. reynaudi
häufig fischte, vor allem aber T. toreumaticus stellenweise
in ungeheurer Menge antraf.
Gestalt und Skulptur der Schale von T. toreumaticus
sind grossen individuellen Schwankungen unterworfen.
Schale ist flachgedrückt bis kegelförmig.
Die Platten des Apicalfeldes sind mehr oder weniger
gewölbt; Ocellarplatten sind ganz bedeckt mit kleinen
Wärzchen, Genitalplatten tragen solche nur auf der inneren
88^ Dr. Ludwig Döderlein:
Hälfte oder gar nur am Innenrande. Die Genitalöffnung
liegt in der äusseren Hälfte der Genitalplatten bald näher,
bald ferner dem Aussenrande.
Die Nathgruben zeigen fast immer scharf markirte
Ränder.
Das Interambulacralfeld hat 4 Reihen grosser nicht
zusammenhängender Gruben stets von rechteckiger Gestalt,
die eine grössere Strecke der Horizontalnäthe einnehmen;
dieselben sind bald schmal und strichförmig, bald breit
und mehr quadratisch.
Das Ambulacralfeld zeigt zwei Reihen grosser Gruben
von mehr oder weniger rundlicher Gestalt.
Die genannten Gruben sind auf der Dorsalseite der
Schale immer sehr deutlich, auf der Buccalseite werden sie
punkt- oder kommaförmig, verschwinden auch im Interam-
bulacralfelde oft vollständig.
Ausser diesen ganz regelmässig vorhandenen grossen
Gruben können scharfe punktförmige Grübchen sich noch
an verschiedenen Stellen der Näthe finden, hauptsächlich
auf der Dorsalseite, nämlich;
1. Sehr oft an den Winkeln zwischen Genital- und
Ocellarplatten.
2. Häufig an den Winkeln, die die kleinen Plättchen
der Porenzone mit den Coronalplatten des Interambulacral-
feldes bilden.
3. Selten zwischen zwei Hauptwarzen auf einer inter-
ambulacralen Yertikalreihe.
Nach der Gestalt und Farbe der Stacheln lassen sich
eventuell zwei Varietäten dieser Art in den japanischen
Meeren unterscheiden: Exemplare, die ich aus massiger
Tiefe in der Tokiobai erhielt, hatten kurze Stacheln, die
längsten derselben (an der Schalenperipherie) hatten höchstens
ein Drittel des Schalendurchmessers und waren etwas flach
gedrückt; diese Stacheln waren dunkel olivenbraun mit
mehr oder weniger deutlichen Ringen.
Exemplare dagegen von der Küste von Tango, in sehr
geringer Tiefe auf schlammigem Boden lebend, zeigten an der
Seeigel von Japan und den Liu-Kiu- Inseln. 89
Peripherie lange sehr flache Stacheln, deren Länge den
halben Schalendurchmesser stets übertraf, oft aber den ganzen
Schalendurchmesser erreichte; die Stacheln waren weisslich
mit 6 — 8 schmalen röthlichen Ringen. In den seichten
Buchten von Miyazu und Maizuru lebte diese Form in
ausserordentlicher Menge.
17. Temnopleurus hardwickii Gray.
Ein Exemplar von 20™°* Schalendurchmesser, das aus
der Tokiobai stammt, schien mir Anfangs keiner der be-
kannten Arten von Temnopleurus anzugehören. Nachdem
ich aber durch die Güte des Herrn Professor von Martens
in den Stand gesetzt war, verschiedene Exemplare von
T. hardwickii zu vergleichen, bin ich nicht mehr in Zweifel,
dass die vorliegende Form dieser sehr variablen Art zu-
gezählt werden muss.
Die Schale ist hoch, etwas kegelförruig; Genital- und
Ocellarplatten sind so auffallend stark gewölbt, dass der
Genitalring wallförmig über die Schale hervortritt und die
nahe der äusseren Spitze der Platten liegenden Genital-
öffnungen nicht nach oben, sondern nach den Seiten ge-
richtet sind.
Ambulacral- und Interambulacralfeld mit zwei Vertikal-
reihen von Hauptwarzen, die auf der Apicalseite reifartig
über die Umgebung vorspringen; die zwischen den Reifen
liegende Mittel- und Porenzonen stellen glatte Furchen vor.
Die Anordnung der Warzen ist übrigens eine ähnliche wie
bei T. toreumaticus, doch bleiben die Warzen der sekundären
Vertikalreihen immer viel kleiner als die der primären.
Nahtgruben zeigen sich nur auf der Apicalseite und
zwar als scharfe tiefe runde Gruben längs der interambula-
cralen Mittellinie, nur auf die Winkel beschränkt; ähnliche
etwas kleinere Gruben liegen längs der ambulacralen Mittel-
linie. Längs der Porenzone sind seichte Gruben an den
Winkeln der interambulacralen Coronalplatten sichtbar.
Die Stacheln sind kurz, die längsten (an der Peripherie)
von \/^ Schalendurchmesser, die der Buccalseite sind
etwas flach.
90 Dr. Ludwig Döderlein:
Die Farbe der Schale ist grünlich, die Stacheln an der
Basis tief braun, gegen die Spitze allmählig lichtbraun werdend.
18. Temnopleurns reynaudi Ag.
Die Beschreibung und Abbildung dieser Art in der
Revision of Echini passt durchaus auf diese Form. Nur
bezüglich der grossen Stacheln ist hinzuzufügen, dass die
längsten derselben (an der Peripherie) den Durchmesser
der Schale übertreffen; diese und noch mehr die der
Buccalseite sind abgeflacht, die dem Buccalfelde nächsten
sind ausserdem etwas gebogen.
Die Stacheln sind äusserst spröde und brechen sehr
leicht ab.
In einer Tiefe von ca. 30 Faden an auf schlammigem
Grunde fand sich diese Art häufig in der Sagamibai, bei
Tagawa im inneren Meere und an der Küste von Tango
im japanischen Meere.
Diese Art zeichnet sich vor allen verwandten durch
eine sehr dünne Schale und eine auffallend grosse runde
Afterplatte aus.
Schale und Stacheln sind blass graugelb.
Pleurechinus.
Als ein wesentlicher Charakter dieser Gattung sind
bisher Gruben auf den Horizontalnähten bezeichnet worden.
Bei einer mir vorliegenden Art finde ich aber Exemplare,
bei denen solche Gruben gar nicht entwickelt [sind, die
sich aber specifisch nicht trennen lassen von anderen
Exemplaren, die alle Charaktere der echten Pleurechinus
an sich tragen. Ist diese Eigenschaft aber nicht mehr
charakteristisch für Pleurechinus und begreifen wir unter
dieser Gattung Temnopleuridae mit mehr oder weniger
kugliger Schale, kurzen Stacheln, einfacher Reihe von
Porenpaaren und glatten Warzen, so können darin zwei wohl
charakterisirte Arten aus den japanischen Meeren Platz finden.
19. Pleurechinus variahUis n. sp.
Schale regelmässig gerundet, nicht ganz doppelt so
breit als hoch.
Seeigel von Japan und den Liu-Kiu- Inseln, 91
Im Ambulacralfeld ist die Porenzone einreihig, etwas
unregelmässig; die einzelnen Porenpaare sind durch
schwache Leisten getrennt. Das Mittelfeld trägt am
Rande eine Vertikal-Reihe grosser Warzen, zwischen denen
je eine kleinere steht, ausserdem findet sich noch längs der
Mittellinie eine Reihe kleiner Warzen.
Zu beiden Seiten der Mittellinie vertiefen sich die
Winkel, die die Platten mit einander bilden, zu massig
tiefen, aber ziemlich grossen Gruben; dazu zeigt sich in
der Mitte der Horizontalnähte eine etwas kleinere Grube,
so dass im Ambulacralfeld 4 Vertikalreihen von Gruben
vorhanden sind, die gegen das Apicalfeld hin zu 2 Reihen
verschmelzen, auf der Buccalseite aber kaum wahrzu-
nehmen sind.
Im Interambulacralfeld sind zwei Vertikalreihen von
Hauptwarzen vorhanden, dazu längs der Mittellinie und
längs der Porenzone eine Reihe von kleineren Warzen;
diese mit den wenigen übrigen Warzen bilden auf jeder
Coronalplatte 2 Horizontalreihen, deren untere die Haupt-
warze in der Mitte trägt.
Die zickzackförmige Mittelnaht des I. A. F. ist etwas
vertieft und zeigt seichte Eindrücke an den Winkeln. Am
Ende der Horizontalnähte längs der Porenzone liegen
kleinere Gruben, die gewöhnlich sehr seicht, manchmal
auch scharf und tief erscheinen. Jede Horizontalnaht zeigt
ausserdem noch zwei grosse rundliche ziemlich tiefe Gruben,
so dass das Interambulacralfeld nicht weniger als 8 Vertikal-
reihen von Gruben trägt, von denen die äussersten und
mittelsten die kleinsten sind. Auf der Buccalseite sind
die meisten dieser Gruben undeutlich.
Die Genitalplatten tragen am äusseren Rande eine
weite Genitalöffnung und zeigen einzelne grosse und eine
Anzahl kleinerer Wärzchen nahe dem inneren Rande der
Platten. Die Ocellarplatten sind vom Afterfeld ausgeschlossen
und von kleinen Tuberkeln bedeckt. Die Winkel zwischen
Ocellar- und Genitalplatten bilden tiefe Gruben.
Das Buccalfeld ist glatt, der Rand leicht ausgebuchtet.
92 Dr. Ludwig Döderlein:
Die StachelD sind kurz, längs gerieft, von grünlicher
Farbe mit heller Spitze. Die Mittelzone des A. F. und
I. A. F. ist bräunlich, sonst ist die Schale gelblich; auch
die Mittelzone des I. A. F. zeigt an der Peripherie einen
gelblichen Fleck. Wenige Exemplare wurden in der
Sagamibai erhalten in 50 — 100 Faden Tiefe, das grösste
hat 16 °^ Schalendurchmesser.
Derselben Art glaube ich als Jugendformen ein paar
kleinere Exemplare zurechnen zu dürfen von ähnlichem
Fundort und fast gleichem Habitus, die sich nur dadurch
unterscheiden, dass die Horizontalnähte der Coronalplatten
schmale, aber scharfe Furchen bilden, die durch eine Er-
hebung in zwei Theile getheilt sein können, ohne aber
Gruben zu bilden.
Es ist möglich, dass die Art identisch ist mit P.
bothryoides Ag. ; jedenfalls scheint mir die Gestalt und An-
zahl der Furchen und Gruben sehr variabel.
20. PleiirecMnus ruber n. sp.
Die Schale ist kugelig, 1 1 2 i^^l so breit als hoch.
Ambulacralfeld ist viel schmäler als das Interambulacral-
feld. Porenzone ist einfach und gerade, die Poren ganz
auffallend gross.
Der Aussenrand der Mittelzone zeigt eine Vertikal-
reihe ziemlich kleiner glatter Hauptwarzen; daneben stehen
eine Anzahl kleinerer Wärzchen, von denen die grössten
zu beiden Seiten der Mittellinie eine gegen das Apicalfeld
zu verschwindende vertikale Reihe bilden.
Zu beiden Seiten der Medianlinie in den Winkeln der
Platten liegen kleine aber scharfe und tiefe Gruben, die
auch auf der Buccalseite deutlich sind.
Ebensolche Gruben liegen längs der Mittellinie des
Interambulacralfeldes. Die Horizontalnähte sind etwas ver-
tieft und enden neben der Porenzone in deutlichen aber
sehr kleinen Grübchen. Vertheilung der Tuberkeln ist
ähnlich wie bei voriger Art, nur stehen dieselben dichter.
Das Apicalfeld ist klein, die Ocellarplatten sind vom After-
Seeigel von Japan und den Liu-Kiu- Inseln. 93
feld ausgeschlossen und tragen in der Mitte einige gedrängt
stehende Wärzchen. Die Genitalplatten zeigen längs des
Innenrands einige grobe Sekundärwarzen, die äussere Hälfte
ist glatt mit sehr weiter runder GenitalöjÖfnung ; die Madre-
poreu platte ist bedeutend grösser als die übrigen Genital-
platten und trägt nur 2 Tuberkeln am Innenrande.
Buccalfeld ist ziemlich gross, glatt, der Rand leicht
ausgebuchtet.
Stacheln sind kurz, längsgerieft mit rothen und weissen
Ringen.
Apicalfeld, Mittelzone des A. F. und I. A. F. dunkel-
roth, sonst ist die Schale gelblich.
Auffallend ist der Seeigel durch seine schöne rothe Farbe,
die grossen Poren, kleinen Hauptwarzen und grobe dichte
Körnelung des A. F. und I. A. F.
Zwei Exemplare von 16 ™™ Schalen - Durchmesser
stammen aus der Tokiobai aus ca. 20 Faden.
Gattung Salmacopsis.
Einige kleinere Temnopleuridae aus der Sagamibai
lassen sich ohne Zwang in keine der vorhandenen Gattungen
einreihen, während sie zu mehreren derselben (Pleurechinus,
Salmacis, Amblypneustes) nahe Beziehungen haben. Am
räthlichsten scheint mir für diese Zwischenform die Auf-
stellung einer besonderen Gattung oder Untergattung,
Salmacopsis, die folgende Charaktere zeigt:
Schale gleichmässig gerundet, sehr hohe Coronalplatten,
Warzen spärlich, klein und glatt; zwei Hauptreihen von
Warzen im A. F. und I. A. F. ; auf der Apicalseite bleibt
der der Mittellinie benachbarte Theil der Platten glatt.
Feine aber scharfe Winkelgruben auf den Mittellinien.
Porenreihe einfach. Stacheln ähnlich wie Salmacis.
21. Salmacopsis olivacea n. sp.
Schale mehr oder weniger kuglig, etwa 1 '/g mal so
breit als hoch. In der schmalen Porenzone bilden die
Porenpaare eine einfache etwas unregelmässige Vertikalreihe.
94 Dr. Ludwig Döderlein:
Das Mittelfeld des A. F. trägt nahe dem Aussenrande
eine Vertikalreihe kleiner glatter Hauptwarzen, neben denen
noch spärliche kleine Tuberkeln sich befinden; die Mittel-
linie ist völlig glatt auf der Apicalseite.
Im I. A. F. trägt jede Platte etwa in der Mitte, doch
näher dem unteren Rande eine Hauptwarze, die etwas
grösser ist als im A. F., und neben derselben noch einige
kleine AVarzen. Die Mittellinie ist auch hier ganz glatt
auf der Apicalseite.
Auf der Apicalseite bilden die Vertikalnähte scharf
geschnittene Furchen mit pünktcheuförmigen Gruben an
den Winkeln.
Der Genitalring ist massig breit, die Ocellarplatten
sind ausgeschlossen vom Afterfeld und von Miliartuberkeln
bedeckt. Die Genitalplatten sind glatt bis auf 2 — 3 Sekundär-
tuberkeln am inneren Rand.
Buccalfeld ist glatt, Rand kaum ausgebuchtet. Stacheln
sind klein, gefurcht, weiss mit 2 — 3 braunen Ringen. Die
Schale ist olivenbraun, das A. F. weisslich mit Ausnahme
des mittleren Theiles.
Mehrere kleine Exemplare (bis 10 ™™ Schalendurchmesser)
stammen aus der Sagamibai aus 100 — 150 Faden Tiefe.
22. SaJmacis lactea n. sp.
Schale 2'/2 mal so breit als hoch, etwas konisch. Der
Genitalring ist sehr schmal; Genitalplatten sind etwa doppelt
so breit als hoch, nur die Madreporenplatte ist so hoch
als breit. Die Ocellarplatten sind ziemlich klein, die beiden
der Madreporenplatte benachbarten sind weit entfernt vom
Afterfeld, dem die drei anderen sehr nahe treten; sie sind
von kleinen Tuberkeln bedeckt. Die Madreporenplatte
trägt keine Warzen, die übrigen Genitalplatten tragen nur
eine Reihe von solchen nahe dem Innenrande. Die Genital-
öfihung ist massig gross und nahe dem Aussenrand.
Das grosse fünfeckige Afterfeld ist von polygonalen
Platten bedeckt ; der After liegt in der Mitte ; verschiedene
dei- Afterplatten tragen je eine kleine Warze.
Seeigel von Japan und den Liu-Kiu- Inseln. 95
Im A. F. trägt jede Coroiialplatte eine kleine Haupt-
warze, von denen abwechselnd je eine der Mittellinie und
eine der Porenzone genähert ist, so dass 4 Vertikalreihen
entstehen. Die Warzen sind glatt, die der inneren Reihen
sind nur an der Peripherie so gross als die der äusseren,
werden aber nach beiden Polen zu rasch kleiner und fast
verschwindend. Die Hauptwarzen sind spärlich von kleinen
Wärzchen umstellt. Porenzone ist massig breit, die Poren
sehr fein; jeder Coronalplatte entspricht eine etwas schief
gestellte Reihe von 3 Porenpaaren.
Im I. A. F. trägt jede Coronalplatte eine Hauptwarze
von der Grösse der ambulacralen Hauptwarzen; sonst zeigt
jede Platte noch spärliche Tuberkeln von winziger Grösse;
nahe der Peripherie tritt zu jeder Seite der Hauptwarze noch
eine etwas kleinere Warze auf, so dass hier im ganzen 6
Vertikalreihen entwickelt sind.
Auf der Apicalseite ist ein breites Mittelfeld des
I. A. F. ganz glatt.
Im A. F. und I. A. F. zeigen sich längs der Mittel-
linie an den Winkeln der Platten punktförmige tiefe
Grübchen. Längs der Porenzone zeigen sich den Winkeln
der einzelnen interambulacralen Platten entsprechend bald
seichtere bald tiefere Grübchen, die besonders auf der Buccal-
seite sehr deutlich sind. Die Horizontalsuturen auf dem
glatten interambulacralen Mittelfelde sind etwas gefurcht.
Die Buccalseite ist trichterförmig vertieft, das Buccal-
feld klein und glatt, der Rand kaum gekerbt.
Die Stacheln ähneln denen von Temnopleurus, sie sind
auf der Apicalseite cylindrisch und kurz, werden immer
länger und mehr abgeflacht, je näher der Peripherie, und
sind gegen das Buccalfeld wieder kurz, aber flach und
gebogen. Die längsten Stacheln haben Vs des Schalen-
durchmessers; sie sind an der Spitze grün, sonst roth und
weiss geringelt. Die Schale ist rahmfarben, nur das Ambula-
cralfeld ist auf der Apicalseite grün. Ein einziges Exemplar
erhielt ich in der Bai von Kagoshima aus ca. 15 Faden Tiefe
am gleichen Orte wie Toxopneustes elegans.
96 Dr. Ludwig Döderlein:
Trotz der glatten Warzen mag diese Art noch zu
Salmacis gerechnet werden, aus welcher Gattung ihr
S, dussumieri auffallend ähnelt.
23. Mespilia globulus Ag.
Fand sich einzeln aufKorallenstöckenbei AmamiOshima.
Triplecliinidae.
24. Hemipedina mirabüis n. sp.
Die Schale ist etwa doppelt so breit als hoch, an
beiden Polen abgeplattet.
Das Apicalfeld ist halb so breit als der Schalen-
durchmesser; die Genitalplatten sind sehr gross, breiter als
hoch; die Genitalöffhung befindet sich dem äusseren Rande
näher als dem inneren. Die Ocellarplatten sind sehr klein,
vom Analfeld ausgeschlossen. Ocellar- und Genitalplatten
sind in der Mitte glatt, sonst aber mit zahlreichen Miliar-
tuberkeln bedeckt, neben denen sich besonders gegen das
Analfeld hin auch einige grössere Tuberkeln zeigen.
Dass Analfeld ist kreisrund, etwas grösser als eine
Genitalplatte, mit ganz undeutlichen Platten bedeckt; die
Afteröffnung liegt in der Mitte auf einer stark vor-
springenden Papille.
Das Buccalfeld ist etwas kleiner als das Apicalfeld,
mit 5 Paar Buccalfüsschen , jedes Paar bildet mit einigen
Pedicellarien und 2 — 3 Stachelchen eine isolirte Gruppe^
Die Buccalplatten sind klein. Der Rand zeigt Einschnitte
zum Austritt von langen 6^7 lappigen Kiemen.
A. F. zeigt auf dem Mittelfeld 2 Reihen alternirend
stehender grosser Hauptw^arzen, zwischen denen sich nur
wenige kleine Tuberkeln finden. Die Porenzone ist sehr
schmal mit einer einfachen Reihe von Porenpaaren, von
denen je 8 Paare einen schws hen Bogen um eine Haupt-
warze bilden.
Das I. A. F. zeigt zwei Reihen von Hauptwarzen,
die wie die des A. F. durchbohrt aber nicht gekerbt sind;
an der Peripherie sind dieselben bedeutend grösser als im
A. F. ; gegen das Buccalfeld zu aber werden sie sehr klein.
Näher der Mittellinie stehen mehrere unregelmässige Reihen
Seeigel von Japan und den Liu-Kiu- Inseln. 97
von Sekundärtuberkeln, während eine Reihe von solchen die
Hauptwarzen von der Porenzone trennt.
Die grössten Primärstacheln haben eine Länge von
wenigstens IV2 Schalendurchmesser, sie sind cylindrisch
und verjüngen sich ganz allmählich gegen die Spitze. Nahe
der Basis tragen sie einen zierlich gekerbten Wulst; der
Schaft ist bedeckt von zahlreichen niedrigen und f'ein-
gesägten Längsleisten. Die Primärstacheln sind weiss mit
etwa drei breiten dunkelrothen Querbändern. Die
Sekundärstacheln sind ähnlich gebaut, lang und dünn und
ganz weiss. Die Schale ist weiss, auf der Apicalseite
dunkel pigmentirt.
Pedicellarien sind zahlreich vorhanden, darunter gemmi-
forme mit tiefschwarzen kleinen Köpfchen, so dass der See-
igel dadurch fein schwarz gesprenkelt erscheint.
Ein Exemplar von 13'°'" Schalendurchmesser erhielt
ich in der Sagamibai aus einer Tiefe von 160 Faden.
Ein zweites nur 7 ™™ grosses Exemplar von ähnlichem
Fundorte zeigt deutliche Platten auf dem Aflerfelde. Das
ganze Apicalfeld ist viel spärlicher mit Tuberkeln versehen,
auch die Sekundärtuberkeln der Coronalplatten sind noch
weniger zahlreich als bei dem grösseren Exemplar. Die
längsten Stacheln haben 2 72 Schalendurchmesser. Im übrigen
stimmt es mit dem grösseren Stück überein, zeigt auch
dieselben schwarzpigmentirten Pedicellarien.
25. Echinus lucidus n. sp.
Die Schale ist über doppelt so breit als hoch, etwas
konisch und auffallend dünn.
Im A. F. ist die Porenzone schmal, die Poren sind
klein und bilden schwache, sehr steil stehende Bogen von
3 Paaren, so dass eine wenig unregelmässige einfache Poren-
reihe zu Stande kommt. Das Mittelfeld ist nach aussen
durch eine Reihe grosser AYarzen begrenzt, näher der Mitte
steht eine geringe Anzahl kleiner Tuberkeln.
Im I. A. F. trägt jede Coronalplatte etwa in der
Mitte, doch näher dem unteren Rand eine Hauptwarze, die
Arch. f. Naturgesch. 1885. Bd. LI. Heft 1. 7
98 Dr. Ludwig Döderlein:
viel grösser ist als die des A. F., und im Halbkreis um
dieselbe einige viel kleinere Wärzchen. Nahe der Peripherie
zeigt sich längs der Porenzone wie zu beiden Seiten der
Mittelnaht eine Vertikalreihe von Sekundärwarzen.
Das Apicalfeld ragt durchaus nicht vor.
Die Ocellarplatten sind klein, vom Afterfeld aus-
geschlossen, in der Mitte mit einigen Miliartuberkeln. Die
Genitalplatten sind gross mit ein bis zwei grösseren
Warzen nahe dem Afterfeld, ausser einigen Miliartuberkeln,
während die äussere Hälfte ganz glatt ist; die Genital-
öffnung liegt nahe dem Aussenrande (bei den kleineren
Exemplaren noch undeutlich).
Das Afterfeld ist rund und zeigt eine grosse runde
Platte neben einer Anzahl von kleinen; die grosse Platte
liegt auf der einen Seite des Afterfeldes, die Afteröffnung
auf der entgegengesetzten Seite excentrisch (bei den jüngeren
Exemplaren sind wenige grosse Platten vorhanden, darunter
eine viel grösser als die übrigen und mit einem Tuberkel
versehen). Die Afteröffnung ragt etwas röhrenförmig hervor
und ist am Rand von einigen Papillen umgeben.
Der Rand des Buccalfclds ist kaum ausgeschnitten, das
Buccalteld ist glatt bis auf 10 massig grosse Plättchen, deren
jedes einen grösseren Tuberkel und einige Pedicellarien trägt.
Die Primärstacheln sind an der Peripherie halb so
lang als der Schalendurchmesser; sie sind rund mit äusserst
fein gezähnten Längsleisten und einem zierlich gekerbten
Wulst nahe der Basis.
Die Schale und Stacheln sind rein weiss.
Die vorliegenden Exemplare, das grösste von 15™°"
Schalendurchmesser, stammen von der Bai von Sagami aus
100 — 200 Faden Tiefe.
26. Toxopneustes püeolus Lam.
Von dieser weit verbreiteten Art erhielt ich durch
Fischer in Enoshima ein paar ganz oder nahezu ganz nackte
Schalen, die durch nichts wesentliches von typischen
Exemplaren anderer Herkunft zu unterscheiden sind. Auch
Seeigel von Japan unp den Liu-Iüu- Inseln. 99
die für diese Art so charakteristischen unterbrochenen Spiral-
bänder sind an diesen Exemplaren zum Theil sehr deutlich.
Die Buccalhaut zeigt ausser den 10 grossen Platten
noch eine Anzahl ziemlich gleichmässig vertheilter kleinerer
Plättchen. Ein paar Primärstacheln, die noch erhalten
waren, waren grünlich mit röthlichem Ringe.
27. To.vopneustes elegans n. sp.
Ausser der gewöhnlichen T. pileolus findet sich in
Japan noch eine zweite, jener sehr nahe stehende Art.
Die Schale ist kegelförmig, mehr als es gewöhnlich
bei T. pileolus der Fall ist; ihre Höhe beträgt mehr als
die Hälfte ihres Durchmessers. Die Primärtuberkeln sind
kleiner und zahlreicher als bei T. pileolus, ein Exemplar
von 75 ™™ Durchmesser zeigt an der Peripherie der Schale 14
interambulacrale und 8 ambulacrale Vertikalreihen von Haupt-
warzen, die sehr geringe Grössenunterschiede aufweisen.
Die kleinen Kalkplättchen der Buccalhaut sind spär-
licher als bei dem japanischen T. pileolus.
Die Schale ist gelblich ohne jede Spur einer Zeich-
nung; nur die Mittelnähte der A. F. u. I. A. F. sind
auf der Apicalseite dunkelviolett.
Die Primärstacheln der Rückenseite sind kurz und
dünn, die untere Hälfte grünlich, die obere weiss, mit
einem sehr scharfen schwarzvioletten Ringe; die Stacheln
der Unterseite sind doppelt so lang und ganz weiss bis
auf den schwarzvioletten Ring in der oberen Hälfte.
Diese hübsche Art erhielt ich in der Bai von Kago-
shima aus einer Tiefe von etwa 10 Faden mit dem ge-
wöhnlichen Grundnetze der Fischer, meist mit der dort
häufigen Maretia planulata zusammen.
28. Hipponoe variegata Leske.
In der Bucht von Naze auf Amami Oshima brachten
meine Taucher von schlammigem Grunde, der mit abge-
brochenen todten Korallenästchen bedeckt war, eine Anzahl
von diesem Seeigel herauf, der daselbst schaaren weise lebt; er
soll zu gewissen Zeiten in Menge gefangen und gegessen
werden.
7*
100 Dr. Ludwig Döderlein:
Euclypeastridae.
29. Clypeaster clypeus n. sp.
Länge 72™°^, Breite 57°^"^, Höhe 16 ^■^.
Die Schale ist fast regelmässig oval. Der Rand der
Schale ist etwas geschwollen, der Rosettentheil sehr wenig
erhoben, das äussere Ende der Ambulacralblätter leicht
gesunken. Die Unterseite ist concav.
Das unpaare Ambulacralblatt ist an der Spitze weit
offen, auch die paarigen sind nicht ganz geschlossen.
Länge des unpaaren Ambulacralblattes 23 ™™
„ „ vorderen paarigen „ 19™™
„ „ hinteren „ „ 21,5™™.
Die Ambulacralblätter sind von gleicher Breite (13,8 ™™,
Breite der Porenzonen 3,4).
Die Warzen sind von massiger Grösse, ganz
gleichmässig vertheilt, auf der Unterseite unbedeutend
grösser, nur werden sie hier gegen die Ambulacralfurchen
zu kleiner.
Der After liegt unmittelbar unter dem Hinter rand der
Schale; die Ambulacralfurchen sind unbedeutend.
Die Schale hat dicke, aber durchaus einfache Wände.
Eine einfache Reihe von massiven Pfeilern läuft dicht
innerhalb des Aussenrandes der Schale, die einzelnen Pfeiler
bald weit von einander entfernt, bald so nahe beisammen,
dass sie mit einander verschmelzen. Näher der Mitte zu
finden sich Gruppen von massiven Pfeilern auf den inter-
ambulacralen Radien.
Yon der unteren wie oberen Schalenwand ragen zahl-
reiche kurze nadeiförmige Kalkspitzen ins Innere.
Ein Exemplar erhielt ich aus geringer Tiefe in der
Bai von Kagoshima.
30. Clypeaster japonicus n. sp.
Länge 106™™, Breite 97™™, Höhe 26™™.
Der Rand der Schale ist niedrig und steigt ziemlich
allmählich bis zur Mitte an. Die Porenzonen sind gesunken.
Seeigel von Japan und den Liu-Kiu- Inseln. 101
Der Umfang ist sehr deutlich fünfeckig mit auflfallend
concaven Seiten. Die grösste Breite erreicht die Schale
bei den vorderen seitlichen Ambulacren.
Die Unterseite ist fast eben und sinkt ganz plötzlich
gegen das Actinostom. Die Ambulacralfurchen sind tief,
reichen aber nicht bis zum Rand.
Oben und unten ist die Schale gleichförmig tuberkulirt,
unten etwas gröber. Die Ambulacralfurchen zeigen nur
winzige Tuberkeln.
Der After lieo;t nahe dem Hinterrand. Das vordere
Ambulacralblatt ist weit offen, die seitlichen mehr oder
weniger geschlossen.
Länge des unpaaren Ambulacralblattes 35 ™™
„ „ vorderen paarigen „ 34 „
„ „ hinteren „ „ 36 „
Die Breite der Ambulacren ist fast gleich (20™°^).
Das Mittelfeld ist bei den vorderen paarigen Ambulacren
etwas schmäler ais bei den übrigen.
Das Innere verhält sich durchaus ähnlich der vorigen
Art. Von sandigem Boden in geringer Tiefe erhielt ich
Exemplare in der Tokiobai (Kadsiyama).
Ich vermuthe, dass diese Form es ist, die bisher als
Cl. (Echinanthus)testudinarius angesehen wurde, dem sie auch
äusserlich sehr nahe steht; Exemplare aus La Paz aber
zeigen mir eine ganz verschiedene Beschaffenheit des Innern.
31. Clypeaster excelsior e. sp.
Länge 103 '^^•^, Breite 83™™, Höhe 35™™.
Die Schale ist am Kande ziemlich dick und steigt
gleichmässig steil bis zur Mitt« an.
Die Porenzone ist wenig gesunken.
Der Umfang ist oval, leicht fünfeckig, die Seiten nicht
concav; die Breite der Schale bleibt von den vorderen bis
hinteren Ambulacren fast gleich.
Die Unterseite ist stark concav und sinkt allmählich
immer mehr bis zum Actinostom. Die Ambulacralfurchen
sind nicht auffallend tief.
102 Dr. Ludwig Döderlein:
Das unpaare Ambulacrum ist offen, die paarigen ge-
schlossen.
Länge des unpaaren Ambulacrum 38°"°
„ „ vorderen paarigen „ 31 „
„ „ hinteren „ 36 „
Die Breite ist bei allen Ambulacren dieselbe (21™™).
Das Mittelfeld ist bei den vorderen paarigen Ambulacren
etwas schmäler als bei den übrigen.
Die Tuberkulirung, After und das Innere verhalten
sich wie bei voriger Art, nur sind die Randpfeiler sehr
spärlich.
Ein Exemplar aus der Tokiobai.
32. Clypeaster virescens n. sp.
Länge der Schale 103 ™™, Breite 96 ™™, Höhe 22 ™™.
Die Schale ist nur unbedeutend länger als breit, und bildet
ein mehr oder weniger deutliches Zehneck. Sie ist am
Rande ganz niedrig, steigt aussen unbedeutend, während der
Rosettentheil stark convex ist. Die Unterseite ist ganz
flach und sinkt nur gegen das Aktinostom ein wenig.
Die Ambulacralblätter sind weit offen, besonders das
unpaare.
Länge des unpaaren Amb.
„ „ vorderen paarigen Amb.
„ „ hinteren paarigen „
Die Breite des unpaaren „
„ „ der übrigen „ 17 „
Bei jüngeren Exemplaren sind die Ambulacralblätter
verhältnissmässig viel kürzer. Die Ambulacralfurchen der
Unterseite sind vom Rand an deutlich und vertiefen sich
immer mehr gegen die Mitte.
Der After liegt nahe dem Rande.
Die Oberseite trägt kleine aber gleich grosse Primär-
warzen, die gegen die Mitte etwas dichter stehen als am
Rande ; auf der Unterseite sind dieselben merklich grösser.
Die Wände der Schale sind durchaus einfach; die untere
AYand ist äusserst dünn, die ganze Schale überhaupt leicht
Seeigel von Japan und den Liu-Kiu- Inseln. 103
zerbrechlich; die obere Wand ist dicker, auch am Rande
ist die Schale ziemlich dickwandig. Nahe dem Rande sind
die beiden Wände verbunden durch eine grössere Anzahl
massiver, dicht gedrängt stehender Pfeiler, die etwa fünf
zum Theil sehr regelmässige concentrische Ringe bilden.
Nach innen von diesem Pfeilerring ist ein breiter freier
Raum, auf den wieder ein Ring von weniger dicht stehenden
Pfeilern folgt, die sich auf den Interambulacralräumen
weiter gegen das Centrum vorschieben. Von beiden
Wänden ragen zahlreiche spitze Kalknadeln in's Innere der
Schale hinein.
Die Farbe ist bei lebenden Exemplaren gelblich braun,
nach dem Tode erscheint der Seeigel grasgrün gefärbt durch
einen reichlich abgesonderten Saft; diese grüne Färbung
verliert sich nur sehr allmählig.
Junge Exemplare zeigen verhältnissmässig kürzere
Ambulacralblätter, spärlichere und unregelmässiger stehende
Randpfeiler und sind zierlich gefleckt (Oberseite) und ge-
bändert (Unterseite).
Diese Art fand sich nicht selten in der Sagamibai
in einer Tiefe zwischen ca. 40 und 100 Faden, auch aus
der Bai von Kagoshima erhielt ich ein paar Exemplare.
Laganum.
Von vier Arten aus dem japanischen Meere, die hier-
her gehören, kann ich nur eine mit einiger Sicherheit zu
einer bekannten Art stellen, Peronella decagonalis, die sich
aber auch von dem Typus der Art durch den schmalen
Ring von Verbindungswänden entfernt. Eine nahe ver-
wandte Form (P. rubra), von der leider nur ein Exemplar
vorliegt, zeichnet sich vor allem durch die viel mehr dem
Centrum genäherte Lage des Afters aus.
Eine eigenthümliche Form ist P. pellucida, die durch
den breiten Ring von Verbindungswänden und das Vor-
handensein von nur vier Genitalöünungen sich Peronella
anschliesst, während die geringe und in der Jugend ganz
fehlende Verästelung der Verbindungs wände an Laganum
104 Dr. Ludwig Döderlein:
erinnert. Eine echte Laganum ist endlich L. fiidsiyama
mit kegelförmigem Rosettentheil.
33. Laganum fudsiyama ii. sp.
Die Schale ist fast kreisrmid mit kaum vortretenden
Ecken. Der Rand ist dünn und erhebt sich unbedeutend
bis zur Rosette; der Rosettentheil aber steigt plötzlich
stark kegelförmig empor. Die Unterseite ist wenig concav,
die Ambulacralfurchen sind deutlich fast bis zum Rand.
Die Primärwarzen sind auf der Oberseite ziemlich gross,
die der Unterseite auffallend viel grösser und weiter von
einander entfernt. Die Genitalöffhung und das Apicalsystem
schliessen sich L. depressum an.
Die Ambulacralblätter sind w^enig länger als die Hälfte
des Radius; sie sind schmal, an der Spitze weit offen, die
Porenzone ist auffallend schmal.
Der After ist rund und vom Rande mitunter etwas
weiter entfernt als sein Durchmesser beträgt.
Im Innern zeigen sich zwei bis drei concentrische
Wände, die auf das äussere Drittel des Radius beschränkt
sind. Die Stacheln, besonders der Unterseite, sind den
Warzen entsprechend ziemlich lang.
Die Farbe der Spiritusexemplare ist graugelb. Die
vorliegenden Exemplare (das grösste hat einen Durchmesser
von 42 ™") stammen von der Sagamibai aus einer Tiefe
von 120 bis 200 Faden.
Von den bekannten Arten (hauptsächlich L. depressum)
unterscheidet sich diese Form leicht durch die kurzen
schmalen Rosettenblätter mit sehr schmaler Porenzone, durch
die grossen Warzen und Stacheln und diux'h die auffallende
Kegelform.
34. FeroneUa (Laganum) peUiiciäa n. sp.
Diese Form bildet nach der inneren Struktur einen
Uebergang zwischen Laganum und Peronella. Jüngere
Exemplare (bis 22 ™™ Durchmesser) müssen als Laganum
angesehen werden, bei denen aber die Yerbindungswände
Seeigel von Japan und den Liu-Iiiu- Inseln. 105
die ganze äussere Hälfte eines Radius einnehmen. Es treten
bei ihnen 3 — 4 weit von einander entfernte concentrische
und einfache AVände auf, die durch Kadiärwände mit ein-
ander verbunden sind. Bei einem 32 ™™ im Durchmesser
haltenden Exemplar sind die concentrischen Wände auf
5 — 6 vermehrt und mit zahlreichen nach dem Centrum
gerichteten kurzen Fortsätzen versehen, während die Radiär-
wände sich etwas verzweigen; das sind Charaktere von Pe-
ronella.
Charakteristisch für die Art sind die äusserst kurzen
Ambulacralblätter, die kaum länger sind als der dritte Theil
eines Radius, die Lage des Afters ziemlich genau in der
Mitte zwischen dem Rand der Schale und der Buccal-
öffnung und ferner die aufiallende Durchsichtigkeit der
weisslichen Schale, welche die inneren Organe ziemlich gut
durchscheinen lässt.
Das grösste Exemplar ist deutlich 10 eckig, die kleinsten
sind fast kreisrund. Der Rand ist bei den grössten
Exemplaren sehr dünn, die Schale steigt dann sehr wenig
bis zur Rosette, von da stärker bis zum Scheitel; je jünger
die Exemplare sind, um so stärker ist der Rand geschwollen.
Die Unterseite ist wenig concav.
Die Ambulacralblätter sind schmal, lanzettlich und
nicht geschlossen, die Ambulacralfurchen sind sehr schwach.
Die Oberseite zeigt feine Hauptwarzen, die der Unter-
seite sind grösser und etwas zerstreut.
Die grösseren Exemplare zeigen 4 Genitalöffnungen,
Die Exemplare stammen aus der Sagamibai aus
ca. 100 Faden Tiefe.
35. PeronelJa (Laganum) decagonalis Less.
Diese Art findet sich ziemlich häufig auf etwas
schlammigem Boden in geringerer Tiefe in der Tokio-Bai,
der Sagamibai und der Bai von Kagoshima.
Die Verbindungswände der oberen und unteren
Schalenwand reichen bei keinem der untersuchten Exem-
plare weiter als bis zur Spitze der Ambulacralblätter,
106 Dr. Ludwig Döderlein:
bleiben also stets auf die äussere Hälfte eines Radius be-
schränkt, während sie bei typischen Exemplaren von P. de-
cagonalis viel weiter gegen das Centrum reichen *). Der
Rand ist bei den jüngsten Exemplaren (bis zu einer Grösse
von 27 ™™) auffallend geschwollen und trägt grössere
Tuberkeln als die übrige Schale, Charaktere, die bei älteren
Exemplaren verschwinden. Diese jungen Exemplare sind
von P. orbicularis kaum zu unterscheiden.
Der After ist in den meisten Fällen kreisrund, seine
Entfernung vom Rande ist ein- bis höchstens zweimal so
gross als sein Durchmesser. Der innere Afterrand ist vom
Mundrand 2V2 bis SV^ mal so weit entfernt als vom
Schalenrand. Das kleinste Exemplar, das Genitalöffnungen
zeigte, misst 30™™; aber selbst bei Exemplaren von 35™™
können solche noch undeutlich sein.
Die Farbe ist gelblich bis röthlichbraun. Die grössten
mir vorliegenden Exemplare messen 90 ™™.
35 a. Peronella (Laganum) i'uh^'a n. sp. ?
Ein fast kreisrundes Exemplar von 30 ™™ Durchmesser,
das aus dem inneren Meere bei Tagawa in einer Tiefe
von ca. 25 Faden gefischt wurde, unterscheidet sich von
P. decagonalis wesentlich dadurch, dass der innere After-
rand genau in der Mitte zwischen Centrum und Peripherie
der Schale liegt. Auch steigt die Schale ganz gleichförmig
vom Rand bis zum Scheitel, während die Porenzonen der
Ambulacralblätter nicht gebogen sind wie bei P. decagonalis,
sondern bis zur Spitze gerade verlaufen.
Die Farbe ist ein schönes dunkelroth.
Das Exemplar, das schon 4 deutliche Genitalöffnungen
zeigt, dürfte vielleicht eine besondere Art darstellen; die
innere Struktur ist die nämliche wie bei P. decagonalis.
Scutellidae.
36. Echinarachnius miraMis Barn.
Diese Art ist in der Tokiobai sehr häufig; nach dem
Tode sondert sie einen dunkelvioletten Saft aus.
') Vergl. Bell: Ann. Mag. Nat. Hist. 1883. Vol. XI. pag. 135.
Seeigel von Japan und den Liu - Kiu - Inseln. 107
37. Astridypeus manni Verr.
Aus der Bai von Kagoshima, in Enoshima und an
der Küste von Tango erhielt ich einzelne Exemplare durch
Fischer, die sie in massiger Tiefe mit dem Grundnetz ge-
fangen hatten.
Pourtalesiidae.
38. Pourtalesia lagimcula A. Ag.
Mittelst des Hanfquastenapparates erhielt ich mehrmals
diese merkw^ürdige Art aus einer Tiefe von 100 — 200
Faden in der Sagamibai.
Lebend ist dieser Seeigel schön rosenroth, das
schnabelförmige Hinterende dunkelroth.
Spatangidae.
Spatanginae.
39. Maretia planulata Lam.
Einer der häufigsten Seeigel in der Bai von Kagoshima
in ca. 10 Faden Tiefe.
40. Lovenia elongata Gray.
Wenige Exemplare erhielt ich in der Bai von Kagoshima,
andere in der Tokiobai in ca. 10 Faden Tiefe auf Sandboden.
41. Echinocardium australe Gray.
In der Sagamibai, Tokiobai und im inneren Meere
bei Tagavi^a erhielt ich öfter todte Schalen von dieser Art
in massiger Tiefe.
Leskiinae.
42. Palaeosioma mirabile Loven.
Ein kleines Exemplar von 16"^°" Länge fischte ich
lebend bei Sanekuho auf Amami-Oshima in einer Tiefe von
etwa 12 Faden; leider ist gerade die Mundpartie zer-
brochen. After ist conisch von 7 Platten umstellt.
Die Schale stellt eine ganz regelmässige, nur etwas
in die Länge gezogene Kugel dar, ohne Ecken, und ist
überaus dünn und zerbrechlich. Die vorderen seitlichen
Ambulacralblätter sind fast doppelt so lang als die hinteren.
Das unpaare Ambulacrum ist sehr wenig vertieft, ausser-
108 Dr. Ludwig Döderlein:
lialb der Fasciole zeigt sich keine Spur mehr von einer
Kinne.
Die Schale ist weiss, die Fasciolen gelblich (in Spiritus).
Brissinae.
43. Brissopsis hizonica Gray.
Ein Exemplar von 37°^™ Länge erhielt ich aus der
Bai von Sagami in ca. 100 Faden Tiefe.
44. Brissus Agassizii n. sp.
Der Hinterrand der Schale fällt gerade ab und ist
von oben betrachtet leicht eingebuchtet. Der Wirbel der
Schale liegt unmittelbar hinter dem Apicalfelde, das selbst
in einer Vertiefung liegt.
Der auffallendste Charakter besteht in der bedeutenden
Länge der hinteren seitlichen Ambulacren, die viel (über
ein Drittel) länger sind als das vordere Paar. Dieselben
kommen dem Hinterrande der Schale auch viel näher als
bei den anderen Arten der Gattung, indem ihre Entfernung
von demselben weniger beträgt als die Hälfte ihrer Länge.
Das letzte Drittel der paarigen Ambulacren ist leicht nach
aussen resp. nach vorn gebogen.
Die peripetale Fasciole ist sehr stark winklig und be-
gleitet den Rand der Ambulacralblätter auf etwa zwei
Drittel ihrer Länge, nur den Vorderrand der vorderen
Ambulacren zur Hälfte.
Beim Durchkreuzen der vorderen paarigen Interam-
bulacralräume macht die peripetale Fasciole auf der rechten
Seite zwei, auf der linken nur einen einspringenden Winkel
bei den beiden mir vorliegenden Exemplaren.
Die subanale Area ist so breit oder schmäler als das
Aktinalfeld, umgeben von einer schmalen aber sehr scharfen
Fasciole, die sich etwa bis zur Höhe des Analfeldes erhebt,
unter demselben aber sehr tief eingebuchtet ist.
Die Oberseite der Schale ist mit gleichmässig kleinen
Tuberkeln besät, bis auf das vordere Drittel, wo dieselben
viel gröber sind, fast so gross wie im vorderen Drittel der
Unterseite.
Seeigel von Japan und den Liu - Kiu - Inseln. 109
Ich erhielt zwei Exemplare von 98 ™™ und von 72 ™™
Länge durch Fischer in Enosbima, das eine war noch mit
dunkelbraunen Stacheln bedeckt.
45. MetaJia inacidosa Leske.
Eine todte zerbrochene Schale aus der seichten Bucht
von Mijazu an der Küste von Tango möchte ich dieser
Art zuzählen, wenn auch einige Differenzen mit typischen
Exemplaren nicht zu verkennen sind. So liegt das unpaare
Ambulacrum am Vorderrand in einer wohl ausgesprochenen
Einne, die sich allerdings nicht auf die Apicalseite fortsetzt.
Ausserdem zeigt das Exemplar die sonst für diese Art so
charakteristischen nackten Suturlinien nicht.
46. MetaJia siernalis Lam.
Eine zerbrochene Schale von gleichem Fundort wie die
vorige Art gehört ohne Zweifel zu dieser Art.
47. Schizaster japonicus A. Ag.
An der Küste von Tango wie im inneren Meere beiTagawa
erhielt ich öfters in massiger Tiefe todte Schalen dieser Art.
Die Echinoiden -Fauna von Japan gewährt nunmehr
nach Hinzufügung von nicht weniger als 30 Arten, die hier
zum ersten Male aus den japanischen Gewässern erwähnt
wurden, zu den 36 vorher von da bekannten Arten eni
wesentlich anderes Bild als bisher.
Die Familie der Cidaridae schien bei Japan fast gänzlich zu
fehlen — nur Dorocidaris papillata(?)war von dort erwähnt. *)
Diese Familie ist nun aber unerwartet reich an den
japanischen Küsten vertreten. Die Liu-Kiu-Inseln lieferten
nur zwei Arten (Cidaris metularia und Phyllacanthus verti-
cillatus), die beide eine weite Verbreitung haben im tropischen
Theile des Indopacifischen Gebietes. Von Japan im engeren
Sinne aber stammen nicht weniger als sechs eigenthümliche,
zum Theil sehr bemerkenswerthe Arten, den Untergattungen
Dorocidaris, Stephanocidaris, Discocidaris und Goniocidaris (?)
angehörend, die sich alle in grösseren Tiefen der Sagami-Bai
fanden, zum Theil auch an der Nordwestküste der Hauptinsel.
1) s. Rein, Japan; vielleicht Dorocidaris japonica?
110 Dr. Ludwig Döderlein:
Von Salenidae, die bisher gar nicht aus Japan bekannt
waren, fand sich eine der pacifischen S. hastigera sehr
nahe stehende Art.
Arbaciidae sind durch Coelopleurus maillardi*) vertreten,
der von der Vega-Expedition in der Tokiobai gefunden wurde.
Diadematidae sind der eigentlich japanischen Fauna
fremd; bei den Liu-Kiu-Inseln findet sich Diadema setosura.
Von Echinothuridae wurden durch die Challenger-Expe-
dition drei Arten von Phormosoma aus grosser Tiefe erhalten.
Die Echinometridae bilden in den Gattungen Stron-
gylocentrotus (4 Arten) und Sphaerechinus (pulcherrimus) einen
sehr charakteristischen Bestandtheil der japanischen Fauna.
Beide Gattungen sind allgemein verbreitet an den Küsten des
eigentlichen Japan. Die tropischen Gattungen Echinometra
und Heterocentrotus fanden sich nur bei den Liu-Kiu-Inseln.
Von Temnopleuridae sind die Gattungen Temnopleurus
und Pleurechinus eminent charakteristisch für Japan. Erstere
findet sich in 3 Arten (toreumaticus, hardwickii und reynaudi)
fast allgemein verbreitet. Microcyphus und Salmacis kommen
in je einer Art bei Kagoshima vor, Salmacopsis in der
Sagamibai, die tropische Mespilia findet sich nur an den
Korallenbänken der Liu-Kiu-Inseln. Amblypneustes *) (vegae
n. sp. Loven) ist von der Vega-Expedition entdeckt worden
bei Hiro-Sami.
Triplechinidae treten gegen die vorige Gruppe sehr
zurück. Echinus ist in zwei Arten aus grösseren Tiefen
der Sagamibai repräsentirt. Toxopneustes scheint in zwei
Arten nur local vorzukommen, Hipponoe findet sich nur
bei den Liu-Kiu-Inseln.
Zwei höchst merkwürdige Gattungen ferner, die neuer-
dings zu dieser Familie bezogen werden, Phymosoma und
Hemipedina, gehören zur japanischen Fauna. Die erstere
ist bisher nur aus dem Norden, aus Hakodate, bekannt,
die andere (Hemipedina mirabilis) wurde von mir entdeckt
in den Tiefen der Sagamibai und bildet mit ihrem west-
") Nach gütiger Mittheilimg von Herrn Sven Loven.
Seeigel von Japan und den Liu - Kiu - Inseln. 111
indischen Gattungsgenossen (H. cubensis) die einzigen
lebenden Vertreter eines uralten, einst artenreichen Ge-
schlechts, das bis in den Jura hinabreicht.
Von den Euclypeastridae ist Fibularia mit Sicherheit
nur von den Liu-Kiu-Inseln nachzuweisen, scheint aber
auch bei Kao^oshima vorzukommen.
Die Gattung Clypeaster ist durch mehrere Arten wohl
vertreten, von denen eine(C.virescens) in nicht unbedeutende
Tiefe hinabgeht.
Auch Laganum (incl. Peronella) kommt in mehreren
Arten vor, von denen einige in der Sagamibai zu den Be-
wohnern grösserer Tiefen gehören.
Von Scutellidae sind Echinarachnius (mirabilis) und
Astriclypeus (manni) die einzigen Vertreter der Familie im
eigentlichen Japan, beide aber höchst charakteristisch für dies
Gebiet. Echinodiscus ist nur von den Liu-Kiu-Inseln bekannt.
Cassidulidae sind aus den j apanischen Meeren nicht bekannt.
Pourtalesiidae sind durch Pourtalesia (laguncula) ver-
treten, die in der Tiefe der Sagamibai nicht sehr selten ist.
Spatangidae. Limnopneustes wurde von der Challenger-
Expedition in der Sagamibai nachgewiesen. Von Spatan-
ginae ist Spatangus in einer eigenthümlichen Art aus dem
Norden (Hakodate) bekannt; Maretia und Lovenia finden
sich in je zwei Arten im Süden (Kagoshimabai), L. elongata
auch in der Tokiobai, Echinocardium (australe) endlich hat
eine weite Verbreitung an den japanischen Küsten.
Die merkwürdige Palaeostoma mirabile fand ich bei
den Liu-Kiu-Inseln.
Von Brissinae endlich fand sich nur in grösseren
Tiefen der Sagamibai Hemiaster, Brissopsis und wenigstens
eine Art von Schizaster, während eine andere S. japonicus
als litorale Form eine weite Verbreitung bei Japan hat.
Brissus und Metalia endlich scheinen nur lokal vorzu-
kommen, von Brissus eine eigenthümliche Art in der
Sagamibai, von Metalia zwei Arten (die weit verbreitete
M. Sternalis und maculosa) im japanischen Meere an der
Nordwestküste der Hauptinsel.
112 Dr. Ludwig Döderlein: Seeigel von Japan.
Zum Schlüsse mögen noch einige Worte über den
Gesammtcharakter der japanischen Echinoideenfauna ihren
Platz finden. Fässt man den Begrifi* „Japanische Fauna"
wie bisher im weitesten Sinne „einschliesslich der Liu-Kiu-
Inseln", so erhält man darin eine aufi'allend grosse Anzahl
von tropischen Formen, die der japanischen Fauna einen
sehr viel mehr tropischen Charakter geben als er ihr in
WirkUchkeit zukommt.
Die Fauna der Liu-Kiu- Inseln kann aber nach allem,
was bisher davon bekannt ist, sehr scharf von der des
eigentlichen Japan, — die Inseln Yezo, Honto (Haupt-
insel), Shikoku und Kiushiu umfassend — getrennt werden.
Unter dreizehn Arten von Seeigeln, die ich von den Liu-
Kiu-Inseln kenne, kann nur eine einzige genannt werden
(Strongylocentrotus intermedius), die auch bei Japan vor-
kommt. Die andern aber sind sämmtlich wohlbekannte Formen
des tropischen Distriktes des Indo-pacifischen Faunen-
gebietes und über die Hälfte sind eminent charakteristisch für
denselben. Solche Gattungen wie Cidaris, Phyllacanthus,
Diadema, Heterocentrotus, Echinometra, Mespilia, Hipponoe
sind in der Gesellschaft von rifi'bildenden Korallen bei den
Liu-Kiu-Inseln zu finden, fehlen aber wie diese gänzlich
an den japanischen Küsten.
Die Liu-Kiu-Inseln können so wenig wie die Bonin-
Inseln getrennt werden von dem tropischen Distrikte des
Indopacifischen Gebietes, während der japanische Distrikt
(vielleicht mit Nord-China zusammen) eine besondere wohl
ausgeprägte Unterabtheilung des Indo-pacifischen Gebietes
darstellt, avisgezeichnet durch zahlreiche eigenthümliche
Arten, mehrere eigenthümliche Gattungen mit einer ge-
ringen Beimischung von tropischen Formen.
Aus dem japanischen Distrikt sind mir zur Zeit 56 Arten
von Echinoidea bekannt, von denen 24 Arten eigenthümlich
sind.
•>
Beiträge zur Kenntniss des Rhynchotenrüssels
Hermann Wedde,
stud. rer. nat.
in Leipzig,
Hierzu Tafel VI. und VII.
jjie Mundwerkzeuge der Insekten sind in den letzten
Jahren vielfach Gegenstand der Untersuchung und Be-
obachtung geworden. Durch die Arbeiten von Meinert,*)
Dimmock-) und Kraepelin^) über den Dipterenrüssel, ferner
durch Kirbach's'^) Abhandlung über die Mundwerkzeuge
der Schmetterlinge und endlich durch Geise's^) Dissertation
über die Mundtheile der Rhynchoten scheint freilich das
Untersuchungsgebiet erschöpft zu sein. Mit der vorliegen-
den Arbeit aber glaube ich doch einiges Neue und bisher
Uebersehene zu bringen, und damit die allgemeine Kenntniss
der Kerfmundorgane in einiger Beziehung zu fördern. —
Als Untersuchungsmaterial diente mir insbesondere
die Gruppe der Geocoren, doch habe ich daneben die
0 Meinert, Fluernes Munddele. Kjöbenhavn 1880.
■) Dimmock, The anatomy of the mouth-parts and the sucking appa-
ratus of some diptera. Boston 1881.
3) Kraepelin, Zur Anatomie und Physiologie des Rüssels von Musca.
Zeitschrift für wissenschaftl. Zool. Bd. 39. pag. 683 sequ.
•*) Kirbach, Ueber die Mundwerkzeuge der Schmetterlinge. 1883.
'') Geise, Die Mundtheile der Rh}'nchoten. Bonn 1883.
Arch. f. Naturgesch. LI. Jahrg. 1. Bd. 8
114 Hermann Wedde:
übrigen Klassen der Rhynchoten nicht ausser Acht ge-
lassen. —
Der fast konisch gestaltete, stark chitinisirte und meist
pigmentirte Kopf der Geocoren legt sich mit seiner breiten
Basis an den Thorax an, ohne sich durch eine Einschnü-
rung wesentlich von letzterem abzuheben. An seinem
vordem Theile, also der Spitze des Kegels entsprechend,
seitlich von der als clypeus bezeichneten median gelegenen
Chitinleiste trägt der Kopf die je nach den Arten ver-
schieden zahlreich gegliederten Fühler. Zwischen ihnen
setzt sich in der Mittellinie unmittelbar an den clypeus
der meist viergliedrige „Schnabel" an, und zwar so, dass
er sich im Zustande der Ruhe entweder einfach nach unten
krümmt, ohne den Thorax zu berühren. — z. B. Gattung
Reduvius, Hydrometra, Ranatra — oder fest an die ventrale
Körperwand sich anschmiegt, — Gattung Lygaeus u. A.
— oder endlich in einer Einbuchtung der äussern Chitin-
haut geborgen wird. Gattung Pentatoma etc.
Ueber die Länge des Schnabels lässt sich allgemein
Gültiges nicht angeben , sie ist eben ganz bedeutenden
Differenzen unterworfen. Während bei Sigara z. B. von
dem Schnabel kaum etwas zu gewahren ist, erreicht letzterer
bei vielen Aphiden und Cocciden eine ganz erhebliche
Länge, so dass er sogar im aktionslosen Zustande die
letzten Abdominalsegmente überragt.
Zwischen den beiden angegebenen Extremen sind fast
alle Zwischenstadien vertreten.
Der Schnabel selbst — von Linne mit rostrum, von
Kirby und Spence mit promuscis bezeichnet — ist durch-
aus nicht so einfach, wie er auf den ersten Blick erscheint,
er zeigt vielmehr einen ziemlich complicirten Bau.
Nach Savigny sind es die typischen Constituenten des
Kerfmundes, welche den Rhynchotenrüssel bilden, nämlich :
labrum, mandibulae, maxillae und labium.
Dem letztern, der Unterlippe, um mit ihrer Beschrei-
bung zu beginnen, entspricht nach Savigny das grosse,
besonders in die Augen fallende Gebilde, das an dem Auf-
Beiträge zur Kenntniss des Rhynchotenrtissels. 115
bau des Schnabels den Hauptantheil hat. Diese Ansicht
hat lange Zeit unangefochten bestanden, und sie wurde
besonders durch Kirby und Spence, Newport, Latreille
u. A. vertreten. Es musste aber doch auflPallen, dass die
Unterlippe ihrer charakterischen und sonst vorhandenen
Palpen verlustig gegangen war, und so Hessen denn andere
Autoren, wie Burmeister, Ratzeburg, sich das labium mit
seinen Palpen zugleich an der Zusammensetzung des
Schnabels betheiligen.
In neuester Zeit hat Geise sich dahin ausgesprochen,
dass das labium allein eine Componente des Rüssels ist,
seine Taster aber, ohne ein Rudiment hinterlassen zu haben,
zu Grunde gegangen sind.
Ihm entgegen deutet Kraepelin das streitige Gebilde
in der Art, dass sein erstes, basales Glied dem submentum
und mentum, und die folgenden den mit einander zu einer
Rinne verwachsenen Palpen entsprechend. Zwischen beiden
vermittelnd möchte ich mich der folgenden Erklärung an-
schliessen. Sehen wir die Unterlippe und ihre Anhangs-
gebilde als ein Extremitätenpaar eines der verwachsenen
Kopfsegmente an, so lässt sich doch das labium, analog
den Maxillen und Mandibeln, als aus cardo, stipes und
palpi bestehend, deuten. Alle diese Theile sind nun zu
einem langgestreckten, unpaaren Organe verwachsen,
welches schlechthin Unterlippe genannt wird. Dass eine
Verwachsung wirklich erfolgt ist, glaube ich damit be-
gründen zu können, dass einmal der Schnabel vieler Hemip-
teren an seinem letzten Gliede eine mehr oder minder weit-
gehende Spaltung zeigt, die wohl auf eine in der Längs-
richtung erfolgte Verwachsung seitlich gelegener Hälften
schliessen lässt. Ausserdem macht sich auf der ventralen
Seite des Schnabels eine geringe Längsfurche, oder wie
ich sie lieber nennen möchte, eine Naht bemerkbar, die
auf eine Vereinigung früher getrennter Theile hindeutet.
(Pentatoma rufipes). Bei manchen Cicaden (z. B. Cercopis
sanguinolenta Fig. 10) ist das letzte Lippenglied durch
eine im Innern gelegene, chitinige Längslamelle in zwei,
116 Hermann Wedde:
natürlich noch zusammenhängende Hälften getheilt: wieder
ein Moment, das für eine Verschmelzung von mehreren
Stücken zu einem Ganzen spricht.
Weiter ist das erste der vier Glieder des bisher meist
als tasterlose Unterlippe angesehenen Organes von den
übrigen seiner Gestaltung nach völlig different. Während
die drei letzten, in ihrer Form so gut wie gar nicht von
einander abweichend, im Grossen und Ganzen langgestreckt
und walzenförmig sind, ist das basale Glied kurz und seit-
lich verschmälert, und es betheiligt sich, wie wir weiter
unten sehen werden, nicht direkt an der Umhüllung der
„Stechborste". Diese Thatsache mag wohl der Grund sein,
weshalb das Basalglied von manchen Forschern als eigent-
liches labium in Anspruch genommen wird. —
Kehren wir nach dieser Abschweifung zur weiteren
Beschreibung des labium zurück.
Das Basalglied der Unterlippe ist, wie schon oben
angedeutet, durch Kürze und Form von den folgenden
verschieden, an seiner Vereinigungsstelle mit dem Kopfe
zeigt es sich seitlich ein wenig comprimirt und auf der
Oberseite mit einer Vertiefung ausgestattet, deren Bedeu-
tung uns später klar werden wird. Die seitliche Compres-
sion nimmt von der Basis nach der Spitze zu allmählich ab,
sodass ein Querschnitt durch das labium an der Insertions-
stelle des zweiten Gliedes fast kreisrund erscheint. Anders
die oberseitig gelegene Vertiefung, diese wird in derselben
Richtung tiefer und enger, bleibt aber immer offen. Auf
diese Weise bekommt ihre obere Begrenzung das Aussehen
eines langgestreckten, gleichseitigen Dreiecks, dessen Grund-
linie nach dem Kopfe hin gewendet ist.
An den Basaltheil des labium reihen sich meist noch
drei mit einander verschmolzene Glieder an. In ihrer Form
lassen sie wenig Verschiedenheiten erkennen, Schwankungen
in ihrer Länge und Färbung sind fast die einzigen unter-
scheidenden Merkmale. Etwas differenzirt ist das äusserste
Endglied. Im Allgemeinen wenig von dem cylindrischen
Bau abweichend, trägt es" an seiner Spitze die characteristische.
Beiträge zur Kenntniss des Rhynchotenrüssels. 117
verticale Spaltung, durch welche das Schnabelende in zwei
seitlich gelegene Hälften getheilt wird. Diese Theile func-
tioniren, wie wir schon aus ihrer Lage vermuthen können,
als Tastorgane und sind zu diesem Zweck dicht und reich-
lich mit Chitinstäbchen und Haaren besetzt, die von innen
her mit Aesten zweier von untern Sclilundganglion aus-
gehender Nerven versorgt werden. Ausser den Taststäbchen
trägt das Rüsselende an der äussersten Spitze ein schirm-
artiges Organ, das mit der inneren Chitinauskleidung der
Rinne unmittelbar verwachsen ist. Es besteht aus sehr
zartem, glashellem Chitin, seine Form entspricht der Hälfte
eines von der Spitze bis zur Basis geschnittenen Kegels.
Die Spitze dieses Chitinmantels geht in die innere Mem-
brane der Rüsselrinne über und die weite Oeffnung des
Mantels ist nach aussen gekehrt und am Rande mit feinen
Haaren besetzt. Das Organ ist für seine Träger bei der
Nahrungsaufnahme von grosser Wichtigkeit. Ist die Stech-
borste in die Wunde eingeführt und soll das Saugen be-
ginnen, so wird offenbar jenes mant eiförmige Gebilde fest
und dicht auf das den Wundrand umgebende Gewebe ge-
drückt und ein Ausfliessen der Nahrungsflüssigkeit ver-
mindert, wenn nicht gar gänzlich verhütet. Der in Rede
stehende Apparat erinnert lebhaft an die Labellen der
Museiden.
Ueber den Bau der übrigen Glieder ist nicht viel zu
bemerken, sie sind cylindrisch gestaltet und bilden eine
nach oben offene Rinne, die in unmittelbarem Zusammen-
hange mit der Vertiefung des basalen Theiles der L^nter-
lippe steht.
Um nun aus dieser „Rinne" eine vollständige „Scheide"
zu machen, bedarf es noch eines Gebildes, das die Oeff-
nung des labium von oben her bedeckt. Ein solches Ge-
bilde ist in der That in dem labium (Fig. 1) — der Ober-
lippe — gegeben. Als ein unpaares Organ und als directer
•Fortsatz des clypeus legt es sich auf die Unterlippe und
verschliesst so deren Rinne vollständig. Ganz der Form,
der Labialrinne entsprechend, ist das labrum von lang-
118 Hermann Wedde:
gestreckter, lanzettförmiger Gestalt und an seiner Spitze
mit parallel verlaufenden Quereinschnitten versehen. Seine
seitlichen Känder biegen sich in ihrer ganzen Länge nach
unten um, sodass das labrum auf diese Weise ebenfalls
eine, aber mit ventral gelegener Spaltung ausgestattete
Rinne construirt.
Diese aus Oberlippe und Unterlippe nebst ihren An-
hängen aufgebaute Scheide ist auf der Innenseite mit einer
als Fortsetzung der äussern Körperhaut anzusehenden,
glatten Chitinmembrane ausgekleidet und dient ausschliess-
lich als Schutz- und Stützorgan der „Stechborste". —
Mit der Zusammensetzung der „Stechborste" (scal-
pellum, seta) sind nun die noch fehlenden Constituenten
des Rhynchotenrüssels, nämlich die Maxillen und Mandibeln
betraut. Bei der blossen Betrachtung eines Schnabelkerf-
kopfes werden wir kaum etwas von den in Rede stehenden
Organen wahrnehmen können. Heben wir aber, was bei
einiger Vorsicht leicht gelingt, die OberlijDpe in die Höhe,
so folgt ihr eine scheinbar einheitliche, solide Borste oder
Gräte. Bei einem geringen Druck auf die Borste weicht
sie in drei Stücke, zwei zartere, helle und ein derberes,
dunkelbraun gefärbtes, auseinander, ein Umstand, der zur
Annahme Veranlassung gegeben hat, als bestände die Borste
in der That nur aus drei Theilen. Doch es beruht diese
Ansicht auf einem leicht erklärlichen Irrthum. Der etwas
compactere dunkelbraun gefärbte Theil der Stechborste be-
steht wiederum aus zwei Hälften, die in Folge sehr com-
plicirter Verfalzung, wie sie Geise an den Hydrocoren
genau untersucht und beschrieben hat, nur schwer von
einander zu trennen sind. Es besteht also die Borste aus
vier Stücken, und zwar entsprechen die beiden fest in ein-
ander verfalzten und central gelegenen den Maxillen, wäh-
rend die beiden anderen lateralen und hell pigmentirten
den Mandibeln identisch sind. Fig. 5 bis 8.
Bei allen von mir untersuchten Species von Geocoren,
Cicadarien, Aphiden und Cocciden zeigen die Maxillen,
sowohl wie die Mandibeln einen merkwürdig übereinstim-
Beiträge zur Kenntniss des Rhynchotenrüssels. 119
menden Bau. Die Maxillen, von ihrer breiten Basis an
bis zur Spitze hohl, laufen von ihrer Ursprungsstelle an
der Unterseite der Innern Chitinwand des Kopfes nach
der Schnabelwurzel convergirend (Fig. 17) auf einander
zu und legen sich vermöge der schon erwähnten Verfalzung
zu einem Doppelrohr zusammen, indem beide auf der ein-
ander zugekehrten Seite eine zweifache Einbuchtung er-
leiden und uns im Querschnitt kurz vor ihrer Vereinigungs-
stelle, die linke das Bild eines griechischen Epsilon, die
rechte das einer arabischen Drei gewähren. Von den
beiden durch die Maxillen gebildeten und bis zur Spitze
völlig isolirten Röhren dient die obere ausschliesslich zur
Nahrungsaufnahme, und die untere als Ausführungsgang
der Speicheldrüsen. Fig. 5 bis 8. An ihrem äusser-
sten Ende sind die Unterkiefer mit stumpfen Zähnchen
spärlich besetzt, sie erhalten dadurch ganz das Aussehen
einer Säge.
Taster fehlen den Maxillen vollständig. In dieser
Thatsache kann ich durchaus nichts befremdendes finden;
es ist doch sehr gut denkbar, dass ein rings eingeschlossenes
und umhüUtes Gebilde, wie in unserem Falle die Maxillen,
Anhänge, die funktionslos geworden sind, verloren hat.
Wenig Verschiedenheiten haben die Mandibeln in
ihrem Bau aufzuweisen. Ebenfalls mit verbreiteter Basis
und gleichfalls ihrer ganzen Länge nach hohl, legen sie
sich in der Nähe der Augen der Innern Kopfwand an und
treffen, von hier ab auf einander zulaufend, an der Wurzel
des Rüssels, und zwar an der Stelle, wo die Verfalzung
der Maxillen beginnt, mit diesen zusammen. Fig. 17.
Anfangs liegen sie über den Maxillen, sobald diese aber
sich zu dem bekannten zweifachen Rohre an einander ge-
schmiegt haben, sind sie bis an die Borstens^^itze seitwärts
von den Unterkiefern gelagert. Auch die Mandibeln tragen
an ihrem Ende nach rückwärts gerichtete, scharfe Zähnchen
und Häkchen, aber in grösserer Anzahl, als die Maxillen.
Diese Einrichtung befähigt sie offenbar, sich in der ge-
stochenen Wunde festzuheften.
120 Hermann Wedde:
Leicht zu erkennen und von den Maxillen zu unter-
scheiden sind die Mandibeln durch eine hellere Nüancirung
des braunen Chitins.
Eine Führung der Oberkiefer mit der Oberlippe ist
bei den Geocoren nicht vorhanden. Geise hat eine solche
bei den Hydrocoren aufgefunden und beschrieben, und
kann ich ihr Vorhandensein, trotz Kraepelin's gegentheiliger
Behauptung nur bestätigen. Fig. 8. —
An der Wurzel des Schnabels erleidet die Stechborste
bei ihrem Uebergang in die Rüsselrinne eine bedeutende
Biegung. An dieser Stelle liegt auf jeder Seite der Borste
ein festes, meist dunkelbraun bis schwarz gefärbtes Chitin-
stück, das mit der starren Kopfhaut verwachsen ist. In
dem stets constanten Zwischenräume zwischen beiden Chitin-
theilen bewegt sich die Borste, und es haben jene Chitin-
stücke offenbar den Zweck, den verfalzten Maxillen und
Mandibeln zur Führung zu dienen und ein Auseinander-
weichen derselben bei dem energischen Gebrauche zu ver-
hüten. Diese Einrichtung hat Paul Mayer auch gesehen,
aber ihre Construction nicht richtig erkannt.
„Ich finde bei Pyrrhocoris, schreibt er, dass ein von
der Basis der Oberlippe nach unten (nach der ventralen
Seite zu) oder innen gerichtete Fortsatz die Borsten an
ihrer Umbiegungsstelle völlig umschliessen , so dass sie
förmlich in einem kurzen Rohre verlaufen."
Da Mayer wahrscheinlich nur Quetschpräparate an-
gefertigt hat, ist der Irrthum leicht erklärlich, weil die
kräftigen Chitinlager selbst bei ziemlich starkem Druck
nicht auseinander weichen und ein röhrenartiges Aussehen
behalten. Fig. 17.
Dass die das Saugrohr bildenden Organe wirklich die
Maxillen sind, vermag ich nur damit zu begründen, dass
sie, wie jeder Querschnitt durch den Kopf zeigt, stets die
tiefer gelegenen sind, und dass ferner ihre ürsprungsstellen
ebenfalls tiefer liegen, als die der Mandibeln. Wenn nun
die Constituenten des Nahrungscanales wirklich den Maxillen
entsprechen, so können natürlich die beiden lateral ge-
Beiträge zur Kenntniss des Rhynchotenrüssels. 121
legenen Theile der Stechborste nur die Mandibeln sein.
Ich muss hiermit der Ansicht Kraepelin's widersprechen,
nach der die Oberkiefer sich zu dem Saugrohr verfalzen
und ihm die Maxillen seitlich angelagert sind.
„Zu dieser veränderten Deutung der beiden Kiefer-
paare bewegt mich einmal die Thatsache, dass bei Quer-
schnitten durch den Kopf die seitlichen Borsten schliesslich
die tiefer liegenden sind." So Kraepelin. Ich kann ihm
leider hierin nicht beistimmen, denn wie schon bemerkt,
habe ich auf keinem einzigen Kopfquerschnitt das Bild,
wie es Kraepelin zeichnet, zu bestätigen vermocht. —
Wir sind hiermit am Ende der Betrachtungen der
Mundtheile angelangt, und es ist jetzt wohl an der Zeit,
Einiges über die zu ihrer Bewegung dienende Muskulatur
anzuschliessen.
Die Bewegungen der Oberlippe sind mittelbar und
abhängig von der Unterlippe. Es fehlt ihr zur selbst-
ständigen Motion jede Muskulatur; wird aber auf irgend
einen Nervenreiz das labium gehoben oder gesenkt, so
muss sich das labrum an diesen Bewegungen betheiligen,
weil einmal seine Elasticität in der verticalen Richtung
wirkt und es fest auf die Unterlippe presst, und weil ferner
die Stechborste an ihrem der Wurzel am meisten ge-
näherten, kleinerem Theile von der Oberlippe, der bei
weitem grössere Rest hingegen von der Unterlippe und
ihren Tastern umschlossen wird. Werden nun letztere in
irgend einer Richtung bewegt, so macht zunächst die Borste
die Bewegung mit, und diese erst ist das Agens der Motion
für die Oberlippe.
Zur Hebung und Senkung der Unterlippe existiren
zwei Muskelgruppen, die an einer von der „ Wanzenspritze ^
nach den Maxillen fast horizontal verlaufenden Chitinleiste
hintereinander entspringen und ihren Verlauf in dem labium
bis zu dessen Ende nehmen. Hier erfolgt die Insertion
in der Art, dass der zur Hebung der Lippe dienenden
musc. levator labii sich auf der ventralen Seite fixirt, und
122 Hermann Wedde:
sein Antagonist, der musc. depressor labii ihn kreuzend
die dorsale innere Lippenwand als Anheftungsfläche be-
nutzt. Fig. 1. Durch diese Muskeln ist das labium be-
fähigt ausser der hauptsächlichen Bewegung von unten
nach oben auch noch, freilich sehr geringfügige Seitwärts-
bewegungen zu vollziehen.
In den Lippengliedern erstrecken sich von einem zum
andern Muskelzuge in der Längsaxe, die eine Bewegung in
horizontaler und verticaler Richtung ermöglichen. Ausser-
dem finden sich Muskeln vor, die von der Lmenseite der
Labialglieder nach der Chitinhaut der Eüsselrinne verlaufen.
Fig. 9 u. 11. Bei ihrer Contraction verengert sich höchst-
wahrscheinlich die Rinne. Nach meinem Dafürhalten ge-
schieht dies nur, wenn das Thier sein Nahrungsobject
angestochen hat, um die Fixirung der Borste in der Wunde
zu erleichtern. —
Die Motionen der beiden Kieferpaare sind nur theil-
w^eis selbstständig. Da sie, wie bekannt, rings von Ober-
und Unterlippe eingehüllt sind, so sind sie gezwungen,
alle Auf- und Abwärts- sowie Seitwärtsbiegungen mit aus-
zuführen. Zu ihrer wichtigsten Leistung, dem Vor- und
Rückwärtsgleiten oder mit andern Worten dem Stechen,
ist aber ein ausreichender Muskelapparat vorhanden, für
Maxillen und Mandibeln je zwei m. retractores und m. pro-
tractores. Von einer eingehenden Beschreibung dieser Mus-
keln und ihrer Fvmction glaube ich abstehen zu können,
da schon Burmeister an den Cicaden und nach ihm Geise
an den Hydrocoren genaue Mittheilungen darüber gemacht
haben.
Ehe ich zur weiteren Besprechung des Rhynchoten-
kopfes übergehe, möchte ich auf einige Unregelmässigkeiten
im Bau der Kiefer aufmerksam machen. Es weichen näm-
lich Yon der oben beschriebenen Form der beiden Kiefer-
paare einige der Geocoren fast wesentlich ab. Als erste
Ausnahme mag cimex lectularius angeführt werden.
„Die beiden Mandibeln und Maxillen sind von der
Basis der Unterlippe an eng an einander gelegt und bilden
Beiträge ziir Kenntniss des Rhynchotenrüssels. 123
eine Saugröhre, indem ein jeder dieser vier Theile zu ihrer
Bildung eine Viert eh^inne beiträgt." Mit diesen Worten
beschreibt Landois das Saugrohr von cimex lect. Die
gegebene Beschreibung ist grossentheils eine unrichtige,
denn einmal betheiligen sich die Mandibeln bei cimex,
wie bei den andern Hemiptern überhaupt nicht an der
Construction des Saugrohres, und ferner ist es nicht nur
ein „Enganeinander legen", sondern eine innige Verfalzung
der Maxillen zu „einem" Saugrohr. Fig. 7. Faktisch ist
nämlich nur eine Röhre vorhanden, deren Lumen im Ver-
gleich zu dem Umfang der Unterkiefer gross zu nennen
ist. Das zweite Rohr, der Speichel drüsenkanal , ist in
AVegfall gekommen, d. h. es hat sich mit dem Nahrungs-
kanal vereinigt. Eine Erklärung hierfür kann ich erst
weiter unten geben, weil ich sonst vorgreifend mancherlei
Apparate Erwähnung tlmn müsste, von denen erst später
die Rede sein kann.
Als ferneres Beispiel der Abweichung von dem allge-
meinen Habitus der Kieferpaare will ich die Familie der
Hydrometriden anführen und an einem Vertreter, hydrometra
lacustris die Abnormitäten der Kiefer beschreiben.
Die Maxillen sind von ihrer Spitze an aufwärts etwa
bis zu einem Drittel ihrer Länge durch Umbiegen ihrer
Ränder nach Innen zu einer eben nicht sehr tief ausgehöhlten
Rinne umgeformt. Den Rändern der Rinne sitzen dicht
gedrängt und in einer Reihe angeordnet ungefähr 0,001 ™™
von einander entfernt kleine, hell gefärbte Chitinstäbchen
auf Sie sind alle parallel nach der Spitze des Unter-
kiefers gerichtet und bilden auf diese Weise mit dem
Kieferrande einen spitzen Winkel. Ihre Länge entspricht
dem Durchmesser des Maxillarr obres. Fig. 15. Durch
sehr regelmässige und innige Verpflechtung der Chitin-
stäbchen beider Kiefer kommt es nun zur Bildung einer
Röhre, die oben und unten von den erwähnten rinnenarti-
gen Maxillen selbst und seitlich von den eng verflochtenen
Chitinstäbchen begrenzt wird. Auf diese Weise ist die
typische Verfalzung der Unterkiefer in Wegfall gekommen
124 Hermann Wedde:
und hat einer höchst sonderbaren Verflechtung derselben
Platz gemacht. ^
Auch bei hydrometra ist wie bei cimex nur ein einfaches
Maxillarrohr ausgebildet, das gleichzeitig als Nahrungskanal
und als Ausführungsgang der Speicheldrüsen fungirt.
Gestützt und geleitet werden in dem vorliegenden Falle
die Maxillen wie überall von den Mandibeln. Auf eine
genauere Beschreibung der letzteren kann ich verzichten,
da sie in ihrem Bau denen der andern Rhynchoten ganz
analog sind. Auf eine Eigenthümlichkeit aber will ich
doch hinweisen. Die Oberkiefer zeigen nämlich nahe ihrer
Ursprungsstelle vor der bekannten Vereinigung zur Stech-
borste eine höchst characteristische Knickung. Fig. 14.
Das deutlichste Bild von dieser Erscheinung bietet uns ein
Längsschnitt durch den Kopf der hydrometra. Wir sehen,
dass sich die breite Wurzel der Mandibeln auf einmal
verjüngt, dann plötzlich wieder keulenartig anschwillt und
schliesslich gleichmässig weiter verläuft. So entsteht eine
ringförmige Einschnürung und gerade in derselben ist die
Knickung der Oberkiefer vor sich gegangen.
Was diese Einrichtung bezweckt, kann ich nicht mit
Bestimmtheit angeben, wahrscheinlich ist mir, dass wir es
mit einem Gelenk zu thun haben, durch welches das Vor-
schnellen der Borste wesentlich erleichtert wird. —
Soviel im Allgemeinen über die Componenten des
Rhynchotenrüssels. Wenn ich mich bei der Beschreibung
derselben stellenweise etwas kurz gefasst habe, so möchte
ich solches damit entschuldigen, dass Manches von dem
Gesagten schon von frühern Untersuchern eingehender und
genauer beschrieben ist.
Gehen wir nun zu der Besprechung der mit der Saug-
vorrichtung in Zusammenhang stehenden Organe über und
') Ein Analagon für diese Art der Saugrohrbildung durch die
Maxillen bietet uns in noch viel grossartigerem Massstabe der Rollrüssel
der Lepidopteren, und kann ich hier nur auf die bezügliche Arbeit von
Kirbach vervseisen.
Beiträge zur Kenntniss des Rhynchotenrüssels. 125
betrachten wir zunächst den „Schlundkopf" und die
„Wanzenspritze".
Wir erinnern uns, wie von den Maxillen ein doppeltes
Rohr gebildet wird, dessen oberseitig gelegenes als
Nahrungskanal oder Saugrohr bezeichnet wird. Es ist
natürlich unbedingt nothwendig, dass eine luftdichte Ver-
einigung dieses Saugrohres mit dem als Schlundkopf oder
Pharynx bezeichneten Gliede bewerkstelligt wird. Dies
geschieht in der That. Der gleich näher zu beschreibende
Schlundkopf verengert sich ganz allmählich nach der Kopf-
spitze zu und bekommt die Gestalt einer langen, dünnen
Röhre. Fig. 17. An diese legen sich die Maxillen eng an,
um sie schliesslich nach der eingegangenen Verfalzung fest
und dicht zu umschliessen. Da der röhrige, vordere
Abschnitt des Schlundkopfes wie dieser selbst aus elasti-
schem Chitin besteht, so kann er an eventuellen Bie-
gungen und Bewegungen der Maxillen in Folge seiner
Elasticität ungehindert Theil nehmen. Der Pharynx selbst
ist ein stark chitinsirtes Rohr und durchzieht in mehrfachen
Krümmungen den Kopf bis an das obere und untere
Schlundganglion. Die erste Biegung beginnt da, wo sich
Maxillen und Mandibeln an den (beschriebenen) röhren-
artigen Abschnitt des Schlundkopfes anlegen, und hat ihre
Concavität nach unten, also ventral. Jetzt krümmt sich der
Phar)Tix nach oben bis an die Ganglien. Die auf diese
Weise zu Stande gekommene Biegung hat ihre Convexität
nach dem Bauche zu. Das Lumen des Schlundkopfes
nimmt vom vordem Abschnitt nach hinten zu und erreicht
bei der ersten Biegung sein Maximum, hierauf verjüngt es
sich ein wenig und bleibt bis an die Ganglien constant.
Diese angegebenen Verhältnisse treffen nur dann zu, wenn
sich der ganze Saugapparat im Stadium der Ruhe befindet.
Von alle den von Geise an den Hydrocoren aufge-
fundenen und beschriebenen Reib- und Quetschvorrich-
tungen im Schlundkopfe findet sich bei den Geocoren und
andern Rhynchoten, so weit sie von mir untersucht wurden,
nichts.
126 Hermann Wedde:
Gehalten und befestigt wird der Schlundkopf durch
Chitinlamellen, die sich an der Innenseite der obern Kopf-
wand inseriren. Fig. 2 bis 4. In gleichen Abständen von
der Mitte der Kopfwand senken sich fast lothrecht nach
unten zwei parallele Chitinwände herab, die sich etwa in
der Mitte des Kopfes vereinigen und im Querschnitt ein
U-fbrmiges Aussehen bekommen. Am untersten Theile
dieser so gebildeten tiefen und engen Rinne liegt der
Schlundkopf. An seiner Oberseite verläuft in der Längs-
richtung eine Chitinleiste, die den zur Erw^eiterung des
Pharynx nöthigen Muskeln zur Insertion dient. Weiter
nach dem Thorax zu laufen die Chitinlamellen oben und
unten allmählich spitz aus und werden auf diese Weise
durch einen mit der Convexität nach der Schnabelwurzel
hin gewendeten Bogen begrenzt.
Von jeder Seite des Kopfes, von der Augengegend
her entspringen ebenfalls Chitinleisten. Sie laufen in hori-
zontaler Richtung auf die von oben her eingesenkten
Lamellen zu, ohne sie zu erreichen. Ihre Spitzen berühren
jederseits noch ein drittes Chitinstück, das die Verbindung
zwischen ihnen und den beiden rinnenartig verschmolzen,
vertikalen Chitinlamellen herstellt. Diese dritte Platte ist
ihrer ganzen Länge nach spitzwinkelig eingeknickt und mit
der offenen Seite dem Schlundkopf zugewendet. Ihre
Winkelkante ragt ein wenig nach aussen hervor und an
ihren Seiten gleiten vor der Verschmelzung zur Stechborste,
oben die Mandibeln und unten die Maxillen.
Dies ganze Chitingerüst hat, wie wir gesehen haben,
einmal die Aufgabe den Schlundkopf zu fixiren ; dann dient
es der Pharynxmuskulatur zur Insertion und endlich fungirt
es theilweis in Folge seiner hohen Elasticität als Antagonist
der Muskeln.
Die für die Erweiterung des Schlundkopfes noth-
wendigen Muskeln sind in vier Gruppen hintereinander
angeordnet. Sie setzen sich an die erwähnte Längsleiste
auf der Oberseite des Schlundes an und verlaufen von hier
divergirend nach den beiden verticalen Chitinlamellen.
Beiträge zur Kenntniss des Rhynchotenrüssels. 127
Ihre Thätigkeit ist darauf beschränkt, beim Saugakte den
Schlundkopf zu erweitern, dabei erfolgt ihre Contraction
successiv, mit dem der Kopfspitze am nächsten liegenden
Muskel beginnend und von einem zum andern bis zum
vierten und letzten weiter fortschreitend. Fig. 1 bis 4. Die
Erschlaffung der Muskulatur geschieht in derselben Rich-
tung. Ausser diesen eigentlichen musc. dilatatores des
Pharynx existiren noch andere Muskelpartien, die indirect
an der Lumenvergrösserung des Schlundkopfes Theil haben.
Von den Verticallamellen verlaufen in schräger Richtung
nach der Mitte der horizontalen kräftige Muskelzüge, die
bei ihrer Contraction die letztere heben, damit den durch
Vermittelung des dritten Schaltstückes auf den Pharynx
ausgeübten Druck beseitigen und ein Auseinanderweichen
der Pharyngalwände zulassen.
Antagonisten für die Schlundmuskulatur sind nicht
vorhanden, es wirken als solche die höchst elastischen
Chitintheile des Pharynx selbst.
Unterhalb des weitesten Theiles des Schlundkopfes,
etw^a in der Mitte zwischen ihm und der ventralen Körper-
wand, liegt ein merkwürdiges, und für alle saugenden
Rhynchoten characteristisches Organ, nämlich die „Wanzen-
spritze". Fig. 1, 13 und 14. Aeltere Autoren, wie Savigny,
Latreille, Burmeister, Ratzeburg u. A. haben ihre Existenz
vollständig übersehen. Erst Landois hat ihrer, aber ohne
ihren Bau und ohne ihre Bedeutung und Function erkannt
zu haben, Erwähnung gethan. Nach ihm haben Mayer
und Geise an den Hemipteren und Mark an den Cocciden
ausführlich darüber berichtet.
Die Spritze ist ganz nach dem Prinzip einer Druck-
pumpe gebaut. Man kann, wenn man technische Ausdrücke
auf ein thierisches Organ übertragen w^ll, an ihr Ventile,
Pumpflasche und Kolben unterscheiden. Das Material der
Spritze ist Chitin, das hier, wie meistens, im hohen Masse
elastisch ist.
Die Pumpflasche ist bald konisch geformt (Hydro-
coren, hydrometra), bald ist sie, und das ist häufiger der
128 Hermann Wedde:
Fall, cylindrisch (Geocoren, Cicaden). Sie besteht voll-
ständig aus wenig oder gar nicht gefärbtem Chitin. An
dem Boden der Flasche stülpt sich die Chitinmembrane
nach Innen bis etwa zur Hälfte der Länge des Cylinders
um, ohne sich fest an die Aussenwand anzulegen, und
bildet auf diese Weise einen ringförmigen Hohlraum am
untern Ende der Flasche. Dadurch wird die ursprüng-
lich vorhandene weite Oefihung um ein bedeutendes ver-
engert und es bleibt nur ein kleiner Raum, in dem der
Stiel des Pumpkolbens auf und abgleiten kann. Die Dupli-
catur der Chitinhaut ist zweifelsohne der am meisten elasti-
sche Theil der Spritze, da sie dem mächtigen Pump-
muskel entgegen zu wirken hat (Fig. 13). Der Kolben
ist ebenfalls chitinisirt, aber tief braun gefärbt und faserig
d. h. es verlaufen von dem Ansatzpunkte des Stieles an
den Kolben nach den Begrenzungsflächen des letzteren
chitinige Fasern. Auch der Kolben wird von der einge-
stülpten Membrane der Flasche überzogen und ist in Folge
dessen von dem Hohlraum der Pumpe völlig abgeschlossen.
Seine Form entspricht ganz der der Flasche; ist letztere
cylindrisch, so hat auch der Kolben mehr oder weniger
ausgeprägte Cylindergestalt. Im Allgemeinen ist sein
Längendurchmesser nur sehr wenig grösser, als der Breiten-
durchmesser. Oben ist der Kolben abgerundet und auf
seiner ebenen Unterseite setzt sich in der Mitte der Stiel
an, der durch die beschriebene Oefinung der Flasche
gehend, sich allmählich seitlich comprimirt und schliesslich
in eine lange Platte ausläuft. Fig. 13.
An dieser inserirt sich der sehr kräftige Pumpmuskel,
dessen Aufgabe es ist, bei seiner Contraction den Kolben
nach rückwärts, d. i. nach dem Thorax hin zu ziehen und
den elastischen Chitingürtel des hintern Abschnittes der
Flasche zu spannen.
Es erübrigt nur noch einiger Worte über die Venti-
lirung des Apparates. An der Unterseite der Spritze, also
zwischen ihr und der bauchständigen Körperwand finden
wir die beiden langen Speicheldrüsenschläuche, die gesondert
Beiträge zur Keimtniss des Rhynchotenrüssels. j29
in die Spritze einmünden. Die Einmündungssteilen liegen
dicht neben einander auf der Unterseite der Spritze, etwa
um soviel von dem Boden der Flasche entfernt, als der
vordere, abgerundete Theil des Kolbens.
Von der den Hohlraum der Spritze auskleidenden
Chitinhaut setzt sich dicht hinter den Mündungsöffnungen
eine elastische Chitinplatte fort und legt sich in der Weise
von hinten nach vorn über die Oeffhung, dass sie wie ein
Klappenventil fungirt. Auf einen Druck von Innen nach
Aussen muss sich die Platte senken und die Oeffnung ver-
schliessen. Bei aufgehobenem Druck hebt sich die Platte
in Folge ihrer Elasticität wieder und gestattet den Eintritt
des Speicheldrüsensecretes in den Spritzenhohlraum. Fig. 13.
Diese Yentilirung hat Mayer, wiewohl er sonst den
Pumpapparat richtig beschrieben hat, übersehen. Nach
ihm soll die Muskulatur der Drüsen den Rücktritt des Se-
cretes verhindern. Dass dem nicht so ist, beweist einmal
die Anordnung des betreffenden Gebildes, die augenschein-
licher Weise auf eine Ventihrung hindeutet. Auch der
Umstand ist hier zu berücksichtigen, dass ich an den
Speicheldrüsen überhaupt keine Muskulatur habe finden
können. Aber selbst wenn sie vorhanden wäre, so würde
sie bei der geringen Grösse der Drüsen immer nicht kräftig
genug sein, um dem Druck des vorschnellenden Kolbens
widerstehen zu können.
Der schon mehrfach erwähnte Hohlraum der Pumpe
nimmt an seiner vordem, obern Seite eine trichterförmige
Gestalt an und geht dann schnell in einen rings umschlos-
senen Kanal über, den wir bis zur Verfalzungsstelle der
Maxillen deutlich verfolgen können, dann aber scheint
dieser Kanal an der bezeichneten Stelle zu verschwinden.
Doch das ist nur scheinbar, denn in der That umschliessen
ihn die Maxillen, und sein Lumen geht in das von den
Kiefern gebildete, unterseitig gelegene Rohr über. Was
die Form der als Ausführungsgang der Spritze dienenden
Röhre betrifft, so geben uns Querschnitte durch dieselbe
den besten Aufschluss. Die von der konischen Verlän-
Arch. f. Natiirgesch. Xil. Jahi'g. 1. Bd. "
130 Hermann Wedde:
gerung des Spritzenhohlraumes nach vorn auslaufende, im
Querschnitt fast kreisförmige Röhre verliert sehr bald ihre
Rundung, indem sich die obere Röhrenhälfte einstülpt, in
die untere hineinlegt und sich an den der Uebergangsstelle
in das Maxillenrohr am nächsten gelegenen Theil so fest
anpresst, dass beide Hälften nur auf einen bestimmten
Druck auseinander v^^eichen. Durch diese Einrichtung ist
das für einen Pumpapparat nöthige zweite Ventil geschaffen.
Hier möchte ich noch bemerken, wie der Apparat im
Kopfe fixirt ist.
Da ist es zunächst Hauptsache, dass eine Vor- und
Rückwärtsbewegung der Spritze bei der Arbeit des Pump-
muskels verhütet wird. Zwecks dessen ist ein Chitinstab
vorhanden, der dicht unter der Anfangsstelle des Kanals,
der von dem Spritzenhohlraum zum Maxillarrohr verläuft,
seinen Ursprung nimmt. Fig. 1. — Anfangs ist der Stab
mit dem bezeichneten Kanäle parallel, dann aber senkt er
sich allmählich nach abwärts und erreicht schliesslich da,
wo die Stechborste ihre charakteristische Biegung macht,
die innere Chitinauskleidung der Unterlippe, um mit der-
selben zu verwachsen. Es ist dies, um noch einmal daran
zu erinnern, dieselbe Chitinleiste, an welche sich der musc.
levator und depressor labii inseriren.
Ausserdem, glaube ich, hat auch das starke, chitinige
Ausführungsrohr der Spritze selbst noch die Aufgabe,
letztere in ihrer Lage festzuhalten. So ist denn mit der
durch die Chitinlamelle zu Stande gekommenen Verwach-
sung der Spritze mit dem Kopfskelet und durch das Aus-
führungsrohr eine Verschiebung in der Richtung von hinten
nach vorn, also vom Thorax nach dem Kopf zu ausgeschlossen.
An das uns bekannte Chitingerüst des Schlundkopfes
legt sich an der Unterseite jederseits noch eine Chitinplatte
an, die sich dachartig über die Spritze ausbreitet und auf
diese Weise ein Auf- und Abwärtsbewegen, wie auch eine
seitliche Verschiebung derselben verhütet.
Was das Vorkommen und die Verbreitung der Spritze
betrifft, so bemerke ich Folgendes.
Beiträge zur Kenntniss des Rhynchotenrüssels. 131
Von den Hemipteren und Cicaden fehlt die Spritze
keiner Species. Sie zeigt bei diesen beiden Unterordnungen
der Rhynchoten auch nur wenig Abwechselung in Gestalt
und Bau. Ebenso ist sie bei den Aphiden vorhanden.
Wenn auch der Apparat in seiner Form bei dieser Gruppe
der Schnabelkerfe etwas mehr von der der Hemipteren und
Cicaden abweicht, so ist doch das Princip, nach dem er
construirt ist, zweifelsohne dasselbe. Witlaczil freilich
leugnet die Existenz einer Spritze bei den Aphiden. Er
sagt: „Diese Muskeln (des Saugapparates) treffen sich am
Pharynx in einer Linie, so dass es scheint, als wenn sie
zu einem dort befindlichen Stabe liefen, welcher Umstand,
vereint mit der etwas complicirten Bildung des Yorder-
randes des Schlundes, Mark verleitete, in diesem Apparate
eine veritable Saugpumpe zu sehen, deren Kolbenstange
durch jene zahlreichen Muskeln bewegt werden sollte!"
Diese Angabe beruht jedoch auf einem Irrthum, denn
die Spritze ist bei den Aphiden vorhanden und als solche
gar nicht zu verkennen. Sie ähnelt in ihrem Bau dem von
Mark an den Cocciden genau untersuchten und beschrie-
benen Apparate.^)
Durch meine Untersuchungen und Beobachtungen, so-
wie durch Hinzuziehung anderer hierher gehöriger Arbeiten
bin ich zu dem Resultate gelangt, dass die „Wanzenspritze"
bei allen den Ordnungen der Rhynchoten vorhanden ist,
deren Maxillen und Mandibeln zu Stechborste und Saug-
rohr differenzirt sind. Bei den niedrigsten Formen dagegen,
den Pediculiden und Mallophagen, die meist im Besitz von
beissenden Mundwerkzeugen sind, habe ich von einer Spritze
oder etwas derselben entsprechendem nichts aufzufinden
vermocht.
So scheint mir denn mit dem Vorhandensein der Spritze,
das, wie gesagt, zu Stechborste und Saugrohr umgebildete
1) Ich verdanke der Güte des Herrn Oscar Schmidt einige sehr in-
struktive Präparate von Aspidiotus nerii, die ein klares Bild von der
Struktur der Spritze geben und mit dem von Mark gezeichneten über-
einstimmen.
9*
132 Hermann Wedde:
Kiefer bedingt, ein natürliches, systematisches Merkmal für
die Schnabelkerfe gegeben zu sein. Man könnte danach
die gesammten Rhynchoten in zwei Gruppen eintheilen,
von denen die eine die niedrigst stehenden, nämlich die
Pediculiden und Mallophagen als Rhynchoten ohne Stech-
borste und Spritze, umfasst (Rhynchota asetifera), und die
zweite alle andern Ordnungen, also Phytophthiren, Cicadarien
und Hemipteren in sich schliesst (Rhynchota setifera.)
Hierzu muss ich freilich bemerken, dass sich ein der
Wanze-nspritze ähnliches Organ bei einigen Dipteren (Mus-
cidae) vorfindet. —
Schliesslich ist es nöthig, einige Worte über die
Funktion des Pumpapparates zu sagen.
Landois, sein Entdecker, bemerkt wie gesagt nichts
über seine Bedeutung. Nach Mayers Angabe soll ihm
eine doppelte Funktion zukommen, einmal soll er zur Be-
förderung des Speicheldrüsensekretes nach aussen dienen,
daneben aber auch an der Nahrungsaufnahme Theil haben.
Mark lässt die Spritze der Cocciden ausschliesslich als
Saugorgan funktioniren , er sagt: „Die merkwürdige und
interessante Einrichtung dieses Apparates deutet auf seine
Funktion als Saugwerkzeug; der Vergleich der regula mit
der Kolbenstange, des embolus mit dem Kolben, des
cylindrischen Körpers mit dem Stiefel ^einer Saugpumpe
liegt auf der Hand." Die letztgenannte Funktion als Saug-
apparat kommt der Spritze nach meinen eigenen Beob-
achtungen an Geocoren und Cicadarien, wie auch nach
Geise's Darstellung des Hydrocorenrüssels nicht zu. Es
müsste der Apparat doch ofi'enbar, wenn er zur Nahrungs-
aufnahme dienen sollte, mit dem Pharynx in Verbindung
stehen, damit die aufgesogene Flüssigkeit in den Magen
gelangen kann. Von einer solchen Vorrichtung ist bei den
Hemipteren und Cicaden entschieden nichts vorhanden, es
lässt sich dies bei der relativ grossen Spritze beider Ord-
nungen leicht constatiren.
Vielmehr fungirt der Pumpapparat nur zur Weiter-
beförderung des Speicheldrüsensecretes von den Drüsen
Beiträge zur Kenntiiiss des Rhynchotenrüssels. 133
nach aussen, wie das aus den gegebenen Daten hinreichend
ersichtlich ist.
Da nun die Spritze der Aphiden und Cocciden mor-
phologisch der der Hemipteren und Cicadarien gleichwerthig
ist, so dürfte ihr wohl auch dieselbe physiologische Bedeutung
zukommen, und das um so mehr, als ich nie, selbst nicht bei
den grössten Aphiden (aphis cardui, rosae, u. a.) eine Commu-
nication zwischen Pharynx und Spritze habe wahrnehmen
können. Ich möchte aus diesen beiden Thatsachen den
Schluss ziehen, dass bei den Aphiden und Cocciden die
Spritze durchaus nichts mit der Nahrungsaufnahme zu thun
hat, sondern nur damit betraut ist, wie bei den Hemipteren
und Cicaden, das Sekret der Speicheldrüsen nach aussen
zu befördern. Fragen wir nun nach dem Wie? dieses
Vorganges !
Auf einen bestimmten Reiz hin contrahirt sich der
Pumpmuskel, spannt den hintern, elastischen Chitinring
der Spritze, zieht den Kolben zurück und erweitert dadurch
den Hohlraum der Pumpe. Zu gleicher Zeit öffnet sich
das Klappen ventil über den Einmündungsstellen der Drüse,
das Sekret fliesst ein und füllt die Spritzflasche an. Nun
hört die Muskelcontraction auf und es wirkt die Spannung
des Chitinringes. Der Kolben schnellt in seine ursprüng-
liche Lage zurück, schliesst das Ventil und die Flüssigkeit
wird durch den Canal, dessen Wände auf den hohen Druck
auseinander weichen, in das Maxillarrohr und so nach
aussen befördert. —
Ehe ich hiernach mit der Beschreibung des Rhynchoten-
kopfes fortfahre, möchte ich übrigens noch auf eine wichtige
Thatsache aufmerksam machen.
Beim Studium der Mund Werkzeuge von cimex lectu-
larius fiel mir die mächtig entwickelte Muskulatur des
Schlundkopfes auf. Zugleich bemerkte ich eine erhebliche
Reduktion des Muskels der Spritze und ihrer selbst. Dieser
Umstand, verbunden mit der Kenntniss des einfachen
Maxillarrohres veranlassen mich zu der Annahme, dass bei
einem blutsaugenden Rhynchoten, dem die Nahrungsauf-
134 Hermann Wedde:
nähme leichter wird, als einem von Pflanzensäften lebenden,
sehr wohl eine Veränderung der mit dem Saugakt in Zu-
sammenhang stehenden Organe vorgegangen sein kann.
Cimex lectularius, der bekannte Ectoparasit des Menschen,
braucht ja nur die verhältnissmässig dünne Epidermisschicht
zu durchbohren, um in den blutreichen Papillarkörper zu
gelangen und die reichlich vorhandene Nahrung aufzunehmen ;
es ist also gar nicht nöthig, dass erst durch Injektion des
stark alkalischen Speicheldrüsensekretes mittelst der Spritze
ein gesteigerter Säftezufluss nach der verwundeten Stelle
bewirkt wird.
Ich will damit nicht gesagt haben, dass bei cimex der
Spritzapparat völlig funktionslos geworden sei — dagegen
spricht schon seine Existenz selbst und dann das Vor-
handensein der Speicheldrüsen — dass er aber nicht in
dem Maasse fungii^t, wie bei vielen andern Hemipteren,
ist mir sehr wahrscheinlich. Durch die gemachte Erfahrung
untersuchte ich nach dieser Richtung hin andere blut-
saugende Hemipteren und fand dann, dass die Hydrocoren
(Nepa, Ranatra) sowie hydrometra, — reduvius konnte ich
leider nicht untersuchen — die alle eine räuberische Lebens-
weise führen, (und blutsaugend sind) im Vergleich zu den
von Pflanzensäften zehrenden Wanzenarten, eine Spritze
von geringer Grösse besitzen.
Ich glaube daraus schliessen zu dürfen, dass das
bezüglich von cimex Gesagte allgemeine Gültigkeit hat,
dass nämlich bei allen von thierischer Flüssigkeit lebenden
Hemipteren der Spritzapparat durch weniger energischen
Gebrauch eine mehr oder minder weitgehende Reduktion
erlitten hat, ja dass sogar das zweite als Ausführungsgang
der Speicheldrüsen dienende Maxillarrohr aus demselben
Grunde mit dem Saugerohr verschmolzen ist (cimex'
hydrometra).
Die schon mehrfach erwähnte alkalische Flüssigkeit,
die durch die Spritze in die Wunde des Nahrungsobjektes
geschafi't wird, ist das Produkt der Speicheldrüsen. In der
Zweizahl vorhanden, erstrecken sich dieselben einander
Beiträge zur Kenntniss des Rh3'nchotenrüssels. 135
parallel von der Spritze bis etwa zu dem untern Oesopha-
galganglion, um dann nach mehrfachen Windungen zu
endigen. Fig. 1. Es sind lange, schlauchförmige Drüsen,
umhüllt von einer hellen tunica propria und ausgekleidet
mit einer aus glashellem Chitin bestehenden intima, die
unmittelbar mit der Wand der Spritze in Zusammenhang
steht. Bei Anwendung von Tinctionsmitteln ^) bleibt sie
stets ungeförbt. Zwischen beiden Membranen liegen um
den Innern Drüsenkanal herum polyedrische Zellen, deren
Bau uns nach vorhergegangener Färbung leicht verständlich
wird. Fig. 16.
Die Zellen erscheinen bei einer Längsansicht der
Drüsen polygonal, von fein granulirter Substanz und mit
einem, gewöhnlich aber zwei, vielfach verästelten Zellkernen
ausgestattet. Letztere sind stets lebhaft roth gefärbt und
zeigen eine gröbere Granulirung, als die Zellsubstanz. Die
einzelnen Zellen sind deutlich gegen einander abgegrenzt.
Das Sekret der Drüsenzellen ergiesst sich in den von der
intima begrenzten Kanal und gelangt durch diesen in den
Pumpapparat, der ihn auf die uns bekannte Weise nach
aussen schafft. Was die Natur des Sekretes betrifft, so ist
dasselbe stark alkalisch und dieser seiner Eigenschaft wegen
im Stande, in die durch die Borste gestochene Wunde einen
stärkeren Säftezufluss zu ermöglichen, die Nahrungs-
aufnahme also zu erleichtern.
Von der Alkalität der Drüsenflüssigkeit kann man
sich leicht überzeugen. Wird ein Thier zum Stechen
gereizt, so gewahrt man an der Schnabelspitze ein winziges
Tröpfchen eines wasserklaren Liquidums, das geröthetes
Lakmuspapier intensiv bläut.
Diese eben gebrachten Angaben über die Speichel-
drüsen gelten freilich nur für die Hemipteren und Cicaden,
') Von den verschiedenen Farbstoffen habe ich salzsaures Cannin
am praktikabelsten gefunden. Es giebt sehr deutliche Kernfärbung und
lässt die Zellgrenzen gut hervortreten. Ammonikalisches Carmin bewirkt
eine zu gleichmässige Färbung, als dass die feine Struktur erkennbar
würde. Anilinfarben sind gar nicht verwendbar.
136 Hermann Wedde:
soweit ich letztere untersuch en konnte. Etwas anders
gestalten sich die Verhältnisse bei den Aphiden.
Statt der schlauchartigen sind hier gelappte Drüsen
vorhanden, von denen je zwei seitlich vom Oesophagus
am Rücken des Thieres liegen. In dem Lappen eines jeden
Drüsenpaares entspringt ein kurzer Ausfuhrungsgang, es.
sind also der Zahl der Drüsen entsprechend, deren vier,
die sich jedoch sämmtlich zu einem Hauptausführungs-
gange vereinigen und zwar so, dass die Ausführungskanäle
eines jeden Drüsenpaares verschmelzen und die so ent-
standenen zwei Gänge sich schliesslich zu einem vereinigen.
Der gemeinsame Drüsengang verläuft oberhalb des Oeso-
phagus nach dem Vorderkopfe zu, biegt dann fast recht-
winkelig um, sich nach der Oberlippe zuwendend.
Obwohl ich trotz aller Bemühung die Ausmündungs-
stelle des Kanals nicht aufgefunden habe, so vermuthe ich
doch, dass derselbe in die Spritze sich einsenkt, das
Speicheldrüsensekret sich also analog dem anderer Rhyn-
choten, in den Spritzenhohlraum ergiesst und ebenfalls die
Aufgabe hat, in der Wunde einen erhöhten Säftezufluss zu
veranlassen.
Was die Histologie der Drüsen betrifft, so kann ich
mich auf die Resultate von Mark und Witlaczil berufen,
da ich diese bestätigt fand.
Der Besprechung der Speicheldrüsen möchte ich noch
einige Bemerkungen über die Existenz von Drüsen
anschliessen , die bislang noch nicht gesehen und be-
schrieben worden sind. Fig. 17, 18 und 19.
Betrachten wir den Längsschnitt durch einen Rhyn-
chotenkopf (Pyrrhocoris), so finden wir an der Stelle, wo
der vordere, verjüngte Abschnitt des Schlundkopfes in das
obere Maxillarrohr übergeht, über der Borste ein drüsiges
Organ, dem sich noch zwei unterseitig, zwischen dem
Ausführungsgang der Spritze und der zu ihrer Fixirung
dienenden Chitinleiste gelegene, etwas kleinere Drüsen
anfügen. Ueber die Form der Drüsen ist im Ganzen wenig
zu berichten, es sind knäuelförmige Gebilde von geringer
Beiträge zur Kenntniss des Rhynchotenrtissels. 1^'
Grösse, die obere, unpaare von mehr langgestreckter als
rundlicher Gestalt. Die beiden untern sind kleiner als die
obere, sonst aber in Form der unpaaren Drüse ähnlich.
Das deutlichste Bild von dem Bau der Drüsen geben uns
Schnitte. Sehen wir zunächst einen Querschnitt durch den
Kopf von Pyrrhocoris apterus an. Wir erkennen das Chitin-
skelet des Schlundkopfes und gewahren an ihm über dem
Pharynx die unpaare obere, und zu beiden Seiten der
Stützlamellen der Spritze die zwei unteren Drüsen.
An den Grenzen der Drüsen liegen neben einander, wie
die Schnitte zeigen, regelmässig angeordnet grosse, lang-
gestreckte Zellen, mit der Längsaxe nach dem Centrum
zu gerichtet. In der Mitte finden sich regellos gelagert
kleinere Zellen und zwischen ihnen helle, schmale Hohl-
räume, die ich für Sammelkanäle des Zellsekretes halte.
Die ovalen Zellkerne sind gross, tief roth gefärbt *), aber
nicht scharf von der Zellsubstanz abgegrenzt. Die Zellen
selbst sind, abgesehen von den langen Randzellen, polygonal
und leidlich deutlich von einander geschieden.
Dieselbe Ansicht von dem Bau der Drüsen giebt uns
ein Horizontalschnitt. Verständlicher wird durch diese
Art von Schnitten nur die Lage der paarigen Drüse. Man
findet dieselben neben der Vereinigungsstelle der Maxillen
und Mandibeln zur Stechborste, in dem Winkel, den diese
mit der Chitinmembrane des Kopfes bilden, an welcher die
Unterlippe bei ihren Bewegungen gleitet. Auf der dritten
Seite, die also den Winkel zum Dreieck macht, werden
sie durch die musc. protractores der Stechborste begrenzt.
Die dritte Art von Schnitten endlich, die Sagittal-
schnitte, instruiren uns am besten über den Bau der
Drüsen, insbesondere der unpaaren. Um auch hier zu-
nächst die Lage der Drüsen zu bestimmen, will ich an-
geben, dass die unpaare gerade da liegt, wo sich der erste
der vier musc. dilatatores pharyngis an den Schlundkopf
1) Von der Behandlung der Drüsenzellen mit Farbstoffen gilt das-
selbe, was von den Speicheldrüsen gesagt wurde.
138 Hermann Wedde:
inserirt. An dieser Stelle zeigt die den Pharynx um-
hüllende Chitinhaut eine nach oben gerichtete Falte, zu
deren Seiten in der Richtung des Schlundkopfes die obere
Drüse, und zwar mit ihrem grösseren Theile nach vorn,
d. i. nach der Schnabelwurzel zu gefunden wird. Neben
der erwähnten Falte erheben sich zu beiden Seiten kleine,
papiilenartige Körperchen auf der dem Schlundkopf um-
gebenden Chitinhaut, jederseits vier an der Zahl in gleich-
massigen Abständen von einander. Nach dem Thorax zu
ist die Entfernung je zweier dieser Erhöhungen geringer,
als auf der entgegengesetzten Seite, auch sind sie selbst
niedriger, als die andern. Jedes dieser Chitinhöckerchen
ist seiner Länge nach durchbohrt, die Höhlung ist eng
und erweitert sich, freilich nur sehr minimal, von oben
nach unten. An die Spitze der hohlen Chitinknöpf chen
treten die Drüsenkanäle, deren Zahl mit der der Chitin-
röhrchen correspondirt. Die Drüsenkanäle zweigen sich,
wie das Bild deutlich zeigt, nach der oberen Drüsenpartie
auseinander. Fig. 19.
In die einzelnen Sammelröhren ergiesst sich das Drüsen-
sekret und es fliesst in ihnen bis zur Oeffnung der Chitin-
höckerchen. Von den untern Drüsen ist auf dem Sagittal-
schnitt nur eine sichtbar und diese gewährt dasselbe Bild,
wie auf andern Schnitten.
lieber die chemische BeschaiÖPenheit der Drüsenflüssig-
keit bin ich nicht im Stande, etwas positives anzugeben,
da es mir nicht gelungen ist, bei der geringen Grösse der
Drüsen und ihrer versteckten Lage eine mikrochemische
Untersuchung des Sekretes anzustellen.
Ebenso kann ich über die Funktion der Drüse und
ihres Sekretes nur Yermuthungen aussprechen, die zum
Theil viel Wahrscheinlichkeit für sich haben.
Aus der Lage der Drüsen lässt sich mit grosser Sicher-
heit schliessen, dass es ihre Aufgabe ist, durch das Sekret
die Reibung der trockenen und spröden Chitintheile an
einander zu verringern. So ist es mir sehr wahrscheinlich,
dass das Sekret der unpaaren Drüse durch die Oeffnungen
i
Beiträge zur Kenntniss des Rhynchotenrüssels. 139
der Chitinwärzchen fliesst und einmal die Maxillen und
Mandibeln selbst und dann die sie umgebenden Chitinhäute
befeuchtet, die Reibung der genannten Theile also auf ein
Minimum reducirt. Wenn diese Annahme richtig ist, so
lässt sich auch über die Natur des Sekretes Einiges ver-
muthen. Soll bei irgend welchen an einander hingleitenden
Gebilden die Reibung vermindert werden, so bedarf es
dazu, wie wir das der Technik entnehmen können, einer
fettigen oder öligen Flüssigkeit. Da nun vermuthlicher
Weise das Drüsensekret diese Funktion hat, so lässt sich
eine fettige Beschaffenheit desselben erwarten.
Gleiches gilt von den beiden untern Drüsen. Wie
schon bemerkt, werden sie einerseits von der Chitinhaut
des Kopftheiles begrenzt, an welcher die Unterlippe bei
den Auf- und Abwärtsbewegungen entlang gleitet. Gerade
an dieser Stelle ist die Kopfmembrane mit feinen Poren
durchsetzt und nach meinem Dafürhalten dringt durch sie
das Sekret hindurch und benetzt zwecks der Reibungsver-
minderung die Kopf- und Schnabelhaut an der Gleitfläche.
Von wie grossem Werth eine solche Einrichtung für
so wichtige und oft gebrauchte Organe, wie die Mund-
werkzeuge, zumal aber für die zur Stechborste vereinten
Kieferpaare ist, liegt auf der Hand.
Ueber die Verbreitung dieser Drüsen unter den Rhyn-
choten kann ich keine umfassende Mittheilung machen.
Gefunden habe ich sie bei Pyrrhocoris, ferner bei einigen
Capsiden (Miris laevigatus), bei Pentatoma- Arten und bei
hydrometra.
Anfangs glaubte ich, die Anwesenheit der Drüsen mit
der Art der Nahrung in Zusammenhang bringen zu können,
insofern als sie nur den von Pflanzensäften lebenden He-
nipteren zukäme. Doch wurde diese Meinung hinfällig,
als ich die Drüsen auch bei blutsaugenden Wanzen fand
(hydrometra).
Nachdem wir die mit dem Saugakt in irgend welcher
Beziehung stehenden Organe kennen gelernt haben, müssen
wir noch die Frage aufwerfen: Wie geht die Nahrungs-
140 Hermann Wedde:
aufnähme vor sich? Aus der ganzen Construction der
Mundtheile und aus ihrer modificirten, röhrenartigen Ge-
stalt ist schon ersichtlich, dass die Nahrungsaufnahme in
einem Saugen besteht, dass es also Flüssigkeiten, thierische
oder pflanzliche, sein müssen, die dem Rhynchoten zur
Nahrung dienen. Ueber die Art und Weise des Saugens,
d. h. den Antheil, welchen die typischen Mundwerkzeuge
an diesem Vorgange nehmen, haben verschiedene Ansichten
bestanden.
Von der Unmöglichkeit, dass die Wanzenspritze als
Saugapparat des ernährenden Liquidums dient (Mark und
auch Mayer), haben wir uns oben überzeugt.
Nach Graber soll es das „Lippenrohr" sein, welches
die Nahrungsflüssigkeit aufnimmt und in den Schlundkopf
befördert. Der Beweis für die Unrichtigkeit dieser Deutung
ist nicht schwer. Wie aus der oben gegebenen Beschreibung
des gesammten Rüssels klar wird, ist das „Labialrohr"
eigentlich nur eine Rinne, deren Ränder sich freilich dicht an
einander legen, aber doch nicht so eng, dass eine ringsum luft-
dicht abgeschlossene Röhre daraus wird. Ist schon aus diesem
Grunde das „Lippenrohr" ausser Stande, als Nahrungs-
kanal zu fungiren, so kommt noch dazu, dass in die ge-
stochene Wunde nur die Borste eindringt, nun und nimmer-
mehr aber der Rüssel und mit diesem das „Lippenrohr",
was doch geschehen müsste, wenn letzteres das Saugrohr
wäre.
Nach Angabe Anderer wird durch das obere Maxillar-
rohr die Nahrung aufgenommen, und diese Meinung erfreut
sich der allgemeinen Anerkennung.
Der Vorgang des Saugaktes ist somit sehr einfach
und etwa folgender. Hat das Thier ein Nahrungsbedürfniss,
so durchbohrt es mit der scharfen, spitzigen Borste das
pflanzliche oder thierische Gewebe, nachdem es zuvor die
Consistenz desselben mittels der Tastvorrichtungen am End-
gliede des Schnabels geprüft hat. Ist dann die Borste
durch ihre Häkchen und Zähnchen in der Wunde fixirt,
so erfolgt die Injektion des alkalischen Speicheldrüsen-
Beiträge zur Kenntniss des Rhynchotenrüssels. 141
Sekretes. Die Folge davon ist, wie bekannt, ein erhöhter
Säftezufluss nach der verwundeten Stelle. Jetzt erst be-
ginnt das eigentliche Saugen. Die vier dilatatores des
Pharynx contrahiren sich in der oben angegebenen Reihen-
folge, erweitern das Lumen des Schlundkopfes und schaffen
so einen luftverdünnten Raum in demselben. Da zugleich
mit diesem Vorgänge eine Aenderung im Luftdruck ein-
tritt, d. h. innen eine Druckverminderung gegen normalen
Druck auf der Aussenseite statt hat, so steigt die Nahrungs-
flüssigkeit aus dem angestochenen Gewebe in dem Maxillar-
rohr auf und in den Pharynx über. Sobald dieser gefüllt
ist, tritt die Muskelerschlaffung ein, aber das Zurückstromen
der aufgesogenen Nahrung wird einmal durch die Flüssig-
keitssäule im Maxillenrohr verhütet und ferner dadurch,
dass die Contraction des ersten musc. dilatator ph. aufhört
und damit der vordere Abschnitt des Schlundkopfes sein
ursprüngliches, enges Lumen wieder erhält. Durch ein
successives Nachlassen der Contraction der übrigen Muskel-
gruppen wird die Nahrung dann immer weiter rückwärts
gepresst, und endlich in den Magen befördert.
Dass bei dem Saugakt das lange Maxillarrohr wie
eine Capillarröhre wirkt, zumal bei den Aphiden und Coc-
ciden, und das Aufsteigen der Flüssigkeit wesentlich fördert,
ist ohne Weiteres klar.
Möge es mir gestattet sein, meinem hochverehrten
Lehrer, Herrn Geh. Rath, Professor Dr. R. Leuckart für
die mir bei der vorliegenden Arbeit bereitwilligst gewährte
Unterstützung den wärmsten Dank auszusprechen!
Literatur- Verzeichniss.
Savigny, Memoires sur les auimaux sans vertebres. Premier möm.
Paris 181 G.
Burmeister, Handbuch der Entomologie. Berlin 1855.
Gerstfeldt, Ueber die Mundtheile der saugenden Insekten. Leipzig 1853.
142 Hermann Wedde:
Koch, Die Aphiden. Nürnberg 1857.
Fieber, Die europäischen Hemipteren. Wien 1861.
Landois, Zur Anatomie der Bettwanze. Zeitschrift für wissenschaftliche
Zoologie. Bd. 18. Greifswald 1868.
Graber, Die Insekten. I. Theil. München 1877.
Mayer, Zur Anatomie von Pyrrhorocis apterus. Archiv für Anatomie
und Physiologie 1873.
Mark, Beiträge zur Anatomie und Histologie der Pflanzenläuse. Bonn 1876.
Witlaczil, Zur Anatomie der Aphiden. Wien 1882.
Geise, Die Mundtheile der Rhynchoten. Bonn 1883.
Kraepelin, Ueber die systematische Stellung der Puliciden. Hamburg 1884.
Erklärung der Figuren.
Fig. 1. Sagittalschnitt durch den Kopf von Pyrrhocoris apterus. Ib.
Unterlippe, Ir. Oberlippe, s. Stechborste (]Maxillen und Man-
dibeln), spr. Wanzenspritze, spdr. Speicheldrüse, tr. Tracheen,
ig. Unterschlundganglion, sg. Oberschlundganglion, di\ Drüsen,
m. d. ph. musc. dilatator phar., m. d. Ib. musc. depressor labii,
m. 1. Ib. musc. levator labii, m. Pumpmuskel.
„ 2 u. 3. Querschnitt durch den Kopf von P}Trh. apt. mx. Maxillen.
md. Mandibeln, spr. Wanzenspritze, spdr. Speicheldrüsen, ph.
Schlundkopf, v. 1. Vertikale Chitinlamelle, h. 1. Horizontale Chitin-
lamelle, seh. Schaltstück, m. d. ph. musc. dilatator phar.
„ 4. Chitingerüst des Schlundkopfes von PjTrh. apt. Bezeichnungen
wie für Fig. 2, 3.
„ 5. Querschnitt durch die Stechborste von Pyrrh. apt.
„6. „ ., „ ., „ Centrotus cornutus.
,, 7. „ n ;5 n » AcantMa lectularia.
„ 8. „ „ „ „ „ Notonecta glauca.
md. Mandibeln, mx. Maxillen, n. Saugrohr, a. Ausführungs-
kanal der Spritze, Ibr. Oberlippe.
„ 9. Querschnitt durch das dritte Labialglied von Pentatoma rufipes.
m. Muskel, n. Nerv, tr. Tracheen, mx. Maxillen, md. Mandibeln,
p. Lippenwand.
„ 10. Querschnitt durch das letzte Labialglied von Cercopis san-
guinolenta. p. Lippenwand, mx. Maxillen, md. Mandibeln.
„ 11. Querschnitt durch das dritte Labialghed von Hydrometra
lacustris. m. Muskel, n. Nerv, tr. Tracheen, p. Lippenwand,
mx. Maxillen, md. Mandibeln, v. Saugrohr.
Beiträge zur Kenntniss des Rhynchotenrüssels. 143
Fig. 12. Querschnitt durch Unter- und Oberlippe von Pyrrh. apt. Ibr.
Oberlippe, Ib. Unterlippe, m. Muskel, mx. Maxillen, md.
Mandibeln.
„ 13. Wanzenspritze von Pyrrh. apt. k. Kolben, st. Kolbenstange,
V. Ventil, h. Hohlraum, a. Ausftihrungsgang, f. Pumpflasche,
pm. Pumpmuskel.
„ 14. Sagittalschnitt durch den Kopf von Hydrom. lac. md. Man-
dibeln, mx. Maxillen, spr. Wanzenspritze, pm. Pumpmuskel,
sp. dr. Speicheldrüse, s. Stechborste, dr. Drüse, ph. Schlund-
kopf, m. d. ph. musc. dilatator phar.
„ 15. Ein Theil der verflochtenen Maxillen von Hydrom. lac. mx.
Maxillen, eh. Chitinstäbchen.
„ 16. Längsansicht der Speicheldrüse von Pyrrh. apt.
„ 17. Horizontalschnitt durch den Kopf von Pyrrh. apt. ph. Schlund-
kopf, mx. Maxillen, md. Mandibeln, m. r. musc. retractor —
m. p. musc. protractor max., dr. Drüsen, eh. Chitinlager für
die Stechborste.
„ 18. Querschnitt durch die paarigen Drüsen von P}Trh. apt. g. Chitin-
gerüst des Pharynx, dr. Drüsenpartie.
5, 19. Längsschnitt durch die unpaare Drüse von Pyrrh. apt. p.
Papillenartige Chitinerhebimgen , sc. Sammelkanäle für das
Drüsensekret, f. Chitinfalte.
Beitrag zur Chrysomeliden- und Coccinelliden
Fauna Portorico's
von
J. Weise.
Hierzu Tafel Vm.
Die folgende kleine Arbeit behandelt das Material,
welches Herr Consul Krug vor einer Reihe von Jahren
aus den genannten Käferfamilien auf der Insel Portorico
sammelte, und das mir durch die Vermittlung des Herrn
Dr. Dewitz hierselbst zur Durchsicht und event. Beschrei-
bung übergeben wurde. Der grössere Theil der Thiere ist
mit festländischen, hauptsächlich aber cubanischen Arten
identisch, welche durch Suffrian in diesem Archive *) zur
Kenntniss gebracht wurden, und es scheint mir nur eine
geringe Anzahl, besonders von solchen neu zu sein, die
nicht weit fliegen, auf bestimmten Pflanzen leben, oder eine
eigenthümliche Lebensweise führen, wie die Cryptocephalen,
deren Larven auf den zeitweiligen Aufenthalt bei bestimmten
Ameisenarten angewiesen sind. Die eingeklammerten Num-
mern beziehen sich auf den Catalog des Herrn Consul Krug.
1. (256) Lema dorsalis Oliv. Die Zeichnung ist ganz
wie bei der Form von Cuba, die Sufli-ian (1. c. 1866, 286)
bespricht.
') Verzeichniss der von Dr. Gundlach auf der Insel Cuba gesam-
melten Chrj'somelinen, Archiv 1866 p. 281—337, 1867 p. 283—328 und
1868 p. 163—252.
J. Weise: Beitrag zur Chrysomeliden-Fauna etc. 145
2. (424) Lema nigrijoes: Oblongo-parallela, nigra, nitida,
capite (apice excepto) prothoraceque laete rufo-ferrugineis,
hoc pone medium coarctato, supra basin transversim sulcato,
sulco in medio profundiore, disco sat convexo, multilineatim
lateribus anticis siibtiliter punctulato, elytris nigro-coeruleis,
infra basin impressis, punctato-striatis, Stria octava in medio
profundius impressa, nona late interrupta, interstitiis apice
elevatis. — Long. 4 """.
Mit Poeyi Lac. nahe verwandt, aber durch die Punk-
tirung des Halssch., an der Basis erhöhte Fld., deren neunter
Punktstreifen lang unterbrochen ist, und die einfarbig
schwarzen Beine leicht zu unterscheiden.
Kopf lebhaft bräunlich-roth, vor den Fühlern schwarz,
die Stirn massig gewölbt, mit ziemlich tiefer Mittelrinne,
deren vorderer Theil schwärzlich ist, die Seitenfurchen
scharf und tief. Augen stark ausgerandet. Halssch. kaum
länger als hinter den Vorderecken breit, von hier bis zur
Mitte unmerklich verengt, dicht hinter der Mitte einge-
schnürt, vor der Basis quer vertieft, die Vertiefung in der
Mitte und an den Seiten stärker, die Oberfläche massig
gewölbt, an den Vorderecken zerstreut, über die Mitte in
ungefähr 4 wenig deutlichen Reihen fein punktirt, lebhaft
bräunlich-roth. Schildch. schwarz, in der Mitte röthlich,
hinten breit abgestutzt. Fld. bedeutend breiter als das
Halssch., ungefähr doppelt so lang als breit, dunkelblau,
massig gewölbt, die Punkte in den Reihen gross, aber nicht
besonders tief, die zweite bis vierte Reihe ist vorn fein,
ein Stück hinter der Basis aber, wo ein deutlicher Quer-
eindruck auftritt, stärker und tief punktirt, die fünfte Reihe
an der Basis furchenartig, so dass die Schulterbeule kräftio-
emporgehoben wird, die achte Reihe in der Mitte merklich
liefer als die übrigen, die neunte ist nur vorn und hinten
tief und dicht punktirt, dazwischen besteht sie aus wenigen
sehr feinen Punkten, welche sich auf dem gewölbten Längs-
streifen befinden, der durch die Vereinigung der beiden
Zwischenräume zwischen der 8. und 10. Punktreihe ent-
standen ist. Auf dem Abfalle zur Spitze sind die inneren
Ä.rcli. f. Naturgesch. LI. Jahrg. 1. Bd. 10
146 J. Weise: Beitrag zur
und äusseren Zwischenräume stark in die Höhe getrieben.
Die Fühler und Beine sind einfarbig schwarz.
3. (252) Cryptocephalus nigrocinctus Suffr. Die von Herrn
Consul Krug gefangenen Stücke weichen nicht unerheblich
von den durch Suffrian beschriebenen ab, die ich auf dem
hiesigen Museum verglichen habe. Die Farbe ist dunkel
rothbraun, mit violettem Schimmer, darüber liegt auf dem
Halssch. und den Fld. ein bläuliches Metallgrün, welches
die Grundfarbe in verschiedener Stärke, oft nur bei ge-
wissem Lichte, durchschimmern lässt, auch das Pygidium,
die Hinterbrust und die Mitte der Schenkel ist mit Metall-
grün gedeckt. Am Kopfe sind Oberlippe und Wangen
gelb, an den Fühlern die vier ersten Glieder hell bräun-
lichgelb, die übrigen pechschwarz. Das Halssch. ist nicht
spiegelglatt, sondern ziemlich dicht und sehr fein punktulirt,
glänzend, die durch eine Schrägrinne wulstig emporgeho-
benen Hinterecken sind in der äussersten Spitze roth. Fld.
in den tiefen, furchenartigen Streifen grob punktirt, der
abgekürzte Streifen endet ungefähr in ^ '3 der Länge an der
Naht, dicht dahinter biegt der erste Streifen unmittelbar
an dieselbe und läuft neben ihr her bis zu -/g der Länge,
wo er abbricht, dieselbe Biegung macht der zweite Streifen,
ausserdem aber noch eine andere hinter dem plötzlichen
Ende des ersten Streifens. Da nun der dritte Streifen fast
gradlinig oder nur leicht geschwungen verläuft, so ist der
nach innen liegende dritte Zwischenraum in der Mitte und
vor der Spitze merklich erweitert. Der vierte Streifen ist
ziemlich gerade, auf dem Abfalle aber plötzlich nach aussen
gebogen, hierauf in schwachem Bogen bis an die Naht
gekrümmt. Vor der hohen Querrippe ist Streifen 5 und
8 regelmässig (vor der Rippe verbunden), 6 und 7 unregel-
mässig; hinter der Rippe befinden sich drei Streifen, der
fünfte, welcher die Rippe hinten begrenzt und dann ein
Stück neben dem vierten nach hinten läuft, der sechste,
der aus dem fünften entspringt und sich leicht nach aussen
krümmt, endlich der achte, hinten mit dem sechsten ver-
bunden. Die Zwischenstreifen sind gewölbt, vorn deutlicher
Chrysomeliden- und Coccinelliden-Fauna Portorico's. 147
als hinten sehr fein, sparsam quer gerunzelt. Von dem Saume
um Halssch. und Fld., welcher der Art zu dem unpassenden
Namen verhelfen hat, ist auch bei den typischen Exem-
plaren nur eine Spur vorhanden, weil die grüne Deckfarbe
bis dicht an den Rand reicht. Die Länge meiner Exem-
plare ist 4—5 ™™.
Bei einigen Stücken fehlt die Deckfabe ganz, sie sind
bräunlich roth, violett schimmernd, also nach Sufirians Be-
zeichnung wohl weinroth; Fühler einfarbig bräunlichgelb,
die Beine gelbroth, Schenkel blau oder violett angelaufen.
4. (350) Ci^yiitocephaliis tristiculus: Nigro-chalybaeus, inter-
dum cyanescens, ore, antennis, coxis, genubus tarsisque
subtus brunneis, prothorace crebre punctulato, elytris punc-
tato-striatis, interstitiis crebre subtilissimeque punctulatis,
tertio ante medium dilatato, striis 5 — 8 pone humeros costa
transversa evidenter interruptis. — Long. 3,5 — 4 ™°\
Mas: segmento quinto ventrali medio leviter deplanato.
Dem Cr. rufitarsis Suffr., von Cuba, ähnlich, die Fühler
und Tarsen dunkler, die Punktirung der Fld. schärfer; an
der Entfernung der zweiten und dritten Punktreihe vor der
Mitte leicht kenntlich.
Kurz und ziemlich plump, dunkel stahlblau, zuweilen
etwas violet-schimmernd, der Mund, die Fühler, selten auch
die Mitte der Vorder- und Mittelbrust, die Hüften, die
Knie in geringer Ausdehnung und die Tarsen auf der Unter-
seite dunkel röthlich-braun. Kopf kräftig und ziemlich
dicht punktirt, Fühler massig lang, Glied 3 etwas länger
als 2, aber kürzer als 4. Halssch. nach vorn ziemlich stark
verengt, so dass es daselbst schmaler als halbkreisförmig
ist, nach den Seiten weniger steil als nach den Vorder-
ecken hin abfallend, dicht und fein punktulirt, mit einigen
dazwischen gemengten, etwas grösseren Punkten, ziemlich
glänzend. Fld. mit massig tiefen, nach hinten leicht ver-
flachten Streifen , in diesen stark und ziemlich dicht
punktirt. Der erste und zweite Streifen ist da, wo die
abgekürzte Punktreihe endet, nicht, wie beim vorigen, der
Naht zu, sondern nach aussen gebogen und krümmt sich
10*
148 J. Weise: Beitrag zur
erst dahinter allmählich nach der Naht h in, der dritte
Streifen entfernt sich im vorderen Drittel der Länge all-
mählich etwas vom zweiten, so dass der zwischen beiden
liegende Raum merklich verbreitert wird. Die Querrippe ist
breit und hoch, vor derselben ist nur der Streifen 5 regel-
mässig, der 6., 7. und 8. ist unregelmässig, hinter ihr sind die
Streifen 5, 6 und 8 ähnlich gebildet wie bei der vorigen Art.
Beim Männchen ist die Mitte des letzten Bauchringes
leicht niedergedrückt, mit einem wenig deutlichen Grüb-
chen vor dem Hinterrande, beim Weibchen nimmt eine
tiefe und weite Grube die ganze Mitte des 5. Segmentes ein.
5. (428) Cryptocephalus Krugi: Rufo-brunneus, leviter
violaceo micans, nitidus, lateribus clypei et frontis, maculis
7 prothoracis (3, 4), 22 elytrorum (2, 3, 2, 1, 2, 1) et
2 pygidii, mesosterno latribusque segmentorum ventralium
flavo-albidis, femoribus in medio subaeneis, apice albo-
notatis; prothorace sat crebre subtilissime punctulato,
elytris punctato striatis, interstitiis fere laevis, tertio ante
medium latiusculo, striis 5 — 8 pone humeros costa transversa
evidenter interruptis. — Long. 3,5 — 4 ""'". (Fig. 1.)
Die vorliegende Art erinnert in der Zeichnung am
meisten an Cr. multiguttatus Suifr. von Domingo, ist aber
von ihr durch die glänzende Oberseite und die Zeichnung
und Punktirung der Fld. sehr verschieden, letztere ist fast
ganz wie bei der vorigen Art.
Rothbraun, mit Ausschluss der Fühler, Schienen und
Tarsen schwach violett- oder blau-glänzend, der Farbe des
Rothweines ähnlich. Der Kopf ist kräftig und ziemlich
dicht punktirt, eine Linie am Innenrande der Augen, die
Wangen und die Seiten des Kopfschildes gelblich-weiss,
an den Fühlern ist das dritte Glied reichlich doppelt so
lang, als das zweite und ebenso lang als das vierte.
Hals seh. ziemlich dicht, sehr fein punktulirt, mit sieben
gelblich-weissen Makeln: drei vorn (die mittlere dreieckig,
am Vorderrande, die seitlichen rundlich, in den Vorder-
ecken), vier hinten, davon die beiden mittleren schmal und
ziemlich lang, vor dem Hinterrande, sehr schräg nach vorn
Chrysomelideu- und Coccinelliden-Faima Portorico's. 149
und aussen gerichtet, die beiden anderen länglich dreieckig,
in den Hinterecken. Schildchen schwärzlich. Fld. mit massig
tiefen, hinter der Mitte wenig verflachten Streifen, in diesen
stark und dicht punktirt. Der abgekürzte und die vier
ersten Streifen haben dieselbe Lage zu einander wie bei
der vorigen Art, ebenso ist vor der hohen Querrippe der
Streifen 5 regelmässig, 6, 7 und 8 bilden eine Punktgruppe,
hinter der Rippe ist ausser dem begrenzenden queren Punkt-
streifen nur noch ein kurzer, bogenförmig nach aussen
gekrümmter und der gerade 8. Streifen vorhanden. Von
den 11 kleinen, weiss-gelben Makeln ist 1 länglich,
zwischen dem vierten und fünften Streifen, 2 länglich, am
Schildchen, doppelt so lang als dieses, 3, 4 und 5 liegen
in einer geraden Querreihe, 3 rund am Seitenrande, 4 quer,
auf der Rippe, 5 rund, auf der Verbreiterung des dritten
Zwischenraumes, 6 und 7 sind schwach länglich, 6 befindet
sich dicht hinter der Aussenecke von 4, zwischen dem 8.
und 9. Streifen, 7 an der Naht, am Ende der abgekürzten
Punktreihe, 8 wird von dem vierten und dem bogenförmigen
Punktstreifen umschlossen, 9 und 10 stehen auf dem Abfalle
zur Spitze, 9 genau hinter 6, am Vereinigungspunkte der
achten und neunten, 10 nahe der Naht, an der Verbindung
der zweiten und dritten Punktreihe, 11 endlich ist quer
oval, vor der Spitze. Die 4 letzten Makeln jeder Fld.
sind ziemlich genau zu einem Rhombus angeordnet, wie
bei Cr. multiguttatus. Das Pygidium ist eben so stark als
der Kopf punktirt und hat 2 längliche weiss-gelbe Makeln.
Auf der Unterseite ist die Mittelbrust zwischen den Hüften,
der Vorderzipfel des ersten und ein Fleck an der Seite
jedes Bauchringes hellgelb; die Schenkel sind an der
Aussenseite (die Basis ausgenommen), schwarz-metallisch-
grün, an der Spitze weiss.
6. (427) Cryptocephalus stolidus: Rufo-brunneus, violaceo
micans, nitidus, lateribus clypei et frontis, maculis 7 pro-
thoracis (3, 4), 16 elytrorum (2, 3, 1, 1, 1) et 2 pygidii,
pro-et mesosterno lateribusque segmentorum ventralium
flavis, femoribus in medio nigro-aeneis, apice albo-notatis;
150 J. Weise: Beitrag ziu-
prothorace sat crebe subtilissime punctulato, elytris profunde
punctato-striatis, interstitiis subconvexis, subtiliter trans-
versim rugulosis, striis 5 — 8 pone humeros costa transversa
evidenter interrupta. — Long. 4,2 ™'". (Fig. 2.)
Etw^as grösser als der vorige, im Allgemeinen auch ähn-
lich gefärbt und gezeichnet, aber durch die furchenartigen
Punktstreifen der Fld., die mit denen von nigrocinctus in
der Stärke und Anordnung am meisten übereinstimmen, recht
abweichend. Dunkel-weinroth, mit starkem violetten, auf dem
Halssch. zugleich grünlichen Schimmer, die Fühler, Basis und
Innenseite der Schenkel, die Schienen und Tarsen bräunlich-
roth. Kopf kräftig punktirt, eine Linie am Lmenrande der
Augen, die Wangen und die Seiten des Kopfschildes gelb.
Halssch. dicht und äusserst fein punktirt, mit 7 gelben
Makeln, eine am Vorderrande, bildet einen ziemlich breiten,
jederseits verschmälerten und abgekürzten Saum; zwei am
Seitenrande, die eine, innen gerundet, in der Vorderecke,
die andere länglich dreieckig, in der Hinterecke; endlich
eine gestreckte Makel, die sehr schräg nach vorn und
aussen gerichtet ist, jederseits vor dem Schildchen. Fld.
tief punktirt-gestreift, der abgekürzte und die 4 inneren
Streifen laufen einander fast parallel; vor der hohen, scharf
begrenzten Rippe ist nur Streifen 5 regelmässig, hinter
derselben ist Streifen 5 kurz, 6 schwach bogenförmig,
8 ziemlich gerade, die Zwischenstreifen sind ziemlich
gewölbt, sehr fein quer gerunzelt. Von den 8 Makeln
jeder Fld. ist nur 6 und 8 rundlich, die übrigen sind aus
ein oder mehreren Strichen gebildet; Makel 1 und 2
befinden sich an der Basis, 1 liegt zwischen dem 4. und
5. Streifen und reicht fast bis zur Querrippe, 2 liegt am
Schildchen und besteht aus 2 Strichen, die durch die abge-
kürzte dunkle Punktreihe getrennt werden, der innere
Strich ist doppelt so lang als das Schildchen, der äussere
länger. Die Makeln 3, 4 und 5 bilden mit den corre-
spondirenden der andern Fld. eine nach hinten gebogene
Querreihe, 3 ist ein breiter, kommaförmiger Strich neben
der Querrippe, 4 bildet einen Winkel, der eine Schenkel
Chrysomeliden- imd Coccinelliden-Faima Portorico's 151
derselben liegt auf der Rippe, der andere auf dem Räume
zwischen dem 8. und 9. Streifen, Makel 5 liegt an der
Naht in der Mitte und wird durch die beiden ersten
dunklen Punktreihen in 3 Striche aufgelöst; 6 befindet sich
in der Mitte zwischen Naht und Seitenrand dicht vor dem
Abfalle zur Spitze, 7 an der Naht zwischen der 2. und
4. Punktreihe, 8 quer vor der Spitze. Das Pygidium ist
stärker als der Kopf punktirt, mit 2 länglichen, gelben
Makeln. Auf der Unterseite ist die Vorder- und Mittel-
brust zwischen den Hüften und ein grosser Fleck an der
Seite jedes Bauchringes gelb, die Schenkel sind in der
Mitte der Aussenseite metallisch -grün, an der Spitze
weisslich.
7. (77) Cryptocephalus perspicax: Subcylindricus , flavo-
testaceus, nitidus, antennis apice infuscatis; prothorace laevi,
fascia media transversa et lineolis 3 basalibus brunneis seu
piceis, elytris aut rufescentibus , coeruleo micantibus aut
piceis, maculis 8 (1, 2, 1) flavis; sat fortiter punctato-striatis,
Stria sexta et septima pone humeros confusis, interstitiis
angustis sublaevibus. — Long. 4,5 "''''. (Fig. 3.)
Bedeutend schlanker als die vorigen Arten, fast
cylindrisch, hell bräunlich gelb, die 6 letzten Glieder der
Fühler dunkelbräunlich- Hals seh. spiegelglatt, eine Quer-
linie über die Mitte desselben, welche in der Mitte ver-
breitert ist und 3 Längslinien nach der Basis sendet (die
beiden seitlichen breit, gebogen, die mittlere sehr schmal),
braun oder pechschwarz, schlecht begrenzt. Sieht man die
dunkle Farbe als Grundfarbe an, so ist ziemlich die vordere
Hälfte gelb und auf der hinteren liegen 4 grosse, einander
fast berührende Makeln: eine schiefe jederseits vor dem
Schildchen, und eine längliche am Seitenrande. Fld. braun,
mit blauem Schimmer bis pechschwarz, jede mit 4 grossen,
von den dunklen Punkten der Reihen durchsetzten, aber
nicht davon unterbrochenen gelben Makeln: die erste an
der Basis, von der abgekürzten Punktreihe bis auf die
Schulterbeule reichend, hinten bogenförmig begrenzt, die
zweite und dritte liegen in einer Querreihe, die zweite dicht
152 J. Weise: Beitrag zur
vor der Mitte zwischen der 5. und 8. Punktreihe, grössten-
theils auf der ovalen Beule, welche die 6. und 7. Punkt-
reihe unterbricht, (bei einigen Stücken ist die Makel unter
der Schulterbeule herum bis an die Basis verlängert), die
dritte in der Mitte an der Naht auf den drei ersten Zwischen-
räumen, die vierte nimmt das hintere Drittel der Fld. ein
und ist mehr oder weniger kreisförmig, doch bleibt der
Kreis bald vorn (auf dem dritten Zwischenräume von aussen)
bald an der Seite oder auch hinten offen. Die ziemlich
starken Punkte der Fld. stehen in schwachen Streifen,
welche die schmalen Zwischenräume nur wenig in die Höhe
heben, die inneren 5 Reihen sind regelmässig (die 5. endet
in -/s der Länge), die 6. und 7. Reihe sind durch eine
kleine, ovale Beule, die zuweilen recht undeutlich wird,
gestört und unterbrochen. Diese Beule, ein Ueberbleibsel
von der Querrippe der vorigen Arten, ist vorn nicht durch
einen regelmässigen Punktstreifen, sondern unordentlich,
hinten dagegen durch 2 schiefe Punktreihen meist deutlich
begrenzt.
8. (148) Cryptocephalus tortuosus Suffr.
9. (351) Cryptocephalus nothus: Subellipticus, rufo-teeta-
ceus, nitidus, articulis 6 ultimis antennarum infuscatis, pro-
thorace sublaevi, elytris cyaneis, striis punctatis 7 pone
medium obsoletioribus. — Long. 2™™. (Fig. 12.)
Mas: segmento ultimo ventrali transversim convexo.
Von Cr. pusio Suffr. durch den hellen Hinterleib, von
azureipennis Suffr. durch die blauen Epipleuren der Fld.
abweichend. Fast elliptisch, röthlich-gelbbraun, das Halssch.
mehr gelblichroth, die 6 letzten Fühlerglieder angedunkelt,
die Fld. lebhaft kornblumenblau. Kopf leicht gewölbt,
mit breiter Stirn zwischen den Augen, zerstreut und kaum
sichtbar punktirt. Fühler verhältnissmässig kurz, nur die
Basis des Halssch. erreichend, Glied 2 so breit als 1, die
folgenden drei dünner, aber jedes so lang als 2, das 6. und
die übrigen Glieder etwas zusammengedrückt und leicht
erweitert. Halssch. gleichmässig stark gewölbt, ohne Ein-
drücke, kaum sichtbar punktirt, glänzend. Schildchen spitz
Chrysomeliden- und Coccinelliden-Fauna Portorico's. 153
dreieckig, schwarz. Fld. ausser der abgekürzten nur noch
mit sieben in unmerklich vertieften Streifen stehenden,
regelmässigen Punktreihen, die Punkte derselben stehen
nur massig dicht, sind vorn wenig stark, hinter der Mitte
etwas feiner. Das Prosternum ist breit, hinten ausgerandet,
die Brust und die Bauchringe sind einzeln, fein punktirt,
der letzte Ring beim (^ regelmässig der Quere nach gewölbt,
beim $ mit einer sehr grossen und tiefen Grube.
10. (429) Pachyhrachjs mendicus: Minus elongatus, rufo-
piceus, subopacus, antennis basi pedibusque testaceis, femo-
ribus apice albo-notatis; clypeo lineaque oculari capitis
testaceo-albidis, prothorace creberrime punctato, linea media
(postice abbreviata) et marginali, serie transversa et fasciis
duabus longitudinalibus e guttulis minimis formatis testaceo-
albidis; elytris substriato-, pone scutellum inordinate punc-
tatis, margine basali lineolisque plurimis albidis, pygidio
maculis 2 elongatis, et lateribus segmentorum ventralium
pallide flavis. — Long. 2,5 ™™. (Fig. 4.)'
Von der bis jetzt bekannten einzigen Art von Portorico,
P. praetextatus Sufir., durch Farbe und Punktirung weit
abweichend. Röthlich - pechbraun oder dunkel rostroth,
gleichmässig sehr fein gewirkt, ziemlich matt; durch kleine,
weissliche Tüpfel auf dem Halssch. und kurze, weissliche
Striche auf den Fld. gelbbunt. Kopf gross, nebst den
sehr grossen Augen ziemlich flach, wenig breiter als das
Halssch., dicht punktirt, am Vorderrande, eine Linie um
den oberen und inneren Rand der Augen, welche nur in
der Ausrandung der letzteren unterbrochen ist, weisslich-
gelb, an den Rändern allmählich in rothbraun übergehend.
Dadurch bleibt von der dunklen Grundfarbe ein dreieckiger
Scheitelfleck übrig, welcher durch eine schmale Linie
zwischen den Augen mit einem lang dreieckigen Stirnflecke,
zusammenhängt, an den sich vorn jederseits ein Strich von
der Fühlerwurzel bis zum Auge anschliesst. Fühler nur
massig lang, die ersten 5 Glieder gelbbraun, die übrigen
pechbraun. Halssch. nach den Seiten stark, nach vorn
und hinten gleichmässig schwach abfallend, die Seiten sanft
154 J. Weise: Beitrag zur
gerundet, oben gleichmässig, sehr dicht und ziemlich stark
punktirt; die Randlinie und die dadurch abgesetzte feine
Kante ist pechbraun, nach innen zu läuft ein hellgelber
oder gelblichweisser schmaler Saum, der hinter den Augen
wenig, an den Seiten hinter der Mitte etwas mehr ver-
breitert, vor dem Schildchen abgebrochen ist. Mit ihm
hängt eine schmale, röthlichgelbe, hinten abgekürzte Mittel-
linie zusammen, die nicht sehr deutlich hervortritt. Ausser-
dem bemerkt man eine Querreihe von 10 weissen Pünktchen
hinter dem hellen Vorderrandsaume und eine breite
Längsbinde jederseits von der Mittellinie, aus zahlreichen
kleinen gelben und röthlichen Pünktchen zusammengesetzt.
Schildchen schwarz. Fld. stark punktirt, hinter dem
Schildchen bis fast zur Mitte an der Naht verworren, auf
den übrigen Theilen zu ziemlich regelmässigen, furchenartig
vertieften Reihen geordnet, von denen in der Mitte jeder
Fld. 6, hinter der Mitte 9 vorhanden sind. Die Punkte
und ihre Streifen sind pechbraun, die Zwischenräume hell-
gelb, gelbbraun oder röthlich, jedoch nur in ihren breiteren
Theilen, die schmaleren Stellen werden von der dunklen
Farbe der Punktstreifen überschwemmt und so ist jeder
Zwischenraum in 2 bis 3 helle Striche , aufgelöst. Die
dunkelsten Stellen der Fld. siüd folgende: der stark empor-
gehobene, unpunktirte, gewirkte Schulterhöcker, ein Quer-
fleck in der Mitte am dunklen Seitenrande und ein ähn-
licher Fleck an der hinteren Biegung der Fld., endlich
noch zwei Stellen auf der Scheibe, die eine zwischen
Schulter und Schildchen, jedoch ein Stück hinter der
Schulterbeule, die andere dicht hinter der Mitte neben der
Naht. Das Pygidium ist schwarz, mit 2 länglichen hellen
Makeln, die Unterseite schwarzbraun, der Bauch etwas
heller, jedes Segment an der Seite weisslich; Beine gelb-
braun, an der Spitze der Schenkel eine weissliche, von
einem dunklen Ringe umgebene Makel, die Vorderschenkel
sind bedeutend dicker als die übrigen.
11. (53) Lamprosoma longifrons Lac. Die Punkte des
Halssch. sind gross, sehr flach und deshalb wenig deutlich,
Chrysomeliden- und Coccinelliden-Fauna Portorico's 155
auf jedem Zwischenräume der Fld. ist bei starker Ver-
grösserung eine feine Punktreihe zu bemerken.
Eine für die Gattung eigenthümliche Bildung besitzt
der obere Hinterrand des letzten Bauchringes, der mit
kurzen und tiefen, dicht neben einander stehenden Längs-
furchen versehen, also fast gekerbt ist.
12. (301) Colaspis alcyonea Suffr.
13. (58 u. 395) Metachroma antennalis: Rufo-testacea,
nitida, autennis articulo 3 : o 2 : o breviore, elytris pone
basin evidenter transversim depressis lineisque 7 brevibus
modice punctatis instructis. — Long. 3,3 ™"'.
Mas: tarsis articulo primo dilatato.
Var. a. Elytris macula basali fasciaque obliqua pone
medium (haec signaturae obsoletae) fuscis.
Nach der Beschreibung scheint diese Art den mir
unbekannten cubanischen M. liturata, laeviuscula und sor-
dida Suffr. nahe zu stehen, aber durch einfarbige Fühler
und deren abweichenden Bau bestimmt verschieden zu sein.
Sie ist länglich oval, glänzend röthlich gelbbraun, auf Kopf
und Halssch. etwas dunkler als auf den Fld., die Taster
ziemlich gelb, Spitze der Mandibeln schwärzlich. Kopf
mit wenigen sehr feinen Pünktchen, einer feinen undeut-
lichen Mittelrinne auf der Stirn und einer Rinne, die sich
am Innenrande der Augen bis über die Fühlerwurzel hin-
zieht, wo sie sich mit der tiefen Querlinie, die das Kopf-
schild begrenzt, verbindet. Fühler schlank, Glied 2 etwas
kürzer und dünner als 1, 3 fast um die Hälfte kürzer und
dünner als 2, 4, 5 und 6 ungefähr so lang als 2. Halssch.
ziemlich glatt, da die feinen Pünktchen nur unter sehr
scharfer Loupe hervortreten, hinter der Mitte am breitesten,
beiderseits stark verengt, die Borstenkegel, besonders die
vorderen, gross, nach aussen gebogen. Fld. an der Basis
beulig aufgeworfen, ein Stück dahinter quer vertieft, mit
7 wenig starken Punktreihen und einer abgekürzten am
Schildchen. Diese und die erste Reihe stehen in einem
vertieften Streifen, die übrigen sind nur in der Querver-
tiefung deutlich, davor undeutlich, dahinter, wenigstens
156 J. Weise: Beitrag zur
hinter der Mitte, erloschen. Beim Männchen sind die
Tarsen breiter als beim Weibchen, insbesondere das erste
Glied derselben.
Zuweilen ist die Beule zwischen Naht und Schulter
und eine Querbinde, die von der Mitte des Seitenrandes
schräg nach innen und hinten zieht, dunkel, rothbraun bis
pechbraun, die Ränder dieser Zeichnung sind verwaschen.
14. (394) Leucocera laeuicoUis: Nigro-violacea, subtus
interdum cyanea, nitida, antennis albis apice vix infuscatis
labro plus minusve, lineola media verticis tarsisque subtus
rufo-testaceis ; prothorace minus convexo, fere laevi, late-
ribus subrectis, angulis anticis sat acutis et prominulis,
elytris regulariter punctato-striatis. — Long. 6 °'™. (Fig. 5.)
Diese Art nimmt durch das eigenthümlich gebaute,
fast glatte Halssch, eine von den übrigen gesonderte Stel-
lung ein. Fast einfarbig dunkel violett, stark glänzend,
zuweilen Brust und Bauch lichter blau, die Fühler weiss,
an der äussersten Spitze leicht gebräunt oder geschwärzt,
ein Theil der Oberlippe, eine kurze, wenig deutliche Mittel-
linie des Scheitels und die Unterseite der Tarsen gelblich
roth, die Taster schwärzlich. Kopf fast glatt, nur in dem
Eindrucke am Innenrande der Augen mit einigen Punkten,
die das Kopfschild absetzende Querlinie und die Mittel-
linie der Stirn fein und wenig tief; an den Fühlern Glied 3
fast so lang als 1, die übrigen kurz. Halssch. quer vier-
eckig, nach vorn wenig verengt, die Seiten ziemlich gerad-
linig (c/*) oder schwach gerundet (^), mit vorgezogenen,
ziemlich spitzen Vorderecken, oben verhältnissmässig wenig
gewölbt, nur mit einigen kleinen Punkten in einer Reihe
vor dem Hinterrande. Fld. mit 9 durchaus regelmässigen,
ziemlich feinen Punktreihen, die beim Männchen etwas
stärker und zugleich etwas deutlicher in schwache Streifen
gestellt sind als beim Weibchen; die Zwischenräume breit,
eben, glatt, Epipleuren kahl.
15. (443) Diabrotica 4-guttata Oliv. Es findet sich so-
wohl die Form mit zwei weissen Querbinden jeder Fld.,
die durch den dazwischen liegenden weiss gefärbten Theil
Chrysomelideu- und Coccinelliden-Fauna Portorico's. 157
der Epipleuren verbunden werden, als auch die Form, bei
der die vordere Binde in 2 Quermakeln aufgelöst ist. Bei
dieser sind die Epipleuren oft nur an den Stellen weiss,
wo die äussere der beiden Makeln und die verkleinerte
Hinterbinde an dieselben stossen.
16. (163) Diabrotica innuba F. Häufig. Die zwei Längs-
binden der Fld. bald dunkelbraun, bald rein schwarz.
Das vierte Fühlerglied ist bei den vorliegenden Stücken
kaum länger als das dritte, aber nicht um die Hälfte
länger, wie es Sufirian (Wiegm. Arch. 1867 p. 306) an-
giebt.
17. (164) Diabrotica {bivittata F.) palUj)es Oliv.
18. (162) „ impressa Sufir.
19. (32) Cerotoma ruficornis Ol. {denticornis F.) Scheint
auf Portorico sehr häufig zu sein und bildet daselbst eine
auffallende Varietät, die ich nicht erwähnt finde. Dieselbe
besitzt gelbe Fld., auf denen ein Basalsaum, der sich in
3 Spitzen verlängert (eine an der Nath und eine über die
Schulterbeule), sowie ein gemeinschaftlicher Querfleck vor
der Spitze tief schwarz gefärbt sind. Zuweilen treten noch
auf jeder Fld. zwei kleine schwarze Makeln über dem
Seitenrande auf, von denen die eine vor der Mitte, die
andere an der Biegung der Fld. liegt, beides sind die An-
fänge der schwarzen Querbinden der Normalform. Das
Eigenthümliche dieser Farbenvarietät besteht darin, dass
nach den mir vorliegenden Stücken der schwarze Querfleck
vor der Spitze stets grösser, besonders viel breiter ist als
bei der vollständig gezeichneten Hauptform, auch öfter noch
jederseits linienförmig verlängert ist. Ich nenne diese Var.
blandula: Elytris stramineis, flavis aut rufo-testaceis, limbo
basali ramulis 3 exserente maculaque transversa communi
ante apicem nigris. (Fig. 6.)
20. (23) Galerucella varicornis: Elongata, subparallela,
minus convexa, griseo-nigra, sat dense subtiliter pubescens,
opaca, articulis antennarum basi, ore, prothorace pedi-
busque pallide flavis; prothorace linea media antice posti-
ceque transversim foveolato-dilatata foveisque 2 latis pro-
158 J. Weise: Beitrag zur
fundissimis instructo, crebre subtilissimeque pimctato, elytris
dense punctatis, leviter transversim biimpressis, sutura
lineisque 3 subelevatis dilutioribus et argenteo pilosis,
angulo apicali rotundato. — Long. 3,5 — 4 "'".
Langgestreckt, ziemlich parallel, wenig gewölbt, dicht,
aber sehr kurz und fein weisslich behaart, matt grau-
schwarz, der Mund mit dem Kopfschilde, die Basis jedes
Fühlergliedes, das Halssch. und die Beine blassgelb. Fühler
ziemlich kurz, das dritte Glied so lang als das erste, die
übrigen kürzer; Kopf und Halssch. dicht und sehr fein
punktirt, ersterer mit deutlicher Mittelrinne, letzteres fast
doppelt so breit als lang, am Hinterrande jederseits tief
ausgebuchtet, die stark gerundeten Seiten vorn und hinten
ausgeschweift, so dass die Borstenkegel seitlich hervor-
treten, die Oberfläche sehr uneben, mit einer wenig tiefen
Mittelrinne, die sich sowohl am Vorder- wie am Hinter-
rande in einen leichten, breit dreieckigen Eindruck ver-
breitert und einer sehr tiefen Grube jederseits, welche an
den Seiten den ganzen Raum von den wulstigen Vorder-
ecken bis an den ausgebuchteten Hinterrand einnimmt.
Fld. eben so dicht, aber stärker als das Halssch. punktirt,
uneben, mit zwei leichten Quereindrücken, der eine vor, der
andere hinter der Mitte, und jede mit 3 etwas erhabenen
Längslinien, von denen die innere ziemlich gerade, jede der
äusseren aber etwas gebogen und hie und da leicht ver-
breitert ist. Diese 3 Längslinien sind wie die Naht und
Seitensaum der Fld. durchscheinend geblich, etwas länger
und mehr weisslich seidenschimmernd behaart, als die tie-
feren und breiteren dunklen Zwischenräume. Die Naht-
ecke ist abgerundet.
Ich war zuerst im Zweifel, ob ich diese Art auf
Galeruca obliterata Oliv. (Ent. VL 635. t. 93. 3. f. 42)
beziehen könnte, die von Portorico beschrieben ist; aber
die Diagnose enthält zu viel entgegen stehende Angaben.
Die Art ist kaum halb so breit als calmariensis L., mit
welcher Oliv, sein Thier vergleicht; die Fühler sind nicht
schwarz, an der Basis röthlich, das Halssch. ist alles andere
Chrysomeliden- und Coccinellideu-Fauna Portorico's. 159
eher als eben, nicht dunkelroth mit drei schwarzen Makeln,
sondern immer einfarbig schmutzig gelb, und die Fld.
besitzen nicht zwei rothe Längslinien.
21. (468) Blepharida irrorata Chevr.
22. (466) Oedionychis cyanipennis F.
23. (453) - hicolor L.
24. (201) - \0-guttata F.
25. (271) Omototus femigineus Suffr. Die Schilderung,
welche Sufirian (Wiegm. Arch. 1868. 174) von der Länge
der Fühlerglieder giebt, stimmt nicht mit den Stücken von
Portorico überein; die Fühler reichen wenig über die Mitte
der Fld. hinaus, ihr drittes Glied ist, ausser dem ersten,
das längste, kaum doppelt so lang als 2 ; 4, 5 und 6 werden
nach und nach etwas kürzer, indem 4 etwa so lang als 3,
6 aber schon deutlich kürzer ist, die folgenden Glieder sind
ungefähr so lang als das sechste.
26. (218) Disonycha chlorotica Oliv.
27. (178) - mterstitialis Sufir.
28. (165) - pallipes: Oblonga, convexiuscula,
nigro-coerulea, interdum leviter viridi-micans, subtilissime
alutacea, subnitida, antennis fuscis basi pedibusque rufo-
testaceis, tarsis infuscatis. Prothorace subtiliter sed evidenter
punctato, ante basin obsolete transversim impresso elytris
postice vix dilatatis, sat fortiter subseriatim punctatis,
punctis ante apicem fere evanescentibus. — Long. 4 — 5 ™™.
Mas: tarsis anterioribus articulo primo dilatato.
Mit Dys. pyritosa und robusta Suffr. von Cuba ver-
wandt, sehr lang oval, vorn schmaler als hinten^ nur massig
gewölbt, schwarzblau, zuweilen grünlich angehaucht,
überall äusserst fein gewirkt, schwach glänzend, Taster und
Beine röthlich gelbbraun. Kopf vorn mit einem scharfen
Längskiele, der zwischen den Augen in ein tiefes Grüb-
chen abfällt, welches die beiden schwach gewölbten,
ringsum schlecht begrenzten Stirnhöckerchen trennt, der
Scheitel nicht punktirt. Fühler etwa halb so lang als der
Körper, die ersten Glieder dunkel-röthlich gelbbraun, die
oberen etwas geschwärzt, Glied 3 wenig länger als 2,
IGO J. Weise: Beitrag zur
4 länger als 3 und ebenso lang als 5, die folgenden etwas
kürzer. Hals seh. vor der Mitte am breitesten, von hier
aus nach hinten sehr schwach, nach vorn stärker verengt,
der Hinterrand gleichmässig aber sehr wenig gerundet, und
wie die Seiten deutlich gerandet, die Oberfläche wenig
gewölbt, nicht dicht, fein, auf der hinteren Hälfte etwas
stärker punktirt, mit einem schwachen Quereindrucke ein
Stück vor dem Hinterrande und einer kurzen, glatten
Mittellinie. Fld. beim c/ ziemlich parallel, beim $ wenig
nach hinten erweitert, massig dicht punktirt, die Punkte
bilden undeutliche Doppelreihen, zwischen denen sich einige
glatte, wenig in die Augen fallende Längslinien befinden,
die bei einzelnen, wahrscheinlich frischen Stücken etwas
ecewölbt sind und dann mehr hervortreten. Auf dem Abfalle
zur Spitze werden die Punkte sehr fein und verloschen.
Das Prosternum ist zwischen den Hüften massig breit, nach
hinten etwas abwärts gebogen, gerundet-abgestutzt , und
ragt nur eine Spur über die Hüften hinaus auf die Mittel-
brust. An den hellen Beinen sind die Tarsen dunkler, ihr
erstes Glied besonders an den Hinterbeinen gestreckt, beim
Männchen an den vorderen Beinen breit.
Ich habe die vorliegende Art nicht gern zur Gattung
Disonycha gestellt, zu der sie ebenso wenig wie die oben
genannten verwandten Arten, oder D. interstitialis Sffr.
gehört, aber es fehlt mir an Material, um die zusammen-
gewürfelte Gattung richtig zu zerlegen.
29. (219) Lactica scutellaris Oliv.
30. (52) Haltica {plebeja Oliv.) jamaicensis F.
31. (258) - ocddentaUs Sufi'r.
32. (262) - gravidula Suffr.
33. (413) Hermoeophaga cylindrica: Subcylindrica, laete
coeruleoviridi-aenea, antennis nigris, basi rufo-testaceis, ore
femoribus plus minusve, tibiis apicem versus tarsisque
rufescentibus ; prothorace sublaevi, impressione obliqua
obsoleta, parce punctata sulcoque profundo subabbreviato
ante basin instructo, elytris sat crebre punctatis. — Long.
2,8 ""^.
Chrysomeliden- iind Coccinelliden-Fauna Portorico's. 161
Mas: articulo primo tarsorum dilatato, segmento ultimo
ventrali apice emarginato.
Der europäischen H. cicatrix Illig. einigermassen
ähnlich, aber durch den schlankeren Körper und die Rinne
vor der Basis des Halssch., die an den Seiten weder durch
eine Grube noch durch eine Falte begrenzt ist, von allen
Gattungsverwandten abweichend. Der Bau der Vorder-
brust und der Beine stimmt so genau mit den übrigen
Arten überein, dass die Stellung zu einer anderen Gattung
nicht angeht. Gestreckt, beiderseits wenig verschmälert,
gewölbt, lebhaft metallischgrün mit blauem Schimmer,
glänzend, Fühler massig lang, schwarz, die ersten drei
Glieder und der Grund des vierten bräunlich roth, die
einzelnen Glieder sind nach der Spitze hin stark verdickt,
beinahe knotig, das dritte etwas länger als das zweite, die
folgenden beiden, besonders das fünfte, merklich länger als
3, das 6. bis 10. ungefähr so lang als 3. Am Kopfe
sind Mund und Wangen röthlich, zwischen den Fühlern
befindet sich ein hoher Längskiel, der oben in eine kurze,
tiefe Rinne übergeht, welche die flachen, aber scharf um-
grenzten Stirnhöcker trennt, der Scheitel ist glatt.
Halssch. quer, etwas hinter der Mitte am breitesten, an
den Seiten schwach gerundet, äusserst fein punktirt, fast
glatt, nur in einem leichten Schrägeindrucke jederseits vor
der Mitte deutlich fein punktirt, vor dem Hinterrande und
diesem parallel gebogen läuft eine tiefe Querrinne, welche
an den Seiten in der Nähe der Hinterecken allmählich ver-
flacht ist. Fld. mit schwacher Schulterbeule, ziemlich dicht
und kräftig punktirt, die Zwischenräume glatt, glänzend.
Beine verhältnissmässig stark, kurz, mit kräftigen Schienen
und dicken Hinterschenkeln, die vier vorderen Beine in
grösserer Ausdehnung dunkelröthlich, doch bleibt die Ober-
seite der Schenkel und Schienen schwärzlich metallgrün
angelaufen, an den Hinterbeinen ist die Hinterseite der
Schenkel, die Spitze der Schienen und die Unterseite der
Tarsen verwaschen röthlich. Das Prosternum fällt allmählich
zur Mittelbrust ab, die Gelenkhöhlen der Vorderbeine sind oflen.
Arch. f. Naturgesch. LI. Jahrg. 1. Bd. 11
162 J. Weise: Beitrag zur
Beim Männchen ist das erste Tarsenglied besonders
an den vorderen Beinen merklich erweitert, der Hinterrand
des letzten Bauchringes in der Mitte gerundet- ausge-
schnitten.
34. (423) Phyllotreta fallax Suffr.
35. (217) Longitarsus varicornis Sffr. Die Stücke stimmen
vollkommen mit der Suffrian'schen Beschreibung überein,
nur ist bei ihnen stets in dem leichten Quereindrucke vor
der Mitte jeder Fld. die Andeutung einer dunklen Quer-
binde zu bemerken.
36. (266 — 268) Aphthona compressa Sufir. Variirt in
der Grösse ausserordentlich (von 2 — 4 mm Länge und
1,2 — 2,5 ™™ Breite) und muss später von der Gattung aus-
geschieden werden. Ihr Halssch. ist kissenartig gewölbt
und fällt besonders stark vor dem Schildchen ab, wo es
zugleich ungerandet ist, das zwischen den Hüften sehr
schmale Prosternum ist in einen langen Fortsatz aus-
gezogen.
37. (1938) Megistops fictor: Brunneus, subtilissime
alutaceus, subnitidus antennis apicem versus oreque piceis,
prothorace densissime punctulato, dilute lurido, elytris
subtilissime granulato-punctatis , macula basali (retrorsum
lineis binis exserente) lineolisque 3 ante apicem dilute luridis.
— Long. 3 ™'°. (Fig. 7.)
Der europäischen Dibolia Schillingi im Körperbau
ähnlich, aber kürzer und besonders breiter, röthlichbraun,
zart gewirkt, ziemlich glänzend, auf dem Halssch. weniger
als auf den Fld. Die Augen stossen auf dem Scheitel so
vollständig zusammen, dass sie dort nur eine Fläche bilden,
die Stirn ist schmal dreieckig, ihre länglichen Beulen liegen
parallel neben einander und sind hinten von einer feinen
Querlinie begrenzt, die dicht an jedem Auge in einem
Grübchen endet. Fühler kräftig, kaum von halber Körper-
länge, pechschwarz, die drei ersten und das letzte Glied
(dieses dunkler als jene) rothgelb, das dritte Glied schmaler
und etwas kürzer als das zweite. Halssch. quer, nach
vorn stark verengt, nach den Seiten stark abfallend, nur
Chrysomeliden- und Coccinelliden-Faima Portorico's. 163
an diesem mit einer deutlichen Randlinie, welche in der
Borstenpore der Hinterecken beginnt, und bis zur vorderen
Borstenpore dicht neben dem Rande hinläuft, hier aber
nach innen biegt, und die wulstigen Vorderecken begrenzt.
Die Oberfläche ist äusserst dicht, fein punktulirt, hell
lehmgelb. Das Schildchen bildet ein gleichseitiges Dreieck.
Fld. sehr fein und wenig dicht körnig-punktulirt , die
Pünktchen sind von hinten eingestochen; die hell lehm-
gelbe Zeichnung sticht von der röthlich-braunen Grundfarbe
nur wenig ab und besteht 1. aus einer viereckigen Makel,
zwischen dem Schildchen und der schwachen Schulterbeule
an der Basis, nach hinten bis zum ersten Drittel der Länge
reichend und hier in 2 Linien verlängert, die innere grade,
neben der Naht, bis hinter die Mitte, die äussere schräg
nach hinten und aussen, hinter der Schulter, nicht ganz
den Seitenrand erreichend; 2. aus 3 kurzen Längsstrichelchen
auf jeder Fld., die dicht vor dem Abfalle zur Spitze in
einer Querreihe parallel neben einander liegen. Auf der
Unterseite ist die Brust und die Mitte des Bauches etwas
dunkler als die einfarbigen röthlichbraunen Beine.
Die Art steht den cubanischen Megistops-Arten rubro-
pustulatus und adultus, die beide von Suffrian unter Dibolia
beschrieben wurden, insbesondere der ersten nahe, ist aber
durch stärkeren Glanz, Farbe, Zeichnung und Punktirung
wohl sicher verschieden.
38. (230) Homophyla Krugi: Ovali-hemisphaerica, testaCea,
nitida, pectore femoribusque posticis brunneis, prothorace
elytrisque parce subtilissimeque punctulatis, fere laevibus.
— Long. 2 °^'°. (Fig. 8.)
Länglich - halbkugelig, bräunlichgelb bis hellröthlich
braun, zuweilen Kopf und Halssch. dunkler als die Fld.,
die Brust und die sehr dicken Hinterschenkel braun.
Fühler halb so lang als der Körper, Glied 3 dünner aber
kaum länger als 2, das fünfte bis neunte Glied mehr oder
weniger angedunkelt. Kopf länglich, beinahe dreieckig,
die Augen gross, die Stirn ziemlich schmal, mit fast
parallelen Seiten, wie das Halssch. zerstreut und kaum
11*
164 J. Weise: Beitrag zur
sichtbar pimktulirt. Hals seh. nach vorn massig, fast
gradlinig verengt, an den Seiten und vorn fein gerandet,
die Basis jederseits neben dem Schildchen leicht gebuchtet.
Fld. mit kleiner, aber hoher Schulterbeule, etwas stärker
als das Halssch. punktulirt.
Die vorliegende kleine, aber interessante Art, die ich
mir nach ihrem Entdecker zu benennen erlaube, sieht wie
eine Sphaeroderma aus, stimmt aber in allen Stücken mit
der von H. v. Harold (Deutsch, ent. Zeitschr. 1877. 138)
entworfenen Beschreibung der Gattung Homophyla überein.
39. (83) Systena basalis Duv.
40. (425) Systena varia: Elongata, favo-testacea, nitida,
antennis fusco-variegatis , capite prothoraceque parce sub-
tilissime punctatis, hoc linea transversa ante basin sat
obsolete impresso, elytris sat crebre punctatis, nigro-aeneis,
margine laterali et apicali rufescente, singulo in dorso
lineis 2 longitudinalibus, subelevatis, flavis, antice posticeque
connatis instructo, metasterno abdomineque rufo-piceis. —
Long. 4,5 '""\ (Fig. 9.)
Etwas schlanker als S. basalis, auch das Halssch.
flacher, nach vorn weniger verschmälert und vor der Basis
mit deutlicherer Querfurche. Hell bräunlichgelb, der grösste
Theil der Scheibe des Halssch., die beiden Längslinien
jeder Fld. sowie die Vorder- und Mittelbrust mehr weiss-
lich-gelb. Alle Fühlerglieder an der Spitze rothbraun.
Stirn mit undeutlichen Höckern und einigen Punkten in
der Nähe der Augen. Halssch. viereckig, wenig breiter
als lang, ringsum scharf gerandet, in der Mitte am breitesten,
beiderseits gleichmässig wenig verengt, die Scheibe wenig
gewölbt, an den Seiten gebräunt, überall gleichmässig wenig
dicht, sehr fein punktirt. Schildchen dreieckig, pechbraun.
Fld. ziemlich dicht und ungefähr eben so kräftig als bei
basalis punktirt, metallisch schwarz, grünlich angelaufen,
die Epipleuren und ein schmaler, schlecht begrenzter Saum
an den Seiten, der sich vor der Spitze verbreitert, hell
bräunlich roth, ausserdem auf dem Rücken jeder einzelnen
zwei gelbe, deutlich aber schwach erhabene Längslinien,
ChiTSoraeliden- und Coccinellideu-Fauua Portorico's. 16^
die an der Basis und auf dem Abfalle zur Spitze mit ein-
ander verbunden sind. Jede dieser Linien wird an den
Seiten von einer punktirten flachen Rinne begrenzt. Die
Beine sind bräunlich gelb, die Tarsen und ein Längsfleckchen
auf den Hinterschenkeln etwas angedunkelt, Hinterbrust
und Bauch röthlich pechbraun. ^)
4L (2 '20) Crepidodera asphaltina Sufir. Diese Art ist
zwar im Archive (1868 p. 201) als Haltica beschrieben,
und von den dort als Crepidodera angesprochenen Thieren
getrennt, gehört aber sicher zu dieser Gattung und hat
in Cr. peruviana Harold ihre nächste Verwandte. Die
Punkte der Fld. sind noch mehr gereiht als bei der
europäischen peregrina.
42. (463) Epitrix fuscata Duv. Obgleich von Suflrian
mit der europäischen E. pubescens vereinigt, wird das
Thier mit Recht im Münch. Cataloge als gute Art auf-
geführt. Der Körper ist schlanker als bei unserer Art^
das Halssch. fast nur halb so breit, weitläufiger, hinter
dem Quereindrucke sogar vereinzelt punktirt, die Seiten-
ränder deutlicher granulirt (in jedem spitzen Körnchen
steht ein Härchen), die Ecke an der vorderen Borstenpore
schärfer, der Mittelzipfel des Hinterrandes ist in eine Spitze
0 In diese Abtheilung der Halticae gehört eine auf der benachbarten
Insel St. Thomas häufige Art:
Podagrica ct/fniipennis : Ovata, convexa, rufa, nitida, antennis infus-
catis, elytris laete cj^aneis, minus dense subtiliter punctulatis, pone
humeros transversim impressis. — Long. 4 mm.
Den grösseren Stücken von Aphthona compressa Suffr. täuschend
ähnlich, lebhaft gelblichroth , die Fühler angedunkelt, die Fld. gesättigt
kornblumenblau. Kopf und Halssch. zerstreut und äusserst fein punktirt,
letzteres quer, vorn und hinten fast gerade abgeschnitten, an den Seiten
gerundet, oben gewölbt, ohne Basalstrichelchen, die vordere Borstenpore
steht ein Stück hinter den Vorderecken. Schildchen pechbraun. Fld.
breiter als das Halssch., mit heraustretenden Schultern, sehr fein punktirt,
in dem Quereindrucke hinter der Schulter mit einigen kurzen, deutlichen
Punktreihen. Die vorliegende Art weicht durch die Stellung der vorderen
Borstenpore und die fehlenden Basalstriche des Halssch. von den übrigen
Gattungs verwandten ab, auch ist der erste Bauchring nur etwas länger
als der folgende.
166 J. Weise: Beitrag zur
auf das Schildchen vorgezogen, bei unserer Art dagegen
abgestutzt, oft ausgerandet. Die Zwischenstreifen der Fld.
endlich sind bedeutend schmaler, kaum punktirt.
43. (a68) Epitrix 'parvula F. {hirtipennis Melsh.)
44. (194) Plectroscelis apricaria Suffr.
45. (4) Odontota axillaris Duv.
46. (426) Octhispa loricata: Sat elongata, subnitida,
ferruginea, antennis (articulo ultimo nigro excepto), capite
sulcato pedibusque flavo-testaceis, prothorace conico, fortiter
punctato, fovea fere trigona ante scutellum profunde im-
presso, elytris elongato-quadratis, costa tertia a sutura sub-
crenulata, macula nigra parva, transversa paullo pone
medium ornatis, humeris cristatis, crista magna postice
nigro-limbata, angulo laterali postico apice externe fortiter
spinoso-productis, spina nigra. — Long. 6,3 '°™. (Fig. 10.)
Hell rostroth, der mit einer Mittelrinne versehene Kopf
und die kurzen Fühler hell gelbbraun, an letzteren ist das
siebente Glied gebräunt und das grosse, gerundet abge-
stutzte (achte) Endglied schwarz. Halssch. ungefähr so
lang als an der Basis breit, nach vorn in leichtem Bogen
verschmälert, ziemlich konisch, stark punktirt, mit einer
tiefen, fast dreieckigen Grube vor der Mitte des auf-
steigenden Hinterrandes. Schildchen glatt, viereckig, hinten
etwas gerundet. Fld. etwa 2V2 mal so lang als breit,
rechteckig, die Schultern in einen langen und starken,
spitzen Dorn ausgezogen, welcher die Spitze der genau
seitwärts gestellten Mittelschenkel überragt, ebenso ist die
hintere Aussenecke mit einem nach aussen und hinten ge-
bogenen breiten Dorn bewehrt, der am bogenförmigen
Hinterrande mit 2 kleinen Zähnchen besetzt ist. Die beiden
inneren Längsrippen jeder Decke sind scharf und hoch,
die dritte wird wie die Aussenkante durch kleine Eindrücke
in einzelne schwache Körnchen aufgelöst; am Hinterrande
des Schulterdornes zieht sich ein schwarzer Saum schief
nach hinten und innen bis an die dritte Punktreihe von
der Naht, ausserdem ist eine kleine Quermakel dicht hinter
Chrysomeliden- und Coccinelliden-Fauna Portorico's. 167
der Mitte zwischen der ersten und dritten Rippe, sowie
der grösste Theil des Spitzendornes schwarz.
C. pustulata Chap. Ann. Soc. Belg. 1877 p. 25 von
Bahia ist ähnlich, aber kleiner, die FId. hinten gewölbter,
anders gezeichnet.
47. (132) Chelymorpha geniculata Boh. (Mon. II. 39).
Auch die Stücke von Portorico sprechen dafür, dass, wie
SuflPrian ausführt, die rothbeinige, auf den Fld. stark
punktirte und mit kleinen Makeln versehene Form von den
Antillen wesentlich von der Form des Festlandes (Ch. argus
Lichtenst.) verschieden ist und nicht als Varietät betrachtet
werden darf.
48. (145) Chelymorpha polysticha Boh.
49. (1) Mesomphalia exclamationis L.
50. (1145) Coptocycla hishinotata Boh.
51. (217) „ guttata Oliv.
Coccinellidae.
1. (310) Megilla innotata Muls.
2. (78) Psyllobora nana Muls.
3. (59) „ lineola F.
4. (283) Neda ferruginea Oliv.
5. (29) „ sanguinea L.
6. (248) Hyperaspis connectens Thunb.
7. (253) Hyperaspis ap)icalis (festiva Muls. var?) Die mir
vorliegenden Stücke unterscheiden sich, meiner Ansicht
nach wesentlich, von festiva durch folgende Punkte: der
Körper ist etwas breiter und bedeutend kürzer, daher mehr
kreisrund als oval, durchweg schwächer und weitläufiger
gewirkt und punktirt, glänzender, der Ast des Seitensaumes,
welcher sich ein Stück von den Hinterecken des Halssch.
nach dem Schildchen an der Basis jederseits hinaufzieht, ist
viel breiter und nimmt beinahe die Hälfte der Länge ein,
die Fld. erinnern in der Zeichnung an die Var. haerens
Muls (Securip. p. 661), denn jede besitzt eine gelbe Scheiben-
makel und einen ebenso gefärbten Seitensaum, der vor der
168 J, Weise: Beitrag zur Chrysomeliden-Faima etc.
Spitze stark verbreitert ist und die Naht erreicht. Die
Makel ist aber stets etwas weiter nach hinten gerückt und
hat die Form eines rechtwinkeligen Dreiecks, bei dem der
rechte Winkel an der inneren Vorderecke liegt. Der Seiten-
saum ist, wie bei festiva, zweimal ausgerandet, aber vorn
in einem regelmässigen, flachen Bogen, hinter der Mitte in
einer regelmässigen Kreislinie, die mehr als die Hälfte des
Kreisumfanges beträgt, dadurch bleibt die ganze Spitze
gelb mit Ausnahme einer gemeinschaftlichen, nach hinten
fast dreieckig verschmälerten Stelle, in welche die schwarze
Grundfarbe der Fld. sich hinein zieht, dahinter ist noch
ein schmaler Nahtsaum, der sich ein Stück vor der Spitze
zu einer schmalen Quermakel erweitert, gebräunt oder ge-
schwärzt. Ob diese Form, die ich apicalis nenne, (Fig. 11.)
wirklich zu festiva gehört, kann ich nicht sicher stellen,
weil ich von der genannten Art keine Mittelamerikanischen
Exemplare besitze und gesehen habe, meine Stücke aus
Brasilien und von Buenos Ayres sind nicht mit apicalis
zu verwechseln.
8. (31) Scymnus ochroderus Muls.
9. (284) „ ßoralis F.
10. (285) „ phloeus Muls.
Metamorphose und Anatomie des männlichen
Aspidiotus Nerii.
Von
Oscar Schmidt
in Leipzig.
Mit Tafel IX. und X.
Der Name Aspidiotus tritt uns zuerst in Bouche's
Naturgeschichte der Insekten entgegen und damit zugleich
die erste Erwähnung einer Coccidenfamilie, welche unter
Schildern lebt und diese Schilder aus Wachsdrüsen ab-
sondert, die sich am hinteren Körperende befinden.
Die Vertreter dieser Familie hatten Bouches Aufmerk-
samkeit durch die Verheerungen, welche sie in den Ge-
wächshäusern anrichteten, auf sich gezogen. Der Umstand
aber, dass sie bis dahin noch keine Berücksichtigung in
der Litteratur gefunden (Bouche sagt: „Die Arten dieser
Gattung, welche ich bis jetzt hinlänglich beobachtet habe,
sind sämmtlich unbeschrieben."), hatte ihn zu Beobach-
tungen angeregt, deren Resultate wir zum grössten Theil
auf den ersten Seiten des bereits oben erwähnten Werkes
finden.
Seine Angaben, welche sich zumeist auf biologische
und systematische Verhältnisse beziehen, sind im Ganzen
treä'end und richtig, da Bouche aber Gärtner und in der
Zoologie blosser Dilettant war, so dürfen wir uns nicht
170 Oscar Schmidt: Metamorphose und
wundern, dass in seinen Beobachtungen sich Irrthümer
finden, deren Entstehung und Veranlassung uns heute nicht
recht erklärlich sind. So sagt Bouche z. B. in seiner Be-
schreibung des geschlechtsreifen Männchens von Aspidiotus
Nerii: „Der Mund ist halbkugelig vorstehend und hat drei
starke Borsten neben sich." Was Bouche für den halb-
kugeligen Mund gehalten, kann ich mir nicht denken; so
viel ist aber sicher, dass ihm nicht bekannt war, dass die
Männchen mit dem Eintritt in das Puppenstadium bereits
die Mundwerkzeuge verlieren.
Ebenso kontrastirt seine Zusammenstellung von Merk-
malen zum Zweck der Bestimmung des Männchens von
Aspidiotus Nerii, welche überaus trefiend und zwingend
ist, eigenthümlich mit der Abbildung, welche dem Thiere
kaum ähnlich sieht.
Den grössten Theil der Schuld an diesen Mängeln
tragen aber jedenfalls die ungenügenden Hülfsmittel und
Methoden, welche zur damaligen Zeit für die Untersuchung
zur Verfügung standen.
Weitere Auskunft über Lebensweise, Entwicklungs-
geschichte und Anatomie des Aspidiotus Nerii finden wir
noch in den folgenden Werken:
1. Leuckart, Zur Kenntniss des Generationswechsel
und der Parthenogenesis bei den Insekten.
2. Targioni Tozzetti, Studii sulle Cocciniglie, 1867.
3. Mark, Beiträge zur Anatomie und Histologie der
Pflanzenläuse, insbesondere der Cocciden. 1876.
Ausser diesen Werken vermochte ich, einige auf die
Systematik bezügliche Notizen abgerechnet, weitere Litte-
ratur, die Aspidiotus Nerii direkt zum Gegenstand der
Betrachtung hat, nicht zu finden.
Ich will nun zunächst kurz zusammenfassen, was wir
als bekannt voraussetzen dürfen.
Das Weibchen ist weit mehr studirt als das Männchen.
Die Gestalt, Lebensweise, Metamorphose und Anatomie ist
sehr eingehend in Tozzettis Studii sulle Cocciniglie behan-
delt. Die Arbeit Marks enthält, soweit sie sich auf Aspi-
Anatomie des mäünlichen Aspidiotus Nerii. 171
diotus Nerii bezieht, nur Berichtigungen der Untersuchungen
Tozzettis über den Verdauungstract und das Nervensystem.
Die interessanten Fortpflanzungsverhältnisse des Thieres,
die Existenz von geschlechtlich und parthenogenetisch sich
fortpflanzenden Generationen sind durch Leuckart klar-
gelegt worden.
Weit weniger Aufscliluss giebt uns die vorhandene
Litteratur über die Männchen.
Die Gestalt und Körperbedeckung desselben ist sowohl
von Bouche ^) als auch von Targioni Tozzetti -) (letzterer
geht auf Einzelheiten, Borsten etc. ein) sehr genau be-
schrieben worden. Auf das, was beide über die Meta-
morphose berichtet haben, muss ich in der ersten Hälfte
meiner Arbeit zurückkommen, doch darf ich schon hier
erwähnen, dass diese Autoren nur einige der in Betracht
kommenden Entwicklungsstadien beschrieben und auch diese
nicht richtig gedeutet haben.
Für die Anatomie des Männchens, welche nur zum
geringsten Theil studirt ist, bilden Targioni Tozzettis Studii
sulle Cocciniglie unsere einzige Quelle. Als abgeschlossen
und richtig aber können wir die Untersuchungen dieses
Autors nur soweit betrachten, als sie sich auf die Mus-
kulatur der Beine beziehen. Auf seine Angaben bezüglich
der Thorakalmuskulatur und der Genitalorgane werde ich
im zweiten Theile meiner Arbeit eingehen, zumal meine
Befunde über diese Verhältnisse nur zum Theil mit denen
Tozzettis übereinstimmen.
Das bis jetzt Erwähnte dürfte alle wesentlichen Punkte
umfassen, über welche wir in der angeführten Literatur
Aufschluss erhalten.
Im Folgenden will ich nun versuchen, die noch vor-
handenen Lücken auszufüllen, indem ich
I. den Verlauf der Metamorphose des Thieres schildere,
und dabei den Charakter, so wie die Bedeutung der einzelnen
Entwicklungsstadien feststelle,
0 Bouche, Naturgeschichte der Insekten, pag. 8 etc.
2) Targioni Tozzetti, Studii sulle Cocciniglie, pag. 19.
172 Oscar Schmidt: Metamorphose und
II. den anatomiscbeu Bau
a) des Verdauungstractes,
b) der Respirationsorgane,
c) des Nervensystems,
d) der Muskulatur,
e) des Genitalapparates
einer eingehenderen Betrachtung unterziehe. Dabei werden
die geschlechtlichen Dimorphismen und die Veränderungen,
denen die Organe während der Metamorphose unterworfen
sind, ihre Berücksichtigung finden.
Vorher aber sei es mir gestattet meinem hochverehrten
Lehrer Herrn Geheimrath Leuckart meinen herzlichsten
Dank auszusprechen für die freundliche Unterstützung und
reiche Anregung, welche er mir hat zu Theil werden lassen,
und für das rege Interesse, mit welchem er meiner Arbeit
gefolgt ist.
I. Die Metamorphose des mäonlichen Aspidiotus Nerii.
Dass das Männchen von Aspidiotus Nerii wie die
meisten Coccidenmännchen eine vollständige Metamorphose
durchläuft, während das Weibchen auf einer sehr viel tieferen
Stufe der Entwicklung stehen bleibt, hat bereits Bouche
ausgesprochen. Er sagt von der Familie der Cocciden in
seiner Naturgeschichte der Insecten pag. 8 : „Hinsichts des
weiblichen Geschlechts gehört sie zu den Insecta ametabola,
indem die Vertreter desselben sich unvollkommen ver-
wandeln; sie laufen und fressen im Nymphenstande, sind
freie Nymphen. Hinsichts der Männchen gehören sie zu
den Insecta metabola, indem sie sich in eine ruhende
Nymphe in gesponnener Hülle (letzteres trifft für die
Aspidiotusarten nicht zu) verwandeln."
Fasst man zunächst die äussere Gestalt des Thieres
während seiner Entwicklung in's Auge, so ergiebt sich, dass
dasselbe während seines Lebens fünfmal seine Gestalt er-
hebhch ändert. (Siehe Figuren 1, 2, 3, 4, 5.)
Wir können nun getrost in derselben Weise, wie wir
Anatomie des männlichen Aspidiotus Nerii. 173
uns von äusseren Merkmalen am Thierkörper leiten lassen,
wenn wir beim Schmetterling Raupe, Puppe und Imago
unterscheiden, auch in diesem Falle die Gestalt des Thieres
als Criterium für die Unterscheidung der einzelnen Ent-
wicklungsperioden benutzen. Denn die Veränderungen in
der äusseren Gestaltung des Thieres stehen derart mit der
Entwicklung der inneren Organe in Zusammenhang, dass
wir aus dem Auftreten gewisser äusserer Merkmale mit
absoluter Sicherheit darauf schliessen können, dass auch
die inneren Organe eine bestimmte Phase ihrer Entwicklung
erreicht haben.
Wir erhalten somit fünf verschiedene Entwicklungs-
perioden, die sich aber leicht den Begriffen Larve, Puppe
und Imago unterordnen lassen.
Pouche sowohl wie Tozzetti scheinen die Bewegungs-
losigkeit des Thieres als Merkmal für den Eintritt des
Puppenstadium angenommen zu haben. Direkt ausge-
sprochen hat dies zwar keiner der Autoren, aber bei Pouche
geht dies daraus hervor, dass er die Weibchen als freie
Nymphen betrachtet. Tozzetti dagegen nennt Alles, was
auf die erste Häutung bis zum Ausschlüpfen des ge-
schlechtsreifen Thieres folgt, Puppe, Etwas anderes jedoch
als die Bewegungslosigkeit haben diese von ihm als Puppen-
stadium zusammengefassten Entwicklungsperioden nicht ge-
mein. Auch werden durch diese Eintheilung Stadien dem
Puppenstadium zugefügt, welche fressen und Nahrungs-
vorräthe aufspeichern, also Eigenschaften besitzen, die wohl
der Larve zukommen, aber sich nicht mit dem Begriff'e
Puppe vertragen.
Sucht man bei den Cocciden nach einem Unter-
scheidungsmittel zwischen Larve und Puppe, so hat man
von vorn herein darauf zu verzichten, die Beweglichkeit des
Thieres als Criterium zu benützen. Die Beschaffenheit der
Mundwerkzeuge und die Ernährungsweise der Thiere machen
hier die Bewegungslosigkeit des Körpers zu viel früherer
Zeit nöthig, als bei anderen Thieren, wo dieser Zustand
durch die Beendigung der Metamorphose verursacht wird.
174 Oscar Schmidt: Metamorphose und
Dagegen bieten uns die Ernährungsverhältnisse selbst
einen viel natürlicheren und reelleren Eintheilungsgrund
dar, so dass wir sagen können: Die Larven sind im Besitz
von Mundwerkzeugen und nehmen Nahrung auf. Die
Puppen dagegen entbehren der Mundwerkzeuge und be-
streiten ihre Ausgaben von Vorräthen, welche während des
Larvenlebens aufgespeichert wurden.
Durch solche Auffassung rückt die Metamorphose der
Cocciden der Lebensgeschichte der Meloiden, Mycabriden
und Strepsipteren nahe, die bekanntlich gleichfalls zwei
Larvenperioden haben, eine frei bewegliche und eine nahezu
bewegungslose.
Die erste der obenerwähnten 5 Entwickelungsperioden
(Fig. 1) beginnt, sobald das Thier das Ei verlässt, und
endet mit der ersten Häutung. Characteristisch für dieses
Stadium ist der Besitz von 2 Fühlern, 6 Beinen und Mund-
werkzeugen, sowie das Fehlen des Schildes. Sowohl Bouche,
als Tozzetti haben diese Form beschrieben und bezeichnen
sie als Larve. Der Vollständigkeit halber will ich das
Wesentlichste recapituliren , was diese beiden Forscher
darüber sagen, und noch einiges von mir selbst Beobachtetes
hinzufügen. Die jungen Thiere sind sehr klein und gelb-
lich-grün gefärbt. Ihr Körper hat eine länglich eiförmige
Gestalt. Dicht hinter dem Kopf ist er am breitesten,
während er nach hinten etwas spitz zuläuft. Nach Wanzen-
art ist das Thier sehr flach gebaut, und seine Breite über-
trifft seine Dicke mindestens um das Vierfache. Der Kopf
ist kaum vom Thorax abgehoben und nach der Bauchseite
umgebogen, so dass die Mundwerkzeuge etwa in die Mitte
der ventralen Fläche zu liegen kommen. Die Saugborsten
liegen meist im Innern des Körpers und bilden eine tief
in das Abdomen herabreichende Schlinge. Die einzelnen
Segmente des Thorax sind kaum gegen einander abgegrenzt,
dagegen ist dieser durch eine etwas deutlichere Vertiefung
vom Abdomen getrennt. Letzteres zeigt ziemlich deutlich
die Segmentirung und trägt an seinem hinteren Ende,
symmetrisch zu beiden Seiten des median gelegenen Afters,
Anatomie des mänulichen Aspidiotus Nerii. 175
je eine Borste. Das Integument des Thieres zeigt eine
feine, aber deutliche Schraffirung. Auf der Rückenfläche
des Kopfes stehen ziemlich vorn zwei schwarze Punkt-
augen und seitwärts von diesen die beiden sechsgliedrigen,
mit kurzen Borsten besetzten Fühler. Das letzte der
Fühlerglieder ist mit zwei langen Borsten ausgestattet. An
der Grenze zwischen Rücken und Bauchseite finde ich
zwischen den Fühlern zwei Paar kurze Borsten. Es ist
dieselbe Stelle, an der das entwickelte Männchen ein
Sinnesorgan trägt. Ob vielleicht auch schon die Borsten
der Larve eine Sinnesfunktion haben und mit dem Nerven-
system in Verbindung stehen, vermochte ich nicht festzu-
stellen. Die Form der ziemlich schwachen Beine ist ähnlich
wie beim entwickelten Männchen, doch fehlt der reichliche
Borstenbesatz. An Exemplaren, welche wenig Dottermasse
enthalten, erkennt man überdies vier Reihen von hellen
Punkten, welche das Abdomen seiner Breite nach in fünf
Felder theilen. Diese Punkte sind die Insertionsstellen von
dorsoventralen Muskelpfeilern .
Die Ansicht Pouches, dass die jungen männlichen
Larven „hinten einen Ansatz zur künftigen Ruthe haben"
ist ein Irrthum. Das Begattungsorgan wird erst in der
zweiten Hälfte des Puppenstadiums angelegt, vorher ist
auch nicht die geringste Spur davon zu bemerken.
Bei diesen eben dem Ei entschlüpften Thieren ver-
mochte ich keine sicheren Merkmale zur Bestimmung
des Geschlechtes zu finden, doch schien es mir, als ob
die später männlichen Thiere schlanker seien, als die
übrigen.
Das also beschafi'ene Thierchen ist überaus beweglich
und läuft auf seiner Nährpflanze umher, bis es eine ge-
eignete Stelle gefunden hat, um seine Saugborsten einzu-
bohren, dann bleibt es ruhig an derselben Stelle sitzen,
nimmt noch etwas an Grösse zu und häutet sich schliesslich.
Aus dieser Häutung geht das Thier in einer ziemlich ver-
änderten Form hervor, welche die 2. Entwickelungsstufe
der Larve repräsentirt , aber weit länger dauert, als die
176 Oscar Schmidt: Metamorphose und
erste, da sie eine grosse Anzahl von Häutungen hindurch
beibehalten wird. (Siehe Fig. 2.)
Characteristisch für dieses Larvenstadium ist ebenso-
wohl der Besitz von Mundwerkzeugen und Wachsdrüsen,
die am Ende des Abdomens angebracht sind und das Ma-
terial zur Bildung des Schildes liefern, wie die Reduction
der Beine und Fühler, die nach wenigen Häutungen sogar
ganz verschwinden. Die während dieses Stadiums abge-
worfenen Chitinhüllen werden zur Verstärkung des Schildes
benützt und durch Wachs an demselben befestigt.
Die Körperform des Thieres bleibt flach elliptisch, wie
früher, auch die Zuspitzung nach hinten wird kaum verändert.
Die dorsoventrale Axe ist, wie bei den Wanzenarten gewöhn-
lich, wenig entwickelt. Je weiter das Thier in seiner Entwick-
lung vorrückt, um so verschiedener werden die Männchen von
den Weibchen, die rasch sich rimden und unförmig werden.
Das Weibchen hat auf diesem Stadium bereits seine
Metamorphose vollendet. Seine weiteren Veränderungen
sind einfache Wachsthumserscheinungen. Es ist die mäch-
tige Entwicklung der Genitalorgane und die Eibildung,
welche die bedeutende Grössenzunahme bewirken und eine
Menge von Häutungen fordern. Durch alle Häutungen
aber wird der oben beschriebene Typus innegehalten. Die
neue Körperbedeckung ändert nichts an der Gestalt, nur
an der Grösse. Ohne Anwendung von Reagentien kann
man bei unseren Thieren aber nur die hervorragenden
Organe, wie die Mundwerkzeuge etc. erkennen. Die Ein-
geweide werden sämmtlich durch den gelblichgrünen Fett-
körper, der das ganze Innere des Thieres erfüllt, verdeckt.
Die weitere Entwicklung ist ausschliesslich darauf ge-
richtet, die noch nicht vorhandenen, der Imago nöthigen
Organe anzulegen und bis zu einem gewissen Punkte
weiterzubilden. Um die Ausgaben zu bestreiten, welche
hierdurch entstehen, bedarf das Thier einer reichen Zufuhr
von Nahrung, die theilweise im Innern aufgespeichert wird.
Infolge dessen vergrössert sich die Körpermasse derart,
dass eine ganze Reihe von Häutungen nöthig wird.
Anatomie des männliclieii Aspidiotus Nerii. 177
Trotz aller dieser Häutungen aber behält das Thier
dieselben Eigenschaften, die es zu Beginn dieser Entwick-
lungsperiode besass. Wie viele Häutungen übrigens auf
einander folgen, vermochte ich nicht festzustellen. Kurz
vor dem Ende dieses Stadiums, zu der Zeit, wo eben der
letzte Chitinpanzer mit Mundwerkzeugen und Wachsdrüsen
gebildet ist, die Bedeckungen also noch weich und dehnbar
sind, beginnen sich die Fühler, Beine und Flügel bereits
für die Imagoform anzulegen. Es geschieht in Gestalt von
Imaginalscheiben, deren je zwei am Kopf und den drei
Thorakalsegmenten auf der Bauchseite des Thieres auf-
treten. (Siehe Fig. 2 b. u. Fig. 6 a.) Die Anlagen der
Flügel (siehe Fig. 2fl.) entstehen auf der Grenze der
Bücken- und Bauchseite am zweiten Thorakalsegment. Die
BeschaflPenheit dieser Imaginalscheiben genauer zu unter-
suchen, war mir unmöglich. Durch die Härte und Un-
durchsichtigkeit der Chitinhüllen entziehen sie sich zunächst
unserm Auge ganz. Die Behandlungsweise aber, durch die
es mir gelang, dieselben sichtbar zu machen (ich wandte
die pag. 187 beschriebene Methode an, machte die Objecte
dann mit Benzol durchsichtig und legte sie in Benzol-
Canadabalsam) , hatte die feineren histologischen Details
undeutlich gemacht und verwischt.
Im Allgemeinen scheint übrigens der Prozess der Extre-
mitätenbildung in ganz derselben Weise vor sich zu gehen,
wie es Weissmann bei Corethra beschrieben hat. Aus den
Imaginalscheiben entstehen fingerförmige Ausstülpungen,
welche kurze Zeit vor dem Abwerfen der Haut etwa ein
Drittheil ihrer definitiven Länge erreicht haben. Das noch
weiche Integument dehnt sich unter dem Drucke der her-
vorwachsenden Extremitätenanlagen derart, dass es sich
zapfenartig denselben anschmiegt, wie der Handschuh dem
Finger.
Um dieselbe Zeit beginnt auch die Anlage der Tho-
rakalmuskulatur , indess wird es geeignet sein, auf diese
Vorgänge in dem anatomischen Theile einzugehen.
Arch. f. Naturgesch. LI. Jahrg. 1. Bd. 12
178 Oscar Schmidt: Metamorphose und
Sind nun die für diese Entwicklungsperiode gestellten
Ziele erreicht, so bereitet sich mit einer neuen Häutung
der Uebergang in das nächste Stadium vor.
Der ganze Körper contrahirt sich zunächst stark, so
dass zwischen der Chitinhaut und der Körpermasse ein
freier Raum entsteht, der mit einer hellen Flüssigkeit, ver-
muthlich einem Secret der Oberhaut, erfüllt zu sein schien.
Nach Vollendung der Chitinabsonderung wird durch
eine starke Ausdehnung des Thieres die alte, zu eng ge-
wordene Haut am Kopfende gesprengt und in der Richtung
nach dem Abdomen zu abgestreift. Mit dieser Häutung
ist das Larvenleben des Thieres, welches somit die ersten
zwei Entwicklungsperioden umfasst, beendet. Die Mund-
werkzeuge und Wachsdrüsen gehen verloren. Die abge-
worfene Haut, sowie alle folgenden, kann somit nicht mehr
zur Vergrösserung des Schildes, welches jetzt zu wachsen
aufhört, verwendet werden. Sie bleibt meist zusammen-
gefaltet hinter dem Thiere liegen.
Während der nun folgenden zwei Entwicklungszustände
(siehe Fig. 3 und 4) ist das Thier bewegungslos, ebenso
findet eine Nahrungsaufnahme nicht mehr statt, so dass die
gesammte weitere Entwicklung auf Kosten der von der
Larve aufgespeicherten Reservestofie geschieht. Wir haben
es in diesen Zuständen also mit einem Puppenstadium zu
thun, dessen wesentliche Eigenschaften dieselben sind, wie
bei anderen metabolen Insekten. Nur das ist abweichend,
dass durch die fernere Ausbildung der Körperanhänge die
zu umhüllende Oberfläche derart vergrössert wird, dass bei
der geringen Elasticität der Puppenhaut während des
Puppenlebens noch eine zweite Häutung sich nöthig macht.
Wir können somit einen Puppenzustand vor und nach der
Häutung, oder bequemer einen ersten und zweiten unter-
scheiden. Morphologisch sind diese beiden Zustände sehr
verschieden, doch erfolgt der Uebergang aus dem einen
zum andern so rasch, dass man selten Zwischenformen
findet. Dass sich der erste Puppenzustand von der Larve
durch den Mangel der Mundwerkzeuge und Wachsdrüsen
Anatomie des männlichen Aspidiotus Nerii. 179
unterscheidet, habe ich bereits erwähnt; sonst aber gleichen
die Umrisse seiner Gestalt noch sehr der weit in der Ent-
wickelung vorgeschrittenen Larve. Die Antennen-, Bein-
und Flügelausstülpungen treten schärfer hervor und
erreichen fast zwei Drittel ihrer endlichen Grösse. Das
noch im vorigen Stadium mit Wachsdrüsen ausgestattete
Abdomen ist gleich dem gesammten übrigen Körper mit
einer dünnen Chitinhaut bekleidet (Fig. 3). Die Anal-
öflfnung befindet sich ziemlich in der Mitte des vorletzten
Segmentes auf der ventralen Fläche. Das letzte Segment
endet in zwei kurze, starke Borsten (siehe Fig. 3 S b).
Das Abdomen nähert sich dabei immer mehr der
Gestalt, welche es beim entwickelten Thiere zeigt, es wird
breiter und nach hinten mehr und mehr gerundet, während
seine Segmentirung deutlicher hervortritt.
Das weiche, jeder Versteifung noch entbehrende Inte-
gument des Körpers lässt einstweilen übrigens weit grössere
Verschiebungen zu, als das in den früheren und folgenden
Stadien der Fall ist. Vermöge der schon völlig ent-
wickelten Längs- und Quermuskulatur des Abdomen, kann
daher das Thier seine Längen- und Breitendimensionen
ganz bedeutend verändern; seine Gestalt ist demnach
variabler als in irgend einer anderen Periode. Doch schon
nach kurzer Zeit tritt das Thier in den zweiten Puppen-
zustand. Man findet zwar häufig genug die abgelegten,
ersten Puppenhäute, aber nur selten gelingt es, die Thiere
selbst in dieser Entwicklungsperiode zu überraschen.
Bouche und Tozzetti scheint dieser erste Puppen-
zustand ganz entgangen zu sein; der Grund dafür liegt
jedenfalls in der eben erwähnten Thatsache.
Wie ich während des vergangenen Winters beobachten
konnte, ist auch die Sterblichkeit unter den Thieren gerade
während der ersten Hälfte des Puppenstadiums am bedeu-
tendsten.
Die morphologischen Veränderungen, welche während
dieses Entwicklungsabschnittes sich vollziehen, sind im
Ganzen nur unbedeutende.
12*
180 Oscar Schmidt: Metamorphose imd
Der Hauptzweck des ersten Puppenstadiums ist, für
die Extremitätenbildung das nöthige Material an Ort und
Stelle zu schaffen, und durch die Häutung Raum für den
letzten Theil der Entwicklung zu gewinnen.
Desto auffallender aber erscheint die Umgestaltung,
welche das Thier beim Eintritt in das zweite Puppen-
stadium erfährt, so dass der Unterschied vor und nach
der einleitenden Häutung geradezu überraschend ist (Fig. 5).
Während die Beschaffenheit der inneren Organe durch
die geringe Durchsichtigkeit des Objectes sich zunächst
unserer Beobachtung entzieht, fallen uns sofort sowohl jene
Veränderungen, welche direkt mit der Ausbildung der
Extremitäten in Zusammenhang stehen, als auch die Bil-
dungen am Thorax, welche bestimmt sind, die nöthige
Stütze für die Insertion der Extremitätenmuskulatur zu
bieten, in's Auge. Durch eine tiefe Einbuchtung auf jeder
Seite wird der die Antennen tragende Theil des Kopfes
vom übrigen Körper getrennt. Durch Abschnürung bilden
sich bald darauf die Gelenke der Fühler, während die
leichteren Einschnürungen, welche die einzelnen Glieder
der Fühler von einander abgrenzen, erst später auftreten.
Die Borsten, welche bei den ausgebildeten Männchen
an den Antennen und Beinen sitzen, werden zugleich mit
der definitiven Chitinbedeckung des Körpers erst viel
später abgesondert.
In ganz analoger Weise wie die Entwicklung der
Antennen vollzieht sich auch die der Beine. Die Flügel
stecken fächerartig zusammengefaltet, noch luftleer, in den
Flügeltaschen.
Gleich im Anfange dieses Stadiums hat auch das
äussere Begattungsorgan seine Anlage begonnen. Am
letzten Segment des Abdomens wächst nämlich ein zapfen-
artiger Anhang hervor, der aus einigen Zellen besteht, die
sich durch Theilung vermehren und der ganzen Anlage die
Form geben, die das definitive Chitingebilde hat. Dadurch,
dass von diesen Zellen auf der ganzen Oberfläche reichlich
Chitin abgesondert wird, gelangt die Bildung zum
Anatomie des männlichen Aspidiotus Xerii. 181
Abschluss. Der Beginn dieser Vorgänge vollzieht sich so
rasch, dass ich ihn nur an drei Exemplaren beobachten
konnte, von denen das eine die allerersten Anfänge zeigt,
während bei den anderen das Organ bis auf die Chitin-
absonderung bereits vollendet war. Bei allen übrigen
Exemplaren — und ich habe deren mehr als hundert
untersucht — war das Chitin bereits abgesondert, und von
den ursprünglichen Zellen nichts mehr zu sehen. Die
fertige Ruthe, wie Bouche das Begattungsorgan nennt, ist
so lang wie das Abdomen und durch die Puppenhaut so
tief in den Hinterleib hineingedrängt, dass nur etwa der
dritte Theil derselben, rings von der Nymphenhaut
umgeben, zapfenartig nach aussen hervorragt, während das
Basalstück tief in der Mitte des Abdomens liegt. Dadurch
erfahren natürlich der Ductus ejaculatorius und der Tractus
intestinalis, die beide durch das Basalstück nach aussen
münden, eine bedeutende Umlagerung, die sich aber ver-
liert, sobald die Puppenhaut abgeworfen wird.
Eine weitere Veränderung, die während des zweiten
Puppenstadiums eintritt, besteht darin, dass das Integument
jene Dijfferenzirungen annimmt, die es beim geschlechtsreifen
Thier zeigt.
So entstehen die Insertionsstellen für die Flug-
muskulatur, jene Leisten und Verdickungen, durch welche
sich der Thorax scharf von den übrigen Segmenten abhebt-
Unter den von mir untersuchten Puppen befand sich
eine, welche eben in das zweite Puppenstadium überzugehen
im Begriffe stand. Da dieses Thier Aufschluss über die
Reihenfolge giebt, in der die Veränderungen auftreten, will
ich das Aussehen desselben etwas näher betrachten.
Die Puppenhaut ist am Kopfende gesprengt, bedeckt
aber noch drei Viertel des Körpers.
Die schon oben erwähnten Veränderungen am Kopfe
welche durch die Abschnürung der Antennen erfolgen,
sind bereits eingetreten. Fühler, Beine, Flügel haben zwar
bedeutend an Grösse zugenommen, zeigen aber noch den-
selben Typus wie vor der Häutung. Ebenso ist noch nichts
182 Oscar Schmidt: Metamorphose und
von den am Thorax hervorspringenden Chitinleisten etc.,
welche während des zweiten Puppenstadiums gebildet werden,
nachweisbar. Dagegen zeigt sich am Ende des Abdomens
eine Bildung, welche entschieden der zweiten Hälfte des
Puppenstadiums angehört, die erste Anlage des Begattungs-
organes.
Gegen das Ende des zweiten Puppenstadiums zeigt
das Thier schon völlig die Gestalt der Imago, umgeben
von einer durchsichtigen, schützenden Hülle, die sich um
jedes der dicht an den Körper gezogenen Glieder schmiegt.
Die Antennen umgeben hufeisenförmig die vordere
Hälfte des Körpers.
Stellen wir nun unserer Betrachtung über die Meta-
morphose des Männchens das gegenüber, was wir von der
Entwicklung des Weibchens wissen, so finden wir zunächst,
dass die Metamorphose des Weibchens zu einer viel früheren
Zeit abgebrochen wird, als die des Männchens. Soweit
aber beide Geschlechter gemeinsam ihre Metamorphose
durchlaufen, zeigt dieselbe beim Männchen denselben Cha-
rakter wie beim Weibchen. Dass die Metamorphose nun
aber bei den letzteren nach dem Eintritt in das Larven-
stadium abgebrochen wird, hat darin seinen Grund, dass
diese Entwicklungsperiode für die Ausübung des Fort-
pflanzungsgeschäftes die günstigsten Bedingungen bietet.
Die Ernährung der zahlreichen Eier erfordert eine
stets reichliche, lange Nahrungszufuhr und die in Folge
dessen stattfindende Grössenzunahme des Körpers ein fort-
gesetztes Wachsthum des Schildes. Es sind das nun aber
zwei Forderungen, die nur das zweite Entwicklungsstadium
erfüllen kann.
Da aber weiter dem schwangeren Weibchen eine grosse
Beweglichkeit weder nöthig, noch möglich ist, unterbleibt
bei ihm derjenige Theil der Metamorphose, welcher auf die
Erreichung des Flugvermögens gerichtet ist. Derselbe voll-
zieht sich nur am Männchen, das dadurch in den Stand
gesetzt wird, die an den Ort gefesselten Weibchen auf-
zusuchen.
Anatomie des männlictieri Aspidiotus Nerii. 183
II. Beiträge zur Anatomie des männlichen
Aspidiotus Nerii.
a) Der Verdauungstrakt.
Wie es vorauszusehen war, Hess sich betreffs des Ver-
dauungstraktes beim Männchen während des ganzen Larven-
lebens hindurch (Grössenunterschiede abgerechnet) eine
völlige Uebereinstimmung mit dem Weibchen erkennen.
Nachdem jedoch die männliche Larve in das Fuj^penstadium
übergegangen ist, stellen sich, veranlasst durch das be-
deutende W^achsthum der Thorakalsegmente vmd durch das
Aufhören der Nahrungsaufnahme, Veränderungen in der
Gestalt und Beschaffenheit des Darmrohres ein.
Bevor wir aber zur Untersuchung dieser Veränderungen
übergehen, wollen wir zunächst einen Blick auf den Ver-
dauungsapparat werfen, wie er zu der Zeit gebaut ist, in
der er bei beiden Geschlechtern noch gleiche Verhältnisse
aufweist.
Obwohl bei unserm Aspidiotus Lebensweise und Nah-
rung fast dieselben sind wie bei den übrigen Cocciden,
man mithin bei beiden einen gleichartig gebauten Darm
erwarten könnte, so zeigt derselbe doch bei letzteren eine
grössere Aehnlichkeit mit dem der weniger nahe verwandten
Aphiden.^)
Schon Tozzetti spricht die Ansicht aus, dass das Darm-
rohr bei Aspidiotus viel einfacher gebaut sei, als bei den
übrigen Cocciden; er macht aber wenig specielle Angaben
über den Bau desselben. Seine darauf bezüghche Notiz 2),
überhaupt die einzige, welche sich auf das Verdauungsrohr
der Aspidiotusarten bezieht, lautet deutsch etwa: „Bei
Diaspis^) scheint die Sache sehr viel einfacher zu sein, aber
die Untersuchung ist schwieriger und blieb in Bezug auf
einige Punkte resultatlos. Sicher ist, dass bei D. calyptroides
zwei kurze, dicke, malpighische Gefässe auf gleicher Höhe
') Siehe Wislaczil, zur Anatomie der Aphiden.
2) Targioni Tozzetti, Studii sulle Cocciniglie pag. 45.
3) Tozzetti nennt Aspidiotus Nerii: Diaspis Bouchöi.
184 Oscar Schmidt: Metamorphose und
mit dem Munde beginnen, welche einem mit sehr dickem
Epithel ausgekleideten Rohre (Magen) ansitzen, welches
wahrscheinlich durch ein engeres, kurzes nach vorn mit
dem Munde communicirt, nach hinten dagegen sich verengt
und direkt in den Anus übergeht."
Da die verschiedenen Anhänge des Darmkanals : Speichel-
drüsen, Malpighi'sche Gefässe, Mundwerkzeuge auch für
Aspidiotus Nerii bereits von Mark ^) sehr genau und richtig
beschrieben worden sind, kann ich mich bei meiner Dar-
stellung auf die Betrachtung des Verdauungsrohres im
engeren Sinne beschränken. Ich schicke dabei die Be-
merkung voraus, dass die gesammte Länge desselben nicht
grösser ist als die des Thieres, der Darm also viel kürzer
ist als bei den übrigen Cocciden und auch den Aphiden.
Der Oesaphagus, ein langer, enger Schlauch (Fig. 8oe.),
zieht sich, vom Pharynx herkommend, zunächst in ventro-
dorsaler Richtung zwischen den beiden Centralmassen des
Nervensystems hindurch, läuft dann längs der dorsalen Seite
des Bauchganglions hin, biegt, nachdem er dessen hinteres
Ende erreicht hat, dicht an die Bauchwandung der Thorakal-
segmente hin und geht sodann in den Magen (Fig. 8v.)
über, der die Form einer, in der Längsrichtung stark zu-
sammengedrückten Birne zeigt, deren Stielende nach hinten
gekehrt ist. In dorsoventraler Richtung ist er leicht zu-
sammengedrückt und läuft schliesslich als enges Rohr noch
ein Stück bis zur Einmündung der Malpighischen Gefässe
hin, um dann in den Dünndarm sich fortzusetzen. Dieser
letztere schwillt in seinem Anfangstheil citronenartig an
(Fig. 8 C.) und mündet schliesslich in das Rectum, nachdem
er bereits eine Strecke an der Aussenseite dieses Darm-
theiles hingelaufen ist. Das Rectum ist eine grosse, durch-
sichtige Blase (Fig. 8R.). Der histologische Bau des
Verdauungscanales scheint derselbe zu sein wie bei den
übrigen Cocciden.
Die äusserste Schicht des Darmrohres bildet in ganzer
') Mark, Beiträge zur Histol. der Pflanzenläuse insbes. der Coccid.
Anatomie des männlichen Aspidiotus Nerii. 185
Ausdehnung eine durchsichtige, structurlose, dünne Tunica
propria. Ebenso findet sich während des Larvenlebens an
allen Theilen des Darmes eine Zellschicht (Drüsenschicht),
deren Zellen im Oesophagus sehr klein und lang gestreckt
sind. Im Magen sind dieselben rundlich und so gross,
dass der ziemlich weite Ring, als welcher die Magenwand
auf Querschnitten sich repräsentirt, durch vier bis fünf
solcher Zellen geschlossen ist. Die Zellkerne sind hier
sehr gross, färben sich intensiv und enthalten je ein stark
lichtbrechendes Bläschen. Im Rectum besteht die Drüsen-
schicht aus sehr lang gestreckten Zellen, die jedoch beim
Männchen schon während des Puppenstadiums verloren
gehen.
Eine Intima konnte ich nur am Oesaphagus und Rectum
deutlich erkennen.
In ersterem war sie sehr dünn, in letzterem sehr stark
entwickelt.
Was Mark *) bereits an anderen Cocciden in Betreff
der Muskulatur gefunden hat, gilt auch für Aspidiotus.
Es finden sich am ganzen Verdauungscanal keinerlei Muskel-
fasern.
Das bei Mann und Weib verschieden grosse Bedürfniss
an Nahrung ist übrigens nicht ohne Einfluss auf die Grössen-
verhältnisse der einzelnen Theile. Der Magen ist beim
Weibchen grösser, ebenso sind die Malpighi'schen Gefässe
und die Speicheldrüsen viel massenhafter entwickelt. Ferner
wird durch die beim Weibchen viel geringere Ausdehnung
der Abdominalsegmente der enge, rohrförmige Theil des
Magens viel kürzer als beim Männchen, bei welchem der-
selbe während der auf die Larvenform folgenden Ent-
wickelungsstadien unter der Einwirkung der sich stark
verlängernden Thorakalsegmente gezwungen wird, sich in
die Länge zu ziehen.
Da aber weiter das Männchen nach Abschluss des
Larvenlebens keine Nahrung mehr aufnimmt, so wird der
1) Mark, Beiträge zur Histologie der PflaDzeiil. etc. pag. 27 u. 28.
186 Oscar Schmidt: Metamorphose iind
vordere Theil des Darmes bei ihm bis zu den Malpighi'schen
Gefässen hin funktionslos.
Der Oesophagus zeigt freihch keinerlei Veränderungen,
aber die Wände des Magens legen sich, nachdem die noch
darin befindliche Nahrung vollständig verdaut ist, so fest
aufeinander, dass das frühere Lumen ganz verschwindet.
Dabei schwinden die früher deutlich sichtbaren Grenzen
der Drüsenschichtzellen, so dass die ganze Zellschicht eine
homogene Masse bildet, aus der sich nur die Kerne mit
den lichtbrechenden Bläschen deutlich abheben (Fig. 9v.).
Die durch den Wegfall der Mundwerkzeuge bedingte Ver-
änderung vollzieht sich in der denkbar einfachsten Weise
dadurch, dass das Schlundrohr frei auf der unteren Seite
des Kopfes ausmündet. Die Oeffnung ist von einem kleinen
Chitinwulst umgeben, aber selten gut sichtbar.
Die Speicheldrüsen, mit denen die männliche Larve
ebensogut ausgestattet ist wie das Weibchen, werden nach
Eintritt des Puppenstadiums resorbirt und sind während
der zweiten Hälfte desselben bereits vollständig ver-
schwunden.
Der hintere Theil des Verdauungstraktes von den
Malpighi'schen Gefässen abwärts bleibt vollständig intakt
und dient zur Entfernung der durch den Umsatz der
Reservenährstofie entstandenen Zersetzungsproducte.
Ja das Rectum, dessen Intima mit jeder Häutung er-
neuert wird, nimmt während der letzten Entwickelungs-
stadien so an Grösse zu, dass sein vorderes Ende beim
geschlechtsreifen Thier blindsackartig bis über die Ein-
mündungssteile der Malpighi'schen Gefässe emporreicht.
b. Tracheen.
Ueber das Respirationsorgan hat bereits Targioni
Tozzetti ^) ziemlich eingehende Mittheilungen gemacht. Ich
halte seine diesbezüglichen Angaben für richtig und bin
nicht in der Lage etwas hinzuzufügen, indem sich die Art
') Targ. Tozzetti, Studii sulle Cocciniglie pag. 42 und 43.
Anatomie des mänulicheu Aspidiotiis Nerii. 187
und Weise, wie sich die Tracheen im Innern des Körpers
verzweigen und die einzehien Organe mit Zweigen ver-
sorgen, der Beobachtung entzieht.
c. Das Nervensystem.
Bei Aspidiotus Nerii besteht das Nervensystem aus
zwei Hauptmassen, weiche bereits Tozzetti ^) und Mark 2)
als oberes und (ungenauer Weise) unteres Schlundganglion
bezeichnet haben. Obwohl die Dicke dieser beiden Gebilde
eine unbedeutende ist, so war es doch in Folge ihrer Un-
durchsichtigkeit zunächst unmöglich, einen Einblick in ihre
inneren Structurverhältnisse zu gewinnen. Die Anwendung
aufhellender Reagentien blieb erfolglos, denn die dünne
Schicht, welche die äussere Hülle dieser Organe bildet,
wurde von denselben nicht durchdrungen. Ich versuchte
deshalb Schnitte anzufertigen, um auf diesen die Gebilde
zu Studiren, aber es gelang zunächst weder Schnitte von
ganzen Thieren zu erhalten, noch die aus dem Körper
herauspräparirten Organe für sich zu schneiden. Ersteres
verhinderte das Verhalten des Chitinintegumentes gegenüber
dem Parafin, bei letzterem Versuche gingen während der
Behandlung die sehr kleinen Objecte verloren. Schliesslich
erreichte ich meinen Zweck dadurch, dass ich die Thiere
einige Minuten in 70° warmes Wasser brachte. Das Chitin
wurde hierdurch weich, nahm alle Reagentien gut an und
die Objecte schnitten sich ausgezeichnet. Die Beschaffen-
heit der Gewebe wurde durch diese unzarte Behandlungs-
weise nicht beträchtlich verändert, wie ich mich durch
Vergleich mit frischen Objecten überzeugen konnte. So
ergab sich denn über den Bau dieser beiden Nervencentren
folgendes.
Für das obere Schlundganglion der Larve gilt das,
was von Leydig"^) im allgemeinen über dasselbe bei den
Cocciden sagt: „Das Hirn ist ein Querband über den
') Tozzetti, Studii solle Coccinigl. 39.
2) Mark, Beiträge zui' Anatomie und Histol. etc., siehe Abbildungen.
3) Franz von Leydig, Handbuch der vergleichenden Anatomie, pag. 265.
188 Oscar Schmidt: Metamorphose imd
Schlund, mit mittlerer, seichter Vertiefung, nach beiden
Seiten zu ein wenig angeschwollen." Siehe Fig. 16 u. 17.
Von der Rücken- oder Bauchseite gesehen, erinnert
seine Gestalt an das Capital einer jonischen Säule, auf
Sagittalschnitten dagegen repräsentirt es sich als Kreis.
Sein Inneres besteht aus einer gelblich weissen Masse,
welche durch Carmin nicht gefärbt wird und aus Punkt-
substanz zusammengesetzt ist. Diese centrale Masse ist
rings von einer Ganglienschicht überdeckt, welche sich auf
der der Mitte des oberen Schlundganglions zugekehrten
Anfangsstelle der beiden seitlichen Anschwellungen derart
verdickt, dass die weisse Masse eine tiefe Einschnürung
zeigt. Die beiden verdickten Enden (Fig. 16 v.L.) ver-
sorgen zu einer Zeit, in der die Larve noch diese Organe
besitzt, die Augen, die mittleren Theile (Fig. 16 m. L.)
dagegen die Antennen.
So bietet das obere Schlundganglion in seinem Character
viel Verwandtes mit dem der nahestehenden Familien, be-
sonders der Aphiden, wo die Form eine ähnliche ist, und
ebenfalls die Lappen, welche die Augen versorgen, seitlich
liegen, während die Antennen -Nerven von den mittleren
Partien ausgehen. ')
Den höchsten Grad der Vollkommenheit erreicht aber
das obere Schlundganglion mit dem Ende der Metamorphose
des Männchens, bei der die Vergrösserung der einzelnen
Theile des Ganglions, bei der vorgeschobenen Stellung der
Augen und den beschränkten Raumverhältnissen des vorderen
Kopfes, eine Umgestaltung in der Gruppirung der einzelnen
Hirnpartien nöthig macht.
Die zu dem Gesichtssinn in Beziehung stehenden Re-
gionen behalten ihre frühere Lage bei (Fig. 14 v. L.), nehmen
aber beträchtlich an Grösse zu und drängen die mittleren
Theile des Ganglions nach hinten, wo durch den Wegfall
der Mundwerkzeuge genügender Raum gewonnen ist.
Dabei verändern die vorderen Lappen ihre Gestalt in
'j Franz von Leydig, Handb. der vergl. Anatomie, pag. 265.
Anatomie des männlicheD Aspidiotus Nerii. 189
der Weise, dass sich ihr vorderes Ende in je einen kugeligen,
kleinen Fortsatz umbildet. Zwischen denselben bleibt ein
Raum, der vom Rücken oder Bauche aus gesehen, die
Gestalt eines gleichseitigen Dreiecks zeigt, von dessen
unterem Ende sich eine enge Kluft bis in die Gegend
fortsetzt, welche früher etw^a die Mitte des Ganglions
einnahm.
Der Ganglienbelag (Fig. 14 G. S.), der das ganze
Gebilde einhüllt, hat sich am vorderen und hinteren Rande
beträchtlich verstärkt, fehlt aber ganz an der inneren Seite
der Einbuchtung, welche sich zwischen die hintere Partie
des seitlichen Lappens hereinzieht. Man erkennt in ihm
eine Ansammlung von kleinen Zellen, die sich sehr intensiv
färben.
Die hintere Partie des oberen Schlundganglions ist
durch zwei starke Commissiu-en mit dem Bauchmark ver-
bunden. Franz v. Leydig sagt in seiner vergleichenden
Anatomie: „In der Ordnung der Hemipteren ist das Bauch-
mark vielleicht durchweg von concentrirtem Charakter." i)
Bei den Aphiden hat Witlaczil-) bereits gefunden, dass
der Bauchstrang sich zu einem Bauchganglion zusammen-
gezogen hat, an dem aber das untere Schlundganglion nicht
theilnimmt.
Bei unserm Aspidiotus Nerii nun ist die Concentration
weiter vorgeschritten, indem auch das untere Schlund-
ganglion mit dem übrigen Bauchmark zu einem einzigen
Bauchganglion vereinigt ist (Fig. 13). Dasselbe hat eine
apfelkernförmige Gestalt. Seine Oberfläche ist glatt und
mit Ganglienbelag überzogen. Das Aussehen dieses Ge-
bildes verräth in keinerlei Weise, wie viele Ganglien es
zusammensetzen, welche derselben funktionsfähig, welche
rudimentär geworden sind. Auf Längsschnitten dagegen
zeigt sich die Punktsubstanz so regelmässig angeordnet, dass
man daran noch deutlich die Centren der Ganglien und
deren Entwicklung erkennen kann.
1) Franz v. Leydig, Handb. der vergl. Anatomie pag. 261.
2) Witlaczil, Zui' Anatomie der Aphiden pag. 8.
190 Oscar Schmidt: Metamorphose und
Nach der Rückenseite zu bildet die PimktsubstaDz eine
zusammenhängende Platte von länglich eiförmiger Gestalt,
während man an der Bauchseite die Centren der einzelnen
Ganglien noch als kleine runde Knöpfchen hervorragen
sieht. Zu oberst liegen dicht neben einander zwei kleine
Knötchen, das Unterschlundganglion (Fig. 14 U. G.). Dicht
dahinter und in gleicher Weise angeordnet, aber viel stärker
entwickelt, folgt darauf die centrale Punktsubstanz der drei
Thorakalganglien (Fig. 13 T, T2 T3), an die sich weiter
die verschmolzenen Centra der Abdominalmarkkette als ein
etwa rübenförmiges Gebilde anschliessen. (Fig. 13 Ab.).
Jederseits und hinten treten Nerven aus dem Ganglion.
Die hinteren versorgen, so viel ich sehen konnte, die
Genitalorgane und die Endstücken des Verdauungstraktes.
Beim Weibchen ist das gesammte Nervensystem sehr
rückgebildet. Nur die Theile, welche für die Verdauung
und Fortpflanzung nöthig sind, zeigen eine normale Aus-
bildung. Die Angaben Tozzetti's*) sind, wenn man die Cor-
recturen Mark's"-) berücksichtigt, hier völlig richtig. Das
Bauchmark hat eine mehr spindelförmige Gestalt und seine
Punktsubstanz zeigt aber lange nicht so deutlich wie beim
Männchen die oben besprochene Differenzirung.
Obwohl es mir nicht gelang, bei den eben ausge-
schlüpften Embryonen einen Einblick in die innere Orga-
nisation des Nervensystems zu gewinnen, so glaube ich
doch, dass dieses hier bereits eine ähnliche Beschafienheit
zeigt, wie später bei der männlichen Larve. Denn das
Thier hat ja Augen, Fühler und Beine, die allerdings mit
der folgenden Entwickelungsperiode verloren gehen. Da
sich aber diese Organe während der letzten Entwickelungs-
st^fÖien, und zwar in sehr vervollkommneter Form wieder
einstellen, so erleidet das Nervensystem beim Männchen in
der Zwischenzeit nicht wie beim Weibchen eine Rück-
bildung, sondern eine weitere Ausbildung.
0 Targ. Tozzetti, Studii sulli Coccinigl. pag. 39.
2) Mark, Beiträge zur Histol. der Cocc. — Speicheldrüsen.
Anatomie des männlichen Aspidiotus Nerii. l&l
Die beiden Augennerven zeigen ganz den Charakter
von Ganglien (Fig. 14 N. O.). Sie sitzen zvv^ischen den
vorderen Lappen des vorderen Schlundganglion und sind
jeder in zwei, je ein Auge tragende Aeste getheilt. Vor
dem Auge hat sich das Integument des Thieres zur Cornea
umgebildet. Hinter dieser befindet sich ein kleiner kugel-
förmiger Körper, der vermuthlich den Krystallkegel reprä-
sentirt und gleichfalls ein grosses Lichtbrechungsvermögen
besitzt (Fig. 12 L). Derselbe liegt excentrisch in der nach
aussen gekehrten Hälfte eines durchsichtigen Glaskörpers,
der einen schaligen Bau hat und an seinem nach innen
gekehrten Segmente becherförmig von schwarzen Pigment-
zellen, welche mit den Augennerven zusammenhängen, um-
fasst wird.
Die Augenganglien enthalten im Innern einen Strang
von Fasermasse und Punktsubstanz, nach aussen zu sind
sie mit Ganglienbelag überzogen.
Die vier Augen sind derart gruppirt, dass zwei an
der schmälsten Stelle des Kopfes dicht hinter den Anten-
nenwurzeln stehen. Diese sind für das Sehen nach der
Seite und nach unten eingestellt. Die beiden anderen
liegen etwas weiter zurück am Kopfe und blicken nach
oben. Der Mangel einer selbstständigen Bewegung braucht
kaum besonders hervorgehoben zu werden. Was die Ent-
stehungsweise der Augen betrifft, so konnte ich folgendes
beobachten. An den Stellen, an denen dieselben sich
später befinden, beginnt bei den Larven eine Pigmentan-
häufung, welche, wie Tozzetti ^) bereits beobachtet hat,
sich difius über eine grosse Fläche hin verbreitet, welche
mit dem Eintritt in das dritte Puppenstadium aufhört. Bereits
im ersten Puppenstadium difi^'erenzirt sich die Linse, wäh-
rend ^n der folgenden Zeit durch Wucherungen der da-
hinter gelegenen Gewebe die übrigen Theile des Auges sich
bilden, zum Schluss lokalisirt sich dann das Pigment.
Die neungliedrigen Antennen werden durch einen
») Targioni Tozzetti, Studii sulle Cocc. cap. III § 6.
192 Oscar Schmidt: Metamorphose und
Nervenstamm (Fig. 14 N. A.) versorgt, der aus der tiefen
Kluft zwischen den beiden vorderen Theilen des Hirns
herkommt. Die Ganglienschicht verlässt dasselbe auf der
Grenze zwischen den mittleren und seitlichen Lappen.
Nachdem er etwa die Höhe der Augen erreicht hat, löst
er sich in drei Aeste auf. Die beiden seitlichen gehen in
die Antennen und durchziehen diese bis in das letzte Glied.
Neben ihnen laufen zwei Faserstränge, deren Natur schwer
festzustellen ist. Ihrer Lage nach halte ich sie für Be-
wegungsmuskeln.
Der mittelste der drei Nervenstämme (Fig. 14 N. S.)
geht in gerader Richtung fort bis an ein Gebilde in der
Mitte zwischen den Antennen, welches ich für ein Sinnes-
organ ansehe.
An dieser Stelle befindet sich nämlich ein durch zwei
Chitinzacken rechts und links visirartig begrenzter Ein-
schnitt (Fig. 12. S.), der in der Mitte, eingelagert in das
Integument, durch drei kleine, hintereinander liegende
Bläschen (oder Zellen?) mit starkem Lichtbrechungs-
vermögen ausgestattet ist. Das vorderste derselben trägt
eine kurze, starke, spitze Borste.
Die Funktion dieses Organes vermochte ich mit
Sicherheit nicht festzustellen.
d. Die Muskulatur.
Beim Weibchen ist die Muskulatur bereits von Targioni
Tozzetti ^) sehr eingehend und richtig beschrieben worden.
Ebenso hat dieser Forscher die Muskulatur der Füsse beim
Männchen sehr genau geschildert.
Hinsichtlich der Thoraxmuskeln beschränkt er sich
aber auf eine kurze Notiz, in der er sagt, dass fast die
ganze Höhlung des Schildes von einem Rückenmuskel aus-
gefüllt wird, der sicherlich den Flügelhebemuskel bei
Strauss entspreche und allem Anschein nach den Flügel -
Senker verdecke. Gegen diese Deutung muss ich jedoch
1) Targioni Tozzetti, Stud. sulle Cocciniglie.
Anatomie des männlichen Aspidiotus Nerii. 193
einwenden, dass Strauss den am Rücken inserirten Muskel
keineswegs als Heber des Flügels bezeichnet, sondern, wenn
ich seine Auseinandersetzung hierüber recht verstanden
habe, angiebt, dass der „elevateur'^ an der Bauchwand,
der „abaisseur" an der Rückenwandung inserirt sei.
Bevor ich jedoch zur Betrachtung der Thorakal-
muskulatur übergehe, will ich vorausschicken, dass ich
meinerseits die Deutung, welche ich den einzelnen Muskel-
partien gegeben habe, nur unter Reserve aufrecht erhalten
kann, weil einestheils mein Untersuchungsobjekt zu klein
ist, um einen Irrthum bei der Feststellung der Insertions-
punkte auszuschliessen, anderntheils aber unter den Autoren,
welche die Flugmuskulatur eingehender studirt haben, die
widerstreitendsten Ansichten über dieselben bestehen. So
nimmt Strauss-Dürkheim in seiner Arbeit über die Anatomie
des Maikäfers den Flügel als zweiarmigen Hebel an und
betrachtet die Muskeln als Antagonisten, indem er den
Hebemuskel am Bauche, den Senkmuskel am Rücken
inserirt sein lässt. Witlaczil dagegen (ich führe dies hier
an, weil es sich auf die verwandten Aphiden bezieht) will
gerade das Umgekehrte gefunden haben, nämlich, dass der
Hebemuskel an der Rückenfläche, der Senkmuskel aber
an der Bauchfläche des Thieres inserirt sei. Er nimmt also
die Muskeln ebenfalls als Antagonisten an, lässt dieselben
aber auf einen einarmigen Hebel wirken.
Der Dreh- und Unterstützungspunkt würde also tiefer
im Innern des Thieres liegen, als die Bewegungsmuskeln
des Flügels, und durch diese vom Integument sowohl unten
als oben getrennt sein. In welcher Weise aber dann der
Drehpunkt des Flügels die nöthige Unterstützung finden
könnte, da doch bei den Insekten die Skeletttheile auf das
Integument beschränkt sind, kann ich mir nicht vorstellen.
Graber lässt sowohl Hebe- als Senkmuskeln an der
Bauchwand des Thieres befestigt sein und legt den Unter-
stützungspunkt des Hebels zwischen die Angrifispunkte
der sich dadurch entgegenwirkenden Muskeln, so dass der
Arch. f. Naturgesch. LI. Jahrg. 1. Bd. 13
194 Oscar Sclimidt: Metamorpliose und
Elevator an einem zweiarmigen, der Depressor an einem
einarmigen Hebel wirkt. Die Unterstützung des Dreh-
punktes erfolgt dabei durch eine Art Schlinge vom Rücken
her, so dass wir uns den Flügel am besten als aufgehängt
denken können.
Was ich bei Aspidiotus Nerii gefunden, stimmt am
besten mit der Ansicht Grabers überein. Zunächst finden
wir unter dem Rückenschild des Thieres, vom vorderen
bis zum hinteren Ende des Thorax hinlaufend (Fig. 10.
Thm. Fig. 11. Thm.), eine grosse Zahl von Muskel-
bündeln. Ausserdem ist der Thorax jederseits von vier
Muskelsträngen durchkreuzt, welche an dessen hinterem
Bauchrande inserirt sind, und an die Einlenkung der
Flügel gehen. Je zwei von ihnen stehen in der Axe des
Thieres, welche vom Rücken nach dem Bauche geht, hinter-
einander, so dass auf Frontalschnitten jederseits nur zwei
sichtbar werden, von denen der eine der Seitenwand des
Thorax näher steht als der andere. Der wandständige
Hesse sich dann als Depressor, der innere als Elevator des
Flügels ansehen (Fig. 10 Depressor Sm., Elevator Hm.).
Zur Erklärung des Flugmechanismus diene uns nun
nebenstehendes Schema eines Querschnittes durch den
Thorax des Insektes in der Höhe der Flügelgelenke.
L. B. C. sei der Flügel, unter-
stützt und drehbar im Punkte B.
A. S. ist dann der Senkmuskel,
H.C. der Hebemuskel des Flügels.
Durch den Muskel H.C, der am
^|5>"^~J — zweiarmigen Hebel L.B.C. wirkt,
wird einmal der Flügel gehoben,
ausserdem aber noch nach vorwärts bewegt, da der Muskel
mit seinem anderen Ende nicht senkrecht unter C. befestigt
ist, sondern weiter hinten im Körper. Der Muskel A. S.,
welcher zur Bewegung des einarmigen Hebels L.A.B. dient,
erzielt, da er sonst ganz wie der Muskel C.H. inserirt ist,
genau die entgegengesetzte Bewegung, d. h. er senkt den
Flügel und zieht ihn dabei rückwärts, so dass durch das
a
Anatomie des männlichen Aspidiotus Nerii. 195
Zusammenwirken beider Muskeln eine rotirende Bewegung
zu Stande kommt.
Die Flügel sind dem Rücken des Thieres so nahe an-
gesetzt, dass ich mir nicht vorstellen kann, wie es (Tozzetti
meint so) den Muskeln, welche am Rücken verlaufen, mög-
lich ist, einen Einfluss auf das Auf- und Abwärtsbewegen
der Flügel auszuüben.
Der Winkel, unter dem die Muskeln inserirt sind,
lässt dies nicht zu. Eher, glaube ich, dienen diese Mus-
keln dazu, die Flügel aus ihrer Ruhelage in die zum Fluge
nöthige Stellung senkrecht zur Längsachse des Körpers zu
bringen.
Ueber die Entstehung der Muskelfasern im Thorax
sagt Tozzetti: An der Stelle, welche später die Muskeln
einnehmen, befindet sich zunächst eine durchsichtige, fein-
körnige Masse, in der man deutliche Kerne unterscheiden
kann. Die Masse zerfällt, indem sich die Körnchen in
Reihen ordnen, in kleine Säulchen, welche eine Querstrei-
fung erkennen lassen; aus diesen entstehen dann jedenfalls
durch Theilung die Muskelfasern.
Ich meinerseits fand bei älteren Larven die Anlagen
der Thorakalmuskulatur folgendermassen : Die Anlagen der
Muskeln, welche vom vorderen nach dem hinteren Rande
des Thorax gehen und die der Flügelmuskeln zeigen dieselbe
Beschafi'enheit. Erstere liegen als vier Stränge zu jeder
Seite der Mittellinie, letztere in ziemlicher Nähe der Ein-
lenkung der Flügel. Sie bestehen aus einem reichlich mit
Kernen ausgestatteten, quergestreiften Gewebe. Die Kerne
verschwinden erst kurze Zeit, ehe das Thier aus der
Puppenhaut auskriecht (Fig. 6 M. Th. u. M. FL). Die
Muskulatur des Abdomens ist ohne deutliche Querstreifung.
Sie besteht aus fünf Muskelzügen, welche das Abdomen
der Länge nach durchlaufen, und aus zahlreichen dorsoven-
tralen Muskelpfeilern. Alle diese Muskeln finden sich
bereits während des frühesten Larvenlebens vor und sind
somit keiner wesentlichen Veränderung unterworfen. Die
Längsmuskelzüge setzen sich aus kurzen Theilstücken zu-
13*
196 Oscar Schmidt: Metamorphose und
sammen, welche von einem Segment zum nächsten gehen
und dadurch, dass sie sämmtlich bis in das letzte Segment
reichen, das Abdomen sehr beweglich machen. Die dorso-
ventralen Pfeilermuskeln finden sich bei der Larve über
den ganzen Körper verbreitet und sind so angeordnet, dass
sie denselben der Breite nach in fünf streifenartige Zonen
theilen, von denen die mittelste den Verdauungstract und
die Genitalorgane aufnimmt.
Diese Pfeilermuskeln dienen einerseits dazu, im Verein
mit dem elastischen Integument den Luftwechsel in den
Tracheen zu unterhalten, andererseits schützen sie die
zwischen ihnen liegenden Organe vor seitlichen Ver-
schiebungen.
e) Der Genitalapparat.
Der Bau der Genitalorgane und die Entwickelung der
Spermatozoen ist bereits in Targioni Tozzetti's Studii sulle
Cocciniglie behandelt; da aber die Resultate meiner Unter-
suchungen nicht in jeder Beziehung mit denen des genannten
Forschers übereinstimmen, und ich noch einiges zur Ver-
vollständigung seiner Angaben hinzufügen möchte, so will
ich der besseren Verständlichkeit und des Zusammenhanges
wegen das von Tozzetti Berichtete, soweit es mir wesent-
lich erscheint, kurz recapituliren und daran die nöthigen
Berichtigungen und Vervollständigungen anknüpfen.
Die Hoden repräsentiren sich als zwei eiförmige Massen
(Fig. 6 H.), welche vollständig frei in der Bauchhöhle
liegen und den hinteren Theil des Abdomens einnehmen.
Sie sind nach vorn abgerundet, nach hinten aber je in ein
enges, stielförmiges Vas deferens ausgezogen, welches zur
Verbindung mit dem kurzen Ductus ejaculatorius dient.
Die Membran, welche die Hoden umhüllt, ist dünn und
durchsichtig. Während der verschiedenen Entwicklungs-
stadien bleibt die Form des Hodens die gleiche, nur der
Inhalt ist ein verschiedener. Anfangs besteht er aus zarten,
sechsseitigen Zellen, welche weder unter sich, noch mit der
Membian verwachsen sind, also vollständig frei im Innern:
Anatomie des männlichen Aspidiotus Nerii. 197
des Hodens liegen. Jede dieser Zellen hat einen deutlichen
Kern und enthält in ihrem Protoplasma zahlreiche Granu-
lationen, welche sich um den Kern concentriren, so dass
„im Umkreis desselben eine helle Zone frei bleibt, in der
sich rasch ein fadenförmiger Körper, in zwei oder drei
Windungen übereinander gerollt, abscheidet, welcher die
Wand der Zelle mit der convexen Seite seiner Windungen
berührt." Bis auf die mit „" bezeichnete Bemerkung stimmen
meine Untersuchungen mit denen Tozzetti's^) überein. Der
Anfang der Spermatozoenentwicklung scheint mir dagegen
in folgender Weise zu erfolgen. Nachdem die sechsseitige,
obenerwähnte Zelle, die wir als Hodenfollikel oder Hoden-
kapsel bezeichnen wollen, eine bestimmte Grösse erreicht
hat, zerfällt ihr Kern in fünf bis sechs Theile (Fig. 18 H.K.).
Das Protoplasma des Follikels centralisirt sich darauf um
<iie einzelnen Kerntheile, so dass sich im Innern jeder
Hodenkapsel fünf bis sechs Spermatoblasten bilden, deren
Protoplasma dann jenes Arrangement zeigt, welches Tozzetti
dem Protoplasma der sechsseitigen Zelle zuschreibt.
Aus jedem dieser Spermatoblasten (Fig. 18 Sp.) ent-
wickelt sich nun ein Bündel von Spermatozoen, indem aus
den im Innern liegenden Kernstücken die Köpfchen ent-
stehen, während das übrige Protoplasma zur Bildung der
Schwänze Verwendung findet.
Die Anfangs in die Hodenkapsel eingeschlossenen
Spermatoblasten werden dadurch, dass die Membranen der
ersteren platzen, frei, so dass sie jetzt unmittelbar im Hoden
liegen.
Nachdem die Membran der Zellen „verschwunden",
lässt Tozzetti die Fadenbündel sich aufrollen und aus ihnen
durch Theilung die Spermatozoen hervorgehen. Die letzteren
zeigen einen rundlichen Kopf und einen langen, dünnen,
geraden Schwanzfaden.
Dass die Hoden während dieses letzten Theils der
Entwicklung ihre Gestalt verändern, scheint Tozzetti ganz
9 Targioui Tozzetti, Studii sulle Coccinig)ie pag. 49.
198 Oscar Schmidt: Metamorphose und
entgangen zu sein; wenigstens erwähnt er nichts davon.
Die Zeit, zu der die Hodenfollikel gesprengt werden, fällt
in die erste Hälfte des Puppenstadiums. Der Ductus
ejaculatorius fängt dann an sich stark zu verlängern,
während der untere Theil der Hodenanlagen sich weiter
zusammenzieht, so dass die Vasa deferentia die Gestalt von
engen, gleichweiten Röhren annehmen.
Der obere Theil der Hoden dagegen wird kugelförmig.
Er zeigt diese Gestalt (Fig. 7 H.) während der ganzen
zweiten Hälfte des Puppenstadiums und liegt dann in der
vorderen Hälfte des Abdomens, wo er bis an den hinteren
Rand des Thorax heranreicht.
Während des Larvenstadiums und der ersten Hälfte
des Puppenstadiums mündet der Ductus ejaculatorius in
den Endtheil des Rectums. Nachdem aber die Anlage des
äusseren Begattungsorganes erfolgt ist, trennen sich die
Ausführungsgänge des Darmtractes und der Genitalorgane
derart, dass das Rectum in den Basaltheil des Penis ein-
mündet, der Ductus ejaculatorius seinen Inhalt in den Canal
ergiesst, der durch die drei Borsten des Penis gebildet wird.
Erklärimg der Abbildimgeu.
Die Figuren 1 bis 5 sind Abbildungen der 5 Entwickelungsformen
von Aspidiotus Nerii.
Vergrösserung : Objectiv 11. Ocular I. (Microscop v. Seibert u. Ki-aflFt.)
Fig. 1. Larve, eben aus dem Ei geschlüpft. A. Augen, S b. Schwanz-
borsten, 0. Mundwerkzeuge, b. Beine, d. v. M. dorsoventrale
Pfeilermuskeln.
„ 2. Larve, kurze Zeit vor dem Uebertritt ins Puppenstadium.
A. Augenanlagen, b. Beinanlagen, 'W. D. Wachsdrüsen, o.
Mundwerkzeuge, fl. Flügelanlagen, F. Fettkörper (aufge-
speichertes Nahrungsmaterial).
„ 3. Puppe vor der Häutung, S b. Borsten am Abdominalsegment.
Die übrigen Buchstaben haben dieselbe Bezeichnung wie bei
Fig. 2.
„ 4. Puppe nach der Häutung, kurz vor dem Ausschlüpfen des ge-
schlechtsreifen Männchens, tr. Tracheen, p. äusseres Be-
Anatomie des männlichen Aspidiotus Nerii. 199
gattimgsorgan. Die übrigen Buchstaben haben dieselbe Be-
deutung wie in Fig. 2.
*•. 5. Geschlechtsreifes Männchen. A. Augen, b. Beine, Sk. Schwmg-
kölbchen, p. äusseres Begattungsorgan, B. p. Basaltheil des-
selben, a. Antennen, fl. Flügel, Rm. Muskeln, welche am
Rücken, vom vorderen nach dem hinteren Rande des Thorax
verlaufen.
6. Larve, weit vorgeschritten. Object. III. Ocul. I. Die Ab-
bildung wurde nach einem in 70" warmen Wasser erweichten
und durch Benzol und Canadabalsam aufgehellten Präparate
gezeichnet. Gefärbt wurde mit salzsaurem Carmin. Weg-
gelassen sind der Uebersichtlichkeit halber die dorsoventralen
Muskeln und die Längsmuskelzüge. a. Antennenanlagen, v.
Magen, O.G. Oberes Schlundganglion, B. G, Bauchganglion,
M. Fl. Anlagen der Flügelhebe- und Senkmuskeln, M. Th. An-
lagen der Rückenmuskeln, H. Hodenanlagen. Die übrigen
Buchstaben haben dieselbe Bedeutung wie in Fig. 2.
7. Puppe, kurz vor dem Ausschlüpfen, in derselben Weise be-
handelt wie Fig. 6. Weggelassen wurden die Muskeln, welche
vom vorderen nach dem hinteren Rande des Thorax gehen
imd die Muskulatur des Abdomens.
8. Darmtract der Larve, oe. Oesaphagus, v. - v. Magen, M. G.
Malpighi'sche Gefässe, C. Anschwellimg des Dünndarmes, R.
Rectum.
9. v. erweiterter Theil des Magens beim geschlechtsreifen Thier.
10. Sagittalschnitt durch die Thorakalsegmente des entwickelten
Männchens in der Gegend eines Flügelgelenkes. Hm. Hebe-
muskel, Sm. Senkmuskel des Flügels, Thm. Thorakalmuskel.
11. Sagittalschnitt durch ein geschlechtsreifes Männchen, median
geführt. Buchstaben wie in Fig. 7.
12. Vorderer Theil des Kopfes (Augen-) Schnitt. S. Sinnesorgan,
N. S. dazu tretender Nerv, N. A. Antennennerv, L. Linse,
K. S. Schichten von durchsichtiger Beschaffenheit, welche die
Linse lungeben, Rt. Retina, N. 0. Nervus opticus. Ver-
grösserung: Objectiv V. Ocular EI.
13. Bauchganglion (bleibt während der ganzen Metamorphose fast
unverändert.) Schnitt. Ti. To. T 3. centrale* Punktsubstanz der
3 Thorakalganglienpaare , Ab, Centrale Punktsubstanzmasse
der verschmolzenen Abdominalganglien, U. G. centrale Punkt-
substanzmasse des unteren Schlundganglion, G. S. Ganglien-
schicht. Vergrösserung : Objectiv V. Ocular HI,
14 u. 15. Frontalschnitte durch das obere Schlundganglion des ge-
schlechtsreifen Thieres. V.L. vordere Hirnlappen, m.L. mittlere*
Hirnlappen, G. S. Ganglienschicht, N. 0. Nervus opticus, N, A.
Antennennerv. Vergrösserung: Objectiv V. Ocular HI.
200 Oscar Schmidt: Metamorphose und Anatomie etc.
Fig. 16 u. 17. Frontalschnitte durch das obere Schlundganglion der Larve.
Die Buchstaben imd Vergrösserung sind dieselben wie in den
vorigen Figuren.
18. Hodenanlage bei der Larve. H. K. Hodenfollikel (Hodenkapsel),
S. P. Anfänge der Spermatoblasten. Vergrösserung: Obj. V.
Ocular m.
Beitrag zur Kenntniss der postembryonalen
Entwicklung der Najaden
vou
Ferdinand Schmidt,
stud. med.
Aus dem zoologischen Museum der Kais. Universität Dorpat
Mit Tafel XI uud XII.
Die embryonale Entwicklung der Najaden, der grossen
Süsswasser-Lamellibranchiaten Unio und Anodonta, ist durch
eine Reihe eingehender Untersuchungen in allen Einzelheiten
erforscht und gedeutet worden, während die Entwicklungs-
vorgänge des postembryonalen Lebens bis in die neueste
Zeit vollständig unbekannt blieben und nur die interessante
Thatsache festgestellt war, dass die junge Muschel in der
Haut von Fischen eine Zeit lang parasitisch lebe. Dass
während dieses Parasitirens tiefgreifende Veränderungen
im Organismus des Glochidiums vor sich gehen, ist zwar
vermuthet worden, doch haben dies erst die neuesten
Forschungen in der Ontogenie der Najaden, die Unter-
suchungen von M. Braun (Literaturverzeichniss No. IT
bis 20) und Schierholz (No. 16) näher gezeigt, welche
Untersuchungen, eine Reihe werthvoller Beobachtungen
bringend, die Umwandlung des Embryos zur erwachsenen
Muschel in den wesentlichsten Beziehungen verständlich
machen. Da aber die beiden Autoren in einigen Punkten
zu widersprechenden Resultaten gelangt sind, mehrere
wichtige Fragen ausserdem ungelöst blieben, war eine
Arch. f. Naturgesch. LI. Jahrg. 1. Bd. 14
202 Ferdinand Schmidt: Beitrag ziir
erneute Bearbeitung des. Themas erwünscht, auf welchen
Umstand durch Herrn Prof. Dr. M. Braun aufmerksam
gemacht, ich im Herbst 1884 die Untersuchungen begann,
deren Ergebnisse in vorliegender Arbeit der Oeffentlichkeit
übergeben werden.
Den wärmsten Dank schulde ich meinem hochverehrten
Lehrer, Herrn Prof. Dr. M. Braun, durch den ich in die
einschlägige Literatur eingeführt und auch während der
Arbeit in liebenswürdigster Weise unterstützt worden bin.
Es ist allgemein üblich, Abhandlungen wie der vor-
liegenden, eine gedrängte Literaturübersicht, sowie eine
Angabe der angewandten Untersuchungsmethoden als Ein-
leitung vorauszuschicken. Ersteres ist hier erlässlich, da
die Arbeiten von Braun und Schierholz am passendsten
bei der Darstellung meiner eigenen Beobachtungen Er-
wähnung finden, die der älteren Autoren aber nur die
embryonale Entwicklung behandeln und ausserdem schon
von Flemming (No. 12) und Rabl (No. 14) in
Kürze referirt worden sind. Was die Untersuchungs-
methoden betriff't, so habe ich kurz folgendes anzuführen:
als Object diente mir Anodonta mutabilis Clessin var.
anatina L., die ich mir aus dem in der Umgegend Dorpats
gelegenen Sadjerw'schen See verschafi'te. Die äusseren
Kiemen der weiblichen Thiere fand ich Anfang September
schon vollständig angefüllt mit reifen Embryonen, mit denen
ich am 10. 22. October eine grössere Anzahl verschiedener
Fische inficirte. Ich verfuhr hierbei in folgender Weise:
Den Kiemeninhalt mehrerer trächtiger Muscheln entleerte ich
in flache Glasgefässe, in denen sich die zu inficirenden
Fische befanden. Diese waren in Folge der geringen
Wassermenge gezwungen, fortwährend dicht über dem
Boden hinzuschwimmen, wodurch sie in stete Berührung
mit den Muschellarven kamen, die mit weit klaffenden
Schalen dalagen. Im Lauf einer Stunde waren sämmtliche
Fische an Flossen und Kiemendeckeln dicht mit Glochidien
besetzt und konnten nun in geräumige Aquarien über-
Kenntniss der postembryonalen Entwicklung der Najaden. 203
geführt werden; auf diese Weise erhielt ich ein reiches
Material parasitirender Glochidien, deren Alter mir genau
bekannt war. Die Parasiten wurden nun täglich lebend
untersucht und ausserdem eine Anzahl conservirt und
zwar hat mir von allen angewandten Conservirungsflüssig-
keiten die Chromsäure die besten Dienste geleistet. Ich
benutzte eine 0,5procentige Lösung, durch welche nach
vierundzwanzigstündiger Einwirkung die Schalen der Glo-
chidien und auch das Flossenskelett der Fische vollständig
entkalkt wurden. Die in Alkohol gehärteten und mit
ammoniakalischem oder Alaun carmin gefärbten Objecte
bettete ich in Paraffin ein, dem eine geringe Quantität
Talg beigemischt war. Das für viele Zwecke so vorzüglich
verwerthbare Celloidin erwies sich hier als unbrauchbar,
da es nicht möglich war, die in dasselbe eingebetteten
Objecte in Schnittserien von genügend geringer Schnitt-
dicke zu zerlegen. Bei Anwendung des Paraffins dagegen
konnte ich mit vollständig quergestelltem Messer — des
Thoma'schen Mikrotoms — Serien von 0,005 mm Schnitt-
dicke herstellen.
Bevor ich an das Studium der Entwicklungsvorgänge
während des Parasitirens ging, w^ar es meine Aufgabe,
die Anatomie des reifen Embryos einer erneuten,
sorgfältigen Untersuchung zu unterwerfen und es zerfällt
daher die vorliegende Arbeit naturgemäss in drei Abschnitte,
deren erster die Anatomie des reifen Embryos, insoweit
die Kenntniss derselben noch durch neue Beiträge zu
erweitern ist, behandelt, während im zweiten die Um-
wandlung des Embryos zur Muschel, die postembryonale
Entwicklung, geschildert wird und im dritten endlich die
hier gewonnenen Resultate mit den aus der Ontogenie
anderer Mollusken und speciell anderer Lamellibranchiaten
bekannten Thatsachen verglichen werden.
14*
204 Ferdinand Schmidt: Beitrag
zur
Abschnitt I.
Bei der Untersuchung des anatomischen Baues der
reifen Embryonen fand ich in den wesentlichsten Bezie-
hungen die Angaben der früheren Autoren durchaus be-
stätigt und habe ich daher den ausführlichen Beschreibungen,
welche wir über die verschiedenen embryonalen Organe,
die Schale, die sogenannte Byssusdrüse, den mächtig ent-
wickelten Schliessmuskel u. s. w. besitzen, nichts neues
hinzuzufügen. Nur auf zwei Punkte will ich die Aufmerk-
samkeit lenken, auf die von Flemming als Seitenflügel
des Vorderwulstes bezeichneten Zellgruppen und zweitens
auf ein Paar eigenthümlicher Zellen, die von allen früheren
Autoren übersehen worden sind. Zuvor aber muss ich auf
die sehr wichtige Frage eingehen, wo das vordere resp.
hintere Körperende des Embryos zu suchen sei, eine Frage,
die von den verschiedenen Beobachtern verschieden beant-
wortet worden ist.
Nach Forel (No. 10) entspricht der grössere der beiden
freien Schenkel der dreiseitigen embryonalen Schale dem
vorderen Körperende, woraus folgt, dass die beiden seitlichen
Gruben, die Mittelschildtasche (Flemming) und das Wimper-
schild am Hinterende liegen. Einen Beweis für diese Auf-
fassung hat Forel nicht gebracht und dasselbe gilt auch
für die Angaben von Flemming und Rabl, die im Gegen-
satz zu Forel die seitlichen Gruben an das vordere Köper-
ende verlegen. Balfour geht in seinem Handbuch der
vergleichenden Embryologie (pag. 259) gleichfalls auf die
Frage ein; er folgt in der Bezeichnung des vorderen und
hinteren Endes des Embryos allerdings den Angaben IlabTs
und Flemming's, giebt aber an, dass er ursprünglich die
entgegengesetzte Auffassung gehabt habe. In neuester Zeit
hat dann Schi er holz wieder die Ansicht ForeFs ver-
treten und zwar mit vollem Recht, wie auch aus meinen
Kenntniss der iiostembryonalen Entwickliinj? der Xajaden. 205
Beobachtungen hervorgeht. Den sicheren Beweis dafür
giebt die Lagerung gewisser Organe, die während des
Parasitirens sich entwickeln; das Verhältniss der beiden
bleibenden Adductoren zum Darmcanal, die Anlage des
Herzens und des Bojanus'schen Organes, ausserdem aber
auch der Nachweis der embryonalen Schalen auf den Wir-
beln der bleibenden. Schon Carl Pfeiffer war es bekannt,
dass an jungen Najaden die embryonalen Schalen den
Wirbelspitzen aufsitzend längere Zeit erhalten bleiben; in
seiner „Naturgeschichte deutscher Land- und Süsswasser-
Mollusken" (Abth. IL pag 15) hat Pfeiffer dieses Um-
standes Erwähnung gethan und auch eine darauf bezügliche
Abbildung gegeben (Taf. IL Fig. 15). Auch wird diese
Thatsache später von anderen Autoren constatirt, so von
Kobelt in seiner Fauna der nassauischen Mollusken (p. 227).
Sc hier holz endlich hat gezeigt, dass die embryonalen
Schalen derart den Wirbeln der bleibenden aufgelagert sind,
dass der grössere freie Schenkel der dreiseitigen Schale dem
Vorderende der Muschel zugewandt ist ; von der Richtigkeit
dieser Beobachtung habe ich mich durch die Untersuchung
einer Anzahl junger Anodonten vollkommen überzeugen
können.
Die Schierholz'schen Untersuchungen sind in Form
einer kurzen Mittheilung in der Zeitschrift für wiss. Zool.
Bd. XXXI publicirt worden, in welcher Mittheilung der
Autor das baldige Erscheinen einer ausführlichen Dar-
stellung seiner Beobachtungen mit Abbildungen in Aus-
sicht stellt. Eine solche ist nun allerdings gedruckt, nicht
aber der Oeffentlichkeit übergeben worden; da mir aber
durch die Vermittelung des Herrn Prof. Dr. M. Braun
ein Exemplar der Arbeit zur Verfügung stand, bin ich in
der Lage gewesen, einen griindlicheren Einblick in die
Untersuchungen Schier holz 's zu thuu, als dieses die
kurze vorläufige Mittheilung gestattet und werde ich daher
später genauer auf die zum Theil sehr wichtigen Resultate
der Arbeit eingehen können.
206 Ferdinand Schmidt: Beitrag zur
Gehen wir zur Besprechung der Zellgruppen am
hinteren Kör per ende über. Zwischen den beiden seit-
lichen Gruben, diesen von allen Autoren gesehenen und
so verschieden gedeuteten Gebilden liegt ein Zellwulst,
der Fusswulst, vor dem sich die Mittelschildtasche (Flem-
ming) befindet, während hinter ihm das Wimperschild sich
ausdehnt. Auf Medianschnitten, wie Fig. 3 einen dar-
stellt, findet man dorsal vom Fusswulst gelegen die Anlage
des Darmcanals, ein allseitig abgeschlossenes Entoderm-
säckchen, welches am hinteren Rande des Fusswulstes dem
Ectoderm anliegt. Querschnitte zeigen, dass dieses Entoderm-
säckchen zwei seitliche flache Ausbuchtungen, die paarige
Anlage der Leber, besitzt; dieselben waren aber nicht an
allen Embryonen mit Sicherheit zu constatiren. DasEntoderm-
säckchen unregelmässig umgebend und dorsal von den beiden
seitlichen Gruben sich ausbreitend, findet sich eine dichte
Masse noch indifierenter Zellen, die, wie aus den Arbeiten
über die embryonale Entwicklung der Najaden zu entnehmen
ist, als Elemente des Mesoderms aufzufassen sind. Von
dieser Zeilmasse aus zieht in jeder Körperhälfte ein Zell-
strang nach hinten, fast bis an den hinteren Schalenrand
sich erstreckend.
Diese Zellstränge sind vrohl identisch mit den hintersten
Abschnitten der von Flemming als Seitenflügel des
Vor der Wulstes bezeichneten Gebilde, die anfangs aus
mehreren langgestreckten oder verästelten Zellen bestehen,
„welche rege proliferiren und sich in der Folge in je einen
ansehnlichen Haufen kleiner rundlicher Elemente verwandeln"
(No. 12, pag. 67). In Fig. 1 , Taf. IV, der Flemming'schen
Abhandlung sind diese Zellgruppen ganz richtig dargestellt
als Anhäufungen von Zellkernen, zwischen den seitlichen
Gruben und dem hinteren — nach Flemming's Darstellung
dem vorderen — Schalenrande gelegen. In diesen „Vorder-
flügeln" sieht Schierholz die Anlage der Pedalganglien
oder, wie in seiner ausführlichen Arbeit, der Kiemen-
ganglien. Dass aber diese Ansicht irrthümlich ist, dass
Kenntuiss der postembryonalen Entwicklung der Xajaden. 207
diese Zellen bei der Entwicklung des Nervensystems gar
nicht betheiligt sind, sondern die Anlage eines ganz anderen
Organes darstellen, werde ich im zweiten Abschnitte dieser
Arbeit nachweisen.
Was nun das Zellenpaar betrifft, dessen oben Erwähnung
gethan wurde, so handelt es sich um Elemente des Mesoderms,
um Muskelzellen, die bei der Ansiedelung des Glochidiums
auf der Fischhaut in Function treten.
Es findet sich nämlich in jeder Körperhälfte eine grosse,
platte Zelle, die quer durch die Leibeshöhle ausgespannt
ist und an einem Ende mit zahlreichen, feinen Fortsätzen
an der Schale, und zwar vmgefähr in der Mitte derselben
befestigt ist, während sie am entgegengesetzten Ende durch
ebensolche Fortsätze mit den grossen Zellen des sogenannten
embryonalen Mantels in Verbindung steht. Auf den Fig. 1
und 2 sind die beiden Zellen dargestellt; Fig. 1 zeigt einen
Schnitt durch die eine Schalenhälfte, der dem Schlossrande
parallel geführt ist, während Fig. 2 das Bild eines Quer-
schnittes durch den Embryo giebt, auf dem also beide
Schalenhälften getrofien erscheinen. Aus beiden Fig. ist
ersichtlich, dass die grossen, kegelförmigen Mantelzellen
radienförmig um einen Mittelpunkt, in welchem sie mit den
protoplasmatischen Fortsätzen der Muskelzelle in Verbindung
stehen, angeordnet sind und dass die platte Muskelzelle mit
ihrer Fläche der Längsaxe des Embryos parallel liegt, daher
in Fig. 1 in ihrer ganzen Flächenausdehnung erscheint. Diese
Muskelzellen besitzen einen grossen, runden Kern mit Kern-
körperchen, erscheinen den Mantelzellen gegenüber nur sehr
blass gefärbt und lassen bei Anwendung sehr starker Ver-
grösserungen eine äusserst feine Längsstreifung erkennen.
Es ist nun unzweifelhaft die Function dieser beiden
Zellen, beim Schluss der Schalen die grossen, hakenför-
migen Schalenaufsätze nach Innen zu ziehen. Die letzteren
stehen durch zarte Membranen, Cuticularbildungen, mit den
Mantelzellen in Zusammenhang, denen sie in Form eines
Zeltes aufsitzen. Contrahiren sich nun die beiden Muskel-
208 Ferdinand Schmidt: Beitrag zur
Zellen, während gleichzeitig auch der embryonale Adductor
functionirt, so nähern sie die Mantelzellen der Schale, wo-
durch die Schalenaufsätze nach Innen gezogen werden,
während die zahnartigen Bildungen auf ihrer Aussenfläche
tief in einen eventuell dazwischenliegenden Fremdkörper
— bei der Ansiedelung auf der Fischhaut die Substanz
der Flosse — eindringen. Dass dieser Vorgang in der
That stattfindet, zeigen aufs deutlichste Querschnitte durch
Embryonen mit geschlossenen Schalen; auf solchen Schnitten
erscheinen die beiden Muskelzellen stark verkürzt, contra-
hirt, und die beiden Mantelhälften dicht an die Schale
herangezogen.
Ich habe oben die beiden eben beschriebenen Zellen
als Elemente des Mesoderms bezeichnet und glaube dieses
mit vollem Recht thun zu können, obgleich ich ihre Her-
kunft nicht beobachtete, da ich nicht die embryonale Ent-
wicklung untersucht habe. Die in Frage stehenden Zellen
gehören aber unzweifelhaft in die Kategorie der strang-
artigen, verästelten, die Leibeshöhle durchziehenden Zellen,
die schon von Flemming und Rabl erw^ähnt werden und
deren mesodermalen Charakter der letztgenannte Autor
nachweist (No. 14, pag. 56—57).
Abschnitt II.
Wie in der Einleitung angegeben wurde, inficirte ich
am 10. 22. October eine grössere Anzahl verschiedener Fische
mit Glochidien. Etwa vierundzwanzig Stunden nach der
Infection beginnt die Epidermis der Fischhaut in Folge des
auf sie ausgeübten Reizes rege zu proliferiren, sie erscheint
getrübt und erhebt sich wallartig um den Parasiten, der
am dritten Tage schon vollständig von der Epidermiswuche-
Kenntniss dei postembryonalen Entwickkmg der Najadeii. 2Ö9
rung iimge!)en ist. In diese Cysto eingeschlossen macht
das Glochidium eine Reihe tiefgreifender Voränderungen
durch, welche aus dem so eigenthümlich gestalteten Embryo
die junge Muschel hervorgehen lassen, indem ein Theil
der embryonalen Organe, deren einzige Bestimmung es ist,
dem Embryo die Ansiedelung auf der Fischhaut zu ermög-
lichen, jetzt, da diese ihre Bestimmung erfüllt ist, zu Grunde
geht, während die bisher indifleronton Zellmasson sich zu
differenziren beginnen und die schon vorhandenen ersten
Anlagen späterer Organe ein reges Wachsthum zeigen.
Diese Vorgänge will ich nun in kurzen Worten cha-
rakterisiren , um die Ausbildung der äusseren Körperform
verständlich zu machen und dann auf die Entwicklung der
einzelnen Organsystemo näher eingehen.
Gleich nach der Anheftung des Glochidiums
auf der Fischhaut erhebt sich der Fusswulst, die
erste Anlage des Fusses, als stumpfer Kegel und
drängt allmälig die Mittelschildtasche (Flemming),
die Mundeinstülpung, immer mehr nach dem vor-
deren Körperende hin, während durch dieses
mächtige Hervorwachsen des Fusses die äusseren,
wallartigen Ränder der beiden seitlichen Gruben,
die Anlage der Kiemen, in die Länge gezogen
werden, um später in mehrere knopfartige Er-
hebungen zu zerfallen. Das grosse Verdienst, diese
Verhältnisse zuerst richtig beobachtet und somit die wahre
Bedeutung der bisher gänzlich räthselhaften Bildungen am
hinteren Körperende erkannt zu haben, gebührt Schier-
holz, dessen Angaben über einige andere, gleich näher zu
erörternde Punkte ich dagegen nicht bestätigen kann; ich
meine die Angaben, die Schierholz über das Schicksal
einiger embryonaler Organe macht. F^ass die sogenannte
Byssusdrüse des Embryos bald nach der Anheftung
desselben auf der Fischhaut gänzlich zu Grunde geht, haben
alle Beobachter erkannt und dasselbe Schicksal triÖ't nach
Braun 's Beobachtungen auch die eigenthümlichen, borsten-
210 Ferdinand Schmidt: Beitrag zur
tragenden Sinneszellen, sowie den embryonalen
Schliessmiiskel und den grössten Theil des embryo-
nalen Mantels; auch die oben von mir beschriebenen
beiden Muskelzellen sind sehr bald nach der Anheftung
nicht mehr nachzuweisen.
Sc hier holz ist nun bei seinen Untersuchungen zu
liesultaten gekommen ,* die denen Braun 's sehr wider-
sprechen; den Sinneszellen schreibt Schier holz eine höchst
sonderbare Function zu: die Borsten derselben sollen bald
nach der Ansiedelung auf der Fischhaut zu langen Stacheln
auswachsend in die Substanz der erfassten Flosse eindringen
und so den die Wucherung des Gewebes veranlassenden
Reiz hervorbringen. Diese Stacheln habe ich nun auch
beobachtet, so oft ich ein Glochidium von der Fischhaut
ablöste, habe mich aber, was ihre Bedeutung betrifft, auch
von der Irrthümlichkeit der Schierholz 'sehen Auffassung
überzeugen können; diese Stacheln sind in der That, wie
Braun hervorhebt, fremde, nicht dem Organismus des
Parasiten angehörende Gebilde, es sind Bestandtheile des
Flossenskeletts. Braun hat (No. 20) den untrüglichen
Beweis für seine Ansicht gegeben durch den Nachweis,
dass diese Kalknadeln allen Glochidien fehlen, die an Axo-
lotln parasitiren, sowie auch denjenigen an Fischen ange-
hefteten, die z. B. an der Unterseite des Kopfes oder an
anderen Körperstellen, wo keine Flossenstrahlen vorkommen,
sitzen, welch' letztere Beobachtung ich gleichfalls machen
konnte.
Was nun den embryonalen Adductor betrifft, so
ist Sc hier holz der Ansicht, dass derselbe nicht vollständig
zerfalle, wie dieses nach den Beobachtungen Braun 's der
Fall ist, sondern in einem geringen Rest erhalten bleibe
und den späteren vorderen Schliessmuskel darstelle. Wenn
nun auch gegen diese Ansicht Sc hier holz' a priori nichts
einzuwenden ist, so muss dieses wohl geschehen gegen die
Art und Weise, wie der Autor den hintersten, grössten
Abschnitt des Muskels zu Grunde gehen lässt. Durch das
Kenütüiss der postembryoualeü Eutwicklung der Najaden. 211
Hervorwachsen des Fusses soll nämlich der Muskel bogen-
artig ausgespannt werden, wobei die am meisten gespannten
Muskelzellen zerreissen und der Kesorption verfallen, wäh-
rend „der ganz vorn gelegene Rest, dieser Spannung fast
gar nicht mehr ausgesetzt" verbleibt und den späteren
vorderen Adductor darstellt. Dass der Muskel zuerst in
einem hintersten Abschnitt zu zerfallen beginnt, ist aller-
dings richtig, dass aber wucherndes embryonales Gewebe
einen mächtig entwickelten, im Zustande der Contraction
befindlichen Muskel spannen und zum Zerreissen bringen
könne, ist doch wohl nicht denkbar. Uebrigens haben
auch meine Untersuchungen in Uebereinstimmung mit denen
Braun's ergeben, dass der ganze embryonale Schliess-
muskel zu Grunde geht und die beiden bleibenden
Adductoren Neubildungen sind. Die Insertionsstelle
des Muskels ist aussen an der Schale der Glochidien deutlich
erkennbar, da sie als scharf umgrenzter heller Fleck — bei
Untersuchung mit auffallendem Licht — durchschimmert.
Bald nach der Anheftung werden die Contouren dieses
Flecks unregelmässig und man kann ganz deutlich den
allmäligen Zerfall des Muskels an der immer kleiner wer-
denden Insertionsstelle verfolgen. Es kommt dabei scheinbar
eine Theilung des Muskels in zwei Portionen zu Stande,
indem die mehr länglich gewordene Ansatzstelle durch einen
Spalt in zwei Hälften geschieden erscheint; die weitere
Beobachtung ergiebt, dass schliesslich beide Theile voll-
ständig schwinden, was auch die Untersuchung von Schnitt
Serien bestätigt, und zwar zerfällt die hintere Hälfte schneller.
Bevor aber der gänzliche Zerfall eingetreten ist, erkennt
man schon — in der dritten Woche — die Insertionsstellen
der beiden bleibenden Adductoren als zwei kleine, runde,
helle Flecke. Die Untersuchung von Schnitten zeigt
übrigens, dass der hintere Adductor schon bedeutend früher,
schon am 10. Tage nach der Anheftung angelegt wird;
man findet zu dieser Zeit, der Lage des späteren Muskels
entsprechend, einige langgestreckte, spindelförmige Zellen
212 Ferdinand Schmidt: Beitrag zur
von einer Schale znr anderen ziehen. Die Zahl dieser
Zellen, die aus dem noch indifferenten mesodermalen Ge-
webe hervorgehen, wächst schnell an und in der dritten
Woche ist der Muskel wohlentwickelt vorhanden; zu dieser
Zeit sind auch schon die lietractoren des Fusses, gleichfalls
in Form einiger langgestreckter, spindelförmiger Zellen
aufgetreten. Die zarten Fasern der neugebildeten Muskeln
weichen in ihrem Aussehen sehr auffällig von den zer-
fallenden des embryonalen ab.
Ueber den embryonalen Mantel und sein Ver-
hältniss zum späteren, bleibenden verdanken wir M. Braun
eine interessante Beobachtung, die durch meine Unter-
suchungen bestätigt wird. Wie Braun angiebt, ziehen
sich die grossen, kegelförmigen Zellen des Mantels allmälig
zu einem etwa „pilzförmigen" Körper zusammen, der
immer in unmittelbarer Nähe des von den Schalenhaken
erfassten Flossenstrahles liegt. Braun nimmt an, dass die
junge Muschel die zum Weiterbau ihrer Schale nöthigen
Kalksalze aus dem erfassten Flossenstrahl entnehme und
bringt den „pilzförmigen Körper" (vergl. Fig. 16) in
Beziehung zur Lösung und ResorjDtion der Salze des Flossen-
skeletts. Für diese Deutung spricht jedenfalls auch der
Umstand, dass die in Frage stehenden Zellen zu Grunde
gehen, sobald die junge Muschel die Cyste verlässt, sowie
auch die Thatsache, dass die vom Parasiten erfassten Theile
des Flossenskeletts stets gänzlich zerfallen und das im
Protoplasma der Zellen des „pilzförmigen" Körpers ver-
schieden grosse Körperchen, die vollständig den Zerfalls-
producten gleichen, nachweisbar sind.
Die Entwicklung des Darmcanals und der
Leber. Ln Embryo besteht die Anlage des Darmcanals
aus einem kleinen Entodermsäckchen , welches dorsal vom
Fusswulst gelegen, an dessen hinterem Rande dem Ectoderm
anliegt; vor dem Fusswulst findet sich die „Mittelschild-
tasche", die Mundeinstülpung. Sobald nun das Glochidium
auf die Fischhaut gelangt ist, dehnt sich das Entoderm-
Kenntniss der postembryonalen Entwicklung der Najaden. 213
säckchen in der Medianlinie des Körpers aus und tritt vorn
mit der, durch das Hervorwachsen des Fusses an das vordere
Körperende gedrängten Mundeinstülpung in Communication,
während hinten, da, wo das Entoderm das Ectoderm be-
rührt, der Durchbruch des Afters erfolgt. Nach Schier-
holz' Beobachtungen, die im Uebrigen in Betreu' des
Darmcanals mit den meinigen sehr gut übereinstimmen,
steht schon vor der Ansiedelung auf der Fischhaut das
Entodermsäckchen durch einen After mit der Aussenwelt in
Communication; in seiner ausführlichen x^rbeit hat Schier-
holz zur Illustration dieser Verhältnisse einen idealen
Medianschnitt durch einen reifen Embryo abgebildet. Die
Untersuchung einer grossen Anzahl von ununterbrochenen
Schnittserien hat mir aber bewiesen, dass diese Angabe
irrthümlich ist, dass das Entodermsäckchen im Embryo
allseitig abgeschlossen ist und dass erst während des Para-
sitirens durch Auseinanderrücken der Elemente der Durch-
bruch des Afters erfolgt, wobei eine Einstülpung des Ecto-
derms nicht stattfand.
Aus der Mittelschildtasche, die sich während ihrer
Verschiebung an das vordere Körperende bedeutend vertieft,
geht ausser der eigentlichen Mundöfihung auch der vorderste
Abschnitt des Darmcanals, der Oesophagus, hervor und sind
daher diese Theile, also der ganze Vorderdarm als
Bildungen des Ectoderms aufzufassen; der Mittel-
und Enddarm, also der Magen, welcher dem ur-
sprünglichen Entodermsäckchen entspricht und
der ganze sich an ihn anschliessende Abschnitt
des Darmtractus sind entodermalen Ursprungs.
Im Verlauf der weiteren Entwicklung macht der Darm-
canal, der in seiner ganzen Ausdehnung von Cylinderepithel
ausgekleidet ist, die typischen Windungen im Fuss und er-
reicht also während der parasitischen Lebensperiode seine
volle Ausbildung.
Zu den Annexen des Darmcanals und zwar seines
entodermalen Abschnittes gehört die Leber. Die allererste
214 Ferdinand Schmidt: Beitrag zur
Anlage dieses Organ es ist schon im Embryo vorhanden in
Gestalt zweier sehr schwacher Ausbuchtungen des Ento-
dermsäckchens. Sobald nun die Ansiedelung auf der Fisch-
haut stattgefunden hat, erweitern sich diese Aussackungen
und wachsen bald zu zwei cylindrischen Röhren aus, die
dem Darmtractus parallel liegen. Diese Röhren erstrecken
sich ungefähr durch das vorderste Drittel des Körpers und
reichen vorn bis in die Gegend der Cerebralganglien, daher
sie auf Fig. 4 dorsal von diesen Ganglien noch sichtbar
sind. Diese Leberschläuche nehmen ausserordentlich an
Umfang zu und fliessen später ventral vom Darmcanal zu-
sammen (vergl. Fig. 12). Sie beginnen schon frühzeitig zu
secerniren; das Protoplasma ihrer Epithelzellen erscheint
von kleinen, stellenweise zu grösseren Massen confluirenden,
stark lichtbrechenden Tröpfchen erfüllt, die auch frei ins
Lumen der Schläuche hinaustretend, dieses zuw^eilen fast
ganz verstopfen; die grossen, runden Zellkerne sind in
Folge dessen nur schwer oder garnicht erkennbar.
Zu Ende des parasitischen Lebens zeigen die Leber-
schläuche noch dieselbe Lagerung und stehen mit dem
Magenraum in weitoffener Communication.
Die Entw^icklung des Nervensystems, der Ge-
hörbläschen und der rudimentären Byssusdrüse.
Eine Angabe über die erste Anlage des Nervensystems der
Najaden hat ,von den früheren Autoren nur Schierholz
gemacht ; er findet dieselbe in den schon mehrfach erwähnten
strangartigen Gebilden in der Leibeshöhle und bezeichnet
in seiner vorläufigen, kurzen Mittheilung (No. 16) die
„Vorderfiügel" (Flemming) als Anlage der Pedalganglien.
Später aber ist dem Autor diese Angabe zweifelhaft ge-
worden, daher er es in der ausführlichen Arbeit als fraglich
hingestellt hat, ob in den erwähnten Gebilden wirklich die
Pedalganglien, oder, wie aus gewissen Gründen wahrschein-
licher gemacht wdrd, die Visceral ganglien zu sehen seien,
während die Fuss- wie auch die oberen Schlundganglien
in anderen, ähnlichen, langgestrockten Zellen repräsentirt
Kenntniss der postembryonalen Entwicklung der Najadeu. 215
seien; jedenfalls aber soll das ganze Nervensystem schon
im Embryo angelegt sein.
Meine Untersuchungen haben nun aufs Sicherste er-
geben, dass die Ansicht Schi er holz' durchaus irrthümlich
ist, dass die in Frage stehenden, strangartigen Gebilde —
unter denen die sogenannten Seitenflügel, wie später erörtert
werden wird, von besonderer Bedeutung sind, während die
übrigen wohl als Muskel- oder Bindegewebszellen aufzufassen
sind — überhaupt in gar keiner Beziehung zum Nerven-
system stehen, dass dieses erst während des parasitischen
Lebens in gleich näher zu schildernder Weise angelegt wird.
Das gesammte Nervensystem entwickelt sich
vom Epithel der Körperoberfläche aus — ist also
ectodermalen Ursprungs — und zwar entstehen die
drei Ganglienpaare, sowie auch die einzelnen Ganglien
unabhängig von einander, um erst später durch Commissuren
mit einander in Verbindung zu treten.
In einem vorläufigen Bericht über die Ergebnisse meiner
Untersuchungen (Sitz.-Ber. der Dorpater Naturforsch.-Ges.,
Jahrg. 1885) habe ich angegeben, dass die Cerebral- und
Pedalganglien m Form von Einstülpun2;en des Epithels,
die Visceralganglien dagegen als solide Verdickungen des-
selben angelegt würden. Die sorgfältige Untersuchung
einer grösseren Anzahl gut conservirter Präparate hat mir
bewiesen, dass der letztere Entwicklungsmodus für alle drei
Ganglienpaare typisch ist, daher ich hier meine frühere
Angabe berichtige.
Die einzelnen Ganglienpaare treten nicht gleichzeitig
auf; die oberen Schlund- und die Fussganglien zu Ende
der ersten Woche des parasitischen Lebens, die Visceral-
ganglien bedeutend später, erst in der vierten Woche; die
Entwicklung dieser letzteren Ganglien ist in den Fig. l'J
und 20 dargestellt: am hinteren Ende des Fusses, zwischen
diesem und den Kiemen, zeigt sich das Epithel jederseits
stark verdickt, Avelche Verdickungen sich allmälig immer
mehr vom Mutterboden ablösen, jedoch noch lange Zeit
21G Ferdinand Schmidt: Beitrag zur
hindurch als rundliche Zellhaufen dicht unter der äusseren
Epithelschiciit liegen bleiben, um erst gegen Ende des para-
sitischen Lebens etwas tiefer in das umgebende Gewebe
hinabzurücken. Diese Anlagen der Visceralganglien, welche,
wie auch die der anderen Ganglienpaare im Yerhältniss
zur geringen Grösse der jungen Muschel auffallend mächtig
entwickelt erscheinen, sind gegen das umgebende mesoder-
malc Gewebe scharf abgegrenzt. In ganz derselben Weise
entstehen zu beiden Seiten der weiten Mundeinstülpung
die oberen Schlundganglien (vergl. Fig. 4 und 5).
Die Pedalganglien endlich entwickeln sich gleich-
zeitig und auch räumlich in Verbindung stehend mit einem
anderen Organ, welches, dem ausgebildeten Thiere meist
fehlend, in der jungen Muschel in äusserst rudimentärer Form
zur Anlage kommt, der Byssusdrüse. J. Carriere giebt
in seiner Arbeit über die Drüsen im Fusse der Lamelli-
branchiaten (No. 43) auf Grund einer Mittheilung, die ihm
Herr Prof. Dr. M. Braun machte, an, dass am dritten
oder vierten Tage nach der Anheftung der Fuss — es
handelt sich auch hier um Anodonta anatina — als kurzer
Kegel entstehe, welcher in seiner Spitze eine sehr kleine,
trichterförmige Einstülpung zeige, ausgekleidet mit dem
Epithel des Fusses und ohne Drüsenzellen. „Diese Ein-
stülpung," berichtet Carriere, „scheint nun bei manchen
Exemplaren im Laufe der Entwicklung wieder zu ver-
schwinden, bei anderen dagegen erhält sich die Höhlung,
wird umwachsen und persistirt dann als ein kurzer, rund-
licher, von Flimmerepithel ausgekleideter Sack im hinteren
Ende der Fusskante." Ich habe diese Einstülpimg, die
imzweifelhaft eine rudimentäre Byssusdrüse darstellt, gleich-
falls bei allen untersuchten Exemplaren zu der von Carriere
angegebenen Zeit entstehen sehen; sie ist nicht bei allen
Individuen gleich stark entwickelt, läuft aber stets im
Grunde in zwei mehr oder weniger tiefe seitliche Aus-
sackungen aus, zeigt also eine paarige Anlage. Im Ver-
lauf der weiteren Entwicklung bleibt bie längere Zeit er-
Kenntniss der postembryonalen Entwicklung der Najaden. 217
halten und steht später im Zusammenhange mit einer Längs-
rinne, die sich in der Medianlinie des Fusses ausbildet und
mit der Drüseneinstülpung beginnend bis an die Fussspitze
sich erstreckt. Die Drüseneinstülpung verflacht sich all-
mälig und ist an den jungen Muscheln nach dem Verlassen
des Wirthes nicht mehr zu finden, während die erwähnte
Längsrinne des Fusses deutlich sichtbar ist, wie Fig. 13
zeigt, die eme junge Anodonta einige Tage nach dem Ver-
lassen der Cyste darstellt. Dass die Höhlung der Drüsen-
einstülpung umwachsen w4rd und als „kurzer, rundlicher,
von Flimmerepithel ausgekleideter Sack" persistire, wie
dieses nach Carriere's Angabe bei manchen Exemplaren
vorkommt, habe ich nie beobachtet.
Im Zusammenhang mit dieser rudimentären Drüse
treten nun auch die Pedalganglien auf, indem vom Boden
und der vorderen Wandung der Einstülpung aus das Epithel
in Form zweier dicker Zellstränge nach dem vorderen
Körperende hin gerichtet in das Gewebe des Fusses hinein-
wuchert. Diese Zellmassen lösen sich dann später von dem
Epithel der Drüseneinstülpung gänzlich ab imd rücken,
sich einander allmälig nähernd, immer mehr in den vorderen
Theil des Fusses; in den Fig. 6 — 9 sind vier aufeinander
folgende Schnitte durch den Fuss einer jungen Muschel
am zehnten Tage nach der Ansiedelung auf der Fischhaut
abgebildet.
Die einzelnen Ganglien treten nach ihrer Loslösung
vom äusseren Epithel durch Commissuren mit einander in
Verbindung; die Commissur zwischen den beiden Cerebral-
ganglien, die durch die weite, trichterförmige Mundein-
stülpung von einander getrennt sind, zieht im Bogen dorsal
um diesen vordersten Abschnitt des Darmcanals herum; sie
ist besonders stark entwickelt, während die der beiden,
einander dicht anliegenden Pedalganglien nur sehr schwach
ausgebildet ist. Diese Commissuren, deren Entstehung ich
nicht genauer verfolgen konnte, bestehen aus einer grossen
Zahl feinster Fasern, welche sich im Innern der Ganglien •
Aicb. f. Naturgesch. LI. Jahrg. 1. Bd. 15
218 Ferdinand Schmidt: Beitrag zur
masse verlieren; die Ganglien selbst zeigen auf Schnitten
peripher gelagert eine Anzahl stark tingirbarer Kerne,
während das Centrum äusserst fein punktirt erscheint.
Im Anschluss an die Entwicklung des Nervensystems
ist die der Gehörbläschen zu besprechen. Schierholz
sagt (No. 16, pag. 484) hierüber folgendes aus: „Die erste
Anlage der Gehörbläschen wird auf einem sehr frühen
Stadium, wenn der Keim zu rotiren beginnt^ als kleine, in
der Nähe der Vorderflügel, aber aussen gelegene Zellen
sichtbar, welche von Flemming und Rabl übersehen
worden sind." Welches nun die wahre Bedeutung dieser
Zellen, über deren späteres Schicksal Schier holz auch in
seiner ausführlichen Arbeit nichts Weiteres auszusagen ver-
mag, als dass sie in den Fusswulst hineinrücken, an dessen
Innenfläche sie nur schwer zu sehen seien, sein mag, ent-
zieht sich meiner Beurtheilung, da ihr Auftreten nicht in
die von mir untersuchte Entwicklungsperiode fällt, im reifen
Embryo aber nichts zu finden ist, was mit den in Frage
stehenden Zellen zu identificiren wäre ; zu den Gehörbläschen
aber stehen sie bestimmt in gar keiner Beziehung, da diese
Organe erst während der parasitischen Periode, am 9. oder
10. Tage derselben, in Form von Einstülpungen des äusseren
Epithels zu beiden Seiten des Fusses angelegt werden,
welcher Vorgang in Fig. 9 dargestellt ist. Die eingestülpten
Epithelzellen schnüren sich bald ab und rücken als kleine
rundliche Masse (vergl. Fig. 10) ins Innere des Fusses, um
sich schliesslich an die Pedalganglien anzulegen.
Anfänglich ist in diesen Zellgruppen kein Lumen nach-
weisbar, später aber ist ein solches deutlich sichtbar vor-
handen, während die Wandung der Blase von flachen Zellen
gebildet wird (vergl. Fig. 12). In den Gehörbläschen einer
jungen Anodonta, zwei Wochen nach dem Verlassen der
Fischhaut, fand ich schon Otolithen ausgebildet.
Die Entwicklung der Kiemen. Wie zu Anfang
dieses Abschnittes gezeigt wurde, gehen die Kiemen aus .
den äusseren, wallartigen Rändern der beiden seitlichen
Kemitniss der postembryonalen Entwicklung der Najaden. 219
Gruben hervor, was die Untersuchung von Querschnittserien
ganz unzweifelhaft feststellt. Von grossem Werth war mir
aber ausserdem das in Fig. 15 abgebildete Stadium; es ist
eine junge Muschel, die am zwanzigsten Tage nach der
Ansiedelung von der Fischhaut abgestreift wurde, wobei
sie spontan ihre Schale öffnete. Schier holz hat eine An-
zahl verschieden alter Glochidien aus der parasitischen
Lebensperiode mit klaffenden Schalen abgebildet, leider aber
nicht angegeben, wodurch er die Thiere gezwungen, die
Schalen zu öffnen; ich habe verschiedenes versucht, diesen
Effect hervorzubringen, doch war alles vergeblich. Das vor-
liegende Object (Fig. 15) ist nach Conservirung in Chrom-
säure bei auffallendem Licht in Alkohol gezeichnet; es zeigt
den schon mächtig entwickelten Fuss, die beiden Adduc-
toren, den „pilzförmigen Körper" (Braun) und, was
hier besonders von Interesse ist, die Kiemen in einer Aus-
bildung, die noch deutlich ihr Hervorgehen aus den äusseren
Grubenrändern erkennen lässt. Der Kiemenwulst zerfällt,
wie auch schon auf diesem Stadium angedeutet ist, in
niehrere knopfartige Erhebungen, die sich allmälig stärker
entwickeln, wobei sie mit ihren freien, etwas angeschwollenen
Enden zur Medianlinie des Körpers geneigt sind; die in
Fig. 13 dargestellte jvmge Anodonta, die einige Tage nach
dem Verlassen der Cyste getödtet und gezeichnet wurde,
lässt diese Verhältnisse deutlich erkennen. Querschnitte
(vergl. Fig. 17 — 20) zeigen die Kiemenanlagen aus zwei
Lagen von schönem, hohem Cylinderepithel bestehend,
zwischen -die spärliches Bindegewebe hineinwuchert.
Die Anlage des Bojanus'schen Organes und
des Herzens. Schon mehrfach ist in dieser Arbeit von
Zellgruppen die Rede gewesen, die jederseits im Embryo
vorhanden, zwischen den seitlichen Gruben und dem hinteren
Schalenrande durch die Leibeshöhle ziehen; diese Zell-
gruppen sind die erste Anlage des Bojanus'schen
Organes, der Nieren.
Da die Frage, von welchem Keimblatt diese Zellen
15*
220 Ferdinand Schmidt: Beitrag zur
abzuleiten sind, von grosser Bedeutung ist, will ich in
Kürze anführen, welchen Aufschluss hierüber die Arbeiten
über die embryonale Entwicklung geben. Flemming be-
schreibt eine Anzahl langgestreckter, verästelter, die Leibes-
höhle durchziehender Zellen, unter denen zwei symmetrisch
in jeder Körperhälfte gelegene Gruppen besonders erwähnt
und als Seitenflügel des Vorderwulstes bezeichnet werden;
diese Seitenflügel beginnen rege zu proliferiren und wandeln
sich schliesslich in je einen Haufen kleiner, rundlicher Ele-
mente um. Diese von Flem minor beschriebenen und ab-
gebildeten Zellgruppen stimmen in ihrer Lagerung voll-
ständig überein mit den Zellanhäufungen, aus denen, wie
meine Untersuchungen ergeben haben, die Excretionsorgane
hervorgehen und es ist nun noch die Frage zu entscheiden,
welchem Keimblatt die betrefienden Zellen entstammen.
Schierholz hat in diesen Seitenflügeln irrthümlicher Weise
nervöse Elemente gesehen, sich in seiner kurzen Mittheilung
(No. 16) aber nicht näher über ihre Herkunft ausgesprochen;
in der ausführlichen Arbeit aber „scheinen" dem Autor
die in Frage stehenden Zellen Ectodermbildungen zu sein.
Dieser unsicheren Angabe steht aber die positive eines
anderen Forschers, nämlich RabTs gegenüber, der (No. 14,
pag. 56 — 57) gleichfalls die langgestreckten, verästelten
Zellen Flemming 's erwähnt und mit Bestimmtheit als
Elemente des mittleren Keimblattes nennt. Ich glaube
daher die Bojanus'schen Organe der Najaden zu
den Derivaten des Mesoderms zählen zu müssen.
Ob schon im Embryo in den Zellanhäufungen, die die
erste Anlage des Bojanus'schen Organes darstellen, ein
Lumen vorhanden ist, Hess sich nicht mit Sicherheit ent-
scheiden, etw^a vierundzw^anzig Stunden nach der Anheftung
auf der Flosse aber ist ein solches schon deutlich erkennbar.
Die Bojanus'schen Organe bestehen auf diesem Stadium
aus kleinen, allseitig abgeschlossenen Schläuchen, an der
Baj?is der Kiemenanlage gelegen. Lii Verlauf der weiteren
Entwicklung (vergl. Fio;. 1 7 — 20) strecken sich diese Schläuche
Kenntniss der postembryonalen Entwicklung der Xajaden. 221
mehr in die Länge und scheinen einige Windungen zu
machen; doch sind diese Verhältnisse nur schwer zu er-
kennen, da die Organe, besonders in ihrem vorderen Ab-
schnitt nicht scharf gegen das umgebende Gewebe abge-
^Vrenzt erscheinen, daher es auch nicht möglich war, zu
constatiren, ob die Schläuche schon während des parasiti-
schen Lebens nach aussen münden; es scheint dieses nicht
der Fall zu sein.
Auch das Herz wird schon zu Ende der parasitischen
Lebensperiode, wenn auch nur in allererster Anlage, bemerk-
bar. Jedenfalls glaube ich in dieser Weise eine Anzahl
Zellen, die, der Lage des Herzens beim ausgebildeten
Thiere entsprechend, um den Enddarm herum in Form
einer Blase angeordnet sind, deuten zu müssen.
Es bleibt nun noch die Entwicklung des Mantels
und die erste Anlage der bleibenden Schale zu
erwähnen.
Während aus den Elementen des sogenannten embryo-
nalen Mantels der schon erwähnte „pilzförmige Körper"
hervorgeht, beginnt die Bildung des bleibenden. Auf den
Schnitten durch den Embryo (Fig. 1 und 2) ist ersichtlich,
dass der einschichtige embryonale Mantel ringsum an den
Schalenrändern in eine mehrschichtige Lage kleiner Zellen
übergeht. Diese Zellen bilden nun den späteren Mantel,
indem sie sich, lebhaft proliferirend und in zwei Schichten,
eine äussere und innere, angeordnet, von den Schalen-
rändern aus immer mehr ausbreiten, wodurch die grossen,
cylinder- oder kegelförmigen embryonalen Mantelzellen zu
dem „pilzförmigen Körper" zusammengedrängt werden.
Zwischen die beiden neugebildeten Epithelschichten schiebt
sich Bindegewebe hinein und zu Ende des parasitischen
Lebens entwickeln sich am Mantelrande die typischen,
mit der Schalen bildung im Zusammenhange stehenden
Faltungen.
In Betreff der bleibenden Schalen hat Braun
Angaben gemacht, denen ich nichts neues hinzuzufügen
222 Ferdinand Schmidt: Beitrag zur
habe; es beginnt die Schalenbildung gegen Ende des en-
cystirten Zustandes am Rücken der jungen Muschel, „wo
jederseits eine kleine, länglich viereckige, aus Prismen-
substanz bestehende Platte auftritt. Erst kurz vor dem
Verlassen der Cyste erscheint im Mantelspalt eine feine
Cuticula."
Nach etwa siebzigtägigem Aufenthalte in der Fisch-
haut, welche Zahl sehr gut mit den Angaben Braun's
übereinstimmt, verlässt die junge Muschel ihren Wirth und
kriecht unter äusserst lebhaften Bewegungen des langen,
zungenförmigen Fusses, dessen vorderster Abschnitt gleich
den Kiemen ein schönes, hohes Flimmerepithel besitzt,
am Boden umher. Ich versuchte nach dem Vororano-e
Braun's, dem es gelungen ist, die jungen Muscheln zwei
Wochen lang am Leben zu erhalten, die Thierchen in
kleinen Aquarien, Uhrgläschen, aufzuziehen; einige Exem-
plare lebten vier Wochen, während die meisten, wohl aus
Nahrungsmangel, früher zu Grunde gingen, üebrigens
habe ich in dieser Zeit keine auffallenden V^eränderungen
an den jungen Muscheln wahrnehmen können mit Aus-
nahme des weiteren Wachsthums der Schalen anlagen, welche
bald nach dem Verlassen der Cyste auch aussen sichtbar
werden. In Fig. 14 ist eine junge Anodonta in der dritten
Woche des freien Lebens dargestellt; die Schalen sehen
als zarte, halbmondförmige Platten unter den beiden freien
Itändern der dreiseitigen embryonalen Schale hervor, die
noch immer die hakenförmigen Aufsätze trägt; die dem
Vorderende entsprechende Schalenanlage ist bedeutend
stärker entwickelt.
KeiiDtiiiss der postembryonalen Entwicklung der Najaden. 223
Abschnitt III.
Allen Autoren, die sich mit der Ontogenie der Najaden
beschäftigten, ist der eigenthümliche Bau des Glochidiums,
der dasselbe von den entsprechenden Entwicklungsstadien
verwandter Mollusken so abweichend erscheinen lässt, auf-
gefallen und es wurden verschiedene Versuche gemacht,
die Bestandtheile des Glochidiums zu deuten und mit Or-
ganen anderer Molluskenlarven zu homologisiren. Auf die
zum Theil höchst sonderbaren Anschauungen, die in den
älteren Arbeiten niedergelegt sind, kann hier nicht näher
eingegangen werden, zumal sie alle schon längst widerlegt
worden sind. Die neueren Autoren erkannten, dass die
eigenthümlichen, für das Glochidium specifischen Organe als
durch Anpassung an die Lebensweise erworbene Charaktere
aufzufassen sind. Ich verweise hier besonders auf Kabl,
der diese Frage ausführlich erörtert hat (No. 14, pag. 73 — 82)
und dessen Beurtheilung der hakenförmigen Schalenaufsätze,
der rudimentären Gestalt des Darmkanals und der sonder-
baren Borstenzellen als Anpassungserscheinungen durchaus
beizustimmen ist.
Was die sogenannte Byssusdrüse betrifl't, so hält
Rabl dieselbe für das Homologon des gleichnamigen Or-
ganes vieler Lamellibranchiaten und glaubt, dass dieselbe,
ursprünglich in viel geringerer Mächtigkeit entwickelt, erst
„langsam und allmählich durch Anpassung an die parasitische
Lebensweise der Embryonen eine so kolossale Grösse er-
langte" (pag. 78). Dass das in Frage stehende Organ
nicht als Homologon der bei vielen Muscheln vorkommenden
Byssusdrüse bezeichnet werden kann, ist durch den Nach-
weis bewiesen, dass im Fuss der jungen Muschel während
des encystirten Zustandes eine wirkliche Byssusdrüse an-
gelegt wird, worauf Carriere (No. 43, pag. 22) schon
aufmerksam gemacht hat; die sogenannte Byssusdrüse
224 Ferdinand Schmidt: Beitrag zur
der Glocliidien dagegen ist als ein durch An-
jjassung an die Lebensweise erworbenes, dem
(xlochidium eigenthümliclies Larvenorgan aufzu-
fassen, über dessen Function verschiedene Ansichten ge-
äussert worden sind. Forel meint, dass der frei flottirende,
lange Faden an irgend einem Körpertheil des voriiber-
schwimmenden Fisches haften bleibe und so die Larve auf
ihren Wirth gelange; Rabl betont, dass die Byssusfäden
einer ganzen Anzahl von Glochidien immer dicht mit
einander verflochten seien und dass daher ein Lidividuum,
dem es glückt, sich vermittelst der Schalenhaken an einen
Fisch zu heften, nun auch die übrigen Larven mit sich
ziehen müsse, wodurch diesen gleichfalls die Gelegenheit
zur Ansiedelang geboten werde. Braun schliesst sich
diesen Anschauungen an und betont besonders die grosse
Klebfähigkeit der Fäden. — Ich will hier die Bemerkung
einfügen, dass es wohl wünschenswerth ist, die so un-
passenden Namen „Byssusfäden" und „Byssusdrüse" ganz
fallen zu lassen und durch andere zu ersetzen; mit Hinsicht
auf die Klebfähigkeit der Fäden wäre es vielleicht ganz
passend, von einem „Klebfaden" und einer denselben aus-
scheidenden „Klebfadendrüse" zu reden. —
Schier holz endlich hat sich (in seiner ausführlichen,
nicht publicirten Arbeit) in folgender Weise über den Vor-
gang der Uebertragung der Najadenlarve auf ihren Wirth
mit Hilfe der Larvenorgane ausgesprochen: „Die Eier
werden vom Mutterthier einzeln ausgestossen, fallen mehr
oder weniger dicht zusammen und werden durch den
geringen Aufstoss von ihrer Eihülle befreit. Durch die
heftigen Contractionen des Muskels während des Einflusses
des ungewohnten Wassers wird der Byssusfäden aus jeder
Larve herausgedrängt und verhängt sich an den Haken
anderer Larven. Die Uebertragung auf den Fisch wird
durch die Borstenbündel, besonders aber die beiden ab-
gerückten eingeleitet und geregelt, die scharf einschlagenden
Haken heften die Larve fest an den Fisch an und durch
Kenntaiss der post embryonalen Entwicklung der Najaclen. 225
eine schnelle wechselnde Bewegimg desselben wird die
Larve von dem mitgerissenen Larvenknäuol abgerupft.
Dieser fällt nieder, breitet sich wie ein Netz aus, bis er
wieder emporgehoben und eine zweite Larve abgerissen
wird. Durch ihre Fäden werden daher die Larven ver-
hindert, in Vertiefungen zu fallen oder ihrer weiteren Ent-
wicklung aus dem Wege zu gehen." Diese Schilderung
ist ganz ungezwungen und naturgetreu. Dass die unter
einander durch die langen Fäden verbundenen Glochidien
wie ein Netz über alle hervorragenden Gegenstände, Pflanzen
und Steine, ausgebreitet liegen, konnte ich sehr schön
beobachten, als einige trächtige Anodonten im Aquarium
ihre Brut absetzten.
In Betreff der Eiablage will ich hier der interessanten
Thatsache Erwähnung thun, die von Braun bei GeleL'cn-
heit seiner Untersuchungen über die Najadenentwicklung
beobachtet wurde, dass nämlich die trächtigen Muscheln
im Aquarium ihre Brut nicht absetzen, so lange keine
Fische im selben Behälter sich befinden. Die vollständig
reifen Embryonen können, wie ich gleichfalls beobachtete,
Wochen, ja Monate lang in den Kiemen der mütterlichen
Thiere ausharren, werden aber sofort ausgestossen, sobald
man Fische in das Aquarium setzt.
Von den übria^en Organen des Glochidiums ist das
Wimperschild zu erwähnen, in dem man ein rudimentäres
Velum zu sehen glaubte, bis Schierholz nachwies, dass
es am hinteren, nicht, wie früher angenommen wurde, am
vorderen Körperende gelegen sei, wodurch die alte Auf-
fassung widerlegt wurde; es ist daher das Organ, wie
schon von Balfour in seinem Handbuch der vergleichen-
den Embryologie angedeutet ist, wohl einem circumanalen
Wimperbüschel gleichzusetzen.
Was endlich noch am Glochidium auffällt, ist der
Umstand, dass die Anlagen der Kiemen, des Fusses und
des Darmkanals am hinteren Körperende zusammengedrängt
liegen. Es ist dieses Verhältniss wohl in Zusammenhang
226 Ferdinand Schmidt: Beitrag ziu-
zu bringen mit der Lage und der mächtigen Entwicklung
des embryonalen Adductors; hierfür spricht auch die That-
sache, dass mit dem Zerfall des Muskels, der auch zu den
provisorischen Organen (vergl. Balfour No. 39, pag. 260)
zu zählen ist, gleichzeitig die allmälige Ausbreitung der
oben genannten Organanlagen fortschreitet.
Ich habe hier nur die Organe des reifen Embryos
besprochen und bin auf die bedeutungsvollen Erscheinungen
der embryonalen Entwicklung gar nicht eingegangen, da
diese nicht in den Bereich meiner eigenen Untersuchungen
gehören; ich muss hierin auf die Arbeiten über die em-
bryonale Entwicklung der Najaden verweisen. Dagegen
ist es meine Aufgabe, nun noch in Kürze die postem-
bryonale Entwicklung der Organe, wie sie im vor-
hergehenden Abschnitt dieser Arbeit für Anodonta geschildert
wurde, mit derjenigen anderer Mollusken und speciell anderer
Lamellibranchiaten zu vergleichen. Eine detaillirte Ver-
gleichung ist aber für's erste nicht möglich, da viele Organe
während des parasitischen Lebens noch nicht zu höherer
Ausbildung gelangen, sondern in äusserst primitiver Anlage
vorhanden sind ; immerhin aber ergiebt eine kurze Zusammen-
stellung der Thatsachen viel Uebereinstimmendes. So ent-
steht bei Anodonta der Darmkanal in seinem vordersten
Abschnitt, Mundhöhle und Oesophagus, aus ectodermalem
Gewebe, während der Mitteldarm mit der Leber, sowie
der Enddarm dem Entoderm angehören; diese Entwicklung
des Darmkanals scheint, nach den vielen übereinstimmenden
Angaben zu schliessen, typisch für die Mollusken zu sein.
In Betrefi' der Entwicklung des Bojanus'schen Or-
gan es sind unsere Kenntnisse noch höchst mangelhaft; es
stehen sich einige wenige Beobachtungen unvermittelt gegen-
über. Während E. R. Dankest er das Organ bei Pisidium
vom Ectoderm ableitet (No. 27), hat neuerdings Ziegler
(No. 41) für Cyclas den mesodermalen Ursprung nach-
gewiesen und zu dem gleichen Resultat haben mich meine
Untersuchungen an Anodonta geführt. Von Interesse wäre
Kenntniss der postembryonalen Entwicklimg der Najaden. 227
es, die Entwicklung der von K oll mann (Ueber Ver-
bindungen zwischen Coelom und Nepbridium, No. 44) ent-
deckten Trichter in der Niere der Najaden zu ermitteln;
bei der ersten Anlage des Bojanus'schen Organes spielen
sie jedenfalls keine Rolle, sie müssen erst secundär in der
nachparasitischen Entwicklungsperiode auftreten.
Gleich den Excretionsorganen gelangen auch die
Kiemen der Najaden während des parasitischen Lebens
noch nicht zu höherer Ausbildung. Sie entstehen hier,
wie auch bei anderen Lamellibranchiaten als faltenartige
Erhebungen der Körperoberfläche, über deren weitere Ent-
wicklung, wie sie von Lacaze-Duthiers (No. 40) an
Mytilus untersucht wurde, bei Anodonta und Unio nichts
bekannt ist.
Etwas abweichend erscheint die Entwicklung des
Mantels bei den Najaden. Dieses Organ entsteht sonst
bei den Muscheln in Form zweier Falten, die sich jeder-
seits am Körper, dem Fuss und den Kiemen parallel erheben ,
während für Anodonta hier ein anderer Entwicklungsmodus
beschriebr-n wurde. Dieses abweichende Verhalten bei den
Najaden steht vielleicht in Zusammenhang mit der hier
auftretenden frühzeitigen Sonderung des ganzen Körpers
in zwei symmetrische Hälften.
Von ganz besonderem Interesse ist die Entwicklungs-
geschichte des Nervensystems, daher ich hier ausführ-
licher auf diese Frage eingehe.
Der Hertwig'schen, als „Coelomtheorie'' bekannten
Anschauung gemäss, ist das Nervensystem der Mollusken
in seiner Hauptmasse mesenchymatösen Ursprungs und
wird nur in einem Theil — den oberen Schlundganglien
— vom Ectoderm und zwar speciell von der Scheitelplatte
geliefert. Gehen wir die bisher über die Genese des Nerven-
Systems der Mollusken gemachten Angaben durch, so finden
wir allerdings einige Beobachtungen, die fürdieHertwig'sche
Theorie sprechen. So leitet Bobretzky (No.28) das Nerven-
system der Gastropoden aus dem Mesoderm ab und zwar
228 Ferdinand Schmidt: Beitrag zur
hat dieser Forscher seine Untersuchungeu an Schnitten
gemacht, welches der einzige Weg ist, diese Frage absohit
sicher zu entscheiden. Ussow spricht sich (No. 29) für
den mesoder malen Ursprung des Nervensystems der Ce-
phalopoden aus und E. R. Lankester macht für diese
Classe die gleiche Angabe, während ei- für die Mehrzahl
der Mollusken die oberen Schlundo^ano^lien aus dem Ectoderm
ableitet (No. 26 und 27). Die auf Repräsentanten verschie-
dener Mollaskenordnungen ausgedehnten Untersuchungen
FoTs (No. 21 — 25) haben ergeben, dass die oberen
Schlundganglien in allen Fällen vom Ectoderm abzuleiten
sind, w^ährend in Betreff der Pedalganglien die Angaben
schwanken. Ich constatire hier nur kurz diese Thatsachen
ohne auf eine genauere Besprechung der bisher genannten
Arbeiten einzugehen, da dieses schon von anderer Seite her
geschehen ist, in der Hertwig' sehen Arbeit (No. 38) und
in Rabl's „Entwicklung der Tellerschnecke" (No. 33).
Was nun die übrigen, zum Theil erst in neuester Zeit er-
schienenen Untersuchungen über die Entwicklungsgeschichte
der Mollusken betrifft, so finden wir in allen die vollkom-
menste Uebereinstimmung darin, dass das Nervensystem,
in soweit die Anlage desselben überhaupt beobachtet w^urde,
ectodermalen Ursprungs sei. Carl Rabl leitet in seiner
„Ontogenie der Süsswasserpulmonaten" (No. 32,
pag. 206 — 208j die oberen Schlund- sowie die Pedal-
ganglien vom Ectoderm ab und in der schon genannten
Arbeit desselben Autors über Planorbis wird nach-
gewiesen, dass bei dieser Schnecke die Cerebralganglien
aus Ectodermverdickungen hervorgehen, welcher Entwick-
lungsmodus auch für die Fussganglien wahrscheinlich ge-
macht wird. Ferner entsteht nach v. Ihering das Nerven-
system bei Hei ix aus ectodermalem Gewebe (No. 31,
pag, 321), welchen Ursprung R. Horst (No. 35, pag. 346)
für die oberen Schlunds^anglien bei Ostrea nachweist und
auch für die Pedalganglien annimmt. An Purpura 1 a p i 1 1 u s
und Murex erinaceus hat Haddon (No. 36, pag. 369
Kenntniss der postembryonalen Entwicklung der Najaden. 229
bis 370) die Abstammung sowohl der Cerebral- als auch
der Pedalganglien vom äusseren Keimblatt und für Bi-
thynia tentaculata Sarasin (No. 37) den gleichen
Ursprung des gesammten Nervensystems überzeugend nach-
fifewiesen. Endlich ist noch für mehrere Lamellibran-
chiaten derselbe Nachweis vollkommen sicher geliefert
worden, durch Hatschek (No. 34) an Teredo, Ziegler
(No. 41) an Cyclas — die ältere Angabe v. Ihering's
(No. 30, pag. 416), dass die Pedalganglien dieser Muschel
im Mesoderm entstehen, ist durch die Untersuchungen
Ziegler's vollständig widerlegt — und in vorliegender
Arbeit an Anodonta.
Ueberblicken wir nun die ganze Reihe dieser Unter-
suchungen, um zu einem endgültigen Entscheid in der
Frage zu gelangen, ob das Nervensystem der Mollusken
rein ectodermalen Ursprungs ist oder nicht, so finden wir
den wenigen negativen Angaben eine Reihe positiver gegen-
überstehen. Da nun gegen erstere Beobachtungen immer-
hin der Einwand gemacht w^erden kann, dass von den
Beobachtern die Entwicklungsstufen, auf denen die Gang-
lienanlagen noch mit dem äusseren Epithel in Zusammen-
hang standen, übersehen worden sind und somit zu weit
vorgeschrittene Stadien dargestellt wurden — welchen Ein-
wand Rabl (No. 33) gegen die Resultate der Bobretzky-
schen Untersuchungen in der That erhebt — , die Zuver-
lässigkeit der positiv ausfallenden Angaben aber, wenigstens
zum grossen Theil durch genaue Abbildungen von Schnitten
zweifellos dargethan ist, so muss zugegeben werden, dass
der augenblickliche Stand unserer Kenntnisse durchaus da-
für spricht, das Nervensystem der Mollusken im
Gegensatz zu der Hertwig'schen Theorie zu den
reinen Derivaten des Ectoderms zu zählen.
Es sei hier auch noch daran erinnert, dass neuerdings
für die Polycladen, die als Plathelminthen gleich
den Mollusken zu den Pseudocoeliern des Hert-
wig'schen Systems gehören, der ectodermale Ursprung
230 Ferdinand Schmidt: Beitrag zur
des Nervensystems durch Lang nachgewiesen worden ist
(No. 45, pag. 386—388).
In den erst kürzlich erschienenen Untersuchungen
Ziegler's über die Entwicklung von Cyclas (No. 41) finde
ich in Betreff der Pedalganglien eine Angabe, die in auf-
fälliger Weise mit der von mir an Anodonta gemachten
Beobachtung übereinstimmt; auch bei Cyclas steht die erste
Anlage der Fussganglien räumlich und zeitlich in innigem
Zusammenhang mit der epithelialen Einstülpung, aus der
die Byssusdrüse hervorgeht, ein Grund mehr, die ent-
sprechende Einstülpung bei Anodonta als rudimentäre
Byssusdrüse anzusprechen.
Was endlich die von mir bei Anodonta ermittelte
Entwicklungsweise der Gehörbläschen betrifft, so
entspricht die Abstammung derselben vom äusseren Epithel
durchaus dem bei den Mollusken ganz allgemein vorkom-
menden Entwicklungsmodus dieser Organe.
Wie in dieser Arbeit gezeigt wurde, verlässt also die
junge Muschel ihren Wirth mit fast allen Organen des
ausgebildeten Thieres versehen; doch stehen die Organe
auch zu Ende des parasitischen Lebens grössten Theils
noch auf einer sehr tiefen Entwicklungsstufe und erreichen
also erst während des nachparasitischen Lebens ihre volle
Ausbildung. So ist besonders das Herz nur in allererster
Anlage vorhanden und sind die Kiemen jederseits nur
durch eine einzige Reihe knopfartiger Erhebungen reprä-
sentirt. Wie all' diese Organe sich weiter ausbilden, ob
aus den vordersten der aus den Kiemenwülsten hervor-
gegangenen Papillen wirklich, wie Schierholz glaubt, die
Mundlappen sich entwickeln, wie endlich die Ge-
schlechtsdrüsen entstehen — werden weitere Unter-
suchungen in der Ontogenie derNajaden festzustellen haben.
Kenntniss der post embryonalen Entwicklung der Najaden. 231
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„ 40. H. Lacaze-Duthiers, Developp. d. branchies d. Mollusques
Ac^phales. Ann. d. sc. nat. Ser. lY. Yol. Y. 1856.
„ 41. Ernst Ziegler, Ueber die Entwicklung v. Cyclas cornea Lam.
Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. XLI. 1885.
Kenntniss der postembryonalen Entwicklung der Najadeu. 233
No. 42. — , Dasselbe, im Zool. Anz. November 1884.
„ Carriere, Die Drüsen im Fuss der Lamellibranchiaten. Arb. a. d.
zool.-zoot. Inst, in Würzburg. Bd. V. 1879.
„ 44. Kollmann, üeber Verbindungen zwischen Coelom und Nephri-
dium. Gratulationsschrift der Univers. Basel zum 400jähr.
Jubiläum der Univ. Würzburg. 1883.
„ 45. Lang, Monographie der Polycladen. Fauna und Flora des
Golfes von Neapel. XI. Monographie. 1884.
Erklärung der Tafeln.
Die Contouren aller Figuren sind mit Hilfe der Camera lucida
entworfen und zwar die der Fig. 11, 13, 14 und 15 bei Vergrösserung
mit System 11 (INIikroscop von Seibert in Wetzlar), der Fig. 2 mit
System IV und die der übrigen Figuren mit System V.
Das Detail wurde mit Hilfe stärkerer Vergrösserungen (Wasser-
und Oel-Immers.) hineingezeichnet.
Fig. 1. Schnitt durch die eine Schalenhälfte eines reifen Embrjos,
dem Schlossrande parallel geführt, mz— Muskelzelle, emtz— em-
bryonale Mantelzelleu.
„ 2. Querschnitt durch den Embrj'o. ead— embryonaler Adductor.
„ 3. Medianschnitt durch den Embryo; hinteres Körperende.
ent — Entodermsäckchen, o— Mundeinstülpung, fw — Fusswulst.
„ 4. Querschnitt durch das vordere Körperende eines parasitirenden
Glochidiums, 18 Tage nach der Anheftung. cg— Cerebral-
ganglien, 1— vorderstes Ende der Leberschläuche.
„ 5. Ein gleicher Schnitt durch ein älteres Exemplar (aus der
achten Woche). Das Lumen des Dannkanals ist nicht sichtbar,
da die vordere Wand des Oesophagus tangential getroffen ist;
die Commissur der Cerebralganglien ist schon stark entwickelt.
„ 6—9. Vier aufeinander folgende Querschnitte durch den Fuss, am
zehnten Tage nach der Anheftung. d— Darmkanal, mg— Magen
mit den Leberanlagen (1), pg— Pedalganglien , gh— Gehör-
bläschen, rd — rudimentäre Byssusdrüse.
„ 10. Querschnitt durch den Fuss, 14 Tage nach der Anheftuug;
die Gehörbläschen sind schon abgeschnürt.
„ 11. Glochidium, 24 Stunden nach der Anheftung; beginnende
Wucherung der Fischepidermis.
Arch, f. Naturgesch. LI. Jahrg. 1. Bd. 16
234 Ferdinand Schmidt: Beitr. z. Kenntn. d. post. Entw. etc.
Fig. 12. Querschnitt durch eine junge Anodonta aus der achten Woche
nach der Ansiedelung.
„ 13. Junge Muschel, 8 Tage nach dem Verlassen der Cyste.
„ 14. Jimge Muschel, 3 Wochen nach dem Verlassen der Cyste,
seh — Schalenanlage, ma post u. ma ant — hinterer und vorderer
Adductor.
„ 15. Glochidium, am 20. Tage nach der Auheftung. pk— pilz-
förmiger Körper.
„ 16. Schnitt durch ein Glochidium mit geschlossener Schale, 50 Tage
nach der Anheftung; die Schnittrichtung entspricht der in
Fig. 2, nur erscheinen hier beide Schalenhälften getroffen.
„ 17 — 20. Querschnitte duixh das hintere Körperende parasitirender
Glochidien aus der ersten (Fig. 17), zweiten (Fig. 18), vierten
(Fig. 19) und achten (Fig. 20) Woche, n — Bojanus'sches
Organ, k— Kiemenanlage , vg — Visceralganghen. — In den
Figuren 17 und 18 ist die Wandung des Enddarms tan-
gential getroffen.
Beobachtungen an bekannten und neuen
Nematoden und Trematoden
von
Dr. von Linstow
in
Hameln.
1. Dorylaimus stagnalis Duj.
Fig. 1—4.
ZdMY Prüfung der Behauptung Perroncito's , dass An-
guillula stercoralis und Ankylostomum duodenale sich als
Larven nicht häuten, sondern sich einkapseln, müssen zwar
eben diese selben Arten studirt und untersucht werden,
wozu mir die Gelegenheit fehlt; denn wenn man bei
anderen Nematoden einen Häutungsprocess erkennt, so bliebe
doch immer noch die Möglichkeit, dass der Vorgang bei
den genannten Arten in dem von Perroncito angegebenen
Sinne stattfände, wenngleich es wahrscheinlich wird, dass,
wenn ein äusserlich jener „Einkapselung" ähnlicher Vorgang
bei anderen Nematoden deutlich als Häutung erkannt ist,
Perroncito diesen Process bei den genannten Arten nicht
richtig gedeutet habe.
Der principielle Unterschied zwischen Einkapselung
und Häutung ist wohl der, dass bei jener an der Aussen-
fläche der Cuticula ein entweder vom Thiere selber oder
vom Wohnthier oder von beiden gelieferter Stoff abge-
sondert wird, der eine Hülle um den Helminthen bildet ; —
giebt es doch bei einigen Parasiten, wie bei den als
Tetracotyle bezeichneten Larven von Holostomum, eigene
16*
236 Dr. von Liustow: Beobachtimgeu an bekamiten
grosse Drüsen, welche die mächtigen, concentrisch ge-
schichteten Kapseln absondern, — während bei der Häutung
an der Innenfläche der Cuticula eine Veränderung ein-
tritt, welche darin besteht, dass die Cuticula sich in zwei
Schichten spaltet, von denen die äussere, nachdem sie ganz
von der inneren gelöst ist, abgestreift wird.
Zur Untersuchung dieses Vorganges eignen sich grosse,
dickhäutige Formen am besten und ein besonders geeignetes
Object ist Dorylaimus stagnalis. Beim geschlechtsreifen
Männchen ist das Schwanzende abgerundet, Vi 2=^ der ganzen
Länge messend (Fig. 4), während es bei der Larve (Fig. 1)
zugespitzt und V^g der Körperlänge gross ist. Die derbe
0,0066 mm dicke Cuticula verdickt sich, wenn die Larve
sich in ein geschlechtsreifes Männchen verwandeln will,
mehr und mehr (Fig. 2), worauf sich unter der Cuticula
der Larve das abgerundete Ende des Männchens bildet
(Fig. 3), und erstere schliesslich abgeworfen wird, worauf
das Männchen mit dem kurzen, abgerundeten Schwanzende
erscheint (Fig. 4). Es ist klar, dass dieser Process keine
Einkapselung, sondern eine Häutung ist, denn die Haut
mit dem langen, spitzen Schwanzende, welche das Thier
abstreift, ist das Ursprüngliche und keine Neubildung.
Wenn Perroncito angiebt, die Einkapselung der Larve
von Anguillula stercoralis weise jene gestreckte, sich der
Körperform anpassende Gestalt auf und nicht die kugel-
oder eiförmige der parasitischen Nematoden, weil sie im
Freien lebe, so erinnere ich daran, dass Dorylaimus stag-
nalis ebenso im Freien lebt, wie jene Larve, dass also die
ähnliche Erscheinung hier wie dort vermuthlich gleich zu
deuten sein wird.
2. Ankylostomum duodenale Duhini.
Aus den Strongylen sind mehrere Gruppen abgesondert
und zu verschiedenen Gattungen vereinigt nach Molin's')
Darstellung, unter denen das Genus Ankylostomum (An-
») U sottordine degli Acrofalli, Venezia 1860.
und neuen Nematoden und Trematoden. 237
chylostomum, Dochmius, Strongylus) besonders leicht kennt-
lich ist durch den mächtigen, zum Theil mit Zähnen
bewaffneten Mundbecher, der nach der Rückenfläche ge-
ööhet ist. Ankylostomum duodenale hat als Erzeuger der
egyptischen Chlorose, der Bergwerks-, St. Gotthards-,
Ziegelarbeiter-Anämie viel von sich reden gemacht und ist
verschiedentlich auf's genaueste beschrieben, besonders von
Leuekart') und Schulthess-). Der Mundbecher hat an
der Mündung vier starke Zähne an der Bauchseite, und
gegenüber an der Rückenseite vier schwächere.
3. Ankylostomum tuhaeforme Zeel.
Fig. 5-7.
Im Darm von Felis catus dom. gefunden.
Dujardin, Histoire des Helminthes, pag. 279.
Molin, II sottordine degli Acrofalli, pag. 487—490, tab. III, Fig. 3—5.
Schneider, Monographie der Nematoden, pag. 140, tab. IX, Fig. 5.
M^gnin, Ankylostomes et Dochmies, Fig. 4 — 5.
Parona und Grassi, Di una nuova specie di Dochmius (Dochmius
Baisami).
Die Abbildungen der letzteren beiden Autoren sind
die einzigen, welche die Art wiedererkennen lassen.
Das Mundende hat vorn sechs mächtige, spitze Zähne
(Fig. 5 — 6) und zwei am Grunde der Mundkapsel an der
Bauchseite (Fig. 6); letztere ist 0,16 mm lang und 0,15 mm
breit; die Hautringel messen 0,0065 mm, der Oesophagus
ist nach hinten zu wenig verdickt. Was die männliche
Bursa betrifft, so ist dieselbe bei den vier hier verglichenen
Arten nach demselben Plane gebaut, links und rechts
zweigt sich eine doppelte Vorderrandsrippe ab, dann folgt
eine Mittelrippe, welche sich jederseits in drei Zweige
theilt und hierauf folgt die Endrippe, welche links und
rechts einen Ast abgiebt und in sechs Endzipfel endigt.
') Menschliche Parasiten, 2. Bd., Leipzig und Heidelberg 1876,
pag. 410—460, Fig. 235—259.
2) Zeitschr. f. wissensch. Zoologie, 37, Leipzig 1882, pag. 163—220,
tab. XI— Xn.
238 Dr. vonLinstow: Beobachtungen an bekannten
Bei A. tubaeforme ist der Saum zwischen dem Mittel-
und den beiden Seitenlappen tief ausgeschnitten und die
Endzipfel der Endrippe sind viel kürzer als deren Stamm
(Fig. 7). Die Länge der Girren beträgt 1,2 mm.
4. Ankylostomum trigonocephalum Bud.
Fig. 8—9.
Aus dem Darm von Canis vulpes.
Molin, 11 sottordine degli Acrofalli, pag. 491—493, tab. III, Fig. 6.
Dujardin, Histoire des Helminthes, pag. 277 — 279.
Schneider, Monographie der Nematoden, pag. 137—133.
Leuckait, Menschl. Paras., II, 1. Aufl., pag. 418, Fig. 240.
Der Mundbecher ist 0,13 mm lang und 0,10 mm breit,
an dem Grunde seiner Bauchseite steht ein Zahn (Fig. 8),
die der Mündung sind undeutlich. Die Hautringel sind
0,004 mm breit. Die Bursa hat einen dreieckigen Mittel-
lappen und die Endzipfel der unpaaren Endrippe sind
verhältnissmässig lang und etwa halb so gross wie der
Stamm (Fig. 9); Länge der Girren 0,72 mm.
5. Ankylostomum perniciosum n. sp.
Fig. 10.
Aus Knoten der Darm wand von Felis tigris.
V. Linstow, Archiv für Zoologie, 1879, I, pag. 180—181, tab. XII,
Fig. 27 — 28 (Strongylus tubaeformisj.
Die hier beschriebene Form kann, wie ich mich nach-
träglich überzeugt habe, mit A. tubaeforme nicht vereinigt
werden.
Während alle Ankylostomen für ihre Wirthe gefähr-
liche Parasiten sind, gilt das für diese Art ganz besonders,
denn das Wohnthier war durch sie getödtet.
Die Mundkapsel ist viel kleiner als bei den angeführten
Arten, sie ist 0,066 mm lang und 0,088 mm breit; bei
der Mündung findet man an der Bauchseite zwei und an
der Rückenseite einen stumpfen, wenig markirten Zahn,
und am Grunde derselben einen kleinen undeutlichen an
der Bauchseite. Die Hautringel messen 0,098 mm. Der
Mittellappen der Bursa fehlt fast (Fig. 10) und die sechs
und neuen Nematoden und Trematoden. 239
Endzipfel der Endrippe sind viel kürzer als der Stamm;
der Contour der Cuticula ist sägeförmig; Cirrenlänge
1,92 mm. Die genauere Beschreibung bitte ich an der
angeführten Stelle nachzusehen.
6. CucuUanus elegans Zeel.
Am männlichen Schwanzende von CucuUanus elegans
aus Perca fluviatilis finde ich constant nicht, wie Schneider ^)
angiebt, jederseits zwei, sondern drei postanale Papillen.
7. Ascaris ensicaudata Rud.
In einem Exemplar von Motacilla alba waren Magen
und Darm durch käsige Exsudatmassen mit einander ver-
löthet, in denen sich neun grosse Ascariden fanden, zum
Theil von den genannten Massen fest umwachsen. Es
waren geschlechtlich unentwickelte Formen von Ascaris
ensicaudata-), von denen einige sich in der Häutung be-
fanden, zwischen der abzustreifenden und der bleibenden
Cuticula bemerkte man Zellenwucherungen. Die Länge
betrug bis 21 mm, die Breite bis 0,9 mm; der Oesophagus
maass V'12/2 ^^^^ d^r kegelförmige abgerundete Schwanz V45/i
der Gesammtlänge ; die Cuticula war quergeringelt, der
Bohrzahn nicht mehr vorhanden, sondern die drei Lippen
zeigten sich vollkommen entwickelt.
8. Ascaris gracilescens Rud.
Fig. 11.
Aus dem Peritoneum von Clupea sprattus. Die Form
gehört zu den ungemein grossen, noch mit dem Bohrzahn
versehenen Formen, die ich im Gegensatz zu den Larven
mit Lippen als Embryonalform bezeichnete. Geschlechts-
anlagen fehlen gänzlich, die Cuticula ist sehr mächtig und
in unregelmässigen Abständen quergeringelt. Die Länge
beträgt 7,9, die Breite 0,37 mm. An der Bauchseite des
Darms liegt ein vom Oesophagus nach hinten verlaufender,
Vi 6/4 der Körperlänge messender, und an der Kückenseite
0 Monographie der Nematoden, pag. 111, tab. IV, Fig. 6—7.
2) Dieses Archiv, 1884, pag. 125—127, tab. VII, Fig. 1—3.
240 Dr. von Linstow: Beobachtungen an bekannten
des Oesophagus ein nach vorn vom Darm entspringender,
V21/8 der Gesammtlänge einnehmender Blinddarm; letzterer
ist etwas schmaler als ersterer.
Der Oesophagus misst V?/- ? der conische Schwanz
V55 der Gesammtlänge.
Die Form gleicht am meisten der Ascaris communis,
doch fehlt der Bulbus des Oesophagus und sind bei
A. communis die beiden Blinddärme annähernd gleich
lang, während ihr Breitenverhältniss das entgegengesetzte
ist diesem gegenüber; ausserdem ist der Bohrzahn w^esent-
lich anders gestaltet und fehlen am Kopfe von A. graci-
lesceus die Papillen.
9. Ascaris Thymalli n. sp.
Fig. '12.
Eine kleine Larve mit Bohrzahn, w^elche in 1,1 mm
grossen kugelförmigen Cysten der Magenwand und im
zähen Darmschleim von Thymallus vulgaris lebt, in welchem
letzteren die Cysten frei liegen. Die Länge des Parasiten
beträgt 1,69 mm; die Breite vorn 0,075, hinten 0,049 mm;
der Oesophagus misst Vs/e? ^^r conisch abgestumpfte Schwanz
Vi 4,7 der Gesammtlänge. Der Körper ist farblos, der Darm
gelb; die Haut ist quergeringelt und die Seitenlinien sind
scharf ausgeprägt. An der Rückenseite des Oesophagus
liegt ein fast bis zum Kopfende reichender Blinddarm
(Fig. l^a) und an der Bauchseite des Darms ein ähnlicher
(Fig. 12 b), ersterer von V3 Körperbreite, 0,12 mm vom
Kopfende aufhörend, letzterer etwas breiter, Yar? Körper-
breite messend; die Länge des hinteren Blinddarms ist
etwas geringer, als die des vorderen, 0,"J5 mm betragend;
zwischen Darm und Oesophagus bemerkt man einen Drüsen-
körper (Fig. 12c); der Bohrzahn ist stumpf und niedrig.
10. Ascaris Lotae n. s/j.
Fig. 13.
Ebenfalls eine kleine, mit dem embryonalen Bohrzahn
bewaffnete Larve, welche in dünnwandigen Kapseln in der
und neuen Nematoden und Trematoden. 241
Magenwand von Lota vulgaris wohnt; die 0,66 mm langen
und 0,39 mm breiten Kapseln sind oval und von einer
gelbliehen Masse erfüllt. Der Insasse ist 1,28 mm lang
und 0,059 mm breit; der Bohrzahn ist klein und nicht
zugespitzt, sondern knopfförmig; der Oesophagus misst V5/65
der Schwanz Vi 9/5 der ganzen Länge und die Seitenlinien
sind auch hier deutlich zu erkennen.
11. Filaria strumosa Mud.
Fig. 14—15.
Aus dem Magen von Talpa europaea.
Die Mundbildung ist nur vom Scheitel her richtig zu
erkennen, und bemerkt man so (Fig. 14), dass die Mund-
öffnung einem Querspalt gleicht, welcher von einer breiten
Leiste eingefasst ist, die an den beiden Enden sich von
ihr entfernt, in der Mitte aber sich wieder nahe an sie
heran legt, wodurch jederseits eine dreieckige Figur entsteht.
Dicht dahinter steht in der Rücken- und Bauchlinie
je eine sehr kleine, durch schwarze Pigmentkörnchen mar-
kirte Papille.
Der Oesophagus besteht aus drei verschiedenen Ab-
schnitten, das Vestibulum nimmt V39, der dann folgende,
nur muskulöse Theil V7 der ganzen Länge ein, während
der übrige Abschnitt einen drüsigen Belag zeigt; am Ende
des mittleren Theils befindet sich der Nervenring, Das
Schwanzende ist bei beiden Geschlechtern abgerundet.
Die Länge des Männchens beträgt 10,3 mm, die
Breite 0,4, der Oesophagus nimmt V385 der Schwanz V24
der Gesammtlänge ein; die Girren sind ungleich und messen
0,48 und 0,42 mm; ihre Enden verlaufen und gleiten in
einer mit der Cuticula verschmolzenen Doppelrinne mit
gemeinschaftlicher Oeffnung. Jederseits stehen vier präanale,
grosse Papillen (Fig. 15); dicht vor der Cloake steht eine
quergestellte, noch grössere, unpaare; postanale finden sich
jederseits fünf, von denen die beiden letzten dicht vor dem
Schwanzende stehen.
242 I^r. von Linstow: Beobachtungen an bekannten
Das Weibchen hat eine Länge von 20,3 und eine
Breite von 0,55 mm. Der Oesophagus misst hier Vs ^^^
der Schwanz \/^^,^ der ganzen Länge; die Vulva liegt
hinter der Körpermitte und theilt den Körper im Verhältniss
von 7:4; die Eier sind 0,052 mm lang und 0,036 mm
breit.
13. Filaria conoura n. sp.
Fig. 16.
Aus dem Darm von Anffuilla vulgaris.
Das Kopfende zeigt zvrei rundliche, den Scheitel nicht
erreichende, seitliche Lippen, an denen Papillen nicht zu
erkennen sind; nach innen von diesen erhebt sich ein
gerader Wulst mit abgerundeten Ecken, in welchen jeder-
seits eine grosse Papille steht; die Chitinwandungen des
Vestibulum können weit von einander entfernt werden, so
dass ein 0,036 mm langer und 0,02 mm breiter Mund-
becher entsteht, der mit nach vorn gestellten Zähnen um-
stellt ist. Die Cuticula zeigt vom Kopfe beginnende, breite
Seitenmembranen und undeutliche Querringelung. Der
Oesophagus ist in seiner hinteren Hälfte viel dicker als
in der vorderen; das Schwanzende ist fein zugespitzt.
Das Männchen misst 5,4 mm in der Länge und 0,14 mm
in der Breite; der Oesophagus erstreckt sich durch Vs/a?
der Schwanz durch y^g ^^^ ganzen Länge; die ungleichen
Girren sind 0,079 und 0,259 mm lang; es finden sich jeder-
seits fünf prä- und sechs postanale Papillen, von den letzteren
^ind zwei stark seitlich gerückt (Fig. 16); die vier nach
der Bauchseite gerichteten post- und die zwei der Cloake
zunächst gestellten der präanalen sind conisch und stark
hervortretend.
Das Weibchen ist 8,2 mm lang und 0,2 mm breit;
der Oesophagus nimmt hier nur '/12/55 ^^^ Schwanz 72:^8
der ganzen Körperlänge ein; am Körper zeigen sich hie
und da unregelmässig vertheilte Papillen auf der Cuticula;
die Vulva liegt weit nach hinten, und zwar theilt sie den
Körper so, dass sich der durch sie gebildete vordere Ab-
und neuen Nematoden und Trematoden. 243
schnitt zum hinteren verhält wie 14 ; 5; sie ist von Quer-
runzeln der Cuticuia umgeben, und erscheint, v^^ie die männ-
liche Cloake, prominent. Die dünnschaligen Eier sind
0,0 Li 8 mm lang und 0,062 mm breit.
In Anguilla vulgaris leben an Filarien übrigens
F. quadrituberculata (fälschlich auch mit quinquetuberculata
bezeichnet) Leidy in der Muskulatur des Rückens, roth
von Farbe, und 108 mm lang, eine Art, die wohl nur
irrthümlich mit Filaria solitaria Leidy, die 54 mm lang
und zwischen den Magenhäuten von Schildkröten gefunden
ist, vereinigt wurde ^); sowie ausserdem die mit Stachelringen
bewaffnete Filaria denticulata Rud., welche 13 — 19 mm lang
ist und im Magen lebt.
i3. Filaria Glomeridis n. sp.
Fig. 17—18.
In dünnwandigen, kugelförmigen Cysten von 0,2 mm
Durchmesser im Fettkörper von Glomeris limbata fanden
sich kleine Filarien -Larven von 0,62 mm Länge und
0,059 mm Breite; der Oesophagus nimmt über die Hälfte,
der Schwanz \\i^^ der ganzen Körperlänge ein. Die Cuti-
cuia ist quergeringelt, am Kopfe bemerkt man zwei zahn-
artige Yorsprünge (Fig. 17) und am Schwanzende feine
Spitzen (Fig. 18); so gehört die Form in die Gruppe der
Filarien-Larven, welche von Filaria Gruis, Strigis und der
gleich zu erwähnenden F. Vesperuginis gebildet werden,
zum Theil von Diesing mit Trichina affinis bezeichnet.
14. Filaria Vesperuginis n. sp.
Fig. 19—20.
In ovalen, 0,48 mm langen und 0,4 breiten Kapseln
der Darmwand von Vesperugo serotinus, wahrscheinlich
identisch mit Trichina affinis Dies. e. p. aus Plecotus
auritus und Vesperugo noctula.
Die Form ist kurz und dick, 1,03 mm lang und
0,06 mm breit; der vordere Theil des Oesophagus, das
1) Diesing, Revision der Nematoden, pag. 702—703.
244 Dr. von Linstow: Beobachtungen an bekannten
Vestibulum, nimmt Vn/ö des ganzen ein; der Oesophagus
ist Vs/o? der Schwanz Vji der Körperlänge gross, die
Seitenlinien sind deutlich, am Kopfende stehen zwei Zähne
und zwischen ihnen zwei kleinere (Fig. 19), am Schwanz-
ende zeigen sich kleine Stäbchen (Fig. 20).
Zwei andere eingekapselte Nematoden aus Fleder-
mäusen sind Nematoideum Vespertilionis serotini Crepl.
und Ascarops (Spiroptera) minuta van Beneden. Erstere
Art ist 2 — 3'^' = 4,5 — 6,8 mm lang und scheint geschleht-
lich entwickelt zu sein, letztere aber unterscheidet sich von
unserer Form durch einen viel schlankeren Körper, durch
ein knopfformig ausgehendes Schwanzende und zwei vor-
springende Papillen am Kopfe, der ohne Zähne ist.
15. Filaria Strigis m.
Diese Form ist bei den Raubvögeln sehr verbreitet
und findet sich ausser an den angegebenen Orten auch
eingekapselt in der Magenwand von Buteo lagopus, und
zwar in der Drüsenschicht, an der äusseren, von der
Muskulatur bedeckten Fläche.
16. Spiroptera? aäunca Crepl.
Fig. 21.
Aus dem Oesophagus von Larus canus. Das Weibchen
ist 10,5 mm lang und 0,29 mm breit, der Oesophagus
misst Vi 2/29 der Schwanz 773,2 der Gesammtlänge; am
abgerundeten Schwanzende bemerkt man ein saugnapf-
artiges Gebilde, dicht davor stehen an der Bauchseite
zwei Papillen. Die Cuticula ist in regelmässigen Abständen
quer- und in viel feinerer Weise längsgefurcht; das Kopf-
ende ist sehr charakteristisch durch die mächtigen Hals-
krausen, die aus der Abbildung (Fig. 21) zu ersehen sind;
dahinter steht eine Nackenpapille. Die Vulva findet sich
etwas vor der Körpermitte und theilt den Körper im Ver-
hältniss von 34 : 39; die Eier sind 0,039 mm lang und
0,023 mm breit.
lind neuen Nematoden und Trematoden. 245
Dass diese Art Spiroptera adunca Crepl. ist, kann nur
vermuthet werden, da eine Beschreibung fehlt; von den
anderen etwa hierher gehörigen Formen bestehen deutliche
Verschiedenheiten.
Filaria obvelata Crepl. hat Halskrausen, die 2^'2 nial
länger als die Körperbreite sind (vid. meine Abbildung
dieses Archiv, 1877, tab. XII, Fig. 4).
Filaria tridentata m. ist ganz ohne Halskrausen (dieses
Archiv, 1877, pag. 10 und 175).
Cosmocephalus papillosus Molin hat Halskrausen, die
doppelt so lang wie die Körperbreite sind, und vier auf-
fallend prominente Papillen am Kopfende (v. Dräsche, Ver-
handlungen d. k. k. zool. bot. Gesellsch. Wien 1883, pag. 113,
tab. III, Fig. 17).
Cosmocephalus Diesingii Molin führt am Kopfe vier
nach vorn sehende Vorsprünge (vid. Molin, Denkschr. d.
k. k. Akad. Wien, pag. 296, tab. X, Fig. 10).
17. Agamonematodum Bombinatoris n. sp.
Fig. 22.
Der Genusname Agamonematodum ist von Diesing für
die Nematodenlarv^en gebraucht worden, welche sich in die
bekannten Gattungen nicht unterbringen lassen, und in
demselben Sinne ist er hier von mir angewandt.
Es handelt sich um eine kleine, in rundlichen, 0,25 mm
messenden Cysten der Darmwand von Bombinator igneus
lebende Larve von 0,28 mm Länge und 0,033 Breite; der
Oesophagus mit Andeutung eines Bulbus nimmt V2/5, der
Schwanz 73,7 der Gesammtlänge ein, das Kopfende ist
zugespitzt und ohne erkennbare Lippen und Bohrzahn,
der Körper ist verhältnissmässig sehr dick spindelförmig
aufgetrieben.
18. Oxyuris stroma m.y.
Fig. 23—24.
Aus dem Darm von Mus. sylvaticus. v. Dräsche
macht die Bemerkung, dass es zur Unterscheidung der
1) Archiv f. Naturgesch., 1884, pag. 134, tab. IX, Fig. 17.
246 Dr. von Linstow: Beobachtungen an bekannten
Arten beim Genus Oxyuris besonders angebracht sei, das
Kopfende von der Scheitelfläche her zu studiren, und findet
man bei Anwendung dieser Methode bei dieser Art eine
von drei hyalinen Lippen umgebene dreieckige Mund-
öffnung, erstere von einer rundlichen Scheibe eingefasst;
die unter letzteren liegende Pulpa ist nach der Rücken-
und Bauchfläche zu in eine Spitze ausgezogen, seitlich
aber finden sich jederseits drei Vorsprünge, von denen die
mittleren je eine einfache, die der Submedianlinien aber
eine Doppelpapille tragen (Fig. 23).
Die grossen, 0,13 mm langen und 0,043 mm breiten
Eier haben eine doppelte Schale, von denen die äussere
Schicht kleine dellenförmige Vertiefungen mit einem dunkeln
Punkt in der Mitte tragen; der in ihnen enthaltene Embryo
zeigt einen kräftigen Oesophagus mit einem Bulbus, der
Ventilzähne einschliesst; die hintere Körperhälfte ist ab-
gerundet und hat keinen schwanzartigen Anhang, wie er
sonst bei dieser Gattung vorkommt (Fig. 24).
19. Oxyuris Glomeridis n. sp.
Fig. 25.
Im Glomeris limbata fand ich ein 3,7 mm langes und
0,2 mm breites Weibchen; die Haut ist regelmässig quer-
geringelt in Abständen von 0,01 mm; man bemerkt einen
von Chitinwänden gebildeten und von einem Randwulst
umgebenen Mundbecher; der Oesophagus misst Ve ^er
Gesammtlänge und hat am Ende einen kugelförmigen
Bulbus mit complicirtem Zahnapparat; etwas vor der Mitte
umgiebt ihn ein Nervenring mit ausstrahlenden Nerven-
fasern; der conische, lang zugespitzte Schwanz misst Vio
der Körpergrösse, die wenig vor der Mitte liegende Vulva
theilt den Körper im Verhältniss von 34 : 37 und die Eier
sind 0,079 mm lang und 0,039 mm breit.
^0, Oayysoma 'brevicaudatiim Zed.
Wohnt auch in Triton cristatus.
imcl neuen Nematoden und Trematoden. 247
21. Trichosoma hrevispiculum m.^).
Für diesen früher im Darm von Blicca bjoerkna
gefundenen Parasiten kann ich als neuen Fundort das
Rectum von Lota vulgaris angeben. Der Körper führt
Seitenbänder von -/s Körperbreite, in denen die Stäbchen
sehr sparsam stehen; bei einem noch nicht ganz ausge-
wachsenen Weibchen betrug die Länge 6,66 und die Breite
0,082 mm; die Länge des Oesophagus verhielt sich zu der
des Darms wie 19 : 15, und die Eier waren 0,062 mm lang
und 0,029 mm breit.
22. Trichosoma filiforme n. sp.
Fig. 26.
Aus dem Darm von Triton alpestris und cristatus.
Der Körper ist sehr zart und zeigt ein stäbchentragendes
Bauchband mit sehr selten stehenden Stäbchen, dessen Breite
sich zu der des Körpers verhält wie 4:11.
Das Männchen ist 7,86 mm lang bei einer Breite von
0,096 mm, die vorn nur 0,042 mm beträgt; der Oesophagus
verhält sich in seiner Länge zum hinteren Körpertheil wie
31 : 13. Die Cirrusscheide ist bedornt und der Cirrus
misst 0,3 mm.
Bei dem 12,48 mm langen und 0,138 mm breiten
Weibchen verhält sich die Länge des Oesophagus zu dem
übrigen Körper wie 23 : 28. Dicht hinter dem Anfang
des Darms liegt die Vulva. Die Eier sind 0,068 mm lang
und 0,03 'i mm breit; die Eischale ist von senkrecht auf
der Oberfläche stehenden Kanälen durchsetzt, die unter sich
durch auf der Oberfläche parallel verlaufende Kanäle oder
solide Leisten verbunden sind (Fig. 26). Krabbe 2) fand
in der Leber und im Darm von Triton cristatus Trichosomen-
weibchen, und Dujardin^) führt 16 — 17mm lange, 0,107mm
0 Archiv für Naturgeschichte, 1873, I, pag. 293.
2) Sitzungsber. d. k. Akad. Wien, XXV, 1857, pag. 520.
•'') Histoire des Helminthes, pag. 21.
248 I)i*- von Liustöw: Beobachtungen an bekannten
breite Trichosomenweibchen aus Triton taeniatus an; bei
beiden ist aber der mangelnden Beschreibung wegen nicht
zu ersehen, ob sie mit dieser Art zu vereinigen sind.
23. Distomum lima Bud.
Aus dem Darm von Vesperugo serotinus.
Von den fünf in den einheimischen Fledermäusen vor-
kommenden Distomen, D. lima, chilostomum, heteroporum,
ascidia und ascidioides, ist lima bei weitem die grösste
und überragt die übrigen etwa um das dreifache in der
Länge.
Die letztere beträgt 4,8 mm, die Breite 0,96 mm; die
Saugnäpfe sind fast gleich gross, der Mundsaugnapf hat
einen Durchmesser von 0,35, der Bauchsaugnapf einen von
0,34 mm; die Eier sind 0,039 mm lang und 0,025 mm breit.
Eine Hautbew^afihung war bei meinen Exemplaren nicht
vorhanden, die nach Diesing u. A. hinfällig sein soll.
van Beneden') hat diese Art beschrieben und ab-
gebildet und auch seine Schilderung-) von D. chilostomum
ist hierher zu ziehen.
Dujardin's^) Beschreibung passt nicht, denn im
Widerspruch mit Diesing, welcher den Bauchsaugnapf
kleiner nennt als den Mundsaugnapf, giebt Dujardiu
dem ersteren die doppelte Grösse letzterem gegenüber.
24. Distomum ascidia van Beneden ^) (non BiidoJphi).
Distomum ascidia und ascidioides sind, oberflächlich
betrachtet, einander ähnlich gebaut; die Form und Grösse
sind dieselben, findet man aber beide Arten neben einander,
so bemerkt man, dass die Eier von D. ascidia beträchtlich
kleiner sind; die Haut ist hier unbedornt und sieht man
einen langen Oesophagus, der bei D. ascidioides fehlt, hier
0 Mem. Acad. Belg., XL, pag. 25—27, pl. VI, Fig. 1—6.
2) Ibid., pag. 27, pl. VI, Fig. 7—8.
») 1. c, pag. 437—438.
*} van Beneden, 1. c, pag. 28—30, pl. VI, Fig. 9—17, 20.
und neuen Nematoden und Trematoden. 249
aber vom Schlundkopf bis dicht vor den Cirrusbeutel ver-
läuft. Der Mundsaugnapf misst 0,082 mm, bei D. asci-
dioides 0,25 mm.
25. Distomum ascidioides van Beneden.
Aus Vesperugo serotinus. Van Beneden*) führt ein
Distomum ascidioides an, das nicht weiter beschrieben
und abgebildet wird und sich von D. ascidia besonders
durch die starke Entwicklung des Mundsaugnapfes unter-
scheiden soll.
Die Länge beträgt 1,5 mm, die Breite 0,7 mm; der
längs-ovale Mundsaugnapf misst 0,25, der Bauchsaugnapf
0,16 mm im Längendurchmesser', sie verhalten sich also
in der Grösse wie 3:2. Die Haut ist mit sehr feinen
Stacheln bewaffnet, der Schlundkopf ist klein, von dem
sich die Darmschenkel direct abzweigen und zunächst nach
aussen und vorn verlaufen. Die Dotterstöcke liegen in
der vorderen Körperhälfte und reichen weit nach vorn,
bis zum hinteren Drittel des Mundsaugnapfes.
Der Yereinigungspunkt ihrer Ausführungsgänge liegt
vor dem Vorderrande des Mundsaugnapfes. Vor letzterem
bemerkt man auch den grossen Cirrusbeutel, seitlich und
etwas hinter diesem am Körperrande die beiden Hoden,
seitlich von und etwas vor demselben den Eierstock. Die
hintere Körperhälfte ist von den Eileiterschlingen aus-
gefüllt, die etwas über den Vorderrand des Bauchsaug-
napfes reichen; die Eier sind 0,033 mm lang und
0,013 mm breit, also beträchtlich grösser als die von
D. ascidia. So bin ich in der Lage, eine vervollständigte
Zusammenstellung der Artcharaktere der Fledermaus-
Distomen zu geben, aus welcher eine Erkennung leicht
sein wird (siehe umstehend).
0 1. c, pag. 30.
Arch. f. Naturgesch. LI. Jahrg. 1. Bd. 17
^50
Dr. von Linstow: Beobachtungen an bekannten
26. Distomum Anguis n. sp.
Fig. 27.
Im Darm von Anguis fragilis lebt ein geschlechts-
loses Distomum von 0,82 mm Länge und 0,57 mm Breite;
die Saugnäpfe haben beide einen Durchmesser von 0,2 mm;
die Cuticula ist sehr dick und unbewaffnet; der Schlund-
kopf ist gross, von demselben aus gabelt sich der Darm,
der jederseits bis zur Schwanzblase reicht. Mit D. flavo-
cinctum m. ^) ist die Form nicht zu vereinigen, schon der
gänzlich mangelnden Hautbewaffnung wegen.
Wenn Mace) im Darm von Vespertilio murinus ein
Distomum findet, welches ein grosses, unpaares Flimmer-
organ zeigt, so ist auch hier eine Abweichung von dem
0 Archiv für Naturgesch., 1879, I, pag. 183.
^) Comptes rend. Acad. Paris, tome XXIX, pag. 420.
und neuen Nematoden und Trematoden. 251
von Fraipont gegebenen Typus der Wimperorgane zu
constatiren. Von der contractilen Schwanzblase aus geht
nämlich rechts und links ein Excretionsgefass nach vorn,
das dicht hinter dem Mundsaugnapf umbiegt, um sich
wieder nach hinten zu wenden; der Insertionspunkt in die
Blase und die Umbiegungsstelle sind durch schwarze Con-
(iretionen markirt und auf der ganzen Strecke zwischen
beiden Punkten (b-a, Fig. 27) ist die Innenwand des
Gefässes mit lebhaft schwingenden Flimmern dicht besetzt.
27. Disfomum Limnaeae ovatae n. sp.
Fig. 28.
In dünnhäutigen, kugeligen Cysten von 0,36 mm Durch-
messer in Limnaea ovata findet man eine 0,86 mm lange
und 0,39 mm breite Distomenlarve, deren Mund- und
Bauchsaugnapf 0,14 mm gross ist. Die ganze Cuticula
ist mit Stacheln gleichmässig dicht besetzt. Es ist ein
verhältnissmässig grosses Distomum, das sich von der in
derselben Schnecke lebenden Larve von D. globiporum
dadurch unterscheidet, dass hier die Saugnäpfe genau gleich
gross sind, dass die Cuticula überall bewaffnet ist, und
der Dann etwa bis zum zweiten Körperdrittel reicht,
während bei D. globiporum der Bauchsaugnapf um ein
Drittel grösser ist als der Mundsaugnapf; die Haut un-
bewaffnet ist und der Darm bis fast an das Ende des
Körpers reicht. Bei D. Planorbis carinati Filippi, dessen
Cuticula bewaffnet ist, verhält sich der Durchmesser des
Mundsaugnapfes zu dem des Bauchsaugnapfes wie 3 : 4,
auch ist hier kein Zwischenraum zwischen Mundsaugnapf
und Schlundkopf. Bei Distomum (Cercariaeum) Paludinae
impurae armatum Filippi ist der Bauchsaugnapf ebenfalls
um V4 grösser als der Mundsaugnapf.
38. Distomum gJohiporum Buch
Die Larve lebt in dünnwandigen Cysten ausser in
Limnaea stagnalis und ovata sowie in Succinea putris auch in
SuccineaPfeifferi,Physafontinalis und Planorbis marginatus.
17*
252 Dr. vonLiüStow: Beobachtungen an bekannten
29. Dactylogyrus moUis WedV).
Fig. 29.
An den Kiemen von Scardinius erythrophthalmus.
= Datylogyrus difformis Wagen er-).
Der Körper ist sehr weich und zerfliessend, so dass
der Artname ein passender ist; die Chitinbewaff'nung der
Haftscheibe (Fig. 29, c-d) und der Geschlechtsöffnungen
(Fig. 29, e-f) sind sehr charakteristisch; dieselben sind am
besten aus den Abbildungen zu ersehen.
30. Octoplectanum heterocotyle van Beneden^).
Fig. 30.
Von den Kiemen von Clupea sprattus.
Die Zusammengehörigkeit kann ich nur vermuthen,
da mir eine Beschreibung von O. heterocotyle nicht
bekannt ist.
Der Körper ist langgestreckt, 2,5 mm lang und vorn
0,12, hinten 0,6 mm breit, von vorn nach hinten beständig
an Breite zunehmend, von kegelförmiger Gestalt. Am
Kopfende stehen zwei Saugnäpfe von 0,033 mm Durch-
messer und am Hinterende acht gestielte Haftapparate von
sehr complicirtem Bau, von denen jederseits vorn eins
grösser, nach hinten drei kleinere sind; der Durchmesser
der ersteren beträgt 0,13 mm, der der letzteren 0,066 mm.
Ihr Bau ist ein sehr complicirter und sind sie aus fünf
Chitinstücken zusammengesetzt, von denen zwei napfförmige
Deckstücke sind (Fig. b und c), die nach aussen sehen,
während eins ein schildförmiges Stück mit Löchern (Fig. e)
und eins ein dreieckiges Stück mit einer Rinne darstellt
(Fig. d), das von einem dreieckigen Theile (Fig. f) bedeckt
wird. Ein kleiner, mittlerer Endlappen des Thieres trägt
0 Sitzungsbericht d. k. Akademie Wien, 1857, pag. 272 und 278,
tab. IV, Fig. 51.
2) Naturkund. Verhandel, Haarlem, 1857, pag. 63—69, tab. XV,
Fig. 1-3.
^) Les poissons des c. d. Belg., pag. 67.
imd neuen Nematoden und Trematoden. 253
jederseits einen grösseren (Fig. g), 0,029 mm langen Haken
mit kleinem Hebelast, zwischen denen zwei kleinere, ein-
fache (Fig. h) von 0,016 mm Länge stehen.
31. Die Emhryonalentwicldimg von Holostomum cornucopiae Molin.
Fig. 31.
Die Eier von Holostomum cornucopiae entwickeln
den Embryo, wie ich bereits früher') angab, in Wasser
von mittlerer Temperatur, und habe ich den Entwicklungs-
gang tageweise verfolgt.
I. März. Das Ei zeigt eine Keimzelle mit Kern und
Kernkörperchen, die Dottermasse ist granulirt oder besteht
aus kleinen ungekernten und gekernten Zellen (Fig. a).
3. März. Die Keimzelle schiesst zwei Kerne ein, von
denen einer zwei Xernkörperchen führt (Fig. b).
6. März. Aus der Keimzelle hat sich eine aus drei
gekernten Blastomeren ohne Kernkörperchen bestehende
Morula gebildet; in der Dottermasse treten granulirte
Zellen auf (Fig. c).
8. März. Die Morula besteht aus fünf gekernten
Blastomeren; die Dottermasse wird von Zellen gebildet,
die theils hyalin sind, theils einen granulirten Inhalt haben,
theils einen Kern mit Kernkörperchen, theils mehrere
granulirte Kerne führen (Fig. d).
II. März. Blastula-Bildung (Fig. e). Die Zellen (Fig. f)
sind durchschnittlich 0,025 mm gross, ihr Kern 0,016 mm;
höchst merkwürdig ist, dass die Granula sich in lebhaftester
Molecularbewegung befinden. Die Contouren der grossen
hyalinen Zellen sind beim unverletzten Ei durch die Schale
hindurch deutlich zu erkennen.
14. März. Die Zellencontouren sind grösser geworden,
die zitternde Molecularbewegung der Granula hat auf-
gehört (Fig. g).
') Archiv für Naturgesch., 1877, pag. 195—197.
254: 1^1*- von Linstow: Beobachtungen an bekannten
18. März. Es hat sich ein Epiblast (Fig. h, a) und
ein HyjDoblast (Fig. h, b) gebildet, letzteres wird von Dotter-
zellen umgeben.
21. März. Epi- und Hypoblast vergrössern sich auf
Kosten der umgebenden Dottermasse (Fig. i); in den gra-
nulirten Dotterzellen (Fig. k) bilden sich granulirte Kerne,
diese werden frei, vergrössern sich und bilden einen Kern
im Innern, der mitunter ein Kernkörperchen zeigt; der
Kern wird gross und glänzend und lagert sich excentrisch
und wird endlich doppeltcontourirt; so gleicht er den
Samenkörperchen mancher Nematoden; durch die unver-
letzte Eischale hindurch sind diese Vorgänge nicht zu
erkennen. Die Grenze von Epiblast und unbenutzt ge-
bliebener Dottermasse ist undeutlich geworden.
28. März. Aus dem Epiblast bilden sich Flimmer-
zellen (Fig. m); dieselben sind granulirt, führen einen
Kern mit Kernkörperchen und an der Aussenfläche kurze,
unbewegliche Flimmern; der Embryonalkörper lässt im
Innern Zellbildung und zwei dunkle, rundliche Augenflecke
erkennen (Fig. 1).
3. April. Der Embryo macht die ersten Bewegungen
und ist länger als das Ei geworden, in dem er gekrümmt
liegt.
7. April. Es haben sich zwei halbmondförmige Augen-
flecke (Fig. n, a) und vier bewegliche Wimperflammen
(Fig. n, c) gebildet; die Flimmern (b) der Cuticula fangen
an, sich zu bewegen. Die übrig gebliebenen Dotterballen
werden durch die energischen Bewegungen des Embryo
im Ei zu einer körnigen Masse zertrümmert.
Den ausgeschlüpften Tetracotyle-artigen Embryo und
seine Schwimmbewegungen im Wasser habe ich früher
bereits geschildert').
0 Archiv für Natiirgesch., 1877, pag. 196—107, tab. XIV, Fig. 30.
und neuen Nematoden und Trematoden. • 255
Erklärung der Abbildungeu.
Fig. 1 — 4. Dorylaimus stagnalis. 1. männliche Larve, 2. Verdickung
der Cuticula, 3. Bildung des runden Schwanzendes unter der
Larvenhaut, 4. nach der Häutung.
„ 5 — 7. Ankylostomum tubaeforme. 5. Kopfende von der Rücken-
fläche, 6. von der rechten Seite, 7. Mittellappen der männ-
lichen Bursa.
„ 8 — 9. Ankylostomum trigonocephalum. 8. Kopfende von der rechten
Seite, 9. Mittellappen der männlichen Bursa.
„ 10. Ankylostomum perniciosum, Mittellappen der männlichen Bursa.
„ 11. Kopfende von Ascaris gracilecens von der rechten Seite.
„ 12. Ascaris Thymalli, a. und b. die beiden Blinddärme, c. der
Drüsenkörper.
„ 13. Ascaris Lotae.
„ 14—15. Filaria strumosa. 14. Kopfende von der Scheitelfläche,
15. männliches Schwanzende von der Bauchfläche.
„ 16. Filaria conoura, männliches Schwanzende von der rechten Seite.
„ 17 — 18. Filaria Glomeridis. 17. Kopf-, 18. Schwanzende.
„ 19 — 20. Filaria Vesperuginis, 19. Kopf-, 20. Schwanzende.
„ 21. Kopfende von Spiroptera adunca.
„ 22. Agamonematodum Bombinatoris.
„ 23—24. Oxyuris stroma. 23. Kopfende von der Scheitelfläche,
24. Ei mit Embiyo.
„ 25. Kopfende von Oxyuris Glomeridis. ^
„ 26. Ei von Trichosoma tiliforme.
„ 27. Distomum Anguis. a. Umbiegungsstelle des Excretionsgefässes,
b. contractile Blase.
„ 28. Distomum Limnaeae ovatae.
„ 29. Chitinapparate von Dactylogyrus mollis. a. grosse Haken der
Schwanzscheibe, b. kleiner, c. das Schloss, d. anderer unpaarer
Theil, e. Stützapparat der männlichen, f. der weiblichen
Geschlechtsöffnung.
„ 30. Octoplectanum heterocotyle. a. einer der acht Haftapparate,
b. bis f. dessen einzelne Theile, b., d., f. innere, c, e. äussere,
g. ein grosser, h. ein kleiner Haken.
„ 31. Embiyonalbildimg im Ei von Holostomum cornucopiae.
256 Arth. Krause: Ein Beitrag zur Kenntniss
Ein Beitrag zur Kenntniss
der Mollusken-Fauna des Beringsmeeres.
II. Gastropoda und Pteropoda*)
von
Arth. Krause.
Hierzu Tafel XVI bis XVm.
III. Grastropoda,
1. Trachydermon albus L.
Dali, Chitonidae of Alaska, p. 104.
Lophyrus albus L.; G. 0. Sars, 1. c, p. 114, tab. 8, fig. 2.
Cbiton albus L.; IVIiddendorff, Beiträge I, p. 120.
Fundbrt: Ploverbai, 1 Ex.
Die Schale ist weniger gewölbt als bei typischen nor-
wegischen Exemplaren; im Uebrigen, namentlich auch im
Bau der Radula ist die Üebereinstimmung eine vollstän-
dige. — Die Art ist schon von Stimpson in der Bering-
strasse aufgefunden worden.
2. Trachydermon ruber (L.) Lowe.
Dali, Chitonidae of Alaska, p. 102; U. S. Nat. Mus. I, tab. I, Fig. 3.
Boreochiton ruber; G. 0. Sars, 1. c. pag. 116, tab. 8, Fig. 4.
Chiton ruber L.; Middendorff, Beiträge I, p. 117.
Fundort: Ploverbai, 2 Ex.
Gestalt und Sculptur der Schalen, wie auch die mikro-
scopische Structur der Zone stimmen genau zu der von
^) Vergl. pag. 14—40, Taf. III dieses Jahrgangs,
der Mollusken-Fauna des Beriugsmeeres. 257
G. O. Sars für diese Art gegebenen Zeichnung und Be-
schreibung. — Nach Dali ist der obere Rand des „major
uncinus" bei dieser Art fein radial gestreift, während er
bei Tonicella marmorea Fabr. (1. c. Fig. 6) einfach glatt
sein soll. Sars (1. c. Tab. II, Fig. 3 und 4) zeichnet ihn
dagegen bei beiden Arten fein gewimpert, und auch ich
habe sowohl bei dem untersuchten Exemplar aus der Plover-
bai, wie bei Boreochiton marmoreus Fabr. von Tromsö das
Vorhandensein von Wimpern constatirt. — Nach Dali
geht diese circumpolare Art an der westamerikanischen
Küste bis Sitka und an der asiatischen bis zum Nord-
japanischen Meer.
3. Hanleya dehilis Gray.
Dali, Chitonidae of Alaska, p. 101.
Chiton Hanleyi; G. 0. Sars, 1. c, p. 109, tab. 7, Fig. 5.
Fundort: Ploverbai, 1 Ex.
Es wurde nur ein kleines 8 mm langes Exemplar
aus einer Tiefe von 12 Faden heraufgeholt, welches ich
nach eingehender Untersuchung der von den Schalen, der
Zone und der Radula dargebotenen Charaktere mit obiger
Art identificire. — Die Art findet sich sonst an der Ost-
küste Amerikas und in Europa vom Nordkap bis zum
Mittelmeer.
4. Schizoplax Brandtü Midd.
Middendorflf, Reise, p. 175, tab. X.V, Fig. 1—6.
Dali, Proc. U. S. Nat. Mus, 1878, p. 2.
Fundort: Ploverbai, 1 Ex.
Von diesem leicht kenntlichen Chiton wurde ein
15 mm langes Exemplar auf einer leeren Schneckenschale
am Strande festsitzend gefunden; es stimmt in jeder Hin-
sicht auf das genaueste zu den von Middendorff und
Dali über diese Art gemachten Angaben. — Nach Dali
geht die Art an der amerikanischen Küste bis Sitka, viel-
leicht sogar bis Vancouver.
258 Ar th. Krause: Ein Beitrag zur Kenntniss
5. Acmaea teshidmaUs MüJL
G. 0. Sars, 1. c, p. 120.
Tectura testudinalis ; Gould, 1. c, p. 267, Fig. 529.
Collisella testudinalis ; Dali, Am. Joum. Conch., VI, p. 9A9.
Fundort: Ploverbai, 4 Ex.
Es wurden nur leere Schalen (long. 30 mm) gefunden,
die jedoch vollkommen mit norwegischen Exemplaren dieser
Art übereinstimmen. — Dali fand die Art von der Bering-
strasse bis Sitka; JeflPreys giebt sie von Japan an, ohne
jedoch A. testudinalis und A. patina Eschsch. zu unter-
scheiden.
6. Acmaea pelta Eschsch.
Middendorflf, Reise, p. 186, tab. XVI, Fig. 4—5.
Collisella pelta Echsch ; Dali, Am. Journ. Conch., p. 246, tab. XIV,
Fig. 6.
Fundort: Auf schwimmendem Tang südlich von der
Unimak- Insel.
Das einzige nur 12 mm lange Exemplar passt sehr
gut zu der Beschreibung und Abbildung Middendorffs,
der diese Art von Sitka, den Aleuten und dem Ochotz-
kischen Meere kannte. — Auch die Radula stimmt gut
zu der von Dali 1. c. gegebenen Figur.
7. Cnjptobranchia alba Dali.
Taf. XVI, Fig. 1 a-c.
Dali, Am. Joum. Conch., V, p.. 145, tab. XV, Fig. 3.
Patella (Cryptobranchia) caeca, var. concentrica; Middendoi'ff, Reise,
p. 183, tab. XVI, Fig. 6.
Fundorte: St. Lorenzbai, 12 Ex.,
Nytschigane Point, 5 Ex.,
Ploverbai, viele Ex.,
St. Lorenzinsel, 8 Ex.
Das grösste unserer Exemplare misst 14 mm in der
Länge. Form und Sculptur der Schale sind sehr variabel;
einige Exemplare stimmen in jeder Hinsicht zu der von
der Mollusken-Fauna des Beringsmeeres. 259
Middendorff beschriebenen und abgebildeten Form,
andere unterscheiden sich durch höhere und mehr gewölbte
Gestalt, röthliche Färbung aussen und innen und den
Mangel jeglicher Sculptur. Für die Bestimmung der Art
war mir nur die liadula maassgebend, die selbst bei den
extremsten Formen keinen Unterschied aufweist und nur
auf die von Dali 1 c. gegebene Abbildung der Radula
von C. alba bezogen werden kann.
In Figur 1 a bis c auf Tafel XVI gebe ich die Ab-
bildungen zweier Glieder der Radula von oben und von
der Seite gesehen, die von der Dali' sehen Darstellung
in der Lage der dunkel gefärbten mittleren Zähne ab-
weichen. Dali fasst dieselben als einen einzigen drei-
spitzigen Rhachiszahn auf, der nach ihm für die Gattungen
Lepeta und Cryptobranchia charakteristisch ist; allerdings
ist der grosse mittlere fast rechteckige Zahn mit den beiden
äusseren, höher stehenden, von hakenförmiger Gestalt, ver-
wachsen, so dass sie sich mitunter alle drei zusammenhängend
von der Basalplatte loslösen. Oefters jedoch trennt sich
der mittlere Zahn von den seitlichen, und ein Blick auf
die beigefügte Proiilzeichnung (1 b) lässt ebenfalls deutlich
drei gesonderte Zähne erkennen. — Bei näherer Unter-
suchung zeigt sich ferner, dass sowohl der grosse Mittel-
zahn (1 a), wie auch die Grundplatte (1 c) selbst aus zwei
symmetrischen Theilen zusammengewachsen erscheinen. Lässt
man die Annahme einer solchen Verwachsung gelten, so
wäre der Bau der Radula von Cryptobranchia ganz auf
den bei Acmaea herrschenden Typus zurückgeführt, nur
dass die beiden innersten Zähne nicht wie hier vor, sondern
hinter den seitlichen stehen. — Bei den Gattungen Lepeta und
Scutellina ferner ist eine Sonderung der einzelnen Zähne
nicht mehr deutlich, doch lässt sich auch hier (untersucht
wurde Lepeta caeca und Scutellina fulva von Norwegen)
eine Mittellinie in dem grossen dreieckigen Mittelzahn und
der Grundplatte als Anzeichen einer stattgefundenen Ver-
wachsung deuten.
260 Artli. Krause: Ein Beitrag zur Kenutuiss
8. Pimcturella noachina L.
P. noachina L. ; G. 0. Sars, 1. c, p. 124.
Cemoria noachina; Gould, 1. c, p. 276, Fig. 537.
Fundort: Nytschigane Point, 1 leere Schale.
Unsere Schale ist niedriger als irgend eine von zahl-
reichen norwegischen Exemplaren, denen sie im Uebrigen
vollkommen gleicht. — P. noachina ist von Stimpson im
Ochotzkischen Meere gesammelt worden (Carpenter, Smith.
Mise. Coli. 10, p. 72), und Jeffreys führt sie von Japan an.
9. Margarita cinerea Couth.
M. cinerea Couth.; G. 0. Sars, 1. c, p. 134; a) forma typica,
tab. 9, Fig. 1; b) var. grandis Mörch, tab. 21, Fig. 4.
M. cinerea Couth. ; Gould, 1. c, p. 279.
M. striata, Brod. et Sow. ; MiddendoriF, Beiträge II, p. 72.
Fundorte: St. Lorenzbai, zahlreich.
Ploverbai, zahlreich.
Die meisten unserer Exemplare, von denen mehrere
die Höhe von HO mm erreichen, gehören zu der typischen
Form; weniger häufig ist die var. grandis Mörch, die in
8 charakteristischen Exemplaren aus der Ploverbai vor-
liegt. — Einige grössere Exemplare bieten durch runde
Windungen und einen weiten trichterförmigen Nabel, der
gegen die gewölbte Basis wenig scharf abgesetzt ist, ein
etwas abweichendes Aussehen; die Untersuchung der Radula
zeigte jedoch keine Unterschiede von der typischen Form.
Die Art ist in allen nördlichen Meeren verbreitet.
10. Margarita vorticifera Dali.
Proc. Cal. Acad. 1873, tab. II, Fig. 4.
Fundort: St. Lorenzbai, 4 Ex.
Nach gütiger brieflicher Mittheilung von W. H. Dali
variirt diese schöne Art beträchtlich; namentlich ist der
Kiel auf der letzten Windung mitunter, wie auch bei
unseren Exemplaren, nur ganz schwach angedeutet. —
Die Radula eines an der Basis 1 1 mm breiten Exemplares
zeigt die Formel co — (1) — 13 — (1) — oo .
der Mollusken-Fauna des Beringsmeeres. 261
11. 3Iargar%ta Vahlii Moll.
Mörch, Index Moll. Groenl. pag. 8.
Fundort: Ploverbai, 2 Ex.
Unsere Exemplare stimmen mit solchen des hiesigen
Museums, die aus Grönland stammen, recht gut überein. —
Die Formel derRadula ist oo — (1) — 9 — (1) — oo ; sie kommt
in der Gestalt der Zähne derjenigen von M. cinera Couth.,
die dieselbe Formel aufweist, am nächsten.
M. Vahlii war bis jetzt nur von Grönland und Spitz-
bergen bekannt.
12. Margarita oUvacea Brown.
M. olivacea; G. 0. Sars, 1. c, p. 134, tab. 9, Fig. 6.
M. argentata, Gould, 1. c, p. 282, Fig. 544.
Fundort: St. Lorenzinsel, zahlreich, in 15 Faden Tiefe.
Sars stellt M. argentata Gould und M. glauca Moll,
als synonym zu M. olivacea Brown. — Vielleicht ist unsere
Schnecke eine besondere Varietät der typischen M. olivacea,
die mir von Tromsö vorliegt. Unsere grössten Exemplare
aus dem Beringsmeer zeigen an der Basis einen Durchmesser
von 4,5 mm; nur auf der Basis sind die feinen Spirallinien
deutlich, die obere Seite der Windungen ist fast völlig
glatt, aber nicht glänzend; unregelmässige Querrisse machen
die Oberfläche etwas schülfrig. — In anderer Weise weicht
eine Schnecke aus der St. Lorenzbai ab, die ich noch zu
obiger Art rechnen möchte; sie ist bedeutend grösser
(diam. basis 6,3 mm, alt. 5 mm), und hat eine mehr
glänzende Oberfläche, die überall mit äusserst feinen, etwas
welligen Spirallinien durchzogen ist. — Im Bau der Radula
stimmen beide Formen sowohl unter sich, wie auch mit
einem typischen Exemplar aus Tromsö recht gut überein
(Vergl. auch G. O. Sars, 1. c, tab. III, Fig. 10).
M. olivacea ist im nördlichen Eismeer von Grönland
bis zum karischen Meer beobachtet worden.
2'62 Arth, Krause: Ein Beitrag zur Kenntniss
13. Margarita helicina Fahr.
M. helicina; Gould, 1. c, p. 281, Fig. 542 und 543.
G. 0. Sars, 1. c, p. 132.
M. arctica Leach, var. major; MiddendorflF, Reise, pag, 203, tab. XVII,
Fig. 13—16.
M. arctica Leach, vai\ major; Schrenck, Reisen im Amurlande, p. 342.
Fundort: Ploverbai, 11 Ex. der forma typica und
7 Exemplare der forma campanulata.
Die vorliegenden Exemplare lassen sich in zwei Formen-
reihen ordnen, die den beiden oben angeführten Abbildungen
bei Gould entsprechen, und von denen Fig. 542 die typische
Form und Fig. 543 die M. campanulata Morse darstellt,
welche nach neueren Untersuchungen als die weibliche
Form der M. helicina Fabr. anzusehen ist; in der That
zeigen die Individuen der beiden Formenreihen auch im
Bau der Radula eine grosse Uebereinstimmung.
In der Schale zeigen sich folgende Unterschiede:
Die typische Form ist dickschaliger und höher (alt. 8,
diam. basis 9 mm), die Basis ist etwas abgeflacht und gegen
den Nabel schwach abgesetzt; die Oberfläche ist matt,
gleichmässig gefärbt und mit gedrängten undeutlichen
Spirallinien besetzt; die Mündung ist rund.
Die forma campanulata ist dünnschaliger, niedrig (alt. 8,
diam. bas. 12 mm [besonders gross], resp. 5 und 8 mm ) ; die
Basis ist gleichmässig gerundet, gegen den Nabel nicht
abgesetzt; die Oberseite ist mehr oder weniger glänzend
braun, während die Unterseite eine scharf abgesetzte graue
Färbung zeigt; die Spirallinien sind nur auf der Basis
deutlich, doch bei der Betrachtung bei durchfallendem
Licht auf der ganzen Oberfläche erkennbar; die Mündung
ist stark in die Quere ausgedehnt, der Mundsaum ein
wenig erweitert.
Bei fünf untersuchten Exemplaren, drei von der ty-
pischen und zwei von der forma campanaluta stimmt die
Radula gut zu der von G. O. Sars, 1. c, tab. III, Fig. 7
der Mollusken-Fauna des Beringsmeeres, 263
gegebenen Abbildung; nur sind die umgeschlagenen und
verbreiterten Spitzen der Mittelzähne am Rande weniger
stark gezähnelt, als es bei der dortigen Abbildung und in
noch höherem Grade bei einem von mir hergestellten
Präparate der M. helicina von Tromsö hervortritt; bei der
typischen Form ist diese Zähnelung sogar nur auf den
Grund beschränkt. — Bei dem einen der drei untersuchten
Exemplare der typischen Form fand ich 15 Zähne auf dem
Mittelfelde, während die übrigen durchweg die Normal-
zahl 13 aufweisen.
M. helicina ist in allen nördlichen Meeren verbreitet.
14. Margar'da Frielei n. sp.
Taf. XVI, Fig. 2 a— c.
Testa tenuis, alba intus margaritacea, depresso-conica, spira obtusata,
anfractibus 4, aequaliter rotundatis, ultimo valde dilatato ; sutura profunde
impressa; apertiu-a rotundata, labro externo et intemo aequaliter ar-
cuatis, umbilico lato a basi rotundata omnino non definito. Superficies
tota striis spiralibus undulatis subtilissimis obducta. — Diam. bas. 10,
alt. 6 mm.
Radula elongata, lamellis medianis apice valde recurvo paulo denti-
culato, exterioribus forma anguste falciformi, uncinis magnis sigmoideis.
Formula radulae 17 — (1) — 9 — (1) — 17.
Fundort: St. Lorenzbai, 1 Ex.
Der Gestalt der Schale nach hätte ich die vorliegende
Schnecke vielleicht für eine besonders grosse Form der
M. olivacea Brown gehalten; die Untersuchung der Radula
lässt an der Artselbständigkeit nicht zweifeln, macht es
sogar wahrscheinlich, dass man es mit dem Repräsentanten
einer neuen Gruppe zu thun hat, der sich von Margarita
sowohl durch die beschränkte Anzahl, wie durch die Form
der Uncini unterscheidet. — Herr H. Friele in Bergen,
dem ich eine Zeichnung der fraglichen Radula übersandte,
war so freundlich, mir mitzutheilen, dass auch ihm keine
ähnliche Zunge innerhalb der Familie bekannt sei.
Bei den wenig hervortretenden Eigenschaften der Schale
muss man sich bei der Charakterisirung der Species haupt-
sächlich an die Radula halten. Dieselbe ist 3V2 mm lang
264 Arth. Krause: Ein Beitrag zur Kenntniss
und 1 mm breit und besitzt 33 Querreihen. Von den
Rhachiszähnen ist der mittlere ziemlich breit und mit einer
dreieckigen umgebogenen Spitze versehen, die an beiden
Seiten fein gezähnelt ist; die vier seitlichen werden schmäler,
sichelförmig und haben sehr verlängerte Spitzen, die nur
an der Aussenseite gezähnelt sind. — Darauf folgen auf
den Seiten jederseits der für die Margariten-Gruppe cha-
rakteristische rudimentäre Lateralzahn von nierenförmiger
Gestalt und 17 s- förmig gekrümmte Uncini, die nach
aussen allmälig an Grösse abnehmen; die äussersten sind
an den Spitzen beiderseits gezähnelt. — Die Kiefer wurden
leider nicht untersucht.
Das Thier ist farblos; es hat fünf Cirrhen an jeder
Seite des Fusses und an der Basis der Fühlhörner innen
einen kleineren, aussen einen grösseren Lappen. Die Augen
sitzen wie gewöhnlich bei Margarita auf kurzen Stielen
an der Aussenseite der Fühlhörner.
15. Machaeroplax varicosa Migh.
M. varicosa; G. 0. Sars, 1. c, p. 139, tab. 9, Fig. 2.
Fundorte: St. Paul-Insel, 10 Ex.,
St. Matthew-Insel, 4 Ex.
Unsere Exemplare erreichen eine Höhe und einen
Basaldurchmesser von 11 mm; die grösseren zeigen ein
unansehnliches Aussehen, da die Sculptur im Alter stark
verwischt ist.
Diese von Finnmarken, Spitzbergen und der Ostküste
Nordamerikas bekannte Art wird nach Jeffreys auch an
der Küste Japans angetroffen.
16. Piliscus (Loü.) commodus Midd.
Pilidium commodum, Middendorff, Reise, p. 214, tab. XVU, Fig. 4—11.
P. radiatum M. Sars ; G. 0. Sars, 1. c, p. 144, tab. 8, Fig. 6, a— d.
Fundort: St. Lorenzbai, 6 Ex., darunter eines mit Thier.
Unsere Exemplare erreichen eine Länge von 22 mm;
sie zeigen die radialen Bänder, die Sars von der nor-
wegischen Form beschreibt, unterscheiden sich jedoch
der Mollusken-Fauna des Beiingsmeeres. 265
durch die stark unsymmetrische Form, da der Wirbel
bedeutend weiter nach links liegt, als es die Sars'sche
Abbildung zeigt.
An der asiatischen Küste geht die Art südlich bis
Japan (A. Adams).
17. Velutina coriacea Pallas.
V. coriacea Pallas; Middendorff, Beiträge II, p. 106.
Fundort: Ploverbai.
Ein 23 mm langes Exemplar wurde am Strande aus-
geworfen gefunden. Innen hat es einen dünnen kreide-
artigen Ueberzug; der obere Theil des Gewindes zeigt
deutliche Spiralstreifen.
18. MorvilUa itndata Brown.
Morv. undata Brown var. expansa, G. 0. Sars, 1. c, p. 147,
tab. 21, Fig. 6.
Velutina zonata Gould, 1. c, p. 335.
Fundorte: St. Lorenzbai, 2 Ex.,
Nytschigane Point, 1 Ex.
Die Spirallinien sind schwächer, die Anwachslamellen
dagegen stärker ausgebildet als bei norwegischen Exem-
plaren dieser Art von Tromsö, mit denen die unsrigen im
Uebrigen, namentlich mit der var. expansa, völlig überein-
stimmen. Die Zunge eines 15 mm grossen Exemplares
ist insofern abweichend, als der mittlere Zahn der Mittel-
platte an den Rändern eine ziemlich starke Zähnelung
zeigt; bei einem norwegischen gleich grossen Exemplare
finde ich eine solche nur ganz schwach angedeutet. ^
Die Art ist von Norwegen, Spitzbergen und dem
karischen Meer bekannt.
19. Crepidula grandis Midd.
C. grandis, Middendorff, Beiträge, p. 101, tab. XI, Fig. 8, 9, 10.
„ „ Schrenck, 1. c, p. 382.
Fundorte: St. Lorenzbai, 5 Ex.,
Ploverbai, 8 Ex., darunter eines mit Thier.
Arch. f. Naturgesch. LI. Jahrg. 1. Bd. 18
2C6 Arth. Krause: Ein Beitrag zur Kenntniss
Das grösste Exemplar besitzt eine Länge von 45 mm.
Die äussere Gestalt wechselt beträchtlich; zwei der ex-
tremsten Formen zeigen folgende Maasse:
1. long. 45 mm, lat. 30 mm,
2. „ 40 mm, „ 35 mm.
Bei dem letzteren Exemplar ist die Mündung voll-
kommen kreisrund.
20. Amaura Candida Möller.
A. Candida Möller; H. et A. Adams. Gen. Moll. tab. 22, Fig. 9.
„ „ „ Leche, Nowaja Semlia Moll. p. 51.
Fundort: Metschigmenbai, 1 Ex.
Es wurde nur eine leere Schale von 10 mm Länge
gefunden. Die Spindel zeigt eine deutliche Falte; die
Windungen sind sehr fein spiralgestreift.
A. Candida ist im Eismeer von Grönland und dem
karischen Meer bekannt.
21. Natica clausa Brod. et Sow.
N. clausa Brod. et Sow.; G. 0. Sars, 1. c, p. 159, tab. 21, Fig. 12
bis 13; tab. 12, Fig. 1.
N. clausa Brod. et Sow.: Gould, 1. c, p. 342, Fig. 612.
Fundorte: St. Lorenzbai, zahlreich,
Ploverbai, 7 Ex.,
Metschigmenbai, 3 Ex.,
Nytschigane Point, 6 Ex.
Das grösste Exemplar besitzt eine Länge von 44 mm.
Der letzte Umgang ist gerade bei den grossen Individuen
häufig mit feinen Spirallinien gezeichnet.
Nach Jeffreys geht die Art südlich bis Japan; auch
Schrenck erwähnt sie schon aus der Bai von Hakodate.
22. Lunatia groenlandica Beck.
L. groenlandica Beck, G. 0. Sars; 1. c, p. 158, tab. 21, Fig. 15.
„ „ „ Gould, 1. c, p. 341.
Natica pallida Brod. et Sow. ; IVIiddendorff, Beiträge 11, p. 93.
„ „ „ „ „ Schrenck, 1. c, p. 375.
„ „ „ „ „ Leche, Novaja Semlia Moll., p. 49,
Fundorte: Ploverbai, 1 Ex.,
St. Matthews-Insel, 2 Ex.
der Mollusken-Fauna des Beringsmeeres. 267
Die Uebereinstimmung unserer Exemplare mit solchen
von Tromsö in Norwegen ist eine vollkommene; beide
zeigen die schon von Leche erwähnten feinen Spirallinien
und zwar die grösseren deutlicher als die kleinen, während
andererseits die flache Rinne neben der Naht mit zunehmender
Grösse verschwindet. — Das Stück aus der Ploverbai erreicht
mit 22 mm die Länge der grössten norwegischen Exemplare.
Auch diese in allen nördlichen Meeren verbreitete Art
findet sich nach Jeffreys an der Küste der Insel Jesso.
^3. Trichotropis borealis Brod. et Sow.
T. borealis Brod. and Sow.; Gould, 1. c, p. 390, Fig. 651.
„ „ „ „ „ Middendorff, Beiträge, p. 108.
Fundorte: Ploverbai, 11 Ex.,
Metschigmenbai, 2 Ex.,
Nytschigane Point, 2 Ex.
Die vorliegenden Formen unterscheiden sich von nor-
wegischen Exemplaren hauptsächlich durch ihre beträcht-
liche Grösse (long. 21 mm) und durch ihr stumpferes
Gewinde. Auf dem letzten Umgange finden sich vier mit
büschlig gestellten Cilien versehene Spiralkiele, von denen
die beiden oberen besonders hervortreten und eine Schul-
terung der Windungen verursachen. Auf der Schulter
und zwischen den Kielen sind noch einige schwächere
Spiralstreifen, die keine Cilien tragen und mitunter auf
dem letzten Umgang ganz verschwinden. Die Anwachs-
linien erheben sich in regelmässigen Zwischenräumen zu
starken Querfalten. — Im Bau der Radula zeigen sich
nur geringe Unterschiede in der Zähnelung des Mittel-
zahnes.
Vielleicht ist T. borealis aus dem Beringsmeer als
eine besondere Varietät dieser Art, die zu T. bicarinata
Sow. hinüberführt, zu betrachten. — Die besprochene Art
ist circumpolar.
18*
268 Arth. Krause: Ein Beitrag zur Kenntniss
24. Trichotropis bicarinata Brod et Sow.
Trichotropis bicarinata Brod. et Sow., Zool. Journal IV, p. 374,
tab. IX, Fig. 4-8.
Trichotropis bicarinata; Middendorflf, Reise, p. 218.
Fundorte: St. Lorenzbai, 5 Ex.,
Ploverbai, 2 Ex. juv.
Das grösste Exemplar zeigt eine Länge von 40 und
eine Breite von 30 mm bei vier Umgängen. Die beiden
Jugendformen aus der Ploverbai gehören vielleicht der
var. alta Dali an, da sie sich durch ein höheres Gewinde
und durch den Besitz schwacher Spirallinien auszeichnen.
Die Radula fand ich übereinstimmend mit der von
Troschel gegebenen Beschreibung (Gebiss der Schnecken,
I, pag. 248).
25. Tricliotropis coronata Gould.
Taf. XVI, Fig. 4 a bis b.
Gould, Proc. Boston Soc. Nat. Hist. 1860, p. 324.
Fundort: St, Lorenzbai, 1 Ex.
Es liegt nur ein junges 11 mm langes Exemplar mit
vier Windungen vor, das recht gut zu der von Gould
gegebenen Diagnose passt; nur ist der Nabel nicht weit,
sondern im Gegentheil sehr eng. Die ziemlich dicke
Epidermis ist fein längs gestreift (quer zu den Windungen);
die Streifen erheben sich auf dem Kiel zu langen dicht
stehenden Cilien, die durch eine dünne Haut flossenartig
verbunden sind. Unterhalb dieses Kieles liegen auf der
letzten Windung noch drei sclnvächere Spiralkiele, die in
ähnlicher Weise, aber bedeutend kürzer, gewimpert sind. —
Die Radula ist durch die starke Zähnelung des ersten
Lateralzahnes ausgezeichnet.
Das von Gould beschriebene Exemplar stammt aus
der Seniavin-Strasse. — Dali hat eine ähnliche Form von
den Aleuten als Trichotropis peramabilis beschrieben (Americ.
Journ. Conch. 1872, pag. 19), die sich durch zwei Kiele
auf den oberen Windungen und sechs auf der letzten
unterscheidet.
der Mollusken-Fauna des Beringsmeeres. 269
36. Trichotropis Kroyeri Phil.
Taf. XVI, Fig. 3.
Tr. Kroyeri, Philippi, Zeitschrift für Malakozool., 1845, p. 175.
Tr. (IpMnoe) dolium, Petit, Journ. de Conchiol. vol. n, 1851, p. 20.
Cancellaria? arctica, Middendorff, Beiträge, p. 112, tab. IX,
Fig. 11, 12 und 15.
Fundort: St. Lorenzbai, 3 Ex.
Das grösste Exemplar zeigt eine Länge von 22 mm. —
Die Radula eines 19 mm langen Exemplares ist 5,4 mm
lang, 1 mm breit und besitzt 29 Glieder. In der Form
der Zähne zeigen sich manche Eigenthümlichkeiten ; die
mittleren Zähne haben eine grosse dreieckige Spitze, deren
Seitenränder nach unten eingebogen und unregelmässig ge-
zähnelt sind; der erste Seitenzahn ist an der Schneide
nicht gezähnelt. Die Kiefer sind schmale lanzettliche Platten,
mit sechseckig gefelderter Oberfläche. — Tr. Kroyeri ist vom
karischen Meer und von Spitzbergen bekannt.
27. Litorina grandis Midd.
L. grandis, Middendorff, Reise, p. 198, tab. XI, Fig. 4—10.
L. squalida, Gray, Beecheys voyage, p. 139, tab. XXXIV, Fig. 12.
Fundort: Ploverbai, innerhalb der Fluthgrenzen an
Klippen, 12 Ex.
Die von uns mitgebrachten Exemplare erreichen nur
eine Grösse von 14 mm, stimmen aber sonst recht gut zu
der von Middendorff gegebenen Beschreibung und Ab-
bildung. Die charakteristische Spiralsculptur ist mitunter
nur sehr schwach ausgebildet, wird jedoch nie ganz vermisst.
Nach Schrenck geht die Art südlich bis zur Bai von
Hakodate.
L. grandis Middendorff scheint der L. rudis var. grön-
landica sehr nahe zu stehen; auch im Bau der Radula
zeigt sie mit dieser Form die gtösste Uebereinstimmung.
270 Art h. Krause: Ein Beitrag zur Kenntniss
28. Cingv.la robusta Dali Ms.
Taf. XVn, Fig. 1.
Fundort: Ploverbai, zahlreich in 1 — 5 Faden Tiefe.
Unter obigem Namen hat Dali Exemplare dieser
neuen Art an verschiedene Museen gesandt. Sie gleicht
in ihrer Gestalt der Cingula tumidula, G. O. Sars, 1. c.^
p. 174, tab. 10, Fig. 2. Die etwas durchscheinende, pur-
purn gefärbte Schale ist mit einem dünnen, kalkigen Ueber-
zug versehen. Die vier bis fünf Windungen sind massig
convex, an der Naht leicht geschultert und mit sehr feinen
etwas verwischten Spirallinien gezeichnet. Die Aussen-
lippe ist scharf und in der Gegend der Schulter leicht
ausgebuchtet. Der Nabel ist nur ganz fein geritzt.
Im Bau der Radula zeigt sich eine grosse Ueberein-
stimmung mit den von G. O. Sars, 1. c, tab. VI, Fig. 11
imd 12 gegebenen Abbildungen, welche die Radula von
Onoba striata Mont. und Cingula cingillus Mont. darstellen.
Nach gütiger brieflicher Mittheilung von Herrn W . H.
Dali findet sich eine lebhafter gefärbte und glättere Form
auch an den Aleuten.
Die Art scheint hauptsächlich auf feinem Schlamm-
boden in geringer Tiefe vorzukommen. Bei den meisten
der untersuchten Exemplare sind die Deckel aussen mit
den Hülsen eines Infusors (Freia Clap. u. Lachm.) besetzt;
dieselben sind von flaschenförmiger Gestalt, 0,3 mm lang
und stehen dicht gedrängt in ein bis zwei Keihen parallel
dem Deckelrande, mit der Mündung diesem zugewandt.
Auf der Schneckenschale selbst wurden die Hülsen nicht
beobachtet.
29. Turritella erosa Couth.
Taf. XVn, Fig. 2 a bis c.
T. erosa Couth, Gould, 1. c, p. 317, Fig. 585.
r ;, „ Leche, Novaja Semlia Moll., p. 317.
„ „ „ Schrenckj^l. c, p. 341.
T. polaris Beck, Möller, Index Moll., p. 10.
der Mollusken-Fauna des Beringsmeeres. 271
Fundorte: St. Lorenzbai, 1 Ex.,
Metschigmenbai, 15 Ex.,
Nytschigane Point, zahlreich,
Emmahafen, 3 Ex.,
Aleuten, nördlich vom Akutan-Pass, 6 Ex.
Unsere Exemplare zeichnen sich durch bedeutende
Grösse aus; eins derselben misst, unter Hinzurechnung
der bei allen älteren Individuen fehlenden Spitze, 36 mm.
Die Figuren 2 a bis c auf Tafel XVII stellen einzelne
Glieder der Radula dar, a einer solchen von einem jüngeren,
b von einem älteren Individuum. Die Zähnelung des Seiten-
zahnes und der hakenförmigen Uncini ist eine ausserordent-
lich schwache, so dass sie nur bei starker Vergrösserung
wahrgenommen werden kann. — In Figur 2 c ist eine
interessante, bei dieser Art beobachtete Monstrosität dar-
gestellt; in allen Gliedern der betreffenden Radula ist der
Mittelzahn mit dem einen Seitenzahn fest verwachsen;
nur am oberen Rande ist eine seichte Einkerbvuig als
Andeutung der sonstigen Trennung vorhanden.
30. Turritella reticulata Migh.
Taf. XVn, Fig. 3.
T. reticulata Migh; Gould, 1. c, p. 328, Fig. 586.
T. (Mesalia) lactea MölL, Ind. Moll. Grönl.
Fundorte: Ploverbai, 20 Ex.
Aleuten, nördl. vom Akutan-Passe, 1 Ex.
Das grösste Exemplar erreicht eine Länge von 26 mm.
— Die Radula dieser Art ist schon von Troschel unter-
sucht worden (Gebiss der Schnecken, pag. 153, Tab. XII,
Fig. 13); ich finde jedoch an meinen Exemplaren aus dem
Beringsmeere beträchtliche Abweichungen von seiner Dar-
stellung. — Die Radula eines 15 mm langen Exemplares
(Tab. XVII, Fig. 3) besitzt eine Länge von 1,1 mm und
eine Breite von 0,25 mm. Die Form der Zähne ist eine
eigenthümliche ; die quadratische Mittelplatte trägt am um-
272 Art h. Krause: Ein Beitrag zur Kenutniss
gebogenen Rand einen grossen dreieckigen Mittelzahn und
jederseits von diesem 4 — 5 ganz kleine Zähnchen oder
Kerben; die erste Seitenplatte (Troschels Zwischenplatte)
ist schmal und stark gebogen, ihre umgebogene Schneide
ist deutlich gezähnelt; an ihrem äusseren Ende findet
sich eine kleine, rudimentäre Platte (Uncinus?); darauf
folgen die beiden grossen sichelförmigen Uncini, von denen
der äussere am Grunde stark verbreitert ist; beide Uncini
sind an der Spitze fein gekerbt, und zwar der innere
stärker als der äussere.*) — Der rudimentäre Uncinus
erinnert daran, dass bei T. triplicata Broc. drei Uncini
ausgebildet sind.
Dali fand diese Art, welche von Grönland, Spitzbergen
und Nordost- Amerika bekannt ist, ebenfalls in der Ploverbai.
31. Aclmete viridula Fabr.
A. viridula Fabr.; G. 0. Sars, 1. c. p. 216, tab. 13, Fig. 1—2.
„ „ „ Leche, Nov. Semlia Moll., p. 47.
Cancellaria viridula Fabr.; Middendorff, Beiträge II, p. 110, tab. IX,
Fig. 13—14, tab. X, Fig. 1—4.
Fundorte: St. Lorenzbai, zahlreich.
Ploverbai, 9 Ex.
a) forma typica.
G. 0. Sars, 1. c. Fig. 1 a.
Nur wenige der vorliegenden Exemplare stimmen genau
zu der typischen norwegischen Form, die mir in zahlreichen
Exemplaren von Tromsö vorliegt; die meisten bilden durch
ihre stärker abgesetzten Windungen und durch ihre gedrun-
genere Gestalt einen Uebergang zu der folgenden Varietät.
b) forma undato-costata Verkr.
G. 0. Sars, 1. c. Fig. 1 b.
A. viridula, var. undata Leche, 1. c, p. 47.
Ausser von den oben angegebenen Fundorten liegt noch
ein sehr schönes 20 mm grosses Exemplar vor, welches
*) Inzwischen habe ich mich durch Untersuchung eines grönländischen
Exemplars der T. lactea überzeugen können, dass die Radula desselben
mit der oben beschriebenen und abgebildeten genau übereinstimmt.
der Mollusken-Fauna des Beringsmeeres. 273
nördlich vom Akutan-Pass aus einer Tiefe von 60 Faden
heraufgeholt w^urde.
c) f o r m a 1 a e v i o r.
Leche, 1. c, p. 48.
Middendorff, 1. c, tab. IX, Fig. 13, 14.
A. Middendorffiana Dali, Proc. U. S. Nat. Mus. 1885, p. 523.
Diese Varietät, welche schon von Middendorff aus
dem Beringsmeer sehr kenntlich beschrieben und abgebildet
ist, ist in unserer Sammlung am zahlreichsten vertreten.
Fast bei allen Exemplaren ist die Spitze bis auf die ersten
drei oder vier Umgänge abgebrochen und die Bruchstelle
durch eine Kalkabsonderung verschmiert.
Admete viridula Fabr. wird von Jeffreys von der
japanischen Küste angegeben; im Uebrigen ist ihr Vor-
kommen in allen nördlichen Meeren bekannt.
In Betreff der im Folgenden beschriebenen Bela- Arten
erwähne ich, dass es mir in diesem Sommer vergönnt war,
die reiche Sammlung des Herrn Friele in Bergen durch-
zusehen; auch liegen mir durch seine Güte die noch nicht
veröffentlichten Tafeln zu seiner Monographie der nordischen
Belen vor.
32. Bela harpularia Couth.
B. harpularia Couth.; G. 0. Sars, 1. c. p. 234, tah. 16, Fig. 17.
„ „ „ Gould, 1. c. p. 352, Fig. 621.
Fundorte: St. Lorenzbai, 4 Ex.,
Ploverbai, 4 Ex.
Die eigenthümlichen rudimentären und verworren in
dem kleinen Pfeilsack angehäuften Uncini führten mich
zuerst zur sicheren Bestimmung der vorliegenden Exemplare.
In der röthlich oder weisslich gefärbten Schale zeigen
dieselben ebenfalls hinreichende Uebereinstimmung mit B.
harpularia von Tromsö.
274 Arth. Krause: Ein Beitrag zur Kenntniss
33. Bela Schmidti Friele.
Taf. XVm, Fig. 1 und Fig. 7.
Friele, Norclhavs Expedition, tab. VIII, Fig. 6.
Mangilia plicifera Schmidt; Mammuth Expedition, tab. IV, Fig. 4—5;
non : Clavatula plicifera Wood, Crag Moll., p. 64,
tab. VII, Fig. 15.
Pleurotoma plicifera; Leche, Nov. Seml. Moll., p. 58.
? Bela harpa Dali, Proc. U. S. Nat. Mus. Vol. Vn, 1885, p. 523.
Fundort: St. Lorenzbai, 1 Ex,
Die Schmidt'sche Abbildung zweier fossiler Exemplare
vom unteren Jenissei, auf welche auch Leche seine lebend
bei Novaja Semlja gefundenen Exemplare bezieht, stellen
ohne Zweifel unsere Art dar; dagegen kann ich keine der
erwähnten Formen mit der von Wood a. a. O. gegebenen
Beschreibung und Abbildung in Uebereinstimmung bringen.
Ich folge daher Friele, welcher aus denselben Gründen die
vorliegende Schnecke nach dem ersten Entdecker neu
benannt hat. — Die Beschreibung und Maasse, die Dali
a. a. O. von seiner B. harpa gegeben hat, passen recht gut
zu unserem Exemplar, so dass die Zugehörigkeit beider
zu ein und derselben Species sehr wahrscheinlich ist.
Unser Exemplar (c/) hat eine Länge von "24,5 mm. —
Die Uncini sind sehr gross, 1 mm laug, mit kurzem,
kräftigen Manubrium und schwertförmiger Spitze. Der
Deckel ist länglich, unten etwas hakenförmig zur Seite
gekrümmt.
34. Bela tenuilirata Dali.
Taf. XVIII, Fig. 8.
B. tenuilirata Dali , Am. Journ. Conch. VU, p. 98, 1872.
„ „ „ Verril, Cat. of. Mar. Moll. 1882, p. 463.
Fundorte: Ploverbai, 15 Ex.,
St. Lorenzbai, 7 Ex.
Eine Zeichnung eines unserer Exemplare, die wir Herrn
Dali übersandt hatten, wurde von diesem als zur obigen
Art zugehörig bezeichnet. Die Gestalt der Schale ist bald
mehr bald weniger gedrungen, doch bleiben Beschaffenheit,
der Mollusken-Fauna des Beringsmeeres. 275
Sculptur und Farbe ziemlich gleichartig. Nach freundlicher
brieflicher Mittheilung des Herrn Dali erreicht diese Art
mitunter eine Länge von 30 mm. Das grösste unserer
Exemplare von 15.5 mm Länge (c/) hat pfriemenförmige
üncini von 0,14 mm Länge, die sich durch ein grosses,
stumpf abgerundetes Manubrium auszeichnen. Der Deckel
ist länglich, unten hakenförmig.
35. Bela murdochiana Dali.
Taf. XVm, Fig. 9.
B. murdochiana Dali, Proc. U. S. Nat. Mus. Vol. VII, 1885, p. 524,
tab. II, Fig. 8.
Fundort: St. Lorenzbai, 4 Ex.
Diese Species unterscheidet sich von der vorigen durch
ihre gedrungenere Gestalt, durch die unregelmässigen und
gröberen Längsrippen und durch die tiefere Naht, neben
vrelcher ein stumpfer aber deutlicher Kiel hinläuft. Die
pfriemenförmigen Uncini eines 15 mm grossen Exemplars {(f)
waren 0,17 mm lang und zeigten ein ziemlich grosses cy-
lindrisches Manubrium. Der Deckel ist wie bei voriger Art.
Der Abbildung und Beschreibung nach scheint B. vio-
lacea Migh. et Ad. var. gigantea Mörch bei Leche (Nov.
Seml. Moll. p. 57, tab. I, Fig. 19) unserer Form wenigstens
sehr nahe zu stehen.
36. Bela nohilis Möller.
B. nobilis Möller; G. 0. Sars. 1. c. p. 228, tab. 16, Fig. 19 u. 20.
Fundort: Beringsmeer, nördlich vom Akutan -Pass
(60 Faden), 2 Ex.
Die beiden Exemplare stimmen weder in der Gestalt
der Schale noch in der Form der Uncini unter sich völlig
überein, doch sind die Unterschiede nicht derartig, dass
sie ihre Zugehörigkeit zu ein und derselben Art in Frage
stellen könnten. Bemerkenswerth ist, dass bei der bauchigeren
276 Art h. Krause: Ein Beitrag zur Kenntniss
Form das weibliche, bei der schlankeren das männliche
Geschlecht constatirt wurde.
Q long. 16 mm, lat. 8 mm; imcini 0,28 mm,
cf „ l-l „ , „ 6,5 „ ; „ 0,22 „ .
Die Uncini sind bedeutend kleiner und schlanker als
die, welche G. O. Sars (1. c. tab. VIII, Fig. 14) für das
norwegische Vorkommen abgebildet hat.
37. BeJa metschigmensis n. sp.
Taf. XYin, Fig. 2 und Fig. 10.
Diagn. Testa ovato-fusiformis, carnea, anfractibus 5 — 6 planulatis
juxta suturam obtuse angulato-carinatis ; apertura ovali, dimidiam testae
longitudinem aequante. Superficies cingulis spiralibus planis et plicis
longitudinalibus obliquis paulo magis conspicuis, in carina nodulosis,
basin versus evanidis, regulariter decussata; pars infra carinam lineis
spiralibus magis eonfertis obducta, plicis longitudinalibus ibi obsoletis.
long. 11 mm, lat. 5 . 4 mm.
Uncini subulati, manubrio forti ovali. long. 0,20 mm.
Fundort: Metschigmenbai, 1 Ex.
Auf der letzten Windung finden sich 24 Längsrippen,
die in der Nähe der Mündung allmälig schwächer werden;
am stumpfen Kiel endigen sie mit einem schwachen Knoten.
Das Band oberhalb des Kieles wird nur von fünf gedrängten
Spiralstreifen durchzogen.
38. Bela Albrechti n. sp.
Taf. XVIII, Fig. 3 und Fig. 11.
Diagn. Testa fusiformis, subtenuis, alba, epidermide flavescenti-
cinerea, anfractibus quinque aequaliter convexis, ultimo spira duplo lougiore,
sutura distincta, apertui-a late aperta, dimidiam testae longitudinem
aequante, labro externo ad suturam distincte emarginato deinde aequa-
liter arcuato. Superficies lineis eonfertis spiralibus anguste impressis et
longitudinalibus paulo magis conspicuis subtiliter reticulata; operculum
fonna solita. long. 10 mm, lat. 5 mm.
Uncini subulati, manubrio ovali. long. 0,15 mm ((/).
Fundort: Ploverbai, 13 Ex.
Diese neue Art, die Herr Dali schon vor längerer
Zeit an demselben Fundort erhalten hatte, wurde von ihm
der Mollusken-Fauna des Beringsmeeres. 277
im Manuskript mit dem Namen B. Mörchii bezeichnet;
da jedoch dieser Name schon an eine Varietät der Bela
violacea vergeben ist, ziehe ich es auf Herrn DalFs An-
regung vor, sie nach Herrn G. Albrecht, dem verdienten
Vorsitzenden der geographischen Gesellschaft in Bremen,
neu zu benennen. — In der Sculptur scheint sie der B.
expansa G. O. Sars (1. c. p. 240, tab. 17, Fig. 7) nahe
zu stehen, bei welcher ebenfalls die Oberfläche der gleich-
massig gewölbten Windungen von feinen, scharf einge-
schnittenen Längs- und Spirallinien gitterartig durchzogen
wird. Bei unserer Art sind die Längslinien etwas weiter
von einander entfernt und etwas tiefer eingeschnitten, als
die Spirallinien, von welchen letzteren fünf auf einen Milli-
meter gehen. Die Längslinien, von denen ungefähr 26 auf
den letzten Umgang kommen, sind in der Nähe der oberen
Naht nur schwach nach rückwärts gebogen.
39. Bela violacea Ad. et Migh.
var. laevior.
G. 0. Sars, 1. c. p. 239, tab. 17, Fig. 3.
Fundorte: St. Lorenzbai, 6 Ex.,
Ploverbai, 9 Ex.
Einige unserer Exemplare stimmen gut mit norwegischen
Exemplaren dieser Varietät von Tromsö überein, die meisten
aber zeigen eine gedrungenere Gestalt, als sie jenen zu-
kommt. Die Uncini (0/20 mm bei einem 10 mm langen
weiblichen Exemplar) zeigen ebenfalls in Form und Grösse
hinreichende Uebereinstimmung.
var. nodulosa n.
Taf. XVIII, Fig. 4 und Fig. 12.
Testa forma et colore Belae violaceae simillima, sed major et
sculptura magis conspicua, praeterea carinis duabus nodulosis etiam in
ultimo anfractu valde conspicuis diversa. long, usque ad 14 . 5 mm.
Uncini quam in antecedenti magis robusti, manubrio triangulari.
long, usque ad 0,25 mm.
Fundort: St. Lorenzbai, 4 Ex.
278 Arth. Krause: Ein Beitrag zur Kenntniss
Möglicherweise sind die vorliegenden Exemplare besser
als eine besondere Art anzusehen, da auch die Uncini
beträchtlich abweichen. Obgleich die Sculptur der Schale
im Wesentlichen dieselbe ist, wie bei der typischen Form,
ist das Habitusbild doch durch das Vorhandensein der
starken Längsfalten und Spiralbänder, namentlich aber
durch das Auftreten der beiden knotigen Kiele bedeutend
verändert. Von der typischen Form unterscheiden sie sich
ferner durch ihre Grösse und durch den etwas vorgezogenen
Kanal.
Zwei 14,5 und 12 mm lange männliche Exemplare
hatten resp. 0,25 und 0,21 mm lange Uncini.
Von B. bicarinata Couth, zu welcher Verril die B.
violacea als Varietät rechnet, unterscheidet sich unsere
Schnecke durch die stärkeren Längsfalten, die auf den
beiden Kielstreifen deutliche Knoten hervorbringen.
40. Bela impressa Beck.
Bela impressa Beck; Mörch, Moll, du Spitzb., No. 31.
,, „ „ Lecke, Nov. Seml. Moll., p. 54, tab. I, Fig. 16.
Fundorte: St. Lorenzbai, 2 Ex.,
Ploverbai, 15 Ex.
Alle vorliegenden Exemplare sind an der Spitze stark
corrodirt; die grössten mögen eine Länge von 10 — 11mm
erreicht haben. Sie sind alle schlanker als es die Leche'sche
Abbildung zeigt, stimmen aber im Uebrigen so gut zu der
von Mörch a. a. O. gegebenen Diagnose, dass ich sie
höchstens als lokale Varietät von der zuerst bei Spitzbergen
gefundenen Hauptform absondern könnte. — Die Uncini
eines etwa 10 mm langen Exemplares sind 0,44 mm lang
und stimmen in ihrer Gestalt gut zu den von G. O. Sars
für die Zähne von B. cancellata Migh. = B. Sarsii Verril
gegebenen Figuren (1. c. Tab. VIII, Fig. 9). Ich fand diese
Aehnlichkeit bei Untersuchung eines von Tromsö her-
rührenden Exemplars der B. Sarsii bestätigt; dasselbe war
der Mollusken-Fauna des Beringsmeeres. 279
9 mm lang und hatte Uncini von 0,36 mm Länge. Bei
beiden Arten, wie auch bei der folgenden, entspricht einem
ähnlichen Bau der Zähne ein gemeinsamer Zug der Sculptur,
nämlich die vertieften Spiralfurchen, welche, namentlich auf
der letzten Windung, als fein eingeritzte Linien die Längs-
rippen durchschneiden.
Inzwischen habe ich mich noch von der Üeberein-
stimmung der vorliegenden Schnecke mit der von Herrn
H. Friele gelegentlich der norwegischen Nordmeerexpedition
gesammelten B. impressa Beck durch Vergleich der Exem-
plare überzeugen können. Die Figuren 1 — 2 auf Taf. VIII
imd Fig. 9 auf Taf. X (Friele, Nordhavsexpedition) geben
die Gestalt der Schale und Uncini auch unserer Schnecke
sehr genau wieder.
41. Bela incisula Verril.
Taf. XVm, Fig. 13.
B. incisula Verril, Marine Moll, of New. Engl. 1882, tab.XLIH, Fig. 12.
Fundort: St. Lorenzbai, 1 Ex.
Das vorliegende Exemplar (long. 7 mm, Q. ) stimmt bis
auf die etwas gedrungenere Gestalt sehr gut zu der oben
angeführten Abbildung und ausführlichen Beschreibung
Verrils; auch die Form der 0,19 mm langen Uncini zeigt
hinlängliche Uebereinstimmung mit der von Verril (1. c.
tab. LVII, Fig. 14) gegebenen Zeichnung.
4J2. Bela alaskensis Ball.
Taf. XVin, Fig. 5 und Fig. 17.
Mangelia ? alaskensis Dali, Americ. Joum. Conch., 1872, p. 98.
Fundorte: St. Lorenzbai, 1 Ex.,
Metschigmenbai, 5 Ex.,
Ploverbai, 2 Ex.
Herr Dali, dem wir eines unserer Exemplare zur
Bestimmung übersandt hatten, hatte die Güte, uns mitzu-
280 Arth. Krause: Ein Beitrag zur Kenntniss
theilen, dass diese Art in der Färbung von dunkelweinroth
bis weiss variire. Unsere Exemplare sind alle weisslich;
das grösste (Q) erreicht eine Länge von 15 mm und hat
0,21 mm lange gerade Üncini, deren Manubrium massig
gross ist. Der Deckel ist länglich, unten in einen kurzen
Stiel verschmälert.
43. Bela rugulata Troschel^ var. spitzbergensis Friele.
Taf. XYni, Fig. 14.
Friele, Nordhavs Expedition, tab. VII, Fig. 3 und 4.
Fundorte: St. Lorenzbai, 1 Ex.,
Nytschigane Point, 5 Ex.,
Ploverbai, 5 Ex.
Die vorliegende Schnecke ist, wie ich mich diesen
Sommer durch Vergleich der Exemplare überzeugen konnte,
sicherlich die von Friele aufgestellte Varietät der B. rugulata;
sie unterscheidet sich von der Hauptform der norwegischen
Küste durch etwas gedrungenere Gestalt und die schrägen
Rippen; ferner ist der Kiel sehr stark ausgeprägt und die
Windungen oberhalb desselben beinahe wagerecht abgesetzt.
Unsere Exemplare erreichen eine Länge von 14 mm und
haben 0,21 — 0,24 mm lange Uncini. Diese letzteren sind
sehr bemerkenswerth durch einen tiefen Ausschnitt in der
Mitte des Seitenrandes; Fig. 14 auf Taf. XVIII zeigt zwei
Uncini in verschiedener Stellung (vergl. auch Friele, 1. c,
tab. IX, Fig. 6). Die Gestalt und Sculptur der Schale
variirt ein wenig, doch selbst bei den extremsten Formen
waren die Uncini durchaus gleichgestaltet. Deswegen und
weil auch noch bei zwei anderen sogleich zu erwähnenden
Formen aus der Beringstrasse ein in ähnlicher Weise aus-
geschnittener Uncinus gefunden wird, glaubte ich zuerst
hierin einen wichtigen Gruppencharakter erkennen zu müssen;
doch spricht der Mangel an sonstigen gemeinsamen Merk-
malen dagegen.
In Figur 15 auf Tafel XVIII bilde ich die L^ncini zweier
Exemplare aus der Ploverbai ab, die höchst wahrscheinlich
der Mollusken-Fauna des Beringsmeeres. 281
von der eben beschriebenen Form artlich getrennt werden
müssen. In der Schale unterscheiden sie sich durch die
verlängerte Gestalt und die schwächer ausgeprägte Sculptur,
die im Uebrigen denselben Charakter zeigt; auch sind die
Windungen oberhalb des nur wenig hervortretenden Kieles
schräge abgesetzt, nicht wagerecht. Unterhalb des Kiel-
streifens finden sich auf der letzten Windung zwei stärkere
Spiralstreifen, die mit den Längsrippen (etwa 16 auf dem
letzten Umgang) regelmässige quadratische Felder bilden.
Bei beiden Exemplaren waren die Uncini unter sich
völlig übereinstimmend, von denen der vorigen Art da-
gegen, sowohl in ihrer ganzen Gestalt, als auch in der
Form und Lage des tiefen länglichen Ausschnittes durchaus
verschieden.
Die Länge der Schale beträgt 10, die der Uncini
0,20 mm.
44. Bela Lütkeana n. sp.
Taf. XVni, Fig. 6 und Fig. 16.
Diagu. Testa ovato-fusiformis, bnmnea, anfractibus circiter sex conta-
bulatis, supra juxta suturam vix angulatis. Superficies lineis spiralibus
numerosis et plicis longitudinalibus 18—20 parum prominulis , linea
longitudinali quasi dimidiatis, in anfractu ultimo caudam attingentibus
obducta. long. 12 mm, lat. 6 mm, alt. aperturae 5,5 mm.
Uncini lanceolati in quinta parte inferiore marginis interni profunde
rotundato-sinuati. long. 0,25 mm.
Fundort: St. Lorenzbai (Lütkehafen), 1 Ex.
Das einzige noch dazu nicht gut erhaltene Exemplar
hätte mich kaum zur Aufstellung einer neuen Art veran-
lasst, wenn es nicht von Interesse gewesen wäre, eine von
den beiden vorher beschriebenen Formen in der Sculptur
durchaus verschiedene Art kennen zu lernen, welche mit
ihnen das gemeinsame Kennzeichen des tiefen Ausschnittes
am inneren Zahnrande theilt. — In der Form und Sculptur
zeigt unsere Art eine oberflächliche Aehnlichkeit mit Pyrene
costulata Cantr. (G. O. Sars 1, c. tab. 23, Fig. 16).
Arcb. f. Xaturgesch. LI. Jahrg. 1. Bd. 19
282 Arth. Krause: Ein Beitrag zur Kenntniss
45. Volidopsis Beringi Midd.
Tritonium Beringi ISIidd., Beiträge II, p. 147, tab. III, Fig. 5—6.
Fundorte: Tumkan, ein defectes Gehäuse am Strande.
St. Lorenzbai, do. do.
Diese Art ist nach Dali, dem eine Zeichnung unserer
Exemplare vorgelegen hat, ausserordenthch veränderlich,
namentlich ist das Gewinde, wie es auch diese beiden Stücke
zeigen, bald kurz, bald thurmartig verlängert.
46. Pyrolofustis deformis Beere.
Fusus defonnis Reeve; Conch. icon., 1847, IV, tab. XII, Fig. 45a,b.
,, ., ., Leche, Nov. Seml. Moll., tab. 11, Fig. 26 a, b.
Tritonium deforme Middendorff, Beiträge II, p. 140.
Fundorte: St. Lorenzbai und Emmahafen, je ein
defectes Gehäuse.
Diese Art ist ebenso wie die vorige schon von Midden-
dorff aus dem Beringsmeer beschrieben worden ; sie ist ausser-
dem von Spitzbergen, dem Weissen Meer und dem Karischen
Meer bekannt.
47. Neptunea despecta L.
Bei der Unterscheidung der Varietäten dieser in den
circumpolaren Meeren überaus veränderlichen Art halte
ich mich vor allem an die sehr zutreffenden Beschreibungen
und Abbildungen bei Middendorff; nur möchte ich, wie
schon Middendorff" selbst angedeutet hat (vergl. seine var.
hybrida antiquaea), die beiden von ihm unterschiedenen
Arten Tritonium despectum L. und T. antiquum L. zu-
sammenziehen. Die Begrenzung der typischen Form und
der var. borealis Phil, geschieht in der Auffassung Frieles.
der Mollusken-Fauna des Beringsmeeres. 283
1) forma typica.
Fusus tornatus Gould, 1. c. p. 374, Fig. 641
,, ., ;, Leche, Novaja Seml. Moll., tab. 11, Fig. 28 a.
Tritonium despectum L. var. carinata Midd., Beiträge II, p. 136.
Neptunea despecta L. forma typica, G. 0. Sars, 1. c. tab. 14, Fig. 4 a.
., ,, ., ., „ Friele, Buccinidae, p. 9.
Fundort: Einmahafen, 10 — 15 Faden, 2 Ex.
Die vorliegenden Exemplare stimmen am besten zu
der oben citirten Abbildung bei Leche, die nach einem
fossilen Exemplar vom unteren Jenissey hergestellt ist; nur
sind sie noch gedrungener und durch den Besitz von
schwachen Spiral streifen ausgezeichnet. — Durch das
Schwächerwerden der Kiele, die nur noch auf den oberen
Windungen angedeutet sind, geht diese Varietät in eine
schwer zu charakterisirende Mittelform über, die in unserer
Sammlung durch ein Exemplar von derselben Lokalität
vertreten ist und die wohl der Middendorff'schen var.
antiquata oder seiner var. originalis des T. antiquum ent-
spricht; sie führt zu der folgenden Varietät über,
2) var. Beringiana Midd.
Tritonium antiquum L. var. Beringiana Midd., Beiträge 11, p. 131
tab. 11, Fig. 3—4 und tab. V, Fig. 1.
Buccinum saturum Martyn, Univ. Conch. editio Cheuu, tab. XV, Fig. 2.
Fundorte: St. Lorenzbai, 4 Ex., \
Emmahafen, 2 Ex., l 8 — 15 Faden.
Metschigmenbai, 1 Ex. juv. \
Dass auf das Vorhandensein oder Fehlen der Spiral-
streifen kein so grosses Gewicht zu legen ist, zeigt ein
50 mm langes Exemplar aus der St. Lorenzbai, welches
ganz genau zu der oben citirten Figur Middendorfis, tab. II,
Fig. 3, passt, aber deutlich gestreift ist. — Die anderen aus-
gewachsenen Exemplare stimmen etwas besser zu der Ab-
bildung, tab. V, Fig. 1, nur sind sie noch gedrungener und
19*
284 Arth. Krause: Ein Beitrag zur Kenntniss
bauchiger; ein sehr getreues Bild solcher Formen liefert
die oben citirte Abbildung bei Martyn, die nach einem
von Cooks Reisen mitgebrachten Exemplar angefertigt
worden ist. Unsere Exemplare erreichen eine Länge von
114 mm und eine grösste Breite von 82 mm. Kiele und
Höcker sind bei dieser Varietät nur schwach angedeutet,
die Windungen sind bald mehr bald weniger bauchig,
manchmal, namentlich bei den gedrungeren Formen unter-
halb der Naht etwas eingedrückt. Der stark verdickte und
weit nach aussen umgeschlagene Mundrand bildet beim
Fortwachsen der Schale auf der letzten Windung umgekehrt
S-förmig gekrümmte Lamellen, welche zuerst in weiteren
Zwischenräumen, je näher der Mündung aber, desto ge-
drängter stehen.
3) var. borealis Phil.
Neptunea despecta L, var. borealis Phil. Friele, Buccinidae, p. 9.
Fusus fornicatus Reeve.
Reeve, Concli. Icou. IV, 1847, tab. XVI, Fig. 63.
Leche, Nov. Semlia Moll., p. 66, tab. IL, Fig. 27.
Tritonium antiquum L. var. communis (obsoletior et insigiiior).
Middendorff, Beiträge II, p. 131, tab. V, Fig. 3—6 und
Reise, tab. VIII, Fig. 1—2, tab. IX, Fig. 1—2.
Fundorte: St. Lorenzbai, 5 ad. und 1 juv.,
Emmahafen, 1 ad. und 4 juv.,
St. Matthew-Insel, 1 ad.
Der sehr genauen Middendorfi'schen Beschreibung habe
ich kaum etwas hinzuzufügen. Bei einigen Exemplaren ist
der Kiel noch stärker hervortretend, als es seine Ab-
bildungen zeigen; bei allen ausgewachsenen Exemplaren
löst er sich, Avenigstens auf der letzten Windung, in Knoten
auf, so dass die Middendorff'sche var. sculptura enodi wohl
nur als Jugendzustand anzusehen ist.
Ein 100 mm grosses Exemplar von Emmahafen zeichnet
sich dadurch aus, dass die Windungen oberhalb des Kieles,
der sich auf der letzten Windung ebenfalls in hier ziemlich
der Mollusken-Fauna des Beringsmeeres. 285
dicht stehende Knoten auflöst, stark abgeplattet, sogar
vertieft sind; es entspricht also der var. angulato-carinata,
welche Middendorff lebend an der Küste des weissen Meeres
und subfossil in der Tundra des Taimirlandes beobachtete.
Die ganz jungen 10 — 14 mm langen Exemplare aus
der St. Lorenz bai stimmen gut zu der Abbildung bei
G- O. Sars, 1. c. tab. 14, Fig. 4c., sowie zu den Fig. 28b
und 28c, tab. II, bei Leche (Nov. Semlia Moll), während ein
anderes 33 mm messendes Exemplar von Emmahafen der
Fig. 27a ebendaselbst ganz genau gleicht; ebenso ist die
Uebereinstimmung mit jugendlichen Formen der Neptunea
despecta von Tromsö eine recht gute, nur bildet sich bei
den ersteren sehr bald ein Spiralstreifen als Kiel aus,
während bei den letzteren zwei oder drei solche angelegt
werden.
Die Radula zweier der eben erwähnten Jugendformen
aus der St. Lorenzbai von 10 und 14 mm Länge zeigte
drei Zähne auf der Mittelplatte und drei auf den Seiten-
platten.
Dass übrigens die Radula dieser Art sehr veränderlich
ist, hat Friele gezeigt (1. c. pag. 10); auch ich fand bei
zwei aus ein und demselben Eihaufen genommenen Em-
bryonen von 10 mm Länge, die von Tromsö stammen,
die Bezahnung durch die Formeln 3 — 4 — 3 und
3
-^ — 3 — 4 wiedergegeben.
48. Sipho roseus Dali.
Taf. XVII, Fig. 4 a und 4 b.
Clirysodomus roseus Dali, Proc. Cal. Acad., 1877, p. 2;
Dali , Explor. of Alaska, tab. ined., tab. III,
Fig. 5.
Fundort: St. Lorenzbai, 1 Ex., 8 Faden.
Nur mit grosser Unsicherheit beziehe ich vorliegende
Schnecke auf die obige Art. Im Ganzen stimmt zwar die
von Dali 1. c. gegebene Beschreibung und Abbildung auch
286 Art h. Krause: Ein Beitrag zur Kenntniss
auf unser Exemplar, nur ist das letztere etwas schlanker
(long. 27, lat. 12 mm); die Mündung ist innen röthlich
gefärbt ; die dünne Epidermis ist dicht und glatt anliegend
und von braunrother Farbe.
Nach dem Bau der Radula ist unsere Art in die Nähe
von Sipho latericeus Moll, zu stellen. Die Mittelplatte ist
sehr breit mit stark gebogenem Vorder- und Hinterrand
und hat drei gleichgrosse dreieckige Zähne; die Seiten-
platten haben ebenfalls drei ziemlich gleichgrosse Zähne.
Dali erhielt seinen Ch. roseus aus dem Eisme'er im
Norden der Berinofstrasse.
49, Siplio caUorJimus Dali.
Volutopsis callorhinus Dali, Proc. Cal. Acad., 1877, p. 2.
Strombella callorhinus Dali, tabulae ineditae (Dali, Expl. of
Alaska), lab. I, Fig. 3.
Fundort: Ploverbai, 1 Ex. ad. u. 2 juv.
Eine Zeichnung des ausgewachsenen 53 mm langen
Exemplars hatte Herrn Dali vorgelegen, der dieselbe als
zu obiger Art zugehörig bezeichnete. Die von ihm 1. c.
gegebene Diagnose lautet in der Uebersetzung folgender-
maassen: „Schale w^eiss, dick, glatt, mit schwachen Spuren
von Spirallinien; Gewinde spitz; Embryonalwindungen sehr
klein, nicht warzenförmig (mamillate), Naht deutlich, nicht
kanalartig; Kanal sehr kurz, weit, gerade; Mündung rund-
lich, Aussenlippe verdickt, auf der Rückenseite mit starken
Wellenfalten versehen; hinterer Winkel nicht spitz. Sieben
gleichmässig zunehmende, nicht bauchige Windungen."
Die von Dali gegebene Beschreibung und Abbildung
passen recht gut auch auf unser Exemplar; nur ist der
Kanal des letzteren nicht gerade, sondern ein wenig nach
hinten gekrümmt. Von den wenig ausgeprägten, etwas
welligen Spirallinien des letzten Umganges gehen 6 — 7 auf
einen Millimeter. Die Aussenlippe hat in der Nähe der
Naht eine flache Ausbuchtung, der entsprechend auch die
der Moliusken-Fauna des Beringsmeeres. 287
sehr dicht stehenden Anwachsstreifen eine Ausbiegung nach
rückwärts zeigen. — Die sehr dünne Epidermis ist hell-
gelbgrau gefärbt.
Ob die beiden jungen Exemplare mit Recht zu dieser
Art gezogen werden, lässt sich nach dem vorHegenden
Material noch nicht mit Sicherheit entscheiden. Das eine
von 15 mm Länge hat die Radulaformel 3 — 2 — 3.
während das andere von 6 mm Länge auf der Mittelplatte
drei Zähne aufweist, von denen jedoch ein Seitenzahn
immer nur unvollkommen ausgebildet ist.
Die Radula zeigt Aehnlichkeit mit der von Neptunea
virgata (Friele, 1. c. p. L3, tab. I, Fig. 21—25 und tab. VI,
Fig. 3 — 4); möglicherweise gehören daher die erwähnten
Jugend formen dieser Art an.
Dali hat Sipho callorhinus zuerst auf St. Paul gefunden
und neuerdings eine Varietät desselben, var. Stejnegeri,
von der Beringsinsel beschrieben (Proc. U. S. Nat. Mus.
1884, p. 346).
50. Sipho Martensi n. sp.
Taf. XVm, Fig. 18.
Diagn. Testa fusiformis, subcylindrica , solida, intus castanea, an-
fractibus 6 — 7, valde complanatis, dense spiraliter striatis , epidermide
fiiscata tectis, apertura obovata, dimidia testae inferiore, canali brevi,
paulo reflexo. — long. 38 mm, lat. 14 mm, long, apert. -f- can. 19 mm,
lat. apert. 8 mm, alt. anfr. ult. 27 mm.
Fundort: Metschigmenbai, 8 Faden; ein leeres Gehäuse.
Diese eigenthümliche Art, welche Herr Dali nach
gütiger brieflicher Mittheilung ebenfalls schon vor einigen
Jahren aus dem Eismeer im Norden der Beringstrasse,
sowie auch kürzlich von Point Barrow erhalten hat, ist
mit keiner der bekannten Formen zu vergleichen. Sie
wird namentlich durch die fast cylindrische Gestalt und
die abgeflachten, an der oberen Naht sogar concaven
Windungen charakterisirt. Die längliche Mündung ist
chokoladenbraun, die Epidermis braunroth. Ziemlich dichte
288 Art h. Krause: Ein Beitrag zur Kenntniss
Spirallinien (ungefähr 16 auf 5 mm) werden von gebogenen
Anwachsstreifen, die in der Nähe des nur wenig umgebogenen
aber scharfen Mundrandes als schwache Falten auftreten,
regelmässig gekreuzt. — Die obersten Windungen sind an
unserem Exemplar leider sehr corrodirt, so dass sich über
den Bau des Apex nichts sagen lässt; jedenfalls nehmen
die Windungen nach der Spitze zu sehr plötzlich ab.
Im Einverständnisse mit dem ersten Entdecker dieser
Species, Herrn Dali, habe ich dieselbe nach Herrn Prof.
von Martens benannt.
ol. Buccinum polare Gray.
B. polare Gray, Beechey's voyage p. 128.
„ ,, ., Stimpson, Reviev of northern Buccinum;
• Canadiau Natui-alist, 1865, p. 3G6.
„ ., „ Kobalt, Syst. Conch. Gab. Buccinum, p. 85,
tab. XCI, Fig. 4.
Fundorte: Nytschigane Point, 1 Ex.,
St. Lorenzbai, 3 Ex.
Buccinum polare Gray von Icy Cape im Norden der
Beringstrasse ist von den früheren Autoren grösstentheils
mit B. glaciale L. identificirt worden, doch wie Stimpson,
Verkrüzen und Kobelt an der Hand von Originalexemplaren
gezeigt haben, mit Unrecht. Eher lässt sich bei einigen
der vorliegenden Formen, wie auch von Kobelt (1. c. p. 48)
bemerkt worden ist, ein Uebergang zu B. grönlandicum
Chemn. erkennen. — Herr Dali, der die Güte hatte, einige
Zeichnungen unserer Buccinumarten kritisch zu durch-
mustern, möchte die zu dieser und zu den beiden folgenden
Arten gerechneten Exemplare unter dem einen Artnamen
B. polare Gray vereinigt wissen. In der That finden sich
auch selbst in unserem keineswegs reichen Material die
besten Stützen für seine Ansicht, und ich folge nur Zweck-
mässigkeitsgründen, wenn ich die drei Formen als getrennte
Arten aufführe. — Die von mir zu der obenstehenden
Art resp. Varietät gerechneten Exemplare stimmen recht
der Mollusken-Fauna des Beringsmeeres. 289
gut zu der von Kobelt nach einem Stimpson'schen Original-
exemplar gegebenen Zeichnung. Charakteristisch ist vor
Allem das Auftreten von zwei Spiralkielen, die dort, wo
sie die Querfalten treffen, mehr oder weniger deutliche
Höcker bilden. Ausser den Hauptkielen finden sich noch
einige schwächere darunter an der Bauch windung. Durch
das Schwächerwerden der Kielstreifen geht die Art in die
folgende über.
52. Buccinum Tottenii Stimpson.
B. Tottenii Stimpson, Rev. north. Bucc, p. 385.
,, „ Kobelt, Syst. Conch. Gab. Bucc, p. 34, tab. LXXX,
Fig. 3—4.
B. terrae novae var. a. Mörch; Leche, Nov. Semlia Hafsmollusker,
p. 61, tab. II, Fig. 30 a— b.
Fundorte: St. Lorenzbai, 6 Ex.,
Ploverbai, 3 Ex.
Der ausgezeichneten Auseinandersetzung über diese
Art bei Kobelt habe ich nichts Wesentliches hinzuzufügen ;
das grösste der vorliegenden Exemplare (long. 44, lat. 27 mm)
passt recht gut zu den oben citirten Figuren, doch ist es
etwas bauchiger als die von Kobelt gegebene es anzeigt.
Ein schwacher Kielstreifen bewirkt eine leichte Schulterung
der Windungen. — Junge Exemplare, selbst solche von
19 mm Länge, zeigen mitunter noch keine Spur von Kiel;
gewöhnlich sind sie mit einem dichten Filz von Haaren
bedeckt, die sich dort erheben, wo die Spirallinien von
den Anwachslinien gekreuzt werden; von Buccinum ciliatum
Fabr. unterscheiden sie sich hauptsächlich durch ihre bau-
chigere Gestalt und die geringe Anzahl der Umgänge.
Die Zahnformel der Radula entspricht bei sieben unter-
suchten jüngeren Exemplaren dem von Friele für B. grön-
landicum aufgestellten Typus. Ich fand bei
2 Ex. von 17 u. 15 nmi Länge die Formel 3 — 5 — 3,
3 „ „ 9, 19u. 24 „ „ „ „ 3-4-3,
2 „ „ 9 u. 16 „ „ „ „3— 3— 3.
290 Arth. Krause: Ein Beitrag zur Kenntniss
Die einzelnen Glieder waren sehr regelmässig; nur
selten war der mittlere Zahn einer Seitenplatte an der
Spitze gespalten; bei einem Exemplar traten zu den vier
Zähnen der mittleren Platte in den jüngeren Gliedern
noch ein fünfter und sechster Seitenzahn hinzu.
Stimpson hat seine Art nach Exemplaren von Neu-
fundland aufgestellt.
53. Buccinum terrae novae Beck.
B. terrae novae Beck; Mörch, Moll, du Spitzbergen, p. 14.
„ „ „ ,, Friele, Buccinidae, p. 33, tab, HI, Fig. 13
bis 15.
„ „ „ „ Kobelt, Sj'St. Conch. Gab. Buccinum, p. 47,
tab. LXXXm, Fig. 3—4.
Fundort: Ploverbai, 1 Ex.
Wie zur vorigen Art finden sich auch zu dieser auf
den ersten Blick sehr abweichenden Form Uebergänge von
dem typischen B. polare Gray. Der Hauptcharaktcr dieser
Art liegt in der starken Schulterung der Windungen durch
den obersten Kielstreifen und in dem Verschwinden der
Querfalten auf den letzten Windungen. — Unser Exemplar
(long. 58, lat. 40 mm) ist etwas gedrungener als es die
Friele'schen Figuren erkennen lassen, durch die es im
Uebrigen sehr gut wiedergegeben wird.
Das typische B. terrae novae ist nach Kobelt bis jetzt
nur von Spitzbergen bekannt.
54. Buccinum tenue Gray.
Beechey's voyage 1839, p. 128, tab. XXXVI, Fig. 19.
Middendoi-ff , Beiträge II, pag. 172, tab. VI, Fig. 5 und 6.
B. scalariforme (Beck) Möller, Ind. Moll. Grönl. 1842, p. 84.
„ „ „ Kobelt, Syst. Conch. Gab. Bucciniun, p. 39
tab. LXXXI, Fig. 4—7.
Fundorte: Ploverbai, 3 Ex.,
St. Lorenzbai, 1 Ex.,
Metschigmenbai, 1 Ex.
der Mollusken-Fauna des Beringsmeeres. 291
Die äussere Gestalt wechselt sehr von solchen mit
langansgezogenem Gewinde (var. elatior Midd., B. scalari-
forme Beck) zu anderen von sehr gedrungener Gestalt; die
charakteristischen Querfalten sind bei einigen sehr stark
ausgeprägt, bei anderen kaum angedeutet. Ein Exemplar
aus der Ploverbai (forma elatior) hat die ungewöhnliche
Länge von 71 mm.
Bei einem jungen 7 mm langen Exemplar war die
Formel der Radula 3 — 5 — 3 ; der Bau der einzelnen
Glieder war sehr"gleichmässig.
55. Buccimim tenellum Dali.
Kobelt, Syst. Conch. Gab. Buccinum, p. 88, tab. XCI, Fig. 8.
Fundorte: St. Lorenzbai, 1 Ex.,
Ploverbai, 2 Ex.
Diese Art scheint der vorigen sehr nahe zu stehen;
in der Gestalt und Beschaffenheit der dünnen röthüch
gefärbten Schale stimmt sie mit ihr überein. Die Quer-
falten treten nur als Höcker am oberen Saum der Win-
dungen auf. Sehr charakteristisch ist die Sculptur, welche
aus sehr feinen Spirallinien besteht, von denen immer eine
stärkere mit 3 oder 4 schwächeren abwechselt ; auf 1 mm
kommen ungefähr 11 Linien. Die Spindel zeigt eine
deutliche Falte. — Die Radula des grössten 21 mm langen
Exemplars zeigt die Formel 3 — 3 — 3 und ist von sehr
regelmässigem Bau.
Herr Dali, dem eine Zeichnung eines unserer Exemplare
vorgelegen hatte, die auch die charakteristische Sculptur
zur Anschauung brachte, bezeichnet dieselbe als seinem
Originalexemplar aus dem Beringsmeer fast genau ent-
sprechend.
292 Arth. Krause: Ein Beitrag zur Kenntniss
56. Buccimim glaciale L.
Middendorff, Beiträge, II, p. 168.
Leche, Novaia Semlia Hafsmollusker, p. 65.
Friele, Buccinidae, p. 34.
Kobelt, Syst. C'onch. Cab. Buccinum, p. 23, tab. LXXVI, Fig. 1
bis 3; tab. XCII, Fig. 2.
Fundort: Ploverbai, 2 Ex. ad. und 2 juv.
Die ausgewachsenen Exemplare haben eine Länge
von 70 mm; der äussere Mundsaum ist stark schwielig
verdickt und nach aussen umgeschlagen. In der Sculptur
zeigen sich ziemlich bedeutende Verschiedenheiten, indem
die bandartigen Rippen bald mehr bald weniger verbreitert
sind. Das eine Exemplar stimmt auf das genaueste zu
den von Kobelt 1. c. auf Tafel LXXVI gegebenen Fig. 2
und 3, während das andere der Fig. 1 ebendaselbst sehr
nahe kommt.
57. Buccinum Stimpsoni Gould.
B. Stimpsoni Gould, Otia, p. 122.
„ „ Kobelt, Syst. Conch. Cab. Buccinum, p. 88, tab.
XCII, Fig. 3.
Fundort: Ploverbai.
Zwei nicht völlig ausgewachsene Exemplare (long. 43 mm,
lat. 27 mm) möchte ich vorläufig zu dieser Art stellen, ob-
gleich sie möglicherweise nur eine Form der vorigen Art
darstellen. — Sie unterscheiden sich auf den ersten Blick
durch ihre graue, nicht gelblich gefärbte Epidermis und
die bräunliche Färbung der Mündung. Die Spiralbänder
sind nicht flach, von rechteckigem Querschnitt, wie bei
der vorigen Art, sondern gewölbt und auf der Wölbung
mit sehr feinen Spirallinien (5 — 8) versehen; die Anwachs-
Imien sind sehr regelmässig und namentlich auf der Wölbung
der Spiralbänder stark ausgebildet, w^ährend sie in den
zwischenlieffenden Furchen fast verschwinden. — Gould
hat seine Exemplare ebenfalls von der Küste der Tscbuk-
tschenhalbinsel erhalten.
der Mollusken- Fauna des Beringsmeeres. 293
58. Volutharpa ampullacea Midd.
Bullia ampullacea MiddendorfF, Reise, p. 237, tab. XVII, Fig. 1—3.
Volutharpa ampullacea; Kobelt, Syst. Conch. Gab. Buccinum, p. 96,
tab. XCin, Fig. 7—8.
Tritonium ampullaceum; Schrenck, 1. c. p. 437.
Fundort: Lorenzbai, 1 Ex.
Eine leere Schale von 25 mm Länge wurde mit der
Dredge heraufgezogen. Middendorjßf's Exemplare stammen
aus dem Ochotzkischen Meere. Nach Schrenck 1. c. ist
die Art auch von Sitka, Kadjak (= Kodiak) und Hako-
date bekannt. Dali fand sie weit verbreitet im Beringsmeer.
59. Cylichna alba Brown.
G. 0. Sars, 1. c. p. 283, tab. 17, Fig. 15-16.
Leche, Nov. Semlia Hafsmollusker, p. 72.
Fundorte: Lorenzbai, 10 Ex.,
Nytschigane Point, 5 Ex.,
Ploverbai, zahlreich,
Aleuten, nördlich vom Akutan-Pass, 4 Ex.
Die Farbe der Epidermis variirt von gelblichweiss
bis dunkelbraun; das grösste Exemplar erreicht eine Länge
von 16 mm. Unter der Lupe sieht man auf der Schale
eine feine etwas wellige Spiralstreifung, die übrigens
auch bei norwegischen Exemplaren dieser Art nicht
vermisst wird. — Radula und Kauplatten wie bei dem
norwegischen Vorkommen.
Jeffreys erwähnt das Vorkommen dieser Art in den
japanischen Meeren; auch Herr Dr. Hilgendorf hat sie
in zahlreichen Exemplaren in der Bai von Hakodate
gesammelt.
60. Cylichna striata Brown.
Jeffreys, Ann. and. Mag. Nat. Hist. 1877, p. 492.
C. propinqua M. Sars; G. 0. Sars, 1. c. p. 284, tab. 18, Fig. 5
(vergl. ebenda Anm. p. 14).
Cjlichna reinhardti Mörch; Leche, Nov. Seml. Moll., p. 73,
tab. I, Fig. 21.
294 Arth. Krause: Ein Beitrag zur Kenntniss
Fundorte: Nytschigane Point, zahlreich,
Ploverbai, zahlreich,
St. Lorenzbai, 13 Ex.
Aehnlich wie bei C. alba Brown ist auch bei dieser
Art die dünne Epidermis bald weisslich bald braun gefärbt,
und zwar finden sich beide Farbenvarietäten an denselben
Orten. Unsere grössten Exemplare erreichen eine Länge
von 10 mm. Leclie unterscheidet C. reinhardti Mörch und
C. scalpta Reeve, welche Jeffreys vereinigt, als besondere
Arten. Nach den von ihm gegebenen Figuren (1. c. Fig. 21
und 22) zu urtheilen, müsste die Form aus dem Berings-
meer C. reinhardti Mörch sein, während die norwegische
Schnecke, C. propinqua Sars, zu C. scalpta Reeve gezogen
werden müsste. — Radula und Kauplatten ebenfalls von
der gewöhnlichen Form.
61. Diaphana globosa Loven.
G. 0. Sars. 1. c. p. 290, tab. 18, Fig. 4.
D. hiemalis Gould, 1. c. p. 216, Fig. 506.
Fundorte: Nytschigane Point, 1 Ex.,
Ploverbai, 1 Ex.
Es wurden nur zwei leere Schalen gefunden, die in
jeder Hinsicht zu der oben citirten Figur bei Sars passen.
62. Utriculus obtusus Moni.
G. 0. Sars, 1. c. p. 349, tab. 34, Fig. 10.
Fundorte: St. Matthews-Insel, 1 Ex.,
Ploverbai, 5 Ex.
Die vorliegenden Exemplare stimmen in der Gestalt
und Beschaffenheit der mit einer dünnen gelblichen Epi-
dermis bedeckten Schale gut zu der von Sars (1. c.) be-
schriebenen Species; sie unterscheiden sich nur durch ihre
beträchtliche Grösse — bis 6,5 mm — und durch das ganz
flache Gewinde.
der Mollusken-Fauna des Beringsmeeres. 295
63. Utriculus XKrtenuis Migli.
G. 0. Sars, 1. c. p. 287, tab. 17, Fig. 19.
Gould, 1. c. p. 218, Fig. 509.
Fundorte: St. Lorenzbai, 2 Ex.,
Ploverbai, 11 Ex.,
Aleuten, nördlich vom Akutan-Pass, 6 Ex.
Am häufigsten ist eine 2 — 3 mm lange Form, welche
sehr wohl zu der von Sars und Gould beschriebenen
Schnecke passt; einige Exemplare scheinen einen Ueber-
gang zu U. Gouldii (Gould, 1. c. p. 217, Fig. 508) anzu-
deuten, da sie Spuren von Spiralstreifung aufweisen. —
Die beiden grossen Exemplare aus der St. Lorenzbai
(long. 4,5 mm) unterscheiden sich durch ihre gestreckte
Gestalt und das mehr hervorgezogene Gewinde, und möchten
daher wohl zu der var. turrita Möller (G. O. Sars, 1. c. p. 288,
tab. 17, Fig. 20) zu rechnen sein.
64. Dendronotus arhorescens Müll.
Alder et Hancock, Nudibranchia, Farn. 3, tab. III und tab.
XL VII, Fig. 2.
G. 0. Sars, 1. c. p. 314, tab. XV, Fig. 3.
Meyer und Möbius, Fauna der Kieler Bucht, p. 43.
Bergh, Proc. Philad. Akad. 1879, pag. 92.
Fundorte: Ploverbai, 1 Ex.,
St. Lorenzinsel, 1 Ex.
Das grössere Exemplar von der St. Lorenzinsel misst
(als Spiritusexemplar) 30 mm in der Länge. Die Zungen
beider Individuen wurden mit den von oben genannten
Autoren gegebenen Zeichnungen genau übereinstimmend
gefunden. Die jüngeren Glieder nehmen ziemlich rasch
an Breite zu; die Anzahl der Uncini betrug bei dem
kleineren Eyemplar 10, bei dem grösseren 13.
Diese im nördlichen Eismeer von Grönland bis Novaia
Semlia (Leche, 1. c. p. 76) bekannte Art ist somit auch
als circumpolar nachgewiesen.
296 Art h. Krause: Ein Beitrag zur Kenntniss
65. Aeolis (Cratena) nana A. et H.
Alder et Hancock, Kudibranchia, Farn. 3, tab. XXV und
tab. XL VII, Fig. 17.
G. 0. Sars, 1. c, tab. XVI, Fig. 9.
Fundort: St. Lorenzbai, 1 Ex.
So misslich es auch ist, eine Aeolis-Art nach einem
Spiritus-Exemplar bestimmen zu wollen, glaube ich doch,
gestützt auf die vollständige Uebereinstimmung der Kadula
und des Kiefers mit den oben erwähnten Abbildungen, in
unserem etwa 10 mm langen Exemplar die obige Species
erkennen zu müssen. — C. nana ist ausserdem nur noch
von der britischen und norwegischen Küste bekannt.
66. Aäalaria tschuktschica n. sjy.
Tab. X\TI, Fig. 5.
Adalaria; Bergh, Proceed. PMlad. Akad. 1880, p. 83 u. Archiv für
Naturgescb., 1879, p. 360.
Diagn. A. forma corporis sat elevata, colore imiformiter pallide
flavescenti, papillis dorsalibus cylindricis; spiculis calcareis, forma solita
in genere, in pallio et in papillis frequentissimis. — Long, speciminis
alkoholici 22 mm, alt. 9 mm, lat. 10 mm.
Lamellae radulae medianae rudimentäres, forma rectangulari ; late-
rales internae magnae, hämo antice denticulato instructae, externae
minimae, applanatae, forma irregulari. Form. rad. 7 — 1 — 1 — 1 — 7.
Fundort: Metschigmenbai, 1 Ex.
Die Farbe unseres Spiritusexemplars ist gleichmässig
hell gelblich, der Körper ist ziemlich hoch gewölbt; der
Fuss ist breit, hinten abgerundet, vorn verschmälert; der
Kopf ist halbkreisförmig erweitert ohne erkennbare Ten-
takeln. Der Mantel bedeckt den ganzen Körper und ist
überall, mit Ausnahme einer kahlen Stelle hinter dem
Rhinophor, mit nicht sehr dicht stehenden, cylindrischen,
bis 2 mm langen Papillen besetzt. Mantelhaut und Papillen
enthalten zahlreiche, langgestreckte, in der Mitte knotig
angeschwollene Kalknadeln; ähnliche nur etwas kleinere
der MolluskeD-FauDa des BeriDgsmeeres. 297
Nadeln finden sich in den Blättern des Rliinophors. —
Die Verbindung zwischen Saugkropf und Schlundkopf ist
kurz und breit; die Lippenränder sind stark cuticularisirt.
aber ohne besondere Bewaffnung (Kiefer). — Die Radula
ist 1, mm lang, 0,4 mm breit und besteht aus 39 Gliedern;
sie zeigt den rudimentären Rhachiszahn der Gattung
Adalaria; Form und Stellung der Seitenzähne ist dagegen
abweichend und mehr wie bei Akanthodoris Bgh. Für
die Art characteristisch ist vor Allem, dass der erste
Seitenzahn an der vorderen Seite des Hakens mit 5 — 8
kleinen Zähnchen versehen ist. Von den Adalarien des
Beringsmeeres, die Dali gesammelt und Bergh beschrieben
hat, hat nur A. albopapillosa am Grunde des Hakens auf
dessen Innenseite einige Zähnchen. Die acht Randplatten
dieser letzteren Art sind wie bei der typischen Form; bei
der neuen Art sind nur 7 unregelmässig geformte Rand-
platten, die nach aussen an Grösse abnehmen.
IT. Pteropoda.
1. Limacina pacifica Dali.
Dali, Americ. Joiirn. Conch. 1872, p. 138.
Fundort: Aleuten, nördlich vom Akutan-Pass, zahlreich.
Die Art steht der bekannten Limacina helicina Phipps
= L. arctica Fabr. sehr nahe, unterscheidet sich aber von
dieser, wie Dali gefunden und wie ich es nach unseren
Exemplaren bestätigen kann, durch eine grössere Anzahl
von Windungen und durch das Fehlen eines Deckels,
sowie durch eine etwas abweichende Gestalt der Flossen.
Middendorfi" fand eine Limacina, die er für L. arctica
Fabr. ansah, im Ochotzkischen Meer; Dali sammelte seine
Exemplare im Süden der Halbinsel Alaska.
Arch. f. Naturgesch. LI. Jahrg. 1. Bd. 20
298 Arth. Krause: Ein Beitrag zur Kenntniss
2. Clione Umacina PMjjps.
Taf. XVni, Fig. 19b — d.
G. 0. Sars, 1. c. p. 332, tab. 29, Fig. 4 u. tab. XVI, Fig. 21.
Clio borealis Middeudorff, Beiträge, U, p. 183.
Fundort: Aleuten, nördlich vom Akutan-Pass, zahlreich.
Die grössten unserer Spiritnsexemplare sind 10 mm lang.
In der Radula zweier Ex. fand ich 9 resp. 10 Seitenzähne,
Sars beobachtete deren 8 und Loven gar 12. — Die Augen,
Tentakeln und Mundpapillen finde ich bei dem vorliegenden
Thiere so, wie sie von Sars und Eschricht dargestellt worden
sind. — Die Abbildung des sogenannten Kiefers bei Eschricht
(Anatom. Untersuchungen über Clione borealis, Tab. III,
Fig. 20, copirt bei Troschel : Gebiss der Schnecken, Taf. III,
Fig. 7) giebt kein richtiges Bild dieses Organs; daher bilde
ich es in Fig. 19b — d auf Tafel XVIII noch einmal ab, und
zwar in 19b in seiner natürlichen Lage, umgeben von
einem dicken Hohlmuskel, der durch Behandlung mit Kali-
lauge durchscheinend gemacht ist; Fig. 19c zeigt einen Theil
einer in den Hohlmuskel eingestülpten wohl sackartigen Haut,
deren Innenwand vorn mit kürzeren und hinten mit längeren,
an der Spitze hakenförmig umgebogenen Dornen besetzt ist.
Dieselben bestehen nicht aus Chitin, denn beim Kochen
mit Kalilauge sind sie ziemlich leicht löslich, wogegen die
Haut (Fig. 19d), an der sie festsitzen, sehr resistent ist.*)
3. Clione Dalli n. sp.
Taf. XVni, Fig. 19 a.
Fundort: Aleuten, nördlich vom Akutan-Pass, 7 Ex.
Diese Art unterscheidet sich von der vorigen im
lebenden Zustande auf den ersten Blick durch die Färbung,
*) Die Analogie des eben beschriebenen Organs mit den hervor-
stülpbaren Hakensäckchen der Pueumodermeu scheint danach deutlicher
hervorzutreten; beide wären dann als eigeuthümliche Greiforgane auf-
zufassen, die mit den eigentlichen Kiefern nichts zu thim haben.
(Vergl. darüber Troschel 1. c. p. 54 — 58 und Mörch, Ann. Mag. Nat.
Hist. 1865 p. 3.)
der Mollusken-Faima des BeriDgsmeeres. 299
da der Eingeweidesack carminroth durchschimmert. Der
Körper ist gedrungener und endet hinten stumpf kegel-
förmig, während er bei der vorigen in eine lang zugespitzte,
von oben nach unten zusammengedrückte und halb durch-
sichtige Flosse verlängert ist. Kopf, Hals und Flossen
sind bei den in Spiritus aufbewahrten Exemplaren der
neuen Art fast ganz in den weichen Hinterleib hinein-
gestülpt und zwar erfolgt diese Einstülpung an einer Stelle
gleich unterhalb des Halses, die auch beim lebenden Thier
durch einen deutlichen ringförmigen Hautwulst ausgezeichnet
ist. In der Mitte des Körpers und am Ende desselben
finden sich zwei Wimperkränze, gerade an derselben Stelle, wo
sie Eschscholtz für seinen Trichocyclus Dumerili (Isis 1825,
Tab. V, Fig. 4, copirt in: Woodward, Manual, Tab. XIV,
Fig. 48) aus der Südsee zeichnet.
Bei dieser letzteren Species ist der Kopf, nach der
eben erwähnten Abbildung zu urtheilen, rüsselartig ver-
längert und mit einem dritten Wimperkranz versehen; bei
der vorliegenden ist er dagegen ganz wie bei Clione lima-
cina gestaltet. Die Mundpapillen sind flach und kurz, die
Tentakeln habe ich nicht beobachtet, doch habe ich sie
wohl nur übersehen. Die beiden Augengruben (Eschricht)
im Nacken, die Flossen und die beiden kleinen Lappen
an der Unterseite des Halses sind ähnlich wie bei voriger
Art. Sehr charakteristisch ist ferner noch das Vorhanden-
sein der von Gegenbaur bei Pneumodermon (Pteropoda
und Heteropoda, Leipzig 1855, p. 75) ausführlich be-
schriebenen grossen Hautdrüsen, welche namentlich unter-
halb des Halses dicht gedrängt stehen und schon dem
blossen Auge als weissliche Blasen sichtbar sind. —
Unsere Thiere sind im zusammengezogenen Zustande
5 — 6 mm lang; Zunge und Greiforgane gleichen denen von
Clione limacina (cfr. G. O. Sars, 1. c. Tab. XVI, Fig. 21),
nur ist die Anzahl der Uncini eine grössere, nämlich bei
zwei untersuchten Exemplaren 13 und 15.
Ich bezog die besprochene Art zuerst auf Gl.
20*
300 Arth. Krause: Ein Beitrag zur Keuutniss
elegantissima Dali (Americ. Journ, Conch. 1872, p. 139),
welche südlich der Halbinsel Alaska (lat. 51^ 50 ^ long.
161'^ 26' w. von Gr.) gesammelt wurde. Für diese Ansicht
sprachen die Uebereinstimmung in Färbung und Körper-
gestalt, sowie der Fundort; dagegen spricht aber, dass
Dali nichts von den beiden Wimperkreisen erwähnt, die
zumal an dem lebenden Thiere recht auffallend sind.
Im Stillen Ocean (ungefähr lat. 40 '/^S long. 143 o w.)
sammelten wir auch vereinzelte Exemplare einer Hyalaea
— sehr wahrscheinlich H. tridentata Lam. — , welche bei
ruhiger See mit flügelartigen Bewegungen der Flossen
lebhaft an der Ol^erfläche herumschwammen. Bei irgend
welcher Störung tauchten die Thiere schnell in die Tiefe.
Eine Phyllirrhoe, die ich nach einer vom lebenden
Thier genommenen Abbildung mit Eurydice (Phyllirrhoe)
Lichtensteinii Eschscholtz (Isis 1825, p. 737, Tab. V, Fig. 6)
identificiren möchte, wurde in noch südlicheren Breiten
(lat. 3ö^, long. 135° w.) gesammelt. Das Thier schwimmt
im Wasser durch schlängelnde Bewegung des ganzen
Körpers.
Erklärung der Tafel u.
Tafel m.
Fig. 1 a— c. Portlandia Dalli nov. sp.
,, 2 a — c. Leda i)ernula Müll. var. radiata n. ; a. und b. '/i, c. 7i-
„ 3 a— c. Modiolaria discors Forb. et Haul. ; b. und c. Embryonen,
80 mal vergrössert.
„ 4. Cardita borealis Conrad, var. crebricostata u. Vi.
„ 5. Cardita borealis Conrad, var. paucicostata n. Vi
„ 6 a— d. Tellimya planata Dali.
„ 7. Anatina aleutica n. sp. NB. Im Text (p. 38) fehlt der Hin-
weis auf die Figiii'.
der Molluskeu-Faima des Beringsraeeres. 301
Tafel XVI.
Fig. 1 a— c. Crj-ptobranchia alba Dali. Zwei Segmente der Radiila,
a. imd c. von oben, b. von der Seite gesehen ; bei c. sind die
mittleren Zähne abgefallen; a— c. 110 X.
„ 2 a— b. Margarita Frielei n. sp. ; a. Schale Va ; b. zwei Segmente der
Radula 175 X ; c. ein äusserer Uncinus stärker vergrösseit.
., 3. Trichotropis Kroyeri Phil. Zwei Segmente der Radula, 75 X.
„ 4 a— b. Trichotropis coronata Gould ; a. Schale Vi ? b. ein Segment
der Radula, 260 x.
Tafel XVII.
Fig. 1. Cmgula robusta Dali, Vi ; a. schlanke, b. gedrungene Form.
„ 2 a— c. Turritella erosa Couth. ; a. adult., b, juv., c. monstr. ; a— c.
260 X.
„ 3. Turritella reticulata Migh., 200 X, a. rudim. Uuc.
„ 4 a— b. Sipho roseus Dali; a. Schale Vi? b. zwei Segmente der Ra-
dula, 160 X, c. operculiun Vi-
., 5. Adalaria tschuktschica n. sp. Theile der Radula, 130 x.
Tafel XV.
Fig. 1. Schale von Bela Schmidti Frieie, 'i.
,, 2, „ „ „ metschigmeusis n. sp., - \.
„ 3. 5, „ „ Albrechti n. sp., -^/i.
„ 4. „ „ „ violacea Ad. et Migh. var. nodulosa u., V,.
„ 5. „ „ „ alaskensis Dali, Vi.
„ 6. ,, „ „ Lütkeana u. sp., 2/1 •
„ 7. Uncinus von Bela Schmidti Frieie, 30 x .
„ 8. „ „ „ tenuilirata Dali, 260 x.
„ 9. „ „ „ Murdochiana Dali, 175 x.
,, 10. ,, „ „ metschigmeusis n. sp., 175 X.
„ 11. „ „ „ Albrechti n. sp., 175 X.
„ 12. „ „ „ violacea Ad. et Migh. var nodulosa
n., 160 X.
y, 13. „ „ „ incisula Verril, 175 X.
„ 14. „ „ „ rugulata Troschel, var. spitzbergensis
Frieie, 130 X.
„ 15. „ „ „ rugulata Tr. var.? 130 X.
„ 16. „ „ „ Lütkeana n. sp., 130 X.
„ 17. „ „ „ alaskensis Dali, 130 X.
„ 18. Sipho Martensi u. sp.. Vi-
30'2 Arth. Krause: Ein Beitrag zur Keuutuiss der Molluskeu-Fauua etc.
Fig. 19 a. Clioue Dalli n. sp. -»/i-
„ 19 b — d. Clione limacina Phipps; b. und c. das Greiforgan, c. frei
herauspräparirt, '^"/i, b. in natürlicher Lage nach Behandlung
mit verdünnter Kalilauge, 'Vi? ^- sackartige Membran, wie
sie nach anhaltendem Kochen mit Kalilauge ernalteu wird, '-'Yi.
Inhalt des ersten Bandes.
Seite
Zur Kenntniss des Genus Augiostomum von Dr. v. Linstow
(Hierzu Taf. I u. IL) 1
Ein Beitrag zur Kenntniss der Mollusken -Fauna des Berings-Meeres
von Arth. Krause. (Hierzu Taf. HI und XVI bis XVIII.) 14 und 256
Ueber eine Kollektion von Amphibien und Reptilien aus Südost-
Borneo von Dr. J. G. Fischer. (Hierzu Taf. IV u. V.) . . 41
Seeigel von Japan und den Liu - Kiu- Inseln von Dr. Ludwig
Döderlein 73
Beiträge zur Kenntniss des Rhyuchotenrüssels von Hermann
Wedde. (Hierzu Taf. VI u.m) 113
Beitrag zur Chrysomelideu- und Coccinellideu - Fauna Portoricos
von J. Weise. (Hierzu Taf. VHI.) 144
Metamorphose und Anatomie des männlichen Aspidiotus Nerii
von Oscar Schmidt. (Hierzu Taf. LX u. X.) 169
Beitrag zur Kenntniss der postembrj'onalen Entwickelung der
Najadeu von Dr. Ferdinand Schmidt. (Hierzu Taf. XI
u. XII.) 201
Beobachtungen an bekannten und neuen Nematoden und Trema-
toden von Dr. v. L in stow. (Hierzu Taf. XIII bis XV.) . . 235
Tafl.
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